Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=07.05.2009&Aktenzeichen=B%2014%20AS%2035/08%20R
Timestamp: 2019-07-16 15:28:14+00:00

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BSG, 07.05.2009 - B 14 AS 35/08 R - dejure.org
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BSG, 07.05.2009 - B 14 AS 35/08 R (https://dejure.org/2009,450)
BSG, Entscheidung vom 07.05.2009 - B 14 AS 35/08 R (https://dejure.org/2009,450)
BSG, Entscheidung vom 07. Mai 2009 - B 14 AS 35/08 R (https://dejure.org/2009,450)
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Grundsicherung für Arbeitsuchende - Vermögensverwertung von privaten Lebensversicherungen - Kumulation von Belastungen - besondere Härte - Verfassungsmäßigkeit
Grundsicherung für Arbeitsuchende; Vermögensberücksichtigung; private Lebensversicherung; besondere Härte; Einkommensberücksichtigung; Renten wegen Berufsunfähigkeit; Privilegierung staatlich geförderten Altersvorsorgevermögens bei Befreiung von d ...
Grundsicherung für Arbeitsuchende - Vermögensberücksichtigung - private Lebensversicherung - besondere Härte -Einkommensberücksichtigung - Renten wegen Berufsunfähigkeit -Privilegierung staatlich geförderten Altersvorsorgevermögens bei Befreiung von der Rentenversicherungspflicht - Verfassungsmäßigkeit
Arbeitslosengeld II - Pflicht zur Verwertung von Lebensversicherungen kann bei langjährig Selbständigen eine besondere Härte bedeuten
Höheres Schonvermögen für die Altersvorsorge von langjährig Selbständigen
Anspruch auf Alg II trotz bestehender Lebensversicherung
Pflicht zur Verwertung von Lebensversicherungen
Lebensversicherung bei langjährig Selbständigen im Hartz 4 Bezug
Anspruch auf ALG II trotz verwertbarer Lebensversicherungsverträge?
LSG Rheinland-Pfalz - L 3 AS 468/09
SG Mainz, 22.11.2006 - S 6 AS 306/06
SG Mainz, 24.11.2006 - S 6 AS 306/06
LSG Rheinland-Pfalz, 29.01.2008 - L 3 AS 88/06
BSGE 103, 146
VersR 2010, 233
Bei einer Kumulation von Risiken und Belastungen kann es naheliegen, vom Vorliegen einer Härte iS von § 90 Abs. 3 SGB XII auszugehen (so zum Recht des SGB II BSGE 103, 146 RdNr 21 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 14) .
Insbesondere kann bei einem langjährig Selbstständigen, der von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung befreit ist und privat Vorsorge betreiben und die mit den Not- und Wechselfällen des Lebens verbundenen Risiken selbst absichern muss, der Zwang zur Verwertung der Lebensversicherung bei Häufung belastender Umstände (Versorgungslücke, Behinderung, gesundheitliche Leistungsfähigkeit, Lebensalter, Ausbildung, atypische Erwerbsbiografie) eine Härte iS von § 90 Abs. 3 SGB XII darstellen (BSGE 103, 146 ff RdNr 20 ff = SozR 4-4200 § 12 Nr. 14) .
Da nur außergewöhnliche Umstände maßgebend sind, die nicht schon durch die ausdrücklichen gesetzlichen Freistellungen über das Schonvermögen und die Absetzbeträge nach § 12 Abs. 2 SGB II erfasst werden, setzt die Härteregelung solche Gegebenheiten voraus, die dem Betroffenen ein deutlich größeres Opfer abverlangen, als eine einfache Härte und die mit der Vermögensverwertung stets verbundenen Einschnitte (BSG Urteil vom 30.8.2010 - B 4 AS 70/09 R - RdNr 20;… vgl zB BSG Urteil vom 15.4.2008 - B 14/7b AS 68/06 R - BSGE 100, 196 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 8, RdNr 31; BSG Urteil vom 7.5.2009 - B 14 AS 35/08 R - BSGE 103, 146 ff = SozR 4-4200 § 12 Nr. 14, RdNr 20) .
Da maßgebend nur außergewöhnliche Umstände sind, die nicht schon durch die ausdrücklichen gesetzlichen Freistellungen über das Schonvermögen und die Absetzbeträge nach § 12 Abs. 2 SGB II erfasst werden, setzt die Härteregelung solche Umstände voraus, die dem Betroffenen ein deutlich größeres Opfer abverlangen als eine einfache Härte und erst recht als die mit der Vermögensverwertung stets verbundenen Einschnitte (…vgl zB BSG Urteil vom 15.4.2008 - B 14/7b AS 68/06 R, BSGE 100, 196 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 8, jeweils RdNr 31; BSG Urteil vom 7.5.2009 - B 14 AS 35/08 R - BSGE 103, 146 ff = SozR 4-4200 § 12 Nr. 14, jeweils RdNr 20).
Der Senat schließt sich insofern der Rechtsprechung des 14. Senats des BSG an, der bereits mehrfach entschieden hat, dass die Privilegierung des für die Altersvorsorge bestimmten Vermögens eines von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung Befreiten gegenüber sonstigen Sicherungsformen von Personen, die mit der von ihnen ausgeübten Tätigkeit niemals der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung unterlagen, wegen der unterschiedlichen Ausgangssituationen beider Gruppen keine verfassungswidrige Ungleichbehandlung iS des Art. 3 Abs. 1 GG darstellt (BSG Urteil vom 7.5.2009 - B 14 AS 35/08 R - BSGE 103, 146 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 14 - RdNr 18;… BSG Urteil vom 15.4.2008 - B 14/7b AS 68/06 R - BSGE 100, 196 ff = SozR 4-4200 § 12 Nr. 8, jeweils RdNr 23) .
Unter Bezug hierauf hat der 14. Senat des BSG betont, dass bei langjährig Selbstständigen eine Pflicht zur Verwertung von Vermögen (Lebensversicherungen) ausscheiden könne, wenn im Einzelfall eine Kumulation von Härtegesichtspunkten gegeben sei (BSG Urteil vom 7.5.2009 - B 14 AS 35/08 R - BSGE 103, 146 ff RdNr 23, zur Veröffentlichung in SozR vorgesehen).
Anders als nach der Regelung des § 12 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 SGB II ist für die Nichtberücksichtigung von Vermögen aus Härtefallgründen ein Ausschluss der Verwertbarkeit nicht erforderlich, weil eine solche Auslegung die vom Gesetzgeber beabsichtigte Auffangfunktion der Härteklausel für atypische Fälle gerade wieder aufheben würde (BSG Urteil vom 7.5.2009 - B 14 AS 35/08 R - BSGE 103, 146 ff = SozR 4-4200 § 12 Nr. 14, jeweils RdNr 24) .
cc) Nach einer weiteren Auffassung ist die Frage, ob der Einsatz einer Lebensversicherung unzumutbar ist und eine Härte im Sinne von § 115 Abs. 3 ZPO i.V.m. § 90 Abs. 3 SGB XII darstellt, jeweils anhand der Umstände des konkreten Einzelfalls zu beantworten (OLG Karlsruhe FamRZ 2005, 1917; OLG Stuttgart FamRZ 2008, 2290; FamRZ 2009, 1850; OLG Köln FamRZ 2004, 382; OLG Frankfurt FamRZ 2006, 135; OLG Zweibrücken FamRZ 2008, 524; Hanseatisches OLG Hamburg FamRZ 2001, 925; OLG Celle FamRZ 2007, 913; OLG Koblenz OLGR 2005, 887;… MünchKomm/Motzer ZPO 3. Aufl. § 115 Rdn. 65;… Pukall in Saenger Handkommentar ZPO 3. Aufl. § 115 Rdn. 36 u. 40;… Völker/Zempel in Prütting/Gehrlein ZPO 2. Aufl. § 115 Rdn. 41;… Baumbach/Lautermann/Albers/Hartmann ZPO 67. Aufl. § 115 Rdn. 60; so auch BSG VersR 2010, 233 Tz. 20 zum Begriff der Härte in § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 2. Alternative SGB II).
cc) Nach einer weiteren Auffassung ist die Frage, ob der Einsatz einer Lebensversicherung unzumutbar ist und eine Härte im Sinne von § 115 Abs. 3 ZPO i.V.m. § 90 Abs. 3 SGB XII darstellt, jeweils anhand der Umstände des konkreten Einzelfalls zu beantworten (OLG Karlsruhe FamRZ 2005, 1917; OLG Stuttgart FamRZ 2008, 2290; FamRZ 2009, 1850; OLG Köln FamRZ 2004, 382; OLG Frankfurt FamRZ 2006, 135; OLG Zweibrücken FamRZ 2008, 524; Hanseatisches OLG Hamburg FamRZ 2001, 925; OLG Celle FamRZ 2007, 913; OLG Koblenz OLGR 2005, 887;… MünchKomm/Motzer ZPO 3. Aufl. § 115 Rdn. 65;… Pukall in Saenger Handkommentar ZPO 3. Aufl. § 115 Rdn. 36 u. 40;… Völker/Zempel in Prütting/Gehrlein ZPO 2. Aufl. § 115 Rdn. 41;… Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann ZPO 67. Aufl. § 115 Rdn. 60; so auch BSG VersR 2010, 233 Tz. 20 zum Begriff der Härte in § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 2. Alternative SGB II).
Insbesondere der Aspekt einer Rentennähe kann hier in den Abwägungsprozess einfließen (zur Bedeutung dieses Topos im Rahmen des SGB II vgl. z.B. BSG, Urteil vom 7. Mai 2009 - B 14 AS 35/08 R).
Eine Gleichstellung der Klägerin mit diesem Personenkreis aus verfassungsrechtlichen Gründen (des Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes) kommt ebenfalls nicht in Betracht (…BSG SozR 4-4200 § 12 Nr. 8; BSG. Urteil vom 7.5.2009. Az B 14 AS 35/08 R, Rdnr 18).
Ob von einer besonderen Härte iS des § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 2. Alternative SGB II auszugehen ist, richtet sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalles (ständige Rechtsprechung des BSG: BSG. Urteil vom 7.5.2009. Az B 14 AS 35/08 R, Rdnr 20;… BSGE 98, 243 = SozR 4-4200 § 12 Nr. 4 sowie die weiteren Urteile des 14. Senats vom 15. April 2008: BSG SozR 4-4200 § 12 Nr. 8; Az B 14 AS 27/07 R und Az B 14/7b AS 56/06 R).
Die Voraussetzungen, nach denen das BSG zuletzt bei langjährig Selbständigen eine besondere Härte bei der Verwertung von erkennbar zur Altersvorsorge bestimmtem Vermögen auch ohne vereinbarten Verwertungsausschluss für möglich gehalten hat (BSG. Urteil vom 7.5.2009. Az B 14 AS 35/08 R), sind vorliegend erkennbar nicht gegeben.
Ist eine kapitalbildende Lebensversicherung der Gestalt inhaltlich mit einer (privaten) Berufsunfähigkeitsversicherung verknüpft, dass nach dem Wegfall der Lebensversicherung auch der Berufsunfähigkeitsschutz entfällt, liegt eine besondere Härte der Verwertung i.S.d. § 12 Abs. 3 Nr. 6 SGB IIL dann nicht vor, wenn hierdurch keine Versorgungslücke entsteht (Anschluss an BSG, Urteil vom 7. Mai 2009, Az.: B 14 AS 35/08 R).
Es kommt nach den Vorstellungen des Gesetzgebers somit nicht allein auf den Verlust der Altersvorsorge durch Verwertung und dessen Zeitpunkt an, hinzutreten muss auch eine Versorgungslücke (BSG, Urteil vom 7. Mai 2009, Az.: B 14 AS 35/08 R).
Gerade die Kumulation von Faktoren wie bspw. der Herkunft des Vermögensgegenstandes, der vom Hilfebedürftigen vorgenommene Zweckbestimmung, dessen Alter und die voraussichtliche Dauer der Arbeitslosigkeit, die in ihrem Zusammenspiel eine Versorgungslücke entstehen lassen (BSG, Urteil vom 7. Mai 2009, Az.: B 14 AS 35/08 R), vermögen eine besondere Härte zu begründen.
Bei dem Begriff der besonderen Härte handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der der vollen gerichtlichen Überprüfung unterliegt (vgl. BSG, Urteil vom 08.02.2007 - B 7a AL 34/06 R, FEVS 58, 486; Urteil vom 16.5. 2007 -B 11b AS 37/06 R, BSGE 98, 243; Urteil vom 07.05.2009 - B 14 AS 35/08 R).
Dabei ist auf die jeweiligen Umstände des Einzelfalls abzustellen, wobei maßgeblich nur außergewöhnliche Umstände sind, die dem Betroffenen ein deutlich größeres Opfer abverlangen als eine einfache Härte und erst Recht als die mit der Vermögensverwertung stets verbundenen Einschnitte (vgl. Urteil des BSG vom 07.05.2009 - B 14 AS 35/08 R; U. v. 16.5. 2007 -B 11b AS 37/06 R, BSGE 98, 243).
Auch die Kumulation verschiedener Risiken und Belastungen kann eine besondere Härte darstellen (vgl. BSG, Urteil vom 07.05.2009 - B 14 AS 35/08 R).
Eine weitere, objektivierte Zweckbestimmung bzw. Vermögensdisposition im Sinne der BSG-Rechtsprechung (vgl. dazu BSG, U. v. 07.05.2009, B 14 AS 35/08 R) ist bei Immobilien, anders als bei Geld- oder Wertpapieranlagen sowie bei Lebens- oder Rentenversicherungsverträgen nur in Ausnahmefällen möglich, ist bei widerspruchsfreier Einlassung und Indizienlage nach Auffassung der Kammer aber zu unterstellen.
Im Rahmen des Härtetatbestandes ist entsprechend der früheren Rechtsprechung des BSG zum Recht der Alhi darauf abzustellen, ob der Hilfebedürftige das Vermögen nach Eintritt in den Ruhestand zur Bestreitung des Lebensunterhalts für sich verwenden will und eine dieser Bestimmung entsprechende Vermögensdisposition getroffen hat (BSG, Urteil vom 07.05.2009, Az.: B 14 AS 35/08 R m.w.N.).
BSG, 06.03.2019 - B 14 AS 1/18 B
BSG, 12.09.2011 - B 4 AS 114/11 B
Nichtzulassungsbeschwerde - Divergenz - unzureichende Begründung - Grundsicherung …
BSG, 27.07.2011 - B 14 AS 3/11 B
LSG Nordrhein-Westfalen, 03.09.2013 - L 19 AS 1229/13
SG Freiburg, 25.07.2011 - S 9 SO 771/09
Sozialhilfe - Vermögenseinsatz - kombinierte Kapitallebens- und …
BSG, 30.05.2012 - B 14 AS 268/11 B

References: § 90
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 Art. 3
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 Art. 3
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