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Timestamp: 2020-07-02 07:03:07+00:00

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Feststellungsbescheid für die Grunderwerbsteuer - und die Änderungsbefugnis des Finanzgerichts | Rechtslupe
Feststellungsbescheid für die Grunderwerbsteuer - und die Änderungsbefugnis des Finanzgerichts
Ein Fest­stel­lungs­be­scheid i.S. von § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG, der bei einer Anteils­ver­ei­ni­gung die Steu­er­pflicht dem Grun­de nach sowie alle von dem steu­er­ba­ren Rechts­vor­gang betrof­fe­nen Grund­stü­cke und die dar­auf ent­fal­len­den Antei­le an den ein­schlä­gi­gen Steu­er­be­güns­ti­gun­gen fest­stellt, kann vom Finanz­ge­richt nicht dahin geän­dert wer­den, dass meh­re­re die­ser Grund­stü­cke als zu einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit i.S. von § 2 Abs. 3 Satz 1 GrEStG gehö­rend zusam­men­ge­fasst wer­den.
Gegen­stand der geson­der­ten Fest­stel­lung nach § 17 Abs. 3 GrEStG sind die Besteue­rungs­grund­la­gen. Zu die­sen gehört in den Fäl­len des § 1 Abs. 3 GrEStG die ver­bind­li­che Ent­schei­dung über die Steu­er­pflicht dem Grun­de nach, über die als Steu­er­schuld­ner in Betracht kom­men­den Per­so­nen und über die Finanz­äm­ter, die zur Steu­er­fest­set­zung beru­fen sind [1].
In die geson­der­te Fest­stel­lung nach § 17 Abs. 3 GrEStG sind nicht die Wer­te i.S. des § 138 Abs. 2 und 3 des Bewer­tungs­ge­set­zes in der bis 31.12 2006 gel­ten­den Fas­sung (BewG) auf­zu­neh­men, wenn die Steu­er ‑wie in den Fäl­len der Anteils­ver­ei­ni­gung gemäß § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG- nach § 8 Abs. 2 GrEStG zu bemes­sen ist (§ 17 Abs. 3a GrEStG i.d.F. des Steu­er­än­de­rungs­ge­set­zes 2001, BGBl I 2001, 3794). Der Gesetz­ge­ber hat mit der Ein­fü­gung des § 17 Abs. 3a GrEStG, der am 31.12 2001 in Kraft getre­ten ist, den mit § 17 Abs. 3 GrEStG ver­folg­ten Ver­ein­fa­chungs­zweck zuguns­ten einer Bin­dungs­wir­kung des vom Lage­fi­nanz­amt zu erlas­sen­den Fest­stel­lungs­be­scheids über den Grund­be­sitz­wert ein­ge­schränkt [2]. Aus dem Fest­stel­lungs­be­scheid nach § 17 Abs. 3 GrEStG muss sich daher nicht ent­neh­men las­sen, wel­che Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er maß­ge­bend ist und in wel­cher Höhe Grund­er­werb­steu­er fest­zu­set­zen ist. Der Fest­stel­lungs­be­scheid hat inso­weit nur eine begrenz­te Wir­kung.
Die geson­der­te Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen nach § 17 Abs. 3 GrEStG hat für alle von einem der Grund­er­werb­steu­er unter­lie­gen­den Rechts­vor­gang betrof­fe­nen Grund­stü­cke in nur einem Ver­wal­tungs­akt zu erfol­gen [3]. Dies folgt dar­aus, dass § 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG rechts­tech­nisch an den Rechts­vor­gang "Ver­ei­ni­gung von min­des­tens 95 % der Antei­le an einer Gesell­schaft" anknüpft und sich des­halb die in § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG ange­ord­ne­ten Rechts­fol­gen ‑geson­der­te Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen, Zustän­dig­keit des Finanz­amts, in des­sen Bezirk sich die Geschäfts­lei­tung der Gesell­schaft befin­det- auf den Rechts­vor­gang bezie­hen, der zur tat­be­stands­er­fül­len­den Ver­ei­ni­gung der Antei­le führt und der die Steu­er­pflicht aus­löst.
Wird ein Fest­stel­lungs­be­scheid i.S. von § 17 Abs. 3 GrEStG mit einer Kla­ge ange­foch­ten, erge­ben sich die mög­li­chen Ent­schei­dun­gen des Finanz­ge­richt aus § 100 FGO.
Soweit ein ange­foch­te­ner Ver­wal­tungs­akt rechts­wid­rig und der Klä­ger dadurch in sei­nen Rech­ten ver­letzt ist, hebt das Gericht den Ver­wal­tungs­akt und die etwai­ge Ent­schei­dung über den außer­ge­richt­li­chen Rechts­be­helf auf (§ 100 Abs. 1 Satz 1 1. Halb­satz FGO).
Begehrt der Klä­ger die Ände­rung eines Ver­wal­tungs­akts, der einen Geld­be­trag fest­setzt oder eine dar­auf bezo­ge­ne Fest­stel­lung trifft, kann das Gericht den Betrag in ande­rer Höhe fest­set­zen oder die Fest­stel­lung durch eine ande­re erset­zen (§ 100 Abs. 2 Satz 1 FGO). Gegen­stand der Ände­rungs­be­fug­nis kann nicht nur der auf eine Geld­leis­tung gerich­te­te Ver­wal­tungs­akt, son­dern auch die Fest­stel­lung einer Bemes­sungs­grund­la­ge sein [4]. Die Ände­rungs­be­fug­nis des Finanz­ge­richt beschränkt sich inso­weit jedoch auf eine betrags­mä­ßi­ge Ände­rung. Sie erlaubt dem Finanz­ge­richt nicht, eine Fest­stel­lung auch in ande­rer Hin­sicht, z.B. in Bezug auf die Per­son des Steu­er­schuld­ners, die Steu­er­art oder den Ver­an­la­gungs­zeit­raum zu ändern [5]. Der Steu­er­ge­gen­stand kann eben­falls nicht geän­dert wer­den. Dies gilt selbst für den Fall, dass ein Klä­ger einen ent­spre­chen­den Ände­rungs­an­trag stellt.
Ein Fest­stel­lungs­be­scheid i.S. von § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG, der bei einer Anteils­ver­ei­ni­gung die Steu­er­pflicht dem Grun­de nach sowie alle von dem steu­er­ba­ren Rechts­vor­gang betrof­fe­nen Grund­stü­cke und die dar­auf ent­fal­len­den Antei­le an den ein­schlä­gi­gen Steu­er­be­güns­ti­gun­gen fest­stellt, kann vom Finanz­ge­richt nicht dahin geän­dert wer­den, dass meh­re­re die­ser Grund­stü­cke als zu einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit i.S. von § 2 Abs. 3 Satz 1 GrEStG gehö­rend zusam­men­ge­fasst wer­den. Die recht­li­che Ein­ord­nung eines Grund­stücks als zu einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit gehö­rend ist nicht einer betrags­mä­ßi­gen Ände­rung der Besteue­rungs­grund­la­gen gleich­zu­set­zen. Hat das Finanz­amt im Fest­stel­lungs­be­scheid die Grund­stü­cke feh­ler­haft ein­ge­ord­net, ist der Bescheid rechts­wid­rig und des­halb nach § 100 Abs. 1 Satz 1 FGO auf­zu­he­ben. Dafür spricht auch, dass ein Ver­gleichs­maß­stab für die Steu­er­be­güns­ti­gungs­quo­te fehlt, wenn meh­re­re Grund­stü­cke mit ver­schie­de­nen Begüns­ti­gungs­quo­ten als ein Grund­stück behan­delt wer­den.
vgl. BFH, Urteil vom 20.10.2004 – II R 27/​03, BFHE 207, 368, BStBl II 2005, 105[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 15.06.1994 – II R 120/​91, BFHE 174, 465, BStBl II 1994, 819[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 11.12 1984 – VII R 90/​80, nicht ver­öf­fent­licht[↩]
vgl. Gräber/​von Groll, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 100 Rz 26[↩]
AnteilsvereinigungFeststellungsbescheidGrunderwerbsteuer

References: § 17
 § 2
 § 17
 § 1
 § 17
 § 138
 § 1
 § 8
 § 17
 § 17
 § 17
 § 17
 § 1
 § 17
 § 17
 § 100
 § 17
 § 2
 § 100
 § 100