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Timestamp: 2018-06-25 00:36:57+00:00

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Raubdelikte | ht-anwaelte.de
Raub, räuberische Erpressung und räuberischer Diebstahl sowie die verschiedenen Raubqualifikationen wie schwerer Raub mit Waffen oder als Bande aber auch Raub mit Todesfolge gemäß § 251 StGB werden als Raubdelikte zusammengefasst. Hinzu kommt der räuberische Angriff auf Kraftfahrer gemäß § 316 a StGB.
Wie hoch ist die Strafe bei Raubdelikten?
Beim Raub gemäß § 249 StGB und auch bei der räuberischen Erpressung (§§ 253, 255 StGB) handelt es sich um Verbrechenstatbestände mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr. Die Höchststrafe beträgt fünfzehn Jahre. Gleiches sieht der Strafrahmen des räuberischen Diebstahls nach § 252 StGB vor.
Beim schweren Raub, also zum Beispiel beim Mitführen eines gefährlichen Werkzeugs oder einer Waffe gemäß § 250 Abs. 1 StGB, liegt die Mindeststrafe bereits bei drei Jahren. Das heißt, dass eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung nicht mehr möglich ist. Der besonders schwere Raub, der zum Beispiel beim Verwenden einer Waffe verwirklicht ist, wird gemäß § 250 Abs. 2 StGB sogar mit mindestens fünf Jahren Freiheitsstrafe sanktioniert. Ebenfalls in den Bereich der drakonischen Strafrahmen fällt der räuberische Angriff auf Kraftfahrer gemäß § 316 a StGB, der fünf bis fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe vorsieht. Besonders praxisrelevant ist auch der erpresserische Menschenraub gemäß § 239 a StGB, der gleichfalls eine Freiheitsstrafe von fünf bis fünfzehn Jahren vorsieht. Gerade in solchen Fällen muss jede Chance für einen Freispruch unter Ausnutzung aller strafprozessualen Mittel genutzt werden.
Was setzen Raubdelikte voraus und wie unterscheiden Sie sich?
Ein Raub gemäß § 249 StGB setzt wie ein Diebstahl die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache voraus. Hinzukommen muss ein Nötigungsmittel, entweder Gewalt oder eine Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben. Das Nötigungsmittel muss gerade zum Zwecke der Wegnahme eingesetzt werden (sog. Finalzusammenhang). Der Täter muss vorsätzlich und mit Absicht die Sache sich oder einem Dritten zuzueignen handeln. Raub ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes das zur räuberischen Erpressung speziellere Delikt.
Eine räuberische Erpressung gemäß §§ 253, 255 StGB liegt nämlich nach der Rechtsprechung auch vor, wenn die Sache weggegeben wird oder es überhaupt keine Sache als Tatobjekt gibt (z.B. Forderungserpressung). Auch bei diesem Tatbestand ist aber eine qualifizierte Drohung oder Gewalt erforderlich. Hinzu kommt ein Vermögensnachteil beim Opfer und Bereicherungsabsicht beim Täter.
Klassische Raub- und Erpressungssachverhalte sind Überfälle auf Personen, Geschäfte oder Tankstellen. Auch beim sog. „Abziehen“ ist in der Regel ein Raubdelikt verwirklicht.
Beim räuberischen Diebstahl nach § 252 StGB hingegen wird zunächst ein Diebstahl, also die Wegnahme einer Sache ohne Gewalt, verwirklicht. Nach Vollendung, aber noch vor der Beutesicherung (Beendigung), versucht eine andere Person – in der Regel das Diebstahlsopfer – die Beute wieder abzunehmen. Wehrt sich nun der Täter um im Besitz der Beute zu bleiben, kann ein räuberischer Diebstahl verwirklicht sein.
Richtet sich der Raub oder Erpressungsangriff nun gegen einen Kraftfahrer, der gerade mit der Steuerung des PKW (sog. „Bewältigung verkehrstechnischer Vorgänge) beschäftigt ist, kann es sich um einen räuberischen Angriff auf Kraftfahrer gemäß § 316 a StGB handeln.
Stirbt ein Opfer bei einem Raubdelikt und ist die Todesfolge mindestens leichtfertig verursacht worden, steht der Vorwurf eines Raubes mit Todesfolge gemäß § 251 StGB im Raum.
Was bedeutet schwerer und besonders schwerer Raub?
Von einem schweren Raub gemäß § 250 Abs. 1 StGB (Freiheitsstrafe drei bis fünfzehn Jahre) spricht man, wenn beim Raub ein gefährliches Werkzeug oder eine Waffe mitgeführt wurde. Bei einem inneren Verwendungsvorbehalt reicht bereits irgendein Werkzeug. Gerade beim gefährlichen Werkzeug ist vieles umstritten und die Richtlinien der Rechtsprechung sind nicht einheitlich. Mit einer entsprechenden Argumentation kann in vielen Fällen der Vorwurf des Mitführens eines gefährlichen Werkzeugs entfallen.
Ebenso liegt ein schwerer Raub vor, wenn der Täter als Mitglied einer Bande und unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds handelte.
Von einem besonders schweren Raub gemäß § 250 Abs. 2 StGB spricht man, wenn der Täter eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug nicht nur mit sich führt, sondern diese auch verwendet. Dann liegt die Mindeststrafe bereits bei fünf Jahren. Bei der Waffe reicht auch das Mitführen, wenn der Täter als Bandenmitglied handelt. Ein besonders schwerer Raub liegt zudem bei einer körperlichen Misshandlung oder Gefahr des Todes des Opfers vor. Mit Blick auf diese drakonische Strafandrohung sollte stets besonders sorgfältig geprüft werden, ob es Chancen für einen Freispruch gibt.
Welche Chancen hat die Strafverteidigung bei einem Raubdeliktsvorwurf?
Zunächst kann wie bei jedem Tatvorwurf auch bei Raubdelikten die Täterschaft fraglich sein. Dabei es geht es darum, ob überhaupt mit hinreichender Sicherheit feststeht, dass Sie Beteiligter an einer Raubtat waren. Ob diese Verteidigungstaktik – gerichtet auf einen Freispruch – sinnvoll und erfolgversprechend ist, hängt von der Aktenlage und der Entwicklung einer etwaigen Hauptverhandlung ab.
Darüber hinaus können häufig einzelne Merkmale eines Raubdelikts durch einen versierten Strafverteidiger in Zweifel gezogen werden. Hierzu gehören insbesondere die Zueignungs- oder Bereicherungsabsicht, die fehlt, wenn es dem Täter nur darum geht, die Sache zu beschädigen und nicht darum, sich das Tatobjekt in die eigene Vermögenssphäre einzuverleiben.
Beim Raub kann es am Finalzusammenhang fehlen. Wird das Nötigungsmittel (Gewalt oder Drohung) nämlich unabhängig von der späteren Wegnahme verwirklicht und der Entschluss zur Wegnahme einer Sache erst später gefasst, handelt der Täter nicht mehr, „um“ eine Wegnahme zu ermöglichen. Es bleibt dann lediglich eine Nötigung und ein Diebstahl und der hohe Strafrahmen des Raubes ist aus der Welt geschafft.
Sehr gut sind häufig die Chancen der Strafverteidigung beim Vorwurf des räuberischen Diebstahls nach § 252 StGB. Hier kann die Staatsanwaltschaft in den meisten Fällen kaum beweisen, dass das Nötigungsmittel (Gewalt oder Drohung) angewendet wurde, um im Besitz der Diebesbeute zu bleiben. Denkbar ist nämlich auch, dass etwaige Gewalthandlungen erfolgten, um eine Flucht zu ermöglichen. Dann aber fehlt die für den Tatbestand erforderliche Beuteerhaltungsabsicht. Versierte Strafverteidiger werden diese Argumentation häufig bereits schriftlich im Ermittlungsverfahren unter Hinweis auf aktuelle höchstrichterliche Rechtsprechung vorbringen.
Pflichtverteidigung bei Raubdelikten?
Bei Raubdelikten handelt es sich um Fälle der sogenannten notwendigen Verteidigung nach § 140 StPO. Das heißt, dass Sie unabhängig von Ihrem Geldbeutel durch einen Rechtsanwalt verteidigt werden und dieser seine Kosten bis zur Höhe der sogenannten Pflichtverteidigergebühren von der Staatskasse erhält.
Gerne geben wir Ihnen eine unverbindliche Ersteinschätzung zu Ihrem Fall und teilen Ihnen mit, ob ein Fall der notwendigen Verteidigung vorliegt.
In Fällen der notwendigen Verteidigung wird Ihnen das Gericht einen Anwalt stellen, wenn Sie sich selbst innerhalb der Ihnen gesetzten Frist keinen suchen. Diese Auswahl sollten Sie nicht dem Gericht überlassen. Keineswegs immer, aber doch recht häufig werden von Gerichten besonders „anpassungsfähige“ und damit für das Gericht bequeme Rechtsanwälte mit geringer strafrechtlicher Expertise bestellt.
Machen Sie daher von Ihrem Recht Gebrauch und wählen Sie einen auf das Strafrecht spezialisierten Strafverteidiger mit entsprechender Prozesserfahrung und strafrechtlichen Fachwissen. Gerne gebe ich Ihnen zu Ihrem Fall eine Ersteinschätzung und beantrage für Sie Akteneinsicht. Im Fall der Mandatierung werde ich bei einem Raubdelikt meine Beiordnung als Pflichtverteidiger beantragen, so dass ich meine Kosten bei der Landeskasse abrechnen kann. Ob daneben eine zusätzliche Honorarvereinbarung mit Ihnen erforderlich ist, hängt vom Fall ab und kann im Erstgespräch geklärt werden.

References: § 251
 § 316
 § 249
 § 252
 § 250
 § 250
 § 316
 § 239
 § 249
 § 252
 § 316
 § 251
 § 250
 § 250
 § 252
 § 140