Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/interessenausgleich-und-die-teil-namensliste-2-396140
Timestamp: 2020-03-29 03:22:43+00:00

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Eine Teil Namens­lis­te ist als inte­gra­ler Bestand­teil eines Inter­es­sen­aus­glei­ches gem. § 111 BetrVG jeden­falls dann eine aus­rei­chen­de Basis für die Rechts­wir­kun­gen des § 1 Abs. 5 LSGchG, wenn der durch die Namens­lis­te erfass­te Bereich so deut­lich abgrenz­bar von dem nicht erfass­ten Bereich ist, dass die Sozi­al­aus­wahl nicht beein­flusst wer­den kann und er dar­über hin­aus wesent­lich grö­ßer ist.
Die Ent­schei­dung vom 26.03.2009 1 ent­hielt kei­ne grund­le­gen­de Klä­rung der Fra­ge, ob eine "Teil-Namens­lis­te" eine aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 1 Abs. 5 LSGchG dar­stellt. In die­sem Zusam­men­hang hat das BAG aus­ge­führt, der Zweck des § 1 Abs. 5 LSGchG bestehe vor allem dar­in, bei betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen einer grö­ße­ren Zahl von Arbeit­neh­mern die Sozi­al­aus­wahl für alle Betei­lig­ten recht­si­cher zu gestal­ten. Der Wort­laut des § 1 Abs. 5 LSGchG sei nicht ein­deu­tig. Es kom­me auf den Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift an. Es spre­che Eini­ges dafür, Grund­la­ge der Namens­lis­te sei eine Betriebs­än­de­rung i.S. des § 111 BetrVG, der regel­mä­ßig ein geschlos­se­nes unter­neh­me­ri­sches Kon­zept zugrun­de lie­ge. Die Namens­lis­te stel­le die kon­kre­te Umset­zung die­ses Unter­neh­me­ri­schen Kon­zep­tes dar. Sie müs­se des­halb, um in sich schlüs­sig zu sein, das Unter­neh­me­ri­sche Kon­zept voll­stän­dig erfas­sen und umset­zen. Im kon­kre­ten Streit­fall hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die gene­rel­le Klä­rung die­ser Fra­ge offen gelas­sen, weil die Betriebs­part­ner bei ihrer Eini­gung Erwä­gun­gen hät­ten durch­schla­gen las­sen, die außer­halb des Geset­zes­zwe­ckes lagen. Denn dort sei­en Arbeit­neh­mer nur des­halb in die Lis­te auf­ge­nom­men wor­den, um bei dem von die­sen Mit­ar­bei­tern gewünsch­ten frei­wil­li­gen Aus­schei­den dro­hen­de Sperr­zei­ten gem. § 144 SGB 111 nach Mög­lich­keit aus­zu­schlie­ßen.
Auch in den Ent­schei­dun­gen vom 19.07.2012 2 und vom 27.09.2012 3 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die grund­sätz­li­che Eig­nung einer Teil-Namens­lis­te als Grund­la­ge für die Rechts­wir­kun­gen des § 1 Abs. 5 S. 1 LSGchG nicht geklärt.
Die vor­ste­hen­de Pro­ble­ma­tik der Teil-Namens­lis­te als Grund­la­ge für die Rechts­wir­kun­gen des § 1 Abs. 5 LSGchG ist auch ent­schei­dungs­er­heb­lich. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Beklag­ten las­sen sich die kon­kre­ten in dem Inter­es­sen­aus­gleich vom 18.07.2013 vor­ge­nom­me­nen Rege­lun­gen als Teil-Namens­lis­te cha­rak­te­ri­sie­ren: Die Ent­las­sun­gen der Arbeit­neh­mer im Pro­duk­ti­ons­be­reich und die Ent­las­sun­gen der Ange­stell­ten im Bereich der NESD-Zen­tral­funk­tio­nen sind gegen­ständ­lich in ein und dem­sel­ben Inter­es­sen­aus­gleich als Unter­neh­me­ri­sche Maß­nah­me zusam­men­ge­fasst wor­den. Sie bil­den die Betriebs­än­de­rung gem. § 111 S. 3 Nr. 1 BetrVG ab, die Grund­la­ge der Pri­vi­le­gie­rung des § 1 Abs. 5 LSGchG sind. Dar­über hin­aus las­sen sich die in 111 des Inter­es­sen­aus­glei­ches unter NESD-Zen­tral­funk­tio­nen beschrie­be­nen Unter­neh­me­ri­schen Maß­nah­men unpro­ble­ma­tisch als die in der Vor­be­mer­kung zum Inter­es­sen­aus­gleich genann­ten Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men ver­ste­hen. Schluss­end­lich ent­spricht es auch einem ganz all­ge­mei­nen grund­le­gen­den Ver­ständ­nis, dass der Abbau von mehr als 100 Arbeits­plät­zen im Pro­duk­ti­ons­be­reich regel­mä­ßig auch zu einer Ver­schlan­kung des admi­nis­tra­ti­ven Berei­ches führt.
Der Ein­wand, betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen sei­en im Bereich des Abbau­es vor­ge­nann­ter Arbeits­plät­ze nicht vor­ge­se­hen, führt nicht zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung. Denn der Inter­es­sen­aus­gleich ent­hält kei­ne ver­bind­li­che Fest­le­gung, in wel­cher Wei­se die Ent­las­sun­gen durch­ge­führt wer­den sol­len. Soweit es dort vor­ran­gig um Auf­lö­sungs­ver­ein­ba­run­gen geht, sind betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen nicht aus­ge­schlos­sen. Ohne Auf­lö­sungs­ver­ein­ba­run­gen wären betriebs­be­ding­te Ent­las­sun­gen erfor­der­lich gewe­sen. Die Pro­gno­se der Beklag­ten, zum Zeit­punkt des Abschlus­ses des Inter­es­sen­aus­glei­ches sei abseh­bar gewe­sen, sämt­li­che Ent­las­sun­gen hät­ten im Wege von Auf­lö­sungs­ver­ein­ba­run­gen erfol­gen kön­nen, war zum sei­ner­zei­ti­gen Zeit­punkt kei­nes­wegs zwin­gend. Allein posi­tiv ver­lau­fen­de Ver­hand­lun­gen, die noch nicht zum Abschluss geführt haben, recht­fer­ti­gen eine sol­che Annah­me nicht.
All die Vor­ga­ben hat die Beklag­te zur Über­zeu­gung der Beru­fungs­kam­mer erfüllt: Die Ent­las­sun­gen in dem Bereich NESD-Zen­tral­funk­tio­nen sind abso­lut von den übri­gen Pro­duk­ti­ons­be­rei­chen zu unter­schei­den, die Sozi­al­aus­wahl in dem einen Bereich kann die Sozi­al­aus­wahl des ande­ren Berei­ches nicht berüh­ren. Auch ist der Bereich der Ent­las­sun­gen in dem NESD-Zen­tral­funk­tio­nen so klein, dass pro­blem­los indi­vi­du­el­le Lösun­gen (sei es durch Auf­lö­sungs­ver­trä­ge oder auch durch betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen) durch­ge­führt wer­den kön­nen und ein ech­tes Bedürf­nis nach Rechts­klar­heit durch Namens­lis­te – anders im Pro­duk­ti­ons­be­reich, wo mehr als 100 Arbeits­plät­ze abge­baut wer­den – nicht besteht.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Urteil vom 22. Janu­ar 2015 – 5 Sa 1017/​14
GK-Oet­ker, 10. Aufl., §§ 112, 112a, Rn. 27; Richar­di, 13. Aufl., § 112, Rn. 22 b; Fit­ting. 27. Aufl., §§ 112, 112a Rn. 55; H/​B/​K‑Quecke, 5. Aufl., § 1 LSGchG Rn. 424; DKK-Däub­ler, 13. Aufl., §§ 112, 112a Rn. 32; ErfK-Oet­ker, 14. Aufl., § 1 LSGchG Rn. 360a[↩]
Rich­ter/​Riem: Ganz oder gar nicht? – Rechts­fol­gen von Teil-Namens­lis­ten in NZA 2011, 1254 ff.[↩]
InteressenausgleichKündigungsschutzMassenentlassungNamenslisteSozialauswahl

References: § 111
 § 1
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 § 1
 § 111
 § 144
 § 1
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 § 111
 § 1
 § 112
 § 1
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