Source: http://www.steuerlinks.de/richtlinie/esth-2006/hin17%20%285%29.html
Timestamp: 2018-09-23 05:26:18+00:00

Document:
[ Hinweis 17 (4) EStH 2006 ]
[ Hinweis 17 (6) EStH 2006 ]
Bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinns sind als Anschaffungskosten die historischen Anschaffungskosten und nicht der gemeine Wert der Anteile zum Zeitpunkt der Absenkung der Beteiligungsgrenze anzusetzen (>BFH vom 1.3.2005 - BStBl II S. 398).
Hat der Gesellschafter eine Bürgschaft für eine Verbindlichkeit der Gesellschaft übernommen und wird er daraus in Anspruch genommen, ohne eine gleichwertige Rückgriffsforderung gegen die Gesellschaft zu erwerben, entstehen dem Gesellschafter nachträgliche Anschaffungskosten in Gestalt verdeckter Einlagen, wenn die Übernahme der Bürgschaft ihre Ursache im Gesellschaftsverhältnis hat. Eine Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis ist nur gegeben, soweit die Übernahme der Bürgschaft eigenkapitalersetzenden Charakter hat. Die Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis kann nicht allein aus der Unentgeltlichkeit einer Bürgschaftsübernahme gefolgert werden.
Die Höhe der nachträglichen Anschaffungskosten ist bei Bürgschaftsinanspruchnahme nach den Grundsätzen zur Berücksichtigung von >Kapitalersetzenden Darlehen zu bemessen.
Nachträgliche Anschaffungskosten in Höhe des Nennwerts der Rückgriffsforderung liegen danach vor bei
Bürgschaften, die erst in der Krise übernommen werden,
krisenbestimmten Bürgschaften und
Finanzplanbürgschaften.
Handelt es sich hingegen um eine Bürgschaft, die bereits vor der Krise eingegangen wurde und nicht krisenbestimmt war, so kann die Rückgriffsforderung des Gesellschafter-Bürgen gegen die Gesellschaft nur entsprechend ihrer Werthaltigkeit zum Zeitpunkt des Kriseneintritts angesetzt werden (>BFH vom 6.7.1999 - BStBl II S. 817).
Wird einer GmbH durch einen nahen Angehörigen eines Gesellschafters ein Darlehen gewährt und kann die GmbH das Darlehen wegen Vermögenslosigkeit nicht zurückzahlen, kann der Wertverlust der Darlehensforderung bei der Ermittlung des Auflösungsgewinns des Gesellschafters nicht als nachträgliche Anschaffungskosten der Beteiligung berücksichtigt werden. Gesondert zu prüfen ist, ob dem Gesellschafter das Darlehen nach den Regeln des Eigenkapitalersatzrechts unmittelbar zuzurechnen ist (>BFH vom 12.12.2000 - BStBl 2001 II S. 286).
Zur Berücksichtigung kapitalersetzender Darlehen als nachträgliche Anschaffungskosten >BMF vom 8.6.1999 (BStBl I S. 545) und >BFH vom 13.7.1999 (BStBl II S. 724).
Die Wertminderung von Ansprüchen des Gesellschafters aus kapitalersetzenden Darlehen, die vor der Begründung der Beteiligung i. S. d. § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG gewährt wurden, führt nur insoweit zu nachträglichen Anschaffungskosten, als die Wertminderung nach Begründung einer solchen Beteiligung eingetreten ist. Wertminderungen aus kapitalersetzenden Darlehen, die erst nach Begründung der Beteiligung i. S. d. § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG gewährt wurden, sind dagegen in vollem Umfang als nachträgliche Anschaffungskosten zu berücksichtigen. Gleiches gilt für Rückgriffsforderungen aus kapitalersetzenden Bürgschaften (>BFH vom 20.4.2004 - BStBl II S. 556).
Fallen nach der Veräußerung der Beteiligung noch Aufwendungen an, die nachträgliche Anschaffungskosten der Beteiligung sind, so sind sie nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO zu dem Veräußerungszeitpunkt zu berücksichtigen (>BFH vom 2.10.1984 - BStBl 1985 II S. 428).
Setzt die Körperschaft ihr Nennkapital zum Zweck der Kapitalrückzahlung herab ( § 222 AktG , § 58 GmbHG ), so mindern die Rückzahlungsbeträge, soweit sie nicht Einnahmen i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 2 EStG sind, nachträglich die Anschaffungskosten der Anteile (>BFH vom 29.6.1995 - BStBl II S. 725).
Wahlrecht bei teilweiser Veräußerung
Ist die Beteiligung i. S. d. § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG vor der Begründung der unbeschränkten Steuerpflicht erworben worden, ist bei der Ermittlung der Anschaffungskosten nicht von dem Wert der Anteile zum Zuzugszeitpunkt, sondern von den historischen Anschaffungskosten auszugehen (>BFH vom 19.3.1996 - BStBl II S. 312).

References: § 17
 § 17
 § 175
 § 222
 § 58
 § 20
 § 17