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Timestamp: 2020-07-09 01:03:33+00:00

Document:
Lawbrary | BGBB - Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht
Zweck und Gegenstand (1 - 1)
Geltungsbereich (2 - 5)
Begriffe (6 - 10)
Im allgemeinen (11 - 24)
Kaufsrecht von Verwandten (25 - 27)
Gewinnanspruch der Miterben (28 - 35)
Aufhebung von vertraglich begründetem gemeinschaftlichem Eigentum (36 - 39)
Allgemeine Verfügungsbeschränkungen bei Veräusserungen (40 - 41)
Vorkaufsrecht der Verwandten (42 - 46)
Vorkaufsrecht des Pächters (47 - 48)
Vorkaufsrecht an Miteigentumsanteilen (49 - 49)
Gemeinsame Bestimmungen zu den bundesrechtlichen Vorkaufsrechten (50 - 55)
Kantonale Vorkaufsrechte (56 - 56)
Grenzverbesserungen (57 - 57)
Öffentlich-rechtliche Beschränkungen des Verkehrs mit landwirtschaftlichen Gewerben und Grundstücken
Realteilung landwirtschaftlicher Gewerbe und Zerstückelung landwirtschaftlicher Grundstücke (58 - 60)
Erwerb von landwirtschaftlichen Gewerben und Grundstücken (61 - 69)
Zivil- und verwaltungsrechtliche Folgen (70 - 72)
Massnahmen zur Verhütung der Überschuldung (73 - 79)
Verfahren, Rechtsschutz
Allgemeine Bestimmungen (80 - 85)
Besondere Bestimmungen (86 - 87)
Rechtsschutz (88 - 89)
Vollzug (90 - 91)
Änderung und Aufhebung von Bundesrecht (92 - 93)
Übergangsrecht (94 - 95)
Referendum und Inkrafttreten (96 - 96)
1Die­ses Ge­setz bezweckt:
das bäu­er­li­che Grund­ei­gen­tum zu för­dern und na­ment­lich Fa­mi­li­en­be­trie­be als Grund­la­ge ei­nes ge­sun­den Bau­ern­stan­des und ei­ner leis­tungs­fä­hi­gen, auf ei­ne nach­hal­ti­ge Bo­den­be­wirt­schaf­tung aus­ge­rich­te­ten Land­wirt­schaft zu er­hal­ten und ih­re Struk­tur zu ver­bes­sern;
die Stel­lung des Selbst­be­wirt­schaf­ters ein­sch­liess­lich die­je­ni­ge des Päch­ters beim Er­werb land­wirt­schaft­li­cher Ge­wer­be und Grund­stücke zu stär­ken;
über­setz­te Prei­se für land­wirt­schaft­li­chen Bo­den zu be­kämp­fen.
2Das Ge­setz ent­hält Be­stim­mun­gen über:
den Er­werb von land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­ben und Grund­stücken;
die Ver­pfän­dung von land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücken;
die Tei­lung land­wirt­schaft­li­cher Ge­wer­be und die Zer­stücke­lung land­wirt­schaft­li­cher Grund­stücke.
1Die­ses Ge­setz gilt für ein­zel­ne oder zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ge­hö­ren­de land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke:
die aus­ser­halb ei­ner Bau­zo­ne nach Ar­ti­kel 15 des Raum­pla­nungs­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 19791 lie­gen; und
für wel­che die land­wirt­schaft­li­che Nut­zung zu­läs­sig ist.2
2Das Ge­setz gilt fer­ner für:
Grund­stücke und Grund­stücks­tei­le mit land­wirt­schaft­li­chen Ge­bäu­den und An­la­gen, ein­sch­liess­lich an­ge­mes­se­nen Um­schwungs, die in ei­ner Bau­zo­ne lie­gen und zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ge­hö­ren;
Wald­grund­stücke, die zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ge­hö­ren;
Grund­stücke, die teil­wei­se in­ner­halb ei­ner Bau­zo­ne lie­gen, so­lan­ge sie nicht ent­spre­chend den Nut­zungs­zo­nen auf­ge­teilt sind;
Grund­stücke mit ge­misch­ter Nut­zung, die nicht in einen land­wirt­schaft­li­chen und einen nicht­land­wirt­schaft­li­chen Teil auf­ge­teilt sind.
3Das Ge­setz gilt nicht für Grund­stücke von we­ni­ger als 15 Aren Reb­land oder 25 Aren an­de­rem Land, die nicht zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ge­hö­ren.3
4Das Ge­setz gilt in Ab­wei­chung von Ab­satz 3 für klei­ne Grund­stücke im Bei­zugs­ge­biet ei­ner Landum­le­gung, vom Zeit­punkt der Grün­dung und Be­schluss­fas­sung bis zum Zeit­punkt der Grund­buchein­tra­gung des neu­en Be­sitz­stan­des.4
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
4 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 22. März 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3463 3863; BBl 2012 2075).
1Für Mit­ei­gen­tumsan­tei­le an land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücken gel­ten die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes über die land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücke, so­weit das Ge­setz nichts an­de­res vor­sieht.
2Für Grund­stücke, die zu ei­nem nicht­land­wirt­schaft­li­chen Ne­ben­ge­wer­be ge­hö­ren, das mit ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be eng ver­bun­den ist, gel­ten die Ar­ti­kel 15 Ab­satz 2 und 51 Ab­satz 2.
3Die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes über den Ge­winn­an­spruch gel­ten für al­le Ge­wer­be und Grund­stücke, die der Ver­äus­se­rer zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung er­wor­ben hat.
4Die Be­stim­mun­gen über die Grenz­ver­bes­se­run­gen (Art. 57) gel­ten auch für klei­ne Grund­stücke (Art. 2 Abs. 3).1
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 22. März 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3463 3863; BBl 2012 2075).
1Für Grund­stücke, die für sich al­lein oder zu­sam­men mit an­dern Grund­stücken ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be bil­den, gel­ten die be­son­de­ren Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes über die land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be.
2Die Be­stim­mun­gen über die land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be gel­ten auch für ei­ne Mehr­heits­be­tei­li­gung an ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, de­ren Ak­ti­ven zur Haupt­sa­che aus ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be be­ste­hen.
3Die Be­stim­mun­gen über land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be gel­ten nicht für land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke, die:
zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ge­mä­ss Ar­ti­kel 8 ge­hö­ren;
mit Ge­neh­mi­gung der Be­wil­li­gungs­be­hör­de vom land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ab­ge­trennt wer­den dür­fen.
Die Kan­to­ne kön­nen:
land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 7 hin­sicht­lich der Stan­dard­ar­beits­kräf­te nicht er­fül­len, den Be­stim­mun­gen über die land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be un­ter­stel­len; die mi­ni­ma­le Be­triebs­grös­se ist da­bei in ei­nem Bruch­teil ei­ner Stan­dard­ar­beits­kraft fest­zu­le­gen und darf 0,6 Stan­dard­ar­beits­kräf­te nicht un­ter­schrei­ten;
die An­wen­dung die­ses Ge­set­zes auf An­teils- und Nut­zungs­rech­te an All­men­den, Al­pen, Wald und Wei­den, die im Ei­gen­tum von All­mend­ge­nos­sen­schaf­ten, Al­p­ge­nos­sen­schaf­ten, Wald­kor­po­ra­tio­nen oder ähn­li­chen Kör­per­schaf­ten ste­hen, aus­sch­lies­sen, es sei denn, die­se Rech­te ge­hö­ren zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be, für das die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes über die land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be gel­ten.
1Als land­wirt­schaft­lich gilt ein Grund­stück, das für die land­wirt­schaft­li­che oder gar­ten­bau­li­che Nut­zung ge­eig­net ist.
2Als land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke gel­ten auch An­teils- und Nut­zungs­rech­te an All­men­den, Al­pen, Wald und Wei­den, die im Ei­gen­tum von All­mend­ge­nos­sen­schaf­ten, Al­p­ge­nos­sen­schaf­ten, Wald­kor­po­ra­tio­nen oder ähn­li­chen Kör­per­schaf­ten ste­hen.
1Als land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be gilt ei­ne Ge­samt­heit von land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücken, Bau­ten und An­la­gen, die als Grund­la­ge der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on dient und zu de­ren Be­wirt­schaf­tung, wenn sie lan­des­üb­lich ist, min­des­tens ei­ne Stan­dard­ar­beits­kraft nö­tig ist. Der Bun­des­rat legt die Fak­to­ren und die Wer­te für die Be­rech­nung ei­ner Stan­dard­ar­beits­kraft in Ab­stim­mung mit dem Land­wirt­schafts­recht fest.1
2Un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen gel­ten auch Be­trie­be des pro­du­zie­ren­den Gar­ten­baus als land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be.
3Bei der Be­ur­tei­lung, ob ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be vor­liegt, sind die­je­ni­gen Grund­stücke zu be­rück­sich­ti­gen, die die­sem Ge­setz un­ter­stellt sind (Art. 2).
4Zu­dem sind zu be­rück­sich­ti­gen:
die ört­li­chen Ver­hält­nis­se;
die Mög­lich­keit, feh­len­de be­triebs­not­wen­di­ge Ge­bäu­de zu er­stel­len oder vor­han­de­ne um­zu­bau­en, in­stand zu stel­len oder zu er­set­zen, wenn die ent­spre­chen­den Auf­wen­dun­gen für den Be­trieb trag­bar sind;
die für län­ge­re Dau­er zu­ge­pach­te­ten Grund­stücke.
4bisBei der Be­ur­tei­lung, ob Ei­gen­tum an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be im Sin­ne der Ar­ti­kel 21, 36 Ab­satz 2, 42 Ab­satz 2, 47 Ab­satz 2 und 49 Ab­satz 2 vor­liegt, sind die Grund­stücke nach Ab­satz 4 Buch­sta­be c eben­falls zu be­rück­sich­ti­gen.2
5Ein ge­misch­tes Ge­wer­be gilt als land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be, wenn es über­wie­gend land­wirt­schaft­li­chen Cha­rak­ter hat.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Sept. 2008 (AS 2008 3585; BBl 2006 6337).
2 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 22. März 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3463 3863; BBl 2012 2075).
Art. 8 Landwirtschaftliches Gewerbe; besondere Fälle
Die Be­stim­mun­gen über die ein­zel­nen land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücke fin­den auf ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be An­wen­dung, wenn es:
seit mehr als sechs Jah­ren recht­mäs­sig ganz oder weit­ge­hend par­zel­len­wei­se ver­pach­tet ist und die­se Ver­pach­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 31 Ab­satz 2 Buch­sta­ben e und f des Bun­des­ge­set­zes vom 4. Ok­to­ber 19852 über die land­wirt­schaft­li­che Pacht we­der vor­über­ge­hen­den Cha­rak­ter hat noch aus per­sön­li­chen Grün­den er­folgt ist;
un­ab­hän­gig von sei­ner Grös­se we­gen ei­ner un­güns­ti­gen Be­triebss­truk­tur nicht mehr er­hal­tungs­wür­dig ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
1 Selbst­be­wirt­schaf­ter ist, wer den land­wirt­schaft­li­chen Bo­den sel­ber be­ar­bei­tet und, wenn es sich um ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be han­delt, die­ses zu­dem per­sön­lich lei­tet.1
2Für die Selbst­be­wirt­schaf­tung ge­eig­net ist, wer die Fä­hig­kei­ten be­sitzt, die nach lan­des­üb­li­cher Vor­stel­lung not­wen­dig sind, um den land­wirt­schaft­li­chen Bo­den sel­ber zu be­ar­bei­ten und ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be per­sön­lich zu lei­ten.
1Der Er­trags­wert ent­spricht dem Ka­pi­tal, das mit dem Er­trag ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder Grund­stücks bei lan­des­üb­li­cher Be­wirt­schaf­tung zum durch­schnitt­li­chen Zins­satz für ers­te Hy­po­the­ken ver­zinst wer­den kann. Für die Fest­stel­lung des Er­trags und des Zins­sat­zes ist auf das Mit­tel meh­re­rer Jah­re (Be­mes­sungs­pe­ri­ode) ab­zu­stel­len.
2Der Bun­des­rat re­gelt die Art der Be­rech­nung, die Be­mes­sungs­pe­ri­ode und die Ein­zel­hei­ten der Schät­zung.
3Nicht­land­wirt­schaft­lich ge­nutz­te Flä­chen, Ge­bäu­de und An­la­gen oder Tei­le da­von wer­den mit dem Er­trags­wert, der sich aus ih­rer nicht­land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung er­gibt, in die Schät­zung ein­be­zo­gen.1
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 20. März 1998 (AS 2000 2042; BBl 1996 III 513). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
Art. 10a Eingetragene Partnerschaften
Die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes für Ehe­gat­ten und für die Woh­nung der Fa­mi­lie gel­ten für ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaf­ten sinn­ge­mä­ss.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 9 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
1Be­fin­det sich in der Erb­schaft ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be, so kann je­der Er­be ver­lan­gen, dass ihm die­ses in der Erb­tei­lung zu­ge­wie­sen wird, wenn er es sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint.
2Ver­langt kein Er­be die Zu­wei­sung zur Selbst­be­wirt­schaf­tung oder er­scheint der­je­ni­ge, der die Zu­wei­sung ver­langt, als un­ge­eig­net, so kann je­der pflicht­teils­ge­schütz­te Er­be die Zu­wei­sung ver­lan­gen.
3Wird das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be ei­nem an­dern Er­ben als dem über­le­ben­den Ehe­gat­ten zu­ge­wie­sen, so kann die­ser ver­lan­gen, dass ihm auf An­rech­nung an sei­ne An­sprü­che die Nutz­nies­sung an ei­ner Woh­nung oder ein Wohn­recht ein­ge­räumt wird, wenn es die Um­stän­de zu­las­sen. Die Ehe­gat­ten kön­nen die­sen An­spruch durch einen öf­fent­lich be­ur­kun­de­ten Ver­trag än­dern oder aus­sch­lies­sen.
1Hin­ter­lässt der Erb­las­ser als Er­ben min­der­jäh­ri­ge1 Nach­kom­men, so müs­sen die Er­ben die Er­ben­ge­mein­schaft wei­ter be­ste­hen las­sen, bis ent­schie­den wer­den kann, ob ein Nach­kom­me das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­nimmt.
2Er­füllt je­doch im Zeit­punkt des Erb­gangs ein ge­setz­li­cher Er­be die Vor­aus­set­zun­gen zur Selbst­be­wirt­schaf­tung, so ist das Ge­wer­be die­sem zu­zu­wei­sen.
3Ist das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be auf län­ge­re Zeit ver­pach­tet und will es ein Er­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men, so kann er ver­lan­gen, dass der Ent­scheid über die Zu­wei­sung bis spä­tes­tens ein Jahr vor Ab­lauf des Pacht­ver­tra­ges auf­ge­scho­ben wird.
1 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 9 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
Be­fin­det sich in der Erb­schaft ein Mit­ei­gen­tumsan­teil an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be, so kann je­der Er­be un­ter den Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen er die Zu­wei­sung des Ge­wer­bes ver­lan­gen könn­te, die Zu­wei­sung des Mit­ei­gen­tumsan­teils dar­an be­an­spru­chen.
1Be­fin­det sich in der Erb­schaft ei­ne ver­erb­li­che Be­tei­li­gung an ei­nem Ge­samt­hands­ver­hält­nis, so kann je­der Er­be un­ter den Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen er die Zu­wei­sung des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes gel­tend ma­chen könn­te, ver­lan­gen, dass er an Stel­le des Ver­stor­be­nen Ge­samt­hän­der wird.
2Be­fin­det sich in der Erb­schaft ei­ne Be­tei­li­gung an ei­nem Ge­samt­hands­ver­hält­nis und wird die­ses durch den Tod ei­nes Ge­samt­hän­ders auf­ge­löst, so kann je­der Er­be un­ter den Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen er die Zu­wei­sung des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes gel­tend ma­chen könn­te, ver­lan­gen, dass er an Stel­le des Ver­stor­be­nen an der Li­qui­da­ti­on des Ge­samt­hands­ver­hält­nis­ses mit­wirkt.
1Der Er­be, der die Zu­wei­sung des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes zur Selbst­be­wirt­schaf­tung gel­tend macht, kann zu­dem ver­lan­gen, dass ihm das Be­triebs­in­ven­tar (Vieh, Ge­rät­schaf­ten, Vor­rä­te usw.) zu­ge­wie­sen wird.
2Ist mit ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ein nicht­land­wirt­schaft­li­ches Ne­ben­ge­wer­be eng ver­bun­den, so kann der Er­be, der einen An­spruch auf Zu­wei­sung gel­tend macht, die Zu­wei­sung bei­der Ge­wer­be ver­lan­gen.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
1Das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be wird dem selbst­be­wirt­schaf­ten­den Er­ben zum Er­trags­wert an den Erb­teil an­ge­rech­net.
2Das Be­triebs­in­ven­tar ist zum Nutz­wert und das nicht­land­wirt­schaft­li­che Ne­ben­ge­wer­be zum Ver­kehrs­wert an­zu­rech­nen.
1Er­gibt sich bei der An­rech­nung zum Er­trags­wert ein Über­schuss an Erb­schaftspas­si­ven, so wird der An­rech­nungs­wert ent­spre­chend er­höht, höchs­tens aber bis zum Ver­kehrs­wert.
2Die Mit­er­ben kön­nen fer­ner ei­ne an­ge­mes­se­ne Er­hö­hung des An­rech­nungs­werts ver­lan­gen, wenn be­son­de­re Um­stän­de es recht­fer­ti­gen.
3Als be­son­de­re Um­stän­de gel­ten na­ment­lich der hö­he­re An­kaufs­wert des Ge­wer­bes oder er­heb­li­che In­ves­ti­tio­nen, die der Erb­las­ser in den letz­ten zehn Jah­ren vor sei­nem Tod ge­tä­tigt hat.
1Er­fül­len meh­re­re Er­ben die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­wei­sung des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes, so kann der Erb­las­ser durch letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung oder durch Erb­ver­trag einen von ih­nen als Über­neh­mer be­zeich­nen.
2Der Erb­las­ser kann ei­nem pflicht­teils­ge­schütz­ten Er­ben, der das Ge­wer­be sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint, den An­spruch auf Zu­wei­sung nicht ent­zie­hen zu­guns­ten ei­nes Er­ben, der das Ge­wer­be nicht sel­ber be­wirt­schaf­ten will oder da­für nicht als ge­eig­net er­scheint, oder zu­guns­ten ei­nes ein­ge­setz­ten Er­ben.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die Enter­bung und der Erb­ver­zicht.
1Hat der Erb­las­ser kei­nen Er­ben als Über­neh­mer be­zeich­net, so geht der Zu­wei­sungs­an­spruch ei­nes pflicht­teil­ge­schütz­ten Er­ben demje­ni­gen ei­nes an­de­ren Er­ben vor.
2Im Üb­ri­gen sind die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Er­ben für die Zu­wei­sung mass­ge­bend.
1Be­fin­det sich in der Erb­schaft ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück, das nicht zu ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ge­hört, so kann ein Er­be des­sen Zu­wei­sung zum dop­pel­ten Er­trags­wert ver­lan­gen, wenn er Ei­gen­tü­mer ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes ist oder über ein sol­ches wirt­schaft­lich ver­fügt und das Grund­stück im orts­üb­li­chen Be­wirt­schaf­tungs­be­reich die­ses Ge­wer­bes liegt.
2Die Be­stim­mun­gen über die Er­hö­hung des An­rech­nungs­werts bei land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­ben und die Be­schrän­kung der Ver­fü­gungs­frei­heit gel­ten sinn­ge­mä­ss.
1Wird in der Erb­tei­lung ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be ei­nem Er­ben zur Selbst­be­wirt­schaf­tung zu­ge­wie­sen, so darf er es wäh­rend zehn Jah­ren nur mit Zu­stim­mung der Mit­er­ben ver­äus­sern.
2Kei­ne Zu­stim­mung ist nö­tig, wenn:
ein Nach­kom­me das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be er­wirbt, der es sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint;
der Er­be das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be dem Ge­mein­we­sen zur Er­fül­lung ei­ner öf­fent­li­chen Auf­ga­be ge­mä­ss Ar­ti­kel 65 ver­äus­sert oder wenn es ihm zwangs­wei­se ent­zo­gen wird;
der Er­be mit Ge­neh­mi­gung der Be­wil­li­gungs­be­hör­de ein­zel­ne land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke oder Grund­stücks­tei­le ver­äus­sert (Art. 60).
1Gibt ein Er­be oder sein Nach­kom­me, an den das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be über­tra­gen wor­den ist, in­nert zehn Jah­ren die Selbst­be­wirt­schaf­tung end­gül­tig auf, so hat je­der Mit­er­be, der das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint, ein Kaufs­recht.
2Der Er­be, ge­gen­über dem das Kaufs­recht aus­ge­übt wird, hat An­spruch auf den Preis, zu dem ihm das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be in der Erb­tei­lung an­ge­rech­net wor­den ist. Er hat zu­dem An­spruch auf Ent­schä­di­gung für die wert­ver­meh­ren­den Auf­wen­dun­gen; die­se sind zum Zeit­wert zu be­rech­nen.
3Das Kaufs­recht ist ver­erb­lich, aber nicht über­trag­bar. Es er­lischt drei Mo­na­te, nach­dem der Kaufs­be­rech­tig­te von der Auf­ga­be der Selbst­be­wirt­schaf­tung Kennt­nis er­hal­ten hat, spä­tes­tens aber zwei Jah­re nach­dem die Selbst­be­wirt­schaf­tung auf­ge­ge­ben wor­den ist.
4Das Kaufs­recht kann nicht gel­tend ge­macht wer­den, wenn:
ein Nach­kom­me das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men will und da­für als ge­eig­net er­scheint;
der Er­be stirbt und ei­ner sei­ner Er­ben das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men will und da­für als ge­eig­net er­scheint;
5Wird die Selbst­be­wirt­schaf­tung we­gen Un­fall oder Krank­heit auf­ge­ge­ben und hat der Ei­gen­tü­mer min­der­jäh­ri­ge Nach­kom­men, so kann das Kaufs­recht so­lan­ge nicht gel­tend ge­macht wer­den, bis ent­schie­den wer­den kann, ob ein Nach­kom­me das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men kann.
1Be­fin­det sich in der Erb­schaft ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be, so steht, so­fern sie ge­eig­ne­te Selbst­be­wirt­schaf­ter sind, ein Kaufs­recht zu:
je­dem Nach­kom­men, der nicht Er­be ist;
je­dem Ge­schwis­ter und Ge­schwis­ter­kind, das nicht Er­be ist, aber beim Ver­kauf des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes ein Vor­kaufs­recht gel­tend ma­chen könn­te.
2Ar­ti­kel 11 Ab­satz 3 gilt sinn­ge­mä­ss.
1Das Kaufs­recht kann nicht gel­tend ge­macht wer­den, wenn:
das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be bei der Erb­tei­lung ei­nem ge­setz­li­chen Er­ben zu­ge­wie­sen wird, der es sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint;
die Er­ben­ge­mein­schaft das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be ei­nem Nach­kom­men des Ver­stor­be­nen über­trägt, der es sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint, oder
2Kon­kur­riert das Kaufs­recht mit ei­nem erbrecht­li­chen Zu­wei­sungs­an­spruch nach Ar­ti­kel 11 Ab­satz 1, so sind die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se für die Zu­wei­sung mass­ge­bend.
3Hin­ter­lässt der Erb­las­ser min­der­jäh­ri­ge Nach­kom­men, so kann das Kaufs­recht so­lan­ge nicht gel­tend ge­macht wer­den, bis ent­schie­den wer­den kann, ob ein Nach­kom­me das Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men kann.
1Das Kaufs­recht kann un­ter den Vor­aus­set­zun­gen und zu den Be­din­gun­gen aus­ge­übt wer­den, die für das Vor­kaufs­recht gel­ten.
2Reicht der Preis, der für die Aus­übung des Kaufs­rechts nach den Be­stim­mun­gen über das Vor­kaufs­recht zu zah­len ist, nicht aus, um die Erb­schaftspas­si­ven zu de­cken, so wird der Über­nah­me­preis ent­spre­chend er­höht, höchs­tens aber bis zum Ver­kehrs­wert.
1Wird ei­nem Er­ben bei der Erb­tei­lung ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück zu ei­nem An­rech­nungs­wert un­ter dem Ver­kehrs­wert zu­ge­wie­sen, so hat je­der Mit­er­be bei ei­ner Ver­äus­se­rung An­spruch auf den sei­ner Er­b­quo­te ent­spre­chen­den An­teil am Ge­winn.
2Je­der Mit­er­be kann sei­nen An­spruch selb­stän­dig gel­tend ma­chen. Die­ser ist ver­erb­lich und über­trag­bar.
3Der An­spruch be­steht nur, wenn der Er­be das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be oder Grund­stück in­nert 25 Jah­ren seit dem Er­werb ver­äus­sert.
1Als Ver­äus­se­rung im Sin­ne von Ar­ti­kel 28 gel­ten:
der Ver­kauf und je­des an­de­re Rechts­ge­schäft, das wirt­schaft­lich ei­nem Ver­kauf gleich­kommt;
die Ent­eig­nung;
die Zu­wei­sung zu ei­ner Bau­zo­ne, aus­ser sie be­tref­fe ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück, das dem bäu­er­li­chen Bo­den­recht un­ter­stellt bleibt (Art. 2 Abs. 2 Bst. a);
der Über­gang von ei­ner land­wirt­schaft­li­chen zu ei­ner nicht­land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung; kein sol­cher Über­gang liegt vor, wenn der Er­be, der ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be nach Ar­ti­kel 28 über­nom­men und es wäh­rend min­des­tens zehn Jah­ren sel­ber be­wirt­schaf­tet hat, die Be­triebs­füh­rung auf­gibt und in ei­ner zum Ge­wer­be ge­hö­ren­den Woh­nung ver­bleibt.
2Mass­ge­bend für den Zeit­punkt der Ver­äus­se­rung sind:
der Ab­schluss des Ver­trags, mit dem sich der Ver­äus­se­rer zur Ei­gen­tums­über­tra­gung ver­pflich­tet;
die Ein­lei­tung des Ent­eig­nungs­ver­fah­rens;
die Ein­lei­tung des Ver­fah­rens für die Zu­wei­sung ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücks zu ei­ner Bau­zo­ne;
bei Zweck­ent­frem­dung das Ge­schäft, mit wel­chem dem Be­rech­tig­ten die nicht­land­wirt­schaft­li­che Nut­zung er­laubt wird, oder die Hand­lung des Ei­gen­tü­mers, wel­che die Nut­zungs­än­de­rung be­wirkt.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
Der Ge­winn­an­spruch wird fäl­lig:
bei Ver­kauf oder Ent­eig­nung mit der Fäl­lig­keit der Ge­gen­leis­tung, die der Ver­käu­fer oder Ent­eig­ne­te for­dern kann;
bei Zu­wei­sung ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücks zu ei­ner Bau­zo­ne im Zeit­punkt der Ver­äus­se­rung oder der Nut­zung als Bau­land, spä­tes­tens aber nach 15 Jah­ren seit der rechts­kräf­ti­gen Ein­zo­nung;
bei Zweck­ent­frem­dung, die der Ei­gen­tü­mer ver­an­lasst, mit der Hand­lung, wel­che die Zweck­ent­frem­dung be­wirkt.
1Der Ge­winn ent­spricht der Dif­fe­renz zwi­schen dem Ver­äus­se­rungs- und dem An­rech­nungs­wert. Wert­ver­meh­ren­de Auf­wen­dun­gen am land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be oder Grund­stück kann der Er­be zum Zeit­wert ab­zie­hen.
2Bei Zu­wei­sung ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücks zu ei­ner Bau­zo­ne wird für die Be­mes­sung des Ge­winns auf den mut­mass­li­chen Ver­kehrs­wert ab­ge­stellt, wenn in­nert 15 Jah­ren kei­ne Ver­äus­se­rung er­folgt.
3Bei der Zweck­ent­frem­dung be­trägt der Ge­winn das Zwan­zig­fa­che des tat­säch­li­chen oder mög­li­chen jähr­li­chen Er­trags der nicht­land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung.
4Der Er­be kann für je­des vol­le Jahr, wäh­rend des­sen das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be oder Grund­stück in sei­nem Ei­gen­tum stand, zwei Hun­derts­tel vom Ge­winn ab­zie­hen (Be­sit­zes­dau­er­ab­zug).
5So­fern dies für den Ver­äus­se­rer güns­ti­ger ist, wird der Ge­winn­be­rech­nung an Stel­le des Be­sit­zes­dau­er­ab­zugs ein er­höh­ter An­rech­nungs­wert zu­grun­de ge­legt. Der An­rech­nungs­wert wird um den Pro­zent­satz er­höht, um den der Er­trags­wert in­fol­ge Än­de­rung der Be­mes­sungs­grund­la­gen zu­ge­nom­men hat.
1Er­wirbt der Er­be in der Schweiz Er­satz­grund­stücke, um dar­auf sein bis­her be­trie­be­nes land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be wei­ter­zu­füh­ren, oder er­wirbt er als Er­satz für das ver­äus­ser­te Ge­wer­be ein an­de­res land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be in der Schweiz, so darf er vom Ver­äus­se­rungs­preis den Er­werbs­preis für einen er­trags­mäs­sig gleich­wer­ti­gen Er­satz ab­zie­hen. Der da­bei be­zahl­te Preis darf nicht über­setzt sein (Art. 66).
2Ein Ab­zug ist nur dann zu­läs­sig, wenn der Kauf in den zwei Jah­ren vor oder nach der Ver­äus­se­rung oder in­ner­halb fünf Jah­ren nach der Ent­eig­nung statt­ge­fun­den hat.
3Der Ge­winn­an­spruch der Mit­er­ben bleibt er­hal­ten, wenn die rest­li­chen Grund­stücke oder die Er­satz­grund­stücke ver­äus­sert wer­den.
1Der Er­be kann vom Ver­äus­se­rungs­preis fer­ner den Be­trag für die not­wen­di­ge Aus­bes­se­rung ei­ner land­wirt­schaft­li­chen Bau­te oder An­la­ge ab­zie­hen, so­fern das Grund­stück, auf dem sie sich be­fin­det, aus der glei­chen Erb­schaft stammt und in sei­nem Ei­gen­tum bleibt.
2Be­rück­sich­tigt wer­den der Be­trag, der im Zeit­punkt der Ver­äus­se­rung nö­tig ist, und je­ner, den der Ei­gen­tü­mer in den letz­ten fünf Jah­ren vor der Ver­äus­se­rung auf­ge­wendet hat.
3Er­stellt der Er­be er­satz­wei­se ei­ne neue Bau­te oder An­la­ge, um da­mit den Wei­ter­be­stand der land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung zu si­chern, so kann er vom Ver­äus­se­rungs­preis den für die Er­stel­lung auf­ge­wende­ten Be­trag ab­zie­hen.
4Ver­äus­sert der Er­be spä­ter das Grund­stück, auf dem sich die aus­ge­bes­ser­te oder neu­er­stell­te Bau­te oder An­la­ge be­fin­det, so darf er die­sen Be­trag nicht ein zwei­tes Mal ab­zie­hen.
1Ein Mit­er­be kann sei­nen Ge­winn­an­spruch durch Er­rich­tung ei­nes Grund­pfands (Grund­pfand­ver­schrei­bung) am zu­ge­wie­se­nen Ge­wer­be oder Grund­stück ge­mä­ss den fol­gen­den Be­stim­mun­gen si­chern las­sen.
2Der Be­rech­tig­te kann je­der­zeit, spä­tes­tens aber bis zum Zeit­punkt der Ver­äus­se­rung des Ge­wer­bes oder Grund­stücks ei­ne vor­läu­fi­ge Ein­tra­gung des Pfand­rechts oh­ne An­ga­be des Pfand­be­trags im Grund­buch vor­mer­ken las­sen. Die vor­läu­fi­ge Ein­tra­gung be­wirkt, dass das Recht für den Fall ei­ner spä­te­ren Fest­stel­lung vom Zeit­punkt der Vor­mer­kung an ding­lich wirk­sam wird.
3Die Vor­mer­kung er­folgt auf ein­sei­ti­ges Be­geh­ren des Be­rech­tig­ten. Der Grund­buch­ver­wal­ter macht dem Ei­gen­tü­mer von der er­folg­ten Vor­mer­kung Mit­tei­lung.
4Die vor­läu­fi­ge Ein­tra­gung fällt da­hin, wenn der Mit­er­be nicht in­nert drei­er Mo­na­te seit Kennt­nis der Ver­äus­se­rung des Ge­wer­bes oder Grund­stücks die de­fi­ni­ti­ve Ein­tra­gung des Pfand­rechts ver­langt. Im Üb­ri­gen gel­ten die Be­stim­mun­gen des Zi­vil­ge­setz­bu­ches (ZGB)1 über das Pfand­recht der Hand­wer­ker und Un­ter­neh­mer.
Der ge­setz­li­che Ge­winn­an­spruch kann durch schrift­li­che Ver­ein­ba­rung auf­ge­ho­ben oder ge­än­dert wer­den.
1Wird ver­trag­lich be­grün­de­tes Ge­sam­tei­gen­tum oder Mit­ei­gen­tum an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be auf­ge­löst, so kann je­der Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tü­mer ver­lan­gen, dass ihm das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be zu­ge­wie­sen wird, wenn er es sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint.
2Wird ver­trag­lich be­grün­de­tes Ge­sam­tei­gen­tum oder Mit­ei­gen­tum an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Grund­stück auf­ge­löst, so kann je­der Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tü­mer des­sen Zu­wei­sung ver­lan­gen, wenn:
er Ei­gen­tü­mer ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes ist oder über ein sol­ches wirt­schaft­lich ver­fügt;
das Grund­stück im orts­üb­li­chen Be­wirt­schaf­tungs­be­reich die­ses Ge­wer­bes liegt.
3Zum Schutz des Ehe­gat­ten blei­ben die Ar­ti­kel 242 und 243 ZGB1 vor­be­hal­ten.
1Bei der Auf­lö­sung von Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tum gel­ten fol­gen­de An­rech­nungs­wer­te:
für ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be: der Er­trags­wert; für die Er­hö­hung des An­rech­nungs­wer­tes gel­ten die Be­stim­mun­gen über die Er­hö­hung des Über­nah­me­prei­ses beim Vor­kaufs­recht (Art. 52) sinn­ge­mä­ss;
für ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück:
für den Bo­den: der dop­pel­te Er­trags­wert,
für Ge­bäu­de und An­la­gen: die Er­stel­lungs­kos­ten ab­züg­lich Ab­schrei­bun­gen, min­des­tens aber der dop­pel­te Er­trags­wert.1
2Bei der Auf­lö­sung von Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tum un­ter Ehe­gat­ten, die dem Gü­ter­stand der Er­run­gen­schafts­be­tei­li­gung un­ter­ste­hen, bleibt Ar­ti­kel 213 ZGB2 über die Er­hö­hung des Er­trags­werts vor­be­hal­ten.
3Bei der Auf­lö­sung ei­ner Gü­ter­ge­mein­schaft kann der An­rech­nungs­wert an­ge­mes­sen er­höht wer­den, wenn die be­son­de­ren Um­stän­de nach Ar­ti­kel 213 ZGB dies recht­fer­ti­gen.
4Die Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tü­mer, de­nen das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be oder Grund­stück nicht zu­ge­wie­sen wor­den ist, ha­ben bei ei­ner spä­te­ren Ver­äus­se­rung An­spruch auf den Ge­winn nach den Be­stim­mun­gen über den Ge­winn­an­spruch der Mit­er­ben.
Die erbrecht­li­chen Be­stim­mun­gen über den Zu­wei­sungs­an­spruch bei meh­re­ren über­nah­me­wil­li­gen Er­ben (Art. 20 Abs. 2), den Weg­fall des Zu­wei­sungs­an­spruchs (Art. 22) und über die Si­che­rung der Selbst­be­wirt­schaf­tung (Art. 23 und 24) gel­ten sinn­ge­mä­ss.
Ver­ein­ba­run­gen über den An­rech­nungs­wert und die Auf­he­bung oder die Ab­än­de­rung des Zu­wei­sungs­an­spruchs be­dür­fen der öf­fent­li­chen Be­ur­kun­dung. Sie kön­nen im Fal­le von Mit­ei­gen­tum im Grund­buch vor­ge­merkt wer­den.
1Der Ei­gen­tü­mer kann ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be, das er zu­sam­men mit sei­nem Ehe­gat­ten be­wirt­schaf­tet, oder einen Mit­ei­gen­tumsan­teil dar­an nur mit Zu­stim­mung des Ehe­gat­ten ver­äus­sern.
2Kann er die­se Zu­stim­mung nicht ein­ho­len oder wird sie ihm oh­ne trif­ti­gen Grund ver­wei­gert, so kann er den Rich­ter an­ru­fen.
3Zum Schutz der Woh­nung der Fa­mi­lie bleibt Ar­ti­kel 169 ZGB1 vor­be­hal­ten.
1Die Ver­trags­par­tei­en kön­nen ver­ein­ba­ren, dass der Ver­äus­se­rer ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder Grund­stücks An­spruch auf den Ge­winn hat, wenn die­se wei­ter­ver­äus­sert wer­den. Die­ser An­spruch un­ter­steht den Be­stim­mun­gen über den Ge­winn­an­spruch der Mit­er­ben, so­fern die Par­tei­en nichts an­de­res ver­ein­bart ha­ben.
2Wird ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück zu ei­nem Preis un­ter dem Ver­kehrs­wert ver­äus­sert, oh­ne dass ein Ge­winn­an­spruch ver­ein­bart wor­den ist, so blei­ben zum Schutz der Er­ben die Be­stim­mun­gen über die Aus­glei­chung und die Her­ab­set­zung (Art. 626-632 und Art. 522-533 ZGB1 vor­be­hal­ten. Die Kla­ge auf Her­ab­set­zung und Aus­glei­chung ver­jährt nicht, so­lan­ge der Ge­winn nicht fäl­lig ist (Art. 30).
3Der Ver­äus­se­rer kann mit dem Er­wer­ber für den Fall, dass die­ser die Selbst­be­wirt­schaf­tung auf­gibt, ein Rück­kaufs­recht ver­ein­ba­ren. Stirbt der Ver­äus­se­rer und gibt der Er­wer­ber die Selbst­be­wirt­schaf­tung auf, so kann je­der Er­be, der das Ge­wer­be sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint, das Rück­kaufs­recht selb­stän­dig gel­tend ma­chen.
1Wird ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be ver­äus­sert, so ha­ben dar­an die nach­ge­nann­ten Ver­wand­ten des Ver­äus­se­rers ein Vor­kaufs­recht in fol­gen­der Rang­ord­nung, wenn sie es sel­ber be­wirt­schaf­ten wol­len und da­für als ge­eig­net er­schei­nen:
je­der Nach­kom­me;
je­des Ge­schwis­ter und Ge­schwis­ter­kind, wenn der Ver­äus­se­rer das Ge­wer­be vor we­ni­ger als 25 Jah­ren ganz oder zum gröss­ten Teil von den El­tern oder aus de­ren Nach­lass er­wor­ben hat.
2Wird ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück ver­äus­sert, so hat je­der Nach­kom­me des Ver­äus­se­rers ein Vor­kaufs­recht dar­an, wenn er Ei­gen­tü­mer ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes ist oder wirt­schaft­lich über ein sol­ches ver­fügt und das Grund­stück im orts­üb­li­chen Be­wirt­schaf­tungs­be­reich die­ses Ge­wer­bes liegt.
3Kein Vor­kaufs­recht steht demje­ni­gen zu, ge­gen den der Ver­äus­se­rer Grün­de gel­tend macht, die ei­ne Enter­bung recht­fer­ti­gen.
Ein Ver­wand­ter kann das Vor­kaufs­recht auch dann gel­tend ma­chen, wenn ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück:
in ei­ne Gü­ter­ge­mein­schaft, ei­ne Ge­sell­schaft, ei­ne Ge­nos­sen­schaft oder ei­ne an­de­re Kör­per­schaft ein­ge­bracht wird;
un­ent­gelt­lich über­tra­gen wird;
an einen an­de­ren Ver­wand­ten oder an den Ehe­gat­ten ver­äus­sert wird.
Die Be­rech­tig­ten kön­nen das Vor­kaufs­recht an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be zum Er­trags­wert und an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Grund­stück zum dop­pel­ten Er­trags­wert gel­tend ma­chen.
Wird ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück, an dem ge­mein­schaft­li­ches Ei­gen­tum (Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tum) be­steht, ver­äus­sert, so kann das Vor­kaufs­recht auch aus­ge­übt wer­den, wenn das Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis, wel­ches das Vor­kaufs­recht be­grün­det, nur zu ei­nem der Ge­samt- oder Mit­ei­gen­tü­mer be­steht.
1Ma­chen meh­re­re Be­rech­tig­te im glei­chen Rang ein Vor­kaufs­recht gel­tend, so kann der Ver­äus­se­rer den­je­ni­gen be­zeich­nen, der in den Kauf­ver­trag ein­tre­ten soll.
2Ver­zich­tet der Ver­äus­se­rer dar­auf, so sind die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der Be­rech­tig­ten für die Zu­wei­sung ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes mass­ge­bend.
1Wird ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be ver­äus­sert, so hat der Päch­ter ein Vor­kaufs­recht, wenn:
er es sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint und
die ge­setz­li­che Min­dest­pacht­dau­er nach den Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 4. Ok­to­ber 19851 über die land­wirt­schaft­li­che Pacht ab­ge­lau­fen ist.
2Wird ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück ver­äus­sert, so hat der Päch­ter am Pacht­ge­gen­stand ein Vor­kaufs­recht, wenn:2
die ge­setz­li­che Min­dest­pacht­dau­er nach den Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 4. Ok­to­ber 1985 über die land­wirt­schaft­li­che Pacht ab­ge­lau­fen ist und
der Päch­ter Ei­gen­tü­mer ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes ist oder wirt­schaft­lich über ein sol­ches ver­fügt und das ge­pach­te­te Grund­stück im orts­üb­li­chen Be­wirt­schaf­tungs­be­reich die­ses Ge­wer­bes liegt.
3Das Vor­kaufs­recht der Ver­wand­ten geht demje­ni­gen des Päch­ters vor.
Art. 48 Verzicht auf das Vorkaufsrecht
1Der Päch­ter kann auf sein ge­setz­li­ches Vor­kaufs­recht zum Vor­aus nur hin­sicht­lich ei­nes be­stimm­ten be­vor­ste­hen­den Vor­kaufs­falls ver­zich­ten. Er hat sei­nen Ver­zicht in ei­ner öf­fent­li­chen Ur­kun­de zu er­klä­ren; die­se hat die we­sent­li­chen Be­stim­mun­gen des Ver­trags zu ent­hal­ten, der zwi­schen dem Ver­käu­fer und dem Drit­ten ab­ge­schlos­sen wer­den soll.
2Der Ver­zicht wird un­wirk­sam, wenn der Kauf­ver­trag zwi­schen dem Ver­käu­fer und dem Käu­fer in­halt­lich nicht ent­spre­chend den An­ga­ben in der Ver­zicht­er­klä­rung oder nach Ab­lauf ei­ner Frist von sechs Mo­na­ten seit der Ver­zicht­er­klä­rung ab­ge­schlos­sen wird.
1Wird ein Mit­ei­gen­tumsan­teil an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ver­äus­sert, so ha­ben dar­an in fol­gen­der Rang­ord­nung ein Vor­kaufs­recht:
je­der Mit­ei­gen­tü­mer, der das Ge­wer­be sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint;
je­der Nach­kom­me, je­des Ge­schwis­ter und Ge­schwis­ter­kind so­wie der Päch­ter, un­ter den Vor­aus­set­zun­gen, zu den Be­din­gun­gen und in der Rang­fol­ge, die für das Vor­kaufs­recht an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be gel­ten;
je­der an­de­re Mit­ei­gen­tü­mer nach Ar­ti­kel 682 ZGB1.
2Wird ein Mit­ei­gen­tumsan­teil an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Grund­stück ver­äus­sert, so ha­ben dar­an in fol­gen­der Rang­ord­nung ein Vor­kaufs­recht:
je­der Mit­ei­gen­tü­mer, der be­reits Ei­gen­tü­mer ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes ist oder über ein sol­ches wirt­schaft­lich ver­fügt und das Grund­stück im orts­üb­li­chen Be­wirt­schaf­tungs­be­reich die­ses Ge­wer­bes liegt;
je­der Nach­kom­me und der Päch­ter, un­ter den Vor­aus­set­zun­gen, zu den Be­din­gun­gen und in der Rang­fol­ge, die für das Vor­kaufs­recht an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Grund­stück gel­ten;
je­der an­de­re Mit­ei­gen­tü­mer nach Ar­ti­kel 682 ZGB.
3Der Mit­ei­gen­tü­mer, der ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung oder ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück im orts­üb­li­chen Be­wirt­schaf­tungs­be­reich des Ge­wer­bes be­an­sprucht, kann das Vor­kaufs­recht gel­tend ma­chen an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be zum Er­trags­wert und an ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Grund­stück zum dop­pel­ten Er­trags­wert.
1Hat der Ver­äus­se­rer das Be­triebs­in­ven­tar (Vieh, Ge­rät­schaf­ten, Vor­rä­te usw.) mit­ver­kauft, so kann er er­klä­ren, dass er die­ses vom Ver­kauf ganz oder teil­wei­se aus­neh­me, wenn das Vor­kaufs­recht aus­ge­übt wird.
2Ist mit ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be ein nicht­land­wirt­schaft­li­ches Ne­ben­ge­wer­be eng ver­bun­den, so kann der Vor­kaufs­be­rech­tig­te die Zu­wei­sung bei­der Ge­wer­be ver­lan­gen.
3Als Über­nah­me­preis für das Be­triebs­in­ven­tar und das nicht­land­wirt­schaft­li­che Ne­ben­ge­wer­be gilt der An­rech­nungs­wert in der Erb­tei­lung (Art. 17 Abs. 2).
1Der Ver­äus­se­rer kann ei­ne an­ge­mes­se­ne Er­hö­hung des Über­nah­me­prei­ses ver­lan­gen, wenn be­son­de­re Um­stän­de es recht­fer­ti­gen.
2Als be­son­de­re Um­stän­de gel­ten na­ment­lich der hö­he­re An­kaufs­wert des Ge­wer­bes und al­le er­heb­li­chen In­ves­ti­tio­nen, die in den letz­ten zehn Jah­ren vor der Ver­äus­se­rung ge­tä­tigt wor­den sind.
3Der Über­nah­me­preis ent­spricht in je­dem Fall min­des­tens den Grund­pfand­schul­den.
1Hat der Ei­gen­tü­mer ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück durch Aus­übung ei­nes ge­setz­li­chen Vor­kaufs­rechts un­ter dem Ver­kehrs­wert er­wor­ben und ver­äus­sert er es wei­ter, so hat der Ver­äus­se­rer, ge­gen den das Vor­kaufs­recht aus­ge­übt wur­de, An­spruch auf den Ge­winn.
2Die Be­stim­mun­gen über den Ge­winn­an­spruch der Mit­er­ben gel­ten sinn­ge­mä­ss.
1Hat ein Ei­gen­tü­mer ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be durch Aus­übung ei­nes Vor­kaufs­rechts zur Selbst­be­wirt­schaf­tung er­wor­ben, so darf er es wäh­rend zehn Jah­ren nur mit Zu­stim­mung des Ver­käu­fers ver­äus­sern.
der Ei­gen­tü­mer das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be dem Ge­mein­we­sen zur Er­fül­lung ei­ner öf­fent­li­chen Auf­ga­be ge­mä­ss Ar­ti­kel 65 ver­äus­sert oder wenn es ihm zwangs­wei­se ent­zo­gen wird;
der Ei­gen­tü­mer mit Ge­neh­mi­gung der Be­wil­li­gungs­be­hör­de ein­zel­ne Grund­stücke oder Grund­stücks­tei­le ver­äus­sert (Art. 60).
1Gibt ein Ei­gen­tü­mer oder sein Nach­kom­me, an den das Ge­wer­be über­tra­gen wor­den ist, in­nert zehn Jah­ren die Selbst­be­wirt­schaf­tung end­gül­tig auf, so hat der Ver­käu­fer, ge­gen den das Vor­kaufs­recht aus­ge­übt wor­den ist, ein Rück­kaufs­recht.
2Das Rück­kaufs­recht ist ver­erb­lich, aber nicht über­trag­bar. Ein Er­be, der das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be sel­ber be­wirt­schaf­ten will und da­für als ge­eig­net er­scheint, kann das Rück­kaufs­recht selb­stän­dig gel­tend ma­chen.
3Wird das Rück­kaufs­recht aus­ge­übt, so hat der Ei­gen­tü­mer An­spruch auf den Preis, zu dem er das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be über­nom­men hat. Er hat zu­dem An­spruch auf Ent­schä­di­gung für die wert­ver­meh­ren­den Auf­wen­dun­gen; die­se sind zum Zeit­wert zu be­rech­nen.
4Das Rück­kaufs­recht er­lischt drei Mo­na­te nach­dem der Be­rech­tig­te von der Auf­ga­be der Selbst­be­wirt­schaf­tung Kennt­nis er­hal­ten hat, spä­tes­tens aber zwei Jah­re nach­dem die Selbst­be­wirt­schaf­tung auf­ge­ge­ben wor­den ist.
5Das Rück­kaufs­recht kann nicht gel­tend ge­macht wer­den, wenn:
ein Nach­kom­me des Ei­gen­tü­mers das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men will und da­für als ge­eig­net er­scheint;
der Ei­gen­tü­mer stirbt und ein Er­be das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men will, der da­für als ge­eig­net er­scheint;
6Hin­ter­lässt der Ei­gen­tü­mer min­der­jäh­ri­ge Nach­kom­men, so kann das Rück­kaufs­recht so­lan­ge nicht gel­tend ge­macht wer­den, bis fest­steht, ob ein Nach­kom­me das Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men kann.
1Die Kan­to­ne kön­nen Vor­kaufs­rech­te vor­se­hen:
an land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücken für Kör­per­schaf­ten, die zum Zwe­cke von Bo­den­ver­bes­se­run­gen ge­grün­det wor­den sind, so­fern das Grund­stück in ih­rem Bei­zugs­ge­biet liegt und der Er­werb dem Zweck der Kör­per­schaft dient;
an pri­va­ten All­men­den, Al­pen und Wei­den für Ge­mein­den, All­mend- und Al­p­ge­nos­sen­schaf­ten und ähn­li­che Kör­per­schaf­ten ih­res Ge­biets;
an Nut­zungs- und An­teils­rech­ten an ei­ner All­men­de, Alp oder Wei­de für Kör­per­schaf­ten wie All­mend- oder Al­p­ge­nos­sen­schaf­ten, die Ei­gen­tü­mer die­ser All­men­de, Alp oder Wei­de sind.
2Die ge­setz­li­chen Vor­kaufs­rech­te des Bun­des­rechts ge­hen den kan­to­na­len Vor­kaufs­rech­ten vor. Die Kan­to­ne re­geln die Rang­fol­ge der von ih­nen ein­ge­führ­ten Vor­kaufs­rech­te.
1Die Ei­gen­tü­mer be­nach­bar­ter land­wirt­schaft­li­cher Grund­stücke müs­sen bei der Ver­bes­se­rung un­zweck­mäs­si­ger Gren­zen mit­wir­ken.
2Sie kön­nen einen Land­ab­tausch im er­for­der­li­chen Um­fang oder die Ab­tre­tung bis höchs­tens fünf Aren for­dern, wenn da­durch die Gren­ze ei­ne we­sent­li­che Ver­bes­se­rung er­fährt.
1Von land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­ben dür­fen nicht ein­zel­ne Grund­stücke oder Grund­stücks­tei­le ab­ge­trennt wer­den (Re­al­tei­lungs­ver­bot).
2Land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke dür­fen nicht in Teil­stücke un­ter 25 Aren auf­ge­teilt wer­den (Zer­stücke­lungs­ver­bot). Für Reb­grund­stücke be­trägt die­se Min­dest­flä­che 15 Aren. Die Kan­to­ne kön­nen grös­se­re Min­dest­flä­chen fest­le­gen.1
3Land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be und Grund­stücke dür­fen zu­dem nicht in Mit­ei­gen­tumsan­tei­le von we­ni­ger als ei­nem Zwölf­tel auf­ge­teilt wer­den.
Das Re­al­tei­lungs- und das Zer­stücke­lungs­ver­bot gilt nicht für ei­ne Ab­tren­nung oder Tei­lung:
im Rah­men ei­ner Bo­den­ver­bes­se­rung, bei der ei­ne Be­hör­de mit­wirkt;
zum Zweck ei­ner Grenz­ver­bes­se­rung (Art. 57) oder ei­ner Grenz­be­rei­ni­gung bei der Er­stel­lung ei­nes Werks;
in­fol­ge ei­ner Ent­eig­nung oder ei­nes frei­hän­di­gen Ver­kaufs, wenn dem Ver­käu­fer die Ent­eig­nung an­ge­droht wird;
bei ei­ner Zwangs­voll­stre­ckung.
1Die kan­to­na­le Be­wil­li­gungs­be­hör­de be­wil­ligt Aus­nah­men vom Re­al­tei­lungs- und Zer­stücke­lungs­ver­bot, wenn:1
das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be oder Grund­stück in einen Teil in­ner­halb und in einen Teil aus­ser­halb des Gel­tungs­be­rei­ches die­ses Ge­set­zes auf­ge­teilt wird;
Grund­stücke oder Grund­stücks­tei­le ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes mit oder oh­ne Auf­preis ge­gen Land, Ge­bäu­de oder An­la­gen ge­tauscht wer­den, die für den Be­trieb des Ge­wer­bes güns­ti­ger lie­gen oder ge­eig­ne­ter sind;
der ab­zu­tren­nen­de Teil der ein­ma­li­gen Ar­ron­die­rung ei­nes nicht­land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücks aus­ser­halb der Bau­zo­ne dient. Das nicht­land­wirt­schaft­li­che Grund­stück darf da­durch höchs­tens um 1000 m2ver­grös­sert wer­den;
ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­bäu­de mit not­wen­di­gem Um­schwung, das zur Be­wirt­schaf­tung ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder Grund­stücks nicht mehr be­nö­tigt wird, zwecks zo­nen­kon­for­mer Ver­wen­dung an den Ei­gen­tü­mer ei­nes be­nach­bar­ten land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder Grund­stücks über­tra­gen wer­den soll und da­durch die Er­stel­lung ei­ner Bau­te ver­mie­den wer­den kann, die nach Ar­ti­kel 16a des Raum­pla­nungs­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 19795 be­wil­ligt wer­den müss­te;
auf dem ab­zu­tren­nen­den Teil ein Bau­recht zu Guns­ten des Päch­ters des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes er­rich­tet wer­den soll;
die fi­nan­zi­el­le Exis­tenz der bäu­er­li­chen Fa­mi­lie stark ge­fähr­det ist und durch die Ver­äus­se­rung von Grund­stücken oder Grund­stücks­tei­len ei­ne dro­hen­de Zwangs­ver­wer­tung ab­ge­wen­det wer­den kann; oder
ei­ne öf­fent­li­che oder im öf­fent­li­chen In­ter­es­se lie­gen­de Auf­ga­be er­füllt wer­den soll;
die Ab­tren­nung er­folgt, um ein dem ge­mein­schaft­li­chen Be­trieb die­nen­des Öko­no­mie­ge­bäu­de oder ei­ne ent­spre­chen­de An­la­ge zu er­rich­ten.
2 Die Be­hör­de be­wil­ligt fer­ner ei­ne Aus­nah­me vom Re­al­tei­lungs­ver­bot, wenn:
die Re­al­tei­lung über­wie­gend da­zu dient, an­de­re land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be struk­tu­rell zu ver­bes­sern;
kei­ne vor­kaufs- oder zu­wei­sungs­be­rech­tig­te Per­son in­ner­halb der Ver­wandt­schaft das Ge­wer­be zur Selbst­be­wirt­schaf­tung über­neh­men will, oder kei­ne an­de­re Per­son, die in der Erb­tei­lung die Zu­wei­sung ver­lan­gen könn­te (Art. 11 Abs. 2), das Ge­wer­be zur Ver­pach­tung als Gan­zes über­neh­men will; und
der Ehe­gat­te, der das Ge­wer­be zu­sam­men mit dem Ei­gen­tü­mer be­wirt­schaf­tet hat, der Re­al­tei­lung zu­stimmt.10
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 20. März 1998, in Kraft seit 1. Sept. 2000 (AS 2000 2042; BBl 1996 III 513).
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 20. März 1998, in Kraft seit 1. Sept. 2000 (AS 2000 2042; BBl 1996 III 513).
6 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
7 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
8 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
9 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
10 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
1Wer ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück er­wer­ben will, braucht da­zu ei­ne Be­wil­li­gung.
2Die Be­wil­li­gung wird er­teilt, wenn kein Ver­wei­ge­rungs­grund vor­liegt.
3Als Er­werb gilt die Ei­gen­tums­über­tra­gung so­wie je­des an­de­re Rechts­ge­schäft, das wirt­schaft­lich ei­ner Ei­gen­tums­über­tra­gung gleich­kommt.
Kei­ner Be­wil­li­gung be­darf der Er­werb:
durch Erb­gang und durch erbrecht­li­che Zu­wei­sung;
durch einen Nach­kom­men, den Ehe­gat­ten, die El­tern, ein Ge­schwis­ter oder Ge­schwis­ter­kind des Ver­äus­se­rers;
durch einen Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tü­mer;
durch die Aus­übung ei­nes ge­setz­li­chen Kaufs- oder Rück­kaufs­rechts;
im Rah­men ei­ner Ent­eig­nung oder ei­ner Bo­den­ver­bes­se­rung, bei der ei­ne Be­hör­de mit­wirkt;
zum Zweck der Grenz­be­rei­ni­gung oder der Grenz­ver­bes­se­rung;
beim Über­gang von Ei­gen­tum durch Fu­si­on oder Spal­tung nach dem Fu­si­ons­ge­setz vom 3. Ok­to­ber 20033, wenn die Ak­ti­ven des über­tra­gen­den oder des über­neh­men­den Rechts­trä­gers nicht zur Haupt­sa­che aus ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­be oder aus land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücken be­ste­hen;
durch den Kan­ton oder ei­ne Ge­mein­de zum Zweck des Hoch­was­ser­schut­zes, der Re­vi­ta­li­sie­rung von Ge­wäs­sern, des Baus von Aus­gleichs- und Pumpspeicher­be­cken bei Was­ser­kraft­wer­ken so­wie des Rea­ler­sat­zes für die­se Be­dürf­nis­se.
2 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des Fu­si­ons­ge­set­zes vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. Ju­li 2004 (AS 2004 2617; BBl 2000 4337).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 3 des BG vom 11. Dez. 2009 (Re­na­tu­rie­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4285; BBl 2008 8043 8079).
1Die Be­wil­li­gung zum Er­werb ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder Grund­stücks wird ver­wei­gert, wenn:
der Er­wer­ber nicht Selbst­be­wirt­schaf­ter ist;
ein über­setz­ter Preis ver­ein­bart wur­de;
das zu er­wer­ben­de Grund­stück aus­ser­halb des orts­üb­li­chen Be­wirt­schaf­tungs­be­reichs des Ge­wer­bes des Er­wer­bers liegt.
2 Der Ver­wei­ge­rungs­grund von Ab­satz 1 Buch­sta­be b ist un­be­acht­lich, wenn ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück in ei­nem Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren er­wor­ben wird.2
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
1Bei feh­len­der Selbst­be­wirt­schaf­tung ist die Be­wil­li­gung zu er­tei­len, wenn der Er­wer­ber einen wich­ti­gen Grund nach­weist, na­ment­lich wenn:
der Er­werb da­zu dient, ein Ge­wer­be, das seit lan­gem als Gan­zes ver­pach­tet ist, als Pacht­be­trieb zu er­hal­ten, einen Pacht­be­trieb struk­tu­rell zu ver­bes­sern oder einen Ver­suchs- oder Schul­be­trieb zu er­rich­ten oder zu er­hal­ten;
der Er­wer­ber über ei­ne rechts­kräf­ti­ge Be­wil­li­gung für ei­ne nach Ar­ti­kel 24 des Raum­pla­nungs­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 19792 zu­läs­si­ge nicht­land­wirt­schaft­li­che Nut­zung des Bo­dens ver­fügt;
der Er­werb im Hin­blick auf einen nach dem Raum­pla­nungs­recht zu­läs­si­gen Ab­bau von Bo­den­schät­zen er­folgt und die Flä­che nicht grös­ser ist, als es der Be­darf des Un­ter­neh­mens an ei­ner sinn­vol­len Roh­stoffre­ser­ve oder an Rea­ler­satz­land für ei­ne Flä­che im Ab­bau­ge­biet, je für längs­tens 15 Jah­re, er­ken­nen lässt. Wird das Land nicht in­nert 15 Jah­ren seit dem Er­werb be­stim­mungs­ge­mä­ss ver­wen­det, so muss es nach den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes ver­äus­sert wer­den. Das glei­che gilt nach er­folg­ter Re­kul­ti­vie­rung;
das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be oder Grund­stück in ei­ner Schutz­zo­ne liegt und der Er­wer­ber den Bo­den zum Zwe­cke die­ses Schut­zes er­wirbt;
mit dem Er­werb die schutz­wür­di­ge Um­ge­bung ei­ner his­to­ri­schen Stät­te, Bau­te oder An­la­ge oder ein Ob­jekt des Na­tur­schut­zes er­hal­ten wer­den soll;
trotz öf­fent­li­cher Aus­schrei­bung zu ei­nem nicht über­setz­ten Preis (Art. 66) kein An­ge­bot ei­nes Selbst­be­wirt­schaf­ters vor­liegt;
ein Gläu­bi­ger, der ein Pfand­recht am Ge­wer­be oder am Grund­stück hat, die­ses in ei­nem Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren er­wirbt.
2Die Be­wil­li­gung kann mit Auf­la­gen er­teilt wer­den.
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999 (AS 1998 3009; BBl 1996 IV 1).
1Der Er­werb durch das Ge­mein­we­sen oder des­sen An­stal­ten ist zu be­wil­li­gen, wenn er:
zur Er­fül­lung ei­ner nach Plä­nen des Raum­pla­nungs­rechts vor­ge­se­he­nen öf­fent­li­chen Auf­ga­be be­nö­tigt wird;
als Rea­ler­satz bei Er­stel­lung ei­nes nach Plä­nen des Raum­pla­nungs­rechts vor­ge­se­he­nen Wer­kes dient und ein eid­ge­nös­si­sches oder kan­to­na­les Ge­setz die Leis­tung von Rea­ler­satz vor­schreibt oder er­laubt.
2Die Ver­wei­ge­rungs­grün­de von Ar­ti­kel 63 gel­ten nicht im Fal­le von Ab­satz 1 Buch­sta­be a.
1Der Er­werbs­preis gilt als über­setzt, wenn er die Prei­se für ver­gleich­ba­re land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be oder Grund­stücke in der be­tref­fen­den Ge­gend im Mit­tel der letz­ten fünf Jah­re um mehr als 5 Pro­zent über­steigt.
2Die Kan­to­ne kön­nen in ih­rer Ge­setz­ge­bung die­sen Pro­zent­satz auf ma­xi­mal 15 Pro­zent er­hö­hen.1
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Sept. 2008 (AS 2008 3585; BBl 2006 6337).
1Bei ei­ner Zwangs­ver­stei­ge­rung muss der Er­stei­ge­rer die Be­wil­li­gung vor­le­gen oder die Kos­ten für ei­ne neue Ver­stei­ge­rung hin­ter­le­gen und in­nert zehn Ta­gen nach er­folg­tem Zu­schlag ein Be­wil­li­gungs­ge­such ein­rei­chen.
2Reicht der Er­stei­ge­rer kein Ge­such ein oder wird die Be­wil­li­gung ver­wei­gert, so hebt die Stei­ge­rungs­be­hör­de den Zu­schlag auf und ord­net ei­ne neue Ver­stei­ge­rung an.
3Der ers­te Er­stei­ge­rer haf­tet für die Kos­ten ei­ner er­neu­ten Ver­stei­ge­rung.
Land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be und Grund­stücke dür­fen nicht frei­wil­lig ver­stei­gert wer­den.
Rechts­ge­schäf­te, die den Ver­bo­ten der Re­al­tei­lung und der Zer­stücke­lung von Grund­stücken (Art. 58) oder den Be­stim­mun­gen über den Er­werb von land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­ben und Grund­stücken (Art. 61-69) zu­wi­der­lau­fen oder de­ren Um­ge­hung bezwe­cken, sind nich­tig.
1Die Be­wil­li­gungs­be­hör­de wi­der­ruft ih­ren Ent­scheid, wenn der Er­wer­ber ihn durch falsche An­ga­ben er­schli­chen hat.
2Sind seit der Ein­tra­gung des Rechts­ge­schäfts im Grund­buch mehr als zehn Jah­re ver­gan­gen, so kann der Ent­scheid nicht mehr wi­der­ru­fen wer­den.
1Ist ein nich­ti­ges Ge­schäft im Grund­buch ein­ge­tra­gen wor­den, so ord­net die Be­wil­li­gungs­be­hör­de die Be­rich­ti­gung des Grund­buchs an, nach­dem sie ih­ren Ent­scheid wi­der­ru­fen hat (Art. 71).
2Er­fährt der Grund­buch­ver­wal­ter nach­träg­lich, dass ein Ge­schäft der Be­wil­li­gungs­pflicht un­ter­liegt, so macht er die Be­wil­li­gungs­be­hör­de dar­auf auf­merk­sam.
3Sind seit der Ein­tra­gung des Rechts­ge­schäfts mehr als zehn Jah­re ver­gan­gen, so ist ei­ne Be­rich­ti­gung des Grund­buchs ge­mä­ss Ab­satz 1 nicht mehr mög­lich.
4Ei­ne Be­rich­ti­gung des Grund­buchs ist fer­ner aus­ge­schlos­sen, wenn da­durch Rech­te gut­gläu­bi­ger Drit­ter (Art. 973 ZGB1) ver­letzt wür­den. Die Be­wil­li­gungs­be­hör­de er­kun­digt sich vor ih­rem Ent­scheid beim Grund­buch­ver­wal­ter dar­über, ob sol­che Rech­te be­ste­hen.
1Land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke dür­fen nur bis zur Be­las­tungs­gren­ze mit Grund­pfand­rech­ten be­las­tet wer­den. Die Be­las­tungs­gren­ze ent­spricht der Sum­me des um 35 Pro­zent er­höh­ten land­wirt­schaft­li­chen Er­trags­werts und des Er­trags­werts der nicht­land­wirt­schaft­li­chen Tei­le.1
2Die Be­las­tungs­gren­ze muss be­ach­tet wer­den für:
die Er­rich­tung ei­nes Grund­pfand­rechts;
die Be­stel­lung ei­nes Faust­pfan­des an ei­nem Grund­pfand­ti­tel;
die Wie­der­be­leh­nung ei­nes ab­be­zahl­ten Grund­pfand­ti­tels, über den der Ei­gen­tü­mer ver­fü­gen kann (Ei­gen­tü­mer­schuld­brief).
3Mass­ge­bend für die Be­ur­tei­lung, ob die Be­las­tungs­gren­ze er­reicht wird, ist die Sum­me der im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen, vor­ge­merk­ten und an­ge­merk­ten Grund­pfand­rech­te. Nicht mit­ge­zählt wer­den die Grund­pfand­rech­te nach Ar­ti­kel 75 Ab­satz 1.2
1Wird für ei­ne For­de­rung ein Grund­pfand auf meh­re­ren Grund­stücken er­rich­tet (Ge­samt­pfand; Art. 798 Abs. 1 ZGB1), so darf je­des Grund­stück bis zum Be­trag be­las­tet wer­den, der der Sum­me der Be­las­tungs­gren­zen der ver­pfän­de­ten Grund­stücke ent­spricht.
2Die Er­rich­tung ei­nes Ge­samt­pfand­rech­tes auf Grund­stücken, die die­sem Ge­setz un­ter­ste­hen, und sol­chen, die die­sem Ge­setz nicht un­ter­ste­hen, ist nicht zu­läs­sig.
1Kei­ne Be­las­tungs­gren­ze be­steht für:
die ge­setz­li­chen Grund­pfand­rech­te nach den Ar­ti­keln 808 und 810 ZGB1 so­wie die ge­setz­li­chen Grund­pfand­rech­te nach kan­to­na­lem öf­fent­li­chen Recht (Art. 836 ZGB);
Grund­pfand­rech­te für Bo­den­ver­bes­se­run­gen (Art. 820 und 821 ZGB);
Grund­pfand­rech­te zur Si­che­rung von Dar­le­hen, die nach dem Land­wirt­schafts­ge­setz vom 29. April 19983 als Be­triebs­hil­fe oder In­ves­ti­ti­ons­kre­di­te ge­währt wer­den;
Grund­pfand­rech­te zur Si­che­rung von Dar­le­hen, die der Bund oder ein Kan­ton auf­grund der Ge­setz­ge­bung über die Wohn­bau­för­de­rung ge­währt oder ver­bürgt, so­weit die Woh­nun­gen den Be­dürf­nis­sen des Be­trie­bes die­nen;
Grund­pfand­rech­te in Form von Grund­pfand­ver­schrei­bun­gen zur Si­che­rung des Ge­winn­an­spruchs der Mit­er­ben und des Ver­äus­se­rers.
2Vor­läu­fi­ge Ein­tra­gun­gen von Grund­pfand­rech­ten nach den Ar­ti­keln 837 und 961 Ab­satz 1 Zif­fer 1 ZGB dür­fen un­ge­ach­tet der Be­las­tungs­gren­ze im Grund­buch vor­ge­merkt wer­den.
3Durch Ein­tra­gung ei­nes Grund­pfand­rechts nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und b wer­den be­reits ein­ge­tra­ge­ne Grund­pfand­rech­te, die im Rang nach­ge­hen, in ih­rem Be­stand nicht be­rührt.
1Ein Grund­pfand­recht, für das die Be­las­tungs­gren­ze gilt und das die­se über­schrei­tet, darf nur zur Si­che­rung ei­nes Dar­le­hens er­rich­tet wer­den, das:
ei­ne vom Bund an­er­kann­te Ge­nos­sen­schaft oder Stif­tung des Pri­vat­rechts oder ei­ne In­sti­tu­ti­on des kan­to­na­len öf­fent­li­chen Rechts dem Schuld­ner zins­los ge­währt;
ei­ne drit­te Per­son dem Schuld­ner ge­währt und das durch ei­ne Ge­nos­sen­schaft, Stif­tung oder In­sti­tu­ti­on im Sin­ne von Buch­sta­be a ver­bürgt oder ver­zinst wird.
2Die kan­to­na­le Be­hör­de kann ein Dar­le­hen von Drit­ten, das durch ein die Be­las­tungs­gren­ze über­stei­gen­des Pfand­recht ge­si­chert wird, un­ter Be­ach­tung der Vor­schrif­ten nach den Ar­ti­keln 77 und 78 be­wil­li­gen.
3Der Grund­buch­ver­wal­ter weist ei­ne An­mel­dung ab, die kei­ne die­ser Vor­aus­set­zun­gen er­füllt.
1Ein Dar­le­hen, das durch ein die Be­las­tungs­gren­ze über­stei­gen­des Pfand­recht ge­si­chert wird, darf nur ge­währt wer­den, wenn es:
dem Schuld­ner da­zu dient, ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück zu er­wer­ben, zu er­wei­tern, zu er­hal­ten oder zu ver­bes­sern, oder not­wen­di­ges Be­triebs­in­ven­tar an­zu­schaf­fen oder zu er­neu­ern, und
nicht zu ei­ner für den Schuld­ner un­trag­ba­ren Ver­schul­dung führt.
2Zur Be­ur­tei­lung, ob das Dar­le­hen trag­bar bleibt, ist ein Be­triebs­bud­get auf­zu­stel­len. Da­bei müs­sen die ge­sam­ten Auf­wen­dun­gen des Schuld­ners zur Ver­zin­sung und Rück­zah­lung sei­ner Pfand- und Kur­rent­schul­den be­rück­sich­tigt wer­den. In die Prü­fung sind auch Dar­le­hen ein­zu­be­zie­hen, die durch Pfand­rech­te ge­si­chert sind, für wel­che die Be­las­tungs­gren­ze nicht gilt.
3Per­so­nen oder In­sti­tu­tio­nen, die das Dar­le­hen ver­bür­gen, ver­zin­sen oder zins­los ge­wäh­ren, und die Be­hör­de, die das Dar­le­hen über­prüft hat, wa­chen dar­über, dass es zum fest­ge­leg­ten Zweck ver­wen­det wird. Die Per­son oder In­sti­tu­ti­on, die das Dar­le­hen ver­bürgt oder ver­zinst, und die Be­hör­de, die das Dar­le­hen über­prüft hat, kann den Gläu­bi­ger ver­pflich­ten, das Dar­le­hen zu kün­di­gen, wenn es nicht sei­nem Zweck ent­spre­chend ver­wen­det wird.
1Dient das Dar­le­hen da­zu, ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück zu er­wer­ben, zu er­wei­tern, zu er­hal­ten oder zu ver­bes­sern, so muss der die Be­las­tungs­gren­ze über­stei­gen­de Teil in­nert 25 Jah­ren zu­rück­be­zahlt wer­den. Lie­gen be­son­de­re Um­stän­de vor, so kann der Gläu­bi­ger dem Schuld­ner ei­ne län­ge­re Frist für die Rück­zah­lung des Dar­le­hens ge­wäh­ren oder ihn ganz von der Pflicht zur ra­ten­wei­sen Rück­zah­lung be­frei­en. Sol­che Er­leich­te­run­gen dür­fen nur mit der Zu­stim­mung der Per­son oder In­sti­tu­ti­on, die das Dar­le­hen ver­bürgt oder ver­zinst, oder der Be­hör­de, die es über­prüft hat, ge­währt wer­den.
2Dient das Dar­le­hen der Fi­nan­zie­rung von Be­triebs­in­ven­tar, so ist ei­ne Rück­zah­lungs­frist fest­zu­set­zen, die der Ab­schrei­bungs­dau­er der fi­nan­zier­ten Sa­che ent­spricht.
3Ist ein zu­rück­be­zahl­tes Dar­le­hen durch einen Schuld­brief oder ei­ne Gült (Art. 33a SchlT ZGB1) ge­si­chert und wer­den die­se nicht als Si­cher­heit für ein neu­es Dar­le­hen nach den Ar­ti­keln 76 und 77 ver­wen­det, so muss der Gläu­bi­ger da­für sor­gen, dass die Pfand­sum­me, so­weit sie die Be­las­tungs­gren­ze über­steigt, im Grund­buch und auf dem Pfand­ti­tel ge­än­dert oder ge­löscht wird. Per­so­nen oder In­sti­tu­tio­nen, die das Dar­le­hen ver­bür­gen oder ver­zin­sen, und die Be­hör­de, die es ge­prüft hat, sind be­rech­tigt, zu die­sem Zweck beim Grund­buchamt die Än­de­rung oder Lö­schung zu be­an­tra­gen.2
4Der Pfand­ti­tel darf dem Schuld­ner nicht her­aus­ge­ge­ben wer­den, be­vor die Er­for­der­nis­se nach Ab­satz 3 er­füllt sind.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 11. Dez. 2009 (Re­gis­ter-Schuld­brief und wei­te­re Än­de­run­gen im Sa­chen­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 4637; BBl 2007 5283).
1Ei­ne Ge­nos­sen­schaft oder Stif­tung des Pri­vat­rechts wird an­er­kannt, wenn ih­re Sta­tu­ten:
vor­se­hen, Dar­le­hen zu land­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken un­ver­zins­lich zu ge­wäh­ren oder sol­che Dar­le­hen, wenn sie von Drit­ten ge­währt wer­den, zu ver­bür­gen oder zu ver­zin­sen;
einen Höchst­be­trag fest­le­gen, für wel­chen dem ein­zel­nen Schuld­ner sol­che Dar­le­hen zins­los ge­währt, ver­bürgt oder ver­zinst wer­den kön­nen;
ein Or­gan mit der Ge­schäfts­füh­rung be­trau­en, das sich aus sach­kun­di­gen Per­so­nen zu­sam­men­setzt;
die Aus­rich­tung er­trags­ab­hän­gi­ger Leis­tun­gen wie Tan­tie­men an die Or­ga­ne aus­sch­lies­sen;
vor­se­hen, dass das An­teil­schein­ka­pi­tal und an­de­re Ein­la­gen der Ge­nos­sen­schaf­ter höchs­tens zum Zins­satz für ers­te Hy­po­the­ken ver­zinst wer­den dür­fen;
vor­se­hen, dass ein Rein­er­trag für Rück­stel­lun­gen und Re­ser­ven ver­wen­det wird.
2Das Eid­ge­nös­si­sche Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment ent­schei­det über die An­er­ken­nung und ver­öf­fent­licht den Ent­scheid dar­über im Bun­des­blatt.
3Für die An­er­ken­nung kan­to­na­ler In­sti­tu­tio­nen gel­ten sinn­ge­mä­ss die Be­stim­mun­gen über die An­er­ken­nung von Ge­nos­sen­schaf­ten und Stif­tun­gen.
4Die an­er­kann­ten Ge­nos­sen­schaf­ten, Stif­tun­gen und kan­to­na­len In­sti­tu­tio­nen sind ver­pflich­tet, dem Eid­ge­nös­si­schen Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment re­gel­mäs­sig über ih­re Ge­schäftstä­tig­keit Be­richt zu er­stat­ten.
1Das Ge­such um Er­tei­lung ei­ner Be­wil­li­gung, Er­lass ei­ner Fest­stel­lungs­ver­fü­gung oder Schät­zung des Er­trags­werts ist bei der kan­to­na­len Be­hör­de ein­zu­rei­chen.
2Liegt ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be in ver­schie­de­nen Kan­to­nen, so ist für die Er­tei­lung ei­ner Be­wil­li­gung oder den Er­lass ei­ner Fest­stel­lungs­ver­fü­gung der­je­ni­ge Kan­ton zu­stän­dig, in dem sich der wert­vol­le­re Teil be­fin­det.
1Dem Grund­buchamt sind nebst der Ur­kun­de über das Rechts­ge­schäft die er­for­der­li­che Be­wil­li­gung oder Ur­kun­den, aus de­nen her­vor­geht, dass kei­ne Be­wil­li­gung nö­tig ist, so­wie ge­ge­be­nen­falls der Ent­scheid über die Fest­set­zung der Be­las­tungs­gren­ze ein­zu­rei­chen.
2Ist of­fen­sicht­lich, dass für das an­ge­mel­de­te Ge­schäft ei­ne Be­wil­li­gung not­wen­dig ist, und liegt ei­ne sol­che nicht vor, so weist der Grund­buch­ver­wal­ter die An­mel­dung ab.
3Be­steht Un­ge­wiss­heit dar­über, ob für das an­ge­mel­de­te Ge­schäft ei­ne Be­wil­li­gung not­wen­dig ist, so schreibt der Grund­buch­ver­wal­ter die An­mel­dung im Ta­ge­buch ein, schiebt je­doch den Ent­scheid über die Ein­tra­gung im Grund­buch auf, bis über die Be­wil­li­gungs­pflicht und al­len­falls über das Ge­such ent­schie­den ist.
4Der Grund­buch­ver­wal­ter setzt ei­ne Frist von 30 Ta­gen zur Ein­rei­chung ei­nes Ge­suchs um einen Ent­scheid über die Be­wil­li­gungs­pflicht oder um Be­wil­li­gungs­er­tei­lung. Läuft die Frist un­be­nutzt ab oder wird die Be­wil­li­gung ver­wei­gert, so weist er die An­mel­dung ab.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 3 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
1Das Ge­such um Er­tei­lung ei­ner Be­wil­li­gung ist bei der kan­to­na­len Be­wil­li­gungs­be­hör­de (Art. 90 Bst. a) ein­zu­rei­chen.
2Die­se teilt ih­ren Ent­scheid den Ver­trags­par­tei­en, dem Grund­buch­ver­wal­ter, der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­de (Art. 90 Bst. b), dem Päch­ter so­wie Kaufs-, Vor­kaufs- oder Zu­wei­sungs­be­rech­tig­ten mit.
3Ge­gen die Ver­wei­ge­rung der Be­wil­li­gung kön­nen die Ver­trags­par­tei­en, ge­gen die Er­tei­lung der Be­wil­li­gung die kan­to­na­le Auf­sichts­be­hör­de, der Päch­ter so­wie Kaufs-, Vor­kaufs- oder Zu­wei­sungs­be­rech­tig­te bei der kan­to­na­len Be­schwer­de­in­stanz (Art. 88) Be­schwer­de füh­ren.
Wer ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se hat, kann von der Be­wil­li­gungs­be­hör­de ins­be­son­de­re fest­stel­len las­sen, ob:
ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück dem Re­al­tei­lungs­ver­bot, dem Zer­stücke­lungs­ver­bot, dem Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren oder der Be­las­tungs­gren­ze un­ter­liegt;
der Er­werb ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder Grund­stücks be­wil­ligt wer­den kann.
Wird bei der Über­prü­fung ei­nes Nut­zungs­pla­nes im Sin­ne von Ar­ti­kel 21 Ab­satz 2 des Raum­pla­nungs­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 19791 auch ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be oder Grund­stück er­fasst, so kann ein hän­gi­ger Pro­zess oder ein hän­gi­ges Ver­fah­ren auf An­trag ei­nes Be­tei­lig­ten bis zur Neu­fest­set­zung der Nut­zungs­zo­ne, längs­tens aber für fünf Jah­re, ein­ge­stellt wer­den.
1Im Grund­buch sind an­zu­mer­ken:
land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke in der Bau­zo­ne, die die­sem Ge­setz un­ter­stellt sind (Art. 2);
nicht­land­wirt­schaft­li­che Grund­stücke aus­ser­halb der Bau­zo­ne, die die­sem Ge­setz nicht un­ter­stellt sind (Art. 2).
2Der Bun­des­rat be­stimmt die Aus­nah­men von der An­mer­kungs­pflicht und re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen ei­ne An­mer­kung von Am­tes we­gen ge­löscht wird.
1Der Er­trags­wert wird von ei­ner Be­hör­de von Am­tes we­gen oder auf An­trag ei­nes Be­rech­tig­ten ge­schätzt. Bei ge­plan­ten Bau­ten oder An­la­gen kann die Be­hör­de ei­ne vor­läu­fi­ge Schät­zung vor­neh­men.
1bisWer be­rech­tigt ist, die Schät­zung des Er­trags­werts zu ver­lan­gen, kann be­an­tra­gen, dass das In­ven­tar mit sei­nem Nutz­wert ge­schätzt wird.1
2Der Er­trags­wert kann auch von ei­nem Ex­per­ten ge­schätzt wer­den; ei­ne sol­che Schät­zung ist ver­bind­lich, wenn die Be­hör­de sie ge­neh­migt hat.
3Die Schät­zung des Er­trags­werts kön­nen ver­lan­gen:
der Ei­gen­tü­mer und je­der sei­ner Er­ben;
je­der am be­tref­fen­den Grund­stück oder Ge­wer­be nach die­sem Ge­setz Kaufs- oder Vor­kaufs­be­rech­tig­te, wenn er sein Recht aus­üben könn­te;
die Pfand­gläu­bi­ger, Bür­gen und Per­so­nen oder In­sti­tu­tio­nen nach Ar­ti­kel 76, wenn sie ein pfand­ge­si­cher­tes Dar­le­hen ge­wäh­ren, ver­bür­gen oder ver­zin­sen oder wenn sich der Wert des Grund­stücks oder Ge­wer­bes in­fol­ge von Na­tur­er­eig­nis­sen, Bo­den­ver­bes­se­run­gen, Ver­grös­se­rung oder Ver­min­de­rung der Flä­che, Neu- oder Um­bau­ten, Ab­bruch oder Still­le­gung ei­nes Ge­bäu­des, Zweck­ent­frem­dung oder ähn­li­cher Um­stän­de ge­än­dert hat.
4Die Be­hör­de teilt dem Ei­gen­tü­mer, dem An­trag­stel­ler und dem Grund­buchamt den neu­en Er­trags­wert mit; da­bei muss sie auch an­ge­ben, wel­che Be­trä­ge auf den Wert der nicht­land­wirt­schaft­li­chen Tei­le ent­fal­len. Sie gibt zu­dem den Nutz­wert des In­ven­tars an, wenn die­ser ge­schätzt wor­den ist.2
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2004 (AS 2003 4123; BBl 2002 4721).
Art. 88 …
1Ge­gen ei­ne Ver­fü­gung auf­grund die­ses Ge­set­zes (Art. 80 Abs. 1 und Art. 87) kann in­nert 30 Ta­gen bei der kan­to­na­len Be­schwer­de­be­hör­de (Art. 90 Bst. f) Be­schwer­de er­ho­ben wer­den.
2Letz­tin­stanz­li­che kan­to­na­le Ent­schei­de sind dem Eid­ge­nös­si­schen Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment mit­zu­tei­len.
3Im Üb­ri­gen rich­tet sich der Rechts­schutz nach den all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen über die Bun­des­rechts­pfle­ge.2
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 5 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er­las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5599; BBl 2006 7759).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 5 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er-las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5599; BBl 2006 7759).
Art. 89 Beschwerde an das Bundesgericht
Letz­tin­stanz­li­che kan­to­na­le Be­schwer­de­ent­schei­de un­ter­lie­gen der Be­schwer­de in öf­fent­lich-recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten nach den Ar­ti­keln 82-89 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 20052.
1Die Kan­to­ne be­zeich­nen die Be­hör­den, die zu­stän­dig sind:
ei­ne Be­wil­li­gung nach den Ar­ti­keln 60, 63, 64 und 65 zu er­tei­len;
Ent­schei­de der Be­wil­li­gungs­be­hör­de ge­mä­ss Ar­ti­kel 83 Ab­satz 3 an­zu­fech­ten (Auf­sichts­be­hör­de);
ei­ne Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 76 Ab­satz 2 für Dar­le­hen zu er­tei­len, mit de­nen die Be­las­tungs­gren­ze über­schrit­ten wer­den darf;
ei­ne An­mer­kung nach Ar­ti­kel 86 zu ver­lan­gen;
die Schät­zung des Er­trags­werts durch­zu­füh­ren oder zu ge­neh­mi­gen (Art. 87);
über ei­ne Be­schwer­de zu ent­schei­den (Be­schwer­de­in­stanz).
2Kan­to­na­le Er­las­se, die sich auf die­ses Ge­setz stüt­zen, müs­sen dem Eid­ge­nös­si­schen Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment zur Kennt­nis ge­bracht wer­den.1
1Der Bun­des­rat er­lässt die Voll­zugs­be­stim­mun­gen zu den Ar­ti­keln 10 Ab­satz 2 und 86 Ab­satz 2.
3Das Eid­ge­nös­si­sche Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment ent­schei­det über die An­er­ken­nung von Ge­nos­sen­schaf­ten und Stif­tun­gen des Pri­vat­rechts und von kan­to­na­len In­sti­tu­tio­nen im Sin­ne von Ar­ti­kel 79.
1 Die Än­de­run­gen kön­nen un­ter AS 1993 1410 kon­sul­tiert wer­den.
das Bun­des­ge­setz vom 12. Ju­ni 19511über die Er­hal­tung des bäu­er­li­chen Grund­be­sit­zes;
das Bun­des­ge­setz vom 12. De­zem­ber 19402 über die Ent­schul­dung land­wirt­schaft­li­cher Heim­we­sen.
1Die Erb­tei­lung rich­tet sich nach dem Recht, das bei der Er­öff­nung des Erb­gangs ge­gol­ten hat; wird das Tei­lungs­be­geh­ren nicht in­nert Jah­res­frist seit In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ge­stellt, so gilt in je­dem Fall das neue Recht.
2Ver­trag­lich be­grün­de­tes ge­mein­schaft­li­ches Ei­gen­tum (Mit- oder Ge­sam­tei­gen­tum) wird nach al­tem Recht auf­ge­ho­ben, wenn dies in­nert Jah­res­frist seit In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ver­langt wird.
3Ein bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­reits be­ste­hen­der ge­setz­li­cher oder ver­trag­li­cher Ge­winn­an­spruch be­hält auch un­ter dem neu­en Recht sei­ne Gül­tig­keit. So­weit ver­trag­lich nichts Ab­wei­chen­des ver­ein­bart wor­den ist, rich­ten sich je­doch Fäl­lig­keit und Be­rech­nung nach dem Recht, das im Zeit­punkt der Ver­äus­se­rung gilt. Die Zu­wei­sung ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Grund­stücks zu ei­ner Bau­zo­ne (Art. 29 Abs. 1 Bst. c) gilt nur dann als Ver­äus­se­rung, wenn der Be­schluss über die Ein­zo­nung nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes er­geht.
4Für das Vor­kaufs­recht an land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­ben und Grund­stücken gilt das neue Recht, wenn der Vor­kaufs­fall nach dem In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ein­ge­tre­ten ist.
1Die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes über das Re­al­tei­lungs­ver­bot, das Zer­stücke­lungs­ver­bot, das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren und die Be­las­tungs­gren­ze gel­ten für al­le Rechts­ge­schäf­te, die nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes beim Grund­buchamt an­ge­mel­det wer­den.
2Be­wil­li­gungs- und Be­schwer­de­ver­fah­ren, die beim In­kraft­tre­ten hän­gig sind, wer­den nach dem neu­en Recht be­ur­teilt, wenn das Rechts­ge­schäft beim In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes noch nicht beim Grund­buchamt an­ge­mel­det war.
Art. 95a Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 20. Juni 2003
Die über­gangs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen der Ar­ti­kel 94 und 95 fin­den auch auf die Än­de­rung vom 20. Ju­ni 2003 An­wen­dung.
Art. 95b Übergangsbestimmung zur Änderung vom
Die Ar­ti­kel 94 und 95 gel­ten auch für die Än­de­rung vom 5. Ok­to­ber 2007.

References: Art. 8

Art. 10
 Art. 522

Art. 48
 Art. 798

Art. 88
 Art. 87

Art. 89

Art. 95

Art. 95