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Timestamp: 2019-11-21 05:54:49+00:00

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BAG, Urteil vom 15.11.2006, 10 AZR 665/05 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 15.11.2006, 10 AZR 665/05
Schlagworte: Tariffähigkeit, Tarifvertrag, Nachwirkung
Aktenzeichen: 10 AZR 665/05
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 22.07.2004, 62 Ca 65472/03
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 26.05.2005, 16 Sa 1914/04
hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. No­vem­ber 2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Frei­tag, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Mar­quardt, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ohl und Fre­se für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 26. Mai 2005 - 16 Sa 1914/04 - wird zurück­ge­wie­sen.
2. Der Be­klag­te trägt die Kos­ten der Re­vi­si­on.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob der Be­klag­te ei­nen von den für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten So­zi­al­kas­sen­ta­rif­verträgen des Bau­ge­wer­bes er­fass­ten Be­trieb un­ter­hal­ten und des­halb für die Mo­na­te De­zem­ber 1998 bis No­vem­ber 1999 Min­dest-beiträge iHv. 16.563,00 Eu­ro zu leis­ten hat.
Die Kläge­rin ist die Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se des Bau­ge­wer­bes VVaG (ZVK). Sie ist als ge­mein­sa­me Ein­rich­tung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des Bau­ge­wer­bes nach nähe­rer ta­rif­li­cher Maßga­be die Ein­zugs­stel­le für die Beiträge zu den So­zi­al­kas­sen des Bau­ge­wer­bes. Den Bei­trags­ein­zug re­gel­te im An­spruchs­zeit­raum der für all­ge­mein­ver-bind­lich erklärte Ta­rif­ver­trag über das So­zi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be (VTV) vom 12. No­vem­ber 1986 in den je­weils gülti­gen Fas­sun­gen. Im VTV heißt es - so­weit hier von In­ter­es­se -:
(1) Räum­li­cher Gel­tungs­be­reich:
Das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in den Gren­zen nach dem Ei­ni­gungs­ver­trag vom 31. Au­gust 1990.
(2) Be­trieb­li­cher Gel­tungs­be­reich:
Be­trie­be des Bau­ge­wer­bes. Das sind al­le Be­trie­be, die un­ter ei­nen der nach­fol­gen­den Ab­schnit­te I bis IV fal­len.
Be­trie­be, die nach ih­rer durch die Art der be­trieb­li­chen Tätig-kei­ten ge­prägten Zweck­be­stim­mung und nach ih­rer be­trieb­li­chen Ein­rich­tung ge­werb­lich Bau­ten al­ler Art er­stel­len.
Be­trie­be, die, so­weit nicht be­reits un­ter Ab­schnitt I er­fasst, nach ih­rer durch die Art der be­trieb­li­chen Tätig­kei­ten ge­prägten Zweck­be­stim­mung und nach ih­rer be­trieb­li­chen Ein­rich­tung
ge­werb­lich bau­li­che Leis­tun­gen er­brin­gen, die - mit oder oh­ne Lie­fe­rung von Stof­fen oder Bau­tei­len - der Er­stel­lung, In­stand­set­zung, In­stand­hal­tung, Ände­rung oder Be­sei­ti­gung von Bau-wer­ken die­nen.
Ab­schnitt III
Be­trie­be, die, so­weit nicht be­reits un­ter Ab­schnitt I oder II er­fasst, nach ih­rer durch die Art der be­trieb­li­chen Tätig­kei­ten ge­prägten Zweck­be­stim­mung und nach ih­rer be­trieb­li­chen Ein­rich­tung - mit oder oh­ne Lie­fe­rung von Stof­fen oder Bau­tei­len - ge­werb­lich sons­ti­ge bau­li­che Leis­tun­gen er­brin­gen.
Ab­schnitt V
Zu den in den Ab­schnit­ten I bis III ge­nann­ten Be­trie­ben gehören z.B. die­je­ni­gen, in de­nen Ar­bei­ten der nach­ste­hen­den Art aus-geführt wer­den:
37. Tro­cken- und Mon­ta­ge­bau­ar­bei­ten (z.B. Wand- und De-cken­ein­bau bzw. -ver­klei­dun­gen), ein­sch­ließlich des An­brin­gens von Un­ter­kon­struk­tio­nen und Putzträgern;
Ab­schnitt VII
Nicht er­fasst wer­den Be­trie­be
11. des Schrei­ner­hand­werks so­wie der holz­be- und ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie, so­weit nicht Fer­tig­bau-, Dämm-(Iso­lier-), Tro­cken­bau- und Mon­ta­ge­bau­ar­bei­ten oder Zim­mer­ar­bei­ten aus­geführt wer­den,
Der Be­klag­te mel­de­te beim Land­rats­amt O zum 1. April 1991 In­nen­aus­bau und De­cken­bau als ge­werb­li­che Tätig­kei­ten an und ist seit die­sem Zeit­punkt mit dem Hand­werk Tisch­ler so­wie dem Ge­werk In­nen­aus­bau in die Hand­werks­rol­le der Hand­werks­kam­mer M ein­ge­tra­gen. Im De­zem­ber 1996 be­stand er die Meis­ter­prüfung im Tisch­ler­hand­werk. Die Kreis­hand­wer­ker­schaft B be­schei­nig­te in ei­nem Schrei­ben vom 22. Sep­tem­ber 1998, dass sei­ne Fir­ma Mit­glied der Tisch­le­r­in­nung O ist. In ei­nem Schrei­ben vom 25. No­vem­ber 2003 heißt es, dass sei­ne Fir­ma Mit­glied der Tisch­le­rin-nung B ist. Die­se gehört dem Lan­des­in­nungs­ver­band Sach­sen-An­halt des Tisch­ler-
hand­werks an. Die­ser ist Mit­glied des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des für das holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­de Hand­werk.
Am 14. Sep­tem­ber 1992, 5. April 1993, 26. Mai 1997, 3. Au­gust 1998 so­wie am 6. April 1999 stell­te der Be­klag­te je­weils ei­nen ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer als Tisch­ler ein. Die­se Ar­beit­neh­mer bau­ten Fens­ter, Türen, Türzar­gen, De­cken­ver­k­lei-dun­gen und Fußböden über­wie­gend aus Holz und teil­wei­se aus Kunst­stoff ein und führ­ten Dach­ge­schoss­aus­bau­ar­bei­ten un­ter Ver­wen­dung von Holz und Gips­kar­ton aus. Die ein­ge­bau­ten Ele­men­te be­zog der Be­klag­te über­wie­gend von Drit­t­un­ter­neh­men. Ein Tisch­ler stell­te in der be­triebs­ei­ge­nen Werk­statt Son­der­an­fer­ti­gun­gen her.
Am 13. De­zem­ber 1990 schlos­sen der Haupt­vor­stand der Ge­werk­schaft Holz und Kunst­stoff so­wie der Bun­des­ver­band des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks, der Bun­des­in­nungs­ver­band für das Tisch­ler­hand­werk und der Lan­des­spre­cher­rat des Tisch­ler­hand­werks für die Länder Bran­den­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Thürin­gen ei­nen Man­tel­ta­rif­ver­trag für das holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­de Hand­werk (Tisch­ler­hand­werk) in den vor­ste­hend ge­nann­ten Ländern (MTV GHK). Der Haupt­vor­stand der Ge­werk­schaft Holz und Kunst­stoff kündig­te den MTV GHK zum 31. De­zem­ber 1992. Der Vor­sit­zen­de der Ta-rif­ge­mein­schaft des Tisch­ler­hand­werks der neu­en Bun­desländer so­wie die Vor­sit­zen-den der Ta­rif­ausschüsse der Fach­verbände/Lan­des­in­nungs­verbände des Tisch­ler­hand­werks der neu­en Bun­desländer schlos­sen am 25. Ja­nu­ar 1999 mit der Christ­li­chen Ge­werk­schaft Deutsch­lands (CGD), Bun­des­fach­grup­pe Holz und Kunst­stoff, so­wie dem Deut­schen Han­dels- und In­dus­trie­an­ge­stell­ten-Ver­band (DHV), Bun­des­fach­grup­pe Holz und Kunst­stoff, mit Wir­kung zum 1. März 1999 ei­nen Ta­rif­ver­trag für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer und An­ge­stell­te des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks - Tisch­ler­hand­werk - in den Ländern Bran­den­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Thürin­gen (MTV CGD/DHV). Das Ar­beits­ge­richt Ge­ra stell­te in ei­nem rechts­kräftig ge­wor­de­nen Be­schluss vom 17. Ok­to­ber 2002 fest, dass die CGD kei­ne Ge­werk­schaft im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne ist. Am 1. März 2004 schlos­sen die Ta­rif­ge­mein­schaft des Tisch­ler­hand­werks der neu­en Bun­desländer so­wie die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Holz-Kunst­stoff ei­nen Über­lei-tungs­ta­rif­ver­trag. Mit die­sem wur­de der am 25. Ja­nu­ar 1999 ab­ge­schlos­se­ne MTV CGD/DHV mit Wir­kung ab dem 1. März 2004 un­verändert mit Aus­nah­me der De­fi­ni­ti­on des fach­li­chen Gel­tungs­be­rei­ches auf die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Holz und Kunst­stoff über­ge­lei­tet.
Die ZVK ist der An­sicht, der Be­klag­te ha­be im Kla­ge­zeit­raum ei­nen bau­ge­werb­li­chen Be­trieb iSd. für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Bau­ta­rif­verträge un­ter­hal­ten. Die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer des Be­klag­ten hätten ar­beits­zeit­lich über­wie­gend Fer­tig­bau­ar­bei­ten und Tro­cken- und Mon­ta­ge­bau­ar­bei­ten iSv. § 1 Abs. 2 Ab­schn. V Nr. 13 und Nr. 37 VTV aus­geführt. Auf Grund der Rück­aus­nah­me­re­ge­lung in § 1 Abs. 2 Ab­schn. VII Nr. 11 VTV sei der Be­trieb des Be­klag­ten nicht als Be­trieb des Schrei­ner­hand­werks vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV aus­ge­nom­men. Ta­rifp­lu­ra­lität tre­te we­der mit dem MTV CGD/DHV noch mit dem MTV GHK auf. Der MTV CGD/DHV sei mit ei­ner nicht ta­riffähi­gen Ge­werk­schaft ab­ge­schlos­sen wor­den und des­halb un­wirk­sam. Der Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag sei erst am 1. März 2004 in Kraft ge­tre­ten und so­mit für den Kla­ge­zeit­raum oh­ne Be­deu­tung. Der gekündig­te MTV GHK ha­be im Nach­wir­kungs­zeit­raum den für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten VTV nicht ver­drängen können.
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 16.563,00 Eu­ro zu zah­len.
Der Be­klag­te hat zu sei­nem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sein Be­trieb sei nach § 1 Abs. 2 Ab­schn. VII Nr. 11 VTV als Be­trieb des Schrei­ner­hand­werks vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV nicht er­fasst wor­den. Der An-teil von Tätig­kei­ten, die aus­sch­ließlich dem Schrei­ner­hand­werk zu­zu­rech­nen sei­en, ha­be im Kla­ge­zeit­raum min­des­tens 20 % aus­ge­macht. Er ha­be nur Ar­beit­neh­mer mit der Aus­bil­dung ei­nes Tisch­lers beschäftigt und als Tisch­ler­meis­ter die auf den Bau­stel­len ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mer selbst be­auf­sich­tigt. Im Übri­gen ha­be der spe­zi­el­le­re MTV CGD/DHV die Bau­ta­rif­verträge ver­drängt. Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ge­ra vom 17. Ok­to­ber 2002 zur Ta­rif­unfähig­keit der CGD wir­ke nicht auf den Kla­ge­zeit-raum zurück. Über die Mit­glied­schaft in der Tisch­le­r­in­nung sei er mit­tel­bar Mit­glied des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des für das holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­de Hand­werk. Des­halb würde je­den­falls der nach­wir­ken­de MTV GHK als spe­zi­el­le­rer Ta­rif­ver­trag den VTV ver­drängen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Se­nat zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Be­klag­te sei­nen Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter. Die ZVK be­an­tragt, die Re­vi­si­on des Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.
Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten hat kei­nen Er­folg. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge zu Recht statt­ge­ge­ben.
I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­sam­men­ge­fasst an­ge­nom­men, der ZVK stünden die be­an­spruch­ten Min­dest­beiträge zu. Die Ar­beit­neh­mer des Be­klag­ten hätten im Kla­ge­zeit­raum ar­beits­zeit­lich über­wie­gend Fer­tig­bau­ar­bei­ten und Tro­cken- und Mon­ta­ge­bau­ar­bei­ten iSv. § 1 Abs. 2 Ab­schn. V Nr. 13 und Nr. 37 VTV aus­geführt. Des­halb sei der Be­trieb des Be­klag­ten auf Grund der Rück­aus­nah­me­re­ge­lung in § 1 Abs. 2 Ab­schn. VII Nr. 11 VTV nicht als Be­trieb des Schrei­ner­hand­werks vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV aus­ge­nom­men. Zwar sei­en auf die Her­stel­lung von Son­der­an­fer­ti­gun­gen in der be­triebs­ei­ge­nen Werk­statt und da­mit auf die Ver­rich­tung von für das Schrei­ner­hand­werk ty­pi­schen Tätig­kei­ten min­des­tens 20 % der be­trieb­li­chen Ge­samt­ar­beits­zeit ent­fal­len. We­gen der Rück­aus­nah­me sei ein Be­trieb des Schrei­ner­hand­werks je­doch nur dann von der Gel­tung des VTV aus­ge­nom­men, wenn zu mehr als 50 % der Ge­samt­ar­beits­zeit ori­ginäre Schrei­ner­ar­bei­ten aus­geführt würden. Dies sei im Kla­ge­zeit­raum nicht der Fall ge­we­sen. Der VTV sei im Kla­ge­zeit­raum auch nicht durch ei­nen spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trag ver­drängt wor­den. Der MTV CGD/DHV sei man­gels Ta­riffähig­keit der CGD von An­fang an nich­tig ge­we­sen. Der Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag ha­be den MTV CGD/DHV erst mit Wir­kung ab dem 1. März 2004 über­ge­lei­tet.
II. Die­se Ausführun­gen hal­ten den An­grif­fen der Re­vi­si­on im Er­geb­nis und in wei­ten Tei­len der Be­gründung stand. Mit Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt er­kannt, dass der Be­trieb des Be­klag­ten im Kla­ge­zeit­raum dem be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV un­ter­fiel und der ZVK des­halb nach § 48 Abs. 1 Satz 1 VTV die für die Mo­na­te De­zem­ber 1998 bis No­vem­ber 1999 be­an­spruch­ten Min­dest­beiträge zu­ste­hen, über de­ren Höhe kein Streit be­steht.
1. Für die Ent­schei­dung des Rechts­streits kommt es zunächst dar­auf an, ob im Kla­ge­zeit­raum im Be­trieb des Be­klag­ten vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV er­fass­te Tätig­kei­ten ver­rich­tet wor­den sind, wo­bei auf die ar­beits­zeit­lich über­wie­gen­de Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer des Be­klag­ten und nicht auf wirt­schaft­li­che Ge­sichts­punk­te wie Um­satz und Ver­dienst, aber auch nicht auf han­dels- und ge­wer­be­recht­li­che Kri­te­ri­en ab­zu­stel­len ist (st. Rspr. vgl. zB BAG 23. Au­gust 1995 - 10 AZR 105/95 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Bau Nr. 193 = EzA TVG § 4 Bau­in­dus­trie Nr. 79; 14. Ja­nu­ar 2004
- 10 AZR 182/03 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Bau Nr. 263; 27. Ok­to­ber 2004 - 10 AZR 119/04 -; 14. De­zem­ber 2005 - 10 AZR 115/05 -; 15. Fe­bru­ar 2006 - 10 AZR 270/05 -; 2. Au­gust 2006 - 10 AZR 756/05 -; 18. Ok­to­ber 2006 - 10 AZR 576/05 - zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen).
a) Nach den von der Re­vi­si­on nicht an­ge­grif­fe­nen und da­mit den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts ent­fiel bei Berück­sich­ti­gung al­ler im streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum aus­geführ­ten Ar­bei­ten der über­wie­gen­de An­teil der be­trieb­li­chen Ge­samt­ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer auf den Ein­bau von Fens­tern, Türen, Türzar­gen, De­cken­ver­klei­dun­gen und Fußböden so­wie auf den Aus­bau von Dach­ge­schos­sen, wo­bei die ein­ge­bau­ten Ele­men­te über­wie­gend von Drit­t­un­ter­neh­men be­zo­gen wur­den. Dies erfüllt das Tätig­keits­bei­spiel „Tro­cken- und Mon­ta­ge­bau­ar­bei­ten“ in § 1 Abs. 2 Ab­schn. V Nr. 37 VTV (BAG 18. Ok­to­ber 2006 - 10 AZR 576/05 - zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen).
b) Der Ein­bau von Böden, Türen, Fens­tern und Türele­men­ten gehört al­ler­dings auch zum Be­rufs­bild des Tisch­ler­hand­werks. § 1 Abs. 1 Nr. 1 der Ver­ord­nung über das Be­rufs­bild und über die Prüfungs­an­for­de­run­gen im prak­ti­schen und im fach­theo­re­ti­schen Teil der Meis­ter­prüfung für das Tisch­ler­Hand­werk (Tisch­ler­meis­ter­ver­ord­nung - TischlMstrV) - vom 7. Sep­tem­ber 1987 (BGBl. I S. 2138) rech­net ua. den Ein­bau von Böden, Türen, Fens­tern und Türele­men­ten aus­drück­lich dem Tisch­ler­hand­werk zu. Dies gilt gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 2 TischlMstrV auch für die Ausführung von In­nen­aus­bau­ar­bei­ten aus Holz-, Holz­werk- und Kunst­stof­fen. Die vom Be­klag­ten ar­beits­zeit­lich über­wie­gend aus­geführ­ten Tätig­kei­ten zählen so­mit auch zu den Tätig­kei­ten ei­nes Be­trie­bes des Schrei­ner­hand­werks iSv. § 1 Abs. 2 Ab­schn. VII Nr. 11 VTV. Die Be­grif­fe Schrei­ner- und Tisch­ler­hand­werk wer­den syn­onym ver­wen­det.
c) Da­mit sind die im Be­trieb des Be­klag­ten ar­beits­zeit­lich über­wie­gend aus­geführ­ten Ar­bei­ten „So­wohl-als-auch-Tätig­kei­ten“ iSd. Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Für die­se hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu Ab­gren­zungs­zwe­cken meh­re­re Kri­te­ri­en ent­wi­ckelt, die in ständi­ger Recht­spre­chung an­ge­wandt und wei­ter­ent­wi­ckelt wor­den sind (14. Ok­to­ber 1987 - 4 AZR 317/87 - BA­GE 56, 214; 23. Au­gust 1995 - 10 AZR 105/95 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Bau Nr. 193 = EzA TVG § 4 Bau­in­dus­trie Nr. 79; 22. Ja­nu­ar 1997 - 10 AZR 223/96 - BA­GE 85, 81 mwN; 16. Mai 2001 - 10 AZR 438/00 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Dach­de­cker Nr. 7 = EzA TVG § 4 Bau­in­dus­trie Nr. 106; 25. Ju­li 2001 - 10 AZR 483/00 - BA­GE 98, 250, 256; 14. De­zem­ber 2005
- 10 AZR 115/05 -). Für die Aus­nah­me aus dem be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV kommt es da­nach grundsätz­lich dar­auf an, ob ne­ben den „So­wohl-als-auch-Tätig­kei­ten” in nicht un­er­heb­li­chem Um­fang, min­des­tens zu 20 % der be­trieb­li­chen Ge­samt­ar­beits­zeit, Ar­bei­ten aus­geführt wer­den, die aus­sch­ließlich dem vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich aus­ge­nom­me­nen Ge­werk als ty­pisch zu­zu­ord­nen sind, oder ob die­se Ar­bei­ten in nicht un­er­heb­li­chem Um­fang, eben­falls min­des­tens zu 20 % der be­trieb­li­chen Ge­samt­ar­beits­zeit, von ge­lern­ten Ar­beit­neh­mern die­ses Ge­wer­kes aus­geführt wer­den oder ob ei­ne ent­spre­chen­de Auf­sicht durch ei­nen Fach­mann oder meh­re­re Fach­leu­te die­ses Ge­wer­kes un­mit­tel­bar am Ar­beits­platz be­steht.
d) Da­nach wäre der Be­trieb des Be­klag­ten an sich als Be­trieb des Schrei­ner­hand­werks vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV aus­ge­nom­men, weil nach den von der ZVK nicht mit Ge­genrügen an­ge­grif­fe­nen und so­mit bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts mit der Her­stel­lung von Son­der­an­fer­ti­gun­gen in der be­triebs­ei­ge­nen Werk­statt zu min­des­tens 20 % der be­trieb­li­chen Ge­samt­ar­beits­zeit aus-schließlich dem Tisch­ler­hand­werk zu­zu­rech­nen­de Ar­bei­ten aus­geführt wur­den. Die Rück­aus­nah­me­re­ge­lung in § 1 Abs. 2 Ab­schn. VII Nr. 11 VTV, wo­nach Be­trie­be des Schrei­ner­hand­werks vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV nur aus­ge­nom­men wer­den, so­weit nicht Fer­tig­bau-, Dämm-(Iso­lier-), Tro­cken­bau- und Mon­ta­ge­bau­ar­bei­ten oder Zim­mer­ar­bei­ten aus­geführt wer­den, be­wirkt je­doch, dass der ar­beits­zeit­lich über­wie­gend Tro­cken­bau- und Mon­ta­ge­bau­ar­bei­ten ausführen­de Be­trieb des Be­klag­ten von der Aus­nah­me nicht er­fasst wird, son­dern un­ter den be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV fällt. Dar­auf, ob da­ne­ben in der be­triebs­ei­ge­nen Werk­statt in nicht un­er­heb­li­chem Um­fang Ar­bei­ten aus­geführt wur­den, die aus­sch­ließlich dem Schrei­ner­hand­werk als ty­pisch zu­zu­ord­nen sind, oder ob die „So­wohl-als-auch-Tätig­kei­ten“ in nicht un­er­heb­li­chem Um­fang von ge­lern­ten Schrei­nern aus­geführt wur­den oder ob ei­ne ent­spre­chen­de Auf­sicht durch ei­nen Fach­mann des Schrei­ner­hand­werks un­mit­tel­bar am Ar­beits­platz be­stan­den hat, kommt es nicht an (vgl. BAG 29. Sep­tem­ber 2004 - 10 AZR 562/03 -; 7. Ju­li 1999 - 10 AZR 582/98 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Bau Nr. 221 = EzA TVG § 4 Bau­in­dus­trie Nr. 95; 22. Sep­tem­ber 1993 - 10 AZR 207/92 - BA­GE 74, 238, 243; vgl. zur Rück­aus­nah­me bei Ausführung von Zim­mer­ar­bei­ten auch 14. De­zem­ber 2005 - 10 AZR 321/05 - EzA TVG § 4 Bau­in­dus­trie Nr. 125 und 14. De­zem­ber 2005 - 10 AZR 115/05 - so­wie zur Rück­aus­nah­me für Be­trie­be des Ma¬ler- oder La­ckie­rer­hand­werks bei Ausführung von Wärmedämmver­bund­sys­tem­ar­bei­ten 19. Ju­li 2000 - 10 AZR 918/98 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Bau Nr. 232 = EzA TVG § 4 Bau­in­dus­trie Nr. 98). Maßge­bend ist, dass die ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer des Be-
klag­ten nach den bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht ar­beits-zeit­lich über­wie­gend aus­sch­ließlich dem Tisch­ler­hand­werk zu­zu­rech­nen­de Ar­bei­ten aus­geführt ha­ben. Ent­ge­gen der An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts wäre der Be­trieb des Be­klag­ten al­ler­dings un­ter die­ser Vor­aus­set­zung nicht als Be­trieb des Schrei­ner­hand­werks gemäß § 1 Abs. 2 Ab­schn. VII Nr. 11 VTV vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV aus­ge­nom­men. Der Be­trieb des Be­klag­ten wäre man­gels ar­beits­zeit­lich über­wie­gen­der Ausführung von „So­wohl-als-auch-Tätig­kei­ten“ vom be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des VTV von vorn­her­ein nicht er­fasst. Genügte ent­spre­chend der Auf­fas­sung des Be­klag­ten für die Aus­nah­me be­reits die Ausführung ty­pi­scher Tisch­ler­ar­bei­ten in nicht un­er­heb­li­chem Um­fang, wäre die Rück­aus­nah­me­re­ge­lung überflüssig (BAG 14. De­zem­ber 2005 - 10 AZR 321/05 - aaO und 14. De­zem­ber 2005 - 10 AZR 115/05 -).
2. Mit Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt er­kannt, dass der VTV auf Grund der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung mit un­mit­tel­ba­rer und zwin­gen­der Wir­kung für den Be­klag­ten galt (§ 5 Abs. 4 TVG). Der Be­trieb des Be­klag­ten wur­de im Kla­ge­zeit­raum nicht von ei­ner Ein­schränkung der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung des VTV er­fasst. Der Hin­weis des Be­klag­ten auf die Re­ge­lung in Ab­schn. III Nr. 5 Ers­ter Teil, Ein­schränkun­gen der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung auf An­trag (Große Ein­schränkungs­klau­sel), in der Be­kannt­ma­chung über die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung von Ta­rif­ver­trags­wer­ken für das Bau­ge­wer­be vom 24. Fe­bru­ar 2006 (BAnz. Nr. 71 vom 11. April 2006 S. 2729 ff.), geht fehl. Die­se Be­stim­mung fand im Kla­ge­zeit­raum kei­ne An­wen­dung. Sie ist erst am 1. Ja­nu­ar 2005 in Kraft ge­tre­ten. Im Übri­gen lägen auch die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Ein­schränkungs­klau­sel nicht vor. Im Kla­ge­zeit­raum wur­de der Be­trieb des Be­klag­ten nicht von ei­nem ge­genüber den Rah­men- und So­zi­al­kas­sen­ta­rif­verträgen des Bau­ge­wer­bes spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trag er­fasst.
3. Die für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Bau­ta­rif­verträge wur­den nicht durch den MTV CGD/DHV ver­drängt. Die Ver­drängung der für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Bau­ta­rif­verträge durch ei­nen spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trag setzt die Rechts­wirk­sam­keit die­ses Ta­rif­ver­tra­ges vor­aus. Dar­an fehlt es.
a) So­weit der Ar­beit­ge­ber nach § 1 Abs. 3 AEntG nicht ge­setz­lich zur Abführung von Beiträgen zur Ur­laubs­kas­se ver­pflich­tet ist (BAG 18. Ok­to­ber 2006 - 10 AZR 576/05 - zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen; 13. Mai 2004 - 10 AS 6/04 -) kommt nach dem Grund­satz der Spe­zia­lität in ei­nem Fall der Ta­rif­kon-
kur­renz bzw. Ta­rifp­lu­ra­lität al­lein der Ta­rif­ver­trag zur An­wen­dung, der dem Be­trieb räum­lich, be­trieb­lich, fach­lich und persönlich am nächs­ten steht und des­halb den Er-for­der­nis­sen und Ei­gen­ar­ten des Be­trie­bes und der dar­in täti­gen Ar­beit­neh­mer am bes­ten ge­recht wird (BAG 25. Ju­li 2001 - 10 AZR 599/00 - BA­GE 98, 263; 26. Ja­nu­ar 1994 - 10 AZR 611/92 - BA­GE 75, 298; 24. Ja­nu­ar 1990 - 4 AZR 561/89 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Bau Nr. 126 = EzA TVG § 4 Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 6 mwN). Ein Fall der Ta­rif­kon­kur­renz oder Ta­rifp­lu­ra­lität liegt je­doch nicht vor. So­weit der MTV CGD/DHV von der nicht ta­riffähi­gen CGD ab­ge­schlos­sen wur­de, ist die­ser Ta­rif­ver­trag nich­tig, so dass ei­ne nor­ma­ti­ve Bin­dung des Be­klag­ten an die­sen Ta­rif­ver­trag von vorn­her­ein aus­schei­det.
b) Das Ar­beits­ge­richt Ge­ra hat mit Be­schluss vom 17. Ok­to­ber 2002, der Rechts­kraft er­lang­te, fest­ge­stellt, dass die CGD kei­ne Ge­werk­schaft im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne ist. Die­se rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung hat Wir­kung für und ge­gen al­le (BAG 28. März 2006 - 1 ABR 58/04 - NZA 2006, 1112, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen; 6. Ju­ni 2000 - 1 ABR 10/99 - BA­GE 95, 36, 39). Da­mit steht fest, dass die CGD bei der Un­ter­zeich­nung des MTV CGD/DHV kei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei iSd. § 2 Abs. 1 TVG war. Ihr fehl­te die Ta­riffähig­keit und da­mit die Be­fug­nis, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen. Sch­ließt ei­ne Ver­ei­ni­gung oh­ne Ta­riffähig­keit ei­nen Ta­rif¬ver­trag ab, ist die­ser Ta­rif­ver­trag un­wirk­sam und da­mit nich­tig (BAG 27. No­vem­ber 1964 - 1 ABR 13/63 - BA­GE 16, 329; MünchArbR/Löwisch/Rieb­le 2. Aufl. Bd. 3 § 255 Rn. 79; dies. TVG 2. Aufl. § 2 Rn. 178; Däubler/Pe­ter TVG 2. Aufl. § 2 Rn. 180; Ga­mill-scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Bd. I § 14 I. 4; HWK/Hens­s­ler 2. Aufl. § 2 TVG Rn. 3; Ja­cobs Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz S. 121; Buch­ner DB 2004, 1042; Feud­ner BB 2004, 2297, 2301; Böhm DB 2003, 2598, 2599; ders. in DB 2004, 137; Schöne DB 2004, 136).
c) Oh­ne Er­folg rügt der Be­klag­te, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be zu Un­recht an­ge­nom­men, der MTV CGD/DHV sei von An­fang an nich­tig ge­we­sen. Die­ser Ta­rif­ver­trag wur­de, so­weit er von der CGD ab­ge­schlos­sen wur­de, nicht erst mit dem Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ge­ra vom 17. Ok­to­ber 2002 un­wirk­sam. Die Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung nach § 2a Abs. 1 Nr. 4, § 97 ArbGG be­gründet oder be­en­det nicht erst die Ta­riffähig­keit, son­dern stellt die Ta­riffähig­keit oder Ta­rif­unfähig­keit nur fest. Das wird auch aus der Re­ge­lung in § 97 Abs. 5 ArbGG deut­lich, wo­nach das Ge­richt das Ver­fah­ren bis zur Er­le­di­gung des Be­schluss­ver­fah­rens nach § 2a Abs. 1 Nr. 4 ArbGG aus­zu­set­zen hat, wenn die Ent­schei­dung des Rechts­streits da­von
abhängt, ob ei­ne Ver­ei­ni­gung ta­riffähig ist. Die­se Ver­pflich­tung zur Aus­set­zung des Ver­fah­rens wäre weit­ge­hend sinn­los und überflüssig, wenn die Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit oder Ta­rif­unfähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung ent­spre­chend der Rechts­auf­fas­sung des Be­klag­ten nur für die Zeit nach der Verkündung der Ent­schei­dung von Be­deu­tung wäre. Dass die CGD zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ta­rif­ver­tra­ges am 25. Ja­nu­ar 1999 ta­riffähig ge­we­sen ist, ih­re Ta­riffähig­keit später ent­fal­len ist und die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ge­ra den Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des MTV CGD/DHV nicht um­fasst, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Der Be­klag­te hat dies auch nicht be­haup­tet.
d) Zu Un­recht meint der Be­klag­te, aus Gründen der Rechts­si­cher­heit und des Ver­trau­ens­schut­zes und auf Grund der ex­trem schwie­ri­gen Rück­ab­wick­lung von Ansprüchen nach dem MTV CGD/DHV sei ei­ne An­wen­dung der Vor­schrif­ten die­ses Ta­rif­ver­tra­ges bis zur Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ge­ra vom 17. Ok­to­ber 2002 ge­bo­ten. Der gu­te Glau­be an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung wird nicht geschützt (Oet­ker in Wie­de­mann TVG 6. Aufl. § 2 Rn. 15). Leis­tun­gen nach dem MTV CGD/DHV wur­den zwi­schen der ZVK und dem Be­klag­ten nicht aus­ge­tauscht. Des­halb be­darf es zwi­schen den Par­tei­en auch kei­ner Rück­ab­wick­lung von Ansprüchen nach dem MTV CGD/DHV. Es ist auch nicht zu er­ken­nen, dass ein Ver­trau­en des Be­klag­ten auf die Ta­riffähig­keit der CGD schutzwürdi­ger ist als das Ver­trau­en ei­nes Ar­beit­ge­bers, der oh­ne Er­folg gel­tend ge­macht hat, ein voll wirk­sa­mer Ta­rif­ver­trag ste­he sei­nem Be­trieb räum­lich, be­trieb­lich, fach­lich und persönlich näher als der VTV. Ein sol­cher Ar­beit­ge­ber ist zur Zah­lung von Beiträgen an die ZVK ver­pflich­tet. Der Be­klag­te konn­te auch für den Fall ei­ner der Kla­ge der ZVK statt­ge­ben­den Ent­schei­dung Vor­keh­run­gen tref­fen, ins­be­son­de­re in Be­zug auf die Er­stat­tung der ge­leis­te­ten Ur­laubs­vergütung.
e) Auch der Hin­weis des Be­klag­ten auf die Ta­riffähig­keit der DHV hilft ihm nicht wei­ter. Bei dem MTV CGD/DHV han­delt es sich um ei­nen mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag, bei des­sen Ab­schluss auf der Ge­werk­schafts­sei­te so­wohl die CGD als auch der DHV und so­mit auf ei­ner Sei­te meh­re­re Ver­ei­ni­gun­gen be­tei­ligt wa­ren (BAG 29. Ju­ni 2004 - 1 AZR 143/03 - AP TVG § 1 Nr. 36; 10. No­vem­ber 1993 - 4 AZR 184/93 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Ein­zel­han­del Nr. 43 = EzA TVG § 4 Ein­zel­han­del Nr. 25). Woll­ten CGD und DHV ei­nen ein­zi­gen, sie ge­mein­sam bin­den­den ein­heit­li­chen Ta­rif­ver­trag ab­sch­ließen, führ­te die Ta­rif­unfähig­keit der CGD un­ge­ach­tet ei­ner Ta­riffähig­keit des DHV zur Nich­tig­keit des MTV CGD/DHV (Oet­ker in Wie­de­mann TVG § 2 Rn. 17). Aber auch dann, wenn die CGD und der DHV trotz der Zu­sam­men­fas­sung in ei­ner Ur­kun­de von-
ein­an­der un­abhängi­ge, recht­lich selbständi­ge Ta­rif­verträge ab­sch­ließen woll­ten, fehl­te es an ei­ner Ta­rif­kon­kur­renz bzw. Ta­rifp­lu­ra­lität. Die feh­len­de Ta­riffähig­keit der CGD führ­te in die­sem Fall zwar nicht zur Nich­tig­keit des MTV CGD/DHV, so­weit die­ser mit dem DHV ab­ge­schlos­sen wor­den ist (Oet­ker in Wie­de­mann aaO; Buch­ner DB 2004, 1042, 1043 f.). Je­doch steht der An­nah­me von Ta­rif­kon­kur­renz bzw. Ta­rifp­lu­ra­lität die feh­len­de Ta­rif­zuständig­keit des DHV für den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen.
aa) Je­de Ge­werk­schaft ent­schei­det für sich, für wel­che Ar­beit­neh­mer und in wel­chen Wirt­schafts­be­rei­chen sie tätig wer­den will (BAG 25. Sep­tem­ber 1996 - 1 ABR 4/96 - BA­GE 84, 166, 177). Die Ta­rif­zuständig­keit rich­tet sich da­bei grundsätz­lich nach dem in der Sat­zung des Ver­ban­des fest­ge­leg­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich (BAG 14. No­vem­ber 2001 - 10 AZR 76/01 - BA­GE 99, 310, 313).
bb) Nach § 2 Nr. 1 Satz 1 der auf dem 16. Ver­bands­tag des DHV am 17. /18. Ok­to­ber 1998 be­schlos­se­nen Sat­zung (Sat­zung) war die­ser ei­ne Ge­werk­schaft der An­ge­stell­ten im Han­del, in der In­dus­trie und im pri­va­ten und öffent­li­chen Dienst­lei­tungs­be­reich. Die Mit­glied­schaft im DHV konn­ten al­le An­ge­stell­ten im Han­del, in der In­dus­trie und im pri­va­ten und öffent­li­chen Dienst­leis­tungs­be­reich (or­dent­li­che Mit­glie­der) so­wie die zu ei­nem An­ge­stell­ten­be­ruf Aus­zu­bil­den­den und Be­rufs­anwärter er­wer­ben (§ 3 Nr. 1 Sat­zung). Dar­aus und dem Ver­bands­na­men „Deut­scher Han­dels- und In­dus­trie­an­ge­stell­ten-Ver­band“ wird deut­lich, dass sich die Ta­rif­zuständig­keit des DHV we­der im Kla­ge­zeit­raum noch bei der Un­ter­zeich­nung des MTV CGD/DHV auf den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer er­streckt hat. Der Be­klag­te hat dies auch nicht be­haup­tet. Es ist nicht zu er­ken­nen, dass der DHV sei­ne Ta­rif­zuständig­keit über­schrei­ten woll­te. Aber selbst wenn zu Guns­ten des Be­klag­ten an­ge-nom­men würde, der DHV hätte beim Ab­schluss des MTV CGD/DHV auch für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer tätig wer­den wol­len, wäre die­ser Ta­rif­ver­trag in­so­weit nich­tig (Löwisch/Rieb­le TVG § 2 Rn. 185; ErfK/Schaub/Fran­zen 6. Aufl. § 2 TVG Rn. 38). Sch­ließt ei­ne ta­riffähi­ge Ver­ei­ni­gung außer­halb ih­rer in der Sat­zung fest­ge­leg­ten Ta­rif­zustän-dig­keit ei­nen Ta­rif­ver­trag ab, ist die­ser in­so­weit nich­tig (vgl. BAG 29. Sep­tem­ber 2004 - 10 AZR 562/03 - ; 14. No­vem­ber 2001 - 10 AZR 76/01 - BA­GE 99, 310; 28. Ju­li 1993 - 10 AZR 55/91 -).
4. Auch der Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag vom 1. März 2004 be­wirk­te im Kla­ge­zeit¬ 27
raum kei­ne Ta­rif­kon­kur­renz bzw. Ta­rifp­lu­ra­lität. Die Über­lei­tung des MTV CGD/DHV
auf die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Holz-Kunst­stoff er­folg­te mit Wir­kung ab dem 1. März 2004. Sie ist da­mit für die Mo­na­te De­zem­ber 1998 bis No-vem­ber 1999 oh­ne Be­deu­tung.
5. Zu Un­recht meint der Be­klag­te, je­den­falls ha­be der MTV GHK als sachnähe­rer Ta­rif­ver­trag den VTV im Kla­ge­zeit­raum ver­drängt.
a) Da der Haupt­vor­stand der Ge­werk­schaft Holz und Kunst­stoff den MTV GHK zum 31. De­zem­ber 1992 gekündigt hat, setzt ei­ne Bin­dung des Be­klag­ten an die­sen Ta­rif­ver­trag vor­aus, dass der Be­klag­te be­reits vor Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges mit­tel­bar Mit­glied ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei des MTV GHK war. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dies nicht fest­ge­stellt. Aus vom Be­klag­ten vor­ge­leg­ten Schriftstücken er­gibt sich nur, dass er im De­zem­ber 1996 die Meis­ter­prüfung im Tisch­ler­hand­werk be­stan­den hat, am 22. Sep­tem­ber 1998 Mit­glied der Tisch­le­r­in­nung O war und am 25. No­vem­ber 2003 der Tisch­le­r­in­nung B an­gehört hat.
b) Selbst wenn zu Guns­ten des Be­klag­ten da­von aus­ge­gan­gen wird, dass er an den MTV GHK in­fol­ge ei­ner In­nungs­mit­glied­schaft ge­bun­den war und die­ser Ta­rif­ver­trag nach dem Grund­satz der Spe­zia­lität die für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Bau­ta­rif­verträge ver­drängt hat, so­weit der Be­klag­te nicht nach § 1 Abs. 3 AEntG ge­setz­lich zur Abführung von Beiträgen zur Ur­laubs­kas­se ver­pflich­tet war, lag auf Grund der Kündi­gung des MTV GHK zum 31. De­zem­ber 1992 im Kla­ge­zeit­raum kei­ne Ta­rif­kon­kur­renz bzw. Ta­rifp­lu­ra­lität mehr vor. Gemäß § 4 Abs. 5 TVG gel­ten nach Ab­lauf ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges sei­ne Rechts­nor­men zwar wei­ter, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wer­den. Dies war bei den Ta­rif­vor­schrif­ten des ab­ge­lau­fe­nen MTV GHK ab dem 1. Ja­nu­ar 1993 der Fall.
aa) Mit Wir­kung zum 1. Ja­nu­ar 1993 wur­den der VTV idF des Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges vom 10. Sep­tem­ber 1992 und der Bun­des­rah­men­ta­rif­ver­trag für das Bau­ge­wer­be vom 3. Fe­bru­ar 1981 idF des Ta­rif­ver­tra­ges vom 10. Sep­tem­ber 1992 (BRTV) für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Gleich­zei­tig trat der Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung des Bun-des­rah­men­ta­rif­ver­tra­ges für Ar­bei­ter auf das Ge­biet der fünf neu­en Bun­desländer und des Ost­teils des Lan­des Ber­lin (Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag BRTV) vom 11. Fe­bru­ar 1991 idF des Ta­rif­ver­tra­ges vom 19. Mai 1992 mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 1992 außer Kraft (vgl. AVE-Be­kannt­ma­chung vom 8. De­zem­ber 1992, BAnz. Nr. 236 vom 16. De­zem­ber 1992 S. 9366 f.). Da­mit sind die Vor­schrif­ten des BRTV und des VTV ab dem 1. Ja­nu­ar 1993 als „an­de­re Ab­ma­chung“ iSv. § 4 Abs. 5 TVG gemäß § 5 Abs. 4
TVG an die Stel­le der zum 31. De­zem­ber 1992 ab­ge­lau­fe­nen Be­stim­mun­gen des MTV GHK ge­tre­ten (vgl. BAG 19. Ja­nu­ar 1962 - 1 AZR 147/61 - AP TVG § 5 Nr. 11; 4. De­zem­ber 1974 - 5 AZR 75/74 - AP TVG § 3 Nr. 2; 28. Mai 1997 - 4 AZR 546/95 - BA­GE 86, 43, 51; Bay­reu­ther Ta­rif­au­to­no­mie als kol­lek­tiv aus­geübte Pri­vat­au­to­no­mie S. 367 f.; Löwisch/Rieb­le TVG § 4 Rn. 394; Däubler/Be­p­ler TVG § 4 Rn. 898). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der MTV GHK und die all­ge­mein­ver­bind­li­chen Bau­ta­rif­verträge von un­ter­schied­li­chen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab­ge­schlos­sen wur­den. Ent­schei­dend ist, dass der Be­trieb des Be­klag­ten dem be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich der für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Bau­ta­rif­verträge un­ter­fiel, der MTV GHK nach sei­nem Ab­lauf nur noch ei­ne be­schränk­te Schutz­wir­kung ent­fal­tet hat und da­mit den Er­for­der­nis­sen und Ei­gen­ar­ten des Be­trie­bes und der dar­in täti­gen Ar­beit­neh­mer nicht mehr bes­ser als die Bau­ta­rif­verträge ge­recht wer­den konn­te.
bb) Sinn und Zweck der Nach­wir­kungs­re­ge­lung in § 4 Abs. 5 TVG ist es, bis zum Zu­stan­de­kom­men ei­ner an­de­ren Ab­ma­chung den Rechts­zu­stand zu er­hal­ten und da­mit dem ta­rif­li­chen Ord­nungs­prin­zip Rech­nung zu tra­gen (BAG 20. Sep­tem­ber 2006 - 10 AZR 496/05 -; 24. No­vem­ber 1999 - 4 AZR 666/98 - BA­GE 93, 34, 39). Ar­beits­verhält­nis­se sol­len nach Be­en­di­gung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges nicht in­halts­leer wer­den oder durch dis­po­si­ti­ves Ge­set­zes­recht ergänzt wer­den müssen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­neint al­ler­dings in ständi­ger Recht­spre­chung ei­ne nor­ma­ti­ve Wir­kung von Ta­rif­re­ge­lun­gen nach § 4 Abs. 5 TVG, wenn das Ar­beits­verhält­nis erst während der Nach­wir-kungs­zeit be­gründet wird (vgl. 6. Ju­ni 1958 - 1 AZR 515/57 - BA­GE 6, 90; 29. Ja­nu­ar 1975 - 4 AZR 218/74 - BA­GE 27, 22; 3. De­zem­ber 1985 - 4 ABR 60/85 - BA­GE 50, 258; 7. No­vem­ber 2001 - 4 AZR 703/00 - BA­GE 99, 283; 11. Ju­ni 2002 - 1 AZR 390/01 - BA­GE 101, 288). Die un­ter­schied­li­che Qua­lität der Rechts­nor­men ei­nes voll wirk­sa­men und ei­nes nach­wir­ken­den Ta­rif­ver­tra­ges hätte zur Fol­ge, dass auf im Nach­wir­kungs­zeit­raum be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis­se we­der die Vor­schrif­ten des ab­ge­lau­fe­nen Ta­rif­ver­tra­ges noch die Be­stim­mun­gen ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich er-klärten Ta­rif­ver­tra­ges kraft nor­ma­ti­ver Wir­kung An­wen­dung fänden, wenn ein für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärter Ta­rif­ver­trag nicht als an­de­re Ab­ma­chung iSv. § 4 Abs. 5 TVG ver­stan­den würde. Auf die Ar­beits­verhält­nis­se der vier vom Be­klag­ten nach dem 31. De­zem­ber 1992 ein­ge­stell­ten Tisch­ler und da­mit auf die Ar­beits­verhält­nis­se von 80 % der im Kla­ge­zeit­raum von ihm beschäftig­ten ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer würden auch bei bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit we­der die Be­stim­mun­gen des ab­ge­lau­fe­nen MTV GHK noch die Vor­schrif­ten der all­ge­mein­ver­bind­li­chen Bau­ta­rif­verträge An­wen-dung fin­den. Ein sol­ches Er­geb­nis stünde mit Sinn und Zweck der All­ge­mein­ver­bind-
li­cherklärung von Ta­rif­verträgen nicht im Ein­klang und wi­derspräche dem Grund­satz der Spe­zia­lität, der nicht be­zweckt, dass kein Ta­rif­ver­trag zur An­wen­dung kommt, son-dern der Ta­rif­ver­trag, der dem Be­trieb am nächs­ten steht.
c) Dem steht die Ent­schei­dung des Vier­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 20. April 2005 (- 4 AZR 288/04 - AP TVG § 4 Nach­wir­kung Nr. 43 = EzA TVG § 4 Nach­wir­kung Nr. 38) nicht ent­ge­gen. Der Vier­te Se­nat hat of­fen­ge­las­sen, ob ein all­ge­mei­ne­rer Ta­rif­ver­trag, der nach Ein­tritt der Nach­wir­kung ei­nes spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­tra-ges wirk­sam wird, auch dann nach § 4 Abs. 5 TVG als „an­de­re Ab­ma­chung” an des­sen Stel­le tritt, wenn über ei­nen - veränder­ten - Neu­ab­schluss des spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­tra­ges ver­han­delt wird (vgl. Löwisch/Rieb­le FS Schaub S. 457, 462; Däubler/Be­p­ler TVG § 4 Rn. 860 f.; Bay­reu­ther Ta­rif­au­to­no­mie als kol­lek­tiv aus­geübte Pri­vat­au­to­no­mie S. 368 f.; Ja­cobs Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz S. 301 ff.). Sol­che Ver­hand­lun­gen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Der Be­klag­te hat auch nicht be­haup­tet, dass und ge­ge­be­nen­falls bis zu wel­chem Zeit­punkt Ver­hand­lun­gen über den Neu­ab­schluss des MTV GHK geführt wur­den.
6. So­weit der Be­klag­te un­ter Be­zug­nah­me auf den Be­schluss des Se­nats vom 13. Mai 2004 (- 10 AS 6/04 -) die Auf­fas­sung ver­tritt, an dem Grund­satz der Spe­zia­lität und dem Vor­rang ei­nes sachnähe­ren Ta­rif­ver­tra­ges im Fal­le von Ta­rif­kon­kur­renz bzw. Ta­rifp­lu­ra­lität sei auch im Gel­tungs­be­reich des AEntG un­ein­ge­schränkt fest­zu­hal­ten, und meint, das AEntG grei­fe in der Aus­le­gung des Se­nats rück­wir­kend und un­zulässig in die ver­fas­sungs­recht­li­chen Rech­te der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in Sach­sen-An­halt ein, setzt der vom Be­klag­ten be­haup­te­te Ver­s­toß ge­gen die Ta­rif­au­to­no­mie vor­aus, dass sein Be­trieb von ei­nem ge­genüber den all­ge­mein­ver­bind­li­chen Bau­ta­ri­fen spe­zi­el­le­ren, sachnähe­ren Ta­rif­ver­trag er­fasst wor­den ist. Die­se Vor­aus­set­zung ist nicht erfüllt.
7. Sch­ließlich weist der Be­klag­te in sei­nem Schrift­satz vom 30. Ok­to­ber 2006 auch oh­ne Er­folg auf die Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Zen­tral­ver­band des Deut­schen Bau­ge­wer­bes e.V., dem Haupt­ver­band der Deut­schen Bau­in­dus­trie e.V., der In­dus­trie-ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Um­welt und dem Bun­des­ver­band Holz und Kunst­stoff vom 19. De­zem­ber 2005 hin, wo­nach die Ver­trags­par­tei­en die­ser Ver­ein­ba­rung sich ua. ei­nig sind, dass der Rechts­zu­stand, wie er vor der Ände­rung der Recht­spre­chung des Se­nats (13. Mai 2004 - 10 AS 6/04 -) be­stan­den hat, auch nach des­sen Ände­rung be­ste­hen bleibt, und auf Altfälle, die auf der Ent­schei­dung des Se­nats vom 13. Mai 2004 be­ru­hen, die Re­ge­lung der Großen Ein­schränkungs­klau­sel idF vom 1. Ja­nu­ar 2005
An­wen­dung fin­den soll. In­so­weit han­delt es sich nicht um den Hin­weis auf ei­ne rück­wir­kend in Kraft ge­tre­te­ne nor­ma­ti­ve Re­ge­lung, son­dern auf ein schuld­recht­li­ches, nicht-ta­rif­ver­trag­li­ches Übe­r­ein­kom­men und da­mit um un­zulässi­ges neu­es Vor­brin­gen in der Re­vi­si­ons­in­stanz. Das Re­vi­si­ons­ge­richt prüft, ob die Vor­in­stanz über die Kla­ge rechts­feh­ler­frei ent­schie­den hat. Sei­ner Be­ur­tei­lung un­ter­liegt da­bei nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO nur das­je­ni­ge Par­tei­vor­brin­gen, das aus dem Be­ru­fungs­ur­teil oder dem Sit­zungs­pro­to­koll er­sicht­lich ist. Es gilt der Grund­satz, dass die Ur­teils­grund­la­ge mit dem En­de der Be­ru­fungs­ver­hand­lung ab­ge­schlos­sen wird (BAG 3. Mai 2006 - 10 AZR 310/05 -; BGH 25. April 1988 - II ZR 252/86 - NJW 1988, 3092, 3094).
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References: § 1
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 § 48
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 § 4
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 § 2
 § 255
 § 2
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 § 14
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 § 97
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 § 2
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 § 1
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 § 5
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 § 3
 § 4
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 § 4
 § 559
 BGH