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Timestamp: 2017-07-20 12:45:58+00:00

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Friedrich von Wieser - Die natürliche Zurechnung des produktiven Ertrages
W. MohrmannJ. SchumpeterR. LoeningG. Heymans FRIEDRICH von WIESER
Die natürliche Zurechnung des produktiven Ertrages
"Wenn Land, Kapital und Arbeit zusammenwirken, muß man die Quote des Landes, die des Kapitals und die der Arbeit aus dem gemeinsamen Produkt ausscheiden können. Noch mehr, man muß auch den einzelnen Grundstücken, den einzelnen Kapitalien und den einzelnen Arbeitern ihre Leistung nachmessen können. Was nützt es den Ertrag zu kennen, der auf Maschine, Kohle und Rohstoff zusammen entfällt?"
"Eine durch ihren Gegenstand nahe verwandte Wissenschaft, die Jurisprudenz, kann uns für unseren Fall trefflich belehren. Ein Mord braucht einen Täter, ein Opfer, Werkzeuge, Gelegenheit, außerdem aber ist er beeinflußt von unzähligen Umständen, die oft nachweisbar in eine sehr entfernte Vergangenheit zurückreichen, in die Vorgeschichte des Mörders, in die Geschichte der Gesellschaft, in der er zur Welt gekommen und groß geworden ist. Die Zurechnung setzt physische Kausalität voraus, sie darf Niemanden treffen, der außerhalb der Kausalreihe steht, welche zum Erfolg führte, der Beweis, daß der Angeklagte außerhalb der Kausalreihe steht, schließt daher die Verurteilung aus; ist aber die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung festgestellt, so wird dem Täter weit mehr zugerechnet, als er physisch getan hat, als er physisch tun konnte. Nur eine törichte Interpretation des Urteils könnte hieran Anstoß nehmen. Der Spruch X hat es getan, heißt nicht X allein hat es getan, sondern X allein ist unter allen wirksamen Ursachen und Urhebern rechtlich für die Tat verantwortlich. Bei der Aufteilung des produktiven Ertrages handelt es sich gleichfalls statt um eine vollständige kausale Erklärung um eine zweckmäßig einschränkende Zurechnung, nur nicht in rechtlicher, sondern in wirtschaftlicher Absicht."
"Jeder produktive Faktor ist, wenn er wirksam wird, immer mit anderen verbunden, mit deren Wikrung sich die seinige vermischt: aber die mitverbundenen Elemente wechseln und das befähigt uns zur Ausscheidung der spezifischen Wirkung jedes einzelnen ebenso als ob es ganz allein wirksam wäre." 1. Abteilung
Die allgemeinen Regeln der Zurechnung
§ 19. Der Ertragswert
Auch die Produktivgüter, auch Land, Kapital und Arbeit geben Nutzen. Sie geben Nutzen, indem sie nützliche Gebrauchsgegenstände hervorbringen. Wie diese unmittelbar, so dienen sie mittelbar der Bedürfnisbefriedigung. Der Same, der Baum und der Boden, das Garn, die Kohle und die Maschine sind zwar nicht reife, nicht fertige Güter, sowie die Frucht und das Kleid, aber sie sind ebensowohl Güter. Sie enthalten einen vorbereiteten oder vorbereitenden Nutzen.
Auch die Produktivgüter, auch Land, Kapital und Arbeit müssen um ihres Nutzens willen einen Wert empfangen, sofern sie nicht im Überfluß verfügbar sind. Das Luftteilchen, das zugleich mit unzählig vielen anderen, mit denen es sich im Raum drängt, über den Acker hinstreicht, ist nützlich aber wertlos, weil es sofort durch ein anderes abgelöst und ersetzt wird. Dagegen müssen um ihrer nützlichen Wirkung willen in der Meinung der wirtschaftenden Menschen alle diejenigen Produktivelemente Wert erhalten, die, so zahlreich sie auch sein mögen, doch nicht zahlreich genug sind, so daß auch ein geringer Verlust noch bemerkt wird und Schaden bringt. Die Produktion verschmäht die freien Güter nicht - das fruchtbare Land, das in Überfülle daliegt, das Holz im Urwald, die freie Wasserkraft - im Gegenteil, sie sucht sie auf und bedient sich ihrer wo sie kann mit Vorliebe, weil sie ihre Dienste am vollständigsten, ohne irgendeinen Abbruch leisten. Nichtsdestoweniger kann man sagen, daß die Produktion die freien Güter gering achtet, ja geringer als gering, sie achtet sie gar nicht; sie benützt sie bloß, aber sie legt ihnen keinen Wert bei, sie rechnet ihnen ihre Dienste nicht an. Der Nutzen allein gibt eben keinen Wert, die Eingschränktheit des Vorrats muß hinzukommen, damit man aus dem Nutzen einen Wert ableiten kann. Der Nutzen ist und bleibt die Quelle des Wertes, aber damit diese Quellen fließt, bedarf es einen besonderen Motivs, welches die Aufmerksamkeit der Menschen darauf lenkt, daß sie den Nutzen zu pflegen und zu beachten haben.
Es ist übrigens nicht gewöhnlich, den Wert der Produktivgüter bis zu seiner Quelle, dem Nutzen, zu verfolgen. Um einen Acker zu schätzen, bedenke ich nicht die Bedürfnisbefriedigungen, die durch seine Früchte bewirkt werden können, sondern ich begnüge mich zu berechnen, welche und wie viele Früchte er wohl erzeugen kann; die Früchte veranschlage ich dann nach dem Wert, der ihnen kraft ihres Nutzens zukommt, und dieser Wert wird mir die Grundlage, von welcher aus ich den des Ackers ermittle. Der Akt der Wertschätzung der Produktivgüter, der vollständig bis zu Bedürfnis reichen sollte, wird als gewöhnlich bloß so weit fortgeführt, bis die Beziehung zum Wert der Erzeugnisse klargestellt ist, in welchem die Einbeziehung der Bedürfnisse bereits vollzogen ist. Insofern kann man sagen, der Wert der Produktivgüter wird durch den Wert der Produkte oder durch den Wert des Ertrags bestimmt. Der Produktivwert ist ein Ertragswert. Die Beobachtung, daß man aus Produktivgütern Ertragsgüter gewinnen kann, die nicht nur Nutzen, sondern Wert besitzen, verschafft den Produktivgütern ihren Wert.
Je nach der Art, wie die Produktions beschlossen und durchgeführt wird, kann man aus denselben Gütern sehr verschiedenartige und verschieden große Erträge gewinnen. Die Wirtschaftlichkeit fordert, den größtmöglichen Ertrag, d. h. den Ertrag größtmöglichen Wertes zu gewinnen, der sich nach den Umständen gewinnen läßt. Dieser größtmögliche Ertrag ist es, dessen Wert zur Grundlage der Schätzung der Produktivgüter dienen soll (1). Ganz genau wird man denselben wohl nie im Voraus bestimmen können, man muß irgendeine Veranschlagung der Erwartung machen. So ist es eigentlich nicht der Wert des Ertrages, der den Produktivwert begründet, sondern die Erwartung, die man von demselben hat: der erwartete Wert des erwarteten Ertrages. Je größer der Ertrag berechnet wird, umso größer wird der Produktivwert ausfallen. Je größer die Dividende ist, die auf eine Aktie ausgezahlt werden soll, umso größer wird der Wert der Aktie geschätzt. Überhaupt macht man sich den Produktivwert am besten am Beispiel mit der Aktie klar. Jedes Produktivmittel, jedes Werkzeug, jedes Grundstück, jeder Rohstoff, jede Arbeitsleistung stellt, wenn man so will, einen Anteil an einem Unternehmen dar, der zu dessen Erfolg beiträgt und daher eine Quote des Erfolges zugewiesen erhält, von deren Größe sein Wert abhängen muß (2).
§ 20. Das Problem der Zurechnung
Kein Produktivmittel, auch das wirksamste nicht, bringt für sich allein einen Ertrag hervor, jedes bedarf stets der Beihilfe anderer. Je mehr die Kunst der Erzeugung ausgebildet wird, umso zahlreichere Produktivmittel werden miteinander verbunden. Gerade sehr einfache Erzeugnisse fordern zur kompliziertesten Erzeugung heraus, weil sie vornehmlich die Anwendung von Maschinen und damit von Massenkräften zulassen. Der Satz, daß die Produktivgüter ihren Wert vom Wert ihres Ertrages erhalten, reicht nur dazu aus, um die zusammenwirkenden Produktivfaktoren im Ganzen, aber nicht um sie auch im Einzelnen zu schätzen. Um auch das zu können, bedarf man einer Regel, die es ermöglicht, den gesamten Ertrag im Einzelnen aufzuteilen. Wenn Land, Kapital und Arbeit zusammenwirken, muß man die Quote des Landes, die des Kapitals und die der Arbeit aus dem gemeinsamen Produkt ausscheiden können. Noch mehr, man muß auch den einzelnen Grundstücken, den einzelnen Kapitalien und den einzelnen Arbeitern ihre Leistung nachmessen können. Was nützt es den Ertrag zu kennen, der auf Maschine, Kohle und Rohstoff zusammen entfällt? Man muß am Erfolg auch ihre Dienste noch trennen können, so gut wie den des Steinmetzes, der den Block behaut, von dem des Künstlers, der aus dem Block die Statue meißelt.
Wenn man nach der wirtschaftlichen Praxis urteilen darf, so gibt es eine Regel der Aufteilung. Niemand bleibt praktisch dabei stehen, daß der Ertrag allen erzeugenden Faktoren zusammen zu danken ist, Jedermann versteht und handhabt, wenn auch mehr oder weniger vollkommen, die Kunst der Ertragsaufteilung. Ein guter Geschäftsmann muß wissen und weiß, was ihm ein Taglöhner, was ein guter Arbeiter einbringt, wie sich eine Maschine rentiert, wieviel er sich auf den Rohstoff zu rechnen hat, welchen Ertrag das, und welchen jenes Grundstück liefert. Wüßte er das nicht, vermag er nur im Ganzen, in Bausch und Bogen, Einsatz und Erfolg der Produktion zu vergleichen, so hätte er ganz und gar keine Auskuft, falls der Erfolg hinter dem Einsatz zurückbliebe. Soll er lieber die Produktion ganz aufgeben? Soll er lieber das Verfahren ändern? Soll er an der Arbeit oder am Kapital, an den Maschinen oder am Rohstoff sparen oder im Gegenteil mehr verwenden? Über all dies kann er nur dann Klarheit erhalten, wenn es ein zulängliches Mittel gibt, um die Wirkung der produktiven Elemente im Einzelnen zu verfolgen. Daß es ein solches Mittel gibt, dafür spricht der Umstand, daß wirtschaftliche Entscheidungen derart wie die genannten tatsächlich mit so viel Zuversicht und mit soviel günstiger Wirkung getroffen werden, wie Entscheidungen in Wertsachen überhaupt. Noch sicherer bezeugt es der Umstand, daß derartie Entscheidungen von vielen, ja von allen in derselben Lage befindlichen Personen so häufig gleichförmig getroffen werden. Warum gehen zu einer gewissen Zeit sämtliche Unternehmer in einem bestimmten Fabrikationszweig von der Handarbeit zum Maschinengebrauch über, den sie vorher nicht für rentabel fanden? Warum wird in diesem Land der Ackerbau allenthalben intensiver betrieben als in jenen? Hier sind Zufall und Willkür ausgeschlossen, die Produktionsrechnung hat diese Veränderungen bewirkt, indem sie mit Ziffern den Beweis erbracht hat, daß es vorteilhaft ist, das eine produktive Element mit seinem Ertragsanteil aus der Verbindung auszuscheiden und das andere dafür aufzunehmen. Je weiter die Produktion fortschreitet, umso genauer wird ihr Kalkül, umso höher wird die Kunst der Ertragsaufteilung ausgebildet. Die "Musterwirtschaft" rechnet alles. Aber selbst der plumpste Bauer, selbst der rohe Wilde rechnet, wenn auch ungenau und beiläufig. Er kann gleichfalls, wenn auch nur sehr unvollkommen, das Verfahren ausüben, zu dem die Antriebe und das Vertrauen ihm von Natur aus gegeben sind. Der Bauer, der einschichtig im Gebirge haus, sagt sich, daß dieser Acker wertvoller ist als jener, was er nur kann, wenn er die Kunst versteht, den Ertrag des Ackers von dem der mitwirkenden Arbeiter, Werkzeuge und Stoffe zu scheiden. Und so würde man ganz ohne Zweifel auch im kommunistischen Staat, durch die Anwendung eben derselben Regel, die natürlich aus dem Wesen des Menschen fließt, wenn er vor die Aufgaben der Wirtschaft gestellt ist, den Erfolg jedes einzelnen produktiven Elementes zu berechnen suchen und bei einem hohen Stand der Kultur mit einem hohen Grad von Genauigkeit wirklich berechnen, um aufgrund dieser Kalkulation jeweils den wirksamsten Produktionsplan festzustellen.
Sonderbar, daß die wenigsten von den Männern, welche die Vorgänge der Wirtschaft theoretisch zu fassen strebten, nach dieser Regel suchten, die eine der wichtigsten unter allen ist, die in der Wirtschaft befolgt werden. Von den vielen Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, damit man sich außerhalb des Handelns im bloßen Nachdenken Rechenschaft von dem geben kann, was man recht wohl tut, wenn man durch die Umstände dazu angetrieben ist, es zu tun, ist wohl die erste und größte die, sich überhaupt auf die Probleme zu besinnen, die beim Handeln gestellt sind; jede Theorie beginnt mit dem Unwichtigsten und kommt erst zuletzt zu den wahren Aufgaben.
Die zweite Schwierigkeit ist dann das Problem richtig zu stellen. Die wenigen Schriftsteller, die in diesem Fall, von dem wir jetzt sprechen, über das erste Hindernis hinweggekommen sind, sind wieder fast alle an diesem zweiten gescheitert. Sie nehmen zumeist die Frage zu hoch und verwandeln dadurch das, was dem einfachen Mann eine einfache und natürliche Sache ist, in ein Rätsel spitzfindiger Sophistik, von dem sie dann mit Recht behaupten, daß es keine Lösung zuläßt. Sie wollen erfahren, welchen Anteil des gemeinsamen Produktes, physikalisch genommen, jeder Faktor hervorgebracht hat, oder von welchem Teil der Wirkung jeder die physische Ursache ist. Das aber ist nicht zu erfahren. Es wäre höchstens dort zu erfahren, wo das Produkt ein Gemenge von Stoffen ist, die sich nur äußerlich verbinden, und auch da nur für die sich mischenden Stoffe, aber nicht für die Kraft, die sie gemischt hat und deren Erfolg an allen Bestandteilen der Masse haftet, ohne sich in einem zu verkörpern. So gesehen kommt man nicht über den Satz hinaus, daß der Erfolg das gemeinsame Erzeugnis all seiner Urheber und Ursachen ist, die verbunden wirken müssen oder gar nichts bewirken können wie die vier Brüder im Märchen, welche nur durch ihre vereinten Künste die Königstochter retten. Will man die praktisch geübte Regel der Ertragsaufteilung finden, so muß man die Frage ganz anders, man muß sie im Sinne der Praxis, man muß sie einfach stellen.
Die Ursachen jeder Erscheinung, welche es auch sei, können in höchst verschiedenem Sinn gedeutet werden. Anders sieht sie der Philosoph, anders der Bauer, und doch mögen beide richtig urteilen und beide wenden, sofern sie richtig urteilen, denselben Ursachenbegriff an. Der Unterschied ihrer Meinungen rührt daher, daß sie in verschiedenen Absichten urteilen. Jener sucht die letzten Ursachen, die der menschlichen Vernunft noch faßbar sind, dieser beschränkt sich auf die nahen und nächsten, indem er stillschweigend die Wirksamkeit aller entfernteren als selbstverständlich voraussetzt. Jeder würde fehlen, wenn er sich der Erkenntnis bedienen würde, die dem Anderen frommt, die bäuerliche Sentenz taugt nicht in der Philosophie und die philosophische nicht in der Wirtschaft des Bauern, so fruchtbar sie jede an ihrem Platz sind. In welcher Lage des Handelns auch immer die Menschen über die Ursachen der Erscheinungen schlüssig werden, denen sie gegenüberstehen, so ist stets durch die Absicht der Handlung der Gesichtskreis des Urteils fest abgegrenzt. Was darüber hinaus liegt, wird mit Recht nicht berücksichtigt, sonst hätte das Urteilen kein Ende und würde in ein grübelndes Nachdenken ausarten, das zu nichts hilft, die Zwecke der Handlungen zu fördern. Will man ein praktisches Urteil verstehen, so muß man es auf den Zweck und aus dem Gesichtskreis der Handelnden betrachten. Die Theorie, die das Denken beim Handeln zu erklären ausgeht, darf vor allem nicht vornehm tun. Sie muß sich beschränken, um das eingeschränkt Gemeinte nicht zu tiefsinnig zu fassen und gerade dadurch zu entstellen.
Eine durch ihren Gegenstand nahe verwandte Wissenschaft, die Jurisprudenz, kann uns für unseren Fall trefflich belehren. Ein Mord braucht einen Täter, ein Opfer, Werkzeuge, Gelegenheit, außerdem aber ist er beeinflußt von unzähligen Umständen, die oft nachweisbar in eine sehr entfernte Vergangenheit zurückreichen, in die Vorgeschichte des Mörders, in die Geschichte der Gesellschaft, in der er zur Welt gekommen und groß geworden ist. Der Soziologe, der Geschichtsschreiber, der Menschenfreund, der Gesetzgeber werden auf vieles achten müssen, was mit der Verübung eines Mordes nur sehr mittelbar im Zusammenhang steht. So weit sie aber in ihrer Betrachtung auch gehen mögen, ein müßiger Kopf kann immer noch weiter gehen und kann die Kausalreihe, die zur Tat führte, endlos verfolgen, gehört doch z. B. die Geschichte des Werkzeugs der Tat ebensowohl in dieselbe wie die des Täters. Der Richter dagegen, der sich in seiner eng gesteckten Aufgabe bloß um die rechtliche Zurechnung bemüht, beschränkt sich darauf, den rechtlich verantwortlichen Urheber zu ermitteln, denjenigen, dem die Rechtsstrafe angedroht ist. Diesem wird von rechtswegen der ganze Erfolg zur Last gelegt, obwohl er ihn für sich allein, ohne das Werkzeug und alle übrigen Umstände, niemals hätte herbeiführen können. Die Zurechnung setzt physische Kausalität voraus, sie darf Niemanden treffen, der außerhalb der Kausalreihe steht, welche zum Erfolg führte, der Beweis, daß der Angeklagte außerhalb der Kausalreihe steht, schließt daher die Verurteilung aus; ist aber der Kausalnexus [Beziehung zwischen Ursache und Wirkung - wp] festgestellt, so wird dem Täter weit mehr zugerechnet, als er physisch getan hat, als er physisch tun konnte. Nur eine törichte Interpretation des Urteils könnte hieran Anstoß nehmen. Der Spruch "X hat es getan", heißt nicht "X allein hat es getan", sondern "X allein ist unter allen wirksamen Ursachen und Urhebern rechtlich für die Tat verantwortlich".
Bei der Aufteilung des produktiven Ertrages handelt es sich gleichfalls statt um eine vollständige kausale Erklärung um eine "zweckmäßig" einschränkende Zurechnung, nur nicht in rechtlicher, sondern in wirtschaftlicher Absicht. Die Betrachtung der Früchte der Erde erinnert ein religiöses Gemüt an den Schöpfer aller Dinge, den Naturforscher führt sie zur Verfolgung der wahrnehmbaren Ursachen ihrer Entstehung, ein Faust schmachtet nach dem Wissen um die verborgenen Kräfte des Lebens. Der Landwirt, als Landwirt, denkt anders als sie Alle. Er rechnet nüchternen Sinnes den Ertrag an Früchten nur einem sehr beschränkten und nahen Kreis aller Ursachen zu, die ihn tatsächlich hervorgebracht haben. Er fragt "Auf welche Dinge muß ich meine Wirtschaft richten, um den Ertrag zu erhalten?" und hiernach rechnet er den Erfolg zu. Daher scheidet er von den sämtlichen wirkenden Ursachen alle die aus, die in der Vergangenheit zurückliegen, von den gegenwärtigen scheidet er alle aus, die nicht nützen können oder nicht als nützlich bekannt sind, von den bekannten und nützlichen wieder alle, die nicht wirtschaftlich beherrschbar sind, und von den wirtschaftlich beherrschbaren noch die, um die er sich nicht zu sorgen braucht, weil sie im Überfluß vorhanden sind. Verständigerweise glaubt er nicht im mindesten, daß der verbleibende Rest allein es ist, der den Ertrag hervorbringt, dennoch rechnet er mit Recht ihm allein den Ertrag zu, indem er sich der Wirkung aller anderen Elemente selbstverständlich für versichert hält. Sein Urteil, obwohl eingeschränkt, ist weder falsch noch auch nur ungenau. Es umfaßt alle Ursachen, die er beachten muß, wenn er mit gutem Erfolg arbeiten will.
Wenn man beim Wirtschaften Teile des Gesamterfolges jeweils auf einzelne Produktivmittel zurückführt, so setzt man den Gedanken fort, in dessen Beginn man den Gesamterfolg statt auf seine zahlreichen weiteren Ursachen bloß auf die wirtschaftlichen Mittel der Produktion zurückgeführt hat. Man schränkt bezüglich des Teils noch weiter ein als man schon im Ganzen getan hat, und sucht das einzelne unter den wirtschaftlichen Elementen auf, dem der Teil praktisch zuzurechnen ist, welchen er sicherlich nur in Verbindung mit allen übrigen Elementen hervorgebracht hat. Wiederum liegt hierin weder ein logischer Fehler noch auch nur eine Ungenauigkeit, sondern die höchste praktische Weisheit ist betätigt, sofern es gelingt, auf die Zurechnung des Erfolges eine Schätzung der Güter und einen Produktionsplan zu bauen, welche die erfolgreichste Verwendung aller einzelnen Elemente sichern.
Als Beispiel, daß eine Zurechnung in diesem Sinn zulässig und ausführbar ist, nur ein Fall: Zwei Äcker, ein fruchtbarer und ein dürftiger, beide genau mit denselben Mitteln bearbeitet, geben verschieden hohe Erträge. Auf wessen Rechnung ist der Mehrertrag des besseren Landes zu setzen, auf Rechnung der Aussaat, des Düngers, des Pfluges, der Arbeit? - die alle hier ebenso wie dort sind - oder nicht vielmehr auf Rechnung des Bodens selbst und seiner größeren Fruchtbarkeit? Niemand wird über die Entscheidung zweifelhaft sein, noch daran Anstoß nehmen, daß auch der Mehrertrag ohne Saatkorn, Dünger, Pflug und Arbeit nicht hätte hervorgebracht werden können. Die Dinge genommen wie sie sind, liegt eben am Besitz des besseren Bodens mehr, und um so viel mehr als jener Mehrertrag ausmacht.
Es ist von hohem Interesse, daß es gelingt, die Regeln der Zurechnung des produktiven Ertrages auch für alle übrigen Fälle theoretisch zu formulieren. Gelänge es nicht, so bliebe die Schätzung der Produktivgüter ein Rätsel, und die heutige Ordnung der Dinge, wo die sachliche Zurechnung der Erträge die Grundlage für die persönliche Verteilung des Volkseinkommens wird, bliebe immer dem Vorwurf der Willkürlichkeit, wenn nicht dem schlimmeren Vorwurft des Zwanges und der Ungerechtigkeit ausgesetzt. Nicht einmal die Abstufungen der Entlohnun, die wir zwischen den Arbeitern untereinander machen, wären zu rechtfertigen. Wenn es keine Regel gäbe, um den Streit zwischen Besitzern und Arbeitern zu schlichten, so gäbe es auch kein, um den Vorrang des Erfinders vor dem ausführenden Tagelöhners zu bemessen. Es wäre Willkür, wollte man, wenn auch nur annähernd und schätzungsweise Geist, Hingebung, Kunst, Kraft und Geschicklichkeit, kurz all die Tugenden und Vorzüge auszeichnen, die auch in wirtschaftlichen Dingen seit je als Auszeichnung gegolten haben und denen die Gesellschaft die segensreichsten und nützlichsten Dienste ihrer Mitglieder verdankt.
§ 21. Die sozialistische Auffassung des Problems
(Der Anspruch der Arbeiter auf den vollen produktiven Ertrag.)
Die sozialistische Lehre beschränkt den Umfang der Dinge, die als Produktivmittel zu gelten hätten, so sehr, daß damit auch das Problem der Zurechnung bedeutend eingeschränkt wäre.
Die Sozialisten erkennen nicht die drei Produktivfaktoren Land, Kapital und Arbeit an, sondern lassen nur eine einzige Produktivkraft, die Arbeit, gelten. Bloß die menschliche Arbeit, sagen sie, ist schöpferisch, bloß sie kann in Wahrheit hervorbringen. Freilich bedarf sie, um wirksam zu sein, des Bodens und des Kapitals, aber beide behalten ihr gegenüber doch stets eine untergeordnete Stellung als bloße Hilfsmittel der Erzeugung. Bei der heutigen Ordnung der Dinge seien Landeigentümer und Kapitalisten allerdings in den Stand gesetzt - weil sie das ausschließlich Eigentum an den sachlichen Hilfsmitteln der Arbeit besitzen - die Arbeiter zu zwingen, ihnen einen großen Teil des Arbeitsproduktes abzutreten, indem sie nur gegen dieses Versprechen von ihrem Eigentum abgeben und die Arbeit zulassen. Dadurch sind Land und Kapital Quellen des persönlichen Einkommens für die untätige Klassen geworden, aber nur mit Unrecht, und es wäre ein schwerer Irrtum, aus dem Verhältnis des Einkommens auf das der produktiven Kraft zu schließen. Wenn die Besitzenden die Herausgabe der Hilfsmittel der Arbeit verweigern, so bereiten sie ein Arbeitshindernis, wie RODBERTUS sagt, und wenn sie sie gestatten, tun sie eben nichts, als daß sie dieses selbstgeschaffene Hindernis, ihr willkürliches quod non [was nicht ist - wp] wieder beseitigen. Immer bleibt es doch der Arbeiter, der hervorbringen muß, Land und Kapital sind nur Bedingungen, nicht Ursachen der Erzeugung, aller Ertrag ist ausschließlich Arbeitsertrag.
RODBERTUS ist in der Tat vollkommen im Recht, wenn er sagt, vom persönlichen Eigentum könne nicht auf den sachlichen Ertrag geschlossen werden. Das Problem der Ertragsteilung muß von dem der Einkommensteilung ganz und gar getrennt werden, um es richtig zu entscheiden. Soll es aber ganz und gar getrennt sein, so muß man es auch in der Anwendung trennen. Lassen wir den persönlichen Streit völlig außer Acht, sehen wir durchaus davon ab, welchen Personen die Erzeugnisse zufallen sollen, und beschäftigen wir uns ohne Rücksicht auf die Folgerungen bloß mit der Prüfung, welchen Faktoren ihre Hervorbringung zu danken, welchen Faktoren sie zuzurechnen ist. Stellen wir uns den kommunistischen Staat vor, in welchem die natürliche Regel der Zurechnung gesucht wird. Hier fällt das ganze Erzeugnis der arbeitenden Gemeinschaft zum Genuß zu - rechnet sie auch das ganze Erzeugnis als Erfolg ihrer Arbeit oder rechnet sie es ihrem Besitz an Land und Kapital zu?
Offenbar wird es auf die Absicht ankommen, in welcher man zuzurechnen hat. Handelt es sich um eine moralische Zurechnung, so könnte gewiß niemand anderer als der Arbeiter genannt werden, Land und Kapital haben kein Verdienst daran, daß sie Früchte geben, sie sind tote Werkzeuge in der Hand des Menschen, der dafür verantwortlich ist, welchen Gebrauch er von ihnen macht. Selbstverständlich zählen zu den Arbeitern Alle, die in irgendeiner Weise den Erfolg herbeiführen helfen, die leitenden Personen so gut wie die ausführenden. Ja. kein Zweifel ist möglich, daß der größte Dank nicht der mechanischen Anstrenung gebührt, wenn es sich um eine Zurechnung im höchsten Verstand des Wortes handelt. Da stehen obenan die Verdienste derer, die den ausführenden Arbeiter führen, die ihm nicht bloß die Idee, die Ordnung und die Energie geben, sondern ihm selbst die Arbeitsstoffe auffinden, die Arbeitsmittel ersinnen und den Arbeitsgenossen zubringen. Solchen Potenzen gegenüber ist der ausführende Arbeiter selbst nur das, was ihm gegenüber die sachlichen Produktivmittel sind. Moralisch betrachtet, sind die Dinge seine Hilfsmittel, er aber ist der Hilfsarbeiter seiner Führer.
Die moralische Zurechnung mag für die persönliche Ordnung des Einkommens bedeutungsvoll sein, für die sachliche Aufteilung des Ertrages, von der wir jetzt allein sprechen, ist sie belanglos. Hier lautet die Frage: Worauf, auf welche Faktoren kommt es praktisch an, wenn der Ertrag gewonnen werden soll? Das Bewußtsein eines Jeden, der die Wirtschaft kennt, wie sie ist, gibt die Antwort mit voller Deutlichkeit: Es kommt auf Arbeit und auf produktiven Reichtum an. Die Mehrung des Besitzes steigert den Ertrag ebenso wie eine Anspannung des Fleißes. Niemand fühlt den Ertrag abhängig von den produktiven Gütern der Natur, die so überreich sind, wie die Luftteilchen über dem Acker und die Bäume im Urwald, aber Jeder fühlt ihn abhängig von denen, die bei aller Fülle doch noch zu karg zugemessen sind, mit denen man hauszuhalten und die man zu vervielfachen sucht. Wo wird man auf einen solchen Besitz Wert legen? Und wenn man auf ihn Wert legt, warum tut man es, als um des Ertrages willen und nach Maß des Ertrages, den er sichert? So lange die Menschen sich durch den Besitz von Grundstücken und Kapitalien reich fühlen, so lange beweisen sie durch diese Tatsache, daß sie denselben einen Teil der Früchte zurechnen, an deren Hervorbringung sie mitwirken und so lange rechnen sie der Arbeit - eben nur den Rest des Gesamtertrages zu. Der Sozialist, der seinen Staat möglichst reich an Besitz wünscht, widerlegt dadurch so vollständig wie möglich seine eigene Lehre, daß die Arbeit allein reicht macht. (3)
Alle Produktivmittel, denen Wert zuerkannt wird, sind damit als praktisch belangreiche Ursachen der Erzeugung anerkannt. Zu diesen Produktivmitteln werden Land und Kapital so lange gehören, wie sie nicht in einem für immer gesicherten Überfluß zur Verfügung stehen. Niemand kann hieran ernsthaft zweifeln. Man kann nur darüber zweifelhaft sein, ob es gerecht und für die Gesellschaft vorteilhaft ist, an Land und Kapital das Privateigentum einzelner Personen zuzulassen, wodurch der Ertrag von Land und Kapital ausschließlich einzelnen Personen übertragen wird. Über diese Frage ist auch so leicht die Entscheidung nicht zu fällen. Wir für unseren Teil haben über sie ganz und gar nicht entschieden, noch auch nur zu entscheiden versucht. Wir haben nur die sachliche Beziehung zwischen Produktivmitteln und Produkten klargestellt, ohne der persönlichen Ordnung der Ansprüche irgendwie vorzugreifen.
§ 22. Bisherige Lösungsversuche
Der einzige Schriftsteller, der eine erschöpfende Bearbeitung des uns beschäftigenden Problems versucht hat, ist KARL MENGER. MENGER geht hierbei vom Grundgedanken seiner Werttheorie aus. Wenn ich einen Vorrat an Genußgütern besitze, so mache ich mir den Wert eines einzelnen Stückes aus dem Vorrat dadurch am klarsten, daß ich annehme, ich würde dieses einen Stückes verlustig. Dadurch ersehe ich, welcher Genuß von demselben abhängt - der Grenzgenuß, wie oben gezeigt - und erkenne damit die Quelle und Größe seines Wertes. Dieses Verfahren der Wertbestimmung überträgt nun MENGER auf den komplizierten Fall, daß man den Wert eines einzelnen von mehreren zusammenwirkenden Produktivgütern zu bestimmen hat. Er fragt auch hier danach, was die Folge wäre, wenn aus der ganzen Gruppe verfügbarer Güter - wie z. B. Land, Saatkorn, landwirtschaftliche Geräte und Arbeitsleistungen, Vieh, Dünger usw. - ein einzelnes - z. B. das Arbeitsvieh oder der Dünger - bzw. eine bestimmte Teilmenge desselben verloren ginge. Der Ausfall am Gesamtertrag, der unter dieser Voraussetzung eintritt, gibt ihm dann die Ertragsgröße, welche der Eigentümner vom Besitz der betreffenden Teilmenge abhängig fühlt, und gibt ihm damit die Grundlage des Wertes desselben.
MENGER ist bei der Anwendung dieses Verfahrens zu überaus merkwürdigen und wichtigen Erkenntnissen gekommen. Kein Produktivgut kann für sich allein wirken, jedes bedarf, um tätig werden zu können, der Verbindung mit anderen; insoweit erfordern und ergänzen sich die Produktivgüter wechselseitig, sie sind, nach dem Ausdruck MENGERs komplementäre Güter. Die Verbindungen jedoch, die sie eingehen, sind weniger streng, als man demnach erwarten sollte. Wenn aus einer produktiven Gruppe ein einzelnes Gut ausfällt, so ist damit in aller Regel die Wirksamkeit der übrigen Güter derselben Gruppe keineswegs ganz aufgehoben. Häufig können diese, ohne da das ausgefallene Gut überhaupt ersetzt zu werden braucht, beisammen bleiben und noch wirksam verwendet werden, wenn auch mit etwas verringertem Ertrag, wie z. B. die Landwirtschaft auch ohne Dünger, bzw. ohne die ganze rational erforderte Menge Düngers noch Früchte erzielt; oder der Ausfall kann, wenn auch nicht mit völlig gleicher Wirkung, durch ein Surrogat ersetzt werden, das einer anderen Gruppe entnommen wird, in der dann freilich gleichfalls der Ertrag etwas sinken muß: oder aber es können die erübrigenden Güter in der ursprünglich beabsichtigten Gruppierung zwar unwirksam geworden oder allzu wenig wirksam geworden sein, aber sie lassen sich anderen Gruppen anfügen, deren Ertrag hierdurch, wenn auch nicht um die ganze Größe des Ausfalls erhöht wird, wie wenn z. B. landwirtschaftliche Kapitalien und Arbeitskräfte, die ihre ursprüngliche Widmung durch die Verwüstung des Bodens, für den sie bestimmt waren, verloren haben, zu industriellen Zwecken verwendet werden.
Man sieht, die Komplementarität reicht weniger weit, als der erste Anblick vermuten läßt. Jedes einzelne Gut bedarf wohl der Mitwirkung anderer, um überhaupt zu nützen, aber die Zusammengehörigkeit der Güter ist keine ganz strenge. Immer (mit Ausnahmen, die kaum in Betracht kommen) hängt vom einzelnen Element nur ein Teil des Ertrages der Verbindung, niemals der ganze Ertrag ab. Die Ausführungen MENGERs sind ebensosehr durch die Folgerichtigkeit des Denkens, wie durch die Kunst der Beobachtung und lebenswahren Deutung der Beobachtungen ausgezeichnet. Sie bringen Licht in das Dunkel des Vorgangs, welchem kein anderer Theoretiker sich anzunähern vermochte, geschweige daß ihn Einer erhellen konnte. Indessen hat auch MENGER die Lösung noch nicht vollständig gegeben. Ein Beispiel soll dies vorerst zeigen.
Angenommen, drei Produktivelemente versprechen beim rationalsten Produktionsplan durch ihre Verbindung ein Erzeugnis, dessen Wert 10 Werteinheiten beträgt. Würde man dieselben drei Elemente anders verwenden, in verbindung mit anderen Gruppen, so würden sie deren Ertrag zwar steigern, aber es streitet gegen die Voraussetzung des rationalsten Produktionsplans, daß sie ihn auch um volle 10 Werteinheiten steigern könnten, denn sonst wäre die gewählte Verbindung eben nicht die beste. Immer sind unabsehbar viele Gruppierungen der vorhandenen Elemente möglich, aber jeweils soll man nur einen Plan, den besten, durchführen; weicht man von ihm ab, zugunsten eines anderen, so muß der Erfolg, wenn auch nur um eine Kleinigkeit kleiner werden.
Nehmen wir an, jene drei Elemente, anders als nach dem besten Plan verwendet, welcher fordert sie untereinander zu einer besonderen Gruppe zu verbinden, brächten einen Ertrag von 9 Einheiten hervor, indem jedes einer anderen Gruppe zugewiesen wird und deren Ertrag um 3 Einheiten steigert.
Wie würde sich der Wert eines jeden von ihnen nach MENGER berechnen? Aus dem Ertragsausfall im Falles des Verlustes. Dieser Ausfall beträgt zunächst 10 E. - den vollen Ertrag der gesprengten besten Verbindung - wovon jedoch 6 durch eine anderweitige Verwendung der beiden erübrigenden, nicht in Verlust geratenen Elemente wieder hereinkommen; er stellt sich also schließlich, und zwar für jedes der drei Güter gleichmäßig auf 4. Das gäbe für alle drei zusammen den Wert 12, was aber nicht angeht, da sie bei der besten Verwendung nicht mehr als den Ertrag 10 hervorbringen.
Dieser Fehler im Ergebnis ist die Folge eines Fehlers im Verfahren. Die regelmäßige und entscheidende Annahme, auf die hin man den Wert eines Gutes prüft, ist nicht die seines Verlustes, sondern die seines ruhigen Besitzes und seines zweckentsprechenden Gebrauchs. Die Annahme des Verlustes dient nur unter gewissen Umständen dazu, den Vorteil des Besitzes deutlicher erscheinen zu lassen - ich sehe deutlicher ein, was ich vom Besitz habe, wenn ich mir vorstelle, welche Folge eintritt, wenn er aufhört zu sein. Dies gilt aber nur unter gewissen Umständen, nämlich gerade unter denen, die für einen Vorrat gleichartiger Genußgüter zutreffen, wo ich, wenn ich in Gedanken ein Gut abziehe, eben nur dieses eine Gut und nichts weiter abziehe; aber es gilt nicht für einen Vorrat verschiedenartiger und zusammenwirkender Produktivgüter, wo ich, wenn ich in Gedanken eines abziehe, auch noch die andern eines Teils ihrer Wirkung mitberaube. Eine jede produktive Verbindung gibt die volle Wirkung ihrer Elemente nur bei einem ungestörten Bestand und ich kann daher den Wert, den ich bei einem ungestörten Bestand empfange und genieße, nicht erfahren, wenn ich die Aufhebung der Verbindung voraussetze und mich frage, was ich alsdann noch hätte. Ich muß positiv fragen, was ich von den Gütern, so wie sie mir zu Gebote stehen, wirklich habe. Die in erster Linie stehenden, die vorzüglichsten und zunächst beabsichtigten produktiven Verwendungen, nicht die in zweiter Linie stehenden, nur im Ausnahmefall einer Störung durchgeführten Verwendungen entscheiden über den Wert. Zwei Personen, die sich genau in den gleichen Verhältnissen befinden und die über die beste Anordnung der Produktion übereinstimmend urteilen, müssen offenbar ihrem produktiven Besitz durchaus einen gleichen Wert zuerkennen, auch wenn der Eine für den Fall der Störung eine bessere Auskunft wüßte als der Andere. Nach MENGER aber müßten sie unter dieser Voraussetzung den Wert verschieden bemessen, und zwar derjenige höher, der die schlechtere Auskunft hat, denn ihm müßte umso viel mehr daran gelegen sein, daß die Störung nicht eintritt.
Die Annahme des Verlustes reicht dazu nicht aus, um den Ertrag aufzuteilen, den die Elemente einer Verbindung in anderen Verbindungen wieder gewähren, aber sie versagt ihre Wirkung, wenn es sich darum handelt, auch noch den Überschuß zu verrechnen, um welchen die erstgewählte Verbindung allen anderen überlegen ist. Dieser Überschuß bleibt als unverteilter Rest des Ertrages, bezüglich dessen das Problem der Zurechnung nicht gelöst ist, sondern sich wiederholt. (4)
Es bedarf nur einer etwas veränderten Wendung, um den Irrtum MENGERs zu verbessern. Wie jeder wirklich gedachte Gedankengang auch durch seine Fehler belehrt, weil auch sie das erste Erfordernis der Einsicht, die Deutlichkeit, besitzen, so enthält der Gedankengang MENGERs selbst die Weisung, wie der Irrtum zu verbessern ist. Es kommt nicht auf den Ertragsanteil an, der durch den Verlust eines Gutes verloren, sondern auf jenen, der durch seinen Besitz erreicht wird (5).
§ 23. Das Prinzip der Lösung.
Der produktive Beitrag.
Gesetzt, das Leben eines Jägers hinge davon ab, daß er mit der letzten Patrone, die er hat, ein wildes Tier erlegt, welches ihn bedroht. Geht der Schuß fehlt, so ist alles verloren. Gewehr und Patrone zusammen haben hier einen genau ausrechenbaren Wert. Ihr Wert, zusammengenommen, ist gleich dem Wert des Gelingens des Schusses, um nichts größer und um nichts kleiner. Ihr Wert, einzeln genommen, ist dagegen durch kein Mittel zu berechnen. Sie sind zwei Unbekannte, für die nur eine einzige Gleichung gegeben ist. Nennen wir sie x und y und setzen wir den günstigen Erfolg gleich 100, so ist alles, was sich über ihren Wert bestimmen läßt, in der Gleichung x + y = 100 enthalten.
Gesetzt, ein Künstler verfertigt ein zinnernes Gefaß, das seiner vollendeten Form wegen großen Beifall findet; gesetzt ferner, es wäre dies der Einzige, der überhaupt künstlerisch zu arbeiten vermag, und sein Werk das einzige künstlerische Werk, das überhaupt bekannt geworden ist, und außer dem Stück Zinn, das er verwendet, ist gar kein anderes Material ähnlicher Brauchbarkeit vorhanden, weder Gold, noch Silber, noch Holz, noch Ton, ja nicht einmal ein anderes Stück Zinn: so wäre es ganz unmöglich, aus dem Wert des Gefäßes den Wert der Arbeit und den des Stoffes einzeln zu berechnen, denn die Geschicklichkeit des Künstlers, der es erfand und formte, wie die Beschaffenheit des Materials, das der formenden Hand nachgab und die empfangende Form festhielt, würden als gleich unersetzliche Bedingungen des Gelingens gelten. Wenn wir in den Verhältnissen der Wirtschaft, die uns umgeben, wissen, wie den Künstler und wie den Stoff zu schätzen, so danken wir es dem Umstand, der jeden unter dem Einfluß des Verkehrs vorgenommenen Akt vom Abenteuer des einsamen Jägers unterscheidet, daß er sich nämlich nicht isoliert, sondern mitten unter vielen ähnlichen ereignet, mit denen er verglichen werden kann. Eben jenes Material, Zinn, aus welchem ein Künstler ein Gefäß von hohem Kunstwert erzeugt, dient gleichzeitig dazu, um Gegenstände des gewöhnlichen Gebrauchs von sehr geringem Wert zu liefern: wir folgern daraus, daß dasselbe doch nur geringen Wert haben kann und daß ihm nur ein geringer Anteil vom hohen Wert des künstlerischen Erzeugnisses zukommt, während der größte Teil Eigentum des Künstlers sein muß. In diesem Schluß werden wir bestärkt, wenn wir wahrnehmen, daß jede Arbeit des Künstlers hoch geschätzt wird. Sehen wir aber weiter, daß er auch mit Materialien wie Gold und Edelsteinen arbeitet, die ihrerseits gleichfalls allen Erzeugnissen, zu denen sie verwendet werden, hohen Wert verleihen, so kommen wir zu dem Schluß, daß dem Künstler trotz seines Talents nicht immer der größere Teil des Wertes seiner Erzeugnisse gebührt, sondern daß, wenn er diese Materialien gebraucht, denselben gleichfalls ein bedeutender, vielleicht der weitaus bedeutender Anteil zuzurechnen ist. Niemals freilich kann es uns gelingen, weder die Kraft noch den Stoff für sich alein zu beobachten und dadurch die Wirkungen zu bemessen, deren sie selbständig fähig wären. Jeder produktive Faktor ist, wenn er wirksam wird, immer mit anderen verbunden, mit deren Wikrung sich die seinige vermischt: aber die mitverbundenen Elemente wechseln und das befähigt uns zur Ausscheidung der spezifischen Wirkung jedes einzelnen ebenso als ob es ganz allein wirksam wäre. Wir vermögen die Ausscheidung der Wirkungen nicht bloß annäherungsweise vorzunehmen, sondern auch ziffernmäßig genau zu berechnen, sobald wir alle belangreichen Umstände des Tatbestandes sammeln und messen, als die Menge der Erzeugnisse, ihren Wert und die Menge der jeweils verwendeten Erzeugungsmittel. Nehmen wir diese Umstände genau auf, so erhalten wir eine Anzahl von Gleichungen, durch die wir in den Stand gesetzt sind, die Leistungen der einzelnen Produktivmittel zuverlässig zu berechnen. Statt der einen Gleichung x + y = 100 haben wir z. B. - um die ganze Fülle der Ausdrücke, die sich bieten, auf eine kürzeste typische Formel zu bringen - die folgenden Gleichungen:
4y + 5z = 590 wo sich x mit 40, y mit 60, z mit 60 berechnet.
So viele einzelne produktive Kombinationen innerhalb des ganzen Produktionsplans durchgeführt werden, so viele einzelne Gleichungen entstehen, worin die kombinierten Produktionsfaktoren einerseits und der Wert des gemeinsam erzielten (oder zu erwartenden) Ertrages andererseits einander als äquivalente Größen gegenübergestellt sind. Summiert man alle Gleichungen, so stellt man den gesamten Produktivbesitz dem Gesamtwert des Ertrages äquivalent. Diese Summe ist auf die einzelnen produktiven Elemente nach Maßgabe der Gleichungswerte vollständig und ohne Rest zu verrechnen, jedem Element fällt damit ein bestimmter Anteil an der Gesamtleistung zu, der weder größer noch geringer beziffert werden dürfte, soll nicht die Äquivalenz von Produktivbesitz und Ertrag aufgehoben werden.
Der so bezifferte Ertragsanteil des einzelnen Produktivfaktors ist es, den man gemeinhin kurzweg den "Ertrag" des betreffenden Faktors nennt: Ertrag der Arbeit, des Bodens, des Kapitals. Ich werde ihn als produktiven Beitrag (siehe "Ursprung des Wertes", Seite 177) bezeichnen, um an jeder Stelle deutlich zu machen, ob vom Ertrag im Ganzen oder vom Anteil des einzelnen Faktors am Ertrag die Rede ist. Der produktive Beitrag ist also jener Anteil, mit dem die Leistung des einzelnen Produktivelements im Gesamtertrag der Produktion enthalten ist. Die Summe aller produktiven Beiträge erschöpft genau den Wert des Gesamtertrags.
Es bedarf keiner Erwähnung, daß tatsächlich fast niemals so genau und niemals so umfassend gerechnet wird. Die Gleichungen werden zwar alle aufgestellt, Jeder schätzt in jedem Fall den produktiven Aufwand nach Maßgabe des höchsten erreichbaren Ertrags, aber der Ansatz der Gleichungen ist häufig nur mit einem geringen Grad von Genauigkeit gemacht, und vollends die Summe aller Gleichungen wird nie gezogen und so kann sie dann auch nicht auf die einzelnen Elemente verteilt werden. Nichtsdestoweniger bemüht man sich unausgesetzt, das Ergebnis der Summierung und Verteilung zu erfahren, nur daß man statt geradezu zu rechnen, in etwas umständlicherer Weise durch Probieren zum Ziel zu kommen sucht. Man setzt die im einzelnen Fall erhaltenen Werte, sofern sie zutreffend scheinen, auch in andern wieder ein und berichtigt so lange Eines durch das Andere, bis man schließlich die rechte Verteilung durchgeführt hat. Man hat dabei die unschätzbare Erleichterung, daß man von früher her an den bekannten und bewärten Produktivwerten einen Teilungsschlüssel besitzt, den man nur noch den neuerlich eingetretenen Veränderungen anzupassen braucht. Niemals wird die große Masse aller Produktivgüter auf einmal, immer werden nur die Beiträge einzelner von ihnen neu zu kalkulieren sein und selbst für sie hat man an den alten Werten eine gute Basis. Neu zu kalkulieren ist nur in denjenigen Produktionen, in denen die erzielbaren Ertragswerte entweder steigen oder fallen. Dadurch entstehen neue Gleichungen für die beteiligten Faktoren, entweder mit günstigeren oder mit ungünstigeren Gesamtwerten. Je nachdem wird die Erzeugung vergrößert oder eingeschränkt, produktive Elemente werden von anderen Produktionen her zugezogen oder nach andern hin abgestoßen, bis aufs Neue der günstigste durchführbare Produktionsplan aufgefunden ist. Die Erfahrungen, die man dabei macht, indem man bald dieses bald jenes produktive Element hin und her verschiebt und die Wirkung jeder Kombination auf den Ertragswert verfolgt, belehren ausreichend über die Größe, mit der die einzelnen Elemente im Gesamtertrag enthalten sind (6).
§ 24. Fortsetzung. Beitrag und Mitwirkung.
Der Unterschied zwischen unserer und der MENGERschen Lösung ist folgender:
MENGER nimmt einen anderen Wirtschaftsverlauf an, als derjenige ist, auf den man die Wirtschaft einrichtet. Um zu erfahren, was die Produktivgüter ertragen, die man besitzt, verfolgt er, was geschähe, wenn der Eigentümer aufhören würde, sie zu besitzen. Nach MENGER berechnet sich z. B. der Wert eines Stücks Vieh für einen Landwirt durch den Ertrausausfall, der entstünde, wenn der Eigentümer desselben verlustig ginge und ohne dasselbe weiter zu wirtschaften hätte. Man kann den von MENGER für das einzelne Produktivgut berechneten Ertragsanteil den "von dessen Mitwirkung abhängigen Anteil" nennen.
Wir dagegen nehmen den Wirtschaftsverlauf so an, wie ihn der Eigentümer erwartet. Wir verfolgen die Wirkungen, welche eintreten, wenn alle Produktivgüter, die man besitzt, tatsächlich so verwendet werden, wie man es wünscht und anlegt. Hieraus berechnen wir den "produktiven Beitrag" jedes Faktors.
Die Summer aller "produktiven Beiträge" ist genau so groß, wie die Wertsumme aller Erzeugnisse; die Summe der "von der Mitwirkung abhängigen Anteile" ist dagegen, wie oben gezeigt wurde, größer. Mit anderen Worten: der "produktive Beitrag" ist grundsätzlich kleiner als der "von der Mitwirkung abhängige Anteil". Wir berechnen z. B. den Ertrag des Viehs in der Landwirtschaft niedriger als MENGER, indem wir denselben nur nach einem Teil des Ausfalls schätzen, der entstünde, wenn man ohne Vieh zu wirtschaften hätte. Nach MENGER ist folgerichtig der Landwirt, wenn er sein Vieh verliert, bloß um den Wert des Viehs gebracht, nach unserer Auffassung, indem wir die gleiche Verlustziffer anders verrechnen, verliert er nicht bloß den Wert des Viehs, sondern erleidet außerdem noch eine Wertzerstörung an seinem übrigen produktiven Besitz.
Das MENGERsche Verfahren ist ohne Zweifel einfacher und klarer. Die Unterscheidung, die wir zwischen "Beitrag" und "Mitwirkung" eines Faktors machen müssen, scheint gesucht und widerspruchsvoll. Aber wir tragen nicht mehr Schwierigkeiten in die Dinge hinein, als tatsächlich in ihnen enthalten sind. "Beitrag" und "Mitwirkung" werden, wenn auch unter anderem Namen, allenthalben in der praktischen Wirtschaft unterschieden und müssen unterschieden werden. Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß jedes produktive Element nicht nur seinen eigenen Wert, sondern immer noch den der übrigen Faktoren der Erzeugung mit begründet. Nimmt man aus irgendeiner Unternehmung irgendein wesentlicheres Element heraus, so leidet die ganze Unternehmung empfindlich. Mangelt es an Rohstoff, so verlieren auch die menschliche Arbeit und die Maschinen an Leistungsfähigkeit und umgekehrt; die Erfahrung zeigt derartige Vorkommnisse tausdenfältig. Tausendfältig zeigt die Erfahrung, daß die Produktivmittel einander wechselseitig befördern und behindert. Erhöhte Regsamkeit der Arbeit steigert den Ertrag des Produktivbesitzes, erhöhte Ausnützung des Produktivbesitzes steigert den der Arbeit. Was beweist dies aber anders, als daß der den Wert eines Faktors begründende Ertragsanteil - der ihm zugerechnete "Ertrag", den wir "Beitrag" genannt haben - noch nicht seine ganze Beteiligung am Gedeihen der Produktion erschöpft? Diese Unterscheidung finden wir also tatsächlich vor, wir tragen sie nicht um unserer Lösung willen in die Wirtschaft hinein, sondern wir erklären einen sonst unerklärlichen Widerspruch der Wirtschaft durch unsere Lösung, die dadurch keinen geringen Grad an Unterstützung und Glaubwürdigkeit erhält. Oder scheint es kein Widerspruch zu sein, daß die Arbeit außer "ihrem eigenen" noch den "Ertrag des Kapitals", daß das Kapital außer "seinem eigenen" noch den "Ertrag der Arbeit" steigen oder fallen macht?
LITERATUR - Friedrich von Wieser, Der natürliche Wert, Wien 1889
Für den Wert der produktiven Einheit entscheidet dann, dem Grenzgesetz zufolge, wieder das geringste unter den ausgewählten Ertragsgütern. (siehe unten § 26)
Die klassische Nationalökonomie untersucht eigentlich den Wert der Erzeugnisse, genauer der erzeugten Gebrauchsgüter. Was die Erzeugungsfaktoren anbelangt, so gelten ihr dieselben einerseits als Quelle des Einkommens (Grundrente, Kapitalzins, Arbeitslohn, eventuell noch Unternehmereinkommen), andererseits als die Elemente, aus denen sich die Erzeugungskosten bilden, von denen hauptsächlich der Wert der Produkte bestimmt werden soll. - - - Wenn man dagegen die Bestrebungen vergleicht, welche ausgesprochen oder unausgesprochen die Reformarbeiten in der Theorie des Wertes leiten, so findet man den Umfang der Erscheinungen, auf welche die Idee des Wertes angewendet wird, außerordentlich erweitert. Die Erzeugungsfaktoren, die man im Sinne der Neueren besser als Erzeugungsgüter bezeichnet, werden durchaus als Wertobjekte aufgefaßt; die Kosten sind schlechtweg Werterscheinungen und auch das Einkommen muß so aufgefaßt werden. Außerdem werden die Beziehungen zwischen dem Wert der Gebrauchs- und dem der Erzeugungsgüter geradezu umgekehrt gedacht: der erstere als das Bestimmende, der letztere als das Bestimmte. An dieser Stelle beschäftigt uns zunächst der Satz, der als Ausgangssatz für die ganze Lehre gelten kann, daß die Produktivgüter ihren Wert vom Wert der Erzeugnisse erhalten, zu deren Hervorbringung sie dienen. Gossen, Jevons, Menger, Walras stimmen hierin überein. Meines Erachtens ist es wiederum Menger, der die klarste und umfassendste Darstellung gibt. Er teilt (was ähnlich schon Gossen, nur um vieles unvollkommener tut) sämtliche in einem Produktionskreis stehenden Güter in Ordnungen, derart, daß die Überleitung des Wertes von Ordnung zu Ordnung weitergeht. Die erste, niederste Ordnung wird von den Gebrauchsgütern gebildet, welche ihren Wert unmittelbar vom Bedürfnis empfangen. Der so empfangene Wert geht zunächst auf die Güter zweiter Ordnung über, d. h. jene, welche unmittelbar zur Hervorbringung der Güter erster Ordnung dienen, wie z. B. das Mehl und die Arbeitsleistung des Bäckers zur Bereitung von Brot dient; sodann von diesen auf die Güter dritter Ordnung (z. B. das Getreide und die Arbeitsleistung des Müller) und so fort, immer stufenweise bis zu den höchsten oder (nach einem Ausdruck Böhm-Bawerks) entferntesten Ordnungen.
Wir werden später (§ 58) in der sozialistischen Lehre selbst ein viel deutlicheres Zugeständnis dafür finden, daß die Arbeit nicht der einzige Faktor der Wertbildung ist. (siehe übrigens auch § 35)
Menger rechnet disen unverhüllten Rest jedem einzelnen Faktor zu, statt ihn ein für alle Mal zu verrechnen, daher fällt der Wert zu hoch aus. In unserem Beispiel ist der erwähnte Überschuß gleich 1 (10-9); Menger rechnet ihn dreimal statt einmal, rechnet also um 2 Einheiten zu viel, so daß er einen Wert von 12 erhält, wo doch nur ein Ertrag von 10 erreicht wird.
Die anderen Versuche der Lösung kommen nicht über Andeutungen hinaus, nur bei Böhm-Bawerk ("Wert", Seite 56f) findet sich noch eine ausführlichere Darstellung, welche jedoch nur die Richtung bezeichnen will, in der wohl die Lösung des Problems zu suchen wäre, "die Größe des Anteils auszumitteln, den jeder der mehreren zusammenwirkenden Faktoren an der Erzeugung des gemeinsamen Produkts hat". Böhm-Bawerk, indem er zuerst über einige weniger wichtige Fälle der Komplementarität spricht, stellt hierbei den Grundsatz fest, daß alle Elemente einer Gruppe, die erstens auch außerhalb derselben verwendet und zweitens zugleich in der Gruppe durch andere - von außen genommene - Exemplare ihrer Art ersetzt werden können, niemals einen höheren Wert als ihren "Substitutionswert" erlangen, d. h. denjenigen, der abgenommen wird vom Ausfall an Nutzen in denjenigen Verwendungszweigen, aus denen man die Ersatzexemplare beschafft". Solcher Art sind z. B. Ziegel, die zu einem Hausbau bestimmt sind. Gehen einige Fuhren von ihnen zu Bruch, so hindert das den Hausbau nicht, sondern man ersetzt sie durch andere. Diesen Satz wendet Böhm-Bawerk auf die Fälle der produktiven Komplementarität an, indem er die sämtlichen komplementären Produktivgüter in zwei Kategorien teilt. Die eine, welche die überwiegende Mehrzahl aller umfaßt, enthält solche Güter, die als marktgängige Ware "beliebig ersetzbar" sind; "die Leistungen der Lohnarbeiter, die Rohstoffe, Brennmaterialien, Werkzeuge usw." Die andere, die Minorität, ist "nicht oder leicht vertretbar, wie z. B. das Grundstück, das der Bauer bewirtschaftet, das Bergwerk, der Eisenbahnkörper, die Fabriksanlage, die Tätigkeit des Unternehmers selbst mit ihren höchst persönlichen Qualitäten". Der Wert der zur ersteren Gruppe gehörigen Güter ist nun für jeden einzelnen Fall stets durch ihre anderweitigen Verwendungen gegeben, er ist insoweit fix. Er wird zuerst vom Gesamtertrag abgezogen, der Rest fällt "dem oder den nicht vertretbaren Gliedern" zu; so rechnet ihn "der Bauer seinem Boden, der Bergwerksbesitzer seinem Bergbau, der Fabrikant seiner Fabrik, der Kaufmann seiner Unternehmertätigkeit" an. - - - Ähnliche Gedanken finden sich, mehr oder weniger klar, bei manchen Schriftstellern, ich selbst habe im "Ursprung des Wertes" auf eine ähnliche Lösung hingedeutet. Man wird nicht irren, wenn man annimmt, daß so manche Autoren das Problem der Aufteilung deshalb aufzuwerfen unterließen, weil sie die Aufteilung in diesem Sinne theoretisch für ebenso einfach erledigt hielten, wie sie praktisch erledigt wird. Wie aber, wenn mehrere "unvertretbare" Güter zusammentreffen? Treffen nicht z. B. das Bergwerk und die Unternehmertätigkeit seines Besitzers zusammen? Treffen nicht auch der "ersetzlichen" Güter immer manche, ja viele zusammen? Ihr Wert, der praktisch jeweils durch eine Berufung auf ihre anderweitige Verwendung und Schätzung gegeben ist, muß theoretisch, da die anderweitige Verwenung immer wieder selbst in einer Verbindung mit komplementären Gütern erfolgt, immer erst aus der Verbindung ausgelöst werden - wie kann das aber anders geschehen, als wenn man die Regel der Aufteilung kennt? - - - Nichtsdestoweniger, wenn die Bemerkungen Böhm-Bawerks auch keine Lösung für das Problem der Zurechnung geben, enthalten sie doch einen wichtigen und bemerkenswerten Beitrag zur Lehre von der Zurechnung, welche ohne die von ihm hervorgehobene Unterscheidung nicht zu Ende geführt werden könnte. (siehe hierüber unten § 30) die Untersuchung über "Kostengüter und Monopolgüter".
Damit die Berechnung der produktiven Beiträge gelingen kann, muß eine genügend große Anzahl von Gleichungen gegeben sein. Es muß mindestens so viele Gleichungen wie Unbekannte geben. Diese Bedingung ist sicherlich erfüllt. Wieviele Unbekannte gibt es? Soviele als es Arten von Produktivgütern gibt, die im Verkehr unterschieden werden. Ohne Zweifel sind dieselben sehr zahlreich, die Theoretiker, indem sie schlechthin von Land, Kapital und Arbeit sprechen, fassen in jede dieser Gruppen eine ungemein große Menge von Güterarten zusammen, die im Verkehr nichts weniger als gleichartig gelten. Der Wert der Arbeit ist nicht einheitlich zu berechnen, sondern so oftmal als Arten und Qualitäten von Arbeiten unterschieden werden; der Wert des landwirtschaftlichen Bodens ist selbst in ein und demselben Bezirk für so viele Typen zu berechnen, wie ein vollkommen genauer Grundsteuerkataster an Bewirtschaftungs- und Bonitätsklassen unterscheiden muß - von den Kapitalien und ihren unfaßbar zahlreichen Formen gar nicht zu reden. So weit aber auch der Verkehr zu spezialisieren vermag, so ist die Menge der Arten von produktiven Verbindungen doch ohne Zweifel noch viel zahlreicher als die Arten von Produktivgütern. Die Menge der Arten von produktiven Verbindungen, in die ein Gut wie Eisen oder wie Kohle (selbst von genau bestimmter Provenienz und Qualität) gebracht wird, ist unabsehbar. Desgleichen die für die gemeine Hand- oder Tagelöhnerarbeit. Ein und derselbe Acker wird im Wechsel mit den verschiedenen Früchten bestellt. Dazu kommt, daß, um eine neue Gleichung zu erzeugen, es genügt, wenn nur das quantitative Mischungsverhältnis derselben Güterarten wechselt. Man wird unter all den vielen in der Produktion verwendeten Gütersorten wohl keine einzige finden, die mit anderen, sowohl was deren Art wie deren Menge betrifft, immer genau nach der gleichen unveränderlich starren Formel zusammengebracht würde. Verschiedener Grad des Reichtums, der Kenntnis der Geschicklichkeit, der örtlichen Bedingungen bringen es mit sich, daß selbst diejenigen Gütersorten, die bloß eine einzige Art der Verwendung zulassen, d. h. die bloß zur Hervorbringung einer einzigen Art von Erzeugnissen geeignet sind, doch zu gleicher Zeit zum gleichen Zweck mannigfach variierte Verbindungen eingehen müssen. Sollte es hiervon Ausnahmen geben, so sind dieselben ganz vereinzelt. Der Beitrag der betreffenden Güter ließe sich aberb auch dann noch berechnen, vorausgesetzt, daß nicht gerade in ein und derselben Gruppe zwei derartige Elemente zusammentreffen solten. Dann freilich versagt das aufgestellte Prinzip, dann sind wieder zwei Unbekannte und nur eine Gleichung.

References: § 19

§ 20

§ 21

§ 22

§ 23

§ 24
 § 26
 § 35
 § 30