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Timestamp: 2020-01-21 23:39:33+00:00

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Der deut­sche Foto­graf für das fran­zö­si­sche Hotel | Rechtslupe
Der deut­sche Foto­graf für das fran­zö­si­sche Hotel
Mit die­ser Ent­schei­dung setzt der Bun­des­ge­richts­hof die "Hi Hotel", Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1 um, die im vor­lie­gen­den Fall auf ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­ge­richts­hofs 2 ergan­gen ist. Hier­in hat­te der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den:
Art. 5 Nr. 3 VO (EG) Nr. 44/​2001 des Rates vom 22.12.2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen ist dahin aus­zu­le­gen, dass er im Fall meh­re­rer mut­maß­li­cher Ver­ur­sa­cher einer gel­tend gemach­ten Ver­let­zung von im Mit­glied­staat des ange­ru­fe­nen Gerichts geschütz­ten Urhe­ber­ver­mö­gens­rech­ten die Zustän­dig­keit eines Gerichts, in des­sen Bezirk der ver­klag­te unter die­sen mut­maß­li­chen Ver­ur­sa­chern nicht tätig gewor­den ist, unter dem Gesichts­punkt des für den Scha­den ursäch­li­chen Gesche­hens nicht begrün­den kann, er aber die Zustän­dig­keit die­ses Gerichts unter dem Gesichts­punkt der Ver­wirk­li­chung des gel­tend gemach­ten Scha­dens begrün­den kann, sofern die Gefahr besteht, dass sich der Scha­den im Bezirk des ange­ru­fe­nen Gerichts ver­wirk­licht. Im letz­te­ren Fall ist die­ses Gericht nur für die Ent­schei­dung über den Scha­den zustän­dig, der im Hoheits­ge­biet sei­nes eige­nen Mit­glied­staats ver­ur­sacht wor­den ist.
Art. 9 Abs. 2 Rom-I-VO und § 31 Abs. 5 UrhG»">Art. 9 Abs. 2 Rom-I-VO und § 31 Abs. 5 UrhG
Inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te[↑]
Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te, die auch unter der Gel­tung des § 545 Abs. 2 ZPO in der Revi­si­ons­in­stanz von Amts wegen zu prü­fen ist, ergibt sich aus Art. 5 Nr. 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (Brüs­sel-I-VO).
Für die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der natio­na­len Gerich­te kommt es grund­sätz­lich nur dar­auf an, ob der Foto­graf schlüs­sig vor­ge­tra­gen hat, dass im Inland ein im Sin­ne des Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO schä­di­gen­des Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht. Ob tat­säch­lich ein schä­di­gen­des Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht, ist eine Fra­ge der Begründ­etheit der Kla­ge, die vom zustän­di­gen Gericht anhand des anwend­ba­ren natio­na­len Rechts zu prü­fen ist 3.
Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zu Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO ist mit der Wen­dung "Ort, an dem das schä­di­gen­de Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht", sowohl der Ort des für den Scha­den ursäch­li­chen Gesche­hens als auch der Ort der Ver­wirk­li­chung des Scha­dens­er­folgs gemeint, so dass der Beklag­te nach Wahl des Foto­gra­fen vor dem Gericht eines die­ser bei­den Orte ver­klagt wer­den kann 4. Macht der Foto­graf eine Ver­let­zung von im Mit­glied­staat des ange­ru­fe­nen Gerichts geschütz­ten Urhe­ber­ver­mö­gens­rech­ten durch meh­re­re mut­maß­li­che Ver­ur­sa­cher gel­tend, kann Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO die Zustän­dig­keit eines Gerichts, in des­sen Bezirk der allein in Anspruch genom­me­ne Beklag­te unter die­sen mut­maß­li­chen Ver­ur­sa­chern nicht tätig gewor­den ist, zwar nicht unter dem Gesichts­punkt des für den Scha­den ursäch­li­chen Gesche­hens, wohl aber unter dem Gesichts­punkt der Ver­wirk­li­chung des gel­tend gemach­ten Scha­dens begrün­den, sofern die Gefahr besteht, dass sich der Scha­den im Bezirk des ange­ru­fe­nen Gerichts ver­wirk­licht 5. Danach ist im Streit­fall die Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te unter dem Gesichts­punkt der Ver­wirk­li­chung des gel­tend gemach­ten Scha­dens begrün­det.
Nach dem Vor­brin­gen des Foto­gra­fen ist sein urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Recht an den Licht­bil­dern dadurch in Deutsch­land ver­letzt wor­den, dass der in Ber­lin ansäs­si­ge Phai­don-Ver­lag die­se Licht­bil­der in sei­nem Foto­band "Innen­ar­chi­tek­tur welt­weit" über eine Buch­hand­lung in Köln ver­brei­tet hat. Fer­ner ist für die recht­li­che Nach­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz davon aus­zu­ge­hen, dass der Foto­graf sich das Vor­brin­gen der Hote­lier, sie habe die Licht­bil­der dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag über­ge­ben, zu eigen gemacht hat und behaup­tet, die­ser Ver­lag habe die Bil­der an sei­ne deut­sche Schwes­ter­ge­sell­schaft wei­ter­ge­ge­ben. Folg­lich ist der Prü­fung der inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te nach Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO der Vor­trag des Foto­gra­fen zugrun­de zu legen, der in Ber­lin ansäs­si­ge Phai­don-Ver­lag habe die in Rede ste­hen­den Licht­bil­der unbe­fugt im Inland ver­brei­tet und die Beklag­te habe dazu durch Über­ga­be der Licht­bil­der an den in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag Hil­fe geleis­tet 6.
Damit hat der Foto­graf eine Ver­let­zung sei­ner in Deutsch­land urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Rech­te an den Licht­bil­dern durch meh­re­re mut­maß­li­che Ver­ur­sa­cher – dar­un­ter die Beklag­te und den in Ber­lin ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag – schlüs­sig vor­ge­tra­gen. Nach sei­nem Vor­brin­gen ist jeden­falls davon aus­zu­ge­hen, dass die Gefahr der Ver­wirk­li­chung des Scha­dens in Deutsch­land besteht.
Anwend­bar­keit deut­schen Urhe­ber­rechts[↑]
Zur Beur­tei­lung der Fra­ge, ob dem Foto­gra­fen ein urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Recht an den Foto­gra­fi­en zusteht und ob – gege­be­nen­falls – die Beklag­te die­ses Recht ver­letzt hat, sind die Vor­schrif­ten des deut­schen Urhe­ber­rechts­ge­set­zes anzu­wen­den.
Nach dem deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­recht ist die Fra­ge, ob Ansprü­che wegen einer Ver­let­zung urhe­ber­recht­li­cher Schutz­rech­te bestehen, grund­sätz­lich nach dem Recht des Schutz­lan­des – also des Staa­tes, für des­sen Gebiet der Schutz bean­sprucht wird – zu beant­wor­ten 7. Nach die­sem Recht sind ins­be­son­de­re das Bestehen des Rechts, die Rechts­in­ha­ber­schaft des Ver­letz­ten, Inhalt und Umfang des Schut­zes sowie der Tat­be­stand und die Rechts­fol­gen einer Rechts­ver­let­zung zu beur­tei­len 8.
Unter­las­sungs­an­spruch[↑]
Der vom Foto­gra­fen auf Wie­der­ho­lungs­ge­fahr gestütz­te und in die Zukunft gerich­te­te Unter­las­sungs­an­spruch ist nur begrün­det, wenn das bean­stan­de­te Ver­hal­ten der Hote­lier sowohl zur Zeit der Bege­hung urhe­ber­rechts­wid­rig war als auch zur Zeit der Ent­schei­dung urhe­ber­rechts­wid­rig ist. Für die Begründ­etheit der Ansprü­che auf Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht und auf Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Aus­kunfts­an­sprü­che kommt es dage­gen allein auf das zum Zeit­punkt der bean­stan­de­ten Hand­lun­gen gel­ten­de Recht an 9. Dabei setzt die Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Aus­kunfts­an­sprü­che vor­aus, dass die Kla­ge inso­weit bis zum gel­tend gemach­ten erle­di­gen­den Ereig­nis zuläs­sig und begrün­det war und – wenn das der Fall war – durch die­ses Ereig­nis unzu­läs­sig oder unbe­grün­det gewor­den ist 10.
Eine für die Beur­tei­lung des Streit­falls maß­geb­li­che Ände­rung der Rechts­la­ge ist aller­dings nicht ein­ge­tre­ten. Der Foto­graf kann die Beklag­te, wenn die­se ein nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz geschütz­tes Recht des Foto­gra­fen wider­recht­lich ver­letzt hat, bei Wie­der­ho­lungs­ge­fahr auf Unter­las­sung und, wenn die Beklag­te vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig gehan­delt hat, auf Scha­dens­er­satz in Anspruch neh­men (§ 97 Abs. 1 Satz 1 UrhG in der Fas­sung vom 23.06.1995, § 97 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 UrhG). Fer­ner konn­te der Foto­graf von der Hote­lier zur Vor­be­rei­tung der Berech­nung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) Aus­kunfts­er­tei­lung ver­lan­gen, wenn er in ent­schuld­ba­rer Wei­se über den Umfang des Anspruchs im Unkla­ren war und sie unschwer Auf­klä­rung geben konn­te 11.
Die in Rede ste­hen­den Foto­gra­fi­en sind in Deutsch­land – wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat – wenn nicht als Licht­bild­wer­ke nach § 2 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 2 UrhG, so doch jeden­falls als Licht­bil­der nach § 72 Abs. 1 UrhG urhe­ber­recht­lich geschützt. Die Foto­gra­fi­en genie­ßen in Deutsch­land urhe­ber­recht­li­chen Schutz, auch wenn sie in Frank­reich ange­fer­tigt wor­den sind. Ein inlän­di­sches Urhe­ber­recht kann auch durch eine Werk­schöp­fung im Aus­land begrün­det wer­den 12. Des­glei­chen kann ein inlän­di­sches Schutz­recht des Licht­bild­ners an einem im Aus­land auf­ge­nom­me­nen Licht­bild ent­ste­hen. Der Foto­graf ist als Her­stel­ler der Foto­gra­fi­en berech­tigt, Ansprü­che wegen einer Ver­let­zung sei­ner urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Rech­te an den Foto­gra­fi­en gel­tend zu machen.
Der fran­zö­si­sche Ver­lag und die Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on des Foto­gra­fen[↑]
Die vom Foto­gra­fen erho­be­nen; und vom Beru­fungs­ge­richt zuer­kann­ten Ansprü­che auf Unter­las­sung, Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht und Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Aus­kunfts­an­trä­ge set­zen vor­aus, dass die Beklag­te die in Rede ste­hen­den neun Innen­auf­nah­men des "Hi Hotels" in Deutsch­land (selbst) ver­viel­fäl­tigt, ver­brei­tet oder aus­ge­stellt hat oder hat (durch Drit­te) ver­viel­fäl­ti­gen, ver­brei­ten oder aus­stel­len las­sen.
Nach den bis­lang getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen kann nicht ange­nom­men wer­den, die Beklag­te habe die vom Foto­gra­fen ange­fer­tig­ten Foto­gra­fi­en selbst in Deutsch­land ver­viel­fäl­tigt, ver­brei­tet oder aus­ge­stellt. Das Beru­fungs­ge­richt hat nicht fest­ge­stellt, dass die Beklag­te in Deutsch­land tätig gewor­den ist. Es hat ins­be­son­de­re kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, dass die Abbil­dung vom Foto­gra­fen ange­fer­tig­ter Foto­gra­fi­en in Bild­bän­den deut­scher Ver­la­ge wie dem Band "Innen­ar­chi­tek­tur welt­weit" des in Ber­lin ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag oder dem Band "Archi­tec­tu­re in Fran­ce" des in Köln ansäs­si­gen Taschen-Ver­la­ges auf von der Hote­lier in Deutsch­land vor­ge­nom­me­ne Nut­zungs­hand­lun­gen zurück­zu­füh­ren ist.
Vor­lie­gend hat die Beklag­te die vom Foto­gra­fen ange­fer­tig­ten Foto­gra­fi­en dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag zur Nut­zung über­las­sen. Man­gels ent­ge­gen­ste­hen­der Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ist für die recht­li­che Nach­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz davon aus­zu­ge­hen, dass die Beklag­te durch die Über­ga­be der Foto­gra­fi­en und die Ein­räu­mung oder Über­tra­gung von Nut­zungs­rech­ten an den in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag in Frank­reich eine Ursa­che dafür gesetzt hat, dass der in Ber­lin ansäs­si­ge Phai­don-Ver­lag – die deut­sche Schwes­ter­ge­sell­schaft des fran­zö­si­schen Ver­la­ges – die Foto­gra­fi­en in sei­nen Foto­band "Innen­ar­chi­tek­tur welt­weit" auf­ge­nom­men und sie als Teil die­ses Foto­ban­des in Deutsch­land unter ande­rem über eine Buch­hand­lung in Köln – in Ver­kehr gebracht hat. Damit wur­den die Foto­gra­fi­en in Deutsch­land ver­brei­tet (§ 15 Abs. 1 Nr. 2, § 17 UrhG). Zugleich wur­den die Foto­gra­fi­en dadurch in Deutsch­land aus­ge­stellt (§ 15 Abs. 1 Nr. 3, § 18 UrhG), falls sie zum Zeit­punkt ihrer Ver­brei­tung im Inland noch nicht ver­öf­fent­licht waren 13. Dar­über hin­aus wur­den die Foto­gra­fi­en in Deutsch­land ver­viel­fäl­tigt (§ 15 Abs. 1 Nr. 1, § 16 UrhG), soweit der Foto­band im Inland her­ge­stellt wur­de.
Die Beklag­te könn­te für das durch die Über­ga­be der Foto­gra­fi­en und die Ein­räu­mung oder Über­tra­gung von Nut­zungs­rech­ten an den in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag in Frank­reich bewirk­te Ver­brei­ten und ein von ihr dadurch bewirk­tes Ver­viel­fäl­ti­gen und Aus­stel­len der Foto­gra­fi­en in Deutsch­land als mit­tel­ba­rer Täter 14, Teil­neh­mer 15 oder Stö­rer 16 haf­ten, wobei sie als Stö­rer aller­dings nur auf Unter­las­sung und nicht auf Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men wer­den könn­te 17.
In jedem Fall setzt eine Haf­tung der Hote­lier nicht nur eine Ver­let­zung des Schutz­rechts durch Drit­te, son­dern auch eine adäqua­te Ver­an­las­sung die­ser Rechts­ver­let­zung durch die Beklag­te vor­aus. Ein adäqua­ter Zusam­men­hang zwi­schen dem Ver­hal­ten einer als mit­tel­ba­rer Täter, Teil­neh­mer oder Stö­rer in Anspruch genom­me­nen Per­son und der Ver­let­zung eines Schutz­rechts durch Drit­te besteht grund­sätz­lich nur dann, wenn das Ver­hal­ten der in Anspruch genom­me­nen Per­son im all­ge­mei­nen und nicht nur unter beson­ders eigen­ar­ti­gen, ganz unwahr­schein­li­chen und nach dem gewöhn­li­chen Ver­lauf der Din­ge außer Betracht zu las­sen­den Umstän­den geeig­net ist, einen Erfolg die­ser Art her­bei­zu­füh­ren 18.
Erlaub­nis nach fran­zö­si­schem Recht?[↑]
Fra­gen des Urhe­ber­ver­trags­rechts – wie hier die­je­ni­ge nach der durch Aus­le­gung eines Ver­trags zu klä­ren­den Reich­wei­te eines urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rechts – sind grund­sätz­lich nicht nach dem Schut­zI­and­prin­zip, son­dern nach dem Ver­trags­sta­tut zu beur­tei­len 19.
Für das Ver­trags­sta­tut sind im Streit­fall die mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­be­nen Bestim­mun­gen der Art. 27 bis 34 EGBGB über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anwend­ba­re Recht maß­geb­lich. Die­se Vor­schrif­ten sind zwar durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 593/​2008 über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (Rom-I-VO) abge­löst wor­den. Die­se Ver­ord­nung wird nach ihrem Art. 28 aber (nur) auf Ver­trä­ge ange­wandt, die ab dem 17.12 2009 geschlos­sen wor­den sind. Auf Ver­trä­ge, die – wie der hier zu beur­tei­len­de – davor geschlos­sen wur­den, sind wei­ter­hin die Bestim­mun­gen der Art. 27 bis 34 EGBGB anzu­wen­den.
Gemäß Art. 28 Abs. 1 Satz 1 EGBGB unter­liegt der Ver­trag dem Recht des Staa­tes, mit dem er die engs­ten Ver­bin­dun­gen auf­weist, soweit das auf den Ver­trag anzu­wen­den­de Recht – wie hier – nicht nach Art. 27 EGBGB ver­ein­bart wor­den ist. Gemäß Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und 2 EGBGB wird zwar ver­mu­tet, dass der Ver­trag die engs­ten Ver­bin­dun­gen mit dem Staat auf­weist, in dem die Par­tei, wel­che die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung zu erbrin­gen hat, im Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt oder – wenn der Ver­trag in Aus­übung einer beruf­li­chen oder gewerb­li­chen Tätig­keit die­ser Par­tei geschlos­sen wor­den ist – ihre Nie­der­las­sung hat. Die­se Ver­mu­tung gilt nach Art. 28 Abs. 5 EGBGB jedoch nicht, wenn sich aus der Gesamt­heit der Umstän­de ergibt, dass der Ver­trag enge­re Ver­bin­dun­gen mit einem ande­ren Staat auf­weist. Das Beru­fungs­ge­richt hat ohne Rechts­feh­ler ange­nom­men, dass der in Rede ste­hen­de Ver­trag der Par­tei­en die engs­ten Ver­bin­dun­gen mit Frank­reich auf­weist, weil die Licht­bil­der in Niz­za für ein dort ansäs­si­ges Unter­neh­men ange­fer­tigt wor­den sind und der Wer­bung für das auf den Bil­dern abge­lich­te­te, dort bele­ge­ne Hotel die­nen soll­ten. Auf den Ver­trag ist daher grund­sätz­lich fran­zö­si­sches Urhe­ber­ver­trags­recht anwend­bar.
§ 31 Abs. 5 UrhG zählt nicht zu den Bestim­mun­gen, die den Sach­ver­halt im Sin­ne des Art. 34 EGBGB zwin­gend regeln 20.
Zwin­gen­de Nor­men im Sin­ne des Art. 34 EGBGB sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs Bestim­mun­gen, die bean­spru­chen, einen Sach­ver­halt mit Aus­lands­be­rüh­rung ohne Rück­sicht auf das jewei­li­ge Ver­trags­sta­tut zu regeln. Fehlt eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Rege­lung des all­um­fas­sen­den Gel­tungs­an­spruchs einer Norm, so ist im Wege der Aus­le­gung zu ermit­teln, ob sie nach ihrem Sinn und Zweck ohne Rück­sicht auf das nach den sons­ti­gen Kol­li­si­ons­nor­men anzu­wen­den­de Recht eines ande­ren Staa­tes inter­na­tio­nal gel­ten soll. Für die Anwen­dung des Art. 34 EGBGB ist grund­sätz­lich erfor­der­lich, dass die betref­fen­de Vor­schrift nicht nur dem Schutz und Aus­gleich wider­strei­ten­der Inter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en und damit rei­nen Indi­vi­du­al­be­lan­gen dient, son­dern dane­ben zumin­dest auch öffent­li­che Gemein­wohl­in­ter­es­sen ver­folgt. Bei der Fest­stel­lung, ob eine Norm inter­na­tio­nal zwin­gen­den Cha­rak­ter hat, ist grund­sätz­lich Zurück­hal­tung gebo­ten, da sonst die mit dem Über­ein­kom­men vom 19.06.1980 über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (EuSch­VÜ) 21 durch die Ver­ein­heit­li­chung des Kol­li­si­ons­rechts bezweck­te Ein­heit­lich­keit inter­na­tio­na­ler Ent­schei­dun­gen emp­find­lich gestört, das dif­fe­ren­zier­te, all­sei­ti­ge Anknüp­fungs­sys­tem der Art. 27 ff. EGBGB par­ti­ell außer Kraft gesetzt und die Rechts­an­wen­dung erschwert wür­de. Art. 34 EGBGB darf nicht die Funk­ti­on einer all­ge­mei­nen Aus­weich­klau­sel über­neh­men, mit der das das EUSch­VÜ und EGBGB beherr­schen­de Grund­prin­zip der Rechts­wahl­frei­heit der Ver­trag­schlie­ßen­den nach Belie­ben besei­tigt und die ein­heit­li­che Anknüp­fung des Ver­trags­sta­tuts auf­ge­löst wird. In Zwei­fels­fäl­len ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass die betref­fen­de Vor­schrift kei­ne inter­na­tio­nal zwin­gen­de Gel­tung bean­sprucht 22.
Der in § 31 Abs. 5 UrhG nie­der­ge­leg­te und aus­ge­form­te Aus­le­gungs­grund­satz, dass der Urhe­ber im Zwei­fel nur die Nut­zungs­rech­te ein­räumt, die für das Errei­chen des Ver­trags­zwecks uner­läss­lich sind (Über­tra­gungs­zweck­ge­dan­ke), beruht auf dem das gesam­te Urhe­ber­recht beherr­schen­den Leit­ge­dan­ken einer mög­lichst weit­ge­hen­den Betei­li­gung des Urhe­bers an der wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tung sei­nes Wer­kes (Betei­li­gungs­grund­satz) 23. Er dient, wie das Beru­fungs­ge­richt mit Recht ange­nom­men hat, dem Schutz des Urhe­bers als der regel­mä­ßig schwä­che­ren Ver­trags­par­tei 24 und gilt auch bei einer Ein­räu­mung von Leis­tungs­schutz­rech­ten 25. Ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts folgt aus die­sem Schutz­zweck jedoch nicht, dass die Rege­lung des § 31 Abs. 5 UrhG im Sin­ne von Art. 34 EGBGB inter­na­tio­nal zwin­gend ist.
Der mit § 31 Abs. 5 UrhG bezweck­te Schutz der regel­mä­ßig schwä­che­ren Ver­trags­par­tei dient vor allem Indi­vi­du­al­be­lan­gen. Soweit ein sol­cher Schutz der Urhe­ber und Leis­tungs­schutz­be­rech­tig­ten auch im öffent­li­chen Gemein­wohl­in­ter­es­se liegt, han­delt es sich um eine blo­ße Neben­wir­kung, wie sie mit vie­len Geset­zen ver­bun­den ist, die dem Schutz einer bestimm­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pe die­nen. Ein sol­cher reflex­ar­ti­ger Schutz öffent­li­cher Gemein­wohl­in­ter­es­sen reicht für eine Anwen­dung des Art. 34 EGBGB nicht aus 26.
Gegen die Annah­me einer inter­na­tio­nal zwin­gen­den Wir­kung des § 31 Abs. 5 UrhG spricht fer­ner, dass nicht ein­mal alle nach deut­schem Recht zwin­gen­den Vor­schrif­ten zugleich gemäß Art. 34 EGBGB inter­na­tio­nal zwin­gend sind 27 und es sich bei § 31 Abs. 5 UrhG um kei­ne nach deut­schem Recht zwin­gen­de Vor­schrift han­delt. Sie über­lässt es grund­sätz­lich den Ver­trags­par­tei­en, Inhalt und Umfang des Nut­zungs­rechts zu bestim­men. Sie greift ihrer Natur als Aus­le­gungs­re­gel ent­spre­chend erst ein, wenn es an einer aus­drück­li­chen ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en fehlt oder Unklar­hei­ten über Inhalt oder Umfang eines ein­ge­räum­ten Nut­zungs­rechts bestehen 28.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2014 – I ZR 35/​11
EuGH, Urteil vom 03.04.2014 – C387/​12, GRUR 2014, 599 "Hi Hotel/​Spoering"[↩]
BGH, Beschluss vom 28.06.2012 – I ZR 35/​11, GRUR 2012, 1069, WRP 2012, 1421 – Hi Hotel I[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 19.04.2012 – C523/​10, GRUR 2012, 654 Rn. 26 – Wintersteiger/​Products 4U; EuGH, GRUR 2014, 599 Rn.20 f. – Hi Hotel/​Spoering; BGH, Urteil vom 12.12 2013 – I ZR 131/​12, GRUR 2014, 601 Rn. 17 = WRP 2014, 548 – eng­lisch­spra­chi­ge Pres­se­mit­tei­lung; Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 315/​13, WM 2014, 1614 Rn.19, jeweils mwN[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 07.03.1995 – C68/​93, Slg. 1995, I415 = GRUR Int.1998, 298 Rn.20 f. She­vill; Urteil vom 25.10.2011 – C509/​09 und C161/​10, Slg. 2011, I10269, GRUR 2012, 300 Rn. 41 – eDa­te Advertising/​MGN; EuGH, GRUR 2014, 599 Rn. 27 – Hi Hotel/​Spoering, mwN[↩]
EuGH, GRUR 2014, 599 Rn. 34 bis 37 und 40 – Hi Hotel/​Spoering[↩]
vgl. BGH, GRUR 2012, 1069 Rn. 18 bis 20 – Hi Hotel I[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.02.2007 – I ZR 114/​04, BGHZ 171, 151 Rn. 24 – Wagen­feld-Leuch­te; Urteil vom 24.05.2007 – I ZR 42/​04, GRUR 2007, 691 Rn. 21 f. = WRP 2007, 996 – Staats­ge­schenk; Urteil vom 29.04.2010 – I ZR 69/​08, BGHZ 185, 291 Rn. 14 – Vor­schau­bil­der I, jeweils mwN; eben­so nun­mehr Art. 8 Abs. 1 der gemäß ihrem Art. 32 am 11.01.2009 in Kraft getre­te­nen Ver­ord­nung [EG] Nr. 864/​2007 über das auf außer­ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht [Rom-II-VO], die nach ihrem Art. 31 aber nur auf scha­dens­be­grün­den­de Ereig­nis­se ange­wandt wird, die nach ihrem Inkraft­tre­ten ein­tre­ten[↩]
BGH, Urteil vom 02.10.1997 – I ZR 88/​95, BGHZ 136, 380, 385 ff. Spiel­bank­af­fai­re; Urteil vom 29.04.1999 – I ZR 65/​96, BGHZ 141, 267, 273 Laras Toch­ter; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 127 und 129[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 15.04.2010 – I ZR 145/​08, GRUR 2010, 1125 Rn. 15 = WRP 2010, 1465 – Femur-Teil; Urteil vom 12.05.2011 – I ZR 53/​10, GRUR 2012, 58 Rn. 39 – Seil­zir­kus, jeweils mwN[↩]
st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 29.10.2009 – I ZR 168/​06, GRUR 2010, 57 Rn. 15 = WRP 2010, 123 – Scan­ner­ta­rif[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 25.03.2010 – I ZR 122/​08, GRUR 2010, 1090 Rn. 14 = WRP 2010, 1520 Wer­bung des Nach­rich­ten­sen­ders; Urteil vom 29.04.2010 – I ZR 68/​08, GRUR 2010, 623 Rn. 43 = WRP 2010, 927 – Rest­wert­bör­se I, jeweils mwN[↩]
BGH, Urteil vom 16.06.1994 – I ZR 24/​92, BGHZ 126, 252, 256 Fol­ge­recht bei Aus­lands­be­zug; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim aaO Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 123 mwN[↩]
zur ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 18 UrhG auf Licht­bil­der und zum Begriff des Zur­schau­stel­lens vgl. Vogel in Schricker/​Loewenheim aaO § 18 UrhG Rn. 13 und 17[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 02.10.1968 – I ZR 107/​66, BB 1969, 292, 293 – Curt-Goe­tz-Fil­me II[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.07.2002 – I ZR 255/​00, BGHZ 151, 300, 305 – Elek­tro­ni­scher Pres­se­spie­gel[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 17.07.2013 – I ZR 129/​08, GRUR 2014, 264 Rn. 24 bis 26 = WRP 2014, 308 – Used­Soft II[↩]
vgl. zu den Haf­tungs­vor­aus­set­zun­gen BGH, Urteil vom 22.06.2011 – I ZR 159/​10, GRUR 2011, 1018 Rn. 17, 21, 24 und 25 = WRP 2011, 1469 Auto­mo­bil-Online­bör­se[↩]
vgl. zum Begriff der Adäquanz BGH, Urteil vom 15.11.1990 – I ZR 254/​88, GRUR 1991, 332, 333 = WRP 1991, 292 Lizenz­man­gel; Urteil vom 11.01.2005 – X ZR 163/​02, NJW 2005, 1420, 1421, jeweils mwN[↩]
vgl. BGHZ 136, 380, 388 Spiel­bank­af­fai­re; BGH, Urteil vom 17.07.2013 – I ZR 52/​12, GRUR 2014, 258 Rn. 13 = WRP 2014, 178 Pip­pi-Lang­strumpf-Kos­tüm; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim aaO Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 147 bis 151; Drei­er in Dreier/​Schulze, UrhG, 4. Aufl., Vor § 120 Rn. 49 f.[↩]
Nor­de­mann-Schif­fel in Fromm/​Nordemann, Urhe­ber­recht, 11. Aufl., Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 86 und 88 mwN; von Wel­ser in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 32b UrhG Rn. 2; Oberg­fell in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 2. Aufl., Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 14, jeweils mwN; Loewen­heim, Fest­schrift Born­kamm [2014], S. 887, 891 f.; aA LG Mün­chen I, ZUM-RD 2002, 21, 25 f. und 27; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim aaO § 32b UrhG Rn. 33 f. und Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 166 f.; Drei­er in Dreier/​Schulze aaO Vor § 120 Rn. 55, jeweils mwN[↩]
BGBl.1986 II S. 809[↩]
BGH, Urteil vom 13.12 2005 – XI ZR 82/​05, BGHZ 165, 248, 256 bis 258 mwN; vgl. auch Begrün­dung zum Regie­rungs­ent­wurf eines Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts, BT-Drs. 10/​504, S. 83[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2010 – I ZR 18/​09, GRUR 2011, 714 Rn. 16 und 19 f. = WRP 2011, 913 – Der Frosch mit der Mas­ke, mwN[↩]
vgl. Schricker/​Loewenheim in Schricker/​Loewenheim aaO § 31 UrhG Rn. 65[↩]
BGH, Urteil vom 11.04.2013 – I ZR 152/​11, GRUR 2013, 618 Rn. 30 = WRP 2013, 793 – Inter­net-Video­re­cor­der II[↩]
vgl. zum Ver­brau­cher­kre­dit­ge­setz BGHZ 165, 248, 257[↩]
BGHZ 165, 248, 256[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 31.05.2012 – I ZR 73/​10, BGHZ 193, 268 Rn. 17 – Hono­rar­be­din­gun­gen Freie Jour­na­lis­ten, mwN[↩]
FotografGerichtsstandInternationale Zuständigkeit

References: Art. 5

Art. 9
 § 31
 § 31
 § 545
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
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 § 2
 § 72
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 Art. 27
 Art. 28
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 Art. 34
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