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Timestamp: 2019-10-16 13:19:01+00:00

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Gericht: BSG 11b. Senat
Normen: § 428 Abs 1 SGB 3 vom 27.06.2000, § 190 Abs 3 S 1 SGB 3 vom 24.12.2003, ArbMDienstLG 4, § 6b SGB 2, § 20 Abs 2 SGB 2, § 20 Abs 3 SGB 2, § 41 Abs 1 S 4 SGB 2, § 65 Abs 4 SGB 2, Art 1 Abs 1 GG, Art 14 Abs 1 GG, Art 20 Abs 1 GG, Art 20 Abs 3 GG, § 70 Nr 1 SGG, § 95 SGG, § 96 Abs 1 SGG
Abschaffung der Arbeitslosenhilfe - Grundsicherung für Arbeitsuchende - Erklärung nach § 428 Abs 1 SGB 3 - Höhe des Arbeitslosengeld II - Verfassungsmäßigkeit - sozialgerichtliches Verfahren)
1. Der erkennende Senat schließt sich der Auffassung des 7b. Senats des BSG an, dass für eine Übergangszeit bis 30.6.2007 Anträge im Verwaltungs- und Gerichtsverfahren sowie Urteile, die eine Bedarfsgemeinschaft betreffen, großzügig auszulegen sind; im Zweifel ist von Anträgen aller Bedarfsgemeinschaftsmitglieder, vertreten durch eines der Mitglieder, und von Entscheidungen über die Ansprüche aller Mitglieder auszugehen (Anschluss an BSG vom 7.11.2006 - B 7b AS 8/06 R). (Rn.11)
2. Zweifel an der Beteiligtenfähigkeit gem § 70 Nr 1 SGG des zugelassenen kommunalen Trägers, der als Körperschaft des öffentlichen Rechts tätig wird, bestehen nicht. (Rn.12)
3. Eine analoge Anwendung des § 96 Abs 1 SGG auf Bewilligungsbescheide für Folgezeiträume im Rahmen des SGB 2 erfolgt nicht. (Rn.14)
4. Bei einem Streit um höhere Leistungen sind nach er Rechtsprechung des BSG zum Arbeitsförderungsrecht grundsätzlich alle Anspruchsvoraussetzungen dem Grunde und der Höhe nach zu prüfen (vgl BSG vom 18.8.2005 - B 7a AL 4/05 R = SozR 4-1500 § 95 Nr 1 und BSG vom 24.7.1986 - 7 RAr 9/85 = SozR 4100 § 138 Nr 14). Diese Rechtsprechung gilt auch für die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Eine Begrenzung des Streitgegenstandes ist nur dann zulässig, wenn ein Bescheid im Einzelfall mehrere abtrennbare Verfügungen enthält. (Rn.16)
5. Die in § 20 Abs 2 und Abs 3 SGB 2 gesetzlich festgelegte Höhe der Regelleistung verletzt nicht Verfassungsrecht (vgl BSG vom 23.11.2006 - B 11b AS 1/06 R). (Rn.32)
SozR 4-4300 § 428 Nr 3 (Leitsatz und Gründe)
BSGE 00
RegNr 27782 (BSG-Intern)
SuP 2007, 510-526 (Leitsatz und Gründe)
SozR 4-4200 § 20 Nr 4 (Leitsatz)
ArbuR 2006, 448 (Kurzwiedergabe)
SGb 2007, 39-40 (Kurzwiedergabe)
info also 2007, 134 (Kurzwiedergabe)
vorgehend SG Oldenburg (Oldenburg), 8. Juli 2005, Az: S 47 AS 249/05, Urteil
vorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen 8. Senat, 15. März 2006, Az: L 8 AS 345/05, Urteil
Vergleiche BSG 11b. Senat, 16. Mai 2007, Az: B 11b AS 29/06 R
Vergleiche BSG 7b. Senat, 29. März 2007, Az: B 7b AS 2/06 R
Vergleiche SG Frankfurt 47. Kammer, 21. März 2007, Az: S 47 AS 349/06
Vergleiche Landessozialgericht für das Land Nordrhein-Westfalen 9. Senat, 8. Februar 2007, Az: L 9 AS 6/06
Parallelentscheidung BSG 11b. Senat, 23. November 2006, Az: B 11b AS 25/06 R
Parallelentscheidung BSG 11b. Senat, 23. November 2006, Az: B 11b AS 17/06 R
Uwe Berlit, jurisPR-SozR 8/2007 Anm. 2 (Anmerkung)
Dirk Bieresborn, jurisPR-SozR 12/2007 Anm. 2 (Anmerkung)
Stefan Klaus, jurisPR-SozR 20/2007 Anm. 3 (Anmerkung)
Dirk Bieresborn, Sozialrecht aktuell 2007, 88-97 (Aufsatz)
Vergleiche BSG 11b. Senat, 23. November 2006, Az: B 11b AS 1/06 R
Anschluss BSG 7b. Senat, 7. November 2006, Az: B 7b AS 8/06 R
Vergleiche BSG 7a. Senat, 18. August 2005, Az: B 7a AL 4/05 R
Vergleiche BSG 7. Senat, 24. Juli 1986, Az: 7 RAr 9/85
Auf den Antrag der Kläger bewilligte die Agentur für Arbeit Bad Z mit Bescheid vom 9. November 2004 Leistungen nach dem SGB II für die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 2005 in Höhe von 495,85 € monatlich. Von dem Gesamtbedarf in Höhe von 843,83 € (2 x Regelsatz in Höhe von 311,00 €, Kosten der Unterkunft in Höhe von 221,83 €) wurden 347,89 € als anzurechnendes Einkommen der Klägerin zu 2) abgezogen. Dem Widerspruch, mit dem der Kläger zu 1) die Zahlung von Leistungen in Höhe der ihm bis zum 31. Dezember 2004 gezahlten Alhi begehrt hatte, wurde nur in Höhe von 24,76 € monatlich abgeholfen (Bescheid vom 7. April 2005). Im Übrigen wies der Beklagte den Widerspruch mit Widerspruchsbescheid vom 21. April 2005 zurück.
Das Sozialgericht (SG) hat die Klage abgewiesen (Urteil vom 8. Juli 2005). Das Landessozialgericht (LSG) hat die Berufungen der Kläger zurückgewiesen (Urteil vom 15. März 2006). In den Entscheidungsgründen hat das LSG ua ausgeführt: Die Kläger hätten für die Zeit ab 1. Januar bis 30. Juni 2005 keinen Anspruch auf Alg II in Höhe der zuletzt bewilligten Alhi (rund 985,00 € monatlich). Ab dem 1. Januar 2005 könne Alhi nicht mehr gezahlt werden, weil die entsprechenden Vorschriften aufgehoben worden seien. Verfassungsrechtliche Bedenken gegen diese Entscheidung des Gesetzgebers bestünden nicht. Die Alhi sei nicht beitrags-, sondern steuerfinanziert gewesen und nicht in den Schutzbereich des Art 14 Grundgesetz (GG) gefallen. Der Gesetzgeber könne für die Zusammenführung von Alhi und Sozialhilfe ab 1. Januar 2005 gewichtige Gründe anführen. Er habe im Hinblick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz als reformbedürftig angesehen, dass allein die unterschiedliche Art des Leistungsbezuges trotz Erwerbsfähigkeit den Zugang zu den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen geprägt habe, zu unterschiedlicher sozialer Sicherung, zu unterschiedlichen Gerichtsbarkeiten und immer wieder zu Versuchen der Leistungsverschiebung zwischen den Körperschaften geführt habe. Zu Gunsten der Kläger lasse sich auch aus der vom Kläger zu 1) unterschriebenen Erklärung zu § 428 SGB III nichts herleiten. Diese habe sich allein darauf erstreckt, dass trotz fehlender subjektiver Verfügbarkeit die Fürsorgeleistungen des Staates weiter erbracht werden sollten. Insoweit sei mit § 65 Abs 4 SGB II eine Vertrauensschutzbestimmung geschaffen worden, die zeitlich begrenzt sicherstelle, dass erwerbsfähige Hilfebedürftige ihre Lebensplanung nicht mehr ändern müssten. Die bewilligte Leistung für Januar bis Juni 2005 sei im Übrigen unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften zutreffend ermittelt worden (hier insbesondere §§ 20, 22 SGB II) und werde insoweit von den Klägern auch nicht mehr in Frage gestellt.

References: § 428
 § 190
 § 6
 § 20
 § 20
 § 41
 § 65
 § 70
 § 95
 § 96
 § 428
 § 70
 § 96
 § 95
 § 138
 § 20
 § 428
 § 20
 § 428
 § 65