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Timestamp: 2016-10-27 13:03:57+00:00

Document:
I 360/06 (06.09.2006)
I 360/06
N.________, Beschwerdegegner
(Entscheid vom 31. M�rz 2006)
Der 1953 geborene N.________ arbeitete bis Ende Juni 2002 in leitender Position in der Versicherungsbranche. Seit einigen Jahren leidet er an einem Alkoholabh�ngigkeitssyndrom mit mehreren Begleiterscheinungen. Am 19. November 2003 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an. Die IV-Stelle Luzern f�hrte Abkl�rungen in wirtschaftlicher und medizinischer Hinsicht durch. Mit Verf�gung vom 12. November 2004 lehnte sie das Leistungsbegehren ab mit der Begr�ndung, die Arbeitsunf�higkeit sei vor allem auf das Abh�ngigkeitsverhalten des Versicherten zur�ckzuf�hren und sei keine Invalidit�t im Sinne des Gesetzes. Die dagegen erhobene Einsprache, in welcher auch Epilepsie und Depressionen geltend gemacht wurden, lehnte die IV-Stelle mit Entscheid vom 5. April 2005 ab.
Dagegen erhob N.________ Beschwerde und beantragte sinngem�ss die Aufhebung des Einspracheentscheides sowie die Zusprache einer Rente nach neuer Beurteilung unter Einbezug eines Vertrauensarztes. Mit Entscheid vom 31. M�rz 2006 hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern die Beschwerde in dem Sinne gut, als in Aufhebung des Einspracheentscheides die Sache an die IV-Stelle zur�ckgewiesen wurde, damit sie den Erw�gungen entsprechend verfahre und neu verf�ge.
Die IV-Stelle f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit den Rechtsbegehren, in Aufhebung des gerichtlichen Entscheides sei der Einspracheentscheid zu best�tigen.
N.________ schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Der kantonale R�ckweisungsentscheid ist einzig in Bezug auf die Frage umstritten, ob der rechtserhebliche Sachverhalt anhand der beigezogenen medizinischen Grundlagen eine abschliessende Beurteilung �ber die gesundheitlich bedingte Einschr�nkung und den Invalidit�tsgrad erlaubt, aus welcher sich die beantragte Rentenleistung ableitet.
1.2 Der angefochtene Entscheid betrifft Leistungen der Invalidenversicherung. Nach Art. 132 Abs. 1 OG in der Fassung gem�ss Ziff. III des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 �ber die �nderung des IVG (in Kraft seit 1. Juli 2006) kann das Eidgen�ssische Versicherungsgericht in Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen in Abweichung von Art. 104 und 105 OG auch die Unangemessenheit der angefochtenen Verf�gung beurteilen und ist an die vorinstanzliche Feststellung des Sachverhalts nicht gebunden. Gem�ss Art. 132 Abs. 2 OG gelten diese Abweichungen nicht, wenn der angefochtene Entscheid Leistungen der Invalidenversicherung betrifft. Nach Ziff. II lit. c des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 ist indessen auf die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der �nderung beim Eidgen�ssischen Versicherungsgericht h�ngigen Beschwerden bisheriges Recht anwendbar. Da die hier zu beurteilende Beschwerde am 1. Juli 2006 beim Eidgen�ssischen Versicherungsgericht h�ngig war, richtet sich dessen Kognition noch nach der bis Ende Juni 2006 g�ltigen Fassung von Art. 132 OG, welche dem neuen Abs. 1 entspricht.
1.3 Die Vorinstanz hat die einschl�gigen Bestimmungen und Grunds�tze zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) und die dazugeh�rige Verordnung vom 11. September 2002 (ATSV) sowie die seit 1. Januar 2004 geltenden �nderungen im Rahmen der 4. IV-Revision sind anwendbar (BGE 130 V 447 Erw. 1.2.1, 129 V 4 Erw. 1.2). Zu erg�nzen ist, dass die Verwaltung gest�tzt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen f�r die richtige und vollst�ndige Abkl�rung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 Erw. 4.1 [I 457/04]), wobei sich angesichts der Besonderheiten des Einzelfalles nicht allgemein sagen l�sst, welche konkreten Abkl�rungsmassnahmen in gesundheitlicher und beruflich-erwerblicher Hinsicht im Hinblick auf eine rechtsgen�gliche Sachverhaltsermittlung geboten sind.
2.1 Im angefochtenen Entscheid stellt das kantonale Gericht fest, aus einem Bericht vom 9. Juli 2001 gehe hervor, dass der Beschwerdegegner seinerzeit notfallm�ssig wegen Suizidalit�t und Alkoholabh�ngigkeitssyndrom in die Klinik X.________ eingewiesen worden sei. Daraus sei haupts�chlich ersichtlich, dass sich psychopathologisch in der damals durchgef�hrten testpsychologischen Abkl�rung deutliche Defizite im Ged�chtnis und im kognitiven Bereich gezeigt h�tten. Der Patient habe bislang wenig Problembewusstsein bez�glich seiner fortgeschrittenen Abh�ngigkeit mit bereits einsetzenden k�rperlichen und geistigen Beeintr�chtigungen gezeigt. Gest�tzt auf diesen Bericht folgert die Vorinstanz, es bestehe die sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass beim Versicherten sekund�re neurologische Folgesch�den der langj�hrigen Alkoholkrankheit entstanden seien. Mit den deutlichen Defiziten im Ged�chtnis und im kognitiven Bereich liege der Schluss nahe, dass infolge hirnorganischer Ver�nderungen die geistige Leistungsf�higkeit beeintr�chtigt sei. Der Hausarzt Dr. med. A.________ spreche in seinem Bericht vom 11. Juni 2004 von einer Polyneuropathie, was er jedoch befundm�ssig nicht belege. Vom klinischen Verlauf her sei indes ein polyneuropathisches Leiden sehr wohl m�glich und w�rde die Vermutung nahelegen, dass �ber rauschbedingte Sturzereignisse hinaus neurologisch bedingte Gleichgewichtsst�rungen vorl�gen. Die in den Akten genannten geh�uften Krampfanf�lle, welche eine antiepileptische Medikation erfordern, k�nnten ebenfalls Ausdruck einer funktionellen organischen Hirnsch�digung sein.
Gest�tzt auf diese Angaben befand die Vorinstanz, die Frage, ob der angesprochene Gesundheitsschaden nicht eine Folge der Alkoholsucht sei, m�sse medizinisch genauer abgekl�rt werden. Dies habe anhand einer aktuellen neurologisch-psychiatrischen Beurteilung zu erfolgen. Im �brigen stelle sich auch die Frage, ob nicht eine diagnostisch schwierig fassbare alkoholbedingte Wesensver�nderung im Verlauf der Jahre stattgefunden habe, welche es dem Versicherten zusammen mit der kombinierten Benzodiazepin-Abh�ngigkeit in Freiheit praktisch unm�glich mache, sein Suchtverhalten aufzugeben. Nicht nur allf�llige Organsch�den seien abzukl�ren, sondern es stelle sich dar�ber hinaus die Frage, ob der weiter betriebene Alkohol- und Benzodiazepinmissbrauch auf einer krankheitswertigen irreversiblen Pers�nlichkeitsver�nderung beruhe. Demzufolge hat das kantonale Gericht die Streitsache zu erg�nzender Abkl�rung und neuer Verf�gung an die Verwaltung zur�ckgewiesen.
2.2 Dagegen wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebracht, das kantonale Gericht st�tze seinen Entscheid auf Vermutungen und Verdachtsmomente ab, welche nicht zutreffend seien. Weitere Abkl�rungen seien nicht erforderlich, da aus medizinischer Sicht keine klar objektivierbaren Befunde f�r aethylisch bedingte Folgesch�den der Alkoholsucht vorliegen w�rden. Auch die vor f�nf Jahren in der Klinik X.________ vorgenommene testpsychologische Abkl�rung mit Einschr�nkungen der kognitiven Leistungen und des Ged�chtnisses beweise keine organischen Folgesch�den einer langj�hrigen Alkoholkrankheit. Dem Bericht des Hausarztes Dr. med. A.________ vom 11. Juni 2004 sei zu entnehmen, dass der Beschwerdegegner durch den fortgesetzten Alkoholkonsum und nicht durch organische Folgesch�den eingeschr�nkt sei. Aufgrund der wiederholt durchgef�hrten Sch�del-CT und EEG-Befunde aus den Jahren 2000 und 2001 w�rden sich ausserdem keine klaren Hinweise f�r eine hirnorganische Pathologie ergeben, wobei eine Polyneuropathie nicht zu Gleichgewichtsst�rungen f�hre. Ein psychisches Leiden im Sinne einer Pers�nlichkeitsst�rung sei nie beschrieben worden und Hinweise w�rden auch keine darauf bestehen, dass die Alkoholsucht aufgrund einer krankheitswertigen Pers�nlichkeitsver�nderung nicht therapiert werden k�nnte.
2.3 Das kantonale Gericht ist nach sorgf�ltiger und �berzeugender W�rdigung der in den Akten liegenden lediglich zwei medizinischen Unterlagen zutreffend zum Schluss gelangt, es lasse sich ohne weitere Abkl�rungen nicht beurteilen, in welchem Ausmass die gesundheitlichen Beschwerden des Versicherten seine Arbeits- und Erwerbsf�higkeit beeintr�chtigen. Der am 9. Juli 2001 in der Klinik X.________ erstellte Bericht bildet in der Tat keine hinreichende Grundlage f�r einen abschliessenden Entscheid in der Sache und der Arztbericht von Dr. med. A.________ vom 11. Juni 2004 diagnostiziert u.a. ein beginnendes Korsakow-Syndrom und eine Polyneuropathie, empfiehlt aber selber weitere medizinische Abkl�rungen. Die Beschwerdef�hrerin f�hrt selber aus, dass die Ergebnisse von 2001 kritisch zu hinterfragen und unklar seien. Die bislang vorhandenen medizinischen Akten hinterlassen somit eine ungesicherte Beweislage, wobei aus den bisherigen Entscheidungsgrundlagen kein nach �berwiegender Wahrscheinlichkeit zutreffender Sachverhalt zu gewinnen ist. Insoweit und namentlich auch wegen der fehlenden Aktualit�t der von der Verwaltung beigezogenen Arztberichte dr�ngt sich die Einholung einer aktuellen neurologisch-psychiatrischen Beurteilung auf. Was hiegegen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebracht wird, vermag somit nicht zu �berzeugen.
2.4 Im Lichte des Gesagten ist entgegen der Auffassung der Beschwerdef�hrerin die vorinstanzliche R�ckweisung der Sache an die Verwaltung zur Abkl�rung der m�glicherweise bestehenden gesundheitlichen Beeintr�chtigungen des Versicherten zu best�tigen.
Das Verfahren hat Versicherungsleistungen zum Gegenstand und ist deshalb kostenlos (Art. 134 OG).

References: Art. 132
 Art. 104
 Art. 132
 Art. 132
 Art. 57
 Art. 69