Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%2021/06
Timestamp: 2019-04-19 23:31:34+00:00

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BGH, 03.12.2007 - II ZR 21/06 - dejure.org
Prospekthaftung für einen im sog. grauen Kapitalmarkt herausgegebenen Emissionsprospekt; Notwendigkeit der Vermittlung eines zutreffenden Bildes von der angebotenen Kapitalbeteiligung an einen Anlageinteressenten; Anwendbarkeit der aus den Prospektfehlern abzuleitenden Haftungsregeln; Ursächlichkeit des Verschweigens der bankrechtlichen Bedenken gegen die Zulässigkeit einer ratierlichen Auszahlung von Auseinandersetzungsguthaben für den Abschluss des stillen Gesellschaftsvertrages; Prospekthaftung auch bei fehlender Kenntnisnahme von dem Prospekt vor der Vertragsunterzeichnung; Beginn und Dauer der Verjährung der Ansprüche aus allgemeiner Prospekthaftung
Zur Haftung für Prospektfehler auch ohne Übergabe an Anlageinteressenten ("Securenta")
Kapitalanlagemodell - Nachteile und Risikoaufklärung
Verpflichtung zu Hinweisen im Emissionsprospekt auf Risiken, die sich aus Altverträgen sowie aus dem Bestehen eines Verlustübernahmevertrags ergeben können; zur Frage der Ursächlichkeit des in einem nicht übergebenen Prospekt enthaltenen Fehlers für die getroffene Anlageentscheidung
BGB § 276 § 280
Anforderungen an die Aufkärung über Nachteile und Risiken eines angebotenen Kapitalanlagemodells; Ursächlichkeit eines Prospektfehlers für die Anlageentscheidung
Aufklärung über Risiken von Kapitalanlagemodell
Prospekthaftung trotz Unkenntnis des Prospektinhalts
Anlegerschutz bei der Securenta AG/Göttinger Gruppe
Prospekthaftung hängt vom Inhalt des Prospekts und nicht unbedingt von der Aushändigung an alle Anleger ab ("Securenta")
Aufklärungspflicht über Altverträge im Zusammenhang mit einem Kapitalanlagemodell
kanzlei-klumpe.de , S. 20 (Kurzinformation)
Über das Risiko, dass eine Anlagegesellschaft aufgrund von Altverträgen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten kann, ist ein Anleger vor seinem Beitritt aufzuklären
Prospekthaftung auch ohne Prospektübergabe möglich
Haftung wegen Prospektfehler auch ohne Vorlage des Prospekts möglich!
Kausalität eines Prospektmangels für den Anlageentschluss bei Benutzung des Prospekts nach Vertriebskonzept als alleinige Grundlage des Beratungsgesprächs ("Securenta")
Emittentenhaftung; Kausalität trotz mangelnder Aushändigung des Prospekts; Zurechnung eines unentschuldbaren Rechtsirrtums eines sachkundigen Dritten
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil und Versäumnisurteil des BGH vom 03.12.2007, Az.: II ZR 21/06 (Haftung der Anlagegesellschaft auch bei mangelnder Übergabe des fehlerhaften Prospekts)" von RA Peter Gundermann, original erschienen in: BB 2008, 579 - 580.
LG Saarbrücken, 19.05.2004 - 1 O 435/02
ZIP 2008, 412
MDR 2008, 459
VersR 2008, 830
BB 2008, 575
cc) Schließlich können - entgegen der Ansicht der Revisionserwiderung - die Beweiserleichterungen zum Schutz der Anleger bei fehlerhaften Angaben in den zum Vertrieb von Kapitalanlagen herausgegebenen Prospekten (dazu BGH, Urt. v. 3. Dezember 2007, II ZR 21/06, WM 2008, 391, 393) nicht auf die schriftlichen Berechnungsbeispiele zur Darstellung des Eigenaufwands des Käufers übertragen werden.
Er muss sich das Fehlverhalten von Personen, die er mit den Verhandlungen zum Abschluss des Beitrittsvertrages ermächtigt hat, zurechnen lassen (vgl. BGH…, Urteil vom 1. März 2011 - II ZR 16/10, ZIP 2011, 957 Rn. 7; Urteil vom 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Rn. 17; Urteil vom 26. September 2005 - II ZR 314/03, ZIP 2005, 2060, 2063; Urteil vom 14. Juli 2003 - II ZR 202/02, ZIP 2003, 1651, 1652; Urteil vom 3. Februar 2003 - II ZR 233/01, DStR 2003, 1494, 1495; Urteil vom 14. Januar 1985 - II ZR 41/84, WM 1985, 533, 534; Urteil vom 1. Oktober 1984 - II ZR 158/84, ZIP 1984, 1473, 1474).
Dazu gehört, dass sämtliche Umstände, die für die Anlageentscheidung von Bedeutung sind oder sein können, zutreffend, verständlich und vollständig dargestellt werden (Senat, BGHZ 123, 106, 109 f.; Sen. Urt. v. 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Tz. 7; v. 19. Juli 2004 - II ZR 354/02, ZIP 2004, 1706, 1707; v. 1. März 2004 - II ZR 88/02, ZIP 2004, 1104, 1106).
aa) Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats entspricht es der Lebenserfahrung, dass ein Prospektfehler für die Anlageentscheidung ursächlich geworden ist (Senat, BGHZ 177, 25 Tz. 19; 79, 337, 346; Sen. Urt. v. 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Tz. 16; v. 19. Juli 2004 - II ZR 354/02, ZIP 2004, 1706, 1707; v. 1. März 2004 - II ZR 88/02, ZIP 2004, 1104, 1106; v. 14. Juli 2003 - II ZR 202/02, ZIP 2003, 1651, 1653).
Davon ist grundsätzlich dann auszugehen, wenn der Prospekt bei dem konkreten Vertragsschluss keine Verwendung gefunden hat (Sen. Urt. v. 3. Dezember 2007 aaO Tz. 16).
Die kurze kenntnisabhängige Verjährungsfrist für die Prospekthaftung im engeren Sinn hat der Senat in analoger Anwendung der in den gesetzlich geregelten Fällen der Prospekthaftung bestimmten Verjährungsfrist - u. a. § 47 BörsG a. F. - entnommen (vgl. Senat, BGHZ 177, 25 Tz. 23; 123, 106, 117 f.; 83, 222, 224 ff.; Sen. Urt. v. 3. Dezember 2007 aaO Tz. 29; v. 7. Juli 2003 - II ZR 18/01, ZIP 2003, 1536, 1537; v. 18. Dezember 2000 - II ZR 84/99, ZIP 2001, 369).
Im Wege des Vorteilsausgleichs sind die aufgrund der Anlage erzielten dauerhaften Steuervorteile anzurechnen, sofern nicht die Ersatzleistung oder eine Zug um Zug gegen die Schadensersatzleistung vorgesehene Übertragung der Beteiligung ihrerseits etwa als Betriebseinnahme nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG besteuert wird (Senat, BGHZ 159, 280, 294; BGHZ 74, 103, 114 ff.; Sen. Urt. v. 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Tz. 27; v. 29. November 2004 - II ZR 6/03, ZIP 2005, 254, 257; v. 14. Januar 2002 - II ZR 40/00, DStR 2002, 778, 779;… BGH, Urt. v. 6. März 2008 - III ZR 298/05, ZIP 2008, 838 Tz. 28; v. 17. November 2005 - III ZR 350/04, ZIP 2006, 573 Tz. 8).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats entspricht es der Lebenserfahrung, dass ein Prospektfehler für die Anlageentscheidung ursächlich geworden ist (Senat, BGHZ 177, 25 Tz. 19; 79, 337, 346; Sen.Urt. v. 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Tz. 16; v. 1. März 2004 - II ZR 88/02, ZIP 2004, 1104, 1106; v. 7. Dezember 2009 - II ZR 15/08, ZIP 2010, 176 Tz. 23).
Er ist deshalb gehalten, die für die Berechnung erforderlichen Daten mitzuteilen (BGH, Sen.Urt. v. 3. Dezember 2007- II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Tz. 27).
(2) Gegen die Sichtweise des Berufungsgerichts, schon die Absenkung des Spitzensteuersatzes zwischen dem Erwerb des Kommanditanteils und dem Schadensersatzverlangen biete Anhaltspunkte für einen dem geschädigten Anleger verbleibenden außergewöhnlichen Steuervorteil, der es ausschließe, ihm die pauschalierende Betrachtungsweise der höchstrichterlichen Rechtsprechung zugute kommen zu lassen, sprechen außerdem die sich daraus ergebenden, den praktischen Erfordernissen schwerlich Rechnung tragenden Folgen im Schadensersatzprozess: Ist eine konkrete Berechnung vorzunehmen, trifft den Anleger die sekundäre Darlegungslast für die aus seiner Sphäre stammenden Daten, die zur Berechnung der mit der Anlage verbundenen Steuervorteile und Steuernachteile erforderlich sind (BGH, Sen.Urt. v. 3. Dezember 2007- II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Tz. 27).
Stehe auch die Schadensersatzleistung in einem solchen wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Kommanditbeteiligung, müsse sie dem gewerblichen Bereich zugeordnet und als Betriebseinnahme nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG versteuert werden (…vgl. BGH, Urteile vom 22. März 1979 - VII ZR 259/77 - aaO S. 114 f unter Bezugnahme auf BFH BStBl. 1977 II S. 220; vom 27. Juni 1984 - IVa ZR 231/82 - NJW 1984, 2524; vom 14. Januar 2002 - II ZR 40/00 - NJW 2002, 1711, 1712; vom 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06 - WM 2008, 391, 394 Rn. 27).
Allerdings trifft den Geschädigten eine sekundäre Darlegungslast, die auf dem Umstand beruht, dass allein er Zugang zu der Frage hat, welche Steuervorteile sich aus der Beteiligung für ihn ergeben (vgl. BGH, Urteile vom 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06 - aaO;… vom 31. Mai 2010 - II ZR 30/09 - aaO S. 1526 f Rn. 26).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats entspricht es der Lebenserfahrung, dass ein Prospektfehler für die Anlageentscheidung ursächlich geworden ist (BGH, Urteil vom 6. Oktober 1980 - II ZR 60/80, BGHZ 79, 337, 346; Urteil vom 1. März 2004 - II ZR 88/02, ZIP 2004, 1104, 1106;… Urteil vom 2. Juni 2008 - II ZR 210/06, BGHZ 177, 25 Rn. 19; Urteil vom 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Rn. 16;… Urteil vom 7. Dezember 2009 - II ZR 15/08, ZIP 2010, 176 Rn. 23).
aa) Als Vertrauensadressaten der Kläger waren die Beklagten verpflichtet, die Kläger über alle Umstände, die für ihre Entschließung von wesentlicher Bedeutung sein konnten, sachlich richtig und vollständig zu unterrichten (vgl. BGHZ 79, 337, 344; Sen.Urt. v. 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Tz. 7; st. Rspr.).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats entspricht es im Übrigen der Lebenserfahrung, dass ein Prospektfehler für die Anlageentscheidung ursächlich geworden ist (BGHZ 79, 337, 346; Sen.Urt. v. 3. Dezember 2007 aaO Tz. 16 m.w.Nachw.).
In diesen Fällen ist gleichwohl eine hinreichende Aufklärung des Anlegers erforderlich (vgl. BGH, Urteil vom 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Rn. 7).
Er muss über alle Umstände, die für seine Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind oder sein können, insbesondere über die mit der angebotenen speziellen Beteiligungsform verbundenen Nachteile und Risiken, zutreffend, verständlich und vollständig aufgeklärt werden (BGH, Urteil vom 24. April 1978 - II ZR 172/76, BGHZ 71, 284, 286 f.; Urteil vom 6. Oktober 1980 - II ZR 60/80, BGHZ 79, 337, 344; Urteil vom 5. Juli 1993 - II ZR 194/92, BGHZ 123, 106, 109 f.; Urteil vom 7. April 2003 - II ZR 160/02, ZIP 2003, 996, 997; Urteil vom 1. März 2004 - II ZR 88/02, ZIP 2004, 1104, 1106;… Urteil vom 6. Februar 2006 - II ZR 329/04, ZIP 2006, 893 Rn. 7; Urteil vom 3. Dezember 2007 - II ZR 21/06, ZIP 2008, 412 Rn. 7;… Urteil vom 22. April 2010 - III ZR 318/08, ZIP 2010, 1132 Rn. 24;… Urteil vom7. Dezember 2009 - II ZR 15/08, ZIP 2010, 176 Rn. 18).
OLG München, 03.03.2008 - 21 U 4695/07
Prospekthaftung: Prospektfehler durch fehlerhafte Angabe der Verfügungsbefugnis …
Haftung des Treuhänders eines Medienfonds
LG München I, 15.01.2008 - 4 O 1908/07
Finanzierte Kapitalanlage: Aufklärungspflicht der finanzierenden Bank über die …
LG Hamburg, 22.09.2016 - 335 O 34/16
Prospekthaftung; Fehlerhaftigkeit eines Emissionsprospekts
LG Düsseldorf, 17.10.2008 - 15 O 44/08
Keine Verpflichtung zur Rückzahlung geleisteter Beiträge für eine stille …

References: § 276
 § 280
 BGH 
 § 47
 § 15
 § 15