Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757?p=314
Timestamp: 2019-03-19 19:32:04+00:00

Document:
CI haubtstück
ken und andere völker beobachtet, Böhmer in
den anmerkungen über das cap. I, X de sponsali-
bus, im corpore iuris canonici s. 625. canon
39 concilii Triburiensis, Sperling in den no-
ten zum Adamo Bremensi s. 648. Clevel in an-
tiquit. septentrion. cap. I. Cramer am a. o.
cap. 3 § 1 s. 116, welche gewonheiten nachher die
Sachsen und Schwaben fortgepflanzet haben,
solchemnach bis auf unsere zeiten gekommen sind.
Wannenher der reichshofrat in sachen der So-
phien Marien Fölten, der grafen von Sponek,
des grafen Georgen Ariberts, Carl Friderichen,
Lebrechts von Anhalt etc. darauf erkannt hat,
Struve am a. o. s. 50 vol. 2. Riccius am a. o.
s. 521 num. 2 fgg. und vom landsäßigen adel II
cap. II § 5. anderer exempel zu geschweigen. Dar-
gegen die beispiele aus dem hause Baden-Baden
und Pfalz-Birkenfeld etc. nichts fürtragen; sinte-
mal solche misheiraten, welche durch machtsprü-
che gebilliget worden sind, nichts beweisen, auch
daher, daß die gevettern sowol lehnsfolger, hier
und da in selbige gewilliget haben, kein Reichs-
herkommen zu folgern ist; vilmer am tage liget,
daß so oft dergleichen ungleiche ehen ohne der an-
verwandten, oder mitbelehnten einwilligung ge-
troffen worden sind, eine grose irrung, und ein
beschwerlicher rechtsstreit darüber sich eräuget ha-
be. Sihe den Pfeffinger im vitriario illustrato,
den Struven im corpore iuris publici und in
der iurisprudentia heroica.
es muß diß-
falls bei den
alten T.
gewonhei-
ten verblei-
Gleichwie nun von ie her, so oft heiraten der
fürsten und herren mit adelichen vorgefallen sind,
entweder die einwilligung der gevettern nötig ge-
wesen, oder widerspruch und streit deshalber ent-
standen ist, und dann hieraus die unwidersprech-
CI haubtſtuͤck
ken und andere voͤlker beobachtet, Boͤhmer in
den anmerkungen uͤber das cap. I, X de ſponſali-
bus, im corpore iuris canonici ſ. 625. canon
39 concilii Triburienſis, Sperling in den no-
ten zum Adamo Bremenſi ſ. 648. Clevel in an-
tiquit. ſeptentrion. cap. I. Cramer am a. o.
cap. 3 § 1 ſ. 116, welche gewonheiten nachher die
Sachſen und Schwaben fortgepflanzet haben,
ſolchemnach bis auf unſere zeiten gekommen ſind.
Wannenher der reichshofrat in ſachen der So-
phien Marien Foͤlten, der grafen von Sponek,
Lebrechts von Anhalt ꝛc. darauf erkannt hat,
Struve am a. o. ſ. 50 vol. 2. Riccius am a. o.
ſ. 521 num. 2 fgg. und vom landſaͤßigen adel II
cap. II § 5. anderer exempel zu geſchweigen. Dar-
gegen die beiſpiele aus dem hauſe Baden-Baden
und Pfalz-Birkenfeld ꝛc. nichts fuͤrtragen; ſinte-
mal ſolche misheiraten, welche durch machtſpruͤ-
che gebilliget worden ſind, nichts beweiſen, auch
daher, daß die gevettern ſowol lehnsfolger, hier
und da in ſelbige gewilliget haben, kein Reichs-
herkommen zu folgern iſt; vilmer am tage liget,
daß ſo oft dergleichen ungleiche ehen ohne der an-
troffen worden ſind, eine groſe irrung, und ein
beſchwerlicher rechtsſtreit daruͤber ſich eraͤuget ha-
be. Sihe den Pfeffinger im vitriario illuſtrato,
Gleichwie nun von ie her, ſo oft heiraten der
fuͤrſten und herren mit adelichen vorgefallen ſind,
entweder die einwilligung der gevettern noͤtig ge-
weſen, oder widerſpruch und ſtreit deshalber ent-
ſtanden iſt, und dann hieraus die unwiderſprech-
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[302/0314] CI haubtſtuͤck ken und andere voͤlker beobachtet, Boͤhmer in den anmerkungen uͤber das cap. I, X de ſponſali- bus, im corpore iuris canonici ſ. 625. canon 39 concilii Triburienſis, Sperling in den no- ten zum Adamo Bremenſi ſ. 648. Clevel in an- tiquit. ſeptentrion. cap. I. Cramer am a. o. cap. 3 § 1 ſ. 116, welche gewonheiten nachher die Sachſen und Schwaben fortgepflanzet haben, ſolchemnach bis auf unſere zeiten gekommen ſind. Wannenher der reichshofrat in ſachen der So- phien Marien Foͤlten, der grafen von Sponek, des grafen Georgen Ariberts, Carl Friderichen, Lebrechts von Anhalt ꝛc. darauf erkannt hat, Struve am a. o. ſ. 50 vol. 2. Riccius am a. o. ſ. 521 num. 2 fgg. und vom landſaͤßigen adel II cap. II § 5. anderer exempel zu geſchweigen. Dar- gegen die beiſpiele aus dem hauſe Baden-Baden und Pfalz-Birkenfeld ꝛc. nichts fuͤrtragen; ſinte- mal ſolche misheiraten, welche durch machtſpruͤ- che gebilliget worden ſind, nichts beweiſen, auch daher, daß die gevettern ſowol lehnsfolger, hier und da in ſelbige gewilliget haben, kein Reichs- herkommen zu folgern iſt; vilmer am tage liget, daß ſo oft dergleichen ungleiche ehen ohne der an- verwandten, oder mitbelehnten einwilligung ge- troffen worden ſind, eine groſe irrung, und ein beſchwerlicher rechtsſtreit daruͤber ſich eraͤuget ha- be. Sihe den Pfeffinger im vitriario illuſtrato, den Struven im corpore iuris publici und in der iurisprudentia heroica. § 724 Gleichwie nun von ie her, ſo oft heiraten der fuͤrſten und herren mit adelichen vorgefallen ſind, entweder die einwilligung der gevettern noͤtig ge- weſen, oder widerſpruch und ſtreit deshalber ent- ſtanden iſt, und dann hieraus die unwiderſprech- liche
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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 302. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/314>, abgerufen am 19.03.2019.

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 § 724