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ᐅ Hausarbeit in Strafrecht Bayreuth - Strafrecht / Strafprozeßrecht - JuraForum.de
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Hausarbeit in Strafrecht Bayreuth
Dieses Thema "ᐅ Hausarbeit in Strafrecht Bayreuth - Strafrecht / Strafprozeßrecht" im Forum "Strafrecht / Strafprozeßrecht" wurde erstellt von Gobi 1, 1. September 2013.
Gobi 1 Neues Mitglied 01.09.2013, 10:53
Villeicht habt ihr ja eine Idee und könnt mir weiterhelfen
ich komme gerade an der Stelle nicht weiter!
Drei Jahre später hat H selbst eine Gang, „die kühlen Blonden“, gegründet. Während H nach
einem Club-Abend in ihrer Stammkneipe, der „Rosamunde“, noch versucht, bei der
Kneipenwirtin zu landen, entdecken sechs Mitglieder der „kühlen Blonden“ beim Verlassen
der Kneipe auf der anderen Straßenseite sechs Mitglieder der „Rüpels“, eingeschlossen ihres
Anführers U. U fand sofort abfällige Worte für die „blonden“ Jungs, die ohnehin wie
Mädchen kämpfen würden. Beide Gruppen kamen aufeinander zu und man kam nach einem
kurzen Wortgefecht überein, die Sache nun mit Faustschlägen und Fußtritten auszutragen,
auch wenn dies erhebliche Verletzungen zur Folge haben sollte. Waffen sollten allerdings
tabu sein. Die sechs „Blonden“ erwiesen sich als überlegen und ein Gangmitglied, Norbert
Nuss (N), der allerdings schwarzbraune Haare hat, schlug, trotzt Flehen des U damit
aufzuhören, ohne Unterlass auf den am Boden liegenden U ein. In letzter Not zog U ein
Messer, das er eigentlich nicht benutzen wollte, aber an seinem Bein unter der Hose befestigt hatte und stach dem N damit in die Brust.
Die Schlägerei stoppte daraufhin, weil alle Beteiligten den stark blutenden N am Boden
liegen sahen und erkannten, dass dieser möglicherweise sterben kann. Die zwei Gruppen
rannten schnell vom Platz des Geschehens davon, da sie Angst davor hatten, wegen ihrer
Beteiligung zur Rechenschaft gezogen zu werden. U rannte zunächst auch davon, entschloss
sich dann aber einige Häuserblocks weiter doch dazu, die Polizei darüber zu benachrichtigen,
dass vor der „Rosamunde“ eine Schlägerei stattgefunden habe. Der Polizist schickte
glücklicherweise einen Krankenwagen zur „Rosamunde“, obwohl U nichts von der
Verletzung des N erzählt hatte, und so konnte N in allerletzter Sekunde noch gerettet werden.
Infolge innerer Blutungen erlitt er aber einen Schlaganfall, der zum Verlust der Sehfähigkeit
auf einem Auge führte.
Wie haben sich U und N strafbar gemacht? § 113 und Delikte des WaffenG sind nicht zu
prüfen. Erforderliche Strafanträge sind gestellt. Auf Vorschriften der StPO ist nicht einzugehen.
Muss ich jetzt bei der Strafbarkeit des N eine Einwilligung prüfen und dann weiter prüfen mit Unterlassen? Oder bei der Strafbarkeit des U auch eine Einwilligung (-) und dann Notwehr?
Würde mich bei einer Antwort freuen!
Mison Forum-Interessierte(r) 07.09.2013, 06:15
AW: Hausarbeit in Strafrecht Bayreuth
Grundsätzlich kann der §231 StGB geprüft werden. Dann die gef KV gem.
§ 224 bei U und N - die Einwilligung gem §228 ist nicht möglich, da die Schlägerei und die Folgen gegen die gute Sitte verstoßen <- siehe dazu Kommentierung zum §228. Dannach könnte man über den versuchten Totschlag §212 des U an dem N an die Notwehr gelangen. Unterlassen anprüfen und letztendlich die schwere Körperverletzung als Qualifizierung prüfen. So hätte ich das damals wahrscheinlich aufgebaut
Gruß Mison
J2S1 Aktives Mitglied 08.09.2013, 11:42
Der Sachverhalt beruht vermutlich auf folgendem Urteil des BGH vom 20. Februar diesen Jahres: BGH Beschluss v. 20.2.2013 – 1 StR 585/12
Der BGH hat die Verurteilung der Täter wegen Körperverletzung bestätigt, die Einwilligung war wegen Sittenwidrigkeit unwirksam. Über dejure oder juris müsste sich verfolgen lassen, ob der BGH seine Rechtsprechung zwischenzeitlich gändert hat oder hieran noch festhält.
Juraexamen führt zum Sachverhalt aus und bespricht das Urteil: (http://www.juraexamen.info/bgh-sitt...rverletzung-trotz-einwilligung-in-schlagerei/)
"Nach der Pressemitteilung des BGH hatten zwei rivalisierende Gruppen Jugendlicher bzw. junger Erwachsener nach vorangegangenen wechselseitigen Provokationen verabredet, sich miteinander zu schlagen. Die an dieser faktisch zustande gekommenen Übereinkunft Beteiligten beider Gruppen stimmten zu, die Auseinandersetzung auch mit Faustschlägen und Fußtritten auszutragen. Den Eintritt selbst erheblicher Verletzungen billigten sie jeweils. Im Verlaufe der wechselseitigen Tätlichkeiten erlitten mehrere Angehörige einer Gruppe nicht unerhebliche Verletzungen. So musste etwa einer der Beteiligten drei Tage stationär, davon einen Tag auf der Intensivstation, behandelt werden. Das LG Stuttgart hat drei heranwachsende Mitglieder der gegnerischen Gruppe wegen von ihnen begangener oder als Mittäter der übrigen Gruppenmitglieder zu verantwortender gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzungen (§ 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB) zu unterschiedlichen Sanktionen des Jugendstrafrechts verurteilt. U.a. hiergegen richtete sich die Revision der Betroffenen beim BGH."
BGH: "Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat bislang bereits Einwilligungen von späteren Opfern von Körperverletzungen keine rechtfertigende Wirkung beigemessen, wenn die Taten mit einer konkreten Gefahr des Todes für die Opfer verbunden sind. Nunmehr hat der 1. Strafsenat deutlich gemacht, dass, jedenfalls bei wie hier verabredeten wechselseitigen Tätlichkeiten zwischen Gruppen, § 228 StGB die Wirksamkeit der erteilten Zustimmung zu eigenen Verletzungen regelmäßig ausschließt, weil die typischerweise eintretenden gruppendynamischen Prozesse generell mit einem so erheblichen Grad an Gefährdung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Kontrahenten verbunden sind, dass die Grenze der „Sittenwidrigkeit“ der Taten überschritten ist."
"Selbst wenn solche körperlichen Auseinandersetzungen auf getroffenen Abreden über die Art des „Kampfes“ beruhen, werden sich die Taten wegen der typischen Eskalationsgefahren trotz der Einwilligungen sämtlicher Beteiligten als Verstoß gegen die „guten Sitten“ erweisen."
Gobi 1 Neues Mitglied 09.09.2013, 11:55
Klar, eine Schlägerei habe ich total übersehen !!
Ich habs jetzt mal vorerst so gelöst das ich über die gefährliche Körperverletzung §§ 223, 224 I Nr. 2, 5 des U an dem N zur Notwehr gekommen bin und dann noch Unterlassen mit schwerer Körperverletzung prüfe. Denkst du den versuchten Totschlag wollen die da sehen?
J2S1 ich hab mich jetzt mal daran orientiert BayObLG NJW 1999, 372 was ich hier gefunden habe http://www.strafrecht-online.org/index.php?dl_init=1&id=3269. Ich werde dem Urteil aber auch noch nachforschen.
Mison Forum-Interessierte(r) 10.09.2013, 04:09
die schwere Körperverletzung ist ja eigentlich nur eine Qualifizierung der vorsätzlichen oder gefährlichen KV - ich hätte die Beteiligung an einer Schlägerei + vorsätzlicher KV geprüft (für U + N). Dann den Totschlag (Versuch) <--- ein Messer in die Brust eines Menschen zu rammen bedeutet immer auch, dass man eine tödliche Verletzung zumindest billigend in Kauf nimmt (bedingter Vorsatz). Dann den Rechtfertigungsgrund Notwehr prüfen. Hier könnte man auch weiter den Notwehrexzess anprüfen um den Einsatz des Messers als Abwehr der Gefahr zu bewerten.
Dann die Unterlassene Hilfeleistung und daraufhin die schwere KV - die schwere KV könnte allerdings verneint werden, wenn man zu dem Schluss gekommen ist, dass kein Notwehrexzess stattgefunden hat. Dann nämlich sind die Folgen des Messereinsatzes der Grund für das fehlende Augenlicht und nicht die vorsätzliche KV.
J2S1 Aktives Mitglied 15.09.2013, 10:44
@ Gobi1: Das ist auch gut das Urteil zu verwenden, doch ich würde mich auf alle Fälle auf das neuere Urteil beziehen, erstens weil der Fall wohl aller wahrscheinlichkeit darauf aufbaut und zweitens, wel man immer der neuesten Rechtsprechung folgen sollte.
Gobi 1 Neues Mitglied 16.09.2013, 12:54
Ja stimmt, da hast du auf jeden Fall recht !

References: § 113
 §231

§ 224
 §228
 §228
 §212
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 228