Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Saarland&Datum=03.02.2006&Aktenzeichen=3%20R%207/05
Timestamp: 2019-05-25 14:34:24+00:00

Document:
OVG Saarland, 03.02.2006 - 3 R 7/05 - dejure.org
https://dejure.org/2006,5901
OVG Saarland, 03.02.2006 - 3 R 7/05 (https://dejure.org/2006,5901)
OVG Saarland, Entscheidung vom 03.02.2006 - 3 R 7/05 (https://dejure.org/2006,5901)
OVG Saarland, Entscheidung vom 03. Februar 2006 - 3 R 7/05 (https://dejure.org/2006,5901)
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Zur Abgrenzung von Lebensmitteln und Arzneimitteln
Einordnung von Weihrauchtrockenextrakt als Lebensmittel oder Arzneimittel; Inverkehrbringen des Produkts als Nahrungsergänzungsmittel mit Verzehrsempfehlung; Negativabgrenzung von Lebensmitteln zu Arzneimitteln; Fehlende Marktgenehmigung für Weihrauch als Arzneimittel; Bestimmung des Begriffs "Funktionsarzneimittel"; Eigenschaft der Beeinflussung von Körperfunktionen und Auswirkungen auf die Gesundheit; Nachweis der pharmakologischen Wirkung von Weihrauch; Wirkung von Weihrauchextrakt auf Entzündungsprozesse; Beurteilung des Produkts sowohl als Aromastoff und damit als Lebensmittel wie auch als Funktionsarzneimittel ; Entscheidung über den Vorrang von Arzneimittelrecht oder Lebensmittelrecht beim Zusammentreffen beider Definitionen; Arzneimittelrecht als strengeres Recht wegen Schutz vor besonderen Gefahren; Europarechtskonforme Auslegung des deutschen Arzneimittelrechts; Geltung einer verbindlichen Zolltarifauskunft über die Einordnung des Produkts für die Vermarktung des Produkts als Lebensmittel
Weihrauchextrakt ist zulassungspflichtiges Arzneimittel und kein Lebensmittel
Weihrauchextrakt ist kein Lebensmittel, sondern zulassungspflichtiges Arzneimittel - Gemeinschaftsrecht entscheidend
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des OVG Saarland vom 03.02.2006, Az.: 3 R 7/05 (" von RA Dr. Susanne A. Wagner, original erschienen in: ZLR 2006, 173 - 223.
b) Andere Gerichte und Autoren sehen hingegen das Merkmal bei jeder nennenswerten Beeinflussung der physiologischen Funktionen als gegeben an, sei sie positiv im Sinne eines therapeutischen Nutzens oder negativ im Sinne einer schädlichen Einwirkung (aus verwaltungsrechtlicher Sicht: OVG Saarlouis, Urteil vom 3. Februar 2006 - 3 R 7/05, ZLR 2006, 173, 188; VG Potsdam, Beschluss vom 9. Juni 2008 - 3 L 115/08, PharmR 2009, 250, 251;… Koyuncu in: Deutsch/Lippert, AMG, 3. Aufl., § 2 Rn. 18, 21;… Müller in: Kügel/Müller/Hofmann, AMG, § 2 Rn. 91; Kloesel/Cyran, Arzneimittelrecht, 119. Erg.-Lief., § 2 Nr. 69 aE;… Volkmer in: Körner/Patzak/Volkmer, BtMG, 7. Aufl., Vorbem. AMG Rn. 72; aus strafrechtlicher Sicht: OLG Nürnberg, Urteil vom 10. Dezember 2012 - 1 St OLG Ss 246/12, PharmR 2013, 94, 97; LG Limburg, Urteil vom 27. September 2012 - 5 KLs 3 Js 14210/11, PharmR 2013, 190, 203 f.; Diehm/Pütz, Kriminalistik 2009, 131, 135; Patzak/Volkmer, NStZ 2011, 498, 500).
Der Senat, der in ständiger Rechtsprechung von dem von Gerichten zu beachtenden grundsätzlichen Anwendungsvorrang des Gemeinschaftsrechts ausgegangen ist etwa Urteil vom 3.2.2006 - 3 R 7/05 - m.w.N. .
(siehe insoweit Beschluss des Senats vom 3.2.2006 - 3 R 7/05 - zu Arzneimitteln) 54.1, 54.3.1 des Streitwertkatalogs für die Verwaltungsgerichtsbarkeit in der Fassung vom 7./8.7.2004, DVBl. 1525 ff. diesen bedeutungsangemessen und hauptsachebezogen auf 40.000,-- Euro unterschiedslos je Rechtsmittelführer, der im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes zu halbieren ist.
BVerwG 3 C 42.06 am 25. Oktober 2007 OVG 3 R 7/05 Jesert Justizobersekretärin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle.
Das Gemeinschaftsrecht hat gegenüber dem nationalen Recht grundsätzlich einen Anwendungsvorrang (vgl. etwa OVG Saarland, Urt. v. 3.2.2006 - 3 R 7/05 -, veröff. in juris;… Klaus, Der gemeinschaftsrechtliche Lebensmittelbegriff, 2005, S. 36 f u. 276).
Der Senat, der in ständiger Rechtsprechung von dem von Gerichten zu beachtenden grundsätzlichen Anwendungsvorrang des Gemeinschaftsrechts ausgegangen ist etwa Urteil vom 3.2.2006 - 3 R 7/05 - m.w.N., hat - im Rahmen des vorliegenden summarischen Verfahrens - Bedenken, dass einem nationalen Gericht eine derartige Kompetenz zustünde, wenn es nicht mehr um die Durchsetzung von Gemeinschaftsrecht gegen nationales Recht, sondern de facto um die zeitweise Unwirksamkeitserklärung von primärem Gemeinschaftsrecht geht.
(siehe insoweit Beschluss des Senats vom 3.2.2006 - 3 R 7/05 - zu Arzneimitteln) 54.1, 54.3.1 des Streitwertkatalogs für die Verwaltungsgerichtsbarkeit in der Fassung vom 7./8.7.2004, DVBl. 1525 ff. diesen bedeutungsangemessen und hauptsachebezogen auf 40.000,-- Euro, der im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes zu halbieren ist.
EuGH, Urteil vom 9.6.2005 - C 211/03 -, Rz 44; Urteil des Senats vom 3.2.2006 - 3 R 7/05 - Seite 49 des amtl.
(Physiologie bezeichnet die Wissenschaft von den normalen Lebensvorgängen, vgl. OVG Saarlouis, Urteil v. 3. Februar 2006, 3 R 7/05, S. 16 Rn. 117 zitiert nach juris).
b) Andere Gerichte und Autoren sehen hingegen das Merkmal bei jeder nennenswerten Beeinflussung der physiologischen Funktionen als gegeben an, sei sie positiv im Sinne eines therapeutischen Nutzens oder negativ im Sinne einer schädlichen Einwirkung (aus verwaltungsrechtlicher Sicht: OVG Saarlouis, Urteil vom 3. Februar 2006 - 3 R 7/05 , ZLR 2006, 173, 188 ; VG Potsdam, Beschluss vom 9. Juni 2008 - 3 L 115/08 , PharmR 2009, 250, 251 ;… Koyuncu in: Deutsch/Lippert, AMG, 3. Aufl., § 2 Rn. 18, 21;… Müller in: Kügel/Müller/Hofmann, AMG, § 2 Rn. 91; Kloesel/Cyran, Arzneimittelrecht, 119. Erg.-Lief., § 2 Nr. 69 aE;… Volkmer in: Körner/Patzak/Volkmer, BtMG, 7. Aufl., Vorbem. AMG Rn. 72; aus strafrechtlicher Sicht: OLG Nürnberg, Urteil vom 10. Dezember 2012 - 1 St OLG Ss 246/12, PharmR 2013, 94, 97 ; LG Limburg, Urteil vom 27. September 2012 - 5 KLs 3 Js 14210/11 , PharmR 2013, 190, 203 f.; Diehm/Pütz, Kriminalistik 2009, 131, 135; Patzak/Volkmer, NStZ 2011, 498, 500 ).
Prägendes Merkmal aller Definitionen ist die pharmakologische Wirkung des Arzneimittels auf die physiologischen Funktionen des Körpers, wobei man Physiologie als die Wissenschaft von den normalen Lebensvorgängen im menschlichen Körper begreift (vgl. OVG Saarlouis, Urteil vom 3. Februar 2006, 3 R 7/05, S. 16 Rn. 117 zitiert nach juris).
Damit ist letztlich doch die Definition des Arzneimittels als vorrangige Definition entscheidend (s. im Einzelnen Nds. OVG vom 23.3.2006, Az. 11 LC 180105; ähnlich OVG Saarland vom 3.2.2006, Az. 3 R 7/05).

References: § 2
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