Source: https://www.lecturio.de/magazin/erkenntnisverfahren-stpo/
Timestamp: 2018-01-18 13:27:45+00:00

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Das Strafverfahren teilt sich in das Erkenntnis- und Vollstreckungsverfahren auf. Ersteres erfüllt die Aufgabe eine rechtskräftige Entscheidung über die Strafbarkeit einer Person herbeizuführen. Das Vollstreckungsverfahren hingegen dient der Durchführung der Strafe. Examensrelevant für das erste Staatsexamen ist das Erkenntnisverfahren. Dieses besteht aus dem Ermittlungs-, dem Zwischen- und dem Hauptverfahren. Hier erhalten Sie einen Überblick über die drei Teile des Erkenntnisverfahrens.
Bild: “All Rise” von Eric Chan. Lizenz: CC BY 2.0
Das Erkenntnisverfahren beginnt mit dem Ermittlungsverfahren. Dieses nimmt seinen Lauf mit der Aufnahme von Ermittlungen durch die Polizei, gem. § 160 Strafprozessordnung (StPO) oder die Staatsanwaltschaft gem. § 163 StPO, sofern ein Anfangsverdacht einer Straftat besteht. Im Ermittlungsverfahren sollen die Strafverfolgungsbehörden den Sachverhalt erforschen und aufklären, ob ein genügender Anlass zur Erhebung der öffentlichen Anklage besteht.
Merke: Ein Anfangsverdacht i.S.d. § 152 StPO liegt vor, wenn tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen, die nach kriminalistischer Erfahrung das Vorliegen einer strafbaren Handlung möglich erscheinen lassen.
Es sind tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat erforderlich, bloße Mutmaßungen genügen nicht. Dabei steht den Strafverfolgungsbehörden ein Beurteilungsspielraum zu.
Die Durchführung des Ermittlungsverfahrens obliegt der Staatsanwaltschaft. Sie wird daher auch „Herrin des Ermittlungsverfahrens“ genannt. Ihre Macht ist aber bei grundrechtsintensiven Zwangsmaßnahmen durch die Genehmigung des Ermittlungsrichters begrenzt. Das Ermittlungsverfahren findet ein Ende durch die Erhebung der öffentlichen Anklage bzw. die Einstellung des Verfahrens.
Das Zwischenverfahren gem. § 198 ff. StPO dient der Kontrolle der Anklagebehörde und der Gewährleistung des rechtlichen Gehörs des Angeschuldigten. Das Gericht der Hauptverhandlung soll unabhängig von der Staatsanwaltschaft überprüfen, ob ein hinreichender Tatverdacht vorliegt.
Merke: Ein hinreichender Tatverdacht liegt vor, wenn eine Verurteilung aufgrund der bisherigen Ermittlungen wahrscheinlich erscheint.
Ist dies der Fall, wird das Gericht einen Eröffnungsbeschluss gem. § 203 StPO erlassen. Kommt es zu einer abweichenden Auffassung wird es gem. § 204 StPO die Eröffnung ablehnen.
Zunächst muss das Hauptverfahren gem. §§ 213 ff. StPO vorbereitet werden. Dies geschieht durch die Terminbestimmung, die Anordnung der Ladungen und die Zustellung des Eröffnungsbeschlusses mit der Ladung des Angeklagten. Erst dann kommt es zur Hauptverhandlung. Gem. § 243 I 1 StPO ergeht zunächst ein Aufruf in der Sache und die Präsenzfeststellung des Angeklagten, des Verteidigers, der Zeugen und der Sachverständigen. Dann erfolgt die Belehrung der Zeugen und Sachverständigen. Schließlich kommt es zur Vernehmung des Angeklagten zur Person und über seine persönlichen Verhältnisse, gem. § 243 II 2 StPO. Dies dient der Feststellung der Identität und der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten. Zudem werden dem Angeklagten Fragen zu Vorstrafen, familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen gestellt, die für die Beurteilung der Tat und der Rechtsfolgen bedeutsam sein können. So dann erfolgt die
Belehrung des Angeklagten über sein Recht zu schweigen
Letztere besteht aus Vernehmungen über das Vorleben des Angeklagten und dem Tatgeschehen. Sofern der Angeklagte im vollen Umfang schweigt, dürfen ihm daraus keine Nachteile erwachsen.
Nach der Vernehmung des Angeklagten erfolgt die Beweisaufnahme gem. §§ 244 ff. StPO. Diese dient der Ermittlung der Tatsachen und Beweismitteln, die für die Entscheidung des Gerichts von Bedeutung sind. Darunter fallen:
Der Angeklagte erhält nach jedem Schritt Gelegenheit zur Erklärung. So kann er Beweisverwertungsverbote benennen und die Beweiswürdigung des Gerichts beeinflussen.
Zuletzt erfolgen die Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft mit einem konkreten Strafantrag, Ausführungen und Anträge des Angeklagten und das „Letzte Wort“ des Angeklagten. Schließlich erfolgt die Urteilsverkündung gem. § 268 II StPO und die Rechtsmittelbelehrung gem. § 35 a StPO.
Wer die Grundsätze des Strafverfahrens beherrscht, kann insbesondere in der mündlichen Prüfung im ersten Staatsexamen gut punkten. Denn hier wird dieses vermeintliche „Randgebiet“ sehr oft geprüft. Doch auch Zusatzfragen zur StPO in Examensklausuren sind keine Seltenheit. Das Lernen des Strafprozessrechts erscheint daher als eine dankbare Aufgabe. Mit relativ geringem Lernaufwand, lassen sich hier also unter Umständen viele Punkte holen.

References: § 160
 § 163
 § 152
 § 198
 § 203
 § 204
 § 243
 § 243
 § 268
 § 35