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Timestamp: 2020-05-31 23:14:58+00:00

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Opferleitfaden | Hilfe-fuer-Opfer
Opferleitfaden
Sind Sie von einer Straftat betroffen? Laden Sie sich hier den Opferleitfaden herunter. Er soll Ihnen erste Hilfestellung geben. Er ersetzt nicht die zeitnahe Kontaktaufnahme mit der Polizei und einem auf die Vertretung von Opfern spezialisierten Rechtsanwalt. Insoweit wird auch jede Haftung ausgeschlossen.
Es kann jedem und zu jeder Zeit passieren: In einem überfüllten Kaufhaus wird der Geldbeutel aus der Handtasche gestohlen. In der Disco kommt es zu Streitigkeiten, die (schließlich)in Handgreiflichkeitenenden. Während man (nachts)schläft, bricht jemand in die Wohnung ein. Am Morgen nach einer Betriebsfeier kann man sich an nichts mehr erinnern, aber die äußeren Umstände deuten darauf hin, dass man Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden ist.Diese Aufzählung ließe sich beliebig ausweiten.Allen Betroffenen ist aber gemein, dass sie Opfer einer Straftat geworden sind. Ein allgemeingültiger Hinweis, wie man sich als Betroffener nach einer Straftat am besten verhalten sollte, ist kaum möglich.Denndiese Erfahrungen können individuell höchst unterschiedliche Auswirkungen auf den Menschenhaben. So kann beispielsweise ein Täter-Opfer-Ausgleich, der die außergerichtliche Aufarbeitung der Straftat zum Ziel hat, dem einen Geschädigten bei der persönlichen Bewältigung des Erlebtenhelfen, demanderen Geschädigtenkönnte der Kontaktmit dem Täter erheblich zusetzen. Aus diesem Grund möchte der folgende Leitfaden die wichtigsten Gesichtspunkte und regelmäßig wiederkehrende Fragen von Opfern von Straftaten in allgemeiner Form aufgreifen und den Betroffenen auf diese Weise eine erste Hilfestellung mit an die Hand geben.Eines der zentralen Anliegen der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW)e.V. ist es nämlich, den Betroffenenvon Straftaten zur Seite zu stehen und unterschiedlichste Hilfestellungen bei der notwendigen Problembewältigung zu bieten. Im Mittelpunkt steht neben der Behandlung der Täter deshalb auch die Überlegung, dass der (gesellschaftliche) Blicknicht ausschließlich auf den Täter zu richten ist, sondern auch dem Tatbetroffeneneine respektgetragene und bedeutsame Rolle bei der notwendigen psychologischen, aber auch strafrechtlichen und zivilrechtlichen Aufarbeitung zukommen muss.4Diese Erkenntnis hat sich in derVergangenheit in Folge einiger erheblicher gesetzgeberischer Reformen auch in einer–vor allem im Rahmen des Strafprozesses–verbesserten Stellung des Tatopfersniedergeschlagen. Der Leitfaden gliedert sich in folgende Unterpunkte:Zunächst werden Empfehlungen für günstige Verhaltensweisen nach der Tatgegeben(II.). Esfolgt ein kurzer Abriss des Strafverfahrens von der Anzeigeerstattung bis hin zur rechtskräftigen Verurteilung (III.). Daran anschließend werden die zentralen Rechte und Pflichten von Tatbetroffenenim Strafprozess dargestellt (IV.).Weiter geht es um Möglichkeiten, eine weitere (zweite)Straftat zu verhindern (V.). Schließlich sollnoch kurz auf die Furcht vieler Tatbetroffenervor künftigen Straftaten eingegangenwerden(VI.).
II.Das richtige Verhalten nach der Tat: Wie Sie der Justiz helfen können
Für eine erfolgreiche Aufklärung einer Straftat ist das richtige Verhalten des Betroffenen nach der Tat von entscheidender Bedeutung.
Wichtig ist, insbesondere bei Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheitoder das Eigentum, Spuren umgehend und vollständig sichern zu lassen. Dies hilft entscheidend dabei, den Täter zu ermitteln und vor Gericht zu stellen. Zentralist dabei, die Polizei möglichst schnell über die Straftat zu informieren.Sokönnen Beweismittel gesichert werden, die auch zivilrechtlich bedeutsam sind, zum Beispiel für einen Schmerzensgeldprozess.Bis zum Eintreffen der Polizei sollte der Betroffenemöglichstnichts verändern und beispielsweise die eigene Wohnung–soweit möglich –erst gar nicht betreten, denn bereits kleinste Veränderungen am Tatort können die Ermittlungen erschweren. Auch Kleidungsstücke müssen im Zustand der Tat aufbewahrt werden, damit die Polizei gegebenenfalls dort Spuren des Täters sichern kann. Hilfreich ist es zudem, selbst Fotos vom Tatort bzw. den eigenen Verletzungen anzufertigen, den entstandenen Schaden zu dokumentieren, das Erlebte zu protokollieren und Adressen von Augenzeugen zu notieren.Immer muss man aber bedenken, dass eine gerichtsverwertbare Beweissicherung 5oftmals den eigens dafür ausgebildeten Polizeibeamten überlassen bleiben muss und nicht durch eigene „Ermittlungsarbeiten“ erschwert werden darf.
Wer körperlich verletzt wurde, sollte sofort zum Arzt gehen. Die Verletzungen müssen dokumentiert werden. Das unterstütztdie Ermittlungsarbeit der Polizei. Wenn Beweise objektiv und umfassend gesichert wurden, wirkt sich das auf ein späteres Gerichtsverfahrengünstig aus.Im Zweifel solltemanbei der Polizei nachfragen, ob und in welchem Umfang im konkreten Fall medizinische Atteste erforderlich sind.
Sexuelle Gewaltübergriffe sind für Betroffenebesonders problematisch. Vor allem in diesen Fällen ist die eingehende Konsultation eines Arztes und ggf. eine weitergehende rechtsmedizinische Untersuchung und Befundsicherung unabdingbar. Nur so kann beispielsweise DNA-Material des Täters beweisverwertbar gesichert werden.Bei zahlreichen weiblichen Betroffenen besteht nach solch einer Tat das große Bedürfnis,sich und dieKleidung alsbald zu waschen. So verständlich dies ist, sollte dies jedoch erst nach einem Gespräch mit der Polizei oder einem Arzt geschehen, damit wichtige Spuren nicht verloren gehen.Bei Bedarf und sofern gewünscht, solltensich dieBetroffenenohne jegliche Scheu oder falsche Zurückhaltung psychologischer Hilfe bedienen, um die –zum Teil zweifellos schwierige–Rückkehr in ein normales, angstfreies Leben zu erleichtern bzw. zu ermöglichen.
Zur Frage, wer dem Betroffenen in der konkreten Situation am schnellsten helfen kann, verweisen wir natürlich zuerst einmal auf die örtlichen Polizeidienststellen. Die Polizeibeamten sind insoweit erfahren und vor allem „rund um die Uhr“ erreichbar, weshalb alle dringenden Fragen und Anliegen an sie gerichtet werden sollten.
Dabei ist jedoch Folgendes zu beachten: Spontane Äußerungen, die Betroffene machen, bevor sie von den Polizeibeamten über ihre Zeugnis-und Aussageverweigerungsrechte belehrt wurden, können nämlich verwertet werden. Dies kann etwa im Hinblick auf Aussagen bedeutsam werden, die den Zeugen selbst belasten können. Es kann auch verhindern, dass er sich auf ein ihm unter Umständen zustehendes Aussageverweigerungsrecht aus §55 StPOi berufen kann. Gleiches gilt, wenn dem Betroffenen ein Zeugnisverweigerungsrecht aus persönlichen Gründen gem. §52 StPOii zusteht. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der eigene Ehemann als Täter beschuldigt wird.
Nicht zuletzt auch deshalb sollten Betroffeneim Zweifelsfall ein auf dem Gebiet des Strafrechts spezialisierter Anwalt zeitnah zu Rateziehen. Geeignete Rechtsanwältekann manbeim örtlichen Anwaltsverein oder Beratungsstellen wie BIOS-BWe.V. erfragen. Allerdings kannbereits das erste anwaltliche Beratungsgespräch kostenpflichtig sein. Auch hier gilt es sich deshalb vorab zu informieren. Soweit eine Rechtsschutzversicherung besteht, wäre die vorherige Anfrage einer Deckungszusage für das anwaltliche Tätigwerden oder zumindest ein Erstberatungsgespräch sinnvoll. Gegebenenfalls kannauch der Rechtsanwalt bei der Versicherung nachfragen. Unabhängig von einer möglichen Deckungszusage der Versicherung kann in bestimmten Fällen aufgrund der eigenen wirtschaftlichen oder persönlichen Situation auch ein Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung nach dem Beratungshilfegesetz in Frage kommen. Hierfür muss sich der Betroffene aber zunächst an die zuständige Geschäftsstelle des Amtsgerichts wenden. Unter Umständen übernehmen auch andere, auf die Betreuung von Opfern ausgerichtete Institutionen, etwa derVerein„Weißer Ring e.V.“, die Kosten für die anwaltliche Beratung.
Straftaten können für die Betroffenen erhebliche psychische Folgen nach sich ziehen. Keinesfalls sollte man sich hier scheuen, den Weg zu einer Beratungsstelle zu suchen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dabei müssen nicht immer schwerwiegende Traumatisierungen mit Alpträumen und der Wiederkehr von Tatbildern vorliegen. Es kann auch zu weniger gravierenden Belastungen wie Schlafstörungen und leichter Reizbarkeit kommen. Auch –und gerade in diesen Fällen– bietet es sich an, sich vertrauensvoll an seinen Hausarzt, einen niedergelassenen Psychologen oder etwa an die Opfer-und Traumaambulanz Karlsruhe/Baden (OTA) zu wenden.
III. Strafverfolgung im Überblick
Da mit dem Gang zur Polizei und dem Erstatten einer Anzeige die „Angelegenheit“ für das Opfer einer Straftat nicht zu Ende ist, soll nachfolgend das Strafverfahren überblicksartig in seinen groben Zügen dargestellt werden.
1. Einleitung des Ermittlungsverfahrens: Strafanzeige/Strafantrag –Ermittlungen von Amts wegen
Am Anfang eines jeden Strafverfahrens steht das von der Staatsanwaltschaft geführte Ermittlungsverfahren. Damit die Staatsanwaltschaft (§§152 Absatz2, 160 Absatz1 und 2 StPO) bzw. Polizei (§163 Absatz1 StPO) überhaupt Ermittlungen aufnehmen können und Sachverhalte auf ihren möglicherweise strafrechtlich relevanten Gehalt hin überprüfen und aufklären dürfen, bedarf es eines sog. Anfangsverdachts. Hiervon spricht man, wenn tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat bestehen. Dies ist aber bereits dann der Fall, wenn schon eine geringe Wahrscheinlichkeit dafürbesteht, dass eine verfolgbare Tat vorliegt. Ein Ermittlungsverfahren wird dann in Gang gesetzt, wenn die Bevölkerung Hinweise gibt oder wenn die Ermittlungsbehörde selbst Kenntnis erlangt. Tatopfer oder sonstige Dritte können solche Ermittlungen auf den Weg bringen, indem sie Strafanzeige oder Strafantrag erstatten.
Unter einer Strafanzeige versteht man die Mitteilung eines Sachverhalts, der nach Ansicht des Anzeige rstatters Anlass zur Klageerhebung bietet, vgl. §158 Absatz1 StPO. Ist der BetroffeneAnzeigender,istihmauf Antrag eine Eingangsbestätigung und eine kurze Zusammenfassung des Inhaltsseiner Angabenzuzusenden, vgl. § 158 Absatz 1 Satz 3 und 4 StPO.
Es gibt Delikte, die ausschließlich auf Antrag des Berechtigten (sog. absolute Antragsdelikte –bspw. Hausfriedensbruch, Beleidigung) verfolgt werden. Es gibt aber auch Delikte, die entweder auf Antrag oder aufgrund besonderen öffentlichen Interesses auf Betreiben der Staatsanwaltschaft verfolgt werden (sogenannte relative Antragsdelikte –bspw. fahrlässige und vorsätzliche Körperverletzung).
Dieser sogenannte Strafantrag muss vom Betroffenen oder von einem in §77 Absatz2 StGBiiigenannten Angehörigen innerhalb von drei Monaten nach Kenntniserlangung aller relevanten Tatumstände erfolgen, vgl. §77 b Absatz1 Satz 1 StGB. Im Strafantrag, der als solches nicht ausdrücklich so bezeichnet werden muss, muss das Verlangenzum Ausdruck kommen, dass der Täter bestraft werden soll.
Sowohl das Erstatten der Strafanzeige als auch das Stellen eines entsprechenden Strafantrags kann gegenüber der Polizei oder der Staatsanwaltschafterfolgen.
2. Beweismittel –Untersuchungshaft
Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens kommt es u.a. zur Vernehmung des Beschuldigen gemäß §163a StPO, sofern dieser nicht von seinem Schweigerecht Gebrauch macht. Zudem werden Zeugen und Sachverständige(n )gemäß §161a StPO vernommen sowie Urkunden oder sonstige(n) Beweismittel(n) zur Ausermittlung des tatsächlichen Sachverhalts herangezogen. Hierbei müssen die Ermittlungen objektiv, also sowohl in belastender wie entlastender Hinsicht erfolgen, da für den Beschuldigten bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt. Ergibt sich in der Gesamtschau ein dringender Tatverdacht, also ein hoher Wahrscheinlichkeitsgrad der späteren Verurteilung und liegt zusätzlich noch ein Haftgrund, etwa derjenige der Verdunklungsgefahr, der Fluchtgefahr oder bei bestimmen Anlasstaten die Gefahr der Tatwiederholung vor, kann der Beschuldigte –wenn es verhältnismäßig ist–in Untersuchungshaft genommen werden, vgl. §§112 ff. StPO. Generell ist dabei zu beachten, dass sich der Beschuldigte jederzeit auf sein Schweigerecht(vgl. § 136 Absatz1 Satz 2 StPO)berufen kann. Hingegen sind Zeugen grundsätzlich zur Aussage verpflichtet, sofern zu ihren Gunsten kein Aussage-oder Auskunftsverweigerungsrecht besteht.
3. Abschluss des Ermittlungsverfahrens: Verfahrenseinstellung, Antrag auf Erlass eines Strafbefehls oder Erhebung der öffentlichen Klage
Seinen Abschluss findet das Ermittlungsverfahren entweder in der Verfahrenseinstellung, der Anklageerhebung (§ 170 Absatz1 StPO)durch die Staatsanwaltschaft oderimAntrag auf Erlass eines Strafbefehls (§§ 407 ff. StPO), der ein späteres gerichtliches Verfahren entbehrlich machen soll. Deshalb wird auch dort bereits die für angemessen erachtete Strafe festgesetzt. Im Wege des Strafbefehls werden in der Regel die weniger schwerwiegenden Delikte geahndet. Allerdings kannder Beschuldigte durch seinen rechtszeitigen Einspruch erreichen, dass eine Hauptverhandlung vor Gericht stattfindet und dortüber die gesamte Angelegenheit, also nicht nur die Strafe, verhandelt wird. Möglich ist aber auch, dass der Einspruch lediglich auf die festgesetzte Strafe beschränkt wird.
Zu einer Einstellung des Verfahrens kann es aus zweierlei Gründen kommen: Zum einen wird die Tat nicht weiterverfolgt, sofern der ermittelnde Sachverhalt keinen hinreichenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten erbracht hat, wenn also seine Verurteilung nicht wahrscheinlich ist oder aber ein Verfahrenshindernis, wie etwa Eintritt der Verjährung,besteht, vgl. §170 Absatz2 Satz 1 StPO. Zum anderenist es auch möglich, dass ein Verfahren aus Opportunitätsgründengem. §§153 ff. StPOeingestellt wird. Solche Opportunitätsgründe können etwa vorliegen, wenndie Schuld des Täters als gering anzusehen wäreund kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht(§ 153 Absatz1StPO). Weitere Opportunitätsgründe bestehen, wenndas öffentliche Interesse an der Verfolgung der Tat durch vom Täter zuerfüllende Auflagenbeseitigt werden kann und die Schwere der Schuld des Tätershierbei nicht im Wege steht (§ 153a Absatz1 StPO).Solche Auflagen können zum Beispiel Geldzahlungen oder das Ableisten von Arbeitsstunden sein.
4. Die Hauptverhandlung
Nach Anklageerhebung oder dem Antrag auf Erlass eines Strafbefehlsprüft das Gericht im sogenannten Zwischenverfahren den Sachverhalt. Sollte das Gericht die Anklage zu-bzw. den Strafbefehl erlassen, ist das Zwischenverfahren beendet. Im Falle der Zulassung der Anklage wird das Hauptverfahren eröffnet.
Ganz zentral dort ist die sog. Hauptverhandlung vor Gericht, die grundsätzlich öffentlich stattfindet. Dabei erforscht das Gericht den Sachverhalt von Amts wegen und berücksichtigt alle verfügbaren Beweismittel. Am Beginn der Hauptverhandlungwird die Anwesenheit aller Beteiligten festgestellt, dann verliest der Staatsanwalt die Anklage.Im Anschluss daranerhält der Angeklagte die Gelegenheit, sich zu den Tatvorwürfen sowie zu seiner Person zu äußern.
Es folgt der Eintritt in die Beweisaufnahme.Hierbei werden die Zeugen vernommen, Sachverständige angehört und weitere Beweismittel, etwa im Wege des Augenscheins oder des Verlesens von Urkunden, in die Verhandlung eingeführt. Nach Abschluss der Beweisaufnahme halten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und gegebenenfalls Nebenkläger ihre Schlussplädoyers.Das letzte Wort verbleibt stets dem Angeklagten. Anschließend zieht sich das Gericht zur Beratung zurück, um nach Abschluss seiner Beratungen das Urteil zu verkünden. Dieses ist jedoch erst dann rechtskräftig und vollstreckbar, wenn der Angeklagte, die Staatsanwaltschaft oder –soweit vorhanden –auch der Nebenkläger auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichtet haben oder das Obergericht hierüber las letzte Instanzentschieden hat. Grundsätzlich können gehen ein Urteil Rechtsmittel–also Berufung oder Revision vor höherrangigen Gerichten –eingelegt werden.
5. Die Verjährung einer Straftat
Hat sich eine Straftat ereignet, kann diese in der Regel nur in einem bestimmten Zeitraum von der Justiz verfolgt werden. Nach Ablauf dieser Frist kann der Täter für sein Verhalten nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Wann eine solche Verjährung eintritt, regelt das Gesetz in den §§78–78c StGB. Die Verjährungbeginnt grundsätzlich dann, wenn die Tat beendet ist, §78a StGB. Beendet ist eine Tat, wenn das strafbare Unrecht seinen Abschluss gefunden hat.Die einzelnen Verjährungsfristen, die je nach angedrohter Höchststrafe des Delikts variieren, regelt §78 StGBiv. Das einzige Delikt, dasunabhängig vom Zeitpunkt seiner Begehung verfolgt werden kann, also nicht verjährt ist der Mord, vgl. §211 StGB.
Beispielhaft sei die Verjährung für einzelne hier relevante Delikte angeführt:
a. eine Körperverletzung gemäß §223 StGB verjährt nach fünf Jahren
b. ein Totschlag gemäß §212 StGB verjährt nach zwanzig Jahren
c. ein Raub gemäß §249 StGB verjährt nach zwanzig Jahren
d. eine sexuelle Nötigung/Vergewaltigung nach §177 StGB verjährt nach zwanzig Jahren.
Besonders hinzuweisen ist auf den Umstand, dass u.a. im Bereich des sexuellen Missbrauchs, der sexuellen Nötigung, der Vergewaltigung, des Missbrauchs von Schutzbefohlenen, der Verstümmelung weiblicher Genitalien oder der Zwangsheirat gem. §78b StGBdie Verjährung nicht vor Vollendung des 30. Lebensjahr zu laufen beginnt und bis dorthin ruht. In bestimmten Situationen wird die Verjährung unterbrochen und beginnt ab diesem Zeitpunkt gem. §78c Absatz 3 StGBvon neuem. Das ist der Fall bei der ersten Beschuldigtenvernehmung, beimErlass eines Haftbefehls, bei der Anklageerhebung oder der Anberaumung einer Hauptverhandlung, vgl.§78c Absatz 1 StGB.
IV. Die Rechte und Pflichten des Tatbetroffenen im gerichtlichen Verfahren
In den letzten dreißig Jahren hat der Gesetzgeber die Rolle des Betroffenen im gerichtlichen Verfahren deutlich gestärkt. Dies war wichtig, um den berechtigten Anliegen des Tatopfers gerecht zu werden. Zu den Anliegen des Opfers zählen seine Beteiligung am Gerichtsverfahren und sein Einfluss darauf, die Genugtuungsfunktion des Verfahrens, die notwendige Aufarbeitung des Geschehenen und die finanzielle Entschädigung. Hierzu wurden sowohl bestehende Straftatbestände überarbeitet als auch neue Straftatbestände geschaffen (siehe 1.). Auch im Rahmen des Strafprozesses wurden dem Tatbetroffenen immer umfangreichere Instrumentarien an die Hand gegeben, damit dieser seine Rechte besser geltend machen kann (siehe 2.). Letztlich steht es dem Betroffenenaber weiterhin offen, eine Entschädigung für die Folgen der Tat auf dem Zivilrechtsweg ohne Beteiligung am Strafprozess geltend zu machen (siehe 3.). In der zivilrechtlichen Auseinandersetzung geht es im Unterschied zum Strafprozess(es)nicht um die Bestrafung des Täters, sondern allein um den finanziellen Ausgleich für das erlittene Unrecht, etwa in Form von Schmerzensgeld-oder (aber) Schadensersatzansprüchen aufgrund materieller Schäden.
Im Bereich des Strafrechts hat es zahlreiche gesetzliche Neuerungen gegeben, um dem Opferschutz Rechnung zu tragen.Zum 31.12.2015 trat die letzte Neuerung in Gestaltdes 3. Opferrechtsreformgesetzes in Kraft, die auch durch zahlreiche Vorgaben von europäischer Ebene beeinflusst wurde.Hier ist in neuerer Zeit etwa die Einführung der §238 StGB(Schutz vor Stalking), §237 StGB(Schutz vor Zwangsverheiratung), §184 StGB (Schutz vor Verbreitung pornographischer Schriften)oder §226a StGB (Schutz vor Genitalverstümmelung bei Frauen) hervorzuheben. Zudem wurde(n)an zahlreichen Stellender Strafrahmen erhöht,so dass eine empfindlichere Bestrafung des Tätersmöglich wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt dabei sind die Regelungen über den Täter-Opfer-Ausgleich sowie die Schadenswiedergutmachung in §46a StGB.
Beim Täter-Opfer-Ausgleich soll –zumindest teilweise –die Bestrafung des Täters aufgrund einer Versöhnung mit dem Opfer entfallen. Bei einer Schadenswiedergutmachung tritt eine erhebliche persönliche finanzielle Leistung des Täters an die Stelle seiner Bestrafung. DieBetroffenen solltengegebenenfallsgeltend machen, dassdie Staatskassebei dem zu einer Geldstrafe verurteilten Täter Zahlungserleichterungen gemäß §459a Absatz1 StPOgewährt, um auf diese Weise den Anspruch des Opfers auf Schadenswiedergutmachung zu erhalten. Ziel des Täter-Opfer-Ausgleichsbzw. der Schadenswiedergutmachung in §46a StGBist „Friedensstiftung“. Voraussetzungendafürsind, dass sich der Betroffeneundder Täter auf diese Möglichkeit einlassenund der Täter ein Geständnis ablegt. Der Täter profitiert von einem solchen Ausgleich, da seine Strafe gemildert oder ganz ausgesetzt werden kann.Dem Opferwird die Aufarbeitung der Tat erleichtert, ggf. eine neuerliche umfangreiche Aussage und Befragung vor Gericht erspart. Ein Täter-Opfer-Ausgleich stellt auch das persönliche Sicherheitsgefühl wieder her, stiftet Frieden –oder zumindest Ruhe –zwischen den Beteiligten und ermöglicht eine finanzielle Entschädigung ohne langwierige juristische Auseinandersetzungen.
Ab dem 01.01.2017 werden die Opferrechte in der Strafprozessordnung durch einepsychosoziale Prozessbegleitung ergänzt.
Zu Beginn des Jahres 2016 wird über die Verschärfung des Sexualstrafrechts diskutiert. In diesem Zusammenhang hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) einen Entwurf des „Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches–Verbesserung des Schutzes vor sexueller Selbstbestimmung vorgestellt. BIOS-BWe.V. hat sich hierzu im Rahmen einer öffentlichen Stellungnahme geäußert und eine Ergänzung des Gesetzesvorhabens vor gefordert.
b. Beteiligungsrechte des Tatbetroffenen am Strafverfahren
Zentrale Rolle des Betroffenen im Rahmen des Strafprozesses ist seine Stellung als Opfer-Zeuge. Vorausgesetzt, die Angaben des Opfers sind glaubhaft, bestimmt seine Aussage das Urteil des Richters meist mit. Dabei kann eine gerichtliche Ladung zur Zeugenvernehmung oftmals Unsicherheiten und Ängste beim Betroffenen wecken. Umso wichtiger ist es, nach Erhalt einer Ladung nicht zu lange zuzuwarten, sondern sich bei etwaigen Unsicherheiten direkt mit dem eigenen Anwalt, dem Gericht oder mit einer Beratungsstelle(n) wie BIOS-BW e.V. in Verbindung zu setzen. Im Rahmen der Vernehmung gilt natürlich auch für den Betroffenen die Pflicht zur vollständigen und wahrheitsgemäßen Aussage. Das Gericht folgt dem Unmittelbarkeitsgrundsatz, d.h., dass sich das Gericht von Zeugen unmittelbar in der Hauptverhandlung ein Bild machen muss. Auch wenn der Tatbetroffene zuvor schon im Ermittlungsverfahren vernommen wurde, kommt es deshalb vor Gericht in der Regel zu einer neuerlichen Vernehmung des Tatbetroffenen. Wird der Tatbetroffene vor Gericht als Zeuge vernommen, muss er sich darauf gefasst machen, dass hier dem Beschuldigten, seinem Verteidiger und der Staatsanwaltschaft die Anwesenheit gestattet ist (§ 168c Absatz 2 StPO). Jedoch kommt es in der Praxis sehr selten zu einer richterlichen Vernehmung. Bei der Vernehmung durch Staatsanwaltschaft oder der Polizei gibt es keine Anwesenheitsrechte für den Beschuldigten und seinen Verteidiger.
Weiterhin kann sich der Betroffene in den in § 395 StPOvi genannten Fällen – wie etwa sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Körperverletzung – dem Strafverfahren als Nebenkläger anschließen. Sofern das Tatopfer verstorben ist, geht dieses Recht nach § 395 Absatz 2 StPO auf den Ehegatten oder nahe Angehörige über. Im Unterschied zur Privatklage führt der Tatbetroffene in diesem Fall das Verfahren aber nicht selbst. Vielmehr verbleibt die Anklagevertretung in Händen der Staatsanwaltschaft. Mit dem Recht zur Nebenklage soll dem Genugtuungsinteresse besondere Rechnung getragen werden. Dem Betroffenen stehen hierbei die in § 397 StPOvii genannten Rechte zu. Dazu zählt insbesondere das Beweisantrags- oder Fragerecht. Unter den Voraussetzungen des § 397a StPOviii ist dem Nebenkläger zudem ein Rechtsbeistand als Nebenklagevertreter zu bestellen. Dem Verfahren gegen einen Jugendlichen kann sich der Tatbetroffene nur unter den eingeschränkten Voraussetzungen des § 80 Absatz 3 JGG als Nebenkläger anschließen. Bei Heranwachsenden gilt das Recht der Nebenklage hingegen uneingeschränkt, vgl. § 109 Absatz 1 JGG.
Weiterhin bedeutsam sind für den Betroffenen die in §§ 406d ff. StPO genannten sonstigen Befugnisse im Rahmen des Strafverfahrens. Dabei sind etwa in den in § 406d StPOix genannten Fällen Mitteilungen über das Verfahren zu machen. Am relevantesten ist dabei das Recht auf Mitteilung der Einstellung oder des Ausgangs des Verfahrens. Dies muss jedoch beantragt werden. § 406e StPOx ermöglicht es, dem anwaltlichen Vertreter des Betroffenen Akteneinsicht zu gewähren, wenn keiner der in dieser Vorschrift genannten Erwägungen dem entgegensteht. Zu beachten ist jedoch, dass den Tatopfern auch ohne Beiziehung eines Rechtsbeistandes Auskünfte und Abschriften aus den Akten erteilt werden können, vgl. § 406e Absatz 5 StPO. Diesem Wunsch kommen die Ermittlungsbehörden in der Regel nach. Dieses Auskunftsrecht ermöglicht es beispielsweise, dass sich der Tatbetroffene frühzeitig außergerichtlich an den Täter wenden kann. Dieser könnte einer außergerichtlichen Streitbeilegung möglicherweise – sollte er vermögend genug sein – „nicht ganz abgeneigt“ sein, da sich ein Täter-Opfer-Ausgleich oder eine Schadenswiedergutmachung regelmäßig strafmildernd auswirken wird. Nach § 406f StPO hat das Tatopfer ein Recht auf Gewährung eines Rechtsbeistands, der auch bei seiner Vernehmung anwesend sein darf. Zudem kann einer Vertrauensperson des Betroffenen die Anwesenheit während der Vernehmung gestattet werden. Der anwaltliche Vertreter des nebenklageberechtigten Tatbetroffenen hat die weitergehenden Rechte entsprechend § 406h StPO, woraus insbesondere Anwesenheitsrechte im Rahmen der Hauptverhandlung folgen, auch wenn er nicht als Nebenkläger im Verfahren auftritt. Im Falle der Verurteilung hat der Angeklagte im Übrigen die notwendigen Auslagen des Privatklägers bzw. des Nebenklägers zu erstatten. In den § 406 i, j, k, l StPO sind weitere Unterrichtungspflichten gegenüber Tatbetroffenen bzw. seine Angehörigen oder Erben geregelt.
Von zentraler Bedeutung ist schließlich aber auch die Möglichkeit finanziellen Ansprüche, die normalerweise vor den Zivilgerichten erstritten werden müssten, im Rahmen des Strafverfahrens gleichzeitig mit geltend zu machen. Hierzu dient das sog. Adhäsionsverfahren nach §§ 403 ff. StPO. Der Betroffene soll hierbei „nur“ mit einem Prozess belastet werden und auch in finanzieller und zeitlicher Hinsicht auf leichterem Wege seine Ansprüche zugesprochen bekommen können. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass man im Unterschied zu einem Zivilprozess keinen Gerichtskostenvorschuss zu leisten hat. So ist die Gefahr ausgeschlossen, dass der Tatbetroffene bei Zahlungsunfähigkeit des Täters auf diesen Kosten auch noch „sitzen bleibt“. Die Möglichkeiten des Gerichts, Adhäsionsanträge abzulehnen, wurden deshalb sehr beschränkt. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass das Opfer weiterhin die Möglichkeit hat, selbst bei Klageabweisung wegen Freispruchs des Täters, seine Ansprüche auf dem Zivilrechtsweg geltend zu machen. Das Gleiche gilt für den Fall, dass der Strafrichter nicht die vom Adhäsionskläger geltend gemachten Schadenshöhen, etwa bezüglich eines zuzahlenden Schmerzensgeldes, ausurteilt. Auch in diesem Fall bleibt es dem Adhäsionskläger unbenommen, seine Ansprüche vor den Zivilgerichten weiterzuverfolgen.
4. Zivilrechtliche Schadensersatzansprüche
5. Hilfe jenseits der gesetzlichen Regelungen
Wichtig ist zu wissen, dass man als Betroffener von Gewalt- und Sexualstraftaten bzw. Nachstellung nicht nur im Nachhinein etwas gegen den Täter im Wege einer strafrechtlichen Verfolgung „unternehmen“ kann (siehe V.), sondern dass man auch auf Maßnahmen hinwirken kann, die dafür sorgen, dass es nicht zu (weiteren) Straftaten kommt. In diesen Fällen sollte man zeitnah die nächstgelegene Polizeidienststelle aufsuchen und die Bedrohungslage schildern. Aus solch einem Gespräch kann man Sicherheit gewinnen: Man weiß, dass man die Polizei anrufen kann, die einem sofort zur Seite steht, sollte beispielsweise der Ehemann wieder gewalttätig werden. Allein dieses Wissen kann den Alltag des Tatbetroffenen schon erheblich erleichtern. Die Polizei kann dann in geeigneten Fällen eine Gefährderansprache(n) durchführen bzw. einen Platzverweis(es) oder einen Wohnungsverweis zur Abwendung von Straftaten aussprechen. Auch zivilrechtliche Schritte, wie beispielsweise (ein Wohnungsverweis oder) eine Abstandsverfügung nach dem Gewaltschutzgesetz, können Gefährdungen begegnen. Hierbei kann Sie Ihr Rechtsanwalt umfassend beraten. Wichtig ist das Bewusstsein, dass letztlich erst diese „äußere Sicherheit“ einen Weg in die Normalität ermöglichen bzw. einer Traumatherapie zum Erfolg verhelfen kann.
Regelmäßig besteht die Angst, erneut Opfer einer Straftat zu werden. Diese Angst kann in positiver Hinsicht zu mehr Vorsicht führen, wenn man beispielsweise strikt darauf achtet, beim Verlassen der Wohnung die Fenster zu verschließen oder dunkle, uneinsehbare Wege nicht zu nutzen. Die Verbrechensfurcht kann jedoch, wie häufig anzutreffen, auch lähmende Folgen haben, sodass das Opfer in ständiger Angst vor erneuten Übergriffen lebt. Dies kann sogar so weit gehen, dass man das eigene Leben völlig umstrukturiert und in solchem Maß einschränkt, dass man beispielsweise das eigene Haus nicht mehr verlässt. Die mediale und oftmals reißerisch überzeichnete Sensationsberichterstattung kann diese Angstspirale noch verstärken. Man sollte sich deshalb stets bewusst machen, dass gerade schwere Gewalttaten – wie Mord, Totschlag und Sexualstraftaten – im Vergleich zur Gesamtkriminalität die absolute Ausnahme darstellen. Medien hingegen berichten gerade über solche aufsehenerregende Taten besonders intensiv und häufig, sodass die persönliche Wahrnehmung bei allen Beteiligten, gerade aber auch bei den Opfern, verzerrt wird. Sollte ein Tatbetroffener feststellen, dass er mit seiner Verbrechensfurcht keinen vernünftigen Umgang findet, empfehlen wir, sich professioneller Hilfe zu bedienen. Auch hier ist BIOS-BW e.V. ein geeigneter Ansprechpartner.
Hinweise auf Rechtsbestimmungen
i § 55 StPO [Auskunftsverweigerungsrecht]
ii § 52 StPO [Zeugnisverweigerungsrecht der Angehörigen des Beschuldigten]
iii § 77 StGB
iv § 78 StGB
v § 374
(1) Im Wege der Privatklage können vom Verletzten verfolgt werden, ohne dass es einer vorgängigen Anrufung der Staatsanwaltschaft bedarf,
2a. eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§ 201aAbsatz 1 und 2 des Strafgesetzbuches),
5. eine Nachstellung (§ 238 Abs. 1 des Strafgesetzbuches) oder eine Bedrohung (§ 241des Strafgesetzbuches),
8. eine Straftat nach § 142 Abs. 1 des Patentgesetzes, § 25 Abs. 1 des Gebrauchsmustergesetzes, § 10 Abs. 1 des Halbleiterschutzgesetzes, § 39 Abs. 1 des Sortenschutzgesetzes, § 143 Abs. 1, § 143a Abs. 1 und § 144 Abs. 1 und 2 des Markengesetzes, § 51 Abs. 1 und § 65 Abs. 1 des Designgesetzes, den §§ 106 bis 108sowie § 108b Abs. 1 und 2 des Urheberrechtsgesetzes und § 33 des Gesetzes betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie.
vi § 395 StPO
[Befugnis zum Anschluss als Nebenkläger]
6. § 142 des Patentgesetzes, § 25 des Gebrauchsmustergesetzes, § 10 desHalbleiterschutzgesetzes, § 39 des Sortenschutzgesetzes, den §§ 143 bis 144 des Markengesetzes, den §§ 51 und 65 des Designgesetzes, den §§ 106 bis 108b des Urheberrechtsgesetzes, § 33 des Gesetzes betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie und den §§ 16 bis 19 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.
vii § 397
(1) Der Nebenkläger ist, auch wenn er als Zeuge vernommen werden soll, zur Anwesenheit in der Hauptverhandlung berechtigt. Er ist zur Hauptverhandlung zu laden; § 145a Absatz 2 Satz 1 und § 217 Absatz 1 und 3 gelten entsprechend. Die Befugnis zur Ablehnung eines Richters (§§ 24,31) oder Sachverständigen (§ 74), das Fragerecht (§ 240 Absatz 2), das Recht zur Beanstandung von Anordnungen des Vorsitzenden (§ 238 Absatz 2) und von Fragen (§ 242), das Beweisantragsrecht (§ 244 Absatz 3 bis 6) sowie das Recht zur Abgabe von Erklärungen (§§ 257,258) stehen auch dem Nebenkläger zu. Dieser ist, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, im selben Umfang zuzuziehen und zu hören wie die Staatsanwaltschaft. Entscheidungen, die der Staatsanwaltschaft bekannt gemacht werden, sind auch dem Nebenkläger bekannt zu geben; §145a Absatz 1 und 3 gilt entsprechend.
viii § 397a Bestellung eines Beistands; Prozesskostenhilfe
2. durch eine versuchte rechtswidrige Tat nach den §§ 211 und 212 des Strafgesetzbuches verletzt oder Angehöriger eines durch eine rechtswidrige Tat Getöteten im Sinne des §395 Absatz 2 Nummer 1 ist,
3. durch ein Verbrechen nach den §§ 226, 226a, 234 bis 235, 238 bis 239b, 249, 250, 252,255 und 316a des Strafgesetzbuches verletzt ist, das bei ihm zu schweren körperlichen oder seelischen Schäden geführt hat oder voraussichtlich führen wird,
5. durch eine rechtswidrige Tat nach den §§ 221, 226, 226a, 232 bis 235, 237, 238 Absatz 2 und 3, §§ 239a, 239b, 240 Absatz 4, §§ 249, 250, 252, 255 und 316a des Strafgesetzbuches verletzt ist und er bei Antragstellung das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder seine Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen kann. (2) Liegen die Voraussetzungen für eine Bestellung nach Absatz 1 nicht vor, so ist dem Nebenkläger für die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts auf Antrag Prozesskostenhilfe nach denselben Vorschriften wie in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten zu bewilligen, wenn er seine Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen kann oder ihm dies nicht zuzumuten ist. § 114Absatz 1 Satz 1 zweiter Halbsatz sowie Absatz 2 und § 121 Absatz 1 bis 3 der Zivilprozessordnung sind nicht anzuwenden. (3) Anträge nach den Absätzen 1 und 2 können schon vor der Erklärung des Anschlusses gestellt werden. Über die Bestellung des Rechtsanwalts, für die § 142 Absatz 1 entsprechend gilt, und die Bewilligung der Prozesskostenhilfe entscheidet der Vorsitzende des mit der Sache befassten Gerichts.
ix § 406d
1. die Einstellung des Verfahrens,
2. der Ort und Zeitpunkt der Hauptverhandlung sowie die gegen den Angeklagten erhobenen Beschuldigungen,
3. der Ausgang des gerichtlichen Verfahrens.
2. freiheitsentziehende Maßnahmen gegen den Beschuldigten oder den Verurteilten angeordnet oder beendet oder ob erstmalig Vollzugslockerungen oder Urlaub gewährt werden, wenn er ein berechtigtes Interesse darlegt und kein überwiegendes schutzwürdiges Interesse des Betroffenen am Ausschluss der Mitteilung vorliegt; in den in § 395 Absatz 1 Nummer 1 bis 5 genannten Fällen sowie in den Fällen des § 395Absatz 3, in denen der Verletzte zur Nebenklage zugelassen wurde, bedarf es der Darlegung eines berechtigten Interesses nicht;
3. der Beschuldigte oder Verurteilte sich einer freiheitsentziehenden Maßnahme durch Flucht entzogen hat und welche Maßnahmen zum Schutz des Verletzten deswegen gegebenenfalls getroffen worden sind;
4. dem Verurteilten erneut Vollzugslockerung oder Urlaub gewährt wird, wenn dafür ein berechtigtes Interesse dargelegt oder ersichtlich ist und kein überwiegendes schutzwürdiges Interesse des Verurteilten am Ausschluss der Mitteilung vorliegt. Die Mitteilung erfolgt durch die Stelle, welche die Entscheidung gegenüber dem Beschuldigten oder Verurteilten getroffen hat; in den Fällen des Satzes 1 Nummer 3 erfolgt die Mitteilung durch die zuständige Staatsanwaltschaft. (3) Der Verletzte ist über die Informationsrechte aus Absatz 2 Satz 1 nach der Urteilsverkündung oder Einstellung des Verfahrens zu belehren. Über die Informationsrechte aus Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 und 3 ist der Verletzte zudem bei Anzeigeerstattung zu belehren, wenn die Anordnung von Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten zu erwarten ist. (4) Mitteilungen können unterbleiben, sofern sie nicht unter einer Anschrift möglich sind, die der Verletzte angegeben hat. Hat der Verletzte einen Rechtsanwalt als Beistand gewählt, ist ihm ein solcher beigeordnet worden oder wird er durch einen solchen vertreten, so gilt § 145a entsprechend.
x § 406e StPO
[Akteneinsicht; Auskunft]
Es gibt eine verwirrend große Zahl an Anlaufstellen für Tatbetroffene. Die nachfolgende Auflistung will sich – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – auf die wichtigsten Hilfsangebote beschränken. Wir nennen – zunächst im Bereich von Karlsruhe – zentrale Ansprechpartner, die das Hauptproblem abklären und bei Bedarf auch weiterverweisen können. Erste Anlaufstelle sollte grundsätzlich der Hausarzt sein. Dies gilt auch dann, wenn man keine körperlichen Beschwerden zu beklagen hat, wie bspw. Schlafprobleme aufgrund des Erlebten. Vorteile eines Besuchs des Hausarztes sind, dass zu diesem bereits eine gewisse Vertrauensbasis besteht und man schnell einen Termin bekommt. Der Hausarzt kennt in der Regel auch entsprechende Behandlungsangebote, die den speziellen Bedürfnissen gerecht werden.
1) Betroffenenprofil
a) Opfer von Sexual- und Gewaltstraftat
b) Betroffener muss aktuell akut unter den Folgen der Tat leiden
c) Wohnhaft im Stadt- und Landkreis Karlsruhe
d) Deutschsprachig
e) Das Opfer sollte sich nicht schon in einer psychotherapeutischen Behandlung befinden
2) Angebot der OTA
a) Kostenlose Soforthilfe durch eine(n) Diplom-Psychologin
b) Kostenlose rechtliche Erstberatung durch einen Fachanwalt bzw. eine Fachanwältin für Strafrecht
c) Vermittlung von begleitender Sozialberatung
Telefon: 0721 470 43935
opferhilfe@bios-bw.de
1) Betroffenenprofil: Frauen, denen Gewalt widerfährt
2) Angebot: vertrauliche, kostenfreie und mehrsprachige telefonische Beratung durch Beraterinnen per Telefon, E-Mail und Chat 3)
Telefon: 0800/0116016
Frauenberatungsstelle SKF
1) Betroffenenprofil: Probleme in der Partnerschaft
2) Angebot: Kostenfreie und vertrauliche Beratung (Einzelgespräche; auf Wunsch: Paar- und Familienberatung)
Telefon: 0721/9137518
Mo und Fr. 8:30 – 12:00 Uhr
1) Betroffenenprofil: Frauen, Männer und Jugendliche, die häusliche Gewalt erfahren
2) Angebot: Kostenfreie und vertrauliche individuelle Einzel-, Paar- und/oder Familienberatung im Kontext von häuslicher Gewalt (muttersprachliche Beratung in verschiedenen Sprachen möglich)
Prinz-Wilhelm
Straße 3 - 4.
OG -76646 Bruchsal
Telefon: 07251/7130323
Mo + Fr 10:00 – 12:00 Uhr
Mi 15:00 – 17 Uhr
Frauenberatungsstelle – Frauenhaus Karlsruhe
1) Betroffenenprofil: Frauen und Kinder, die Gewalt erfahren
a) Frauenhaus Schutz und Unterkunft (Frauenhaus) Psychosoziale Beratung und Begleitung Unterstützung bei der Schaffung von Lebensperspektiven
b) Frauenberatungsstelle Telefonische (psychosoziale und psychologische) Beratung, auch türkischsprachig, sowie Rechtsberatung
Kriegsstr. 148
Telefon Frauenhaus: 0721/567824
Telefon Frauenberatungsstelle: 0721/849047
Allerleirauh – Hilfe und Beratung bei sexueller Gewalt
1) Betroffenenprofil: Sexuelle Gewalt gegen Jungen und Mädchen (bis 27 Jahre) und deren Eltern bzw. Bezugspersonen
2) Angebot: Vertrauliche und kostenfreie (therapeutische) telefonische Hilfe sowie umfassende Beratung (auch Fragen der Strafverfolgung und Prozessbegleitung)
Telefon: 0721/133- 5381;- 5382
allerleirauh@sjb.karlsruhe.de
Mo und Mi 11 – 12 Uhr
Di und Do 16 – 17 Uhr
1) Betroffenenprofil: Hilfe für Betroffene einer Selbsttötungsgefahr und deren Angehörige
2) Angebot: Vertrauliche und kostenfreie Beratung (telefonisch oder in den Räumlichkeiten des AKL)
Telefon: 0721/811424
Rund um die Uhr in dringenden Fällen unter: 0800/1110111
zudem Mi 17 – 19 Uhr
1) Betroffenenprofil: Beratung in akuten Krisen
2) Angebot: vertrauliche und kostenfreie Einzelgespräche oder zusammen mit Partner, mit der Familie oder in einer Gruppe
Telefon: 0721/385038
info@bruecke-karlsruhe.de
Mo, Di, Do, Fr 10 – 13 Uhr und 15 – 18 Uhr
Mi 16 – 20 Uhr
Verein zur Unterstützung traumatisierter Migranten e. V.
1) Betroffenenprofil: traumatisierte Migranten
a) Diagnostische Gespräche
b) Übernahme von Übersetzungskosten und Bereitstellung von Dolmetschern
Telefon: 0721/6288306
trauma-migranten@web.de
Das Angebot der Opfer- und Traumaambulanz Karlsruhe/Baden
Bei Gewalttaten, sexuellen Übergriffen, Stalking oder anderen bedrohlichen Erlebnissen sind die körperlichen und seelischen Folgen oft gravierend. Häufig sind die betroffenen Menschen – auch Unfallopfer – zuerst ohnmächtig und orientierungslos. Umso wichtiger ist die Betreuung in den ersten Tagen nach der Tat. Niemand braucht sich dafür zu schämen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Die Opfer- und Traumaambulanz Karlsruhe/Baden ist ein Projekt der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. Sie bietet (nunmehr) in enger Zusammenarbeit mit zwei Fachkliniken seit 2010 eine Akutversorgung für traumatisierte Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten an. Unser Psychologenteam hilft Ihnen im Rahmen der vorhandenen Behandlungsplätze schnell und unbürokratisch, auf Wunsch auch anonym. Diese Gespräche sind für Betroffene kostenlos, auch wenn Ihre Krankenkasse oder ein anderer Kostenträger dafür nicht aufkommen sollte.
Zunächst stehen das Erlebte und die Ängste im Mittelpunkt der Beratungsgespräche. Anschließend muss das Erlebte in den Alltag integriert werden, um wieder Kontrolle über das eigene Handeln zu bekommen. Wie unterstützen Selbsthilfe und Selbstheilungskräfte, damit eigene Stärken und Ressourcen wieder erkannt werden und Betroffene (zukünftig) nicht dauerhaft unter dem Erlebten leiden.
In bestimmten Fällen kann auch eine längerfristige Therapie nötig werden. Dann unterstützen wir Sie bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten und begleiten Sie in der Zwischenzeit, bis Sie einen Therapieplatz gefunden haben.
Zusätzlich bieten wir eine kostenlose rechtliche Erstberatung durch eine Fachanwältin(/) oder einen Fachanwalt und die Vermittlung von begleitender Sozialberatung an.
Unser Angebot richtet sich schwerpunktmäßig an Frauen und Männer, die in der Stadt oder im Bereich des Landratsamtes Karlsruhe ihren Wohnsitz haben und nach einer Gewalt- oder Sexualstraftat schnelle Hilfe benötigen. Auch wenn Symptome erst eine gewisse Zeit nach dem Ereignis auftreten, kann eine schnelle Hilfe bei der Bearbeitung des Erlebten notwendig sein.
Sind Sie bereits anderweitig in therapeutischer oder medizinischer Behandlung, können wir Ihnen im Rahmen unseres Angebots einer Akutversorgung vor allem bei unmittelbar erlittenen Gewalt – und Sexualstraftaten keine zusätzliche oder ergänzende Versorgung anbieten. Insoweit wenden Sie sich bitte an Ihren niedergelassenen Arzt oder Therapeuten. Auch wird in vielen Fällen die ausreichende Beherrschung der deutschen Sprache notwendig sein.
Wir bitten sie, Termine pünktlich wahrzunehmen. Im Falle einer dringenden Verhinderung melden Sie sich bitte unter der Rufnummer (0721) 470 43 935 oder direkt bei Ihrer Therapeutin/Ihrem Therapeuten.
Die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. finanziert sich größtenteils durch Spenden und Sponsoring.
Spendenkonto: Volksbank Pforzheim eG ▪ IBAN Nr.: DE83 6669 0000 0000 0043 93 ▪ BIC Code: VBPFDE66
Selbstverständlich stellen wir gerne eine Spendenbescheinigung aus.
Postfach 110210

References: §55
 §52
 §158
 § 158
 §77
 §77
 §163
 §161
 § 136
 §170
 §78
 §78
 §211
 §223
 §212
 §249
 §177
 §78
 §78
 §238
 §237
 §184
 §226
 §46
 §459
 §46
 § 395
 § 395
 § 397
 § 397
 § 80
 § 109
 § 406
 § 406
 § 406
 § 406
 § 406
 § 406
 § 55
 § 52
 § 77
 § 78
 § 374
 § 142
 § 25
 § 10
 § 39
 § 143
 § 143
 § 144
 § 51
 § 65
 § 108
 § 33
 § 395
 § 142
 § 25
 § 10
 § 39
 § 33
 § 397
 § 145
 § 217
 §145
 § 397
 §395
 § 114
 § 121
 § 142
 § 406
 § 395
 § 395
 § 145
 § 406