Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/zwei-gewerbe-zwei-freibetraege/
Timestamp: 2020-04-09 10:39:42+00:00

Document:
Zwei Gewerbe, zwei Freibeträge? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Zwei Gewerbe, zwei Freibeträge?
Sie sind hier: Startseite » Steuerrecht » Zwei Gewerbe, zwei Freibeträge?
Wer in Deutschland ein Gewerbe betreibt, ist gemäß § 14 GewO (Gewerbeordnung) verpflichtet, dieses bei der für ihn zuständigen Behörde anzumelden. Dabei kann unter Umständen jedoch zweifelhaft sein, ob man überhaupt ein Gewerbe betreibt oder eine freiberufliche Tätigkeit. Letztere liegt in jedem Fall vor, wenn man einen sogenannten Katalogberuf gemäß § 18 EStG (Einkommensteuergesetz) ausübt. Dazu gehören Berufe wie: Tierärzte, Ingenieure oder auch Journalisten. Ein Unternehmensberater hingegen kann entweder gewerblich oder freiberuflich tätig sein. Er betreibt z.B. ein Gewerbe, wenn er kein Betriebswirtschaftsstudium besitzt. Liegt ein Gewerbebetrieb eindeutig vor, kann sich der Gewerbetreibende aus unterschiedlichen Gründen oft zur Aufnahme eines weiteren Gewerbetriebes entschließen. In diesem Fall besteht dann natürlich erneut die Pflicht auch zur Anzeige dieses Gewerbes. Fraglich ist jedoch für viele Gewerbetreibende dann, was steuerrechtlich geschieht.
Fällt Gewerbesteuer an?
Gemäß § 2 GewStG (Gewerbesteuergesetz) unterliegt jeder stehende Gewerbebetrieb der Gewerbesteuer, soweit er im Inland betrieben wird. Somit steht zunächst fest, dass freiberufliche Tätigkeiten nicht der Gewerbesteuer unterliegen. Unter einem Gewerbebetrieb ist ein gewerbliches Unternehmen im Sinne des Einkommensteuergesetzes zu verstehen. Gemäß § 15 EStG ist Gewerbebetrieb eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist. Als Gewerbebetrieb gilt (Fiktion) aber auch die Tätigkeit einer Kapitalgesellschaft, einer Genossenschaft einschließlich Europäischer Genossenschaften sowie der Versicherungs- und Pensionsfondsvereine auf Gegenseitigkeit. Ob von einem Gewerbebetrieb aber letztlich auch Gewerbesteuer zu zahlen ist, ist zum einen abhängig vom Gewerbeertrag und zum anderen von der Beziehung der Betriebe zueinander.
Einfacher oder doppelter Freibetrag?
Gewerbeertrag ist gemäß § 7 GewStG der nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes oder des Körperschaftsteuergesetzes (bei z.B. Kapitalgesellschaften) zu ermittelnde Gewinn aus dem Gewerbebetrieb, der bei der Ermittlung des Einkommens für den dem Erhebungszeitraum entsprechenden Veranlagungszeitraum zu berücksichtigen ist, vermehrt und vermindert um die in den §§ 8 und 9 GewStG bezeichneten Beträge. Gemäß § 11 GewStG ist dieser Ertrag zunächst abzurunden und dann um einen Freibetrag von 24.500 Euro zu kürzen. Somit kann bei kleinen Erträgen und einem Gewerbebetrieb keine Gewerbesteuer anfallen. Bei z.B. zwei Gewerbebetrieben gilt oben Gesagtes. Bei Problemen mit dem Finanzamt lassen sie sich anwaltlich beraten.

References: § 14
 § 18
 § 2
 § 15
 § 7
 § 11