Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202016,%203253
Timestamp: 2019-07-16 23:57:34+00:00

Document:
BGH, 16.08.2016 - 4 StR 163/16 - dejure.org
https://dejure.org/2016,29632
BGH, 16.08.2016 - 4 StR 163/16 (https://dejure.org/2016,29632)
BGH, Entscheidung vom 16.08.2016 - 4 StR 163/16 (https://dejure.org/2016,29632)
BGH, Entscheidung vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16 (https://dejure.org/2016,29632)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2016,29632) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Untreue (Vermögensbetreuungspflicht des Vertragsarztes gegenüber der Krankenkasse bei der Verordnung von Heilmitteln: Begriff der Vermögensbetreuungspflicht, Hauptpflicht, sozialrechtliches Wirtschaftlichkeitsgebot; Vermögensschaden bei Verordnung von Heilmitteln: Gefährdungsschaden bereits durch das Ausstellen der Verordnung; Unmittelbarkeitserfordernis)
§ 257c StPO, § ... 266 Abs. 1 StGB, § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3, § 32 SGB V, § 1 Satz 1 SGB V, § 12 Abs. 1, § 70 Abs. 1 SGB V, § 2 Abs. 4 SGB V, § 2 Abs. 1 Satz 1 SGB V, § 2 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1 SGB V, § 15 Abs. 1 Satz 2 SGB V, § 12 SGB V, § 266 StGB, § 106 Abs. 1, Abs. 4 SGB V, § 106a Abs. 3, 4 SGB V, § 473 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 StPO
Vermögensbetreuungspflicht eines Vertragsarztes gegenüber seiner Krankenkasse bezüglich der Verordnung von Heilmitteln
Untreue des Vertragsarztes gegenüber Krankenkassen / Betrug dann nur mitbestrafte Nachtat
Untreue des Kassenarztes
Untreue durch den Vertragsarzt
Verschreibung ohne Indikation - strafbare Untreue zum Nachteil der Krankenkasse
aerztezeitung.de (Pressemeldung, 27.09.2016)
Bewährung für Verordnung ohne Leistung
Neues zur Vermögensbetreuungspflicht des Vertragsarztes gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen (Tamara Schneider; HRRS 2017, 231-236)
Verordnung von Medikamenten durch Vertragsarzt allein zur Abrechnung stellt Untreue dar
Untreue des Vertragsarztes gegenüber Krankenkassen
Kurznachricht zu "Das Verhältnis der Vertragsärzte zu den Krankenkassen aus dem Blickwinkel des Wirtschaftsstrafrechts - Anmerkungen zu BGH, Beschl. v. 16.8.2016 - 4 StR 163/16" von RA/FAStrafR Dr. Ulrich Leimenstoll, original erschienen in: MedR 2017, 96 - 102.
Kurznachricht zu "Die "neue" Vertragsarztuntreue" von Sascha Sebastian, M.mel. und Henning Lorenz, original erschienen in: JZ 2017, 876 - 884.
LG Halle, 09.11.2015 - 2 KLs 17/14
NJW 2016, 3253
NStZ 2017, 32
NStZ 2017, 691
NStZ 2018, 581
NZS 2016, 880
StV 2018, 291
Hinzukommen muss, dass dem Täter Raum für eigenverantwortliche Entscheidungen bleibt und ihm eine gewisse Selbstständigkeit belassen wird (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Vermögensbetreuungspflicht 54; Beschluss vom 26. November 2015 - 3 StR 17/15, BGHSt 61, 48, 62 f.; Urteil vom 11. Dezember 2014 - 3 StR 265/14, BGHSt 60, 94, 104 f. jew. mwN).
Wie sich aus einer nach Erlass des landgerichtlichen Urteils veröffentlichten Leitsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs ergibt, trifft den Vertragsarzt bei seiner Verordnungstätigkeit grundsätzlich eine Vermögensbetreuungspflicht zu Gunsten der gesetzlichen Krankenkassen (vgl. ausführlich hierzu BGH, Beschluss vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16, NStZ 2017, 32 mwN; hierzu auch Hoven NJW 2016, 3213 und T. Schneider HRRS 2017, 231).
Zwar handelt es sich bei den Betrugstaten in Bezug auf den gesondert Verfolgten A. lediglich um mitbestrafte Nachtaten, die den von ihm verursachten Untreueschaden lediglich vertieft und bei ihm deshalb nicht gesondert bestraft werden (vgl. BGH, Beschluss vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16 Rn. 43).
Der Vermögensnachteil als Taterfolg der Untreue ist durch einen Vergleich des gesamten Vermögens vor und nach der beanstandeten Verfügung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu prüfen (st. Rspr.; BGH…, Urteil vom 7. September 2011 - 2 StR 600/10 Rn. 8, NStZ 2012, 151 f.;… Beschlüsse vom 26. November 2015 - 3 StR 17/15, wistra 2016, 314, 321 Rn. 62 und vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16, NStZ 2017, 32, 36 Rn. 34).
Voraussetzung ist vielmehr, dass unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalls der Eintritt eines Schadens so naheliegend erscheint, dass der Vermögenswert aufgrund der Verlustgefahr bereits gemindert ist (BVerfG, Beschluss vom 23. Juni 2010 - 2 BvR 2559/08 u.a., BVerfGE 126, 170, 221 ff.;… BGH, Beschlüsse vom 26. November 2015 - 3 StR 17/15, wistra 2016, 314, 321 Rn. 62 mwN und vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16, NStZ 2017, 32, 36 Rn. 34), etwa weil im Tatzeitpunkt schon aufgrund der Rahmenumstände die sichere Erwartung besteht, dass der Schadensfall auch tatsächlich eintreten wird (…BGH, Beschlüsse vom 26. November 2015 - 3 StR 17/15, wistra 2016, 314, 325 Rn. 90 und vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16, NStZ 2017, 32, 36 Rn. 34 mwN).
a) In den Fällen III. 17, 19, 21, 23, 27, 31 bis 37 der Urteilsgründe sind durch die vom Landgericht hierzu getroffenen - äußerst knappen - Feststellungen die Voraussetzungen eines Betrugs zum Nachteil der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse zumal mit Blick auf die Besonderheiten des kassenärztlichen Versorgungs- und Abrechnungssystems (vgl. dazu BGH, Beschlüsse vom 29. März 2012 - GSSt 2/11, BGHSt 57, 202; vom 16. August 2016 - 4 StR 1 2 3 163/16, NJW 2016, 3253; OLG Stuttgart, NStZ-RR 2013, 174; zur sozialgerichtlichen Rechtsprechung BSGE 105, 157) nicht ausreichend dargetan.
Eine Vermögensbetreuungspflicht im Sinne des § 266 Abs. 1 StGB setzt voraus, dass der Täter gegenüber dem (potentiell) Geschädigten eine inhaltlich besonders herausgehobene, nicht nur beiläufige Pflicht zur Wahrnehmung von dessen Vermögensinteressen innehat, die über die für jedermann geltenden Sorgfalts- und Rücksichtnahmepflichten und die allgemeine Pflicht, auf die Vermögensinteressen des Vertragspartners Rücksicht zu nehmen, hinausgeht (st. Rspr.; vgl. Senat…, Urteil vom 7. September 2017 - 2 StR 24/16, juris 1 2 3 Rn. 49 ff. mwN; BGH, Beschluss vom 16. August 2016 - 4 StR 163/16, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Vermögensbetreuungspflicht 54; Beschluss vom 26. November 2015 - 3 StR 17/15, BGHSt 61, 48, 62 f.; Urteil vom 11. Dezember 2014 - 3 StR 265/14, BGHSt 60, 94, 104 f. jew. mwN).
LG Frankfurt/Main, 06.02.2018 - 27 KLs 3/16
§ 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 9 BtMG
Bereits mit Ausstellen der Heilmittelverordnung begründet ein Vertragsarzt nämlich eine "Verpflichtung" für das Vermögen der Krankenkasse, da er befugt ist, durch eine solche Verordnung den Anspruch des Patienten gegen seine Krankenkasse auf die Gewährung von Sachmitteln zu konkretisieren ( BGH , Beschluss vom 16. August 2016, Az. 4 StR 163/16).

References: § 257
 § 27
 § 32
 § 1
 § 12
 § 70
 § 2
 § 2
 § 2
 § 15
 § 12
 § 266
 § 106
 § 106
 § 473
 § 266
 § 266
 § 266

§ 29
 BGH