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Timestamp: 2019-06-16 21:45:29+00:00

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Hauptfrachtführer, Unterfrachtführer – und die Abtretung von Schadensersatzansprüchen | Außenwirtschaftslupe
Die Hauptfrachtführerin ist verpflichtet, einen ihr gegen die Unterfrachtführerin zustehenden Schadensersatzanspruch gemäß §§ 667, 675 BGB, die vorliegend anwendbar sind1, an den tatsächlichen Geschädigten abzutreten. Nach § 667 BGB ist der Beauftragte verpflichtet, dem Auftraggeber alles, was er aus der Geschäftsbesorgung erlangt, herauszugeben. Dazu rechnet auch ein Schadensersatzanspruch, den der Beauftragte gegen einen Unterbeauftragten erlangt hat2.
Vorliegend sind auf den in Auftrag gegebenen Transport die Bestimmungen der CMR anwendbar3. Die Grundsätze der Drittschadensliquidation können im Geltungsbereich der CMR ebenfalls zur Anwendung kommen4.
Nach den Grundsätzen der Drittschadensliquidation ist die Hauptfrachtführerin als (Haupt)Frachtführerin im Verhältnis zu der Unterfrachtführerin als der von ihr beauftragten Unterfrachtführerin zur Geltendmachung der Schäden aus dem Verlust oder der Beschädigung des Transportgutes legitimiert, die der Versicherungsnehmerin als Vertragspartner der Hauptfrachtführerin erwachsen sind5.
Gegen die Anwendung der Grundsätze der Drittschadensliquidation spricht kein überwiegendes Schutzbedürfnis des ausführenden Unterfrachtführers. Er hat es in der Hand, ob er sich gegenüber seinem Vertragspartner auf eine höhere Haftung einlässt, als es sein Vertragspartner gegenüber dem Geschädigten getan hat. Nur in diesem Fall kann ein Anspruch auf Drittschadensliquidation bestehen6. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Fälle der Drittschadensliquidation im Transportrecht denkbar sind, da er diese in der Begründung des Transportrechtsreformgesetzes ausdrücklich erwähnt hat7. Hierbei handelt es sich um Fälle, in denen der Geschädigte nicht seinen gesamten tatsächlich entstandenen Schaden vom ausführenden Frachtführer verlangen kann, sondern diesen nur in dem Umfang geltend machen kann, den er mit seinem Vertragspartner, dem Hauptfrachtführer, vereinbart hat. Beim Geschädigten bleibt infolgedessen der darüber hinausgehende Schaden bestehen. Sofern der Hauptfrachtführer einen weitergehenden Anspruch hinsichtlich dieses Restschadens gegen den von ihm beauftragten ausführenden Unterfrachtführer hat, ist er im Wege der Drittschadensliquidation nicht nur berechtigt, sondern nach dem von ihm mit dem Absender geschlossenen Vertrag gemäß § 667 BGB verpflichtet, den überschießenden Differenzbetrag vom ausführenden Frachtführer zu verlangen8.
Abs. 1 CMR steht der Durchsetzung eines Anspruchs der Auftrageberin gegen die Hauptfrachtführerin aus Drittschadensliquidation nicht entgegen. Nach dieser Bestimmung kann sich der Frachtführer gegenüber außervertraglichen Ansprüchen wegen Beschädigung der Fracht, die nach dem anzuwendenden Recht bestehen, auf die Haftungsbeschränkung nach Art. 23 Abs. 3 CMR berufen. Die Ansprüche gegen den Unterfrachtführer, deren Abtretung die Auftrageberin von der Hauptfrachtführerin begehrt, sind indes vertraglicher Natur. Sie unterfallen als vertragliche Ansprüche nicht dem Anwendungsbereich des Art. 28 Abs. 1 CMR9. Zudem wird die beschränkte Haftung des Frachtführers nicht dadurch erweitert, dass er verpflichtet ist, ihm gegen die Hilfsperson zustehende Ansprüche abzutreten. Dementsprechend wird ganz überwiegend davon ausgegangen, dass auch Art. 28 Abs. 2 CMR einer Anwendung der Grundsätze der Drittschadensliquidation nicht entgegensteht10.
Wie sich aus dem Ladeauftrag ergibt, auf den das Berufungsgericht verwiesen hat, hat die Hauptfrachtführerin die Unterfrachtführerin ausdrücklich dazu verpflichtet, nur bewachte Parkplätze anzufahren. Art. 41 Abs. 1 Satz 1 CMR steht der Wirksamkeit dieser Verpflichtung nicht entgegen. Nach dieser Vorschrift ist unbeschadet der Bestimmung des Art. 40 CMR jede Vereinbarung nichtig, die unmittelbar oder mittelbar von den Regelungen des Übereinkommens abweicht. Diese Vorschrift beschränkt die Vertragsfreiheit lediglich, soweit das Übereinkommen selbst Regelungen enthält. Das ist nicht der Fall hinsichtlich im Einzelfall vertraglich übernommener Sicherheitsanforderungen wie der Pflicht, nur bewachte Parkplätze aufzusuchen11. Damit erscheint eine gegenüber der Hauptfrachtführerin weitergehende Haftung der Unterfrachtführerin, die Grundlage für eine Drittschadensliquidation sein könnte, jedenfalls möglich. Ob tatsächlich ein Anspruch aus Drittschadensliquidation besteht, braucht im vorliegenden Verfahren nicht geklärt zu werden.
Voraussetzung für die Anwendung von § 213 BGB ist, dass es sich um einen anderen Anspruch gegen denselben Schuldner handelt, dass der Anspruch auf demselben Grund beruht und dass es sich um einen Fall handelt, in dem das Gesetz von vornherein dem Gläubiger mehrere Ansprüche zur Wahl stellt oder es ihm ermöglicht, in Verfolgung des gleichen wirtschaftlichen Interesses von einem zum anderen Anspruch überzugehen12.
Der Anspruch auf Abtretung der Schadensersatzansprüche der Hauptfrachtführerin gegen die Unterfrachtführerin tritt auch anstelle des ebenfalls gegen die Hauptfrachtführerin gerichteten, an die Auftrageberin abgetretenen Anspruchs der Versicherungsnehmerin auf Zahlung von Schadensersatz. Das erforderliche Konkurrenzverhältnis elektive (wahlweise) oder alternative Konkurrenz ist im Streitfall erfüllt. Die Ansprüche sind auf dasselbe Interesse gerichtet. Das ist der Ausgleich des Schadens, der der Auftrageberin durch den Verlust des Transportguts entstanden ist. Diesem Ergebnis steht nicht der Umstand entgegen, dass die Auftrageberin den Anspruch auf Abtretung mit der Anschlussberufung verfolgen muss. Die Frage der prozessualen Klageerweiterung und der Hemmung der Verjährung beantworten sich nicht nach denselben Maßstäben. Der Anwendungsbereich des § 213 BGB ist weiter als der prozessuale Anspruch im Sinne des Prozessrechts13.
Die Verjährung richtet sich nach Art. 32 Abs. 1 CMR. Die Vorschrift erfasst auch vertragliche Ansprüche14. Die Verjährungsfrist beträgt nach Art. 32 Abs. 1 Satz 1 CMR ein Jahr. Sie beginnt nach näherer Maßgabe des Art. 32 Abs. 1 Satz 3 CMR. Auf den genauen Beginn der Verjährung kommt es im Streitfall nicht an. Die Hauptfrachtführerin hat das Gut am 9.02.2011 übernommen. Der Lauf der Verjährungsfrist von einem Jahr ist durch die Klageerhebung am 17.08.2011 gehemmt worden (Art. 32 Abs. 3 Satz 1 CMR, § 204 Abs. 1 Nr. 1, § 213 BGB).
vgl. Koller, Transportrecht, 8. Aufl., § 407 HGB Rn. 80↩
vgl. RGZ 109, 288, 291 ff.↩
vgl. BGH, Urteil vom 22.05.2014 – I ZR 109/13, RdTW 2014, 471 Rn. 9↩
vgl. BGH, Urteil vom 10.12 2009 – I ZR 154/07, TranspR 2010, 78 Rn. 29↩
vgl. BGH, Urteil vom 20.04.1989 – I ZR 154/87, TranspR 1989, 413, 414 mwN; Urteil vom 01.06.2006 – I ZR 200/03, TranspR 2006, 308, 309; Urteil vom 18.03.2010 – I ZR 181/08, TranspR 2010, 376 Rn. 47↩
vgl. BGH, TranspR 2010, 376 Rn. 49 mwN↩
BT-Drs. 13/8445, S. 75↩
BGH, TranspR 2010, 376 Rn. 50; Thume, VersR 2000, 1071, 1078↩
vgl. MünchKomm-.HGB/Jesser-Huß, 2. Aufl., Art. 28 CMR Rn. 7; Thume/Smid, CMR, 3. Aufl., Art. 28 Rn. 6; Koller aaO Art. 28 CMR Rn. 2↩
vgl. Koller aaO Art. 28 CMR Rn. 5; MünchKomm-.HGB/Jesser-Huß aaO Art. 28 CMR Rn. 17; Otte in Ferrari/Kieninger/Mankowski, Internationales Vertragsrecht, 2. Aufl., Art. 28 CMR Rn. 8↩
vgl. BGH, Urteil vom 20.01.2005 – I ZR 95/01, TranspR 2005, 311, 313; Urteil vom 30.09.2010 – I ZR 39/09, BGHZ 187, 141 Rn. 28 f.; MünchKomm-.HGB/Jesser-Huß aaO Art. 41 CMR Rn. 8↩
vgl. Begründung zum Gesetzentwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Schuldrechts, BT-Drs. 14/6040, S. 121 f., Stellungnahme des Bundesrats, BT-Drs. 14/6857, S. 10 und Gegenäußerung der Bundesregierung, BT-Drs. 14/6857, S. 46↩
vgl. Begründung zum Gesetzesentwurf aaO S. 121; Staudinger/Peters/Jacoby (2014), § 213 Rn. 1↩
vgl. BGH, Urteil vom 14.05.2009 – I ZR 208/06, TranspR 2009, 477 Rn. 18↩
BeförderungsvertragcontentFrachtführerFrachtführerhaftungFrachtrechtHauptfrachtführerUnterfrachtführer

References: § 667
 § 667
 Art. 23
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 41
 Art. 40
 § 213
 § 213
 Art. 32
 Art. 32
 Art. 32
 § 204
 § 213
 § 407
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 41
 § 213