Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/betreuerverguetung-und-die-verjaehrung-des-rueckforderungsanspruchs-388695
Timestamp: 2020-07-09 04:16:51+00:00

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Betreuervergütung - und die Verjährungeinrede | Rechtslupe
Die Ein­re­de der Ver­jäh­rung ist im Fest­set­zungs­ver­fah­ren vom Rechts­pfle­ger zu berück­sich­ti­gen. Dabei hat er nicht nur zu prü­fen, ob der Anspruch ver­jährt ist, son­dern auch, ob die Ein­re­de gege­be­nen­falls treu­wid­rig erfolgt und ihr damit § 242 BGB ent­ge­gen­steht [1].
Der Ein­re­de der Ver­jäh­rung (§ 214 Abs. 1 BGB) kann der Arg­listein­wand nicht nur dann ent­ge­gen­ge­setzt wer­den, wenn der Schuld­ner den Gläu­bi­ger absicht­lich von der Erhe­bung der Kla­ge abge­hal­ten hat. Viel­mehr reicht aus, dass der Schuld­ner durch sein Ver­hal­ten objek­tiv sei es auch unab- sicht­lich bewirkt, dass die Kla­ge nicht recht­zei­tig erho­ben wird, und die spä­te­re Ver­jäh­rungs­ein­re­de unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein- zel­falls mit dem Gebot von Treu und Glau­ben unver­ein­bar wäre; inso­weit ist ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen [2].
In Fäl­len der vor­lie­gen­den Art besteht die Beson­der­heit dar­in, dass die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rungs­frist bereits spä­tes­tens mit Bewil­li­gung der Ver­gü­tung durch die Staats­kas­se nach § 1 Abs. 2 Satz 1 VBVG zu lau­fen beginnt, die Staats­kas­se den Betrof­fe­nen wegen sei­ner ver­meint­li­chen Mit­tel­lo­sig­keit nicht zeit­nah in Anspruch neh­men kann und die Ver­jäh­rung auch nicht gehemmt ist [3].
Die Fra­ge, ob § 242 BGB der Ein­re­de der Ver­jäh­rung ent­ge­gen­steht, ist der Über­prü­fung durch den Rechts­pfle­ger im Fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht ent­zo­gen.
Für das Ver­fah­ren auf Fest­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung ist gemäß § 3 Nr. 2 lit. b RPflG iVm §§ 292 Abs. 1, 168 FamFG der Rechts­pfle­ger funk­tio­nell zustän­dig. Sei­ne Kom­pe­tenz umfasst die Ent­schei­dung über Grund und Höhe des Ver­gü­tungs­an­spruchs, nicht jedoch die Ent­schei­dung über Gegen­an­sprü­che wegen man­gel­haf­ter Amts­füh­rung. Er ist des­halb grund­sätz­lich nur zur Ent­schei­dung über Ein­wen­dun­gen beru­fen, die im Ver­gü­tungs­recht ihren Grund haben, nicht aber über sol­che, die auf man­gel­haf­te Amts­füh­rung gestützt wer­den [4].
Bei der Ein­re­de der Ver­jäh­rung han­delt es sich um eine im Fest­set­zungs­ver­fah­ren berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Ein­wen­dung, die im Ver­gü­tungs­recht ihren Grund hat [5].
Aller­dings gehört zu der Prü­fung, ob der Anspruch ver­jährt ist, eben­falls die Fra­ge, ob sich der Schuld­ner über­haupt auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung beru­fen kann. Des­halb muss die Prü­fungs­kom­pe­tenz des Rechts­pfle­gers sowohl das "ob" als auch das "wie" einer mög­li­chen Ver­jäh­rung umfas­sen. Dem­ge­mäß muss er alle damit ein­her­ge­hen­den Vor­fra­gen, hier also die Fra­ge, ob der Ein­re­de § 242 BGB ent­ge­gen­steht, beant­wor­ten kön­nen. Zutref­fend ver­weist die Rechts­be­schwer­de dar­auf, dass es wenig prak­ti­ka­bel ist, über die Berech­ti­gung der Ver­jäh­rungs­ein­re­de nur teil­wei­se zu ent­schei­den und eine wei­te­re Prü­fung einem neu­en Ver­fah­ren vor­zu­be­hal­ten. In die­sem Fall wäre die Staats­kas­se zudem gezwun­gen, ihre Regress­an­sprü­che, soweit sie der Ver­jäh­rungs­ein­re­de anheim­ge­fal­len sind, im Erkennt­nis­ver­fah­ren anhän­gig zu machen [6].
Der Ein­wand nach § 242 BGB setzt kei­ne absicht­li­chen Falsch­an­ga­ben vor­aus. Viel­mehr reicht es aus, dass der Schuld­ner durch sein Ver­hal­ten objek­tiv sei es auch unab­sicht­lich bewirkt, dass der Regress­an­spruch nicht recht­zei­tig gel­tend gemacht wird, und die spä­te­re Ver­jäh­rungs­ein­re­de unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls mit dem Gebot von Treu und Glau­ben unver­ein­bar wäre [7].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Novem­ber 2014 – XII ZB 186/​13
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10 FamRZ 2012, 1051[↩]
BGH Urtei­le vom 14.11.2013 – IX ZR 215/​12 NJW-RR 2014, 1020 Rn. 15 mwN; und vom 14.09.2004 – XI ZR 248/​03 NJW-RR 2005, 415, 416; Münch­Komm-BGB/­Gro­the 6. Aufl. Vor­bem. zu § 194 Rn.19; Palandt/​Ellenberger BGB 73. Aufl. Überbl. vor § 194 Rn. 16 ff.; Erman/​Saar BGB 14. Aufl. § 1836 e Rn. 3[↩]
BGH, Beschluss vom 25.01.2012 XII ZB 605/​10 BtPrax 2012, 118 Rn. 16, 19 und 24[↩]
BGH, Beschluss vom 11.04.2012 XII ZB 459/​10 FamRZ 2012, 1051 Rn. 18 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 25.01.2012 XII ZB 605/​10 BtPrax 2012, 118 Rn. 10 und 28; Bay­O­bLGZ 2000, 197, 198[↩]
vgl. zum Ein­wand der Ver­wir­kung Bay­O­bLG Beschluss vom 18.02.2004 3Z BR 251/​03 12[↩]
vgl. BGH Urteil vom 14.11.2013 – IX ZR 215/​12 NJW-RR 2014, 1020 Rn. 15 mwN[↩]
ArglistArglisteinwandBetreuerBetreuervergütungVerjährungVerjährungseinrede

References: § 242
 § 1
 § 242
 § 3
 § 242
 § 242

BGH 
 § 194
 § 194
 § 1836
 BGH