Source: http://nci-br.netzwerkit.de/docs/nci-aktuell-archiv-08-08.htm
Timestamp: 2017-08-18 20:02:09+00:00

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NCI Aktuell Archiv: August 2008
NCI Aktuell Archiv August 2008
"Demoti(vati)ons" bei Nokia Siemens Networks: Stand der Dinge
In einer Reihe von Fällen will der Arbeitgeber AT-Mitarbeiter statt im AT-Jobgrade 10 in Tarif-Jobgrade 9 abstufen, und der Betriebsrat hat diesen Abstufungen gut begründet widersprochen.
Wenn der Arbeitgeber mit dieser Ablehnung nicht leben kann, könnte/müsste er sich die vom Betriebsrat verweigerte Zustimmung durch ein Arbeitsgericht "ersetzen" lassen (§99 BetrVG). Dies ist jedoch nicht geschehen, statt dessen führt er diese "Demotions" einfach durch, u.a. mit einem entsprechenden Eintrag im ATP-Tool "Success4U".
Die Betriebsräte Mch-H und Mch-M gehen nun gegen dieses unserer Ansicht nach rechtswidrige Vorgehen gerichtlich vor (auf Grundlage von §101 BetrVG).
Siemens-Chef mit Zuhörschwäche?
Nach einer Reise durch 12 Siemens-Standorte erklärte Löscher der BILD-Zeitung, es gebe in der Belegschaft weder Angst noch Misstrauen oder gar Unzufriedenheit:
"Ich habe an der Basis keine Verunsicherung oder Angst gespürt. Die Stimmung ist keineswegs schlecht, die Moral der Mitarbeiter ist gut ... Die Mitarbeiter haben verstanden, dass unser Jobabbau-Programm notwendig ist, um Siemens noch fitter für den Wettbewerb zu machen. Das bestärkt mich in meinem Kurs."
Na, da hat wohl er etwas falsch verstanden!?
Das Problem, dass hier in Wahrheit nicht einfach nur Personal abgebaut, sondern schlicht ausgetaucht werden soll, sprach er denn auch noch an, freilich mit etwas anderen Worten: "Siemens hat im laufenden Geschäftsjahr mehr als 4000 neue Stellen geschaffen, 3000 sind derzeit unbesetzt. Wir suchen händeringend nach Ingenieuren und anderen Fachkräften."
Na, dann soll er halt seine abzubauenden Mitarbeiter für diese freien Stellen qualifizieren, dann braucht weder er seine Hände zu ringen noch die Betroffenen ihre Haare zu raufen…
HvP verliert immer mehr Aufsichtsrats-Mandate (und noch mehr...)
Der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer will nach einem Bericht des Manager Magazin sein Mandat im Aufsichtsrat des Stahlkonzerns ThyssenKrupp niederlegen; Pierer beuge sich damit dem zunehmenden Druck wegen der Korruptionsaffäre bei Siemens.
Pierer hatte ja bereits die Kontrollgremien von Volkswagen und der Deutschen Bank verlassen (über Siemens sprechen wir schon gar nicht mehr...). Seine Aufsichtsratsmandate bei der Münchener Rück und bei Hochtief blieben dagegen (noch) erhalten.
By the way: Wieso heißt er eigentlich Heinrich von Pierer?
Dazu ein interessantes Artikelchen in der Welt am Sonntag; korrekt heiße er eigentlich Heinrich Pierer von Esch, nicht Heinrich von Pierer. Für 280 Kronen (das wären heute rund 10.000 Euro) hatte im Jahr 1900 ein Pierer-Vorfahre das Adelsprädikat gekauft. Ein Hobbyhistoriker bezweifelte die Rechtmäßigkeit des heute noch geltenden „von“, wahrscheinlich sogar zu Unrecht – interessant aber trotzdem das Drumherum! Auszug der WaS: „Der eine Rechtsanwalt zog den anderen zur Seite. Der Kollege möge doch seinen Mandanten dazu bringen, brisante Recherchen ruhen zu lassen. Ansonsten würde er als Justiziar eines weltweit tätigen Konzerns die ihm gebotenen mannigfaltigen Möglichkeiten nutzen, um den Freizeitforscher plattzumachen. Anschließend drohte der rabiate Advokat auch noch seinem Kollegen: Ihm könnten durch den Fall ebenfalls Unannehmlichkeiten entstehen – bis hin zum Entzug der Zulassung als Rechtsanwalt...
Gegen den Siemens-Advokaten erstattete der Hobbyhistoriker Anzeige wegen Nötigung. Das Ermittlungsverfahren wurde im Juni 2007 eingestellt, nachdem der Beschuldigte entsprechend einer staatsanwaltlichen Verfügung 20.000 Euro an karitative Organisationen überwiesen hatte...
Dafür hätte man sich im KuK-Österreich statt eines einfachen „von“ locker einen Grafentitel kaufen könne. Vor 1919.“
Tja, armer Heinrich: Die Aufsichtsratspöstchen wollen sie ihm nehmen, seine Kohle auch, und jetzt auch noch das „von“ – Schlimm schlimm! Da ist natürlich Schluss mit Lustig.
Wird SHC-Käufer Arques jetzt selber aufgekauft?
Nachdem Arques für 45 Millionen Euro SHC (die Siemens-Schnurlostelefon-Sparte) gekauft hat, gewann der Arques-Kurs 15,8%.
Gerüchten zufolge soll Finanzinvestor Aurelius nun Arques kaufen wollen.
Mit SHC hat das freilich weniger zu tun: Der Aurelius-Chef war früher mal Arques-Finanzvorstand, schied dann unfriedlich aus Arques aus, und möchte so (falls das Gerücht wahr sein sollte) sein Baby Arques wieder zurückholen; eine Art geschäftspolitischer Scheidungskrieg also.
In der NSN-IT gibt es es jetzt ein Programm "100+"; bisher kannten wir ja nur die "50+", das beE-Programm zur Vermittlung von über-50-Jährigen.
Sollen nun auch noch die 100jährigen vermittelt werden?
Nicht ganz; tatsächlich sollen über 100 externe IT-Mitarbeiter durch Eigenpersonal ersetzt werden. Klingt positiv, ist es aber nicht: In Wahrheit bedeutet das eine Jobverlagerung von Deutschland nach Indien. Denn die bisherigen externen IT-Mitarbeiter saßen überwiegend in Deutschland, während das künftige IT-Eigenpersonal wohl in Indien aufgebaut werden soll.
Löscher bekennt sich zu Nokia Siemens Networks
Der Siemens-Chef hat sich (anders als bei FSC) hinter die Gemeinschaftsunternehmen BSH und NSN gestellt.
Er sei "extrem zufrieden" mit BSH, sagte Löscher am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.
Auch mit Nokia habe man ein "sehr gutes" und "langfristiges" Joint Venture. Na dann…
Blick zur NSN-Konkurrenz: Neuer Chef für Alcatel-Lucent in Sicht
Als Nachfolger für Pat Russo ist jetzt der frühere Finanzvorstand Mike Quigley im Gespräch; er hatte das Unternehmen vor 1 Jahr aus "gesundheitlichen" Gründen verlassen; vielleicht war er ja über Pat Russo verschnupft?
Er ging seinerzeit mit einem Abschiedsgeschenk von 15 lockeren Milliönchen, und jetzt kommt er also wieder – ein lukratives Sabbatical! Und was ist nun von ihm zu erwarten? Das beschreibt vielleicht am besten die SZ-Schlagzeile "Fröhliche Börsianer, traurige Mitarbeiter": Letztere befürchten neue Kündigungen, wenn Quigley als Chef zurückkehrt.
Klar, irgendwo muss man ja wohl die 15 Millionen wieder einsparen...
"Help Children"
Schon wieder steht soziales Engagement auf der Tagesordnung: diesmal sollen wir Kindern helfen. "Help Children" ist der Betreff. Aber warum steht das in Anführungszeichen? Nehmen die Autoren ihr eigenes Produkt nicht ernst?
Die letzte Aktion war für Behinderte, jetzt Kinder, als nächstes dann vielleicht Altenheime? Auch Senioren kann man noch das Internet beibringen und dann, wenn wir diese Wiesen alle abgegrast haben, dann werden wir uns als nächstes um Umweltschutz kümmern. Ist doch klar. Soziales Engagement ist gefragt.
Aber jetzt helfen wir erst mal Kindern, damit sie ins Internet können. Es ist bekannt, dass "an mehreren Standorten viel nicht mehr benötigtes IT-Equipment vorhanden ist." Das ist nun wiederum nichts neues. Nicht mehr benötigtes IT-Equipment gab es immer schon in Massen. Früher wollten wir damit Kindergärten oder Schulen ausrüsten. Aber da hat es die Firma nicht hergegeben. Damals war die Begründung: Das nicht mehr benötigte IT-Equipment ist nicht auf dem neuesten Stand der Technik, das würde das Firmenimage ruinieren. Es würde dann heißen: die Firma entsorgt ihren Elektroschrott kostengünstig an Schulen etc. Schulen oder Kindergärten brauchen modernes Equipment, etc. Auch damals waren Schüler oder Kindergartenkinder noch Learner, die was lernen wollten oder sollten, wo es hauptsächlich ums Handling geht, nicht um die neueste schnellste Anwendung. Die damaligen Kinder, die das Siemens IT-Equipment nicht bekommen haben, sind heute erwachsen und somit bereits Kunden der Produkte, die verkauft werden. Somit vielleicht auch Kunden unserer Produkte... Aber damals haben sie das nicht mehr benötigte IT-Equipment nicht bekommen.
Für Cost Sensifit muss eine "zündende Idee" her. Koste es was es wolle.
Blick zur NSN-Konkurrenz: Bei Cisco wird geschlafen
Oder positiv formuliert: Die Cisco-Leute sind ausgeschlafen!
„Ein kurzes Nickerchen ist ein guter Weg, die Batterien wieder aufladen und anschließend erfrischt weiterarbeiten zu können", sagt Cisco-Managerin Kirsten Weeks. In den neuen Cisco-Büros in North Carolina stehen daher extra sogenannte Energy Pods, futuristisch aussehende Schlafliegen mit einer großen Halbkugel über dem Kopfteil, die für Ruhe sorgen soll. "Energietankstelle" nennt Hersteller Metronaps die Erfindung. Ein Visier hält das Licht fern, und man wird mit Musik berieselt. 15 bis 20 Minuten seien für einen Powernap ideal, das reiche aus, um sich zu erholen, aber man falle nicht in eine Tiefschlafphase, aus der man kaputt und müde aufwache. Eine leichte Vibration weckt den Mittagsschläfer auf.
Schlafforscher William Anthony aber hält die futuristischen Schlafgelegenheiten trotzdem nicht für zwingend nötig. Wer wirklich müde ist, brauche meist keine hochtechnischen Angebote.
"Was man aber benötigt, ist eine Erlaubnis." Eine Kultur, in der man statt einer Kaffeepause auch mal ein Nickerchen machen kann, ohne dass dies dem Ruf oder der Karriere schadet.
Solange es diese Kultur allerdings nicht gibt, bleibe nur eins: Weiter heimlich schlafen. Und unbedingt daran denken, dass man nicht mit Schlaffalten im Gesicht aufwacht. Experten empfehlen daher: Am besten eine Toilettenpapierrolle zwischen Kopf und Schreibtisch legen; die ist selbst in Zeiten von "cost sensifit" noch drin...
Richtlinien zur Importverzollung
Es ist doch täglich spannend, was so alles im elektronischen Postkasten landet. Heute: "Richtlinien zur Importverzollung" - Habe ich schon jemals was importiert? Außer, dass ich meinen Klappcomputer auf Dienstreisen mitgenommen und wieder nach Hause gebracht habe, kann ich mich nicht erinnern jemals was importiert zu haben. Bei meinem Klappcomputer hat man mir aber versichert, dies sei kein Export oder Import und ich könnte das mitnehmen.
Nun diese Mail geht über "Importverzollungen" (Waren aus Drittländern) die durch die DMC/Importabteilung in München abzuwickeln sind und "Importverzollungen dürfen weder durch Speditionen oder Kuriere (beispielsweise FedEx, UPS, DHL) im Namen von NSN durchgeführt werden, noch dürfen diese von NSN Mitarbeitern dazu ermächtigt werden."
Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, was ich mit "Importverzollungen" zu tun haben soll? Also warum bekomme ich diese Mail? Schön, es ist immer gut zu wissen, wer der Ansprechpartner wäre, wenn man dieses Problem hätte. Hier werden gleich acht Ansprechpartner namentlich genannt. Habe ich nicht täglich mit Problemen zu tun, wo ich absolut keinen kompetenten Ansprechpartner finde? Hier find ich gleich acht auf einmal, allerdings für ein Problem, das ich nicht habe, wahrscheinlich auch nie haben werde.
Man muss aber nur in der Mail weiterlesen, dann versteht man, warum es diese Mail gibt: "Die Nichteinhaltung o.g. Richtlinien kann Strafandrohungen, Bußgelder oder andere Strafen, einschließlich persönlicher Haftung, zur Folge haben. Daher sind diese Richtlinien unbedingt einzuhalten." - Da will sich also jemand absichern: alle Mitarbeiter wissen Bescheid, wie mit Importen umzugehen ist. Die Rede ist gleich von Strafandrohungen, Bußgeldern und anderen Strafen.
Interessant ist doch zu sehen, wie schnell Globalisierung aufhört: Alles was früher galt, spielt plötzlich keine Rolle mehr, bis, ja bis zum Zoll. Die Zollrichtlinien bleiben bestehen, egal welche Firma wir sind, wie global wir denken, fühlen oder zu sein glauben.
„Sozialverträglicher" Stellenabbau bei Siemens?
Die SZ berichtet am 16.8.08, Siemens habe sich mit Arbeitnehmervertretern über Details des Abbaus von 5.250 Stellen in Deutschland verständigt; demnach gelte als sicher, dass eine Transfergesellschaft für bis zu 2 Jahre aufgesetzt werde (das ist dann wohl die sattsam bekannte Siemens-„beE"); betriebsbedingte Kündigungen seien „mehr als unwahrscheinlich". Der Vorsitzende des Siemens-Gesamtbetriebsrats Ralf Heckmann begrüßte die Einigung, ein Arbeitsplatzabbau sei zwar immer schmerzlich, man habe jedoch eine gute Lösung gefunden, es sei ein sozialverträgliches Paket herausgekommen.
Sozialverträglicher Stellenabbau? Ein Widerspruch in sich! Wenn nun ein Arbeitgeber-Vertreter solche Floskeln von sich gibt - meinetwegen; aber muss das ein GBR-Vorsitzender nachplappern? Ist das wirklich ein sozialverträglicher Stellenabbau?
Wenn wir das kritisch hinterfragen wollen, sollten wir ganz Grundsätzliches in Frage stellen:
Erstens, ist ein Stellenabbau über eine Transfergesellschaft wie die Siemens-beE wirklich immer „sozialverträglicher" als z.B. betriebsbedingte Kündigungen (wenn diese korrekt nach Recht und Gesetz durchgeführt würden, anders als 2003 in der Hofmannstraße)?
Und zweitens, liegt hier im Falle Siemens wirklich ein Stellenabbau vor?
Zugegeben, beide Fragen klingen auf den ersten Blick sehr provozierend, und man neigt zu einem schnellen „ja" als Antwort auf beide Fragen. Aber sehen wir mal genauer hin:
Als Siemens im Jahr 2002 die beE erfand, nahmen wir diese als neues Personalabbauinstrument zur Umgehung der für betriebsbedingte Kündigungen per Gesetz vorgeschriebenen „Sozialauswahl" wahr. Nicht frei bestimmen zu können wen man kündigt, sondern eine gesetzlich geregelte Sozialauswahl treffen zu müssen, schmeckte dem Arbeitgeber überhaupt nicht, und da diese Sozialauswahl nur im Kündigungsschutzgesetz (KSchG §1 Absatz 3) geregelt ist, war die beE ein willkommener Ausweg: Ein Kündigungsschutzgesetz muss nur befolgt werden, wenn man kündigt; eine beE ist aber keine Kündigung. Keine Kündigung -> keine Sozialauswahl.
Clever! Die beE diente so also nicht als Methode für einen besonders sozialverträglichen Stellenabbau, sondern ganz im Gegenteil als Methode um die Sozialauswahl zu umgehen (die ja der Gesetzgeber aus gutem Grund gerade wegen besagter „Sozialverträglichkeit" in das Kündigungsschutzgesetz geschrieben hat)!
Und heute, geht es der neuen Siemens-Führung heute auch wieder um eine Umgehung der Sozialauswahl, oder doch um sozialverträglichen Abbau, oder um etwas ganz anderes? Dazu brauchen wir im gleichen §1 des KSchG nur einen Absatz vorzublättern: Im Absatz 2 steht, dass kein Mitarbeiter gekündigt werden darf, der stattdessen auch auf eine andere geeignete freie Stelle im Unternehmen versetzt werden könnte; erfahrungsgemäß halten dabei die Arbeitsgerichte Umschulungs-/Einarbeitungszeiten von bis zu 6 Monaten für das Unternehmen zumutbar.
Und damit wären wir dann auch schon bei der zweiten Grundsatzfrage:
Unternimmt Siemens aktuell wirklich nur einen ganz normalen Stellenabbau?
Nein! Einerseits sollen mehrere tausend Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, andererseits gibt es mehrere tausend freie ausgeschriebene Stellen bei Siemens (die man den abzubauenden Mitarbeitern ja auch anbieten könnte).
Erfahrungsgemäß kommen ehemalige Siemens-Mitarbeiter auf dem Umweg über eine beE aber nur äußerst selten an diese Siemens-Jobs; klar, dafür bräuchte man auch keine beE, das ginge auch schlicht per Versetzung, wenn man es wollte. Wenn - darin liegt eben der Haken.
Das Unternehmen will eben ganz offensichtlich nicht seine langjährigen Mitarbeiter für diese freien Stellen einarbeiten (z.B. einen Software-Entwickler für Produkt A zu einem für Produkt B umschulen), sondern lieber preisgünstigere neue Mitarbeiter einstellen. Die alten Mitarbeiter rausschmeißen, und neue billigere einstellen - das ist kein Personalabbau, sondern es ist ein Personalaustausch!
Hier aber, genau an dieser Stelle, kommen wir auf KSchG §1 Absatz 2: Wenn der Arbeitgeber das unerwünschte „alte" Personal per Kündigung abbauen wollte, müsste er das Kündigungsschutzgesetz beachten, und das gäbe den Siemens-Mitarbeitern nach §1.2 einen regelrechten Rechtsanspruch auf geeignete freie Siemens-Stellen (derer es wie gesagt Tausende gibt)!
Aber ohne Kündigung gilt auch kein Kündigungsschutzgesetz. Bei einem Abbau per beE kann Siemens noch so viele geeignete freie Stellen haben, auf denen es das abzubauende Personal weiterbeschäftigen könnte – die betroffenen Kollegen können sich zwar darauf (in den meisten Fällen freilich vergeblich) bewerben, aber sie haben eben keinen Rechtsanspruch darauf.
Würden sie trotz dieser freien Stellen gekündigt werden, könnten sie wegen genau dieser freien Stellen vor Gericht ziehen und sich wieder in die Firma zurückklagen (bzw. wenn der Arbeitgeber korrekt nach Recht und Gesetz vorginge, dürfte er sie gar nicht erst kündigen) - wenn sie hingegen in die beE gehen und nach 2 Jahren dann noch immer keinen neuen Job gefunden haben, sind sie schlicht arbeitslos. Dass es für sie geeignete freie Stellen bei Siemens gäbe, nützt ihnen dann gar nichts mehr.
Sozialverträglich? Das ist ausgesprochen relativ! Ein GBR-Vorsitzender sollte mit solchen Vokabeln etwas vorsichtiger umgehen.
Verständigung über Details des geplanten Abbaus von 5250 Arbeitsplätzen
Nun hat sich also Siemens mit Arbeitnehmervertreter über die Details des geplanten Stellenabbaus in Deutschland verständigt. Wie anders als über eine Transfergesellschaft könnte wohl verhandelt worden sein? Bis zu zwei Jahren soll diese aufgesetzt werden. Heute ist es doch gar nichts besonderes mehr, wenn Siemens eine Transfergesellschaft gründet. Seit 2003 hat es jedes Jahr eine gegeben. Die einzige Frage, die heute dazu interessant ist: wird diese Transfergesellschaft von der Arbeitsagentur gesponsort? Wird es Siemens schaffen, dass die Allgemeinheit den Stellenabbau finanziert? Immerhin geht es um den Abbau von 5250 Arbeitsplätze in Deutschland und bei einer Transfergesellschaft zahlt die Arbeitsagentur einen großen Prozentsatz der Bezüge.
Selbstverständlich soll dieser Stellenabbau "sozialverträglich" sein, was sonst? Alles andere würde ja nur eine Revolution auslösen. Aber sozialverträglich klingt gut, beruhigt die Gemüter, also wird es so gemacht. Ach ja, es soll auch "umfangreiche Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen" geben, zumindest soll das vereinbart worden sein, heißt es aus Verhandlungskreisen.
Betriebsbedingte Kündigungen seinen dagegen weiterhin "mehr als unwahrscheinlich". Klar sind die unwahrscheinlich, ist Siemens doch 2003 kräftig gescheitert an "betriebsbedingten Kündigungen". Damals wurden hunderte Prozesse von Gekündigten gewonnen. Alle Details der Prozesse wurden fein säuberlich dokumentiert und alles kann heute noch nachgelesen werden. Darüber gibt es eine eigene Homepage.
Interessant war bei diesen Kündigungsschutzprozessen 2004 der Ausspruch des Siemens Anwaltes, der darauf bestand, dass er als "Syndikus" tätig ist: "Es war ein Feldversuch zur Ausreizung des Kündigungsschutzes. Betriebsbedingte Kündigungen wird es bei Großfirmen nicht mehr geben. Das wird man anders machen. Outsourcing, Ausgliedern etc."
Ein Kündigungsschutzprozess ist eine langwierige Sache. Es dauert Monate, bis man einen Gerichtstermin bekommt, Wochen, bis man ein Urteil bekommt, weitere Monate, wenn der Verlierer in die nächste Instanz, das Landesarbeitsgericht (LAG) geht. So insgesamt kann sich so ein Prozess schon zwei bis drei Jahre hinziehen. Die Gekündigten von 2003 konnten die langen Monate des Prozessierens bei vollem Lohn ertragen. Durch geschickte Betriebsratswidersprüche, basierend auf dem Paragraphen 102 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) gab es einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung. Ja ein Betriebsrat ist wichtig und wenn man einen Betriebsratswiderspruch in der Hand hat, ist das viel Geld wert. Eine Weiterbeschäftigung muss man zwar über eine Klage erreichen, aber gewonnen wurden auch die Weiterbeschäftigungsklagen von 2003 alle.
Doch vorbei die Zeiten der Klagen gegen betriebsbedingte Kündigungen. Der "Feldversuch" ist abgeschlossen. Heute gibt es nur noch Ausgliederungen oder Transfergesellschaften. Aber wer bezahlt nun diese neue Transfergesellschaft ... ?
NSN: Warum können unsere Manager die Firmen-Zukunft nicht sichern?
Weil sie den falschen mindset und die dazu passende falsche Ausbildung haben. („Die Manager-Klone“ ).
Das erklärte Ziel unserer Führung ist es, NSN (und die Mitarbeiter) perfekt an den Markt anzupassen. Diese reaktive Strategie wird uns als non plus ultra verkauft und auch umgesetzt.
Ist es wirklich das Beste, dem Markt hinterher zu rennen? Adam Smith hat zwar dem Markt eine unendliche Weisheit „verliehen“ (seine vielzitierte „unsichtbare Hand“), aber stimmt es auch? Nehmen wir das aktuelle Beispiel der Finanzkrise. Etliche der Banken (darunter auch viele namhafte), welche sich dem Markt angepasst haben und mitgemacht haben, sind in Konkurs gegangen oder kämpfen ums Überleben.
Ein anderes Beispiel des falschen Mindset sind die Auslagerungen. Wird uns nicht dauernd gepredigt „Die Zukunftsmärkte sind in China und Indien und NSN muss vor Ort da sein“? Dabei wird einfach nicht zur Kenntnis genommen, dass sehr viele Mittelständler Weltmarktführer sind und trotzdem in Deutschland ansässig (teilweise seit Generationen!).
Aber hat nicht schon Charles R. Darwin gesagt, es überlebt der Bestangepasste? Auch hier eine gängige Fehlinterpretation, wenn nur die passive Anpassung gemeint ist. Denn z.B. die Termiten sorgen für ein konstantes Klima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) ihrer Bauten, unabhängig von den Umweltbedingungen. Sie passen also aktiv die Umwelt den eigenen Bedürfnissen an!
Der oben erwähnte Artikel im „Manager Magazin“ führt eine lange Liste von Fehlern und Versäumnissen der aktuell herrschenden Manager-Elite: „...es herrscht das Triumvirat aus Kennzahlen, Kostensenken und Kurssteigerung. Verkaufen hier, zukaufen da, Portfolios optimieren, schnelle Deals und harte Schnitte“, „Sie sind auf Prozesse fixiert statt auf die Menschen dahinter“, "Die Instrumentengläubigkeit fördert die Illusion, es gäbe Patentrezepte" usw. Schuld daran ist die (weltweite) MBA-Ausbildung: „Die richtige Antwort auf die Globalisierung, glaubt Stephan A. Jansen, wäre eine breitere Ausbildung, die sich in einen interdisziplinären Kontext von Soziologie, Politik, Naturwissenschaft und sozialen Trends einordnet und Managen als Handeln in kaum zu berechnender Komplexität begreift. "Stattdessen erleben wir eine Berufsakademisierung, formelhaftes Multiple-Choice-Wissen, dessen globales Abbild der MBA ist."
Selbstverständlich ist eine gute Ausbildung notwendig, um ein Handwerk zu erlernen. Aber eine erfolgreiche Firmenführung ist mehr als Handwerk. Es ist eine Kunst, eben das schon erwähnte „Handeln in kaum zu berechnender Komplexität“. Wer nur das Handwerk beherrscht, wird sich zwangsläufig auf das mechanistische Reagieren auf den Markt beschränken (müssen). Besser wäre es den zukünftigem Markt (z.B. die Kundenwünsche) vorauszuahnen und sich entsprechend vorzubereiten. Aber die wahre Kunst bestünde darin, den Markt zu gestalten! Welchem Manager das gelingt, dem sei auch sein millionenschweres Gehalt gegönnt.
Zum Gestalten ist aber wahrlich ein innovatives Denken notwendig, nicht nur in technologischer Hinsicht. Es ist ein Paradigmenwechsel notwendig, weg von Adam Smith und seinen neoliberalen Jüngern. Die US-Amerikanischen Wirtschaftstheoretiker sind den Deutschen schon wieder eine Nasenlänge voraus (s. z.B. Artikel von Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger ). Mal schauen, wann die amerikanischen Manager dem neuen Trend folgen und wann unsere NSN-Manager es übernehmen.
Wie könnte eine neue Wirtschaftstheorie aussehen? Wer etwas naturwissenschaftlich vorgebildet ist, kann es bei Phillip Ball „Critical mass“ nachschauen. Ein lesenswertes populärwissenschaftliches Buch für jeden, der sich für mehr als die Zahlen des letzten Quartals interessiert. Bezogen auf das Wirtschaftsgeschehen sind insbesondere die folgenden Kapitel empfehlenswert: 8. Rhythms of the marketplace – The shaky hidden hand of the economics, 9. Agents of fortune – Why interaction matters to the economy, 10. Uncommon proportions – Critical states and the power of the straight line, 11. The work of many hands – The growth of firms. Wie die zukünftige Wirtschafts- und Unternehmenstheorie aussehen wird, weiß noch niemand genau. Aber dass die heute propagierten und praktizierten Modelle das falsche theoretische Fundament haben, steht fest.
Flexi II, Insolvenzsicherung für Arbeitszeitkonten: Für wen ist das relevant?
Die Bundesregierung bastelt an einem neuen Gesetz, Flexi II genannt, um "längerfristige Arbeitszeitkonten" pleitefest zu machen.
Wenn ein Unternehmen die angesammelten Zeitguthaben nicht gegen eine Insolvenz abgesichert hat, dürften die Beschäftigten künftig Vereinbarungen über flexible Arbeitszeit kündigen oder Schadensersatz fordern; auch soll es leichter werden, angesammelte Zeitguthaben auf einen anderen Arbeitgeber zu übertragen.
Der DGB wettert gegen die Beschränkung auf längerfristige Arbeitszeitkonten im aktuellen Gesetzesentwurf.
Und in der Tat ist diese Beschränkung auch der Grund, warum das sich auf uns bei Nokia Siemens Networks nicht auswirkt, denn unsere Gleitzeitguthaben (selbst die Sperrkonten) gelten nicht als so ein "längerfristiges Arbeitszeitkonto" und sind nicht insolvenzgesichert.
Schon wieder eine interessante Mail:
"If you are not myRooms user, please ignore / delete this message. - Dear myRooms user,"
Eine Mail, die gleich mit der Aufforderung zum Löschen beginnt. Interessant. Bevor ich eine Mail lösche, muß ich aber erst mal wissen worum es geht. So direkt kann ich gar nicht beantworten, ob ich ein "myRooms user" bin, das habe ich noch nie gehört. Worum geht es eigentlich? Natürlich gibt es für "myRooms" eine eigene Homepage, da muß man erst mal nachschauen. "myRooms has been chosen as the global reservation tool within Nokia Siemens Networks. myRooms meeting room reservation system enables users to reserve meeting rooms and relevant equipment". myRooms ist also ein Tool um Besprechungszimmer zu reservieren. In einigen Städten kann man auch Catering und Service Produkte buchen. Klingt auf jeden Fall toll. Wenn man eine Reise nach USA plant, kann man von zu Hause aus schon mal einen Besprechungsraum buchen. Das wirkt gleich richtig global. Bisher kannte ich die Raumreservierung nur in den Konferenzzonen in München, da gab es schon länger ein Tool und jetzt geht das hierüber bereits global.
Aber offensichtlich funktioniert das Tool nur eingeschränkt, denn verläßlich scheint die globale Raumreservierung dann doch wieder nicht zu sein. Sonst wäre wohl kaum diese Mail nötig gewesen: "During the last days / week, we had some problems with myRooms. Unfortunately we still have double bookings in the system."
Die Räume wurden mit diesem Buchungssystem einfach doppelt belegt. Peinlich, wenn der Raum dann mit zwei verschiedenen Besprechungen gleichzeitig belegt ist. Man lernt zwar durchaus neue Leute auf diese Art und Weise kennen, knüpft möglicherweise neue Kontakte - das ist ja nicht wirklich schädlich, aber vielleicht gibt es auch nur Streit, wer jetzt in diesem Raum tagen darf.
Ich frage mich nur, wie schafft man es, ein so fehlerhaftes System überhaupt zu programmieren und ohne Test dann auch noch einzuführen. Früher gab es Systemtest und Qualitätssicherung, heute übernimmt der Kunde den Systemtest und das Produkt muss beim Kunden reifen. Fehler meldet der Kunde über Beschwerden und damit das auch absolut jeder mitkriegt, werden dann alle Mitarbeiter per Mail angeschrieben mit der Aufforderung die Mail sofort zu löschen: "If you are not myRooms user, please ignore / delete this message". So wird aber jeder neugierig und liest die gesamte Mail inklusive der Homepage. Was das dann erst kostet. Das hat dann aber wiederum auch Vorteile, denn jetzt weiß jeder, dass es das Tool "myRooms" gibt.
Global BRM: Für wen gilt der eigentlich?
Der „globale" Business Result Multiplier bei NSN für das 1. HJ 2008 ist 0.95; schön und gut, aber wie ist dann mein BRM? Dazu nochmal zur Erinnerung:
Der globale BRM („NSN-BRM Welt") wird für Beschäftigte in den Organisationseinheiten COO, Global Services BU, Operations, Central Functions, und CFO (ohne Beschäftigte in den regionalen Finance-Organisationen) angewendet.
Lediglich für Beschäftigte in den regionalen Organisationseinheiten CMO und CMO SSM, den regionalen CFO-Organisationen und den regionalen Service-Organisationen, soweit sie nicht aufgrund ihrer Funktion in das SIP einbezogen sind, wird stattdessen ein regionaler „NSN-BRM Region" angewendet.
Der Fall Bsirske oder der Fall Gewerkschaften?
Vor 3 Jahren der VW-Skandal um die Lustreisen des hohen IGM-Funktionärs Klaus Volkert. Jetzt die Flugreise des hohen ver.di-Funktionärs Frank Bsirske. Klaus Volkert wurde wegen Beihilfe und Anstiftung zur Untreue verurteilt (in Revision). Frank Bsirske hat sich strafrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen.
Trotzdem ist es der gleiche politische Skandal: die Raffgier, die Instinktlosigkeit, die fehlende Nähe zu den Gewerkschaftsmitgliedern! Es sind auch keine Einzelfälle: 1993 Fall Steinkühler, 2001 Fall Zwickel, 2008 Fall Hansen. Es sind leider die inneren Strukturen der Gewerkschaften, welche es ermöglichen, dass politisch und moralisch nicht ausgereifte Menschen zu (Spitzen-)Funktionären werden können.
Warum werden die (Spitzen-)Funktionäre nicht direkt von den Mitgliedern gewählt? Warum sind die direkten Beteiligungsrechte der Mitglieder so rudimentär (z.B. bei Wahlen von Ortsvorständen §14 (2) der IGM-Satzung)? So entsteht eine geschlossene Funktionärskaste, welche ihre eigenen Ziele nach ihren eigenen Regeln verfolgt!
Es ist das gleiche Problem wie mit der Politikerklasse, beschrieben und kritisiert durch Hans Herbert von Arnim in seinem letzten Buch „Die Deutschlandakte“. (Zitat: „Wir haben also keineswegs die Politiker, die wir verdienen, sondern die, die uns die Parteien vorsetzen. Und diese treffen die Auswahl nach ganz anderen Kriterien als die Bürger.“). Das Ergebnisse der fehlenden Transparenz, der Entmündigung und der Ohnmacht der Bürger ist Politikverdrossenheit, mangelnde Wahlbeteiligung und Engagement.
All dieses beobachtet man auch bei den Gewerkschaften. Was hilft dagegen? Die Partei „Die Grünen“ hat versucht das Problem der „Verselbstständigung“ ihrer Funktionäre durch das Rotationsprinzip und Trennung von Amt und Mandat zu beheben. Endgültig haben sie das Problem zwar nicht gelöst, aber zumindest basisdemokratische Element in ihrer Partei eingeführt.
„Mehr Demokratie wagen“ hat einst Willi Brand gefordert. Jetzt sollten es die Mitglieder von ihren Gewerkschaftsfunktionären fordern!
Blick zur Konkurrenz: Cisco
Cisco geht's prima, hat eine unerwartet gute Quartalsbilanz abgeliefert; der US-Netzausrüster profitiert davon, dass Siemens das Telefongeschäft aufgegeben hat, wie die SZ vom 7.8.08 unter der Überschrift „Cisco findet Anschluss – dank Siemens" berichtet.
Siemens hat, bildlich gesprochen, keine Lust mehr gehabt mitzuspielen (vielleicht war seinem Chef-Manager auch einfach das Spiel zu anstrengend geworden) und hat deshalb einfach den Ball fallengelassen; und Cisco hat sich flugs diesen Ball gegriffen, kurz „Danke Siemens!" gesagt und erfolgreich weitergespielt. In einem Spiel, in dem man entgegen den Behauptungen des Siemens-Managements durchaus erfolgreich sein kann, wie Cisco ja nun gerade wieder mal beweist.
Chris Dedicoat, Europa-Chef von Cisco: „Ganz klar: Diese Entscheidung..." (gemeint ist der Ausstieg von Siemens aus dem Telekommunikationsgeschäft) „…hat uns die Chance gegeben, unsere guten Fortschritte auszubauen, die wir in Deutschland machen ... vor fünf Jahren war Cisco noch nicht im Telefongeschäft." Dann habe Cisco den Trend zu Telefonaten über das Internet und den Computer erkannt. Andere haben den anscheinend nicht erkannt…
Zu schade, dass die Siemens-Manager von ihren Aktionären für diese Fehlentscheidung nicht haftbar gemacht werden können, so wie die in Korruptionsfälle verstrickten ex-Siemens-Häuptlinge. Aber in diesem unseren freien Land hat ja jeder das Recht auf freie Unternehmer-Entscheidungen, auch auf freie Unternehmer-Fehlentscheidungen; und Cisco hatte es wohl auch gar nicht nötig, das Siemens-Management erst dafür zu schmieren, dass sie dieses lukrative Geschäftssegment voreilig aufgaben. Im Gegenteil, Siemens zahlt ja neuerdings lieber noch unzählige Millionen drauf, um seine ungeliebten Geschäftssegmente loswerden zu können. Beschämend.
Neue Spam Mail?
was habe ich denn heute in meinem elektronischen Postkasten?
Betreff: Auf Euer Engagement kommt es an - Connecting Friends
durch eigenes Handeln am Erfolg seines Teams und seines Unternehmens beteiligt zu sein, ist einer der Faktoren, die zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beitragen. Das Gleiche gilt für das Engagement im Rahmen von sozialen Projekten . Der Gemeinschaft etwas zurückzugeben, kann eine sehr motivierende Erfahrung sein.
Als Verantwortlicher für das Sponsoring von „Connecting Friends“, einer Initiative, die behinderten jungen Menschen ermöglicht, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, habe ich selbst erfahren dürfen, wie bereichernd soziales Engagement in vielerlei Hinsicht ist.
Alle Interessenten können sich per E-Mail an mailto:connecting.friends@nsn.com als ehrenamtliche Mitarbeiter melden.
Also noch mal langsam zum Mitdenken: Es gibt ein Projekt: „Connecting Friends", da sollen behinderte junge Menschen mit Freunden in Kontakt zu bleiben (warum sollen sie nicht erst in Kontakt kommen?) und da will einer, dass ich mich sozial engagiere, oder was soll "Engagement im Rahmen von sozialen Projekten" sonst sein?
Der Gemeinschaft etwas zurückzugeben, kann eine sehr motivierende Erfahrung sein. Woher weiß denn der, ob ich mich nicht schon längst sozial engagiere? Wie meint denn der Absender der Mail, würde ich sonst den alltäglichen Wahnsinn überhaupt aushalten, wenn ich nicht meine sozialen Engagements hätte? Dort und nur dort bekomme ich meine Erfolgserlebnisse, in der Firma bin ich doch nur "needs improvement". Es war auch nie ein Problem ein Amt zu finden. Im Gegenteil, bisher musste ich viele Ämter ablehnen – ich muss ja schließlich den ganzen Tag arbeiten. Meine Zeit ist endlich.
Früher, sehr lange her, war es bei Siemens auch mal erwünscht, soziales Engagement zu zeigen. Siemens ist eine soziale Firma, war damals die Devise. Früher durfte ich sogar Fotokopien für meine Ehrenamt machen. Damals hatte ich das o.K. meines Chefchefs, der war OFK. Ich durfte auch für mein Ehrenamt telefonieren, auch dafür hatte ich das o.K. Damals wurde mir allerdings nicht vorgeschrieben, was ich als Ehrenamt machen sollte. Ich konnte Elternbeirat sein, für Umweltschutz aktiv sein, einen Frauenverein mit organisieren, Artikel schreiben, etc. alles was eben gemeinnützig war. Heute ist das anders: ich würde niemals eine private Kopie machen und auch nicht telefonieren.
Klar, will die Firma heute natürlich mein ehrenamtliches Engagement kontrollieren. Ist doch logisch. Da werden mir bestimmt Ziele vorgegeben, fängt ja schon damit an, dass das Thema vorgegeben wird. Kann mir gut vorstellen, wie das weiter geht: also das Thema ist vorgegeben. Das Thema wird in Ziele zerlegt, deren Zielerreichnung wird natürlich überwacht und controllt, sonst kann man es ja nicht verfolgen. Bei Nichterreichung der Ziele bekommt man einen Rüffel, a la: „jetzt kann man Dich noch nicht mal für Ehrenamt gebrauchen, Du solltest endlich einsehen, dass du in die beE gehörst“.
So will ich das aber nicht. Ich will mir mein Ehrenamt selbst aussuchen. So wie bisher auch. Ich will mir dort meine Ziele selbst setzen und verfolgen. Und ich will meine Erfolge feiern, wenn ich sie empfinde und nicht wenn mir einer vorgibt: jetzt gibt es was zu feiern.
Man beachte auch die Kontaktadresse: kein Name, nein natürlich nicht, nur eine neutrale E-Mail Adresse. In meinen Ehrenämtern habe ich die Leute immer noch persönlich gekannt. Und das will ich auch in Zukunft so haben.
Und liebes Management: NCI hat schon einiges auf die Beine gestellt – NCI wird das auch weiterhin tun.
Siemens-Kultur: Es hat sich wenig geändert
Erst kürzlich schrieben wir auf unserer Homepage über das Thema „immer nur zugeben, was sich so gar nicht mehr abstreiten lässt“, dass Siemens auch in der Löscher-Ära noch immer ein Problem mit seiner Führungskultur hat, was die offene und ehrliche Kommunikation mit der eigenen Belegschaft angeht. Vor allem mit dem Teil der Belegschaft, von dem Siemens sich trennen will: Noch immer erfahren die Betroffenen so etwas zuerst aus der Presse statt von ihrem Management.
Zu SHC hat sich das wieder mal bestätigt; Presse-Auszug (FTD): „…Mitte April hatte Kaeser noch behauptet, Siemens suche nicht aktiv nach Käufern für SHC. Wenn man von Interessenten angesprochen werde, rede man aber mit ihnen. Am Freitag konnten sich Kaeser und Arques-Chef Michael Schumann nun nicht mehr erinnern, wer wen angesprochen hat.“ Hmmm, immer diese Erinnerungslücken aber auch!
Woher die kommen ist wohl klar, denn auf die Beschäftigten dürfte reichlich Ungemach zurollen: Arques-Chef Schumann hob vor allem das "hohe Reorganisationspotenzial" von SHC hervor. Was diese vornehm-wissenschaftlich klingende Floskel bedeutet, weiss aber jeder: Stellenabbau! Mal ganz was Neues...
Kompetenzentwicklung sichert den Job
Zugegebenermaßen wird der Wegfall eines konkreten Arbeitsplatzes durch den Arbeitgeber bestimmt und kann weder vom Mitarbeiter noch vom Betriebsrat verhindert werden.
Allerdings verliert der Mitarbeiter dadurch nicht automatisch seinen Job, sondern eben nur diese aktuelle Arbeitsaufgabe, und braucht nun dringend eine neue Aufgabe. Juristisch streng genommen ist das sogar eine Bring-Schuld des Arbeitgebers, in der Praxis ist man aber natürlich gut beraten sich auch selbst rechtzeitig nach einer geeigneten Stelle im Unternehmen umzusehen. Tritt dieser Fall ein, ist es entscheidend, die für die ausgeschriebenen Stellen geforderten Kompetenzen bereits vorweisen zu können, wenn man sich mit Aussicht auf Erfolg darauf bewerben will.
Eine fast selbstverständliche Kompetenz in unserem internationalen Unternehmen ist Englisch. Dies wird auch in der Präambel der GBV „Berufliche Weiterbildung in Englisch“ so festgestellt. Diese GBV sichert jedem Mitarbeiter eine Englisch-Weiterbildung im Rahmen der „Erforderlichkeit für seine Arbeitsaufgabe“ zu.
Da taucht unmittelbar die Frage auf, was ist erforderlich? Diese Frage kann/sollte man mit dem Vorgesetzten klären und festlegen, damit eines Tages der Vorgesetzte nicht erklären kann, man sei für eine bestimmte Aufgabe hinsichtlich Englisch nicht kompetent genug.
Als Basis zur Festlegung der Englisch-Kompetenz dient die Anlage der o.g. GBV, in der das Kompetenzniveau durch sechs „Niveaustufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens“ definiert ist. Gemeinsam mit dem Vorgesetzten ermittelt man das eigene Kompetenzniveau. Weicht dies vom erforderlichen Niveau für die aktuelle Arbeitsaufgabe ab, ist daraus eine Weiterbildung abzuleiten, die am besten im PD-Modul (Personal Development Plan) des Success4U-Tooling festgehalten wird.
Auch falls das Niveau der aktuelle Arbeitsaufgabe genügt oder höher bewertet wird, sollte der Mitarbeiter dies festhalten und dokumentieren. Das schützt den Mitarbeiter vor einem späteren „needs improvement“ Feedback zu diesem Punkt, wenn der Vorgesetzte selbst zuvor behauptet hat, man bräuchte doch gar keine Schulung.
Die Qualifizierung (nicht nur in Englisch) gewinnt aber auch dann an Bedeutung, wenn die Kompetenz zwar für die aktuelle Arbeitsaufgabe ausreicht, aber bei drohendem Arbeitsplatzverlust eine Schulungsmaßnahme die Eignung für andere freie Arbeitsplätze im Unternehmen deutlich erhöhen würde. Dieser Fall der Weiterbildung wird zunehmend auf viele Mitarbeiter zukommen. Deshalb ist der GBR dabei, die „Qualifizierung zur Vermeidung von Arbeitsplatzverlust“ im Rahmen einer Vereinbarung erstmals festzulegen.

References: §101
 §1
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 §14