Source: http://zeit-geschichte.com/rlwp/2017/04/04/am-steinhof-und-rosenhuegel/
Timestamp: 2019-02-20 00:39:51+00:00

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« „Mädchen, die Zukunft gehört den Frauen“
„Die Wissenschaft wird wohl eine Entschuldigung gelten lassen“ »
Inhalt „Am Steinhof“ und Rosenhügel. 4 Vorbemerkung.. 4 NS-Beamtenschaft der Heilanstalt „Am Steinhof“. 4 Geschichte "Am Spiegelgrund" 1940 bis 1945. 7 Personal und NS-Mitgliedschaft. 8 Situation nach 1945. 9 Pavillon 15 - Verfahren vor dem Volksgericht. 10 Registrierung der NS-MitarbeiterInnen „Am Steinhof“. 11 Pflegerinnen der Pavillons 15 und 17 nach 1945. 15 Entnazifizierung im öffentlichen Dienst. 17 „Säuberung“ von ehemaligen NationalsozialistInnen in den städtischen Kranken- und Wohlfahrtsanstalten 21 Biografische Skizzen des Pflegepersonals. 22 Ambros, Margarete. 22 Bertha, Klara (Clara) 23 Fink, Karoline. 23 Hapta, Hermine. 24 Helnwein, Katharina. 24 Katschenka, Anna. 25 Tillner, Rosa. 26 Zach, Robert 27 Vojta, Johanna. 28 Biografische Skizzen der ÄrztInnen.. 28 Baader, Dr. Maria Ida. 29 Bertha, Dr. Hans (Johann) 29 Bruha, Dr. Franz (Veit) 31 Gross, Dr. Heinrich. 31 Hübsch, Dr. Margaret(h)e. 33 Huber, Dr. Alfons (Rudolf Maria) 34 Illing, Dr. Ernst 34 Jekelius, Dr. Erwin. 35 Jokl, Dr. Helene. 35 Krenek, (Johann) Hans. 36 Kryspin-Exner, Dr. Olga (Anna Johanna) 37 Kryspin-Exner, Dr. Wichard (auch Richard) 37 Lhotsky, Dr. Jaromir (Karl Josef) 38 Podhajsky, Dr. Wilhelm... 38 Schmied, Dr. Friedrich. 39 Seitelberger, Dr. Franz. 39 Türk, Dr. Marianne. 40 Uiberrak, Dr. Barbara. 41 Wissgott, (Wißgott) Dr. Lothar. 41 Rosenhügel. 42 Rett, Dr. Andreas. 42 Wissenschaftliche Verwertung von NS-Kindereuthanasieopfer. 43 1966 – 1989 Vorstand am Rosenhügel 43 Rett und Birkmayer 44 Birkmayer, Dr. Walt(h)er. 45 Verfahren vor dem Volksgericht Wien. 48 Nachkriegskarriere: Vorstand in Lainz, Leiter eines Ludwig Boltzmann Instituts 48 Zusammenfassung.. 49 Abkürzungen.. 51 Quellen.. 52 Gedruckte Quellen. 52 Internetquellen. 53 Ungedruckte Quellen, Archivmaterial 53
„Am Steinhof“ und Rosenhügel
Die NS-Vergangenheit des Personals am Pavillon 15 „Am Steinhof“ und am Rosenhügel. Vorbemerkung In nachstehenden Archiven bzw. Instituten wurde für diese Arbeit recherchiert: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Forschungsstelle Nachkriegsjustiz, Österreichisches Staatsarchiv, Wiener Stadt- und Landesarchiv und dem Institut für Geschichte der Medizin. Darüber hinaus wurden Personalakten der Magistratsabteilung 2 der Stadt Wien analysiert und Informationen aus dem Bundesarchiv Berlin eingearbeitet. Ziel dieser Arbeit war die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Personals am Pavillon 15 des Psychiatrischen Krankenhauses "Am Steinhof"/Otto-Wagner-Spital sowie der Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel. Ein zentrales Problem dieser Arbeit war die exakte Zuordnung des Personals zum Pavillon 15, da das medizinische Personal sowie die PflegerInnen an unterschiedlichen Pavillons Dienst versahen und oftmals die Stationen wechselten. NS-Beamtenschaft der Heilanstalt „Am Steinhof“ Bereits in den 1930er Jahren war eine illegale NS-Organisation „Am Steinhof“ aktiv. Unter ihnen befand sich auch der Anstaltsarzt und spätere Direktor Dr. Erwin Jekelius, der 1933 der NSDAP beitrat. Eine Liste mit insgesamt 62 „ParteigenossInnen“, bestehend aus ÄrztInnnen, PflegerInnen, HausarbeiterInnen und anderen Bediensteten zeigt, wer bis zum Stichtag, 12. Februar 1938, als aktives und zahlendes Mitglied der NationalsozialistInnen registriert worden war. Die Namen der nationalsozialistischen FunktionärInnen, der Betriebs S.A. sowie der Parteimitglieder sind darin angeführt.[1] Eine Zuordnung des Personals zu den jeweiligen Pavillons ist leider nicht möglich.[2] Nachstehend eine Auflistung nach Namen, Funktion und dem Zeitpunkt des Beitritts der illegalen NationalsozialistInnen „Am Steinhof“:
Nr. Name Amtstitel Parteimitglied seit:
1. Pg. Scholz Leopold Rechn. Rat Zell April 1932
2. Pg. Wanek Franz Ob. Rech. Rat Mai 1932
3. Pg. Strauch Hans Küchenchef Mai 1932
4. Pg. Rath Rudolf Pfleger Jänner 1933
5. Pg. Biermayer Alois Pfleger Jänner 1933
6. Pg. Wesetzky Oswald Pfleger April 1933
7. Pg. Pöckl Johann[3] Pfleger Feber 1933
8. Pg. Kröber Oswald Pfleger Oktober 1933
9. Pg. Herbich Leopold Pfleger Jänner 1934
10. Pg. Schüssl Anton Pfleger Feber 1934
11. Pg. (?)radl Alois Pfleger Feber 1934
12. Pg. Studlar Franz Pfleger Feber 1934
13. Pg. Ramseder Josef Pfleger März 1934
14. Pg. Albrecht Otto Pfleger Mai 1934
15. Pg. Wölfl Josef Pfleger Mai 1934
16. Pg. Gotschke Karl Marktgehilfe März 1935
17. Pg. Kölbl Johann Pfleger März 1935
18. Pg. Schwarz Alois Pfleger Feber 1934
18. (sic!) Pg. Horvath Emil Verwalter Bad Hall Mai 1932
19. Dr. Umlauf Hubert Ord. Arzt Mai 1932
20. Pg. Weichinger Rudolf Ob. Rev. Fach (…) Juni 1932
21. Pg. Engel Albert Verw. Sekr. Juni 1932
22. Pg. Rabeder August Oberpfleger Juni 1933
23. Pg. Teufl Karl[4] Oberpfleger Mai 1933
24. Pg. Reiter Johann Portier Mai 1933
25. Pg. Gaschlbauer Hans Amtsgehilfe Mai 1933
26. Pg. Diwisch Franz[5] Pfleger Mai 1933
27. Pg. Rath Marie Pflegerin Mai 1933
28. Pg. Nowak Hans Magazinsgehilfe Mai 1933
29. Pg. Belohlawek (?) Josef Oberelektrotechniker Mai 1933
30. Pg. Belohlawek (?) Marie Näherin Mai 1933
31. Pg. Ergens Margarethe Näherin Mai 1933
32. Pg. Syko Emma Oberpflegerin Mai 1933
33. Pg. Hirsch Helene Laborantin Mai 1933
34. Pg. Kashofer Josef Maschinist Mai 1933
35. Pg. Ottmann Josef Fleischhauer Dezember 1933
36. Pg. Böckl Marie Pflegerin Juli 1934
37. Pg. Lockwenz Ludmilla Pflegerin Oktober 1934
38. Pg. Melzer Serafine Pflegerin Juli 1934
39. Pg. Zacher Hermine Pflegerin (gest. 19.3.38) Oktober 1934
40. Pg. Maurerbauer Josef Obergärtner Feber 1935
41. Pg. Flurschütz Franz Sekretär Feber 1935
42. Pg. Dr. Gabriel Ernst Primararzt Jänner 1935
43. Pg. Meissl Rudolf Provisor Feber 1935
44. Pg. Wiesbauer Franz Sekretär Oktober ?
45. Pg. Tobic Gisela Küchengehilfin September 1935
46. Pg. Tobic Innoncenz Pfleger September 1935
47. Pg. Fellermayer Otto[6] Pfleger Juni 1936
48. Pg. Lorenz August (Augustin)[7] Inv. Pfleger September 1936
49. Pg. Plank Franz Pfleger Oktober 1936
50. Pg. Urach Friedrich Magazineur November 1936
51. Pg. Dr. Mader Adolf Ord. Arzt Dezember 1936
52. Pg. Vollhofer Leopold Pfleger Juni 1933
53. Pg. Vollhofer Klaudine Pflegerin Dezember 1936
54. Pg. Hoffmann Marie Wäschereiarbeiterin Dezember 1936
55. Pg. Scheybal Franz Polier Jänner 1938
56. Pg. Barenth Leopold[8] Pfleger Jänner 1938
57. Pg. Körber Leopold Sekretär Jänner 1938
58. Pg. Dölz Herma Pflegerin Jänner 1938
59. Pg. Dr. Jekelius Erwin Anstaltsarzt Juni 1933
60. Pg. Dr. Mauermann Wendelin Ord. Arzt August 1937
61. Pg. Dr. Schenk Franz Pfleger Juni 1934
62. Pg. Ertelt (?) Leo Pfleger Dezember 1934
Sechs von den insgesamt 62 illegalen Parteimitgliedern wurden wegen ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit von der Gemeinde Wien in den Jahren 1945 bzw. 1946 „ausser Dienst“ gestellt. Geschichte "Am Spiegelgrund" 1940 bis 1945 Die Wiener städtische Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ wurde am 24. Juli 1940 in Betrieb genommen. Sie umfasste zu diesem Zeitpunkt Pavillons mit 640 Betten. Erster Leiter war Dr. Erwin Jekelius[9], der bis Jänner 1942 die Klinik leitete und als fanatischer Nationalsozialist bekannt war. Jekelius vertrat den Standpunkt, „man müsse unheilbare und daher für die Volksgemeinschaft nutzlose Geisteskranke erbarmungslos töten, um so den Staat von einer überflüssigen Last zu befreien“ (Butterweck 2016:160). Nach der interimistischen Führung durch Dr. Margarethe Hübsch übernahm Dr. Ernst Illing die Leitung der Klinik am 1. Juli 1942. Ende 1942 wurde die Anstalt neu gegliedert. Die Pavillons 15 und 17 mit insgesamt 220 Betten wurden als eigene Kinderanstalt „zur Aufnahme der Fälle des Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagenbedingten schweren Leiden sowie von debilen, bildungsunfähigen Minderjährigen“ geführt (vgl. Neugebauer/Schwarz 2005:269). Zwischen 1940 und 1945 starben mindestens 789 Kinder und Jugendliche in der „Kinderfachabteilung“ (Czech 2002:171). Herwig Czech über die Rolle des Pavillons 15: „Im Pavillon XV (intern als „Reichsausschußabteilung“ bezeichnet), wurden Kinder mit geistiger Behinderung oder verschiedener neurologischen Erkrankungen auf ihren zukünftigen volkswirtschaftlichen Wert beurteilt. Das entsprechende Selektionskriterium lautete „bildungsfähig“ bzw. ‚bildungsunfähig‘, bei einem negativen Gutachten durch die Ärzte drohte die klinische Hinrichtung durch Schlafmittel.“ (Czech 2002:175) Wissenschaftlich wurde das Kapitel der Wiener Medizingeschichte zwischen 1938 und 1945 bereits ausführlich aufgearbeitet. Vor allem die Rolle des NS-Kindereuthanasiearztes Dr. Heinrich Gross wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen beschrieben. Da die folgende Untersuchung mit dem Zeitraum nach 1945 befasst ist, wird hier nicht näher auf die Zeit unter dem NS-Regime eingegangen. Personal und NS-Mitgliedschaft Nahezu jedes Mitglied des medizinischen Personals im Pavillon 15 war während der NS-Ära Mitglied der NSDAP oder AnwärterIn für die NSDAP bzw. der NSDÄB. Nicht jeder Aufnahmeantrag wurde von den zuständigen NS-FunktionärInnen positiv beschieden. Die Gründe der Ablehnung sind weitgehend unbekannt. Politische Intrigen innerhalb der NS-ÄrztInnen, Auseinandersetzungen mit dem zuständigen Gauamt oder "mangelndes" nationalsozialistisches Engagement darf hinter den Ablehnungen vermutet werden. Die abgelehnten Ansuchen retteten vielen Betroffenen nach 1945 die berufliche Karriere. Die AnwärterInnen konnten vorgeben, sie hätten nie etwas mit den Nationalsozialisten zu tun gehabt. Die medizinische Karriere konnte damit ungehindert fortgesetzt werden. Die politische Einstellung des Personals ist aus den vorhandenen Personalakten schwer zu ermitteln. Nach 1945 mussten zwar alle MitarbeiterInnen der Stadt Wien einen Fragebogen über ihre NS-Vergangenheit ausfüllen, allerdings wurde die Frage "waren Sie Mitglied der NSDAP oder einer Teilorganisation" von allen MitarbeiterInnen mit "Nein" beantwortet. Selbst jene Fragebögen über die politische Einstellung aus dem Jahr 1938 – also kurz nach dem "Anschluss" – sind quellenkritisch zu betrachten. Auch damals wurde die politische Einstellung der MitarbeiterInnen überprüft. Zahlreiche illegale NSDAP-Mitglieder führten pflichtbewusst ihre Mitgliedschaft bei der NSDAP oder deren Teilorganisationen an. Hier fehlen allerdings jene, die eine NS-Anwartschaft[10] abgegeben hatten und noch auf die Aufnahme in die Partei warteten, sowie auch jene, die später der Partei beitraten. Situation nach 1945 Die Situation in der Pflegeanstalt im Frühjahr 1945 wird durch einen Hilferuf der Leitung an das Personalamt gut beschrieben: Der Verwalter Posch und der ärztliche Direktor Bertha wandten sich am 16. März 1945 an die Personalabteilung des Anstaltenamtes, um zusätzliche ProsekturgehilfInnen zu erhalten. Die zunehmende Zahl der Todesfälle überforderte offenbar die beiden Prosekturgehilfen in der Pflegeanstalt. In der Zeit zwischen 1. Februar und 15. März 1945 wurden 372 Leichen in die Prosektur eingeliefert.[11] Einer der Gründe für die hohe Sterblichkeit lag an der katastrophalen Ernährungslage sowie am Mangel an Heizmaterial in der Pflegeanstalt. Der neu ernannte ärztliche Direktor Leopold Pawlicki in seinem Bericht vom 25. Mai 1945: „Infolge der kritischen Ernährungslage hat die Gewichtsabnahme und die Sterblichkeit bei den Patienten bereits in den vergangenen Monaten in bedenklichem Ausmaß zugenommen und ist in den letzten Wochen gewaltig angestiegen. Die derzeitige durchschnittliche Sterblichkeit von Jänner bis April 1945 beträgt 28 %, gegenüber seinem Jahresdurchschnitt 1944 von 12 %. (…)“[12] Der Verwalter Karl Bock teilte am 14. August 1945 der Anstaltenverwaltung der Stadt Wien mit, dass die Nervenklinik für Kinder mit 30. Juli 1945 aufgelöst worden war. Die Klinik trug nun wieder wie ursprünglich den Namen „Am Steinhof“. Karl Bock: „Mit 1. Juli 1945 wurde das gesamte Personal der aufgelösten Kinderklinik von der Heil- und Pflegeanstalt ‚Am Steinhof‘ in Stand und Gebühr genommen.“[13] Dies bedeutete, dass das gleiche Personal für die verbliebenen PatientInnen eingesetzt wurde. Pavillon 15 - Verfahren vor dem Volksgericht Im Sommer 1945 wurden die verantwortlichen ÄrztInnen des Pavillons 15, Ernst Illing, Margarethe Hübsch und Marianne Türk im Zusammenhang mit der Ermordung der Kinder „Am Steinhof“ in Untersuchungshaft genommen. Illing, Hübsch und Türk wurden im Juli 1946 vom Volksgericht Wien verurteilt. Ernst Illing wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet, Marianne Türk zu zehn Jahren Haft verurteilt und Margarethe Hübsch freigesprochen. Der erste Direktor der Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“, Erwin Jekelius, wurde am 17. Mai 1945 in Wien festgenommen und auf Anordnung des Militärstaatsanwaltes in sowjetische Haft überstellt. Er wurde von einem russischen Gericht zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er starb 1952 im Gefängnis (vgl. Ertl 2012:146 ff und Gabriel 2007:176). Heinrich Gross kehrte 1948 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Er wurde 1950 inhaftiert und vom Volksgericht wegen „Mitschuld am Totschlag“ der Kinder am Pavillon 15 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde jedoch später aufgehoben. Die zuständige Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren 1951 gegen Gross endgültig ein. Im selben Jahr stellte ihn die Stadt Wien neuerlich als Arzt in der Nervenheilanstalt Rosenhügel an. Damit begann die unterbrochene Karriere des NS-Arztes erneut. Ab 1955 arbeitete Gross wieder „Am Steinhof“, 1956 wurde er Oberarzt der Männer-Pflegeanstalt, ein Jahr später wurde er zum Vorstand der Anstalt gewählt. Als Vorstand der 2. Psychiatrischen Abteilung versah Gross bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1981 seinen Dienst. Von 1960 bis 1983 war er zudem ständig beeideter Gerichtssachverständiger für Neurologie und Psychiatrie (Gabriel 2007:174). Die stellvertretende Oberschwester in der Kinderanstalt von 1941 bis 1945, Anna Katschenka, wurde auf eigenes Ersuchen am 10. November 1945 in das Krankenhaus Lainz versetzt. Im Sommer 1946 musste sie als Zeugin vor dem Volkgericht Wien im Prozess gegen Ernst Illing aussagen. Katschenka verwickelte sich dabei in derartige Widersprüche, dass sie der Richter noch im Gerichtssaal festnehmen ließ. Das Gericht warf ihr vor, mindestens 24 Kinder getötet zu haben. Das Volksgericht Wien verurteilte Katschenka im April 1948 wegen Totschlags zu acht Jahren Gefängnis. Am 20. Dezember 1950, nach zwei Jahren Haft, wurde sie von Bundespräsident Dr. Karl Renner begnadigt. Im Juni 1951 kehrte Katschenka wieder in den Dienst der Stadt Wien zurück und arbeitete als Krankenschwester im St. Anna Kindespital.[14] Registrierung der NS-MitarbeiterInnen „Am Steinhof“ Vom Gefängnis direkt zurück in den Dienst Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, im Frühjahr und Sommer 1945, wurden MitarbeiterInnen der Heil- und Pflegeanstalt mit nationalsozialistischer Vergangenheit verhaftet, in Polizeihaft genommen oder zum Arbeitsdienst verpflichtet. Andere tauchten unter oder flüchteten ins Ausland. Am 25. Mai 1945 stellte der Anstaltsverwalter Karl Bock drei weibliche Angestellte zur Registrierung ehemaliger NationalsozialistInnen für die Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ ab.[15] Bereits im Juni 1945 nahmen einige ehemalige NationalsozialistInnen den Dienst "Am Steinhof" wieder auf. Der Direktor Leopold Pawlicki teilte der Anstaltenverwaltung am 10. Juli 1945 mit, dass nachfolgende Personen die Arbeit in der Anstalt wieder angetreten haben:[16]
Name Diensteigenschaft Abwesend, von bis:
Dr. Okopenko Andreij Anstaltenarzt 22.5. – 24.6. (1945)
Dolezal Franz[17] st. Inv. Pfleger 10.5. – 19.6. (1945)
Hameseder Maria TOB Hausarb. 8.6. – 4.7. (1945)
Herdin Anna Kr. T.Ang. 11.6. – 15.7. (1945)
Raab Heinrich[18] st. Pflegevorst. 10.5. 5.7. (1945)
Ramharter Johann Stadtoberinsp. 27.5. – 2.7. (1945)
„Der städtische Pflegevorsteher L o r e n z Augustin, der ab 15.4.1945 infolge Verhaftung durch die Rote Armee und Überstellung zur Polizei abwesend war ist zurückgekehrt, doch kann er den Dienst nicht antreten, da er nicht in der Lage ist, die Erklärung zu unterfertigen. Er wurde angewiesen sich beim Hr. Kanzleileiter der Anstaltenverwaltung (…) persönlich zu melden.[19] Der städtische Verwaltungsrat P o s c h Maximilian, der mit 10. Mai 1945 vom Dienst enthoben und verhaftet war ist ebenfalls am 3. Juli 1945 zurückgekehrt und wurde ihm mitgeteilt, daß seine Personalunterlagen bereits der Magistratsdirektion, Hr. Amtsrat Sandler (Personalausgleichsstelle) übermittelt wurden. Auch er wurde angewiesen sich beim Kanzleileiter der Anstaltenverwaltung zu melden. Der TOB-Schneider Leopold C e c h war vom 29.4. bis 24.5.1945 im Arbeitseinsatz bei der Firma Schuster, 5., Nikolsederg. 1. Ab 25. Mai bis 23. Juni befand er sich im Krankenstand und ab 24. Juni 45 versieht er wieder Dienst in der Anstalt. Die nachstehend angeführten Angestellten sind noch immer abwesend:“
Name: Diensteigenschaft: abwesend seit
Dr. Bertha Hans Direktor 7.5.45
Dr. Hackl Alfred Anst. Arzt 8.5.45
Blöch Franz Stadtobersekr. 16.6.45
Kauer Edmund TOB-Hilfsarb. 18.5.45
Körner Ernst Stadtinsp. 9.7.45
Marschner Alois TOB-Maurer 17.6.45
Lepicovsky Wenzel[20] st. Inv. Pfleger 8.6.45
Marschner Alois TOB-Maurer 2.6.45
Nöstlinger (?) Johann st. Pfleger 15.5.45
Pribek Karl Stadtinspektor 9.6.45
Rameseder Josef st. Pfleger 9.6.45
Rudolf Johann TOA VIII 30.6.45
Skrypnyk Vladimir vtgm. Pfleger 2.6.45
Schüssl Ludmilla städt. Pflegerin 23.6.45
Schwaiger Rosina[21] städt. Pflegevorst. 10.5.45
Stach Karl städt. Pfleger 18.5.45
Stockinger Franz vtgm. Pfleger 28.6.45
Teufl Karl st. Pflegevorsteher 10.5.45
Theuer Friedrich städt. Pfleger 26.4.45
Wallner Karl Stadtob. Sekr. 25.6.45
Veit Rudolf TOAng. VI b 7.5.45
Vollhofer Leopold städt. Pfleger 25.6.45
Zottl Josef (Zöttl)[22] St. Ob. Pfleger 2.6.45
Im Dezember 1945 berichtete Direktor Leopold Pawlicki der dafür zuständigen Anstaltenverwaltung abermals vom aktuellen Stand der ehemaligen NationalsozialistInnen in seiner Anstalt. In den vergangenen Monaten wurden weitere belastete MitarbeiterInnen wieder in den Dienst der Heil- und Pflegeanstalt gestellt. Drei Mitarbeiterinnen, Helene Hirsch (Laborantin), Rosina Schwaiger[23] (Pflegevorsteherin) und Berta Wetchy (Pflegerin) wurden "ausser Dienst" gestellt.[24] Die Direktion "Am Steinhof" hatte offensichtlich kein Problem mit der Wiederanstellung ehemaliger NationalsozialistInnen. Die "Ausserdienststellung" erfolgte vermutlich auf Druck des Anstaltenamtes. Nachstehende Pfleger kamen vom Gefängnis direkt in den Dienst:
Name Diensteigenschaft geb.: Haft Dienst
Dolezal Franz st. Inv. Pfleger 1.9.93 10.5.-19.6.45 20.6.45
Grünzweig Rudolf st. Pfleger 25.8.90 10.5.-11.5.45 12.5.45
Nöstlinger Johann st. Pfleger 23.6.87 10.5.-13.7.45 14.7.45
Wrezel Anton st. Pfleger 16.11.01 10.5.-18.5.45 19.5.45
Raab Heinrich st. Pflegevor. 17.12.85 10.5.-3.7.45 4.7.45
„(…) Weiters wird über dortige Anfrage noch über die nachstehend angeführten „Illegalen“ berichtet: Hirsch Helene, st. Laborantin, geb. 3.1.1906, war vom 10.5. – 29.5.45 in Haft. Ab 30. Mai 1945 hat sie bis 18.9.1945 in der Anstaltsapotheke Dienst versehen. Sie wurde mit 21.7.45 ausser Dienst gestellt u. über h.o. Antrag kurzfristig weiterverwendet bis 18.9.1945. Die Genannte steht dzt. Bei den Franzosen im Arbeitseinsatz. Posch Maximilian, st. Verw. Rat, geb. 22.5.1890, wurde am 10.5.1945 verhaftet. Mit 4.7.1945 erfolgte seine Versetzung in die Ma. Dion, Personaleinsatz, so daß die Dauer der Haft h.o. unbekannt ist. Es wurde ermittelt, daß er sich derzeit in Spitalpflege befindet. Teufl Karl, st. Pflegevorsteher, geb.27.2.1886, befindet sich ab 10.5.1945 ununterbrochen in Haft. Vor einigen Tagen wurde er vom Pavillon 23 zum Landesgericht überstellt. Schwaiger Rosina, st. Pflegevorsteherin, geb. 15.2.1890, war vom 10.5. – 17.8.1945 in Haft. Vom 18.8.1945 – 18.10.1945 war sie von der Polizei aus im Arbeitseinsatz. Mit 18.10.1945 hat sie den Dienst einer Pflegerin h.o. aufgenommen. Über do. Auftrag wurde sie mit 29.11.1945 ausser Dienst gestellt. Seit dieser Zeit befindet sie sich zuhause. (Schwaiger konnte am 10. Mai 1946 wieder den Dienst „Am Steinhof“ antreten. Anm. RL) Wetchy Berta, st. Pflegerin, geb. 12.6.1900, war 2 Tage verhaftet zwar vom 10. – 11.5.1945. Vom 12.5. – 20.7.1945 hat sie h.o. Dienst versehen. Seit 21.7.1945 mußte sie ausser Dienst gestellt werden.“[25] Pflegerinnen der Pavillons 15 und 17 nach 1945 Laut einem Bericht der Polizeidirektion Wien wurden 1945 insgesamt 23 Pflegerinnen der Pavillons 15 bzw. 17 gekündigt oder entlassen. Als Grund für die Kündigung bzw. Entlassung wurde seitens der Stadt Wien hauptsächlich „Nichterscheinung zum Dienst“ angeführt. Keine disziplinarrechtlichen Gründe oder die Mitgliedschaft zu den Nationalsozialisten waren für die Trennung ausschlaggebend. Zwei Aufseherinnen wurden „außer Dienst“ gestellt. 19 Pflegerinnen wurden innerhalb der Stadt Wien versetzt.[26]
Nachstehende Personen wurden von der Stadt Wien gekündigt, entlassen bzw. außer Dienst gestellt:
Klara Bertha, Dipl. Oberschwester (gekündigt am 4. Juni 1945). Hildegard Dworak – im Akt auch Dvorak – , Pflegerin (gekündigt am 24. Juli 1945). Isabella Fallox, Pflegerin, geb. Schimpfl, 11.12.1916 (gekündigt mit 1. Jänner 1945 „wegen Geburt eines Kindes“). Theodora Ksander, geb.16.7.1908, Pflegerin (gekündigt am 6. April 1945 „wegen Nichterscheinen im Dienst“). Leopoldine Parbuss, geb. 9.8.1878, Pflegerin („wegen Alter gekündigt“). Marie Rubin, Pflegerin (gekündigt am 6.2.1922 sic!). Franziska Sykora, Pflegerin (entlassen am 30. April 1945 „wegen Nichterscheinung im Dienst“). Erna Storch, geb. Walter, 23.6.1918 (gekündigt am 27. Juli 1945). Dr. Edeltrud Baar, Hauptfürsorgerin, Psychologin (entlassen am 3. April 1945 „wegen Nichterscheinung zum Dienst“). Katarina Dehn, Zöglingsaufseherin (am 24. Juli 1945 „außer Dienst gestellt“). Else Hartung, Zöglingsaufseherin (am 24. Juli 1945 „außer Dienst gestellt“). Gertrude Muth, Kindergärtnerin (am 3. April 1945 entlassen). Gerda Thraun, Kindergärtnerin (entlassen am 4. April 1945 „wegen Nichterscheinung zum Dienst“). Pauline Eichler, Kanzleileiterin (entlassen am 4. April 1945 „wegen Nichterscheinung zum Dienst“). Johanna Wocher, Kanzleikraft (entlassen am 3. April 1945 „wegen Nichterscheinen zum Dienst“).
Nachstehende Personen kündigten 1945 freiwillig oder reisten „unbekannt“ ab:
Die Pflegerinnen Pauline Beltrane, Maria Bollenrath, Maria Kuntner, Annemarie Rostek, Charlotte Richter und Maria Rötzer reisten „unbekannt ab“. Pflegerin Leopoldine Cisie kündigte am 15. Juli 1945 freiwillig. Aushilfspflegerin Theresia Koren, geb. Wolfinger, 10.9.1921, kündigte am 11. November 1945 freiwillig. Pflegerin Maria Rausch, geb. Svoboda, 10.1.1910, kündigte am 12. Dezember 1945 freiwillig. Pflegerin Adeline Schimpl kündigte am 30. April 1945 freiwillig.
Nachstehende Personen wurden innerhalb der Stadt Wien versetzt:
Aloisia Anton, geb. Kalb, Pflegerin, arbeitete in der Anstalt bis zum 9. Juli 1947, bis sie freiwillig kündigte. Die Pflegerin Klara Kleinschnittger, wurde am 11. Juli 1945 versetzt. Laut Kriminalbeamten war Kleinschnittger (Spitzname „Kläre“) über die Euthanasie im Pavillon 15 genauestens informiert. Katharina Bernard Pflegerin im Pavillon 18. Margarete Czimmel, geb. 14.5.1913, Pflegerin im Zentralkinderheim. Maria Frank, geb. Schimpfl, 11.12.1916, Pflegerin im Pavillon 20. Irmgard Fröschl, geb. 28.12.1904, Pflegerin in der Lungenheilanstalt Baumgartner Höhe. Maria Fucik, geb. 3.4.1900, Pflegerin im Leopoldstädter Kinderspital. Theresia Garber, geb. 24.9.1909, Pflegerin im Kinderheim Rosental. Anna Hlavacek, geb. 30.6.1917, Pflegerin im Zentralkinderheim. Rosa Mayer, geb. Rosenberger, 7.5.1921, arbeitete bis 17. Februar 1947 als Pflegerin im Allgemeinen Krankenhaus bis sie freiwillig austrat Paula Mladek, geb. 2.12.1921, Aushilfspflegerin im Mautner Markhof´schen Kinderspital. Hildegard Mozelt, geb. 21.1.1924, Pflegerin im Kinderheim Rosentalgasse. Elisabeth Pribilla, geb. 30.9.1909, Aushilfspflegerin im Kinderheim Rosentalgasse. Konstanza Rief (im Akt auch Reif), geb. 3.4.1886, arbeitete als Aushilfspflegerin in der Anstalt, bis sie am 31. Oktober 1947 freiwillig austrat. Maria Matil, geb. 3.7.1913, Pflegerin im Kinderheim Rosental. Johanna Schnele, geb. Schanda, geb. 5.5.1901, Pflegerin in Lainz. Margarete Schreiber, geb. 6.5.1924, Pflegerin im Kinderheim Rosental. Melitta Stern, geb. 29.3.1917, Pflegerin am Pavillon 4. Paula Weber, geb. 22.11.1897, Aushilfspflegerin am Pavillon 19. Entnazifizierung im öffentlichen Dienst Die provisorische Regierung beschloss bereits am 8. Mai 1945 als eines ihrer ersten Gesetze das „Verfassungsgesetz über das Verbot der NSDAP“. Das so genannte Verbotsgesetz wurde am 10. Jänner vom Alliierten Rat genehmigt und trat am 5. Februar 1946 in ganz Österreich in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete die Bundesregierung allerdings schon an einem Entwurf für ein umfangreiches Gesetz um bestimmte Gruppen der Registrierungspflichtigen aus den Nationalsozialisten-Listen zu streichen (vgl. Kuretsidis-Haider 2006:36 und 40). Um die personellen Entscheidungen der zuständigen Magistratsabteilungen besser verstehen zu können, muss an dieser Stelle kurz auf die politischen Rahmenbedingungen der Nachkriegszeit eingegangen werden. In den Jahren 1945 und 1946 war es vor allem die SPÖ, die sich gegen eine radikale Säuberung ehemaliger NationalsozialistInnen im öffentlichen Dienst stellte. Da die Posten der ehemaligen NationalsozialistInnen vor allem von konservativen BeamtInnen aus dem „Ständestaat“ übernommen wurden, befürchtete die SPÖ durch die Entnazifizierung eine Machtverschiebung in Richtung ÖVP. Ab dem Jahreswechsel 1947/1948 änderte sich die politische Stimmung in Österreich noch deutlicher zugunsten der ehemaligen NationalsozialistInnen. In allen Parteien begannen die politischen Verantwortlichen sich mit Überlegungen für die kommende Nationalratswahl 1949 zu befassen, womit auch verstärktes Werben um die Stimmen der ehemaligen NationalsozialistInnen verbunden war (vgl. Bailer 2004: 125 ff und 132 ff). Im öffentlichen Dienst konnten ehemalige NationalsozialistInnen wieder Fuß fassen. Gesetzlich wurde dies im „Verbotsgesetz“, in der Neufassung aus dem Jahr 1947, verankert. § 19 des Verbotsgesetzes lautet: „Sie können im öffentlichen Dienst nur bei Bedarf und nur nach besonderer Prüfung ihres politischen Verhaltens vor dem 27. April 1945 verwendet werden. (...)“ (Verbotsgesetz 1947) Im Gesetz wurde zwischen „belasteten Personen“[27] und „minderbelasteten Personen“ unterschieden. Der Zugang zu den öffentlichen Dienstposten war für „minderbelastete Personen“ „bei Bedarf“ wieder möglich. Die politische Überprüfung der Minderbelasteten ehemaligen Nationalsozialisten erfolgte nun nicht mehr durch eine Sonderkommission, sondern wurde vom Dienstgeber selbst übernommen (vgl. Stiefel 1981:135). Seitens der Dienstgeber wurde eine Wiedereinstellung vor allem mit dem Mangel an geeignetem Personal argumentiert. Wie ernst die dafür zuständige Magistratsabteilung der Stadt Wien die von den Alliierten angeordnete Entnazifizierung nahm, zeigt ein Aktenvermerk vom 27. Februar 1946: „Lieber Herr Pauer! Anbei übermittle ich Ihnen den Akt Klosterneuburg: Personal, den Sie mir zwecks Erkundigung beim Bezirksvorsteher mitgegeben haben. Er teilte mir mit, daß er wohl keinen schriftlichen Auftrag der Alliierten Besatzungsbehörden, sondern nur mündliche Weisungen der Ortskommandatur erhalten habe, die sich auf den seinerzeit in der Zeitung veröffentlichten Beschluß des Alliirtenrates (sic!) ‚Obsorge zur Säuberung der öffentlichen Verwaltung von ehemaligen Nationalsozialisten‘ bezogen. Aus der etwas gewundenen Erklärung und den sonstigen Erfahrungen gewinnt man den Eindruck, daß H. Sch. Der Sache nicht fern stehen dürfte. Die Versetzung einiger Personen aus der Gruppe dürfte nicht zu vermeiden sein, um Ruhe zu gewährleisten.“ (Unterschrift unleserlich Anm R.L.)[28] Politisch wurde diese beschwichtigende Grundhaltung gegenüber ehemaligen Nationalsozialisten im öffentlichen Dienst auch auf höchster Ebene vertreten. Bundeskanzler Leopold Figl erklärte beispielsweise 1946 gegenüber den Alliierten: „Was die Zahl der registrierungspflichtigen Personen betrifft, die immer noch beschäftigt werden, möchte ich bemerken, daß sie zu einem großen Teil aus Personen besteht, welche dem NSKK (Nationalsozialistische Kraftfahrkorps, Anm. RL) dem NSFK (Nationalsozialistischer Fliegerkorps, Anm. RL) oder der Arbeits-SA angehört haben, die nicht als NS-Gedankengut beinhaltet betrachtet werden können und es ihnen daher erlaubt war, bei der Nationalratswahl zu wählen und die nach dem neuen Registrierungsgesetz von der Registrierung ausgenommen werden.“ (Stiefel 1981:138) Und, so Bundeskanzler Leopold Figl, weiter: „Um die Rehabilitierung der neuen österreichischen Verwaltung nicht zu gefährden, war es notwendig, provisorisch bis zu einem gewissen Ausmaß und besonders bei speziellen Berufen Personen zu beschäftigen, die Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei gewesen waren.“ (Stiefel 1981:142) Auf Beamtenebene im Wiener Rathaus wurde die Frage mit dem Umgang ehemaliger „Illegaler“ im März 1947 im Zuge einer Amtsbesprechung in der Magistratsdirektion diskutiert. Der spätere Magistratsdirektor Senatsrat Dr. Walter Kinzl,[29] die Leiter der Magistratsabteilungen 1 und 2 sowie die Führung des Anstaltenamtes kamen dabei zum Schluss, dass die Wiedereinstellung ehemaliger Nationalsozialisten „vor Abschluß des Staatsvertrages nicht vorgenommen werden soll.“ „Aktenvermerk vom 6. März 1947 „Bei der heute in der Magistratsdirektion unter dem Vorsitz des Herrn Senatsrates Dr. Kinzl und im Beisein der Leiter der Magistratsabteilung 1 und 2, der städtischen Unternehmungen und des Anstaltenamtes abgehaltenen Amtsbesprechung wurden offene Fragen hinsichtlich der Behandlung registrierungspflichtiger Bediensteter besprochen und Richtlinien für zu ergreifende Maßnahmen erteilt. Hinsichtlich der Bediensteten der Magistratsabteilung 17 wurde über folgende Fragen entschieden: 1.) Was geschieht mit den bisherigen „Illegalen“, die nach dem Verbotsgesetz 1947 minderbelastet sind oder denen allenfalls noch von der Registrierungsbehörde die Rotunterstreichung gelöscht wurde und die nunmehr S 150,- erhalten? Werden solche Bedienstete nunmehr auf ihre Tragbarkeit für den öffentlichen Dienst überprüft und welche Stelle ist hiezu zuständig? Entscheidung: Sie bleiben außer Dienst gestellt und werden nicht auf ihre Tragbarkeit überprüft. 2.) Können Bedienstete, die von den Wirtschaftssäuberungskommissionen vom Dienst entfernt wurden, monatlich S 150,- erhalten und bei Überprüfung ihrer Tragbarkeit durch den Abteilungsleiter für tragbar befunden wurden, wieder eingestellt werden? Entscheidung: Die Wiedereinstellung soll vor Abschluß des Staatsvertrages nicht vorgenommen werden. (…)“[30] „Säuberung“ von ehemaligen NationalsozialistInnen in den städtischen Kranken- und Wohlfahrtsanstalten Am 27. Februar 1946 berichtete die Anstaltenverwaltung dem Bürgermeister der Stadt Wien über den aktuelle Stand der „Säuberungen von ehemaligen Nationalsozialisten“ im Bereich der städtischen Kranken- und Wohlfahrtsanstalten. Von den insgesamt 30 ärztlichen Direktoren, 126 Primar- und Fachärzten, 156 Oberärzten und 471 Assistenz- und Hilfsärzten waren 267 „Illegale“ und 205 „sonstige parteimäßig belastete Ärzte“. Insgesamt waren damit rund 60 Prozent der ÄrztInnen im Bereich der städtischen Krankenanstalten als ehemalige NationalsozialistInnen anzusehen. Davon wurden 267 ÄrztInnen „außer Dienst“ gestellt oder durch Kündigungen oder anderen Lösungen des Dienstverhältnisses ausgeschieden. Für 20 dieser NS-belasteten ÄrztInnen wurde ein kurzfristiger Antrag auf Weiterbeschäftigung beim Bürgermeister gestellt. Die Anstaltenverwaltung stellte in ihrem Bericht fest, dass „noch rund 29 Prozent der im Dienst stehenden ÄrztInnen parteimäßig belastet sind.“[31] Im Gegensatz zur Kündigung oder Entlassung hatte die sogenannte „Ausserdienststellung“ für die betroffenen BeamtInnen einen wesentlichen Vorteil: der „zeitliche Ruhestand“, wie er in der Dienstrechtsordnung der BeamtInnen der Stadt Wien korrekt hieß, brachte den BeamtInnen gekürzte oder volle Bezüge und sozial- und pensionsrechtliche Absicherung während dieser Zeit. Darüber hinaus bestand für die Betroffenen die Möglichkeit, wieder in den Dienst der Stadt Wien zurückzukehren (LG Blatt 34/1951 § 68 ff). Ein Jahr später, am 26. März 1947, meldete das Anstaltenamt an die Magistratsabteilung 2 den aktuellen Stand von belasteten Personen im Bereich der städtischen Kranken- und Wohlfahrtsanstalten. Von den insgesamt rund 12.000 Bediensteten waren 2069 Personen Angehörige der NSDAP oder einer ihrer Teilorganisationen. 1075 Bedienstete wurden wegen „Illegalität“ „sofort ausser Dienst“ gestellt. Zusammenfassend stellt das Anstaltenamt fest, „dass sich von den 2069 Registrierungspflichtigen nur mehr 640 „minderbelastete“ Bedienstete in Stand und Gebühr des Anstaltenamtes befinden.“[32] Laut Aufzeichnungen der Magistratsabteilung 17 (Anstaltenamt) wurden in den Jahren 1948 und 1949 insgesamt weitere 267 NS-belastete Personen (ÄrztInnen und PflegerInnen) im Bereich der Krankenanstalten in Wien entnazifiziert.[33] Elf namentlich angeführte Personen (Katharina Helnwein, Hermine Hapta, Elfriede Merkl, Josef Smyrcka, Franz Studler[34], Johanna Vojta, Robert Zach, Rosa Tillner, Margarete Ambros, Anna Höhne-Karpischeck, Karoline Fink und Dr. Johann Krenek) arbeiteten „Am Steinhof“, die anderen waren in verschiedenen Einrichtungen (Spitäler, Erziehungsheime, Rettung u.a.) im Bereich der Gemeinde Wien beschäftigt.[35] Biografische Skizzen des Pflegepersonals PflegerInnen mit nationalsozialistischer Vergangenheit (NSDAP-Mitglieder), die direkt oder indirekt mit dem Pavillon 15 bzw. 17 zu tun hatten.
Ambros, Margarete
Margarete Ambros, geb. Boyer, wird am 18. Mai 1908 in Aggsbach (NÖ) geboren. Von 1926 bis 1928 absolviert sie die Fürsorgeschule des NÖ Landesjugendamtes. 1930 ist sie Fürsorgerin in Eisenstadt, anschließend Säuglingsschwester in Wien. 1937 arbeitet sie als Pflegeschwester in Niederösterreich und von Jänner bis Juni 1939 ist sie Fürsorgerin beim Wohlfahrtsamt Liesing. Da sie fachlich als Fürsorgerin als „nicht geeignet“ gilt, wird sie am 1. Juni 1941 als Pflegerin in das Mautner Markhof´sche Kinderspital versetzt. Im Februar 1942 kündigt Ambros ihren Dienst bei der Gemeinde Wien für die Erziehung ihres eigenen Kindes. Vom 24. September 1946 bis 6. Jänner 1948 arbeitet sie auf der Baumgartner Höhe. Ihr Ansuchen um Wiederanstellung als Pflegerin im September 1948 wird vom Anstaltenamt abgelehnt. Begründung: „…Die Genannte, die wegen Verheimlichung ihrer Parteizugehörigkeit fristlos entlassen wurde, weist laut beigeschlossener Anstaltsäußerung eine durchschnittliche Dienstbeschreibung auf und wird als zänkisch und unverträglich beschrieben…“ Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit 1932 Die NSDAP-Parteibestätigung vom 19. November 1938 lautet: „Pg. Margarete Boyer geb. am 18.5.1908 in Aggsbach-Markt, Kreis Krems an der Donau, trat am 1. Mai 1932 der Ortsgruppe der NSDAP Wien Währing der Bewegung bei und hat bis an den heutigen Tag ihre Mitgliedbeiträge regelmäßig bezahlt. Ihre Mitgliedsnummer ist 902.627. Derzeit gehört sie der Ortsgruppe Stockerau an. Ihre Gesinnung war jederzeit ausgezeichnet.“[36]
Bertha, Klara (Clara)
Clara Bertha, die Schwester von Dr. Hans Bertha, wird am 2. September 1894 in Bruck an der Mur geboren. Von 1924 bis 1945 ist sie Kinderkrankenschwester in der Reichsfürsorgeanstalt für Mutter und Kind (Glanzing), 1938 Oberschwester und von 1940 bis 1945 Oberschwester der Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ bzw. Wiener Städtische Nervenklinik für Kinder (Pavillon 15 und 17). Sie ist maßgeblich an der „Kindereuthanasie“ beteiligt. Bertha kündigt per 4. Juni 1945 ihr Dienstverhältnis mit der Stadt Wien. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP (Nr. 6.119.427, das Ansuchen um Aufnahme in der NSDAP wird am 31.5.1938 eingereicht, am 10.10.1941 wird das Parteibuch ausgestellt). Mitglied NS-Beamtenbund seit 18.6.1938.[37]
Fink, Karoline
Karoline Fink, geb. Beybl, wird am 1. Februar 1907 in Wien geboren. Am 16. Februar 1943 tritt sie ihren Dienst als „Zöglingsaufseherin ohne Prüfung“ im Erziehungsheim „Am Spiegelgrund“ an. Wegen ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit wird Fink am 27. Juni 1947 von der Gemeinde Wien gekündigt. Ein Ansuchen um Wiedereinstellung wird vom Erziehungsheim der Stadt Wien am 30. Juni 1948 positiv beschieden: „…Die Dienstleistung der Genannten hat zu Klagen niemals Anlaß gegeben. Sie war sehr pflichtbewußt und es kann ihre Dienstleistung als gut bezeichnet werden.“ Die Gewerkschaft hat Bedenken sie wieder als Erzieherin einzusetzen und schlägt vor, sie anderwärtig zu beschäftigen. Aus dem Personalakt ist nicht ersichtlich wie und wo Fink wieder verwendet wird. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP (Nr. 8.455.915) ab 1. Oktober 1940 Mitglied Deutsches Frauenwerk ab Oktober 1938[38]
Hapta, Hermine
Hermine Hapta, geb. Kaufmann, wird am 18. Dezember 1898 in Wien geboren. Vom 24. Februar bis 26. August 1932 ist sie Ersatzpflegerin im Krankenhaus Lainz. Ab Februar 1933 übt sie dieses Amt „Am Steinhof“ aus. Am 24. Februar 1940 wird Hapta aus gesundheitlichen Gründen in den Bürodienst im Hauptwirtschaftsamt übernommen. Sie wird am 15. Mai 1946 mit der Kündigungsfrist „per 31.12.1946“ gekündigt. Am 27. November 1948 stellt sie einen Antrag auf Wiedereinstellung bei der Stadt Wien. Am 29. Juni 1949 widerruft die Magistratsabteilung 2 die Kündigung und stellt Hapta als Hausarbeiterin im Altersheim Lainz an. 1957 wird die 59jährige Hapta aus gesundheitlichen Gründen als „dauernd dienstunfähig“ eingestuft und in den Ruhestand versetzt. 1964 stirbt Hapta in Wien. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit 1. Oktober 1934 (Nr. 6.272.876), NS-Betriebszelle Steinhof. Mitglied der NS-Frauenschaft.[39]
Helnwein, Katharina
Katharina Helnwein wird am 5. November 1909 in Wien geboren. Die gelernte Schneiderin tritt am 4. Juni 1938 ihren Dienst als „Irrenpflegerin“ am Steinhof an. Am 4. Dezember 1945 wird Helnwein mit der Kündigungsfrist „per 31. März 1946“ von der Magistratsdirektion gekündigt. Der Antrag auf Wiederaufnahme in den Pflegedienst wird am 27. Oktober 1947 vom Betriebsrat „Am Steinhof“ abgelehnt. Begründung: „Die Aufnahme von ehemaligen Nationalsozialisten wird von uns abgelehnt.“ Ein neuerlicher Antrag auf Wiederaufnahme wird ein Jahr später sowohl vom Betriebsrat als auch vom Anstaltenamt befürwortet. Der Betriebsrat beschließt am 10. September 1948: „Bezüglich der Wiedereinstellung der ehemaligen Pflegerin Helnwein Katharina wird vom hiesigen Betriebsrat kein Einspruch erhoben.“ Das Anstaltenamt lässt am 15. September 1948 verlauten: „…Mit Rücksicht auf den bestehenden Mangel an ausgebildeten Irrenpflegerinnen wird eine Wiedereinstellung von h.a. befürwortet…“ Die Magistratsabteilung 2 folgt den Empfehlungen nicht. Am 28. September 1948 schreibt der zuständige Abteilungsleiter: „Der Magistrat ist nicht in der Lage, Ihr Ansuchen um Rücknahme der Kündigung aufrecht zu erhalten.“ Über die weitere berufliche Laufbahn Katharina Helnweins gibt es im Personalakt keine Aufzeichnungen. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit 1. Februar 1935. Mitglied NS-Frauenschaft seit Juni 1938. Mitglied Deutsche Arbeitsfront seit Juni 1938. Mitglied NS-Beamtenbund ab 1940.[40]
Katschenka, Anna
Anna Katschenka wird 1905 in Wien geboren. 1927 beginnt sie als Krankenschwester bei der Gemeinde Wien. Bis 1940 arbeitet sie als Stationsschwester im Versorgungsheim Lainz. Im Dezember 1940 fordert der Direktor Erwin Jekelius in einem persönlichen Schreiben die Zuweisung der Schwester von Lainz an die Jugendfürsorgeanstalt „Am Steinhof“. Anna Katschenka ist von Januar 1941 bis Juli 1945 stellvertretende Oberschwester in der Kinderanstalt (Pavillon 15 und 17).[41] Auf eigenes Ansuchen wird sie am 10. November 1945 in das Krankenhaus Lainz versetzt. Im Juli 1946 ist Katschenka als Zeugin im Volksgerichtsprozess gegen den Leiter der „Heilpädagogischen Klinik“ Dr. Ernst Illing geladen. Während der Verhandlung im Zusammenhang mit der Ermordung der Kinder am Pavillon 15 verliert Katschenka plötzlich das Gedächtnis (vgl. Butterweck 2016:164), verstrickt sich in Widersprüche bzw. beantwortet die Fragen nicht und wird noch im Gerichtssaal verhaftet.[42] Da der Prozess unter besonderem medialem Interesse steht, stellt die Magistratsabteilung deshalb den Antrag an den Bürgermeister, Katschenka vorläufig vom Dienst zu entheben und die Bezüge als Beamtin auf die Hälfte zu reduzieren. Auszug aus dem Antrag der Magistratsabteilung 2 an den Bürgermeister vom 18. Juli 1946: „…Da im Hinblick auf die Besonderheit des Falles und der breiten publizistischen Auswertung des gesamten Prozesses eine Schädigung des Standesansehens durch die Beamtin zu befürchten ist, schlage ich vor genannte gemäß § 130 der Allgemeinen Dienstordnung mit Rücksicht auf das Ansehen des Standes vorläufig vom Dienst zu entheben; gemäß § 132 werden ihre Bezüge während der Dauer der Dienstenthebung auf die Hälfte gekürzt…“[43] Katschenka wird am 9. April 1948 vom Volksgericht Wien wegen Totschlags zu acht Jahren schweren Kerkers verurteilt. Von der Anklage der Quälerei und Misshandlung wird die Oberschwester freigesprochen. Sie wird beschuldigt auf Weisung Illings durch Verabreichung von Luminal-, Veronal- und Morphiuminjektionen 24 Kinder getötet zu haben. Katschenka beschuldigt im Prozess auch den Arzt Heinrich Gross und gibt zu Protokoll, er habe ihr befohlen die Kinder mit Tabletten oder Injektionen zu töten.[44] Die Stadt Wien entlässt die Beamtin per 9. April 1948. Am 20. Dezember 1950 wird Katschenka - nach zweijähriger Haft in der Frauenstrafanstalt Lankowitz - von Bundespräsident Karl Renner begnadigt. Im Juni 1951 erhält die Krankenschwester wieder eine Beschäftigung im St. Anna Kinderspital. Politische Aktivitäten: Mitglied Reichsbund der Deutschen Beamten Mitglied NS-Volkswohlfahrt[45]
Tillner, Rosa
Rosa Tillner, geb. Hollada, 29. Juli 1902, beginnt am 1. November 1939 als Hausarbeiterin auf der Baumgartner Höhe. Am 19. April 1943 wird Tillner als Küchengehilfin in das Zentralkinderheim versetzt. In einem Schreiben vom 25. Juli 1945 ersucht das Zentralkinderheim das Anstaltenamt Tillner zu versetzen. Begründet wird diese Bitte mit dem Verweis: „… da die Genannte eine undisziplinierte und unverträgliche Arbeiterin ist und im Interesse des Anstaltenbetriebes ein Weiterverbleiben unmöglich geworden ist. Die Genannte war Mitglied der NSDAP.“ Am 20. August 1945 wird Tillner in das Versorgungshaus Baumgarten versetzt. Sie kündigt im Dezember 1945 aus „gesundheitlichen Gründen“. Das Dienstverhältnis wird mit 30. März 1946 aufgelöst. Im März 1946 widerruft Tillner ihre Kündigung und bestreitet jemals Mitglied der NSDAP gewesen zu sein. Das Ansuchen um Rücknahme der Kündigung wird von der zuständigen Magistratsabteilung 2 am 1. September 1948 abgelehnt. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP (mit Unterbrechungen) seit 1933 (Nr. 9,018.307). Mitglied Nationalsozialistische Volkswohlfahrt. Mitglied Deutsche Arbeitsfront. Mitglied NS-Beamtenbund.[46]
Robert Zach wird am 18. März 1910 in Wien geboren. Der gelernte Fleischhauer und ehemalige Rathauswachmann wird im Sommer 1939 „unter Berücksichtigung des Mangels an Pflegepersonals am Steinhof“ als Pfleger in der Heilanstalt angestellt. Im Februar 1940 wird Zach – nach mehreren wohlwollenden schriftlichen Interventionen hochrangiger nationalsozialistischer Parteifunktionären – zur Kanzleikraft befördert. Am 8. Februar 1940 erhält er den Einrückungsbefehl. Am 28. Juni 1943 stellt das Hauptpersonalamt den Antrag, Zach zum „außerplanmäßigen Stadtassistenten“ zu ernennen. Eine Funktion, die es bisher nicht gibt und für ihn geschaffen wird. Die Begründung lautet: „ (…) Er ist deutscher Reichsbürger und hat den Nachweis der deutschblütigen Abstammung für sich und seine Ehefrau erbracht. Er ist Mitglied der NSDAP und gilt laut beiliegender Bestätigung als ‚Alter Kämpfer‘[47] (…)“. Kurz darauf erfolgt die Beförderung. In den letzten Kriegstagen, am 24. April 1945, tritt Zach erneut seinen Dienst bei der Stadt Wien an. Am 20. November 1945 wird er vom Dienst enthoben. Einen Tag später stellt er ein Ansuchen auf Wiedereinstellung in den Dienst und behauptet, im Zeitraum zwischen Oktober 1942 und November 1944[48] Mitglied der österreichischen Widerstandbewegung gewesen zu sein (militärischer Stab Major Szokoll). Mehrere Bescheinigungen bestätigen dies.[49] Im Jänner 1950 gilt Zach als vollständig rehabilitiert und ihm wird seitens der Stadt Wien die Stelle eines Hausarbeiters bei der Gemeinde Wien angeboten. Dieses Angebot lehnt er allerdings ab. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit März 1940 und „alter Kämpfer“ (Nr. 6,214.830). Mitglied der Sturmabteilung (SA) seit 14. März 1938. Zellenleiter Deutsche Arbeitsfront von Juni 1938 bis August 1939. Mitglied NS-Beamtenbund seit August 1938.[50]
Vojta, Johanna
Johanna Vojta, geb. Dubec wird am 13. März 1905 in Wien geboren. Vom 13. Mai 1938 bis 31. März 1946 ist sie Pflegerin „Am Steinhof“. Sie wird 1946 wegen Zugehörigkeit zur NSDAP von der Stadt Wien gekündigt. Mehrere Wiederaufnahmeansuchen in den Jahren 1950 bis 1957 werden von der Stadt Wien vorerst abgelehnt. 1957 wird sie wieder als Aushilfskraft angestellt. Ab 3. April 1959 ist sie Aushilfspflegerin im Krankenhaus Lainz. Im März 1966 wird die 61jährige Vojta – sie ist inzwischen Krankenschwester im Krankenhaus Lainz – aus gesundheitlichen Gründen gekündigt und tritt in den Ruhestand.[51] Biografische Skizzen der ÄrztInnen Medizinisches Personal mit nationalsozialistischer Vergangenheit (NSDAP-Mitglieder oder AnwärterInnen), die direkt oder indirekt mit dem Pavillon 15 zu tun hatten.
Baader, Dr. Maria Ida
Maria Baader wird am 10. November 1896 in Wien geboren. Sie wird am 12. Juli 1931 der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ als Anstaltsärztin zugeteilt. Am 9. Oktober 1941 wird sie zur „Städtischen Anstaltsoberärztin“ der „Wagner von Jauregg Heil- und Pflegeanstalt der Stadt Wien ‚Am Steinhof‘“ befördert. Im März 1948 wird Baader vom zuständigen Stadtrat zur provisorischen Vorständin der Pflegeanstalt für Männer in der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ vorgeschlagen. Im April 1948 wird sie zur Vorständin der Pflegeanstalt bestellt und ist somit die Vorgesetzte von Heinrich Gross. Im April 1962 wird Baader in den Ruhestand versetzt. Sie stirbt 1971 in Purkersdorf. Politische Aktivitäten: Mitglied Deutsch-österreichischer Alpenverein: „Sie neigte ins nationale Lager und hat die NSDAP durch Spenden unterstützt“ (politische Beurteilung, Gaupersonalamt, 21.12.1938). Baader ist kein Mitglied der NSDAP, aber 1940 NS-Anwärterin.[52]
Bertha, Dr. Hans (Johann)
Hans Bertha wird am 14. April 1901 in Bruck an der Mur geboren. Während seiner Studienzeit 1923/24 ist Bertha Volontärmediziner am pathologisch anatomischen Institut in Graz. 1925/26 wird er klinischer Demonstrator an der Uni-Nervenklinik Graz. 1926 bis 1929 ist er Assistent an den physiologischen Instituten in Tübingen und Berlin, und ab 1. November 1929 klinischer Assistent der Uni-Nervenklinik Graz. Am 25. April 1938 wird Bertha zum kommissarischen Leiter der Uni-Nervenklinik Graz betraut. Er erhält einen Lehrauftrag für die Vorlesung „Menschliche Erblehre als Grundlage der Rassenhygiene“. Am 15. August 1940 wird Bertha zum leitenden Primararzt der Nervenheilanstalt „Rosenhügel“ in Wien bestellt. Sein Vorgänger, Franz Formanek, wird mit 1. Juli 1940 seines Amtes enthoben.[53] Neben seiner Tätigkeit als kommissarischer Leiter der Neurologischen Abteilung des Altersheimes Lainz übernimmt Bertha im August 1941 das Referat V/3-7-„Fürsorge für Nerven-, Gemütskranke und Süchtige“ im nationalsozialistischen Hauptgesundheitsamt. Sein Vorgänger, Erwin Jekelius, wird mit 1. August 1941 seines Amtes enthoben. Im Jänner 1942 wird Hans Bertha für die Dauer der Einberufung des ärztlichen Direktors der Wiener städtischen Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“, Erwin Jekelius, zusätzlich mit der ärztlichen Oberleitung der Fürsorgeanstalt betraut.[54] Nach Ansicht von Neugebauer/Schwarz ist Hans Bertha „als ärztlicher Direktor der Heil- und Pflegeanstalt der Stadt Wien ‚Am Steinhof‘ 1944/45 als einer der Hauptverantwortlichen für die NS-Euthanasie in Wien anzusehen.“ (vgl. Neugebauer/Schwarz 2005:243ff). Vom 7. Mai bis 9. Juni 1945 wird Bertha im Anhaltelager für Nationalsozialisten in der Anstalt (Pavillon 23) inhaftiert. Anschließend arbeitet er wieder in der Prosektur „Am Steinhof“ (vgl. Gabriel 2007:162). Am 28. November 1946 ist er nach wie vor im Personalstand der Stadt Wien verzeichnet. Die Magistratsabteilung 17 ersucht die zuständige Magistratsabteilung 2 „die Kündigung Berthas ehebaldigst durchzuführen“. Im Jänner 1947 übermittelt die Magistratsabteilung 2 die Kündigung an das Landesgericht für Strafsachen in Wien. Bertha wird wegen §§ 3, 4 Kriegsverbrechergesetz inhaftiert[55]. Am 10. April 1948 wird das Verfahren gegen Bertha in Wien eingestellt. Das Volksgericht beim Landesgericht für Strafsachen in Graz verhandelt am 25. September 1948 wegen § 11 Verbotsgesetz gegen ihn. Er wird freigesprochen. Ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der Stadt Wien und Hans Bertha im Zusammenhang mit der 1947 erfolgten Kündigung[56] dauert bis 1955.[57] 1953 erhält er die Lehrbefugnis an der Klinik für Neurologie und Psychiatrie in Graz. 1956 wird er dort zum Titularextraordinarius ernannt, 1960 wird er außerordentlicher und 1962 ordentlicher Professor. In den Jahren 1960-1964 ist er Klinikvorstand der Nervenklinik in Graz.[58] Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP (Nr. 1,521.286, Aufnahme 1.3.1933) SS-Untersturmführer (April 1937, Nr. 304193) Mitglied NS-Dozentenbund (1938) Leiter der SS-Studiengemeinschaft, von 1929 bis zur Auflösung ist Bertha Mitglied des steirischen Heimatschutzes.[59]
Bruha, Dr. Franz (Veit)
Franz (Veit) Bruha wird am 6. Dezember 1898 in Wien geboren. Nach seiner Matura im Jahr 1917 meldet er sich als Einjährig-Freiwilliger für den Kriegsdienst und besucht die Offiziersschule in Bruck (Bruckneudorf). Vom Mai 1919 bis November 1925 studiert er Medizin an der Universität in Wien. Im September 1927 beginn er als Anstaltsarzt „Am Steinhof“, absolviert daneben den Amtsarztkurs und wird schließlich Direktionssekretär der Heil- und Pflegeanstalt. Von 1934 bis 1937 ist er Primarius und Abteilungsvorstand der Heil-und Pflegeanstalt in Ybbs an der Donau. 1939 kehrt er wieder an den Steinhof zurück und wird Vorstand der Frauenpflegeanstalt „Am Steinhof“, eine Stelle die er bis 1945 innehat. Am 1. Juli 1945 wird er „außer Dienst“ gestellt. Von 1945 bis 1947 arbeitet er gegen Taggeld als neurologischer Konsiliarius im Zentralen Infektionskrankenhaus auf der Baumgartner Höhe und ist Facharzt für Psychiatrie und Neurologie. Bruha stirbt am 6. Jänner 1956 in Wien. Politische Aktivitäten: 1926 – 1934 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei 1.1.1938 bzw. 1.4.1940 Mitglied der NSDAP (Nr. 7,973.667) der Antrag im Jahr 1938 wird vom Kreisleiter vorerst abgelehnt. Im März 1940 stellt Bruha einen neuerlichen Aufnahmeantrag. Am 10. März 1941 wird die Mitgliedskarte ausgestellt. 1938 Mitglied der SA-Standarte 31 1941 Mitglied NSDÄB (Hubenstorf 2015)
Gross, Dr. Heinrich
Heinrich Gross wird am 14. November 1915 in Wien geboren. Er schließt 1939 sein Medizinstudium in Wien ab. 1940 arbeitet er in der Heil- und Pflegeanstalt in Ybbs/Donau[60] bzw. in der Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“. Die erste Einrückung zur Wehrmacht erfolgt 1942, dauert allerdings nur kurz. Gross kehrt nach einem Monat als „uk“ (unabkömmlich) zurück. 1943 muss Gross neuerlich einrücken. Er kommt 1948 aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück. (vgl. Gabriel 2007:174) 1950 wird ein Prozess gegen Gross vor dem Volksgericht Wien eröffnet. Ihm wird die Mitschuld an der Tötung von Kindern „Am Spiegelgrund“ vorgeworfen. Volksgericht Urteil vom 26. April 1950[61]: „… Der Angeklagte Dr. Heinrich Gross ist schuldig, er habe in Wien als Arzt in den Jahren 1941/1942 in der städtischen Nervenklinik für Kinder in Wien „Am Spiegelgrund“ durch absichtliche Herbeischaffung der Mittel, zur sicheren Vollstreckung der Übeltat der Krankenpflegerin Anna Katschenka, nämlich die vorsätzliche Tötung eines Pflegebefohlenen durch Verabreichung von Gift wie Luminal, Veronal oder Morphium, ohne dass sie Mörderin war, beigetragen; der Täter habe aus Willfährigkeit gegenüber Anordnungen gehandelt, welche im Interesse der nat. sot. Gewaltherrschaft ergangen sind, er hat hiedurch das Verbrechen der Mitschuld am Totschlag (…) begangen und wird zur Strafe des schweren Kerkers in der Dauer von zwei (2) Jahren, verschärft durch 1 hartes Lager vierteljährlich (…) verurteilt…“ Vom Verbrechen des Hochverrates wird Gross vom Volksgericht bereits im April 1950 freigesprochen.[62] Das Urteil wird wegen Formalfehler aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft tritt allerdings 1951 von der Anklage zurück. Von 1951 bis 1955 arbeitet Gross in der Nervenheilanstalt Rosenhügel, ab 1955 wieder „Am Steinhof“. 1956 ist er Oberarzt der Männer-Pflegeanstalt und von 1957 bis 1963 Vorstand der Männer-Heilanstalt, danach Vorstand der 2. Psychiatrischen Abteilung. 1981 tritt Gross in den Ruhestand. In den Jahren zwischen 1960 – 1983 bekleidet er das Amt des ständig beeideten Gerichtssachverständigen für Neurologie und Psychiatrie. Ab 1968 leitet Gross das „Ludwig Bolzmann-Institut zur Erforschung der Missbildungen des Nervensystems“. 1976 wird er mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet. In den 1980er Jahren wird Gross mehrmals wegen seiner Tätigkeit „Am Spiegelgrund“ und den in diesem Zusammenhang ermordeten Kindern öffentlich kritisiert. 1980 wird er aus der SPÖ ausgeschlossen. Bis 1987 bleibt Gross Mitglied im BSA.[63] In den 1990er Jahren kommt es zu gerichtlichen Vorerhebungen und im Jahr 2000 zur Eröffnung eines Prozesses gegen Gross. Der Prozess wird wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten unterbrochen und bis zum Tod von Gross nicht wieder aufgenommen. (vgl. Gabriel 2007:174) Politische Aktivitäten: Mitglied der Hitlerjugend (April 1932). Mitglied der SA, seit Juni 1933. 1937 Oberscharführer und am 30. Jänner 1938 Truppenführer Anfangs beim Sturm 13/99, ab 1934 Sturm 21/4; ab 1935 Schulungsführer, ab 1936 Bezirksschulungsführer im 14. Bezirk, ab Mai 1936 Sturmbannschulungsführer des Sturmbanns III/4. Ab 1938 Truppenführer im Sturm 11/81.[64] Mitglied der NSDAP (Nr. 6.335.279), Beitritt Mai 1938[65] 1953 Mitglied der SPÖ. Mitglied des BSA.
Hübsch, Dr. Margaret(h)e
Margarete Hübsch wird am 19. Juni 1903 in Wien geboren. Im Dezember 1927 promoviert sie in Medizin und ist von 1930 bis 1940 Ärztin in der Nervenheilanstalt Döbling. Von 1941 bis 1942 ist sie Fachärztin „Am Spiegelgrund“. Am 16. April 1942 wird sie zur Anstaltsoberärztin in der „Heilpädagogischen Klinik der Stadt Wien, Am Spiegelgrund“ ernannt. Sie ist bis zur Übernahme durch Dr. Ernst Illing am 1. Juli 1942 die interimistische Leiterin. Hübsch wird mit 1. Juli 1942 als Fachärztin ins Hauptgesundheitsamt versetzt. Von 1. April bis 18. Juli 1946 ist Hübsch in Haft. Sie muss sich im Juli 1946 vor dem Volksgericht Wien wegen des Vorwurfs der Kinder-„Euthanasie“ verantworten. Hübsch wird vom Gericht freigesprochen. Die Stadt Wien kündigt sie schließlich mit 30. September 1946.[66] Politische Aktivitäten: NSDAP-Anwärterin seit Juni 1938 Anwärterin des NSD-Ärztebundes seit Herbst 1938 (Der SS-Hauptsturmführer des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS, SD-Leitabschnitt Wien beurteilt Margarete Hübsch am 19. Juli 1941: „(…) Nach Auskunft aus ihrer Wohngegend soll H. wie auch ihre Familie seit jeher nationalsozialistisch eingestellt sein und sich seit Jahren für den Nationalsozialismus ausgesprochen haben. (...) Von gleicher Seite wird auch auf die Abstammungsverhältnisse der H. hingewiesen und angedeutet, daß sie angeblich Mischling wäre. (…)“ Hübsch wird schließlich doch Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 9.017.341) und Mitglied der NS-Frauenschaft (vgl. Fürstler/Malina 2004:324).
Huber, Dr. Alfons (Rudolf Maria)
Alfons Huber wird am 18. September 1884 in Innsbruck geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums absolviert er das Medizinstudium in Innsbruck. Ab 1912 ist er Facharzt für Nerven- und Geisteskrankheiten und Hilfsarzt in der Männerabteilung „Am Steinhof“. Ab 1927 übernimmt der die Beratungsstelle für Nerven- und Gemütskranke der Stadt Wien. 1930 wird er Primarius und Abteilungsvorstand in der Heilanstalt für Männer „Am Steinhof“. In der NS-Ära wird Huber zum Gerichtssachverständiger ernannt und Hilfsarzt im Gesundheitsamt. Während des Krieges ist er vertretungsweise Leiter der Männerabteilung „Am Steinhof“. Von 1947 bis 1950 ist er Vorstand der Frauen-Heilanstalt, daneben Gerichtssachverständiger. Ein Untersuchungsverfahren gegen ihn wird 1950 eingestellt. Danach ist er als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie „Am Steinhof“ tätig. Alfons Huber stirbt am 29. März 1967 in Wien. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP und des NSDÄB ab 10. Juli 1940 (Hubenstorf 2015)
Illing, Dr. Ernst
Ernst Illing wird am 6. April 1904 in Leipzig geboren. Sein Medizinstudium schließt er 1929 ab. Von 1930 bis 1934 arbeitet er in der Psychiatrischen Nervenklinik der Universität Leipzig. Danach ist er vier Jahre Oberarzt der Landes-Anstalt in Potsdam. Im Juli 1942 übersiedelt der ausgebildete Nervenarzt als kommissarischer Direktor der Städtischen Nervenklinik für Kinder nach Wien. Er wird „Obergemeinschaftsleiter“ im Stab des rassenpolitischen Amtes. Am 22. Mai 1945 wird Illing wegen Mordes, Quälerei und Misshandlung der Kinder „Am Steinhof“ verhaftet. Das Volksgericht Wien verurteilt ihn deshalb am 18. Juli 1946 zum Tode durch den Strang. Am 13. November 1946 wird er in Wien hingerichtet. (vgl. Gabriel 2007:191) Illing erklärt als Beschuldigter im Prozess vor dem Volksgericht Wien am 22. Oktober 1945: „Es ist richtig, dass ungefähr ein monatlicher Zugang von 50 Kindern war. 33% bis 50% der Todesfälle sind durchschnittlich mit Nachhilfe gestorben.“ Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit 1. Mai 1933 (Blockleiter, Zellenleiter, Kreisamtsleiter und Gauhauptstellenleiter)[67]
Erwin Jekelius wird am 5. Juni 1905 in Hermannstadt (Rumänien) geboren. Sein Medizinstudium in Wien schließt er 1931 ab. 1929 und 1930 arbeitet er als Hospitant im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. 1936 tritt er als Ordinarius seine Stelle „Am Steinhof“ an. 1939 wird er zum Primarius und Vorstand der Trinkerheilanstalt ernannt und leitet parallel dazu das Referat „Geisteskranken-, Psychopathen- und Süchtigenfürsorge“ im Gesundheitsamt. Als am 24. Juli 1940 die „Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund“ in Betrieb genommen wird, übernimmt er die Direktion. Am 2. Jänner 1942 wird Jekelius zur Wehrmacht[68] einberufen, die Direktion der Jugendfürsorgeanstalt übernimmt in dieser Zeit Ernst Illing. 1945 wird er als Kriegsverbrecher gesucht und am 17. Mai 1945 in Wien festgenommen. Jekelius wird beschuldigt, an der Massenvernichtung der Zivilbevölkerung in der ehemaligen UdSSR beteiligt gewesen zu sein. Neben den Kriegsverbrechen wird ihm die Vernichtung Geisteskranker in den Jahren 1940/41 sowie auch die Tötung von Kindern „Am Spiegelgrund“ in den Jahren 1941/42 vorgeworfen. Auf Anordnung des sowjetischen Militärstaatsanwaltes wird er in die Sowjetunion gebracht und in einem Prozess 1948 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Jekelius stirbt am 8. Juli 1952 in sowjetischer Gefangenschaft. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit Juli 1933. Mitglied der SA seit März 1938. (vgl. Gabriel 2007:176)
Jokl, Dr. Helene
Helene Jokl wird am 11. September 1895 in Wien geboren. Sie promoviert am 31. Jänner 1921 an der Universität Wien. Von 1921 bis 1925 arbeitet sie als Aspirantin im Wilhelminenspital. Von 1925 bis 1928 ist sie Anstaltsärztin im Wiener Versorgungsheim. Von 1928 bis 1940 ist sie Amtsärztin bei der Polizeidirektion Wien. Von 1940 bis 1942 arbeitet sie als Anstaltsärztin „Am Spiegelgrund“. Nach Intervention des kommissarischen Direktors Dr. Ernst Illing am 15. September 1942, wird Jokl nach Klosterneuburg versetzt. Dazu Illing in seiner Beurteilung: „…Da Frau Dr. Jokl somit für die hiesige differenzierte Klinik keine brauchbare Mitarbeiterin darstellt und trotz ihres guten Willens, Bemühens und Fleißes voraussichtlich auch in Zukunft nicht werden wird, bitte ich um ihre baldige Versetzung an eine andere Dienststelle…“ Am 5. Oktober 1945 beginnt Jokl ihre Arbeit in der Heilanstalt Klosterneuburg, wo sie bis zum 1. April 1946 arbeitet und dann außer Dienst gestellt wird. Im Oktober 1947 wird die Suspendierung aufgehoben und Jokl versieht nun Dienst als Anstaltsärztin im Altersheim Baumgarten. Sie wird am 4. Oktober 1960 pensioniert und stirbt am 6. Juli 1971 in Wien. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit 1939[69]
Krenek, (Johann) Hans
Hans Krenek wird am 11. März 1903 in Wien geboren. Nach seiner Lehrerausbildung arbeitet er zunächst als Erzieher bei der Gemeinde Wien. 1931 absolviert er die Ergänzungsmatura und beginnt ein Studium der Psychologie und Philosophie in Wien, das er 1938 erfolgreich abschließt. 1939 ist er kommissarischer Leiter des Zentralkinderheimes, 1940 wird er unter Erwin Jekelius pädagogisch-psychologischer Leiter der Jugendfürsorgeanstalt „Am Steinhof“. Nach der Spaltung und Verselbständigung des Erziehungsheimes im Jahr 1942 wird Krenek Direktor. Er bleibt dies bis zu seiner Außerdienststellung 1945. Krenek wird 1948 wieder in den Dienst der Gemeinde Wien gestellt (Magistratsabteilung 6, Buchungsabteilung). 1957 erfolgt die Versetzung in die Magistratsabteilung 17 als Leiter des Referates Jugendfürsorgeanstalten. 1961 übernimmt er die Leitung der Städtischen Lehrlingsheime. 1952 befördert ihn die Stadt Wien zum Amtsrat, 1961 wird er Oberamtsrat. 1966 ist er für die Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich vorgesehen. Hans Krenek stirbt vor der Verleihung des Ehrenzeichens. Politische Aktivitäten: 1923 – 1934 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Ab 1936 Mitglied der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation im Krankenhaus Lainz, dort 1938/39 Organisations- und Propagandaleiter bzw. Zellenleiter. Nach 1945 Mitglied der SPÖ. 1951 Mitglied des BSA (Gabriel 2007:192).
Kryspin-Exner, Dr. Olga (Anna Johanna)
Olga Kryspin Exner wird am 24. oder 25. Mai 1893 in Legisa (Polen) geboren. Sie ist mit Wichard Krispyn-Exner verheiratet. 1921 bis 1926 arbeitet sie in der Irrenanstalt in Stenjevic/Zagreb. 1927 beginnt sie als Ärztin im Karolinen-Kinderspital in Wien. Von 1928 bis 1930 arbeitet sie in Ybbs bzw. in Wien. Von 1941 bis 1945 ist sie Anstaltsärztin „Am Steinhof“. Sie ist kein Mitglied der NSDAP. Kryspin-Exner ist unter anderem auch für die erbbiologische Bestandsaufnahme „Am Steinhof“ zuständig. Nach 1945 ist sie weiterhin als Anstaltsärztin „Am Steinhof“ tätig (Hubenstorf 2015).
Kryspin-Exner, Dr. Wichard (auch Richard)
Wichard Kryspin-Exner (im Akt auch Richard) wird am 29. Jänner 1893 in Wilton/Tirol geboren. Er studiert Medizin und promoviert am 6. Dezember 1920. Am 1. Februar 1927 tritt er in den Dienst der Stadt Wien als Anstaltsarzt der Heil- und Pflegeanstalt Ybbs. 1930 ist er Primararzt „Am Steinhof“. 1936 wird er Vorstand der Männerabteilung „Am Steinhof“. Ab 23. August 1938 ist er NSDAP-Anwärter. Kryspin-Exner in seinem Lebenslauf vom 10. August 1938: „Ich gehöre der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an.“ 1938 heiratet er seine Lebensgefährtin Olga. Am 3. Oktober 1938 übernimmt Kryspin-Exner die provisorische Leitung der Heil- und Pflegeanstalt in Ybbs. Das Personalamt beurteilt ihn folgendermaßen: „Dr. Kryspin ist Mitglied der NSDAP und bietet die Gewähr, dass er jederzeit für den nat. soz. Staat eintritt.“ Nach verschiedenen Beschwerden und Anzeigen der Gauleitung wird Kryspin-Exner am 24. Juli 1940 vom Dienst enthoben und mit der Leitung der Prosektur „Am Steinhof“ betraut. Der Vorwurf lautet: „Er ist nicht in der Lage, die Anstalt zu leiten.“ Im September 1940 verliert er auch diese Leitung und ist nunmehr Anstaltsarzt „Am Steinhof“. Am 22. Oktober 1943 teilt die NSDAP-Ortsgruppe Flötzersteig mit, dass die Aufnahme als Mitglied abgelehnt wird. Am 9.April 1946 kehrt Kryspin-Exner von der Front zurück und tritt sofort seinen Dienst als Primarius „Am Steinhof“ an. Am 13. Jänner 1947 wird sein Werdegang durch die Sonderkommission der Magistratsabteilung 2 überprüft und wie folgt beurteilt: „Der Beamte ist tragbar.“ (Handschriftlicher Vermerk: „Oktober 1943 von NSDAP abgelehnt“.) Primararzt Kryspin-Exner stirbt am 23. April 1956.
Lhotsky, Dr. Jaromir (Karl Josef)
Jaromir Lhotsky wird am 31. Juli 1907 geboren. Sein Studium der Medizin schließt er im Mai 1935 ab. 1937/38 arbeitet er in der psychiatrisch-neurologischen Abteilung des staatlichen Krankenhauses Košice (Slowakei). In den Jahren 1939/40 ist er Aushilfs-Anstaltsarzt „Am Steinhof“. Ab 1940 arbeitet er als Anstaltsarzt „Am Steinhof“ und betreibt eine Praxis als Facharzt für Nervenkrankheiten in Wien Rudolfsheim. Im März 1943 wird er einberufen. Nach dem Ende des Krieges ist er Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Wien Hietzing. In den 1970er Jahren übersiedelt Lhotsky nach Niederösterreich und betreibt eine Praxis in Wiener Neustadt. Daneben ist er Konsiliar-Facharzt für Neurologie im Krankenhaus Wiener Neustadt. Lhotsky stirbt am 26. Jänner 1993. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP (Hubenstorf 2015)
Podhajsky, Dr. Wilhelm
Wilhelm Podhajsky wird am 9. Oktober 1902 in Travnik/Bosnien geboren. Nach (unvollständigen) juristischen Studien und dem Studium der Medizin in Wien promoviert Podhajsky 1934 in Wien. Danach arbeitet er 1 ½ Jahre im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien (Interne Abteilung). 1935 beginnt er in der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ zu arbeiten. 1940 wird er dort Direktionssekretär. Während des Krieges ist Podhajsky Leiter der Frauen-Pflegeanstalt. Nach der neurologischen Nebenfach-Ausbildung in der Nervenheilanstalt Rosenhügel wird er 1950 Facharzt für Psychiatrie und Neurologie. Am 19. Dezember 1950 wird er mit der Anstaltsleitung betraut, 1953 wird Podhajsky zum Direktor ernannt und bleibt in diesem Amt bis zu seiner Pensionierung 1967. Laut Eberhard Gabriel „Keine Registrierungspflicht als Nationalsozialist“ (Gabriel 2007:163). Podhajsky ist nicht Mitglied der NSDAP, allerdings Mitglied der SA. Am 3. Jänner 1940 wird er als NSDÄB-Anwärter abgelehnt (Hubenstorf 2015). Podhajsky stirbt am 23. Juli 1994 in Wien.
Schmied, Dr. Friedrich
Friedrich Schmied wird am 3. November 1913 in Wien geboren. Nach seiner Matura 1931 beginnt er sein Medizinstudium in Wien und promoviert 1937. Nach dem österreichischen Bundesheer und der deutschen Wehrmacht beginnt er im Dezember 1938 seinen Dienst in der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“. Im Juli 1939 wird er neuerlich in die Wehrmacht einberufen. 1946 kehrt er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurück. Von 1940 bis 1944 arbeitet er als Stabsarzt im psychiatrischen Reservelazarett auf der Baumgartner Höhe. Von 1948 bis 1952 ist er Direktionssekretär. 1950 wird er als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie anerkannt. 1952 wird er zunächst als provisorischer Leiter der Frauen-Pflegeanstalt betraut, ab 1953 ist er Primarius und Abteilungsvorstand, ab 1963 auch Vorstand der 3. Psychiatrischen Abteilung. Laut Eberhard Gabriel gibt es bei Schmied „keine NSDAP-Mitgliedschaften. SPÖ-Mitglied ab 1946“ (Gabriel 2007:163). Schmied ist allerdings Mitglied der SA (Hubenstorf 2015). Friedrich Schmied stirbt am 2. März 1984 in Wien.
Seitelberger, Dr. Franz
Franz Seitelberger wird am 4. Dezember 1916 in Wien geboren. Im Sommer 1935 maturiert er am Hietzinger Gymnasium wo er nach eigenen Angaben erstmals mit dem Nationalsozialismus in Kontakt kommt. Im Herbst 1935 beginnt er sein Medizinstudium und arbeitet daneben wissenschaftlich am Institut der medizinischen Fakultät. Am 1. Mai 1938, tritt Seitelberger der SS-Einheit „Sturm 1/89“ bei. Am 1. Juli 1940 wird er Mitglied der Nationalsozialisten, im selben Jahr wird er zum SS-Untersturmführer ernannt. Seitelberger promoviert am 2. November 1940 an der Universität Wien zum Doktor der gesamten Heilkunde. Im Juli 1941 nimmt er am Feldzug in Polen teil und wird 1942 in Russland durch eine Mörsergranate verwundet (DÖW R 275). 1947 absolviert er seine Ausbildung zum Facharzt am Neurologischen Krankenhaus am Rosenhügel, ab 1949 arbeitet er am Psychiatrischen Krankenhaus „Am Steinhof“. 1950 wird Seitelberger als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie zugelassen. Ab 1951 arbeitet er am Neurologischen Institut unter der Leitung von Hans Hoff. 1954 habilitiert Seitelberger für Neurologie, Neuroanatomie und Neuropathologie und erhält 1958 den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors. 1959 wird er zum Vorstand des Neurologischen Institutes der Universität Wien ernannt. 1964 folgt die Berufung als ordentlicher Professor für Neurologie. In den Jahren 1974/75 fungiert er als Dekan der Medizinischen Fakultät danach als Rektor der Universität Wien. Nachdem Seitlbergers SS-Mitgliedschaft bekannt wird, fordern Studierende 1976 seinen Rücktritt als Rektor an der Universität Wien. Die zuständige Wissenschaftsministerin Hertha Firnberger gibt am 3. März 1976 bekannt, dass Seitelberger lediglich als „Minderbelasteter“ eingestuft wird. Seitelberger erklärt seine SS-Einheit sei als „Sportvereinigung“ anzusehen. 1987 wird Seitelberger emeritiert. 2003 wird bekannt, dass Seitelberger für seine Forschungsarbeiten im Rahmen seiner Habilitation Gehirnpräparate von Euthanasie-Opfern als Untersuchungsobjekte herangezogen und mit dem Gerichtspsychiater Heinrich Gross zusammengearbeitet hat. Als international renommierter Neurologe wird er mehrfach ausgezeichnet: Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold sowie Erwin Schrödinger-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaft. Seitelberger stirbt am 2. November 2007 in Wien.[70] Politische Aktivitäten: Mitglied der SS-Einheit „Sturm 1/89“ seit 1. Mai 1938 Mitglied der NSDAP seit 1. Juli 1940, Nr. 8.121.499 (DÖW R 275)
Türk, Dr. Marianne
Marianne Türk wird am 31. Mai 1914 in Wien geboren. Über ihre Tätigkeit am Steinhof gibt sie selber im Zuge ihrer Pensionierung im Jahr 1970 Folgendes an: „Vom 15. März 1939 bis 18. Juli 1946 stand ich als Anstaltsärztin im Dienst der Gemeinde Wien, u(nd) zwar in der Heil- und Pflegestation ‚Am Steinhof‘ anschließend in der Jugendfürsorgeanstalt ‚Am Steinhof‘ bzw. in der Nervenklinik für Kinder und im Erziehungsheim am Spiegelgrund.“[71] Am 25. Juni 1945 wird Türk wegen Mordes verhaftet. Das Volksgericht Wien verurteilt sie zu zehn Jahren schweren Kerkers wegen Mordes.[72] Im Zuge des Verfahrens vor dem Volksgericht gibt Türk rund 200 Tötungen von Kindern in der Zeit zwischen Juli 1942 und April 1945 zu. Sie wird am 30. September 1946 von der Gemeinde Wien gekündigt.[73]
Uiberrak, Dr. Barbara
Barbara Uiberrak wird am 30. Juli 1902 geboren. Das Medizinstudium schließt sie 1934 mit ihrer Promotion ab. Am 1. August 1938 wird sie mit der Führung der Prosektur in der Heil und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ betraut. Ab Mai 1941 wird Uiberrak Städtische Chefärztin. 1945 wird sie außer Dienst gestellt, entlassen aber gegen Taggeld weiter „Am Steinhof“ beschäftigt. Am 1. Dezember 1947 wird sie wieder mit vollen Bezügen in den Personalstand genommen. 1957 wird die Entlassung aufgehoben und Uiberrakt arbeitet bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1968 im Prosekturdienst. 1968 erhält sie das Goldene Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich. Am 13. Jänner 1979 verstirbt die Ärztin in Wien. Politische Aktivitäten: Mitglied der NSDAP seit Juli 1938 (vgl. Gabriel 2007:186).
Wissgott, (Wißgott) Dr. Lothar
Lothar Wissgott (im Akt auch Wißgott) wird am 5. März 1906 geboren. Nach seiner Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Geisteskrankheiten sowie Facharzt für Zahnheilkunde, arbeitet er ab 1935 „Am Steinhof“. Wissgott ist ab 25. November 1938 als nebenberuflicher Zahnarzt der Heil- und Pflegestation „Am Steinhof“ tätig. Über seine politische Einstellung schreibt NS-Hauptvertrauensmann Dr. Jekelius: „Dr. Lothar Wissgott, war bis zum Umbruch klerikal vaterländisch und in entsprechenden Vereinen tätig. Seine Gesinnung hat er auch als März S.A. Mann nicht geändert. Charakterlich: schwächlicher Kritikaster, hinterfetzig (sic!), tut beruflich seine Pflicht, kalt, kontaktarm. Wird niemals ein Nationalsozialist werden.“[74] Im Jahr 1944 führt Wissgott zahlreiche Zwangssterilisationen „Am Steinhof“ durch (Hubenstorf 2015). Am 17. Juli 1946 wird er formell der Magistratsabteilung 15 zugeteilt, 1952 wird er Ober-Bezirks-Arzt und Leiter der Fürsorge für Nerven- und Gemütskranke der Magistratsabteilung 15, danach wird er zum Oberphysikatsrat und Leiter des Bezirksgesundheitsamtes Wien Ottakring ernannt. Am 14. Mai 1982 verstirbt Wissgott. Politische Aktivitäten: Anwärter NSDÄB (1.2.1940) Mitglied der SA Mitglied NS-Beamtenbund (ab 1. Juli 1938). NSD-Ärztebund (ab 20. Dezember 1939).[75] Rosenhügel Die Geschichte der Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Rosenhügel ist eng mit der Person Andreas Rett verbunden. Im Jänner 1956 wurde auf Pavillon XVII des Altenheimes Lainz eine Sonderabteilung für „anstaltsbedürftige Jugendliche“ eröffnet. Die Abteilung erhielt die Bezeichnung „Abteilung für Kinderneurologie“. Die Leitung für diese Sonderabteilung übernahm Andreas Rett.
Rett, Dr. Andreas
Andreas Rett wird 1924 in Fürth (Deutschland) geboren. 1932 tritt er der Hitlerjugend bei und übernimmt in der Folge eine führende Stellung beim HJ-Bann.[76] Laut Unterlagen des Bundesarchivs Berlin (BDC-Bestand) tritt er am 1. September 1942 in Innsbruck der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 9,260.108).[77] Im Krieg ist er als Hilfsarzt bei der Kriegsmarine tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt Rett sein Studium der Medizin an der Universität Innsbruck fort. Im Sommersemester 1946 wird seine Inskription an der Franzens-Universität in Innsbruck abgelehnt. Als Begründung wird seine nationalsozialistische Vergangenheit angeführt. Rett bestreitet in einem Schreiben seine Mitgliedschaft bei der NSDAP, seine Bitte um Aufnahme an der Universität wird für das Sommersemester abgelehnt. Die Kommission kommt zu dem Schluss: „Aufgrund der staatspolizeilichen Auskunft und dem Umstand, daß Rett, der Reichsdeutscher ist, in den hiesigen Studentenkreisen als eifriger Nationalsozialist bekannt ist, lehnt die österr. Hochschülerschaft ein Weiterstudium des Rett ab.“[78] Aus dem Personalakt geht nicht hervor, wann das Studienverbot aufgehoben wird. 1949 schließt Rett sein Studium in Innsbruck ab; im selben Jahr erhält er die österreichische Staatsbürgerschaft.[79] Die Ausbildung zum Kinderarzt absolviert Rett am Preyerschen Kinderspital in Wien. Im Jänner 1956 wird auf Pavillon XVII des Altenheimes Lainz eine Sonderabteilung für „anstaltsbedürftige Jugendliche“ eröffnet. Die Abteilung erhält die Bezeichnung „Abteilung für Kinderneurologie“. Die Leitung dafür erhält Rett.[80] Die weiteren beruflichen Schritte laut Personalamt der Stadt Wien: 1961: Definitivstellung 1966: Beförderung zum Vorstand der Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel in Wien; Lehrbeauftragter an der Universität Wien 1967: Habilitation für das Fach Neuropädiatrie (vgl. Neugebauer/Schwarz 2005:230) 1976: Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1984: Verleihung des „Goldenen Ehrenzeichens“ 1985: Bestellung zum ärztlichen Leiter des KH Rosenhügel 1989: Pensionierung
Wissenschaftliche Verwertung von NS-Kindereuthanasieopfer
Im Jahr 1968 beteiligt sich Rett an der wissenschaftlichen Verwertung der NS-Kindereuthanasieopfer. Es erscheint eine Publikation mit Heinrich Gross, Kurt Jellinger, Elfriede Kaltenböck, Infantile Cerebral Disorders, in: Journal oft the neurological Sciences 7 (1968), pp. 551-564. Grundlage für diese Arbeit sind Gehirnpräparate, die von ermordeten Spiegelgrundopfern stammen (Czech 1999:63 und vgl. Neugebauer/Schwarz 2005:230 ff).
1966 – 1989 Vorstand am Rosenhügel
Von 1966 bis 1989 ist Rett Vorstand der Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel in Wien, ab 1985 dessen ärztlicher Direktor. In den 1980er Jahren veröffentlicht Rett zusammen mit dem Anthropologen Horst Seidler zwei Bücher: „Das Reichssippenamt entscheidet, Rassenbiologie im Nationalsozialismus, Wien 1982“ und „Rassenhygiene. Ein Weg in den Nationalsozialismus, Wien-München 1988.“ 1997 verstirbt Rett in Wien (Neugebauer/Schwarz 2005:230 ff).
Rett und Birkmayer
Andreas Rett und Walther Birkmayer verband nicht nur die gemeinsame Zeit im „Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA)“. Ein Schreiben vom 24. Jänner 1984 von Walther Birkmayer dokumentiert, dass beide Mediziner sowohl privat als auch beruflich verbunden waren. Auszug aus dem Brief: „Lieber Andi! Ich habe das Bedürfnis, Deinen Geburtstag mit dem begleitenden Affekterlebnissen meinerseits und mit einer Analyse unserer gegenseitigen Induktionen schriftlich zu verewigen. Dein 60. Geburtstag war sicher der Höhepunkt Deines bisherigen Lebens. Was verbindet uns? Zwei Alpha, die in der Relation einer permanenten Induktion stehen, da sie glücklicherweise nicht das gleiche Fachgebiet beackert haben. Eine Eigenschaft des Alpha habe ich bei meiner Rede zu Deinem Geburtstag vergessen. Der Alpha hat das besondere Bedürfnis die Omega-Individuen seiner Gruppe unter seinen besonderen Schutz zu stellen. Diese Eigenschaft haben wir beide in großem Masse. Es gibt für mich nichts Beglückenderes als einem anderen helfen zu können. Du verfügst nicht nur über eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, über eine ausgezeichnete Erfassung der beobachtenden Bedeutung, und über eine vitale Programmierung des systematischen Weiterforschung. Das ist sicher ein germanischer Erbteil. (…)“[81]
Birkmayer, Dr. Walt(h)er
Walter (auch Walther) Birkmayer wird am 15. Mai 1910 in Wien geboren. 1932 tritt er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6,126.574; offizielles Aufnahmedatum ist der 1. Mai 1938, Austritt 10. Februar 1943)[82]. Der SS-Untersturmführer (SS-Nr. 309 088) publiziert 1938 mehrere Vorträge in der NS-Zeitung „Wiener Klinische Wochenzeitschrift“. Zum Thema „Vererbung der Nervenkrankheiten“ schreibt Birkmayer: „…Ich möchte fast sagen, die Propaganda ist die Sonne, die alles wachsen lässt, Wertvolles und Unkraut. Wir Ärzte müssen nun, soweit es unser Aufgabenbereich ist, dieses Unkraut des minderwertigen Charakters jäten und ausrotten…“[83] Über „Charakter und Vererbung“ äußert sich Birkmayer im Jahr 1938: „…Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass das Wissen um diese Dinge uns verpflichten, überall dafür einzutreten und aufzuklärend zu wirken. Wenn wir nun in allen Fällen, wo wir für die Substanz unseres Volkes eine Gefahr sehen, die Sterilisation fordern müssen, so ist das keineswegs eine dem ärztlichen Geist widersprechende Handlung… (…) Unserem Volke bleibt es vorbehalten, ein Genie zu gebären, das instinktiv erkannte und forderte, dass nur die Reinheit der Rasse und die erbbiologische Gesundheit des Volkes vor dem Verfall retten kann. Und wir müssen als fanatische Jünger alles Krankhafte, Unreine und Verderbenbringende aus unserem Volke ausrotten, damit es nach Generationen durch die Läuterung befähigt ist, die ihm zugedachte Sendung zu erfüllen.“[84] Birkmayer wird zum „Hauptstellenleiter im Rassenpolitischen Amt in Wien“ ernannt[85]. Im Herbst 1939 wird vom „Sittenamt“ in Wien festgestellt, dass Birkmayer „jüdische Wurzeln“ hat. Am 21. Dezember 1939 wird er deshalb aus der SS entlassen.[86] Birkmayer in seiner Stellungnahme dazu aus dem Jahr 1945 (Auszug): „Im Herbst 1939 wurde vom Sippenamt festgestellt, dass ich Mischling 2ten Grades bin. Ich mußte daraufhin aus der SS und Partei austreten. Ich reichte damals ein Gesuch um Gleichstellung mit Deutschblütigen ein, dessen Entscheidung auf Kriegsende vertragt wurde...“[87] Das Rektorat der Universität Wien genehmigt am 17. Oktober 1940, dass Birkmayer an der Klinik weiter als Assistent für Neurologie und Psychiatrie beschäftigt wird. Eine Dozentur wird allerdings aus Gründen seiner „rassischen Herkunft“ abgelehnt.[88] Am 19. Februar 1943 erklärt Birkmayer auch seinen Austritt aus der NSDAP: „Ich, Dr. Walter Birkmayer, geb. am 15.5.1910 in Wien, wohnhaft Wien XVIII, Weimarerstr.59, lege mit Rücksicht auf meine nicht rein deutschblütige Abstammung, meine Parteimitgliedschaft freiwillig zurück und führe die Mitgliedskarte Nr. 6,126.574 ab.“[89] Am 15. Mai 1945 stellt Birkmayer an das Dekanat der medizinischen Fakultät der Universität einen Antrag auf Aufhebung der Suspendierung. Unterstützung erhält er von der Psychiatrischen Klinik der Uni Wien. Der Vorstand (Prof. Dr. Otto Pötzl) spricht sich für die Aufhebung der Suspendierung aus.[90] Prof. Pötzl stellt 1945 den Antrag auf Wiedereinstellung seines Assistenten. Das dafür zuständige „Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten“ führt dazu am 23. Juni 1945 an: „Zur politischen Tätigkeit des Dr. Birkmayer: Seit 1931 Oberscharführer der HJ, seit 1932 Mitglied der NSDAP (…) Seit 1936 Mitglied der SS, im Range eines SS-Untersturmführers im Stabe des Oberabschnitts. 1938 Vertrauensarzt der nationalsozialistischen Betriebszelle an der psych. Klinik. Seit 1939 Angehöriger der SA. Hauptstellenleiter des rassenpolitischen Amtes in Wien. Orden: Erinnerungsmetaile (sic!) zur Wiedervereinigung der Ostmark. Zusammenfassen ergibt sich folgendes Gesamtbild: Dr. Birkmayer war in der Zeit von 1932-1939 als ratikaler (sic!) Nationalsozialist aktiv tätig, wie auch seine wissenschaftliche Arbeit in konsequenter Ausrichtung auf Ideologie und das Programm der NSDAP abgestimmt war. Diese Haltung fand in seinen verschiedenen Parteifunktionen und sonstigen Vertrauensstellen, wie sie nur qualifizierten Anhänger verliehen wurden, klaren Ausdruck. Ungefähr seit 1939 vollzog sich mit Dr. Birkmayer ein gewisser Gesinnungswandel, nachdem vom Sippenamt seine Eigenschaft als Mischling 2. Grades festgestellt worden war, womit für ihn eine Reihe beruflicher und persönlicher Folgen verbunden war, wie z.B. die Verwehrung des Übergangs zur Dozentur und die Ablehnung einer Beförderung zum Oberassistenten. Es ist aber die Annahme begründet, dass dennoch seitens der NSDAP ein tatsächliches Vertrauensverhältnis zu Dr. Birkmayer weiterbestand, da in anderen Fällen eine Zulassung von Mischlingen zur Offizierslaufbahn bzw. in leitende Funktionen, wie sie z.B. mit der noch 1942 erfolgten Betrauung als Leiter eines Sonderlazaretts stattfand, grundsätzlich ausgeschlossen war. Es ist festzustellen, dass sich aber Dr. Birkmayer in den letzten Jahren vor 1945 für mehrere Personen und Fachkollegen die ihm als offene Gegner des Nationalsozialismus bekannt waren, hilfreich einsetzte bzw. in seiner Sonderstellung an der Klinik und später als Leiter eines Sonderlaz. (sic!) in gleicher Weise wirkte.“ Die Entlassung bleibt aufrecht. Handschriftlicher Zusatz: „Es wäre nach Ablauf einer Bewährungsfrist von 1–2 Jahren auf die Angelegenheit zurückzukommen.“[91]
Verfahren vor dem Volksgericht Wien
Im Februar 1948 leitet die Staatsanwaltschaft Wien ein Verfahren wegen Hochverrats und Denunziation gegen Birkmayer ein. Vorwurf: §§ 8,10,11 Verbotsgesetz[92], § 197 Strafgesetzbuch in Verbindung mit § 7 D Wahlgesetz. Im Juni 1948 wird das Verfahren eingestellt. Es besteht laut Staatsanwaltschaft „kein Grund zur weiteren Verfolgung des Beschuldigten“.[93] Im Juni 1948 wird für Walter Birkmayer im Auftrag des Innenministeriums ein „Antrag auf Nachsicht der Sühnefolgen nach dem Verbotsgesetz 1947“ beim Bundespräsidenten eingebracht, mit dem Vermerk „Der Antrag geht auf das Konto der SPÖ“. Begründet wird das Gnadengesucht mit: „Dr. Birkmayer soll als Facharzt seine Praxis wieder ausüben. Die Befreiung ist im öffentlichen Interesse gelegen.“ Am 22. Juni 1948 wird der Antrag von Präsident Renner bewilligt.[94] 1949 wird ein weiteres Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet. Auch dieses Verfahren wird rasch wieder eingestellt.[95]
Nachkriegskarriere: Vorstand in Lainz, Leiter eines Ludwig Boltzmann Instituts
Birkmayer kandidiert 1950 bei der Ärztekammerwahl auf der Liste der VdU-nahen Vereinigung „Unabhängiger Ärzte“, zieht seine Kandidatur aber wieder zurück. Danach knüpft er Kontakte zu den BSA-Ärzten. 1953 wird er vom späteren Gesundheitsminister Kurt Steyrer angeworben und tritt dem BSA als Mitglied bei. 1954 erhält er die Dozentur für das Fach Psychiatrie und wird zum Primarius der Neurologischen Abteilung des Altersheims Lainz ernannt. 1963 wird er als ordentlicher Professor für Neurologie an die Universität Wien berufen. Mit seinem Spezialgebiet, die Therapie gegen die Parkinson-Krankheit, erwirbt sich Birkmayer internationales Ansehen. In den 1970er Jahren wird er Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Neurochemie .[96] Der Mediziner Uni. Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Birkmayer stirbt 1996 und erhält ein Ehrengrab der Stadt Wien in Neustift am Walde. Zusammenfassung Bereits in den frühen 1930er Jahren gab es rund um den Anstaltsarzt und späteren Direktor der Anstalt, Dr. Erwin Jekelius, eine aktive Organisation von 62 illegalen NationalsozialistInnen „Am Steinhof“. Sechs von ihnen wurden in den Jahren 1945 bzw. 1946 „ausser Dienst“ gestellt. Im Gegensatz zur Kündigung oder Entlassung hatte die sogenannte „Außerdienststellung“ für die betroffenen BeamtInnen einen wesentlichen Vorteil: der „zeitliche Ruhestand“, wie er in der Dienstrechtsordnung der BeamtInnen der Stadt Wien korrekt hieß, garantierte den BeamtInnen gekürzte oder volle Bezüge und sozial- und pensionsrechtliche Absicherung während dieser Zeit. Darüber hinaus bestand für die Betroffenen die Möglichkeit, wieder in den Dienst der Stadt Wien zurückzukehren. Die Rolle der Pavillons 15 und 17 während des Nationalsozialismus wurde wissenschaftlich bereits umfangreich aufgearbeitet. Zwischen 1940 und 1945 starben mindestens 789 Kinder und Jugendliche. „Am Spiegelgrund“ auf Pavillon 15 wurden Kinder mit geistiger Behinderung auf ihren „volkswirtschaftlichen Wert“ beurteilt. Ein negatives Gutachten durch die behandelnden ÄrztInnen bedeutete die Tötung durch Schlafmittel. Im Sommer 1945 wurden die verantwortlichen ÄrztInnen des Pavillons 15, Ernst Illing, Margarethe Hübsch und Marianne Türk wegen der Ermordung der Kinder in Untersuchungshaft genommen. Illing, Hübsch und Türk wurden im Juli 1946 vom Volksgericht Wien verurteilt. Ernst Illing wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Marianne Türk wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt und Margarethe Hübsch erhielt einen Freispruch. Der erste Direktor der Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“, Erwin Jekelius, wurde am 17. Mai 1945 in Wien festgenommen und auf Anordnung des Militärstaatsanwaltes in sowjetische Haft überstellt. Er wurde von einem russischen Gericht zu 25 Jahren Haft verurteilt. Jekelius starb 1952 im Gefängnis. Die stellvertretende Oberschwester in der Kinderanstalt von 1941 bis 1945, Anna Katschenka, musste im Sommer 1946 als Zeugin vor dem Volkgericht Wien im Prozess gegen Ernst Illing aussagen. Katschenka verwickelte sich dabei in derartige Widersprüche, dass sie der Richter noch im Gerichtssaal festnehmen ließ. Das Volksgericht Wien verurteilte Katschenka im April 1948 wegen Todschlags zu acht Jahren Gefängnis. Am 20. Dezember 1950, nach zwei Jahren Haft, wurde sie von Bundespräsident Dr. Karl Renner begnadigt. Im Juni 1951 kehrte Katschenka wieder in den Dienst der Stadt Wien zurück und arbeitete als Krankenschwester im St. Anna Kindespital. Am 30. Juli 1945 wurde die Nervenklinik für Kinder in der ursprünglichen Form aufgelöst und erhielt wieder den Namen „Am Steinhof“. Das gesamte Personal der aufgelösten Kinderklinik wurde von der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“, wie es im Amtsdeutsch hieß, „in Stand und Gebühr genommen“. Laut Unterlagen der Direktion wurden im Sommer 1945 mindestens 35 MitarbeiterInnen der Heil- und Pflegeanstalt mit nationalsozialistischer Vergangenheit kurzfristig verhaftet oder in Polizeihaft genommen. Neun kehrten anschließend unverzüglich wieder in den Dienst zurück. Laut einem Bericht der Polizeidirektion Wien wurden 1945 insgesamt 23 Pflegerinnen der Pavillons 15 bzw. 17 gekündigt oder entlassen. Als Grund für die Kündigung bzw. Entlassung wurde seitens der Stadt Wien hauptsächlich „Nichterscheinung zum Dienst“ angeführt, keine disziplinarrechtlichen Gründe oder die Mitgliedschaft zu den Nationalsozialisten waren für die Trennung ausschlaggebend. Zwei Aufseherinnen wurden „ausser Dienst“ gestellt. 19 Pflegerinnen wurden innerhalb der Stadt Wien versetzt. Laut Anstaltenamt waren im gesamten Bereich der städtischen Kranken- und Wohlfahrtsanstalten 60 Prozent der Bediensteten Angehörige der NSDAP. „Am Steinhof“ waren NS-FunktionärInnen oder AnwärterInnen auf allen hierarchischen Ebenen zu finden. In der Direktion, im Sekretariat, bei den ÄrztInnen, PflegerInnen bis zu den HausarbeiterInnen. Nahezu jedes Mitglied des medizinischen Personals im Pavillon 15 war während der Nationalsozialismus Mitglied der NSDAP oder AnwärterIn für die NSDAP bzw. der NSDÄB. Nicht jeder Aufnahmeantrag wurde von den zuständigen NS-FunktionärInnen positiv beschieden. Die Gründe der Ablehnung sind weitgehend unbekannt. Politische Intrigen innerhalb der NS-ÄrztInnen, Auseinandersetzungen mit dem zuständigen Gauamt oder "mangelndes" nationalsozialistisches Engagement darf hinter den Ablehnungen vermutet werden. Die Ablehnungen retteten vielen Betroffenen nach 1945 die berufliche Karriere. Nun konnten die AnwärterInnen behaupten, sie hätten nie etwas mit den Nationalsozialisten zu tun gehabt. Die medizinische Karriere konnte damit ungehindert fortgesetzt werden. Ab 1947 konnten ehemalige NationalsozialistInnen Dank des neuen Verbotsgesetzes im öffentlichen Dienst ganz offiziell langsam wieder Fuß fassen. Der Zugang zu den öffentlichen Dienstposten war für „minderbelastete Personen“ „bei Bedarf“ wieder möglich. Politisch war nur noch auf den bevorstehenden Staatsvertrag zu warten: Die Magistratsdirektion im Wiener Rathaus entschied daher im März 1947: „Die Wiedereinstellung soll vor Abschluß des Staatsvertrages nicht vorgenommen werden.“ Namhafte nationalsozialistische FunktionärInnen, die „Am Steinhof“ bzw. Rosenhügel tätig waren, machten Karriere bei der Gemeinde Wien: Heinrich Gross, Hans Krenek, Walter Birkmayer oder Andreas Rett seien hier stellvertretend angeführt. Abkürzungen BDC – Berlin Document Center BMI – Bundesministerium für Inneres BSA – Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen
– dortige
DÖW – Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes dzt. – derzeit geb. – geboren/Geborene h.o. – hier Orts LG Blatt – Landesgesetzblatt für Wien MA – Magistratsabteilung der Stadt Wien NS – Nationalsozialismus NSB – Nationalsozialistischer Beamtenbund NSDÄB – Nationalsozialistischer Deutscher Ärztebund (auch NSD-Ärztebund) ÖStA – Österreichisches Staatsarchiv ÖVP – Österreichische Volkspartei Pg. – Parteigenosse SPÖ – Sozialistische (Sozialdemokratische) Partei SA (S.A.) – Sturmabteilung UdSSR – Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken WStLA – Wiener Stadt und Landesarchiv Quellen
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Reihe Margarete Ambros WStLA, M.Abt. 202, A 5 - Personalakt Bertha Klara WStLA, M.Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Hermine Hapta WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Katharina Helnwein, 1.3.2.202, A 5/999 WStLA, M.Abt. 202, A5 Personalakten 1. Reihe Bertha, Dr. Hans, A 5/175 WStLA, M.Abt. 202, A5 Personalakten 1. Reihe Bertha, Dr. Hans, A 5/175, Vg 4 c Vr 5502/46 Ur 700 c WStLA, M.Abt. 202, A5 Personalakten 1. Reihe Bertha, Dr. Hans, A 5/175, Vg 1 Vr 3152/48 Strafsache gegen Illing und andere, Zeugeneinvernahme Anna Katschenka, 27.11.1945, LG Wien, Vg 2 b Vr2365/45 WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakte 1. Reihe Katschenka Anna, A5-1314, Schreiben Anstaltenamt an die Magistratsabteilung 2 vom 17. Juli 1946 WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Rosa Tillner (geborene Hallada), A 5/1176 WStLA, M.Abt. 202, A 5 – Personalakten 1. Reihe: Finka (sic!) Karoline, 206/1/25 A5/611 Bescheinigung von Ferdinand Suchy, SPÖ Bezirksleitung Margarethen, 2. Juni 1945; Eidesstattliche Erklärung von Willi Kreisel, 5. Mai 1945; Erklärung von Therese Kirschner (Verlegerin) vom 14. Juni 1945 etc. WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Robert Zach, 203/14/31 A5/1476 WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Johanna Vojta, 203/14/26 A5/1277 Personalakt Heinrich Gross, MA 2; Vgla Vr 1601/48 Hv 128/50, vom 22. April 1950 Personalakt Heinrich Gross, MA 2; Vg li Vr 174/51 Hv 60/51 und 6 Os 21/51, 3 WStLA, M.Abt.202, A5 Personalakten 1. Reihe: Hübsch Margarethe, 206/1/39, A5-1156 WStLA, M.Abt.202, A5 Personalakten 1. Reihe: Dr. Helene Jokl, A5/1240 WStLA, Urteil Volksgericht vom 18. Juli 1946 LG Wien Vg 1a Vr 2365/45 WStLA, M. Abt. 202, A5-Personalakt Türk, Dr. Marianne WStLA, M. Abt. 202, A5-Personalakt Wißgott, Dr. Lothar WStLA, LG Wien, Vg 7c Vr 913/48 WStLA, LG Wien, Vg 5a Vr 743/49 WStLA, LG Wien, Vg 7c Vr 913/48 Staatspolizeiliche Abteilung, ÖStA AdR BMU HR 1-29, Gz.24.012/46, fol. 1-6 BDC-Unterlagen zu Dr. Andreas Rett, 3200 Ortgruppenkartei der NSDAP, R0 091, BA Berlin Personalakt der Gemeinde Wien, Andreas Rett, Magistratsabteilung 2 DÖW 21592 (Bestand DOC Berlin, Kopie) DÖW WN 19542/2, Strafsache gegen Ernst Illing und andere, LG Wien, Vg 2 b Vr2365/45 DÖW 22759 (Personalakt des Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten GZ 5341/III 4a, 4b, 1945; Kopie) DÖW 17157 und DÖW 22759, Abschrift „Wiener Klinische Wochenschrift“ 1938, Seite 1245 zum Thema Charakter und Vererbung von SS-Untersturmführer Dr. W. Birkmayer DÖW 21592 (Bestand DOC Berlin, Schreiben Reichsführer SS an SS-Untersturmführer Birkmayer vom 21.12.1939) DÖW 22759 (Stellungnahme Birkmayer zu seiner Suspendierung am 15.5.1945, Kopie) DÖW 22759 (Schreiben Rektorat Wien vom 17.10.1940 an Birkmayer, Kopie) DÖW 22759 (undatierter Aktenvermerk Bundesministerium für Inneres, Kopie) DÖW 22759 (Schreiben der Psychiatrisch-Neurologischen Klinik an das Dekanat vom 28.5.1945; Schreiben von Birkmayer an das Dekanat vom 15.5.1945, Kopien) DÖW 22759 (Personalakt des Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten GZ 893/45, 1945; Antrag des Prof. Pötzl auf Wiedereinstellung seines Assistenten Birkmayer, Kopien) DÖW WN 22.781, Personalakt Dr. Baader DÖW R 275, Personalakt Dr. Franz Seitelberger DÖW WN 22.766, Antrag Bertha vom 3. Oktober 1940 an das Reichserziehungsministerium in Berlin auf Verleihung einer Dozentur an der Uni Wien DÖW WN 4486, Liste der NS Beamtenschaft in der Heilanstalt „Am Steinhof“ DÖW WN 22.766, Auskunft vom Berlin Document Center vom August 1984 und Fragebogen Bertha vom 18. Juli 1939 ÖSTA, AdR Grundzahl 14/9.250/1948, Antrag auf Nachsicht der Sühnefolgen nach dem Verbotsgesetz 1947 für Dr. Walter Birkmayer an die Präsidentschaftskanzlei Wiener Zeitung, 10. April 1948, „24 Kinder getötet, Dr. Illings Helferin vor dem Volksgericht“ [1] DÖW WN 4486, Liste der NS Beamtenschaft in der Heilanstalt „Am Steinhof“ [2] Zum Vergleich – Mitarbeiterstand der Anstalt im Jahr 1937: 27 Ärzte, 596 Pflegepersonen (http://psychiatrische-landschaften.net/node/177.html) [3] Johann Pöckl, geb. 2.9.1907, städtischer Inventarpfleger, wurde am 21.7.1945 „ausser Dienst“ gestellt. Vermerk: „Dzt. noch eingerückt“ (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [4] Karl Teufl, geb. 27.2.1886, städtischer Pflegevorstand, wurde im April 1945 verhaftet und am 21.7.1945 „ausser Dienst“ gestellt. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [5] Franz Diwisch, geb. 13.1.1903, städtischer Inventarpfleger, wurde am 21.7.1945 „ausser Dienst“ gestellt. Vermerk: „Dzt. noch eingerückt“ (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [6] Otto Fellermayer, geb. 26.10.1899, städtischer Oberpfleger, wurde am 1.2.1946 „ausser Dienst“ gestellt. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [7] Augustin Lorenz, geb. 5.7.1891, städtischer Pflegevorsteher, wurde am 29.10.1945 „ausser Dienst“ gestellt. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [8] Pfleger Leopold Barenth wurde am 18.7.1945 „ausser Dienst“ gestellt. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [9] Siehe dazu auch Kapitel Biografische Skizzen der ÄrztInnen [10] Ansuchen um Aufnahme in die NSDAP [11] WStLA, Schreiben Posch und Bertha vom 16. März 1945 an die Personalabteilung, Karton Direktionsregistratur, M. Abt. 209 – Otto-Wagner Spital, (Baumgartner Höhe, Steinhof) 1.3.2.209.2, 1945 1(8)-900 [12] WStLA, Bericht Pawlicki vom 25. Mai 1945, Karton Direktionsregistratur, M. Abt. 209 – Otto-Wagner Spital, (Baumgartner Höhe, Steinhof) 1.3.2.209.2, 1945 1(8)-900 [13] WStLA, Schreiben Karl Bock vom 14. August 1945, Karton Direktionsregistratur, M. Abt. 209 – Otto-Wagner Spital, (Baumgartner Höhe, Steinhof) 1.3.2.209.2, 1945 1(8)-900 [14] WSTLA, M.Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Katschenka Anna, A/51314 [15] WStLA, Schreiben Bock vom 25. Mai 1945 an das Büroinspektorat, Karton Direktionsregistratur, M. Abt. 209 – Otto-Wagner Spital, (Baumgartner Höhe, Steinhof) 1.3.2.209.2, 1945 1(8)-900 [16] WStLA, Schreiben Bock/Pawlicki vom 10. Juli 1945 an die Abteilung II/3, Anstaltenverwaltung, Karton Direktionsregistratur, M. Abt. 209 – Otto-Wagner Spital, (Baumgartner Höhe, Steinhof) 1.3.2.209.2, 1945 1(8)-900 [17] Franz Dolezal, geb. 1.9.1893, wurde am 15.4.1946 mit „sehr guter“ Qualifikation in der Personalliste „Am Steinhof“ städtischer Inventarpfleger geführt. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [18] Heinrich Raab, geb. 17.12.1885, städtischer Pflegevorsteher, war bis zu seiner Verhaftung am 10.12.1945 als Pflegevorsteher „Am Steinhof“ tätig. Qualifikation laut Direktor Pawlicki: „sehr gut bis gut“ (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [19] Lorenz Augustin war bis zu seiner „Außerdienststellung“ am 29.10.1945 Pflegevorsteher „Am Steinhof“. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [20] Wenzel Lepicovsky, geb. 20.12.1893, wurde am 15.4.1946 wieder als städtischer Inventarpfleger in der Personalliste „Am Steinhof“ geführt. Qualifikation laut Direktor Pawlicki: „gut“ (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [21] Rosina Schwaiger, geb. 15.2.1890, städtische Oberpflegerin, wurde am 29.11.1945 „ausser Dienst“ gestellt. Laut Personalliste wurde sie allerdings erst am 24.6.1946 „ausser Stand“ genommen. Handschriftlicher Vermerk: „Versetzung“. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [22] Der Oberpfleger Josef Zöttl wurde am 18.7.1945 „ausser Dienst“ gestellt. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [23] Rosina Schwaiger galt nach Ansicht von Direktor Pawlicki ab Mai 1946 nach einer neuerlichen Überprüfung nicht mehr als „Illegal“ und konnte am 10. Mai 1946 wieder ihren Dienst „Am Steinhof“ antreten (WStLA, M. Abt 209, A3 Sachakten Faszikel 53 (1939) G 103-13-30). [24] WStLA, Schreiben Bock/Pawlicki vom 18. Dezember 1945 an die Anstaltenverwaltung, Karton Direktionsregistratur, M. Abt. 209 – Otto-Wagner Spital, (Baumgartner Höhe, Steinhof) 1.3.2.209.2, 1945 1(8)-900 [25] WStLA, Schreiben Bock/Pawlicki vom 18. Dezember 1945 an die Anstaltenverwaltung, Karton Direktionsregistratur, M. Abt. 209 – Otto-Wagner Spital, (Baumgartner Höhe, Steinhof) 1.3.2.209.2, 1945 1(8)-900 [26] DÖW, Bericht der Polizeidirektion Wien, Bezirks-Polizeikommissariat Penzing vom 11. Mai 1948, Prozess Volksgericht Wien gegen Dr. Heinrich Gross, LG Wien Vg. 1 a Vr 1601/48 [27] Belastete Personen waren laut § 17 Verbotsgesetz: a) Personen, die jemals politische Leiter vom Zellenleiter oder Gleichgestellten aufwärts waren; b) Angehörige der SS; c) Angehörige der SA, des NSKK und des NSFK, die jemals Führer vom Untersturmführer oder Gleichgestellten aufwärts waren, ferner Angehörige der Gestapo oder des SD; d) Funktionäre sonstiger Gliederungen, Organisationen oder angeschlossener Verbände, die einen Posten bekleideten, der dem Ortsgruppenleiter der NSDAP, beziehungsweise dem Untersturmführer im Rang zumindest gleich war, und Leiter von industriellen, finanziellen und sonstigen wirtschaftlichen Unternehmungen und (…) erwähnten Personen, diese beiden Gruppen, wenn sie (…) als belastet befunden wurden; e) Personen, die für ihre Tätigkeit für die NSDAP mit dem Blutorden vom 9. November 1923, dem Goldenen Ehrenzeichen der NSDAP, einer Dienstauszeichnung der NSDAP (in Bronze, Silber oder Gold) oder dem Goldenen Ehrenzeichen der Hitler-Jugend ausgezeichnet wurden; f) Personen, die nach §§ 10, 11 oder 12 dieses Verfassungsgesetzes oder nach dem Kriegsverbrechergesetz (…) rechtskräftig verurteilt worden sind. [28] WStLA, M. Abt 209, A3 Sachakten Faszikel 53 (1939) G 103-13-30 [29] Dr. Walter Kinz war von 1953 bis 1962 Magistratsdirektor [30] WStLA, M. Abt 209, A3-Sachakten, Faszikel 50 (1939), Aktenvermerk vom 6.3.1947 [31] Bericht der Anstaltenverwaltung, Magistratsabteilung II/3 an den Bürgermeister vom 27. Februar 1946, WStLA, M.Abt 209, A 3 Sachakten, Faszikel 50 (1939), G 103-13-30 [32] Schreiben der Magistratsabteilung 17 – Anstaltenamt an die Magistratsabteilung 2 vom 26. März 1947, WStLA, M.Abt 209, A 3 Sachakten, Faszikel 50 (1939), G 103-13-30 [33] Entnazifizierung der öffentlich Bediensteten auf Grund des Verbotsgesetzes 1947 § 19 Ab. 1 lit b. [34] Franz Studler, geb. 24.7.1904, städtischer Oberpfleger „Am Steinhof“ wurde am 21.7.1945 „ausser Dienst“ gestellt. (WStLA, M.Abt.209, A3 – Sachakten: Faszikel 53 (1939) G 103-13/30) [35] WStLA, Eingangsprotokoll der MA 17 – Anstaltenamt Ref. II 1948, M. Abt. 209, B1/19 (MA 17/II – 12.012/48) [36] WStLA, M.Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe Margarete Ambros [37] WStLA, M.Abt. 202, A 5 - Personalakt Bertha Klara und Hubenstorf 2015 [38] WStLA, M.Abt. 202, A 5 – Personalakten 1. Reihe: Finka (sic!) Karoline, 206/1/25 A5/611 [39] WStLA, M.Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Hermine Hapta [40] WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Katharina Helnwein, 1.3.2.202, A 5/999 [41] Strafsache gegen Illing und andere, Zeugeneinvernahme Anna Katschenka, 27.11.1945, LG Wien, Vg 2 b Vr2365/45 [42] WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakte 1. Reihe Katschenka Anna, A5-1314, Schreiben Anstaltenamt an die Magistratsabteilung 2 vom 17. Juli 1946 [43] WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakte 1. Reihe Katschenka Anna, A5-1314, Antrag der Magistratsabteilung 2 an den Bürgermeister 18. Juli 1946 [44] Wiener Zeitung, 10. April 1948, „24 Kinder getötet, Dr. Illings Helferin vor dem Volksgericht“ [45] WStLA, M.Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Katschenka Anna, A 5/1314 [46] WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Rosa Tillner (geborene Hallada), A 5/1176 [47] Als „Alter Kämpfer“ wurden jene bezeichnet, die bereits vor der nationalsozialistischen Machtergreifung Mitglied der NSDAP waren. [48] Zach war zu diesem Zeitpunkt im Reservelazarett Ia Wien, 14. Heinrich-Colinstr. 30 [49] Bescheinigung von Ferdinand Suchy, SPÖ Bezirksleitung Margarethen, 2. Juni 1945; Eidesstattliche Erklärung von Willi Kreisel, 5. Mai 1945; Erklärung von Therese Kirschner (Verlegerin) vom 14. Juni 1945 etc. [50] WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Robert Zach, 203/14/31 A5/1476 [51] WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakten 1. Reihe: Johanna Vojta, 203/14/26 A5/1277 [52] Vgl. Personalakt Dr. Baader, DÖW WN 22.781 und Hubenstorf 2015 [53] DÖW WN 22.766, Antrag Bertha vom 3. Oktober 1940 an das Reichserziehungsministerium in Berlin auf Verleihung einer Dozentur an der Uni Wien [54] WStLA, M.Abt. 202, A5 Personalakten 1. Reihe Bertha, Dr. Hans, A 5/175 [55] WStLA, M.Abt. 202, A5 Personalakten 1. Reihe Bertha, Dr. Hans, A 5/175, Vg 4 c Vr 5502/46 Ur 700 c [56] Die Kündigung wird schließlich in eine Entlassung umgewandelt. [57] WStLA, M.Abt. 202, A5 Personalakten 1. Reihe Bertha, Dr. Hans, A 5/175, Vg 1 Vr 3152/48 [58] Vgl. http://archiv.uni-graz.at/de/geschichte/geschichte-einzelner-institute-und-kliniken/neurologie-und-psychiatrie/liste-der-vorstaende-professoren-und-dozenten/bertha/ [59] DÖW WN 22.766, Auskunft vom Berlin Document Center vom August 1984 und Fragebogen Bertha vom 18. Juli 1939 und WStLA, M.Abt. 202, A5 Personalakten 1. Reihe Bertha, Dr. Hans, A 5/175 und Schreiben der Mag. Abt. 2 vom 3. März 1947 an das BMI [60] Psychiatrische Einrichtung der Stadt Wien [61] Personalakt Heinrich Gross, MA 2; Vgla Vr 1601/48 Hv 128/50, vom 22. April 1950 [62] Personalakt Heinrich Gross, MA 2; Vg li Vr 174/51 Hv 60/51 und 6 Os 21/51, 3 [63] http://www.dokumentationsarchiv.at/SPOE/Braune_Flecken_SPOE.htm [64] Personalakt Heinrich Gross, MA 2; Vgla Vr 1601/48 Hv 128/50, vom 22. April 1950, S. 3 [65] Personalakt Heinrich Gross, Angaben im Fragebogen der Magistratsdirektion Wien vom 15.3.1940 [66] WStLA, M.Abt.202, A5 Personalakten 1. Reihe: Hübsch Margarethe, 206/1/39, A5-1156 [67] DÖW WN 19542/2, Strafsache gegen Ernst Illing und andere, LG Wien, Vg 2 b Vr2365/45 [68] Erste Einberufung vom 10.11.1939 bis 5.4.1940 [69] WStLA, M.Abt.202, A5 Personalakten 1. Reihe: Dr. Helene Jokl, A5/1240 [70] Vgl. Universität Wien, http://geschichte.univie.ac.at/de/personen/franz-seitelberger-prof-dr [71] Schreiben Türk an MA 17 vom 12.9.1970 [72] WStLA, Urteil Volksgericht vom 18. Juli 1946 LG Wien Vg 1a Vr 2365/45 [73] WStLA, M. Abt. 202, A5-Personalakt Türk, Dr. Marianne und vgl. Neugebauer/Schwarz 2005:272 [74] Wien, 4. September 1938 Hauptvertrauensmann Jekelius [75] WStLA, M. Abt. 202, A5-Personalakt Wißgott, Dr. Lothar und Hubenstorf 2015 [76] Staatspolizeiliche Abteilung, ÖStA AdR BMU HR 1-29, Gz.24.012/46, fol. 1-6 [77] Vgl. BDC-Unterlagen zu Dr. Andreas Rett, 3200 Ortgruppenkartei der NSDAP, R0 091, BA Berlin [78] Bundesministerium für Unterricht, GZ 24012/III 8/46, Rektorat der Uni Innsbruck am 22. Mai 1946, Kopie beim Verfasser [79] Personalakt der Gemeinde Wien, Andreas Rett, Magistratsabteilung 2 [80] Personalakt der Gemeinde Wien, Andreas Rett, Magistratsabteilung 2 [81] Schreiben Dr. Walther Birkmayer an Prof. Dr. Andreas Rett, vom 24.1.1984, Rett Korrespondenzen 1984 [82] DÖW 21592 (Bestand DOC Berlin, Kopie); siehe auch DÖW 22759 (Personalakt des Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten GZ 5341/III 4a, 4b, 1945; Kopie) [83] Abschrift der „Wiener Klinische Wochenschrift“ 1938, Seite 1150, 51 Jahrgang (Auszug) [84] DÖW 17157 und DÖW 22759, Abschrift „Wiener Klinische Wochenschrift“ 1938, Seite 1245 zum Thema Charakter und Vererbung von SS-Untersturmführer Dr. W. Birkmayer (Auszug) [85] WStLA, LG Wien, Vg 7c Vr 913/48 [86] DÖW 21592 (Bestand DOC Berlin, Schreiben Reichsführer SS an SS-Untersturmführer Birkmayer vom 21.12.1939) [87] DÖW 22759 (Stellungnahme Birkmayer zu seiner Suspendierung am 15.5.1945, Kopie) [88] DÖW 22759 (Schreiben Rektorat Wien vom 17.10.1940 an Birkmayer, Kopie) [89] DÖW 22759 (undatierter Aktenvermerk Bundesministerium für Inneres, Kopie) [90] DÖW 22759 (Schreiben der Psychiatrisch-Neurologischen Klinik an das Dekanat vom 28.5.1945; Schreiben von Birkmayer an das Dekanat vom 15.5.1945, Kopien) [91] DÖW 22759 (Personalakt des Staatsamt für Volksaufklärung, für Unterricht und Erziehung und für Kultusangelegenheiten GZ 893/45, 1945; Antrag des Prof. Pötzl auf Wiedereinstellung seines Assistenten Birkmayer, Kopien) [92] Siehe dazu: http://www.nachkriegsjustiz.at/service/gesetze/kvg5.php [93] WStLA, LG Wien, Vg 7c Vr 913/48 [94] ÖSTA, AdR Grundzahl 14/9.250/1948, Antrag auf Nachsicht der Sühnefolgen nach dem Verbotsgesetz 1947 für Dr. Walter Birkmayer an die Präsidentschaftskanzlei [95] WStLA, LG Wien, Vg 5a Vr 743/49 [96] Vgl. Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz, Der Wille zum aufrechten Gang, Offenlegung der Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten, Czernin Verlag, Wien, 2005 S. 238-241 und Vgl.://austria-forum.org/af/AEIOU/Birkmayer%2C_Walther

References: § 19
 § 68
 § 130
 § 132
 § 11
 § 197
 § 7
 § 17
 § 19