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Übungen im Haftpflichtrecht FS PDF
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1 Übungen im Haftpflichtrecht FS 2013 Thema III: Widerrechtlichkeit RA lic. iur. Lukasz Grebski
2 Methodische Einführung: Vorgehensweise bei der Rechtsanwendung FS Übungen im Haftpflichtrecht (Thema RA lic. III: iur. Widerrechtlichkeit), Lukasz Grebski RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 2
3 Elemente der Rechtsanwendung Sachverhalt (Beurteilungsgegenstand) Rechtsnormen (Beurteilungsmassstab) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 3
4 Vorgehen bei der Rechtsanwendung 1. Schritt: Kenntnis des Sachverhalts 2. Schritt: Erfassung der Rechtsfragen 3. Schritt: Prüfung der erfassten Rechtsfragen FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 4
5 Schritt 1: Kenntnis des Sachverhalts Bedeutung: Einfluss auf das Ergebnis der Rechtsanwendung Vorgehen: In der Lehre: Lesen der Aufgabenstellung In der Praxis: Erstellung des Sachverhalts im Verfahren FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 5
6 Schritt 2: Erfassung der Rechtsfragen Vorgegebene Fragestellung Gemäss Fragestellung Allgemeine Fragestellung Ermittlung mittels Anspruchsmethode: wer, von wem, was, woraus Teilweise vorgegebene Fragestellung Ergänzung der Rechtsfragen mittels Anspruchsmethode FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 6
7 Schritt 2: Erfassung der Rechtsfragen wer von wem was woraus A B CHF OR 41 I A C CHF OR 97 I A C Picasso ZGB 641 II B A CHF OR 322 I B C Unterlassung Lärmimmissionen ZGB 679 i.v.m. 684 C A CHF OR 62 II FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 7
8 Schritt 2: Erfassung der Rechtsfragen I. Ansprüche des A 1. A gegen B auf CHF 500. aus OR 41 I 2. A gegen C auf CHF 500. aus OR 97 I 3. A gegen C auf Rückgabe des Picasso aus ZGB 641 II II. Ansprüche des B 1. B gegen A auf CHF 125. aus OR 322 I 2. B gegen C auf Unterl. Lärmimmissionen aus ZGB 679 i.v.m. 684 III. Ansprüche des C C gegen A auf CHF 40. aus OR 62 II FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 8
9 Schritt 3: Prüfung der erfassten Rechtsfragen Bestandteile einer Rechtsnorm Tatbestand (Wenn ) Rechtsfolge (Dann ) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 9
10 Schritt 3: Prüfung der erfassten Rechtsfragen Vorgehen: Frage: Zieht Sachverhalt die fragliche Rechtsfolge nach sich? Zerlegung Rechtsnorm in Tatbestand und Rechtsfolge Zerlegung Tatbestand in Tatbestandselemente (TBE) Vergleich TBE mit Sachverhaltselementen (SVE) Übereinstimmung? Ja : Tatbestand erfüllt Rechtsfolge Nein: Tatbestand nicht erfüllt keine Rechtsfolge Methode: Definition, Subsumtion, Zwischenfazit FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 10
11 Sachverhalt: Rechtsnorm x: Rechtsnorm y: SVE x1 SVE x2 SVE x3 SVE y2 SVE y3 Tatbestand x: TBE x1 TBE x2 TBE x3 Rechtsfolge x: tritt ein Tatbestand y: TBE y1 TBE y2 TBE y3 Rechtsfolge y: tritt nicht ein FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski 11
12 Fall 1 BGer, 4C.280/1999 FS Übungen im Haftpflichtrecht (Thema RA lic. III: iur. Widerrechtlichkeit), Lukasz Grebski RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 12
13 Fall 1 BGer, 4C.280/1999 Schritt 1: Verständnis des Sachverhalts FS Übungen im Haftpflichtrecht (Thema RA lic. III: iur. Widerrechtlichkeit), Lukasz Grebski RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 13
14 Fall 1 BGer, 4C.280/1999 Schritt 2: Erfassung der Rechtsfragen FS Übungen im Haftpflichtrecht (Thema RA lic. III: iur. Widerrechtlichkeit), Lukasz Grebski RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 14
15 Erfassung der Rechtsfragen Nachbar N Nachbarschaftsverhältnis Ehepaar E Vertragsverhältnis Geologe G FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 15
16 Erfassung der Rechtsfragen wer? Ehepaar E was? CHF von wem? Nachbar N woraus? Grundeigentümerhaftung? (Art. 679 i.v.m. Art. 685 ZGB) Werkeigentümerhaftung? (Art. 58 Abs. 1 OR) Geschäftsherrenhaftung? (Art. 55 Abs. 1 OR) Delikt? (Art. 41 Abs. 1 OR) Geologe G Delikt? (Art. 41 Abs. 1 OR) Vertrauenshaftung? (Treu und Glauben) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 16
17 Erfassung der Rechtsfragen wer von wem was woraus E N CHF ZGB 679 i.v.m. 685 E N CHF OR 58 I E N CHF OR 55 I E N CHF OR 41 I E G CHF OR 41 I E G CHF Treu und Glauben FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 17
18 Zu besprechender Anspruch Wer Was Von wem Woraus Ehepaar E CHF Geologe G Art. 41 Abs. 1 OR FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 18
19 Exkurs: Rechtsbegehren Der Beklagte sei zu verpflichten, den Klägern CHF nebst 5 % Zins seit 5. September 1991 zu bezahlen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beklagten. FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 19
20 Exkurs: Rechtsbegehren Der Beklagte [= G wer] sei zu verpflichten, den Klägern [= E wem] CHF nebst 5 % Zins seit 5. September 1991 zu bezahlen [ was], unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beklagten. woraus? Sache des Gerichts (iura novit curia) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 20
21 Fall 1 BGer, 4C.280/1999 Schritt 3: Prüfung der erfassten Rechtsfragen FS Übungen im Haftpflichtrecht (Thema RA lic. III: iur. Widerrechtlichkeit), Lukasz Grebski RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 21
22 Zerlegung Rechtsnorm in Tatbestand und Rechtsfolge Art. 41 Abs. 1 OR Tatbestand: Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit Rechtsfolge: wird ihm zum Ersatze verpflichtet. FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 22
23 Zerlegung des Tatbestands in Tatbestandselemente Tatbestand: (Aktiv-/Passivlegitimation (Schädigende Handlung eines Menschen Schaden Widerrechtlichkeit Kausalzusammenhang Verschulden [geschrieben]) [(un-)geschrieben]) [geschrieben] [geschrieben] [ungeschrieben] [geschrieben] Rechtsfolge: Schadenersatz FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 23
24 Vergleich TBE mit SVE: a) Aktiv-/Passivlegitimation Aktivlegitimation: Geschädigter ( einem andern ; ihm ) Passivlegitimation: Schädiger ( Wer ) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 24
25 Vergleich TBE mit SVE: b) Schädigende Handlung eines Menschen Erscheinungsformen einer menschlichen Handlung Tun Unterlassen Relevanz der Zuordnung bei: Kausalzusammenhang Widerrechtlichkeit FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 25
26 Vergleich TBE mit SVE: c) Schaden Unfreiwillige Vermögenseinbusse: damnum emergens (= Vermögensabnahme) Verminderung der Aktiven Vermehrung der Passiven lucrum cessans (= entgangener Gewinn) Schadenshöhe wird ermittelt durch Differenztheorie: Vermögensstand ohne schädigendes Ereignis Vermögensstand infolge des schädigendes Ereignisses = Schaden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 26
27 Vergleich TBE mit SVE: c) Schaden Schadensarten: Personenschaden: Schaden infolge Tötung / Verletzung eines Menschen Sachschaden: Schaden infolge Beschädigung / Zerstörung / Verlust einer Sache Sonstiger Schaden: Schaden, der weder als Personen- noch Sachschaden zu qualifizieren ist z.b. reiner Vermögensschaden Relevanz der Zuordnung für: Widerrechtlichkeit FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 27
28 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Funktion Haftungsbegrenzung und Haftungsvoraussetzung Grundsatz: keine Haftung bei Rechtmässigkeit Ausnahme: Haftung trotz Rechtmässigkeit unvermeidbare Immissionen Billigkeitshaftung bei Notstand FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 28
29 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Widerrechtlichkeitstheorien objektive: Grundsatz: Jedes schädigende Handeln ist rechtmässig. Ausnahme: objektiver Verstoss gegen gegen Rechtsnorm (Handlungsverbot) "Erlaubt ist, was nicht verboten ist" subjektive: Grundsatz: Jedes schädigende Handeln ist widerrechtlich. Ausnahme: subjektiver Rechtfertigungsgrund (Handlungsbefugnis). "Verboten ist, was nicht erlaubt ist" Gegenausnahme: Rechtfertigungsgrund (Handlungsbefugnis) Folgen der Unterscheidung: Beweislast / reine Vermögensschäden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 29
30 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Formel des Bundesgerichts Eine Schadenszufügung ist widerrechtlich, wenn sie gegen eine allgemeine gesetzliche Pflicht verstösst [= objektive Widerrechtlichkeitstheorie], indem entweder ein absolutes Recht des Geschädigten beeinträchtigt oder eine reine Vermögensschädigung durch Verstoss gegen eine einschlägige Schutznorm bewirkt wird FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 30
31 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Erscheinungsformen Widerrechtlichkeit Verletzung absoluter Rechte (sog. Erfolgsunrecht) Verletzung von Schutznormen (sog. Verhaltensunrecht) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 31
32 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Erscheinungsformen Erfolgsunrecht: absolute Rechte Wirkung: gegenüber jedermann Beispiele: Leben Leib Persönlichkeit Eigentum Besitz (str.) Immaterialgüterrechte Nicht: Vermögen kommt zum Tragen bei: Personenschaden Sachschaden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 32
33 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Erscheinungsformen Verhaltensunrecht: Schutznormen Norm, die Schutz vor Schäden der eingetretenen Art bezweckt Quellen Strafrecht Verwaltungsrecht Privatrecht Beispiele Art. 293 StGB Art. 146 StGB Art. 58 Abs. 1 SVG kommt zum Tragen bei: reiner Vermögensschaden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 33
34 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Sonderfall Unterlassung Achtung bei Unterlassung! Grundsatz der befugten Untätigkeit: Widerrechtlichkeit nur bei Verletzung einer Handlungspflicht auch bei Verletzung absoluter Rechte! FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 34
35 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Sonderfall Unterlassung Voraussetzung der Widerrechtlichkeit bei Unterlassung: 1. Handlungspflicht gegenüber Geschädigten Ausdrückliche Rechtsvorschrift Garantenstellung (besondere Beziehungsnähe) durch Gesetz Vertrag Ingerenz (Gefahrensatz) (str.) 2. Nichtvornahme der Handlung FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 35
36 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Sonderfall Unterlassung Definition Gefahrensatz: Wer einen Zustand schafft oder aufrechterhält, der einen anderen schädigen könnte, ist verpflichtet, die zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen Massnahmen zu treffen. FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 36
37 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Sonderfall Unterlassung Meinungsstreit: Gefahrensatz dient zur Begründung von Widerrechtlichkeit* Verschulden (BGer) * wiederum str., ob Gefahrensatz nur Widerrechtlichkeit begründet bei Verletzung absoluter Rechte oder auch bei reinen Vermögensschäden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 37
38 Vergleich TBE mit SVE: d) Widerrechtlichkeit: Rechtfertigungsgründe Folge bei Vorliegen eines Rechtfertigungsgrundes: Ausschluss der Widerrechtlichkeit Grundsatz: Ausnahme: Keine Haftung Notstand: Haftung für rechtmässige Schädigung Arten Gesetzliche Notwehr Notstand Selbsthilfe Sonstige Befugnisse Einwilligung FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 38
39 Vergleich TBE mit SVE: e) Kausalzusammenhang Allgemein: Ursache Wirkung Konkretisierung im Rahmen des Haftpflichtrechts: Schadenbegründende Ursache Schaden Konkretisierung im Rahmen von OR 41 I: schädigendes Verhalten Schaden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 39
40 Vergleich TBE mit SVE: e) Kausalzusammenhang Kausalzusammenhang natürlicher adäquater FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 40
41 Vergleich TBE mit SVE: e) Kausalzusammenhang natürlicher Kausalzusammenhang Tun: conditio sine qua non Unterlassen: conditio cum qua non hypothetischer Kausalzusammenhang Handlungspflicht z.b. Gefahrensatz FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 41
42 Vergleich TBE mit SVE: e) Kausalzusammenhang adäquater Kausalzusammenhang Definition: Ein Kausalzusammenhang ist adäquat, wenn die betreffende Ursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet war, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der Eintritt dieses Erfolges als durch die fragliche Tatsache allgemein begünstigt erscheint. Besonderheit bei Unterlassung: Berücksichtigung der allgemeinen Lebenserfahrung (normative Komponente) bereits bei Prüfung des natürlichen Kausalzusammenhangs Daher BGer: im Allgemeinen nicht sinnvoll, den festgestellten oder angenommenen hypothetischen Geschehensablauf auch noch auf seine Adäquanz zu prüfen (BGE 115 II 440, E. 5.a). FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 42
43 Vergleich TBE mit SVE: f) Verschulden Verschulden subjektive Komponente: Urteilsfähigkeit objektive Komponente: Abweichung vom Durchschnittsverhalten FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 43
44 Vergleich TBE mit SVE: f) Fazit Feststellung: Tatbestand von Art. 41 Abs. 1 OR ist nicht erfüllt Folglich: G ist gestützt auf diese Bestimmung nicht verpflichtet den E CHF zu bezahlen. FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 44
45 Exkurs: Vertrauenshaftung Deliktshaftung: Schaden Pflichtwidrigkeit: keine (Vor-)Verbindung Widerrechtlichkeit Nat. und adäq. Kausalzusammenhang Verschulden Vertrauenshaftung: Schaden Pflichtwidrigkeit: rechtl. Sonderverbindung Begründung schutzwürdigen Vertrauens Disposition Treuwidrige Enttäuschung dieses Vertrauens Vertragsschluss faktisch nicht möglich und Verzicht auf Geschäft(-sbeziehung) unzumutbar Nat. und adäq. Kausalzusammenhang Verschulden Vertragshaftung: Schaden Pflichtwidrigkeit: vertragliche Verbindung Vertragsverletzung Nat. und adäq. Kausalzusammenhang Verschulden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 45
46 Fall 2 BGE 111 II 471 FS Übungen im Haftpflichtrecht (Thema RA lic. III: iur. Widerrechtlichkeit), Lukasz Grebski RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 46
47 Sachverhalt A Textilienlieferung gegen DM B Bank C (D) Bank D (CH) A (D) B (CH) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 47
48 Erfassung der Rechtsfrage Wer: A Von wem: D Was: DM Woraus: a) OR 97? b) OR 41 I? c) Vertrauenshaftung? FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 48
49 Besonderheit A Wohnsitz in Deutschland; Bank D Wohnsitz in der Schweiz internationaler Sachverhalt anwendbares Recht? FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 49
50 Anwendbares Recht Falls Forderung aus Vertrag: Staatsverträge (vgl. IPRG 1 II)? IPRG 116 f. Rechtswahl gewähltes Recht Keine Rechtswahl Recht des Staates des engsten Zusammenhangs (Vermutung: Staat des engsten Zusammenhangs = Staat der Niederlassung der Partei, die die charakteristische Leistung erbringen soll) FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 50
51 Anspruchsvoraussetzungen Art. 97 Abs. 1 OR Haftungsbegründendes Verhalten Schaden Vertragsverletzung Kausalzusammenhang Verschulden Vertrag als Voraussetzung: BGer: Auskunft weder im Rahmen eines Gewerbes noch sonst gegen Entgelt Kein Vertrag FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 51
52 Anwendbares Recht Falls Forderung aus unerlaubter Handlung: Staatsverträge (vgl. IPRG 1 II)? IPRG 132 f. [Achtung: andere Rechtslage im Zeitpunkt des Urteils!] Nachträgliche Rechtswahl des Rechts am Gerichtsort gewähltes (schweizerisches) Recht Keine Rechtswahl Vorbestehendes Rechtsverhältnis zw. Schädiger und Geschädigtem für dieses Rechtsverhältnis anwendbares Recht Schädiger und Geschädigter: gew. Aufenthalt im gleichen Staat Recht dieses Staates Auseinanderfallen von Handlungs- und Erfolgsort und Schädiger musste mit Erfolgseintritt in diesem Staat rechnen Recht des Staates, in dem Erfolg eingetreten ist Kein Auseinanderfallen von Handlungs- und Erfolgsort Recht des Staates, in dem Handlung begangen worden ist FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 52
53 Anspruchsvoraussetzungen Art. 41 Abs. 1 OR Haftungsbegründendes Verhalten Schaden Widerrechtlichkeit Kausalzusammenhang Verschulden FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 53
54 Widerrechtlichkeit bei unrichtiger und ausservertraglicher Rat- oder Auskunftserteilung Hier: keine Verletzung eines absoluten Rechts Aber (BGer): Wer über Verhältnisse befragt wird, in die er Kraft seiner Stellung besonderen Einblick besitzt, hat wenn er sich überhaupt auf eine Antwort einlässt wahrheitsgetreu Auskunft zu geben, sofern für ihn erkennbar ist, dass diese für den Adressaten voraussichtlich folgenschwere Bedeutung hat oder haben kann; er darf nicht absichtlich falsche Tatsachen behaupten oder leichtfertig Angaben machen, deren Unrichtigkeit oder Ungenauigkeit ihm ohne lange Prüfung in die Augen springen muss [ ]. Der Anfragende darf zwar nicht mit besonders sorgfältigen Nachforschungen der Bank rechnen, wohl aber damit, dass die Auskunft in guten Treuen und nicht leichtfertig erteilt wird und die Bank ihm das, was sie weiss, loyal, ohne Rückhalt mitteilt [ ]. Der Angefragte handelt nicht bloss dann widerrechtlich, wenn er wider besseres Wissen oder leichtfertig unrichtige positive Angaben macht, sondern ebenso, wenn er Tatsachen verschweigt, die ihm bekannt sind und von denen er sich sagen muss, dass ihre Kenntnis den in Frage stehenden Entschluss beeinflussen könnte [ ]. FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 54
55 Widerrechtlichkeit bei unrichtiger und ausservertraglicher Rat- oder Auskunftserteilung Widerrechtlichkeit durch Verstoss gegen ein ungeschriebenes Verhaltensgebot ( Pflicht zur wahrheitsgemässen und vollständigen Rat-/Auskunftserteilung ): Stellung/Fachwissen des Befragten besonderer Einblick in Gegenstand der Anfrage Anfrage durch Fragesteller erfolgt aufgrund Stellung/Fachwissen des Befragten Rat bzw. Auskunft für Fragesteller von erheblicher Bedeutung Erhebliche Bedeutung für Befragten erkennbar Erteilung des Rats bzw. der Auskunft durch den Befragten Rat bzw. Auskunft bezüglich wesentlicher Tatsachen unrichtig oder unvollständig Wesentlichkeit und Unrichtigkeit/Unvollständigkeit für Befragten erkennbar/leicht überprüfbar Kenntnisnahme des Ratschlags/der Auskunft durch Fragesteller BGer: Tendenz, Rat- /Auskunftshaftung als Fall der Vertrauenshaftung zu behandeln FS 2013 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 55

References: Art. 685
 Art. 41
 Art. 41
 Art. 293
 Art. 146
 Art. 58
 Art. 41
 BGE 
 Art. 97
 Art. 41