Source: http://www.deliberationdaily.de/2018/03/der-sozialdemokratische-ritt-in-den-sonnenuntergang/
Timestamp: 2018-11-16 05:11:15+00:00

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Der sozialdemokratische Ritt in den Sonnenuntergang
by Stefan Pietsch on 4. März 2018
Am Ende war es ein Ergebnis, das die tiefe Zerrissenheit und die Sorge um die Zukunft dieser so stolzen Partei nicht annähernd widerspiegelt. Zwei von drei der zur Wahl aufgerufenen SPD-Mitglieder entschied sich für einen weiteren Gang als Juniorpartner in eine Koalition mit der Dauerkanzlerin Angela Merkel. Die furiose Kampagne des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert zündete nicht, zu groß war die Angst, angesichts rasant fallender Umfragewerte zu einer Marginalie der Bundespolitik zu werden. Die mit 433.000 Mitgliedern immer noch zugkräftigste Partei hat sich längst von den Sorgen, Nöten und Interessen der Bürger entkoppelt, ist sich selbst genug und schmort im eigenen Saft. Die Debatte über den schon in der DNA der Anhänger angelegten Fehler, aus Minderheitenthemen und Partikularinteressen eine mehrheitsfähige Volkspartei zu zimmern, hat dazu der frühere Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit einem SPIEGEL-Interview befeuert. Der sozialdemokratische Maverick promotet damit sein neues Buch, das den Ritt der SPD in den Sonnenuntergang kommerziell begleitet. Die ehemalige linke Volkspartei ist zu einem Bund von Beamtenpolitikern geworden, deren oberstes Ziel nur die Selbstvergewisserung der eigenen Weltanschauung ist.
Es hat schon eine besondere Schizophrenie, dass eine Partei, die insbesondere auf kommunaler Ebene tausende Mandatsträger vorzuweisen hat und die meisten Großstädte regiert, trotzdem im Bund keinen Zuspruch mehr erfährt. Es ist nicht der einzige Widerspruch der Partei, die grauen Funktionäre auf den Parteitagen haben eine geradezu diabolische Freude daran, profilierte Bewerber abzustrafen, die zwar in Wahlen außerordentlich erfolgreich sind, aber nicht die rechte Gesinnung mitbringen. Wie anders in Kontrast die letzte verbliebene Volkspartei CDU, deren Mitglieder und Funktionäre inzwischen 18 Jahre eine Vorsitzende tragen und ertragen, die so wenig Fleisch von der Partei ist, aber Wahlen gewinnen konnte.
Das Kartell der Mittelmäßigkeit, das einstmals Gerhard Schröder in der Bundestagsfraktion erblickte, hat sich durch die Funktionärsschichten gefräst. Nicht erst seit dem Machtverlust 2005 führt die Partei Endlosdebatten über den richtigen Kurs ohne einen Kurs zu finden. Weniger denn je weiß man im Willy-Brandt-Haus, wer die SPD noch wählt und wer als Wähler gewonnen werden soll. Auf Plakaten werden junge Familien im Grün gezeigt, während gleichzeitig das langjährige IG Metall-Mitglied mit einer Frührente beglückt wird. Und in den Koalitionsverhandlungen wird der Familiennachzug für Flüchtlinge zur wichtigsten Frage der Nation erklärt, im Glauben, dass diese humanitäre Frage die eigene Anhängerschaft besonders bewegt.
Der letzte Hoffnungsträger sauste binnen 365 Tagen vom 100%-Hero to Zero, verhandelte einen Koalitionsvertrag vom sozialdemokratischen Reißbrett und durfte diesen dann wegen der eigenen misslungenen Karrierepläne nicht mehr selbst präsentieren. Das Durcheinander hat System an der Wilhelmstraße 140 in Berlin. Auch der Zählkandidat Steinbrück durfte 2013 höchstens sein Gesicht in die Kamera halten, während die Amateurstrategen ein Programm schrieben, das ziemlich wenig mit der gerade ernannten Gallionsfigur zu tun hatte. Der heute in Umfragen beliebteste Politiker, der noch amtierende Außenminister Sigmar Gabriel, ist in der Partei verhasst und es kursieren bis heute ernsthafte Überlegungen, das politische Schwergewicht durch das Leichtgewicht und wenig lebenserfahrenen Nils Annen zu ersetzen. Solche Geschichten kann nur die SPD schreiben.
Mit dem Mitgliederentscheid haben die Führungsverantwortlichen jeden Führungsanspruch an die so gefürchtete Basis zurückgegeben. Erst sollte ein Sonderparteitag darüber entscheiden, ob eine nur wenige Monate zuvor gewählte Spitze Gespräche über eine Regierungsbildung aufnehmen dürfe. Und nach der Verhandlung eines Regierungsprogramms, dass selbst nach den Möglichkeiten der Mathematik weitgehend den Geist sozialer Weltverbesserer atmet, bestimmten nun Parteimitglieder – inklusive Katzen – darüber, ob der unterschriftsreife Vertrag zum Aktionsprogramm des Landes werden soll.
Außerhalb des sozialdemokratischen Mikrokosmos sind die Bürger einem solchen Wirrwarr längst überdrüssig und lassen die Partei in ihrer geistigen Inzucht allein. Parteien und Kandidaten werden nicht für Vergangenes gewählt, sondern für ihre Zukunftsideen. Längst haben die meisten Menschen einen Begriff davon bekommen, dass die nächsten 10 Jahre nicht so aussehen werden wie die letzten. Ihre Arbeitswelt ändert sich nicht durch Zeitarbeit und Werksverträge, sondern durch neue Technologien, Automatisierungen und Neustrukturierungen von Arbeitsprozessen. Bildung entscheidet über das Lebenseinkommen, aber das höchste Ziel der Sozialdemokraten ist immer noch das gemeinsame Lernen ungeachtet weiterhin hoher Schulabbrecherquoten. Die Sparanstrengungen sind im Schnitt weit zu niedrig, um die Hälfte des Lebens ohne Erwerbseinkommen zu finanzieren. Doch die Problemlösungskompetenz erschöpft sich darin, Mindestrenten für Menschen anzubieten, die 35 Jahre gearbeitet haben, also weniger als die Hälfte der normalen Lebenserwartung.
Wer heute noch zu sozialistischem Denken hat, besitzt offensichtlich einen besonderen Gencode, an der Wirklichkeit vorbei zu leben. Als die Franzosen müde und mürbe davon waren, als kranker Mann Europas tituliert zu werden, ging die PS mit der zentralen Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ins Rennen. Doch da die Franzosen gerade nicht in Stimmung waren, angesichts der unübersehbaren tiefen Krisen weniger zu arbeiten, verzwergte der Spitzenkandidat Benoît Hamon die Sozialisten. Auch in Italien steht eine solche Selbstverzwergung an, wenn die regierenden Sozialdemokraten von Clowns in die politische Bedeutungslosigkeit geschlagen werden. Und selbst wenn dies nicht passieren sollte, steht die Selbstzerlegung in Splittergruppen an. Soweit ist auf Linke Verlass.
Nun wird die SPD also in die Regierung marschieren, mit nichts anderem als dem Koalitionsvertrag bewaffnet. Die Programmarbeit soll die zukünftige starke Frau Andrea Nahles übernehmen, die in ihrer politischen Vita vor allem als Wühlmaus zwischen den Linien, aber nicht durch konzeptionelles Arbeiten aufgefallen ist. Ihr öffentliches Image ist nahezu desaströs, sie kommt nicht als stilsichere Managerin der medias res rüber, sondern als angestaubte Ehrenvorsitzende der schlecht beleumundeten Jusos. Ein Wählermagnet ist sie nie geworden, trotz Gesangesversuche und Gossensprache. Möglicherweise auch deswegen. Während der Funktionärskorps in Träumen von der Welterlösung schwebt, erwarten Wähler heute nicht ausgefeilte Programme, die ohnehin keine Chance auf Verwirklichung haben. Sie suchen sich Repräsentanten, die herausragen, selbst wenn es milliardenschwere Immobilientycoone sind. Sie verlangen nach Persönlichkeiten, die Probleme sehen und nicht aus ideologischen Motiven verschweigen. Sie erwarten Lösungen, selbst wenn diese den eigenen Überzeugungen widersprechen sollten.
All das bieten Sozialdemokraten heute nicht mehr an. Mehr noch: die sozialdemokratischen Parteien des Kontinents geben wenig Anlass zu der Hoffnung, dass sie begriffen haben, worauf es in einer Demokratie ankommt. Probleme zu lösen und nicht Weltanschauungen zu pflegen.
Wolf-Dieter Busch 4. März 2018, 15:55
Das Ergebnis räumt mit letzten Zweifeln an der Würdelosigkeit der Parteibasis auf.
DDD 4. März 2018, 16:35
schon in der DNA der Anhänger angelegten Fehler
Wer heute noch zu sozialistischem Denken hat, besitzt offensichtlich einen besonderen Gencode, an der Wirklichkeit vorbei zu leben.
Ich nehme mal an, dass Sie es nicht wirklich so meinen, aber es klingt trotzdem etwas seltsam.
In Dubio 4. März 2018, 21:45
Ich kann die Motive nachvollziehen, warum jemand die LINKE, die Grünen oder die AfD wählt. Da gibt es gewisse Strukturen, Werte, Sozialisation u.ä. Bei den mir bekannten SPD-Wählern, und das zieht sich bis Stefan und Ariane hier, scheint ein reines Funktionsargument zu dominieren. Mit dem Kreuz bei der SPD wählt man das kleinere Übel.
Der Hang zur Selbstzerfleischung ist denke ich auch augenfällig.
Stefan Sasse 5. März 2018, 06:41
Kein Widerspruch hier. Ich sehe nur nicht, wie ätzender Zynismus von außen die Lage verbessert.
In Dubio 5. März 2018, 06:56
Wo siehst Du ätzenden Zynismus?
Ariane 5. März 2018, 07:07
Es gibt bei mir schon auch ein paar andere Gründe, aber ja „Funktion“ spielt auch eine Rolle. Warum auch nicht?
Mag ja altmodisch um nicht zu sagen urkonservativ sein, aber eine solide, funktionierende Regierung halte ich in diesen Zeiten für durchaus wichtig. Und mit deiner freudigen Erwartung von Revolution, Unruhe und Chaos und dem erweiterten FDP Mantra „lieber regiert einfach gar keiner als die falschen“ kann ich wiederum nichts anfangen. Klar hast du mit deiner Kritik auch oft recht, aber immerhin übernimmt die SPD (und deren Mitglieder) die Verantwortung und regiert dieses Land und zwar nicht aus Machtgeilheit oder so, sondern durchaus mit dem Risiko, dass es der Partei vielleicht nicht so gut tut und so etwas nötigt mir nun mal Respekt ab.
In Dubio 5. März 2018, 07:21
Das ist das, was ich die geschönte und unkritische Variante nenne. Wenn ich die gesamte Richtung für falsch halte, dann kann ich mich nicht beteiligen. Wer gegen das Rauchen eingestellt ist, kann nicht die Leitung eines Tabakkonzerns übernehmen.
Am Abend des 24. Septembers kassierte Martin Schulz für die Verkündung des Endes der Großen Koalition stehende Ovationen. Noch im Dezember wurde die Absage von Verhandlungen von vielen Funktionären einhellig begrüßt, Umfragen zeigten bis zum Schluss eine tiefe Zerrissenheit bei Anhängern und Mitgliedern. Was hat sich seitdem geändert? Die Umfragen sagen der SPD die Vernichtung als Volkspartei voraus. Kennen nun die obersten Würdenträger ihre Partei nicht, sind Umfragen völlig getürmt, oder hat die Abstimmenden auch die schiere Angst ergriffen?
Ein überzeugter FDP- oder Grünwähler kann Dir sehr genau schildern, warum er „seine“ Partei für die einzig richtige hält.
Ariane 5. März 2018, 07:47
Wenn ich die gesamte Richtung für falsch halte, dann kann ich mich nicht beteiligen. Wer gegen das Rauchen eingestellt ist, kann nicht die Leitung eines Tabakkonzerns übernehmen.
Ja, aber ich halte doch gar nicht die gesamte Richtung für falsch?
Ist jetzt nicht meine Wunschkoalition, aber auch nicht so, dass ich alles für ganz schlimm halte und meine Wunschkoalition wäre sowieso auf die SPD als stärkste Partei angewiesen. Insofern führt deine Kritik hier irgendwie ins Leere.
Was war das denn noch gleich? Ach ja, die einzige andere Option hatte sich zerschlagen und so ein Land hat es nun mal an sich, besser regiert als nicht regiert zu werden.
Du stehst doch so auf Unternehmensvergleiche: Wenn bei uns in der Firma ein Führungsposten frei ist und die Bewerber alle abspringen, stehen wir auch vor einem Problem und einer der übrigen macht die Arbeit halt mit, weil sie irgendwie erledigt werden muss. Und ein Land hat es noch schwerer, weil es keine Möglichkeiten gibt, die Stellenbeschreibung zu ändern oder das ganze Land aufzulösen im Gegensatz zu einem Unternehmen. Du plädierst einfach dafür, dass das Unternehmen gar nicht mehr geführt wird und man hofft, dass die Gewinne trotzdem nicht einbrechen. Ja. Dafür, dass du immer ein klein wenig damit angibst, was für ein super Unternehmer du bist, wirkt das ein bisschen beängstigend 😉
In Dubio 5. März 2018, 08:48
Die FDP hielt das und das hast Du ja häufig kritisiert.
Das wusste man bereits im Dezember, also vor drei Monaten. Dennoch waren bis zum Schluss wesentliche Teile der Funktionäre auf einem anderen Trip. Und darauf bezog sich meine Frage, kennen die Spitzenleute der Partei ihre SPD nicht? Nur zur Erinnerung: auf dem Sonderparteitag bekam die Führung nur mit sehr knapper Mehrheit und wahrscheinlich dank der Rede von Andrea Nahles ein Platzet für Verhandlungen. Jetzt haben wir eine Zweidrittel Mehrheit bei den Mitgliedern. So recht passt das nicht zusammen.
Du stehst doch so auf Unternehmensvergleiche
Vielen Dank für die Idee, auf die ich nicht gekommen wäre. 🙂 Es ist ja nicht so, dass keiner die Leitung übernehmen wollte, die Grünen waren ganz begierig und am Ende überrascht, was für ein hohes Gehalt die Vorstandschefin zahlen wollte. Ganz anders die Liberalen, die der Aufsichtsratschef Kauder gönnerhaft zur Seite nahm und meinte: Ihr bekommt auch noch etwas. Doch das fand das potentielle Vorstandsmitglied weder im Ton noch Haltung angemessen und als man sogar die sonst üblichen Bonuszahlungen vorenthalten wollte, wurden die Verhandlungen abgebrochen.
Nun stand die Vorstandsvorsitzende vor ihren Eigentümern reichlich blamiert da. Also nahm sie den bisherigen Vorstandspartner SPD bei Seite und machte ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte – es sei denn, es sind waschechte Linke. Sie sprach, okay die Eigentümer haben Dich jetzt ziemlich runter gemacht, das ist Dir aufs Gemüt geschlagen, ist auch würdelos, aber hey, nimm‘ Dir die Posten, die Du willst und wir machen die Geschäftspolitik, die Du für richtig hältst. Einen Bonus gibt es obendrauf.
Es ist eher erstaunlich, dass die SPD bei einem solchen Angebot noch überlegen musste. Tatsächlich hatte Schulz die Union stundenlang erpresst, bis sie die gewünschten Ministerien hatte. Da ging es nicht um Sachpolitik, die Spitze der Sozialdemokraten wollte angeblich die Verhandlungen platzen lassen, wenn sie nicht den Durchmarsch bekämen. Bei der FDP hattest Du das sinngemäß so bewertet, dass eine Partei in Verhandlungen nicht alles bekommen könne und schließlich seien die Liberalen viel kleiner – Was erlauben Strunz?!
Ariane 5. März 2018, 10:42
Ich dachte, es geht um die SPD oder meinetwegen noch meine Wahlentscheidung^^
Und ich habe übrigens nicht die Prinzipienfestigkeit der FDP kritisiert, denn genau das zweifle ich ja an. Aber lass uns das bitte nicht nochmal durchkauen^^
Dennoch waren bis zum Schluss wesentliche Teile der Funktionäre auf einem anderen Trip. Und darauf bezog sich meine Frage, kennen die Spitzenleute der Partei ihre SPD nicht?
Ich halte es für durchaus möglich und wahrscheinlich, dass zunächst mal nicht alle derselben Meinung sind und da eben durch die Umstände auch verschiedene Erkenntnisprozesse durchlaufen werden müssen.
Am Wahlabend waren alle klar auf Opposition eingestellt bei dem miesen Ergebnis, das wurde nicht mal von Stefan und mir als GroKo-Befürworter kritisiert und so wurden auch die parteiinternen Weichen darauf eingestellt. Das ganze wurde dann unterbrochen und natürlich sorgt das erstmal für Unruhe und einige wollen trotzdem Opposition und andere überlegen sich das vielleicht anders. Gerade bei der SPD läuft das dann schnell zweigleisig, denn es spielen nicht nur parteitaktische Sache eine Rolle, sondern eben auch die Staatsraison. Über das Chaos mit der ersten Sondierung hab ich ja auch einen Artikel geschrieben.
Aber ich glaube, dass sich bei den meisten dann eben nach und nach doch die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Regierungsbeteiligung dem unübersichtlichem Chaos vorzuziehen ist.
Ich persönlich kann das nachvollziehen und verstehe auch deine Verwunderung nicht so ganz.
Da ging es nicht um Sachpolitik, die Spitze der Sozialdemokraten wollte angeblich die Verhandlungen platzen lassen, wenn sie nicht den Durchmarsch bekämen. Da ging es nicht um Sachpolitik, die Spitze der Sozialdemokraten wollte angeblich die Verhandlungen platzen lassen, wenn sie nicht den Durchmarsch bekämen. Bei der FDP hattest Du das sinngemäß so bewertet, dass eine Partei in Verhandlungen nicht alles bekommen könne und schließlich seien die Liberalen viel kleiner – Was erlauben Strunz?!
Ähm ja, vielleicht ist der Unterschied ja, dass die SPD sich durchgesetzt hat und da gar nichts geplatzt ist. Und immerhin war das klar, die Union konnte ja oder nein sagen.
Die FDP ist einfach abgehauen und keiner der Verhandlungspartner wusste warum. Die haben nicht gesagt: Wir wollen xy, sonst gehen wir“ Sondern sind einfach gegangen, weil tjao alles doof war oder so. Die Atmosphäre nicht gepasst hat und Trittin gemein war. Was weiß ich.
Und die SPD hat auch nicht alles bekommen. Klar für ihr Verhandlungsergebnis war das gut verhandelt und das Finanzministerium ist halt die Trophäe zum Vorzeigen. Mir persönlich wäre was anderes zum Vorzeigen lieber gewesen. Muss man sehen, ob sich das so auszahlt.
In Dubio 5. März 2018, 12:31
Ich dachte, es geht um die SPD oder meinetwegen noch meine Wahlentscheidung
Wenn es darum geht, so sind die Zweifel der SPD überhaupt nicht zu verstehen. „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“ Nur die Linke würden über so etwas noch beraten. Obwohl Prognosen schwierig waren, gingen Beobachter wie Funktionäre davon aus, dass es knapp werden würde. Und der Sondierungsparteitag stimmte im wesentlichen über das ab, was später im Koalitionsvertrag stand. Und da war es tatsächlich knapp. Das passt alles für mich nicht zusammen.
Ich bezweifle ja gerade, dass die Mitglieder aus Staatsräson abstimmten wie sie abstimmten. Wenn Deine Partei von der Kanzlerschaft träumt, dann nur jeden fünften Wähler erreicht, sich Hoffnungen macht, dass es im politischen Wellnessbad besser wird und Umfragen sagen, wenn jetzt nochmal gewählt würde, wäre es nicht mehr jeder fünfte, sondern nur noch jeder siebte Wähler, der sich für das begeistert, wofür Du Dich begeisterst – könnte es da nicht sein, dass die am Wichtigsten ist, es erst gar nicht zu so einer Wahl kommen zu lassen?
vielleicht ist der Unterschied ja, dass die SPD sich durchgesetzt hat und da gar nichts geplatzt ist.
Nochmal: hättest Du ein solches Verhalten bei der FDP goutiert? Und warum verstehst Du dann nicht, dass Christian Lindner aufgestanden ist, als klar war, der Soli verschwindet nicht?
Die FDP ist einfach abgehauen und keiner der Verhandlungspartner wusste warum.
Das wussten Union und Grüne sehr wohl. Sie hatten nur nicht damit gerechnet, dass die Liberalen es zum Schwur kommen ließen, siehe Volker Kauder. Es ist unbestritten, dass die FDP-Spitze an dem besagten Sonntag in Abwesenheit der Grünen die Verhandlungsführer der Union über die kritische Situation informierten, die zu einem Abbruch der Gespräche führen würde. Und dass man am Ende der SPD noch extrem entgegenkam, spricht dafür, dass die Union den gleichen Fehler nicht noch einmal machen wollte.
Ariane 6. März 2018, 07:11
Das Problem ist doch, dass eben nicht so klar ist, was das sine qua non der FDP war. Sowohl Lindner als auch du haben eigentlich nur sehr kurz über den Soli geredet und davor, dazwischen und danach noch zig andere Gründe genannt. Und wenn man selbst nicht so genau weiß, warum man denn nun gegangen ist, finde ich es nun mal zweifelhaft, einen auf prinzipienfest zu machen.
Aber ja, wenn die FDP durchgesetzt hätte, dass der Soli sofort verschwindet, hätte ich sie immer noch doof gefunden, aber gewiss nicht ihre Verhandlungsführung kritisiert^^
Erwin Gabriel 5. März 2018, 10:22
@ Ariane 5. März 2018, 07:47
Mein Reden. Aber sei’s drum: Deutschland wurde auch vorher nicht regiert. Und bei dem, was wir uns alle auf Demokratie, funktionierende Gesellschaft etc einbilden, sollte eine gescheiterte Vorbesprechung zu Koalitionsverhandlungen nicht gleich Deutschland ins Unglück stürzen, geschweige denn Europa oder die ganze Welt. Das wäre dann doch eine gleichermaßen eitle und spießige Annahme.
Ariane 5. März 2018, 10:45
Hö? Natürlich wurde Deutschland vorher regiert.?
Natürlich wäre sonst die Welt nicht untergegangen, aber alleine schon der Zeitfaktor: da wären nochmal 3-5 Monate ohne echte Regierung ins Land gegangen und beide Volksparteien wären erstmal ins Chaos geschlittert. Sagt ja keiner, dass dann gleich Anarchie und Straßenkämpfe ausbrechen, wir haben nicht 1919. Trotzdem ist so eine echte komplette, demokratisch legitimierte Regierung doch was Nettes.
Stefan Sasse 5. März 2018, 15:45
Jeder überzeugte Wähler kann dir sehr genau schildern, warum er „seine“ Partei für die einzig richtige hält. Das ist keine sonderlich wertvolle Erkenntnis.
Blechmann 5. März 2018, 21:47
Das Hauptproblem mit noch vier Jahren Groko scheint mir, dass an den drei großen Problem, der Euro-Krise, der Flüchtlingskrise und der EU-Krise, noch vier Jahre nix gemacht wird. Wie Merkel das angeht ist wohl bekannt inzwischen.
Der Plan für die EU ist immer größer werden und gleichzeitig Vertiefung, also der europäische Bundesstaat. Zwei Optionen, die sich ausschließen, und den Austritt der Briten ignorieren wir mal, die kommen vielleicht wieder angejammert.
In der Eurokrise halten wir Griechenland noch vier Jahre über Wasser, sonst machen wir nix. Was Hans-Werner-Sinn über den Konstruktionsfehler des Euro sagt am besten ignorieren.
Die Flüchtlinge werden wir auf die anderen Staaten der EU verteilen. Zwar können wir die nicht zwingen und selbst wenn Polen morgen sagt: „Wir habens uns überlegt und nehmen euch die Hälfte ab“, sind die in ein paar Wochen alle wieder da, und das Rückgrat sie zu zwingen in Polen zu bleiben hätten wir nicht – aber das ist jedenfalls der Plan.
Ich bin eigentlich ein Freund der Politik des „hat bisher auch immer geklappt“ aber bei den drei Punkten kann ich mir nicht recht vorstellen wie. Scheint aber so als werden wir es herausfinden.
bevanite 4. März 2018, 17:39
SPD-Bashing wird langsam ein wenig langweilig, vor allem, wenn es wie hier mit einigen wirren Unklarheiten daherkommt. Der gehaessige Unterton vermittelt eher den Eindruck, dass der Autor hier mit seiner ehemaligen Geliebten abrechnet und nebenbei zum gefühlt dreihundertsten Mal eine Salve gegen „Sozialismus“ abfeuert. Dabei übersieht er aber einmal mehr, dass die Verluste von Hamon in Frankreich mit massiven Stimmenzuwachs für Jean-Luc Mélenchon, der Niedergang der niederlaendischen PvdA mit einem Aufstieg von GroenLinks und der Niedergang der spanischen PSOE mit dem Aufkommen von Podemos einhergingen und die derzeit erfolgreichsten Sozialdemokraten in der OECD-Welt – Justin Trudeau, Jacinda Ardern und Jeremy Corbyn – ihre Parteien erst wieder durch einen Linkskurs in die Spur brachten.
Und was genau sollen denn diese „Minderheitenthemen und Partikularinteressen“ sein, die die SPD angeblich vertritt? Der Mindestlohn war allen Umfragen danach in Deutschland schon seit einer Weile mehrheitsfaehig, ebenso die Homo-Ehe.
Stefan Sasse 4. März 2018, 18:28
Das mit der Langeweile über SPD-Bashing kann ich nur unterschreiben. Hat mittlerweile einen längeren Bart als Beschwerden über Mövenpick bei der FDP.
In Dubio 4. März 2018, 22:10
Welches Bashing? Inwiefern gehässig? Wie müsste denn Ihrer Ansicht nach eine kritische Beschreibung aussehen? Ein Statement wie es die Linkspartei abgibt?
Ich enthalte mich Empfehlungen zu Programmatik und bestimmten Personen, das muss die Partei mit sich ausmachen. Aber ich kommentiere, wie sowohl der Suchprozess als auch das Ergebnis auf den Adressaten wirkt – und das ist der allgemeine Wähler und nicht der SPD-Funktionär.
Dabei übersieht er aber einmal mehr, dass die Verluste von Hamon in Frankreich mit massiven Stimmenzuwachs für Jean-Luc Mélenchon
Hollande erreichte 2012 im ersten Wahlgang 28,6% und Mélenchon 11,1%. 2013 erzielte Mélenchon 19,6% und Hamon 6,4%. Sie werden selbst rechnen können, dass da eine nicht unbedeutende Lücke bleibt – innerhalb von 5 Jahren.
der Niedergang der spanischen PSOE mit dem Aufkommen von Podemos einhergingen
2008 erzielten die spanischen Sozialisten 44% und die Vereinigte Linke 4%. 2016 entfielen auf die PSOE weniger als 23% und auf Podemos 21%. Auch hier: Sie werden rechnen können, vor allem war die Aufspaltung (wie auch in Italien) maßgeblich für den Verlust der Regierungsmacht.
Justin Trudeau, Jacinda Ardern
Sie argumentieren ja in meinem Sinne: Diese Politiker gewannen in einem Persönlichkeitscontest, nicht aufgrund eines ausgefeilten Programms. Aber sehen Sie diese Persönlichkeiten bei der SPD, sehen sie jemanden, der in regionalen Wahlen erfolgreich und populär ist und in der Partei etwas wird? Denn das war eines meiner Argumente. Und zu Corbyn haben wir nun wirklich genug gesagt.
Und was genau sollen denn diese „Minderheitenthemen und Partikularinteressen“ sein, die die SPD angeblich vertritt?
Dazu Peer Steinbrück:
Die SPD glaubt seit mindestens 2009, dass sie aus der Addition von berechtigten Minderheitsanliegen eine parlamentarische Mehrheit zimmern könnte. Übersehen hat sie dabei, dass sich darüber eine Mehrheitsgesellschaft mit ihren Anliegen nicht ausreichend gewürdigt sieht. Die Begeisterung der SPD für Vielfalt, ein Weltbürgertum oder Inklusion ist selbst an Teilen ihrer „klassischen“ Wählerschaft vorbeigegangen. Die unterscheidet sich davon mental und habituell und spürt einen Geltungsverlust. Wie die Sozialisten in Frankreich ist auch die SPD in Gefahr, sich mehr um Antidiskriminierungspolitik und Lifestylethemen zu kümmern und darüber die Befindlichkeiten der Mehrheitsgesellschaft außer Acht zu lassen. Dort werden aber Wahlen entschieden.
Bei Themen, die Wahlen entscheiden, befinden sich Sozialdemokraten entweder in Minderheitenpositionen oder sie haben das Thema schlicht vernachlässigt. So haben Sie keine profilierte Persönlichkeit, die für Recht und Ordnung steht, so wie früher Otto Schily. Bei der Migration hat man sich verkämpft, in den Ländern befürwortet man die relativ unpopulären Gesamtschulen.
Zur Homoehe nochmal Steinbrück:
Natürlich war es vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Entwürdigung und Kriminalisierung Homosexueller richtig, gleichgeschlechtliche Partnerschaften juristisch aufzuwerten. Aber das Hochamt, das die SPD bei dem Thema gefeiert hat, stand in völligem Gegensatz zur Wahrnehmung in der breiten Wählerschaft, welche Themen Priorität haben sollten. Wahrscheinlich haben sich zum selben Zeitpunkt viel mehr Bürger damit beschäftigt, wie es angesichts der Dieselmanipulationen um die Zukunft der deutschen Autoindustrie steht und was gegen die steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen unternommen werden kann.
SPIEGEL: Zu den Fehlleistungen der SPD im Wahlkampf zählt für Sie auch die Behauptung von Aydan Özouz, der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, wonach es keine spezielle deutsche Kultur gebe. Was stört Sie an der These?
Steinbrück: Erstens ist sie falsch, weil es zu Kunst, Kultur und Philosophie natürlich spezifisch deutsche Beiträge gegeben hat – beispielsweise von der Reformation über die Romantik, die Architektur des Bauhauses, die Literatur bis hin zu regionalen Gebräuchen und Traditionen. Und zweitens ist es fatal, weil es dem unsäglichen Vorurteil Vorschub leistet, die SPD habe ein gestörtes Verhältnis zum nationalen Erbe und hänge einem Kulturrelativismus an.
Erwin Gabriel 5. März 2018, 10:26
@ In Dubio 4. März 2018, 22:10
Welches Bashing? Inwiefern gehässig?
Sie sind rhetorisch gebildet genug, um Ihre eigene Süffisanz zu erkennen 🙂
Davon unabhängig teile ich Ihre Einschätzung zur SPD.
Ariane 4. März 2018, 19:29
Tjoa ich kann schon verstehen, dass du frustriert bist, dass es jetzt nichts wird mit Neuwahlen, Schwarz-Gelb, Putsch gegen Merkel und ganz allgemein konservativer Revolution 😉
Für die SPD wäre ein Nein aber doch viel verheerender gewesen (mal abgesehen vom generellen Chaos). Dann wäre ja gar nichts mehr da. So freue ich mich erstmal darüber, dass wir nach einem halben Jahr erstmal überhaupt eine Regierung haben und der SPD wird es erstmal gut tun, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Nach dem ganzen Chaos scheint mir so solides Regieren gar nicht so verkehrt und Ruhe braucht die Partei erstmal wieder. Nahles und Merkel können sich ja gegenseitig erstmal ihr Leid klagen, dass ständig längst abservierte Besserwisser ankommen und die Klappe aufreißen, während sie die Arbeit machen^^
Und ja das Rumnörgeln ist immer groß in Mode, aber irgendwie ist die SPD ja auch so eine Partei, die selbst mit so einem miesen Wahlergebnis noch extrem viel herausholt. Das sollten ihr andere erstmal nachmachen^^
Ich halte das alles eigentlich für ziemlich optimal. Wie gesagt, Regierungsbeteiligung mit etlichen sozialdemokratischen Anliegen ist ok. Überhaupt eine Regierung zu haben ist nicht verkehrt und gleichzeitig gab es immerhin soviele Neinstimmen, dass für Nahles & Co. die Aufgabe bleibt, diese Leute weiter einzubinden und das Erneuerungsthema nicht unter den Teppich zu kehren. Also ich bin zufrieden, aber ja ich hab auch nicht so die hohen Ansprüche 😉
Ant_ 4. März 2018, 20:57
Ich bin ganz ehrlich ziemlich gespalten. Ich sehe, dass die SPD unverhältnismässig viel rausgeholt hat für Ergebnis usw.
Gleichzeitig glaube ich irgendwie nicht, dass es für die SPD je wieder so weit nach oben gehen kann, dass sie der CDU die Stirn bieten kann – ich bin inzwischen der Meinung, die CDU ist die Anormalie im aktuellem System, und eigentlich warten alle darauf, dass Merkel abtritt, die CDU den langsamen Abstieg der SPD in kurzer Zeit nachholt und danach in Deutschland die Puppen politisch einfach mal richtig tanzen…es ist doch bei unserem System eher ungewöhnlich, zwei so monolithische Parteien zu haben, an denen sich alles orientiert, zumindest so strukturell? Und ich denke, dass die SPD nicht wieder nach oben kommt, weil ich glaube dass die GroKo-Gegner nicht auf Sachargumente reagieren, sondern politisch-strategisch argumentieren (mit Fehlern denke ich), und da ist „wir haben jetzt aber so viel rausverhandelt“ echt total egal dafür, wie man eine neue GroKo einschätzt.
Wenn ich die SPD rein Input-Output mässig bewerten würde, dann wäre ich echt zufrieden, aber irgendwie kriege ich das nicht hin – und mein Eindruck ist, dass das sehr vielen Kritikern ähnlich ergeht. Keine Ahnung, was da eine Lösung sein könnte ^^
Stefan Sasse 5. März 2018, 06:40
Das ist durchaus ein mögliches Szenario, aber es ist auch nicht abwegig, dass sich beide wieder auf einem 30%-Niveau annähern.
Ariane 5. März 2018, 07:16
Schwer zu sagen. Dass sich das ganze etwas mehr ausfranst und es mehr Oppositionsparteien gibt und daher auch die beiden großen nicht mehr die ganz hohen Zahlen erreichen, ist einfach so. Die Zeit für zwei Volksparteien und eine kleine ist einfach vorbei. Allerdings ist Deutschland auch sicher nicht das Land für ganz radikale Verwerfungen wie woanders und zb einen totalen Kollaps der SPD wie in Frankreich halte ich hier eher für unwahrscheinlich. Wird davon abhängen, wie gut CDU und SPD ihre Flügel in den nächsten vier Jahren einbinden und befrieden können.
Erwin Gabriel 5. März 2018, 10:42
@ Ant_ 4. März 2018, 20:57
Gleichzeitig glaube ich irgendwie nicht, dass es für die SPD je wieder so weit nach oben gehen kann, dass sie der CDU die Stirn bieten kann.
Zustimmung, was das Gespaltensein und die Zukunftsaussichten angeht.
Wenn Sie beliebige Leute auf der Straße fragen, hätte ALLE eine klare Vorstellung davon, wofür die AfD / die FDP / die Grünen / die LINKE steht. Unabhängig davon, ob diese Vorstellung richtig oder falsch ist, ob die Befragten dieser Vorstellung zustimmen oder sie aus vollem Herzen ablehnen – sie haben eine Vorstellung.
Wenn Sie nach CDU oder SPD fragen, wird das schon deutlich schwieriger, selbst wenn diese Parteien eigentlich ein größeres Spektrum haben und damit für mehr Menschen Projektionsflächen bieten. Die CDU kann immerhin in die Waagschale werfen, dass Frau Merkel vergleichsweise unaufgeregt und dass es uns (zumindest den meisten von uns) halbwegs gut geht.
Blechmann 5. März 2018, 21:54
„Wenn Sie beliebige Leute auf der Straße fragen, hätte ALLE eine klare Vorstellung davon, wofür die AfD / die FDP / die Grünen / die LINKE steht. Unabhängig davon, ob diese Vorstellung richtig oder falsch ist, ob die Befragten dieser Vorstellung zustimmen oder sie aus vollem Herzen ablehnen – sie haben eine Vorstellung.“
Was schlicht daran liegen könnte, dass diese vier Parteien eine Tendenz haben, neoliberal plus X und CDU/SPD nicht, die sind einfach nur neoliberal.
In Dubio 4. März 2018, 22:22
Frustriert ist gar kein Ausdruck, die Couch weist tiefe Beißspuren auf. 🙂
Für die SPD wäre ein Nein aber doch viel verheerender gewesen
Das werden wir dann spätestens 2021 wissen. Angesichts der Erfahrungen mit zwei Großen Koalitionen ist diese Annahme zumindest mutig, denn die SPD geht ja den dritten Versuch mit den Strategien der vorherigen an.
Auch, dass man in der Regierung in ruhigem Fahrwasser sich befindet, ist eine etwas ungewöhnlich Perspektive. Eigentlich läuft es bei den Sozialdemokraten immer gleich: sie machen sich mit Feuereifer daran, ein Programm abzuarbeiten und je mehr die Umfragen fallen, desto mehr verfallen sie in einen Furor. Ob es diesmal wirklich anders läuft? Und was passiert eigentlich, wenn 2019 ein Konjunktureinbruch folgt und kein Geld in den Steuer- und Sozialversicherungstöpfen ist, um das Vorhersehbare aufzufangen? Oder wie würde man auf eine Regierung der Fünf-Sterne-Bewegung mit der Forza Italia und den Norditalienischen Separatisten reagieren, wenn diese aktiv einen Austritt aus dem Euro anstreben?
Und es tut mir leid, Ariane, aber allein die Nennung von Nils Annen als potentiellen Außenminister der Bundesrepublik Deutschland ist ein Affront.
Stefan Sasse 5. März 2018, 06:42
Ich habe inzwischen in mehreren Artikeln dargelegt, warum das Abarbeiten ihres Programms, so tapfer und ehrlich es am Wähler auch ist, für die SPD eine Sackgasse ist.
In Dubio 5. März 2018, 06:53
Da haben wir auch keinen Dissens. Dennoch scheinen das SPD-Mitglieder zu lieben.
Die Linke liebt das generell. Das Phänomen findest du auch in LINKE und bei Grünen (und vermutlich noch viel mehr bei der MLPD).
Ariane 5. März 2018, 07:34
Das werden wir dann spätestens 2021 wissen.
Nein, werden wir nicht, denn das sagt nichts darüber aus, wie das Ergebnis 2021 mit einem Nein gewesen wäre. Wir werden nur wissen, ob es mit Regierungsbeteiligung hoch oder runtergeht^^
Auch, dass man in der Regierung in ruhigem Fahrwasser sich befindet, ist eine etwas ungewöhnlich Perspektive.
Also bei einem Nein wären sie doch aber nun völlig im Chaos versunken, da ist das für die Partei an sich so doch nun wirklich etwas ruhiger und solange noch nichts feststeht, träume ich noch ein wenig davon, dass Nahles sich das Außenamt holt. Dann wäre es mit dem desaströsen Image auch schnell vorbei *lol*
Und da stimme ich euch ja zu, Programm abarbeiten und sonst nichts, hilft wenig. Das ist durch den Koalitionsvertrag eh längst eingepreist, damit gewinnt man keinen Blumentopf mehr.
Es wird auf zwei Dinge ankommen: Zum einen, wie sie sich in der Regierung geben. Brav mitregieren und nicht aufmucken erfreut die CDU, hilft der SPD aber nicht. Nur weil sie da jetzt mitmachen, müssen sie nicht alles gut finden und es würde ihnen nicht schaden, höflich darauf hinzuweisen, dass sie einige Dinge in anderer Konstellation anders machen würden. Und Krisen wie Austritte aus der EU oder Konjunktureinbrüche wären im Übrigen auch Chancen, sich hervorzutun. Und wenns auch nur ist, darauf hinzuweisen, dass dank der SPD überhaupt eine Regierung da ist, die sich drum kümmern kann^^
Und zweitens sollten sie unbedingt alle ehemaligen Wahlkampfmanager mit einem riesigen Tritt in den Hintern rausbefördern und da mal vernünftige Leute an Land holen, damit nicht wieder so ein konfuses Wirrwarr rumkommt. Am besten sie überlegen sich jetzt schon zwei, drei Sachen, die sie gerne hätten und erzählen das die nächsten vier Jahre lang einfach jedem, der nicht schnell genug wegläuft und denken sich nicht in 3,5 Jahren hektisch irgendwas aus^^
In Dubio 5. März 2018, 09:11
Nein, werden wir nicht, denn das sagt nichts darüber aus, wie das Ergebnis 2021 mit einem Nein gewesen wäre. Wir werden nur wissen, ob es mit Regierungsbeteiligung hoch oder runtergeht
Es gilt als völlig unstreitig, dass die Sozialdemokraten seriös regieren werden. Da war nie ein wirklicher Zweifel. Die Zweifel sind, dass dies der SPD als Partei etwas nützt oder im Gegenteil weiter in die Bedeutungslosigkeit führt.
Nur zur Erinnerung: der zukünftige Finanzminister und Vizekanzler wurde noch vor wenigen Wochen beim regulären Parteitag mit einem blamablen Ergebnis abgestraft. Die designierte Parteichefin kennt die eigene Verfassung nicht und hält von innerparteilicher Transparenz und Mitbestimmung nur dann etwas, wenn es sie nicht selbst betrifft. Das kann man chaotisch nennen.
Brav mitregieren und nicht aufmucken erfreut die CDU, hilft der SPD aber nicht.
In Deiner Rechnung scheint die Union nicht vorzukommen. Die SPD hat die Ministerien ihrer Wahl und den gewünschten Koalitionsvertrag bekommen. Merkel dagegen muss um ihre letzten Jahre als Kanzlerin kämpfen, das zeigten die letzten Wochen. Rutscht Deutschland in eine Wirtschaftskrise oder kommt es auf europäischer oder im Ausland zu Verwerfungen, dominiert ohnehin das Kanzleramt und können die Sozialprogramme in den Ausguss gekippt werden. Dann konnte die SPD bis dahin ein bisschen mehr Rente machen und danach wird Scholz zum Kassenwart degradiert.
Das Willy-Brandt-Haus gilt seit Jahrzehnten als nicht kampagnenfähig.
SPIEGEL: Am Willy-Brandt-Haus reiben sich viele Sozialdemokraten, vor allem jene, die politisch scheitern. Verhüllt die Kritik an der Parteizentrale eigenes Versagen?
Steinbrück: Das mag in Teilen so sein. Aber es gibt zweifellos Probleme im Willy-Brandt-Haus. Die Mitarbeiter dort leben zu sehr in den Fotoalben vergangener Jahrzehnte. Gute Leute sind gegangen. Externe Mitarbeiter im Gefolge eines Kandidaten werden häufig als Eindringlinge empfunden. Die Parteizentrale ist zu einem großen Echoraum geworden, sie braucht dringend neue Leute mit Schwung, die sich um eine bessere Kommunikation insbesondere in den sozialen Medien und neue Beteiligungsformate für Mitglieder Gedanken machen. Das Konrad-Adenauer-Haus ist erkennbar besser aufgestellt.
Zu Nahles: es gilt als ausgeschlossen, dass sich ein Außenminister auch um die innere Renovierung der Partei kümmern könnte. Und außerdem ist auch der Diplomatenstatus keine Garantie für hohe Popularität, zumal, wenn man gleichzeitig noch als starke Parteipolitikerin auftreten möchte. Siehe Guido Westerwelle.
Stefan Sasse 5. März 2018, 15:47
Ich sag es schon länger: das Hauptproblem der SPD ist gerade die Führungsriege, und zwar nicht ideologisch-programmatisch, sondern schlicht auf dem Level technischer Kompetenz.
Abschließende Betrachtung 10. März 2018, 08:44
Auch in diesen Kommentaren wird wieder deutlich, warum es häufig sinnlos ist, mit Gegner der Genderstudies (folgend „GG“ genant) über Genderstudies zu diskutieren. Zwei Phänomene sind immer wieder zu beobachten. Zum einen kennen GG die Theorien und Aussagen der Genderstudies allenfalls aus 4. Hand. was dazu führt dann dazu, dass sie ihre eigenen Vorstellungen von Genderstudies kritisieren. Prototypisch läuft das dann folgendermaßen ab:
Aussage GG: Genderstudies behaupten, dass das Geschlecht ausschließlich durch soziale Praxis bestimmt wird.
Antwort: Nein, Genderstudies sagen aus, dass das Geschlecht nicht ausschließlich durch Biologie bestimmt wird.
GG: Doch!
Was soll man da noch diskutieren? Da wird auf einen Pappkameraden eingedroschen, der so gar nicht mit Genderstudies zu tun hat.
Zum anderen ist den GG die theoretische Grundlage der Genderstudies, Foucaults Diskurstheorie, vollkommen unbekannt. Damit gleicht der Versuch, mit einem GG über Genderstudies zu reden, dem Versuch, mit einem Fisch über das Fliegen zu reden.
In Dubio 10. März 2018, 10:34
Sie bestätigen in Ihrem Kommentar Ihre Thesen gegen sich selbst. Das Erste, was man vom Anhänger einer Lehre erwarten kann und muss, ist, dass dieser Originalquellen und damit im wissenschaftlichen Bereich Studien, benennen kann. Trotz mehrmaliger Aufforderung ist das Stefan und anderen nicht gelungen. Sie selbst nehmen mit Ihrer These Bezug auf – wie sagen Sie so schön? – 4. Hand. Sie behaupten und behaupten – ohne Grundlage. Schön, wenn man einen Spiegel hat…
Stefan Sasse 10. März 2018, 11:04
Auch auf die Gefahr hin, den Kindergarten nur in die nächste Runde zu drehen: nein, du bestätigst damit seine Kritik. Denn ihr behauptet steif und fest, dass die Gender Studies Prämissen hätten, die sie schlicht nicht haben – was in jedem Einführungswerk (für die ich euch eine ganze Liste kopiert habe) – zu lesen wäre.
In Dubio 10. März 2018, 11:46
Ich frage nach den Erkenntnissen. In der Wissenschaft wird so etwas in Studien und wissenschaftlichen Veröffentlichungen niedergelegt. Oder gelten für politische Wissenschaften andere Maßstäbe?
Stefan Sasse 10. März 2018, 18:39
Die produzieren einen ständigen Strom an Papern, Büchern, Artikeln etc. Wenn du ihre Erkenntnisse lesen willst, dann lies sie. Die sind nicht geheim. Was willst du eigentlich von mir?
In Dubio 10. März 2018, 19:15
Also, für die Wirtschaftswissenschaften kann ich Dir sehr leicht ein paar Standardwerke raushauen und ein paar klassische Theorien, z.B. Preistheorien. Ähnliches hätte ich jetzt bei den Gender Studies erwartet, wenn Du schon dazu einen Artikel verfasst. Schließlich hat jede Wissenschaft ihre Standardwerke. So debattieren wir auf dem Niveau, wie das „Abschließende Betrachtung“ geschrieben hat. Und da Du mit einem Artikel den Aufschlag genommen hast, hättest Du nicht gleich einen Slice spielen sollen, sondern knallhart gespielt.
Stefan Sasse 11. März 2018, 08:45
Ich hab halt nie Gender Studies studiert, nur während dem Studium die Ansätze grundlegend kennengelernt, wie sie für das jeweilige Fach relevant waren. Aber von mir aus, hier einige Theorien (ohne Standardwerke, die müsstest du selbst suchen, aber das geht schnell mit google), die dir auch gleich zeigen, dass die Rede von „den“ Gender Studies genauso Unsinn ist wie die von „den“ Wirtschaftswissenschaften als monolithischem Block:
– Ethnometholodogolischer Konstruktivismus: Darüber haben wir hauptsächlich geredet; gender als soziale Konstruktion.
– Hegemoniale Männlichkeit: Spielart davon, dass die soziale Männlichkeitskonstruktion als schädlich ansieht und postuliert, dass sie als gesellschaftlicher Standard und erstrebenswertes Ideal gesetzt wird. Aus der Richtung kommt meine Kritik der „toxischen Maskulinität“.
– Diskursiver Konstruktivismus: Weitere Spielart; hier geht es vor allem um das Erweitern des Geschlechtsbegriffs (also mehr als nur Mann und Frau, etwa Trans etc.)
– Queer Theory: Beschäftigt sich hauptsächlich mit sozialen Konstruktionen von Homosexualität, also etwa dem Heteronormativismus und der Benachteiligung schwuler Männer, weil diese nicht traditionellen Männlichkeitskonstruktionen genügen.
– Differenz-Theorie: Sieht klare Unterschiede zwischen Mann und Frau, betrachtet bisherige Betrachtung als patriarchalisch-unterdrückerisch und setzt sich für explizite Aufwertung der weiblichen Rolle und die Einführung von Frauenförderung ein. Die haben viel Wahrnehmung im öffentlichen Raum, werden aber selten mit den Gender Studies in Verbindung gebracht.
– Diversitäts-Theorie: Hier wird betont, dass es „die“ Frau nicht gibt und dass die anderen Hintergründe (Rasse, sexuelle Orientierung, Religion etc) mehr in den Vordergrund gerückt werden müssen. Beschäftigt sich auch zentral mit der Benachteiligung von Frauen und hat wie Differenz-Theorie deren politische Förderung zum Ziel, will aber die weiß-hetero-normative Sicht der „klassischen“ Feministinnen brechen.
Das wären einige zentrale Strömungen. Reicht dir das nun, oder verrückst du die Zielmarke ein weiteres Mal? (Erklärung für dich: https://www.youtube.com/watch?v=KeswYJgf5mM)
Stefan Pietsch 13. März 2018, 21:44
Danke. Allerdings wüsste ich nicht, wo ich eine Zielmarke verrückt hätte.
Es lässt sich jedoch nicht leugnen, dass die bekanntesten Repräsentanten wie auch Raewyn Connell aus einer politischen Agenda den Versuch unternehmen, einen wissenschaftlichen Unterbau zu zimmern. Das ist eben eine Besonderheit der Genderforschung.
Stefan Sasse 14. März 2018, 07:49
Ich nenne dir einfach mal Laffer als ein Beispiel, wo dasselbe in den Wirtschaftswissenschaften passiert. Der Hirni ist auch sehr prominent, ohne für die Zunft als Ganzes stehen zu können.
Stefan Sasse 10. März 2018, 11:03
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