Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=04.03.1971&Aktenzeichen=VII%20ZR%20204/69
Timestamp: 2019-10-19 23:33:24+00:00

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BGH, 04.03.1971 - VII ZR 204/69 - dejure.org
https://dejure.org/1971,217
BGH, 04.03.1971 - VII ZR 204/69 (https://dejure.org/1971,217)
BGH, Entscheidung vom 04.03.1971 - VII ZR 204/69 (https://dejure.org/1971,217)
BGH, Entscheidung vom 04. März 1971 - VII ZR 204/69 (https://dejure.org/1971,217)
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Anforderungen an die Auslegung eines Architektenvertrages - Vorliegen einer vertragswidrigen Werkvertragsleistung - Gesamtschuldnerschaft zwischen Architekt und Statiker
VersR 1971, 667
WM 1971, 682
BauR 1971, 265
Sofern der Tragwerksplaner dem nicht selbst nachkommt, musste er jedenfalls für eine sachgerechte Beratung des Auftraggebers durch andere Beteiligte, insbesondere den Architekten, sorgen (vgl. BGH, Urteil vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, BauR 1971, 265 unter III 1 b; OLG Karlsruhe, BauR 2002, 1884).
Der Statiker ist aber nur dann in der Lage, eine statische Berechnung anzufertigen, die den örtlichen Gegebenheiten Rechnung trägt, wenn er sich Klarheit über die Bodenverhältnisse verschafft (BGH, Urteil vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, aaO, unter III 1 a).
Dies hat die Beklagte zu 1 nicht beachtet, obwohl es Aufgabe des Architekten ist, gründliche Bodenuntersuchungen herbeizuführen (BGH, Urteil vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, BauR 1971, 265 unter II 5).
Auch der Beklagte zu 2 musste deren Notwendigkeit erkennen und realisieren, dass die Beklagte zu 1 insoweit nichts unternahm (vgl. BGH, Urteile vom 16. Juni 1969 - VII ZR 64/67, JurionRS 1969, 12032 unter III 1 a; vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, BeckRS 2009, 87566, unter III 1 a;… Locher in: Locher/Koeble/Frik, aaO, 11. Aufl., Einleitung Rn. 351).
Es hätte deshalb einer Prüfung und Erörterung bedurft, ob der Beklagte mit der allein durch das Berufungsgericht festgestellten Übersendung einer Zeichnung eines Fassadendetails, aus der sich ergibt, dass eine Polycarbonatfassade zur Ausführung gelangen sollte, das seinerseits Erforderliche getan hat, um sicher zu stellen, dass die Klägerin ihrer Planung den richtigen k-Wert zugrunde legt (zur Prüfpflicht vgl. BGH, Urteile vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, BauR 1971, 265, 267, juris Rn. 25;… vom 15. Mai 2013 - VII ZR 257/11, BGHZ 197, 252 Rn. 20;… OLG Düsseldorf, BauR 2015, 856, 860, juris Rn. 71 = NZBau 2015, 882).
Das gilt insbesondere für Angaben zu den Bodenverhältnissen, ohne deren Kenntnis eine ordnungsgemäße Erledigung des Auftrags in der Regel nicht denkbar ist (BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2007 - VII ZR 157/06, aaO; Urteil vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, BauR 1971, 265, 268; OLG Düsseldorf, BauR 2000, 1358 = NZBau 2000, 474).
Soweit sich aus der Entscheidung des Senats im Urteil vom 4. März 1971 (VII ZR 204/69, BauR 1971, 265, 268) etwas anderes ergeben sollte, hielte der Senat daran nicht fest.
In Gebieten mit relativ hohem Grundwasserstand gehört es zu den zentralen Aufgaben eines planenden Architekten, sich Klarheit über die Grundwasserverhältnisse zu verschaffen und seine Planung des Bauvorhabens, sofern nicht Besonderheiten vorliegen, nach dem höchsten bekannten Grundwasserstand, auch wenn dieser seit Jahren nicht mehr erreicht worden ist, auszurichten (OLG Düsseldorf NJW-RR 1992, 153, NJW-RR 1996, 1300, NJW-RR 2003, 379) und bei unklaren Bodenverhältnissen eine Bodenuntersuchung zu veranlassen (vgl. BGH, BauR 1971, 265, 267; OLG Düsseldorf, OLGR 1998, 362, 364; OLG Oldenburg BauR 1981, 399, 400).
Zwar war es nicht Aufgabe des Statikers, die für die Berechnung der Statik erforderlichen Informationen über die Bodenverhältnisse und über den Grundwasserstand zu ermitteln, da dies grundsätzlich Sache des Architekten ist (vgl. BGH BauR 1971, 265, 267; OLG Düsseldorf, OLGR 1998, 362, 364 f.; OLG Oldenburg BauR 1981, 399, 400).
Ohne nähere Vorgaben kann ein Statiker daher im Regelfall von normalen Bodenverhältnissen ausgehen (BGH BauR 1971, 265, 267; OLG Oldenburg BauR 1981, 399, 401).
Dies gilt indessen nicht, wenn ihm insoweit Bedenken gekommen sind oder bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt kommen mussten (BGH, BauR 1971, 265, 268; OLG Oldenburg BauR 1981, 399, 401).
Bei erkennbar zweifelhaften Bodenverhältnissen trifft nämlich den Statiker, eine eigene Prüfungs- und Hinweispflicht (vgl. BGH, BauR 1971, 265, 268; OLG Düsseldorf, OLG R 1998, 362, 364; OLG Stuttgart, BauR 1996, 748, 749).
Die erforderliche rechtliche Zweckgemeinschaft besteht, da sie beide für den Baumangel verantwortlich sind (vgl. BGH BauR 1971, 265, 269).
Mögliche unterschiedliche Haftungsbeteiligungen sind im Innenverhältnis im Rahmen des Gesamtschuldner-Innenausgleichs zu berücksichtigen (vgl. BGH NJW-RR 2002, 1531; BauR 1971, 265, 267, 269).
Schließt der Bauherr mit beiden selbständige Verträge ab, haftet jeder von beiden nur für die Erfüllung der von ihm in seinem Vertrag übernommenen Verpflichtungen (vgl. BGH, Urteile vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, BauR 1971, 265, 267, 269 und vom 4. Juli 2002 - VII ZR 66/01, BauR 2002, 1719, 1720 = ZfBR 2002, 786 = NZBau 2002, 616).
Der Beklagte zu 2 und die Beklagte zu 3 haften als Gesamtschuldner (vgl. BGH, Urteil vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69 aaO).
Die in bezug auf die hier infrage stehende Tragwerksplanung zu anderen Ergebnissen kommende Rechtsprechung des Senats (BGH, Urteil vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69 = VersR 1971, 667 = WM 1971, 682), nach der die Beklagten die hier fehlenden Planungen hätten erbringen müssen, sei durch Änderungen des Honorarrechts überholt.
Hierauf beruht bereits die Entscheidung des Senats vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69 = VersR 1971, 667 = WM 1971, 682.
Entgegen den Annahmen des Berufungsgerichts spricht hier alles dafür, daß die Beklagten, entsprechend der Senatsentscheidung vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69 = VersR 1971, 667 = WM 1971, 682 die fehlenden Fugen und Gleitlager hätten mitplanen müssen.
a) Zwar war es in dieser Funktion nicht seine Aufgabe, die für die Berechnung der Statik erforderlichen Informationen über die Bodenverhältnisse und über den Grundwasserstand zu ermitteln, da dies grundsätzlich Sache des Architekten ist (vgl. BGH BauR 1971, 265, 267; OLG Düsseldorf, OL GR 1998, 362, 364 f.; OLG Oldenburg BauR 1981, 399, 400).
Ohne nähere Vorgaben kann ein Statiker daher im Regelfall von normalen Bodenverhältnissen ausgehen (BGH, BauR 1971, 265, 267; OLG Oldenburg BauR 1981, 399, 401).
Bei erkennbar zweifelhaften Bodenverhältnissen trifft nämlich den Statiker, der allgemein für die W. der Gründungsart verantwortlich ist, eine eigene Prüfungs- und Hinweispflicht (vgl. BGH, BauR 1971, 265, 268; OLG Düsseldorf, OLGR 1998, 362, 364; OLG Stuttgart, BauR 1996, 748, 749).
Zwar ist der Architekt, der die Planung eines Bauwerks mit Keller übernimmt, verpflichtet, in seine Planung auch die nach Sachlage notwendigen Abdichtungsmaßnahmen gegen drückendes Wasser aufzunehmen (vgl. BGH, NJW 2001, 1276) und bei unklaren Bodenverhältnissen eine Bodenuntersuchung zu veranlassen (vgl. BGH, BauR 1971, 265, 267; OLG Düsseldorf, OLGR 1998, 362, 364; OLG Oldenburg BauR 1981, 399, 400).
Mögliche unterschiedliche Haftungsbeteiligungen sind im Innenverhältnis im Rahmen des Gesamtschuldnerinnenausgleichs zu berücksichtigen (vgl. BGH, BauR 1971, 265, 267, 269; a.A.: OLG Düsseldorf, OLGR 1998, 362, 365).
Vielmehr können Mängel der Planung und der sonstigen Ausführungsunterlagen ein Mitverschulden des Auftraggebers gemäß § 254 BGB begründen, wobei sich der Auftraggeber die Fehler seiner Architekten und Sonderfachleute als die seiner Erfüllungsgehilfen zurechnen lassen muß (grundlegend hierzu Senatsurteile vom 15. Dezember 1969 - VII ZR 8/68 = BauR 1970, 57, 59; vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69 = BauR 1971, 265, 269, 270 und vom 12. Juli 1971 - VII ZR 239/69 = BauR 1972, 62, 64 = WM 1971, 1372; vgl. auch Urteil vom 19. Januar 1989 - VII ZR 87/88 = BauR 1989, 467, 469 = ZfBR 1989, 164).
Sch. musste danach sicherstellen, dass eine den Bodenverhältnissen entsprechende Gründung gewählt wurde, durch die die Bauwerkskräfte sicher in den Baugrund abgeleitet werden konnten (vgl. BGH, Urteil vom 4. März 1971 - VII ZR 204/69, BauR 1971, 265, 267; Urteil vom 15. Juni 2000 - VII ZR 212/99, BauR 2000, 1330 = NZBau 2000, 433 = ZfBR 2000, 484).
Er beruft sich dazu auf die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vom 4. März 1971 in BauR 1971, 265, 267, und vom 4. Juli 2002 - VII ZR 66/01 -, wonach der vom Bauherren beauftragte Statiker nicht Erfüllungsgehilfe des Bauherren im Vertragsverhältnis mit dem Architekten sei.
Die vom Kläger und Streithelfer herangezogene Entscheidung BGH BauR 2002, 1719 entspreche inhaltlich der Entscheidung BGH BauR 1971, 265, mit der sich das Landgericht im angefochtenen Urteil auf Seite 17 und 18 eingehend auseinandergesetzt habe, deren Voraussetzungen für die Gesamtschuld aber mit Recht unter Hinweis auf die Feststellungen der Sachverständigen in Abrede genommen habe.
Er hat ausdrücklich entschieden, dass der vom Bauherren beauftragte Statiker regelmäßig nicht Erfüllungsgehilfe des Bauherren in dessen Vertragsverhältnis mit dem Architekten ist (BGH NJW-RR 2002, 1531 = BauR 2002, 1719; vgl. BGH BauR 1971, 265, 267, 269).
Haben - wie hier - die vertragswidrigen Werkvertragsleistungen des Architekten und des Statikers zu den Baumängeln geführt, haften sie dem Bauherren, wie der Kläger mit Recht geltend macht, als Gesamtschuldner nach § 426 BGB (BGH BauR 1971, 265, 267, 269).
Der Architekt hat grundsätzlich den Statiker nicht dahin zu beaufsichtigen, ob er die ihm gestellte Aufgabe richtig gelöst hat (BGH BauR 1971, 265 ff.).
Der Architekt ist in jedem Fall verpflichtet, die statischen Berechnungen einzusehen und sich zu vergewissern, ob der Statiker von den gegebenen tatsächlichen Verhältnissen ausgegangen ist (BGH BauR 1971, 265 ff.).
Dazu war eine Rückfrage beim Streithelfer geboten (so der Bundesgerichtshof z. B., wenn für den Architekten anhand der statischen Unterlagen nicht ausreichend deutlich ist, ob der Statiker von den gegebenen tatsächlichen Verhältnissen ausgegangen ist, BGH BauR 1971, 265).
BGH, 04.07.2002 - VII ZR 66/01
BGH, 11.11.1971 - VII ZR 57/70
OLG Düsseldorf, 24.03.2000 - 22 U 180/99
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OLG Köln, 17.08.2011 - 11 U 16/11
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Schadensersatzanspruch wegen mangelhaftem Werk; Umfang der Verantwortlichkeit …
LG Leipzig, 08.08.2001 - 3 O 1444/01

References: BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 254
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 426
 BGH