Source: https://steuerberater-verband.de/2018/02/05/elektrofahrzeuge-neues-zum-geldwerten-vorteil-2/
Timestamp: 2019-04-19 21:19:59+00:00

Document:
Elektrofahrzeuge: Neues zum geldwerten Vorteil! Infos und Mehr gibt es hier!
Anschaffungsjahr/
Jahr der Erstzulassung Minderungsbetrag in Euro / kWh der Batterie-kapazität Höchstbetrag in Euro
Gegenwärtig sind die inländischen Listenpreise für die vorgenannten Fahrzeuge höher als die Listenpreise von Kraftfahrzeugen, die ausschließlich durch herkömmliche Antriebe (Verbrennungsmotoren) angetrieben werden. Um die Markteinführung von Elektrofahrzeugen nicht zu behindern, hat der Gesetzgeber bislang einen pauschalen Abschlag für das im Fahrzeug enthaltene Batteriesystem vorgesehen.[6]
Ein Arbeitgeber hat im Januar 2018 ein Elektroneufahrzeug mit einer Batteriekapazität von 16,3 kWh erworben und dem Arbeitnehmer zur Privatnutzung überlassen. Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind nicht zu erfassen. Der Bruttolistenpreis des Elektrofahrzeugs beträgt 45.360 €. Ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch wird nicht geführt.
Bruttolistenpreis 45.360,00 €
abzüglich 16,3 kWh x 250 € = – 4.075,00 €
verbleiben 41.285,00 €
abgerundet auf volle hundert Euro 41.200,00 €
monatlicher geldwerter Vorteil (1 % v. 41.200 €) = 412,00 €
x 12 Monate 4.944,00 €
Durch den vorliegenden Entwurf eines Gesetzes zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften ist der inländische Listenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung nunmehr nur noch zur Hälfte anzusetzen.[7]
Wie Beispiel zuvor, der Arbeitgeber hat das Elektroneufahrzeug im Januar 2019 erworben. Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind nicht zu erfassen. Der Bruttolistenpreis des Elektrofahrzeugs beträgt 45.360 €. Ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch wird nicht geführt.
abgerundet auf volle hundert Euro 45.300,00 €
monatlicher geldwerter Vorteil (45.300 € x 0,5 %) 226,50 €
x 12 Monate 2.718,00 €
Diese vorgesehene Neuregelung soll für Anschaffungen nach dem 31. Dezember 2018 und vor dem 1. Januar 2022 gelten. D. h. für die Anschaffungen bis zum
31. Dezember 2018 und für die Anschaffungen in 2022 soll die bislang geltende Kürzungsregelung weiterhin gelten. Entscheidende für die Frage, welche Regelung zur Anwendung kommt, ist der Anschaffungszeitpunkt. Unerheblich ist hingegen der Bestellungszeitpunkt.
Ein Arbeitgeber bestellt Ende September 2018 ein Elektrofahrzeug. Dieses soll dem Arbeitnehmer H zur Verfügung gestellt werden. Die Auslieferung erfolgt im Dezember 2018.
Der geldwerte Vorteil aus der Dienstwagengestellung ist unter Berücksichtigung der Kürzungsregelung für den gesamten Nutzungszeitraum zu berechnen.
Wie Beispiel zuvor, die Auslieferung des Elektrofahrzeugs erfolgt jedoch erst im Januar 2019.
Der geldwerte Vorteil aus der Dienstwagengestellung ist aufgrund der Anschaffung in 2019 nach der Neuregelung (0,5 %-Regelung) für den gesamten Nutzungsüberlassungszeitraum zu berechnen.
Ob die bis Ende 2018 geltende Regelung in 2022 wiederum gilt, bleibt jedoch abzuwarten. Denn bei der neuen Maßnahme zur Förderung der Elektromobilität soll vor Auslaufen des dreijährigen Begünstigungszeitraums die Förderwürdigkeit der Maßnahme unter Berücksichtigung der Markt- und Preisentwicklung sowie der Inanspruchnahme der Regelung evaluiert werden.
Es ist davon auszugehen, dass die vorgesehene Neuregelung zur Steigerung der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen führen wird. Ob eine solche Investition wirtschaftlich sinnvoll ist, entscheidet letztendlich der Fahrzeugpreis.
Sofern für Wege zwischen der Wohnung und ersten Tätigkeitsstätte geldwerte Vorteile nach der 0,03 %-Regelung zu erfassen sind, halbiert sich dieser Vorteil bei Elektrofahrzeugen auf (0,03 % : 2 =) 0,015 %.
Die Anwendung der monatlichen 0,03 %-Regelung kann zu Gunsten einer Einzelbewertung mit 0,002 % je tatsächlich durchgeführter Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte abgewählt werden.[8] Wird für solche Fahrten ein Elektrofahrzeug eingesetzt und kommt die Dienstwagen-Neuregelung hierauf zur Anwendung, dürfte vieles dafür sprechen, auch den 0,002 %-Wert um die Hälfte auf dann (0,002 % : 2 =) 0,001 % zu vermindern. Mit Ergänzungen zu dem gerade erst bekanntgegebenen BMF-Schreiben vom 04. April 2018[9] ist nach der Gesetzesverabschiedung zu rechnen.
Ein Arbeitgeber hat im Januar 2019 ein Elektroneufahrzeug angeschafft und es dem Arbeitnehmer zur Privatnutzung überlassen. Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind zu erfassen (15 Entfernungskilometer). Der Bruttolistenpreis des Elektrofahrzeugs beträgt 45.360 €. Ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch wird nicht geführt.
Berechnung (monatlicher geldwerter Vorteil)
Privatnutzungsvorteil
(1 % : 2=) 0,5 % x 45.300 € = 226,50 €
(0,03 % : 2 =) 0,015 % v. 45.300 € = 6,80 €[10] x 15 Entfernungsk. 102,00 €
Summe 328,50 €
davon pauschalierbar nach § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG mit 15 %
15 Entfernungskilometer x 15 Fahrten x 0,30 € 67,50 €
Zu beachten ist, dass die Lohnsteuerpauschalierung nach § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG grundsätzlich in Höhe des sonst möglichen Werbungskostenabzugs zulässig ist.
Nach Verwaltungsauffassung wird die Pauschalierungshöhe aber auch auf den zuvor erfassten geldwerten Vorteil für die Fahrstrecke zur ersten Tätigkeitsstätte (hier maximal pauschalierbar: 102 €) beschränkt.[11] Diese Deckelung dürfte bei Anwendung der
0,001 %-Regelung häufiger als bislang Bedeutung gewinnen – gerade bei niedrigpreisigen Fahrzeugen.
Folgewirkungen durch die Neuregelung für Elektrofahrzeuge
Durch die vorgesehene Gesetzesänderung für Elektrofahrzeuge ergeben sich insbesondere auch die folgenden Auswirkungen:
Wird der geldwerte Vorteil nach der sog. Fahrtenbuchregelung ermittelt, müssen den Nutzungsverhältnissen lt. ordnungsgemäßem Fahrtenbuch die Fahrzeuggesamtkosten gegenüber gestellt werden. Bei Anschaffungen von Elektrofahrzeugen in den Jahren 2019 bis 2021 wirkt sich die Halbierungsregelung auch auf die sog. Fahrtenbuchfälle aus, da nur die Hälfte der Gesamtkosten zu berücksichtigen sind.
Der pauschale Nutzungswert kann die dem Arbeitgeber für das Kfz insgesamt entstandenen Kosten übersteigen. Dies ist bei Anwendung der bisherigen Regelung oftmals bei Elektrofahrzeugen anzutreffen. Der pauschale Nutzungswert wird dann höchstens mit den Gesamtkosten angesetzt (Kostendeckelung).[12] Durch die Halbierung des geldwerten Vorteils bei gleichzeitigem Wegfall der bisherigen Kürzungsregelung dürfte sich oftmals ein geringerer geldwerter Vorteil als bislang ergeben und demzufolge die Kostendeckelung seltener zur Anwendung kommen. Offen ist die Frage, ob bei Anwendung der Kostendeckelung die Gesamtkosten nur zur Hälfte berücksichtigt werden, wie dies auch bei der sog. Fahrtenbuchregelung vorgesehen ist.[13]
Umsatzsteuerrechtlich wird die Kürzungsregelung bislang nicht berücksichtigt.[14] Es gilt die Frage zu klären, ob die vorgesehene Halbierungsregelung auch von der Umsatzsteuer übernommen wird. Aus praktischen Erwägungen ist dies zu befürworten.
Nach dem BMF-Schreiben vom 17. November 2017[15] werden Elektrofahrräder lohnsteuerlich wie ein Dienstwagen eingeordnet, wenn sie verkehrsrechtlich als Kfz einzuordnen sind. Offen ist die Frage, ob die Halbierung des pauschalen Nutzungswertes auch in diesen Fällen zur Anwendung kommen wird.
[1] § 8 Abs. 2 Satz 2 und 3 EStG
[2] § 8 Abs. 2 Satz 4 EStG
[3] § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG; siehe auch R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 LStR 2015
[4] Siehe BMF-Schreiben vom 05.06.2014 – BStBl I 2014, 835
[5] Siehe BMF-Schreiben vom 24.01.2018 – BStBl I 2018, 272
[6] siehe im Detail: BMF-Schr. v. 05.06.2014, BStBl I 835
[7] § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG-E
[8] Siehe hierzu auch BMF-Schreiben v. 04.04.2018 – BStBl I 2018, 592 Rz. 6 ff
[9] BMF-Schreiben v. 04.04.2018 – BStBl I 2018, 592
[10] Mathematisch gerundet
[11] Siehe OFD Erfurt, Vfg. v. 29.02.1996, DB 1996, 708
[12] Siehe BMF-Schreiben v. 04.04.2018 – BStBl I 2018, 592 Rz. 4
[13] Siehe vorherige Ausführungen
[14] BMF-Schreiben v. 05.06.2014 – BStBl I 2014, 896
[15] BMF-Schreiben v. 17.11.2017 – BStBl I 2017, 1546 i.V.m. gleich lautende Erlass der obersten Finanzbehörden der Länder v. 23.11.2012, BStBl I 2012, 1224

References: § 40
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 § 8
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 § 6
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