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Timestamp: 2018-07-18 20:31:25+00:00

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More Than Just a Discursive Practice? Conceptual Principles and Methodological Aspects of Dispositif Analysis | Bührmann | Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research
Volume 8, No. 2, Art. 28 – Mai 2007
Zusammenfassung: Der Beitrag gibt einen Einstieg in das sowohl konzeptionell als auch forschungspraktisch bisher kaum erschlossene Feld der Dispositivanalyse. Dazu werden erstens die Begriffe Diskurs und Dispositiv als analytische Konzepte erläutert und aufeinander bezogen. Zweitens erfolgt eine Sichtung des konzeptionellen Instrumentariums und analytischen Vorgehens der Dispositivanalyse. Davon ausgehend werden drittens die machtanalytischen Verhältnisbestimmungen zwischen (a) diskursiven/nicht-diskursiven Praxen, (b) Subjektivation/Subjektivierung, (c) alltagsweltlichen Wissensordnungen und (d) gesellschaftlichem Wandel als Leitfragen der Dispositivanalyse entfaltet. Mit Blick auf aktuelle dispositivanalytische Forschungsfelder werden abschließend die methodologischen wie methodischen Möglichkeiten und Grenzen der Dispositivanalyse beispielhaft skizziert. Generell zielt der Beitrag auf eine systematische Weiterung diskurstheoretischer Forschungsperspektiven und diskursanalytischer Forschungspraxis, indem der Wechselbezug zwischen normierenden Wissensordnungen, ihren konkreten handlungspraktischen Wirksamkeiten im sozialen Austausch von Menschen und die damit einhergehenden Selbst-Bezüge als Subjektivitäten empirisch in den Blick zu nehmen sind.
Keywords: Diskurs, Dispositiv, Praxis, Subjekt, Subjektivierung, Macht
1. Diskurs und Wirklichkeit – Von der "anderen Arbeit" an Diskursen
2. Erste Annäherungen an das Begriffsfeld "Diskurs/Dispositiv"
2.1 Der FOUCAULTsche Diskursbegriff als Analysekonzept auf der Meso-Ebene
2.2 Diskursive/nicht-diskursive Praktiken und das Dispositiv als Infrastruktur
3. Das Dispositiv als Forschungsperspektive: konzeptionelle Überlegungen
3.1 Dispositive als formierende Netze
3.2 Diskurse – Tätigkeiten – Sichtbarkeiten/Vergegenständlichungen als dispositivanalytisches Dreieck
3.3 Akteur(inn)e(n) und Subjekte aus dispositivanalytischer Perspektive
3.4 Konzeptionelle Dimensionen einer sozialwissenschaftlichen Analyse von Dispositiven – Zusammenschau
4. Vom Dispositivbegriff zur Dispositivanalyse: Leitfragen und ihre methodologisch-methodische Reflexionen
4.1 Verhältnisbestimmung Diskurs und nicht diskursive Praktiken sowie ihre Machteffekte
4.2 Verhältnisbestimmung Diskurs und Subjektivation/Subjektivierung
4.3 Verhältnisbestimmung Diskurs und alltagsweltliche Wissensordnungen/-praxen
4.4 Verhältnisbestimmung Diskurs, Objektivationen und gesellschaftlicher Wandel
5. Perspektiven: Dispositivanalytische Forschungsfelder
Auch der Diskurs über Diskursforschung produziert seine Wahrheiten, seine eigenen Übereinkünfte und Selbstverständlichkeiten. So findet sich, jedenfalls im Feld der sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse, trotz vieldeutiger Verwendungsweisen in Michel FOUCAULTs Werk, mittlerweile weitgehende Übereinstimmung, worauf sich der Begriff Diskurs richtet: "Was wir von der Wirklichkeit wissen und über sie sagen, das prägt sich aus in Diskursen" (KONERSMANN 1998, S.80). Das Diskursive – die diskursive Praxis als ein "Wahr-Sprechen" ("dire-vrai") – bezeichnet damit ganz allgemein jene geordneten und geregelten (Re-) Produktionsproduktionsprozesse von Aussagesystemen, in und mit denen die gesellschaftliche Herstellung und Sicherung von Wahrheit im Sinne gültigen Wissens über die Wirklichkeit erfolgt (HIRSELAND & SCHNEIDER 2006; KELLER 2005). Die Wahrnehmungsweise, mit der sich das Subjekt seine Welt als real gegeben erschließt, ist Ausdruck der jeweils vorherrschenden, objektivierten Wissensordnung, welche diese Wahrnehmungsweise gleichsam in das Subjekt einsetzt und so – mit Peter L. BERGER und Thomas LUCKMANN (1987) formuliert – die als objektiv gegeben erscheinende Wirklichkeit zur subjektiven und – im Austausch mit anderen Subjekten – zur intersubjektiv geteilten Wirklichkeit werden lässt. Damit kann selbstverständlich auch und gerade die Transformation dieses Wissens bzw. der Wissensordnungen oder gar die Infragestellung herrschender Wahrheiten einhergehen, so dass der Diskursbegriff ein grundlegendes sowohl-als-auch umfasst: Einschränkung und unvorhersehbares Ereignis, Grenze und Überschreitung, Verbot und Übertretung (KONERSMANN 1998, S.74ff.). [1]
Zu hüten hat man sich dabei – einem Hinweis von François EWALD aus der Einleitung zu der Textsammlung "Dispositive der Macht" (FOUCAULT 1978) zufolge – vor vorschnellen Querverbindungen oder gar Ineinssetzungen, die das Verhältnis zwischen Diskursivem und dem, was gemeinhin als gegebene Realität, als objektive Wirklichkeit und ihre subjektive Erfahrung gefasst wird, gleichsam kurzschließen:
"Die Wahrheit, der Diskurs und das Wissen sind nicht mit dem Sein, mit dem Objekt, der Realität oder den Dingen in Beziehung zu bringen, sondern mit den Machttechniken, die sie ermöglichen, produzieren, ihnen die Bedingungen ihrer Möglichkeit geben und sie zugleich legitimieren und konsolidieren." (EWALD 1978, S.16) [2]
Dieses Zitat weist über einen (zu) engen, einseitigen Fokus auf die "Ordnung des Diskurses" (FOUCAULT 1974) und das dabei gleichzeitig zu allgemein bleibende Diktum der wirklichkeitsstiftenden Macht von Diskursen hinaus, indem es im empirischen Blick auf das Diskursive die umfassende, auf konkrete Praktiken und Verhältnisse zielende Machtanalyse anmahnt. Demnach sind es "die Machttechniken", die jene diskursiv als wahr (durch-) gesetzten Wissensordnungen hervorbringen, welche die Wirklichkeit in ihrem für Subjekte erfahrbaren – d.h. in ihrem "(für-) wahrnehmbaren" – Gegebensein formieren (SCHNEIDER & HIRSELAND 2005). Worauf eine solche Machtanalytik zielt, lässt sich z.B. in Michel FOUCAULTs genealogisch ausgerichteter Arbeit zu "Überwachen und Strafen" (FOUCAULT 1991) sowie in seinem Projekt einer "anderen Geschichte der Sexualität im Abendland" (FOUCAULT 1988, 1989a, 1989b) nachvollziehen. Dort, im Vorwort zum ersten Band von "Sexualität und Wahrheit", erläutert er:
"Ich wollte nicht die Geschichte der sexuellen Verhaltensweisen in den abendländischen Gesellschaften schreiben, sondern eine viel nüchternere und beschränktere Frage behandeln: wie sind diese Verhaltensweisen zu Wissensobjekten geworden? Auf welchen Wegen und aus welchen Gründen hat sich der Erkenntnisbereich organisiert, den man mit dem relativ neuen Wort 'Sexualität' umschreibt? Es handelt sich hier um das Werden eines Wissens, das wir an seiner Wurzel fassen möchten: in den religiösen Institutionen, in den pädagogischen Maßnahmen, in den medizinischen Praktiken, in den Familienstrukturen, in denen es sich formiert hat, aber auch in den Zwangswirkungen, die es auf die Individuen ausgeübt hat, sobald man sie davon überzeugte, sie hätten in sich selbst die geheime und gefährliche Kraft einer 'Sexualität' zu entdecken." (FOUCAULT 1988, S.7) [3]
Damit problematisiert FOUCAULT gleich zu Beginn seiner Analysen zur "Sexualität", dass mit dem zweigesichtigen, um Sprache als begrenzende wie ermöglichende Aussagepraxis zentrierten Diskursbegriff und seiner analytischen Macht-Wissen-Programmatik es nicht lediglich um eine Beschreibung von sexuellen Verhaltensweisen und ihrer (unterdrückenden) Normierungen oder gar um eine (wahre) Geschichte der (richtigen oder angemessenen) Sexualität geht. Vielmehr richtet sich seine "beschränktere" Frage auf mehr als das, gleichsam auf eine "andere Arbeit" am Diskursiven, die weitere Analyseebenen adressiert: Was sind die "produktiven" Wissens- und Macht-Praktiken, mit denen "der Sex" zu einem zentralen "Knotenpunkt" wird, der moderne Individuen in ihrer Selbstwahrnehmung und in ihren institutionalisierten Formen des sozialen Austauschs – in der Privatheit der bürgerlichen Familie, in ihren öffentlichen Beziehungen – als sexualisierte Wesen bestimmt und zu "Begehrens-Subjekten" macht (FOUCAULT 1978, insbes. S.176ff.).1) Kurzum: um was es FOUCAULT hier geht, lässt sich mit dem Begriff des "Sexualitätsdispositivs" bezeichnen (FOUCAULT 1988, S.168ff.; 1978, S.119).2) Der Begriff transportiert damit offenkundig die in diesem Unterfangen enthaltene (diskurstheoretisch wie diskursanalytisch-forschungspraktisch vorzunehmende) Bestimmung des Verhältnisses von Diskurs, Macht, Wissen und dem gesellschaftlichen Sein. – "Das Sein" ist hier zu verstehen als sinnlich-materiale gesellschaftliche Praxis, die die sozialen Beziehungen zwischen Menschen, ihren Umgang mit den sie umgebenden Dingen sowie ihre damit jeweils verbundenen (Selbst-) Erfahrungen konstituiert und formiert. [4]
Diese mit dem Dispositivbegriff verbundene Bestimmungsaufgabe aufgreifend, möchte der vorliegende Beitrag einen Einstieg in das konzeptionell und forschungspraktisch noch kaum erschlossene Feld der Dispositivanalyse bieten3) und dabei folgende Fragen diskutieren:
Was ist mit den häufig recht diffus verwendeten Begriffen des Dispositivs bzw. der Dispositivanalyse gemeint?
Was ist aufgrund der theoretisch-methodologischen Vorgaben überhaupt das mögliche "Andere" oder gar das "Mehr" einer dispositivanalytischen Perspektive gegenüber diskursanalytischen Vorgehensweisen?
Was sind die methodischen Umsetzungsmöglichkeiten und Probleme, die mit der Forschungsperspektive der Dispositivanalyse einhergehen? [5]
Dazu wird ein erster Schritt den Diskurs- und Dispositivbegriff kurz erläutern und aufeinander beziehen. Der zweite Schritt sichtet darauf aufbauend das begrifflich-konzeptionelle Instrumentarium im Rahmen einer dispositivanalytischen Forschungsperspektive, während der dritte Schritt erste dispositivanalytische Leitfragen und methodisch-praktische Vorgehensweisen entfaltet. Abschließend sollen anhand ausgewählter aktueller Forschungsfelder die Möglichkeiten und Probleme dispositivanalytischer Forschungspraxis exemplarisch ausgelotet werden. [6]
Die methodologisch-methodische Auseinandersetzung mit dem Konzept der Dispositivanalyse erfordert zunächst die Klärung dessen, was die Begriffe des Diskurses und des Dispositivs – jeweils als analytische Konzepte gefasst – bezeichnen. [7]
In der Diskursforschung dominierte über längere Zeit zunächst ein linguistischer Diskursbegriff, der – wie etwa Johannes ANGERMÜLLER (2001) deutlich gemacht hat – in der Regel zur Bestimmung der grammatikalischen Struktur von Narrativen verwendet wurde und allgemein die dabei jeweils charakteristische, satzübergreifende Ordnung bezeichnete. Pointierter noch zielte er vor allem in soziolinguistischen und konversationsanalytischen Ansätzen auf die sprachlich-interaktiv hergestellte, in Gesprächssituationen gleichsam "Zug um Zug" emergierende Sprechordnung. Herrschte in dieser Verwendungspraxis also eine "deskriptiv-fallspezifische Mikroorientierung" (ANGERMÜLER 2001, S.9) vor und erschien der Diskurs auf dieser Grundlage in ein (wie auch immer gefasstes) interaktionistisches Konzept integriert, so wurde der Diskursbegriff in der Tradition des französischen Strukturalismus und insbesondere Poststrukturalismus als Tiefenstruktur menschlicher Denk-, Wahrnehmungs- und Redeweisen bestimmt. In diesem Kontext entwickelte sich, ausgehend von verschiedenen Protagonisten wie Roland BARTHES, Jacques DERRIDA, Jacques LACAN u.a., eine schillernde Diskussion, aus der heraus ein Diskurskonzept entstand, welches "Kommunikation sowie die Entstehung, Zirkulation und Distribution von Wissen als kontingente Effekte 'überindividueller', sozial strukturierter Praktiken" begreift (KELLER, HIRSELAND, SCHNEIDER & VIEHÖVER 2005a, S.8). [8]
Eine solche, letztlich "stärker gesellschaftstheoretisch fundierte Makroorientierung" (ANGERMÜLLER 2001, S.9) kann insbesondere auch auf FOUCAULT – als weiteren wichtigen Protagonisten jener Diskussion – mit seiner praxeologischen Interpretation des Diskursbegriffs rekurrieren.4) Dabei fokussierte FOUCAULT seine Bemühungen um die Erforschung von Diskursen bzw. diskursiven Praktiken gerade nicht auf die alltäglichen Interaktionen zwischen Menschen und die in ihren Denk-, Wahrnehmungs- und Redeweisen zum Ausdruck kommenden Sinnmuster. Anstatt auf Face-to-face-Kommunikationen mit ihren interaktiv hergestellten Abfolgemustern zielt das FOUCAULTsche Diskursverständnis als "überindividuelle Strukturierung" vielmehr auf institutionalisierte, somit geregelte, auf Dauer gestellte diskursive Praxen in verschiedenen, als zentral erachteten gesellschaftlichen Feldern und Bereichen. Mit Jürgen LINK (1986) ließe sich dieses Diskurskonzept somit vielleicht am einfachsten zunächst als eine aus Aussagen bestehende, "geregelte", institutionalisierte Redeweise fassen. Was ist damit konkret gemeint? [9]
Bekanntlich erläutert FOUCAULT seinen Diskursbegriff einschließlich methodologisch-methodischer Überlegungen zur Diskursanalyse ausführlich in seiner "Archäologie des Wissens" (1973). Ausgehend von der "positiven" Existenz von Aussagen5) schlägt er vor, eine Menge von Aussagen Diskurs zu nennen, "insoweit sie zur selben diskursiven Formation gehören" (FOUCAULT 1973, S.170). In ihrem Aussagegehalt unterschiedliche, aber ähnlich streuende Aussagen verketten sich für FOUCAULT dann zu einer diskursiven Formation, oder kurz: zu einem Diskurs (FOUCAULT 1973, S.128ff.), wenn diese begrenzte Zahl von Aussagen sich durch je angebbare Regeln ihrer praktischen Hervorbringung ausweisen lässt. "Diskursive Praxis" meint demnach konsequenterweise eben nicht z.B. ein wie auch immer geartetes expressives Tun oder ein willentliches rationales Sprechen eines Individuums oder gar jegliches Sprechen-Können eines Subjekts. Vielmehr bezeichnet FOUCAULT damit "die Gesamtheit von anonymen, historischen, stets im Raum und in der Zeit determinierten Regeln, die in einer gegebenen Epoche und für eine gegebene soziale, ökonomische, geographische oder sprachliche Umgebung die Wirkungsbedingungen der Aussagefunktion definiert haben" (FOUCAULT 1973, S.171). [10]
Der FOUCAULTsche Analysefokus richtet sich folglich keineswegs lediglich auf die Inhalte von Aussagen, sondern – gemäß dem Hinweis auf "Regeln", welche die Wirkungsbedingungen der Aussagefunktion definieren – auf die Bedingungen, die "endgültig [vielleicht besser: bis auf weiteres; Anm. ADB & WS] darüber entscheiden, was – gemessen am unbegrenzten Angebot der Sprache [und in Bezug auf das, was gesagt werden könnte; Anm. ADB & WS] – zu einer Zeit und an bestimmter Stelle tatsächlich gesagt wird" (KONERSMANN 1998, S.77). Insofern und in letzter Konsequenz fragt der FOUCAULTsche Diskursbegriff nicht nur nach dem Verhältnis zwischen Gesagtem und Ungesagtem, sondern auch nach den "zones du non-pensée", die als konstitutive Gegenstücke der Diskursformationen und mit ihnen zusammen die Bedingungen und Umrisse des Wissens, des Denkens von Subjekten festlegen. Empirisch zu klären ist dieser Begriffsbestimmung wie folgt: Wie und weshalb entstehen diese Praxen und welche intendierten, vor allem aber auch nicht-intendierten Nebenfolgen haben sie sowohl für die damit verbundenen gesellschaftlichen Wissensordnungen wie – in letzter Konsequenz – auch für die alltäglichen Austauschprozesse der Menschen? [11]
Hinter diesem Analysefokus steht erkennbar ein sozialer Konstruktivismus, der in seinen Prämissen radikal von "den Diskursen" ausgeht: Weil Diskurse konsequent in ihrer wirklichkeitsschaffenden Macht in den Blick genommen werden, geht es der diskursanalytischen Perspektive konkret immer auch um Wissens(-an-)ordnungen (um vorherrschende Bedeutungen, Sinngehalte, Deutungsmuster, ihre Wirkungsbedingungen und Folgen), die durch institutionalisierte diskursive Praktiken im Sinne von Wissenspolitiken hergestellt, durchgesetzt, stabilisiert, verändert oder umgestürzt werden. Weil es in diesem Sinne um Wissenspolitiken als Wahrheitspolitiken geht, sind Diskursanalysen immer auch Machtanalysen. Und sofern man der – bis dato jedenfalls in der Soziologie immer noch gängigen – analytischen Differenzierung zwischen Mikro- und Makro-Perspektive folgen mag, lässt sich das FOUCAULTsche Diskurskonzept vor dem Hintergrund dieser knappen Begriffsskizze weder eindeutig der Mikro- noch der Makro-Ebene zuordnen, sondern wohl am ehesten auf der Meso-Ebene ansiedeln. [12]
Im weiteren Verlauf des Diskurses über Diskursanalyse ist – je nach FOUCAULT-Lesart – durchaus kontrovers etwa hinsichtlich einer eher handlungs- oder strukturtheoretischen Fassung von Diskursen über dieses Primat des Diskursiven diskutiert worden: Gibt es eine Praxis, ein Sein außerhalb von Diskursen bzw. gar außerhalb des Diskursiven (schlechthin)? Und wie wäre das Verhältnis von diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken zu fassen bzw. was könnten nicht-diskursive Praktiken überhaupt sein? [13]
Ein Teil von Diskursforschenden beantwortet – mehr oder weniger eng an FOUCAULTs Überlegungen in der "Archäologie" angelehnt – diese Fragen, indem nicht-diskursive Praktiken schlicht als solche gefasst werden, die eben keinem Diskurs zugerechnet werden können bzw. noch keinem oder nicht mehr einem Diskurs zugehörig sind (vgl. etwa BÜHRMANN 2004; DIAZ-BONE 2002; KELLER 2005, 2004; SCHWAB-TRAPP 1996). Hier bezeichnet "nicht-diskursiv" also jene Äußerungen bzw. Praktiken, die als nicht-sprachliche kein Bestandteil einer geregelten, institutionalisierten Redeweise sind, gleichwohl aber mit diskursiven Praktiken verbunden werden können. Unterstellt wird also die Möglichkeit einer sinnvollen analytischen Differenz zwischen dem Diskursiven und Nicht-Diskursivem, um damit empirisch das Verhältnis zwischen beidem untersuchen zu können.6) Das Diskursive bezeichnet eine je angebbare Formierung von Praktiken, die auf zu identifizierende soziale Anlässe zurückgeführt werden kann, und sie zeitigt zwar keine prinzipiell außer-diskursiven, aber gleichwohl möglicherweise nicht-diskursive Konsequenzen im Sozialen.7) [14]
Innerhalb dieser Sichtweise lassen sich dann diskursive/nicht-diskursive Praktiken, ihre Ursachen, Wirkungen, Folgen und Verflechtungen entlang ihrer analytischen Trennung systematisch beschreiben, so wie es bspw. Reiner KELLER mit folgenden begrifflichen Differenzierungen vorschlägt: Mit Diskurs bezeichnet er die Gesamtheit "eine[r] nach unterschiedlichen Kriterien abgrenzbare[n] Aussagepraxis bzw. die Gesamtheit von Aussageereignissen", mit der je spezifische Wissensordnungen prozessiert werden. Diskurse, empirisch je nach untersuchtem Forschungsfeld aus dokumentierten bzw. prinzipiell dokumentierbaren Äußerungen bzw. Aussageereignissen (sprachliche Materialisierungen eines Diskurses bzw. Diskursfragments) bestehend, können so "im Hinblick auf institutionell stabilisierte gemeinsame Strukturmuster, Praktiken, Regeln und Ressourcen der Bedeutungserzeugung untersucht" werden (KELLER 2004, S.64). Diskursformationen bzw. diskursive Formationen umfassen einen (wiederum) "abgrenzbaren Zusammenhang von Diskurs(en), Akteuren, Praktiken und Dispositiven" (ebd.), wobei unter Praktiken sprachliche (diskursive) oder nicht-sprachliche (nicht-diskursive) Handlungsmuster verstanden werden, die in "bestimmten Fällen einem Diskurs zurechenbar sind (...), sich davon aber auch mehr oder weniger unabhängig und eigendynamisch in Praxisfeldern entwickeln können" (KELLER 2005, S.230). Diesen Praxisbegriff veranschaulicht KELLER (2004, S.62; ausführlicher in KELLER 2005, S.250ff.) entlang der folgenden analytischen Dimensionierung:
Zunächst zu nennen sind diskursive und nicht-diskursive Praktiken der mehr oder weniger direkten Diskurs(re-)produktion im Sinne einer aktiven Teilnahme von individuellen oder kollektiven Akteur(inn)en am Diskursgeschehen. Diskursive Praktiken sind dabei jene des Sprach- bzw. Zeichengebrauchs, die erforderlich sind, um als Sprecher bzw. Sprecherin in einem Diskurs fungieren und Gehör finden zu können; z.B. Kommentare erstellen, Aufsätze schreiben, Festreden vortragen. Nicht-diskursive Praktiken hingegen sind symbolisch aufgeladene Handlungsweisen oder Gesten innerhalb eines Diskurses, die durch ihren Vollzug den Diskurs stützen, aktualisieren oder auch verändern, wie bspw. Segnen, Demonstrieren etc.
Dem gegenüber sind diskursgenerierte Modellpraktiken gleichsam als Diskurseffekte zu fassen, da sie nicht aktiv – d.h. als Praktiken von Diskursakteur(inn)en – den Diskurs adressieren bzw. das Diskursgeschehen fortführen, sondern als normative Handlungsprogramme die jeweilige Wissens(an)ordnung reproduzieren. Diskursive Praktiken, also solche, die sich auf Kommunikationsprozesse beziehen, sind z.B. ärztliche Diagnose-Prozeduren, therapeutische Beratungsgespräche oder die regelmäßige Beichte. Nicht-diskursive Praktiken als nicht-sprachliche bzw. nicht-zeichenbezogene Handlungsvollzüge sind hier z.B. Müll sortieren, einen Organspende-Ausweis mit sich führen etc.
Von a) und b) zu unterscheiden sind wiederum diskursexterne Praktiken, die auf einer "relativ diskursunabhängigen" (Alltags-) Ebene angesiedelt sind und in verschiedensten gesellschaftlichen Praxisbereichen bzw. Handlungsfeldern "die alltäglich tradierten und routinisierten Arten und Weisen, etwas zu tun" (KELLER 2005, S.252), bezeichnen. Diskursive bzw. sprachliche/zeichenförmige Praktiken hierbei sind z.B. Alltagsgespräche, Klatschen oder "Ratschen" in der Bäckerei um die Ecke etc. Nicht-diskursive bzw. nicht-zeichenförmige Praktiken umfassen die jeweiligen Rituale und Routinen des Alltags (Gehen, Kochen, Körperpflege etc.). [15]
Ohne die Trennschärfe (z.B. von diskursgenerierten Modellpraktiken und Alltagsroutinen) genauer diskutieren zu wollen, verdeutlichen die illustrierenden Beispiele jedoch, dass es sich hierbei um eine analytische Differenzierung handelt, die keine (diskurstheoretisch auch kaum zu argumentierende) Unabhängigkeit zwischen diskursiven und nicht-diskursiven bzw. sprachlichen/zeichenförmigen und nicht-sprachlichen/nicht-zeichenförmigen Handlungsmustern behauptet. Vielmehr geht es darum, das jeweilige Bestimmungsverhältnis zwischen Diskursivem und Nicht-Diskursivem empirisch aufzuklären. Mithin impliziert diese analytische Differenzierung von Praktiken allerdings auch ein doppeltes Akteurskonzept, indem der Akteursbegriff zum einen auf die individuellen oder kollektiven Produzent(inn)en von Diskursen bzw. auf die am Diskursgeschehen aktiv Beteiligten zielt – kurzum: gemeint sind Diskursakteur(inn)e(n). Ebenso geht es zum anderen aber auch um jene Akteur(inn)e(n) in sozialen Praxiszusammenhängen, die nicht direkt "im Diskurs stehen", aber mit ihrem Denken/Wahrnehmen und Tun als Adressierte in einem empirisch näher zu bestimmenden Verhältnis zum Diskursgeschehen positioniert sind. Damit nimmt der Dispositivbegriff ein über das Diskursive hinausreichendes, wenngleich mit ihm verbundenes Akteur-Praxis-Verhältnis in den Blick, welches nur unzureichend zum Ausdruck kommt, wenn Dispositive etwa als "materielle und ideelle Infrastruktur" von Diskursen gefasst werden, "durch die ein Diskurs (re)produziert wird und Effekte erzeugt". Als solche Infrastruktur-Beispiele im Sinne von Maßnahmenbündel, Regelwerke, Artefakte können z.B. Gesetze, Verhaltensanweisungen, Gebäude, Messgeräte usw. genannt werden (KELLER 2005, S.230; vgl. insbes. auch S.253ff.). [16]
Zwar scheint ein solches Dispositiv-Verständnis auf den ersten Blick recht nah an dem FOUCAULTs zu sein, für den ein Dispositiv ganz allgemein aus diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken besteht, die sich aus höchst heterogenen Elementen wie etwa "Diskursen, Institutionen, architekturalen Einrichtungen, reglementierenden Entscheidungen, Gesetzen, administrativen Maßnahmen, wissenschaftlichen Aussagen, philosophischen, moralischen oder philanthropischen Lehrsätzen, kurz: Gesagtem ebensowohl, wie Ungesagtem (...)" zusammensetzen können (FOUCAULT 1978, S.119).8) Aber anders als bei FOUCAULT sind bei KELLERs Begriffs(an-)ordnung Dispositive – ebenso wie Diskurse, Akteur(inn)e(n) und Praktiken – Bestandteile von (demnach übergeordneten bzw. weiter gefassten) Diskursformationen. Sie liegen also einerseits analytisch gleichsam auf einer Ebene mit Diskursen. Andererseits reicht der Dispositivbegriff über den des Diskurses hinaus, denn als "materielle und ideelle Infrastruktur" sind Dispositive gegenüber Diskursen insofern als "vorgängig" gedacht, als sie deren Ermöglichungsstruktur wie Wirkungsvoraussetzung bilden. Das erscheint begrifflich-konzeptionell problematisch und wirft auch die Frage nach einer weiteren Klärung des Verhältnisses von Diskurs, Akteur(in) und Praxis unter machtanalytischen Vorzeichen auf. Konkret: Wie sind die Akteur(inn)e(n) von Praktiken zu fassen und wiederum mit dem Begriff des Subjekts in Bezug zu setzen? Wenn von ideeller und materieller Infrastruktur die Rede ist, wie verhalten sich dann Wissen bzw. Bedeutungen zu materialen Objekten? Und schließlich ist zu fragen: Wieso werden überhaupt Dispositive (durch diskursive und nicht-diskursive Praktiken) hervorgebracht, und auf welche Weise bzw. mit welchem Ansatzpunkt im Verhältnis zur empirischen Analyse von Diskursen können sie erforscht werden? [17]
Vor der weiteren Diskussion dieser Fragen versucht die folgende Grafik – als erste Zwischenbilanz – eine zusammenfassende Visualisierung der bisherigen Ausführungen:
Abb. 1: Das Dispositiv als Infrastruktur für Diskursformationen [18]
Liest man bei FOUCAULT nach, welche Analyseabsichten er mit dem so diffus wirkenden Dispositivkonzept für seine Forschungsaktivitäten verbindet, so fallen einige, diskurstheoretisch als wesentlich erscheinende und auch methodologisch relevante Weiterungen auf, indem er Dispositive als formierende Netze mit machstrategischer Funktion konzipiert (FOUCAULT 1978, S.119ff.; BÜHRMANN 2004; S.27; SCHNEIDER & HIRSELAND 2005, S.258ff.). Erstens bezeichnet der Dispositivbegriff nicht einfach nur die Gesamtheit von infrastrukturellen Bestandteilen für Diskurse oder in gesellschaftlichen Handlungsfeldern; es geht also nicht um eine einfache Bestandsaufnahme von allem, was sich bei näherem Hinsehen als Voraussetzung für oder Folge von Diskursen identifizieren lässt. Wenn FOUCAULT mit Dispositiv ein "heterogenes Ensemble" von solchen unterschiedlichen Elementen wie Diskursen, Institutionen, architekturalen Einrichtungen, reglementierenden Entscheidungen, Gesetzen usw. bezeichnet, bildet nicht die Summe dieser Elemente das Dispositiv, sondern das analytische Konzept Dispositiv soll das Augenmerk auf "das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann", richten (FOUCAULT 1978, S.119f.). [19]
Dies ist insofern mehr als nur eine sprachliche Spitzfindigkeit, als damit ein wichtiger Hinweis auf die Relevanz von Macht für die Analyse gegeben wird. Denn mit dem Dispositivkonzept verknüpfen sich für FOUCAULT – zweitens – diskursive und nicht-diskursive Elemente zu "Strategien von Kräfteverhältnissen, die Typen von Wissen stützen und von diesen gestützt werden" (FOUCAULT 1798, S.123). Insofern konstituieren Dispositive Möglichkeitsräume für gültiges, "wahres" Wissen und sind selbst aber in diesem Sinne immer schon Effekte von Machtbeziehungen. Das bedeutet: Die zentrale strategische Funktion von Dispositiven liegt nach FOUCAULT darin, dass sie "zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt (...) auf einen Notstand (urgence)" FOUCAULT 1978, S.120) antworten, in gewisser Weise also als Operatoren zur Lösung gesellschaftlicher Transformationsphasen und Problemlagen verstanden werden können. Insofern ist das Dispositiv gleichsam als Problemlösungsoperator "immer in ein Spiel der Macht eingeschrieben, immer aber auch an eine Begrenzung oder besser gesagt: an Grenzen des Wissens gebunden, die daraus hervorgehen, es gleichwohl aber auch bedingen" (FOUCAULT 1978, S.123). [20]
Drittens entstehen Dispositive also weder zufällig, noch sind sie intentional oder von abstrakten, allgemein gültigen gesellschaftlichen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen bedingt, sondern sie antworten mit einer strategischen Zielsetzung auf eine historisch spezifische Situation. Hier verweist FOUCAULT auf die Vorstellung einer "Strategie ohne dahinter stehenden Stratege[n]" (FOUCAULT 1978, S.132), was keineswegs bedeuten soll, dass am Geschehen beteiligte, in diese Wahrheits-/Machtspiele eingebundene Akteur(inn)e(n) nicht versuchen, ihre Interessen zu verfolgen. Behauptet wird vielmehr, dass allein aus den (Herrschafts-) Interessen von individuellen oder kollektiven Akteur(inn)en und ihrer möglichen Durchsetzung heraus das, was als "Erfahrungs-Zusammenhang" von Diskurs, Macht, Wissen und sinnlich materialer gesellschaftlicher Praxis die Selbstverhältnisse von Subjekten und ihre Beziehungen untereinander als je historisch spezifische konstituiert und formiert, nicht hinreichend erklärt werden kann (FOUCAULT 1978, S.132ff.). [21]
Der für den Dispositivbegriff damit augenscheinlich konstitutive Konnex zwischen der Frageperspektive der Diskursanalyse und der Machtanalyse (z.B. SEIER 1999; BÜHRMANN 1995) kennzeichnet – so Andrea SEIER – bei FOUCAULT einen Perspektivenwechsel, "der von der Aufgabe der Identifizierung einzelner Diskurse, wie sie die 'Archäologie des Wissens' nahelegt, zur Identifizierung von Machtstrategien führt, in denen die Diskurse einen Bestandteil (neben anderen) bilden" (SEIER 1999, S.80). Die vorherrschende Analyserichtung weist also nun nicht mehr eindeutig von der Ordnung des Diskurses mit ihren diskursiven Praktiken, Regeln und Aussagesystemen auf die von dort aus in den analytischen Blick zu nehmenden nicht-diskursive Praktiken. Vielmehr sollen nun mit dem Dispositivbegriff "Diskurse, Praktiken, Institutionen etc. als Bestandteile von Machtstrategien" betrachtet werden: "Verknüpfen die Diskurse einzelne Aussagen nach bestimmten Formationsregeln, stellen die Dispositive Verknüpfungen von Diskursen, Praktiken und Macht dar." (SEIER 1999, S.80) Die Funktionsweise der Dispositive selbst beschreibt FOUCAULT als wesentlich produktiv: In ihnen werden beispielsweise gemäß entsprechender historisch-strategischer Erfordernisse über spezifische Diskurs- und Machttechniken nicht nur materiale Vergegenständlichungen, Objektivationen diskursiver Prozesse (als festgefügte und objektivierte Regelwerke, Rituale, Artefakte, Gebäude usw.), sondern ebenso und vor allem Subjektivationen (z.B. bestimmte Subjektivitätstypen) hervorgebracht (wie z.B. im Sexualitätsdispositiv der Typus des modernen "Begehrens-Subjekts"). [22]
Konzeptionell zielt der Dispositivbegriff folglich sowohl auf die – in diesem Sinne als machtvoll zu verstehenden – Effekte der diskursiv erzeugten und vermittelten Wissens(-an-)ordnungen, auf die (nicht-diskursiven) Praktiken in den betreffenden Praxisfeldern wie auch die (Rück-) Wirkungen dieser Praktiken auf die diskursiven "Wahrheitsspiele" selbst.9) Im Vergleich zum Diskursbegriff wird dabei der Analyseraum zum einen umfassender für "nicht-diskursives" Wissen geöffnet, das also nicht (noch nicht oder nicht mehr) Gegenstand diskursiver Praxis ist. Zum anderen sind damit symbolische Objektivierungen und materiale Vergegenständlichungen von nicht-diskursiven Praktiken sowie damit einhergehende Subjektivierungen der Akteur(inn)e(n) und ihre möglichen (Trans-) Formierungen als eigenständige Analyseebenen miteinbezogen. [23]
Vor allem fokussiert auf den Tätigkeitsbegriff und basierend auf der Auseinandersetzung mit der (aus seiner Sicht eher missverständlichen und häufig missverstandenen, weil nicht als zusammenhängend gefassten) Unterscheidung von diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken und ihren jeweiligen Vergegenständlichungen, entwickelte Siegfried JÄGER (2001, S.82ff.; 2006, S.89ff.) Anregungen zur Analyse von Dispositiven. Er schlägt eine Vermittlung zwischen dem Diskurs als Sagbarem bzw. Gesagtem und den nicht-diskursiven Praxen als (sinnlich-materialen) Tätigkeiten sowie schließlich den Sichtbarkeiten als deren Produkten bzw. Gegenständen vor. Dabei begreift er Sichtbarkeiten als Vergegenständlichungen bzw. Tätigkeiten von (diskursiv prozessiertem) Wissen und nicht-diskursive Praxen als das tätige Umsetzen von Wissen, welches diese Sichtbarkeiten hervorbringt (vgl. JÄGER 2001, S.82f.). So stehen für JÄGER auf der einen Seite die diskursiven Praxen, die primär Wissen transportieren, auf der anderen Seite jene Handlungen als nicht-diskursive Praxen, die zwar Wissen transportieren bzw. denen Wissen vorausgeht, die aber als "Dinge produzierende Tätigkeiten" letztlich zu Sichtbarkeiten/Vergegenständlichungen führen, die folglich "das Resultat der Vergegenständlichung diskursiver Wissens-Praxen durch nicht-diskursive Praxen darstellen" (JÄGER 2001, S.83). Dispositivanalyse fragt somit nach dem Zusammenhang zwischen einerseits "bedeutungsgebenden Diskursen" und andererseits "den Dingen" selbst: Diskurse lassen "die Dinge" überhaupt erst wahrnehmbar werden, indem sie diese den Menschen bedeutsam machen, sie mit (Gebrauchs-) Wissen, mit "normativen Skripts" zu ihrem "rechten Gebrauch" überziehen. Als "Grundfigur des Dispositivs" identifiziert JÄGER folglich einen "prozessierenden Zusammenhang von Wissenselementen, die in Sprechen/Denken – Tun – Gegenständen/Sichtbarkeiten eingeschlossen sind" (JÄGER 2001, S. 83). Die analytische Grundfigur des Dispositivs stellt er sich als "ein Dreieck oder als einen rotierenden und historisch prozessierenden Kreis mit drei zentralen Durchlauf-Punkten bzw. Durchgangsstationen" (JÄGER 2001, S.83) vor, eben zwischen Diskurs (diskursive Praxen), nicht-diskursiven Praxen und Sichtbarkeiten/Vergegenständlichungen (vgl. auch JÄGER 2006, S.109). [24]
Offen bleiben jedoch bei JÄGERs konzeptionellen Anregungen zur Dispositivanalyse, wie jenes Dreieck bzw. jener rotierende und historisch prozessierende Kreis zwischen diskursiven und nicht-diskursiven Praxen, die darin enthaltenen bzw. hervorgebrachten Sichtbarkeiten im Sinne von Objektivationen (die durch Praxis hergestellten "Dinge"), aber auch die – von JÄGER nicht weiter explizierten – Subjektivierungen (das durch Praxis hergestellte Selbst), systematisch analysiert werden sollen. Hierzu verweist er einerseits auf das entsprechende Instrumentarium der Diskursanalyse, die auf die umfassende Rekonstruktion des Wissens in diskursiven Praxen zielt und als Grundlage für die weiteren Schritte einer Dispositivanalyse fungiert (JÄGER 2006, S.110ff.). Mit Blick auf die Rekonstruktion des in (nicht-diskursiven) Handlungen "verborgenen" Wissens, welches ihnen zugrunde liegt, münden die entsprechenden Erläuterungen für Methodeninteressierte letztlich in die Beobachtung von Handlungen und das Interviewen der Handelnden. Unklar bleibt, inwiefern gerade ein solcher empirischer Zugriff das "hervorholen" kann, was Handelnden wie Beobachtenden eben nicht als reflexiv verfügbares Wissen zur Verfügung steht, sondern gleichsam präreflexiv deren Tun und Wahrnehmen leitet, und wie damit verbundene Machteffekte zu "ent-decken" wären.10) Gleiches gilt für den empirischen Blick, der das in Sichtbarkeiten/Vergegenständlichungen materialisierte Wissen etwa anhand der darauf bezogenen Gebrauchsweisen rekonstruieren will (z.B. nicht nur hinsichtlich der Gegenständen oder Dingen zugewiesenen Bedeutungen, sondern auch in Bezug auf die im Gegenstand enthaltene, darin verkörperte "Gebrauchsanweisung" im Sinne einer gleichsam materialisierten Vorgabe seines "richtigen" Gebrauchs). [25]
Spätestens bei solchen Überlegungen wird deutlich, dass mit dem Dispositivbegriff einerseits eine noch genauer zu bestimmende Analyse der "Dinge" als Konstitutionsanalyse von Objektivationen sowie andererseits – und damit korrespondierend – von Subjektivationen/Subjektivierungen in Angriff zu nehmen ist.11) [26]
Mit der in JÄGERs analytischem Dreieck nicht als eigener Referenzpunkt aufscheinenden diskursanalytisch wie dispositivanalytisch relevanten Frage nach den Akteur(inn)e(n) bzw. den Subjekten (vgl. SCHNEIDER & HIRSELAND 2005, S.255ff. und 264ff.) hat sich insbesondere Andrea BÜHRMANN (1998, 2004) beschäftigt. Unter Verwendung des Begriffs der Subjektivierungsweise (hier im Sinne von: Wie wird ein Subjekt konstituiert?) schlägt sie für die Konzeptionierung von Dispositivanalysen vor, die materialen Untersuchungen FOUCAULTs als Orientierungsrahmen in den Blick zu nehmen und zu rekonstruieren, wie FOUCAULT seine dispositivanalytischen Studien selbst angelegt hatte. Dabei macht sie deutlich, wie FOUCAULT in seinen gegenstandsbezogenen Studien das Verfahren der Machtanalyse mit dem der Diskursanalyse verknüpft. Ausgehend von der Frage nach der Formierung bzw. Transformierung moderner Subjektivierungsweisen erforscht FOUCAULT, welcher Wissensgegenstand diskursiv hervorgebracht wird, nach welcher Logik die Begrifflichkeiten konstruiert werden, wer autorisiert ist, über den Gegenstand zu reden, und welche strategischen Ziele mit einer diskursiven Praxis verfolgt werden. Darüber hinaus geht es ihm in seinen Machtanalysen darum zu untersuchen, über welche Autorisierungsinstanzen sowie Machttechniken diese diskursiven Praktiken in welchem Feld der Machtverhältnisse gestützt bzw. durchgesetzt werden und welchen machtstrategischen Zielen sie dienen. Im Verfahren der Dispositivanalyse treten also demnach neben die Analyse diskursiver Beziehungen eine Analyse der Machtbeziehungen sowie eine Analyse ihres Zusammenspiels in Form von Diskurs- und Machtformationen. [27]
Ausgehend davon lassen sich die folgenden Untersuchungsebenen unterscheiden: für die Analyse der diskursiven Beziehungen die des Gegenstands, der Äußerungsmodalität, der Begriffskonzeption und der strategischen Wahl; für die Analyse der Machtbeziehungen die Ebene des Feldes der Machtbeziehungen, der Autorisierungsinstanz, der Machttechniken und der Machtstrategie. Werden nun diese diskurs- und machtanalytischen Formationsebenen systematisch aufeinander bezogen, ergeben sich die folgenden vier unterschiedlichen Untersuchungsebenen zur Analyse von Dispositiven: die des Referenzbereiches, der Regulierungsinstanz, des Regulierungsverfahrens und des strategischen Imperativs. Beim Referenzbereich geht es um die Verbindung zwischen Gegenstand und Feld der Machtbeziehungen, bei der Regulierungsinstanz um den Zusammenhang zwischen Äußerungsmodalität und Autorisierungsinstanz, beim Regulierungsverfahren um die Verbindung zwischen Begriffskonzeption und Machttechniken und schließlich beim strategischen Imperativ um die Verbindung zwischen strategischer Wahl und Machtstrategie. Alle diese Ebenen sind interdependent, also durch wechselseitige Abhängigkeiten miteinander gekennzeichnet; dennoch sind – erinnert sei an das in Abschnitt 2.2 konstatierte, unbefriedigende doppelte Akteurskonzept – die handelnden Akteur(inn)e(n) sowie deren Praxen systematisch voneinander zu unterscheiden. Eine schematische Übersicht dieser Analysekonzeption gibt die folgende Grafik:
Abb. 2: Dispositivperspektive: Diskursanalytik und Machtanalytik im Anschluss an FOUCAULT (BÜHRMANN 2004, S.38) [28]
Diese Untersuchungsebenen wurden am Beispiel des Kampfes der bürgerlichen Frauenbewegung um die Individualisierung von Frauen in Deutschland um 1900 für die empirische Analyse zur Erforschung des Formierungs- bzw. Transformierungsgeschehens moderner weiblicher Subjektivierungsweisen fruchtbar gemacht. So zeigte sich, dass Frauen über diskursive und nicht-diskursive Praxen versuchten, Kräfteverhältnisse und Wissens(an-)ordnungen zu nutzen, um die bis dahin hegemoniale Subjektivierungsweise bürgerlicher Frauen als Hausfrau, Mutter und Ehefrau zu transformieren. Dabei ging es aber nicht nur um "das Diskursive", sondern – einer von Jürgen LINK (1986, 2005) vorgenommenen Unterscheidung folgend – sollten sowohl unterschiedliche wissenschaftliche Spezialdiskurse, der "Interdiskurs", aber auch der "Elementardiskurs" im Sinne des (subjektivierten) Alltagswissens der Menschen so verändert werden,12) dass Frauen von sich selbst und auch von anderen als Individuen wahrgenommen, gedeutet und erlebt werden konnten und sollten. Dieses Ziel konnte nur zum Teil erreicht werden und implizierte zugleich nicht intendierte paradoxe (Neben-) Folgen: Denn Frauen, die von sich selbst in unterschiedlichen Textformen als Individuen sprachen, waren ganz praktisch an der Modernisierung des deutschen Wohlfahrtstaates beteiligt gewesen, der wiederum für viele Frauen – grosso modo – eine (erneute) Bestätigung der bisherigen hegemonialen Subjektivierungsweise bedeutete (vgl. dazu ausführlich BÜHRMANN 2004, S.226-241). [29]
Im Anschluss daran und vor dem Hintergrund der bisherigen konzeptionellen Überlegungen schlagen wir für die dispositivanalytische Frage nach den Akteur(inn)en/Subjekten folgende begriffliche Unterscheidung vor: Unter dem Stichwort Subjektivation/Subjektivierung fassen wir einerseits Subjektformierungen und Subjektpositionierungen, andererseits Subjektivierungsweisen. Mit diesen Begriffen ist sowohl die Art und Weise zu verstehen, wie Individuen von Diskursen als "Subjekte" adressiert werden, als auch deren dazu in Beziehung zu setzendes "Bewusstsein". Konkret: die diskursiv vermittelten Subjektformierungen und ‑positionierungen enthalten Wissen darüber, wer der oder die einzelne im Verhältnis zu anderen sein soll, welche Praktiken (als normative Handlungsprogramme) sie oder er als Akteur(in) dabei zu verfolgen hat und welche Bewertungen der Effekte damit einherzugehen haben. Die Selbstdeutung, das Selbsterleben und die Selbstwahrnehmung der Individuen und damit ihr Selbstverständnis im Sinne der "eigenen Identität" (z.B. sich als Akteur[inn]e[n] des "eigenen" Lebens zu sehen oder als "Getriebene" bzw. gar "Opfer" der Verhältnisse) bezeichnen wir im Rückgriff auf FOUCAULT hingegen als Subjektivierungsweise. Im Hinblick auf "das Subjekt" kommen folglich als Frageperspektive zu den diskursiv vermittelten Subjektformierungen und ‑positionierungen die umfassenden Subjektivierungsweisen als Praxis des Selbstverständnisses und der Selbstthematisierung bzw. die diese jeweils zum Ausdruck bringenden (und mehr oder weniger institutionalisierten) Verhaltensweisen hinzu. Den Individuen wird durch das Dispositiv ein (praktisches) Wissen möglich, das die einen dazu bringen kann, sich auf "nützliche" Weise (entsprechend der "gesellschaftlichen Situation", so wie sie diese "für-wahr-nehmen" und "erfahren") zu sich selbst und zur Welt um sie herum zu verhalten. Die Anderen – gleichsam als Kehrseite – erfahren sich womöglich als "draußen", als unnütz oder auch als nicht passend mit Subjektivierungsweisen, die sich zwischen dem Drinnen und Draußen zu bewegen suchen. [30]
Eine schematische Übersicht dieser begrifflichen Unterscheidung bietet die nachfolgende Grafik:
Abb. 3: Subjektivitation/Subjektivierung [31]
Zur Illustration seien kurz zwei Beispiele aus unterschiedlichen Forschungsfeldern skizziert: Seit einiger Zeit wird unter der Überschrift eines "Umbaus" zum aktivierenden Wohlfahrtsstaat diskutiert, dass Erwerbslose aus einschlägigen Broschüren, Ratgebern und Informationsschriften verstärkt lernen (sollen), was es heißen könnte, eine unternehmerische Persönlichkeit zu werden bzw. ein unternehmerisches Selbst auszubilden. Die praktischen Anforderungen und Kompetenzen erlernen sie dann in unterschiedlichsten Kursen, Businessplan-Wettbewerben oder Existenzgründungsseminaren. Über diese diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken wird ihnen eine bestimmte Subjektformierung bzw. ‑positionierung nahegebracht: Sie lernen, welche Praktiken hier wichtig und zu befolgen sind – z.B. das Schreiben eines Businessplanes, das angemessene Verhalten beim Bankengespräch und welche Folgen es hat, hier überzeugend zu wirken oder nicht. Ob Ihre Selbstdeutung und ‑wahrnehmung allerdings damit übereinstimmt, ist eine empirisch zu klärende Frage: Inwiefern wird diese Subjektformierung des unternehmerischen Selbst als mehr oder minder passiv, ja gar als "erlitten", aufgezwungen und letztlich "äußerlich" und deshalb erfolglos bleibend erfahren? Oder erfolgt tatsächlich eine Subjektivierung, in der die Betreffenden für sich dieses Selbstverständnis aktiv formulieren und/oder selbstverständlich (voraus-) setzen und versuchen, in dieser Weise zu handeln (vgl. auch BÜHRMANN 2005). [32]
In analoger Weise zeigt sich in der zunehmenden Diskursivierung von Sterben und Tod seit den 1980er Jahren, wie sich in verschiedenen institutionellen Bereichen, in denen gestorben wird (Klinik, Altenheim, Hospiz), um die Maßgabe des selbstbestimmten, eigenverantwortlich gestalteten und deshalb "guten Sterbens" eine neue "Sterberolle" ausbildet. Diese Institutionalisierung des guten Sterbens – als normatives Programm und entsprechend "materialisiert" bspw. in diversen Formularen bis hin zu architektonischen Umgestaltungen in den jeweiligen Einrichtungen – zielt darauf, dem oder der Einzelnen ein möglichst individuelles, schmerzfreies und dennoch bewusstes Erleben des eigenen Sterbensprozesses als letzter Lebensphase zu gewährleisten. Und sie erfordert damit einen bestimmten Typus von Sterbenden, die z.B. entweder bei klarem Bewusstsein oder mit Patientenverfügung/Vorsorgevollmacht ausgestattet sind, über eine "eigene" Biografie und kommunikative Kompetenzen verfügen, um diese bis zum Ende zu vermitteln und eine entsprechende Individuierung noch im Sterben bewahren. Empirisch offen ist, inwieweit diese Subjektformierung/‑positionierung, nach der z.B. in Betreuungssituationen der bzw. die Sterbende selbst den Lauf der Dinge bestimmen soll und damit de facto Verantwortung und Entscheidungslast von den Betreuenden bzw. der Gesellschaft der Weiterlebenden nimmt, von den Sterbenden als Zugewinn für das eigene, als autonom gedachte Selbst erlebt oder – im Gegenteil – als Überforderung erfahren wird (SCHNEIDER 2005, 2007). [33]
Diese Überlegungen und Illustrationen verweisen darauf, dass nicht nur die Verbindungen, Verknüpfungen bzw. Vernetzungen von Aussagen und Kräfteverhältnissen, von diskursiven und nicht-diskursiven Praxen dispositivanalytisch zu erforschen sind. Vielmehr umfasst ein dispositivanalytischer Forschungsblick folgende konzeptionelle Dimensionen, die es insbesondere aus sozialwissenschaftlicher Perspektive zu bedenken gilt: [34]
Erstens zielen Fragen nach den dispositiven Effekten auch und gerade auf das Alltagswissen und die Alltagspraxen der Akteur(inn)e(n). Konkret bedeutet dies etwa mit Blick auf die eben skizzierten Beispiele: Welche Risiken oder auch Chancen verbinden Menschen mit einer antizipierten Arbeitslosigkeit für sich selbst oder für andere? Auf welche sozialen Beziehungen wollen sie sich mit Blick auf ihr antizipiertes Lebensende verlassen und auf welche eher nicht (auf die eigene Familie, auf den anonymen Staat, auf Professionelle und Expert[inn]en, nur auf sich selbst)? Allgemeiner formuliert sind die Fragen nach Diskurs, Wissen, Macht, Praxis und Subjekt konsequenterweise also auch als Fragen nach dem Verhältnis von Diskurs und Alltagswissen, Alltagsgespräch, Alltagspraxis auszubuchstabieren – zumal diese Begriffe Leerstellen in der bisherigen Diskursforschung bezeichnen, mit der Dispositivperspektive aber einholbar werden (vgl. dazu auch WALDSCHMIDT, KLEIN, TAMAYO KORTE & DALMAN-EKEN 2007). [35]
Zweitens ist nach den sozialen Anlässen der Formierung unterschiedlicher Praxen zu einem Dispositiv und auch ihren Effekten im Kontext konkreter Herrschaftsstrukturen und Machtformationen zu fragen. Denn schließlich erscheinen Dispositive nicht als diskursive Willkürlichkeiten oder zufällige Mutationen, sondern – wie oben bereits angedeutet – als sich institutionalisierende bzw. institutionelle Antworten auf bestimmte gesellschaftliche Problemlagen. Sie reagieren auf und produzieren selbst gesellschaftlichen Wandel, zeitigen dabei beabsichtigte, aber auch nicht beabsichtigte Nebenwirkungen innerhalb des gesamten Ensembles (z.B. auch und gerade als Transformation von Machtbeziehungen und Herrschaftsstrukturen).13) In diesem Sinne spricht FOUCAULT auch von einer funktionellen Überdeterminierung von Dispositiven einerseits und einer strategischen Wiederauffüllung andererseits (wenn z.B. die – scheinbar – gleiche Praxis neu definierten Zielsetzungen folgt; siehe FOUCAULT 1978, S.121ff.). Deshalb muss eine Dispositivanalyse den Ausweis der gesellschaftlichen Problemstellung(en) führen, auf die Dispositive antworten. Nicht intendierte Nebenfolgen sozialen Wandels führen zu neuen gesellschaftlichen Problemlagen, die mit überkommenen Institutionen bzw. mit überkommenem Wissen nicht mehr bewältigbar erscheinen und neue Diskurse in Gang setzen, womit neue Deutungen, Wahrheiten, Problemkonstellationen etc. hervorgebracht werden. Diese wiederum können mit einem institutionellem Umbau einhergehen, der über diskursive und nicht-diskursive Subjektivationen (bzw. hier besser: Subjektproduktionen entlang Subjektformierungen/-positionierungen und Subjektivierungsweisen) in letzter Konsequenz eben auch sein eigenes Personal – die entsprechenden Akteur(inn)e(n) – hervorbringen kann, jedoch selbstredend keineswegs zwingend "muss". [36]
Deshalb erscheint in der folgenden Übersicht, die noch einmal die bisher diskutierten konzeptionellen Bausteine und Dimensionen einer dispositivanalytischen Perspektive versammelt, der Baustein zur Subjektformierung/-positionierung einerseits noch innerhalb des Dispositivs. Dem zur Seite, aber gleichsam schon "außerhalb" des dispositiven Bereichs, stehen die Subjektivierungsweisen – sozialisationstheoretisch gedacht – als "erfolgreiches" Erlernen bzw. dann Erfahren eines Selbstverständnisses, das auf Praxen der Subjektformierung zurückgehen kann, aber keinesfalls dadurch determiniert wird. Wichtig ist allerdings auch, dass z.B. bestimmte, dispositiv hervorgebrachte Subjektivierungsweisen wiederum in unterschiedliche Diskurse, also zum Beispiel in wissenschaftliche Spezial- oder alltägliche Elementardiskurse eingehen können. Da deren beabsichtigte oder unbeabsichtigte (Neben-) Wirkungen und Funktionen wiederum heterogen sein können, verwenden wir hier erneut im Rückgriff auf Jürgen LINK (1986, 2005) die Unterscheidung zwischen Spezialdiskurs, Interdiskurs und Elementar- bzw. Alltagsdiskurs.
Abb. 4: Dimensionen einer sozialwissenschaftlichen Dispositivanalyse [37]
Zusammengefasst: Was demnach analytisch mit dem Dispositivkonzept in den Blick genommen werden soll, ist nicht per se das "Nicht-Diskursive", das Gegenständliche, das Tun als solches. Vielmehr geht es gleichsam als dispositivanalytische Leitfrage darum, was aus diskursiv vermittelten Wissensordnungen "wirk-liche" (und insofern "machtvolle"!) Effekte zeitigt, insofern es in seiner kollektiven wie individuellen Vermittlung im Selbst- wie Weltbezug handlungswirksam wird und dadurch (erst) auf jene Wissensordnungen rückwirken kann. Damit wird auch deutlich, dass das Dispositivkonzept und die damit angeleitete empirische Forschung nicht nur auf der Meso-Ebene zu verorten sind, sondern in der Tat eine Vermittlung zwischen Makro- und Mikro-Ebene ermöglichen: gesellschaftlicher Wandel, Machtbeziehungen und Herrschaftsstrukturen auf der einen Seite, Konstitution von Subjektivität durch Diskurs und institutionalisierte Praktiken, Strukturierung des Alltags durch Wissensordnungen auf der anderen Seite. Beides gelangt in seiner wechselseitigen Vermitteltheit in analytische Reichweite. Von hier aus lässt sich nun exemplarisch zeigen, mit welchen methodisch-praktischen Umsetzungen sich die dispositivanalytische Forschungsperspektive in der empirischen Forschung einholen lässt. [38]
Fasst man die in den vorangegangenen Abschnitten versammelten Überlegungen zusammen, fragen Dispositivanalysen nach den folgenden Verhältnisbestimmungen:
In welchem Verhältnis stehen Diskurs und nicht-diskursive Praxen?
In welchem Verhältnis stehen Diskurs und Subjektivation/Subjektivierung?
In welchem Verhältnis stehen Diskurs und alltagsweltliche Wissensordnungen/‑praxen?
In welchem Verhältnis stehen Diskurs und institutionelle Praxen, deren symbolische wie materiale Objektivationen (als "Ordnung der Dinge" im Sinne von Gegenständlichkeiten/Sichtbarkeiten) und gesellschaftlicher Wandel? [39]
Diese vier nur analytisch zu trennenden Fragen nach den Verhältnisbestimmungen – die selbstverständlich nicht alle bei jeder empirischen Unternehmung im Rahmen dieser Forschungsperspektive gleichermaßen adressiert werden können – bezeichnen zugleich die Leitfragen von Dispositivanalysen. Mit Blick auf das methodisch-praktische Vorgehen bei Dispositivanalysen lassen sich dazu bisher zumindest die folgenden, vorläufigen Hinweise geben: [40]
Entlang dieser Vorgabe bzw. Leitfrage gilt es, das Verhältnis zwischen Diskurs und nicht-diskursiven Praktiken sowie deren symbolische Objektivierungen und materiale Vergegenständlichungen als Diskurseffekte zu erforschen. Der Fokus liegt dabei auf deren Machtwirkungen. Dispositivanalysen mit ihrer Ausrichtung auch auf nicht-diskursive Praktiken und Sichtbarkeiten/Vergegenständlichungen stehen – wie weiter oben bereits ausgeführt – vor dem methodischen Problem der Rekonstruktion des in eine Handlung oder Praxis einfließenden bzw. des in einem Gegenstand materialisierten Wissens. Grundsätzlich sind also auch immer die Konstruktionsprozesse selbst in den Blick zu nehmen und zu erforschen. Das heißt aber gerade nicht, in einen "naiven" Konstruktivismus zu verfallen. Vielmehr gilt es zu bedenken, dass Konstruktionsprozesse auch materielle intendierte und nicht-intendierte (Neben-) Wirkungen haben, die sich gleichsam unabhängig von Konstruktions- oder auch Rekonstruktionsprozessen machen können – aber nicht müssen – und in dieser Perspektive auch ein Eigenleben entwickeln können. Dieser hier angesprochene "rekonstruktive" Konstruktivismus zeigt Potenziale und Möglichkeiten auf, die Realitätskonstruktionen überhaupt erst wirklich werden lassen. Er erforscht, wie alltägliches Wissen und Wahrheiten, gewohnte wie unhinterfragte Wahrnehmungsmuster und ‑kategorien hervorgebracht werden und schließlich als unhinterfragbare, quasi "natürliche" Gewissheiten das Handeln der Akteur(inn)e(n) anleiten (können). Er begnügt sich gerade nicht damit, Konstruktionsprozesse zu erforschen, sondern betont auch deren materiale Folgen, die es wiederum zu rekonstruieren gilt. Diese "kritische Ontologie der Gegenwart" (FOUCAULT) und ihrer Konstruktionsprozesse interessiert sich freilich auch dafür, was in einer solchen Perspektive beobachtet werden könnte und was nicht. Insofern teilen wir etwa mit Bruno LATOUR und Michel FOUCAULT, aber auch Mary DOUGLAS und Donna HARARWAY deren Kritik an einem strikten Dualismus von Natur und Kultur und fragen nach den Konstruktionsweisen dieser Trennungen und ihren intendierten und nicht intendierten (Neben-) Folgen. [41]
Diese Verhältnisbestimmung fragt nach diskursiven Subjektformierungen/-positionierungen und alltagspraktischen Subjektivierungsweisen. In diesem Sinne ist auch die für Dispositivanalysen wichtige analytische Differenz zwischen diskursiven/nicht-diskursiven Praktiken zu verstehen, nach der (nicht-diskursive) Praktiken nicht "außerhalb" von Diskursen im Sinne ihrer Unabhängigkeit oder Unbeeinflussbarkeit stehen. Vielmehr sind sie im Sinne jener kritischen Ontologie der Gegenwart und ihrer Konstruktionsprozesse – zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt – nicht unbedingt und in jedem Fall Gegenstand diskursiver bzw. nicht-diskursiver (Konstruktions-) Prozesse. Denn in ihnen haben sich Diskurse bzw. hat sich das entsprechende Wissen gegebenenfalls soweit sedimentiert, dass hier nichts mehr expliziert zu werden braucht bzw. als ein habitualisiertes, "in Fleisch und Blut" übergegangenes "Know-how" nicht (mehr) expliziert werden kann. Vielmehr wird das eigene Selbst abstrahiert von den Konstruktionsprozessen erlebt, gedeutet und erfahren. Zur Erforschung des Verhältnisses zwischen Diskurs und Subjektivation/Subjektivierung bietet es sich zunächst deshalb wohl vor allem an, Diskursforschung mit Biografieforschung zu verbinden. Allerdings gilt es hierbei, (Auto-) Biografien gerade nicht als Repräsentationen eines gelebten, erlebten und erzählten Lebens zu begreifen, dessen Spuren, Gewissheiten und Wahrheiten rekonstruiert werden könnten, um dann zu behaupten, Menschen erlebten und deuteten sich "wirklich" als z.B. weibliche Individuen anstatt als Hausfrau, Mutter oder Ehefrau. Vielmehr geht es darum, dass Interviewte (im Sinne von Biografizität) präsentieren, wie sie sich erleben, deuten und wahrnehmen. Ihre Autobiografien können als – wohlgemerkt in der Interviewsituation interaktiv hergestellte – Präsentationen dieser Selbstdeutungen und -wahrnehmungen gefasst werden. Auf diese Weise müssten sich im Übrigen Diskurs- und Biografieforschung nicht länger angestrengt ignorieren – was leider noch vielfach geschieht –, sondern könnten in einen fruchtbaren Dialog eintreten. Der Authentizitäts- und Wahrheitsanspruch der Biografieforschung müsste allerdings einem epistemologischen Interesse für die Präsentationsweisen des Selbst weichen. Und eine allzu oft und bisweilen viel zu "seins-vergessene" Diskursforschung müsste sich für die eigenen Machtwirkungen und damit verbundenen Materialisierungen interessieren. Denn es scheint – wiederum bezogen auf die kritische Ontologie der Gegenwart und ihre Konstruktionsprozesse – bedenklich, erzählte (und als wie authentisch auch immer gedachte) Lebensgeschichten mittels diskursiv-gesellschaftlich präformierter Vokabeln, Begriffe, Konzepte und unter der Annahme unbewusster generativer Strukturen zu erforschen. Vielmehr gilt es zwischen den alltäglich zu beobachtenden biografischen Phänomenen und den subjekttheoretischen Prämissen der Biografieforschung zu differenzieren. So könnte geklärt werden, ob und in welcher Weise Diskurse bzw. bestimmte diskursive Praxen als Generatoren und/oder Stabilisatoren nicht nur auf alltägliches Handeln, sondern auch auf das Selbstdeuten, ‑wahrnehmen und ‑erleben wirken. [42]
Diese Vorgabe zielt auf das Verhältnis von diskursiv vermittelten, vorherrschenden Wissensordnungen und Alltagswissen, Alltagsgesprächen sowie Alltagspraxen. Dispositivanalysen beziehen sich auf das diskursive Feld des Gesagten/Ungesagten in seinem Verhältnis zu dem entsprechenden Praxisfeld (offen bleiben kann an dieser Stelle, ob dazu eine "eigene", der Dispositivanalyse vorgeschaltete Diskursanalyse erforderlich ist). Diskurse als "das Gesagte", als regelhafte Praxis der Aussagenproduktion, operieren entlang des Zusammenspiels folgender Unterscheidungen:
der Differenz zwischen dem Gesagten im Sinne einer "Positivität der Aussagen" (FOUCAULT 1973) und dem Ungesagten als dem Nicht-Auftreten einer Aussage;
der Differenz zwischen dem Sagbaren, aus dessen Möglichkeitsraum einer Diskursformation als diskursivem Innen sich das Gesagte speist, und dem Unsagbaren, das die Grenze zum diskursiven "Außen" markiert als das, was nicht in der einen, sondern nur in einer anderen Diskursformation als sagbar erscheint bzw. gesagt werden könnte;
der Differenz zwischen dem zu Sagenden und dem nicht zu Sagenden – hier verstanden als normative Aussageforderungen bzw. Aussageverbote, wobei eben nicht alles, was sagbar ist, gesagt werden darf oder gesagt werden muss oder gesagt zu werden braucht. Hier sind also insbesondere Überschneidungen oder Unterscheidungen im Ungesagten zu beachten zwischen dem, was dem nicht zu Sagenden und dem Unsagbaren geschuldet ist (als Aussageverbot oder als Aussagemöglichkeit gar nicht "verfügbar"), und dem, was kollektiv geteilt als das gilt, was nicht gesagt zu werden braucht (weil es selbstverständlich ist, weil es als Gesagtes seine Wirkung verlieren könnte etc.). [43]
Diese analytischen Differenzen, die manifeste und latente Praktiken des "Unterscheidens" in Diskursen/Diskursformationen beschreibbar machen, können das dispositivanalytische Vorgehen dahingehend informieren, in welchem ("Macht"-) Verhältnis in dem anvisierten Praxisfeld konkurrierende Deutungen/Handlungsnormen zu unhinterfragten, unhinterfragbaren Deutungsgewissheiten, Handlungssicherheiten und Alltagsselbstverständlichkeiten stehen, die das Wahrnehmen, Deuten und Handeln gleichsam unterhalb von explizierbarem Wissen ausrichten. So verweist das Gesagte immer auch auf das Ungesagte, auf das, was gleichsam als Rückseite des Gesagten unausgesprochen bleibt. Dieses Ungesagte kann zum einen – als das Verschwiegene, das Verheimlichte – in seiner Differenz zum Gesagten das Verhältnis zwischen dem Normalen, Erwarteten, Gewöhnlichen und dem Unnormalen, Unerwarteten, Ungewöhnlichen markieren. Das Ungesagte kann aber zum anderen ebenso das nicht notwendig zur Sprache zu bringende sein, weil es als Unhinterfragbares, als Selbstverständliches keiner Artikulation bedarf – zumindest solange es keiner Irritation ausgesetzt ist. Das Sagbare wiederum, bestehend aus dem Gesagten und Ungesagten, kontrastiert das Feld des Unsagbaren. Das Sagbare, alles das also, was gesagt werden könnte – wie "normal" oder "unnormal" es auch immer wäre, welchen Normen es ent- oder widersprechen würde –, wäre immer dasjenige, was in einer gegebenen Ordnung des Wissens und Denkens den über ihre Wirklichkeit Auskunft gebenden Akteur(inn)en überhaupt als denkbar und damit als sagbar zuhanden ist. Das Unsagbare hingegen wäre jenes, wovon in der Tat nur geschwiegen werden kann, nicht weil es infolge von Normen oder Tabus nicht sagbar wäre (und vielleicht gerade deshalb Gegenstand vielfältiger Kommunikationen ist), sondern weil es als Sagbares unserem (Alltags-) Denken gar nicht zur Verfügung steht. Eine empirische Bearbeitung dieser Problemstellungen kann sich methodisch-praktisch zwar an den vielfältigen Verfahren des (teilnehmenden) Beobachtens und Interviewens im Feld orientieren. Doch dabei gilt es, sich insbesondere jenes "Perspektivenproblem" zu vergegenwärtigen, welches sich in der Differenz zwischen der sinnhaft-praktischen Ordnung der Alltagswelt aus der Perspektive der Akteure und Akteurinnen in deren Bedeutungszumessungen ausdrückt, dem, was als "sinnvolle" Wissensordnung diskursiv vermittelt ist und jenem, was beides als Möglichkeitsraum rahmt bzw. begrenzt. [44]
Schließlich richtet sich diese Leitvorgabe auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Diskurs, institutionalisierter Praxis und sozialem Wandel. Während handelnde Personen beobachtet und über ihr Wissen und ihre Motive befragt werden können, sind Vergegenständlichungen "ohne Stimme" (JÄGER & JÄGER 2002). Damit besteht die Aufgabe darin, das Bedeutungsfeld der jeweiligen Vergegenständlichungen zu erfassen, das in ihnen verborgene Wissen zu rekonstruieren, um herauszufinden, wie und in welchen Funktionen diese Vergegenständlichungen im Dispositiv wirken. In dieser Perspektive wäre eine eigene Art dispositivanalytisch-wissenssoziologische Phänomenologie der Dinge gefordert, welche die in den Dingen selbst eingelassenen Wissensformen und Handlungsskripte ihres "rechten Gebrauchs" zu dem in Beziehung setzt, was "tatsächlich" damit getan wird. Denn Erfahrung als sinnhaftes "In-der-Welt-Sein" ist viel stärker über die Aneignung von und Auseinandersetzung mit Objekten strukturiert, als es ein ausschließlich auf die Kontingenz des "Be-Deutens" fokussierender, in diesem Sinne rein diskursanalytischer Blick nahelegt. Dann aber ist mit den inkorporierten Eigenschaften und materialen Widerständigkeiten der Objekte zu rechnen, die es zwar zulassen, manches, aber eben nicht alles mit ihnen zu tun. Insofern gilt es, die hier entlang des Dispositivkonzepts diskutierte Erweiterung des diskursanalytischen Blicks hin zu einer umfassenden Analyse der konkret erfahrbaren gesellschaftlichen Wirklichkeit – die sich den Akteur(inn)en nicht nur qua (diskursiv vermitteltem) Wissen und Kommunikationen erschließt, sondern ihnen in den Objektivationen ihres Denken und Handelns gegenübertritt und zum "Gegen-Stand" wird –wissenssoziologisch-diskurstheoretisch wie methodisch-praktisch voranzutreiben. Dispositivanalysen könnten somit dazu beitragen, eine für Machtphänomene sensible praxeologische Brücke zwischen Reden und Handeln zu schlagen, indem sie die (historisch) unterschiedlichen Formen des "In-der-Welt-Seins" begreiflich machen, die nicht nur eine Frage des (Nicht-) Sagbaren sind, sondern immer auch der materiell-existenziellen (Un-) Sichtbarkeiten bzw. (Un-) Erfahrbarkeiten. Allerdings bliebe dabei freilich zu bedenken, dass Diskurse wie Dispositive polyvalent wirken (können). Dass heißt, dass ein und dieselbe diskursive Praxis oder diskursive Formation in ganz unterschiedlichen dispositiven Strategien und in ganz unterschiedlicher Weise wirken kann. Damit sind Diskurse und selbstverständlich auch Dispositive im Kontext konkreter Herrschafts- und/bzw. Machtformationen, aber auch Wissens(an-)ordnungen zu analysieren. Zudem gilt es, das untersuchte Dispositiv selbst je zu kontextualisieren und historisieren. [45]
Seit einiger Zeit sind im Rahmen der skizzierten Dimensionen einer sozialwissenschaftlichen Dispositivanalyse unterschiedliche Forschungsbemühungen zu beobachten, die im hier argumentierten Sinne als dispositivanalytisch ausgerichtet rezipiert werden können. So weit wir sehen können, haben sich insbesondere die folgenden Forschungsfelder bisher herauskristallisiert: [46]
Wohl am intensivsten ist die Frage nach der Verhältnisbestimmung von Diskurs und Subjekivation/Subjektivierung bearbeitet worden: Im Mittelpunkt stand hier vor allen Dingen die dispositive Formierung und Transformierung moderner und nachmoderner Subjektivierungsweisen. So hat BÜHRMANN (2004) etwa ihre Rekonstruktion der FOUCAULTschen Untersuchungsebenen – wie oben erwähnt – für die Erforschung des Formierungs- bzw. Transformierungsgeschehens moderner Subjektivierungsweisen fruchtbar gemacht. Wird hier schon der Blick für eine Verhältnisbestimmung zwischen Diskurs und institutionellen Praxen und sozialem Wandel geöffnet, interessiert Walburga FREITAG (2005) in ihrer empirischen Studie nicht nur, wie bestimmte Vorstellungen über "Contergan-Kinder" als "charakteristischer Missbildungstyp" durch medizinische Diskurse hervorgebracht worden sind, sondern vor allen Dingen auch, ob diese Kinder – mittlerweile erwachsen geworden – sich auch als solche erleben bzw. erlebt haben. Mit ihrer Kombination einer FOUCAULTschen Diskursperspektive und einer biografieanalytischen Studie liefert sie Einblicke in die Selbstpräsentation von als körperbehindert wahrgenommenen Menschen, die sich mit ihren eigenen Selbstverständnissen in ihrer biografischen Entwicklung den diskursiven Formierungen und Positionierungen verweigern, ja gleichsam sukzessive eine eigene Alltagskultur des Behindertseins mit widerständigen Selbstentwürfen entwickelt haben. [47]
Mit dieser Verhältnisbestimmung zwischen Diskurs und alltagsweltlichen Wirkungen beschäftigen sich auch z.B. Elisabeth TUIDER (2007) und Encarnacion GUTIERREZ RODRIGUEZ (2007). Inspiriert von den Gender, Postcolonial und Queer Studies fragen beide nach den Auswirkungen und Machteffekten spezifischer Diskurse. GUTIERREZ RODRIGUEZ untersucht die Rolle von Affekten im Kontext diskursiver Praktiken am Beispiel der Begegnungen zwischen "Care‑" bzw. Hausarbeiterinnen und deren Arbeitgeberinnen. Dabei stützt sie sich in ihrer empirischen Analyse vor allen Dingen auf eine dekonstruktive Lektüre im Sinne DERRIDAs. Die Begegnungen zwischen den Hausarbeiterinnen und den Arbeitgeberinnen ereignen sich dabei für GUTIERREZ RODRIGUEZ in einem heterogenen Raum (des Privaten), der eben auch von den intendierten und nicht intendierten (Neben-) Folgen affektiver Ereignisse durchzogen ist. In diesem Zusammenhang meint Affekt eine mehr oder weniger organisierte (Selbst-) Erfahrung, eine Erfahrung mit ermächtigenden oder entmächtigenden Konsequenzen, die auf der Ebene interaktiver Begegnungen wahrnehmbar und spürbar wird, aber nicht unbedingt ausgesprochen wird und damit "eingeschrieben" ist. TUIDER geht es um eine Verbindung von Diskursanalyse mit konstruktivistischer Biografieanalyse, um damit den Defiziten beider Forschungstraditionen entgegenzuwirken. Diese veranschaulicht sie am Beispiel der in Juchitán/Südmexiko auffindbaren Subjektpositionierung muxé, die dort für und von Menschen verwendet wird, die – als nicht eindeutig Mann oder Frau – einem 3. Geschlecht zugeordnet werden bzw. sich diesem zuordnen. Ihrem Vorgehen liegt die These zugrunde, dass biografische Erzählungen einerseits von Diskursen durchdrungen sind und andererseits Hinweise auf die Materialisierung von Diskursen geben. Diese Fragen werden neuerdings auch in der Biografieforschung selbst reflektiert. Hier fragte etwa der Sammelband "Biographie im Diskurs" (VÖLTER, DAUSIEN, LUTZ & ROSENTHAL 2006): Welche Rolle können diskursive Praktiken für das Erinnern, Erleben und Erzählen (auto-) biografischer Texte spielen? [48]
In Bezug auf die Verhältnisbestimmung von Diskurs und institutionellen Praxen wie gesellschaftlichem Wandel konzentrierte sich die Forschung bisher auf neue Kontrollpraxen und ‑techniken. Hier interessieren sich insbesondere die sogenannten Governmentality Studies dafür, wie Menschen über welche Machtpraktiken regiert werden und sich selbst regieren (können). Zu diesem Fragenkomplex ist mittlerweile eine Flut von Veröffentlichungen publiziert worden, die sich vor allen Dingen auf zwei Vorlesungsreihen FOUCAULTs zur Geschichte der Gouvernementalität beziehen. Dabei versteht FOUCAULT unter Gouvernementalität ein strategische Feld beweglicher und veränderbarer Machtverhältnisse, in dessen Zentrum sich bestimmte Typen der (Verhaltens-) Führung formieren (können) (FOUCAULT 2005). Wichtig erscheint in diesem Kontext, dass die Governmentality Studies auch fragen, ob im Rahmen der Formierung einer Präventions-/Kontrollgesellschaft über unterschiedliche Praktiken auch neue Subjektivierungsweisen (z.B. ein unternehmerisches Selbst, bei dem Menschen sich selbst und andere als Unternehmen wahrnehmen, erleben und deuten) hervorgebracht werden.14) Während die meisten Studien zu diesem Thema auf einer programmatischen, textanalytischen Ebene verbleiben, haben einige Forschende meist in einem Methodenmix angefangen, ihre Forschungsinstrumente über den Diskurs hinauszutreiben. Die einen versuchen, Diskursanalyse mit teilnehmender Beobachtung zu verknüpfen, anderen wiederum wollen, wie schon erwähnt, Biografieforschung für die Diskursanalyse fruchtbar machen. Wie weit dies allerdings bei der Analyse von architekturalen Einrichtungen und infrastrukturellen Bauten trägt, bleibt abzuwarten. [49]
Deshalb besteht wohl der vordringlichste Forschungsbedarf in Bezug auf die auch räumlich-bildhaft-materiale Verhältnisbestimmung zwischen Diskurs und nicht diskursive Praktiken sowie ihre Machteffekte. Hier sind erst "zarte" Anfänge interessanterweise in der Geografie und der Kunstgeschichte zu erkennen. So schlägt etwa Cornelia RENGGLI (2007) vor, die Analyse von Diskursen im Anschluss an FOUCAULT zu einer Analyse zu erweitern, die sich den Verhältnissen von Sagbarkeiten und Sichtbarkeiten widmet. Eine solche Analyse findet ihren Ausgangspunkt in der Untersuchung von "Problematisierungen" und damit in der Frage, wie etwas – an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit – zu einem Problem wird. Ihr Vorgehen besteht in der "Ereignishaftmachung" von Evidenzen: diskursive und visuelle Ereignisse werden entlang der Achsen Wissen, Macht und Ethik untersucht. Sybille BAURIEDL (2007) fragt danach, wie Aussagen zur Verankerung von Diskursen im Raum und zum Verhältnis diskursiv geprägter Räume gemacht werden können. Sie stellt ein "raumsensibles" Forschungsprogramm vor, das durch seine formalisierte Methodologie eine Anleitung für ähnliche Studien bietet. [50]
Die hier vor- und dargestellten Forschungsfelder verdeutlichen, das in den einzelnen Verhältnisbestimmungen zum Teil noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. So ist z.B. zu fragen, wie Dispositive eigentlich gesellschaftstheoretisch zu deuten sind. Können sie etwa mit Pierre BORDIEU (1979) als strukturierende und strukturierte Instanzen, im Sinne Niklas LUHMANNs (1984) als Problemlösungsoperatoren, mit Blick auf Bruno LATOUR (1996) als Elemente in Akteur-Netzwerk-Konstellationen, mit Norbert ELIAS (1986) als Figurationen oder etwa in der Perspektive neo-institutioneller Forschungsansätze als Infrastrukturen für übergreifende Erwartungs- und Handlungsstrukturen erforscht werden (z.B. MEYER 2005; HASSE & KRÜCKEN 1999)? Unabhängig von diesen Bestimmungen wird es sicherlich Zeit, über die Methoden und Methodologien einer Dispositivanalyse noch intensiver nachzudenken. Zwar bleibt abzuwarten, ob und auf welche Weise die bisher angestellten methodologischen Reflexionen forschungspraktisch eingeholt werden können. Aber wir hoffen, dass auf jeden Fall das "Mehr", welches eine Dispositivanalyse im Vergleich zur bislang weitgehend zu beobachtenden Konzentration und Fokussierung auf diskursive Praxen bietet und erfordert, deutlich geworden ist. [51]
1) Im zweiten Band von "Sexualität und Wahrheit" behält FOUCAULT (1989a) diese Analyselinie bei, grenzt sie zwar rhetorisch als "andere Arbeit" von seinen vorgängigen Analysen ab, zeigt aber gerade dadurch die Konsequenz in den von ihm avisierten Fragestellungen: "Nach dem Studium der Wahrheitsspiele in ihrem Verhältnis zueinander – am Beispiel einiger empirischer Wissenschaften im 17. und 18. Jahrhundert – und nach dem Studium der Wahrheitsmechanismen im Verhältnis zu den Machtbeziehungen – am Beispiel der Strafpraktiken – schien sich mir eine andere Arbeit aufzudrängen: das Studium der Wahrheitsspiele im Verhältnis seiner selber zu sich und der Konstitution seiner selber als Subjekt – im Einzugsbereich und Untersuchungsfeld dessen, was man die 'Geschichte des Begehrensmenschen' nennen könnte." (FOUCAULT 1989a, S.12f.) <zurück>
2) Für "Überwachen und Strafen" (FOUCAULT 1991) kann z.B. analog von einem Inhaftierungsdispositiv gesprochen werden. <zurück>
3) Für wichtige (Vor-) Arbeiten in diesem Feld, die sich explizit mit dem Begriff des Dispositivs auseinandergesetzt haben, vgl. insbesondere CABORN (2007), LINK (2007), SCHNEIDER und HIRSELAND (2005), BÜHRMANN (2004, 1998) und JÄGER (2001, 2006). <zurück>
4) Vgl. zusammenfassend für die Diskussion rund um ein sozialwissenschaftliches Diskurskonzept z.B. ANGERMÜLLER, BUNZMANN und NONHOFF (2001), KELLER, HIRSELAND, SCHNEIDER und VIEHÖVER (2004, 2005b, 2006). <zurück>
5) Zum Problem der Definition von Aussagen bei FOUCAULT vgl. u.a. DELEUZE (1992), DREYFUS und RABINOW (1987) und KAMMLER (1990). <zurück>
6) Andere Diskursforschende – wie etwa Ernesto LACLAU und Chantal MOUFFE (1991, S.155) – verstehen Diskurs als "die aus der artikulatorischen Praxis hervorgehende strukturierte Totalität", so dass prinzipiell jede Praxisform als diskursiv vermittelt erscheint. Die Differenzierung zwischen diskursiv und nicht-diskursiv erscheint insofern als aufgebbar bzw. gar unsinnig, als von der grundsätzlichen diskursiven Formierung jeglicher Praxis schlechthin auszugehen sei. So begründet für LACLAU und MOUFFE das für sie paradoxe Problem, dass der Diskurs seine Grenzen zum Außen in seinem Inneren ziehen muss, einen konstitutiven Riss im Diskurs selbst, der nie vollständig "vernäht" werden könne und deshalb nach immer neuen Akten, genauer: Grenzziehungsakten, verlange. In dieser Perspektive wird dann das Soziale als eine prinzipiell offene (in ihrem Sinn- und Deutungsgehalt nie abschließbare) Strukturierung aufgefasst, "die immer wieder aufs Neue hegemonial artikuliert werden muss" (ANGERMÜLLER 2005, S.37). Mit LACLAU und MOUFFE ist folglich die Vorstellung eines außerhalb des Diskursiven liegenden oder gar vorgängig konstituierten Bereichs des Sozialen grundlegend zu hinterfragen. Generell wäre hier genauer zu klären, inwiefern Unterschiede auf diskurstheoretische Inkompatibilitäten zwischen beiden Sichtweisen zurückzuführen sind, oder ob es sich eher um Ungenauigkeiten in der Unterscheidung zwischen einem als prinzipiell denkbaren Außer-Diskursiven versus dem letztlich empirisch zu bestimmenden Außen/Innen von Diskursen handelt. <zurück>
7) Beispielhaft ließen sich hierzu etwa die scheinbar irreversiblen Schädigungen durch globale Umweltgefahren oder die diskursiven Transformationen des "war on terrorism" seit "09-11" mit all ihren praktischen Folgen in verschiedenen Lebensbereichen anführen (vgl. dazu auch BECK 2007 S.163ff.). <zurück>
8) In einer Fachdiskussion von Kolleg(inn)en angesprochen auf die Unterscheidung zwischen "diskursiv/nicht-diskursiv" erläutert FOUCAULT: "(...) für das, was ich mit dem Dispositiv will, ist es kaum von Bedeutung, zu sagen, das hier ist diskursiv, das hier nicht. Vergleicht man etwa das architektonische Programm der Ecole Militaire von Gabriel mit der Konstruktion der Ecole Militaire selbst: Was ist da diskursiv, was institutionell? Mich interessiert dabei nur, ob nicht das Gebäude dem Programm entspricht." (FOUCAULT 1978, S.125; vgl. hierzu die Schilderung bei JÄGER 2006, S.90ff., siehe auch SCHNEIDER & HIRSELAND 2005, S.261) <zurück>
9) Die methodologischen Konsequenzen einer solchen analytischen Weiterung hat im Übrigen schon früh Clemens KAMMLER (1986, S.158) formuliert: Für ihn ist die Untersuchung von Dispositiven aus diskursanalytischer Perspektive nichts anderes als ein Spezialfall der Diskursanalyse. Bei der Diskursanalyse liege der Schwerpunkt auf der Beschreibung von diskursiven Strategien. Demgegenüber stellen aus dispositivanalytischer Perspektive diskursive Praktiken den Spezialfall des zu untersuchenden Insgesamt bzw. Gesamtkomplexes von Praktiken dar. <zurück>
10) Hier läge eine Verbindung mit Konzepten wie bspw. "Motivationsmacht" (vgl. BAUMANN 1993) und den durch FOUCAULT inspirierten "Governmentality Studies" nahe (z.B. BRÖCKLING, KRASMANN & LEMKE 2000). <zurück>
11) Dies kann z.B. in der Subjektform der aktiv Anwendenden oder Nutzenden von Dingen erfolgen oder als Subjekt im Sinne eines "Gegenstands" von Dingen: "Ich fahre Auto" bezeichnet eine andere (symbolische wie materiale) Praxis und ein anderes Subjekt-Objekt-Verhältnis als "Ich werde mit dem Auto gefahren" oder "Mein Auto fährt mich überall hin" (vgl. zur Frage der Subjektpositionierung z.B. auch HIRSELAND & SCHNEIDER 2006, S.309ff.). <zurück>
12) Mit Jürgen LINK bezeichnen "diskursive Formationen" Wissens- und Sagbarkeitsräume, bestehend aus Spezialdiskursen und ihre jeweiligen diskursiven Praktiken. Spezialdiskurse sind themenbezogene, disziplinspezifische Arrangements von (Be-) Deutungen, in denen je eigene Welt- bzw. Wirklichkeitsordnungen und je spezifische Handlungsvoraussetzungen und -folgen (Institutionen, Praktiken) impliziert sind – konkret z.B. die Wissenschaften. Das dort prozessierte (Expert[inn]en-) Wissen wird durch Interdiskurse (z.B. Politik, Medien) nach eigenen diskursiven Praktiken aufbereitet und vermittelt. Interdiskurse umfassen so die aus den verschiedenen Spezialdiskursen stammenden und nun in besonderen Redeformen mit totalisierendem und integrierendem Charakter selektierten "Allgemein-Wissensbestände", die keiner expliziten und systematischen (spezialdiskursiven) Regelung unterliegen, in ihrer Strukturiertheit aber z.B. auf die Dominanzverhältnisse zwischen den Spezialdiskursen und auf die jeweiligen Wertepräferenzen verweisen. Von diesem populären öffentlichen, zu Allgemeingut objektiviertem Wissen wiederum zu unterscheiden sind jene Wissensformen und ‑inhalte, welche sich im sogenannten Elementardiskurs als subjektiviertes Alltagswissen niederschlagen (LINK 2005, S.86ff.). <zurück>
13) Auf die in Anmerkung 8 bereits erwähnte, an FOUCAULT gerichtete Frage, ob das "Nicht-Diskursive" im Dispositivbegriff noch anders aufscheine als im Sinne von Institution und ob denn nicht auch Institutionen offensichtlich diskursiver Natur seien, erläutert FOUCAULT, es gehe ihm nicht um die kategorische Differenzsetzung von "das hier ist diskursiv – jenes ist nicht-diskursiv", sondern um den analytischen Blick, der z.B. das (diskursiv vermittelte) Wissen bzw. das hinter dem architektonischen Programm eines Gebäudes stehende normative Handlungsmuster mit seiner konkreten Ausgestaltung, Vergegenständlichung und "praktischen Nutzung" vergleicht (FOUCAULT 1978, S.121ff.). <zurück>
14) Bei den ersten kleineren Studien hierzu geht es darum, über eine bloß programmatische, also diskursive Analyse hinaus die dispositiven Wirkungen auf die Akteure und Akteurinnen und ihre Subjektpositionen zu erforschen (vgl. grundlegend ROSE 1999, für die deutschsprachige Debatte BRÖCKLING 2007; BÜHRMANN 2005). <zurück>
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Andrea D. BÜHRMANN vertritt derzeit eine Soziologieprofessur an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist seit 2004 Privatdozentin an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster. Ihre Arbeits- und Forschungsgebiete umfassen u.a. Gesellschafts- und Wissenschaftsforschung, Methoden der empirischen Sozialforschung, Geschlechterforschung, Entrepreneur und Welfare Studies.
Tel.: ++49/(0)89-2180-3802
Fax: ++49/(0)89-2180-2922
URL: http://www.soziologie.uni-muenchen.de/pers_fr.html
Werner SCHNEIDER ist seit 2003 Professor für Soziologie an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg. Seine Arbeits- und Forschungsgebiete umfassen u.a. Wissens- und Kultursoziologie, qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung sowie Medizin-/Gesundheitssoziologie (insbes. zu Sterben und Tod), Familiensoziologie und Geschlechtersoziologie, Soziologie der Lebensalter/Lebensphasen.
Tel.: ++49/(0)821-598-5570
Fax: ++49/(0)821-598-5639
URL: http://www.philso.uni-augsburg.de/lehrstuehle/soziologie/sozio3/
Bührmann, Andrea D. & Schneider, Werner (2007). Mehr als nur diskursive Praxis? – Konzeptionelle Grundlagen und methodische Aspekte der Dispositivanalyse [51 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 8(2), Art. 28, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0702281.
Copyright (c) 2007 Andrea D. Bührmann, Werner Schneider

References: Art. 28
 Art. 13
 Art. 16
 Art. 11
 Art. 23
 Art. 6
 Art. 15
 Art. 28