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Timestamp: 2018-05-23 14:45:53+00:00

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BAG, Urteil vom 15.10.2013, 3 AZR 294/11 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 15.10.2013, 3 AZR 294/11
Schlagworte: Betriebliche Altersversorgung, Betriebsrente, Diskriminierung: Alter
Aktenzeichen: 3 AZR 294/11
Vorinstanzen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 30.6.2010 - 19 Ca 13895/09
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 1.2.2011 - 6 Sa 1078/10
hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. Ok­to­ber 2013 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Schlewing, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Spin­ner so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Knüttel und Dr. Möller für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 1. Fe­bru­ar 2011 - 6 Sa 1078/10 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, beim Ab­le­ben des Klägers an des­sen Ehe­frau B ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu zah­len.
Der am 21. Ok­to­ber 1929 ge­bo­re­ne Kläger war vom 1. Ju­li 1976 bis zum 31. De­zem­ber 1992 zunächst bei der M GmbH und später bei de­ren Rechts­nach­fol­ge­rin, der E GmbH beschäftigt. Die M GmbH hat­te dem Kläger Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach der „Ver­sor­gungs­ord­nung vom 11.02.1974, geändert am 30. Ju­ni 1983, Neu­fas­sung vom 02.06.1992“ (im Fol­gen­den: VO MBB) des Be­klag­ten, ei­ner Un­terstützungs­kas­se, zu­ge­sagt. In der VO MBB heißt es:
„Ver­sor­gungs­ord­nung
1. Die­se Ver­sor­gungs­ord­nung re­gelt die be­trieb­li­che Al-ters­ver­sor­gung der Begüns­tig­ten (Mit­ar­bei­te­rin­nen/ Mit­ar­bei­ter und Rent­ne­rin­nen/Rent­ner) der Ver­sor­gungs­kas­se der M GmbH e. V. - im fol­gen­den VK MBB ge­nannt - de­nen gemäß Sat­zung Ver­sor­gung zu gewähren ist. ...
§ 1 Leis­tungs­ar­ten
Als be­trieb­li­che Ver­sor­gungs­leis­tun­gen wer­den gewährt:
a) an Mit­ar­bei­te­rin­nen/Mit­ar­bei­ter:
Al­ters­ren­ten § 7
In­va­li­den­ren­ten § 8
b) an de­ren Hin­ter­blie­be­ne:
Wit­wen-/
Wit­wer­ren­ten § 9
Wai­sen­ren­ten § 10
Höhe der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen
1. Die Höhe der be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tung rich­tet sich bei al­len Leis­tungs­ar­ten nach den an­re­chen­ba­ren Dienst­jah­ren (§ 4) und dem ver­sor­gungsfähi­gen Ein­kom­men (§ 5).
3. Die Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten be­tra­gen:
- als Wit­wen- /Wit­wer­ren­te oder 60 v. H.
der Ren­te der Mit­ar­bei­te­rin/des Mit­ar­bei­ters.
1. Al­ters­ren­te wird gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Ge­sell­schaft stand und das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ist (Ver­sor­gungs­fall).
2. Al­ters­ren­te wird vor­zei­tig gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter vor Voll­endung ih­res/sei­nes 65. Le­bens­jah­res das Al­ters­ru­he­geld aus der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in An­spruch nimmt und aus dem Be­ruf aus­schei­det (Ver­sor­gungs­fall); Teil­ren­te wird nicht gewährt.
1. In­va­li­den­ren­te wird gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter we­gen Be­rufs-
oder Er­werbs­unfähig­keit im Sin­ne der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus den Diens­ten der Ge­sell­schaft aus-schei­det (Ver­sor­gungs­fall).
1. Wit­wen­ren­te wird beim Tod ei­nes Mit­ar­bei­ters (Ver­sor­gungs­fall) der über­le­ben­den Ehe­frau gewährt, wenn die Ehe bis zum Tod be­stan­den hat. Wit­wen­ren­te wird auch beim Tod ei­nes Rent­ners der hin­ter­las­se­nen Ehe­frau gewährt, wenn die Ehe vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les ge­schlos­sen wur­de und bis zum To­de be­stan­den hat.
2. Die Wit­wen­ren­te er­lischt mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem die Wit­we sich wie­der ver­hei­ra­tet. Bei der Wie­der­ver­hei­ra­tung wird ei­ne Ab­fin­dung von 18 Mo­nats­ren­ten gewährt.
3. Wit­wer­ren­ten wer­den ent­spre­chend Zif­fer 1 und 2 dem über­le­ben­den Ehe­mann ei­ner Mit­ar­bei­te­rin oder ei­ner Rent­ne­rin gewährt.
In Härtefällen kann von den Be­stim­mun­gen der vor­lie­gen­den Ver­sor­gungs­ord­nung zu­guns­ten des Begüns­tig­ten ab­ge­wi­chen wer­den.
Der Kläger be­zieht seit dem 1. Ja­nu­ar 1993 vom Be­klag­ten ei­ne Al­ters­ren­te nach der VO MBB iHv. der­zeit 1.052,00 Eu­ro.
Der Kläger und B hat­ten am 12. Sep­tem­ber 1959 ge­hei­ra­tet. Die Ehe wur­de am 7. De­zem­ber 1993 oh­ne Ver­sor­gungs­aus­gleich ge­schie­den. Am 23. Sep­tem­ber 1996 ging der Kläger ei­ne wei­te­re Ehe mit ei­ner an­de­ren Frau ein. Die­se Ehe wur­de am 13. Au­gust 2002 eben­falls oh­ne Ver­sor­gungs­aus­gleich ge­schie­den. Am 18. Ju­ni 2008 hei­ra­te­ten der Kläger und B er­neut.
Mit Schrei­ben vom 18. Ju­li 2008 teil­te die E GmbH dem Kläger mit, dass sei­ne Ehe­frau B bei sei­nem Ab­le­ben kei­nen An­spruch auf ei­ne Wit­wen­ren­te nach der VO MBB ha­be, da die Ehe erst nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Kläger ge­schlos­sen wor­den sei.
Der Kläger hat die An­sicht ver­tre­ten, sein An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach der VO MBB um­fas­se auch ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu­guns­ten sei­ner Ehe­frau B, wes­halb der Be­klag­te ver­pflich­tet sei, bei sei­nem Ab­le­ben an die­se nach der VO MBB ei­ne Wit­wen­ren­te zu zah­len. Der An­spruch fol­ge aus § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB. Er sei be­reits vor sei­nem Ru­he­stand mit sei­ner jet­zi­gen Ehe­frau ver­hei­ra­tet ge­we­sen. Es sei un­er­heb­lich, dass die ers­te Ehe nach sei­nem Ein­tritt in den Ru­he­stand ge­schie­den wor­den sei. Nach § 9 Abs. 1 Satz 2 O MBB kom­me es nicht auf den Zeit-punkt der Wie­der­hei­rat im Jahr 2008, son­dern auf den Zeit­punkt der ers­ten Ehe­sch­ließung im Jahr 1959 an. Mit der Wie­der­hei­rat sei kein neu­es Ver­sor­gungs­ri­si­ko ge­schaf­fen wor­den. Im Übri­gen sei der Aus­schluss von Ehe­gat­ten, die der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te erst nach dem Ein­tritt in den Ru­he­stand ge­hei­ra­tet ha­be, von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung we­gen Ver­s­toßes ge­gen das AGG so­wie ge­gen Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG un­wirk­sam. Je­den­falls sei der Be­klag­te nach § 13 VO MBB ver­pflich­tet, von den Vor­ga­ben des § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ab­zu­wei­chen und sei­ner Ehe­frau B bei sei­nem Ab­le­ben ei­ne Wit­wen­ren­te zu zah­len.
Der Kläger hat zu­letzt sinn­gemäß be­an­tragt
fest­zu­stel­len, dass sein An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung gemäß der Ver­sor­gungs­ord­nung der Ver­sor­gungs­kas­se der MBB GmbH e. V. auch ei­nen An­spruch auf Wit­wen­ren­te zu­guns­ten sei­ner über­le­ben­den Ehe­frau B um­fasst.
Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet. Der Be­klag­te ist nicht ver­pflich­tet, beim Ab­le­ben des Klägers an des­sen Ehe­frau B ei­ne Wit­wen­ren­te zu zah­len.
A. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist zulässig.
Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wer­de.
I. Der Kla­ge­an­trag ist auf die Fest­stel­lung ei­nes zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­den Rechts­verhält­nis­ses iSd. § 256 ZPO ge­rich­tet.
Zwar können nach die­ser Be­stim­mung nur Rechts­verhält­nis­se Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein, nicht hin­ge­gen bloße Ele­men­te oder Vor-fra­gen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses. Ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge muss sich al­ler­dings nicht not­wen­dig auf ein Rechts­verhält­nis ins­ge­samt er­stre­cken, son­dern kann sich auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen so­wie auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken (BAG 28. Ju­ni 2011 - 3 AZR 448/09 - Rn. 18; 10. Fe­bru­ar 2009 - 3 AZR 653/07 - Rn. 12). Vor­lie­gend geht es um die Fra­ge, ob der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, beim Ab­le­ben des Klägers an des­sen Ehe­frau B ei­ne Wit­wen­ren­te nach der VO MBB zu zah­len. Bei die­ser Ver­pflich­tung han­delt es sich um ein Rechts­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en und nicht um ein Rechts­verhält­nis zwi­schen dem Be­klag­ten und der Ehe­frau des Klägers. Die M GmbH hat­te dem Kläger nicht nur ei­ne Al­ters­ren­te, son­dern auch ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu­ge­sagt. Im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung han­delt es sich bei der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge um ei­nen Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter (BGH 27. Fe­bru­ar 1961 - II ZR 60/59 - Rn. 11; BAG 26. Au­gust 1997 - 3 AZR 235/96 - zu A II 1 der Gründe, BA­GE 86, 216; 29. Ja­nu­ar 1991 - 3 AZR
85/90 - zu III 2 der Gründe). Empfänger des Ver­sor­gungs­ver­spre­chens ist der Kläger. Des­halb kann er nach § 335 BGB selbst das Recht auf die ver­spro­che­ne Leis­tung gel­tend ma­chen. Sei­ne Hin­ter­blie­be­nen sind le­dig­lich Begüns­tig­te, die erst durch sei­nen Tod ein For­de­rungs­recht er­wer­ben (vgl. BAG 26. Au­gust 1997 - 3 AZR 235/96 - aaO).
II. Der Kläger hat auch ein In­ter­es­se an als­bal­di­ger Fest­stel­lung der Leis­tungs­pflicht des Be­klag­ten, da die­ser ei­ne Ver­pflich­tung zur Er­brin­gung von Wit­wen­ren­te an sei­ne Ehe­frau in Ab­re­de stellt.
B. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Der Be­klag­te ist nicht ver­pflich­tet, beim Ab­le­ben des Klägers an des­sen Ehe­frau B ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te nach der VO MBB zu zah­len. Die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB sind nicht erfüllt, da die für den An­spruch auf Wit­wen­ren­te maßgeb­li­che (zwei­te) Ehe des Klägers mit B erst zu ei­nem Zeit­punkt ge­schlos­sen wur­de, als die­ser be­reits Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach der VO MBB be­zog. Der durch § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB be­wirk­te Aus­schluss erst während des Ru­he­stan­des ge­hei­ra­te­ter Ehe­gat­ten von der Wit­wen­ver­sor­gung ist wirk­sam. Der Be­klag­te ist auch nicht nach § 13 VO MBB ver­pflich­tet, von der Re­ge­lung in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB zu­guns­ten des Klägers und sei­ner Ehe­frau ab­zu­wei­chen.
I. Nach § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB be­steht kein An­spruch des Klägers auf Zah­lung von Wit­wen­ren­te an sei­ne Ehe­frau B. Die ers­te Ehe des Klägers mit B wur­de zwar vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Al­ter“ beim Kläger ge­schlos­sen. Sie be­steht je­doch nicht bis zu sei­nem Tod, da sie ge­schie­den wur­de. Die zwei­te Ehe des Klägers mit B wur­de erst im Jahr 2008 und da­mit zu ei­nem Zeit­punkt ge­schlos­sen, zu dem der Kläger be­reits ei­ne Al­ters­ren­te nach § 7 VO MBB vom Be­klag­ten be­zog. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Klägers ist § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB nicht da­hin aus­zu­le­gen, dass es im Fal­le der Wie­der­hei­rat des­sel­ben Ehe­part­ners auf die ers­te Ehe­sch­ließung an­kommt. Viel­mehr be­steht ein An­spruch auf Wit­wen­ren­te dann nicht, wenn die Wit­wen­ei­gen­schaft aus ei­ner Ehe herrührt, die nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wur­de. Mit dem „Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls“ iSd. § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ist - ent­ge­gen der An­sicht des
Klägers - nicht der in § 9 Abs. 1 Satz 1 VO MBB ge­re­gel­te Ver­sor­gungs­fall „Tod des Mit­ar­bei­ters“ ge­meint, son­dern der Ein­tritt ei­nes Ver­sor­gungs­falls iSv. § 1 Buchst. a) VO MBB iVm. §§ 7 und 8 VO MBB beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter.
1. Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 VO MBB wird Wit­wen­ren­te beim Tod ei­nes Mit­ar­bei­ters (Ver­sor­gungs­fall) der über­le­ben­den Ehe­frau gewährt, wenn die Ehe bis zum Tod be­stan­den hat. Nach § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB wird Wit­wen­ren­te auch beim Tod ei­nes Rent­ners der hin­ter­las­se­nen Ehe­frau gewährt, wenn die Ehe vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls ge­schlos­sen wur­de und bis zum To­de be­stan­den hat. Mit der Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen der über­le­ben­den Ehe­frau ei­nes „Mit­ar­bei­ters“ und der hin­ter­las­se­nen Ehe­frau ei­nes „Rent­ners“ un­ter­schei­det § 9 Abs. 1 VO MBB für den An­spruch auf Wit­wen­ren­te da­nach, ob der Ver­sor­gungs­fall „Tod“ während des lau­fen­den Ar­beits­verhält­nis­ses des Mit­ar­bei­ters (§ 9 Abs. 1 Satz 1 VO MBB) oder erst zu ei­nem Zeit­punkt ein­tritt, zu dem der ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Mit­ar­bei­ter be­reits aus dem ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den ist und selbst be­trieb­li­che Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach der VO MBB be­zieht (§ 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB). Da der ver­stor­be­ne ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Ehe­gat­te nicht gleich­zei­tig „Mit­ar­bei­ter“ und „Rent­ner“ sein kann und die Ehe den­knot­wen­dig vor dem Ab­le­ben des Ehe­gat­ten ge­schlos­sen wor­den sein muss, kann es sich bei dem in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB be­stimm­ten „Ver­sor­gungs­fall“ nicht um den in § 9 Abs. 1 Satz 1 VO MBB ge­nann­ten Ver­sor­gungs­fall „Tod des Mit­ar­bei­ters“ han­deln. Des­halb kann mit dem Ver­sor­gungs­fall iSv. § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB nur ei­ner der in § 7 Abs. 1 und Abs. 2 so­wie in § 8 Abs. 1 VO MBB ge­re­gel­ten Ver­sor­gungsfälle der „Al­ter“ und „In­va­li­dität“ ge­meint sein. Der An­spruch auf Wit­wen­ren­te setzt da­her vor­aus, dass die Ehe ge­schlos­sen wur­de, be­vor der ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Mit­ar­bei­ter selbst Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach der VO MBB be­zog und dass die­se Ehe bis zum Tod des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten fort­be­steht.
Dies ent­spricht Sinn und Zweck von § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB. Die Re­ge­lung in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB dient dem Ziel, den Kreis der an­spruchs­be­rech­tig­ten Hin­ter­blie­be­nen auf Per­so­nen zu be­schränken, hin­sicht­lich
de­rer der Ver­sor­gungs­be­darf noch vor dem Be­zug von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter an­ge­legt war. Auf die­se Ver­sor­gungs­ri­si­ken sol­len die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers be­grenzt wer­den (vgl. für den Fall ei­ner auf Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab­stel­len­den Späte­hen­klau­sel BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 73 ff., BA­GE 134, 89; vgl. für den Fall ei­ner auf die Voll­endung des 50. Le­bens­jah­res ab­stel­len­den Späte­hen­klau­sel BAG 28. Ju­li 2005 - 3 AZR 457/04 - zu II 2 a bb (1) der Gründe, BA­GE 115, 317). Für nach dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schaf­fe­ne Ver­sor­gungs­ri­si­ken soll der Ar­beit­ge­ber nicht auf­kom­men. Wird ei­ne Ehe ge­schie­den, kann sich das Ri­si­ko der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus die­ser Ehe nicht mehr rea­li­sie­ren. Auch im Fal­le ei­ner Schei­dung und ei­ner er­neu­ten Hei­rat kann sich das in ers­ter Ehe an­ge­leg­te Ver­sor­gungs­ri­si­ko nicht mehr rea­li­sie­ren, son­dern nur das aus der letz­ten Ehe fol­gen­de Ver­sor­gungs­ri­si­ko. Dies gilt auch dann, wenn die er­neu­te Hei­rat mit dem frühe­ren Ehe­part­ner er­folgt. Auch dann kann sich das in der ers­ten Ehe an­ge­leg­te Ver­sor­gungs­ri­si­ko nicht mehr ver­wirk­li­chen. Viel­mehr wird mit der wei­te­ren Ehe ein neu­es Ver­sor­gungs­ri­si­ko be­gründet. Auch die­ses Ri­si­ko soll nach den Be­stim­mun­gen der VO MBB nicht über­nom­men wer­den, wenn die wei­te­re Ehe erst nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schlos­sen wird.
2. § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB kann nicht da­hin ergänzend aus­ge­legt wer­den, dass ein An­spruch auf Wit­wen­ren­te be­steht, wenn der ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Mit­ar­bei­ter sei­ne ge­schie­de­ne Ehe­frau, mit der er während des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­hei­ra­tet war, im Ru­he­stand er­neut hei­ra­tet. Ei­ne ergänzen­de Aus­le­gung setzt ei­ne plan­wid­ri­ge Re­ge­lungslücke vor­aus. Dar­an fehlt es. Durch die Re­ge­lung in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB sol­len die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers im Hin­blick auf das Wit­wen­geld auf Ri­si­ken be­grenzt wer­den, die vor dem Ein­tritt ei­nes Ver­sor­gungs­falls iSd. §§ 7 und 8 VO MBB beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten be­reits an­ge­legt wa­ren. Da­mit wer­den al­le Wit­wen aus Ehen, die erst während des Be­zugs von Al­ters- oder In­va­li­den­ren­te durch den Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wur­den, von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­ge­nom­men. Des­halb können Ehen, die der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te
erst während sei­nes Be­zugs be­trieb­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach der VO MBB schließt, un­abhängig da­von, ob er die Per­son ehe­licht, mit der er be­reits ein­mal ver­hei­ra­tet war oder ob er die Ehe mit ei­ner drit­ten Per­son ein­geht, von vorn­her­ein kein Ver­sor­gungs­ri­si­ko be­gründen, das von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der VO MBB ab­ge­deckt wer­den soll.
II. Der durch § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB be­wirk­te Aus­schluss von der Wit­wen­ver­sor­gung für den Fall, dass die Ehe erst während des Leis­tungs­be­zugs des ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ters ge­schlos­sen wird, ist wirk­sam. Die Be­stim­mung hält ei­ner Über­prüfung an­hand der Maßstäbe des AGG stand. Sie führt auch un­ter Be­ach­tung der grund­recht­li­chen Wer­tun­gen der Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG nicht zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung iSv. §§ 307 ff. BGB.
1. Die Aus­schluss­re­ge­lung in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ist nicht nach § 7Abs. 2 AGG un­wirk­sam.
aa) Das AGG gilt trotz der in § 2 Abs. 2 Satz 2 ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, so­weit das Be­triebs­ren­ten­recht nicht vor­ran­gi­ge Son­der­re­ge­lun­gen enthält (BAG 11. De­zem­ber 2007 - 3 AZR 249/06 - Rn. 22, BA­GE 125, 133). Letz­te­res ist nicht der Fall.
bb) Das AGG ist auch in zeit­li­cher Hin­sicht an­wend­bar. Sei­ne An­wen­dung setzt vor­aus, dass un­ter sei­nem zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich ein Rechts­verhält­nis zwi­schen dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner be­stand. Da­bei ist zwar auf den Beschäftig­ten (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AGG) und nicht auf den Hin­ter­blie­be­nen ab­zu­stel­len. Al­ler­dings ist nicht er­for­der­lich, dass zum maßgeb­li­chen Zeit­punkt noch ein Ar­beits­verhält­nis be­stand. Aus­rei­chend ist viel­mehr, wenn der Ar­beit­neh­mer mit un­ver­fall­ba­rer An­wart­schaft aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den oder Ver­sor­gungs­empfänger ist und das da­mit be­gründe­te Rechts­verhält­nis bei oder nach In­kraft­tre­ten des AGG noch be­steht
bzw. be­stand. Das Aus­schei­den mit un­ver­fall­ba­rer An­wart­schaft und ein An­spruch auf Be­triebs­ren­te be­gründen ein ver­sor­gungs­recht­li­ches Dau­er­schuld­verhält­nis zwi­schen dem aus­ge­schie­de­nen Ar­beit­neh­mer und dem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber. Die An­wart­schaft ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber, nach den Re­geln der Ver­sor­gungs­ord­nung das Ver­sor­gungs­ri­si­ko ab­zu­de­cken. Die­ses ak­tua­li­siert sich mit Ein­tritt des Ver­sor­gungs- oder Nach­ver­sor­gungs­falls. Da der Kläger auch nach In­kraft­tre­ten des AGG am 18. Au­gust 2006 (Art. 4 Satz 1 des Ge­set­zes zur Um­set­zung eu­ropäischer Richt­li­ni­en zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung vom 14. Au­gust 2006 - BGBl. I S. 1897) Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung vom Be­klag­ten be­zieht, mit­hin Be­triebs­rent­ner ist, be­steht das für die An­wend­bar­keit des AGG er­for­der­li­che Rechts­verhält­nis.
b) Der durch § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB be­wirk­te Aus­schluss erst im Ru­he­stand ge­hei­ra­te­ter Ehe­gat­ten von der Wit­wen­ver­sor­gung verstößt nicht ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters nach § 7 Abs. 1 Halbs. 1 AGG und ist des­halb nicht nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Die Re­ge­lung führt we­der zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren noch zu ei­ner un­zulässi­gen mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters.
aa) Nach § 7 Abs. 1 Halbs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des - ua. we­gen des Al­ters - be­nach­tei­ligt wer­den. Un­zulässig sind un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gun­gen. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt nach § 3 Abs. 1 AGG vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on. Nach § 3 Abs. 2 AGG liegt ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Be­stim­mun­gen in Ver­ein­ba-
run­gen, die ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam.
bb) Da der in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB vor­ge­se­he­ne Aus­schluss von der Wit­wen­ver­sor­gung für den Fall, dass die Ehe erst nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schlos­sen wur­de, nicht an das Le­bens­al­ter an­knüpft und auch nicht un­mit­tel­bar auf die­sem Merk­mal be­ruht, schei­det ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters aus. Ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters iSv. § 3 Abs. 2 AGG liegt eben­falls nicht vor. § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ist durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels sind an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Dies schließt den Tat­be­stand ei­ner mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung nach § 3 Abs. 2 AGG aus.
(1) Der durch § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB be­wirk­te Aus­schluss von der Wit­wen­ver­sor­gung für den Fall, dass die Ehe erst während des Be­zugs be­trieb­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schlos­sen wur­de, ist durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt.
§ 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ver­folgt das Ziel, die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers auf Ri­si­ken zu be­gren­zen, die an­ge­legt wur­den, be­vor der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te selbst Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach § 1 Buchst. a) VO MBB be­zieht. Da­bei han­delt es sich zwar nicht um ein Ziel aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung iSd. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. EG L 303 vom 2. De­zem­ber 2000 S. 16, im Fol­gen­den: RL 2000/78/EG), die durch das AGG in das na­tio­na­le Recht um­ge­setzt wur­de. Das rechtmäßige Ziel, das über das Vor­lie­gen ei­ner mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ent­schei­det, muss je­doch kein le­gi­ti­mes Ziel iSd. Art. 6 Abs. 1 der RL 2000/78/EG sein, son­dern schließt auch an­de­re von der Rechts­ord­nung an­er­kann­te Gründe für die Ver­wen­dung des neu­tra­len Kri­te­ri­ums ein (vgl. EuGH 5. März 2009 - C-388/07 - [Age Con­cern Eng­land] Rn. 66, Slg. 2009, I-1569; BAG 11. De­zem­ber 2012 - 3 AZR 634/10 - Rn. 21 mwN).
Das Ziel, die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers auf Ri­si­ken zu be­gren­zen, die vor dem Be­zug be­trieb­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter an­ge­legt wa­ren, ist rechtmäßig iSd. § 3 Abs. 2 AGG. Der Ar­beit­ge­ber ent­schei­det bei ei­ner von ihm fi­nan­zier­ten be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung frei über de­ren Einführung. Ent­schließt er sich hier­zu, so ist er frei in der Ent­schei­dung, für wel­che der in § 1 Abs. 1 Be­trAVG ge­nann­ten Ver­sor­gungsfälle er Leis­tun­gen zu­sagt und wie hoch er die ent­spre­chen­de Leis­tung do­tiert. Er kann Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­spre­chen, ei­ne Rechts­pflicht hier­zu trifft ihn nicht. Aus die­sem Grund ist er grundsätz­lich auch be­rech­tigt, die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängig zu ma­chen und da­mit Per­so­nen, die die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllen, von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen (vgl. BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 74 mwN, BA­GE 134, 89).
Ei­ne Be­gren­zung des Krei­ses der an­spruchs­be­rech­tig­ten Drit­ten durch zusätz­li­che an­spruchs­be­gründen­de oder be­son­de­re an­spruchs­aus­sch­ließen­de Merk­ma­le liegt ge­ra­de im Be­reich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nah, weil ein da­hin­ge­hen­des Leis­tungs­ver­spre­chen zusätz­li­che Unwägbar­kei­ten und Ri­si­ken mit sich bringt. Die­se be­tref­fen nicht nur den Zeit­punkt des Leis­tungs­falls, son­dern auch die Dau­er der Leis­tungs­er­brin­gung. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Ar­beit­ge­ber ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um sie kal­ku­lier­bar zu hal­ten. Die Zu­sa­ge ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ist Teil ei­ner um­fas­sen­den Ver­sor­gungs­re­ge­lung. Durch die Zu­sa­ge soll der Ar­beit­neh­mer in der Sor­ge um die fi­nan­zi­el­le La­ge sei­ner Hin­ter­blie­be­nen ent­las­tet wer­den. Die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz knüpft an das ty­pi­sier­te Ver­sor­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an. Die­ser hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die von ihm frei­wil­lig ein­geführ­te Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung auf ei­nen Per­so­nen­kreis zu be­schränken, hin­sicht­lich des­sen der Ver­sor­gungs­be­darf be­reits vor dem Leis­tungs­be­zug des ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ters an­ge­legt war. In­so­weit ist der Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls bei dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten für den Ver­sor­gungs­schuld­ner ei­ne we­sent­li­che Zäsur und da­mit ein sach­ge­rech­ter An­knüpfungs­punkt für Re­ge­lun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor-
gung. Mit dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls bei dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten en­det ty­pi­scher­wei­se das Ar­beits­verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber. Hier­von ge­hen auch die §§ 7 und 8 VO MBB aus. Nach § 7 Abs. 1 VO MBB wird Al­ters­ren­te gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Ge­sell­schaft stand und das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ist (Ver­sor­gungs­fall). Nach § 7 Abs. 2 VO MBB wird Al­ters­ren­te vor­zei­tig gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter vor Voll­endung sei­nes 65. Le­bens­jah­res das Al­ters­ru­he­geld aus der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in An­spruch nimmt und aus dem Be­ruf aus­schei­det (Ver­sor­gungs­fall). In­va­li­den­ren­te wird nach § 8 Abs. 1 VO MBB gewährt, wenn die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter we­gen Be­rufs- oder Er­werbs­unfähig­keit im Sin­ne der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus den Diens­ten der Ge­sell­schaft aus­schei­det. Die Le­bens­ge­stal­tung des Ar­beit­neh­mers ab die­sem Zeit­punkt kann der Ar­beit­ge­ber bei der Ab­gren­zung sei­ner Leis­tungs­pflich­ten un­berück­sich­tigt las­sen. Das gilt ins­be­son­de­re des­halb, weil bei der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung - an­ders als bei der Al­ters- und In­va­li­ditäts­ver­sor­gung, bei der der An­spruchs­be­rech­tig­te von vorn­her­ein fest­steht - der Kreis der Begüns­tig­ten in der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge aus­drück­lich fest­ge­legt wer­den muss. War der Ver­sor­gungs­be­darf al­ler­dings durch Ehe­sch­ließung vor dem Ein­tritt des ei­ge­nen Ver­sor­gungs­falls des Mit­ar­bei­ters an­ge­legt, geht es nicht mehr um Ri­si­koüber­nah­me, son­dern dar­um, dafür ein­zu­ste­hen, wenn sich ein über­nom­me­nes Ri­si­ko ver­wirk­licht. Wird die Ehe hin­ge­gen ge­schie­den, entfällt das über­nom­me­ne Ri­si­ko und kann sich nicht mehr ver­wirk­li­chen.
(2) Die Vor­aus­set­zung, dass die Ehe vor dem ei­ge­nen Leis­tungs­be­zug des ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ters ge­schlos­sen wor­den sein muss, ist zur Er­rei­chung des Ziels, die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers auf Ri­si­ken zu be­gren­zen, die vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten an­ge­legt wa­ren, an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Die an­ge­streb­te zulässi­ge Ri­si­ko­be­gren­zung kann durch ei­ne an­de­re Re­ge­lung nicht er­reicht wer­den.
cc) § 9 Abs. 1 Satz 2 iVm. Abs. 3 VO MBB be­wirkt auch kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts.
Da das Er­for­der­nis, dass die Ehe vor dem ei­ge­nen Be­zug be­trieb­li­cher Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch die ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Mit­ar­bei­te­rin/den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­schlos­sen wor­den sein muss, auch im Hin­blick auf das Merk­mal „Ge­schlecht“ als neu­tra­les Kri­te­ri­um for­mu­liert ist, kommt von vorn­her­ein nur ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung iSd. § 3 Abs. 2 AGG in Be­tracht. Dafür, dass der Aus­schluss­tat­be­stand des § 9 Abs. 1 Satz 2 iVm. Abs. 3 VO MBB zu ei­ner stärke­ren Be­trof­fen­heit der An­gehöri­gen ei­nes Ge­schlechts führt, gibt es in­des kei­ne An­halts­punk­te. Im Übri­gen schei­det ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung aus den un­ter Rn. 29 - 33 dar­ge­leg­ten Gründen be­reits tat­be­stand­lich aus.
2. Da Art. 2 der RL 2006/54/EG und Art. 141 EG (nun­mehr: Art. 157 AEUV) so­wie die das nun­mehr in Art. 21 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on nie­der­ge­leg­te primärrecht­li­che Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters kon­kre­ti­sie­ren­de Richt­li­nie 2000/78/EG durch das AGG in das na­tio­na­le Recht um­ge­setzt wur­den und die Prüfungs­maßstäbe nach den §§ 7, 3 und 1 AGG die glei­chen sind wie bei den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben (vgl. BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 82, BA­GE 134, 89), verstößt § 9 Abs. 1 Satz 2 iVm. Abs. 3 VO MBB auch nicht ge­gen Uni­ons­recht.
3. Die Re­ge­lung in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ist nicht nach den Vor­schrif­ten der §§ 307 ff. BGB un­wirk­sam. Es kann da­hin­ste­hen, ob die­se Re­ge­lun­gen auf die Be­stim­mun­gen der VO MBB über­haupt an­wend­bar sind, was vom Be­klag­ten in Ab­re­de ge­stellt wird. Der in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ent­hal­te­ne Aus­schluss von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für den Fall, dass die Ehe erst nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer ge­schlos­sen wur­de, hält - auch un­ter Be­ach­tung der grund­recht­li­chen Wer­tun­gen der Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG - ei­ner Über­prüfung an­hand der Maßstäbe der §§ 307 ff. BGB stand.
a) § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB ist nicht nach § 308 Nr. 4 BGB un­wirk­sam. Da­nach ist in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ins­be­son­de­re un­wirk­sam die Ver­ein­ba­rung ei­nes Rechts des Ver­wen­ders, die ver­spro­che­ne Leis­tung zu ändern oder von ihr ab­zu­wei­chen, wenn nicht die Ver­ein­ba­rung der Ände­rung
oder Ab­wei­chung un­ter Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen des Ver­wen­ders für den an­de­ren Ver­trags­teil zu­mut­bar ist.
§ 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB gibt we­der dem Ar­beit­ge­ber noch dem Be­klag­ten die Möglich­keit, ei­ne ver­spro­che­ne Wit­wen­ren­te ein­sei­tig ab­zuändern oder von dem Ver­sor­gungs­ver­spre­chen ab­zu­wei­chen. Die Be­stim­mung schränkt viel­mehr von vorn­her­ein den Kreis de­rer, die ei­nen An­spruch auf Wit­wen­ver­sor­gung er­wer­ben können, auf die­je­ni­gen Per­so­nen ein, die die Ehe be­reits vor Be­ginn des Leis­tungs­be­zugs des ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mers ge­schlos­sen ha­ben und legt da­mit den In­halt der ver­spro­che­nen Leis­tung im Hin­blick auf den Kreis der mögli­chen An­spruchs­be­rech­tig­ten erst fest (vgl. auch BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 58, BA­GE 134, 89).
b) Der Kläger wird durch § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB - auch un­ter Be­ach­tung der grund­recht­li­chen Wer­tun­gen der Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG - nicht un­an­ge­mes­sen iSv. § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 BGB be­nach­tei­ligt.
aa) Nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Un­an­ge­mes­sen ist je­de Be­ein­träch­ti­gung ei­nes recht­lich an­er­kann­ten In­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers, die nicht durch be­gründe­te und bil­li­gens­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt oder durch gleich­wer­ti­ge Vor­tei­le aus­ge­gli­chen wird. Bei der da­nach er­for­der­li­chen wech­sel­sei­ti­gen Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung der recht­lich an­zu­er­ken­nen­den In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en ist ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der, vom Ein­zel­fall los­gelöster Maßstab an­zu­le­gen (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2011 - 3 AZR 791/09 - Rn. 22). Da­bei sind auch grund­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen zu be­ach­ten (vgl. BAG 20. März 2013 - 10 AZR 8/12 - Rn. 29).
bb) Da­nach führt § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB nicht zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung des Klägers nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB.
Die Re­ge­lung in § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB trägt dem be­rech­tig­ten In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers Rech­nung, die be­son­de­ren Ri­si­ken, die mit der Zu­sa­ge ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­den sind, zu be­gren­zen, um sie bes­ser kal­ku­lier­bar zu ma­chen. Da­zu wird der Kreis der an­spruchs­be­rech­tig­ten Hin­ter­blie­be­nen auf Per­so­nen be­schränkt, hin­sicht­lich de­rer der Ver­sor­gungs­be­darf vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten an­ge­legt war und bis zu des­sen Tod fort­be­stand. Da­durch wer­den auch die In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer an­ge­mes­sen berück­sich­tigt.
Die grund­recht­li­chen Wer­tun­gen der Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG er­for­dern kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung.
Die aus § 9 Abs. 1 VO MBB fol­gen­de un­ter­schied­li­che Be­hand­lung von Wit­wen da­nach, ob die Schei­dung der Ehe und die Wie­der­hei­rat mit dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten während des­sen ak­ti­ver Beschäfti­gungs­zeit (§ 9 Abs. 1 Satz 1 VO MBB) oder nach Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer (§ 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB) er­folgt sind, ist durch das be­rech­tig­te In­ter­es­se des die Ver­sor­gung ver­spre­chen­den Ar­beit­ge­bers, den Kreis der an­spruchs­be­rech­tig­ten Hin­ter­blie­be­nen auf Per­so­nen zu be­schränken, hin­sicht­lich de­rer der Ver­sor­gungs­be­darf vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten an­ge­legt war, sach­lich ge­recht­fer­tigt. So­weit der Kläger Un­gleich­be­hand­lun­gen rügt, die an verpönte Merk­ma­le iSd. § 1 AGG an­knüpfen, enthält Art. 3 Abs. 1 GG kei­ne wei­ter­ge­hen­den An­for­de­run­gen als § 3 AGG (BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 84, BA­GE 134, 89).
Die An­for­de­rung, dass die Ehe vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wor­den sein muss, wi­der­spricht auch nicht dem Ver­bot des Art. 6 Abs. 1 GG, die Ehe zu schädi­gen oder sonst zu be­ein­träch­ti­gen. Ehe­part­nern ent­steht durch die­se Ein­schränkung kein Nach­teil, den sie oh­ne die Hei­rat nicht ge­habt hätten. Das Aus­blei­ben ei­nes er­hoff­ten Vor­teils ist kein recht­li­cher Nach­teil (vgl. BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 83, BA­GE 134, 89). Aus Art. 6 Abs. 1 GG folgt kei­ne Pflicht, dem über­le­ben­den Ehe­gat­ten ei­nen An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te ein­zu-
räum­en (BVerfG 1. März 2010 - 1 BvR 2584/06 - Rn. 18 mwN, BVerfGK 17, 120).
Aus Art. 14 Abs. 1 GG er­gibt sich nichts an­de­res. Zwar schützt die Ei­gen­tums­ga­ran­tie nicht nur ding­li­che oder sons­ti­ge ge­genüber Je­der­mann all-ge­mein wir­ken­de Rechts­po­si­tio­nen, son­dern auch schuld­recht­li­che Ansprüche und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ren­ten­ansprüche und Ren­ten­an­wart­schaf­ten, die im Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes er­wor­ben wur­den (vgl. BVerfG 8. Mai 2012 - 1 BvR 1065/03, 1 BvR 1082/03 - Rn. 41 mwN, BVerfGE 131, 66). Des­halb sind grundsätz­lich auch un­ver­fall­ba­re An­wart­schaf­ten auf ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung so­wie Be­triebs­ren­ten­ansprüche der Ver­sor­gungs­empfänger ei­gen­tums­recht­lich geschützt (BVerfG 17. De­zem­ber 2012 - 1 BvR 488/10, 1 BvR 1047/10 - Rn. 22; BAG 19. Ju­ni 2012 - 3 AZR 464/11 - Rn. 32 mwN). Die­ser Schutz reicht je­doch nur so weit, wie Ansprüche be­reits be­ste­hen; er ver­schafft die­se nicht (BVerfG 17. De­zem­ber 2012 - 1 BvR 488/10, 1 BvR 1047/10 - aaO). Wie weit der Ei­gen­tums­schutz reicht, hängt da­mit vom In­halt der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ab. Bloße Chan­cen und Er­war­tun­gen wer­den nicht geschützt. Über die Aus­ge­stal­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ent­schei­den die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en, Be­triebs­part­ner oder Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Ei­ne über die ein­geräum­ten Ansprüche hin­aus­ge­hen­de Rechts­po­si­ti­on gewähr­leis­tet Art. 14 Abs. 1 GG nicht (BAG 24. Fe­bru­ar 2004 - 3 AZR 10/02 - zu B II 1 c der Gründe; 22. Fe­bru­ar 2000 - 3 AZR 108/99 - zu I 5 b der Gründe). Vor­lie­gend ist der Wit­wen­geld­an­spruch nach dem In­halt der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge auf die Fälle be­schränkt, dass die zur Wit­wen­ei­gen­schaft führen­de Ehe vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wur­de. Nur in­so­weit und nicht darüber hin­aus­ge­hend un­terfällt der An­spruch da­mit dem Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG (vgl. auch BVerfG 1. März 2010 - 1 BvR 2584/06 - Rn. 20, BVerfGK 17, 120 zur be­rufsständi­schen Hin­ter­blie­be­nen­ren­te; 18. Fe­bru­ar 1998 - 1 BvR 1318/86, 1 BvR 1484/86 - zu C I 2 der Gründe, BVerfGE 97, 271 zur Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung).
III. Der Be­klag­te ist nicht gemäß § 13 VO MBB ver­pflich­tet, von den Be­stim­mun­gen der VO MBB zu­guns­ten des Klägers ab­zu­wei­chen und beim Ab­le­ben des Klägers an des­sen Ehe­frau B die be­gehr­te Wit­wen­ver­sor­gung zu zah­len.
1. Nach § 13 VO MBB kann in „Härtefällen“ von den Be­stim­mun­gen der Ver­sor­gungs­ord­nung zu­guns­ten des Begüns­tig­ten ab­ge­wi­chen wer­den. Der­ar­ti­ge Härte­fall­klau­seln sol­len ver­hin­dern, dass die An­wen­dung der Ru­he­geld­re­ge­lun­gen in be­son­ders ge­la­ger­ten und nicht vor­her­seh­ba­ren Ein­z­elfällen zu Er­geb­nis­sen führt, die un­an­ge­mes­sen er­schei­nen und nicht dem Sinn der Re­ge­lung ent­spre­chen (vgl. zu § 28 Satz 1 Hmb­ZVG BAG 20. Au­gust 2013 - 3 AZR 333/11 - Rn. 41). Da­bei geht es nur um die Ab­mil­de­rung der Rechts­fol­gen in Grenzfällen (BAG 29. März 1983 - 3 AZR 26/81 - zu I 2 der Gründe). Härte­fall­klau­seln sind nicht da­zu be­stimmt, ei­ne ge­ne­rel­le Kor­rek­tur der Ver­sor­gungs­grundsätze oder gar ei­ne Ände­rung des Re­ge­lungs­zwecks zu ermögli­chen. Da­nach kommt ein Härte­fall in Be­tracht, wenn je­mand über das an­ge­streb­te Re­ge­lungs­ziel hin­aus­ge­hend er­heb­lich nach­tei­lig von ei­ner be­schränken­den Re­ge­lung be­trof­fen wird, weil er auf­grund be­son­de­rer Umstände aus­nahms­wei­se die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt (vgl. BAG 27. Ju­ni 2006 - 3 AZR 352/05 (A) - Rn. 20, BA­GE 118, 340). Ob von der in ei­ner Härte­fall­klau­sel vor­ge­se­he­nen Möglich­keit zur Aus­nah­me­ent­schei­dung Ge­brauch ge­macht wird, steht nicht im frei­en Be­lie­ben des Ver­pflich­te­ten, son­dern un­ter­liegt als Er­mes­sens­ent­schei­dung ei­ner Bil­lig­keits­kon­trol­le nach § 315 BGB (vgl. BAG 25. April 1995 - 3 AZR 365/94 - zu II 4 a der Gründe; 9. No­vem­ber 1978 - 3 AZR 784/77 - zu III 1 der Gründe). Da­bei ist das Verhält­nis von Re­gel und Aus­nah­me zu be­ach­ten (BAG 25. April 1995 - 3 AZR 365/94 - zu II 4 a der Gründe mwN).
2. Da­nach ist die Ent­schei­dung des Be­klag­ten, nicht gemäß § 13 VO MBB von den Be­stim­mun­gen der VO MBB zu­guns­ten des Klägers ab­zu­wei­chen, nicht un­bil­lig iSv. § 315 BGB. Es fehlt an ei­nem Härte­fall im Sin­ne die­ser Be­stim­mung.
a) Ein Härte­fall ist nicht des­halb zu be­ja­hen, weil der Kläger mit B be­reits während sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses und auch noch zu Be­ginn sei­nes Ru­he­geld­be­zugs in ers­ter Ehe ver­hei­ra­tet war. Die­se ers­te Ehe wur­de am 7. De­zem­ber 1993 auf­gelöst. Mit der Rechts­kraft des Schei­dungs­ur­teils ist auch das in der Ehe an­ge­leg­te Ver­sor­gungs­ri­si­ko ent­fal­len, be­vor es sich ver­wirk­licht hat­te. Zum Zeit­punkt der Wie­der­hei­rat während des Ru­he­geld­be­zugs soll­te das Ri­si­ko, ei­ne Wit­wen­ren­te zah­len zu müssen, nach dem Re­ge­lungs­plan von § 9 Abs. 1 Satz 2 VO MBB nicht mehr ein­ge­gan­gen wer­den. Hier­durch sol­len die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken be­grenzt wer­den. Da­mit wird der Kläger nicht über das Re­ge­lungs­ziel hin­aus­ge­hend er­heb­lich nach­tei­lig be­trof­fen.
b) Auch der Um­stand, dass die ers­te Ehe mit B während des Ar­beits­verhält­nis­ses mehr als 16 Jah­re be­stan­den hat und B in die­ser Zeit „mit­tel­bar ei­nen Bei­trag zum Wohl­er­ge­hen des Un­ter­neh­mens“ ge­leis­tet ha­ben mag, be­gründet kei­nen Härte­fall, der ei­ne Aus­nah­me­ent­schei­dung er­for­dert. Zu­dem hängt die Wit­wen­ren­te nach dem Re­ge­lungs­plan der VO MBB ge­ra­de nicht von ei­ner be­stimm­ten Dau­er der Ehe während des Ar­beits­verhält­nis­ses ab.
c) Ein Härte­fall läge auch dann nicht vor, wenn der Kläger bis zu sei­nem Ab­le­ben den Le­bens­un­ter­halt für sich und sei­ne Ehe­frau er­wirt­schaf­ten soll­te. Hier­bei han­delt es sich nicht um ei­nen be­son­ders ge­la­ger­ten, nicht vor­her­seh­ba­ren Ein­zel­fall.
IV. Ei­ner Vor­ab­ent­schei­dung durch den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on nach Art. 267 Abs. 3 AEUV be­darf es nicht. Es stel­len sich kei­ne Fra­gen der Aus­le­gung des Uni­ons­rechts, die noch nicht geklärt wären. Die Aus­le­gung des uni­ons­recht­li­chen Grund­sat­zes des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ein­sch­ließlich des Rück­griffs auf die Richt­li­nie 2000/78/EG zu des­sen Kon­kre­ti­sie­rung ist durch die Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs in der Sa­che „Kücükde­ve­ci“ (EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 - C-555/07 - Slg. 2010, I-365) geklärt, so dass ei­ne Vor­la­ge­pflicht entfällt (vgl. EuGH 6. Ok­to­ber 1982 - C-283/81 - [C.I.L.F.I.T.] Slg. 1982, 3415; vgl. auch BAG 28. Mai 2013 - 3 AZR 635/11 - Rn. 28). Eben­so ist geklärt, dass die­je­ni­gen Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder
Ver­fah­ren, die mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen be­wir­ken können, der Qua­li­fi­ka­ti­on als Dis­kri­mi­nie­rung ent­ge­hen, so­fern sie durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind (EuGH 5. März 2009 - C-388/07 - [Age Con­cern Eng­land] Rn. 59, Slg. 2009, I-1569). Die Fra­ge, ob un­ter dem le­gi­ti­men Ziel iSv. Art. 2 Abs. 2 Buchst. b) der RL 2000/78/EG nur Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, hat der EuGH be­reits da­hin geklärt, dass Art. 2 Abs. 2 Buchst. b) der RL 2000/78/EG ei­ne sol­che Ein­schränkung nicht enthält (EuGH 5. März 2009 - C-388/07 - [Age Con­cern Eng­land] Rn. 66, aaO).
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References: § 1
 § 7
 § 8
 § 9
 § 10
 § 9
 § 9
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 14
 § 13
 § 9
 § 256
 § 256
 § 335
 § 9
 § 9
 § 13
 § 9
 § 9
 § 7
 § 9
 § 9
 § 9
 § 1
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 7
 § 8
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 § 9
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 14
 § 9
 § 7
 § 2
 § 9
 § 7
 § 7
 § 7
 § 1
 § 3
 § 1
 § 3
 § 1
 § 7
 § 7
 § 9
 § 3
 § 9
 § 3
 § 9

§ 9
 § 1
 Art. 6
 Art. 6
 EuGH 
 § 3
 § 1
 § 7
 § 7
 § 8
 § 9
 § 3
 § 9
 Art. 2
 Art. 141
 Art. 157
 Art. 21
 § 9
 § 9
 § 9
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 14
 § 9
 § 308

§ 9
 § 9
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 14
 § 307
 § 307
 § 9
 § 307
 § 9
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 14
 § 9
 § 1
 Art. 3
 § 3
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 § 13
 § 13
 § 28
 § 315
 § 13
 § 315
 § 9
 Art. 267
 EuGH 
 Art. 2
 EuGH 
 Art. 2