Source: https://jusletter.weblaw.ch/juslissues/2004/264.html
Timestamp: 2020-05-29 01:44:03+00:00

Document:
Jusletter - 9. Februar 2004
Am 5. Februar 2004 hat Prof. Dr.iur. Clausdieter Schott, Professor für Rechtsgeschichte und Privatrecht, Universität Zürich, seine Abschiedsvorlesung gehalten. Bereits heute dürfen wir Ihnen die schriftliche Fassung in Jusletter präsentieren: «Das Recht und die List».
Prof. Dr. Roland Ruedin und RA Emmanuel Piaget plädieren in ihrem Beitrag «Le moment de l´avis au juge» für die Beibehaltung der bis anhin strengen gesetzlichen Regeln in Bezug auf die Benachrichtigungspflichten des Verwaltungsrats und der Revisionsstelle und sprechen sich gegen eine Lockerung de lege ferenda aus (Art. 725 Abs. 2 OR und Art. 729b Abs. 2 OR).
RA Dr.iur. Eugénie Holliger-Hagmann befasst sich mit aktuellen Gesetzgebungsprojekten rund um die Produkthaftpflicht («Produktsicherheit»).
Dr.iur. Thomas Burkhalter rezensiert eine aktuelle Publikation von Professor Dr.iur. et Dr.phil.I Hans Giger, die sich mit der schweizerischen Konsumentenschutz-Gesetzgebung auseinander setzt («Key Problems of the new concept of the Swiss Consumer Credit Legislation»).
Dr.iur. Andrea Flury und lic.iur. Alice Naumann berichten vom Siebten St. Galler Internationalen Immaterialgüterrechtsforum (13./14. November 2003).
In der Weltliteratur finden sich Beispiele wie mit List selbst gegen den Buchstaben des Gesetzes der Gerechtigkeit zum Durchbruch verholfen wird. Die sich in der Literatur spiegelnde Rechtswirklichkeit steht schriftstellerischer Vorstellungskraft in nichts nach. Da die Rechtsprechung die Rolle des gesetzgebergleichen Richterkönigs scheut, greift sie lieber nach einem zufällig herumschwimmenden gesetzlichen Strohhalm. Nun ist Gesetzesinterpretation, d.h. Verstehen und Anwenden, ein alltäglicher und meist unschuldiger Vorgang. Die Frage hier ist: Wann ist dieser Griff in die Trickkiste eine List? Was aber ist eine List? (Abschiedsvorlesung von Prof. C. Schott, gehalten am 5. Feb. 2004) weiter lesen
Roland Ruedin / Emmanuel Piaget
Le moment de l´avis au juge
AJP/PJA 11/2003, p. 1329-1337
Gemäss Art. 725 Abs. 2 OR muss der Verwaltungsrat das Gericht benachrichtigen, wenn die Gesellschaft überschuldet ist. Art. 729b Abs. 2 OR verpflichtet die Revisionsstelle, das Gericht zu benachrichtigen, wenn der Verwaltungsrat bei offensichtlicher Überschuldung die Anzeige unterlässt. De lege lata ist die sofortige Anzeigepflicht an das Gericht zwingender Natur. Der klare Wortlaut der vorgenannten Bestimmungen kann gestützt auf die historischen, systematischen und teleologischen Interpretationsmethoden nicht relativiert werden. Die aktuelle Strenge des Gesetzes ist zum Schutze der Gläubiger unabdingbar. Eine Lockerung de lege ferenda (Art. 64 VE RRG) ist nicht wünschenswert. weiter lesen
Zuerst Verantwortung definieren und dann erst kontrollieren
Auf dem Gebiet der Produktsicherheit sind gegenwärtig verschiedene Projekte im Gange. Auf der einen Seite soll die behördliche Kontrolle gewisser Produkte verbessert werden. Andererseits geht es um eine grundlegende Konzeption der Produktsicherheit, nämlich um die Definition eines für alle Produktkategorien geltenden hohen Sicherheitsniveaus sowie der Produktbeobachtungspflichten der Hersteller und Vermarkter nach dem Inverkehrbringen. Mit Rücksicht auf die exportorientierten Produzenten in der Schweiz muss sich die rechtliche Ausgestaltung der Produktsicherheit zwangsläufig an der EU-Regelung orientieren. weiter lesen
Buchrezension: Hans Giger, Key Problems of the new concept of the Swiss Consumer Credit Legislation
Die nachfolgende Rezension gilt einem Werk, welches im Rahmen einer Veranstaltung der International Academy of Commercial and Consumer Law (USA), entstanden ist. Der Autor des Buches, der Zürcher Jurist Prof.Dr.Dr. Hans Giger, gibt dabei sowohl dem wissenschaftlich Interessierten wie dem Praktiker (Mitarbeiter von Kreditbanken, Leasinggesellschaften, Herausgeber von Kundenkarten mit Kreditoption etc.) Einblick in eine Welt, die nicht nur juristisch von spannender Aktualität ist. Das Buch ist zudem all jenen zur Lektüre empfohlen, die sich über Konsumentenschutz hinaus mit Fragen der Gesetzgebungspolitik in der Schweiz befassen. weiter lesen
Andrea Flury / Alice Naumann
Siebentes St. Galler Internationales Immaterialgüterrechtsforum
Bericht zur Tagung vom 13./14. November 2003
Bereits zum siebenten Mal fand Mitte November 2003 das St. Galler Internationale Immaterialgüterrechtsforum IIF statt. Die Tagung leiteten Prof. Dr. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofs, und Fürsprecher Dr. Jürg Simon, Lehrbeauftragter für Immaterialgüterrecht an der Universität St. Gallen HSG. weiter lesen
Haftbedingungen bleiben unbeachtlich
Anrechnung der Auslieferunghaft
Wer an die Schweiz ausgeliefert und hier verurteilt wird, hat Anspruch darauf, dass die in einem ausländischen Gefängnis abgesessene Auslieferungshaft auf seine Freiheitsstrafe angerechnet wird. Dabei wird indes laut einem neuen Urteil des Bundesgerichts den Haftbedingungen im fremden Land keine Rechnung getragen. weiter lesen
Ermessensspielraum bei Einbürgerungen
Balsthaler Gemeindeautonomie verletzt
Der Solothurner Regierungsrat hat die Autonomie der Gemeinde Balsthal verletzt, als er die Beschwerde einer Türkin guthiess, deren Einbürgerungsgesuch der Balsthaler Bürgerrat wegen ungenügender Deutschkenntnisse abgewiesen hatte. weiter lesen
Gerundeter Invaliditätsgrad
Praxis hinter dem Komma gelockert
Das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG) ändert seine nur wenige Jahre alte Rechtsprechung, wonach der errechnete Invaliditätsgrad ein mathematisch exakter Prozentwert ist, der nicht gerundet werden darf (NZZ vom 15. 9. 01 und BGE 127 V 129). weiter lesen
Genfer Versicherungsgericht ohne Beisitzer
Kantonsverfassung verlangt Volkswahl
Das neue Sozialversicherungsgericht des Kantons Genf kann seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. Das Bundesgericht hat die staatsrechtliche Beschwerde eines Bürgers gutgeheissen und die Wahl aller 16 Beisitzer des Gerichts vom vergangenen Sommer annulliert. Stein des höchstrichterlichen Anstosses ist der Umstand, dass die Beisitzer vom Grossen Rat und nicht vom Volk gewählt wurden, wie dies die Genfer Kantonsverfassung vorschreibt (Art. 132). weiter lesen
Bestätigte Rechtsprechung
Inländerdiskriminierung beim Familiennachzug
Seit dem Inkrafttreten des zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) bilateral ausgehandelten Freizügigkeitsabkommens sind Personen aus dem EU-Raum sowie aus EFTA-Staaten beim Familiennachzug spürbar besser gestellt als Schweizer, die in ihrer Heimat leben (NZZ vom 4. 4. 03). Diese sogenannte Inländerdiskrimination ist laut einem am 18. Januar des vergangenen Jahres mit drei zu zwei Stimmen gefällten Urteil des Bundesgerichts hinzunehmen. Fast auf den Tag ein Jahr später ist die zum Teil ernsthaft kritisierte Rechtsprechung nun in einem neuen Leitentscheid einstimmig bestätigt worden. weiter lesen
Grundstückversteigerung duldet keinen Unterbruch
Eine betreibungsamtliche Liegenschaftsversteigerung ist laut Verordnung über die Zwangsverwertung von Grundstücken ohne Unterbrechung durchzuführen (Art. 61), und laut einem neuen Urteil des Bundesgerichts ist auch eine kurze Pause von rund zehn Minuten nicht zulässig. weiter lesen
Spanische Richterin vor Schweizer Kadi?
Genfer Gerichte sind nicht zuständig
Das Bundesgericht hat die Berufung eines Holländers abgewiesen, der vor der Genfer Justiz eine spanische Untersuchungsrichterin auf Schadenersatz verklagen wollte, weil er auf einen von ihr ausgestellten internationalen Haftbefehl hin in der Schweiz verhaftet worden war. weiter lesen
Orangensaft «ohne Zuckerzusatz»
Zulässiger Hinweis auf eine Selbstverständlichkeit
Fruchtsäfte dürfen mit dem Hinweis «ohne Zuckerzusatz» versehen werden, obwohl solchen Getränken gemäss Lebensmittelverordnung grundsätzlich kein Zucker beigemischt werden darf (Art. 232). Das Bundesgericht hat eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) abgewiesen, das die Pomdor AG in Sursee (Luzern) zwingen wollte, auf den Etiketten ihrer Produkte Ramseier Premium Orangensaft und Sunair Orangensaft den Hinweis auf den nicht beigefügten Zucker zu entfernen. weiter lesen
Anwalt ohne Gurt und Schuh
Zulässige Sicherheitskontrollen am Gefängnistor
Das Bundesgericht hat die staatsrechtliche Beschwerde eines Anwalts abgewiesen, der nicht zu seinem Klienten in der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon gelassen wurde, weil bei der Sicherheitskontrolle das Magnetometer einen Metallalarm auslöste. Der Verteidiger hatte bereits alle metallischen Gegenstände aus seinen Taschen entfernt und wurde in der Folge aufgefordert, nunmehr die Schuhe oder den Gurt auszuziehen, was er jedoch unter Berufung auf das Verfassungsrecht der persönlichen Freiheit ablehnte. weiter lesen
0900: Information und Schutz der Konsumenten vor PC-Dialern
Um die Konsumentinnen und Konsumenten im Bereich der 090x-Nummern besser zu schützen, hat das Bundesamt für Kommunikation zwei Massnahmen getroffen: Bereitstellung von Informationsmaterial zu den 0900-, 0901- und 0906-Nummern sowie Verbot der Verwendung von PC-Dialern in Verbindung mit diesen Nummern. weiter lesen
Bedingte Öffnung für ärztliche Beihilfe zum Suizid
Aber keine «Medikalisierung des Sterbens»
Im Zusammenhang mit der Betreuung von Patienten am Lebensende stehen die Palliativmedizin und die ärztliche Beihilfe zum Suizid seit einiger Zeit im Zentrum des öffentlichen Interesses. Vor diesem Hintergrund hat die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) ihre aus dem Jahre 1995 stammenden ethischen Richtlinien zur «Sterbehilfe» einer vollständigen Überarbeitung unterzogen. Die neuen, heute in der Schweizerischen Ärztezeitung zur Vernehmlassung veröffentlichten Richtlinien sollen in diesem Bereich eine klare Orientierung geben und Schranken setzen. Angesichts der teilweise sehr weitgehenden Forderungen an die Ärzte als «Experten für einen schnellen Tod» betont die SAMW die Bedeutung der Patientenautonomie, wehrt sich aber gegen Missbräuche und eine «Medikalisierung des Sterbens». weiter lesen
GwG: An die neue Verordnung angepasste Checkliste für Bewilligungsgesuche
Liste der Angaben und Unterlagen, die ein Finanzintermediär seinem Gesuch um Bewilligung beilegen muss, Ausgabe Februar 2004
Die Kontrollstelle hat am 3. Feb. 2004 eine an ihre neue Verordnung über die Pflichten der ihr direkt unterstellten Finanzintermediäre angepasste Liste der Angaben und Unterlagen, die ein Finanzintermediär seinem Gesuch um Bewilligung beilegen muss, ins Internet gestellt. weiter lesen
Auslegung der Geldwäschereiverordnung Kst
Die Kontrollstelle hat am 6. Feb. 2004 die Rubrik FAQ mit Antworten auf Auslegungsfragen bezüglich ihrer Verordnung über die Pflichten der ihr direkt unterstellten Finanzintermediäre ergänzt. Die Fragen betreffen Zahlungsaufträge ins Fürstentum Liechtenstein und die Unabhängigkeit der mit den internen Kontrollen beauftragten Person vom obersten Geschäftsführungsorgan. weiter lesen
Verzeichnis der auf den 1. Februar 2004 in Kraft getretenen Erlasse des Bundes
Die vorliegende Zusammenstellung beinhaltet alle schweizerischen Bundesgesetze, Bundesbeschlüsse, Bundesrats- und Departementsverordnungen sowie einzelne Artikel, die im Februar 2004 in Kraft treten. Die einzelnen Erlasse und Änderungen können via Links direkt abgerufen werden. weiter lesen
Clausdieter Schott, Das Recht und die List
Roland Ruedin / Emmanuel Piaget, Le moment de l´avis au juge
Eugénie Holliger-Hagmann, Produktsicherheit
Thomas Burkhalter, Buchrezension: Hans Giger, Key Problems of the new concept of the Swiss Consumer Credit Legislation
Andrea Flury / Alice Naumann, Siebentes St. Galler Internationales Immaterialgüterrechtsforum
fel., Haftbedingungen bleiben unbeachtlich
fel., Ermessensspielraum bei Einbürgerungen
fel., Gerundeter Invaliditätsgrad
fel., Genfer Versicherungsgericht ohne Beisitzer
fel., Bestätigte Rechtsprechung
fel., Grundstückversteigerung duldet keinen Unterbruch
fel., Spanische Richterin vor Schweizer Kadi?
fel., Orangensaft «ohne Zuckerzusatz»
fel., Anwalt ohne Gurt und Schuh
Jurius, 0900: Information und Schutz der Konsumenten vor PC-Dialern
Jurius, Bedingte Öffnung für ärztliche Beihilfe zum Suizid
Jurius, GwG: An die neue Verordnung angepasste Checkliste für Bewilligungsgesuche
Jurius, Auslegung der Geldwäschereiverordnung Kst
Jurius, Verzeichnis der auf den 1. Februar 2004 in Kraft getretenen Erlasse des Bundes

References: de lege ferenda
 Art. 729
 Art. 725
 Art. 729
De lege lata
de lege ferenda
 BGE