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Netzpython frißt Katze des Nachbarn
Dieses Thema "ᐅ Netzpython frißt Katze des Nachbarn - Tierrecht" im Forum "Tierrecht" wurde erstellt von deimcei, 22. März 2011.
deimcei Boardneuling 22.03.2011, 18:28
Mal fiktiver Fall angenommen :
Person A hat ein Haus mit großem Garten und hält mehrere Riesenschlangen, alle legal und angemeldet.
Nachbar B hat eine Katze, welche "Freigänger" ist, also auch draußen rumläuft. Gerade in den Sommermonaten kommt es immer wider vor, das die Katze nicht nur auf dem Grundstück von A rumläuft, sondern dort auch ihren Unrat hinterläßt. Pseron A hat Nachbar B schon öfter daraufhin angesprochen, dieser nimmt sich davon aber nichts an.
Person A holt nun im Sommer immer seine Schlangen zeitweise in den Garten "zum Sonne tanken". Dieses hat der Nachbar B immer angekündigt, welcher seine Katze dann eingesperrt hat.
Nun "vergißt" Person A einmal "aus Versehen" dem Nachbarn mitzuteilen, wann sein großer Netzpython ( ca. 600cm bei ca. 90kg ) zum Sonnenbad in den Garten kommt - prompt frißt dieser die Katze. Person A ist selbstverständlich als Aufsichtsperson vor Ort und hat die Schlange jederzeit im Auge, aber jeder, der weiß, wie stark Tiere solcher Größe sind, wird Person A zustimmen und bestätigern, daß ein Eingreifen nicht möglich gewesen wäre, ohne selbst in Gefahr zu kommen.
Hat Nachbar B überhaupt irgendwelche rechtlichen Mittel oder Ansprüche ( z.B. Schadenersatz ) gegen Person A ?
Gruß deimcei
deimcei
Humungus V.I.P. 22.03.2011, 20:03
AW: Netzpython frißt Katze des Nachbarn
Zitat von deimcei: ↑
Warum nicht? Wenn der Python den Schaden verursacht hat, muss sein Besitzer haften. Was wäre denn gewesen, wenn sich ein Kind oder ein Briefträger auf den Rasen verirrt hätten - "selber schuld"?
zeiten V.I.P. 22.03.2011, 20:17
ne, ne, da bin ich aber anderer meinung.
das is ne art lebensrisiko einer katze. wenn sie vom auto überfahren wird, weil sie auf der bundesstrasse mäuse jagt, hat doch auch keiner ansprüche (höchstens die fahrerin gegen die katzenhalterin, wenn der wagen beschädigt wurde).
anspruch hätte man, wenn das schlangenviech ausgebrochen wär und im nachbarsgarten die katz gespeist hätte.
wegen kleinkindern muss man sein grundstück sehr gut einzäunen und absichern. sonst haftet man, wenn sich eins verirrt und gefressen wird oder im teich ertrinkt. aber für nachbars katzen muss man son aufwand nicht treiben. könnte man ja auch gar nicht, bei der geschicklichkeit von katzen.
Angelito V.I.P. 22.03.2011, 20:23
Das seh ich anders, eine Schlange ist weder ein Teich noch ein Auto. Wenn ein Hundehalter haften muss, wenn sein Hund im eigenen Garten ein Kind beißt, welches über den Zaun klettert, dann muss hier auch der Schlangenhalter haften
zeiten V.I.P. 22.03.2011, 20:33
Wenn ein Hundehalter haften muss, wenn sein Hund im eigenen Garten ein Kind beißt, welches über den Zaun klettert, dann muss hier auch der Schlangenhalter haften
"kleiner" unterschied zwischen kind und katze, noch nich aufgefallen?
Angelito V.I.P. 22.03.2011, 20:47
Unterschied zwischen Schlange und Hund bzw. Auto aufgefallen?
Abgesehen davon hat der Nachbar hier immer gewarnt, somit sehe ich bei ihm auf jeden Fall eine gewisse Schuld.
charles0308 V.I.P. 22.03.2011, 21:12
Bei beiden Tieren hat sich m. E. die spezifische Tiergefahr verwirklicht.
Die Katze ging ihrer Streunerei nach und wurde gefressen bzw. verschlungen; die Schlange ging ihrem Jagdtrieb und/oder Hunger nach und hat sich dem Magen verdorben
Die Gefährdungshaftung aus § 833 Satz 1 BGB ist gegeben. Die Streunerei der Katze sowie den Jagdtrieb der Schlange rechne ich gegeneinander auf und komme somit zu einer Quote von 50 : 50.
Bei den Ausführungen sei unterstellt, dass die Schlangenhaltung nicht unter 833 Satz 2 BGB fällt.
Ich gehe aber davon aus, dass der Schlangenhalter mit einer Tierhalterhaftpflicht abgesichert ist und den "Schaden" dort auch angezeigt hat.
Defendant V.I.P. 22.03.2011, 22:12
Dann empfielt sich die Lektüre des § 833 BGB. Dem Grunde nach haftet der Schlangenbeschwörer. Es sei denn, er kann beweisen, dass die im Verkehr erforderliche Sorfalt angewendet wurde. Das aber wird kaum gelingen. Sorgfältig ist, eine Schlange so in den Garten zu lassen, dass sie eben keine dortigen Tiere fressen kann, also noch "rettend" auf sie eingewirkt werden kann. Geht das nichtr, darf sie nunmal nicht in den Garten. Dann läuft Sonne tanken halt nur unter der UV-Röhre.
Richtig problematisch werden kann dieser Sachverhalt, weil Kat6zenhalter nur zu oft an ihren Tieren hängen (Affektionsinteresse) und ggf hier Schmwerzensgled zu zahlen sein kann - der Katzenhalten mag vorbringen, traumatisiert zu sein, was manch ein Richter anzunehmen gwillt sein wird. Denn das Verspeisen seiner heissgeliebten Mieze durch die, sagen wir mal nicht ganz den Tischmanieren entsprechenden, Würgevorgang einer Python ggf sogar mitanzusehen und zu wissen, dass die Katze nunmehr en bloc verdaut und ausge**** wird könnte den Nachbarn durchaus an die Leber gehen.
Und ich bin dabei getragen von tiefer Sympathie für dieschuppigen hausgenossen, die meisten Richter werden eher zur Kategorie der "hmmm, sowas gehört in den Zoo, nicht in den Garten"-Fraktion angehören.
klausschlesinge und charles0308 gefällt das.
Defendant V.I.P. 22.03.2011, 22:14
...und hat sich dem Magen verdorben
das wäre eine erbärmliche Python, die von einer Katze einen verdorbenen Magen kriegt. Die fressen sonst durchaus kompaktere Kandidaten, bei oben genannter Größe.
charles0308 V.I.P. 22.03.2011, 22:18
Sorgfältig ist, eine Schlange so in den Garten zu lassen, dass sie eben keine dortigen Tiere fressen kann, also noch "rettend" auf sie eingewirkt werden kann.
Hmm ... werter Defendant ....
auch Katzen fangen und/oder können andere Tiere fressen bzw. töten. Man denke an Mäuse, Vögel und anderes Kleintierzeugs
Defendant V.I.P. 22.03.2011, 22:30
Ja, das ist richtig, Handelt es sich dabei um Mäuse oder Vögel, die anderen gehören, wird § 833 Bgb ausgelöst. Bei diesen dürfte es aber anders als bei einer katze liegen. Denn üblicherweise werden Mäuse ausschließlich in Käfigen gehalten, ebenso Vögel (meinetwegen in Volieren). Und bei Katzen dürfte "Freigängertum" im Rahmen rechtlichen Gebrauchs der Sache § 91a BGB, also der Katze, liegen. Bei einer Schlange ist das anders. Denn diese ist sorgfältig im Terrarium aufzubewahren und nur streng kontroliiert freizusetzen. Remember den Fall mit dem Kaiman im Stausee...oder war es ein Alligator?
gärtner73 Star Mitglied 22.03.2011, 22:33
Zitat von charles0308]
Man denke an Mäuse: ↑
Person A ist selbstverständlich als Aufsichtsperson vor Ort und hat die Schlange jederzeit im Auge, aber jeder, der weiß, wie stark Tiere solcher Größe sind, wird Person A zustimmen und bestätigern, daß ein Eingreifen nicht möglich gewesen wäre, ohne selbst in Gefahr zu kommen.
Wenn A also das Tier im Zweifelsfall nicht unter Kontrolle bringen kann frage ich mich, ob er hier nicht in grobem Maße gegen seine Sorgfaltspflichten verstoßen hat? Was wenn der Python sich entschließt, mal das weitere Umfeld zu erkunden? Ein 6-Meter Netzpython kann durchaus auch Menschen gefährlich werden.
hera und Enzian gefällt das.
Clown V.I.P. 22.03.2011, 22:57
Ja, natürlich. A haftet B aus § 833 BGB auf Schadensersatz und zwar anders als Defendant meint verschuldensunabhängig. Sein Anspruch ist nur um das Maß zu kürzen, hinsichtlich dessen sich die Tiergefahr der Katze verwirklicht hat. Ich sehe da allerdings keinen Raum für sonderlich große Mitverursachung.
Anders als hier angeklungen ist steht ein Schmerzensgeldanspruch jedoch nicht im Raum. Ein solcher entbehrte jeder Grundlage.
charles0308 V.I.P. 22.03.2011, 23:06
@ Defendant
dass derart exotische Tiere einer größeren Sorgfaltspflicht des Halters unterliegen bezweifle ich nicht.
Rein aber auf die spezifische Gefahr die von einem Tier ausgeht abgestellt, ist diese hier auch bei der (verschlungenen) Katze zu würdigen und ggf. anzurechnen.
Die Tiergefahr der Katze besteht nicht zuletzt auch darin in Netzpythonkreisen als Delikatesse zu gelten ... und diese hat sich unzweifelhaft verwirklicht
Über die Quote könnte man natürlich vortrefflich streiten.
charles0308 V.I.P. 22.03.2011, 23:10
Ja, natürlich. A haftet B aus § 833 BGB auf Schadensersatz und zwar anders als Defendant meint verschuldensunabhängig. Sein Anspruch ist nur um das Maß zu kürzen, hinsichtlich dessen sich die Tiergefahr der Katze verwirklicht hat.
Danke für die grundsätzliche Zustimmung
Ich sehe da allerdings keinen Raum für sonderlich große Mitverursachung.
Die Katze könnte die Schlange angegriffen oder wie schon angeführt sich selbst als Leckerbissen angeboten haben

References: § 833
 § 833
 § 833
 § 91
 § 833
 § 833