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Timestamp: 2018-12-16 19:55:32+00:00

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BAG, Urteil vom 04.08.2011, 6 AZR 436/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 04.08.2011, 6 AZR 436/10
Schlagworte: Formulararbeitsvertrag
Aktenzeichen: 6 AZR 436/10
Entscheidungsdatum: 04.08.2011
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Halle, Urteil vom 4.08.2009, 4 Ca 493/09
1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 1. Ju­ni 2010 - 6 Sa 391/09 - wird zurück­ge­wie­sen.
ei­ner Frist von ........................................ kündi­gen. Die ers­ten
3 Wo­chen/Mo­na­te des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­ten als Pro­be­zeit. Während der Pro­be­zeit kann das Ar­beits­verhält­nis bei­der­seits gekündigt wer­den mit ei­ner Frist von zwei Wo­chen.“
In ei­nem zwei­ten Rah­men heißt es:
trags­part­ner mit ei­ner Frist von .............................................. kündi­gen“ ste­he der An-
nah­me ent­ge­gen, dass für die Zeit nach Ab­lauf der Pro­be­zeit die Künd­bar­keit des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­ein­bart wor­den sei. Der Satz­teil „mit ei­ner Frist von“ sei nicht ge­stri­chen wor­den. Für das Verständ­nis, dass das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nach Ab­lauf der Pro­be­zeit nicht der or­dent­li­chen Kündi­gung un­ter­le­gen sei, spre­che darüber hin­aus die äußere Ge­stal­tung des For­mu­lars. Die im ers­ten Rah­men ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen sei­en für be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se ge­dacht, die Ver­ein­ba­run­gen im zwei­ten Rah­men für un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se. Die Pas­sa­gen zur Künd­bar­keit nach Ab­lauf der Pro­be­zeit ver­stießen je­den­falls ge­gen das Ver­bot wi­der­strei­ten­der Re­ge­lun­gen. Während der Ver­trags­text im ers­ten Rah­men den Ein­druck er­we­cke, es ge­be kei­ne Kündi­gungsmöglich­keit, wer­de in der über­ra­schen­den Klau­sel in der zwei­ten Pas­sa­ge im Wi­der­spruch da­zu die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist ein­geführt.
wo­nach beim Ab­schluss des Ar­beits­ver­trags nur über die Künd­bar­keit des Ar­beits­verhält­nis­ses während der Pro­be­zeit ge­spro­chen wor­den sei.
I. Das bis zum 31. Ok­to­ber 2009 be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis ist durch die
a) In § 2 des For­mu­lar­ar­beits­ver­trags ist die Re­ge­lung an­ge­kreuzt: „Für
die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses - nach Ab­lauf der Pro­be­zeit - gilt die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist.“ Da­mit ha­ben die Par­tei­en aus­drück­lich die or­dent­li­che Künd­bar­keit des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ein­zel­ver­trag­lich im Sin­ne von § 15 Abs. 3 Tz­B­fG ver­ein­bart.
b) Oh­ne Be­deu­tung ist, dass die Ver­ein­ba­rung über die bei­der­sei­ti­ge
Kündi­gungsmöglich­keit im zwei­ten Rah­men des § 2 des Ar­beits­ver­trags ge­trof­fen wur­de. Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin sind die im ers­ten Rah­men ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen nicht nur für be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se ge­dacht und die im zwei­ten Rah­men vor­ge­se­he­nen Ver­ein­ba­run­gen nicht aus­sch­ließlich für un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se. Für ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rungs­ab­sicht des Her­aus­ge­bers des Ver­trags­for­mu­lars oder der Par­tei­en fehlt je­der An­halts­punkt im Wort­laut der vor­for­mu­lier­ten Re­ge­lun­gen. Ge­gen das Verständ­nis der Kläge­rin spricht, dass der ers­te Rah­men des § 2 des Ar­beits­ver­trags außer den
vor­ge­se­he­nen Re­ge­lun­gen zur Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auch lee­re Fel­der zum Einfügen der vom Ar­beit­neh­mer aus­zuüben­den Tätig­keit und des Zeit­punkts des Dienst­an­tritts enthält. An­ga­ben zur Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers und zum Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses sind so­wohl bei be­fris­te­ten als auch bei un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen glei­cher­maßen üblich. Dem Verständ­nis, dass die Re­ge­lun­gen im ers­ten Rah­men nur für be­fris­te­te und die im zwei­ten Rah­men aus­sch­ließlich für un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se gel­ten, steht darüber hin­aus ent­ge­gen, dass dann nach dem Ver­trags­mus­ter Pro­be­zeit­ab­re­den nur bei be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen möglich wären. Ein sol­ches Aus­le­gungs­er­geb­nis über­zeugt schon des­halb nicht, weil Pro­be­zeit­ver­ein­ba­run­gen auch und ge­ra­de bei un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen üblich sind.
Ver­trags­part­ner mit ei­ner Frist von ............................................ kündi­gen“ un­klar oder
un­verständ­lich im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Die­se Re­ge­lung be­gründet auch kei­ne Zwei­fel bei der Aus­le­gung der ver­trag­li­chen Kündi­gungs­re­ge­lung, die nach § 305c Abs. 2 BGB zu Las­ten der Be­klag­ten als Ver-wen­de­rin des Ver­trags­mus­ters gin­gen. Die Wor­te „Während die­ser Zeit“ be­zie­hen sich ein­deu­tig auf die im vor­ste­hen­den Satz ge­nann­te Zeit bis zum 31. Ok­to­ber 2009 und er­fas­sen so­mit die ge­sam­te Dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Da­mit stimmt die Re­ge­lung mit der nach­fol­gen­den Ver­ein­ba­rung übe­rein, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nach Ab­lauf der Pro­be­zeit gekündigt wer­den kann. Wenn die Par­tei­en da­von ab­ge­se­hen ha­ben, das lee­re Feld aus­zufüllen und in die­ses kei­ne Frist für die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein­ge­tra­gen ha­ben, kann dar­aus nicht ab­ge­lei­tet wer­den, dass sie da­mit die or­dent­li­che Künd­bar­keit des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses für die Zeit nach Ab­lauf der Pro­be­zeit nicht ver­ein­ba­ren woll­ten. Nach ih­rem Wil­len soll­te die Kündi­gungs­frist während der Pro­be­zeit zwei Wo­chen be­tra­gen und nach der Pro­be­zeit die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist gel­ten. Da die Wor­te „Während die­ser Zeit“ die ge­sam­te Dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses er­fas­sen, hätten die Par­tei­en beim Ausfüllen des lee­ren Fel­des im Satz „Während die­ser Zeit
können bei­de Ver­trags­part­ner mit ei­ner Frist von ....................................... kündi­gen“
a) Im ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils­ver­fah­ren gel­ten wie im Zi­vil­pro­zess die
Dis­po­si­ti­ons­ma­xi­me und der Ver­hand­lungs- und Bei­brin­gungs­grund­satz. Dies be­wirkt, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt grundsätz­lich nur die von den Par­tei­en vor­ge­brach­ten Tat­sa­chen ver­wer­ten durf­te (BAG 13. De­zem­ber 2007 - 2 AZR 537/06 - Rn. 24, AP BGB § 626 Nr. 210 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 20). Im Übri­gen hat die Kläge­rin nicht dar­ge­tan, wel­chen Gesprächs­in­halt das Lan­des­ar­beits­ge­richt hätte er­mit­teln müssen und in­wie­fern es die­sen bei der Aus­le­gung der Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en zur or­dent­li­chen Künd­bar­keit des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses hätte berück­sich­ti­gen dürfen.
b) All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt
und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. Der tra­gen­de Grund für ei­ne Aus­le­gung nach ei­nem ob­jek­tiv-ge­ne­ra­li­sie­ren­den Maßstab liegt dar­in, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders auf den In­halt der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die für ei­ne Viel­zahl von Fall­ge­stal­tun­gen vor­for­mu­liert wor­den sind und ge­ra­de un­abhängig von den Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­falls zur An­wen­dung kom­men sol­len, kei­nen Ein­fluss neh­men kann (BAG 19. März 2009 - 6 AZR 557/07 - Rn. 21 mwN, AP BGB § 611 Ar­beit­ge­ber­dar­le­hen Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 305c Nr. 17). Für das Aus­le­gungs­er­geb­nis von Be­deu­tung ist auch der von den Ver­trags­par­tei­en ver­folg­te ty­pi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Re­ge­lungs­zweck (st. Rspr., vgl. BAG 15. Fe­bru­ar 2011 - 3 AZR 35/09 - Rn. 35; 19. Mai 2010 - 5 AZR 253/09 - Rn. 30 mwN, AP BGB § 310 Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 310 Nr. 10; 31. Au­gust 2005 - 5 AZR 545/04 - Rn. 39, BA­GE 115, 372). Ei­ne Fol­ge der ob­jek­ti­ven, ty­pi­sier­ten Aus­le­gung ist es, dass Umstände, die al­lein den kon­kre­ten Ver­trags­part­nern be­kannt wa­ren oder die den be­son­de­ren Ein­zel­fall kenn­zeich­nen, bei der Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen grundsätz­lich nicht her­an­ge­zo­gen wer­den dürfen. Dies er­gibt sich auch aus § 310 Abs. 3 Nr. 3 BGB, wo­nach die den Ver­trags­schluss be­glei­ten­den Umstände nur bei der Prüfung der un­an-
ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung nach § 307 Abs. 1 und Abs. 2 BGB zu berück­sich­ti­gen sind (vgl. BAG 15. Fe­bru­ar 2011 - 3 AZR 35/09 - Rn. 39; 15. Ju­ni 2010 - 3 AZR 334/06 - Rn. 26, AP Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 31 = EzA Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 9; 18. Mai 2010 - 3 AZR 373/08 - Rn. 37, AP ArbGG 1979 § 66 Nr. 37 = EzA BGB 2002 § 310 Nr. 9; 7. De­zem­ber 2005 - 5 AZR 535/04 - Rn. 41, BA­GE 116, 267).
Rei­ner Koch Au­gat
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References: § 2
 § 15
 § 2
 § 2
 § 307
 § 305
 § 626
 § 626
 § 611
 § 305
 § 310
 § 310
 § 310
 § 307
 § 1
 § 1
 § 66
 § 310