Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=64895&fassungsNr=1
Timestamp: 2017-01-18 14:10:51+00:00

Document:
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des bfadr, vertreten durch Allgäuer & Sturm, Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatung GmbH, 6800 Feldkirch, Schloßgraben 10, vom 27. Mai 2011 gegen den Bescheid des Finanzamtes Bregenz vom 19. Mai 2011 betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2010 nach der am 9. April 2013 in 6800 Feldkirch, Schillerstraße 2, durchgeführten Berufungsverhandlung entschieden: Der Berufung wird teilweise Folge gegeben. Die Bemessungsgrundlage und die Höhe der sind dem Ende der folgenden Entscheidungsgründe zu entnehmen und bilden einen Bestandteil dieses Bescheidspruches. Entscheidungsgründe
Der Berufungsführer machte in der Einkommensteuererklärung 2010 folgende Aufwendungen als Werbungskosten geltend: PC, 30% Privatanteil 670,75/3*0,7=156,51 2 x Schwarzach-Wien und zurück (FH Aufnahmeverfahren) 650*4*0,42=1.092,00 2 x Tagsatz 26,40*2= 52,80 Bücher, Skripten, Taschenrechner (Studienunterlagen) 312,82 Die vom Berufungsführer geltend gemachten Werbungskosten wurden vom Finanzamt im Einkommensteuerbescheid vom 19. Mai 2011 nicht berücksichtigt, weil Kosten für eine Berufsausbildung keine Werbungskosten darstellten. In der Berufung vom 27. Mai 2001 brachte der Berufungsführer im Wesentlichen vor: "Ich stütze mich auf § 16 EStG 1988 RZ 358-366 der Lohnsteuerrichtlinien, aus diesem hervorgeht, dass Werbungskosten abzugsfähig sind, wenn sie Kosten für Fortbildung, Ausbildung im verwandten Beruf oder Umschulung darstellen.
Die Berufung wurde vom Finanzamt Bregenz mittels Berufungsvorentscheidung vom 1. Juni 2011 als unbegründet abgewiesen. In der Begründung führte das Finanzamt im Wesentlichen aus: "Der Begriff Umschulung setzt - ebenso wie Aus- und Fortbildung - voraus, dass der Steuerpflichtige eine Tätigkeit ausübt. Da Sie Ihr Studium nach Beendigung des Dienstverhältnisses begonnen haben, können somit keine Werbungskosten im Zusammenhang mit einem Studium berücksichtigt werden."
Im Vorlageantrag vom 5. Juli 2011 brachte der Berufungsführer im Wesentlichen vor: "Mit Bescheid v. 01.06.2011 (BVE), zugestellt am 06.06.2011, wurde die Berufung vom 31.05.2011 gegen den Bescheid des Finanzamtes Bregenz vom 19.05.2011 beinhaltend die Festsetzung der Einkommensteuer 2010 als unbegründet abgewiesen.
Hiermit wird innerhalb offener Frist die Vorlage der Berufung an die Abgabenbehörde II. Instanz beantragt. Gemäß
§ 284 Abs 1 BAO wird die Abhaltung einer mündlichen Verhandlung beantragt.
Ein Antrag gemäß
§ 282 Abs 1 Z 1 BAO wird nicht gestellt.
Dem Vorlageantrag war folgende Werbungskostenaufstellung beigelegt: PC, 30% Privatanteil 670,75/3*0,7=156,51 2 x Schwarzach-Wien und zurück (FH Aufnahmeverfahren) 650*4*0,42=1.092,00 Familienheimfahrten mit Zug an Allerheiligen und Weihnachten 2*62,00=124,00 2 x Tagsatz à 26,40 2*26,40=52,80 Pauschal 4 Nächte (13.6. bis 15.6. + 20.6. bis 22.6.2010) 4*15=60,00 Monatsmiete inkl Betriebskosten 3*500,00=1.500,00 Bücher, Skripten, Taschenrechner, ÖH-Beitrag 329,82 Summe 3.315,13 Mit Telefax vom 6. Februar 2013 übermittelte der UFS dem steuerlichen Vertreter des Berufungsführers folgenden Vorhalt: "Sehr geehrte Damen und Herren!
In der Vorhaltsbeantwortung vom 15. Februar 2013 brachte der steuerliche Vertreter des Berufungsführers im Wesentlichen vor: "Wunschgemäß kommen wir Ihrem Ersuchen vom 06. Februar 2013 nach und übermitteln Ihnen folgende Unterlagen:
Der Vorhaltsbeantwortung waren das oben erwähnte Dienstzeugnis, die Wiedereinstellungszusage sowie der Mietvertrag beigelegt. Der Vorhalt vom 6. Februar 2013 und die Vorhaltsbeantwortung vom 15. Februar 2013 samt Beilagen wurden dem Finanzamt zur Kenntnis- und Stellungnahme übermittelt. Das Finanzamt teilte mit, von einer Stellungnahme abzusehen. In der am 9. April 2013 abgehaltenen Berufungsverhandlung wurde ergänzend ausgeführt: Das Finanzamt stellt außer Streit, dass es sich bei den geltend gemachten Kosten dem Grunde nach um Fortbildungskosten handelt. Von den Parteien werden die Aufwendungen für die Familienheimfahrten zu Allerheiligen und Weihnachten, die monatliche Wohnungsmiete und die Bücher, Skripten (Studienunterlagen), Taschenrechner und ÖH-Beitrag außer Streit gestellt, da diese Aufwendungen durch das Stipendium abgedeckt sind. Der Berufungsführer bringt vor, dass das Notebook und die Fahrtkosten zum Aufnahmeverfahren, die Taggelder sowie die Nächtigungskosten im Zusammenhang mit dem Aufnahmeverfahren nicht durch das Stipendium abgedeckt sind, da diese Aufwendungen vor dem Studium entstanden sind. Der Vertreter des Finanzamtes erklärt, dass er damit einverstanden ist. Über die Berufung wurde erwogen:
§ 16 Abs 1 Z 10 EStG lautet: "Werbungskosten sind auch:
Nach der ab der Veranlagung 2003 geltenden Rechtslage (AbgÄG 2004) sind absetzbar Aus- und Fortbildungskosten iZm einer ausgeübten oder damit verwandten Tätigkeit und Aufwendungen für umfassende Umschulungsmaßnahmen, die auf eine tatsächliche Ausübung eines anderen Berufes abzielen. Fortbildung liegt vor, wenn der Steuerpflichtige seine bisherigen beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten verbessert, um seinen Beruf besser ausüben zu können (VwGH 29. 1. 2004, 2000/15/0009). Fortbildung dient dazu, in einem bereits ausgeübten Beruf auf dem Laufenden zu bleiben und den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden (VwGH 28. 10. 2004, 2001/15/0050). Fortbildungskosten sind wegen ihres Zusammenhanges mit der bereits ausgeübten Tätigkeit und den darauf beruhenden Einnahmen schon aufgrund des allgemeinen Werbungskostenbegriffes des § 16 Abs 1 abziehbar (VwGH 24. 9. 1999, 99/14/0096; 28. 10. 2004, 2001/15/0050; sie waren somit bereits nach der vor 2000 geltenden Rechtslage abziehbar). Hinsichtlich der Fortbildungskosten ist § 16 Abs 1 Z 10 sohin nur insoweit konstitutiv, als die Bestimmung eine betragsmäßige Beschränkung der Nächtigungsaufwendungen festlegt. Besteht ein konkreter Zusammenhang mit einer künftig auszuübenden Tätigkeit, können Fortbildungskosten für diese Tätigkeit auch schon vor Beginn dieser Tätigkeit als vorweggenommene Werbungskosten (allgemeiner Werbungskostentatbestand) berücksichtigt werden (vgl Rz 366 LStR 2002; zB: Schüler der Handelsakademie bekommt ab Beginn des Folgejahres Stelle in einer Bank und absolviert zur Vorbereitung Spezialkurs im Wertpapierrecht). Wurden Fortbildungsmaßnahmen in Zusammenhang mit einer bestimmten Erwerbstätigkeit begonnen, die Erwerbstätigkeit aber vor Abschluss der Bildungsmaßnahmen beendet, liegen nachträgliche Werbungskosten vor (vgl Rz 366 LStR 2002). Ausbildungskosten sind Aufwendungen zur Erlangung von Kenntnissen, die eine erstmalige Berufsausübung oder eine Berufsausübung in einem anderen Beruf ermöglichen (vgl VwGH 28. 10. 2004, 2004/15/0118). § 16 Abs 1 Z 10 normiert die Abzugsfähigkeit (auch) von Ausbildungskosten: Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit ist, dass ein Veranlagungszusammenhang (vgl Taucher, Abzugsfähige Bildungsaufwendungen, FJ 2005, 341) zur konkret ausgeübten oder einer damit verwandten Tätigkeit (Einkunftsquelle) vorliegt. Da nach der ab 2000 geltenden Rechtslage sowohl Fortbildungs- als auch Ausbildungskosten abzugsfähig sind, erübrigt sich eine exakte Abgrenzung dieser beiden Bereiche. Bildungsmaßnahmen, die nicht spezifisch für eine bestimmte betriebliche oder berufliche Tätigkeit sind, sondern zugleich für verschiedene betriebliche bzw berufliche Tätigkeiten dienlich sind, aber im ausgeübten Beruf von Nutzen sind, führen jedenfalls zu abzugsfähigen Aufwendungen (vgl ErlRV zum StRefG 2000; zB HAK-Matura bei einem Buchhalter oder Fachhochschulstudium bei einem kaufmännischen Angestellten vgl auch VwGH 22. 9. 2005, 2003/14/0090). Ob eine Tätigkeit mit der ausgeübten Tätigkeit verwandt ist, bestimmt sich nach der Verkehrsauffassung. Nach der Rechtsprechung (VwGH 3. 11. 2005, 2003/15/0064) und der Verwaltungspraxis (vgl Rz 358 LStR 2002) liegen jedenfalls dann verwandte Tätigkeiten vor, wenn die Tätigkeiten (Berufe) üblicherweise gemeinsam am Markt angeboten werden (zB Friseurin und Kosmetikerin, Dachdecker und Spengler) oder die Tätigkeiten im Wesentlichen gleich gelagerte Kenntnisse oder Fähigkeiten erfordern (zB Fleischhauer und Koch, Elektrotechniker und EDV-Techniker). Ein Indiz für eine artverwandte Tätigkeit liegt in der wechselseitigen Anrechnung von Ausbildungszeiten. Ein Zusammenhang mit der ausgeübten oder verwandten Tätigkeit ist jedenfalls anzunehmen, wenn die erworbenen Kenntnisse im Rahmen der ausgeübten beruflichen Tätigkeit verwertet werden können (VwGH 22. 9. 2005, 2003/14/0090; 3. 11. 2005, 2003/15/0064). Darüber hinaus reicht aber jeder Veranlassungszusammenhang mit der ausgeübten (verwandten) Tätigkeit (vgl Taucher, FJ 2005, 341). Auch ein ordentliches Universitäts- oder Fachhochschulstudium kann eine Aus- oder Fortbildungsmaßnahme in Zusammenhang mit einer vom Steuerpflichtigen ausgeübten oder einer damit verwandten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellen (VfGH 15. 6. 2004, G 8/04; VwGH 7. 4. 1981, 14/2763/80; siehe auch H.-J. Aigner/Reinisch, SWK 2003, S 314). Im gegenständlichen Fall hat der Berufungsführer bereits vor Studienbeginn drei Jahre bei einer Bank gearbeitet. Das Fachhochschulstudium Banking and Finance hat einen unmittelbaren Zusammenhang mit der vom Berufungsführer ausgeübten Tätigkeit. Dies wird auch dadurch dokumentiert, dass die a dem Berufungsführer die Wiedereinstellung nach Abschluss seines Fachhochschulstudiums zugesagt hat. Da sämtliche vom Berufungsführer geltend gemachten Werbungskosten mit diesem Studium zusammenhängen, sind diese Kosten als Werbungskosten steuerlich anzuerkennen. § 20 Abs 2 EStG lautet: "Weiters dürfen bei der Ermittlung der Einkünfte Aufwendungen und Ausgaben nicht abgezogen werden, soweit sie mit - nicht steuerpflichtigen Einnahmen oder
- Einkünften, auf die der besondere Steuersatz gemäß
§ 27a Abs. 1 oder § 30a Abs. 1 anwendbar ist,
§ 3 Abs 1 Z 3 lit e EStG sind Beihilfen nach dem Studienförderungsgesetz 1992 von der Einkommensteuer befreit. Nach den Angaben in der Vorhaltsbeantwortung hat der Berufungsführer für den Zeitraum September 2010 bis Dezember 2010 ein Stipendium in Höhe von 2.716,00 € bezogen. Die vom Berufungsführer im Zusammenhang mit seinem Studium geltend gemachten Werbungskosten für den Zeitraum September 2010 bis Dezember 2010 sind daher gemäß
§ 20 Abs 2 EStG um das steuerfreie Stipendium zu vermindern. Die vor dem Zeitraum September 2010 entstandenen Werbungskosten sind voll zu berücksichtigen. Die Werbungskosten errechnen sich daher folgendermaßen: WK § 20 Abs 2 PC, 30% Privatanteil 670,75/3*0,7 156,51 2 x Schwarzach-Wien und zurück (FH Aufnahmeverfahren) 650*4*0,42 1.092,00 Familienheimfahrten mit Zug an Allerheiligen und Weihnachten 2*62,00 124,00 2 x Tagsatz à 26,40 2*26,40 52,80 Pauschal 4 Nächte (13.6. bis 15.6. + 20.6. bis 22.6.2010) 4*15 60,00 Monatsmiete inkl Betriebskosten 3*500,00 1.500,00 Bücher, Skripten, Taschenrechner, ÖH-Beitrag 329,82 Summe 1.361,31 1.953,82 Es können daher Werbungskosten in Höhe von 1.361,31 € berücksichtigt werden. Die Einkommensteuer für das Jahr 2010 errechnet sich daher folgendermaßen: Lohnzettel 22.595,34 Werbungskosten -1.361,31 Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 21.234,03 Topfsonderausgaben -449,24 Kirchenbeitrag -99,37 Einkommen 20.685,42 Die Einkommensteuer gem. § 33 Abs 1 beträgt (21.447,60-11.000)*5.110,00/14.000,00 3.535,18 Verkehrsabsetzbetrag -291,00 Arbeitnehmerabsetzbetrag -54,00 Steuer sonstige Bezüge 215,95 Einkommensteuer 3.406,13 Anrechenbare Lohnsteuer -5.394,50 Festgesetzte Einkommensteuer -1.988,37 Rundung gemäß
§ 39 Abs 3 EStG 0,37 Abgabengutschrift -1.988,00 Feldkirch, am 9. April 2013 nach oben

References: § 16

§ 284

§ 282

§ 16
 § 16
 § 16
 § 16
 § 20

§ 27
 § 30

§ 3

§ 20
 § 20
 § 33

§ 39