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Die Rechtsprechung des EuGH erwies sich letztlich als "more powerful than intended". (891) Aufgrund seiner "expansiven" Rolle geriet er zunehmend unter den Zwang der Rechtfertigung. Für viele (gleichwohl nicht unumstritten) ist der EuGH ein "Motor der europäischen Integration" (U. Everling), der antreibt, nicht aber seine Richtung bestimmt. (892) Wird vor diesem Hintergrund die „ever closer union“ als begrüßenswert erachtet, fällt die Beurteilung der richterlichen Tätigkeit entsprechend günstig aus. In diesem Fall gilt die normschöpfende Rechtsprechung nicht als Usurpation politischer Vorrechte, sondern als "besonderes Verdienst"(893) und als Ausgangspunkt für einen "normative supranationalism".(894)
Die Kritik am EuGH nahm in den neunziger Jahren zu.(895)
[in Klammern stehende dreistellige Zahlen kennzeichnen Fußnoten in der Doktorarbeit]
891 Vgl. schon A.W.Green, Political Integration by Jurisprudence. The Work of the Court of Justice of the European Communities in European Political Integration, 1969, Kap. VII: "The court builds a system of community law.". Zum Satz "More Powerful Than Intended" vgl. den gleichlautenden Aufsatz in der Financial Times vom 22. August 1974. Siehe auch K.J. Alter, Explaining National Court Acceptance of European Court Jurisprudence. A Critical Evaluation of Theories of Legal Integration, in: A.-M. Slaughter/ A. Stone-Sweet/J.H.H. Weiler (Hrsg.), The European Court and National Courts. Doctrine and Jurisprudence. Legal Change in its Social Context, 1998, S. 227ff., 227; W. Dänzer-Vanotti, Der Europäische Gerichtshof zwischen Rechtsprechung und Rechtsetzung, in: O. Due/M. Lutter/J. Schwarze (Hrsg.), Festschrift für Ulrich Everling, Band I, 1995, S. 205 ff; K. Lenaerts, Some Thoughts about the Interaction between Judges and Politicians in the European Community, in: Yearbook of European Law 12 (1992), S. 1ff.
892 Vgl. J.H.H. Weiler, Journey to an Unknown Destination. A Retrospective and Prospective of the European Court of Justice in the Arena of Political Integration, in: Journal of Common Market Studies 31 (1993), S. 417 ff. Zum Begriff "Motor ..." U.Everling, Die Zukunft der europäischen Gerichtsbarkeit in einer erweiterten Europäischen Union, in: Europarecht 32 (1997), S. 398 ff., 398f. [sic] Zur Bedeutung des EuGH als Motor der Integration C.D.Ehlermann, The European Communities, its Law and Lawyers, in: Common Market Law Review 26 (1989), S. 213 ff., 218; G.F.Mancini, The Making of a Constitution for Europe, in: Common Market Law Review 26 (1989), S. 595 ff.; M.L. Volcansek, The European Court of Justice. Supranational Policy-Making, in: West-European Politics 15 (1992), S. 109 ff., 109.
893 So K.Bahlmann, Europäische Grundrechtsperspektiven, in: B.Börner u.a. (Hrsg.), Einigkeit und Recht und Freiheit. Festschrift für Karl Carstens zum 70. Geburtstag, 1984, S. 17 ff, 19.
894 J.H.H. Weiler, The Community System. The Dual Character of Supranationalism, in: Yearbook of European Law (1981), S. 267 ff.; siehe dazu auch ders., The Transformation of Europe, in: Yale Law Journal 100 (1991), S. 2403 ff. Demgegenüber hat H.Rasmussen dem EuGH vorgeworfen, [...]
Dass die britische Gerichtsbarkeit das Gemeinschaftsrecht in dieser weitreichenden Weise als Ressource hatte nutzen können, lag maßgeblich an der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs(70), der sich schlicht als „more poweful than intended“(71) erwies. Aufgrund seiner ausgreifenden Rolle geriet er zunehmend unter den Zwang der Rechtfertigung.(72) Zweifellos ist der EuGH ein Motor der europäischen Integration(73), der antreibt, nicht aber seine Richtung bestimmt.(74) Wird vor diesem Hintergrund die „ever closer union“ als begrüßenswert erachtet, fällt die Beurteilung der richterlichen Tätigkeit entsprechend günstig aus. In diesem Fall gilt die normkreierende Rechtsprechung nicht als Usurpation politischer Vorrechte, sondern als „besonderes Verdienst“(75) und als Schmiermittel für einen „normative supranationalism“.(76) Erwägungen der
Legitimation des EuGH, den Gang der Ereignisse in dieser Weise zu bestimmen, treten hinter den Aspekt der Nützlichkeit zurück.(77)
[in Klammern stehende Zahlen kennzeichnen Fußnoten im Original]
70 Vgl. schon Green, Political Integration by Jurisprudence, 1969, Kap. VII: „The court builds a system of community law.”
71 „More Powerful Than Intended“, Financial Times vom 22. August 1974. Vgl. Alter, Explaining National Court Acceptance, 1998, S. 227; Dänzer-Vanotti, Der Europäische Gerichtshof zwischen Rechtsprechung und Rechtsetzung, 1995, S. 205-221; Lenaerts, Some Thoughts about the Interaction, 1992, S. 1; Stein, Lawyers, Judges, 1981, S. 1: „Tucked away in the fairyland Duchy of Luxembourg and blessed, until recently, with benign neglect by the powers that be and the mass media, the Court of Justice of the European Communities has fashioned a constitutional framework for a federal-type structure in Europe.“
73 Der Begriff bei Everling, Die Zukunft der europäischen Gerichtsbarkeit, 1997, S. 398f. Zur Bedeutung des EuGH als Motor der Integration vgl. Ehlermann, The European Communities, 1992, S. 218; Mancini, The Making of a Constitution for Europe, 1991, S. 178; Volcansek, The European Court of Justice, 1992, S. 109, 113.
74 Weiler, Journey to an Unknown Destination, 1993, S. 417-446.
75 Bahlmann, Europäische Grundrechtsperspektiven, 1984, S. 19.
76 Weiler, The Community System, 1981, S. 267 - 306; vgl. Weiler, The Transfomation of Europe, 1991, passim.
7.3 Literatur ...
Bahlmann, Kai: Europäische Grundrechtsperspektiven, in: Bodo Börner u.a. (Hg.), Einigkeit und Recht und Freiheit, Köln u.a. 1984, S. 17 - 41 [Festschrift für Karl Carstens zum 70. Geburtstag].
Ehlermann, Claus-Dieter: The European Communities, its Law and Lawyers, in: Common Market Law Review 29 (1992), S. 213 - 227.
Everling, Ulrich: Die Zukunft der europäischen Gerichtsbarkeit in einer erweiterten Europäischen Union, in: Europarecht 32 (1997), S. 398 - 418.
Mancini, G. Federico: The Making of a Constitution for Europe, in: Common Market Law Review 26 (1989), S. 595ff.
Volcansek, Mary L.: The European Court of Justice. Supranational Policy-Making, in: West-European Politics 15 (1992), S. 109 - 121.
Weiler, Joseph H. H.: The Community System. The Dual Character of Supranationalism, in: Yearbook of European Law (1981), S. 267 - 306.
Weiler, Joseph H. H.: The Transfomation of Europe, in: Yale Law Journal 100 (1991), S. 2403 - 2483.
Übernommen ausStefan Schieren,Europa zwischen rechtlich-konstitutioneller Konkordanz und politisch-kultureller VielfaltIn: Arbeitspapiere - MZES - Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, Nr. 53, 2002Link: http://www.mzes.uni-mannheim.de/publications/wp/wp-53.pdf
In diesem Beispiel wurde der Gedankengang der Quelle übernommen, inkl. der zum Gedankengang gehörigen Fußnoten. Hier ist besonder klar erkennbar, dass ein Versehen höchst unwahrscheinlich ist. Die Auswechselungen von "normkreierend" durch "normschöpfend", "ausgreifend" durch "expansiv" und "Schmiermittel" durch "Ausgangspunkt" entlarven eine intellektuelle Beschäftigung mit der Quelle, die dem Zweck der Entwendung gewidmet ist. Die bibliographischen Angaben wurden in jedem dieser sieben Beispiele verändert, aber stets so, dass lediglich Informationen aus dem Original weggelassen wurden (etwa Schieren: "S. 267 - 306", zu Guttenberg: "S. 267 ff.") - wie man es für den Fall erwarten würde, dass die betreffende Literatur nicht selbst eingesehen worden ist. Siehe auch Seite 310ff (gleichartige Beispiele, ebenfalls aus Schierens Artikel).
Eines der schönsten Beispiele, das wenig Raum für Zweifel an der Intention des Abschreibers lässt. Diese Arbeit ist nicht einfach durch Schusseligkeit oder Schlamperei zu erklären. Wer den Gedankengang kopiert und gleich die Quellen mit, ist schon eine Ebene weiter, und muss sich Vorsatz unterstellen lassen.
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