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Timestamp: 2017-02-26 16:58:47+00:00

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1 Europäische Union Grundlagen - Freizügigkeit der Unionsbürger/innen - Zugang zu Transferleistungen Die Europäische Union hat für die Menschen in der EU Freizügigkeit und offene Grenzen gebracht und bestimmt in zunehmenden Maß in Fragen der Arbeitsmarkt-, der Sozial-, der Migrations- und der Integrationspolitik zumindest mit. Damit einher geht, dass die rechtliche Situation von EU-Bürger/innen weitgehend von Europarecht bestimmt und nationalen Gestaltungsspielräumen weitgehend entzogen ist. Im Folgenden werden zunächst die aktuellen Grundlagen der EU (Vertrag von Lissabon, Charta der Grundrechte) kurz dargestellt. Im Zentrum stehen dann die Unionsbürgerrechte. Behandelt werden Fragen der Reisefreiheit, Dienstleistungsfreiheit, Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie der Niederlassungsfreiheit. Weiter werden die spezifischen Rechte und Zugangsprobleme mit Blick auf soziale Leistungen (inbesondere SGB II) aufgezeigt. Deutscher e.v. Abteilung Soziales und Gesundheit Referat Migration und Integration Dr. Elke Tießler-Marenda Stand: Telefon-Durchwahl (07 61) Postfach 4 20, Freiburg i. Br. Karlstraße 40, Freiburg i. Br. Lorenz-Werthmann-Haus Telefon-Zentrale (07 61) Telefax (07 61)2 1 Abkürzungsverzeichnis Europäische Gemeinschaft und Europäische Union Die römischen Verträge Der EG-Vertrag Die EU EU-Verfassungsvertrag und Vertrag von Lissabon Institutionen der EU Der Europäische Rat Der Präsident des Europäischen Rates Der Rat Die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik Das Europäische Parlament Die Kommission Der EuGH Migrationsspezifische Politikfelder der EU EU-Bürger/innen und Charta der Grundrechte Drittstaatler/innen Rechtsgrundlagen Primär- und Sekundärrecht Anwendungsvorrang Die Grundfreiheiten des AEUV Arbeitnehmerfreizügigkeit Arbeitsuchende Arbeitnehmerstatus Dienstleistungsfreiheit Niederlassungsfreiheit Die Unionsbürgerschaft Das Freizügigkeitsrecht der EU-Bürger/innen Recht auf Einreise und Aufenthalt Meldepflicht und deklaratorische Aufenthaltsbescheinigung Arbeitslosigkeit oder Erwerbsminderung Verbleibeberechtigte Familienzusammenführung Das Recht auf Familienleben Der europarechtliche Familienbegriff Familienangehörige ohne Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates Aufenthaltsbescheinigung und -karte Aufenthaltsrecht bei Tod oder Trennung Inländerdiskriminierung und Dänemarkehe Daueraufenthaltsrecht Feststellung des Verlusts des Rechts auf Einreise und Aufenthalt Ausweisungsschutz Staatsangehörige von Bulgarien und Rumänien Arbeitserlaubnis-EU Arbeitsberechtigung-EU Seite: 23 5.9.3 Arbeitsmarktzugang für Familienangehörige von Arbeitnehmer/innen Arbeitsmarktzugang für Familienangehörige von Selbständigen Arbeitsmarktzugang als Angehörige von Deutschen oder von Ausländer/innen... mit unbeschränkten Arbeitsmarktzugang Zugang zu Sozialleistungen Diskriminierungsverbote nach AEUV, Unionsbürgerrichtlinie und VO 883/ Europäisches Fürsorgeabkommen (EFA) SGB II SGB XII Ansprüche von EU-Bürger/innen auf Grundsicherungsleistungen nach SGB II Allgemeine Anspruchsvoraussetzungen Gewöhnlicher Aufenthalt Rechtmäßigkeit des Aufenthaltes Ausländerrechtliche Erwerbsfähigkeit Erwerbstätige Unionsbürger/innen Anspruch auf aufstockende Leistungen Kein Ausschluss von SGB II-Leistungen in den ersten 3 Monaten Arbeitsuchende Anspruch bei Aufenthalt aus anderem Grund als der Arbeitssuche Anspruch nach vorhergehender Erwerbstätigkeit: kein Verlust des Erwerbstätigenstatus Anspruch wegen tatsächlicher Verbindung zum deutschen Arbeitsmarkt Langaufhältige EU-Bürger/innen Nicht erwerbstätige, (noch) nicht arbeitsuchende EU-Bürger/innen Familienangehörige von erwerbstätigen EU-Bürger/innen Familienangehörige von Deutschen Sozialrechtliches Gleichbehandlungsgebot nach Art. 4 VO 883/ Anspruch auf Dolmetscher- und Übersetzungsdienste Krankenversicherungspflicht und Krankenversicherung im SGB II Krankenversicherung im Herkunftsland Wirtschaftlich inaktive EU-Bürger/innen und VO 883/ Pflichtversicherung in der GKV und Versicherungspflicht in der PKV Krankenversicherung im Rahmen des SGB II Sozialhilfe (Kein) Ausschluss wegen Erwerbsfähigkeit ( 21 SGB XII) Ausschluss nach 23 Abs. 3 S Alt. SGB XII Ausschluss nach 23 Abs. 3 S Alt. SGB XII Ausschluss nach 23 Abs. 3 S. 2 SGB XII Kein Anspruchsausschluss für Staatsangehörige der EFA-Staaten Leistungen nach Ermessen trotz Ausschluss Hinweis auf Rückführungs- und Weiterwanderungsprogramme ( 23 Abs. 4 SGB XII) Spezifische Problemstellungen bei EU-Bürger/innen aus Bulgarien und Rumänien Familienleistungen Kindergeld Elterngeld Kinderzuschlag ( 6a Bundeskindergeldgesetz) Infos/Literatur Seite: 34 1 Abkürzungsverzeichnis ABl. EU Abs. AEUV Alg II Alg ArGV Art. AufenthG AVwV AufenthG AVwV FreizügG/EU BA BeschV BeschVerfV BGBl. BKGG BSG BVerfG BVerwG bzw. ca. DA-FamEStG EFA EG EStG EU EuGH evtl. EWG EWR f./ff. Fn. FreizügG/EU gem. GKV Hg. InfAuslR Amtsblatt der Europäischen Union Absatz Vertrag über die Arbeitsweise der EU Arbeitslosengeld II Arbeitslosengeld Verordnung über die Arbeitsgenehmigung für ausländische Arbeitnehmer (Arbeitsgenehmigungsverordnung) Artikel Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz) Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum AufenthG Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum FreizügG/EU Bundesagentur für Arbeit Verordnung über die Zulassung von neueinreisenden Ausländern zur Ausübung einer Beschäftigung (Beschäftigungsverordnung) Verordnung über das Verfahren und die Zulassung von im Inland lebenden Ausländern zur Ausübung einer Beschäftigung (Beschäftigungsverfahrensverordnung) Bundesgesetzblatt Bundeskindergeldgesetz Bundessozialgericht Bundesverfassungsgericht Bundesverwaltungsgericht beziehungsweise circa Dienstanweisung zur Durchführung des Familienleistungsausgleichs nach dem X. Abschnitt des Einkommensteuergesetzes des Bundeszentralamts für Steuern Europäisches Fürsorgeabkommens Europäische Gemeinschaft Einkommenssteuergesetz Europäische Union Europäischer Gerichtshof eventuell Europäische Wirtschaftsgemeinschaft Europäischer Wirtschaftsraum folgend/folgende Fußnote Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern (Freizügigkeitsgesetz/EU) gemäß Gesetzliche Krankenversicherung Herausgeber Informationsbrief Ausländerrecht (Zeitschrift) Seite: 45 i.v.m. in Verbindung mit LSG Landessozialgericht Nr. Nummer NRW Nordrhein-Westfalen PKH Prozesskostenhilfe RL Richtlinie Rn. Randnummer, Randziffer Rs Rechtssache S. Satz SG Sozialgericht SGB II Sozialgesetzbuch II Grundsicherung für Arbeitsuchende SGB III Sozialgesetzbuch III Arbeitsförderung SGB V Sozialgesetzbuch V Krankenversicherung SGB XII Sozialgesetzbuch XII Sozialhilfe s.o. siehe oben s.u. siehe unten u.a. unter anderem UnionsRL Unionsbürgerrichtlinie vgl. vergleiche VO Verordnung VVG Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz) z. B. zum Beispiel Seite: 56 2 Europäische Gemeinschaft und Europäische Union 2.1 Die römischen Verträge Als Vorläufer der EG wurde am die Montanunion bzw. die Europäischen Gemeinschaften für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet folgten die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EU- RATOM). 2.2 Der EG-Vertrag Mit der Einheitlichen Europäischen Akte (EEA) von 1986 wurde aus EWG, EGKS und EURATOM die Europäische Gemeinschaft, kurz EG. Aus dem EWG-Vertrag von 1957 wurde der EG-Vertrag. 2.3 Die EU 1992 wurde mit dem Vertrag von Maastricht - dem EU-Vertrag die Europäische Union, kurz EU, errichtet. Die EU hat die EG damals zwar umgangssprachlich, aber nicht rechtlich ersetzt. Nach der 3-Säulen-Theorie war die EG vielmehr einer der drei Säulen, auf der die EU beruhte. Die europarechtlichen, gesetzgeberischen Kompetenzen lagen weiter bei der EG. Die Säulen 2 und 3 enthielten Bereiche, in denen die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten intensiviert werden sollte, ohne dass Souveränitätsrechte an die EG abgegeben werden. Regelungen oder Vereinbarungen aus diesen Bereichen unterlagen also nicht dem Rechtsetzungssystem des EG-Vertrags. 2.4 EU-Verfassungsvertrag und Vertrag von Lissabon Durch den EU-Verfassungsvertrag sollte die EU grundsätzlich erneuert werden. Der Verfassungsentwurf wurde durch einen Konvent, der am 28. Februar 2002 seine Arbeit aufnahm, erarbeitet. Am 18. Juli 2003 legte der Präsident des Konvents, Valéry Giscard d'estaing, den endgültigen Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für die Europäische Union vor. Dieser Entwurf wurde von mehreren Regierungskonferenzen überarbeitet und am 29. Oktober 2004 in Rom unterzeichnet. Der Verfassungsvertrag trat nie in Kraft, weil er bei Referenden in Frankreich und in den Niederlanden abgelehnt wurde und damit gescheitert war. Im Jahr 2005 wurde nach den ablehnenden Referenden eine Reflexionsphase zur Zukunft Europas eingelegt, um über das Schicksal des Verfassungstextes zu entscheiden. Beim Jubiläums- Gipfel in Berlin anlässlich des 50. Jahrestages der Römischen Verträge haben sich die Staats- und Regierungschefs 2007 dann darauf geeinigt, die Europäische Union bis zu den Wahlen zum Europäischen Parlament 2009 auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage zu stellen. Beim Gipfel vom 21. bis 23. Juni 2007 in Brüssel verständigten sich die Regierungschefs darauf, dass ein neuer EU-Vertrag die EU-Verfassung ersetzen soll. In der Regierungskonferenz vom 18. und 19. Oktober 2007 einigten sie sich auf den Text des Reformvertrags, der am in Lissabon unterzeichnet wurde. Der Vertrag von Lissabon sollte ursprünglich zum in Kraft treten, musste aber vorher von allen Staaten ratifiziert werden. Nach einer ersten ablehnenden Volksabstimmung in Irland drohte auch dieser Vertrag zunächst zu scheitern. Im Laufe des Jahres 2009 kam es dann zu einer zweiten - diesmal positiven - Entscheidung in Irland und auch Polen und Tschechien, die letzten noch verbliebenen Widerständler, ratifizierten den Vertrag. Damit ist er zum in Kraft getreten. Durch den Vertrag von Lissabon wurde der EU-Vertrag geändert und der EG-Vertrag durch den Vertrag über die Arbeitsweise der Union (AEUV) ersetzt. Die Union tritt an die Stelle der EG, deren Rechtsnachfolgerin sie ist. Seite: 67 2.5 Institutionen der EU Der Europäische Rat Der Europäische Rat (Art. 15 AEUV) setzt sich zusammen aus den Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten, dem Präsidenten der Kommission und dem Präsidenten des Europäischen Rates, der den Vorsitz der Tagungen innehat. Die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik nimmt ebenfalls an den Sitzungen teil. Der Europäische Rat legt die allgemeinen politischen Zielvorstellungen und Prioritäten der EU fest und befasst sich mit komplexen oder sensiblen Themen, die auf einer niedrigeren Ebene der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit nicht geklärt werden können. Der Europäische Rat tagt in der Regel halbjährlich, die Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Er ist nicht befugt, Rechtsvorschriften zu erlassen Der Präsident des Europäischen Rates Es gibt einen ständigen Ratspräsidenten, der den Vorsitz der EU-Gipfel für zweieinhalb Jahre innehat anstelle der halbjährlichen Rotation wie vor dem Lissaboner Vertrag (Art. 15 Abs. 5 EU- Vertrag). Die Amtszeit beträgt jeweils 2 ½ Jahre. Derzeit ist Herman Van Rompuy Präsident des Europäischen Rates Der Rat Neben dem Europäischen Rat gibt es den (Minister)Rat (Art. 16 EU-Vertrag). Der (Minister)Rat der EU ist das Entscheidungsgremium und traditionell zuständig für die EU-Gesetzgebung. Diese Gesetzgebungskompetenz muss sich der Rat mittlerweile mit dem Parlament teilen. Sofern nicht Einstimmigkeit vorgesehen ist, entscheidet der Rat mit qualifizierter Mehrheit. Wie diese zu definieren ist, war politisch umstritten. Es wird nun die Regel der doppelten Mehrheit für Ratsentscheidungen eingeführt (Art. 16 Abs. 4 EU-Vertrag). 55% der Mitgliedstaaten und 65 % der EU-Bevölkerung müssen hinter einem EU-Gesetzgebungsvorschlag stehen, damit dieser mit qualifizierter Mehrheit angenommen wird. Aufgrund starken Widerstands aus Polen wird das neue Abstimmungssystem erst ab 2014 in Kraft treten, mit einer zusätzlichen Übergangsperiode bis 2017, während der zusätzliche Bestimmungen gelten, mit denen eine Entscheidung einfacher zu blockieren ist (Ioannina-Klausel, Art. 16 Abs. 5 EU-Vertrag) Die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik Für Äußere Angelegenheiten und Sicherheitspolitik ist der Hohe Vertreter der EU zuständig, der das Amt des Hohen Repräsentanten für Außenpolitik und den Kommissar für Außenbeziehungen ersetzt. Er ist gleichzeitig einer der Vizepräsidenten der Kommission. Er wird vom Rat mit Zustimmung des Kommissionspräsidenten ernannt (Art. 18 EU-Vertrag). Derzeit ist Catherine Ashton Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Das Europäische Parlament Im Juni 1979 wurde das Europäische Parlament (EP) erstmals in allgemeinen und direkten Wahlen gewählt. Insbesondere durch die Verträge von Maastricht und Amsterdam hat es sich schrittweise von einer nur beratenden Versammlung in ein Parlament mit Gesetzgebungsbefugnis verwandelt. Die Zahl der Europaabgeordneten sinkt mit dem Vertrag von Lissabon auf ein Maximum von 750 (ein Minimum von sechs sowie ein Maximum von 96 pro Land, Art. 14 EU-Vertrag). Italien soll auf Grund von Nachverhandlungen wie das Vereinigte Königreich 73 Sitze erhalten, wodurch die Gesamtzahl auf 750 plus eins steigt. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Parlamentspräsident nicht von seinem Wahlrecht Gebrauch machen wird, woran dieser sich aber nicht halten muss. Seite: 78 Mit dem Vertrag von Lissabon sollte die EU demokratischer werden: Das neue ordentliche Verfahren unter Mitentscheidung des Parlaments und des Rats (Art. 289 AEUV) umfasst fast alle wesentlichen Politikbereiche, u. a. Asyl und Einwanderung (Art. 67 Abs. 1, Art. 77 ff AEUV). Ausnahmen zum ordentlichen Verfahren gibt es noch bei der Außen- und Sicherheitspolitik, bei der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit und beim geistigen Eigentum Die Kommission Die Kommission fördert die Interessen der Union und ist die Hüterin der Verträge, das heißt sie überwacht die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung von EU-Recht (Art. 17 Abs. 1 EU-Vertrag). Weiter macht sie Vorschläge für Rechtsakte, sie erlässt sie aber nicht (Art. 17 Abs. 2 EU-Vertrag). Die Amtszeit der Kommission beträgt jeweils 5 Jahre (Art. 17 Abs. 3 EU-Vertrag). Die Kommissionsmitglieder sind unabhängig von ihren nationalen Regierungsorganen. Der Kommissionspräsident wird vom Europäischen Rat ausgewählt und dem EP zur Wahl vorgeschlagen, das ihn mit einfacher Mehrheit wählen kann. Vorschläge für die weiteren Kommissionsmitglieder werden zwischen dem Europäischen Rat und dem Kommissionspräsident abgestimmt. Die Kommissionsmitglieder, der/die Präsident/in und der/die Hohe Vertreter/in stellen sich anschließend als Kollegium dem EP zur Wahl und werden anschließend durch den Europäischen Rat ernannt (Art. 17 Abs. 7 EU-Vertrag). Die Zahl der Kommissare sollte eigentlich ab 2014 von 27 auf 16 plus Präsident/in und Vizepräsident/in (Hoher Vertreter) reduziert und die Kommissare/innen dann nach einem Rotationssystem ausgewählt werden (Art. 17 Abs. 5 EU-Vertrag). Dies stieß aber in den Mitgliedstaaten auf so viel Kritik, dass der Europäische Rat im Dezember 2008 beschloss, die Verkleinerung der Kommission nicht in Kraft treten zu lassen Der EuGH Der zweite Hüter der Verträge ist der Europäische Gerichtshof (EuGH), der über die korrekte Anwendung und die Auslegung europäischer Rechtsnormen wacht (Art. 19 EU-Vertrag). Der Gerichtshof verfügt über eine/n Richter/in je EU-Mitgliedstaat. Die Regierungen der EU- Mitgliedstaaten entscheiden gemeinsam über die jeweilige Ernennung (Art. 253 AEUV). Die acht Generalanwälte/innen haben die Aufgabe Stellungnahmen zu den jeweiligen Rechtssachen abzugeben, mit denen sich der Gerichtshof befasst (Art. 252 AEUV). Eine Amtsperiode der Richter/innen und Generalanwälte/innen dauert sechs Jahre und kann verlängert werden. Die Rechtsprechung des EuGH ist in der ganzen EU verbindlich und entfaltet damit auch für die einzelnen EU-Bürger/innen erhebliche Wirkung. Das gilt insbesondere für Vorabentscheidungsverfahren (Art. 267 AEUV). Da die Gefahr besteht, dass die Gerichte in den einzelnen Ländern die europäischen Rechtsvorschriften unterschiedlich auslegen, gibt es das Vorabentscheidungsersuchen : Wenn ein nationales Gericht Zweifel hinsichtlich der Auslegung oder Gültigkeit einer Rechtsvorschrift der EU hat, so kann bzw. muss es den Gerichtshof zu Rate ziehen. Dieser Rat wird in Form einer Vorabentscheidung erteilt (Art. 267 AEUV). Die Nichtigkeits- und die Untätigkeitsklage (Art. 263 ff. AEUV) können auch von Privatpersonen erhoben werden. Diese Klageformen richten sich gegen Organe oder Einrichtungen der EU bzw. gegen deren Handlungen und Rechtsakte, die eine Privatperson unmittelbar betreffen. Sie sind für die tägliche Praxis wenig relevant, da Privatpersonen regelmäßig nicht unmittelbar und individuell durch Handlungen und Rechtsakte der EU-Organe oder Einrichtungen betroffen sind. Vorabentscheidungsverfahren machen über die Hälfte der Verfahren des EuGH aus. Von den neu eingegangenen 631 Rechtssachen im Jahre 2010 waren es 385. Zur Erledigung eines Vorabentscheidungsersuchen benötigte der Gerichtshof im Durchschnitt gut 16 Monate 1 1 => Jahresbericht 2010 => Rechtsprechungsstatistiken des Gerichtshofs Seite: 89 2.6 Migrationsspezifische Politikfelder der EU EU-Bürger/innen und Charta der Grundrechte Die Stellung der EU-Bürger/innen ist europarechtlich kein Migrationsthema, sondern ein eigener Abschnitt: Nichtdiskriminierung und Unionsbürgerschaft (Zweiter Teil AEUV). Die Erwerbstätigenfreizügigkeit ist als Titel IV ein Teil der internen Politiken der Union (Dritter Teil AEUV). Die Rechte der EU-Bürger/innen wurden durch den Vertrag von Lissabon inhaltlich nicht verändert. Allerdings wurde die Charta der Grundrechte, die die Rechte der EU-Bürger/innen festschreibt, in den EU-Vertrag einbezogen. Anders als im Verfassungsvertrag vorgesehen, wurde aber nicht der Volltext der Grundrechtecharta Teil des EU-Vertrags. Es wird vielmehr nur auf die Charta verwiesen. Die Union verpflichtet sich, die dort niedergelegten Rechte anzuerkennen. Weiter wird ausdrücklich festgestellt, dass die Charta die gleiche Rechtsverbindlichkeit hat wie der EU-Vertrag und der AEUV (Art. 6 Abs. 1 EU-Vertrag). Wie sich das im Einzelnen auswirken wird, lässt sich noch nicht absehen. Polen und Großbritannien haben ein Opt-out von der Charta erklärt, das heißt sie ist dort nicht anwendbar Drittstaatler/innen Eines der Ziele der EU ist, einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu schaffen (Dritter Teil, Titel V AEUV). Der Bereich Grenzkontrollen, Asyl und Einwanderung ist ein Arbeitsfeld in diesem Kontext ist also ähnlich wie im deutschen Recht ein Teil des Sicherheitsrechts. Die EU hat, wie schon vor dem Lissaboner Vertrag, die Zuständigkeit und Aufgabe ein gemeinsames Asylsystem zu entwickeln. Weiter ist sie zuständig für eine gemeinsame Einwanderungspolitik und die Kontrolle der Außengrenzen (Art. 67 Abs. 1 AEUV). Im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren sollen Maßnahmen getroffen werden zu: Visa und Grenzschutz (Art. 77 AEUV): - Visapolitik und Kurzaufenthalte - Grenzschutzsystem und Grenzkontrollen an den EU-Außengrenzen - Voraussetzungen für kurzfristige EU-interne Bewegungsfreiheit - Abschaffung von Grenzkontrollen innerhalb der EU Asylpolitik (Art. 78 AEUV): - Schaffung eines einheitlichen Asylstatus - einheitlicher subsidiärer Schutz - vorübergehender Schutz von Vertriebenen - Asylverfahren und Zuständigkeit - Aufnahmebedingungen - Zusammenarbeit mit Drittstaaten zur Steuerung des Zustroms von Asylsuchenden Einwanderungspolitik (Art. 79 AEUV): - Einreise und Aufenthaltsvoraussetzungen - Rechte der Drittstaatler/innen - Abwehr illegaler Einreise und illegalen Aufenthalts - Bekämpfung des Menschenhandels Weiter kann die Union Rückübernahmeübereinkommen schließen (Art. 79 Abs. 3 AEUV). Der Umfang von Arbeitsmigration bleibt in der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten (Art. 79 Abs. 5 AEUV). Es gibt Opt-out-Bestimmungen für das Vereinigte Königreich und Irland in Bezug auf Grenzkontrollen, Asyl und Einwanderung. Dänemark beteiligt sich in diesem Bereich gar nicht. Seite: 910 Die EU hat mit dem Vertrag von Lissabon auch eine Zuständigkeit für die Förderung von Integration erhalten, allerdings ohne Harmonisierung von Rechtsvorschriften (Art. 79 Abs. 4 AEUV). 2.7 Rechtsgrundlagen Primär- und Sekundärrecht Die Rechtsnatur der Europäischen Union war und ist umstritten: Staatenbund? Bundesstaat? Keines der bekannten Konstrukte mag so recht passen. Folglich wird die Union als ein supranationaler Staatenverbund eigener Art bezeichnet. Sie beruht auf völkerrechtlichen Verträgen (EU- Vertrag, AEUV) und hat auf dieser Grundlage eigene Rechtsetzungsbefugnis und Rechtsprechung sowie eine eigene Administration. Die zugrunde liegenden Verträge sind das Primärrecht, die darauf aufbauenden Rechtsakte das Sekundärrecht. Der AUEV enthält u. a. Regelungen über das Gesetzgebungsverfahren und über die Verfahren vor dem EuGH. Er enthält aber auch subjektive Rechte wie das Diskriminierungsverbot (Art. 18 AEUV) und die so genannten Grundfreiheiten (s. u. S. 11 f.). Auf diese subjektiven Rechte können sich EU-Bürger/innen unmittelbar berufen, ohne dass es weiterer Rechtsetzungsakte auf nationaler Ebene bedarf. Das Sekundärrecht ist abgeleitetes Recht wie Verordnungen oder Richtlinien, die die EU auf Grundlage des AEUV verabschiedet (Art. 288 AEUV). Hierzu gehört u. a. die so genannte Unionsbürgerrichtlinie 2 (UnionsRL) oder die Verordnung zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (VO 883/2004). Die EU-Verordnungen und EU-Richtlinien dürfen nicht mit ihren namensgleichen deutschen Pendants verwechselt werden. Eine europäische Verordnung hat allgemeine Geltung. Sie ist in allen Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat (Art. 288 AEUV). Die Richtlinie ist für jeden Mitgliedstaat, an den sie gerichtet wird, hinsichtlich des zu erreichenden Ziels verbindlich, überlässt jedoch den innerstaatlichen Stellen die Wahl der Form und die Mittel (Art. 288 AEUV). Sie legt mithin einen Rahmen fest, der von den Mitgliedstaaten ausgefüllt werden muss. Sie dient der Rechtsangleichung und Koordinierung, innerstaatliche Rechtsformen sollen dabei gewahrt bleiben. Da die Richtlinie nicht unmittelbar wirkt, sondern erst in nationales Recht umgesetzt werden muss, wird der Einzelne nicht durch sie verpflichtet, er kann sich aber regelmäßig auch nicht auf sie berufen Anwendungsvorrang Das EU-Recht - egal ob primäres Recht, allgemeiner Grundsatz (Charta der Grundrechte) oder sekundäres Recht und die Entscheidungen des EuGH stehen über dem deutschen Recht. Der so genannte Anwendungsvorrang des EU-Rechts bedeutet, dass sich der nationale Gesetzgeber und die Rechtsanwender nicht auf anders lautendes nationales Recht berufen können und deutsches Recht europarechtskonform auszulegen ist. Mit Blick auf Unionsbürger/innen heißt das beispielsweise, dass die UnionsRL Vorrang hat vor dem Ausländerrecht und auch vor dem Freizügigkeitsgesetz/EU (FreizügG/EU), das ausweislich seines 1 die Einreise und den Aufenthalt von Staatsbürgern anderer Mitgliedstaaten der Union regelt. Bei der Anwendung der UnionsRL ist weiter zu beachten, dass sie ihrerseits im Sinne der unmittelbar auf dem AEUV beruhenden Unionsbürgerrecht auf Einreise und Aufenthalt und der Grundfreiheiten (s. u. S. 11 f.) auszulegen ist. Die Durchsetzung europäischen Rechts obliegt neben den nationalen Verwaltungen und Gerichten der Kommission und dem EuGH (s.o. Punkte und 2.5.7). 2 Richtlinie 2004/38/EG über das Recht der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten v. 29. April 2004, Abl. EU v L 158/77 Seite: 1011 3 Die Grundfreiheiten des AEUV Die Freizügigkeit von Unionsbürger/innen und ihren Familienangehörigen war schon im EWG- Vertrag von 1957 angelegt. Seit genießen EU-Bürger/innen auf der Grundlage der so genannten Grundfreiheiten (Arbeitnehmerfreizügigkeit, Niederlassungsfreiheit und Dienstleistungsfreiheit) volle Freizügigkeit innerhalb der EU. Auf Basis dieser im Folgenden dargestellten Grundfreiheiten und der Unionsbürgerschaft im Verein mit dem Diskriminierungsverbot in Art. 18 AEUV hat der EuGH in den vergangen Jahrzehnten eine weitgehende Gleichstellung von zugewanderten mit einheimischen Unionsbürger/innen durchgesetzt. 3.1 Arbeitnehmerfreizügigkeit Die Freizügigkeit der Arbeitnehmer (Art. 45 AEUV) umfasst die Abschaffung jeder auf der Staatsangehörigkeit beruhenden unterschiedlichen Behandlung der EU-Bürger/innen in Bezug auf Zugang zum Arbeitsmarkt, Beschäftigung, Entlohnung und sonstige Arbeitsbedingungen Arbeitsuchende Alle EU-Bürger/innen haben das Recht sich auf angebotene Stellen zu bewerben und sich zum Zweck der Bewerbung im Hoheitsgebiet aller Mitgliedstaaten frei zu bewegen (Art. 45 Abs. 3 Nr. b AEUV). Das gilt auch für die Bürger/innen Bulgariens und Rumäniens. Ihre Arbeitnehmerfreizügigkeit ist zwar beschränkt. Diese Beschränkung bezieht sich aber nur darauf, dass dieser Personenkreis eine Arbeitserlaubnis braucht, um eine Stelle antreten zu können. Diese wird in der Regel nur erteilt, wenn für die konkrete Stelle keine andere, vorrangige Arbeitskraft zu finden ist (s.u. S. 20 ff.). Das Recht eine Arbeit zu suchen, ist dadurch nicht eingeschränkt. Für das Aufenthaltsrecht zur Arbeitssuche gibt es keine Frist. Das Recht besteht vielmehr solange ernsthafte Chancen bestehen, eine Arbeit zu finden (vgl. Rn AVwV FreizügG/EU. Dass der Aufenthalt zur Arbeitsuche ein Bestandteil der Arbeitnehmerfreizügigkeit ist, wird auch durch den besonderen Ausweisungsschutz deutlich: Nach Art. 14 Abs. 4 UnionsRL sind Arbeitsuchende bezüglich des Ausweisungsschutzes den erwerbstätigen Unionsbürger/innen gleichgestellt. Sie dürfen u.a. keinesfalls nur deshalb ausgewiesen werden, weil sie Sozialhilfe in Anspruch nehmen Arbeitnehmerstatus Aus dem Recht einer Beschäftigung nach zu gehen, leitet sich ein Aufenthaltsrecht ab (Art. 45 Abs. 3 Nr. c AEUV) und ein Diskriminierungsverbot (Art. 45 Abs. 2 AEUV). Ob jemand den Status als Arbeitnehmer/in erworben hat, richtet sich hier nach EU-Recht und nicht nach deutschem Recht. Wesentliches Merkmal ist, dass jemand während einer bestimmten Zeit für einen anderen nach dessen Weisung Leistungen erbringt, für die er als Gegenleistung eine Vergütung erhält. Der Arbeitnehmerbegriff ist nach der Rechtsprechung des EuGH weit auszulegen. Arbeitnehmer ist demnach jeder, der eine tatsächliche und echte Tätigkeit ausübt. Lediglich Tätigkeiten, die einen so geringen Umfang haben, dass sie sich als völlig untergeordnet und unwesentlich darstellen, bleiben außer Betracht. Es genügt nach der Rechtsprechung des EuGH auch eine geringfügige Beschäftigung von 5,5 Stunden und einem Gehalt von 100 Euro, um den Arbeitnehmerstatus und die daraus abgeleiteten Rechte zu erwerben. 3 Mit Blick auf die öffentliche Verwaltung ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit beschränkt. Der Zugang zu Tätigkeiten mit hoheitlichen Befugnissen oder zur Wahrung allgemeiner Belange des Staates darf ausländischen EU-Bürger/innen verwehrt werden (Art. 45 Abs. 4 AEUV). 3 Europa-Recht für Minijobber, neue Caritas 12/2010, S. 34; EuGH, Urteil v Rs. C-14/09; BSG, Urteil v B 14 AS 23/10 R Seite: 1112 3.2 Dienstleistungsfreiheit Die Dienstleistungsfreiheit (Art. 56 AEUV) erlaubt es EU-Bürger/innen in allen Mitgliedstaaten gewerbliche, kaufmännische, handwerkliche oder freiberufliche Leistungen zu erbringen und sich zu diesem Zweck frei zu bewegen und aufzuhalten. Die Dienstleistungsfreiheit gilt aktiv und passiv: Nicht nur wer eine Dienstleistung erbringt, sondern auch wer eine Dienstleistung in Anspruch nehmen will (z. B. als Tourist), kann sich auf die Dienstleistungsfreiheit berufen. Die Dienstleistungsfreiheit erlaubt auch zur Erbringung eigene Arbeitnehmer/innen einzusetzen, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates haben können, aber nicht müssen. Die Dienstleistungsfreiheit gilt auch für die Staatsangehörigen der Beitrittsstaaten. Es ist lediglich der Zugang zum Markt für Dienstleister im Bau-, Reinigungs- und Innenausstattungsgewerbe dahingehend beschränkt, dass keine Beschäftigten eingesetzt werden dürfen. Die Erbringung der Leistung in eigener Person ist auch in diesen Branchen zulässig. Das hat insbesondere auf dem Bau dazu geführt, dass dort sehr viele (scheinselbstständige) 1-Mann-Betriebe tätig sind. 3.3 Niederlassungsfreiheit Die Niederlassungsfreiheit (Art. 49 AEUV) gibt EU-Bürger/innen das Recht, in allen Mitgliedstaaten eine selbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen und auszuüben sowie Unternehmen zu gründen und zu leiten, jeweils nach den Bestimmungen des Aufnahmestaates für seine eigenen Angehörigen. Für selbständige Erwerbstätige gilt, dass sie unter den gleichen Umständen wie Deutsche ein Gewerbe anmelden können. Voraussetzung für den Status als Selbständiger ist eine wirtschaftliche Tätigkeit auf unbestimmte Zeit mittels einer festen Einrichtung tatsächlich auszuüben, sodass alleine ein formaler Akt, wie die Registrierung eines Gewerbes, nicht ausreichend ist 4. Jede legal gegen Entgelt erbrachte Dienstleistung kann unter den Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeiten fallen. 5 Die selbständige Erwerbstätigkeit muss nicht existenzsichernd sein, um den Status zu begründen und die daraus ableiteten Rechte zu gewährleisten (s.u. Punkt 6.3.2). Die Niederlassungsfreiheit ist für die Staatsangehörigen der Beitrittsstaaten nicht beschränkt. 4 Die Unionsbürgerschaft 1992 wurde mit dem Vertrag von Maastricht die Unionsbürgerschaft eingeführt. Lange war umstritten, ob die Unionsbürgerschaft ein Recht auf Einreise und Aufenthalt beinhaltet. Der EuGH hatte dies in den letzten 10 Jahren immer wieder bejaht und im Kontext des Diskriminierungsverbotes auch weit ausgelegt. Art. 20 Abs. 2 Nr. a und Art. 21 AEUV schreiben nun ein allgemeines, zeitlich unbefristetes, unmittelbar anwendbares subjektives Freizügigkeitsrecht explizit fest. Auch Art. 45 der Charta der Grundrechte formuliert das Recht auf Freizügigkeit und Aufenthaltsfreiheit als Bürgerrecht. Art. 21 AEUV enthält den Hinweis, dass das Freizügigkeitsrecht nur vorbehaltlich der in den Verträgen und in den Durchführungsvorschriften vorgesehenen Beschränkungen und Bedingungen gilt. Der Vertrag selbst erlaubt nur Beschränkungen aus Gründen der Sicherheit und Ordnung. Darüber hinaus finden sich Bedingungen z. B. in der Unionsbürgerrichtlinie, die aber im Licht des AEUV auszulegen ist. Die Bedingungen müssen verhältnismäßig sein und dürfen nicht geeignet sein, das Freizügigkeitsrecht auszuhebeln. 6 Die Vorgaben der Unionsbürgerrichtlinie und nationale Regelungen müssen jeweils an diesem Maßstab gemessen werden. Sofern die Unionsbürgerrichtlinie also Bedingungen formuliert, wie etwa ausreichende Existenzmittel bei wirtschaftlich inaktiven Unionsbürger/innen, sind diese Bedingungen anders als das Freizügigkeitsrecht des AEUV nicht 4 BSG (Fn. 3). 5 EuGH, Urteil v C-268/99; BVerwG, Beschluss v C Geiger/Khan/Kotzur, EUV AEUV Kommentar, München 2010, Art. 20 Rn. 5 Seite: 1213 konstitutiv, sondern können lediglich herangezogen werden, um zu prüfen, ob das Aufenthaltsrecht noch besteht. Die Unionsbürgerschaft ist mittlerweile als der grundsätzliche Status der Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten 7 anerkannt. Die Unionsbürgerschaft enthält einen Kernbereich zu dem jedenfalls das Aufenthalts- und Freizügigkeitsrecht in der Union gehört. 8 Dieser Kernbestand basiert auf Art. 20 AEUV und ist unabhängig von eventuellen Durchführungsvorschriften bzw. Umsetzungsschritten wie Richtlinien und Verordnungen. Die weitere Konkretisierung des Kernbereichs und der Rechtsfolgen ist in der Rechtsprechung des EuGH noch im Fluss. Es können sich nach der aktuellen EuGH-Rechtsprechung auch EU-Bürger/innen, die nicht gewandert sind, auf den Kernbestand des Unionsbürgerrechts berufen. 9 Der Unionsbürgerstatus als der grundlegende Status aller Angehörigen der Mitgliedstaaten erwachse direkt aus dem AEUV, sei also in seinem Kernbestand unabhängig von weiteren Umsetzungsschritten, die wie etwa die Richtlinie 2004/38 einen grenzüberschreitenden Bezug voraussetzen. Art. 20 AEUV steht demnach nationalen Maßnahmen entgegen, die bewirken, dass Unionsbürger/innen der tatsächliche Genuss des Kernbestands ihrer Unionsbürgerrechte verwehrt wird. Eine derartige unzulässige Auswirkung würde vorliegen, wenn ein minderjähriger Unionsbürger gezwungen wäre, den EU-Mitgliedstaat zu verlassen, dessen Staatsangehörigkeit er hat, weil seinen drittstaatsangehörigen, unterhaltspflichtigen Elternteilen, von denen er abhängig ist, der Aufenthalt und eine Arbeitserlaubnis verweigert wird. 10 Für die deutsche Rechtslage hat das insbesondere Auswirkungen auf Familienangehörige von Kindern, die nach 4 StAG kraft Gesetzes deutsche Staatsangehörige geworden sind also EU-Bürger/innen. Die drittstaatsangehörigen Eltern können ihr Aufenthaltsrecht dann unmittelbar aus EU-Recht ableiten, wenn sie tatsächlich die Personensorge ausüben und es dem minderjährigen Kind damit erst ermöglichen, von seinem Freizügigkeits- und Aufenthaltsrecht Gebrauch zu machen. Verliert ein Elternteil seinen Aufenthaltstitel etwa infolge einer Ausweisung so kann sein Aufenthalt nur unter Berücksichtigung des erhöhten Ausweisungsschutzes für Unionsbürger/innen beendet werden, da andernfalls in den Kernbereich der Unionsbürgerfreizügigkeit des Kindes eingegriffen würde. Von der Entscheidung profitieren Familien, in denen nur ein Elternteil Drittstaatsangehöriger ist, nur bedingt. Ist ein Elternteil deutscher Staatsangehöriger, wird das Aufenthaltsrecht des deutschen minderjährigen Kindes durch die Ausreise des drittstaatsangehörigen Elternteils nicht unmittelbar in Frage gestellt. Auch wenn das Kind mit seinem deutschen Elternteil im Bundesgebiet verbleiben kann, könnte die Trennung von dem anderen Elternteil aber als Eingriff in den Kernbereich der allgemeinen Freizügigkeit darstellen. Denn das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen wird über Art. 24 Abs. 3 der Grundrechtecharta speziell geschützt. 11 Die Rechtsprechung zum Ehegattennachzug zeigt, dass die Rechte, die zum Kernbestand nicht gewanderter Unionsbürger/innen zählen, enger gefasst sind als die Rechte gewanderter Unionsbürger/innen. Hindernisse beim Ehegattennachzug 12 oder die nur vorübergehende Trennung von Ehegatten, etwa zur Durchführung eines Visumverfahrens, beeinträchtigt den Kernbereich des Unionsbürgerrechts demnach nicht. 13 Der Kernbereich wäre nur dann tangiert, wenn sich der Unionsbürger de facto gezwungen sähe, seinen Mitgliedstaat bzw. das 7 Unionsbürgerrichtlinie, Erwägungsgrund 3. 8 EuGH, Urteil v , Rs. C-162/09 <Lassal>; EuGH, Urteil v C-424/10 und C-425/10 <Ziolkowski u.a.> 9 EuGH, Urteil v , Rs C 34/09 <Zambrano>. 10 EuGH, Urteil v , Rs C 34/09 <Zambrano>. 11 Dienelt: qzambranoq-vom html 12 EuGH Urteil v , Rs. C-434/09 <McCarthy> 13 EuGH Urteil v , Rs. C-256/11 <Dereci u.a.> Seite: 1314 Gebiet der Union als Ganzes zu verlassen, wenn die Familienzusammenführung nicht zugelassen würde. Auch eine länger andauernde Trennung der Ehegatten infolge einer Ausweisung des Ehegatten führt nicht zu einer unzulässigen Beeinträchtigung des Kernbereichs des Unionsbürgerrechts nach Art. 20 AEUV. In derartigen Fällen beruhe die Trennung der Ehegatten auf einer autonomen Entscheidung des Unionsbürgers, dem es frei stehe, sich zwischen der Aufrechterhaltung der familiären Lebensgemeinschaft oder dem Gebrauch der Unionsbürgerrechte zu entscheiden. 14 Weiter entschied der EuGH 15, dass EU-Bürger/innen mit zwei EU-Staatsangehörigkeiten sich in ihrem Geburtsland nicht auf die andere Staatsangehörigkeit berufen können. Werden sie im Geburtsland bei Ehegattennachzug im Vergleich zu gewanderten EU-Bürger/innen benachteiligt, müssen sie dies hinnehmen, sofern nicht der Kernbestand des Unionsbürgerstatus tangiert ist. 5 Das Freizügigkeitsrecht der EU-Bürger/innen Die Freizügigkeit beruht auf den Grundfreiheiten im AUEV und der Unionsbürgerschaft. Sie wird durch Richtlinien und das nationale FreizügG/EU lediglich näher beschrieben. Bei Widersprüchlichkeiten ist der AEUV maßgeblich wie er nach der EuGH-Rechtsprechung ausgelegt wird. Staatsangehörige von anderen EU-Mitgliedstaaten sind deshalb zwar Ausländer/innen, unterliegen aber in der Regel nicht dem AufenthG (vgl. 1 Abs. 2 Nr. 1 AufenthG). Das AufenthG ist nur anwendbar, wenn dies in 11 FreizügG/EU vorgesehen ist. Das gilt z. B. wenn das AufenthG eine günstigere Regelung enthält als das FreizügG/EU. Dieses Meistbegünstigungsgebot (Rosinenprinzip) gilt nicht nur mit Blick auf das AufenthG. Bei freizügigkeitsberechtigten EU-Bürger/innen ist generell die für sie günstigere Regelung anzuwenden. 5.1 Recht auf Einreise und Aufenthalt Unionsbürger/innen können frei in jeden Staat der EU einreisen und sich dort aufhalten. Es muss lediglich beim Grenzübertritt ein Pass oder Passersatz (Personalausweis) mitgeführt werden, im Inland muss er bei entsprechender Aufforderung vorgelegt werden können ( 8 FreizügG/EU). Das Freizügigkeitsrecht gehört zum Kernbestand der Unionsbürgerrechte und ist damit konstitutiv gegeben. Es ist deshalb grundsätzlich vom Bestehen des Freizügigkeitsrechts auszugehen (vgl. Rn AVwV FreizügG/EU), solange nicht durch einen Verwaltungsakt ausdrücklich festgestellt wird, dass kein Freizügigkeitsrecht (mehr) besteht oder der Aufenthalt aus Gründen der Sicherheit und Ordnung explizit untersagt ist (s.u. Punkt 5.5 und 5.8). Sofern ein Verlust der Freizügigkeit nicht förmlich festgestellt ist und das Freizügigkeitsrecht nicht aus Gründen der Sicherheit und Ordnung verloren gegangen ist, ist der Aufenthalt wegen Art. 20 f. AEUV legal. Das gilt auch für EU-Bürger/innen aus den Beitrittsstaaten. 5.2 Meldepflicht und deklaratorische Aufenthaltsbescheinigung Da das Aufenthaltsrecht der EU-Bürger/innen unmittelbar aus der Unionsbürgerschaft entspringt, benötigen sie keine Aufenthaltserlaubnis. Nach drei Monaten darf allerdings von ihnen verlangt werden, dass sie sich bei der zuständigen Behörde anmelden (Art. 5 Abs. 5, Art. 8 UnionsRL). In Deutschland besteht diese Meldepflicht für EU-Bürger/innen ( 1 Abs. 5 S. 1 FreizügG/EU) und eine allgemeine Meldepflicht bei Bezug einer Wohnung ( 13 Meldegesetz). Freizügigkeitsberechtigten Unionsbürger/innen ist von Amts wegen eine Bescheinigung über das Aufenthaltsrecht ( 5 FreizügG/EU) auszustellen, wobei die Formulierung in der UnionsRL es besser trifft: es handelt sich um eine Meldebescheinigung (vgl. Art. 8 Abs. 2 UnionsRL). Entsprechend müsste die Anmeldung eigentlich bei den Meldebehörden möglich sein, die die Unterlagen an die 14 EuGH Urteil v , Rs. C-256/11 <Dereci u.a.> 15 EuGH Urteil v , Rs. C-434/09 <McCarthy> Seite: 1415 Ausländerbehörde weiterleitet. In vielen Kommunen sind EU-Bürger/innen aber auf die Ausländerbehörde verwiesen. Es darf die Vorlage folgender Dokumente verlangt werden ( 5a FreizügG/EU): Pass oder Personalausweis Beschäftigungsbescheinigung oder Nachweis der Selbständigkeit bei Nichterwerbstätigen: Nachweis ausreichender Existenzmittel einschließlich Krankenversicherungsschutz bei Student/innen: Immatrikulationsbescheinigung und Nachweis ausreichenden Krankenversicherungsschutzes und eine Erklärung über ausreichende Existenzmittel. Diese Aufzählung ist abschließend. Andere Unterlagen oder Nachweise dürfen nicht verlangt werden. Insbesondere darf von arbeitsuchenden EU-Bürger/innen nicht der Nachweis ausreichender Existenzmittel einschließlich Krankenversicherungsschutz verlangt werden, da sie sich auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit und nicht auf das Freizügigkeitsrecht der Nichterwerbstätigen berufen. Es darf allerdings verlangt werden, dass die Arbeitssuche glaubhaft gemacht wird. Es besteht sowohl nach dem Wortlaut der UnionsRL als auch nach dem FreizügG/EU ein Anspruch auf unverzügliche Ausstellung der Bescheinigung. Dass eine Anmeldung erst nach 3 Monaten gefordert werden darf, bedeutet nicht, dass sie umgekehrt in den ersten 3 Monaten des Aufenthalts nicht ausgestellt wird. Die Bescheinigung ist kein Verwaltungsakt, der den Aufenthalt erst erlaubt. Das Aufenthaltsrecht besteht vielmehr unabhängig davon, ob der EU-Bürger im Besitz dieser Bescheinigung ist. Sie ist rein deklaratorischer Natur und dient dazu, den Nachweis des Freizügigkeitsrechts im täglichen Leben zu vereinfachen. 5.3 Arbeitslosigkeit oder Erwerbsminderung Der Arbeitnehmerstatus und der Status als Selbständiger (Erwerbstätigeneigenschaft: Art. 7 Abs. 3 UnionsRL) gehen auch bei vorübergehender Erwerbsunfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall nicht verloren (vgl. 2 Abs. 3 Nr. 1 FreizügG/EU). Andere Gründe für vorübergehende Erwerbsunfähigkeit werden in diesem Kontext weder in den europarechtlichen Vorgaben noch in den Verwaltungsvorgaben genannt. Das gleiche gilt nach mindestens einjähriger Tätigkeit bei Arbeitslosigkeit (vgl. 2 Abs. 3 Nr. 2 FreizügG/EU). Bei unfreiwilliger Arbeitslosigkeit nach weniger als einem Jahr bleibt der Status für sechs Monate erhalten. Da Arbeitsuchende sich sowieso auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit berufen können, ist diese Regelung aufenthaltsrechtlich kaum relevant. Wichtig ist sie mit Blick auf mögliche Ansprüche auf Sozialleistungen (dazu s.u. Punkt und 6.3.5). 5.4 Verbleibeberechtigte Bei altersbedingtem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben gehen die Rechte aus dem Erwerbstätigenstatus nicht verloren. Dieser Personenkreis kann in dem Land der letzten Tätigkeit bleiben. Diese so genannten Verbleibeberechtigten müssen sich mindestens drei Jahre in Deutschland aufgehalten haben und mindestens während der letzten zwölf Monate dort erwerbstätig gewesen sein, bevor sie in den Ruhestand gegangen sind. Sie erhalten dann schon vor Ablauf der 5- Jahresfrist das Daueraufenthaltsrecht (vgl. 4a Abs. 2 Nr. 1 FreizügG/EU, s.u. Punkt 5.6). 5.5 Familienzusammenführung Das Recht auf Familienleben Der europarechtliche Anspruch auf Familienzusammenführung ist ein abgeleitetes Recht. Der EG- Vertrag kennt kein originäres Recht auf Familienzusammenführung. Es dient vielmehr dazu, den stammberechtigten Unionsbürger/innen die Wahrnehmung ihres Freizügigkeitsrechts zu ermöglichen. Unionsbürger/innen sollen an der Wahrnehmung der Freizügigkeitsrechte nicht dadurch ge- Seite: 1516 hindert werden, dass sie wegen Beeinträchtigung ihres Familienlebens davon Abstand nehmen, in einen anderen EU-Staat überzusiedeln oder dort wohnen zu bleiben. In der Unionsbürgerrichtlinie heißt es entsprechend, dass das Freizügigkeitsrecht den Familienangehörigen ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit gewährt wird, um Unionsbürger/innen die Wahrnehmung der Freizügigkeit in Freiheit und Würde zu ermöglichen. Das Recht auf Familienzusammenführung haben alle Unionsbürger/innen, auch solche die nicht erwerbstätig sind ( 3 und 4 FreizügG/EU). Allerdings müssen für die Angehörigen dann ausreichende Existenzmittel sichergestellt sein. Das gilt auch für Unionsbürger/innen, die bereits das Daueraufenthaltsrecht (s.u. S. 18) besitzen. Gehen sie keiner Erwerbstätigkeit nach sind sie selbst zwar davon befreit, entsprechende Existenzmittel nachzuweisen, nicht aber neu zuziehende, wirtschaftlich inaktive Angehörige Der europarechtliche Familienbegriff Das EU-Freizügigkeitsrecht gibt einen wesentlich weiter gefassten Anspruch auf Familienzusammenführung als das deutsche Ausländerrecht. Nachziehen dürfen die Ehegatten sowie die Verwandten in absteigender Linie (Kinder, Enkel) bis zur Vollendung des 21. Lebensjahrs. Nachzugsberechtigt sind auch alle Verwandten in auf- und absteigender Linie, denen Unterhalt gewährt wird. Umfasst sind jeweils die Verwandten in auf- und absteigender Linie des Ehegatten ( 3 Abs. 2 FreizügG/EU). Ist der EU-Bürger minderjährig knüpft das Nachzugsrecht daran an, dass die Verwandten in aufsteigender Linie (die Eltern) ihm Unterhalt leisten (Rn AVwV FreizügG/EU). 16 Bei Student/innen ist das Recht auf Familienzusammenführung auf die Kernfamilie beschränkt ( 4 S. 3 FreizügG/EU). Bei den Angehörigen, denen Unterhalt gewährt wird, kommt es auf die tatsächliche Unterhaltsgewährung an (Rn AVwV FreizügG/EU). Es muss nicht der gesamte Lebensunterhalt geleistet werden, die Leistungen müssen aber regelmäßig und fortgesetzt sein und zumindest einen Teil des Lebensunterhalts sicherstellen. Auf den Grund für die Unterhaltsgewährung kommt es nicht an. Es ist also gleichgültig, ob er als Rechtspflicht oder freiwillig gewährt wird. Mit Blick auf das Freizügigkeitsrecht ist es für die Frage der Unterhaltsgewährung auch irrelevant, wenn der Stammberechtigte seinerseits Sozialleistungen in Anspruch nimmt. Aus sozialrechtlicher Sicht ist es aber zumindest problematisch, ohne Rechtspflicht einem Angehörigen Unterhalt zu leisten, wenn dadurch Bedürftigkeit entsteht. Obwohl der Zweck der Familienzusammenführung die Herstellung oder Aufrechterhaltung des Familienlebens ist, muss anders als im AufenthG keine dauernde familiäre Lebensgemeinschaft bestehen. Auch Getrenntleben hindert das Freizügigkeitsrecht nicht. Ein Wohnraumerfordernis besteht nicht Familienangehörige ohne Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates An drittstaatsangehörige Familienangehörige dürfen keine über die europarechtlichen Vorgaben hinausgehenden Anforderungen gestellt werden. 17 Die abgeleitete Freizügigkeit ist unabhängig davon, ob die jeweiligen Ehepartner/innen den/die Unionsbürger/in bei der Übersiedlung begleitet oder später nachzieht. Ort und Zeitpunkt der Eheschließung sind irrelevant. Ebenso spielt es keine Rolle unter welchen Umständen der/die Ehepartner/in eingewandert ist oder ob er/sie sich vor der Ehe legal oder illegal in einem EU-Staat aufgehalten hat. Es kommt allein auf das Bestehen der Ehe und des Freizügigkeitsrecht des Partners mit Unionsbürgerschaft an. Insoweit heilt die Verehelichung mit einem/r EU-Bürger/in sogar einen illegalen Aufenthalt. 16 siehe auch oben S. 10 f. 17 Dazu: Rn ff. AVwV FreizügG/EU; EuGH v , Rs. C-127/08 <Metock u.a.>; EuGH v , Rs. C-459/99 <MRAX> Seite: 1617 Von den drittstaatsangehörigen Ehegatten dürfen bei der Einreise keine Kenntnisse der deutschen Sprache verlangt werden. Es ist zulässig, von drittstaatsangehörigen Familienmitgliedern für die Einreise ein Visum zu verlangen (Art. 5 Abs. 2 Unionsbürgerrichtlinie, 2 Abs. 4 S. 2 FreizügG/EU), sofern sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthaltskarte sind, die in irgendeinem EU-Mitgliedstaat ausgestellt wurde. Fehlt das Visum bei der Einreise, so muss dem Angehörigen die Möglichkeit gegeben werden, auf andere Weise das Bestehen der Freizügigkeitsvoraussetzungen zu belegen, z. B. durch Nachweis des Bestehens der familiären Beziehung (Art. 5 Abs. 4 Unionsbürgerrichtlinie). Nur wenn auch das nicht möglich ist, kann eine Zurückweisung erfolgen. Eine Einreise ohne Visum führt nach der Rechtsprechung des EuGH nicht dazu, dass der Aufenthalt illegal ist und das Visumsverfahren im Herkunftsland nachgeholt werden muss. Im Fall einer illegalen Einreise darf das Aufenthaltsrecht nicht verweigert oder Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung getroffen werden. Es genügt in diesen Fällen, wenn die Betroffenen ihre Identität und die Ehe nachweisen können und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit besteht. Der Verstoß gegen die nationalen Einreisevorschriften darf lediglich durch Sanktionen geahndet werden, die die Freizügigkeit nicht einschränken. Erlaubt sind etwa Geldbußen, sofern sie verhältnismäßig sind. Drittstaatsangehörige Familienmitglieder haben einen unbeschränkten Arbeitsmarktzugang Aufenthaltsbescheinigung und -karte Wenn die erforderlichen Angaben gemacht worden sind ( 5 Abs. 2 FreizügG/EU), erhalten auch die Angehörigen von Amts wegen unverzüglich eine Aufenthaltsbescheinigung, sofern sie selbst die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates haben. Es kann die Vorlage folgender Dokumente verlangt werden (vgl. 5a Abs. 2 FreizügG/EU): Pass oder Personalausweis Bescheinigung über das Bestehen der familiären Beziehungen ggf. die Bescheinigung des Unionsbürgers über sein Aufenthaltsrecht bei Verwandten in ab- und aufsteigender Linie: urkundlicher Nachweis bei Lebenspartnern: Nachweis über die Lebenspartnerschaft bei Angehörigen von nicht erwerbstätigen Unionsbürger/innen der Nachweis über ausreichenden Krankenversicherungsschutz und ausreichende Existenzmittel ( 4 FreizügG/EU). Nicht erwerbstätige Kinder oder Ehegatten mit einer Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates sind nicht als nicht erwerbstätige Unionsbürger/innen zu behandeln, sondern wie der Stammberechtigte. Sofern sie ihr Recht von einem erwerbstätigen Unionsbürger ableiten, darf deshalb kein Nachweis ausreichender Existenzmittel verlangt werden, sondern neben dem Pass nur ein Nachweis über das Bestehen der familiären Beziehung und die Bescheinigung über das Aufenthaltsrecht des Stammberechtigten. Anders als Familienangehörige mit Unionsbürgerschaft erhalten Drittstaatler/innen keine Aufenthaltsbescheinigung, sondern eine Aufenthaltskarte, die innerhalb von 6 Monaten auszustellen ist. Trotz der anderen Bezeichnung hat diese Karte keine andere Rechtsnatur als die Bescheinigung; auch sie bestätigt nur ein europarechtlich gegebenes Recht Aufenthaltsrecht bei Tod oder Trennung Die Angehörigen eines Unionsbürgers, die selbst Unionsbürger sind, erfüllen bei dessen Tod, seinem Wegzug aus Deutschland oder Scheidung zumeist die Voraussetzungen für ein Aufenthaltsrecht schon aus eigenem Recht. Im Übrigen gilt folgendes: Beim Tod des Unionsbürgers behalten die Angehörigen das Aufenthaltsrecht sofern sie sich seit einem Jahr in Deutschland aufhalten und erwerbstätig sind oder der Lebensunterhalt aus eigener Kraft gesichert ist ( 3 Abs. 3 FreizügG/EU). Sind sie Drittstaatler/innen gelten für sie Seite: 1718 dann mit Blick auf die Familienzusammenführung und Abschiebungsschutz die europarechtlichen Privilegien nicht mehr ( 3 Abs. 3 S. 2 FreizügG/EU). Die Kinder und der sorgeberechtigte Elternteil behalten das Aufenthaltsrecht beim Tod des Unionsbürgers oder bei Trennung auch ohne Lebensunterhalt mindestens bis zum Abschluss einer Ausbildung ( 3 Abs. 4 FreizügG/EU). Bei einer Scheidung behalten Ehegatten, die nicht Unionsbürger sind, ihr Aufenthaltsrecht dann, wenn die Ehe mindestens 3 Jahre bestand, 1 Jahr davon in Deutschland, und sie erwerbstätig sind oder der Lebensunterhaltssicherung aus eigener Kraft gesichert ist ( 3 Abs. 5 Nr. 1 FreizügG/EU), oder sie das Sorgerecht für die Kinder erhalten haben ( 3 Abs. 5 Nr. 2 FreizügG/EU), oder es sich um einen Härtefall handelt ( 3 Abs. 5 Nr. 3 FreizügG/EU), oder das Umgangsrecht mit einem minderjährigen Kind sonst nicht zu verwirklichen wäre ( 3 Abs. 5 Nr. 4 FreizügG/EU). Im Übrigen ist das AufenthG anzuwenden ( 11 Abs. 2 FreizügG/EU) Inländerdiskriminierung und Dänemarkehe Bei der Familienzusammenführung sind ausländische EU-Bürger/innen im Vergleich zu Deutschen privilegiert, da sich die Familienzusammenführung zu Deutschen an den Regelungen für Drittstaatler/innen orientiert. Ausländischen EU-Bürger/innen gleichgestellt sind nur Deutsche, die nach Deutschland zurückkehren, nachdem sie von ihrem Recht auf Freizügigkeit Gebrauch gemacht haben. Seit längerem umstritten ist, wann diese Besserstellung greift. Nach herrschender Meinung. ist zum einem daran anzuknüpfen, dass die familiäre Beziehung schon vor der Rückkehr bestand. Der Grund dafür ist, dass mit der Rückkehr kein Rechtsverlust verbunden sein darf. Wird die familiäre Beziehung erst nach der Rückkehr geknüpft, bestand zuvor kein Recht, das verschlechtert werden könnte. Das zweite Kriterium ist, dass die Inanspruchnahme des Freizügigkeitsrechts eine gewisse Nachhaltigkeit vorweisen muss, um eine Rechtsstellung zu erlangen, die nach der Rückkehr weiter wirkt. 18 Die sogenannte Dänemarkehe, bei der die Eheleute zum Zweck der Eheschließung nach Dänemark reisen und der/die deutsche EU-Bürger/in dort von seiner Dienstleistungsfreizügigkeit Gebrauch macht, wird mangels Nachhaltigkeit von deutschen Gerichten und Behörden nicht als ausreichend betrachtet, um als Rückkehrerfall zu gelten. 19 Wo allerdings die genaue Grenze ist, um ausreichende Nachhaltigkeit anzunehmen, ist bislang nicht geklärt. Zu bejahen ist sie aber jedenfalls bei Deutschen, die im EU-Ausland einer Beschäftigung nachgegangen sind oder die regelmäßig selbst grenzüberschreitende Dienstleistungen erbringen. 5.6 Daueraufenthaltsrecht Unionsbürger/innen und ihre drittstaatsangehörigen Familienangehörigen, die sich fünf Jahre rechtmäßig in Deutschland aufgehalten haben, erhalten ein dauerndes Bleiberecht, das sich von den Voraussetzungen der Freizügigkeitsberechtigung löst ( 4a Abs. 1 FreizügG/EU). Das heißt nach diesem Zeitpunkt schadet es nicht mehr, wenn etwa die Arbeitnehmereigenschaft verloren geht oder der Unterhalt nicht aus eigenen Mitteln gesichert ist. Das Daueraufenthaltsrecht beruht nicht unmittelbar auf dem Freizügigkeitsrecht der Unionsbürger/innen, sondern wurde mit der Unionsbürgerrichtlinie eingeführt und soll das Gefühl der Unionsbürgerschaft stärken. Wurde es einmal erworben, ist es keinen weiteren Bedingungen mehr unterworfen. Entsprechend ist der Erwerb dieses Rechtes engeren Voraussetzungen unterworfen als das Aufenthaltsrecht als solches. Erforderlich ist, dass der Aufenthalt während des 5-jährigen Aufenthalts im Einklang mit der Richtlinie gestanden haben muss. Es genügt nicht, wenn das Auf- 18 Renner/Dienelt/Röseler, Kommentar zum Ausländerrecht, München 2011, 1 FreizügG/EU, Rn. 16 ff. 19 BVerwG, Urteil v C Seite: 1819 enthaltsrecht allein nach nationalem Recht rechtmäßig war. Mit Blick auf die zuletzt beigetretenen Staaten zählen auch Zeiten vor dem Beitritt, sofern der heutige EU-Bürger während des Aufenthalts die Freizügigkeitsvoraussetzungen erfüllt hätte. 20 Bei Grenzgängern, Erwerbsgeminderten und Verbleibeberechtigten tritt dieses Recht schon eher ein: Bei Verbleibeberechtigten, d. h. Personen, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wenn sie sich mindestens drei Jahre im Bundesgebiet aufgehalten haben und dort mindestens die letzten zwölf Monate erwerbstätig waren ( 4a Abs. 2 Nr. 1 FreizügG/EU). Erwerbsgeminderte erhalten das Recht sofort, wenn sie einen Rentenanspruch gegen einen Leistungsträger in Deutschland haben oder nach mindestens zwei Jahren Aufenthalt ( 4a Abs. 2 Nr. 2 FreizügG/EU). Wer seit mindestens drei Jahren in Deutschland erwerbstätig war, anschließend in einem anderen EU-Staat erwerbstätig ist und seinen Wohnsitz in Deutschland beibehält, hat ebenfalls das Daueraufenthaltsrecht ( 4a Abs. 2 Nr. 3 FreizügG/EU). Bei Abwesenheit von über zwei Jahren geht das Daueraufenthaltsrecht wieder verloren ( 4a Abs. 7. FreizügG/EU). Solange die entsprechenden Freizügigkeitsvoraussetzungen vorliegen, spielt das Daueraufenthaltsrecht kaum eine Rolle, da sich das Aufenthaltsrecht unmittelbar aus dem AEUV ableiten lässt. Wichtig ist es aber, wenn die Freizügigkeitsvoraussetzungen entfallen, weil es dann den europarechtlichen Ausweisungsschutz und den Zugang zu sozialen Leistungen aufrechterhält. Eine Bescheinigung über das Daueraufenthaltsrecht wird auf Antrag ausgestellt ( 5 Abs. 6 FreizügG/EU). 5.7 Feststellung des Verlusts des Rechts auf Einreise und Aufenthalt Wenn die Voraussetzungen des Freizügigkeitsrechts bei Unionsbürger/innen oder ihren drittstaatsangehörigen Familienangehörigen nicht mehr vorliegen, kann die Ausländerbehörde gemäß 5 Abs. 5 FreizügG/EU den Verlust des Aufenthaltsrechtes feststellen. Das Recht auf Einreise und Aufenthalt ist nur unter Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit zulässig. Liegt also eine der Voraussetzungen des Freizügigkeitsrechts, die in der Unionsbürgerrichtlinie oder im FreizügG/EU genannt werden, nicht (mehr) vor, führt dies nicht automatisch zum Verlust des Aufenthaltsrechts. Es muss vielmehr geprüft werden, ob eine Beschränkung des Freizügigkeitsrechts im konkreten Einzelfall im Einklang mit den Grundsätzen des EU-Rechts steht und verhältnismäßig ist. Die Tatsache, dass ein nicht erwerbstätiger EU-Bürger soziale Leistungen in Anspruch nimmt, reicht regelmäßig nicht für den Verlust des Aufenthaltsrechts aus. Notwendig wäre vielmehr eine unangemessene Inanspruchnahme von Sozialhilfeleistungen (vgl. Art. 14 UnionsRL). Und auch dann wäre zu prüfen, ob eine Ausweisung und aufenthaltsbeendende Maßnahmen im Gesamtzusammenhang verhältnismäßig wären. Die Feststellung über den Verlust des Aufenthaltsrechts ist ein Verwaltungsakt, der mit Widerspruch und Klage angefochten werden kann. Ist festgestellt, dass das Freizügigkeitsrecht nicht (mehr) besteht, muss geprüft werden, ob eine Aufenthaltserlaubnis nach AufenthG erteilt werden muss oder kann. Das kann insbesondere der Fall sein, weil eine Notlage besteht und deshalb ein humanitärer Aufenthaltstitel in Betracht kommt. Wurde durch Verwaltungsakt festgestellt, dass ein Freizügigkeitsrecht nicht besteht, gilt dies nur solange sich die Situation nicht ändert. Reisen Betroffene beispielsweise freiwillig aus, können sie 20 EuGH Urteil v C-424/10 und C-425/10 <Ziolkowski u.a.> Seite: 1920 sich nach einer erneuten Einreise wieder auf das allgemeine und die besonderen Freizügigkeitsrechte berufen. 5.8 Ausweisungsschutz Der Aufenthalt eines Freizügigkeitsberechtigten kann neben dem Verlust der Freizügigkeitsberechtigung in den ersten 5 Jahren des Aufenthalts nur aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit beendet werden ( 6 Abs. 1 FreizügG/EU). Es ist dabei darauf abzustellen, ob das persönliche Verhalten erkennen lässt, dass von dem Freizügigkeitsberechtigten eine tatsächliche und hinreichend schwere Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht ( 6 Abs. 2 FreizügG/EU). Die Inanspruchnahme von sozialen Leistungen genügt als Ausweisungsgrund nicht. Nach Erwerb des Daueraufenthaltsrechtes kann der Aufenthalt nach 5-jährigem Aufenthalt nur noch aus besonders schwerwiegenden Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit beendet werden ( 6 Abs. 4 FreizügG/EU). Nach 10 Jahren und bei Minderjährigen kann eine Ausweisung nur noch aus zwingenden Gründen der öffentlichen Sicherheit erfolgen. 5.9 Staatsangehörige von Bulgarien und Rumänien Die Länder Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowenien, die Slowakische und die Tschechische Republik, Ungarn sowie Zypern wurden mit ihrem Beitritt zum 1. Mai 2004, Rumänien und Bulgarien zum Mitgliedstaaten der EU. Die neuen Mitgliedstaaten waren von Anfang an vollwertige Mitglieder der Union. Es gibt aber Übergangsvorschriften, die für Rumänien und Bulgarien noch bis 2014 die Arbeitnehmerfreizügigkeit beschränken. 21 Abgesehen von dieser Beschränkung beim Arbeitsmarktzugang genießen die neuen EU- Bürger/innen die Grundfreiheiten in vollem Umfang. Eine selbständige Tätigkeit ist durch die Dienstleistungsfreiheit und die Niederlassungsfreiheit zugelassen. Auch das allgemeine Aufenthaltsrecht ist gegeben. Für den Arbeitsmarktzugang gelten folgende Regelungen: Arbeitserlaubnis-EU Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis-EU richtet sich nach 284 SGB III und 39 Abs. 6 AufenthG. Zuständig ist nicht die Ausländerbehörde, sondern die Arbeitsagentur. Die neuen EU-Bürger/innen haben gem. 39 Abs. 6 AufenthG Zugang zum Arbeitsmarkt unter Beachtung des Vorrangprinzips. Gegenüber Drittstaatler/innen genießen sie gem. 39 Abs. 6 S. 2 AufenthG ihrerseits Vorrang (Gemeinschaftspräferenz). Bei qualifizierten Tätigkeiten mit einer mindestens 2-jährigen Ausbildung kann gem. 284 Abs. 3 SGB III i.v.m. 39 Abs. 2 AufenthG eine Arbeitserlaubnis erteilt werden. Eine Beschränkung auf bestimmte Berufsgruppen findet nicht statt, es ist eine Vorrangprüfung unter Beachtung der Gemeinschaftspräferenz durchzuführen. Bei unqualifizierten Tätigkeiten ist gem. 284 Abs. 4 SGB III die Erteilung einer Arbeitserlaubnis auf den ersten Blick nur zulässig, wenn dies auf Grund zwischenstaatlicher Vereinbarung oder Rechtsverordnung zulässig ist. Da 284 Abs. 6 AufenthG bezüglich des Günstigkeitsgrundsatzes aber auch auf das AufentG verweist, ist auch bei unqualifizierten Tätigkeiten 39 Abs. 2 AufenthG anzuwenden. Da eine Beschränkung auf bestimmte Berufsgruppen in 39 Abs. 2 AufenthG nicht vorgesehen ist, findet sie beim Arbeitsmarktzugang von Neu-EU-Bürger/innen letztlich nicht statt. 21 Vertrag über den Beitritt der Tschechischen Republik, Estlands, Zyperns, Lettlands, Litauens, Ungarns, Maltas, Polens, Sloweniens, der Slowakischen Republik zur Europäischen Union, Abl.-EU L 236 v ; Vertrag über den Beitritt der Republik Bulgarien und Rumäniens zur Europäischen Union, BGBl. II Nr. 30 v , S ff.. Seite: 20 Mehr anzeigen
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References: EuGH 
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 Art. 45
 Art. 21
 Art. 20
 Art. 20
 EuGH 
 Art. 20
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 Art. 20
 EuGH 
 Art. 20
 Art. 8
 Art. 8
 EuGH 
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 Art. 7
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
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