Source: https://www.rechtslupe.de/beruf/vermoegensverfall-und-der-zulassungswiderruf-3114305
Timestamp: 2020-08-07 01:15:46+00:00

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Vermögensverfall - und der Zulassungswiderruf | Rechtslupe
Ein Ver­mö­gens­ver­fall wird kraft Geset­zes ver­mu­tet, wenn ein Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen des Rechts­an­walts eröff­net oder der Rechts­an­walt in das vom Voll­stre­ckungs­ge­richt zu füh­ren­de Ver­zeich­nis (§ 26 Abs. 2 InsO; § 882b ZPO) ein­ge­tra­gen ist.
Hier­bei ist nach der stän­di­gen Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit eines Wider­rufs infol­ge des ab 1.09.2009 gel­ten­den Ver­fah­rens­rechts auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens abzu­stel­len; danach ein­ge­tre­te­ne Ent­wick­lun­gen blei­ben der Beur­tei­lung in einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten [1].
War die Rechts­an­wäl­ting zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt im Schuld­ner­ver­zeich­nis auf­grund eines neu­en Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens ein­ge­tra­gen, ist es uner­heb­lich, dass zu die­sem Zeit­punkt die im Wider­rufs­be­scheid der Rechts­an­walts­kam­mer ange­spro­che­nen Ver­fah­ren, auf­grund derer die Rechts­an­wäl­tin bereits zuvor im Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen wur­de, gelöscht waren.
Auf­grund der Ein­tra­gung bestand die gesetz­li­che Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls. Zwar kommt die Ver­mu­tung nicht zur Gel­tung, wenn der Rechts­an­walt nach­weist, dass die der Ein­tra­gung zugrun­de­lie­gen­de For­de­rung im maß­geb­li­chen Zeit­punkt bereits getilgt war [2]. Dies ist aber nicht der Fall, wenn die Rechts­an­wäl­tin ledig­lich – zudem ohne Nach­weis – vor­trägt, die Ein­tra­gung „wur­de aller­dings mit Schrei­ben der zustän­di­gen Gerichts­voll­zie­he­rin bereits zur Löschung aus dem Schuld­ner­ver­zeich­nis ver­an­lasst“.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Senats für Anwalts­sa­chen des Bun­des­ge­richts­hofs [3] muss ein Rechts­an­walt, der im Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen ist, zur Wider­le­gung der Ver­mu­tung ein voll­stän­di­ges und detail­lier­tes Ver­zeich­nis sei­ner Gläu­bi­ger und Ver­bind­lich­kei­ten vor­le­gen und – ggfs. unter Vor­la­ge eines nach­voll­zieh­ba­ren bzw. rea­lis­ti­schen Til­gungs­plans – dar­tun, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se bezo­gen auf den maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Wider­rufs- bzw. Wider­spruchs­be­scheids nach­hal­tig geord­net sind.
Nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Aus­druck kom­men­den gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tung ist mit dem Ver­mö­gens­ver­fall eines Rechts­an­walts grund­sätz­lich eine Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den ver­bun­den. Im vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Recht­su­chen­den kann die­se nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ver­neint wer­den, wobei den Rechts­an­walt die Fest­stel­lungs­last trifft.
Die Annah­me einer der­ar­ti­gen Son­der­si­tua­ti­on setzt jedoch zumin­dest vor­aus, dass der Rechts­an­walt sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit nur noch für eine Rechts­an­walts­so­zie­tät aus­übt und mit die­ser recht­lich abge­si­cher­te Maß­nah­men ver­ab­re­det hat, die eine Gefähr­dung der Man­dan­ten effek­tiv ver­hin­dern [4]. Eine sol­che Aus­nah­me­si­tua­ti­on ist nicht gege­ben, wenn die Rechts­an­wäl­tin wei­ter als Ein­zel­an­wäl­tin tätig ist. Vor die­sem Hin­ter­grund kommt es nicht ein­mal mehr dar­auf an, dass die Annah­me eines Aus­nah­me­tat­be­stands neben dem Vor­lie­gen der ange­spro­che­nen – hier nicht gege­be­nen – Vor­aus­set­zun­gen auch erfor­dert, dass der Rechts­an­walt sei­nen Beruf bis­her ohne jede Bean­stan­dung („tadel­los“) geführt hat [5]. Vor­lie­gend hat aber die Staats­an­walt­schaft Ankla­ge gegen die Rechts­an­wäl­tin wegen Untreue zum Nach­teil einer Man­dan­tin erho­ben. Fer­ner ist gegen die Rechts­an­wäl­tin ein berufs­recht­li­ches Ver­fah­ren anhän­gig, weil sie trotz des Sofort­voll­zugs der Wider­rufs­ver­fü­gung wei­ter als Rechts­an­wäl­tin auf­ge­tre­ten sein soll; in 1. Instanz hat das Anwalts­ge­richt ein vor­läu­fi­ges Berufs­ver­bot nach § 150 BRAO ver­hängt. Der pau­scha­le Hin­weis der Rechts­an­wäl­tin auf die bis zur Rechts­kraft einer Ver­ur­tei­lung bestehen­de Unschulds­ver­mu­tung geht inso­weit fehl, da sie die Dar­le­gungs- und Beweis­last für das Vor­lie­gen eines Aus­nah­me­tat­be­stands trägt.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. August 2016 – AnwZ(Brfg) 30/​16
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; vom 04.04.2012, aaO Rn. 4; vom 14.11.2013, aaO Rn. 5; und vom 06.02.2014 – AnwZ (Brfg) 83/​13, BRAK-Mitt.2014, 164 Rn. 3[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 26.11.2002 – AnwZ (B) 18/​01, NJW 2003, 577; und vom 29.07.2016 – AnwZ (Brfg) 9/​16 5[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2012, aaO Rn. 3; vom 14.11.2013, aaO Rn. 4; vom 06.02.2014, aaO Rn. 5; und vom 22.03.2016, AnwZ (Brfg) 18/​14 8[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 03.06.2015 – AnwZ (Brfg) 11/​15 8; und vom 17.03.2016 – AnwZ (Brfg) 6/​16 4, jeweils mwN[↩]
vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 03.06.2015, aaO; und vom 08.06.2016 – AnwZ (Brfg) 18/​16 5[↩]
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References: § 882
 § 14
 § 150
 § 14
 § 2
 § 98
 § 2