Source: https://verdi-bub.de/wissen/wahlen/pr-wahl-saarland/die-einleitung-der-wahl
Timestamp: 2020-04-04 22:12:12+00:00

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Der Wahlvorstand muss feststellen, wer wahlberechtigt ist und ein Wählerverzeichnis erstellen. Jede Dienstkraft, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet hat (also 18 Jahre alt ist), ist wahlberechtigt (Ausnahmen sind in § 12 SPersVG benannt). Auch die Beschäftigten, die einem Jobcenter zugewiesen sind, sind in ihrer "Heimatdienststelle" wahlberechtigt. Die Unterlagen für das Wählerverzeichnis muss der Arbeitgeber bereitstellen. Ob jemand wahlberechtigt ist oder nicht, entscheidet der Wahlvorstand und nicht der Arbeitgeber! Das Wählerverzeichnis und die Wahlordnung muss der Wahlvorstand in der Dienststelle zur Einsichtnahme auslegen. Eine Bekanntgabe ausschließlich in elektronischer Form ist nicht zulässig. Einsprüche gegen das Wählerverzeichnis müssen innerhalb einer Woche schriftlich beim Wahlvorstand eingereicht werden. Mögliche Einsprüche können von allen Dienstkräften kommen, z.B. von denen, die sich nicht auf der Liste wiederfinden.
Wie viele Personalratsmitglieder gewählt werden, ist abhängig von der Anzahl der Dienstkräfte, die regelmäßig in der Dienststelle beschäftigt sind. Die Anzahl der Personalratsmitglieder in der Dienststelle ergibt sich aus § 15 Abs. 1 SPersVG.
Die Zahl der Personalratsmitglieder nach § 15 Abs. 1 SPersVG
51 bis 100 Wahlberechtigten aus fünf Mitgliedern,
101 bis 200 Wahlberechtigten aus sieben Mitgliedern,
201 bis 400 Wahlberechtigten aus neun Mitgliedern,
401 bis 800 Wahlberechtigten aus elf Mitgliedern,
801 bis 1.500 Wahlberechtigten aus 13 Mitgliedern.
Die Zahl der Mitglieder erhöht sich in Dienststellen mit mehr als 1.500 Wahlberechtigten um je zwei für je weitere angefangene 1.000 Wahlberechtigte.
(2) Die Höchstzahl der Mitglieder beträgt 25.
(3) Maßgebend für die Ermittlung der Zahl der Personalratsmitglieder ist der siebte Tag vor dem Erlass des Wahlausschreibens.
Wahlberechtigt sind grundsätzlich alle Beschäftigten, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle, auch der Umfang der Arbeitszeit nicht.
Von einer anderen Dienststelle abgeordnete, zugewiesene oder gestellte (§ 4 Abs. 3 TvÖD/TV-L) Beschäftigte sind nach drei Monaten Dauer in der neuen Dienststelle wahlberechtigt, dafür verlieren sie das Wahlrecht in der Herkunftsdienststelle. Beschäftigte, die einem Jobcenter zugewiesen sind, bleiben in ihrer Herkunftsdienststelle wahlberechtigt (§ 12 Abs. 2 Satz 2 SPersVG).
Beschäftigte in Mutterschutz und Elternzeit können mitwählen, solange sie am Wahltag nicht länger als sechs Monate unter Wegfall der Bezüge beurlaubt sind. Das gilt auch für sonstige Beurlaubungen.
Vorabstimmungen können über die gemeinsame Wahl der Gruppen und/oder eine abweichende Verteilung der Personalratssitze auf die Gruppen durchgeführt werden. Der Wahlvorstand hat in der Bekanntmachung seiner Zusammensetzung (§ 1 Abs. 4 WO SPersVG) auf die Frist zur Durchführung von Vorabstimmungen hinzuweisen (§ 4 WO SPersVG).
Außer in kommunalen Gebietskörperschaften (§ 87 Abs. 2 SPersVG) sind auch Vorabstimmungen über die Verselbstständigung von räumlich weit entfernten Nebenstellen oder Teilen von Dienststellen möglich (§ 6 Abs. 3 SPersVG). Das bedeutet, dass in diesen Nebenstellen dann ein eigener Personalrat gewählt werden kann. Ebenso können sich die Beschäftigten von kommunalen Eigenbetrieben mit mehr als 20 Beschäftigten für einen eigenen Personalrat entscheiden (§ 87 Abs. 3 SPersVG).
Diese Vorabstimmung muss von einem Abstimmungsvorstand durchgeführt werden, dem mindestens drei wahlberechtigte Beschäftigte angehören. Der Abstimmungsvorstand braucht nicht gewählt oder ernannt zu werden; die Initiative kann von den Beschäftigten selbst ausgehen, sie können sich selbst ernennen. Der Abstimmungsvorstand muss das Ergebnis der Vorabstimmung dem Wahlvorstand binnen einer Woche nach dessen erster Bekanntmachung mitteilen. Er muss dabei nachweisen, dass die Vorabstimmung nach den allgemeinen Grundsätzen für Wahlen erfolgt ist (geheim, frei, unmittelbar). Die Gruppen müssen dabei getrennt abstimmen (§ 4 WO SPersVG).
Das Personalvertretungsrecht trennt noch die Beschäftigten in die Gruppen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Beamtinnen und Beamten. Diese Gruppen wählen in der Regel ihre Vertreter/-innen in den Personalrat getrennt. Es sei denn, in einer Vorabstimmung (s.o.) wird die gemeinsame Wahl beschlossen. Für diese Vorabstimmung ist die Mehrheit abgegebenen Stimmen in jeder Gruppe erforderlich. Spricht sich eine Gruppe gegen die gemeinsame Wahl aus, findet Gruppenwahl statt (§ 18 Abs. 2 SPersVG).
Nachteil: Dennoch bleibt es bei den vorher den Gruppen zugeteilten Sitzen. Unabhängig vom Gesamtergebnis sind nur die Bewerber/-innen gewählt, die in ihrer Gruppe das höchste Stimmergebnis haben. Selbst wenn z.B. ein Bewerber der Beamtengruppe deutlich weniger Stimmen hat als der/die nächste Arbeitnehmer/-in, ist er gewählt! Objektiv betrachtet handelt es sich also um eine nur scheinbar gemeinsame Wahl.
Voraussetzung ist, dass in der Dienststelle verschiedene Gruppen vorhanden sind – das dürfte aber meistens der Fall sein. Der Wahlvorstand stellt zunächst nach § 15 SPersVG fest, wie viel Sitze der zu wählende Personalrat überhaupt hat und errechnet dann vor Erlass des Wahlausschreibens nach dem Verfahren d’Hondt deren Verteilung auf die Gruppen. Wie das geht, ist hier dargestellt.
Wenn in einer Vorabstimmung eine abweichende Verteilung der Sitze auf die Gruppen beschlossen wurde, gilt diese. Bei dieser Vorabstimmung ist übrigens nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen in jeder Gruppe entscheidend (§ 17 SPersVG). Die Vorabstimmung über die gemeinsame Wahl führt nicht zur Veränderung der Sitzverteilung.
Achtung: In § 16 Abs. 3 SPersVG erhält jede Gruppe mit fünf oder mehr Angehörigen mindestens einen Sitz im Personalrat. Auch größere Gruppen erhalten Mindestsitze, die ihnen auch dann zustehen, wenn sie bei der Berechnung nach d'Hondt weniger bekommen würden. Gruppen mit weniger als fünf Wahlberechtigten erhalten nur dann eine Vertretung, wenn sie mindestens ein Zwanzigstel aller Wahlberechtigten umfassen.
Die elektronische Veröffentlichung des Wahlausschreibens ist nur zusätzlich möglich, das gilt auch für alle anderen Bekanntmachungen und Erklärungen, sowohl des Wahlvorstands als auch der Wahlberechtigten und der Listeneinreicher.
Das ist nicht ausdrücklich vorgeschrieben. Der Wahlvorstand sollte aber dafür sorgen, dass ausländische Beschäftigte, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, rechtzeitig über Wahlverfahren, Aufstellung der Wähler- und Vorschlagslisten, Wahlvorgang und Stimmabgabe in geeigneter Weise, wenn nötig in ihrer Muttersprache, unterrichtet werden. Einzelheiten über die Informationspflicht sind in § 1 Abs. 5 WO SPersVG zu finden.
Gegen ein solches Verhalten kann der Wahlvorstand ggf. eine einstweilige Anordnung beim Verwaltungsgericht beantragen. Der Wahlvorstand kann zur Wahrnehmung seiner Rechte einen Rechtsanwalt beauftragen, auch das gehört zu den Kosten der Wahl. Strafandrohungen wie im Betriebsverfassungsgesetz sind im SPersVG Bbg (leider) nicht vorgesehen.
Keine Störung stellt jedoch der Wahlkampf rivalisierender Vorschlagslisten dar; es sei denn, man wird beleidigend oder sonst ernsthaft unsachlich. Es darf nicht „gegen die guten Sitten verstoßen werden“, wie es in § 24 Abs. 1 SPersVG zutreffend heißt.
Leider nein. Die Geschlechter sollen zwar entsprechend ihrem zahlenmäßigen Anteil an den Beschäftigten im Personalrat vertreten sein (§ 16 Abs. 6 SPersVG), jedoch gibt es keine Sanktionen, wenn dies nicht umgesetzt wird. Die Vorschrift ist nicht mehr als ein Appell an Kandidaten/Kandidatinnen, Listeneinreicher/-innen und Wähler/-innen. Die Wahlvorschläge sollen jedoch so viele Männer und Frauen enthalten, dass es möglich ist, die anteilige Verteilung von Frauen und Männern im Personalrat und innerhalb der Gruppen zu gewährleisten.
Ja. Die ordentliche Kündigung von Mitgliedern des Wahlvorstands ist vom Zeitpunkt ihrer Bestellung an, die Kündigung von Wahlbewerberinnen/Wahlbewerbern ist vom Zeitpunkt der Aufstellung des Wahlvorschlags bis drei Monate nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses unzulässig. Dies bestimmen § 24 Abs. 1 i.V.m. § 46 SPersVG und § 15 Abs. 3 KSchG. Lediglich außerordentliche (fristlose) Kündigungen sind möglich, wenn den betreffenden Personen schwere Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit ihrem Arbeitsverhältnis vorzuwerfen sind. In diesem Fall muss jedoch der Personalrat seine Zustimmung zur außerordentlichen Kündigung geben (§ 15 Abs. 3 KSchG).
Darüber hinaus sind nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses alle Mitglieder des Wahlvorstands und die Wahlbewerber/-innen (auch die nicht Gewählten) noch für ein weiteres halbes Jahr vor ordentlicher Kündigung geschützt, jedoch ohne dass bei einer außerordentlichen Kündigung die Zustimmung des Personalrats erforderlich wäre, er ist dann im Rahmen seiner normalen Beteiligungsrechte lediglich anzuhören (§ 15 Abs. 3 Satz 2 KSchG).
Ob man nun die Personenwahl wegen der Möglichkeit, persönliche Favoriten anzukreuzen bevorzugt, oder eher zur Listenwahl neigt, weil man dabei davon ausgehen kann, dass sich die Ersteller des Wahlvorschlags, z.B. eine in der Dienststelle vertretene Gewerkschaft, bei der Reihenfolge der Kandidierenden etwas gedacht haben, kann dahingestellt bleiben: Der Wahlvorstand kann sich nicht für die eine oder die andere Variante entscheiden, sondern er ist gezwungen, nach dem Gesetz (§ 18 Abs. 3 SPersVG) bzw. den eingegangenen Wahlvorschlägen zu verfahren.
Generelle Einsprüche gegen das Wählerverzeichnis sind nur schriftlich innerhalb einer Woche nach seiner Auslegung möglich. Dabei kann es darum gehen, dass ganze Bereiche nicht oder fälschlich in das Verzeichnis aufgenommen wurden. In diesen Fällen muss der Wahlvorstand unverzüglich eine Sitzung abhalten und über den Einspruch beraten. Sofern er berechtigt ist, muss der Wahlvorstand das Wählerverzeichnis berichtigen. Der Wahlvorstand unterrichtet die/den Einsprechende/-n unverzüglich, spätestens jedoch einen Tag vor Beginn der Stimmabgabe unter Beifügung seiner Begründung über seine Entscheidung. Geregelt ist dies in § 3 WO SPersVG. Nach Ablauf der Woche sind generelle Einsprüche gegen das Wählerverzeichnis nicht mehr möglich, sonst müsste ggf. das Wahlausschreiben geändert oder zurückgenommen werden.
Anders ist es, wenn einzelne Wahlberechtigte übersehen wurden, inzwischen ausgeschieden oder neu eingestellt worden sind. Dann muss das Wählerverzeichnis nur berichtigt oder ergänzt werden, eine Sitzung des Wahlvorstands ist – bei Eindeutigkeit – dazu nicht erforderlich. Der Wahlvorstand ist verpflichtet, das Wählerverzeichnis bis zum letzten Tag der Stimmabgabe ständig zu aktualisieren. Solche Änderungen führen nicht zur Änderung der Sitze oder der Sitzverteilung, dafür gelten die Verhältnisse am siebten Tag vor dem Erlass des Wahlausschreibens (§ 15 Abs. 3 WO SPersVG).

References: § 12
 § 15
 § 15
 § 15
 § 16
 § 1
 § 24
 § 24
 § 46
 § 15
 § 3