Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_BAG_Kuendigung_InsO_20_01_2005_2AZR134_04.html
Timestamp: 2018-11-18 00:18:22+00:00

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BAG: Keine verkürzte Kündigungsfrist vor Insolvenzeröffnung - HENSCHE Arbeitsrecht
ARBEITSRECHT AKTUELL // 05/02
BAG: Kei­ne ver­kürz­te Kün­di­gungs­frist vor In­sol­ven­zer­öff­nung
Kei­ne ver­kürz­te Frist bei Kün­di­gung durch den "star­ken" vor­läu­fi­gen In­sol­venz­ver­wal­ter: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.01.2005, 2 AZR 134/04
Auch kurz vor der In­sol­venz sind Kün­di­gungs­fris­ten zu be­ach­ten
25.02.2005. Der In­sol­venz­ver­wal­ter kann ge­mäß § 113 Satz 1, 2 In­sol­venz­ord­nung (In­sO) auch bei fes­ter Ver­trags­lauf­zeit (Zeit­ver­trag) so­wie im Fal­le ei­ner ta­rif­li­chen oder ver­trag­lich ver­ein­bar­ten "Un­künd­bar­keit" (Aus­schluss der or­dent­li­chen Kün­di­gung durch den Ar­beit­ge­ber) Ar­beit­neh­mern or­dent­lich kün­di­gen, und zwar mit ei­ner ab­ge­kürz­ten Kün­di­gungs­frist von ma­xi­mal drei Mo­na­ten.
Die­ses Recht steht nach dem Ge­setz aber nur dem In­sol­venz­ver­wal­ter zu, d.h. nur er kann ei­ne sol­che Kün­di­gung aus­spre­chen, was die Er­öff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens vor­aus­setzt. Vor Er­öff­nung des Ver­fahr­fens gibt es kei­nen In­sol­venz­ver­wal­ter, son­dern al­len­falls ei­nen vom Ge­richt be­stell­ten "vor­läu­fi­gen In­sol­venz­ver­wal­ter".
In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die Fra­ge ent­schie­den, ob auch der vor­läu­fi­ge In­sol­venz­ver­wal­ter das Recht zu ei­ner sol­chen Kün­di­gug mit ab­ge­kürz­ter Frist ge­mäß § 113 Satz 1, 2 In­sol­venz­ord­nung (In­sO) hat: BAG, Ur­teil vom 20.01.2005, 2 AZR 134/04.
Wer darf im In­sol­venz­fall mit ab­gekürz­ter Frist kündi­gen - nur der In­sol­venz­ver­wal­ter oder auch der vorläufi­ge Ver­wal­ter?
Der Fall des BAG: Über 20 Jah­re beschäftig­te Ar­beit­neh­me­rin wird vor Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens mit verkürz­ter Frist gekündigt
BAG: Das Kündi­gungs­recht gemäß § 113 Satz 1, 2 In­sO steht nur dem In­sol­venz­ver­wal­ter zu
Die Vor­schrift des § 113 Satz 1, 2 In­sO lau­tet wie folgt:
"§ 113. Kündi­gung ei­nes Dienst­verhält­nis­ses.
Ein Dienst­verhält­nis, bei dem der Schuld­ner der Dienst­be­rech­tig­te ist, kann vom In­sol­venz­ver­wal­ter und vom an­de­ren Teil oh­ne Rück­sicht auf ei­ne ver­ein­bar­te Ver­trags­dau­er oder ei­nen ver­ein­bar­ten Aus­schluss des Rechts zur or­dent­li­chen Kündi­gung gekündigt wer­den. Die Kündi­gungs­frist beträgt drei Mo­na­te zum Mo­nats­en­de, wenn nicht ei­ne kürze­re Frist maßgeb­lich ist."
An­ders als viel­fach an­ge­nom­men wird, hat der In­sol­venz­ver­wal­ter aber auch nach die­ser Vor­schrift kei­nen "Frei­brief" zum Aus­spruch von Kündi­gun­gen, son­dern muss den übli­chen Kündi­gungs­schutz re­spek­tie­ren. Be­freit wird der Ver­wal­ter durch § 113 Satz 1, 2 In­sO nur von dem ge­ne­rel­len Aus­schluss der Kündi­gung (Unkünd­bar­keit) und von über­lan­gen Kündi­gungs­fris­ten.
In al­ler Re­gel führt ein In­sol­venz­an­trag zunächst da­zu, dass das In­sol­venz­ge­richt ei­nen "vorläufi­gen In­sol­venz­ver­wal­ter" er­nennt. Des­sen Auf­ga­be be­steht vor al­lem dar­in zu prüfen, ob ge­nug In­sol­venz­mas­se vor­han­den ist, um über­haupt ein ord­nungs­gemäßes In­sol­venz­ver­fah­ren durch­zuführen. Je nach­dem, wie der Prüfbe­richt des vorläufi­gen In­sol­venz­ver­wal­ters ausfällt, wird im nächs­ten Schritt das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net oder die Eröfffnung des In­sol­venz­ver­fah­rens man­gels Mas­se ab­ge­lehnt.
Je nach La­ge des Fal­les kann das In­sol­venz­ge­richt be­reits im vorläufi­gen In­sol­venz­ver­fah­ren an­ord­nen, dass dem Schuld­ner ein all­ge­mei­nes Ver­bot der Verfügung über sein Vermögen auf­er­legt wird. In ei­nem sol­chen Fall heißt der vorläufi­ge In­sol­venz­ver­wal­ter star­ker vorläufi­ger Ver­wal­ter, da die Ver­wal­tungs- und Verfügungs­be­fug­nis über das Schuld­ner­vermögen - an­ders als im Nor­mal­fall - be­reits im vorläufi­gen Ver­fah­ren auf ihn über­ge­gan­gen ist.
Frag­lich ist, ober der "star­ke" vorläufi­ge In­sol­venz­ver­wal­ter die recht­li­che Möglich­keit hat, Ar­beit­neh­mern mit der ab­gekürz­ten Kündi­gungs­frist von drei Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de gemäß § 113 Satz 1, 2 In­sO zu kündi­gen - oder ob er die­ses Recht erst nach Eröff­nung des Ver­fah­rens hat. Über die­se Rechts­fra­ge hat das BAG nun­mehr ent­schie­den.
Ei­ne Ar­beit­neh­me­rin war seit 1980 bei dem in­sol­ven­ten Ar­beit­ge­ber als Sach­be­ar­bei­te­rin beschäftigt. Die ihr nach dem Ge­setz zu­ste­hen­de Kündi­gungs­frist bei ei­ner Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber be­trug sie­ben Mo­na­te zum Mo­nats­en­de.
Am 28.05.2002 wur­de der Be­klag­te zum "star­ken" vorläufi­gen In­sol­venz­ver­wal­ter über das Vermögen des in­sol­ven­ten Ar­beit­ge­bers be­stellt. An­fang Ju­li 2002 ent­schied er sich, den Geschäfts­be­reich, in dem die Kläge­rin ar­bei­te­te, still­zu­le­gen. Mit Schrei­ben vom 23.07.2002 kündig­te er da­her das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin, und zwar un­ter Be­ru­fung auf § 113 Satz 2 In­sO mit ei­ner ab­gekürz­ten Kündi­gungs­frist von 3 Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de, d.h. zum 31.10.2002.
Nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens wur­de der Be­klag­te nun­mehr zum (endgülti­gen) In­sol­venz­ver­wal­ter be­stellt und kündig­te das Ar­beits­verhält­nis er­neut mit ab­gekürz­ter Frist, dies­mal zum 31.12.2002.
Mit ih­rer Kla­ge hat sich die Ar­beit­neh­me­rin ge­gen die ers­te Kündi­gung ge­wandt und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihr Ar­beits­verhält­nis sei frühes­tens auf Grund der zwei­ten, nach­ge­scho­be­nen Kündi­gung des Be­klag­ten zum 31.12.2002 be­en­det wor­den. Der Be­klag­te ha­be bei der ers­ten Kündi­gung nicht mit der verkürz­ten Frist des § 113 Satz 2 In­sO kündi­gen dürfen, son­dern die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist ein­hal­ten müssen. Der Be­klag­te hat dem­ge­genüber die An­sicht ver­tre­ten, als "star­ker" vorläufi­ger In­sol­venz­ver­wal­ter ha­be er die verkürz­te Kündi­gungs­frist - zu­min­dest ana­log - an­wen­den können.
Das BAG hat wie das Ar­beits­ge­richt und das Lan­des­ar­beits­ge­richt für die Ar­beit­neh­me­rin ent­schie­den.
Nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann der In­sol­venz­ver­wal­ter erst nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens die verkürz­te Kündi­gungs­frist des § 113 Satz 2 In­sO für sich in An­spruch neh­men.
Dies folgt laut BAG aus dem Wort­laut der Re­ge­lung und aus der Sys­te­ma­tik der In­sO. Ei­ne sinn­gemäße bzw. ana­lo­ge An­wen­dung die­ser Vor­schrift auf den vorläufi­gen In­sol­venz­ver­wal­ter - auch auf den "star­ken" vorläufi­gen Ver­wal­ter - ist nach An­sicht des BAG nicht möglich, weil die In­sO hier kei­ne Lücke auf­weist.
Fa­zit: Der "star­ke" vorläufi­ge In­sol­venz­ver­wal­ter und der - endgülti­ge - In­sol­venz­ver­wal­ter ha­ben nach dem Ge­setz un­ter­schied­li­che Funk­tio­nen und sind da­her recht­lich nicht völlig gleich­ge­stellt.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.01.2005, 2 AZR 134/04
Letzte Überarbeitung: 26. Februar 2018
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07/37 Erst tei­len, dann über­tra­gen.
18.08.2007. Der Er­werb meh­re­rer ein­zel­ner Be­triebs­mit­tel ei­nes vom In­sol­venz­ver­wal­ter still­ge­leg­ten Be­triebs durch ver­schie­de­ne Un­ter­neh­men führt nicht da­zu, dass die Ar­beit­neh­mer des ...

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