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Timestamp: 2019-08-19 20:24:39+00:00

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Nur Licht und Farben? Betrachtungen zu den Objekten des ...
Nur Licht und Farben? Betrachtungen zu den Objekten des unmittelbaren Sehens in Berkeleys Theorie des Sehens
von Julius Sieboldt (Autor)
2. Das Sehen von Distanz und Größe
2.1 Das Sehen von Distanz mithilfe von Geometrie
2.2 Das Sehen von Entfernung in Berkeleys Theorie des Sehens
3. Das Objekt des unmittelbaren Sehens
3.1 Die Objekte des Seh- und Tastsinns – eine erste Unterscheidung
3.2 Das Objekt des unmittelbaren Sehens – 2D-Layout und begrenzte Figuren
3.3 Das Objekt des unmittelbaren Sehens – Licht, Farben und Unbegrenztheit
„All das, was mit dem Sehvermögen eigentlich wahrgenommen wird, läuft auf nichts anderes hinaus als auf Farben mit ihren Variationen und verschiedenen Verhältnissen von Licht und Schatten.“
(Berkeley, Versuch über eine neue Theorie des Sehens, §156)
Im Jahr 1709 schreibt der 24 jährige irische Philosoph George Berkeley (1685-1753) ein Werk mit dem Namen „An Essay Towards a New Theory of Vision“.
Es stellt die in der Antike begründete und in der modernen Wahrnehmungslehre fortgeführte Vorstellung des Sehsinns, als den anderen Sinnen überlegen, in Frage.Der Tastsinn sei es, welchem der Vorrang gebührte. Das Sehen ist ihm nachgestellt.So wird laut Berkeley z.B. die Entfernung von Objekten nicht unmittelbar gesehen. Sie wird lediglich durch gewisse Erscheinungen visuell suggeriert. In Wirklichkeit nehmen wir Distanz nur über unseren Tastsinn wahr.
Es ist eine radikale These, die den Erkenntnissen der Optik zur Zeit Berkeleys widerspricht, welche ein unmittelbares visuelles Wahrnehmen von Entfernung mittels geometrischer Operationen im Sehen annimmt.
Und Berkeley geht an manchen Stellen seines Werkes noch weiter. So will er nicht nur die Distanzwahrnehmung vollständig auf unseren Tastsinn verlegen, sondern scheint an manchen Stellen sogar von einer gänzlichen Unmöglichkeit von Geometrie in unserem unmittelbaren Sehen und einer vollständigen Raumlosigkeit desselben zu sprechen. Andere Passagen jedoch scheinen wiederum eher auf eine räumliche, zumindest zweidimensionale Ausprägung unseres unmittelbaren Sehens hinzudeuten.
Doch, welche räumliche Beschaffenheit besitzt das Objekt des unmittelbaren Sehens tatsächlich? Ist es drei- oder zweidimensional, nur Licht und Farben oder etwas dazwischen?
In der vorliegenden Arbeit sollen genau diese Fragen etwas genauer betrachtet werden.Ich werde sie anhand der Aussagen Berkeleys, sowie kritischer Betrachtungen moderner Philosophen diskutieren.
Dafür soll zunächst die klassische Vorstellung der visuellen Distanzwahrnehmung im ausgehenden 17. Jahrhundert den Ideen und Erwiderungen Berkeleys gegenübergestellt werden.
Daraufhin werden die grundlegenden Unterschiede von Objekten des Tast- und Sehsinns anhand der New Theory of Vision dargestellt, um im Anschluss den räumlichen Gehalt des unmittelbaren Sehens zu diskutieren.
In einem Fazit werde ich dann die Überlegungen der Arbeit noch einmal kurz zusammenfassen.
In diesem Kapitel möchte ich die vorherrschenden Ideen der Vorgänge des Sehens von Größe und Distanz von Objekten zur Zeit George Berkeleys kurz zusammenfassen, welche er in seinem Werk Versuch über eine neue Theorie des Sehens selbst aufzeigt und kritisiert.[1]
Anschließend werde ich die grundlegenden Ansätze Berkeleys zum Sehen von Entfernung und Größe, als Grundlage der vorliegenden Arbeit und späterer Argumentationen, darstellen.
Die von Berkeley kritisierte, seinerzeit vorherrschende Theorie des Sehens von Distanz stützt sich auf die Annahme, wir würden die Entfernung von Objekten mithilfe einer mathematischen Einschätzung geometrischer Größen erkennen.
Bereits der vierte Paragraph der NTV fasst diese Auffassung gut zusammen. So bilden beim Sehen mit zwei Augen
„[…] nach Meinung der Forscher die beiden optischen Achsen […] die sich im Objekt schneiden, dort einen Winkel, mit dessen Hilfe, je nachdem er größer oder kleiner ist, das Objekt als näher oder weiter entfernt wahrgenommen wird.“[2]
Der Paragraph bezieht sich auf das Sehen von Objekten in geringer Distanz zum Auge. Die Idee ist, dass wir die Entfernung eines Objektes im Sehen durch die Einschätzung von Winkelgrößen wahrnehmen. Ein Objekt würde dann umso weiter entfernt erscheinen, je spitzer der Winkel am Schnittpunkt der optischen Achsen beider Augen in diesem Objekt ist.
Sehen wir hingegen nur mit einem Auge, so gibt es nur eine optische Achse und folglich keinen Schnittpunkt am gesehenen Objekt.
In diesem Falle funktioniert die Einschätzung der Entfernung über den Grad der Divergenz der Strahlen die vom gesehenen Objekt ausgehen:
„Derjenige Punkt wird als der nächste beurteilt, der durch die am stärksten divergierenden Strahlen gesehen wird[...]“.[3]
Das bedeutet, dass ein Objekt in zunehmender Entfernung gesehen wird, je schwächer die von ihm ausgehenden Strahlen divergieren. Ein Objekt befindet sich demnach in unendlicher Entfernung, wenn die von ihm ausgehenden Strahlen parallel auf die Pupille treffen.
Es fällt auf, dass sowohl das Sehen von Entfernung mit einem, als auch mit beiden Augen in den dargestellten Theorien einen sehr mathematischen Charakter besitzt. Wie wir die Entfernung von gesehenen Objekten einschätzen ist nicht von der Erfahrung abhängig, sondern unterliegt jeweils einer notwendigen Verknüpfung. Im einen Falle ist es die Winkelgröße des Schnittpunktes der optischen Achsen am Objekt, im anderen Falle der Grad der Divergenz der vom Objekt ausgehenden Strahlen. Wir wenden in dieser Vorstellung der Prozesse des Sehens also geometrische Prinzipien an, um die Entfernung von Objekten zu erkennen.
Berkeley selbst hält diese Theorie für unplausibel. Er führt verschiedene Argumente an, die gegen das Sehen von Entfernung im Sinne der Lehrmeinung seiner Zeit sprechen sollen.
Für ihn ist die Distanzwahrnehmung im Sehen unmittelbar an die Erfahrung geknüpft. Das Sehen von Entfernung ist „[…] eher ein auf Erfahrung als auf die Sinne gegründeter Urteilsakt [...]“.[4]
Berkeley glaubt nicht an einen auf Geometrie gegründeten Schluss unseres Verstandes, mittels dessen wir die Entfernung eines Objektes sehen. Er beruft sich dabei auf die allgemeine Erfahrung der Menschen. Man müsse sich selbst beim Prozess des Sehens nur genau beobachten, um zu erkennen, dass man weder durch die Winkelgrößen optischer Achsen, noch durch die Divergenz von Strahlen die Entfernung von Objekten wahrnimmt. Jedem Einzelnen müsse auffallen, dass er zum einen weder Winkelgrößen, noch die Divergenz von Strahlen unmittelbar sehen kann und zum anderen auch keinen Rechenprozess vollzieht, mit dessen Hilfe er die Entfernung ermittelt.[5]
Für Berkeley ist unsere Distanzwahrnehmung im Sehen direkter mit unserer Erfahrung verknüpft. So wird z.B. ein der Erfahrung nach großes Objekt, welches uns im Sehen klein und schwach erscheint, als in einer großen Distanz befindlich wahrgenommen.[6] Schwäche und Kleinheit in Verbindung mit einem Hintergrundwissen bezüglich des gesehenen Objektes wie z.B. seine tatsächliche Größe, lassen uns auf die Entfernung des Objektes zu uns schließen. Es ist dabei wichtig, dass wir das gemeinsame Auftreten verschiedener Erscheinungen eines Objektes, wie Kleinheit und Schwäche, in Verbindung zu seinem tatsächlichen Ort bereits erfahren haben. So schließen wir direkt aus dieser Erfahrung und ohne ein geometrisches Urteilen über die Erscheinung des Objektes auf dessen Entfernung zu uns.
Berkeley schreibt dazu:
„Wenn […] ein Objekt schwach und klein erscheint, von dem ich aus Erfahrung weiß, daß es in einer geringen Entfernung eine starke und große Erscheinung erzeugt, schließe ich augenblicklich, daß es weit weg ist. Und es ist evident, daß dies das Ergebnis von Erfahrung ist, ohne die ich aus der Schwäche und Kleinheit nichts hätte über die Entfernung von Objekten folgern können.“[7]
Im Sehen von Objekten in sehr geringer Distanz zum Subjekt ist es, so Berkeley, weder der Schnittpunkt der optischen Achsen der beiden Augen im Objekt, noch die Kleinheit oder Schwäche der Erscheinung, welche uns eine entsprechende Entfernung anzeigt. Es ist die Empfindung der Drehung unserer Augen beim Heran- oder Wegführen eines nahen Objektes, welche uns die jeweilige Entfernung suggeriert.
Erneut ist es kein geometrisches Urteil, dass uns bei zunehmender Drehung unserer Augen nach innen auf eine geringere Distanz des Objektes zu unseren Augen schließen lässt, sondern eine „[…] habituelle und gewohnheitsmäßige Verknüpfung zwischen diesen beiden Vorstellungsarten [...]“.[8]
Bei Objekten in geringer Distanz ist es also die Empfindung der Drehung der Augen, über welche wir die entsprechende Entfernungsvorstellung ohne weitere Überlegungen wahrnehmen.
Da Entfernung, so Berkeley, an sich nicht gesehen werden kann,[9] folgt, dass etwas anderes unsere visuelle Distanzwahrnehmung hervorrufen muss.
Winkel und Divergenz von Strahlen können dabei nicht in Betracht gezogen werden, da nichts, das selbst nicht wahrgenommen wird (Winkelgröße und Divergenz selbst werden nicht gesehen) eine andere Vorstellung (in diesem Falle die von Entfernung) hervorrufen kann.[10]
Es müssen demnach Empfindungen, wie die Drehung unserer Augen, sowie Erscheinungen, wie die Schwäche und Kleinheit von Objekten im Sehen, sein, welche die jeweiligen Vorstellungen von Entfernung in uns erzeugen.
Wie bereits erwähnt, ist Distanz in Berkeleys Theorie des Sehens nicht unmittelbar sichtbar. Die Entfernung eines Objektes wird uns zwar z.B. durch die Schwäche und Größe (bzw. Kleinheit) der Erscheinung suggeriert, wir sehen die Entfernung als solche jedoch nicht. Die Objekte des unmittelbaren Sehens sind demnach distanzlos.[11]
Wie genau lernen wir aber die Entfernung eines Objektes im Sehsinn abzuschätzen, wenn dieses sich selbst in keiner visuell wahrnehmbaren Entfernung zu uns befindet?
Berkeleys Erklärung funktioniert etwa folgendermaßen:
Die unmittelbaren Objekte des Sehens verändern, wenn ich mich auf sie zu bewege oder mich von ihnen entferne, lediglich ihre Größe und Klarheit. Die kleine, schwache Erscheinung z.B. eines Turmes in einer gewissen Distanz zum Subjekt wird umso größer und deutlicher bzw. klarer, je näher ich mich auf sie zu bewege.[12] Das unmittelbare Objekt des Sehens wird größer. Die Entfernung zum Objekt wird über den Tastsinn unmittelbar, über das Sehen jedoch nur mittelbar, in Verbindung mit der Tasterfahrung, wahrgenommen.
Allein der Tastsinn liefert uns also eine unmittelbare Wahrnehmung von Entfernung.
Das gemeinsame, regelhafte Auftreten bestimmter Erscheinungen des Seh- und Tastsinns ermöglicht uns erst ein sinnvolles Abschätzen von Distanzen im Sehen. Die Entfernungen von Objekten werden uns im Sehsinn lediglich suggeriert. Wir sehen die Distanz der Objekte nur „[…] sekundär und durch Vermittlung [...]“[13] des Tastsinnes.
Ein weiteres Beispiel dafür ist z.B. die bereits erwähnte Wahrnehmung der Drehung der Augen bei Distanzänderung eines sehr nahen Objektes. Die Augenbewegung stellt in diesem Falle eine Tasterfahrung dar. Da sie immer in der selben Weise auftritt (immer wenn das Objekt näher kommt, findet eine Drehung der Augen nach innen statt und umgekehrt) liefert uns diese Empfindung die entsprechende Distanzvorstellung vom Objekt. Es ist in diesem Beispiel also eigentlich der Tastsinn, welcher uns die Entfernung anzeigt, gleichwohl wir das Objekt nicht berühren.
In Berkeleys Theorie des Sehens ist es ausschließlich der Tastsinn, welcher uns Entfernung unmittelbar anzeigt. Die unmittelbaren Objekte des Sehens sind nur Symbole, welche uns Distanz suggerieren können.
Diese These klingt radikal und spricht zumindest gegen die Intuition der meisten Menschen, wird jedoch in der NTV recht eindeutig vertreten.[14]
Es stellt sich die Frage, wie die unmittelbaren Objekte des Sehens, wenn sie sich selbst in keiner Entfernung befinden, eigentlich beschaffen sind.
Dieses Kapitel soll den Kern der Arbeit bilden und die Frage behandeln, welche Beschaffenheit das Objekt des primären, unmittelbaren, vom Tastsinn unabhängigen Sehens in Berkeleys Theorie des Sehens eigentlich besitzt.
Zunächst werde ich versuchen die verschiedenen Objekte des Sehsinns in Abgrenzung zum Tastsinn, sowie ihre grundsätzlichen Eigenschaften anhand einiger Aussagen Berkeleys darzustellen.
Daraufhin sollen unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten bezüglich der Beschaffenheit des unmittelbaren Objektes des Sehens aufgezeigt werden, um einen Überblick möglicher Ausprägungen desselben bereitzustellen.
Ich werde dabei vor allem die zweidimensionale, sowie die raumlose Ausprägung des unmittelbaren visuellen Objektes in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen stellen und die Plausibilität der jeweiligen Vorstellungen diskutieren.
Das ausschließlich sehende Wesen, welches Berkeley in der NTV imaginiert, wird für die Verbildlichung des primären Sehens eine zentrale Rolle spielen und im Folgenden häufiger als Beispiel dienen.
Auch die Frage der Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit von Geometrie im unmittelbaren Sehen wird einen wesentlichen Teil der Betrachtungen innerhalb dieser Arbeit ausmachen, um verschiedene Vorstellungen zur räumlichen Ausprägung der Objekte des unmittelbaren Sehens zu verdeutlichen.
Es ist zunächst noch einmal wichtig, hervorzuheben, dass die unmittelbaren Objekte des Sehens sich für Berkeley von den Objekten des Tastens grundlegend unterscheiden: „Was gesehen wird, ist ein Ding und, was gefühlt wird, ist ein anderes.“[15]
Um Klarheit zu schaffen und Missverständnisse zu vermeiden über welche Objekte im Folgenden die Rede ist, möchte ich an dieser Stelle eine begriffliche Unterscheidung von USObjekt (unmittelbares Objekt des Sehens), MSObjekt (mittelbares Objekt des Sehens) und TObjekt (Objekt des Tastsinns) festlegen.[16]
Das USObjekt ist jenes, welches wir nur im reinen Sehen finden, das TObjekt hingegen ist das Objekt des reinen Tastens. Das MSObjekt ist das, was wir wahrnehmen, wenn wir das USObjekt mit den Erfahrungen des Tastsinns vermischen.
Laut Berkeley ist das MSObjekt nicht wirklich etwas das wir sehen, sondern lediglich etwas das uns suggeriert wird. Die MSObjekte gehören demnach eigentlich zum Tastsinn und werden „[…] durch das Auge nicht wirklich wahrgenommen [...]“.[17]
Was wir eigentlich sehen, trennt man das Sehen vom Tasten, sind die USObjekte.
„[…] können tatsächlich größer oder kleiner werden, verschwommener, klarer oder schwächer, aber nicht uns näherkommen oder sich von uns entfernen, sie tun es nicht, sie können es nicht.“[18]
Die USObjekte stehen in keiner Entfernung zu uns. Sie verändern nur ihre Größe wenn wir unsere Distanz zu den entsprechenden TObjekten ändern.
In §44 der NTV unterstützt Berkeley diese These und verstärkt sie sogar, indem er
„[…] daß die unmittelbaren Objekte des Gesichtssinns nicht einmal die Vorstellungen von solchen Dingen sind, die sich in einer Entfernung befinden und ihnen auch nicht ähnlich sind.“[19]
An dieser Stelle grenzt Berkeley die USObjekte noch einmal klar von den MSObjekten ab.[20] Letztere sind durch ihre Verbindung zum Tastsinn Vorstellungen von entfernten Objekten, wohingegen die USObjekte nicht einmal dieses leisten. Sie sind eine selbstständige Gruppe von Objekten, welche im Gegensatz zu TObjekten und MSObjekten weder in einer Entfernung zu uns stehen, noch die Vorstellung einer solchen Entfernung darstellen.
Berkeley liefert, ebenfalls in §44 der NTV, zwei Beispiele, um diesen Unterschied zwischen den verschiedenen Objekten zu verdeutlichen.
Das erste Beispiel bezieht sich auf die Erscheinung des Mondes:
Schauen wir z.B. zum Mond und behaupten, er sei in einer gewissen Entfernung zu uns, so können wir damit nur das TObjekt Mond meinen, da sich das USObjekt in keiner Entfernung zu uns befindet und das MSObjekt uns lediglich eine Distanz suggeriert.[21]
Nähern wir uns nun dem TObjekt Mond, so suggeriert uns das MSObjekt eine geringer werdende Distanz zwischen uns und dem TObjekt, wohingegen das USObjekt lediglich größer (und eventuell klarer und heller) wird.[22]
Es fällt auf, dass die Größe des USObjekts unstet ist. Sobald wir unsere Entfernung zum entsprechenden TObjekt verändern, ändert sich die Größe des USObjektes. Es wird größer, wenn wir uns dem TObjekt nähern und kleiner, wenn wir uns von diesem entfernen.
Das Verhältnis der verschiedenen Objekte und die sich verändernde Größe des USObjektes kann auch am Beispiel der kleinen, schwachen Erscheinung eines in großer Entfernung befindlichen TObjektes verdeutlicht werden.[23]
Berkeley selbst liefert folgendes ergänzendes Beispiel:
„Angenommen, ich nehme mit dem Gesichtssinn die schwache, dunkle Vorstellung von etwas wahr, bei dem ich Zweifel habe, ob es ein Mensch, ein Baum oder ein Turm ist, aber ich urteile, daß es sich etwa in der Entfernung von einer Meile befindet. Es ist klar, daß ich bezüglich dessen, was ich sehe, nicht der Meinung sein kann, es sei eine Meile entfernt, oder es sei das Abbild von etwas, daß eine Meile entfernt ist, oder es habe Ähnlichkeit mit so etwas. Die Erscheinung ändert sich nämlich mit jedem Schritt, den ich auf sie zu mache, und aus einer dunklen, kleinen, schwachen wird eine klare, große und lebhafte.“[24]
Ich habe dieses Beispiel in seiner vollen Länge zitiert, da sich an ihm die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Objekte gut verdeutlichen lässt.
Das Objekt, von dem wir sagen, es befinde sich in der Entfernung einer Meile zu uns, kann nur das TObjekt sein. Es ist das einzige, welches sich tatsächlich überhaupt in Distanz zu uns befindet. Doch über Erfahrung suggeriert uns das MSObjekt, als Verbindung des USObjekts mit dem Tastsinn, einen konkreten Gegenstand (Mensch, Baum, Turm) in einer konkreten Entfernung. Das, was wir über das reine Sehen wahrnehmen, also das USObjekt allein, kann uns weder die Vorstellung von Entfernung, noch die eines konkreten Gegenstandes liefern. Im reinen Sehen können wir folglich keinen Turm, Menschen oder Baum oder auch nur irgendeinen Gegenstand in der uns gewohnten Weise wahrnehmen.[25]
Um den Unterschied der Erscheinungen von Seh- und Tastsinn zu verdeutlichen, trifft beispielsweise der amerikanische Philosoph Rick Grush eine Unterscheidung von räumlichen Elementen und solchen, welche Räumlichkeit nur anzeigen.
„Depth, however is restricted to touch, and so it will abbreviated as ‘dT‘, for ‘depth touch‘ content. In addition to these spatial elements, vision provides a number of quasi-spatial dimensions of content that come to serve as cues for depth [...]“[26]
Doch wie ist dann das unmittelbare Objekt des Sehens (USObjekt) eigentlich beschaffen?
Ist es dreidimensional, zweidimensional oder überhaupt nicht räumlich?
Und in welcher Verbindung steht es zum Objekt des Tastsinns (TObjekt)?
An dieser Stelle sei erwähnt, dass moderne physiologische Erkenntnisse von einer unmittelbaren visuellen Raumwahrnehmung ausgehen.
Paul Natterer beispielsweise weist in seiner „Philosophie des Geistes“ auf das stereoskopische Sehen hin. Das Sehen mit beiden Augen lässt uns die relative Entfernung der Objekte vom Fixationspunkt bestimmen.
Er zitiert dafür z.B. den Neurowissenschaftler David Hubel:
„Die Stereopsis hängt von der einfachen geometrischen Tatsache ab, daß die beiden Bilder, die ein näherkommendes Objekt auf die Netzhäute projiziert, sich relativ zu den korrespondierenden Stellen nach außen verschieben. […] (Hubel, D.: Auge und Gehirn. Neurobiologie des Sehens, 2. Aufl. Heidelberg 1990, 156-157)“[27]
Natterer selbst fährt ergänzend fort:
„Zweidimensionale Figuren bzw. visueller Dateneingang wird „verräumlicht“. Der Sachverhalt wird auch durch die Entdeckung tiefenempfindlicher, disparitätsempfindlicher binokularer (das heißt auf Daten aus beiden Augen ansprechende) Detektorzellen in der primären Sehrinde bestätigt, die zugleich orientierungsspezifisch sind (das heißt nur auf einen Winkelbereich von je zehn Grad ihres rezeptiven Feldes auf der Netzhaut programmiert).“[28]
Er führt weitere Beispiele an, wie z.B. die Konvergenztrias, welche ein gemeinsames Auftreten einer Konvergenzbewegung, Pupillenverengung und Nahakkomodation darstellt und uns eine Distanzeinschätzung naher Objekte ermöglicht.[29]
Es scheint wissenschaftlich weitestgehend belegt zu sein, dass wir eine unmittelbare visuelle Raumwahrnehmung besitzen.
Auch wenn vielleicht selbst Berkeley hinsichtlich der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht soweit gehen würde, könnte man natürlich fragen, ob einem ausschließlich sehenden Wesen die Konvergenztrias bei der Raumwahrnehmung nützen würde oder ob es die beiden Bilder die es wahrnimmt überhaupt übereinanderlegen bzw. sinnvoll interpretieren könnte. Es nimmt ja nichts wahr außer das, was es sieht. Es besitzt keine weitere sinnliche Referenz.[30]
Berkeley führt dieses nur sehende Wesen selbst als Beispiel ein. Es ist zentral für das Verständnis der Beschaffenheit der Objekte des unmittelbaren Sehens in seiner Theorie des Sehens.[31]
Die vorliegende Arbeit soll jedoch kein Vergleich der Philosophie Berkeleys mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit sein, sondern eine Exegese jener Textstellen, die Einblick in Berkeleys Vorstellungen zur Beschaffenheit der USObjekte geben. Zudem sollen die Aussagen Berkeleys im Verhältnis zur gesamten NTV und TVV betrachtet werden.
In den folgenden zwei Unterpunkten werde ich die verschiedenen Möglichkeiten der Beschaffenheit des USObjektes anhand von Textstellen der NTV und TVV und unter Berücksichtigung von Aussagen aus der Sekundärliteratur diskutieren.
In manchen Interpretationen der räumlichen Beschaffenheit des unmittelbaren Sehens fällt es schwer, überhaupt von Objekten zu sprechen. Dies ist vor allem bei einem Verständnis des unmittelbaren Sehens als vollständig raumlos der Fall.
Aus Gründen der Einfachheit und weil Berkeley selbst den Begriff des Objektes des
unmittelbaren Sehens verwendet, werde ich im Folgenden den Term des USObjekts weiterverwenden. Er soll allgemein für das stehen, was wir im reinen Sehen wahrnehmen, wie auch immer die konkrete Ausprägung dessen ist.
Betrachten wir zunächst einige Argumente und Schwierigkeiten einer zweidimensionalen Beschaffenheit der USObjekte.
Einige moderne Autoren sprechen sich für eine Zweidimensionalität des USObjektes in Berkeleys Theorie des Sehens aus. So schreibt Peter Baumann beispielsweise in seinem Essay „ Molyneux's Question and the Berkeleian Answer “:
„Berkeley even seems to deny that one can have two-dimensional visual ideas.
[…] However, this latter idea seems to go to far for Berkeley‘s own theory […].“[32]
Weitere Beispiele für Vertreter einer zweidimensionalen Beschaffenheit des unmittelbaren Sehens in Berkeleys NTV sind George Pitcher, Alan Donagan, D.M. Armstrong und Lorne Falkenstein.
Um detaillierter auf bestimmte Argumente für ein 2D-Layout des unmittelbaren Sehens eingehen zu können, werde ich mich im Folgenden hauptsächlich auf Lorne Falkensteins Artikel „Intuition and Construction in Berkeley‘s Account of Visual Space“ beziehen, in welchem klar für eine zweidimensionale Beschaffenheit der USObjekte sowie die Möglichkeit einer Geometrie im unmittelbaren Sehen argumentiert wird.[33]
Falkenstein bemerkt, dass Berkeley zwar dafür argumentiert, dass Entfernung nicht unmittelbar gesehen wird, sich in der NTV aber keine Passagen finden lassen, welche die Ansicht, Raum würde nicht unmittelbar gesehen werden, überhaupt rechtfertigen können.[34] Die einzigen Paragraphen der NTV, welche eigentlich gegen Räumlichkeit im unmittelbaren Sehen sprechen, so Falkenstein, sind jene, welche die Geometrie im reinen Sehen behandeln (§§149-158). Berkeleys Argumente empfindet er an diesen Stellen jedoch als zu schwach.[35]
Falkenstein stützt sich vor allem auf das Argument, dass eine fehlende Distanz im unmittelbaren Sehen, für welche Berkeley ja argumentiert, nicht notwendigerweise eine gänzlich fehlende visuelle Räumlichkeit bedeutet.
„The reason for this is that distance or outness is not perceived by sight, for which Berkeley has certainly argued in the first part of the book. But inability to do the geometry of a three-dimensional space is not the same thing as an inability to do any geometry whatsoever.“[36]
Interessant ist, dass Falkenstein kurz darauf, um einen zweidimensionalen Zusammenhang darzustellen, selbst das Wort distance verwendet, welche Berkeley ja klar aus dem unmittelbaren Sehen verbannt.[37] Die entsprechende Passage thematisiert das ausschließlich sehende, intelligente Wesen aus §153 der NTV:
„Berkeley gives us no reason why his being should not be able to define a line as the shortest distance between two points (where distance is determined by counting the number of minimally visible specks of color, Berkeleys so called minima visibilia) [...]“[38]
Falkenstein macht an dieser Stelle eine interessante Beobachtung.
Aus welchem Grunde sollte man im unmittelbaren Sehen nicht zumindest grundlegende Geometrie machen können, wenn es doch sogar so etwas wie die von Berkeley selbst eingeführten minima visibilia gibt? Demnach besteht das Objekt des Sehens aus einer bestimmten Anzahl von Punkten „[…] jenseits derer die Sinne nicht wahrnehmen können.“[39].
Falkensteins Argument basiert auf einer Vorstellung von Raumrelationen im unmittelbaren Sehen, welche mit denen des Tastsinns vergleichbar sind.
Dem Tastsinn entsprechende räumliche Relationen im unmittelbaren Sehen können aber nur dann erhalten bleiben, wenn man die fehlende Distanz im unmittelbaren Sehen, für welche Berkeley, laut Falkenstein, klar argumentiert, allein als Tiefendimension versteht. Tatsächlich könnte man Berkeley jedoch so lesen, dass er von mehr als einer fehlenden Tiefendimension im unmittelbaren Sehen spricht. Die von Falkenstein selbst angesprochenen letzten Paragraphen der NTV könnten an dieser Stelle erneut angeführt werden.
Vor allem im bereits dargestellten §158 mit welchem Berkeley die NTV gewissermaßen schließt, betont er ausdrücklich, dass weder Körper noch Flächen, sondern ausschließlich Farben das USObjekt darstellen.
Unterstützend lassen sich in der TVV einige Passagen finden, die darauf hinzuweisen scheinen, dass die räumlichen Relationen im unmittelbaren Sehen unklar sind und sich von denen des Tastsinns grundlegend unterscheiden:
„Das eigentliche, unmittelbare Objekt des Sehens ist das Licht in all seinen Erscheinungsformen und Variationen, in den nach Art, Stärke und Quantität verschiedenen Farben […]“[40]
Im selben Paragraphen schreibt Berkeley später über einen Blinden, erstmals Sehenden:
„Lichter, Schatten und Farben würden ihm nichts über Körper, hart oder weich, rauh oder glatt, suggerieren. Ihre Quantitäten, Grenzen und Anordnung würden ihm auch nicht Figuren, Ausdehnung oder Lage im geometrischen Sinne suggerieren [...]“[41]
In den §§46 und 47 der TVV verdeutlicht Berkeley noch einmal, dass wir im unmittelbaren Sehen eigentlich nicht sinnvoll von Raumrelationen sprechen können. Die verschiedenen räumlichen Relationen, welche wir dem Sehen zuordnen, sind lediglich Analogien zu den uns bekannten Tastsinn-Relationen des Raumes.[42]
Die analoge Verwendung von Raumrelationen des Tastsinns im Sehen kommt durch ein gemeinsames Auftreten der beiden Sinne zustande:
„Und zu diesem Fehler werden wir insofern verleitet, als die verschiedenen Kopfbewegungen nach oben und unten, nach rechts und links, von einer Veränderung in den sichtbaren Vorstellungen begleitet sind. So kommt es, daß jene Bewegungen und Stellungen des Kopfes, die in Wahrheit tastbare sind, ihre Eigenschaften und Bewegungen auf die sichtbaren Vorstellungen, mit denen sie Verknüpft sind übertragen.“[43]
Oben, unten, links und rechts, würden somit im mittelbaren Sehen nur als analoge Vorstellungen unserer Raumrelationen der Tasterfahrung verwendet und durch die USObjekte lediglich symbolisiert werden, welche selbst jedoch nicht in solchen Relationen stünden.
An dieser Stelle sei noch einmal auf den §127 der NTV hingewiesen, in welchem Berkeley klar davon spricht, dass visuelle Ausdehnung und taktile Ausdehnung wesentlich verschieden sind:
„»Die mit dem Gesichtssinn wahrgenommenen Ausdehnungen, Gestalten und Bewegungen sind wesentlich verschieden von den mit den selben Namen benannten Vorstellungen des Tastsinnes, und es gibt auch keine Vorstellung oder etwas von der Art einer Vorstellung, das beiden Sinnesvermögen gemeinsam ist.«“[44]
Die dargestellten Passagen legen nahe, dass Berkeley auch in der NTV von mehr zu sprechen scheint als einer fehlenden Tiefendimension, wenn er das unmittelbare Sehen als distanzlos beschreibt.
Kann man den USObjekten die uns bekannten Relationen von oben, unten, rechts und links nicht zuordnen, scheint zumindest die Grundlage zu fehlen, eine sinnvolle 2D-Geometrie mit ihnen betreiben zu können. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die USObjekte völlig raumlos sind.
Wichtig ist zunächst, dass unsere Geometrie, welche sich auf den Tastsinn bezieht, nicht sinnvoll mit einer Geometrie des unmittelbaren Sehens verglichen werden könnte. Auch Berkeley scheint die Möglichkeit irgendeiner Form von Geometrie im unmittelbaren Sehen nicht gänzlich abzulehnen. Zumindest wirkt er in diesem Punkt nicht ganz sicher. In jedem Falle wäre, laut Berkeley, eine solche Geometrie, sofern sie möglich sein sollte, aufgrund der unsteten USObjekte weitestgehend sinnfrei:
„Die dauernde Unbeständigkeit und Flüchtigkeit dieser unmittelbaren Objekte des Gesichtssinnes macht es unmöglich, sie nach Art der geometrischen Figuren zu behandeln. Es ist auch keineswegs nützlich, das zu tun. Es ist wahr, von ihnen werden verschiedene auf einmal wahrgenommen, und zwar von einigen mehr und von anderen weniger, aber ihre Größe genau zu berechnen und exakt bestimmte Verhältnisse zwischen so variablen, unbeständigen Dingen anzugeben, muß doch eine sehr belanglose unwichtige Arbeit sein, falls wir annehmen, daß sie überhaupt möglich ist.“[45]
Versteht man die Raumrelationen der USObjekte auf die dargestellte Weise, ist es schwer zu erkennen, wie das ausschließlich sehende Wesen Berkeleys,[46] auf welches auch Falkenstein sich bezieht,[47] eine Gerade als die kürzeste Distanz zwischen zwei Punkten definieren sollte.
Es fragt sich allein, von welcher Geraden überhaupt die Rede ist. Denn die uns bekannte Tastsinn-Gerade oder die Vorstellung von ihr (auch das mittelbare Sehen kann uns ja nur Vorstellungen einer Tastsinn -Geraden liefern) wäre von einer Geraden des unmittelbaren Sehens (sofern es eine solche gibt) grundlegend verschieden.
Ich erinnere hier z.B. an die in dieser Arbeit bereits zitierte Stelle des §49 der NTV, in welcher Berkeley die USObjekte als von den TObjekten fundamental verschieden darstellt.
In Berkeleys Theorie des Sehens scheinen sich die konkreten Raumrelationen des Tastsinns mit jenen des unmittelbaren Sehens nicht vergleichen zu lassen. Dem rechts und links des Tastsinns lässt sich kein rechts und links im unmittelbaren Sehen sinnvoll zuordnen. Die von uns gesehenen Richtungen rechts und l inks sind nur diejenigen des mittelbaren Sehens und somit den Raumrelationen des Tastsinns zuzuordnen.
Selbst wenn man den USObjekten Berkeleys an dieser Stelle ein 2D-Layout zugestehen würde und die Möglichkeit einräumte, eine gewisse Form von Geometrie im unmittelbaren Sehen betreiben zu können, würde das nichts an der grundlegenden Unterschiedlichkeit von Tast- und Sehsinn-Geometrie ändern.
Bestand nie eine Verbindung von Tasten und Sehen, so können auch die räumlichen Relationen nicht miteinander abgeglichen werden. Wichtig ist, dass eine Blinde Person, welche zum ersten mal sieht, bereits durch die Tastsinn-Erfahrung der Augenbewegung eine Verbindung von Tast- und Sehsinn herstellen könnte.[48] Ein ausschließlich sehendes, intelligentes Wesen hingegen besäße keine Möglichkeit den Objekten seines Sehens (USObjekte) unsere Raumrelationen aus der Tasterfahrung sinnvoll zuzuordnen.
In der Tat stellt eine gerade Linie im unmittelbaren Sehen nicht aus jeder Perspektive die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten dar.[49]
Nimmt man beispielsweise eine 10cm lange Gerade an, welche zwei Punkte miteinander verbindet, so ist die kürzeste Strecke zwischen den beiden Punkten eben diese Gerade mit 10cm Länge. Im unmittelbaren Sehen hingegen verändert sich die Länge der Geraden z.B. dann, wenn sich ihre Tiefenposition im Raum[50] verändert.
Stellen wir uns zu Verdeutlichung vor, wir würden eine Gerade von 10cm Länge auf ein weißes Blatt Papier zeichnen und ließen Berkeleys ausschließlich sehendes Wesen frontal auf dieses Papier schauen.
Versuchen wir uns außerdem den günstigsten Fall vorzustellen und sagen, dieses Wesen würde, gegen alle Zweifel aus dem Argument der nicht abgleichbaren Raumrelationen von TObjekten und USObjekten, die gleiche Gerade sehen, welche auch wir sehen, wenn wir frontal auf das Papier schauen.
Es würde doch in jedem Falle eine andere Gerade sehen müssen, sobald wir das Papier auf es zu- oder von ihm wegbewegen. Dann nämlich würde die Gerade länger bzw. kürzer werden. Auch eine Drehung des Papiers in einer Orthogonalen zur Geraden würde selbige in der Wahrnehmung des nur sehenden Wesens ändern. Bei einer solchen Drehung müsste die Gerade stets kürzer werden.
Berkeley selbst schreibt zu der variablen Länge eines USObjektes:
Wir sagen z.B.: »Ein Objekt scheint sechs Zoll oder sechs Fuß lang zu sein.« Das dies nun nicht in Bezug auf sichtbare Zoll usw. gemeint sein kann, ist evident, weil ein sichtbarer Zoll selbst keine konstante und bestimmte Größe ist und daher nicht dazu dienen kann, die Größe irgendeines anderen Dinges zu kennzeichnen und zu bestimmen.“[51]
An welcher Geraden sollte ein ausschließlich sehendes Wesen nun Geometrie betreiben und wie soll es feststellen, dass eine Gerade die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist, wenn diese doch in seiner Wahrnehmung stets ihre Länge ändert?
Es ist wichtig zu erwähnen, dass es ohne den Tastsinn keine sinnvolle Referenz zu geben scheint, um eine Grundperspektive festzulegen, anhand welcher man eine einheitliche Geometrie betreiben könnte.
Unsere Gerade bleibt stets in einer Länge von 10cm, ob wir das Papier drehen oder nicht, da unsere Geometrie sich der Referenz des Tastsinns bedient. Dieser versorgt uns mit der Information einer eigentlich unveränderten Ausdehnung von Objekten, unabhängig von unserer visuellen Perspektive zu ihnen. Ein ausschließlich sehendes Wesen besitzt keinen Sinn, welcher ihm als Referenz in dieser Weise dienen könnte.
Das ist der Grund, aus dem im unmittelbaren Sehen keine sinnvolle Geometrie betrieben werden könnte. Nicht einmal Geraden-Geometrie ist für ein ausschließlich sehendes Wesen sinnvoll vorstellbar, da es keine Ausgangsperspektive für seine Betrachtungen bestimmen könnte.[52] Eine Gerade als die kürzeste Distanz zwischen zwei Punkten zu definieren, dürfte einem ausschließlich sehenden Wesen demnach unmöglich sein.
Auch die an dieser Stelle von Falkenstein erwähnten[53] minima visibilia Berkeleys können offensichtlich nicht aushelfen, da eine Gerade im unmittelbaren Sehen, je nach dem welche Perspektive man zu ihr einnimmt, stets eine unterschiedliche Anzahl an minimal sichtbaren Punkten besäße. Da die Anzahl der minima visibilia im Sichtfeld immer gleich ist,[54] besitzt dieselbe Gerade im unmittelbaren Sehen umso mehr minima visibilia, je näher man ihr kommt. Je nach Standpunkt des Subjekts zur Geraden besteht diese also aus mehr oder weniger vielen minima visibilia.
Falkenstein schreibt im Folgenden:
„[…] Berkeley‘s discussion of the object of geometry in NTV 154-55 contains nothing which does not follow, on a sympathetic interpretation, from what he has said so far in NTV - but also nothing which entails that his hypothetical being, deprived of tactile experience, would not see an array of minima visibilia laid out in two dimensions.“[55]
Man könnte diesem Kommentar problemlos zustimmen, ohne den Gedanken der Unmöglichkeit einer sinnvollen Geometrie im unmittelbaren Sehen abschwächen oder gar aufgeben zu müssen.
Was brächte es aber dem ausschließlich sehenden Wesen, die minima visibilia einer zweidimensionalen Geraden zu zählen, wenn ihre Anzahl sich beim Wechsel der Perspektive stets änderte, bei gleichzeitiger Unmöglichkeit der Festlegung einer Referenzperspektive?
Einen wichtigen Punkt spricht Falkenstein hier aber dennoch an. Die fehlende Möglichkeit einer sinnvollen Festlegung von Raumrelationen sagt noch nicht viel über den dimensionalen Gehalt des Raumes im unmittelbaren Sehen aus.
Ich stimme Falkenstein zu, dass es zunächst schwer fällt, dem nur sehenden Wesen das unmittelbare Sehen eines 2D-Layouts abzusprechen:
„[…] any pretense to argue that the being does not immediately perceive two-dimensional layout must be abandoned.“[56]
Falkenstein bezieht sich dabei auf den §155 der NTV, in welchem Berkeley über das ausschließlich sehende Wesen schreibt:
„Vielleicht wird man nach einer genauen Untersuchung finden, daß es sogar genauso wenig eine Vorstellung von einer ebenen Figur haben kann wie von Körpern, da eine gewisse Vorstellung von Entfernung nötig ist, um die Vorstellung einer geometrischen Ebene zu bilden […]“[57]
Berkeley selbst scheint in dieser Aussage nicht vollständig sicher zu sein, dem ausschließlich sehenden Wesen ein zweidimensionales Sehen gänzlich abzusprechen.
Ich möchte hier auf eine wichtige Unterscheidung zwischen einer begrenzten ebenen Figur und einer geometrischen Ebene hinweisen.
Das Sehen einer geometrischen Ebene scheint keine hinreichende Bedingung zu sein, begrenzte ebene Figuren zu sehen. Für das Sehen ebener Figuren scheint es notwendig zu sein, ihre jeweiligen Verhältnisse und Begrenzungen zu erkennen. Eine geometrische Ebene hingegen ist per definitionem ein unbegrenzt ausgedehntes flaches zweidimensionales Objekt.
Man könnte demnach das unmittelbare Sehen z.B. als ein Sehen von Farben in einer zweidimensionalen Ebene verstehen, ohne, dass diese Farben als separate, ebene Figuren erkannt würden.
Einen Hinweis auf eine solche Interpretation des USObjekts Berkeleys liefern die §§107-110 der NTV. Darin spricht Berkeley von der willkürlichen Abgrenzung von Objekten nach dem Prinzip der Nützlichkeit:
„Nun ist dieses Benennen und Kombinieren von Vorstellungen vollkommen willkürlich und wird vom Geist ausgeführt, wie es die Erfahrung als äußert passend zeigt. Ohne sie wären unsere Vorstellungen niemals in so verschiedene voneinander getrennte Kombinationen zusammengefasst worden, wie sie es jetzt sind.“[58]
Etwas später schreibt er dann über einen erstmals sehenden Menschen:
„Doch er würde all diese Vorstellungen, die sich seinem Blick auf einmal darbieten, nicht in verschiedene, voneinander getrennte Kombinationen einteilen, solange er nicht durch Beobachtung der Bewegung der Körperteile des Menschen und andere Erfahrungen lernt, welche Vorstellungen getrennt und welche zusammengefasst werden müssen.“[59]
Die letzte Aussage scheint darauf hinzudeuten, dass eine gewisse Einteilung der verschiedenen Farben im unmittelbaren Sehen mithilfe von Beobachtung möglich wäre. Doch Berkeley spricht hier von einem blindgeborenen, erstmals sehenden Menschen und nicht von einem ausschließlich sehenden Wesen. Das macht einen entscheidenden Unterschied, da ersterer mit der ersten Sekunde seiner Wahrnehmung im Sehen das Gesehene mit seinen Erfahrungen aus dem Tastsinn, sowie mit gleichzeitigen Tasterfahrungen (Augenbewegung) abgleicht. Das nur sehende Wesen hingegen hätte diese Möglichkeit nicht und müsste eine Einteilung von Objekten ausschließlich innerhalb des unmittelbaren Sehens realisieren.
Rebecca Copenhaver weist in ihrem Essay „ Berkeley on the Language of Nature and the Objects of Vision“ ebenfalls auf diese wichtige Unterscheidung hin. Sie schreibt:
„The Molyneux person is not like the disembodied person – not like a prisoner in Plato’s cave. That features in one sensory modality could signify features in another would not be incomprehensible to him. Prior to gaining vision, he will expect a successful procedure to allow him to see what typical people see. He will expect his vision to be spatially significant.“[60]
Es scheint sich als eine mit Schwierigkeiten verbundene Aufgabe herauszustellen, die USObjekte Berkeleys sinnvoll als ebene Figuren zu beschreiben.
Zunächst fällt auf, dass es im unmittelbaren Sehen, wenn man es als ein Sehen von Farben in einer geometrischen Ebene definiert, schwierig ist zu verstehen, was es überhaupt bedeutet, einzelne Figuren bzw. abgegrenzte Objekte zu sehen.
Die geringste Farbabweichung würde einen guten Grund darstellen, eine Erscheinung nicht mehr als eigenständige Figur festzulegen bzw. zu erkennen.
Ein Beispiel soll helfen, dies zu verdeutlichen:
Stellen wir uns zunächst eine blaue Kugel vor einem weißen Hintergrund vor.
Im unmittelbaren Sehen würde diese Kugel sich als eine Abstufung von Blautönen darstellen. Es würde sich vielleicht ein heller Punkt am Ort der Beleuchtung finden lassen, von welchem aus eine immer stärkere Abstufung ins Dunkelblaue nach außen hin zu beobachten wäre. Es scheint, als müsse eine klare Figur eines blau-schattierten Kreises im unmittelbaren Sehen erkennbar sein, da die Kugel sich ja vor einem sich eindeutig abgrenzenden weißen Hintergrund befindet.
Bei genauerer Beobachtung fällt jedoch auf, dass es für ein ausschließlich sehendes Wesen keinen Grund gäbe eine einheitliche Figur zu definieren, da die Kugel im unmittelbaren Sehen aus enorm vielen verschieden, mehr oder weniger hell- oder dunkelblauen minima visibilia besteht. Nun könnte man einwenden, dass das ausschließlich sehende Wesen einfach genau dieses Objekt als einheitliche Figur definieren würde, welches sich in seiner Eigenschaft, farblich zu sein, vom weißen Hintergrund abhebt – eine Art Kreis mit verschiedenen Blaustufen. Ich sehe allerdings nicht, welche Rechtfertigung es dafür hätte, eine solche Unterscheidung zu treffen. Würde es nämlich sagen, dass jene minima visibilia die Grenze einer einheitlichen Figur darstellen, welche sich farblich von den benachbarten minima visibilia unterscheiden, dann müsste es in gleicher Weise die äußeren, dunkelblauen minima visibilia der blauen Erscheinung von den etwas weiter innen liegenden weniger dunkelblauen abgrenzen und diese wiederum von den etwas weiter innen liegenden weniger dunkelblauen und so weiter. Die vielfältigen Blautöne der Kugel würden es in diesem Falle unmöglich machen, im unmittelbaren Sehen eine einheitliche Figur sinnvoll zu definieren.
Stellen wir uns aber einen einheitlich blauen Kreis vor einem weißen Hintergrund vor, so scheint das ausschließlich sehende Wesen eine Möglichkeit zu haben eine abgegrenzte, ebene Figur zu erkennen. Es würde schlicht das Blau vom Weiß abgrenzen und damit zwei separate Figuren (eine blaue und eine weiße) definieren können. Diese würden jedoch, wie im obigen Beispiel der Geraden, keine stete Form haben, da sie sich bei jeder Bewegung veränderten. Sobald man sich bewegte, müsste der blaue Kreis der Frontalperspektive mehr oder weniger elliptisch bzw. größer oder kleiner werden.
Da ein ausschließlich sehendes Wesen, wie oben gezeigt, keine einheitliche Ausgangsperspektive festlegen könnte, dürfte es demnach nicht einmal sinnvolle Kreis-Geometrie betreiben können. Für dieses Wesen gäbe es schlichtweg keinen neutralen Ausgangspunkt einer konsistenten Geometrie.
In der dargestellten Interpretation des unmittelbaren Sehens als 2D-Layout mit gewissen, sehr eingeschränkten Möglichkeiten des Erkennens abgegrenzter ebener Figuren, könnte dieses Wesen höchstens eine gewisse Form der 2D-Geometrie an unsteten Körpern betreiben. Es könnte allerdings nicht einmal die Regelmäßigkeit der Veränderung dieser Körper bei Bewegung sinnvoll feststellen.
Das wird deutlich, wenn man sich die Wahrnehmungen eines ausschließlich sehenden Wesens versucht vorzustellen. Vollständig ohne Tastsinn dürfte es eine Bewegung welche es selbst ausführt nur als Veränderung seines Sichtfeldes bzw. der Objekte seines Sichtfeldes wahrnehmen. Ein Wahrnehmen von Bewegung bei geschlossenen Augen müsste ihm unmöglich sein, da es ja ausschließlich sehend ist. Jedes Empfinden von Bewegung bei geschlossenen Augen wäre strenggenommen eine dem Tastsinn zuzuordnende Wahrnehmung. Es dürfte zudem kein Gleichgewicht besitzen und keine Schwerkraft wahrnehmen.[61]
Wie ich finde verdeutlicht diese Vorstellung die Unmöglichkeit der Festlegung eines Ausgangspunktes bzw. einer Referenzperspektive und somit die Unmöglichkeit einer auf Gesetzen basierten Geometrie im unmittelbaren Sehen.
Es scheint, als könne ein ausschließlich sehendes Wesen demnach, entgegen der
Auffassung Falkensteins, tatsächlich nicht einmal die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten
unserer Geometrie verstehen.
Zumindest dürfte es, ohne die Hilfe eines Tastenden, keine Möglichkeit besitzen unsere Geometrie zu verstehen. Es wäre natürlich vorstellbar, dieses Wesen frontal auf den blauen Kreis des obigen Beispiels schauen zu lassen und ihm mitzuteilen, dass das was es gerade wahrnimmt, etwas ist, was wir als Kreis definieren. Das nur sehende Wesen würde aber keine konkrete Größe dieses Kreises feststellen können, da es die Distanz zwischen sich und dem Objekt nicht erkennen könnte (Tiefe ist ja, laut Berkeley, im unmittelbaren Sehen nicht wahrnehmbar). Zudem würde es, sobald ihm die mit Tastsinn ausgestattete Person als Hilfe fehlte, nicht mehr wissen, ob es auf eine abgekippte Ellipse (die sich im unmittelbaren Sehen ebenfalls als Kreis darstellen könnte) oder frontal auf einen Kreis schaute. Wie bereits erwähnt, ist es fraglich, ob ein nur sehendes Wesen so etwas wie Perspektive überhaupt verstehen könnte.
Anhand des bisher Dargestellten scheint das unmittelbare Sehen in Berkeleys Theorie des Sehens durchaus einen zweidimensionalen Charakter besitzen zu können. Es fällt jedoch auf, dass die Ausprägungen der USObjekte, sofern solche voneinander abgrenzbar wären, unstet sind und sich in ihren räumlichen Relationen von den MSObjekten bzw. TObjekten grundlegend zu unterscheiden scheinen.
Dennoch ist eine Interpretation der Objekte des unmittelbaren Sehens als zweidimensional bezüglich der NTV/TVV nicht unplausibel. Berkeley selbst scheint an manchen Stellen von einer vollkommen raumlosen Vorstellung der USObjekte abzuweichen (z.B. wenn er im §55 der TVV vom Modell des visuellen Gitters spricht).[62]
Im folgenden Kapitel soll die Idee eines vollständig raumlosen unmittelbaren Sehens betrachtet und ins Verhältnis zum bisher Gesagten gesetzt werden.
Einige Stellen der NTV legen nahe, dass das unmittelbare Sehen überhaupt nicht räumlich ist, sondern sich einzig durch Lichtverhältnisse und Farben definiert.
So z.B. §43: „[…] Farben, die das eigentümliche und unmittelbare Objekt des Gesichtssinns sind [...]“[63], §129: „Es gibt aber auch kein anderes unmittelbares Objekt des Gesichtsinnes außer Licht und Farben.“[64] oder sehr nachdrücklich im vorletzten Paragraphen der NTV:
„Aus all dem können wir schließen, daß Flächen ebensowenig das unmittelbare Objekt des Gesichtssinnes sind wie Körper. Was wir strenggenommen sehen, sind nicht Körper, aber auch nicht verschiedenfarbige Flächen, sondern nur Verschiedenheit von Farben.“[65]
Diese Passagen scheinen klar von einer vollständigen Raumlosigkeit des USObjektes zu sprechen. Es wäre demnach weder drei-, noch zweidimensional, sondern würde sich uns ausschließlich als Licht und Farben präsentieren.
Ein nicht räumliches USObjekt scheint am besten in die Gesamttheorie Berkeleys zu passen. So würde es z.B. seine Heterogenitätsthese unterstützen, welche dafür argumentiert, dass die Dinge des Tastsinns von denen des unmittelbaren Sehens grundlegend verschieden sind. Die USObjekte wären in der Folge nur Symbole für die TObjekte mit ihrer Räumlichkeit und stünden in keiner notwendigen Verbindung zu ihnen.
Berkeley verdeutlicht dies in der NTV am Beispiel einer erstmals sehenden Person. Er schreibt,
„[…] daß ein blindgeborener Mensch beim ersten Empfang seines Sehvermögens nicht denken würde, die Dinge, die er sieht, wären von der selben Art wie die Objekte des Tastsinnes oder hätten etwas mit ihnen gemeinsam, sondern daß sie eine neue Menge von Vorstellungen sind, die auf eine neue Weise wahrgenommen werden und von all denen, die er bisher jemals wahrgenommen hat, völlig verschieden sind, so daß er sie nicht mit denselben Namen benennen würde, und sie auch nicht für gleichartig mit irgendetwas, das er bisher kannte, halten würde.“[66]
Im direkt folgenden §129 betont er dann noch einmal, dass Licht und Farben das einzige unmittelbare Objekt des Sehsinns darstellen und von den Vorstellungen des Tastsinns vollständig verschieden sind.[67]
Es scheint nur dann überhaupt möglich zu sein, die unmittelbaren Objekte des Sehens von denen des Tastsinns vollständig abzugrenzen, wenn erstere absolut keine Räumlichkeit besitzen. Es ist eine Eigenschaft der TObjekte, räumlich zu sein. Wäre es nun auch eine Eigenschaft der USObjekte, so bestünde eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Vorstellungsarten, welche Berkeley, wie gezeigt, klarerweise abzulehnen scheint.
Doch ist eine vollständige Raumlosigkeit des USObjektes in Berkeleys Theorie des Sehens wirklich vertretbar?
Falkenstein merkt beispielsweise an, dass, wenn das unmittelbare Sehen vollständig raumlos wäre, wir in der Lage sein müssten, uns ein farbiges Objekt ohne Form, Größe oder Lage vorzustellen.
„If ideas of space are exclusively tactile, we ought to be able to think of colors which exhibit no features of extension as easily as we can conceive colors apart from smells. In fact, however, unextended colors fall on Berkeley‘s list of abstract ideas.[68]
Es widerspricht also der Vorstellung Berkeleys, sich visuelle Ausdehnung nur in Verbindung mit Farblichkeit vorstellen zu können. Falkenstein verweist dafür z.B. auf §43 der NTV, in welchem Berkeley Ausdehnung und Farbe als untrennbar verbunden zu verstehen scheint:
„Ist nicht die Ausdehnung, die wir sehen, farbig, und ist es uns – und sei es nur in Gedanken – überhaupt möglich, Farbe von Ausdehnung zu trennen und abzusondern.“[69]
Ohne Farbe ist keine Ausdehnung vorstellbar und ohne Ausdehnung keine Farbe.
Noch eindrücklicher ist §123 der NTV in welchem abstrakte, von unseren Sinneseindrücken abgesonderte Ausdehnung als vollkommen unvorstellbar dargelegt wird:
„Nun finde ich, daß ich solch eine abstrakte Vorstellung, wie die hier besprochene, weder wahrnehmen, noch mir einbilden und auch nicht irgendwie in meinem Geist entwickeln kann. Eine Linie oder Fläche, die weder schwarz noch weiß noch blau noch gelb ist, weder lang noch kurz, weder rauh noch glatt, weder eckig noch rund usw. ist völlig unbegreiflich.“[70]
Mir scheint jedoch, dass Ausdehnung nicht unbedingt drei- bzw. zweidimensional verstanden werden muss.
Berkeley selbst spricht immer wieder von Ausdehnung und Größe im unmittelbaren Sehen. So z.B. in §56 der NTV: „[…] die Größe oder Ausdehnung des sichtbaren Objekts, die unmittelbar durch den Gesichtssinn wahrgenommen wird [...]“[71]
Eine Größe oder Ausdehnung eines USObjektes anzunehmen, ohne es als räumlich zu verstehen scheint zunächst unmöglich. Doch vielleicht ist es genau das Verstehen, welches eine Möglichkeit bietet, die USObjekte vollständig raumlos zu belassen.
Im vorangegangenen Kapitel wurde für ein 2D-Layout im unmittelbaren Sehen argumentiert. Demnach wäre das unmittelbare Sehen zweidimensional, mit der Möglichkeit bestimmte, unstete ebene Figuren zu erkennen.
Doch, vielleicht könnte ein ausschließlich sehendes Wesen das was es sieht überhaupt
nicht als zweidimensional verstehen, da ihm die Grundlagen für ein solches Verständnis fehlten.
Es lassen sich Stellen in der NTV finden, welche eine solche Sicht unterstützen.
So spricht Berkeley z.B. davon, dass die USObjekte sich nicht außerhalb von uns, sondern in uns befinden:
„Um das Sehen genau und ohne Verwirrung zu behandeln, müssen wir daher im Gedächtnis behalten, daß es zwei Arten von Objekten gibt, die durch das Auge erfasst werden, die eine primär und unmittelbar, die andere sekundär und durch Vermittlung der ersteren. Jene der ersten Art haben weder den Anschein, außerhalb des Geistes oder in irgendeiner Entfernung zu sein, noch sind sie es.“[72]
Oder noch deutlicher in §44 der NTV:
„[…] daß die unmittelbaren Objekte des Gesichtssinns nicht einmal die Vorstellung von solchen Dingen sind, die sich in einer Entfernung befinden und ihnen auch nicht ähnlich sind [...]“[73]
Befinden sich die USObjekte tatsächlich vollständig innerhalb von uns, stellt sich die Frage, welche Beschaffenheit sie überhaupt haben können. Sind sie dann ihres räumlichen Gehaltes nach nicht eher wie z.B. Gedanken oder Träume zu verstehen?
Es scheint, als würden wir unseren Träumen nur die Vorstellung von Räumlichkeit anhängen. Sie selbst scheinen jedoch nicht räumlich zu sein. Es sind eher Gedanken, welchen wir räumliche Erfahrungen zuordnen. Für gewöhnlich haben wir während wir träumen unsere Augen nicht einmal geöffnet um überhaupt etwas sehen zu können. Der Traum befindet sich in uns und wird unwillkürlich hervorgerufen, genau wie das USObjekt sich in uns befindet und unwillkürlich hervorgerufen wird. Die Bilder eines Traumes könnten selbst nicht räumlich erscheinen, würden sie nicht durch die Erfahrung als räumlich gedacht. Der Traum selbst ist ja nicht räumlich. Seine Struktur ist gedanklich. Gedanken scheinen nun weder drei- noch zweidimensional zu sein.
Sowohl der Traum, als auch das USObjekt werden durch etwas Äußeres hervorgerufen.
Eine Vorstellung von Außen kann man jedoch allein über das unmittelbare Sehen nicht erlangen, wenn dieses denn tatsächlich keine Wahrnehmung von Distanz ermöglicht, so wie Berkeley es in der NTV behauptet.
Vielleicht ist es auch das, was Berkeley meint, wenn er sagt, dass eine gewisse Form von Distanz vonnöten ist, um überhaupt zweidimensional sehen zu können.[74]
Um den Gedanken zu verdeutlichen, versuche man sich in die Wahrnehmung eines
ausschließlich sehenden Wesens zu begeben.
Das was es wahrnimmt, sind lediglich Gedanken und ein Zustand unsteter Farben und Licht in ihm. Es ist zu bemerken, dass dieses Wesen keinerlei Vorstellung von geometrischem Raum haben könnte, da alles was es wahrnähme nur Gedanken sowie Farb- und Licht empfindung wäre. Ihm würde jede Lokalisierung im Raum, jede räumliche Relation und somit jegliche Referenz fehlen müssen, das Gesehene sinnvoll einzuordnen.[75]
Größe im unmittelbaren Sehen könnte anhand dieser Betrachtung also allgemein als Anteil des Sichtbaren gemeint sein. Ein blauer Kreis vor einem weißen Hintergrund wäre in dieser Interpretation des unmittelbaren Sehens eine bestimmte Anzahl wahrgenommener minima visibilia. Je näher ein nur sehendes Wesen diesem Kreis käme, desto größer würde die Anzahl der blauen minima visibilia und somit der wahrgenommene Blauanteil werden. Den Kreis würde es jedoch nicht als ebene Figur verstehen, da ihm das Konzept der Räumlichkeit gänzlich fehlte.
Diese Vorstellung des Sehens könnte auch die als kritisch erachtete Erklärung der Mondillusion Berkeleys gut erklären.
Der Grund, aus welchem uns der Mond am Horizont für gewöhnlich größer erscheint läge demnach ausschließlich in den MSObjekten. Es wäre allein die Schwäche und Lage des mittelbar gesehenen Mondes, welche uns eine größere Entfernung anzeigte, während die unmittelbar gesehene Erscheinung, welche uns eine Vorstellung des Mondes suggeriert, gleichgroß bleibt. In §74 scheint Berkeley genau von diesem Zusammenhang zu sprechen:
„Die Größe des sichtbaren Mondes oder das, was das eigentliche und unmittelbare Objekt des Sehens ist, ist dann, wenn sich der Mond am Horizont befindet, nicht größer, als wenn er im Meridian steht. […] Wenn man sagt, ein Ding erscheine groß oder klein, oder welche Schätzung man auch über die Größe eines Dinges macht, so ist es also nicht vom sichtbaren, sondern vom tastbaren Objekt gemeint.“[76]
Der Mond des unmittelbaren Sehens bliebe also gleich groß, z.B. bei einer Anzahl von "[…] dreißig sichtbaren Punkten[...]"[77], da die tatsächliche Entfernung des Mondes zum Standpunkt des Sehenden sich nicht (bzw. vernachlässigbar wenig) verändert. Das würde bedeuten, dass die Anzahl der minima visibilia gleich bliebe und somit auch die Größe des Mondes im unmittelbaren Sehen. Allein die Erfahrung suggeriert uns, über die schwächere Erscheinung des Mondes am Horizont, einen größeren Mond. Im mittelbaren Sehen nehmen wir somit einen größeren Mond wahr.
Berkeley selbst verweist in den Paragraphen zur Mondillusion (z.B. §§68 und 74) immer wieder auf §56, in welchem er die Grundlage des Phänomens des größer wahrgenommenen Mondes am Horizont darstellt.
In §44 schreibt er mehrfach über das Verhältnis von der Entfernung des sehenden Subjektes zur Größe des unmittelbar gesehenen Objektes. So z.B.:
"Die Erscheinung verändert sich nämlich mit jedem Schritt, den ich auf sie zu mache, und aus einer dunklen, kleinen, schwachen wird eine klare, große und lebhafte.".[78]
Ein weiteres Beispiel stellt §60 der NTV dar. Auch in diesem weist Berkeley auf eben dieses Verhältnis hin.
Er scheint insgesamt sagen zu wollen, dass bei geringerer Distanz zum gesehenen Objekt (diese Distanzwahrnehmung können wir mit Hilfe unseres Tastsinnes einschätzen) die Größe des unmittelbar Gesehenen zunimmt (z.B. von 30 Minima visibilia im Monddurchmesser auf 40).
Im Falle der Mondillusion bewegen wir uns jedoch nicht auf den Mond zu und auch der Mond verändert seine Distanz vernachlässigbar wenig zu uns. Daraus folgt, dass die Erscheinung des unmittelbar gesehenen Mondes in gleicher Größe bleibt.[79]
Diese Vorstellung der Ausprägung des unmittelbaren Sehens hat den Vorteil, eine Räumlichkeit im geometrischen Sinne aus dem Sehen gänzlich herauszulassen und vollständig auf den Tastsinn zu verlagern. Wie bereits erwähnt, würde diese Sichtweise Berkeleys Heterogenitätsthese, also den Gedanken der grundlegenden Verschiedenheit von TObjekten und USObjekten, unterstützen.
Doch ist eine vollständige Raumlosigkeit der USObjekte in Berkeleys Theorie des Sehens wirklich plausibel?
In den §§55-56 der TVV, in welchen die Erscheinungen des Sehens am Modell eines visuellen Gitters erklärt werden, kommen zunächst Zweifel daran auf.
Dieses visuelle Gitter ist eine von Berkeley vorgestellte durchsichtige, senkrecht zum Horizont stehende Fläche, welche in gleichgroße Quadrate eingeteilt ist. Je mehr Quadrate eine Erscheinung einnimmt, desto größer ist ihre sichtbare Ausdehnung.[80]
Berkeley möchte an diesem Beispiel zeigen, dass die tastbare Ausdehnung eines Objektes nicht von der Anzahl der besetzten Quadrate im Gitter abhängig ist, sondern von anderen Faktoren, wie z.B. der Lage:
„[…] denn diejenigen, die durch die oberen Quadrate gesehen werden, erscheinen weitaus größer als jene, die man durch die unteren Quadrate sieht, obwohl sie dieselbe oder eine viel größere Anzahl jener gleichgroßen Quadrate auf der durchsichtigen Fläche einnehmen.“[81]
Das Problem scheint hierbei folgendes zu sein. Wie kann es sein, dass das USObjekt vollkommen raumlos ist und nur aus Licht und Farben besteht, wenn man es in einem visuellen Gitter in räumliche Verhältnisse zueinander stellen und die Größe und Lage der verschiedenen Erscheinungen des unmittelbaren Sehens in gewisser Weise geometrisch einordnen kann?
Um dieses scheinbare Problem zu lösen, muss man in den folgenden §57 der TVV schauen:
„Es ist wahr, diese durchsichtige Fläche und ihre Abbilder, die nach Voraussetzung darauf projiziert werden, haben eine tastbare Natur. Es gibt dann aber Bilder, die auf jene Abbilder bezogen sind, und diese Bilder haben eine Anordnung untereinander, die der Lage der Abbilder entspricht. Mit Bezug auf diese Anordnung werden jene Bilder auch »höher« und »niedriger« genannt.Diese Bilder sind auch mehr oder weniger schwach. In Wahrheit sind sie, und nicht die Abbilder, die sichtbaren Objekte.“[82]
Die Idee ist eindeutig. Berkeley schiebt die USObjekte der Betrachtung am visuellen Gitter gewissermaßen erst nach. Sowohl das visuelle Gitter, als auch alles, was wir daran betrachten, gehört in den Bereich des Tastbaren. Es sind demnach MSObjekte, welche wir im Gitter sehen und auch das Gitter selbst stellt ein MSObjekt dar.
Die Erscheinungen, die wir im Gitter betrachten sind nur die Abbilder des eigentlichen USObjektes. Berkeley unterscheidet hier zwischen Abbildern (MSObjekt) und Bildern (USObjekt). Die Bilder sind nicht höher oder niedriger. Sie stehen in keiner geometrischen Relation. Erst ihre Abbilder können in diesen Relationen betrachtet werden.
Dennoch haben die Bilder, also die USObjekte, eine „[…] Lage und Größe [...]“.[83]
Das heißt jedoch nicht, dass ein ausschließlich sehendes Wesen die Lage der Erscheinungen seines Sehens in irgendeiner Weise zuordnen oder die Größe seines Gesehenen in eine räumliche Relation stellen könnte. Es ist vorstellbar, eine Lage von Objekten im unmittelbaren Sehen wahrzunehmen, ohne diese in räumliche Relationen wie oben oder unten einordnen zu können.[84]
Sowohl das Modell des visuellen Gitters der TVV als auch die Zuordnung von Begrifflichkeiten wie Größe und Lage zum unmittelbaren Sehen scheinen keine größeren Probleme darzustellen, das USObjekt als raumlos verstehen zu können.
Einige moderne Philosophen sprechen sich für eine raumlose Beschaffenheit der USObjekte aus.
So z.B. Rebecca Copenhaver, welche in ihrem Artikel „Berkeley on the Language of Nature and the Objects of Vision“ für eine solche Sichtweise argumentiert.
Sie sieht die Ausdehnung, Anzahl und Lage visueller Objekte jedoch als eine eigene Klasse an. Diese Eigenschaften seien weder dem USObjekt noch dem MSObjekt zuzuordnen.
Copenhaver schreibt:
„Visible figure, magnitude, and situation are objects of vision, but of a special class. They are neither primary nor secondary objects of vision. Nor are they objects of touch. They are objects of vision treated as items of language: signs with significance. Call them eidemes.“[85]
Der Gedanke Copenhavers unterstützt die Idee, dass ein ausschließlich sehendes Wesen, aufgrund der ihm fehlenden räumlichen Relationen, nicht einmal ebene Figuren erkennen könnte. In Copenhavers Sprachmetapher würde dem Wesen die Sprache, also der Rahmen, für eine sinnvolle Einordnung der von ihm gesehenen Objekte fehlen. Da ihm der Tastsinn fehlt, hat es keine Referenz für die Zuordnung räumlicher Relationen zum Gesehenen und sieht aus diesem Grunde ein unbegrenztes Farbgewirr. Es kann den Farben die es sieht keine sinnvollen Grenzen zuordnen, vergleichbar mit jemandem, der versucht, Bedeutungsgrenzen in einer Sprache bestehend aus den Ziffern 1 und 0 zu erkennen, deren Regeln ihm vollständig unbekannt sind.[86]
Visuelle Ausdehnung und Lage, so Copenhaver, sind für das Sehen das, was Wörter für eine Sprache sind: „Eidemes – visible figure, magnitude, and situation – are to the language of vision what words are to English.“[87]
Der Gedanke Copenhavers ist einleuchtend. Doch lässt sich eine solche Interpretation
mit den Aussagen Berkeleys belegen?
Copenhaver selbst weist z.B. auf die §§139 und 140 der NTV hin.[88] In diesen spricht Berkeley sich zwar für die grundlegende Heterogenität von taktilen und visuellen Objekten aus, welche, da sie gemeinsam auftreten, nur mit den selben Namen benannt werden. Dies scheint jedoch nicht ausreichend zu sein.
Copenhaver nimmt eine Ebene zwischen den mittelbaren und unmittelbaren Objekten des Sehens an (eidemes), von welcher weder in der NTV noch in der TVV die Rede ist. Berkeley spricht an keiner Stelle von einer dritten Form der Objekte des Sehens, welche weder unmittelbar noch mittelbar gesehen wird.
Es lassen sich jedoch Textstellen heranziehen, welche zumindest die Idee der eidemes unterstützen.
So z.B. Berkeleys Aussagen zum Modell des visuellen Gitters (TVV §§54-57).
Im bereits dargestellten §57 der TVV macht Berkeley eine interessante Unterscheidung von Bildern und Abbildern. Die Bilder stehen hierbei für das USObjekt, wohingegen die Abbilder die MSObjekte bezeichnen.
Es fällt auf, dass Berkeley von einer Anordnung der Bilder (pictures) untereinander und einer Lage der Abbilder (images) spricht. Nur in Bezug auf die Anordnung der Abbilder werden die Bilder „höher“ oder „niedriger“ genannt. Die Anordnung der USObjekte unterscheidet sich also von jener der MSObjekte und kann, ohne die Anordnung der MSObjekte gar nicht sinnvoll beschrieben werden, sondern nur in Bezug auf diese.
Man sieht also Lage und Größe unmittelbar, kann diese jedoch nur in Bezug auf das mittelbar Gesehene beschreiben und einordnen.
Auch wenn Berkeley nie konkret darüber spricht, scheint es jedoch so, als benötigte man etwas zwischen den USObjekten und MSObjekten, um die Beschaffenheit der Objekte des Sehens vollständig verstehen zu können. Dies trifft zumindest dann zu, wenn man die unmittelbaren Objekte des Sehens als raumlos erachtet. Denn ist dies der Fall, stellt sich die Frage, weswegen wir ohne den Tastsinn nur Farben und Licht sehen, wohingegen wir, den Tastsinn hinzugefügt, ein zwei- und dreidimensionales Sehen besitzen. Genau genommen sieht ein ausschließlich sehendes Wesen ja die gleichen Erscheinungen wie wir. Wieso sollte es dann nicht in der Lage sein, zumindest zweidimensionale Figuren zu erkennen?
Ordnet man dem unmittelbaren Sehen ein 2D-Layout zu, erübrigen sich diese Fragen.
Das ausschließlich sehende Wesen erhält in diesem Falle, durch Hinzunahme des Tastsinns, nur die Tiefendimension des Sehens und nicht überhaupt erst Räumlichkeit.
Wie bereits dargestellt, scheint aus der fehlenden Distanz im Sehen, von welcher Berkeley mehrfach spricht[89], jedoch mehr zu folgen als nur das Fehlen der Tiefendimension des Sehens. Ein vollständig distanzloses Sehen muss sich in uns befinden. Auch dafür argumentiert Berkeley klar.[90] Findet das unmittelbare Sehen nun vollständig in uns statt, und haben wir keinen anderen Zugang zu Distanz (man denke an das ausschließlich sehende Wesen), kann es auch im Sehen kein Verständnis von der Entfernung zweier Punkte zueinander geben. Ein in uns befindliches, distanzloses Sehen ist selbst nicht räumlich, genauso wenig, wie es unsere Gedanken oder Träume sind. Ihm kann allein Räumlichkeit zugewiesen werden. Um etwas anderem Räumlichkeit zuzuordnen, muss man zunächst jedoch etwas (oder sich selbst) als räumlich wahrnehmen. Das nur sehende Wesen könnte dies nicht, da es nur die in sich befindlichen Farben und Lichter wahrnähme.[91]
Diese Argumentation lässt sich mit einigen Paragraphen der NTV gut unterstützen.[92]
Es scheint, als wäre ein 2D-Layout im unmittelbaren Sehen (bzw. in der Wahrnehmung eines nur sehenden Wesens), hinsichtlich des soeben gesagten, schwer haltbar.[93]
Gehen wir von einem raumlosen USObjekt aus, stellt sich jedoch noch immer die Frage, weswegen wir, obwohl wir im unmittelbaren und mittelbaren Sehen den selben Reiz von außen erhalten, das Gesehene im einen Falle räumlich und im anderen raumlos wahrnehmen.
Die Antwort kann ebenfalls am Beispiel des ausschließlich sehenden Wesens gegeben werden. Dieses würde das, was wir im mittelbaren Sehen als räumlich interpretieren, zwar sehen, jedoch nicht verstehen können. Es könnte, aus den obigen Gründen, dem Gesehenen erst mithilfe des Tastsinns eine Räumlichkeit zuordnen. Etwas salopp gesagt würde ein solches Wesen die Grenzen einer Figur zwar sehen, jedoch nicht verstehen bzw. erkennen können.
Um die Grenzen einer Sprache bestehend aus den Ziffern 1 und 0 verstehen zu können, benötigt man das zugrundeliegende Prinzip der Wörter dieser Sprache. Unmittelbar sieht man nur eine unbegrenzte Abfolge von Ziffern, solange, bis man durch neue Einflüsse erste Wörter bzw. das Prinzip hinter der Wortbildung erfährt. Erst dann ist es möglich, die Grenzen dessen was man sieht festzulegen und überhaupt zu erkennen.
Copenhaver beispielsweise führt dafür die eidemes ein, welche zwar nicht ausdrücklich von Berkeley erwähnt werden, jedoch eine plausible Idee darstellen, ein raumloses USObjekt zu rechtfertigen.
Welchen räumlichen Gehalt die Objekte des unmittelbaren Sehens in Berkeleys Theorie des Sehens besitzen scheint unter anderem davon abzuhängen, wie man die fehlende Distanz im unmittelbaren Sehen, für welche Berkeley sich klar ausspricht, versteht. Ist Distanz tatsächlich nur die Tiefendimension des Sehens oder meint Berkeley mehr, wenn er das unmittelbare Sehen als vollständig distanzlos beschreibt?
Falkensteins Argumentation diesbezüglich stützt sich auf den Gedanken, dass eine fehlende Tiefendimension nicht notwendig eine vollständige Raumlosigkeit nach sich ziehen muss. Einem ausschließlich sehenden Wesen sei eine gewisse Form von Geometrie möglich (z.B. eine Gerade als kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten zu definieren), weswegen das unmittelbare Sehen nicht raumlos sein könne.[94]
Aufgrund der fehlenden Möglichkeit die räumlichen Relationen sinnvoll bzw. einheitlich einzuschätzen, scheinen die Erscheinungen des unmittelbaren Sehens jedoch unbeständig zu sein. Eine Gerade als die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten zu definieren wäre damit für ein nur sehendes Wesen unmöglich. Dennoch ist ein Wahrnehmen unsteter zweidimensionaler Körper im unmittelbaren Sehen plausibel, sofern Distanz allein als Tiefendimension verstanden wird.
Doch Berkeley scheint an manchen Stellen von mehr zu sprechen.
Die fehlende Distanz führe dazu, dass das unmittelbare Sehen vollständig in uns stattfindet.[95]
Ein USObjekt befindet sich in keiner Distanz zu uns bedeutet dann, dass es sich in uns befindet. In dieser Idee scheint der räumliche Gehalt des unmittelbaren Sehens mit dem von Gedanken bzw. Träumen vergleichbar zu sein. Das USObjekt könnte demnach nicht räumlich sein, da es sich selbst in keinem Raum befände.
Es scheint auch entscheidend zu sein, welche Gewichtung man den letzten Paragraphen der NTV (§§153-158) sowie den Passagen der TVV zuschreibt, in welchen sehr deutlich von einer Raumlosigkeit des unmittelbaren Sehens gesprochen wird.[96]
Berkeley schließt die NTV gewissermaßen mit den Worten:
„Aus all dem können wir schließen, daß Flächen ebensowenig das unmittelbare Objekt des Gesichtssinnes sind wie Körper. Was wir strenggenommen sehen, sind nicht Körper, aber auch nicht verschiedenfarbige Flächen, sondern nur Verschiedenheit von Farben.“[97]
Offensichtlich wird hier für eine vollständige Raumlosigkeit des unmittelbaren Sehens plädiert. Berkeley spricht an diesen Stellen ganz klar von einem raumlosen unmittelbaren Sehen. Es lassen sich hingegen keine Stellen innerhalb der NTV bzw. TVV finden, in denen er für einen klaren räumlichen Gehalt im Sehen (2D/3D) argumentiert. Meines Erachtens spricht das dafür, dass Berkeley die USObjekte als raumlos versteht.
Allerdings scheint er hin und wieder von einer klaren Argumentation für die Raumlosigkeit des unmittelbaren Sehens abzuweichen.[98]
Ein letzter Punkt, welcher auf die Raumlosigkeit des unmittelbaren Sehens hinweist, ist die wesentliche Verschiedenheit von Seh- und Tastsinn.[99]
Wenn wir dem Tastsinn eine Räumlichkeit zuweisen, dann müssen wir sie aus dem unmittelbaren Sehen herauslassen. Berkeley argumentiert klar dafür, dass der Tastsinn uns mit Räumlichkeit versorgt und Tast- und Sehsinn nichts Gemeinsames besitzen. Daraus scheint zu folgen, dass das unmittelbare Sehen als raumlos verstanden werden muss.
Insgesamt ist es zwar möglich die Objekte des unmittelbaren Sehens in Berkeleys Theorie des Sehens als zweidimensional zu interpretieren, es scheint jedoch mehr dafür zu sprechen, sie als gänzlich raumlos zu verstehen. Sowohl die fehlende Distanz im unmittelbaren Sehen, als auch die vollständige Verschiedenheit von Seh- und Tastsinn sowie die Vorstellung eines ausschließlich sehenden Wesens scheinen die Vorstellung der Objekte des unmittelbaren Sehens, als absolut raumlos, gut zu unterstützen.
Dennoch, es bedarf einiger Interpretation, um die räumliche Beschaffenheit des unmittelbaren Sehens in der New Theory of Vision als raumlos zu verstehen und letzten Endes bleibt doch unklar, wie genau Berkeleys Objekte des unmittelbaren Sehens nun eigentlich beschaffen sind.
Es bedarf wohl weiterer Betrachtungen und Überlegungen, um die räumliche Beschaffenheit der Objekte des unmittelbaren Sehens in Berkeleys Theorie des Sehens genauer zu verstehen.
Berkeley selbst schreibt zum Ende der TVV:
„Ohne Mühe und Denken wird kein Mensch jemals die wahre Natur des Sehens verstehen oder begreifen, was ich darüber geschrieben habe“[100]
Berkeley, George: Versuch über eine neue Theorie des Sehens. Hamburg: Meiner,
1987a (1709)
Berkeley, George: Die Theorie des Sehens verteidigt und erklärt. Hamburg: Meiner,
1987b (1709)
Baumann, Peter: Molyneux's Question and the Berkeleian Answer. In Jean Paul
Margot & Mauricio Zuluaga (eds.), Jean Paul Margot & Mauricio Zuluaga (eds.),
Perspectivas de la Modernidad. Siglos XVI, XVII y XVIII. Colección Artes y
Humanidades. pp. 217-234, 2011.
Copenhaver, Rebecca: Berkeley on the Language of Nature and the Objects of Vision.
Res Philosophica. 91. 29-46, 2014
Falkenstein, Lorne: Intuition and construction in Berkeley's account of visual space.
Journal of the History of Philosophy 32 (1):63-84, 1994.
Grush, Rick: Berkeley and the Spatiality of Vision. Journal of the History of
Philosophy, vol. 45 no. 3, pp. 413-442. Project MUSE, 2007
Natterer, Paul: Philosophie des Geistes. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2011
[1] Im Folgenden werde ich des Öfteren die Abkürzungen NTV (An Essay towards a New Theory of Vision) sowie TVV (The Theory of Vision Vindicated and Explained) verwenden.
[2] Berkeley, 1987a, §4, S.13
[3] Berkeley, 1987a, §6, S.14
[4] ebd., §3, S.13
[5] vgl. Berkeley, 1987a, §5, S.14
[6] vgl. ebd., §3, S.13
[7] ebd., §3, S.13
[8] ebd., §17, S.17
[9] vgl. Berkeley, 1987a, §2, S.13
[10] vgl. ebd., §10, S.15
[11] vgl. ebd., §50, S.34
[12] vgl. ebd., §44, S.30-31
[13] ebd., §50, S.34
[14] Darüber, dass die unmittelbaren Objekte des Sehens in der NTV distanzlos sind und eher einen Symbolcharakter besitzen, scheint in der Berkeley-Forschung weitestgehend Einigkeit zu herrschen. Was es jedoch genau bedeutet, distanzlos zu sein und in welchem Verhältnis die unmittelbaren Objekte des Sehens zum Tastsinn stehen (notwendig/arbiträr) ist hingegen sehr umstritten.
[15] Berkeley, 1987a, §49, S.33-34
[16] Auch Peter Baumann schlägt eine begriffliche Unterscheidung von Objekten des Tast- und Sehsinns mithilfe von Indizes vor, um den fundamentalen Unterschied von taktilen und visuellen Objekten hervorzuheben. (Vgl. Baumann 2011, S.228)
[17] Berkeley, 1987a, §50, S.34
[19] Berkeley, 1987a, §44, S.30-31
[20] Auch §127 der NTV spricht deutlich von einer wesentlichen Verschiedenheit der Erscheinungen der beiden Sinne. Der Paragraph verdeutlicht zudem, dass es keine abstrakte Ausdehnung geben kann. Demnach hat das was wir tasten eine Ausdehnung. Das was wir im unmittelbaren Sehen als Ausdehnung bezeichnen, ist von der Tastsinn-Ausdehnung jedoch wesentlich verschieden.
[21] Berkeley, 1987a, §50, S.34
[22] ebd., S.30-31
[23] Hier ist gemeint, dass sich das Objekt des Tastsinns in einer erheblichen Entfernung befindet. Es selbst ist von den Objekten des Sehens wesentlich verschieden und kann visuell nicht erscheinen.
[24] Berkeley, 1987a, §44, S.30-31
[25] Im Folgenden wird dies noch ausführlicher betrachtet werden.
[26] Grush 2007, S.417
[27] Natterer 2011, S.56
[28] ebd., S.57
[29] vgl. ebd., S.58
[30] Auch für Berkeley hängen „[…] die Urteile, die wir über Größe fällen, ebenso wie die über Entfernung von der Anlage des Auges ab […]“ (NTV §57)
[31] Es fällt jedoch schwer, dieses ausschließlich sehende Wesen als repräsentatives Beispiel für das menschliche Sehen zu verwenden. Man denke an die tiefenempfindlichen Zellen in unserer Sehrinde.Unser Sehapparat scheint schlichtweg anatomische Strukturen zu besitzen, welche uns ein unmittelbares räumliches Sehen möglich machen.
[32] Baumann 2011, S.224-225
[33] Einige moderne Autoren sprechen sich für eine Zweidimensionalität des USObjektes aus. So z.B. George Pitcher, Alan Donagan und D.M. Armstrong, welche auch von Falkenstein erwähnt werden.
[34] vgl. Falkenstein 1994, S.68-70
[35] vgl. ebd., S.70
[37] Auch für Falkenstein kann es also offenbar nicht gänzlich abwegig sein, dass eine fehlende Distanz im unmittelbaren Sehen mehr bedeuten könnte, als die bloße Abwesenheit der Tiefendimension.
[38] Falkenstein 1994, S.70
[39] Berkeley, 1987a, §54, S.36
[40] Berkeley, 1987b, §44, S.123
[42] ebd., §46, S.123-124
[43] ebd., §47, S.124
[44] Berkeley, 1987a, §127, S.73
[45] ebd., §156, S.87
[46] vgl. ebd., §§ 153-155, S.86-87
[47] siehe: Falkenstein 1994, S.70
[48] vgl. Berkeley, 1987a, §17, S.16
[49] Wichtig zu erwähnen ist hier, dass es insgesamt fraglich ist, ob überhaupt von einer Abgrenzung von Objekten im unmittelbaren Sehen gesprochen werden kann. Berkeley selbst geht auf diesen Punkt im §108 der NTV ein, indem er darauf hinweist, dass eine Verschiedenheit sichtbarer Objekte nicht notwendig mit der Verschiedenheit tastbarer Objekte zusammenhängt. Ob zwei abgegrenzte Punkte in der Wahrnehmung aus dem mittelbaren Sehen auch zwei abgegrenzte Punkte in der Wahrnehmung aus dem unmittelbaren Sehen bedeuten würden, ist daher fraglich.
[50] Eine veränderte Tiefenposition kann in Berkeleys Theorie des Sehens nur im mittelbaren Sehen erkannt werden, da eine Distanz und damit die Dimension der Tiefe im unmittelbaren Sehen fehlt.
[51] Berkeley, 1987a, §61, S.39
[52] Das ausschließlich sehende Wesen Berkeleys darf, so wie ich es verstehe, auch keine Schwerkraftwahrnehmen können und keinen Boden unter seinen Füßen, da diese beiden Dinge ebenfalls Tastempfindungen darstellen. Ich sehe nicht wie dieses Wesen, unter den gegebenen Voraussetzungen, einen sinnvollen Ausgangspunkt seiner geometrischen Betrachtungen festlegen könnte. Aufgrund des fehlenden räumlichen Referenzpunktes, wäre es ja bereits unmöglich, konstante Raumrelationen von oben, unten, rechts, links usw. festzulegen.
[53] siehe: Falkenstein 1994, S.70
[54] vgl. Berkeley, 1987a, §82, S.51-52
[55] Falkenstein 1994, S.70
[56] ebd., S.72
[57] Berkeley, 1987a, §155, S.87
[58] Berkeley, 1987a, §109, S.64
[59] ebd., §110, S.64
[60] Copenhaver, 2014, S.12
[61] Ich lasse hier bewusst das Hören außer Acht, um dieses ohnehin schon schwer vorstellbare Beispiel eines ausschließlich sehenden Wesens möglichst einfach zu halten.
[62] vgl. außerdem: Berkeley, 1987a, §155, S.87
[63] ebd., §43, S.30
[64] Berkeley, 1987a, §129, S.74
[65] ebd., §158, S.88
[66] ebd., §128, S.74
[67] vgl. ebd., §129, S.74
[68] Falkenstein 1994, S.73
[69] Berkeley, 1987a, §43, S.30
[70] ebd., §123, S.71
[71] ebd., §56, S.37
[72] Berkeley, 1987a, §50, S.34
[73] ebd., §44, S.30-31
[74] vgl. ebd., §155, S.87
[75] Wie bereits weiter oben erwähnt, muss ein absolut nicht tastendes Wesen, wie ich glaube, so verstanden werden, dass es keine Schwerkraft und keinen Druck empfindet. Des Weiteren dürfte es keinen Gleichgewichtssinn besitzen. Ein ausschließlich sehendes Wesen muss hier so interpretiert werden, dass es keine weitere sinnliche Wahrnehmung abseits seines Sehsinns besitzt.
[76] Berkeley, 1987a, §74, S.46-47
[77] vgl. ebd., §44, S.30-31
[78] Berkeley, 1987a, §44, S.30-31
[79] Größe meint hier so etwas wie Anteil des Gesehenen in minima visibilia.
[80] vgl. Berkeley, 1987b, §55, S.127
[81] Berkeley, 1987b, §55, S.127
[82] ebd., §57, S.128
[84] Empfindet ein ausschließlich sehendes Wesen keine Schwerkraft, besitzt kein Gleichgewichtssinn und kann die Bewegung seiner Augen nicht spüren, ist es sogar sehr naheliegend, dass es keine solchen Raumrelationen zuordnen könnte. Es scheint, als habe es schlicht keine Referenz für eine solche Zuordnung.
[85] Copenhaver, 2014, S.9
[86] Eigenes Beispiel.
[87] Copenhaver, 2014, S.10
[88] vgl. Copenhaver, 2014, S.10
[89] vgl. Berkeley, 1987a, §50, S.34
[91] Es sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, dass ein ausschließlich sehendes Wesen, welches das unmittelbare Sehen ja repräsentiert, nichts sinnliches wahrnehmen könnte außer dem was es sieht. Für dieses Wesen selbst gäbe es kein Innen oder Außen, sondern nur das unmittelbare Erscheinen von Farben und Licht. Es könnte demnach die ihm erscheinenden Farben weder sinnvoll als innerhalb noch als außerhalb verstehen.
[92] Siehe z.B. NTV: §§44,50,129,155,156,158
[93] Hier ist das unmittelbare Sehen bzw. die Wahrnehmung des nur sehenden Wesens in der NTV gemeint. Denkt man beispielsweise an die tiefenempfindlichen Zellen in unserer Sehrinde bzw. unser stereoskopisches Sehen, so fällt es schwer, sich sinnvoll für ein vollständig raumloses unmittelbares Sehen auszusprechen. Im Jahre 1709, dem Erscheinungsjahr von Berkeleys New Theory of Vision, gab es diese wissenschaftlichen Erkenntnisse jedoch noch nicht, weswegen ich hier die Wahrnehmung des ausschließlich sehenden Wesens der NTV abseits moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse betrachte.
[94] vgl. Falkenstein 1994, S.70
[95] vgl. Berkeley, 1987a, §50
[96] vgl. z.B. Berkeley, 1987b, §§ 41, 44
[97] Berkeley, 1987a, §158
[98] vgl. z.B. ebd., §§67-72
[99] ebd., §§50, S.64-65
[100] Berkeley, 1987b, § 70, S.134
9783668700093
v424497
Berkeleys Theorie des Sehens NTV - Raumgehalt
Julius Sieboldt (Autor)
Kritik an Berkeleys Argumenten für die Existenz Gottes und die Nichtexistenz von Ursachen unserer Wahrnehmung außer ihm
Berkeleys Argumente für die Existenz Gottes und die vollständige Abhängigkeit der Materie von ihm

References: §156
 §44
 §44
 §153
 §158
 §127
 §49
 §155
 §55
 §43
 §129
 §129
 §43
 §123
 §56
 §44
 §74
 §56
 §44
 §60
 §57
 §57
 §4
 §6
 §3
 §5
 §3
 §3
 §17
 §2
 §10
 §50
 §44
 §50
 §49
 §50
 §44
 §127
 §50
 §44
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