Source: https://ordnungderwissenschaft.de/2020/rechtsfragen-des-digitalen-unterrichts-digitaler-pruefungen-und-virtueller-gremiensitzungen-an-hochschulen/
Timestamp: 2020-08-09 13:59:56+00:00

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Rechtsfragen des digitalen Unterrichts, digitaler Prüfungen und virtueller Gremiensitzungen an Hochschulen | Ordnung der Wissenschaft
Im Zuge der Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men gegen die Coro­na-Pan­de­mie wur­de auch der Stu­di­en­be­trieb im Som­mer­se­mes­ter 2020 durch die sog. Coro­na-Ver­ord­nun­gen der Bun­des­län­der aus­ge­setzt, durch einen digi­ta­len Lehr­be­trieb ersetzt und der Zugang zu den Hoch­schu­len und ihren Ein­rich­tun­gen beschränkt.1 Davon ist deren gesam­ter Auf­ga­ben­be­reich, vor allem aber der Lehr­be­trieb in einem bis dahin nicht gekann­ten Aus­maß betrof­fen. Die Wis­sen­schafts­mi­nis­ter haben bei der Bekannt­ga­be der Rege­lun­gen die damit ver­bun­de­nen Belas­tun­gen für die Leh­ren­den und Stu­die­ren­den, für die Arbeits­fä­hig­keit der Orga­ne und Gre­mi­en, für die Beschäf­tig­ten in der Ver­wal­tung und den Ein­rich­tun­gen aner­kannt, dies aber mit der Zuver­sicht ver­bun­den, dass die­se Her­aus­for­de­rung mit dem Fort­schritt der Digi­ta­li­sie­rung in den Hoch­schu­len bewäl­tigt wer­den kann.2
Die­se Erwar­tung erwies sich aller­dings schon in den ers­ten Tagen als zu opti­mis­tisch. Der Aus­bau der digi­ta­len Infra­struk­tur hat zwar die Rah­men­be­din­gun­gen für die Auf­ga­ben der Hoch­schu­len nach­hal­tig ver­bes­sert. Neben ihren viel­fäl­ti­gen, fach­spe­zi­fi­schen Anwen­dun­gen im Bereich der For­schung gilt dies vor allem für den umfas­sen­den Zugang zu Online- Daten­ban­ken, die Infor­ma­ti­ons­er­schlie­ßung, für den elek­tro­ni­schen Kopi­en­ver­sand und die elek­tro­ni­schen Ver­wal­tungs­sys­te­me.
Dem gegen­über blieb die Digi­ta­li­sie­rung in der Leh­re in den meis­ten Hoch­schu­len gegen­über den
Prä­sen­z­an­ge­bo­ten an Vor­le­sun­gen, Semi­na­ren, Übun­gen und Prak­ti­ka auf unter­stüt­zen­de Maß­nah­men wie Lehr­platt­for­men, Unter­richts- und Lehr­me­di­en oder elek­tro­ni­sche Prä­sen­ta­tio­nen beschränkt. Wei­ter­rei­chen­de Erfah­run­gen mit digi­ta­ler Leh­re gibt es, von der Fern­uni­ver­si­tät Hagen abge­se­hen, bei den zu vir­tu­el­len Hoch­schu­len ver­bun­de­nen Einrichtungen3 sowohl in grund­stän­di­gen Stu­di­en­gän­gen als auch im Bereich der wis­sen­schaft­li­chen Wei­ter­bil­dung. In grund­stän­di­gen Stu­di­en­gän­gen der meis­ten Hoch­schu­len kamen digi­ta­le Lehr­for­ma­te dem­ge­gen­über nur in Ein­zel­fäl­len zum Ein­satz.
Noch gerin­ger waren und sind Erfah­run­gen mit digi­ta­len Prü­fun­gen. Selbst die Fern­uni­ver­si­tät Hagen führt die schrift­li­chen und münd­li­chen Prü­fun­gen über­wie­gend im Prä­senz­be­trieb an ihren Außen­stel­len durch.
Damit sind Leh­ren­de, Stu­die­ren­de, die Hoch­schul­lei­tun­gen, Fakul­täts­lei­tun­gen, wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen und Prü­fungs­äm­ter durch die Coro­na- Ver­ord­nun­gen mit Anfor­de­run­gen kon­fron­tiert, für die es über­wie­gend kei­ne Vor­bil­der gibt. In glei­cher Wei­se sind die Rechen­zen­tren und Biblio­the­ken gefor­dert, die für digi­ta­le Leh­re ver­füg­ba­ren For­ma­te syn­chro­ner oder asyn­chro­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men bereit­zu­stel­len und die not­wen­di­ge Hil­fe­stel­lung für deren Ange­bo­te zu geben.
Die orga­ni­sa­to­ri­sche und kon­zep­tio­nel­le Bewäl­ti­gung im lau­fen­den Betrieb steht gegen­wär­tig im Vor­der­grund not­wen­di­gen Han­delns.
Im Zuge der getrof­fe­nen Maß­nah­men erwies sich aber, dass das bestehen­de recht­li­che Regel­werk eben­so wenig auf die Umstel­lung auf digi­ta­le Lehr­ver­an­stal­tun­gen, digi­ta­le Prü­fun­gen oder auch vir­tu­el­le Gre­mi­en­sit­zun­gen vor­be­rei­tet war. Nur ver­ein­zelt sehen Lan­des­hoch­schul­ge­set­ze digi­ta­le Lehr­an­ge­bo­te vor, ohne die dar­an zu stel­len­den Anfor­de­run­gen näher zu definieren.4
Mit Aus­nah­me von Nord­rhein- West­fa­len haben die Bun­des­län­der bis­lang kei­nen situa­ti­ons­ge­rech­ten Rechts­rah­men geschaffen.5
Rechts­fra­gen des digi­ta­len Unter­richts, digi­ta­ler Prü­fun­gen und vir­tu­el­ler Gre­mi­en­sit­zun­gen an Hoch­schu­len
1 Vgl. dazu § 2 der Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung des Lan­des Baden- Würt­tem­berg über infek­ti­ons­schüt­zen­de Maß­nah­men gegen die Aus­brei­tung des Virus SARS-Cov‑2 (Coro­na-Ver­ord­nung – Coro­na- VO BW). Zu ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen in den ande­ren Bun­des­län­dern vgl. die Zusam­men­stel­lung bei Beck- Online, abruf­bar unter https://beck-online.beck.de/Normen/29337/I?pagenr=5&sortField=1.
2 Exem­pla­risch Schrei­ben der baden-würt­tem­ber­gi­schen Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin The­re­sia Bau­er vom 15.4.2020.
3 Z. B. die Vir­tu­el­le Hoch­schu­le Bay­ern. Die­se wird von den bay­ri­schen Hoch­schu­len seit dem Som­mer­se­mes­ter 2020 als Platt­form für ein umfas­sen­des Ange­bot digi­ta­ler Lehr­ver­an­stal­tun­gen genutzt, abruf­bar unter: https://kurse.vhb.org/VHBPORTAL/kursprogramm/kursprogramm.jsp
4 Z.B. Art. 63 Abs. 1 BayHG, § 58 HambHG, § 40 HG MVP, § 64 Abs. 2 S. 2 HG NRW (Online- Prü­fun­gen).
5 Arti­kel 10 des Geset­zes vom 14.4.2020, GV. NRW. S. 217; Ver­ord­nung zur Bewäl­ti­gung der durch die Coro­na Virus SARS-CoV-2-Epi­de­mie an den Hoch­schul­be­trieb gestell­ten Her­aus­for­de­run­gen (Coro­na-Epi­de­mie-Hoch­schul­ver­ord­nung) vom 15.4.2020, GV. NRW. S. 298.
1 5 6 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 5 5 — 1 6 8
6 Vgl. vor allem VGH Baden-Würt­tem­berg Beschluss vom 9. 4.
2020, 1 S 925/20, Rn. 37 ff.
7 BVerfGE 35, 79, 114 ff.; 43, 242, 267; 66, 155, 177 ff.; 67, 201, 207;
111, 333, 354 ff.; 136, 338 ff., Rn. 55 ff.; 139, 148 ff., Rn. 42 ff.
8 BVerfGE 35, 79, 115 f.
9 BVerfGE 35, 79, 113.
10 1BvR 755/20 v. 7. 4 .2020 — Art. 2 Abs.1 GG — Aus­gangs­be­schrän­kun­gen;
1 BvR 828/20 v. 15.4. 2020 — Ver­samm­lungs­ver­bot Art. 8
11 BVerfG 1BvQ 44/20 v. 29 .4 .2020 – Art. 4 GG — Besuch von
Got­tes­diens­ten.
12 KMK „Bil­dung in der digi­ta­len Welt“ – Emp­feh­lun­gen vom
8.12.2016; Emp­feh­lun­gen zur Digi­ta­li­sie­rung in der Hoch­schul­leh­re
(Beschluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 14.3.2019).
Auch der Wis­sen­schafts­rat hat in sei­nem Posi­ti­ons­pa­pier Stra­te­gien
für die Hoch­schul­leh­re, 2017 auf die Bedeu­tung der Digi­ta­li­sie­rung
für die Hoch­schul­leh­re hin­ge­wie­sen, vgl. ins­be­son­de­re
Die Hoch­schu­len sind des­halb gezwun­gen, bis zum
Han­deln des Gesetz­ge­bers die not­wen­di­gen Rechts­grund­la­gen
durch eige­ne Sat­zungs­re­ge­lun­gen zu schaf­fen.
Inzwi­schen lie­gen für eine Rei­he von Hoch­schu­len
ent­spre­chen­de Sat­zun­gen vor.
Die Ein­schrän­kung des Hoch­schul­be­triebs, die Umstel­lung
auf digi­ta­len Unter­richt, digi­ta­le Prü­fun­gen und
vir­tu­el­le Gre­mi­en­sit­zun­gen wer­fen zahl­rei­che weit­ge­hend
unge­klär­te Rechts­fra­gen im Bereich des Hoch­schul­ver­fas­sungs­rechts,
Hoch­schul­rechts, Prü­fungs­rechts,
Per­sön­lich­keits­rechts und des Daten­schutz­rechts
Der fol­gen­de Bei­trag kann allen­falls einen Ein­stieg in
deren mög­li­che Lösung leis­ten.
In drei Tei­len soll die The­ma­tik unter dem Aspekt der
Rechts­fra­gen digi­ta­ler Leh­re und Prü­fun­gen (II), vir­tu­el­ler
Gre­mi­en­sit­zun­gen (III), ver­füg­ba­rer For­ma­te und daten­schutz­recht­li­cher
Fra­gen (IV) behan­delt wer­den.
II. Rechts­fra­gen digi­ta­ler Leh­re und Prü­fun­gen
Ver­fas­sungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit der Schlie­ßung der
Hoch­schu­len: Lebens­schutz vs. Wis­sen­schafts­frei­heit
Die auf das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz gestütz­ten Ver­ord­nun­gen
und All­ge­mein­ver­fü­gun­gen wer­fen wegen ihrer
Ein­grif­fe in Grund­rech­te grund­le­gen­de Fra­gen an die
Wah­rung des Par­la­ments­vor­be­halts und des Bestimmt­heits­grund­sat­zes
durch die gesetz­li­che Ermäch­ti­gungs­grund­la­gen
auf, die bis­her in einst­wei­li­gen Anord­nungs­ver­fah­ren
nur ver­ein­zelt the­ma­ti­siert wurden.6
Soweit sie Beschrän­kun­gen des Hoch­schul­be­triebs
betref­fen, grei­fen sie in viel­fäl­ti­ger Wei­se in den Schutz­be­reich
des Art.5 Abs. 3 GG ein.
Betrof­fen ist der insti­tu­tio­nel­le Aspekt: die Ver­pflich­tung
des Staa­tes, funk­ti­ons­fä­hi­ge Insti­tu­tio­nen für einen
frei­en Wis­sen­schafts­be­trieb zur Ver­fü­gung zu stellen,7
die Gewähr­leis­tung der Auto­no­mie im Kern­be­reich von
For­schung und Lehre,8 der indi­vi­du­al­recht­li­che Aspekt
des Schut­zes der Frei­heit von For­schung und Lehre9 und
die aus Art. 12 GG abge­lei­te­te Frei­heit des Stu­di­ums. Gerecht­fer­tigt
wird der Ein­griff mit dem Schutz des
In bis­her vor­lie­gen­den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts
zu den Coro­na- beding­ten Schlie­ßungs-
oder Beschrän­kungs­maß­nah­men hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt,
gestützt auf die Gefah­ren­be­ur­tei­lung
des Robert-Koch-Insti­tuts und den dar­aus fol­gen­den
epi­de­mio­lo­gi­schen Maß­nah­men, dem Schutz des
Lebens den Vor­rang vor ande­ren betrof­fe­nen Grund­rech­ten
eingeräumt,10 die­sen aber unter Vor­be­halt der
lau­fen­den Über­prü­fung auf Not­wen­dig­keit und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit
gestellt.11 Dem liegt eine Abwä­gung der
Grund­rech­te zugrun­de; dabei wird dem Grund­recht der
Vor­rang ein­ge­räumt, des­sen Gefähr­dung gegen­über dem
kol­li­die­ren­den Grund­recht den höhe­ren Gefähr­dungs­grad
auf­weist.
Ent­schei­dun­gen zur Ein­schrän­kung des Wis­sen­schafts­be­triebs
lie­gen bis­her nicht vor. Auch die Wis­sen­schafts­frei­heit
unter­liegt aber bei der Grund­rechts­kol­li­si­on
imma­nen­ten Schran­ken, die nach den Grund­sät­zen
der Grund­rechts­kon­kor­danz zu bestim­men sind. Der
Vor­rang des Lebens­schut­zes gegen­über dem Schutz der
Wis­sen­schafts­frei­heit nach Art. 5 Abs. 3 GG ist gerecht­fer­tigt,
solan­ge der hohe Bedro­hungs­grad anhält und
sich die Beschrän­kun­gen des Hoch­schul­be­trie­bes und
auch der indi­vi­du­el­len Lehr­frei­heit auf der jewei­li­gen
Gefah­ren­la­ge ange­pass­te, not­wen­di­ge und ver­hält­nis­mä­ßi­ge
Maß­nah­men bezie­hen.
Des­halb sind die jewei­li­gen Maß­nah­men ent­spre­chend
der Beur­tei­lung der Gefah­ren­la­ge durch die zustän­di­gen
Behör­den auf den Prüf­stand zu stel­len und zu
befris­ten.
Dem­entspre­chend sind die ein­schlä­gi­gen auf das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz
gestütz­ten Ver­ord­nun­gen und All­ge­mein­ver­fü­gun­gen
nur rechts­wirk­sam, wenn sie ent­spre­chen­de
Öff­nungs­klau­seln ent­hal­ten. Sie müs­sen außer­dem
geeig­ne­te Spiel­räu­me für dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lun­gen
für Lehr­ver­an­stal­tun­gen und Prü­fun­gen
ent­hal­ten, die, wie Prak­ti­ka oder münd­li­che Prü­fun­gen,
nicht oder nur mit Schwie­rig­kei­ten ohne Prä­senz­be­trieb
mög­lich sind.
Rechts­grund­la­gen digi­ta­ler Lehr­ver­an­stal­tun­gen und
Prü­fun­gen — Hoch­schul­recht­li­cher Befund
Trotz fort­schrei­ten­der Digi­ta­li­sie­rung der Hoch­schu­len,
die 2016 Gegen­stand von all­ge­mei­nen Emp­feh­lun­gen
der KMK, 2019 spe­zi­ell zur Digi­ta­li­sie­rung in der Hoch­schul­leh­re
war,12 hat die­se Ent­wick­lung in der Hoch­S­and­ber­ger
· Rechts­fra­gen des digi­ta­len Unter­richts 1 5 7
13 Abruf­bar unter: https://www.hrk.de/fileadmin/redaktion/
hrk/02-Dokumente/02–04-Lehre/02–04-01-Qualitaetssicherung/
KMK_Musterrechtsverordnung.pdf
14 Zu die­sen Aspek­ten der Frei­heit der Leh­re vgl. § 3 HRG a. F., der
auf BVerfGE 35, 79, 112 zurück­geht, dazu Hail­bron­ner, in Geis,
Hoch­schul­recht in Bund und Län­dern, § 3 HRG a.F. 8. Lie­fe­rung,
§ 3 Rn.30 ff.
schul­ge­setz­ge­bung der Län­der bis heu­te prak­tisch kei­nen
Wider­hall gefun­den. Von weni­gen Aus­nah­men
abge­se­hen, ins­be­son­de­re der Rege­lung für die Fern­uni­ver­si­tät
Hagen in § 77 b HG NRW, fin­det sich in den
Abschnit­ten Stu­di­um, Leh­re und Prü­fun­gen auch nach
Ein­füh­rung der Modu­la­ri­sie­rung und des Leis­tungs­punk­te­sys­tems
kein Hin­weis auf die Mög­lich­keit der
Digi­ta­li­sie­rung. Dies kann nicht nur mit der Ten­denz
staat­li­cher Dere­gu­lie­rung erklärt wer­den und erweist
sich in der jet­zi­gen Not­la­ge als Ver­säum­nis. Die bestehen­den
Rege­lun­gen gehen klar vom Prä­senz­stu­di­um aus
und las­sen offen, ob unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die
Hoch­schu­len im Rah­men ihrer Sat­zungs­ge­stal­tungs­frei­heit
auch digi­ta­le Lehr­an­ge­bo­te ein­füh­ren oder Leis­tun­gen
aus digi­ta­len Lehr­an­ge­bo­ten ande­rer Hoch­schu­len
aner­ken­nen kön­nen.
Auch bei der Akkre­di­tie­rung von Stu­di­en­gän­gen haben
digi­ta­le Lehr­ver­an­stal­tun­gen bis­lang kei­ne Rol­le gespielt.
Die auf der Grund­la­ge des Staats­ver­tra­ges erlas­se­nen
und auf den Mus­ter­ent­wurf der KMK zurück­ge­hen­den
Akkre­di­tie­rungs­ver­ord­nun­gen erwäh­nen sie nicht.13
Auch die Hand­lungs­emp­feh­lun­gen der KMK zur Digi­ta­li­sie­rung
in der Hoch­schul­leh­re blie­ben bis­her ohne
Wider­hall.
Des­we­gen haben bis zur Coro­na Kri­se auch nur weni­ge
Hoch­schu­len in ihren Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen
Rege­lun­gen für digi­ta­le Lehr­ver­an­stal­tun­gen
Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­füh­rung digi­ta­ler Lehr­ver­an­stal­tun­gen
3.1. Beach­tung der Lehr­frei­heit
Für die Durch­füh­rung digi­ta­ler Leh­re gibt es damit im
Zeit­punkt der Umstel­lung auf den digi­ta­len Lehr­be­trieb
kei­ne rechts­ver­bind­li­chen Vor­ga­ben, auf die Bezug
genom­men wer­den kann. Rege­lun­gen des Lehr­an­ge­bots
in den Hoch­schu­len müs­sen sich des­halb auf orga­ni­sa­to­ri­sche
Maß­nah­men ein­schließ­lich des tech­ni­schen Sup­ports
beschrän­ken und die Frei­heit der inhalt­li­chen und
metho­di­schen Gestal­tung, ins­be­son­de­re der Frei­heit
wis­sen­schaft­li­cher Mei­nungs­äu­ße­run­gen, respek­tie­ren.
14 Dies bedeu­tet, dass Hoch­schul­leh­re­rin­nen und
Hoch­schul­leh­rer zwar ver­pflich­tet wer­den kön­nen, das
in den Stu­di­en­ord­nun­gen, Stu­di­en­plä­nen und Modul­hand­bü­chern
vor­ge­se­he­ne Lehr­an­ge­bot in digi­ta­ler
Form zu prä­sen­tie­ren und die damit ver­bun­de­ne Mit­wir­kung
der Stu­die­ren­den in geeig­ne­ter Wei­se sicher­zu­stel­len.
Dafür muss die Hoch­schu­le die not­wen­di­ge tech­ni­sche
Unter­stüt­zung gewäh­ren. Dage­gen sind die Hoch­schul­leh­re­rin­nen
und Hoch­schul­leh­rer bei der Wahl der
dafür zur Ver­fü­gung ste­hen­den For­ma­te frei.
Der Fall voll­stän­di­ger digi­ta­ler Inkom­pe­tenz dürf­te
bei der jet­zi­gen Genera­ti­on von Hoch­schul­leh­rern nicht
vor­kom­men, zumal eine digi­ta­le Kom­pe­tenz auch für
die For­schung in allen Fächern unab­ding­bar ist. Sie wäre
aber kein Befrei­ungs­grund von Lehr­ver­pflich­tun­gen. In
die­sem Fall besteht die Mög­lich­keit, Vor­le­sungs­ma­te­ria­li­en
in Print­form zur Ver­fü­gung zu stel­len und die­se mit
Auf­ga­ben­stel­lun­gen zu ver­bin­den, die die Stu­die­ren­den
bear­bei­ten kön­nen.
3.2 Maß­stä­be aus Rege­lun­gen für das Prä­senz­stu­di­um
Bis zu ergän­zen­den Rege­lun­gen aus Anlass der Coro­na-
Kri­se besteht damit hoch­schul­recht­lich eine Grau­zo­ne.
Maß­stä­be für die Anfor­de­run­gen an digi­ta­le Lehr­ver­an­stal­tun­gen
zur Siche­rung der Gleich­wer­tig­keit erge­ben
sich aus den in den Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen,
Stu­di­en­plä­nen und Modul­hand­bü­chern für die Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen
vor­ge­schrie­be­nen Lern­zie­le und Lern­in­hal­te.
Die­se müs­sen auch in digi­ta­len Lehr­ver­an­stal­tun­gen
ein­ge­hal­ten wer­den.
Dage­gen ist die Metho­de der Prä­sen­ta­ti­on, der für eine
Prä­senz­lehr­ver­an­stal­tung typi­sche Dia­log zwi­schen Leh­ren­den
und Stu­die­ren­den, die Mög­lich­keit von Dis­kus­sio­nen,
Fra­gen und Ant­wor­ten nicht eins zu eins umsetz­bar
und kann daher nur durch dafür pas­sen­de Lehr­for­ma­te ersetzt
wer­den. Soweit eine Lehr­ver­an­stal­tung Prä­senz im Labor
oder an Pati­en­ten vor­aus­setzt, muss sie, soweit die bestehen­den
Rege­lun­gen dies zulas­sen, durch alter­na­ti­ve, digi­ta­le
Lehr­an­ge­bo­te ersetzt wer­den.
Bei digi­ta­len Lehr­an­ge­bo­ten ist die Stu­dier­bar­keit für
behin­der­te Stu­die­ren­de mit geeig­ne­ten Maß­nah­men, ggfs.
durch zusätz­li­che tech­ni­sche Hil­fen, zu gewähr­leis­ten.
Die ver­schie­de­nen syn­chron oder asyn­chron ver­füg­ba­ren
Ange­bo­te müs­sen zeit­lich so abge­stimmt wer­den,
dass sie, wie bei einem Prä­senz­stu­di­um, in einen indi­vi­du­el­len
Stun­den­plan ein­ge­passt wer­den kön­nen. Des­halb
müs­sen syn­chro­ne Ange­bo­te wie bei Prä­senz­vor­le­sun­gen
einen Stun­den­plan ein­hal­ten oder durch asyn­chro­ne
Ange­bo­te zum Down­load ergänzt wer­den.
Rege­lungs­be­dürf­tig ist schließ­lich auch die Fra­ge, wie
bestehen­de Vor­schrif­ten zur Bele­gung und zum Besuch
von Lehr­ver­an­stal­tun­gen als Vor­aus­set­zung für die An1
5 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 5 5 — 1 6 8
15 Ver­ord­nung zur Bewäl­ti­gung der durch die Coro­na Virus SARS­CoV-
2‑Epidemie an den Hoch­schul­be­trieb gestell­ten Her­aus­for­de­run­gen
(Coro­na-Epi­de­mie-Hoch­schul­ver­ord­nung) vom
15.4.2020, GV. NRW. S. 298.
16 Beschluss des Rek­to­rats der Uni­ver­si­tät zu Köln zur Rege­lung der
prü­fungs­recht­li­chen Aspek­te nach der Ver­ord­nung zur Bewäl­ti­gung
der durch die Coro­na Virus SARS-CoV-2-Epi­de­mie an den
Hoch­schul­be­trieb gestell­ten Her­aus­for­de­run­gen (Coro­na-Epi­de­mie-
Hoch­schul­ver­ord­nung) vom 28.4.2020, Amt­li­che Mit­tei­lun­gen
21/2020; Ergän­zungs­be­stim­mun­gen zur über­grei­fen­den
Prü­fungs­ord­nun­gen für Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge sowie
zu Pro­mo­ti­ons­ord­nun­gen der RWT Aachen, Amt­li­che Bekannt­ma­chung
2020, 1 ff.
17 Ergän­zen­de Prü­fungs­ord­nung der Ruprecht-Karls-Uni­ver­si­tät
Hei­del­berg für alle Bache­lor­stu­di­en­gän­ge, Mas­ter­stu­di­en­gän­ge,
Staats­examens­stu­di­en­gän­ge und den Stu­di­en­gang Magis­ter
Theo­lo­gie der Ruprecht-Karls-Uni­ver­si­tät Hei­del­berg (Ergän­zen­de-
Prü­fungs­ord­nung-UHD) vom 24.4.2020, Mit­tei­lungs­blatt
Nr. 02 / 2020 v. 27.4.2020, S. 99ff.; Sat­zung zur Erwei­te­rung aller
Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen an der Uni­ver­si­tät Tübin­gen
zum Umgang mit der Coro­na-Pan­de­mie (Sat­zung für Leh­re und
Prü­fung SoSe 2020), Amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen, 2020 v. 27. 4.
2020, S. 182 ff; Sat­zung der Uni­ver­si­tät Ulm auf­grund der Aus­wir­kun­gen
der Coro­na-Pan­de­mie im Bereich Stu­di­um und Leh­re
vom 17.4.2020, Amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen der Uni­ver­si­tät
Ulm Nr. 8 vom 17.4.2020, Sei­te 56 – 61.
18 Art. 2 § 2 der Sieb­ten Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung Baden-
Würt­tem­berg zur Ände­rung der Coro­na- Ver­ord­nung v. 2.5.2020.
erken­nung als Stu­di­en­leis­tung bei digi­ta­len Lehr­an­ge­bo­ten
gehand­habt wer­den müs­sen. Glei­ches gilt für kapa­zi­täts­be­ding­te
Beschrän­kun­gen des Zugangs zu bestimm­ten
Lehr­ver­an­stal­tun­gen.
Als Kon­se­quenz die­ser durch unter­blie­be­ne Vor­sor­ge
des Gesetz­ge­bers und der Hoch­schu­len ent­ste­hen­den
Rechts­un­si­cher­heit bedarf es einer gesetz­li­chen Rege­lung,
die die Aner­ken­nung der mit dem Besuch einer digi­ta­len
Lehr­ver­an­stal­tung ver­bun­de­nen Leis­tungs­punk­te
oder als Zulas­sungs­vor­aus­set­zung für Prü­fun­gen
absi­chert.
Über­blick über anlass­be­zo­ge­ne Ergän­zun­gen bestehen­der
Rege­lun­gen für Lehr­ver­an­stal­tun­gen
Um die bestehen­de Rechts­un­si­cher­heit durch tem­po­rär
gel­ten­de Rege­lun­gen abzu­mil­dern, hat Nord­rhein-West­fa­len,
gestützt auf eine durch ein Arti­kel­ge­setz ein­ge­führ­te
Ermäch­ti­gung in § 82 a HG, eine Rechts­ver­ord­nung
erlas­sen, die vor­ran­gig den Rechts­rah­men für digi­ta­le
Prü­fun­gen und vir­tu­el­le Gre­mien­ent­schei­dun­gen
setzt, aber auch eine Rege­lungs­er­mäch­ti­gung der Rek­to­ra­te
der Hoch­schu­len für digi­ta­le Lehr­ver­an­stal­tun­gen
enthält.15
Dar­auf auf­bau­end haben bereits eini­ge Rek­to­ra­te
von NRW-Hoch­schu­len ent­spre­chen­de Sat­zun­gen
erlassen.16
Außer­halb von Nord­rhein-West­fa­len haben zahl­rei­che
Hoch­schu­len, gestützt auf die bestehen­de Sat­zungs­er­mäch­ti­gung
für Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen, im
Regel­fall per Eil­ent­schei­dung des Rek­tors ergän­zen­de
Rege­lun­gen getroffen.17
Haupt­ziel die­ser Rege­lun­gen ist es, die Rechts­grund­la­ge
für digi­ta­le Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu schaf­fen, um
den Auf­la­gen der Coro­na- Ver­ord­nun­gen zur Umstel­lung
auf den digi­ta­len Unter­richt Rech­nung zu tra­gen.
Rechts­sys­te­ma­tisch sind sie Ergän­zun­gen zu den bestehen­den
Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen. Ein­be­zo­gen
sind die bestehen­den Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge
der Hoch­schu­len. Für kirch­li­che oder Staats­examens­stu­di­en­gän­ge
gel­ten die Rege­lun­gen nur in dem Maße, in
dem die­se ergän­zen­de Rege­lun­gen durch Sat­zung der
Hoch­schu­le erlau­ben. Im Regel­fall ver­zich­ten sie auf
wei­te­re inhalt­li­che Vor­ga­ben, sodass sich die­se an den
bestehen­den Vor­ga­ben der Stu­di­en­ord­nun­gen, Stu­di­en­plä­ne
und der für modu­la­re Stu­di­en­gän­ge in Modu­lar -
Hand­bü­chern vor­ge­se­he­nen Zie­le und Inhal­te zu ori­en­tie­ren
Dar­über hin­aus sehen die­se Sat­zun­gen für Lehr­ver­an­stal­tun­gen,
die nur in Prä­senz mög­lich sind, wie Prak­ti­ka,
Prä­pa­ri­er- Kur­se, sport­prak­ti­sche Lehr­ver­an­stal­tun­gen,
Unter­richt am Kran­ken­bett oder Indi­vi­dual­un­ter­richt
in Kunst­hoch­schu­len, geeig­ne­te Ersatz­ver­an­stal­tun­gen,
Block­ver­an­stal­tun­gen oder das Ver­schie­ben auf
das nächs­te Semes­ter im Tausch gegen vor­zu­zie­hen­de
Lehr­ver­an­stal­tun­gen des Win­ter­se­mes­ters auf das Som­mer­se­mes­ter
vor, soweit und solan­ge die bestehen­den
Ver­bo­te nicht auf­ge­ho­ben oder ein­ge­schränkt wer­den.
Nach den jüngs­ten Ände­run­gen der Coro­na- Ver­ord­nun­gen
sind sol­che Ver­an­stal­tun­gen wie­der mög­lich,
wenn sie zwin­gend not­wen­dig sind und beson­de­re
Schutz­maß­nah­men getrof­fen werden.18
Zu beach­ten­de Rech­te Drit­ter
5.1 Schutz von Pati­en­ten­da­ten
Vor allem in den Lehr­ver­an­stal­tun­gen der Medi­zin sind
bei der Prä­sen­ta­ti­on von Pati­en­ten Rech­te Drit­ter zu
wah­ren. Der Schutz von Pati­en­ten­da­ten und des Arzt­ge­heim­nis­ses
stellt sich auch im Prä­senz­un­ter­richt. Soweit
Bil­der oder Daten von Pati­en­ten in digi­ta­len Lehr­ver­an­stal­tun­gen
prä­sen­tiert wer­den, erhöht sich ohne zusätz­li­che
orga­ni­sa­to­ri­sche, tech­ni­sche und recht­li­che Vor­keh­run­gen
die Gefahr der Ver­let­zung von Pati­en­ten­rech­ten.
Wie bei den Vor­stel­lun­gen im Prä­senz­un­ter­richt ist für
die Vor­stel­lung in Video­kon­fe­ren­zen und Video­auf­zeich­nun­gen
die Ein­wil­li­gung der Pati­en­ten erfor­der­lich.
Befun­de dür­fen nur anonym vor­ge­stellt und erör­tert
wer­den. Erfolgt eine Namens­nen­nung, ist auch § 203
Sand­ber­ger · Rechts­fra­gen des digi­ta­len Unter­richts 1 5 9
19 Vgl. BGH „Mei­len­stei­ne der Psy­cho­lo­gie“- BGH, GRUR 2014, 54,
Rn. 55; BGH „Elek­tro­ni­sche Lese­plät­ze“- BGH GRUR 2015, 1101
ff., Rn.41; Loe­wen­heim in Schricker/Loewenheim, § 52a UrhG
Rn. 18; Drey­er in Dreyer/Kotthoff/Meckel, § 52a UrhG Rn. 22;
Drei­er in Dreier/Schulze, § 52a Rn. 16. Die­se Grund­sät­ze gel­ten
auch nach der Novel­lie­rung und Über­nah­me des wesent­li­chen
Rege­lungs­ge­halts des § 52 a UrhG a. F. in § 60 a UrhG.
20 BGH Urteil v. 10.1.2019 — I ZR 267/15, Rn. 61 ff.
21 BGH Urteil v. 10.1.2019 — I ZR 267/15, Rn. 70 ff.
22 Art. 2 § 2 Abs.2 der Sieb­ten Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung
Baden-Würt­tem­berg zur Ände­rung der Coro­na- Ver­ord­nung v. 2.
StGB (Arzt­ge­heim­nis) tan­giert. Des­halb ist dafür eine
aus­drück­li­che Ein­wil­li­gung des Pati­en­ten erfor­der­lich.
Die Stu­die­ren­den sind ihrer­seits zu ver­pflich­ten, die
ihnen mit­ge­teil­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen Behand­lungs­da­ten
nicht wei­ter­zu­ge­ben.
Die Über­nah­me per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten, zu denen
auch Bil­der des Pati­en­ten und in bild­ge­ben­den Ver­fah­ren
gewon­ne­ne Auf­nah­men gehö­ren, in eine digi­ta­le
Lehr­platt­form setzt daher ent­we­der eine Anony­mi­sie­rung
oder Pseud­ony­mi­sie­rung vor­aus. Ist die­se, z. B. bei
Gesichts­bil­dern nicht mög­lich, bedarf es einer Ein­wil­li­gung
des Pati­en­ten. Zusätz­lich müs­sen fol­gen­de Maß­nah­men
ergrif­fen wer­den: die Zugangs­be­schrän­kung
zur Lehr­platt­form mit­hil­fe eines sichern Pass­wor­tes und
nur für die jewei­li­ge Semes­ter­ko­hor­te, ver­bun­den mit
dem Hin­weis auf das Ver­bot der Ver­viel­fäl­ti­gung und
Spei­che­rung auf eige­nem Medi­um. Die Lehr­platt­form
muss tech­nisch gesi­chert sein. Des­halb sind all­ge­mein
zugäng­li­che Platt­for­men wie You­Tube nicht geeig­net.
5.2 Urhe­ber­recht­li­che Fra­gen bei Nut­zung geschütz­ter
Wer­ke Drit­ter
Soweit kei­ne Cam­pus­li­zenz besteht oder es sich nicht um
frei­zu­gäng­li­che Bil­dungs­ma­te­ria­li­en (OER) han­delt, ist
die Ver­viel­fäl­ti­gung, Ver­brei­tung, Zugäng­lich­ma­chung
und Wie­der­ga­be urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Wer­ke auf
Lehr­platt­for­men nur nach Maß­ga­be des § 60a und b
UrhG für fol­gen­de Wer­ke und in fol­gen­dem Umfang
zuläs­sig:
Abbil­dun­gen, ein­zel­ne Bei­trä­ge in Zeit­schrif­ten, Aus­zü­ge
aus Büchern bis zu 15% eines ver­öf­fent­li­chen Werks.
Nicht zuläs­sig ist die Ver­wen­dung von Mit­schnit­ten
öffent­li­cher Vor­trä­ge, Vor­füh­run­gen und Auf­füh­run­gen,
die Ver­viel­fäl­ti­gung von Musik­no­ten und von
Schul­bü­chern.
Das Nut­zungs­pri­vi­leg steht nur den Leh­ren­den und
Teil­neh­mern der jewei­li­gen Ver­an­stal­tung: Vor­le­sung, Semi­nar,
Übung zum Zwe­cke der Ver­an­schau­li­chung im Unter­richt,
auch zur Vor- und Nach­be­ar­bei­tung, des Wei­te­ren
Leh­ren­den und Prü­fen­den an der­sel­ben Hoch­schu­le zu.
Die Ver­wen­dung von geschütz­ten Bil­dern und gra­phi­schen
Dar­stel­lun­gen ist nur im Rah­men des Zitat­rechts mit Quel­len­an­ga­be
erlaubt. Die Anla­ge eines Archivs zum Rück­griff
für künf­ti­ge Lehr­ver­an­stal­tun­gen ist nicht gestat­tet.
Die Über­nah­me urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Wer­ke
auf Lehr­platt­for­men im genann­ten Umfang ist des­halb
nur im Intra­net und zur Ein­gren­zung des Teil­neh­mer­krei­ses
pass­wort­ge­schützt zuläs­sig.
Die berech­tig­ten Teil­neh­mer der Lehr­ver­an­stal­tun­gen
dür­fen ein­zel­ne Bei­trä­ge für den per­sön­li­chen Gebrauch
her­un­ter­la­den, aus­dru­cken oder abspeichern.19
Sie sind aber nicht befugt, die geschütz­ten Wer­ke ana­log
oder digi­tal wei­ter­zu­ver­brei­ten oder zum Upload öffent­lich
zugäng­lich zu machen.20
5.3. Urhe­ber­recht­li­cher Schutz des von den Leh­ren­den
erar­bei­te­ten Lehr­ma­te­ri­als
Urhe­ber­recht­li­chen Schutz genießt das von den Leh­ren­den
erstell­te Lehr­ma­te­ri­al unab­hän­gig von sei­ner Form.
Soweit es digi­tal zur Ver­fü­gung gestellt wird, ist ein
Down­load der Vor­le­sungs- oder Übungs­teil­neh­mer zum
per­sön­li­chen Gebrauch zuläs­sig. Es darf aber ohne
Zustim­mung des Berech­tig­ten nicht wei­ter­ver­brei­tet
oder öffent­lich zugäng­lich gemacht wer­den. Dar­auf soll­ten
die Stu­die­ren­den beson­ders hin­ge­wie­sen wer­den.
Die Urhe­ber des Lehr­ma­te­ri­als sind nicht ver­pflich­tet,
das Lehr­ma­te­ri­al als frei zugäng­li­ches Mate­ri­al (OER)
zur Ver­fü­gung zu stel­len.
5.4. Ver­ant­wor­tung der Hoch­schu­le
Die Hoch­schu­le trägt nach § 99 UrhG die Haf­tung für
rechts­wid­ri­ges Han­deln ihrer Mitglieder.21
Sie trägt auch außer­halb des Urhe­ber­rechts die Ver­ant­wor­tung
für rechts­wid­ri­ge Inhal­te auf den Lehr­platt­for­men
als sog. Con­tent- Anbie­ter.
Des­halb müs­sen für die ver­schie­de­nen Lehr­platt­for­men
Ver­ant­wort­li­che benannt wer­den, die pro­ak­tiv die
Recht­mä­ßig­keit der auf der Platt­form ange­bo­te­nen Inhal­te
Hoch­schul­recht­li­che Grund­la­gen des Prü­fungs­rechts
6.1. Anfor­de­run­gen an die Ein­füh­rung digi­ta­ler Prü­fun­gen
Die Umstel­lung des Stu­di­en­be­trie­bes auf digi­ta­le For­ma­te
betrifft auch die Prü­fun­gen. Prü­fun­gen im Prä­senz­be­trieb
sind nach den Coro­na- Ver­ord­nun­gen
ent­we­der ganz ver­bo­ten oder nur unter Ein­hal­tung
von beson­de­ren Schutz­maß­nah­men zuläs­sig, wenn
die­se nicht durch Ein­hal­tung elek­tro­ni­scher Infor­ma­ti­ons-
und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien ersetz­bar
sind.22
1 6 0 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 5 5 — 1 6 8
23 BVerwG, Urteil vom 27.2.2019 — BVerwG 6 C 3.18, Rn. 15;
BVerfGE 84, 34, 45. Zum Vor­be­halt des Geset­zes, Wesent­lich­keits­grund­satz
und zum Bestimmt­heits­grund­satz vgl. zuletzt
BVerfGE 147, 253 ff., Rn. 116 ff. — Stu­di­en­platz­ver­ga­be Medi­zin.
24 Die Geset­zes­ma­te­ria­li­en geben dazu kei­nen wei­te­ren brauch­ba­ren
Hin­weis, vgl. Birn­baum in Beck­OK Hoch­schul­recht Nord­rhein-
West­fa­len, von Coelln/Schemmer, Stand: 1.3.2020, § 64 HG, Rn.
25 BVerfG, Urteil v. 21. 9. 2016 — 2 BvL 1/15 – BVerfGE 143, 38, 54,
Rn. 60 m.w.N.; BVerfG, Beschluss vom 11.3.2020 — 2 BvL 5/17 -,
Rn. 100 ff.
26 Ver­ord­nung zur Bewäl­ti­gung der durch die Coro­na Virus
SARS-CoV-2-Epi­de­mie an den Hoch­schul­be­trieb gestell­ten
Her­aus­for­de­run­gen (Coro­na-Epi­de­mie-Hoch­schul­ver­ord­nung)
vom 15.4.2020 GV. NRW. S. 298. Text und amt­li­che Begrün­dung
las­sen erken­nen, dass die Rege­lun­gen in höchs­ter Eile kon­zi­piert
Abge­se­hen von § 64 Abs. 2 S. 2 HG NRW, der zulässt,
dass Hoch­schul­prü­fun­gen in elek­tro­ni­scher Form oder
in elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on abge­legt wer­den kön­nen,
ist die Fra­ge der Zuläs­sig­keit digi­ta­ler Prü­fun­gen in
den Län­der­ge­set­zen bis­lang nicht gere­gelt. Die ein­schlä­gi­gen
Rege­lun­gen beschrän­ken sich auf Rah­men­vor­ga­ben
für Min­dest­in­hal­te der von den Hoch­schu­len zu
erlas­sen­den Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen, die für
Staats­examens­stu­di­en­gän­ge, kirch­li­che und künst­le­ri­sche
Stu­di­en­gän­ge sowie Lehr­amts­stu­di­en­gän­ge durch
Son­der­re­ge­lun­gen ergänzt wer­den. Vor allem bei den
stu­di­en­be­glei­ten­den Prü­fun­gen der Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge
ist eine Viel­falt von Prü­fungs­leis­tun­gen
mög­lich, neben schrift­li­chen und münd­li­chen Prü­fun­gen
auch Vor­trä­ge oder Haus­ar­bei­ten, Semes­ter­ar­bei­ten,
Exkur­si­ons­be­rich­te u.a.
Das Prü­fungs­recht stellt im Hin­blick auf die Rele­vanz
der Prü­fun­gen für den Berufs­zu­gang und damit den
Gel­tungs­be­reich des Art. 12 GG beson­de­re Anfor­de­run­gen
an den Vor­be­halt des Geset­zes, den Bestimmt­heits­grund­satz,
an die Not­wen­dig­keit und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit
der gesetz­li­chen Grund­la­gen und Rege­lun­gen. Auf
Grund des Geset­zes­vor­be­halts des Art. 12 Abs. 1 Satz 2
GG obliegt es dem zustän­di­gen Norm­ge­ber, den Prü­fungs­stoff,
das Prü­fungs­sys­tem, das Prü­fungs­ver­fah­ren
sowie die Bestehens­vor­aus­set­zun­gen fest­zu­le­gen. 23 Hin­zu­kom­men
von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­te Grund­sät­ze
des Prü­fungs-Ver­fah­rens­rechts, ins­be­son­de­re die
Gewähr­leis­tung der Chan­cen­gleich­heit und der
Bewer­tungs­grund­sät­ze.
Schon die Viel­falt der Mög­lich­kei­ten stu­di­en­be­glei­ten­der
Prü­fun­gen und Prü­fungs­leis­tun­gen in kon­se­ku­ti­ven
Prü­fun­gen lässt eine Umstel­lung auf digi­ta­le For­men
ohne gesetz­li­che Ermäch­ti­gung nicht zu. Unter die­sem
Aspekt ist frag­lich, ob die Rege­lung des
§ 64 Abs. 2 S. 2 HG NRW den ver­fas­sungs­recht­li­chen
Anfor­de­run­gen genügt. Allein mit der Eröff­nung der digi­ta­len
Prü­fungs­form ist den Anfor­de­run­gen des Bestimmt­heits­grund­sat­zes
an die Aus­ge­stal­tung der Prü­fungs­ver­fah­ren,
der Bewer­tung der Prü­fungs­leis­tun­gen
und der Prü­fungs­ent­schei­dung in die­sem Prü­fungs­ver­fah­ren
nicht genü­ge getan.24 Allen­falls aus dem sys­te­ma­ti­schen
Zusam­men­hang mit dem Anfor­de­rungs­ka­ta­log
des § 64 Abs. 2 S. 1 HG NRW für die Inhal­te von Prü­fungs­ord­nun­gen
lässt sich ein hin­rei­chend bestimm­ter
Rege­lungs­auf­trag für die Ein­füh­rung digi­ta­ler Prü­fun­gen
ablei­ten.
Erheb­li­che Zwei­fel bestehen, ob die­ser Man­gel durch
die Ermäch­ti­gung des § 82 a HG NRW zu Maß­nah­men
zur Bewäl­ti­gung der SARS-CoV-2-Pan­de­mie und die auf
sei­ner Grund­la­ge erlas­se­nen Rechts­ver­ord­nung gedeckt
ist. § 82 a HG NRW hat den Cha­rak­ter einer Blan­kett­norm,
die zwar den Rege­lungs­zweck, nicht aber den Inhalt
und das Aus­maß der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung in
der durch Art. 80 Abs. 1 S. 2 GG gebo­te­nen Bestimmt­heit
Gegen die Ver­wen­dung von Blan­kett­nor­men bestehen
dann kei­ne Beden­ken, wenn sich mit Hil­fe der
übli­chen Aus­le­gungs­me­tho­den, ins­be­son­de­re durch
Her­an­zie­hung ande­rer Vor­schrif­ten des­sel­ben Geset­zes,
durch Berück­sich­ti­gung des Norm­zu­sam­men­hangs
oder auf­grund einer gefes­tig­ten Recht­spre­chung
eine zuver­läs­si­ge Grund­la­ge für eine Aus­le­gung
und Anwen­dung der Norm gewin­nen lässt.25 Auch die
für Hoch­schul­prü­fun­gen ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen
der Rechts­ver­ord­nung genü­gen die­sen Anfor­de­run­gen
nicht. § 6 die­ser Ver­ord­nung ent­hält eine Ermäch­ti­gung
zur Durch­füh­rung von Online­prü­fun­gen,
all­ge­mei­ne Vor­ga­ben zu deren Abnah­me und Durch­füh­rung,
eine Aus­füh­rungs­er­mäch­ti­gung für Hoch­schul­sat­zun­gen
und den Hin­weis auf den prü­fungs­recht­li­chen
Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. § 7 die­ser
Ver­ord­nung sieht vor, dass die Form der Prü­fung abwei­chend
von den Rege­lun­gen in den Prü­fungs­ord­nun­gen
oder den Fest­le­gun­gen in den Modul­hand­bü­chern
geän­dert wer­den kann. Damit wird ermög­licht,
dass Hoch­schu­len durch im Eil­ent­schei­dungs­ver­fah­ren
erlas­se­ne Sat­zun­gen Klau­su­ren oder Haus­ar­bei­ten
durch münd­li­che Prü­fun­gen, Haus­ar­bei­ten durch
Klau­su­ren erset­zen können.26
Damit wer­den nicht nur die hoch­schul­in­ter­nen Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen
der Fakul­täts­rä­te und der Sena­te
für den Erlass von Prü­fungs­ord­nun­gen, son­dern
grund­le­gen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Anfor­de­run­gen an
den Vor­be­halt und Vor­rang des Geset­zes in Fra­ge
Sand­ber­ger · Rechts­fra­gen des digi­ta­len Unter­richts 1 6 1
27 BVerfGE 98, 218 ff., Rn. 137 ff.; BVerfGE 40, 230, 248 ff.; 49, 89,
126 f.; 95, 267, 307 f.
28 Möl­lers, Par­la­men­ta­ri­sche Selbst­er­mäch­ti­gung im Zei­chen des
Virus, Ver­fas­sungs­blog v. 26. 3. 2020 (https://verfassungsblog.de/
par­la­men­ta­ri­sche-selbstent­maech­ti­gung-im-zei­chen-des-virus/).
29 VGH Mün­chen, Beschluss v. 30.3.2020 – 20 NE 20.632, Rn. 41 ff.;
die Ver­ein­bar­keit mit dem Bestimmt­heits­grund­satz bezwei­felnd
VGH Mann­heim, VGH Baden-Würt­tem­berg Beschluss vom 9. 4.
2020, 1 S 925/20, Rn. 40 ff.
30 Exem­pla­risch: Bay­ern: Sat­zung der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät
Erlan­gen-Nürn­berg, – Coro­na-Sat­zung vom 17.4.2020;
Sat­zung der Uni­ver­si­tät Mün­chen zur Fle­xi­bi­li­sie­rung von
Prü­fun­gen im SS 2020 und WS 2020/2021; Baden- Würt­tem­berg:
Ergän­zen­de Prü­fungs­ord­nung der Ruprecht-Karls-Uni­ver­si­tät
Hei­del­berg vom 24.4.2020, Mit­tei­lungs­blatt Nr. 02 / 2020, S. 99 ff.;
Sat­zung der Uni­ver­si­tät Kon­stanz über den Ein­satz alter­na­ti­ver
Prü­fungs­for­men und über alter­na­ti­ve Prü­fungs­ter­mi­ne bei infek­ti­ons­schutz­recht­li­cher
Erfor­der­lich­keit vom 22.4.2020, Amt­li­che
Bekannt­ma­chun­gen Nr.14/2020; Sat­zung zur Erwei­te­rung aller
zum Umgang mit der Coro­na-Pan­de­mie (Sat­zung für Leh­re
und Prü­fung SoSe 2020), Amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen Nr. 10
–27.4.2020; NRW: Ergän­zungs­be­stim­mun­gen zur Über­grei­fen­den
Prü­fungs­ord­nung für alle Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge,
für den Bache­lor­stu­di­en­gang und für den Mas­ter­stu­di­en­gang
Lehr­amt an Gym­na­si­en und Gesamt­schu­len sowie Lehr­amt an
Berufs­kol­legs, der RWT Aachen, Amt­li­che Bekannt­ma­chung
2020, Nr. 1.
31 Exem­pla­risch dafür die Rege­lung der Uni­ver­si­tät Erlan­gen und
der Uni­ver­si­tät Kon­stanz, vgl. Fn. 30.
32 Exem­pla­risch die Rege­lung der RWT Aachen und der Uni­ver­si­tät
Tübin­gen, vgl. Fn. 30.
33 Exem­pla­risch die Rege­lung der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, vgl. Fn.
Die durch die Coro­na-Pan­de­mie aus­ge­lös­te Not­stands­si­tua­ti­on
recht­fer­tigt es nicht, die­se Anfor­de­run­gen, vor
allem die Wesentlichkeitstheorie27 und den Bestimmt­heits­grund­satz
zu lockern. Davor haben Staats­rechts­leh­rer
im Zusam­men­hang mit der Novel­le des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes
und den dar­auf gestütz­ten Rechts­ver­ord­nun­gen
gewarnt.28 Eine im Eil­ver­fah­ren ergan­ge­ne
Ent­schei­dung des BayVGH belegt, dass auch kein Grund
besteht, die bereits wei­ten Aus­le­gungs­spiel­räu­me zu Art.
80 Abs. 1 S. 2 GG für den Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen
zu ver­las­sen. 29
Eben­so bewe­gen sich die auf die all­ge­mei­nen Sat­zungs­er­mäch­ti­gun­gen
der Hoch­schul­ge­set­ze zum Erlass
von Prü­fungs­ord­nun­gen gestütz­ten Rege­lun­gen
für digi­ta­le Prü­fun­gen auf zwei­fel­haf­ter Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge.
Der Begriff der Hoch­schul­prü­fung
schließt zwar digi­ta­le Prü­fun­gen nicht aus. Deren
Prü­fungs­ab­läu­fe, vor allem die Ein­hal­tung prü­fungs­recht­li­cher
Grund­sät­ze bei der Gestal­tung der Abläu­fe
von schrift­li­chen und münd­li­chen in digi­ta­ler
Form, wei­chen so erheb­lich von Prä­senz­prü­fun­gen
ab, dass sie beson­de­rer gesetz­li­cher Rege­lung
bedür­fen.
Des­halb sind die Gesetz­ge­ber auf­ge­ru­fen, unver­züg­lich
ent­spre­chen­de Ergän­zun­gen des Prü­fungs­rechts zu
ver­ab­schie­den, die die Anfor­de­run­gen an das Ver­fah­ren
und die Gestal­tung digi­ta­ler Prü­fun­gen abde­cken.
6.2. Über­blick über anlass­be­zo­ge­ne Ergän­zun­gen bestehen­der
Rege­lun­gen für digi­ta­le Hoch­schul­prü­fun­gen
Inzwi­schen haben eine Rei­he von Hoch­schu­len im
Wege der Eil­ent­schei­dung ihrer Rek­to­ren und Prä­si­den­ten
auch all­ge­mei­ne Rah­men­re­ge­lun­gen für digi­ta­le
Prü­fun­gen erlassen.30 Wie bei Lehr­ver­an­stal­tun­gen
ergän­zen sie die bestehen­den Prü­fungs­ord­nun­gen
für Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge. Für staat­li­che
kirch­li­che, künst­le­ri­sche und Lehr­amts­stu­di­en­gän­ge
gel­ten sie, soweit die Hoch­schu­len dafür Rege­lungs­zu­stän­dig­kei­ten
Die als Not­maß­nah­men zur Gewähr­leis­tung des Stu­di­en-
und Prü­fungs­be­triebs bezeich­ne­ten, für die Dau­er
des SS 2020 und WS 2021 befris­te­ten Rege­lun­gen wei­sen
eine gro­ße Band­brei­te aus.
Die­se reicht von pau­scha­len Ermäch­ti­gun­gen an den
Stu­di­en­de­kan bzw. Prü­fungs­aus­schuss, im Fal­le der
Nicht­durch­führ­bar­keit der in der Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nung
vor­ge­se­he­nen Prü­fun­gen Ersatz­for­ma­te
anzu­ord­nen, ohne dass die­se näher kon­kre­ti­siert wer­den,
31 über die Fest­le­gung von Min­dest­an­for­de­run­gen
an die Gestal­tung und den Ablauf von münd­li­chen und
schrift­li­chen Prüfungen32 bis zu einem Regel­werk, das
neben den in Fra­ge kom­men­den Prü­fungs­ar­ten fol­gen­de
The­men umfasst: die Mög­lich­keit des Ersat­zes und der
Ver­schie­bung, alle Pha­sen der Prü­fungs­ab­läu­fe von der
Mel­dung und Ladung zur Prü­fung, die tech­ni­sche Durch­füh­rung
und die Anfor­de­run­gen an die Gleich­wer­tig­keit
der Inhal­te und die Gewähr­leis­tung der Eigen­stän­dig­keit
der Prü­fungs­leis­tun­gen, die Bewer­tungs­grund­sät­ze und die
Mit­tei­lung des Prüfungsergebnisses.33
Eine Zusam­men­schau zugäng­li­cher Sat­zun­gen ver­schie­de­ner
Hoch­schu­len erlaubt fol­gen­de Fest­stel­lun­gen:
Im Mit­tel­punkt not­wen­di­ger Rege­lun­gen ste­hen geeig­ne­te
Optio­nen digi­ta­ler Prü­fungs­for­men für die ein­schlä­gi­gen
Stu­di­en­gän­ge. Soweit die in der Prü­fungs­ord­nung
vor­ge­se­he­nen Prü­fun­gen wie sport­prak­ti­sche Prü­fun­gen,
Testa­te in Prak­ti­ka oder beim Unter­richt am
Kran­ken­bett digi­tal nicht mög­lich sind, wer­den geeig­ne­te
Ersatz­for­men vor­ge­se­hen. Dies gilt auch für Auf­sichts­ar­bei­ten
wie Prü­fungs­klau­su­ren.
Ange­sichts der Viel­falt von Prü­fungs­for­men ist es
nicht mög­lich, in all­ge­mei­nen Rah­men­ord­nun­gen für jeden
Stu­di­en­gang und jedes Prü­fungs­fach Detail­re­ge­lun­gen
zu erlas­sen. Des­halb beschrän­ken sich die­se dar­auf,
all­ge­mei­ne Ermäch­ti­gun­gen an die nach den Prüfungs1
6 2 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 5 5 — 1 6 8
ord­nun­gen zustän­di­gen Orga­ne zur Fest­le­gung von Ersatz­ver­an­stal­tun­gen
vor­zu­se­hen, mit denen die durch
die Prü­fung gefor­der­ten Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten
fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Dabei soll­ten sich die Anfor­de­run­gen
eng an den für regu­lä­re Prü­fun­gen gel­ten­den
Neben Rege­lun­gen zum Ver­fah­ren, wie der Form von
Anmel­dun­gen zur Prü­fung, liegt der wei­te­re Schwer­punkt
in der Fest­le­gung der Anfor­de­run­gen für die
Durch­füh­rung der vor­ge­schrie­be­nen stu­di­en­be­glei­ten­den
oder Stu­di­en­ab­schnit­te abschlie­ßen­den münd­li­chen
und schrift­li­chen Prü­fun­gen als elek­tro­ni­sche
Prü­fun­gen.
Für die­se gibt es eine Rei­he von Hand­lungs­op­tio­nen
wie die Nut­zung von Video­kon­fe­ren­zen oder Video­te­le­fo­nie,
die ent­we­der in ver­schie­de­nen Räu­men an der
Hoch­schu­le, an ande­ren Hoch­schu­len oder auch zwi­schen
dem Raum des Prü­fers und eige­nen Räu­men der
zu prü­fen­den Per­son unter Ein­satz ihrer eige­nen tech­ni­schen
Mit­tel durch­ge­führt wer­den kön­nen.
Vor­aus­set­zung für die Durch­füh­rung der Prü­fung in
elek­tro­ni­scher Form ist stets, dass die tech­ni­schen Bedin­gun­gen
eine Gleich­wer­tig­keit mit der regu­lä­ren Prü­fung
gewähr­leis­ten. Dies erfor­dert ein von der Hoch­schu­le
als tech­nisch sicher ein­ge­stuf­tes Pro­dukt für die
Bild- und Ton­ver­bin­dung. Neben der Fest­stel­lung der
Iden­ti­tät der Stu­die­ren­den muss des­halb gesi­chert sein,
dass die Ver­wen­dung bei der Prü­fung nicht zuge­las­se­ner
Hilfs­mit­tel aus­ge­schlos­sen ist und sich in den Räu­men
kei­ne Per­so­nen auf­hal­ten, deren Anwe­sen­heit nicht in
der Prü­fungs­ord­nung vor­ge­se­hen ist.
Wegen der bei elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht
völ­lig ver­meid­ba­ren Aus­fall­ri­si­ken ist eine elek­tro­ni­sche
Prü­fung nur zuläs­sig, wenn die zu prü­fen­de Per­son die­ser
Prü­fungs­form zustimmt. Falls eine Prü­fung aus tech­ni­schen
Grün­den unter­bro­chen wird, muss eine Ersatz­prü­fung
ange­bo­ten wer­den. Soweit zu prü­fen­de Per­so­nen
über kei­ne geeig­ne­ten tech­ni­schen Mit­tel (z. B. End­ge­rä­te
oder Netz­an­schlüs­se) ver­fügt, muss die
Hoch­schu­le ein Ersatz­an­ge­bot in ihren Räu­men
vor­se­hen.
Auf­zeich­nun­gen von Video­prü­fun­gen sind wegen
der damit ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in das Per­sön­lich­keits­recht
der Prü­fungs­kan­di­da­ten ent­we­der unter­sagt oder
nur mit deren Zustim­mung und ein­deu­ti­gen Rege­lun­gen
für ihre Ver­wen­dung und Löschung zuläs­sig.
Des­halb gel­ten auch für Video­prü­fun­gen die in den
Prü­fungs­ord­nun­gen vor­ge­se­he­nen Vor­schrif­ten über die
Pro­to­kol­lie­rung des Prü­fungs­ver­laufs, der Ein­zel­no­ten
und der End­no­ten.
Bei schrift­li­chen Prü­fungs­leis­tun­gen ent­ste­hen dem­ge­gen­über
kei­ne Pro­ble­me der Dar­stel­lung in digi­ta­ler
Form, soweit die­se, wie Semes­ter­ar­bei­ten, Semi­nar­ar­bei­ten
oder Haus­ar­bei­ten, ohne Auf­sicht ange­fer­tigt wer­den.
Hier ersetzt die digi­ta­le Form der Über­mitt­lung die
Abga­be und muss mit der übli­chen Ver­si­che­rung ver­bun­den
wer­den, dass die Arbeit eigen­stän­dig und ohne
Ver­wen­dung uner­laub­ter Hilfs­mit­tel ange­fer­tigt wur­de.
Dage­gen sind die für regu­lä­re Prü­fun­gen gel­ten­den
Anfor­de­run­gen an schrift­li­che Auf­sichts­ar­bei­ten in digi­ta­ler
Form prak­tisch nicht gleich­wer­tig zu erfül­len. Dies
gilt auch für sog. elek­tro­ni­sche Klau­su­ren. Bei die­sen
kann zwar die Gleich­heit der Auf­ga­ben­stel­lung und Bear­bei­tungs­zeit,
dage­gen nur mit erheb­li­chem Auf­wand
die Auf­sicht gesi­chert wer­den. Soweit die Abwei­chung
von den Stan­dards regu­lä­rer Auf­sichts­ar­bei­ten nicht als
Not­lö­sung gestat­tet wird, müs­sen schrift­li­che Auf­sichts­ar­bei­ten
des­halb wäh­rend der Sper­re des Zugangs in der
Hoch­schu­le ent­we­der ver­scho­ben oder durch geeig­ne­te
häus­li­che Arbei­ten ersetzt wer­den.
III. Rechts­fra­gen digi­ta­ler Gre­mi­en­sit­zun­gen
Hoch­schul­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen
Neben dem Lehr­be­trieb und der Nut­zung der Ein­rich­tun­gen
ist die Arbeit der Gre­mi­en der Hoch­schu­len von
den Zugangs- und Kon­takt­be­schrän­kun­gen am meis­ten
betrof­fen. Obwohl zu ihren zen­tra­len Zustän­dig­kei­ten
die Vor­schlä­ge und die Beschluss­fas­sung über die Sat­zun­gen
für Hoch­schul­prü­fun­gen, die Grund­ord­nung
und sons­ti­gen Grund­satz­fra­gen von For­schung und
Leh­re gehört, konn­ten die aus Anlass der Coro­na-Maß­nah­men
erlas­se­nen Sat­zun­gen nicht im regu­lä­ren Ver­fah­ren
der Sat­zungs­än­de­run­gen durch die Fakul­täts­rä­te
und Sena­te ver­ab­schie­det wer­den. Sie beru­hen in der
Regel auf Eil­ent­schei­dun­gen der Rek­to­ren und Prä­si­den­ten
der Hoch­schu­len. Neben den Ergän­zun­gen der Prü­fungs­ord­nun­gen
betrifft dies auch Geschäfts­ord­nun­gen
der zen­tra­len Gre­mi­en Senat und Hoch­schul­rat sowie
der Fakul­täts­rä­te. Mit der Wahr­neh­mung die­ser Funk­tio­nen
tritt fak­tisch eine Über­tra­gung von Auf­ga­ben von
Gre­mi­en der Hoch­schu­le oder der Fakul­tä­ten auf die
Hoch­schul­lei­tun­gen ein, die nach den Hoch­schul­ge­set­zen
nach den Vor­schrif­ten über die Auf­sichts­mit­tel nur
für den Fall der Gefähr­dung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der
Hoch­schu­le vor­ge­se­hen ist.
Hoch­schul­ver­fas­sungs­recht­lich ist dies nicht mit den
vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben
für eine mit Art. 5 Abs. 3 GG ver­ein­ba­re Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on
ver­ein­bar. In den jüngs­ten Ent­schei­dun­gen hat
Sand­ber­ger · Rechts­fra­gen des digi­ta­len Unter­richts 1 6 3
34 Vgl. BVerfGE 136, 338 ff., 359 — MHH; BVerfGE 127, 87, 113,
117- Ham­bur­ger Deka­nats­be­schluss; VerfGH BW – Urteil v. 14.
2016, 1VB 16/15, juris; dazu Goe­r­lich-Sand­ber­ger, Zurück zur
Pro­fes­so­ren-Uni­ver­si­tät — Neue Lei­tungs­struk­tu­ren auf dem ver­fas­sungs­recht­li­chen
Prüf­stand, DVBl. 2017, 667 ff., 669 ff. m.w.N;
Mager, Das Ver­hält­nis von Steue­rung, Frei­heit und Par­ti­zi­pa­ti­on
in der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht,
OdW 2019, 1 ff.
35 BVerfGE 35, 79, 115; 111, 333, 353; 127, 87, 114 ff.; 136, 338, 362
ff., Rn.55 ff.
36 Vgl. dazu Noack, Mit­glie­der­ver­samm­lung bei Groß­ver­ei­nen
und digi­ta­le Teil­ha­be, NJW 2018, 1345 ff; Simons, Die Online-
Abstim­mung in der Haupt­ver­samm­lung, NZG 2017, 567; Vetter/
Tiel­mann, Unter­neh­mens­recht­li­che Geset­zes­än­de­run­gen in
Zei­ten von Coro­na, NJW 2020, 1175; Teich­mann, Digi­ta­li­sie­rung
und Gesell­schafts­recht, ZfPW 2019, 247. Zur Fra­ge der Zuläs­sig­keit
digi­ta­ler Par­la­ments­sit­zun­gen vgl. Caro­lin Hage­nah, Das
Coro­na-Virus und das Par­la­ment – Die Stun­de der Digi­ta­li­sie­rung?,
JuWiss­Blog Nr. 37/2020 v. 26. 3. 2020, https://www.juwiss.
de/37–2020/
37 Vgl. Art. 2 des Geset­zes zur Abmil­de­rung der Fol­gen der
COVID-19-Pan­de­mie im Zivil‑, Insol­venz- und Straf­ver­fah­rens­recht
vom 27.3.2020, BGBl. I, S. 569 ff., 570 ff.
das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für eine ver­fas­sungs­kon­for­me
Rege­lung der Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen zwi­schen
Lei­tungs­or­ga­nen und Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en
ver­langt, dass in wis­sen­schafts­re­le­van­ten Fra­gen der
Ein­fluss der Grund­rechts­trä­ger durch maß­geb­li­che Mit­wir­kung
in den Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­nen gesi­chert
oder im Fal­le der Über­tra­gung auf Lei­tungs­or­ga­ne durch
den maß­geb­li­chen Ein­fluss der Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­ne
auf das Wahl­ver­fah­ren und die Mög­lich­keit einer Abwahl
kom­pen­siert wer­den muss.34
Eine Ein­schrän­kung die­ser Grund­sät­ze kann allen­falls
beschränkt auf den Fall dro­hen­der Funk­ti­ons­un­fä­hig­keit
der Hoch­schu­le gerecht­fer­tigt wer­den. Dies ergibt
sich aus der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus Art.
5 Abs.3 GG abge­lei­te­ten Pflicht des Staa­tes, für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit
der Hoch­schu­le Sor­ge zu tragen.35 Im
Hin­blick auf die gra­vie­ren­den Aus­wir­kun­gen für die Betei­li­gung
der Grund­rechts­trä­ger an den Ent­schei­dun­gen
der Hoch­schu­le bedarf es dafür aber einer gesetz­li­chen,
auf den Not­stand beschränk­ten Rege­lung.
Die bestehen­den auf­sichts­recht­li­chen Rege­lun­gen
zie­len auf den Fall, dass die Gefähr­dun­gen der Funk­ti­ons­fä­hig­keit
des Hoch­schul­be­triebs durch Stö­run­gen im
Inne­ren der Hoch­schu­le aus­ge­löst und von den zustän­di­gen
Orga­nen nicht mehr bewäl­tigt wer­den kön­nen. Sie
sind des­halb auf den Fall der äuße­ren Bedro­hung der
Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Hoch­schu­le durch eine Pan­de­mie
nicht über­trag­bar.
Anfor­de­run­gen an die Ein­füh­rung vir­tu­el­ler Gre­mi­en­sit­zun­gen
Not­wen­dig­keit gesetz­li­cher Reg­lung
Auch die Erset­zung von Gre­mi­en­sit­zun­gen in phy­si­scher
Prä­senz ihrer Mit­glie­der durch vir­tu­el­le Gre­mi­en­sit­zun­gen
greift nach­hal­tig in deren Funk­ti­ons­wei­se ein. Sie ist
nur zuläs­sig, wenn die hoch­schul­ver­fas­sungs­recht­li­chen
Anfor­de­run­gen an die Mit­wir­kung ihrer Mit­glie­der in
digi­ta­len For­ma­ten gesi­chert wer­den kön­nen. Die
Durch­füh­rung von Gre­mi­en­sit­zun­gen in Form von
Video­kon­fe­ren­zen oder ihre Erset­zung durch Umlauf­ver­fah­ren
erfüllt die­se Vor­aus­set­zun­gen nur, wenn die
Teil­ha­be und der Ein­fluss auf die Wil­lens­bil­dung durch
die Gestal­tung bei der Vor­be­rei­tung, dem Zugang, der
Erör­te­rung der Ent­schei­dungs­ge­gen­stän­de, dem Abstim­mungs­ver­fah­ren,
der Stimm­ab­ga­be der Abstim­mung
und der Fest­stel­lung und Pro­to­kol­lie­rung der Abstim­mungs­er­geb­nis­se
gewähr­leis­tet wer­den kann.
Der ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­trag an den Staat, für
eine funk­ti­ons­fä­hi­ge Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on zu sor­gen,
gebie­tet es, die­se Anfor­de­run­gen an die Erset­zung phy­si­scher
durch vir­tu­el­le Gre­mi­en­sit­zun­gen gesetz­lich zu regeln.
Sie kann nicht Orga­ni­sa­ti­ons­sat­zun­gen über­las­sen
Die Not­wen­dig­keit gesetz­li­chen Han­delns wird auch
im pri­va­ten Ver­bands­recht und im Kom­mu­nal­recht und
öffent­li­chen Ver­bands­recht über­wie­gend bejaht.36 Die
bestehen­de Sat­zungs­au­to­no­mie wird als nicht aus­rei­chend
ange­se­hen.
Im Zuge der Coro­na-Gesetz­ge­bung wur­de im Akti­en­recht
des­halb nach vor­aus­ge­gan­ge­ner Ein­füh­rung digi­ta­ler
Stimm­ab­ga­be und vir­tu­el­ler Auf­sichts­rats­sit­zun­gen
die Mög­lich­keit vir­tu­el­ler Haupt­ver­samm­lun­gen geschaf­fen.
37 Dem­nach kann der Vor­stand einer Akti­en­ge­sell­schaft
nun­mehr ent­schei­den, eine digi­ta­le
Haupt­ver­samm­lung durch­zu­füh­ren, auch wenn die Sat­zung
der Gesell­schaft ihn hier­zu bis­her nicht ermäch­tigt.
Der Beschluss des Vor­stands hier­über bedarf der Zustim­mung
des Auf­sichts­rats.
Damit die Rech­te der Haupt­ver­samm­lung als eines
der drei zen­tra­len Orga­ne der Akti­en­ge­sell­schaft gewahrt
blei­ben, müs­sen bei deren online Durch­füh­rung
eini­ge Vor­ga­ben beach­tet wer­den:
– Die gesam­te Ver­samm­lung ist in Bild und Ton zu
– Die Aus­übung der Stimm­rech­te muss ermög­licht
wer­den. Ent­we­der über eine Voll­machts­er­tei­lung
oder in elek­tro­ni­scher Form (Brief­wahl oder elek­tro­ni­sche
Teil­nah­me).
– Das Fra­ge­recht der Aktio­nä­re muss auf elek­tro­ni­schem
Wege ermög­licht wer­den. Hier kann der Vor­stand
ver­lan­gen, dass Fra­gen zwei Tage vor der
Haupt­ver­samm­lung elek­tro­nisch ein­ge­reicht wer­den
müs­sen.
1 6 4 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 5 5 — 1 6 8
38 Z. B. Art. 13, 40, 41 BayHG; §§ 8 Abs. 5, 10 Abs. 8 LHG BW; § 15
NHG; § 3 ThürHG.
39 BVerfGE 98, 218 ff., 241, Rn.137 ff.; BVerfGE 40, 237, 248 ff.; 49,
89 , 126 f.; 95, 267, 307 f.
40 Z.B. Ers­te Sat­zung zur Ände­rung der Ver­fah­rens­ord­nung der
Albert Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg (Ver­fah­rens­ord­nung –
Ver­fO), Amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen 2020, S. 157 f.; Sat­zung zur
Ände­rung der Ver­fah­rens­ord­nung der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg,
Mit­tei­lungs­blatt Nr. 02 / 2020; Fünf­te Ände­rung der All­ge­mei­nen
Geschäfts­ord­nung für die Carl von Ossietz­ky-Uni­ver­si­tät Olden­burg
vom 29.4.2020, Amt­li­che Mit­tei­lun­gen 20/2020.
41 Z. B. Art. 17 a der Ände­rung der Sat­zung der Uni­ver­si­tät Stutt­gart
zur Rege­lung des Ver­fah­rens des Senats und sei­ner Aus­schüs­se
(Geschäfts­ord­nung) vom 9.4.2020, Amt­li­che Bekannt­ma­chung
Nr. 26/2020; Art.7 der Grund­ord­nung der Georg August-Uni­ver­si­tät
Göt­tin­gen, Amt­li­che Mit­tei­lun­gen I der Georg August-Uni­ver­si­tät
Göt­tin­gen vom 28.4.2020/Nr. 20, S. 373; § 9 a der Sat­zung
zur Ände­rung der Ver­fah­rens­ord­nung der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg,
Mit­tei­lungs­blatt Nr. 02 / 2020; für Geschäfts­ord­nun­gen der
Hoch­schul­lei­tung vgl. § 9 der Geschäfts­ord­nung des Rek­to­rats der
Uni­ver­si­tät Kon­stanz vom 15.4.2020, Amt­li­che Bekannt­ma­chung
Nr. 12/2020.
42 § 9 a der Sat­zung zur Ände­rung der Ver­fah­rens­ord­nung der Uni­ver­si­tät
Hei­del­berg, Mit­tei­lungs­blatt Nr. 02 / 2020 v. 27.4.2020, S.
– Aktio­nä­re, die ihr Stimm­recht aus­ge­übt haben, müs­sen
auch die Mög­lich­keit haben, Wider­sprü­che
gegen Beschlüs­se zu erklä­ren.
Über­blick über anlass­be­zo­ge­ne Sat­zungs­re­ge­lun­gen
für vir­tu­el­le Gre­mien­ent­schei­dun­gen
3.1 Bestehen­de Rechts­grund­la­gen für vir­tu­el­le Gre­mien­ent­schei­dun­gen
Eine gesetz­li­che Ermäch­ti­gung zur Ein­füh­rung vir­tu­el­ler
Gre­mien­ent­schei­dun­gen sieht nur der für Maß­nah­men
zur Bewäl­ti­gung der SARS-CoV-2-Pan­de­mie erlas­se­ne
§ 82 a HG NRW vor. Neben dem Erlass von Rege­lun­gen
zur Leh­re und zu Prü­fun­gen ermäch­tigt er dazu,
im Ver­ord­nungs­weg Ver­fah­rens­grund­sät­ze hin­sicht­lich
der Sit­zun­gen und der Beschlüs­se sowie der Amts­zeit
der Gre­mi­en der Hoch­schu­le in Abwei­chung zu den
bestehen­den gesetz­li­chen Reg­lun­gen zu erlas­sen. Nach
§ 5 Abs. 1 der Coro­na-Epi­de­mie-Hoch­schul­ver­ord­nung
kön­nen Gre­mi­en Beschlüs­se im Umlauf­ver­fah­ren fas­sen.
Soweit die Öffent­lich­keit für Gre­mi­en­sit­zun­gen
vor­ge­schrie­ben ist, soll die Öffent­lich­keit über die
Ergeb­nis­se der Beschlüs­se infor­miert wer­den. Nach
§ 5 Abs. 2 der VO ent­schei­det die oder der Vor­sit­zen­de
des Gre­mi­ums, ob eine Sit­zung des Gre­mi­ums ohne phy­si­sche
Prä­senz sei­ner Mit­glie­der als vir­tu­el­le Sit­zung in
elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on statt­fin­det oder
Beschlüs­se im
Umlauf­ver­fah­ren oder in elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on
gefasst wer­den. Glei­ches gilt nach Abs. 4 für Beschlüs­se
des Rek­to­ra­tes, des Hoch­schul­ra­tes und des Deka­nats.
Als zusätz­li­che Opti­on wird die Mög­lich­keit der
Beschluss­fas­sung in einer Tele­fon­kon­fe­renz ein­ge­führt.
Weder das Gesetz noch die VO sehen jedoch ver­fah­rens­recht­li­che
Rege­lun­gen zur Siche­rung der Ord­nungs­mä­ßig­keit
der Ein­la­dung, des Zugangs, zur Gewähr­leis­tung
der Erör­te­rung, ord­nungs­ge­mä­ßer Stimm­ab­ga­be
und Beschluss­fas­sung und Anfor­de­run­gen an die
Sicher­heit der gewähl­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me vor.
2 Anlass­be­zo­ge­ne Ände­run­gen bestehen­der Geschäfts­ord­nun­gen
Mit Aus­nah­me der Hoch­schu­len des Lan­des Nord­rhein-
West­fa­len beru­hen die aus Anlass der durch die Coro­na-
Ver­ord­nun­gen ver­füg­ten Zugangs­be­schrän­kun­gen erlas­se­nen
Ände­run­gen bestehen­der Sat­zun­gen auf den all­ge­mei­nen
gesetz­li­chen Sat­zungs­er­mäch­ti­gun­gen zur
Rege­lung der Ver­fah­rens­an­ge­le­gen­hei­ten der Hoch­schul­gre­mi­en.
38 Deren Rege­lungs­ge­halt bezieht sich auf
die Vor­schrif­ten über die Zusam­men­set­zung, die Zustän­dig­kei­ten
und Ver­fah­ren. Sie sind auf die Durch­füh­rung
der Sit­zun­gen in phy­si­scher Prä­senz aus­ge­rich­tet. Da
die­se bei vir­tu­el­len Sit­zun­gen nur mit zusätz­li­chen Ver­fah­rens­ga­ran­tien
gewähr­leis­tet wer­den, bestehen des­halb
gemes­sen an den Anfor­de­run­gen an den Vor­be­halt
des Geset­zes bei Rege­lung grund­rechts­re­le­van­ter Sachverhalte39
und an die Bestimmt­heit erheb­li­che Zwei­fel,
ob die­se Sat­zungs­er­mäch­ti­gun­gen für die Ein­füh­rung
vir­tu­el­ler Gre­mi­en­sit­zun­gen aus­rei­chen.
Auch in die­ser Fra­ge ver­mit­telt ein Über­blick über
die zugäng­li­chen, aus Anlass der Coro­na Kri­se erfolg­ten
Ergän­zun­gen der Geschäfts­ord­nun­gen der Hoch­schu­len
ein unter­schied­li­ches Bild an Rege­lungs­dich­te und Rege­lungs­in­hal­ten.
40 Die meis­ten Sat­zungs­re­ge­lun­gen über­las­sen
die Ent­schei­dung der Erset­zung regu­lä­rer Gre­mi­en­sit­zun­gen
durch vir­tu­el­le Gre­mi­en­sit­zun­gen oder die
Abstim­mung im Umlauf­ver­fah­ren den jewei­li­gen Vor­sit­zen­den
der Gre­mi­en. Teil­wei­se wird der Aus­nah­me­cha­rak­ter
an eine kon­kret erfor­der­li­che Fest­stel­lung der
Undurch­führ­bar­keit im regu­lä­ren Ver­fah­ren
gebunden.41
Dabei muss die gewähl­te Form der vir­tu­el­len Gre­mi­en­sit­zung
eine einer Prä­senz­sit­zung ver­gleich­ba­re und
gemein­sa­me Wil­lens­bil­dung der Mit­glie­der des Gre­mi­ums
ermög­li­chen. Exem­pla­risch für not­wen­di­ge und
hin­rei­chen­de Anfor­de­r­un­ge­n­an vir­tu­el­le Gre­mi­en­sit
zun­gen kann auf die Rege­lun­gen der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg
ver­wie­sen werden:42 Soweit die Ein­be­ru­fung zu eiSand­ber­ger
· Rechts­fra­gen des digi­ta­len Unter­richts 1 6 5
ner Video- oder Tele­fon­kon­fe­renz vor­ge­se­hen ist, sind
beson­de­re Vor­keh­run­gen zur Ein­be­ru­fung, Über­mitt­lung
von Sit­zungs­un­ter­la­gen, Anmel­dung und Gewähr­leis­tung
des Zugangs zu gewähr­leis­ten.
Dies bedingt die Aus­wahl siche­rer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me,
die Gewähr­leis­tung und Ver­si­che­rung ihrer Funk­ti­ons­fä­hig­keit,
die Ver­füg­bar­keit ent­spre­chen­der tech­ni­scher
Zugän­ge für alle Mit­glie­der des Gre­mi­ums und deren
Ein­wei­sung in die Hand­ha­bung.
Zu Beginn der Sit­zung hat die oder der Vor­sit­zen­de fest­zu­stel­len,
ob die ange­mel­de­ten Mit­glie­der auch in das
Sys­tem ein­ge­loggt sind und die Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert.
Die Teil­neh­mer müs­sen dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den,
dass die Video- oder Tele­fon­kon­fe­renz nicht durch unbe­fug­te
Drit­te ver­folgt und nicht mit­ge­schnit­ten wer­den
Um eine gemein­sa­me Wil­lens­bil­dung zu ermög­li­chen,
muss ein den Prä­senz­sit­zun­gen ver­gleich­ba­rer Aus­tausch
der Mei­nun­gen zu den jewei­li­gen Tages­ord­nungs­punk­ten
durch ent­spre­chen­de Mode­ra­ti­on der oder des Vor­sit­zen­den
Vor einer Abstim­mung muss sich die oder der Vor­sit­zen­de
durch eine Abfra­ge bei allen Teil­neh­men­den, ver­ge­wis­sern,
dass die Beschluss­fä­hig­keit wei­ter­hin vor­liegt. Die
Abstim­mung hat so zu erfol­gen, dass das Abstim­mungs­er­geb­nis
zwei­fels­frei fest­stell­bar ist.
Bei Beschluss­un­fä­hig­keit auf­grund des Abris­ses von
Ver­bin­dun­gen ist eine ange­mes­se­ne Unter­bre­chung der Sit­zung
fest­zu­le­gen, damit sich die Teil­neh­mer wie­der mit
dem Sys­tem ver­bin­den kön­nen. Kann die Beschluss­fä­hig­keit
auf­grund eines Abris­ses von Ver­bin­dun­gen nicht wie­der
her­ge­stellt wer­den, ent­schei­det die oder der Vor­sit­zen­de,
ob die Tele­fon- oder Video­kon­fe­renz vor­zei­tig abge­bro­chen
und zu einem spä­te­ren Zeit­punkt als Tele­fon- oder Video­kon­fe­renz,
gege­be­nen­falls mit einem ande­ren Sys­tem,
wie­der­holt wird.
Bei gehei­men Abstim­mun­gen (Per­so­nal­ent­schei­dun­gen
und Ange­le­gen­hei­ten, in denen eine gehei­me Abstim­mung
bean­tragt wur­de) ist die Beschluss­fas­sung in einem schrift­li­chen
oder elek­tro­ni­schen Ver­fah­ren her­bei­zu­füh­ren, in wel­chem
eine gehei­me Stimm­ab­ga­be durch die stimm­be­rech­tig­ten
Mit­glie­der gewähr­leis­tet ist.
Das Sit­zungs­pro­to­koll hat neben der Zusam­men­fas­sung
des Ver­laufs und des Ergeb­nis­ses der Abstim­mung
auch eine von den Teil­neh­mern anzu­for­dern­de schrift­li­che
oder elek­tro­ni­sche Bestä­ti­gung vor­zu­se­hen.
IV. Ver­füg­ba­re For­ma­te für digi­ta­len Unter­richt, Prü­fun­gen
und Gre­mi­en­sit­zun­gen — Daten­schutz­recht­li­che
Über­blick über bestehen­de, aus Anlass der Coro­na-
Kri­se ver­stärk­te Infra­struk­tur
Im Zuge der Umstel­lung auf den Online-Betrieb haben
die Rechenzentren/Zentren für Daten­ver­ar­bei­tung der
Hoch­schu­len in Koope­ra­ti­on mit ande­ren wis­sen­schaft­li­chen
Rechen­zen­tren ihr Infra­struk­tur­ange­bot erheb­lich
erwei­tert. Es umfasst aus­führ­li­che Anlei­tun­gen, Instru­men­te,
Anwen­dungs­soft­ware und elek­tro­ni­sche Platt­for­men
zur Erstel­lung digi­ta­ler Lehr­for­ma­te und
Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me zur Durch­füh­rung in den ver­schie­de­nen
For­men syn­chro­ner Prä­sen­ta­ti­on wie Video­kon­fe­ren­zen
und Live­strea­ming, asyn­chro­ner Nut­zung
von Video­auf­zeich­nun­gen (Video on Demand) und
Abruf von Mate­ria­li­en aus Lehr­platt­for­men. Ergän­zend
zu frei ver­füg­ba­ren Sys­te­men wer­den auch für kom­mer­zi­el­le
Video­kon­fe­renz­diens­te nach vor­he­ri­ger Abstim­mung
Zugän­ge bzw. Lizen­zen ver­mit­telt. Zum Zugriff
von Heim­ar­beits­plät­zen auf das Hoch­schul­netz und den
dort ver­füg­ba­ren Ange­bo­ten wur­de das für Leh­ren­de
und Stu­die­ren­de in allen Hoch­schu­len ver­füg­ba­re pass­wort­ge­schütz­tes
Zugangs­sys­tem (VPN) zur Bewäl­ti­gung
der mit dem Online-Betrieb ver­bun­de­nen Anfor­de­run­gen
aus­ge­baut.
Für die E‑Learning Ange­bo­te steht für Leh­ren­de und
Stu­die­ren­de eine Rei­he von Lehr­platt­for­men bereit. Im
wei­tes­ten ver­brei­tet ist die Lehr­platt­form Ili­as. Stu­die­ren­de
fin­den hier Mate­ria­li­en für ihre Ver­an­stal­tun­gen.
Leh­ren­den bie­tet ILIAS effek­ti­ve Verwaltungs‑, Kom­mu­ni­ka­ti­ons-
und Koope­ra­ti­ons­werk­zeu­ge. Für digi­ta­le
Kur­se wird die Lehr­platt­form Mood­le ein­ge­setzt.
Die Aus­wahl und Bele­gung der Lehr­ver­an­stal­tun­gen,
Anmel­dung zur Prü­fung und Ein­sicht in Prü­fungs­leis­tun­gen
erfolgt wie im regu­lä­ren Stu­di­en­be­trieb über
elek­tro­ni­sche Manage­ment­sys­te­me.
Daten­schutz­recht­li­che Fra­gen
2.1. Bestehen­de Vor­ga­ben des Hoch­schul­da­ten­schutz­rech­tes
Zen­tra­le und dezen­tra­le E‑Lear­ning-Ver­fah­ren, digi­ta­le
Lehr‑, Lern- und Prü­fungs­ver­fah­ren wer­fen zusätz­li­che
daten­schutz­recht­li­che Fra­gen auf, die in den bestehen­den
hoch­schul­recht­li­chen Son­der­re­ge­lun­gen für den
1 6 6 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 5 5 — 1 6 8
Daten­schutz nicht oder nur unzu­rei­chend erfasst sind.
Schwer­punkt des Bereichs­da­ten­schut­zes in Hoch­schul­ge­set­zen
ist die Erhe­bung und Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner
Daten im Bereich der Stu­die­ren­den- und Prü­fungs­ver­wal­tung,
ein­schließ­lich der Stu­di­en­ver­laufs­sta­tis­tik,
die Daten­ver­ar­bei­tung für Zwe­cke der
Qua­li­täts­si­che­rung und Kon­takt­pfle­ge, zur Erstel­lung
von Namens- und Tele­fon­ver­zeich­nis­sen und die Erfas­sung
der Nut­zung von Ein­rich­tun­gen durch elek­tro­ni­sche
Aus­weis­kar­ten.
Die­se Zweck­be­stim­mung deckt auch die Erfas­sung per­so­nen­be­zo­ge­ner
Daten für die Bele­gung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen
und Anmel­dung zu Prü­fun­gen. Die Nut­zung für
wei­te­re Zwe­cke ist nach dem Daten­schutz­recht der DSGVO
und der von ihr geöff­ne­ten Mög­lich­kei­ten ergän­zen­der
mit­glied­schafts­recht­li­cher Rege­lun­gen aber nur zuläs­sig,
wenn sie ent­we­der von einer Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen
oder einer Rechts­vor­schrift gedeckt sind.
Dabei gilt nach Art. 5 DS-GVO der Grund­satz der
Daten­mi­ni­mie­rung (Erfor­der­lich­keit), der Zweck­bin­dung,
der Trans­pa­renz, der nach Art. 13 DS-GVO in einem
Kata­log von Infor­ma­ti­ons­pflich­ten zusam­men­ge­fasst
wird. Die­se bezie­hen sich auf die für die Daten­ver­ar­bei­tung
Ver­ant­wort­li­chen, den Ver­ar­bei­tungs­zweck,
die Bezeich­nung der Emp­fän­ger über­mit­tel­ter Daten, die
Dau­er der Spei­che­rung, die Rech­te der Betrof­fe­nen auf
Aus­kunft, Berich­ti­gung, Löschung, Daten­über­trag­bar­keit
und bei bestimm­ten Ver­ar­bei­tungs­zwe­cken auch das
Wider­spruchs­recht. Hin­zu­tre­ten nach Art. 25 DS-GVO
Plich­ten des tech­ni­schen Daten­schut­zes und der Daten­si­cher­heit,
nach Art. 24 und 37 die Bestel­lung von Daten­schutz­ver­ant­wort­li­chen
und Daten­schutz­be­auf­trag­ten,
nach Art. 30 die Füh­rung eines Ver­ar­bei­tungs­re­gis­ters
und nach Art. 35 die Vor­nah­me einer
Daten­schutz­fol­gen­ab­schät­zung.
Gesetz­li­che Grund­la­ge für die Daten­ver­ar­bei­tung
per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten an Hoch­schu­len ist ins­be­son­de­re
Art. 6 Abs. 1 lit c und e i. V. mit Abs. 2 und 3
DS-GVO, der im Anwen­dungs­be­reich der Daten­ver­ar­bei­tung
zur Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben als öffent­li­che
Ein­rich­tun­gen von den zustän­di­gen Lan­des­ge­setz­ge­bern
die Fest­le­gung des Ver­ar­bei­tungs­zwecks,
die Beschrän­kung der Daten­ver­ar­bei­tung auf die Erfor­der­lich­keit
für die Erfül­lung der Auf­ga­ben, sowie
ergän­zen­de Anga­ben zur Spe­zi­fi­zie­rung der Daten,
ihrer Zweck­bin­dung, Ver­ar­bei­tung, zur Wei­ter­ga­be an
Drit­te, zur Dau­er ihrer Spei­che­rung, Ver­schlüs­se­lung
und tech­ni­schen Siche­rung ver­langt.
Die Lan­des­da­ten­schutz­ge­set­ze sind die­sen Vor­ga­ben
zwar durch für alle Lan­des­ein­rich­tun­gen gel­ten­de
all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten über Aus­nah­men von der
Zweck­be­stim­mung, über die Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner
Daten, Ergän­zun­gen zu den Rech­ten der
Betrof­fe­nen und zur Sicher­stel­lung des Daten­schut­zes
nach­ge­kom­men, jedoch ist die Anpas­sung der hoch­schul­da­ten­schutz­recht­li­chen
Vor­schrif­ten bis­her nur
in weni­gen Bun­des­län­dern erfolgt.
Auch daten­schutz­recht­lich sind die Hoch­schu­len damit
auf den digi­ta­len Lehr­be­trieb prak­tisch nicht
vor­be­rei­tet.
2.2. Fol­ge­run­gen für digi­ta­le Lehr­for­ma­te
Die für das Prä­senz­stu­di­um maß­geb­li­chen daten­schutz­recht­li­chen
Rege­lun­gen und Anfor­de­run­gen gel­ten auch
für digi­ta­le For­ma­te. Auf Lehr­platt­for­men ange­bo­te­ne
digi­ta­le Lehr­ver­an­stal­tungs­an­ge­bo­te von Hoch­schu­len
im Rah­men des Stu­di­ums sind kei­ne dem Tele­me­di­en­ge­setz
unter­fal­len­den elek­tro­ni­schen Infor­ma­ti­ons- und
Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te.
Frag­lich ist schon, ob sie unter den für die Anwen­dung
des TMG maß­geb­li­chen Begriff der Tele­me­di­en
fal­len. In jedem Fall fehlt es an der nach
§§ 1, 2 S. 2 Nr. 5 TMG erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zung einer
kom­mer­zi­el­len, also ent­gelt­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on. Die­se
Vor­aus­set­zung ist für Lehr­an­ge­bo­te staat­li­cher Hoch­schu­len
im grund­stän­di­gen Stu­di­um nicht erfüllt.43
Des­halb rich­ten sich die daten­schutz­recht­li­chen Anfor­de­run­gen
auch nicht nach den für die Erfas­sung von
Bestands- und Nut­zer­da­ten maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten
der §§ 13 und 14 TMG, son­dern nach der DS-GVO und
den ergän­zen­den Rege­lun­gen durch die jewei­li­gen
Lan­des­da­ten­schutz­ge­set­ze.
Vor Nut­zungs­be­ginn der für die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on
ein­ge­setz­ten Sys­te­me müs­sen die­se von den
für ihren Betrieb ver­ant­wort­li­chen Stel­len die Ein­hal­tung
des tech­ni­schen Daten­schut­zes über­prü­fen und orga­ni­sa­to­ri­sche
Anwei­sun­gen für die Ein­hal­tung des Daten­schut­zes
für die Nut­zer der Sys­te­me bereit­stel­len. Soweit
kom­mer­zi­el­le Sys­te­me ein­ge­setzt wer­den, müs­sen
die­se den Vor­schrif­ten für die tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen
Anfor­de­run­gen des Daten­schut­zes ent­spre­chen,
dies ist ver­trag­lich mit dem in Art. 28 DS- GVO
gefor­der­ten Inhalt zum Schutz der per­so­nen­be­zo­ge­nen
Daten der Nut­zer zu ver­ein­ba­ren.
Betriebs­da­ten wie Name, Anschrift, Matri­kel­num­mer,
Stu­di­en­fach, Stu­di­en­se­mes­ter oder E‑Mail-Adres­se
43 So Han­sen und Hateh, Daten­schutz beim E‑Learning — Zum
Ver­hält­nis von Kon­trol­le und Ver­trau­en in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft,
Darm­stadt 2014. Dabei kann offen­blei­ben, ob bei
ent­gelt­li­chen Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­ten eine ande­re Beur­tei­lung
ange­bracht ist.
Sand­ber­ger · Rechts­fra­gen des digi­ta­len Unter­richts 1 6 7
dür­fen nur ver­ar­bei­tet wer­den, soweit sie für die Regis­trie­rung
oder für die Nut­zung von E‑Lear­ning-Ver­fah­ren
erfor­der­lich sind. Glei­ches gilt für Iden­ti­fi­ka­ti­ons­da­ten
soweit sie mit per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten wie Namen
oder E‑Mail-Adres­sen ver­bun­den sind.
Per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten eines Nut­zers oder einer
Nut­ze­rin wie Merk­ma­le zur Iden­ti­fi­ka­ti­on des Nut­zers
oder der Nut­ze­rin mit Anga­ben über Beginn und Ende
sowie des Umfangs der jewei­li­gen Nut­zung oder Anga­ben
über die ein­zel­nen von Nut­zer oder Nut­ze­rin benutz­ten
E‑Lear­ning-Ver­fah­ren dür­fen nur ver­ar­bei­tet
wer­den, wenn sie Gegen­stand eines in einer Prü­fungs­ord­nung
gefor­der­ten Leis­tungs­nach­wei­ses sind, zum
Bei­spiel für ECTS – Leis­tungs­punk­te. Zuläs­sig sind sog.
Down­load-Pro­to­kol­le. Unzu­läs­sig ist des­halb eine lau­fen­de
Ver­hal­tens­kon­trol­le.
Glei­ches gilt für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­hal­te der Stu­die­ren­den
wie münd­li­che oder schrift­li­che Äuße­run­gen.
Die Auf­zeich­nung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen und
zeit­glei­che oder zeit­ver­setz­te Über­tra­gung in E‑Lear­ning-
Ver­fah­ren bedarf der schrift­li­chen Ein­wil­li­gung
der von der Auf­zeich­nung und Über­tra­gung betrof­fe­nen
Per­so­nen. Die Nut­zung muss auf die zuge­las­se­nen Teil­neh­mer
Video­auf­zeich­nun­gen von Prü­fun­gen sind nur dann
zuläs­sig, wenn sie zur Doku­men­ta­ti­on des Prü­fungs­ver­laufs
nicht durch ande­re For­men der Doku­men­ta­ti­on ersetzt
wer­den kön­nen. Nut­zer­da­ten sind zu löschen oder
zu anony­mi­sie­ren, sobald sie für die Zwe­cke, für die sie
erho­ben wer­den, nicht mehr zugäng­lich sind.
Die Ein­füh­rung digi­ta­ler Lehr- und Prü­fungs­for­ma­te
ist mit einem erhöh­ten Gefähr­dungs­po­ten­ti­als für den
Daten­schutz ver­bun­den. Das gesetz­li­che Daten­schutz­recht
für das Prä­senz­stu­di­um ist lücken­haft und des­halb
als Maß­stab für die Über­tra­gung auf digi­ta­le Lehr­in­hal­te
nur beschränkt ver­wert­bar. Rechts­si­cher­heit ist des­halb
nur mit einer umfas­sen­den, den Anfor­de­run­gen des Art.
13 DS- GVO ent­spre­chen­den Daten­schutz­auf­klä­rung als
Grund­la­ge einer Ein­wil­li­gung der Betrof­fe­nen erreich­bar,
die im Zusam­men­hang mit dem Zugang zu dem digi­ta­len
Lehr­an­ge­bot ein­ge­holt wer­den muss.
Die durch die Coro­na-Ver­ord­nun­gen erzwun­ge­ne Ein­füh­rung
digi­ta­ler Lehr­ver­an­stal­tun­gen, Prü­fun­gen und
Gre­mi­en­sit­zun­gen wirft zahl­rei­che, bis­her nicht geklär­te
Rechts­fra­gen auf.
Trotz einer schon vor Jah­ren begon­ne­nen Dis­kus­si­on
über die Rele­vanz der Digi­ta­li­sie­rung für die Leh­re, trotz
der Ein­rich­tung eige­ner For­schungs­ein­rich­tun­gen für
Wis­sens­me­di­en, trotz ent­spre­chen­der Emp­feh­lun­gen
der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz und des Wis­sen­schafts­ra­tes
waren die Hoch­schu­len nur in ver­ein­zel­ten Fäl­len auf
die durch die Coro­na-Ver­ord­nun­gen gebo­te­ne Umstel­lung
auf den digi­ta­len Lehr‑, Prü­fungs- und Gre­mi­en­be­trieb
vor­be­rei­tet. Glei­ches gilt für die Hoch­schul­ge­setz­ge­bun­gen,
die bis auf weni­ge Aus­nah­men zu wesent­li­chen
Fra­gen kei­ne Rege­lun­gen ent­hal­ten.
Die Hoch­schu­len waren des­halb gezwun­gen, zu Beginn
des Som­mer­se­mes­ters in Eil­ver­fah­ren Rege­lun­gen zu
erlas­sen, um den Hoch­schul­be­trieb im Bereich der Leh­re,
Prü­fun­gen und Gre­mi­en auf­recht­zu­er­hal­ten.
Die­se Sat­zungs­re­ge­lun­gen ent­beh­ren weit­ge­hend der
not­wen­di­gen gesetz­li­chen Rechts­grund­la­gen und den
dafür gel­ten­den Anfor­de­run­gen an den
Bestimmt­heits­grund­satz.
Inso­weit besteht drin­gen­der gesetz­li­cher Hand­lungs­be­darf,
die­ses zeit­lich auf die Dau­er der Pan­de­mie­be­schrän­kun­gen
befris­te­te Regel­werk abzu­si­chern und für
die zur Auf­recht­erhal­tung des Hoch­schul­be­triebs ein­ge­führ­ten
digi­ta­len Lehr­ver­an­stal­tun­gen, Prü­fun­gen und
Gre­mi­en­sit­zun­gen trag­fä­hi­ge Rechts­grund­la­gen zu
Zu Recht wird in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on betont,
dass die Kri­se Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen für Inno­va­tio­nen
im Hoch­schul­be­reich bie­tet. Dies gilt nicht
nur für die Hoch­schul­leh­re, son­dern auch für die
Hoch­schul­ge­setz­ge­bung.
Digi­ta­le Lehr­for­ma­te kön­nen aller­dings im Inter­es­se
des wis­sen­schaft­li­chen Dis­kur­ses zwi­schen Leh­ren­den
und Ler­nen­den zumin­dest in den grund­stän­di­gen Stu­di­en­gän­gen
die Prä­senz­lehr­ver­an­stal­tun­gen nicht erset­zen,
son­dern allen­falls ergänzen.44 Die fach­li­chen und
didak­ti­schen Anfor­de­run­gen und Erfah­run­gen mit digi­ta­len
Lehr­for­ma­ten kön­nen aber auch den Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen
zugu­te­kom­men. Auch digi­ta­le Gre­mi­en­sit­zun­gen
stel­len eine Not­lö­sung und nicht die Zukunft
Es ist aber ver­fehlt und nicht situa­ti­ons­an­ge­mes­sen,
in den aus der Not gebo­re­nen Maß­nah­men den Test­fall
für die künf­ti­ge Umstel­lung der Leh­re, Prü­fun­gen und
44 In die­sem Sin­ne sind auch die Emp­feh­lun­gen der KMK zur Digi­ta­li­sie­rung
in der Hoch­schul­leh­re v. 14. 3. 2019 zu ver­ste­hen.
1 6 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 5 5 — 1 6 8
Gre­mi­en­sit­zun­gen, also wesent­li­cher Tei­le der Auf­ga­ben
und Wil­lens­bil­dung der Hoch­schu­len, auf einen Online-
Betrieb zu beschwören.45
Pro­fes­sor Dr. Dr. h.c. Georg Sand­ber­ger war von 1979
bis 2003 Kanz­ler der Eber­hard Karls Uni­ver­si­tät Tübin­gen

References: § 2
 Art. 63
 § 58
 § 40
 § 64
 Art. 2
 Art. 8
 Art. 4
 Art.5
 Art. 12
 Art. 5
 § 3
 § 3

§ 3
 § 77
 Art. 2
 § 2
 § 82
 § 203
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 52
 § 52
 § 52
 § 52
 § 60
 BGH 
 BGH 
 Art. 2
 § 2
 § 60
 § 99
 § 64
 § 64
 Art. 12
 Art. 12

§ 64
 § 64
 § 82
 § 82
 Art. 80
 § 6
 § 7
 Art.
80
 Art. 5
 Art. 2
 Art.
5
 Art. 13
 § 15
 § 3
 Art. 17
 Art.7
 § 9
 § 9
 § 9

§ 82

§ 5

§ 5
 Art. 5
 Art. 13
 Art. 25
 Art. 24
 Art. 30
 Art. 35

Art. 6
 Art. 28
 Art.
13