Source: https://www.raklinger.de/testamentsvollstreckung.html
Timestamp: 2020-08-15 08:10:44+00:00

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Testamentsvollstreckung erklärt vom Fachanwalt | Erbrecht München
Testamentsvollstreckung und Testamentsvollstrecker
Der Testamentsvollstrecker wird in der Regel vom Erblasser ernannt und stellt die Umsetzung der letztwilligen Verfügung sicher. Unter Anderem umfasst dies, die ordnungsgemäße Aufteilung des Nachlasses unter den Erben. Testamentsvollstrecker sind in dieser Hinsicht oft als Treuhänder tätig.
Wer ein Testament oder einen Erbvertrag errichtet, arbeitet meist gezielt auf eine gerechte und zügige Aufteilung des Nachlasses, den Schutz des Vermögens, die Erhaltung des Familienfriedens und die finanzielle Absicherung der Familienmitglieder hin. Doch auch bei einer perfekt formulierten letztwilligen Verfügung kann es Streit unter den Miterben geben oder der Erbe weigert sich, angeordnete Vermächtnisse und Auflagen zu erfüllen. Ein Erblasser kann jedoch einen Testamentsvollstrecker einsetzen, der nach seinem Tod den Nachlass verwaltet und abwickelt.
Der Fachanwalt für Erbrecht in München, Bernhard F. Klinger, der auch Vorstand des Netzwerks Deutscher Testamentsvollstrecker e.V. ist, übernimmt im Sinne des Erblassers bei Erbengemeinschaften die Nachlassabwicklung und Nachlassverwaltung.
Wozu dient eine Testamentsvollstreckung?
Wie kann eine Testamentsvollstreckung den Erben arbeitsmäßig entlasten?
Warum kann durch eine Testamentsvollstreckung der Erblasserwillen effektiv durchgesetzt werden?
Wie können Minderjährige durch eine Testamentsvollstreckung geschützt werden?
Wie kann der Schutz Behinderter durch eine Testamentsvollstreckung verbessert werden?
Warum kann der Erbe durch eine Testamentsvollstreckung vor seinen eigenen Gläubigern geschützt werden?
Welche Arten einer Testamentsvollstreckung können angeordnet werden?
Welche Anforderungen sind an die Person des Testamentsvollstreckers zu stellen?
Warum sollte man einen Testamentsvollstrecker und gleichzeitig eine Ersatzperson bestimmen?
Kann der Testamentsvollstrecker für seine Tätigkeit eine Vergütung verlangen?
Wichtige Gesetze zur Testamentsvollstreckung
Er möchte eine gerechte und zügige Verteilung des Nachlasses
und finanzielle Absicherung des Ehepartners und anderer Familienmitglieder.
Diese Ziele des Erblassers lassen sich oft besser verwirklichen, wenn die Verantwortung für die Nachlassabwicklung oder -verwaltung einem Testamentsvollstrecker übertragen wird. Wenn die Erben versuchen alles selbst zu regeln, ist Streit und Ärger häufig vorprogrammiert. Für die Anordnung einer Testamentsvollstreckung sprechen also einige gute Gründe:
Schutz des Erben vor seinen eigenen Gläubigern (§ 2214 BGB)
Niemand sollte die Nachlassabwicklung unterschätzen. Die Aufgabe ist keineswegs einfach und umfasst viele Schritte. Zahlreiche Dinge sind zu veranlassen und zu beachten:
Erstellung des Nachlassverzeichnisses (§ 2215 BGB)
Erfüllung von Auflagen und Vermächtnissen (§ 2303 BGB)
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Aus unterschiedlichen Gründen können die Erben diese Angelegenheiten oft nicht selbst erledigen: Wer im Beruf voll gefordert ist, hat meist keine Zeit für Behördengänge. Junge und unerfahrene oder minderjährige Erben können die Nachlassabwicklung genauso wenig übernehmen wie Erwachsene im Alters- oder Krankheitsfall. Weit entfernt, z.B. im Ausland wohnende Personen sind in der Regel nur schwer in der Lage, alle anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Vor allem bei einem großen und wertvollen Nachlass wird ein geschulter und erfahrener Testamentsvollstrecker die Hinterbliebenen entlasten, beraten und unterstützen können.
Testamentsvollstrecker setzen die Anweisungen und Richtlinien des Verstorbenen nach dem Wortlaut und Geist seines Testaments um. Sie kümmern sich gemäß § 2303 BGB darum, dass sämtliche Auflagen und Vermächtnisse auch wirklich erfüllt werden.
Wenn ein Behinderter, der in einem Heim lebt, eine Erbschaft erhält, droht in der Regel der „sozialhilferechtliche Rückgriff“. Der Sozialhilfeträger, der die Kosten für die Pflege und Unterbringung trägt, fordert regelmäßig die Liquidierung des Erbes zur Bezahlung dieser Leistungen. Die Anordnung einer Testamentsvollstreckung kann die baldige Aufzehrung des empfangenen Vermögens verhindern, da der Nachlass des Behinderten dann gemäß § 2214 BGB vor einem Zugriff etwaiger Gläubiger, und damit auch des Sozialhilfeträgers geschützt ist.
Manchmal steht der Testierende vor der Frage, wie er den künftigen Nachlass vor den Gläubigern des Erben schützen kann. Die Testamentsvollstreckung bietet eine effektive Möglichkeit, den Zugriff solcher Gläubiger auf den Nachlass abzuwehren. Der Erblasser kann Testamentsvollstreckung anordnen und einen oder mehrere Testamentsvollstrecker bestimmen. Nachlass, der einer Testamentsvollstreckung unterliegt, ist gemäß § 2214 BGB vor den Eigengläubigern des Erben geschützt.
Die Anordnung einer „Abwicklungstestamentsvollstreckung“ gemäß § 2303 BGB ist sinnvoll, wenn der Testierende nur eine gesicherte, gerechte Verteilung des Nachlasses sicherstellen will. Der Erbe muss sich damit abfinden, dass der Testamentsvollstrecker nach den Vorgaben des Erblassers tätig wird; Weisungen kann der Erbe dem Testamentsvollstrecker nicht erteilen. Der Erbe verliert durch die Testamentsvollstreckung seine Verfügungsbefugnis über den Nachlass. Das bezieht sich auch auf die Veräußerung oder Belastung eines Nachlassgrundstücks. Sobald das Grundstück durch Umschreiben des Eigentums auf den Erben berichtigt ist, wird ein Testamentsvollstreckervermerk ins Grundbuch eingetragen. Damit ist das Grundbuch für den Erben gesperrt.
Möchte der Erblasser seinen Nachkommen zwar die Erträge der Erbschaft zukommen lassen, ihnen aber vorübergehend oder auf Dauer die Verfügungsbefugnis entziehen, empfiehlt sich die Anordnung einer „Verwaltungstestamentsvollstreckung“ gemäß § 2209 BGB. Damit kann man z.B. den Lebensunterhalt für Personen sichern, die aufgrund von Minderjährigkeit, Suchtabhängigkeit, Krankheit oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, das ererbte Vermögen wirtschaftlich zu verwalten.
Der Erfolg der Testamentsvollstreckung steht und fällt mit der damit beauftragten Person. Das Amt erfordert neben der fachlichen Kompetenz ein hohes Maß an Sorgfalt, Entscheidungs-, Durchsetzungs- und Überzeugungskraft sowie die Fähigkeit zum Ausgleich und innere Unabhängigkeit.
Ein Angehöriger oder ein Miterbe als Testamentsvollstrecker – das birgt von Haus aus Zündstoff. Der Vorwurf, der Testamentsvollstrecker verhalte sich parteilich, kommt in diesen Fällen meist sehr schnell auf. Aufkommender Streit zwischen den Erben lässt sich dagegen durch Einsetzung einer neutralen Person vermeiden: Der Nachlass kann dann mit einem hohen Maß an persönlicher und sachlicher Distanz als Vermittler zwischen verfeindeten Erben abwickelt werden.
Ein juristischer Laie ist zudem in der Regel mit der umfangreichen und komplizierten Nachlassabwicklung überfordert und für den Schaden, den er verursacht, gemäß § 2219 BGB in vollem Umfang verantwortlich.
Hat der Erblasser zwar Testamentsvollstreckung angeordnet, aber keine Person benannt, bestimmt das Nachlassgericht gemäß § 2200 BGB einen außenstehenden Dritten als Testamentsvollstrecker, den weder der Erblasser noch die Erben kennen und deshalb nicht immer vertrauen.
Es ist deshalb sinnvoll, nicht nur einen Testamentsvollstrecker einzusetzen, sondern auch einen „Ersatz“-Testamentsvollstrecker. Für den Fall, dass die an erster Stelle als Testamentsvollstrecker eingesetzte Person das Amt nicht antreten kann oder will, ist sichergestellt, dass eine andere Vertrauensperson des Erblassers den letzten Willen des Verstorbenen erfüllt.
Der Testamentsvollstrecker erhält gemäß § 2221 BGB eine „angemessene“ Vergütung. Wie hoch diese ist, hat der Gesetzgeber aber nicht geregelt. Der Erblasser sollte deshalb im Testament genau festlegen, welche Vergütung ihm für seine Tätigkeit zusteht. Nur so lässt sich Streit zwischen dem Testamentsvollstrecker einerseits und den Erben andererseits vermeiden. Der Deutsche Notarverein (www.dnotv.de) empfiehlt z. B. folgende Vergütungsregelung, auf die im Testament Bezug genommen werden kann:
bis Euro 250.000,- 4% des Nachlasses
bis Euro 500.000,- 3% des Nachlasses
bis Euro 2.500.000,- 2,5% des Nachlasses
bis Euro 5.000.000,- 2% des Nachlasses
über Euro 5.000.000,- 1,5% des Nachlasses
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Wenn man bedenkt, dass Erbprozesse häufig mehr als 10% des Nachlasses verschlingen, sind die Kosten einer Testamentsvollstreckung verhältnismäßig gering.
Damit sich die Erben einen Überblick über den Nachlass verschaffen können, muss der Testamentsvollstrecker gemäß § 2215 BGB unverzüglich ein Nachlassverzeichnis erstellen.
Während seiner Tätigkeit als Testamentsvollstrecker ist er den Erben gemäß § 2218 BGB auskunftspflichtig und rechenschaftspflichtig.
Der Testamentsvollstrecker muss sein Amt gemäß § 2205 Satz 1 BGB gewissenhaft und sorgfältig führen und das ihm anvertraute Vermögen nicht nur erhalten, sondern möglichst auch vermehren.
Schenkungen darf der Testamentsvollstrecker gemäß § 2205 Satz 3 BGB nicht vornehmen, es sei denn, es handelt sich um Anstands- oder Pflichtschenkungen.
Der Testamentsvollstrecker darf gemäß § 181 BGB auch keine Geschäfte mit sich selbst abschließen, also keine Gegenstände aus dem Nachlass käuflich erwerben.
Fügt der Testamentsvollstrecker den Erben vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zu, so haftet er hierfür gemäß § 2219 BGB mit seinem Privatvermögen.
Auf Antrag erteilt das Nachlassgericht dem Testamentsvollstrecker ein Zeugnis, damit dieser sich im Rechtsverkehr gegenüber Dritten legitimieren kann.
§ 2197 BGB ‑ Ernennung des Testamentsvollstreckers
§ 2198 BGB ‑ Bestimmung des Testamentsvollstreckers durch einen Dritten
§ 2199 BGB ‑ Ernennung eines Mitvollstreckers oder Nachfolgers
§ 2200 BGB ‑ Ernennung durch das Nachlassgericht
§ 2202 BGB ‑ Annahme und Ablehnung des Amts
§ 2203 BGB ‑ Aufgabe des Testamentsvollstreckers
§ 2204 BGB ‑ Auseinandersetzung unter Miterben
§ 2205 BGB ‑ Verwaltung des Nachlasses, Verfügungsbefugnis
§ 2206 BGB ‑ Eingehung von Verbindlichkeiten
§ 2207 BGB ‑ Erweiterte Verpflichtungsbefugnis
§ 2208 BGB ‑ Beschränkung der Rechte des Testamentsvollstreckers, Ausführung durch den Erben
§ 2209 BGB ‑ Dauervollstreckung
§ 2210 BGB ‑ Dreißigjährige Frist für die Dauervollstreckung
§ 2211 BGB ‑ Verfügungsbeschränkung des Erben
§ 2212 BGB ‑ Gerichtliche Geltendmachung von der Testamentsvollstreckung unterliegenden Rechten
§ 2213 BGB ‑ Gerichtliche Geltendmachung von Ansprüchen gegen den Nachlass
§ 2214 BGB ‑ Gläubiger des Erben
§ 2215 BGB ‑ Nachlassverzeichnis
§ 2216 BGB ‑ Ordnungsmäßige Verwaltung des Nachlasses, Befolgung von Anordnungen
§ 2217 BGB ‑ Überlassung von Nachlassgegenständen
§ 2218 BGB ‑ Rechtsverhältnis zum Erben; Rechnungslegung
§ 2219 BGB ‑ Haftung des Testamentsvollstreckers
§ 2220 BGB ‑ Zwingendes Recht
§ 2221 BGB ‑ Vergütung des Testamentsvollstreckers
§ 2222 BGB ‑ Nacherbenvollstrecker
§ 2223 BGB ‑ Vermächtnisvollstrecker
§ 2224 BGB ‑ Mehrere Testamentsvollstrecker
§ 2225 BGB ‑ Erlöschen des Amts des Testamentsvollstreckers
§ 2226 BGB ‑ Kündigung durch den Testamentsvollstrecker
Der Testamentsvollstrecker kann das Amt jederzeit kündigen. Die Kündigung erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht. Die Vorschrift des § 671 Abs. 2, 3 findet entsprechende Anwendung.
§ 2227 BGB ‑ Entlassung des Testamentsvollstreckers

References: § 2303
 § 2214
 § 2214
 § 2303
 § 2209
 § 2219
 § 2200
 § 2221
 § 2215
 § 2218
 § 2205
 § 2205
 § 181
 § 2219

§ 2197

§ 2198

§ 2199

§ 2200

§ 2202

§ 2203

§ 2204

§ 2205

§ 2206

§ 2207

§ 2208

§ 2209

§ 2210

§ 2211

§ 2212

§ 2213

§ 2214

§ 2215

§ 2216

§ 2217

§ 2218

§ 2219

§ 2220

§ 2221

§ 2222

§ 2223

§ 2224

§ 2225

§ 2226
 § 671

§ 2227