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Gewerbesteuer für GbR Grafikdesign/Kommunikation
30.11.2012 13:03 |
Ist unsere GbR Gewerbesteuerpflichtig?
Wir sind zwei Freiberufler, die sich zu einer GbR zusammengeschlossen haben. Einer ist Grafikdesigner und in der Künstlersozialkasse, einer Germanist/Lektor und nicht in der Künstlersozialkasse (nie Antrag gestellt). Beide arbeiten vernachlässigbar sehr geringfügig seit Jahren auch auf eigene Rechnung.
In der GbR bieten wir Design und Kommunikation an. Unsere Leistungen sind klassischerweise Grafikdesign, Layout, Satz, Texterstellung, Konzept, Marketing, Beratung für Drucksachen sowie Digitales (Web).
Wir bieten aber unsere Leistungen komplett bis zur Umsetzung an, d.h. über unser Konto laufen auch Leistungen Dritter, die wir meist mit Aufschlag weiterverkaufen. Dazu gehören (aus unserer Sicht weitere freiberufliche Leistungen) Programmierung für Websites, Suchmaschinenoptimierung, PR-Leistungen sowie Motiondesign, Musik und Sprecher für Imagefilme. Aber auch die Herstellung von Drucksachen, Merchandisingartikeln, Plotts, Schildern gehört dazu.
Insgesamt beträgt der Materialeinsatz 50% des Umsatzes, darein fallen aber auch Personalkosten unserer Festangestellten. Die Drucksachen nehmen ca. 25 % ein.
Unser Steuerbüro hat von uns nun schon 2010 gefordert, Gewerbesteuer zu zahlen. Gewerblich gemeldet sind wir aber nicht. Immer mehr Leute sagen uns aber, dass wir kein Gewerbebetrieb sind. Daher wünsche ich die Auskünfte eines Anwalts:
Wie würden Sie uns einstufen bzw. was muss für eine Freiberuflichkeit gewährleistet sein?
Wie sollen wir uns verhalten, da 2010 gezahlt wurde, wir das aber (ab jetzt) möglichst nicht mehr möchten.
Gibt es Modelle, die Gewerbesteuer nur für den gewerblichen Anteil zu zahlen?
2010 ging es um 50.000 (4.000€ Gewerbesteuer, nach Anrechnung auf das Einkommen gezahlt 1.300 EUR Gewerbesteuer), jetzt um 100.000 EUR Gewinn und 12.000 EUR Gewerbesteuer.
Ich bitte um eine vollständige Antwort ohne Hinweis auf eine weitere Beratung. Da wir den Abschluss 2011 jetzt machen müssen, freue ich mich über eine schnelle Antwort.
Bitte beachten Sie, dass dieses Forum zur Beantwortung einer Frage nur 2 Stunden Zeit lässt. Daher nenne ich zuerst einige Abgrenzungskriterien und versuche Ihnen dann Wege auf zu zeigen.
A) Eine GbR ist gewerbesteuerpflichtig, soweit sie ein Gewerbe ausübt (vgl. § 2 Abs. 1 GewStG). Gewerbe bestimmt sich nach § 15 GewStG.
Grundsätzlich ist es so, dass Einkünfte der sog. freien Berufe, der sonstigen Selbständigen und der Land- und Forstwirte nicht der Gewerbesteuer unterliegen, § 2 GewStG.
Sie müssten daher freie Berufe ausüben, um nicht der Gewerbesteuer zu unterliegen. Dies bestimmt sich nach §18 Abs 1 EStG: "Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. 2Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe. " Dieser Katalog ist abschließend.
"Ähnliche Berufe" liegen vor, wenn sie in wesentlichen Punkten mit einem Katalogberuf verglichen werden können. Dazu gehören die Vergleichbarkeit der Ausbildung und der beruflichen Tätigkeit, BFH vom 12.10.1989.
Sie könnten aber auch gem. § 18 Abs. 3 EStG über Einkünfte aus sonstiger selbständiger Tätigkeit verfügen. Eine sonstige selbständige Tätigkeit i. S. d. § 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG wird in der Regel gelegentlich und nur ausnahmsweise nachhaltig ausgeübt (BFH vom Urteil vom 28.6.2001)
Ferner ist zu beachten, dass die Erzielung der Einkünfte aus selbstständiger Arbeit sich von der gewerblichen Einkunftserzielung vor allem dadurch unterscheidet, dass die persönliche Arbeitsleistung des Steuerpflichtigen überwiegt. Ein Angehöriger eines freien Berufs ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient. Die Mithilfe nichtqualifizierter Arbeitskräfte, die nicht die Voraussetzungen für die Ausübung des freien Berufs erfüllen, ist unschädlich.
Grundsätzlich gilt: Sofern ein Steuerpflichtiger sowohl eine freiberufliche als auch eine gewerbliche Tätigkeit ausübt, so sind die Tätigkeiten nach der Rechtsprechung zu trennen, sofern dies nach der Verkehrsauffassung möglich ist. Inwiefern die bei Ihnen möglich ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Grundsätzlich hat der Steuerpflichtige nachzuweisen, dass er einem "selbstständigen Beruf" nachgeht.
B) Dies alles vorausgeschickt, gilt es, Ihre Arbeit dementsprechend zu würdigen.
Erfolgsversprechend scheint mir insbesondere künstlerisch-gestalterische Tätigkeiten hervorzuheben.
Als Beispiel nehme ich nun Grafik-Design und Programmierung. Früher konnten nur Programmierer, die Systemsoftware programmierten und IT-Ausbildungen absolviert hatten als Selbstständige klassifiziert werden. Heute kann auch ein Programmierer für Anwendungssoftware selbständig sein.
Bei einem Grafikdesigner wird die künstlerische Tätigkeit nicht aus zu schließen sein.
Bei Ihnen wird dennoch vieles für eine insgesamt gewerbliche Tätigkeit sprechen, im ersten Moment der Lektüre hatte ich gar keinen Zweifel. Die Fragen auf die es nunmehr ankommt sind: ist es möglich, Ihre Tätigkeiten so zu beschreiben, dass diese sinnvoller Weise als selbstständige Tätigkeiten erscheinen, und lassen sich die freiberuflichen ggfs. von den gewerblichen Tätigkeiten trennen?
Leider kann ich anhand der fehlenden Kenntnisse Ihrer genauen Tätigkeiten und der kürze der Zeit keine präzise Einschätzung geben. Man müsste dies tatsächlich systematisch, Schritt für Schritt an Ihrer konkreten Tätigkeit prüfen und dann darstellen. Aber auch hier würde ich Zweifeln, dass der Nachweis von Freiberuf/Selbstständigkeit gelingen wird - und es käme ja darauf an, dass Sie dies dem Finanzamt plausibel machen.
Ich hoffe, Sie verzeihen, dass ich keine abschliessende Antwort gegen konnte, ersehen aber aus meiner Antwort, warum eine abschliessende Antwort schlechterdings Unfug wäre. Weiter hoffe ich, Ihnen so weitergeholfen zu haben.
Nachfrage vom Fragesteller	30.11.2012 | 16:58
erst einmal herzlichen Dank für die schnelle Antwort. Leider bin ich jedoch enttäuscht, da Sie anscheinend unser Metier nicht kennen. Ich hätte mir eine Antwort von einem darin Erfahrenen gewünscht, da die Frage sich doch genau auf die Abgrenzung von freiberuflicher zu gewerblicher Tätigkeit in unserem Metier Design und Kommunikation bezieht.
Sie aber schreiben allgemein über Selbstständigkeit. Ihr Hinweis, dass man die Selbstständigkeit nachweisen muss, ist doch irrelevant für die Frage der Gewerbesteuer, relevant ist, ob es freiberufliche Tätigkeit ist. So ist mir ihr Absatz zum Programmierer unverständlich. Der Hinweis, dass Programmierer von Anwendungssoftware jetzt auch selbstständig sein dürfen ist doch irgendwie unlogisch, denn wenn der vorher schon weisungsfrei und auf eigene Rechnung gearbeitet hat, war er doch selbstständig, die Frage ist, ob er freiberuflich ist, um nicht unter die Gewerbesteuer zu fallen.
Dafür habe ich Ihnen die Tätigkeiten genannt, die wir machen:
"Grafikdesign, Layout, Satz, Texterstellung, Konzept, Marketing, Beratung für Drucksachen sowie Digitales (Web)."
"Leistungen Dritter, die wir meist mit Aufschlag weiterverkaufen. Dazu gehören (aus unserer Sicht weitere freiberufliche Leistungen) Programmierung für Websites, Suchmaschinenoptimierung, PR-Leistungen sowie Motiondesign, Musik und Sprecher für Imagefilme."
Gewerblich ist m.E. "die Herstellung von Drucksachen, Merchandisingartikeln, Plotts, Schildern"
Ich schrieb, dass wir beide als Freiberufler eingestuft sind, die Zugehörigkeit zur Künstlersozialkasse unterstreicht das. Und mir geht es genau um die Frage, zu wieviel Prozent man das sein muss.
Alle Subunternehmer im Bereich Grafikdesign und Text, die wir beauftragen, sind Freiberufler und damit gewerbesteuerfrei, warum sind wir das dann nicht (mehr)? Weil wir mit diesen Leistungen handeln bzw. zu einem höheren Prozentsatz unseres Umsatzes Drucksachen weiterverkaufen? Darauf bezog sich meine Frage und darauf, ob Sie einen Weg kennen, wie man das ansonsten trennen kann, um nur für den gewerblichen Part Gewerbesteuer zu zahlen.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.11.2012 | 17:35
Hallo, ich antworte schon mal vorab, ergänze Ihnen die Antwort aber noch einmal.
Selbstständigkeit und Freiberuflichkeit werden beide im gleichen Paragraphen (18 EStG) geregelt, daher habe ich sie evtl. teilweise nicht scharf genug abgegrenzt, ich bitte das zu verzeihen
Selbstverständlich weiss ich, was ein Designbüro macht. Mir ging es darum, die Kriterien darzulegen, die erfüllt werden müssen, damit ein Designbüro freiberuflich/selbstständig ist. Hier müsste man dann schon stark in die Details gehen.
Bspw. wurde ein Programmierer bisher immer als gewerblich eingestuft, man kann es aber auch anders sehen - so neuerdings der BFH.
Verkauf und Vermittlung von Leistungen Dritter sind hingegen 100% gewerblich.
Auch bei "Marketing und Beratung für Drucksachen" sehe ich keine Grund, warum hier ein Freiberuflichkeit vorliegen sollte. Man müsste diese Tätigkeiten also entweder anders beschreiben oder aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Eine "Neubeschreibung" müsste man aber zusammen entwickeln, die ist innerhalb von 2 Stunden anhand von ein paar Begriffen tatsächlich nicht möglich.
Die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse ist leider höchstens ein Indiz, aber kein Beweis für eine freiberufliche Tätigkeit.
Schwerwiegender ist das Problem, dass alle Einkünfte der Gesellschafter einer GbR aus freiberuflicher Tätigkeit stammen müssen. Wird auch nur ein Gesellschafter als gewerblich qualifiziert, führt dies dazu, dass die gesamten Einkünfte der GbR, als gewerblich eingestuft werden.
Sobald in der GbR einzelne Tätigkeiten ausgeübt werden, die als gewerblich eingestuft werden, führt dies regelmäßig dazu dass die gesamten Einnahmen als Gewerbeeinnahmen betrachtet werden, selbst dann, wenn die daraus erzielten Einnahmen nur äußerst gering sind.
Es ist aber so, dass eine GbR sowohl freiberufliche als auch gewerbliche Einkünfte haben kann, wenn zwei Gesellschaften, die durchaus personenidentisch sein können, bestehen. Entscheidend dafür ist, dass beide Gesellschaften nach außen im Rechtsverkehr gegenüber Dritten eigenständig aufgetreten und eine voneinander abgrenzbare eigene Tätigkeit entfalten.
Sie müssen daher sicherstellen, dass Sie entweder keine gewerblichen Tätigkeiten anbieten - hier kommt es wesentlich auf die Darstellung an - oder falls dies nicht gelingt, die gewerblichen Tätigkeiten auslagern.
Rufen Sie mich gern kurz an, wenn Sie Verständnisfragen haben. Die Thematik ist recht komplex und das Vokabular nicht gerade eingängig, daher bitte ich schon mal um Verzeihung, wenn ich mich erneut unverständlich ausgedrückt haben sollte.
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