Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=12.01.2010&Aktenzeichen=B%202%20U%2028%2F08%20R
Timestamp: 2019-02-16 10:40:58+00:00

Document:
BSG, 12.01.2010 - B 2 U 28/08 R - dejure.org
Gesetzliche Unfallversicherung; stationäre Krankenhausbehandlung; Erforderlichkeit der Krankenhausbehandlung; Vergütung; Verletzungsartenverfahren; D-Arzt; Behandlungs- und Vergütungsvereinbarung; Vertrag Ärzte/Unfallversicherungsträger; Entgeltverei ...
§ 33 Abs 1 SGB 7, § 33 Abs 2 SGB 7, § 34 SGB 7, § 107 SGB 5, § 112 Abs 2 S 1 Nr 1 SGB 5
Heilbehandlung - Beziehungen zu Leistungserbringern - Vertragsverhältnis Krankenhaus/UV-Träger - Vergütungsanspruch - Geschäftsführung ohne Auftrag (GoA) - Prüfung stationärer Behandlungsrechnungen
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BSG vom 12.01.2010, Az.: B 2 U 28/08 (Aufwendungsersatzanspruch des Krankenhausträgers gegen den Träger der gesetzlichen Unfallversicherung)" von Andreas Wagener, original erschienen in: SGb 2011, 102 - 109.
BSGE 105, 210
Legt das Krankenhaus im Vergütungsrechtsstreit dem Gericht zu Beweiszwecken die Behandlungsunterlagen vor, hat die KK Recht auf Einsicht hierein, soweit das Krankenhaus dieses nicht ausschließt (§ 120 Abs. 1 SGG; ab 1.1.2018: § 120 Abs. 1 S 1 SGG; § 202 S 1 SGG iVm § 142 ZPO, vgl BSGE 105, 210 = SozR 4-2700 § 33 Nr. 1, RdNr 32;… BSG SozR 4-1500 § 120 Nr. 2 RdNr 19; zu den Folgen des Ausschlusses vgl unten d).
Für die Kostenübernahme von Leistungen, die von der Klägerin aufgrund des Krankenvollversicherungsvertrages mit G. erbracht worden sind, aber nicht vom Leistungskatalog des SGB VII erfasst werden oder zur Krankenbehandlung nicht notwendig waren (vgl hierzu BSG vom 12.1.2010 - B 2 U 28/08 R - BSGE 105, 210 = SozR 4-2700 § 33 Nr. 1, RdNr 26) , ist die Beklagte nicht eintrittspflichtig.
Es kann deshalb dahinstehen, ob hinsichtlich des geltend gemachten Pflegegeldes wegen der Zuständigkeit der Beklagten nur unter den Voraussetzungen des § 44 SGB VII die Voraussetzungen eines Erstattungsanspruchs nach § 105 Abs. 1 SGB X überhaupt vorgelegen hätten (…vgl BSG vom 3.4.2014 - B 2 U 21/12 R - BSGE 115, 247 = SozR 4-7610 § 812 Nr. 7, RdNr 28; BSG vom 12.1.2010 - B 2 U 28/08 R - BSGE 105, 210 = SozR 4-2700 § 33 Nr. 1, RdNr 26).
Entscheidend ist, ob der zur Klagebegründung vorgetragene Sachverhalt für die aus ihm hergeleitete Rechtsfolge von Rechtssätzen des Zivil- oder des Sozialrechts geprägt wird, damit die wahre Natur des Anspruchs, wie er sich nach dem klägerischen Sachvortrag darstellt, und nicht, ob diese sich auf eine zivilrechtliche oder eine öffentlich-rechtliche Anspruchsgrundlage beruft (s. zum Ganzen Bundessozialgericht, Urteil vom 12. Januar 2010 - B 2 U 28/08 R m. w. N.).
Das Streitverhältnis ist damit dem Unfallversicherungsrecht zuzuordnen (s. hierzu wiederum Bundessozialgericht, Urteil vom 12. Januar 2010 - B 2 U 28/08 R).
Es war weder ein Vorverfahren durchzuführen noch eine Klagefrist einzuhalten (vgl. zum Ganzen wiederum Bundessozialgericht, Urteil vom 12. Januar 2010 - B 2 U 28/08 R m. w. N.).
Der vorliegend (in der Hauptsache) geltend gemachte (und inzwischen anerkannte) Zahlungsanspruch ergibt sich aus den Vorschriften über eine Geschäftsführung ohne Auftrag (GoA) gemäß §§ 677 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), welche im öffentlichen Recht entsprechend anzuwenden sind (s. hierzu und ausführlich dazu, dass andere - insbesondere auf vertraglicher Grundlage oder dem KHEntG beruhende - Anspruchsgrundlagen grundsätzlich nicht eingreifen: Bundessozialgericht, Urteil vom 12. Januar 2010 - B 2 U 28/08 R).
Die öffentlich-rechtliche Natur der GoA ergibt sich hier daraus, dass die Klägerin stationäre Heilbehandlungsmaßnahmen erbracht hat, die von der Beklagten als zuständigem Unfallversicherungsträger als Sachleistung zur Verfügung zu stellen sind (§ 26 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 Satz 2, § 27 Abs. 1 Nummer 6 SGB VII; vgl. zum Ganzen wiederum Bundessozialgericht, Urteil vom 12. Januar 2010 - B 2 U 28/08 R).
Dass die stationären Behandlungen in Krankenhäusern zu erbringen sind (§ 33 Abs. 1 Satz 1 SGB VII), steht der Annahme einer Fremdgeschäftsführung nicht entgegen (s. Bundessozialgericht, Urteil vom 12. Januar 2010 - B 2 U 28/08 R).
Wie der erkennende Senat bereits entschieden hat, wird, wenn ein Krankenhaus einen nach dem SGB VII Versicherten aufnimmt und behandelt, keine vertragliche Vereinbarung über die Durchführung und Vergütung einer stationären Krankenhausbehandlung begründet (BSG vom 12.1.2010 - B 2 U 28/08 R - BSGE 105, 210 = SozR 4-2700 § 33 Nr. 1, SozR 4-7610 § 683 Nr. 1, RdNr 13) .
Weiterhin ist erforderlich, dass es an besonderen, das Verhältnis zwischen Geschäftsführer und Geschäftsherrn abweichend regelnden Bestimmungen, die den Handelnden zum unentgeltlichen Tätigwerden verpflichten oder die einen Rückgriff auf die Grundsätze über die GoA nicht erlauben, fehlt (…BSG vom 3.4.2014 - B 2 U 21/12 R - BSGE 115, 247 = SozR 4-7610 § 812 Nr. 7, RdNr 19; BSG vom 12.1.2010 - B 2 U 28/08 R - BSGE 105, 210 = SozR 4-2700 § 33 Nr. 1, RdNr 12;… BSG vom 17.11.1999 - B 6 KA 14/99 R - SozR 3-2500 § 75 Nr. 11 S 56 mwN) .
Zwar gilt die in § 87 Abs. 1 S 1 SGG vorgesehene Klagefrist von einem Monat nach Bekanntgabe des Verwaltungsakts nicht für die hier von ihm erhobene Leistungsklage (BSG Urteil vom 12.1.2010 - B 2 U 28/08 R - BSGE 105, 210 = SozR 4-2700 § 33 Nr. 1) .
Diese sind im öffentlichen Recht entsprechend anzuwenden (BSG vom 12. Januar 2010 - B 2 U 28/08 R - Rn. 24, juris mit weiteren Nachweisen).
LG Köln, 13.07.2011 - 25 S 6/11
Der Anspruch auf Zahlung der Behandlungskosten aus einem Krankenhausvertrag ist …
Der Anspruch auf Zahlung der Behandlungskosten war auch, mangels abweichender Vertragsgestaltung in dem vom Beklagten am 24.5.2009 unterzeichneten Krankenhausvertrag, als Dienstvertrag (…Palandt 70.Aufl vor § 611, Rz. 19) gemäß § 614 BGB mit Ende der Behandlung sofort fällig (s.auch BSG BeckRS 2010, 67365 [28] im Verhältnis zur gesetzlichen Unfallversicherung).
Eine Abrechnung, die nicht entsprechend den Anforderungen des § 8 Abs. 9 KHEntgG erstellt wurde, begründet nach Auffassung der Kammer allerdings ein Zurückbehaltungsrecht im Sinne des § 273 BGB, das aber nicht zu einer Klagabweisung, sondern zu einer Verurteilung Zug um Zug gegen Erstellung einer entsprechenden Abrechnung führen könnte (im Ergebnis ähnlich BSG BeckRS 2010, 67365 [28] ).
Damit ist einem Durchgangsarzt aber nicht zugleich die Rechtsmacht eingeräumt, im Namen einer Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung eine auf Ablehnung einer Leistung (§ 13 Abs. 3 Satz 1 SGB V) gerichtete Willenserklärung abzugeben (vgl. auch BSG, Urteil vom 12. Januar 2010 - B 2 U 2./08 R -, BSGE 105, 210 ).
SG Augsburg, 28.11.2013 - S 8 U 238/13
Behandlung eines Unfallverletzten in einem Schockraum stellt keine stationäre …
SG Augsburg, 28.11.2013 - S 8 U 276/12
Verlegungsabschlag bei der stationären Behandlung Unfallversicherter in ein …

References: § 33
 § 33
 § 34
 § 107
 § 112
 § 120
 § 202
 § 142
 § 33
 § 120
 § 33
 § 44
 § 105
 § 812
 § 33
 § 27
 § 33
 § 683
 § 812
 § 33
 § 75
 § 87
 § 33
 § 611
 § 614
 § 8
 § 273