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Timestamp: 2016-10-25 13:44:15+00:00

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97 II 221
97 II 22132. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 6. Juli 1971 i.S. Traber gegen Steckborn Kunstseide AG.
Responsabilit� de l'employeur, art. 55 CO. Exigences relatives � la preuve lib�ratoire. Interruption du lien de causalit� par le comportement de tiers (consid. 1-4). Pas de r�duction de la responsabilit� de l'employeur, lorsqu'en raison du comportement d'un tiers ou pour d'autres motifs sa faute n'appara�t que l�g�re (consid. 5). Pas d'obligation du l�s� selon les art. 43 et 44 CO de se pr�munir contre la possibilit� abstraite d'atteintes illicites � son patrimoine (consid. 6). Faits � partir de page 221
BGE 97 II 221 S. 221
A.- Baumeister Traber hatte im Auftrage der Ortsgemeinde Steckborn von der B�chlistrasse aus durch die spitzwinklig BGE 97 II 221 S. 222davon abzweigende Eichholzstrasse einen Graben zu erstellen, in den die Bestellerin eine zum Neubau der Bernina AG f�hrende Wasserleitung legen lassen wollte.
Vor Beginn der Arbeit will sich Traber bei Seibert, dem Leiter des Gemeindewasserwerkes, nach Leitungen erkundigt haben, auf die er stossen k�nnte. Seibert wandte sich an das Geometerb�ro Ringger. Dieses stellte ihm durch einen Angestellten, den Tiefbautechniker Grimm, drei Exemplare eines Planes im Massstab 1: 500 zu, der durch pantographische Vergr�sserung eines Originalplanes l: 1000 entstanden war. Es war daraus zu ersehen, dass in der Eichholzstrasse dem �stlichen Rande entlang "2 NOK-Kabel 4500 V" und dem westlichen Rande entlang ein Telephonkabel verliefen und dass alle drei die Strassengabel in s�dwestlicher Richtung �berquerten.
Anhand dieses Planes, von dem Traber ein Exemplar erhielt, bestimmte Grimm am 19. Juni 1968 in Anwesenheit Seiberts und Trabers an Ort und Stelle die Lage des zu erstellenden Grabens und liess dessen Achse kennzeichnen und die R�nder ankreiden. Der Graben sollte in der Strassengabel zwischen den Elektrokabeln und dem Telephonkabel rechtwinklig zu der in der B�chlistrasse liegenden Hauptwasserleitung beginnen und dann, nach rechts abbiegend, parallel zu den erw�hnten Kabeln verlaufen. Beim Knie des Grabens wurde festgelegt, wo nach dem Plan vermutlich die Elektrokabel lagen. Grimm verlangte von Traber, dass er vor der Erstellung des parallel zu den Kabeln verlaufenden Grabenst�ckes durch Sondierschlitze die Lage des Elektrokabels ermittle. Traber versprach, das zu tun. Seibert seinerseits wies ihn an, beim Knie des Grabens sehr sorgf�ltig ohne Maschinen zu arbeiten.
Traber liess die Grabarbeiten von seinen Handlangern Durtschi und Castriotto noch am gleichen Tage, den 19. Juni, beginnen und am folgenden Tage fortsetzen. Er war w�hrend ihres Verlaufes gr�sstenteils pers�nlich anwesend.
Am 20. Juni, etwa um 10.50 Uhr, durchschlug Castriotto mit dem Presslufthammer im Knie des geplanten Grabens ein Zementrohr und besch�digte das darin liegende Elektrokabel, das unter 45 000 V Spannung stand. Dadurch fiel im Betriebe der Steckborn Kunstseide AG w�hrend 13 1/2 Stunden der Strom aus und entstand dieser Firma ein Schaden von Fr. 143 946.50.
Es stellte sich heraus, dass der Plan, �ber den Traber verf�gte, BGE 97 II 221 S. 223insofern ungenau war, als nicht nur zwei, sondern drei Elektrokabel zur Fabrik der Steckborn Kunstseide AG f�hrten und dass sie in der Strassengabel etwas weiter westlich lagen, als im erw�hnten Plane angedeutet war. Ihre genaue Lage h�tte aus einem anderen Plane 1: 500 ersehen werden k�nnen, von dem Traber jedoch keine Kenntnis hatte. Die Steckborn Kunstseide AG hatte diesen Plan am 25. M�rz 1968 der Bernina AG mit folgender Mitteilung zugesandt:
"45 KV-Leitung Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass l�ngs der Nord-Grenze Ihrer Grundst�cke 1022 und 1021 die elektrische Speiseleitung Hasli-Steckborn f�r unser Werk als Kabelleitung im Boden verlegt ist. Die Leitungen durchstossen Ihre Parzelle 1021 im spitzen Winkel. Die Leitungsf�hrung ist aus dem Plan Sl/5247 rot eingezeichnet ersichtlich. Wir bitten Sie, bei den Bauarbeiten diese Leitungen zu beachten."
B.- Die Steckborn Kunstseide AG klagte gegen Traber auf Ersatz des Schadens. Das Bezirksgericht Steckborn und auf Berufung des Beklagten auch das Obergericht des Kantons Thurgau, dieses mit Urteil vom 29. Januar 1971, sprachen ihr Fr. 143 946.50 nebst 5% Zins seit 20. Juni 1968 zu.
C.- Der Beklagte hat die Berufung erkl�rt. Er beantragt, das Urteil des Obergerichtes aufzuheben und die Klage abzuweisen, eventuell den Ersatzanspruch der Kl�gerin in Anwendung von Art. 43 und 44 OR auf die H�lfte, d.h. auf Fr. 71 973.25 herabzusetzen, subeventuell das Beweisverfahren durch Einholung eines Obergutachtens zu erg�nzen oder die Sache zur Erg�nzung des Beweises an das Obergericht zur�ckzuweisen.
1. Gem�ss Art. 55 OR wird der Gesch�ftsherr f�r den von seinem Arbeiter verursachten Schaden ersatzpflichtig, wenn er nicht die nach den Umst�nden gebotene Sorgfalt angewendet hat, um einen Schaden dieser Art zu verh�ten. Diese Haftung setzt weder ein Verschulden des Arbeiters voraus, noch verlangt sie, dass der Gesch�ftsherr die Unterlassung der nach dem Umst�nden gebotenen Sorgfalt verschuldet habe; sie ist Kausalhaftung (BGE 45 II 85f., 647,BGE 49 II 94,BGE 50 II 493,BGE 56 II 287, 289,BGE 57 II 38,BGE 58 II 34,BGE 72 II 261,BGE 77 II 247, BGE 88 II 135, BGE 90 II 90, BGE 97 II 221 S. 22495 II 97, 96 II 31). Sie entf�llt jedoch, wenn der Schaden auch bei Anwendung der erw�hnten Sorgfalt eingetreten w�re.
Der Gesch�ftsherr tr�gt die Last des Beweises, dass er alle nach den Umst�nden gebotene Sorgfalt zur Verh�tung eines Schadens der betreffenden Art getroffen habe oder dass der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten w�re.
2. Es ist unbestritten, dass der Beklagte der Gefahr der Besch�digung elektrischer Kabel nur dadurch begegnete, dass er sich bei Seibert nach allf�llig vorhandenen Leitungen erkundigte, worauf er die mit dem Pantographen auf den Massstab 1: 500 vergr�sserte Wiedergabe eines alten Situationsplanes 1: 1000 erhielt und der Tiefbautechniker Grimm vom Geometerb�ro Ringger auf Grund der gleichen Vergr�sserung den zur Schonung der Elektrokabel einerseits und des Telephonkabels anderseits mutmasslich g�nstigsten Verlauf des Grabens auf der Strasse kennzeichnen liess. Der Schaden trat ein, weil die Elektrokabel ein wenig weiter westlich lagen als der Plan vermuten liess. Frage ist, ob nach den Umst�nden weitere Massnahmen geboten waren, um einen Schaden dieser Art zu verh�ten.
3. a) Dem Plane konnte nicht entnommen werden, zwischen dem geplanten Graben und den Elektrokabeln bleibe ein freier Raum von 1 m, wie der Beklagte geltend macht. Wie der Gutachter Vogler ausf�hrt, entsprach diese Entfernung dem Abstand zwischen den Achsen der Kabelanlage einerseits und der Wasserleitung anderseits. Elektrokabel aber pflegen in Zement- oder anderen R�hren zu liegen. Selbst unter der Voraussetzung, dass nur zwei solche vorhanden seien, wie der Plan angab, musste daher mit einer gewissen Breite der Kabelanlage gerechnet werden. Die Breite des Wasserleitungsgrabens sodann hat der Beklagte im kantonalen Verfahren mit 80 cm angegeben. Der Rand des Grabens konnte daher selbst unter der Voraussetzung, dass der Plan genau sei, vom Rande der Kabelanlage nur wenige Dezimeter entfernt sein.
Der Aufschluss �ber die Lage der Kabel, den der Plan gab, durfte nun aber nicht als genau und zuverl�ssig gelten. Der Plan enthielt keine Zahlen �ber die Entfernung der Kabel von bestimmten im Gel�nde feststellbaren Fixpunkten. Diese Entfernungen mussten ausschliesslich auf Grund der Zeichnung und des Massstabes des Planes errechnet werden. Sie hingen also von der Genauigkeit der Zeichnung ab. Ein Plan kann BGE 97 II 221 S. 225umso genauer sein, je gr�sser sein Massstab ist. Im vorliegenden Falle war dieser mit 1:500 angegeben. Unter dieser Angabe war aber vermerkt, es handle sich um eine pantographische Vergr�sserung. Daraus musste geschlossen werden, der Originalplan weise einen kleineren Massstab auf, vielleicht 1:1000 oder noch kleiner. Ein Massstab 1:1000, den er in Wirklichkeit hatte, liess aber nicht erwarten, dass die Entfernungen bis auf wenige Dezimeter genau stimmten, entspricht doch 1 m im Gel�nde 1 mm auf dem Papier, so dass eine Ungenauigkeit von 1/10 mm in der Zeichnung im Gel�nde 1 dm ausmacht. Die pantographische Vergr�sserung des Originalplanes sodann konnte Quelle weiterer Ungenauigkeiten sein. Das ist die Auffassung des Sachverst�ndigen Vogler und leuchtet ein, wenn man sich die Natur dieses Vergr�sserungsverfahrens vergegenw�rtigt. Ein sorgf�ltiger Baumeister durfte sich daher nicht auf den Plan verlassen, zumal ohne grossen Aufwand weitere Massnahmen zur Verh�tung eines Schadens m�glich waren.
b) In erster Linie dr�ngte sich die Nachforschung nach einem zuverl�ssigeren Plane auf. Dass das Geometerb�ro Ringger anscheinend einen solchen nicht besass, durfte nicht beruhigen. Geometer pflegen die Grundst�cke und die auf ihnen sichtbaren Anlagen zu vermessen und auf einem Plan festzuhalten, nicht Leitungen in den Boden zu verlegen. �ber die genaue Lage vergrabener Leitungen wissen vorabjene Stellen Bescheid, die sie errichtet haben oder denen sie dienen. Der Beklagte h�tte sich daher an das Elektrizit�tswerk oder an die Kl�gerin wenden sollen. Er hat nicht bewiesen, dass dies nutzlos gewesen w�re. Im Gegenteil ist sicher, dass er jedenfalls durch eine Anfrage bei der Kl�gerin vom Plane Sl/5247 Kenntnis erhalten h�tte, sei es, dass sie ihm eine Kopie davon �bergeben oder ihn an die Bernina AG gewiesen h�tte, der sie eine solche hatte zukommen lassen.
Im Plane Sl/5247 sind die Elektrokabel in der Gabelung der Eichholzstrasse und der B�chlistrasse weiter westlich eingezeichnet als in der pantographischen Vergr�sserung des Planes Ringger. Das springt sogar einem Laien und umso mehr auch einem im Lesen von Pl�nen bewanderten Baumeister in die Augen. Auch enth�lt der Plan Sl/5247 l�ngs der die Leitung kennzeichnenden roten Linie die Angabe "3 Al. Kabel 45 KV je 95 mm2" und auf der erw�hnten Strassengabel die Angabe "3 Zem. R 12 O". Auch einer Aufschrift am Fusse des Planes BGE 97 II 221 S. 226ist zu entnehmen, dass drei Einleiter-Kabel verlegt seien. Das h�tte wahrscheinlich sogar m�helos im Gel�nde festgestellt werden k�nnen, dort wo die Kabel in eine "Freileitung 45 KV" �bergehen (s. linke untere Ecke des Planes Sl/5247).
c) Eine weitere zumutbare Massnahme zur Bestimmung der genauen Lage der Kabel w�re die Freilegung der im Bereiche der Arbeitsstelle liegenden Kabelsch�chte gewesen. Der Besitz des Planes Sl/5247 war dazu nicht n�tig; die Sch�chte sind auch im Plane Ringger eingezeichnet. Sie befanden sich unter den Strassenbel�gen, der eine unter der Kiesschicht der Eichholzstrasse, der andere unter der Asphaltdecke der B�chlistrasse. Da anzunehmen war, die Kabel verliefen geradlinig (sie sind dort in beiden Pl�nen durch eine Gerade angegeben), h�tte ihre Lage ohne weiteres ermittelt werden k�nnen. Die Abdeckung der Sch�chte h�tte zudem den Vorteil gehabt, dass auch h�tte fetgestellt werden k�nnen, wie tief die Kabel lagen. Die Sch�chte wurden erst nach dem Eintritt des Schadens freigelegt.
d) Wer als Bauunternehmer weder sich nach einem genaueren Plane erkundigen noch die Kabelsch�chte freilegen wollte, hatte mit aller Vorsicht, ohne Verwendung eines Presslufthammers, Sondierschlitze erstellen zu lassen, um die Lage der Kabel zu ermitteln. Das ist die Auffassung des Sachverst�ndigen Vogler und leuchtet auch einem Laien ein. Grimm war gleicher Auffassung. Er wies den Beklagten an, beim Knie des Grabens Sondierschlitze zu machen, was der Beklagte denn auch zu tun versprach. Das ergibt sich aus den Aussagen Grimms und Seiberts, die vom Obergericht, f�r das Bundesgericht verbindlich, als glaubw�rdig erachtet werden. Die Behauptung des Beklagten, der Gutachter Vogler habe die Aussage Grimms unrichtig ausgelegt, nach der Weisung dieses Zeugen h�tten erst nach der Erstellung des Stichgrabens Sondierschlitze ausgehoben werden m�ssen, ist nicht zu h�ren. Eine solche Empfehlung h�tte �brigens den Geboten der Sorgfalt widersprochen, denn die Lage der Kabel war vern�nftigerweise zu ermitteln, bevor man sich ihnen bei der Aushebung des Stichgrabens mit dem Presslufthammer zu sehr n�herte. Das h�tte sich der Beklagte selber sagen sollen, denn er war der Ersteller des Werkes, nicht Grimm oder Ringger. Es ist nicht zu verstehen, dass er seinen Arbeitern nicht befohlen hat, Sondierschlitze zu erstellen.
e) Beim Fehlen von Sondierschlitzen h�tte ein sorgf�ltiger BGE 97 II 221 S. 227Unternehmer seine Arbeiter zum mindesten darauf aufmerksam machen m�ssen, dass sie beim Graben m�glicherweise auf Elektrokabel stossen w�rden und daher sehr vorsichtig vorzugehen h�tten, insbesondere den Presslufthammer nur dort gebrauchen d�rften, wo es unumg�nglich sei. Der Beklagte hat diese Instruktion nicht erteilt, obschon ihn Seibert ausdr�cklich angewiesen hatte, beim Knie des Grabens sehr sorgf�ltig ohne Maschinen zu arbeiten.
Dass sie den Schaden nicht verh�tet h�tte, steht nicht fest. Die Behauptung des Beklagten, Castriotto m�sse mit dem Presslufthammer vom Sandsteinfels auf die tiefer liegende Kabelleitung abgeglitten sein, findet weder im angefochtenen Urteil noch in den Akten eine St�tze. Castriotto hat als Zeuge erkl�rt, er habe das Rohr mit dem Kabel als ein St�ck Fels angesehen. Dieser Irrtum war bei geh�riger Aufkl�rung seitens des Beklagten vermeidbar. Der Sandsteinfels, zu dessen Abbau der Presslufthammer verwendet wurde, h�rte am Rande des Kabelbettes auf, weil er seinerzeit bei der Aushebung des Kabelgrabens notwendigerweise entfernt worden war. Diese tats�chliche Feststellung des Obergerichtes kann im Berufungsverfahren nicht angefochten werden. Der Einwand des Beklagten, das Obergericht berufe sich offensichtlich irrt�mlich auf den Sachverst�ndigen Vogler, h�lt nicht stand, denn Vogler hat in der Tat ausgef�hrt, der Sandstein habe an der Wand des Kabelgrabens aufgeh�rt, was sofort zur genauen Feststellung der Kabellage gef�hrt h�tte, und aus der Ver�nderung des Grabenmaterials h�tte der Beklagte sogleich die Lage der Hochspannungsleitung erkannt. Diese Auffassung leuchtet �brigens ein. Die R�ge, die Kl�gerin habe im kantonalen Verfahren nicht behauptet, das Abbaumaterial habe auf die unmittelbare N�he der Kabel hingewiesen, ist ebenfalls nicht zul�ssig. Es ist eine Frage des kantonalen Prozessrechtes, ob das Obergericht die erw�hnte Feststellung von Amtes wegen oder nur auf Behauptung einer Partei hin treffen durfte (BGE 78 II 97, BGE 87 II 141, BGE 89 II 121). Im �brigen verkennt der Beklagte, dass nicht die Kl�gerin die Wirksamkeit der gebotenen Instruktionen zu beweisen hatte, sondern er selber deren Nutzlosigkeit.
4. Der Beklagte meint, wegen der Angaben und Weisungen der Bauleitung hafte er nicht.
Unter der Bauleitung versteht er Seibert und Grimm. Deren "Angaben und Weisungen" bestanden in der �bergabe der BGE 97 II 221 S. 228Vergr�sserung des Planes Ringger, in der Anzeichnung des Grabens auf der Strasse und in den Geboten, Sondierschlitze zu erstellen und beim Knie des Grabens sehr sorgf�ltig ohne Maschinen zu arbeiten. Der Beklagte hat diese Gebote missachtet, weshalb sie ihn von vornherein nicht entlasten k�nnen. Dass sodann die erw�hnten anderen Anordnungen nicht gen�gten, um den Schaden zu verh�ten, wurde bereits dargetan. Dem Beklagten, dessen Arbeiter ihn verursacht hat, oblag es, die n�tigen weiteren Sorgfaltsmassnahmen zu treffen. Hiezu verpflichtete ihn im Verh�ltnis zu der Kl�gerin Art. 55 OR. Im Verh�ltnis zur Ortsgemeinde Steckborn als Bestellerin des Werkes k�me Art. 19 der Normen Nr. 118 des Schweizerischen Ingenieur- und Architekten-Vereins (Normen f�r die Ausf�hrung von Bauarbeiten) in Frage, wonach der Unternehmer die zur Sicherung von Sachen Dritter gebotenen Vorkehrungen zu treffen hat. Ob trotz dieser Bestimmung auch Seibert und Grimm Sorgfaltspflichten verletzt haben und ob auch sie und allenfalls die Ortsgemeinde Steckborn der Kl�gerin Schadenersatz schulden, ist jedoch nicht zu entscheiden. Der Belangte haftet dem Gesch�digten wegen des Verhaltens Dritter nur dann nicht, wenn es den urs�chlichen Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und dem Schaden unterbrochen hat (BGE 41 II 228,BGE 55 II 88,BGE 59 II 369,BGE 60 II 155, BGE 89 II 123, BGE 93 II 322). Dies trifft im vorliegenden Falle nicht zu.
5. Das Verhalten Dritter kann unter Umst�nden ein Grund zur Herabsetzung der Ersatzpflicht sein, wenn es das Verschulden des Belangten als nur leicht erscheinen l�sst (s. die soeben erw�hnte Rechtsprechung). Voraussetzung ist jedoch, dass der Belangte bloss wegen seines Verschuldens hafte. Die Ersatzpflicht des kausal Haftenden kann nie mit der Begr�ndung herabgesetzt werden, sein Verschulden sei wegen des Verhaltens eines Dritten oder aus anderen Gr�nden nur leicht (BGE 45 II 85f.,BGE 55 II 88,BGE 60 II 155; vgl. auchBGE 57 II 45).
Da die Haftung des Beklagten aus Art. 55 OR kein Verschulden voraussetzt, liegt im Verhalten Seiberts und Grimms kein Grund zur Herabsetzung der Ersatzpflicht. Der Beklagte macht denn auch nicht mehr geltend, sie sei wegen Geringf�gigkeit seines Verschuldens zu erm�ssigen.
6. Der Beklagte beantragt subsidi�r, ihn nur f�r die H�lfte des Schadens ersatzpflichtig zu erkl�ren, weil die Kl�gerin den Betrieb trotz der Besch�digung des Kabels ohne Unterbruch BGE 97 II 221 S. 229mindestens teilweise h�tte aufrecht halten k�nnen, wenn sie von vornherein eine zweite Stromzuleitung h�tte erstellen lassen, um sich gegen einen allf�lligen Ausfall der anderen zu sichern. Von 1942 bis 1952 habe sie einen Notanschluss an das 8-KV-Netz der Gemeinde besessen, doch habe sie ihn bei der Reorganisation der Stromversorgung der Gemeinde der Kosten wegen den neuen Verh�ltnissen nicht angepasst, obwohl sie gewusst habe, dass ein auch nur kurzer Stromunterbruch sie erheblich sch�digen w�rde. Durch dieses Verhalten habe die Kl�gerin die Risiken unvorhergesehener Stromunterbr�che erheblich vergr�ssert und den Schaden selber verschuldet. Sie habe gem�ss Art. 43 und 44 OR daf�r einzustehen.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss sich eine Herabsetzung der Schadenersatzforderung wegen Handelns auf eigene Gefahr (acceptation du risque) z.B. gefallen lassen, wer sich im Verkehr mit der Eisenbahn oder auf einem Strassenfahrzeug unvorsichtig benimmt (BGE 69 II 331, BGE 83 II 31 f. Erw. 3, BGE 85 II 37 f. Erw. 3, BGE 89 II 121 Erw. 3), selber zur Entstehung eines Werkmangels beitr�gt, dem er zum Opfer f�llt (BGE 69 II 399), im Umgang mit Maschinen oder Werken bestehende Gefahren erkennt oder erkennen k�nnte, ihnen aber nicht Rechnung tr�gt (BGE 72 II 260, BGE 89 II 228 Erw. 5, BGE 91 II 201 Erw. 5, 212, BGE 95 II 142 Erw. 4), sich in ein Motorfahrzeug setzt, das, wie er weiss oder wissen muss, von einem Angetrunkenen gef�hrt wird (BGE 79 II 398, BGE 94 II 297, BGE 91 II 222 Erw. b), ohne Not an einem Orte stehen bleibt, an dem Skifahrer aus einer Piste geraten k�nnen (BGE 82 II 32). In allen diesen und in weiteren F�llen aus der Praxis hatte sich der Gesch�digte absichtlich oder fahrl�ssig in die konkrete Gefahr begeben, die ihm zum Verh�ngnis wurde, oder er hatte diese Gefahr durch sein Verhalten absichtlich oder fahrl�ssig erh�ht und damit den Eintritt des sch�digenden Ereignisses gef�rdert. Im vorliegenden Falle kann der Kl�gerin nichts derartiges vorgehalten werden. Sie wusste nicht und musste nicht wissen, dass der Beklagte in der N�he der Kabel Grabarbeiten ausf�hren lassen werde. Sie hat auch nicht die von ihm durch Unsorgfalt geschaffene Gefahr erh�ht. Der Vorwurf, den ihr der Beklagte macht, ersch�pft sich darin, dass sie sich gegen die abstrakte M�glichkeit von Stromunterbr�chen h�tte sichern sollen, damit ein solcher Unterbruch, wenn er einmal eintreten sollte, sie nicht oder nur in geringerem Masse sch�dige. Niemand ist indessen gehalten, BGE 97 II 221 S. 230sich gegen bloss abstrakte M�glichkeiten rechtswidriger Eingriffe in sein Verm�gen zu sichern. Sonst m�sste man z.B. dem Fussg�nger, der sich in den �ffentlichen Verkehr begibt, vorhalten, er habe die damit verbundenen abstrakten Gefahren in Kauf genommen und daher einen Teil des Schadens selber zu tragen, den er im Verkehr durch rechtswidriges Verhalten anderer erleidet. Oder der Dieb k�nnte dem Bestohlenen ein Selbstverschulden vorwerfen, weil er seine Sachen nicht sicher verwahrte.
Das Fehlen einer zweiten Stromzuleitung ist auch nicht ein Umstand, f�r den die Kl�gerin unabh�ngig von einem Selbstverschulden einzustehen h�tte, z.B. wie der Halter eines Motorfahrzeuges f�r dessen Betriebsgefahr (BGE 88 II 134, 460) oder der Besitzer eines Werkes f�r dessen Mangelhaftigkeit (BGE 90 II 13 f. Erw. 6). Dass nur eine einzige Stromzuleitung bestand, war kein Mangel in der Anlage oder im Unterhalt der Fabrik. Der Beklagte hat daher der Kl�gerin den ganzen Schaden zu ersetzen.
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 29. Januar 1971 best�tigt.
90 II 90,
87 II 141 suite... ,
83 II 31,
85 II 37,
89 II 228,
91 II 201,
95 II 142,
94 II 297,
91 II 222,
82 II 32,
88 II 134,
90 II 13
art. 43 et 44 CO

References: art. 55
 art. 43

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 Art. 43
 Art. 55
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 Art. 55
 Art. 19
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 Art. 55
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 Art. 43
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art. 43