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Timestamp: 2019-11-21 12:10:26+00:00

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Chronik der Ereignisse - Herakles Konzept
Zeittafel DAS MEISTERSPIEL
Mitte der 1990er Jahre treffen in Österreich zunächst disparat erscheinende Gruppen und Personen in einem Spiel aufeinander. Das Spiel ist ein Mix aus Kunst, politischen Ideen und Terror. Teilnehmer sind neben Vertretern des österreichischen Staatsapparats auch Mitglieder einer „Neuen Rechten“ und Künstler, darunter ein Star der österreichischen antifaschistischen Nachkriegsmoderne. Was ihnen allen gemeinsam ist: sie sind „has beens“ und suchen nach einem Ausweg aus drohender Bedeutungslosigkeit.Über dieses Spiel drehte ich zwischen 1995 und 1998 den Dokumentarfilm DAS MEISTERSPIEL. 1994 hatte ich mit den Vorbereitungen zu meinem Dokumentarfilm DÜRERS ERBEN über die Anfänge der Leipziger Malerschule und einen neuen deutschen sozialistischen Realismus in der ehemaligen DDR begonnen. Parallel dazu begann ich mit ersten Recherchen für einen anderen Film, der sich mit Herostraten beschäftigen sollte. Im Mittelpunkt meines Interesses standen zunächst der Bildersturm der Wiedertäufer 1534 und 1535 in Münster, der Angriff auf ein Bild von Barnett Newman 1982 in Westberlin und die Attacke auf den Künstler Joseph Beuys während eines Fluxus-Konzerts 1964 in Aachen. Der Arbeitstitel des Films war BILDERSTURM.
1995 erhielt ich dann die ersten Informationen von der Übermalung und teilweisen Zerstörung von Bildern des österreichischen Malers Arnulf Rainer in Wien. Je weiter meine Recherchen in dieser Sache fortschritten, desto interessanter erschien mir dieser aktuelle Fall von Bildersturm so dass ich beschloß, mich ausschließlich darauf zu konzentrieren. Aus der ungeheuren Fülle des Materials von der Vor- und Nachrecherche und den Dreharbeiten selbst habe ich 2006 eine erste chronologische Auflistung der Anlässe, Fakten, Ereignisse und Hintergründe angefertigt, die mir auch noch im Abstand von über zehn Jahren nach Drehende interessant erschienen. 2010 wurde diese Aufstellung dann noch einmal ergänzt und komplettiert.
Die nachfolgende Zeittafel enthält drei Ebenen: den Bombenterror der BBA, das Attentat auf die Gemälde des Wiener Malers Arnulf Rainer und den Bombenterror des „Unabomber“ in den USA, die auf merkwürdige Art und Weise miteinander verknüpft sind.
Mitte der 1960er Jahre Fomierung einer "Neuen Rechten" in Westeuropa, eine zunächst uneinheitliche Bewegung rechter Theoretiker und ihrer Anhänger, die sich seit Ende der 60er Jahre als geistig-politische Gegenbewegung zur "Neuen Linken" verstehen. Ihr Ziel ist eine Ideologische und methodologische Neuorientierung. Diese „Neue Rechte“ verwaltet das Erbe der „konservativen Revolution“ und versteht sich als Nachlassverwalterin des untergegangenen Dritten Reichs. Als Strömung ist diese "Neue Rechte", die inhaltlich stark an die Nouvelle Droite aus Frankreich angelehnt ist, nicht in einer großen Organisation zusammengefasst, sondern sie agiert und kommuniziert über Studienzentren, Zeitungen, Theoriezirkel, Leserkreise (z.B. von der Jungen Freiheit, dem Deutschen Kolleg oder dem Thule-Seminar in der Bundesrepublik Deutschland, oder der Zeitschrift Aula in Österreich etc.) und nicht zuletzt über persönliche Kontakte. Neu sind nicht so sehr die Inhalte, sondern vielmehr die Form der Vermittlung dieser Inhalte. „Wir müssen unsere Aussagen so gestalten, dass sie nicht mehr ins Klischee der 'Ewig-Gestrigen' passen.“ Es geht den neu-rechten Aktivisten darum, auf "metapolitischer" Ebene eine "kulturelle Hegemonie" zu erringen, bevor große politische Umwälzungen stattfinden können. Ein weiterer Versuch der Neuen Rechten, die Gesellschaft zu erobern ist das Anwenden der "Querfrontstrategie". (Die „Querfrontstrategie“ ist eine Entwicklung der Rechten in der Weimarer Republik, die versuchten, auf dem Nenner des Sozialismus Nationalsozialisten und Bolschewisten zusammenzubringen. Allerdings: wurde im Dritten Reich versucht, Denkgebäude im Sinne der Machthaber zu errichten, die ein "wissenschaftliches Fundament" der rechten Ideologie schaffen und dabei durchaus im Rahmen wissenschaftlich vorstellbarer Koordinatensysteme bleiben sollten, zersplittert die mythologische Unterfütterung (und der politische Kern überhaupt) neurechter Überzeugungen im selben Maße, wie die Rechte als Bewegung an Bedeutung verliert. Aus wissenschaftlichen Lehren, die zwar falsch, in sich aber durchaus stimmig waren, ist eine unüberschaubare Vielfalt pseudoreligiöser Wahnvorstellungen und imaginierter Omnipotenzphantasien geworden, die keinerlei Bezug zur Realität mehr haben, seien es schlafende Führer, Nazi-Ufos am Südpol oder geheime Stützpunkte des untergegangenen Reiches im Sternsystem Aldebaran. Selbst rechte Esoteriker haben sich mittlerweile von so offensichtlich an den Haaren herbeigezogenen Vorstellungen distanziert, sie erschaffen ihre eigenen Pseudomythen und tragen so gewollt oder ungewollt zum weiteren Bedeutungsverlust völkisch-nationalistischer Ideologien bei. Das gleiche gilt für den Versuch, rechts-esoterische und völkische Inhalte neu zu kostümieren, zu „modernisieren“, was letztlich nur zum „entkernen“ und zur Aufweichung bis hin zur Aufgabe der eigentlichen rechten Inhalte führt, und die Absicht ins Gegenteil verkehrt.)
14. Juli 1980 Gründung des „THULE SEMINAR“ als Forschungs- und Lehrgemeinschaft für die indo-europäische Kultur in Kassel. Das Ziel: Entwicklung eines ethno-kulturellen Bewußtseins der ›guten Europäer‹ à la Nietzsche, à la Drieu oder à la Evola. Rückbesinnung auf die geschichtlichen Wurzeln des Übels der herrschenden Systeme. Diese Wurzeln münden zwangsläufig in den sog. ›Bolschewismus der Antike‹: in das Judäo-Christentum. Dieses bildet wiederum die Matrix des Westens. Ohne Widerlegung des Christentums bleibt eine fundierte Ablehnung des Westens auf der Strecke. Das Ziel: Vorbereitung einer dieses umsetzenden Politik auf metapolitischer Ebene.
1986 Gründung der Zeitung Junge Freiheit in der Bundesrepublik Deutschland
1987 - 1993 die „Neue Rechte“ formiert sich, begünstigt auch durch den Wandel und die politisch scheinbar offene Situation nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Versuche der Umsetzung von „Querfrontstrategie“ und „Wortergreifung“ unter Verwendung von Theorien der Linken und des Situationismus, etwa der Idee von der Gesellschaft des Spektakels von Guy Debord, der APO, von Gramsci oder Dutschke. Aktivisten sind u.a. Oberlercher, Rabehl, Mahler, Maschke, Eichberg, Alain de Benoist, Pierre Krebs und anderen um dann die Deutungshoheit im Überbau zu erringen und so in der politischen Praxis Boden zu gewinnen. Ein Schwerpunkt ist dabei die „Rückeroberung der kulturellen Hegemonie“. Dafür Beginn eines „neu-rechten Kulturkampfs“ mit den Schwerpunkten Gothic/New Wave/Dark Wave, Techno um vor allem bei jüngeren Jahrgängen neue Anhängerschichten zu gewinnen. (Anfang der neunziger Jahre bricht die Assoziationskette Subkultur-Subversion-Links in sich zusammen. Im Outfit des Mobs von Rostock-Lichtenhagen finden sich jetzt auch Style-Versatzstücke und Codefragmente verschiedener vormals links besetzter Subkulturen). 1996 findet auch bei der NPD nach der Übernahme des Amts des Vorsitzenden durch Udo Voigt ein Strategiewechsel statt, verbunden mit einer verstärkten Zusammenarbeit mit parteiungebundenen Personen der rechten Jugendkultur und mit freien Kameradschaften. Mit der sogenannten „Drei-Säulen-Strategie („Kampf um die Straße, Kampf um die Parlamente, Kampf um die Köpfe“) öffnet sich die Partei für neurechte Ideen und Personen. So können jüngere, akademisch gebildete Rechtsextreme in der Partei Fuß fassen.
26. November 1987 Hörsaal 18U im Wiener Juridicum: Vortrag von Reinhold Oberlercher („die rechte Hand von Rudi Dutschke“) auf Einladung von Andreas Mölzer, Leiter des Bildungswerks der FPÖ, Veranstalter ist der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS). Die Wiener Burschenschaft „Olympia“ stellt Ordner für den Saalschutz, anwesend ist auch Gottfried Küssel von der „Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition (VAPO). Oberlercher propagiert in seinem Vortrag mit dem Titel „Österreich, die Weltrevolution und die Wiedervereinigung“ eine neurechte Wortergreifung und die Erringung der kulturellen Hegemonie durch die Rechte.
9.Juli 1989 Ende der Einzelausstellung von Arnulf Rainer im New Yorker Guggenheim Museum. Die Ausstellung wurde finanziert durch Gelder der österreichischen Industrie, von Banken und des österreichischen Staates, nachdem Bundeskanzler Franz Vranitzky die Schirmherrschaft über die Sponsorensuche übernahm. Die Ausstellung „gerade in einem vom jüdischen Geldadel gegründeten Museum“ (CASH-FLOW 6/1989) sollte die schlechte Presse Österreichs in den USA nach der Waldheim-Affaire aufbessern. Es fiel auf, dass die meisten der ausgestellten Werke aus dem „Atelier Rainer“ stammten, einige gehörten der „Galerie Ulysses“, und nur einige wenige dem Düsseldorfer Anlagenberater Helmut Zambo, Presseberichten zufolge Besitzer des größten Konvoluts von Rainer-Kunstwerken.
Obwohl Rainer einige Bilder verkaufen kann, ist die Ausstellung kein Erfolg. Um diese verkauften Bilder ranken sich bald Gerüchte und Vermutungen in der Wiener Kunstszene. In der Folgezeit verblasst Rainers Stern. Der Kunsthistoriker Robert Fleck wird in seinem Buch 2008 erschienen Buch „RAINER ROTH HIER DISTANS“ resumieren: „...so blieb Rainers Ausstellung in New York weitgehend folgenlos. In den Wechselausstellungen der europäischen Museen und Kunsthallen war er kaum noch vertreten...seitdem galt er als Künstler im Kunstbetrieb als einer der „have beens“ ohne aktuellen Einfluss.“
1991 In der Ausgabe 3/1991 der rechten Zeitschrift Nation & Europa schreibt ein Mitglied der FPÖ, Jürgen Hatzenbichler, einen Artikel mit dem Titel “Pardon, ich höre Popmusik”. Diese „Wortergreifung“ ist Teil der Operation DARK WAVE die in der Zeitschrift Junge Freiheit ihren Lauf nahm. Hatzenbichler ist Redakteur der FPÖ-Parteizeitung in Kärnten, Mitglied des rechten Netzwerks „Europäische Synergien/Synergon für Österreich“, war Stellvertreter der „Nationalistischen Front“ in Kärnten, Burschenschaftler und Mitglied eines Kreises junger Rechter und FPÖ-Mitglieder um den Wiener FPÖ-Funktionär Christian Böhm-Ermolli, einem ehemaligen Schüler des Malers Arnulf Rainer und des Medienkünstlers Peter Weibel, der versucht, Ideen des neurechten Kulturkampfs in die politische Praxis umzusetzen. Neben seinem Kunststudium hat Böhm-Ermolli auch ein Jurastudium abgeschlossen. Jürgen Hatzenbichler und Andreas Mölzer gelten linken Kreisen als Verkörperung der Bündnisstrategie von FPÖ und Neonazis. Christian Böhm-Ermolli ist eine Zeit lang Sekretär bei Andreas Mölzer, als der das Bildungswerk der FPÖ leitet.
1990 Bundespräsidentenwahl in Österreich. Mit dem Slogan "Gegen Überfremdung - für ein deutsches Österreich" gelingt es der von Norbert Burger geführten NDP 140.000 Stimmen zu erhalten. Aufgrund des Erfolgs bei der Wahl 1980 versuchte es die NDP 1982 nochmals mit einem Anti-Gastarbeitervolksbegehren. Gemeinsam mit rechtsextremen Gruppen wie der „Ausländer-Halt-Bewegung“ um Gerd Honsik, der „ANR“ und den „Waffenstudenten gegen Integration“ versuchte man die erforderlichen Unterschriften zu sammeln. Es gelingt allerdings nicht, die notwendigen Unterschriften zu sammeln.
noch 1991 Aufgrund der Wende von 1989 und der damit verbunden Zuwanderung aus den an Österreich angrenzen Ländern des ehemaligen Ostblocks rückte die Ausländerpolitik in den Mittelpunkt des politischen Diskurses in Österreich. Auch Parlamentsparteien und Regierung beschäftigen sich nun mit der Zuwanderung.
Ende 1992 Die FPÖ präsentiert ein Konzept für ein Antiausländer-Volksbegehren mit dem Titel "Österreich zuerst".
1993 In Österreich herrscht eine aufgeheizte politische Stimmung. Zu Jahresbeginn hatte die FPÖ mit einem Ausländervoksbegehren die Debatte über die Asyl- und Zuwanderungspolitik zugespitzt. Zwischen 25. Januar und 1. Februar 1993 unterstützten 416.532 Österreicher die zwölf Punkte des Volksbegehrens.
24.Juni 1993 Paketbombe des „Unabombers“ in New Haven, USA, die dem Wissenschaftler David Gelernter eine Hand absprengt. Zuvor waren schon 13 Paket- und Briefbomben an Wissenschaftler großer Universitäten und Manager von großen Fluggesellschaften verschickt worden, die sich u.a. mit Informationstechnologie und Verhaltensforschung beschäftigen. Die ersten Bomben waren ohne Absender, ab Bombe Nr. 4 nannte sich der Absender „FC“ (Freedom Club). Die Ermittler des FBI gingen von einem Einzeltäter aus, den sie „Unabomber“ nannte, das Computerkürzel für „UNiversities“ und „Airlines“.
29.9.1993 Gottfried Küssel wird wegen seiner VAPO (Volkstreue außerparlamentarische Opposition) -Aktivitäten zu zehn Jahren Haft verurteilt. („Zehn Bomben für zehn Jahre“ – so der Schluss der Ermittler später in der BBA-Affaire)
5. Dezember 1993 Eine Briefbombe (aufgegeben am 2.12.1993) explodiert in der Wohnung des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk und reißt ihm eine Hand ab.
8. Dezember 1993 Thomas Müller, der in den USA beim FBI als „Profiler“ ausgebildete Kriminalpsychologe im Innenministerium, präsentiert ein erstes Täterprofil vor Spitzenbeamten der Staatspolizei in den Räumen der EBT (Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus).
noch 8. Dezember 1993 der als Neonazi bekannte Peter Binder wird am 8.12.93 bei einem Ausreiseversuch von tschechischen Grenzbeamten überprüft. Das gesamte Auto ist voller Waffen. Am 11. Dezember folgte die österreichische Polizei mit der Durchsuchung seiner Aufenthaltsorte. Im Landhaus seiner Schwiegereltern finden die Beamten "das größte private Waffenlager der Zweiten Republik".
20. Dezember 1993 In Perchtoldsdorf bei Wien wird ein vierseitiges Bekennerschreiben an den Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Michael Sika, aufgegeben. Das vierseitige Schreiben enthält neben der Formulierung „Wir wehren uns! Graf Rüdiger von Starhemberg!“, eine Anspielung auf den Abwehrkampf der vereinigten christlichen Heere gegen die muslimischen Belagerer unter Kamuni Sultan Süleyman 1529 vor Wien und „...halten Sie ein paar Zeilen des Künstlers Ihrer verkohlten Klaue in Händen...“ auch den Satz: „Ein Künstler erkennt sein Werk, wenn es ihm von den Medien frei Haus geliefert wird“, angeblich hätte man noch 40 Briefbomben vorrätig.
Der Brief wurde am 20. Dezember aufgegeben, enthält aber nicht den später typischen Briefkopf der BBA. Von den Ermittlern wird er Jahre später als „nicht-authentisch“ deklariert.
17. April 1994 Die EBT (Einsatztruppe zur Bekämpfung des Terrorismus) fertigt eine Anzeige gegen die Neonazis Franz Radl und Peter Binder aus, die der Staatsanwaltschaft Wien übermittelt wird.
12.Juni 1994 EU-Abstimmung in Österreich
24. August 1994 Rohrbombe vor der zweisprachigen Volksschule in Klagenfurt gefunden
August 1994 Arnulf Rainer und seine Managerin werden von einem Assistenten der Akademie dabei beobachtet, wie sie aus einem LKW (schwarzer Mercedes Kastenwagen) im Hof der Akademie Bilder ausladen. und mit dem Aufzug in das Atelier von Rainer bringen
30.August 1994 Rainers Galeristin Frau Gabriele Wimmer (Galerie Ulysses) besucht das Atelier Arnulf Rainers in der Akademie am Schillerplatz, bemerkt dort aber nichts Auffälliges.
8.September 1994 Frau Wimmer will mit dem Filmemacher Herbert Brödel für dessen Dokumentarfilm über Arnulf Rainer im Akademieatelier eine Ortsbesichtigung machen. Die Tür lässt sich nicht öffnen. Wimmer ruft den Akademie-Stellvertreter Mag. Porges an und meldet, dass die Schlösser der Räume 219 und 220 mit Klebstoff verschmiert sind und sich nicht öffnen lassen. 14:00 Uhr wird die Situation von Frau Wimmer und Mag. Porges begutachtet. Der Hausschlosser ist im Urlaub. Das Angebot der Akademie, von Porges Büro einen Schlüsseldienst anzurufen lehnt Wimmer ab, das will Sie von Ihrem Büro machen und auch mit Arnulf Rainer Rücksprache halten. Die Kosten betragen 500 Schilling, Rainer lehnt ab, diese zu übernehmen, die Hochschule soll diese Kosten übernehmen. Es sind Semesterferien. So passiert zunächst nichts.
12.September 1994 Frau Wimmer ist wieder in der Akademie, um 15:00 wird im Beisein von Wimmer und Porges durch den Schlosser der Hausverwaltung das Vorhängeschloß mit einer Trennscheibe durchgeschnitten und das Türschloß mit einem Schlüssel geöffnet. Danach besichtigen Mag.Porges und der Hausmeister den Raum, und stellen ein geöffnetes Fenster zum Hof und eine durchschlagene Fensterscheibe fest.
13.September 1994 Gegen 15:25 Uhr wird der Assistent Rainers, Mag.Karl Hikade von Frau Wimmer angerufen und ins Atelier in der Akademie gebeten. Er trifft dort gegen 16:00 Uhr ein, die Polizei ist schon da. Die Galeristin hat inzwischen die beschädigten Bilder entdeckt. Ein Teil der übermalten Bilder wurde 1989 in New York im Guggenheim-Museum gezeigt und seitdem im Akademieatelier von Rainer gelagert und nun schwarz übermalt.
Zwischen 30.8.1994 und 12.9.1994 sollen nach Angaben von Frau Wimmer und Arnulf Rainer im Atelier zahlreiche Bilder Rainers übermalt worden sein. (Rainers Assistent Hikade spricht im Filminterview für die ARD 1997 vom „8.9... wo schon zugesperrt war (weil das Schloß mit Leim verklebt war und die Tür von außen nicht zu öffnen war)...und später aber noch frisch übermalte Bilder gefunden und gemeldet wurden). Insgesamt 36 Bilder sollen übermalt bzw. in sie hineingemalt worden sein, der Schaden beträgt nach Angaben Rainer/Wimmer zwischen 25.000.00000 und 30.000.000,00 Mio. Schilling.
noch 13.September 1994 NIEDERSCHRIFT aufgenommen mit Prof. ARNULF RAINER am 13.9.1994, Beginn: 19:40 Uhr
Am Donnerstag den 8.9.1994 wurde ich von Frau Wimmer in Kenntnis gesetzt, dass sowohl der Zylinder- als auch das Vorhängeschloß verklebt sind und Sie nicht in das Atelier kann. Ich ersuchte Frau Wimmer bei der Hausverwaltung für die Auswechslung der Schlösser zu sorgen. Am heutigen Tag gegen 14:00 Uhr wurde ich von Frau Wimmer angerufen und teilte sie mir mit, dass nach Auswechslung des verklebten Schlosses von ihr festgestellt wurde, dass eine größere Anzahl meiner Bilder mit schwarzer Farbe übermalt worden sind und dass ich nach Wien kommen soll. Der mir durch die Übermalung meiner Bilder entstandene Schaden beträgt mehrere Millionen (ÖS).
14.September 1994 Nach Angaben von Mag.Karl Hikade, dem Assistenten von Rainer an der Akademie, gegenüber der Polizei wurden (spätestens) sämtliche als beschädigt gemeldeten Bilder von Frau Wimmer fotografiert.
15.September 1994 Der Akademie-Stellvertreter Prof.Edelbert Köb und der Hausmeister der Akademie wehren sich in einem Schreiben an die Direktorin der Akademie gegen die Vorwürfe von Arnulf Rainer, das Atelier Rainers sei unzureichend gesichert gewesen. Es habe sich bei den betroffenen Räumen 219 und 220 um „Privatatelierräume“ des Meisterschulleiters Rainer gehandelt. Von der Einlagerung wertvoller Kunstgegenstände war der Akademie nichts bekannt, und hätte eine Forderung nach Entfernung nach sich gezogen. Deren Lagerung war leichtfertig und von der Akademie nicht zu verantworten.
noch 15.September 1994 Bundespolizei Wien, Sicherheitsbüro, BERICHT. Betreff: Professor MAIRINGER; Untersuchung der beim Attentat verwendeten Farbe. Schwarze Farbe: Druckerfarbe, wird im Farbenfachhandel angeboten und ist ein Billigprodukt. Für die Übermalung wurden ca. 1 – 3 kg verwendet.
Weisse Farbe: hoher Anteil von Titanweiß mit zinkweiß verschnitten, keine Leinölfarbe, wird von Künstlern verwendet. Nach Auskunft von Prof. Arnulf Rainer dürfte der Täter für die Übermalung ca. 2-3 Stunden gebraucht haben.
16.September 1994 BRIEF: der Akademie-Stellvetreter schreibt an die Direktorin der Akademie zur Entdeckung der übermalten Bilder mit der Bitte, seine Sachverhaltsdarstellung in der Akademie bekannt zu geben. Er tritt damit Vorwürfen Rainers entgegen, die Akademie habe sich ihm gegenüber verantwortungslos verhalten.
19.September 1994 AMTSVERMERK Mag.PH/Ung Akademie der Bildenden Künste Wien. Betr.: Vorhängeschloß zu Atelierraum 219
Auf Grund der privaten Anbringung des Vorhängeschlosses an der Türe zu Raum 219 durch Prof. Rainer, was ein Verstoß gegen die Hausordnung der Akademie ist, wurde das Zentralsperrsystem der Akademie durchbrochen. Eine Kontrolle des Raums 219 durch Organe der Akademieverwaltung war dadurch nicht mehr möglich, es sei denn, der Nachtportier hätte anlässlich seiner Rundgänge das von Prof. Rainer/Frau Wimmer in der Portierloge hinterlegte und zugeklebte Kuvert mit dem Schlüssel für das (private) Vorhängeschloß geöffnet und wieder verschlossen, um den angestrebten Zweck einer restiktiven Handhabung des Schlüssels zu gewährleisten.
(s . hier auch 19.12.1997, mein Gespräch mit Kommissar Irschik im Wiener Sicherheitsbüro:„... der Leim im Türschloß, das gibt auch keinen Sinn, seufzt Irschik. Ja, das Schloß, das ist auch so eine Sache, die uns seit damals Kopfzerbrechen macht. Hier, sehen Sie, die Tür war mit einem Sicherheitsschloß gesichert, zu dem Rainer, Frau Wimmer und die Hochschule einen Schlüssel hatten. Und Rainer hat zusätzlich ein Sicherheitsschloß anbringen lassen, zu dem hatten nur er und Frau Wimmer den Schlüssel. Der oder die Täter hat dieses Schloß ausgewechselt und von außen mit Leim verklebt. Der von der Polizei gerufene Schlosser hat das neu angebrachte Schloß mit der Flex aufgesägt und zur Untersuchung entfernt. Das hat ca. 20 min. gedauert.“ Ich: „Mit der Flex? Das macht doch nicht nur Krach, es gibt auch Sägespuren, Funkenflug und ev. Brandspuren an der Tür?“ Irschik: „Ja, wir haben aber nichts gefunden das darauf hinwies, dass das Schloß (das ursprünglich von Rainer angebrachte private Vorhängeschloß) vorher mit Gewalt ausgewechselt wurde.“ Ich: „ Also könnte oder müsste sogar das alte Vorhängeschloß mit einem Schlüssel geöffnet und ausgewechselt worden sein?“ Irschik: „ Ja, von denen, die einen hatten.“ Ich: „Also Frau Wimmer oder Arnulf Rainer? Und der Leim?“ Irschik: „Vielleicht nur ein Verwirrspiel. Ja, das gibt alles keinen Sinn, wie so vieles.“)
27.September 1994 Filmaufnahmen im Akademieatelier Rainers mit Herbert Brödl für den Dokumentarfilm in Anwesenheit Frau Wimmers. Gegen 18:00 Uhr werden neue Übermalungen von Frau Wimmer entdeckt (Hineinmalungen in Bilder, die wieder in die Bilderstapel einsortiert wurden). Der Schaden wird von ihr am 29.09.1994 der Polizei gemeldet.
30.September 1994 Bundespolizei Wien, Sicherheitsbüro, BERICHT, Betreff: HIKADE Karl; Mitteilung über mögliche Telefongespräche
Vom Assisten HIKADE wurde mitgeteilt, dass er im Zeitraum der Tatzeit mehrmals an seinem Privatanschluss angerufen wurde, wobei sich der Anrufer nicht meldete. Bei Auswertung der Telefonprotokolle des Anschlusses im Atelier Rainer wurde festgestellt, dass von diesem Anschluss von Juli 1994 bis zum 12.09.1994 keine Gespräche geführt wurden. Das erste Telefonat wurde erst am 13.09.1994 um 20:16 Uhr geführt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Beschädigungen bereits entdeckt und die ersten Tatortermittlungen abgeschlossen.
5. Oktober 1994 Neuerliche Briefbombenserie in Österreich, diesmal mit vier Bomben:
8. Oktober 1994 Der nähere Inhalt des Bekennerbriefes zu den rechtsextremistischen Anschlägen wird veröffentlicht. Danach hat der "Kampftrupp Herzog Oadilo von Bayern" den Anschlag auf das "großslowenische und panslawistische Umvolkungsinstitut RENNER-VOLKSSCHULE" getätigt, was mit Angaben zur Technik der Bombe belegt wird. Gleichzeitig wird mit weiteren Anschlägen gedroht.
9.Oktober 1994 Nationalratswahl in Österreich
Ende September/Anfang Oktober 1994 Arnulf Rainer überwirft sich mit der Wiener Akademie, und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Akademie. Diese habe sich nicht um den Fall gekümmert, sich nicht solidarisch verhalten und kündigt seine Professur kurz vor der anstehenden Emeritierung. Drei Wochen nach dem Attentat erleidet Rainer einen Schlaganfall (zitiert nach: DER SPIEGEL, 6.07.1998)
1994 Fertigstellung des Films „Arnulf Rainer – Sternensucher“ von Herbert Brödl für den ORF (im Film liegt Rainer schwerkrank im Bett, gezeichnet von Attentat und dessen Folgen (Schlaganfall?). Nach Aussage seiner damaligen Assistentin, der Künstlerin Birgit Jürgenssen, war das aber nur simuliert.
Zweite Oktoberhälfte 1994 Die zweite Briefbombenserie und die Klagenfurter Rohrbombe werden von einem Bekennerschreiben an ehemaligen den slowenischen Außenminister Peterle begleitet. Eine Salzburger Eidgenossenschaft bekennt sich nicht nur zu den laufenden Anschlägen, sondern auch zur Bombenserie des Vorjahres.
1994 wird Sascha Erich Kaspar, VAPO-Aktivist und "Kameradschaftsführer" der "Kameradschaft Wiener Neustadt" und Funktionär der in Perchtoldsdorf (NÖ) aktiven Kameradschaft "Walter Nowotny" wegen des Verdachtes der Beteiligung an den im Dezember 1993 erfolgten Briefbombenattentaten in Untersuchungshaft genommen, nach 10 Tagen aber wieder freigelassen. Kaspar hat enge Beziehungen zum Kreis junger Rechter um Mag.Christian Böhm-Ermolli, den Jugendobmann der Wiener FPÖ und Absolventen der Wiener Kunstakademie, wo er bei Arnulf Rainer seinen Abschluß in der Freien Malerei gemacht hat. Kaspar und Böhm-Ermolli haben gute und enge Kontakte zu Pater Lochner, Militärdekan und Religionslehrer an der Maria-Theresianischen Militär-Akademie in Wiener-Neustadt.
10.Dezember 1994 Eine Bombe des „Unabombers“ tötet in New Jersey einen Geschäftsmann
13.Dezember 1994 Rainer erhält an die Adresse seiner Wiener Wohnung in der Mariahilfer-Straße einen anonymen Brief, in dem sein Assistent Mag.Hikade als Ausführungstäter des Attentats und der Wiener Künstler Prof.Oswald Oberhuber als dessen Anstifter und Auftraggeber beschuldigt wird.
13.Januar 1994 Brief von Akademie-Stellvertreter Prof.Edelbert Köb an Prof.Rainer wg. „Artikel in: Die Presse, Hans Haider, 12,Jan. 95“.
Köb kritisiert im Brief Rainers Beschuldigungen des Rektorats und der Direktion der Akademie als haltlos und falsch, Tatsachen verdrehend und als Rufschädigung der Akademie. Rainers habe durch erneute Anbringung eines privaten Vorhängeschlosses an der Ateliertür, trotz Weisung des Ministeriums alle privaten Schlösser abzumontieren, erneut Vorschriften verletzt. Er habe eine Krankmeldung abgegeben und sich als schwerkrank und als dienstunfähig abgemeldet, Rainers Klasse mußte deshalb „suppliert werden“ (d.h. sein Unterricht ersetzt werden), trotzdem erscheint Rainer im Fernsehen bei Geburtstagsfeiern und Vernissagen und entwickelt hektische Aktivitäten als Journalist/Kriminalist. In der Attentatsangelegenheit habe Rainer nie das Gespräch mit Köb gesucht.
16.Januar 1995 Erneute Tatortbesichtigung von Beamten des Wiener Sicherheitsbüros in Anwesenheit von Frau Wimmer. Frau Wimmer meldet der Polizei 6 weitere Bilder, die erst jetzt als beschädigt erkannt werden konnten.
31.Januar 1995 Anklageerhebung im 1.Briefbombenprozeß gegen Peter Binder und Franz Radl
1.Februar 1995 BUNDESPOLIZEIDIREKTION WIEN, Sicherheitsbüro. Betreff: Übermalung von Werken des Prof.ARNULF RAINER, Verdacht gemäß § 125, 126 StGB durch u.T. in eventu:
RAINER Arnulf, 08.12.1929 geb.; Verd. d. Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung § 298 StGB., Verd. d. Verleumdung § 297 StGB.
WIMMER Gabriele, 06.12.1948 geb.;
§12, 297, 298 StGB
An die Staatsanwaltschaft Wien:folgendes Erhebungsergebnis wird zur Kenntnis gebracht. Einerseits erfolgt Anzeigeerstattung gegen u.T. wegen Verdacht gemäß § 125, 126 StGB, wobei bis nun ein Tatverdächtiger nicht ausgeforscht werden konnte.
Andererseits erfolgt Anzeigenerstattung gegen 1) Prof.Arnulf Rainer und 2) Gabriele Wimmer. Der Anzeige liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
Am 13.09.1994, um 15:10 Uhr, wurde das Sicherheitsbüro informiert, dass unbekannte Täter in das Atelier von Prof.A.Rainer eingedrungen sind und dort eine unbekannte Anzahl von Bildern schwer beschädigt haben. Zunächst wurden von Frau Wimmer 25 Bilder durch Übermalen geschädigt gemeldet. Der Wert wurde mit 25 Mio. ÖS angegeben.
Am 29.09.1994 gab Frau Wimmer an, am 27.09.1994 weitere 5 beschädigte Bilder entdeckt zu haben. Bei einer neuerlichen Tatortbesichtigung am 16.01.1995 entdeckte Frau Wimmer weitere 6 beschädigte Bilder, was am 23.01.1995 bei der niederschriftlichen Einvernahme protokolliert wurde.
Insgesamt wurden mit Erkenntnisstand vom 23.01.1995 36 Bilder von Rainer als durch Übermalen oder Hineinmalen beschädigt ausgewiesen.
Das Atelier war mit einem 1) Zylinderschloß und zusätzlich mit einem 2) Vorhängeschloß gesichert. Für 1) besitzen Rainer und Frau Wimmer je einen Schlüssel. Für 2) gibt es zwei Schlüssel: einen teilen sich Rainer/Wimmer, einer befindet sich in einem Kuvert in der Pförtnerloge.
Ein Eindringen in das Atelier durch eines der Fenster ist auszuschließen.
Ein Eindringen war nur durch die Tür Nr.129 des Ateliers möglich. Da keine Einbruchsspuren vorhanden waren muß der Täter die Originalschlüssel bzw. eine widerrechtliche Kopie besessen haben. Die Ermittlungen brachten keinen Hinweis dass die Originalschlüssel vor der Tat widerrechtlich kopiert wurden.
Das Verkleben der Schlösser außen ist als sinnlos anzusehen.
Das Verunstalten der Bilder erfolgte durch „fachgerechtes“ Übermalen mit den gleichen Farbmaterialien wie bei den Originalen. Prof. Rainer spricht von 3,5kg verwendeter Farbe. In Hinblick auf die große Anzahl beschädigter Bilder muß der Täter lange gearbeitet haben. Als Minimum ist eine Arbeitszeit von 11 Stunden anzusetzen, zumal keine Unordnung oder Farbspuren im Raum hinterlassen wurden und alle bearbeiteten Bilder wieder ordnungsgemäß in die Stapel eingereiht wurden. Als Tatverdächtiger kommt nur eine Person mit künstlerischer Ausbildung in Frage.
Auffallend ist dass Prof. Rainer intensive, aktive Medienarbeit geleistet hat. Die zahlreichen diesbezgl. Presseartikel liegen in der Anlage bei.
Ein außenstehender Täter hätte:
- nicht die Möglichkeit in den Atelierraum einzudringen
- nicht die für die Übermalungen erforderlichen Ausrüstungsgegenstände, Techniken und erforderliche Zeit
- kein nachvollziehbares, erkennbares Motiv
Es ergibt sich daher der Verdacht, dass Prof.Arnulf Rainer, im Zusammenwirken mit seiner Managerin Gabriele Wimmer, selbst die Übermalungen über einen längeren Zeitraum hindurch durchführte und dann „die Tat inszenierte“. Alle (von Rainer etc.) später gegenüber den Medien und der Polizeit ausgesprochenen Verdächtigungen (gegen Kollegen, Mitarbeiter, seine Studenten, ins rechte Lager) erwiesen sich als haltlos und deuten in Richtungt einer Inszenierung. Im Lichte der medialen Abhandlung des Falles kann aber durch die „Aktion“ auch eine andere Entwicklung auf dem Kunstmarkt eingeleitet worden sein.
Prof. Arnulf Rainer konnte mit dem Tatverdacht nicht konfrontiert werden, da er der Ladung für den 1.02.1995 kurzfristig wegen Erkrankung absagte.
4.Februar 1995 In den Nachtstunden explodiert in Oberwart im Burgenland eine Bombe der BBA. Vier Roma werden auf der Stelle getötet.
5.Februar 1995 Die Medien melden: Beim Versuch eine Tafel mit der Aufschrift Roma zurück nach Indien in die Luft zu sprengen, seien vier Roma ums Leben gekommen. Die Polizei durchsucht mit einem Großaufgebot die Häuser der Toten.
6.Februar 1995 Das Innenministerium gibt bekannt: In Oberwart sind durch eine Sprengfall vier Männer ermordet worden. Der 40jährige Josef Simon, der 27jährige Peter Sarközi, der 22jährige Karl und der 18jährige Erwin Horvath. Zunächst geht die Polizei von einer Fehde unter kriminellen Roma im Rotlichtmilieu aus.
noch 6.Februar 1995 In der burgenländischen Gemeinde Stinatz detoniert eine weitere Bombe. Dem 28jährige Erich Preissler wird dadurch die rechte Hand zerfetzt. Ein Bekennerschreiben der von der ersten Bombenserie bekannten Bajuwarischen Befreiungsarmee wird in einer Bushaltestelle gefunden. Darin werden die "Clans der Schifkowits, Grandits, Stoisits, Resetarits und Janisch" bedroht. Innenminister Löschnak spricht von "ethnischen Hintergründen" der Anschläge.
9.Februar 1995 NIEDERSCHRIFT II-29.038/SB/94 aufgenommen mit HIKADE, Mag.Karl, Nat. im Akt, welcher zum hs. Amt kommt und weiters zur Sache Angaben machen möchte:
Ende September oder Anfang Oktober 1994 wurde ich von Frau Wimmer angerufen, Sie habe nun doch Spuren vom Täter gefunden in Form eines schwarzen Pulvers. Das lag auf dem Parkett, keines auf dem Teppich im Atelier. Ich sollte ihr beim Erfassen des Pulvers behilflich sein um das der Polizei zu übergeben. Mir weden nun die originalen Tatortfotos der Polizei vorgelegt. Dabei fällt mir auf, dass die Bilderstapel nicht so stehen wie zum Zeitpunkt des Auffindens der Bilder. Demnach hätte das schwarze Pulver auch auf dem Teppich liegen müssen. Auch ist mir nicht klar wofür der Täter das schwarze Pulver hätte brauchen können. Um Farbe daraus herzustellen hätte man zus. Pigment und Leinöl benutzen müssen. Bei der Betrachtung der übermalten Bilder konnte ich keine Verwendung des schwarzen Pulvers feststellen.
Ende September 1994 fand Frau Wimmer weitere leichter beschädigte Bilder, in die hineingemalt wurde. Diese Hineinmalungen hatten merkwürdigerweise verschiedene Nässegrade, die auf ein Hineinmalen nach dem Auffinden der schwarz übermalten Bilder am 12./13.September 1994 schließen ließe. Wenn diese Farbe gleichzeitig mit der schwarzen Farbe vom 13.9.1994 aufgetragen worden wäre, hätte diese Farbe bei der Entdeckung des Schadens durch Frau Wimmer am 27.9.1994 nicht mehr abfärben dürfen, da es sich nach Untersuchung der Farbe durch das Institut für Farbenchemie der Akademie um sehr rasch trocknende Farbe von hoher Qualität handelte.
10.Februar 1995 Telefax der Bundespolizeidirektion Wien, Vorladungsbescheid für Wimmer und Rainer zum 21.2.1995, 14:00. Angeregt Telefonüberwachung in der Zeit vom 14.2. – 24.2.1995
11.Februar 1995 Begräbnis der Opfer des Anschlags von Oberwart.
13.Februar 1995 Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen im rechten Lager. bringen außer Massen an rechtsextremem Propagandamaterial keine Ergebnisse. Die Auswertung des am Klebeband am Sockel der Sprengfalle gefundenen Fingerabdrucks verläuft negativ. Der Historiker Gustav Spann siedelt die Verfasser des Bekennerschreibens im "Dunstkreis der Burschenschaften" an. Mehrere amtsbekannte Rechtsextremisten sollen dem Phantombild ähnlich schauen, unter anderem der in den Achtzigerjahren in Österreich bereits wegen Bombenanschlägen verurteilte Westdeutsche Ekkehard Weil.
14.Februar 1995 Die Bombenanschläge rufen einige "Spaßvögel" auf den Plan. In Salzburg werden siebzehn Bombenattrappen entdeckt und sichergestellt. Am 10.2. war an das Bundesbüro der Grünen eine Attrappe geschickt worden, am 14.2. wurde in Wien am Lueger-Platz eine solche in einer Telefonzelle aufgefunden.
15.Februar 1995 Mit einer Verspätung von über einem Jahr taucht ein Bekennerbrief auf, der nach der ersten Briefbombenserie vom Dezember 1993 von der "Kampfeinheit Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg" an den Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit, Sika und an Bürgermeister Zilk, geschickt wurde. Die Kopie des Schreibens wurde damals (ohne den Wiener Bürgermeister in Kenntnis zu setzen) an das Innenministerium weitergeleitet. Im Schreiben ist von "Knallfröschen zum Krambambulicocktail" und „Ein Künstler erkennt sein Werk wenn es ihm von den Medien frei Haus geliefert wird“ die Rede, angeblich hätte man noch 40 Briefbomben vorrätig.
Der Brief wird erst bekannt, als er (bis heute unbekannt von wem) den Medien zugespielt wird und am 16.Februar 1995 im Nachrichtenmagazin news veröffentlicht wird. Der Bekennerbrief wird 1998 von den Ermittlern als nicht-authentisch eingestuft. (ebenfalls 1998: der Rechtsberater der Galerie Ulysses und Verbindungsmann von Frau Wimmer/Arnulf Rainer und John Sailer (der grauen Eminenz im Hintergrund der Galerie Ulysses) zur Kriminalpolizei ist Herr Höpfl, ein Professor am Juridicum. Der Kontakt zu ihm wurde mir von der Galeristin Rainers, Frau Wimmer vermittelt. Höpfl sagt mir 1998 gleichlautend: Dieses Schreiben ist nicht authentisch, wir haben uns 1995 geirrt. Das heißt: die von der Polizei zeitweise verfolgte Hypothese, der Fall Rainer hänge mit der BBA und Rainers Studenten Böhm-Ermolli zusammen, kam von Prof.Höpfl. Es ist anzunehmen, das Höpfl diesen Verdacht den Behörden nach Gesprächen und Hinweisen von Arnulf Rainer und Frau Wimmer zu Protokoll gab.)
21.Februar 1995 Vernehmung von Arnulf Rainer im Beisein seiner Frau, die als Vertrauensperson anwesend ist, durch die Kriminalpolizei Wien. Anwälte sind nach dem österreichischen Polizeigesetz nicht zugelassen. Rainer kann alle gegen ihn und seine Galeristin erhobenen Vorwürfe entkräften, allerdings bleibt für die Polizisten unerklärlich, warum er nach der Entdeckung des von außen mit Leim verklebten Schloß sich nicht sofort Zugang zum Atelier verschaffen ließ. Auch verwundert die Beamten, dass er in seinen Aussagen den Täter zu schützen scheint. Was diese zu der Schlussfolgerung führt, Arnulf Rainer hat seine Bilder selbst übermalt, und schütze sich nun selbst durch die Art und Weise seiner Aussagen.
24.Februar 1995 der Polizei wird vertraulich telefonisch mitgeteilt, dass der Assistent eines der Akademieprofessoren in der Ferienzeit, vermutlich August 1994, beobachtet haben soll, wie Rainer und seine Managerin aus einem LKW (schw. Mercedes Kastenwagen) im Hof der Akademie Bilder ausgeladen und mit dem Aufzug in das Atelier von Rainer gebracht worden sein.
6.März 1995 Die STAPO (Österreichische Staatspolizei) beschlagnahmt die Bezieherlisten der Monatszeitschrift „Die Aula. Das freiheitliche Magazin“ Die Täterprofile zu den Anschlägen haben zur Vermutung geführt, dass sich die Täter unter den Abonnenten dieser weit rechtsaußen angesiedelten Zeitschrift befinden könnten. Zahlreiche Bezieher werden in der Folge (allerdings bisher ergebnislos) einvernommen.
noch 6.März 1995 Benefizkonzert für die Bombenopfer von Oberwart in Wien.
7.März 1995 Das Innenministerium legt zu den Bombenanschlägen ein Täterprofil von drei Personen vor. Der Bombenbauer soll 50 bis 55 Jahre alt sein und entsprechendes Wissen in Elektronik und Chemie besitzen, ein phantasiebegabter, penibler Bastler sein, der Bombenleger ist 20 bis 40 Jahre alt und ca. 175cm groß, schlank und hat dunkles Haar, der Urheber dürfte etwa 60 Jahre alt sein, über eine ausgezeichnete Bildung verfügen, in juristischem Bereich und im Behördenwesen vertraut sein, über eine gewählte Ausdrucksweise verfügen, geltungssüchtig, eitel und überheblich sein. Er hat ausgezeichnete Kenntnisse über die politischen Verhältnisse in Kärnten.
8.März 1995 Der FPÖ-Vorsitzende Jörg Haider erkärt, man müsse wachsam bleiben, die Demokratie sei in Gefahr. Die Bombenanschläge hätten wahrscheinlich einen rechtsextremen Hintergrund, aber um dem Terror zu begegnen, müsse man beide Augen offen halten. Die FPÖ brauche Stimmzettel, keinen Sprengstoff, man werde umso ruhiger, je aggressiver die Gegner würden. Selbst sieht er sich als Opfer einer Hetzjagd gegen Andersdenkende.
Erste Märzhälfte 1995 Im Zuge der Fahndung nach den BBA-Bombenattentätern wird die rechte Szene verunsichert. In Gänserndorf, Straßhof und Wels werden Hausdurchsuchungen durchgeführt, Schlagwaffen und NS-Materialien sichergestellt, drei Personen festgenommen und gegen einige Anzeige erhoben.
29.März 1995 Aktenvermerk II-29.002/SB/95. Ein Informant (vermutlich ist es Prof.Höpfl, Freund und Rechtsberater der Galerie Ulysses) teilt dem im Fall Rainer ermittelnden Sicherheitsbüro seine Hypothese mit, die einen Zusammenhang zwischen den Bombenanschlägen der BBA und der Sachbeschädigung im Akademieatelier Rainers darstellt. Demnach könnten Tat und Täter Verbindungen zwischen Rechtswissenschaft und Kunststudium aufweisen, es also einen Konnex zwischen Juridicum und Kunstakademie geben. Auffällig sei die Analogie der schwarzen Texttafeln im Fall Oberwart und der Akademie. In einer Rasterfahndung sollten nun Personen ermittelt werden, die sowohl eine künstlerische wie eine juristische Ausbildung haben.
Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf die künstlerische Arbeit von Christian Böhm-Ermolli, einem ehemaligen Studenten von Arnulf Rainer. Der Informant meint dass im Kreis einer hochintelligenten kleinen Gruppe (evtl. Burschenschaft) die Attentate als subtile Verhöhnung von Juden, Zigeunern und modernen Künstlern geplant werden.
ANLAGEN: enthalten Argumente zur Entlastung für Prof. Rainer und Frau Wimmer. Material zu den Zusammenhängen zwischen O (Oberwart), A (Akademie) und B (Briefbomben). Verdächtige Person die für alle drei Deliktfälle in Frage kommt und verdächtig ist: Mag. Christian Böhm-Ermolli, einen ehemaligen Schüler Rainers an der Wiener Akademie, der auch einen Abschluß am Juridicum gemacht hat, und in rechten Kreisen verkehre.
Protokoll der Einvernehmung datiert: Wien 25.3.95
1.April 1995 Die Ausstrahlung in der TV-Sendung Aktenzeichen XY bringt keine wesentlichen Hinweise zu den Bombenanschlägen von Oberwart und Stinatz.
April – Mai 1995 Vorbereitung und Reise von Lutz Dammbeck nach Südamerika mit einem Filmpaket des Goethe-Instituts („Dienstbare Kunst“. Nach der Rückkehr Wiederaufnahme der Recherchen für den Bildersturm-Film
7.April 1995 Die den Burschenschaften und der FPÖ nahestehende Zeitschrift Die Aula beklagt sich über die "ansatzweise Destabilisierung des Dritten Lagers", weil durch die Ermittlungen zu den Bombenanschlägen (siehe 6.3.), die Zeitschrift in die Nähe des Bombenterrors gerückt würde. Dieser würde zum Vorwand für Gesinnungsterror. Man distanziert sich vom Beitrag von Nikolaus Preradovich in einer Vorjahrsnummer. ("Die Zigeuner sind ein Indien entstammendes Wandervolk, Ehrlichkeit zählt nicht zu den Glanzseiten des Volkes (..) sie ziehen stehlend und betrügend durchs Land (..) sie werden Lumpenpack genannt..")
Vermutet wird in der „Aula“, der "linke Tugendterror" wolle den Verdacht bewusst gegen das deutschbewusst-freiheitliche Lager richten, die Linke stecke vielleicht selbst zumindest hinter den Bekennerbriefen.
24.April 1995 Eine Bombe des „Unabombers“ tötet einen Geschäftsmann in Sacramento, USA
18.Mai 1995 Rainers Assistentin Birgit JÜRGENSSEN teilt der Polizei mit, daß sie vom Hausmeister der Akademie am 15.5.1995 erfahren habe, dass Rainer die Attentatsbilder neuerlich schwarz übermalt habe. Dem Hausmeister war das aufgefallen, weil Rainer gem. Emeritierung die Atelierräume zum 30.4.1995 hätte räumen müssen, dies aber noch nicht geschehen war. Die Bilder waren noch feucht.
19.Mai 1995 Die Polizei besichtigt in Anwesenheit des Hausmeisters und Mag.Hikade die von Rainer in seinem Atelier ausgelegten schwarz übermalten Bilder. Es wurde festgestellt, dass die drei Verbindungstüren zum (nebenliegenden) Seminarraum versperrt und auf der Seite des Ateliers verriegelt waren. Alle Schlösser zwischen Seminarraum und Rainers Atelier wurden ausgewechselt. Auf Grund des Zustands der am Boden liegenden Bilder konnte eine neuerliche Übermalung nicht ausgeschlossen werden. Deshalb wurde Kontakt zu Frau Wimmer aufgenommen, Rainer selbst war nicht erreichbar.
Die Galeristin Frau Wimmer teilt der Polizei mit dass Rainer selbst die Bilder auf dem Boden ausgelegt habe. Rainer war noch am 18.5.1995 im Atelier.
Bei einem Termin am 19.5.1995 erklärt Frau Wimmer der Polizei, dass die Bilder nicht neu übermalt wurden und sich in jenem Zustand befinden, in welchem sie sich zum Zeitpunkt der Verpackung in ein Strickstoffzelt (um das Trocknen der Farbe des Attentäters zu verhindern) befanden. Auf Grund der Erklärung von Frau Wimmer sah die Polizei keine weiteres Einschreiten erforderlich.
24.Mai 1995 in dem Nachrichtenmagazin news wird über ein Partei-ausschlussverfahren der FPÖ gegen Christian Böhm-Ermolli berichtet, der Hitler als großen Staatsmann bezeichnet haben soll. Im gleichen Bericht werden auch Zitate Böhm-Ermollis aus einem Buch über „Österreichs Symbole“ erwähnt, in denen er Hitler als „art-director“ des Dritten Reichs und Konzeptkünstler bezeichnet.
8.Juni 1995 Der Verteidiger des mutmaßlichen Neonazis Binder erhält einen 28-seitigen Bekennerbrief der "Salzburger Eidgenossenschaft", in dem Details über die Briefbombenserien angegeben sind. Eine Anzahl von Personen, die im Brief erwähnt werden, erhalten von der STAPO keine Information darüber oder eine Warnung. Unter diesen Personen ist die farbige TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer.
9.Juni 1995 Neue Briefbombenserie. In Linz erleidet die Mitinhaberin eines Partnervermittlungsbüros, das auf Ausländerinnen spezialisiert ist, schwere Verletzungen an der linken Hand, in München wird eine Mitarbeiterin von Frau Kiesbauer beim Öffnen einer Briefbombe verletzt.
13.Juni 1995 Eine weitere Briefbombe explodiert in Lübeck, BRD. Sie war an den Vizebürgermeister Szameit (SPD) adressiert und verletzte den öffnenden Geschäftsführer der SPD-Fraktion schwer. Die Lübecker SPD hatte sich nach dem zweiten Anschlag auf die Lübecker Synagoge besonders gegen Ausländerfeindlichkeit und Neofaschismus engagiert.
14.Juni 1995 Der Innenminister sagt über die Briefbombenattentäter:
"Es handelt sich hier nicht um typische Neonazis, da sie kein großdeutsches Reich anstreben. Diese Menschen sind eine sektenhafte Kleingruppe mit fundamentalistischen, fremdenfeindlichen Akzenten." Der Haupttäter wird
als "extrem national, deutschösterreichisch orientiert, antisemitisch, und ausländerfeindlich" definiert.
16.Juni 1995 Auch innerhalb des Polizeiapparates werden Ermittlungen zu den Bombenserien geführt. GRUND: in einem der Bekennerbriefe wird auf ein Gutachten Nr.1 des Wiener Kriminalpsychologen Dr.Thomas Müller hingewiesen. Den Medien war aber nirgendwo zu entnehmen, dass Müller ein Gutachten zu den früheren Bekennerbriefen verfasst hatte. Für die Ergreifung der Briefbombenattentäter wird nun eine Belohnung von 10 Millionen Schilling ausgelobt.
18.Juni 1995 Der Öffentlichkeit wird bekannt, dass auch der Vater des inhaftierten Jörg Schimanek jun. einen schon am 29.5. aufgegebenen Brief der Bajuwarischen Befreiungsarmee bekommen hat. Schimanek sen. wird darin "beraten", wie er seinem Sohn helfen könne. Er war im Brief mittels einer Morddrohung angehalten worden, das Schreiben nicht an die Polizei weiterzugeben. Sicherheitsdirektor Sika meint, dass die Briefbombenserie nicht aus dem Bereich der landläufigen Naziszene komme, diese habe man gut unter Beobachtung, 25 Neonazis seien außerdem zur Zeit in Haft. Die Terroristen entstammten anderen Schichten.
noch 18.Juni 1995 In der TV-Sendung "Zur Sache" spricht Barbara Coudenhove-Kalergi von "ähnlichen Zielen in der Ausländerpolitik" in dem Wiener Boulevardblatt Kronen Zeitung und bei den Briefbomben-Bekennerschreibern. Die Kronenzeitung ist zutiefst empört. Der ORF entschuldigt sich.
19.Juni 1995 Der im Sommer 1994 durch den Bombenanschlag auf eine zweisprachige Klagenfurter Schule schwer verletzte Polizist Theodor Kelz tritt mit zwei Armprothesen seinen Dienst wieder an.
24.Juni 1995 In linken Kreisen kursieren Hypothesen mit denen Zusammenhänge zwischen der FPÖ Haiders, den Burschenschaften und der Neonaziszene belegt werden sollen. Es fallen auch die Namen Andreas Mölzer, Jürgen Hatzenbichler und Christian Böhm-Ermolli. Diese Hypothesen gehen von einer Gruppe aus, die für die BBA-Attentate und die Bekennerschreiben zuständig ist. Das Ziel sei die Machtübernahme Haiders in Österreich. (Quelle: "Antifaschistischen Nachrichten/Wien", in: Nadir/org.)
11.Juli 1995 Ausstrahlung des Films von Herbert Brödl „Sternensucher“.
Im Film liegt Arnulf Rainer u.a. krank im Bett, leidend an den Folgen eines Schlaganfalls.
28.Juli 1995 Scharfe Kritik von SP-Sekretär Cap, VP-Sekretär Karas und der Organisation SOS-Mitmensch an Jörg Haider, der zum Oberwarter Bombenmord folgende Frage stellte: "Wer sagt, dass es nicht um einen Konflikt bei einem Waffengeschäft, einem Autoschieberdeal oder um Drogen gegangen ist?"
8.September 1995 Ein Gutachten des Amtes für Wehrtechnik bestätigt, dass die Briefbomben aller Serien aus demselben Täterkreis stammen. Da in einem Bekennerbrief seinerzeit bekannt gegeben wurde, man habe einen Vorrat von 40 Briefbomben angelegt, bedeutet auch die Bombenserien nach der Verhaftung von Binder und Radl keine Entlastung für die beiden Beklagten.
11.September 1995 Ende des Briefbombenprozess gegen Peter Binder und Franz Radl. Beide werden auch wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung angeklagt. Nach den strengen Strafen in den vorherigen Prozessen gegen Küssel und Schimanek jun. wählen beide eine andere Verteidigungstaktik: keine Verteidiger, die der rechten Szene nahe stehen, betreffend NS-Wiederbetätigung geständnisbereit, die Anklagepunkte zu den Bombenanschlägen, die mit nicht sehr starken Indizien belegt zu sein scheinen, weist man zurück.
9.Oktober 1995 Der Kriminalpsychologe Dr.Thomas Müller liefert beim Briefbombenprozess gegen Binder und Radl ein weiteres Täterprofil über die BBA-Briefbomber ab. Er beschreibt in seinem Täterprofil Nr.2 den Haupttäter als über fünfzig Jahre alt mit abgeschlossener Mittelschulbildung (katholisches Internat oder Stiftsgymnasium), immer korrekt gekleidet, genau und penibel, pedantisch und höflich. Er dürfte den Angeklagten Binder persönlich kennen. Der Bombenbauer sei aber ein anderer. Dieser habe keine Möglichkeit sich über seine Fähigkeiten mitzuteilen, er brauche aber Rückmeldungen, und schreibe daher umfangreiche Bekennerbriefe.
13.Oktober 1995 EU- und Wien-Wahl in Österreich
16.Oktober 1995 Eine neue Briefbombenserie erschüttert Österreich. Der aus Syrien stammende Arzt Mahmoud Abou-Roumie in Stronsdorf wird an der rechten Hand verletzt, die Flüchtlingshelferin Maria Loley aus Poysdorf wird an beiden Händen schwer verletzt, eine dritte Bombe an einen aus Südkorea stammenden Frauenarzt kann rechtzeitig sichergestellt werden. Haider kommentiert, es sei auffallend, dass die Bombenanschläge immer dann auftreten, "wenn die politisch Mächtigen in Österreich in Turbulenzen sind." Er ist der Ansicht, die Anschläge würden im Interesse der großen Koalition ausgeführt.
noch 16.Oktober 1995 Ein Bekennerschreiben zum Attentat auf die Bilder Rainers taucht in der Wiener Akademie auf, Adressat ist Prof. Denys Zacharopoulos, Direktor des Instituts für Gegenwartskunst das in der Wiener Akademie angesiedelt ist. Der 17-seitige Text ist eine kunstvolle Collage von Zitaten aus der Kunst- und Geistesgeschichte und wirft Arnulf Rainer vor, die Moderne an den Markt verraten und Nutznießer des nationalsozialistischen Systems sowie Teil einer korrupten und zerstörerischen „sogenannten antifschistischen Moderne“ zu sein. Zum Beweis, daß die Briefschreiber auch die Attentäter sind, legen sie eine Fotografie vom Tatort bei.
17.Oktober 1994 Das Bekennerschreiben wird mit der Faxkennung „meyer“ an verschiedene Personen und Medien verschickt. Das dem originalen Bekennerschreiben beigelegte Foto ist nun auf die letzte Seite einkopiert oder aufgelegt oder aufgeklebt worden.
noch 17.Oktober 1995 Die Polizei stellt fest, dass immer 123 Tage zwischen den einzelnen Bombenanschlägen der BBA liegen. Die Polizei rätselt über die Bedeutung dieser Beobachtung.
19.Oktober 1995 Bisher wurden im Zuge der Ermittlungen zu den Bombenanschlägen 45.000 Personen überprüft, vorwiegend im rechten Lager, das sich durch den erhöhten Fahndungsdruck umgruppiert.
noch 19.Oktober 1995 Rohschnittabnahme meines Films DÜRERS ERBEN in Hamburg durch den MDR, danach Beginn mit der Endfertigung im Hamburger Filmhaus. Parallel weiter Recherchen zum neuen Projekt BILDERSTURM über Kunstzerstörer.
20.Oktober 1995 Bei den Ermittlungen zur letzten Briefbombenserie gibt es zwanzig Hinweise mit "besonderer Priorität", aber keine "heiße Spur". Gefasst wurde nur der Anrufer, der Altbürgermeister Zilk mit neuem Bombenterror bedrohte. Es soll sich dabei um einen Alkoholiker gehandelt haben.
21.Oktober 1995 Laut dem Leiter der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus, Robert Sturm, ist in der Fahndung nach den Briefbomben-Terroristen alles offen und alles möglich. Man nimmt an, dass es sich um eine recht kleine Tätergruppe handelt, selbst ein Einzeltäter wird nicht ausgeschlossen, ebenso wenig, dass der oder die Täter Kontakte zum Ermittlungsapparat haben. Laut Innenminister Einem wurden im 28-seitigen Bekennerbrief vom Juni Fakten angeführt, die nicht aus den Massenmedien stammen können. Der Minister nennt als Hypothese auch ein "politisches Komplott mit umstürzlerischen Zielen".
25.Oktober 1995 Artikel in dem Wiener Nachrichtenmagazin news über das Bekennerschreiben im Fall Rainer: der Autor, der Journalist Hirschmann, hatte ebenfalls am 17.Oktober 1995 eine Kopie des Bekennerschreibens per Fax von „meyer“ erhalten
10.November 1995 Der Sicherheitsbeauftragte des Innenministers, Baumgartner, sagt, dass sich durch den Fahndungsdruck infolge der Briefbombenserie die rechtsextreme Szene umstrukturiert habe, aber die rechten Kader aus dem Untergrund konspirativ weiterhin agierten. 1994 gab es 306 Anzeigen nach dem Verbotsgesetz, das ist eine Zunahme um rund 40%, für 1995 ist mit keinem Rückgang zu rechnen. International rücken die Rechtsextremisten näher zusammen, die Organisation geschieht überall in kleinen und konspirativen Zellen, die Bildung einheitlicher Organisationen wird vermieden. Von Österreich aus besteht ein enger Kontakt zu den deutschen Nazis, speziell zur "Anti-Antifa" . Die Computervernetzung ist eine Selbstverständlichkeit und bringt Informationsvorsprünge gegenüber den Sicherheitskräften.
noch November 1995 Die Ermittlungsbehörden kommen zur Vermutung, dass die Ideenwelt des Historikers Taras Borodajkewycz im Zusammenhang mit der Ideologie der Briefbombenterroristen stehen dürfte. Die antisemitischen und nazistischen Äußerungen von Borodajkewycz bei Vorlesungen an der Hochschule für Welthandel führten in den Sechzigerjahren zu politischen Auseinandersetzungen. Bei einer Demonstration am 31.3.65 erschlug der Neonazi Kümel den Antifaschisten Ernst Kirchweger. Eine weitere Spur zur "Bajuwarischen Befreiungsarmee" sei in der rechtsextremen deutschen Zeitschrift Vorderste Front gefunden worden. Im Herbst 1992 sei dort ein anonymer Artikel erschienen, der die von den österreichischen Bombenversendern praktizierte Vorgangsweise angeraten habe.
14. November 1995 Hamburg, Endfertigung meines Films DÜRERS ERBEN, der Wiener Filmemacher Herbert Brödel, ein Freund Arnulf Rainers, bringt mir den Bekennertext in den Schneideraum und bittet mich um eine Analyse. Rainer und sein Umfeld denken, der Text komme von rechts. Auch gebe es möglicherweise wegen der Doppelung von Attentat und Bekennertext einen Zusammenhänge mit den Briefbombenattentaten der BBA. Da ich einen Film über Arno Breker und die Kunst des Nationalsozialismus gemacht und gute Kenntnisse über rechtes Gedankengut habe, bitte er mich den Text zu analysieren. Nach der ersten Lekture beschließe ich, den Fall mit in mein geplantes Filmprojekt zum BILDERSTURM aufzunehmen, zu dem die Recherchen schon laufen. Ich beginne mit den Recherchen.
20.November 1995 Fortsetzung des Briefbombenprozesses gegen Radl und Binder.
29.November 1995 Abnahme 0-Kopie des Films DÜRERS ERBEN im Hamburger Film-Kopierwerk Atlantik
11.Dezember 1995 Fünfte Briefbombenserie. In Graz-Gösting explodieren in einem Briefkasten zwei Briefbomben. Vermutlich ist die eingebaute Entschär-fungssicherung die Ursache. Zwei weitere Bomben können sicher-gestellt werden. Eine der beiden explodierten Bomben war an das Wiener UN-Flüchtlingskommissariat gerichtet, die beiden sichergestellten Bombenbriefe gingen an Angela Resetarits und an eine aus Indien stammende Wiener Familie. Als Absender ist im Falle Resetarits deren Neffe, Direktor einer zweisprachigen Schule, angegeben, im Falle der indischen Familie der Doppelname Neuwirth-Nachtmann. Auch diese Anschlagserie befasst sich wieder mit historischen Anspielungen auf Abwehr-kämpfe gegen Eindringlinge aus den Nachbarländern Österreichs vor 1.000 Jahren.
14.Dezember 1995 Der Sprengstoffsachverständige Ingo Wieser, Leiter des Gutachterteams vom Amt für Wehrtechnik, teilt mit: dem Briefbomben-sprengstoff war eine seltene Substanz beigefügt, die es in Österreich nur bei einer Tiroler Firma gebe. Die Polizei ist über diese öffentliche Verlautbarung nicht sehr glücklich. Auch nicht über die Kundmachung in der Kronenzeitung über einen Verdächtigen aus Wien-Mödling.
21.Dezember 1995 Die Urteile im Wiener Briefbombenprozess werden verkündet. In den Anklagepunkten betreffend die Briefbomben werden beide Angeklagte freigesprochen. Für NS-Wiederbetätigung gibt es 5 Jahre Haft für Peter Binder und 3 Jahre für Franz Radl. Beide kündigen Rechtsmittel gegen das Urteil an. Radl wird wegen der zweijährigen Untersuchungshaft nach dem Urteil auf freien Fuß gesetzt. Der ganze Prozess litt von Beginn an der mangelhaften Ermittlungsarbeit der Behörden.
27.Dezember 1995 Die Freisprüche von Binder und Radl bezüglich der Briefbombenserie sind rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat auf Berufungen verzichtet.
noch 27.Dezember 1995 Die Rekonstruktion der am 11.12.1995 im Briefkasten explodierten Briefbomben hat zum Ergebnis, dass die vierte Bombe an ein ungarisches Partnervermittlungsbüro gerichtet war. Die Absenderangabe spielte auch hier auf Abwehrkämpfe vor 1000 Jahren an.
29.Dezember 1995 Pessimistisch schaut Chefinspektor Robert Sturm von der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus bezüglich des Briefbombenterrors in Österreich ins Neue Jahr. "Solange wir keinen Täter haben, kann von Entwarnung keine Rede sein".
29.Januar 1996 meine Recherchen im „Rechten Lager“ beginnen. Kontakte habe ich bisher keine. Ein Hamburger Kollege hat einen Dokumentarfilm über „1968 in Hamburg" gedreht, dort tritt ein ehemaliger APO-Aktivist auf, der später ins rechte Lager gewechselt sein soll. Ich erhalte die Telefonnummer von Reinhold Oberlercher. Notiz im Kalender zu „Oberlercher“. Erstes Telefonat am 29.01.1996? oder am 30.Januar 1996, ebenfalls ein Namenseintrag. Erster Treff mit O. war im Hotel Elysseé Hamburg, im Café des Hotels. Datum nicht mehr bekannt. Empfielt mir in Wien Andreas Mölzer zu kontaktieren. Nationalrat der FPÖ, „graue Eminenz der FPÖ“, ehemals Chef des Bildungswerks der FPÖ. Mag.Christian Böhm-Ermolli war sein Assistent beim Bildungswerk. Bekennerext erinnert Oberlercher an: Homann, DIE ETAPPE, Bonn. schillernder Typ, Text könnte von dort kommen.
1.Februar 1996 Das Österreichische Innenministerium warnt anlässlich des bevorstehenden Jahrestages der Anschläge von Oberwart und Stinatz vor möglichen weiteren Bombenanschlägen.
5.Februar 1996 Aktivisten des Antifa-Komitee Linz besetzen anlässlich des Jahrestages des Oberwarter Bombenanschlages das Büro von SPÖ-Landes-geschäftsführer Buchinger. Der SPÖ-Funktionär diskutiert mit den Besuchern über den Rechtsextremismus in Österreich.
15.Februar 1996 Das österreichische Nachrichtenmagazin news beschäftigt sich mit dem Inhalt der 20.000 Seiten Bekennerschreiben des Briefbombenaktes. Danach wurden die Attentatsopfer immer nach vorher konstruierten historischen Szenarien ausgewählt. Die Spur führt u.a. zu rechten Hobbyhistorikern. Im Januar war in der Kronenzeitung und in rechten und rechtsextremen Kreisen eine missverständliche Aussage von Sicherheitschef Sika, der gemeint hatte, dass man nicht nur in Neonazikreisen suchen hätte sollen, uminterpretiert worden.
5.März 1996 Rainers ehemaliger Schüler Mag. Christian Böhm-Ermolli begeht Selbstmord, indem er sich in den Räumen seiner WG in der Schwarzspanierstraße (im Sterbehaus Beethovens) erschießt.
21.März 1996 Der Oberste Gerichtshof weist einen Antrag Haiders auf einstweilige Verfügung gegen den Leiter des DÖW (Archiv des Österreichischen Widerstands) Dr. Neugebauer zurück. Neugebauer hatte in einem ARD-Interview im Juni 1995 zu den Briefbombenanschlägen gesagt, dass die FPÖ Haiders "heute als Hauptkraft des österreichischen Rechtsextremismus anzusehen ist und insbesondere in der ausländerfeindlichen Politik und Propaganda an der Spitze steht und auch den geistigen Boden für solche Anschläge aufbereitet hat." Der OGH stellt fest, das sei ein "zulässiges politisches Werturteil zu aktuellen Fragen des Zeitgeschehens."
28.März 1996 Interview zu den Ermittlungen der STAPO in der Briefbomben-Affaire mit Innenminister Einem in news. Zur Frage, ob die Ermittlungen zu den Briefbomben in eine falsche Richtung gelenkt worden seien, sagt der Minister: "Ich halte von solchen Rückwärtserschließungen gar nichts - aber es ist nicht falsch, wenn man heute sagt, die Stapo hat aus einer zu verengten Sicht gearbeitet. Ich habe von Beginn an gesagt, dass es sich hier nicht um Neonazis im klassischen Sinn, sondern um sektenhafte Täter handelt. Und mittlerweile kann man die Augen noch weiter öffnen und sagen, es kann dieser ganze nationalistischhistorische Schmarrn, der in den Bekennerschreiben vorkommt, auch sehr gefinkelt aus Büchern besorgt worden sein, um als Tarnung des Täters zu dienen. Alles ist möglich." Auf die Frage, ob er sogar einen Linksextremen als Täter für denkbar halte, antwortet Einem: "Ich halte es nicht für besonders wahrscheinlich, aber als Theorie ist denkbar, dass dieser Nazi-Schmarrn auch als Tarnung für Täter welcher Art immer gedient haben kann.
3.April 1996 der ehemalige Mathematikprofessor Ted Kaczynski wird als der jahrelang gesuchte „Unabomber“ in Lincoln/Montana in den USA verhaftet
24.April 1996 Major Polzer, Chef der niederösterreichischen Kriminalabteilung, stellt anlässlich einer FPÖ-Anfrage zum Sprengstoffanschlag von Ebergassing fest, dass sich die Behauptung des FPÖ-Clubchefs Mag.Stadler, es gebe Anhaltspunkte, der antifaschistische Journalist Wolfgang Purtscheller sei der "vierte Mann" von Ebergassing und stünde auch mit dem Anschlag von Oberwart in Verbindung, als falsch erwiesen hat. Fest stehe ferner: Die Anschläge von Oberwart und Klagenfurt sowie die Briefbombenattentate stammen von derselben, noch unbekannten Tätergruppe, der Anschlag von Ebergassing sei dagegen aufgeklärt, zwei Täter kamen dabei ums Leben, ein dritter Tatverdächtiger ist ins Ausland geflüchtet.
3.Juni 1996 Im Rahmen der burgenländischen Wahlberichterstattung spricht der Standard mit Stefan Horvath, dem Obmann des Oberwarter Roma-Vereins. Dieser sagt, die Roma hätten sich nie sehr für Politik interessiert, ihre Stimmen teilten sich zwischen rot und schwarz auf, freiheitlich wähle niemand. Durch die Anerkennung der Roma als Volksgruppe sei der Bombenanschlag in Oberwart provoziert worden, das sei die Volksmeinung unter den Roma.
5.Juni 1996 Neue Untersuchungen der Sprengstoffreste aus den Briefbomben und den Bomben von Oberwart und Klagenfurt mit neuen technischen Einrichtungen bestätigen: Es wurde überall derselbe Sprengstoff verwendet.
noch Juni 1996 Nach einem Bericht des Innenministeriums wurden 1995 wegen rechtsextremer Aktivitäten insgesamt 621 Anzeigen erstattet, 102 Hausdurchsuchungen durchgeführt, 19 Personen festgenommen und 89 wegen rechtsextremer Straftaten verurteilt. Bei den rechtsextremen Aktivisten gab es einen Generationswechsel, Jahrgänge bis 1975 wurden durch "Nachwuchskräfte" ersetzt. Zu den Briefbombenanschlägen gingen bisher rund 7.300 Hinweise ein, von denen bisher ungefähr 5.000 bearbeitet worden sind. Bei einer Kontoöffnung eines "flüchtigen Revisionisten" (wahrscheinlich Gerd Honsik) wurden Geldbewegungen in Millionenhöhe festgestellt.
18.Juni 1996 Gespräch mit Dr.Reinhold Oberlercher, im Café „Bobby Reich“ an der Hamburger Alster. Er war vor 9 Jahren (1987 das letzte Mal in Wien. Hat damals auf Einladung Mölzers einen Vortrag in der Uni (Veranstalter das Bildungswerk der FPÖ, Saalschutz G.Küssel) gehalten.
20.Juni 1996 Drehbuchrecherche für BILDERSTURM in Aachen, Fluxuskonzert und Beuys, Treff mit Dr. Adam C. Oellers in Aachen, 16.00 Uhr Suermondt Museum
noch 20.Juni 1996 Das Wiener Nachrichtenmagazin news berichtet, man habe gegen den mit behördlicher Mithilfe seinerzeit nach Spanien geflüchteten rechtskräftig verurteilten Neonazi Gerd Honsik Strafanzeige erstattet. Der Alt-Neonazi hatte in der Aprilnummer seiner Zeitschrift „HALT“, das er nach wie vor aus Spanien an ca. 10.000 Empfänger verschickt, behauptet, der News-Journalist Athanasiadis könnte in Angelegenheiten Briefbomben "Jäger oder Täter" sein. News verlangt nun die Auslieferung von Honsik wegen Verleumdung.
25.Juni 1996 Erneuter Treff mit Oberlercher, diesmal in seiner Wohnung in Hamburg-Barmbeck
1.Juli 1996 Der Kanzleibeamter des Innenministeriums Martin M., ein ehemaliger Bezirkspolitiker der FPÖ, betätigt sich als unbefugter Ermittler zum Bombenattentat von Oberwart und versucht, den linken Journalisten Wolfgang Purtscheller mit dem Anschlag in Verbindung zu bringen. Außerdem soll er seine "Ermittlungsergebnisse" an die FPÖ weitergegeben haben. Es besteht der dringende Verdacht, dass M. der langgesuchte "Maulwurf" der Freiheitlichen im Innenministerium sein könnte. Er wird nunmehr vom Dienst suspendiert.
8.September 1996 Die Briefbombenermittler vermuten, dass sie den Briefbombenattentätern bereits auf die Spur gekommen sind und deswegen keine weiteren Anschläge mehr passieren, weil die Täter sich beobachtet fühlen.
30.August 1996 Notiz im Kalender: erster Versuch Andreas Mölzer in Wien anzurufen. Da er nicht mehr für die FPÖ im Parlament sitzt, werde ich an das Kärntner Büro der FPÖ verwiesen. Zahlreiche Telefonate ohne Mölzer zu erreichen.
10.September 1996 Mit Arnulf Rainers Vertrautem, dem Filmemacher Herbert Brödl, erster Besuch bei Arnulf Rainer in Enzenkirchen. Verdächtig für ihn: Prof. Graf, ein Kunsthistoriker an der Akademie, Burschenschaftler im Umkreis der Verbindung „Olympia“ und der Zeitschrift Aula, Christian Böhm-Ermolli, ein ehemaliger Student von ihm der Mitglied der FPÖ ist, und unter ungeklärten Umständen Selbstmord begangen hat. Am Bahnhof kaufe ich mir die neue Ausgabe des österreichischen Nachrichtenmagazins Profil, darin ein Artikel über Mölzer und Haider, die bevorstehende Wahl und die Briefbombenattentate.
13.September 1996 Erneute Versuche Andreas Mölzer zu treffen, zunächst in Wien, dann in Annenheim, bei Villach. 16:08 via Feldkirchen nach Annenheim. Dort erster Treff.
25.September 1996 Wieder Treff mit Oberlercher in Hamburg (richte Ihm Gruesse von Mölzer aus).
29.September 1996 Das österreichische Innenministerium warnt vor einer möglichen neuen Briefbombenserie.
1.Oktober 1996 Die Bajuwarische Befreiungsarmee verschickt wieder einen Drohbrief. Diesmal werden „0,8 Staatsbegräbnisse“ angekündigt, der Großteil des Briefes ist codiert und muss erst von den Beamten einer Spezialabteilung des Staatsschutz entschlüsselt werden.
9.Oktober 1996 Der Brief der "Bajuwarischen Befreiungsarmee" wurde entschlüsselt und wird nun der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Im Brief bekennt man sich ausdrücklich zu den Anschlägen von Oberwart und Stinatz. FPÖ und Kronenzeitung hatten immer wieder zu behaupten versucht, diese Anschläge hätten keine rechtsextremen Urheber. Mehreren Personen werden Anschläge angedroht. Allerdings ging der 8.10., den man als den gefährlichsten Tag (wegen der wiederholten Bezüge auf "8" im Bekennerbrief) betrachtete, ohne neue Bomben vorbei. Interessant, dass im Brief der Haider-Wahlkampfspruch zu finden ist, Vranitzky „spiele den Weihnachtsmann für Arafat“.
5.November 1996 ca. 15.00 Uhr Telefonat mit Frau Dr. Fleischmann, ORF wg. einer evtl. Beteiligung des ORF an der Produktion des Films. Hat von dem Leiter der Kulturabteilung Herrn Lorenz leider nur das Deckblatt des Drehbuchs erhalten. Hat Interesse, aber keinen aktuellen Sendeplatz
14.November 1996 Hamburg, Telefonat mit Arnulf Rainer in seinem Landhaus in Enzenkirchen bei Schärding. Ja, Treff am 20./21.November ist möglich.
19.November 1996 Abfahrt 20.23 Bhf HHH-Altona, Ankunft am 20.11. 1996 früh 7.00 Uhr in Wien-Westbahnhof. Zufälliger Treff mit der Filmemacherin Mara Mattuschka am Bahnsteig, Gespräch im Bahnhofscafé „Rosenkavalier“ über Arnulf Rainer, Maria Lassnig und die Situation an der Wiener Akademie.
20.November 1996 9:00 Treff mit Andreas Mölzer im Cafe´Schwarzenberg, Wien. Hinweis von ihm auf den Kommers der Burschenschaftler in der Hofburg am 30.11.1996 anläßlich des Jubileums „1000 Jahre Ostarrichi“
11.00 Uhr Cafe Salzgries, Treff mit dem Journalisten Markus Wailand von der Zeitschrift Falter.
21.November 1996 10:00 Uhr Treff mit dem Journalisten Oliver Lehmann von news im Café Prückl am Karl Lueger Platz, U-Bhf. Stubentor
15:00 Uhr Treff mit Prof. Daim, Erdbrustgasse, Ottakring
19:00 Uhr Gespräch mit Klaus Zellhofer (Falter), Cafe´Salzgrieß
30.November - 1.Dezember 1996 Dreh in Wien, Hofburg, Mariannerplatz, Festkommers der Burschenschaftler
Ende November 1996 Die Fahndung nach den Briefbombenattentätern bleibt immer noch ohne Ergebnis. Das Innenministerium warnt vor neuen Anschlägen. Dass es sich bei der "Bajuwarischen Befreiungsarmee" um einen Einzeltäter handeln könnte, wird nicht mehr ausgeschlossen.
29.November 1996 Bei einer Pressekonferenz in einem Café der Wiener Innenstadt wird von den Journalisten Michael Grassl-Kosa und Hans Steiner das Buch „Der Briefbomber ist unter uns“ vorgestellt. Das Buch entstand in enger Kooperation der Autoren mit dem Innenministerium, speziell mit dem Ex-Generaldirektor Sika und dem Psychologen und Profiler Dr.Thomas Müller. Das Buch enthält das Täterprofil Nr.3 von Müller, das nun wieder von einem Einzeltäter ausgeht, der sich in einem von den Autoren entgworfenen fiktivem Porträt selbst vorstellt. Die Veröffentlichung soll den echten Täter psychologisch unter Druck setzen. Ausgebreitet und analysiert wird auch der geschichtshistorische Hintergrund einer Verteidigung des Deutschtums, das sich in den Bekennerbriefen der BBA herauslesen lässt, was mit der Kostümierung der Attentate durch Verweise etwa auf die Verteidigung Wiens 1683 gegen die Osmanen unter Großwesir Kara Mustapha belegt wird. Das Buch ist an allen Zeitungs- und Tabakläden erhältlich und findet so massenhafte Verbreitung. (In einem Kapitel werden sehr ausführlich Parallellen zu den Bombenattentaten des sogenannten „Unabombers“ Ted Kaczynski in den USA gezogen und über eine mögliche Verbindung zwischen „Unabomber“ und „BBA-Briefbombern“ spekuliert.)
9.Dezember 1996 Eine neue Briefbombe ist unterwegs. Bei einer Astrologie-Firma in Wien taucht ein Brief auf, der an Lotte Ingrisch, der Stiefmutter von Innenminister Einem gerichtet war. Der oder die Briefbomber hatten diese Adresse als Absender benutzt, den Brief aber an eine nicht mehr bestehende Anschrift in Rindelberg im Waldviertel gerichtet. Bei der Untersuchung des Briefes durch die Polizei, explodiert er. Die Polizei nimmt an, dass Lotte Ingrisch deswegen das Ziel der 25. Briefbombe wurde, weil der Innenminister und seine Familie zu gut gegen Anschläge abgeschirmt sind.
noch 9.Dezember 1996 Treff mit Reinhard Oberlercher im Restaurant „Alsterpavillon“ in Hamburg. Ich gebe ihm eine Einladungskarte und Programm vom Festkommers in der Hofburg. Ah, sehr gut, sehen Sie, die Reichsinsignien auf dem Titelblatt. Aha, ja , das Dritte Lager ist Veranstalter. Empfehlung: Wenden Sie sich an Homann, der Autor des Bekennerschreiben im Fall Rainer ist jemand, der so denkt und schreibt wie er.
10.Dezember 1996 Reise über München nach Schärding/Kallhamm.
Besuch bei Herbert Brödl in Schärding, mit ihm zu Arnulf Rainer, der in der Nähe ein Haus und Atelier hat. Am Morgen 11.12.1996 Weiterreise nach Wien.
20.Dezember 1996 Telefonat mit Herrn Rappmann, Allgäu. FIU-Verlag und Versand im Allgäu. Gespräche über die Bezüge von Beuys zu Rudolf Steiner, Esoterik und Ephesos (Bienen). Beuys war stark beeinflußt von Wilhelm Schmundt
22.Dezember 1996 Anruf bei Homann: ich suche eine alte Nummer der Zeitschrift ETAPPE aus dem Archiv, die ich seinerzeit für meinen Film über Arno Breker bestellt hatte. Seinerzeit war die Nummer vergriffen und nur noch als Fotokopie erhältlich. Der Fakt soll mir nun als Einstieg dienen. Finde aber in dem fotokopierten Heft keine Telefonnummer des Verlags. Rufe wieder Oberlercher an. Hat die Telefonnummer von Homann angeblich auch nicht. Gibt mir aber die Nummer von Günther Maschke, ehemals SDS, jetzt zum Katholizismus konvertiert. Der gibt mir die Nummer von Homann. Kennt auch den Dichter Rolf Schilling, den ich für ZEIT DER GÖTTER interviewt hatte. Erreiche Homann, der aber, wie er sagt, nicht weiß wie er mir helfen kann. Ist aber zu einem Treffen und Gespräch bereit, am 7.Januar 1997 in Düsseldorf. Nach einem Gespräch das ich bei der Filmstiftung NRW
führen will wegen der Finanzierung des Films.
15.Januar 1997 Gespräch / Telefonat mit Dr.Pickshaus wg. BILDERSTURM-Beuys
16.Januar 1997 Treff mit Homann/ETAPPE, Köln, Cafe´ in Nähe des Doms.
17.Januar 1997 Treff in Aachen mit Dr.Oellers wg. Fluxus-Konzert in der TH Aachen. Nachmittags: Düsseldorf, Akten Museum Frankenburg - Station „Rote Erde“, Aachen.
18.Januar 1997 Gespräch mit dem ehemaligen Kanzler der TH Aachen Prof.Dr.Graf Stenbock-Vermohr über seine Rolle und die von Beuys beim Fluxus-Konzert 1968 in Aachen
1.Februar 1997 Die Ober Österreichischen Nachrichten (OÖN) schreiben auf Seite 1: "Seit 3.Dezember 1993 tauchten insgesamt 25 Brief- und drei Rohrbomben auf. 15 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, vier Roma getötet."
noch 1.Februar 1997 Die österreichische Polizei warnt vor möglichen neuen Briefbomben. Bisher wurden 50.000 Personen überprüft, 140 Hausdurchsuchungen vorgenommen, 8500 Hinweisen wurde nachgegangen. Als Belohnung sind 13,2 Millionen Schilling ausgesetzt.
6.Februar 1997 In Stinatz wird zum 2.Jahrestag des Anschlages von 1995 eine Bombenattrappe aufgefunden.
19.Februar 1997 Treff mit Thomas Schmit am im Cafe´Rost, Knesebeckstraße Berlin-West wg. Beuys und Schmits Rolle im Fluxuskosmos um Macunias und seine Rolle beim Fluxuskonzert in Aachen
22.Februar 1997 Treff mit Ludwig Gosewitz in der Bar „Concept“ in München. Gespräch über seine Rolle im Fluxuskosmos und bei der Veranstaltung in der TH Aachen.
6.März 1997 Das Wiener Nchrichtenmagazin news erhält einen Brief der "Bajuwarischen Befreiungsarmee".
Die Experten sind überzeugt: Er stammt nicht vom "Bombenhirn".
7.März 1997 Treff mit Homann/ETAPPE am Bahnhof Köln, 12.00 Uhr an der Pufferbude.
Ich soll Dr.Walter Seiter in Wien kontaktieren, Herausgeber der Zeitschrift Tumult, wohnt Hoher Markt 4, auf Empfehlung von Hohmann,
11.März 1997 Gespräch mit Dr. Böckelmann in München. Empfielt mir Dr.Kohlenberger in Salzburg aufzusuchen -12.3. Wien Mölzer Cafe´Schwarzenberg, Wien Empfielt zur Historie der Burschenschaftler Dipl. Volkswirt Dvorek, Burschenschaft „Olympia“.Verweist auf Hans Dichand (Kronenzeitung), einflußreicher Medienmogul, hat 40% des Marktes, Kunstsammler der klassischen Moderne - 16.00 Prof.Dr.Seitter –
13.März 1997 Redakteur Lorenz, ORF - 14.00 Prof.Höpfel - abends Frau Wimmer - 14.März Treff mit Jürgen Hatzenbichler in Klagenfurt Hotel Moser Verdino
15.März 1997 Gespräch mit dem Journalisten Klaus Zellhofer von der Wiener Stadtzeitung Falter, kennt einen Militär-Pfarrer über den er schon einen Artikel geschrieben hat, der ist Militärseelsorger (Thema des Artikels: „Rolle der Katholiken im Österr.Ständestaat“). Hat den Kreis um Böhm-Ermolli seelsorgerisch betreut.
20.März 1997 Wien, vormittags Treff mit den Journalisten Christoph Hirschmann und Oliver Lehmann bei „news“ – nachmittags mit Klaus Zellhofer im Cafe´Salzgries - Telefonat mit ORF, Rückruf am 26.3. nachmittags (Krietzsch) - Telefonat mit Markus Wailand (Falter) wegen Identifizierung „Süddeutscher“
21.März 1997 Wien Gespräch im Österreichischen Filmarchiv, Herr Pflügel, Raunsteingasse 5, 1010 Wien, Frau Franta.
3.April 1997 Hamburg Telefonat mit Dr.Böckelmann, der Textautor sitzt wahrscheinlich in Wien, ist ein Insider, kennt sich in der aktuellen Kunstszene aus
noch 3.April 1997 Hamburg, Treff mit Oberlercher
7.April 1997 In einem großen Bericht in der Nr.15 des österreichischen Nachrichtenmagazin Profil über „Mölzers Miliz“ wird der „Konservative Klub“ um Christian Böhm-Ermolli (der am 5.März 1996 Selbstmord beging) vorgestellt, und die Bezüge der jungen FPÖ-Mitglieder zur „Neuen Rechten“ und deren Strategien beschrieben.
8.April 1997 Treff mit Dr.Böckelmann, München Cafe´“Stimmt so!“, anschließend Recherchereise bis zum 13.4.1997 München - Salzburg - Wien - Klagenfurt - St.Veit an der Glahn – Wien
9.April 1997 Treff mit dem Philosophen und Religionswissenschaftler Dr. Helmut Kohlenberger in Salzburg im Café Tomaselli. Kohlenberger ist mit Dr.Böckelmann und Prof.Dr.Seitter einer der Herausgeber der Zeitschrift „Tumult“. Der Text des Bekennerschreibens kündigt ein Ende der Nachkriegsmoderne an, er empfielt mir Walter Blieml zu kontaktieren, anschließend Rückfahrt Ankunft in Wien 18.00 Uhr Westbahnhof. Tourotel Mariahilfer-Straße. Anruf vom Hotel aus bei Amhof (Kreis um Böhm-Ermolli) und Ditsch (junger Maler aus der Klasse Rainer an der Akademie, Bergsteiger, befreundet mit der Tochter Haiders, verdächtigt den Anschlag in der Akademie ausgeführt zu haben). Anschließend zur Porzellangasse ins Lokal „Zum Landsknecht“, im Hinterzimmer tagt die Parteigruppe des 9.Bezirks, nehme an der Sitzung teil. Im Anschluß Gespräch mit der ehemaligen Freundin von Böhm-Ermolli.
10.April 1997 Donnerstag, 11.00 Uhr Roter Hof 8, U6 bis Thaliastraße, Piaristengasse Treff mit Mag. Tributsch, auch Mitglied Vorstand FPÖ im 9.Bezirk, hat das „CD-Radio“ von Bratislava aus betrieben, Vorsitzender der Burschenschaft „Olympia“, u.a. war Schönerer hier Mitglied.
Anschließend Fahrt zu Helmut Ditsch, Laab am Walde, Hoffeldstraße 27, A-2381. Ditsch ist 1993 Absolvent von Prof. Arik Brauer an der Wiener Akademie. Ditsch wurde mehrmals verdächtigt, die Bilder übermalt zu haben. Ein anonymer Informant („Meyer“) hatte news 6 Schreibmaschinenkasetten und Disketten zugespielt, die dazu viel Material enthielten.
Abends: Vortrag in der Akademie der Bildenden Künste, Festvortrag von Prof.Dr. Graf, für Arnulf Rainer einer der Hauptverdächtigen den Text geschrieben zu haben. Im Vortragsaal Prof.Höpfel getroffen.
11.April 1997 Treff um 11.00 Uhr mit Amhof und seinem Kreis. Warte eine Stunde. Niemand kommt. Handys abgestelllt. Bin unruhig. Was bedeutet das ? Abfahrt 12.45 nach Klagenfurt vom Südbahnhof. Wie wird Hatzenbichler reagieren? Ankunft 17..45 in Klagenfurt. Jürgen Hatzenbichler am Bahnhof
noch 11.4.1997 Fahrt mit (Hatzenbichler) seinem Auto zum Hof RAINERMENTE der Cousine Arnulf Rainers, Frau Kernmeier. Hatzenbichler will am 3.Mai 1997 in Wien im „GASOMETER“ (einer Technodisco) abraven.
Nachtrag: Telefonat mit Andreas Pehan vom AdÖW: Konzert von DEATH in JUNE am 2.Mai 1997 in Wien. Hatzenbichler hat Zellhofer vom „Falter“ ein Interview gegeben, will aus der Rechten aussteigen
12.April 1997 Treff am Samstag mit Frau Wimmer in der Galerie, dann mit Arnulf Rainer im Atelier. Dann Treff mit Amhof/Freundeskreis Böhm-Ermolli/FPÖ im Café des MAK, dann Ortsbesichtigungen Hofburg, Reichsinsignien, Schatzkammer
18.April 1997 Telefonat mit Dr .Oellers, Freitag, ist schon von Dr.Müller-Arends angerufen worden. Der ehemalige Asta-Vorsitzende Franz-Josef Gottschlich soll Korporierter gewesen sein. Blonder Scheitel, ist im Film zu sehen. Gibt mir die Adresse des Studenten der Beuys die Nase blutig geschlagen hat (Foto von Riebesehl). Name ist: Nieschling, dessen ehemalige Frau Ilka Falk(s),lebt in der Nähe von Stuttgart. Empfielt mir den Kontakt zu Dietmar Spiegel, Herausgeber von damaliger Aachener Studentenzeitung
16. und 17.April 1997 weiter Recherche Aachen: 14.00 Uhr Archiv der THW Aachen,
23.April - 27.April 1997 Recherchereise Wien:
Hamburg-Wien 23./24.4.1997: Treff mit Höpfel 10.00 Uhr Westbahnhof –
12 .00 Uhr Akademie Institut für Gegenwartskunst, Frau Wurzer - 14.00 Uhr Cafe´Ritter Klaus Tieber – dann Anruf Wimmer - Archiv :Monsignore Otto Mauer, Galerie Weihen nächst St.Stephan - ORF: Archivmaterial - Amhof - Schwester - Gudenus – Schwarzspanierstraße – Mölzer - Hatzenbichler – KRISIS –Seitter 17.30 Uhr Klaus Zellhofer Cafe´Salzgries – abends Kino Dritter Mann
25.April 1997 verschiedene Anrufe: Hofburg Pressestelle, Dr.Fidelsberger, DJ Alex,GASOMETER, Kronenzeitung Dichand, Thomas Rottenberg/Falter –
12.00 Uhr Galerie Ulysses, Kopien machen, Adressen raussuchen, Telefonat mit Frau Wimmer in Salzburg wg. der Videokopien der Sendung des NDR im Kulturweltspiegel. Da habe Rainers Assistent Karl Hikade Sachen gesagt, die Ihr und Rainer komisch vorkamen. Vielleicht gebe es noch andere Aufnahmen, die nicht gesendet wurde. Gibt mir auch die Telefonnummer der anderen Aussistentin Rainers an der Akademie, Birgit Jürgenssen. Sprechen Sie ruhig auch mal mit der. Versuche gleich anzurufen, niemand nimmt ab.
Zurück ins Hotel, 10.00 Uhr erneuter Anruf bei Birgit Jürgensen, wieder niemand da, mehrere weitere Versuche. Spreche auf Band und schlage Treff Besuch 25.4.1997 um 14.00 Uhr vor.
17.00 Treff mit DJ Alex im new record store. 18.00 Uhr Dr.Höbelt im Cafe´Landmann[
20.00 Uhr Pension Samwald, Nikolaus Amhof. Ist nicht da, Gespräch mit Bruder. Dann zum Prater, Schweizerhaus, Treff mit der FPÖ-Jugendgruppe um Amhof.
25.April 1997 o.k. von Jürgen Bauer für Dreh beim Rave im Gasometer, Guglgasse 11, Erdberg-Simmering, XS Club, Kärntner Straße 61, Tel.: 5056014
noch 25.April 1997 Gespräch mit Birgit Jürgensen, Brauergasse 1. Fragt mich als erstes woher ich ihre geheime Telefonnummer habe. Erzählt mir nach langem Zögern einiges aus dem Innenleben der Akademie und der Wiener Kunstszene. Sagt sie habe Angst mir mehr zu erzählen. Nach einer Flasche Wein erzählt sie mir doch noch etwas, die Geschichte der Übermalung der Bilder. Ein Student aus der Klasse Rainers, der auch von Frau Wimmer vertreten werde, sei mit dem gleichen Flugzeug wie Rainer und sein Troß zur Eröffnung der Ausstellung im Guggenheim-Museum nach New York geflogen. Dort habe er die Doubles angefertigt, die wieder nach Österreich eingeführt wurden. Sie nehme an daß er den Bekennertext geschrieben habe. Wenn ich das aber weitererzähle, bekomme sie großen Ärger. Sie ist sich sicher, dass Rainer mich zu ihr geschickt habe, damit sie mir diese Geschichte erzählt. Dann warte er, wie ich mich verhalte. Und sie auch. Sie wirkt unglücklich. Sie weint.
26.April 1997 Fahrt nach Baden-Traiskirchen, Vorbereitung des Drehs in der ehemaligen NAPOLA wo Arnulf Rainer einige Jahre zur Schule ging.
30.April 1997 Per Telefon beim Gemeindeamt Traiskirchen Suche nach Klassenkameraden Rainers. Können sich (oder wollen sich nicht) erinnern. Rainer hat brieflich jeden Kontakt abgelehnt, will damit nicht mehr (auch mit den „Ehemaligen“) in Verbindung gebracht werden. Studentin hat Buch über NAPOLAS herausgebracht, im Heimatmuseum ist eine Ausstellung.
29.April 1997 Hamburg, Kampnagel-Fabrik, Lesung Baudrillard. Wir drehen Teile der Lesung. Dann mit Eberhard Geick mit PKW von Berlin Richtung Enzenkirchen
2.Mai 1997 Besuch bei Rainer in Enzenkirchen mit dem Kameramann Eberhard Geick, Frau Wimmer kommt dazu, besprechen der Drehtermine, ich schlage vor, einige der Bilder zu röntgen. Abschluß eines Vertrag mit Arnulf Rainer über seine Beteiligung am Film und die Genehmigung seine Werke abzubilden. Frau Rainer erzählt mir dass Sie fest davon überzeugt ist, dass Rainer den Täter kennt und der ihm mal sehr nahe gestanden hat. Sie sei sicher, Rainer kenne den Täter. Das soll aber nicht in den Film mit hinein.
Anfang Mai 1997
Recherche BILDERSTURM; TH-Aachen, Treff mit Prof.Bazon Brock, Uni Wuppertal, Fachbereich 5
6.Mai 1997 Treff mit Andreas Mölzer in Wien
7.Mai 1997 in der Galerie Ulysses Eröffnung einer Arnulf Rainer-Ausstellung, alte Bilder. Mache Aufnahmen mit meinem Hi8-Camcorder. Darf Fotos aus dem Archiv der Galerie aussuchen und mitnehmen
9.Mai 1997 Kunsthalle Krems, Eröffnung der Ausstellung Rainers „abgrundtiefe - perspektiefe. Retrospektiefe 1947-1997“ durch Werner Hoffmann in der Minoritenkirche. Fahrt mit Frau Wimmer nach Krems zur Eröffnung. Rede zur Eröffnung hält Werner Hoffmann. Dann Vernissage in der Kunsthalle. Als ich mich mit Arnulf Rainer unterhalte, sehe ich dass uns Birgit Jürgenssen ängstlich und misstrauisch beobachtet. Wand an Wand mit der Kunsthalle ist das Gefängnis Krems. Dort sitzen zwei andere Aktionisten, der „Linke“ Otto Mühl und der „Rechte“ Gottfried Küssel. Fahre mit Frau Wimmer in ihrem Wagen zurück nach Wien.
DREH 1
16.Mai 1997 Übernahme Bild- und Lichttechnik in Berlin
19.Mai 1997 Abfahrt Dammbeck/Barthel nach Berlin
20. Mai 1997 Abfahrt Team ca. 8.45 Uhr über Prag nach Wien.
21.Mai 1997 Mittwoch Interview mit Nikolaus Amhof, Gregor Amhof, John Gudenus jun. und „Sissy“ Kretschmar. 12.00 Uhr. Aufnahmen Umfeld: Albertina, Denkmal Hrdlicka
noch 21.Mai 1997, 14.00 Uhr, Interview Walter Seitter, Hoher Markt 4,
noch 21.Mai 1997, ab 18.00 Uhr, Verbindung „Olympia“, Roter Hof 8, 8.Bezirk
22.Mai 1997 Donnerstag, 9.00 - 11.00 Uhr Gespräch bei Prof. Dr.W.R. Muckenschnabel, Schriftsachverständiger. Hat im Auftrag Rainers und Frau Wimmer ein Schriftgutachten zur Handschrift Böhm-Ermollis angefertigt.
15.00 Uhr, Akademie der Bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien, Herr Hikade abends Gespräch mit Dr.Helmut Kohlenberger, Westbahnhof
23.Mai 1997 Freitag, Früh: 9.30 Uhr Prof.Peter Weibel, Hochschule der Angewandten Künste Wien, Salzgries 14, A-1010 Wien - 13.00 Uhr Abfahrt nach Klosterneuburg, Aufnahmen vom Baumarkt„Baumax“, Fassade außen, Details innen - 16.30 Uhr Interview mit Kommerzialrat Karlheinz Essl
Abends: Blick vom Kahlenberg auf Wien, Abendstimmung
24.Mai 1997 Sonnabend: Abfahrt 9.00 Uhr Klagenfurt. 16.00 St.Veit an der Glahn, Frau Kernmeier ,Cousine Rainers - dann Fahrt zum Hof RAINERMENTE, Aufnahmen außen. Aufnahmen am Längssee-Gasthof „Seekogel“, Blick zum Schloß St.Georgen.
Ev. Übernachten in Villach, Wandbild von Switbert Lobisser.
25.Mai 1997 Sonntag. ab ca.12.00 Uhr in Enzenkirchen, Atelier Arnulf Rainer
Abfahrt nach Wien oder Baden/Wien ca. 21.00 Uhr, Fahrtzeit Enzenkirchen - Wien ca. 4 Stunden
noch 25.Mai 1997 Innenminister Schlögl teilt in einem Interview mit, man habe möglicherweise einen Briefbombenbriefeschreiber ausgeforscht. Ein 62jähriger Computerfachmann namens Gerhart Pawlikowsky (außerhalb von News nur "P." genannt), der schon länger auf der Observationsliste der Terrorfahnder gestanden sei, steht im Verdacht, die letzten zwei Bekennerschreiben (an profil und News) verfasst zu haben. DER INGENIEUR
DREH 2
26. Mai 1997 Montag. Je nach Standort: Fahrt nach Baden bei Wien. Aufnahmen der NAPOLA in Traiskirchen? Terminfestlegung Aufnahmen in der Hofburg:Schatzkammer
ab 14.00 Uhr - ca. 16.30 Uhr Interview Hofrat Dr.Frodl, Österreichische Galerie, Prinz-Eugen-Straße 27, 1030 Wien,
27.Mai 1997 Dienstag, 10.00 Uhr Galerie Ulysses, 11.00 Uhr Gespräch mit Frau Wimmer, Opernring 21, 1010 Wien. Aufnahmen in der Galerie von der Ausstellung Rainers, Details, Blick ev. vom Dach
28.Mai 1997 Mittwoch früh: Hofburg, 8.00 Uhr - 10.00 Uhr. Schatzkammer Aufnahmen der „Reichskleinodien“, ohne Ton - 11.00 Uhr Redakteur Hirschmann, news – ca. 13.00 Uhr - 14.00 Uhr Fotos drehen bei news, ev. noch Farbkopie davon machen. Danach: Abfahrt nach Klagenfurt. Fahrt ca. 4 Std. Ev. noch Treff mit Hatzenbichler
28.Mai 1997 news veröffentlicht neue Details zu dem als Autor der Briefbomben-Bekennerschreiben verdächtigen Gerhart Pawlikowsky, Deckname „der Ingenieur“. Außer der Bekanntgabe des vollständigen Namens des P. enthält der Artikel nichts Wesentliches oder Sensationelles. Interessant ist lediglich, dass die Justiz bisher keine Vernehmung des Verdächtigen durchgeführt hat und er auch nicht observiert wird.
DREH 3
29.Mai 1997 Donnerstag, Fronleichnam: Landschaftsaufnahmen in Kärnten (Herzogstuhl, Tempel), Gespräch Jürgen Hatzenbichler, Siebenhügelstraße 23, 9020 Klagenfurt,
30.Mai 1997 Freitag: 9.00 Uhr Rückfahrt nach Wien, ca. 4 Stunden.
14.00 Uhr Sicherheitsbüro Bundespolizei, Dr.Geiger Bundespolizeidirektion Wien, Sicherheitsbüro, Roßauer Lände 5, 1090 Wien - Stadtaufnahmen Wien: Sterbehaus Beethoven/Böhm-Ermolli, Friedhof Hietzing. Gasometer Totale.Übernachtung Wien
31.Mai 1997 Wien Stadtaufnahmen, Juridicum (ev. noch 1 Interview) Krems, Ausstellung von Arnulf Rainer in der Kunsthalle? Dann Treff „meyer“, in der Nähe von Krems?
Abfahrt Richtung Prag – Berlin
spätestens 1.Juni Abgabe Bus Flughafen Tegel 22.00 Uhr
Ende erste Drehphase
1.Juni 1997 In der TV-Pressestunde des österreichischen Fernsehens kritisiert Innenminister Schlögl, dass die Justiz Gerhart Pawlikowsky bisher noch nicht vernommen hat. In der abendlichen Diskussionssendung "Zur Sache" ergeht sich der FPÖ-Vertreter in kryptischen Behauptungen über falsche Spuren im Briefbombenterror, der Verdächtigte "P." schickt ein Fax, dass er am Montag endlich vernommen zu werden wünscht.
5.Juni 1997 Ministerialrat Günter Rehak, ehemals VSStÖ-Funktionär, sagt bei einer Einvernahme zur Briefbombensache aus, das DÖW (Archiv des Österreichischen Widerstands) sei mit der Bajuwarischen Befreiungsarmee identisch.
9.Juni 1997 Interview mit Herrn Homann (ETAPPE) in Köln
12.Juni 1997 news meint, das Briefbombenrätsel gelöst zu haben. An der Spitze einer fünf Personen starken Gruppe stehe der nach Spanien geflüchtete rechtskräftig verurteilte Neonazi Gerd Honsik, ein 75jähriger Jurist aus Niederösterreich und ein 73jähriger Historiker aus der Steiermark seien weitere Bandenmitglieder. Rehak wird als Bekennerschreibenschreiber vermutet. Seitens des Innenministeriums spricht man von "reiner Spekulation".
18.Juni 1997 Pawlikowsky (der „Ingenieur“) wird aus der U-Haft entlassen, die Staatsanwaltschaft meldet Berufung an. In der Haftprüfungsverhandlung wird entschieden, es bestünde Tatverdacht zu zwei Bekennerschreiben der Briefbombenserie, mangels neuer Erkenntnisse, lägen aber keine Gründe für eine Haftverlängerung vor.
19.Juni 1997 news berichtet, dass der nach Spanien geflüchtete Neonazi Gerd Honsik auch dort untergetaucht ist. Seit einigen Wochen würde er von den Ermittlern als geistiger Urheber der Briefbombenserie verdächtigt. Neue Erkenntnisse zum Anschlag von Oberwart: Die Insassen zweier Autos sollen die Bombe dort aufgestellt haben, dadurch könnte die Vermutung, die Brief-bombenserie sei das Produkt eines Einzeltäters, überholt sein, man rechnet nunmehr mit mindestens vier Tätern. Der Anschlag in Stinatz hätte sich gegen die grüne Abgeordnete Stoisits gerichtet, die neben einer Ortseinfahrt und einem Altglascontainer wohnt. Durch Ortsunkundigkeit der Bomben-deponierer wurde die in Form eines Selbstschussapparates gebaute Bombe neben einem anderen Container abgelegt und von einem Müllarbeiter glücklicherweise so aufgehoben, dass ihn die Schussvorrichtung nicht voll traf.
DREH 4
22. Juni 1997 Sonntag Fritz Barthel mit PKW - Kombi nach Berlin
vorher Eberhard Geick mit Zug nach Hamburg ab 14.00 Uhr Muster ansehen bei KONKEN
23.Juni 1997 Montag Berlin, Fritz 8.00 Uhr Technik einladen bei Mausolf
Treff mit Michael Laube, zusammen Fahrt nach Hamburg
15.00 Uhr Interview und Inserts bei R.Oberlercher Metzer Straße 1, 22049 Hamburg
ca. ab 19.00 Uhr Atelier Amandastraße 58, Vorbereitung Atelierdreh
24. Juni 1997 Dienstag, ab 9.30 Uhr Atelierdreh - ca. 13.00 Uhr Buch Bibliothek zurück, Abfahrt nach Köln, Hbhf - Domplatte: Motivbesichtigung Drehort für den 25.6. bestimmen
25. Juni 1997 Mittwoch, 11.00 Uhr Köln Interview mit H.-Theo Homann
ca.13.30 Uhr Weiterfahrt : 2 Stunden Lorch am Rhein, Gräber der Kaiserkinder (18.00 Uhr?) - Außenaufnahmen Kaiserpfalz oder: direkt nach Linz Übernachtung in Lorch, auf dem Weg von Lorch nach Linz oder in Linz
26. Juni 1997 Donnerstag, Linz: Dreh 15.00 Uhr Schloß Dr. Schützeneder, Sammler, hat eines der Attentatsbilder gekauft und preisgünstig in Linz restaurieren lassen.
27.Juni 1997 Freitag Vormittag Werkstatt Restauratoren
Dann: Fahrt nach: Klagenfurt / Ullrichsberg
Oder: Krems, Gefängnis und Kunsthalle, außen
Weiterfahrt nach Kleinwetzdorf, Heldenberg – Hollabrunn
28.Juni 1997 Sonnabend, Früh: Ullrichsberg, Rückfahrt nach Wien, Nachmittags Wien: Heldenfriedhof Hietzing - Abends: Motivbesichtigung Cafe´s, Hochschule für Dreh „Meyer“
29.Juni 1997 Sonntag, Fahrt zum Heldenberg? Hollabrunn Nachmittags: Friedhof Hietzing, Grab Böhm Am Graben, Blick zur Hofburg, Säulen am Cafe´Meinl, Palmen, Denkmal mit Blick zum Stephansdom, Rückseite Stephansdom - Schild Schatzkammer Deutscher Orden, Renoviertes Teil Rückseite St.Dom, Fiaker,
22.00 Uhr Dreh im Cafe´mit Kellner „Hypothese“
30.Juni 1997 Montag Früh 8.00 Uhr: Stadtdreh Parlament, Juridiucum, Bilderladen (Schließtag), Türkenzelt , Denkmal Dr.Lueger, Stephansdom etc. siehe Motive Sonntag.....
ab 19.00 - max. 21.00 Uhr ich mit Frau Wimmer, Archiv Mariahilferstraße
21.30 Uhr: Cafe´oder „meyer“, mit Video - Hochschule abends, erleuchtete Fenster - Oper 1.7.1997 Dienstag, 9.00 Uhr: Galerie Ulysses, Frau Wimmer Interview - 13.00 Uhr: Klaus Zellhofer (Falter, beim Cafe´Salzgries)
ev. mit Z. Fahrt zum Heldenberg, Interview dort (Fahrt Wien - Heldenberg ca. 1 Std.) - Rückfahrt nach Berlin, Ende Dreh 2.7.1997
1.Oktober 1997 Die Rasterfahndung wird in Österreich gesetzlich ermöglicht
noch 1.Oktober 1997 In der Ortschaft Gralla bei Leibnitz an der steirisch-slowenischen Grenze rufen abends zwei Frauen die Gendarmerie, weil sie sich von einem Autofahrer verfolgt fühlen. Zwei Gendarmen wollen den Lenker kontrollieren. Dieser steigt aus und bringt dabei eine Bombe zur Explosion, die ihm beide Hände abreißt. Der Autofahrer flüchtet, nach Abgabe mehrerer Warnschüsse wird er festgenommen. Es handelt sich um den 48jährigen Vermessungstechniker Franz Fuchs. Eine sofort veranlasste Hausdurchsuchung im Elternhaus des Franz Fuchs, wo dieser zwei ständig versperrte Zimmer bewohnt, fördert erste Spuren zutage, die auf die Bajuwarische Befreiungsarmee und die Bombenserie hinweisen.
2.Oktober 1997 In der Wohnung des Franz Fuchs in Gralla wird ein Vorrat an Sprengmitteln gefunden. Die Behörden sind noch vorsichtig mit der Beurteilung des Falles.
4./5.Oktober 1997 Über den Tatverdächtigen Fuchs werden Einzelheiten bekannt, arbeitsloser Messtechniker, vor 20 Jahren verunglückte Liaison mit Slowenin, die ihn verlassen und bestohlen haben soll, öffentlichkeitsscheuer Einzelgänger, es gilt nun als sicher, dass er mit den österreichischen Bombenserien etwas zu tun hat, er gibt schließlich auch zu, "Mitglied" der Bajuwarischen Befreiungsarmee zu sein, will aber nur Handlangerdienste verrichtet haben.
5.Oktober 1997 In der KRONENZEITUNG verkündet Marga Swoboda über den des Bombenterrors verdächtigen Franz Fuchs: "Kein politisches Motiv, nur der Irrsinn eines schwer gestörten Einzelgängers". Auch der Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit, Michael Sika, meint, der Fall ginge "nicht ins Politische hinein."
weiter 5.Oktober 1997 FPÖ-Sicherheitssprecherin Helene Partik-Pablé fordert eine Entschuldigung der Behörden bei "jenen hunderten Österreichern", bei denen Hausdurchsuchungen im Zuge der Ermittlungen in Sachen Bajuwarische Befreiungsarmee vorgenommen worden waren. Nur weil sie das freiheitliche Magazin Aula abonniert hätten, seien unbescholtene Bürger verdächtigt worden. In einem der Bekennerbriefe der BBA hatte es beispielsweise geheißen: "Kurios sind vor allem die Anschuldigungen gegen den 'Philosophen' Radl, der sich (ähnlich wie Haider) einbildet, dass man unsere gefestigte Tschuschendiktatur mit demokratischen, zumindest aber gewaltfreien Mitteln zu Fall bringen kann." FPÖ-Generalsekretär Westenthaler verlangt Entschuldigungen auch von der SPÖ und den Grünen, da man die FPÖ in den Bomben-Dunstkreis zu rücken versucht habe, es sei jetzt klar, woher der Terrorwind wehe, weil der Vater des Verhafteten SPÖ-Gemeinderat gewesen sei
5.Oktober 1997 Der ehemalige Innenminister Einem wird attackiert, er hätte das Täterprofil des Briefbombenbauers geheim gehalten und die Ermittlungen behindert.
6.Oktober 1997 Die Ermittlungen im Fall Fuchs gehen weiter, der Verdächtige bezeichnet sich selbst als Auftragstäter, schweigt aber zu seinen (angeblichen) Komplizen. In der Öffentlichkeit bilde sich zwei Gruppen, die einen halten es für ausgeschlossen oder schwer vorstellbar, dass Fuchs alleine alle Tätigkeiten im Zusammenhang mit Bomben und Bekennerbriefen ausgeführt habe, die anderen sehen ihn als Einzeltäter. Interessant, dass häufig von den Vertretern der Einzeltäter-Theorie auch die Theorie vom "unpolitischen Psychopathen" verfochten wird.
8.Oktober 1997 Die Polizeiermittlungen bringen immer wieder Spuren, die auf die Mitwirkung von Fuchs an der Bombenserie weisen. Schaltpläne, Bombenbeschreibungen, Bekennerschreibenentwürfe, Sprengstoffanalysen usw. Fuchs bezeichnet sich selber weiterhin als bloßes Mitglied in der BBA, von den Medien einmal als Mitglied Nummer 3 in der Steiermark, dann wieder als Mitglied von Kampftrupp Nr. 3 wiedergegeben.
weiter 8.10.1997 Innenminister Karl Schlögl kündigt im Nationalrat einen „genauen und umfangreichen Bericht“ nach endgültiger Klärung an. (Dieser Bericht wurde bis heute nicht vorgelegt.)
11.Oktober 1997 Im Bildungshaus Puchberg findet das Symposium "SOS Rassismus - Argumente gegen Vorurteile" im Rahmen des "Europäischen Jahres gegen Rassismus" in Zusammenarbei von der Initiative Welser gegen Faschismus, der Arbeiterkammer, dem Bildungshaus Puchberg, dem Mauthausen Aktiv und Pax Christi statt. Dr. Aichleitner (Bildungshaus Puchberg), Dr. Eiter (Welser gegen Faschismus), Dr. Kalliauer (AK) begrüßen die Teilnehmer. Die Einleitung hält Maria Loley, Flüchtlingshelferin aus Poysdorf. Sie berichtet über ihre Tätigkeit zur Hilfe für Kriegsflüchtlinge und über den rechtsextremen Terror, dem sie ständig ausgesetzt ist..
16.Oktober 1997 Das Nachrichtenmagazin news berichtet und zitiert am16.10. aus den Erhebungsprotokollen der Vernehmungen von Fuchs. Gefunden hat man bei Fuchs: Fünf Rohrbomben, drei davon in der Bauart der Bomben von Oberwart und Stinatz, ein Fläschchen mit 90%igem Nitroglyzerin, das mit höchster Wahrscheinlichkeit mit dem Briefbombensprengstoff ident ist, ein Kilo Nitrozellulose, wie bei den Rohrbomben verwendet, Silberfulminat als Initialsprengstoff, Auslösedrähte für Briefbomben, Lackdrahtisolierungen, Schaltpläne der Briefbombenserie Nr.5, drei Entwürfe eines Bekennerbriefes, den Verschlüsselungscode zum Bekennerbrief vom Oktober 1996. Die Briefbombenopfer waren nahezu alle in Fernsehsendungen aufgetreten, speziell in der Minderheitensendung "Heimat, fremde Heimat". Nicht in dieses Schema passen nur zwei Briefe:
Der Brief an die Arbeitsgemeinschaft Ausländerbeschäftigung der Bundeswirtschafts-kammer, diese kam nie in den Medien vor, war aber, trotz mehrfacher Übersiedlung, immer mit der richtigen Adresse auf der Empfängerliste des Neonazi-Pamphlets "Halt", und der Brief an den Obmann des Kulturvereins der steirischen Slowenen, Wolfgang Gombocz.
17.Oktober 1997 Mit einem bei Fuchs in einem Schuppen gefundenen 22-bändigen alten Lexikon wollen die Ermittler die Frage des Historikerwissens des Verdächtigen klären. Die Bücher weisen zahlreiche handschriftliche Vermerke zu einschlägigen Stichwörtern auf. Zu Behauptung von Fuchs, er sei nur "ein kleines Rädchen" der BBA gewesen, meinen die Ermittler, dass kleine Rädchen keine Bomben, Schaltpläne und Sprengmittel lagerten.
18.Oktober 1997 Der Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit, Michael Sika äußert, dass es zwar Indizien für den Bombenbau durch Fuchs gebe, aber noch keine endgültigen Beweise.
20.Oktober 1997 Ein Handschuh, der beim Bombenverdächtigen Franz Fuchs sichergestellt wurde, soll zahlreiche Spuren aufweisen: Spuren von Briefbombenmaterial, Handschuhabdruck auf einem Bekennerbrief.
29.Oktober 1997 Plötzliche Eingebung, Prof. Frank Höpfl anzurufen, Professor im Juridicum. Übergangslos sagt er : Übrigens, aus dem gerade erschienen Buch der Polizisten Sika „der Briefbomber ist unter uns“ geht hervor, daß das 1.Bekennerschreiben nicht authentisch ist. Da haben wir uns wohl geirrt.
DREH 5
14.November 1997 Köln, Art Cologne, Galerie Thaddaeus Ropac: Nikolaus Ruzicska - Galerie Krinzinger: Frau Dr. Krinzinger, Galerie van der Loo. Marktposition Rainer, Auswirkungen des Attentats auf die Bilder, Kunstmarkt allgemein
24.November 1997 und danach: In Oberwart beginnt ein Großeinsatz der Gendarmerie. Der bombenverdächtige Franz Fuchs hat ausgesagt, die Oberwarter Bombe (vier tote Roma) sei eine Zeitbombe gewesen, es wäre nicht Absicht gewesen, jemanden zu verletzen. Die Ermittler suchen daher nach einer Knopfbatterie, die einen Zeitauslöser gespeist haben soll. Bei der Suche wird tatsächlich eine Knopfbatterie gefunden, ob die allerdings mit der Bombe in Verbindung stehen könnte, muss überprüft werden.
30.November 1997 Karte vom Kunsthistoriker K. aus München. Er hat sich den Rainer-Bekennertext angesehen, hält den Autor für einen Trittbrettfahrer.
3.Dezember 1997 s.a. Fax v. 5.12.: Frau Wimmer, Rainers Galeristin,
ruft mich an: Wie weit sind Sie, Herr Dammbeck? Es gibt Neuigkeiten- Bundeskanzler Klima hat für ein Bild von Rainer, das als Leihgabe im Bundeskanzleramt hing, die Ausleihe verlängern lassen wollen, das habe Rainer abgelehnt mit Verweis auf Behandlung des Falles. Der Chef des Wiener Sicherheitsbüro (Hofrat Edelbacher) nimmt nun die Ermittlungen wieder auf. Ob ich zu einer „informellen Befragung“ bereit bin? Die Herren der Kriminalpolizei wollen gern hören, was ich bisher herausgefunden habe.
5.Dezember 1997 Fax von Frau Wimmer, Galerie Ulysses. Am 11.Dezember soll ein Treffen in der Galerie stattfinden, Teilnehmer werden der Chef der Kripo Wien, Prof.Höpfel und der ehemalige Staatskurator Dr.Fleck sein, ein Kunsthistoriker. Der habe einen Verdacht und will wichtiges Material vorführen.
10.Dezember 1997 Hamburg - Altenburg: 6.58 Wittenberge 8.37 Leipzig 11.19 Altenburg. 11.57, Altenburg - Dresden: 14.59 - 17.25 / 15.59 Leipzig 16.31 18.34 Neustadt, Dresden - Wien: 21.56 - 6.55 Südbahnhof - Rückreise 13.12. Wien - Hamburg
11.Dezember 1997 Anruf bei Prof.Höpfl wg.Treff in der Galerie Ulysses, Termin ist 15 Uhr, pünktliches Erscheinen erbeten.
10.00 Cafe´Salzgries, Klaus Zellhofer: Es gibt neue Entwicklungen.
Zellhofer hat Hinweis aus der rechten Szene, daß Fuchs und der „Ingenieur“ Mitglieder im „Schauberger-Kommitee“ sind. Viktor Schauberger. Die „Rechte“ will Fuchs als Einzeltäter aus ihrem Umfeld und Nähe schieben, trifft sich hier mit dem Wunsch der staatlichen Executive nach einem Einzeltäter.
Empfiehlt mir, Prof. Lipold von der Uni Wien zu kontaktieren, einen Schriftsachverständigen. Der hat die Bekennerschreiben der BBA analysiert und geht nicht von einem Einzelzäter aus.
12.00 Uhr: Archiv des Österreichischen Widerstandes, ich kopiere mir Material zum RFS-und der Oberlercher-Veranstaltung 1987 in Wien. Wollen mir eine Videokassette kopieren mit Aufnahmen des ORF zu Fuchs
15.00 Uhr Galerie Ulysses. Ich bin der erste.. Als nächster kommt Hofrat Edelbacher. Dann kommen der Kunsthistoriker Dr.Robert Fleck, der hat einen Täterverdacht, den er mit einer Videokasette belegen will. Zuletzt kommt Professor Höpfl. Fleck führt das Video vor, dass Aktionen und das Atelier von einem junges Wiener Künstlerpärchen zeigt. Die hält er für verdächtig, die Bilder Rainers übermalt zu haben. Der Chef der Kripo lädt Fleck ein, das bei der Polizei zu Protokoll zu geben. Der ist dazu gern bereit. Beide verabreden sich für den nächsten Tag. Rainer möchte dass ich „undercover“ das Pärchen beobachte. Ich mache Videoaufnahmen während und von der Veranstaltung.
12.Dezember 1997 Früh: Edelbacher, Fleck - 15.00 Uhr: Kurt Kren
Rufe von der Telefonzelle „Hoher Markt“ Prof. Lipold an. Bitte ihn beide Bekennerschreiben (BBA-Rainer) miteinander zu vergleichen ob es Übereinstimmungen gibt. Na dann, schicken Sie mir ihr Material, Frohe Weihnachten, Herr Dammbeck.
12.00 Uhr in der Wiener Secession. Treffe Fleck, der gibt mir Adressen von Rychlik, Therese Schulmeister und einen Tip auf das 20er-Haus für die Ausleihe von Fluxus-Filmen. Machen Sie´s gut sagt er zum Abschied und lacht.
15.00 Uhr Verabredung mit Kurt Kren im Cafe´ Jelinek. Ich habe noch Zeit, rufe von einer Zelle Hofrat Edelbacher an: dass beide Fälle miteinander zu tun haben hält er für Spinnereien, das vom Dr.Fleck, das ist schon handfester, der kommt morgen zur „Einvernahme“.
21.00 Uhr Treff mit Klaus Zellhofer (4095221) im Cafe´Salzgries:
Gibt mir Kopien zu Schauberger, von einer Gesellschaft in OÖ, Seminartermine etc. Ruf doch mal Günter Ofner an, kannst Dich auf mich berufen, den erreichst Du bei den bürgerlichen Grünen Österreichs, der weiß was über diese Rollenspiele, die Rehak mit Jüngeren, auch Höbelt soll dabei gewesen sein, gemacht hat. Wieder ins Kino, noch mal 3.Mann
13.Dezember 1997 Gasometer, Galerie Weihen n.St.Stephan, Schönerer-Denkmal - Kunsthistorisches Museum: Video-Aufnahmen Ephesos-Museum
Aufnahmen Galerie außen. Anruf beim Kunsthistoriker Dr.Otmar Rychlik. Ja, das Aquarell Rainers mit dem Titel „Ruine nach Hitler“ kennt er, war auf einer Einladungskarte der Ausstellung in Baden bei Wien, wo er der Kurator war. Ist zu einem Gespräch bereit. Rückfahrt nach Hamburg.
15.Dezember 1997 Hamburg, schreibe Briefe an Spanuth, werden vom Grabert-Verlag weitergeleitet, wg. der angeblichen Spanuth-Zitate in den BBA-Texten. Zeitgleich Textproben von Spanuth und Böhm-Ermolli an Lippold. Treff mit Textproben eventuell Mitte Januar noch 15.12. Anruf von Oberlercher: Sie jagen in rechten Kreisen und dem Techno-Milieu die BBA ? Sie werden uns doch nicht reinlegen, lieber Herr Dammbeck? Neue Verabredung mit O. für den 16.12.
15.Dezember 1997 Anruf bei Klaus Elle, Fotograf, seit einigen Jahren esoterisch gebunden, ernährt sich biodynamisch. Anhänger der „Organon-Methode“ von W.Reich, hat für eine Fotobiennale (Ars Baltica) eine Reich-Organon ausgestellt, umgeben von schamanistischen Totems. Kennt er Schauberger? Ja, alternative Energie fällt ihm ein, der Name Prof. Keyserling aus Wien fällt ihm auch ein. Viktor Schauberger spiele auch eine Rolle.
Buche ein Wasserheiler-Seminar nach der Methode Viktor Schaubergers in München, der Seminarleiter kommtr aus Österreich und soll nach Klaus Zellhofer in Verbindung zu rechten Kreisen stehen. Anruf bei Helga Renner, 0711-852980 Stuttgart. Kontaktperson für die Seminartermine, freut sich über das Vernetzen etc. Empfielt mir Kontakt zu: Wolfgang Widergut
16.Dezember 1997 15.00 Uhr Besuch bei Oberlercher
Gibt mir einen neuen Text den er über Hegel verfasst hat, hier, lesen Sie, bringen Sie es unter die Leute. steht mein Name nicht mit drauf, um es nicht zu belasten. Eine Videokopie seines Vortrags an der Wiener Uni hat er nicht mehr, müßte der RFS in Wien haben. Ich soll einen Herrn Stephan jun. kontaktieren.
17.Dezember 1997 Burschenschaft Olympia, Gumpendorfer Straße, Harald Stefan - Text O. mitnehmen, arbeite an hist. Projekt, über 68, Bitte von O., mir Kasette zu geben, O.auch keine mehr, für sein Archiv, zudem interessant, mit ihm als Zeitzeugen kurz darüber zu sprechen, er als Veranstalter usw.
noch 17.Dezember 1997 Der ehemalige Aktionist Otto Mühl wird nach
sechs 1/2 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Durch eine allgemeine Amnestie wird er am 17.12.1997 nach 6 1/2 Jahren mit Parkinsonkrankheit und auf einem Auge erblindet aus der Haft entlassen.Nach seiner Haftentlassung lebt er teils in Österreich teils in der Algarve an der Südküste Portugals, vereint mit seiner Frau.
18.Dezember 1997 9.00 Uhr. Anruf im Notariat Stefan. Harald Stefan war Vorsitzender des RFS, Veranstalter des Vortrags im Juridicum mit Oberlercher. Will nach einer Videoaufzeichnung des Vortrags suchen.
10.00 Uhr. Anruf von einer Zelle in der U-Bahnstation „Graf Starhemberg“ bei Hofrat Edelbacher. Grüß Sie Gott, Herr Dammbeck. Leider habe er wenig Zeit, der Herr Dr.Fleck wird jeden Moment zur „Einvernehmung“ erwartet, aber, am Freitag so gegen 11.00 Uhr, nach seiner Direktschaltungskonferenz mit Bonn-Paris und Chicago, da habe er etwas Zeit, da werde auch Herr Irschik, der den Fall seinerzeit bearbeitet hat, mit dabeisein.
11.00 Uhr. Archiv des Österr. Widerstandes. Herr Willi Lassek hat schon etwas vorbereitet zum RFS, das Video ist leider nicht fertig, aber morgen, bitteschön, da können Sie es holen.
12.00 Uhr Anruf Galerie Ulysses, Frau Wimmer. „Ach, Herr Dammbeck....“ gedehntes, etwas gequältes Lachen, „...was gibt es denn?“. Die Stimmung scheint sich mir gegenüber verändert zu haben. Erzähle Ihr von meiner Überprüfung der Textproben Friseur - Rainerbild. Ob Sie mir das Video von Dr. Fleck kopieren kann. Das hat er mit zur Polizei genommen. Er ist 4 Stunden einvernommen worden. Was wird passieren? Na, die Polizei wird eine Hausdurchsuchung machen. Na passen Sie nur gut auf sich auf.
18.Dezember 1997 13.00 Uhr: Treff mit dem Kunsthistoriker Dr.Otmar Rychlik im Museums-Cafe´, nahe der Akademie. War Assistent von Johannes Gachnang im Institut für Gegenwartskunst in der Akademie (Gegründet von Rainer), hat auch das Rainer-Archiv eine Zeit lang betreut, ist jetzt Direktor der Kunsthalle in Baden bei Wien und Dozent für Architekturgeschichte an der Wiener Akademie. Rainer sieht er als frühesten und radikalsten Träger einer antifaschistischen Moderne in Österreich, das sei mit dem Attentat attackiert worden. Christian BÖHM-ERMOLLI: Der sei ihm aufgefallen, als er seinerzeit (kurz nach dem Attentat 1994) Studienlisten durchgesehen habe, um den möglichen Täter zu finden mit der Frage „Wer könnnte es sein...“ und dabei einen Studenten im freiheitlichen Milieu entdeckt, eben den Böhm. Er habe dann Frau Wimmer einen Verdacht geäußert, diesen Studenten betreffend.
weiter 18.Dezember 1997 14.00 Uhr, Cafe´in der Wiener Secession, Verabredung mit Therese Schulmeister. Läßt mich bei der Kasse ausrufen, muß leider absagen, schlägt Treff am Freitag 14.00 Uhr in der Kantine der Akademie vor.
18.00 Uhr ins Hotel zurück, Anruf bei Günter Ofner, erreiche ihn unter der Nummer der „Bürgerlichen Grünen Österreichs. Er hat Angst vor diesen Leuten, die sind gefährlich. Er atmet schwer. Lassen Sie mich in Ruhe, wer immer Sie auch sind.
19.Dezember 1997 10.45 Uhr Roßauer Lände, Bundespolizeidirektion Wien, zu Hofrat Mag. Edelbacher. Er fragt nach den Personen mit denen ich spreche und was ich recherchiere. Nenne den Namen Böhm-Ermolli. Edelbacher ist zufrieden. Noch eine Spur, sagt er, jetzt haben wir schon zwei, Fleck und das hier. Er bekommt Druck vom Bundeskanzleramt, muß Ergebnisse vorweise. Frage ob es Untersuchungen, Vernehmungen, Alibiprüfungen bei Böhm-Ermolli gab? Das war eine Selbsttötung, da wurde normal kriminaltechnisch ermittelt, ob Fremdeinwirkung vorlag. Auf den Fall Rainer hin wurde nicht ermittelt. Also auch keine Liste der Sachen in der Wohnung, Bücherliste oder so etwas. Nein, das hat alles die Familie. Machen sie jetzt bei dem Künstlerpärchen eine Hausdurchsuchung? Wohl nach Weihnachten. Na dann, alles Gute. wir hören voneinander.
noch 19.Dezember 1997 14.00 Uhr, DÖW. Lissek und Pehan. Kurzer Plausch. Ich verweise auf den Artikel in der „Die Aula“ Fuchs habe eine Anbindung ans linke, SPÖ-Milieu. Ach Gott, sein Vater war Gemeiderat in Gralla, sicher. Geben mir die Kasette. Anruf von Zellhofer. Verabredung für 16.00 Uhr im Cafe´Salzgries. Ich frage nach Schauberger. Hält sich bedeckt.
15.00 Uhr. Treff mit Therese Schulmeister in der Kantine der Akademie. Hat das Video mit. Will 500 Schilling. Gestern ist Mühl entlassen worden. Der ist fit, lacht sie, da werden die anderen Großmeister noch ihr blaues Wunder erleben. Sie muß los, hält in der Akademie einen Vortrag über den Friedrichshof. Will mir eine Sequenz aus den Friedrichshofer-Kinderfilmen überlassen,Überspielung später. (Brief schreiben, Karte)
16.00 Uhr, Treff mit Zellhofer im Cafe´Salzgries. Zellhofer will bei meinem nächsten Besuch mit Ofner einen gemeinsamen Termin machen.
Ich soll Rehak einfach mal anrufen, der sitzt immer noch ganz normal in der Administrationsbibliothek des Bundeskanzleramtes. Vielleicht packt er aus,
weiter 19.Dezember 1977 noch Wien. Gegen 18.00 Uhr, hinter der Kirche am Hohen Markt, will Grammelknödel im Feinkostgeschäft kaufen. Vor dem Eingang, unterm Schirm, Lysander Scheibe. Auf dem Weg zum Bahnhof treffe ich Dr.Fleck. Er ist überrascht, Sie noch in Wien? Ja, er war gestern vier Stunden bei der Polizei. Hat ein Interview mit Otto Mühl gemacht. Ist noch bis März wegen einer Ausstellung in Wien. Steht mir abgewendet beim Reden, ist nicht offen. Rückfahrt 19. 52 Wien-Westbahnhof.
22.Dezember 1997 Erreiche Wolfgang Wiedergut wegen meiner Anmeldung für das Wasserheiler-Seminar nach Viktor Schaubergers Methoden am Telefon. Ist reserviert. Empfielt mir Peter Bügner, München. Das nächste Wasserheilerseminar ist am 17./18.1.98 in München, findet bei Dr.Peter Büngner statt, einem Arzt für Homöopathie und Naturheilkunde.
Anruf dort am 23.12.1997, Rückruf von Buengner am 27.12., will Material schicken, Kursteilnahme möglich, bin vorgemerkt, Gebühr DM 285,00.
noch 22.Dezember 1997 Der ehemalige Wiener Bürgermeister und Attentatsopfer Zilk in Der Spiegel (und nachher natürlich als Nachdruck in der Krone): In Österreich hätte ein Gutteil der Medien jahrelang in Sachen Bombenanschlägen vehement "die politische (also rechtsradikale) Dimension des Falles als alleinigen Schlüssel zur Lösung propagiert", der mutmaßliche Täter sei aber ein Eigenbrötler, der nicht im Neonaziumfeld lebe. Ist es dann nur ein Zufall, dass der Verdächtige in seinen Bekennerschreiben rechtsextremistisch argumentiert? Aus welchem Grund versucht Zilk die Wesensverwandtschaft der Gesinnung des Franz Fuchs zu einem gewissen Bewegungsführer und gewissen Massenblättern zu vertuschen? Sind in Österreich alle Rechten und Rechtsextremen vorsichtshalber unpolitische Eigenbrötler? Eurem Chronisten kommt dies sehr bekannt vor! Bevor durch die seinerzeitige Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes ein Verbot der offen nazistischen Organisationen (NDP, ANR usw.) erzwungen wurde, galten in denselben Kreisen, die jetzt so fanatisch Franz Fuchs als einzelgängerischen Psychopathen ohne politisch einordbare Weltanschauung darstellen, praktisch alle Neonazis als harmlose einzelne Spinner, Uniformfetischisten, Militariasammler usw.
23.Dezember 1997 Die Einvernahmen von Franz Fuchs werden vorläufig abgeschlossen. Der mutmaßliche Bombenattentäter bleibt weiterhin der einzige "Bajuware".
4.Januar 1998 Telefonat mit dem Berliner Filmemacher Rüdiger Sünner. Frage nach Schauberger, der sei ihm im Buch von Jan von Helsing: „Geheimgesellschaften des 20.Jahrhunderts und ihre Macht“ aus dem Rhede: Ewert - Verlag 1993 begegnet. Ein Kapitel ist über Schauberger. Da sind auch Kontaktadressen drin, vorwiegend UFO-Schiene, wodurch Schauberger in der rechten Szene bekannnt ist.
9.Januar 1998 Telefonat mit dem Journalisten Klaus Zellhofer. Ist Schauberger noch aktuell? Ja, es gab eine neue Briefbombe, noch komplizierter als vorher. Wolfgang Wiedergut (BINDU) war an der Uni Graz Dozent, das ist in der Nähe von Gralla, Fuchs habe dieses Wissen ev. von ihm. Der Arbeitgeber von Fuchs, Ebner, hat Z. bestätigt, daß Fuchs was (?) mit Schauberger zu tun hatte. Ebner (Kraftwerksbesitzer) hat „schwere Biografie“: Erfindung (zu alternat. Energie) gestohlen. Schauberger - Fuchs: Tempelhofer - Gesellschaft hat er recherchiert, ganz abgeschottet. Gibt es nur Postfach in Wien, komisches Logo, gab schon 1995 Hausdurchsuchungen. Hat er Material von den Durchsuchungen? Welches? 1995 schon Durchsuchung bei Dr.Damböck und seinem Verlag in Aardagger (der vertreibt dort das Flugkreiselvideo das ich für den Film verwenden will), ist ein „schwerer Nazi“. Polizei und Sika gehen schon von Ihrer Einzeltäter - Version ab, halten Tätergruppe nun wieder möglich. Anklageerhebung wird zum Ende des Jahres erwartet.
19.Januar 1998 Fax an Zellhofer, hat er mein Fax zu Schauberger-Schwarze Sonne von Thule bekommmen? Rückruf. Er wird Ebner anrufen und versuchen Pläne und Zeichnungen von Fuchs zu bekommen, die er in dessen Büro gezeichnet hat. Angeblich nach Schaubergers Wasserheilermethoden. Fuchs hat im Verhör gesagt, er wäre „Grüner“ gewesen. Will mir das Vernehmungsprotokoll von Ofner schicken. Mal sehen, was kommt.
20.Januar 1998 Telefonat mit Prof. Lipold, Uni Wien. Er hat sich meine Texte (Rainer Bekennnerschreiben - 1.Bekennerbrief BBA) schon angeschaut, findet aber keinen Hinweis auf den gleichen Autor beider Texte. Die Abweichung liegt bei ca. 4,6 %. Die Satzlängen stimmen nicht überein, auch die Nebensatzlängen, ebenso die Partizipalsatzstruktur. Er hat auch eine Rhytmusanalyse gemacht, ebenso starke Abweichungen, vor allem durch die vielen Fremdworte. Der Mann,der das geschrieben hat, ist humanistisch gebildet, viel gebildeter als der Autor des BBA - Schreibens. Ja, für eine bessere Textanalyse braucht er zwei Texte, zum Vergleichen. Das will er gerne nochmal tun. Ich kann ihn auch mal besuchen, wenn ich in Wien bin, auf einen Kaffee´. Gibt mir seine Privatnummer.
SCHNEIDERAUM ENDFERTIGUNG
20.Januar 1998 Seltsam: Interview mit dem „Konservativen Club“. Sissy ruft Gudenus jun. an, der Christian (B.-E.) hat sich erschossen. Als sie beide 10 Minuten später in der Wohnung sind, ist die Polizei schon da. Wurde das Telefon abgehört? B.-E. fühlte sich verfolgt. Wann war die Todeszeit? Wann war das Eintreffen der Polizei? Wer hat die Polizei benachrichtigt? War Schauberger ein Thema? Historische Rollenspiele?
Hatzenbichler hat von Schauberger gesprochen. Hat eine Uhr mit Zifferblatt „Schwarze Sonne von Thule“. Roland Kernstock, von Widergut und seine Gesellschaft BINDU erwähnt. Buch über Nosradamus, in dem ein Orgonei (aus Kupfer) abgebildet war. Maya-Kalender von dem Herrn im Waldviertel, Kernstock, Roland?
3.Februar 1998 Dank an Herrn Krause/DER SPIEGEL für die Zusendung einer Kopie des „Bekennerschreibens“ der BBA an Herrn Aust, datiert auf den 6.1.1998. Ich hätte noch eine zusätzliche Bitte: Ob Sie mir noch eine Kopie des zweiten, etwas später, an den Spiegel geschickten Briefes der BBA schicken könnten ? Das wäre toll. Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen. Lutz Dammbeck Filmproduktion Hamburg. Kopie SPIEGEL-Text. Posteingang 19.1.1998, Wo aufgegeben, Umschlag, Poststempel, Krause fragen. Krause, Rechtsabteilung: 3007 – 2840 Spiegel, Originaltext Bekennerschreiben vom 19.1.1998, verfasst als Leserbrief zum SPIEGEL-Artikel: Terror eines Psychopathen, Spiegel Jahreschronik 97.und in: „news“, 5/98 Landow, Chefredaktion Herr Krause 3007 - 2840 Rechtsabteilung wieviel Blätter? 4 - Abweichung zur Veröffentlichung in „news“ auf Seite 4. Lippold schicken.
5.Februar 1998 Fahrt Hamburg - Köln 8.38 Uhr, 14.00 Uhr bei Prof.Schrey.
Das Foto auf der letzten Seite des Bekennerschreibens in der causa „Rainer“. Nach Auswertung mit der FH für Fotoingenieurswesen Köln
Donnerstag 5.2.1998 Köln - Wien 21.09 - 7.45 Uhr
Wien Freitag 6.2.1998: Komm. Irschik anrufen: 31346 - 36622
Wimmer: 5871226 - 5879437 0663-828826 Fax 5872199
6.Februar 1998 Wien 10.00 Uhr: Museum des 20.Jahrhunderts, Zwanzigerhaus, Stiftung Ludwig Wien
15.00 Uhr, Uni Wien, Prof. Lipold. Themen:
Der Spiegel, Originaltext Bekennerschreiben vom 19.1.1998 Leserbrief zu: Terror eines Psychopathen, Spiegel Jahreschronik 97. in: „news“, 5/98 Landow Chefredaktion Herr Krause 3007 - 2840 Rechtsabteilung wieviel Blätter? 4. Abweichung zur Veröffentlichung in „news“ auf seite 4. Lippold schicken. Jetzt die Namen von Lipold: Georg Gasser - Zeitung Nation.
danach: Klaus Zellhofer - Hubergasse 17 - 15, 1160 Wien. 4095221
11.Februar 1998 Claus Peymann hat im Wiener Burgtheater als Solidaritäts- und Begrüßungsveranstaltung eine Lesung von Texten Otto Muehls organisiert. Es lesen Einar Schleef und Peter Turrini als Mühl. Mühl selbst und seine Gattin treten als Ankläger gegen die Justiz und deren Verfolgung der Moderne, personalisiert durch Mühl, auf.
28.Februar 1998 Mit Thomas Mitscherlich am Schneidetisch,:
Ich hatte einen Traum, der war schwarz. Am Morgen war der Traum schwarz übermalt.
1.März 1998 von Bahnhof Altona, 20.23 Uhr, Nachtzug nach Wien
Schecks mitnehmen
2.März 1998 Anrufe bei ORF, Archiv: Gudrun Bichler - Pressearchiv
Dienstag, 3.3.1998 10.00 Uhr sixpack: 526 09 90´anrufen Therese Schulmeister: 20.00 Uhr Zellhofer Cafe´Salzgries: von Assasinen handelte ein Text von Günter Rehak in der „Junge Freiheit“, Fuchs ist auch ein Assasine.
Fa. Rast u. Gasser - hist. ital. Schießpulver aus 1.Weltkrieg, mit Lippold Treff vereinbaren
4.März 1998 10.00 Uhr Filmmuseum in der Albertina, Frau Schlemmer
12.30 Uhr Treff mit Lipold, „Zu den zwei Lisl´n“, (alter Beisl) Burggasse 63.
ich soll nach „Günther“ fragen, Lipold ist dort Stammgast. Ein einfacher Beisl, Lipold erscheint im Outfit, das ich von Fotos in „news“ und „profil“ kenne. Er hat den an den SPIEGEL am 6.1.1998 geschickten Brief analysiert
15.00 Uhr Medienwerkstatt, Filmüberspielung mit Therese Schulmeister
19.50 Uhr Rückfahrt
12.März 1998 news berichtet, dass nach einer Zeugenaussage der mutmaßliche Briefbombenattentäter Franz Fuchs während seiner Teilnahme an Geschichtsvorlesungen an der Grazer Uni im Sommersemester 1997 über die Geschichte der Bajuwaren in Begleitung eines jungen Mannes gekommen und gegangen sei.
25.März 1998 Die Ermittlungen gegen den der Briefbombenattentate verdächtigen Franz Fuchs stehen vor dem Abschluss, allerdings fehlen noch eine Reihe von Gutachten. Nach wie vor liegt kein Geständnis zu einzelnen Tatbeständen vor, da sich Fuchs hinter der "Bajuwarische Befreiungsarmee" versteckt. Der Prozessbeginn ist für Oktober geplant.
23.April 1998 Die Anzeige gegen Franz Fuchs ist fertig und wird demnächst der Grazer Staatsanwaltschaft vorgelegt werden. Sie umfasst 750 Seiten.
20.Mai 1998 news bringt Auszüge aus den Vernehmungsprotokollen des Franz Fuchs. Demnach habe Fuchs gesagt, er bekomme sowieso lebenslänglich, egal ob als Beitragstäter oder Einzeltäter, aber "wenn alles ein bisschen im dunklen bleibt, ist alles besser für meine Sache". Ganz besonders interessant ist eine Passage aus den Protokollen, in der sich Fuchs ausführliche Gedanken über seine "völkische" Zugehörigkeit macht. Er analysiert Kinn, Nase, Haare und Augen, kann sich aber nicht genau zuordnen: germanisch, keltisch? Oder gar slawische Einschläge? Warum sich ein Mensch, der laut wochenlanger Verlautbarungen der Kronen Zeitung kein Rechtsextremer ist, mit solchen Fragen auseinandersetzt? Als Einstiegsmotiv in die Bombenserie bezeichnet Fuchs den Umstand, dass in die Regierung Vranitzky nur neue Minister mit Namensendungen auf "ic, ak oder al" aufgenommen worden wären. Das Ausscheiden von Innenminister Löschnak aus der Regierung bedauert er, da dieser "ein vernünftig denkender Mensch war". Die vier Toten in Oberwart seien nicht beabsichtigt gewesen, "ich kann nichts dafür, dass die Zigeuner sich in der Nacht an dem Schild zu schaffen machten", die Bombe hätte durch einen Zeitzünder explodieren sollen.
4.Juni 1998 news bringt erneut Auszüge aus den Vernehmungsprotokollen von Franz Fuchs. Dort heißt es zum Beispiel: "Ich sehe ein, warum ich sitze, ich bin ja nicht unschuldig: Aber es gibt nichts zu gestehen. Gestehen tun die Verbrecher, und ich sage, die Verbrecher sind die anderen, zum Beispiel die Adressaten der Briefbomben, weil das die sind, die die Regierung am meisten vorangetrieben haben in ihrem Bestreben, die Ausländer hereinzulassen." Oder: "Die Abwehr der Diskriminierung der Volksgruppe der Deutschösterreicher ist eine gute Sache. Wenn es nicht anders geht, auch mit Waffengewalt." Die einen setzen sich in der Zeitung ein für die Deutschösterreicher, die anderen im Parlament und wenn das alles nichts nützt, dann baut man Briefbomben.
2.Juli 1998 Gegen den mutmaßlichen Bombenattentäter Franz Fuchs fällt ein zivilrechtliches Urteil. Eine Hinterbliebene des Oberwarter Anschlages hatte auf Ersatz der Folgeschäden des Attentates geklagt. Da sich Fuchs diesem Verfahren nicht stellte, erfolgte in Abwesenheit ein sogenanntes Versäumnisurteil zugunsten der Klägerin. Versäumnisurteile werden verhängt, wenn der Geklagte rechtsgültig zur Verhandlung geladen wurde und aus Gründen, die er zu vertreten hat, nicht zur Verhandlung erscheint, sie sind kaum zu revidieren. Fuchs ist wohl deswegen dem Verfahren ferngeblieben, um dort nicht in einem Nebenverfahren zu den mutmaßlichen Straftaten Stellung nehmen und Aussagen machen zu müssen.
Mitte Juli 1998 Die Rohfassung der Anklageschrift gegen Franz Fuchs ist fertig. Der Prozess wird aber wahrscheinlich nicht wie geplant im Oktober beginnen können.
15.September 1998 Die Anklage gegen Franz Fuchs ist fertig, der Prozess gegen den des Bombenterrors Verdächtigen soll Anfang 1999 in Graz beginnen.
5.Oktober 1998 Die Anklage gegen Franz Fuchs ist rechtskräftig: Vierfacher Mord, zweifacher Mordversuch, mehrfache schwere Körperverletzung u.a.m. werden dem Verdächtigen vorgeworfen.
20.Oktober 1998 Der mutmaßliche Bombenbauer Franz Fuchs erhält einen neuen Pflichtverteidiger.
Ende Oktober 1998 Rohschnittabnahme beim WDR. Ich fahre mit den zwei Rollen 16mm-Film und dem dazugehörenden Magnettonrollen nach Köln. Abnahme, dann Endfertigung. Anschließend Herstellung von Kinokopien und dem Sendeband für den WDR
4.Januar 1999 Schlußabrechnung des Films bei der PwC eingereicht
21.Januar 1999 Die Grazer Staatsanwaltschaft veröffentlicht die Anklageschrift gegen Franz Fuchs. Der Beschuldigte wird als geistig abnorm eingestuft und sollte im Falle seiner Verurteilung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden. "Aus forensisch-psychiatrischer Sicht liegt bei Herrn Franz Fuchs eine Persönlichkeitsstörung vor, welche sein Tatverhalten entsprechend determiniert hat", heißt es in einem Gutachten, Fuchs zeige "ein Wahnsyndrom einer geistig-seelischen Abartigkeit von höherem Grade."
2.Februar 1999 In Graz beginnt unter großen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen Franz Fuchs, der angeklagt ist, als Bajuwarische Befreiungsarmee (BBA) Bombenanschläge verübt zu haben. Als der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt wird, verkündet er seine Weltanschauung mittels gebrüllter Parolen. "Es lebe die BBA, es lebe die deutsche Volksgruppe, Ausländerflut, nein danke, reinrassige Tschuschenregierung, nein danke, Denkmal für Küssel für die Verteidigung der deutschen Volksgruppe, deutschfeindlicher Rassismus, nein danke, Anti-germanismus, nein danke, Blasphemisten, nein danke, kirchliche Duldung des feministischen Chaos und der kinderlosen Untergangsgesellschaft statt biblischem Patriarchengebotes, nein danke, Synagogen in Österreich statt Kirchen in Israel, nein danke, Bevölkerungsexplosion bei österreichischen Israeliten, nein danke, Umvolker und Völkermörder, nein danke, ..." Fuchs wird mehrmals aus dem Saal gewiesen und fährt bei jeder Rückkehr fort, seine Parolen zu verkünden. Verschiedene Zeitungen erhalten Briefe der BBA "Wir als Kampftrupp der BBA wundern uns". Die Polizei sagt "höchstwahrscheinlich wieder einer dieser schlechten Scherze".
18.Februar 1999 Österreich-Premiere des Film „Das Meisterspiel“ im Wiener Stadtkino am Schwarzenbergplatz. Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion sind Eckhart Gillen aus Berlin, Dr.Helmut Kohlenberger aus Salzburg, Peter Weibel und Ecke Bonk (den Weibel mitgebracht hat, weil er mit ihm gerade am Bienale-Beitrags Österreichs in Venedig arbeitet).
Die Moderation hat der Wiener Psychiater August Ruhs übernommen. Kino halbvoll. Anschließend läuft der Film einen Monat lang mit drei Vorführungen am Tag. Der Kinoleiter begründet das damit, dass er niemandem in Wien die Ausrede erlauben will, er habe den Film verpasst. Nach Ende des Monats verzeichnet das Kino den schlechtesten Zuschauerzuspruch den es bisher hatte. Anscheinend wollte niemand in Wien den Film sehen.
25.Februar 1999 In Graz sagen Sachverständige zu den BBA-Bekennerbriefen aus. Zum historischen Teil heißt es, dass die Daten hierzu von jedermann aus einem Buch wie der weit verbreiteten "Geschichte der Steiermark" entnommen werden könnten, die Briefe stammten von "einem historisch interessierten, aber wenig gebildeten Laien". Die Sicherheitskräfte hatten seinerzeit nach einem "Hobbyhistoriker", der sich mit der bajuwarischen Besiedlung Kärntens beschäftigt hat, geforscht.
1. März 1999 Anruf bei Dr. Heribert Schwan, Redakeur des WDR. Er hat den fertigen Film von seinem Vorgänger Christhart Burgmann übernommen. Der ist in inzwischen Rente gegangen. Seit Mitte Januar hat der WDR vertragsgemäß das Sendematerial. Er will den Film nicht senden, „Was soll ich damit, wenn Sie wüssten was sich hier bei mir an Kasetten stapelt, außerdem ist der Film viel zu lang, müsste auf 60 Minuten gekürzt werden...“. Ich versuche ihn zu argumentieren. „Mooment mal“, sagt Dr. Schwan plötzlich. „Man reicht mir gerade ein Fax von einem Atelier Rainer´, datiert vom 9. Februar 1999. Hier steht, ein gewisser Herr Rainer will rechtliche Schritte bei einer Ausstrahlung des Films unternehmen. Ich faxe Ihnen das mal formlos und erwarte eine Stellungsnahme“. Er legt auf.
2.März 1999 In Wien und Niederösterreich finden drei Hausdurchsuchungen wegen des Verdachtes der Versendung von BBA-Bekennerbriefen statt, darunter auch beim einschlägig bekannte Gerhart Pawlikowsky .
noch 2.März 1999 Kriminalpsychologe Thomas Müller schildert dem Gericht, wie mit gezielten Informationen und Desinformationen die BBA in Stress versetzt wurde, was dann auch zur Panikreaktion von Fuchs geführt habe, der sich observiert fühlte. Der Psychiater Reinhard Haller bezeichnet Fuchs als eigenbrötlerisch, hochempfindsam, hochtalentiert, von Qualitätsehrgeiz zerfressen, übergenau.
9.März 1999 In Graz geht der Bomber-Prozess zu Ende. Der Staatsanwalt verlangt lebenslang für Fuchs als Einzeltäter, der Verteidiger sieht im Angeklagten höchstens einen Mittäter und bestreitet die Tötungsabsicht. Als Schlusswort lässt Fuchs wieder die BBA hochleben und brüllt auch "Rot ist der deutschen Volksgruppe Tod".
16.März 1999 Das Urteil gegen Franz Fuchs (lebenslänglich wegen vierfachen Mordes und anderer Delikte) ist rechtskräftig. Der „Bomber von Gralla“ hatte keine Rechtsmittel gegen das Urteil vom 10. März 1999 ergriffen. Vorerst unerledigt ist die Verteilung der ausgelobten Belohnung. Da die beiden Frauen, die die Gendarmerie auf Fuchs aufmerksam machten, dies aus Gründen taten, die nicht im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen standen, wird überlegt einen Teil der 10 Millionen den Opfern von Fuchs zukommen zu lassen.
26.Februar 2000 Franz Fuchs begeht in der Haftanstalt Selbstmord durch Erhängen. Sein Tod wird in den Medien relativ kommentarlos zur Kenntnis genommen, wobei vereinzelt seine Geschicklichkeit (sich ohne Handprothesen aufzuhängen) gewürdigt wird.
Beide Fälle, BBA und Rainer, verschwinden kurz danach aus den Medien.

References: § 125
 § 298
 § 297

§12
 § 125
 OGH