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Timestamp: 2020-04-05 07:16:38+00:00

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BAG, Urteil vom 05.10.2013, 9 AZR 302/12 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 05.10.2013, 9 AZR 302/12
Schlagworte: Urlaubsabgeltung, Urlaub: Krankheit, Urlaub
Aktenzeichen: 9 AZR 302/12
Entscheidungsdatum: 05.10.2013
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Essen, Urteil vom 28.09.2011 - 6 Ca 1516/11
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012 - 5 Sa 1370/11
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. Ok­to­ber 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­desa­reits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krasshöfer und Klo­se so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kran­zusch und Lücke für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 23. Fe­bru­ar 2012 - 5 Sa 1370/11 - auf­ge­ho­ben.
Die Kläge­rin ver­langt von der Be­klag­ten die Ab­gel­tung ge­setz­li­chen Ur­laubs nach dem BUrlG und nach § 125 SGB IX so­wie des ta­rif­li­chen Mehr­ur­laubs.
2. Dau­er des Ur­laubs
Der Ur­laub beträgt bei Zu­grun­de­le­gung ei­ner 5-Ta­ge-Wo­che:
für Ar­beit­neh­mer/in­nen, die vor dem 1. April 2004 ein­ge­tre­ten sind
- ab Voll­endung des 30. Le­bens­jah­res 30 Ar­beits­ta­ge
9. Über­trag­bar­keit des Ur­laubs
Der Ur­laub muss im lau­fen­den Ka­len­der­jahr gewährt und ge­nom­men wer­den. Ei­ne Über­tra­gung auf das nächs­te Ka­len­der­jahr ist nur statt­haft, wenn drin­gen­de be­trieb­li­che oder in der Per­son des/der Ar­beit­neh­mer/in lie­gen­de Gründe dies recht­fer­ti­gen. Im Fal­le der Über­tra­gung muss der Ur­laub in den ers­ten drei Mo­na­ten des fol­gen­den Ka­len­der­jah­res gewährt und ge­nom­men wer­den.
10. Ab­gel­tung des Ur­laubs
Ei­ne Ab­gel­tung des Ur­laubs ist zu ver­mei­den.
§ 14 - Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses
1. Be­en­di­gungs­gründe
Das Ar­beits­verhält­nis en­det
Das Brut­to­mo­nats­ge­halt der Kläge­rin be­trug zu­letzt 1.917,00 Eu­ro. Sie war seit dem 29. März 2006 durch­ge­hend ar­beits­unfähig krank. Nach dem Be­zug von Kran­ken­geld er­hielt sie zunächst ei­ne be­fris­te­te und ab dem 1. April 2011 ei­ne un­be­fris­te­te Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung. Für die Kläge­rin ist zu­min­dest seit 2007 ei­ne Schwer­be­hin­de­rung fest­ge­stellt. Die Be­klag­te rech­ne­te zu­letzt ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung in Höhe von 5.664,10 Eu­ro brut­to ab und zahl­te den sich er­ge­ben­den Net­to­be­trag an die Kläge­rin aus. In der Ent­gel­tab­rech­nung ist der Be­trag als „Ur­laubs­ab­gel­tung/Tag“ aus­ge­wie­sen.
Mit Schrei­ben vom 28. April 2011 mach­te die Kläge­rin ua. ih­ren An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung für die Jah­re 2006 bis ein­sch­ließlich 2007 gel­tend.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 9.933,96 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit Kla­ge­zu­stel­lung zu zah­len.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge in Höhe von 9.933,96 Eu­ro statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 9.672,54 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen zu zah­len. Mit ih­rer Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter.
A. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet.
Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG iVm. § 8 Ziff. 10 MTV auf wei­te­re Ab­gel­tung von Ur­laub. Zwar macht sie nach der Recht­spre­chung des Se­nats zu Recht gel­tend, auch während des Be­zugs der Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung sei­en Ur­laubs­ansprüche ent­stan­den (BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 353/10 - Rn. 8 ff., BA­GE 142, 371). Die in den Jah­ren 2006 bis ein­sch­ließlich 2009 ent­stan­de­nen Ur­laubs­ansprüche sind je­doch noch vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter­ge­gan­gen. Die Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche für die Jah­re 2010 und 2011 sind durch Zah­lung erfüllt.
I. Die ge­setz­li­chen und ta­rif­li­chen Ur­laubs­ansprüche der Kläge­rin aus den Jah­ren 2006 bis 2009 sind 15 Mo­na­te nach Ab­lauf des je­wei­li­gen Ur­laubs­jah­res
und da­mit vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­lo­schen. Ab­gel­tungs­ansprüche konn­ten nicht mehr ent­ste­hen. Be­steht die Ar­beits­unfähig­keit auch am 31. März des zwei­ten auf das Ur­laubs­jahr fol­gen­den Jah­res fort, so ge­bie­tet auch das Uni­ons­recht kei­ne wei­te­re Auf­recht­er­hal­tung des Ur­laubs­an­spruchs (vgl. EuGH 22. No­vem­ber 2011 - C-214/10 - [KHS] Rn. 38, Slg. 2011, I-11757). Der zunächst auf­recht­er­hal­te­ne Ur­laubs­an­spruch er­lischt so­mit zu die­sem Zeit­punkt (vgl. BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 353/10 - Rn. 32 ff., BA­GE 142, 371). Dies gilt auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer mit dem En­de des Über­tra­gungs­zeit­raums aus­schei­det (BAG 12. März 2013 - 9 AZR 292/11 - Rn. 14 mwN). Der MTV sieht zu­guns­ten der Kläge­rin kei­ne länge­re Über­tra­gungs­dau­er vor. Nach § 8 Ziff. 9 Satz 3 MTV muss der über­tra­ge­ne Ur­laub in den ers­ten drei Mo­na­ten des fol­gen­den Ka­len­der­jah­res gewährt und ge­nom­men wer­den.
2. Die Be­klag­te nahm bei die­ser Zah­lung kei­ne nach Ur­laubs­jah­ren dif­fe­ren­zier­te Leis­tungs­be­stim­mung iSv. § 366 Abs. 1 BGB vor. Sie gab in der Ab­rech­nung als Leis­tungs­zweck der Zah­lung von 5.664,10 Eu­ro nur „Ur­laubs­ab­gel­tung/Tag“ an. Dies war nach §§ 133, 157 BGB so zu ver­ste­hen, dass jeg­li­cher et­waig be­ste­hen­der Ab­gel­tungs­an­spruch erfüllt wer­den soll­te (BAG 16. Ju­li 2013 - 9 AZR 914/11 - Rn. 19). So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Tat­be­stand sei­ner Ent­schei­dung an­ge­nom­men hat, die Be­klag­te ha­be in­so­weit auf die ge­setz­li­chen Ur­laubs­ansprüche für die Jah­re 2008 bis 2011 ge­leis­tet, ist dies rechts­feh­ler­haft. Die­se An­nah­me be­ruht auf der un­wirk­sa­men nachträgli­chen Til­gungs­be­stim­mung der Be­klag­ten im Schrift­satz vom 26. Sep­tem­ber 2011. Die Be­stim­mung muss nach dem Wort­laut des Ge­set­zes bei der Leis­tung er­fol-
gen, ei­ne nachträgli­che Be­stim­mung ist grundsätz­lich un­wirk­sam (vgl. BGH 26. März 2009 - I ZR 44/06 - Rn. 46; 23. Fe­bru­ar 1999 - XI ZR 49/98 - zu II 2 b der Gründe, BGHZ 140, 391).
B. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO.
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References: § 125

§ 14
 § 7
 § 8
 EuGH 
 § 8
 § 366
 BGH 
 § 91