Source: http://www.grin.com/de/e-book/303130/interne-revision-von-deutschen-unternehmen-bei-ihren-chinesischen-tochtergesellschaften
Timestamp: 2017-10-20 20:03:49+00:00

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Interne Revision von deutschen Unternehmen bei ihren chinesischen ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Darstellung von Prüfungsschwerpunkten hinsichtlich chinesischer Besonderheiten und Hinweise auf erfolgreiche Umsetzung
74 Seiten, Note: 1,9
1.2 Problemstellung und Zielsetzungen
2. Risikomanagement und Interne Revision
2.1 Definition und Rechtliche Grundlagen vom Risikomanagement
2.2 Aufbau des Risikomanagementsystems und die Rolle der Internen Revision im Risikomanagementsystem
2.3 Ziele, Prüfungskriterien und Aufgabenbereiche der Internen Revision
2.4 Prinzipien der Internen Revision
3. Überblick über das Land China
3.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingung in China
3.1.1 Allgemeine Entwicklung der chinesischen Wirtschaft
3.1.2 Besonderheiten der gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklungen in China
3.2 Darstellung der wichtigen Kulturbesonderheiten Chinas im Rahmen dieser Arbeit
3.2.1 Guanxi
3.2.2 Mianzi und Gesichtsverlust
3.2.3 Kritische Kulturunterschiede für deutsche Unternehmen
4. Darstellung der Prüfungsschwerpunkte hinsichtlich chinesischer Besonderheiten und Hinweise auf erfolgreiche Umsetzung
4.1 Prüfungsschwerpunkt Funktionstrennung
4.1.1 Begriffserläuterung von Funktionstrennung
4.1.2 Ziele der Internen Revision beim Prüfungsschwerpunkt Funktionstrennung
4.1.3 Fallbeispiel Funktionstrennung
4.1.3.1 Beschreibung des Fallbeispiels
4.1.3.2 Risiken aus der Sicht der Internen Revision
4.1.3.3 Handlungsempfehlungen für die Interne Revision
4.2 Prüfungsschwerpunkt Management von Forderungen aus Lieferungen und Verbindlichkeiten
4.2.1 Bedeutung eines Forderungsmanagements im Rahmen des Working Capital Managements
4.2.2 Risiken dieses Prüfungsschwerpunktes
4.2.3 Ziele der Internen Revision beim Prüfungsschwerpunkt Forderungsmanagement
4.2.4 Prüfungsleitfaden
4.3 Prüfungsschwerpunkt Management der Acceptance Drafts
4.3.1 Begriffserklärung Acceptance Drafts
4.3.2 Risiken dieses Prüfungsschwerpunkts
4.3.3 Ziele der Internen Revision beim Prüfungsschwerpunkt Management der Acceptance Drafts
4.3.4 Prüfungsleitfaden
Abbildung 1: Risikomanagementsystem und die Position der Internen Revision
Abbildung 2: Wachstum des BIP von China zwischen 2003 und 2013
Abbildung 3: Die Bruttoinlandsprodukte des Jahres 2013 von den USA, China und Deutschland im Vergleich
Abbildung 4: Beispiel Organisation und Arbeitsabläufe der Einkaufsabteilung
Abbildung 5: Vorschlag für optimale Organisation und Arbeitsabläufe in der Einkaufsabteilung
Abbildung 6: Forderungsmanagement als Bestandteil des Working Capital Managements
Abbildung 7: Aufgabenstruktur im Forderungsmanagement
Abbildung 8: Die Gesamtmenge der Bank Acceptance Drafts in Prozent der gesamten Geldmenge in China zwischen 2004 und 2013
Abbildung 9: Aufgabenbereiche des Managements der Acceptance Drafts
Tabelle 1: Kulturunterschiede zwischen China und Deutschland in der Geschäftspraxis in Bezug auf Guanxi
Tabelle 2: Berechnung des Working Capitals
Tabelle 3: Berechnungsbeispiel Diskontierung von BAD
Tabelle 4: Beispiel einer monatlichen Analyse von Acceptance Drafts
Die Einleitung hat das Ziel, in erster Linie die Fragestellung und die Zielsetzung dieser Arbeit zunächst zu erläutern sowie den Lesern die Bedeutung dieser Themenauswahl näher zu bringen. Außerdem beinhaltet sie einige wichtige Begriffsabgrenzungen und liefert einen Überblick über den Aufbau dieser Arbeit.
In diesem Abschnitt soll das dieser Arbeit zugrunde liegende Verständnis von den unten genannten Begriffen vorgestellt werden, um präzise Prüfungsbereiche dieser Arbeit darzustellen und mögliche Verwechslungen zu vermeiden.
- Deutsche Unternehmen
Der Begriff deutsche Unternehmen bezieht sich im Zuge dieser Arbeit auf Unternehmen jeglicher Größenordnung in den Bereichen Industrie und Handel, deren im Gesellschaftsvertrag eingetragener Sitz innerhalb der Bundesrepublik Deutschland liegt. Außerdem sollte dieses Unternehmen den Prüfungsbereichen dieser Arbeit entsprechend ein Eigentumsrecht an mindestens einer Tochtergesellschaft in der Volksrepublik China haben.
- Chinesische Tochtergesellschaft
Eine chinesische Tochtergesellschaft ist im Rahmen dieser Arbeit als eine selbstständige Kapitalgesellschaft gemäß dem Recht der Volksrepublik China, die sowohl in eigentumsmäßiger als auch in organisatorischer Hinsicht in Abhängigkeit zu ihrer deutschen Muttergesellschaft steht, definiert.
Dieser Begriff wird im Rahmen des chinesischen Wirtschaftsrechtes die Rechtsform Wholly Foreign Owned Enterprise (im Folgenden als WFOE abgekürzt), ins Deutsche übersetzt als Gesellschaft mit ausschließlich ausländischer Beteiligung gleichzusetzen.[1] Er ist daher von Rechtsformen wie Joint Venture oder Zweigniederlassung streng zu trennen. Im Vergleich zu Joint Venture wird diese Kapitalgesellschaft ausschließlich der deutschen Muttergesellschaft gesteuert. Anders als eine Zweigniederlassung stellt eine WFOE rechtlich eine selbstständige juristische Person dar.
Der Begriff Interne Revision wird durch das Deutsche Institut für Interne Revision (im Folgenden als DIIR abgekürzt) folgendermaßen definiert:
„Die Interne Revision erbringt unabhängige und objektive Prüfungs- und Beratungsdienstleistungen, welche darauf ausgerichtet sind, Mehrwerte zu schaffen und Geschäftsprozesse zu verbessern. Sie unterstützt die Organisation bei der Erreichung ihrer Ziele, indem sie mit einem systematischen und zielgerichteten Ansatz die Effektivität des Risikomanagements, der Kontrolle und der Führungs- und Überwachungsprozesse bewertet und diese verbessern hilft.“ [2]
Die Interne Revision im Zuge dieser Arbeit sollte als die zentrale interne Revisionsfunktion von einem deutschen Unternehmen verstanden werden. Im Rahmen Ihres Verantwortungsbereiches prüft die Interne Revision die Wirksamkeit des Risikomanagements ihrer chinesischen Tochtergesellschaften. Außerdem unterstützt sie ihre chinesischen Tochtergesellschaften dabei, das Risikomanagement zu verbessern.
- Prüfungsschwerpunkte
Unter dem Begriff Prüfungsschwerpunkte sind im Rahmen dieser Arbeit diejenigen Prüfungsobjekte zu verstehen, in denen sich hohe Risiken für die Unternehmensexistenz aufgrund wirtschaftlicher sowie kultureller Besonderheiten Chinas verbergen. Diese Prüfungsobjekte erfordern demensprechend schwerpunktmäßige Untersuchungen durch die Interne Revision. Die Prüfungsobjekte umfassen die Organisationsstrukturen, die Arbeitsabläufe sowie die Überwachungsprozesse in unterschiedlichen Unternehmensbereichen.
Seit Jahrzehnten profitiert die deutsche Wirtschaft der Internationalisierung der deutschen Unternehmen. Darunter zählt die Volksrepublik China mit den „vergleichsweise niedrigen Lohnkosten, dem Potenzial von 1.3 Milliarden Konsumenten und der nachhaltig wachsenden Mittelschicht zum wichtigsten Auslandsmarkt der deutschen Wirtschaft“.[3] Dies lässt sich statistisch bestätigen. Im Jahr 2013 betragen laut einem Bericht von German Invest & Trade die Zuflüsse der deutschen Direktinvestitionen in China 2,1 Milliarden US Dollar, was einem Anstieg um 44,5% im Vergleich zum Jahr 2012 entspricht.[4] Auch immer mehr deutsche Unternehmen erweitern ihr Engagement durch die Gründung von Tochterunternehmen mit verschiedenen Rechtsformen in China. Im Jahr 2014betrug die Anzahl von deutschen Unternehmen in China bereits über 5.000.[5]
Zur wichtigsten Rechtsform von deutschen Tochterunternehmen in China gehört die hundertprozentige Tochtergesellschaft, die sogenannte Wholly Foreign Owned Enterprise. Nach einer Studie der Deutschen Auslandhandelskammer (im Folgenden als AHK abgekürzt) in China im Jahr 2013 wählen 68.3% der deutschen Unternehmer diese Unternehmensform. Außerdem ist der Anteil von den deutschen WFOEs in China zwischen 2007 und 2013 um 16.3% gestiegen, während die Anteile der anderen Rechtsformen, z.B. Joint Ventures, von den deutschen Unternehmen in China in demselben Zeitraum zurückgegangen sind.[6]
Neben vielen Chancen birgt der chinesische Markt zugleich viele Risiken, die aus den dynamischen Entwicklungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entstehen. Sie könnten die Weiterentwicklung der die deutschen WFOEs in China verhindern oder sogar ihre Existenz gefährden. Das Wirtschaftswachstum Chinas war in den letzten Jahren stark der großzügigen Kreditvergabe durch die chinesischen Banken abhängig, wie Nikolaus Keis, Chefökonom der Bank Unikredit, erklärt: „Kreditfinanzierte Investitionen waren der Wachstumstreiber in den vergangenen Jahren.“[7] Dies trägt zwar zum relativ starken Wirtschaftswachstum des Landes während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise bei, integriert aber auch ein hohes Risikopotenzial in das chinesische Wirtschaftssystem. Die Folgen sind seit der Abkühlung der Wirtschaft Chinas im Jahr 2012, als die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes die Tiefe seit 1999 erreichte[8], immer deutlicher zu spüren. Geyer beschreibt in seinem Bericht: „Die Verschuldung Chinas – privat und öffentlich – ist jetzt schon höher als in Japan vor dem Bankencrash der 1990er.“[9] Die ausfallgefährdeten Forderungen in den Bilanzen der chinesischen Banken erreichten im letzten Quartal des Jahres 2014 den höchsten Stand seit der Finanzkrise.[10] Die Finanzierungskosten für Unternehmen in China sind in der letzten Zeit rapide angestiegen.[11] Diese Probleme der Volkswirtschaft Chinas führen konsequent zu einigen bemerkenswerten Phänomenen in der chinesischen Unternehmenspraxis. Die chinesischen Unternehmen erhalten Zahlungen auf die ausstehenden Rechnungen von ihren Kunden immer später.[12] Da die Liquidität für alle Unternehmen eine knappe Ressource darstellt, greifen viele Firmen zu Acceptance Drafts, eine Art Schuldscheine, um das Geschäft ohne Cash betreiben zu können.[13] Diese Phänomene weisen auf potenzielle Kredit- und Liquiditätsrisiken hin, mit denen die deutschen Tochtergesellschaften in China mit großer Wahrscheinlichkeit auch konfrontieren werden.
Außer den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sorgen die kulturellen Besonderheiten in China für viele Barrieren auf den Weg zum Geschäftserfolg für die deutschen Unternehmen. Dazu gehören nicht nur die Risiken von Missverständnissen aufgrund von sprachlichen Unterschieden oder unterschiedlichen Kommunikationsgewohnheiten zwischen den Chinesen und den Deutschen. Vielmehr haben die deutschen Unternehmer aufgrund von völlig anderen Normen und Vorgehensweisen der Chinesen Schwierigkeiten, die landesspezifischen Risiken zu identifizieren und zu kontrollieren.
Diese potenziellen Risiken im Zuge der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie kulturellen Besonderheiten Chinas fordern die deutschen Unternehmen auf, dringend die Funktionsfähigkeit ihres Risikomanagementsystems ihrer Tochterunternehmen in China zu prüfen und bei Notwendigkeit zu verbessern.
Die Interne Revision hat im Laufe der vergangenen Jahre an Bedeutung gewonnen. Sie hat sich nach einem Beitrag der PricewaterhouseCoopers AG zu „einer internen Stabfunktion der Unternehmensleitung weiterentwickelt, die unabhängige und objektive Prüfungs- und Beratungsleistungen erbringt.“[14] Ihr Beitrag zur Überwachung und Steuerung des Risikomanagements wird heutzutage durch die Stakeholder des Unternehmens weitgehend erkannt und geschätzt.[15]
Die Interne Revision eines deutschen Unternehmens ist für den Unternehmenserfolg ihrer WFOEs in China von großer Bedeutung. Sie unterstützt ihre chinesischen Tochtergesellschaften bei der Optimierung der Risikomanagementprozesse, sodass sie kompetente Prüfungs- sowie Beratungsleistungen erbringen.
Die wirtschaftlichen sowie kulturellen Besonderheiten Chinas stellen verschiedene landesspezifische Prüfungsschwerpunkte dar. Erst wenn sich die Interne Revision eines deutschen Unternehmens darüber bewusst ist, dann ist sie in der Lage, zur Minimierung des unternehmerischen Risikos bei ihren chinesischen Tochtergesellschaften beizutragen.
Aus diesem Grund widmet sich diese Arbeit folgender Fragenstellung:
Welche Prüfungsschwerpunkte hinsichtlich der aktuellen wirtschaftlichen sowie kulturellen Besonderheiten Chinas stellen eine besondere Herausforderung an die Interne Revision eines deutschen Unternehmens bei ihren chinesischen Tochtergesellschaften dar? Welche landesspezifischen Risiken haben diese Prüfungsschwerpunkte in sich und wie können sie gemeistert werden?
Um diese Frage beantworten zu können, strebt der Autor dieser Arbeit zunächst an, angesichts der aktuellen wirtschaftlichen sowie kulturellen Rahmenbedingungen Chinas die wichtigsten Prüfungsschwerpunkte für die Interne Revision aufzuzeigen. Insbesondere zielt diese Arbeit darauf ab, die landesspezifischen Risiken von jedem dargestellten Prüfungsschwerpunkt für die chinesischen Tochtergesellschaften der deutschen Unternehmen zu erklären. Abschließend soll die Frage beantwortet werden, wie die Interne Revision die dargelegten Prüfungsschwerpunkte meistern kann. Zur Erreichung dieses Ziels werden Hinweise auf die praktische Herangehensweise von jedem Prüfungsschwerpunkt dargestellt, die als Orientierung für die Arbeit der Internen Revisoren eines deutschen Unternehmens in China verwendet werden können.
Aufgrund der hohen Komplexität und den beschränkten praktischen Erfahrungen des Verfassers beim Thema Interne Revision ist es in dieser Arbeit nicht möglich, sämtliche Prüfungsschwerpunkte in allen möglichen Unternehmensbereichen vollständig und ausführlich aufzugreifen. Stattdessen werden ausgewählte Prüfungsschwerpunkte dargestellt, die angesichts den aktuellen Rahmenbedingung in China tatsächlich hohe Risiken bergen und auf der Grundlage von Praxiserfahrungen des Verfassers einen möglichst hohen Nutzenwert für die Interne Revision der deutschen Unternehmen in China geben können.
Diese Arbeit ist wie folgt gegliedert:
Das zweite Kapitel stellt die theoretische Grundlage der Internen Revision vor. Da die Interne Revision einen wichtigen Bestandteil des Risikomanagements darstellt, wird in diesem Kapitel zunächst die Funktion der Internen Revision im Rahmen des Risikomanagements näher beleuchtet. Anschließend werden die Ziele und Aufgaben sowie Prinzipien der Internen Revision detailliert erläutert.
Das dritte Kapitel befasst sich zunächst mit einer vertieften Darstellung von wirtschaftlichen sowie kulturellen Rahmenbedingungen der VR China. Mithilfe von aktuellen Statistiken sowie Ergebnissen verschiedenen empirischen Studien wird angestrebt, den Lesern die wichtigsten Besonderheiten im chinesischen Geschäftsumfeld aufzuzeigen. Des Weiteren beabsichtigt der Verfasser durch kritische Diskussion herauszufinden, welche Prüfungsschwerpunkte hinsichtlich der dargestellten Besonderheiten Chinas für die Revisionspraxis der deutschen Unternehmen in China von Bedeutung sind.
Im vierten Kapitel werden die ausgesuchten Prüfungsschwerpunkte erläutert. Dabei wird versucht, zunächst die Bedeutung sowie die spezifischen Risiken jedes Prüfungsschwerpunktes zu erörtern. Anschließend werden die Ziele der Internen Revision bei jedem Prüfungsschwerpunkt definiert. Abschließend wird zu jedem Prüfungsschwerpunkt ein Fallbeispiel oder ein Prüfungsleitfaden vorgestellt. Dadurch sollen mögliche praktische Ansätze näher gebracht werden.
Im fünften Kapitel erfolgt eine Zusammenfassung von den Kenntnissen, die im Rahmen dieser Arbeit gewonnen wurden. Darüber hinaus bietet dieses Kapitel einen Ausblick auf die dynamische Fragestellung dieser Arbeit.
Da die Interne Revision ein wichtiges Element des Risikomanagementsystems eines Unternehmens darstellt, sollen hier zunächst die Grundlagen des Risikomanagements erläutert werden. Anschließend wird auf den Zusammenhang zwischen Interner Revision und dem Risikomanagementsystem eingegangen. Zuletzt werden die Ziele, Aufgabenbereiche sowie Prinzipien der Internen Revision beleuchtet. Dadurch kann sichergestellt werden, dass eine sinnvolle und verständliche Theoriegrundlage der Internen Revision im Rahmen dieser Arbeit geschaffen wird.
Das Risikomanagement wird durch das Deutsche Institut für Interne Revision wie folgendermaßen definiert:
„ Risikomanagement ist ein nachvollziehbares, alle Unternehmensaktivitäten umfassendes Regelungssystem, das auf Basis einer definierten Risikostrategie ein systematisches und permanentes Vorgehen mit folgenden Elementen umfasst: Identifikation, Analyse, Bewertung, Dokumentation und Kommunikation sowie die Überwachung dieser Aktivitäten. Risikomanagement ist integraler Bestandteil der Geschäftsprozesse sowie der Planungs- und Kontrollprozesse.“[16]
Es gibt Regelungen in deutschen Gesetzbüchern, die die rechtlichen Grundlagen für Risikomanagement in deutschen Wirtschaftsunternehmen bilden. Dazu gehört das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (im Folgenden als KonTraG abgekürzt). Das KonTraG wurde im Jahr 1998 verabschiedet und ist ein sogenanntes Artikelgesetz. Das bedeutet, dass das KonTraG selbst kein eigenständiges Gesetz ist. Vielmehr ist es laut Keitsch als ein Konstrukt zu verstehen, das sich aus zahlreichen Änderungen und Ergänzungen in anderen Gesetzen, vornehmlich im Aktiengesetz und im Handelsgesetzbuch, ergibt.[17] Die Zielsetzung des KonTraG besteht darin, Gläubiger und Investoren von unvorhergesehenen Insolvenzen deutlich zu schützen, sowie eine stärkere Anpassung von deutschen Rechnungslegungsvorschriften an die Anforderungen an internationale Finanzmärkte vorzunehmen.[18] Eine der wichtigsten Änderungen, die durch die Einführung des KonTraG in Kraft getreten ist, stellt § 91 Abs. 2 AktG dar.
§91 Abs. 2 AktG
„Der Vorstand hat geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit der Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden.“
DIIR interpretiert diese Vorschrift wie folgt: „Nach der Regierungsbegründung sollen durch diese Vorschrift die Verpflichtung des Vorstands, für ein angemessenes Risikomanagement und eine angemessene Interne Revision zu sorgen, verdeutlicht werden.“[19] Außerdem gilt diese Vorschrift nicht nur für die Vorstände der Aktiengesellschaften. Nach der sog. Ausstrahlungswirkung ist zugleich für die Geschäftsleitungen von Unternehmen in anderen Rechtformen gültig.[20]
Weiterhin existieren im Rahmen des KonTraG folgende wichtige Neuerungen (§ 317 Abs. 4 HGB sowie § 321 Abs. 4 HGB) im Handelsgesetzbuch für die börsennotieren Aktiengesellschaften. Sie verpflichten den Abschlussprüfer dazu, die Ordnungsmäßigkeit der getroffenen Maßnahmen gemäß des § 91 Abs. 2 AktG bei einer börsennotieren Aktiengesellschaft im Rahmen seiner Abschlussprüfung zu beurteilen.
§317 Abs. 4 HGB
„Bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft ist außerdem im Rahmen der Prüfung zu beurteilen, ob der Vorstand die ihm nach § 91 Abs. 2 des Aktiengesetzes obliegenden Maßnahmen in einer geeigneten Form getroffen hat und ob das danach einzurichtende Überwachungssystem seine Aufgaben erfüllen kann.“
§321 Abs. 4 HGB
„Ist im Rahmen der Prüfung eine Beurteilung nach § 317 Abs. 4 abgegeben worden, so ist deren Ergebnis in einem besonderen Teil des Prüfungsberichts darzustellen. Es ist darauf einzugehen, ob Maßnahmen erforderlich sind, um das interne Überwachungssystem zu verbessern.“
Darüber hinaus ist der Deutsche Corporate Governance Kodex (im Folgenden als DCGK abgekürzt) zu erwähnen. Laut Kullmann ist Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) „ein 16-seitiges Regelwerk, das sich hauptsächlich an die Unternehmensleitungen börsennotierter deutscher Gesellschaften wendet. Nicht an der Börse notierten Gesellschaften wird seine Beachtung empfohlen.“[21] Der DCGK stellt wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher börsennotierten Gesellschaften dar. Er enthält Empfehlungen und Anregungen zur guten und verantwortungsvollen Unternehmensführung für die Vorstände und Aufsichtsräte. Er strebt an, „das Vertrauen der internationalen und nationalen Anleger, der Kunden, der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit in die Leitung und Überwachung börsennotierter deutscher Gesellschaften zu fördern“.[22]
Der DCGK stellt keine Rechtsnorm dar. Das bedeutet, dass es den deutschen Unternehmen im eigentlichen Sinne frei steht, die Empfehlungen und Anregungen des DCGK einzuhalten. Allerdings sind der Vorstand und der Aufsichtsrat gemäß §161 AktG verpflichtet, jährlich zu erklären, ob allen im DCGK bekannt gemachten Empfehlungen entsprochen wurde. Sollte es nicht der Fall sein, muss noch zusätzlich erklärt werden, welchen Empfehlungen nicht gefolgt wurden bzw. wird und warum nicht.
Es gibt einige Verhaltensempfehlungen aus dem DCGK, die die wesentlichen Regelungen hinsichtlich der Einrichtung eines effizienten Risikomanagementsystems für Vorstände und Aufsichtsräte darstellen.
Beispielweise empfiehlt die Ziffer 4.1.4 des DCGK dem Vorstand, für ein angemessenes Risikomanagement und Risikocontrolling im Unternehmen zu sorgen. Dem Aufsichtsrat wird in der Ziffer 5.3.2 empfohlen, dass er einen Prüfungsausschuss einrichten soll, der sich insbesondere mit der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagementsystems und des internen Revisionssystems sowie der Compliance auseinandersetzt.[23]
Zuletzt sind auch noch Empfehlungen im DCGK zu finden, wie der Vorstand mit dem Aufsichtsrat hinsichtlich des Risikomanagements zusammenarbeiten soll. Die Ziffer 3.4 des DCGK verpflichtet den Vorstand, den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend über alle für das Unternehmen relevanten Fragen des Risikomanagements zu informieren. Der Aufsichtsratsvorsitzende soll gemäß der Ziffer 5.2 des DCGK regelmäßigen Kontakt mit dem Vorstand halten und mit ihm Fragen des Risikomanagements und der Compliance des Unternehmens beraten.[24]
Die oben genannten Vorschriften umfassen die rechtliche Grundlage für Risikomanagement in deutschen Unternehmen. Die Pflicht zur Einrichtung des Risikomanagementsystems bzw. die Pflicht zur Prüfung des Risikomanagementsystems durch den Abschlussprüfer werden durch KonTraG verdeutlicht. In Anlehnung an §161 AktG weist der DCGK den Vorständen und Aufsichtsräten deutscher Unternehmen darauf hin, die von ihm empfohlenen Maßnahmen in Bezug auf Risikomanagement in ihre Unternehmensführungspraxis umzusetzen. Im folgenden Absatz werden der Aufbau bzw. die Elemente des Risikomanagements näher beleuchtet.
Das Risikomanagement setzt sich aus folgenden drei Kernelementen zusammen:
- dem Frühwarnsystem
- dem Controlling und
- dem Überwachungssystem.[25]
„Das Frühwarnsystem stellt ein Informationssystem dar, das die bestandsgefährdenden Risiken einer Unternehmung möglichst früh aufdeckt.“[26] Heutzutage verändern sich die Bedingungen in wirtschaftlicher, politscher sowie technologischer Hinsicht für Unternehmen immer schneller. Daher reichen reine Bilanz- und Finanzkennzahlen für ein Frühwarnsystem nicht mehr, um die potenziellen Risiken zeitnah zu identifizieren.[27] Vielmehr sollte sich das Frühwarnsystem mit den sogenannten Frühwarnindikatoren auseinandersetzen. Die Frühwarnindikatoren stellen nach der Definition von Keitsch die Kennzahlen dar, „die Aufschluss über mögliche Tendenzen und Unternehmensentwicklungen geben“[28], anstatt nur Auskunft über momentane Umsatz- und Kapitalrenditen.
Die Funktion des Controllings innerhalb des Risikomanagements stellt grundsätzlich die Informationssammlung und –aufbereitung zur Planung und Steuerung im Frühwarnsystem dar.[29] In Bezug auf die Frühwarnindikatoren hat das Controlling die Aufgabe, für das Frühwarnsystem passende Frühwarnindikatoren zu entwickeln und sie regelmäßig zur Risikoanalyse zu sammeln und aufzubereiten.
Das interne Überwachungssystem besteht aus prozessintegrierten und prozessunabhängigen Überwachungsmaßnahmen. Unter prozessintegrierten Überwachungsmaßnahmen versteht man alle in den betrieblichen Ablaufprozessen integrierten Überwachungsmaßnahmen, die zur Vermeidung bzw. Verminderung der Fehler dienen. Dazu gehören nach Ricken die organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen, „welche die laufende automatische Überprüfung der Betriebsprozesse gewährleisten.“[30] Die Organisation des Belegflusses sowie die Funktionstrennung der Mitarbeiter beispielsweise zeigen typische organisatorische Sicherheitsmaßnahmen auf.[31] Unter anderem werden die internen Kontrollen als prozessintegrierte Überwachungsmaßnahmen angesehen, die vor, in oder nach den Betriebsprozessen vorgenommen werden, um mögliche Fehler auszuschließen. Die interne Rechnungsprüfung gilt beispielsweise als eine interne Kontrollaktion.
Die prozessunabhängigen Überwachungsmaßnahmen werden, durch die Interne Revision durchgeführt. Sie übernimmt die Verantwortung, die prozessintegrierten Überwachungsmaßnahmen zu prüfen. Außerdem ist die Interne Revision ebenfalls für die Prüfung aller sonstigen Elemente des Risikomanagementsystems, das Frühwarnsystem und das Controlling, verantwortlich. Dabei ist jedoch nicht davon auszugehen, dass alle Unternehmen, vor allem die kleine und mittelständischen Unternehmen, über eine Interne Revision verfügen. In diesem Fall muss die Geschäftsleitung selbst diese Verantwortung übernehmen.
Nachdem jedes einzelne Element des Risikomanagementsystems erläutert wurde, kann die Rolle der Internen Revision im Risikomanagementsystem an dieser Stelle ausführlicher definiert werden. Die Interne Revision ist ein wichtiger Bestandteil des internen Überwachungssystems, das als eins der drei Kernelemente des Risikomanagementsystems angesehen wird. Die Interne Revision übernimmt diese Funktion, die unternehmensinterne Überwachung der Funktionsfähigkeit des Risikomanagementsystems leistet.[32] Die Abbildung 1 verdeutlicht den Aufbau des Risikomanagementsystems und die Position der Internen Revision.
Abbildung 1: Risikomanagementsystem und die Position der Internen Revision[33]
Wie im Textabschnitt 2.2. erläutert wurde, stellt die Interne Revision ein wichtiges Instrument zur Überwachung des Risikomanagements von einem Unternehmen dar. Deshalb verfolgt die Internen Revision in erster Linie das Ziel, die Qualität des Risikomanagementsystems regelmäßig gemäß bestimmter Prüfungskriterien zu bewerten. Darüber hinaus hat die Interne Revision gemäß der Definition vom DIIR das Ziel, die Risikomanagementprozesse anhand der Prüfungsergebnisse zu optimieren.[34] Diese Prüfungskriterien sind im Einzelnen:
- Ordnungsmäßigkeit:
Die Ordnungsmäßigkeit wird als die „Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Verordnungen sowie interner Richtlinien, Anweisungen und Prozesse“[35] definiert.
Unter Wirtschaftlichkeit wird als die „Überprüfung des wirtschaftlichen Zusammenwirkens innerbetrieblicher Abläufe und Systeme anhand von Soll-/Ist-Vergleichen zur Kostenoptimierung und mehr Effizienz“[36] verstanden.
Die Zweckmäßigkeit wird als die „Überprüfung von Ablaufprozessen und Organisationsstrukturen unter den Aspekten eines sinnvollen, zweckmäßigen Zusammenspiels“[37] interpretiert.
Das Kriterium der Sicherheit beschäftigt sich mit der „Prüfung interner Verfahren und Richtlinien auf Einhaltung und Sicherheit, insbesondere im IT-Bereich, sowie mit der Sicherung von Vermögensgegenständen.“[38]
- Risikohaftigkeit:
Der Prüfungsaspekt Risikohaftigkeit umfasst die „Identifizierung von Risiken im gesamten Unternehmen sowohl im Finanz- als auch im operationalen Bereich.“[39]
Die Interne Revision hat nach der Definition des DIIRs die Aufgabe, „Mängel festzustellen und geeignete Verbesserungsmaßnahmen zu empfehlen sowie deren Umsetzung zu überwachen.“[40] Diese Aufgabe lässt sich in der Praxis wesentlich in folgende Aufgabenbereiche unterteilen:
Der Aufgabenbereich Operational Audit umfasst „Prüfungen von Organisationsstrukturen, Arbeitsabläufen und Verfahren in allen Unternehmensbereichen.“[41] Operational Audits haben demnach das Ziel, „die Prozesse und Strukturen innerhalb eines Unternehmens zu untersuchen, zu bewerten und zu verbessern.“[42]
Die Interne Revision soll im Aufgabenbereich Financial Audit „die Aussagekräftigkeit, Zuverlässigkeit sowie Ordnungsmäßigkeit der Aufzeichnungen und Vorgänge im Unternehmensbereich Finanz- und Rechnungswesen beurteilen und bewerten.“[43]
Das Management Auditing beinhaltet Prüfungen und Beurteilungen der Leistungen der Führungsebenen.[44] Die Beurteilung der Ordnungsmäßigkeit der Organisation sowie der Einigung der durch das Management eingesetzten Planungs-, Steuerungs- sowie Kontrollinstrumente stellen den Kern dieses Aufgabenbereichs dar.[45]
Im Aufgabebereich übernimmt die Interne Revision die Beratungsfunktion. Mit der Beratungsfunktion versucht die Interne Revision, anhand der identifizierten Schwachstellen und Risiken Verbesserungsvorschläge zu geben. Das heißt, die Interne Revision sollte im Rahmen ihrer Tätigkeiten nicht nur auf die festgelegten Mängel hinweisen. Darüber hinaus sollte sie auch aktiv bei der Behebung der festgestellten Mängel beratend sein.
Das Compliance Management System soll die Einhaltung eines Unternehmens von Gesetzen, Verordnungen, Verträgen und Richtlinien sicherstellen. Die Aufgabe der Internen Revision im Rahmen von Compliance Audit ist es, die Angemessenheit und die Funktionsfähigkeit des im Unternehmen eingeführten Compliance Management Systems zu überprüfen und die Einhaltung der internen sowie externen Richtlinien zu untersuchen.[46]
Damit die Interne Revision ihre Tätigkeiten als die prozessunabhängige Überwachungsfunktion des Risikomanagementsystems einwandfrei ausüben kann, müssen ihre Unabhängigkeit und ihre Objektivität als grundsätzliche Prinzipien unbedingt gewährleistet werden.
Unabhängigkeit wird durch DIIR so erklärt, „dass keine Umstände vorliegen, die die Fähigkeit der Internen Revision beeinträchtigen, ihre Aufgaben für die Interne Revision unbeeinflusst wahrzunehmen.“[47] Diese Unabhängigkeit lässt sich aufrechthalten, indem der Leiter der Internen Revision stets „direkten und unbeschränkten Zugang zu Geschäftsleitung und Überwachungsorgan hat.“[48]
Die Objektivität der Internen Revision bezeichnet der DIIR als „eine unbeeinflusste Geisteshaltung, die es Internen Revisoren erlaubt, ihre Aufgaben dergestalt auszuführen, dass sie ihre Arbeitsergebnisse und deren Qualität vorbehaltslos vertreten können.“[49]
In diesem Kapitel geht es um eine vertiefte Darstellung von den Rahmenbedingungen der VR China. Hier sollten die wirtschaftlichen sowie soziokulturellen Besonderheiten in der chinesischen Geschäftspraxis aufgezeigt werden. Darüber hinaus zielt dieses Kapitel ab, anhand von den herausgefundenen Besonderheiten Chinas die wichtigsten Prüfungsschwerpunkte für die Interne Revision der deutschen Unternehmen festzustellen.
In den folgenden Textabschnitten handelt es sich um die Darstellung der wirtschaftlichen Rahmenbedingung in der VR China. Zuerst wird im Abschnitt 3.1.1 die allgemeine Entwicklung der chinesischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren vorgestellt. Anschließend wird im Abschnitt 3.1.2 auf die Besonderheiten der gegenwärtigen chinesischen Wirtschaft eingegangen. Ziel ist, durch eine kritische Diskussion die Herausforderungen hinsichtlich der festgestellten Besonderheiten an das Risikomanagement der deutschen Tochtergesellschaften in China darzulegen.
Seit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik im Jahre 1978 erlebt die chinesische Wirtschaft ein äußerst starkes Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (im Folgenden als BIP abgekürzt) Chinas ist zwischen 1979 und 2007 jährlich um durchschnittlich 9,8% gestiegen.[50] Dank des Konjunkturplans der chinesischen Regierung hat die chinesische Wirtschaft trotz der weltweiten Wirtschaftskrise ab 2007 weiter stark gewachsen. Die Wachstumsrate des BIP lag zwischen 2008 und 2011 immer noch über 9 %. Allerdings ist die Wachstumsrate des BIPs seit 2012 auf weniger als 8 % gesunken. Im Jahr 2013 ist das BIP in China um 7,7 % auf 9.4 Billionen US-Dollar gestiegen.[51] Jahres Somit ist China die weltweit zweite größte Volkswirtschaft nach den USA. Abbildung 2 gibt einen Überblick über das BIP-Wachstum von China zwischen 2003 und 2013. Abbildung 3 vergleicht die Bruttoinlandsprodukte von China, USA und Deutschland im Jahr 2013.
Abbildung 2: Wachstum des BIP von China zwischen 2003 und 2013[52]
Abbildung 3: Die Bruttoinlandsprodukte des Jahres 2013 von den USA, China und Deutschland im Vergleich[53]
Die chinesische Regierung verwendet einen Fünfjahresplan zur Planung der Volkswirtschaft. Aktuell gilt der zwölfte Fünfjahresplan, der im Jahre 2011 in Kraft getreten ist und bis 2015 durchgesetzt wird. Mit diesem Fünfjahresplan strebt die chinesische Regierung eine strategische Umwandlung der Wirtschaftsstruktur an. Dieser Wandel sollte nach einem Vortrag von Herrn Botschafter Wu in den folgenden Bereichen verwirklicht sein:
- „die Verstärkung der Binnennachfrage,
- die Umwandlung Chinas von einem einfachen Fabrikations- und Niedriglohnland zu einem Forschungs- und Entwicklungsstandort,
- die Verringerung der regionalen Unterschiede und Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in Zentral- und Westchina.“[54]
Die VR China bleibt nach wie vor ein attraktiver Standort für die deutschen Unternehmen. Die aktuelle Entwicklung der chinesischen Wirtschaft stellt große Chancen für die deutschen Unternehmen dar, wie Dr. Hefele erläutert:
„Der angestrebte Strukturwandel bietet große Marktchancen für Deutsche [!] Unternehmen, da die Schlüsselsektoren wie Umwelttechnologie, aber auch im Logistik- und Dienstleistungsbereich noch immer zu den Stärken gerade auch deutscher mittelständiger Unternehmen gehören.“[55]
Die chinesische Wirtschaft hat sich während bzw. nach der weltweiten Wirtschaftskrise noch relativ stark entwickelt. Allerdings zeigt das Konjunkturpaket, das damals durch die chinesische Regierung umgesetzt wurde, langsam seine negativen Auswirkungen in der heutigen Wirtschaft in China. Einem Beitrag von Spiegel-Online zufolge hat die chinesische Regierung vier Billionen Yuan, umgerechnet rund 460 Milliarden Euro, in den Ausbau der Infrastruktur und in Sozialdienstleistungen gepumpt.[56] Viele Firmen haben danach stark in Projekte mit geringem Gewinnbeitrag investiert.[57] Diese Investitionen haben sich kaum rentiert und führen konsequent zur hohen Verschuldung dieser Unternehmen. Laut einer Thomson Reuters Analyse sind die Gesamtschulden von 945 gelisteten mittleren und großen nicht-finanziellen Unternehmen zwischen Dezember 2008 und September 2013 von 298.4 Milliarden Dollar auf 777.3 Milliarden Dollar gestiegen. Dies stellt ein Wachstum von mehr als 260 % dar.[58]
Die hohe Verschuldung verursacht eine schlechtere Zahlungsmoral chinesischer Unternehmen. Gemäß den Ergebnissen einer Umfrage bei 2.300 börsennotierten Unternehmen durch Thomson Reuters ist der Medianwert der Einzugsdauer der offenen Rechnungen zwischen Ende 2009 und Ende 2013 von 71.4 Tagen auf 90.42 Tage gestiegen.[59]
Neben der hohen Unternehmensverschuldung ist ein noch nicht völlig marktorientierter Kapitalmarkt als Besonderheit der chinesischen Wirtschaft festzustellen, wie Perlowski ihn in seinem Beitrag beschreibt: „In China, there is simply no way to distribute the capital that is already in the country to businesses that need it.“[60] Für viele Unternehmen ist der Zugang zum legalen Kapitalmarkt, z.B. den Bankkrediten, sehr schwierig, um ihre Liquiditätsbedarf zu erfüllen. Nach einem Bericht des China Beige Books gaben lediglich 24% von ca. 2.000 befragten Unternehmen an, Bankkrediten bekommen zu haben.[61] Da die Finanzierung auf dem legalen Kapitalmarkt für viele Unternehmen nicht zumutbar ist, suchen sie zwangsweise nach illegalen Finanzierungsmöglichkeiten, unter anderem durch Schattenbanken. Außerdem werden immer häufiger die Acceptance Drafts, als Zahlungsmittel zwischen den chinesischen Unternehmen genutzt.
Die vorherigen Textabschnitte gaben einen kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Chinas. Der chinesische Markt bleibt aufgrund von dessen hohem Wirtschaftswachstum und der steigenden Binnenmarktnachfrage ein sehr attraktiver Standort für die deutschen Unternehmen. Allerdings bestehen nach wie vor hohe Risiken für die dortigen Tochtergesellschaften dieser Unternehmen in diesem Land. Wie im Abschnitt 3.1.2. erörtert wurde, ist die gegenwärtige Wirtschaftsentwicklung von China durch hohe Unternehmensverschuldungen, eine verlängerte Zahlungsdauer sowie schwierige Finanzierungsmöglichkeiten geprägt.
An dieser Stelle wäre eine kurze Diskussion darüber notwendig, welche Bereiche des Risikomanagementsystems von einer Tochtergesellschaft eines deutschen Unternehmens in China durch die oben beschriebenen Besonderheiten der chinesischen Wirtschaft besonders herausgefordert werden. Wie bereits erwähnt leiden heutzutage viele Unternehmen in China unter hohen Schulden. Es ist jedoch, aufgrund von fehlender Statistiken schwierig eine Aussage zu treffen, dass auch die chinesischen Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen allgemein auch dieser Problematik unterliegen. Die Ursache der heutigen Schuldenkrise bei vielen chinesischen Unternehmen liegt darin, dass ihnen im Rahmen des Konjunkturplans für ihre unprofitable Projekte zu viel Kredite von den Banken genehmigt wurden.[62] Die chinesischen Tochtergesellschaften der deutschen Unternehmen haben jedoch andere Finanzierungsmöglichkeiten als die chinesischen Staats- bzw. Privatunternehmen. Für sie bleiben außer der Finanzierung bei den chinesischen Banken noch weitere günstige Finanzierungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel interne Kredite vom Mutterkonzern. Daher scheinen die deutschen China-Tochtergesellschaften nicht direkt der hohen Verschuldung betroffen zu sein.
Viel höher ist allerdings das Risiko von hohen Forderungsbeständen für die deutschen Tochtergesellschaften in China. Wie bereits erwähnt hat sich das Zahlungsverhalten im chinesischen Markt in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Da viele chinesische Tochtergesellschaften der deutschen Unternehmen auch solche Unternehmen mit hoher Verschuldung als Kunden haben, müssen sie zwangsläufig dem Risiko von Zahlungsverspätung und sogar Zahlungsausfällen begegnen. Daher ist ein kompetentes internes Überwachungssystem im Bereich des Forderungsmanagements bei der Tochtergesellschaft besonders wichtig. Aus diesem Grund hat die Interne Revision das Forderungsmanagement als einen bedeutsamen Prüfungsschwerpunkt bei ihrer chinesischen Tochtergesellschaft festzulegen.
[1] Hoffmann, R. (2013): S.16.
[2] Internationale Standards für die berufliche Praxis der Internen Revision 2013: S. 5.
[3] Schäffer, U. (2014): S. 62.
[4] Vgl. Otte, C. (2014).
[5] Vgl. Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland. (2014).
[6] Vgl. German Chamber of Commerce in China (2013): S. 3.
[7] Kaufmann, S. (2014).
[8] Vgl. Zeit Online Wirtschaft (2013).
[9] Geyer, H. (2014).
[10] Vgl. Die Welt Online (2014).
[11] Vgl. Hong, S. (2014).
[12] Vgl. Miller, M und Karlo, T (2014).
[13] Vgl. McMahon, D. (2014b).
[14] PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfergesellschaft (2014a).
[15] Vgl. Esch, J., Meier, W. (2012): S. 18 - S. 19.
[16] IIR Revisionsstandard Nr.2: S. 1.
[17] Vgl. Keitsch, D. (2007): S. 11.
[18] Vgl. Bundestags-Drucksache 13/9712 (1998): S. 11.
[19] IIR Revisionsstandard Nr.2: S. 1.
[20] Vgl. IIR Revisionsstandard Nr.2: S. 1.
[21] Kullmann, S., Berwagner, J. (2012): S. 145.
[22] Deutscher Corporate Governance Kodex (2013): S. 1.
[23] Vgl. Deutscher Corporate Governance Kodex (2013): S. 10.
[24] Vgl. Deutscher Corporate Governance Kodex (2013): S. 10.
[25] Keitsch, D. (2007): S. 216.
[26] Ricken, K. (2000): S. 11.
[27] Vgl. Keitsch, D. (2007): S. 217.
[28] Keitsch, D. (2007): S. 218.
[29] Vgl. Institut für Interne Revision Österreich – IIA Austria (2009): S. 30.
[30] Ricken, K. (2000): S. 10.
[31] Vgl. Schmitz, T., Wehrheim, M. (2006): S. 139.
[32] Vgl. IIR Revisionsstandard Nr.2 (2014): S. 2.
[33] In Zusammenführung der Grafiken von Hampel, V., Lueger, M. und Roth, U. (2004): S. 111 und S. 115.
[34] Vgl. Internationale Standards für die berufliche Praxis der Internen Revision 2013: S. 5.
[35] Keitsch, D. (2007): S. 203.
[36] Keitsch, D. (2007): S. 203.
[37] Keitsch, D. (2007): S. 203.
[38] Diedrichs, M. (2014): S. 155 – S. 156.
[39] Keitsch, D. (2007): S. 203.
[40] IIR Revisionsstandard Nr.2 (2014): S. 2.
[41] Kullmann, S., Berwagner, J. (2012): S. 81.
[42] Kullmann, S., Berwagner, J. (2012): S. 80.
[43] Kullmann, S., Berwagner, J. (2012): S. 42.
[44] Diedrichs, M. (2014): S. 156.
[45] Vgl. Diedrichs, M. (2014): S. 156., Vgl. dazu Kullmann, S., Berwagner, J. (2012): S. 82.
[46] Vgl. Kullmann, S., Berwagner, J. (2012): S. 83.
[47] Internationale Standards für die berufliche Praxis der Internen Revision (2013): S. 24.
[48] Internationale Standards für die berufliche Praxis der Internen Revision (2013): S. 24.
[49] Internationale Standards für die berufliche Praxis der Internen Revision (2013): S. 24.
[50] Vgl.German.china.org.cn (2008).
[51] Vgl. Roberts, D. (2014).
[52] Die Erstellung dieser Abbildung basiert auf Datenmaterial von National Bureau of Statistics of China (2014).
[53] Die Erstellung dieser Abbildung basiert auf Datenmaterial vom Statistischen Bundesamt Deutschland (2014).
[54] Wu, H. (2014).
[55] Hefele, P. und Lemke, E. (2011).
[56] Spiegel Online Wirtschaft (2008).
[57] Singer, K. (2014).
[58] Vgl. Miller, M., Desai, U. (2014).
[59] Vgl. Miller, M., Karlo, T. (2014).
[60] Perlowski, J. (2014): „In China gibt es keine Kanäle, die das in diesem Land bereits existierende Kapital an solche Geschäftsfelder distribuieren, die es tatsächlich brauchen.“ (Übersetzung durch den Verfasser).
[61] Vgl. McMahon, D. (2014b).
[62] Vgl. Miller, M., Desai, U. (2014).
V303130
9783668012332
9783668012349
Interne Revision Coporate Governance Deutsche Unternehmen in China Bank Acceptance Draft Risikomanagement Chinesische Unternehmenspraxis
Zhenxiao Yu, 2014, Interne Revision von deutschen Unternehmen bei ihren chinesischen Tochtergesellschaften, München, GRIN Verlag, http://www.grin.com/de/e-book/303130/interne-revision-von-deutschen-unternehmen-bei-ihren-chinesischen-tochtergesellschaften

References: § 91

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 § 321
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§317
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 §161
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