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Timestamp: 2018-08-18 00:56:33+00:00

Document:
Existenzgründung Finanzierung - ALG-Ratgeber - Hilfe zur Selbsthilfe
von Lukmied » Do 3. Aug 2017, 13:51
nach dem Studium (Oktober 2017) möchte ich meine eigene Existenz gründen. Allerdings besitze ich kein Eigenkapital.
Allerdings bin ich noch im Bereich Finanzierung sehr unerfahren. Kennt Ihr Euch vielleicht besser aus und könnt mir weiterhelfen. Für den Anfang benötige ich ca. 20000€. Der Kredit sollte nicht all zu teuer sein, möchte kein großes Risiko auf mich nehmen, falls es mit der Existenz doch nicht klappt.
Es soll im Laufe eines Jahres eine GmbH entstehen.
Gruß Lukmied
von Olivia » Do 3. Aug 2017, 14:16
Das Jobcenter gibt einen nicht rückzahlungspflichtigen Zuschuss von bis zu 5.000 € zu den Sachkosten. Darüber hinaus gibt es ein betraglich nicht begrenztes zinsloses Darlehen. Für beide Leistungen sind die Hürden enorm hoch.
Zur Erlangung dieser beiden nur sehr schwer zu erlangenden Leistungen würde ich Dir empfehlen, ein mehrtägiges Existenzgründerseminar zu besuchen, dort ein Zertifikat zu erwerben, eine speziell auf das Jobcenter zugeschnittene Tragfähigkeitsanalyse binnen 12 bis 24 Monaten zu erstellen, Dir einen Businessplan von einer zuständigen Stelle genehmigen zu lassen, eine Tragfähigkeitsbescheinigung von der IHK oder einem Steuerberater amtlich attestieren zu lassen, eine exakte Aufstellung aller benötigten Sachgüter zu erstellen, pro Sachgut drei schriftliche Kostenvoranschläge einzuholen, von mehreren Banken eine Kreditabsage einzuholen, ebenso eine Unmöglichkeitsbescheinigung für Crowdfunding, Dir einen Businessplan für das Jobcenter zu erstellen und am Gründercoaching teilzunehmen und darüber Nachweise gegenüber dem Jobcenter vorzulegen. Dann und nur dann gibt es eine realistische Chance auf einen Zuschuss und ein zinsloses Darlehen. Fehlt auch nur ein Papier, kannst Du das Vorhaben vergessen.
Hinweis: Eine GmbH kostet ziemlich hohe monatliche Steuerberatungs- und Buchführungskosten. Es muss ein Steuerberater beauftragt werden, da die Buchhaltung nicht mehr allein erledigt werden darf. Es muss eine Bilanz erstellt werden. Aufgrund der Publizitätspflicht kommen weitere für einen Gründer ziemlich hohe Kosten und auch Hürden dazu. Die Jahresabschlüsse müssen im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Werden Termine nicht eingehalten, drohen hohe Bussgelder. Und ich glaube nicht, dass das Jobcenter das für eine GmbH zwingend erforderliche Eigenkapital bereitstellt!
Siehe auch http://www.gmbh-online.de/gmbh-lexikon/ ... tspflicht/
Bei einer GmbH kann man nach dieser Quelle hier beispielsweise mit 323,40 € netto Buchhaltungskosten rechnen, und zwar pro Monat.
Daraus folgt: eine GmbH ist vielleicht etwas für einen Werkzeugmaschinenhersteller mit vielen Mitarbeitern, aber nicht für einen prekären Existenzgründer ohne Eigenkapital.
von marsupilami » Do 3. Aug 2017, 15:50
@ lukmied: ich nehme an, Du kennst die wichtigsten, einschlägigen Seiten bzw. Portale?
http://www.existenzgruender.de/DE/Weg-i ... nhalt.html
https://www.fuer-gruender.de/wissen/exi ... versitaet/
Wenn's um Geld geht:
http://tinyurl.com/ybsqf8ta
Hast Du mal über crowdfunding nachgedacht?
https://www.gruenderszene.de/lexikon/be ... owdfunding
Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass ohne entsprechende Infos über die Art der Tätigkeit, Branche, ..... keine "Beratung" über Kredit/Finanzierung geleistet werden kann.
Du wirst hier sicherlich den einen oder anderen hilfreichen Tipp, Hinweis, Ratschlag, ... bekommen.
Das wird Dich aber nicht davor bewahren, rauszugehen zu Banken, Investoren, Institutionen, ..... und dort persönlich fragen.
von Olivia » Do 3. Aug 2017, 16:42
Solch eine Beratung wäre nach § 34c GewO erlaubnispflichtig.
Kreditvermittlung ist ein erlaubnispflichtiges Gewerbe und kann nicht einfach so ausgeübt werden. Die Zulassung ist an sehr strenge Kriterien geknüft, wie "Zuverlässigkeit, geordnete finanzielle Verhältnisse etc..... Vermittlung ist ein weitgesteckter Begriff. Selbst die reine Weiterleitung von Kundendaten an eine Bank oder Finanzinstitut ist eine "Kreditvermittlung" und Bedarf des § 34c GewO.
http://www.kredit1a.de/kredit-gesetze/z ... rdnung.php
von marsupilami » Do 3. Aug 2017, 17:40
Wir vermitteln ja keine Kredite.
Und auch nicht Kreditvermittler.
Ich glaube, das war auch vom Thread-Ersteller gar nicht angedacht.
Ihm/ihr ging's vermutlich um mögliche Stolperfallen in den Kreditverträgen.
Und möglicherweise auch im Umgang mit dem JC.
Ich wollte versuchen auszudrücken, dass da viel über die persönliche Vorstellung seines Vorhabens geht.
Nicht nur um reine Vergleiche von Angeboten verschiedener Banken bzw. Kreditinstitute.
von Olivia » Do 3. Aug 2017, 17:46
Je überzeugender der eigene Businessplan rübergebracht wird, umso eher lässt sich ein Bankkredit machen. Die Gründerpersönlichkeit macht viel aus.
von Günter » Do 3. Aug 2017, 18:11
Wenn du kein Geld hast und keine Sicherheiten in mindestens dreifacher Höhe der Kreditsumme, nutzt dir auch der schönste Bussibussi-Plan bei der Bank nix. Im Gegenteil, du musst noch aufpassen, dass deine Ideen nicht geklaut werden.
Wenn du Geld brauchst, dann nutzen dir Banken nix, die leihen dir nur Geld, wenn du denen klar machst: "Ich brauche euer Geld nicht, aber wenn ihr lieb drum bettelt, dann werde ich mal prüfen, ob ich euch helfen kann Strafzinsen bei der EZB zu umgehen, indem ich euren Kredit annehme."
von Koelsch » Do 3. Aug 2017, 18:35
Genau so isses wie Günter schrubte. Ich hab's ja durchprobiert:
Gründung als ALG II-ler
Dann konnte ich mit meinem Abnehmer vereinbaren: 100% Vorauskasse, wollte aber meinem mir bis dahin völlig unbekannten Lieferanten aus Frankreich nicht auch 100% Vorauskasse anbieten.
Bin dann zu allen (!) Banken in Köln gedackelt, inkl. Spaka, inl. Volksbank, Inkl. Kölner Bank, inkl. HypoVereinsbank, inkl. SEB (gab's damals noch in Köln, heute nur noch in Ffm.), ja sogar inkl. Pax Bank und habe vorgeschlagen:
Ich lege die Vorauskasse, z.B. € 110.000 bei Euch auf ein Sperrkonto
Ihr gebt meinem französichen Lieferanten eine Zahlungsgarantie z.B. über 95.000, zahlbar wenn der die Lieferung nachweist
Ihr nehmt Eure Zinsen/Gebühren vom Sperrkonto
dann überweist ihr den Restbetrag auf mein Girokonto
Alle(!) Banken haben abgelehnt, das ginge nur wenn die Zahl unter 1) geringfügig geändert würde, dort also, da gab's Unterschiede von Bank zu Bank zwischen € 200.000 (SEB) und € 350.000 (HypoVerein) auf dem Sperrkonto lägen.
Ein weiteres Steinchen, um meine Hochachtung gegenüber den Banken......
von Olivia » Do 3. Aug 2017, 18:37
Also bleibt nur der Antrag auf einen Zuschuss vom Jobcenter nach § 16 c SGB II, um das für die Gründung erforderliche Kapital aufzubringen. Eine GmbH scheidet schonmal aus, weil kein Eigenkapital vorhanden ist. Eventuell eine UG, halte ich aber wegen der hohen laufenden Kosten auch nicht für eine so gute Wahl.
Kreditsicherheiten in Höhe der dreifachen Kreditsumme sind eine Frechheit. Geld bekommt man also nur mit ausreichendem Kontostand. Hat jemand eine Ahnung, warum derart hohe Sicherheiten nötig sind?
von Günter » Do 3. Aug 2017, 18:42
Ja, aber ich versuche bei dem Thema verzweifelt die Contenance zu wahren, deshalb
von marsupilami » Do 3. Aug 2017, 19:04
Bleibt also nur die Verwandschaft (ordentlichen privaten Darlehensvertrag ausfertigen) oder crowdfunding.
von Olivia » Do 3. Aug 2017, 21:07
Crowdfunding könnte das Jobcenter versuchen als Einkommen anzurechnen, wenn das nicht vorher genau rechtlich abgesichert wird.
Wurden nicht erst letztens Reisegutscheine von Kunden als Einkommen angerechnet?
von Koelsch » Do 3. Aug 2017, 21:22
Als was soll JC das denn sonst anrechnen?
von Olivia » Do 3. Aug 2017, 21:39
Als Gabe für die Geschäftseröffnung unberücksichtigt lassen.
von Koelsch » Do 3. Aug 2017, 21:48
Dafür aber fehlt's an jeglicher Rechtsgrundlage - guck mal § 11 SGB II
Und wie Du ja weisst, Crowdfunding ist letztlich ein Darlehen und da gilt dann eben: Die Betriebsausgaben werden in Höhe des Darlehens gekürzt, der Gewinn steigt also um den Darlehensbetrag und dementsprechend auch das anrechenbare Einkommen. Und das alles trotz der klaren Rechtsprechung des BSG, dass Darlehen ja nicht als Einkommen anzurechnen sind.
Und jetzt erklär mir mal bitte, wie das zusammen passt, mir ist das nämlich zu hoch.
von Tester » Do 3. Aug 2017, 22:13
Hinweis: Eine GmbH kostet ziemlich hohe monatliche Steuerberatungs- und Buchführungskosten. Es muss ein Steuerberater beauftragt werden, da die Buchhaltung nicht mehr allein erledigt werden darf.
Wie kommst Du auf das schmale Brett? Es gibt keine Verpflichtung einen Steuerberater zu beauftragen. Für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften gibt es lediglich eine Prüfungspflicht nach § 316 HGB. Und wenn er dort angekommen ist mit seiner GmbH dann sind die St-Berater Kosten nix weiter als Peanuts ....
Kredit oder Zuschuss vom Jobcenter? Kann man vergessen bei der Willkür die in den JC herrscht. 20.000 ist schonmal kein Pappenstil. Kredit bei einer Bank ohne Sicherheiten und dann noch ALGII, die Mühe kann man sich sparen. Aber in fast jeder größeren Stadt gibt es Förderprogramme für start-ups mit business angels die einen dann unter die Arme greifen.
Wenn die Geschäftsidee (bzw. der Businessplan) eine Rakete ist, dann gebe es auch die Möglichkeit sich Risikokapital an Land zu ziehen. Die gibt es auch für Neugründungen und bei den heutigen Niedrigzinsen wird das Angebot recht hoch sein. Das würde für dich bedeuten, dass dein Risiko gegen null geht, du aber im Erfolgsfall eine Beteiligung laufen hast. Hab mal für einen gearbeitet, da wurde mit Kohle nur so um sich geschmissen.
https://www.gruenderkueche.de/fachartik ... n-sollten/
von Cromaraces » Fr 4. Aug 2017, 00:00
Eine GmbH solltest du tatsächlich nur dann Gründen, wenn es haftungstechnisch dafür gute Gründe gibt oder du andersweitig Vorzüge daraus ziehen kannst. Das kann z.B. die in Deutschland sehr gute Bekanntheit der Gesellschaftsform GmbH sein. Dort bist du jedenfalls dann nichtmehr selbständig, sondern angestellter Geschäftsführer und zahlst dir monatlich einen Gehalt aus. Es ist sehr vernünftig erst einmal als Einzelunternehmer zu starten und sich dann langsam hochzuarbeiten. Sollte es scheitern, dann kann man mit wenig Aufwand alles beenden. Bei einer Kapitalgesellschaft ist dies erneut mit hohen Notargebühren verbunden. Desweiteren kostet die Buchführung monatlich gut Geld und der Jahresabschluss wir auch nochmals mit etwa einem 1000er berechnet und ist zwingend notwendig. Ich rate dir als Einzelunternehmer zu starten und einfach mal eine Anfrage stellen. Danach weißt du sicher, welche Chance du hast, direkt mit etwas mehr Startkapital zu starten. Das bringt meist einen kleinen Senkrechtstart und hilft dir dabei deine monatlichen Einnahmen schneller zu steigern...
von Lukmied » Fr 4. Aug 2017, 05:38
ich bin überwältigt, da liest man Tage lang Artikel bei Google und erfährt nur halb soviel wie hier an einem Tag!
Ich habe vieles jetzt doch genauer verstanden und vor allem neues Erfahren. Das mit dem Zuschuss ist ja auch eine ganz tolle Sache, das ich davon bis jetzt nichts gehört habe ist doof. Ich brauche mir also dann doch nicht all zu viele Sorgen machen wie ich es sonst immer tue und mich das ganze dann immer verrückt macht. Bei weiteren Fragen, würde ich mich dann gegebenenfalls nochmal melden.
Bis dahin wünsche ich allen noch einen schönen Tag und eine schöne Zeit!!!
von Olivia » Fr 4. Aug 2017, 05:58
Wie kommst Du auf das schmale Brett? Es gibt keine Verpflichtung einen Steuerberater zu beauftragen. Für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften gibt es lediglich eine Prüfungspflicht nach § 316 HGB. Und wenn er dort angekommen ist mit seiner GmbH dann sind die St-Berater Kosten nix weiter als Peanuts ....[/url]
Das hatte mir früher mal jemand gesagt. Scheint aber nicht zu stimmen, wenn man die Buchung selbst erledigen kann, die Bilanz selbst erstellen kann, die Anmeldung beim Bundesanzeiger selbst vornimmt und auch sonst alle Notarangelegenheiten selbst regeln kann.
von tigerlaw » Fr 4. Aug 2017, 10:24
Fr 4. Aug 2017, 05:58
Notarangelegenheiten: Wenn ein Notar mitwirken muss (z.B. Gründung), dann kann man das nicht selber erledigen.
Ansonsten gilt tatsächlich: Die Buchhaltung kann man natürlich machen, nur die fertige Bilanz muss ein Steuerberater testieren.
von Olivia » Fr 4. Aug 2017, 12:46
Fr 4. Aug 2017, 10:24
die fertige Bilanz muss ein Steuerberater testieren.
Nur sofern man nicht den Ausnahmeregelungen des § 267 HGB unterliegt, muss die Bilanz testiert werden, d.h. man muss den Kriterienkatalog prüfen:
1. 6 Mio. Euro Bilanzsumme.
2. 12 Mio. Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlußstichtag.
3. im Jahresdurchschnitt 50 Arbeitnehmer.
Wichtig für die Krediterlangung bei einer Bank und wichtig für das Wohlwollen des Finanzamtes scheint jedoch zu sein, dass ein unabhängiger Dritter die Bilanz erstellt hat:
Obwohl Sie nicht dazu verpflichtet sind: Die Banken und das Finanzamt legen erfahrungsgemäß besonderen Wert darauf, dass GuV und Bilanz von einem unabhängigen Dritten erstellt werden.
http://www.afoma.de/artikel/jahresabsch ... rchfuehren
Registriert: Di 20. Feb 2018, 09:39
von pzimmer » Di 20. Feb 2018, 09:43
Cromaraces hat geschrieben: ↑
Fr 4. Aug 2017, 00:00
Die GmbH macht vor allem dann Sinn, wenn man soviel Gewinn einfährt, dass man den Spitzensteuersatz bezahlt. So kann man mit einer GmbH Steuern sparen, indem man sich ein kleineres Gehalt auszahlt und den restlichen Gewinn in der Firma belässt.
von kleinchaos » Mi 21. Feb 2018, 07:38

References: § 34
 § 34
 § 16
 § 11
 § 316
 § 316
 § 267