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Timestamp: 2019-10-17 05:34:31+00:00

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Der selb­stän­di­ge Eltern­teil und die Fami­li­en­ver­si­che­rung des Kin­des | Rechtslupe
Der selbständige Elternteil und die Familienversicherung des Kindes
Der selb­stän­di­ge Eltern­teil und die Fami­li­en­ver­si­che­rung des Kin­des
Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he blieb jetzt erneut eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen den Aus­schluss der Mit­ver­si­che­rung von Kin­dern in der Fami­li­en­ver­si­che­rung ohne Erfolg.
Wor­um geht es? § 10 Abs. 3 SGB V schließt Kin­der mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ter Eltern von der bei­trags­frei­en Fami­li­en­ver­si­che­rung aus, wenn das Gesamt­ein­kom­men des Eltern­teils, der nicht Mit­glied einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se ist, höher ist als das des Mit­glieds und bestimm­te, im Gesetz fest­ge­leg­te Ein­kom­mens­gren­zen über­steigt. Durch die Rege­lung wer­den ver­hei­ra­te­te Eltern­tei­le bei Vor­lie­gen der ein­kom­mens­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen gegen­über unver­hei­ra­te­ten Eltern­tei­len schlech­ter gestellt, da bei ihnen ein sol­cher Aus­schluss nicht erfolgt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits mit Urteil vom 12. Febru­ar 2003 1 ent­schie­den, dass die Aus­schluss­re­ge­lung mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.
Die Beschwer­de­füh­re­rin zu 1) ist in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung pflicht­ver­si­chert und mit einem selb­stän­di­gen Rechts­an­walt ver­hei­ra­tet, der wie die vier gemein­sa­men Kin­der, die Beschwer­de­füh­rer zu 2) bis 5), pri­vat­ver­si­chert ist. Die Beschwer­de­füh­rer begehr­ten die Fest­stel­lung, dass die Kin­der im Wege der Fami­li­en­ver­si­che­rung bei­trags­frei in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung über ihre Mut­ter mit­ver­si­chert sei­en. Ihre gegen die Ableh­nung der Kran­ken­kas­se erho­be­ne Kla­ge blieb vor den Sozi­al­ge­rich­ten ohne Erfolg.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, weil es sie für unbe­grün­det erach­tet. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hält damit an sei­ner Recht­spre­chung im Urteil vom 12. Febru­ar 2003 fest, dass die Ungleich­be­hand­lung ver­hei­ra­te­ter Eltern­tei­le gegen­über unver­hei­ra­te­ten Eltern­tei­len im Hin­blick auf die Fami­li­en­ver­si­che­rung nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) in Ver­bin­dung mit dem Grund­recht auf Ehe und Fami­lie (Art. 6 Abs. 1 GG) ver­stößt. Die Ungleich­be­hand­lung von Ehen und ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaf­ten mit Kind fin­det hier ihre Recht­fer­ti­gung nach wie vor in der Befug­nis des Gesetz­ge­bers, typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen zu tref­fen.
Eine Aus­schluss­re­ge­lung, die sich in glei­cher Ver­si­che­rungs- und Ein­kom­mens­kon­stel­la­ti­on auch auf Part­ner einer ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaft erstreck­te, wäre für die Kran­ken­kas­se nicht hand­hab­bar. Für sie wür­de es eine fak­tisch nicht zu leis­ten­de Auf­ga­be dar­stel­len, kon­ti­nu­ier­lich zu prü­fen, ob eine sol­che Lebens­ge­mein­schaft besteht, immer noch oder wie­der besteht. Dem­ge­gen­über ist die Ehe ein recht­lich klar defi­nier­ter und leicht nach­weis­ba­rer Tat­be­stand. Die punk­tu­el­le gesetz­li­che Benach­tei­li­gung der ver­hei­ra­te­ten Eltern­tei­le durch Aus­schluss der Kin­der von der Fami­li­en­ver­si­che­rung bei Vor­lie­gen der ein­kom­mens­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen ist hin­zu­neh­men, weil sie – wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 12. Febru­ar 2003 fest­ge­stellt hat – bei einer Gesamt­be­trach­tung der gesetz­li­chen Rege­lung nicht schlech­ter gestellt sind als Part­ner einer ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaft.
Wäh­rend der Ehe­part­ner, der Mit­glied der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist, dem ande­ren Ehe­part­ner, der nicht selbst Mit­glied in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist, bei­trags­frei­en Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­mit­teln kann, ist eine sol­che Mög­lich­keit den Part­nern einer ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaft nicht eröff­net. Zwar kommt die­ser Vor­teil nicht den ober­halb der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze gut­ver­die­nen­den Ehe­gat­ten zugu­te. Für die­se Grup­pe wird der Aus­schluss der Fami­li­en­ver­si­che­rung der Kin­der jedoch über die ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Berück­sich­ti­gung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen der Kin­der hin­rei­chend aus­ge­gli­chen, um die Ungleich­be­hand­lung zu recht­fer­ti­gen.
An die­ser ver­fas­sungs­recht­li­chen Beur­tei­lung hat sich durch das am 1. April 2007 in Kraft getre­te­ne Gesetz zur Stär­kung des Wett­be­werbs in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nichts geän­dert. Dadurch wird der Bund ver­pflich­tet, den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen als Abgel­tung für ver­si­che­rungs­frem­de Leis­tun­gen Zuschüs­se zu gewäh­ren. Aller­dings wird der Bun­des­zu­schuss nicht gezielt zur Finan­zie­rung der Fami­li­en­ver­si­che­rung ver­wen­det, son­dern fließt in den all­ge­mei­nen Haus­halt der Kran­ken­kas­sen und führt daher im Ergeb­nis zu einer alle Bei­trags­zah­ler der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen gleich­mä­ßig begüns­ti­gen­den Ermä­ßi­gung.
Bei § 10 Abs. 3 SGB V han­delt es sich um einen Aus­schluss­tat­be­stand von der fami­li­en­po­li­ti­schen Leis­tung der bei­trags­frei­en Fami­li­en­ver­si­che­rung von Kin­dern bis zu den in § 10 Abs. 2 SGB V gere­gel­ten Alters­gren­zen 2. Die Rege­lung stellt, soweit ihre Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, Mit­glie­der der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, die mit dem ande­ren Eltern­teil der gemein­sa­men Kin­der ver­hei­ra­tet sind, durch Aus­schluss der Kin­der von der Fami­li­en­ver­si­che­rung bei Vor­lie­gen der ein­kom­mens­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 3 SGB V schlech­ter als unver­hei­ra­te­te Mit­glie­der, bei denen ein sol­cher Aus­schluss nicht erfolgt. Über­steigt in einer ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaft das Gesamt­ein­kom­men des Eltern­teils, das nicht Mit­glied der Kran­ken­kas­se ist, die Ein­kom­mens­gren­ze des § 10 Abs. 3 SGB V, so steht dies – im Unter­schied zu ver­hei­ra­te­ten Eltern – einer Mit­ver­si­che­rung des Kin­des beim gesetz­lich ver­si­cher­ten Eltern­teil nicht ent­ge­gen 3.
Nach Auf­fas­sung der Beschwer­de­füh­rer ver­stößt die in § 10 Abs. 3 SGB V gere­gel­te Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­cher­ten Kin­dern gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­prin­zip, weil sich aus der Geset­zes­be­grün­dung des GKV-WSG erge­be, dass die Mit­tel des Bun­des zur antei­li­gen Finan­zie­rung der nach § 10 SGB V bei­trags­frei­en Mit­ver­si­che­rung von Kin­dern ver­wandt wer­den soll­ten. Der Bun­des­zu­schuss decke die Kos­ten der Fami­li­en­ver­si­che­rung nun­mehr fast voll­stän­dig ab.
Durch § 221 Abs. 1 SGB V wird der Bund ver­pflich­tet, den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen als Abgel­tung für ver­si­che­rungs­frem­de Leis­tun­gen die im Gesetz genann­ten Geld­leis­tun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Eine Ver­wen­dung des Gel­des für spe­zi­el­le Per­so­nen­grup­pen oder beson­de­re Zwe­cke sieht das Gesetz nicht vor; es fließt in den all­ge­mei­nen Haus­halt der Kran­ken­kas­sen. Die Geld­leis­tun­gen des Bun­des füh­ren des­halb – unge­ach­tet einer Geset­zes­be­grün­dung, die von „dem Ein­stieg in eine teil­wei­se Finan­zie­rung von gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Auf­ga­ben (bei­trags­freie Mit­ver­si­che­rung von Kin­dern) aus dem Bun­des­haus­halt“ spricht 4, im Ergeb­nis zu einer alle Bei­trags­zah­ler der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen gleich­mä­ßig begüns­ti­gen­den Ermä­ßi­gung der Bei­trags­sät­ze (§§ 241 ff. SGB V) 5. Es trifft also nicht zu, dass der Bun­des­zu­schuss gezielt zur Finan­zie­rung der Fami­li­en­ver­si­che­rung ver­wen­det wür­de. Rich­tig ist nur, dass über der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze ver­die­nen­de Per­so­nen wie hier der Ehe­mann als Steu­er­zah­ler zur Finan­zie­rung die­ses Bun­des­zu­schus­ses bei­tra­gen, obwohl sie als Pri­vat­ver­si­cher­te selbst kei­ne Vor­tei­le aus der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung haben. Aus dem eige­nen Steu­er­bei­trag folgt aber grund­sätz­lich kein Anspruch auf Teil­ha­be an vom Gesetz­ge­ber gewähr­ten fami­li­en­po­li­ti­schen Leis­tun­gen wie der Fami­li­en­ver­si­che­rung der Kin­der nach § 10 SGB V.
Eine Ände­rung der Rechts­la­ge ergibt sich auch nicht aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 13. Febru­ar 2008 6 zur ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Berück­sich­ti­gung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen der Kin­der 7. Dort wird fest­ge­stellt, dass es dem Gesetz­ge­ber ver­wehrt sei, die von ihm durch das sozi­al­hil­fe­recht­lich garan­tier­te Ver­sor­gungs­ni­veau selbst sta­tu­ier­te Sach­ge­setz­lich­keit dadurch zu durch­bre­chen, dass er bei der Berück­sich­ti­gung ent­spre­chen­der Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge der Steu­er­pflich­ti­gen Gren­zen zie­he, die durch ver­nünf­ti­ge Typi­sie­rungs­er­wä­gun­gen nicht mehr zu begrün­den sei­en. Dabei sei zu beach­ten, dass typi­sie­ren­de Rege­lun­gen im Bereich des Exis­tenz­mi­ni­mums in mög­lichst allen Fäl­len den ent­spre­chen­den Bedarf abdeck­ten 8. Die­se Gren­zen sei­en hin­sicht­lich der Bei­trä­ge zur pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung der Kin­der offen­sicht­lich über­schrit­ten, wenn unter Beru­fung auf die Bei­trags­frei­heit von ca. 90 % aller Kin­der auf­grund der Fami­li­en­ver­si­che­rung nach § 10 SGB V alle pri­vat kran­ken­ver­si­cher­ten Kin­der voll­stän­dig „hin­weg­ty­pi­siert“ wer­den 9.
Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­langt daher die ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Berück­sich­ti­gung der Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge für die ca. 10% pri­vat ver­si­cher­ten Kin­der, trifft aber kei­ne Aus­sa­ge dazu, ob Kin­der auch dann im Sys­tem der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung bei­trags­frei ver­si­chert wer­den müs­sen, wenn ein Eltern­teil mit einem Ver­dienst ober­halb der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze, der das Ein­kom­men des pflicht­ver­si­cher­ten Ehe­gat­ten über­schrei­tet, nicht pflicht­ver­si­chert ist. Im Gegen­teil setzt die Ent­schei­dung gera­de vor­aus, dass es Kin­der gibt, die pri­vat und damit für die Eltern nicht bei­trags­frei ver­si­chert sind.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hält an sei­ner Recht­spre­chung fest, dass ver­hei­ra­te­te Eltern­tei­le durch Aus­schluss der Kin­der von der Fami­li­en­ver­si­che­rung bei Vor­lie­gen der ein­kom­mens­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 3 SGB V gegen­über unver­hei­ra­te­ten Eltern­tei­len zwar schlech­ter gestellt wer­den, die­se Ungleich­be­hand­lung aber nicht gegen Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 6 Abs. 1 GG ver­stößt.
Ver­fas­sungs­recht­li­cher Maß­stab für die Ungleich­be­hand­lung von Ehen und ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaf­ten durch die Rege­lung des § 10 Abs. 3 SGB V ist Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 6 Abs. 1 GG 10. Es geht um die Fra­ge einer Benach­tei­li­gung der Ehe gegen­über ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaf­ten im Hin­blick auf die Fami­li­en­ver­si­che­rung der Kin­der in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, für deren Leis­tun­gen die Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft auf­zu­kom­men hat. Bei die­ser Gleich­heits­prü­fung ist zu berück­sich­ti­gen, dass Art. 6 Abs. 1 GG der Frei­heit des Gesetz­ge­bers, wel­che Sach­ver­hal­te er gleich und wel­che er ungleich behan­delt, Gren­zen setzt 11. Es ist dem Gesetz­ge­ber unter­sagt, die Ehe gegen­über ande­ren Lebens­ge­mein­schaf­ten zu dis­kri­mi­nie­ren 12, ins­be­son­de­re Ver­hei­ra­te­te gegen­über Nicht­ver­hei­ra­te­ten bei der Gewäh­rung recht­li­cher Vor­tei­le zu benach­tei­li­gen 13. Eine punk­tu­el­le gesetz­li­che Benach­tei­li­gung ist aller­dings hin­zu­neh­men, wenn die all­ge­mei­ne Ten­denz des Geset­zes auf Aus­gleich fami­liä­rer Belas­tun­gen abzielt, dabei Ehe­leu­te teil­wei­se begüns­tigt und teil­wei­se benach­tei­ligt, die gesetz­li­che Rege­lung im Gan­zen betrach­tet aber kei­ne Schlech­ter­stel­lung von Ehe­leu­ten bewirkt 14.
Die Kam­mer lässt es dahin gestellt, ob die Über­le­gun­gen des Senats zur unter­halts­recht­li­chen Situa­ti­on ehe­ähn­li­cher Fami­li­en eine Schlech­ter­stel­lung der Kin­der ver­hei­ra­te­ter Eltern noch in glei­cher Wei­se tra­gen, nach­dem der Betreu­ungs­un­ter­halts­an­spruch nach § 1615l BGB für den Eltern­teil eines nicht­ehe­lich gebo­re­nen Kin­des in Umset­zung der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 28.02.2007 15 dem Anspruch nach § 1570 BGB für den geschie­de­nen Ehe­gat­ten ange­passt wur­de.
Die Ungleich­be­hand­lung von Ehen mit Kind und ehe­ähn­li­chen Gemein­schaf­ten mit Kind in § 10 Abs. 3 SGB V fin­det ihre Recht­fer­ti­gung jeden­falls wei­ter­hin in der Typi­sie­rungs­be­fug­nis des Gesetz­ge­bers. Der Gesetz­ge­ber ist grund­sätz­lich befugt, gene­ra­li­sie­ren­de, typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de und auch pau­scha­liert quan­ti­fi­zie­ren­de Rege­lun­gen zu tref­fen 16.
Eine Aus­schluss­re­ge­lung in § 10 Abs. 3 SGB V, die auch dann greift, wenn in einer ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaft ein Part­ner nicht gesetz­lich ver­si­chert ist, mehr ver­dient als der gesetz­lich ver­si­cher­te Part­ner und ein Ein­kom­men ober­halb der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze erzielt, wäre für die Kran­ken­kas­se nicht hand­hab­bar.
Zwar knüpft das Sozi­al­recht in Ein­zel­fäl­len durch­aus Fol­gen an das Bestehen einer ehe­ähn­li­chen Gemein­schaft an. Wäh­rend es aber in der Rege­lung im Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz, die Gegen­stand der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 9. Novem­ber 2004 17 war, um den Ein­zel­fall ging, dass der eine Part­ner einer ehe­ähn­li­chen Gemein­schaft an den Schä­di­gungs­fol­gen einer Gewalt­tat ver­stor­ben ist und der ande­re unter Ver­zicht auf eine Erwerbs­tä­tig­keit die Betreu­ung eines gemein­schaft­li­chen Kin­des aus­übt, ist der Fami­li­en­ver­si­che­rungs­tat­be­stand des § 10 SGB V ein Pro­blem der Mas­sen­ver­wal­tung. Kin­der sind bis zu 25 Jah­re fami­li­en­ver­si­chert. Woll­te man die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 10 Abs. 3 SGB V jedoch auch beim Vor­lie­gen einer ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaft grei­fen las­sen, hät­te das einen lan­gen Beob­ach­tungs­zeit­raum für die Ver­wal­tung zur Fol­ge. Da die ehe­ähn­li­che Lebens­ge­mein­schaft ohne for­ma­le Hür­den und Doku­men­ta­ti­on jeder­zeit auf­ge­löst wer­den kann, wür­de es eine für die Kran­ken­kas­sen fak­tisch nicht zu leis­ten­de Auf­ga­be dar­stel­len, kon­ti­nu­ier­lich zu prü­fen, ob eine sol­che Lebens­ge­mein­schaft besteht, immer noch besteht oder wie­der besteht. Das Ver­si­che­rungs­recht des SGB V, in das die Fami­li­en­leis­tung der bei­trags­frei­en Ver­si­che­rung der Kin­der inte­griert ist, ist dar­auf ange­wie­sen, dass die Ver­si­che­rungs­tat­be­stän­de und die Aus­schluss­tat­be­stän­de klar recht­lich defi­niert sind. Die Ehe ist ein sol­cher recht­lich klar defi­nier­ter und leicht nach­weis­ba­rer Tat­be­stand, das Bestehen einer ehe­ähn­li­chen Gemein­schaft ist es nicht. Die Kran­ken­kas­sen wären über­for­dert, müss­ten sie Ermitt­lun­gen zum Ver­fes­ti­gungs­grad tat­säch­lich bestehen­der, wie auch immer recht­lich zu fas­sen­der ehe­ähn­li­cher Lebens­ge­mein­schaf­ten anstel­len.
Eine punk­tu­el­le gesetz­li­che Benach­tei­li­gung, wie sie ver­hei­ra­te­te Eltern­tei­le durch Aus­schluss der Kin­der von der Fami­li­en­ver­si­che­rung bei Vor­lie­gen der ein­kom­mens­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 3 SGB V gegen­über unver­hei­ra­te­ten Eltern­tei­len trifft, ist hin­zu­neh­men, wenn die all­ge­mei­ne Ten­denz des Geset­zes auf den Aus­gleich fami­liä­rer Belas­tun­gen abzielt, dabei Ehe­leu­te teil­wei­se begüns­tigt und teil­wei­se benach­tei­ligt, die gesetz­li­che Rege­lung im Gan­zen betrach­tet aber kei­ne Schlech­ter­stel­lung von Ehe­leu­ten bewirkt 14.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 12. Febru­ar 2003 aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass durch die unter­schied­li­che Behand­lung bei einer Gesamt­be­trach­tung Ehe­leu­te nicht schlech­ter gestellt sei­en 18. So sähen die Rege­lun­gen über die Fami­li­en­ver­si­che­rung in § 10 SGB V recht­li­che Vor­tei­le vor, die nur zur Gel­tung kämen, wenn eine Ehe vor­lie­ge. So kön­ne nach § 10 Abs. 1 SGB V der Ehe­part­ner, der Mit­glied der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung sei, dem ande­ren Ehe­part­ner, der nicht selbst Mit­glied in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung sei, bei­trags­frei­en Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­mit­teln. Eine sol­che Mög­lich­keit sei Part­nern einer ehe­ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaft nicht eröff­net.
Zwar kommt der Vor­teil der bei­trags­frei­en Mit­ver­si­che­rung des Ehe­gat­ten nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 SGB V den ober­halb der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze gut­ver­die­nen­den Ehe­gat­ten nie zugu­te. Die bei­trags­freie Mit­ver­si­che­rung des Ehe­gat­ten ist nach die­ser Bestim­mung sogar schon aus­ge­schlos­sen, wenn die­ser ein Sieb­tel der Bezugs­grö­ße nach § 18 SGB IV ver­dient. Die über den Aus­schluss der bei­trags­frei­en Mit­ver­si­che­rung der Kin­der nach § 10 Abs. 3 SGB V schlech­ter gestell­te Grup­pe (Ehe­gat­ten mit einem Ein­kom­men ober­halb der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze) kommt somit nie­mals selbst in den Genuss der bei­trags­frei­en Mit­ver­si­che­rung. Sie gehört zu der Grup­pe grund­sätz­lich von der bei­trags­frei­en Mit­ver­si­che­rung aus­ge­schlos­se­ner Ehe­gat­ten mit einem Gesamt­ein­kom­men ober­halb der Gren­ze des § 10 Abs. 1 Nr. 5 SGB V. Ein Aus­gleich der Schlech­ter­stel­lung hin­sicht­lich der Kin­der­ver­si­che­rung fin­det für die von § 10 Abs. 3 SGB V erfass­te Grup­pe somit nicht im Kran­ken­ver­si­che­rungs­recht statt. Jedoch wird der Aus­schluss der Fami­li­en­ver­si­che­rung der Kin­der nach § 10 Abs. 3 SGB V über die ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Berück­sich­ti­gung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen der Kin­der jeden­falls teil­wei­se aus­ge­gli­chen 19. Die­se Kom­pen­sa­ti­on genügt, um die Ungleich­be­hand­lung zu recht­fer­ti­gen.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Juni 2011 – 1 BvR 429/​11
BVerfG, Urteil vom 12.02.2003 – 1 BvR 624/​01[↩]
vgl. BVerfGE 123, 186, 229[↩]
vgl. BVerfGE 107, 205,, 214, 216[↩]
vgl. BT-Drucks 16/​3100, S. 212[↩]
vgl. BVerfGE 123, 186, 229; BVerfG, Beschluss vom 07.04.2010 – 1 BvR 810/​08[↩]
BVerfG, Beschluss vom 13.02.2008 – 2 BvL 1/​06[↩]
vgl. BVerfGE 120, 125[↩]
vgl. BVerfGE 82, 60, 91; 87, 153, 172[↩]
vgl. BVerfGE 120, 125, 166[↩]
vgl. BVerfGE 67, 186, 195[↩]
vgl. BVerfGE 103, 242, 258[↩]
vgl. BVerfGE 69, 188, 205 f.; 75, 382, 393[↩]
vgl. BVerfGE 67, 186, 195 f.; 75, 382, 393[↩]
vgl. BVerfGE 107, 205, 215 f.[↩][↩]
vgl. BVerfGE 118, 45[↩]
stRspr; vgl. BVerfGE 99, 280, 290; 100, 138, 174; 103, 392, 397; 105, 73, 127; 113, 167, 236[↩]
BVerfG, Ent­schei­dung vom 09.11.2004 – BVerfGE 112, 50[↩]
vgl. BVerfGE 107, 205, 216[↩]
vgl. BVerfGE 120, 125, 142[↩]
FamilienversicherungGesetzliche Krankenversicherung

References: § 10
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 § 10
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 Art. 3
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 § 221
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 Art. 3
 Art. 6
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 Art. 6
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 § 1615
 § 1570
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 § 10
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 § 18
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 § 10
 § 10
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