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Timestamp: 2017-07-25 02:44:30+00:00

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Alternativen zum Bedingungslosen Grundeinkommen | Texttheater
Alternativen zum Bedingungslosen Grundeinkommen
9 Antworten	Ich sympathisiere stark mit der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens. Die Idee mag nicht von heute auf morgen umsetzbar sein, aber sie gibt die einzig sinnvolle Richtung für die Zukunft des Sozialstaats vor, will mir scheinen. Denn welche Alternativen gibt es?
Weiter wie bisher: Viel Arbeit und Geld für die Starken, Minimalversorgung und Demütigung für die Schwachen. Nachteile: Verelendung der Schwachen, Überwachungsbürokratie.
BGE light: Grundeinkommen unter der Bedingung, dass man nicht mehr als X verdient, oder eine negative Einkommensteuer. Sonst keine Bedingungen, kein Druck, Arbeit zu finden. Nachteile: Überwachungsbürokratie, aber immerhin weniger davon. Halte ich insgesamt für die zweitbeste Lösung, zusätzlich hat sie den Charme, dass sie sich nicht so doll vom bestehenden System unterscheidet.
„Gerechte“ Modelle: Kritiker/innen des BGE und verwandter Modelle finden, dass alles ganz „gerecht“ zugehen muss und dass es automatisch „ungerecht“ wäre, wenn jemand, der nicht zum materiellen Wohlstand der Gesellschaft beiträgt, daran teilhat. (Ich bin in beiden Punkten anderer Meinung.) Zwei Arten von Modellen stellen die „Gerechtigkeit“ in den Mittelpunkt:
Rückkehr zur Selbstversorgerwirtschaft: Die Gesellschaft hat dann gar keinen materiellen Wohlstand, also kann auch niemand daran teilhaben. Nachteile: Sehr unrealistisch, Verelendung der Schwachen, sehr gefährlich für Kultur.
Vollbeschäftigung: Alle arbeiten (außer denen, die nicht können), alle haben am gesellschaftlichen Wohlstand teil. Nachteil all dieser Modelle: Man braucht immer noch eine Definition davon, was „arbeiten können“ bedeutet, und eine Überwachungsbürokratie, die sie anwendet. Das Ziel „Arbeit für alle“ kann auf zwei grundsätzliche Weisen erreicht werden:
Wenn zu wenig Arbeit da ist, mehr Arbeit schaffen. Nachteile: 1. Ist das sinnvoll? Ich hänge ja immer noch einem Fortschrittsbegriff an, der nicht nur höheren materiellen Wohlstand bei gleichem Arbeitseinsatz, sondern auch gleichen materiellen Wohlstand bei geringerem Arbeitseinsatz und mehr Freizeit als Erfolg anerkennt. Die begrenzten materiellen Ressourcen der Erde legen das auch nahe. 2. Es scheint ja selbst in unserem gegenwärtigen, das Ziel „Wachstum“ nicht hinterfragenden System nicht zu gelingen, Vollbeschäftigung zu erreichen.
Die vorhandene Arbeit gerechter verteilen, d.h. Sozialismus. Eine Möglichkeit dazu ist, alle Tätigkeiten mit einem gleichen Stundenlohn zu versehen, dann kann man mehr oder weniger arbeiten, aber es können keine riesigen Unterschiede in der Bezahlung mehr entstehen. Es spricht viel für solche Modelle und das Egalitäre daran ist mir sehr sympathisch. Es spricht aber auch viel dagegen; was mich am meisten stört, ist, dass es sich ja im Grunde nur über ein Verbot jeglichen unternehmerischen Handelns durchsetzen ließe. Nachteile also: Überwachungsbürokratie, extreme Einschränkung der Freiheit.
Über Sparsamkeit Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt am 11. April 2011 von Kilian Evang. Beitrags-Navigation
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9 Gedanken zu „Alternativen zum Bedingungslosen Grundeinkommen“	David 11. April 2011 um 23:12	Grundeinkommen unter der Bedingung, dass man nicht mehr als X verdient, oder eine negative Einkommensteuer.
Der Unterschied zwischen beiden ist schon enorm – dafür daß die Art der Erwähnung fast schon auf Gleichsetzung schließen läßt. Eins der Hauptprobleme bei z.B. bisherigen Zuverdienstgrenzen liegt ja in den diskreten Übergängen, die dadurch entstehen. Man verdient mehr und hat plötzlich weniger. Mit einer negativen Einkommensteuer wären die Verläufe immer stetig, und ich tendiere stark dazu, solche stetigen Verläufe als Notwendige Bedingung für die Seriosität einer entsprechenden Regelung zu betrachten. Außerdem wüßte ich nicht, weshalb für die negative Einkommensteuer mehr Überwachungsbürokratie als bisher nötig wäre.
ke Beitragsautor11. April 2011 um 23:20	Eins der Hauptprobleme bei z.B. bisherigen Zuverdienstgrenzen liegt ja in den diskreten Übergängen, die dadurch entstehen. Man verdient mehr und hat plötzlich weniger. Mit einer negativen Einkommensteuer wären die Verläufe immer stetig, und ich tendiere stark dazu, solche stetigen Verläufe als Notwendige Bedingung für die Seriosität einer entsprechenden Regelung zu betrachten.
Ich auch (auch wenn die beiden Modelle in dem Klassifizierungsschema, das ich hier angewandt habe, zusammenfallen).
Außerdem wüßte ich nicht, weshalb für die negative Einkommensteuer mehr Überwachungsbürokratie als bisher nötig wäre.
Ich auch nicht, deswegen habe ich ja ausdrücklich geschrieben, dass weniger erforderlich wäre. :D
David 11. April 2011 um 23:26	„deswegen habe ich ja ausdrücklich geschrieben, dass weniger erforderlich wäre. “
Oh, ja. Sorry. Allerdings mehr oder weniger dieselbe Überwachungsbürokratie, die man für die Eintreibung der positiven Einkommensteuer auch hat. Also bin ich noch nicht ganz überzeugt vom „weniger“.
ke Beitragsautor11. April 2011 um 23:28	Die ganze Überwachungsbürokratie zum Triezen der Hartz-IV-Empfänger/innen fiele weg.
David 11. April 2011 um 23:33	Verdammt, so ganz bin ich gerade nicht auf dem Damm.
Ja: Weniger im Vergleich zu jetzt. Was ich zuletzt gemeint hatte: Nicht unbedingt weniger als im Vergleich zum BGE. Die Steuerbürokratie gibt es eh, und die würde auch mit BGE bleiben.
Was natürlich passieren könnte ist, daß die Bezieher negativer Einkommensteuer dann als a priori der Steuerhinterziehung besonders verdächtig behandelt werden. Insofern magst Du da auch recht haben, denn das wäre beim BGE sinnlos.
ke Beitragsautor11. April 2011 um 23:40	Nicht unbedingt weniger als im Vergleich zum BGE.
In der Tat nicht, eher gäbe es umgekehrt beim BGE noch weniger Bürokratie. Zum Beispiel in Götz Werners Modell, wo parallel zum BGE die Einkommensteuer abgeschafft (und dafür die Umsatzsteuer durch eine hohe Konsumsteuer ersetzt wird).
Arnymenos 12. April 2011 um 22:03	1. Ich bin dafür. Jetzt. Sofort.
2. Die Details klären wir später.
Mein Hauptargument: Marktwirtsschaft funktioniert nur richtig mit BGE. Ein Handel kommt zustande, wenn Käufer und Verkäufer sich auf einen Preis einigen. Niemand ist durch äußere Zwänge verpflichtet, zu kaufen oder zu verkaufen. Damit das auch für Arbeit gilt, muss jede(r) in der Lage sein, den für seine Arbeit gebotenen Preis abzulehnen. Damit erledigt das BGE alle unrentablen Wirtschaftszweige (die nur der Selbsterhaltung des Systems dienen), alle Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, das Mantra der Vollbeschäftigung (Seit wann ist Arbeit etwas Gutes?), Lohndumping, etc. Alles kostet genau das, was am Markt als Gleichgewichtspreis herauskommt. Mit dem BGE können wir uns guten Gewissens in den Raubtierkapitalismus stürzen. Ich arbeite für 1€, wenn ich das will, denn ich stehe nicht unter dem Zwang, einen Mindestbetrag zu verdienen, um den ich mit anderen konkurriere. Damit lohnt sich sogar Sockenstricken: Arbeit wird bezahlt, und zwar genau soweit, wie der Käufer meint, dass sie es wert ist.
Und als Müllmann kann man dann richtig Geld scheffeln: Unbeliebte Berufe müssen endlich angemessen bezahlt werden. Das geht heute schon (Leichen waschen). Umgekehrt gibt’s kaum noch Geld für Berufe, die alle machen wollen (und auch können).
Ich hoffe, dass ich das BGE noch erlebe. Es ist für unsere Gesellschaft angemessen (wir haben den nötigen Wohlstand); Vollbeschäftigung ist was für die 70er, und hat nie funktioniert. Leider ist die Politik seeeehr träge.
DrNI 16. April 2011 um 10:46	Ich finde, wir haben schon mal ein Problem mit „Arbeit“. Was ist Arbeit? Für viele Menschen ist Arbeit, früh am Tag sich an einem entfernten Ort einzufinden und dort Dinge zu tun, die uninteressant, anstrengend und stressig sind. Man muss nur mal in ein schwäbisches Dorf an den Stammtisch gehen und sich umhören, da erfährt man genau, was Arbeit ist und was nicht. Nun ist das Wissenschaftlerdasein in den Augen der dort Saufenden auch keine Arbeit, aber irgendwie hat es sich durchgesetzt, dass man dafür Geld bekommt. Je weniger Bildung, desto strikter und unmenschlicher werden die Anforderungen von Arbeit an den Arbeiter. Meine Vermutung ist, dass diese strikt definierte Form von Arbeit von einigen Menschen nicht ausgeübt werden kann. Von diesen einigen haben manche das Glück, Künstler werden zu können, und davon ein paar können sogar von ihrer Kunst leben. Der Rest lebt vom Rest. Und damit wird das Modell „Vollbeschäftigung“ nie funktionieren. Das Modell „BGE Light“ funktioniert auch nicht: Nur wenn der Arbeitnehmer sich seinen Job ganz frei aussuchen kann, entsteht ein Arbeitsmarkt, der wieder ein Markt ist. Wenn das Grundeinkommen nur unterhalb einem gewissen Einkommen existiert, dann ist für alle über dieser Grenze kein Arbeitsmarkt gegeben sondern es läuft wie bisher. (Alles Weitere siehe Arnymenos oben :) )
Das BGE ist ein Entwicklungsschritt. Wenn man sich mit älteren Leuten unterhält, dann kriegt man öfter radikale Meinungen: Die Leute sollen halt arbeiten, alles faule Säcke. Das ist eine Meinung aus einer Zeit, in der es an Arbeit nicht gemangelt hat. Deutschland konnte und musste wieder aufgebaut werden und man konnte mit Fleiß und Spucke zu einem ansehnlichen Wohlstand gelangen. Heute ist mit ehrlicher Arbeit kein Wohlstand mehr zu erlangen, sondern nur noch mit der Ausbeutung anderer. Eines Tages haben wir mehr Roboter als Menschen im Land, da hilft aller Fleiß nichts. Wir lassen uns immer mehr Arbeit von Maschinen abnehmen und haben dann das Problem, dass keine Arbeit übrig ist. Da bleibt doch nur noch, die Maschinen schuften zu lassen und den Ertrag, den die Blechsklaven erwirtschaften eben auf alle zu verteilen. Damit ist das BGE eine Konsequenz aus dem Fortschritt der Menschheit.
Anonymous 24. Juni 2016 um 18:08	Alles nicht durchführbar, weil gegen den bornierten Stammtisch helfen keine Argumente.
Das hat fatale Folgen, denn dann braucht man sich nicht wundern das wir von wohlstandsverwahrlosten Idioten regiert werden und das diese von noch größeren Idioten abgelöst werden.

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