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Das ist hohe Poesie
29. September 2010 Grafenwalder	Hinterlasse einen Kommentar Go to comments
Ein Kleinod der modernen Lyrik. Oder doch erstmals zu Papier gebrachte, uralte Weisheiten des Volksmunds? Egal – die Zigeuner kommen!
(Für ganz Neugierige: Das Gedicht ist dort zu lesen:)literatenonkel
Kategorien:Feuilleton, Szene
29. September 2010 um 18:42
1) Keine Poesie, weder hohe noch sonstige.
2) Ein Blick in § 130,185 ff. StGB – Volksverhetzung pp.
29. September 2010 um 19:07
Na gut, daß „Kein Sex mit Nazis“ keine Volksverhetzung darstellt. Es wird ja nur gefordert, mit gewissen Menschen, die man systematisch ausgrenzt, keinen sexuellen Verkehr mehr zu haben, um die Gesellschaft rein zu halten – kommt uns das nicht bekannt vor? „Ich als deutsches Mädel nehme immer / Nur jüdische Männer mit auf mein Zimmer“ oder wie die hähmischen Sprüche damals gingen. Ein Schelm, wer Ähnlichkeiten zur heutigen Lage entdeckt haben will …
… lyrisch ist das Ding zwar alles andere als eine Meisterleistung (was auch daran liegt, daß der Verfasser das wohl ohne groß auf Form Wert zu legen in 30 bis 60 Sekunden schnell hingeschrieben hat), allerdings soll man ja tolerant zu modernen Formen der Lyrik sein. 🙂
Zudem kann man dem Gedicht eine gewisse Wahrheit nicht abstreiten. Es wird ja wohl kein Zufall sein, daß so viele Staaten die Zigeuner nicht mögen …
29. September 2010 um 23:58
Es kann wohl kein Zufall sein, dass viele Menschen Nazis nicht mögen… (Keine Sorge, ich schreibe jetzt kein solch primitives Gedicht.)
30. September 2010 um 14:43
Wenn man das Recht verstehen will, muss man lernen, in rechtlichen Kategorien zu denken. D.h. zum Ersten einmal das parteiische Denken abzulegen (zumindest bis man Richter ist) und sich zum Zweiten streng am Wortlaut des Gesetzes* und des Sachverhaltes zu orientieren.
Und nun überleg mal selbst, was im Sinne des § 130 StGB der Unterschied zwischen der Aufforderung „keinen Sex“ mit jemandem zu haben und der wiederholten Zuschreibung „dreckiges Pack“ ist.
Der gesetzliche Tatbestand kann übrigens auch erfüllt sein, wenn
diese Zuschreibung zutreffend sein sollte.
*Außer man ist Richter am BGH oder am BVerfG, dann kann man sich auch schon mal Dinge aus den Fingern saugen.
29. September 2010 um 21:59
Hohe Poesie? Dumpf, rassistisch und primitv würde ich es eher nennen. Die Ansprüchen von Rechten im Hinblick auf Poesie scheint jedoch etwas tiefer zu liegen.
30. September 2010 um 05:59
30. September 2010 um 11:36
„Zudem kann man dem Gedicht eine gewisse Wahrheit nicht abstreiten. Es wird ja wohl kein Zufall sein, daß so viele Staaten die Zigeuner nicht mögen …“
# Conservator:
Stimmt ja, aber für Grafenwalder mit seinen Fähigkeiten stellt es sicher kein Problem dar, geschickter zu agieren:-)
30. September 2010 um 13:17
Das ist ja nicht von mir, ich stelle hier nur künstlerisches Schaffen „von Rechten“ „für Rechte“ vor. Da braucht’s weder mehr Geschick, noch falsche Scham.
Das Gedicht kann jetzt jeder für sich interpretieren.
30. September 2010 um 13:46
Ja, ich glaube, das ist, was dieses Gedicht auszeichnet. Es schreckt ab, aber fasziniert doch zugleich. Vielleicht Sinnbild für die deutschen Rechtsparteien: Sie sprechen viele Wahrheiten an, aber bringen sie zu „plump“ rüber.
Nun, die Erklärung ist eigentlich einfach: „Nazi“ ist ein Schimpfwort, insofern gibt es kein Volk oder keine Bevölkerungsgruppe, die sich selbst als „Nazivolk“ o. ä. bezeichnet. Folglich kann der Spruch „Kein Sex mit Nazis!“ keine Volksverhetzung sein. Dein Vergleich ist also an den Haaren herbeigezogen.
30. September 2010 um 17:07
@ganz egal
Die Erklärung ist so einfach wie falsch.
Die Selbstbezeichnung der Gruppe ist irrelevant. Wesentlich ist, dass klar wird, um wen es geht. Es gibt in Deutschland auch keine Bevölkerungsgruppen, die sich „Itzigs“, „Bimbos“ oder „Ölaugen“ nennen würden. Dennoch erfüllt die Verbreitung von Schriften, die genannte verleumnden, beschimpfen etc. den Tatbestand des § 130 II StGB.
30. September 2010 um 22:39
@ganz egal:
Zigeuner ist nach BRD-Auffassung auch ein Schimpftwort. Also kann ich ohne Probleme auffordern, keinen sexuellen Verkehr mit Zigeunern zu haben? Das glaubst du ja wohl selbst nicht …
Nochmal: Ein „Zigeuner“ (auch wenn der Begriff falsch ist) ist von Geburt an Angehöriger einer Volksgruppe. Somit darf er nicht aufgrund dieser Zugehörigkeit pauschal herabgewürdigt werden. Nazis sind nach allgemeinem Verständnis eine Gruppe von Personen (keine Volksgruppe), welche die NS-Zeit verherrlicht bzw. restaurieren möchte. Beides ist strafbar, wie Diebstahl, Raub, Betrug usw. Ob man dennoch diesem Personenkreis angehören möchte, ist eine individuelle Entscheidung. Die Aussage „Kein Sex mit Betrügern“ wäre ebenfalls nicht volksverhetzend.
2. Oktober 2010 um 16:25
Du hast den Gesetzestext entweder nicht verstanden oder gar nicht erst gelesen.
Getreu des guten alten Juristen-Mottos „ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung“ wollen wir letzteres an dieser Stelle einmal nachholen.
Der einschlägige § 130 II Nr. 1 StGB bestimmt das Tatobjekt wie folgt: „Teile der Bevölkerung oder […] eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe.“ (Hervorhebungenu und Auslassungen von mir)
„Teile der Bevölkerung“ ist nun eine recht offene Formulierung. Der BGH hat daher freundlicherweise eine genauere Definition nachgeliefert:
Ein Teil der Bevölkerung ist demnach „eine Personenmehrheit von nicht ganz geringfügiger Größe und Bedeutung, die von der Gesamtheit der Bevölkerung aufgrund bestimmter Unterscheidungsmerkmale abgrenzbar in Erscheinung tritt.“ (vgl. BGH GA 1979, 391)
Die von dir behauptete Voraussetzung einer Abstammungsgemeinschaft o.ä. trifft also nicht zu.
Übrigens sind Volksverhetzungen selbst bei Schwerverbrechern durchaus möglich.
http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5c3775aae15.0.html?&tx_veguestbook_pi1%5Bpointer%5D=3
30. September 2010 um 16:39
„Das Gedicht kann jetzt jeder für sich interpretieren.“
Ja, Kollege Grafenwalder, das kann er tun. Aber – wie der Jurist sagt – zuvor hast Du Dir den Inhalt „zueigen gemacht“, d.h. durch die FormulierungEin Kleinod der modernen Lyrik. Oder doch erstmals zu Papier gebrachte, uralte Weisheiten des Volksmunds? Egal – die Zigeuner kommen!
30. September 2010 um 16:46
Ein kleines technisches Problem:-)
weiter: den strafbaren Inhalt der Öffentlichkeit zustimmend übergeben. Es ist nämlich keinerlei Hinweis gegeben, daß Du Kritik anzumelden hast. Sei es aber letztlich, wie es will, mir geht es nur darum, daß wir dem überall lauschenden und lesenden Feind nicht zuviel Munition liefern. Einverstanden?
Tja, gelobt sei der Herr, dass es dank amerikanischer Server noch Rudimente von Meinungsfreiheit auf deutschem Boden gibt. 😉
Vielleicht ist die Einleitung ja auch satirisch gemeint. 😉
Aber sei es drum. Ich werde Deinem Rat folgen, Kollege. Etwaige Beschwerden leite ich dann an Dich weiter. 😉
1. Oktober 2010 um 02:54
Tätige Reue?
Das beweist doch nur, dass Du ein cleverer Neonazi bist. Würd ich dich gleich noch mal härter bestrafen. 😉
1. Oktober 2010 um 10:27
Musste sich der literatenonkel sicher mal abreagieren. Anhand der Zustände in dieser Republik nicht zu verübeln. Zur politischen Agitation taugt es jedoch nicht. Wir müssen hier viel differenzierter arbeiten.
Ich nenne bald im Kodex zur Kommunikation einige Beispiele.
„Etwaige Beschwerden leite ich dann an Dich weiter“
# Grafenwalder:
Das muß nicht sein, Du lernst schnell:-)
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References: § 130
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 BGH 
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