Source: http://www.hensche.de/Abfindung_Elternzeit_Teilzeit_EuGH_C-116/08_Meerts_u.html
Timestamp: 2019-11-18 09:51:17+00:00

Document:
EuGH, Urteil vom 22.10.2009, C-116/08 - Meerts - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 22.10.2009, C-116/08 - Meerts
Schlagworte: Elternzeit, Teilzeit, Elternzeit: Abfindung, Elternzeit: Teilzeit, Abfindung: Diskriminierung
Aktenzeichen: C-116/08
Vorinstanzen: Hof van Cassatie (Belgien), Entscheidung vom 25.02.2008
22. Ok­to­ber 2009(*)
„Richt­li­nie 96/34/EG - Von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub - Aus­le­gung von Pa­ra­graf 2, Nrn. 6 und 7 - El­tern­ur­laub auf Teil­zeit­ba­sis - Ent­las­sung des Ar­beit­neh­mers vor Be­en­di­gung des El­tern­ur­laubs oh­ne Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist – Be­rech­nung der Ab­fin­dung“
In der Rechts­sa­che C-116/08
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Hof van Cas­sa­tie (Bel­gi­en) mit Ent­schei­dung vom 25. Fe­bru­ar 2008, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 17. März 2008, in dem Ver­fah­ren
Chris­tel Meerts
Pro­ost NV
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten der Zwei­ten Kam­mer J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues in Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben des Präsi­den­ten der Drit­ten Kam­mer, der Rich­te­rin P. Lindh so­wie der Rich­ter A. Ro­sas, U. Lõhmus (Be­richt­er­stat­ter) und A. Ó Cao­imh,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 11. März 2009,
- von Frau Meerts, ver­tre­ten durch W. van Eeck­hout­te, ad­vo­caat bij het Hof van Cas­sa­tie,
- der Pro­ost NV, ver­tre­ten durch H. Gein­ger, ad­vo­caat bij het Hof van Cas­sa­tie,
- der bel­gi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch L. Van den Bro­eck und C. Po­chet als Be­vollmäch­tig­te,
- der grie­chi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch E.‑M. Ma­mou­na, O. Patso­pou­lou, I. Ba­ko­pou­los und M. Apes­sos als Be­vollmäch­tig­te,
- der französi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch G. de Ber­gues und B. Mess­mer als Be­vollmäch­tig­te,
- der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch M. van Beek als Be­vollmäch­tig­ten,
nach Anhörung der Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin in der Sit­zung vom 14. Mai 2009
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Pa­ra­graf 2 Nrn. 4 bis 7 der am 14. De­zem­ber 1995 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub, die im An­hang der Richt­li­nie 96/34/EG des Ra­tes vom 3. Ju­ni 1996 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub (ABl. L 145, S. 4) in der durch die Richt­li­nie 97/75/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 (ABl. 1998, L 10, S. 24) geänder­ten Fas­sung ent­hal­ten ist (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub).
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Meerts und ih­rem frühe­ren Ar­beit­ge­ber, der Pro­ost NV, die sich im Aus­gangs­ver­fah­ren we­gen der Ent­las­sung von Frau Meerts ge­genüber­ste­hen, die er­folg­te, während die­se im El­tern­ur­laub auf Teil­zeit­ba­sis war.
3 Mit der Richt­li­nie 96/34 soll die zwi­schen den eu­ropäischen So­zi­al­part­nern Uni­on der In­dus­trie- und Ar­beit­ge­ber­verbände Eu­ro­pas (UN­ICE), Eu­ropäischer Zen­tral­ver­band der öffent­li­chen Wirt­schaft (CEEP) und Eu­ropäischer Ge­werk­schafts­bund (EGB) ge­schlos­se­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub durch­geführt wer­den.
4 Nach Art. 2 die­ser Richt­li­nie wa­ren die Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, die er­for­der­lich sind, um der Richt­li­nie nach­zu­kom­men, je nach Mit­glied­staat bis spätes­tens 3. Ju­ni 1998 oder 15. De­zem­ber 1999 zu er­las­sen.
5 Im ers­ten Ab­satz der Präam­bel der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub heißt es:
„Die … Rah­men­ver­ein­ba­rung [über den El­tern­ur­laub] stellt ein En­ga­ge­ment von UN­ICE, CEEP und EGB im Hin­blick auf Min­dest­vor­schrif­ten für den El­tern­ur­laub … dar, weil sie dies als ein wich­ti­ges Mit­tel an­se­hen, Be­rufs- und Fa­mi­li­en­le­ben zu ver­ein­ba­ren und Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en zu fördern.“
6 Nr. 5 der All­ge­mei­nen Erwägun­gen die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung lau­tet:
„Die Ent­schließung des Ra­tes vom 6. De­zem­ber 1994 er­kennt an, dass ei­ne ef­fi­zi­en­te Chan­cen­gleich­heits­po­li­tik ei­ne glo­ba­le und in­te­grier­te Stra­te­gie ver­langt, die ei­ne bes­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on der Ar­beits­zeit so­wie ei­ne größere Fle­xi­bi­lität eben­so wie ei­ne leich­te­re Rück­kehr ins Be­rufs­le­ben ermöglicht; in der Ent­schließung wird die wich­ti­ge Rol­le berück­sich­tigt, die den So­zi­al­part­nern in die­sem Be­reich auch dann zu­kommt, wenn es dar­um geht, Männern und Frau­en ei­ne Ge­le­gen­heit zu bie­ten, ih­re be­ruf­li­che Ver­ant­wor­tung so­wie ih­re fa­mi­liären Ver­pflich­tun­gen mit­ein­an­der zu ver­ein­ba­ren.“
7 In Nr. 6 die­ser All­ge­mei­nen Erwägun­gen wird aus­geführt:
„Maßnah­men zur Ver­ein­bar­keit von Be­rufs- und Fa­mi­li­en­le­ben soll­ten die Einführung neu­er und fle­xi­bler Ar­ten der Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on und der Zeit­ein­tei­lung fördern, die den sich ändern­den Bedürf­nis­sen der Ge­sell­schaft bes­ser an­ge­passt sind und die so­wohl die Bedürf­nis­se der Un­ter­neh­men als auch die der Ar­beit­neh­mer berück­sich­ti­gen soll­ten.“
8 Pa­ra­graf 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub be­stimmt:
9 Die Richt­li­nie 96/34 wur­de in Be­zug auf die im Pri­vat­sek­tor Beschäftig­ten mit dem König­li­chen Er­lass vom 29. Ok­to­ber 1997 zur Einführung ei­nes Rechts auf El­tern­ur­laub im Rah­men der Lauf­bahn­un­ter­bre­chung (Bel­gi­sches Staats­blatt vom 7. No­vem­ber 1997, S. 29930) um­ge­setzt.
Nach Art. 2 § 1 die­ses König­li­chen Er­las­ses hat der Ar­beit­neh­mer, um für sein Kind zu sor­gen, An­spruch auf El­tern­ur­laub. Ihm ste­hen fol­gen­de Möglich­kei­ten of­fen:
- die Erfüllung sei­nes Ar­beits­ver­trags während ei­nes Zeit­raums von drei Mo­na­ten aus­zu­set­zen;
- sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen während ei­nes Zeit­raums von sechs Mo­na­ten teil­zei­tig in Form ei­ner Halb­zeit­beschäfti­gung fort­zu­set­zen, wenn er voll­zeit­beschäftigt ist;
- sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen während ei­nes Zeit­raums von fünf­zehn Mo­na­ten teil­zei­tig in Form ei­ner Re­du­zie­rung um ein Fünf­tel fort­zu­set­zen, wenn er voll­zeit­beschäftigt ist.
11 Der all­ge­mei­ne recht­li­che Rah­men für die Re­ge­lung über die Un­ter­bre­chung der be­ruf­li­chen Lauf­bahn ist in Ka­pi­tel IV Ab­schnitt 5 des Sa­nie­rungs­ge­set­zes vom 22. Ja­nu­ar 1985 zur Fest­le­gung so­zia­ler Be­stim­mun­gen (Bel­gi­sches Staats­blatt vom 24. Ja­nu­ar 1985, S. 699) in sei­ner geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Sa­nie­rungs­ge­setz) fest­ge­legt.
12 Wer als Ar­beit­neh­mer El­tern­ur­laub auf der Grund­la­ge des König­li­chen Er­las­ses vom 29. Ok­to­ber 1997 nimmt, kommt nach den Art. 100 und 102 des Sa­nie­rungs­ge­set­zes in den Ge­nuss ei­ner Un­ter­bre­chungs­zu­la­ge, die vom Lan­des­amt für Ar­beits­be­schaf­fung im Rah­men des König­li­chen Er­las­ses vom 2. Ja­nu­ar 1991 über die Be­wil­li­gung von Un­ter­bre­chungs­zu­la­gen (Bel­gi­sches Staats­blatt vom 12. Ja­nu­ar 1991, S. 691) ge­zahlt wird.
In Art. 101 des Sa­nie­rungs­ge­set­zes heißt es:
„Ist die Erfüllung des Ar­beits­ver­trags … aus­ge­setzt oder sind die Ar­beits­leis­tun­gen … re­du­ziert, darf der Ar­beit­ge­ber nichts un­ter­neh­men, was auf ei­ne ein­sei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­rich­tet ist, es sei denn, es liegt ein schwer­wie­gen­der Grund im Sin­ne von Art. 35 des Ge­set­zes vom 3. Ju­li 1978 über die Ar­beits­verträge [Bel­gi­sches Staats­blatt vom 22. Au­gust 1978, S. 9277, im Fol­gen­den: Ar­beits­ver­trags­ge­setz] oder ein hin­rei­chen­der Grund dafür vor.
Die­ses Ver­bot en­det drei Mo­na­te nach dem En­de der Aus­set­zung der Erfüllung des Ar­beits­ver­trags oder der Re­du­zie­rung der Ar­beits­leis­tun­gen.
Kündigt der Ar­beit­ge­ber un­ge­ach­tet der Be­stim­mun­gen des Ab­sat­zes 1 den Ar­beits­ver­trag oh­ne schwer­wie­gen­den oder hin­rei­chen­den Grund, so hat er dem Ar­beit­neh­mer un­be­scha­det der Entschädi­gun­gen, die die­sem im Fall der Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags zu­ste­hen, ei­ne pau­scha­le Entschädi­gung in Höhe von sechs Mo­nats­gehältern zu zah­len.
Art. 102 des Sa­nie­rungs­ge­set­zes be­stimmt:
„Dem Ar­beit­neh­mer, der mit sei­nem Ar­beit­ge­ber ei­ne Re­du­zie­rung sei­ner Ar­beits­leis­tun­gen um 1/5, 1/4, 1/3 oder 1/2 der nor­ma­len Ar­beits­stun­den­zahl bei Voll­zeit­beschäfti­gung ver­ein­bart oder die An­wen­dung ei­nes Ta­rif­ver­trags mit ei­ner ähn­li­chen Re­ge­lung be­an­tragt oder die Re­ge­lung des Art. 102bis für sich in An­spruch nimmt, wird ei­ne Entschädi­gung gewährt.
15 In Art. 103 die­ses Ge­set­zes heißt es:
„Bei ein­sei­ti­ger Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags durch den Ar­beit­ge­ber wird die Kündi­gungs­frist ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer, der sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen … re­du­ziert hat, so be­rech­net, als ob er sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen nicht re­du­ziert hätte. Die Dau­er die­ser Kündi­gungs­frist ist auch bei der Fest­set­zung der [Ent­las­sungs‑]Entschädi­gung im Sin­ne des Art. 39 des [Ar­beits­ver­trags­ge­set­zes] zu berück­sich­ti­gen.“
16 Die nicht im Sa­nie­rungs­ge­setz, im König­li­chen Er­lass vom 29. Ok­to­ber 1997 oder im König­li­chen Er­lass vom 2. Ja­nu­ar 1991 ge­re­gel­ten ar­beits­recht­li­chen Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit dem El­tern­ur­laub rich­ten sich wei­ter­hin nach dem all­ge­mei­nen Ar­beits­ver­trags­recht, ins­be­son­de­re nach dem Ar­beits­ver­trags­ge­setz.
17 Art. 39 § 1 die­ses Ge­set­zes lau­tet:
„Ist der Ver­trag auf un­be­stimm­te Zeit ab­ge­schlos­sen wor­den, ist die Par­tei, die den Ver­trag oh­ne schwer­wie­gen­den Grund oder oh­ne Ein­hal­tung der in den Ar­ti­keln 59, 82, 83, 84 und 115 fest­ge­leg­ten Kündi­gungs­frist kündigt, da­zu ver­pflich­tet, der an­de­ren Par­tei ei­ne Entschädi­gung in Höhe der lau­fen­den Ent­loh­nung zu zah­len, die ent­we­der der gan­zen oder der rest­li­chen Dau­er der Kündi­gungs­frist ent­spricht. Die Entschädi­gung stimmt je­doch im­mer mit dem Be­trag der lau­fen­den Ent­loh­nung, die der Dau­er der Kündi­gungs­frist ent­spricht, übe­rein, wenn die Kündi­gung vom Ar­beit­ge­ber und un­ter Miss­ach­tung der Be­stim­mun­gen von Ar­ti­kel 38 § 3 des vor­lie­gen­den Ge­set­zes oder von Ar­ti­kel 40 des Ge­set­zes vom 16. März 1971 über die Ar­beit aus­ge­spro­chen wird.
18 Nach Art. 82 § 4 des Ar­beits­ver­trags­ge­set­zes müssen die Kündi­gungs­fris­ten ent­spre­chend dem zu Be­ginn der Kündi­gungs­frist er­wor­be­nen Dienst­al­ter be­rech­net wer­den.
19 Den dem Ge­richts­hof vor­ge­leg­ten Ak­ten ist zu ent­neh­men, dass Frau Meerts seit Sep­tem­ber 1992 bei der Pro­ost NV auf der Grund­la­ge ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags voll­zeit­beschäftigt war. Ab No­vem­ber 1996 nahm sie ver­schie­de­ne For­men der Lauf­bahn­un­ter­bre­chung in An­spruch, und ab dem 18. No­vem­ber 2002 ar­bei­te­te sie auf­grund von El­tern­ur­laub, der bis zum 17. Mai 2003 dau­ern soll­te, auf Halb­zeit­ba­sis.
20 Am 8. Mai 2003 wur­de Frau Meerts mit so­for­ti­ger Wir­kung gekündigt, wo­bei ihr ei­ne Ent­las­sungs­entschädi­gung in Höhe von zehn Mo­nats­gehältern ge­zahlt wur­de, die auf der Grund­la­ge ih­res da­ma­li­gen, we­gen der ent­spre­chen­den Re­du­zie­rung ih­rer Ar­beits­leis­tun­gen um die Hälf­te nied­ri­ge­ren Ge­halts be­rech­net war.
21 Ge­gen die Höhe die­ser Ent­las­sungs­entschädi­gung er­hob sie Kla­ge bei der Ar­beids­recht­bank van Turn­hout (Ar­beits­ge­richt Turn­hout) und be­an­trag­te die Ver­ur­tei­lung der Pro­ost NV zur Zah­lung ei­ner Ent­las­sungs­entschädi­gung, die auf der Grund­la­ge des Voll­zeit­ge­halts zu be­rech­nen sei, das sie be­zo­gen hätte, wenn sie ih­re Ar­beits­leis­tun­gen nicht im Rah­men ih­res El­tern­ur­laubs re­du­ziert hätte.
22 Ih­re Kla­ge wur­de mit Ur­teil vom 22. No­vem­ber 2004 ab­ge­wie­sen. Auf Be­ru­fung bestätig­te der Ar­beids­hof te Ant­wer­pen (Ar­beits­ge­richts­hof Ant­wer­pen) die­ses Ur­teil. Mit ih­rer Kas­sa­ti­ons­be­schwer­de macht Frau Meerts gel­tend, so­wohl im ers­ten Rechts­zug als auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren hätten die Ge­rich­te das na­tio­na­le Recht aus­ge­legt, oh­ne die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 96/34 zu berück­sich­ti­gen.
23 Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Hof van Cas­sa­tie (Kas­sa­ti­ons­ge­richts­hof) das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
Sind die Be­stim­mun­gen von Pa­ra­graf 2 Nrn. 4, 5, 6 und 7 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub da­hin aus­zu­le­gen, dass sich bei ein­sei­ti­ger Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­ver­trags durch den Ar­beit­ge­ber oh­ne schwer­wie­gen­de Gründe oder oh­ne Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist zu ei­nem Zeit­punkt, zu dem der Ar­beit­neh­mer von ei­ner Re­ge­lung über die Verkürzung der Ar­beits­leis­tun­gen Ge­brauch macht, die dem Ar­beit­neh­mer ge­schul­de­te Kündi­gungs­entschädi­gung nach dem Grund­ge­halt be­misst, das so be­rech­net wird, als ob der Ar­beit­neh­mer nicht sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen als Form von El­tern­ur­laub im Sin­ne von Pa­ra­graf [2]? Nr. 3 Buchst. a die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung verkürzt hätte?
24 Die bel­gi­sche Re­gie­rung und die Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten führen aus, der Hof van Cas­sa­tie erläute­re in der Vor­la­ge­ent­schei­dung nicht, war­um er ei­ne Ant­wort des Ge­richts­hofs als für die Ent­schei­dung des Aus­gangs­rechts­streits er­for­der­lich an­se­he. Nach An­sicht der Kom­mis­si­on genügt die­se Vor­la­ge­ent­schei­dung, da das vor­le­gen­de Ge­richt die Be­schwer­de­gründe und Rügen der Kas­sa­ti­ons­be­schwer­de nur sum­ma­risch an­ge­be und sich da­mit be­gnüge, das Be­ru­fungs­ur­teil aus­zugs­wei­se zu zi­tie­ren, nicht den An­for­de­run­gen an die Zulässig­keit ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens, wie sie in der Recht­spre­chung her­aus­ge­ar­bei­tet wor­den sei­en.
25 Nach ständi­ger Recht­spre­chung ist es al­lein Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, das mit dem Rechts­streit be­fasst ist und in des­sen Ver­ant­wor­tungs­be­reich die zu er­las­sen­de ge­richt­li­che Ent­schei­dung fällt, im Hin­blick auf die Be­son­der­hei­ten der Rechts­sa­che so­wohl die Er­for­der­lich­keit ei­ner Vor­ab­ent­schei­dung für den Er­lass sei­nes Ur­teils als auch die Er­heb­lich­keit der dem Ge­richts­hof von ihm vor­ge­leg­ten Fra­gen zu be­ur­tei­len (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 15. De­zem­ber 1995, Bos­man, C-415/93, Slg. 1995, I-4921, Rand­nr. 59, und vom 15. Ju­ni 2006, Ace­re­da Her­re­ra, C-466/04, Slg. 2006, I-5341, Rand­nr. 47).
26 Un­ge­ach­tet des­sen kann der Ge­richts­hof nicht über ei­ne zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­leg­te Fra­ge be­fin­den, wenn of­fen­sicht­lich ist, dass die vom na­tio­na­len Ge­richt er­be­te­ne Aus­le­gung ei­ner Ge­mein­schafts­vor­schrift in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Rea­lität oder dem Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits steht, wenn das Pro­blem hy­po­the­ti­scher Na­tur ist oder wenn er nicht über die tatsächli­chen oder recht­li­chen An­ga­ben verfügt, die für ei­ne zweck­dien­li­che Be­ant­wor­tung der Fra­ge er­for­der­lich sind (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­tei­le Bos­man, Rand­nr. 61, und Ace­re­da Her­re­ra, Rand­nr. 48, so­wie vom 5. De­zem­ber 2006, Ci­pol­la u. a., C‑94/04 und C‑202/04, Slg. 2006, I‑11421, Rand­nr. 25).
27 Die Vor­la­ge­ent­schei­dung muss in­so­weit die ge­nau­en Gründe an­ge­ben, aus de­nen dem na­tio­na­len Ge­richt die Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts frag­lich und die Vor­la­ge von Vor­ab­ent­schei­dungs­fra­gen an den Ge­richts­hof er­for­der­lich er­scheint. In die­sem Zu­sam­men­hang ist es un­erläss­lich, dass das na­tio­na­le Ge­richt ein Min­dest­maß an Erläute­run­gen zu den Gründen für die Wahl der Ge­mein­schafts­be­stim­mun­gen, um de­ren Aus­le­gung es er­sucht, und zu dem Zu­sam­men­hang gibt, den es zwi­schen die­sen Be­stim­mun­gen und den auf den Aus­gangs­rechts­streit an­zu­wen­den­den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten her­stellt (vgl. u. a. Be­schluss vom 7. April 1995, Grau Go­mis u. a., C-167/94, Slg. 1995, I-1023, Rand­nr. 9; Ur­tei­le vom 6. De­zem­ber 2005, AB­NA u. a., C-453/03, C-11/04, C-12/04 und C-194/04, Slg. 2005, I-10423, Rand­nr. 46, und vom 31. Ja­nu­ar 2008, Cen­tro Eu­ro­pa 7, C-380/05, Slg. 2008, I-349, Rand­nr. 54).
28 Im vor­lie­gen­den Fall verfügt der Ge­richts­hof aber über aus­rei­chen­de An­halts­punk­te, um dem vor­le­gen­den Ge­richt ei­ne sach­dien­li­che Ant­wort zu ge­ben.
29 Zum ei­nen wer­den nämlich in der Vor­la­ge­ent­schei­dung der Sach­ver­halt, der dem Aus­gangs­rechts­streit zu­grun­de liegt, und das ein­schlägi­ge na­tio­na­le Recht kurz, aber präzi­se dar­ge­stellt. Die­ser Dar­stel­lung ist zu ent­neh­men, dass der Rechts­streit dar­auf zurück­geht, dass die Pro­ost NV den mit Frau Meerts ge­schlos­se­nen Voll­zeit­ar­beits­ver­trag oh­ne Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist während ei­nes auf Halb­zeit­ba­sis ge­nom­me­nen El­tern­ur­laubs der Be­trof­fe­nen ein­sei­tig be­en­de­te. Ge­gen­stand des Rechts­streits ist die Frau Meerts in­so­weit zu­ste­hen­de Entschädi­gung, die vom Ar­beit­ge­ber auf der Grund­la­ge des we­gen des El­tern­ur­laubs re­du­zier­ten Ge­halts der Be­trof­fe­nen und nicht auf der Grund­la­ge des ei­ner Voll­zeit­ar­beit ent­spre­chen­den Ge­halts fest­ge­setzt wur­de.
30 Zum an­de­ren wer­den in der Vor­la­ge­ent­schei­dung die Ge­mein­schafts­be­stim­mun­gen ge­nannt, um de­ren Aus­le­gung das vor­le­gen­de Ge­richt er­sucht, und der Zu­sam­men­hang zwi­schen die­sen Be­stim­mun­gen und den im Aus­gangs­rechts­streit an­wend­ba­ren na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten erläutert.
31 Un­ter die­sen Umständen ist dem von der bel­gi­schen Re­gie­rung und der Kom­mis­si­on er­ho­be­nen Ein­wand nicht zu fol­gen, so dass das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen zulässig ist.
32 Ein­gangs ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das vor­le­gen­de Ge­richt mit der Vor­la­ge­fra­ge um die Aus­le­gung von Pa­ra­graf 2 Nrn. 4 bis 7 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub im Rah­men ei­nes Rechts­streits er­sucht, in dem es um die Be­rech­nung der Ent­las­sungs­entschädi­gung geht, die we­gen der Nicht­ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist durch den Ar­beit­ge­ber ge­schul­det wird.
33 Aus dem Wort­laut die­ses Pa­ra­gra­fen er­gibt sich je­doch, dass nach Nr. 4 die Ar­beit­neh­mer vor Ent­las­sun­gen geschützt wer­den sol­len, die auf ei­nem An­trag auf El­tern­ur­laub oder auf der In­an­spruch­nah­me des El­tern­ur­laubs be­ru­hen, und nach Nr. 5 dem Ar­beit­neh­mer das Recht zu­er­kannt wird, im An­schluss an sei­nen El­tern­ur­laub an sei­nen Ar­beits­platz zurück­zu­keh­ren oder ei­ne ähn­li­che oder gleich­wer­ti­ge Ar­beit zu­ge­wie­sen zu be­kom­men.
34 Dar­aus folgt, dass das vor­le­gen­de Ge­richt mit sei­ner Fra­ge im We­sent­li­chen wis­sen möch­te, ob Pa­ra­graf 2 Nrn. 6 und 7 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er im Fall der ein­sei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags ei­nes un­be­fris­tet und in Voll­zeit an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers durch den Ar­beit­ge­ber oh­ne schwer­wie­gen­den Grund oder oh­ne Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist während ei­nes auf Halb­zeit­ba­sis ge­nom­me­nen El­tern­ur­laubs des Ar­beit­neh­mers ei­ner Be­rech­nung der die­sem zu zah­len­den Entschädi­gung auf der Grund­la­ge sei­nes zum Zeit­punkt der Kündi­gung re­du­zier­ten Ge­halts ent­ge­gen­steht.
35 Wie sich aus dem ers­ten Ab­satz der Präam­bel der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub und aus Nr. 5 der All­ge­mei­nen Erwägun­gen die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung er­gibt, stellt die­se ein En­ga­ge­ment der eu­ropäischen So­zi­al­part­ner UN­ICE, CEEP und EGB im Hin­blick auf Maßnah­men im We­ge von Min­dest­vor­schrif­ten dar, um die Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en zu fördern, in­dem ih­nen Ge­le­gen­heit ge­bo­ten wird, ih­re be­ruf­li­che Ver­ant­wor­tung und ih­re fa­mi­liären Ver­pflich­tun­gen mit­ein­an­der zu ver­ein­ba­ren.
36 Aus Nr. 6 der All­ge­mei­nen Erwägun­gen die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung geht auch her­vor, dass die Maßnah­men zur Ver­ein­bar­keit von Be­rufs- und Fa­mi­li­en­le­ben die Einführung neu­er und fle­xi­bler Ar­ten der Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on und der Zeit­ein­tei­lung in den Mit­glied­staa­ten fördern soll­ten, die den sich ändern­den Bedürf­nis­sen der Ge­sell­schaft un­ter Berück­sich­ti­gung der Bedürf­nis­se so­wohl der Un­ter­neh­men als auch der Ar­beit­neh­mer bes­ser an­ge­passt sind.
37 Die Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub ist an den grund­le­gen­den Zie­len aus­ge­rich­tet, die in der die Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en be­tref­fen­den Nr. 16 der Ge­mein­schafts­char­ta der so­zia­len Grund­rech­te der Ar­beit­neh­mer, auf die in der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­wie­sen und die auch in Art. 136 EG erwähnt wird, fest­ge­schrie­ben sind und im Zu­sam­men­hang mit der Ver­bes­se­rung der Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen so­wie dem Vor­han­den­sein ei­nes an­ge­mes­se­nen so­zia­len Schut­zes der Ar­beit­neh­mer ste­hen, hier der­je­ni­gen, die El­tern­ur­laub be­an­tragt oder ge­nom­men ha­ben.
38 In die­ser Per­spek­ti­ve be­stimmt Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub, dass die Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, bis zum En­de des El­tern­ur­laubs be­ste­hen blei­ben.
39 So­wohl aus dem Wort­laut die­ses Pa­ra­gra­fen 2 Nr. 6 als auch aus dem Kon­text, in den er sich einfügt, er­gibt sich, dass der Zweck die­ser Be­stim­mung dar­in be­steht, zu ver­hin­dern, dass aus dem Ar­beits­verhält­nis ab­ge­lei­te­te Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer er­wor­ben hat oder da­bei ist zu er­wer­ben und über die er zum Zeit­punkt des An­tritts ei­nes El­tern­ur­laubs verfügt, ver­lo­ren ge­hen oder verkürzt wer­den, und zu gewähr­leis­ten, dass sich der Ar­beit­neh­mer im An­schluss an den El­tern­ur­laub im Hin­blick auf die­se Rech­te in der­sel­ben Si­tua­ti­on be­fin­det wie vor die­sem Ur­laub (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 16. Ju­li 2009, Gómez-Limón Sánchez-Ca­ma­cho, C-537/07, Slg. 2009, I-0000, Rand­nr. 39).
40 Die Wen­dung „Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer … er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben“ in Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub wird zwar in die­ser nicht de­fi­niert und Letz­te­re ver­weist dafür auch nicht auf das Recht der Mit­glied­staa­ten.
41 Aus den Er­for­der­nis­sen so­wohl der ein­heit­li­chen An­wen­dung des Ge­mein­schafts­rechts als auch des Gleich­heits­grund­sat­zes er­gibt sich je­doch, dass die Be­grif­fe ei­ner Vor­schrift des Ge­mein­schafts­rechts, die für die Er­mitt­lung ih­res Sinns und ih­rer Be­deu­tung nicht aus­drück­lich auf das Recht der Mit­glied­staa­ten ver­weist, in der Re­gel in der ge­sam­ten Eu­ropäischen Ge­mein­schaft ei­ne au­to­no­me und ein­heit­li­che Aus­le­gung er­hal­ten müssen, die un­ter Berück­sich­ti­gung des Zu­sam­men­hangs der Vor­schrift und des mit der be­tref­fen­den Re­ge­lung ver­folg­ten Ziels ge­fun­den wer­den muss (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 18. Ja­nu­ar 1984, Ekro, 327/82, Slg. 1984, 107, Rand­nr. 11, vom 9. März 2006, Kom­mis­si­on/Spa­ni­en, C-323/03, Slg. 2006, I-2161, Rand­nr. 32, und vom 11. Ju­li 2006, Chacón Na­vas, C-13/05, Slg. 2006, I-6467, Rand­nr. 40).
42 In An­be­tracht des mit der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub ver­folg­ten Ziels der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en, wie es oben in Rand­nr. 35 in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wor­den ist, muss Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung als Aus­druck ei­nes Grund­sat­zes des So­zi­al­rechts der Ge­mein­schaft ver­stan­den wer­den, dem be­son­de­re Be­deu­tung zu­kommt und der des­halb nicht re­strik­tiv aus­ge­legt wer­den darf (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le vom 26. Ju­ni 2001, BEC­TU, C-173/99, Slg. 2001, I-4881, Rand­nr. 43, vom 13. Sep­tem­ber 2007, Del Cer­ro Alon­so, C-307/05, Slg. 2007, I-7109, Rand­nr. 38, vom 15. April 2008, Im­pact, C-268/06, Slg. 2008, I‑2483, Rand­nr. 114, und vom 20. Ja­nu­ar 2009, Schultz-Hoff, C-350/06 und C-520/06, Slg. 2009, I-0000, Rand­nr. 22).
43 Aus den Zie­len der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub (sie­he oben, Rand­nrn. 35 bis 37) er­gibt sich, dass die Wen­dung „Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer … er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung al­le un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar aus dem Ar­beits­verhält­nis ab­ge­lei­te­ten Rech­te und Vor­tei­le hin­sicht­lich Bar- oder Sach­leis­tun­gen er­fasst, auf die der Ar­beit­neh­mer bei An­tritt des El­tern­ur­laubs ei­nen An­spruch ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber hat.
44 Zu die­sen Rech­ten und Vor­tei­len gehören die­je­ni­gen, die mit den Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen zu­sam­menhängen, wie das Recht ei­nes Voll­zeit­beschäftig­ten, der El­tern­ur­laub auf Teil­zeit­ba­sis ge­nom­men hat, dar­auf, dass bei ein­sei­ti­ger Be­en­di­gung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags durch den Ar­beit­ge­ber ei­ne Kündi­gungs­frist gilt, de­ren Länge sich nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit des Ar­beit­neh­mers be­misst und de­ren Ziel es ist, die Su­che nach ei­nem neu­en Ar­beits­platz zu er­leich­tern.
45 Pa­ra­graf 2 Nr. 7 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub ver­weist auf die Mit­glied­staa­ten und/oder die So­zi­al­part­ner, wenn es dar­um geht, den Sta­tus des Ar­beits­ver­trags oder Ar­beits­verhält­nis­ses für den Zeit­raum des El­tern­ur­laubs zu be­stim­men, wo­zu auch gehört, in wel­chem Maß der Ar­beit­neh­mer während die­ses Zeit­raums wei­ter Ansprüche ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber er­wer­ben kann. Bei te­leo­lo­gi­scher und sys­te­ma­ti­scher Aus­le­gung ist die­ser Ver­weis so zu ver­ste­hen, dass er Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung un­berührt lässt, nach dem „die Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, bis zum En­de des El­tern­ur­laubs be­ste­hen blei­ben“.
46 Die­se Ge­samt­heit von Rech­ten und Vor­tei­len wäre nicht gewähr­leis­tet, wenn im Fall der Nicht­ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist bei ei­ner Kündi­gung während ei­nes El­tern­ur­laubs auf Teil­zeit­ba­sis ein auf Voll­zeit­ba­sis an­ge­stell­ter Ar­beit­neh­mer den An­spruch dar­auf verlöre, dass die ihm zu­ste­hen­de Ent­las­sungs­entschädi­gung auf der Grund­la­ge sei­nes ar­beits­ver­trag­li­chen Ge­halts be­stimmt wird.
47 Wie die Ge­ne­ral­anwältin in den Nrn. 54 und 55 ih­rer Schluss­anträge ausführt, könn­te ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die im Fall ei­nes El­tern­ur­laubs zu ei­ner Her­ab­set­zung der sich aus dem Ar­beits­verhält­nis er­ge­ben­den Rech­te führ­te, den Ar­beit­neh­mer da­von ab­hal­ten, El­tern­ur­laub zu neh­men, und den Ar­beit­ge­ber da­zu an­hal­ten, be­vor­zugt die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer zu ent­las­sen, die sich im El­tern­ur­laub be­fin­den. Das lie­fe un­mit­tel­bar dem Zweck der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub zu­wi­der, zu de­ren Zie­len ei­ne bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­li­en­le­ben und Be­rufs­le­ben gehört.
48 In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat die bel­gi­sche Re­gie­rung aus­geführt, dass ih­res Er­ach­tens nach dem an­wend­ba­ren na­tio­na­len Recht bei ei­ner frist­lo­sen Ent­las­sung ei­nes auf Voll­zeit­ba­sis an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers, der El­tern­ur­laub auf Voll­zeit­ba­sis mit ei­ner zulässi­gen Höchst­dau­er von drei Mo­na­ten ge­nom­men ha­be, die Entschädi­gung des Ar­beit­neh­mers auf der Grund­la­ge sei­nes ver­trag­li­chen Ge­halts er­mit­telt wer­de, während bei der Ent­las­sung ei­nes eben­falls auf Voll­zeit­ba­sis an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers, der aber El­tern­ur­laub auf Halb­zeit­ba­sis, ganz gleich ob im Um­fang der Hälf­te oder ei­nes Fünf­tels der Re­gel­ar­beits­zeit, ge­nom­men ha­be, das während des El­tern­ur­laubs be­zo­ge­ne Ge­halt her­an­ge­zo­gen wer­den müsse, da sich der Voll­zeit­ar­beits­ver­trag während die­ses Ur­laubs in ei­nen Teil­zeit­ar­beits­ver­trag um­wand­le.
49 Die bel­gi­sche Re­gie­rung recht­fer­tigt dies da­mit, dass es zu ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung käme, wenn zwei auf Voll­zeit­ba­sis an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mern, von de­nen der ei­ne von ei­nem El­tern­ur­laub auf Teil­zeit­ba­sis pro­fi­tie­re und der an­de­re in Voll­zeit ar­bei­te, im Fall der Ent­las­sung ei­ne gleich­wer­ti­ge Entschädi­gung zustünde, weil zwei un­ter­schied­li­che Sach­ver­hal­te gleich be­han­delt würden.
50 Dem kann nicht ge­folgt wer­den.
51 Zwar er­bringt ein mit ei­nem Voll­zeit­ar­beits­ver­trag an­ge­stell­ter Ar­beit­neh­mer während ei­nes El­tern­ur­laubs auf Halb­zeit­ba­sis nicht die­sel­be Zahl an Ar­beits­stun­den wie ein Ar­beit­neh­mer, der in Voll­zeit ar­bei­tet. Das be­deu­tet je­doch nicht, dass sich bei­de in Be­zug auf den ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­trag, durch den sie mit ih­rem Ar­beit­ge­ber ver­bun­den sind, in ei­ner un­ter­schied­li­chen Si­tua­ti­on be­fin­den.
52 Nach ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der­je­ni­gen, die im Aus­gangs­ver­fah­ren gilt, läuft nämlich während ei­nes auf Halb­zeit­ba­sis ge­nom­me­nen El­tern­ur­laubs des auf Voll­zeit­ba­sis an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers sei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit wei­ter, de­ren Dau­er bei der Be­rech­nung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist berück­sich­tigt wird, als ob er sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen nicht re­du­ziert hätte.
53 Außer­dem trägt das Vor­brin­gen der bel­gi­schen Re­gie­rung nicht dem Um­stand Rech­nung, dass der Voll­zeit­an­ge­stell­te während des El­tern­ur­laubs auf Halb­zeit­ba­sis ne­ben dem Ge­halt für sei­ne wei­ter­hin er­brach­ten Ar­beits­leis­tun­gen ei­ne Pau­schal­zu­la­ge vom Lan­des­amt für Ar­beits­be­schaf­fung be­zieht, mit der die Ge­halts­min­de­rung aus­ge­gli­chen wer­den soll.
54 Außer­dem ist der Zeit­raum, während des­sen ein auf Voll­zeit­ba­sis an­ge­stell­ter und in ei­nem El­tern­ur­laub auf Halb­zeit­ba­sis be­find­li­cher Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beit in die­ser Wei­se ver­rich­tet, zeit­lich be­grenzt.
55 Sch­ließlich beträfe die ein­sei­ti­ge Be­en­di­gung durch den Ar­beit­ge­ber in bei­den von der bel­gi­schen Re­gie­rung mit­ein­an­der ver­gli­che­nen Fällen ei­nen Voll­zeit­ar­beits­ver­trag.
56 Nach al­le­dem ist Pa­ra­graf 2 Nrn. 6 und 7 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub da­hin aus­zu­le­gen, dass er im Fall der ein­sei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags ei­nes un­be­fris­tet und in Voll­zeit an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers durch den Ar­beit­ge­ber oh­ne schwer­wie­gen­den Grund oder oh­ne Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist während ei­nes auf Halb­zeit­ba­sis ge­nom­me­nen El­tern­ur­laubs des Ar­beit­neh­mers ei­ner Be­rech­nung der die­sem zu zah­len­den Entschädi­gung auf der Grund­la­ge sei­nes zum Zeit­punkt der Kündi­gung re­du­zier­ten Ge­halts ent­ge­gen­steht.
Pa­ra­graf 2 Nrn. 6 und 7 der am 14. De­zem­ber 1995 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub, die im An­hang der Richt­li­nie 96/34/EG des Ra­tes vom 3. Ju­ni 1996 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub in der durch die Richt­li­nie 97/75/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 geänder­ten Fas­sung ent­hal­ten ist, ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er im Fall der ein­sei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags ei­nes un­be­fris­tet und in Voll­zeit an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers durch den Ar­beit­ge­ber oh­ne schwer­wie­gen­den Grund oder oh­ne Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist während ei­nes auf Halb­zeit­ba­sis ge­nom­me­nen El­tern­ur­laubs des Ar­beit­neh­mers ei­ner Be­rech­nung der die­sem zu zah­len­den Entschädi­gung auf der Grund­la­ge sei­nes zum Zeit­punkt der Kündi­gung re­du­zier­ten Ge­halts ent­ge­gen­steht.
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References: Art. 234
 Art. 2
 Art. 2
 § 1
 Art. 100
 Art. 101
 Art. 35

Art. 102
 Art. 102
 Art. 103
 Art. 39
 Art. 39
 § 1
 § 3
 Art. 82
 § 4
 Art. 136