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Timestamp: 2018-05-25 04:48:12+00:00

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Auszug wegen schwerer Differenzen mit Mutter? - Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum)
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Post #1268182 (1)
10.11.2012, 00:21 #1
Herzmensch->Emailproblem
Auszug wegen schwerer Differenzen mit Mutter?
ich habe ein 'arges' Problem... hier die 'Kurz'fassung;
Ich bin 18 Jahre alt und wohne noch zuhause, was in meinem Fall 'bei meiner Mutter' bedeutet; zu meinem Vater habe ich seit 14 Jahren keinen Kontakt und das soll auch getrost so bleiben. Nunja, nun liegen seit geraumer Zeit zwischen mir und meiner Mutter schwerwiegende Differenzen... das Problem ist nämlich, dass ich lesbisch bin, was ihr nicht so recht passt. Geoutet habe ich mich bei ihr als ich 15 war, es liegt also schon etwas zurück. Anfangs haben wir das Thema totgeschwiegen... ich hatte mich geoutet, sie wusste also, dass ich lesbisch bin und es wurde einfach nicht weiter darüber geredet.
Nun ist es seit einiger Zeit so, dass wir uns überhaupt nicht mehr verstehen. Alles, was ich mache, sage oder sonstiges artet in einem riesigen Streit aus. Dazu kommt, dass sie mir meine gänzliche Privatsphäre entsagt; wenn ich weibliche Freunde zu mir nach Hause einlade, darf ich meine Tür nicht schließen (sie hat mir auch den Schlüssel weggenommen), sie schaut in regelmäßigen Abständen, was wir machen, es dürfen hier keine weiblichen Wesen der Gattung Mensch übernachten, wenn ich bei Freundinnen übernachten will, muss ich lügen... wenn sie den leisesten Verdacht hegt, dass Mädchen da sein könnten, wird mir das ganze untersagt.
Mittlerweile ist es soweit, dass ich niemanden mehr einlade... das sind Zustände, die ich einem Besucher nicht zumuten kann und möchte...
Ich fühle mich hier nicht zuhause... ich fühle mich nicht geborgen, nicht geliebt und nicht gewertschätzt. Alles, was meine Mutter für mich übrig hat, sind Maßregelungen...
Drum habe ich mir in den Kopf gesetzt, auszuziehen... nur weiß ich noch nicht ganz, wie ich das anpacken soll. Ich kann es mir nicht finanzieren, da ich z.Z. erwerbslos bin und ab August 2013 wieder zur Schule gehen möchte (ich möchte mein Abitur machen). Meine Mutter stimmt einem Auszug zu, kann es allerdings auch nicht finanzieren (sie ist in Vollzeit beschäftigt und verdient knapp 1000€ mtl... aufstockendes ALGII bekommt sie nicht mehr... sie hatte irgendwann einfach keinen Neuantrag gestellt, weil ihr die ganzen Regelungen etc. gegen den Strich gingen). Ich habe mich hier und da ein wenig informiert/eingelesen... Es sollte unter schwerwiegenden sozialen Gründen möglich sein, eine eigene Wohnung U25 finanziert zu bekommen. Ich denke, als schwerwiegender sozialer Grund sollte dies geltend gemacht werden können, oder irre ich mich da? Ich weiß nicht so recht, was 'schwerwiegende soziale Gründe' genau heißen soll, für mich sind es jedoch welche. Ich bin nicht gewillt, hier weiterhin zu leben. Ich weiß aber auch nicht, ob sie dann mein Vorhaben mit dem Abitur dann fördern würden?! Könnten sie mir das Abitur untersagen, wenn mir ALGII bezahlt würde?
Desweiteren stellt sich mir das Problem, dass ich, wenn ich ausziehe, nach Hamburg ziehen möchte (z.Z. wohne ich in Schleswig-Holstein unweit der Grenze zu Hamburg). Das hat die Gründe, dass das Abitur dort leichter ist, ich dort aber auch schon eine Schule im Auge habe und für den Besuch einer Schule in HH der Wohnsitz ebenfalls in HH sein MUSS. Wenn ich nun also bei der ARGE/dem Jobcenter vorsprechen wollte, sollte ich da gleich in HH vorsprechen, obwohl ich z.Z. noch wohnhaft in SH bin? Ich weiß nicht, wie ich das Ganze angehen muss...
Ich hoffe, Ihr könnt mir helfen und ich danke Euch schonmal im Voraus für Eure Mühe in meiner Sache.
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10.11.2012, 01:39 #2
AW: Auszug wegen schwerer Differenzen mit Mutter?
1. Du kannst hinziehen wohin Du willst, das steht im Grundgesetz.
2. Du musst die Zusicherung für die Anmietung einer Wohnung beim Jobcenter beantragen. Bei Ablehnung Widerspruch und Klage einlegen.
„Schwerwiegende soziale Gründe“ liegen bei grundlegender Zerrüttung der Eltern/Kind Beziehung vor, das kann sein bei:
• eine Eltern-Kind-Beziehung hat nie bestanden oder ist seit längerem nachhaltig und dauerhaft gestört (Berlit in LPK-SGB II, § 22 Rz 87)
• Gewaltverhältnisse und Missbrauch
• Suchterkrankung der Eltern
• Gefahr für das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes/Jungerwachsenen
• tief greifenden Streitigkeiten zwischen Geschwistern
• unzumutbare räumliche Unterbringung
• fortgesetzte Gängelei und Herabsetzung
• dringender Verselbstständigungsbedarf Jungerwachsener
• bei dauerhafter Sanktionierungen der Eltern
(analog § 64 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 SGB III)
Aber: Bloße Behauptungen reichen zur Erlangung der Zustimmung nicht aus, vielmehr müssen die schwerwiegenden sozialen Gründe nachgewiesen werden.
Hier ist der Nachweis von Fachberatungsstellen oder Sozialdiensten ausreichend. Diese dürfen nur infrage gestellt werden, wenn es erhebliche Zweifel an der Richtigkeit gibt , sonst gilt § 17 Abs. 3 SGB I und § 67a Abs. 1 S. 1 SGB X.
»Schwerwiegende soziale Gründe« können vorliegen bei:
+ Herabwürdigungen und Gewalt;
+ unangemessene Überwachungsmaßnahmen;
+ Aufzwingen des elterlichen Willens;
+ fehlende Akzeptanz des Freundes der erwachsenen Tochter;
+ tief greifende, vom Kind nicht verschuldete Entfremdung (z.B. Aufnahme einer neuen Lebensgefährtin des Vaters im Haushalt; Aufwachsen im Haushalt des anderen Elternteils);
+ Straftaten durch die Eltern bzw. andere Mitglieder der Haushaltsgemeinschaft an dem U-25‘er (Palandt, BGB 64. Aufl.; § 1612 Abs. 2 Rz 20).
10.11.2012, 01:53 #3
Zitat von Herzmensch
Könnten sie mir das Abitur untersagen, wenn mir ALGII bezahlt würde?
ALG II gibt es nicht für Schüler.Da mußt Du Bafög beantragen.Von daher wäre es auch egal,welche Gründe Dich zum Umzug veranlassen,da das JC nicht mehr für Dich zuständig ist.Denn um ALG II zu beziehen,mußt Du dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Im SGB III § 120 Abs. 2 steht, daß weder ein Schüler noch Studenten mit Leistungen aus dem SGB gefördert werden. Dafür zuständig ist das Bafög-Amt.
Außerdem steht Dir von Deinen Eltern Unterhalt zu,d.h.auch von Deinem Vater,das kannst Du gerichtlich einklagen.
Wenn Du damit nicht Deinen Lebensunterhalt ganz finanzieren kannst,bleibt Dir nur noch,einen 400 € Job anzunehmen.
10.11.2012, 09:09 #4
Meine Mutter stimmt einem Auszug zu,
Sie sollte dir schriftlich bestätigen, daß sie dich zu Hause rausgeworfen hat.
Damit in Hamburg einen ALG II Antrag stellen.
Schon hast du einen wichtigen Grund - und mußt nicht erst zu einer Beratungsstelle.
Aber: Wie willst du in Hamburg eine Wohnung finden?
Wo kommst du bis dahin unter?
Da wirst so einige Probleme haben...
10.11.2012, 11:34 #5
Schwierig. In Hamburg sieht der Wohnungsmarkt desolat aus.
Einen §-5-Schein, bundesweit WBS genannt, wird sie ohne weiteres bekommen.
Für einen Dringlichkeitsschein allerdings muss sie mindestens drei Jahre in Hamburg mit alleiniger Hauptwohnung gemeldet sein.
ww.hamburg.de/behoerdenfinder/hamburg/11268748/
Der größte Anbieter von Sozialwohnungen in Hamburg ist die SAGA-GWG. Die Auswahl an freien Wohnungen ist unterirdisch gering.
Auf eine Wohnung kommen bis zu 100 Interessenten.
Ich wünsche der TE alles Gute für ihren erfolgreichen Umzug nach Hamburg.
Sie braucht Ausdauer und sehr, sehr viel Glück ein Dach über den Kopf zu finden.
Wichtig im Umgang mit dem JC bei der Bewilligung der KdU:
Auf keinen Fall abwimmeln lassen!
Die Bewilligung der KDU muss am selbigen Tag ausgestellt werden, sonst hat sie hier keine Chance eine Wohnung zu bekommen. Hartnäckig bleiben! Mit Beistand hingehen! Nicht abwimmeln lassen von wegen "Den Bescheid schicken wir zu", "So wichtig ist das doch nicht" oder "Es gibt ja nicht nur diese Wohnung"!
Die Vermieter hier warten nicht erst wochenlang, bis eine träge Behörde mal in die Puschen kommt und einen Bescheid erstellt!
Dem Vermieter im Vorwege nicht gleich auf die Nase binden, dass man ALG II bekommt - denn jung, ledig, arbeitslos - kommt hier nicht gut an!
Bei den Angeboten der SAGA-GWG (siehe roter Link) ist immer ein sog. Exposé dabei - ausdrucken und dem JC vorlegen.
Das reicht um die Übernahme der Kosten zu prüfen!
Am besten ist es, im Vorwege den Kostenübernahmebescheid in der Tasche zu haben, wenn man zur Wohnungsbesichtigung schreitet - Erfahrungen aus der kräftezerrenden Wohnungssuche bei meiner Tochter.
Bei Wohnungsbesichtigungen der SAGA-GWG wird immer ein "Mietinteressentenbogen" ausgelegt. Unbedingt ausfüllen - Telefonnummer, Emailadresse, Mobil ect nicht vergessen - Datenschutz hin oder her - wer unerreichbar ist, geht leer aus! Gut macht es sich dann, wenn man dann bereits "Kostenübernahme durch JC gesichert" hinschreiben kann.
PS: Bitte nur den roten SAGA-GWG-Link anklicken, bei den anderen landet man beim Geldwäschegesetz.
10.11.2012, 14:26 #6
10.11.2012, 14:29 #7
Bafög ist zwar die vorrangige Leistung - doch zunächst müsste die TE ALG II beantragen, bis über den Bafög-Bescheid entschieden ist.
10.11.2012, 14:58 #8
Wenn Herzmensch als Härtefall durchgehen würde,dann käme ALG II als Darlehen in Frage.
SGB II § 27
11.11.2012, 17:45 #9
Hallo, ich würde dir eine Gruppe für junge Lesben, und/oder Bi's empfehlen.
Sollte man sich ergoogeln können, du weißt ja am besten wo du wohnst ;)
Bei mir in Berlin gab es so eine Lesbengruppe, da konnte man sich treffen und austauschen, und individuell noch Gespräche vereinbaren, etc. ich habe jetzt zwar eine andere Sexualität als meine gefunden, aber ich kann dir das dennoch wärmstens ans Herz legen, wenn du nicht schon bei solchen Gruppen dabei bist. ;)
Die Menschen dort haben täglich mit der Problematik zu tun, Sexualität und Eltern, von daher werden die sicherlich auch wissen, an wen du dich wenden kannst, speziell wenn du noch Schülerin bist!
Möglicherweise ist es auch ein Fall für das Jugendamt.
(Wer auch immer dir nun was auch immer finanziert, dein Abitur zu machen hat natürlich vorrang, und da wird dir sicherlich keiner sagen, brich dein Abi ab und mach ne Ausbildung, das noch dazu, keine Angst, Abi ist das beste was du tun kannst.)
Hallo Herzmensch!
Es ist sehr bedauerlich, dass deine Ma sich da so "kurzsichtig" verhält.
Du bist zwar 18, aber dir steht der Gang zum Jugendamt offen.
Es gibt hier die "Hilfe für junge Volljährige".
Infos: Familien-Wegweiser - Stichwortverzeichnis
Rechtsgrundlage: § 41 SGB VIII Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung - dejure.org
11.11.2012, 19:12 #11
Du solltest dich genau erkundigen, ob du die Voraussetzungen fürs Abendgymnasium oder fürs Kolleg erfüllst.
Ans Kolleg darf man gewöhnlich erst mit 19 Jahren. Am Kolleg gibt es von Anfang an Bafög. Das ist elternunabhängiges Bafög, d.h. das Elterneinkommen wird nicht geprüft.
Beim Abendgymnasium gibt es gewöhnlich erst in der letzten Hälfte der Ausbildung Bafög.
Am Abendgymnasium ist das Bafög elternabhängig, d.h. Einkommen von Vater und Muter wird geprüft.
Die ersten Semester musst du arbeiten gehen oder als Arbeitsloser ALG 2 beziehen.
An einigen Orten gibt es das Abendgymnasium auch in Tagesform. Ich denke, in der Tagesform gibt es von Anfang an Bafög. Du musst dich also ganz genau erkundigen und vor allem rechtzeitig bewerben.
11.11.2012, 22:08 #12
Erstmal ein herzliches Danke für die zahlreichen Antworten.
Ein Abendgymnasium oder ein Kolleg kommen für mich nicht infrage.
Ich hatte mir nun überlegt, mir einen Job in HH zu suchen und dann dorthin zu ziehen (was, wie Ihr mir verdeutlicht habt, nun auch nicht so einfach ist, wie es sich schreiben lässt). Da ich ja aber nur bis Schulbeginn arbeiten könnte, müsste ich also Bafög beantragen. Da frage ich mich aber, was denn passierte, wenn mein Bafög-Antrag abgelehnt würde?; Allgemeinbildende Gymnasien sind nur dann förderungsfähig, wenn der Schulweg mind. 2 Stunden tägliche Wegstrecke bedeutet, was bei mir nicht der Fall wäre. Desweiteren könnte man mir sagen, dass ich mein Abitur auch in Schleswig-Holstein machen kann, es also nicht notwendig für mich ist, in HH zu wohnen. Wenn mein Bafög-Antrag also abgelehnt würde, müsste ich dann wieder zu meiner Mutter ziehen? Oder hätte ich dann Anspruch auf ALGII, obgleich ich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe?
12.11.2012, 01:06 #13
Kannst du denn so einfach ins Gymnasium eintreten, obwohl du die Schule schon einmal verlassen hattest?
Die Auskunft würde ich schon bald vom Schulamt schriftlich erbitten, vielleicht per Mail. Für alle Fälle, damit du keine böse Überraschung erlebst.
Wegen der Entfernung: Die Wegezeit zwischen zumutbarer Schule und Elternhaus muss für eine Strecke
1 Stunde betragen, d.h. für Hin- und Rückweg gesamt 2 Std. Dein Wohnort spielt dabei keine Rolle.
auszug, differenzen, mutter, schwerer
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 § 64
 § 17
 § 67
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 § 120
 § 27
 § 41