Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Klage_gegen_Versetzung_LAG_Hamm_10Sa901-12_u.html
Timestamp: 2018-01-23 02:08:00+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 10 Sa 901/12
Schlag­worte: AGB, Versetzung, Allgemeine Geschäftsbedingungen
Akten­zeichen: 10 Sa 901/12
Ent­scheid­ungs­datum: 04.01.2013
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dortmund, Urteil vom 16.02.2012, 3 Ca 4563/11
Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 16.02.2012 – 3 Ca 4563/11 – teil­wei­se ab­geändert:
1. der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Kläge­rin als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich mit fol­gen­den Tätig­kei­ten zu beschäfti­gen:
1) Be­ar­bei­tung der Ein­gangs­post: Brie­fe öff­nen, nach Wich­tig­keit und Ab­tei­lun­gen sor­tie­ren, dem Geschäftsführer vor­le­gen, an die ein­zel­nen Ab­tei­lun­gen ver­tei­len.
2) Se­kre­ta­ri­ats­ar­bei­ten – Vor­zim­mer Geschäftsführer: An­nah­me und Wei­ter­lei­tung von Te­le­fon­gesprächen, te­le­fo­ni­sche Aus­kunfts­er­tei­lung, Ter­min­ver­ein­ba­run­gen für den Geschäftsführer, Er­le­di­gung des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs, Ak­ten­ab­la­ge, Be­wir­tung von Be­su­chern, Wei­ter­ga­be von An­wei­sun­gen des Geschäftsführers an die Mit­ar­bei­ter, An­nah­me und Wei­ter­lei­tung von persönli­chen und dienst­li­chen Be­lan­gen der Mit­ar­bei­ter an den Geschäftsführer bzw. des­sen Stell­ver­tre­ter.
3) Sit­zungs­vor­be­rei­tun­gen: Or­ga­ni­sa­to­ri­sche Vor­be­rei­tun­gen von Sit­zun­gen, der Ver­band­aus­schuss­sit­zun­gen so­wie der Ver­tre­ter­ver­samm­lung, Er­stel­lung von Vor­la­gen, Auszügen und Pro­to­kol­len, edv-mäßige Er­fas­sung der Kir­chen­vor­stands­mit­glie­der, Pla­nung und Vor­be­rei­tung von in­ner­be­trieb­li­chen Ver­an­stal­tun­gen.
4) Ka­pi­tal­er­trags- und Zins­ab­schlags­steu­er: Be­ar­bei­tung der Anträge, Führung von Gesprächen und des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs,zwi­schen Kir­chen­ge­mein­den und Ban­ken, Aus­stel­lung von Spen­den­quit­tun­gen, An­trag­stel­lung an das Fi­nanz­amt bei zu Un­recht ein­be­hal­te­ner Zins­ab­schlags­steu­er.
5) Grundbücher und Grundstücks­geschäfte: An­la­ge und Führung der Grund­buch­ak­ten so­wie der Lie­gen­schafts­ka­tas­ter, Führung von Gesprächen und Ab­wick­lung des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs zwi­schen den Grund­buchämtern, No­ta­ren, Käufern, Verkäufern, dem EGV, Gut­ach­ter­aus­schuss, Ar­chi­tek­ten und Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­ren, Über­prüfung und edv-mäßige Er­fas­sung der Fort­schrei­bung der Lie­gen­schafts­da­ten, Ein­tra­gung, Be­las­tung und Löschung von Erb­bau­rech­ten, Dienst­bar­kei­ten, Grund­schul­den und Bau­las­ten: Führung von Gesprächen und Ab­wick­lung des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs mit den zuständi­gen Behörden, Ban­ken, Erb­bau­be­rech­tig­ten, etc. An­la­ge und Führung der Grundstücks­ak­ten: Ter­minüber­wa­chung von Geld­eingängen und Be­sitzübergängen so­wie Ei­gen­tums­um­schrei­bun­gen, Aus­kunfts­er­tei­lung und Ab­stim­mung zu Ver­trags­in­hal­ten, Gut­ach­ten, kir­chen­auf­sicht­li­cher Ge­neh­mi­gun­gen bei Ab­we­sen­heit des Geschäftsführers.
6) Friedhöfe (Haupt- und Südwest­fried­hof) Be­ar­bei­tung der an­fal­len­den Per­so­nal- und Grab­pfle­ge­kos­ten
7) Park­kar­ten M1-K1-Haus,Führung und Ak­tua­li­sie­rung der Dau­er­park­lis­ten, Her­aus­ga­be von Park­kar­ten, Er­stel­lung von Rech­nun­gen für Park­kar­ten.
8) Ca­fe N1 im M1-K1-Haus Er­rech­nung der mo­nat­li­chen Pacht, Führung der Jah­res­pachtüber­sicht.
9) Ver­si­che­run­gen/ Ur­laubs- und Krank­heits­ver­tre­tung, Be­ar­bei­tung von Ver­si­che­rungsfällen und Wei­ter­lei­tung an die zuständi­gen Behörden.
10) Aus­gangs­post, Re­ge­lung der Ur­laubs- und Krank­heits­ver­tre­tung, ggf. Ur­laubs- und Krank­heits­ver­tre­tung, Brief­um­schläge nach Größe und Ge­wicht sor­tie­ren, fran­kie­ren und für Bo­ten be­reit le­gen.
11) Rei­ni­gungs­kraft Frau L1
An­sprech­part­ner bezüglich dienst­li­cher Be­lan­ge der Rei­ni­gungs­kraft.
3. Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung der Kläge­rin wird zurück­ge­wie­sen.
4. Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen der Be­klag­te zu 80 %, die Kläge­rin zu 20 %.
Die Par­tei­en strei­ten über den In­halt des Beschäfti­gungs­an­spruchs der Kläge­rin.
Die am 18.10.1960 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit dem 01.01.1995 beim be­klag­ten Ver­band beschäftigt. Nach dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag vom 08.02.1995 er­folg­te die Ein­stel­lung als „Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich". Gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ist die kirch­li­che Ar­beits-und Vergütungs­ord­nung (KA­VO) in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung ein­sch­ließlich der An­la­gen Be­stand­teil des Ver­tra­ges. In § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ist be­stimmt, dass die Kläge­rin in der Vergütungs­grup­pe K VII Fall­grup­pe 2.3.2 / 2.1.1 ein­grup­piert ist. Mit Zu­satz­ver­trag zum Ar­beits­ver­trag vom 11.12.2001 wur­de ei­ne Vergütung nach der Vergütungs­grup­pe K Vc Fall­grup­pe 9.2.1.1 ver­ein­bart.
An­fang des Jah­res 2003 bat der be­klag­te Ver­band die Mit­ar­bei­ter dar­um, ei­ne Stel­len­be­schrei­bung zu er­stel­len, aus der her­vor­geht, wel­che Ar­bei­ten von den je­wei­li­gen Mit­ar­bei­tern tatsächlich aus­geübt wer­den. Die Kläge­rin er­stell­te dar­auf hin un­ter dem 01.03.2003 ei­ne Stel­len­be­schrei­bung, die sie an den Geschäftsführer des be­klag­ten Ver­ban­des wei­ter­lei­te­te und die von die­sem zur Kennt­nis ge­nom­men wur­de. Nach der Stel­len­be­schrei­bung war die Kläge­rin im We­sent­li­chen mit Se­kre­ta­ri­ats­ar­bei­ten im Vor­zim­mer des Geschäftsführers und mit Ar­bei­ten im Lie­gen­schafts­be­reich (z. B. An­la­ge und Führung der Grund­buch­ak­ten so­wie der Lie­gen­schafts­ka­tas­ter, Ein­tra­gung, Be­las­tung und Löschung von Erb­bau­rech­ten, Dienst­bar­kei­ten, Grund­schul­den und Bau­las­ten, Über­wa­chung von Geld­eingängen, Be­sitzübergängen so­wie Ei­gen­tums­um­schrei­bun­gen) beschäftigt. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Stel­len­be­schrei­bung vom 01.03.2003, Bl. 15 – 19 d. A. Be­zug ge­nom­men. Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass die in der Stel­len­be­schrei­bung auf­geführ­ten Tätig­kei­ten der Kläge­rin über­tra­gen und von die­ser wahr­ge­nom­men wur­den. Le­dig­lich hin­sicht­lich des zeit­li­chen Um­fangs der Ar­bei­ten im Lie­gen­schafts­be­reich be­steht Streit.
Im Jahr 2008 war die Kläge­rin an 31 Ta­gen ar­beits­unfähig er­krankt, im Jahr 2009 an 50 Ta­gen, im Jahr 2010 an 108 Ta­gen und in der Zeit vom 01.01.2011 bis 18.05.2011 an 82 Ta­gen. Nach der letz­ten Er­kran­kung und ei­nem sich an­sch­ließen­den Ur­laub nahm die Kläge­rin am 08.06.2011 ih­re Tätig­keit wie­der auf. Seit die­sem Zeit­punkt wird sie nicht mehr im Vor­zim­mer des Geschäftsführers und auch nicht mehr mit den bis­he­ri­gen Tätig­kei­ten im Lie­gen­schafts­be­reich, son­dern im We­sent­li­chen mit den fol­gen­den Tätig­kei­ten beschäftigt:
• Ver­fas­sen von Brie­fen, Kurz­mit­tei­lun­gen, Rund­schrei­ben für die Bau­ab­tei­lung bzw. die Geschäftsführung, teil­wei­se nach Dik­tat, teil­wei­se nach Stich­wort­an­ga­ben
• Selbständi­ge Adres­sen­su­che ( Adres­sen­lis­te aus­dru­cken und Kor­rek­tur­le­sen der ver­fass­ten Brie­fe)
• Fo­to­ko­pi­en er­stel­len, An­la­gen zu­sam­men­stel­len
• Vor­be­rei­tung des Schrift­ver­kehrs zur Un­ter­schrift
• Ein­ku­ver­tie­ren der Aus­gangs­post für meh­re­re Sach­be­ar­bei­ter
• All­ge­mei­ne Ab­la­ge
• Wei­ter­lei­tung wich­ti­ger Un­ter­la­gen an Kir­chen­ge­mein­den
• Lie­gen­schafts­ab­tei­lung: Er­stel­lung von Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nun­gen nach Vor­ga­be
Mit ih­rer am 02.11.2011 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin ei­ne Beschäfti­gung ent­spre­chend der Vergütungs­grup­pe K Vc, bzw. der Ent­gelt­grup­pe 8, hilfs­wei­se mit den Tätig­kei­ten, die von ihr bis­lang wahr­ge­nom­men wur­den und in der Stel­len­aus­schrei­bung aus­ge­wie­sen sind, be­gehrt. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, die ihr nun­mehr zu­ge­wie­se­nen Tätig­kei­ten sei­en un­ter­wer­tig und nicht ver­trags­ge­recht. Sie wer­de le­dig­lich als rei­ne Schreib­kraft ein­ge­setzt; ihr wer­de schlicht und ein­fach zu­dik­tiert, was sie zu tun und zu las­sen ha­be. Hierfür sei­en kei­ne gründ­li­chen und viel­sei­ti­gen Fach­kennt­nis­se er­for­der­lich; ih­re jet­zi­ge Tätig­keit um­fas­se auch kei­ner­lei selbständi­ge Leis­tun­gen. Da­ne­ben sei sie von ih­rem frühe­ren Ar­beits­platz, dem Vor­zim­mer des Geschäftsführers, „ent­fernt" wor­den und ar­bei­te nun­mehr in ei­nem Raum, den sie als Ab­stell­raum emp­fin­den müsse.
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, sie als Mit­ar­bei­te­rin im Ver­wal­tungs­dienst mit ei­ner Tätig­keit, die gründ­li­che und viel­sei­ti­ge Fach­kennt­nis­se er­for­dert und darüber hin­aus selbständi­ge Leis­tun­gen, zu beschäfti­gen.
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, sie als An­ge­stell­te mit Se­kre­ta­ri­ats­ar­bei­ten, Ar­chiv­ar­bei­ten und Lie­gen­schafts­ar­bei­ten zu beschäfti­gen mit der Maßga­be fol­gen­der Tätig­kei­ten:
1. Be­ar­bei­tung der Ein­gangs­post: Brie­fe öff­nen, nach Wich­tig­keit und Ab­tei­lun­gen sor­tie­ren, dem Geschäftsführer vor­le­gen, an die ein­zel­nen Ab­tei­lun­gen ver­tei­len.
2. Se­kre­ta­ri­ats­ar­bei­ten – Vor­zim­mer Geschäftsführer: An­nah­me und Wei­ter­lei­tung von Te­le­fon­gesprächen, te­le­fo­ni­sche Aus­kunfts­er­tei­lung, Ter­min­ver­ein­ba­run­gen für den Geschäftsführer, Er­le­di­gung des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs, Ak­ten­ab­la­ge, Be­wir­tung von Be­su­chern, Wei­ter­ga­be von An­wei­sun­gen des Geschäftsführers an die Mit­ar­bei­ter, An­nah­me und Wei­ter­lei­tung von persönli­chen und dienst­li­chen Be­lan­gen der Mit­ar­bei­ter an den Geschäftsführer bzw. des­sen Stell­ver­tre­ter.
3. Sit­zungs­vor­be­rei­tun­gen: Or­ga­ni­sa­to­ri­sche Vor­be­rei­tun­gen von Sit­zun­gen, der Ver­band­aus­schuss­sit­zun­gen so­wie der Ver­tre­ter­ver­samm­lung, Er­stel­lung von Vor­la­gen, Auszügen und Pro­to­kol­len, edv-mäßige Er­fas­sung der Kir­chen­vor­stands­mit­glie­der, Pla­nung und Vor­be­rei­tung von in­ner­be­trieb­li­chen Ver­an­stal­tun­gen.
4. Ka­pi­tal­er­trags- und Zins­ab­schlags­steu­er: Be­ar­bei­tung der Anträge, Führung von Gesprächen und des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs,zwi­schen Kir­chen­ge­mein­den und Ban­ken, Aus­stel­lung von Spen­den­quit­tun­gen, An­trag­stel­lung an das Fi­nanz­amt bei zu Un­recht ein­be­hal­te­ner Zins­ab­schlags­steu­er.
5. Grundbücher und Grundstücks­geschäfte: An­la­ge und Führung der Grund­buch­ak­ten so­wie der Lie­gen­schafts­ka­tas­ter, Führung von Gesprächen und Ab­wick­lung des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs zwi­schen den Grund­buchämtern, No­ta­ren, Käufern, Verkäufern, dem EGV, Gut­ach­ter­aus­schuss, Ar­chi­tek­ten und Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­ren, Über­prüfung und edv-mäßige Er­fas­sung der Fort­schrei­bung der Lie­gen­schafts­da­ten, Ein­tra­gung, Be­las­tung und Löschung von Erb­bau­rech­ten, Dienst­bar­kei­ten, Grund­schul­den und Bau­las­ten: Führung von Gesprächen und Ab­wick­lung des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs mit den zuständi­gen Behörden, Ban­ken, Erb­bau­be­rech­tig­ten, etc. An­la­ge und Führung der Grundstücks­ak­ten: Ter­minüber­wa­chung von Geld­eingängen und Be­sitzübergängen so­wie Ei­gen­tums­um­schrei­bun­gen, Aus­kunfts­er­tei­lung und Ab­stim­mung zu Ver­trags­in­hal­ten, Gut­ach­ten, kir­chen­auf­sicht­li­cher Ge­neh­mi­gun­gen bei Ab­we­sen­heit des Geschäftsführers.
6. Friedhöfe (Haupt- und Südwest­fried­hof)Be­ar­bei­tung der an­fal­len­den Per­so­nal- und Grab­pfle­ge­kos­ten
7. Park­kar­ten M1-K1-Haus,Führung und Ak­tua­li­sie­rung der Dau­er­park­lis­ten, Her­aus­ga­be von Park­kar­ten, Er­stel­lung von Rech­nun­gen für Park­kar­ten.
8. Ca­fe N1 im M1-K1-Haus Er­rech­nung der mo­nat­li­chen Pacht, Führung der Jah­res­pachtüber­sicht.
9. Ver­si­che­run­gen/ Ur­laubs- und Krank­heits­ver­tre­tung, Be­ar­bei­tung von Ver­si­che­rungsfällen und Wei­ter­lei­tung an die zuständi­gen Behörden.
10. Aus­gangs­post, Re­ge­lung der Ur­laubs- und Krank­heits­ver­tre­tung, ggf. Ur­laubs- und Krank­heits­ver­tre­tung, Brief­um­schläge nach Größe und Ge­wicht sor­tie­ren, fran­kie­ren und für Bo­ten be­reit le­gen.
11. Rei­ni­gungs­kraft Frau L1
Der Be­klag­te hat die An­sicht ver­tre­ten, die Kläge­rin wer­de mit den nun­mehr über­tra­ge­nen Tätig­kei­ten ver­trags­gemäß beschäftigt. Die Stel­len­be­schrei­bung vom 01.03.2003 sei von den Par­tei­en nicht un­ter­zeich­net wor­den und auch nicht Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges ge­wor­den. Die Kläge­rin ha­be da­her kei­nen An­spruch dar­auf, ex­akt mit die­sen Tätig­kei­ten beschäftigt zu wer­den. Sie könne le­dig­lich ver­lan­gen, ent­spre­chend dem Ar­beits­ver­trag als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich ein­ge­setzt zu wer­den. Die von der Kläge­rin der­zeit aus­geübten Tätig­kei­ten würden die­sem An­spruch ent­spre­chen. Ihr Geschäftsführer benöti­ge in sei­nem Vor­zim­mer ei­ne Mit­ar­bei­te­rin, mit der er kon­ti­nu­ier­lich und ver­trau­ens­voll zu­sam­men ar­bei­ten könne. Auf­grund der krank­heits­be­ding­ten Ausfälle ha­be er sich ge­zwun­gen ge­se­hen, ei­ne an­de­re Mit­ar­bei­te­rin mit die­sen Tätig­kei­ten zu be­trau­en.
Mit Ur­teil vom 16.02.2012 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, der Haupt­an­trag sei un­zulässig, da er nicht hin­rei­chend be­stimmt sei und kei­nen voll­stre­ckungsfähi­gen In­halt ha­be. Der Hilfs­an­trag sei un­be­gründet. Die Stel­len­be­schrei­bung vom 01.02.2003 sei nicht Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges ge­wor­den. Ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf die in der Stel­len­be­schrei­bung ge­nann­ten Tätig­kei­ten sei eben­falls nicht er­folgt. Die Kläge­rin wer­de nach ih­rer Rück­kehr aus der Ar­beits­unfähig­keit bzw. dem sich an­sch­ließen­den Ur­laub ver­trags­gemäß beschäftigt, da sie tatsächlich als „Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich" ein­ge­setzt wer­de. Es würde so­gar genügen, wenn die Kläge­rin im Se­kre­ta­ri­ats- oder Lie­gen­schafts­be­reich ein­ge­setzt würde. Dass sie in bei­den Be­rei­chen ku­mu­la­tiv beschäftigt wer­den müsse, er­ge­be sich aus dem Ar­beits­ver­trag nicht. Bei den der Kläge­rin über­tra­ge­nen Tätig­kei­ten han­de­le es sich um ty­pi­sche Se­kre­ta­ri­ats­auf­ga­ben. Die­se sei­en ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­det. Auf die Qua­lität bzw. das Ni­veau die­ser Tätig­kei­ten kom­me es nicht an, so­lan­ge sie sich im ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Auf­ga­ben­feld be­weg­ten.
Hier­ge­gen wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer Be­ru­fung. Sie ist der An­sicht, der Haupt­an­trag sei hin­rei­chend be­stimmt. Da der Ar­beit­ge­ber im Rah­men des Di­rek­ti­ons­rech­tes be­stim­men könne, wie sie beschäftigt wird, könne sie kei­nen kon­kre­ti­sier­ten Kla­ge­an­trag, in dem die Tätig­kei­ten be­nannt wer­den, mit de­nen sie zu beschäfti­gen sei, stel­len. Im Übri­gen ha­be das Ar­beits­ge­richt die Pro­ble­ma­tik des Fal­les in keins­ter Wei­se er­kannt. Ins­be­son­de­re ha­be sich das Ar­beits­ge­richt über­haupt nicht mit der aus­drück­lich im Ar­beits­ver­trag be­nann­ten Vergütungs­grup­pe und den ent­spre­chen­den Ein­grup­pie­rungs­merk­ma­len be­fasst.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 16.02.2012 – 3 Ca 4563/11 - ab­zuändern und
1. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, sie als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich mit Tätig­kei­ten zu beschäfti­gen, bei de­nen min­des­tens zur Hälf­te Ar­beits­vorgänge an­fal­len, die gründ­li­che und viel­sei­ti­ge Fach­kennt­nis­se er­for­dern und zu­min­dest ei­nem Vier­tel Ar­beits­vorgänge, die selbstständi­ge Leis­tun­gen er­for­dern,
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, sie als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich mit fol­gen­den Tätig­kei­ten zu beschäfti­gen:
4. Ka­pi­tal­er­trags- und Zins­ab­schlags­steu­er: Be­ar­bei­tung der Anträge, Führung von Gesprächen und des an­fal­len­den Schrift­ver­kehrs, zwi­schen Kir­chen­ge­mein­den und Ban­ken, Aus­stel­lung von Spen­den­quit­tun­gen,An­trag­stel­lung an das Fi­nanz­amt bei zu Un­recht ein­be­hal­te­ner Zins­ab­schlags­steu­er.
Der Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­trags als zu­tref­fend. Aus dem Ar­beits­ver­trag er­ge­be sich nicht, dass die Kläge­rin ku­mu­la­tiv im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich beschäftigt wer­den müsse. Bei den der Kläge­rin über­tra­ge­nen Tätig­kei­ten han­de­le es sich um ty­pi­sche Se­kre­ta­ri­ats­auf­ga­ben, die teil­wei­se auch im Be­reich der Lie­gen­schafts­ab­tei­lung aus­geübt würden. Zu­tref­fend sei das Ar­beits­ge­richt auch zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass es auf die Qua­lität bzw. das Ni­veau die­ser Tätig­kei­ten nicht an­kom­me. Die Zu­wei­sung von Ein­zeltätig­kei­ten lie­ge aus­sch­ließlich im Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers. Die­ses Di­rek­ti­ons­recht sei von ihm in nicht zu be­an­stan­den­der Art und Wei­se aus­geübt wor­den.
A) Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig. Sie ist statt­haft und wur­de form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet (§§ 64 Abs. 2 b, 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 ZPO).
B) In der Sa­che hat die Be­ru­fung teil­wei­se Er­folg. Die Kläge­rin hat der­zeit ei­nen An­spruch auf Beschäfti­gung mit den Tätig­kei­ten, die ihr bis zum 08.06.2011 über­tra­gen wa­ren. Das Ar­beits­ge­richt hat in­so­weit zwar zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass sich ein sol­cher An­spruch nicht be­reits auf­grund ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung aus dem Ar­beits­ver­trag er­gibt. Es hat auch zu­tref­fend ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung auf aus­sch­ließlich die­se Tätig­kei­ten ver­neint. Die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung ist aber den­noch ab­zuändern, weil das Ar­beits­ge­richt ver­kannt hat, dass der Ar­beit­neh­mer auch dann den all­ge­mei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch auf die - bis­he­ri­ge - Beschäfti­gung hat, wenn die Ände­rung des In­halts der Ar­beits­leis­tung durch Ausübung des dem Ar­beit­ge­ber zu­ste­hen­den Di­rek­ti­ons­rech­tes oder ei­nes sons­ti­gen Leis­tungs­be­stim­mungs­rech­tes un­wirk­sam ist. Vor­lie­gend hat der Be­klag­te bei der Ausübung des ihm zu­ste­hen­den Di­rek­ti­ons­rech­tes die Gren­zen des § 106 Ge­wO nicht be­ach­tet, so dass die von ihm vor­ge­nom­me­ne Ände­rung des In­halts der Ar­beits­leis­tung un­wirk­sam ist.
I. Der Haupt­an­trag der Kläge­rin, der auf ei­ne Beschäfti­gung mit Tätig­kei­ten ge­rich­tet ist, bei de­nen min­des­tens zur Hälf­te Ar­beits­vorgänge an­fal­len, die gründ­li­che und viel­sei­ti­ge Fach­kennt­nis­se er­for­dern und zu­min­dest ei­nem Vier­tel Ar­beits­vorgänge, die selbständi­ge Leis­tun­gen er­for­dern, ist un­zulässig, da nicht hin­rei­chend be­stimmt i. S. v. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.
Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift außer der be­stimm­ten An­ga­be des Ge­gen­stan­des und des Grun­des des er­ho­be­nen An­spruchs ei­nen be­stimm­ten Kla­ge­an­trag ent­hal­ten. Des­sen An­ga­be ist zum ei­nen zur Fest­le­gung des Streit­ge­gen­stan­des und des Um­fangs der Prüfungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Ge­richts (§ 308 Abs. 1 ZPO) so­wie zur Fest­le­gung von In­halt und Um­fang der ma­te­ri­el­len Rechts­kraft der be­gehr­ten Ent­schei­dung (§ 322 ZPO) er­for­der­lich. Zum an­de­ren muss ei­ne Ent­schei­dung, die ei­ne Hand­lungs­pflicht aus­spricht, grundsätz­lich zur Zwangs­voll­stre­ckung ge­eig­net sein. Die Prüfung, wel­che Hand­lung der Schuld­ner vor­neh­men soll, darf da­bei nicht durch ei­ne un­ge­naue An­trags­for­mu­lie­rung und ei­nen dem ent­spre­chen­den ge­richt­li­chen Ti­tel aus dem Er­kennt­nis- in das Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den. Der Ar­beit­ge­ber, der zur Erfüllung sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten an­ge­hal­ten wer­den soll, muss vor­her wis­sen, wann er mit der Verhängung ei­nes Zwangs­gel­des rech­nen muss. Ein auf die Vor­nah­me ei­ner Hand­lung ge­rich­te­ter An­trag muss da­her aus rechts­staat­li­chen Gründen für die in An­spruch ge­nom­me­ne Par­tei ein­deu­tig er­ken­nen las­sen, wel­che Hand­lung er vor­zu­neh­men hat und in wel­chen Fällen ge­gen ihn ein Zwangs­geld verhängt wer­den kann.
Die­sen An­for­de­run­gen genügt der Haupt­an­trag der Kläge­rin nicht. Aus dem An­trag er­gibt sich nicht, mit wel­chen kon­kre­ten Tätig­kei­ten der Be­klag­te die Kläge­rin beschäfti­gen soll. Die­se Tätig­kei­ten wer­den viel­mehr nur rah­menmäßig um­schrie­ben, wo­bei mit den Be­grif­fen „Ar­beits­vor­gang", „gründ­li­che und viel­sei­ti­ge Fach­kennt­nis­se" und „selbständi­ge Leis­tun­gen" un­be­stimm­te Rechts­be­grif­fe aus den Ein­grup­pie­rungs­vor­schrif­ten der KA­VO ver­wen­det wer­den. Da die­se Be­grif­fe aus­le­gungsfähig und aus­le­gungs­bedürf­tig sind, ste­hen In­halt und Um­fang des gel­tend ge­mach­ten Beschäfti­gungs­an­spruchs nicht ein­deu­tig fest. Für den Be­klag­ten würde es aber ei­ne nicht erträgli­che Un­si­cher­heit be­deu­ten, wenn er zur Beschäfti­gung der Kläge­rin mit Tätig­kei­ten ver­ur­teilt wird, die nicht kon­kret um­schrie­ben sind und bei de­nen erst das Voll­stre­ckungs­ge­richt ent­schei­den müss­te, ob die in Erfüllung des Ti­tels über­tra­ge­nen Tätig­kei­ten den Ein­grup­pie­rungs­merk­ma­len ent­spre­chen.
Da­ne­ben würde durch ei­nem dem An­trag ent­spre­chen­den Ur­teils­te­nor auch die zwi­schen den Par­tei­en ei­gent­lich strei­ti­ge Fra­ge nicht geklärt. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht grundsätz­lich kein Streit darüber, dass der Kläge­rin ein An­spruch auf ver­trags­gemäße Beschäfti­gung und da­mit ein An­spruch auf Beschäfti­gung mit Tätig­kei­ten zu­steht, die ih­rer Vergütungs­grup­pe ent­spre­chen. Strei­tig ist viel­mehr, ob die der Kläge­rin der­zeit über­tra­ge­nen Auf­ga­ben in die­sem Sin­ne ver­trags­gemäß sind.
II. Der auf die Beschäfti­gung mit den bis­he­ri­gen Tätig­kei­ten ge­rich­te­te Hilfs­an­trag der Kläge­rin ist als Leis­tungs­an­trag zulässig.
1. Bei ei­nem Streit über die Be­rech­ti­gung ei­ner Ver­set­zung be­ste­hen für den Ar­beit­neh­mer nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zwei Möglich­kei­ten. Er kann die Be­rech­ti­gung der Ver­set­zung zum ei­nen im Rah­men ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge klären las­sen. Darüber hin­aus hat er aber auch die Möglich­keit, den An­spruch auf ver­trags­gemäße Beschäfti­gung im Rah­men ei­ner Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tung gem. § 259 ZPO durch­zu­set­zen. Bei der Prüfung des Beschäfti­gungs­an­spruchs ist die Wirk­sam­keit der Ver­set­zung als Vor­fra­ge zu
be­ur­tei­len. Vor­aus­set­zung für ei­ne der­ar­ti­ge Kla­ge ist die Be­sorg­nis, dass der Schuld­ner sich an­dern­falls der recht­zei­ti­gen Leis­tung ent­zie­hen wer­de (BAG, Ur­teil vom 25.08.2010 - 10 AZR 275/09 -; BAG, Ur­teil vom 29.10.1997 - 5 AZR 573/96 -).
Die Vor­aus­set­zun­gen des § 259 ZPO lie­gen vor, da sich der Be­klag­te wei­gert, die Kläge­rin mit den ihr bis­lang über­tra­ge­nen Auf­ga­ben zu beschäfti­gen.
2. Der Hilfs­an­trag der Kläge­rin ist auch hin­rei­chend be­stimmt i. S. v. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Im Hilfs­an­trag sind die Tätig­kei­ten, mit de­nen die Kläge­rin beschäftigt wer­den soll, kon­kret be­nannt, so dass der In­halt des gel­tend ge­mach­ten Beschäfti­gungs­an­spruchs ein­deu­tig fest­steht.
II. Der auf ei­ne Beschäfti­gung mit den ihr bis­lang über­tra­ge­nen Tätig­kei­ten ge­rich­te­te Hilfs­an­trag der Kläge­rin ist auch be­gründet.
1. Er­weist sich ei­ne vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Ver­set­zung als un­wirk­sam, so hat der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf Beschäfti­gung in sei­ner bis­he­ri­gen Tätig­keit am bis­he­ri­gen Ort (BAG, Ur­teil vom 25.08.2010 - 10 AZR 275/09 -; BAG, Ur­teil vom 17.02.1998 - 9 AZR 130/97 -; BAG, Ur­teil vom 26.01.1988 - 1 AZR 531/86 -). Bei ei­ner Ver­set­zung han­delt es sich um ei­ne ein­heit­li­che Maßnah­me, die nicht in den Ent­zug der bis­he­ri­gen Tätig­keit und die Zu­wei­sung ei­ner neu­en Tätig­keit auf­ge­spal­ten wer­den kann. Dies gilt auch dann, wenn In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung im Ar­beits­ver­trag nicht ab­sch­ließend fest­ge­legt sind, son­dern dem Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers (§ 106 Ge­wO) un­ter­lie­gen. So­lan­ge die­ser nicht rechts­wirk­sam von sei­nem Wei­sungs­recht er­neut Ge­brauch ge­macht oder ei­ne wirk­sa­me Frei­stel­lung von der Ar­beit aus­ge­spro­chen hat, bleibt es bei der bis­her zu­ge­wie­se­nen Ar­beits­auf­ga­be am bis­he­ri­gen Ort und der Ar­beit­neh­mer hat ei­nen dem­ent­spre­chen­den Beschäfti­gungs­an­spruch (BAG, Ur­teil vom 25.08.2010 - 10 AZR 275/09 -).
Wird der Ar­beit­ge­ber nach ei­ner Ver­set­zung zur tatsächli­chen Beschäfti­gung zu den vor­he­ri­gen Be­din­gun­gen ver­ur­teilt, ist da­mit die Vor­fra­ge der Wirk­sam­keit der Ver­set­zung be­ant­wor­tet. Ei­ne Ent­schei­dung darüber, ob und ggf. in wel­chem Um­fang der Ar­beit­ge­ber zukünf­tig von sei­nem Wei­sungs­recht rechts­wirk­sam Ge­brauch ma­chen kann, ist hin­ge­gen nicht ge­trof­fen. Will ein Ar­beit­neh­mer ei­ne wei­ter­ge­hen­de Ent­schei­dung zum Um­fang des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Wei­sungs­rechts er­rei­chen, so muss er bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 256 ZPO von der Möglich­keit ei­nes ge­son­der­ten Fest­stel­lungs­an­trags Ge­brauch ma­chen.
2. Vor­lie­gend hat der Be­klag­te von dem ihm nach § 106 Ge­wO zu­ste­hen­den Wei­sungs­recht nicht wirk­sam Ge­brauch ge­macht.
a) Nach § 106 S. 1 Ge­wO kann der Ar­beit­ge­ber In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung nach bil­li­gem Er­mes­sen näher be­stim­men, so­weit die­se Ar­beits­be­din­gun­gen nicht durch den Ar­beits­ver­trag, Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­tra­ges oder ge­setz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt ist. Hier­nach ist der Ar­beit­ge­ber nur in­ner­halb des ar­beits­ver­trag­lich vor­ge­ge­be­nen, je nach Ver­trags­ge­stal­tung en­ge­ren oder wei­te­ren Rah­mens be­rech­tigt, Art und In­halt der zu leis­ten­den Ar­beit durch Ausübung des ihm zu­ste­hen­den Wei­sungs­rech­tes fest­zu­le­gen.
b) Im Ar­beits­ver­trag vom 08.02.1995 ha­ben die Par­tei­en bezüglich der Tätig­keit der Kläge­rin le­dig­lich ver­ein­bart, dass sie als „Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich" ein­ge­stellt wird. Da­nach ist die Kläge­rin nicht für ei­ne be­stimm­te, kon­kret be­zeich­ne­te Tätig­keit ein­ge­stellt wor­den, son­dern für ei­nen all­ge­mein um­schrie­be­nen Auf­ga­ben­be­reich. Das Di­rek­ti­ons­recht des Be­klag­ten er­streckt sich bei die­ser Ver­trags­ge­stal­tung zunächst ein­mal auf al­le Tätig­kei­ten, die dem all­ge­mein um­schrie­be­nen Auf­ga­ben­be­reich „Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich" ent­spre­chen. Da­ne­ben wird das Wei­sungs­recht des Be­klag­ten durch die Ein­grup­pie­rung der Kläge­rin ein­ge­schränkt. Das Wei­sungs­recht um­fasst nämlich nicht die Be­fug­nis zur Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers auf ei­nen Ar­beits­platz mit ge­rin­ger­wer­ti­gen Tätig­kei­ten, und zwar auch dann nicht, wenn die bis­her ge­zahl­te Vergütung fort­ge­zahlt wird. Dem Ar­beit­neh­mer können kraft Di­rek­ti­ons­recht viel­mehr nur sol­che neu­en Tätig­kei­ten zu­ge­wie­sen wer­den, die den Merk­ma­len der Vergütungs­grup­pe, in die er ein­grup­piert ist, ent­spre­chen (vgl. nur ErfK/Preis, 12. Aufl., § 106 Ge­wO Rn. 13 m. w. N.).
c) Die Kläge­rin ist nach dem Zu­satz­ver­trag vom 11.02.2001 in die Vergütungs­grup­pe K Vc Fall­grup­pe 9.2.1.1 KA­VO ein­grup­piert, was nach der Zu­ord­nungs­ta­bel­le gemäß An­la­ge 5a zur KA­VO der Ent­gelt­grup­pe 8 ent­spricht. In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass für die Fra­ge der ver­trags­ge­rech­ten Beschäfti­gung der Kläge­rin nicht die von den Par­tei­en zi­tier­te An­la­ge 5b zur KA­VO maßge­bend ist. Die­se gilt nur für zwi­schen dem 01.01.2008 und dem In – Kraft – Tre­ten der neu­en Ein­grup­pie­rungs­vor­schrif­ten statt­fin­den­de Ein­grup­pie­rungs­vorgänge, wor­um es vor­lie­gend nicht geht. Für die Fra­ge, ob der Kläge­rin Tätig­kei­ten zu­ge­wie­sen wur­den, die den Merk­ma­len der Vergütungs­grup­pe, in der sie ein­grup­piert ist, ent­spre­chen, sind viel­mehr die An­la­ge 1 zur KA­VO in Ver­bin­dung mit der Zu­ord­nungs­ta­bel­le nach An­la­ge 5a zur KA­VO maßge­bend.
Nach § 20 KA­VO ist der Mit­ar­bei­ter in der Ent­gelt­grup­pe ein­grup­piert, de­ren Tätig­keits­merk­ma­le die ge­sam­te von ihm nicht nur vorüber­ge­hend aus­zuüben­de Tätig­keit ent­spricht. Die ge­sam­te aus­zuüben­de Tätig­keit ent­spricht den Tätig­keits­merk­ma­len ei­ner Ent­gelt­grup­pe, wenn zeit­lich min­des­tens zur Hälf­te Ar­beits­vorgänge an­fal­len, die für sich ge­nom­men die An­for­de­run­gen die­ses Tätig­keits­merk­mals oder meh­re­rer Tätig­keits­merk­ma­le die­ser Ent­gelt­grup­pe erfüllen. Ist in ei­nem Tätig­keits­merk­mal ein ab­wei­chen­des zeit­li­ches Maß be­stimmt, gilt die­ses.
In die Vergütungs­grup­pe K Vc Fall­grup­pe 9.2.1.1 sind nach der An­la­ge 1 zur KA­VO 78 Mit­ar­bei­ter im Ver­wal­tungs­dienst, de­ren Tätig­keit gründ­li­che und viel­sei­ti­ge Fach­kennt­nis­se und zu­min­dest zu ei­nem Vier­tel selbständi­ge Leis­tun­gen er­for­dert, nach 4 Jah­ren Bewährung in der Vergütungs­grup­pe K VIb ein­grup­piert.
Hier­aus folgt, dass der Kläge­rin ein ar­beits­ver­trag­li­cher An­spruch dar­auf zu­steht, als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich mit ei­ner Tätig­keit beschäftigt zu wer­den, bei der min­des­tens zur Hälf­te Ar­beits­vorgänge an­fal­len, die gründ­li­che und viel­sei­ti­ge Fach­kennt­nis­se und zu­min­dest zu ei­nem Vier­tel selbständi­ge Leis­tun­gen er­for­dern. Nur in die­sen Gren­zen kann der Be­klag­te
der Kläge­rin kraft des ihm zu­ste­hen­den Di­rek­ti­ons­rech­tes wirk­sam Tätig­kei­ten ent­zie­hen und zu­wei­sen.
Da­bei trägt der Ar­beit­ge­ber, der sich auf die Wirk­sam­keit ei­ner Ver­set­zung be­ruft, die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen der Zulässig­keits­vor­aus­set­zun­gen des § 106 Ge­wO für ei­ne Ver­set­zung. Da­zu gehört nicht nur, dass er dar­legt und ggf. be­weist, dass sei­ne Ent­schei­dung bil­li­gem Er­mes­sen ent­spricht, son­dern auch, dass die Ver­set­zung im Rah­men der ar­beits­ver­trag­li­chen Gren­zen er­folgt ist (BAG, Ur­teil vom 13.03.2007 - 9 AZR 433/06 -).
d) Hier­von aus­ge­hend hat der Be­klag­te nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, dass sich der Ent­zug der bis­he­ri­gen und die Zu­wei­sung der neu­en Auf­ga­ben im Rah­men der ar­beits­ver­trag­li­chen Gren­zen hält. Nach dem Vor­trag des Be­klag­ten wird die Kläge­rin nun­mehr im We­sent­li­chen mit ty­pi­schen Se­kre­ta­ri­ats­auf­ga­ben beschäftigt. Sol­che Se­kre­ta­ri­ats­auf­ga­ben ent­spre­chen aber für sich al­lein nicht den An­for­de­rungs­merk­ma­len der Vergütungs­grup­pe K Vc Fall­grup­pe 9.2.1.1. Dies er­gibt sich be­reits dar­aus, dass die An­la­ge 1 zur KA­VO für Mit­ar­bei­ter/in­nen im Schreib¬ und Se­kre­ta­ri­ats­dienst ei­ge­ne Tätig­keits­merk­ma­le enthält, die von den Tätig­keits­merk­ma­len für Mit­ar­bei­ter/in­nen im Ver­wal­tungs­dienst ab­wei­chen. Während für Mit­ar­bei­ter/in­nen im Ver­wal­tungs­dienst die Fall­grup­pe 2.1.1 bzw. nach ei­nem Bewährungs­auf­stieg die Fall­grup­pe 9.2.1.1 ein­schlägig ist, sind für Mit­ar­bei­ter/in­nen im Schreib- und Se­kre­ta­ri­ats­dienst die Fall­grup­pe 2.3.1 bzw. nach ei­nem Bewährungs­auf­stieg die Fall­grup­pen 9.2.3.1 bis 9.2.3.3 ein­schlägig. Ei­ne Beschäfti­gung aus­sch­ließlich mit Se­kre­ta­ri­ats­ar­bei­ten ent­spricht be­reits aus die­sem Grun­de nicht der Vergütungs­grup­pe K Vc Fall­grup­pe 9.2.1.1. Ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts kann da­her die im Ar­beits­ver­trag ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung „Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Se­kre­ta­ri­ats- und Lie­gen­schafts­be­reich" auch nicht da­hin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass da­mit le­dig­lich ei­ne Tätig­keit im „Se­kre­ta­ri­ats- oder Lie­gen­schafts­be­reich" ver­ein­bart wur­de. Für ei­ne der Vergütungs­grup­pe K Vc ent­spre­chen­de Tätig­keit ist es viel­mehr er­for­der­lich, dass der Kläge­rin zu­min­dest ne­ben Se­kre­ta­ri­ats­auf­ga­ben auch Auf­ga­ben im Lie­gen­schafts­be­reich über­tra­gen wer­den, da an­sons­ten die Fall­grup­pe 9.2.1.1 nicht ein­schlägig sei kann.
Hin­zu kommt, dass die der Kläge­rin über­tra­ge­nen Se­kre­ta­ri­ats­auf­ga­ben un­abhängig von der Fall­grup­pe auch nicht der Vergütungs­grup­pe K Vc ent­spre­chen. Zwar können nach der An­la­ge 1 zur KA­VO auch Tätig­kei­ten im Schreib- und Se­kre­ta­ri­ats­dienst nach ei­nem Bewährungs­auf­stieg der Vergütungs­grup­pe K Vc ent­spre­chen. Die hierfür er­for­der­li­chen Tätig­keits­merk­ma­le sind vor­lie­gend aber nicht ge­ge­ben. So kommt nach der An­la­ge 1 zur KA­VO die Vergütungs­grup­pe K Vc zum ei­nen für Se­kretärin­nen in Be­tracht, die in er­heb­li­chem Um­fang schwie­ri­ge und ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­ben oder außer­or­dent­li­che Schreibleis­tun­gen er­brin­gen und da­bei in ei­ner be­son­de­ren Ver­trau­ens­stel­lung tätig sind. Nach­dem der Kläge­rin die Se­kre­ta­ri­ats­ar­bei­ten im Vor­zim­mer des Geschäftsführers ent­zo­gen wur­den, lässt sich das Vor­lie­gen ei­ner be­son­de­ren Ver­trau­ens­stel­lung vor­lie­gend aber nicht mehr fest­stel­len. Da­ne­ben kommt die Vergütungs­grup­pe K Vc für Mit­ar­bei­ter/in­nen im Schreib- und Se­kre­ta­ri­ats­dienst in Be­tracht, die min­des­tens in zwei frem­den Spra­chen geläufig nach Dik­tat schrei­ben oder ein­fa­che Über­set­zun­gen aus die­sen oder in die­se Spra­chen an­fer­ti­gen bzw. für Lei­te­rin­nen von zen­tra­len Schreib­diens­ten, de­nen min­des­tens sechs Mit­ar­bei­ter/in­nen auf aus­drück­li­che An­ord­nung un­ter­stellt sind. Auch die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend nicht ge­ge­ben, so dass die der Kläge­rin über­tra­ge­nen Se­kre­ta­ri­ats­ar­bei­ten nicht der Vergütungs­grup­pe K Vc ent­spre­chen.
An dem Er­geb­nis, dass die der Kläge­rin zu­ge­wie­se­nen Tätig­kei­ten nicht der Vergütungs­grup­pe K Vc ent­spre­chen, ändert auch der Um­stand nichts, dass die Kläge­rin da­ne­ben noch in der Lie­gen­schafts­ab­tei­lung Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nun­gen er­stellt und ver­sen­det. Zum ei­nen ist nicht er­sicht­lich, in wel­chem zeit­li­chen Um­fang (min­des­tens zur Hälf­te oder ei­nem Vier­tel der Ar­beits­zeit) die­se Tätig­keit anfällt. Zum an­de­ren hat die Kläge­rin die Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nun­gen nach dem aus­drück­li­chen Vor­trag des Be­klag­ten nach Vor­ga­be des Ab­tei­lungs­lei­ters zu er­stel­len. In­so­fern ist aber auch nicht er­sicht­lich, dass hier von der Kläge­rin selbständi­ge Leis­tun­gen er­bracht wer­den, die für ei­ne Zu­ord­nung zur Vergütungs­grup­pe K Vc er­for­der­lich wären.
e) Da der Be­klag­te bei der Ausübung des ihm zu­ste­hen­den Di­rek­ti­ons­rech­tes die Gren­zen des § 106 Ge­wO dem­nach nicht be­ach­tet hat, ist die von ihm vor­ge­nom­me­ne Ände­rung des In­halts der Ar­beits­leis­tung un­wirk­sam. Dies wie­der­um hat nach den obi­gen Ausführun­gen zur Fol­ge, dass der Kläge­rin der­zeit und so­lan­ge, wie der Be­klag­te von dem ihm zu­ste­hen­den Wei­sungs­recht nicht wirk­sam Ge­brauch ge­macht hat, ein An­spruch auf Beschäfti­gung in ih­rer bis­he­ri­gen Tätig­keit zu­steht. Hier­bei han­delt es sich um die Tätig­kei­ten, die in der Stel­len­be­schrei­bung vom 01.03.2003 auf­geführt sind. Dass die dort auf­geführ­ten Tätig­kei­ten der Kläge­rin über­tra­gen und von ihr auch wahr­ge­nom­men wur­den, ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig. Dies gilt auch hin­sicht­lich der auf­geführ­ten Tätig­kei­ten im Lie­gen­schafts­be­reich, bei de­nen le­dig­lich hin­sicht­lich des er­for­der­li­chen Zeit­auf­wan­des un­ter­schied­li­che An­sich­ten be­ste­hen.
III. Gemäß §§ 72 Abs. 1 S. 2, 64 Abs. 3a ArbGG hat die Ent­schei­dung, ob die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen oder nicht zu­ge­las­sen wird, in den Ur­teils­te­nor
auf­zu­neh­men. Ist dies wie vor­lie­gend ver­se­hent­lich un­ter­blie­ben, kann bin­nen zwei Wo­chen ab Verkündung des Ur­teils ei­ne ent­spre­chen­de Ergänzung be­an­tragt wer­den. Wird die Zwei - Wo­chen - Frist versäumt, kann das Ur­teil we­der von Amts we­gen noch auf An­trag ei­ner Par­tei ergänzt wer­den. In die­sem Fall ist die Re­vi­si­on vom Be­ru­fungs­ge­richt nicht zu­ge­las­sen (vgl. GMP/Müller-Glöge, 7. Aufl., § 72 Rn. 36). Vor­lie­gend ist ein ent­spre­chen­der An­trag nicht ge­stellt wor­den, so dass die Re­vi­si­on nicht zu­ge­las­sen ist.
zur Übersicht 10 Sa 901/12

References: § 2
 § 5
 § 106
 § 253
 § 253
 § 259
 § 259
 § 253
 § 256
 § 106
 § 106
 § 106
 § 20
 § 106
 § 106
 § 72