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Timestamp: 2020-08-08 09:24:20+00:00

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Das Verwaltungsgericht - und der Überzeugungsgrundsatz | Rechtslupe
Das Verwaltungsgericht - und der Überzeugungsgrundsatz
Nach dem Über­zeu­gungs­grund­satz des § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO ist es Sache des Tat­sa­chen­ge­richts, sich im Wege der frei­en Beweis­wür­di­gung eine Über­zeu­gung von dem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt zu bil­den.
Die Frei­heit, die der Über­zeu­gungs­grund­satz dem Tat­sa­chen­ge­richt zuge­steht, bezieht sich auf die Bewer­tung der für die Fest­stel­lung des Sach­ver­halts maß­ge­ben­den Umstän­de. Die Grund­sät­ze der Beweis­wür­di­gung sind revi­si­ons­recht­lich grund­sätz­lich dem sach­li­chen Recht zuzu­ord­nen [1].
Des­halb ist die Ein­hal­tung der aus § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO fol­gen­den Ver­pflich­tung nicht schon dann in Fra­ge gestellt, wenn ein Betei­lig­ter eine aus sei­ner Sicht feh­ler­haf­te Ver­wer­tung des vor­lie­gen­den Tat­sa­chen­ma­te­ri­als rügt, aus dem er ande­re Schlüs­se zie­hen will als die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung. Denn damit wird ein – angeb­li­cher – Man­gel in der Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung ange­spro­chen, der die Annah­me eines Ver­fah­rens­man­gels im Sin­ne des § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO grund­sätz­lich nicht recht­fer­ti­gen kann [2].
Ein einen Ver­fah­rens­feh­ler begrün­den­den Ver­stoß gegen § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO kann aber aus­nahms­wei­se ins­be­son­de­re dann gege­ben sein, wenn die tatrich­ter­li­che Beweis­wür­di­gung auf einem Rechts­irr­tum beruht, objek­tiv will­kür­lich ist oder all­ge­mei­ne Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gungs­grund­sät­ze, ins­be­son­de­re gesetz­li­che Beweis­re­geln, Natur- oder Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze, miss­ach­tet [3]. Das Gebot der frei­en Beweis­wür­di­gung nach § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO ver­langt, dass das Gericht sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung das Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens zugrun­de legt.
Ein Ver­stoß gegen die­ses Gebot liegt vor, wenn ein Gericht von einem unrich­ti­gen oder unvoll­stän­di­gen Sach­ver­halt aus­geht, ins­be­son­de­re Umstän­de über­geht, deren Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit sich ihm hät­ten auf­drän­gen müs­sen. In sol­chen Fäl­len fehlt es an einer trag­fä­hi­gen Grund­la­ge für die Über­zeu­gungs­bil­dung und sogleich für die Über­prü­fung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung dar­auf, ob die Gren­zen einer objek­tiv will­kürfrei­en, die Natur- und Denk­ge­set­ze sowie die all­ge­mei­nen Erfah­rungs­sät­ze beach­ten­den Wür­di­gung über­schrit­ten sind [4]. Die für die rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung maß­geb­li­chen Grün­de sind im Urteil anzu­ge­ben (§ 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO).
Im All­ge­mei­nen genügt es, wenn der Begrün­dung ent­nom­men wer­den kann, dass das Gericht eine ver­nünf­ti­ge und der jewei­li­gen Sache ange­mes­se­ne Gesamt­wür­di­gung und Beur­tei­lung vor­ge­nom­men hat. Nicht erfor­der­lich ist, dass sich das Gericht mit allen Ein­zel­hei­ten in den Grün­den sei­ner Ent­schei­dung aus­drück­lich aus­ein­an­der­setzt. Aus der Nicht­er­wäh­nung ein­zel­ner Umstän­de kann daher regel­mä­ßig nicht geschlos­sen wer­den, das Gericht habe sie bei sei­ner Ent­schei­dung unbe­rück­sich­tigt gelas­sen [5].
Ein Tat­sa­chen­ge­richt ver­stößt dann gegen Denk­ge­set­ze, wenn es einen Schluss zieht, der aus Grün­den der Logik schlech­ter­dings nicht gezo­gen wer­den kann und des­halb will­kür­lich ist. Dafür genügt es nicht, dass das Tat­sa­chen­ge­richt nach Mei­nung eines Betei­lig­ten unrich­ti­ge oder gar fern­lie­gen­de Schlüs­se gezo­gen hat. Eben­so wenig rei­chen objek­tiv nicht über­zeu­gen­de oder gar unwahr­schein­li­che Schluss­fol­ge­run­gen aus [6].
stRspr, vgl. z.B. Urteil vom 19.01.1990 – 4 C 28.89, BVerw­GE 84, 271, 272 m.w.N.; Beschlüs­se vom 02.11.1995 – 9 B 710.94, Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 266 S. 18 f.; und vom 14.07.2010 – 10 B 7.10, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 66 Rn. 4, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 23.12 2011 – 5 B 24.11 – ZOV 2012, 98 m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 16.05.2012 – 5 C 2.11, BVerw­GE 143, 119 Rn. 18 m.w.N.; Beschlüs­se vom 14.07.2010 a.a.O. Rn. 4; und vom 16.06.2003 – 7 B 106.02, NVwZ 2003, 1132, 1135, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 02.02.1984 – 6 C 134.81, BVerw­GE 68, 338, 339 f.; vom 05.07.1994 – 9 C 158.94, BVerw­GE 96, 200, 209; und vom 28.02.2007 – 3 C 38.05, BVerw­GE 128, 155 Rn. 59, jeweils m.w.N.; Beschluss vom 14.01.2010 – 6 B 74.09, Buch­holz 402.41 Allg. Poli­zei­recht Nr. 87 Rn. 2 m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 28.02.2007 – 3 C 38.05 – a.a.O. Rn. 59 m.w.N.[↩]
stRspr, vgl. z.B. Beschlüs­se vom 19.08.1997 – 7 B 261.97, Buch­holz 310 § 133, n.F. VwGO Nr. 26 S. 15 f.; vom 06.03.2008 – 7 B 13.08, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 54 Rn. 8; und vom 28.06.2013 – 5 B 79.12 13, jeweils m.w.N.[↩]
DenkgesetzeÜberzeugungsgrundsatzVerwaltungsgerichtVerwaltungsgprozess

References: § 108
 § 108
 § 132
 § 108
 § 108
 § 108
 § 108
 § 133
 § 108