Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=29.11.1983&Aktenzeichen=VIII%20R%20184/83
Timestamp: 2019-07-24 10:00:04+00:00

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BFH, 29.11.1983 - VIII R 184/83 - dejure.org
https://dejure.org/1983,234
BFH, 29.11.1983 - VIII R 184/83 (https://dejure.org/1983,234)
BFH, Entscheidung vom 29.11.1983 - VIII R 184/83 (https://dejure.org/1983,234)
BFH, Entscheidung vom 29. November 1983 - VIII R 184/83 (https://dejure.org/1983,234)
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EStG §§ 21 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2, 9 Abs. 1
Einkommensteuer - Nutzungswert - Eigentumswohnung - Gebrauchsüberlassung
BFHE 140, 203
NJW 1984, 1583
BB 1984, 1082
Ob der Kläger den Nutzungswert der eigengenutzten Wohnung nach der 2. Alternative des § 21 Abs. 2 EStG zu versteuern hat, richtet sich nach den Grundsätzen der Urteile in BFHE 140, 199, BStBl II 1984, 366, und vom 29. November 1983 VIII R 184/83 (BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371).
Sind -wie im Streitfall- im Rahmen der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung Einkünfte aus einem Mehrfamilienhaus verschiedenen Steuerpflichtigen zuzurechnen und fallen diese Einkünfte in verschiedenen Unterarten des § 21 EStG an, so ist der Überschuß der Einnahmen über die Werbungskosten für jeden Steuerpflichtigen gesondert zu ermitteln (BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371).
Soweit der Senat im Urteil in BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371 aus Vereinfachungsgründen etwas anderes entschieden hat, hält er daran nicht mehr fest.
Der IX.Senat des BFH, der für die in diesem Urteil behandelte Rechtsfrage nunmehr zuständig ist, hat der Abweichung von der Entscheidung in BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371 zugestimmt.
Nach dem BFH-Urteil vom 29.11.1983 (VIII R 184/83, BStBl II 1984, 371) sei die unentgeltliche Gebrauchsüberlassung einer Wohnung keine Schenkung, sondern Leihe.
Wobei die bloße Gebrauchsüberlassung einer Sache nach der Rechtsprechung des BFH in der Regel als Leihvertrag (§ 598 BGB) und nicht als Schenkung (§ 516 BGB) zu beurteilen ist (BFH-Urteil vom 29.11.1983 VIII R 184/83, BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371).
Auch nach dem Vortrag des Klägers hat das FG seine Entscheidung ausschließlich auf die von den Beteiligten sowohl im Einspruchsverfahren als auch in den erstinstanzlichen Schriftsätzen geäußerten tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte gestützt (§ 96 Abs. 2 FGO, sowie Senatsurteil vom 29. November 1983 VIII R 184/83, BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371).
Für das schuldrechtliche Wohnungsrecht hat die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs --BGH-- (Urteil vom 11. Dezember 1981 V ZR 247/80, BGHZ 82, 354; vgl. auch BFH-Urteil vom 29. November 1983 VIII R 184/83, BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371) angenommen, dass die Verpflichtung zur unentgeltlichen Gebrauchsüberlassung einer Wohnung auf Lebenszeit als Leihvertrag (§ 598 BGB) und nicht als Schenkung (§ 516 BGB) zu beurteilen ist; nur insoweit kommt auch § 517 BGB zum Tragen, wonach keine Schenkung vorliegt, wenn jemand zum Vorteil eines anderen einen Vermögenserwerb unterlässt.
b) Daran fehlt es, weil die vom Kläger benannten Divergenzentscheidungen (BGH-Urteil in BGHZ 82, 354 sowie BFH-Urteil in BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371) jeweils unentgeltliche schuldrechtliche Wohnungsrechte und damit einen mit dem Streitfall nicht vergleichbaren Sachverhalt betreffen.
Das FG darf seine Entscheidung auf einen rechtlichen Gesichtspunkt, den ein Beteiligter erkennbar übersehen oder für unerheblich gehalten hat, nur stützen, wenn es Gelegenheit zur Äußerung dazu gegeben hat (§ 278 Abs. 3 der Zivilprozeßordnung - ZPO - i. V. m. § 155 FGO; BFH-Urteil vom 29. November 1983 VIII R 184/83, BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371, m. w. N.).
b) Auf das Innehaben einer sog. "gesicherten Rechtsposition" für eine zudem von vornherein festgelegte Zeit (so das FG unter Bezug auf die BFH-Urteile vom 29. November 1983 VIII R 215/79, BFHE 140, 199, BStBl II 1984, 366, unter 2.a, und VIII R 184/83, BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371, unter 2.c) kommt es demnach nicht an (…vgl. Stadie, a.a.O., S. 31;… Schmidt/ Drenseck, a.a.O., § 21 Rz. 5;… Mellinghof in Kirchhof, a.a.O., § 21 Rn. 56, zur zeitlichen Begrenzung).
Eine gesicherte Rechtsposition ist jedoch nicht gegeben, wenn der Überlassende nach seinem Gutdünken die Nutzung der Wohnung dem Nutzenden wieder entziehen kann (Urteil in BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371, Ziff. 2c der Gründe).
Denn Voraussetzung sei bei einem unentgeltlich eingeräumten obligatorischen Nutzungsrecht, dass der Nutzungsberechtigte eine gesicherte Rechtsposition innehabe; dazu dürfe sie ihm nicht mehr entzogen werden können und müsse zwingend für mindestens ein Jahr überlassen worden sein (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 29. November 1983 VIII R 215/79, BFHE 140, 199, BStBl II 1984, 366, unter 2.a, und VIII R 184/83, BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371, unter 2.c; sowie Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen --BMF-- vom 24. Juli 1998, BStBl I 1998, 914, Rz 7).
Im Übrigen setze sich das Urteil des BFH (…in BFH/NV 2004, 1079) weder mit den Urteilen des BFH (in BFHE 140, 199, BStBl II 1984, 366, und in BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371, …sowie vom 27. Juni 1996 IV R 82/95, BFH/NV 1997, 101) noch mit der im BMF-Schreiben (in BStBl I 1998, 914) vertretenen Auffassung der Verwaltung auseinander.
Eine "Überlassung" i. S. des § 21 Abs. 2 Alternative 2 EStG liegt nach den Urteilen des BFH vom 29. November 1983 VIII R 215/79 (BFHE 140, 199, BStBl II 1984, 366) und VIII R 184/83 (BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371), denen sich der Senat angeschlossen hat, vor, wenn der Nutzende eine gesicherte Rechtsposition innehat; hierfür genügt ein schuldrechtliches Nutzungsrecht.
Der abweichenden Auffassung von Stadie (Die persönliche Zurechnung von Einkünften, 1983, 66) sowie der Anmerkung in Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung (HFR) 1984, 275, 276 zum Urteil in BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371, die damit begründet wird, daß nach der Alternative 2 des § 21 Abs. 2 EStG nur ersparte Mietaufwendungen besteuert würden, kann nicht gefolgt werden.
Auf die Ausführungen im Senatsurteil vom 29. November 1983 VIII R 184/83 (BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371) wird verwiesen.
FG München, 22.03.2006 - 4 K 1631/04
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References: § 21
 § 21
 § 517
 § 155
 § 21
 § 21
 § 21
 § 21