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Timestamp: 2017-10-20 01:23:35+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 8 TaBV 70/08
Akten­zeichen: 8 TaBV 70/08
Ent­scheid­ungs­datum: 09.02.2009
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hameln, Beschluss vom 16.06.2008, 2 BV 8/07
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 14.09.2010, 1 ABR 30/09
8 TaBV 70/08
2 BV 8/07 ArbG Ha­meln
An­trags­tei­ler, Be­schwer­deführer und Be­tei­lig­ter zu 1)
An­trags­geg­ne­rin, Be­schwer­de­geg­ne­rin und Be­tei­lig­te zu 2)
hat die 8. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf­grund der Anhörung am 19. Ja­nu­ar 2009 durch
die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Stöcke-Muhlack,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr Barth,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr Beel­te,
1) Die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ha­meln vom 16.06.2008 — 2 BV 8/07 — wird zurück­ge­wie­sen.
2) Die Rechts­be­schwer­de wird zu­ge­las­sen.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­nes Spruchs der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le vom 15. Mai 2007, mit dem Grundsätze zum Ein­satz von Ziel­ver­ein­ba­run­gen und zur Gewährung ei­ner leis­tungs- und er­folgs­ori­en­tier­ten Vergütungs­kom­po­nen­te für außer­ta­rif­li­che Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge von ge­trof­fe­nen Ziel­ver­ein­ba­run­gen fest­ge­legt wer­den.
Der Be­tei­lig­te zu 1) ist der im Be­trieb der Be­tei­lig­ten zu 2) gewähl­te Be­triebs­rat. Die Be­tei­lig­te zu 2) beschäftigt in ih­rem Be­trieb ca. 900 Ar­beit­neh­mer, da­von 32 außer­ta­rif­li­che Führungs­kräfte.
Auf Ver­an­las­sung der Be­tei­lig­ten zu 2) trat die gemäß § 30 des ge­mein­sa­men Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für die Beschäftig­ten in der nie­dersäch­si­schen Me­tall­in­dus­trie (im Fol­gen­den GMTV) zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ein­ge­rich­te­te ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le zu­sam­men, um ent­spre­chen­de Grundsätze zu re­geln. Sie tag­te in vier Sit­zun­gen. Am 15. Mai 2007 leg­te sie durch Ab­stim­mung mit drei Ja- und zwei Nein-Stim­men Grundsätze zum Ein­satz von Ziel­ver­ein­ba­run­gen und zur Gewährung ei­ner leis­tungs- und er­folgs­ori­en­tier­ten Vergütungs­kom­po­nen­te für außer­ta­rif­li­che Ar­beit­neh­mer fest. We­gen des ge­nau­en In­halts der be­schlos­se­nen Re­ge­lung wird auf BI. 12 bis 26 d. A Be­zug ge­nom­men. Gemäß ih­rem § 1 b gilt die Re­ge­lung „für al­le außer­ta­rif­li­chen Mit­ar­bei­ter/in­nen im An­ge­stell­ten­be­reich mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten". Für die quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Leis­tungs­zie­le wird ein Ziel­ka­ta­log fest­ge­legt (BI. 40/41 d. A). § 11 lau­tet:
„Die­se Ver­ein­ba­rung tritt mit Un­ter­zeich­nung in Kraft. Sie kann mit ei­ner Frist von 12 Mo­na­ten zum Jah­res­en­de gekündigt wer­den. Sie wirkt, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wird. Ein­zel­ne Be­stim­mun­gen die­ser Ver­ein­ba­rung können im Ein­ver­neh­men zwi­schen Be­triebs­rat und Geschäftsführung geändert wer­den, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf."
Durch am 29. Mai 2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trag hat der Be­tei­lig­te zu 1) den Spruch an­ge­foch­ten.
Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Spruch sei un­wirk­sam. Die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le sei nicht zuständig ge­we­sen, weil sie kei­ne Spruch­kom­pe­tenz für außer­ta­rif­li­che An­ge­stell­te ha­be. Die Nach­wir­kung könne nicht durch Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le kon­sti­tu­iert wer­den, weil da­nach zu un­ter­schei­den sei, ob der Re­ge­lungs­ge­gen­stand ein er­zwing­ba­res Mit­be­stim­mungs­recht oder ei­ne frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­rung um­fas­se. Ei­ne Nach­wir­kung könne nur von den Be­triebs­par­tei­en, nicht durch Spruch der Sch­lich­tungs­stel­le ver­ein­bart wer­den. Die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le ha­be in un­zulässi­ger Wei­se ihr Er­mes­sen über­schrit­ten. In der Re­ge­lung fehl­ten tatsächli­che Gren­zen der Ziel­ver­ein­ba­rung. Es sei im Er­geb­nis vom in­di­vi­du­el­len Ver­hand­lungs­ge­schick abhängig, in wel­cher Höhe der Ein­zel­ne am Un­ter­neh­mens­er­folg teil­neh­me. Die Sch­lich­tungs­stel­le hätte ein Min­dest­maß an Re­ge­lun­gen tref­fen müssen. In der Ver­knüpfung der Ziel­ver­ein­ba­rung als Be­din­gung für die Be­tei­li­gung am Un­ter­neh­mens­er­folg und der in­di­vi­du­ell aus­ge­han­del­ten Ent­gel­terhöhung lie­ge ei­ne Er­mes­sensüber­schrei­tung. Die je­wei­li­ge Ziel­ver­ein­ba­rung und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Ent­gel­terhöhung un­terlägen hin­sicht­lich der Ver­tei­lungs- und Ent­gelt­ge­rech­tig­keit nicht der Kon­trol­le des Be­triebs­ra­tes. Der Spruch ent­hal­te un­zulässi­ger­wei­se kei­ne Re­ge­lung zu der Be­ur­tei­lung, wann ein Ziel er­reicht sei. Die for­ma­le Frei­wil­lig­keit der Ar­beit­neh­mer be­sei­ti­ge nicht das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­tei­lig­ten zu 1). Es be­ste­he die Ge­fahr, dass die Be­tei­lig­te zu 2) je­des be­lie­bi­ge Ziel zum Ge­gen­stand ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung ma­chen könne, da der im Spruch de­fi­nier­te Ziel­fin­dungs­pro­zess nicht be­schränkt sei.
Der Be­tei­lig­te zu 1) hat be­an­tragt,
fest­zu­stel­len, dass der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le vom 15. Mai 2007 zum Re­ge­lungs­ge­gen­stand Be­triebs­ver­ein­ba­rung-Ziel­ver­ein­ba­rung mit Ent­gelt­kopp­lung im AT-Be­reich un­wirk­sam ist.
Die Be­tei­lig­te zu 2) hat be­an­tragt,
Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Sch­lich­tungs­stel­le ha­be ihr Er­mes­sen hin­sicht­lich der Auf­stel­lung abs­trak­ter Re­ge­lun­gen aus­geübt. Die Be­tei­lig­te zu 2) könne die ein­zel­nen Zie­le nicht be­lie­big vor­ge­ben, weil hier­zu in § 3.1.1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ein ausführ­li­cher Ka­ta­log fest­ge­stellt wor­den sei. Durch die Frei­wil­lig­keits­re­ge­lung würden Mit­be-stim­mungs­rech­te nicht um­gan­gen. Nur Ver­fah­rens­re­geln und ei­ne abs­trak­te Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Re­ge­lun­gen zur Ge­wich­tung der Zie­le un­terlägen dem Mit­be­stim­mungs­recht.
Durch Be­schluss vom 16. Ju­ni 2008 hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag des Be­tei­lig­ten zu 1) zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich-tungs­stel­le sei nicht un­wirk­sam. Die­se sei zuständig auch für Re­ge­lun­gen von Ziel­ver­ein-ba­run­gen im außer­ta­rif­li­chen Be­reich. Gemäß § 76 Abs. 8 Be­trVG könne durch Ta­rif­ver­trag be­stimmt wer­den, dass an die Stel­le der in § 76 Abs. 1 Be­trVG zur Bei­le­gung von Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat zu bil­den­den Ei­ni­gungs­stel­le ei­ne ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le tre­te. Von die­ser Ermäch­ti­gung hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in § 30 Abs. 1 GMTV Ge­brauch ge­macht. Durch die­se Re­ge­lun­gen sei­en auch die außer­ta­rif­li­chen An­ge­stell­ten, die dem Be­trVG un­ter­fal­len, durch die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le ord­nungs­gemäß ver­tre­ten. Der Sch­lich­tungs­stel­len­spruch könne auch ei­ne pau­scha­le Nach­wir­kung ent­hal­ten. Es bestünden kei­ne Be­den­ken, dass die Be­triebs­part­ner bei ei­ner frei­wil­li­gen Be­triebs­ver­ein­ba­rung ei­ne Nach­wir­kung al­ler oder ei­nes Tei­les der Nor­men ver­ein­bar­ten. Dies könne auch durch Spruch er­fol­gen, weil die Sch­lich­tungs­stel­le durch § 30 GMTV sämt­li­che Kom­pe­ten­zen ei­ner be­trieb­li­chen Ei­ni­gungs­stel­le er­hal­ten ha­be. Der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le über­schrei­te auch nicht die Gren­zen des Er­mes­sens. Zum ei­nen sei ein Min­dest­maß an Re­ge­lun­gen ge­trof­fen wor­den, in­dem im Rah­men des § 30 Abs. 3 der be­schlos­se­nen Ziel­ver­ein­ba­rung die Leis­tungs- und die persönli­chen Ent­wick­lungs­zie­le dif­fe­ren­ziert be­nannt und mit Ziff. 3.1.1 ein Ziel­ka­ta­log für die quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Zie­le fest­ge­legt wer­de. Durch die­se auf­ge­schlüssel­ten Re­ge­lun­gen sei­en in­ner­halb der Ziel­ver­ein­ba­run­gen mit ein­zel­nen außer­ta­rif­li­chen Mit­ar­bei­tern aus­rei­chend Gren­zen ge­setzt wor­den. Auch die Ver­knüpfung der Ver­ein­ba­rung von Zie­len als Be­din­gung für die Par­ti­zi­pa­ti­on am Un­ter­neh­mens­er­folg und die in­di­vi­du­ell aus­ge­han­del­te Ent­gel­terhöhung stell­ten kei­ne un­zulässi­ge Er­mes­sensüber­schrei­tung dar. Ein Aus­gleich ei­ner grundsätz­li­chen ,,Un­gleich­ge­wich­tig­keit" in der in­di­vi­du­el­len Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on sei durch ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht re­gel­bar. Aus ihr fol­ge nicht, dass die Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit bzw. Ent­gelt­ge­rech­tig­keit in­ner­halb des Be­reichs der außer­ta­rif­li­chen Mit­ar­bei­ter gefähr­det wer­de, weil ge­ra­de beim Ein­tritt
die­ser Mit­ar­bei­ter in das Un­ter­neh­men in­di­vi­du­el­le Gehälter nach Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten ver­ein­bart wor­den sei­en.
Ge­gen die­sen ihm am 26. Ju­ni 2008 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat der An­trag­stel­ler am 8. Ju­li 2008 Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se in­ner­halb der verlänger­ten Frist am 26. Sep­tem­ber 2008 be­gründet.
Er ist wei­ter­hin der Auf­fas­sung, der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le sei un­wirk­sam. Die Sch­lich­tungs­stel­le sei für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren nicht zuständig ge­we­sen, weil die außer­ta­rif­li­chen An­ge­stell­ten, für die ei­ne Re­ge­lung ge­trof­fen wer­den soll­ten, von dem persönli­chen Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­tra­ges nicht um­fasst sei­en. Darüber hin­aus ha­be die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le nicht durch Spruch ei­ne Nach­wir­kung fest­le­gen können. Dies sei ei­ne Rechts­fra­ge, die sich dar­aus er­ge­be, ob Re­ge­lungs­ge­gen­stand ein er­zwing­ba­res Mit­be­stim­mungs­recht sei oder ob der Re­ge­lungs­ge­gen­stand sich auf frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen be­zie­he. Die durch Be­schluss fest­ge­leg­te Re­ge­lung ent­hal­te frei­wil­li­ge Leis­tun­gen der An­trags­geg­ne­rin, mit der Fol­ge, dass die in der Sch­lich­tungs­stel­le ge­trof­fe­ne Re­ge­lung min­des­tens in die­ser Kom­po­nen­te nicht er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mun­gen un­ter­lie­ge und folg­lich auch nicht nach­wir­ken könne — es sei denn, bei­de Be­triebs­par­tei­en woll­ten ei­ne sol­che Nach­wir­kung und ver­ein­bar­ten die­se ex­pli­zit. Dies sei nur frei­wil­lig zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en und nicht durch Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le oder den Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le möglich. Darüber hin­aus stel­le der Spruch ei­ne Er­mes­sensüber­schrei­tung dar. Die in den Ver­fah­ren an­ge­grif­fe­nen Re­ge­lun­gen in § 3 „De­fi­ni­ti­on von Ziel­ver­ein­ba­run­gen" sei­en so all­ge­mein und abs­trakt, dass sie der An­trags­geg­ne­rin ei­ne Ge­stal­tungs­frei­heit einräume, die dem mit­be­stim­mungs­frei­en Zu­stand na­he­kom­me. Es ge­be ge­ra­de kei­ne Vor­ga­ben für die Be­tei­lig­ten bei der Kon­kre­ti­sie­rung der Ziel­ver­ein­ba­rung. Dass pro Jahr ma­xi­mal vier Zie­le fest­ge­legt wer­den könn­ten, ände­re hier­an nichts, weil für al­le außer­ta­rif­li­chen An­ge­stell­ten nicht trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar sei, wel­ches die Zie­le sei­en, die übli­cher­wei­se ver­ein­bart würden. Die Re­ge­lung ge­be es der An­trags­geg­ne­rin an die Hand, von ein­zel­nen außer­ta­rif­li­chen An­ge­stell­ten be­lie­bi­ge und un­ter­schied­li­che Zie­le zu ver­lan­gen. Die aus der Re­ge­lung sich er­ge­ben­den Ver­hand­lungs­un­gleich­ge­wich­te be­gründe­ten eben­falls die Über­schrei­tung des Er­mes­sens­rah­mens. Sinn und Zweck der Ausübung des Mit­be­stim­mungs­rechts sei nämlich, Un­gleich­ge­wich­te ein­zu­schränken. Der an­ge­grif­fe­ne Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le ent­hal­te je­doch kei­ne in die­ser Rich­tung ein­schränken­den Be­gren­zun­gen.
Der Be­tei­lig­te zu 1) be­an­tragt,
den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ha­meln vorn 16. Ju­ni 2008 ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le vom 15. Mai 2007 zum Re­ge­lungs­ge­gen­stand der Be­triebs­ver­ein­ba­rung „Ziel­ver­ein­ba­rung mit Ent­gelt­kopp­lung im AT Be­reich" un­wirk­sam ist.
Die Be­tei­lig­te zu 2) be­an­tragt,
Sie ver­tei­digt den ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss nach Maßga­be ih­rer Be­schwer­de­er­wi­de­rung vom 3. De­zem­ber 2008, auf de­ren In­halt Be­zug ge­nom­men wird (BI. 156 bis 163 der Ak­te).
Zu den wei­te­ren Ausführun­gen der Be­tei­lig­ten zur Sach- und Rechts­la­ge wird auf die von ih­nen ein­ge­reich­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren.
Die zulässi­ge Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten zu 1) ist un­be­gründet. Der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le vom 15. Mai 2007, mit dem Grundsätze zum Ein­satz von Ziel­ver­ein­ba­run­gen und zur Gewährung ei­ner leis­tungs- und er­folgs­ori­en­tier­ten Vergütungs­kom­po­nen­te für außer­ta­rif­li­che Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge von ge­trof­fe­nen Ziel­ver­ein­ba­run­gen fest­ge­legt wer­den, ist nicht un­wirk­sam. Die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le ist zuständig (1.). Die Ver­ein­ba­rung ei­ner Nach­wir­kung ist nicht un­zulässig; sie hat nur de­kla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter (2.). Der Spruch hat Er­mes­sens­gren­zen nicht über­schrit­ten (3.).
Die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le war zur Ent­schei­dung der Strei­tig­keit mit dem Re­ge­lungs­ge­gen­stand ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung mit Ent­gelt­kopp­lung für außer­ta­rif­li­che An­ge­stell­te be­fugt. Ih­re Spruch­kom­pe­tenz er­gibt sich aus § 30 GMTV i.V.m. § 76 Abs. 8 Be­trVG, auch wenn der Ta­rif­ver­trag gemäß § 1 Ziff. 1 GMTV auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der außer­ta­rif­li­chen An­ge­stell­ten kei­ne An­wen­dung fin­det. § 30 GMTV ist ei­ne Rechts­norm ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges über be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen. Sie fin­det da­her gemäß §§
1, 3 TVG auf den Be­trieb der Be­klag­ten un­abhängig von. der Fra­ge An­wen­dung, wel­che Ar­beit­neh­mer­grup­pen die Be­klag­te beschäftigt. Die ta­rif­ver­trag­li­che Norm dif­fe­ren­ziert nach ih­rem ein­deu­ti­gen Wort­laut nicht da­nach, ob und in­wie­weit ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer im Be­trieb beschäftigt wer­den, oder da­nach, ob die Re­ge­lung sie er­fasst.
Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz räumt den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus­drück­lich die Möglich­keit ein, die Ei­ni­gungs­stel­le durch ei­ne ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le zu er­set­zen (§ 76 Abs. 8 Be­trVG). In ver­schie­de­nen Wirt­schafts­zwei­gen ist hier­von Ge­brauch ge­macht wor­den, wie in § 30 GMTV für Be­reich der Me­tall­in­dus­trie. Vor­aus­set­zung für die An­wen­dung ei­nes der­ar­ti­gen Ta­rif­ver­tra­ges ist aus­sch­ließlich die Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers (vgl. Pünnel/lsen­hardt, Die Ei­ni­gungs­stel­le des Be­trVG, 3. Aufl. Rn. 134,135). Ein der­ar­ti­ger Ta­rif­ver­trag enthält nämlich Re­ge­lun­gen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Art. Es kommt nicht dar­auf an, dass al­le Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes ta­rif­ge­bun­den sind (Fit­ting, Be­trVG, 23. Aufl. 2006, § 76 Rn. 113; Ri­char­di, Be­trVG, 11. Aufl. 2008, § 76 Rn. 146-148; ErfK-Ka­nia, § 76 Be­trVG, 8. Aufl. 2008, Rn. 33; a.A. Rieb­le, RdA 1993, 140, 143), al­so der Ge­werk­schaft an­gehören, die den ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag ab­ge­schlos­sen hat (Pünnel, aaO).
Gemäß § 1 TVG re­gelt der Ta­rif­ver­trag die Rech­te und Pflich­ten der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und enthält Rechts­nor­men, die den In­halt, den Ab­schluss und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen so­wie be­trieb­li­che und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen ord­nen können. Die Rechts­nor­men des Ta­rif­ver­tra­ges über be­trieb­li­che und be­triebs­ver­fas­sungs-recht­li­che Fra­gen gel­ten gemäß § 3 Abs. 2 TVG für al­le Be­trie­be, de­ren Ar­beit­ge­ber ta­rif-ge­bun­den sind. § 3 Abs. 2 TVG ist ei­ne Aus­nah­me von dem Grund­satz, dass die Rechts-nor­men des Ta­rif­ver­tra­ges nur zwi­schen bei­der­seits Ta­rif­ge­bun­de­nen An­wen­dung fin­den (Wie­de­mann, TVG, 7. Aufl. 2007, § 3 Rn. 163).
§ 30 GMTV ist ei­ne Rechts­norm des Ta­rif­ver­tra­ges über be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen. Die An­trags­geg­ne­rin ist un­strei­tig ta­rif­ge­bun­den.
§ 30 GMTV kann auch nicht ein­schränkend aus­ge­legt wer­den, denn hierfür fin­den sich kei­ne An­halts­punk­te, die sich am Ta­rif­wort­laut fest­ma­chen ließen. § 30 GMTV enthält
ei­ne Glo­bal­ver­wei­sung für al­le gemäß § 76 Be­trVG von der Ei­ni­gungs­stel­le zu ver­han­deln­den Fälle. § 30 Abs. 1 Satz 1 GMTV lau­tet „Ist bei Strei­tig­kei­ten zwi­schen Be­triebs­rat und Geschäfts­lei­tung im Fall der Nicht­ei­ni­gung die Ei­ni­gungs­stel­le gemäß § 76 Be­trVG zuständig, tritt an ih­re Stel­le gemäß § 76 Abs. 8 Be­trVG die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le".
Der Wort­laut ist ein­deu­tig. Die Norm dif­fe­ren­ziert — im Ge­gen­satz zu früher und im Ge­gen­satz zu ih­rem Satz 2, wel­cher die Kos­tenüber­nah­me re­gelt — nicht nach Re­ge­lungs-tat­beständen. Sie enthält we­der ei­ne Ein­schränkung nach Ar­beit­neh­mer­grup­pen noch nach Re­ge­lungs­tat­beständen. Die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le tritt — ent­spre­chend der ein­deu­ti­gen For­mu­lie­rung des § 76 Abs. 8 — an die Stel­le der in § 76 Abs. 1 be­zeich­ne­ten Ei­ni­gungs­stel­le. Dar­aus folgt, dass ih­re Zuständig­keit auch im Zwei­fel der­je­ni­gen der Ei­ni-gungs­stel­le ent­spricht. Sie kann nicht ein­ge­engt wer­den (in die­sem Sin­ne auch Pünnel, aaO Rn. 135).
Hiel­te man mit dem Be­tei­lig­ten zu 1) die Ta­rif­norm un­ge­ach­tet ih­res ein­deu­ti­gen Wort­lau­tes den­noch für aus­le­gungsfähig, sc, ergäbe sich gleich­wohl nichts an­de­res. Dem Wort­laut der Ta­rif­norm ist zu ent­neh­men, dass an die Stel­le der zuständi­gen Ei­ni­gungs­stel­le die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le tritt. Hierfür spre­chen auch Sinn und Zweck eben­so wie der sys­te­ma­ti­sche Zu­sam­men­hang. Sch­ließlich han­delt es sich auch um ei­ne sach­ge­rech­te, zweck­ori­en­tier­te und prak­tisch brauch­ba­re Lösung.
Die Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils von Ta­rif­verträgen folgt nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts den für die Aus­le­gung von Ge­set­zen gel­ten­den Re­geln. Aus­zu­ge­hen ist vom Ta­rif­wort­laut. Zu er­for­schen ist der maßgeb­li­che Sinn der Erklärung, oh­ne am Wort­laut zu haf­ten (§ 133 BGB). Der wirk­li­che Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und da­mit der von ih­nen be­ab­sich­tig­te Sinn und Zweck der Ta­rif­norm ist mit zu berück­sich­ti­gen, so­weit er in den ta­rif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat. Auch auf den ta­rif­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang ist ab­zu­stel­len. Ver­blei­ben noch Zwei­fel, können wei­te­re Kri­te­ri­en wie Ta­rif­ge­schich­te, prak­ti­sche Ta­rifübung und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des je­wei­li­gen Ta­rif­ver­tra­ges oh­ne Bin­dung an ei­ne be­stimm­te Rei­hen­fol­ge berück­sich­tigt wer­den. Im Zwei­fel ist die Ta­rif­aus­le­gung zu wählen, die zu ei­ner vernünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Lösung führt (vgl. für vie­le BAG vom 4. Ju­ni 2003 — 10 AZR 579/02 — BA­GE 106, 225; 31. Ju­li 2002 — 10 AZR 578/01 — AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Woh­nungs­wirt­schaft Nr. 3 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka-
ti­on, Prämie Nr. 167 mwN; vom 30. Sep­tem­ber 1999 — 6 AZR 130/98; vom 20. April 1994 — 10 AZR 276/ 93 — AP BAT §§ 22, 23 Zu­la­gen Nr. 11; vom 12. Sep­tem­ber 1984 — 4 AZR 336/82 — BA­GE 46, 308).
Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze er­gibt sich die obi­ge Aus­le­gung. Der Wort­laut spricht be­reits für die An­nah­me, die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le tre­te in al­len Strei­tig­kei­ten, in de­nen die Ei­ni­gungs­stel­le zuständig ist, an de­ren Stel­le. Sinn und Zweck der Re­ge­lung ist, die Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le vollständig durch die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le zu er­set­zen. Das zeigt sein all­ge­mei­ner Ver­weis. Hin­sicht­lich der Kos­tenüber­nah­me dif­fe­ren­ziert § 30 Abs. 2 GMTV nach ein­zel­nen Re­ge­lungs­tat­beständen. Da­her un­ter­streicht auch der sys­te­ma­ti­sche Zu­sam­men­hang die ge­trof­fe­ne Aus­le­gung. Hätten die Ta­rif­pa­rei-en un­ter­schei­den wol­len nach Ta­rif­zu­gehörig­keit der Ar­beit­neh­mer, hätten sie dies eben­so aus­drück­lich in ih­re Re­ge­lung auf­ge­nom­men.
Die Ta­rif­aus­le­gung führt darüber hin­aus zu ei­ner vernünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Lösung. Ein an­de­res Verständ­nis führ­te da­zu, Re­ge­lungs­strei­tig­kei­ten, die so­wohl Ar­beit­neh­mer­grup­pen um­fas­sen, die dem persönli­chen Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­tra­ges un­ter­fal­len (Ta­rif­ge­bun­de­ne) als auch sol­che, die von die­sem nicht um­fasst sind (Außer­ta­rif­li­che) ge­trennt zu be­han­deln und ge­trennt re­geln zu müssen. Für Außer­ta­rif­li­che wäre die Ei­ni­gungs­stel­le, für Ta­rif­ge­bun­de­ne die ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le zuständig. Nicht zu­letzt Kos­ten­gründe spre­chen ge­gen die­se und für die vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung.
Der Spruch der Sch­lich­tungs­stel­le ist auch nicht des­we­gen ganz oder teil­wei­se un­wirk­sam, weil er in § 11 ei­ne Nach­wir­kungs­re­ge­lung enthält. Die­se Re­ge­lung hat nur de­kla­ra-to­ri­schen Cha­rak­ter.
Zwar weist der Be­tei­lig­te zu 1) zu Recht dar­auf hin, es sei zwei­fel­haft, ob durch Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le ei­ne Nach­wir­kung er­zwun­gen wer­den könne. Der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le, der die Qua­lität ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung hat, wirkt vor­lie­gend aber be­reits per Ge­setz (§ 77 Abs. 6 Be­trVG) nach, so dass die aus­drück­lich im Spruch ver­ein­bar­te Nach­wir­kung unschädlich ist.
Ob der Spruch ei­ner Ei­ni­gungs-/ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le oder ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung nach­wirkt, hängt da­von ab, ob der Re­ge­lungs­ge­gen­stand sich auf er­zwing­ba­res Mit­be­stim­mungs­recht oder auf ei­ne frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­zieht.
Nur im ers­ten Fall er­setzt der Spruch die feh­len­de Ei­ni­gung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat und wirkt be­reits auf­grund ge­setz­li­cher Be­stim­mung nach (§ 77 Abs. 6 Be­trVG). Der Spruch hat dann die glei­che Be­deu­tung wie die Ei­ni­gung, die er er­set­zen soll, d.h. so­weit es sich um nor­ma­ti­ve Be­stim­mun­gen han­delt, hat er die Rechts­wir­kun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung (Ri­char­di, aaO, § 76 Rn. 109, 8ff; Fit­ting, aa0, § 76 Rn. 178).
Ein sol­cher Fall ist hier ge­ge­ben. Zwar er­gibt sich die Nach­wir­kung nicht aus § 76 Abs. 6 Be­trVG. We­der ha­ben sich bei­de Sei­ten dem Spruch im Vor­aus un­ter­wor­fen noch ha­ben sie ihn nachträglich an­ge­nom­men. Der Spruch der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le re­gelt aber nur Ge­genstände, die der er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen. Zu­min­dest wirkt er als teil­mit­be­stimm­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung in sei­ner Ge­samt­heit nach, weil er sich nicht sinn­voll in ei­nen nach­wir­ken­den und ei­nen nach­wir­kungs­lo­sen Teil auf­spal­ten lässt.
So­weit sich der Be­tei­lig­te zu 1) dar­auf be­ruft, die Re­ge­lung ent­hal­te mit der Fest­le­gung des Un­ter­neh­mens­an­teils ei­ne frei­wil­li­ge Kom­po­nen­te, so dass die in der Sch­lich­tungs­stel­le ge­trof­fe­ne Re­ge­lung min­des­tens in­so­weit nicht der er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mung un­ter­lie­ge und folg­lich auch nicht nach­wir­ken könne, kann dem nicht ge­folgt wer­den.
Nach § 77 Abs. 6 Be­trVG gel­ten die Re­ge­lun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung in An­ge­le-gen­hei­ten, in de­nen ein Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le die Ei­ni­gung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat er­set­zen kann, wei­ter, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wer­den. Dies be­trifft die An­ge­le­gen­hei­ten der zwin­gen­den Mit­be­stim­mung. Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen über Ge­genstände, die nicht der zwin­gen­den Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen, ent­fal­ten kraft Ge­set­zes kei­ne Nach­wir­kung. Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen mit teils er­zwing­ba­ren, teils frei­wil­li­gen Re­ge­lun­gen wir­ken grundsätz­lich nur hin­sicht­lich der Ge­genstände nach, die der zwin­gen­den Mit­be­stim­mung un­ter­fal­len (BAG vom 23. Ju­ni 1992 - 1 ABR 9/92 - BA­GE 70, 356, zu B II 5 der Gründe). Dies setzt al­ler­dings vor­aus, dass sich die Be­triebs­ver­ein­ba­rung sinn­voll in ei­nen nach­wir­ken­den und ei­nen nach­wir­kungs­lo­sen Teil auf­spal-
ten lässt. An­dern­falls ent­fal­tet zur Si­che­rung der Mit­be­stim­mung die ge­sam­te Be­triebs-ver­ein­ba­rung Nach­wir­kung (BAG vom 26. Au­gust 2008 — 1 AZR 354/07 — DB 2008, 2709 = NZA 2009, 88). Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts können auch teil­mit­be­stimm­te Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen über frei­wil­li­ge Leis­tun­gen oh­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung nach­wir­ken (BAG v. 26. Ok­to­ber 1993 - 1 AZR 46/93 - AP Be­trVG 1972 § 77 Nach­wir­kung Nr. 6; BAG v. 18. No­vem­ber 2003 — 1 AZR 604/02 - AP Be­trVG 1972 § 77 Nach­wir­kung Nr. 15). Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen über fi­nan­zi­el­le Leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers sind re­gelmäßig teil­mit­be­stimmt. Während der Ar­beit­ge­ber den Do­tie­rungs-rah­men mit­be­stim­mungs­frei vor­ge­ben kann, be­darf er für die Aus­ge­stal­tung, al­so für den Ver­tei­lungs- und Leis­tungs­plan nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG, der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats. Die Nach­wir­kung bei teil­mit­be­stimm­ten Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen er­fasst die ge­sam­te Re­ge­lung, weil nur die ge­sam­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung nach­wir­ken kann und auch in die­sen Fällen der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le die Ei­ni­gung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat er­setzt (vgl. BAG v. 18. No­vem­ber 2003 - 1 AZR 604/02 - a. a. 0.).
Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze er­gibt sich, dass die streit­be­fan­ge­ne Re­ge­lung zur Si­che­rung der Mit­be­stim­mung ins­ge­samt nach­wirkt.
Ei­ner­seits han­delt es sich um Re­ge­lun­gen, die der er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen, denn die Grund­la­ge für den als Auf­sto­ckungs­be­trag zu zah­len­den Un­ter­neh­mens­an­teil steht be­reits fest. Sie er­rech­net sich aus der Stei­ge­rung des zwi­schen dem Ar­beit¬neh­mer und dem Vor­ge­setz­ten ver­ein­bar­ten Be­tra­ges. Die Höhe wird al­so außer­halb der Re­ge­lung be­stimmt. Sie wird in der von der Sch­lich­tungs­stel­le be­schlos­se­nen Re­ge­lung nur noch mit dem Pro­zent­satz (150 v.H.) vor­ge­ge­ben, berührt al­so nur die Ver­tei­lungs­grundsätze. Der Auf­sto­ckungs­be­trag ori­en­tiert sich im­mer an der zu­vor ver­han­del­ten Ge­halts­erhöhung. Das lässt sich der Bei­spiel­rech­nung zu Ziff. 2.1.1 b) ent­neh­men. Ei­ne Re­ge­lung über frei­wil­li­ge Leis­tun­gen, die nicht der Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen, kann da­her nicht er­kannt wer­den.
An­de­rer­seits kann die Re­ge­lung nicht sinn­voll in ei­nen nach­wir­ken­den und ei­nen nicht nach­wir­ken­den Teil auf­ge­spal­ten wer­den, denn der Un­ter­neh­mens­an­teil bie­tet ei­nen An­reiz für die An­nah­me der Re­ge­lung, so dass be­reits aus die­sem Grun­de zur Si­che­rung der Mit­be­stim­mung die ge­sam­te Re­ge­lung nach­wir­ken muss.
Die Fest­le­gung der Nach­wir­kung in § 11 hat so­mit le­dig­lich de­kla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter.
Das Ar­beits­ge­richt hat auch zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass die Sch­lich­tungs­stel­le die Gren­zen des Er­mes­sens gemäß § 76 Abs. 5 S. 3 Be­trVG nicht über­schrit­ten hat.
So­weit der Be­tei­lig­te zu 1) rügt, der Be­schluss der Sch­lich­tungs­stel­le ent­hal­te kein Min-dest­maß an Re­ge­lun­gen, wie die Leis­tungs- und persönli­chen Ent­wick­lungs­zie­le eben­so wie die Kri­te­ri­en zur Ziel­ver­fol­gung fest­zu­le­gen sei­en, steht dem ent­ge­gen, dass in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung über Ziel­ver­ein­ba­run­gen Zie­le nicht be­nannt wer­den müssen. Der Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen nur Ver­fah­rens­re­geln und die abs­trak­te Fest­le­gung der Kri­te­ri­en so­wie Re­ge­lun­gen zu ih­rer Ge­wich­tung. Die Fest­le­gung der kon­kre­ten Zie­le ei­nes ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers ist als Ein­zel­fall­ent­schei­dung nicht mit­be­stim­mungs­pflich­tig (BAG v. 20. Au­gust 1991 - 1 AZR 325/90 - DB 1992, 687). Da der an­ge­grif­fe­ne Sch­lich­tungs­stel­len­spruch so­gar de­tail­lier­te Re­ge­lun­gen zu den in Be­tracht kom­men­den Zie­len auf­weist, geht er über die For­de­run­gen des § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG so­gar hin­aus. Ei­ne Er­mes­sensüber­schrei­tung schei­det da­her aus.
Darüber­hin­aus ent­hal­ten die §§ 3 und 4 der Re­ge­lung er­heb­li­che Ein­schränkun­gen der mögli­chen Zie­le. Das hat das Ar­beits­ge­richt be­reits be­gründet. Zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen wird auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts hier­zu und auch im Übri­gen Be­zug ge­nom­men (BI. 120 bis 122 d. A.).
Auch ein — un­ter­stellt — struk­tu­rel­les Ver­hand­lungs­un­gleich­ge­wicht zwi­schen der Be­tei­lig­ten zu 2) und den außer­ta­rif­li­chen Ar­beit­neh­mern führt nicht zu ei­ner Er­mes­sensüber­schrei­tung. Es wird durch die zahl­rei­chen Ein­schränkun­gen des Sch­lich­tungs­stel­len­spruchs in § 3 Nr. 3, Nr. 4 und § 4 aus­ge­gli­chen. Hin­zu­kommt, dass § 5 ge­naue Re­ge­lun­gen für den Ziel­ver­ein­ba­rungs­pro­zess enthält und nicht nur in § 5 Ziff. 5 Satz 1 dem Ar­beit­neh­mer ein Wi­der­rufs­recht einräumt, son­dern in § 6 auch ei­nen Kon­fliktlösungs­pro­zess fest­legt, der aus­drück­lich in Satz 2 die Be­tei­li­gung des Be­triebs­ra­tes vor­sieht.
We­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Zuständig­keit der ta­rif­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le für die Re­ge­lung war die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen (§§ 92 Abs. 1, 72 Abs. 2 ArbGG).
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References: § 30
 § 1
 § 11
 § 3
 § 76
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 § 30
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 § 611
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 § 77
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 § 87
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