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Timestamp: 2016-09-24 21:28:37+00:00

Document:
Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2013 by BBF.CH - issuu
Berufliche Vorsorge OAK BV
Bericht finanzielle Lage der
Vorsorgeeinrichtungen 2013
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	1
Herausgeberin	Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge OAK BV
www.oak-bv.admin.ch
Gestaltung	BBF AG, Basel
Fotos	Titel: Shutterstock
Erscheinungsdatum	6. Mai 2014
1	Zusammenfassung	7
1.1	Ausgangslage	1.2	Aktuelle Lagebeurteilung	1.3	Analyse der einzelnen Risikodimensionen	7
2	Einleitung	10
2.1	Ausgangslage	2.2	Erhebung 端ber die finanzielle Lage	10
Merkmale von Vorsorgeeinrichtungen	10
3.1	Rechtsform und Staatsgarantie	3.2	Deckung von Leistungen durch eine Versicherungsgesellschaft	3.3	Art der Leistungen	3.4	Verwaltungsform	12
Technische Grundlagen und Deckungsgrad	14
4.1	Biometrische Grundlagen	4.2	Technischer Zins und Deckungsgrad	4.3	Beurteilung	17
5	Leistungsversprechen	26
5.1	Leistungs- und Beitragsprimat	5.2	Rentenversprechen	5.3	Beurteilung	26
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	5
6	Struktur und Sanierungsf채higkeit	31
6.1	Auswirkungen von Sanierungsbeitr채gen	6.2	Auswirkungen von Minderverzinsungen	6.3	Beurteilung	32
7	Anlagerisiko	37
7.1	Beurteilung	39
8	Gesamt-Risiko	40
8.1	Beurteilung	42
9	Sanierungsmassnahmen	43
9.1	Beurteilung	43
10	Ausblick	44
11	Anhang 45
11.1	Berechnung der Risikostufen	11.2	Definitionen	11.3	Glossar	45
1.1	Ausgangslage
1.2	Aktuelle Lagebeurteilung
Zur Sicherstellung einer möglichst aktuellen und aussage-
2013 war erneut ein gutes Jahr für die Vorsorgeeinrichtun-
kräftigen Daten- und Faktenbasis zur finanziellen Lage der
gen: Die durchschnittliche kapitalgewichtete Netto-Vermö-
Vorsorgeeinrichtungen hat die OAK BV im Jahr 2012 die erho-
gensrendite betrug 6.1% (gegenüber 7.4% im Vorjahr). Ent-
benen Kennzahlen der Vorsorgeeinrichtungen vereinheitlicht
sprechend haben sich die Deckungsgrade weiter verbessert.
und insbesondere den Prozess zu deren Erhebung erheblich
Per Ende 2013 verfügten 93% (Vorjahr: 90%) der Vorsorge-
beschleunigt. Die Umfrage wird in enger Koordination mit
einrichtungen ohne Staatsgarantie über einen Deckungsgrad
den regionalen und kantonalen BVG-Aufsichtsbehörden
von mindestens 100%. Bei den Vorsorgeeinrichtungen mit
Staatsgarantie betrug der entsprechende Anteil 28% (Vorjahr: 27%).
Die Daten werden per Ende des abgelaufenen Jahres jeweils
bereits im ersten Quartal des Folgejahres erhoben. Mit der
Die Anzahl der Vorsorgeeinrichtungen hat im Berichtsjahr
Erfassung des technischen Zinssatzes sowie weiterer risikoori-
weiter abgenommen. Die Konzentration in der zweiten Säule
entierter Kennzahlen ist eine Vergleichbarkeit der Deckungs-
setzt sich damit weiter fort.
grade der einzelnen Vorsorgeeinrichtungen gewährleistet.
Per Ende 2013 wurde die Umfrage zur finanziellen Lage der
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie
Vorsorgeeinrichtungen zum zweiten Mal in der neuen Form
Der Trend zur vorsichtigeren Bewertung der Vorsorge-
vorbereitet. Erstmals können diese Deckungsgrade nun auch
verpflichtungen hat bei den Vorsorgeeinrichtungen ohne
den Werten des Vorjahrs gegenübergestellt werden.
Staatsgarantie angehalten. Die verwendeten technischen
Zinssätze sind weiter gesunken. Nur noch 29% (Vorjahr:
91% der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen mit einer Bilanz-
47%) verwenden einen technischen Zinssatz von 3.5% oder
summe von 730 Milliarden Franken haben den Fragebogen
höher. 91% (Vorjahr: 84%) verwenden die aktuellsten biome-
bis Anfang April ausgefüllt und wurden in den Auswertungen
trischen Grundlagen, wovon 22% (Vorjahr: 20%) die weitere
für diesen Bericht berücksichtigt.
Zunahme der künftigen Lebenserwartung in der Bewertung
der Verpflichtungen berücksichtigen.
Der vorliegende Bericht über die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen per 31. Dezember 2013 umfasst neben einer
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Risikosituation der
aktuellen Beurteilung der Gesamtsituation jeweils detaillierte
Vorsorgeeinrichtungen als Folge der positiven Anlageper-
Analysen zu den einzelnen Risikodimensionen. Die einge-
formance deutlich verbessert. Basierend auf den gemachten
führte Risikobeurteilung stützt sich auf die Leistungsverspre-
Analysen müssen aktuell lediglich 13% (Vorjahr: 41%) der
chen, die Struktur und die Sanierungsfähigkeit der Vorsorge-
Vorsorgeeinrichtungen dem Segment mit hohem oder eher
einrichtungen sowie auf ihr Anlagerisiko. Es wird das gleiche
hohem Risiko zugerechnet werden. Hauptgründe für die Ver-
Modell wie im Vorjahr verwendet.
besserung der Situation sind:
–	Positive Anlageperformances und dadurch verbesserte
Deckungsgrade
–	Senkung der Umwandlungssätze
–	Umstellungen vom Leistungs- auf das Beitragsprimat
–	Stabiler Anteil der Rentenverpflichtungen (auf hohem
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	7
1.3	Die Analyse macht deutlich, dass zwischen den Vorsorge-
Analyse der einzelnen
einrichtungen mit und ohne Staatsgarantie weiterhin sehr
grosse Unterschiede bestehen. Dies erstaunt nicht, wurden
diese beiden Kategorien bezüglich des Finanzierungssystems
Wichtigster Risikoindikator ist der aktuelle Deckungsgrad.
vom Gesetzgeber bislang sehr unterschiedlich reguliert. Ein
Wegen der aktuellen Tiefzinsphase und der gestiegenen
Sanierungszwang für Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsga-
Lebenserwartung werden von vielen Vorsorgeeinrichtungen
rantie besteht erst seit 2012. Diese Vorsorgeeinrichtungen
vorsichtigere Berechnungsgrundlagen angewendet. Viele
müssen wählen, ob sie voll ausfinanziert werden (System der
Vorsorgeeinrichtungen haben ihren technischen Zinssatz in
Vollkapitalisierung) oder innerhalb von 40 Jahren einen Ziel-
den vergangenen Jahren zwar gesenkt, gleichwohl sind für
deckungsgrad von mindestens 80% erreichen (System der
die Zukunft weitere Reduktionen zu erwarten.
Teilkapitalisierung).
–	28% (Vorjahr: 27%) der Vorsorgeeinrichtungen mit
Zur besseren Vergleichbarkeit der einzelnen Deckungsgrade
Staatsgarantie verfügten per Ende 2013 über einen
wurde für die Risikobeurteilung eine Schätzung mit ein-
Deckungsgrad von mindestens 100%. Der Anteil ist prak-
heitlichen Parametern verwendet. Sie zeigt, dass vor allem
tisch konstant geblieben, weil einige Vorsorgeeinrichtun-
unterfinanzierte Vorsorgeeinrichtungen zu hohe technische
gen mit guter Deckung auf die Staatsgarantie verzichtet
Zinssätze anwenden. Bei Vorsorgeeinrichtungen mit ungenü-
haben und sich damit im System der Vollkapitalisierung
gender oder knapper Finanzierung ist mit weiteren Finanzie-
rungsmassnahmen zu rechnen. Dies trifft insbesondere auf
–	Die Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie bewerten
diejenigen öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen zu,
im Mittel ihre Verpflichtungen optimistischer als die an-
deren durchschnittlicher Deckungsgrad aktuell unter 80%
deren Vorsorgeeinrichtungen.
liegt. Auch wenn das Gesetz diesen Vorsorgeeinrichtungen
mit der Wahl der Teilkapitalisierung tiefere Deckungsgrade
Risikoseitig sind für die Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsga-
ermöglicht, müssen die Leistungen längerfristig finanziert
rantie folgende Resultate von Bedeutung:
–	Die Zinsversprechen zum Zeitpunkt der Pensionierung
sind weiterhin höher als bei Vorsorgeeinrichtungen ohne
Staatsgarantie. Die Umwandlungssätze wurden jedoch
Analog zu den technischen Zinssätzen wurden im vergan-
ebenfalls gesenkt. Der Anteil der Leistungsprimate ist
genen Jahr auch die Zinsgarantien für Altersrenten gesenkt.
zudem deutlich höher.
Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben bleiben sie aber weiter-
–	Der Rentenanteil an den Verpflichtungen ist im Durchschnitt höher.
hin relativ hoch (BVG-Mindestumwandlungssatz). Damit sind
die Zinsversprechen, welche den Altersleistungen zu Grunde
liegen, in den meisten Fällen deutlich höher als die von der
Deckungsgradbestimmung
verwendeten Zinssätze. Diese Differenz ist im Gesetz nicht
vorgesehen und kann bisher auch nicht durch paritätische
Beiträge vorfinanziert werden. In der Vernehmlassungsvorlage zur „Altersvorsorge 2020“ ist jedoch mit der Möglichkeit einer kollektiven Vorfinanzierung von Altersrenten eine
gesetzliche Anpassung vorgesehen, welche das Problem
mittelfristig entschärfen dürfte.
8	Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV
Dank den guten Anlageergebnissen konnten im Berichtsjahr
die technischen Zinssätze bei vielen Vorsorgeeinrichtungen
gesenkt und die Deckungsgrade erhöht werden. Bei einem
grossen Anteil der Vorsorgeeinrichtungen ist jedoch der Zielwert der Wertschwankungsreserven noch nicht erreicht.
Sanierungsfähigkeit
Falls eine Vorsorgeeinrichtung über Zusatzbeiträge oder
aber die Kürzung von zukünftigen Leistungen (insbesondere
Minderverzinsungen) saniert werden muss, sind die Konsequenzen für Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer erheblich. Der eigentliche Risikofaktor ist
dabei der Anteil der Rentenverpflichtungen, müssen doch
die Rentenbezüger stets mitfinanziert werden. Je grösser
dieser Anteil ausfällt, desto kleiner ist letztlich die Wirkung
von Sanierungsmassnahmen.
Insgesamt hat sich die Struktur der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen im Vergleich zum Vorjahr praktisch nicht
verändert, weswegen auch die Sanierungsfähigkeit im
Durchschnitt gleich bleibt. Die Sanierungsfähigkeit bleibt
damit eines der ausgeprägtesten Risiken, das zudem von den
Vorsorgeeinrichtungen kaum beeinflusst werden kann. Die
Unterschiede zwischen den Vorsorgeeinrichtungen sind hier
sehr gross.
Der Renditedruck auf die Vorsorgeeinrichtungen ist unverändert hoch. Gründe dafür sind die existierenden Verpflichtungen und das gegenwärtig sehr tiefe Zinsniveau. Entsprechend haben die Vorsorgeeinrichtungen im Berichtsjahr den
Zielwert der risikobehafteten Anlagen und der Schwankungsreserven erhöht. Der Renditedruck dürfte auch in Zukunft
kaum abnehmen.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	9
2.1	Ausgangslage
Unterschied zur Pensionskassen-Statistik des Bundesamts
für Statistik ausserdem eine Beurteilung und Bewertung des
Für die Direktaufsicht in der beruflichen Vorsorge sind die
Risikos enthält. Dabei wird bewusst in Kauf genommen, dass
kantonalen und regionalen Aufsichtsbehörden am Sitz der
zum Zeitpunkt der Erhebung in der Regel erst provisorische
jeweiligen Vorsorgeeinrichtung zuständig. Sämtliche bisher
Zahlen für den Jahresabschluss vorliegen.
vom Bund beaufsichtigten Vorsorgeeinrichtungen sind bis
Ende 2013 den kantonalen und regionalen Aufsichtsbehörden
Der Bericht enthält die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung
übertragen worden, welche seit dem 1. Januar 2012 durch die
und basiert auf den Angaben der Vorsorgeeinrichtungen.
Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge OAK BV beauf-
Dabei wurden die wesentlichen finanz- und versicherungs-
sichtigt werden. Die OAK BV handelt unabhängig von Wei-
technischen Risiken, denen die Vorsorgeeinrichtungen aus-
sungen des Parlamentes und des Bundesrates. Direkt von der
gesetzt sind, qualifiziert und eingestuft. Die OAK BV ist sich
OAK BV beaufsichtigt werden zusätzlich die Anlagestiftungen
dabei bewusst, dass nicht sämtliche spezifischen Risiken der
sowie der Sicherheitsfonds und die Auffangeinrichtung.
einzelnen Vorsorgeeinrichtungen mit den vorhandenen Daten
abschätzbar sind. Die Beurteilung der individuellen Risikositu-
Übergeordnetes Ziel der OAK BV ist es, die Systemsicherheit
ation ist in der Verantwortung des obersten Organs der Vor-
und damit die finanziellen Interessen der Versicherten in der
sorgeeinrichtung und erfolgt gestützt auf die Empfehlungen
zweiten Säule verantwortungsbewusst und zukunftsgerichtet
des Experten für berufliche Vorsorge.
wahrzunehmen und damit das Vertrauen in die berufliche
Vorsorge zu stärken.
Ziel der Erhebung ist es, eine objektive Einschätzung der
Gesamtrisiken der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen vorzunehmen. Gleichzeitig werden die dabei gewonnenen Infor-
2.2	Erhebung über die finanzielle
mationen für die Unterstützung der risikoorientierten Aufsicht über die Vorsorgeeinrichtungen eingesetzt. Die detaillierten Daten und Auswertungen der OAK BV werden den
regionalen Aufsichtsbehörden, jeweils für die entsprechende
Die OAK BV operiert auf der Basis einer einheitlichen, risiko-
Aufsichtsregion, zur Verfügung gestellt.
orientierten Aufsicht. Voraussetzung dafür ist eine aussagekräftige Faktenbasis. Die Stärkung dieser Faktenbasis bei der
Die für den Bericht verwendeten Zahlen beruhen auf den
Erhebung der finanziellen Lage der Vorsorgeeinrichtungen
Angaben per Anfang April 2014. Bis zu diesem Datum war
bildete 2012 eine wichtige Massnahme. Die OAK BV hat
die Rücklaufquote wie folgt:
die massgebenden Kennzahlen der Vorsorgeeinrichtungen
vereinheitlicht und vor allem den Prozess zu deren Erhebung
erheblich beschleunigt: Mit der Erfassung des technischen
Zinssatzes sowie weiterer wesentlicher Kennzahlen ist eine
Vergleichbarkeit von zentralen Risikoparametern der einzelnen Vorsorgeeinrichtungen möglich.
Mit der für die ganze Schweiz einheitlichen Erhebung wird
eine aktuelle Gesamtsicht über die finanzielle Lage des
Systems der beruflichen Vorsorge ermöglicht, welche im
10	Bericht finanzielle Lage 2013
| OAK BV
Abb. 1: Rücklaufquote Fragebogen per Mitte April 2013
Prozent1)
Versandte Fragebogen
2’219
2’589
Eingereichte Fragebogen
2’016
2’204
davon in Liquidation
davon nicht dem Freizügigkeitsgesetz unterstellt
1’905
1’862
Für diesen Bericht verwendete Fragebogen
1)	in Prozent der versandten Fragebogen
Im Vergleich zum Vorjahr wurden u.a. weniger Vorsorgeeinrichtungen in Liquidation angeschrieben, weshalb die
Gesamtzahl der versandten Fragebogen deutlich gesunken
Der Anteil der eingereichten Fragebogen hat sich im Vergleich
zum Vorjahr erhöht. Es sind im Vergleich zu den teilnehmenden eher kleinere Vorsorgeeinrichtungen, die den Fragebogen nicht eingereicht haben. Die ausgewerteten Daten erlauben deshalb eine repräsentative Aussage zu den finanziellen
Daten aller Schweizer Vorsorgeeinrichtungen.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	11
Merkmale von Vorsorgeeinrichtungen
Altersvorsorgesysteme versprechen den Versicherten Alters-
3.1	Rechtsform und Staatsgarantie
leistungen in der Zukunft, was aufgrund der Langfristigkeit
dieser Versprechen naturgemäss mit grossen Risiken verbun-
Die berufliche Vorsorge wird durch Vorsorgeeinrichtungen
den ist. So ist das Umlagesystem der ersten Säule vor allem
durchgeführt, d.h. durch rechtlich eigenständige Einheiten,
den Risiken der demographischen Entwicklung und der Wirt-
die vollumfänglich dem Bundesgesetz über die berufliche
schaftsentwicklung in der Schweiz ausgesetzt.
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) unterstehen und von den entsprechenden BVG-Aufsichtsbehörden
Hauptrisiken des Kapitaldeckungsverfahrens der zweiten
Säule sind dagegen die Entwicklung der Lebenserwartung der
Rentnerinnen und Rentner sowie das mit der Entwicklung der
Das Gesetz sieht drei mögliche Rechtsformen für Vorsorge-
schweizerischen und weltweiten Kapitalmärkte verbundene
einrichtungen vor: die privatrechtliche Stiftung, die privat-
kurz- und langfristige Renditerisiko. Seit der Einführung des
rechtliche Genossenschaft oder die Einrichtung öffentlichen
BVG-Obligatoriums ist die berufliche Vorsorge in der Schweiz
mit einer ansteigenden Lebenserwartung, einem sinkenden
Zinsniveau und seit dem Jahr 2000 zusätzlich mit sehr volati-
In der Erhebung teilen sich die Vorsorgeeinrichtungen wie
len Aktienmärkten konfrontiert.
Abb. 2: Rechtsform Vorsorgeeinrichtungen
VE1)
Versicherte2)
Rentner3)
1’793
3’819’231
127’569
Einrichtung öffentlichen
2013	12	Bericht finanzielle Lage 2013
494’200
1’738
3’572’230
457’886
21’204
128’940
20’652
929’280
214’789
910’273
194’356
4’876’080
730’193
4’611’443
672’894
Bilanzsumme 4)
1)	2)	3)	4)	VE: Vorsorgeeinrichtungen
Versicherte: Aktive Versicherte und Rentner
Anteil Rentnerinnen und Rentner in Prozent der Anzahl Versicherten
Bilanzsumme in Mio. Fr.
Privatrechtliche Arbeitgeber können keine Garantien an die Vor-
mindestens 80% festgelegt werden und eine Staatsgarantie
sorgeeinrichtungen abgeben, welche eine Sanierung bei einem
vorhanden sein, welche die Bedingungen von Art. 72c BVG
Deckungsgrad unter 100% vermeiden würden. Sämtliche Ver-
erfüllt. Alle Vorsorgeeinrichtungen von öffentlich-rechtlichen
pflichtungen einer Vorsorgeeinrichtung müssen durch das Vor-
Arbeitgebern müssen sich zwischen Teil- oder Vollkapitalisierung
sorgevermögen gedeckt sein (System der Vollkapitalisierung).
entscheiden. Eine Staatsgarantie ist auch dann zulässig, wenn
das System der Vollkapitalisierung angewendet wird.
Bei Vorliegen einer Garantie eines öffentlich-rechtlichen Arbeitgebers kann davon abgewichen werden (System der Teilka-
Die Unterteilung der Vorsorgeeinrichtungen nach Garantie sieht
pitalisierung). In diesem Fall muss ein Zieldeckungsgrad von
Abb. 3: Vorsorgeeinrichtungen mit und ohne Staatsgarantie
3’907’001
508’188
1’762
3’701’863
478’571
451’258
116’965
368’987
95’563
4’358’259
625’153
4’070’850
574’134
274’698
49’004
233’942
34’502
Vollkapitalisierung mit
106’688
27’492
96’638
Zukünftiges System noch
136’435
28’544
210’013
42’898
Total mit Staatsgarantie
517’821
105’040
540’593
98’760
Privatrechtlicher Arbeitgeber
Vollkapitalisierung ohne
Total ohne Staatsgarantie
1)	2)	3)	4)	Bilanzsumme 4)
VE: Vorsorgeeinrichtungen
Im Vorjahr war bei 30 Vorsorgeeinrichtungen von öffentlich-
abgibt, während im zweiten Fall die Vorsorgeeinrichtung bei
rechtlichen Arbeitgebern noch nicht klar, für welches System
einer Unterdeckung selbst Massnahmen beschliessen muss.
sie sich entscheiden werden. Unterdessen hat die Hälfte die-
Ein absoluter Schutz vor negativen Auswirkungen besteht
sen Entscheid getroffen. Damit verbleiben weniger Vorsorge-
jedoch nie, da die Versicherten in beiden Fällen unter gewis-
einrichtungen mit Staatsgarantie.
sen Umständen direkt oder indirekt zur Sanierung beigezogen werden können.
In Bezug auf das Risiko ist die wichtigste Unterscheidung diejenige zwischen Vorsorgeeinrichtungen mit oder ohne Staats-
Die folgenden Tabellen und Grafiken unterscheiden deshalb
garantie, da im ersten Fall das Gemeinwesen eine Garantie
zwischen Vorsorgeeinrichtungen mit und ohne Staatsgarantie.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	13
3.2	Deckung von Leistungen durch
eine Versicherungsgesellschaft
Altersrenten können ebenfalls beim Versicherer eingekauft
werden. Nur bei der Vollversicherung wird auch das Anlagerisiko vollständig durch den Versicherer übernommen. Für die
Vorsorgeeinrichtungen entscheiden frei, ob sie ihre Risiken
aktiven Versicherten kann der Vertrag durch den Versicherer
selber tragen oder diese bei einem Versicherer teilweise oder
gekündigt oder massgeblich verändert werden. Versiche-
vollständig rückdecken wollen. Häufig werden die Risiken Tod
rungsprämien werden zudem regelmässig angepasst, wobei
und Invalidität vor Pensionierung versichert. Stop-Loss- oder
die effektive Schadenerfahrung des Bestandes meistens
Excess-of-Loss-Verträge decken Spitzenrisiken bei Tod und
Invalidität ab, wobei im ersten Fall der maximale Jahresschaden der Vorsorgeeinrichtung begrenzt und im zweiten Fall
Spareinrichtungen versichern nur Kapitalien und tragen des-
der Schaden pro versicherte Person limitiert wird.
halb kein Risiko für zukünftige Renten.
Abb. 4: Versicherungsdeckung
Autonom ohne Versicherung
2’098’669
487’636
1’992’934
436’258
Autonom mit
Excess-of-Loss-Versicherung
458’293
48’618
442’958
42’812
Stop-Loss-Versicherung
421’830
66’872
421’028
60’349
Teilautonom: Altersrenten
durch Vorsorgeeinrichtung
500’746
76’402
417’835
59’887
Teilautonom: Kauf
individueller Altersrenten
bei einer Versicherung
262’038
26’416
249’281
23’175
Vollversicherung (Kollektiv)
1’131’871
23’838
1’085’246
50’198
2’633
Rentner, deren Leistungen von einer Versicherung getragen
werden, sowie deren Rückkaufswerte werden bei dieser Erhebung nicht erfasst.
14	Bericht finanzielle Lage 2013
3.3	Art der Leistungen
Nicht registrierte Vorsorgeeinrichtungen haben mehr Freiheit
insbesondere bezüglich der Form von Leistungen. So können
Erfüllt eine Vorsorgeeinrichtung die BVG-Mindestleistungen,
sie zum Beispiel bei der Pensionierung ausschliesslich Kapi-
muss sie sich dafür registrieren lassen („registrierte Vorsor-
talien auszahlen, während registrierte Vorsorgeeinrichtungen
geeinrichtung“). Meistens umfassen die reglementarischen
Renten anbieten müssen.
Leistungen weit mehr als nur das gesetzliche Minimum.
Vorsorgeeinrichtungen, welche solche Leistungen erbringen, werden auch als „umhüllende Vorsorgeeinrichtungen“
Abb. 5: Leistungen Vorsorgeeinrichtungen
(inkl. umhüllende VE)
Nur überobligatorische
1’588
4’753’654
122’426
2013	Anzahl
717’352
1’629
4’520’650
663’566
12’841
90’793
9’328
3.4	Verwaltungsform
Während bei einer Vorsorgeeinrichtung eines Arbeitgebers
meistens eine enge finanzielle Beziehung zur Firma besteht,
Eine Vorsorgeeinrichtung kann ausschliesslich die Mitarbeiten-
sind die Geldflüsse bei einer Sammeleinrichtung strikt
den und Rentenbeziehenden eines Arbeitgebers versichern,
getrennt. Im Falle einer Unterdeckung wird deshalb ein Arbeit-
welcher gleichzeitig Stifter oder Gründer ist. Viele Vorsorge-
geber höchstens bereit sein, für seinen eigenen Bestand Geld
einrichtungen haben jedoch Anschlussverträge mit weiteren
einzuschiessen, während die übrigen Bestände, insbesondere
Firmen, entweder in der gleichen Firmengruppe oder mit
Vorsorgewerke mit hohem Rentenanteil, nur schwer saniert
anderen Firmen (z.B. ehemals wirtschaftlich eng verbundene
Unternehmen), innerhalb einer Branche (üblicherweise eine
Gemeinschaftseinrichtung eines Verbands) oder mit beliebigen Unternehmen in einer Sammeleinrichtung. Sind einer
Vorsorgeeinrichtung mehrere Arbeitgeber angeschlossen, so
bilden diese zusammen mit ihren Arbeitnehmern jeweils ein
Vorsorgewerk.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	15
Abb. 6: Verwaltungsform Vorsorgeeinrichtungen
Verwaltungsform
Vorsorgeeinrichtung eines
363’602
87’392
356’267
79’713
879’025
224’220
832’598
206’151
Anderer Zusammenschluss
mehrerer Arbeitgeber
128’002
29’648
124’309
23’541
1’279’016
178’238
1’168’875
142’486
1’650’283
78’872
1’586’995
101’332
576’152
131’823
542’399
119’671
Sammel-/Gemeinschaftseinrichtung öffentlich-rechtl.
Vorsorgeeinrichtungen mit mehreren Vorsorgewerken können einen einzigen Deckungsgrad berechnen. Die Finanzierung erfolgt damit im Wesentlichen für alle Vorsorgewerke
im gleichen Ausmass. Im Fall einer Unterdeckung müssen
alle Vorsorgewerke gemeinsam sanieren. Andernfalls können
sie auch für jedes Vorsorgewerk den Deckungsgrad separat
berechnen. In diesem Fall trägt jeder Teilbestand sein eigenes
Risiko. Ausser bei Gemeinschaftsstiftungen gibt es bei allen
Verwaltungsformen Vorsorgeeinrichtungen, welche mehrere
Deckungsgrade ausweisen. Dies trifft jedoch vorwiegend auf
Sammeleinrichtungen zu.
16	Bericht finanzielle Lage 2013
Technische Grundlagen und
4.1	Biometrische Grundlagen
hingegen beruhen auf Daten von öffentlich-rechtlichen
Vorsorgeeinrichtungen.
Biometrische Grundlagen (auch Sterbetafeln genannt) enthalten Sterbe- und Invalidisierungswahrscheinlichkeiten, die
Falls eine Vorsorgeeinrichtung zumindest über eine Versiche-
in einer Messperiode erfasst wurden. Die in der Schweiz
rungsdeckung für die Risiken Tod und Invalidität verfügt und
verwendeten Grundlagen tragen jeweils die Jahreszahl, in
selber keine Renten ausrichtet, benötigt sie im Normalfall
der sie publiziert wurden. Die gebräuchlichsten sind die
keine biometrischen Grundlagen. Dabei handelt es sich ins-
BVG-Tafeln, welche neben den Daten der Pensionskasse
besondere um Vorsorgeeinrichtungen mit Vollversicherung
des Bundes (Publica) ausschliesslich Daten privatrecht-
bei Versicherungsgesellschaften.
licher Vorsorgeeinrichtungen umfassen. Die VZ-Tafeln
Abb. 7: Biometrische Grundlagen – Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie
VE ohne Staatsgarantie
EVK 1990
37’652
10’576
124’916
25’980
BVG 2000
18’491
28’855
7’963
37’698
10’662
184’690
19’230
BVG 2010
1’244
2’320’797
440’188
1’113
1’990’962
370’397
VZ 1990
10’097
2’223
119’840
24’870
392’573
94’033
197’430
44’798
87’045
9’972
1’423’903
80’808
Keine5)
1’453’695
51’975
1)	2)	3)	4)	5)	VE: Vorsorgeeinrichtungen
im Vorjahr nicht separat erfasst
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	17
Abb. 8: Biometrische Grundlagen – Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie
VE mit Staatsgarantie
39’200
6’731
184’563
33’168
167’089
36’653
126’105
25’551
13’242
3’457
77’012
12’137
40’427
7’176
41’202
6’791
257’285
51’016
99’053
19’774
12’112
Es zeigt sich, dass die grosse Mehrheit der Vorsorgeeinrichtun-
bei BVG 2010). Um der stetig steigenden Lebenserwartung
gen ohne Staatsgarantie aktuelle biometrische Grundlagen
Rechnung zu tragen, werden bei Verwendung von Perioden-
(BVG 2010, VZ 2010) verwendet. Seit dem Vorjahr ist dieser
tafeln die Rentenverpflichtungen verstärkt oder es werden
Anteil von 84% auf 91% gestiegen. Auch bei den Vorsorge-
Generationentafeln verwendet, welchen eine Schätzung über
einrichtungen mit Staatsgarantie ist dieser Anteil gestiegen,
die zukünftige Lebenserwartung zu Grunde liegt. Bei der Ver-
nämlich von 62% auf 75%. Die Grundlagen sind hier zum
wendung von Periodentafeln ist die verbuchte Verpflichtung
Teil noch nicht angepasst, weil die vom Gesetz verlangten
tiefer. Die benötigte Rendite ist jedoch höher, da die Verstär-
Umstellungen noch nicht abgeschlossen sind.
kung jedes Jahr erhöht werden muss.
Die Lebenserwartung wird basierend auf den biometrischen
Grundlagen berechnet. Man spricht dabei von Periodentafeln, wenn die Berechnung auf einer gewissen Periode der
Vergangenheit beruht (zum Beispiel die Jahre 2005 – 2009
18	Bericht finanzielle Lage 2013
Abb. 9: Perioden- und Generationentafeln
1’218
2’710’999
Generationentafeln
710’887
Keine selbst erbrachten
Periodentafeln
522’461
2’665’129
467’648
155’756
510’299
123’234
1’454’194
51’976
1’436’015
82’012
Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Vorsorgeeinrichtungen, welche Generationentafeln verwendet, von 20% auf
22% gestiegen.
4.2	Technischer Zins und
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie Sanierungsmassnahmen getroffen werden.
Der technische Zins dient der Bewertung einer zukünftigen
Bei Vorsorgeeinrichtungen mit mehreren Vorsorgewerken
Zahlung. Er wird häufig anhand einer konservativ geschätzten
wird im vorliegenden Bericht der durchschnittliche Deckungs-
erwarteten Rendite festgelegt. Je höher der technische Zins-
grad verwendet, unabhängig davon, ob dieser für jedes Vor-
satz festgelegt wird, desto tiefer werden die Verpflichtungen
sorgewerk separat berechnet wird oder nicht.
dargestellt und der Deckungsgrad steigt. Dies hat aber zur
Folge, dass in der Zukunft eine höhere Anlageperformance
erzielt werden muss, um das finanzielle Gleichgewicht zu halten, was in der Regel mit einem höheren Risiko verbunden ist.
Der Deckungsgrad entspricht dem Verhältnis zwischen dem
vorhandenen Vermögen und den Verpflichtungen. Liegt er
bei mindestens 100%, können zum Stichtag sämtliche Verpflichtungen erfüllt werden. Liegt er darunter, müssen bei
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	19
Abb. 10:	Individueller technischer Zins Vorsorgeeinrichtungen –
61’820
17’327
39’614
9’834
2.50% – 2.99%
580’889
116’041
318’868
57’415
3.00% – 3.49%
1’474’200
298’691
1’122’093
223’463
3.50% – 3.99%
714’959
125’279
864’305
147’318
4.00% – 4.49%
72’398
15’786
294’163
52’076
7’904
3’220
≥ 4.50%
technischer Zins5)
1)	VE: Vorsorgeeinrichtungen
2)	Versicherte: Aktive Versicherte und Rentner
3)	Anteil Rentnerinnen und Rentner in Prozent der Anzahl Versicherten
4)	Bilanzsumme in Mio. Fr.
5) mit Bilanzsumme gewichtetes arithmetisches Mittel
Abb. 11:	Individueller technischer Zins Vorsorgeeinrichtungen –
48’371
10’609
56’396
10’437
234’967
46’482
80’628
15’566
122’309
23’896
144’480
25’915
107’830
23’583
243’280
45’207
3’697
2013	20	Bericht finanzielle Lage 2013
Obwohl auch Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie
Die Schweizerische Kammer der Pensionskassen-Experten
ihre Zinssätze nach unten angepasst haben, verwenden sie
SKPE publiziert einen Referenzzinssatz, welcher derzeit bei
weiterhin höhere Zinssätze als Vorsorgeeinrichtungen ohne
3.0% liegt und in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich
Staatsgarantie.
weiter sinken wird. Die Beachtung dieses Zinses als Obergrenze ist für die Mitglieder der SKPE obligatorisch. Bei einer
Das Spektrum der verwendeten technischen Zinssätze ist
Überschreitung müssen Massnahmen ergriffen werden, um
immer noch relativ breit. Der Anteil derjenigen Vorsorgeein-
den Zinssatz zu senken. Es ist deshalb davon auszugehen,
richtungen, die einen Zinssatz von 3.5% oder höher verwen-
dass die durchschnittlichen technischen Zinsen der Vorsorge-
den, hat sich jedoch innert eines Jahres von 48% auf 30%
einrichtungen weiter sinken werden.
Abb. 12: Deckungsgrad Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie – individueller technischer Zins
3’394
12’576
80.0% – 89.9%
56’211
12’004
117’896
24’067
90.0% – 99.9%
381’538
68’339
457’944
65’077
100.0% – 109.9%
2’559’298
283’741
2’788’682
335’091
110.0% – 119.9%
1’164’603
206’716
566’457
110’760
≥ 120.0%
193’215
53’925
127’295
37’699
Deckungsgrad5)
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	21
Abb. 13: Deckungsgrad Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie – individueller technischer Zins
247’062
42’606
300’547
48’727
149’756
32’296
70’743
13’692
46’669
10’845
137’597
31’275
73’701
19’155
29’595
4’626
2’111
Da der Deckungsgrad von den verwendeten biometrischen
geschätzt werden. Um die Schätzung möglichst genau zu
Grundlagen und dem technischen Zinssatz abhängt, ist es für
machen, wird der durchschnittliche Zinssatz von 3.0% für
einen Risikovergleich zwischen den verschiedenen Vorsorge-
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie verwendet. Bei
einrichtungen unabdingbar, ihn mit einheitlichen Annahmen
den biometrischen Grundlagen dient BVG 2010 mit einer
zu berechnen. Dabei muss der Effekt der Annahmenänderung
Generationentafel als Basis.
Abb. 14:	Deckungsgrad Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie –
einheitlicher technischer Zins von 3.0% (Vorjahr: 3.3%)
Deckungsgrad mit
einheitlichen Parametern
20’636
71’523
10’155
193’478
38’046
676’321
149’890
727’048
140’304
2’490’369
253’918
2’530’583
272’738
861’814
140’433
484’178
85’501
256’520
70’526
114’927
34’425
2013	22	Bericht finanzielle Lage 2013
Deckungsgrad mit einheitlichen Parametern beträgt 109.5%
einheitlichen Deckungsgrad1 hätte sich eine durchschnittliche
Verbesserung des Deckungsgrads um gut 6% ergeben.
(Vorjahr: 104.9%). Ohne die Reduktion des Zinssatzes für den
Abb. 15: Grafik „Verteilung Deckungsgrad individueller vs. einheitlicher technischer Zins –
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie“ – 2013
Höhe Deckungsgrad
Einheitliche Parameter
Art des Deckungsgrads
50% der Vorsorgeeinrichtungen weisen in der Jahresrechnung (individuelle Parameter) einen Deckungsgrad von 111%
oder mehr aus (blauer Bereich). 90% haben einen Deckungsgrad zwischen 98% und 171% (Bereich ohne die äusseren
Stäbe), 98% zwischen 85% und 498% (ganze Grafik). Das
1	Die Reduktion des technischen Zinssatzes
von 3.3% auf 3.0% macht im Durchschnitt
etwa 1.4% Deckungsgrad-Prozente aus.
mit der Bilanzsumme gewichtete Mittel der Deckungsgrade
beträgt 110.8%.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	23
Abb. 16:	Deckungsgrad Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie –
335’270
61’749
360’455
60’537
119’751
29’073
81’316
19’235
42’115
9’363
75’302
16’482
20’052
4’717
23’499
2’505
Auch bei den Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie ist der
u.a. infolge Wechsel in das System der Vollkapitalisierung auf
Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen gestiegen, von
die Staatsgarantie verzichten und deshalb in dieser Kategorie
75.0% auf 76.3%. Ohne die Reduktion des Zinssatzes für den
nicht mehr erfasst werden. Weitere Einflussfaktoren sind das
einheitlichen Deckungsgrad hätte sich eine durchschnittliche
tiefere Deckungsgradniveau, die höheren Rentneranteile und
Verbesserung des Deckungsgrads um 2.7% ergeben. Die im
die höheren technischen Zinssätze.
Vergleich zu den übrigen Vorsorgeeinrichtungen tiefere Erhöhung ist nicht auf fehlende Anlageerträge zurückzuführen,
sondern in erster Linie darauf, dass von den Vorsorgeeinrichtungen mit den höchsten Deckungsgraden im Vorjahr einige
2	Die Reduktion des technischen Zinssatzes
24	Bericht finanzielle Lage 2013
Abb. 17: Grafik „Verteilung Deckungsgrad individueller vs. einheitlicher technischer Zins –
Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie“ – 2013
50% der Vorsorgeeinrichtungen weisen in der Jahresrechnung
Je tiefer der Deckungsgrad, desto höher ist das Finanzierungs-
(individuelle Parameter) einen Deckungsgrad von 94% oder
risiko für die Vorsorgeeinrichtung. Kurz- und mittelfristig ist
mehr aus (blauer Bereich). 90% haben einen Deckungsgrad zwi-
dies das grösste messbare Risiko, dem eine Vorsorgeeinrich-
schen 53% und 105% (Bereich ohne die äusseren Stäbe), 98%
tung ausgesetzt ist.
zwischen 14% und 110% (ganze Grafik). Das mit der Bilanzsumme gewichtete Mittel der Deckungsgrade beträgt 80.4%.
4.3	Beurteilung
reduzieren damit den Deckungsgrad. Im Gegenzug werden
die zukünftigen Renditeerfordernisse gesenkt.
2013 war ein weiteres gutes Jahr für die Vorsorgeeinrichtungen, die durchschnittlich kapitalgewichtete Netto-Vermö-
Mit der Modellierung eines Deckungsgrads mit einheitlichen
gensrendite betrug 6.1% (Vorjahr: 7.4%). Die Deckungsgrade
Parametern wird aufgezeigt, wie die Verteilung der Deckungs-
haben sich deshalb weiter verbessert. Der Anteil der Vorsor-
grade aussieht. Am unteren Ende der Skala sinken damit die
geeinrichtungen ohne Staatsgarantie mit Unterdeckung ging
Deckungsgrade weiter, da diese Vorsorgeeinrichtungen mit
von 10% auf 7% zurück.
weniger vorsichtigen Parametern rechnen. Bei der erwarteten
notwendigen weiteren Senkung des technischen Zinssatzes
Viele Vorsorgeeinrichtungen haben ihren technischen Zins-
werden bei diesen Vorsorgeeinrichtungen deshalb weitere
satz im vergangenen Jahr weiter gesenkt. Weitere Reduktio-
Sanierungsmassnahmen erforderlich sein. Dies trifft insbeson-
nen sind zu erwarten. Um die stetig steigende Lebenserwar-
dere diejenigen öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen,
tung zu berücksichtigen, verwendet bereits ein Viertel aller
Vorsorgeeinrichtungen Generationentafeln. Auch hier ist zu
erwarten, dass dieser Anteil in Zukunft steigen wird. Beide
mit der Wahl der Teilkapitalisierung tiefere Sanierungsleistun-
Massnahmen erhöhen die verbuchten Verpflichtungen und
gen ermöglicht, müssen die Leistungen längerfristig gleichwohl finanziert werden.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	25
Unabhängig vom Deckungsgrad muss jede registrierte Vor-
aller Vorsorgeeinrichtungen angeboten. Die allermeisten
sorgeeinrichtung die Mindestleistungen gemäss Gesetz
Vorsorgeeinrichtungen haben ein Beitragsprimat, während
erbringen. Darüber hinaus werden die Leistungen reglemen-
es vereinzelt noch Mischformen und andere Formen gibt. Im
tarisch festgelegt. Deren Höhe hängt beim Leistungsprimat
Berichtsjahr 2013 neu erfasst wurden reine Rentnerkassen,
vom versicherten Lohn und den erworbenen Beitragsjahren
von welchen mittlerweile bereits 56 existieren. Das sind 3%
ab. Beim Beitragsprimat bestimmt sich die Leistung auf Basis
aller Vorsorgeeinrichtungen. Ihr Anteil an der Bilanzsumme
der gutgeschriebenen Beiträge, der Zinsen und der festgeleg-
beträgt jedoch bisher nur 0.3%.
ten Umwandlung bei Pensionierung, Tod und Invalidität.
Da bei Leistungsprimaten eine Leistung in Prozenten der
5.1	Leistungs- und Beitragsprimat
letzten Lohnzahlungen versprochen wird und diese kurz vor
Pensionierung noch ansteigen können (z.B. Ausgleich der
Inflation), ist das Risiko für die Vorsorgeeinrichtungen höher
Die Bedeutung des Leistungsprimats in der beruflichen Vor-
als bei Beitragsprimaten. Dies wird in der Risikobeurteilung
sorge nimmt seit Jahren ab. Es wird noch von knapp 6%
mit einem pauschalen Risikozuschlag berücksichtigt.
Abb. 18: Beitrags- und Leistungsprimat – Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie
1’616
4’038’550
180’841
Reine Rentnerkasse5)
533’783
1’557
3’683’003
463’750
51’952
188’352
50’440
122’500
34’878
118’287
37’482
3’783
2’210
12’585
2’330
81’208
22’462
2013	26	Bericht finanzielle Lage 2013
Abb. 19:	Beitrags- und Leistungsprimat – Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie
98’066
20’222
128’054
23’255
398’372
80’304
399’688
73’008
20’439
4’404
12’346
2’497
5.2	Rentenversprechen
Beim Leistungsprimat errechnet sich das Zinsversprechen aus
dem technischen Zins sowie einem Zuschlag für die Langle-
Bei der Umwandlung des Sparkapitals in eine Altersrente
bigkeit. Beim Beitragsprimat ergibt sich das Versprechen aus
gibt die Vorsorgeeinrichtung bei der Pensionierung des Ver-
dem Umwandlungssatz. Je höher dieser bei Pensionierung ist,
sicherten ein implizites Zinsversprechen ab. Geht man davon
desto grösser ist das Versprechen über den künftigen Renten-
aus, dass die Lebenserwartungen für den Bestand realistisch
bezug. Keine Berechnungen wurden bei Vorsorgeeinrichtun-
geschätzt werden können, trägt die Vorsorgeeinrichtung das
gen gemacht, welche die Altersrenten über eine Versicherung
volle Zinsrisiko. Ist die effektive Performance nach Abzug der
abwickeln oder nur Kapitalien auszahlen.
Kosten mittelfristig höher, wird sie den erzielten Überschuss
den Rentenbezügern verteilen. Es handelt sich also ökonomisch gesehen um eine Zinsoption: Je höher der versprochene
Zins ist, desto grösser ist das Risiko, das die Vorsorgeeinrichtung eingeht.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	27
Abb. 20:	Zinsversprechen zukünftige Rentenleistung – Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie
1’470’319
56’710
79’788
19’594
293’347
103’026
56’435
25’185
653’727
159’957
317’247
73’200
903’037
167’102
780’735
203’169
393’783
71’150
437’008
75’281
564’258
47’614
1’054’630
116’193
Versicherung / nur Kapitalien
Zinsversprechen5)
Abb. 21:	Grafik „Zinsversprechen zukünftige Rentenleistung –
Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie“
2013	nach Bilanzsumme gewichtete Anteile
28	Bericht finanzielle Lage 2013
Abb. 22:	Zinsversprechen zukünftige Rentenleistung – Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie
53’244
11’586
54’615
11’308
318’226
62’103
152’290
27’180
143’558
30’887
300’324
56’036
21’252
3’031
Abb. 23:	Grafik „Zinsversprechen zukünftige Rentenleistung –
Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie“
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	29
5.3	Beurteilung
Diese Differenz ist im Gesetz nicht vorgesehen und kann
bisher auch nicht durch paritätische Beiträge vorfinanziert
Analog zu den technischen Zinssätzen wurden im vergange-
werden. In der Vernehmlassungsvorlage zur „Altersvorsorge
nen Jahr auch die Umwandlungssätze und damit die Zinsga-
2020“ ist mit der Möglichkeit einer kollektiven Vorfinanzie-
rantien für Altersrenten gesenkt. Eine leichte Annäherung auf
rung von Altersrenten eine gesetzliche Anpassung vorgese-
tieferem Niveau ist zu beobachten. Aufgrund der gesetzlichen
hen, welche das Problem mittelfristig entschärfen dürfte.
Vorgaben bleiben die Umwandlungssätze aber weiterhin relativ hoch. So entspricht der BVG-Mindestumwandlungssatz
von 6.8% einer Zinsgarantie von 4.6% (Berechnung basierend
auf den Volkssterbetafeln3). Die Zinsversprechen, welche den
Altersleistungen zu Grunde liegen, sind damit in den meisten
Fällen deutlich höher als die für die Bewertung der Verpflichtungen von der Vorsorgeeinrichtung verwendeten Zinssätze.
3	Extrapolation der Daten durch „Statistique Vaud“, basierend auf den Zahlen des Bundesamts für Statistik von 2008,
siehe http://www.scris.vd.ch/Default.aspx?DomId=1939
30	Bericht finanzielle Lage 2013
Struktur und Sanierungsfähigkeit
Ist eine Vorsorgeeinrichtung in Unterdeckung, muss sie Sanie-
Vorsorgeeinrichtung ab. Setzt sich der Bestand einer Vorsor-
rungsmassnahmen ergreifen. Eine Vorsorgeeinrichtung mit
geeinrichtung praktisch ausschliesslich aus aktiven Versicher-
einem Deckungsgrad von über 100% wird vorsichtig sein
ten zusammen, genügen relativ bescheidene Beiträge oder
bei der Verzinsung und Erhöhung von Leistungen, solange
Minderverzinsungen, um einen deutlichen Effekt zu erzielen.
die Wertschwankungsreserve nicht vollständig geäufnet ist.
Das Umgekehrte gilt bei einem Bestand, der zur Hauptsache
Zur Verbesserung der finanziellen Lage können im Wesentli-
aus Rentenbezügern besteht.
chen zwei Faktoren beitragen: Entweder zusätzliche Beiträge
(Sanierungsbeiträge) oder tiefere zukünftige Leistungen, was
meistens eine tiefere Verzinsung der Alterskapitalien beinhal-
einer Minderverzinsung ist, desto risikofähiger ist eine
tet. Eine Reduktion von laufenden Renten ist nur sehr einge-
Vorsorgeeinrichtung.
Sanierungsbeitrags
schränkt möglich. Die wesentlichen Lasten zur Verbesserung
des Deckungsgrads werden deshalb durch die Beitragszahler
Die Struktur der Vorsorgeeinrichtungen kann von dieser in der
(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) bzw. die aktiven Versicher-
Regel nicht wesentlich beeinflusst werden. Die Sanierungsfä-
ten getragen.
higkeit kann deshalb kaum gesteuert werden, sondern ist in
den meisten Fällen ein Risiko, das entsprechend gemanagt
Wie schnell und in welchem Ausmass solche Massnahmen
wirken, hängt deshalb wesentlich von der Struktur der
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	31
6.1	Auswirkungen von
Sanierungsbeiträgen
Ein Sanierungsbeitrag von 1% der versicherten Löhne bringt
nachfolgende Erhöhungen des Deckungsgrads in einem Jahr
Abb. 24:	Erhöhung Deckungsgrad pro Jahr bei einem Sanierungsbeitrag von 1% –
Erhöhung Deckungsgrad um
0.00% – 0.19%
724’889
219’262
756’326
208’206
0.20% – 0.39%
998’545
231’364
797’831
181’832
0.40% – 0.59%
494’266
69’168
557’812
63’275
0.60% – 0.79%
662’206
56’255
641’684
51’713
0.80% – 0.99%
366’688
25’326
541’191
45’575
≥ 1.00%
1’111’665
23’778
776’006
23’533
Die Lohnsumme der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie beträgt 260.9 Milliarden Franken, was 42% der Bilanzsumme entspricht.
Abb. 25:	Grafik „Erhöhung Deckungsgrad bei einem Sanierungsbeitrag von 1% –
32	Bericht finanzielle Lage 2013
Abb. 26:	Erhöhung Deckungsgrad pro Jahr bei einem Sanierungsbeitrag von 1% –
209’883
47’921
191’921
41’127
307’361
57’113
306’091
51’628
9’341
4’043
12’077
Die Lohnsumme der Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie beträgt 26.8 Milliarden Franken, was 25% der Bilanzsumme entspricht.
Abb. 27:	Grafik „Erhöhung Deckungsgrad bei einem Sanierungsbeitrag von 1% –
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	33
6.2	Auswirkungen von
Minderverzinsungen
Eine Minderverzinsung auf dem Vorsorgekapital der aktiven
Versicherten von 1% bringt nachfolgende Erhöhungen des
Deckungsgrads in einem Jahr mit sich:
Abb. 28:	Erhöhung Deckungsgrad pro Jahr bei einer Minderverzinsung von 1% –
Bilanzsumme4)
0.00% - 0.19%
48’135
11’289
349’237
9’743
0.20% - 0.39%
389’243
121’497
473’578
112’727
0.40% - 0.59%
1’221’920
291’528
1’098’739
240’586
0.60% - 0.79%
1’375’837
126’743
1’294’734
128’543
0.80% - 0.99%
798’636
58’224
817’726
79’987
524’488
15’872
36’836
2’548
Abb. 29:	Grafik „Erhöhung Deckungsgrad bei einer Minderverzinsung von 1% –
34	Bericht finanzielle Lage 2013
Abb. 30:	Erhöhung Deckungsgrad pro Jahr bei einer Minderverzinsung von 1% –
80’897
13’514
47’764
6’947
436’819
91’479
471’986
89’931
20’808
1’878
Abb. 31:	Grafik „Erhöhung Deckungsgrad bei einer Minderverzinsung von 1% –
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	35
6.3	Beurteilung
saniert werden, was meistens mit erheblichen Kosten verbunden ist. Die durchschnittliche Vorsorgeeinrichtung muss, um
Die Struktur der Vorsorgeeinrichtungen hat sich erwartungs-
eine Unterdeckung von 10% innerhalb von fünf Jahren zu
gemäss innert einem Jahr nicht wesentlich geändert. Die
beheben, jährlich 5% Sanierungsbeiträge oder eine Minder-
Sanierungsfähigkeit bleibt damit eines der ausgeprägtesten
verzinsung von 3% hinnehmen. Es zeigt sich deshalb, dass bei
Risiken, das zudem von den Vorsorgeeinrichtungen kaum
den meisten Vorsorgeeinrichtungen eine rechtzeitige Sanie-
beeinflusst werden kann. Die Unterschiede zwischen den
rung besonders wichtig ist.
Vorsorgeeinrichtungen sind bei diesem Risiko sehr gross.
Der eigentliche Risikofaktor ist dabei der Anteil der RentenverBei Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie ist die Situa-
pflichtungen: Je grösser dieser ausfällt, desto geringer ist die
tion zwar deutlich homogener. Reine Rentnerkassen oder
Wirkung von Sanierungsmassnahmen.
ganz junge Vorsorgeeinrichtungen gibt es hier nicht. Sie sind
jedoch auch deutlich schwieriger sanierbar, weil sie im Durchschnitt einen höheren Rentneranteil ausweisen.
Ist eine Vorsorgeeinrichtung einmal in Unterdeckung, muss
sie durch eine Kombination von Beitragserhöhungen und
Leistungskürzungen in der Regel innert fünf bis sieben Jahren
36	Bericht finanzielle Lage 2013
Um die Verzinsung der Verpflichtungen sicher zu stellen, muss
sich bringen. Deshalb müssen Vorsorgeeinrichtungen Anlage-
eine Vorsorgeeinrichtung ihr Vermögen anlegen. Sie könnte
risiken eingehen. Sie investieren in Anlagekategorien, welche
theoretisch in lauter risikoarme Anleihen analog der Laufzeit
im Durchschnitt höhere Renditen versprechen, sich aber nicht
der Verpflichtungen investieren, also in Anlagen, die sich auch
gleich wie die Verpflichtungen verhalten, und müssen daher
bei Zinsschwankungen praktisch wie die Verpflichtungen ver-
entsprechende Wertschwankungsreserven aufbauen.
halten. Das würde das Schwankungsrisiko minimieren, sofern
dadurch die Verpflichtungen finanziert werden könnten. Ver-
Die hier verwendete Charakterisierung nach Anlagekatego-
gleicht man jedoch den im Mittel verwendeten technischen
rien ist sehr grob und in keiner Weise für die Definition einer
Zinssatz von 3.0% (Vorjahr: 3.3%) mit dem aktuell immer noch
Anlagestrategie geeignet.
sehr tiefen Zinsniveau von rund 1% (Vorjahr: 0.7%) über zehn
Jahre (Bundesobligationen), so wird deutlich, dass dies nicht
Der mit der Bilanzsumme gewichtete Durchschnitt der Anla-
möglich ist. Eine solche Strategie würde für Arbeitgeber und
gestrategien sieht wie folgt aus:
Versicherte massiv höhere Beiträge und tiefere Leistungen mit
Abb. 32:	Grafik „Zielwerte Anlagestrategie je Anlagekategorie (gewichtet nach Bilanzsumme) –
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	37
Abb. 33:	Grafik „Zielwerte Anlagestrategie je Anlagekategorie (gewichtet nach Bilanzsumme) –
Abb. 34:	Grafik „Verteilung Anlagekategorien“
Fremdwährungsexposure
Der ungesicherte Fremdwährungsanteil hat sich im Vergleich
zum Vorjahr von 17.2% auf 17.5% leicht erhöht. Die durch-
50% der Vorsorgeeinrichtungen investieren mindestens 41% des
schnittliche Zielgrösse der Wertschwankungsreserven hat sich
Vermögens in Forderungen (blauer Bereich). 90% haben Anteile in
von 16.6% auf 17.3% erhöht.
Forderungen zwischen 12% und 65% (Bereich ohne die äusseren
Stäbe), 98% zwischen 0% und 90% (ganze Grafik). Das mit der
Bilanzsumme gewichtete Mittel der Forderungen beträgt 41.6%.
38	Bericht finanzielle Lage 2013
7.1	Beurteilung
und Aktien steigen, um 1.6% resp. 1.0%. Diese Veränderungen sind nicht auf die guten Anlageresultate bei Aktien und
Der Renditedruck auf die Vorsorgeeinrichtungen ist wegen
Immobilien zurückzuführen, da in der vorliegenden Erhebung
der existierenden Verpflichtung und des gegenwärtig sehr
die Zielwerte der Anlagestrategien erfasst werden.
tiefen Zinsniveaus hoch. Entsprechend zugenommen hat im
Berichtsjahr der Anteil der risikobehafteten Anlagen. Dieser
dürfte auch in Zukunft kaum abnehmen.
Während der Zielwert an Liquidität stabil bleibt, nimmt er
grossen Anteil der Vorsorgeeinrichtungen ist jedoch der Ziel-
bei Obligationen um 2.7% ab. Die Zielwerte für Immobilien
wert der Wertschwankungsreserven noch nicht erreicht. Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	39
Gesamt-Risiko
Um das Gesamtrisiko der Vorsorgeeinrichtungen einzuschät-
–	Sanierungsfähigkeit
zen, genügt der Deckungsgrad als Parameter nicht, da er zu
–	Anlagerisiko
wenig über zukünftige Veränderungsrisiken aussagt. Die Einschätzung zum Gesamtrisiko wird deshalb auf folgender Basis
Da der Deckungsgrad die wichtigste Risikokomponente dar-
stellt, wird er doppelt gewichtet. Die übrigen Komponenten
–	Deckungsgrad mit einheitlichen Parametern
werden einfach gewichtet. Der OAK BV ist bewusst, dass es
–	Leistungsversprechen
sich hierbei um eine grobe Kategorisierung handelt. Sie dient
allein einer Gesamtübersicht.
Abb. 35:	Risikogruppen Vorsorgeeinrichtungen – Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie
1 – klein
15’422
1’709
4’481
2 – eher klein
1’382’194
74’491
931’468
68’694
2’409’085
423’015
1’321’091
159’539
4 – eher hoch
549’416
125’493
1’575’612
299’390
238’198
45’899
5 – hoch
Abb. 36:	Grafik „Risikogruppen Vorsorgeeinrichtungen – Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie“
40	Bericht finanzielle Lage 2013
Abb. 37:	Risikogruppen Vorsorgeeinrichtungen – Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie
130’607
28’737
87’977
17’235
313’039
62’982
184’241
41’566
73’043
13’182
256’263
38’754
Abb. 38:	Grafik „Risikogruppen Vorsorgeeinrichtungen – Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie“
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	41
8.1	Beurteilung
Verwerfungen an den Finanzmärkten seit dem Jahr 2000 –
heute die meisten Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung.
Jedes Vorsorgesystem ist mit Risiken verbunden. Das Umlage-
Die Erhebung zeigt, dass dies nicht der Fall ist.
system der ersten Säule ist vor allem den Risiken der demographischen Entwicklung und der Wirtschaftsentwicklung
Weiterhin sind jedoch Vorsorgeeinrichtungen mit hohen
in der Schweiz ausgesetzt. Die Hauptrisiken des Kapitalde-
Rentner-Anteilen auch höheren Risiken ausgesetzt. Das
ckungsverfahrens der zweiten Säule sind für die Vorsorgeein-
kleinste Risiko haben naturgemäss rückversicherte Vorsorge-
richtungen hingegen die Entwicklung der Lebenserwartung
einrichtungen, wobei hier das allfällige Risiko eines Ausfalls
der Rentnerinnen und Rentner sowie das kurz- und langfris-
oder Rückzugs einer Versicherungsgesellschaft nicht bewer-
tige Anlagerisiko an den schweizerischen und weltweiten
tet worden ist.
Kapitalmärkten.
Massnahmen zur Verminderung des Risikos müssen von den
Vorsorgeeinrichtungen können ihre Leistungen nicht finan-
obersten Organen der Vorsorgeeinrichtungen getroffen wer-
zieren, ohne Risiken einzugehen. Das Gesamtrisiko, dem
den. Angesichts des anhaltend tiefen Zinsniveaus und der
schweizerische Vorsorgeeinrichtungen aktuell ausgesetzt
stetigen Erhöhung des Rentenanteils sind indes auch weitere
sind, ist nach den beiden guten Anlagejahren 2012 und 2013
Kreise aus Wirtschaft und Politik gefordert, um vernünftige
deutlich zurückgegangen. Ohne aktive Anpassung der Leis-
und für alle Beteiligten tragbare Lösungen aufzuzeigen.
tungsversprechen wären – angesichts der beiden grossen
42	Bericht finanzielle Lage 2013
124 Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie (Vorjahr:
–	Massnahmen wie die leichte Reduktion der Verzinsung
181) und 42 mit Staatsgarantie (Vorjahr: 48) weisen per 31.
oder die Reduktion von zukünftigen Risikoleistungen bei
Dezember 2013 eine Unterdeckung aus. Gemäss Gesetz müs-
Tod und Invalidität, welche eine mittelstarke Wirksamkeit
sen sie Sanierungsmassnahmen ergreifen, die der jeweiligen
haben und / oder
Unterdeckung angepasst sind. Nicht inbegriffen sind dabei
–	stark wirksame Massnahmen wie die Nullverzinsung, Sa-
Vorsorgeeinrichtungen mit einzelnen Vorsorgewerken, wel-
nierungsbeiträge oder die Reduktion von Leistungen.
che eine Unterdeckung aufweisen, deren durchschnittlicher
Deckungsgrad jedoch über 100% liegt.
Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass bei tiefem
Deckungsgrad und höherem Risiko stärkere Sanierungsmass-
Zur Verfügung stehen folgende Sanierungsmassnahmen:
nahmen getroffen werden müssen.
–	Schwach wirksame Massnahmen, wie zum Beispiel die
Anpassung der Anlagestrategie,
Nach Risikogruppen geordnet sieht die Stärke der beschlossenen und umgesetzten Massnahmenpakete wie folgt aus:
Abb. 39:	Risikogruppen Vorsorgeeinrichtungen mit Sanierungsbedarf
VE mit Unterdeckung
2013	9.1	Beurteilung
die Revisionsstellen sowie die regionalen und kantonalen
Aufsichtsbehörden gefordert sein, im Einzelfall zusätzliche
Die Analyse der getroffenen Massnahmen zeigt, dass bei den
Massnahmen umzusetzen bzw. zu verlangen.
betroffenen Vorsorgeeinrichtungen nicht überall das Ausmass
der Risiken von Unterdeckungen voll erkannt worden ist. So
werden die obersten Organe, Expertinnen und Experten,
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	43
Ob und inwieweit Risiken tatsächlich eintreten, kann natur-
Die Politik ist aktuell daran, für verschiedene Themen im
gemäss niemand voraussagen. Gewisse Risiken werden nur
Rahmen der „Altersvorsorge 2020“ Lösungswege zu fin-
einzelne Vorsorgeeinrichtungen treffen, andere haben eine
den. Dabei wird auch das Beitrags- und Leistungsniveau von
Auswirkung auf das ganze System der beruflichen Vorsorge
zukünftigen Renten der zweiten Säule zur Diskussion gestellt.
Gefordert sind aber weiterhin in erster Linie die VorsorgeSo werden bei anhaltend tiefen Zinsen vor allem die aktiven
einrichtungen selber, die den Anspruchsberechtigten den
Versicherten von Sanierungsmassnahmen betroffen sein.
Wert und die Kosten einer zukünftigen Leistung aufzuzeigen
Steigen umgekehrt Zinsen und Inflation an, werden vor allem
haben. Dabei muss die Balance zwischen Risiko und Wertstei-
die Rentenbezüger betroffen sein, welche in vielen Vorsor-
gerung sowie zwischen den verschiedenen Versichertenge-
geeinrichtungen wegen des knappen Deckungsgrads keine
nerationen immer wieder neu gesucht und definiert werden.
Teuerungsanpassungen bekommen werden.
44	Bericht finanzielle Lage 2013
11.1	Berechnung der Risikostufen
Deckungsgrad mit einheitlichen Parametern
Für die Berechnung der Risikostufen wird das gleiche Modell
Die Risikostufe wird wie folgt zugeordnet:
wie im Vorjahr verwendet.
≥ 100.0%
70.0% – 79.9%
<70.0%
Abb. 40:	Grafik „Risikostufen Deckungsgrad –
VE ohne Staatsgarantie“
Abb. 41:	Grafik „Risikostufen Deckungsgrad –
VE mit Staatsgarantie“
nach Bilanzsumme gewichtete Anteile
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	45
Das Leistungsversprechen wird anhand des Zinsversprechens
für die Altersleistung eingestuft:
Zinsverspechen
Kein Rentenversprechen
<2.25%
2.25% – 2.99%
3.00% – 3.74%
3.75% – 4.49%
Für das Leistungsprimat wird zusätzlich eine Stufe hinzu
addiert, bei einer Mischform 0.5 Stufen.
Abb. 42:	Grafik Risikostufen Zinsversprechen
(VE ohne Staatsgarantie)
Abb. 43:	Grafik Risikostufen Zinsversprechen
(VE mit Staatsgarantie)
46	Bericht finanzielle Lage 2013
Der Effekt von 1% Zusatzbeitrag und 1% Minderverzinsung
wird je so eingestuft:
≥ 0.80%
Für die Sanierungsfähigkeit wird dann der Durchschnitt der
beiden Stufen verwendet.
Abb. 44:	Grafik Risikostufen Sanierungsfähigkeit
Abb. 45:	Grafik Risikostufen Sanierungsfähigkeit
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	47
Auf einer Skala von 1-5 (1: kleines Risiko, 5: grosses Risiko)
Ein zusätzliches Risiko besteht bei ungesicherten Fremdwäh-
werden die Anlagekategorien wie folgt bewertet:
rungsanlagen, deren Anteil wird wie folgt eingeschätzt:
6.0% – 13.9%
14.0% – 21.9%
22.0% – 29.9%
≥ 30.0%
Das Anlagerisiko wird als gewichtetes Mittel der Anlagestrate-
dazu addiert wird. Das Resultat wird auf den nächsten halben
gie errechnet, wobei der Anteil an ungesicherten Fremdwäh-
Punkt gerundet.
rungsanlagen multipliziert mit der entsprechenden Risikostufe
Abb. 46:	Grafik Risikostufen Anlagerisiko
Abb. 47:	Grafik Risikostufen Anlagerisiko
48	Bericht finanzielle Lage 2013
11.2	Definitionen
Eine gemäss Art. 48 BVG registrierte Vorsorgeeinrichtung
erbringt für ihre Versicherten und Rentenbezüger die obliga-
Für die Vorsorgeeinrichtungen privatrechtlicher Arbeitgeber
torischen Mindestleistungen gemäss BVG sowie gegebenen-
gibt es keine Staatsgarantie. Vorsorgeeinrichtungen öffent-
falls zusätzlich ausserobligatorische Leistungen. Alle anderen
lich-rechtlicher Arbeitgeber können über eine Staatsgarantie
Vorsorgeeinrichtungen erbringen ausschliesslich ausserobli-
gemäss Art. 72c BVG verfügen oder über eine alt-rechtliche.
gatorische Leistungen.
Sie können das System der Teilkapitalisierung anwenden und
einen Zieldeckungsgrad von mindestens 80% festlegen. Für
die Details verweisen wir auf die Mitteilungen der OAK BV Nr.
Gemäss Art. 48 Abs. 2 BVG und Art. 331 Abs. 1 OR muss jede
05/2012 vom 14. Dezember 2012.
Vorsorgeeinrichtung die Rechtsform einer privatrechtlichen
Stiftung oder einer privatrechtlichen Genossenschaft haben
oder eine Einrichtung öffentlichen Rechts sein.
Bei der Verwaltungsform bestehen folgende Varianten:
Vorsorgeeinrichtung, bei welcher nur der Stifter bzw. Gründer angeschlossen ist.
Konzerns, einer Holding oder
Vorsorgeeinrichtung, bei welcher neben dem Stifter oder Gründer auch weitere Firmen angeschlossen sind, welche im gleichen Konzern, in der gleichen Holding oder Muttergesellschaft zusammengeschlossen sind oder sonst wirtschaftlich oder finanziell eng verbunden sind.
Vorsorgeeinrichtung aus einem
anderen Zusammenschluss
Vorsorgeeinrichtung aus einem anderen Zusammenschluss von mindestens zwei Arbeitgebern,
die ausschliesslich für ihre Beschäftigten errichtet wurden. Zu dieser Kategorie gehören unter
anderem die Vorsorgeeinrichtungen ehemals wirtschaftlich oder finanziell eng verbundener
Vorsorgeeinrichtung, die meistens von einer Versicherung, Bank oder Treuhandfirma errichtet wird.
Ihr können sich beliebige und voneinander unabhängige Arbeitgeber anschliessen, welche dann
jeweils ein Vorsorgewerk bilden. Merkmal einer Sammeleinrichtung ist die eigene Rechnung über
Finanzierung und Leistungen. Die Vermögensverwaltung kann getrennt oder für alle Vorsorgewerke
zusammen geführt werden. Im ersten Fall wird ein Deckungsgrad pro Vorsorgewerk ausgewiesen,
im zweiten Fall einer für die ganze Einrichtung.
Vorsorgeeinrichtung, die meistens von einem Verband errichtet wird, damit sich ihr die in ihm
organisierten, rechtlich und finanziell voneinander unabhängigen Arbeitgeber anschliessen können.
Merkmale einer Gemeinschaftseinrichtung sind eine limitierte Anzahl von Vorsorgeplänen, die
gemeinsame Rechnung von Finanzierung und Leistungen, sowie die gemeinsame Vermögensanlage.
Sind der Gemeinschaftseinrichtung mehrere Verbände angeschlossen, wird in der Regel pro Verband
Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung eines öffentlichrechtlichen Arbeitgebers
Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen von öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern, denen nebst
dem Gemeinwesen halbstaatliche oder in einem besonderen Verhältnis zum Bund, Kanton oder zur
Gemeinde stehende Unternehmungen angeschlossen sind.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	49
Deckung von Leistungen durch eine Versicherungsgesellschaft
Die Vorsorgeeinrichtungen lassen sich in die folgenden Kategorien einteilen:
Autonom ohne
Die Vorsorgeeinrichtung trägt die gesamten Risiken (Alter, Tod und Invalidität) selbst.
In der Excess-of-Loss-Versicherung wird für sämtliche Versicherten nur jener Teil der Risikosumme
versichert, welcher eine vorgegebene Schranke (Selbstbehalt) übersteigt. Es wird also für jeden
einzelnen Versicherten ein Selbstbehalt festgelegt und im Schadensfall eines versicherten Ereignisses
der übersteigende Teil von der Versicherungsgesellschaft rückvergütet.
In der Stop-Loss-Versicherung werden alle von der Vorsorgeeinrichtung ausbezahlten Versicherungsleistungen in einer Abrechnungsperiode aufaddiert. Davon wird dann ein globaler Selbstbehalt in
Abzug gebracht. Übersteigen die Schadenzahlungen diesen vereinbarten Selbstbehalt, kommt die
Stop-Loss-Versicherung als Rückversicherung zum Zug und der übersteigende Teil wird von der
Versicherungsgesellschaft rückvergütet.
Vorsorgeeinrichtung, welche die Altersleistung selbst sicherstellt und demzufolge das Risiko der
Langlebigkeit selbst trägt. Die Risiken Tod und/oder Invalidität lässt sie durch eine Versicherungsgesellschaft abdecken.
Teilautonom: Kauf individueller Altersrenten bei einer
Vorsorgeeinrichtung, welche mit dem selbst geäufneten Sparkapital im Zeitpunkt der Pensionierung die Altersleistung bei einer Versicherungsgesellschaft kauft und damit das Risiko der
Langlebigkeit auf sie überträgt. Zudem erfolgt die Abdeckung aller übrigen Risiken durch eine
Vorsorgeeinrichtung, die alle Risiken durch eine Versicherungsgesellschaft decken lässt.
Sie bezweckt nur das Alterssparen und deckt demzufolge die Risiken Tod und Invalidität nicht ab. Sie
ist daher von den autonomen Vorsorgeeinrichtungen, welche alle Risiken selbständig versichern, zu
Diejenigen Vorsorgeeinrichtungen, welche sowohl über eine Excess-of-Loss als auch über eine
Stop-Loss-Versicherung verfügen, wurden für diese Erhebung unter „Autonom mit Excess-ofLoss-Versicherung“ geführt.
50	Bericht finanzielle Lage 2013
Bei Vorsorgeeinrichtungen mit mehr als einer Untergruppe (Vorsorgewerk) können folgende
Varianten zur Berechnung des Deckungsgrads unterschieden werden:
Ein Deckungsgrad für die
ganze Vorsorgeeinrichtung
Bei allen Verwaltungsformen ausser der Sammeleinrichtung ist dies üblicherweise der Fall. Bei einer
Teilliquidation ist dieser Deckungsgrad massgebend.
Auch bei Sammeleinrichtungen ist es möglich, dass nur ein Deckungsgrad ausgewiesen wird. Nicht
berücksichtigt werden dabei allfällige Verwaltungskonti (inkl. Konti für Überschüsse, freie Mittel,
etc.) oder Arbeitgeberbeitragsreserven, welche nur einem Anschluss zur Verfügung stehen können.
Ein Deckungsgrad pro
Bei dieser Variante sind bei Teilliquidation pro Vorsorgewerk verschiedene Deckungsgrade massgebend. Insbesondere können einzelne Vorsorgewerke eine Über-, andere eine Unterdeckung
Primat für Altersleistungen
Beim Beitragsprimat richten sich die künftigen Altersleistungen nach den geleisteten Beiträgen bzw.
nach dem geäufneten Spar- bzw. Deckungskapital.
Beim Leistungsprimat entsprechen die Altersleistungen einem durch das Reglement definierten
Prozentsatz des versicherten Lohnes. Massgeblich ist dabei entweder der zuletzt versicherte Lohn
oder ein Durchschnitt der letzten 5 bis 10 Jahre vor Pensionierung. Der Prozentsatz des versicherten
Lohnes ist meistens abhängig vom Alter der Versicherten sowie den erworbenen bzw. eingekauften
Beitragsjahren.
Eine Mischform besteht aus Elementen des Beitrags- und des Leistungsprimats.
Reine Rentnerkasse
Bei einer reinen Rentnerkasse sind keine aktiven Versicherten mehr vorhanden, so dass das Primat
der Altersleistungen praktisch keine Rolle mehr spielt.
Zu den anderen Formen gehören Vorsorgepläne mit lohn- und beitragsunabhängigen Renten- oder
Kapitalleistungen, zum Beispiel fixe Geldbeträge beim Erleben des Pensionierungsalters, oder eine
Vorsorgeeinrichtung, welche ausschliesslich AHV-Überbrückungsrenten ausrichtet.
Massgeblich für die Zuteilung ist die Aufteilung der per Stichtag vorhandenen Freizügigkeitsleistungen von aktiven Versicherten auf die Primate. Sind mehr als 80% der Freizügigkeitsleistungen in Bezug auf die Altersleistungen im Leistungsprimat versichert, wird das Reglement
als Leistungsprimat behandelt, und entsprechend auch beim Beitragsprimat. Falls sowohl
Beitrags- und Leistungsprimat mehr als 20% ausmachen, wird das Reglement als Mischform
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	51
Biometrische Grundlagen
Die biometrischen Grundlagen beinhalten im Wesentli-
Technischer Zinssatz zur Berechnung der
Freizügigkeitsleistung (nur Leistungsprimat)
chen die Sterbewahrscheinlichkeiten von Rentnern, beim
Zur Bestimmung der Freizügigkeitsleistung gemäss Art. 16
Leistungsprimat auch die Invaliditäts- und allenfalls Aus-
FZG wird ein technischer Zinssatz verwendet, der meistens
trittswahrscheinlichkeiten. Die Jahreszahl bezeichnet das
(aber nicht immer) dem technischen Zinssatz für das Vorsor-
Ausgabejahr der Tafeln. Die Grundlagen wurden über einen
gekapital Aktive entspricht.
Beobachtungszeitraum von meistens 5 Jahren erhoben und
entweder unverstärkt oder auf das Ausgabejahr projiziert
Teilkapitalisierung – Ausgangsdeckungsgrad
Vorsorgeeinrichtungen öffentlich-rechtlicher Körperschaften, welche das System der Teilkapitalisierung anwenden,
Periodentafel oder Generationentafel
haben gemäss Art. 72b BVG die Ausgangsdeckungsgrade
Bei Periodentafeln wird allein auf die vergangenen beob-
per 1.1.2012 festzuhalten. Für die Eingabe ist der glo-
achteten Sterbewahrscheinlichkeiten abgestellt und damit
bale Ausgangsdeckungsgrad (Versicherte und Rentner)
implizit angenommen, dass die Lebenserwartung in Zukunft
nicht mehr zunimmt. Generationentafeln beinhalten eine
Annahme über den Anstieg der Lebenserwartung in Zukunft.
Teilkapitalisierung – Zieldeckungsgrad
Der Zieldeckungsgrad entspricht dem globalen Deckungs-
Verstärkungen (Periodentafel)
grad, der mindestens 80% betragen muss (vgl. Art. 72a Abs.
Verstärkungen werden bei Periodentafeln verwendet, um
1 Bst. c BVG und Übergangsbestimmungen zur Änderung
den seit der Beobachtungsperiode bzw. Ausgabejahr zu
des BVG vom 17. Dezember 2010 Bst. c).
erwartenden Anstieg der Lebenserwartung zu berücksichtigen. Verstärkungen können in Prozenten der Vorsor-
gekapitalien und/oder mittels komplizierterer Verfahren
Zu den aktiven Versicherten werden alle per 31.12.2013 ver-
(Anpassung der Sterbewahrscheinlichkeiten) vorgenommen
sicherten lebenden Personen gezählt, welche weder invalid
noch pensioniert sind.
Technischer Zinssatz Vorsorgekapital Rentner
und technische Rückstellungen
Anzahl Rentner
Der technische Zinssatz dient zur Bestimmung des heuti-
31.12.2013 eine Alters-, Invaliden-, Ehegatten-, Partner-
gen Werts einer zukünftigen Zahlung. Wird mehr als ein
oder Kinderrente beziehen. Nicht berücksichtigt werden
technischer Zinssatz angewendet (z.B. Zinskurve), wird das
dabei Rentenbezüger, deren Renten vollumfänglich von
gewichtete Mittel verwendet.
einem Dritten (meist eine Versicherung) ausbezahlt werden.
Technischer Zinssatz Vorsorgekapital Aktive
(nur Leistungsprimat)
Beim Leistungsprimat wird auch zur Berechnung des Vorsor-
det, wobei auf die provisorischen Zahlen der Vorsorgeein-
gekapitals Aktive ein technischer Zinssatz benötigt.
richtungen abgestützt wird.
52	Bericht finanzielle Lage 2013
Die Anzahl Rentner umfasst alle Personen, welche per
Die Bilanzsumme wird gemäss Swiss GAAP FER 26 verwen-
Arbeitgeberbeitragsreserven sind vom Arbeitgeber getätigte
Der Deckungsgrad wird wie folgt berechnet:
Einlagen, welche zu einem späteren Zeitpunkt zur Begleichung von Beiträgen verwendet werden können.
Vv x 100 = Deckungsgrad in Prozent,
mit Verwendungsverzicht
wobei Vv (verfügbares Vorsorgevermögen) und Vk (versi-
Nach Art. 65e BVG kann die Vorsorgeeinrichtung in ihrem
Anhang zum Art. 44 Abs. 1 BVV 2 bestimmt werden. Ins-
Reglement vorsehen, dass der Arbeitgeber bei Unterde-
besondere werden Arbeitgeberbeitragsreserven mit Ver-
ckung Einlagen in ein gesondertes Konto Arbeitgeberbei-
wendungsverzicht
tragsreserve mit Verwendungsverzicht einlegt oder diese
cherungstechnisch notwendiges Vorsorgekapital) gemäss
aus einer anderen Arbeitgeberbeitragsreserve überträgt.
Vorsorgekapital Aktive Versicherte
Deckungsgrad (Vermögen ohne Arbeitgeberbeitragsreserve mit Verwendungsverzicht)
Das Vorsorgekapital Aktive ist die für die aktiven Versicher-
Wenn eine Arbeitgeberbeitragsreserve mit Verwendungs-
ten zurückgestellte Verpflichtung, welche gemäss Swiss
verzicht besteht, wird ein zweiter Deckungsgrad wie folgt
GAAP FER 26 nach anerkannten Grundsätzen und auf allge-
mein zugänglichen technischen Grundlagen betreffend Tod
und Invalidität jährlich zu bewerten ist.
(Vv – AGBRmV) x 100
= Deckungsgrad in Prozent,
Für das Vorsorgekapital Rentner gelten gemäss Swiss GAAP
FER 26 die gleichen Grundsätze wie für das Vorsorgekapital
Anhang zum Art. 44 Abs. 1 BVV 2 bestimmt werden und
AGBRmV die Höhe der Arbeitgeberbeitragsreserve mit Verwendungsverzicht bezeichnet. Der so berechnete Deckungs-
grad muss in jedem Fall kleiner sein als derjenige nach Art.
Technische Rückstellungen werden gemäss dem Rückstel-
44 BVV 2.
lungsreglement der Vorsorgeeinrichtung und nach den
Grundsätzen von Swiss GAAP FER 26 durch den Experten
für berufliche Vorsorge berechnet oder zumindest validiert.
Sind zum Zeitpunkt der Eingabe noch keine Zahlen vorhanden, können sie mittels Fortschreibung geschätzt werden.
Bericht finanzielle Lage 2013 | OAK BV	53
11.3	Glossar
AGBRmV	Arbeitgeberbeitragsreserve mit Verwendungsverzicht
Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
BVG 2000 / 2005 / 2010
Sterbetafeln BVG, herausgegeben von LCP Libera AG und
Aon Hewitt (Switzerland) AG
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
EVK 1990 / EVK 2000
Sterbetafeln Eidgenössische Versicherungskasse (EVK)
Schweizerische Kammer der Pensionskassen-Experten
Rechnungslegung von Personalvorsorgeeinrichtungen
Verfügbares Vorsorgevermögen
VZ 2000 / 2005 / 2010
Gemeinsame technische Grundlagen öffentlich-rechtlicher
Kassen, Herausgeberin: Pensionskasse der Stadt Zürich
54	Bericht finanzielle Lage 2013
Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2013
OAK BV Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2013

References: Art. 72
 Art. 48
 Art. 72
 Art. 48
 Art. 331
 Art. 16
 Art. 72
 Art. 72
 Art. 65
 Art. 44
 Art. 44