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Timestamp: 2019-05-26 20:26:18+00:00

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OLG München, Urteil vom 25.03 März 2009 – 7 U 4774/08 « Löffler: Gesellschaftsrecht , Handelsrecht und Steuerrecht
OLG München, Urteil vom 25.03 März 2009 – 7 U 4774/08
§ 626 Abs 2 S 1 BGB, § 38 GmbHG, § 43 Abs 1 GmbHG
1. Löst der Geschäftsführer einer GmbH fällige Aktienoptionen, die ihm als Vergütungsbestandteil zustehen, auf die er jedoch nur während des bestehenden Geschäftsführerdienstverhältnisses Anspruch hat, nach Erhalt einer fristlosen außerordentlichen Kündigung ein, liegt darin kein zur weiteren außerordentlichen Kündigung berechtigender wichtiger Grund, wenn die zunächst erklärte Kündigung als außerordentliche Kündigung unwirksam war und das Dienstverhältnis nicht mit sofortiger Wirkung beendet hat. Ohne ausdrückliche vertragliche Vereinbarung besteht keine Verpflichtung des Geschäftsführers, mit der Ausübung der Aktienoption zuzuwarten, wenn er die Kündigung in vertretbarer Weise für unwirksam halten durfte.
Die Aktienoptionen waren am 4.12.2007 auch nicht erloschen. Nach Ziffer 9 Satz 1 des Aktienoptionsplans 2001 erlöschen sämtliche Bezugsrechte bei Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses. Durch die dem Kläger am 4.12.2007 vor Ausübung der Option ausgehändigte Kündigung vom 3.12.2007 ist das Beschäftigungsverhältnis zwischen den Parteien nicht beendet worden. Das Landgericht ist zu Recht davon ausgegangen, dass hinsichtlich der außerordentlichen fristlosen Kündigung vom 3.12.2007 die Beklagte die Einhaltung der Kündigungsfrist von zwei Wochen gemäß § 626 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 BGB nicht hinreichend dargetan hat.
Inwieweit durch die fehlenden Angaben des Klägers im Anhörungsverfahren eine weitere Erschütterung des Vertrauensverhältnisses eingetreten ist und sich der Verdacht strafbaren Verhaltens des Klägers erhärtet hat, obwohl der Kläger sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch gegenüber den Ermittlern der Kanzlei D. Angaben zur Sache gemacht hat, hat die Beklagte nicht substantiiert dargetan. Dabei ist auch zu beachten, dass die Staatsanwaltschaft den Kläger wegen der Handlungen, die Gegenstand der außerordentlichen Kündigung waren, wegen dringenden Verdachts von Straftaten in Untersuchungshaft genommen hat. Der Kläger hat als Beschuldigter im Strafverfahren ein Recht zu schweigen. Dass das Strafverfahren gegen den Kläger am 17.12.2007 noch nicht abgeschlossen war, ist vom Kläger unwidersprochen vorgetragen worden. Dann kann jedoch allein das Verweigern weiterer Angaben bei der Anhörung, die den Zweck verfolgt, dem Dienstverpflichteten die Möglichkeit der Stellungnahme zu den Vorwürfen zu geben, nicht zu einem eigenständigen Kündigungsgrund führen. Die gesetzliche Wertung des in § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO verankerten Rechts des Beschuldigten zu Schweigen ist auch im Zivilrecht zu berücksichtigen. Dies führt dazu, dass eine außerordentliche Kündigung nicht allein auf die fehlende Äußerung zu strafrechtlich relevanten Vorwürfen gestützt werden kann. Das Recht zur Verteidigung auch durch Schweigen auf strafrechtliche Vorwürfe stellt einen aus dem Rechtsstaatsprinzip fließenden Grundsatz dar. Das Verbot der Selbstbezichtigungsverpflichtung wird auch vom Europäischen Gerichtshof als fundamentaler Grundsatz der Gemeinschaftsrechtsordnung anerkannt (vgl. hierzu EuGH Urteil vom 18.10.1989 Az. C-374/87 Orkem S.A. gegen Kommission). Dass der Kläger seiner Verpflichtung aus § 43 Abs. 1 GmbHG, die Gesellschaft über unternehmensrelevante, insbesondere vermögensrechtlich bedeutsame Umstände zu informieren, nicht nachgekommen ist, ist angesichts der umfangreichen Angaben des Klägers bei der Staatsanwaltschaft, die der Beklagten ebenso wie die Optionsausübung bekannt waren, nicht dargetan.
Schlagworte: Bestechlichkeit, Bestechungsgeld

References: § 626
 § 38
 § 43
 § 626
 § 136
 EuGH 
 § 43