Source: http://schufa.xyz/
Timestamp: 2019-03-20 01:43:05+00:00

Document:
"Die Schufa Holding AG (Eigenschreibung SCHUFA, früher SCHUFA e. V. Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist eine privatwirtschaftliche deutsche Wirtschaftsauskunftei in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft mit dem Geschäftssitz in Wiesbaden. Zu den Aktionären gehören Kreditinstitute, Handelsunternehmen und sonstige Dienstleister. Ihr Geschäftszweck ist, ihre Vertragspartner mit Informationen zur Bonität Dritter zu versorgen.
Die Schufa ist im Besitz von 728 Millionen Einzeldaten von 66,3 Millionen natürlichen Personen, damit hat sie ca. drei Viertel aller in Deutschland lebenden Personen erfasst. Außerdem sind Daten von 4,2 Millionen Unternehmen hinterlegt. Die Schufa bearbeitet jährlich mehr als 110,7 Mio. Anfragen zur Kreditwürdigkeit. Davon sind 1,7 Millionen Selbstauskünfte von Bürgern, die ihre Daten einsehen wollen. Sie beschäftigt rund 700 Mitarbeiter (Stand: 2013). Im Jahr 2013 belief sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 15,4 Mio. Euro bei einem Umsatz von ca. 123 Mio. Euro.
Vorstandsvorsitzender ist seit dem 1. November 2010 Michael Freytag, zuvor Finanzsenator in Hamburg. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Alexander Boldyreff.
Aufgrund der so gesammelten Erfahrungen gründeten der leitende BEWAG-Mitarbeiter Walter Meyer und sein Bruder Kurt Meyer, ein Rechtsanwalt, zusammen mit Robert Kauffmann, dem damaligen geschäftsführenden Vorstand der BEWAG, im Jahr 1927 die Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung in Berlin. In der Folge entstanden 13 weitere regionale Schufa-Gesellschaften in ganz Deutschland. 1952 wurde die Bundes-Schufa e. V. von den 13 nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland wiedererstandenen Regionalgesellschaften gegründet.
aktuelle Anschrift, frühere Anschriften (somit auch "Umzugsverhalten")
Eröffnung von Konten ( Girokonto, Pfändungsschutzkonto)
Beantragung/Eröffnung eines privaten Insolvenzverfahrens ( Privatinsolvenz)
Kürzel zur Speicherung ausgewählter Merkmale in der Schufa
Das Internet-Auktionshaus eBay nutzt die Schufa-Daten seit März 2003 beispielsweise zur Identitätsfeststellung bei der Neueröffnung von Benutzerkonten; eine angeblich zur Abwehr von Identitätsdiebstahl geeignete Maßnahme, da eine Anmeldung mit beispielsweise aus dem Telefonbuch entnommenen Daten durch eine Verknüpfung mit dem Geburtsdatum nicht möglich ist. Zusätzlich wird die Anfrage für ein Jahr exklusiv für den Verbraucher in dessen Datensatz zu Kontrollzwecken gespeichert. Die Reemtsma sowie verschiedene Auktionshäuser und Freemail-Anbieter setzen ein Adult Verification System der Schufa ein.
Laut Geschäftsbericht (2002) erhalten etwa 2.000 Vertragspartner aus dem Bereich Banken A-Daten (Positiv- und Negativmerkmale). Marktabdeckung ist hier nahe 100 Prozent bei Privatbanken und zwischen 85 und 90 % bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Ca. 2500 Vertragspartner aus dem Bereich Nicht-Banken erhalten B-Daten (Negativmerkmale). Empfänger sind auch externe Auftragnehmer entsprechend § 11 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sowie externe und interne Schufa-Stellen.
Laut Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) hat jede Person das Recht auf eine Auskunft über die bei einem Unternehmen über sie gespeicherten Daten. Ebenfalls gibt es das Recht, fehlerhafte Daten korrigieren zu lassen. Eine kostenfreie Datenübersicht nach § 34 BDSG kann jeder Bürger einmal im Jahr schriftlich beantragen. Des Weiteren bietet die Schufa noch die Möglichkeit, kostenpflichtig Einsicht in die eigenen Daten zu nehmen - zum einen permanent über das Onlineportal meineschufa.de und zum anderen über das schriftliche Produkt "Bonitätsauskunft".
Den Zugang zum Onlineportal meineschufa.de erhält man über eines der drei Servicepakete: meineSCHUFA kompakt für 3,95€, meineSCHUFA plus für 4,95€ und meineSCHUFA premium für 6,95€ monatlich. Neben der Möglichkeit, die eigenen Informationen einzusehen, gehört zu den Basisfunktionen der Pakete eine automatische Benachrichtigung per E-Mail und/oder SMS über Änderungen oder Abfragen der Daten durch Vertragspartner der Schufa. Darüber hinaus kann der eigene Basis-Score im persönlichen Bereich des Portals eingesehen werden. Für die Anmeldung bei meineschufa.de verlangt die Schufa eine einmalige Anmeldegebühr von 9,95€.
Die schriftliche Bonitätsauskunft kann online über meineschufa.de, telefonisch oder schriftlich bestellt werden. Sie kostet 24,95€ und enthält zwei Dokumente: die beweiskräftige Auskunft für Dritte (wie Vermieter oder Arbeitgeber) und eine umfangreiche Auskunft für die persönliche Information.
Sollten der beantragenden Person fehlerhafte Daten auffallen, so kann sie sich an das Servicecenter der Schufa wenden. Eine Meldung im August 2010, ein Drittel der 450.000 anfragenden Verbraucher habe bei der Schufa Fehler in den eigenen Daten gefunden, erwies sich als Falschmeldung.
Die Schufa bietet ihren Vertragspartnern auch einen Score-Wert an. Das ist ein Wert von 1 bis 100, der dem jeweiligen Verbraucher zugeordnet wird und die statistische Wahrscheinlichkeit angibt, dass ein Kredit bedient wird. Je niedriger der Wert, desto größer die Ausfallwahrscheinlichkeit. Der Score-Wert ist abhängig vom Zweck, für den er angefragt wird – so erhalten beispielsweise Versicherungen andere Scorewerte als Mobilfunkanbieter. In die Score-Werte gehen unter anderem die Anzahl der Wohnungswechsel und die Anzahl der Bankkonten ein.
Laut einer Studie des BMELV lag in einer Stichprobe von 100 Personen der Basisscore für Personen in einem Insolvenzverfahren typischerweise bei 5 %, bei abgeschlossenem Insolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung bei 29 %. Bei dieser Untersuchung lag für vier Personen kein Basisscore vor, neun hatten einen Basisscore unter 89 %, 60 Personen hatten einen Basisscore zwischen 89 % und 99 % und 27 Personen hatten einen Basisscore von über 99 %.
Seit dem Jahr 2006 bietet die Schufa im Rahmen der sogenannten Vollauskunft und Vollauskunft plus auch Informationen über die Bonität von Unternehmen an. Diese wurden durch die konkurrierende Auskunftei Bürgel Wirtschaftsinformationen geliefert. Seit Juli 2010 geht die Schufa schrittweise dazu über, diese Daten durch ein eigenes Scoring zu ersetzen. Sie zielt dabei sowohl auf ins Handelsregister eingetragene Gesellschaften, als auch nicht eingetragene Freiberufler, Selbstständige und Kleinunternehmer.
Die Anteile an der Gesellschaft liegen, gemäß Geschäftsbericht 2008, in folgenden Händen:
36,4 % Kreditbanken
24,7 % Sparkassen
insiders GmbH (Softwarehaus in Mainz, u. a. technische Anbindungen an Schufa) 100,0 %
Invest Solutions GmbH 33,5 %
KSV Kreditschutz-Vereinigung (operatives Geschäft zum 31. Dezember 2002 eingestellt – davor 90 % Beteiligung)
Systemhaus für Finanzdienstleister InformationLinks GmbH 48 %
tolina Holding GmbH 25,1 %
Position der Schufa
Die Berechnung des Score-Wertes wird von der Schufa nicht offengelegt und ist daher für Außenstehende undurchsichtig. Bis zum Jahr 2001 ist das Einholen einer Eigenauskunft als negatives Merkmal in das Scoring eingeflossen; nach massiven Protesten stellte die Schufa diese Praxis ein. Jeder Verbraucher kann bei der Schufa die Scoreübermittlung zu seiner Person untersagen. Ob dieser Antrag negative Auswirkungen auf eine spätere Kreditentscheidung hat, ist offen. Seit Anfang 2007 ist in der Eigenauskunft (online) der eigene Basis-Score-Wert in %-Werten zu sehen und wird vierteljährlich neu berechnet. Wesentlich ist jedoch der branchenspezifische Score-Wert, wie z. B. die Banken-Score bei Kredit­entscheidungs­prozessen und Konto­eröffnungen. Unter großer Kritik steht, dass das Einholen von Kreditangeboten als äußerst negatives Merkmal in das Scoring einfließt, wenn das Kreditinstitut bei der Schufa-Anfrage den Anfragegrund „Anfrage Kredit“ statt „Anfrage Kreditkondition“ angibt. Diese Praxis ist durch die Neuregelung in § 28a Abs. 2, S. 4 BDSG inzwischen verboten: Es „wird klargestellt, dass Daten über Verhaltensweisen des Betroffenen, die (im Rahmen eines vorvertraglichen Vertrauensverhältnisses) der Herstellung von Markttransparenz dienen, (auch mit Einwilligung des Betroffenen) nicht zur zukünftigen Übermittlung an Auskunfteien übermittelt werden dürfen (Satz 4). In der Vergangenheit wurden nämlich z. B. Anfragen von Betroffenen nach Kreditkonditionen bei verschiedenen Banken zur Informationsgewinnung gleichgesetzt mit mehrmaligen, auf einen konkreten Vertragsabschluss gerichteten Kreditanfragen, bei Auskunfteien eingemeldet und von diesen negativ bei der sogenannten Scorewertberechnung berücksichtigt. Diese Wertung widerspricht der Forderung nach Markttransparenz und dem Leitbild eines verantwortungsbewussten Kunden, der sich auf der Grundlage mehrerer vergleichbarer Angebote für oder gegen einen Vertrag entscheidet. Nach der vorgeschlagenen Neuregelung ist die Übermittlung von Daten über Anfragen nach Kreditkonditionen zur Informationsgewinnung in den Datenbestand einer Auskunftei unzulässig.“
Am 1. November 2011 wurde die Schufa Holding AG auf Klage des Wirtschaftsberaters, Schuldnerberaters und Schufakritikers Andreas Manoussos vom Landgericht Berlin dazu verurteilt, die Details der Berechnung der Kreditausfallwahrscheinlichkeit bzw. des Scoring-Verfahrens offenzulegen (LG Berlin, Urteil vom 1. November 2011 – 6 O 479/10).
Anderer Ansicht ist das Landgericht Wiesbaden (Urteil vom 1. Dezember 2011 - 8 O 100/11), welches einen weitergehenden Auskunftsanspruch nicht sieht, da das schutzwürdige Geheimhaltungsinteresse der Schufa entgegen stehe.
Auch der BGH bestätigte am 28. Januar 2014 (AZ VI ZR 156/13) ein Urteil des LG Gießen, demzufolge der Informationsumfang der Schufa-Auskunft zum Score den Anforderungen des BDSG genügt und die genaue Scoreberechnung als Geschäftsgeheimnis betrachtet werden kann. Der für die Aufsicht der Schufa zuständige Hessische Datenschutzbeauftragte begrüßte das Urteil, das die Aufsichtspraxis bestätige. Durch die umfangreichen Informationen zu Scorewerten und Datenarten in den erteilten Auskünften, die die im jeweiligen Scorewert verarbeiteten Daten vermitteln, in Verbindung mit den allgemeinen Informationen, sei das Scoreverfahren für Betroffene ausreichend transparent.
Das Bundesverbraucherschutzministerium hat 2009 eine Studie über die Fehlerquoten verschiedener Auskunfteien erstellt und festgestellt, dass auch die Schufa eine sehr hohe Fehlerquote hat. Die Stiftung Warentest hat für ihre Zeitschrift Finanztest schon 2003 eine Untersuchung durchgeführt und herausgefunden, dass sehr viele Daten (69 %) unvollständig, veraltet oder falsch waren. 2010 kam sie nach einer eigenen Stichprobe zu dem Ergebnis, dass 1 % der Schufa-Daten falsch seien, 8 % veraltet und bei 28 % Daten fehlten. Allerdings basiert das Geschäftsmodell der Schufa auf dem Gegenseitigkeitsprinzip, sodass Vertragspartner der Schufa Aktualisierungen von Daten laut Vertrag der Schufa melden sollen.
Anfang Juni 2012 wurde bekannt, dass die Schufa in Zusammenarbeit mit dem Hasso-Plattner-Institut private und berufliche soziale Netzwerke, insbesondere Facebook, und andere Online-Dienste als Quelle zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern erforschen wollte. Dieses Vorgehen wurde von Verbraucherschützern und von der Politik wegen der Grenzüberschreitung bei der Erfassung und Sammlung geschützter persönlicher Daten kritisiert. Aufgrund der umfangreichen Kritik wurde der Vertrag am 8. Juni 2012 von Seiten des Hasso-Plattner-Instituts gekündigt.
Können Daten Verbraucher schützen? Informationelle Selbstbestimmung und verantwortungsvolle Kreditvergabe - zwei Seiten einer Medaille? Hrsg. von der Schufa Holding AG, Wiesbaden 2006, ISBN 3-00-019820-2.
Timoleon Kosmides: Datenschutzrechtliche Beurteilung und Betroffenenrechte bei der Bonitätsprüfung in Griechenland unter Berücksichtigung des europäischen und des deutschen Rechts. In: Brandi-Dohrn/Heckmann (Hrsg.): Informationstechnik und Recht. Jahrbuch 2008, Köln 2009, ISBN 978-3-504-67017-7, S. 141–158 (Link zum Buch)
Timoleon Kosmides: Schutz der Persönlichkeit und der Privatsphäre des Einzelnen bei der Verarbeitung kreditwürdigkeitsrelevanter Daten in Griechenland aufgrund des Datenschutzgesetzes. In: Revue hellenique de droit international. (RHDI) 62 (1/2009), ISSN 0035-3256-3, S. 215–238. (Link zum Buch)
Auswahlseite für Antragsformulare zur kostenlosen Auskunft über eigene Schufaeinträge (gemäß § 34 BDSG) in deutscher, englischer und türkischer Sprache (PDF-Dateien, 90 KB)
Beispiel für eine kostenfreie Datenübersicht der Schufa nach § 34 BDSG (PDF-Datei, 421 KB)
SCHUFA: FAQ und Musterbrief (Verbraucherzentrale Bremen)
Kritik an den Schufa-Scores
Infos und Rechtstipps: Wie funktioniert Scoring? Wie funktioniert das Schufa-System?
Informationsseite der Schufa zum Thema Scoring
C. Schulzki-Haddouti: Zügelloses Scoring. Kaum Kontrolle über Bewertung der Kreditwürdigkeit . In: c't . 21, 2014 ( online).
↑ Zahlen,Daten,Fakten . 2014.
↑ http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,724242,00.html spiegel.de vom 20. Oktober 2010
↑ http://www.schufa.de/de/private/presse/aktuellepressemitteilungen/120704.jsp www.schufa.de vom 9. Oktober 2012
↑ a Geschichte der SCHUFA - Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, schufa.de, abgerufen: 20. Januar 2014.
↑ http://www.zeit.de/2004/11/G-Schufa
↑ a Produkte der Schufa .
↑ Joachim Jahn: Verwirrung um falsche Schufa-Daten. In: faz.net 2010
↑ Schufa-Score für Banken - mehr Sicherheit / Scoring - der Bonitätsindex für Privatpersonen PDF-Datei
↑ schufa4b.de
↑ Hermann Pump, Das Auskunftsersuchen an die Schufa, StLex 2, 249- 346, 191
↑ Robert Chromow: Schufa-Auskünfte über Unternehmen und Manager. In: Akademie.de. 14. Juli 2010, abgerufen am 22. Juli 2012.
↑ Schufa gibt auch über Unternehmen Auskunft. In: Die Zeit. 13. Juli 2010, abgerufen am 22. Juli 2012.
↑ vzhh.de
↑ Stiftung Warentest: Kreditanfrage: Score schlechter test.de, 29. März 2007 (abgerufen am 1. Februar 2013)
↑ Entwurf zur Änderung des Bundesdatenschutzgesetz (pdf; 130 kB)
↑ risiko-manager.com
↑ ilex-recht.de
↑ dr-bahr.com
↑ datenschutz.hessen.de
↑ Studie über Auskunfteien (PDF; 1,03 MB)
↑ Pressemitteilung zu der Studie
↑ Schufa: Gegenseitigkeitsprinzip. In: schufa.de, 12. Juni 2012.
↑ Prüfung der Kreditwürdigkeit - Schufa will Facebook-Profile auswerten, www.faz.net, online abgerufen am 7. Juni 2012.
↑ Facebook-Projekt der Schufa ist geplatzt, www.welt.de, online abgerufen am 8. Juni 2012.
↑ Schufa-Forschungsprojekt gekündigt, Pressemitteilung des Hasso-Plattner-Instituts, online abgerufen am 8. Juni 2012."
Seite „Schufa“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. August 2015, 14:25 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schufa&oldid=144675047 (Abgerufen: 27. August 2015, 18:48 UTC)

References: § 11
 § 34
 § 28
 BGH 
 § 34
 § 34