Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=27.06.1991&Aktenzeichen=4%20B%20138.90
Timestamp: 2019-05-23 00:04:47+00:00

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BVerwG, 27.06.1991 - 4 B 138.90 - dejure.org
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BVerwG, 27.06.1991 - 4 B 138.90 (https://dejure.org/1991,677)
BVerwG, Entscheidung vom 27.06.1991 - 4 B 138.90 (https://dejure.org/1991,677)
BVerwG, Entscheidung vom 27. Juni 1991 - 4 B 138.90 (https://dejure.org/1991,677)
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Flachdachgebäude gegenüber Villa
Bauordnungsrechtliches Verunstaltungsverbot (vgl. für Baden-Württemberg: § 11 LBO), Baukunst, Art. 5 Abs. 3 GG, einzelfallbezogener Ausgleich
Bauordnungsrecht - Werke der Baukunst - Freistellung
Entscheidungssammlung Denkmalrecht , S. 770 (Leitsatz)
Kunstfreiheit im Bereich der Baugestaltung? (IBR 1992, 56)
VG München, 07.04.1982 - M 5030 VIII 80
VGH Bayern, 21.12.1989 - 2 B 88.3470
NJW 1992, 128 (Ls.)
NVwZ 1991, 938
NVwZ 1991, 983
DÖV 1992, 75
BauR 1991, 727
ZfBR 1992, 46
Der Senat hat im Beschluß vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - (Buchholz 406.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4) unter Hinweis darauf, daß es ausweislich des Art. 2 Abs. 2 GG zu den staatlichen Aufgaben gehört, einen Beitrag zum allseitigen psychischen Wohlbefinden der Bürger sowie zum sozialen Frieden in der Gemeinschaft zu leisten, dargelegt, daß der Staat es sich von Verfassungs wegen angelegen sein lassen darf, den Wirkbereich vorhandener baulicher Anlagen mit besonders erhaltenswerter äußerer Gestalt vor störenden Einwirkungen hinzutretender baulicher Anlagen zu schützen und Unlustgefühle hervorrufende krasse Gegensätzlichkeiten und Widersprüche im Erscheinungsbild bebauter Gebiete abzuwehren.
Dies ändert nichts daran, daß beim künstlerischen Bauen nicht anhand des Art. 14 GG, sondern anhand des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG zu beurteilen ist, welche Schranken der einzelne sich gefallen lassen muß, verleiht aber im Konflikt zwischen der Kunstfreiheit und dem mit § 35 BauGB bezweckten Außenbereichsschutz dem Gemeinschaftsbelang der Wahrung der Integrität von Natur und Landschaft in der Abwägung ein Gewicht, das nicht gering zu veranschlagen ist (vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 11. April 1989 - BVerwG 4 B 65.89 - Buchholz 406.17 Bauordnungsrecht Nr. 28 und vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - a.a.O.; BayVerfGH, Entscheidung vom 20. Januar 1969 - Vf. 78 - VII - 67 - VerfGH 22, 1).
Das Berufungsgericht ist von dem Beschluß des Senats vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - (…a.a.O.) schon deshalb nicht abgewichen, weil es nicht zu entscheiden hatte, wie das Spannungsverhältnis zwischen der in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ohne Gesetzesvorbehalt gewährleisteten Kunstfreiheit und dem bauordnungsrechtlichen Verunstaltungsverbot aufzulösen ist.
VGH Bayern, 20.07.1999 - 2 B 98.1405
Anerkannte Regeln der Baukunst als selbständiger Beurteilungsmaßstab (im Anschluß …
Regelungen, die Verunstaltungen der Umgebung durch bauliche Anlagen abwehren sollen, sind deshalb grundsätzlich mit der Institutsgarantie des Eigentums nach Art. 14 Abs. 1 GG vereinbar (vgl. BVerwG v. 11.4.1989 NJW 1989, 263; v. 27.6.1991 BayVBl 1992, 151).
Mit dieser Begründung hat das Bundesverwaltungsgericht bauordnungsrechtliche Verunstaltungsverbote ebenso mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG für vereinbar gehalten wie das in § 35 Abs. 3 BauGB enthaltene Verbot, das Orts- und Landschaftsbild zu verunstalten (BVerwG v. 27.6.1991 BayVBl 1992, 151; v. 13.4.1995 NJW 1995, 2648/2649; vgl. dazu Voßkuhle BayVBl 1995, 613 ff.).
Dabei spielt auch eine Rolle, wie weit das jeweilige Vorhaben sich vom reinen "Bauhand-Werk" abhebt und in den baukünstlerischen Bereich hineinreicht (vgl. BVerwG v. 27.6.1991 BayVBl 1992, 151/152; Voßkuhle BayVBl 1995, 613/622).
Der Senat hat in seinen Beschlüssen vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - Buchholz 401.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4, und vom 13. April 1995 - BVerwG 4 B 70.95 - (Buchholz 406.11 § 35 BauGB Nr. 309) ausgeführt, daß es sich bei Baugestaltungsvorschriften um Inhalts- und Schrankenbestimmungen im Sinne des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG handelt, bei denen der soziale Bezug des Eigentums besonders ausgeprägt ist.
BVerwG, Beschluss vom 27.6.1991 - 4 B 138/90 -, NVwZ 1991, 983, 984; Scholz, in: Maunz-Dürig, Kommentar zum Grundgesetz, Art. 5 Abs. 3, Rn. 72 und Pernice, in H. Dreier (Hrsg.), Grundgesetz-Kommentar, Band 1, 1996, Art. 5 Abs. 3 Rn. 40 mit weiteren Nachweisen.
Diese Bestimmung, nach der bauliche Anlagen mit ihrer Umgebung so in Einklang zu bringen sind, daß sie benachbarte bauliche Anlagen sowie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten, ist zwar eine zulässige Inhaltsbestimmung des Eigentums i. S. von Art. 14 I 2 GG (BVerwG, NVwZ 1991, 938).
Damit dient die Vorschrift neben der Ortsgestaltung auch dem Schutz der Eigentümer der benachbarten Grundstücke sowie dem allseitigen psychischen Wohlbefinden der Bürger und dem sozialen Frieden in der Gemeinschaft (BVerwG, NVwZ 1991, 938).
Soweit eine straßenrechtliche Sondernutzung als Ausübung des vorbehaltlos gewährleisteten Grundrechts der Glaubensfreiheit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) zu werten ist, gelten dieselben bundesrechtlichen Grundsätze, die das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung (vgl. BVerwGE 84, 71 ; Beschluß vom 19. Dezember 1986 - BVerwG 7 B 144.86 - ) im Hinblick auf die - gleichfalls vorbehaltlos gewährleistete - Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG) für Fälle der Straßenkunst entwickelt hat (vgl. ferner - zum Thema Baukunst und Baurecht - Beschlüsse vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - und vom 13. April 1995 - BVerwG 4 B 70.95 - sowie - zum Thema Glaubensfreiheit und Gewerberecht - Beschluß vom 16. Februar 1995 - BVerwG 1 B 205.93 - ).
Daran bestehen erhebliche Zweifel, weil das Verunstaltungsverbot zu den baurechtlichen Grundanforderungen gehört (…Allgeier/v. Lutzau, Das Baurecht für Hessen, 7. Aufl., § 9 Anm. 9) und das damit verfolgte Ziel, Verunstaltungen abzuwehren (vgl. dazu BVerwG, Beschl. v. 27.06.1991, BauR 1991, 727), nur bei seiner Beachtung erreicht werden kann.
Wegen der schwierigen Bestimmbarkeit des Rechtsbegriffs der Verunstaltung hat eine Beschränkung der Freiheit der Baugestaltung mit großer Zurückhaltung unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit (§§ 3 Abs. 1 Satz 3, HSOG) zu erfolgen (vgl. BVerwG, Beschluss vom 27.06.1991 - 4 B 138.90 -, NVwZ 1991, 983).
Es ist zudem geklärt und bedarf keiner erneuten Bestätigung in einem Revisionsverfahren, daß örtliche Bauvorschriften Regelungen im Sinne des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG sind (vgl. BVerwG, Beschluß vom 11. April 1989 - BVerwG 4 B 65.89 - Buchholz 406.17 Bauordnungsrecht Nr. 28 = NJW 1989, 2638; Beschluß vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - Buchholz 406.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4 = NVwZ 1991, 983; Beschluß vom 10. Juli 1997 - BVerwG 4 NB 15.97 - Buchholz 406.11 § 9 BauGB Nr. 85 = NVwZ-RR 1998, 486).
VGH Bayern, 03.11.2009 - 2 ZB 09.564
Gestaltungssatzung; Dachneigung; Ausschluss von Flachdächern; Stadtbild
Im Hinblick auf die Ausübung des Grundrechts der Kunstfreiheit ist nämlich anerkannt, dass auch Werke der Baukunst grundsätzlich nicht von Anforderungen an ihre Gestaltung aufgrund bauordnungsrechtlicher Normen freigestellt sind, weil die durch Art. 5 Abs. 3 GG garantierte Kunstfreiheit ihre Schranken in anderen mit Verfassungsrang ausgestatteten Rechtsgütern findet (BVerwG v. 27.6.1991 Az. 4 B 138/90 - juris).
BVerwG, 26.01.1998 - 6 B 18.97
Nichtzulassungsbescherde wegen grundsätzlicher Bedeutung der Frage, ob ein …
OVG Bremen, 09.09.1999 - 1 B 303/99
Vorliegen einer nachbarschützenden Norm bei Erteilung einer Baugenehmigung; …
VGH Bayern, 08.11.1991 - 26 B 90.3380
Verunstaltungsverbot und Dachgaube

References: § 11
 Art. 5
 Art. 2
 Art. 14
 Art. 5
 § 35
 Art. 5
 Art. 14
 Art. 5
 § 35
 § 35
 Art. 14
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 14
 § 9
 Art. 14
 § 9
 Art. 5