Source: http://kulturinfo-lippe.de/2018/10/01/gesunde-beziehungen-2/
Timestamp: 2018-10-21 16:39:29+00:00

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GESUNDE BEZIEHUNGEN | Kulturinfo Lippe
Theater Paderborn | GESUNDE BEZIEHUNGEN
Ort: Theater Paderborn - Studio
von Evan Placey, Übersetzung von Frank Weigand
weitere Vorstellung / 21.10.2018
Wenn Sex ein Kriegsgebiet ist, dann steckt die Sexualkunde-Lehrerin Diane mittendrin. In ihrer bisherigen Laufbahn hat sie sich auf diesem Schlachtfeld bereits weit vorgewagt, möglicherweise zu weit. Ihre Erinnerung an eine regnerische Samstagnacht ist schon so gut wie verblasst, als plötzlich Freddie, ihr ehemaliger Schüler, Diane um ein Treffen bittet. Freddie will mit Diane sprechen – über jene Nacht vor sieben Jahren, als er regendurchnässt und wie ein getretener Hund vor ihrer Tür stand. Über jene Nacht, in der die Grenze zwischen Lehrerin und Schüler möglicherweise überschritten wurde.
Der kanadisch-britische Autor Evan Placey wuchs in Toronto auf und lebt in London. Sein erstes abendfüllendes Theaterstück mit dem Titel „Mother of Him“ (2010) gewann den King’s Cross Award for New Writing, Canada’s RBC National Playwriting Competition und den Samuel French Canadian Play Contest. Zahlreiche Stücke folgten, darunter „Banana Boys“ (2010), „Suicide(s) in Vegas“, „Scarberia“ (2012), „How was it for you?“ (2012) und „Holloway Jones“ (2011). Letzteres erhielt den Brian Way Award 2012 für das beste Jugendstück. Placey schloss sein Studium an der Central School of Speech and Drama und an der McGill University ab und ist heute selbst Dozent an der University of Southampton und unterrichtet dramatisches Schreiben am National Theatre in London, am Tricycle Theatre und in Gefängnissen. Er gewann mit „Mädchen wie die“ den Writers’ Guild Award als Bestes Stück für junges Publikum. „Mädchen wie die“ gewann den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg 2016 und war für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2016 nominiert.
Quelle: Felix Bloch Erben: Evan Placey. http://www.felix-bloch-erben.de/index.php5/aid/1399/Action/showAuthor/fbe/gtka3fgm1095e511spvrj8qn96/
(Letzter Abruf am 29.01.18).
Die Einstellung zur kindlichen Sexualität war im Laufe der Geschichte einem unübersehbarem Wandel unterworfen. In den frühen Gesellschaften Mitteleuropas gehörten Kinder, sobald sie ohne ständige Fürsorge leben konnten, der Erwachsenenwelt an. Das Kind als eigenständiges Subjekt kannte dieses Zeitalter noch nicht. Folgerichtig gab es zu dieser Zeit keine spezifischen – nur dem Schutz der Kinder dienenden – strafrechtlichen Normen. Im Zweifelsfall war der Schutz und das Wohlergehen einer Kuh eben auch wichtiger als das eines Kindes, denn von dem Tier hing möglicherweise das Überleben des ganzen Familienverbandes ab.
Vor allem im 17. Jahrhundert begann eine Entwicklung, durch die die kindliche Unschuld mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein trat. Kinder sollten vor der Sexualität geschützt werden. Es galt, das Kind vor den schmutzigen Erscheinungen des Lebens zu bewahren, d. h. insbesondere vor der Sexualität, die dem Erwachsenen zwar nicht ausdrücklich zugebilligt, aber bei ihm doch toleriert wird.
Mit der »Entdeckung« der Kindheit, mit der wachsenden Erkenntnis, dass Kinder Wesen seien, die erzogen werden können und müssen, veränderte sich auch nach und nach deren rechtlicher Status. Man wurde sich der Unschuld und Schwäche der Kinder bewusst und hielt es für die Pflicht der Erwachsenen, diese Unschuld zu bewahren. Es wurden verstärkt Strafbestimmungen normiert, die den sexuellen Missbrauch »unreifer« Mädchen neben der Notzucht gesondert bestraften.
Die Tendenz zur rechtlichen Sonderbehandlung ging einher mit der inhaltlichen Ausweitung des Kinder- und Jugendschutzes und der Ausdehnung des Schutzes auf immer ältere Altersgruppen. Diese Entwicklung steht zweifelsohne im Zusammenhang mit der beginnenden Industrialisierung und der »Verschulung der Kindheit«. Vorrangige Aufgabe des Schulbetriebes sollte die Disziplinierung der Kinder und Jugendlichen sein. Die Schule wurde auf der Grundlage von Autorität, Hierarchie, Befehl und Gehorsam organisiert.
Die asketischen Moralvorstellungen, die scharfe gesellschaftliche und rechtliche Sanktionierung gleichgeschlechtlicher Sexualität sowie die Entsexualisierung des Jugendalters lassen sich gleichsam bruchlos bis weit in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinein verfolgen. Besonders die andauernde strafrechtliche Verfolgung der Homosexualität ist ein Indiz für ein sexualfeindliches Klima.
Mit der Reform des Sexualstrafrechts in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Auffassung, der Staat müsse die zwischenmenschlichen Beziehungen vor unzüchtigen Handlungen schützen, keine gesetzliche Grundlage mehr. Vielmehr hat das 4. Strafrechtsänderungsgesetz 1973 wegen der veränderten Anschauungen über die Strafwürdigkeit sexueller Verhaltensweisen und über die Sozialschädlichkeit solcher Handlungen die Grenze zwischen strafbarem und straffreiem Verhalten neu definiert. Dabei ist der Festlegung bestimmter Schutzaltersgrenzen besondere Aufmerksamkeit gewidmet worden.
Eine Neubelebung der Debatte über die strafrechtlichen Grenzen der Sexualität erfolgte in den 90er-Jahren anlässlich der Reform des § 182 StGB (Sexueller Missbrauch von Jugendlichen) sowie der beabsichtigten Streichung des § 175 StGB. Unter den Stichworten »Ideologie statt Jugendschutz« oder »Jugendschutz gegen die Jugendlichen« wurde wiederum um die Moralität im Sexualstrafrecht gestritten.
1994 hat der Gesetzgeber zwar durch die Novellierung des Strafgesetzbuches die Strafbarkeit von sexuellen Handlungen zwischen Männern über 18 Jahren und unter 18-Jährigen beseitigt, aber andererseits den § 182 StGB (bislang nur Schutz von unter 16 Jahren alten Mädchen vor Verführung zum Beischlaf) neu gefasst und ausgeweitet. Der neu gefasste § 182 StGB enthält eine Besserstellung der männlichen Homosexuellen. Vor allen Dingen werden homosexuelle Kontakte zwischen über 18-Jährigen und 16- bis 18-jährigen nicht mehr prinzipiell mit Strafe bedroht, wie es der § 175 StGB noch vorsah. Allerdings: Für heterosexuelle Beziehungen zwischen Männern über 18 Jahren mit 14 bis 16 Jahre alten weiblichen Jugendlichen enthält die Vorschrift eine Strafverschärfung. Darüber hinaus ist durch die Neufassung des § 182 StGB im deutschen Recht wieder lesbische Liebe strafbar. Sowohl heterosexuelle als auch lesbische einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen über 18-jährigen Frauen und 14- bis 16-jährigen Jugendlichen können strafbar sei).
Nach § 176 Abs. 4 StGB werden einerseits solche sexuelle Handlungen bestraft, die ohne körperliche Berührung in der räumlichen Nähe des Kindes vorgenommen werden, und andererseits wird bestraft, wenn auf ein Kind mit Schriften eingewirkt oder pornografische Abbildungen und Darstellung vorgezeigt werden. Der Strafrahmen beträgt drei Monate bis fünf Jahre.
176 Abs. 1 und 2 StGB enthalten Tathandlungen, bei denen es zu einem Körperkontakt mit dem Kinde gekommen ist. Sie können mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft werden.
Die Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern nach § 176a StGB werden mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft. Die Höchststrafe beträgt 15 Jahre. Ein schwerer Fall liegt u.a. vor, wenn ein Täter über 18 Jahren mit einem Kind den Beischlaf vollzieht oder ähnliche Handlungen vornimmt, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind.
Nach § 176b StGB kann eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden, wenn der Täter eines sexuellen Missbrauchs wenigstens leichtfertig den Tod des Kindes herbeigeführt hat.
DER STAATSRECHTLICHE SCHUTZ JUGENDLICHER UNTER 16 JAHREN
Die wichtigste Schutzaltersgrenze für Kinder vor sexuellem Missbrauch ist das 14. Lebensjahr. Nach Vollendung des 14. Lebensjahrs können Minderjährige über ihre Sexualität frei verfügen.
Immer wieder ist zu lesen, dass Priester, Ausbilder, Lehrer, Betreuer, Erzieher oder andere »Autoritätspersonen« ihre Machtstellung gegenüber ihren Schutzbefohlenen ausnutzen und Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchen. Unter dem Vorwand, ihre Zöglinge zärtlich zu lieben oder Sex sei gottgefällig, wird das Autoritätsgefälle heimtückisch instrumentalisiert. Die zerstörerische Kraft des sexuellen Missbrauchs – verbunden mit dem Autoritätsgefälle – hinterlässt meistens verzweifelte Kinder, zerrissen von Schuldgefühlen und voller Scham.
Das Strafgesetzbuch sieht daher für einige besondere Lebenssachverhalte einen erhöhten altersgemäßen Schutz der Minderjährigen vor. Dieser ist vor allen Dingen in zwei Straftatbeständen geregelt: § 174 StGB befasst sich mit dem sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen, während § 182 StGB den sexuellen Missbrauch von Jugendlichen zum Gegenstand hat. Bei Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren können der noch nicht abgeschlossene Reifeprozess und die noch fehlende sexuelle Autonomie dazu führen, dass ein sexueller Missbrauch durch Erwachsene nachteilige Folgen für die Entwicklung des Jugendlichen nach sich zieht.
174 StGB will die ungestörte sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sichern, die innerhalb bestimmter Unterordnungs- und Abhängigkeitsverhältnisse in erhöhtem Maße der Gefahr sexueller Übergriffe ausgesetzt sind. Nach § 174 StGB sollen bestimmte schutzwürdige Beziehungen um ihrer sozialen Funktion willen von geschlechtlichen Einflüssen freigehalten werden.
Derjenige macht sich strafbar, der sexuelle Handlungen an einer Person vornimmt, die ihm zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung in der Lebensführung anvertraut ist. Ein derartiges Vertrauensverhältnis setzt voraus, dass der Täter die Pflicht hat, die Lebensführung des Schutzbefohlenen zu überwachen und zu leiten oder dass ein Über- und Unterordnungsverhältnis besteht; es sich jedenfalls um ein Verhältnis handelt, in dessen Rahmen der Täter wenigstens eine Mitverantwortung für das geistige und sittliche Wohl des Minderjährigen, trägt. Alle drei Tatbestands alternativen erfordern ein, den persönlichen, allgemein menschlichen Bereich erfassendes Abhängigkeitsverhältnis des Jugendlichen zu dem Betreuer im Sinne einer Unter- und Überordnung.
Es ist augenscheinlich, dass sich die Begriffe Erziehung, Ausbildung und Betreuung in der Lebensführung überschneiden und nicht trennscharf abgegrenzt werden können.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzalter (Letzter Abruf am 13.04.18) 11
ZUR DIFFERENZIERUNG ZWISCHEN GRENZVERLETZUNGEN, ÜBERGRIFFEN UND STRAFRECHTLICH RELEVANTEN FORMEN DER GEWALT IM PÄDAGOGISCHERN ALLTAG
Angaben über Formen von Grenzverletzungen und Übergriffen, die sich ausschließlich auf Jugendliche beziehen sind mit*, die sich ausschließlich auf Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern beziehen mit** gekennzeichnet.
einmalige/seltene Missachtung der Grenzen zwischen den Generationen** zum Beispiel: • sich im Kontakt mit Jugendlichen wie ein „Dauerjugendlicher“ gebärden, • sexualisiertes Verhalten von Kindern und Jugendlichen im Kontakt zulassen, • mit Kindern und Jugendlichen „flirten“, • Mädchen und Jungen mit besonderen Kosenamen ansprechen („Schatz“, „Liebste“, „Süßer“),
einmalige/seltene Missachtung der Grenzen der professionellen Rolle** (zum Beispiel Gespräche mit Jugendlichen über intime Themen/das Sexualleben der professionellen Helfer/Helferinnen, Austausch von Zärtlichkeiten, die eher einem familialen Umgang entsprechen),
einmalig/seltene Ausnutzung der eigenen Machtposition innerhalb der Gruppe/als Mitarbeiter/Mitarbeiterin, um die Wahrnehmung von Mädchen/Jungen in Frage zu stellen. • grenzüberschreitende/unfachliche Interventionen**(Beispiele)
Missachtung des Rechts von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Schutz vor körperlichen, sexuellen und emotionalen Übergriffen und Gewalt durch gleichaltrige und ältere Mädchen und Jungen, o von Kindern und Jugendlichen verübte Grenzverletzungen bagatellisieren,
eigene Verantwortung für den Schutz von Mädchen und Jungen bei Grenzverletzungen durch Gleichaltrige leugnen („Regelt das untereinander!“… Ihr sollt doch nicht petzen/ euch gegenseitig verpfeifen!“).
Quelle: http://www.praevention-bildung.dbk.de/fileadmin/redaktion/praevention/microsite/Downloads/Zartbitter_GrenzuebergriffeStraftaten.pdf (Letzter Abruf am 13.03.18)
DEBATTE ÜBER SEXUALISIERUNG AN SCHULEN
Proteste der „Demo für alle“ Moral-Panik gegen Sexualkunde
Beverfoerde gilt als Hauptinitiatorin der „Demo für Alle“. Das Aktionsbündnis ist Teil einer Bewegung, die seit mehreren Jahren gegen eine angebliche „Frühsexualisierung von Kindern“, den Feminismus und die „Homo-Lobby“ mobil macht. Das Thema eint konservative CDU-Anhänger, christliche Fundamentalisten, Rechtspopulisten von der AfD und handfeste Neonazis. Ihr gemeinsamer Hauptfeind ist der „Gender-Wahnsinn“. Mit dem englischen Begriff „gender“ werden in der sozialwissenschaftlichen Forschung in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht die gesellschaftlich geformten Geschlechtseigenschaften beschrieben – also zum Beispiel Vorstellungen darüber, was typisch männlich oder weiblich sei. In der Dekonstruktion dieser angeblich natürlichen Geschlechtlichkeit sehen die Gegner der Gender-Forschung eine „Indoktrination“ und einen „Angriff auf Ehe und Familie“.
Proteste auch in Hamburg, Sachsen und Baden-Württemberg
In mehreren Bundesländern gab es bereits Aktionen der Gruppierungen. Hintergrund waren meist die Bestrebungen der jeweiligen Landesregierungen, die zum Teil veralteten Lehrpläne für den Sexualkundeunterricht an die gesellschaftlichen Realitäten anzupassen. Auf diese Weise sollte unter den Schülerinnen und Schülern die Akzeptanz für verschiedene sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten gestärkt werden. Proteste wie aktuell in Hessen waren zuvor in Hamburg, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern organisiert worden.
Die heftigsten Auseinandersetzungen hatte es indes in Baden-Württemberg gegeben. Nachdem ein internes Arbeitspapier zur Reform des Bildungsplans Ende 2013 öffentlich geworden war, sah sich die damalige grün-rote Landesregierung einem massiven Gegenwind ausgesetzt. Eine Petition gegen das Vorhaben unterschrieben fast 200 000 Menschen, die „Demo für Alle“ organisierte mehrere Protestkundgebungen mit tausenden Teilnehmern. Schließlich knickte die Landesregierung ein. Sie zog ihren Entwurf zurück und kündigte eine Überarbeitung des Papiers an. Mittlerweile ist der Bildungsplan in einer deutlich abgeschwächten Version in Kraft getreten.
Die katholische Kirche hat sich bei der Abstimmung enthalten
Unlängst ist die „Demo für Alle“ nun auch in Wiesbaden auf die Straße gegangen. In Hessen regiert Schwarz-Grün. Das – wohlgemerkt CDU-geführte – Kultusministerium habe zu Beginn des Schuljahres „still und heimlich“ einen „radikalen Sexualerziehungs-Lehrplan erlassen“ – so jedenfalls steht es im Aufruf der Demo. Ein Ministeriumssprecher kann den Vorwurf der Geheimniskrämerei nicht nachvollziehen. Es sei „völlig üblich“, dass Lehrpläne im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens abgestimmt und anschließend erlassen würden, „ohne dass wir deshalb extra eine Pressekonferenz veranstalten“. Außerdem widerspricht er der Behauptung des Bündnisses, dass der Lehrplan „gegen das Votum der katholischen Kirche“ durchgesetzt worden sei. Die katholische Kirche habe sich vielmehr bei der Abstimmung enthalten.
Der neue Lehrplan für Hessen möchte die „Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen“ fördern, auf die „sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen“ hinweisen und für die „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“ werben. Die Veranstalter der „Demo für Alle“ kritisierten an dem Papier unter anderem, dass bei Grundschülern das Thema „kindliches Sexualverhalten“ auf der Agenda stehe. Was damit gemeint ist, wird im Lehrplan folgendermaßen präzisiert: „ich mag mich, ich mag dich“. Es geht also darum, Themen wie Körper, Emotionen, Freundschaft oder Familienbeziehungen altersgerecht zu vermitteln. Dieser Zusatz fehlt in der Darstellung der Gegner des Lehrplans. Man vertraut offenbar lieber auf die Assoziation der immer wieder wahrheitswidrig postulierten Behauptung, dass Kinder zukünftig in der Grundschule mit Pornografie oder Sexspielzeug konfrontiert würden.
Massive Anfeindung in sozialen Netzwerken
Nicht selten gleiten die Argumentationen ins Verschwörungstheoretische ab: „In den Augen der Strippenzieher an der Gender-Front stören Eltern nur noch bei der Umformung ihrer Kinder zum neuen Menschen“, heißt es etwa bei Birgit Kelle, einer bekannten Autorin des antifeministischen Milieus. Es bedarf schon einiger Fantasie, um in der pädagogischen Vermittlung von Akzeptanz für sexuelle Vielfalt die Schaffung eines „neuen Menschen“ erblicken zu können.
Die Härte, mit der die Debatte geführt wird, bekam auch Elisabeth Tuider zu spüren. Die Kasseler Soziologie-Professorin hatte zusammen mit einigen Kolleginnen und Kollegen ein Buch herausgegeben, das didaktische Anregungen für die Vermittlung sexualpädagogisch relevanter Themen bereithielt. Aus den Reihen der „Gender-Gegner“ wurde sie in den sozialen Netzwerken deshalb massiv angefeindet und bedroht. „Noch vor 30 Jahren hätte man so eine Alte in den Knast gesteckt und sie so lange dort behalten, bis sie verrottet wäre“, schrieb etwa der rechtspopulistische Publizist Akif Pirinçci auf Facebook.
Tuider sagt, die Sexualität fungiere in diesen Kreisen als Chiffre, als diskursives Terrain, auf dem verschiedene Machtkämpfe ausgetragen würden. „Im Kern geht es um bürgerliche Lebensvorstellungen, die in einer Welt mit schwankendem Boden verteidigt werden sollen“, sagt die Soziologin. „Sexualität ist also das Feld, auf das Ängste projiziert werden, um die vermeintlich verloren gegangene Moral wieder herzustellen.“ Der Bereich der Sexualität stünde historisch betrachtet immer wieder „im Zentrum von Moral-Paniken“. Neu sei die Vehemenz, mit der diese Angriffe ausgetragen würden.
Christdemokraten in Hessen verteidigen den Lehrplan
Vonseiten der Kritiker der Lehrpläne ist immer wieder zu hören, dass die Reform der Sexualerziehung gegen das im Grundgesetz verankerte Elternrecht verstoße. Das Bundesverwaltungsgericht entschied allerdings bereits im Jahre 1977 in einem Grundsatzurteil zugunsten der schulischen Sexualaufklärung. Die Wissensvermittlung müsse aber sachlich erfolgen und „ohne dass dabei bestimmte Normen aufgestellt oder Empfehlungen für das sexuelle Verhalten der Kinder gegeben würden“. Streng genommen passiert aber genau das seit Jahrzehnten, wenn man sich anschaut, welche Vorstellungen von Familie in deutschen Schulbüchern tradiert werden: Vater, Mutter, Kind. Diese heterosexuelle Norm zu durchbrechen, deutlich zu machen, dass sexuelle Orientierungen, geschlechtliche Identitäten und Familienkonstellationen im 21. Jahrhundert unterschiedlich aussehen können, genau diese Ziele werden mit der Reform der Lehrpläne verfolgt.
Aus diesem Grund begrüßt auch Mareike Klauenflügel von der „AG LesBiSchwule Lehrer_innen“ der GEW die Überarbeitung. Die Oberstudienrätin weist darauf hin, dass sich viele Jugendliche ihrer sexuellen Orientierung während der Schulzeit bewusst werden. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Schülerinnen und Schüler gerade in dieser Zeit im Unterricht angenommen und akzeptiert fühlten.
Die Christdemokraten in Hessen haben unterdessen auf die Kritik der „Demo für Alle“ reagiert und den Lehrplan verteidigt. „Unsere Bildungspolitik orientiert sich am Wohle der Kinder“, sagt Armin Schwarz, bildungspolitischer Sprecher der Fraktion im Landtag. Der Auftrag der schulischen Bildung umfasse eben, „die „Auswirkungen von Sexualität auf die Gesellschaft“ zu vermitteln – und wissenschaftlich fundierte Sexualkunde.
Quelle: Feeders, Jonas: Proteste der „Demo für alle“, Moral-Panik gegen Sexualkunde. In: Der Tagesspiegel. Stand: 04.11.16. http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/proteste-der-demo-fuer-alle-moral-panik-gegen-sexualkunde/14836532.html (Letzter Abruf am 24.01.2018)
Freddie / Liam Tim Tölke
Pete Alexander Wilß
Jake / Brandon Max Rohland
Mary Gesa Köhler
Georgia Kirsten Potthoff
Brandon Max Rohland
Taylor Alexander Wilß
Liam Tim Tölke
Mr. Abramovich Alexander Wilß
Musikalische Einrichtung Anton Langer
Ton & Video Till Herrlich-Petry
Technische Betreuung Viviane Wiegers & Fabian Cornelsen
Umbaustatistin Ann-Sophie Antemann

References: § 182
 § 175
 § 182
 § 182
 § 175
 § 182
 § 176
 § 176
 § 176
 § 174
 § 182
 § 174