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Timestamp: 2019-01-17 22:19:27+00:00

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BGH, 23.03.1990 - V ZR 58/89 - dejure.org
BGH, 23.03.1990 - V ZR 58/89
Freizeitanlage - Geräusche - Volksfestlärm - Ortsüblichkeit - Nachbarliche Gemeinschaftsverhältnis - Duldungspflicht - Öffnungszeiten - Lärmimmission - Schädliche Umwelteinwirkung
eventlaw.de
Nachbarrecht: Kriterien der wesentlichen Beeinträchtigung durch Volksfestlärm; Duldungspflicht
Geräuschimmissionen; Geräuschbelästigung; Lärm; LAI-Hinweise; Freizeitanlagen; Volksfestlärm; Wesentlichkeit; Erheblichkeit; Lärmschutzverordnung; Nachbar; nachbarliches Gemeinschaftsverhältnis; Duldungspflichten; Ortsüblichkeit
Zur Frage der Ortsüblichkeit von Volksfestlärm
Zur Abstimmung von bürgerlich-rechtlichem und öffentlich-rechtlichem Lärmschutz
BGHZ 111, 63
NJW 1990, 2465
NJW-RR 1990, 1231 (Ls.)
MDR 1990, 706
NVwZ 1990, 1104 (Ls.)
WM 1990, 1074
DVBl 1990, 771
DÖV 1990, 698
DÖV 1990, 887
JR 1991, 146
Lampen-Streit: „Licht aus!“
Revisionsrechtlich nachprüfbar ist, ob das Berufungsgericht die nötigen Tatsachenfeststellungen verfahrensfehlerfrei getroffen und bei ihrer Würdigung die zutreffenden rechtlichen Gesichtspunkte zugrunde gelegt hat (BGHZ 111, 63, 66).
Dies entspricht auch der bisherigen Rechtsprechung des Senats (BGHZ 111, 63, 65).
Die von Sachverständigen ausgearbeiteten und von allen Ländern mitgetragenen LAI-Hinweise unterfallen zwar nicht § 906 Abs. 1 Satz 2 u. 3 BGB (…Staudinger/Roth, BGB [2002], § 906 Rdn. 193), können den Gerichten aber gleichwohl als Entscheidungshilfe dienen (vgl. Senat BGHZ 111, 63, 67 - Volksfestlärm; 120, 239, 256 f. - Froschlärm; 121, 248, 253 - Jugendzeltplatz; BVerwG DVBl 2001, 1451, 1453).
Werden die Richtwerte überschritten, so indiziert dies eine wesentliche Beeinträchtigung im Sinne des § 906 Abs. 1 BGB (vgl. Senat BGHZ 111, 63, 67; 121, 248, 251).
In dem der Entscheidung des Senats vom 23. März 1990 (Senat BGHZ 111, 63 - Volksfestlärm) zugrunde liegenden Fall wurde ein an das Grundstück des Klägers angrenzendes Gelände mehrmals im Jahr als Kirmes- und Festplatz genutzt.
Demgemäß können bei der Prüfung der Erheblichkeit oder Wesentlichkeit von Lärm auch schutzwürdige Interessen der Allgemeinheit und gesetzliche Wertungen eine Rolle spielen (vgl. Senat BGHZ 121, 248, 255 - Jugendzeltplatz; 111, 63, 68 - Volksfestlärm).
Zwar gebührt nach 22 Uhr dem Schutz der ungestörten Nachtruhe grundsätzlich der Vorrang vor dem Interesse der Bevölkerung, Volksfeste und ähnliche Veranstaltungen zu besuchen (vgl. Senat BGHZ 111, 63, 70 - Volksfestlärm).
Insoweit hängt die Beurteilung der Beeinträchtigung als wesentlich auch von einer Interessenabwägung ab (Senat BGHZ 111, 63, 68 - Volksfestlärm; a.A. Roth in Anm. JR 1991, 149).
Es ist zwar zutreffend davon ausgegangen, dass der durch eine Geräuschimmission beeinträchtigte Grundstückseigentümer sein Eigentum so nutzen darf, wie es ihm richtig erscheint, und nicht seinerseits Schutzmaßnahmen ergreifen muss, um eine rechtswidrige Lärmbelästigung abzuwehren oder zu vermindern (Senat, BGHZ 111, 63, 71 m.w.N.).
Dessen Grenze kann nach den jeweiligen Umständen enger oder weiter gezogen werden und braucht sich nicht mit der Ortsgrenze zu decken (vgl. BGHZ 111, 63, 72).
Ortsüblichkeit ist danach regelmäßig gegeben, wenn eine Mehrheit von Grundstücken im maßgeblichen Vergleichsbereich mit einer nach Art und Maß annähernd gleich beeinträchtigenden Wirkung auf andere Grundstücke benutzt wird (vgl. BGHZ 97, 97, 105; 111, 63, 72; 120, 239, 260;… Staudinger/Roth a.a.O. § 906 BGB Rdn. 208;… MünchKomm(BGB)/Säcker a.a.O. Rdn. 89, je m.w.N.).
Dies entspricht zugleich der in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zugrunde gelegten Bewertung des Begriffs der "erheblichen Belästigung" i.S.d. § 3 Abs. 1 Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), bei dem die Erheblichkeitschwelle zugleich die Abgrenzung von wesentlicher und unwesentlicher Beeinträchtigung i.S.d. § 906 Abs. 1 BGB darstellt (vgl. BGHZ 111, 63; 122, 76; BVerwGE 79, 254, 258 [BVerwG 29.04.1988 - 7 C 33/87];… Jarass, BImSchG, 8. Aufl. 2009, § 3 Rdn. 48 m.w.N.) und bei dem ebenfalls Faktoren wie Art, Ausmaß und Dauer der Einwirkung, aber auch Art des betroffenen Grundstücks und Vorbelastung zu berücksichtigen sind (…Jarass a.a.O. Rdn. 47 a.E. i.V.m. Rdn. 49 f. m.w.N.).
Von den dort geregelten Grenzwerten geht keine Indizwirkung aus, sie können aber als Entscheidungshilfe im Rahmen der Gesamtwürdigung Berücksichtigung finden (vgl. BGHZ 111, 63, 67;… Urt. v. 10.12.2004 - V ZR 72/04 = NJW 2005, 660 m.w.N.).
Dieser im öffentlichen Recht entwickelte Grundsatz gilt nicht nur dort, sondern im Zuge der vom Senat angestrebten Vereinheitlichung zivilrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Beurteilungsmaßstäbe (vgl. BGHZ 111, 63, 65; Senatsurt. v. 20. November 1992, V ZR 82/91, Umdruck S. 23) auch im privaten Nachbarrecht.
Dies entbindet den Tatrichter aber nicht von der Verpflichtung, die Umstände des Einzelfalls zu würdigen und unter Berücksichtigung des Empfindens eines verständigen Menschen zu entscheiden, ob trotz Überschreitens der Grenzwerte möglicherweise doch von einer unwesentlichen Beeinträchtigung auszugehen ist (BGHZ 111, 63, 66 ff. m.w.N.).
Beschaffenheit zu beurteilen, und zwar auch nicht zuletzt unter Berücksichtigung eines allgemeinen veränderten Umweltbewusstseins in der Bevölkerung (BGH, NJVV 1993, Seite 925 = BGHZ 120, Seiten 239 ff.; BGH, BGHZ 111, Seiten 63 ff.; OLG Schleswig, NJW-RR 1996, Seiten 3991; LG Beruh, Das Grundeigentum 2001, Seite 1339).
Die Darlegungs- und Beweislast für die Pflicht zur Duldung der Beeinträchtigung und für die Ortsüblichkeit seiner Grundstücksnutzung trifft aber stets den Störer, d. h. hier die Erstbeklagte (BGH, NJW 1990, Seiten 2465 ff. = BGHZ 111, Seiten 63 ff.; BGH,.
Dieser im öffentlichen Recht entwickelte Grundsatz gut insofern nicht nur dort, sondern nach der herrschenden Rechtsprechung im Zuge der Vereinheitlichung zivilrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Beurteilungsmaßstäbe auch im privaten Nachbarrecht (BGH, NJW 1993, Seiten 1656 ff. = MDR 1993, Seiten 541 f.; BGH, NJW 1990, Seiten 2465 ff. = BGHZ 111, Seiten 63 ff.; BGH, NJW 1993, Seiten 925 ff. = MDR 1993, Seiten 868 ff.).
In diesem Zusammenhang unterliegen nach der herrschenden Rechtsprechung (BGH, BGHZ 111, Seiten 63 ff.; BGH, BGHZ 121, Seiten 248 ff.; BGH, NJW 1995, Seite 132; OLG Karlsruhe, NJW-RR 2001, Seiten 1236 f.; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 11.08.2003, Az.: 32 C.
372/00) wesentliche Immissionen im Sinne von § 906 Abs. 1 BGB keinen anderen Beurteilungsmaßstäben als die entsprechenden öffentlich-rechtlichen Nachbarschutzbestimmungen, weil der Begriff der "wesentlichen" Geruchs- bzw. Lärmimmissionen als identisch mit den "erheblichen" Geruchs-/Geräuschbelastungen und schädlichen Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes -BimSchG - angesehen wird (BGH, NJW 1990, Seiten 2465 ff. = BGHZ 111, Seiten 63 ff.; BGH, NJW 1993, Seiten 1656 ff.; BGH, NJW 1995, Seiten 132 ff.; OLG Karslruhe, NJW-RR 2001, Seiten 1236 f.).
Bei der Beurteilung der Wesentlichkeit von Lärmimmissionen ist ebenso wie bei Geruchsimmissionen auf das Empfinden eines "verständigen normalen Durchschnittsmenschen" des betroffenen Grundstücks abzustellen (BGH, NJW 1990, Seiten 2465 ff. = MDR 1990, Seiten 706 f.; BGH, NJW 1993, Seiten 925 ff. = MDR 1993, Seiten 868 ff.; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 11.08.2003, Az.: 32 C 372/00).
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