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Harry Falk, Schrift im alten Indien - Free Download PDF
Harry Falk, Schrift im alten Indien
July 13, 2017 | Author: harryfalkde | Category: Writing, Books, Languages
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History of writing in ancient India - A survey of research....
Scrip-tOralia 56
Herausgegeben von Paul Goetsch, Wolfgang Raible, Helmut Rix und Hans-Robert Roemer in Verbindung mit Michael Charlton, Gunther Eigler, Willi Erzgräber, Karl Suso Frank, Hans-Martin Gauger, Hans-Joachim Gehrke, Ulrich Haarmann, Oskar von Hinüber, Wolfgang Kullmann, Eckard Lefevre,. Klaus Neumann-Braun, Wulf Oesterreicher, Herbert Pilch, Lutz Röhrich, Ursula Schaefer, Paul Gerhard Schmidt, Hildegard L. C. Tristram, Otmar Wemer und Alois Wolf.
Schrift im alten Indien Ein Forschungsbericht mit Anmerkungen
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Falk, Harry: Schrift im alten Indien: ein Forschungsbericht mit Anmerkungen / Harry Falk. - . Tübingen: Narr, 1993 (ScriptOralia'; 56) ISBN 3-8233-4271-1 NE:GT
© 1993 . Gunter Narr Verlag Tübingen Dischingerweg 5 . D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seine~ Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung inßlektronischen Systemen. Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Werkdruckpapier. Druck: Müller + Bass, Tübingen Verarbeitung: Braun.+ Lamparter, Reutlingen Printed in Germany ISBN 3-8233-4271-1
Vorwort ...... ',' .......................... '................... 11 Konventionen ................................................ 13 1. 1.1.
Bibliographie .................. !..................... 15 Abkürzungen ......................................... 67
Vorarbeiten .......................................... Forschungsberichte ................................... Bibliographien ....................................... Einzelthemen ........................................
Die Aramäische Schrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 77
Die Griechische Schrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 82
Die Kharo~thI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 84 Zum Namen der Kharo~thI ............................. 84 Das Verbreitungsgebiet ................................ 91 Theorien zum Ursprung der Kharo~thI ................... 92 Vom Schicksal der Kharo~thI ........................... 99 Anmerkungen ....................................... 103
6. 6.1. 6.1.1. 6.2.
Die BrähmI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Zum Namen der BrähmI .............................. Anmerkungen ....................................... Das Verbreitungsgebiet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..
106 106 107 109
6.3. 6.3.1. 6.3.1.1 6.3.2. 6.3.2.1. 6.3.2. 6.3.3. 6.3.4 6.3.5 6.3.6. 6.3.7. 6.3.7.1 6.3.7.2 6.3.7.3 6.3.7.4 6.3.8.
Theorien zum Ursprung der BrähmI .................... Beziehungen der BrähmI zur griechischen Schrift ......... Anmerkungen ....................................... Semitische Ursprünge: die Anfänge ..................... Exkurs: Eine mesopotamische Tontafel. . . . . . . . . . . . . . . . .. Semitische Ursprünge: Georg Bühler und danach ......... Multikulturelle Einflüsse: Joseph Halevy ................ Die Rolle der Grammatiker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Die Rolle der Brahmanen ................'. . . . . . . . . . . .. Sabäer und Äthiopier. . . . . . . . . . .. • . . . .. . . .. . . .. . . . .. .. Indische Ursprünge .................................. Dravidisches ........................................ Die Schrift der Harappä-Kultur ........................ Neolithisches ........................................ ASoka .............................................. Iranische Ursprünge ..................................
109 109 111 112 117 119 127 133 136 138 142 151 153 158 162 165
6.3.9. 6.3.10.
Ursprünge in China .................................. 166 Arische Ursprünge ................................... 167
Zahlzeichen ......................................... ; 168 Anmerkungen ....................................... 174
9.1.5. 9.1.6. 9.1.7. 9.1.8. 9.1.9. 9.1.10. 9.1.11. 9.1.12. 9.1.13. 9.1.14. 9.1.15. 9.1.16. 9.1.17. 9.1.18. 9.1.19. 9.1.20. 9.1.21. 9.1.22. 9.1.23.
Grhyasütras ......................................... Der Abhinihita-Sandhi ................................ Wurzellikh ......................................... Devanäga~I .. ~ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . AV19.72kosa ....................................... AV 19.68 "broad and narrow" ......................... AÄ 5.3;3 nollikhya nävalikhya ........................... Hohe Zahlen ........................................ aksara .............................................. sa~ku in ChU 2.23 ................................... avidvän in ChU 5.11,5 ................................ Padapätha und Sarilhitapätha .......................... anibaddha in GDhS 13,4 .............................. Brhadäral,1yakopani~ad ............................... Smrtis .............................................. Pä~inlyasik~ä ........................................ Wurzel taks- .. ....................................... Vermischt~s ......................................... Anmerkungen .......................................
244 245 245 246 246 247 247 248 248 249 249 249 250 251 251 253 253 253 255
9.2. 9.2.1. 9.2.2 9.2.3. 9.2.4. 9.2.5. 9.2.6. 9.2.7. 9.2.8. 9.2.9. 9.2.10. 9.2.11. 9.2.12. 9.2.13.
Pänini .............................................. lipikara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . yavanäni ............................................ grantha . ............................................ sütra ............... '................................ varna .............................................. svaritet, udättet, anudättet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a a ................................................. ~{akal1'}a, paflcakal1'}a . . .. . . .. . . . .. .. . . .. . . . . . . . . . . . .. lopa ............................................... pustaka . ............................................ likh im Dhätupätha ................................... Allophones fl. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anmerkungen .......................................
257 257 259 261 262 262 263 264 264 265 265 266 266 266
8.1. 8.1.1. 8.1.2. 8.1.3. 8.1.3.1 8.1.4. 8.1.5. 8.1.6. 8.1.6.1 8.1.7. 8.1.7.1 8.1.8. 8.1.8.1. 8.1.9. 8.1.9.1. 8.1.9.2. 8.1.10. 8.1.10.1.
Archäologische Argumente. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Epigraphik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Die Kupfertafel von Sohgaurä ......................... Die Steintafel von Mahästhän. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Die Urne von Piprähvä ............................... Anmerkungen ....................................... Rämgarh ............................................ Der Yaksa von Parkham . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Barli ... '............................................ Anmerkungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Bhattiprolu ......................................... An~~rkungen ....................................... Die Tamil-BrähmI der Höhlen und in ArikämeQu ......... Anmerkungen ....................................... Die BrähmI Ceylons .................................. Anmerkungen .................... ~ .................. Der Wandel der BrähmI auf Ceylon ..................... Die Linksläufigkeit ceylonesischer und anderer Inschriften. Anmerkungen .......................................
177 177 177 180 181 184 185 186 187 188 189 192 194 203 205 211 213 215 216
8.2. 8.2.1. 8.2.2. 8.2.3. 8.2.4. 8.2.4.1. 8.2.5.
Numismatik ......................................... Die Münze von Eran ................................. BrährnI und KharosthI auf Münzen der Indogriechen ...... Die negama- Münz~~ aus Taxila ........................ Die Gegenpunzen der punch-marked co ins ............... Die Symbol-Schrift auf den punch-marked coins . .......... Südindische und Ceylonesische Münzen .. : . . . . . . . . . . . . . .
219 219 221 223 225 227' 230
8.3. 8.3.1. 8.3.2. 8.3.3. 8.3.4. 8.3.5.
Alphabete .......................................... Der cmikama von Bodh-Gayä .......................... U dayagiri . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Terrakotten ......................................... Ein Kharo~thI-Alphabet? ............................. di{{hiväda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
232 232 234 235 236 239
Säkatäyana ......................................... 268
Das Mahäbhärata. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 268
Das RämäYal,la ...................................... 269
Die Jätakas ......................................... 270
literarische Zeugnisse für Schrift. . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . Vedisches .......................................... Nirukta 1.20 ......................................... Die Prätisäkhyas ..................................... Abschnittsbezeichnungen ............................. drs - das Sehen schriftlicher Vorlagen ...................
240 240 241 242 243 243
9.7. 9.7.1. 9.7.2. 9.7.3. 9.7.4.
Andere Päli-Texte ................................... Vin 1,75 §43likhitako coro ............................. .Vin I 77 §49 sace upäli lekharrz sikkheyya . . . . . . . . . . . . . . . . . Vin III 76:4-21lekham chindati . ........................ Vin IV 305 :26 lekha~ panyäpw}äti. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
9.1. 9.1.1. 9.1.2. 9.1.3. 9.1.4.
9.7.5. 9.7.6. 9.7.7. 9.7.8. 9.7.9.
Vin IV 7:4 ukka{{harrt sippa,!llekhä ..................... DN III 94: 18 ganthe karontä acchenti .................... Das Spiel akkharikä ................................. .' Vermischtes ........................................ '. Anmerkungen .......................................
280 280 281 282 282
10. 10.1. 10.1.1. 10.1.2. 10.1.3.
Berichte von Verschriftlichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die indische Überlieferung ............................ Die Verschriftlichung der Veden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Verschriftlichung buddhistischer katlonischer Texte .... Die Verschriftlichung der Jaina Texte ...................
284 284 284 284 288
10.2. 10.2.1. 10.2.2.
Berichte von Ausländern .............................. 288 Chinesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 288 Al-BlfÜnI ........................................... 289
11. 11.1. 11.2. 11.2.1. 11.2.2. 11.2.3. 11.2.4. 11.2.5. 11.2.6. 11.3. 11.4. 11.5. 11.6.
Berichte von Ausländern zur Existenz von Schrift ......... Nearch ............................................. Megasthenes ........................................ Die Meilensteine (Strabo 15.1,50) ...................... Die Gesetzestexte (Strabo 15.1,53) ..................... Die Kalender (Strabo 15.1,39) ......................... Die Horoskope (Strabo 15.1,51) ........................ Die "anderen" Autoren (Strabo 15.1,67) ................. Anmerkungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Strabo 7.3,8 ......................................... Quintus Curtius Rufus ................................ Nicolaus Damascenus ................................ J ambulos ...........................................
290 290 290 290 291 294 294 295 295 296 296 296 297
12. 12.1. 12.2. 12.2.1. 12.3. 12.4. 12.5. 12.6. 12.7.
Terminologie ........................................ grantha . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mudrä .............................................. Anmerkungen ........................ ~ .............. fÜpa ............................................... alika ............................................... pustaka ............................................. ketubha ............................................ pl;alaka und pe{aka. . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . ..
298 298. 299 301 302 304 305 306 306
13. 13.1. 13.1.1. 13.1.2. 13.1.2.1. 13.1.2.2. 13.1.2.3.
Technik des Schreibens und der Schrift .................. Das Material . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stein ............................................... Metall ............................................. Kupfer ............................................. Gold ............................................... Silber ..............................................
308 308 308 308 309 310 310
13.1.3. 13.1.4. 13.1.5. 13.1.6. 13.1.7. 13.1.8. 13.1.9.
Birkenrinde ......................................... Palmblätter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . l.eder .............................................. Papier ............................................... Stoff .................................... ; .......... Tinte ............................ ~ ....... ~ .......... Die ältesten Handschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
310 311 311 312 312 312 313
13.2. 13.2.1. 13.2.2. 13.3.
uyout ............................................. Interpunktion ........................................ Abstände zwischen Wortgruppen ....................... Entwicklung der BrähmI in den folgenden Jahrhunderten ..
316 316 317 317
14. 14.1. 14.2.
Die mündliche Tradition .............................. 321 Berichte vom Umfang des Memorierten ................. 321 Theorien zur indischen Oralität ........................ 324
Vom Schicksal der ASoka-BrähmI ab 400 n.Chr........... 328 Ausbreitung der BrähmI außerhalb Indiens .............. 334
Die Stellung der BrähmI in der Geschichte der Schrift ..... 335
Schluß ............................................. 337
18. 18.1. 18.2. 18.3.
Indices . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Autorenverzeichnis .................................. Schlagwortverzeichnis ................................ Stellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
341 341 347 352
Vorwort Die Forschung über PäIfini profitiert seit 1980 von George Cardonas Werk PiilJini, a SUfvey o[ research. Viele Aspekte der indischen Kultur könnten umfassender beleuchtet und überzeugender interpretiert werden, lägen dazu ähnliche Berichte vor. Eine Aufarbeitung der Literatur über die Einführung der Schrift in Indien zeigte mir, daß häufig Thesen präsentiert werden, die zuvor schon, teils mehrfach, als Ergebnis der Forschungen anderer zu lesen waren, ohne daß der Neubearbeiter die Vorgänger kannte. Andererseits wird nicht selten mit einem Verweis auf die Ergebnisse eines Vorgängers argumentiert, der seinerseits auf einen Vorgänger baute, welch letzterer nichts als eine Vermutung aussprach oder zu seiner Zeit die Quellen nur in rudimentärer Form vorliegen hatte. Viele Gespräche im Vorfeld dieser Publikation haben mir den Einfluß deutlich gemacht, den Georg Bühler selbst nach hundert Jahren noch mit seinen einschlägigen Werken ausübt. Eine erneute Aufarbeitung aller heute zugänglichen relevanten Materialien muß vieles von dem in Frage stellen, was Bühler und die, die ihm folgten, für gesichert hielten. Die Relevanz der Frage nach der Einführung der Schrift in Indien ist unbestreitbar. Sie berührt Kernpunkte der indischen Kultur-, Literatur- und Religionsgeschichte. Eine Übereinstimmung in dieser Frage ist gerade deshalb auch nach Vorlage des gesamten Materials nicht zu erwarten. Zu viele Positionen müßten aufgegeben werden. Die meisten der entscheidenden Argumente sind längst geäußert worden, und doch haben sie jene nicht überzeugt, die sich nicht überzeugen lassen wollen. Bühlers Thesen - gewonnen am Material seiner Zeit - werden bei all jenen weiterleben, die zur Aufrechterhaltung eigener Vorstellungen von der altindischen Kultur die Existenz von Schrift vor ASoka benötigen. Um eine Auseinandersetzung mit den von mir gesammelten Materialien zu ermöglichen, ist die Darstellung der Themenbereiche im allgemeinen zuerst rein deskriptiv. In chronologischer Reihenfolge werden die Aussagen der einzelnen Forscher, häufig im Wortlaut, zitiert. Vor allem kam es mir darauf an, die neuen Gedanken wiederzugeben, die der Betreffende zum Thema beitrug. Passagen, die nur Altbekanntes wiederholen, werden dabei übergangen. Wenn in einer Arbeit aber keine neuen Gedanken zu erkennen waren, führt ein Zitieren zwangsläufig zum Eindruck einer Wiederholung. Da sich die Forschung zur Schrift nun einmal ständig wiederholte, sollte ein Forschungsbericht diesen Sachverhalt nicht beschönigen. Zum Abschluß der chronologischen Darstellung der Forschung zu einzelnen Punkten werden in Abschnitten, die den Titel "Anmerkungen" tragen, Folgerungen gezogen und gelegentlich neue Materialien präsentiert, um die eine oder andere referierte Ansicht zu stützen oder um neue
Aspekte in die Diskussion einzubringen. In einem schließenden Kapitel sind alle diese "Anmerkungen" zu einer Gesamtsicht zusammengefaßt. Wenn mehrere Themen von einer zitierten Arbeit berührt we~den, war es vielfach nicht leicht zu entscheiden, unter welchem Titel das Zitat erfolgen sollte. Querverweise mögen diesen Mangel auf ein erträgliches Maß reduzieren. Die Indices sind darüber hinaus so angelegt, daß jeder Beitrag eines Autors zu jedem Thema gefunden werden kann. Die Bibliographie ist, wie jede andere Bibliographie auch, unvollständig. Nähme man alle verfügbaren Konversationslexika, so fände man allein hier 30 oder mehr weitere zitierbare Einträge. Werke dieser Art, die aus Sicht des Indologen eher an der Peripherie des relevanten Schrifttums angesiedelt sind, wurden nicht aufgenommen, vor allem, weil sie selten mehr sind als Paraphrasen der zeitgenössischen communis opinio. Eine Ausnahme macht nur, auch in inhaltlicher Hinsicht, der Beitrag Th. Benfeys von 1840. Ebenfalls fehlen alle Publikationen, die sich mit speziellen Eigenheiten der Schrift bei Asoka beschäftigen. Dieser Themenkreis soll, mit einer eigenen Bibliographie, gesondert dargestellt werden. Von diesen Ausnahmen abgesehen versuchte ich alle Publikationen zu erfassen, die den Umständen der Einführung der Schrift in Indien gewidmet sind oder die exemplarische Quellentexte betreffen. Titel, die nur zur Absicherung nebensächlicher Tatbestände dienen, erscheinen in den Fußnoten. Wie nicht anders zu erwarten, sind die behandelten Arbeiten von sehr unterschiedlicher Qualität. Hätten mehr Herausgeber in der Art von Haraprasad Shastri den Mut gefunden, die Spreu vom Weizen zu trennen, so wäre dieser Forschungsbericht erheblich kürzer ausgefallen: "The President [H.S.] at the very start ruled that the papers contributed by one R.N. Saha must be scratched as they were mere trash. Such papers, he said ought not have been included in the programme of the conference" (5. AlOe, Lahore 1928, Lahore 1930, 132). Die vorliegende Arbeit entstand ab 1986 im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 321, "Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit" an der Universität Freiburg, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die Sammlung der Literatur wurde im August 1992 abgeschlossen. Einzelne Nachträge fanden wohl noch Eingang in die Bibliographie, konnten aber nicht mehr für den Textteil verwertet werden. Eine intensive und gedeihliche Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen führte zu neuen Fragestellungen, großzügige Mittel erleichterten den Kontakt mit ausländischen Kollegen. Sehr fruchtbar war wie immer der Austausch mit Herrn Prof. O. von Hinüber, der in bewährter Weise mit Rat und Material das Seine beitrug. Allen Beteiligten bin ich zu größtem Dank verpflichtet.
Konventionen L Faszikel-Nummern In der Bibliographie sind Aufsätze nur unter Angabe ihrer Bandnummer und ihres Jahrgangs aufgelistet, z.B. ,,1978 ..... ZDMG 128, 3-7". FaszikelNummern sind jedoch dann aufgeführt, wenn das betreffende Heft eine eigene Pagination aufweist, die in anderen Teilen desselben Jahrganges ebenfalls erscheinen könnte (z.B. ,,1955 .... JBBRAS 30,1, 3-18" ist zu unterscheiden von JBBRAS 30,2, 3-18"). 2. (111/222), (111/), (/222), (111/-), (-/222) Arbeiten, die in revidierten Auflagen, in Sammlungen von Kleinen Schriften oder als Kapitel von Monographien mit geänderter Pagination ein zweites Mal publiziert wurden, sind bei den Seitenverweisen in chronologischer Reihenfolge durch Schrägstriche voneinander abgesetzt. Konnte nur eine Edition eingesehen werden, so fehlt die zweite Zahl vor oder nach dem Schrägstrich, z.B. (/377). Findet sich eine Aussage nur in einer von mehreren Editionen, so wird das Fehlen durch einen Strich angezeigt, z.B. (-/377). Eine Ausnahme machen gelegentlich Werke, deren zweite Version im Text oder in den Marginalien die ältere Paginierung schon bereitstellen, auf die dann verwiesen wird.
3. lIla Wenn aus Büchern oder Zeitschriften zitiert wird, die zwei- oder mehrspaltig gesetzt sind, verweisen "a", "b" etc. auf die linke oder eine folgende Spalte.
4.• Schließende, seltener auch eingeschobene Paragraphen zum Thema, die inhaltlich zwar den "Anmerkungen" entsprechen, vom Umfang her aber keinen eigenen Abschnitt verdienen, sind mit einem "." gekennzeichnet.
5. + Die wichtigsten Beiträge, die Substantielles enthalten oder neue Wege wiesen, sind zu Beginn des Paragraphen mit einem Plus-Zeichen" +" versehen, um dem eiligen Leser die doch sehr zahlreichen Wiederholungen oder unfundierten Mutmaßungen überspringen zu helfen.
1. Bibliographie Die Namen der Autoren erscheinen in der ausführlichsten Form, wie sie in mindestens einem· der angeführten Titel vorliegt. Bei Publikationen, die in DevanägarI oder anderen indischen Typen gesetzt sind, werden Autoren und Titel in einer Umschrift wiedergegeb.en, wie sie für Sanskrit üblich ist. . Bei umfangreichen Werken oder Aufsätzen, die nur in relativ kurzen Passagen auf Schrift eingehen, wird am Schluß in eckigen Klammern, z.B. [111], die betreffende Stelle bezeichnet. . Bei den Seitenzahlen bedeutet ein "f.", daß der genannte Artikel nur eine einzige weitere Seite aufweist. Alle Aufsätze mit mehr als zwei Seiten sind soweit möglich genau dokumentiert. Titel, die mir nicht einsehbar waren, sind am Ende mit einem dagger, t, gekennzeichnet. Das Zeichen q[ zeigt, daß die angegeben Daten eines Eintrages falsch sind und nicht verifiziert werden konnten.
Aagastya 1984
Some doubtful areas in the Chronology and History Punet
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5.2. Das Verbreitungsgebiet A. Cunningham bildete 1879 etliche Kharo~thI- Zeichen ab, die er auf den Unterseiten kleiner Säulen gefunden hatte, die in Bharhut zwei Bögen eines Torana verbanden. Die vorhandenen Zeichen stellen pa, sa, a und pa dar (8, PI. VIII). Die Säulen ruhen in kumbhas und sind deshalb auch zeitlich mit den beschrifteten Basen und Säulen vom CaIikama in Bodh . Gayä zu vergleichen (s.u. § 8.3.1). J. Dowson definierte 1881 (110, Anm. 1) mit diesem Fund in Bharhut die östliche Grenze der Kharo~thI. Cunningham selbst hatte nur von "foreign artists" gesprochen, die nichts mit den einheimischen Steinmetzen der Einzäunung zu tun hatten (8). . + Ein wichtiges Indiz für die Einflußsphären von BrähmI und KharosthI bilden die Texte aus dem Kangra-Tal, in Pathyär und Kanhiära, die ip. Vogel 1902/03 ausführlich besprach. An zwei Orten im Tal wurden Inschriften-Paare entdeckt, wobei ein Teil in Kharo~thI und der andere in BrähmI gehalten ist. Offenbar haben sich Stifter frommer Einrichtungen (äräma, pukkhartlJi) ähnlich wie in SäfichI etc. verewigen lassen. Vogels zeitlicher Ansatz der dort verwendeten BrähmI ins 3. Jh.v.Chr. ist sicher verfehlt. M.A. Stein (118 Anm.3) datierte die Kharo~thI in die Zeit der frühen Sakas, was auch gut zur Typologie der BrähmI passen würde. Im Kangra-Tal waren folglich im 1. Jh. v.Chr. beide Schriften geläufig. + H. Bailey nannte 1950 Subasl Längär, nördlich von Kucha (41.43 N, 82.54 0) in Chinesisch Turkestan, "the most northerly piace where KharosthI has been found" (121). "+ J. Brough behandelte 1961 einen Kharo~thI-Text aus Lo-yang im Osten Chinas (34.41 N, 112.28 0), der rein formal ein indisches Original kopiert, wobei zu erkennen ist, daß der Schreiber die Kharo~thI nicht wirklich verstand (525). + J. Harmatta stellte 1966 eine sehr kurze Inschrift aus Dayr-Asan im "Western Pamir" (1), vor. Sie entstand um die Wende zum 1. Jh. v.Chr. und zeugt nach Harmatta von den Wanderungen der Händler und Religionen aus Indien nach Zentralasien (12). B.N. Mookerjee sprach 1989 von verschiedenen Objekten aus Bengalen und Orissa, auf denen er Kharo~thI, gemischt mit BrähmI, entdeckt haben wollte. Ein Beleg stammt aus Candraketugarh, ein anderer aus Tamralipti (Tamluk). 1989/90 wollte er seine Kharo~thI-BrähmI als die misritalipi identifizieren, die im Lalitavistara vorkommen soll (10)7 und 1990 interpretierte er Objekte aus dem Mekong-Delta in Vietnam (1990a) . oder aus Thailand (1990b) als Beweis seiner gemischten "Kharo~thI­ BrähmI script", in welcher sogar das aramäische shin als SibilantenZeichen verwendet wurde (1990a, 2). 7 Bei Lefmann findet sich S. 126:9 nur eine vidyänulomävimisritalipi, einzig in HS k in °lomalipi,!, vimi getrennt. O
Die Kharo~thl
• Die Art Mookerjis, undeutliche Zeichen willkürlich der einen oder der anderen Schrift zuzuweisen, lassen kein Vertrauen in seine Lesungen aufkommen. Seine Annahme, in den ersten Jahrhunderten n.Chr. könnten Einwanderer aus dem Westen die Kharo~thl auch in den Osten gebr~cht haben (4), ist prinzipiell nicht von der Hand zu weisen. Doch weil Mookerji ganz offensichtlich sowohl BrähmI- wie Kharo~thI-Zeichen mißverstand, bleiben seine Lesungen unsicher und seine Übersetzungen unglaubhaft. Nur eine neue Bestandsaufnahme mit verläßlichen Lesungen wird Aufschluß über Existenz und Umfang der Kharo~thl im Osten Indiens geben können.
5.3. Theorien zum Ursprung der Kharo~thI Eine recht treffende Beschreibung des Charakters der Kharo~thl gab Chr. Lassen bereits 1838 auf der Basis von zweisprachig beschrifteten Münzen aus Afghanistan. Er hatte erkannt, daß ein folgender Vokal -a zu allen konsonantischen Grundzeichen gehört und daß die Vokallängen nicht unterschieden werden (156). Lassen konnte einige Zeichen richtig lesen. Da er aber sa für 0 hielt und die Brähml als älter ansah, stand er vor zwei Formen der Vokalisation. Es schienen ihm "die Figuren der Consonanten und initialen Vocale als Semitisch zu vermuten, für die medialen Vocale hätte man aus der Indischen Schrifttheorie das Princip entlehnt, für die Diphtonge [d.h. 0] sich ein eigenes ersonnen (158)". Lassen erklärte die Kharo~thl als eine "den Indern fremde" Schrift, die ihre Ursprünge in der Gegend von Kabul habe müsse und deren älteste Zeugnisse auf Münzen mindestens.ins Jahr 180 v.Chr. zurückreichen. Ihre Entstehung könnte aber noch vor Candragupta stattgefunden haben (162). K.O. Müller, der sonst nie müde wurde, semitische Wurzeln der BrähmI nachzuweisen, gab sich 1839 zurückhaltend, als er über die Ursprünge der Kharo~thl abhandelte: "die Richtung der Buchstaben ist die Semitische; doch findet sich wenig bestimmte Annäherung an eine der älteren Arten der Semitischen Schrift". Daß in der Kharosthl ebenfalls jedes einfache Zeichen mit inhärentem -a zu lesen ist, ~'ar ihm kein Beweis dafür, daß hier etwa eine "Nachbildung eines ältern Indischen Schriftsystems" vorliege (311). H.H. Wilson zog 1841 die Summe des damaligen Wissens über die Kharo~thl. Die ältesten, ihm datierbaren Quellen sah er in den bilinguen Münzen des baktrischen Königs Eukratides (ab 181 v.Chr.). Verwandtschaft zur Brähml in graphischer Hinsicht erkannte er zwischen den Zeichen für ma, \::' bzw.l:$ (246). Doch wegen der Schreibrichtung zählte er die Zeichen zu den "Semitic alphabets" (260). ta ['7 ], u [')], sa [~ ] ~nd ra, [~ ] fand er auch im Zeicheninventar des Hebräischen wieder, Ahnlichkeiten zum phönizischen Alphabet waren ebenso unverkennbar. ,,Although, therefore, of the same family, the alphabet is neither Phoenician nor Hebrew" (260). Um sowohl Sprache wie Verbreitung gerecht zu
Zum Ursprung der Kharo~thl
werden, gab er der Schrift den Namen "Arianian" (262). In der ersten Auflage seiner Indischen Altertumskunde, I, sah Chr. Lassen 1847 eine klare Dependenz: "Für die Selbständigkeit des Altindischen Schriftsystems [= BrähmI] spricht noch dieses, daß es auf die Arianische Schrift [= Kharo~thI] übertragen worden, die Semitischen Ursprungs ist". A.Weber wiederholte 1856b (402) die inzwischen verbreitete Vorstellung, die Kharo~thl stamme aus dem semitischen Kulturraum. "Der vokalische Reichthum der Sprachen indess, für die es verwendet wird, hat die Annahme der indischen Vokalbezeichnung zur Folge gehabt", doch habe man nur das Prinzip entlehnt, nicht die Bezeichnungen selbst. Daneben erwähnte er den Anunäsika der Handschriften, die etwa 1000 Jahre jünger sind, "der übrigens seltsam dem arianischen m gleicht" (406). Auch E. Thomas vertrat ab 1856 die Ansicht, die Indian-Pali [= BrähmI]-Schrift sei rein indischen Ursprungs und könne, gegen M. Müller, ein hohes Alter für sich reklamieren (226 mit Anm. 1). Das "Bactrian, Arian, or Arianian" Alphabet dagegen sei von der Ariern aus einer semitischen Quelle bei ihrer "immigration from Media" mitgebracht worden (229). Die mediale Vokalisation wurde in Indien der BrähmI entnommen (232). 1858 faßte er dann seine Ansichten zur KharosthI so zusammen (11,144 ff.): Die Kharo~thI ist semitischen Ursprungs, ~~gen der Schreibrichtung und wegen der - wenigen - gemeinsamen Zeichen mit nordsemitischen Schriften. Drei Unterschiede sollen erkennen lassen, daß die Kharo~thI "considerably antecedent to B.C. 250" (145) ist: 1. Die Anzahl der Schriftzeichen, 2. die Unterscheidung zwischen Konsonanten und Vokalen, 3. die Einführung der medialen Vokalisation. Über die Herkunft gerade der letzten schrieb er (146): "the pre-existing and indigenouslymatured Pali alphabet of the South exercised more or less influence in the ultimate determination of many of the forms, more especially in regard to that extraneous element - the definition of the vocalic sounds". A. Cunningham folgte dieser Ansicht 1877 (50). + E. Thomas gab 1858 (11, 49 Anm. 4) als erster zu bedenken, ob nicht das "Arian" sa ['1' ] in jüngere Formen der BrähmI übernommen wurde. A\lch für N. Westergaard war 1862 die Kharo~thI "von bestimmt Phönizischem Ursprunge", "aber ihr inneres System in Rücksicht auf die Bezeichnung der Vokale nach einem Consonanten und des Zusammentreffens der Consonanten ist gänzlich Indisch" (35). Er lokalisierte ihre südliche und östliche Grenze zur BrähmI anband der Inschriften von Khunniara in der "Gegend von Jälandhara" (36). A.C. Burnell urteilte 1872 (230) über das Verhältnis der beiden Schriften: "In the extreme North we find an alphabet evidently derived directly from the Phoenician, but with peculiar vowel JTIarks added. In the other parts of India we find a perfect1y distinct alphabet used for the
Die Kharo~!hI
Zum Ursprung der Kharo~thI
Asoka edicts, but which has the vowels marked according to a regular system, and which the Northern alphabet [= Kharo~thI] has copied. It [= BrähmI] must therefore be the older of the two." A. Cunningham interpretierte 1877 die Tatsache, daß einige Aspirata, wie gha, sich nur durch einen zusätzlichen Strich von ihren unbehauchten Entsprechungen unterscheiden, so, als seien die erweiterten Zeichen erst später entstanden. Die ursprüngliche Schrift mußte also für eine Sprache entworfen worden sein, die keine Aspirata kannte (/49). Als Ursprungsland nannte er ,,Ariana, or the countries lying to the west of the Indus between India and Persia" (/50). Er betonte, daß er das bislang unbekannte Zeichen für sa [(f)] in Khälsi entdeckt habe: "Its form is not unlike that of the Ariano-Pali sh, from which it may have been derived, although it seems to me equally probable that the Indian letter was the original form" (/51). + E. Senart besprach 1879 Cunninghams Edition der Edikte ASokas. Er betonte die Übereinstimmungen zwischen Kharo~thI und BrähmI und sah in der ersten die ältere Variante, deren Ursprünge er im Iran vermutete (534). Als Entstehungszeit schien ihm eine Zeit vor Päl}.ini möglich (536). C. Faulmann stellte 1880 fest, die Kharo~thI könne nicht "aus dem Indischen" stammen, weil einige formgleiche Zeichen in den beiden Systemen ganz anderen Lauten zugeordnet sind. Seine Beispiele sind [ "Kabulisch tha, Magadhisch ka," [A] ya bzw. ga, ['} ] a bzw. kha. Andererseits "scheinen die in Pali-Schriften vorkommenden Laute n sa, ~ sa der kabulischen Schrift entnommen zu sein" (120). Für I. Taylor gingen 1883 sowohl die BrähmI wie auch die Kharo~thI auf semitische Vorbilder zurück, die allerdings aus verschiedenen Ländern nach Indien gekommen waren. Da in beiden Systemen Ähnlichkeiten zwischen dem Zeichen für einen unaspirierten Laut und dessen aspiriert er Variante festzustellen sind, nahm er an, die jeweiligen "ursprünglichen" Alphabete hätten keine Aspirata besessen (301). Auch bei den Nasalen, Cerebralen und Dentalen glaubte er Neuerungen fe~tstellen zu können (302 Anm.2). Obwohl er keine lautlich und graphisch übereinstimmenden Zeichen in den beiden Schriften erkennen konnte, sah er dennoch einige Gemeinsamkeiten, was die inhärenten a-Vokale, die Art der Vokalisierung mittels Strichen und die initialen Vokale angeht (303 Anm. 1). Diese Gemeinsamkeiten führte er darauf zurück, daß beid.~ Systeme unabhängig voneinander aufbereitet wurden, und zwar von "scientific grammarians, aiming at similar objects and working by similar methods" (303 Anm. 1). Diese Grammatiker waren zudem noch "acquainted with both alphabets" (304). E.C. Bayley teilte 1884 R.N. Cust (1884b, 347f.) mit, daß er die Inschriften vom Nänäghat mit ihrem vollen Satz von Aspirata in die Mitte des 4. Jh. v.Chr. datierte und einen Beweis für die Abhängigkeit der BrähmI von der Kharo~thI gefunden habe: Die Zeichen der Aspirata seien
nämlich entstanden, indem an das Grundzeichen ein zusätzlicher Bogen getreten sein, der sich aus dem Kharo~thI ha ['L] erkläre. Die Kharo~thI muß also "very long before the Fourth Century B.C." (348) in Indien bekannt gewesen sein. A. Cunningham folgte 1891 Taylor und glaubte, die Kharo~thI sei unter Darius nach Indien gekommen, wo man sie mit den Vokalisierungsstrichen der BrähmI versah (33f.). G. Bühler hatte 1895a Mühe, die Ähnlichkeit zwischen BrähmI sa [11\] und Kharo~thI ~a ['t'], die Cunningham als erster angesprochen hatte, anzufechten. Da zwischen beiden Schriften .keine Beziehung bestehen durfte, mußte Bühler sa vom phönizischen shin [W'] ableiten (67 Anm. 1). Seine Abhandlung von 1895 (a) hatte eine Frage aufgeworfen: Wenn die Inder schon lange vor den Achämeniden eine Schrift besaßen, warum mußten sie dann eine zweite, die Kharo~thI, ausarbeiten? Bühler versuchte diese Frage im seIben Jahr (1895b) zu lösen. Er sah es als natürlich an, daß "the Persian Satraps carried with them also into India their staff of subordinates, who were accustomed to the use of the Aramaean letters and languages. And this would fully explain, how the Hindus of the IndoPersian provinces were driven to utilise the characters, commonly employed by the scribes and accountants of their conquerors, though they already possessed a script of their own" (49). Die Annahme einer aramäischen Schrift in Indien war damals etwas gewagt, weil bislang Senq-Qaleh, zwischen Tabriz und Teheran, als östlichste Fundstelle galt (48). Da die Kharo~thlweniger perfekt ist als die BrähmI, schloß Bühler, nicht etwa Sanskrit sprechende Grammatiker seien für ihre Ausbildung verantwortlich, sondern Schreiber (clerks, 49). Diese Schreiber übernahmen die mediale Vokalisation der BrähmI (62f.), ebenso die Methode, Ligaturen zu bilden (64). Er verglich die Schriftzeichen mit denen von Saqqärah von 482 v.Chr. und kam so auf eine Entstehungszeit der Kharo~thI um 500 v.Chr. (50). In einer Tafel leitete er wieder jedes Zeichen der Kharo~thI direkt von einem aramäischen Vorbild ab, auch wenn er diese Vorbilder aus dem gesamten Vorderen Orient zusammentragen und dabei gelegentlich die ungewöhnlichsten Formen als die normalen präsentieren mußte. Der französische Semitist J. Halevy wurde nebenbei erwähnt und die von jenem als formale wie synchrone Parallelen vorgezogenen Zeichen der Papyri ebenfalls in die Tafel aufgenommen, doch nur "in order to show that they are not suited for the derivation" (51). Für Bühler war also die Kharo~thI keine bewußte Neubildung auf der Basis eines alten Schriftsystems, sondern nur eine lokale Variante des Aramäischen, die nach und nach Züge der allgegenwärtigen BrähmI angenommen hatte. Es fehlte für diese Theorie eigentlich nur ein datierbare~ Zeugnis. Bühler fand es in Punzen auf achämenidischen Silbermünzen von 5,6 Gramm, den sog. sigloi, die ihm E.J. Rapson in London gezeigt hatte. Rapson publizierte das Material im seIben Jahr (1895, s.u § 8.2.4) und kündigte an, er wolle im GIAPA-Band über Indian Coins von "the occu-
Die Kharo~thI
rence on sigloi ( ... ) of Brähma and Kharo~thI letters" schreiben (65). Als der Band 1898 erschien, waren diese Zeichen nur noch "characters which have been read as BrähmI and Kharo~thI letters" (3, §7). + In seiner Antwort auf Bühlers Ausführungen zur Kharo~thI brachte J. Halevy 1895 (1895b, 385) einen neuen Aspekt zur Sprache: Die initialen Vokale sind alle mit Hilfe der Zeichen für die mediale Vokalisation vom a [ ? ] abgeleitet. Dieses a aber ist wegen dieser Gleichbehandlung funktional nicht zu trennen vom aleph der semitischen Schriften, repräsentiert also schriftgeschichtlich einen Konsonanten, obwohl es in Gandhara als Vokal verstanden und gesprochen wurde. Allein hieraus verbietet sich nach Halevy jede Annahme, die BrähmI hätte der Kharo~thI als Vorbild dienen können. Bühlers Annahme, die Kharo~thI sei auf ein eng umgrenztes Gebiet im Nordwesten Indiens beschränkt gewesen (1896a, 19), wurde durch die Entdeckungen des Dhammapada bei Khotan (1892)1 und durch Funde zahlreicher Dokumente am Niya-Fluß durch Stein2 bald widerlegt. Die Datierung Bühlers und die angeblichen Umstände der Entstehung der Kharo~thI um 500 BC wurden übernommen von T.W. Rhys Davids (1903, 124), L.D. Barnett (1913, 227), E.J. Rapson (1914, 10), R.D. Banerji (1920, 194), I.J.S. Taraporewala (630-633), 1928 H. MassonOursel 1933 (262), R.C. Majumdar (1964/65, 173), D.C. Sircar (1957 §8; 1970/71, 109; 1977, 85), K. Földes-Papp 1966 (140a) und R.N. Saletore 1983 (741f.). H. Jensen baute 1925 bei der Behandlung der Kharo~thI auf die Darstellung von Bühler. Deshalb findet sich hier die BrähmI als Vorbild (203) ebenso, wie die Entstehungszeit im 5. Jh.v.Chr. und die persischen Satrapen, welche "die Schreiber der eingeborenen Fürsten, Stadt- und Dorfhäupter, zwangen, das Aramäische zu erlernen" (202). So soll es dann zu Modifikationen unter dem Einfluß der "älteren indischen BrähmI" gekommen sein, bis die Kharo~thI fertig ausgebildet war (203). Jensen war 1990 der wichtigste Zeuge für H. Haarmann, woran sich beobachten läßt, wie bis in die neueste Zeit hinein Bühlers Vorstell~ng von einer älteren BrähmI und einer jüngeren Kharo~thI weitergegeben wird (338). W. Wüst leitete 1929 die Kharo~thI von einer aramäischen Kursive des Achämenidenreiches etwa im 6. Jh. v. Chr. ab (70), wies aber der BrähmI ein noch höheres Alter zu. Ohne die Kharo~thI als Parallelfall zu nennen, zeigte Fr:. Hommel 1931, daß auch in der achämenidischen Keilschrift vergleichbare Ansätze zur Vokalisierung zu erkennen sind, indem nämlich ein zugrundeliegendes aliph durch einen senkrechten Keil zu a wird, durch einen weiteren aufliegenden Keil zu i, und durch einen Winkelhaken zu u (78). 1 S. Levi 1904a, 556. 2 Sir. A. Stein: Prelimillary RepOlt Oll a Joumey Exploration in Chinese Turkistan. London 1901.
0/ Archceological and Topographical
1938 nahm S. Levi an, persische Schreiber seien nach Indien gezogen, um dort eine Schrift zu lehren, die sich später zur Kharo~thl entwickelt hätte (41). + H. Birkeland untersuchte 1948 den in den frühen 30er Jahren neugefundenen aramäischen Text ASokas vonPul-i-Darunta, noch ohne ihn mit diesem König in Verbindung zu bringen, und verglich seine Zeichen mit jenen der ebenfalls aramäischen Inschrift aus Taxila, in der 1928, 13 Jahre nach ihrer Entdeckung, der Titel Asokas gelesen worden war. Da die Schrift von Taxila erkennbar kursiver ausfällt, datierte er jene von Pul-iDarunta "ins 4. (oder 5.) Jahrh.". "Mit der .Kharo~thI hat sie mehrere Berührungspunkte und steht ihr entschieden näher als die Taxilainschrift. Und doch weist die Kharo~thl auf noch ältere Vorbilder zurück" (231). • Da auch der Text von Pul-i-Darunta mit größter Wahrscheinlichkeit indirekt auf ASoka zurückgeht, zeigen die Abweichungen nur, daß im selben Zeitraum in derselben Region unterschiedliche Schreibstile in Gebrauch waren. Birkelands Vergleichstafel (225) ist aber von großem Nutzen, zeigt sie doch, daß sich der Entwickler der Kharo~thl an einer aramäischen Schrift orientierte, die beim da, na und ra die Kursive von Taxila gebrauchte. Nur beim ba ist eine größere Ähnlichkeit mit dem Zeichen von Pul-i-Darunta vorhanden, aber beileibe keine Identität. Alle anderen Zeichen stimmen entweder mit beiden Stilen überein (va, ya) oder mit keinem von beiden. Der naheliegende Gedanke, die Erfindung der Kharo~thI näher an Taxila denn ans Laghman-Tal zu lokalisieren, verbietet sich aber im Lichte der aramäischen Inschriften von Kandahar. Denn eine davon ist im steiferen Pul-i-Darunta-Stil gehalten, die andere in der Kursive von Taxila.1 J. Filliozat vertrat 1948 sowohl die Etymologie von Uvi wie die Przyluskis (236). Gleichzeitig machte er indische Grammatiker für die Umwandlung der aramäischen Schrift in die Kharo~trI (sie) verantwortlich (235). Bühlers Modell einer Kharo~thI, die sieh im 5. Jh.v.Chr. während der Herrschaft der Achämeniden, beeinflußt von der BrähmI, aus der aramäischen Schrift entwickelt hatte, wurde 1948 von D. Diringer (1968, 238f.) einem breiteren Publikum vorgetragen. Diringers Sicht wurde übernommen von K. Groenbech 1948 (60) und R.A. Jairazbhoy 1963 (41). + S. Chattopadhyaya bezweifelte 1949 unter Hinweis auf die Fundstätten der KharosthI-Inschriften, daß diese Schrift auf direkten Einfluß der achämenidisch~n Verwaltung zurückzuführen wäre: "no Kharo~thI record has ever been found westward of the Panjkora river, a fact whieh prima fade may indieate that it was outside the official jurisdiction of the Achaemenid satraps of India" (203). 1953 vertrat J. Filliozat im Grunde die Thesen Bühlers. Die Kharo1 S. die Tabelle bei Andre Dupont-Sommer, wie oben S. 81.
Kharo~thI
Zum Ursprung der
~thI ließ er nun in den Reihen der achämenidischen Verwalter entstehen, . die damit zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert v.Chr. ihre ungeeignete aramäische Schrift an die bessere BrähmI anpassen wollten (670; wiederholt 1963, 150). Die Entwicklung von der Kharo~thI zur BrähmI lehnte er ab mit dem Argument, man hätte in diesem Fall nicht' eine Schrift neu erschaffen brauchen, sondern hätte einfach die KharosthI verbessern können. Er erkannte aber nicht, daß dieses Argument ru'r seine These in weit höherem Maße gilt: Warum sollten die achämenidischen Verwalter nicht einfach ihre aramäische Schrift verbessern, - durch Vokalstriche und einige zusätzliche Konsonanten, - anstatt mit der Kharo~thI ein neues System zu entwerfen, das mehrere alte Zeichen graphisch beibehält, sie aber mit ganz anderen Lautwerten belegt? C.C. Das Gupta sah 1958 wieder den Druck der achämenidischen Verwaltung als Ursache dafür an, daß die Inder zu ihrer eigenen Schrift, der BrähmI, eine zweite aufnahmen. So ist s.E. die Kharo~thI nichts als eine Modifikation der aramäischen Schrift (283f.). J.G. Fevrier referierte 1959 Filliozat (339). R.B. Pandey lehnte 1957 jeglichen Einfluß einer semitischen Schrift ab und sah einen "Indian genius" am Werk (54ff.). + A.H. Dani ließ 1963 die Kharo~thI im Dienste der "Aramaicknowing Satraps" entstanden sein (256f.). Sie sollte dem Schriftverkehr eingewanderter Herrscher mit den Einheimischen dienen. Er sah deshalb keine langsame Entwicklung, sondern eine spontane Schöpfung (256). Obwohl die aramäische Schrift die Hauptvorlage bildete, kamen doch Einflüsse aus der Brähmi hinsichtlich der Vokalisierung (257) 1967 vertrat F. Nowotny vorsichtig die Annahmen Bühlers von einer Kharo~thI, die "keinen Einfluß auf die anderen indischen Schriften genommen zu haben" scheint, dagegen "durch die damals schon in Gebrauch stehende BrähmI-Schrift" beeinflußt sein könnte (528b f.). Hinweise auf die Achämeniden und Kaufleute fehlen nicht. Allerdings sah sie es nicht als erwiesen an, daß die BrähmI älter als die Kharo~thI sein muß (544b). Erste Anzeichen von langen Vokalen in der .K.haro~thI Indiens um 100 n.Chr. glaubte B.N. Mukherjee 1981 entdeckt zu haben. D.C. Sircar behauptete 1970/71, die Kharo~thI-Dokumente aus Taxila seien die ältesten und stammten aus dem 5. Jh. n.Chr. (110). C.D. Chatterjee konnte 1982 keine grundlegenden Ähnlichkeiten zwischen der Kharo~thI und der aramäischen Schrift feststellen (213). Die wenigen gemeinsamen Züge haben ihre Wurzeln in einer Zeit, als "in course of their migration through Asia Minor ·from Central Europe, the Aryans became acquainted with the Semetic style of writing, from right to left, and had evolved independently a system of writing, during their long period of settlement in Mghanistan (... ). When the Jews migrated from Western Asia to Mghanistan and settled there (c. 650 B.C.), ( ... ) mutual
Aramaic, might have become possible" (214). F.R. Allchin vertrat 1987 wieder die Ansicht Bühlers hinsichtlich eines "dear Brahmi influence" bei der Entwicklung der Kharo~thI aus dem aramäischen Alphabet (301). G. Fussman betonte 1988/89 den Primat der Kharo~thI vor der BrähmI und datierte die ältere Schrift vor 327 v.Chr., weil er der Ansicht war, die Alexander-Historiker sprächen bei ihrer Beschreibung der nordwestlichen Kultur von der Kharo~thI (513). Da diese Quellen die angesprochene Schrift aber nicht beim Namen nennen, könnte mit mindestens derselben Wahrscheinlichkeit auch die aramäische Schrift gemeint sein, weswegen dieses Argument wenig besagt. S.J. Mangalams Arbeit von 1990 ist eine unkritische und oberflächliche Aufbereitung älterer Forschungen. Nicht nur für die Tafeln der Schriftzeichen wurde das Werk C.C. Das Guptas von 1958 ausgeschlachtet.
5.4. Vom Schicksal der Kharo~thI
+ Nachdem die Kharo~thI in Indien um 450 n.Chr. und in Zentralasien sogar erst im 7. Jh. (L. Renou 1957, 111 Anm. 501; H. Bailey 1950, 121) außer Gebrauch gekommen war, ging das Wissen um die Bedeutung ihrer Zeichen schnell verloren. Die ersten Erfolge, diese Schrift wieder zu lesen, hatte 1835 Masson, der durch einen Vergleich von Bilinguen auf Münzen die Namen von "Menandou, Apollodotou, Ermaiou" und die Titel "Basileos, and Soteros" lesen konnte. Er ließ seine Entdeckung J. Prinsep zukommen, der auf der Basis zahlreicher Münzen der Indogriechen Massons Lesungen bestätigen und erweitern konnte (1835, 329; vgl. Cunningham 1863/64, viii). Prinsep suchte nach graphischen Ähnlichkeiten bei vorderorientalischen Schriften und sprach deshalb von der Bactrian-PahLevi (328). Teils auf der Basis der von Masson vorgeschlagenen Deutungen entzifferte er 24 Zeichen, wobei er folgende schon richtig las: initales a, e und die Konsonanten na, pa, ma, ya und La. Die korrekten Deutungen von ka, ya und ha waren in einer Reihe von Vorschlägen enthalten (333-329). Die gröbsten Abweichungen entstanden, weil er semitisches Vokabular erwartete, wo Mittelindisches geschrieben stand. Jedes maharajasa wurde bei ihm zu maLakao. + Im letzten Jahr seines Wirkens publizierte Prinsep dann erheblich verbesserte Lesungen der Münzaufschriften, wobei er von einer "discovery of the Bactrian alphabet" sprach (1838d). Er hatte erkannt, daß er zuvor das sa völlig falsch verstanden hatte. Mit der Erkenntnis, daß das "Pali" weitaus großräumiger verbreitet war, als zuvor angenommen, erklärte er nun alle Texte auf der Basis des Mittelindischen. Im s,elben Jahr stellte auch Chr. Lassen seine Lesungen vor. Die Tabelle zeigt, wie die Zeichen
Vom Schicksal der Kharo~thI
von beiden Forschern interpretiert wurden, wobei dem echten Lautwert, z.B. KHA, zuerst die Deutung von Prinsep (639/128; z.B. =khat), dann die von Lassen (155f.; z.B. o/kha) folgt. Durch die große Ähnlichkeit mancher Zeichen wurden Varianten auch unterschiedlich gedeutet, so daß ' einem a~ara mehrere Lesungen entsprechen können: A =a/KA=ka/ka CA= TA= TA=ta,da,va/ta PA = pa/pa YA=ya/ya SA=da,sa/o
I = i/-
KHA = kha/kha CHA= THA= THA= PHA=-/f RA =ra/ra SA =~a/sa
U =u/i GA = pha,fa/u JA=ja/ja
E =e/GHA=gha/JHA=
0= NA= NA=
DA=da/dha BA= LA = la/la
DHA = dha,tta,tha/va NA = na/na BHA= MA=ma/ma VA =-/da,~a HA =ha
~A=sa/sa
+ Sowohl Prinsep wie Lassen hatten das Prinzip der medialen Vokalisation durchaus begriffen und richtig gedeutet (P.: 640/129; L.: 157). Prinsep machte nur den Fehler, ein langes -ä zu erwarten. Lassen dagegen hielt das sa für 0 und mußte deshalb annehmen, einige Vokale seien nicht nur in initialer Position, sondern auch im Innern eines Wortes in ihrer vollen Form geschrieben geworden (156). Beide Autoren leiteten den Charakter der Kharo~thI aus der Brähmi ab. + Der große Druchbruch gelang E. Norris, als er 1845 Abschriften und Abklatsche aus ShähbazgarhI, damals noch Kapur-di-Giri genannt, zu entziffern versuchte. Er entdeckte drei Zeichen, die immer wieder in derselben Reihenfolge erschienen und konnte sie mit dem, was Prinsep und Lassen mit Hilfe der "Münz-Schrift" herausgefunden hatten, als piyasa lesen. Unmittelbar davor machte er eine weitere Sequenz von drei Zeichen aus, die für devana stehen konnte. Mit seiner Entdeckung wandte er sich an J. Dowson, der den untersuchten Text als das 7. Felsenedikt ASokas identifizierte (303). Daraufhin verglich Norris die beiden damals bekannten Parallelen aus Girnär und Dhaull in alle~ Details mit seinem Text und stellte fest, daß seine noch namenlose Schrift sowohl" three very distinct sibilants" als auch "cerebral letters" enthielt (305). In einer Auflistung der a~aras (Tafel "The Alphabet", gg. S. 303) fehlten nur noch gha, jha und einige Ligaturen. Er hegte Zweifel an seinen Zuordnungen (307), doch waren diese unbegründet. Mit seiner Interpretation von {h 'a [L;] als tha war er nicht weit von dem Lautwert stha entfernt, den nach ihm Boyer (1911) und Brough (1962) dem Zeichen zuordnen sollten. E. Thomas stellte 1858 die Forschungen Prinseps gesammelt vor, doch ist es ohne Vergleich mit den originalen Publikationen schwer, zwischen Prinseps Worten und den Kommentaren von Thomas oder anderer, zitierter Autoritäten zu unterscheiden. Dem Artikel über die "discovery of the Bactrian alphabet" von Prinsep ließ Thomas eine "review" aus seiner Feder folgen (Il, 144-166). Hier nun sindgha (149) undjha (150, pI.
XI) definitiv erkannt, dagegen wurden {a als (ha, {ha als tha und (h 'a als sta interpretiert. + J. Dowson stellte 1863 alle Kharo~thI-Dokumente, außer den numismatischen, zusammen und überprüfte die bislang gebotenen Lesungen. Sein groß angelegter Vergleich führte zu. einer Reihe von Verbesserungen. Er erkannte den besonderen Lautwert von (h'a und dessen Verbindung zu Skt sta und stha; Deshalb transkribierte er das Zeichen mit tt und tth (223)'. Auch iqa, bislang für ca gehalten, wurde als "representaii~e of the Sanskrit kih" (228) erkannt, allerdings immer noch als eha ("ehh") transkribiert (228, 266). Daneben konnte Dowson eine Reihe von Ligaturen (pI. IV fig. 8) und das Zahlensystem (234ff, s.u. § 7) erklären. E.J. Rapson stellte 1905 erstmals einige Eigenarten der Kharo~thI aus Zentralasien vor, die mediales ä und r sowie velares 1i (216) und Gemination kannte (220). + Eine wichtige Erkenntnis publizierte A.-M. Boyer 1911. Er konnte eine Vermutung Rapsons (1905, 216f.), daß die Varianten eha [~] und eh 'a [y] unterschiedliche Laute repräsentieren, klären. Schon bei ASoka sind beide Zeichen belegt. Boyer zeigte, daß das erste immer da zu finden ist, wo dem Laut im Sanskrit ein eha entspricht; zur zweiten Form ohne Querstrich gehört ein Sanskrit-Äquivalent ~a (423). Etwas zögernd stellte er eine zweite Beobachtung vor: Auch retroflexes (ha erscheint in zwei Formen,:; ("tha") und I.:f ("th'a"), wobei der erste Laut Sanskrit ~{a oder ~{ha entspricht, der zweite hingegen Skt. stha (429 Anm.). + E. Senart untersuchte 1914 die Urne von Wardak auf der Basis der Orthographie der Dokumente von Niya. Dort findet sich z.B. die Ligatur sya an Stellen, die einem Skt. sya entsprechen, aber auch dort, wo in der Hochsprache nichts als ein sa anzusetzen ist (571). Dasselbe Phänomen tritt auch bei den Ligaturen tra, gra oder kra auf, die auch da anzutreffen sind, wo eigentlich nur ein ta, ga oder ka zu lesen sein dürfte. Senart lehnte es deshalb ab, die Unterschiede auf der Ebene der Phonetik anzusiedeln und sprach von "doublets purement graphiques" (573). + 1920 untersuchte R.D. Banerji, ob man die Kharo~thI von ASoka bis zu den Ku~äl}.as in Entwicklungsstufen einteilen könnte, so wie dies zuerst Bühler (1896a, 25 § 10) vorgeschlagen hatte. Mit einer genauen Untersuchung sämtlicher Zeichen aller alten Quellen konnte er Bühlers Einteilung bestätigen. Banerji muß eine äußert detaillierte Vergleichs tafel angefertigt haben, die, obwohl von der Schriftleitung versprochen (219 Anm. 2), nie veröffentlicht wurde. Er erkannte, daß die Datierungen in den Inschriften mit der paläographischen Entwicklung nicht übereinstimmen, weshalb er gegen J.F. Fleet zurecht auf das Vorhandensein mehrerer Chronologien zur selben Zeit im selben Raum schloß (217). + In seiner Ausgabe der Edikte ASokas verwies E. Hultzsch 1925 auf die Beobachtungen Boyers und transliterierte dessen eh 'a mit ~a, ohne damit jedoch ausdrücken zu wollen, "that it was actually pronounced like that" (55 Anm. 5).
erkennen läßt und die Frage nach den Lautwerten 'offenbleiben muß. Er hielt es aber für möglich, "to consider that in origin at least the three signs sta, th'a and {ha were intended to express [sta], [stha], and [~ta] respectively" (76f.). Zur Klärung 'anderer Zeichen, wie tsa bzw. tsa, die für unser Anliegen allerdings nicht relevant sind, s. auch S. Konow 1930/32.
St. Konow erkannte 1924 einen Unterschied zwischen zwei Formen des ga in der zentralasiatischen KharosthI und betrachtete das früher mit eh 'a transkribierte Zeichen als deutli~hes k~a, weil es vor allem in der Vokabel bhiehu bzw. bhi~u mit dem eindeutigen eha wechselt (1902q). + 1929 erschien das Korpus der Kharo~thI-lnschriften, mit Ausnahme jener ASokas, bearbeitet von S. Konow. Eine Karte zeigt die Fundstätten, mit einer Konzentration am rechten Oberlauf des Indus, oberhalb Peshawars. Eine Einleitung behandelt die politischen Hintergründe der Kharo~thI-Texte (xiii-lxxxii), ein Kapitel ist der Entwicklung der Zeichen gewidmet (cxxi-cxxvi), ohne nach Banerji (1920) Neues zu bieten. Eine lange Abhandlung über die chronologischen Hintergründe der Inschriften (lxxxii-xciv) wurde in der Besprechung durch E.J. Rapson 1930a heftig, angegriffen (191-202). In seiner gründlichen Darstellung der Kharo~thI der zentralasiatischen Dokumente erkannte EJ. Rapson 1930b die Deutungen Konows für ~a (320) und Boyers für {ha und {h'a an (304). Obwohl lange Vokale, si.lbisches T, Doppelkonsonanz, visarga und viräma erst unter den Ku~äl).as eIngeführt zu sein scheinen, glaubte Rapson die Striche für lange Vokale am Fuß der Zeichen auch schon bei Asoka erkennen zu können (299 Anm.1). 1937 ging T. Burrow wieder auf das Material aus Chinesisch Turkestan ein. Ein ~a sah er dort durch eh 'a vertreten, wobei ihm nicht klar war, ob dieses Zeichen lautlich nicht doch ~a wiedergab. Ein Argument gegen diese Möglichkeit. sah er im Vorhandensein eines echten, in der Form abweichenden ~a in den Saka-Dokumenten (19). Die umfangreichste Darstellung der Entwicklung der Kharo~thI wurde 1958, nach Vorarbeiten von 1950 und 1952, von C.C. Das Gupta vorgelegt und von J. Brough 1959 treffend beschrieben: "The marvel is that an eye so inaccurate should ever have contemplated the exacting study of palaeography" (593b). Brough warnte davor, die Tafeln Das Guptas ungeprüft heranzuziehen: "As a palaeographical study, which it claims to be, it is without value" (593a; vgl. A.H. Dani, 1960). Für die Kharo~thI der ältesten Zeit ist nur die Klärung des Laut• wertes der Zeichengruppen eha und k~a und tha und th 'a wichtig. Alle anderen abweichenden Formen erscheinen erst mehr als hundert Jahre n~ch ~oka. Nach Konows und Rapsons Arbeiten wurde am l~a prinzipIell nIcht mehr gezweifelt. Nur H.W.Bail~y kam 1943/46 über zentralasiatische Ausnahmen zum Schluß: "Between ~ and eha, a sound {~, t~' (h) would satisfy the evidence, the tongue being brought from k to f but not as far as (" (774). J. Brough schloß sich dem 1962 nicht an (72f.). Schwieriger ist die Lage bei tha und fh 'a. St. Konow wollte 1943 die Zeichen als Vertreter von!{a und !{ha erklären (69), während H.W. Bailey 1949/51 ~fa und {ha ansetzte (398 Anm. 1). J. Brough zeigte 1962, daß ein Vergleich aller Quellen, in den Edikten ASokas, im Gändhärldhammapada und in anderen zentralasiatischen Texten kein einheitliches System
5.5. Anmerkungen Die enge Verwandtschaft zwischen der aramäischen Schrift und der Kharo~thI ist schon lange unbestritten. Grundsätzlich zu klären bleibt nur, ob die jüngere Schrift als Produkt einer natürlichen Weiterentwicklung anzusehen ist, oder als spontane Neuschöpfung. Gegen eine jahrhundertelange Entwicklung spricht allein die Tatsache, daß keinerlei Zwischenformen einer Übergangszeit belegt sind. Die Kharo~thI erscheint etwa um die Zeit ASokas; jede Annahme eines hohen Alters ist rein spekulativ. Nur A.H. Dani hatte sich für eine spontane Neuschöpfung ausgesprochen. Er lokalisierte die Entstehung in den Kreisen der "Aramaic knowing Satraps". Diese Annahme kann aber nicht erklären, warum es Zeichen gibt, die in der aramäischen Schrift wie in der Kharo~thI erscheinen, aber völlig andere Laute repräsentieren. Ein? bezeichnet das peth im Semitischen, aber den Vokal a in der Kharo~thI; ein h steht für tau in der aramäischen Schrift und für pa in der Kharo~thI, ein ~ repräsentiert das velare qof im Semitischen, und ein sa in der Kharo~thI. Welcher Schreiber würde, wenn er illiteraten Völkern eine Schrift entwickeln müßte, unser "M" als Zeichen verwenden, aber ihm den Lautwert "k" geben? Andererseits gibt es einige Zeichen, die sicher nicht zufällig in beiden Schriften etwa dieselben Laute vertreten: ein 1\ ist sowohl yot wie ya, ein" ist waw und va,"" ist beth und ba. Wir stehen also vor dem Phänomen, daß der Entwickler der Kharo~thI mit Sicherheit die aramäische Schrift kannte, andererseits sich so verhielt, wie sich nie ein aramäischer Schreiber verhalten hätte, indem er alten Zeichen neue Lautwerte gab. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich unter der Annahme, daß jemand die Kharo~thI entwickelt hat, dem man zwar einmal die Funktionsweise und die Lautwerte der aramäischen Zeichen erklärt hatte, der sich die Erklärungen aber nur teilweise richtig merkte und deshalb später einige Zeichen neu bewertete und andere neu entwarf. Nur ein Entwickler ohne profunde Kenntnis der aramäischen Schrift würde so großzügig mit dem Vorbild umgehen. Kein berufsmäßiger Schreiber, in jahrelanger Übung an die Winkelzüge der aramäischen Transliteration gewohnt, hätte sich so vollständig vom Erlernten lösen können. Eine derartige spontane Entwicklung auf der Basis von Halbwissen wäre nicht singulär. Die Entwicklung des proto-sinaitischen Alphabets ergab sich nach M. Lidzbarski (1926, 1434) oder B. Sass (1988, 143) beim
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Zusammentreffen ägyptischer, Hieroglyphen benutzender Bergbaufachleute im Sinai mit Kollegen aus Canaan. Die Bilderschrift der Ägypter regte zu formaler Übernahme an. Die Lautwerte auch der einfachsten Zeichen sind nur in Ausnahmefällen identisch, die Struktur der S~hrift dagegen wurde völlig reformiert. 1 Wenn die vorgeschlagene Entwicklung richtig sein sollte, muß die Kharo~thI zu einer Zeit entstanden sein, da das Monopol der aramäischen Schreiber zu zerbrechen begann. Die Weitergabe des Berufsgeheimnisses an Außenstehende und die Bereitwilligkeit herrschender Kreise, das neue System anzuwenden, lassen an jene Jahre nach dem Fall der Achämeniden denken, da die Griechen die kulturelle und politische Landschaft am . Indus entscheidend umgestalteten. Damit kämen als Zeit für die Entstehung der Kharo~thI nur die Jahre nach 325 v.Chr. in Frage. Als Entstehungsort bietet sich, auf der Basis der ältesten erhaltenen Inschriften, die Gegend um Taxila an. An der Priorität der Kharo~thI gegenüber der BrähmI kann heute kein Zweifel mehr bestehen: die Kharo~thI wurde geschaffen unter dem Eindruck, daß "Schrift" auszusehen habe wie die damals dort übliche Schrift par excellence, die aramäische. Der Duktus wurde bis in Einzelheiten kopiert, was sicher nicht geschehen wäre, wenn die griechische Schrift oder die BrähmI schon seit geraumer Zeit die Vorstellungen vom Äußeren einer Schrift hätten verändern können. Die BrähmI ist hinsichtlich der Vokalisation perfekter als die Kharo~thI, indem sie zwischen kurzen und langen Vokalen unterscheidet. Der Schöpfer der Kharo~thI war ebenfalls an Präzision interessiert, wie die beiden Zeichen für k~a [Y] und th 'a [L;] zeigen, die in der BrähmI keinerlei Entsprechung haben. Der Sprung von einer vokallosen Schrift hin zu vokalisierten Konsonantenzeichen war, für die Zeit und unter den gegebenen Umständen, revolutionär. Eine Anleihe bei der BrähmI hätte sicher die Unterscheidung bezüglich der Vokalquantität eingeschlossen. Umgekehrt war es nicht so schwierig für die Schöpfer der BrähmI, die wahrscheinlich (s.o. Rapson 1930) undifferenzierte Vokalisation der KharosthI zu verbessern. Ö'ie Diskussion um die Lautwerte von {h'a oder Iqa berücksichtigte bislang wenig eine Eigenart der zentralasiatische Kharo~thI. Wie Senart 1914 gezeigt hat, finden sich graphische Varianten, deren Lautwert identisch sein müßte. Senart erklärte nicht die Entstehung dieser Varianten, doch läßt sich eine Begründung leicht finden: Komplexere Zeichen, wie etwa sya oder tra, wurden zuerst von Kennern des Sanskrit da geschrieben, wo sie historisch gerechtfertigt waren, etwa in maregasya oder putra-. Da aber die Umgangssprache nach wie vor das schlichte -ssa oder puttabevorzugte, wurden die Sonderzeichen in ausgewählten Formen und Termini in der Schrift beibehalten, obwohl die Aussprache unter jenen, 1 Für einen schnellen Überblick vgl. Maurice Sznycer, "Les inscriptions protosinai:tiques", Jean Leclant, Le dechiffrement des ecritures et des langues. Paris 1975, 85-93 .
die im Sanskrit weniger bewandert waren, eine ganz andere war. Wenn nun dieser Konvention folgend putrasya geschrieben, aber "puttassa" gesprochen wurde, konnten in kürzester Zeit die Zeichen sya oder tra bei einigen weniger gebildeten Schreibern den Lautwert "sa" und "ta" annehmen, womit sie mit den unlegierten Grundformen austauschbar wurden. Diese Unsicherheit über den Lautwert, den einzelne Schreiber den komplexeren Formen gegeben haben mochten, erklärt, warum bis in jüngste Zeit hinein (s.o. Konow 1943, Bailey 1949/51, Brough 1962) keine Einigkeit über diese Sonderformen zu erzielen war. Auch T. Burrow brachte 1937 Beispiele vor, wo z.B. ein ya in Sanskrit-Formen erhalten blieb (asya), von wo es dann in andere Vokabeln eindringen konnte, wo es historisch nicht gerechtfertigt ist (z.B. priyadar§yanasa)
Zum Namen der BrähmI
6. Die BräbmI 6.1. Zum Namen der BräbmI
+ Bis 1886/87 wurde die BrähmI mit sehr unterschiedlichen Namen belegt. Nach den Säulenedikten Asokas hieß sie zuerst "La!,'-Schrift, später "Ashokan" oder "southern Ashokan script", "Indian", "South Indian", "Indo-Pali", "cave characters" und anders. Im schon erwähnten Aufsatz von 1882 hatte Gabriel Deveria, unter dem Pseudonym T. Choutze, auf einen chinesischen Text aufmerksam gemacht, der eine linksläufige Schrift des indischen Kulturraumes von einer rechtsläufigen unterschied, die "Fan ou Deva" geschaffen hatte namens "l'ecriture du deI de Brahma (brahmaloka) qui se propagea dans l'Inde" (158). (A.E.) Terrien de Lacouperie ließ sich 1886/87 von Choutze inspirieren und benutzte einige seiner Quellen, z.B. eine chinesische Enzyklopädie von 668 n.Chr. Ohne seinen Vorgänger zu zitieren bewies er mit Hilfe der chinesischen Übersetzungen des Lalitavistara, daß der Kharo~thI eine Schrift gegenübersteht, die auf Fan, also Brahma, zurückgehen soll und die im Sanskrit-Text als "Brahmi" auftaucht. Georg Bühler gebrauchte deshalb 1895(a, passim) noch die Form "Brähma ", gestand aber Terrien de Lacouperie die Entdeckung des Wortes zu (22). Einen ersten Versuch der Deutung des Namens unternahm K.P. Jayaswal 1920: "As the name BrähmI, 'complete', indicates, it seems that a scanty system was adopted and completed" (192). Diese Umwandlung des "scanty system" in das "completed system" fand seiner Ansicht nach um 1500 v.Chr. statt (s.u. §§ 6.3.7 und 6.3.7.1). 1923 glaubte A.C. Das, der Name der BrähmI ginge auf ihre ursprüngliche Verwendung zur Niederschrift der Veden, "which were known as ,,Brahma" (180), zurück. J. Charpentier führte 1928 die BrähmI auf eine. südarabische Schrift zurück, die ein Brahmane namens Pu~karasädi um 400 v.Chr. indischen Bedürfnissen angepaßt haben soll. Da Pu~karasädi einige Jahrhunderte später nicht mehr als Eigenname verstanden wurde, interpretierte man ihn als Epiteton, "Lotus-Sitzer", verstand darunter Brahmä und taufte eine alte pa~karasädilipi in brähmilipi um (347f.). J. Filliozat folgte ihm darin 1953 (667). R.B. Pandeys spekulierte 1957: "As its very name suggests the Brähmt script was invented by the Indo-Aryans for the preservation of 'Brähma' or Veda and was originally and mainly employed by the Brähma:Q.as, whose duty it was to conserve the Vedic literature and to hand it down to the succeeding generations by writing and copying the texts" (35). A.H. Dani sagte 1963 nur, der Name BrähmI "has been applied to the first script, as all creation, according to the Indian conception, is from
Brahmä" (2). Ganz ähnlich äußerte sich D.C. Sircar 1970/71 (111). + T. Venkatacharya zitierte 1965 aus dem damals noch unpublizierten Buddhacaritam aus dem Vinaya der Mülasarvästivädins. Darin heißt es, der Bodhisattva hätte die Schrift mit brahmasvara vorgelesen. Mehr noch, er erhielt sie einst von Brahman, weshalb sie als die brähmilipi bekannt Wurde.! Venkatacharya nahm wie Pandey an, die betreffende Schrift sei "originally devised to represent the sounds of the Vedas (hence brähmi from brahma)" (307). Doch zeigt sein Text nur, daß die Buddhisten in den ersten Jahrhunderten n.Chr. versuchten, den Buddha mit einem schon feststehenden Namen der Schrift in Verbindung zu bringen. + S. Sankaranarayanan wies 1979 auf Patafijali zu Pä:Q.ini 6.4,171, brähmo 'iätau, hin, der zwar von einer brähmy o~adhilJ.. (233:25) spricht, die Schrift gleichen Namens jedoch nicht erwähnt. Hieraus zog er den Schluß, daß nur Nichtbrahmanen diesen Namen benutzten, und nicht etwa die Bewahrer dieser Schrift, die Brahmanen, selbst. 6.1.1. Anmerkungen Wir kennen keinen anderen Namen der BrähmI. Die Ableitung von brahman ist naheliegend und die einzige, die uns aus dem Altertum bezeugt ist. Die Chinesen sprechen von fan als ihrem Schöpfer ebenso wie
Al-BlfÜnI (I, 172), der als Mittler der göttlichen Inspiration zusätzlich von Vyasa, einem Sohn Parasaras, erfuhr. Dennoch ist diese Ableitung nicht befriedigend, weil die frühesten Zeugnisse aus Kreisen stammen, für die Brahman bei weitem nicht dieselbe Rolle spielte wie für die Brahmanen. Ein Buddhist würde die Schrift seiner Gemeinschaft sicher nicht nach einer Gottheit der Orthodoxie benannt haben. Erst ab etwa 120 v.Chr. finden sich Inschriften brahmanischer Herrscher, und erst ab dieser Zeit ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die BrähmI auch so bezeichnet wurde. Bei der Diskussion um den Namen wurde bislang übersehen, daß es offenbar die Vorstellung gab, eine spezielle Schrift sei die graphische Repräsentation einer ganz gewissen Sprache. Eine Ausnahme machte nur G. Fussman, der 1988/89 über die Verbindung von BrähmI und Sanskrit sagte: "le lien entre ecriture et langue etait senti comme indissoluble" (514). Dies gilt auch für die früheste Zeit der Schriftlichkeit im Westen Indiens: J. Allen zeigte 1936, daß bei bigraph beschriebenen Münzen immer auch Sprachunterschiede festzustellen sind. Einem raffia in BrähmI entspricht auf der Rückseite raiia in Kharo~thI, negamä steht hinter nekame, agathuklayasa neben akathukrayasa in Kharo~thI (cxxix §150). 1 bralunalJä ca gaganatalasthena Sälqya1!l dattam,' brähm'flipir brähm'flipir iti saf!ljiiä sa1!lv,rttä. Inzwischen publiziert in Raniero Gnoli & T. Venkatacharya (Hgg.), The Gilgit Manuscript 0/ the Sanghabhedavastu, Part I (SOR, 49,1). Rom 1977,58:15.
Die BrähmI
Wir müssen also damit rechnen, daß eine brähmf lipi nichts anderes bedeutete als die Verschriftlichung einer brähmf väc. Mit einer brähmf Sprache kann natürlich nur korrektes Sanskrit gemeint sein. In einer Reihe von Synonyma lesen wir im Amarakosa 1.6, lab: brähmt tu bhäratf bh~ä gfr väg väIJf sarasvatf. Von der Sprache ist auch Mbh 12.181,15 die Rede: varfJiiS catvära ete hi ye~älfl brähmf sarasvatf, vihitä brahmaIJä pürvalfllobhäd ajiiänatälfl gatälJ.
"Denn diese vier Stände, die im Besitz der göttlichen Sprache waren, wurden, nachdem sie aus Gier in Unwissenheit gefallen waren, vor.Zeiten von Brahman (als die vier Stände) aufgeteilt." Die Verbindung von Schrift und Sprache geht auch aus dem Pa1)1}.avat;läsutta (Pat;lt;l 38, § 107) der Jainas hervor: se kilfl talfl bhäsärfyä. bhäsärfyä je IJalfl addhamägahäe bhäsäe bhäsalflti. jattha vi ya IJalfl balflbhf Zivf pavattai', "Was sind denn diese Arier der Sprache nach? Arier der
Sprache nach sind die, die sich in der ArdhamägadhI-Sprache ausdrücken; und auch, wo die BrähmI Schrift verbreitet ist." Unklar bleibt, ob der zweite Satz ursprünglich eine zusätzliche Bedingung für die bhäsäriyä darstellte, oder ob damit der Kreis erweitert werden sollte. Da auf diese Aussage eine Liste von 18 Unterteilungen der BrähmI folgt, die sowohl die Schrift der Griechen (an 2. Stelle javaIJä1fyä) wie auch die Kharo~thI (3. kharofti, v.I. kharotthi) enthält, ist davon auszugehen, daß zumindest der letzte Redaktor auch andere Sprachen als die ArdhamägadhI und andere Schr~.ften außer der BrähmI als ehrwürdig erachtete. Eine Ubertragung des Attributs brähmf von einer Sprache auf die Schrift kann natürlich erst stattgefunden haben, als man anfing, mit der heute so genannten BrähmI Sanskrit zu fixieren. Auch wenn zaghafte Anfänge schon im ersten Jh. v.Chr. zu entdecken sind, so erscheint eine ausgereifte Sanskritorthographie erst Mitte des 2. Jh.n.Chr. Es ist nicht anzunehmen, daß die Termini KharosthI und BrähmI in sehr großem Abstand voneinander geprägt wurden, de~ nur die Abgrenzung der einen von der anderen Schrift erfordert eine spezielle Benennung. Falls Humbach (s.o. S. 89f.) Recht haben sollte, kann der Name der Kharo~thI nicht vor und nicht lange nach der Zeit des ~atrapas Kharaosta entstanden sein, also etwa um oder kurz nach der Zeitenwende. In dieselbe Zeit fallen die ersten Texte, die das Lautspektrum des Sanskrit wiederzugeben sich bemühen. So erscheint der Beginn des ersten Jahrhunderts n.Chr. als der wahrscheinlichste Zeitraum für die Entstehung der beiden Namen.
6.2 Das Verbreitungsgebiet Die BrähmI erscheint von Anfang an im gesamten Herrschaftsbereich ASokas, mit Ausnahme jener Gebiete im Nordwesten, wo die KharosthI oder die aramäische Schrift in Gebrauch waren. Die frühesten Bel~ge westlich und nördlich dieser Grenzen stammen aus den Regionen der Indogriechen im 9sten und Norden Afghanistans (s.u. § 8.2). Der Nachprüfung bedarf J.E. Abbotts Hinweis auf alte BrähmI-alqaras, angeblich aus dem 1. oder 2. Jh. v.Chr., auf Quadern in Zainu-I-äbidin's Grabmal in Srinagar (vgI. A. Cunningham, JRAS Bengal, 1848, 24lff.). Alte BrähmI gelangte offenbar vor allem an die Westküste Afrikas. In Quseir al-Qadim in Ägypten am Roten Meer bestand im 1./2. Jh. n.Chr. ein Quartier südindischer Händler. In Tamil-BrähmI beschriebene Scherben wurden von D.S. Whitcomb veröffentlicht und 1991 mit weiterem Material von R. Salomon besprochen (734f.). Was Salomon mit I. Mahadevan als jüngere Tamil-BrähmI ansah, könnte im Lichte neuerer Ausgrabungen auch die ältere Variante sein (s.u. S. 201). Unbeachtet blieb bei Salomon ein Siegelabdruck aus Adulis, dem heutigen Zula südlich Mitsiwa (Massawa) am Roten Meer, den E. Littmann 1926 veröffentlichte (410).
6.3. Theorien zum Ursprung der BrähmI 6.3.1. Beziehungen der BrähmI zur griechischen Schrift ~839 beri~htete J. Tod vom "first Englishman who saw the pillar [ASokas] In the anclent palace of Feroz". 50 Jahre vor Tods Zeit glaubte dieser Ungenannte "a record of Alexander over Porus" vor sich zu haben (372). Auch Tod kamen einige der alten Zeichen "decidedly Grecian" vor: "The philologist will remark the number of letters which resemble the more ancient Greek and Celto-Etruscan characters" (371). J. Prinsep konnte 1837(a) erste Erfolge verzeichnen bei der Entzifferung der Münzaufschriften der ~atrapas von Saurä~tra aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. Er suchte die Zeichen auf der Basis griechischer Parallelen zu erklären, denn ihm schien: "the oldest Greek (that written like the Phrenician from right to left) was nothing more than Sanskrit turned topsy turvy" (390). Der Schluß ist bei einigen Zeichen der jüngeren BrähmI durchaus naheliegend, etwa beim eckigen, symmetrischen pa, beim i mit Strich und zwei Punkten oder beim tha. Prinsep erklärte sich die Ähnlichkeit über die Verwandtschaft der Sprachen und glaubte, die Griechen hätten sich wohl nicht von ihren Sanskrit sprechenden Brüdern nach Westen abgesetzt "wi.~hout carrying away some germs of the art of writing" (391). + Diese Ahnlichkeit wurde im Prinzip von K.O. Müller 1838 anerkannt, doch erklärte er sie - falls nicht einfach eine gemeinsame Abstammung vom phönizischen Alphabet vorliege - genau andersherum: "daß es
die Griechen gewesen, welche dies Alphabet den Indern zugebracht haben, und folglich die Götterschrift der Brahminen nicht älter als Alexander ist" (252). Chr. Lassen wies im selben Jahr die These Müllers zuriick mit dem Argument, die Ähnlichkeit sei gar nicht so groß, zudem sei die "Göherschrift" (= BrähmI) viel früher belegt als jede andere Schriftform in Indien> und drittens bräuchte Müller für seine Sicht der Dinge den N achweis einer Zwischenform zwischen griechischem und BrähmI-Alphabet (168ff.). K.O. Müller relativierte 1839 seine frühere Aussage: Es gibt Übereinstimmungen bei ga, {ha und dha und den alten Phonogrammen für gamma, theta und delta (314). Daß diese Übereinstimmung zufällig sein soll, "ist schwer zu glauben" (315). Er nahm nun an, die Urform der phönizischen Zeichen habe sich in den griechischen besser erhalten als in ihren eigenen, lokalen Nachkommen. Zusammen mit Übereinstimmungen beim pa ("auf den Kopf gestellt") und sa glaubte er Hinweise gefunden zu haben, wie diese Zeichen "aus ihrer Phönicischen Gestalt hervor gegangen seyn könnten" (316). + Th. Benfey hielt 1840 jede Erörterung einer Beziehung zwischen BrähmI und der Griechischen Schrift für "überflüssig" und sprach wie schon Müller von der Phönizischen Schrift als der "gemeinschaftlichen Mutter" (254) der beiden Systeme. I. Taylor sah 1883 ein Argument gegen einen Einfluß der griechischen Schrift schlicht darin, daß die Inder nicht die griechische Schrift selbst benutzten. Wenn sie nämlich nicht schon eine andere Schrift vor der Zeit Candraguptas besessen hätten, wären sie durch die Botschafter und Heiratsbeziehungen darauf gekommen, das System der Griechen zu übernehmen (317 Anm. 2). + Ab 1883 betonte J. Halevy (1884a = Cust 1884a) immer wieder die Rolle der Griechen bei der Ausformung der BrähmI. Zuerst, 1883 (117f.), stellte er dha [D] mit A zusammen, tha [(:)] mit 8, ga [1\] mit r, na [1.] mit N, ba [0] mit B. Auch die initialen Vokale leitete er aus dem griechischen alpha ab (118). H. Kern (1884) machte in der Diskussion über Halevys Vortrag dagegen geltend, Einflüsse der griechischen Schrift seien höchstens dort zu erwarten, wo Griechen tatsächlich wohnten, also im Verbreitungsgebiet der Kharo~thI (vgl. den Brief Kerns bei Cust 1884b, 341). 1895(a) fügte Halevy den Gleichungen noch va [0] aus phi (
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 §7
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 § 107
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