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Timestamp: 2020-07-08 07:08:32+00:00

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Landtagswahl in Sachsen - und die AfD vor dem Bundesverfassungsgericht | Rechtslupe
Landtagswahl in Sachsen - und die AfD vor dem Bundesverfassungsgericht
Land­tags­wahl in Sach­sen – und die AfD vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Par­tei "Alter­na­ti­ve für Deutsch­land" (AfD) – Lan­des­ver­band Sach­sen – nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, mit der die­se sich gegen die teil­wei­se Nicht­zu­las­sung ihrer Lan­des­lis­te zur Land­tags­wahl in Sach­sen am 1.09.2019 gewandt hat.
Der Antrag war nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spre­chend begrün­det. Ins­be­son­de­re hat­te die AfD nicht alle für die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung der vor­ge­tra­ge­nen Rügen erfor­der­li­chen Unter­la­gen vor­ge­legt. Außer­dem fehl­te es an einer aus­rei­chen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen. Vor allem unter­bleibt eine Erör­te­rung des Grund­sat­zes, dass sub­jek­ti­ver Wahl­rechts­schutz bei Land­tags­wah­len durch die Län­der ‑und nicht durch den Bund- gewährt wird.
Die Auf­stel­lung der AfD-Land­tags­kan­di­da­ten
Die Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses
Die Nicht­an­nah­me­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts
Die Auf­stel­lung der AfD-Land­tags­kan­di­da­ten[↑]
Die AfD hat nach der von ihr in Bezug genom­me­nen Medi­en­in­for­ma­ti­on 17/​2019 der Säch­si­schen Lan­des­wahl­lei­te­rin vom 08.07.2019 (im Fol­gen­den: Medi­en­in­for­ma­ti­on) im Febru­ar und März 2019 zwei Lan­des­par­tei­ta­ge durch­ge­führt, bei denen jeweils über die Auf­stel­lung ihrer Lan­des­lis­te zur Wahl zum Sieb­ten Säch­si­schen Land­tag am 1.09.2019 ent­schie­den wur­de.
Die AfD gab nach der Medi­en­in­for­ma­ti­on am 18.06.2019 beim Lan­des­wahl­aus­schuss zwei Lan­des­lis­ten und zwei Nie­der­schrif­ten über die Lan­des­par­tei­ta­ge ab und wur­de noch im Abga­be­ter­min auf dies­be­züg­li­che recht­li­che Beden­ken hin­ge­wie­sen. Am Fol­ge­tag wur­de sie aus­weis­lich der Medi­en­in­for­ma­ti­on mit einem Män­gel­schrei­ben der Lan­des­wahl­lei­te­rin auf Pro­blem­punk­te hin­sicht­lich der Lan­des­par­tei­ta­ge hin­ge­wie­sen und auf­ge­for­dert, beheb­ba­re Män­gel bis zum Ablauf der Ein­rei­chungs­frist am 27.06.2019 zu besei­ti­gen. In Fol­ge­ter­mi­nen am 25.06.2019 und am 27.06.2019 wur­den von ihr wei­te­re Unter­la­gen ein­ge­reicht.
Die Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses[↑]
Am 5.07.2019 beschloss der Lan­des­wahl­aus­schuss, die Kan­di­da­ten auf den Plät­zen 19 bis 61 der Lan­des­lis­te der AfD zu strei­chen. Als Begrün­dung wird in der Medi­en­in­for­ma­ti­on aus­ge­führt, dass die not­wen­di­ge Chan­cen­gleich­heit aller Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber auf­grund eines Wech­sels im Ver­fah­ren der Kan­di­da­ten­auf­stel­lung von der Ein­zel- zur Block­wahl ab Lis­ten­po­si­ti­on 31 nicht gege­ben gewe­sen sei. Außer­dem habe es sich bei den bei­den Lan­des­par­tei­ta­gen nicht um eine ein­heit­li­che Auf­stel­lungs­ver­samm­lung gehan­delt, wofür die feh­len­de Per­so­nen­iden­ti­tät der im Wahl­ge­setz vor­ge­se­he­nen maß­geb­li­chen Per­so­nen (u.a. Ver­samm­lungs­lei­ter sowie Per­so­nen, die eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung abzu­ge­ben haben) gespro­chen habe. Im Ergeb­nis hät­ten nach Auf­fas­sung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses die zwin­gen­den Vor­aus­set­zun­gen des § 21 des Säch­si­schen Wahl­ge­set­zes (Sächs­WahlG) zur Auf­stel­lung von Par­tei­be­wer­bern nicht vor­ge­le­gen.
Am 12.07.2019 hat die AfD Ver­fas­sungs­be­schwer­de erho­ben. Sie rügt die Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te aus Art. 21 in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 GG sowie Art. 2 Abs. 1 GG und Art.19 Abs. 4 GG.
Es lie­ge auf der Hand, dass sie unter den durch die ange­grif­fe­ne rechts­wid­ri­ge Ent­schei­dung her­bei­ge­führ­ten Umstän­den nicht mit der ihr ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Chan­cen­gleich­heit an der Land­tags­wahl in Sach­sen teil­neh­men kön­ne. Der vom Lan­des­wahl­aus­schuss erho­be­ne Vor­wurf einer Ver­let­zung der Chan­cen­gleich­heit der Kan­di­da­ten bei der Lis­ten­auf­stel­lung durch den Wech­sel des Wahl­ver­fah­rens von der Ein­zel- zur Block­wahl ab Lis­ten­platz 31 sei unzu­tref­fend. Dies erge­be sich bereits aus den Beschluss­emp­feh­lun­gen des Wahl­prü­fungs­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom 30.11.2006 [1] sowie vom 01.07.2011 [2], die auf die ver­gleich­ba­re Rechts­la­ge auf Bun­des­ebe­ne ein­gin­gen. Auch sei es ent­ge­gen der Ansicht des Lan­des­wahl­aus­schus­ses zuläs­sig, eine Lan­des­lis­te in zwei Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen auf­zu­stel­len. Der Wort­laut des für die Auf­stel­lung der Lan­des­lis­te ent­spre­chend anwend­ba­ren § 21 Sächs­WahlG ste­he dem nicht ent­ge­gen. Soweit dort auf die Auf­stel­lung "in einer Mit­glie­der­ver­samm­lung" abge­stellt wer­de, bedeu­te dies nicht, dass es sich um eine ein­heit­li­che Ver­samm­lung han­deln müs­se. Dies erge­be sich sowohl aus der Geset­zes­sys­te­ma­tik, als auch aus einem Ver­gleich mit § 21 BWahlG.
Da die Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses gemäß § 48 Sächs­WahlG unan­fecht­bar sei, lie­ge ein ver­fas­sungs­wid­ri­ger Ein­griff in das Recht der AfD auf Rechts­schutz gegen alle Akte der öffent­li­chen Gewalt vor. Zwar habe das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung die Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gegen die Ent­schei­dung eines Lan­des­wahl­aus­schus­ses wegen des Vor­rangs der Wahl­prü­fungs­be­schwer­de aus­ge­schlos­sen. Es wer­de ange­regt, die­se Recht­spre­chung aus meh­re­ren Grün­den zu über­den­ken. Die Rechts­wid­rig­keit der Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses sei offen­kun­dig. Trotz die­ser Offen­kun­dig­keit eine Wahl auf ver­fas­sungs­wid­ri­ger Grund­la­ge durch­zu­füh­ren, sei nicht hin­nehm­bar und wür­de den öffent­li­chen Frie­den mas­siv gefähr­den. Außer­dem sei es uner­träg­lich, einem Wahl­be­wer­ber die Lis­te mit der Begrün­dung eines Wech­sels beim Wahl­mo­dus zu kür­zen, wenn ande­re Wahl­be­wer­ber dies eben­falls getan hät­ten. Das Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren wer­de zudem von einem Land­tag betrie­ben, des­sen Mit­glie­der durch den Weg­fall von Abge­ord­ne­ten, die nor­ma­ler­wei­se ihren Sitz hät­ten ein­neh­men kön­nen, begüns­tigt sei­en. Über­dies habe das letz­te Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren in Sach­sen rund vier Jah­re gedau­ert. Vor die­sem Hin­ter­grund wer­de aus­drück­lich auch der Aus­schluss des Rechts­wegs durch § 48 Sächs­WahlG als Ver­let­zung des Beschwer­de­füh­rers in sei­nem Recht aus Art.19 Abs. 4 GG gerügt. Zudem sei die Sys­te­ma­tik der Vor­ran­gig­keit des Wahl­prü­fungs­ver­fah­rens inzwi­schen viel­fach auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne durch­bro­chen wor­den.
Der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung sei zuläs­sig und begrün­det, weil sich seit der Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses dro­hen­de Gewalt bereits deut­lich mani­fes­tiert habe. Die Nach­tei­le bei Nicht­er­lass der einst­wei­li­gen Anord­nung, ins­be­son­de­re die Beru­fung einer Volks­ver­tre­tung unter Ver­let­zung der Wahl­rechts­gleich­heit für meh­re­re Jah­re und die psy­cho­lo­gi­schen Vor­wir­kun­gen der nun­mehr gege­be­nen Situa­ti­on auf die Wäh­ler, über­wö­gen die Nach­tei­le im Fal­le des Erlas­ses der begehr­ten Anord­nung.
Die Nicht­an­nah­me­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, weil die Annah­me­vor­aus­set­zun­gen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vor­lie­gen. Ihr kommt kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung zu und ihre Annah­me ist nicht zur Durch­set­zung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genann­ten Rech­te ange­zeigt. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat kei­ne Aus­sicht auf Erfolg [3], da sie unzu­läs­sig ist. Sie genügt jeden­falls nicht den Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BverfGG.
Nach die­sen Vor­schrif­ten ist der die Rechts­ver­let­zung ent­hal­ten­de Vor­gang sub­stan­ti­iert und schlüs­sig vor­zu­tra­gen [4]. Erfor­der­lich ist ein der­art sub­stan­ti­ier­ter Vor­trag, dass eine Ent­schei­dung dar­über, ob der gel­tend gemach­te Ver­fas­sungs­ver­stoß zumin­dest mög­lich erscheint, ohne Rück­griff auf die Akten des Aus­gangs­ver­fah­rens allein auf­grund der Beschwer­de­schrift und der ihr bei­gefüg­ten Anla­gen mög­lich ist [5]. Der ange­grif­fe­ne Hoheits­akt sowie alle zu sei­nem Ver­ständ­nis not­wen­di­gen Unter­la­gen müs­sen in Ablich­tung vor­ge­legt oder zumin­dest ihrem Inhalt nach so dar­ge­stellt wer­den, dass eine ver­ant­wort­ba­re ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung ohne wei­te­re Ermitt­lun­gen mög­lich ist [6]. Zudem muss deut­lich wer­den, inwie­weit durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me das bezeich­ne­te Grund­recht ver­letzt sein soll [7]. Liegt zu den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­nen Ver­fas­sungs­fra­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bereits vor, so ist der behaup­te­te Grund­rechts­ver­stoß in Aus­ein­an­der­set­zung mit den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben zu begrün­den [8].
Gemes­sen an die­sen Maß­stä­ben sind die gerüg­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt.
Es erscheint bereits zwei­fel­haft, ob die AfD den dem Ver­fah­ren zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt der­art dar­ge­stellt hat, dass die Mög­lich­keit des Vor­lie­gens der von ihr behaup­te­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen ohne die Bei­zie­hung der Akten des Lan­des­wahl­aus­schus­ses fest­ge­stellt wer­den kann. Die AfD beschränkt sich zur Dar­stel­lung des Sach­ver­halts im Wesent­li­chen dar­auf, auf die vor­ge­leg­te Medi­en­in­for­ma­ti­on Bezug zu neh­men und deren Dar­stel­lung des Ablaufs der Par­tei­ta­ge und des wei­te­ren Ver­fah­rens zu zitie­ren. Aus die­ser Medi­en­in­for­ma­ti­on sind aber sowohl das der Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses zugrun­de­lie­gen­de Gesche­hen auf den Lan­des­par­tei­ta­gen als auch die Bean­stan­dun­gen des Lan­des­wahl­au­schus­ses nur in gro­ben Zügen ersicht­lich, so dass schon das dem Ver­fah­ren zugrun­de­lie­gen­de tat­säch­li­che Gesche­hen nicht detail­liert nach­voll­zo­gen wer­den kann.
Außer­dem trägt die AfD nicht zu der Fra­ge vor, ob und in wel­cher Form sie ein Ver­fah­ren vor dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Frei­staa­tes Sach­sen betreibt oder betrie­ben hat. Da aber nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Län­der den sub­jek­tiv­recht­li­chen Schutz des Wahl­rechts bei poli­ti­schen Wah­len in ihrem Ver­fas­sungs­raum grund­sätz­lich allein und abschlie­ßend gewähr­leis­ten [9], hät­te es eines dahin­ge­hen­den Vor­trags bedurft, um über­prü­fen zu kön­nen, ob der aus § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG sich erge­ben­de Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät vor­lie­gend anwend­bar und gege­be­nen­falls beach­tet ist.
Jeden­falls hat die AfD nicht alle für die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung der von ihr vor­ge­tra­ge­nen Rügen erfor­der­li­chen Unter­la­gen vor­ge­legt. Not­wen­dig wäre ins­be­son­de­re gewe­sen, die in der Medi­en­in­for­ma­ti­on erwähn­ten Nie­der­schrif­ten der Lan­des­par­tei­ta­ge, das Män­gel­schrei­ben der Lan­des­wahl­lei­te­rin und die von der AfD beim Lan­des­wahl­aus­schuss ein­ge­reich­ten wei­te­ren Unter­la­gen vor­zu­le­gen. Ohne die­se Doku­men­te kön­nen das dem Ver­fah­ren zugrun­de­lie­gen­de Gesche­hen und die sei­tens der Lan­des­wahl­lei­te­rin erho­be­nen Ein­wän­de gegen die Lis­ten­auf­stel­lung der AfD schon in tat­säch­li­cher Hin­sicht nicht abschlie­ßend nach­voll­zo­gen wer­den.
Außer­dem setzt sich die AfD nicht aus­rei­chend mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­nen Ver­fas­sungs­fra­gen ange­sichts der getrenn­ten Ver­fas­sungs­räu­me von Bund und Län­dern aus­ein­an­der.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gewähr­leis­ten die Län­der den sub­jek­tiv­recht­li­chen Schutz des Wahl­rechts bei den Wah­len zu ihren Par­la­men­ten und den kom­mu­na­len Ver­tre­tun­gen des Vol­kes grund­sätz­lich allein und abschlie­ßend [10]. Aus die­sem Grund kann im Anwen­dungs­be­reich der spe­zi­el­len wahl­recht­li­chen Gleich­heits­sät­ze der Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG und Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG im Rah­men einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG zurück­ge­grif­fen wer­den [11].
Hier­mit setzt sich die AfD in kei­ner Wei­se aus­ein­an­der. Sie greift die Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses viel­mehr nur inhalt­lich an und führt aus, dass eine Ver­let­zung der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en aus Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 21 Abs. 1 Satz 1 GG auf der Hand lie­ge. Sie hät­te aber dar­über hin­aus näher dar­auf ein­ge­hen müs­sen, inwie­weit sie sich im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren über­haupt auf eine Ver­let­zung ihres Rechts auf Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en aus Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 21 Abs. 1 Satz 1 GG beru­fen kann oder ob ent­spre­chend der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dem die getrenn­ten Ver­fas­sungs­räu­me von Bund und Län­dern ent­ge­gen­ste­hen.
Auch die von der AfD gerüg­te Ver­let­zung des Rechts aus Art. 2 Abs. 1 GG wird nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Die AfD setzt sich auch inso­weit schon nicht damit aus­ein­an­der, ob mit Blick auf den grund­sätz­lich abschlie­ßen­den sub­jek­tiv­recht­li­chen Schutz des Wahl­rechts durch die Län­der in ihrem Ver­fas­sungs­raum eine Ver­let­zung des Art. 2 Abs. 1 GG vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­haupt gerügt wer­den kann [12]. Außer­dem wird nicht dar­ge­legt, inwie­weit über die gerüg­ten Ver­let­zun­gen von Art. 3 Abs. 1 GG und Art.19 Abs. 4 GG hin­aus Art. 2 Abs. 1 GG über­haupt in sei­nem Anwen­dungs­be­reich betrof­fen sein soll.
Schließ­lich setzt die AfD sich mit Blick auf die vor­ge­tra­ge­ne Ver­let­zung ihres Rechts aus Art.19 Abs. 4 GG eben­falls nicht hin­rei­chend mit den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben aus­ein­an­der. Sie geht auch inso­weit schon nicht dar­auf ein, ob und inwie­weit Art.19 Abs. 4 GG ange­sichts der grund­sätz­lich abschlie­ßen­den Gewäh­rung des sub­jek­tiv­recht­li­chen Wahl­rechts­schut­zes durch die Län­der über­haupt im Wege der Ver­fas­sungs­be­schwer­de vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als ver­letzt gerügt wer­den kann. Es hät­te dies­be­züg­lich jeden­falls einer Aus­ein­an­der­set­zung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bedurft, dass in Wahl­sa­chen die Siche­rung der Effek­ti­vi­tät des Rechts­schut­zes den damit befass­ten (Verfassungs-)Gerichten der Län­der über­las­sen ist, die ihrer­seits an Art.19 Abs. 4 GG gebun­den sind [13]. Zudem zeigt die AfD auch nicht in aus­rei­chen­dem Umfang auf, wes­halb von Ver­fas­sungs wegen die Pflicht bestehen soll, über das (nach­träg­li­che) Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren aus Art. 45 der Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Sach­sen hin­aus auch einen der Wahl vor­ge­la­ger­ten Rechts­schutz zu gewäh­ren. Sie regt zwar eine Ände­rung der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Vor­ran­gig­keit des nach­ge­la­ger­ten Wahl­prü­fungs­ver­fah­rens gegen­über der Ver­fas­sungs­be­schwer­de an. Dass dies aber auch ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten ist, lässt sich ihrem Vor­trag nur unzu­rei­chend ent­neh­men.
Mit der Nicht­an­nah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zur Ent­schei­dung erle­digt sich der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung [14].
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Juli 2019 – 2 BvR 1301/​19
BT-Drs. 16/​3600, S. 69[↩]
BT-Drs. 17/​6300, S. 92[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 21.11.2007 – 1 BvR 2793/​07, Rn. 2[↩]
vgl. BVerfGE 78, 320, 327; 93, 266, 288[↩]
vgl. BVerfGE 99, 1, 7 ff.; BVerfG, Beschluss vom 18.10.2010 – 2 BvR 2174/​10, Rn. 5; und vom 10.11.2010 – 2 BvR 1946/​10, Rn. 8, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 99, 1, 7 ff.; BVerfGK 15, 186, 190; 16, 31, 32 f.[↩]
vgl. BVerfGE 99, 1, 7 ff.; BVerfG, Beschluss vom 08.07.2008 – 2 BvR 1223/​08, Rn. 5[↩]
vgl. BVerfGE 99, 1, 8; BVerfG, Beschluss vom 03.07.2009 – 2 BvR 1291/​09, Rn. 4[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 10.11.2010 – 2 BvR 1946/​10, Rn. 10[↩]
vgl. BVerfGE 13, 127; 102, 197, 198, 224; § 40 Abs. 3 GOB­VerfG[↩]
LandeswahlausschussLandtagswahlVerfassungsbeschwerde

References: § 21
 Art. 21
 Art. 3
 Art. 2
 Art.19
 § 21
 § 21
 § 48
 § 48
 Art.19
 § 93
 § 90
 § 23
 § 92
 § 90
 Art. 28
 Art. 38
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 21
 Art. 3
 Art. 21
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 3
 Art.19
 Art. 2
 Art.19
 Art.19
 Art.19
 Art. 45
 § 40