Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/die-ehemalige-hofstelle-und-die-erbschaftsteuer-321226
Timestamp: 2019-12-06 03:00:36+00:00

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Die ehe­ma­li­ge Hof­stel­le und die Erb­schaft­steu­er | Rechtslupe
Die ehemalige Hofstelle und die Erbschaftsteuer
Die ehe­ma­li­ge Hof­stel­le und die Erb­schaft­steu­er
Die ehe­ma­li­ge Hof­stel­le eines land­wirt­schaft­li­chen Betrie­bes dient nach Auf­ga­be der Land­wirt­schaft aus­schließ­lich Wohn­zwe­cken und löst im Rah­men der Bewer­tung für Zwe­cke der Erb­schaft­steu­er den Zuschlag nach § 146 Abs. 5 BewG aus.
Der Wert des Grund­stücks einer ehe­ma­li­gen Hof­stel­le ist nach dem Regel­werk des § 146 BewG fest­zu­stel­len. Nach die­ser Norm sind bebau­te Grund­stü­cke der Ver­mö­gens­art Grund­ver­mö­gen zu bewer­ten. Die­se Form der Wert­fest­stel­lung unter­schei­det sich von der Wert­fest­stel­lung nach Abschnitt B des vier­ten Abschnitts des BewG (§§ 140 – 144), die nur für Grund­stü­cke des land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens gel­ten.
Die ehe­ma­li­ge Hof­stel­le ist auch der Ver­mö­gens­art Grund­ver­mö­gen zuzu­ord­nen. Das Grund­stück war zunächst als Hof­stel­le Teil des land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens der Erb­las­se­rin. Die Erb­las­se­rin hat dann aller­dings ihre land­wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung ein­ge­stellt. Nach § 33 Abs. 1 BewG – das Nor­men­ge­fü­ge des all­ge­mei­nen Bewer­tungs­rech­tes gilt auch für die Abgren­zung der Ver­mö­gens­ar­ten bei der Bedarfs­be­wer­tung, § 140 BewG – gehö­ren zum land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gen nur sol­che Wirt­schafts­gü­ter, die dem Betrieb der Land- und Forst­wirt­schaft dau­ernd zu die­nen bestimmt sind. Bei Wohn­ge­bäu­den ist das nur dann der Fall, wenn ein funk­tio­nel­ler Zusam­men­hang zwi­schen dem Gebäu­de und dem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb besteht. Zwi­schen Woh­nung und Betrieb muss nach den jewei­li­gen wirt­schaft­li­chen Gege­ben­hei­ten eine unlös­ba­re Ein­heit bestehen 1. Das ist nach der vor­ge­nann­ten Ent­schei­dung z. B. der Fall, wenn es die Bewirt­schaf­tung des Betrie­bes erfor­der­lich macht, dass der Betriebs­in­ha­ber stän­dig beim Betrieb wohnt, um die lau­fen­de Ver­sor­gung und Über­wa­chung des Betrie­bes, ins­be­son­de­re des Vieh­be­stan­des durch sei­ne Anwe­sen­heit und Arbeits­be­reit­schaft sicher­zu­stel­len. Nach Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung liegt der funk­tio­nel­le Zusam­men­hang zwi­schen Wohn­ge­bäu­de und land­wirt­schaft­li­chem Betrieb bei Kleinst­be­trie­ben eben­falls vor, wenn min­des­tens noch eine Vieh­ein­heit oder bei Geflü­gel zwei Vieh­ein­hei­ten gehal­ten wer­den oder wenn noch eine Zug­kraft vor­han­den ist, die dem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb dient 2.
Als Fol­ge die­ser bewer­tungs­recht­li­chen Zuord­nung – die mit einer ertrags­steu­er­li­chen Zuord­nung nicht iden­tisch sein muss – war das Grund­stück als ehe­ma­li­ge Hof­stel­le, von der jetzt kei­ne Land­wirt­schaft mehr betrie­ben wird, nach Abschnitt C des vier­ten Abschnitts des BewG zu bewer­ten. Allein maß­geb­lich ist für bebau­te Grund­stü­cke § 146 BewG und nach Abs. 5 die­ser Norm ist der Grund­stücks­wert um 20% zu erhö­hen, wenn das Grund­stück aus­schließ­lich Wohn­zwe­cken dient. Das ist nach den vor­an­ge­stell­ten Aus­füh­run­gen der Fall, weil in dem Wirt­schafts­teil des Gebäu­des kei­ne land­wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung mehr aus­ge­übt wird. Allein der Umstand, dass neben dem Wohn­teil noch ein Wirt­schafts­teil exis­tiert, der mit dem Wohn­teil bau­lich ver­bun­den ist, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung. Der Wirt­schafts­teil hat kei­ne ander­wei­ti­ge land­wirt­schaft­li­che Zweck­be­stim­mung (mehr).
Dem ste­hen auch nicht die Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen ent­ge­gen. Die Rege­lung in R 155 der Erb­StR gilt nur für die Bewer­tung land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens, der das Grund­stück nicht – mehr – ange­hört.
Der Abschlag von 15% nach § 143 Abs. 3 BewG ist nicht zu gewäh­ren. Die Norm ist ein­ge­bet­tet in Abschnitt B des vier­ten Teils des BewG und gilt daher nur die Bewer­tung land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens. Das glei­che gilt auch für die ent­spre­chen­de Rege­lung der Finanz­ver­wal­tung in R 157 Erb­StR. Bei­de Rege­lun­gen kor­re­spon­die­ren mit den all­ge­mei­nen Bewer­tungs­grund­sät­zen in § 47 S. 3 BewG, die eben­falls nur für land- und forst­wirt­schaft­li­ches Ver­mö­gen gel­ten.
Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 8. Janu­ar 2010 – 1 K 427/​06 (nicht rechts­kräf­tig: Revi­si­on zum BFH ein­ge­legt – II R 37/​10)
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vgl. BFH, Urteil vom 17.01.1980 – IV R 33/​76, BFHE 129, 543, BSt­Bl II 1980, 323[↩]
A 1.02 Abs. 7 BewR L[↩]
ErbschaftsteuerGrundstücksbewertungHofstelle

References: § 146
 § 146
 § 33
 § 140
 § 146
 § 143
 § 47
 § 13
 § 51