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Timestamp: 2017-01-22 16:12:40+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 8 AZR 742/12
Arbeitsgericht Siegen, Schlussurteil vom 5.5.2011 - 1 Ca 1566/10Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 16.5.2012 - 3 Sa 1420/11
8 AZR 742/12 3 Sa 1420/11Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm Im Na­men des Vol­kes!
Verkündet am17. Ok­to­ber 2013
hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. Ok­to­ber 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger - 2 - so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter von Schuck­mann und Ave­na­ri­us für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 16. Mai 2012 - 3 Sa 1420/11 - wird zurück­ge­wie­sen.Die Kläge­rin hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.
Durch Rechts­an­walts­schrei­ben vom 22. No­vem­ber 2010 ließ die Kläge­rin der Be­klag­ten mit­tei­len, dass sie schwan­ger sei. Die Anwälte ba­ten die Be­klag­te zur Ver­mei­dung ei­ner Kla­ge bis zum 29. No­vem­ber 2010 mit­zu­tei­len, dass sie an der Kündi­gung „nicht fest­hal­te“. Mit wei­te­rem Schrei­ben vom - 3 - 25. No­vem­ber 2010 über­sand­ten sie ein ärzt­li­ches Schwan­ger­schaft­sat­test und teil­ten mit, dass ein ärzt­li­ches Beschäfti­gungs­ver­bot nach § 3 Abs. 1 MuSchG aus­ge­spro­chen wor­den sei. Am 29. No­vem­ber 2010 for­der­te die Be­klag­te die Kläge­rin auf, sich be­triebsärzt­lich un­ter­su­chen zu las­sen. Dar­auf­hin bestätig­te der Be­triebs­arzt un­ter dem 22. De­zem­ber 2010 so­wohl die be­ste­hen­de Schwan­ger­schaft als auch das Beschäfti­gungs­ver­bot.
Nach­dem die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten mit dem 2. Fe­bru­ar 2011 ihr Man­dat nie­der­ge­legt hat­ten, mel­de­ten sich mit Schrift­satz vom 4. März 2011 ih­re jet­zi­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten beim Ar­beits­ge­richt. Sie ver­wie­sen auf die be­reits er­folg­te „Rück­nah­me“ der Kündi­gung und stell­ten klar, dies sei als An­ge­bot zu ver­ste­hen, das Ar­beits­verhält­nis zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen. Dies­bezüglich setz­ten sie der Kläge­rin ei­ne Erklärungs­frist bis 25. März 2011. So­weit die Kläge­rin nun­mehr we­gen des Beschäfti­gungs­ver­bo­tes wei­te­re Ent­gelt­zah­lung ver­lan­ge, müsse zunächst geklärt wer-den, ob das Beschäfti­gungs­ver­bot sei­ne Ur­sa­che al­lein in der Schwan­ger­schaft ha­be. In die­sem Fall wer­de die Be­klag­te selbst­verständ­lich ih­rer Ver­pflich­tung aus § 11 MuSchG nach­kom­men, ihr sei das Er­stat­tungs­ver­fah­ren nach § 1 Abs. 2 Nr. 2 Auf­wen­dungs­aus­gleichs­ge­setz (AAG) be­kannt. Mit Schrei­ben vom 21. März 2011 mach­te die Kläge­rin gel­tend, von der Be­klag­ten dis­kri­mi­niert zu wer­den und for­der­te sie auf, die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung durch An­er­kennt­nis der Kla­ge zu bestäti­gen. Im Kam­mer­ter­min vor dem Ar­beits­ge­richt am 5. Mai 2011 ga­ben die Pro­zess­ver­tre­ter der Be­klag­ten ein An­er­kennt­nis hin­sicht­lich des Kündi­gungs­schutz­an­trags „vor dem Hin­ter­grund der heu­ti­gen Ver- - 4 - su­che ei­ner gütli­chen Ei­ni­gung im vor­lie­gen­den Rechts­streit“ ab. Ein ent­spre­chen­des Teil-An­er­kennt­nis­ur­teil wur­de vom Ar­beits­ge­richt er­las­sen.
So­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung hat die Kläge­rin be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 8.250,00 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank seit Kla­ge­er­wei­te­rung zu zah­len.
- 6 - ge­rin we­gen Ar­beits­unfähig­keit oder we­gen ei­nes Beschäfti­gungs­ver­bo­tes im Sin­ne des Mut­ter­schutz­ge­set­zes zu be­ach­ten ge­we­sen sei.
- 8 - ge­er­he­bung wahrt aber hin­sicht­lich der Sach­ver­hal­te „Fest­hal­ten an der Kündi­gung“ und „Streit um den Mut­ter­schutz­lohn“ die Frist des § 15 Abs. 4 AGG.
a) Dass der Kläge­rin als Frau ei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen wur­de, lässt für sich ge­nom­men kei­nen Schluss auf die Ver­mu­tung ei­ner Ursächlich­keit zwi­schen der (zu ih­ren Guns­ten als Be­nach­tei­li­gung ge­wer­te­ten) Kündi­gungs­erklärung und ih­rem Ge­schlecht als Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal zu. Ein in der Per­son des An­spruch­stel­lers erfüll­tes Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal ver­mag ei­ne über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit für ei­ne ge­setz­wid­ri­ge Mo­ti­va­ti­on der Kündi­gungs­ent­schei­dung oder de­ren Ver­knüpfung mit ei­nem pöna­li­sier­ten Merk­mal nach § 1 AGG nicht zu be­gründen (st. Rspr., vgl. BAG 22. Ok­to­ber 2009 - 8 AZR - 9 - 642/08 - Rn. 28 f.; zu­letzt 25. April 2013 - 8 AZR 287/08 - [Meis­ter] Rn. 37). Der während der Pro­be­zeit erklärten Kündi­gung sind - sie wur­de frist­gemäß erklärt - kei­ne Hin­wei­se für ei­ne An­knüpfung an ein Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal zu ent­neh­men. Die Be­klag­te hat die Kündi­gung auch erst aus­ge­spro­chen, nach-dem der sechswöchi­ge Zeit­raum für die Ent­gelt­fort­zah­lung nach § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG ab­ge­lau­fen war.
- 10 - Richt­li­nie 92/85 eben­falls al­lein auf die Tat­sa­che der Schwan­ger­schaft und nicht auf die Kennt­nis des Kündi­gen­den von die­ser ab­stellt (vgl. EuGH 29. Ok­to­ber 2009 - C-63/08 - [Pon­tin] Rn. 27, 37 bis 48, Slg. 2009, I-10467).
bb) Als ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft kann die zu­gangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung der Kündi­gung nach dem Zu­gang an den Gekündig­ten vom Kündi­gen­den grundsätz­lich nicht mehr ein­sei­tig zurück­ge­nom­men wer­den (BAG 29. Ja­nu­ar 1981 - 2 AZR 1055/78 - zu II 2 a der Gründe, BA­GE 35, 30; vgl. 26. No­vem­ber 1981 - 2 AZR 509/79 - BA­GE 37, 135; 19. Au­gust 1982 - 2 AZR 230/80 - zu II 2 a der Gründe, BA­GE 40, 56; Thüsing AuR 1996, 245; Fi­scher - 11 - NZA 1999, 459; Ha­Ko/Gall­ner 3. Aufl. § 4 KSchG Rn. 79). Die Ge­stal­tungs­wir­kung sei­ner Wil­lens­erklärung kann der kündi­gen­de Ar­beit­ge­ber nicht mehr al-lein be­sei­ti­gen, ei­ne ein­sei­ti­ge Kündi­gungsrück­nah­me ist ihm ver­wehrt. Die Wir­kun­gen ei­ner Kündi­gung können nur durch ei­ne Ver­ein­ba­rung be­sei­tigt wer­den, durch die der gekündig­te Ar­beit­neh­mer ein Fort­set­zungs­an­ge­bot des Ar­beit­ge­bers an­nimmt. Steht nicht endgültig fest, ob der Ar­beit­neh­mer das An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers auf Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­neh­men will, muss er vor­sorg­lich Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, um die Wir­kung des § 7 KSchG zu ver­mei­den. So­gar bei ei­ner of­fen­sicht­lich rechts­un­wirk­sa­men Kündi­gung gilt die Kündi­gung als von An­fang an rechts­wirk­sam, wenn der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer sich nicht recht­zei­tig mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­gen die Kündi­gung wen­det und ih­re Rechts­un­wirk­sam­keit nicht recht­zei­tig gel­tend macht.
- 12 - nis im Kam­mer­ter­min vom 5. Mai 2011 ge­tan. In­dizwir­kung iSd. § 22 AGG kommt ih­rem Ver­hal­ten je­doch nicht zu.
- 13 - (BAG 9. Ok­to­ber 2002 - 5 AZR 443/01 - zu I 6 der Gründe). Legt die Ar­beit­neh­me­rin trotz Auf­for­de­rung des Ar­beit­ge­bers kei­ne ent­spre­chen­de ärzt­li­che Be­schei­ni­gung vor, ist der Be­weis­wert ei­nes zunächst nicht näher be­gründe­ten ärzt­li­chen Beschäfti­gungs­ver­bo­tes erschüttert. Nur wenn der Ar­beit­ge­ber die tatsächli­chen Gründe des Beschäfti­gungs­ver­bo­tes kennt, kann er prüfen, ob er der Ar­beit­neh­me­rin ei­ne an­de­re zu­mut­ba­re Ar­beit zu­wei­sen kann, die dem Beschäfti­gungs­ver­bot nicht ent­ge­gen­steht. Das Mut­ter­schutz­ge­setz hin­dert den Ar­beit­ge­ber auch nicht, Umstände dar­zu­le­gen, die un­ge­ach­tet der me­di­zi­ni­schen Be­wer­tung den Schluss zu­las­sen, dass ein Beschäfti­gungs­ver­bot auf un­zu­tref­fen­den tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen be­ruht (BAG 7. No­vem­ber 2007 - 5 AZR 883/06 - Rn. 17 mwN, AP MuSchG 1968 § 3 Nr. 21 = EzA MuSchG § 3 Nr. 10).
b) Erst­ma­lig wur­de die Be­klag­te von den Anwälten der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 25. No­vem­ber 2010 da­von un­ter­rich­tet, dass für die Kläge­rin ein Beschäfti­gungs­ver­bot aus­ge­spro­chen und in­so­weit ei­ne Tätig­keit aus­ge­schlos­sen ist. Ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung ist da­bei nicht über­reicht wor­den, nur ei­ne Be­schei­ni­gung des Arz­tes über die Schwan­ger­schaft als sol­che. In der Fol­ge­zeit fand dann auf Ver­lan­gen der Be­klag­ten ei­ne be­triebsärzt­li­che Un­ter­su­chung der Kläge­rin statt. Der Be­triebs­arzt bestätig­te aus ar­beits­me­di­zi­ni­scher Sicht so­wohl die be­ste­hen­de Schwan­ger­schaft als auch das Beschäfti­gungs­ver­bot, das der be­han­deln­de Frau­en­arzt be­reits der Kran­ken­kas­se an­ge­zeigt hat­te. Mit Schrift­satz vom 4. März 2011 hat die Be­klag­te dann durch ih­ren neu­en Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten an­zwei­feln las­sen, dass das Beschäfti­gungs­ver­bot sei­nen Grund al­lein in der Schwan­ger­schaft hat. Gleich­zei­tig hat sie für den Fall, dass sich er­ge­ben soll­te, dass bei der Kläge­rin kein krank­haf­ter, die Ar­beits­unfähig­keit be­gründen­der Be­fund ge­ge­ben ist, die Be­ach­tung von § 11 MuSchG zu­ge­sagt und da­bei dar­auf ver­wie­sen, dass ihr das U2-Ver­fah­ren zum Aus­gleich des fort­zu­zah­len­den Ent­gel­tes be­kannt sei. Auf die­sen zu­tref­fen­den Hin­weis hat die Kläge­rin nicht oder nicht rechts­kon­form re­agiert, in­dem sie auf die bloße Tat­sa­che ei­nes Beschäfti­gungs­ver­bo­tes wei­ter­hin ver­wies. Dies hat das Ar­beits­ge­richt für ei­ne Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten aus­rei­chen las­sen, die Be­klag­te hat von ei­ner Be­ru­fung in­so­weit ab­ge­se­hen. - 14 - c) In An­be­tracht der Rechts­la­ge ist dem Ver­hal­ten der Be­klag­ten auch in­so­weit kei­ne In­dizwir­kung im Sin­ne ei­nes ge­schlechts­dis­kri­mi­nie­ren­den Ver­hal­tens bei­zu­mes­sen. Ih­re ge­setz­li­che Pflicht zur Ent­gelt­fort­zah­lung nach § 3 EFZG hat­te die Be­klag­te bis 9. No­vem­ber 2010 in vol­lem Um­fang, al­so für sechs Wo­chen, erfüllt. Wenn dann oh­ne Vor­la­ge ei­ner ärzt­li­chen Be­schei­ni­gung hierüber von ei­nem ab dem 22. No­vem­ber 2010 grei­fen­den Beschäfti­gungs­ver­bot nach § 3 MuSchG un­ter­rich­tet wur­de, setz­te streng ge­nom­men ih­re so­for­ti­ge Pflicht zur Ent­rich­tung des Ar­beits­ent­gel­tes nach § 11 Abs. 1 MuSchG noch nicht ein. Da­von ist erst nach der Mit­tei­lung des Be­triebs­arz­tes vom 22. De­zem­ber 2010 aus­zu­ge­hen, nach der das Beschäfti­gungs­ver­bot „nicht an­zu­tas­ten“ sei. Der wei­te­re Ein­wand der Be­klag­ten vom 4. März 2011, in dem sie die Mo­no­k­au­sa­lität des Beschäfti­gungs­ver­bo­tes in der Schwan­ger­schaft be­zwei­fel­te, ist nicht auf­geklärt wor­den. Der Be­klag­ten hätte, um un­zwei­fel­haft ih­re Pflicht nach § 11 Abs. 1 MuSchG aus­zulösen, ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung über das Beschäfti­gungs­ver­bot und dass dies al­lein auf die Schwan­ger­schaft zurück­zuführen ist, vor­ge­legt wer­den müssen. Zwar hätte die Be­klag­te ih­rer­seits nicht oh­ne Wei­te­res ei­ne be­triebsärzt­li­che Un­ter­su­chung der Kläge­rin ver­lan­gen dürfen, dar­auf je­doch hat sich die Kläge­rin ein­ge­las­sen mit der Fol­ge, dass da­nach zwi­schen den Par­tei­en das Beschäfti­gungs­ver­bot als sol­ches un­strei­tig wur­de. Die Pflicht zur Ent­gelt­fort­zah­lung nach § 11 MuSchG ist in­des recht­lich nicht endgültig geklärt wor­den.
1. Ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG liegt auch dann vor, wenn von ei­ner Belästi­gung iSd. § 3 Abs. 3 AGG aus­zu­ge­hen ist. Da­bei ist die Belästi­gung ei­ne Be­nach­tei­li­gung, wenn un­erwünsch­te Ver­hal­tens­wei­sen, die mit ei­nem in § 1 AGG ge­nann­ten Grund in Zu­sam­men- - 15 - hang ste­hen, be­zwe­cken oder be­wir­ken, dass die Würde der be­tref­fen­den Per­son ver­letzt und ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen wird.
Die Würde­ver­let­zung und ein „feind­li­ches Um­feld“ - als Syn­onym für „ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld“ - müssen für die Ver­wirk­li­chung der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 3 AGG ku­mu­la­tiv vor­lie­gen. So­weit ver­tre­ten wird, dass „das feind­li­che Um­feld“ vor­ran­gig ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung des Maßsta­bes für den bei ei­ner Belästi­gung gem. § 3 Abs. 3 AGG vor­aus­zu­set­zen­den Schwe­re­grad der un­erwünsch­ten Belästi­gung dar­stel­le (in die­sem Sin­ne: ErfK/Schlach­ter 13. Aufl. § 3 AGG Rn. 19; Mei­nel/Heyn/Herms AGG § 3 Rn. 36), ist dem nicht zu fol­gen. Zwar deu­tet die Be­gründung des Ge­setz­ent­wur­fes vom 8. Ju­ni 2006 dar­auf hin, dass mit dem Be­griff „feind­li­ches Um­feld“ kein zusätz­li­ches Tat­be­stands­merk­mal auf­ge­stellt wer­den soll­te. In der BT-Drucks. heißt es: „ins­be­son­de­re durch das Schaf­fen ei­nes von Einschüchte­run­gen ... ge­kenn­zeich­ne­ten Um­fel­des“ (BT-Drucks. 16/1780 S. 33). Dafür, dass „die Schaf­fung ei­nes feind­li­chen Um­fel­des“ ei­ne wei­te­re Tat­be­stands­vor­aus­set­zung des § 3 Abs. 3 AGG ist, wel­che ku­mu­la­tiv vor­lie­gen muss, spricht je­doch, dass der Ge­setz­ge­ber in § 3 Abs. 3 AGG von dem „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Um­set­zung eu­ropäischer An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­ni­en“ vom 16. De­zem­ber 2004 ab­ge­wi­chen ist. In die­sem, letzt­lich nicht Ge­setz ge­wor­de­nen Ent­wurf wa­ren die Würde­ver­let­zung und das feind­li­che Um­feld noch mit „ins­be­son­de­re“ (vgl. BT-Drucks. 15/4538 S. 5) und nicht mit „und“ wie im späte­ren Ge­set­zes­text, dem gel­ten­den § 3 Abs. 3 AGG, ver­bun­den. Im Hin­blick auf die­sen ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 3 Abs. 3 AGG er­gibt sich die Klar­stel­lung des Ge­setz­ge­bers, dass bei­de Vor­aus­set­zun­gen ku­mu­la­tiv vor­lie­gen müssen (so auch Adom­eit/Mohr AGG 2. Aufl. § 3 Rn. 233; MüKoBGB/Thüsing 6. Aufl. § 3 AGG Rn. 56; v. Ro­et­te­ken AGG Stand Ok­to­ber 2013 § 3 Rn. 367; Däubler/Bertz­bach/Schra­der/Schu­bert AGG 3. Aufl. § 3 Rn. 66 ff.; Schiek AGG § 3 Rn. 73; Wendt­land in Gai­er/Wendt­land AGG § 2 Rn. 92; Bau­er/Göpfert/Krie­ger AGG 2. Aufl. § 3 Rn. 45; Schaub/Linck ArbR-HdB 15. Aufl. § 36 Rn. 36). Durch - 16 - die ge­genüber dem Ent­wurf geänder­te Wort­wahl hat der Ge­setz­ge­ber auch der Kri­tik Rech­nung ge­tra­gen, dass der Ent­wurf den Be­griff der Belästi­gung ufer­los aus­deh­ne und unnöti­ger­wei­se über die Richt­li­ni­en­vor­ga­be hin­aus­ge­he. Mit den vom Ge­setz­ge­ber vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen ent­spricht § 3 Abs. 3 AGG auch dem Wort­laut des Art. 2 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (BAG 24. Sep­tem­ber 2009 - 8 AZR 705/08 - Rn. 29, AP AGG § 3 Nr. 2 = EzA AGG § 3 Nr. 1).
2. Nach dem un­strei­ti­gen Sach­ver­halt, wie ihn das Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt hat, hat die Be­klag­te kein „feind­li­ches Um­feld“ im Sin­ne ei­nes frau-en- oder mut­ter­schafts­feind­li­chen Ver­hal­tens ge­schaf­fen. Die Kündi­gung er­folg­te in Un­kennt­nis der Schwan­ger­schaft, war so­mit ge­schlechts­neu­tral. Das „Fest­hal­ten“ an der Kündi­gung wirk­te sich in An­be­tracht der Rechtsun­kennt­nis der Kläge­rin in­ter­es­sen­ge­rech­ter aus, als es ei­ne so­for­ti­ge Erklärung, man lei­te aus der Kündi­gung kei­ne Rech­te mehr her, für die not­wen­di­ge Er­he­bung der Kla­ge in­ner­halb der Frist des § 4 Satz 1 KSchG ge­we­sen wäre. Ob die Be­klag­te tatsächlich nach § 11 MuSchG zur Fort­zah­lung des Ar­beits­ent­gel­tes ge­genüber der Kläge­rin ver­pflich­tet war, ist bzgl. der Vor­aus­set­zun­gen nicht auf­geklärt wor­den, al­ler­dings rechts­kräftig zu­un­guns­ten der Be­klag­ten ent­schie­den. Der Be­klag­ten, die auf ei­ne Be­ru­fung in­so­weit ver­zich­tet hat, bei der Ver­fol­gung von - 17 - Rechts­po­si­tio­nen ei­ne mut­ter­schafts­feind­li­che und frau­en­dis­kri­mi­nie­ren­de Ein­stel­lung zu un­ter­stel­len, ist oh­ne wei­te­re An­halts­punk­te dafür ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Re­vi­si­on nicht zulässig. Der Ar­beit­ge­ber ist ge­hal­ten, die be­son­de­ren Ver­pflich­tun­gen zum Schutz der wer­den­den Mut­ter nach den Be­stim­mun­gen des Mut­ter­schutz­ge­set­zes ein­zu­hal­ten. Dies be­deu­tet nicht, dass er bei be­gründe­ten Zwei­feln in zulässi­ger Wei­se sei­ne Rech­te nicht ausüben dürf­te. Das Beschäfti­gungs­ver­bot für die Kläge­rin ab dem 22. No­vem­ber 2010 schloss sich naht­los an die Zeit der Ar­beits­unfähig­keit vom 28. Sep­tem­ber bis zum 21. No­vem­ber 2010 an. Dies lässt die geäußer­ten Zwei­fel der Be­klag­ten, ob das Beschäfti­gungs­ver­bot nicht auch krank­heits­be­ding­te Ur­sa­chen ha­ben könn­te, je­den­falls nicht als frau­en­feind­li­che und ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Belästi­gung ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin er­schei­nen.
v. Schuck­mann F. Ave­na­ri­us	m.hensche.de
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References: § 3
 § 11
 § 1
 § 15
 § 1
 § 3
 EuGH 
 § 4
 § 7
 § 22
 § 3
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 § 11
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 § 2
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 § 36
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