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Timestamp: 2019-09-16 14:18:05+00:00

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6. April 2016 bzw. 3. April 2019:
Stellungnahme der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg:
Ausbildung von Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf bzw.
erhöhtem Förderbedarf in Vorarlberg
1. UN-Behindertenrechtskonvention (13.12.2006, am 03.05.2008 in Kraft getreten)
In Artikel 24 über „Bildung“ verpflichten sich die Vertragsstaaten, für Menschen mit Behinderungen „ein integratives [inklusives] Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen“ zu gewährleisten. Der „Zugang zu einem integrativen [inklusiven], hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen“ wird eingefordert.
Österreich hat die UN-Behindertenrechtskonvention im Sommer 2008 ratifiziert. Sie ist am 26. Oktober 2008 in Kraft getreten. Damit sind Bund, Länder und Gemeinden verpflichtet, die Konvention in Österreich umzusetzen.
2. Nationaler Aktionsplan Behinderung 2012 - 2020
Die Österreichische Bundesregierung (SPÖ und ÖVP) hat am 24. Juli 2012 den Nationalen Aktionsplan beschlossen: „Nationaler Aktionsplan Behinderung 2012-2020. Strategie der Österreichischen Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behinderten¬rechtskonvention ¬ Inklusion als Menschenrecht und Auftrag“.
https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/9/5/0/CH3434/CMS1456743005402/nap_de_pdfua.pdf
3. Diskussion über Separation, Integration und Inklusion
Zwar ist weder in der UN-Behindertenrechtskonvention noch im Nationalen Aktionsplan Behinderung ausdrücklich von der Notwendigkeit der Abschaffung der Sonderschulen die Rede[1] - allerdings kommt im Nationalen Aktionsplan Behinderung der Begriff „Sonderschule“ für Maßnahmen, die zukünftig gesetzt werden sollen, nicht einmal mehr vor.
Inzwischen setzen sich mehrere Institutionen in Österreich (Monitoringausschuss, Lebenshilfe, Caritas usw.) für die Abschaffung der Sonderschulen ein - unter Berufung auf die UN-Behindertenrechtskonvention
„Das Bundesland Vorarlberg hat vor Jahren die grundsätzliche Entscheidung für ein System der sonderpädagogischen Förderung getroffen, das zwei miteinander verbun¬dene Grundstrukturen aufweist:
ein nach Förderschwerpunkten gegliedertes Sonderschulwesen und
ein in den Organisationsformen vielfältiges, erweitertes Angebot eines gemeinsamen Unterrichts für Kinder und Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigungen in Regelschulen.
Die sonderpädagogische Förderung hat seit Jahren einen hohen Qualitätsstandard und ermöglicht im Sinne des gesetzlichen Auftrages maßgeschneiderte Lösungen.“
http://cis.vobs.at/cis-vorarlberg/sonderpaedagogik/
Struktur der Sonderschulen bzw. schulischer sonderpädagogischer Angebote in
8 Standorte „Sonderschulen“ (74 Klassen):
Vandans, Bludenz, Feldkirch, Rankweil, Götzis, Hohenems, Dornbirn, Lustenau
Sonderschulen sind Orte vielfältiger Pädagogik mit hoher Kompetenz für sonderpädagogisches Wissen und Handeln. Sie garantieren durch die Bündelung und Vernetzung von pädagogischem, therapeutischem und medizinischem Fachwissen individuelle und bedarfsgerechte Angebote für Schüler/innen mit Behinderung und/oder für Kinder/Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen.
Durch den Unterricht in Kleingruppen mit festen Bezugspersonen wird das Selbstbewusstsein und der Selbstwert des Kindes/Jugendlichen gestärkt. Besonders bei Schüler/innen mit Verhaltensauffälligkeiten wirken sich die überschaubare Größe der Kleinklasse und die intensive pädagogische Zuwendung förderlich aus.
4 Standorte „Volks-/Mittelschulen mit angeschlossenen Sonderschulklassen“
(21 Klassen):
Schule Unterfeld Lauterach, Schule Weidach Bregenz, Schule Langenegg,
In Volksschulen und Mittelschulen mit angeschlossenen Kleinklassen, in denen gleich¬zeitig Integrationsklassen geführt werden, ist erfahrungsgemäß die Akzeptanz der Eltern bei einem Wechsel von einem System ins andere eher gegeben, als wenn damit ein Schulwechsel verknüpft wäre. Die Eltern erhalten bei der Wahl der Schule für ihr Kind eine kompetente fachliche Unterstützung und Begleitung.
5 Standorte „Landessonderschulen“ (36 Klassen):
Landesschule Jupident Schlins, Paedakoop Schlins, Landessonderschule Mäder, LZH Dornbirn (Schule für Hör- und Sprachbildung), Heilstättenschule Vorarlberg (Kleinklassen)
Die Landessonderschulen decken Bedarfe für Kinder und Jugendliche in speziellen Lebenslagen ab, die an allgemeinen Schulen nicht bedient werden können.
277 Standorte mit „Integrationsklassen“:
298 Integrationsklassen in Volksschulen
234 Integrationsklassen in Mittelschulen
25 Integrationsklassen in Polytechnischen Schulen
0 Integrationsklassen in Gymnasien (Unterstufe)
In Integrationsklassen der Volks- und Mittelschulen werden Kinder mit Beeinträchtigungen unterrichtet, die es schaffen, in größeren Gruppen (ca. 20 Kinder) zu lernen, ja sogar von ihren Mitschüler/innen und deren Anregungen zu profitieren.
Mobile Lehrer/innen haben ihren Sitz an folgenden Sonderpädagogischen
Heilstättenschule Vorarlberg für Kinder/Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten
LZH Dornbirn für Kinder/Jugendliche mit Hörbeeinträchtigungen
ASO Hohenems für Kinder/Jugendliche mit Sehbeeinträchtigungen
Die mobilen Lehrer/innen besuchen und unterrichten die Schüler/innen an ihren Stammschulen. Sie beraten und unterstützen auch die dortigen Lehrer/innen.
Für den Erhalt bzw. die Weiterentwicklung dieser vielfältigen Angebote treten wir entschieden ein. Besonders das Angebot „Volks-/Mittelschulen mit angeschlossenen Sonderschulklassen“ ist in unseren Augen ein besonders zukunftsträchtiges Modell.
Im Mittelpunkt unserer Überlegungen muss das Wohl des Kindes bzw. der Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen stehen.
Es geht auch darum, diesen Kindern / Jugendlichen und deren Eltern (Erziehungsverantwortlichen) weiterhin eine echte Wahlmöglichkeit zwischen der Beschulung in einer Kleinklasse und der Beschulung in einer Integrationsklasse zu ermöglichen.
Die Landesschulen bieten zudem derart spezifische und kostenintensive Angebote, die auf viele Standorte verteilt nicht realisierbar wären.
Beschlossen vom Vorstand der ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer Vorarlbergs am 6.4.2016 in Götzis.
[1] „Artikel 24 BRK stellt den vorläufigen Abschluss der schrittweisen
Anerkennung des Rechts auf inklusive Bildung für Menschen mit Behinderung
dar. Sonderschulen werden durch Art. 24 BRK zwar nicht kategorisch verboten,
die systematische Aussonderung behinderter Personen aus dem allgemeinen
Bildungssystem stellt allerdings eine Vertragsverletzung dar.“
Theresia Degener: Die UN-Behindertenrechtskonvention als Inklusionsmotor
(4.2 Recht auf Bildung als Menschenrecht),
Ergänzungsbeschluss vom 3.4.2019:
Schulische Sonderpädagogik in Vorarlberg – aktuelle Schwerpunkte
1. Rundschreiben vom 20. April 2017 (Nr. 23/2016) des BMB: Richtlinien für Differenzierungs- und Steuerungsmaßnahmen mit der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (SPF)
https://bildung.bmbwf.gv.at/ministerium/rs/2016_23.html
Das Rundschreiben Nr. 23/2016 vom 20. April 2017 des Bundesministeriums für Bildung: „Richtlinien für Differenzierungs- und Steuerungsmaßnahmen mit der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (SPF)“, hat weitreichende Konsequenzen für die schulische Sonderpädagogik in Österreich.
Auf Seite 1 wird festgehalten, dass die „SPF-Quote [...] in den letzten Jahren österreichweit merklich gestiegen“ ist. Und weiter: „Da weder nationale noch internationale Kennzahlen auf eine vergleichbare Zunahme von Behinderungen hinweisen, kann davon ausgegangen werden, dass dies auf die Praxis der Feststellung des SPF zurückzuführen ist. Um die Unterstützung, Begleitung und Förderung von Schüler/innen mit Behinderungen sicher zu stellen, darf sich die Vergabepraxis des SPF ausschließlich nach der Intention des § 8 des Schulpflichtgesetzes richten.“
Zukünftig sollen daher weniger Bescheide ausgestellt werden. Dazu gibt es neue Vorgaben: „1. die Ausschöpfung aller pädagogischen Maßnahmen im Rahmen des allgemeinen Schulwesens; 2. die Diagnose einer Behinderung (Störung); 3. die Begründung, warum der Schüler / die Schülerin infolge der Behinderung dem Unterricht ohne sonderpädagogische Förderung nicht zu folgen vermag“ (S. 1).
Betont wird außerdem, auf welche Schüler/innen der SPF nicht anzuwenden ist: Schüler/innen mit ungenügenden Schulleistungen; Schüler/innen, bei denen eine Diskrepanz zwischen Lebens- und Entwicklungsalter im Schuleingangsbereich festgestellt wird; Schüler/innen mit anderen Erstsprachen (bei denen keine diagnostizierte psychische oder physische Behinderung vorliegt) sowie Schüler/innen mit vorübergehenden Lernschwierigkeiten und Lernschwächen, Verhaltensauffälligkeiten und Sprachstörungen.
Der SPF muss zukünftig „ausschließlich auf eine festgestellte physische oder psychische Behinderung [...] zurückzuführen sein“ (S. 4). „Der Feststellung einer Behinderung sollte eine Klassifikation nach ICD-10 und der biopsychosoziale Ansatz des ICF zugrunde gelegt werden.“ (S. 3)
Die bisherigen pädagogischen Gutachter werden ersetzt durch Mediziner oder klinische Psychologen, da nur diese Personengruppen eine Diagnose nach ICD-10 stellen dürfen.
Das Rundschreiben legt fest: „Die Abklärung, ob Lernprobleme oder eine Lernbehinderung vorliegen, hat grundsätzlich innerhalb der Grundschule zu erfolgen. Die frühzeitige Beratung durch das Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik (ZIS) leistet dazu einen wesentlichen Beitrag. Die zeitgerechte Kontaktaufnahme für eine sonderpädagogische Abklärung liegt in der pädagogischen Verantwortung der Klassenlehrerin / des Klassenlehrers und der Schulleitung. [...] Bei Lernproblemen wie Lernschwächen, LRS, Rechenschwäche, Verhaltensauffälligkeiten oder Sprachstörungen sind – im Sinne der Fördergarantie im System Schule – Maßnahmen zur individuellen Förderung bzw. förderpädagogische Unterstützung im Sinne der Prävention (‚Besonderer Förderbedarf’) zu setzen.“ (S. 4f.)
All diese Vorgaben, die seit Ende April 2017 gültig sind, wirken sich auf den schulischen Alltag erschwerend aus. Viele Fragen werden damit aufgeworfen und sind zu klären.
Wurden bisher zu viele Bescheide mit SPF ausgestellt? Waren die pädagogischen Gutachter „zu großzügig“? Konnte deren Gutachten nicht getraut werden?
Fakt ist: Wenn weniger Bescheide ausgestellt werden, haben entsprechend weniger Kinder das Recht auf eine entsprechende Förderung. Die bisherigen ASO-Schüler/innen (ohne diagnostizierte Behinderung) bekommen keinen SPF-Bescheid mehr – und sie müssen als „normale‘“ Schüler/innen geführt und nach dem Lehrplan der VS bzw. MS unterrichtet und beurteilt werden. Massive Frustrationen sind vorprogrammiert. Auch die mit dem SPF verbundenen Fördermaßnahmen stehen diesen Schüler/innen nicht zu.
So haben letztlich nur noch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, sprich: mit einer diagnostizierten Behinderung / Störung, ein Recht auf einen SPF.
Gutachter/innen müssen Ärzte oder klinische Psychologen sein, da Diagnosen nach ICD-10 gestellt werden müssen. Wer stellt diese an und wer bezahlt sie? Aktuell sind die Schulpsycholog/innen mit dem „Ansturm“ massiv überfordert, es gibt Wartezeiten von ca. einem halben Jahr (obwohl es viel weniger Anträge gibt als früher).
Was geschieht mit den bisherigen ASO-Schüler/innen, die nicht offensichtlich behindert sind und trotzdem einen Förderbedarf haben? Welche Unterstützung bekommen diese Kinder und Jugendlichen in den Volks- und Mittelschulen? Wird für diese Schülergruppe der Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule (still und heimlich) abgeschafft?
Im Rundschreiben wurde ein neuer Begriff eingeführt: „Besonderer Förderbedarf“ 1, ohne ihn genauer zu definieren.
Dafür kommt der „erhöhte Förderbedarf“ überhaupt nicht mehr vor – dieser ist wohl zum aktualisierten „normalen“ SPF mutiert ...
Können Ressourcen künftig auch ohne SPF-Bescheid angefordert bzw. vergeben werden? Wer entscheidet über die Vergabe dieser Ressourcen? Müssen die dadurch entstehenden Mehrbelastungen vor allem von den Volks- / Mittelschulen über die „allgemeine Pädagogik“ geleistet werden, was im Rundschreiben ebenfalls angedeutet ist? Oder werden nur noch jene Schüler/innen unterstützt, bei denen die Lehrer/innen laut genug „um Hilfe schreien“?
1. Besonderer Förderbedarf (BFB) wird in Vorarlberg in folgenden Bereichen ausgesprochen (mündliche Information an KgM im Oktober 2018):
Autismus Spektrum (BFB ASS)
Verhaltensstörung (BFB VST)
Lernstörung (BFB LST)
Sinnesbehinderung (BFB SB)
Körperbehinderung (BFB KB)
Chronische Erkrankung (CHE)
Dem Bundesministerium für Bildung (der Vorgängerregierung) geht es offensichtlich in erster Linie darum, die Zahl der SPF-Bescheide zu reduzieren. In diesem Sinne heißt es gegen Ende des Rundschreibens folgerichtig: „Sonderpädagogische Maßnahmen können positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Schülers haben, [... so]dass das Ausmaß sonderpädagogischer Förderung verringert werden oder durch andere Fördermaßnahmen ersetzt werden kann. Der SPF-Status der Schülerin bzw. des Schülers ist daher laufend – zumindest alle 2 Jahre – insbesondere aber beim Übertritt in andere Schularten – zu überprüfen.“ (S. 6)
Diese Argumentationslinie berücksichtigt nicht, dass – wenn eine Maßnahme, wie beispielsweise ein Kind in einer Kleingruppe zu führen, sich positiv ausgewirkt hat – die Rückführung in die große Klasse möglicherweise zu einer Reaktivierung der Problematik führt. Hier scheint uns der 190321 Schulische Sonderpädagogik in Vorarlberg - Tischvorlage KgM.docx 3 / 4 aufmerksame Blick der Pädagogik besonders wichtig zu sein. Die Lehrer/innen und Eltern sollten daher weiterhin vor Ort in alle Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden.
Selbstverständlich ist die Sorge um einen verantwortungsbewussten und wirkungsorientierten Mitteleinsatz berechtigt. In Vorarlberg sind wir diesbezüglich mit den Kompetenzzentren für Inklusion, Diversität und Sonderpädagogik (KIDS) gut gerüstet. Die angeführten Fragen müssen in Verantwortung für die uns anvertrauten Schüler/innen jedoch österreichweit angegangen werden.
2. Stand der Inklusiven Modellregion Vorarlberg (NICHT: Die Schule der 10- bis 14-Jährigen)
Modellregionen Tirol, Kärnten und der Steiermark: http://bzib.at/index.php?id=2109
Modellregion Vorarlberg: https://cis.vobs.at/inklusion-sonderpaedagogik/inklusive-modellregion/
Das Ansuchen an das BMB (jetzt: BMBWF) wurde gestellt,
eine Antwort steht noch aus (Information von LR Barbara Schöbi-Fink am 27.02.2019 beim aab-Bildungsgespräch in Götzis).
„Schulen mit dem Schulprofil Inklusion sind bereit, in ihrem Schulentwicklungsprozess Schwerpunkte zu setzen:
Schaffung eines gemeinsamen Wertesystems, das auf der Basis einer bewussten Auseinandersetzung mit Diversität Heterogenität als Chance begreift
Entwickeln einer Unterrichtsqualität, die individuelles Lernen für alle Schüler ermöglicht und kooperatives Lernen als ein Lernen voneinander versteht
Erarbeitung und Darstellung klarer Rahmenbedingungen für Individualisierung und Kooperation
Umsetzung der heil- und sonderpädagogischen Unterstützung in einer Form, die allen Schülern und Lerngruppen zur Verfügung steht
Aufbau einer intensiven Teamkooperation, die Lehrkräfte, Mitarbeiter und externe Partner unterschiedlicher Professionen einbezieht
Gestaltung von Schule als Lebens- und Erfahrungsraum
Sicherung der Kooperation mit sonder- und heilpädagogischen Diensten und Einrichtungen
Dieser Auftrag einer inklusiven Schulentwicklung lässt sich darstellen an einem komplexen Mehrebenenmodell:
https://cis.vobs.at/inklusion-sonderpaedagogik/inklusive-modellregion/inklusive-schulentwicklung/
3. Regierungsbeschluss „Vorarlberg auf dem Weg zu einem inklusiven Gemeinwesen“ im November 2018
„Im Fokus des Vorhabens steht die Inklusion von Menschen mit Behinderung in Vorarlberg. Wesentliche Grundlagen dafür sind
der Nationale Aktionsplan Behinderung 2012 – 2020,
die Strategie des Vorarlberger Sozialfonds 2020 sowie
der Artikel 7B-VG, in dem sich Bund, Länder und Gemeinden dazu bekennen, die Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens zu gewährleisten.“
Inklusion und Partizipation stehen im Mittelpunkt der Überlegungen.
„Die Ziele des Prozesses ‚Vorarlberg auf dem Weg zu einem inklusiven Gemeinwesen‘ orientieren sich an der Vision, die gleichberechtigte Teilhabe von allen in Vorarlberg lebenden Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen, zu sichern bzw. zu verbessern. Damit soll das Bekenntnis zu einer inklusiven, partizipativen und gemeinwesensorientierten Haltung ausgedrückt werden.“
4. Sonderpädagogisches Personal in den Vorarlberger Pflichtschulen
Lehrer/innenmangel: Die Ausbildung von Sonderschullehrer/innen ist – besonders für Vorarlberg – ein wichtiges Thema (selbstverständlich auch die Ausbildung von Sekundarstufenlehrer/innen und Primarlehrer/innen).
Fachkräfte aus anderen Bereichen, die als Lehrer/innen angestellt sind, z. B. Kathi-Lampert-Abgänger/innen: Die Bezahlung und Anstellungsbedingungen sind unbefriedigend geregelt.
Das Arbeitsprogramm für die Amtsperiode 2018-2021:
Der Einsatz für ein effektives und leistungsorientiertes Bildungssystem in Vorarlberg
die aktive Unterstützung der Bildungspolitik des Bundes, die sich wieder stärker den Prinzipien Leistungs-, Praxisorientierung und Sachlichkeit verpflichtet fühlt
die frühe Sprachförderung
ein verbessertes Aufnahmeverfahren Gymnasium
mehr Ressourcen für „Brennpunktschulen“
die qualitätsvolle Weiterentwicklung der Mittelschule
Gleichstellung der Kindergartenpädagogen mit Pädagogen anderer Schulen
das Bekenntnis zur Vielfalt der Schulformen, im Besonderen der Sonderschule und der Polytechnischen Schule
die Stärkung der Lehre
ein verständliches Notensystem
eine systematische Begabtenförderung.
Obmann der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg
Die derzeitigen Regierungsverhandlungen bieten die große Chance, auch im Bereich der Bildungspolitik Fehlentwicklungen zu stoppen. Eine solche erscheint uns die „Neue Oberstufe“ (NOSt) zu sein, die spätestens im Schuljahr 2019/20 an den Höheren Schulen in Österreich ab der 10. Schulstufe eingeführt werden soll. Ihr Anliegen ist es den Schülern das Aufsteigen mit "Nicht genügend" zu erleichtern und die Zahl der Klassenwiederholungen zu reduzieren. Das erscheint uns aus vielen Gründen problematisch:
Leider ist von der ursprünglichen Idee einer modularen Oberstufe nicht viel übriggeblieben. Diese hätte es ermöglicht, in den letzten Jahren der Oberstufe gezielt Module zu wählen, für die man Interesse hat und in denen man gezielt die eigenen Stärken hätte ausbauen können.
Die Schüler bekommen schon für das Wintersemester ein Semesterzeugnis. Insgesamt wird der Lernstoff in der NOST in Module aufgeteilt, die jeweils ein Semester umfassen. Alle negativen Noten in den Zeugnissen vom Februar und Juli können durch Semesterprüfungen im Folgejahr ausgebessert werden. Negative Noten können theoretisch über längere Zeit "geparkt" werden.
Die Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg schlagen vor, die NOSt nicht generell einzuführen, sondern nur dort, wo das die einzelne Schule auch will. Das wäre durchaus auch im Sinn des im Juni 2017 im Parlament beschlossenen „Autonomiepakets“.
Beiträge zum Kapitel Bildung des Regierungsprogramm
Konrad Müller und Wolfgang Türtscher, Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg
Utl: Inklusion um jeden Preis funktioniert nicht!
Behindertenanwalt Hansjörg Hofer (VN, 27.12.17) kritisiert die Stärkung der Sonderschulen, „sollte diese zu einer weiteren Trennung von Kindern mit und ohne Behinderung führen“. In Vorarlberg sind wir diesbezüglich auf einem guten Weg. Einerseits ist festzuhalten: Das Miteinander muss gefördert werden, Kinder und Jugendliche sollen in ihrer Vielfalt und Einmaligkeit möglichst viele Erfahrungen gemeinsam teilen dürfen. Andererseits gilt: Kinder mit besonderen Bedürfnissen brauchen auch besondere Angebote. Wolfgang Türtscher brachte diese Haltung in „Neues bei Neustädter“ am 06.02.2017 folgendermaßen auf den Punkt: „So viel Integration wie möglich und so viel besondere Beschulung wie notwendig.“
Im Ländle wird seit vielen Jahren eine Verschränkung der Angebote favorisiert, d. h., dass am selben Standort (in einer Volks- bzw. Mittelschule) Integrationsklassen und Kleinklassen geführt werden. Im Bezirk Bregenz / Bregenzerwald gibt es keine einzige eigenständige Sonderschule mehr, sondern nur noch Volks- und Mittelschulen mit angeschlossenen Kleinklassen – ein gutes Miteinander in Pausen, bei Projekten oder in einzelnen Unterrichtsgegenständen wird dadurch ermöglicht und gefördert. In den anderen politischen Bezirken werden aktuell nach diesem Modell verschiedene Schulen umorganisiert.
Die Begründung von Hofer zum Erhalt der Sonderschulen, „dass man auch Kinder ohne Behinderung in Sonderschulen gibt [...], weil die Ressourcenlage an Sonderschulen in der Regel besser ist“, halten wir für abwegig. Ressourcen müssen sich an den Bedürfnissen der Kinder orientieren und können nicht an ein Organisationsmodell gebunden sein.
Dass es die Angebote der Sonderschulen weiterhin geben muss, steht für uns außer Frage. Die Erfahrung zeigt, dass etliche Kinder in der Integration nicht entsprechend gefördert werden können – sie brauchen therapeutische oder medizinische Angebote, Beziehungsangebote, die viel Zeit und eine kleine Gruppenstruktur erfordern, besondere Förderangebote aufgrund spezifischer Beeinträchtigungen im Sehen, Hören oder Intellekt, in der sensorischen Wahrnehmung oder Motorik usw. Es gibt auch Kinder, die in einer großen Gruppe sozial-emotional überfordert sind und das Angebot einer Kleingruppe (Schutzraum) dringend benötigen. Trotz intensiver Integrationsbemühungen der Volks- und Mittelschulen gibt es immer wieder Kinder, die mit diesem Angebot – aus sehr unterschiedlichen Gründen – nicht zurechtkommen und in die Sonderschule wechseln. Wer heute in die Sonderschule oder in eine Kleinklasse geht, wird nicht dazu gedrängt oder gar gezwungen, sondern die Eltern und Schüler entscheiden sich in der Regel sehr bewusst für diese Schulform.
In diesem Sinne setzen wir uns dafür ein, dass es für Kinder / Jugendliche mit Förderbedarf weiterhin eine echte Wahlmöglichkeit zwischen der Beschulung in einer Kleinklasse und der Beschulung in einer Integrationsklasse gibt.
Für die Zukunft stehen große Herausforderungen an:
Die Personalsituation wird sich weiter verschärfen – gibt es doch schon jetzt viel zu wenige aus-gebildete Sonderschullehrerinnen und -lehrer.
Erfreulich ist die Ansage der neuen Bundesregierung, wieder eine eigene Ausbildung der Sonder-schullehrerinnen und -lehrer an den Pädagogischen Hochschulen einzuführen.
An den Rahmenbedingungen (organisatorisch, räumlich, materiell und personell) muss ständig weiter gearbeitet werden.
Nicht zuletzt muss die Finanzierung für die qualitativ hochwertige Arbeit (bei einer möglicher-weise zunehmenden Schülerzahl) im Land gesichert werden.
Eine Bemerkung zum Schluss: Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Herausforde-rung, die nicht von der Schule allein getragen werden kann. Entscheidend werden die Einstellungen sein, mit denen wir als Gesellschaft Menschen mit Behinderungen begegnen und die in den Elternhäu-sern den Kindern vermittelt werden. Diese Haltungen werden hoffentlich von Wertschätzung und Respekt geprägt sein.
Konrad Müller, BEd, 0676/9503618; Vizeobmann der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs, Sonderschullehrer
Schulabsentismus – „Fünf-Stufen-Plan“
Lieber …….!
Die Absenzen vor allem in den Pflichtschulen sind zum echten Problem geworden, an einer Polytechnischen Schule in Vorarlberg „erreichten“ im Schuljahr 2016/17 245 Schüler immerhin 25.000 Fehlstunden. Dass dabei der schulische Erfolg leidet, ist wohl selbstverständlich.
Der „5-Stufen-Plan“ wurde 2013 in der Absicht, der Vereinbarungskultur zwischen Schüler, Elternhaus und Schule mehr Gewicht zu verleihen, zur Regelung der Unterrichtsversäumnisse implementiert. (siehe Anhang)
Die beabsichtigte Wirkung trat hingegen nicht ein, denn neben einer eklatanten Zunahme der Verwaltungsarbeit entwickelten sich sowohl die Zahl der Schulversäumnisse als auch die Häufigkeit der Absenzen sehr negativ.
Schulabsentismus bewegt sich häufig gerade unterhalb der angeführten Werte, so-dass die Maßnahmen nicht oder nur deutlich über dem vorgesehenen Zeitrahmen zum Einsatz kommen. Deutlich über ein halbes Schuljahr vergehen im Schnitt, bis die vom Gesetz vorgesehenen Sanktionen zum Tragen kommen. Die Verhaltensvereinbarungen sind für Schulen Verpflichtung, besitzen für die der Schule fernbleibenden Schüler jedoch nur Empfehlungscharakter, da bei Nichtbeachtung keine unmittelbaren oder gar keine Folgewirkungen eintreten. „Es passiert eh nichts!“ ist daher ein oft zu vernehmender Kommentar der Schüler, wenn die inhaltsidenten Verhaltensvereinbarungen zum zweiten oder dritten Mal unterzeichnet, schon nach kurzer Zeit aber vom Schüler wieder nicht eingehalten werden, ohne dass dies spürbare Folgen hätte.
Besonders am Ende der Schulpflicht an der Schnittstelle zum Eintritt in eine Berufsausbildung wirkt sich der Schulabsentismus fatal aus. Mangelhafte Beherrschung der grundlegenden Kulturtechniken und fehlende Arbeitshaltung führen dazu, dass nicht einmal der Pflichtschulabschluss erreicht wird und münden unmittelbar in das Missachten der Ausbildungsverpflichtung bis 18.
Speziell das problematische 9. Schuljahr, ebenso das freiwillige 10. Schuljahr, absolviert in Polytechnischen Schulen, führt bei fehlenden unmittelbaren Handlungsmöglichkeiten seitens der Schulen zu weiterem Schulabsentismus, zu Schulversagen, Schulabbruch und zu folgenreichen Problemen beim Einstieg in Ausbildungen.
Nicht nur gegenüber den Schülern fehlen den Schulen zeitlich unmittelbare Reaktionsmöglichkeiten, die Verhaltensvereinbarungen sind auch den Eltern gegenüber recht zahnlos.
Vor allem der Zeithorizont von nahezu einem halben Schuljahr bis zu ersten Sanktionsmöglichkeiten seitens der Schule sind die Eckpunkte einer für die Schule arbeitsintensiven, aber in den Auswirkungen kontraproduktiven gesetzlichen Regelung.
Wir ersuchen Dich daher, diesen § 24a zu überarbeiten, um den Schulen ein wirksames Instrument in die Hand geben zu können, Schüler nachhaltiger zum Schulbesuch zu verpflichten. Bei der Neufassung dieser gesetzlichen Bestimmungen wäre die Mitarbeit echter Schulpraktiker, das sind Schulleiter und Lehrende, die täglich im Unterricht stehen, sehr sinnvoll.
Lieber ……!
Das Rundschreiben Nr. 23/2016 vom 20. April 2017 des Bundesministeriums für Bildung: „Richtlinien für Differenzierungs- und Steuerungsmaßnahmen mit der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (SPF)“, hat weitreichende Konsequenzen für die schulische Sonderpädagogik in Österreich. Da wir eine schleichende, aber auf Dauer gravierende Verschlechterung befürchten, wenden wir uns an Dich.
Auf Seite 1 wird festgehalten, dass die „SPF-Quote [...] in den letzten Jahren österreichweit merklich gestiegen“ ist. Und weiter: „Da weder nationale noch internationale Kennzahlen auf eine vergleichbare Zunahme von Behinderungen hinweisen, kann davon ausgegangen wer-den, dass dies auf die Praxis der Feststellung des SPF zurückzuführen ist. Um die Unterstützung, Begleitung und Förderung von Schüler/innen mit Behinderungen sicher zu stellen, darf sich die Vergabepraxis des SPF ausschließlich nach der Intention des § 8 des Schulpflichtgesetzes richten.“
Zukünftig sollen daher weniger Bescheide ausgestellt werden. Dazu gibt es neue Vorgaben: „1. die Ausschöpfung aller pädagogischen Maßnahmen im Rahmen des allgemeinen Schulwesens; 2. die Diagnose einer Behinderung (Störung); 3. die Begründung, warum der Schüler / die Schülerin infolge der Behinderung dem Unterricht ohne sonderpädagogische Förderung nicht zu folgen vermag“ (S. 1).
Betont wird außerdem, auf welche Schüler der SPF nicht anzuwenden ist: Schüler mit ungenügenden Schulleistungen; Schüler, bei denen eine Diskrepanz zwischen Lebens- und Entwicklungsalter im Schuleingangsbereich festgestellt wird; Schüler mit anderen Erstsprachen (bei denen keine diagnostizierte psychische oder physische Behinderung vorliegt) sowie Schüler mit vorübergehenden Lernschwierigkeiten und Lernschwächen, Verhaltensauffälligkeiten und Sprachstörungen (diese haben einen sog. „besonderen Förderbedarf“).
Der SPF muss zukünftig „ausschließlich auf eine festgestellte physische oder psychische Behinderung [...] zurückzuführen sein“ (S. 4). „Der Feststellung einer Behinderung sollte eine Klassifikation nach ICD-10 (ICD-10 ist das medizinische Diagnosemanual und Klassifikationssystem zur Feststellung von Gesundheitsproblemen und Krankheiten – physisch und psychisch.) und der biopsychosoziale Ansatz des ICF (ICF ist die "Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit" von Menschen – herausgegeben von der WHO. Auf Basis dieser Vorlagen werden Beobachtungen und Handlungspläne für SPF-Schüler/innen erstellt.) zugrunde gelegt werden.“ (S. 3)
Die bisherigen pädagogischen Gutachter werden daher ersetzt durch Mediziner oder klinische Psychologen, da nur diese Personengruppen eine Diagnose nach ICD-10 stellen dürfen. Damit fällt auch weg, dass den Schülern bei der Lehrstellensuche nicht mehr geholfen werden kann.
Das Rundschreiben legt weiters fest: „Die Abklärung, ob Lernprobleme oder eine Lernbehinderung vorliegen, hat grundsätzlich innerhalb der Grundschule zu erfolgen. Die frühzeitige Beratung durch das Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik (ZIS) leistet dazu einen wesentlichen Beitrag. Die zeitgerechte Kontaktaufnahme für eine sonderpädagogische Abklärung liegt in der pädagogischen Verantwortung der Klassenlehrerin / des Klassenlehrers und der Schulleitung. [...] Bei Lernproblemen wie Lernschwächen, LRS, Rechenschwächen, Verhaltensauffälligkeiten oder Sprachstörungen sind – im Sinne der Fördergarantie im System Schule – Maßnahmen zur individuellen Förderung bzw. förder-pädagogische Unterstützung im Sinne der Prävention (‚Besonderer Förderbedarf’) zu setzen.“ (S. 4f.)
All diese Vorgaben, die seit Ende April 2017 gültig sind, wirken sich auf den schulischen All-tag mit großer Wahrscheinlichkeit auf Dauer erschwerend aus. Viele Fragen sind zu klären.
Wurden bisher zu viele Bescheide mit SPF ausgestellt? Waren die pädagogischen Gut-achter „zu großzügig“? Kann deren Gutachten nicht mehr getraut werden?
Fakt ist: Wenn zukünftig weniger Bescheide ausgestellt werden, haben entsprechend weniger Kinder das Recht auf eine entsprechende Förderung und werden daher in den Volks- bzw. Mittelschulen als „normale Schüler“ geführt. Die bisherigen ASO-Schüler (ohne diagnostizierte Behinderung) werden keinen SPF-Bescheid mehr bekommen – und die damit verbundenen Fördermaßnahmen stehen ihnen auch nicht mehr zu. So haben letztlich nur noch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, sprich: mit einer diagnostizierten Behinderung / Störung ein Recht auf SPF. (Wird hier „Inklusion“ durch die Hintertür ein-geführt? Wo bleibt das Wahlrecht der Eltern?)
Wer sind ab sofort die neuen Gutachter? Wer stellt sie an und wer bezahlt sie?
Nach Vorgabe des Rundschreibens müssen diese Personen, wie bereits erwähnt, Ärzte oder klinische Psychologen sein, da die Diagnosen nach ICD-10 gestellt werden müssen. Wer beauftragt diese Personen? (Wenn niemand beauftragt wird, gibt es auch keine SPF-Bescheide mehr – die Schüler mit SPF sind aber trotzdem in den Schulen ...)
Was geschieht mit den bisherigen ASO-Schülern, die nicht offensichtlich behindert sind? Welche Unterstützung bekommen diese Kinder und Jugendlichen in den Volks- / Mittel-schulen, wenn kein SPF-Bescheid vorliegt?
Das Rundschreiben fordert Steuerungsmaßnahmen, die „eine Steigerung der Treffsicherheit und eine Erhöhung der Transparenz sowie eine Entflechtung von der Anzahl an SPF-Bescheiden und der Ressourcenzuweisung“ bewirken sollen. (S. 2)
Können Ressourcen künftig auch ohne SPF-Bescheid angefordert bzw. vergeben werden? Wer entscheidet über die Vergabe dieser Ressourcen? Das „Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik“ (ZIS)? Und wer übernimmt die Kosten – Bund oder Länder?
Oder müssen die dadurch entstehenden Mehrbelastungen vor allem von den Volks- / Mittelschulen über die „allgemeine Pädagogik“ geleistet werden, was im Rundschreiben ebenfalls angedeutet ist?
Oder erhalten nur noch jene Schüler Unterstützung, bei denen die Lehrer laut genug „um Hilfe schreien“?
Im Rundschreiben wurde zudem ein neuer Begriff eingeführt: „Besonderer Förderbedarf“.
Was ist darunter genau zu verstehen? – Dafür kommt der „erhöhte Förderbedarf“, für den es immerhin einen Lehrplan gibt, überhaupt nicht mehr vor ...
Dem Bundesministerium für Bildung geht es offensichtlich in erster Linie darum, die Zahl der SPF-Bescheide zu reduzieren. In diesem Sinne heißt es gegen Ende des Rundschreibens folgerichtig: „Sonderpädagogische Maßnahmen können positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Schülers haben, [... so]dass das Ausmaß sonderpädagogischer Förderung verringert werden oder durch andere Fördermaßnahmen ersetzt werden kann“ (S. 6). So weit, so gut. Diese Argumentationslinie berücksichtigt allerdings nicht, dass möglicherweise eine Maßnahme, wie beispielsweise ein Kind in einer Kleingruppe zu führen, sich positiv ausgewirkt hat – und die Rückführung in die große Klasse zu einer Reaktivierung der Problematik führen kann. Hier scheint uns der aufmerksame Blick der Pädagogik vorrangig zu sein. Der Lehrer und die Eltern sollten – wie bisher in bewährter Weise praktiziert – weiterhin vor Ort besonders intensiv in alle Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden.
Selbstverständlich setzen auch wir uns für einen verantwortungsbewussten und wirkungsorientierten Mitteleinsatz ein. In Vorarlberg sind wir mit den Kompetenzzentren für Inklusion, Diversität und Sonderpädagogik (KIDS) grundsätzlich gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Dennoch müssen die angeführten Fragen in Verantwortung für die uns anvertrauten Schüler österreichweit offensiv angegangen werden.
Wir haben den Eindruck, dass an der falschen Stelle gespart wird, wenn Kinder mit SPF – und hier schließen wir auch die bisherigen ASO-Schüler ein – nicht mehr so unterstützt werden wie bisher. Wir sind für die Persönlichkeitsentwicklung und Zukunftsperspektiven der betroffen Kinder verantwortlich; durch die vom Bildungsministerium getroffenen Maßnahmen werden diese eigentlich hoffnungslos! Wir ersuchen Dich, dass Du dich dafür einsetst, dass es nicht zu diesen befürchteten Verschlechterungen der Angebote im Bereich der Sonderpädagogik kommen wird.
Wolfgang Türtscher: Effizienter Schulschluss
Die ÖAAB-Lehrer sehen durch den Wegfall der bisherigen Bestimmungen (v.a. durch die Strei-chung der §§ 203j und 203l BDG) die Möglichkeit willkürlicher Auswahl von Bewerbern. Der Entfall der bisherigen Kriterien einer besseren Beurteilung und begünstigender gesetzlicher Bestimmungen macht die Auswahl intransparent. Diskriminierende Auswahlverfahren sind in-akzeptabel.
Die ÖAAB-Lehrer lehnen die grundsätzliche Befristung der Leitungsfunktion ab (§ 207h BDG).
Wenn die Dienstbehörde während der „Probezeit“ per Bescheid keine Nicht-Eignung ausspricht, hat die Ernennung automatisch unbefristet zu werden.
Stellungnahme zum Bildungsreformgesetz 2017 – Schulrecht
Grundsätzlich halten es die ÖAAB-Lehrer es für geradezu skurrill, derart einschränkende Best-immungen in ein „Autonomiepaket“ aufzunehmen. Die ÖAAB-Lehrer fordern daher, diese einschränkende Bestimmung zu streichen oder „13.00 Uhr“ durch „14.00 Uhr“ zu ersetzen. Außerdem weisen die ÖAAB-Lehrer darauf hin, dass jede Form der Regelschule kostenfrei zu sein hat.
Benachteiligung von Schülern der 4. Klasse AHS gegenüber Schülern der Mittelschulen
Im Rahmen der letzten Vorstandssitzung der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs am 14.12.2016 wurde eine Benachteiligung der AHS-Schüler der 8. Schulstufe gegenüber Mittelschülern auf dieser Stufe thematisiert:
Schüler, die in der AHS-Unterstufe bereits einmal eine Klasse wiederholt haben und daher in ihrem 9. Schulbesuchsjahr die 4. Klasse AHS (=8. Schulstufe) besuchen, dürfen kein freiwilliges 10. Schuljahr in einer Polytechnischen Schule absolvieren. Dies gilt unabhängig davon, ob diese 8. Stufe positiv oder negativ abgelegt wurde. Einem Mittelschüler ist dies möglich, dem AHS-Schüler wird damit das Berufsorientierungsjahr in der Polytechnischen Schule und weiters ein Pflichtschulabschluss auf der 9. Schulstufe verweigert.
Bis zur Einführung der Mittelschulen konnte ein AHS-Schüler, der in einem der drei Hauptfächer auf der 8. Stufe negativ abschloss (und damit auf dem Niveau der 1. Leistungsgruppe), sich nach Ablauf des folgenden Schuljahres, in dem er die Polytechnische Schule besuchte, in der jeweiligen Sprengelhauptschule ein Hauptschulzeugnis ausstellen lassen, bei dem das Nicht genügend im betreffenden Hauptfach zu einem Genügend in der 2. Leistungsgruppe umgerechnet wurde. Damit erwarb der Schüler in einem Formalakt einen positiven Hauptschulabschluss, da die 8. Schulstufe nun positiv beurteilt wurde. Damit war der AHS-Schüler gegenüber einem Hauptschüler nicht benachteiligt. Heute gilt: Ein Mittelschüler auf der 8. Schulstufe wird bei zu schwacher Leistung statt in vertiefter in grundlegender Allgemeinbildung beurteilt, das Schlusszeugnis bleibt dadurch positiv und der Schüler erwirbt einen Mittelschulabschluss. Für den AHS-Schüler besteht keine Möglichkeit mehr, das Zeugnis der 8. Schulstufe wie zu Hauptschulzeiten umrechnen zu lassen, womit er gegenüber dem Mittelschüler benachteiligt wird. Der AHS-Schüler müsste einen Mittelschulabschluss durch externe Kurse und Prüfungen erwerben oder die 8. Schulstufe in der Polytechnischen Schule wiederholen. Der Mittelschüler absolviert durch die erwähnte Begünstigung in der PTS die 9. Schulstufe.
Deshalb sind wir der Meinung, dass AHS-Schüler gegenüber Mittelschülern keine Benachteiligung erfahren dürfen.
Wir ersuchen Sie um politische Unterstützung unseres Anliegens bzw. um eine entsprechende parlamentarische Initiative!
Ausbildung von Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf bzw. erhöhtem Förderbedarf in Vorarlberg
2. Nationaler Aktionsplan Behinderung 2012 – 2020
Die Österreichische Bundesregierung (SPÖ und ÖVP) hat am 24. Juli 2012 den Nationalen Aktionsplan beschlossen: „Nationaler Aktionsplan Behinderung 2012-2020. Strategie der Österreichischen Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behinderten­rechtskonvention – Inklusion als Menschenrecht und Auftrag“.
Zwar ist weder in der UN-Behindertenrechtskonvention noch im Nationalen Aktion­splan Behinderung ausdrücklich von der Notwendigkeit der Abschaffung der Sonderschulen die Rede[1] – allerdings kommt im Nationalen Aktionsplan Behinderung der Begriff „Sonderschule“ für Maßnahmen, die zukünftig gesetzt werden sollen, nicht einmal mehr vor.
Inzwischen setzen sich mehrere Institutionen in Österreich (Monitoringausschuss, Lebenshilfe, Caritas usw.) für die Abschaffung der Sonderschulen ein – unter Berufung auf die UN-Behindertenrechtskonvention ...
„Das Bundesland Vorarlberg hat vor Jahren die grundsätzliche Entscheidung für ein System der sonderpädagogischen Förderung getroffen, das zwei miteinander verbun­dene Grundstrukturen aufweist:
Struktur der Sonderschulen bzw. schulischer sonderpädagogischer Angebote in Vorarlberg
Sonderschulen sind Orte vielfältiger Pädagogik mit hoher Kompetenz für sonderpädagogisches Wissen und Handeln. Sie garantieren durch die Bündelung und Vernetzung von pädagogischem, therapeutischem und medizinischem Fachwissen indi­viduelle und bedarfsgerechte Angebote für Schüler/innen mit Behinderung und/oder für Kinder/Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen.
4 Standorte „Volks-/Mittelschulen mit angeschlossenen Sonderschulklassen“ (21 Klassen):
Schule Unterfeld Lauterach, Schule Weidach Bregenz, Schule Langenegg, Schulzentrum Riezlern
In Volksschulen und Mittelschulen mit angeschlossenen Kleinklassen, in denen gleich­zeitig Integrationsklassen geführt werden, ist erfahrungsgemäß die Akzeptanz der Eltern bei einem Wechsel von einem System ins andere eher gegeben, als wenn damit ein Schulwechsel verknüpft wäre. Die Eltern erhalten bei der Wahl der Schule für ihr Kind eine kompetente fachliche Unterstützung und Begleitung.
In Integrationsklassen der Volks- und Mittelschulen werden Kinder mit Beeinträch­tigungen unterrichtet, die es schaffen, in größeren Gruppen (ca. 20 Kinder) zu lernen, ja sogar von ihren Mitschüler/innen und deren Anregungen zu profitieren.
Mobile Lehrer/innen haben ihren Sitz an folgenden Sonderpädagogischen Zentren:
Im Mittelpunkt unserer Überlegungen muss das Wohl des Kindes bzw. der Jugend­lichen mit besonderen Bedürfnissen stehen.
Es geht auch darum, diesen Kindern / Jugendlichen und deren Eltern (Erziehungs­verantwortlichen) weiterhin eine echte Wahlmöglichkeit zwischen der Beschulung in einer Kleinklasse und der Beschulung in einer Integrationsklasse zu ermöglichen.
[1] „Artikel 24 BRK stellt den vorläufigen Abschluss der schrittweisen Anerkennung des Rechts auf inklusive Bildung für Menschen mit Behinderung dar. Sonderschulen werden durch Art. 24 BRK zwar nicht kategorisch verboten, die systematische Aussonderung behinderter Personen aus dem allgemeinen Bildungssystem stellt allerdings eine Vertragsverletzung dar.“
Theresia Degener: Die UN-Behindertenrechtskonvention als Inklusionsmotor (4.2 Recht auf Bildung als Menschenrecht),
Hohe Drop-out-Quote - schulische Schnittstelle 8./9. Schuljahr
Bei der letzten Vorstandssitzung der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs am 3.2.2016 haben wir uns u.a. auch mit den hohen Ausfallsquoten in den 1. Klassen der weiterführenden Schulen und damit der schulischen Schnittstelle zwischen der 8. und 9. Schulstufe beschäftigt.
Österreichweit erreichen nur 60 % der Schüler einer AHS, BMS und BHS problemlos die Abschlussklasse. Das Hauptproblem ist der Übergang nach der 9. Schulstufe, dem Ende der Schulpflicht. Nach Schularten brechen in Österreich 20,7 % in der AHS, 37 % in der BMS und 29,4 % in der BHS ihre schulische Ausbildung ab, im dualen System auf Österreich bezogen sind es 16,6 %.C:\Eigene Dateien\aab övp\ARBEIT\aab-Professoren\aab-Lehrer ab Juni 2011\Einladungen-Protokolle\Wahlperiode 2015-18\2016\Schnittstelle 8.-9. Schuljahr 11.2.16.docx
Nach der Herkunftsschule sind das:
aus der Mittelschule in die BHS: 17,5 % nach dem 1. Jahr, 35,4 bis zum 5. Jahr,
aus der AHS in die BHS: 7,6 % nach dem 1. Jahr, 20 % bis zum 5. Jahr,
aus der Mittelschule in die BMS: 31,9 % nach dem 1. Jahr, 47,5 % bis zum 4. Jahr,
aus der AHS in die BMS: 20,6 % nach dem 1. Jahr, 34,8 % bis zum 4. Jahr
aus der Mittelschule in die AHS-Oberstufe: nach dem 1. Jahr 12,2 %, bis zum 4. Jahr 31,8 %
aus der AHS-Unterstufe in die AHS-Oberstufe: nach den 1. Jahr 7,4 %, bis zum 4. Jahr 18,7 %.
(Quelle: IHS - Abbruch & Schulversagen, Mario Steiner, Februar 2014)
Daraus folgt: Die Schnittstelle mit 14 Jahren gestaltet sich als besonders problematisch. Problematisch sei speziell die 9. Schulstufe wegen vielfacher Umgehung der Polytechnischen Schule mit anschließendem Scheitern in einer BMS oder BHS (deswegen auch die hohen Verlustraten in diesen Schulen). Es soll an dieser Stelle nicht darauf eingegangen werden, ob die Abschlusszeugnisse der 8. Schulstufe zu wenig aussagekräftig sind oder die weiterführenden Schulen Schüler aufnehmen, die sie eigentlich nicht nehmen dürften.
Wir schlagen vor, dass beim Übergang in die 9. Schulstufe ein geeignetes Aufnahmeverfahren eingeführt wird; gemeinsam mit einer guten Bildungsberatung könnte das auch dazu führen, dass sich wieder mehr Jugendliche als bisher für die duale Ausbildung, eine Lehre, entscheiden. Wir ersuchen Sie um politische Unterstützung unseres Anliegens, am besten in Form einer Gesetzesinitiative.
Ausbildungspflicht – Gesetzesentwurf
Bei der letzten Vorstandssitzung der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs am 3.2.2016 haben wir uns u.a. auch mit dem Gesetzesentwurf für die „Ausbildungspflicht bis 18“ beschäftigt. Dieses Vorhaben könnte sich sehr positiv auf die Entwicklung von Jugendlichen auswirken, es scheint uns allerdings teilweise in die falsche Richtung zu gehen.
Die Polytechnische Schule (PTS) als der Schultyp, der unmittelbar mit der Erfüllung der Schulpflicht und schwerpunktmäßig mit Berufsorientierung beschäftigt ist, wird nicht einmal am Rande erwähnt. Für fragwürdig halten wir, dass niederschwellige Angebote zur Erfüllung der Ausbildungspflicht als ausreichend angesehen werden.
Das Gesetz zur Ausbildungspflicht erwähnt die neunjährige Schulpflicht und scheint davon auszugehen, dass damit auch die 9. Schulstufe positiv absolviert wurde. Ein Schüler, der in seinem 9. Schuljahr maximal die 7. oder gar nur 6. Schulstufe absolviert, wird vermutlich in keinem dualen Ausbildungsberuf auch nur minimale Chancen haben. Mit einem niederschwelligen Angebot in weiterer Abfolge die Ausbildungspflicht als erfüllt anzuerkennen, bedeutet nichts anderes als Problemverschleppung und kurzfristige Verschönerung der Arbeitslosenstatistik.
Jugendliche im freiwilligen 10. bzw. 11. Schuljahr brechen im laufenden Schuljahr vor positiver Absolvierung der 9. Schulstufe in der Polytechnischen Schule den weiteren Schulbesuch ab, um zu einem der externen Angebote zu wechseln. Hauptmotivation zunehmend: Die dort ausbezahlten Geldbeträge, die zwischen € 250,- und bis zu € 800,- betragen. Die für das Bewältigen einer Lehrausbildung erforderliche Basisbildung kann dadurch nicht erlernt werden, die Defizite machen sich spätestens beim Einstieg in duale Ausbildungen bemerkbar – Lehrstellenabbrüche sind vorprogrammiert.
Gesetzliche Änderungen bzw. neue Regelungen benachteiligen einen etablierten und funktionierenden Schultyp wie die Polytechnische Schule und bedienen dafür schulexterne Anbieter, die auf sich nun öffnende Fördertöpfe zurückgreifen können, während der PTS Kontingentserweiterungen auch im Minimalbereich vorenthalten werden.
Wir sehen den Hauptzweck der Ausbildungspflicht bis 18 darin, dass die Jugendlichen einen Pflichtschulabschluss erwerben. Das sollte als Hauptziel formuliert werden. Und dazu sollten in den bestehenden Schultypen Angebote geschaffen werden – wenn das aus organisatorischen Gründen schwierig ist, stehen die etablierten Erwachsenenbildungseinrichtungen, die ja jetzt schon diesbezüglich viel Erfahrung haben, sicher dafür zur Verfügung.
Wir ersuchen Sie um politische Unterstützung unseres Anliegens.
Schulpflichtgesetz – Streichung § 19
Bei der letzten Vorstandssitzung der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs am 3.2.2016 haben wir uns u.a. auch mit der Streichung des § 19 des Schulpflichtgesetzes beschäftigt. Diese unserer Ansicht nach unglückliche Gesetzesänderung sieht vor, dass nach einem Scheitern in einer 1. Klasse einer weiterführenden Schule diese nicht mehr, wie bisher, in einer Polytechnischen Schule wiederholt werden kann, sondern nur noch an einer höheren Schule.
Das erscheint uns aus zwei Gründen nicht zweckmäßig:
Es ist bekannt, dass es in der 9. Schulstufe in den weiterführenden Schulen zu hohen Ausfallsquoten kommt, da ein entsprechendes Aufnahmeverfahren fehlt. Wenn nun ein Schüler, der eigentlich für eine höhere Schule ungeeignet ist, eine Klasse dort wiederholen muss, wo er schon gescheitert ist, ist das wahrscheinlich wenig sinnvoll.
Die Absolvierung der Polytechnischen Schule hat den Zweck, die Jugendlichen auf das Berufsleben vorzubereiten – insbesondere soll auf die beruflichen Möglichkeiten speziell der dualen Ausbildungsschiene hingewiesen werden.
Deshalb sind wir der Meinung, dass die Wiederinkraftsetzung des „alten § 19“ für alle sinnvoll wäre.
Bericht vom Lehrerstammtisch am 21.1.16 in Götzis:
Schule soll wieder Schule sein!
Das ist das Kernanliegen der Veranstaltung am 21.1.16 in Götzis zum Thema „Wie steht es um die Leistungsbereitschaft an unseren Schulen?“ mit Lehrerinnen und Lehrer aller Schultypen. Das Podium bildeten Mag. Michaela Germann, Lehrerin am BG Lustenau, Mag. Dr. Manfred Hämmerle, Direktor der BHAK/BHAS Bregenz, Herwig Orgler, Direktor der Polytechnischen Schule in Bregenz, Wolfgang Rothmund, Pflichtschulinspektor Vorarlberg Nord, Mag. Michael Schelling, Direktor des BORG Lauterach und Christoph Wund, Direktor der Volksschule Lustenau-Kirchdorf. Moderiert wurde die Veranstaltung von Mag. Wolfgang Türtscher, dem Obmann der ÖAAB-Lehrer in Vorarlberg.
Einigkeit herrschte über die Probleme der Schule und die Lösungsmöglichkeiten:
Es fehlt an echter Schul- und Lernzeit.
Leistungsbereitschaft wäre vorhanden – sie wird oft zu wenig abgerufen.
Die Treffsicherheit des neuen NMS-Notensystems ist nicht gegeben.
Eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Schultypen und –formen ist notwendig.
Die Selbsteinschätzung der Schüler und deren Eltern sind oft unrealistisch.
Die digitale Herausforderung ist enorm – Handyverbote sind notwendig.
Die Rolle der Familie, speziell der Eltern, hat sich geändert – Mut zur Erziehung wäre notwendig!
Eltern sind nicht der Meinung, dass nur gute Schüler höhere Schulen besuchen sollten, sondern dass Schüler automatisch gut werden, wenn sie höhere Schulen besuchen.
Autorität muss wieder ein positiv besetzter Begriff werden – insgesamt braucht es mehr Verbindlichkeit.
ARBEITSPROGRAMM der ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer Vorarlbergs 2015-2018
Die Rolle der Lehrenden:
Der Beruf des Lehrenden muss gesellschaftliche Anerkennung genießen, die Bezahlung muss entsprechend sein.
Den ständigen Verdächtigungen, Lehrer arbeiten zu wenig, muss von den politisch Verantwortlichen glaubwürdig und konsequent entgegengetreten werden.
Keine Verlängerung der Lehrerarbeitszeit ohne Lohnausgleich und sozialpartnerschaftliche Verhandlungen.
Weiterentwicklung des Dienst- und Besoldungsrechts 2013 mit Rücksichtnahme auf die Herausforderungen des schulischen Alltags – die derzeitigen Bestimmungen erfüllen diese Anforderungen nicht.
Bildungspolitische Anliegen:
Frühe Sprachförderung für alle Kinder ab drei Jahren, die es brauchen
Ein Kind wird erst für schulreif erklärt, wenn es die deutsche Sprache beherrscht
Die Aufnahme ins Gymnasium soll nicht durch die Volksschulnote, sondern durch ein eigenes Aufnahmeverfahren erfolgen – unter Einbeziehung der Volksschullehrer.
„Brennpunktschulen“ erhalten mehr Personalressourcen
Qualitätsvolle Weiterentwicklung der Neuen Mittelschule anstatt unausgegorener „Modellregionen“.
Evaluierung der Neuen Reifeprüfung, höhere Qualität durch eine stärkere Berücksichtigung der Literatur und teilzentraler Aufgabenstellung, um die Verschiedenheit der Schulformen abzubilden.
Wir bekennen uns zur Vielfalt der Schulformen und betonen die besondere Wichtigkeit der Sonderschule, der Polytechnischen Schule und des achtjährigen Gymnasiums.
Klar definierte Übergänge und verstärkte Durchlässigkeit zwischen den bestehenden Schultypen.
Informationspflicht für Eltern in Schulwahlfragen (Begründung: Schnittstellenproblematik beruht vor allem auf Informationsdefiziten bei Eltern.)
Wir setzen uns für eine echte Schulautonomie ein. Ziel ist es, den vielfältigen Herausforderungen an Schulen durch Entscheidungen der jeweiligen Experten vor Ort zu begegnen. Damit dies sinnvoll geschehen kann, müssen Schulen mit entsprechenden Befugnissen und Ressourcen ausgestattet werden."
Die Ausbildung der Junglehrer muss für den Bedarf an Vorarlberger Schulen örtlich so gestaltet werden, dass eine qualitative und quantitative Versorgung mit Lehrpersonen für alle Schultypen gewährleistet ist.
An der Weiterbildung für Lehrer darf nicht gespart werden. Fachspezifische Interessen müssen stärker berücksichtigt werden.
Jedem Dorf (s)eine Schule mit einer Schulleitung muss weiterhin garantiert sein.
Keine Aufweichung der Schulsprengel (Begründung: Wenn Leiter zusätzlich noch zu Werbemanagern werden, leidet die pädagogische Entwicklung darunter.)
Götzis, 20. Mai 2015
Für die Generalversammlung der ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer Vorarlbergs
Wolfgang Türtscher, AHS - Obmann
Elmar Buda, BHS - Vizeobmann
Andreas Hammerer, APS - Vizeobmann
Konrad Müller, ASO - Vizeobmann
Herwig Orgler, PS - Vizeobmann
Markus Pedot, BS - Vizeobmann
Arnold Schwarzmann, LWS - Vizeobmann
Maria Taferner, HS/NMS - Vizeobfrau
Christoph Wund, VS - Vizeobmann
Die Hamburger CDU ....
.... erreichte 2004 bei den Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft (= Landtag) 47,2 % - und somit die absolute Mehrheit, 2008 landete sie bei 42,6 % und schloss ein Bündnis mit den Grünen, die als Koalitionsbedingung die "gemeinsame Schule der 6- bis 12-Jährigen" verlangten, was die CDU erfüllte. Diesem Programm folgte 100 % der Bürgerschaft, der damals CDU, SPD, die Grünen und die Linke angehörten. Eine Volksabstimmung - die Initiative trug den Namen "Wir wollen lernen" - stoppte dieses Programm mit 60 %, die schwarzgrüne Regierung zerbrach, bei den Wahlen 2011 stürzte die CDU auf 21,9 % und am 15.2.2015 auf 16 % ab.
Gestern ergab eine Nachwahlbefragung, dass 77 % der Meinung sind, man wisse nicht mehr, wofür die CDU stehe.
10 Gebote für die Schule
1. Gebot: Du sollst den Kindern den Bildungsgang anbieten, für den sie geeignet sind.
2. Gebot: Du sollst die Kinder in Österreich erst in die Schule schicken, wenn sie Deutsch können.
3. Gebot: Du sollst die Lehrer unterrichten und die Eltern erziehen lassen.
4. Gebot: Du sollst nicht begehren Deines Nächsten (Frankreich, Großbritannien, Spanien) (Gesamt-)Schulsystem, denn es hat sich als untauglich erwiesen.
5. Gebot: Du sollst nicht am Vormittag sechs Stunden Unterricht vorsehen, wenn es pro Woche fünf Nachmittage gibt.
6. Gebot: Du sollst nicht das halbe Jahr schulfrei geben.
7. Gebot: Du sollst keine Angst vor Aufnahmeprüfungen haben.
8. Gebot: Du sollst Noten erst abschaffen, wenn Dir dafür etwas Besseres einfällt.
9. Gebot: Du sollst jene Kinder ganztags gut betreuen, deren Eltern das wollen bzw. benötigen.
10. Gebot: Du sollst schwache Schüler fördern und ihnen auch einmal ein zusätzliches Schuljahr gönnen, d.h. ein Jahr wiederholen lassen.
Brief von Mag. Matthias Hofer, Obmann BFG AHS im ÖAAB an Bundesparteiobmann Dr. Michael Spindelegger:
Biberseeweg 25,
Telefon +43 664 4604153,
Telefax +43 5264 40016,
www.oeaab-ahs.at 1
BPO Dr. Michael Spindelegger
Mieming, am 22. Oktober 2013
Bildung und Wissenschaft sind für den Wohlstand eines Landes wie Österreich von existenzieller Bedeutung,denn auf reichhaltige Bodenschätze können wir nicht zurückgreifen. Österreichs Stärke liegt in guter schulischer Bildung und in sozialer Sicherheit, die das Fundament für eine Vielzahl breit aufgestellter Klein- und Mittelbetriebe sind.
Auch wenn die veröffentlichte Meinung (motiviert durch eine Unzahl an teuren Inseraten auf Kosten des Steuerzahlers) ein anderes Bild zeichnen will: Unterrichtsministerin Schmied hinterlässt nach fast sieben Jahren ihrer Tätigkeit eine mehr als negative Bilanz. Viele Baustellen wurden eröffnet, nur sehr wenige Projekte auch wirklich vollendet. Reformen wurden von BM Schmied nicht mit den Schulpartnern gemeinsam gestaltet, sondern meist gegen die betroffenen Eltern, Schüler und Lehrer durchgedrückt bzw. wurde dies versucht, scheiterte aber an deren Widerstand. Ihr bis zuletzt verfolgtes und auch offen eingestandenes ideologisches Hauptziel war die verpflichtende Gesamtschule für alle 10- bis 14-Jährigen.
Gerade das Thema „Gesamtschule“ zeigt mehr als deutlich, wie sehr sie sich in der Bildungspolitik von der Lebensrealität der Menschen verabschiedet hat: Zuletzt verneinten z. B. 75 % der Vorarlberger die am 15.10.2013 von den Vorarlberger Nachrichten gestellte Frage: „Soll die zukünftige Regierung zumindest Versuche zur gemeinsamen Schule zulassen?“ Die Menschen spüren offensichtlich, dass die wahren Probleme unseres Bildungssystems wesentlich früher, nämlich im Kindergarten und in der Volksschule auftreten und dort Lösungswege zu suchen sind!
Die Leitung der Bundesfachgruppe der AHS-LehrerInnen im ÖAAB hat in ihrer Sitzung vom 19. Oktober 2013 die kommenden Koalitionsverhandlungen im Bereich Bildung intensiv diskutiert. Folgende Punkte sind aus Sicht der Bundesfachgruppe der AHS-LehrerInnen im ÖAAB in den Mittelpunkt zu rücken, zu verfolgen und zu erreichen:
Die wichtigste Aufgabe der Bildungspolitik ist es, für Chancengerechtigkeit zu sorgen. Ein möglichst breit gefächertes Chancensystem soll den unterschiedlichen Interessen, Neigungen und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen gerecht werden und diese optimal fördern.
Interessen, Neigungen und Fähigkeiten junger Menschen verändern sich. Um Chancengerechtigkeit nachhaltig zu gewährleisten, bedarf es daher nicht nur eines differenzierten Bildungsangebotes, sondern auch einer intensiven Bildungsberatung und der Nutzung der Durchlässigkeit unseres Schulwesens, in dem kein Bildungsweg eine Sackgasse ist und auf jeden Abschluss ein Anschluss folgt.
Städtische und ländliche Regionen stehen zum Teil vor sehr unterschiedlichen Herausforderungen. Die Bildungspolitik hat einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen, in dem maßgeschneiderte Konzepte und Problemlösungen ihren Platz haben; denn Probleme können am effizientesten dort gelöst werden, wo sie entstehen. Mag. Matthias Hofer, Biberseeweg 25, 6414 Mieming Telefon +43 664 4604153, Telefax +43 5264 40016, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , www.oeaab-ahs.at 2
Zur erfolgreichen Bewältigung gestellter Aufgaben bedarf es in allen Bereichen entsprechender Rahmenbedingungen. Neben einer modernen Infrastruktur benötigen LehrerInnen auch die entsprechenden pädagogischen Mittel, um ihren Erziehungsauftrag erfüllen zu können. Arbeitsverweigerung und asoziales Verhalten einzelner SchülerInnen darf nicht alle anderen am Lernen hindern.
Die Beherrschung der Unterrichtssprache ist Voraussetzung für den Bildungserwerb. Hat ein Kind bei Erreichen des Schuleintrittsalters noch nicht die nötige Kompetenz in der Unterrichtssprache erworben, um am Unterricht erfolgreich teilnehmen zu können, hat das Kind die Vorschule zu besuchen. Das Hauptaugenmerk der Vorschulerziehung hat sich auf die Vermittlung der nötigen Sprachkompetenz zu richten.
Kinder und Jugendliche, die in höheren Schulstufen in das Regelschulwesen einsteigen, haben das der jeweiligen Schulstufe entsprechende Kompetenzniveau in der Unterrichtssprache nachzuweisen. Ist dieses nicht vorhanden, haben sie vor dem Einstieg in den Regelunterricht im öffentlichen Schulsystem angebotene und kostenfreie Sprachkurse so lange zu besuchen, bis sie die erforderlichen Sprachkenntnisse erworben haben.
Kindern und Eltern ist an den Übergängen der Bildungswege verstärkte Orientierungshilfe anzubieten.In der 4. Klasse Volksschule nehmen alle SchülerInnen an der Erhebung der Bildungsstandards in Deutsch und Mathematik teil. Diese Testung und die Rückmeldung der erbrachten Leistungen haben so zeitgerecht zu erfolgen, dass sie von den Eltern bei der Wahl der anschließenden Schule berücksichtigt werden können. Zusätzlich sollen Eltern ein Gutachten erhalten, das sie bei der richtigen Schulwahl unterstützt. LehrerInnen der abgebenden und aufnehmenden Bildungseinrichtungen erstellen gemeinsam dieses Gutachten (Potentialanalyse), das Angaben über den momentanen Leistungsstand und die Lernmotivation, ein Stärken- und Schwächen- sowie ein Interessensund Neigungsprofil und daraus abgeleitet die Empfehlung und gleichzeitig die Berechtigung für eine oder mehrere Schularten bzw. Schulformen enthält. Dieses Gutachten ist den Eltern in einem Beratungsgespräch zu übergeben und zu erläutern. Wollen SchülerInnen eine Schulart bzw. Schulform besuchen, für die sie keine Berechtigung erhalten haben, haben sie das Recht, eine Aufnahmsprüfung an der Wunschschule abzulegen. Eine solche Serviceleistung ist beim Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe I und von der Sekundarstufe I zur Sekundarstufe II zu erbringen.Erfüllen mehr BewerberInnen die Aufnahmevoraussetzungen, als Plätze an einer Schule vorhanden sind, sollen die SchulpartnerInnen der aufnehmenden Schule selbst Reihungskriterien festlegen dürfen.
Für aufnehmende Institutionen – seien es Bildungseinrichtungen oder ArbeitgeberInnen – ist es wichtig, durch ein verlässliches Zeugnis möglichst umfassend informiert zu werden. Dabei zählen nicht nur fachliches Wissen und Fähigkeiten, sondern auch soziale Kompetenzen und Sekundärtugenden wie Leistungsbewusstsein, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungssinn, Höflichkeit etc. Zeugnisse sollen daher die Zahl der unentschuldigten Fehlzeiten genauso ausweisen wie Angaben über Sekundärtugenden.
Zur Unterstützung der PädagogInnen und Eltern in ihrer erzieherischen Arbeit stehen an den Schulen SchulpsychologInnen und SozialarbeiterInnen zur Verfügung, deren niederschwellige Angebote kostenfrei genutzt werden können.
Abgesehen von Sonderschulen gibt es im Sekundarbereich I Mittelschulen und Gymnasien. Mag. Matthias Hofer, Biberseeweg 25, 6414 Mieming Telefon +43 664 4604153, Telefax +43 5264 40016, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , www.oeaab-ahs.at 3
Mittelschulen haben die Aufgabe, in einem vierjährigen Bildungsgang eine grundlegende Allgemeinbildung und nach Maßgabe der individuellen Lern- und Leistungsfähigkeit der SchülerInnen auch eine vertiefte Allgemeinbildung zu vermitteln sowie SchülerInnen je nach Interesse, Neigung, Begabung und Fähigkeit für das Berufsleben und zum Übertritt in eine Schule der Sekundarstufe II zu befähigen. Die Berufsorientierung in der 7. und 8. Schulstufe ist auszubauen, um die Mittelschule noch stärker als bisher zur „Unterstufe der berufsbildenden Schulen“ zu machen, deren Breite und Vielfalt eine der besonderen Stärken unseres Schulwesens darstellt.
Gymnasien haben die Aufgabe, den SchülerInnen eine umfassende und vertiefte Allgemeinbildung zu vermitteln und sie zugleich zur Universitätsreife zu führen. Sie sind grundsätzlich auf einen achtjährigen Bildungsweg hin ausgerichtet.
In der 8. Schulstufe nehmen alle SchülerInnen der Mittelschulen und Gymnasien an der Erhebung der Bildungsstandards in Deutsch, Mathematik und Englisch teil. SchülerInnen an Sonderschulen haben das Recht, an diesen Überprüfungen teilzunehmen. Die Testung und die Rückmeldung der erbrachten Leistungen haben so zeitgerecht zu erfolgen, dass sie bei der Wahl der anschließenden Schule berücksichtigt werden können. Außerdem erhalten Eltern und SchülerInnen ein Gutachten, das ihnen im Rahmen eines Beratungsgesprächs erläutert wird.
SchülerInnen, die die Mindeststandards nicht erreichen, wechseln in einen Professionalisierungslehrgang, der an einer Schule der Schulart einzurichten ist, an der die Mindeststandards nicht erfüllt worden sind. Dort werden die SchülerInnen unter Berücksichtigung der allgemeinen Aufgabe der Polytechnischen Schule speziell in Deutsch, Mathematik und Englisch geschult. Am Ende des Lehrganges haben sie sich nochmals einer Standardüberprüfung zu unterziehen.
In diesem Sinne bitten wir Dich, unsere bildungspolitischen Forderungen in Deine Arbeit einfließen zu
lassen, und stehen Dir für weitere Fragen sehr gerne zur Verfügung.
Mit besten Grüssen,
Obmann Bundesfachgruppe AHS im ÖAAB
Leserbrief vom 14.9.13, in den Vorarlberger Nachrichten:
Gesamtschule funktioniert nicht
Alois Schwienbacher ­versucht in den VN, die Überlegenheit der Gesamtschule nachzuweisen; es ist das ein schöner Traum – mehr nicht!
Renommierte Wissenschafter beweisen das. In Deutschland schneiden die Bundesländer mit einem differenzierten System – Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen – deutlich besser ab als die „Gesamt­schulländer“, was auch Univ.-Prof. Dr. Kurt Heller, der Direktor des Zentrums für Begabungsforschung an der Universität München, bestätigt: „Wer kann und will es ohne Not verantworten, ein nachweislich effizientes Schulsystem aufzugeben und sich den seit Jahrzehnten bekannten deutschen Gemeinschaftsschul-Verliererländern anzuschließen?“ Univ.-Prof. Dr. Heinz Elmar Tenorth, der Vorstand des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Humboldt-Universität Berlin, sagt etwa zum Argument des „Ausgleichs der Herkunft“: „Die gesamte […] auf Gesamtschulen bezogene Schulpolitik hat weltweit an der Struktur von Ungleichheit nichts geändert.“ Auch der österreichische Jugendforscher Philipp Ikrath erklärt 2011: „Soziale Durchmischung funktioniert auch dort nicht, wo es sie heute schon gibt – also in den öffentlichen Schulen, in denen es Kinder aus bildungsnahen und bildungsfernen Schichten gibt. Und sie wird auch in der Gesamtschule mit einem noch breiteren Spektrum an Schichten nicht funktionieren.“
Vor ein paar Tagen haben sich auch von 1300 Lesern von VN und VOL.AT 63,2 % gegen die Einführung einer Gesamtschule ausgesprochen.
Mag. Wolfgang Türtscher, Major-Ellensohn-Straße 28, Götzis
Meinungsforum: Schule der Zukunft. Vorarlbergerinnen und Vorarlberger reden mit
VN - 6. September 2013
„Vorerst bitte keine neuen Reformen“
AHS-Lehrer Wolfgang Türtscher (57) fordert die Umsetzung beschlossener Schritte.
Schwarzach. Die Schule soll ihre Kernaufgabe erfüllen, die ihr anvertrauten Schüler zu befähigen, die vorgesehenen Lerninhalte zu beherrschen, damit sie fit für einen Beruf werden und in der Lage sind, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Schule soll mit den Eltern intensiv zusammenarbeiten, kann aber das Elternhaus nicht ersetzen.
Auf gesellschaftliche Veränderungen muss die Schule reagieren: Es wird notwendig sein, mit der sprachlichen Frühförderung schon ab dem dritten Lebensjahr zu beginnen, sofern das notwendig ist. Jedenfalls darf kein Schüler in die erste Klasse der Volksschule kommen, der nicht Deutsch sprechen kann. Die Volksschule braucht mehr Personal, mehr Stundenkontingente und bessere Strukturen in den ersten Schuljahren. So wird sie in die Lage versetzt, dass alle Abgänger der vierten Klasse Volksschule lesen, schreiben und rechnen können – die Volksschule kann hinkünftig erst abgeschlossen werden, wenn das sichergestellt ist!
Die Reformen der letzten Jahre – Neue Mittelschule, Zentralmatura, Modulare Oberstufe, Qualitätssicherung etc. – verlangen von den Lehrern zusätzliches Engagement und Zeit, um das qualitätsvoll umzusetzen. Deshalb: Bitte keine neuen Reformen, bevor diese Herausforderungen nicht bewältigt sind! Und: Bewahrt uns bitte vor den ständigen Ratschlägen der „Scheinbildungsexperten“ Androsch, Schilcher, Salcher etc. – wir können diese nicht mehr hören! Weiters: Wenn jemand – wie etwa unsere Unterrichtsministerin Schmied – der Meinung ist, wir arbeiten zu wenig: Streicht bitte sofort die Herbst- und Semesterferien, den schulfreien Samstag und die schulautonomen Tage. Wir Lehrer sind für diese Maßnahmen nicht verantwortlich! (Vielen Schülern würde mehr Schule, das heißt „Mehr Zeit zum Üben“, sehr gut tun.)
Empfehlung des ÖAAB Vorarlberg an die Wirtschaftskammer zum Beschluss vom 15.11.12 "Aus Bildung wird Erfolg"
der Beschluss des Vorarlberger Wirtschaftsparlaments vom 15.11.12 „Aus Bildung wird Erfolg“ hat in Vorarlberg für Diskussionen gesorgt, vor allem deshalb, weil eine ÖVP-dominierte Gruppierung sich gegenüber der Gesamtschule plötzlich offen gezeigt hat. Dieser Beschluss liegt nun als FPÖ-Grün-SPÖ-Antrag dem Vorarlberger Landtag vor, der dort am 30. Jänner 2013 behandelt wird.
Wir als ÖAAB beurteilen diesen Antrag auf der Grundlage unseres Leitantrages vom 6. Mai 2011, in dem wir uns zum differenzierten Bildungssystem mit einem achtjährigen Gymnasium bekennen. Wir ändern unsere Haltung in Grundsatzfragen nicht ohne Befassung der zuständigen Gremien.
Wir gehen nunmehr auf die einzelnen Punkte ein, nicht ohne vorher festzuhalten, dass viele Punkte im Papier der Vorarlberger Wirtschaftskammer sehr wohl die Unterstützung aller an einem leistungsorientierten Bildungssystem Interessierten verdienen. Wer sich intensiver über die angesprochenen Themen informieren will, sei auf die sehr informative Homepage www.bildungswissenschaft.at verwiesen.
Der 4. Absatz „Immer noch werden in der politischen Diskussion vielfach gemeinsam verfolgte Ziele durch ‚ideologiebeladene‘ Vorbehalte überlagert und damit eine längst überfällige Bildungsreform in Österreich unnötig verzögert“ ist eine unbewiesene Behauptung und eine Übernahme der Argumentation der politischen Mitbewerber. Es wäre zu definieren, welche „längst überfälligen Bildungsreformen“ der Ideologie zum Opfer fallen. Wenn es für eine Änderung keinen nationalen Konsens gibt, sind sie eben nicht mehrheitsfähig. „Stärkere Frühförderung ab 3, Sprachscreening, kein Schuleintritt ohne Deutschkenntnisse, flächendeckendes Ganztagsschulangebot, Unterstützungspersonal für Volksschulen, damit die Lehrer ungestört unterrichten können“ – darüber besteht politischer Konsens, das könnte man sofort verwirklichen.
zu 1) Sicherstellung der Schulreife durch flächendeckende vorschulische Betreuungsangebote mit klaren Bildungszielen: Dieser Vorschlag ist sehr vernünftig und ist unterstützungswert.
Ad 2) Flächendeckender Ausbau von Ganztagsangeboten in Vorarlbergs Schulen: Diesem Punkt kann unter der Voraussetzung zugestimmt werden, dass Freiwilligkeit besteht, d.h., die Eltern entscheiden über das Ausmaß an Betreuung; die verschränkte Form ist eine Möglichkeit – mit einem sehr engen Zeitkorsett, es gibt auch andere Ansätze. Dass sich die Unterrichtsmethoden nicht geändert hätten, ist eine unbewiesene Behauptung.
Ad 3) Stärkung der Motivation, Bildungsangebote in Anspruch zu nehmen: Die Freiwilligkeit bei Informationsveranstaltungen der Schulen ist aufzuheben, das ist ein vernünftiger Vorschlag; die bisherige Praxis ist oft Ursache für eine falsche Schulwahl und einer hohen Drop-out-Quote.
Ad 4) Modellregionen mit einer „Gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen mit innerer Leistungsdifferenzierung“: Diesen Vorschlag lehnen wir ab: Die Neue Mittelschule wurde im Sommer 2012 Gesetz, ihre Umsetzung ist bis 2018 österreichweit vorgesehen; jetzt eine neue Organisation zu erproben wäre mehr als störend. Es gibt auch keinen wissenschaftlichen Beweis, insbesondere im deutschsprachigen Raum, dass Gesamtschulen mit den aktuellen Herausforderungen besser fertig werden, im Gegenteil: „Gesamtschulstaaten“ haben eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, Österreich und Deutschland dank des dualen Systems die niederste Europas. Starke Schüler werden nicht ausreichend gefördert, ohne dass es schwächeren besser ginge. Bei einer vorarlbergweiten „Modellregion“ gäbe es mindestens vier Jahre lang für Vorarlberger Schüler keine Möglichkeit, eine AHS-Unterstufe zu besuchen, bei einer regional beschränkten Modellregion würde in andere Gymnasien „ausgewichen“ werden. Ein Problem ist allerdings die Schnittstelle Volksschule-AHS: Dort muss es ein besseres Aufnahme- und Zulassungsverfahren geben, wie das bis 1970 der Fall war. Das verlangen auch die AHS-Direktoren Vorarlbergs. Inzwischen hat am 20.12.12 WK-Präsident Manfred Rein die Forderung nach der „gemeinsamen Schule“ dahingehend relativiert, indem er den Weiterbestand der AHS-Unterstufe verlangt hat.
Ad 5) Stärkung der Schulautonomie und zeitgemäße Rahmenbedingungen für Lehrer/innen: Dieser Vorschlag ist zu unterstützen. Die angesprochene Ergebnisverantwortung für Lehrende gibt es schon; die Ziele wären klar, an der Überprüfung mangelt es aber.
Ad 6) Aufhebung der Sprengeleinteilung: Die Umsetzung in die Praxis dürfte schwierig werden – die Planbarkeit für Gemeinden fehlt, Schulbauten erfolgen dann „auf Verdacht“.
Ad 7) Berufsorientierung als eigenes Pflichtfach ab der 7. Schulstufe in allen Schulformen: In der schulischen Praxis ist die Vermittlung von Berufsorientierung in Seminarform erfolgreicher; sollten tatsächlich zusätzliche Stunden zur Verfügung stehen, wären andere Dinge wichtiger: wieder fünf Wochenstunden in Deutsch, Mathematik und Englisch in der Mittelschule und der AHS-Unterstufe wie bis 1997 und ein eigenes Fach „Politische Bildung“. Ein verpflichtender Elternabend vor der Schulwahl für die 5. bzw. 9. Schulstufe wäre notwendig.
Ad 8) Ausbau der Technikausbildung: Diese Forderung ist sehr wichtig; wir wissen, dass möglichst frühzeitiger naturwissenschaftlicher- und Technikunterricht den entsprechenden Nachwuchs sichert.
Ad 9) Umsetzung des dualen Studiums an der Fachhochschule Vorarlberg ab Herbst 2013: Diese Forderung ist sehr vernünftig, das wäre ja der eigentlich Sinn von Fachhochschulen gewesen.
Ad 10) Berufsakademie – Berufsbildung auf Hochschulebene: Es ist nicht klar, ob das dem Handwerk und dem Gewerbe wirklich wichtig ist. Im Prinzip würden unsere Meisterausbildungen in anderen Ländern schon als Bachelor gewertet, nur hat Österreich das – wie etwa auch die rechtzeitige Positionierung der HTL’s - wieder „verschlafen“.
BR-Präsident Edgar Mayer, ÖAAB-Landesobmann
KR Stephan Hoch, ÖAAB-Landesgeschäftsführer
Mag. Wolfgang Türtscher, ÖAAB-Bildungsreferent
Danke, liebe Lehrerinnen und Lehrer …!
Die Bildungsplattform "Leistung & Vielfalt" widmet der österreichischen Lehrerschaft zum Ende des Schuljahres - im Osten beginnen ja heute die Ferien - einen Dankbrief, den ich Euch nicht vorenthalten will.
Am Ende eines arbeitsintensiven und von der Politik und den Medien atmosphärisch vergifteten Schuljahres möchte die Bildungsplattform Leistung & Vielfalt all jenen danken, die in unserem Land noch die Bildung aufrecht erhalten, indem sie - unter Wahrung der vielfältigen individuellen Begabungen und Interessen - die junge Generation zu einer leistungsorientier¬ten Wertehaltung erziehen: den Lehrerinnen und Lehrern aller Schularten und Schulformen.
Unsere Pädagoginnen und Pädagogen leisten ihre verantwortungsvolle Arbeit weitgehend unbedankt, von einer durch die Medien verhetzten Öffentlichkeit angefeindet, von selbsternannten „Experten“ verunglimpft und von der zuständigen Ministerin in der qualitätsvollen Ausübung ihrer Tätigkeit behindert, ja bedroht. Dass sie angesichts der Anfeindungen, denen sie sich trotz einer grenzwertigen Belastung (nicht zuletzt durch Überfrachtung mit bürokratischen Aufgaben bei gleichzeitigem Mangel an unterstützendem Personal à la Finnland) permanent ausgesetzt sehen, nicht „Dienst nach Vorschrift“ tun, sondern weiterhin die gedeihliche Entwicklung der ihnen anvertrauten Kinder als ihr zentrales Anliegen im Auge behalten, stellt ihnen ein wahrhaft schönes Zeugnis für echten pädagogischen Eros aus.
Danke, liebe Lehrerinnen und Lehrer, dass ihr auf Beschimpfungen als „faule Kerle, die nur ihre Privilegien verteidigen“ (O-Ton des „Experten“ Androsch in einem Streitgespräch mit dem Vorsitzenden der Bildungsplattform im Presseclub Concordia im Vorjahr) oder unfreiwillig humoristische Vorschläge wie jene des „Österreich“-Hanswursts Fellner, 40 Stunden in der Woche zu unterrichten (und, in logischer Konsequenz, wohl auf Vorbereitungen, Korrekturen, Projektplanungen etc. zu verzichten), nur mit mitleidiger Belustigung reagiert und nicht als self fulfilling prophecy tatsächlich jene Minderleistung erbringt, die man euch unter¬stellt! Danke, dass ihr das von Schmied, Androsch, Schilcher & Co grotesk entstellte Bild eures Berufsstandes durch euer tägliches Wirken zurechtrückt!
Es ist zwar trotzdem zu befürchten, dass junge Menschen, und seien sie noch so berufen und motiviert, gute Pädagoginnen und Pädagogen zu werden, zunehmend davor zurück¬schrecken, die Rolle von Prügelknaben zu übernehmen. Die realitätsfremde Ankündigung von Ministerin Schmied, „nur die Besten zum Lehrberuf zuzu-lassen“, wird sich in ihrer ganzen Lächerlichkeit selbst entlarven, wenn sich „die Besten“ - abgeschreckt von der Politik - nicht mehr für diesen Beruf finden lassen. Aber die real geleistete, hervorragende Arbeit unserer Lehrerinnen und Lehrer reicht immerhin, um - der Nestbeschmutzung durch Schmied, Androsch, Schilcher, Platter und Konsorten zum Trotz - Österreich wenigstens derzeit noch zu einem europäischen Vorzeigeland in Bereichen wie Jugendarbeitslosigkeit, Schulabbrecherquote oder dualer Ausbildung zu machen.
Dafür danken wir unseren Lehrerinnen und Lehrern und wünschen ihnen ganz neidlos für die Ferien die ebenso wohl¬verdiente wie dringend benötigte Erholung!
Bildungspolitische Äußerungen
Folgend ein Schreiben von Josef kraus, Obmann des deutschen Lehrerverbandes, zu bildungspolitischen Aussagen von "Experten" Hannes Androsch, dass sie im Kampf um die Durchsetzung der Gesamtschule auch schlicht und einfach die Unwahrheit sagen.
Zu Schulschluss häufen sich die Klagen darüber, dass in der Schule „Zeit vergeudet werde“, dass die Schüler mit Projekten „bei Laune gehalten werden müssen“ und die Mitarbeitsbereitschaft sinke. Dafür wird der „Notenschluss“ verantwortlich gemacht, der es anscheinend nicht mehr erlaube, Lehrstoff zu vermitteln und diesen auch abzufragen. Zuletzt hat ein Direktor einer Höheren Schule Vorarlbergs den Vorschlag gemacht, die Zensurkonferenz erst einen oder zwei Tage vor der Zeugnisverteilung anzusetzen, um die Zeit davor wirkungsvoll schulisch nützen zu können.
1) Die Vermittlung von Lehrstoff kann bis zum letzten Schultag erfolgen; eine Prüfung darüber ist auch im folgenden Schuljahr möglich, wenn die Stoffinhalte kurz wiederholt worden sind und der Stoff auch zum Lehrplan des neuen Schuljahres passt, was meistens der Fall ist.
2) Der „Notenschluss“ ist eine rein administrative Maßnahme, die sicherstellt, dass zu einem festgelegten Zeitpunkt alle Noten eingetragen sind. Noten – Fachbeurteilung und Verhaltensnote - können natürlich bis zum letzten Schultag verändert werden, wenn es dazu sachliche Gründe gibt. Verhaltensnoten bedürfen eines Beschlusses der Konferenz, dazu kann man „in eventu“ die Schlusskonferenz vorsehen; bei Fachbeurteilungen kann eine Notenänderung von Genügend auf Nicht genügend mit entsprechenden Folgen für das Aufsteigen nicht mehr erfolgen. Leistungsfestellungen sind in den letzten drei Tagen vor der Beurteilungskonferenz nicht erlaubt, es sei denn, es liegt eine ausdrückliche Genehmigung des Direktors vor.
3) Die Festsetzung der Zensurkonferenz ist aufgrund geltender gesetzlichen Bestimmungen zwischen Mittwoch und Freitag der Woche vor Schulschluss – das ist heuer von 27.-29.6.12 - möglich. Dadurch ist die Ausgabe der Bescheide – wenn eine negative Beurteilung erfolgt ist – noch während des Schuljahres möglich.
4) Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Schüler und Eltern es grundsätzlich für sinnvoll ansehen, wenn die Schulzeit optimal genützt wird. Das „verlangen“ sie natürlich nicht zu jedem Zeitpunkt mit derselben Intensität.
Obmann der Fachgruppe Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg
Rückfragen: 0664/1234009
In letzter Zeit werde ich relativ oft mit Anfragen konfrontiert, ob denn die Zentralmatura im Detail schon angeordnet sei, ob es für die verschiedenen Fächer schon konkrete Vorgaben gebe und ob diese schon „vorgeübt“ werden müssen.
Tatsache ist, dass die Reifeprüfungsverordnung noch nicht erlassen ist – der entsprechende Entwurf noch nicht einmal in Begutachtung und es ist momentan nicht absehbar, wie das Endergebnis ausschauen wird. Ich erinnere nur an den Gesetzesentwurf über die „modulare Oberstufe“ vom Juli 2011 und das Endergebnis, das dieser Tage den Ministerrat passiert – da hat es massive Änderungen gegeben.
Da diese Verordnung noch nicht erlassen ist, haben dienstliche Handreichungen, Empfehlungen und Arbeitsgruppenergebnisse bezüglich der „Neuen Reifeprüfung“ keine Rechtskraft. (Es kursieren momentan auch Entwürfe, wie welches Fach in Zukunft zu korrigieren sein wird.) Insbesondere steht die Methodenfreiheit des Lehrers zumindest derzeit nicht zur Diskussion.
Einzig und allein in den lebenden Fremdsprachen haben sich zahlreiche Höhere Schulen – auch in Vorarlberg – bereit erklärt, im Wege von Schulversuchen eine neue Prüfungsordnung zu erproben. Hier sind die entsprechenden Vorschriften des Schulversuchs natürlich zu beachten.
Sektionschef Dobart hat im Jahre 2008 angekündigt, dass nach Inkrafttreten der Reifeprüfungsverordnung ein gesamter, vierjähriger Oberstufendurchgang abgewartet wird, bevor die erste Reifeprüfung nach dem neuen Modell stattfindet, um die Schulen nicht zu überfordern und eine entsprechende Umsetzungsqualität sicherzustellen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Reifeprüfungsverordnung im Frühjahr 2012 in Kraft tritt, könnte die neue Reifeprüfung somit frühestens im Jahre 2016 stattfinden.
Im Sinne der Rechtssicherheit und um unnötige Nervosität bei Schülern und Eltern zu vermeiden scheint es geboten, entsprechende Anordnungen – sollten sie erfolgen – nicht zu befolgen!
Wolfgang Türtscher, Obmann der Fachgruppe Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg
Modellregion Lustenau
Schon seit einiger Zeit ist in der öffentlichen Bildungsdiskussion von einer „Modellregion Lustenau“ die Rede; ich wurde darauf schon einige Male angesprochen und kann nun – nach Rücksprache mit LR Stemer und LAbg Bgm Fischer – der auch die Funktion eines Bildungssprechers des ÖVP-Landtagsklubs wahrnehmen wird – darüber kurz informieren:
Angestrebt wird ein „kommunales Bildungsnetzwerk“, in dem auf die besonderen Bildungsbedürfnisse der Kinder von 0 – 18 Jahren in geeigneter Weise eingegangen wird. Die „Entscheidungsgrenze“ für einen weiteren Schulbesuch sei in Österreich mit zehn Jahren deshalb unbefriedigend, weil nachvollziehbare und transparente Kriterien fehlen – die von den Volksschulen vergebenen Noten und Berechtigungen, oft unter gewaltigem Druck auf die beurteilenden Lehrer – seien kein geeignetes Kriterium. Vom Bund seien hier in nächster Zeit – seit der Abschaffung der Aufnahmsprüfung ins Gymnasium 1970 – keine grundsätzlichen Änderungen zu erwarten, weshalb man sich auf der Ebene des Landes und der Gemeinden behelfen müsse.
Auf jetzt schon gültige Änderungen weist Direktor Neururer von der Lustenauer Mittelschule Rheindorf hin, wo es inzwischen keine Leistungsgruppen mehr gebe: „Je länger wir diese pädagogische Veränderung leben, desto überzeugter sind wir.“ Die neue Form der Klassenzusammensetzung wirke sich auch positiv auf das Sozialverhalten der Kinder aus: Es gebe keine „Ballungszentren“ der schwächeren Kinder mehr – das habe zu einer Beruhigung im Schulhaus beigetragen. Allerdings mache der Unterricht in solch heterogenen Klassen neue Lehr- und Lernformen nötig – der Anteil des Frontalunterrichts müsse längerfristig zurückgehen.
Eine große Herausforderung in Lustenau sind Kinder mit migrantischem Hintergrund. In manchen Klassen machen sie bereits bis zu 80 Prozent der Schüler aus. Man habe sich immer bemüht, möglichst früh anzusetzen – also bei früher Sprachförderung und Elternbildung, so Bürgermeister Fischer. Immerhin seien 82 Prozent der Dreijährigen in Betreuung. Trotzdem gelinge es nicht, dass die Kinder durchgängig ein Niveau erreichen, mit dem sie in der Mittelschule – geschweige denn im Gymnasium – ihre Chancen nützen können, so Fischer. Vor allem die Volksschule müsse gestärkt werden.
Diese Situation in einem „Verbund“ zu bewältigen, in dem die Gemeinde, die Schulen, die Eltern und die Wirtschaft vertreten sind, erscheint sinnvoll. Das Land unterstützt dieses Projekt, das zu einem „Vorzeigemodell“ werden kann – wie das auch bei der „Vorarlberger Mittelschule“ (VMS) schon gelungen ist.
Die da und dort geäußerte „Befürchtung oder Hoffnung“ – je nach Standpunkt – das „Lustenauer Modell“ sei der Weg in die gemeinsame Schule, stimmt nicht. Einerseits ist durch die Regierungsvorlage vom 25.10.2011 „Die neue Mittelschule“ das zweigliedrige System in Österreich für längere Zeit fixiert und andererseits löst man konkrete Probleme, wie oben ausgeführt, nicht durch einen einfachen Systemwechsel.
Wolfgang Türtscher, Bildungsreferent des ÖAAB Vorarlberg
Aus dem ÖAAB Leitantrag vom 25. ordentlichen ÖAAB Landestag am 6. Mai:
Bildung ist eine zentrale Aufgabe für das 21. Jahrhundert. Dies gilt insbesondere für ein kleines Land im Herzen Europas, das seinen Wohlstand der Tüchtigkeit seiner Bewohner und der günstigen geographischen Lage verdankt. Grundsätzlich gilt: Österreich hat ein hervorragendes Bildungssystem, was auch international immer wieder – zuletzt durch die OECD – bestätigt wird: „Gut bewertet wird das Schulsystem mit seinen Verästelungen im Sekundar- (Gymnasium, Hauptschule/Mittelschule) und Tertiärbereich (Gymnasium, berufsbildende Schulen). Junge Menschen können besser als in anderen Ländern zwischen verschiedenen Ausbildungswegen wählen und wechseln.“ Österreich hat die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit Europas und eine der höchsten Sekundarabschlussquoten, das ist ein besonderes Qualitätsmerkmal– da schneiden etwa die „Gesamtschulländer“ Spanien, Frankreich und Großbritannien deutlich schlechter ab. Ziel der Bildungspolitik muss ein möglichst hoher Prozentsatz an Absolventen, weniger die Erhöhung der Maturanten- und Akademikerquote sein.
Verbesserungen und zeitgemäße Anpassungen sollen vor allem Kinder und ihre unterschiedlichen Potentiale in den Mittelpunkt stellen. Kinder und Jugendliche leben in unterschiedlichen sozialen Rahmenbedingungen. Sie haben unterschiedliche Begabungen, Neigungen, Anlagen und Fähigkeiten, sie sind unterschiedlich belastbar, leistungsfähig und leistungswillig. Deshalb geht die derzeitige Bildungspolitik richtiger Weise von einem ganzheitlichen Ansatz aus, der die jungen Menschen ernst nimmt. Es kommt darauf an, sie individuell zu fordern und zu fördern. Dies bedeutet konkret, sehr frühzeitig alle Anstrengungen zu unternehmen, die eine gedeihliche Entwicklung ermöglichen. Bei festgestellten Schwierigkeiten werden in jeder Phase der persönlichen Entwicklung gezielte Fördermaßnahmen angeboten und so lange fortgesetzt, wie dies notwendig ist. Die dafür erforderlichen Mittel werden bereitgestellt. Dabei kommt der vorschulischen Entwicklung immer größere Bedeutung zu. Eltern müssen Unterstützung in der bestmöglichen Förderung – v.a. Sprachförderung – der Kinder bekommen. Besondere Bedeutung haben die Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Sprechen und Rechnen. Den individuellen Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen entspricht das bewährte differenzierte österreichische Schulsystem am besten. Das beinhaltet ein klares Bekenntnis zur Leistung in der Schule. Die Verbesserung der Übertritte von einer Schulform in die andere – Stichwort „Von einer Hand in die andere“ – sowie die Entwicklung von Bildungsstandards für die vierten und achten Klassen sind Schritte in die richtige Richtung. Standardisierte Tests in der dritten und vierten bzw. siebten und achten Schulstufe tragen dazu bei, die Potentiale und Fähigkeiten der jungen Leute richtig einzuschätzen. Hauptschulen/Mittelschulen mit der veränderten Pädagogik, gemeinsamen Projekten und Verschränkung mit weiterführenden Schulen und Gymnasien sind entsprechend positioniert und tragen dazu bei, dass jedes Kind, jeder junge Mensch die seiner Person am besten gerecht werdende Schule besuchen kann. Schülerorientierte Modelle in der Sekundarstufe 1 werden weiterentwickelt. Chancengleichheit steht im Vordergrund. Gute Kenntnisse in mindestens einer Fremdsprache sind ebenso wichtig wie die Fähigkeit, sich in den Naturwissenschaften zurecht zu finden und mit den neuen Medien und Kommunikationsmitteln sachgerecht umzugehen. Die Förderung sozialer Kompetenzen wie zum Beispiel Fleiß, Genauigkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Toleranz sowie der musisch-kreativen Anlagen erhalten das ihnen gebührende Gewicht. Die bewährte duale Ausbildung ist für viele Jugendliche der richtige Weg. Sie hat durch die 1997 erfolgte Einführung der Berufsreifeprüfung einen weiteren wertvollen Impuls erfahren. Als gute Vorbereitung darauf hat die Polytechnische Schule besonderen Wert.
Auch die Eltern unserer Kinder und Jugendlichen leben unter unterschiedlichen Bedingungen. Die Familiensituation, die Erwerbstätigkeit, das Einkommen und andere Faktoren sind Ursachen dafür. Auch hier werden die Menschen und ihre Situation ernst genommen. Daher wird eine flexible Schülerbetreuung nach den Prinzipien der Freiwilligkeit und Bedarfsgerechtigkeit angeboten. Eine für alle verpflichtende Ganztagsschule würde die wertvolle Erziehungsarbeit, die Mütter, Väter und andere Miterziehende zu Hause leisten, abwerten und auch den Wünschen der Schüler widersprechen. Der ÖAAB bekennt sich ausdrücklich zum Wert dieser Arbeit.
Um dem Lehrermangel und dem pädagogisch bedenklichen Mangel an männlichen Lehrpersonen entgegenzuwirken, bedarf es eines modernen, leistungsbezogenen Dienst- und Besoldungsrechts, einer neu gestalteten Lehrerbildung und gut ausgestatteter Arbeitsplätze für Lehrpersonen.
Lehrer haben eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, sie sind Lehrende und Erziehende, sie sind Begleiter von Kindern und Jugendlichen. Um diesen Dienst zum Wohle aller Beteiligten, besonders der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen, leisten zu können, bedarf es motivierter Lehrer. Nur wer seine Lehr- und Erziehungsaufgabe gerne, mit ganzer Kraft und Überzeugung wahrnimmt, wird Kinder und Jugendliche so begleiten können, dass sie persönlich davon profitieren. Wertschätzung und angemessene Bezahlung sind motivationsfördernd. In den letzten Jahren hat sich das pädagogische Auswahlverfahren an den Pädagogischen Hochschulen und den Universitäten – u.a. durch einen frühzeitigen Praxiseinsatz der Lehramtskandidaten – gebessert und zu guten Ergebnissen geführt. Die Stärkung der Autonomie der einzelnen Schulen hat sich grundsätzlich bewährt.
Das lebensbegleitende Lernen ist zur Selbstverständlichkeit geworden; Vorarlberg hat eine neue Pädagogische Hochschule und eine leistungsfähige Erwachsenenbildungslandschaft, die sich in ihrer flexiblen Art ständig neuen Herausforderungen zu stellen haben. Wir gehen dabei von einer vollkommenen Gleichberechtigung von Schule, Pädagogischer Hochschule, Universität und Erwachsenenbildung aus.
Die Angebote der Weiterbildungseinrichtungen werden mit den Aufgaben des öffentlichen Schulwesens in regelmäßigen Abständen abgestimmt und koordiniert. Dabei werden Bildungsangebote für Berufstätige grundsätzlich auf der Basis von Teilnehmerbeiträgen durch die Weiterbildungseinrichtungen angeboten.
Frühe Sprachförderung für alle Kinder, die es brauchen
Elterninformation und -einbindung ab dem 3. Lebensjahr des Kindes, wenn die sprachliche Entwicklung nicht positiv verläuft („Eltern-Kind-Pass“)
Kooperation zwischen BAKIP und PH v.a. im Rahmen der Fort- und Weiterbildung von Kindergartenpädagog/innen und Volksschullehrer/innen, bspw. Lehrgänge zur frühen Sprachförderung
Kindergarten und Volksschule arbeiten bei der „Übergabe“ noch enger zusammen
Ein Kind wird erst für schulreif erklärt, wenn es die deutsche Sprache (Unterrichtssprache) beherrscht (Sprachtest, Sprachticket). Die mit 1.1.2008 in Kraft getretene Änderung des Schulunterrichtsgesetzes (§ 3 Abs. 3 SCHUG) bietet dazu fast ideale Möglichkeiten, denn das Gesetz schreibt fest, dass die Eltern dafür verantwortlich sind, dass ihre Kinder sprachlich dem Unterricht folgen können
Pflichtschule (Volks-, Haupt-/Mittel-, Sonder- und Polytechnische Schule)
Flächendeckende Weiterführung und –entwicklung des „Schulreife-Screenings“. Neben Zahlenwissen wird dabei insbesondere die Sprachfähigkeit der künftigen Erstklässler überprüft. Je nach Bedarf wird daraufhin einerseits mit Fördermaßnahmen begonnen, andererseits erfolgt auf Grundlage der Erhebung die Einteilung in die Volksschulklassen. So haben die Volksschullehrerinnen und -lehrer zu Schulbeginn verbesserte Möglichkeiten, von Anfang an durch individuelle Maßnahmen auf die Lernbedürfnisse der Kinder einzugehen
Weiterentwicklung der „Vorarlberger Mittelschule“
Stärkere Unterstützung der 20 % der Schüler, die am förderungswürdigsten sind
Stärkere Differenzierung und Individualisierung in allen Fächern der Hauptschule/Mittelschule
Die Volksschule soll die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen intensiv vermitteln („weniger ist mehr“)
Vertrauensbildende Maßnahmen zur Stärkung der Hauptschule/Mittelschule
„Brennpunkthauptschulen und -mittelschulen“ erhalten mehr Personalressourcen zur Verbesserung des Lern- und Arbeitsraumes bzw. des Schulklimas
Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden an Sonderpädagogischen Förderzentren oft besser gefördert als durch die Integration – ausdrückliches Bekenntnis zu den Sonderpädagogischen Förderzentren. Im Vordergrund steht nach Möglichkeit die „Regelklasse“. Ob Integration in einer Regelklasse oder Einschulung in einem Sonderpädagogischen Zentrum erfolgt, wird aber nach Bedarf und Wohl des/der Betroffenen entschieden
Gewählte Schülervertretung auch an Hauptschulen/Mittelschulen
In den Polytechnischen Schulen wird das Hauptaugenmerk darauf gelegt, die Schülerinnen und Schüler gut auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Dafür wird das Beratungs- und Betreuungssystem weiter ausgebaut
Qualitätsmanagement – und steigerung durch Förderkonzepte, spezielle Angebote für ein gutes Miteinander an der Schule, Bildungsstandards, Gesundheits- und Bewegungsförderung
Die Aufnahme ins Gymnasium soll nicht nur durch die Volksschulnote, sondern durch ein eigenes Aufnahmeverfahren erfolgen. Das derzeitige System fördert die Abhängigkeit der Schullaufbahn vom sozioökonomischen Status der Eltern. (Die Benotung in den 4. Klasse der Volksschulen wird evaluiert, v.a. die Veränderungen und „signifikanten Verbesserungen“ und durch zusätzliche kompetenzbezogene Rückmeldungen erweitert)
Um den wichtigen Übergang von der Volksschule in die Sekundarstufe I (Hauptschule/Mittelschule oder Gymnasium) gut vorbereiten und begleiten zu können, werden ab dem Schuljahr 2010/11 in der 3. Klasse Volksschule Lernstandserhebungen durchgeführt. Standardisierte Tests in den dritten und vierten Klassen tragen dazu bei, die Potentiale und Fähigkeiten der jungen Leute richtig einzuschätzen. Die Lehrpersonen können daraus Impulse zur gezielten Gestaltung des Unterrichts setzen, mit den Eltern kommunizieren und eine Empfehlung für den weiteren Bildungsweg aussprechen.
Einwöchiges Praktikum in der Oberstufe für alle Schüler/innen in einem Betrieb nach Wahl, um praxisorientiertes Lernen zu ermöglichen
Weiterentwicklung der Studiengänge der Fachhochschule Vorarlberg und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg
Betonung der Wichtigkeit dualer Ausbildung – Bildungsdebatte zu stark auf Matura und Hochschulabschluss fixiert – Österreich erreicht 81 (bei den 25-64-Jährigen) bzw. 88 % bei den 25-34-Jährigen bei der Sekundarabschlussquote, der OECD-Schnitt ist 68 (bei den 25-64-Jährigen) bzw. 77 % bei den 25-34-Jährigen; diese Quote (bei den 25-34-Jährigen) beträgt EU-weit 82 %, in Großbritannien 77 %, in Italien 69 % und in Spanien 65 % - alles sind „Gesamtschulländer“
Geschlechtsspezifischer Ansatz (Buben-, Mädchenförderung)
Ethik als Pflichtfach, wenn der Religionsunterricht nicht besucht wird
Pflichtfach „Politische Bildung“ in der 8. Schulstufe, da die Jugendlichen mit 16 bereits wahlberechtigt sind. Bis zur Verwirklichung dieser Forderung müssen ab sofort 20 % der Geschichte- und Geographiestunden der Politischen Bildung gewidmet werden
Berufsorientierung in der Schule ausbauen – Schnuppern am Arbeitsplatz ermöglichen
Feedbackkultur, Evaluation müssen selbstverständlich werden
Administrative Entlastung der Schulen, v.a. der Pflichtschulen
Flexiblere Ferienordnung für Pflichtschüler
Durch das Modell „Vorarlberger Mittelschule“ soll die Chance für die Aufnahme von Schülern in höhere Schulen, insbesondere der Oberstufe des Gymnasiums, verbessert werden
Bestehende Fördersysteme an den Schulen ausbauen und verpflichtend vorsehen
Verstärkte und qualitativ bessere Nachmittagsbetreuung auf freiwilliger Basis - sie soll pflichtig werden, wenn im Wege der Jugendwohlfahrt festgestellt wird, dass Eltern ihre Erziehungsaufgabe nicht wahrnehmen
Modelle mit „verschränkter“ Ganztagsschule
Zusammenfassung von Schülern aus Klein- und Kleinstschulen zu Verbünden
Beratung und Hilfe in Konfliktsituationen – für Schüler und Lehrer – auch durch externe Kräfte, wenn das schuleigene Personal an Grenzen gelangt - Einsatz von eigenen Erziehern an den Schulen
Einhaltung der Klassenschülerhöchstzahl 25, um gutes individuelles Lernen möglich zu machen
Klare und offen gelegte Beurteilungskriterien bei der Notengebung
Mitspracherechte der Schüler/innen bei der Schwerpunktsetzung
Verländerung der Schulstruktur, um besser auf regionale und lokale Besonderheiten reagieren zu können – ländliche Gebiete und Ballungsräume unterscheiden sich zunehmend! Die Personalhoheit im Schulwesen soll weiterhin bei den Ländern und Landesschulräten bzw. Bildungsregionen bleiben, wie das seit 1945 der Fall ist; zentral beim Bund sollen die Bildungsinhalte – Lehrpläne, Prüfungsvorschriften, etc.- sein. Die Kompetenzen sollten immer dort sein, wo sie am effektivsten wahrgenommen werden können
Das Dienst- und Besoldungsrecht der Lehrer muss an die neuen Herausforderungen angepasst und eine Leistungskomponente mit eingebaut werden (Höhere Grundgehälter – flacherer Anstieg der Gehaltskurve) – jüngere Lehrer sollen mehr verdienen können, wenn sie mehr arbeiten
Unterstützung für Lehrer in Klassen mit hohem Migrantenanteil
Lehrerpersönlichkeit stärker in den Mittelpunkt stellen – Respekt für Lehrer – mehr gesellschaftliche Anerkennung für den Lehrerstand
Lehrer entscheiden, welches Kind die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen muss (z.B., dass ein Kind verstärkte schulische Förderung bzw. Lernbetreuung benötigt.)
Lehrer dürfen mehr entscheiden, v.a. auch die Schullaufbahn der Kinder (z.B. neben der reinen Ziffernnote sind die Lehrerempfehlung und Kompetenzmessungen ab der 3. Klasse Volksschule, z.B. Lernstandserhebungen, ausschlaggebend für die weitere Schullaufbahn)
Erziehungsfunktion des Lehrers betonen
Berufspraktikum in der Wirtschaft für alle Lehrer (derzeit für Junglehrer 5 Tage)
Pädagogisches Aufnahmeverfahren für zukünftige Lehrer durch frühzeitigen starken Praxisbezug weiter verbessern
Verpflichtende Führungsausbildung für Lehrer (als Klassenlehrer, Klassenvorstände, Abteilungsleiter, Projektbeauftragte, Leiter von Elternabenden, etc.)
Lehrerfortbildung ist eine Führungsaufgabe der Schulleitung
Führungspersönlichkeiten im Schulbereich, insbesondere Direktoren, müssen besser ausgebildet und deutlich besser bezahlt werden – Verbreiterung der Führungsstruktur in der Schule durch mehr Ressourcen – Vizedirektoren, Sekretär/innen v.a. für Pflichtschulen
Die Qualität der Schule steht und fällt mit der Qualität der Lehrenden
Überlegungen, wie qualifizierte Personen mit „nichtformalen Qualifikationen“ ohne Lehramt für den Lehrerberuf gewonnen werden können - angesichts des sich abzeichnenden Lehrermangels
Förderungen für Berufsreifeprüfung nicht erst nach der Gesamtmatura, sondern auch nach Teilprüfungen ausbezahlen
Selbsterhalterstipendium (€ 800,-) als bestehende, großzügige Studienförderung stärker propagieren
Die vorgeschlagenen Maßnahmen müssen innerhalb des ÖAAB und der ÖVP mehrheitsfähig gemacht werden
Da größtenteils bundesgesetzliche Regelungen notwendig sind, werden die entsprechenden Initiativen von Vorarlbergern Mandataren zu setzen sein
Dort, wo landesweite Initiativen möglich sind, etwa beim Modell „Vorarlberger Mittelschule“ oder der Evaluation bzw. Erweiterung der Volksschulnoten durch kompetenzbezogene Rückmeldungen in der 3. und 4. Klasse, werden diese gesetzt und aktiv der Öffentlichkeit vorgestellt

References: Art. 24
 § 8
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 Art. 24
 § 19
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