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Timestamp: 2020-01-29 06:50:29+00:00

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30 Jahre Gärtner-und Häckermuseum Museum by Marion Dubler, Gartenarchitektin - Issuu
30 Jahre G채rtner- und H채ckermuseum
G채rtnerund H채ckermuseum 1979 - 2009
Ein Begleitheft zu den Feierlichkeiten am 14. Oktober 2009 1
Ein Begleitheft zu den Feierlichkeiten am 14. Oktober 2009 3
Impressum 30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum 1979 - 2009 Ein Begleitheft zu den Feierlichkeiten am 14.Oktober 2009 Herausgeber: Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V. Texte: Rudolf Künstner Josef Oßwald Alexandra Baier Marion Dubler Julia Merz Yvonne Slanz Abbildungen: Luftbild Nürnberg - Hajo Dietz Stadtarchiv Bamberg Klaus Herta Julia Merz Hans Müller Josef Oßwald Jürgen Schraudner Yvonne Slanz bzw. wie angegeben Redaktion und Gestaltung:	Yvonne Slanz, transform, in Zusammenarbeit mit Marion Dubler und Julia Merz Druckerei:	Druckerei Frank, Waizendorf Auflage: 1000 Stück Schutzgebühr: 5 Euro Besonderer Dank gilt Rudolf Künstner und Josef Oßwald. Durch ihr Wissen über die Vereinsgeschichte, ihr jahrelanges Sammeln von Zeitungsbeiträgen, Fotos und Vielem mehr wurde -das Begleitheft erst ermöglicht. Ihre Mitarbeit an der Publikation war unentbehrlich. Die Veröffentlichung wurde unterstützt durch:
das Zentrum Welterbe Bamberg mit Mitteln des Konjunkturprogramms I - „Förderung von Investitionen in nationalen UNESCO-Welterbestätten“,
die „Aktive Mitte“ im Rahmen des Bund-LänderProgramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“.
30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum
Festprogramm - 30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum
Grußwort Vorsitzender Pankraz Deuber
Entscheidungsphase und die Sanierung des Museums
Die Einweihung und die Eröffnung
Die Sebastianikapelle - die Rettung durch den Verein
Unsere Aktivitäten - Vereinsleben im Jahreslauf
Regularien Ehrenmitglieder Aktuelles Mitgliederverzeichnis Totengedenken Satzung
Festprogramm zu den Feierlichkeiten am 14. Oktober 2009 im Pfarrheim St. Otto in Bamberg Begrüßung durch den Vorsitzenden Pankraz Deuber
Festrede Dr. Karin Dengler-Schreiber (Zentrum Welterbe Bamberg)
Den musikalischen Rahmen gestalten Katharina, Felix und Jürgen Roeder.
Grußwort des Vorsitzenden Der dreißigste Jahrestag der feierlichen Einweihung unseres Museums ist uns Anlaß, Rückschau zu halten auf die in diesen drei Jahrzehnten gemeinsam geleistete Arbeit. Die Stadt Bamberg hatte unserem Verein nach wirklich gelungener Restaurierung das ehemalige Gärtnerhaus samt dem angrenzenden Garten überlassen. Wir bekamen die Auflage, ein der Bewahrung der Tradition der beiden Ackerbürgerstände gewidmetes Museum zu errichten und zu betreiben. Man wird heute sicherlich feststellen, dass wir die in uns gesetzten Erwartungen getreulich erfüllt haben. Unser Museum ist zu einem festen und nicht mehr wegzudenkendem Bestandteil des vielfältigen kulturellen Angebots unserer Heimatstadt geworden. Es ist unmöglich mit diesen Zeilen auch nur annährend all diejenigen zu erwähnen und ihnen den geschuldeten Dank auszusprechen, die meinen Vorgänger im Amt des Vorsitzenden, unseren Gründungsvorstand Hans Mayer und mich selbst in all diesen Jahren bei unserer Aufgabe unterstützten. Ich möchte Ihnen allen ein herzliches “Vergelt´s Gott” aussprechen. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass seit nunmehr 25 Jahren in der Sebastianikapelle wieder Gottesdienste gefeiert werden können, weil unser Verein schon unmittelbar nach der Eröffnung seines Museums die zusätzliche Aufgabe übernahm, das damals von einer entwürdigenden Profanierung bedrohte kleine Gotteshaus zu restaurieren. Was wir erreichten, war nur in einer stets praktizierten Gemeinschaft möglich. Dass wir in entscheidenden Fragen auch immer wieder verständnisvolle Zuschussgeber fanden, muss dankbar erwähnt werden. Seit der Vereinsgründung, in allen Phasen des Aufbaues und bei allen wichtigen Ereignissen der folgenden Jahre fand unser
Vereinsleben immer wieder das Interesse weiter Bevölkerungsteile. Dies verdanken wir ungezählten Presseberichten unserer Heimatzeitung, von denen die nachfolgenden Seiten nur eine winzige Auswahl bieten können. Wir sind uns bewusst, das die 2012 auszurichtende Landesgartenschau auch unser “einschlägiges” Museum sozusagen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rücken wird. Die in mehr als drei Jahrzehnten festzustellende Einsatzfreude all unserer freiwilligen Helfer wird sich besonders zu bewähren haben. Wir wollen uns bemühen, unseren Beitrag zum Gelingen dieses für Bamberg so bedeutsamen Ereignisses zu leisten. Mit meinem Dank für alle bisher erfahrene Unterstützung verbinde ich deshalb die Bitte, unserem Verein auch weiterhin bei seinen satzungsgemäßen Aufgaben so engagiert zu helfen.
Pankraz Deuber Vorsitzender
Grußwort des Oberbürgermeisters Gärtner und Häcker haben über Jahrhunderte die Stadt Bamberg geprägt. Mitte des 19. Jahrhunderts war jeder fünfte Einwohner Bambergs in der Landwirtschaft beschäftigt. Beide Berufsgruppen waren typisch für unsere Stadt. Die Bamberger bekamen sogar den Spitznamen „Zwiebeltreter“ – nach einem der wichtigsten Produkte der Gärtner. Damit die Zwiebeln nicht ins Kraut schießen, liefen die Gärtner nämlich über die Pflanzen und traten die Grünteile um. Die Lebens- und Arbeitswelt der Gärtner- und Häcker in der Zeit um 1900 kann man im gleichnamigen Museum erleben. Seit nunmehr 30 Jahren bereichert dieses Kleinod im Zentrum der Gärtnerstadt die Bamberger Museumslandschaft und bewahrt einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes unserer Heimat. Die einzigartige Einrichtung wurde 1981 vom Europarat mit einem Museumspreis ausgezeichnet. Träger ist der 1975 gegründete Verein Gärtnerund Häckermuseum e.V. Er leitet auch das Museum und bietet Führungen an, die, was mich sehr freut, insbesondere bei Kindergärten und Schulen auf sehr großes Interesse stoßen. Der Verein unterstützt derzeit auch die Stadt Bamberg mit Leihgaben und Know-how bei der Ausstellung „Vom Wirtschaftsfaktor zum Welterbe. Bambergs Gärtner und Häcker“, die noch bis zum 1. November in unserem Historischen Museum zu sehen ist. Für das großartige bürgerschaftliche Engagement des Vereins möchte ich mich bei allen Mitgliedern und dem gesamten Vorstand, an der Spitze Stadtrat Pankraz Deuber, recht herzlich bedanken. Ich bin mir sicher, dass sein Wunsch, das Gärtner- und Häckermuseum möge ein Glanzlicht der Landesgartenschau 2012 in Bamberg werden, in Erfüllung geht.
Andreas Starke Oberbürgermeister
Auf Initiative von Irene Hottelmann-Schmidt erscheint 1970 dieser Aufruf an die Bevölkerung, alte Gerätschaften an das Historische Museum zu übergeben. (Aus: Fränkischer Tag vom 11. Sept. 1970)
Erste Stimmen Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von verschiedenen Seiten Stimmen laut, die sich dafür einsetzten, dass Exponate, wie Urkunden, Gerätschaften, Fahnen und Werkzeuge, welche Zeugnis über die Lebensgewohnheiten und Arbeitsweisen vergangener Zeiten ablegen, gesammelt, erhalten und der Bevölkerung gezeigt werden können. 1971 wurde es konkret: Die Bamberger Stadträtin Irene Hottelmann-Schmidt verfasste einen Brief an Bürgermeister Dr. Schleyer (s. unten) und schlug die Einrichtung eines Gärtnermuseums vor, damit das Leben und Wirken eines bedeutenden Berufsstandes, der das Stadtbild Bambergs nachhaltig über Jahrhunderte geprägt hatte, eine entsprechende Würdigung erfährt.
Sehr geehrter Herr Dr. Schleyer! Es sind Monate vergangen, seit ich Sie erstmalig zum Thema „Ein Gärtnermuseum für Bamberg“ angesprochen habe. Inzwischen habe ich mich intensiv mit der Angelegenheit beschäftigt und möchte Ihnen heute meinen Vorschlag skizzieren. „Bamberg die Gärtnerstadt“ ist seit Jahrhunderten ein fester Begriff. Viel ist vom Gärtnerstand nicht geblieben und man fragt sich, wie es in 20 Jahren sein wird? Inzwischen hat sich das Gesicht der Oberen- und Unteren Gärtnerei schon stark verändert. Nur noch wenige alte Gärtnerhäuser sind „unverbaut“ vorhanden. Gleichlaufend mit dem Rückgang der Gärtner-Betriebe und dem Um- und Neubau der Häuser geht die Vernichtung der dem Berufsstande eigenen Gerätschaften und Einrichtungen. Da diese aber volkskundlich sehr interessant sind, müsste erreicht werden, daß wenigstens einige Stücke in einem kleinen Museum geborgen werden. Unser Historisches Museum auf dem Domberg ist nicht geeignet, diese relativ einfachen Stücke in geeigneter Form zu zeigen. Nur ein altes Gärtnerhaus – möglichst unverbaut – ist hierfür geeignet. Das Haus selbst wäre ja das wichtigste Stück eines Gärtner-Museums und ich glaube, daß eine Stadt wie Bamberg die Verpflichtung hätte, wenigstens ein Gärtnerhaus der Nachwelt zu erhalten. Die Einrichtung des Hauses wäre nicht schwierig – da es sich durchwegs um bescheidene Stücke handeln müsste. Zu beschaffen wäre sie zunächst durch Spenden aus der Bevölkerung (siehe F.T. vom 11.9.70 „Ins Museum statt auf den Müll“) – wobei ich überzeugt bin, dass die Gärtner, wenn sie ein eigenes Museum hätten auch ihren Teil am Gelingen beitragen würden. Ferner befinden sich wahrscheinlich Gegenstände im Besitz der Stadt Bamberg, die zu einfach sind um im Historischen Museum Aufstellung zu finden. Ich habe durch mein Geschäft häufig Gelegenheit an Einrichtungsgegenstände heranzukommen, die
für den Handel nicht von Interesse sind und deshalb (kostenlos) für ein Museum zu bekommen wären. Das Hauptgewicht bei der Einrichtung läge natürlich bei den Gerätschaften, welche vom Mistwagen bis zur „Schenzen“ und vom „Kratzrechen“ bis zum „Hackfredla“ reichen müssten. Diese wären in der Gärtnerei und den umliegenden Gemeinden zu besorgen. Es ist mir klar, dass bei der angespannten Finanzlage der Stadt die Einrichtung eines teuren Museums nicht in Frage kommt – hierfür liesse sich auch der Stadtrat nicht erwärmen. Ich glaube aber, dass sich dieses Museum billig und schnell mit Hilfe der bürgerlichen Initiative aufbauen lässt. Ich habe mir erlaubt, nach einem geeigneten Haus Ausschau zu halten. Die Stadt hat ein Gärtnerhaus in Besitz, das sich eventuell für diesen Zweck eignen würde. Es handelt sich um das Anwesen Mittelstraße 34, welches abgebrochen werden soll, da sich keine Nutzung dafür finden lässt. Das Haus liegt nicht in der DurchbruchsTrasse und hat – zumindest äusserlich seinen Charakter erhalten. Eine Besichtigung wäre natürlich nötig – vielleicht gibt es auch noch ein günstigeres Objekt. Mit Herrn Dr. Meintzschel habe ich auch schon gesprochen und in dieser Sache Übereinstimmung erzielt. Sicher liesse sich nach dem Vorbild des Hirtenmuseums Hersbruck eine Gruppe freiwilliger Helfer und Förderer finden – schon um die Verwaltung zu entlasten. Auch die Bamberger Presse stünde hilfreich zur Seite – was für jede Arbeit dieser Art von grosser Bedeutung ist. Sehr geehrter Herr Dr. Schleyer – bitte betrachten sie diesen Vorschlag als einen Appell in letzter Minute. Schon in 1-2 Jahren wird die Verwirklichung fast nicht mehr möglich sein. Zu dieser Behauptung würde ich mich nicht versteigen, wenn ich nicht seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Volkskunde arbeiten würde. Zu einer Besprechung stehe ich jederzeit zur Verfügung. Mit freundlichem Gruß! Irene Hottelmann-Schmidt
(Quelle: Irene Hottelmann-Schmidt)
Die Zeit ist offenbar noch nicht reif f체r eine gute Entscheidung. (Aus: Fr채nkischer Tag vom 21. April 1972)
30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum Auch das noch: Der Durchbruch Mitte 1967 war geplant, mitten durch das Gebiet der heutigen „Hofstadt“ eine mehrspurige, autobahnähnliche Verbindungstrasse von der Löwenbrücke zur Zollnerstraße zu schaffen. 77 angrenzende Gebäude sollten abgerissen und das freigewordene Areal zu einem zentralen Wohn- und Geschäftsbereich umgestaltet werden. Wäre diese Projekt zur Ausführung gekommen, hätten zahlreiche Gärtnerfamilien ihre Häuser und Hausgärten verloren. Die Gärtner aber bildeten damals eine geschlossene Opposition. Anlässlich einer Besichtigung des Gebietes durch den Stadtrat entschloss man sich eine Protestaktion zu starten: Hans Rost – Zierpflanzenbetrieb, Ecke Mittelstraße – Färbergasse, besorgte aus dem Bestand des Floristenbedarfs eine dicke Rolle Trauerflor, den er meterweise an seine Kollegen und Nachbarn weitergab. Pünktlich zu Beginn der angekündigten Besichtigungstour des Stadtrates waren die enge Mittelstraße und die Heiliggrabstraße dicht mit Trauerflor verhangen und schwer passierbar. Der Stadtrat, der das Gebiet mit dem Bus durchfahren wollte, wurde von der aufgebrachten Menge angehalten und zum Aussteigen gezwungen und so direkt mit den Argumenten der betroffenen Hausbesitzer und Anwohner konfrontiert. Erst im Jahr 2000 wurden die in der Zwischenzeit bereits stark geschrumpften und mehrfach modifizierten Pläne durch die Aufhebung des Bebauungsplanes „Bamberg-Mitte 217-A“ endgültig ad acta gelegt.
Antwortschreiben von Bürgermeister Dr. Schleyer an Frau Hottelmann-Schmidt vom 31. Mai 1972 (Quelle: Irene Hottelmann-Schmidt)
Zwei Jahre nach der ersten Initiative: Die Heimatpflegerin Frau Prof. Dr. Elisabeth Roth findet GehĂśr. (Aus: FrĂ¤nkischer Tag im August 1974)
Die Vereinsgründung Im August 1974 setzte sich schließlich auch die damalige Heimatpflegerin Frau Prof. Dr. Elisabeth Roth für eine baldige Gründung eines Museums ein. 1974 standen bereits 18 Gärtnerhäuser unter Denkmalschutz. Frau Prof. Dr. Roth schrieb in einem Artikel im Fränkischen Tag vom August 1974, die Geschichte der Arbeitswelt habe die gleichen Rechte auf Schutz und Erhaltung wie die Denkmalpflege alter Kirchen und Schlösser. Als gelungenes Beispiel führte sie das Röhnmuseum in Fladungen, das Korbmuseum in Lichtenfels und das Hirtenmuseum in Hersbruck an. Die Besucher würden dort Einblick in die Arbeit, das Leben und die Freizeit vergangener Epochen erhalten. An die Gärtner wurde die Forderung herangetragen, Werkzeuge, Gerätschaften und Einrichtungsgegenstände zu sammeln, zu dokumentieren und zu erhalten, ehe sie irgendwo achtlos weggeworfen werden und für die Nachwelt verloren gehen. Die Gärtner waren sich einig, wenn es zu einer Gründung eines Museums jemals kommen sollte, dann nur, wenn die Stadt das Vorhaben tatkräftig unterstützt. Die Stadt müsse mithelfen und ein typisches Gärtnerhaus zur Verfügung stellen. Am 27. Oktober 1975 hatte sich eine Interessengemeinschaft gebildet mit dem Ziel, für die Errichtung eines Gärtnermuseums einen Trägerverein zu gründen. Die Gründungsversammlung fand am 22. November 1975 im Saal der Brauerei Keesmann, Wunderburg 5, statt. Die Einladungen erging an alle Mitglieder des
Oberen Gärtnervereins, vertreten durch Hans Mayer und Sebastian Dechant. Ebenso an den Unteren Gärtnerverein, vertreten durch Michael Emmerling und Georg Eichfelder, die Häckerbruderschaft, vertreten durch Johann Schrüffer sowie an den Bayer. Bauernverband vertreten durch M.d.B. Paul Röhner. Als Gründungsmitglieder trugen sich 36 Personen und die Stadt Bamberg, vertreten durch Bürgermeister Dr. Franz Josef Schleyer in die Liste ein. Der Verein Gärtner- und Häckermuseum war somit gegründet. Die Versammlung beschloss die erste Satzung und die Beantragung der Gemeinnützigkeit. Die Vorstandswahl brachte folgendes Ergebnis: 1. Vorstand: Hans Mayer Stellvertreter: Michael Emmerling Schriftführer: Martin Eichfelder Kassier: Michael Usselmann Geschäftsführer: Oberamtsrat Heribert Gebert Das Landesamt für Denkmalpflege hatte die Einrichtung eines Gärtnermuseums begrüßt und dem Verein Unterstützung zugesichert.
Gärtnerstadt aus der Vogelperspektive (Quelle: Stadtplanungsamt bzw. Nürnberg Luftbild - Hajo Dietz)
Gr체ndung der Interessengemeinschaft (Quelle: Archiv G채rtner- und H채ckermuseum)
Vereinsgr체ndung
(Quelle: Archiv Gärtner- und Häckermuseum)
1979 - 2009 Die 36 Gründungsmitglieder des Vereins Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V. und Dr. Franz Josef Schleyer als Vertreter der Stadt Bamberg (Beitrittserklärung bei der Gründungsversammlung am 22.11.1975), in der Reihenfolge ihrer Unterzeichnung: Hans Mayer Michael Emmerling Sebastian Dechant Josef Dechant Georg Eichfelder Dr. Franz Josef Schleyer Paul Röhner Heribert Gebert Andreas Ochs Max Konrad Georg Lautenbacher Georg Demuth Lorenz Burgis Hans Mayer Thomas Rost Martin Eichfelder Richard Schley Johann Strobler Karl Düsel Georg Mayer Fritz Eichfelder Otto Dorsch Anton Eckenweber Adam Rost Joseph Beßler Josef Schütz Andreas Wolf Erich Kropf Rudolf Künstner Michael Usselmann Hans Schrüffer Baptist Motschenbacher Adam Wolf Nikolaus Badum Adam Düsel Georg Schley Erwin Neppig (Quelle: Archiv Gärtner- und Häckermuseum)
Das Logo Vereinsmitglied Leonhard Frey gestaltete 1976 ein Signet für den Verein, das allgemeine Zustimmung fand und seither äußeres Erkennunsgszeizeichen ist.
lm Sinnbild des Pflanztopfes sind die Buchstaben V = Verein g + h = Gärtner und Häcker m = Museum b = Bamberg verborgen.
Zum Sinngehalt des Signets führte Leonhard Frey in der Gedenkschrift zum Abschluß der Renovierungsarbeiten an der Sebstianikapelle aus:
Gärtner und Häcker sind in ihrem Beruf und in ihrem Bemühen um das Museum boden- und heimatverbundene Menschen. Die blühende Kulturpflanze, die aus dem vorbereiteten Boden sprießt, ist das Sinnbild des Lebens und gesegneten Wachstums. Die Pflanzung durch Gärtner und Häcker ist kein Widerspruch zur Natur, sondern ein Ergebnis mühseliger und sorgfältiger Kultur.
Die strenge Ordnung der Pflanze im Signet soll dies ausdrücken. Der Topf mit seinem Erdreich ist nicht nur graphisches Element, sondern soll die generationenlange Mühe um die Fruchtbarkeit des Bodens ausdrücken. ln diesem Sinn sind in dem allgemeinen Symbol nicht nur die Gärtner, sondern auch die Häcker angesprochen. Weiterhin steht das Pflänzchen für das hoffnungsvolle Wachstum des Vereins und des Museums. Dieses Wachstum bedarf der steten Sorge, wenn es lebendig bleiben soll.
Nahezu fünf Jahre nach dem Vorschlag von Frau Hottelmann-Schmidt: Zwei Gärtneranwesen stehen zur Auswahl - Mittelstraße 34 und 72. (Aus: Fränkischer Tag vom 13. Feb. 1976)
Entscheidung und Sanierung
Entscheidungsphase und die Sanierung des Museums Im Laufe der nächsten Wochen wurden mehrere Häuser in die engere Wahl einbezogen, darunter eines der ältesten Gärtnerhäuser Bambergs in der Egelseestraße und zwei Häuser in der Mittelstraße, beide im Besitz der Stadt. Darunter war auch das von Frau Hottelmann-Schmidt bereits favorisierte Anwesen Mittelstraße 34. Im Jahr 1976, am 4. Dezember, entschied sich der Stadtrat auf Empfehlung des damaligen Stadtbaudirektors Hans Rothenburger für das Haus Mittelstraße 34 als zukünftiges Gärtnermuseum. Ein typisches eingeschossiges Gärtnerhaus mit der Traufseite zur Straße, mit großer Toreinfahrt, hohem Satteldach zur Aufnahme von Heu und Stroh, auf dem zweiten Boden Gelegenheit zum Trocknen von Heil- und Gewürzkräutern. Das Haus war bis in die 1957er Jahre von Gärtnerfamilien bewohnt. Die Erben des letzten Besitzers, Thomas Kauer, hatten es 1969 an die Stadt Bamberg verkauft. 1977 begann das Hochbauamt der Stadt Bamberg mit der Renovierung des Anwesens Mittelstraße 34. Die Bauleitung hatte Herr Gerhard Messerschmidt, Mitarbeiter des Hochbauamtes der Stadt Bamberg inne. Leider war das Haus in einem sehr desolaten, abrissreifem Zustand. Der Anfang war nicht gerade ermutigend.
Verschiedene Dienststellen, die Gärtner der beiden Gärtnervereine und die Häcker halfen daraufhin zusammen. Arbeitseinsätze wurden organisiert, Hand- und Spanndienste geleistet, das Anwesen entrümpelt und der Garten kultiviert und neu angelegt. Die Presse berichtete laufend über den Fortschritt der Renovierungsarbeiten und die Aufrufe an die Gärtnerkollegen und die Bevölkerung, sich an der Ausgestaltung des Museums zu beteiligen, fanden ein überwältigendes Echo. Einrichtungsgegenstände und Werkzeuge, die z.T. in dieser Zeit schon in Vergessenheit geraten waren, wurden von allen Seiten angekündigt und gespendet. Für die Einrichtung des Museums wurden schon während der Bauzeit Konzepte entworfen, gemeinsam mit der Denkmalpflege und dem Lehrstuhl für Volkskunde der Universität, unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Elisabeth Roth.
Vorderansicht des Anwesens Mittelstraße 34 kurz vor dem Beginn der Renovierung - das zukünftige Gärtner- und Häckermuseum ist, nicht nur von außen, in einem stark baufälligen Zustand. (Quelle: Gärtner- und Häckermuseum)
Endlich ist es entschieden! (Aus: Fr채nkischer Tag vom 25. Mai 1976)
Aufnahmen des Anwesens Mittelstraße 34 im entrümpelten, aber nach wie vor unrestaurierten Zustand: Die oberste Aufnahme zeigt die Hofansicht, fotografiert vom Garten aus, die Aufnahme links in der Mitte den Mauerstumpf der Stallungen mit dem Futtertrog an der Wand. Links unten: Blick durch die Durchfahrt auf das Eingangstor; Unten rechts: Die in der Durchfahrt gelegene Treppe zum Dachraum. (Quelle: Gärtner- und Häckermuseum)
Ein Blick in die ehemaligen Wohnräume verdeutlicht, das auch diese stark renovierungsbedürftig sind: Die große Aufnahme zeigt die Außenwand der heutigen Stube, das Bild links unten die Wand mit der Türe zur Durchfahrt. Rechts unten ist die Schlafkammer mit Blick auf den Zugang zu Zwischenraum und Küche zu sehen. Auf allen Aufnahmen gut erkennbar sind die in Schablonentechnik aufwändig gestalteten Wände. (Quelle: Gärtner- und Häckermuseum)
Die oberste Aufnahme dokumentiert die Schlafkammer, mit Blick auf die Außenwand und die offen verlegten elektrischen Leitungen. Die dazugehörige Stromversorgungsanlage aus der Zeit um 1910 (Bild links unten) befindet sich in der Vorratskammer neben der Küche. Rechts unten: Die Außenwand der Küche mit in Schablonentechnik gestalteter Borte und einem der historischen Fenster. (Quelle: Gärtner- und Häckermuseum)
Unter der Leitung von Baudirektor Hans Rothenburger beginnen die Arbeiten. Die Mitglieder des Vereins G채rtner- und H채ckermuseum leisten Hand- und Spanndienste. (Aus: Fr채nkischer Tag vom 23. Juni 1977
Nun doch positiv gestimmt begleitet die örtliche Presse das Vorhaben ausführlich. (Aus: Fränkischer Tag vom 29. Nov. 1977)
(Aus: Fränkischer Tag vom 13. Okt. 1979)
Die Einweihung und die Eröffnung Nach mehreren Jahren Renovierungszeit und vielen ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen der Vereinsmitglieder konnte das Gärtner- und Häckermuseum schließlich am 14. Oktober 1979 eröffnet werden. An einem schönen Herbsttag fand unter reger Beteiligung der Gärtner und der Bevölkerung endlich die Eröffnung des Museums statt. Den Festgottesdienst am Feldkreuz in der Mittelstraße zelebrierte Herr Domkapitular Hans Wunder. Die Gärtner in ihrer historischen Festtagstracht sorgten für einen würdigen und standesgemäßen Rahmen. Die Weihe des Museums, der Räume und der Freiflächen erfolgte durch Erzbischof Dr. Elmar Maria Kredel. Vor der Weihehandlung hob der Erzbischof in einer kurzen Ansprache die Bedeutung des Gärtner- und Häckerstandes für Bamberg hervor, der seit Generationen an der christlichen Prägung der Bischofsstadt mitwirke. Er bedankte sich auch für die Beteiligung bei verschiedenen kirchlichen
Anlässen, vor allem bei der Fronleichnamsprozession. Oberbürgermeister Dr. Theodor Mathieu gratulierte in seinem Grußwort den Gärtnern und Häckern zu ihrem Museum und bedankte sich bei ihnen und allen Bürgern, die zum Gelingen beigetragen haben. Die Museumslandschaft in Bamberg habe eine wertvolle Bereicherung erfahren. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Hans Mayer, stellte zufrieden fest, dass mit der Realisierung des Museums ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Nach dem offiziellen Teil setzte der große Sturm auf das Museum ein. Der Andrang war so groß, dass man zeitweise das Tor schließen musste.
Ein Taler zur Museumseröffnung Zur Weihe des Gärtner- und Häckermuseums erschien im Jahr 1979 eine numismatische Rarität: Ein „offizieller Taler“, ausgeprägt durch die Fürther Firma Medaillen-Kunst und gefertigt in streng limitierter Auflage von nur 1000 Stück in Feinsilber und 100 Stück in Münzgold. Nach der Ausprägung erhielt der Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg das gesamte Prägewerkzeug zur Aufbewahrung, um Nachprägungen zu verhindern. Vorderseite: Ansicht des Grünen Marktes in Bamberg um 1820, links Barockfassade der Martinskirche und Bürgerhäuser, rechts Neptunbrunnen, von den Bambergern wegen des Dreizacks als Attribut ,,Gabelmann” genannt. Im Vordergrund Gärtner, die Gemüse anbieten, eine Frau mit Huckelkorb und eine Bürgerin mit Flügelhaube. Vorlage der Medaille bildete eine handkolorierte Radierung des Nürnberger Malers und Verlegers Carl Christian Riedel (1764-1838), Größe des im Historischen Museum Bamberg aufbewahrten Originals 29,8 x 34,3 cm.
Rückseite: Ansicht des Gärtner- und Häckermuseums Bamberg, Mittelstraße 34 mit den typischen Merkmalen eines Gärtnerhauses. Es steht in dicht bebauter Straßenzeile, einstöckig, mit Tordurchfahrt an der Traufseite. Über dem Haus ein Korb mit Gemüse, dazu Rechen und Grabeisen (= Spaten) als Sinnzeichen für die Bamberger Gärtner. Zwischen der Jahrzahl, die die Eröffnung des Museums 1979 anzeigt, ein Reb- und ein Hopfenzweig, Hacken und Winzermesser als Symbol für die Bamberger Häcker, die einstigen Weinbauern in der Stadt, die im 19. Jahrhundert zeitweise zum Hopfenbau übergingen. Prof. Dr. Elisabeth Roth (Aus: Faltblatt zur Ausprägung des „offiziellen Talers“)
Sonderprägung Münzgold 900/000, Durchmesser 35 mm, Gewicht ca. 16 g, 4-fach-Spiegelglanzprägung, Einzelnummerierung, Echtheits-Zertifikat.
Einladung zur Einweihung und Eröffnung des Gärtner- und Häckermuseums am 14. Oktober 1979
(Quelle: Archiv Oßwald)
30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum Weihegottesdienst mit Domkapitular Hans Wunder am Feldkreuz in der Mittelstraße
Erzbischof Dr. Elmar Maria Kredel bei seiner Ansprache kurz vor der Weihe des Museums
Die zur Eröffnung des Museums geprägte Medaille wurde durch Hans Mayer an folgende Personen überreicht: Erzbischof Dr. Elmar Maria Kredel, Oberbürgermeister Dr. Theodor Mathieu, Bürgermeister Dr. Franz Josef Schleyer, MdB Paul Röhner, MdL Paul Wünsche, Prof. Dr. Elisabeth Roth, Domkapitular Hans Wunder, Baudirektor Hans Rothenburger (Fotos: Hans Müller)
1979 - 2009 Nachdem der 1. Vorsitzende Hans Mayer das Engagement seiner Mitstreiter und aller Bürger, die bei Arbeitseinsätzen oder durch Bereitstellung von Exponaten zur Ausgestaltung des Museums ihren Beitrag geleistet haben, gewürdigt hatte, bedankte er sich bei Frau Prof. Elisabeth Roth für ihre Verdienste um die Einrichtung des Museums. Im Hintergrund Geschäftsführer Heribert Gebert.
Bilder von links nach rechts, oben nach unten: Frau Prof. Dr. Elisabeth Roth im Festgetümmel mit Gärtnerinnen in der Bamberger Gärtnertracht. Hans Mayer lauscht dem von Ingrid Schütz vorgetragenen Gedicht. Den feierlichen Rahmen gestaltet der Spielmannszug St. Otto.
(Fotos: Hans Müller)
Der Nachbericht zur Eröffnung des Museums. (Aus: Fränkischer Tag vom 15. Okt. 1979)
1979 - 2009 Beginn des Rundgangs: Der Wohnraum, dessen Einrichtung fast völlig aus dem Anwesen Mittelstraße 14 stammt und die Wohnsituation einer Gärtnerfamilie um 1900 widerspiegelt. An den Wänden die rekonstruierte, sehr aufwändige Schablonenmalerei. Über dem Kanapee zwei Pastellporträts des Bamberger Malers Sebastian Güthlein (1776-1858), Sohn einer Bamberger Gärtnerfamilie. Die schmale Schlafkammer, mit den hintereinandergestellten Ehebetten. Einfache Ausstattung mit einem Kleiderschrank und einer Kommode mit Waschgeschirr. An den Wänden Andenken an die Erste heilige Kommunion und ein Weihwasserkessel. Nicht im Bild: Ein Wachsstock, der bei Gewitter angezündet wurde und das vornehmste Kleinmöbel, ein Apothekerschrank für die verschiedensten Heilkräuter. Im nur von der Küche aus zu betretenden Vorratsraum sind Gegenstände für die Bevorratung und Aufbewahrung von Lebensmitteln gezeigt. Unübersehbar ist die aufwändige Installation zur Elektrifizierung, die auf den letzten Besitzer des Hauses zurückgeht, der das Elektrikerhandwerk erlernt hatte und sein Haus mit elektrischem Strom ausstattete. Ein kleines technisches Denkmal. (Fotos: oben, Jürgen Schraudner - Stadtarchiv; sonstige, Julia Merz)
Das Museum Konzeption
Auszug aus “Bamberg heute”, 1979: Elisabeth Roth: Das Gärtner- und Häckermuseum – Rückblick, Einblick, Ausblick
Als eine Kombination von Haus- und kleinem Freilicht-Museum stellt das Anwesen Mittelstraße 34 eine Besonderheit dar. […] Aus Rücksicht auf die möglichst unveränderte Anordnung gebot sich für die rechte Hälfte die Beibehaltung der bisherigen Nutzung: Wohnstube, Schlafkammer, Trockenraum, Küche mit Abstellraum. Die Ausstattung mit Möbeln und Geräten stammt aus Gärtnerhaushalten und dokumentiert Wohnkultur der Zeit um 1900. Rechts öffnet sich die Tür zur Stube, über der der Haussegen hängt. Kanapee und Kachelofen, Vertiko, Spiegel und Kommode zeigen die mehr städtische Möblierung um die Jahrhundertwende, die Nähmaschine deutet an, daß die Stube auch Arbeitszimmer war. […] Die schmale Schlafkammer entspricht der in den Bauernhäusern der deutschen Mittelgebirge, in der nie zwei Betten nebeneinander Platz hatten. […] Die Nutzung des anschließenden kleinen Zwischenraums war unterschiedlich, teils Kinderschlafzimmer, teils Trockenraum für Sämereien und Zwiebeln. Mit dem Fenster zum Hof schließt sich die Küche an, deren Einrichtung ebenfalls aus Bamberger Gärtnerhäusern zusammengetragen wurde. […] Der Abstellraum neben der Küche vermittelt einen kleinen Beitrag zur Geschichte der Elektrizitätsversorgung, da der letzte Besitzer des Anwesens, Thomas Kauer, der das Elektrikerhandwerk erlernte sein Haus um 1910 mit den neuesten Errungenschaften ausstattete und die Einrichtung am Anfang mit Batterie betrieb, da die Straße erst später Stromleitung erhielt. […] Im linken Trakt wurde die Einteilung der Räume ebenso belassen wie im rechten, nur konnte deren Funktion aus unterschiedlichen Gründen nicht beibehalten werden. Der Befund von Schablonenmalerei an den Wänden aller Wohnräume und an der Decke der einstigen “Guten Stube” im linken Wohnteil zeigt, daß die Besitzer des Anwesens um die Jahrhundertwende zu den wohlhabenderen Gärtnerfamilien gehörten.
Die Restaurierung dieses nur noch selten anzutreffenden Wand- und Deckenschmucks durfte jedoch nicht das Grundkonzept der Museumsnutzung ändern, das das vornehme Wohnzimmer zusammen mit der anschließenden einstigen Schlafkammer als Ausstellungsräume für schriftliche und bildkünstlerische Zeugnisse der Bruderschaften und Vereine vorsah. […] In der ehemaligen Futterküche sind Geräte ausgestellt, die nicht alltägliche häusliche Tätigkeiten veranschaulichen, wie waschen, bügeln, backen und buttern, Kraut hobeln und Früchte pressen. […] In der ehemaligen Futterkammer daneben hängen Kuhgeschirre, stehen Maschinen zur Futterbereitung für das Vieh wie Futterschneidmaschine, Kartoffelpresse. Im angrenzenden Stall hatten bis zu vier Kühe und ein Kalb Platz. […] In guter Zimmermannsarbeit wurde der Dachboden wiederhergestellt, doch kann er nur teilweise seine ursprüngliche Funktion erfüllen, daher dient er als dringend benötigte Ausstellungsfläche, wobei einige Kompromisse geschlossen werden mussten. […]Die Hauptfläche des Dachs dient der Veranschaulichung von Geräten […]. In der Tordurchfahrt hängen täglich gebrauchte Geräte - Tisch und Waage erinnern daran, daß dort auch der Direktverkauf von Gemüse und Sämereien stattfand. Durch das innere Tor gelangt der Besucher in den gepflasterten Hof, wo links neben dem Stall Mistgrube und Aborthäuschen ihren einstigen Platz einnehmen. Nach Vorbildern aus den Gärtnervierteln entstand an der rechten Seite eine Halle für Wagen und Ackergeräte. In dem anheimelnden Binnenraum zwischen Haus und Halle konnte der Pumpbrunnen wieder in Gang gesetzt werden. Das 70 m lange und 9 m breite Gartengrundstück besteht aus zwei kleinen Parzellen, einer mit Gewürzkräutern und einer mit Süßholz, das Bamberg weithin berühmt machte. […]
Die schlichte Wohnküche hat zwei Fenster zum Hof. Der Herd ist gemauert und von hohem praktischen Wert. Auf ihm ist Kochgeschirr präsentiert. Neben dem Tisch – auf dem ein Glas zum Fliegenfangen steht - mit Bank und Stühlen ist der Schrank mit einem praktischen Vorratsteil das größte Möbelstück. An den Wänden die üblichen
Regale für Geschirr, Topfdeckel und Gewürzdosen, eine Konsole für eine Porzellanmadonna, und ein Kreuz mit Korpus. Zum Abwaschen des Geschirrs und zum Waschen der Hände diente eine Wasserbank mit Eimer, Waschgeschirr und Butte.
(Fotos: oben, Jürgen Schraudner - Stadtarchiv; sonstige, Julia Merz und Yvonne Slanz)
Die ehemalige Durchfahrt dient vor allem zur Prä-sentation der Geschichte des Gärtner- und Häckerstandes sowie des Hauses Mittelstraße 34. Hier wird der Besucher empfangen und mit Informationsmaterial versorgt. In der ehemaligen Futterküche (unten rechts im Bild) mit dem offenen
Rauchfang werden Gerätschaften zur Herstellung von Vorräten ausgestellt, z. B. Dinge rund um das Krauten wie Krauthobel oder der “Krautstücht”, also das Krautfass. Auch Alltagsgegenstände wie Petroleumkannen, Wäschemangel und “Wäschzwecken” sind zu sehen.
(Fotos: Julia Merz)
1979 - 2009 Die angrenzende Futterkammer beherbergt u.a. Kuh- und Pferdegeschirre, einen Ferkelkorb und Gegenstände für den Transport, wie z.B. einen Milchschlitten zum Ausfahren der Milch. Als Vorraum für den Stall finden sich hier natürlich vor allem Geräte zur Futterbereitung wie eine Futterschneidemaschine aus dem Jahr 1895, eine Kartoffelquetsche, und die unentbehrliche Rübenraspel. In der bei der Sanierung des Anwesens wiederaufgebautenStallung mit der Kälbertränke und dem Saukasten werden so nützliche Dinge wie ein Strohschneider, eine Haferschüssel, ein Melkschemel mit Striegel, Bürste und Klistierspritze und eine Mausefalle präsentiert. Auch Geräte, die der Stallarbeit dienten, werden hier ausgestellt, wie etwa ein Mistkarren oder die „Mistkratz´n“. Im Hof befindet sich die Remise. Dort findet der Besucher Zuggeräte wie Pflug, Egge, Leiterund Brückenwagen mit “Zurüstung”, wie Sitzgatter, Jauchefass (“Struzfass”), Pflug, “Schenzn”, Kuhgeschirre, Jaucheschöpfer (“Struzschöpfn”), Sturmlaterne und Maulkörbe. Daneben sind Gegenstände des gärtnerischen Alltags, wie eine Schleife (“Schlafn”) oder ein Wurf mit Sense zu sehen. (Fotos: Julia Merz)
30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum Die Räume links der Einfahrt sind den Zünften der Gärtner und Häcker und den Bruderschaften gewidmet. Hier werden neben Exponaten wie Zunfttruhen und –gefäßen, vor allem auch Heiligenfiguren, Prozessionsstäbe und Kränze einiger christlicher Bruderschaften, u.a. der Fünf-Wunden-, der Anna- und der ehem. SebastianiBruderschaft ausgestellt und aufbewahrt. Diese Ausstellungsstücke stellen gewissermaßen „lebendiges” Museumsgut dar: Zu verschiedenen religiösen Anlässen, wie z.B. der Fronleichnamsprozession, werden die zuvor reich mit Blumen geschmückten Bilder und die schweren Stäbe von den Mitgliedern der Bruderschaften mitgetragen. So sind die im Museum ausgestellten „Bilder” und „Stäbe“ nicht nur Museumsinventar, sondern auch Teil einer gelebten Tradition.
Die sog. „kleine“ Fronleichnamsprozession: Im Vordergrund die Fahne der Fünf-Wunden-Bruderschaft. Dahinter tragen die sechs „Bildträger“ die Figur des Auferstandenen Christus. Das „Bild“ wird begleitet von den „Stabträgern“, die sich morgens im Gärtnerund Häckermuseum treffen um von dort die schweren Prozessionsstäbe, ihre Kränze und die Fahne der Bruderschaft zu holen. (Fotos in der Reihenfolge von oben: Julia Merz, Josef Oßwald, Yvonne Slanz)
(Quelle: Klaus Herta, Abbildung ohne Maßstab)
Haustypus Das zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete, in durchlaufender Straßenbebauung und traufseitig stehende Gärtnerhaus Mittelstraße 34 war ursprünglich zweigeteilt in einen reinen Wirtschaftsteil zur Linken und einen Wohnteil zur Rechten. 1895 erfolgte der Um- und Ausbau zu dem heutigen Raumgefüge. Dreiraumtief beherbergt es nun zwei Wohneinheiten: rechts der Durchfahrt die Einheit für den Gärtner mit Stube, Kammer, Zwischenraum und Vorratsraum sowie einer Küche, und links der Altenteil mit Stube und Kammer sowie der Futterküche mit dahinter liegender Futterkammer. Der Stall war nun aus hygienischen
Gründen ausgegliedert und im anschließenden Nebengebäude untergebracht. Die Straßenfront des eingeschossigen Gärtnerhauses ist seitdem symmetrisch gegliedert, mit je drei Fensterachsen links und rechts der korbbogigen Durchfahrt, diese ist zweigeteilt und hat mittig eine Schlupftüre. Richtung Nordosten erstreckt sich auf ca. 70 Metern Länge und in Hausbreite der Hausgarten. (Quellen: Elisabeth Roth: Gärtner- und Häckermuseum Bamberg, Museumsführer, 1986 Hans Rothenburger: Vom Gärtnerhaus zum Museum, aus: Bamberg heute, 1/1978)
Ein Problem, das behoben wurde: Die ausgelagerte Zunftfahne aus dem Jahr 1848 ist zurück gekehrt und nimmt Quartier in der neu eingerichteten Klimakammer auf dem Dachboden des Hauses. Neben der Zunftfahne werden hier nun auch einige andere Fahnen aufbewahrt, unter anderem auch die der Fünf-Wunden-Bruderschaft. (Aus: Fränkischer Tag vom 25. Sept. 2003) (Foto: Julia Merz)
Das Abendmahlsbild von Sebastian G체thlein, dem Spross einer Bamberger G채rtnerfamilie, wird dem Museum von Johanna Weber, einer Ururenkelin des Malers, als Geschenk 체berlassen. (Aus: Fr채nkischer Tag vom 13. Feb. 1978) (Foto: Julia Merz)
Ein guter Garten braucht seine Zeit: Im Jahr nach der Eröffnung ist am Museum sogar das Freiland museal, informativ und auch heiter gestaltet. (Aus: Fränkischer Tag vom 26. April 1980)
“Nach dreijähriger Geduldsprobe wurde im Gärtner- und Häckermuseum, Mittelstraße 34, die erste - vorerst noch recht bescheidene Süßholzernte eingefahren.” (Aus: Fränkischer Tag vom 30. April 1982)
Hans Dechant (links) und Hans Mayer (rechts) mit einer im Museum ausgegrabenen und nun auch dort ausgestellten, fast mannshohen Süßholzwurzel. (Quelle: Stadtarchiv)
30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum Ausschnitt aus dem sog. Zweidlerplan von 1602: Die Abbildung von Süßholzpflanzen und zu Ringen gewundenen Süßholzwurzeln in der Kartusche weist auf die wirtschafltiche Bedeutung des Süßholzes für Bamberg hin. (Quelle: Reproduktion, Stadtarchiv Bamberg)
Zum Thema “Süßholz” nach: Gerhard Handschuh “Die Geschichte des Bamberger Süßholzanbaus” in der Festschrift zum 125-jährigen Vereinsjubiläum des Oberen Gärtnervereins Bamberg, 1988 Bamberg gilt nicht nur als das älteste belegte Gemüseanbaugebiet Deutschlands, sondern auch als nördlichstes Anbaugebiet von Süßholz in Europa. Die botanisch als “Glycyrrhiza” bezeichnete, krautige Pflanze bevorzugt ein warmes, mäßig feuchtes Klima und wächst mit ihren meterlangen Wurzeln gern in trockenem, lockerem Boden. Schon seit der Antike waren die Inhaltsstoffe der Wurzel als Heilmittel gegen Hals-, Magen und Blasenleiden bekannt. Zunehmende Bedeutung auch als Genussmittel erlangte sie durch die in ihr enthaltene, ganz typische Süße. Aus den kleineren Wurzelteilen wurde von den Bamberger Gärtnern Lakritze hergestellt, deren Rezeptur streng geheim gehalten und nur an die nachfolgende Generation weitergereicht wurde. Süßholzwurzeln und der sog. “Bärendreck” wurden zu einem regelrechten Exportschlager über Jahrhunderte hinweg. Von der hohen Wirksamkeit dieser Heil- und Genusspflanze und ihrem wirtschaftlichen Wert für die Bamberger Gärtner zeugen viele Beschreibungen. Der bildlich wichtigste Anhaltspunkt ist jedoch die Vignette auf Petrus Zweidlers Stadtplan aus dem Jahr 1602, auf dem drei Pflanzen und zwei zu Ringen gedrehte Wurzeln des Süßholzes dargestellt sind. Im Gärtner- und Häckermuseum wird das Süßholz seit 1980 sozusagen in situ im Garten als Anschauungsobjekt gezeigt. Ebenfalls im Museum zu sehen ist ein Meisteraufnahmebuch für die Zeit von 1792 bis 1822, dessen aufgeschlagene Seite vom 24. April 1795 einen interessanten Nachweis enthält: wer den Meistertitel als Gärtner
erlangen wollte, musste in einer vorgegebenen Zeit eine Süßholzwurzel unverletzt ausgraben können. Gerhard Handschuh formulierte abschließend in seinem Beitrag: Die Geschichte des Süßholzes ist noch nicht zu Ende geschrieben. Unvergessen aber sollte der Anteil der Bamberger Gärtnerei an diesem Stück Kulturgeschichte sein, der im Gärtner- und Häckermuseum ein lebendiges Denkmal in Form der Süßholzstauden im Freilandgarten erhalten hat …
Im Schatten von St. Otto gedeiht wieder Süßholz. (Foto: Julia Merz)
1979 - 2009 Impressionen Der Garten wurde im Rahmen des „European Museum of the Year Awards 1981“ besonders gewürdigt: Als integraler Bestandteil des Museums wird er jedes Jahr durch die Bamberger Gärtner bzw. Mitglieder des Vereins neu gestaltet - er trägt somit den Charakter einer Wechselausstellung.
(Fotos: unten, Josef Oßwald; sonstige Julia Merz)
30 Jahre Gärtner- und Häckermuseum … aus dem Garten
(Fotos: oben, Jürgen Schraudner - Stadtarchiv; sonstige, Julia Merz)
1979 - 2009 EUROPEAN MUSEUM OF THE YEAR AWARDS Das Bayerische Nationalmuseum gratuliert dem Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V. zu dem Sonderpreis, mit dem das Museum im Rahmen des Wettbewerbs “Das Europäische Museum des Jahres 1981” der Europäischen
Museumsgesellschaft und des National Heritage London ausgezeichnet wurde. Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte ein bayerisches Museum auf gesamteuropäischer Ebene geehrt und gewürdigt.
Besonders wertvoll: Lob von “auswärts”! (Aus: Fränkischer Tag vom 01. Juni 1982)
Der Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V. hat sich um die Renovierung und die Rettung der Sebastianikapelle in Bamberg verdient gemacht. Ohne die Initiative des Vereins wäre die vorbildliche Renovierung der Kapelle und ihre weitere Verwendung als Sakralraum kaum denkbar. Ich darf die Medaille dem Geschäftsführer, Herrn Heribert Gebert, stellvertretend für die Vereinsmitglieder überreichen. Aus der Rede des Bayerischen Staatsministers für Unterricht und Kultus, Herr Professor Hans Maier, anlässlich der Verleihung der Denkmalschutzmedaille für das Jahr 1984 am 21. Mai 1985 im Staatsministerium für Unterricht und Kultus. (Quelle: Gärtner- und Häckermuseum)
Oben: Die Sebastianikapelle vor der Übernahme durch den Verein Gärtner- und Häckermuseum Ende 1981; Unten: Die Kapelle 1984 kurz nach der Sanierung (Quelle: Sebastianikapelle 1984) (Fotos: oben, Josef Oßwald; unten, Emil Bauer)
Die Sebastianikapelle - die Rettung durch den Verein „Was Eigeninitiative, Bürgergeist und Uneigennützigkeit zu Wege bringen können, zeigt der Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Sebastianikapelle in Bamberg. Der Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V., der bereits durch den vorbildlichen Aufbau eines Museums zur Darstellung der Arbeits- und Lebenswelt seines Berufsstandes bekannt geworden ist, hat mit der ihm eigenen Initiative, Tatkraft und durch selbstlosen Einsatz seiner Mitglieder die Sebastianikapelle vor dem Verfall bewahrt“. Mit diesen Worten würdigte 1984 der damalige Stadtheimatpfleger Klaus Guth die Leistungen des Vereins. Eine Würdigung, die bis zum heutigen Tage ihre Gültigkeit hat und der 1982 bereits die Verleihung der „Medaille für vorbildliche Heimatpflege“ an den Verein, für dessen Engagement für das Museum und die Kapelle, vorausging. Die in der Presse vielfach zitierte Rettung der Kapelle und der einmalige Einsatz von Verein, Bürgern und Institutionen markiert einen wichtigen Meilenstein innerhalb der Vereinsgeschichte und verdeutlicht, was möglich ist, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Unterzeichung des Erbbaurechtsvertrages am 6. November 1981 stellte bereits einen ersten Erfolg dar und war zugleich der Startschuss für die darauffolgenden umfangreichen, durch den Verein getragenen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten am gesamten Gebäude in Höhe von damals rund 368 000.- DM. Finanziert wurde die Summe durch Zuschüsse des Erzbischöflichen Ordinariats, der Stadt Bamberg, des Bezirks Oberfranken und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Daneben flossen zahlreiche Spenden ein sowie der Erlös durch die Ausgabe der sog. Sebastiani-Taler durch die Sparkasse Bamberg 1981 und 1984. Die ersten zuverlässigen Nachrichten über die zum einstigen Liebfrauensiechhof (heute Siechenstraße 88/90/92) gehörende, dem Patron gegen die Pest geweihte Sebastianikapelle stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die früheste überlieferte Darstellung zeigt der aus dem Jahre 1602 stammende Gründliche Abriss der Stadt Bamberg von Petrus Zweidler. Bei dem als „S. Sebastianus“ bezeichneten Gebäude handelt es sich um den Vorgängerbau der heutigen Kapelle. Lothar Braun siedelt seine Entstehung noch im 15. Jahrhundert an. Das nachgotische Chorgewölbe weise wiederum in das frühe 17. Jahrhundert, ebenso das Rahmenprofil der Chorfenster und die Pilaster am Außenbau des Chores. Das daran anschließende Langhaus dürfte hingegen zwischen 1681 und 1684 errichtet worden sein, wofür laut Braun die Neuweihe am 26. Oktober 1684 spricht. Nach diversen Reparaturarbeiten folgte im Jahre 1855/56 die Neugestaltung der Hauptfassade zur Siechenstraße. Die Kapelle befand sich seit
31. Oktober 1803 bereits in Privatbesitz (der erste Eigentümer war der Gärtnermeister Johann Peßler) und ihr baulicher Zustand ist damals als insgesamt sehr schlecht überliefert. Nach einem Spendenaufruf seitens des Erzbischofs und des Metropolitankapitels Bamberg wurde die Ausführung der neuen Fassade dem Architekten Georg Gottfried Kallenbach und dem „Zeichnungslehrer“ Jacob Schmitt-Friderich übertragen. Ihr, bei dem zuständigen Staatsministerium eingereichter, neugotischer Entwurf wurde gegen alle Erwartungen abgelehnt. Der alte Fachwerkgiebel war da bereits abgebrochen und die für den Neubau benötigten Sandsteinquader schon behauen… Aus dieser „Not“ heraus, beschloss man, den Entwurf wie geplant um zu setzen. Das hatte zwar ein behördliches Nachspiel, die Regierung billigte letztlich das Resultat mit dem Argument, die Arbeit sei „fleißig und rein“; und am 20. Februar 1858 entschied sie schließlich, „dass … von einer Abänderung der bereits hergestellten Facade … Umgang zu nehmen sei“. 1975 ging die Kapelle in den Besitz des Freistaates über. Damals befand sie sich wieder einmal in schlechtem baulichem Zustand, hinzu kamen die drohende Zweckentfremdung und Entweihung. An diesem Punkt wurde nun der damalige Stadtpfarrer Albrecht aktiv, der letztlich auch den entscheidenden Aufruf zur Rettung der Kapelle gab - mit dem bekannten Ergebnis, dass der Verein Gärtner- und Häckermuseum e.V. 1981 offiziell die Trägerschaft übernahm und damit der Kapelle über die reine Wiederherstellung im Jahre 1984 hinaus einen besonderen Platz innerhalb der Stadt-, Kirchen- und Vereinsgeschichte sichern konnte.
(Zusammengefasst aus: Schöne Heimat, 1984. Josef Oßwald: Rettung durch den Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V., Lothar Braun: Die Baugeschichte der Sebastianikapelle, beides in: Sebastianikapelle Bamberg, Gedenkschrift zum Abschluss der Renovierung, September 1984.)
Oben: Vereinsmitglieder räumen im Herbst den Garten des Museums ab; links: Ein aktives Mitglied führt durch das Museum; unten: Der Rettichverkauf zu den Biertagen auf dem Maxplatz; links unten: Gärtner- und Häckerfest in der Mittelstraße.
(Fotos: links + zweites von oben, Yvonne Slanz; sonstige, Josef Oßwald)
Unsere Aktivitäten – Vereinsleben im Jahresablauf Ein privat geführtes Museum, das wie das unsere von einem Verein betrieben wird, ist auf die Einsatzfreude einer genügend großen Zahl freiwilliger Helfer angewiesen. Wir dürfen erfreut und dankbar feststellen, dass wir in seither dreißig Jahren immer solche Helfer fanden. Alljährlich – meist im März – wenn die Vereinsmitglieder zur satzungsgemäßen Mitgliederversammlung eingeladen werden, hat der Vorsitzende bei seinem Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr vor allem Dank abzustatten für die in dieser Zeit geleistete Mitarbeit. Da sind zunächst all diejenigen anerkennend zu erwähnen, die im April bei der Vorbereitung der Neuanpflanzung des Museumsgartens im Einsatz waren. Dies geschieht immer in Gemeinschaftsarbeit. Erst ab Mai übernimmt dann unsere Gärtnerin (Monika Leuchner) die Betreuung während der Öffnungssaison. Vor dem ersten Öffnungstag ist eine gründliche Reinigung des Museums fällig und es müssen alle Vorhänge gewaschen werden. Für die Aufsicht im Museum an den Sonntagund Mittwoch-Nachmittagen der Monate Mai bis Oktober liegt schon bei der Mitgliederversammlung eine Einzeichnungsliste auf, die in den folgenden Wochen noch für die restlichen der rund 50 Termine ergänzt werden muss. Vom Museumsdienst wird erwartet, das er/sie auch Antwort auf neugierige Fragen der Besucher zu geben vermag – und er/sie muss sich mit dem Entschärfen und dem Wieder-Scharfstellen der Alarmanlage auskennen. Schulklassen, Kindergärten, Bamberger und auswärtige Vereine nehmen gerne unser Angebot für Besuche außerhalb der regulären Öffnungszeiten – mit einer etwa einstündigen Führung durch Haus und Garten – in Anspruch. Die organisatorische Vorbereitung des alljährlichen Gärtner- und Häckerfestes – jeweils an einem Sonntag in der zweiten Julihälfte – obliegt natürlich der Vorstandschaft. Für die jeweils zu erwartenden etwa 1000 Besucher müssen Speisen und Getränke vorbestellt, ein zuverlässiger Metzger engagiert, ein den hygienischen Vorschriften entsprechender Bier-
ausschank vorbereitet und bei der seit Jahren bewährten Brauerei, die auch die erforderlichen “Garnituren” (Tische und Bänke) stellt, genügender und kühl gehaltener Biervorrat bestellt werden. Die Nachmittagsgäste erwarten traditionsgemäß eine Bewirtung mit Kaffee und Kuchen – hierfür fanden sich immer freigiebige Spenderinnen und einsatzfreudige Helferinnen. Unser Rettichverkauf findet begeisterten Zuspruch und ein seit Jahren bewährtes Team ist immer bis in die Abendstunden stark gefordert. Gleiches gilt auch für die beim Bier- und Weinverkauf eingesetzten freiwilligen Helfer. Nicht ganz so einfach ist es, am frühen Morgen die Einsatzkräfte für das Aufstellen der Tische und Bänke und – noch etwas schwieriger – für den Abbau zu später Abendstunde zu finden. In der ersten Novemberhälfte ist wiederum eine Gemeinschaftsarbeit fällig: Das Abräumen des Museumsgartens. Weil danach eine Hauptattraktion unseres Museums verständlicherweise nichts mehr “hergibt”, bleibt es auch für ein halbes Jahr geschlossen. Da wir aber an einer belebten Straße beheimatet sind, müssen wir in den Wintermonaten auch für das Schneeräumen sorgen. Auch hierfür findet sich schon seit der Museumseröffnung ein treues Mitglied aus der Nachbarschaft. In der Adventszeit laden wir alljährlich unsere Mitglieder zu einem Gedächtnisgottesdienst für unsere Verstorbenen ein. Die Namen der Toten des abgelaufenen Jahres werden verlesen. Anschließend bittet die Vorstandschaft alle, die sich während dieses Jahres beim Museumsdienst, beim Gärtner- und Häckerfest oder bei irgendwelchen Arbeitseinsätzen engagiert haben, zu einer gemeinsamen Brotzeit in das Vereinsheim der “Wanderfreunde Wilde Rose” – ein bescheidener Dank für all die erfahrene Hilfe, ohne die der Verein seine satzungsgemäßen Aufgaben gar nicht erfüllen könnte.
Blick in die Zukunft Die Gärtnerkultur ist einer der wichtigsten und lebendigsten Teile des kulturellen Erbes Bambergs. Sie kann tagtäglich in den Betrieben und auf den Feldern angetroffen werden, sie äußert sich zu Prozessionen und Festen und wird von den Gärtnerfamilien von Generation zu Generation weiter getragen. Wenn nun Bambergerinnen und Bamberger oder Gäste der Stadt sich genauer über die Gärtnerkultur informieren wollen, so ist der wichtigste und erste Weg der ins Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße 34. Das ist seit 30 Jahren so und wird ganz sicher auch in Zukunft so bleiben. Im Museum kann ein typisches Gärtnerhaus von innen besichtigt werden. Das Haus ist ein hervorragend erhaltenes Denkmal, das die traditionelle innere Struktur eines Gärtneranwesens detailgetreu wiedergibt. Zahlreiche Möbel und Einrichtungsgegenstände können am Originalplatz ebenso besichtigt werden wie eine umfangreiche Gerätesammlung oder Fahnen der Bamberger Gärtner. Die sehr sehenswerte Ausstellung – die hier nur grob skizziert werden konnte – kann jedoch noch besser als heute präsentiert werden. In der Zeit seit ihrer Einrichtung haben sich zahlreiche neue Entwicklungen im Bereich der Museumsdidaktik und der Präsentationsmöglichkeiten sowie der Technik ergeben. Nach den ersten 30 Jahren des Gärtner- und Häckermuseums besteht eine gute Gelegenheit den Startschuss zu einer behutsamen Überarbeitung der Ausstellung zu geben. So wird das Museum fit für die nächsten drei Jahrzehnte. Überarbeitung heißt dabei keinesfalls eine vollständige Veränderung des Museums. Das würde dem Haus und dem Engagement der vielen Mitglieder des Museumsvereins, die viel Zeit und Mühen in das Museum gesteckt haben, nicht gerecht. Vielmehr sollen kleine Änderungen und eine stellenweise Integration neuer Techniken und Präsentationsformen das Angebot auf den aktuellen Stand des Museumswesens bringen. Zeitlich wird sich die Arbeitsphase der Überarbeitung des Museums von diesem Jahr bis 2013 erstrecken. Zur Finanzierung stellen der Gärtnerund Häckermuseumsverein und die Stadt zusammen zunächst rund 200.000 Euro zur Verfügung. Der städtische Anteil wird dabei aus den Mitteln des Konjunkturpakets I finanziert: Im Rahmen dieses Pakets wird das Projekt „Urbaner Gartenbau“ gefördert, das dazu beitragen soll eine erfolgreiche Zukunft für das Gärtnerviertel und seine Betriebe sowie sein kulturelles Erbe zu sichern. Jedoch heißt die Förderung des Museums über das
Projekt „Urbaner Gartenbau“ nicht, dass dem Museum und seinem Verein irgendwelche Lösungen verordnet oder übergestülpt werden. Vielmehr werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt und des Projektmanagements von „Urbaner Gartenbau“ den Vereinsmitgliedern beratend zur Seite stehen und für sie die organisatorischen Angelegenheiten übernehmen. Den Inhalt bestimmt der Verein. Neben dem Projektteam „Urbaner Gartenbau“ wird Frau Dr. Jahreiß wesentlichen Anteil an der Erneuerung des Museums haben. Sie arbeitet als Fachvertreterin für Didaktik der Geographie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und wird die fachlichen Aspekte für die museumsdidaktische Überarbeitung übernehmen und so auf ihrem Gebiet dem Verein helfen. 2012 soll durch die bis dahin erfolgten Arbeiten das Museum fit sein für die Landesgartenschau. Das heißt, es soll ein Konzept zur Lenkung der Besucherinnen und Besucher, die sehr viel zahlreicher als sonst das Museum besichtigen werden, stehen. Auch die Öffnungszeiten, die heute viel zu wenig Gelegenheit zum Besuch des Museums bieten, sollen erweitert sein. 2012 könnten auch schon neue Einrichtungen das Museum bereichern: Neue Beschilderungen und ein Besucherinfosystem, Multimedia-Anwendungen und vielleicht auch ein Museumsshop und ein Veranstaltungsraum. Verein und Projekt-Team finden bestimmt viele gute Ideen und setzen sie gemeinsam um. 2012 bzw. 2013 wird jedenfalls ein Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße zu finden sein, das nach wie vor vom Engagement des Museumsvereins lebt, das von ihm getragen und inhaltlich bestimmt wird. Aber das Museum wird in einem neuen Glanz erstrahlen und sich noch besser als bisher innen und außen präsentieren. Unter Federführung des Vereins und gemeinsam mit dem Projektteam wird das sicher gelingen: Auf gute Zusammenarbeit in den kommenden vier Jahren.
Karin Dengler Schreiber, Welterbezentrum Bamberg
Adam DĂźsel *	30.01.1915 t	07.10.1998
*	21.07.1926 t	25.03.2008
(Fotos: Josef OĂ&#x;wald)
Mitglieder - Stand 27. August 2009 Alois	Albrecht Anna-Bruderschaft Irene	Arbogast Eisend Walter	Arbogast Josef	Badum Peter	Badum Reinhold	Baur Bayer.	Bauernverband Erik	Berkenkamp Joseph	Beßler * Johann	Betz Josef	Betz Stefan	Betz Walter	Betz Herbert	Böhmer Wolfgang	Böhmelt Michael	Bößl Sebastian	Brachs Thomas	Brändlein Dr. Lothar	Braun Paul	Braun Margit Buchhauser Bürgerverein VI. Distrikt Bamberg-Nord Hilde	Burgis Maria	Burgis Andreas	Dechant Dorothea	Dechant Johann jr.	Dechant Johann	Dechant Hans	Dechant Jakob	Dechant Johann	Dechant Karl	Dechant Reiner	Dellinger Georg	Demuth * Dr. Karin	Dengler-Schreiber Pankraz	Deuber Jan	Diepen Dr. Birgit	Dietz Matthias	Dietz Dr.Christine	Dorsch Fini	Dorsch Hans	Dorsch Ludwig	Dorsch Johann	Düsel Karl	Düsel * Otto	Düsel Otto	Düsel Rudolf	Düsel Anton	Eckenweber * Georg	Eckenweber Marga	Eckenweber Josef	Eckert Annemarie	Eichfelder Elfriede	Eichfelder Frank	Eichfelder
Hans-Jürgen	Eichfelder
Maria	Eichfelder Richard	Eichfelder Adam	Emmerling Anna	Emmerling Heinrich	Emmerling Leo	Erlacher Erzbischöfliches Ordinariat Franz	Faber Fachhochschule Weihenstephan Erwin	Ferch Franz	Fichtl Gisela	Fichtel Anna	Fischer Irmtraud	Flämig Fünf-Wunden-Bruderschaft	Peter	Götz Rudolf	Grafberger Matthias	Graßmann Georg	Großkopf Andreas	Gütlein Klaus	Günther Prof. Dr. Klaus Guth Georg	Habermehl Häckerbruderschaft Bamberg Günter	Hagel Michael	Hagel Werner	Hipelius Artur	Hönick Josef	Hofmann Heinrich	Hohl Jürgen	Hollmann Heinz	Hornung Jennifer	Hughes Junggärtnergruppe Bamberg Michael	Kalb Jürgen	Kalb Sebastian	Kalb Dr.Birgit	Kastura Christina	Keidel Ilona	Kellermann Thomas	Kellermann Claudia	Kiel Brigitte	Kischel Helmut	Klaus Wolfgang	Klopsch Michael	Knoblach Georg	Konrad Max	Konrad * Michael	Konrad Thomas	Konrad Erich	Kropf * Stefan	Kropf Rudolf	Künstner * Josef	Kürschner
Dr. Christian	Lange Andreas	Laufer Michael Laufer Wilfried	Lederer Theresia	Leicht Joachim	Leistner - Weisgerber Manuela	Leithner Eduard	Leuchner Monika	Leuchner Eduard	Lischke Oswald	Loch Grete	Lurtz Georg	Mayer * Hans	Mayer * Peter	Mayer Robert	Mayer Dipl.-Ing. Bernhard Metzner Gerhard	Metzner Ingmar	Michel Elisabeth	Möhrlein Erich	Möhrlein Klaus-Peter	Most Anton	Motschenbacher Georg	Motschenbacher Hans	Müller Dr. Helmut	Müller Heinrich	Neubauer Michael	Niedermaier Konrad	Nistler Oberer Gärtnerverein Bamberg e.V. Elisabeth	Ochs Franz	Ochs Peter	Ochs Ursula	Ochs Alexander	Osmak Josef	Oßwald Manfred	Pech Gundi	Pfeuffer Georg	Pfister Dr. Franz	Pichler Walter	Piechinger Norbert Przibyllok Nikolaus	Rebhan Karl	Redl Annemarie	Renz-Sagstetter Erich	Reuthner Paul	Röhner * Gerhard	Rößlein Wolfgang	Rössler Hans	Rost Johannes	Rost Günter	Ruhland Josef	Sauer Norbert	Seiler Hans	Sendner Hans-Jürgen	Siegmund
Andrea	Söhnlein Hans	Speiser Alfons	Sponsel Friedrich	Schiller Elisabeth	Scherer Irmgard	Schipper Dr. Rainer	Schlee Richard	Schley * Gerhard	Schmidt Hans-Ludwig Schmidt Claus und Christine Schrade Georg	Schrüffer Franz	Schrüffer Heidi und Siegfried	Schubert Dr.Wolfgang Schubert Josef	Schütz * Katharina	Schütz Georg	Schuler Eugen	Schumm Georg	Schumm Peter	Schumm Stadt	Bamberg
Erwin	Stadter Rudolf	Steffan Johann	Strobler * Joseph	Strobler Franz	Stürmer Paul	Trautmann German	Trum Jakob	Trautmann Norbert	Tscherner Brigitta	Tscherner Horst	Umbreit Unterer Gärtnerverein Bamberg e.V. Michael	Usselmann * Dr.Eduard	Uttenreuther Manuel	Utz Verband landwitschaftliche Fachschulabsolventen Fritz	Walter Dieter	Walz Wolfgang	Weiss Michael	Weyermann GmbH&Co.KG Heinrich	Wetz Hans	Wich Alexander	Wilhelm
Katharina	Ulla	Josef	Bernhard	Andreas	Christian	Franz	Gertraud	Maria	Stefan	Dr. Jörg	Dr. Ruth	Paul	Wolfgang	Barbara	Michael	Lothar	Gundi
Will Will Wirsching Wohlleber Wolf * Wolf Wolf Wolf Wolf Wolf Wolstein Wolstein Wünsche Wußmann Zeck Zeis Zeise Zeise
WIR GEDENKEN UNSERER VERSTORBENEN MITGLIEDER.
Satzung des Vereins Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V. § 1 - Name und Sitz 1) Der Verein führt den Namen “Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V.” 2) Der Verein hat seinen Sitz in Bamberg. 3) Der Verein ist im Vereinsregister beim Amtsgericht Bamberg eingetragen. § 2 - Aufgabe und Zweck 1) Der Verein hat die Aufgabe das Gärtner- und Häckermuseum zu betreiben und das Brauchtum der Gärtner und Häcker zu pflegen. lm Rahmen der Brauchtumspflege unterhält der Verein die der besonderen Verehrung des Gärtnerpatrons gewidmete Sebastianikapelle in Bamberg entsprechend den Bestimmungen des mit dem Freistaat Bayern abgeschlossenen Erbbaurechtsvertrages. 2) Der Verein verfolgt durch die Förderung der Denkmal- und Heimatpflege ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts “Steuerbegünstigte Zwecke” der Abgabenordnung 1977. Er ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. 3) Etwaige Gewinne dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Gewinnanteile. 4) Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck des Vereins fremd sind oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden. § 3 - Erwerb und Beendigung der Mitgliedschaft 1) Mitglied des Vereins können natürliche und juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts sein. Durch den Beitritt von juristischen Personen erlangen deren Angehörige keine Mitgliedschaft im Verein“Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V.”. 2) Fördernde Mitglieder können aufgenommen werden. Diese sind beratend tätig, nicht stimmberechtigt und beitragsfrei. 3) Dem Erwerb der Mitgliedschaft geht eine schriftliche Beitrittserklärung voraus. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand. Dem Antragsteller ist die Entscheidung schriftlich mitzuteilen. 4) Zu Ehrenmitgliedern können von der Mitgliederversammlung Personen ernannt werden, die sich um den Verein besondere Verdienste erworben haben. Sie sind von der Beitragszahlung befreit. 5) Die Mitgliedschaft von natürlichen Personen erlischt durch Tod, Austritt oder Ausschluß, die von juristischen Personen durch Verlust der Rechtsfähigkeit, Austritt oder Ausschluß. 6) Der Austritt aus dem Verein erfolgt durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Vorstand zum Jahresende unter Einhaltung einer Frist von einem Monat. 7) Der Ausschluß aus dem Verein ist statthaft, wenn ein Mitglied a) sich einer unehrenhaften Handlung schuldig macht, b) eine den Verein schädigende Tätigkeit entfaltet, c) mit seinem Mitgliedsbeitrag ein Jahr im Rückstand bleibt. 8) Über den Ausschluß entscheidet nach vorheriger Anhörung des Mitglieds der Vorstand. Der Beschluß ist dem ausgeschlossenen Mitglied unter Angabe der Gründe durch eingeschriebenen Brief unverzüglich mitzuteilen. Das ausgeschlossene Mitglied kann binnen Monatsfrist schriftlich dagegen Einspruch beim Vorstand einlegen. Über das Rechtsmittel entscheidet der Beirat endgültig. Bis dahin ruhen Rechte und Pflichten des Mitglieds.
§ 4 - Mitgliedsbeitrag Der Mitgliedsbeitrag wird von der Mitgliederversammlung jährlich festgesetzt. Er ist jährlich zu entrichten und bis zum 1. Juli eines jeden Jahres fällig. Juristische Personen entrichten mindestens den zweifachen Betrag des für natürliche Personen festgesetzten Mitgliedsbeitrages. § 5 - Rechte und Pflichten der Mitglieder 1) Die Mitglieder sind berechtigt, an den Mitgliederversammlungen und sonstigen Veranstaltungen des Vereins teilzunehmen. Dabei können sie das Wort nehmen und Anträge stellen. Bei Entscheidungen, die sie selbst betreffen, ruht ihr Stimmrecht. Die Mitglieder sind berechtigt, die Vereinseinrichtungen kostenlos zu benützen. 2) Die Pflichten der Mitglieder bestehen darin, a) die festgesetzten Leistungen zu erbringen, b) die Vereinssatzung, die Versammlungsbeschlüsse sowie alle vom Vorstand gefaßten Beschlüsse im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu beachten, c) die in der Satzung verankerten Grundsätze des Vereins einzuhalten. § 6 - Organe des Vereins 1) Organe des Vereins sind a) die Mitgliederversammlung b) der Vorstand, c) der Beirat. 2) Vorstand und Beirat üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. § 7 - Mitgliederversammlung 1) Die Mitgliederversammlung ist das oberste Organ des Vereins. Es gibt die ordentliche und die außerordentliche Mitgliederversammlung. 2) Der Mitgliederversammlung obliegen besonders die Beschlußfassung über grundlegende und wichtige Aufgaben des Vereins, die Wahl des Vorstandes und der Beiratsmitglieder (soweit erforderlich), der Kassenprüfer, die Entlastung des Vorstandes und des Beirates, die Festlegung des Mitgliedsbeitrages und die Ernennung von Ehrenmitgliedern. 3) Die ordentliche Mitgliederversammlung findet alljährlich statt. Die Mitglieder sind dazu unter Bekanntgabe der Tagesordnung mindestens sieben Tage vorher schriftlich einzuladen. 4) ln die Tagesordnung sind aufzunehmen: a) der Jahresbericht des Vorsitzenden, b) der Rechenschaftsbericht des Kassiers, c) die Entlastung des Vorstandes und des Beirates, d) Wahlen, soweit solche anstehen, e) die Festsetzung des Mitgliedsbeitrages 5) Eine Änderung der Satzung kann nur in den Mitgliederversammlungen beschlossen werden. Sie ist der Einladung im Wortlaut beizufügen. Sie ist unzulässig, soweit dadurch die Gemeinnützigkeit des Vereins beeinträchtigt wird. 6) Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist einzuberufen, wenn a) der Vorstand es im lnteresse des Vereins für erforderlich hält, b) mindestens ein Drittel der stimmberechtigten Mitglieder dies schriftlich unter Angabe von Gründen verlangt. Für die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gilt das unter 3) Satz 2 Ausgeführte.
7) Bei der Beschlußfassung in den Mitgliederversammlungen entscheidet, soweit nicht diese Satzung etwas anderes bestimmt, die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden der Versammlung den Ausschlag. 8) Bei Wahlen ist gewählt, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Stimmen, deren Ungültigkeit der Vorsitzende der Versammlung feststellt, gelten als nicht abgegeben. Hat niemand mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten, so findet eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern statt, die die meisten Stimmen erhalten haben. Gewählt ist dann derjenige, der die meisten Stimmen erhält; bei gleicher Stimmenzahl entscheidet das von dem Vorsitzenden des Wahlgremiums zu ziehende Los. § 8 - Vorstand 1) Der Vorstand besteht aus vier Mitgliedern des Vereins: a) dem Vorsitzenden, b) dem stellvertretenden Vorsitzenden, c) dem Schriftführer, d) dem Kassier. Er ist beschlußfähig, wenn mindestens drei Mitglieder des Vorstandes an der Beschlußfassung teilnehmen. Die Beschlüsse werden mit Stimmenmehrheit gefaßt. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Eine Geschäftsordnung gibt sich der Vorstand selbst. 2) Vorstand im Sinne des Gesetzes sind der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende, der Schriftführer und der Kassier. Der Verein wird durch den Vorsitzenden allein oder durch je einen der übrigen Vorstandsmitglieder gemeinsam vertreten. Vereinsintern ist vereinbart, daß bei Verhinderung des Vorsitzenden der stellvertretende Vorsitzende allein oder der Schriftführer und der Kassier gemeinsam diesen vertreten dürfen. Der Vorstand führt die Geschäfte nach innen und außen. 3) Die Mitglieder des Vorstandes werden, und zwar jedes von ihnen einzeln, von der Mitgliederversammlung in ihr Amt auf die Dauer von drei Jahren gewählt. Die Amtszeit endet mit der Neuwahl. Scheidet ein Mitglied des Vorstandes vorzeitig aus, so ist diese Position bis zur nächsten Mitgliederversammlung kommissarisch vom Vorstand mit einem Vereinsmitglied zu besetzen. 4) Die Mitgliederversammlung kann mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen ein Mitglied des Vorstandes abberufen. § 9 - Vorsitzende 1) Dem Vorsitzenden obliegen alle Aufgaben der Koordination. Er leitet die Versammlungen des Beirates und des Vorstandes. Er beruft den Vorstand und den Beirat ein, so oft er es für erforderlich hält oder dies von einem Mitglied des Vorstandes oder mindestens drei Mitgliedern des Beirates beantragt wird. Die Einladungen erfolgen schriftlich. Einer Sitzung des Vorstandes bedarf es nicht, wenn alle Mitglieder des Vorstandes einem Vorschlag zustimmen. 2) Der stellvertretende Vorsitzende nimmt im Verhinderungsfall des Vorsitzenden dessen Aufgaben wahr. § 10 - Schriftführer 1) Der Schriftführer erledigt die schriftlichen Arbeiten; er führt die Mitgliederliste und das Inventarverzeichnis des Museums. 2) über jede Mitgliederversammlung und Sitzungen des Vor-
standes und des Beirates fertigt er eine Niederschrift, in die die Beschlüsse wörtlich aufzunehmen sind. Niederschriften sind von ihm und dem Versammlungsleiter zu unterzeichnen. § 11 - Kassier 1) Der Kassier führt die Finanz- und Kassengeschäfte des Vereins. ln Wahrung dieser Aufgaben a) erstellt er die Jahresrechnung, b) führt er ein Vermögensverzeichnis, c) hält er alle Einnahmen und Ausgaben in einem Kassenbuch fest. 2) Zahlungen darf er nur auf Grund einer Anweisung des Vorsitzenden leisten. § 12 - Beirat 1) Der Beirat des Vereins besteht aus bis zu 15 Mitgliedern. lhm gehören an a) die Mitglieder des Vorstandes, b) je ein Vertreter des Oberen Gärtnervereins Bamberg, des Unteren Gärtnervereins Bamberg, der Stadt Bamberg, der Häckerbruderschaft Bamberg c) weitere Mitglieder des Vereins, die von der ordentlichen Mitgliederversammlung für jeweils zwei Jahre gewählt werden. Sie müssen ihre aktive Mitarbeit im Verein erklären. 2) lm Bedarfsfall können zu den Sitzungen Sachverständige ohne Stimmrecht hinzugezogen werden. 3) Der Beirat ist beschlußfähig, wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend ist. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. 4) Die Mitglieder des Beirates beraten den Vorstand und die Mitgliederversammlung in allen Angelegenheiten, die mit der Aufgabe und dem Zweck des Vereins zusammenhängen. § 13 - Kassenprüfer Die Mitgliederversammlung wählt jeweils für die Dauer von zwei Jahren zwei Kassenprüfer. Sie haben die Kassengeschäfte des Vereins laufend zu überwachen und der Mitgliederversammlung zu berichten. § 14 - Auflösung 1) Die Auflösung des Vereins kann nur in einer besonderen, zu diesem Zweck einberufen außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen werden. 2) Zur Beschlußfassung ist eine Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen notwendig. Die Mitgliederversammlung hat im Falle der Auflösung einen oder mehrere Liquidatoren zu bestellen. Werden mehrere Liquidatoren bestellt, so sind sie nur gemeinsam vertretungsberechtigt. 3) Für die Verbindlichkeiten des Vereins haftet den Vereinsgläubigem nur das Vereinsvermögen. 4) Bei der Auflösung des Vereins oder bei Wegfall seines bisherigen Zweckes fällt das Vermögen des Vereins, nach Tilgung sämtlicher Verbindlichkeiten, an die Stadt Bamberg, die es im Sinne des § 2, Absatz 1 und 2 der Satzung verwenden muß. § 15 - lnkrafttreten Diese Satzung ist von der ordentlichen Mitgliederversammlung am 26. Januar 1995 beschlossen worden und tritt an die Stelle der Satzung vom 22. November 1975 mit den Änderungen vom 14. Januar 1977, 7. Januar 1978 und 21. Februar 1986 Bamberg, den 26. Januar 1995 Vorsitzender gez. Pankraz Deuber, Schriftführer gez. Josef Oßwald
Edgar Stengele
Eintrag im Gästebuch des Gärtner- und Häckermuseums, 30. August 2009
Literatur zum Weiterlesen Marina Scheinost (Hg.): Vom Wirtschaftsfaktor zum Welterbe. Bambergs Gärtner- und Häcker, Begleitband zur Ausstellung des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im historischen Museum, Bamberg 2009 Oberer Gärtnerverein Bamberg e.V. (Hg.): „Den wos a rechtä Gärtnä is,...“ Festschrift zum 125jährigen Vereinsjubiläum des Oberen Gärtnervereins Bamberg, 1863 - 1988, Bamberg 1988 Elisabeth Roth: Gärtner- und Häckermuseum Bamberg, Schnell, Kunstführer Nr. 1580, München 1986 Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg e.V. (Hg.): Sebastianikapelle Bamberg. Gedenkschrift zum Abschluß der Renovierung, September 1984, Bamberg 1984 Elisabeth Roth: Das Gärtner- und Häckermuseum – Rückblick, Einblick, Ausblick, in Bamberg heute, 1979 Hans Rothenburger: Vom Gärtnerhaus zum Museum, in Bamberg heute, 1/1978
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30 Jahre Gärtner-und Häckermuseum Museum
Ein Begleitheft zum Jubiläum

References: § 1
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 § 10
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