Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=14633&fassungsNr=1
Timestamp: 2018-01-20 15:18:33+00:00

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Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 10.03.2005, RV/1787-W/04
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw., vertreten durch Dkfm. Elmar Gollowitzer, Steuerberater, 1030 Wien, Radetzkystr. 7, vom 3. August 2004 gegen die Bescheide des Finanzamtes Mödling Baden, vom 16. Juli 2004 betreffend Dienstgeberbeitrag zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen (DB) und Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (DZ) für die Jahre 1999 bis 2003 entschieden:
Strittig ist, ob die Bw. für die Bezüge des Gesellschafter-Geschäftsführers DB und DZ zu entrichten habe, weil diese Bezüge zu Einkünften im Sinne des § 22 Z 2 Teilstrich 2 EStG 1988 führen. Geschäftsführer (GF) war in den Streitjahren Herr A, der einen Anteil von 100 % am Stammkapital hielt.
Bei der Bw. fand für den Prüfungszeitraum 1. Jänner 1999 bis 31. Dezember 2003 eine Prüfung der Aufzeichnungen gem. § 151 BAO in Verbindung mit § 86 EStG 1988 (Lohnsteuerprüfung) statt, wobei für den Veranlagungszeitraum 1999 bis 2003 davon ausgegangen wurde, dass der zu 100 % beteiligte Geschäftsführer, Herr A, Dienstnehmer im Sinne des § 41 FLAG (Familienlastenausgleichsgesetz) und des § 22 Z 2 Teilstrich 2 EStG 1988 sei. Von den Bemessungsgrundlagen der u.a. GF-Bezüge seien weder DB noch DZ einbehalten und an das Finanzamt abgeführt worden, weshalb folgende Abgaben betreffend der GF-Bezüge von der Bw. mittels der im Spruch genannten Bescheide nachgefordert werden mussten (vgl. Beilage zum Lohnsteuerprüfungsbericht; alle Beträge in Schilling):
1.080.000 (= 78.486,66 €)
48.600 (= 3.531,90 €)
540.000 (= 39.243,33 €)
24.300 (= 1.765,95 €)
720.000 (= 52.324,44 €)
32.400 (= 2.354,60 €)
550.412 (= 40.000,00 €)
24.769 (= 1.800,00 €)
639.854 (= 46.500,00 €)
28.793 (= 2.092,50 €)
5.724 (= 415,98 €)
2.808 (= 204,07 €)
3.672 (= 266,85 €)
2.587 (= 188,00 €)
2.815 (= 204,60 €)
Der Jahresumsatz, das Ergebnis der gewöhlichen Geschäftstätigkeit (EGT) sowie das Jahresergebnis der Bw. betrug lt. G+V/Rechnung in den Streitjahren wie folgt (alle Beträge in Schilling):
43.506.877
47.218.455
39.192.409
37.725.677 (= 2.741.631,99 €)
43.701.653 (= 3.175.923,27 €)
-295.986
-398.111
1.170.850 (= 85.089,03 €)
154.201 (= 11.206,24 €)
Jahres-ergebnis:
-323.486
-422.191
1.147.690 (= 83.405,93 €)
130.344 (= 9.472,52 €)
Lt. Punkt II 1. des Geschäftsführervertrages vom 6. September 1996 erhalte Herr A eine GF-Vergütung, die die Summe des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zuzüglich des Geschäftsführerbezuges um nicht mehr als 25 % überschreiten dürfe, wobei als Beobachtungszeitraum für die Durchschnittsermittlung ein Zeitraum von etwa 6 Jahren heranzuziehen sei, weil die Auszahlung auch von der Liquiditätslage der Gesellschaft sowie den erteilten Großaufträgen abhängig sei. Somit bestehe auch kein Anspruch auf laufende Auszahlung der GF-Vergütung.Bei einer negativen Berechnungsgrundlage stehe somit dem Geschäftsführer kein GF-Bezug zu.
Die Bw. äußere auch verfassungsrechtliche Bedenken, da kein Grund ersichtlich sei, dass der Mehrheitsgesellschafter als Dienstnehmer im Sinne des FLAG behandelt werde, wenn das Gesetz ansonsten nur echte Dienstnehmer erfasse.
Die Bw. bestätige, dass auch ein Unternehmer in den geschäftlichen Organismus seines Unternehmens eingebunden sei, jedoch daraus bei einer Kapitalgesellschaft ein Merkmal eines Dienstverhältnisses abzuleiten, sei falsch und praxisfremd.
Im gegenständlichen Fall liege eindeutig ein Unternehmerwagnis vor, da der GF bei ungünstiger wirtschaftlicher Entwicklung des Unternehmens ständig verminderte Bezüge erhalte und bei andauernder Verlustsituation überhaupt keinen Anspruch auf Vergütungen habe. Eine DB-Pflicht sei daher nicht gegeben.
Außerdem könne sich der GF vertreten lassen.
Aufgrund eines Vorhaltes der Abgabenbehörde zweiter Instanz führt die Bw. in ihrem Schriftsatz vom 28. Februar 2005 zum Sachverhalt ergänzend aus:
Dem GF seien neben den GF-Bezügen keine anderen Vergünstigungen gewährt worden.
Der Tätigkeitsbereich des GF umfasse den Ein- und Verkauf, die Personalaufnahme, die Finanzierung, Investitionsentscheidungen, die Disposition von Monteuren, wobei der GF selbst an Montagen teilnehme sowie Fremdsprachenübersetzungen.
Der GF habe Fahrtenbücher für das Betriebs-Kfz geführt und auch Kostenersätze an die Bw. geleistet. Weiters besitze er noch ein Privat-Kfz.
a) Der GF war in den Streitjahren wesentlich am Stammkapital der Bw. beteiligt.
b)Der GF hat mit der Bw. einen Geschäftsführervertrag (schriftlich festgehalten am 6. September 1996) abgeschlossen, wonach lt. Punkt I. Herr A ab Dezember 1979 auf unbestimmte Zeit zum Geschäftsführer bestellt wurde. Der GF ist an keine feste Arbeitszeit gebunden. Als Dienstort wurde der Ort des Unternehmens bestimmt. Weiters besteht für den GF eine Vertretungsmöglichkeit. Gem. Punkt II. erhält der GF für seine Tätigkeiten eine Vergütung, die die Summe des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zuzüglich des GF-Bezuges um nicht mehr als 25 % überschreiten darf, wobei als Beoabachtungszeitraum für die Durchschnittsermittlung ein Zeitraum von etwa sechs Jahren heranzuziehen ist, weil die Auszahlung auch von der Liquiditätslage der Gesellschaft abhängig ist. Weiters leistet der GF für die private Benützung eines Firmen-PKW's der Gesellschaft Kostenersatz. Die Sozialversicherungsbeiträge werden vom GF selbst getragen. Dem GF gebührt ein jährlicher Erholungsurlaub von 30 Werktagen.
c) Die GF-Bezüge wurden in den Streijahren 1999 bis 2001 nahezu monatlich wie folgt ausbezahlt (alle Beträge in Schilling):
190.000 (= 2 x 95.000)
270.000 (= 3 x 90.000)
330.247 (= 24.000 €)
180.000 (= 2 x 90.000)
220.165 (= 16.000 €)
55.041 (= 4.000 €)
90.000 -540.000
550.412 (= 40.000 €)
34.401 (= 2.500 €)
639.854 (= 46.500 €)
zu a) Das Beteiligungsverhältnis des GF ist dem Firmenbuch Nr. F zu entnehmen.
zu b) Dies ist dem Schriftsatz vom 6. September 1996 zu entnehmen, wodurch ein bisher mündlich abgeschlossener Vertrag nun schriftlich bestätigt wurde.
Im gegenständlichen Fall ist die für eine Eingliederung in den geschäftlichen Organismus der Bw. wesentliche kontinuierliche und über einen längeren Zeitraum andauernde Erfüllung der o.a. umfangreichen Aufgaben (Ein- und Verkauf, die Personalaufnahme, die Finanzierung, Investitionsentscheidungen, die Disposition von Monteuren, wobei der GF selbst an Montagen teilnimmt sowie Fremdsprachenübersetzungen) der Geschäftsführung, wie sie u.a. im Geschäftsführervertrag vom 6. September 1996 sowie in den Schriftsätzen vom 3. August 2004 und 28. Februar 2005 ausgeführt wurden, gegeben.
Weiters lassen die Bezüge des Alleingesellschafter-GF keinen nachvollziehbaren Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Parametern der Gesellschaft erkennen, weil er trotz erklärter Unternehmensverluste (1999 und 2000) hinsichtlich seiner GF-Bezüge keinen Entfall seiner Bezüge hinnehmen musste (siehe dazu obige Tabelle).
Auch aus der bloßen Möglichkeit sich gem. Punkt I.2. des Geschäftsführervertrages vertreten lassen zu können, kann kein wesentliches Unternehmerwagnis abgeleitet werden.
Da somit im gegenständlichen Fall die Merkmale "Eingliederung, laufende Entlohnung und kein Unternehmerwagnis" vorliegen, fallen die o.a. Einkünfte des GF unter § 22 Z 2 Teilstrich 2 EStG 1988 und sind somit der DB/DZ-Besteuerung zu unterziehen.
Betreffend die verfassungsrechtlichen Bedenken der Bw. wird auf die umfangreichen Ausführungen im VwGH-Erkenntnis vom 10.11.2004, 2003/13/0018, verwiesen, wonach die Anfechtungsanträge des Verwaltungsgerichtshofes vom Verfassungsgerichtshof abgewiesen worden sind.
Wien, 10. März 2005 Der Referent: Dr. Folk Oberrat
Findok-Nr: 14633.1, aufgenommen am: 30.03.2005 14:31:38, Dokument-ID: 499bcf4e-17d2-464f-a775-16d8af365d79, Segment-ID: 2063c336-a0e4-4926-8454-c18f1406470f

References: § 22
 § 151
 § 86
 § 41
 § 22
 § 22