Source: https://www.duv-verband.de/Teure-Brille-aus-der-Tuerke/
Timestamp: 2019-08-21 17:46:26+00:00

Document:
"Teure" Brille aus der Türkei | DUV Deutscher Unternehmenssteuer Verband e.V.
(Kiel) Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat soeben die Kla­ge eines Tür­kei­rei­sen­den abge­wie­sen, der sich in der Tür­kei eine neue Weit­sicht­bril­le hat­te anfer­ti­gen las­sen und bei der Ein­rei­se am Flug­ha­fen dann vom Zoll um ins­ge­samt 241,50 € an Ein­fuhr­ab­ga­ben und Zuschlä­gen erleich­tert wur­de.
In dem Fall, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die am 11.04.2011 ver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts (FG) Düs­sel­dorf vom 25.03.2011, Az.: 4 K 120⁄11 Z, ver­brach­te der Klä­ger im Novem­ber 2010 mit sei­ner Frau einen Urlaub in der Tür­kei. Dort erwarb er eine Bril­le, die er sich von einem Opti­ker in der Tür­kei hat­te anfer­ti­gen las­sen. Er reis­te am 14. Novem­ber 2010 mit sei­ner Frau aus der Tür­kei kom­mend über das Zoll­amt X in das Zoll­ge­biet der Gemein­schaft ein. Hier­bei benutz­te er den grü­nen Aus­gang für anmel­de­freie Waren und trug dabei die von ihm in der Tür­kei erwor­be­ne Bril­le.
Nach dem Durch­schrei­ten des grü­nen Aus­gangs befrag­te ihn ein Zoll­be­am­ter nach mit­ge­brach­ten Waren. Der Klä­ger erklär­te, kei­ne Waren aus der Tür­kei mit­ge­bracht zu haben. Auf die Fra­ge des Zoll­be­am­ten, ob er in der Tür­kei eine neue Bril­le gekauft habe, bestä­tig­te er, eine Gleit­sicht­bril­le im Wert von 410 EUR gekauft zu haben. Nach­dem der Zoll­be­am­te ihn dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass neue Waren ab einem Wert von 430 EUR pro Per­son anmel­de­pflich­tig sei­en, erklär­te der Klä­ger noch­mals, dass sei­ne Bril­le nur 410 EUR gekos­tet habe. Der Zoll­be­am­te durch­such­te schließ­lich den Ruck­sack des Klä­gers und fand dar­in die Rech­nung für die Bril­le über 690 EUR. Der in der Tür­kei ansäs­si­ge Opti­ker hat­te auf der Rech­nung quit­tiert, den Betrag von 690 EUR erhal­ten zu haben. Das Haupt­zoll­amt setz­te daher gegen den Klä­ger unter Anwen­dung eines pau­scha­lier­ten Abga­ben­sat­zes von 17,5 % Ein­fuhr­ab­ga­ben von 120,75 EUR und einen Zuschlag nach § 32 Abs. 3 des Zoll­ver­wal­tungs­ge­set­zes (ZollVG) von 120,75 EUR fest.
Der Klä­ger trug mit sei­nem hier­ge­gen ein­ge­leg­ten Ein­spruch vor: Er habe sich die Gleit­sicht­bril­le in der Tür­kei anfer­ti­gen las­sen, weil die von ihm in den Urlaub mit­ge­nom­me­ne Bril­le ver­kratzt wor­den sei. Bei der Berech­nung der Ein­fuhr­ab­ga­ben und des Zuschlags sei der Frei­be­trag von 430 EUR nicht berück­sich­tigt wor­den. Die­ser Frei­be­trag habe ihnen zwei­mal zuge­stan­den, so dass sie Waren im Wert bis zu 860 EUR abga­ben­frei hät­ten ein­füh­ren kön­nen. Statt­des­sen sei­en die Ein­fuhr­ab­ga­ben und der Zuschlag “knall­hart vom Brut­to­wert der Bril­le in Höhe von 690 EUR” erho­ben wor­den.
Dem ver­moch­te jedoch auch das FG Düs­sel­dorf nicht zu fol­gen, so Pas­sau.
Die Kla­ge sei unbe­grün­det. Der Klä­ger sei als Ver­brin­ger der Bril­le Zoll- und Steu­er­schuld­ner gewor­den. Er habe die Bril­le vor­schrifts­wid­rig in das Zoll­ge­biet der Gemein­schaft ver­bracht, weil er den „grü­nen Aus­gang” benutzt habe. Über­dies über­schrei­te der Waren­wert der Bril­le von 690 EUR die Wert­gren­ze des § 2 Abs. 1 Nr. 5 Buchst. b EF-VO von 430 EUR.
Anders als der Klä­ger offen­bar mei­ne, han­de­le es sich bei die­ser Wert­gren­ze auch nicht um einen Frei­be­trag, der antei­lig vom Zoll­wert der Bril­le abge­zo­gen wer­den kön­ne. Der Wert einer Ware darf bei der Anwen­dung der Wert­gren­zen des § 2 Abs. 1 Nr. 2 EF-VO nicht auf­ge­teilt wer­den. Das hat zur Fol­ge, dass die Bril­le mit ihrem gesam­ten Zoll­wert der Ein­fuhr­ab­ga­ben­er­he­bung unter­liegt. Die Wert­gren­ze des § 2 Abs. 1 Nr. 5 Buchst. b EF-VO kön­ne auch nicht mit der Anzahl der zusam­men ein­rei­sen­den Per­so­nen mul­ti­pli­ziert wer­den. Die (unteil­ba­re) Wert­gren­ze des § 2 Abs. 1 Nr. 5 Buchst. b EF-VO ste­he nur jedem Rei­sen­den ein­zeln zu.
Das beklag­te Haupt­zoll­amt habe daher zu Recht die Ein­fuhr­ab­ga­ben und einen Zoll­zu­schlag nach § 32 Abs. 3 ZollVG fest­ge­setzt.

References: § 32
 § 2
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