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Timestamp: 2019-06-17 07:49:28+00:00

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BAG, Urteil vom 24.02.2016, 4 AZR 990/13 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 24.02.2016, 4 AZR 990/13
Schlagworte: Arbeitsvertragliche Bezugnahmeklausel, Gleichstellungsabrede, Betriebliche Übung
Aktenzeichen: 4 AZR 990/13
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 20.09.2013 - 9 Sa 57/13
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 30. Sep­tem­ber 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Rinck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Drechs­ler und Hess für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 20. Sep­tem­ber 2013 - 9 Sa 57/13 - auf­ge­ho­ben.
2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz - Auswärti­ge Kam­mern Bad Kreuz­nach - vom 13. No­vem­ber 2012 - 6 Ca 517/12 - ab­geändert:
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen An­spruch der Kläge­rin auf Vergütung nach dem Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung so­wie hier­aus re­sul­tie­ren­de Zah­lungs­ansprüche für die Zeit von März bis Sep­tem­ber 2012.
Die Kläge­rin ist seit 1995 in den von der Be­klag­ten be­trie­be­nen Kli­ni­ken für Rheu­ma­to­lo­gie als Kran­ken­pfle­ge­rin beschäftigt. In ih­rem Ar­beits­ver­trag vom 31. März 1995 heißt es:
Das Ar­beits­verhält­nis be­stimmt sich nach dem Bun­des-An­ge­stell­ten-Ta­rif­ver­trag (BAT) so­wie den je­weils ergän-zen­den, ändern­den, er­set­zen­den und sons­ti­gen für die Art der Tätig­keit des Beschäftig­ten ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­ein­ba­run­gen.“
Die Kläge­rin war zu­letzt in VergGr. Kr. IV, Stu­fe 9 BAT ein­grup­piert. Seit März 2004 erhält sie ei­ne mo­nat­li­che Vergütung in Höhe von ins­ge­samt 2.358,04 Eu­ro brut­to.
Die Be­klag­te war zunächst mehr­heit­lich im Be­sitz öffent­li­cher An­teils­eig­ner, na­ment­lich der Stadt B und des Lan­des Rhein­land-Pfalz. Mit Wir­kung
zum 1. Ja­nu­ar 1999 er­warb die S Kli­ni­ken GmbH ins­ge­samt 75,09 vH der Ak­ti­en.
In § 5 II Nr. 5 des zwi­schen der S Kli­ni­ken GmbH auf der ei­nen und der Stadt B so­wie dem Land Rhein­land-Pfalz auf der an­de­ren Sei­te ge­schlos­se­nen Ak­ti­en­kauf­ver­trags heißt es:
„Die zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses vor­han­de­nen Mit­ar­bei­ter wer­den wei­ter­hin nach BAT-BMT-G ent­lohnt und de­ren Zu­satz­ver­sor­gung nach dem ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag gewähr­leis­tet.“
Die Be­klag­te war zunächst Mit­glied im Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­band Rhein­land-Pfalz. Mit Ab­lauf des 31. März 1999 wur­de sie auf­grund der neu­en Ei­gen­tums­verhält­nis­se aus dem Ver­band aus­ge­schlos­sen, da die sat­zungsmäßigen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Mit­glied­schaft nicht mehr ge­ge­ben wa­ren.
Die Be­klag­te gab die zum 1. April 1999, 1. Au­gust 2000, 1. Sep­tem­ber 2001, 1. März 2003 und 1. März 2004 für den öffent­li­chen Dienst ver­ein­bar­ten ta­rif­li­chen Ent­gel­terhöhun­gen an ih­re Ar­beit­neh­mer wei­ter.
Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei ver­pflich­tet, sie nach der Ent­gelt­grup­pe 4a, Stu­fe 5 TVöD für den Dienst­leis­tungs­be­reich Kran­kenhäuser im Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (TVöD-K) zu vergüten. Der An­spruch er­ge­be sich aus § 2 des Ar­beits­ver­trags. Zu­dem ent­hal­te § 5 II Nr. 5 des Ak­ti­en­kauf­ver­trags ei­nen ech­ten Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter. Die mehr­fa­che Wei­ter­ga­be der Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen in den Jah­ren 1999 bis 2004 ha­be schließlich in An­se­hung der ge­nann­ten Erklärung im Ak­ti­en­kauf­ver­trag zu ei­ner Ver­tragsände­rung geführt, je­den­falls aber ei­ne be­trieb­li­che Übung be­gründet.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 840,21 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 120,03 Eu­ro brut­to seit dem 1. Mai 2012, 1. Ju­ni 2012, 1. Ju­li 2012, 1. Au­gust 2012, 1. Sep­tem­ber 2012 und 1. Ok­to­ber 2012 zu zah­len;
2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, sie ab Ok­to­ber 2012 nach der Ent­gelt­grup­pe 4a, Stu­fe 5 TVöD-K zu vergüten.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, bei der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel han­de­le es sich um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de im Sin­ne der ehe­ma­li­gen Se­nats­recht­spre­chung. Nach ih­rem Aus­schei­den aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band wirk­ten die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge des­halb nur noch sta­tisch fort. Aus dem Ak­ti­en­kauf­ver­trag fol­ge nichts an­de­res. Die­ser Ver­trag bin­de sie nicht. Sie sei nicht Ver­trags­par­tei, son­dern viel­mehr nur Ge­gen­stand des Ver­trags ge­we­sen. § 5 II Nr. 5 des Ak­ti­en­kauf­ver­trags ent­hal­te kei­ne Pflicht zur Gewährung künf­ti­ger Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen an Drit­te. Al­lein die mehr­ma­li­ge Wei­ter­ga­be von Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen führe über­dies nicht zu ei­ner be­trieb­li­chen Übung und da­mit ei­ner ent­spre­chen­den Ver­pflich­tung für die Zu­kunft.
Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Mit ih­rer Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren wei­ter.
Die Re­vi­si­on ist zulässig und be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te der Kla­ge nicht mit der von ihm ge­ge­be­nen Be­gründung statt­ge­ben. Das Be­ru­fungs­ur­teil stellt sich auch nicht aus an­de­ren Gründen als rich­tig dar (§ 561 ZPO). Das führt zur Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (§ 562 Abs. 1 ZPO) und zur Kla­ge­ab­wei­sung (§ 563 Abs. 3 ZPO).
I. Die Re­vi­si­on ist zulässig. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und ord­nungs­gemäß be­gründet wor­den. Die Be­schwer der Be­klag­ten ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht durch die Zah­lung der ti­tu­lier­ten Ent­gelt­for­de­rung (teil­wei­se) ent­fal­len.
1. Die Be­schwer ei­ner zur Zah­lung ver­ur­teil­ten Par­tei entfällt, wenn sie den ti­tu­lier­ten Be­trag nicht nur zur Ab­wen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung aus ei­nem vorläufig voll­streck­ba­ren Ur­teil zahlt, son­dern den Kla­ge­an­spruch aus frei­en Stücken oh­ne Vor­be­halt (endgültig) erfüllen will. Ob das ei­ne oder an­de­re an­zu­neh­men ist, rich­tet sich nach den dem Zah­lungs­empfänger er­kenn­ba­ren Umständen des Ein­zel­falls (BAG 21. März 2012 - 5 AZR 320/11 - Rn. 12).
2. Im Streit­fall war die Be­klag­te von der Kläge­rin nach Bestäti­gung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt un­ter Frist­set­zung zur Zah­lung der vom Ar­beits­ge­richt ti­tu­lier­ten For­de­rung auf­ge­for­dert wor­den. Das der Kla­ge statt­ge­ben­de, vom Be­ru­fungs­ge­richt bestätig­te erst­in­stanz­li­che Ur­teil war auch vorläufig voll­streck­bar (§ 62 Abs. 1 Satz 1 ArbGG). Die Be­klag­te konn­te da­her das Schrei­ben der Kläge­rin nach dem ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont (§§ 133, 157 BGB) auch oh­ne aus­drück­li­chen Hin­weis als In-aus­sicht­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung ver­ste­hen. An­ders als in der von der Kläge­rin her­an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat die Be­klag­te nicht im Zu­sam­men­hang mit der Zah­lung zum Aus­druck ge­bracht, die Kläge­rin könne das Geld un­abhängig vom Aus­gang ei­nes Re­vi­si­ons­ver­fah­rens be­hal­ten (vgl. BAG 21. März 2012 - 5 AZR 320/11 - Rn. 14).
II. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche ste­hen der Kläge­rin un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt zu. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf ei­ne Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe 4a, Stu­fe 5 TVöD-K und die Zah­lung der ent­spre­chen­den Vergütungs­dif­fe­ren­zen für den Zeit­raum von März bis Sep­tem­ber 2012.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Un­recht an­ge­nom­men, durch die Wei­ter­ga­be der Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen in den Jah­ren 1999 bis 2004 sei ei­ne - die Be­klag­te für die Zu­kunft bin­den­de - be­trieb­li­che Übung ent­stan­den.
a) Die Be­ur­tei­lung, ob die vom Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen die An­nah­me ei­ner be­trieb­li­chen Übung hin­sicht­lich der Gewährung von Leis­tun­gen recht­fer­ti­gen oder nicht, un­ter­liegt der un­ein­ge­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung (vgl. nur BAG 19. Au­gust 2015 - 5 AZR 450/14 -
Rn. 20; 5. Mai 2015 - 1 AZR 806/13 - Rn. 26; 31. Ju­li 2007 - 3 AZR 189/06 - Rn. 17; 18. April 2007 - 4 AZR 653/05 - Rn. 45; grund­le­gend 28. Ju­ni 2006 - 10 AZR 385/05 - Rn. 39 mwN, BA­GE 118, 360).
b) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist un­ter ei­ner be­trieb­li­chen Übung die re­gelmäßige Wie­der­ho­lung be­stimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers zu ver­ste­hen, aus de­nen die Ar­beit­neh­mer schließen können, ih­nen sol­le ei­ne Leis­tung oder ei­ne Vergüns­ti­gung auf Dau­er ein­geräumt wer­den (BAG 23. März 2011 - 4 AZR 268/09 - Rn. 59).
aa) Aus ei­nem als Ver­trags­an­ge­bot zu wer­ten­den Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers, das von den Ar­beit­neh­mern in der Re­gel still­schwei­gend an­ge­nom­men wird (§ 151 BGB), er­wach­sen ver­trag­li­che Ansprüche auf die üblich ge­wor­de­nen Leis­tun­gen. Ent­schei­dend für die Ent­ste­hung ei­nes An­spruchs ist, wie der Erklärungs­empfänger die Erklärung oder das Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Be­gleit­umstände (§§ 133, 157 BGB) ver­ste­hen muss­te und durf­te. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­ge­ber mit ei­nem ent­spre­chen­den Ver­pflich­tungs­wil­len ge­han­delt hat. Die Wir­kung ei­ner Wil­lens­erklärung im Rechts­ver­kehr setzt ein, wenn aus der Sicht des Erklärungs­empfängers der Erklären­de ei­nen auf ei­ne be­stimm­te Rechts­wir­kung ge­rich­te­ten Wil­len geäußert hat (sh. nur BAG 23. März 2011 - 4 AZR 268/09 - Rn. 60; 17. März 2010 - 5 AZR 317/09 - Rn. 20, BA­GE 133, 337).
bb) Gewährt ein Ar­beit­ge­ber sei­nen Ar­beit­neh­mern wie­der­holt ei­ne Erhöhung der Löhne und Gehälter ent­spre­chend der Ta­ri­fent­wick­lung in ei­nem be-stimm­ten Ta­rif­ge­biet, kann ei­ne be­trieb­li­che Übung dann ent­ste­hen, wenn deut­li­che An­halts­punk­te in sei­nem Ver­hal­ten dafür spre­chen, dass er die Erhöhun­gen - auch oh­ne das Be­ste­hen ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung - künf­tig, dh. auf Dau­er über­neh­men will (BAG 19. Ok­to­ber 2011 - 5 AZR 359/10 - Rn. 14; 23. März 2011 - 4 AZR 268/09 - Rn. 61 mwN).
(1) Ist der Ar­beit­ge­ber nicht ta­rif­ge­bun­den, ent­steht re­gelmäßig le­dig­lich ein An­spruch der Ar­beit­neh­mer auf Fort­zah­lung die­ses erhöhten Ent­gelts, nicht aber zu­gleich ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, auch künf­ti­ge Ta­ri­fent­gel­ter-
höhun­gen wei­ter­zu­ge­ben (BAG 20. Ju­ni 2001 - 4 AZR 290/00 - zu A II 4 c bb der Gründe). Ein nicht ta­rif­ge­bun­de­ner Ar­beit­ge­ber will sich grundsätz­lich nicht für die Zu­kunft der Re­ge­lungs­macht der Verbände un­ter­wer­fen. Dies ist ge­ra­de Sinn des nicht er­folg­ten Bei­tritts zu ei­nem Ar­beit­ge­ber­ver­band. Die feh­len­de Ta­rif­ge­bun­den­heit ver­deut­licht - für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar - den Wil­len des Ar­beit­ge­bers, die Erhöhung der Löhne und Gehälter zukünf­tig nicht oh­ne Bei­tritts­prüfung ent­spre­chend der Ta­ri­fent­wick­lung vor­zu­neh­men (BAG 19. Ok­to­ber 2011 - 5 AZR 359/10 - Rn. 15; 23. März 2011 - 4 AZR 268/09 - Rn. 61 mwN).
(2) Auch ein ta­rif­ge­bun­de­ner Ar­beit­ge­ber, der die Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen - un­ge­ach­tet der Ta­rif­ge­bun­den­heit des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers - an al­le Ar­beit­neh­mer wei­ter­gibt, will sich - auch in­so­weit für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar - im Re­gel­fall nicht über die Zeit sei­ner Ta­rif­ge­bun­den­heit hin­aus oh­ne die Möglich­keit ei­ner Kündi­gung des Ta­rif­ver­trags oder ei­nes Ver­bands­aus­tritts dau­er­haft (ver­trag­lich) bin­den (vgl. BAG 19. Ok­to­ber 2011 - 5 AZR 359/10 - Rn. 16 mwN).
c) Da­nach hat die Be­klag­te mit der Wei­ter­ga­be der Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen in den Jah­ren 1999 bis 2004 kei­ne be­trieb­li­che Übung be­gründet, auf die die Kläge­rin ih­ren Kla­ge­an­spruch stützen könn­te. Es fehlt an den er­for­der­li­chen - über die bloße Wei­ter­ga­be der Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen hin­aus­ge­hen­den - deut­li­chen An­halts­punk­ten im Ver­hal­ten der Be­klag­ten, aus de­nen sich für die Kläge­rin er­kenn­bar der Wil­le ergäbe, sie wol­le auf Dau­er die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en je­weils aus­ge­han­del­ten Erhöhun­gen oh­ne Wei­te­res über­neh­men. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob § 5 II Nr. 5 des Ak­ti­en­kauf­ver­trags zu­guns­ten der im Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter ei­ne dy­na­mi­sche Bin­dung an die künf­ti­gen Ta­ri­fent­wick­lun­gen vor­ge­ben woll­te. Dafür könn­te der Wort­laut („wei­ter­hin“; „dem ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag“) spre­chen. Die Ver­trags­klau­sel be­ruht je­doch we­der auf ei­nem Ver­hal­ten der Be­klag­ten noch enthält sie ei­ne an die Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­te Erklärung (vgl. da­zu BAG 23. März 2011 - 4 AZR 268/09 - Rn. 66).
aa) Die Be­klag­te war nicht Par­tei, son­dern viel­mehr Ge­gen­stand des Ak­ti­en­kauf­ver­trags. Es fehlt be­reits an ei­nem ei­ge­nen Ver­hal­ten der Ar­beit­ge­be­rin, das ein Ver­trau­en der Kläge­rin be­gründen könn­te, die - bloße - Wei­ter­ga­be der Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen er­fol­ge mit Rechts­bin­dungs­wil­len auch hin­sicht­lich künf­ti­ger Erhöhun­gen. Al­lein aus der Zah­lung der erhöhten Ta­riflöhne er­ge­ben sich noch kei­ne deut­li­chen An­halts­punk­te dafür, die Be­klag­te ha­be ei­ner von der Er­wer­be­rin der Ak­ti­en mögli­cher­wei­se über­nom­me­nen schuld­recht­li­chen Ver­pflich­tung nach­kom­men wol­len.
bb) Die Ver­trags­klau­sel war über­dies nicht an die Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten ge­rich­tet. Sie ent­fal­te­te le­dig­lich schuld­recht­li­che Wir­kung zwi­schen den Par­tei­en des Ak­ti­en­kauf­ver­trags. Selbst wenn die Ar­beit­neh­mer - mögli­cher­wei­se so­gar trotz ei­ner in dem­sel­ben Ver­trag ent­hal­te­nen Ver­schwie­gen­heits­pflicht - von der Klau­sel Kennt­nis ge­habt ha­ben soll­ten, wäre die­se aus Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Empfängers auch aus die­sem Grund nicht ge­eig­net ge­we­sen, dem Ver­hal­ten der Be­klag­ten ei­nen über die Wei­ter­ga­be der je­wei­li­gen Ent­gel­terhöhung hin­aus­ge­hen­den ver­trag­li­chen Erklärungs­ge­halt bei­zu­mes­sen.
2. Die Ent­schei­dung er­weist sich auch nicht aus ei­nem an­de­ren Grund als rich­tig (§ 561 ZPO).
a) Ein An­spruch auf die Wei­ter­ga­be der Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen folgt nicht aus § 2 des Ar­beits­ver­trags. Die dort ent­hal­te­ne Be­zug­nah­me­re­ge­lung ist als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen. Ih­re Dy­na­mik en­de­te da­her mit dem Ver­bands­aus­schluss der Be­klag­ten zum 31. März 1999.
aa) Nach der frühe­ren Recht­spre­chung des Se­nats galt die - wi­der­leg­ba­re Ver­mu­tung, es ge­he ei­nem an ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­verträge ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber nur dar­um, durch die Be­zug­nah­me die nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer mit den or­ga­ni­sier­ten Beschäftig­ten hin­sicht­lich der Gel­tung des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­werks gleich­zu­stel­len. Der Se­nat ging da­von aus, mit ei­ner sol­chen von ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber ge­stell­ten Ver­trags­klau­sel soll­te le­dig­lich die mögli­cher­wei­se feh­len­de Ge­bun­den­heit des Ar­beit­neh­mers an die im Ar­beits­ver­trag ge­nann­ten Ta­rif­verträge er­setzt wer­den,
um je­den­falls zu ei­ner ver­trag­li­chen An­wen­dung des ein­schlägi­gen Ta­rif­ver-rags für al­le Beschäftig­ten zu kom­men. Dar­aus hat der Se­nat die Kon­se­quenz ge­zo­gen, oh­ne wei­te­re An­halts­punk­te im Ver­trags­text oder aus den Be­gleit­umständen bei Ver­trags­schluss sei­en im Fal­le der nor­ma­ti­ven Ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers an die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge Be­zug­nah­me­klau­seln in al­ler Re­gel als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­den aus­zu­le­gen. Die Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag oder ein Ta­rif­werk in der je­weils gel­ten­den Fas­sung wur­de des­halb ein­schränkend da­hin aus­ge­legt, die auf die­se Wei­se zum Aus­druck ge­brach­te Dy­na­mik ge­he nur so weit, wie sie bei ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer rei­che, sie en­de al­so dann, wenn der Ar­beit­ge­ber we­gen Weg­falls der ei­ge­nen Ta­rif­ge­bun­den­heit nicht mehr nor­ma­tiv an künf­ti­ge Ta­ri­fent­wick­lun­gen ge­bun­den sei (st. Rspr., sh. nur BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 536/09 - Rn. 17 f. mwN).
bb) Die­se Recht­spre­chung hat der Se­nat für ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­seln, die nach dem In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form am 1. Ja­nu­ar 2002 ver­ein­bart wor­den sind, auf­ge­ge­ben. Er wen­det die Aus­le­gungs­re­gel le­dig­lich aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes wei­ter­hin auf Be­zug­nah­me­klau­seln an, die vor dem In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form am 1. Ja­nu­ar 2002 ver­ein­bart wor­den sind (BAG 14. De­zem­ber 2005 - 4 AZR 536/04 - Rn. 24 ff., BA­GE 116, 326; 18. April 2007 - 4 AZR 652/05 - Rn. 29 ff., BA­GE 122, 74; bestätigt durch BVerfG 26. März 2009 - 1 BvR 3564/08 - und 21. April 2009 - 1 BvR 784/09 -).
cc) In An­wen­dung die­ser Grundsätze ver­weist § 2 des Ar­beits­ver­trags le­dig­lich sta­tisch auf den am 31. März 1999 gel­ten­den BAT.
(1) Die Be­klag­te war bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­trags im März 1995 nach 32§ 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG auf­grund ih­rer Ver­bands­mit­glied­schaft im Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­band an den BAT ge­bun­den. Ih­re Ta­rif­ge­bun­den­heit en­de­te durch den Ver­bands­aus­schluss zum 31. März 1999. Die nach die­sem Zeit­punkt vor­ge­nom­me­nen Ta­rifände­run­gen ein­sch­ließlich der in den Jah­ren 2005 und 2006 er­folg­ten Ablösung des BAT durch den TVöD und den TV-L wer­den von der Be­zug­nah­me­klau­sel nicht mehr er­fasst.
(2) Aus der Be­zug­nah­me­klau­sel oder den Be­gleit­umständen er­ge­ben sich im Ent­schei­dungs­fall kei­ne An­halts­punk­te für ein ab­wei­chen­des Verständ­nis der ver­trag­li­chen Re­ge­lung. Ins­be­son­de­re recht­fer­tigt die - bloße - Wei­ter­ga­be meh­re­rer Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen nicht die An­nah­me, die Be­klag­te ha­be ei­ne un­be­ding­te dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me ver­trag­lich ver­ein­ba­ren wol­len (so al­ler­dings LAG Rhein­land-Pfalz 9. Sep­tem­ber 2011 - 9 Sa 147/11 - zu B II 1 c der Gründe). Zwar kann die tatsächli­che Pra­xis des Voll­zugs ei­ner ver­trag­li­chen Re­ge­lung durch die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en An­halts­punk­te für de­ren tatsächli­chen Wil­len ent­hal­ten und so­mit für die Aus­le­gung von Be­deu­tung sein. Der bei Ver­trags­schluss zum Aus­druck ge­brach­te ob­jek­ti­ve Ge­halt der wech­sel­sei­ti­gen Wil­lens­erklärun­gen kann aber durch die späte­re tatsächli­che Hand­ha­bung nicht mehr be­ein­flusst wer­den (BAG 7. Ju­ni 2006 - 4 AZR 272/05 - Rn. 43).
(3) Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ha­ben nach dem 31. De­zem­ber 2001 kei­nen „Neu­ver­trag“ ab­ge­schlos­sen.
(a) Der von der Recht­spre­chung gewähr­te Ver­trau­ens­schutz für „Alt­verträge“ entfällt, wenn die Be­zug­nah­me­klau­sel nach dem 31. De­zem­ber 2001 er­neut ver­ein­bart wird. Bei der Ände­rung ei­nes von ei­nem Ar­beit­ge­ber ge­schlos­se­nen „Alt­ver­trags“ ist dies der Fall, wenn die ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­re­ge­lung in der nach­fol­gen­den Ver­tragsände­rung zum Ge­gen­stand der rechts­geschäft­li­chen Wil­lens­bil­dung der be­tei­lig­ten Ver­trags­par­tei­en ge­macht wor­den ist (BAG 8. Ju­li 2015 - 4 AZR 51/14 - Rn. 26; 13. Mai 2015 - 4 AZR 244/14 - Rn. 26; 24. Fe­bru­ar 2010 - 4 AZR 691/08 - Rn. 25 mwN).
(b) Ei­ne aus­drück­li­che Ver­tragsände­rung nach dem 31. De­zem­ber 2001, in der die Par­tei­en § 2 des Ar­beits­ver­trags er­neut zum Ge­gen­stand ih­rer rechts­geschäft­li­chen Wil­lens­bil­dung ge­macht hätten, ist nicht er­sicht­lich. An­halts­punk­te für ei­ne kon­klu­den­te Ver­tragsände­rung sind eben­falls nicht ge­ge­ben. Al­lein die Wei­ter­ga­be der Ta­ri­fent­gel­terhöhun­gen lässt nicht auf ei­nen ent­spre­chen­den ver­trag­li­chen Erklärungs­wil­len schließen.
b) Ein An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich auch nicht - wie von ihr gel­tend ge­macht - aus § 5 II Nr. 5 des Ak­ti­en­kauf­ver­trags iVm. §§ 328 ff. BGB. Die Ver-
trags­erklärung stellt kei­nen (ech­ten) Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter dar. Schon der Wort­laut der Re­ge­lung bie­tet kei­ne hin­rei­chen­den An­halts­punk­te für die Aus­le­gung, es han­de­le sich um ei­nen Ver­trag iSv. § 328 BGB, der un­mit­tel­ba­re Rech­te zu­guns­ten der Kläge­rin und der an­de­ren Ar­beit­neh­mer be­gründe. In § 5 II Nr. 5 des Ak­ti­en­kauf­ver­trags heißt es le­dig­lich, die zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses vor­han­de­nen Mit­ar­bei­ter würden wei­ter­hin nach BAT-BMT-G ent­lohnt. Dar­aus er­gibt sich al­len­falls die Ver­pflich­tung der An­teilskäufe­r­in ge­genüber den Verkäufe­r­in­nen, die Beschäftig­ten trotz des Über­gangs der Kli­ni­ken wei­ter­hin nach dem BAT oder dem BMT-G zu vergüten. Darüber hin­aus­ge­hen­de Ver­pflich­tun­gen der Be­klag­ten ge­genüber den Ar­beit­neh­mern, die in­ner­halb des Un­ter­neh­mens wei­ter­beschäftigt wer­den soll­ten, enthält die­ser Pas­sus nicht (eben­so hin­sicht­lich der­sel­ben Klau­sel BAG 29. No­vem­ber 2007 - 2 AZR 789/06 - Rn. 21).
Drechs­ler
zur Übersicht 4 AZR 990/13

References: § 5
 § 2
 § 5
 § 5
 § 5
 § 2
 § 2
 § 4
 § 2
 § 5
 § 328
 § 5