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Timestamp: 2018-04-25 04:52:35+00:00

Document:
Schlag­worte: Freiwilligkeitsvorbehalt, Weihnachtsgeld, AGB-Kontrolle
Akten­zeichen: 10 AZR 177/12
Ent­scheid­ungs­datum: 20.02.2013
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Freiburg, Urteil vom 30.8.2011 - 2 Ca 104/11
20. Fe­bru­ar 2013
hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 20. Fe­bru­ar 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Schmitz-Scho­le­mann
und Rein­fel­der so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Basch­na­gel und Großmann für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Frei­burg - vom 1. De­zem­ber 2011 - 9 Sa 146/11 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über Weih­nachts­geld­ansprüche für die Jah­re 2009 und 2010.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten seit 1. Au­gust 2004 beschäftigt, zu­letzt zu ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­ge­halt von 2.450,00 Eu­ro.
Der von der Be­klag­ten für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­te Ar­beits­ver­trag vom 29./31. Ju­li 2004 lau­tet aus­zugs­wei­se:
Ur­laub/Frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tun­gen
... [Abs. 1 bis Abs. 4 be­fas­sen sich mit dem Ur­laubs­an­spruch]
Frei­wil­li­ge So­zia­le Leis­tun­gen rich­ten sich nach dem be­triebsübli­chen Rah­men. Zur Zeit wer­den gewährt:
- Ur­laubs­geld in Höhe von 18,40 € pro Ur­laubs­tag.
- Weih­nachts­geld in Höhe von (zeit­an­tei­lig) 40 % ei­nes Mo­nats­ge­hal­tes im ers­ten Ka­len­der­jahr der Beschäfti­gung. Es erhöht sich pro wei­te­rem Ka­len­der­jahr um je­weils 10 % bis zu 100 % ei­nes Mo­nats­ge­hal­tes.
- Vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen in Höhe von 39,88 € pro Mo­nat nach Vor­la­ge ei­nes ent­spre­chen­den Ver­tra­ges.
Die Zah­lung der be­trieb­li­chen Son­der­vergütun­gen (Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on, Ur­laubs­geld, Vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen) er­folgt in je­dem Ein­zel­fall frei­wil­lig und oh­ne Be­gründung ei­nes Rechts­an­spruchs für die Zu­kunft.“
In den Jah­ren 2004 bis 2008 zahl­te die Be­klag­te an den Kläger mit der No­vem­ber­vergütung Weih­nachts­geld in der im Ar­beits­ver­trag an­ge­ge­be­nen ge­staf­fel­ten Höhe. Anläss­lich der Zah­lung er­hielt der Kläger je­weils ein Schrei­ben, in dem es heißt:
Bei die­ser Gra­ti­fi­ka­ti­on han­delt es sich um ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung, auf die kein Rechts­an­spruch be­steht und kein An­spruch in den fol­gen­den Jah­ren her­ge­lei­tet wer­den kann.
Wird das Ar­beits­verhält­nis durch Sie gekündigt oder er­folgt die Kündi­gung durch uns aus Gründen, die zu ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen, oder aber en­det das Ar­beits­verhält­nis durch Ar­beits­ver­trags­bruch, so ist die Zu­wen­dung zurück­zu­zah­len, wenn sie mehr als EU­RO 100,00 beträgt und das Ar­beits­verhält­nis vor dem 31.03. des Fol­ge­jah­res be­en­det wird. Die Zah­lung gilt in­so­weit als Vor­schuss und kann bei der End­ab­rech­nung ver­rech­net wer­den.
Durch die Ent­ge­gen­nah­me der Zu­wen­dung wird das Ein­verständ­nis mit den vor­ste­hen­den Be­din­gun­gen be­kun­det.
Im Jahr 2009 wur­de den Mit­ar­bei­tern mit­ge­teilt, dass das Weih­nachts­geld aus wirt­schaft­li­chen Gründen nicht ge­zahlt wer­den könne. Im De­zem­ber 2010 er­hielt der Kläger ei­ne Son­der­zah­lung in Höhe von 880,00 Eu­ro brut­to, mit der die Be­klag­te „die Be­triebs­treue der Mit­ar­bei­ter be­loh­nen“ woll­te; ein Weih­nachts­geld nach § 5 des Ar­beits­ver­trags wur­de nicht ge­zahlt.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he für das Jahr 2009 ein Weih­nachts­geld in Höhe von 90 % ei­nes Mo­nats­ge­halts (2.205,00 Eu­ro) und für das Jahr 2010 in Höhe ei­nes vol­len Mo­nats­ge­halts (2.450,00 Eu­ro) zu. Der An­spruch er­ge­be sich aus § 5 des Ar­beits­ver­trags. Weil die Son­der­zah­lun­gen im Ar­beits­ver­trag nach Vor­aus­set­zung und Höhe präzi­se for­mu­liert würden,
sei es wi­dersprüchlich, sie zu­gleich an ei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt zu bin­den. Die Klau­sel sei un­klar und des­halb gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB un­wirk­sam.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 4.655,00 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 2.205,00 Eu­ro seit 1. De­zem­ber 2009 und aus wei­te­ren 2.450,00 Eu­ro seit 1. De­zem­ber 2010 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie ha­be sich nicht ver­pflich­tet, Weih­nachts­geld oh­ne ge­setz­li­che oder kol­lek­tiv­recht­li­che Grund­la­ge dau­er­haft zu zah­len. Dies er­ge­be sich ein­deu­tig aus der ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lung; der ent­spre­chen­de Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt sei wirk­sam. In § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­trags sei aus­drück­lich von „frei­wil­li­gen so­zia­len Leis­tun­gen“ die Re­de. Da­mit sei kei­nes­wegs ein vor­be­halt­lo­ser An­spruch ver­trag­lich zu­ge­si­chert und nachträglich un­ter ei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt ge­stellt wor­den. Viel­mehr sei von An­fang an ge­re­gelt, dass für die­se frei­wil­li­ge Leis­tung kein Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­ste­he. Für die Ar­beit­neh­mer ha­be kei­ne Un­klar­heit be­stan­den.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Der Kläger hat aus § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­trags ei­nen An­spruch auf Weih­nachts­geld für das Jahr 2009 in Höhe von 90 % ei­nes Mo­nats­ge­halts und für das Jahr 2010 in Höhe ei­nes Mo­nats­ge­halts. Der ver­trag­li­che Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt steht dem nicht ent­ge­gen.
I. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist zulässig.
Die Be­klag­te setzt sich in ih­rer Re­vi­si­ons­be­gründung vom 10. April 2012 aus­rei­chend mit der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts aus­ein­an­der. Sie greift da­bei ins­be­son­de­re mit Be­zug auf die ver­schie­de­nen Ar­gu­men­te des Lan­des­ar­beits­ge­richts des­sen An­nah­me an, § 5 Abs. 5 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags gewähre ei­nen Rechts­an­spruch auf ein Weih­nachts­geld. Soll­te die Re­vi­si­on mit die­ser An­sicht durch­drin­gen, könn­te der Kla­ge je­den­falls mit der Be­gründung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht statt­ge­ge­ben wer­den. Da­mit genügt die Re­vi­si­ons­be­gründung den An­for­de­run­gen des § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO (vgl. da­zu zB BAG 18. Mai 2011 - 10 AZR 346/10 - Rn. 10, NZA 2011, 878).
II. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet.
1. Die Vor­in­stan­zen sind zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass der Kläger ei­nen ver­trag­li­chen An­spruch auf Weih­nachts­geld für die Jah­re 2009 und 2010 hat. Dem steht der Vor­be­halt in § 5 Abs. 5 Satz 3 des Ar­beits­ver­trags nicht ent­ge­gen. Viel­mehr ist die­ser un­wirk­sam.
a) Bei der von der Be­klag­ten in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­trags vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gung han­delt es sich um ei­ne All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung iSv. § 305 Abs. 1 BGB. Die Aus­le­gung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen durch das Be­ru­fungs­ge­richt un­ter­liegt ei­ner vol­len re­vi­si­ons­recht­li­chen Nach­prüfung (BAG 8. De­zem­ber 2010 - 10 AZR 671/09 - Rn. 15, BA­GE 136, 294).
All­ge­mei­ne Ver­trags­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. An­satz­punkt für die nicht am Wil­len der je­wei­li­gen Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver-
trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss. So­weit auch der mit dem Ver­trag ver­folg­te Zweck ein­zu­be­zie­hen ist, kann das nur in Be­zug auf ty­pi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Zie­le gel­ten (st. Rspr., zB BAG 14. Sep­tem­ber 2011 - 10 AZR 526/10 - Rn. 19, AP BGB § 307 Nr. 56 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 54). Bleibt nach Ausschöpfung der Aus­le­gungs­me­tho­den ein nicht be­heb­ba­rer Zwei­fel, geht dies gemäß § 305c Abs. 2 BGB zu­las­ten des Ver­wen­ders. Die An­wen­dung der Un­klar­hei­ten­re­gel des § 305c Abs. 2 BGB setzt al­ler­dings vor­aus, dass die Aus­le­gung ei­ner ein­zel­nen AGB-Be­stim­mung min­des­tens zwei Er­geb­nis­se als ver­tret­bar er­schei­nen lässt und von die­sen kei­nes den kla­ren Vor­zug ver­dient. Es müssen „er­heb­li­che Zwei­fel“ an der rich­ti­gen Aus­le­gung be­ste­hen. Die ent­fern­te Möglich­keit, zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis zu kom­men, genügt für die An­wen­dung der Be­stim­mung nicht (st. Rspr., zB BAG 25. Au­gust 2010 - 10 AZR 275/09 - Rn. 20, BA­GE 135, 239).
b) Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen hat der Kläger aus § 5 Abs. 5 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags ei­nen An­spruch auf Weih­nachts­geld. Nach die­ser Re­ge­lung wird ihm ein Weih­nachts­geld „gewährt“. Ei­ne For­mu­lie­rung, nach der vom Ar­beit­ge­ber ein Bo­nus oder ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on ge­zahlt wird oder der Ar­beit­neh­mer ei­nen Bo­nus oder ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on erhält, ist ty­pisch für die Be­gründung ei­nes Ent­gelt­an­spruchs (BAG 30. Ju­li 2008 - 10 AZR 606/07 - Rn. 45 mwN, BA­GE 127, 185). Für den Be­griff „gewährt“ gilt nichts an­de­res. Darüber hin­aus ist die Höhe der Leis­tung präzi­se fest­ge­legt, und zwar nicht nur für das Ein­tritts­jahr, son­dern auch für die Fol­ge­jah­re mit ei­nem Erhöhungs­fak­tor um je­weils zehn Pro­zent­punk­te pro Beschäfti­gungs­jahr bis zum Er­rei­chen ei­nes vol­len Mo­nats­ge­halts (zur präzi­sen Höhen­an­ga­be: vgl. BAG 30. Ju­li 2008 - 10 AZR 606/07 - aaO). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass das Weih­nachts­geld so­wohl in der Über­schrift des § 5 als auch in des­sen Ab­satz 5 als „frei­wil­li­ge so­zia­le Leis­tung“ be­zeich­net wird. Die Be­zeich­nung als frei­wil­lig kann auch zum Aus­druck brin­gen, dass der Ar­beit­ge­ber nicht durch Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder Ge­setz zu die­ser Leis­tung ver­pflich­tet ist (BAG 23. Ok­to­ber 2002 - 10 AZR 48/02 - zu II 2 a der Gründe, BA­GE 103, 151). Sie
genügt für sich ge­nom­men nicht, um ei­nen Rechts­an­spruch auf die Leis­tung aus­zu­sch­ließen. Eben­so we­nig er­gibt sich ein Aus­schluss ei­nes Rechts­an­spruchs aus der For­mu­lie­rung „zur Zeit wer­den gewährt“. Dies bringt le­dig­lich zum Aus­druck, mit wel­cher kon­kre­ten Höhe der Zah­lung der Ar­beit­neh­mer zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses rech­nen darf, oh­ne dass dem ent­nom­men wer­den könn­te, dass sich der Ar­beit­ge­ber da­mit ei­nen völli­gen Ent­zug der Leis­tung vor­be­hal­ten woll­te. Dies gilt ins­be­son­de­re im Kon­text der kon­kre­ten Eu­ro-Beträge des Ur­laubs­gel­des und der vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen. Zwar er­scheint auch die von der Be­klag­ten ver­tre­te­ne Aus­le­gung möglich, wo­nach sich aus § 5 Abs. 5 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags nicht un­mit­tel­bar ein Rechts­an­spruch er­gibt. Der All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen ver­wen­den­de Ar­beit­ge­ber muss aber bei Un­klar­hei­ten nach § 305c Abs. 2 BGB die ihm ungüns­tigs­te Aus­le­gungsmöglich­keit ge­gen sich gel­ten las­sen.
c) Et­was an­de­res er­gibt sich nicht aus dem in § 5 Abs. 5 Satz 3 des Ar­beits­ver­trags ent­hal­te­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt, wo­nach die Zah­lung der be­trieb­li­chen Son­der­vergütun­gen kei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­gründen soll. Die­se Re­ge­lung verstößt - wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend an­nimmt - ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB und ist des­halb un­wirk­sam.
aa) Nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB kann sich ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist. Sinn des Trans­pa­renz­ge­bots ist es, der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird. Ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot liegt des­halb nicht schon dann vor, wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur ei­ne er­schwer­te Möglich­keit hat, die be­tref­fen­de Re­ge­lung zu ver­ste­hen. Erst in der Ge­fahr, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen un­klar ab­ge­fass­ter All­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung iSv. § 307 Abs. 1 BGB (st. Rspr., zB BAG 14. Sep­tem­ber 2011 - 10 AZR 526/10 - Rn. 22, AP BGB § 307 Nr. 56 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 54). So liegt der Fall hier.
bb) Der Vor­be­halt in § 5 Abs. 5 Satz 3 des Ar­beits­ver­trags be­zeich­net die Zah­lung der be­trieb­li­chen Son­der­vergütun­gen ein­sch­ließlich der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on nicht nur als frei­wil­lig, son­dern will „in je­dem Ein­zel­fall“ aus­sch­ließen, dass de­ren Zah­lung ei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­gründet. Der Wort­laut die­ser Ab­re­de ist zwar ein­deu­tig, sie schließt ei­nen Rechts­an­spruch auf ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on aus. Die Be­stim­mung steht aber im Wi­der­spruch zu dem nach § 5 Abs. 5 Satz 2 gewähr­ten An­spruch auf ein Weih­nachts­geld. Sie ist des­halb nicht klar und verständ­lich iSv. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB und un­wirk­sam (vgl. zu ei­ner ver­gleich­ba­ren Fall­kon­stel­la­ti­on: BAG 30. Ju­li 2008 - 10 AZR 606/07 - Rn. 45, BA­GE 127, 185). Gemäß § 306 Abs. 1 BGB fällt die un­wirk­sa­me Re­ge­lung er­satz­los weg, der Ver­trag im Übri­gen bleibt be­ste­hen.
d) Es kann da­hin­ste­hen, ob die bei je­der Zah­lung erklärten Vor­be­hal­te für sich ge­nom­men wirk­sam wären (vgl. da­zu BAG 18. März 2009 - 10 AZR 289/08 - EzA BGB 2002 § 307 Nr. 43) und ei­nen An­spruch des Klägers aus be­trieb­li­cher Übung ver­hin­dern könn­ten. Ei­nen sol­chen An­spruch macht der Kläger nicht gel­tend; sei­nen ver­trag­li­chen An­spruch aus § 5 Abs. 5 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags können späte­re ein­sei­ti­ge Erklärun­gen der Ar­beit­ge­be­rin nicht be­sei­ti­gen. Von ei­nem Ein­verständ­nis des Klägers we­gen des­sen wi­der­spruchs­lo­ser Ent­ge­gen­nah­me der Zu­wen­dung in den Jah­ren 2004 bis 2008 durf­te die Be­klag­te nicht aus­ge­hen. Da der Kläger be­reits ei­nen ver­trag­li­chen An­spruch hat­te, kam der Ent­ge­gen­nah­me der Zu­wen­dung nicht die von der Be­klag­ten gewünsch­te Be­deu­tung zu.
2. Die Höhe der For­de­rung für die Jah­re 2009 und 2010 ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig. Die Be­klag­te hat auch nicht mehr gel­tend ge­macht, die Son­der­zah­lung von 880,00 Eu­ro sei auf die streit­ge­genständ­li­che For­de­rung ge­leis­tet wor­den. Der Zins­an­spruch folgt aus § 288 Abs. 1 und § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB.
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References: § 5
 § 5
 § 307
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 § 551
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 § 305
 § 307
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 § 307
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 § 307
 § 307
 § 307
 § 5
 § 5
 § 307
 § 306
 § 307
 § 5
 § 288
 § 286