Source: http://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1015172
Timestamp: 2020-08-11 17:00:10+00:00

Document:
Vorlage - VII-Ifo-00787
Betreff: Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Ausländer/innen in Zuständigkeit der Stadt Leipzig - Stand IV/2019
Die Vorlage gibt den Stand der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Ausländer im 4. Quartal 2019 wieder.
2.1 umA und junge Volljährige in der Verantwortung der Stadt Leipzig
Die Zahl der Inobhutnahmen von umA ist relativ konstant. Die Stadt Leipzig liegt mit der Zahl der betreuten unbegleiteten minderjährigen Ausländer zum 31.12.2019 mit 4 über der Verteilungsquote.
Abb. 1: umA und jg. Volljährige in der Zuständigkeit der Jugendämter – bundesweit
In Leipzig lebten mit Stand vom 31.12.2019 79 umA im Alter von 11 bis 17 Jahren, davon 7 Mädchen sowie 48 junge Volljährige, davon 5 junge Frauen in der Zuständigkeit des Fachdienstes.
Dabei sind Afghanistan und Syrien mit 48 bzw. 31 umA bzw. jungen Volljährigen die Hauptherkunftsländer.
2.2 Inobhutnahmen und Hilfen zur Erziehung
Die Zahl der vorläufigen Inobhutnahmen sank gegenüber dem 3. Quartal 2019 nochmals um 3 auf 13 Inobhutnahmen. Davon entzog sich 1 umA der vorläufigen Inobhutnahme durch mehrmaliges Entweichen.
Mit Stand vom 31.12.2019 waren 10 umA gemäß § 42 und 42a SGB VIII in der IOCE Am Mühlholz in Obhut genommen. Weitere 5 umA waren bei geeigneten Personen nach § 42 SGB VIII untergebracht.
Mit Stichtag 31.12.2019 erhielten 79 umA und junge Volljährige stationäre Hilfen nach § 34 und § 41/34 SGB VIII. Dies ist gegenüber dem Stichtag 30.09.19 (77 stationäre Hilfen) ein Zugang von 2 Hilfen für umA und junge Volljährige in Wohngruppen nach § 34 bzw. § 41/34 SGB VIII. 6 umA lebten zum 31.12.2019 in Pflegefamilien nach § 33 SGB VIII. 29 umA und junge Volljährige wurden zum 31.12.2019 mit ambulanten Hilfen nach § 30, § 31, § 41/30 und § 35a unterstützt.
Im Vergleich zum 30.09.2019 (133 Maßnahmen nach § 42 und § 42a sowie und HzE gem. §27 ff. bzw. Leistungen für junge Volljährige und Eingliederungshilfen nach SGB VIII) sind die Hilfen und Maßnahmen zum 31.12.2019 insgesamt um neun gesunken.
§ 35a amb SGB VIII (Eingliederungshilfe für seelisch behinderte bzw. von seelischer Behinderung bedrohte Kinder und Jugendliche)
§§ 42a, 42b, 42 SGB VIII (Vorläufige Inobhutnahme / Inobhutnahme)
§ 41 i.V.m. § 30 SGB VIII
§ 41 i.V.m. § 35a stat. SGB VIII
§ 41 i.V.m. § 35a amb. SGB VIII
Quelle: ASD-Statistik, Stand
Ein Zulauf von weiblichen umA ist weiterhin nicht zu verzeichnen. Allerdings steigt nach wie vor die Anzahl der begleiteten ausländischen Mädchen, die in der spezifischen Mädchengruppe in der Inobhutnahmeeinrichtung „Am Mühlholz“ Aufnahme finden müssen.
Im schulischen und beruflichen Bildungsbereich (als nicht primäre Aufgabe des AfJFB), werden den umA und jungen Volljährigen durch den Fachdienst sowohl bestehenden strukturelle als auch Einzelfallhilfen zur Verfügung gestellt.
2.3.1 Schulische Integration
Der Fachdienst nutzt im Einzelfall zur schulischen Integration bestehende, z.T. geförderte Angebote des AfJFB, wie Schulsozialarbeit und bei Schulvermeidung älterer Jugendlicher auch Projekte zur Sicherung des Schulerfolges (Schulersatzprojekte). Darüber hinaus kann im Einzelfall im Rahmen von Eingliederungshilfe die schulische Integration durch einen Integrationshelfer notwendig sein. Zudem werden die umA in den Wohngruppen intensiv durch Haus- und Lernaufgaben unterstützt. Oberstes Ziel ist die Schaffung von Grundlagen, um perspektivisch eine berufliche Bildung zu ermöglichen.
2.3.2 Berufliche Integration
Der Fachdienst bindet umA und junge Volljährige, welche noch ungenügend auf eine berufliche Qualifizierung vorbereitet sind, möglichst frühzeitig (ca. 1 Jahr vor Schulabschluss) sowohl bei der Arbeitsagentur als auch an bestehende Integrationsangebote, wie z.B. die Jugendberatungsstellen an. Somit können bedarfsorientierte und individuelle Beratungen zu den Themenfeldern Arbeits- und Ausbildungsmarkt und Qualifizierungen stattfinden. Dabei wird deutlich, dass umA, welche mit unterbrochenen Bildungsbiografien nach Deutschland kommen und in der Folge nur unzureichende Schulabschlüsse erlangen können, durch spezielle Angebote, wie z.B. Freiwilligendienst, Einstiegsqualifizierungen Chancen haben, ihre Deutschkenntnisse in Wort und Sprache zu verbessern. Ein ungenügender Spracherwerb erschwert in einer Ausbildung Erfolge im schulischen Bereich und kann zum Abbruch der Ausbildung führen. Die berufliche Orientierung ist zudem stark abhängig von der Problematik der Aufenthaltssicherung, die durch eine Ausbildung erreicht werden könnte, aber zugleich auch Druck bei den umA und jungen Volljährigen verursachen kann wegen des Aufenthalts eine nicht ihren Interessen und Kompetenzen entsprechenden Ausbildung zu beginnen.
Zur weiteren Qualifizierung der Mitarbeiter/-innen des Fachdienstes wird eine Teilnahme an der Frühjahrstagung des Bundesfachverbands umF zum Thema Bildung – Ausschlüsse und Zugänge stattfinden.
Im 4. Quartal fanden keine Familienzusammenführungen statt.
Der Fachdienst umA hat im März 2019 sein Aufgabenspektrum erweitert. In seine Zuständigkeit fallen seitdem, neben der Betreuung der umA und jungen Volljährigen, die ASD-Aufgaben für Familien mit Fluchthintergrund die noch am Anfang Ihres Integrationsprozesses stehen, insbesondere im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015 zugezogene Familien des gesamten Stadtgebietes Leipzig. Bis dato eingesetzte Hilfen zur Erziehung durch die einzelnen Sozialbezirke wurde schrittweise vom Fachdienst übernommen.
Quelle: ASD-Statistik zum Stand 31.12.2019
Die Gesamtzahl der Hilfen zur Erziehung für die Zielgruppe stieg im IV. Quartal von 62 auf 79 Hilfen. Auch in der Verteilung der Hilfen ergaben sich zum vergangenen Quartal Verschiebungen, einem Anstieg der Sozialpädagogischer Familienhilfe um 4 Fälle steht ein Anstieg der Unterbringung in Wohngruppen um 9 Fälle gegenüber. Zudem werden durch den Fachdienst 71 Familien gegenüber 59 Familien im III. Quartal außerhalb des HzE-Bezugs beraten und betreut.
Der Anstieg der Hilfen im Bereich § 34 (Heimerziehung) ist auf eine zum Teil rigide Durchsetzung elterlicher Autorität und einer Neigung zur Gewalt als Erziehungsmittel zu sehen. Der Anstieg im Bereich § 31 (Sozialpädagogische Familienhilfe ist als Folge von einem erhöhten Bedarf an Unterstützung im Bereich der Etablierung elterlichen Kompetenzen zur Sicherung der gesunden Entwicklung der Kinder anzusehen.
Diese Entwicklung ist zukünftig weiter zu beobachten. Möglicherweise resultiert der Anstieg als statistischer Effekt noch aus den Fallübernahmen des Fachdienstes aus dem ASD, die im Jahr 2019 vollzogen wurden, sie kann jedoch wie vorangegangen beschrieben, auch ein Indiz für den erwarteten verbesserten Zugang von Familien mit Migrationshintergrund zu den Leistungen der Hilfen zur Erziehung sein. Mit der Neuausrichtung des Fachdienstes - Zuständigkeit für umA, junge Volljährige und Familien mit Fluchthintergrund ohne ausreichende Integration - und der Anwendung der Prozess- und Verfahrensstandards für alle zu erfüllenden ASD-Aufgaben sind die Voraussetzungen gegeben, die Hilfen individuell auf der Grundlage des erzieherischen Bedarfs zu gewähren.
Nachdem bis 2017 der Schwerpunkt auf der primären Versorgung lag, liegt dieser zunehmend in der qualitativen Weiterentwicklung und Umgestaltung zu integrativen Angeboten sowie in der Begleitung junger Volljähriger in die Selbstständigkeit. Die Angebote und Kapazitäten ausschließlich für die Zielgruppe umA haben sich vor allem zwischen 2017 und 2018 deutlich verringert. Derzeit ist kein Angebot mit einer ausschließlichen Fokussierung auf diese Zielgruppe in Leipzig vorhanden. Der Umbau von Einrichtungen mit Schwerpunkt umA auf alle Zielgruppen der HzE ist abgeschlossen. Alle in Wohngruppen lebenden Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind integrativ untergebracht.
Eine Ausnahme bildet die Einrichtung „Am Mühlholz“ welche als zeitlich begrenztes Angebot im Rahmen der Inobhutnahme sowie der Unterbringung über Tag und Nacht schwerpunktmäßig Klienten mit Migrationshintergrund sowie umA betreut. Die Betreuung ist mit dem pädagogischen Auftrag des Clearings verbunden und dient somit der ersten Integration im Sozialraum. Nach erfolgreichem Abschluss des Clearingprozesses folgt die Überleitung der Klienten entweder in geeignete Einrichtungen der HzE, zur Herkunftsfamilie oder in die Verselbstständigung. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Auslastung der Inobhutnahmeeinrichtung „Am Mühlholz“ im Jahr 2019.
Tab. 4: Auslastung der Inobhutnahmeeinrichtung „Am Mühlholz“ in 2019
HzE (mA´s)
IST-Stand (Mittelwert)
Höchstauslastung = 29 (bei Schließung Haus 3 während der Sanierung)
Kröbelstraße, keine mA´s

References: § 42
 § 42
 § 34
 § 41
 § 34
 § 41
 § 33
 § 30
 § 31
 § 41
 § 35
 § 42
 § 42
 §27

§ 35

§ 41
 § 30

§ 41
 § 35

§ 41
 § 35
 § 34
 § 31