Source: https://issuu.com/freielehrer/docs/schulnotizen_4-2013
Timestamp: 2016-09-29 12:12:20+00:00

Document:
Schulnotizen 4 2013 by Gerhard Unterkofler - issuu
Gemeinsame Schule: Bitte warten!
Erfolge fĂźr Volksschul- und LeiterInnen-Initiative
Zeitgeschichte in der Neuen Mittelschule
Kinder lieben es, in Bewegung zu sein. An der Volksschule Schlins können und sollen sie das sogar im
Unterricht ausleben. Direktor Wolfgang Lässer („Bewegte Schule bedeutet: Kinder und ihre Bedürfnisse
stehen absolut im Mittelpunkt“) ist davon überzeugt,
dass SchülerInnen, die sich viel bewegen, im Unterricht aufmerksamer, motivierter und damit auch erfolgreicher sind.
Johannes Spies, Lehrer an der Mittelschule BregenzVorkloster, hat im letzten Schuljahr mit SchülerInnen
ein Zeitgeschichteprojekt durchgeführt. Dabei beschäftigten sie sich mit dem Gedenkweg in Bregenz,
der an die Verfolgung von NS-Opfern aus Vorarlberg
erinnert. Für die Jugendlichen „wurde so ein bewältigbarer Zugang zur Geschichte von Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus sichergestellt“.
Volksschul-/LeiterInneninitiative
Mit Beginn dieses Schuljahr erhalten Volksschulen
und LeiterInnen zusätzliche Ressourcen zur Verfügung
gestellt. Gerhard Unterkofler und Armin Roßbacher
zeigen auf, nach welchen Kriterien die Stunden zugeteilt werden. Bernd Dragosits zieht als Volksschuldirektor ein erstes Resümee.
Das Phänomen ist uns allen bekannt: Immer wieder
werden Kinder eingeschult, die die deutsche Sprache nicht bzw. nicht ausreichend beherrschen. Gabi
Sprickler-Falschlunger macht sich Gedanken über die
möglichen Ursachen und sieht Verbesserungsmöglichkeiten, unter anderem durch Erhöhung der Ressourcen für die Kindergärten.
PS: Aufgrund des Redaktionsschlusses konnten wir
in dieser Ausgabe nicht auf das brandheiße Thema
Dienstrecht eingehen. Wir werden dies in den nächsten Schulnotizen nachholen.
3	Garys Nadelstiche
4	Die „Bewegte Schule“
6	Thema Nationalsozialismus
8	Gastkommentar
von LAbg. Gabi Sprickler-Falschlunger
9	(Nicht nur) Erfreuliches
10	Infos für den Schulalltag
12	Voksschulen in den Fokus
13	Stundenkontingent und Erschwernis-Pool
14	Administrative Entlastungsstunden	15	Wechsel in den DA‘s
16	Sie fragen, wir antworten
18	Gewerkschaften braucht das Land
15	SLV-Linien
20	Buchtipp
Bernd Dragosits, Gabi Sprickler-Falschlunger,
Peter Fischer, Wolfgang Lässer, Johannes Spies,
E-Mail: schulnotizen@hotmail.com
schulnotizen 4/2013
Gerhard Unterkofler (unterkofler.gerhard@aon.at)
Großes Gejammer über das Wahlergebnis. Doch wie
heißt es so schön: Jede Bevölkerung hat die Regierung,
die sie verdient. Oder um es mit Bert Brecht etwas deftiger zu sagen: Nur die dümmsten Kälber wählen ihre
Metzger selber. Zur Ehrenrettung der Lehrpersonen sei
jedoch gesagt, dass es diesmal nicht einfach war, das
Kreuz an die richtige Stelle zu kritzeln. Meine Lieblingskoalition Rot-Grün hatte schon von vornherein nie die
Chance, eine Mehrheit zu erreichen. Rot in einer Koalition mit der ÖVP neigt zum Umfallen. Die Grünen beugten dem vor, indem sie nicht nur die Gemeinsame Schule
sondern gar keine ihrer Forderungen zur Koalitionsbedingung erklärt haben. Die Neos träumten von der Liberalisierung im Bildungsbereich, die FPÖ würde uns Lehrer
am liebsten auch noch in den Sommerferien als kostenlose Nachhilfelehrer arbeiten lassen, und die Schwarzen
kleben bildungspolitisch im vorigen Jahrtausend fest.
Aufnahmetests oder Potenzialanalyse
Die Landeshauptleute der westlichen Bundesländer
wurden schon vor den Wahlen in der Frage Gesamtschule völlig verklärt. Ihr wahres Gesicht zeigen sie jedoch,
wenn es ums Eingemachte geht.
Da hat der Salzburger Landeshauptmann Haslauer bei
den Koalitionsverhandlungen die schwarze Katze aus
dem Sack gelassen. Man soll doch für die wirklich intelligenten Kinder einige wenige AHS-Unterstufen erhalten.
Die ÖVP möchte die Zahl der Kinder an den AHS-Unterstufen um ein Drittel auf etwa 21% reduzieren. Dieser
schwarze Reformvorschlag würde Vorarlberg, wo insgesamt nur 23% der 10- bis 14-Jährigen die Unterstufe
besuchen, nicht sonderlich treffen, sehr wohl aber das
rote Wien, wo zur Zeit 51% der Schüler ins Gymnasium
gehen. Solch eine Einhieße aber,
Gymnasien sollen zu schränkung
dass Gymnasien noch
Eliteschulen werden. mehr zu Eliteschulen
Zur Auslese der Schüler präsentierte die ÖVP anfangs
die Aufnahmeprüfung als Allheilmittel. Nach heftiger
Kritik soll nun die Potenzialanalyse der Weisheit letzter
Schluss sein. Klingt doch wahnsinnig gut und intelligent.
Diese Analyse haben die VolksschullehrerInnen zu machen, womit diese wiederum unter den Druck der Eltern
geraten. Und dieser Druck dürfte noch größer als bisher
werden, da die Aufnahme ins Gymnasium ja stark beschränkt werden soll.
Aber vielleicht könnte die ÖVP mit folgendem Kompromiss geködert werden: Gesamtschule mit Wiedereinführung der ersten Leistungsgruppe in den Hauptfächern.
Aber ehrlich gesagt, ich glaube nicht mehr an die Einführung der Gemeinsamen Schule. Elternvereine der Gymnasien stemmen sich Hand in Hand mit AHS-Gewerkschaftern gegen die Abschaffung der AHS-Unterstufe. Es
gibt nicht wenige, denen schon beim Gedanken an eine
Gemeinsame Schule speiübel wird. Eine gewisse Bildungsschicht, die genügend Seilschaften besitzt, will ihre
Kinder unter ihresgleichen wissen, will ihre Sprösslinge
nicht mit Krethi und Plethi und vor allem nicht mit Kindern mit migrantischem Hintergrund in dieselbe Schule
schicken. Das ist Klassenkampf, diesmal aber von oben.
Untersuchungen zeigen es ganz klar, in Österreich wird
die Bildung „vererbt“. Kinder aus der sozialen Unterschicht haben weniger Chancen, ein Studium zu absolvieren als jene der Mittel- und Oberschicht. Und was war die
Antwort des Wissenschaftsministers darauf: Wenn man
beklage, so Töchterle, dass Arbeiterkinder weniger Chancen zum Studieren hätten, könnte man doch antworten,
Akademikerkinder hätten weniger Chancen Facharbeiter
zu werden. Nehmen wir Töchterle beim Wort. Gesamtschule für alle, damit auch die armen Akademikerkinder
die Chance haben, einen
Lehrberuf zu ergreifen.
Der Ruf nach weniger
Ideologie in der Bildungspolitik und mehr Exper- Chancen Facharbeiter
ten ist unüberhörbar und
wird auch von den Parteien verlangt. Nur meint dabei jeder die Ideologie des anderen. So ganz nebenbei sei auch die Frage erlaubt, wer
denn bestimmt, welche Experten sich mit Bildungsfragen
im Auftrag der Regierung beschäftigen dürfen. Gibt es
wirklich jemand, der glaubt, dass es sich bei Schulexperten um ideologische Nullgruppler handelt? Wohl kaum.
Aber der Standpunkt der Experten bestimmt die Expertise, was grundsätzlich nichts Verwerfliches ist. Doch genau darüber sollte man sich im Klaren sein.
gerhardunterkofler.
(am Beispiel der VS Schlins)
Wolfgang Lässer, Direktor der VS Schlins (direktion@vssc.snv.at)
Sie wünschen Ihren Schülern eine Steigerung der Aufmerksamkeit, eine Steigerung der Motivation,
flexibleres Denken in einer bewegten Zeit und damit eine Anpassung an unser modernes Leben sowie einen Beitrag zur körperlichen Fitness und zur Schülergesundheit? Wir auch. Und genau deshalb
haben wir uns an der VS Schlins auf den Weg gemacht – und zwar in Richtung „Bewegter Schule“.
ber was ist „Bewegte Schule“? Ganz allgemein
und salopp ausgedrückt geht es bei der „Bewegten Schule“ darum, dass die Kinder und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen sollen!
dene Ziele verfolgt werden: Aktivierung auf der
einen Seite und Beruhigung und Entspannung
auf der anderen Seite. Bewegungspausen sollen
im Klassenzimmer oder Flur (Bewegungsparcours
oder einzelne Stationen) ohne Störung der anderen
Klassen durchgeführt werden können (Material
griffbereit). Einige Beispiele:
•	Gelenkte Bewegungspausen während des Unter	richts zum Auflockern (Bewegungs-Kartei von
Irene Moser, AUVA-Würfel „Mach mit – Bewegung
hält fit“, Gleichgewichtsübungen, kinesiologische
Übungen etc.);
•	Übungen mit Tüchern, Bällen, Flash-Cups etc.;
•	Bewegungseinheiten im Tagesplan oder Wochen	plan (Kleingeräte: Drehscheibe, Balancierbrett, …).
•	wird dem natürlichen Bewegungsbedürfnis der
Kinder gerecht. Bewegung ist ein Primärbedürfnis
für Kinder und wird in der „Bewegten Schule“
•	motiviert Kinder zu einem aktiven bewegten
Lebensstil und lebenslangem Sporttreiben.
•	begleitet das tägliche Lernen und Lehren mit
Bewegung und trägt dadurch wesentlich zum
Gelingen des Schulalltags bei.
•	vermittelt die Inhalte der Bewegungsförderung
•	bietet für Bewegung, Spiel und Sport den not	wendigen Raum und macht sie damit zu wesent	lichen Elementen der Schulkultur.
(www.schulebewegt.ch)
Es geht aber auch um bewegtes Lernen, d.h. aktiv
handelndes Lernen mit allen Sinnen. Auch hier
• Buchstaben, Zahlen, Begriffe werden mit verschie	denen Materialien hergestellt oder von Kindern
•	Aufgaben werden in Bewegung gelöst
o D-Lesen: Bewegungsgeschichten
o D-Schreiben:
Wörter „schwingen“ mit Bällen aller Art;
Laufdiktat mit Zusatz-Aufgabe, z.B. Jonglieren
oder Bewegungsparcours (unter Stühlen durch	kriechen etc.)
o Mathematik: Kopfrechnen
elches sind die konkreten Bausteine einer
„Bewegten Schule“? Unser Bewegungs-Leitbild
„Bewegte VS Schlins“ besteht aus fünf Säulen:
Bewegte Klasse (Bewegung im Unterricht): Hier
geht es darum, Bewegungspausen (im Schnitt alle
20 – 30 Minuten) im Unterricht je nach Situation
zeitlich flexibel einzusetzen, was der Rhythmisierung des Unterrichts dient. Dabei können verschieschulnotizen 4/2013
2) Bewegung auf dem Pausenhof inkl. Schulweg:
Hier geht es darum, dass die Kinder den Schulweg
möglichst zu Fuß absolvieren, die große Pause
mindestens 20 Minuten lang dauert und möglichst
viele Bewegungsanregungen bietet.
3)	Bewegung im Unterrichtsfach „Bewegung und
Sport“ (inkl. 2 zusätzlicher Stunden Leibesübungen als Unverbindliche Übung): Die tägliche Turnstunde ist in unseren Bewegungsklassen Realität.
4)	Bewegungshausübungen: Hier werden den Schülern
spezielle Bewegungshausaufgaben aufgetragen,
die dann im Unterricht kontrolliert und ausgewertet
werden. Als Beispiele möchte ich an dieser Stelle
Seilspringen, Hampelmann, Rückwärtslaufen, einbeiniges Stehen und Springen etc. anführen. Ganz
allgemein ausgedrückt geht es um Übungen zur
Verbesserung des Gleichgewichts, der Kraft, der
Koordination und der Ausdauer.
•	Laut Gehirnforschung unterstützt Bewegung das
Lernen positiv (Lernen verändert nämlich die
Hirnstrukturen und macht die Informationsüber	tragung schneller).
•	Die „Bewegte Schule“ fördert ein besseres Klima
im gesamten Schulgeschehen (z.B. weniger Probleme
mit Aggressivität).
5)	Bewegung – Besonderheiten: Hier zählen unter
anderem folgende Bausteine dazu: Eislaufen,
Rodeln, Kletterwand, Inlineskaten, Radgeschick	lichkeit, Waldspiele, Spiele im Freien etc.
Wichtig ist dabei auch, dass die Schüler ihre Sitzmöglichkeiten jederzeit frei wählen und verändern können
und sollen. D.h., dass die Kinder im Sitzen („normal“,
Stuhl umgedreht, kniend auf Stuhl,…), im Stehen und
im Liegen arbeiten können.
bschließend möchte ich noch die Effekte und die
Vorteile einer „Bewegten Schule“ anführen. Wenn
wir den Kindern den Raum und die Zeit zur Bewegung
lassen und mit gutem Beispiel vorangehen, können
die Vorteile voll zur Geltung kommen. Diese sind:
•	Wir können Kindern, die die Lust an der Bewe-
gung verloren haben, positiv beeinflussen und mit
regelmäßigen Bewegungszeiten Gutes tun!
•	Schon mit 15 Minuten Bewegung kann das Gleich	gewicht um 40% verbessert und die Unfallgefahr
um 50% gesenkt werden – und dies in 3 Monaten!
•	Die „Bewegte Schule“ leistet einen wertvollen
Beitrag zur Schüler- und Lehrer-Gesundheit.
•	Die „Bewegte Schule“ trägt zur
o Steigerung der Aufmerksamkeit
o Steigerung der Motivation und
o Steigerung des Selbstbewusstseins bei.
•	Die „Bewegte Schule“ fördert flexibles Denken in
einer bewegten Zeit, was in unserer heutigen
Gesellschaft immer mehr gefordert ist.
anz zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass
wir an unserer Schule – auf der dritten Schulstufe – heuer erstmals zwei Bewegungsklassen mit
den oben genannten Besonderheiten führen.
Dort werden alle erwähnten Bausteine auch wirklich
umgesetzt. Die Erfahrungen damit sind sowohl auf
Seiten der SchülerInnen und deren Eltern als auch
der PädagogInnen sehr positiv. Erfreulich ist für mich
die Tatsache, dass auch in allen anderen Klassen bestimmte Elemente der Bewegungsklassen eingebaut
werden. Allerdings dürfte es natürlich - für mein Ermessen - immer noch ein wenig mehr sein.
Aber: Wir haben uns ja erst auf den Weg gemacht,
Quellen - Literaturangaben:
1. Aktive Kindheit Medienpaket; Lukas Zahner
2. Bewegungsfreundliche Schule, Lukas Zahner
3. Bewegte Schule als Chance einer Förderung der Lernund Leistungsfähigkeit, S. Dordel, D. Breithecker
4. Bewegte Schule, Stephan Zopfi
5. Broschüre «Täglich mehr Bewegung in der Schule»,
6. www.schulebewegt.ch
Zeitgeschichteunterricht in der Neuen Mittelschule
Johannes Spies (johannes.spies@me.com)
Die Beschäftigung mit den Themen Holocaust sowie Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus als auch deren Bedeutung für die Gegenwart stehen nicht nur in Klassenzimmern in
erschreckender Regelmäßigkeit zur Debatte. Dabei stellt diese in den allermeisten Fällen jedoch
nicht den Versuch einer revisionistischen Verharmlosung der NS-Geschichte dar, sondern ist vielmehr eine Reaktion auf unpädagogische Begegnungen mit dem Thema. Bedarf an Aufklärung und
Bewusstseinsbildung gibt es in Anbetracht gesellschaftlicher Entwicklungstendenzen zur Genüge.
Ernüchternde Entwicklungen
Der aktuellen Europäischen Wertestudie zufolge rangiert Österreich deutlich an der Spitze der Staaten, die
Zuwanderern, Minderheiten und Randgruppen mit
deutlicher Ablehnung gegenüberstehen. Gleichzeitig
hat sich der Prozentsatz jener Menschen, die sich einen „starken Führer“ vorstellen können, der das Land
ohne Parlament und
Wahlen regiert, deut20 % der Österreicher- lich über die ZwanzigInnen können sich
Prozent-Marke bewegt.
einen „starken Führer“ Im vergangenen März
berichtete die Tagesvorstellen.
zeitung „Der Standard“,
dass 13 Prozent der
ÖsterreicherInnen das NS-Verbotsgesetz für zu streng
befinden, 42 Prozent sind gar der Ansicht, dass „unter
Hitler nicht alles schlecht war.“ Des Weiteren spricht
heute, 75 Jahre nach dem so genannten „Anschluss“
Österreichs an das Deutsche Reich, Ephraim Zuroff,
Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem,
Österreich den politischen Willen ab, sich im Rahmen
der Suche nach den letzten noch lebenden NS-Kriegsverbrechern engagieren zu wollen. Zeitgleich sehen
61 Prozent der ÖsterreicherInnen die NS-Vergangenheit als ausreichend aufgearbeitet an.
s sind dies allesamt aktuelle Befunde, welche die
Frage nach dem Beitrag von Schule als wichtige Institution politischer Sozialisation und der Ausbildung
von Demokratiekompetenz aufs Neue aufwerfen und
nach konkretem pädagogischen Handeln im Unterricht verlangen. Dass an Schulen bei der Beschäftigung mit dem Thema Holocaust regelmäßig die Frage
gestellt wird, warum dieser Teil der Geschichte heute
immer noch derart wichtig ist, hat jedoch nichts mit
Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit zu tun. Die
ablehnende Haltung ist Ausdruck eines Abwehrme-
chanismus, welcher durch Überforderung beim Konsum dehumanisierter Darstellungen von NS-Opfern
– ausgehungerten, entstellten und leblosen Körpern,
zusammengetragen auf Leichenbergen – erzeugt
wird. Unpädagogisch und ohne die Möglichkeit zur
Reflexion, in klassischen wie neuen Medien massenhaft vermittelt, verbleibt als einzig mögliche Reaktion
die der Abwehr. Kinder und Jugendliche befinden sich
demzufolge in einer unbearbeiteten Realität, welche
es von PädagogInnen in der Praxis zu bewältigen gilt.
m Unterricht fällt diese Aufgabe zum größten Teil
dem Fachbereich Geschichte und Sozialkunde zu,
seit 2008 durch Politische Bildung erweitert. Leider
lässt sich bislang jedoch nur eine thematische Erweiterung des Fachbereichs feststellen. Betrachtet man
den zeitlichen Rahmen, vorgegeben durch die Bestimmungen des Lehrplans der Neuen Mittelschule, so ist
ersichtlich, dass für die Ausbildung von historisch-politischen Kompetenzen ein Mindestmaß von lediglich
vier Wochenstunden von der fünften bis zur achten
Schulstufe vorgesehen ist. Trotz einer Überschreitung
dieser Untergrenze in der Realität lässt sich im Vergleich zu zahlreichen anderen Pflichtgegenständen
ein geringerer Stundeneinsatz feststellen. Es kann
daher durchaus mit Berechtigung die Frage aufgeworfen werden, ob dies ein in quantitativer Hinsicht
ausreichendes und wünschenswertes Ausmaß für die
Beschäftigung mit historisch-politischer Bildung in der
Neuen Mittelschule darstellt.
Biographieorientierte Regionalgeschichte
In der Praxis bieten sich in Vorarlberg glücklicheweise reichlich Gelegenheiten an, regionale Aspekte der
NS-Geschichte in Projektform zu bearbeiten und für
den Unterricht nutzbar zu machen. Eine jener Mögschulnotizen 4/2013
lichkeiten stellt der durch die katholische Ökumenekommission initiierte und in Zusammenarbeit mit der
Stadt Bregenz 2002 errichtete Gedenkweg in der Landeshauptstadt dar. Dieser eröffnet die Möglichkeit,
für die Geschichte von Verfolgung und Vernichtung
relevante Aspekte der Lebensgeschichten bekannter
NS-Opfer aus Vorarlberg kennen zu lernen. Darunter
befinden sich unter anderem Hugo Lunardon, Karoline Redler, Maria Stromberger oder Ernst Volkmann.
Gleichzeitig können mit dem Gefangenenhaus in der
Bregenzer Oberstadt oder dem Hauptquatier der Gestapo in der Römerstraße auch Orte besucht werden,
von denen institutionelle Gewalt ausging.
m vergangenen Schuljahr hatte ich die Gelegenheit, den Gedenkweg mit SchülerInnen der NMS
Bregenz-Vorkloster zu erarbeiten. Aus methodischdidaktischer Sicht war der Arbeitsprozess größtenteils
selbsttätig und kompetenzorientiert angelegt. Durch
die Auseinandersetzung mit einzelnen Biographien
wurde ein für Jugendliche bewältigbarer Zugang zur
Geschichte von Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus sichergestellt. Konkret waren die
SchülerInnen mit der Aufgabe konfrontiert, mit Hilfe
bereitgestellter Unterlagen eine Station des Gedenkwegs zu erarbeiten und diese in Form eines Kurzreferats beim Begehen des Gedenkwegs zu präsentieren. Hintergrundinformationen konnten im Internet
recherchiert bzw. in der sehr empfehlenswerten Publikation von Meinrad Pichler „Nationalsozialismus in
Vorarlberg. Opfer. Täter. Gegner.“ – erschienen in der
Sachbuchreihe von erinnern.at – nachgelesen werden. Erweitert wurde dieser Hauptteil des Projekts
während der Wienwoche durch einen Workshop zu
den Themen Rechtsextremismus und Neonazismus
im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, was gleichzeitig den Gegenwartsbezug
des Projekts darstellte. Ein abschließender Besuch im
Jüdischen Museum in Hohenems diente dem Kennenlernen der Geschichte jüdischer Menschen in Vorarlberg und der Vernetzung der erlernten Inhalte.
Unsere Geschichte eine Herausforderung für die Gegenwart
Dass sich Schule in Bezug auf ihre Aufgabe der, wie Theodor W. Adorno es nennt, „Erziehung nach Auschwitz“
keineswegs zurücklehnen kann, zeigen neue Forschungen, wie jene des deutschen Sozialpsychologen Harald
Welzer. Im Verlust sozialer Zugehörigkeit und der damit
einhergehenden Schaffung einer Außengruppe, die per
Definition als ungleich und minderwertig angesehen
wird, sieht Welzer das soziale Schlüsselelement von
Ausgrenzung und in späterer Folge Entrechtung und
Vernichtung. Die Entwicklung des Nationalsozialismus
ist in Anbetracht dessen also nicht ausschließlich unter der Berücksichtigung historischer Ereignisse, wie
etwa der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre, sondern gerade eben auch unter Berücksichtigung sozialer und gesellschaftlicher Entwicklungen zu verstehen.
Vergegenwärtigen wir uns an dieser Stelle nochmals
die eingangs erwähnten, allzu oft heruntergespielten
und verharmlosten Fakten zu Fremden- und Minderheitenfeindlichkeit in Österreich, so eröffnet sich deren Bedeutung und Brisanz.
us dieser Perspektive wird offenkundig, dass
PädagogInnen, Schule als Bildungs- und Erziehungsinstitution und den verantwortlichen Entscheidungsträgern in der Politik ein immens hohes Maß an
Verantwortung für die Entwicklung eines demokratischen, auf der Gleichheit der Menschen
Schule obliegt ein
beruhenden Selbstverständnisses zukünfimmenses Maß an
obliegt. Eine solche
normative Wertgrundlage kann vor allem in der pädagogischen Auseinandersetzung mit unserer Geschichte entstehen. Diese
bleibt somit, was sie auch bisher war: eine der größten Herausforderungen der Gegenwart, gleichzeitig
aber vielleicht auch die größte Möglichkeit zur Gestaltung unserer Zukunft.
Die Dokumentation des erwähnten Projekts kann unter
www.erinnern.at/bundeslaender/vorarlberg heruntergeladen werden.
Kinder dürfen nicht
für ihre Eltern haften
Gabi Sprickler-Falschlunger (gabriele.sprickler-falschlunger@landtag.cnv.at)
Immer wieder hört man es: ein Teil der einschulenden Kinder spreche kein oder nur unzureichend
Deutsch, um dem Unterricht folgen zu können. Ein Teil dieser Kinder besucht noch eine Vorschulklasse. Inwieweit der Besuch einer Vorschulklasse den Spracherwerb verbessert und das
Kind dann in der Schullaufbahn an die Leistungen anderer Kinder anschließen kann, bleibt offen.
Für die 5-Jährigen ist der Kindergarten verpflichtend, und auch fast alle 4-Jährigen besuchen
bereits den Kindergarten. Neu zugezogene Familien mit schulpflichtigen Kindern sind - bis auf
Asylwerberfamilien - die Ausnahme. Allerdings gibt es zunehmend Familien, in denen ein Partner
bereits lange in Österreich lebt und ein Partner durch Heirat erst vor relativ kurzer Zeit nach
Österreich gekommen ist.
ach zwei Jahren Kindergarten, so müsste man
meinen, ist das Kind sprachlich fit genug, um in
einer ersten Klasse den Anforderungen gerecht zu
werden. Das ist kein Vorwurf an die Kindergartenpädagoginnen. Es ist lediglich die ehrliche Frage,
was anders laufen müsste und welche Ressourcen
die Kindergärten benötigen, um die Ergebnisse
Zum einen sind es aus meiner Sicht die zu geringen
verpflichtenden Wochenstunden für die 5-Jährigen. Das Kind muss lediglich 20 Wochenstunden an
mindestens vier Wochentagen besuchen. Bei den
4-Jährigen bleibt es den Eltern sowieso mehr oder
minder überlassen, wie lange das Kind den Kindergarten besucht. Die Betreuungszeit in den Kindergärten ist im internationalen Vergleich mit Ländern
wie zum Beispiel Schweden zu kurz. In Schweden,
das eine ähnliche Einwanderungsgeschichte wie
Österreich hat, schneiden Kinder aus Migrationsfamilien im Bildungsvergleich deutlich besser ab.
Zum anderen sehen Konservative die Hauptverantwortung bei den Eltern. Das gilt nicht nur für
Kinder aus Migrationsfamilien, sondern auch für
Kinder aus sozial benachteiligten „einheimischen“
Familien. Damit machen Konservative die Kinder
haftbar für Eltern, die ihre Kinder nicht unterstützen können oder nicht unterstützen wollen.
ie öffentliche Hand hat hier einen gerechten
Ausgleich zu schaffen. Unterstützung kann sie
durch Schulen erfahren, die nicht tatenlos zusehen, wie aus den Kindergärten Kinder in die Schule
übertreten, die de facto nicht Deutsch sprechen.
In diesen Fällen braucht es ein Gespräch mit dem
Kindergarten. Und der Kindergarten muss an die
Gemeinde(Politikerinnen) rückmelden, wenn es
mit dem Spracherwerb nicht klappt.
Es braucht auch eine Erhöhung der Wochenstunden beim verpflichtenden Kindergartenjahr für
5-Jährige sowie die
Einführung eines verpflichtenden Jahres für „Es braucht die Einführung
eines verpflichtenden
4-Jährige mit einer angemessenen WochenJahres für 4-Jährige“
stundenzeit.
Das ist nicht nur ein Startvorteil für Kinder aus
Migrantenfamilien und solche aus sozial benachteiligten Familien. Es ist für die vielen Einzelkinder
auch ein wesentlicher Bestandteil ihrer Sozialisation. Ausgedehntere Betreuungszeiten und ein
verpflichtendes Jahr für 4-Jährige helfen außerdem
Frauen aus der „Teilzeitfalle“ zu entkommen. Bei
einem verpflichtenden Besuch des Kindergartens
würden auch die für die Eltern teilweise beträchtlichen Kindergartengebühren wegfallen.
Gemeinsame Schule,
Armin Roßbacher (armin.rossbacher@gmx.at)
Negative Schlagzeilen schaffen es bedeutend leichter in die Öffentlichkeit, das kennen wir zur
Genüge aus der Medienlandschaft. Das koalitionäre Gezerre um eine längst anstehende Reform
der Sekundarstufe eins gehört eindeutig in die Kategorie „only bad news are good news“. Dass
es auch Erfreuliches in der Schullandschaft zu entdecken gibt, zeigt ein Beispiel aus Bludenz:
Teamarbeit in der Direktion.
Leiten zu zweit
Der Run auf einen DirektorInnenposten findet seit
Jahren nicht mehr statt, immer öfter fällt es schwer,
zumindest eine/n BewerberIn zu finden. Und manchmal nützt alles Zu- bzw. Überreden nichts, einer
Schule droht ein führungsloser Zustand. So geschehen auch an einer Bludenzer Volksschule vor etwa
eineinhalb Jahren. Nach monatelanger erfolgloser
Suche erklärte sich schlussendlich ein bereits über
zehn Jahre pensionierter Hauptschuldirektor bereit,
die Schule gemeinsam mit einer jungen Lehrerin zu
Und was als Notlösung begann, stellte sich als überraschender Erfolg heraus. „Der Versuch einer kollektiven Leitung, getrennt in Administration und Pädagogik, funktioniert in unserem Fall sehr gut und wäre
auch bei anderen Schulen zu überlegen“, so Hannes
Moser, für Verwaltungsangelegenheiten an der Schule zuständig. Und im persönlichen Gespräch wird erkennbar, warum beide von sehr guten Erfahrungen
berichten. „Wichtig ist, dass wir miteinander ein gutes
Einvernehmen haben, uns auf Augenhöhe begegnen
können“, stellt Sabrina Bacher, verantwortlich für alle
pädagogischen Belange, klar.
Gemeinsames Leiten inkludiert viele Gespräche, die
gegenseitige Information ist äußerst wichtig. Das erfordert auch zusätzliche Zeit, die aufgewendet werden muss. Und dennoch betonen beide mit Nachdruck, wie viel Entlastung solche Gespräche mit sich
Mir ist bewusst, dass dieses Beispiel kein Modell für
alle Schulen sein kann, es auch gar nicht sein muss.
Für manche Standorte, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind, könnte es jedoch durchaus eine
Möglichkeit sein, den in den letzten Jahren ständig
gestiegenen Anforderungen an LeiterInnen wirksam
zu begegnen. Viele LehrerInnen haben die positiven
Auswirkungen von Teamarbeit kennen und schätzen
gelernt, warum sollte das für DirektorInnen nicht auch
gelten?!
Gemeinsame Schule – bitte warten
Nicht ganz zwei Monate sind seit der Nationalratswahl verstrichen. Seit längerem verhandeln Rote und
Schwarze in (beinahe) geheimer Mission, was zur
Folge hat, dass fast täglich neue Gerüchte die Runde
machen. Ich erlaube mir einige davon etwas genauer
Die Langform des Gymnasiums soll es nur mehr für
Spezialformen, etwa Musik oder Sprachenschwerpunkte geben. Die Zahl der Spezialgymnasien kann
jedoch noch deutlich ausgebaut werden, so der Verhandlungsführer der ÖVP, Wilfried Haslauer. Diejenigen AHS, die derzeit noch keinen Schwerpunkt haben,
könnten sich einen solchen ja noch verpassen.
Die ÖVP hat noch mehrere Pfeile im Köcher: Sie
schlägt vor, für die AHS-Unterstufe Aufnahmetests
einzuführen. Ein Gymnasium sollten also nur noch
jene Schüler besuchen dürfen, die diesen Test bestehen. Dass Aufnahmetests bereits 1971 von Bruno
Kreisky abgeschafft worden waren, macht es für die
ÖVP umso leichter.
Aufhorchen lässt auch Paul Kimberger, Vorsitzender
der ARGE Lehrer. „Wenn gewährleistet ist, dass das
neue Schulsystem auf die unterschiedlichsten Talente der Kinder abgestellt ist und auch weiterhin eine
echte Differenzierung gewährleistet ist, dann habe ich
kein Problem damit, wenn dieses System Gemeinsame Schule heißen würde.“ Bedeutet das die Wiedereinführung der Leistungsgruppen?
Zu erwarten ist, dass wir wieder einen typisch österreichischen Kompromiss präsentiert bekommen, bei
dem es ganz sicher nicht um das viel zitierte Wohl der
Verrichtet eine Lehrperson (sie muss in der Regel über 50 Jahre alt sein)
durchschnittlich ununterbrochen mehr als zwei Stunden oder durchschnittlich
mehr als drei Stunden ihrer Tagesarbeitszeit mit Bildschirmarbeit und leidet
deshalb unter Sehbeschwerden, gibt es die Möglichkeit, dass die Kosten einer
Bildschirmarbeitsbrille bis zu einem Höchstbetrag von momentan 232,60 Euro
Zusätzliche Informationen: www.freielehrer.at unter Mittwochsinfos.
Jedes Jahr schenken die Beschäftigten dem Finanzamt mehrere Millionen
Euro, weil sie die Arbeitnehmerveranlagung nicht machen. Der Antrag kann
entweder über finanzonline gestellt oder mit dem Formular L1 per Post
übermittelt bzw. persönlich beim Finanzamt abgegeben werden. Der Jahreslohnzettel wird vom Dienstgeber automatisch ans Finanzamt gesandt. Die Frist
für den Antrag auf ANV beträgt fünf Jahre.
ANV mit Hilfe der Gewerkschaft: Wenn du dich nicht auskennst, dann hilft dir
die Gewerkschaft bei der Online-ANV. Dabei unterstützen dich Experten des
Vorarlberger ÖGB. Im Frühjahr 2014 gibt es weitere Termine.
Voranmeldungen werden schon jetzt beim Vorsitzenden der Pflichtschullehrergewerkschaft entgegengenommen: unterkofler.gerhard@aon.at
GRIPPESCHUTZIMPFAKTION DER BVA
Auch in diesem Jahr leistet die BVA im Aktionszeitraum vom 1. Oktober 2013
bis 31. Jänner 2014 einen Zuschuss von € 15 zur Grippeschutzimpfung. Der
Zuschuss wird in der Apotheke vom Preis des Impfstoffes abgezogen.
Genauere Information: www.bva.at oder Tel. 050405
Bei weiteren Fragen wendet euch doch einfach an unsere Personalvertreter:
Armin Roßbacher, armin rossbacher@vorarlberg.at, Tel. 05574/511-65010
Gerhard Unterkofler, gerhard.unterkofler@aon.at, Tel. 05574/511-65012
Dieser Urlaub muss vom Dienstgeber gewährt werden, wenn das Ansuchen
innerhalb von 8 Wochen nach der Geburt gestellt wurde.
Der Karenzurlaub beginnt im Anschluss an das Beschäftigungsverbot der
Mutter nach der Geburt des Kindes (Schutzfrist), nach einem Krankenstand
oder im Anschluss an den Karenzurlaub der Mutter bzw. des Vaters. Er muss
mindestens zwei Monate betragen und endet spätestens mit dem
2. Geburtstag des Kindes. Die Dauer des Mutterschafts- bzw. Väterkarenzurlaubs kann von dem/der LehrerIn selbst bestimmt werden. Das Höchstausmaß beträgt jedoch zwei Jahre.
Die Eltern können den Karenzurlaub 2 x teilen.
Beim ersten Wechsel können die Eltern auch einen Monat gleichzeitig
in Karenz gehen. Achtung: Kinderbetreuungsgeld kann nur von einem
Elternteil bezogen werden!
Einführung des aufgeschobenen Karenzurlaubes: Beide Elternteile können
je 3 Monate ihres Karenzurlaubes aufschieben und diesen Teil bis zum Ablauf
des 7. Lebensjahres verbrauchen. In dieser Zeit sind die Eltern krankenversichert. Der Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld endet aber spätestens
mit dem 3. Geburtstag des Kindes.
Bei einer neuerlichen Schwangerschaft bleibt der Anspruch auf den
aufgeschobenen Karenzurlaub erhalten.
Nimmt ausschließlich die Mutter Karenzurlaub in Anspruch, muss sie den
Antrag bis spätestens zum Ende der Schutzfrist an den Dienstgeber stellen.
Nimmt auch der Vater Karenzurlaub, so haben beide Elternteile spätestens
8 Wochen nach der Geburt dem Dienstgeber Beginn und Dauer ihres
Karenzurlaubes zu melden.
Beginn und Dauer dieses aufgeschobenen Teiles ist dem Dienstgeber
spätestens 3 Monate vor dem gewünschten Termin bekanntzugeben.
Diese Fristen müssen unbedingt eingehalten werden, da sonst der gesetzliche Anspruch auf Karenzurlaub verloren geht!
Sowohl Mutter- als auch Vater-Karenzurlaub zählen zur Gänze für die
Vorrückung in höhere Bezüge und für die Pension (ohne Beitragszahlung).
Volksschulen in den Fokus
Bernd Dragosits (direktion@vswob.snv.at)
Sprecher und Mitinitiator der VS Initiative
achdem kurz vor den Sommerferien ein überraschend schneller und inhaltlich erfreulicher
Abschluss der Verhandlungen mit dem Land zustande
kam, waren der Sommer und der Schulanfang geprägt
von doch erheblichen Unsicherheiten:
•	Wie viel Stunden würden nun wohl für welchen
Schulstandort herauskommen?
•	Wie kann/soll man diese Stunden nun einsetzen
(Stichwort: Stundenkontingent)?
•	Gibt es genug Personal, um die Stunden auch
wirklich pädagogisch sinnvoll und für die Kinder
spürbar ins System zu bekommen?
Foto: Birgitta Hohenester_pixelio.
Selbst kurz vor Schulbeginn saßen alle DirektorInnen
auf Nadeln, da es eine äußerst komplexe Aufgabe war,
die Johannes Flatz von der Schulabteilung im Auftrag
von Landesrätin Mennel zu leisten hatte und somit
die Berechnungen und Programmierungen ihre Zeit
Dann ging alles Schlag auf Schlag und es konnte gestartet werden! Für uns DirektorInnen hieß es nun,
sich in die neue Materie (Systemänderung im Eröffnungsbericht/komplexe Zusammenhänge der einzelnen Kontingentsteile/…) schnellstmöglich einzuarbeiten.
eben einigen durchaus berechtigten kritischen
Kommentaren war der Tenor dann ausschließlich
positiv! Das Stundenkontingent gibt den DirektorInnen im VS Bereich erstmals ein Instrument in die
Hand, standortspezifische Schwerpunkte zu setzen.
An großen Schulen natürlich mehr als an kleinen! In
vielen Klassen war es nun zum ersten Mal möglich,
Entlastungsstunden (Einzelförderung / Kleingruppenbetreuung / Teamteaching) einzusetzen.
Erste Telefonate mit DirektorenkollegInnen ergaben
ein sehr klares Bild: viele Gewinner und damit zufrie-
dene Gesichter! Dass das Ergebnis nicht für alle perfekt werden würde, das war von vornherein klar. Klar
ist aber auch, dass es zu einer deutlichen Verbesserung und mehr Gestaltungsmöglichkeiten gekommen
ist – so wie wir es uns gewünscht haben!
Als wir unsere Initiative starteten, lachten viele über
uns und meinten, da komme „eh“ nichts heraus! Mit
Beharrlichkeit und in zähen Verhandlungen konnten
wir mit breiter Unterstützung (KollegInnen/Elternverband/Familienverband/Medien) – trotz vieler Kompromisse – ein tolles Ergebnis erreichen. Das Land
Vorarlberg griff in seinen Rücklagentopf und trat in
Vorleistung für den Bund ein. Damit zeigte es, dass
ihm die berechtigten Anliegen der VS-Initiative bewusst und ebenfalls ein
Anliegen sind. An dieser In zähen Verhandlungen
Stelle möchte ich mich
haben wir ein tolles
auch einmal öffentlich
Ergebnis erreichen
bei LR Mennel und LH
Wallner dafür bedanken!
ch habe viele Mails von KollegInnen bekommen, die
sich für den Einsatz der Initiativgruppe „VS in den
Fokus – Rettet die VS“ bedankt haben. Das zeigt mir,
dass wir auf dem richtigen Weg sind!
Mitinitiator Gerhard Unterkofler und ich werden
weiter dran bleiben und versuchen den Schwung
mitzunehmen. Nun geht es darum, die noch nicht erreichten Ziele unserer Initiative (generell 1,5 Dienstposten in der Grundstufe I, …) mit Beharrlichkeit weiter zu verfolgen.
Landesrätin Mennel und Landeshauptmann Waller
haben zugesagt, dass sie unsere Anliegen unterstützen und sich vor allem bei den Regierungsverhandlungen dafür stark machen werden. Ebenso Elmar
Mayer, der im Verhandlungsteam auf Bundesebene
mit dabei ist. Auch in den so wichtigen Finanzausgleichsverhandlungen im Frühjahr 2014 geht es darum, dass die Wertigkeit der Volksschulen endlich
vom Bund her in Zahlen gegossen wird.
Ich freue mich sehr, dass wir auf einem guten, einem
richtigen Weg sind, die Volksschule als Basisbildungseinrichtung im Pflichtschulbereich in ihrer Wertigkeit
endlich dahin zu bringen, wo sie seit langem hingehört – nämlich in den Fokus der Aufmerksamkeit!
Autonomes Stundenkontingent
und Erschwernis-Pool
Immer wieder fragen uns KollegInnen (auch aus den
anderen Bundesländern), wie nun in Vorarlberg die
neu ausgehandelten Regelungen im Volksschulbereich aussehen würden. Diesem Wunsch soll hiermit
Rechnung getragen werden. Folgende konkrete Ergebnisse konnten in Verhandlungen zwischen dem
Land Vorarlberg und dem Verhandlungsteam „Rettet
die VS“ erreicht werden:
Der Großteil der verfügbaren Stunden errechnet sich
aus den Pflichtgegenständen, daran ändert sich auch
in Zukunft nichts.
Die meisten anderen zusätzlichen Stunden im Volksschulbereich waren bisher für ganz bestimmte Zwecke vorgesehen und durften auch nur dafür verwendet werden. Diese Beschränkungen fallen nun durch
die Schaffung eines autonomen Stundenkontingentes
weg. Das heißt, keine Beschränkungen durch Vorgaben von Eröffnungsziffern (z.B. unverbindliche Übungen), Teilungsziffern in Gegenständen, Vorgaben oder
Keine Beschränkungen Die einzige Beschrändurch Vorgaben der kung ergibt sich aus
dem Gesamtrahmen
Eröffnungsziffern
dieses Kontingents.
Welche Stunden befinden sich nun in
diesem frei verfügbaren Kontingent?
1.	Es gibt bis zu drei Wochenstunden pro Klasse für
die Grundstufe I. Diese Stunden werden zusätzlich
vom Land mit 2,6 Millionen Euro finanziert. Die
genaue Höhe der Wochenstunden hängt dabei von
der Größe der Schule ab.
2.	Damit der autonome Stundentopf groß genug ist,
um auch wirklich Handlungsspielräume zu haben,
kommen noch weitere 2,82 Wochenstunden (ab
2016/17 sind dies dann drei Wochenstunden)
für jede Klasse hinzu. Diese Stunden gibt es nicht
zusätzlich, sondern sie ergeben sich ...
o	aus der Auflassung der gesonderten Stunden
für den SEB (bei integrierten Vorschülern),
o durch Herauslösung und Einbeziehung der einen
Förderstunde für Klassen der Stufen 1 bis 4,
o	durch Hereinnahme eines geringeren Teils des
Migrationszuschlages,
o durch Einleitung von 0,12 aus dem Stundenmaß
für außerordentliche Schüler,
o	durch Einbeziehung der Unverbindlichen Übun	gen (einschließlich Projektstunden) während
des Jahres. Hier wurden alle unverbindlichen
Übungen des Landes zusammengezählt und
auf alle Klassen umgelegt. Das ergibt 1,12 Wo	chenstunden pro Klasse.
Problem: Schulen, die in den letzten Jahren be	sonders viele unverbindlichen Übungen ange	boten haben, erhalten nun weniger Stunden.
Dieser Verlust soll aber durch einen besonderen
Zuschlag in den nächsten drei Jahren abgefedert
Foto: Dieter Schütz_pixelio.
Erschwernis-Pool
Der Erschwernis-Pool wurde neu geschaffen. Es wird
für eine begrenzte Zahl an Einzelfällen einen recht
niederschwelligen Zugang geben. In einem zeitlich
eventuell größeren Rahmen von etlichen Monaten
sollen bis zu mehreren Dutzend Einzelstunden genehmigt werden können, wobei die Zuteilung ganzjähriger Wochenstunden nicht bzw. nur im absoluten
Ausnahmefall möglich sein wird.
APS-LeiterInnen
Administrative Entlastungsstunden
Wie in den letzten Schulnotizen berichtet, gelang es Ende des letzten Schuljahres der „LeiterInneninitiative“, eine deutliche Erhöhung der administrativen Entlastungsstunden durchzusetzen.
Die Anzahl der zusätzlichen Stunden ist abhängig von der Klassenzahl (siehe Grafik).
Im Vergleich zur Vereinbarung aus dem Jahr 2009 wird zwischen den Schularten kein Unterschied mehr gemacht. Ebenfalls neu ist, dass auch LeiterInnen von Kleinschulen solche Stunden
In erster Linie sollen administrative Arbeiten an nichtschulische Personen (Bürokräfte) übertragen werden. Mittlerweile gibt es in Vorarlberg einige Gemeinden, die dies schon praktizieren.
LeiterInnen haben jedoch wie bisher auch die Wahlmöglichkeit zwischen Bürokraft, eigenen
LehrerInnen oder einer Kombination von beiden. DirektorInnen können auch eingeschränkt
derartige Entlastungsstunden zugerechnet bekommen, speziell wenn administrative Aufgaben
(z. B. wegen fehlender personeller Umsetzbarkeit) nicht übertragen werden können und daher
selber zu erledigen sind.
Wechsel der Vorsitzenden
Gegen Ende des letzten Schuljahres kam es zu Änderungen in den Dienststellenausschüssen
Feldkirch und Bludenz: Martin Türtscher und Walther Flaig wurden zu neuen Vorsitzenden gewählt.
war viele Jahre im DA
Bludenz als Mitglied
tätig, seit 2005 als
war ebenfalls über
im DA Feldkirch. 2010
übernahm er den
Schruns-Grüt.
ist Beratungslehrer
Die „Freien LehrerInnen“ bedanken sich bei Alice Maria Gensberger und Werner Gerold
für ihre geleistete Arbeit als DA-Vorsitzende. Beide haben sehr engagiert und mit großem
persönlichem Einsatz die Interessen der KollegInnen vertreten.
Bei den neuen Vorsitzenden, Walther Flaig und Martin Türtscher, bedanken wir uns für
Ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und wünschen ihnen für ihre Aufgabe
Unsere PersonalvertreterInnen helfen Ihnen gerne
in allen dienstlichen Angelegenheiten weiter.
Die Namen finden Sie im aktuellen SLV-Kalender.
Jubiläumszuwendung Teil 1 – Zeiten der Anrechnung
Ich habe 7 Jahre in einer Bank gearbeitet. Kann es sein, dass diese Zeit für die
Berechnung der Jubiläumszuwendung nicht zählen?
Angerechnet werden alle Dienst- und Vordienstzeiten, die zur Gänze für die
Vorrückung zählen (z. B. öffentliche Schule, Pädak/PH, Präsenz-/Zivildienst).
Vordienstzeiten mit halbwertiger Anrechnung (z. B. Dienstzeiten in der Privatwirtschaft) zählen nicht. Abgezogen wird auch noch der sogenannte Überstellungsverlust.
Jubiläumszuwendung Teil 2 – Anspruch
Eine Freundin von mir hat einen IIL-Vertrag. Stimmt es, dass sie damit keinen
Anspruch auf die Jubiläumszuwendung hat?
Ja, das ist korrekt. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch – es handelt sich um
eine Kann-Bestimmung.
Aus Anlass der Vollendung einer Dienstzeit von 25 und 40 Jahren kann für treue
Dienste eine Jubiläumszuwendung gewährt werden (gemäß § 20 c Abs. 1 GG
und § 22 Abs. 1 VBG).
Die Dienstzeit im Sinne dieser Bestimmung wird im GG § 20 c Abs. 2 ausdrücklich
definiert. Demnach zählt zur Dienstzeit die im bestehenden Dienstverhältnis
zurückgelegte Zeit; dies aber nur, soweit sie für die Vorrückung wirksam ist.
Entscheidend ist somit, ob die im Dienstverhältnis zurückgelegte Zeit Auswirkungen auf die Vorrückung des Lehrers hat. Da dies beim Lehrer des Entlohnungsschemas II L nicht der Fall ist, kann ihm keine Jubiläumszuwendung gewährt werden.
Abfertigung neu	?
Ich bin seit 1.9.2003 als Vertragslehrerin tätig und möchte 2014 aus dem Schuldienst ausscheiden. Habe ich bei Selbstkündigung trotzdem einen Anspruch auf
Seit 2003 gibt es die sogenannte Abfertigung neu. Sie funktioniert nach dem
„Rucksackprinzip“: Alle Ansprüche werden bei Beendigung oder Wechsel der
Beschäftigung mitgenommen und gehen somit auch bei Selbstkündigung nicht
Herabsetzung der Jahresnorm (Teilzeit) für Schulleiter/in
Ich habe in der Zeitung gelesen, dass ab diesem Schuljahr DirektorInnen aus beliebigen Gründen Teilzeit unterrichten können? Trifft das zu?
SchulleiterInnen können eine Herabsetzung der Jahresnorm nach § 46 beantragen (zur Betreuung eines Kindes), nicht nach § 45 aus beliebigem Anlass.
Seit September 2013 gibt es dazu auch folgende Ergänzung im LDG § 49:
„Auf Landeslehrer, die eine im § 55 Abs. 4 oder 5 angeführte Leiterfunktion
ausüben oder mit einer Schulaufsichtsfunktion betraut sind, ist § 45 nicht anzuwenden.“
In unserer Schule ist eine Diskussion über die Aufsichtspflicht entstanden. Wir
gehen an Nachmittagen mit den Kindern schwimmen. Seit vielen Jahren ist es
üblich, dass die SchülerInnen selbstständig zum Hallenbad hinkommen. Ein Kollege meint, dass diese Vorgangsweise nur für SchülerInnen ab der 7. Schulstufe
gilt – stimmt das so?
Es handelt sich hier um dislozierten Unterricht (Unterricht außerhalb des Schulgeländes). Dieser kann laut Dr. Christiane Peter, Landesschulrat Vorarlberg, in
allen Schulstufen stattfinden.
Findet der Unterricht, eine Schulveranstaltung oder schulbezogene Veranstaltung in der ersten Unterrichtsstunde (Vormittagsunterricht oder Nachmittagsunterricht) statt, so kann, wenn dies zweckmäßig und für die Erziehungsberechtigten zumutbar erscheint, ein anderer Treffpunkt als die Schule bestimmt
werden. Davon sind die Erziehungsberechtigten rechtzeitig zu verständigen.
Dr. Peter empfiehlt LehrerInnen, sich das Einverständnis der Eltern schriftlich
Damit die Rechte der Lehrpersonen gewahrt werden, gibt es die Pflichtschullehrergewerkschaft in der GÖD, die eine Solidaritätsgemeinschaft freiwillig beitretender Mitglieder ist. Sie
bietet ihren Mitgliedern nicht nur Rechtsschutz und Rechtsberatung sondern auch Schulungen,
Informationen, Sozialunterstützung, Bildungszuschüsse und vieles mehr.
ie Pflichtschullehrergewerkschaft in der GÖD
ist alleiniger Verhandlungspartner gegenüber
dem Dienstgeber (Regierung) und unterscheidet
sich dadurch deutlich von der Personalvertretung.
Die Gewerkschaft ist bei jeder Gesetzwerdung bzw.
bei Veränderungen im Dienst- und Besoldungsrecht
eingebunden und vertritt dabei den Dienstnehmerstandpunkt. Außerdem begutachtet die GÖD Gesetzesvorlagen, übt Kritik daran und gibt Verbesserungsvorschläge.
Ob die Regierung die Gewerkschaft als Verhandlungspartner ernst nimmt, hängt von ihrer Stärke,
sprich der Anzahl der Mitglieder ab. Es ist deshalb
wichtig, Solidarität durch eine Mitgliedschaft zu bekunden. Nur eine mitgliederstarke Gewerkschaft ist
ein durchschlagskräftiger und erfolgreicher Verhandlungspartner gegenüber dem Dienstgeber.
Es wäre aber naiv zu glauben, dass die Gewerkschaft
nur kurz mit den Muskeln spielen müsse, um ihre
Forderungen durchsetzen zu können. Verhandlungen bedeuten eben auch, auf Kompromisse einzugehen, die manchmal auch ein wenig bitter sein
können. Wermutstropfen waren etwa die Nulllohnrunde für das Jahr 2013 oder die Einschnitte beim
Pensionsgesetz.
Doch etwas sollte klar sein: Ohne oder mit schwachen Gewerkschaften würden wir alle bedeutend
schlechter dastehen.
ass die GÖD in der Öffentlichkeit oft als Blockierer
und Betonierer bezeichnet wird, liegt nicht nur
an manch taktisch falschem Verhalten einiger Funktionäre, sondern auch daran, dass die Gewerkschaft
natürlich den Interessen der Mitglieder verpflichtet
ist und deshalb immer wieder zu Regierungsvorschlägen, die die Situation der Beamten verschlechtern, Nein sagen muss. Eine Gewerkschaft, die etwa
das neue Dienstrecht schon zu Beginn akzeptiert hätte, müsste mit Massenaustritten rechnen.
Österreichweit hat die GÖD zurzeit mit 234.346 Personen einen Mitgliederhöchststand erreicht, und in
Vorarlberg gab es 2012 bei der Pflichtschullehrergewerkschaft einen Zuwachs von über zwei Prozent.
Einsatz für die PflichtschullehrerInnen
•	Nachgraduierung Bachelor: Allein in Vorarlberg
haben über 300 Personen die Nachqualifizierung
eingereicht. 245 Lehrpersonen erhalten den
Bachelor ohne große Probleme. Dass dies
überhaupt möglich war, ist dem Einsatz der
Pflichtschullehrergewerkschaft zu verdanken.
•	Rechtsschutz: Der Gewerkschaft gelingt es immer
wieder durch ihren Rechtschutz jährlich Millionen	beträge für die Mitglieder vor Gericht zu er	kämpfen. Zudem steht uns Personalvertretern
die Rechtsabteilung der Gewerkschaft in Wien
für profunde Rechtsauskünfte zur Verfügung.
•	Pendlerpauschale: Es lohnt sich aber auch, immer
wieder Kontrollen durchzuführen. Dabei musste
ich kürzlich feststellen, dass die Gehaltsbemes	sungsstelle des Landes Vorarlberg vergessen hatte,
die Fahrtkostenzuschüsse im Jahr 2013 zu erhöhen.
In einem kurzen Telefongespräch wurde ver	sichert, dass die fehlenden Beträge so schnell
wie möglich aufgerollt werden. In der Zwischen	zeit dürfte dies auch bei allen betroffenen
LehrerInnen geschehen sein.
•	Außerdem versucht die Gewerkschaft immer wie	der Kooperationen mit Firmen einzugehen, um
für die Mitglieder Preisnachlässe zu erwirken. Aus
eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Mitglieder
dies in Anspruch nehmen und auch immer wieder
nachfragen. Alle Serviceangebote können auf der
Homepage der GÖD Vorarlberg nachgelesen
werden: vorarlberg.goed.at
Für eine sozialere Schule also eine
ganztägige, gemeinsame Schule!
Willi Schneider (wilhelm.schneider@schule.at)
reißig Jahre nach Beendigung des Polytechnischen
Lehrgangs trafen sich die Schülerinnen einer Mädchenklasse zu einem Klassenfest. Es war ein nahezu
einmaliges Ereignis, da sich in der Regel die sozialen
Bindungen in einer einklassigen Schultype nicht besonders stark entwickeln. Die Einladung zu diesem
Treffen nahm ich gerne an. Die Gespräche an diesem
Abend waren hoch interessant. Die Lebensläufe nach
Abschluss der Pflichtschule verliefen in auffallend vielen Fällen ähnlich, so verschieden sie in den Einzelheiten waren.
Ich lernte meinen Mann kennen, wir bauten ein Eigenheim/kauften eine Wohnung, mussten eine Menge
Schulden abzahlen, arbeiteten beide hart, hatten
kaum Zeit für die Kinder. Später kam es zur Scheidung,
die Wohnung/das Eigenheim musste verkauft werden,
da keiner den anderen ausbezahlen und Schulden abzahlen konnte Dann war ich Alleinerzieherin, hatte
erst recht keine Zeit mehr für die Kinder, wir konnten
uns trotz großem Einsatz nichts leisten.
hren Kindern erging es meistens wie ihnen selber, sie
arbeiteten als angelernte ArbeitnehmerInnen oder
absolvierten eine Lehre, in seltenen Fällen besuchten
sie eine Fachschule, in Ausnahmefällen eine Höhere
Schule. Unser Schulsystem ist nicht nur an Ihnen
selbst, auch an ihren Kindern vorbeigegangen. Nichts
aber auch gar nichts, was sie bzw. ihre Kinder benötigt
hätten, kann unser Schulsystem bieten:
Es beginnt mit der Frühförderung. Für diese Familien
stellt sich die Frage gar nicht, ob die Mutter/der Vater
nach der Elternkarenz noch ein drittes Jahr bei ihren
Kindern zu Hause bleiben kann. Kindergartenplätze
für Dreijährige gab es nicht, wenn doch, waren sie
nicht finanzierbar. Es gibt immer noch zu wenige und
die, die es gibt sind für Familien mit niedrigem Einkommen immer noch zu teuer.
Traditionellerweise wird in der Volksschule davon ausgegangen, dass die Eltern für die Nachmittagsbetreuung und für die Begleitung der Hausübungen zuständig sind. Es sind naturgemäß die sozial Schwächeren,
die diesen Anforderungen nicht nachkommen können.
Kinder, deren Eltern diese Ansprüche nicht erfüllen
und die – in der Regel doch relativ teuren - freiwilligen
Ganztagsangebote nicht finanzieren können, scheitern
hier möglicherweise an der nächsten sozialen Hürde.
ie Entscheidung, ob ihr Kind eine AHS-Unterstufe besuchen soll oder eine Mittelschule, ist im
Normalfall in dieser gesellschaftlichen Schicht schon
gefallen, die Frage ist nur noch, ob das Ergebnis als
Demütigung oder als Chance angenommen werden
kann. Je nachdem ist die Einstellung zur neuen Schule
positiv oder nicht. In jedem Fall erfolgt diese Trennung
nach sozialer Herkunft, sie ist also unsozial.
Neben der durchgängig systembedingten Benachteiligung von sozial Schwächeren tritt diese oft auch im
Alltag in Erscheinung.
icht unerhebliche Nebenkosten fallen vor allem
am Schuljahresbeginn an. Teure Schulveranstaltungen sind für viele nicht finanzierbar. So haben nach
den derzeitigen Förderungsrichtlinien im Land Vorarlberg Sozialhilfe-EmpfängerInnen kaum eine Chance auf
eine Unterstützung bei Projektwochen. SchülerInnen,
die an Projekttagen mit weniger als drei Nächtigungen
teilnehmen, erhalten keine Unterstützung. Die Beträge, mit denen auch sehr arme Familien vom Land
gefördert werden, sind nicht hoch. Bei Kosten von
220.- €/Kind wurden in einem Fall für Zwillinge (Vater
und Mutter arbeitslos), die an der gleichen Veranstaltung teilgenommen haben, pro Kind 80 € Unterstützung gewährt. Manche Gemeinden sind in der Lage,
zusätzlich Unterstützung zu gewähren, aber längst
nicht alle. Die Benachteiligung erhält dann einen regionalen Aspekt.
Die Teilnehmerinnen am Klassenfest jedenfalls waren
der Meinung, dass unsere Schulen in der Regel mit
ihrer Realität nicht umgehen können. Das ist leicht
zu begründen. Ein Bildungssystem mit Kindergarten
ab dem 3. Lebensjahr, einer ganztägig geführten Gemeinsamen Schule der 6- bis 15-Jährigen ist auch aus
dieser Sicht unumgänglich.
Gerhard Wanner/Johannes Spies
in Vorarlberg 1861 bis 1938
Rheticus-Gesellschaft 57 in
Vorarlberger Kinderdorf,
Feldkirch – Bregenz 2012
Ein dunkles Kapitel der
Eine für die Vorarlberger Geschichtsforschung weitere Bereicherung
stellt diese Publikation dar. Im Auftrag des Vorarlberger Kinderdorfs
beforschte Wanner den soziokulturellen Hintergrund in Vorarlberg
zwischen 1861 bis 1938 und Spies
die institutionalisierte Erziehung
auf Jagdberg zwischen 1880 bis
„Wenn du nicht brav bist, dann
kommst du auf den Jagdberg!“
Wer von den älteren Generationen
in Vorarlberg kennt dieses „Erziehungsmittel“ nicht? Neben dieser
Drohung war körperliche Gewalt
in der Familie und in der Schule an
der Tagesordnung. Übrigens erst
1974 wurde körperliche Gewalt in
der Schule und das Gewaltverbot
in der Erziehung 1989 per Gesetz
Beklemmend eindrucksvoll schildert Wanner mit einer Vielzahl
von Zitaten, hauptsächlich aus
dem erzkonservativen Vorarlberger Volksblatt, wie die unheilige
Allianz zwischen konservativer
Politik und katholischer Kirche alle
Bereiche des menschlichen Lebens bestimmte und durch Angstmacherei und Repressionen alle
Gesellschaftsschichten zu indoktrinieren versuchte. Mit der „Fortschrittspartei“ bzw. später durch
die „Deutschfreisinnigen“ und den
Sozialdemokraten gab es einen
verschwindend kleinen liberalen
Widerstand im Land. Jeweiliges
Sprachrohr waren die „Feldkircher
Zeitung“ (liberal), der „Vorarlberger Volksfreund“ (deutschfreisinnig) und die „Vorarlberger Wacht“
(sozialdemokratisch). Sie wurden
von den Konservativen und der
katholischen Kirche geradezu als
„Abschaum der Gesellschaft, ja
der Menschheit“ dämonisiert.
von Gott befohlen
Folgendes Zitat aus dem Vorarlberger Volksblatt fasst das inhaltliche Programm der Lehrerbildung
und somit des Erziehungsauftrags
so zusammen „Die katholische
Religion ist die einzige und alleinige Macht auf Erden, welche das
Schulkind schon überzeugt, daß
über ihm ein Gott als unendlich
weiser Gesetzgeber steht, welcher
das Recht und die Güte hat, seine Gedanken und Wünsche, seine
Worte und Werke zu regulieren,
und daß über ihm ein Gott als unbestechlicher Richter wacht, wel-
cher mit allgegenwärtigem Auge
sein Thun und Lassen beobachtet
und ihm dafür nach Verdienst Lohn
und Strafe zumißt in der Zeit und
in der Ewigkeit.“ (Wanner/ Spies,
2012, Seite 44). So wie häufig
Kriege im Namen Gottes legitimiert wurden und werden, so
mutet dieses Programm wie eine
Kriegserklärung gegen Kinder und
Jugendliche an. Dass so ein „Erziehungsprogramm“ eine Gesellschaft nachhaltig prägt, versteht
sich von selbst. Eine Steigerung
davon ist dann in öffentlichen Erziehungsanstalten nur die logische
Konsequenz. Dies wird besonders
deutlich im zweiten Teil des Buches, wo sich Johannes Spies mit
der Geschichte des Jagdbergs auseinandersetzt.
„Sie sind ausgelassen, roh, vielfach bösartig und abstoßend.“
So werden die Kinder und Jugendlichen im Jagdberg im Jahresbericht III des Vorarlberger Kinderrettungsvereins charakterisiert.
Gerade Kinder und Jugendliche,
die von vornherein aufgrund ihrer sozialen Herkunft eh schon
benachteiligt waren, wurden mit
abscheulichen, repressiven, menschenunwürdigen Erziehungsmaßnahmen gedemütigt, geschunden,
Fazit der Lektüre dieses spannenden und zugleich beklemmenden
Buches: Es gibt einen tiefen Einblick in die Ideologie- und Mentalitätsgeschichte Vorarlbergs und
leistet einen wertvollen Beitrag,
die Ungeheuerlichkeiten der in
der letzten Zeit aufgedeckten
Skandale im Jagdberg bzw. im
Kloster Mehrerau annähernd zu
Schulnotizen 4 2013
Bildung, Schule, Vorarlberg, Freie LehrerInnen

References: § 20
 § 22
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 § 46
 § 45
 § 49
 § 55
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