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Was ist ein Aktuar und welche Aufgaben hat er im Versicherungsunternehmen? Vortrag an der Universität Wien, Seminar Finanzmathematik, 21.5.2003.
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1 Was ist ein Aktuar und welche Aufgaben hat er im Versicherungsunternehmen?
Vortrag an der Universität Wien, Seminar Finanzmathematik,
2 Inhalt Aufgabenbereich und Verantwortung des Versicherungsmathematikers Überblick über mathematische Modelle im Bereich der Versicherungsmathematik Die Tücken der mathematischen Praxis
3 Eigener Berufsweg - Ausbildung
Studium Mathematik an der Uni Wien Dissertation zum Thema Abbildungsmannigfaltigkeiten Universitätsassistent in Klagenfurt (Hochschulpädagogik)
4 Eigener Berufsweg - Praxis
Wiener Städtische Versicherung Vorstandsassistent Kurzstudium Versicherungmathematik stv. Leiter LV-Mathematik Marketing & Produktentwicklung Leiter LV- & KV-Mathematik seit 1999 UNION Versicherungs-AG Leiter Koordination und Mathematik
5 Mathematische Vereinigungen
Leiter LV-Mathematikerkomitee des Versicherungsverbandes Vorstandsmitglied österreichische Aktuarvereinigung Mitglied Insurance Committee der Groupe Consultatif (auf EU-Ebene) österreichischer Korrespondent der internationalen Aktuarvereinigung
6 Was macht ein Mathematiker in einer Versicherung?
Traditionelle Aufgabengebiete Lebens-, Krankenversicherung Kalkulation von Prämien und Reserven Entwicklung neuer Tarife Wirtschaftlichkeitsrechnungen Vertragsänderungen Spezialofferte Bilanzierung
7 Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung
Kalkulationsparameter: Rechnungszins 3% Einjährige Sterbewahrscheinlichkeit q20 und q21 Einfache Betrachtung ohne Kosten gesucht: Jährliche Prämie Reserve nach 1 Jahr
8 Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung
Mann, Alter 20 Versicherungsdauer 2 Jahre Versicherungssumme EUR 1.000,- Jährliche Prämienzahlung Die Versicherungssumme wird fällig Bei Ableben im 1. Jahr am Ende des 1. Jahres Bei Ableben im 2. Jahr am Ende des 2. Jahres Bei Erleben am Ende des 2. Jahres
9 Beispiele für (Bevölkerungs-) Sterblichkeiten
Mann, 20 Jahre: 1,47%o Mann, 40 Jahre: 2,41%o Mann, 60 Jahre: 15,45%o Frau, 20 Jahre: 0,41%o Frau, 40 Jahre: 1,21%o Frau, 60 Jahre: 6,56%o
10 Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung
Gewinnquellen Kapitalertrag Sterblichkeit Kosten Gewinnbeteiligung: jährliche Ausschüttung an Kunden in Form einer erhöhten Versicherungsleistung
11 Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung
Äquivalenzprinzip: Barwert der Einnahmen = Barwert der Ausgaben Barwert = versicherungsmathematisch bewerteter Zahlungsstrom. Voraussetzung: großes Kollektiv, Ausgleich im Bestand Äquivalenzprinzip gilt für Prämien – und Reserverechnung sowie für alle Vertragsänderungen
12 Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung
Äquivalenzprinzip am Beginn (Prämienrechnung): P + (1-q20)vP = 100 q20 v + 100(1- q20) q21 v (1- q20)(1- q21) v2 Äquivalenzprinzip nach 1 Jahr (prospektive Reserve): 1Res20 + P = 100q21 v + 100(1- q21) v Äquivalenzprinzip nach 1 Jahr (retrospektive Reserve): P(1+i) q20 = 1Res20 (1- q20)
13 Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung
Prämienzerlegung: P =( t+1Res20v - tRes20) + (100- t+1Res20) q20+tv Prämie = Sparprämie + Risikoprämie (bezogen auf Risikokapital). Sparprämie ist nicht konstant (im Gegensatz zur Finanzmathematik) Rekursionsformel für Reserve: t+1Res20 = (tRes20 + P)(1+i) – (100- t+1Res20) q20+t Gewinnquellen bei i´ statt i und q´ statt q: (tRes20 + P)(i´-i) + (100- t+1Res20) (q20+t- q20+t´) Zinsgewinn + Sterblichkeitsgewinn
14 Konkretes Beispiel - Parameter
Konkretes Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung Alter 50 Dauer 20 Rechnungszins 3% aktuelle österreichische Volkssterblichkeiten ÖVM 90/92 Jährliche Prämie für Versicherungssumme = 42,44
15 Konkretes Beispiel - Entwicklung der Reserve
16 Konkretes Beispiel - Entwicklung der Risikoprämie
17 Konkretes Beispiel - Entwicklung der Sparprämie
18 Beispiel für eine klassische Ab- und Erlebensversicherung
Risiken im LV-Bestand Rechnungszins garantiert Sterblichkeit problematisch bei Renten Inflation bei Kosten Vorsichtige Veranlagung (gem. VAG): wie weit ist der Aktuar verantwortlich? Risikoprüfung
19 Was macht ein Mathematiker in einer Versicherung?
Neue Aufgabengebiete Sachversicherung Investmentprodukte Profit Testing Asset-Liability-Management Solvabilität (Eigenmittelerfordernis) – Ruinwahrscheinlichkeit International Accounting Standards – Fair Value
20 Was macht ein Mathematiker in einer Versicherung?
Probleme fehlende oder unsichere Statistiken komplexe mathematische Modelle Fehlende Vorschriften und Erfahrungen (IAS) Angleichung an GB / USA Grundlagenarbeit notwendig! Formale Position laut VAG Verantwortlicher Aktuar Stellvertretender verantwortlicher Aktuar
21 Der verantwortliche Aktuar im Versicherungsaufsichtsgesetz
§ 24. (1) Versicherungsunternehmen, die im Rahmen ihrer gemäß § 4Abs. 1 erteilten Konzession die Lebensversicherung oder jeweils die Krankenversicherung oder die Unfallversicherung nach Art der Lebensversicherung betreiben, haben einen verantwortlichen Aktuar und einen Stellvertreter zu bestellen.
22 Der verantwortliche Aktuar im Versicherungsaufsichtsgesetz
§ 24. (2) Zum verantwortlichen Aktuar oder seinem Stellvertreter dürfen nur eigenberechtigte natürliche Personen bestellt werden, die die erforderlichen persönlichen Eigenschaften und die fachliche Eignung besitzen. Die fachliche Eignung setzt eine ausreichende, mindestens dreijährige Berufserfahrung als Aktuar voraus.
23 Der verantwortliche Aktuar im Versicherungsaufsichtsgesetz
§ 24a. (1) Der verantwortliche Aktuar hat darauf zu achten, dass die Erstellung der Tarife und die Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen in der Lebensversicherung ... nach den dafür geltenden Vorschriften und versicherungsmathematischen Grundlagen erfolgt. Der verantwortliche Aktuar hat unter Bedachtnahme auf die Erträge aus den Kapitalanlagen auch zu beurteilen, ob nach diesen versicherungsmathematischen Grundlagen mit der dauernden Erfüllbarkeit der Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen gerechnet werden kann.
24 Der verantwortliche Aktuar im Versicherungsaufsichtsgesetz
§ 24a. (3) Der verantwortliche Aktuar hat dem Vorstand ... jährlich innerhalb von drei Monaten nach Ende des Geschäftsjahres schriftlich einen Bericht über die Wahrnehmungen bei Ausübung seiner Tätigkeit gemäß Abs. 1 im vorangegangenen Geschäftsjahr zu erstatten. Das Versicherungsunternehmen hat den Bericht unverzüglich der FMA vorzulegen.
25 Der verantwortliche Aktuar im Versicherungsaufsichtsgesetz
§ 81a. (2) Bei Versicherungsunternehmen, die die Lebensversicherung ... betreiben, hat der verantwortliche Aktuar durch einen Vermerk im Bericht gemäß § 24a Abs. 3 zu bestätigen,dass die Deckungsrückstellung und die Prämienüberträge nach den hiefür geltenden Vorschriften und versicherungsmathematischen Grundlagen berechnet sind.
26 Der verantwortliche Aktuar im Versicherungsaufsichtsgesetz
§ 112. Wer ... als verantwortlicher Aktuar entgegen dem § 81a Abs. 2 fälschlich bestätigt, dass die Deckungsrückstellung und die Prämienüberträge nach den hiefür geltenden Vorschriften und versicherungsmathematischen Grundlagen berechnet sind, ... begeht, sofern die Tat nicht den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet, eineVerwaltungsübertretung und ist von der FMA mit einer Geldstrafe bis Euro zu bestrafen.
27 Macht das nicht ohnedies alles der Computer?
Computer ist Rechenknecht Kreativität bei Tarifentwicklung Wissen bei Spezialfällen Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge Neue mathematische Methoden Sachversicherung Investmentprodukte Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge
28 Berufsbilder für Versicherungsmathematiker
Lebens- und Krankenversicherung Sachversicherung Gutachter (Rückstellungen für Sozialkapital, Versorgungswerke) Pensionskassen (Aktuare und Prüfaktuare) Versicherungsmathematiker werden DRINGEND gesucht!
29 Anforderungen an den Mathematiker
Universitätsausbildung – heute ideal Kombination mit moderner Finanzmathematik Wissen bei Spezialfällen Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge Kreativität bei Tarifentwicklung verständliche Darstellungen Teamfähigkeit keine Schreibtischtäter mehr
30 Anforderungen an das Mathematikstudium
Handwerkszeug Versicherungsmathematik Finanzmathematik Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung Analytisches Denken Methodisches Vorgehen Defizite verständliche Darstellungen Teamfähigkeit schwarz/weiß - Denken
31 Viel Erfolg bei Ihrer Ausbildung und beruflichen Laufbahn!
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References: § 24
 § 4

§ 24

§ 24

§ 24

§ 81
 § 24

§ 112
 § 81