Source: http://bravors.brandenburg.de/de/verordnungen-212428
Timestamp: 2019-01-19 15:17:08+00:00

Document:
Verordnung über das Naturschutzgebiet „Kastavenseen-Molkenkammersee“
(GVBl.II/09, [Nr. 32], S.658)
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche in den Landkreisen Oberhavel und Uckermark wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Kastavenseen-Molkenkammersee“.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 268 Hektar. Es umfasst Flächen in folgende Fluren:
4, 5 und 23;
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in den in Anlage 3 dieser Verordnung aufgeführten Karten mit ununterbrochener roter Linie eingezeichnet; als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Die in Anlage 3 Nummer 1 aufgeführte topografische Karte im Maßstab 1 : 10 000 ermöglicht die Verortung im Gelände. Maßgeblich für den Grenzverlauf ist die Einzeichnung in den in Anlage 3 Nummer 2 mit den laufenden Nummern 1 bis 10 aufgeführten Liegenschaftskarten.
(3) Innerhalb des Naturschutzgebietes wird eine Zone 1 als Naturentwicklungsgebiet im Sinne des § 21 Absatz 2 Satz 3 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes, das der direkten menschlichen Einflussnahme entzogen ist und in dem Lebensräume und Lebensgemeinschaften langfristig ihrer natürlichen Entwicklung überlassen bleiben, festgesetzt. Die Zone 1 umfasst rund 134 Hektar und liegt in folgenden Fluren:
4 und 23;
(4) Die Verordnung mit Karten und Flurstücksliste kann beim Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, oberste Naturschutzbehörde, in Potsdam, sowie bei den Landkreisen Oberhavel und Uckermark, untere Naturschutzbehörden, von jedermann während der Dienstzeiten kostenlos eingesehen werden.
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes, das weitgehend störungsarme, von Seen, Mooren und großflächigen, unzerschnittenen Wäldern geprägte Flächen umfasst, ist
die Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung der Lebensräume wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere naturnaher Waldtypen, wie zum Beispiel Laubmisch-, Moor- und Bruchwälder, Eichen-Buchen-Altholzbestände, Relikte des Kiefern-Traubeneichenwaldes, der Moorgehölze sowie von Schwimmblattgesellschaften;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensräume wild lebender Pflanzenarten, darunter im Sinne von § 10 Absatz 2 Nummer 10 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützte Arten, insbesondere Zungenhahnenfuss (Ranunculus lingua), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Sumpfporst (Ledum palustre), Kammfarn (Dryopteris cristata), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) und Krebsschere (Stratiotes aloides);
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Lebens- beziehungsweise Rückzugsraum und potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, darunter im Sinne von § 10 Absatz 2 Nummer 10 und Nummer 11 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützte Arten, insbesondere von Eisvogel (Alcedo atthis), Neuntöter (Lanius collurio), Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus), Ringelnatter (Natrix natrix), Moorfrosch (Rana arvalis), Trauermantel (Nymphalis antipoda), Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia), Mooreule (Celaena haworthii), Zweifleck (Epitheca bimaculata), Flussjungfer (Gomphus vulgatissimus) und Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isosceles);
die Erhaltung eines reichhaltigen Mosaiks unterschiedlicher Lebensräume mit überwiegend nährstoffarmen Boden- und Wasserverhältnissen in engem räumlichen Wechsel nasser bis trockener Standorte, mit einer großen Strukturvielfalt sowie der hierauf angewiesenen Lebensgemeinschaften;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als wesentlicher Teil des überregionalen Biotopverbundes zwischen dem Lychener Seenkreuz und dem Sandergebiet südlich von Serrahn.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Kastavenseen-Molkenkammersee“ (§ 2a Absatz 1 Nummer 8 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes) mit seinem Vorkommen von
oligo- bis mesotrophen kalkhaltigen Gewässern mit benthischer Vegetation aus Armleuchteralgen, natürlichen eutrophen Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions, dystrophen Seen und Teichen, Übergangs- und Schwingrasenmooren, Hainsimsen-Buchenwäldern (Luzolo-Fagetum), Moorwäldern, Birken-Moorwäldern und Waldkiefern-Moorwäldern als Biotope von gemeinschaftlichem Interesse („natürliche Lebensraumtypen“ im Sinne des Anhangs I der Richtlinie 92/43/EWG),
Fischotter (Lutra lutra), Steinbeißer (Cobitis taenia), Großer Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis), als Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse (im Sinne des Anhangs II der Richtlinie 92/43/EWG), einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume.
(3) Darüber hinaus ist besonderer Schutzzweck der Zone 1 (Naturentwicklungsgebiet) die Gewährleistung natürlicher Entwicklungsprozesse in einem Komplex aus Seen und ihren verschiedenen Verlandungsgesellschaften, Armmooren und Nadelholzforsten mit Laubholznaturverjüngung sowie deren wissenschaftliche Untersuchung.
das Gebiet außerhalb der Wege zu betreten; ausgenommen ist außerhalb der Zone 1 und außerhalb von Röhrichten und Bruchwäldern das Betreten zum Zwecke der Erholung nach dem 30. Juni eines jeden Jahres;
außerhalb der für den öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege sowie außerhalb der Wege, die von zwei- oder mehrspurigen Fahrzeugen befahren werden können und außerhalb der Waldbrandwundstreifen zu reiten;
im Oberkastavensee innerhalb der Zone 1 zu baden oder zu tauchen; das Baden und Tauchen außerhalb der Zone 1 ist vom Boot sowie von den in den in § 2 Absatz 2 genannten Karten gekennzeichneten Uferabschnitten und Badestellen aus zulässig; ausgenommen sind Röhrichte oder Schwimmblattgesellschaften;
Wasserfahrzeuge aller Art einschließlich Surfbretter oder Luftmatratzen zu benutzen; ausgenommen davon sind Boote ohne eigenen Antrieb und Luftmatratzen auf dem Großen Kastavensee außerhalb von Röhrichten oder Schwimmblattgesellschaften;
die den in § 1b Absatz 5 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes genannten Anforderungen entsprechende forstwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang auf den bisher rechtmäßig dafür genutzten Flächen außerhalb der Zone 1 mit der Maßgabe, dass
Holzerntemaßnahmen, die den Holzvorrat auf weniger als 40 Prozent des üblichen Vorrats reduzieren, nur bis zu einer Größe von 0,5 Hektar zulässig sind,
nur Baumarten der potenziell natürlichen Vegetation eingebracht werden, wobei nur heimische Baumarten unter Ausschluss eingebürgerter Arten zu verwenden sind. Nebenbaumarten dürfen dabei nicht als Hauptbaumart eingesetzt werden,
der Boden schonend, unter Verzicht auf Pflügen und Umbruch bearbeitet wird,
auf Mooren und in Moorwäldern keine forstwirtschaftlichen Maßnahmen erfolgen,
§ 4 Absatz 2 Nummer 17 und 23 gilt,
eine naturnahe Waldentwicklung mit einem Totholzanteil von mindestens zehn Prozent des aktuellen Bestandesvorrates zu erhalten ist;
die den in § 1b Absatz 6 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes genannten Anforderungen in Verbindung mit dem Fischereigesetz für das Land Brandenburg entsprechende fischereiwirtschaftliche Flächennutzung auf den bisher rechtmäßig dafür genutzten Flächen mit der Maßgabe, dass
innerhalb der Zone 1 erforderliche Hegemaßnahmen gemäß § 1 der Fischereiordnung des Landes Brandenburg im Sinne eines Monitoring mit Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde zulässig sind,
auf den übrigen Flächen
aa) Besatzmaßnahmen nur im Großen Kastavensee und nur mit Hecht, Wels, Schlei und Kleine Maräne durchgeführt werden,
bb) Fanggeräte und Fangmittel so einzusetzen sind, dass ein Einschwimmen und eine Gefährdung des Fischotters weitgehend ausgeschlossen sind,
cc) § 4 Absatz 2 Nummer 19 gilt;
die rechtmäßige Ausübung der Angelfischerei am Großen Kastavensee und Oberkastavensees außerhalb der Zone 1 mit der Maßgabe, dass diese ausschließlich von den Stegen, vom Boot sowie von den in den in § 2 Absatz 2 genannten Karten gekennzeichneten Angelstellen erfolgt;
für den Bereich der Jagd in der Zone 1 (Naturentwicklungsgebiet):
Maßnahmen der Bestandsregulierung von Schalenwild mit der Maßgabe, dass die Bestandsregulierung durch drei eintägige Gesellschaftsjagden im Zeitraum vom 1. Oktober eines jeden Jahres bis zum 31. Januar des Folgejahres erfolgt. Die Durchführung der Gesellschaftsjagden ist jeweils eine Woche vorher schriftlich bei der unteren Naturschutzbehörde anzuzeigen. Darüber hinausgehende Maßnahmen der Bestandsregulierung zur Abwendung von Wildschäden auf forstwirtschaftlichen Flächen nach vorheriger Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde. Dazu sind vom Antragsteller Erfordernis, Ziel, Art, Umfang, Zeitpunkt und Ort der Maßnahme darzulegen,
der Einsatz mobiler Ansitzeinrichtungen nach vorheriger Anzeige bei der unteren Naturschutzbehörde;
die rechtmäßige Ausübung der Jagd außerhalb der Zone 1, mit der Maßgabe, dass
aa) die Jagd auf Federwild verboten ist,
bb) die Fallenjagd mit Lebendfallen erfolgt und in einem Abstand von bis zu 100 Metern zum Gewässerufer verboten ist,
cc) keine Baujagd in einem Abstand von bis zu 100 Metern vom Ufer aller innerhalb des Schutzgebietes liegenden Gewässer vorgenommen wird,
die Anlage von Kirrungen außerhalb gesetzlich geschützter Biotope und der in § 3 Absatz 2 Nummer 2 Buchstabe a genannten Lebensraumtypen.
Im Übrigen bleiben Wildfütterungen sowie die Anlage von Ansaatwildwiesen und Wildäckern unzulässig;
die im Sinne des § 10 des Brandenburgischen Straßengesetzes ordnungsgemäße Instandhaltung und Instandsetzung der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege hinsichtlich der Fahrbahn und des Banketts in der Zeit vom 1. Juli eines jeden Jahres, sofern eine Beschädigung des Gehölzbestandes ausgeschlossen ist. Die Maßnahmen sind der unteren Naturschutzbehörde vorab anzuzeigen.
Unterhaltungsmaßnahmen an dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wegen außerhalb des genannten Zeitraumes und Umfangs bedürfen des Einvernehmens mit der unteren Naturschutzbehörde;
der Betrieb von Anlagen für die öffentliche Wasserversorgung, von Abwasseranlagen, von Messanlagen (Pegel-, Abfluss- und andere Messstellen) und sonstiger wasserwirtschaftlicher Anlagen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Die ordnungsgemäße Unterhaltung dieser Anlagen bleibt im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde zulässig; das Einvernehmen kann durch Abstimmung eines Unterhaltungsplanes hergestellt werden;
Unterhaltungsmaßnahmen an rechtmäßig bestehenden Anlagen, sofern diese nicht unter die Nummern 6 und 8 fallen, im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde;
das Sammeln von Pilzen und Wildfrüchten nach dem 30. Juni eines jeden Jahres;
Folgende Pflege- und Entwicklungsmaßnahme wird als Zielvorgabe benannt:
Die Entnahme von Spiegel-, Marmor- und Silberkarpfen aus dem Oberkastavensee wird angestrebt.
(1) Die Duldung von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, die zur Ausführung der in dieser Verordnung festgelegten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen und zur Verwirklichung des Schutzzwecks erforderlich sind, richtet sich nach § 68 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes.
Potsdam, den 7. Juli 2009
Flurstücksliste zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Kastavenseen-Molkenkammersee“
20 teilweise, 23/1 teilweise, 24 teilweise, 25/1, 25/2 teilweise, 25/3 teilweise, 26 teilweise, 27/1, 27/2, 29/1 teilweise, 29/2 teilweise, 39 bis 41 jeweils teilweise, 49/3 teilweise, 64 und 65 jeweils teilweise
43 teilweise, 44/20 teilweise, 166 und 167 jeweils teilweise
1 teilweise, 5 teilweise, 6, 7 bis 14 jeweils teilweise
2/1 teilweise, 2/2 teilweise, 3 und 4 jeweils teilweise, 9 teilweise, 11 bis 13, 14 teilweise, 15, 17 teilweise, 40 und 41 jeweils teilweise, 44 teilweise, 48 und 49 jeweils teilweise, 51 teilweise
68 teilweise
23/1 teilweise, 25/1, 25/2 teilweise, 26 teilweise, 27/1, 27/2, 29/1 teilweise, 29/2 teilweise, 39 bis 41 jeweils teilweise, 49/3 teilweise
7 teilweise, 11 teilweise
Topografische Karte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Kastavenseen-Molkenkammersee“
unterzeichnet von der Siegelverwahrerin, Siegelnummer 7 des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLUV), am 3. Juni 2009
Liegenschaftskarte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Kastavenseen-Molkenkammersee“
unterzeichnet von der Siegelverwahrerin, Siegelnummer 7 des MLUV, am 3. Juni 2009

References: § 2
 § 21
 § 10
 § 10
 § 2
 § 1

§ 4
 § 1
 § 1
 § 4
 § 2
 § 3
 § 10
 § 68