Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.06.1991&Aktenzeichen=III%20ZR%20221/90
Timestamp: 2019-05-25 22:25:17+00:00

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BGH, 06.06.1991 - III ZR 221/90 - dejure.org
https://dejure.org/1991,1143
BGH, 06.06.1991 - III ZR 221/90 (https://dejure.org/1991,1143)
BGH, Entscheidung vom 06.06.1991 - III ZR 221/90 (https://dejure.org/1991,1143)
BGH, Entscheidung vom 06. Juni 1991 - III ZR 221/90 (https://dejure.org/1991,1143)
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Amtspflichten der Bauaufsichtsbehörde - Drittgerichtetheit - Drittschadensliquidation im Amtshaftungsrecht - Verzögerte Bearbeitung - Architektenbauvoranfrage
Drittgerichtetheit von Amtspflichten
Amtshaftungsanspruch des Eigentümers (IBR 1991, 554)
NJW 1991, 2696
NJW-RR 1991, 1369 (Ls.)
MDR 1992, 31
VersR 1991, 1285
WM 1991, 1425
DVBl 1991, 1140
Die bestandskräftige Versagung einer Baugenehmigung berechtigt die Behörde nicht, einen neuen Bauantrag eines anderen Antragstellers ohne Sachprüfung abzulehnen (vgl. Senatsurteil vom 6. Juni 1991 - III ZR 221/90 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritter 37 m.w.N.).
Die bestandskräftige Versagung einer Baugenehmigung berechtigt die Behörde daher nicht, einen neuen Bauantrag ohne Sachprüfung abzulehnen (BVerwGE 48, 271;… Senatsurteile vom 6. Mai 1993 und 23. September 1993, jeweils aaO; Senatsurteil vom 6. Juni 1991 - III ZR 221/90 - WM 1991, 1425 [BGH 06.06.1991 - III ZR 221/90]; vgl. auch Senat BGHZ 119, 365, 367).
Eine solche Befugnis besteht nur, wenn eine Klage auf Erteilung der Genehmigung bzw. des Vorbescheides rechtskräftig abgewiesen worden ist, auch dann aber lediglich zwischen den Beteiligten des Verwaltungsrechtsstreits und ihren Rechtsnachfolgern; zu ihnen gehört der Grundstückseigentümer als solcher nicht, wenn ein Dritter die Baugenehmigung beantragt und nach Ablehnung des Antrags Vornahmeklage erhoben hat (st.Rspr.: Senatsurteil vom 6. Juni 1991 aaO m.w.N.).
Die erheblichen wirtschaftlichen Interessen, die die Grundstückseigentümer daran hatten, daß die Bauanträge positiv beschieden wurden - Verhinderung von Mietausfällen und der Ausübung eines Rücktrittsrechts -, reichten nicht aus, um sie als geschützte "Dritte" in den Schutzbereich der der Baugenehmigungsbehörde obliegenden Amtspflichten einzubeziehen (Senatsurteil vom 6. Juni 1991 aaO).
Auch auf die Interessen eines etwaigen Rechtsnachfolgers des Bauantragstellers kann Rücksicht zu nehmen sein (Senatsurteil vom 6. Juni 1991 aaO).
Wie der Senat betont hat (Senatsurteil vom 6. Juni 1991 aaO S. 1426), erhielten diese Fallgestaltungen jedoch ihr besonderes Gepräge dadurch, daß der formell am Baugenehmigungsverfahren nicht beteiligte Dritte der eigentliche Träger des Interesses an der Verwirklichung eines konkreten Bauvorhabens gewesen ist, daß er mithin eine Rechtsstellung innehatte, die ihrem sachlichen Gehalt nach der eines Bauherrn gleichkam (vgl. Senat BGHZ 93, 87, 92 [BGH 15.11.1984 - III ZR 70/83]/93; Kreft Anm. in LM Nr. 7 zu § 36 BBauG).
Das allgemeine wirtschaftliche Interesse an der "Baureifmachung" des Geländes reichte nicht aus, um ihn in den Schutzbereich der der Bauaufsichtsbehörde obliegenden Pflichten einzubeziehen (st. Rspr.;… vgl. Senatsentscheidungen vom 7. März 1991 - III ZR 84/90 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritter 35; vom 6. Juni 1991 - III ZR 221/90 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritter 37;… vom 6. Mai 1993 - III ZR 2/92 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritter 48; sowie zuletzt Senatsurteil vom 24. Februar 1994 - III ZR 6/93, zur Veröffentlichung vorgesehen).
Grundsätzlich ist nach der Rechtsprechung des Senats der Grundeigentümer im Verfahren über den Bauantrag eines Dritten allerdings nicht als Dritter im Sinne des § 839 Abs. 1 Satz 1 BGB anzusehen (Senatsurteil vom 6. Juni 1991 - III ZR 221/90 - BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritte 37;… Senatsbeschlüsse vom 23. November 1989 - III ZR 161/88 - BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritte 21 …und vom 7. März 1991 - III ZR 84/90 - BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritte 35 m.w.N.).
Auch auf die Interessen eines etwaigen Rechtsnachfolgers des Bauantragstellers kann Rücksicht zu nehmen sein (Senatsurteil vom 6. Juni 1991 a.a.O.).
b) Die Grundsätze der Drittschadensliquidation finden auf die vorliegende Fallgestaltung keine Anwendung, ohne dass es auf die Frage ankommt, ob diese im Bereich der Amtshaftung überhaupt in Betracht zu ziehen sind (vgl. hierzu Senatsurteile vom 15. November 1984 - III ZR 70/83, BGHZ 93, 87, 95 f und vom 6. Juni 1991 - III ZR 221/90, NJW 1991, 2696, 2697; Senatsbeschlüsse vom 29. Februar 1996 - III ZR 4/95, NJW-RR 1996, 724 …und vom 26. Juni 2008 - III ZR 118/07, NVwZ-RR 2008, 670, 671, Rn. 9).
Die Fälle, in denen einem anderen als dem Antragsteller die Eigenschaft eines Dritten zuerkannt wurde (BGHZ 93, 87 [BGH 15.11.1984 - III ZR 70/83]; 119, 365), wiesen die Besonderheit auf, daß dieser andere - anders als hier - eine Rechtsstellung innehatte, die ihrem sachlichen Gehalt nach der eines Bauherren gleichkam (vgl. Senatsurteil vom 6. Juni 1991 - III ZR 221/90 - NJW 1991, 2696).
Im übrigen hat sich der Senat zur Anwendung dieser Rechtsfigur stets zurückhaltend geäußert (Senatsurteil vom 6. Juni 1991 a.a.O. im Anschluß an Hagen, Die Drittschadensliquidation im Wandel der Rechtsdogmatik, 1971 S. 132, 232; dagegen auch OLG Hamm, NJW 1970, 1793), weil in aller Regel schon die Bestimmung des Kreises der geschützten Dritten als ein taugliches Instrument für einen interessengerechten Schadensausgleich anzusehen ist.
Allenfalls auf die Interessen eines etwaigen Rechtsnachfolgers des am Verwaltungsverfahren Beteiligten kann Rücksicht genommen werden (BGH, Urteil vom 06.06.1991, Az. III ZR 221/90, BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 DRITTE 37 - dort zum Rechtsnachfolger des Bauantragstellers -).
Die Grundsätze der Drittschadensliquidation sind indes im Amtshaftungsrecht nicht anzuwenden, da in diesem bereits die Bestimmung des Kreises der geschützten Dritten ein taugliches Instrument für einen interessengerechten Schadensausgleich bietet (BGH, Urteil v. 06.06.1991, Az: III ZR 221/90, MDR 1992, 31).
Die bestandskräftige Versagung einer Baugenehmigung berechtigt die Behörde nicht, einen neuen Bauantrag eines anderen Antragstellers ohne Sachprüfung abzulehnen (vgl. Senatsurteil vom 6. Juni 1991 - III ZR 221/90 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Dritter 37 m.w.N. sowie Senatsurteil vom 6. Mai 1993 aaO).
Letztendlich kann diese Frage jedoch dahinstehen, weil im Baugenehmigungsverfahren eine nicht offen gelegte Bevollmächtigung nicht dazu führt, dass (auch) der Vollmachtgeber Antragsteller ist (vgl. BGH ZIP 2008, 1480; BGH NJW 1991, 2696).
Der Umstand, daß der Bundesgerichtshof es ablehnt, die Grundsätze der Drittschadensliquidation im Amtshaftungsrecht anzuwenden (BGH, Urt. v. 6.6. 1991 - III ZR 221/90 -, NJW 1991, 2696 ), rechtfertigt keine andere Beurteilung; denn der Bundesgerichtshof stellt maßgeblich darauf ab, daß im Amtshaftungsrecht durch die Bestimmung des Kreises der geschützten "Dritten" ein taugliches Instrument für einen interessengerechten Schadensausgleich bereitsteht, während es daran in Fällen der vorliegenden Art gerade fehlt.
LG Krefeld, 20.02.1997 - 3 O 281/96

References: § 839
 § 36
 § 839
 § 839
 § 839
 § 839
 § 839
 § 839
 § 839
 § 839
 § 839
 BGH 
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