Source: http://www.gmbh2null.de/besondere-rechtsformen/44-gmbh-und-still
Timestamp: 2020-01-18 15:00:03+00:00

Document:
Errichtung einer GmbH & Still
Die stille Beteiligung in Buchführung und Bilanz
Steuerliche Behandlung der Gewinn- und Verlustbeteiligung
Muster zur Errichtung einer stillen Gesellschaft
Grundlagen zur stillen Gesellschaft
Die stille Gesellschaft ist in den §§ 230 ff HGB geregelt. Ergänzend gelten die Regelungen für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts gem. §§ 705 ff BGB, soweit diese mit dem Wesen der stillen Gesellschaft vereinbar sind. Nach § 230 HGB entsteht eine stille Gesellschaft dadurch, dass sich jemand als stiller Gesellschafter an dem Handelsgewerbe eines anderen beteiligt, indem er eine Vermögenseinlage leistet, dass diese in das Vermögen des Inhabers des Handelsgeschäfts übergeht. Im Gegenzug wird der stille Gesellschafter gem. § 231 HGB in jedem Falle am Gewinn des Handelsgeschäfts beteiligt. Hiervon ist die atypische stille Gesellschaft abzugrenzen, bei der der stille Gesellschafter auch ein Mitunternehmerrisiko trägt und/oder darüber hinaus Mitspracherechte besitzt. In beiden Fällen handelt sich um eine schuldrechtlich begründete Innengesellschaft, die selbst weder rechts- noch parteifähig ist und somit auch kein eigenes Vermögen besitzt. Im Falle einer GmbH & Still beteiligt sich der stille Gesellschafter durch Leistung einer Vermögenseinlage am Handelsgeschäft einer GmbH, wobei die Vermögenseinlage ins Eigentum der GmbH übergeht und der stille Gesellschafter am Gewinn der GmbH beteiligt wird.
Wie jede andere stille Gesellschaft entsteht auch die GmbH & Still durch den
Abschluss eines Gesellschaftsvertrages zwischen
dem stillen Gesellschafter und
einer GmbH, die hierbei durch ihre Geschäftsführer vertreten wird.
In dem grundsätzlich formfreien Gesellschaftsvertrag zur Errichtung einer stillen Gesellschaft verpflichtet sich der stille Gesellschafter zur Gewährung einer Vermögenseinlage, die in das Vermögen der GmbH übergeht. Der Gesellschaftsvertrag bedarf grundsätzlich keiner besonderen Form, kann also im Zweifel auch mündlich abgeschlossen werden, wobei in jedem Falle die schriftliche Vertragsform zu empfehlen ist (vgl. unten Muster).
Auch bei der GmbH & Still handelt es sich um eine reine Innengesellschaft, die
grundsätzlich anonym bleibt und nach außen nicht in Erscheinung tritt,
kein eigenes Vermögen besitzt,
nicht am Rechtsverkehr teilnimmt und
weder rechts- noch parteifähig ist.
Die stille Gesellschaft ist auch nicht insolvenzfähig. Vielmehr ist zu unterscheiden zwischen der Insolvenz der GmbH und der Insolvenz des stillen Gesellschafters.
Schließt einer der Gesellschafter mit der GmbH zusätzlich einen Gesellschaftsvertrag zur Errichtung einer stillen Gesellschaft, bestehen zwei voneinander unterschiedliche und unabhängige Gesellschaftsverhältnisse. Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich mehrere stille Gesellschafter gemeinsam oder getrennt an einer GmbH beteiligen können, wobei dies dann je nach Ausgestaltung zu einer
zweigliedrigen stillen Gesellschaft oder
mehrgliedrigen stillen Gesellschaft
Die stille Beteiligung des stillen Gesellschafters wird in der Buchführung der GmbH in entsprechender Höhe auf einem gesonderten Einlagekonto gebucht, wobei je nach Vertragslaufzeit und Form der stillen Gesellschaft die folgenden Konten angesprochen werden:
SKR 03: # 0760 (typisch stille Beteiligung) oder # 0770 (atypisch stille Beteiligung);
SKR 04: # 3520 (typisch stille Beteiligung) oder # 3530 (atypisch stille Beteiligung).
Handelt es sich bei der stillen Beteiligung um eine Vermögenseinlage in Form einer Überweisung auf das Geschäftskonto der GmbH, erfolgt die Gegenbuchung auf das Konto "Bank" # 1200 (SKR 03) bzw. # 1800 (SKR 04).
Die Buchung der Gewinnanteile zugunsten des stillen Gesellschafters erfolgt auf dem Konto "Abgeführte Gewinnanteile an stille Gesellschafter § 8 GewStG" # 2493 (SKR 03) bzw. 7399 (SKR 04). Die Gegenbuchung erfolgt auf das Konto "Gewinnverfügungskonto stille Gesellschafter" # 1709 (SKR 03) bzw. # 3620 (SKR 04).
Das Recht zur Geschäftsführung verbleibt grundsätzlich beim Geschäftsführer der GmbH. Nach § 233 HGB ist der stille Gesellschafter jedoch berechtigt, die abschriftliche Mitteilung des Jahresabschlusses zu verlangen und dessen Richtigkeit unter Einsicht der Bücher und Papiere zu prüfen. Die Kontrollrechte des stillen Gesellschafters können in dem Gesellschaftsvertrag jedoch erheblich ausgeweitet werden.
Bei der stillen Gesellschaft ist zwischen der
zu unterscheiden, wobei die Unterscheidung vor allem für die steuerliche Behandlung der Gewinn- und Verlustbeteiligung des stillen Gesellschafters relevant ist.
Bei der typisch stillen Beteiligung ist der stille Gesellschafter nur am Gewinn bzw. am Verlust der GmbH beteiligt, aber nicht an den Wertveränderungen des Gesellschaftsvermögens. Die Gewinnanteile des stillen Gesellschafters führen bei der GmbH zu Betriebsausgaben. Im Rahmen der Gewerbesteuer werden die Gewinnanteile stiller Gesellschafter in Höhe von 25% des Gewinnanteils dem Gewerbeertrag der GmbH wieder hinzugerechnet, jedoch nur soweit die Summe der Gewinnanteile sowie weiterer Finanzierungsentgelte den Betrag von 100.000 Euro übersteigen.
Bei der atypisch stillen Gesellschaft ist der stille Gesellschafter auch an den stillen Reserven der GmbH beteiligt. Infolgedessen wird er in steuerlicher Hinsicht wie ein Mitunternehmer behandelt.
Die steuerliche Behandlung der Gewinn- und Verlustbeteiligung des stillen Gesellschafters ist davon abhängig, ob es sich um eine
typische stille Beteiligung oder
eine atypische stille Beteiligung
Sofern der typische stille Gesellschafter die stille Beteiligung im Privatvermögen hält, versteuert er seinen Gewinnanteil als Einnahmen aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Anderenfalls handelt es sich um Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Die GmbH muss bei Auszahlung des Gewinnanteils gem. § 43 I Nr. 3 EStG Kapitalertragsteuer einbehalten und an das Finanzamt abführen. Bei einer Verlustbeteiligung handelt es sich bis zur Höhe der Einlage um Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben. Ist das Einlagenkonto des stillen Gesellschafters negativ, ist § 15a EStG sinngemäß anzuwenden.
Die Gewinnanteile des atypisch stillen Gesellschafters werden stets den Einkünften aus Gewerbebetrieb (§ 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG) zugerechnet.
Bei der Errichtung einer stillen Gesellschaft ist zu unterscheiden, ob
eine typische stille Gesellschaft (Muster) oder
eine atypische stille Gesellschaft (Muster)

References: § 230
 § 231
 § 8
 § 233
 § 43
 § 15