Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bsg/2012-06-27/b-12-kr-17_10-r
Timestamp: 2017-11-22 11:20:09+00:00

Document:
BSG, 27.06.2012 - B 12 KR 17/10 R - Versicherungspflicht in der Krankenversicherung der Landwirte; Nebeneinander der Versicherungs- und Beitragspflicht als Bezieher von Arbeitslosengeld II und als landwirtschaftlicher Unternehmer | anwalt24.de
Urt. v. 27.06.2012, Az.: B 12 KR 17/10 R
Referenz: JurionRS 2012, 22459
Aktenzeichen: B 12 KR 17/10 R
LSG Schleswig-Holstein - 25.03.2010 - AZ: L 5 KR 17/09
SG Itzehoe - S 1 KR 216/07 26.11.2010
§ 2 KVLG (1989)
§ 3 KVLG (1989)
§ 20 KVLG (1989)
KrV 2013, 58
SGb 2012, 461
SGb 2013, 211
SGb 2013, 281-284
Az: B 12 KR 17/10 R
L 5 KR 17/09 (Schleswig-Holsteinisches LSG)
S 1 KR 216/07 (SG Itzehoe)
Landwirtschaftliche Krankenkasse Schleswig-Holstein und Hamburg,
Schulstraße 29, 24143 Kiel,
Der 12. Senat des Bundessozialgerichts hat auf die mündliche Verhandlung vom 27. Juni 2012 durch den Vorsitzenden Richter Dr. K r e t s c h m e r , die Richterin H ü t t m a n n - S t o l l und den Richter Dr. M e c k e sowie die ehrenamtlichen Richterinnen L i n k und H e s s e
Insoweit ist - abgesehen von dem Umstand, dass die Pflichtbeiträge eines Alg II begehrenden selbstständigen Landwirts zur KVdL gemäß § 11 Abs 2 S 1 Nr 2 SGB II einkommensmindernd in Abzug zu bringen sind - zu berücksichtigen, dass Bedarfslagen, die sich durch das Versicherungs- und Beitragsrecht der Sozialversicherung ergeben, nicht gebieten, dieses spezifische Recht nunmehr einschränkend im Lichte des SGB II auszulegen. So verkennt das LSG, dass eine gesetzlich begründete Versicherungs- und Beitragspflicht nicht etwa deshalb entfällt, weil der Beitragsschuldner zahlungsunfähig ist oder sich (aktuell) nicht oder nur unter Gefährdung seines Existenzminimums in der Lage sieht, seinen beitragsrechtlichen Pflichten nachzukommen. Sofern im Zusammenhang mit beitragsrechtlichen Regelungen im Übrigen Defizitlagen auftreten sollten, wären in erster Linie die Grundsicherungsträger berufen, diese auch unter dem Blickwinkel des Verfassungsrechts in den Blick zu nehmen und ggf das Leistungsrecht des SGB II verfassungskonform auszulegen. So hat die höchstrichterliche Rechtsprechung zB auch das Leistungsrecht der GKV trotz Geltendmachung der Gefährdung des Existenzminimums nicht zu Gunsten von SGB II-Leistungsempfängern erweiternd ausgelegt, sondern statt dessen auf die in Betracht kommende Zuständigkeit der Grundsicherungsträger verwiesen (vgl zB BSGE 100, 221 [BSG 22.04.2008 - B 1 KR 10/07 R] = SozR 4-2500 § 62 Nr 6, RdNr 29 f [Zuzahlungen]; BSG Urteil vom 8.11.2011 - B 1 KR 20/10 R - BSGE 109, 218 = SozR 4-2500 § 31 Nr 20 [Diätnahrung]; Urteil vom 6.3.2012 - B 1 KR 24/10 R - SozR 4-2500 § 34 Nr 9, auch zur Veröffentlichung in BSGE vorgesehen [nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel]; vgl auch aus der Rspr der für das SGB II zuständigen Senate BSGE 100, 83 [BSG 27.02.2008 - B 14/7b AS 32/06 R] = SozR 4-4200 § 20 Nr 6 [krankheitsbedingt nötige Lebensmittel]; BSGE 107, 217 [BSG 18.01.2011 - B 4 AS 108/10 R] = SozR 4-4200 § 26 Nr 1 sowie in Bezug auf das Sozialhilferecht BSG Urteil vom 10.11.2011 - B 8 SO 21/10 R - SozR 4-3500 § 32 Nr 1, auch zur Veröffentlichung in BSGE vorgesehen [Beiträge zur privaten Krankenversicherung]).

References: § 2

§ 3

§ 20
 § 11
 § 62
 § 31
 § 34
 § 20
 § 26
 § 32