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Tacheles Rechtsprechungsticker KW 10/2015 | Rechtsanwalt König in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht Rechtsanwalt in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht
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1. 1 BSG, Beschluss vom 29.12.2014 – B 4 AS 202/14 B
2. 1 Sächsisches Landessozialgericht, Beschluss vom 19.02.2015 – L 8 AS 1232/14 ER – rechtskräftig
2. Eine die Interessen des Leistungsberechtigten mit dem öffentlichen Interesse im Einzelnen abwägende Ermessensentscheidung ist im Rahmen des § 5 Abs. 3 Satz 1 SGB II deshalb nur in atypischen Fällen und insbesondere dann erforderlich, wenn die erzwungene Inanspruchnahme der anderen Sozialleistung mit einem außergewöhnlichen Nachteil für den Leistungsberechtigten verbunden wäre, der eine unangemessene („unbillige“) Härte begründen könnte.
2. 2 Sächsisches Landessozialgericht, Beschluss vom 24.02.2015 – L 2 AS 1444/14 B ER – rechtskräftig
Das sog. Kopfteilprinzip gilt nicht, um „eine faktische Mithaftung der nicht am Energieversorgungsvertrag Beteiligten, insbesondere auch der Kinder einer Bedarfsgemeinschaft“ zu verhindern (so ausdrücklich zu Mietschulden: BSG, Urteil vom 18.11.2014 – B 4 AS 3/14 R ).
2. Hinsichtlich der Auswahl der Darlehensnehmer wurde vom Jobcenter bereits kein Ermessen ausgeübt. Wegen des kompletten Ausfalls der Ermessenserwägungen kommt auch kein „Nachschieben von Ermessenserwägungen“ in Betracht.
2. 3 Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Beschluss vom 09.02.2015 – L 11 AS 1352/14 B ER
Anrechnung einer Erbschaft ( geerbtes Hausgrundstück ) – notwendige Ausgaben ( Beerdigungskosten ) – Verteilzeitraum bei einmaligem Einkommen – Beweislast bei Verbrauch – Umwandlung in Vermögen – sozialwidriges Verhalten
2. Bei einmaligem Einkommen beginnt der Verteilzeitraum gem. § 11 Abs 3 Satz 2 und 3 SGB II auch dann am ersten Tag des auf den Einkommenszufluss folgenden Monats, wenn der Einkommenszufluss dem SGB II Leistungsträger erst so spät bekannt wird, dass eine Berücksichtigung auch im Folgemonat nicht mehr möglich ist (entgegen LSG Baden Württemberg, Urteil vom 25. Juni 2014 – L 2 AS 2373/13 – ; Revision anhängig beim BSG – B 4 AS 32/14 R ).
4. Beruft sich ein Antragsteller nach Zufluss von einmaligem Einkommen (hier: Erbschaft) auf fehlende sog. ‚bereite Mittel‘, trägt er selbst die Darlegungs und Beweislast für den Verbleib bzw. Verbrauch des Einkommens.
5. Die Verwendung eines Teilbetrags von 5.800,– Euro aus einer während des laufenden SGB II Leistungsbezugs angefallenen Erbschaft für die Anschaffung von mehreren hundert Blue Ray Filmen bietet Anlass zur Prüfung eines Schadensersatzanspruchs nach § 34 SGB II.
6. Es wird offen gelassen, ob der Rechtsauffassung zu folgen ist, wonach die Rechtsprechung des BSG zur Hilfebedürftigkeit wegen fehlender ‚bereiter Mittel‘ für die seit 1. April 2011 geltende Neufassung des § 11 Abs 3 Satz 3 SGB II nicht mehr maßgeblich sein soll (vgl. hierzu: LSG Niedersachsen Bremen, Beschluss vom 3. Februar 2014 – L 15 AS 437/13 B ).
7. Der im PKH Recht geltende allgemeine Vermögensfreibetrag nach § 115 Abs 3 Satz 2 ZPO i.V.m. § 90 Abs 2 Nr 9 SGB XII beträgt 2.600,– Euro.
2. 4 Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Beschluss vom 12.01.2015 – L 11 AS 1310/14 B ER
Soweit ein SGB II-Leistungsbezieher geltend macht, dass ihm ein einmal zugeflossener Vermögenswert nicht mehr zur Verfügung steht, trägt er hierfür die Vortrags- und Beweislast (vgl. hierzu etwa: LSG Niedersachsen-Bremen, Beschlüsse vom 15. Dezember 2009 und 29. Januar 10 – L 15 AS 1031/09 B ER und L 15 AS 1086/09 B ER ).
Anmerkung: ähnlich im Ergebnis Sächs. LSG, Beschluss vom 27.01.2015 – L 7 AS 1195/14 B ER – und LSG NRW, Beschluss vom 07.08.2013 – L 9 SO 307/13 B ER
2. 5 Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 21.01.2015 – L 6 AS 361/12 – Die Revision wird zugelassen.
2. 6 Thüringer Landessozialgericht, Urteil vom 14.04.2014 – L 9 AS 1180/13
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Einkommensberücksichtigung – Kindergeld für mehr als zwei Kinder – Gegen die Annahme eines Durchschnittskindergelds
Wenn mehrere Kinder mit unterschiedlichen Kindergeldbeträgen vorhanden sind, so erfolgt die Anrechnung des Kindergeldes auf den Unterhaltsanspruch mit dem Betrag, der für das jeweilige Kind gezahlt wird ( a. A. LSG Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 30. Januar 2013 – L 13 AS 67/11 ).
Anmerkung: a. A. aktuell SG Oldenburg, Urteil v. 14.01.2015 – S 42 AS 1737/12 – ( n. v. ), wonach Im Rahmen der Einkommensanrechnung Kindergeld für mehr als zwei Kinder entsprechend der Anzahl der Kinder, für die Kindergeld bezogen wird, gleichmäßig aufzuteilen ist.
2. 7 Thüringer Landessozialgericht, Beschluss vom 05.08.2014 – L 9 AS 314/14 NZB – rechtskräftig
Die Frage, wie lange eine Zuweisung zu einer Arbeitsgelegenheit erfolgen dürfe, hat keine grundsätzliche Bedeutung – weiterhin ist die Frage nicht klärungsbedürftig
2. 8 Landessozialgericht Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 22.01.2015 – L 2 AS 4/15 B ER – rechtskräftig
2. 9 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 11.02.2015 – L 7 AS 312/14 B – rechtskräftig
2. 10 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 20.02.2015 – L 19 AS 2326/14 B – rechtskräftig
Bulgarische Staatsangehörige haben Anspruch auf ALG II – Folgenabwägung
Auch nach der Entscheidung in der Rechtsache Dano ist eine abschließende Klärung der seit Jahren und in mehrerlei Hinsicht umstrittenen Frage, ob der Leistungsausschluss für Ausländer, die sich ausschließlich zur Arbeitssuche im Inland aufhalten, rechtmäßig und anzuwenden ist, ist in einem einstweiligen Rechtsschutzverfahrenen nicht möglich ist und weiterhin im Rahmen einer Folgenabwägung zu entscheiden ist (vgl. hierzu LSG NRW Beschlüsse vom 22.01.2015 – L 7 AS 21262/14 B ER und vom 14.01.2015 – L 19 AS 2186/14 B ER; LSG Hessen Beschluss vom 07.01.2015 L 6 AS 815/14 B ER; vgl. auch LSG NRW Beschluss vom 29.01.2015 – L 6 AS 2085/14 B ER).
2. 11 Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 29.01.2015 – L 7 AS 130/14 – Die Revision wird zugelassen.
2. 12 Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 29.01.2015 – L 7 AS 833/14 – Die Revision wird zugelassen.
3. 1 SG Berlin, Beschluss vom 15.02.2015 – S 6 AS 2176/15 ER
3. 2 Sozialgericht Karlsruhe, Urteil vom 24.02.2015 – S 17 AS 4923/13
3. 3 SG Mainz, Vorlagebeschluss vom 12.12.2014 – S 3 AS 370/14
2. Das Grundrecht auf Gewährleistung des menschenwürdigen Existenz-minimums garantiert nicht nur die Leistungen zur Sicherung des Lebens-unterhalts, die in Regelbedarfen (ggf. ergänzt durch Mehrbedarfe) zusammengefasst sind, sondern auch die Bedarfe für Unterkunft und Heizung (vgl. BVerfG, Urteil vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/09 u.a. – Rn. 135).
3. Mit der Begrenzung der bei der Bedarfsberechnung zu berücksichtigenden Unterkunftskosten auf die „angemessenen“ Aufwendungen in § 22 Abs. 1 S. 1 Hs. 2 SGB II verstößt der Gesetzgeber gegen das verfassungsrechtliche Gebot, die für die Verwirklichung des Grundrechts auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums wesentlichen Regelungen selbst zu treffen.
Ist § 22 Abs. 1 Satz 1 Zweites Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) in der Fassung der Bekanntmachung vom 13.05.2011 (BGBI. Nr. 23, S. 868) mit Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz (GG) i.V.m. Art. 20 Abs. 1 GG – Sozialstaatlichkeit – und dem sich daraus ergebenden Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums vereinbar, soweit nach dessen 2. Halbsatz die für die Höhe des Anspruchs auf Grundsicherungsleistungen nach §§ 19 Abs. 1, 19 Abs. 3 S. 1 SGB II maßgeblichen Bedarfe für Unterkunft und Heizung lediglich anerkannt werden, soweit die tatsächlichen Aufwendungen hierfür angemessen sind, ohne dass der Gesetzgeber nähere Bestimmungen darüber getroffen hat, unter welchen Umständen von unangemessenen Aufwendungen auszugehen ist?
Anmerkung 2: ebenso SG Mainz, Beschluss v. 12.12.2014 – S 3 AS 130/14 – s. dazu: RA Fritz und Kollegen v. 26.2.2015: Begründung des Vorlagebeschlusses des SG Mainz zu den „Mietobergrenzen“ im Rahmen der wirtschaftlichen Grundsicherung liegt vor (SG Mainz, 12.12.2014, S 3 AS 130/14): http://www.sozialrecht-in-freiburg.de/
4. 1 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 19.02.2015 –
Kein Arbeitslosengeldanspruch – Erfüllung der Anwartschaftszeit – Bezug einer Erwerbsminderungsrente – tatsächliche Auszahlung
4. 2 LSG Sachsen, Urt. v. 18.12.2014 – L 3 AL 13/13 – rechtskräftig
Insolvenzgeldanspruch – Insolvenzgeldzeitraum – Abschluss eines Arbeitsvertrages während Insolvenzeröffnungsverfahren bzw im vorläufigen Insolvenzverfahren
4. 3 Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 27.01.2015 – L 10 AL 382/13
5. 1 Sozialgericht Duisburg, Urteil vom 05.11.2014 – S 16 AL 594/12
Gründungszuschuss – kein Ermessensfehlgebrauch – keine Weitergewährung eines Gründungszuschusses nach Ablauf der ersten Phase der Förderung
6. 1 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 01.12.2014 – L 20 SO 254/12 – anhängig beim BSG – B 8 SO 3/15 R
7. 1 Sozialgericht Duisburg, Urteil vom 24.11.2014 – S 48 SO 399/11 – anhängig beim LSG NRW Az. L 20 SO 16/15
Antragstellerin hat keinen Anspruch auf Übernahme der Kosten für Leistungen der Eingliederungshilfe für ambulant betreutes Wohnen als Zuschuss, lediglich eine darlehensweise Bewilligung gemäß § 91 SGB XII kommt in Betracht – Erbengemeinschaft – Prognose
9. Anmerkung zu: BSG 4. Senat, Urteil vom 06.08.2014 – B 4 AS 57/13 R – Autor: Dr. Thomas Sommer, Vors. RiLSG
Ersatzbeschaffung ist keine Erstausstattung – oder?
Der Anspruch auf eine zuschussweise Bewilligung einer Erstausstattung für eine Wohnung bei einem erneuten Bedarf setzt „von außen“ einwirkende außergewöhnliche Umstände bzw. ein besonderes Ereignis voraus, die bzw. das regelmäßig geeignet sein müssen bzw. muss, den plötzlichen Untergang oder die Unbrauchbarkeit wohnraumbezogener Gegenstände zu bewirken.
11. Aufenthalts- und Sozialrecht für UnionsbürgerInnen – Referent: Ronald Reimann, Rechtsanwalt
Immer mehr Hartz-IV-Empfänger müssen – ob sie wollen oder nicht – mit 63 in Frührente gehen und dabei oft hohe Abschläge in Kauf nehmen. So steht es im Gesetz. Auch Hörerin Astrid Liebich aus Altentreptow betrifft das. Und sie hat einen Riester-Rentenvertrag abgeschlossen, der erst mit dem 65. Lebensjahr fällig wird. Nun macht sie sich Sorgen und möchte wissen: „Wie sieht es mit der Riester-Rente aus, wenn man mit Abschlägen in die Rente geht? Habe ich da mit Einbußen zu rechnen oder wird das voll ausgezahlt?“ Außerdem interessiert die MDR INFO-Hörerin, welche Zahlungen es in der Zeit zwischen 63 und 65 Jahren gibt.

References: § 5
 § 11
 § 34
 § 11
 § 115
 § 90
 § 22
 § 22
 Art. 1
 Art. 20
 § 91