Source: https://hilfe-bei-mobbing.ch/mobbing/cybermobbing/
Timestamp: 2020-07-05 17:21:02+00:00

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Cybermobbing - Hilfe bei Mobbing
Eine klare Definition zu finden ist nicht einfach, da sich diese seit Jahren immer wieder ändert und angepasst wird.
Von Cybermobbing, Internetmobbing oder Cyberbullying spricht man, wenn unter Einsatz moderner Kommunikationsmittel wie Smartphone, Chat, E-Mail, sozialen Netzwerken, Foren und Blogs absichtlich und über längere Zeit hinweg beleidigendes Material in Form von Texten, Bildern und/oder Filmen verbreitet wird.
Ziel des Cybermobbing-Akteurs ist es, jemanden zu verleumden, blosszustellen, auszustossen und/oder zu belästigen. Für die Opfer von Cybermobbing entstehen daraus Aengste und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken oder -handlungen.
Charakteristisch für Cybermobbing ist, dass…
….. die Belästigungen rund um die Uhr ausgeübt werden können.
….. das Publikum im Netz unkontrollierbar gross ist und sich die hochgeladenen Inhalte sehr schnell verbreiten können.
….. die Täter anonym handeln können und somit die Hemmschwelle geringer ist.
….. die Täter auf dem Netz aus dem direkten Umfeld stammen aber auch vollkommen unbekannt sein können.
….. es möglich ist, dass Cybermobbing ungewollt passiert.
Man kann Cybermobbing in eine direkte (private) oder indirekte (öffentliche) Form unterteilen.
Direkte Form
Der Cybermobbing-Akteur übt sein aggressives Verhalten wiederholt über einen längeren Zeitraum aus. Mit Textnachrichten wird der Mobbing-Betroffene beleidigt und gepeinigt.
Indirekte Form
Der Mobbing-Initiant lädt verletzendes, peinigendes und verleumdendes Material in Form von Text, Bild oder Video hoch. Es kommt so zu einer indirekten wiederholten Schädigung des Cybermobbing-Betroffenen, da sich der Inhalt nach einmaligem Hochladen je nach Online Plattform (Foren, Instagram, Facebook, Game Blogs usw.) unkontrollierbar weiterverbreitet und von einem riesigen Publikum betrachtet werden kann.
Durch die schnelle und unkontrollierbare Verbreitung kann bereits ein einmaliger Streich oder ein Witz zu einem weitreichenden Cybermobbing führen. Der Betroffene fühlt sich unsicher, hilflos und ausgeliefert.
Das einmalige Hochladen von diffamierendem Material kann auch aus einem Streit heraus erfolgen, also nicht mit der bewussten Absicht, den Betroffenen in diesem Ausmass zu schädigen.
Diesen Punkt muss man in der heutigen Zeit unbedingt beachten und bei der Mobbing-Prävention mit Kindern und Jugendlichen hervorheben. Unabhängig davon, ob Cybermobbing vorsätzlich oder unbeabsichtigt entstanden ist: die Tat wird als Cybermobbing gewertet, sobald sich der Betroffene geschädigt fühlt.
Das aggressive Verhalten wirkt sich auf jeden Fall negativ auf das Opfer aus, egal ob das Vorgehen indirekt oder direkt ist.
In der James Studie von 2018 gaben 23% der befragten Jugendlichen an, dass sie auf sozialen Netzwerken oder in Chats schon mal belästigt oder fertig gemacht wurden. 12% der befragten Jugendlichen erlebten, dass im Internet beleidigendes oder verleumdendes Material öffentlich verbreitet wurde.
Cybermobbing und das Recht
Cybermobbing als solches gilt nicht als Straftat. In der Schweiz gibt es keinen eigenständigen Gesetzesartikel zu Cybermobbing. Zahlreiche Gesetzesbestimmungen des Strafgesetzbuches ( StGB ) ermöglichen es aber, Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Je nach Ausmass der Attacke liegen eine oder mehrere Straftaten vor. Dabei sind zwei Arten von Delikten zu unterscheiden:
Art.156 StGB, Erpressung
Art.174 StGB, Verleumdung
Art.143bis StGB, Unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem
Art.144bis Ziff.1 StGB, Datenbeschädigung
Art.173 StGB, Üble Nachrede
Art.181 StGB, Nötigung
Art.177 StGB, Beschimpfung
Art.179quater StGB, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
Art.179novies StGB, Unbefugtes beschaffen von Personendaten
Art.180 StGB, Drohung
Anonymität und die Folgen daraus
Es ist sehr einfach, anonym im Internet aktiv zu sein. Man kann sich hinter Pseudonymen verstecken und braucht seine reale Identität nicht Preis zu geben. Das führt zu einer gewissen Sicherheit, und dies wiederum zu einer geringeren Hemmschwelle. Es fördert unakzeptables Verhalten in der Kommunikation, woraus ein Machtungleichgewicht entsteht. Das Opfer fühlt sich ausgeliefert und hilflos.
Rasante und unkontrollierte Verbreitung
Bei Cybermobbing nimmt das Publikum sehr schnell unkontrollierbare Ausmasse an.
Die Demütigung verstärkt sich dadurch exponentiell, und das Opfer wird vor sehr vielen Zuschauern blossgestellt, während die Täterschaft anonym bleibt.
Was mal auf dem Internet landet…
Es ist äusserst schwierig, einmal hochgeladene Inhalte aus dem Internet wirklich zu entfernen.
Selbst wenn ein Anbieter wie beispielsweise Facebook die Daten löschen würde, können Kommentare, Fotos und Videos innert weniger Minuten quasi weltweit verbreitet worden sein.
Zwischen traditionellem Mobbing und Cybermobbing besteht ein enger Zusammenhang.
Kinder und Jugendliche, die über elektronische Medien belästigt werden, werden oft auch im traditionellen Sinn gemobbt. Dasselbe gilt auch für die Cyber-Aggressoren: diese sind auch meistens traditionelle Mobber.
Beachten sie Verhaltensveränderungen ihres Kindes und sprechen sie es auf mögliche Ursachen von Cybermobbing an. In erster Linie sollte der Betroffene nicht Online auf die Anschuldigungen oder Belästigungen reagieren. Für eine erfolgreiche Strafverfolgung der Polizei ist es von grösster Wichtigkeit, dass alles Material gespeichert und gesammelt wird (z.B. Screenshots), welches auf die Täterschaft hinweisen kann. Chatverläufe, SMS, Mails, MMS usw. dürfen auf keinen Fall gelöscht werden. Die Täterschaft sollte man sperren und dem sozialen Netzwerk oder Chatforum melden.
Eltern können die Lehrpersonen, Schulleitung, Schulsozialdienste, den schulpsychologischen Dienst oder unsere Fachstelle um Rat fragen. Eine der Hauptfragen ist, ob eine Anzeige bei der Polizei notwendig ist und Sinn macht.
Eltern und Lehrer sollten Cybermobbing bereits präventiv mit den Kindern thematisieren.
Das mediale Verhalten unserer Zeit birgt sowohl Chancen wie auch sehr viele Gefahren.
Es ist Segen und Fluch zugleich und ausserordentlich wichtig, dass wir Erwachsenen uns dem Thema annehmen, uns informieren und unsere Kinder und Jugendlichen schützen und aufklären, wie verantwortungsbewusst mit digitalen Medien umzugehen ist.
Kinder und Jugendliche sollten informiert sein wie sie sich richtig verhalten, wenn sie selbst Opfer von Cybermobbing werden oder mitkriegen, dass jemand anderes auf diese Weise gemobbt wird.
Sie sollten auch wissen, mit welchen rechtlichen Konsequenzen / strafrechtlichen Folgen sie als Täter bei einer Cybermobbing-Attacke zu rechnen haben.
Verschiedene Formen von Cybermobbing
Extremes Beleidigen
Hitzige Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Personen (beschimpfen, beleidigen, drohen).
Schikane/Belästigung
Wiederholtes Versenden von beleidigenden Nachrichten vom Täter an das Opfer über diverse Informations- und Kommunikationstechnologien.
Schikane durch Dritte
Der Mobbing-Akteur aktiviert Dritte, die das Opfer daraufhin beleidigen.
Verleumden, Gerüchte verbreiten
Absichtliches Veröffentlichen/Versenden von Gerüchten/Lügen, die zum Ziel haben, dem Opfer zu schaden.
Bilder werden durch Bildbearbeitung verunstaltet und mit dem Opfer in Verbindung gebracht.
Verrat und Vertrauensmissbrauch
Durch ein zuvor aufgebautes Vertrauensverhältnis erhält der Mobbing-Akteur vertrauliche Informationen vom Opfer und verbreitet dann die Informationen öffentlich.
Direkter Identitätsdiebstahl
Der Mobbing-Akteur ist im Besitz des Passwortes des Opfers und gibt sich online als dieses aus, um ihm dadurch zu schaden.
Auftreten unter falscher Identität
Der Täter denkt sich ein Profil aus (Fake-Profil), um z.B. näheren Kontakt zum Opfer zu bekommen.
Ausschluss, Ausgrenzen
Ausgrenzen von gemeinsamen Online-Aktivitäten wie Chats, Online-Gruppen oder Spiele.
Bedrohen, Cyberstalking
Bedrohlichere Form der Schikane, bei der sich das Opfer ernsthaft physisch, psychisch oder sozial bedroht fühlt.
Das Filmen von beispielsweise körperlicher Gewalt gegen ein Opfer, um es dann öffentlich zu verbreiten.
Er bezeichnet Hassreden, die Nutzer im Internet und in sozialen Netzwerken posten, liken und rechtfertigen. Hasspostings enthalten Äußerungen, die Einzelne oder Gruppen diskriminieren, zum Beispiel wegen ihrer Herkunft, Religion, ihrer sozialen Zugehörigkeit, wegen einer Behinderung oder wegen ihres Geschlechts.
Selbstverletzendes Cybermobbing
Selbstverletzendes Cybermobbing ist eine Spezialform des Mobbings, da der Initiant/Täter derselbe ist wie das Opfer. Selbstverletzendes Verhalten tritt bei Jugendlichen ab 12 Jahren auf.
Bei dieser Art der Selbstverletzung kreiert das Opfer selber ein Fake-Profil und veröffentlicht beleidigendes oder peinliches Material über sich selbst. Das Opfer erweckt so den Eindruck, dass es gemobbt wird.
Die Gründe für selbstverletzendes Verhalten können verschieden und vielfältig sein.
Oft geht es darum, negative Gefühle oder andere subjektiv wahrgenommene Mängel, Fehler oder Unsicherheiten zu bewältigen. Es ist eine neue und weitestgehend unerforschte Variante des Cybermobbings.
Man vermutet dahinter 3 verschiedene Absichten
Ein «Hilfeschrei», der dazu dient, dass sich Eltern oder Freunde um das Opfer kümmern und ihm Aufmerksamkeit und Zeit schenken.
Vermutlich möchte das Opfer interessant, wichtig oder cool sein, denn nur jemand der als wichtig und populär angesehen wird hat es auch «verdient», online beneidet und gehasst zu werden.
«Fishing for compliments»: wenn jemand gemobbt wird, könnten sich Freunde und Bekannte hinter den Betroffenen stellen und sozusagen als Gegengewicht das Opfer unterstützen und Komplimente verteilen.
Der beste Schutz vor Cybermobbing ist ein positives Schul- und Familienklima.
Wo sich Kinder und Jugendliche wie auch Lehrerschaft wohlfühlen, ist das Risiko für Cybermobbing bedeutend kleiner. Cybermobbing lebt auch immer von den Zuschauern, die sich für die Attacken interessieren, ohne selbst direkt aktiv mitzumischen. Auch ein einfacher «like» ist eine Unterstützung des Cybermobbings.
Meist ist Cybermobbing mit dem «normalen Mobbing» in einem Gruppengefüge wie einer Schulklasse eng verknüpft. Wird die Mobbingsituation in der Klasse/Schule beendet, hört das Cybermobbing meist auch auf. Daher ist es sinnvoll, auch bei Cybermobbing mit dem No Blame Approach zu arbeiten. Allfällige rechtliche Konsequenzen wegen Cybermobbing werden separat geahndet.
Verzeichnis Jugenddienste der Polizei

References: Art.156

Art.174

Art.143

Art.144

Art.173

Art.181

Art.177

Art.179

Art.179

Art.180