Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/herausgabeklage-fristbestimmung-beschwer-3128432?pk_campaign=feed&pk_kwd=herausgabeklage-fristbestimmung-beschwer
Timestamp: 2019-08-19 16:26:08+00:00

Document:
Her­aus­ga­be­kla­ge mit Frist­be­stim­mung – Beschwer und Streit­wert | Rechtslupe
Herausgabeklage mit Fristbestimmung - Beschwer und Streitwert
Her­aus­ga­be­kla­ge mit Frist­be­stim­mung – Beschwer und Streit­wert
Die Rechts­mit­tel­be­schwer der Par­tei, die mit ihren auf Her­aus­ga­be sowie auf Scha­dens­er­satz für den Fall des frucht­lo­sen Frist­ab­laufs gerich­te­ten Kla­ge­an­trä­gen ins­ge­samt unter­le­gen ist, bemisst sich nach dem Antrag mit dem höhe­ren Wert; das­sel­be gilt in ana­lo­ger Anwen­dung von § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG für die Bemes­sung des Streit­werts.
Die­se grund­sätz­li­che Rechts­fra­ge, wie die Beschwer zu bemes­sen ist, stellt sich, wenn der (nur) für den Fall des frucht­lo­sen Frist­ab­laufs gel­tend gemach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch höher zu bewer­ten ist als der in ers­ter Linie ver­folg­te Her­aus­ga­be­an­trag.
Im Aus­gangs­punkt bemisst sich die Beschwer nach dem Inter­es­se des Beru­fungs­klä­gers an der Abän­de­rung des ange­foch­te­nen Urteils, das unter wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten zu bewer­ten ist. Dabei ist allein auf die Per­son des Rechts­mit­tel­füh­rers, sei­ne Beschwer und sein Ände­rungs­in­ter­es­se abzu­stel­len 1.
Bezo­gen auf den Streit­wert ist umstrit­ten, wie das (auch inso­weit maß­geb­li­che) Inter­es­se des Klä­gers in sol­chen Fall­kon­stel­la­tio­nen zu bemes­sen ist. Teils wird ver­tre­ten, die Anträ­ge sei­en gemäß § 5 ZPO zu addie­ren 2. Nach ande­rer Ansicht sind sie wirt­schaft­lich iden­tisch, so dass der Streit­wert gemäß § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG nach dem höhe­ren Scha­dens­er­satz­an­spruch zu bestim­men sei 3. Nach einer wei­te­ren Auf­fas­sung soll allein der Her­aus­ga­be­an­trag maß­geb­lich sein 4.
)) Rich­ti­ger­wei­se bemisst sich die Rechts­mit­tel­be­schwer der Par­tei, die mit ihren auf Her­aus­ga­be sowie auf Scha­dens­er­satz für den Fall des frucht­lo­sen Frist­ab­laufs gerich­te­ten Kla­ge­an­trä­gen – wie hier – ins­ge­samt unter­le­gen ist, nach dem Antrag mit dem höhe­ren Wert; wie die Beschwer im Ver­fah­ren nach § 510b ZPO zu beur­tei­len ist, bedarf kei­ner Ent­schei­dung.
Einer­seits erfolgt kei­ne Zusam­men­rech­nung gemäß § 5 ZPO, da die Anträ­ge wirt­schaft­lich iden­tisch sind. Dies folgt aus dem Umstand, dass der Beklag­te ent­we­der die Sache her­aus­ge­ben oder nach frucht­lo­sem Frist­ab­lauf Scha­dens­er­satz leis­ten, nicht aber bei­den Begeh­ren nach­kom­men muss 5; dem Antrag auf Frist­set­zung kommt ohne­hin kein eigen­stän­di­ger Wert zu.
Ande­rer­seits ist es nicht rich­tig, allein auf den Her­aus­ga­be­an­trag abzu­stel­len, wenn der im Wege der ech­ten Kla­ge­häu­fung (§ 260 ZPO) gel­tend gemach­te, auf Scha­dens­er­satz gerich­te­te Antrag einen höhe­ren Wert hat. Hier­zu kommt es näm­lich nur dann, wenn zusätz­li­che Scha­dens­po­si­tio­nen ersetzt wer­den sol­len, die über den Wert­er­satz hin­aus­ge­hen, den Wert des Her­aus­ga­be­an­trags also nicht erhö­hen. Sol­che Scha­dens­po­si­tio­nen begrün­den ein eigen­stän­di­ges wirt­schaft­li­ches Inter­es­se des Beru­fungs­klä­gers an der Abän­de­rung des ange­foch­te­nen Urteils. Dies zeigt sich hier anschau­lich: wird die Kla­ge abge­wie­sen, erhält die Klä­ge­rin nicht den Schlüs­sel und muss des­halb – die Rich­tig­keit ihres Vor­trags unter­stellt – die Schließ­an­la­ge auf eige­ne Kos­ten erneu­ern. Also bemisst sich ihr wirt­schaft­li­ches Inter­es­se an der Abän­de­rung des kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils nach dem Wert der Schließ­an­la­ge. Die­sen (eigen­stän­di­gen) Fol­ge­scha­den kann sie nicht mehr erneut ein­kla­gen, wenn die Kla­ge mit allen Anträ­gen rechts­kräf­tig abge­wie­sen wor­den ist. Umge­kehrt bestimmt der höhe­re Zah­lungs­an­trag auch die Beschwer des in vol­len Umfang unter­le­ge­nen Beklag­ten. Will er mit der Beru­fung die Abwei­sung der Kla­ge errei­chen, wen­det er sich nicht nur gegen die Her­aus­ga­be­pflicht, son­dern zugleich dage­gen, dass er bei einer nicht frist­ge­rech­ten Her­aus­ga­be Scha­dens­er­satz zah­len muss. Sofern der Her­aus­ga­be­an­trag Erfolg hat und der Zah­lungs­an­trag abge­wie­sen wird, bestimmt sich die Beschwer des Klä­gers eben­falls nach dem gesam­ten Zah­lungs­an­trag; das gilt auch für den Beklag­ten, der sich nur gegen die beding­te Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz wen­det und die Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be hin­nimmt.
Der Gegen­stands­wert des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens ist in ana­lo­ger Anwen­dung von § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG anhand des höhe­ren Zah­lungs­an­trags zu bemes­sen.
Aller­dings wird ver­tre­ten, dass der Gebüh­ren­streit­wert wegen der Aus­wir­kun­gen auf die Kos­ten­ent­schei­dung allein nach dem Her­aus­ga­be­an­spruch zu bemes­sen sei. Da dem Beklag­ten bei einem Obsie­gen des Klä­gers die Kos­ten auf­er­legt wer­den müss­ten, sei es unge­recht­fer­tigt, die­se nach dem höhe­ren Scha­dens­er­satz­an­spruch zu bemes­sen, wenn die Sache frist­ge­recht her­aus­ge­ge­ben wer­de 6. Die­se Argu­men­te hält der Bun­des­ge­richts­hof nicht für stich­hal­tig. Rich­tig ist zwar, dass der höhe­re Zah­lungs­an­trag die Kos­ten des unter­le­ge­nen Beklag­ten auch dann erhöht, wenn die­ser die Sache frist­ge­recht her­aus­gibt. Die­ses Risi­ko hat er aber in Kauf genom­men, indem er Anlass zur Kla­ge gege­ben hat; es rea­li­siert sich nur dann, wenn er einem berech­tig­ten Her­aus­ga­be­ver­lan­gen vor­pro­zes­su­al nicht nach­ge­kom­men ist 7.
Maß­geb­lich ist in ana­lo­ger Anwen­dung von § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG der höhe­re Zah­lungs­an­trag. Die­ser stellt zwar kei­nen Hilfs­an­trag im Sin­ne die­ser Norm dar, da es Ziel der Kla­ge ist, dass sämt­li­che Anträ­ge neben­ein­an­der Erfolg haben. Es besteht aber eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke. Denn der Zah­lungs­an­trag hat gegen­über dem Her­aus­ga­be­an­trag inso­fern eine unter­ge­ord­ne­te Funk­ti­on, als er unter der Bedin­gung steht, dass die Her­aus­ga­be nicht frist­ge­recht erfolgt. Aus dem­sel­ben Grund besteht kei­ne „wirt­schaft­li­che Wert­häu­fung” 8. Hat nur der Her­aus­ga­be­an­spruch Erfolg, muss die Kos­ten­quo­te daher nach einem fik­ti­ven Streit­wert, der sich aus der Zusam­men­rech­nung der Anträ­ge ergibt, gebil­det wer­den 9.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Sep­tem­ber 2017 – V ZB 63/​16
Zivil­recht­li­che Her­aus­ga­be­pflicht – und die Bei­hil­fe zu… Eine zivil­recht­li­che Her­aus­ga­be­pflicht ver­mag die Ermög­li­chung einer straf­ba­ren Hand­lung nicht zu recht­fer­ti­gen 10. Das straf­recht­li­che Ver­bot der Unter­stüt­zung einer Straf­tat steht dem bür­ger­lich­recht­li­chen…
Her­aus­ga­be­voll­stre­ckung des Eigen­tü­mers – und die… Eine vor­be­halt­lo­se Her­aus­ga­be im Sin­ne von § 1002 Abs. 1, § 1001 Satz 3 BGB liegt auch vor, wenn der Eigen­tü­mer den Besit­zer auf Her­aus­ga­be ver­klagt, der Besit­zer in die­sem…
Sexu­el­le Nöti­gung – gegen zwei Frau­en Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind höchst­per­sön­li­che Rechts­gü­ter ver­schie­de­ner Per­so­nen und deren Ver­let­zung einer addi­ti­ven Betrach­tungs­wei­se, wie sie etwa der natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit zugrun­de liegt, nur aus­nahms­wei­se zugäng­lich. Greift daher der…
Her­aus­ga­be­kla­ge mit Frist­be­stim­mung – Beschwer und… Die Rechts­mit­tel­be­schwer der Par­tei, die mit ihren auf Her­aus­ga­be sowie auf Scha­dens­er­satz für den Fall des frucht­lo­sen Frist­ab­laufs gerich­te­ten Kla­ge­an­trä­gen ins­ge­samt unter­le­gen ist, bemisst sich nach dem Antrag mit dem…
st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschluss vom 09.02.2012 – V ZB 211/​11, NZM 2012, 838 Rn. 4 mwN↩
so HK-ZPO/­Sa­en­ger, 7. Aufl., § 255 Rn. 8; wohl auch Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl., § 255 Rn. 5 aE↩
OLG Jena, OLGR 1999, 100; LG Köln, MDR 1984, 501; Beck­OK ZPO/​Bacher, 25. Edi­ti­on, § 255 Rn.20; Münch­Komm-ZPO/­Be­cker-Eber­hard, 5. Aufl., § 255 Rn. 15; Münch­Komm-ZPO/­Dep­penk­em­per, 5. Aufl., § 510b Rn. 27; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 75. Aufl., Anh. § 3 Rn. 68; Wieczorek/​Schütze/​Reuschle, ZPO, 4. Aufl., § 510b Rn. 21 f.↩
E. Schnei­der, MDR 1984, 853, 854; so ins­be­son­de­re die über­wie­gen­de Ansicht zu § 510b ZPO, vgl. Zöller/​Herget, ZPO, 31. Aufl., § 510b Rn. 9; Wittschier in: Musielak/​Voit, ZPO, 14. Aufl., § 510b Rn. 3; PG/​Schelp, ZPO, 7. Aufl., § 510b Rn. 4; HK-ZPO/Pu­kall, 7. Aufl., § 510b Rn. 7; Stein/​Jonas/​Berger, ZPO, 23. Aufl., § 510b Rn. 7; anders ders. aber offen­bar für die Beschwer, aaO Rn. 8↩
vgl. Beck­OK ZPO/​Touissant, 25. Edi­ti­on, § 510b Rn.09.2; Münch­Komm-ZPO/Wöst­mann, 5. Aufl., § 5 Rn. 4; sie­he auch Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 23. Aufl., § 5 Rn. 34↩
vgl. E. Schnei­der, MDR 1984, 853, 854↩
so zutref­fend Münch­Komm-ZPO/­Dep­penk­em­per, 5. Aufl., § 510b Rn. 27↩
vgl. dazu BGH, Beschluss vom 29.01.1987 – V ZR 136/​86, NJW-RR 1987, 1148↩
vgl. dazu Zöller/​Herget, 31. Aufl., § 92 Rn. 11↩
LK/​Rönnau, 12. Aufl., Vor § 32 Rn. 121↩
BeschwerHerausgabefristHerausgabeklageRechtsmittelbeschwerSchadensersatzStreitwert

References: § 45
 § 5
 § 45
 § 510
 § 5
 § 45
 § 45
 § 1002
 § 1001
 § 255
 § 255
 § 255
 § 255
 § 510
 § 3
 § 510
 § 510
 § 510
 § 510
 § 510
 § 510
 § 510
 § 510
 § 5
 § 5
 § 510
 § 92
 § 32