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Timestamp: 2019-12-05 21:58:37+00:00

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FREIE DEUTSCHE JUGEND - Information
Freie Deutsche Jugend Information
Erste Gruppen der FDJ entstanden schon vor dem Zweiten Weltkrieg im Exil im Juni 1936 in Paris und am 8. Mai 1938 in Prag. Die Arbeit der FDJ in der Tschechoslowakei und in Frankreich kam mit der deutschen Besetzung zum Erliegen, da ihre Mitglieder fliehen mussten. Dafür entstanden ab April 1939 in Großbritannien FDJ-Gruppen. Nur dort gelang es, landesweit unter den Emigranten tätig zu werden. In Schottland und anderen Regionen entstanden Gruppen. [1] Hauptaufgabe der FDJ in Großbritannien war die Unterstützung der meist sehr jungen jüdischen Emigranten. Etwa zehn Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, die mit Kindertransporten nach Großbritannien ausreisen konnten, traten später dort der FDJ bei. In 23 Städten gründeten sich Gruppen der FDJ mit insgesamt etwa 600 Mitgliedern. [2] Ab April 1943 rief die FDJ in Großbritannien ihre Mitglieder dazu auf, in die britische Armee einzutreten. Etwa 150 Mitglieder folgten diesem Aufruf. Ebenfalls 1943 trat die FDJ als Organisation der am 25. September in London gegründeten „ Freien Deutschen Bewegung“ bei. Am Gründungskongress des Weltbundes der Demokratischen Jugend im Oktober 1945 nahm die FDJ mit einer achtköpfigen Delegation teil und erhielt im Weltbund einen Beobachterposten.
In Großbritannien stellte die FDJ im Sommer 1946 ihre Tätigkeit ein, da viele ihrer Mitglieder zwischen Kriegsende und 1947 wieder nach Deutschland zurückkehrten. [3]
FDJ-Hemd („ Blauhemd“)
Die Organisation hatte die Aufgabe, die Jugend in den Marxismus-Leninismus einzuführen und zu „klassenbewussten Sozialisten“ zu erziehen, welche die „entwickelte sozialistische Gesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik“ mitgestalten. Sie verstand sich offiziell als Kampfreserve der SED, da die Partei keine eigene Jugendorganisation hatte, und entfaltete demgemäß ihre Aktivitäten. Die „Vertiefung der Freundschaft“ zur Sowjetunion und die Unterstützung „aller Völker der Welt“ im Kampf gegen das „imperialistische System“ hatte sich die FDJ als internationale Ziele gesetzt. So waren „FDJ-Brigaden“ am Bau der Erdgasleitung „Drushba“ ( Drushba-Trasse) und der Eisenbahnstrecke Baikal-Amur-Magistrale (BAM) in der Sowjetunion beteiligt oder arbeiteten als Entwicklungshelfer z. B. im sandinistischen Nicaragua oder zeitweise in Mosambik und Angola. Eine zentrale Rolle kam der FDJ bei der Zurückdrängung kirchlicher Jugendorganisationen zu. Kirchliche Vertreter beklagten bereits 1946, dass „die Freie Deutsche Jugend in weiten Kreisen trotz aller betonten Freiwilligkeit [...] eine Zwangsjugend beziehungsweise Staatsjugend in neuer Aufmachung“ [4] sei. In den 1950er Jahren wurden FDJ-Mitglieder gezielt gegen die kirchliche Jugendarbeit mobilisiert. [5]
Die FDJ war, wie alle Parteien und Massenorganisationen der DDR und auch die DDR selbst, nach dem Prinzip des „ demokratischen Zentralismus“ organisiert. Sie hatte in aufsteigender Reihenfolge die folgenden Organisationseinheiten: Gruppe (Schulklasse/Seminargruppe, Jugendbrigade), Abteilungs-FDJ-Organisation (AFO in Großbetrieben/Einheiten der NVA), Grundorganisation (Schule/Universität/Betrieb), Kreisleitung (Kreis im verwaltungstechnischen Sinne oder Großeinheit, z. B. Kreisleitung der FDJ im MfS, in der NVA, im VEB Bandstahlkombinat „Hermann Matern“ und anderen Kombinaten), Bezirksleitung ( Bezirk als zweitgrößte Verwaltungseinheit der DDR). Oberste Verwaltungsebene bildete der Zentralrat der FDJ mit dem Ersten Sekretär an der Spitze.
Die Jugendlichen wurden auf entsprechenden Antrag ab dem Alter von 14 Jahren in die FDJ aufgenommen. Die Mitgliedschaft war laut Statut freiwillig, doch hatten Nichtmitglieder erhebliche Nachteile bei der Zulassung zu weiterführenden Schulen sowie bei der Studien- und Berufswahl zu befürchten und waren zudem starkem Druck durch linientreue Lehrkräfte ausgesetzt, der Organisation beizutreten. So traten ihr bereits bis Ende 1949 rund eine Million Jugendliche bei, was fast einem Drittel der Jugendlichen entsprach. Lediglich in Berlin, wo auf Grund des Vier-Mächte-Status auch andere Jugendorganisationen zugelassen waren, beschränkte sich der Anteil der FDJ-Mitglieder an der Jugend 1949 auf knappe 5 Prozent. [6] 1985 hatte die Organisation etwa 2,3 Millionen Mitglieder, entsprechend etwa 80 Prozent aller DDR-Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren. Die meisten Jugendlichen beendeten ihre FDJ-Mitgliedschaft nach dem Abschluss von Lehre oder Studium stillschweigend mit dem Eintritt ins Erwerbsleben. Allerdings wurde während der Zeit des Wehrdienstes in der NVA von den Verantwortlichen ( Politoffizier, FDJ-Sekretär) Wert darauf gelegt, dass man die FDJ-Mitgliedschaft wieder aufleben ließ. Der Organisationsgrad war in städtischen Gebieten wesentlich höher als im ländlichen Raum.
Die FDJ-Kleidung war das blaue FDJ-Hemd ( „Blauhemd“) – für Mädchen die blaue FDJ-Bluse – mit dem FDJ-Emblem der aufgehenden Sonne auf dem linken Ärmel. Der Gruß der FDJler war „Freundschaft“. Der einkommensabhängige Mitgliedsbeitrag betrug bis Ende der DDR zwischen 0,30 Mark bis 5,00 Mark im Monat.
Parlamente der FDJ
1950, 1954 und 1964 veranstaltete die FDJ zu Pfingsten in Berlin „ Deutschlandtreffen der Jugend für Frieden und Völkerfreundschaft“. Diese Treffen sollten unter anderem zur deutschen Einheit beitragen und das Pendant auf nationaler Ebene zu den internationalen Weltfestspielen der Jugend und Studenten sein. Am ersten Treffen nahmen 700.000 Jugendliche teil, beim letzten 1964 nur noch 500.000. Auf den Treffen gab es ein umfangreiches kulturelles Programm sowie Vorträge und Diskussionsveranstaltungen. Das durch die FDJ dominierte Jugendradio der DDR DT64, war nach der Abkürzung des letzten Deutschlandtreffens 1964 benannt.
Briefmarken der Deutschen Post der DDR, ( 1979)
In der Tradition der Pfingsttreffen der Arbeiterjugend [7] und der Deutschlandtreffen der Jugend wurden weiterhin regionale Pfingsttreffen organisiert. [8]
Zu den Nationalen Jugendfestivals Pfingsten 1979 und 1984 und dem Pfingsttreffen der FDJ 1989 in Berlin [9] kamen zehntausende delegierte Mitglieder.
Am 18. August 1961 wurde in der DDR unter Berufung auf die angebliche Abwendung eines Krieges durch den Mauerbau vom Zentralrat der FDJ der Kampfauftrag ausgegeben. Enthalten war das Aufgebot „Das Vaterland ruft. Schützt die sozialistische Republik!“, das als hauptsächliches Ziel die Erhöhung der Zahl der Freiwilligen für die Nationale Volksarmee hatte. [10]
Die „ Störfreimachung“ unterstützen;
Bei der Volkswahl am 17. September 1961 die Kandidaten der Nationalen Front wählen [11]
Auszeichnungen der FDJ waren zum Beispiel das „ Abzeichen für gutes Wissen“, das im Rahmen des (schulbegleitenden) FDJ-Studienjahres nach einer Prüfung zum marxistisch-leninistischen Wissen in den Stufen Gold, Silber und Bronze vergeben wurde sowie als höchste Auszeichnung die Artur-Becker-Medaille. Der Kunstpreis der FDJ hieß Erich-Weinert-Medaille.
Briefmarke der Deutschen Post der DDR, ( 1979)
„ Talsperre Sosa“ (1949–1952)
„ Überseehafen Rostock“ (1957–1960)
„ Friedländer Große Wiese“ (1958–1962)
„ Industrieroboter“ 1981 als Investitionsjugendobjekt aus dem Staatsplan
„Streckenelektrifizierung“ 1980 ( Oberleitungsbau für die Deutsche Reichsbahn)
„FDJ in Westdeutschland“, Verbot als verfassungsfeindliche Vereinigung
3. Die Landesregierungen werden gemäß § 5 des Gesetzes über die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes vom 27. September 1950 ( BGBl., S. 682) ersucht, jede Betätigung solcher Vereinigungen für die Volksbefragung zu unterbinden.“ [12]
Dem Verbot der Volksbefragung folgte am gleichen Tag das Verbot der FDJ in Nordrhein-Westfalen. Am 26. Juni 1951 wurde dann durch Beschluss der Bundesregierung die FDJ in Westdeutschland in der gesamten Bundesrepublik gemäß Art. 9 Abs. 2 GG verboten. [13]
Mit Urteil vom 16. Juli 1954 stellte das Bundesverwaltungsgericht unanfechtbar fest, dass die FDJ in Westdeutschland verboten ist. [14] Damit wurde das wegen der Verfassungswidrigkeit der Zielsetzung der FDJ in Westdeutschland gemäß Artikel 9 Abs. 2 des Grundgesetzes in Verbindung mit § 129a StGB ausgesprochene Verbot rechtskräftig. So fällt seither die öffentliche Verwendung von Abzeichen der FDJ in Westdeutschland als das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen unter das Verbot des § 86a Abs. 1 Nr. 1 i. V. m. § 86 Abs. 1 Nr. 2 StGB [15] und kann mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft werden.
Das Verbot besteht auch nach der Deutschen Einheit weiter, bezieht sich aber nach Auffassung des Innenministeriums ausschließlich auf die eigenständige Organisation FDJ in Westdeutschland. Die Abzeichen der FDJ in Westdeutschland und der FDJ sehen jedoch "gleich" aus, ein Unterschied besteht nicht. [16] Die öffentliche Verwendung des FDJ-Emblems ist deshalb geeignet, um den Anfangsverdacht einer Straftat und damit die Verfolgungsberechtigung und die Verfolgungspflicht der Strafverfolgungsbehörden zu begründen. Ob die Verwendung der Abzeichen unabhängig von der Reichweite des Verbotes im Einzelnen nach § 86a Abs. 2 Satz 2 StGB unter Strafe steht, wird unter Juristen unterschiedlich bewertet. [17] [18] „Jedoch ist im Fall satirischer oder verfremdender Verwendung (‚Ostalgiepartys‘) eine weite Auslegung von [§ 86a] Abs. 3 i.V.m. § 86 Abs. 3 angezeigt; überdies liegt die Annahme eines vorsatzausschließenden Tatbestandsirrtums nahe.“ [15]
Die Entwicklung zur Bedeutungslosigkeit nach der Wende
Ende November 1989 wurde auf der 13. Tagung des Zentralrats der FDJ die bisherige, von Eberhard Aurich geleitete FDJ-Führung abgesetzt. [19] Auf dem Ende Januar 1990 in der Stahlhalle in Brandenburg an der Havel abgehaltenen Kongress („XIII. Parlament“), der von Kundgebungen der Jugendgruppe des Neuen Forums begleitet wurde, gab sich die FDJ eine neue Satzung, in der sie sich als „linker Verband“ definierte, der für eine eigenständige DDR als „sozialistische Alternative auf deutschem Boden“ eintrete und nicht länger „Helfer und Kampfreserve der Partei“ sei. Als Nachfolgerin von Frank Türkowsky wurde Birgit Schröder zur Vorsitzenden gewählt. Die Junge Welt sprach danach von einem „Scheitern der Veranstaltung“, da „die geballte Anwesenheit ehemaliger hauptamtlicher Funktionäre“ einen „radikalen Bruch mit der alten FDJ“ verhindert habe. [20] [21] Bei den Volkskammerwahlen am 18. März 1990 trat die FDJ erfolglos in Form einer Listenvereinigung mit anderen Jugendverbänden als Alternative Jugendliste an.
Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR sank von November 1989 bis November 1990 die Mitgliederzahl von 2,3 Millionen auf 22.000, [22] Mitte 1991 auf 7000 und 1994 auf maximal 300, [23] 2003 auf ca. 150. Die etwa 7500 hauptamtlichen Mitarbeiter (1989) wurden bis Ende 1991 abgebaut [23] und Mitarbeiter wickelten ihre Einrichtungen und Gliederungen ab. Die noch existierende FDJ wurde politisch bedeutungslos. [24] [25]
1990 erkannte die PDS die FDJ nicht mehr als ihren Jugendverband an. Die FDJ hat ihre Zentrale im Büroteil des Karl-Liebknecht-Hauses, wo auch Die Linke ihren Sitz hat. [26]
Unser Zeichen ist die Sonne. Siebenteilige Dokumentation von Rolf Schnabel, DDR 1984. [27]
Jugend nach dem Krieg Didaktische Materialien, Fotos, Videos, Dokumente und Zeitzeugen-Interviews zur Entwicklung der FDJ vom antifaschistischen Jugendkomitee zum treuen SED-Erfüllungsgehilfen auf jugendopposition.de ( Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e. V.)
↑ Martin Broszat, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch – Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg-Verlag, München. 2. Auflage 1993. ISBN 978-3-486-55262-1. Alfred Fleischhacker spricht in einem Interview aus 2008 von etwa 750 Mitgliedern, die die FDJ zwischen 1941 und 1945 in Großbritannien hatte. Von denen seien etwa 100 nach Kriegsende wieder nach Deutschland zurückgekehrt. ( Interview mit Alfred Fleischhacker)
↑ Michael Richter: Die Friedliche Revolution. Aufbruch zur Demokratie in Sachsen 1989/90 (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts. Bd. 38). Band 1, S. 1385f. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-36914-2 ( online in der Google-Buchvorschau).
Normdaten (Körperschaft): GND: 2010884-9 ( OGND, AKS) | LCCN: n80119761 | VIAF: 156728489
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References: § 5
 Art. 9
 § 129
 § 86
 § 86
 § 86
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