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Timestamp: 2019-06-17 07:52:33+00:00

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BGH, 10.02.1976 - VI ZR 32/74 - dejure.org
https://dejure.org/1976,203
BGH, 10.02.1976 - VI ZR 32/74 (https://dejure.org/1976,203)
BGH, Entscheidung vom 10.02.1976 - VI ZR 32/74 (https://dejure.org/1976,203)
BGH, Entscheidung vom 10. Februar 1976 - VI ZR 32/74 (https://dejure.org/1976,203)
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Schadensersatzpflicht wegen Verstoßes gegen eine dem Schutz eines Sportlers dienende Spielregel - Hineingrätschen in den Gegenspieler als hinreichendes schadensersatzpflichtiges Verhalten - Verschuldensmaßstab für eine diesbezügliche Schadensersatzpflicht - Beweistragungslast hinsichtlich der Nachweisbarkeit eines regelwidrigen Verhaltens - Anfechtung der Beweisverwertung seitens des Gerichts - Notwendigkeit der Wiedereröffnung einer Verhandlung wegen der Nachreichung eines nicht vorbehaltenen Schriftsatzes nach Abschluss der mündlichen Verhandlung
NJW 1976, 957
MDR 1976, 567
VersR 1976, 591
Die Beweislast für eine Sorgfaltspflichtverletzung des Schädigers trägt dabei nach allgemeinen Grundsätzen der Verletzte (vgl. Senatsurteile BGHZ 63, 140, 148; vom 10. Februar 1976 - VI ZR 32/74 - a.a.O.;… Wagner in Münch-Komm, a.a.O., Rn. 549;… Staudinger/Hager, a.a.O., Rn. 56).
OLG Hamm, 22.10.2012 - 6 U 241/11
Im Fußballsport fehlt es an dem für eine Haftung erforderlichen Verschulden, wenn ein Regelverstoß noch im Grenzbereich zwischen der einem solchen Kampfspiel eigenen gebotenen Härte und der unzulässigen Unfairness liegt (BGH VersR 1976, 591).
Derartige Regelverstöße begründen darum nicht schon ohne weiteres stets eine Fahrlässigkeit im Sinne von § 276 BGB (BGH NJW 1976, 957), denn beim Fußballspiel ist körperliche Einwirkung auf den Gegner im Kampf um den Ball unvermeidlich.
Es ist deshalb sorgfaltswidrig (vgl. BGH, NJW 1976, 957, 958; 2010, 537, 538) und die dadurch verursachten Verletzungen sind weder durch Einwilligung des Zeugen S. noch unter dem Gesichtspunkt des Handelns auf eigene Gefahr oder des sozialadäquaten Verhaltens gerechtfertigt (vgl. BGH, NJW 1975, 109 f.).
Zum anderen muss auch bei der Prüfung des Vorsatzes berücksichtigt werden, dass Fußball ein ebenso schnelles wie kampfbetontes Spiel ist, dessen Hektik und Eigenart den Spieler oft zwingt, im Bruchteil einer Sekunde Chancen abzuwägen und Risiken einzugehen (vgl. BGH, NJW 1976, 957, 958).
Verhaltensweisen eines Mitspielers, die sich noch im Grenzbereich zwischen kampfbetonter Härte und unzulässiger Unfairneß bewegen, begründen daher trotz des Vorliegens eines objektiven Regelverstoßes keine Schadensersatzansprüche (OLG Stuttgart NJW-RR 2000, 1043 f.; OLG Hamm VersR 1999, 1115; vgl. auch BGH VersR 1976, 591).
Jedenfalls müsse die Teilnahme eines Sportlers an einem solchen Kampfspiel, das - wie der Fußballwettkampf - nach bestimmten, für jeden Mitspieler verbindlichen Regeln geführt wird, rechtlich dahin verstanden werden, dass er selbst sich auf diese Regeln einlässt und bei regelkonformem Verhalten keine Schadensersatzansprüche wegen dennoch eingetretener Verletzungen erheben wird (…vgl. BGH, Urt. v. 5.11.1974 - VI ZR 100/73 - VersR 1975, 137 = BGHZ 63, 140;… Urt. v. 5.11.1974 - VI ZR 125/73 - zitiert nach juris; Urt. v. 10.2.1976 - VI ZR 32/74 - VersR 1976, 591;… Urt. v. 1.4.2003 - VI ZR 321/02 - VersR 2003, 775;… Urt. v. 27.10.2009 - VI ZR 296/08 - ZfSch 2010 133; ebenso OLG Hamm, NJW-RR 2005, 1477; OLG Celle, VersR 2009, 1236;… Staudinger/Schiemann, BGB, 2005, § 254, Rdn. 66, der dies als eine Frage des Mitverschuldens gemäß § 254 BGB ansieht).
a) Wegen der Besonderheiten des Wettkampfsports führt nach gefestigter Rechtsprechung nicht jede, nach objektiven Maßstäben als fahrlässig einzuordnende Verletzung eines Mitspielers zu einer Haftung des Schädigers aus § 823 Abs. 1 BGB (vgl. BGH, Urt. v. 1.2.1976 - VI ZR 32/74 - VersR 1976, 591; OLG Stuttgart, NJW-RR 2000, 1043; OLG Hamm, NJW-RR 2005, 1477).
Auf der Grundlage dieses übereinstimmenden Willens der Spielteilnehmer kann eine stillschweigende Beschränkung der Haftung auf vorsätzliche und grob fahrlässige Regelverstöße angenommen werden (ebenso Seybold/Wendt in Anm. zu OLG Celle, VersR 2009, 1236; im Ergebnis auch BGH, Urt. v. 1.2.1976 - VI ZR 32/74 - VersR 1976, 591; OLG Stuttgart, NJW-RR 2000, 1043;… OLG Hamm, NJW-RR 2005, 1477, MünchKommBGB/Wagner, 5. Aufl., § 823, Rn. 549 f.; Fleischer, VersR 1999, 785; Deutsch, VersR 1974, 1045;… Weisemann/Spieker, Sport, Spiel und Recht, 2. Aufl., Rdn. 101, die eine Haftungsbeschränkung dogmatisch allerdings mit einer Differenzierung der Anforderungen begründen, die an die im Verkehr erforderliche Sorgfalt i.S.d. § 276 Abs. 2 BGB zu stellen sind).
Der vorliegende Sachverhalt unterscheidet sich grundlegend von den Sachverhalten bei Teilnahme etwa an einem Sportwettkampfspiel, für die die Rechtsprechung (s. BGHZ 63, 140, 142 sowie BGH Urteile vom 10. Februar 1976 - VI ZR 32/74 - VersR 1976, 591, 592 und vom 16. März 1976 - VI ZR 199/74 - VersR 1976, 775) die »Inkaufnahme« eines erhöhten Risikos spieltypischer Gefahren unter dem Gesichtspunkt der Reziprozität entwickelt hat.
Bei sportlichen Kampfspielen findet die entschädigungslose Inkaufnahme von Verletzungen, wie der Senat stets betont hat, ihre innere Rechtfertigung darin, daß dem Spiel bestimmte, für jeden Teilnehmer verbindliche Regeln zugrunde liegen, die von vornherein feststehen, unter denen somit die Teilnehmer zum Spiel antreten und die insbesondere durch das Verbot sog. "fouls" auch auf den Schutz der körperlichen Unversehrtheit der Spieler selbst ausgerichtet sind (BGHZ 63, 140, 142 ff.; Urteile vom 5. November 1974 - VI ZR 125/73 - VersR 1975, 155, 156 und vom 10. Februar 1976 - VI ZR 32/74 - VersR 1976, 591 ff.).
OLG Stuttgart, 09.03.2000 - 7 U 166/99
Schadensersatzpflicht für Regelverstoß (Foul) beim Fußballspiel
OLG Schleswig, 28.09.2011 - 9 U 12/11
Gefährliche Sportart Trabrennen: Schadensersatz für das Pferd "Chaleska"
OLG Stuttgart, 01.12.2000 - 2 U 54/00
Deliktische Haftung für Verletzungen durch Regelverstöße beim Fußballspiel - …
OLG Celle, 22.09.1999 - 9 W 109/99
Modifizierte Haftung eines Schädigers im Rahmen der Ausübung gefährlicher …
LG Nürnberg-Fürth, 28.07.1989 - 10 O 2824/89
AG Wiesloch, 20.03.1987 - 1 C 495/86

References: § 276
 BGH 
 § 254
 § 254
 § 823
 § 823
 § 276
 BGH