Source: https://www.fahrerflucht.org/unfall/
Timestamp: 2019-02-15 23:56:11+00:00

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Unfall im deutschen Straßenverkehr: Die wichtigsten Infos!
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Unfall gebaut? So geht es jetzt weiter!
Die Deutschen fahren gerne und oft zu schnell – das ist kein Geheimnis. Dass sie dabei jedoch nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer einer nicht einschätzbaren Gefahr aussetzen, blenden die meisten wohl schlichtweg aus, wenn sie wie von der Tarantel gestochen über die Fahrbahn brettern. Dem Statistischen Bundesamt zufolge kam es im Jahr 2015 im Durchschnitt alle 13 Sekunden zu einem Unfall im deutschen Straßenverkehr.
Nach einem Unfall im Straßenverkehr wissen viele Fahrer nicht, wie sie sich verhalten sollen.
Sicherlich kann nicht jeder Verkehrsunfall auf eine überhöhte Geschwindigkeit zurückgeführt werden, allerdings ist nur allzu oft das Fehlverhalten von Kraftfahrern der Grund dafür, dass es auf deutschen Straßen kracht. Die einen biegen falsch ab, die anderen missachten die Vorfahrtsregeln oder setzen sich noch hinters Steuer, obwohl sie unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stehen.
In diesem Ratgeber informieren wir Sie darüber, wie Sie sich nach einem Unfall verhalten sollten, ob immer die Polizei gerufen werden muss und welche Punkte ein Unfallbericht in jedem Fall erfüllen sollte. Zusätzlich klären wir, wann es sich nach einem Autounfall um Fahrerflucht handelt und welche Strafe in einem solchen Fall zu erwarten ist. Abschließend geben wir Ihnen einen Überblick über einige verschiedene Unfallarten und ihre Besonderheiten.
Inhalt: Unfall gebaut? So geht es jetzt weiter!
1 Das korrekte Verhalten nach einem Unfall
1.1 Verbandskasten: Was muss drin sein?
1.2 Welchen Zweck verfolgt eine Rettungskarte?
2 Muss nach einem Unfall immer die Polizei gerufen werden?
2.1 Wieso ist ein Unfallbericht notwendig?
3 Wann handelt es sich um unerlaubtes Entfernen vom Unfallort?
3.1 Unfall mit anschließender Fahrerflucht: Weitere Straftatbestände
3.1.1 Tödlicher Unfall: Kommt eine fahrlässige Tötung infrage?
4 Zusammenfassung verschiedener Unfallarten
4.1 Unfall auf der Autobahn: Gefahr einer Massenkarambolage
4.2 Motorradunfall: Das Verletzungsrisiko ist immens
4.3 Wildunfall: Wenn Auto und Wildtier kollidieren
4.4 Gefahrgutunfall: Risiko für Mensch und Umwelt
5 Womit müssen sogenannte „Gaffer“ bei einem Unfall rechnen?
6 Zusammenfassung der wichtigsten Fakten zum Thema Unfall:
Auch wenn teilweise unzählige Faktoren dabei eine Rolle spielen, weshalb es immer wieder zu Unfällen im Verkehr kommt, können doch drei Hauptgründe genannt werden:
Die vorliegende Situation wird falsch eingeschätzt
Der betroffene Fahrer verstößt gegen das Verkehrsrecht
Es liegt ein technischer Defekt am Fahrzeug vor
Die möglichen Ursachen für einen Unfall sind breit gefächert.
Unabhängig davon, welche Ursache maßgeblich für den Zusammenstoß war, sollten Sie sich im Anschluss daran folgendermaßen verhalten:
Warnblinkanlage einschalten: Damit nicht noch weitere Fahrzeuge in die Unfallstelle rauschen, sollten Sie diese rechtzeitig vorwarnen.
Warnweste überziehen: Um von anderen Fahrern nicht übersehen zu werden, sollten Sie die Weste bereits im Auto umlegen. Aus diesem Grund ist es klug, sie im Handschuhfach aufzubewahren und nicht in der hintersten Ecke im Kofferraum.
Warndreieck aufstellen: Dadurch wird gewährleistet, dass andere Autofahrer sich bereits auf eine Unfallstelle einstellen können, obwohl sie noch einige Meter davon entfernt sind. Auf der Autobahn sollte das Warndreieck 150 Meter vom Unfallort aufgestellt werden, auf Landstraßen sollten 100 Meter und innerhalb geschlossener Ortschaften 50 Meter ausreichen.
Überblick verschaffen: Wurden Personen verletzt oder kam es lediglich zu einem Blechschaden? Sind möglicherweise Menschen in ihren Fahrzeugen eingeklemmt und können sich nicht selbst befreien?
Notarzt verständigen: Unter der Telefonnummer 112 erreichen Sie die nächstgelegene Notrufstelle. Seien Sie darauf vorbereitet, die 5 W-Fragen beantworten zu können (Wo, Was, Wie viele Verletzte, Welche Verletzungen, Warten). Dadurch wissen die Rettungskräfte direkt, was sie am Unfallort erwartet.
Erste Hilfe leisten: Bleiben Sie bei den Verletzten und kümmern sich um sie, so gut es geht, bis der Notarzt sowie die Polizei eintreffen. Die Rettungskräfte übernehmen dann die Versorgung der Unfallopfer, wobei die Polizei sich mit der Unfallaufnahme befasst.
Wichtig: Gerade wenn Personen bei einem Unfall zu Schaden kamen, zählt jede Sekunde. Sie sollten daher nicht unnötig Zeit verschwenden, sondern sich nach einem Unfall im Straßenverkehr schnell an die Arbeit machen und die Unfallstelle absichern, um so möglicherweise Leben zu retten.
Verbandskasten: Was muss drin sein?
Um nach einem Unfall helfen zu können, ist ein Verbandskasten von zentraler Wichtigkeit.
Um nach einem Unfall überhaupt in der Lage zu sein, Erste Hilfe zu leisten, bedarf es einiger Utensilien, die in der Regel in einem Verbandskasten Platz finden. Gemäß § 35h der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) sind Auto-, Lkw- sowie Busfahrer dazu verpflichtet, einen Verbandskasten mitzuführen. Bei mehr als 22 Sitzplätzen im Fahrzeug müssen es sogar zwei sein. Motorräder sind jedoch von der Pflicht befreit.
In Deutschland müssen Verbandskästen seit 2014 der DIN-Norm 13164 entsprechen und folgenden Inhalt aufweisen:
(Quelle: ADAC, Stand: März 2017)
Sind einzelne Bestandteile oder der gesamte Verbandskasten abgelaufen, haben Sie die Möglichkeit, die Teile auszutauschen oder einen neuen Kasten zu besorgen. Entgegen der Annahme einiger Verkehrsteilnehmer zieht ein abgelaufener Verbandskasten jedoch in der Regel kein Bußgeld nach sich.
Welchen Zweck verfolgt eine Rettungskarte?
Eine Rettungskarte kann den Rettungskräften nach einem Unfall die Arbeit erleichtern.
In gewissen Fällen ist es Unfallbeteiligten schlichtweg nicht möglich, Erste Hilfe nach einem Unfall zu leisten. Wurden Personen beispielsweise im Fahrzeug eingeklemmt und können sich nicht aus eigener Kraft befreien, sind sie gänzlich auf die Hilfe der Rettungskräfte angewiesen.
Sobald diese am Unfallort eingetroffen und sich ein Bild von der Situation gemacht haben, stellen sie nicht selten fest, dass sich die betroffenen Personen nur dann befreien lassen, wenn das Grundgerüst des Fahrzeugs zerstört wird. Damit stehen sie jedoch vor einer recht komplizierten und gefährlichen Aufgabe.
Schließlich unterscheidet sich der Fahrzeugaufbau je nach Automarke und das Risiko, die Airbags oder den Benzintank während der Rettungsaktion nach dem Unfall zu beschädigen, besteht ebenfalls. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Verschlimmerung der Verletzungen der eingeschlossenen Person führen. Um dem entgegenzuwirken, haben der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) die sogenannte Rettungskarte ins Leben gerufen.
Diese gibt Aufschluss darüber, wo sich gewisse Gerätschaften im jeweiligen Fahrzeugmodell befinden und erleichtert den Rettungskräften nach einem Unfall die Arbeit enorm. Anhand eines Aufklebers, den Kraftfahrer beim TÜV, bei der Dekra oder beim ADAC erhalten, werden die Helfer darauf hingewiesen, dass eine Rettungskarte vorhanden ist.
Es empfiehlt sich, diese in der Sonnenblende zu verstauen. Auf diese Weise kann eine schnelle und effiziente Rettungsaktion nach einem Unfall gewährleistet werden, damit die Verletzten die ärztliche Versorgung erhalten, die sie dringend benötigen. Eine Rettungskarte können sich Interessierte übrigens kostenlos beim jeweiligen Fahrzeughersteller besorgen.
Muss nach einem Unfall immer die Polizei gerufen werden?
Grundsätzlich haben Verkehrsteilnehmer nach einem Unfall immer die Option, diesen der Polizei zu melden. Verpflichtend ist dies normalerweise erst dann, wenn Personen im Zuge des Unfalls verletzt wurden. Die Beamten kümmern sich in diesem Fall um die Unfallaufnahme. Diese besteht daraus, Beweise zu sichern sowie Unfallbeteiligte und Zeugen zu befragen.
Nicht immer muss nach einem Unfall die Polizei gerufen werden.
Dokumentiert werden unter anderem der Unfallort an sich, entstandene Schäden an den Fahrzeugen sowie die jeweiligen Verletzungen der Geschädigten. In Bezug auf die Unfallabwicklung durch die Versicherung kann eine polizeiliche Unfallaufnahme zudem von Vorteil sein, da sie im Regelfall mehr Gewicht hat als ein selbstverfasster Bericht. Dies kann auch Auswirkungen auf das Schmerzensgeld haben.
Doch auch wenn niemand bei einem Unfall zu Schaden kam und lediglich ein paar Kratzer oder Dellen daraus resultierten, können Betroffene die Polizei hinzuziehen. Handelt es sich um einen sehr großen Schaden oder der Unfallgegner möchte seine persönlichen Daten nicht herausrücken, können die Beamten weiterhelfen.
Es existieren jedoch durchaus Situationen, in denen die Polizei nach einem Unfall nicht informiert werden muss. Kann die Schuldfrage beispielsweise mit Leichtigkeit geklärt werden und es wurde zudem niemand verletzt, können Sie getrost darauf verzichten. Dies gilt jedoch nicht für einen sogenannten Unfallbericht. Was es damit genau auf sich hat, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.
Wieso ist ein Unfallbericht notwendig?
Möchten Sie den Unfall der Versicherung melden, ist ein Unfallbericht normalerweise unverzichtbar. Dieser spielt vor allem in Bezug auf die Nachvollziehbarkeit der vorliegenden Schäden eine Rolle. Folgende Angaben sollen nach einem Unfall schriftlich festgehalten werden:
Persönliche Daten beider Fahrer (inkl. Zeugen)
Daten beider Fahrzeuge, die am Unfall beteiligt waren (Fahrzeugart, Versicherungsdaten, Kennzeichen, etc.)
Charakterisierung der Unfallstelle (inkl. spezielle Witterungs- oder Verkehrsverhältnisse zum Zeitpunkt des Unfalls)
Beschreibung des Unfallhergangs mithilfe einer sogenannten Unfallskizze (Wer kam aus welcher Richtung? Wie schnell waren die Fahrzeuge jeweils? Wieso geschah der Unfall?)
Dokumentation der vorliegenden Schäden (Fotos, Videos, etc.)
Wichtig: Ein Unfallbericht sollte von beiden Fahrern unterschrieben werden. Auf diese Weise können Unklarheiten, die möglicherweise erst im Nachhinein aufkommen, direkt ausgeschlossen werden.
Wann handelt es sich um unerlaubtes Entfernen vom Unfallort?
Kam es zu einem Unfall im Straßenverkehr, spielt sich wohl im Kopf eines jeden Verursachers ungefähr das Gleiche ab: Wenn ich jetzt anhalte, kommen unangenehme Folgen auf mich zu und es wird bestimmt teuer. Doch wenn ich jetzt schnell weiterfahre, kann ich dem Ganzen leicht aus dem Weg gehen. Nur allzu oft überwiegt dabei das zweite Szenario.
Einige Kraftfahrer begehen nach einem Unfall Fahrerflucht, um den drohenden Folgen aus dem Weg zu gehen.
Dass es sich dabei jedoch um Fahrer- bzw. Unfallflucht handelt und damit ein Straftatbestand erfüllt ist, scheint viele dabei nicht zu interessieren. Gemäß § 142 des Strafgesetzbuches (StGB) wird bei einer Anzeige wegen Fahrerflucht folgende Strafe fällig:
Sie sind demnach nach einem Unfall gesetzlich dazu verpflichtet, entweder eine angemessene Zeit auf den Besitzer des beschädigten Fahrzeugs zu warten (in etwa 20 bis 60 Minuten) oder direkt die Polizei zu verständigen. Es macht dabei übrigens zunächst einmal keinen Unterschied, ob Sie nach einem Parkrempler lediglich einen Kratzer hinterlassen oder ein Kfz völlig demoliert haben – machen Sie sich einfach aus dem Staub, handelt es sich um Fahrerflucht.
Eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren kann in diesem Fall auf Sie zukommen. Hinzu gesellen sich Ahndungen aus dem Verkehrsrecht: Drei Punkte in Flensburg, ein maximal dreimonatiges Fahrverbot sowie die Entziehung der Fahrerlaubnis können Sie ebenfalls ereilen, wenn Sie nach einem Unfall einfach das Weite suchen. Doch ist das alles oder können nach einem Unfall mit anschließender Fahrerflucht noch weitere Tatbestände erfüllt sein?
Unfall mit anschließender Fahrerflucht: Weitere Straftatbestände
Unterlassene Hilfeleistung kann zu einer Gefängnisstrafe führen.
Wurden bei einem Unfall Personen verletzt und Sie entfernten sich als Verursacher trotzdem unerlaubt vom Unfallort, sollten Sie sich warm anziehen. In diesem Fall ist es mit der in § 142 StGB genannten Strafe nicht getan.
Denn laut § 34 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) hat jeder Beteiligte nach einem Unfall die Pflicht, Erste Hilfe zu leisten und sich um Verletzte zu kümmern.
Gegen diesen Grundsatz verstoßen Sie jedoch, wenn Sie nach dem Unfall einfach weiterfahren, obwohl durch Ihr Fehlverhalten andere Verkehrsteilnehmer zu Schaden kamen. Zudem handelt es sich dabei um unterlassene Hilfeleistung. Die dazugehörige Strafe befindet sich in § 323c StGB:
Auch eine fahrlässige Körperverletzung kann Ihnen nach einem Unfall mit anschließender Fahrerflucht vorgeworfen werden. Ging den Verletzungen des Opfers eine Pflichtverletzung Ihrerseits voraus – etwa weil Sie trotz Überholverbot überholt oder eine rote Ampel überfahren haben und es dadurch zum Crash kam – so steht dieses Verhalten in direkter Relation zu den Schäden, die das Opfer davongetragen hat. Gemäß § 229 StGB wird eine fahrlässige Körperverletzung mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet.
Tödlicher Unfall: Kommt eine fahrlässige Tötung infrage?
Wird eine Person im Zuge des Unfalls nicht nur verletzt, sondern stirbt, keimt schnell der Verdacht der fahrlässigen Tötung auf. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Tod der betroffenen Person hätte verhindert werden können, wenn sich der Fahrer anders bzw. pflichtbewusster verhalten hätte. Lässt er sich ablenken oder spielt mit dem Handy während der Fahrt herum, handelt es sich oftmals um einen Unfall aus Fahrlässigkeit.
Es müssen dabei jedoch stets die jeweiligen Umstände der Tat genau beleuchtet werden. Untersuchungen der Polizei sollten in der Regel Aufschluss darüber geben, ob der tödliche Unfall überhaupt durch ein angemesseneres Verhalten hätte verhindert werden können oder ob es so oder so dazu gekommen wäre. Gemäß § 222 StGB droht bei einer fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.
Zusammenfassung verschiedener Unfallarten
In Bezug auf das angemessene Verhalten nach einem Unfall macht es an und für sich keinen Unterschied, wo sich dieser ereignet hat oder welche Umstände dabei eine Rolle spielten.
Egal ob Lkw-, Auto- oder Traktorunfall: Wenn es gekracht hat, sollten Sie sich entsprechend der Umstände verhalten.
Jedoch existieren Unfallarten, bei denen Sie gewisse Besonderheiten nicht außer Acht lassen sollten. Einige dieser Unfälle stellen wir Ihnen im Folgenden vor.
Unfall auf der Autobahn: Gefahr einer Massenkarambolage
Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten, die auf deutschen Autobahnen teilweise gefahren werden, ist das Unfallrisiko um einiges höher. Übersieht ein Fahrer beispielsweise den Blinker oder die Bremslichter eines anderen Fahrzeugs, kann es schnell zu einem Auffahrunfall kommen. Sollte dies der Fall sein, ist es von zentraler Wichtigkeit, schnell zu handeln.
Da der Unfall nicht sofort von den anderen zahlreichen Kraftfahrern auf der Autobahn bemerkt wird, besteht die Gefahr einer Massenkarambolage, bei welcher gleich mehrere Fahrzeuge ineinander rauschen. Einen solchen Massenunfall gilt es unbedingt zu vermeiden, weshalb die Unfallstelle so schnell wie möglich auch als solche gekennzeichnet werden sollte.
Achten Sie jedoch darauf, nicht einfach aus Ihrem Kfz auszusteigen, ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass dies gefahrlos möglich ist. Ansonsten könnten Sie von nachfolgenden Fahrzeugen erfasst werden. Ist die Luft rein, versuchen Sie, sich hinter der Leitplanke in Sicherheit zu bringen. Das Verletzungsrisiko ist bei einer Massenkarambolage ziemlich hoch, sodass sich schnell ein tödlicher Verkehrsunfall daraus entwickeln kann. Daher sollte so schnell wie möglich ein Notruf abgesetzt werden.
Motorradunfall: Das Verletzungsrisiko ist immens
Da Motorradfahrer bei einem Unfall sich nicht auf eine Knautschzone oder Airbags verlassen können, wie es bei Autofahrern der Fall ist, tragen sie meist auch weitaus schlimmere Schäden davon. Schwere Verletzungen am Kopf, der Hüfte, den Beinen oder den Füßen sind keine Seltenheit. Auch sogenannte „Polytraumata“, also mehrere gleichzeitig erlittene Verletzungen, stehen bei einem Motorradunfall an der Tagesordnung.
Die Verletzungen fallen nach einem Motorradunfall meist um einiges gravierender aus.
Im Vergleich zu einem Unfall mit dem Pkw ist das Risiko, dass ein Motorradunfall tödlich endet, 14 Mal so hoch. Daher sollten sich Motorradfahrer zumindest an die seit 1976 in Deutschland geltende Helmpflicht halten.
Auch entsprechende Schutzkleidung (Lederkombi, Handschuhe, Stiefel, etc.) ist empfehlenswert, um zumindest Schürfwunden weitgehend zu vermeiden. Kam es zu einem Unfall mit einem Motorrad, bei dem der Biker verletzt wurde, kommt immer wieder die Frage auf, ob ihm der Helm abgenommen werden sollte oder nicht.
Es gilt dabei: Solange der Geschädigte atmet, einen Puls hat und bei Bewusstsein ist, sollten Sie den Helm nicht entfernen. Verletzungen am Hals könnten sich dadurch verschlimmern. Hat er jedoch keinen Puls bzw. atmet nicht mehr, muss der Helm nach dem Unfall abgenommen werden, um wiederbelebende Maßnahme vornehmen zu können.
Wildunfall: Wenn Auto und Wildtier kollidieren
An gewissen Stellen vermischt sich der Lebensraum von Mensch und Tier. Landstraßen, die durch stark bewaldete Gebiete führen, sind prädestiniert für Unfälle mit Wild. Läuft Ihnen aus heiterem Himmel ein Reh oder ein Wildschwein vors Auto und es kommt zum Unfall, sollten Sie sich wie folgt verhalten:
Halten Sie nach dem Zusammenstoß unverzüglich an.
Sichern Sie die Unfallstelle ab (Warnblinkanlage einschalten, Warnweste überziehen, Warndreieck aufstellen)
Informieren Sie die Polizei und beschreiben möglichst genau, wo es zum Unfall kam.
Merken Sie sich die Fluchtrichtung des Wildtiers, wenn es durch die Kollision nur verletzt wurde.
Die Polizei kümmert sich nach einem Wildunfall normalerweise darum, den zuständigen Jagdpächter oder Förster zu informieren, damit dieser sich ebenfalls auf den Weg zum Unfallort machen kann. Anhand Ihrer Beschreibung der Fluchtrichtung kann er sich dann auf die Suche nach dem verletzten Tier machen.
Wurde das Wild bei dem Unfall getötet, organisiert der Förster bzw. Jagdpächter den Abtransport des Tieres. Im Anschluss erhalten Sie von ihm eine Unfallbescheinigung für die Versicherung.
Gefahrgutunfall: Risiko für Mensch und Umwelt
Wurden Sie in einen Unfall mit Gefahrgut verwickelt, sollten Sie unbedingt Abstand zur Unfallstelle halten.
Als Gefahrgut werden bestimmte Flüssigkeiten oder Stoffe angesehen, die eine Schädigung der Natur oder des Menschen nach sich ziehen können.
Lkw, die solche Güter transportieren, müssen sich daher an spezielle Sicherheitsbestimmungen halten. Kommt es zu einem Unfall mit einem solchen Lkw, gelten daher etwas abgeänderte Regeln als sonst:
Nähern Sie als sich Ersthelfer in keinem Fall der Gefahrenstelle, sondern warten auf speziell dafür ausgebildete Einsatzkräfte der Feuerwehr.
Halten Sie einen Mindestabstand von 60 Metern zur Unfallstelle ein.
Vermeiden Sie jeglichen Kontakt mit dem geladenen Gefahrgut, um Ihre eigene Gesundheit nicht zu gefährden.
Selbst dann, wenn Personen bei dem Unfall verletzt wurden und Hilfe benötigen, sollten Sie der Gefahrenstelle nicht zu nahe kommen. Diese Aufgabe ist ausschließlich den speziellen Einsatzkräften der Feuerwehr vorbehalten, die sich professionell um die Bergung der Verletzten nach dem Unfall kümmern können und sich danach den gefährlichen Gütern widmen.
Womit müssen sogenannte „Gaffer“ bei einem Unfall rechnen?
Als „Gaffer“ werden Schaulustige bezeichnet, die direkt zur Stelle sind, wenn es zu einem Unfall im Straßenverkehr kam. Da sie auf keinen Fall etwas verpassen wollen, drängen sie sich nicht selten um die Unfallstelle oder fahren sogar absichtlich langsam daran vorbei, um eine Runde zu „gaffen“. Dadurch erschweren sie die Arbeit der Rettungskräfte jedoch ungemein.
“Gaffer” müssen mit einem Bußgeld oder schlimmerem rechnen, wenn sie die Rettungskräfte behindern.
Ist die Straße nach einem Unfall durch Schaulustige schlichtweg verstopft und weder Polizei noch Krankenwagen oder Notarzt können sich ihren Weg durch die Menschenmassen bahnen, bedeutet dies automatisch, dass verletzte Personen länger auf Hilfe warten müssen als notwendig. Gerade bei einem schweren Unfall entscheiden Sekunden über Leben oder Tod, weshalb „Gaffer“ für ein solches Verhalten entsprechende Ahndungen fürchten müssen.
Beim „Gaffen“ allein handelt es sich zunächst noch nicht um eine Straftat, sondern um eine Ordnungswidrigkeit. Je nachdem, wie schwer die vorliegende Tat war und welche Folgen sie nach sich zog, können zwischen 20 und 1.000 Euro fällig werden. Blockieren die Schaulustigen beispielsweise den Seitenstreifen und versperren Krankenwagen und Co. dadurch den Weg, kommt ein Verwarngeld in Höhe von 20 bis 25 Euro auf sie zu.
Wer lediglich das Geschehen nach dem Unfall beobachtet, anstatt zu helfen, macht sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Dies wird als Straftat gewertet, die laut § 323c StGB eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr nach sich zieht. Gaffer, die Fotos oder Videos von der Unfallstelle oder den Opfern selbst machen, verhalten sich nicht nur respektlos, sondern müssen dafür außerdem mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen.
Zusammenfassung der wichtigsten Fakten zum Thema Unfall:
Nach einem Unfall sollten Sie zunächst die Warnblinkanlage einschalten, eine Warnweste überziehen, ein Warndreieck aufstellen und im Anschluss den Notarzt verständigen sowie Erste Hilfe leisten.
Nach einem Unfall muss nicht immer die Polizei gerufen werden. Verpflichtend ist dies erst, wenn Personen verletzt wurden.
Wer sich nach einem Unfall einfach aus dem Staub macht, anstatt sich den Konsequenzen zu stellen, begeht Fahrerflucht.
Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.
Unter gewissen Voraussetzungen können außerdem die Straftatbestände der unterlassenen Hilfeleistung sowie der fahrlässigen Körperverletzung nach einem Unfall mit Fahrerflucht erfüllt sein.
Um nach einem Unfall auf der Autobahn das Risiko einer Massenkarambolage so gering wie möglich zu halten, sollte die Unfallstelle so schnell wie möglich als solche gekennzeichnet werden.
Kommt es zu einem Motorradunfall, sollten Sie dem Fahrer den Helm nur abnehmen, wenn er nicht mehr atmet und kein Puls zu fühlen ist. Denn dann müssen Sie lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten, die mit Helm nicht durchführbar sind.
Merken Sie sich nach einem Wildunfall die Fluchtrichtung des Tieres, falls dieses verletzt wegrennt. So kann sich der Förster oder Jagdpächter im Anschluss in dieser Richtung auf die Suche nach ihm machen.
Nähern Sie sich der Unfallstelle nach einem Gefahrgutunfall auch dann nicht, wenn Personen verletzt wurden. Diese Aufgabe ist ausschließlich speziellen Einsatzkräften der Feuerwehr vorbehalten.
Sogenannte „Gaffer“, die nach einem Unfall die Arbeit der Rettungskräfte behindern, müssen je nach vorliegender Tat mit hohen Geldstrafen oder sogar einer Freiheitsstrafe rechnen.

References: § 35
 § 142
 § 142
 § 34
 § 323
 § 229
 § 222
 § 323