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Timestamp: 2020-07-05 16:13:23+00:00

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Arbeits­un­fäl­le sind nach § 8 Abs. 1 SGB VII Unfäl­le von Ver­si­cher­ten infol­ge einer den Ver­si­che­rungs­schutz nach §§ 2, 3 oder 6 begrün­den­den Tätig­keit (ver­si­cher­te Tätig­keit). Für das Vor­lie­gen eines Arbeits­un­falls im Sin­ne des § 8 Abs. 1 Satz 2 SGB VII ist danach erfor­der­lich, dass die Ver­rich­tung des Ver­si­cher­ten zur Zeit des Unfalls der ver­si­cher­ten Tätig­keit zuzu­rech­nen ist (inne­rer bzw. sach­li­cher Zusam­men­hang), dass die­se Ver­rich­tung zum Unfall­ereig­nis geführt hat und letz­te­res einen Gesundheits(-erst)schaden oder den Tod des Ver­si­cher­ten ver­ur­sacht (haf­tungs­be­grün­den­de Kau­sa­li­tät) hat. Die ver­si­cher­te Tätig­keit ist vor­lie­gend nach § 2 Abs. 1 Nr. 8b SGB VII fest­zu­stel­len. Danach sind Schü­ler in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung kraft Geset­zes ver­si­chert wäh­rend des Besuchs von all­ge­mein- oder berufs­bil­den­den Schu­len und wäh­rend der Teil­nah­me an unmit­tel­bar vor oder nach dem Unter­richt von der Schu­le oder im Zusam­men­wir­ken mit ihr durch­ge­führ­ten Betreu­ungs­maß­nah­men. Zum Schul­be­such gehört neben Betä­ti­gun­gen im Schul­un­ter­richt sowie den dazu­ge­hö­ri­gen Pau­sen und Prü­fun­gen auch die Teil­nah­me an sog. Schul­ver­an­stal­tun­gen [2]. Der Ver­si­che­rungs­schutz ist hier­bei auf den orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Schu­le beschränkt [3]. Die­ser orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­ant­wor­tungs­be­reich erfor­dert einen unmit­tel­ba­ren räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang zur Schu­le, wor­an es fehlt, wenn wirk­sa­me schu­li­sche Auf­sichts­maß­nah­men nicht mehr gewähr­leis­tet sind [4]. Ver­si­che­rungs­schutz in der Schü­ler­un­fall­ver­si­che­rung kann aber auch bestehen, wenn der räum­lich-zeit­li­che Zusam­men­hang (z.B. bei Klas­sen­fahr­ten, Thea­ter­be­su­chen außer­halb der Unter­richts­zeit) oder wirk­sa­me schu­li­sche Auf­sichts­maß­nah­men (z.B. bei Schü­ler­be­triebs­prak­ti­ka oder Tätig­kei­ten in der Schü­ler­mit­ver­wal­tung) weit­ge­hend gelo­ckert sind. Ein "Besuch der Schu­le", wie ihn § 2 Abs. 1 Nr. 8b Alt. 1 SGB VII tat­be­stand­lich vor­aus­setzt, fin­det also nicht aus­schließ­lich im Schul­ge­bäu­de und auf dem Schul­ge­län­de statt [5]. Ver­si­che­rungs­schutz besteht im Zusam­men­hang mit der Teil­nah­me an einer sol­chen Schul­ver­an­stal­tung jedoch nur für Ver­rich­tun­gen, die im sach­li­chen Zusam­men­hang mit der grund­sätz­lich ver­si­cher­ten Tätig­keit als Schü­ler ste­hen [6], nicht hin­ge­gen, wenn sich die betref­fen­de Per­son rein per­sön­li­chen, von der ver­si­cher­ten Tätig­keit nicht mehr beein­fluss­ten Belan­gen wid­met [7]. Dies führt in der Regel zu einer Unter­bre­chung der ver­si­cher­ten Tätig­keit und damit zu einer Unter­bre­chung des Ver­si­che­rungs­schut­zes.
Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt stell­te zunächst fest, dass das Gesche­hen nicht allein auf­grund der Anwe­sen­heit und der Tätig­keit der per­sön­li­chen Teil­ha­be­as­sis­ten­tin als ver­si­cher­te Tätig­keit im Rah­men der schu­li­schen Ver­an­stal­tung "mehr­tä­gi­ge Fahr­rad­tour" zu bewer­ten ist. Die von der Teil­ha­be­as­sis­ten­tin wahr­ge­nom­me­nen Betreu­ungs­auf­ga­ben ste­hen nicht schu­li­schen Auf­sichts­maß­nah­men durch Lehr­per­so­nal gleich, son­dern die­nen aus­schließ­lich dem Aus­gleich behin­de­rungs­be­ding­ter Nach­tei­le, um die Teil­nah­me am Unter­richt eben­so wie an ande­ren schu­li­schen Ver­an­stal­tun­gen zu ermög­li­chen. Die kon­kre­te, auch mit Unter­stüt­zung durch die Teil­ha­be­as­sis­tenz vor­ge­nom­me­ne Hand­lung ist mit Blick auf die Rechts­fra­ge des Vor­lie­gens einer ver­si­cher­ten Tätig­keit so zu beur­tei­len, wie dies bei Schü­lern und Schü­le­rin­nen der Fall wäre, die nicht auf eine ent­spre­chen­de Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind.
Eine abwei­chen­de Beur­tei­lung des vor­lie­gen­den Sach­ver­hal­tes ergibt sich auch nicht unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in des­sen Urteil vom 23.01.2018 [8]. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat hier­in zunächst ent­schie­den, dass auch eine schu­lisch ver­an­lass­te Grup­pen­pro­jekt­ar­beit, die im häus­li­chen Bereich eines Schülers/​Mitschülers durch­ge­führt wird, dem Unfall­ver­si­che­rungs­schutz unter­fällt, und damit auch die in die­sem Zusam­men­hang zurück­zu­le­gen­den Wege. Dies steht für den vor­lie­gen­den Fall der schu­lisch ver­an­lass­ten mehr­tä­gi­gen Rad­tour nicht im Streit. Im Wei­te­ren hat das BSG in die­ser Ent­schei­dung in Über­ein­stim­mung mit sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung aus­ge­führt, dass jugend­ty­pi­sche Grup­pen­pro­zes­se und hier­aus sich erge­ben­de Gefah­ren den Ver­si­che­rungs­schutz eben­falls nicht aus­schlie­ßen. Ein sol­cher Sach­ver­halt liegt hier aber nicht vor. Dar­über hin­aus hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt aber auch in die­ser Ent­schei­dung bestä­tigt, dass maß­geb­lich im Rah­men der Beur­tei­lung der kon­kret zum Unfall­zeit­punkt vor­ge­nom­me­nen Hand­lung die "objek­ti­vier­te Hand­lungs­ten­denz" ist. Auch wäh­rend der nach die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts grund­sätz­lich ver­si­cher­ten Grup­pen­pro­jekt­ar­beit ist also nicht jede belie­bi­ge Hand­lung als ver­si­cher­te Tätig­keit zu bewer­ten, son­dern auch hier­nach ist die im kon­kre­ten Ein­zel­fall durch­ge­führ­te Tätig­keit und die die­ser zu Grun­de lie­gen­de Hand­lungs­ten­denz zu prü­fen. Wie oben dar­ge­stellt, war im vor­lie­gen­den Fall die Hand­lungs­ten­denz auf die höchst­per­sön­li­che Sphä­re der Schü­le­rin gerich­tet.
BSG, Urteil vom 26.10.2004 – B 2 U 41/​03 R, SozR 4 – 2700 § 8 Nr. 7 RdNr. 14; Bie­resborn, in: juris­PK-SGB VII, 2. Auf­la­ge 2014, § 2 RdNr. 171 m.w.N.[↩]
st. Rspr. des BSG, vgl. z. B. Urteil vom 30.06.2009 – B 2 U 19/​08 R, SozR 4 – 2700 § 2 Nr. 13 RdNr. 24 ff. m.w.N.; Urteil vom 26.10.2004 a.a.O. m.w.N.[↩]
BSG, Urteil vom 30.06.2009, a.a.O., RdNr. 25; Urteil vom 18.04.2000 – B 2 U 5/​99 R, SozR 3 – 2200 § 539 Nr. 49 S. 214[↩]
BSG, Urteil vom 26.10.2004, a.a.O., RdNr. 15; Urteil vom 05.10.1995 – 2 RU 44/​94, SozR 3 – 2200 § 539 Nr. 34[↩]

References: § 8
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 § 2
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 § 8
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 § 539
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