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Timestamp: 2019-11-15 16:16:37+00:00

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Pauschalreisen — Reisepreisanzahlung und Rücktrittspauschale | Reiserechtslupe
Pauschalreisen — Reisepreisanzahlung und Rücktrittspauschale
In dem ers­ten jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren1 ver­langt die Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len e.V. von der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin, die u.a. über das Inter­net im Rah­men eines die Bün­de­lung von Rei­se­teil- und Ein­zel­leis­tun­gen zu einem Leis­tungs­pa­ket („Dyna­mic Packa­ging“) anbie­tet, es zu unter­las­sen, beim Abschluss von Pau­schal­rei­sen Rei­se­be­din­gun­gen zu ver­wen­den, nach denen der Rei­sen­de u.a. inner­halb einer Woche nach Erhalt sei­ner Rei­se­be­stä­ti­gung eine Anzah­lung von 40 % vom Gesamt­preis und den Rest des Rei­se­prei­ses bis spä­tes­tens 45 Tage vor Rei­se­an­tritt zu zah­len hat und nach denen bei Flug­rei­sen bei einem Rück­tritt des Rei­sen­den gestaf­fel­te Ent­schä­di­gungs­pau­scha­len nach § 651i Abs. 3 BGB zu zah­len sind, die bis 30 Tage vor Rei­se­be­ginn 40 % des Rei­se­prei­ses betra­gen und die stu­fen­wei­se auf bis zu 90 % anstei­gen, die der Rei­se­ver­an­stal­ter bei einem Rück­tritt am Tag des Rei­se­an­tritts oder bei Nicht­er­schei­nen bean­sprucht.
Das erst­in­stanz­lich mit die­sem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Leip­zig hat der Rei­se­ver­an­stal­te­rin die Ver­wen­dung der Klau­seln unter­sagt2, das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Rei­se­ver­an­stal­te­rin zurück­ge­wie­sen3: Die von der Rei­se­ver­an­stal­te­rin bei Ver­trags­ab­schluss gefor­der­te Anzah­lung von 40 % des Rei­se­prei­ses benach­tei­li­ge den Ver­trags­part­ner unan­ge­mes­sen im Sinn von § 307 Abs. 1 und 2 Nr. 1 BGB, ent­schie­den die säch­si­schen Gerich­te. Auch die Rege­lung in den AGB der Rei­se­ver­an­stal­te­rin, nach der der Rest­be­trag bereits 45 Tage vor Rei­se­an­tritt fäl­lig wer­de, ver­sto­ße gegen § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB und § 320 BGB. Die Klau­seln zu den Stor­nie­rungs­ge­büh­ren bei Flug­rei­sen sei­en wegen Ver­sto­ßes gegen § 651i BGB eben­falls unwirk­sam.
Im zwei­ten jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall4 ver­langt die Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len e.V. von der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin, die Ver­wen­dung von Rei­se­be­din­gun­gen zu unter­las­sen, nach denen der Rei­sen­de inner­halb einer Woche nach Erhalt der Rei­se­be­stä­ti­gung eine Anzah­lung von 25 %, bei Rei­sen aus „Last-Minu­te-Pro­gram­men“ jedoch von 30% zu leis­ten hat, die Rest­zah­lung jeweils 40 Tage vor Rei­se­an­tritt fäl­lig wird und nach denen bei Flug­rei­sen, „Last-Minu­ten-Rei­sen“ und ande­ren Rei­sen jeweils unter­schied­lich gestaf­fel­te Rück­tritts­pau­scha­len zahl­bar sein sol­len, die bei Flug­rei­sen mit 25 % des Rei­se­prei­ses begin­nen, die bei einem Rück­tritt bis 42 Tage vor Rei­se­be­ginn ver­langt wer­den, und bei „Last-Minu­te-Rei­sen“ mit 40 % bei einem Rück­tritt bis zum 30. Tag vor Rei­se­be­ginn. Auch hier haben in den Vor­in­stan­zen das Land­ge­richt5 und das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main6 haben der Rei­se­ver­an­stal­te­rin die Ver­wen­dung der Klau­seln unter­sagt.
In drit­ten Ver­fah­ren7 ver­langt der kla­gen­de Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de von der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin, die Ver­wen­dung von Rei­se­be­din­gun­gen zu unter­las­sen, nach denen bei Ver­trags­ab­schluss gegen Aus­hän­di­gung der Bestä­ti­gung die Anzah­lung zu zah­len ist, die in der Regel 25% beträgt, bei geson­dert gekenn­zeich­ne­ten Top-Ange­bo­ten sowie aus­ge­wähl­ten, kurz­fris­ti­gen bzw. preis­re­du­zier­ten Spe­cials, Spar­rei­sen und Rei­sen bestimm­ter Mar­ken sowie Ticket-Pake­ten aus Leis­tungs­be­schrei­bun­gen mit dem Titel „Musi­cals & Shows“ aber 40 % des Gesamt­prei­ses betra­gen soll.
Auch hier hat das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Han­no­ver der Rei­se­ver­an­stal­te­rin die Ver­wen­dung der Klau­sel unter­sagt8 und hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Rei­se­ver­an­stal­te­rin zurück­ge­wie­sen9: Die von der Rei­se­ver­an­stal­te­rin unmit­tel­bar bei Ver­trags­ab­schluss gefor­der­te Anzah­lung von 40 % des Rei­se­prei­ses. so das OLG Cel­le, sei weit­ge­hend intrans­pa­rent, d. h. nicht klar und ver­ständ­lich und benach­tei­li­ge den Ver­trags­part­ner unan­ge­mes­sen im Sinn von § 307 Abs. 1 und 2 BGB.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt in den bei­den ers­ten Fäl­len die Revi­si­on des Rei­se­ver­an­stal­ters ins­ge­samt und im drit­ten Fall teil­wei­se zurück­ge­wie­sen. Er hat auch in der ers­ten Sache10 die Beklag­te als Rei­se­ver­an­stal­te­rin ange­se­hen, da sie dem Rei­sen­den eine Gesamt­heit von Rei­se­leis­tun­gen zu einem Gesamt­preis zur Ver­fü­gung stellt.
Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 9. Dezem­ber 2014 — X ZR 85⁄12 — X ZR 13⁄14 und X ZR 147⁄13
BGH — X ZR 85⁄12 [↩]
LG Leip­zig, Urteil vom 11.11.2011 — 8 O 3545⁄10 [↩]
OLG Dres­den, Urteil vom 21.06.2012 — 8 U 1900⁄11 [↩]
BGH — X ZR 13⁄14 [↩]
LG Frank­furt a.M., Urteil vom 28.03.2013 – 2 – 24 O 196⁄12 [↩]
OLG Frank­furt a.M., Urteil vom 16.01.2014 — 16 U 78⁄13 [↩]
BGH — X ZR 147⁄13 [↩]
LG Han­no­ver, Urteil vom 30.10.2012 – 18 O 129⁄12 [↩]
OLG Cel­le, Urteil vom 28.11.2013 – 11 U 279⁄12 [↩]

References: § 651
 § 307
 § 307
 § 320
 § 651
 § 307

BGH 

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