Source: http://www.vatican.va/holy_father/paul_vi/apost_constitutions/documents/hf_p-vi_apc_19690403_missale-romanum_ge.html
Timestamp: 2014-09-23 12:26:37+00:00

Document:
Apostolische Konsitution Missale romanum, 3. April 1969
EINF�HRUNG DES GEM�SS BESCHLUSS DES ZWEITEN VATIKANISCHEN KONZILS ERNEUERTEN R�MISCHEN MESSBUCHES
ZUM IMMERW�HRENDEN GED�CHTNIS
Das R�mische Me�buch, auf Grund eines Beschlusses des Konzils von Trient von Unserem Vorg�nger, dem heiligen Pius V., im Jahre 1570 herausgegeben
(Vgl. Apostolische Konstitution Quo primum vom 14.7.1570.), geh�rt nach allgemeinem Urteil zu den vielen und segensreichen Ergebnissen, die dieses Konzil f�r die gesamte Kirche Christi zeitigte. Vier Jahrhunderte lang haben Priester des lateinischen Ritus sich seiner als Norm zur Feier des eucharistischen Opfers bedient, und Glaubensboten haben es in fast alle L�nder gebracht. Zahllose heilige Menschen haben f�r ihr geistliches Leben aus seinen Schriftlesungen und Gebeten in reichem Ma� wertvolle Anregungen gesch�pft, aus jenen Texten also, deren Ordnung im wesentlichen auf Gregor den Gro�en zur�ckgeht. Seit geraumer Zeit hat sich nun aber im christlichen Volk eine liturgische Erneuerung in steigendem Ma�e entfaltet, die nach einem Wort Unseres Vorg�ngers Pius XII. als Walten der Vorsehung Gottes gegen�ber den Menschen unserer Zeit und als gnadenvolles Wirken des Heiligen Geistes in seiner Kirche
(Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des Internationalen Pastoralliturgischen Kongresses zu Assisi am 22.9.1956: AAS 48 (1956), S.712.) anzusehen ist. Diese Erneuerungsbewegung hat weithin deutlich werden lassen, da� die Texte des R�mischen Me�buches einer �berarbeitung und Erweiterung bed�rfen. Einen Anfang machte Unser Vorg�nger Pius XII. durch die Neuordnung der Osternacht und der Karwoche (Vgl. Ritenkongregation, Dekret Dominicae Resurrectionis vom 9.2.1951:
AAS 43 (1951), S.128 ff.; Dekret Maxima redemptionis nostrae mysteria vom 16.11.1955: AAS 47 (1955), S.838 ff.), womit er gleichsam den ersten Schritt tat, um das R�mische Me�buch dem Empfinden unserer Zeit anzupassen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat mit der Konstitution
Sacrosanctum Concilium die Grundlage f�r eine allgemeine Erneuerung des R�mischen Me�buches gelegt. Nach seinen Bestimmungen sollen Texte und Riten so geordnet werden, da� sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen (II. Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution
Sacrosanctum Concilium Art. 21.); Der Me�ordo soll so �berarbeitet werden, da� der eigentliche Sinn der einzelnen Teile und ihr wechselseitiger Zusammenhang deutlicher hervortreten und die fromme und t�tige Teilnahme der Gl�ubigen erleichtert wird. (Vgl. ebd. Art. 50.) Damit den Gl�ubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden. (Vgl. ebd. Art. 51.) Ferner beschlo� das Konzil, da� ein neuer Konzelebrationsritus geschaffen und in das R�mische Pontifikale und Missale eingef�gt werde. (Vgl. ebd. Art. 57.) Diese Erneuerung des R�mischen Me�buches ist jedoch nicht pl�tzlich und unvorbereitet gekommen. Ihr haben die Ergebnisse der liturgiewissenschaftlichen Arbeiten w�hrend der letzten vier Jahrhunderte den Weg bereitet. Wie aus der Apostolischen Konstitution Quo primum Unseres Vorg�ngers, des heiligen Pius V., hervorgeht, hatten schon nach dem Konzil von Trient zur Revision des R�mischen Me�buches das Studium und der Vergleich der alten Handschriften, die sich in der Vatikanischen Bibliothek befanden oder die von �berall her hinzugezogen wurden, nicht wenig beigetragen. Inzwischen sind sowohl �lteste liturgische Quellen neu erschlossen und ver�ffentlicht wie auch Texte der Ostkirchen eingehender untersucht worden. Es ergab sich bei vielen der Wunsch, die dort vorhandenen Reicht�mer des Glaubens und der Fr�mmigkeit nicht l�nger im Dunkel der Bibliotheken verborgen zu halten, sondern ans Licht zu bringen, um Herz und Sinn der Christen zu erleuchten und zu n�hren. Wir m�chten im folgenden die Neuordnung des R�mischen Me�buches wenigstens in den Grundz�gen beschreiben. Zun�chst sei die Allgemeine Einf�hrung erw�hnt, die gleichsam die Einleitung des Buches bildet. In ihr werden die neuen Richtlinien f�r die Feier des eucharistischen Opfers dargelegt, die sich auf die Handlungen und Dienste eines jeden Teilnehmers sowie auf alles, was zur heiligen Feier sachlich und r�umlich notwendig ist, beziehen. Die bedeutendste Neuerung betrifft wohl das eucharistische Hochgebet. Zwar sind im r�mischen Ritus f�r den ersten Teil dieses Gebetes, die Pr�fation, im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Texte geschaffen worden; der zweite Teil hingegen, der Kanon genannt wurde, erhielt in der Zeit vom 4. zum 5. Jahrhundert eine unver�nderliche Form. Im Gegensatz hierzu lie�en die ostkirchlichen Liturgien eine gewisse Abwechslung von Anaphoren zu. Gem�� Unserer Anordnung ist nun das eucharistische Hochgebet durch eine gr��ere Anzahl von Pr�fationen bereichert worden, die teils der alten Tradition der r�mischen Kirche entnommen, teils neu verfa�t sind, um so die verschiedenen Aspekte des Heilsmysteriums deutlicher werden zu lassen und zahlreichere Motive der Danksagung anzuf�hren. Au�erdem haben Wir f�r das Hochgebet drei neue Texte hinzuf�gen lassen. Aus pastoralen Gr�nden und zur Erleichterung der Konzelebration haben Wir verf�gt, da� die Herrenworte in allen Fassungen des Kanons die gleichen seien. Wir bestimmen also, da� sie in jedem eucharistischen Hochgebet folgenderma�en lauten. �ber das Brot: „Nehmet und esset alle davon, das ist mein Leib, der f�r euch hingegeben wird.“ �ber den Kelch: „Nehmet und trinket alle daraus, das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das f�r euch und f�r alle vergossen wird zur Vergebung der S�nden. Tut dies zu meinem Ged�chtnis.“ Die vom Priester gesprochenen Worte „Geheimnis des Glaubens“ werden aus dem Kontext der Herrenworte gel�st und als Einleitung einer Akklamation der Gl�ubigen verwendet. Was den Ordo Missae betrifft, sind die Riten unter Wahrung ihrer Substanz einfacher geworden. (Vgl. II. Vatikanisches Konzil,
Sacrosanctum Concilium Art. 50.) Es entfiel, was im Laufe der Zeit verdoppelt oder weniger gl�cklich eingef�gt worden ist (Vgl. ebd. Art. 50.), vor allem bei der Bereitung von Brot und Wein sowie bei der Brotbrechung und der Kommunion. Hingegen wurde wiederhergestellt nach der ehrw�rdigen Norm der V�ter, was durch die Ungunst der Zeiten verlorengegangen war.
(Vgl. ebd. Art. 50.) Hierher geh�ren die Homilie
(Vgl. ebd. Art. 52.), das „Allgemeine Gebet“ oder „Gebet der Gl�ubigen“ (Vgl. ebd. Art. 53.) und zu Beginn der Messe ein „Schuldbekenntnis“ oder „Ritus der Vers�hnung mit Gott und den Br�dern“, der die ihm zukommende Bedeutung zur�ckerhielt. Das Zweite Vatikanische Konzil hat ferner angeordnet, da� innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volke vorgetragen werden. (Vgl. ebd. Art. 51.) Dementsprechend wurden die an den Sonntagen zu verlesenden Perikopen auf eine Drei-Jahres-Ordnung verteilt. �berdies ist an allen festlichen Tagen der Epistel- und Evangelienlesung eine weitere Lesung aus dem Alten Testament – in der Osterzeit aus der Apostelgeschichte – vorausgestellt. Auf diese Weise wird die Dynamik der Heilsgeschichte durch Gottes Offenbarungswort klarer ins Licht ger�ckt. Diese F�lle biblischer Lesungen, die an den Sonn- und Feiertagen den gr��eren Teil der Heiligen Schrift den Gl�ubigen nahebringt, wird durch weitere Teile der heiligen B�cher, die an den anderen Tagen verk�ndet werden, erg�nzt. Diese Neuordnungen zielen darauf hin, bei den Gl�ubigen jenes Verlangen nach dem Worte Gottes(Vgl.
Amos 8,11.) zu steigern, wodurch das Volk des Neuen Bundes unter Leitung des Heiligen Geistes zur vollkommenen Einheit der Kirche hingef�hrt wird. Wir hegen die feste Zuversicht, da� Priester und Gl�ubige sich auf Grund dieser Erneuerung besser f�r das Herrenmahl bereiten und durch gr��ere Vertrautheit mit der Heiligen Schrift tiefer in das Verst�ndnis des Gotteswortes eindringen. Die Heiligen Schriften sollen so – entsprechend den Mahnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils – f�r alle zum gleichsam nie versiegenden Quell geistlichen Lebens, zur Grundlage der Glaubensunterweisung und zum Herzst�ck aller theologischen Lehre werden. Bei der Erneuerung des R�mischen Me�buches sind aber nicht nur die bisher erw�hnten drei Teile (das eucharistische Hochgebet, der Ordo Missae und die Leseordnung) ge�ndert worden; auch die anderen sind �berpr�ft und erheblich ver�ndert worden: die Eigenmessen des Herrenjahres, die Eigenmessen f�r die Gedenktage der Heiligen, die Commune-Texte f�r die Gedenktage der Heiligen, die Messen zu bestimmten Feiern und die Votivmessen. Dabei wurde besondere Sorgfalt auf die Orationen verwandt; sie wurden nicht nur zahlenm��ig vermehrt, damit neue Orationen den neuen Bed�rfnissen unserer Zeit entsprechen, sondern es wurden auch die alten Orationen an Hand der Quellen �berpr�ft. So wurde es auch m�glich, f�r die Wochentage der liturgischen Hauptzeiten, der Advents-, Weihnachts-, Fasten- und Osterzeit, jeweils eigene Orationen anzugeben. Was schlie�lich die Texte des Graduale Romanum betrifft, bleiben sie – wenigstens f�r den Gesangsvortrag – unver�ndert. Um ein besseres Verst�ndnis der Texte zu erreichen, wurde der Antwortpsalm, von dem bei Augustinus und Leo dem Gro�en oft die Rede ist, wieder eingef�hrt. Auch wurden f�r Me�feiern ohne Gesang Er�ffnungs- und Kommunionverse, soweit angebracht, neu geschaffen. Zum Abschlu� m�chten Wir nach allem, was Wir bis jetzt �ber das neue R�mische Me�buch gesagt haben, noch auf einen Gedanken besonders hinweisen. Als Unser Vorg�nger Pius V. die erste Ausgabe des R�mischen Me�buches ver�ffentlichte, bot er es dem christlichen Volk gleichsam als Hilfe zur Einheit in der Liturgie und als Ausdruck echten und frommen Gottesdienstes in der Kirche dar. Der Anordnung des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend, haben Wir zwar im neuen Me�buch berechtigter Vielfalt und Anpassung (Vgl. II. Vatikanisches Konzil,
Sacrosanctum Concilium Art. 38-40). ihren Platz zuerkannt; dennoch geben auch Wir der Hoffnung Ausdruck, da� das neue Buch von den Gl�ubigen als eine Hilfe zur gegenseitigen Bezeugung und St�rkung der Einheit angenommen werde. Durch seine Verwendung soll in der Mannigfaltigkeit vieler Sprachen aus den Herzen aller ein und dasselbe Gebet, das Gott wohlgef�lliger ist als Weihrauch, zum himmlischen Vater durch unseren Hohenpriester Jesus Christus im Heiligen Geiste emporsteigen. Die Bestimmungen dieser Konstitution treten am 30. November, dem ersten Adventssonntag dieses Jahres, in Kraft. Unsere Anordnungen und Vorschriften sollen jetzt und in Zukunft g�ltig und rechtskr�ftig sein, unter Aufhebung jedweder entgegenstehender Konstitutionen und Verordnungen Unserer Vorg�nger sowie aller �brigen Anweisungen, welcher Art sie auch seien. Gegeben zu St. Peter in Rom, am 3. April, Gr�ndonnerstag 1969, im sechsten Jahre Unseres Pontifikates. PAULUS PP. VI.

References: Art. 21
 Art. 50
 Art. 51
 Art. 57
 Art. 50
 Art. 50
 Art. 50
 Art. 52
 Art. 53
 Art. 51
 Art. 38