Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=KG&Datum=2017-02-20&Aktenzeichen=8%20U%2031%2F16
Timestamp: 2019-02-23 20:07:02+00:00

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KG, 20.02.2017 - 8 U 31/16 - dejure.org
§ 293 BGB; § 346 Abs. 1 BGB; § 357 Abs. 1 S. 1 BGB
Wirksamer Widerruf eines Altvertrages über einen Verbraucherkredit zur Finanzierung eines Eigentumswohnungskaufes: Annahmeverzug der Bank hinsichtlich der Freigabe einer dinglichen Sicherheit bzw. einer Rückzahlung des Darlehensnehmers; Aufrechnung des Darlehensnehmers mit einem Anspruch auf Nutzungswertersatz gegen Ansprüche der Bank
Rückabwicklung eines Verbraucherdarlehensvertrages nach Widerruf; Ansprüche des Verbrauchers bei unterbliebener Freigabe einer Sicherheit; Kürzung des Anspruchs des Darlehensnehmers auf Nutzungswertersatz um die Kapitalertragsteuer
Rückabwicklung eines Verbraucherdarlehensvertrages nach Widerruf
LG Berlin, 08.01.2016 - 4 O 447/14
MDR 2017, 468
Weil die besondere Form des Steuerabzugs an der materiell-rechtlichen Forderungsinhaberschaft nichts ändert, kann der Verbraucher auch mit einem Anspruch aus § 357 Abs. 1 Satz 1 BGB aF in Verbindung mit § 346 Abs. 1 Halbsatz 2 BGB in voller Höhe aufrechnen (…a.A. KG, Urteile vom 6. Oktober 2016 - 8 U 228/15, juris Rn. 94 ff., vom 9. Februar 2017 - 8 U 57/16, juris Rn. 52 ff. und vom 20. Februar 2017 - 8 U 31/16, juris Rn. 79 ff.).
Soweit das KG Berlin eine Aufrechnungslage unter Hinweis auf arbeitsgerichtliche Rechtsprechung zur umgekehrten Konstellation der Aufrechnung durch den zum Steuerabzug verpflichteten Arbeitgeber verneint, weil es an der Gegenseitigkeit gleichartiger Ansprüche fehle (KG Berlin v. 20.2.2017 - 8 U 31/16, Rn. 86 m.w.N.), vermag sich der Senat dem nicht anzuschließen.
Die Revision wird im Hinblick die teilweise abweichende Entscheidung des KG Berlin vom 20.2.2017 - 8 U 31/16 - insgesamt zugelassen.
Dies entspricht der Rechtsprechung des BGH (…Urt. v. 11.10.2016 -XI ZR 482/15 Tz 27), des 24. Zivilsenats des Kammergerichts (Entscheidung vom 22.12.2004, 24 U 169/13), des Senats (Urteil vom 20.02.2017 -8 U 31/16, Tz 8) und (für eine gleichlautende Klausel wie vorliegend) des OLG Brandenburg, Urt. v. 04.01.2017 -4 U 199/15, juris Tz 38 f.).
Dass es insoweit an einer Aufrechnungslage fehlt, entsprach zwar der früheren Rechtsprechung des Senats (Urteile v. 06.10.2016 -8 U 228/15 und vom 20.02.2017 -8 U 31/16), die dieser jedoch nach abweichender Entscheidung des BGH vom 25.04.2017 -XI ZR 108/16, Tz 22 ff), wonach ungeachtet der Steuerpflicht mit dem vollen Bruttobetrag des Nutzungsersatzanspruchs aufgerechnet werden kann, zur Wahrung der Rechtseinheit aufgegeben hat (…s. etwa Senat, Urt. v. 19.10.2017 -8 U 230/15, WM 2018, 121, juris Tz 104).
Eine zeitliche Schranke für die Herausgabe gezogener Nutzungen nach § 346 BGB bis zur Widerrufserklärung besteht - entgegen der vom Landgericht auch nicht weiter begründeten Auffassung, s. LGU S. 11 - nicht (s. Urteil des Senats vom 20.02.2017 -8 U 31/16, Tz 35 m.N.;… Urt. v. 19.10.2017 -8 U 230/15, juris Tz 109;… OLG Karlsruhe, Urt. v. 10.02.2016 -17 U 77/15, juris Tz 42;… OLG Frankfurt, Urt. v. 27.04.2016 -23 U 50/15, juris Tz 75;… OLG Brandenburg, Urt. v. 01.06.2016 -4 U 125/15, juris Tz 131; Staudinger/Kaiser, BGB, Neub. 2012, § 346 Rn 110).
Ein wörtliches Angebot begründet ohnehin nur Annahmeverzug, wenn es - allenfalls von einer nach § 242 BGB zu vernachlässigenden Abweichung abgesehen - den zutreffenden Betrag ausweist (vgl. zu allem: Senat, Urt. v. 20.02.2017 -8 U 31/16, Tz 14-17;… ferner Urt. v. 06.10.2016 -8 U 228/15, Tz 107-110).
Zutreffend verrechnet die Beklagte die nach dem Widerruf erbrachten Zahlungen gemäß § 367 BGB zunächst auf ihren Nutzungsherausgabeanspruch (s. Senat, Urt. v. 20.02.2017 - 8 U 31/16 -bei juris Tz 94;… Urt. v. 17.05.2018 -8 U 225/16 -bei juris Tz 83;… OLG Brandenburg, Urt. v. 14.02.2018 -4 U 37/17 juris Tz 103).
Dies entspricht der Rechtsprechung des 24. Zivilsenats des Kammergerichts (Entscheidung vom 22.12.2004, 24 U 169/13), des Senats (Urteil vom 20.02.2017 - 8 U 31/16, Tz 8) und (für eine gleichlautende Klausel wie vorliegend) des OLG Brandenburg, Urt. v. 04.01.2017 - 4 U 199/15, juris Tz 38 f.).
Denn nach § 357 Abs. 1 S. 1 BGB a.F., §§ 346 ff BGB steht dem widerrufenden Darlehensnehmer nur ein Anspruch auf Rückzahlung der bis zum Widerruf "bereits erbrachten" Zins- und Tilgungsleistungen zu (s. BGH NJW 2016, 2428 Tz 12 f.; NJW 2015, 3441 Tz 7; Senat, Urt. v. 20.02.2017 -8 U 31/16 Tz 20).
Der Senat folgt aus Gründen der Rechtseinheit unter Aufgabe seiner früheren Rechtsprechung (…Urt. v. 06.10.2016 - 8 U 228/15; Urt. v. 20.02.2017 - 8 U 31/16) der Rechtsprechung des BGH (…Urt. v. 25.04.2017 - XI ZR 108/16 Tz 22 ff).
Eine zeitliche Schranke für die Herausgabe gezogener Nutzungen nach § 346 BGB bis zur Widerrufserklärung besteht - entgegen der Ansicht des Klägers - nicht (s. Urteil des Senats vom 20.02.2017 - 8 U 31/16, Tz 35 m.N.;… OLG Karlsruhe, Urt. v. 10.02.2016 - 17 U 77/15, juris Tz 42;… OLG Frankfurt, Urt. v. 27.04.2016 - 23 U 50/15, juris Tz 75;… OLG Brandenburg, Urt. v. 01.06.2016 - 4 U 125/15, juris Tz 131; Staudinger/Kaiser, BGB, Neub. 2012, § 346 Rn 110).
Jedoch begründet ein wörtliches Angebot nur Annahmeverzug, wenn es - allenfalls von einer nach § 242 BGB zu vernachlässigenden Abweichung abgesehen - den zutreffenden Betrag ausweist (vgl. zu allem: Senat, Urt. v. 20.02.2017 - 8 U 31/16, Tz 14-17;… ferner Urt. v. 06.10.2016 - 8 U 228/15, Tz 107-110).
Nach § 367 Abs. 1 BGB sind diese Zahlungen zunächst auf die weiter anfallenden Nutzungszinsen (5,04 % auf den Saldo) zu verrechnen, und im Übrigen auf den Saldobetrag (s. Senat, Urt. v. 20.02.2017 - 8 U 31/16, juris Tz 36).
Infolge der mit der Klageerwiderung (Bl. 133 GA) seitens der Beklagten erklärten Aufrechnung, die - was die Parteien im Rahmen ihrer Berechnung zu verkennen scheinen - gem. § 389 BGB auf den Zeitpunkt des Widerrufs zurückwirkt, zu dem folglich die Saldierung der gegenseitigen Ansprüche zu erfolgen hat (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Januar 2016 - XI ZR 366/15, NJW 2016, 2428; OLG Frankfurt, Urteil vom 27. April 2016 - 23 U 50/15, juris; KG, MDR 2017, 468), besteht zu ihren Gunsten ein Zahlungsanspruch in Höhe von 105.352,70 Euro:.
Der Kläger kann insoweit auch nicht mit Erfolg einwenden, dass die Beklagte die Rückabwicklung vereitelt hätte, weil er sie, wie das Landgericht zu Recht angenommen hat, nicht durch ein konkretes, hinreichendes Rückzahlungsangebot in Annahmeverzug versetzt hat (vgl. KG, MDR 2017, 468; OLG Brandenburg, Urteil vom 30. November 2016 - 4 U 86/16, juris).
Auch das im vorliegenden Rechtsstreit zunächst angekündigte und später erklärte Teilanerkenntnis vermochte ein solches wörtliches Angebot nicht zu ersetzen, zumal es nicht unerheblich hinter dem geschuldeten Rückzahlungsanspruch der Beklagten zurückblieb (vgl. KG, MDR 2017, 468).
Die Beklagte war berechtigt, die Zahlungen des Klägers nach dem Widerruf gemäß § 367 Abs. 1 BGB vorrangig auf die Vertragszinsen zu verrechnen (KG, MDR 2017, 468).
Eine relevante Abweichung vom Muster liegt darin, dass die Zwischenüberschrift "Widerrufsrecht" entfallen ist (vgl. Senatsurteil vom 20.02.2017 - 8 U 31/16, Tz.; KG, Urteil vom 22.12.2004 - 24 U 169/13 und OLG Brandenburg, Urteil vom 04.01.2017 - 4 U 199/15, juris Tz. 38 f. für eine gleichlautende Klausel wie vorliegend).
Der Anspruch auf Nutzungswertersatz besteht über den Zeitpunkt der Widerrufserklärung hinaus bis zur Rückzahlung der Darlehensvaluta (Senatsurteil vom 20.02.2017 - 8 U 31/16, Tz. 35 m.N.; vgl. OLG Karlsruhe Urteil vom 10.02.2016 - 17 U 77/15, juris, Tz. 42; vgl. OLG Frankfurt Urteil vom 27.04.2016 - 23 U 50/15, juris, Tz. 75;… vgl. OLG Brandenburg Urteil vom 20.01.2016, a.a.O., Tz. 13 und vom 01.06.2016 - 4 U 125/15, Tz. 131;… vgl. Staudinger/D. Kaiser, BGB, 2012, § 346 BGB, Rdnr. 110).
Die Beklagte hat ihren Anspruch unter Berücksichtigung weiterer Zahlungen der Kläger bis zum 16. März 2018, die sie nach § 367 Abs. 1 BGB zunächst auf die weiter anfallenden Nutzungszinsen (4,44 % auf den Saldo) und im Übrigen auf den Saldobetrag (vgl. Senatsurteil vom 20.02.2017 - 8 U 31/16, Tz. 36) verrechnet, mit 45.836,24 EUR berechnet (vgl. Anlage BB 5).
Von daher kommt es insofern auch nicht darauf an, dass die Rückgewähransprüche der Vertragsparteien in rechtlicher Hinsicht insoweit selbstständig sind, als nicht bereits ipso iure eine Saldierung erfolgt, sondern die Ansprüche - sofern nicht die Aufrechnung erklärt wird - nach § 348 Satz 1 BGB jeweils Zug um Zug zu erfüllen sind (a.A. KG, Urteil vom 20.02.2017 - 8 U 31/16 - BeckRS 2017, 103485, Rn. 30 ff.).
v. 29.05.2017 - 14 U 118/16 - BeckRS 2017, 115038, Rn. 55; OLG Stuttgart, Urt. v. 18.04.2017 - 6 U 36/16 - BeckRS 2017, 107426, Rn. 121; KG, Urt. v. 20.02.2017 - 8 U 31/16 - BeckRS 2017, 103485, Rn. 35; Urt. v. 06.10.2016 - 8 U 228/15 - zit. nach juris, Rn. 104; OLG Frankfurt, Urt. v. 27.04.2016 - 23 U 50/15 - zit. nach juris, Rn. 75; OLG Karlsruhe, Urt. v. 10.02.2016 - 17 U 77/15 - zit. nach juris, Rn. 43; OLG Brandenburg, Urt. v. 01.06.2016 - 4 U 125/15 - zit. nach juris, Rn. 131; zum Ganzen auch: Lühmann/Latta, NJW 2017, 2071, 2074 f.).

References: § 293
 § 346
 § 357
 § 357
 § 346
 BGH 
 BGH 
 § 346
 § 346
 § 242
 § 367
 § 357
 BGH 
 BGH 
 § 346
 § 346
 § 242
 § 367
 § 389
 § 367
 § 346
 § 367
 § 348