Source: https://euroflyrefund.com/de/flugausfall-corona
Timestamp: 2020-07-16 14:57:48+00:00

Document:
Erstattung der Kosten oder Umbuchung bei Flugausfall wegen Corona
Corona: Erstattung des Tickets auch bei Flugausfall?
Mit dem Hinweis auf die Corona-Krise ist der Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Bei der Rückabwicklung von Ticketkäufen und Entschädigungen zieren sich viele Fluglinien. Hier erfahren Sie, was Ihnen zusteht!
Hier finden Sie alle Informationen, die Sie zur Durchsetzung Ihrer Fluggastrechte brauchen:
Kosten selbst zurückfordern:
Die Fluggesellschaft hat nach Art.8 der Fluggastrechteverordnung die Pflicht Ihnen innerhalb von 7 Tagen die Flugkosten zurück zu erstatten.
Es ist wichtig, dass Sie selbst aktiv werden! Die Fluggesellschaften sind nicht dazu verpflichtet, automatisch eine Frist für die Rückerstattung zu setzen—und das wird sie auch nicht.
Daher sollten Sie umgehend nach der Stornierung die Airline kontaktieren und ihr eine Frist von 7 Tagen setzen. Erst dann ist diese geltend!
Da aber viele Airlines auf ihren Websites keine Formulare und dergleichen dafür zur Verfügung stellen, sollten Sie es über andere Mittel wie Email oder Kontaktformulare („Lob und Beschwerde“) versuchen. Eine E-Mail kann in diesem Fall so aussehen:
Der von mir gebuchte Flug von ... nach ... (Buchungsnummer: ...) wurde von Ihnen annulliert. Ich wähle die Rückerstattung der Flugschein-Kosten nach Art. 8 der VO 261/2004.
Bitte überweisen Sie die kompletten Kosten in Höhe von ... innerhalb von 7 Tagen auf mein nachfolgendes Konto...
Wo soll ich die Erstattung beantragen?
Falls Sie über einen Reisevermittler gebucht haben, müssen Sie sich trotzdem immer an die Fluggesellschaft wenden. Auch dann muss Ihnen der volle Preis erstattet werden. Vermittlungskosten dürfen nicht abgezogen werden, da diese schon im Vorhinein mit der Fluggesellschaft abgemacht wurden. Falls der Vermittler die Fluggesellschaft über solche Kosten nicht informiert haben sollte, darf das Sie als Passagier grundsätzlich nicht betreffen.
Welche Möglichkeiten habe ich bei der Fluggesellschaft?
1. Wahl—Erstattung oder Umbuchung
Nach Art. 8 Abs. 1 a) der Fluggastrechtevordnung (VO 261/2004) können Sie wählen, ob Sie eine Flugscheinkosten-Erstattung, einen Rücktransport zum Abflugort oder eine Umbuchung möchten. Diese Regel gilt bei Flügen mit Antritt in einem EU-Land bzw. von einer Fluggesellschaft mit Sitz in der EU ausgeführt werden.
2. Streichung des Rückflugs
Wenn Sie bereits den Hinflug angetreten haben, bestehen Sie nicht sofort auf eine Erstattung der Ticketkosten—ansonsten verlieren Sie eventuell das Recht auf einen schnellstmöglichen Rückflug, Unterkunft, Versorgung etc.
Falls Ihnen die Airline keinen angemessenen Rücktransport anbietet, können Sie die Mehrkosten eines selbstgebuchten Fluges rückerstattet bekommen.
3. Gutscheine statt Erstattung
Die meisten Fluggesellschaften tendieren dazu, Ihnen Gutscheine statt einer Erstattung anzubieten. Da diese aber eigentlich nicht den Gesetzen von Art. 8 entsprechen, müssen Sie diese nicht annehmen—und das sollten Sie gerade jetzt auch nicht. Durch die Corona-Krise hat jede Fluggesellschaft momentan ein Insolvenz-Risiko. Daher ist es sicherer auf eine Kostenerstattung zu bestehen.
4. Nur Umbuchung möglich?
Viele Airlines, wie der Lufthansa-Konzern, verweigern eine Erstattung der Ticketkosten und erwecken den Anschein, dass eine Umbuchung die einzige Möglichkeit wäre. Egal was auf den Websites zu lesen oder beim Kundenservice zu hören ist— Art. 8 Abs. 1 a) der Fluggastrechtevordnung (VO 261/2004) gilt weiterhin.
Auch werden Sie bei manchen Airlines wie Sunexpress hören, dass die „Ticketregeln“ gelten würden und bei Billig-Tarifen keine Rückerstattung möglich wäre
Die nach EU-Recht geschuldete Rückerstattung kann immer eingefordert werden!
Verweigerung der Rückerstattung
Hier finden Sie eine Liste von Fluggesellschaften, die erfahrungsgemäß eine Rückerstattung der Flugscheinkosten verweigern und Ihnen nur Gutscheine und Umbuchungen anbieten werden:
Falls Ihnen bei einer, hier noch nicht erwähnten Fluggesellschaft eine Kostenerstattung verweigert wird, geben Sie uns bitte Bescheid.
Erstattung bei höherer Gewalt
Wenn Ihr Flug wegen dem Coronavirus annulliert wurde, gelten dieselben Gesetze der Fluggastrechte-Verordnung (VO 261/2004) wie auch bei anderen außergewöhnlichen Umständen. Der Corona-Virus, als höhere Gewalt, hat also keine Auswirkungen auf ihre Rechte und Sie können eine Erstattung beantragen.
Laut einer Presse-Konferenz vom 2.4.2020 sollen die Rechte von Fluggästen in Zukunft erstmal von einer Gutscheinlösung eingeschränkt werden.
So will die Bundesregierung Ihre Rechte als Reisender einschränken
Die Ticketkosten aller Flüge die vor dem 8.3.2020 gebucht wurden, werden nicht erstattet.
Stattdessen bekommt man als Reisender von der Fluggesellschaft nur einen Gutschein!
Ihnen wird somit das Recht auf eine vollständige Erstattung Ihrer Flugschein-Kosten entzogen.
Für die Gutscheine sollen nach Plan der Bundesregierung folgende Regeln gelten:
Gültigkeit bis zum 31.12.2021–falls der Gutschein bis dahin nicht eingelöst wurde, der Wert zu erstatten.
Da Art. 8 Abs. 1 a) der Fluggastrechte-Verordnung in der EU-Verordnung 261/2004 klar geregelt ist, haben sich deutsche Ministerien an die zuständige EU-Kommission gewendet.
Sie wollten eine Anpassung dieser Rechte an die aktuelle Situation. Jetzt werden eventuell die Airlines noch mit einer Verwaltungsvorschrift unterstützt—auf etwas längere Sicht gesehen, werden die schon geplanten Anpassungen der Fluggast-Rechteverordnung den Airlines helfen. Doch es gibt einen Ausweg...
Die EU bleibt mit der Erstattungspflicht auf Ihrer Seite
Derzeit (4.4.2020) ist die EU-Kommission noch gegen eine Einschränkung der Erstattungspflicht für Flugtickets. Laut, für den Verbraucherschutz zuständigen, EU-Kommissar Didier Reynders wurden die Airlines bereits an die Pflicht zur Erstattung von Ticketkosten erinnert, denn diese haben nicht das Recht statt einer Kostenerstattung den Reisenden nur Gutscheine anzubieten. Dies ist ein europäisches Recht, doch auch diese Einstellung kann sich schnell ändern—Sie sollten also dem Rückerstattungsanspruch so bald wie möglich nachgehen!
Nun stellt sich die Frage, ob sie nach Art. 7 der VO 261/2004 auch eine pauschale Entschädigung (zwischen 250,- und 600,- EUR) neben der Flugticketerstattung beantragen können. Diese kann grundsätzlich dann gefordert werden, wenn die Fluggesellschaft Sie nicht 14 Tage vor dem geplanten Flug über dessen Ausfall informiert hat.
Corona-Virus als außergewöhnlicher Umstand?
Ihr Anspruch auf Entschädigung hängt davon ab, ob Corona-Virus und dessen Auswirkungen als außergewöhnlicher Umstand gelten. Nach Art. 5 Abs. 3 der VO 261/2004 muss hier unterschieden werden:
1. Flughafenschließung
Die Sperrung von Flughäfen und kompletten Regionen zählt definitiv als ein außergewöhnlicher Umstand. Demnach haben Sie durch den Corona-Virus leider keinen Anspruch auf eine pauschale Entschädigung.
2. Einstellung und Reduzierung des Flugbetriebes
Vor allem die Lufthansa hat schon sehr früh auf die Corona-Krise reagiert und einige Flugverbindungen wegen geringer Auslastung gestrichen. Dies ist ein wirtschaftlicher Beweggrund der Airline und macht sie somit eigentlich entschädigungspflichtig.
Allerdings hat die Europäische Kommission am 18.3.2020 eine Mitteilung zur Auslegung der EU-Verordnungen über Passagierrechte im Zusammenhang mit Covid-19 vorgestellt. Grundsätzlich wurde darin festgelegt, dass behördliche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie als außergewöhnlicher Umstand gelten.
Wann jedoch eine Flugstreichung in diese Kategorie fällt kann schwer zu sagen sein, da die Fluggesellschaft trotzdem weiterhin bestmöglich versuchen muss eine Annullierung zu vermeiden.
Eine solche Stornierung gilt dann als außergewöhnlicher Umstand, wenn bestimmte Flug oder der Passagierverkehr durch Regelungen der Behörden unmöglich durchzuführen wäre.
Laut der Europäischen Kommission reicht es für eine Flug-Annullierung auch aus , wenn der Passagierverkehr nicht vollkommen, sondern nur teilweise eingeschränkt ist, wie beispielsweise bei Ausnahmeregelungen für bestimmte Passagiere. Zum Beispiel gilt in den USA ein Einreiseverbot aus den Schengen-Staaten, mit Ausnahme von v.a. US-Bürgern. Wenn sich also kein US-Bürger für einen Flug von z.B. Berlin-New York einfindet, müsste dieser entweder leer stattfinden oder annulliert werden. Die Fluggesellschaft darf einen solchen Flug daher auch schon frühzeitig annullieren und muss nicht warten, ob doch ein US-Bürger eincheckt.
Das selbe würde auch für einen Flug von New York nach Berlin gelten. Wenn der Hin-Flug leer stattfinden müsste, darf die Fluggesellschaft auch den Rück-Flug annullieren.
Nach der Kommission gilt es auch als außergewöhnlicher Umstand, wenn die Fluggesellschaft Flüge annulliert um ihre Besatzung vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen.
Das ist für die Airlines natürlich ein beliebtes Argument.
Die Leitlinien der Kommission sind nicht abschließend und es kann daher in einzelnen Fällen auch zu anderen außergewöhnlichen Umständen kommen.
Letztendlich kommt es im Einzelfall immer auf die Gerichte an. Diese müssen sich aber nicht unbedingt an die Leitlinien der Kommission halten, da sie nicht bindend sind. Erfahrungsgemäß werden sich die deutschen Gerichte aber an diese Leitlinien halten.
Bei der Entscheidung ob im Einzelfall nun ein außergewöhnlicher Umstand vorliegt, muss man folgendes beachten:
Einige Fluggesellschaften habe ihren Flugbetrieb möglichst lange aufrechterhalten, um ihre Passagiere wieder zurück fliegen zu können.
Andere Fluggesellschaften wie die Lufthansa hingegen haben ihre Flüge schon früh annulliert. Somit mussten die Passagiere auf eigene Kosten, mit einer anderen Airline wieder zurückreisen.
Nach Art. 8 der VO 261/2004 ist dieses Verhalten eine Verletzung der Pflicht zur Rückbeförderung der eigenen Passagiere.
Diese Airlines handelten dabei natürlich aus wirtschaftlichen Gründen und auch um länger mehr liquide Mittel verfügbar zu haben, als andere. Aus dieser Sicht sollten die Gerichte also nicht zu schnell einen außergewöhnlichen Umstand feststellen. Sonst würden Airlines, die ihre Pflichten im Umgang mit den Passagieren verletzt haben, auch noch mit einer Belohnung davonkommen.
Falls Ihnen eine Airline doch eine pauschale Entschädigung schuldet, so muss diese zusätzlich noch die Kosten der Tickets rückerstatten. Nach Art. 12 Abs. 1 S. 2 der VO 261/2004 dürfen diese Ticketkosten also nicht bei der Entschädigung angerechnet werden!

References: Art.8
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 Art. 8
 Art. 8
 Art. 7
 Art. 5
 Art. 8
 Art. 12