Source: http://www.demos.co.at/2018/07/
Timestamp: 2019-03-22 04:37:44+00:00

Document:
Die Medien berichten auszugsweise aus einer Wunschliste von Wirtschaftskammer (WKÖ) und Industriellenvereinigung (IV), welche Gesetzesstellen wegen „gold plaiting“ (= Übererfüllung von EU-Richtlinien) gestrichen werden sollen.
IV und WKÖ – die (un)heimliche ReGIERung:
Dem Verbraucherschutzverein wurde – von unbekannter Seite – diese Gesamtliste zugespielt. Siehe dazu auch auf
https://de.slideshare.net/gkrejci1/gold-plaiting
oder weiters direkt auf
„Man findet über 70 Wünsche auf Streichung von Regelungen im Verbraucherschutz !!!“
http://www.newsletter-webversion.de/?c=0-1gvtr-147kzlm-5g7
Auszug aus den 70 IV- & WKO-Wünschen auf Streichung
VSV-Info 2-2018
§ 6 Abs 3 Konsumentenschutzgesetz (KSchG)
Klauseln in Verbraucherverträgen, die nicht klar und verständlich sind, sind nichtig. Daher können VKI und AK gegen solche Klauseln mit Verbandsklage vorgehen und solche Klauseln präventiv vom Markt elimenieren. Das hilft allen Verbrauchern, die mit der beklagten Firma Verträge schließen oder geschlossen haben. Insbesondere bei den Altverträgen kann sich aus dem Wegfall einer unklaren Klausel ein Rückforderungsanspruch der Verbraucher ergeben, der uU mit Sammelklagen durchgesetzt werden müsste. Der OGH hat gerade über diese Norm viele Verträge geprüft und aufgehoben. Die WKÖ will nun diese Stelle entschärfen. Weg mit der Nichtigkeitssanktion. Man möge individuell von der „kundenfreundlichsten“ Auslegung ausgehen. Damit wäre zu dieser Regelung keine Verbandsklage mehr möglich. Das ist der stärkste Eingriff im Verbraucherrecht und der würde eine jahrelange Judikatur still entsorgen.
§ 100 Telekommunikationsgesetz (TKG)
Bislang konnte der Kunde bei Vertragsabschluss verlangen, die Abrechnung auf einer kostenlosen Papierrechnung zu bekommen. Idee dahinter: Rechnungen via Mail gehen unter, man kontrolliert nicht mehr einen allfälligen Mehrbetrag der gefordert wird und man übersieht Ankündigungen zu Vertragsänderungen, die in der E-Rechnung versteckt werden. Die Regierung hat bereits eine TKG Novelle vorgelegt. Darin wir aus dem Normalfall ein Sonderfall. Generell bekommt man E-Rechnungen, nur über ausdrückliches Verlangen hat man Anspruch auf eine kostenlose Papierrechnung. Begutachtungsfrist endet am 31.7.2018.
§ 16 Abs 3 Verbraucherkreditgesetz (VKrG)
Bei einer vorzeitigen Rückzahlung eines Verbraucherkredites soll das Limit für die Entschädigungsforderungen der Banken fallen.
§ 3 Abs 1 KSchG
Im Fernabsatz- und Auswärtsgeschäftegesetz beträgt die Frist für den Rücktritt des Verbrauchers zwei Wochen. In § 3 KSchG galt bislang 1 Woche; diese Frist wurde mit dem Inkrafttreten des FAGG auf zwei Wochen angehoben, um die Fristen zu harmonisieren. Die WKÖ will das streichen und damit die Konsumenten verwirren.
§§ 22 ff Verbraucherzahlungskontengesetz (VZKG)
Die Verpflichtung Basiskonten einzurichten soll reduziert werden.
§ 4a VZKG
Das Verbot die Entgelte von Drittanbieter von Bankomaten über die kontoführende Bank den Kunden zu verrechnen soll – kaum eingeführt – wieder zurückgenommen werden.
§ 44 Abs 2 Zahlungsdienstegesetz (ZaDiG 2009) bzw § 68 Abs 1 ZaDiG 2018
Die IV will, dass bei Problemen bei Zahlungsdienstleistungen die Kunden nicht erst ab leichter Fahrlässigkeit (mit 50 Euro) haften, sondern jedenfalls verschuldensunabhängig.
davids-gegen-goliath.at
de.slideshare.net/gkrejci1
Im kapitalistischen Wirtschaftssystem richten Konsumenten, Investoren und Unternehmerinnen ihr Handeln auf die Zukunft aus. Diese birgt Chancen und Risiken, ist aber vor allem eines:
Wie gehen die Akteure mit dieser Ungewissheit um?
Der Soziologe Jens Beckert hat ein Buch veröffentlicht, in dem er zeigt, wie sehr der Kapitalismus auf Illusionen und eine „imaginierte Zukunft“ angewiesen ist.
Ein weiterer Baustein in der Dekonstruktion des „homo oeconomicus„, also jenes vorgestellten rational wirtschaftenden Menschen, von dem die kapitalistischen Wirtschaftstheorien ausgehen, den es aber in Wirklichkeit eben nicht gibt.
Die Kritik an diesen Illusionen – zum Beispiel den Glücksversprechen des Konsums – ist natürlich nicht neu. Aber seit der Finanzkrise und den zunehmenden weltweiten politischen Instabilitäten stellt sich die Frage immer konkreter, was passieren würde, wenn das System tatsächlich kollabiert.
Das Bild, das Beckert für die Situation, in der wir uns befinden, wählt, trifft es wohl tatsächlich auf den Punkt:
Wie ein rollendes Fahrrad muss sich der Kapitalismus immer weiter bewegen, sonst fällt er um.
Jens Beckert nimmt die temporale Ordnung des modernen Wirtschaftslebens ernst und entwickelt einen neuen Blick auf die Dynamik des Kapitalismus. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung stehen die fiktionalen Erwartungen der Akteure – Imaginationen und Narrative darüber, was die Zukunft bringt.
Fiktionale Erwartungen sind der Treibstoff der Ökonomie, können diese aber auch in tiefe Krisen stürzen, wenn sie als hohle Narrative (Vorstellungen / Berichte) entlarvt werden. Dann platzt die Blase.
– Jens Beckert
geboren 1967, ist seit 2005 Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Professor für Soziologie in Köln. Zuvor hat er u. a. in Göttingen, New York, Princeton, Paris und an der Harvard University gelehrt. 2005 wurde er mit dem Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.
… siehe auf der Amazaon-Seite ganz unten in „Verwandte Medien“
– Jens Beckert spricht über sein Buch
– piqd / Kapitalismus als permanente Selbsttäuschung
– Imaginierte Zukunft: Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus
– Imagined Futures: Fictional Expectations and Capitalist Dynamics (Harvard Studies)
– Verleihung des Leibniz-Preises 2018 an Prof. Dr. Jens Beckert
Über die Zukunft der Arbeit wird seit jeher intensiv diskutiert und spekuliert.
– Welche Erwartung stellen wir an die Arbeit?
– Welche Werte liegen dem zugrunde?
– Was bedeutet Arbeit für die Gesellschaft?
– Wie können wir den Wandel der Arbeit gestalten?
Begriffe wie „Arbeit 4.0“ oder „New Work“ deuten darauf hin, dass sich die Arbeitswelt in einem fundamentalen Wandlungs-prozess befindet.
Dieser wird unter anderem von der „digitalen Revolution“ angetrieben: Heutzutage nutzt ein Großteil der Beschäftigten Informations- und Kommunikationstechniken bei der Arbeit, was dafür sorgt, dass sich die Arbeitswelt grundlegend verändert.
Aber nicht nur die Digitalisierung fungiert als Treiber dieses Wandels, sondern auch andere Megatrends wie die Globalisierung, die stärkere Erwerbseinbindung von Frauen und der demografische Wandel.
Zudem werden durch verschiedene Krisen der zurückliegenden Jahre wie die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise oder die Klimakrise grundlegende Selbstverständlichkeiten des Arbeitens und Wirtschaftens wie etwa der Glaube an ein permanentes Wirtschaftswachstum infrage gestellt.
All diese Veränderungen erfordern ein neues Nachdenken darüber, wie Arbeit zukünftig gestaltet sein soll.
Themen des Essays von Friedericke Hardering
– Die Suche nach dem Sinn: Zur Zukunft der Arbeit
– Von der Krise der Arbeit zur Krise des Sinns der Arbeit?
– Gesellschaftlicher Sinn von Arbeit
– Individueller Sinn von Arbeit
– Neue Sinnsuchende der Arbeitswelt
– Neue Werte in der Arbeit?
– New Work gestalten
– Debatten versachlichen, Ambivalenzen nicht ausblenden
– Gute Arbeit fördern
– Alternative Arbeitsformen aufwerten
http://www.bpb.de/apuz/250657/die-suche-nach-dem-sinn-zur-zukunft-der-arbeit?p=all
APuZ – 26/2017 – Seite 4-10
ist promovierte Politikwissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Leiterin des Projekts „Gesellschaftliche Vorstellungen sinnvoller Arbeit und individuelles Sinnerleben in der Arbeitswelt“.
– Kurt Lewin; Die Sozialisierung des Taylorsystems
– Hannah Arendt; Vom tätigen Leben
– DGB Index Gute Arbeit; Der Report 2016
– Frithjof Bergmann; Neue Arbeit, neue Kultur
– BM f. Arbeit & Soziales; Wertewelten. Arbeit 4.0
– Tim Obermeier; Arbeitsmarktpolitische Reaktionen auf die Krise
– Institut für Menschenrechte; Inklusiver Arbeitsmarkt statt Sonderstrukturen
Weiterführende Beiträge :
ZEITENWENDE – Illusion 4.0 – Deutschlands naiver Traum von der smarten Fabrik

References: § 6
 OGH 

§ 100

§ 16

§ 3
 § 3

§ 4

§ 44
 § 68