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Timestamp: 2018-08-21 20:30:03+00:00

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Finanzlexikon Buchstabe B | Konten & Co - Tagesgeldkonto, Festgeldkonto, Girokonto, Forex Konto
Finanzlexikon Buchstabe B
Bad Bank-Problem, grundsätzliches (fundamental problem of a bad bank): Jede Bad Bank-Überlegung sieht sich zwei gegenläufigen Umständen gegenüber. Einerseits sollen die Bankbilanzen von Papieren entlastet werden, für die (zumindest vorübergehend) kein funktionsfähiger Markt vorhanden ist, und bei denen erhebliche Buchverluste drohen; denn die Wertberichtigungen greifen das Eigenkapital der Banken an und mindern auch deren Fähigkeit, Darlehn zu gewähren. Andererseits jedoch sollen die Eigentümer der Banken nicht aus der Haftung für eine Geschäftspolitik entlassen werden, welche diese Schieflage verursacht hat; denn so entstünde ein Moral Hazard-Problem: Verluste würden auf den Staat bzw. die Steuerzahler abgewälzt. Das deutsche Bad-Bank-Modell versucht, zwischen diesen beiden Interessenslagen einen Mittelweg zu finden. Siehe Bad Bank. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Baisse (marktet decline, falling market): Jeder auffallende Preisrückgang auf einem Markt, besonders an der Börse. Allgemeingültige Merkmale, welche das Mass des Sinkens der Preise näher angeben, lassen sich dem Begriff nicht genau zuordnen. Siehe Bear, Blase, spekulative, Börsenpreis, Börsenkrach, Crash, Finanzkrise, Finanzmarktschock, Fixer, Friedhof-Markt, Frühlingstriebe, Hausse nährt die Hausse, Krise, Martin-Prinzip, Panik-Verkäufe, Rezession, Stückemangel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Ballon-Kredit (Balloon loan): Ein Darlehn, bei dem die letzte Rate der Rückzahlung besonders hoch ausfällt. Anders ausgedrückt: der Bankkunde zahlt für das Darlehn verhältnismässig niedrige regelmässige Raten. Am Ende der Laufzeit jedoch ist dann der (manchmal bis zur Hälfte des Darlehns zu zahlende) Restbetrag fällig. – Siehe Amortisation, Balloon, Freijahre. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bank (bank, banking institution): Jedes Unternehmen (selbst in Gestalt einer Einpersonenfirma), das auf Finanzmärkten irgendwelche Dienstleistungen (auf welchem Vertriebsweg auch immer) anbietet (sehr weiter Begriff der Umgangssprache). Wegen des gesetzlichen Bezeichnungsschutzes in Deutschland vgl. § 39, Abs. 1 KWG. Gebäude, in dem Bankgeschäfte abgewickelt werden (brick and mortar bank). In der Statistik der EZB zuweilen Monetäre Finanzinstitute, die ausserhalb des Euro-Währungsgebiets ansässig sind; vgl. dazu die Erläuterungen im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB. In der (internationalen) Statistik der BIZ entspricht der Begriff Bank in etwa dem Begriff Monetäres Finanzinstitut.
Bankbuch (turnover register, non-trading portfolio, bank pass book, bank-book): In älteren Dokumenten ein Verzeichnis, das die Umsätze eines Unternehmens aufnimmt. Nach IAS 39 der ausgewiesene Bestand an Darlehn und Wertpapiere einer Bank. Andere Bezeichnung für ein Banksparbuch. Nach § 18 UStG vom Kontoinhaber zu besorgende Aufzeichnungen über alle Geldumsätze, die über ein Bankkonto getätigt werden. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankenabgabe (bank levy): In Deutschland nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise befürwortete Sondersteuer für Institute. Die Mittel sollen in einen Sonderfonds (Sicherungsfonds) fliessen, aus dem bei allfälligen Krisen im Finanzsektor Hilfen geleistet werden. Absicht ist dabei, in Notlagen den Staatshaushalt (die Steuerzahler) von verlustausgleichenden Zahlungen (loss compensation payments) zu entlasten. Unter den vielen Fragen, die eine Bankenabgabe aufwirft, steht vorab die oftmals leider wenig beachtete Entscheidung, wie das von den Banken in den Sicherungsfonds einbezahlte Geld angelegt wird. Siehe Bad Bank-Modell, deutsches, Finanzmarktstabilisierungsanstalt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankenaufsicht, europäische (European Financial Supervisory Authority): Vielfach geforderte Aufsichtsbehörde, welche die nationalen Behörden ablösen und einheitliche Richtlinien im Eurogebiet gesamthaft zur Geltung bringen soll. Weil aber weiterhin bestehende rechtliche, fiskalische und kulturelle Unterschiede in den Mitgliedstaaten der EU die Europäisierung des Bankwesens bisher verhindert haben, wäre die Errichtung einer solchen Behörde verfrüht; denn ein Aufsichtssystem kann kaum dem Markt vorauslaufen. Die bis anher praktizierte enge Zusammenarbeit der einzelstaatlichen Aufsichtsbehörden hat sich gut bewährt. Siehe Allfinanzaufsicht, Aufsicht, europäische, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Banking Supervisory Committee, Cassis-de-Dijon-Urteil, Committee of European Banking Supervisors, Europa-AG, Forum für Finanzmarktstabilität, German Finish, Rechtsrisiken, Lead Supervisor. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankenliquidität (liquidity of the bank system): Flüssige Mittel, welche die Banken zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsbereitschaft benötigen. Aus Sicht der einzelnen Bank zählen dazu grundsätzlich alle Aktiva, die jederzeit in Zahlungsmittel umgetauscht (liquidisiert) werden können, wie börsengängige (marketable) Wertpapiere oder Guthaben bei anderen Kreditinstituten. Das Bankensystem als Ganzes kann aber nicht mit Forderungen der Banken untereinander bezahlen, sondern nur mit Zentralbankgeld. Zur gesamtwirtschaftlichen Liquiditätsausstattung der Banken gehören daher lediglich ihre aktuellen Bestände an Zentralbankguthaben und Kassenmitteln (Bargeld) zuzüglich ihrer möglichen Guthaben, die sich bei der EZB über deren Fazilitäten beschaffen können. – Siehe Benchmark-Zuteilung, Liquiditätsmanagement, Solvenzaufsicht. Vgl. zur Liquiditätslage der Banken den Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankgeheimnis (banking secrecy): Der Schutz des Bankkunden vor Auskünften der Bank gegenüber Dritten, eingeschlossen der (Steuer)Behörden. Dies ist in den einzelnen Ländern in unterschiedlichem Grad gesichert. In der Schweiz wurde das Bankgeheimnis dreifach verankert, nämlich im Zivilgesetzbuch (Privatsphäre), im Obligationenrecht (vertragliche Beziehung Kunde – Bank) und im Banken- und Börsengesetz (seit 1934 Offizialdelikt: ein Verstoss gegen das Bankgeheimnis muss von Amts wegen geahndet werden, auch wenn kein privater Kläger auftritt); dies begründete die Stellung der Schweiz als internationaler Finanzplatz.
In Deutschland haben Behörden die Befugnis zu Kontenabfragen; das Bundesverfassungsgericht hat dies im Juli 2007 ausdrücklich als rechtens bestätigt. Siehe Badwill, Bankauskunft, Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Identitätsprüfungspflicht, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Strohmann, Vertraulichkeit. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 186 (Anzahl und Auftraggeber von Kontenabrufen), S. 187 (seit 1. April 2005 auch Offenlegung für Zwecke der Finanzbehörden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Banking (so auch gebräuchlich im Deutschen, selten auch Bankieren): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in der Finanzsprache auf dem Finanzmarkt tätig sein und im engeren Sinne Bankgeschäfte betreiben sowie in anderer Bedeutung auch das gesamte Bankwesen, das Bankgewerbe in einem Wirtschaftsraum. Siehe Bank, Container-Banking, Institut. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankkapital (bank capital): Wenn nicht anders definiert, das Eigenkapital der Banken. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2002, S. 41 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 19 ff. (konjunkturelle Einflussfaktoren). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankkunden-Profil (account profile): Die Einschätzung der Marktfähigkeit (hier verstanden als die Bereitschaft, dass Teile der Bevölkerung derzeit bereit sind, Güter des Kunden zu kaufen) und der Zukunftsfähigkeit (sustainability) eines Kreditnehmers der Bank. Aus den gewonnenen Erkenntnissen leitet sich die Vergabepolitik der Bank und im engeren Sinne die Kreditlinie ab. Die gesetzliche Verpflichtung einer Bank, bei der Vermittlung von Wertpapieren von dem Kunden detaillierte Angaben über dessen Erfahrungen oder Kenntnisse in Wertpapiergeschäften, über die mit den Geschäften verfolgten Ziele sowie über seine finanzielle Verhältnisse zu verlangen und schriftliche festzuhalten. Siehe Anleger-Informationspflicht, Basel-II, Customasing, Emerging Markets, Derivate-Informationspflicht, Fact Sheet, Kreditverbriefung, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Rating, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messver­fahren, Risk Reporting, Scoring, Trade Assignment. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankreserven (bank reserves): Wenn nicht anders definiert die Einlagen der Banken bei der Zentralbank (deposits held by banks with the central bank). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankenrettung (bank rescue): In Zusammenhang mit der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise verbreiteter Begriff in der Bedeutung, dass die Zentralbank bzw. der Staat strudelnden Banken Hilfe leistet, um diese vor der Insolvenz zu retten und damit Schaden von den Kunden abzuwenden. Gesamthaft wurden in der EU die Banken durch Massnahmen gerettet, die am Ende auf rund 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union anwuchsen. In der Öffentlichkeit wurde die Bankenrettung weithin misstrauisch beurteilt, und selbst im Kreis der Institute bemängelte man, dass leichtfertig handelnde Banken dadurch für ihre schlechten Entscheidungen nicht einstehen mussten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Allgemein besteht bei dieser Massnahme die Gefahr, dass falsche Signale gesetzt werden, und Bankmanager im Vertrauen auf eine Rettungsaktion (Bailout) unverantwortlich hohe Risiken eingehen. Auch verhindert die Bankenrettung einen gesunden (internationalen) Wettbewerb zwischen den Instituten. Angeschlagene oder schlecht geführte Banken, die starke Staaten im Rücken haben, können gesunde, bestgeführte Konkurrenten aus dem Markt verdrängen. In einer Marktwirtschaft ist es nie möglich, die Insolvenz einer Bank auszuschliessen, zumal die Möglichkeit eines solchen geordneten Scheiterns eine wichtige Disziplinierungs- und Lenkungsfunktion hat. Siehe Bailout, Bank, systemische, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Too big to fail-Grundsatz. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Banksparbuch (savings bank pass book): Von einer Bank ausgegebenes Dokument (regelmässig in Form eines Heftes), das Ein- und Auszahlungen sowie Zinsgutschriften des Inhabers aufnimmt. Siehe Bankbuch, Bankkonto, Sparbuch. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankenverstaatlichung (nationalisation of banks): Im engeren Sinne die Kollektivierung der Institute, im weiteren Sinne die Überführung aller Einrichtungen auf dem Finanzmarkt in Gemeineigentum. In Zusammenhang mit der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde der Ruf nach Verstaatlichung (claim for government ownership and control) des Finanzsektors auch in Deutschland allenthalben laut. Eine solche Massnahme wäre zu begrüssen (should be appreciated), wenn dadurch der Volkswohlstand (national wealth) erhöht würde.
ie Erfahrung in vielen Staaten der Welt hat jedoch gezeigt, dass das Gegenteil eintritt (the reverse is true): die Funktionsfähigkeit des Finanzmarktes erleidet starke Einbussen bis hin zum völligen Zusammenbruch. Viele entsprechende Untersuchungen sehen einhellig den Grund darin, dass statt leistungsmotivierter Mitarbeiter nunmehr bestenfalls (at best) schwerfällig arbeitende, jedem Wettbewerb abholde Beamte, in aller Regel (as a general rule) aber unbedarfte Parteifunktionäre (functionaries of the party) und Parteigenossen (party comrades) die Geschäfte bestimmen. „Den Staat“ (im Sinne eines verantwortlich handelnden Einzelnen) gibt es nämlich nur in der Vorstellung weltfremder Ideologen (ideologists: visionary, quixotic, ivory-tower theorists). Siehe Gewerkschaftsbank, Währungsbehörde, zentrale. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bankzusammenbruch (bank failure): Denknotwendig kann es nur zwei Gründe für Bankzusammenbrüche geben, nämlich Risiken werden falsch eingeschätzt; dies geschieht durch fahrlässige Kreditprüfung seitens einer einzelnen Bank; andere Institute lehnen sich an die Entscheidung an (Herdenverhalten; contagion); zwar werden die Risiken richtig erkannt; jedoch rechnet man damit, dass im Notfall der Staat oder andere die Schulden ausgleichen (Moral Hazard). Siehe Bad bank, Bankenkrise, Banken-Triage, Bankregel, goldene, Crash, Fünfhunderteuro-Schein, Geldverleiher letzter Instanz, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Liquiditätspool, Notfall-Liquiditätshilfe, Northern Rock-Debakel, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Stabilitätsfonds, europäischer, Subprime-Krise, Zitronenhandel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bargeldbeschaffung (cash disbursement): Wenn nicht anders definiert, die Auszahlung von Zentralbankgeld über eine Geldkarte an einem Automaten. Ende 2010 waren in Deutschland rund 54 000 Geldausgabeautomaten aufgestellt; etwa die Hälfte der Geldnachfrage wurde zu diesem Zeitpunkt durch Automaten gedeckt. Dem standen nur 1 400 Einzahlungsgeräte gegenüber. Bei Auszahlung aus dem Konto am Bankschalter spricht man in der Regel von Abhebung (withdrawal). Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bargeld, Geldausgabeautomat, Geldautomaten-Sperre, Internetbank, Zahlungskarte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bargeldkarte (cash card): Eine Geldkarte, deren Nutzung ausschliesslich auf die Ausgabe von Bargeld an entsprechenden Automaten (automated teller machines, cash dispensers) beschränkt ist. Sie kann also grundsätzlich nicht zur Zahlung an Points of Sale verwendet werden. Siehe Geld(ausgabe)automat, Geldautomaten-Sperre, Karte, Zahlungskarte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Barmittel auch Barliquidität (available cash, amount of ready money): Bei einem Unternehmen die Summe aus Kassenbestand plus Sichteinlagen bei Banken. Barmittel sichern dem Unternehmen die sofortige Zahlungsfähigkeit, bringen aber in der Regel kaum Zinsen ein. Barliquidität ist in jedem Fall mit Opportunitätskosten verbunden; anders ausgedrückt: die sofort verfügbaren Zahlungsmittel können nicht kostenlos gehalten werden. Nach IAS definiert als Bargeld und Cash Equivalents, nämlich kurzfristige, hochliquide, jederzeit in Geld umtauschbare Forderungen, deren Betrag und Fälligkeit dem Grund, der Höhe und dem Zeitpunkt nach genau bekannt und keinem bedeutsamen Risiko unterworfen sind. Siehe Cash-Management, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquidität, Liquiditätsformen, Unterliquidität. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Basiszins (basis interest rate): In Deutschland definiert im „Gesetz zur Änderung von Vor­schriften über die Bewertung von Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen und zur Aufhebung des Diskontsatz-Überleitungs-Gesetzes (Versicherungskapitalanlagen-Bewer­tungsgesetz, VersKapAG)“ vom 26. März 2002. Die Deutsche Bundesbank berechnet nach den gesetzlichen Vorgaben des § 247, Abs. 1 BGB den Basiszinssatz und veröffentlicht seinen aktuellen Stand gemäss § 247, Abs. 2 BGB im Bundesanzeiger. Der Basiszinssatz des Bürgerlichen Gesetzbuches dient vor allem als Grundlage für die Berechnung von Verzugszinsen, siehe § 288, Abs. 1, Satz 2 BGB. Er verändert sich zum 1. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres um den Betrag, um welche seine Bezugsgrösse seit der letzten Veränderung des Basiszinssatzes gestiegen oder gefallen ist.
Bezugsgrösse ist der Zinssatz für die jüngste Hauptrefinanzierungsoperation der Europäischen Zentralbank vor dem ersten Kalendertag des betreffenden Halbjahres. Beispielsweise betrug der Festzinssatz für die letzte Hauptrefinanzierungsoperation der EZB am 30. Dezember 2008 genau 2,50 Prozent. Er ist seit dem für die letzte Änderung des Basiszinssatzes massgeblichen Zeitpunkt am 1. Juli 2008 um 1,57 Prozent gefallen (der marginale Zinssatz der letzten Hauptrefinanzierungsoperation [Zinstender] im Juni 2008 hatte 4,07 Prozent betragen). Hieraus errechnete sich dann per 1. Januar 2009 ein Basiszinssatz des BGB von 1,62 Prozent (zuvor 3,19 Prozent). Nähere Informationen finden sich auf der Internet-Seite der eutschen Bundesbank unter dem Link „FAQ/Links“. Siehe Leitzins, Prime Rate, Tarnkappen-Politik. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Basket (so auch im Deutschen gesagt): Auswahl von Papieren einer bestimmten Art, beispielsweise Aktien einer Branche. Der Basiswert eines Derivates. Ein Portefeuille, ein Bestand an Wertpapieren eines Privathaushalts oder eines Unternehmens. In Zusammenhang mit einer Verbriefung zusammengefasste Darlehn, die ein Originator an eine Zweckgesellschaft verkauft, auch Bündel, Sondervermögen, Pool und Portfolio genannt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bärenfalle (bear trap): Besonders bei börsennotierten Finanzprodukten eine Lage, bei welcher die Anleger fallende Preise erwarten und sich daher zurückhalten, derweil jedoch die Preise schon wieder steigen. Das Gegenteil wird als Bullenfalle (bull trap) bezeichnet. Siehe Anlage-Opportunitätskosten, Attentismus, Liquiditätspräferenz, Opportunitätskos­ten, Roosa-Effekt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Blankokredit (blank credit, unsecured credit): Allgemein ein Darlehn, das von einer Bank ohne besondere Sicherheitsleistung des Kunden, also allein aufgrund seiner Vertrauenswürdigkeit, eingeräumt wird. – Wenn man in der Bankpraxis häufig sagt, die Blankokredite seien die ausfallsichersten (most failsafe) Ausleihungen, dann ist das so zu verstehen, dass man ungedeckte Darlehn nur an allererste Adressen vergibt, welche eine Sicherheit bieten, die kaum durch eine reale Unterlegung übertroffen werden könnte. – Siehe Abstattungskredit, Anschaffungskredit, Barkredit, Buchkredit, Darlehn, gedecktes, Konsumentenkredit, Kontokorrentkredit, Kredit, gedeckter, Personalkredit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Benutzerkonto (user account): Vor allem bei einer Internetbank, aber auch beim Electronic Banking überhaupt unerlässliche Informationen über den Partner. Hierzu gehören in der Regel Name des Benutzers, sein Kennwort sowie die Rechte und Berechtigungen (permissions: in welchem Umfang dürfen Kontendaten freigegeben werden) für den Zugriff auf das angewählte Konto. Siehe Bezahlverfahren, innovative, Customasing, Direktbank, Generation@, Internetbank, Mobile Banking, Multikanalbank, Online-Banking, Rechtsrisiken, Scoring, Sofa-Banking, Telephon-Banking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bewertung in älteren Dokumenten auch Evalvation (valuation): Allgemein die nach bestimmten (gesetzlich vorgeschriebenen [wie § 243 HGB] oder vertraglich vereinbarten) Regeln erfolgende Feststellung des Börsen-, Markt- oder Wiederbeschaffungspreis eines Vermögensgegenstandes zu einem bestimmten Zeitpunkt in Geldeinheiten. Bei Bausparkassen die Festlegung der Reihenfolge, in welcher die Bausparer ihre Bausparmittel ausbezahlt bekommen. Entsprechende Verfahren werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht. Die Einschätzung der Bonität (Zahlungsfähigkeit) eines Geschäftspartners. Siehe Aktuar, Audit, Bausparkassen, Bewertbarkeit, Enforcement, Entstehungskurs, Fair Value, Fairness Opinion, Kombinationseffekt, Liebhaberwert, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Monetisierung, Risiko, Verkehrswert, Vermögenswert, Zeitwert. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bezahlverfahren, innovative (innovative payment procedures): In der Sprache der Deutschen Bundesbank alle Wege, bei denen eine Zahlung mit Hilfe von Geräten der Informations- und Kommunikationstechnologie auf den Weg gebracht werden. Siehe Barzahlung, Bullet Payment, Glattstellung, M-Payment, Payez Mobile, Single European Payment Area, Überweisung, Zahlbarstellung, Zahlungshalber. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Aufzählung der Verfahren; technische Entwicklungen für die Zukunft). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Beziehungsbankgeschäft (relationship banking): Zwischen dem Bankangestellten und dem Kunden besteht ein persönlicher Kontakt; beide kennen sich aus ihrem gemeinsamen sozialen Umfeld. Der Begriff wird vor allem auf die Geschäftstätigkeit der Ortsbanken bezogen. Siehe Bank, kirchliche, Benutzerfreundlichkeit, Branchen, standortgebundene, Call Centre, Clubbing, Geomarketing, bankliches, Hausbank, Kundenbindung, McDonaldisation, Ortsbank. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bid-ask-Spread (so auch heute in der Regel im Deutschen gesagt, seltener Geld-Brief-Spanne): An der Börse der Unterschied zwischen dem Nachfragepreis (Geld) und dem Angebotspreis (Brief) für ein Finanzinstrument zu einem bestimmten Zeitpunkt. Siehe Börsenhändler, individueller, Chase Winners, Day Trading, Pips. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Blankoverkauf auch Leerverkauf (uncovered sale): Jemand verkauft jetzt einen Vermögensgegenstand, den er noch gar nicht besitzt. Er hegt die Erwartung, diesen bald billiger kaufen, um damit seine Verpflichtung erfüllen zu können. Siehe Leerverkauf. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Blase (bubble): Im wirtschaftlichen Sprachgebrauch versteht man darunter allgemein einen erheblichen Unterschied zwischen dem aktuellen Marktpreis eines Vermögensgegenstandes und seinem tatsächlich Wert. Anders ausgedrückt: es bildet sich ein Preis, der mit normalen (gewöhnlichen, üblichen, regelmässigen) Verhältnissen von Angebot und Nachfrage auf dem jeweiligen Markt nicht vernünftig zu erklären ist. Ein Anzeichen für die Entstehung einer Blase sind massvoll (modest), aber stetig (steadily) steigende Preise bei wachsenden Handelsumsätzen. Denn steigen die Preise massvoll aber stetig, dann bestärkt dies die Marktteilnehmer in der Annahme, dass der Preissteigerung eine Erhöhung im Sachwert des zugrundeliegenden Vermögensgegenstandes entspricht.
Das wiederum löst steigende Umsätze nach dem betreffenden Gut aus. Hingegen werden sprunghafte (erratic) Preiserhöhungen eher als Anzeichen einer Spekulation gesehen und sprechen im Regelfall eher gegen die Entstehung einer Blase. Siehe Blase, spekulative, Cleaning up after, Dotcom-Blase, Leaning against the wind, Martin-Prinzip, Rohstoffblase, Sachwert, Substanzwert, Vermögensblase Vermögenswert. Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (Möglichkeiten der Geldpolitik, Blasen zu vermeiden; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Blind Pool (so auch im Deutschen): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Geldanlage in einen Fonds, der über die Verwendung der von den Zeichnern einbezahlten Beträge keine Auskunft gibt. Oft fehlt auch die Kontrolle über die Mittelverwendung überhaupt, und die Kapitalanlagegesellschaft besitzt obendrein häufig auch keine Erlaubnis. In vielen Fällen sind die von den Anlegern einbezahlten Beträge verloren. Siehe Cold Calling, Racheengel, Schattenbankbereich, Underground Banking, Winkelmakler. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Blocktrading (block trading): Der Handel mit Paketen von Aktien (a large number of shares). Besondere Form der Aktienemission. Hierbei werden aus einer Kapitalerhöhung kommende jungen Aktien unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre durch eine Bank unmittelbar an Zeichner abgegeben. Siehe Gratisaktie, Kombinationseffekt, Paketzuschlag. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Blue Chips (so auch im Deutschen gesagt): Unternehmen, die bei den Anlegern ein grosses Vertrauen geniessen (companies which are highly-regarded by investors, particularly by those seeking a conservative investment in shares). Aktien (im weiteren Sinne manchmal auch für alle Finanzinstrumente gebraucht) erstklassiger Unternehmen, das heisst von Firmen, die beim Rating die besten Zensuren erhielten. Im Jahr 2006 entfielen etwa 90 Prozent der Aktien-Umsätze an deutschen Börsen auf Blue Chips. Siehe Papiere, schwere, Spitzenwerte, Standardwerte, Wertpapiere, qualifizierte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bobl-Future (so meistens im Deutschen, daneben auch Euro-Bobl-Future): Besonderer Optionsvertrag, bei dem rechnerisch eine (deutsche) Bundesanleihe mit einer Verzinsung von 6 Prozent und einer Restlaufzeit von fünf Jahren zugrundegelegt wird. Der Inhaber eines Bobl-Future-Kontrakts hat das Recht, zu einem festgelegten Zeitpunkt eine diesem Kontrakt zugeordnete Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren im Wert von nominal 100 000 EUR zu kaufen oder verkaufen.
Innerhalb eines Jahres werden vier Laufzeiten gehandelt, die jeweils im März, Juni, September und Dezember enden. Der aktuelle Futures-Preis bildet ziemlich genau den Betrag ab, den man am Markt für eine Bundesanleihe mit fünfjähriger Laufzeit und einer Verzinsung von 6 Prozent bezahlten müsste. Siehe Bund-Future. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bonitätsabschlag (detoriated standing): Banken, die sich bei der Zentralbank sehr hoch und/oder ungewöhnlich langfristig verschulden, haben offensichtlich die Goldene Bankregel missachtet. Sie gelten als unsolide, was zu einer niedrigeren Einstufung ihrer Kreditwürdigkeit (Rating) führt. Sie müssen infolge dessen auf dem Nostromarkt mit schlechteren Bedingungen (= höheren Refinanzierungskosten) rechnen. Eine Zentralbank kann (wie in den USA) solche Institute einer besonderen Überwachung unterziehen. Staatsanleihen werden bei sonst gleicher Ausstattung mit einem Bonitätsabschlag gehandelt, wenn für die betreffenden Ländern die Ratings schlecht ausfallen. Siehe Bonitätsklasse, Downrating, Plutoed. Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 f. (mit Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bonitätsnote (credit rating [mark]): Wenn nicht anders definiert, die von einer Rating-Agentur vorgenommene Zuordnung zu einer Bonitätsklasse. Eine Bonitätsnote misst lediglich die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls. Sie darf nicht, was oft geschieht, mit einer Preis- bzw. Wertgarantie verwechselt werden. Siehe Bonitätsrisiko, Produktregistrierung, Rating, Rating-Agentur. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bonitätsverschlechterung, konzernbedingte (concern-induced downrating): Eine Konzernzentrale verteilt entstandene (hohe) Verlust auf alle Konzernfirmen, auch auf solche, die als selbständige Unternehmen nicht unmittelbar zum Abrechnungskreis (allocation group, payroll subunit) gehören. Die dadurch verursachte ungünstige Bilanzstruktur der belasteten Unternehmen führt dazu, dass ihnen die Banken höhere Zinsen berechnen bzw. sich mit der Vergabe von Darlehn gegenüber dem jeweiligen Unternehmen zurückhalten. Die vergleichsweise selbständigen Konzernfirmen erleiden dadurch Einbussen in ihrer Rentabilität, und sie werden am Ende oft zur Gänze in die Abhängigkeit der Konzernzentrale getrieben. Siehe Cash Pooling. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bonus-Zertifikat (bonus certificate): Eine nach 2002 aufgekommene Anlageform, bei der Kursgewinne einer Aktie oder eines Aktien-Index (allgemein: eines Basiswertes) in der Regel bis zu einem Cap mitgenommen werden können, leichtere und mittlere Verluste jedoch ausgeglichen werden. Um diesen Puffer zu finanzieren, verzichtet der Anleger auf Dividendenzahlungen aus dem Basiswert. Im einzelnen sind diese Zertifikate überaus unterschiedlich ausgestaltet. Es gilt daher sehr genau die Angebotsbedingungen der jeweiligen Anbieter zur Kenntnis zu nehmen. Siehe Airbag-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Sprint-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börse (exchange; bourse): Allgemein ein organisierter Markt, auf dem vertretbare Gegenstände nach feststehenden Usancen regelmässig gehandelt werden. Man unterscheidet nach dem Gegenstand der gehandelten Güter Wertpapierbörsen (Effektenbörsen), Warenbörsen (Produktbörsen), Devisenbörsen sowie auch (seltener) Versicherungsbörsen, Frachtbörsen und Energiebörsen (Strombörse, Gasbörse; der Handel in Rohöl gehört zur Warenböse). Wenn nicht anders gesagt, ist in Zusammenhang mit dem Finanzmarkt in aller Regel die Wertpapierbörse gemeint. Eine genaue Definition des Begriffs „Börse“ gibt es in der deutschen Rechtssprache nicht, wiewohl dies (vor allem angesichts der verstärkt aufgetretenen alternativen Transaktions- und Inhouse-Systeme der Grossbanken) als dringend notwendig gefordert wurde.
§ 1 des Börsengesetzes definiert rein formal (und dazu sprachlich mangelhaft): „Börsen sind teilrechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechts, die nach Massgabe dieses Gesetzes multilaterale Systeme regeln und überwachen, welche die Interessen einer Vielzahl von Personen am Kauf und Verkauf von dort zum Handel zugelassenen Wirtschaftsgütern und Rechten innerhalb des Systems nach festgelegten Bestimmungen in einer Weisezusammenbringen oder das Zusammenbringen fördern, die zu einem Vertrag über den Kauf dieser Handelsobjekte führt.“
Siehe Börsenfunktionen, Broker, Devisenhandel, computerisierter, Disintermediation, Dual Listing, Dual Trading, Inhouse-System, Sanktionsausschuss, Sentiment, Strombörse, Taubengeld, Verbriefung, Vertretbarkeit. Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 47 (IOSCO-Bericht über Outsourcing bei Börsen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenaufsichtsbehörde (exchange monitoring authority): In Deutschland bei der obersten Landesbehörde (Landesregierung) angesiedeltes Organ, das die Errichtung einer Börse genehmigt, ihre allfällige Schliessung anordnet und den Börsenbetrieb überwacht. Die Aufsicht erstreckt sich auf die Einhaltung börsenrechtlicher Vorschriften sowie auf die ordnungsgemässe Durchführung des Handels an der Börse; vgl. § 1 und § 2 BörsG (dort Aufzählung der Befugnisse). Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Sanktionsausschuss, Schlangenhandel, Intelligent Miner. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenbetrug (stock exchange fraud): Allgemein alle gesetzwidrigen Handlungen an der Börse mit dem Ziel, einen ungerechtfertigten Vermögensvorteil zu erlangen. Dank engmaschiger Aufsicht und verschärfter strafrechtlicher Sanktionen heute an den grossen Börsen der Welt eher eine Ausnahmeerscheinung. Siehe Agiotage, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Nominee, Prearranged Trades, Sanktionsausschuss, Scalping, Scheintransaktionen, Schlangen-Handel. Vgl. zur aufsichtsrechtlichen Praxis die jeweiligen Jahresberichte der BaFin (Kapitel „Aufsicht über den Wertapierhandel und das Investmentgeschäft“). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenbriefe ([financial] market letters): Regelmässig erscheinende, von einzelnen Verfassern oder besonders zu diesem Zweck gegründeten Firmen herausgegebene Mitteilungen über das Geschehen auf dem Finanzmarkt allgemein und an der Börse im besonderen. Darin ausgesprochenen Anlage-Empfehlungen ist allemal mit einem gesunden Misstrauen zu begegnen; und vorgetragene Erfolgsmeldungen sind in vielen Fällen nachweislich falsch. Siehe Blog, Daimonion, Geheimtip, Finanzforen, Internet-Foren, Pump and Dump, Scalping, Siderismus, Twitter. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 172 ff. (Marktmanipulation durch Börsenbriefe; S. 174: die BaFin hat im Juni 2007 auf ihrer Webseite ein Merkblatt zu Anlage-Empfehlungen in Börsenbriefen und Newslettern gestellt), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 171 (Marktmanipulation durch Börsenbriefe vom Ausland). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsengerüchte (hoaxes): Nachrichten, die direkt an der Börse oder in deren Umfeld verbreitet werden, um den Kurs börsengehandelter Gegenstände (Finanzprodukte, Waren, Devisen) zu beeinflussen. Solche Manipulationen sind bis anhin im allgemeinen nur sehr schwer zu bekämpfen. Siehe Agiotage, Entscheidungsnützlichkeit, Flurfunk, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Übernahme-Ankündigung, Umstände, bewertungswichtige. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenindex (stock index): Messziffer mit dem Ziel, den Verlauf von Börsenkursen in Zahlenreihen (oder Graphiken) übersichtlich darzustellen. Dies bezieht sich entweder auf Kursverläufe bei Wertpapieren gesamthaft oder auf einzelne Segmente. Siehe Aktienindex, Börsen-Ausreisser, Swiss Market Index. Vgl. für das Eurogebiet Monatsbericht der EZB vom Dezember 2001, S. 37 f. Die Entwicklung der wichtigsten, weltweiten Indizes finden sich (teilweise auch unterteilt nach Branchen und in Vergleich mit Indizes aus den USA und Japan) im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB unter Rubrik „Finanzmärkte“ ausgewiesen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenkrach (stock exchange crash): Rascher, oft schlagartiger Rückgang der Kurse aller Aktien (seltener auch auf andere Vermögenswerte bezogen) innert sehr kurzer Zeit, im Extremfall an einem Tag. So fielen am 24. Oktober 1929 die Kurse an der Börse in Neu York um 13 Prozent. Am 19. Oktober 1987 brachen die Aktienkurse dort um 22 Prozent ein und rissen die (inzwischen weltweit vernetzten) Märkte in Asien und Europa mit in die Tiefe. Siehe Baisse, Bear, Börsenpreis, Blase, spekulative, Crash; Dominostein-Effekt, Normalverteilungs-Doktrin, Panik-Verkäufe, Run, Rush to exit, Subprime-Krise, Systemrisiko, Vertrauen.
Börsenliquidität (stock exchange liquidity): Die Möglichkeit, an der Wertpapierbörse jederzeit zu günstigen Kosten einen Handelspartner zu finden. Das schliesst ein, auch in hohen Beträgen zu handeln, ohne den Preis gegen sich zu beeinflussen (market impact: eine nachteilige Kursbewegung aufgrund grosser, schnell auszuführender Orders). Liquide Sekundärmärkte ermöglichen es Anlegern, bei unvorhergesehenem Mittelbedarf sich kostengünstig von den Wertpapieren zu trennen. Liquide Wertpapiermärkte steigern damit zugleich die Bereitschaft, in entsprechenden Titeln zu investieren. Siehe Liquidität, Wertpapiermarkt. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 37 ff. (hier auch Fragen des aufsichtsrechtlichen Rahmens). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenmakler (broker): In weitesten Sinne Bezeichnung für eine Mittelsperson, welche die Kauf- und Verkaufsaufträge an der Börse entgegennimmt und miteinander ausgleichtBö die Kauf- oderse ausführt. Für diese Dienstleistung ne ProKommissiommisn) uhlen; siehe Skontroführer. Im engeren Sinne in Deutschland eine öffentlich bestellte Person, der an der Börse die Preisfeststellung am amtlichen Markt obliegt, dann auch Kursmakler genannt. In den USA werden (je nach Börsentyp) die Broker auch anders bezeichnet, so etwa Account Executive (AE), Associated Person (AP), Registered Commodity Repesentative (RCR); sie müssen sich in Streitfällen in aller Regel zunächst einem Schiedsverfahren unten Börsenordnung genau festgelegt.
In Deutschlanlichen Geschäfte (= alle Umsätze, die nicht in das Skontro eines Kursmaklers oder eines skontroführenden Freimaklers einfliessen und damit nicht zu eisenpreisstpapierhandel). Siehe Beobachtungsliste, Geldpool, Kommissionshaus, Karten-Stapel, K, Local, Makler, Moführer. Vgl. zum Aufchtsrechtlichen den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenpflicht (mandatory exchange trading rule): Verpflichtung der Börsenmitglieder, sämtliche Aufträge über die Börse abzuwickeln. Die Börsenpflicht ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich gesetzlich geregelt; vgl. für Deutschland § 22 BörsG. Siehe Inhouse-System, Internalisierung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenstimmung (sentiment, mood of the market): Die bei den Käufern und Verkäufern vorherrschende Neigung, Engagements an der Börse einzugehen. Die entsprechende Vorliebe hängt grundsätzlich von Erwartungen der Marktteilnehmer ab. Siehe Bewertbarkeit, Grundstimmung, Sentiment. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Börsenumsatzsteuer auch Effektenumsatzsteuer; stock exchange tax): Eine Abgabe, die in vielen Staaten auf den Umsatz aus dem Handel mit Wertpapieren nach jeweils im Gesetz vorgeschriebener Weise erhoben wird. In Deutschland wurde diese Steuer 1991 abgeschafft. Siehe Schlusscheinstempel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Branding (so auch im Deutschen gesagt): Auf Finanzmärkten die Tatsache, dass bei Kooperationen mit Nichtbanken (vor allem im E-Commerce-Geschäft) grosse Banken ihre Bonität und ihren Namen zur Verfügung stellen. SieheAuslagerung, Cobranding-Karte, Insourcing, Outsourcing-Risiken. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Briefkurs (asked price, oft nur: ask): Der Preis zu dem ein Vermögensgegenstand (Finanzinstrument) zum Verkauf angeboten wird. Den nachgefragten Preis nennt man Geldkurs. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Broker (so heute auch im Deutschen gesagt): Allgemein die Bezeichnung für den Makler (an der Börse): einen Händler in jederart Produkten oder Wertpapieren, der aber lediglich vermittelnd tätig ist (who communicates bid and ask levels to potential principals [= Auftraggeber]), ohne zum Geschäftspartner bei Transaktionen mit seinen Kunden zu werden (which arranges transactions as agent without acting as counterparty in the transactions). Ein (freiberuflich tätiger) Versicherungs-Agent, der für den Kunden die für ihn passende Versicherung herausfindet und oftmals auch die Policen im Auftrag des Versicherungsnehmers (policyholders) betreut. Siehe Börsenmakler, Klientenüberweisung, Kommissionshaus, Makler, Skontroführer, Winkelmakler.
Brokergeschäft (broker business): Wenn nicht anders definiert Dienstleistungen von Banken gegenüber Hedge-Fonds. Im einzelnen verrichten die Banken üblicherweise für einen Fonds Tätigkeiten wie die Handelsabwicklung, die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren, die Gewährung von (besicherten) Darlehn sowie Aufgaben im Bereich des (für einen Fonds gesetzlich bzw. aufsichtlich vorgeschriebenen) Berichtswesens. Auch die Rechtsberatung durch die Fachabteilungen grosser Institute schliessen entsprechende Verträge oftmals mit ein. Ein Hedge-Fonds kann durch eine solche Auslagerung im eigenen Land und in anderen Staaten mit nur sehr wenig Personal auskommen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bull (so auch meistens im Deutschen, seltener Bulle): Bezeichnung für den eine Preissteigerung erwartenden Marktteilnehmer; ein Haussier. Siehe Baisse, Blase, spekulative, Boom, Fixer, Flor, Hausse, Hausse nährt die Hausse, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Milchmädchen-Hausse, Rally, Runup. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel, BAWe (Federal Supervisory Office for Securities Trading): Überwachungsbehörde für den gesamten Effektenhandel in der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Im besonderen gehören zu den Aufgaben des Amtes Überwachung der Verhaltensregeln und Organisations-Pflichten, Hinterlegung von Wertpapier-Verkaufsprospekten, Ermittlung von Insiderdelikten, Überwachung der Ad-hoc-Mitteilung sowie Überwachung der Publizität bei bedeutenden Stimmerechts-Veränderungen. Die Behörde ging am 1. Mai 2002 mit ihren Aufgaben in der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Bund-Future (German federal state future): Wenn nicht anders definiert ein Terminkontrakt auf eine (deutsche) Bundesanleihe. Siehe Bobl-Future. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.
Butterfly Spread (so auch im Deutschen gesagt): Behutsamkeit ausdrückende Options-Position, bestehend aus gesamthaft vier Kontrakten mit dem gleichen Verfalldatum und dabei dem Kauf einer Option mit tiefem Ausübungspreis (Basispreis), dem Verkauf von zwei Optionen mit mittleren Basispreisen sowie dem Kauf einer Option mit höherem Basispreis. Es werden mithin auf einen Termin also zwei Calls (Kaufoptionen) zu zwei unterschiedlichen Ausübungspreisen gekauft. Dazu verkauft man zwei Calls zu einem Preis, der zwischen den beiden gekauften Calls liegt. Auf diese Weise lässt sich ein allfälliger Verlust in verhältnismässig engen Grenzen halten. Siehe Call, Option, Rosthoff-Terminvertrag, Stellagegeschäft, Straddle, Strangle. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

References: § 39
 § 18
 § 247
 § 247
 § 288
 § 243

§ 1
 § 1
 § 2
 § 22