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Timestamp: 2019-07-22 21:47:08+00:00

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Kolonialismus – Connecting the dots ●
Thema der Zitate: Kolonialismus
Als Kolonialismus wird meist eine vergangene Epoche bezeichnet, in der europäische Mächte sich in Afrika, Asien und Lateinamerika des Landes und der Bevölkerung bemächtigten. Kolonialismus kann aber sehr viel mehr beschreiben, denn der Herrschaft über Menschen und Land liegt eine Geisteshaltung zugrunde, in der sich Europäer*innen über andere Menschen stellten, u.a. durch von ihnen erdachte Rassenhierarchien oder Zivilisierungsstufen. Dies hatte Vertreibung und Vernichtung zur Folge. Es gab in allen Erdteilen Widerstand der Kolonisierten gegen die Eroberer. Aber bis heute hat Kolonialismus Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft, zwischenmenschliche Beziehungen und Individuen.
Im Zeitstrahl zu Kolonialismus gehen wir folgenden Fragen nach:
*Was für Motive gab es für Eroberung und Kolonialismus?
*Welche Gründe dachten sich die Kolonisator*innen für die Rechtfertigung der Kolonisierung aus?
*Welche unterschiedlichen Arten von Kolonisierung gab und gibt es?
*Wie wird Kolonialismus von Kolonisierten beschrieben?
*Welche Widerstände gegen Kolonisierung gab es und von wem?
*Wogegen richteten sich diese Widerstände genau?
*Inwiefern sind koloniale Strukturen und koloniales Gedankengut noch heute wirksam?
*Wie kann Kolonisierung heute wirksam entgegengetreten werden?”
Man würde Hunderttausende oder sogar Millionen von Leben retten, indem man gewisse Länder wieder zu Kolonien macht, zum Beispiel Nigeria, Syrien oder Somalia. Sicher, der Kolonialismus war schlimm, aber das, was danach kam, ist in einigen Fällen deutlich schlimmer.
Harald Martenstein (geb. 1953) ist deutscher Journalist und Autor, u.a. für DIE ZEIT. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Harald Martenstein (27.10.2015): Über Mittel gegen die Ursachen des Flüchtlingsstroms. ZEITmagazin.
Der Kolonialismus hat eine ebenso lange Geschichte wie seine Verharmlosung und Rechtfertigung mit humanistischen Zwecken. In vielen ehemaligen Kolonialmächten besteht u.a. dadurch, dass Kolonialismus nicht Teil von Lehrplänen in Schulen ist, wenig Wissen und Bewusstsein über die gewalttätigen Auswirkungen von kolonialer Eroberung und Genozid. Dadurch werden auch durch anerkannte Autor*innen wie Martenstein immer wieder hegemoniale Geschichten erzählt, die den Kolonialismus als Zivilisierungsmission hochhalten.
*Eduardo Galeano (1980): Die offenen Adern Lateinamerikas. Die Geschichte eines Kontinents von der Entdeckung bis zur Gegenwart. Wuppertal: Hammer.
*David Spurr (1993): The Rhetoric of Empire. Colonial Discourse in Journalism, Travel Writing and Imperial Administration. Durham & London: Duke University Press.
*Teno, Jean-­Marie Teno (2004): „Gehet hin in alle Welt…” — Die deutsche Mission in Afrika. Dokumentarfilm. 70 min. Frankreich/ Deutschland.
Gleich nach meiner Ankunft in Indien ergriff ich auf der ersten von mir entdeckten Insel mit Gewalt einige ihrer Bewohner, damit sie lernen und mich informieren sollten, über das, was es in diesen Gegenden gab. Und so verstanden sie uns bald, und wir sie, durch Sprache oder Zeichen, und sie waren sehr nützlich. Ich habe sie immer noch bei mir und sie sind sich sicher, dass ich vom Himmel komme.
Christoph Kolumbus (ca. 1451-1506) war italienischer Seefahrer und Menschenhändler. Die Suche nach einem Seeweg nach Indien führte ihn in die Amerikas. Kolumbus war so maßgeblich an der Kolonisierung des Kontinents beteiligt.
Andres Bernaldez (1930): The Voyages of Christopher Columbus, Being the Journals of his First and Third, and the Letters Concerning his First and Last Voyages, to Which is Added the Account of his Second Voyage. London: The Argonaut Press.
Die europäische Kolonialexpansion wird oft in drei Hauptphasen aufgeteilt: Erstens der spanische und portugiesische Kolonialismus, hauptsächlich der Amerikas ab dem Ende des 15. Jahrhunderts, dem die Ausbeutung der Ressourcen zugrunde lagen. Zweitens die britische, französische und niederländische Kolonialisierung in Asien und Teilen Amerikas und Südafrikas ab dem 17. Jahrhundert (u.a. mit Unterstützung der Unternehmen British East India Company und der Dutch West und East India Company) sowie der Siedlungskolonialismus in den Amerikas und im 19. Jahrhundert die koloniale Aufteilung Afrikas von europäischen Großmächten in Einflusszonen. Obwohl sich die unterschiedlichen Kolonisierungswellen unterschieden, einte sie die gewalttätige koloniale Unterwerfung der Bevölkerung und der Überlegenheitsglauben, der auch aus Kolumbus‘ Zitat spricht. Die Kolonisation war in vielen Gebieten von großem Widerstand begleitet: In Südafrika gab es von 1779 bis 1879 Kriege mit den Xhosa, in Algerien brauchten die Franzosen 20 Jahre für die Besetzung des Landes und die britische Eroberung Indiens dauerte 100 Jahre.
*Josephine Apraku (2017): Kolonialismus im Unterricht. Webinar.
*Bernd-Stefan Grewe & Thomas Lange (2015): Kolonialismus. Suttgart: Reclam.
Die Polizei kommt, um unsere Mieten einzutreiben. Die Schutzinstitution für Aboriginals findet, dass es wichtig ist für colored Menschen, ihre Miete zu bezahlen. Aber weiße Menschen haben nie daran gedacht, Miete zu bezahlen für das ganze Land, dass sie von unseren Vorfahren weggenommen haben.
Mary Clarke, (Geburtsdatum ungekannt – 1984) war eine Koori- (Aboriginal-) Aktivistin. Das Zitat stammt aus einer Rede, die auf einem Treffen mit Journalist*innen aufgezeichnet wurde. Das Treffen richtete sich gegen die Vertreibung von einer „half-caste“ Frau und ihrer Kindern aus ihrem Haus im Framlingham Settlement (Victoria, Australien).
Originalquelle: Zeitung Melbourse Argus (22.02.1951)
Wiedergedruckt in: Jan Chritchett (1998): Untold Stories: Memories and Lives of Victorian Kooris. Melbourne: Melbourne University Press, S. 4.
Australien war eine Siedlungskolonie von Großbritannien. 1770 beanspruchte James Cook Ost-Australien für die britische Krone. Auch die Idee einer Gefangenenkolonie kam von ihm, um die überfüllten britischen Gefängnisse zu entlasten. 1788 landete Captain Arthur Phillip mit 1500 Gefangenen in Sydney. Es wird geschätzt, dass zwischen 1788 und 1900 90% der indigenen Bevölkerung Australiens durch eingeschleppte Krankheiten, Landvertreibungen und gewalttätige Konflikte getötet wurden. Es gab Massenerschießungen, Menschen wurden gruppenweise von Klippen gestürzt oder ihnen wurde mit Arsen oder anderen Stoffen vergiftetes Land angeboten (Behrendt 2012: 274). Ein weißes Australien wurde über Jahrhunderte von der Politik als Ziel verfolgt. Anfang des 19. Jahrhunderts sagte der erste Premierminister Australiens: „Unsere Hauptbasis ist natürlich ein weißes Australien.“
*Foley, Gary (1999): ATSIC: Flaws in the Machine. The Koori History Website.
*John Harris (2003): Hiding the Bodies: the myth of the humane colonisation of Australia. In: Aboriginal History Journal. Canberra: Australian Centre for Indigenous History, S. 79-104.
*Larissa Behrendt (2013): Indigenous Australia for Dummies. Canberra: International Journal of Critical Indigenous Studies, S. 53f. (Rezension)
Nun wollen wir in Schiffen über das Meer fahren, da und dort ein junges Deutschland gründen, es mit den Ergebnissen unseres Ringens und Strebens befruchten, die edelsten, gottähnlichsten Kinder zeugen und erziehen: wir wollen es besser machen als die Spanier, denen die neue Welt ein pfäffisches Schlächterhaus, anders als die Engländer, denen sie ein Krämerkasten wurde. Wir wollen es deutsch und herrlich machen […]
Richard Wagner (1813-1883) war deutscher Komponist, Dichter und Schriftsteller. Das Zitat stammt aus einer Rede vor dem Dresdner Vaterlandsverein am 15.06.1848. Er verfasste unter anderem die antisemitische Schrift „Das Judentum und die Musik“.
Carl Friedrich Glasenapp (1905): Das Leben Richard Wagners in sechs Bänden. 2. Bd. 1843-1853. Leipzig: Breitkopf und Härtel, S. 460.
Im deutschen Reich war die Begeisterung für die Kolonisierung schon vor dem Eintritt Deutschlands als offizielle Kolonialmacht groß. Bevor Reichskanzler Bismarck 1884 die europäischen Großmächte nach Berlin einlud, um den afrikanischen Kontinent unter sich aufzuteilen, hatte es in Lateinamerika, Afrika und Asien Privatkolonien deutscher Händler*innen und Fürst*innen gegeben. Bereits 1683 wurde im heutigen Ghana eine kurbrandenburgische Kolonie gegründet, eine Festung, die eine wichtige Niederlassung auf dem afrikanischen Kontinent für die deutsche Beteiligung am transatlantischen Versklavungshandel war. Venezuela war von 1528 bis 1558 „Hauskolonie“ des Bankhauses Welser. Auch andere deutsche Kaufleute waren ebenfalls entweder am Sklavenhandel beteiligt oder profitierten wirtschaftlich von ihm (Potts 1988: 18). Die Kolonialbegeisterung der Europäer*innen blieb auch im darauffolgenden Jahrhundert erhalten, nachdem die meisten Kolonien ihre politische Unabhängigkeit erkämpft hatten und spiegelt sich noch in Abenteuerromanen und Filmen wieder, die sich der Kolonialromantik widmen, wie der Film „Jenseits von Afrika“ von 1985. Auch in Reiseberichten von jungen Menschen aus dem Globalen Norden lassen sich Spuren dieser Kolonialromantik finden (glokal 2013).
*glokal 2013: „Mit kolonialen Grüßen…“ Bericht und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet.
Von XXXX bis XXXX [sind] über drei Millionen Menschen durch Krieg, Versklavung und die Minen ums Leben gekommen. Wer in den zukünftigen Generationen wird das glauben? Ich selbst, der das als ein sachkundiger Augenzeuge aufschreibt, kann es kaum glauben.
Bartolomé de las Casas, 1484-1566, war Mitglied des Dominikanerordens und als Bischof in den spanischen Kolonien in Amerika tätig. Im Disput von Valladolid (1550-1551) zwischen dem Dominikaner Bartolomé de Las Casas und dem Humanisten Juan Ginés de Sepúlveda ging es um die Frage der Legitimität der Versklavung der indigenen Bevölkerung Amerikas. Sepúlveda vertrat die Interessen der spanischen Landbesitzer, de las Casas wies auf die Gewalttaten der Spanier hin.
Die fehlenden Jahrezahlen sind 1494 und 1508.
Howard Zinn (1980): The People’s History of The United States. New York: Harper Collins.
In dem ersten Jahrhundert der Besetzung Amerikas verringerte sich die Bevölkerung um ca. 75 Millionen (in einigen Gegenden um 95%) durch eingeschleppte Krankheiten und Mord (Federici 2014: 103f.). Aber schon in den 1560ern gab es Widerstandsbewegungen gegen die Spanier*innen. So waren z.B. Mitglieder der Taki Onqoy-Bewegung gegen jede Zusammenarbeit mit den Europäer*innen und stritten für eine pan-andine Allianz der indigenen Bevölkerungen, um die Kolonisierung der Europäer*innen zu beenden. Sie lehnten die christliche Religion sowie christliche Namen, Essen oder andere Überbringungen der Spanier*innen ab, zahlten keine Tribute und arbeiteten nicht für die Eroberer*innen (Stern 1982: 50ff.).
*Steven J. Stern (1982): Peru‘s Indian Peoples and the Challenge of Spanish Conquest. Huamanga to 1640. Madison: University of Wisconsin Press, S. 50ff.
Warum wollt ihr uns zerstören, die euch mit Essen versorgen? (…) Wir sind unbewaffnet und gewillt das zu geben, nachdem ihr fragt, wenn ihr euch freundlich benehmt. Denn wir sind nicht so naiv, dass wir nicht wissen, dass es sehr viel besser ist, gutes Fleisch zu essen, gut zu schlafen, ruhig zu Leben mit meinen Frauen und Kindern, zu lachen und fröhlich zu sein mit den Engländern und mit ihnen (…) zu handeln als vor ihnen wegzulaufen und kalt in den Wäldern zu liegen, sich von Eicheln, Wurzeln und solchem Müll zu ernähren und so gejagt zu sein, dass ich weder essen noch schlafen kann.
Chief Powhatan, 1545-1618, eigentlicher Name Wahunsenacawh, Anführer von algonquian-sprechenden Native Americans im heutigen Virginia Ende des 16. Jahrhunderts als britische Kolonisierende in Jamestown landeten.
Howard Zinn (1980/2003): A People‘s History of the United States. 1492 – present. New York: Harper Collins, S. 13.
In dem Zitat kritisiert Chief Powhatan den beginnenden Siedlungskolonialismus in den heutigen USA. Der Brite Richard Grenville landete 1585 im heutigen Virginia, dem Gebiet Powhatans. Der Historiker Howard Zinn beschreibt, dass die Native Americas in Virginia den europäischen Siedler*innen anfangs freundlich gesinnt waren, sogar einige Europäer*innen in einer Hungersnot 1610 zu ihnen übersiedelten. Zinn beschreibt allerdings gewalttätige Vergeltungsmaßnahmen seitens Grenvilles: „Wenn einer von ihnen [den Native Americans] einen kleinen Silberbecher stahl, brannte Grenville ein ganzes Dorf nieder“ (Zinn 2003: 12). Die Strategie der Europäer*innen war, so der Historiker Edmund Morgan, die Native Americans auszurotten. Sie kannten sich aber in dem Gebiet besser aus und waren schwierig zu fassen, darum täuschten die Engländer*innen Friedensverhandlungen vor, ließen die Native American siedeln, um dann kurz vor der Ernte so viele wie möglich zu töten und das Getreide niederzubrennen (Morgan 2003: 100). Chief Powhatans Bruder führte den Widerstand gegen die Briten an.
*Glen Sean Coulthard (2014): Red Skin, White Masks. Rejecting the Colonial Politics of Recognition. Minneapolis: University of Minnesota Press.
*Edmund S. Morgan (1975/2003): American Slavery, American Freedom. New York: Norton.
*Howard Zinn (1980/2003): A People‘s History of the United States. 1492 – present. New York: Harper Collins.
[Sowohl] die Verbesserung des Gesundheitswesens und damit die einschneidende Senkung der Sterblichkeitsraten (…) als auch die Expansion des Bildungswesens [sind] zwei positive Ausprägungen des Kolonialismus in Afrika. (… ) Außerdem hat sie den sozialen und kulturellen Wandel in der Region beschleunigt. (…) Kolonialherrschaft (…) konnte den Vorrang lokaler sozialer Identitäten – wie den der Familie, der Dorfgemeinschaft, des Clans, der Altersgruppe und der Volksgruppe – vor abstrakteren, allgemeineren Identitäten wie die der Nation nicht beenden.
Dr. Stefan Mair (geb. 1964) ist deutscher Ökonom und wird als Afrikaexperte bezeichnet. Er ist Mitglied des Afrikaberatungskreises des Auswärtigen Amtes, SWP-Mitarbeiter und Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI).
Stefan Mair (2005): Ausbreitung des Kolonialismus.
Das Zitat des renommierten „Afrika-Experten“ spiegelt die gegenwärtige Wirksamkeit von Kolonialmythen wieder. Den Logiken von Mair könnte man viele Gegenbeispiele gegenüberstellen: Koloniale Herrschaft habe in Afrika Sterblichkeitsrate gesenkt (Ausblendung von Völkermorden, z.B. im heutigen Namibia), Expansion des Bildungswesens (Verbreitung von europäischen Bildungsstandards und Werten), Aufbau von Infrastruktur (Ausblendung von der Nutzung der Infrastruktur für Ressourcenausbeutung im Neokolonialismus), sozialer und kultureller Wandel (Ausmerzung von vorher vorhandenen, z.B. nicht-kapitalistischen Gesellschaftsformen, s. vollständiges Zitat in der Quellenangabe). Koloniale Herrschaft habe es laut Mair nicht geschafft, wichtige Veränderungen herbeizuführen, wie: Loyalität zur Nation statt zum Clan (allerdings hat das „moderne“ Nationen-Verständnis zu Weltkriegen geführt, warum ist es also ‚besser‘?), eine auf Markt und Profit ausgerichtete Wirtschaft statt Subsistenzwirtschaft (allerdings hat das auf Markt und Profit ausgerichteten kapitalistische Wirtschaftssystem verheerende Auswirkungen). Die positive Bezugnahme auf „politischen und kulturellen Wandel in der Region“ deuten auf ein positives Verständnis der Kolonisierung als „Zivilisierung unterentwickelter Völker“ hin.
*Monitor (2017): G20-Gipfel: Wer profitiert vom „Marshall-Plan“ für Afrika?
*glokal (2016): Sustaining Inequality – The Neocolonial Politics of Development Education, North-South Volunteering and Fair Trade in Germany. In: darkmatter – in the ruins of imperial culture.
Hochedler Bruder und Kapitän Maharero! Wir möchten doch gern hören, was eigentlich deine Gedanken sind über die Absichten Palgraves und sein Ersuchen, uns in ein Bündnis mit ihm zu begeben. Wir haben mit Genugtuung vernommen, dass auch du ganz dagegen warst, dich in ein solchen Bündnis mit ihm einzulassen. Nun sieh, es ist unser fester Entschluss, dass wir unser Land und Volk behalten wollen, es möge gehen, wie es will. Wir werden wie ein Mann für unser Land einstehen. Darum ersuchen wir dich, uns deine Stellungnahme durch einen Brief kundzutun. (…) Man versucht uns auseinander zu halten.
Moses Witbooi oder ǀGâbeb ǃA-ǁîmab (ca. 1807/1808-1888) und sein Enkel Jakobus Isaak oder ǃNanseb ǂKharib ǃNansemab (1865-1928) waren Nama-Captains. Das Zitat stammt aus einem Brief an den Ovaherero-Captain Maharero ua Tjamuaha.
Heinrich Vedder (1931): Maharero und seine Zeit im Lichte der Dokumente seines Nachlasses. Windhoek: Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für S.W. Afrika. Band V., S. 18.
Die Familie der Witbooi (ǀKhowesin) gehörte zu den Nama und führte sie im Widerstand gegen die deutsche Kolonialmacht an. Die Nama wurden 1893 von den Deutschen angegriffen (Das Massaker vom Hornkranz) und die meisten Frauen und Kinder niedergemetzelt, während die männlichen Krieger entkamen. Henrik Witbooi führte danach einen Guerilla-Krieg an, wurde aber 1894 zu einem Friedensvertrag gezwungen. Die alte römische Herrschaftsweisheit „Teile und herrsche“ wurde hier von den Deutschen wieder angewendet, indem sie unterschiedliche Gruppen in Namibia gegeneinander kämpfen ließen, damit sie keiner vereinigten antikolonialen Armee gegenüberstanden (allerdings bestanden schon vorher Auseinandersetzungen zwischen diesen Gruppen). Nach mehreren Versuchen, von denen auch der Briefwechsel zeugt, schlossen Herero und Nama sich jedoch 1904 zusammen und leisteten gemeinsam Widerstand gegen die Deutschen. Sie unterlagen der Kolonialmacht und wurden in Lagern interniert, in denen ein Großteil der verbliebenen Nama und Herero starb. Insgesamt wird geschätzt, dass zwischen 1904 und 1908 im „ersten Genozid des 20. Jahrhunderts“ ca. 95.000 Nama und Herero starben.
*is3w (2007): Altlasten – Namibias langer Weg in die Unabhängigkeit.
Wir dürfen in der Kolonialpolitik nicht einen rein negativen Standpunkt einnehmen, sondern wir müssen eine positive sozialistische Kolonialpolitik treiben. (Publikum: Bravo!) Wir müssen von der utopischen Idee abkommen, die dahin geht, die Kolonien zu verkaufen. Die letzte Konsequenz dieser Anschauung wäre, dass man die Vereinigten Staaten den Indianern zurückgäbe. (Publikum: Unruhe.) Die Kolonien sind da, damit muss man sich abfinden.
Eduard Bernstein, 1850-1932, war deutscher Sozialdemokrat und Mitglied der SPD. Das Zitat stammt aus einer Rede von Bernstein auf dem Internationalen Sozialisten-Kongress zu Stuttgart, der vom 18. bis zum 24. August 1907 stattfand.
Zitiert nach Karl Kautsky (1907): Sozialismus und Kolonialpolitik. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, S. 6.
Während die Zentrumspartei die Kolonialpolitik unterstützte, gab es bei den Sozialist*innen Auseinandersetzungen. Auf dem besagten Kongress dauerten die Uneinigkeiten über Kolonialpolitik drei Tage. Karl Kautsky, Harry Quelch und Julian Marchlewski vertraten die Ansicht, dass Sozialismus und Kolonialpolitik ein Widerspruch in sich seien. Kautsky kritisiert, dass Bernstein ausdrücklich ein Herrschaftsverhältnis rechtfertige (Kautsky 1907: 17), das Recht von Völkern „höherer“ Kultur, Völker „minderer“ Kultur zu bevormunden. Am Ende wurde eine Resolution vorgeschlagen, die nur „kapitalistische Kolonialpolitik“ verdammte. Denn diese führte unvermeidlich zu „Zwangsarbeit und der Vernichtung der indigenen Völker“, während nur Sozialismus eine „friedliche kulturelle Entwicklung“ ermöglichen könnte und dass „die Ressourcen der Welt im Interesse der gesamten Menschheit benutzt würden“. Kautsky widerspricht in seiner Publikation der Zivilisierungsmission der Europäer*innen: „Was braucht man an solchen Leuten viel zu erziehen und zu bevormunden?“ (ebd. S. 46).
Wie Sie alle wissen, war unser Land einmal eine deutsche Kolonie. Die Deutschen begannen zuerst im Jahre XXXX, das Land zu besetzen. Fünfzehn Jahre lang, zwischen XXXX und XXXX, kämpfte mein Volk verzweifelt mit Pfeil und Bogen, mit Speeren und Keulen, mit Messern und rostigen Flinten, um die Deutschen nicht hereinzulassen. (…) In der berühmten Maji-Maji-Rebellion, versuchte es mein Volk ein letztes Mal, die Deutschen zu vertreiben (…). Die Menschen kämpften, weil sie nicht an das Recht des weißen Mannes glaubten, die Schwarzen zu regieren und zu zivilisieren.
Julius K. Nyerere (1922-1999) war der Unabhängigkeitsführer und später erster Präsident Tansanias. Das Zitat stammt aus einer Rede vor dem Treuhandschaftsrat der UNO über den Maji-Maji-Krieg 1905-07. Die fehlenden Jahrezahlen sind 1885, 1900 und 1905.
Julius Nyerere (1966): Freedom and Unity (Uhuru na Umoja). A Selection from Writings and Speeches. 1952-1965. Oxford: Oxford University Press, S. 40 ff.
Julius Nyerere richtet sich in dem Zitat gegen gegen die koloniale Überlegenheitsideologie und erinnert an die Maji-Maji-Rebellion, die 1905-1907 gegen die deutsche Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Ostafrika organisiert wurde. Die Rebellion gilt als einer der größten Kolonialkriege Afrikas und baute auf einer breiten Allianz unterschiedlicher kolonisierter Gruppen auf. Besonders ab den 1950er Jahren kämpften antikoloniale Unabhängigkeitsbewegungen auf dem ganze Kontinent erfolgreich: 1951 wurde mit Libyen die erste afrikanische Kolonie unabhängig, in den folgenden 25 Jahren folgten die meisten afrikanischen Länder. Allerdings ließen die europäischen Kolonialmächte die Kolonien nicht einfach in die Unabhängigkeit. U.a. durch wirtschaftspolitische Strategien (Verschuldungs- und Zollpolitik) sowie durch vom Westen initiierte und unterstützte Staatsstreiche (z.B. 1960 im Kongo) wurden die Staaten Afrikas in neue Abhängigkeiten gedrängt. David Budhoo, ehemaliger IWF-Ökonom, schrieb bei seiner Kündigung beim Internationalen Währungsfond: „Alles, was wir von 1983 an taten, basierte auf unserer neuen Mission, das der Süden ‚privatisiert‘ werden oder sterben müsste; im Hinblick darauf haben wir in den Jahren 1983 bis 1988 schändlicherweise in Lateinamerika und Afrika das totale wirtschaftliche Chaos angerichtet.“ (zitiert nach Klein 2010: 239).
*Global Black History (2016): The Maji Maji Revolt in Tanzania 1905-1907.
Alle Mächte, welche in den gedachten Gebieten Souveränitätsrechte oder einen Einfluß ausüben, verpflichten sich, die Erhaltung der eingeborenen Bevölkerung und die Verbesserung ihrer sittlichen und materiellen Lebenslage zu überwachen und an der Unterdrückung der Sklaverei und insbesondere des N****handels mitzuwirken; sie werden ohne Unterschied der Nationalität oder des Kultus alle (…) Einrichtungen und Unternehmungen schützen und begünstigen, welche (…) dahin zielen, die Eingeborenen zu unterrichten und ihnen die Vortheile der Civilisation verständlich und werth zu machen.
Die Generalakte der Berliner Konferenz von 1885 , aus der dieses Zitat stammt, war das Abschlussdokument der über 3-monatigen Zusammenkunft. Teilnehmer*innen waren das Deutsche Reich, die USA, das Osmanische Reich, Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Russland, Spanien und Schweden-Norwegen. Afrikanische Vertreter*innen waren nicht zugegen.
Deutsches Reichsgesetzblatt (1885): Generalakte der Berliner Konferenz. Nr. 23, S. 225
Die in dem Dokument niedergeschrieben Maßstäbe, die die europäischen Mächte als Schutzmacht konstruierten, wurden in allen Kolonien verletzt. Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck lud 1884 zur Berliner Konferenz ein, um die Grundlagen für die Aufteilung Afrikas in Kolonien und für den Handel festzulegen. Bismarck wird in der Geschichtspolitik als “vorsichtiger Kolonialpolitiker” gehandelt (s. bpb 2015), allerdings nicht, weil er dagegen war, andere Menschen zu unterwerfen und auszubeuten, sondern weil für ihn die Kosten den Nutzen überstiegen (ebd.). Kolonialisiert war nach der Vereinbarung der Europäer*innen nur dann, wenn das Gebiet effektiv in Besitz genommen wurden. Wenig später war fast der gesamte afrikanische Kontinent unter sieben europäischen Staaten aufgeteilt. 1914 war die Hälfte der Erdoberfläche und ein Drittel der Weltbevölkerung kolonisiert (Bertelsmann Universal-Lexikon 2006: 496).
*Bundeszentrale für politische Bildung (2015): Bismarck und der Kolonialismus.
Der Kolonisator, der im anderen Menschen ein Tier sieht, nur um sich selber ein ruhiges Gewissen zu verschaffen, dieser Kolonisator wird objektiv dahingebracht, sich selbst in ein Tier zu verwandeln. (…)Man erzählt mir von Fortschritt und geheilten Krankheiten. Ich aber spreche von zertretenen Kulturen, (…) von Tausenden hingeopferten Menschen. (…) Ich spreche von Millionen Menschen, denen man geschickt das Zittern, den Kniefall, die Verzweiflung (…) eingeprägt hat.
Aimé Césaire (1913-2008) war afrokaribisch-französischer Schriftsteller und Politiker, Begründer des Konzepts der Négritude, einer Black-Consciousness-Bewegung, die danach strebte, Schwarze Menschen von kolonialer Herrschaft zu befreien.
Aimé Césaire (1968): Über den Kolonialismus. Berlin: Wagenbach. S. 21-23.
In seinem bekanntesten Gedicht „Return to My Native Land“ (1939) bezieht Césaire sich auf Toussaint Louverture, einen Anführer der haitischen Unabhängigkeitsbewegung um 1789, dessen Biographie er später schreiben sollte. Césaire argumentierte, dass das Schwarze Bewusstsein ein historisches Phänomen sei, dass sich aus den Gemeinsamkeiten der postkolonialen Situation ergebe, dem Transatlantischen Versklavungshandel und der Plantagenwirtschaft. In seiner 1950 entworfenen Rede “Über den Kolonialismus”, aus dem das Zitat stammt, kritisiert er, dass der Kolonialismus vorgebe, “zivilisieren” zu wollen, sein wahres Ziel jedoch immer nur die Ausbeutung war (1968: 8). Die Kolonisierten sowie die europäischen Proletarier*innen hätten dies schon längst verstanden (1968: 6). Mit dem Nationalsozialismus, der Rassismus auch gegen weiße Menschen richtete, hätten die Europäer*innen erst verstanden, wie koloniale Praktiken sich anfühlten. Er spricht über den*die europäische Bürger*in, wenn er sagt, “was er Hitler nicht verzeiht, [ist] nicht das Verbrechen an sich (…) sondern, dass es das Verbrechen gegen den weißen Menschen ist, dass es die Demütigung des Weißen ist und die Anwendung kolonialistischer Praktiken auf Europa, denen bisher nur die Araber Algeriens, die Kulis in Indien und die N**** Afrikas ausgesetzt waren” (1968: 12). Europa habe sich vor der Menschheit für den größten Leichenhaufen der Geschichte zu verantworten und hindere die Kolonisierten weiterhin an ihrer Entfaltung (ebd.: 27).
*Aimé Césaire (1968): Über den Kolonialismus. Berlin: Wagenbach.
Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
den Bedürfnissen eurer Gefangenen zu dienen;
Rudyard Kipling, 1865-1936, war britischer Schriftsteller und Autor des Dschungelbuchs.
Ersterscheinung von “The White Man’s Burden” im McClure’s Magazine 12 (Februar 1899)
„Die Bürde des weißen Mannes“ drückt das koloniale Sendungsbewusstsein aus, das nicht erst Ende des 19. Jahrhunderts existierte, als das Zitat entstand. Die Kolonisation wurde dadurch als Zivilisationsmission gerechtfertigt, wie schon Jahrhunderte vorher, u.a. durch christliche Missionar*innen (Teno 2004). Kurz nachdem Kipling sein Werk veröffentlicht hatte, erschien eine Satire auf sein Gedicht namens „The Brown Man’s Burden“ von Henry du Pré Labouchère, in dem er schrieb, dass Kolonialismus keine Zivilisierungsmission, sondern imperialisitische Dominierung von Anderen ist: “The brown man’s loss must ever Imply the white man’s gain” (Der Verlust des Schwarzen Mannes muss immer den Gewinn des weißen implizieren).
*Bausteine für eine nicht-rassistische Bildungsarbeit (2008): Die Bürde des weißen Mannes.
*Teno, Jean­ Marie (2004): “Gehet hin in alle Welt …” Die deutsche Mission in Afrika. Dokumentarfilm. Frankreich/ Deutschland.
Ich wurde bald unter die Decks gebracht und dort empfing meine Nase eine Begrüßung, die ich noch nie in meinem Leben erlebt hatte: mit der Abscheulichkeit des Gestanks und weinend, erbrach ich mich und wurde so krank, dass ich nicht in der Lage war zu essen (…). Ich wünschte mir jetzt den letzten Freund, den Tod, um mich zu entlasten. Aber bald, zu meiner Trauer, boten mir zwei von den weißen Männer Essen an. Auf meine Weigerung zu essen, hielt mich einer von ihnen an den Händen und legte mich hinüber zur Ankerwinde, band meine Füße fest, während der andere mich hart auspeitschte.
Olaudah Equiano oder Gustavus Vassa (1745-1797) wurde laut seiner Autobiographie von europäischen Sklavenhändlern mit seiner Schwester im heutigen Nigeria gefangen genommen und in die Amerikas entführt. Nach mehreren Besitzerwechseln lernte er lesen, schreiben und handeln, sodass er sich selbst mit dem von ihm verdienten Geld freikaufen konnte. Er schrieb seine Autobiographie, in der er die Grausamkeit der Sklaverei beschrieb und wurde Aktivist in der Anti-Sklaverei-Bewegung.
Olaudah Equiano (1789): The Interesting Narrative of the Life of Olaudah Equiano, or Gustavus Vassa, the African.
Der Transatlantische Versklavunghandel vom Ende des 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts sowie die Plantagenwirtschaft auf dem Rücken von Versklavten war eine Säule des europäischen Kolonialismus und wird als eine Bedingung für den wirtschaftlichen Aufschwung Europas sowie für die Armut Afrikas gesehen. Der guayanische marxistische Historiker Walter Rodney schreibt: “Westeuropa ist durch Afrika entwickelt worden, genau wie Afrika von Westeuropa unterentwickelt wurde” (Rodney 1972/2012: 75). Durch die Verklavung wurden Menschen als Besitz angesehen, sie verloren Freiheit und Persönlichkeitsrechte. Mehr als 10 Millionen Afrikaner*innen wurden in die Amerikas transportiert – zu Bedingungen, wie sie das Zitat von Equiano beschreibt. Ein Fünftel der Versklavten starb bei der Überfahrt. In den Amerikas wurden sie gezwungen, u.a. auf Zucker-, Tabak- und Baumwollplantagen zu arbeiten. Kurz nach Equianos Tod verboten die Briten 1807 den afrikanischen Sklavenhandel. Peter Linebaugh und Marcus Rediker beschreiben in “Die vielköpfige Hydra”, wie afrikanische Versklavte, europäische Proletarier*innen, karibische und nordamerikanische Native Americans zusammen eine hybride Widerstandskultur gegen die Gewalt des sich entfaltenden Kapitalismus bildeten.
*Walter Rodney (1975/2012): How Europe underdeveloped Afrika. Cape Town: Pambazuka Press.
§2 (1) In den deutschen Kolonien sind Eheschließungen Deutscher oder Fremder mit: 1. Eingeborenen, 2. Angehörigen aus den nichtdeutschen Gebieten Afrikas, Australiens und der Südseeinseln, 3. Mischlinge[n] mit Eingeborenenbluteinschlag oder mit Bluteinschlag einer der unter Nr. 2 aufgeführten Völkerschaften, 4. Mischlinge[n] aus Verbindungen von Angehörigen der unter Nr. 1 bis 3 genannten Bevölkerungsteile verboten.
§ 6 Angehörige der in § 2 Nr. 1 bis 4 genannten Bevölkerungsteile, die in den deutschen Kolonien mit einer weißen Frau geschlechtlich verkehren, werden mit dem Tode bestraft.
Der Text stammt aus dem Entwurf des Kolonialblutschutzgesetzes der deutschen Nationalsozialist*innen (undatiert, ca. 1940), Bundesarchiv- Koblenz, R 22/2365.
Kum’a Ndumbe III. (1993): Was wollte Hitler in Afrika? NS-Planungen für eine faschistische Neugestaltung Afrikas. Frankfurt: IKO, S. 270f.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden dem Deutschen Reich im Vertrag von Versailles alle Kolonien aberkannt. Aufgrund von „grausamen Unterdrückungen“ und „Zwangsarbeit“ habe Deutschland „auf dem Gebiet der kolonialen Zivilisation“ versagt. Obwohl Hitler erst „Lebensraum im Osten“ erobern wollte, gab es immer auch Kolonialbestrebungen in Asien und Afrika, besonders ab Ende 1937. Interessen an kolonialer Eroberung gab es besonders „im Auswärtigen Amt, in der Kriegsmarine und nicht zuletzt in den Privatfirmen, an vorderster Front die Berliner und hanseatischen Schifffahrts- und Handelsgesellschaften, aber auch [bei der] Deutsche[n] Bank“ (Linne 2008). Im Dezember 1940 teilten die Achsenmächte die Welt unter sich auf: „Deutschland und Italien sollten das ‘benachbarte’ Afrika und den Nahen sowie Mittleren Osten beherrschen, Japan wurde Südostasien und Ozeanien überlassen “ (Rheinisches JouralistInnenbüro & recherche international 2008: 43).
*Rheinisches JournalistInnenbüro (2008): URL: Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte.
*Karsten Linne im Interview (2008): Die NS-Kolonialplanungen für Afrika.
Art. 3. Es können keine Sklaven auf diesem Territorium existieren, Gefügsamkeit ist hiermit für immer abgeschafft. Alle Menschen sind frei geboren, leben und sterben in Freiheit.
Art. 4. Alle Menschen, ungeachtet ihrer Farbe, sind für alle Berufe zugelassen.
Art. 5. Es gibt keine Unterschiede, außer der Tugend und Talent, oder andere Hoheitsrechte, die vom Gesetz her in öffentlicher Funktion ausgeführt werden.
Diese Gesetze sind für alle gleich, ob als Bestrafung oder als Schutz.
Toussaint Louverture (1743-1803) war ehemals versklavter Haitianer und führte den Widerstand gegen Frankreich an. Der Text stammt aus einem Brief Louvertures an Napoleon, dem er diesen Verfassungstext beifügte.
Aus der Verfassung Haitis von 1801
Die haitianischen Anti-Sklaverei-Aktivist*innen kämpften seit 1791 für ihre Unabhängikeit von Frankreich und gegen die weiße Elite der Insel. 1794 wurde die Sklaverei abgeschafft. Nach einem mehrjährigen Unabhängigkeitskrieg drohte Napoleon (der seit 1799 wieder faktisch an der Macht war) mit der Wiedereinführung der Sklaverei. Doch die Haitianer*innen gewonnen und als erster lateinamerikanischer Staat wurde Haiti 1804 unabhängig. Allerdings boykottierte ein Zusammenschluss europäischer Staaten und den USA Haiti und führte es somit fast in den Ruin. Da ihr eigener Wohlstand auf der Plantagenwirtschaft und damit auf dem Prinzip der Sklaverei begründet war, befürchteten sie, dass die haitianischen Verhältnisse auch auf ihre Nationen übergreifen könnten. Somit wurde Haiti außenpolitisch in die Isolation gedrängt und der neue Staat musste riesige Entschädigungszahlungen an die ehemaligen Sklavenbesitzer*innen zahlen. Frankreich verlangte als Gegenleistung für die Anerkennung Haitis als unabhängiger Staat 1825 eine Entschädigungssumme von 150 Millionen Francs. Die Summe wurde später auf 90 Millionen Francs heruntergesetzt. Erst 1947 konnte Haiti diesen Betrag mithilfe von Krediten endgültig abbezahlen. Die hohe Staatsverschuldung direkt nach der Unabhängigkeit wird vielfach als der Beginn der wirtschaftlichen Außenabhängigkeit Haitis gesehen. Auf der Weltkonferenz gegen Rassismus 2001 forderte Haiti dafür von Frankreich Entschädigungen.
*Projekt in Haiti und der Domenikanischen Republik, wo Jugendliche Geschichte der Sklaverei aufarbeiten.
*Jean Ziegler (2010): Haiti und der Hass auf den Westen. In Blätter für deutsche und internationale Politik.
Wir verkünden und erklären hiermit feierlich im Namen und durch Autorität des Volkes dieser philippinischen Inseln, (…) dass sie frei sind (…); dass sie keinerlei Treue mehr zur Krone von Spanien haben; dass alle politischen Bindungen zwischen ihnen vollständig getrennt und annulliert werden sollten; und dass sie, wie andere freie und unabhängige Staaten, die volle Macht genießen, Krieg zu führen und Frieden zu schließen, Handelsverträge abzuschließen, Bündnisse einzugehen, den Handel zu regeln und alle anderen Handlungen und Dinge zu tun, zu denen ein unabhängiger Staat ein Recht hat.
Aus der Unabhängigkeitserklärung der Philippinen
Ambrosio Rianzares Bautista (1898): Declaration of Independence.
Die Philippinen waren ab 1571 eine spanische Kolonie, bis sie nach antikolonialen Befreiungskämpfen 1898 die Unabhängigkeit ausriefen. Allerdings wurde sie nicht anerkannt und im Philippinisch-Amerikanischen Krieg von 1899 bis 1902 verlor ein Fünftel der Bevölkerung ihr Leben. Danach wurden die Inseln eine US-amerikansche Kolonie, bis sie 1942 von japanischen Truppen besetzt wurden. Die anti-japanische Volksbefreiungsarmee war die größte Widerstandsbewegung der Philippinen und bestand aus 30.000 Kämpfer*innen und 70.000 Reservist*innen. Sie kollaborierten mit den USA gegen die Japaner, waren aber eine linksgerichtete Partisanengruppe, die gegen die US-amerikanische Kolonialherrschaft eintrat. Schriftsteller Ricardo Trota Jose zufolge waren 80% der Filippin@s im Widerstand oder haben ihn unterstützt. „Eine Million Filipinos kämpften in verschiedenen Guerilla-Bewegungen. Das Problem war nur: Es gab nicht genug Waffen. Auf zwanzig Freiwillige, die zu den Partisanen gingen, kam nur ein Gewehr“ (Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international 2008: 132). 1946 erlangten die Philippinen zwar ihre Unabhängigkeit, installierten aber eine US-freundliche Regierung. Erst 1990 unter Präsidentin Corazon Aquino wurden die Widerstandskämpfer*innen als solche anerkannt (ebd.: 100f.).
*Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international (2008): Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte. Köln.
Die Piru-Indianer glaubten gewöhnlich, dass die Seelen nach diesem Leben weiterlebten (…). Zu diesem Zweck legten sie ihren Nachkommen Kleider an und brachten Opfer dar. (…) So töteten sie an dem Tag, an dem sie starben, die Frauen, die ihnen gefallen hatten, und Diener und Beamte, damit sie ihnen im anderen Leben dienen würden. (…) Der gleiche Aberglaube und die Unmenschlichkeit, Männer und Frauen für die Begleitung und den Dienst der Verstorbenen im Jenseits zu töten, haben andere barbarische Nationen benutzt und benutzen sie noch immer.
Padre José de Acosta, ca. 1539-1600, war spanischer Jesuit. Nachdem er in Spanien an der Universität gelehrt hatte, reiste er 1570 als Missionar in die Amerikas. Er ist Verfasser von “Historia natural y moral de las Indias”, aus dem das Zitat stammt.
Padre Joseph de Acosta (1589): Historia Natural y Moral de las Indias. Sevilla: Casa de Juan de Leon, S. 26.
Die Bezeichnung der indigenen Bevölkerung der Amerikas als bestialisch, kannibalistisch, als Teufelsanbeter*innen etc. rechtfertigte nach Silvia Federici die Eroberung durch die Spanier*innen. So konnten sie ihre Jagd nach Gold und Silber als Zivilisierungsmission tarnen (Federici 2014: 267). Diese Erzählungen, u.a. von de Acosta weitergeführt, halfen der spanischen Krone, um vom Papst 1508 die komplette Autorität über die Amerikas zugesprochen zu bekommen und rechtfertigten Unterwerfung, Versklavung, Vergewaltigung, Folter und Vernichtung. Einige Gesellschaften in den Amerikas brachten tatsächlich massenhaft Menschenopfer. Allerdings standen diese in keinem Verhältnis zu der fast vollständigen Vernichtung der indigenen Bevölkerung durch die Spanier*innen, die u.a. der Dominikanermönch Bartolomé de las Casas beschreibt. Laut dem Cortez kamen 1521 bei der Eroberung der aztekitschen Stadt Tenochtitlan 100.000 Menschen ums Leben (ebd.: 269).
*James Cockcroft (1983): Mexico: Class Formation, Capital Accumulation and the State. New York: Monthly Review Press, S. 19
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie, S. 267ff.
Ich bin wütend auf die Priester und all diejenigen, die zu dieser Mission gehören. Denn wir leben hier auf meinem Land. Ich hasse sie, weil sie in das Land meiner Vorfahren eindringen und unsere Stammesgebiete ausplündern. (…) Ich bin [zur Missionsstation] gekommen, um die dreckigen Feiglinge zum Kampf zu inspirieren und um nicht den Mut zu verlieren beim Anblick der spanischen Stöcke, die Feuer und Tod spucken, und nicht zu würgen beim üblen Geruch von Pistolenrauch – um fertig zu werden mit den weißen Eindringlingen!
Toypurina, 1760-1799, war eine Tongva/Gabrieliño-Medizinfrau und Anführerin eines nicht erfolgreichen Aufstandes gegen spanische Missionare im heutigen Kalifornien.
Thomas Workman Temple II (1958): Toypurina the Witch and the Indian Uprising at San Gabriel,’’ Masterkey 32, no. 5: 136–52.
Toypurina führte eine Rebellion gegen die San Gabriel Mission in Kalifornien an. Die Missionare unter Junipero Serra waren die Vorreiter der spanischen Kolonisation von Kalifornien. Junipero Serra wurde 2015 heilig gesprochen. In allen Regionen der Amerikas wurden indigene Menschen ihres Landes beraubt – von europäischen Kolonisator*innen oder – nach der Unanhängikeit – von der nicht-indigenen Elite der Länder. In Argentinien betrug das Ahnenland der Mapuche ca. 1 Million Hektar und beträgt nach dem Ausverkauf und der Privatisierung des Landes besonders nach 1903 heute noch 12.500 Hektar. Meist wurde das Land an US-amerikanische oder europäische Unternehmen oder Einzelpersonen verkauft. Der größte Landbesitzer ist seit der Landprivatisierungskampagne unter dem neoliberalen Präsidenten Carlos Menem in den 1990er Jahren der italienische Konzern Benetton. Ein Gesetz, das von der Cristina-Kirchner-Regierung 2011 verabschiedet worden war, um den Landverkauf an ausländische Unternehmen – nicht aber an argentinische – zu unterbinden, wurde vom derzeitigen Präsidenten Mauricio Macri wieder rückgängig gemacht.
*Suppressed Histories: The holy woman Toypurina
*Indian Country Today Media Network: Junipero Serra as Indian Killer
*Petition: Urge Pope Francis to abandon the canonization of Junipero Serra
*Eduardo Galeano (2004): Die offenen Adern Lateinamerikas. Wuppertal: Peter Hammer.
England hat in Indien eine doppelte Mission zu erfüllen: eine zerstörende und eine erneuernde – die Zerstörung der alten asiatischen Gesellschaftsordnung und die Schaffung der materiellen Grundlagen einer westlichen Gesellschaftsordnung in Asien. Die Araber, Türken, Tataren, Moguln, die Indien nacheinander überrannten, wurden rasch hinduisiert (…). Die britischen Eroberer waren die ersten, die auf einer höheren Entwicklungsstufe standen und daher der Hindu-Zivilisation unzugänglich waren.
Karl Marx (1818-1883) war deutscher Philosoph, Ökonom und Journalist und Mitbegründert der Ersten Internationale (Internationale Arbeiter-Assoziation). Sein Hauptwerk Das Kapital ist eines der wichtigsten Bücher der internationalen Arbeiter*innenbewegung.
Karl Marx & Friedrich Engels (1960): Werke. Band 9. Berlin/DDR: Dietz, S. 221.
Auch Karl Marx, der für der Befreiung und Ermächtigung des europäischen Proletariats kämpfte, war der europäischen Überlegenheitsideologie erlegen. Nichtsdestotrotz inspirierten die Ideen und Theorien von Karl Marx Bewegungen in Asien, Afrika, Europa und Lateinamerika, koloniale Beherrschung oder Klassenherrschaft abzuwerfen. Noch während des Ersten Weltkriegs (angefangen mit der russischen Oktoberrevolution 1917) waren sie hier auch erfolgreich (auch wenn die neu erschaffenen Systeme keineswegs frei von Herrschaft waren). Auch in England, Spanien, Italien und Deutschland gab es kommunistische Massenbewegungen, in Bremen, Leipzig und München kurzzeitig auch Räterepubliken. In den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt beriefen sich viele Theoretiker*innen und Aktivist*innen auf Marx, z.B. Walter Rodney aus Guayana oder die Politiker Fidel Castro in Kuba und Kwame Nkrumah in Ghana. Auch in Indien gab es eine starke Marxistische Bewegung. Noch heute berufen sich Intellektuelle auf den Marxismus, z.B. der Historiker Vijay Prashad (Autor von The Darker Nations: A People’s History of the Third World (2007)) oder die Literaturwissenschaftlerin Gayatri Chakravorty Spivak (Can the Subaltern Speak (1988)).
*Vijay Prashad (2007): The Darker Nations. A People‘s History of the Third World. New York: The New Press.
Ja, meine Sünde – eine meiner größeren Sünden und vielleicht meine größte Sünde ist, dass ich Irans Ölindustrie verstaatlicht habe das System politischer und wirtschaftlicher Ausbeutung durch das größte Imperium der Welt beendete. Das auf Kosten meiner selbst, meiner Familie; und auf die Gefahr, mein Leben, meine Ehre und mein Eigentum zu verlieren. Mit Gottes Segen und dem Willen des Volkes kämpfte ich gegen dieses wilde und schreckliche System der internationalen Spionage und des Kolonialismus.
Mohammad Mossadegh, 1882-1967, war iranischer Anwalt und Politiker. Er war der erste Premierminister des unabhängigen Iran. Das Zitat stammt aus seiner Rede vor Gericht 1953, in der er sich gegen die Anklage von Hochverrat stellte.
Mohammad Mossadeghs Biographie
Im Zuge der antikolonialen Bewegungen wurde Mohammad Mossadegh 1951 erster demokratisch gewählter Premierminister des Iran. Er wurde vom US-amerikanischen Time Magazin im gleichen Jahr zum Mann des Jahres gewählt, denn er hatte als seine erste Amtshandlung die britisch kontrollierte Ölförderung verstaatlicht. Allerdings kam in den USA 1952 Dwight D. Eisenhower an die Macht, der einen stark antikommunistischen Kurs fuhr. Bereits zuvor war in der CIA besprochen worden, dass nur mit einem „neuen Premier“ die Situation im Iran „gerettet werden könne“ (Akte Foreign Relations of the United States 1951: 87). Ab 1953 wiegelte die CIA im Iran die Führungselite gegen Mossadegh auf und bestach die Bevölkerung mit Geld, was 2017 veröffentlichte Akten belegen (Deutsche Welle 2017). Auch in Lateinamerika (z.B. Chile 1973, Allende vs. Pinochet), Afrika (z.B. 1961 im Kongo, Lumumba vs. Mobuto) oder in Asien (z.B.1967 in Indonesien, Sukarno vs. Suharto) wurden Regierungen, die aus sozialistischem oder antikolonialen Bewegungen enstanden waren, gestürzt und durch Diktaturen ersetzt.
*Deutsche Welle (2017): 1953: Irans gestohlene Demokratie.
*Foreign Relations of the United States (1951-1954).
*Bundeszentrale für politische Bildung (2013): Zwischen Kolonialismus und Nationenbildung.
Wir werden die Verhältnisse einer über 500-jährigen kolonialen Realität nicht weiter dulden. Dies gilt für sämtliche aktuelle Diskurse und Praktiken, für Theorien, für Debatten und die Arbeitspraxis. Wir werden uns nicht länger von staatlichen und nichtstaatlichen Vertreter*innen, von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteur*innen, von etablierten oder eben erst in Erscheinung getretenen Förder*innen unsere Perspektive auf das Feld Migration und Entwicklung diktieren lassen.
Lucía Muriel ist Psychologin, Aktivistin und Nertzwerkerin in Berlin, die sich dafür einsetzt, dass globale Gerechtigkeit rassismuskritisch und dekolonial verstanden wird.
move global (2017): Versuch eines Paradigmenwechsels, S. 17.
Die koloniale Definitionsmacht über Schwarze und weiße Diskurse, Politiken, Kultur sowie Körper kritisierte schon der Psychiater Frantz Fanon (1925-1961), der auf unterschiedlichen Ebenen für die Dekolonisierung eintrat. Dekolonisierung bedeutet, koloniale Muster zu erkennen, infrage zu stellen und zu überkommen. Sie bezieht sich nicht nur auf die Unabhängigkeit vormals kolonisierter Staaten, sondern auch auf gesellschaftliche, kulturelle und individuelle Dimensionen von Kolonisierung, z.B. sich als Migrant*in von der Mehrheitsgesellschaft nicht vorschreiben zu lassen, was Migration bedeutet, wie Lucía Muriel in dem Zitat deutlich macht. Dekolonisierung bedeutet Empowerment und die Befreiung von Herrschaft.
*Ismahan Wayah (2017): Wir schreiben Geschichte. In: glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. S. 10.
*Raykamal Kahlon (2017): Du hast gesagt, es würde nicht wehtun. Verkörperte Pädagogik. In: glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. S. 82.
Ich werde sterben. Aber ich werde zurückkommen und Millionen sein.
Tupac Katari, 1750-1781, war ein Aymara-Anführer in der Rebellion gegen die spanischen Kolonisatoren im heutigen Bolivien. Er hatte die Namen von früheren Widerstandkämpfern (Tomás Katari und Túpac Amaru) übernommen, die von den Spaniern 1572 umgebracht worden waren.
Zitiert nach Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand, S. 98
Tupac Katari versammelte eine Armee von 40.000 Kämpfer*innen und belagerte La Paz. Seine Frau Bartolina Sisa hatte die Befehlsgewalt über die Belagerung und spielte nach der Festnahme Kataris eine wichtige Rolle. Als in fast allen lateinamerikanischen Ländern im 19. Jahrhundert der europäische Kolonialismus erfolgreich abgeworfen wurde, bedeutete das jedoch nicht, dass sich freie und gleiche Gesellschaften entwickeln konnten. Denn das formale Ende des europäischen Kolonialismus’ bedeutete nicht das Ende der Herrschaftsverhältnisse. Neue Hierarchien wurden geschaffen, die Verteilung von Reichtum in vielen Ländern ist an Klasse, “Rasse” und Geschlecht gebunden. Anibal Quijano argumentiert, dass der globale Kapitalismus den Kolonialismus als Herrschaftssystem ablöste und die Hauptprofiteur*innen dieses Systems noch immer die Europäer*innen und ihre Nachkommen in anderen Ländern sind (2007: 168). Tupac Kataris Ausspruch wurde 2003 wieder aufgegriffen, als sich die Bevölkerung von Bolivien dem Ausverkauf des Erdgases widersetzte. “Als der neoliberale Präsident Sanchez de Lozada aus dem Präsidentenamt vertrieben wurde, hallte der Spruch durch die Straßen El Altos” (Guthmann 2017: 98). Auch der bolivianische Präsident Evo Morales sieht sich in Tupac Kataris Widerstandstradition (Morales Antrittsrede dokumentiert in New York Times, 23.01.2006).
*Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand.
*Anibal Quihano (2007): Coloniality and Modernity/Rationality, Cultural Studies 21 (2-3); 168-178.

References: §2

§ 6
 § 2

Art. 3

Art. 4

Art. 5