Source: https://bravors.brandenburg.de/verordnungen/nsg_krugberg_mosesberg
Timestamp: 2020-02-28 00:24:55+00:00

Document:
Duldungspflicht, Unberührtheit, Verhältnis zu anderen naturschutzrechtlichen Bestimmungen
(GVBl.II/16, [Nr. 27], S., ber. GVBl.II/17 [Nr. 13])
geändert durch Artikel 5 der Verordnung vom 4. November 2019
Auf Grund des § 22 Absatz 1 und 2, des § 23 und des § 32 Absatz 2 und 3 des Bundesnaturschutzgesetzes vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542) in Verbindung mit § 8 Absatz 1 und 3 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes vom 21. Januar 2013 (GVBl. I Nr. 3) und § 4 Absatz 1 der Naturschutzzuständigkeitsverordnung vom 27. Mai 2013 (GVBI. II Nr. 43) verordnet der Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche im Landkreis Märkisch-Oderland wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Krugberg-Mosesberg“.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 42 Hektar. Es umfasst vier Teilflächen in folgenden Fluren:
Seelow Werbig 1;
Seelow 4.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in den topografischen Karten im Maßstab 1 : 10 000 mit dem Titel „Topografische Karte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet ‚Krugberg-Mosesberg‘“ und den Liegenschaftskarten im Maßstab 1 : 2 500 mit dem Titel „Liegenschaftskarte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet ‚Krugberg-Mosesberg‘“ mit ununterbrochener roter Linie eingezeichnet; als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Die topografischen Karten mit den Blattnummern 1 und 2 ermöglichen die Verortung im Gelände. Maßgeblich für den Grenzverlauf ist die Einzeichnung in den Liegenschaftskarten mit den Blattnummern 1 und 2. Die Karten sind von der Siegelverwahrerin, Siegelnummer 13 des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft am 12. November 2015 unterzeichnet worden.
die Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung der Lebensstätten wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere der basophilen Trocken- und Halbtrockenrasen (Steppenrasen), Sandtrockenrasen, Gras- und Staudenfluren, Feuchtwiesen und -weiden, Röhrichte, Quellfluren, Gräben, Laubgebüsche, Feldgehölze und naturnahen Laubwälder;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensstätten wild lebender Pflanzenarten, darunter im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 13 und 14 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützte Arten, insbesondere Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), Ähriger Blauweiderich (Veronica spicata) und Violette Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea);
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Lebens- und Rückzugsraum sowie potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, insbesondere der Insekten, Lurche, Kriechtiere, Vögel und Säugetiere, darunter im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 13 und 14 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützte Arten, insbesondere Bibernell-Widderchen (Zygaena minos), Silbergrüner Bläuling (Polyommatus coridon), Veränderliches Widderchen (Zygaena ephialtes), Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti), Rotbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion), Moorfrosch (Rana arvalis), Zauneidechse (Lacerta agilis), Grauammer (Emberiza calandra), Heidelerche (Lullula arborea), Neuntöter (Lanius collurio), Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola) und Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria);
die Erhaltung der steilen, überwiegend beweideten Odertalhänge wegen ihrer besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit;
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Krugberg-Mosesberg“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes), das einen Teil des ehemaligen Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Trockenrasen am Oderbruch“ umfasst, mit seinen Vorkommen von Trockenen, kalkreichen Sandrasen, Subpannonischem Steppen-Trockenrasen und Schlucht- und Hangmischwäldern (Tilio-Acerion) als prioritären natürlichen Lebensraumtypen im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 5 des Bundesnaturschutzgesetzes.
das Gebiet außerhalb der Wege zu betreten. Ausgenommen ist das Betreten zum Zweck des Sammelns von Pilzen und Wildfrüchten gemäß § 5 Absatz 1 Nummer 10;
Modellsport oder ferngesteuerte Modelle zu betreiben oder feste Einrich​tungen dafür bereitzuhalten;
Düngemittel einschließlich Wirtschaftsdünger (zum Beispiel Gülle und Rückstände aus Biogasanlagen) und Sekundärrohstoffdünger (zum Beispiel solche aus Abwasser, Klärschlamm und Bioabfällen) zum Zweck der Düngung sowie Abwasser zu sonstigen Zwecken zu lagern, auf- oder auszubringen oder einzuleiten;
die den in § 5 Absatz 2 des Bundesnaturschutzgesetzes und in § 2 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes genannten Grundsätzen der guten fachlichen Praxis entsprechende landwirtschaftliche Bodennutzung mit der Maßgabe, dass Grünland als Wiese oder Weide mit einer Besatzdichte von maximal 1,4 Raufutter verwertenden Großvieheinheiten (RGV) pro Hektar im Jahresmittel genutzt wird und § 4 Absatz 2 Nummer 15, 21, 22 gilt. Umbruchlose Nachsaaten mit Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde bleiben zulässig;
ein Altholzanteil von mindestens 10 Prozent am aktuellen Bestandesvorrat zu sichern ist,
mindestens fünf dauerhaft markierte Stämme je Hektar mit einem Brusthöhendurchmesser von 30 Zentimetern in 1,30 Meter Höhe über dem Stammfuß bis zum Absterben aus der Nutzung genommen sein müssen,
je Hektar mindestens fünf Stück dauerhaft markiertes stehendes Totholz (mehr als 30 Zentimeter Brusthöhendurchmesser in 1,30 Meter über Stammfuß) nicht gefällt werden; liegendes Totholz (ganze Bäume mit Durchmesser über 65 Zentimeter am stärksten Ende) verbleibt im Bestand,
die Anlage von Kirrungen außerhalb gesetzlich geschützter Biotope und der in § 3 Absatz 2 genannten Lebensraumtypen.
Ablenkfütterungen, die Anlage von Ansaatwildwiesen und die Anlage und Unterhaltung von Wildäckern sind unzulässig. Im Übrigen bleiben jagdrechtliche Regelungen nach § 41 des Brandenburgischen Jagdgesetzes unberührt;
die Nutzung und Unterhaltung des Bungalows auf dem Krugberg (Gemarkung Werbig, Flur 1, Flurstücke 582, 579 und 182);
die Durchführung eines Osterfeuers und das Anzünden von Silvesterfeuerwerk auf der Feuerstelle nördlich des Friedenshains auf Flurstück 581 der Gemarkung Werbig, Flur 1 und das Betreten des Skulpturenparks auf der Hangschulter östlich des Friedenshains (Südabschnitt des Flurstücks 127 der Gemarkung Werbig, Flur 1);
das Rodeln auf dem Flurstück 129 der Gemarkung Werbig, Flur 1;
Maßnahmen zur Untersuchung von altlastverdächtigen Flächen und Verdachtsflächen sowie Maßnahmen der Altlastensanierung und der Sanierung schädlicher Bodenveränderungen gemäß Bundes-Bodenschutzgesetz sowie Maßnahmen der Munitionsräumung nach Anzeige gemäß § 34 Absatz 6 des Bundesnaturschutzgesetzes bei der unteren Natur​schutzbehörde;
behördliche sowie behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen, soweit sie auf den Schutzzweck des Gebietes hinweisen oder als hoheitliche Kennzeichnungen, Orts- oder Verkehrshinweise, Wegemarkierungen, touristi​sche Informationen oder Warntafeln dienen. Darüber hinaus sind nichtamtliche Hinweisschilder zum Fremdenverkehr im Sinne der Richtlinie des Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung zur Aufstellung nichtamtlicher Hinweiszeichen an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Land Brandenburg (Hinweis-Z.Ri) vom 24. Juli 2007 (ABl. S. 1734), die zuletzt durch die Bekanntmachung vom 1. Oktober 2013 (ABl. S. 2811) geändert worden ist, an Straßen und Wegen freigestellt;
(3) Die in Absatz 1 genannten zulässigen Handlungen bleiben von Zulassungs​erfordernissen, die sich aus anderen fachrechtlichen Vorgaben ergeben, unberührt.
Trockenrasen sollen mindestens zweimal jährlich mit Schafen und Ziegen beweidet werden. Alternativ können ein- bis zweischürige Mahd oder Mähweide durchgeführt werden;
zur Wiederherstellung der Beweidungs- oder Mahdfähigkeit und zur Vermeidung der Verbuschung von Trockenrasen sollen Gehölze in erforderlichem Umfang entfernt werden. Teilflächen zum Beispiel sollen in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde im späten Winter abgeflämmt werden;
nicht heimische invasive Baumarten, insbesondere die Robinie, zugunsten von Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft zurückgedrängt werden,
der Laubholzunterstand und -zwischenstand sowie die vorhandene Naturverjüngung aus Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft begünstigt und in die nächste Bestandesgeneration übernommen werden,
Streuobstbestände sollen biotopgerecht gepflegt werden;
Feuchtwiesenbrachen sollen unter Beachtung der Maßgaben von § 5 Absatz 1 Nummer 1 einer regelmäßigen extensiven Grünlandnutzung zugeführt werden;
Krautsäume entlang von Wegen und Gräben sollen möglichst breit erhalten oder entwickelt werden und möglichst nicht vor dem 15. September eines jeden Jahres abschnittsweise und nicht alljährlich gemäht werden;
im Bereich der Quellfließe, Entwässerungsgräben und aufgelassenen Abgrabungen sollen Amphibienlebensräume erhalten und gepflegt werden. Laichgewässer sollen wiederhergestellt oder neu angelegt werden.
(2) Ordnungswidrigkeiten nach Absatz 1 können gemäß § 40 des Branden​burgischen Naturschutzausführungsgesetzes mit einer Geldbuße bis zu fünfundsechzigtausend Euro geahndet werden.
(3) Soweit diese Verordnung keine weitergehenden Vorschriften enthält, bleiben die Regelungen über gesetzlich geschützte Teile von Natur und Landschaft (§ 17 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes, § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes in Verbindung mit § 18 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes), über das Netz „Natura 2000“ (§§ 33 und 34 des Bundesnaturschutzgesetzes), über den Schutz und die Pflege wild lebender Tier- und Pflanzenarten (§§ 37 bis 47 des Bundesnaturschutzgesetzes) sowie über Horststandorte (§ 19 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes) unberührt.
Eine Verletzung der in § 9 des Brandenburgischen Naturschutzausführungs​gesetzes genannten Verfahrens- und Formvorschriften kann gegen diese Verordnung nur innerhalb eines Jahres nach ihrem Inkrafttreten schriftlich unter Angabe der verletzten Rechtsvorschrift und des Sachverhalts, der die Verletzung begründen soll, gegenüber dem für Naturschutz und Landschafts​pflege zuständigen Fachministerium geltend gemacht werden. Das Gleiche gilt für Mängel bei der Beschreibung des Schutzzwecks sowie für Mängel bei der Prüfung der Erforderlichkeit der Unterschutzstellung einzelner Flächen. Mängel im Abwägungsvorgang sind nur dann beachtlich, wenn sie offensichtlich und auf das Abwägungsergebnis von Einfluss gewesen sind und die Mängel in der Abwägung innerhalb von vier Jahren nach Inkrafttreten dieser Verordnung unter den in Satz 1 genannten Voraussetzungen geltend gemacht worden sind.
Anlage 1 (zu § 2 Absatz 1) - Kartenskizze zur Lage des Naturschutzgebietes "Krugberg-Mosesberg" 867.3 KB
Anlage 2 (zu § 2 Absatz 1) - Flurstücksliste zur Verordnung über das Naturschutzgebiet "Krugberg-Mosesberg" 582.6 KB

References: § 22
 § 23
 § 32
 § 8
 § 4
 § 2
 § 7
 § 7
 § 7
 § 5
 § 5
 § 2
 § 4
 § 3
 § 41
 § 34
 § 5
 § 40
 § 30
 § 18
 § 9
 § 2
 § 2