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Timestamp: 2020-02-25 06:16:17+00:00

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Unter­halts­zah­lun­gen ins Aus­land – oder: der Bau­ern­hof in Ser­bi­en | Rechtslupe
Unter­halts­zah­lun­gen ins Aus­land – oder: der Bau­ern­hof in Ser­bi­en
Unter­hal­ten die unter­stütz­ten Ange­hö­ri­gen einen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb in einem nach den Ver­hält­nis­sen des Wohn­sitz­staa­tes übli­chen Umfang und Rah­men, so besteht eine wider­leg­ba­re Ver­mu­tung, dass die dem Haus­halt ange­hö­ren­den Fami­li­en­mit­glie­der nicht unter­halts­be­dürf­tig sind 1.
Die Ver­scho­nungs­re­ge­lung des § 13a EStG ist unge­eig­net, Erträ­ge aus im Aus­land befind­li­chen land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben zu ver­pro­ben.
Unter­halts­zah­lun­gen kön­nen nicht auf Mona­te vor ihrer Zah­lung zurück­be­zo­gen wer­den; der Höchst­be­trag nach § 33a Abs. 1 EStG ist daher zeit­an­tei­lig zu kür­zen, wenn bei lau­fen­den Unter­halts­zah­lun­gen die ers­te Zah­lung erst im Lau­fe des Jah­res erfolgt.
Nach der neu­en Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die Bedürf­tig­keit des Unter­halts­emp­fän­gers im Sin­ne des § 1602 BGB Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer gesetz­li­chen Unter­halts­be­rech­ti­gung im Sin­ne des § 33a Abs. 1 Satz 1 EStG. Der Bun­des­fi­nanz­hof folgt damit der sog. kon­kre­ten Betrach­tungs­wei­se, nach der die Bedürf­tig­keit des Unter­halts­emp­fän­gers nicht typi­sie­rend unter­stellt wer­den kann 2. Zur wei­te­ren Begrün­dung ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof auf sein Urteil vom 5. Mai 2010 3. Im Ergeb­nis bedeu­tet dies, dass es zwar auf die Höhe der Unter­halts­ver­pflich­tung nicht ankommt, die zivil­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines Unter­halts­an­spruchs –Anspruchs­grund­la­ge, Bedürf­tig­keit und Leis­tungs­fä­hig­keit (§§ 1601 bis 1603 BGB)– aber vor­lie­gen müs­sen und auch zu beach­ten sind.
Die bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen gestat­ten kei­ne Ent­schei­dung dar­über, ob die von dem Klä­ger unter­stütz­ten Schwie­ger­el­tern tat­säch­lich bedürf­tig sind. Nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts bewirt­schaf­tet der Schwie­ger­va­ter des Klä­gers 1,9096 Hekt­ar Land. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs greift für den Fall, dass der unter­stütz­te Ange­hö­ri­ge einen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb in einem nach den Ver­hält­nis­sen des Wohn­sitz­staa­tes übli­chen Umfang und Rah­men betreibt, eine wider­leg­ba­re Ver­mu­tung, dass die im Hei­mat­staat als Land­wirt erwerbs­tä­ti­gen Ange­hö­ri­gen nicht unter­halts­be­dürf­tig sind 4. Dabei kann grund­sätz­lich auch davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Ein­künf­te aus dem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb den ande­ren, dem Haus­halt des Schwie­ger­va­ters ange­hö­ren­den Fami­li­en­mit­glie­dern –also auch der Schwie­ger­mut­ter– zu Gute kom­men und deren Unter­halts­be­dürf­tig­keit ent­fal­len las­sen. Ist der Umfang der Erwerbs­tä­tig­keit aller­dings zu gering, um den Lebens­un­ter­halt der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen abzu­de­cken, ist die Ver­mu­tung wider­legt und die Bedürf­tig­keit der Unter­halts­emp­fän­ger im Ein­zel­fall zu prü­fen.
In die­sem Fall wird das Finanz­ge­richt wei­ter fest­zu­stel­len haben, ob die Schwie­ger­el­tern des Klä­gers rele­van­tes Ver­mö­gen besit­zen. Ob der jewei­li­ge Unter­halts­emp­fän­ger über kein oder nur gerin­ges Ver­mö­gen im Sin­ne von § 33a Abs. 1 Satz 3 EStG ver­fügt, ist unab­hän­gig von der Anla­ge­art nach dem Ver­kehrs­wert zu ent­schei­den; ein Ver­mö­gen von bis zu 15.500 € ist in der Regel gering 5. Der Wert von 15.500 € ist ent­spre­chend der sog. Län­der­grup­pen­ein­tei­lung im Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 17. Novem­ber 2003 6 im Streit­fall um 3/​4 auf 3.875 € je unter­hal­te­ner Per­son zu min­dern, da nur so das Ver­mö­gen der Unter­halts­emp­fän­ger typi­sie­rend nach den Ver­hält­nis­sen des Wohn­sitz­staa­tes der unter­hal­te­nen Per­son ange­mes­sen abge­bil­det wer­den kann 7.
Daher wird sowohl das eigen­ge­nutz­te Haus als auch den Grund­be­sitz von 1,9096 Hekt­ar beim jewei­li­gen Unter­halts­emp­fän­ger, dem das Ver­mö­gen zuzu­rech­nen ist, mit dem Ver­kehrs­wert anzu­set­zen sein 8. Hin­sicht­lich des Bewer­tungs­maß­sta­bes wird auf die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 11. Febru­ar 2010 9 ver­wie­sen. In die­sem Zusam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass den Klä­ger nach § 90 Abs. 2 AO erhöh­te Mit­wir­kungs­pflich­ten zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts und für die Vor­sor­ge sowie Beschaf­fung von Beweis­mit­teln tref­fen, wenn er Unter­halts­zah­lun­gen an im Aus­land leben­de Ange­hö­ri­ge steu­er­min­dernd gel­tend macht.
Ist auch kein rele­van­tes Ver­mö­gen fest­stell­bar, wird das Finanz­ge­richt die Ein­künf­te aus dem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb zu ermit­teln haben. Die in der Beschei­ni­gung des ser­bi­schen Katas­ter­am­tes aus­ge­wie­se­nen Erträ­ge von 0,78 bis 0,90 € jähr­lich kön­nen dabei nicht zugrun­de gelegt wer­den. Die in der Beschei­ni­gung aus­ge­wie­se­nen Erträ­ge sind nicht aus­sa­ge­kräf­tig, da ange­sichts der ange­ge­be­nen gering­fü­gi­gen Beträ­ge offen­sicht­lich nicht der tat­säch­li­che Ertrag aus­ge­wie­sen wird. Glei­ches gilt für die Über­prü­fung des Ertrags­aus­wei­ses der Beschei­ni­gung anhand einer über­schlä­gi­gen Durch­schnitts­satz­er­mitt­lung nach § 13a EStG. Das Finanz­ge­richt hat dabei nicht berück­sich­tigt, dass die Durch­schnitts­sät­ze nach § 13a EStG in der Regel nur einen Teil des tat­säch­li­chen Gewinns aus­wei­sen 10 und damit als Ver­scho­nungs­re­ge­lung unge­eig­net sind, um die in der Beschei­ni­gung des ser­bi­schen Katas­ter­am­tes aus­ge­wie­se­nen Erträ­ge zu ver­pro­ben 11. Die Erträ­ge aus die­sen land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen sind dann im Rah­men von § 33a Abs. 1 Satz 4 EStG zu ermit­teln und anzu­set­zen. Dabei wird es auch dar­auf ankom­men, ob der Schwie­ger­va­ter des Klä­gers so leis­tungs­fä­hig ist, dass er sei­ner vor­ran­gi­gen Unter­halts­ver­pflich­tung gegen­über der Schwie­ger­mut­ter des Klä­gers nach § 1608 BGB nach­kom­men kann.
Zudem wird der Unter­halts­höchst­be­trag zeit­an­tei­lig zu kür­zen sein, denn nach den Fest­stel­lun­gen erfolg­ten die Unter­halts­zah­lun­gen am 5. Juli und am 14. Sep­tem­ber 2004. Das Finanz­ge­richt hat zu Unrecht kei­ne zeit­an­tei­li­ge Kür­zung des Höchst­be­trags nach § 33a Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 Satz 1 EStG vor­ge­nom­men. Unter­halts­leis­tun­gen kön­nen nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nur inso­weit abge­zo­gen wer­den, als hier­durch der Lebens­be­darf des Emp­fän­gers im Kalen­der­jahr der Zah­lung sicher­ge­stellt wer­den soll 12. Daher kön­nen Unter­halts­leis­tun­gen nicht auf Mona­te vor ihrer Zah­lung zurück­be­zo­gen wer­den. Es besteht eine –im Ein­zel­fall wider­leg­ba­re– tat­säch­li­che Ver­mu­tung dafür, dass der Unter­halts­ver­pflich­te­te sei­ne Zah­lun­gen so ein­rich­tet, dass sie zur Deckung des Lebens­be­darfs des Emp­fän­gers bis zum Erhalt der nächs­ten Unter­halts­zah­lung aus­rei­chen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Mai 2010, VI R 40/​09
Anschluss an BFH, Urteil vom 13.03.1987 – III R 206/​82, BFHE 149, 532, BSt­Bl II 1987, 599[↩]
so aber BFH, Urteil vom 18.05.2006 – III R 26/​05, BFHE 214, 129, BSt­Bl II 2007, 108[↩]
BFH, Urteil vom 05.05.2010 – VI R 29/​09[↩]
BFH, Urteil vom 13.03.1987 – III R 206/​82, BFHE 149, 532, BSt­Bl II 1987, 599, m.w.N.[↩]
BMF, Schrei­ben vom 17.11.2003 – IV C 4 ‑S 2285- 54/​03, BSt­Bl I 2003, 637[↩]
BFH, Urteil vom 02.12.2004 – III R 50/​03, BFH/​NV 2005, 1009[↩]
BFH, Ent­schei­dung vom 11.02.2010 – VI R 65/​08, BFH/​NV 2010, 1026[↩]
BFH, Urteil vom 05.12.2002 – IV R 28/​02, BFHE 201, 175, BSt­Bl II 2003, 345[↩]
vgl. auch AG Back­nang, Urteil vom 23.02.1996 – 1 F 192/​95, Der Amts­vor­mund 1996, 403[↩]
BFH, Urteil vom 22.05.1981 – VI R 140/​80, BFHE 133, 521, BSt­Bl II 1981, 713[↩]

References: § 13
 § 33
 § 1602
 § 33
 § 33
 § 90
 § 13
 § 13
 § 33
 § 1608
 § 33