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Timestamp: 2020-07-10 04:32:54+00:00

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Vergeblich aufgewandte Rechtsverfolgungskosten - als Nachlassverbindlichkeit | Rechtslupe
Vergeblich aufgewandte Rechtsverfolgungskosten - als Nachlassverbindlichkeit
Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses, in dem ein Erbe ver­meint­li­che zum Nach­lass gehö­ren­de Ansprü­che des Erb­las­sers gel­tend gemacht hat, sind als Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG abzugs­fä­hig. § 10 Abs. 6 Satz 1 ErbStG steht dem Abzug nicht ent­ge­gen.
Gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG sind, soweit sich nicht aus den Absät­zen 6 bis 9 etwas ande­res ergibt, als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten u.a. die Kos­ten abzugs­fä­hig, die dem Erwer­ber unmit­tel­bar im Zusam­men­hang mit der Abwick­lung, Rege­lung oder Ver­tei­lung des Nach­las­ses oder mit der Erlan­gung des Erwerbs ent­ste­hen. Kos­ten für die Ver­wal­tung des Nach­las­ses sind nicht abzugs­fä­hig (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 ErbStG).
Der Begriff der Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten ist grund­sätz­lich weit aus­zu­le­gen [1]. Er umfasst u.a. die Kos­ten der tat­säch­li­chen und recht­li­chen Fest­stel­lung des Nach­las­ses sowie alle Kos­ten, die auf­ge­wen­det wer­den müs­sen, um die Erben in den Besitz der ihnen aus der Erb­schaft zukom­men­den Güter zu set­zen [2]. Zu den Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten kön­nen danach auch Kos­ten zäh­len, die dem Erben durch die gericht­li­che Gel­tend­ma­chung von (ver­meint­li­chen) zum Nach­lass gehö­ren­den Ansprü­chen des Erb­las­sers ent­ste­hen [3].
Ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang mit der Rege­lung des Nach­las­ses liegt vor, wenn die Kos­ten in engem zeit­li­chen und sach­li­chen Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Todes wegen und nicht erst durch die spä­te­re Ver­wal­tung des Nach­las­ses (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 ErbStG) anfal­len [4]. Die Abgren­zung zwi­schen Kos­ten der Nach­lass­re­ge­lung und Kos­ten der Nach­lass­ver­wal­tung rich­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls.
Ein enger sach­li­cher Zusam­men­hang von Pro­zess­kos­ten mit dem Erwerb ist ins­be­son­de­re dann gege­ben, wenn die Kla­ge eines Erben dazu dient, das Bestehen von nach­lass­zu­ge­hö­ri­gen Ansprü­chen des Erb­las­sers und damit den Umfang des Nach­las­ses zu klä­ren. Glei­ches gilt für Kos­ten eines Rechts­streits, den ein Erbe führt, um die Her­aus­ga­be von Nach­lass­ge­gen­stän­den durch Drit­te zu erwir­ken. Herrscht Gewiss­heit über Umfang und Zusam­men­set­zung des Nach­las­ses und hat der Erbe die Nach­lass­ge­gen­stän­de in Besitz genom­men, endet der sach­li­che Zusam­men­hang mit dem Erwerb. Kos­ten, die dem Erben in der Fol­ge­zeit zum Zwe­cke der Erhal­tung, Meh­rung, Nut­zung oder Ver­wer­tung des Nach­lass­ver­mö­gens ent­ste­hen, sind kei­ne Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten.
Ein enger zeit­li­cher Zusam­men­hang von Pro­zess­kos­ten mit dem Erwerb liegt vor, wenn die Kla­ge unver­züg­lich nach dem Erb­fall, d.h. ohne schuld­haf­tes Zögern (ent­spre­chend § 121 Abs. 1 Satz 1 BGB), erho­ben wur­de [5]. Unver­züg­li­ches Han­deln ist anzu­neh­men, wenn die Kla­ge inner­halb einer nach den Umstän­den des Ein­zel­falls zu bestim­men­den ange­mes­se­nen Prü­fungs- und Vor­be­rei­tungs­zeit erho­ben wird. Je grö­ßer der zeit­li­che Abstand zwi­schen dem Erb­fall und dem Pro­zess­be­ginn ist, des­to höhe­re Anfor­de­run­gen sind an die Dar­le­gung und Glaub­haft­ma­chung der Grün­de für die Ver­zö­ge­rung und eines feh­len­den Ver­schul­dens des Klä­gers zu stel­len.
§ 10 Abs. 6 Satz 1 ErbStG steht dem Abzug der Pro­zess­kos­ten als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten nicht ent­ge­gen.
Nach die­ser Vor­schrift sind Schul­den und Las­ten nicht abzugs­fä­hig, soweit sie in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang mit Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den ste­hen, die nicht der Besteue­rung nach die­sem Gesetz unter­lie­gen. Die­se Vor­schrift gilt nur für vom Erb­las­ser begrün­de­te Schul­den und Las­ten und ist nicht auf Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG anwend­bar. § 10 Abs. 6 Satz 1 ErbStG will eine dop­pel­te Steu­er­min­de­rung durch den grund­sätz­lich nach § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG vor­zu­neh­men­den Abzug der vom Erb­las­ser her­rüh­ren­den Schul­den und Las­ten ver­mei­den, wenn die­se aus­nahms­wei­se mit steu­er­be­frei­ten Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den wirt­schaft­lich zusam­men­hän­gen. Dem­ge­gen­über umfas­sen Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG Auf­wen­dun­gen, die der Erwer­ber des Nach­las­ses nach dem Erwerb zur Abwick­lung, Rege­lung oder Ver­tei­lung des Nach­las­ses erbracht hat. Dabei kann es sich schon begriff­lich nicht um vom Erb­las­ser her­rüh­ren­de Schul­den und Las­ten han­deln, die im Zusam­men­hang mit steu­er­be­frei­ten Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den ste­hen. Das gilt selbst dann, wenn Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten ‑wie z.B. Pro­zess­kos­ten- dar­auf abzie­len, an sich steu­er­be­frei­te Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de zum Nach­lass zu zie­hen. Auch in die­sem Fall geht es um die Rege­lung des gesam­ten Nach­las­ses durch den Erwer­ber. Ähn­lich wie bei den in § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG aus­drück­lich genann­ten Grab­pfle­ge­kos­ten oder den unter § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG fal­len­den Ver­bind­lich­kei­ten [6] ist der Abzug nicht durch § 10 Abs. 6 Satz 1 ErbStG ein­ge­schränkt.
An die Dar­le­gung und den Nach­weis der Kos­ten sind hohe Anfor­de­run­gen zu stellen.Kosten einer anwalt­li­chen Ver­tre­tung müs­sen tat­säch­lich ent­stan­den und getra­gen wor­den sein.
Dage­gen hat der Bun­des­fi­nanz­hof den Abzug von Pro­zess­kos­ten ver­sagt, die dem Mit­er­ben B ent­stan­den sind, weil er den Ersatz von Schä­den wegen ver­spä­te­ter Räu­mung und Her­aus­ga­be der Woh­nung vom Mie­ter ver­langt hat. Bei die­sen Kos­ten han­delt es sich nicht um abzugs­fä­hi­ge Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG, son­dern um nicht abzugs­fä­hi­ge Kos­ten der Nach­lass­ver­wer­tung (vgl. § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 ErbStG). Denn die Kla­ge dien­te nicht dazu, das Bestehen eines nach­lass­zu­ge­hö­ri­gen Anspruchs auf Her­aus­ga­be der Miet­woh­nung zu klä­ren. Ein sach­li­cher Zusam­men­hang mit dem Erwerb des Mit­ei­gen­tums­an­teils am Miet­wohn­grund­stück von Todes wegen vom Erb­las­ser besteht nicht. Der Pro­zess und sei­ne Kos­ten hin­gen im ent­schie­de­nen Fall viel­mehr mit dem Ver­kauf des geerb­ten Grund­be­sit­zes zusam­men.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Novem­ber 2019 – II R 29/​16
BFH, Urtei­le vom 19.06.2013 – II R 20/​12, BFHE 241, 416, BStBl II 2013, 738, Rz 11; und vom 15.06.2016 – II R 24/​15, BFHE 254, 60, BStBl II 2017, 128, Rz 14[↩]
BFH, Urteil vom 11.01.1961 – II 155/​59 U, BFHE 72, 273, BStBl III 1961, 102; FG Köln, Urteil vom 05.02.2009 – 9 K 204/​07, Erb­fol­ge­be­steue­rung 2010, 8, Rz 39; FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 18.12.2014 – 7 K 1377/​14, Ent­schei­dun­gen der Finanz­ge­rich­te 2015, 658, Rz 24[↩]
vgl. Götz, Zeit­schrift für Erbrecht und Ver­mö­gens­nach­fol­ge ‑ZEV- 2010, 561, 562; Bil­lig, Umsatz­steu­er- und Ver­kehr­steu­er­recht 2017, 60, 62[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 241, 416, BStBl II 2013, 738, Rz 11[↩]
vgl. Köni­ger, ZEV 2017, 352, unter 6.[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 22.07.2015 – II R 21/​13, BFHE 250, 221, BStBl II 2016, 228, zum Geld­ver­mächt­nis; und vom 22.07.2015 – II R 12/​14, BFHE 250, 225, BStBl II 2016, 230, zum Pflicht­teils- und Zuge­winn­aus­gleich[↩]
ErbschaftsteuerNachlassregelungskostenNachlassverbindlichkeitNachlassverwertungRechtsverfolgungskosten

References: § 10
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 § 121

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