Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/3/3276.htm
Timestamp: 2018-12-11 18:45:18+00:00

Document:
NSG Taubenmoos
3.276 Taubenmoos
Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet „Taubenmoos“ vom 16. September 2007
Auf Grund der §§ 26, 73 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 13. Dezember 2005 (GBl. S. 745) wird verordnet:
(1) Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Bernau werden zum Naturschutzgebiet erklärt.
(2) Das Naturschutzgebiet ist zugleich ein Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, kurz: FFH-Richtlinie) sowie ein Vogelschutzgebiet im Sinne der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie).
(3) Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung „Taubenmoos“.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 205 ha.
(2) Das Naturschutzgebiet liegt etwa 1,5 km südlich von Bernau/Oberlehen und umfasst den Talgrund und die südlich des Rönischbächles angrenzenden Hänge sowie das Offenland des Schönengrund. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich von Nordosten nach Westen von den Gewannen „Grüne Plätz“, „Auf der Raine“, „Taubenmoos“, „Hexenbühl“, „Feldmoos“ zu den Gewannen “Hinterwäldemle“, „Neuschweine“ bis „Künzishütte“ und im Südosten auf die Gewanne „Schönengrund“ bis „Kirchenplatz“
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25.000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:5.000 mit durchgezogener roter Linie dargestellt. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Waldshut auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
- als typisches, postglaziales Tal der Schwarzwälder Hochflächenlandschaft und der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft mit Wiesen, Weiden, Wäldern und Mooren;
- als Mosaik aus unterschiedlichen, landesweit bedeutsam Mooren, Wäldern, Borstgrasrasen, Magerwiesen und anderen Lebensräumen;
- als Lebensraum von z. T. vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten aus dem Artenschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg sowie insgesamt artenreicher Tierbestände.
(2) Schutzzweck ist auch die Erhaltung solcher Lebensräume und Arten, die der FFH-Richtlinie sowie der Vogelschutzrichtlinie in besonderem Maße entsprechen. Nach den dortigen Anforderungen kommen im Schutzgebiet insbesondere folgende Lebensräume und Arten vor:
artenreiche Borstgrasrasen (prioritär), montan feuchte Hochstaudenfluren, Berg-Mähwiesen, naturnahe lebende Hochmoore (prioritär), geschädigte Hochmoore, Übergangs- und Schwingrasenmoore, kalkreiche Niedermoore, Moorwälder, Erlen- und Eschenwälder (prioritär) an Fließgewässern, bodensaure Fichtenwälder.
Neuntöter, Schwarzspecht.
(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die das Gebiet, seinen Naturhaushalt oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen, verändern oder nachhaltig stören können oder die wissenschaftliche Forschung beeinträchtigen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.
1. das Gebiet außerhalb befestigter Wege zu betreten;
2. das Gebiet außerhalb befestigter Wege, im Wald außerhalb befestigter Wege von mindestens 2 m Breite, mit Fahrrädern zu befahren;
3. außerhalb befestigter Wege und Flächen von mindestens 3 m Breite zu reiten;
4. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle, hoheitliche Fahrten, Fahrten der Rettungsdienste und Fahrten zur Pflege von Skiabfahrten, Loipen und Wanderwegen;
6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigen lassen von Flugmodellen;
7. Winter- und Sommersporteinrichtungen (Loipen u.a.) neu anzulegen.
(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und Intensität erfolgt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Boden, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass
1. die Weidfelder in den Gewannen „Auf der Raine“, „Raine“, „Schönengrund“, „Feldmoos“ und „Hinterwäldemle“ (Neuschweine) und Moorflächen nicht gedüngt und gekalkt werden, sowie mit einem Rinderbesatz von maximal 1 GV/ha beweidet werden;
2. Düngung auf den in der Schutzgebietskarte im Maßstab M 1:5.000 schraffierten Flächen der Mähwiesen im Gewann „Grüne Plätz“ maximal in folgendem Rahmen erfolgt: Festmist: Maximal 100 dt/ha bei Herbstausbringung und 2-3jährigem Turnus.
Gülle: Maximal 20 m³ in verdünntem Zustand (etwa 5% Trockensubstanz) in dreijährigem Turnus jeweils zum zweiten Aufwuchs.
Keine Düngung von mineralischem Stickstoff und maximale mineralische P-K Düngungen von bis zu 35 kg P2O5 und 120 kg K2O in dreijährigem Turnus;
3. durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
4. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
5. Pflanzenschutzmittel nur unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
6. land- und forstwirtschaftliche Produkte und Geräte nicht an Wald- und Moorrändern sowie außerhalb der vorhandenen Lagerstätte gelagert werden;
7. Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume, Röhrichtbestände, nicht beeinträchtigt werden;
8. vorhandene Gräben nicht vertieft, keine neuen Gräben oder Drainagen angelegt und vorhandene Gräben und Drainagen nur in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde erneuert werden;
9. in Mooren, Feuchtflächen und Magerrasen keine Futter- und Salzleckstellen angelegt werden;
10.der erste Wiesenschnitt nicht vor dem 15. Juni erfolgt.
(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass
1. Forstwirtschaftswege nur im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde neu angelegt oder wesentlich geändert werden und bei der Unterhaltung der Wege ausschließlich silikatisches Material verwendet wird;
2. keine Entwässerungsmaßnahmen vorgenommen werden;
3. die Waldflächen nur mit standortgerechten Mischbeständen gebietsheimischer Baumarten zu verjüngen sind;
4. Tothölzer/Höhlenbäume/Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden
5. auf die Standorte von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, insbesondere besonders geschützter Arten, größtmögliche Rücksicht genommen wird.
(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Sie hat für die natürliche Verjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften angepasste Wildbestände herzustellen. Voraussetzung ist weiter, dass
2. in Mooren, Feuchtflächen und Magerrasen keine neuen jagdlichen Einrichtungen, Wildäcker sowie keine Futter- und Kirrstellen angelegt werden;
(4) Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass Besatzmaßnahmen nur mit Zustimmung des Regierungspräsidiums erfolgen.
(5) Unberührt bleibt auch die sonstige, bisher rechtsmäßiger Weise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßiger Weise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.
Schutz- und Pflegemaßnahmen - insbesondere für die Moore, Moorrandwälder, Flügelginster-Weiden und Berg-Mähwiesen - werden unter besonderer Berücksichtigung der sich aus den Anforderungen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie ergebenden Erhaltungs- und Entwicklungsziele durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde im Forsteinrichtungswerk bzw. entsprechenden Planungen integriert sind. §§ 4, 7 und 8 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.
Ordnungswidrig im Sinne des § 80 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.
Gleichzeitig tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Bernau im Schwarzwald“ vom 28. September 2000 außer Kraft.
Freiburg i. Br., den 16. September 2007
Nach § 76 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 13. Dezember 2005 (GBl. S. 745) ist eine Verletzung der in § 74 NatSchG genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Verkündung der Verordnung schriftlich beim Regierungspräsidium Freiburg geltend gemacht wird; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.

References: § 2
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 80
 § 4
 § 76
 § 74