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Timestamp: 2016-10-26 15:25:47+00:00

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U 67/03 (04.08.2003)
U 67/03
Bundesrichterin Widmer, Bundesrichter Lustenberger und Ursprung; Gerichtsschreiber Ackermann
O.________, 1954, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno H�fliger, Schwanenplatz 7, 6004 Luzern,
O.________, geboren 1954, arbeitete seit 1997 als Deckenmonteur f�r die Firma R.________ AG und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen Unf�lle versichert. Am 26. Januar 1999 st�rzte er w�hrend der Arbeit von einem ca. 70 cm hohen Dreitritt; das gleichentags (ambulant) aufgesuchte Spital X.________ diagnostizierte eine Distorsion des oberen Sprunggelenkes rechts (recte links), eine Mittelfuss-Distorsion rechts (recte links) sowie einen Verdacht auf partielle Aussenbandl�sion des oberen Sprunggelenkes rechts (recte links). Die SUVA zog diverse Arztberichte (unter anderem des Hausarztes Dr. med. S.________, FMH Innere Medizin) bei und veranlasste vom 19. Mai bis zum 14. Juli 1999 einen Aufenthalt in der Klinik B.________ (Austrittsbericht vom 2. August 1999), wo infolge auff�lligen Verhaltens (insbesondere wegen panikartiger Angst w�hrend der Therapie im Wasser) auch ein psychosomatisches Konsilium eingeholt worden ist (Bericht vom 21. Juni 1999). Im Weiteren holte die SUVA die Berichte der Klinik M.________ vom 3. Dezember 1999 (Aufenthalt vom 18. bis 29. November 1999, wegen Suizidversuchs vorzeitig abgebrochen), sowie des Zentrums L.________ des Spitals X.________ vom 24. Januar 2000 (Hospitalisation vom 29. November bis 30. Dezember 1999, Tagespatient vom 3. bis 13. Januar 2000) ein. Ab dem 19. Oktober 1999 reduzierte die SUVA ihre Taggeldleistungen auf 50 % und ab dem 17. Januar 2000 auf 25 %. Nachdem sie mit Schreiben vom 14. Juni 2000 per Ende Juni 2000 die Taggeldleistungen vollst�ndig eingestellt hatte, verneinte die SUVA mit Verf�gung vom 27. November 2000 auch die weitere �bernahme von Heilkostenleistungen sowie den Anspruch auf Invalidenrente und Integrit�tsentsch�digung, da keine Unfallfolgen mehr vorl�gen und die geklagten psychischen Beschwerden keine ad�quat kausalen Unfallfolgen seien. Auf Einsprache hin nahm die SUVA - unter anderem - einen Augenschein am Unfallort vor, befragte einen am Unfalltag anwesenden Arbeitskollegen und veranlasste vom 26. September bis zum 10. Oktober 2001 einen erneuten Aufenthalt in der Klinik B.________ (Austrittsbericht vom 18. Oktober 2001 mit Bericht �ber eine psychiatrische Untersuchung vom 28. September 2001). Mit Einspracheentscheid vom 23. Januar 2002 �nderte die SUVA ihre Verf�gung vom 27. November 2000 insoweit ab, als O.________ bis zum 16. Januar 2000 Anspruch auf ein Taggeld bei einer Arbeitsunf�higkeit von 100 % und vom 17. Januar 2000 bis zum 25. September 2001 auf ein Taggeld bei einer Arbeitsunf�higkeit von 25 % habe; weitergehende Anspr�che wurden abgewiesen.
Mit Verf�gung vom 22. August 2001 sprach die IV-Stelle Luzern O.________ mit Wirkung ab dem 1. Januar 2000 bei einem Invalidit�tsgrad von 100 % eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu.
Die gegen den Einspracheentscheid der SUVA erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Entscheid vom 30. Januar 2003 ab, nachdem es die Akten der Invalidenversicherung (insbesondere Bericht des Zentrums L.________ des Spitals X.________ vom 12. April 2001) beigezogen und eine m�ndliche Verhandlung durchgef�hrt hatte.
O.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit den Antr�gen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und des Einspracheentscheides sei ihm vom 17. Januar 2000 bis zum 10. Oktober 2001 ein Taggeld f�r eine Arbeitsunf�higkeit von 100 % und ab dem 11. Oktober 2001 eine Rente bei einem Invalidit�tsgrad von 100 % auszurichten; im Weiteren sei ihm eine Integrit�tsentsch�digung f�r eine Integrit�tseinbusse von 50 % zuzusprechen.
Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Kraft getreten. Mit ihm sind zahlreiche Bestimmungen im Unfallversicherungsbereich ge�ndert worden. Weil in zeitlicher Hinsicht grunds�tzlich diejenigen Rechtss�tze massgebend sind, die bei der Erf�llung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 Erw. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grunds�tzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides eingetretenen Sachverhalt abstellt (RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101 Erw. 2; hier: 23. Januar 2002), sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2002 geltenden Bestimmungen anwendbar.
Zutreffend sind die Darlegungen der Vorinstanz �ber die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers (hier: Taggelder gem�ss Art. 16 f. UVG, Invalidenrente gem�ss Art. 18 ff. UVG sowie Integrit�tsentsch�digung gem�ss Art. 24 f. UVG) vorausgesetzten nat�rlichen (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, 117 V 376 Erw. 3a mit Hinweisen) und ad�quaten Kausalzusammenhang (BGE 123 III 112 Erw. 3a, 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, 122 V 416 Erw. 2a, je mit Hinweisen) zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod), insbesondere auch �ber die Ad�quanzbeurteilung bei Unf�llen und der in der Folge eingetretenen psychischen Fehlentwicklung mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 115 V 133). Darauf wird verwiesen.
Streitig ist der Anspruch auf Taggelder, Invalidenrente sowie Integrit�tsentsch�digung und in dieser Hinsicht insbesondere, ob die geklagten psychischen Beschwerden ad�quat kausale Unfallfolgen sind, was die Vorinstanz verneint und der Versicherte bejaht.
3.1 Der Beschwerdef�hrer bringt vor, er habe beim Sturz im Januar 1999 den Kopf angeschlagen und ein Sch�del-Hirntrauma oder eine �quivalente Verletzung erlitten; ein unfalldynamisches und biomechanisches Gutachten bringe in dieser Hinsicht Kl�rung.
Der Versicherte hat weder dem beim Unfall anwesenden Arbeitskollegen noch den �rzten des notfallm�ssig aufgesuchten Spitals X.________ mitgeteilt, dass er unter Kopf- oder Nackenschmerzen leide oder beim Sturz den Kopf angeschlagen habe; den �rzten des Spitals X.________ hat er vielmehr angegeben, auf die F�sse gefallen zu sein. Auch der Hausarzt Dr. med. S.________ und der SUVA-Arzt Dr. med. Y.________ erw�hnen keinerlei vom Beschwerdef�hrer geklagte Kopf- oder Nackenschmerzen; solche werden erstmals im - knapp sechs Monate nach dem Unfall durchgef�hrten - psychosomatischen Konsilium der Klinik B.________ vom 21. Juni 1999 vorgebracht. Nicht abgestellt werden kann auf die gegenteiligen Angaben des Versicherten im Bericht des Zentrums L.________ des Spitals X.________ vom 12. April 2001, denn sie sind einerseits mehr als zwei Jahre nach dem Unfall erfolgt und stehen in vielen Punkten offensichtlich in Widerspruch zur Aktenlage. Im Weiteren hat der Beschwerdef�hrer nicht �ber Schmerzen an Nase oder Stirn geklagt und die behandelnden �rzte stellten auch keine Sch�rfungen oder Beulen am Kopf fest, was jedoch zweifellos der Fall gewesen w�re, wenn der Versicherte beim Sturz wirklich den Kopf angeschlagen h�tte. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird im �brigen ausgef�hrt, dass sich der Versicherte an den Sturz nicht erinnern k�nne, was f�r eine kurze Amnesie danach spreche; diese Argumentation �bersieht jedoch die Erfahrungstatsache, dass man sich bei - bloss Sekundenbruchteilen dauernden - St�rzen und dergleichen nicht an das Ereignis selber (wie bei einem Sturz das Fallen) erinnert, sondern einzig die Situation direkt vor und nach dem Ereignis vor Augen hat, w�hrend der Vorgang selber erst im Nachhinein realisiert (aber nicht erinnerlich) wird. Wenn der Versicherte schliesslich darauf hinweist, dass er beim Unfall mit dem Fuss im Dreitritt eingeklemmt gewesen und deshalb "zwangsl�ufig" mit dem Oberk�rper und dem Kopf auf dem Boden aufgeprallt sei, �bersieht er, dass gerade in solchen Situationen der Sturz reflexartig mit den H�nden und Armen aufgefangen wird. Im Weiteren kann auch aus dem - aus den Resultaten eines psychologischen Tests abgeleiteten und wegen Klinikaustritts nicht weiter verfolgten - Verdacht einer hirnorganischen Sch�digung im Bericht des Zentrums L.________ vom 24. Januar 2000 nicht auf ein Anschlagen des Kopfes geschlossen werden, liefe dies doch - in Anbetracht des Fehlens weiterer Anhaltspunkte f�r einen solchen Vorgang - auf eine Argumentation "post hoc, ergo propter hoc" hinaus. Somit ist es zwar nicht g�nzlich ausgeschlossen, dass der Beschwerdef�hrer beim Sturz im Januar 1999 den Kopf angeschlagen hat, jedoch ist dies nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht notwendigen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b mit Hinweisen) erstellt; es ist nicht ersichtlich, inwiefern unter den vorliegenden Umst�nden ein unfalldynamisches und biomechanisches Gutachten zu einem anderen Ergebnis f�hren sollte (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b). Somit kann mangels Nachweisen des Anschlagens des Kopfes kein Sch�del-Hirntrauma vorliegen, weshalb bei der Pr�fung der ad�quaten Kausalit�t nicht die Rechtsprechung gem�ss BGE 117 V 382 Erw. 4b, sondern diejenige bei psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall gem�ss BGE 115 V 133 zur Anwendung gelangt.
3.2 In somatischer Hinsicht geht die Klinik B.________ im Bericht vom 18. Oktober 2001 davon aus, dass keine objektivierbaren organischen Sch�den nachweisbar seien, die eine Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit in der angestammten T�tigkeit als Deckenmonteur erkl�ren k�nnten, und erachtet den Versicherten demzufolge in dieser Hinsicht vollst�ndig arbeitsf�hig. Diese �rztliche Stellungnahme ist f�r die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, ber�cksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem ist sie in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und enth�lt begr�ndete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Damit ist davon auszugehen, dass in somatischer Hinsicht keine Unfallfolgen mehr vorliegen. Dies wird im �brigen durch den (von der Invalidenversicherung eingeholten) Bericht des neuen Hausarztes Dr. med. Z.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 1. Dezember 2000 indirekt best�tigt, indem dort gar keine somatischen Diagnosen mehr erw�hnt sind.
3.3 Das (von der IV-Stelle veranlasste) Gutachten des Zentrums L.________ vom 12. April 2001 diagnostiziert eine dissoziative St�rung gemischt gem�ss ICD-10 F44.7. Die Unfallversicherung hat f�r die Auswirkungen dieses Beschwerdebildes nur bei Vorliegen eines ad�quaten Kausalzusammenhanges zum Unfall von Januar 1999 einzustehen.
Es kann vorliegend offen bleiben, ob der Sturz von einem 70 cm hohen Dreitritt als leichter (vgl. RKUV 1998 Nr. U 307 S. 449 unten) oder - wie es die Vorinstanz getan hat - als mittlerer Unfall einzustufen ist, denn die Ad�quanz ist vorliegend auch beim Vorliegen eines Ereignisses aus dem mittleren Bereich zu verneinen, da die in diesem Fall notwendigen objektiven Kriterien nicht geh�uft vorliegen und auch keines davon in besonders ausgepr�gter Weise gegeben ist (BGE 115 V 140 Erw. 6c):
- Besonders dramatische Begleitumst�nde oder eine besondere Eindr�cklichkeit des Sturzes von einem 70 cm hohen Dreitritt liegen nicht vor.
- Die beim Sturz erlittenen Verletzungen des linken Fusses sind weder besonders schwer (so musste der Versicherte nur ambulant behandelt werden), noch sind sie erfahrungsgem�ss geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszul�sen.
- Die Dauer der �rztlichen Behandlung, der Heilverlauf und die Dauerschmerzen sind nicht somatisch bedingt, sondern mit der psychischen Problematik zu erkl�ren: Die Klinik B.________ hat schon w�hrend des von Mai bis Juli 1999 dauernden Aufenthalts ein psychosomatisches Konsilium wegen auff�lligen Verhaltens veranlasst und die ausbleibende Verbesserung der Belastbarkeit mit der Verschlechterung des psychischen Zustandes erkl�rt, w�hrend der SUVA-Arzt Dr. med. Y.________ im Bericht vom 1. September 1999 vorgesehen hat, den Beschwerdef�hrer zu (f�r die psychische Situation) therapeutischen Zwecken im Betrieb einzusetzen. Auf die Berichte des SUVA-Arztes kann im �brigen ohne Weiteres abgestellt werden; in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden diesbez�glich nur pauschale und in keiner Weise begr�ndete Vorw�rfe erhoben, die keine Bedenken oder Zweifel an den �usserungen dieses Arztes zu erwecken verm�gen (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/ee). Schliesslich unterliegt der Versicherte einem Zirkelschluss, wenn er vorbringt, dass auch im Rahmen der Ad�quanzpr�fung gem�ss BGE 115 V 133 - d.h. auch unter der Annahme, dass kein Schleudertrauma vorliegt - die Dauerschmerzen durch ein Schleudertrauma verursacht sein k�nnten.
- Entgegen der Meinung des Beschwerdef�hrers kann die Einnahme von Natrium-Bromid-Tropfen schon deswegen keine �rztliche Fehlbehandlung darstellen, weil es sich um einen Medikamentenmissbrauch handelt, der auch nach der entsprechenden �rztlichen Anweisung nicht beendet worden ist. Soweit in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde im �brigen geltend gemacht werden sollte, die SUVA habe in dieser Hinsicht gem�ss Art. 6 Abs. 3 UVG f�r eine Sch�digung w�hrend der Heilbehandlung einzustehen, fehlt es bereits an einem mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit erstellten Kausalzusammenhang zwischen der - weisungswidrig erfolgten - Einnahme der Natrium-Bromid-Tropfen und dem geklagten Gesundheitsschaden.
- Die physisch bedingte Arbeitsf�higkeit ist immerhin als eher lange dauernd zu betrachten, hat doch die SUVA im Einspracheentscheid vom 23. Januar 2002 - in Ab�nderung der Verf�gung von November 2000 - bis zum 16. Januar 2000 ein Taggeld aufgrund einer vollen Arbeitsunf�higkeit zugesprochen (obwohl bereits im Fr�hling/Sommer 1999 die psychische Problematik in den Vordergrund getreten ist).
Damit muss der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall von Januar 1999 und der psychischen Fehlentwicklung verneint werden.
3.4 Da keine somatischen Unfallfolgen mehr vorliegen (vgl. Erw. 3.2 hievor) und kein ad�quater Kausalzusammenhang der psychischen Beschwerden zum Unfall von Januar 1999 besteht (vgl. Erw. 3.3 hievor), hat der Beschwerdef�hrer keinen weiteren Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung. Es kann auch nicht auf die Verf�gung der IV-Stelle vom 22. August 2001, wonach dem Versicherten gest�tzt auf einen Invalidit�tsgrad von 100 % seit Januar 2000 eine ganze Rente ausrichtet wird, abgestellt werden, da die Invalidenversicherung - wegen ihrer Ausgestaltung als finale Versicherung (vgl. BGE 124 V 178 Erw. 3b mit Hinweisen) - das Risiko der Invalidit�t unabh�ngig vom Vorliegen eines bestimmten versicherten Ereignisses wie Krankheit oder Unfall deckt.

References: Art. 16
 Art. 18
 Art. 24
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 6
 BGE