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Allianzvertrag zwischen Frankreich und Österreich (1812) | Von Bastille bis Waterloo. Wiki | FANDOM powered by Wikia
Jahr 1812, Militärbündnisse, Traktate, Zweiter Polnischer Krieg
Allianzvertrag zwischen Frankreich und Österreich (1812)
Defensiv-Allianztraktat. Bearbeiten
Am 14ten März d. J. ist zwischen den beyden Kaiserhöfen von Oesterreich und Frankreich ein Defensiv-Allianztraktat folgenden Inhalts abgeschlossen, und von den beyderseits hierzu Bevollmächtigten in Paris unterzeichnet worden.
Se. Majestät, der Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen, und Se. Majestät, der Kaiser der Franzosen, König von Italien, Beschützer des rheinischen, und Vermittler des schweizerischen Bundes;
In der Absicht, die zwischen ihnen bestehende Freundschaft und das gute Vernehmen, deren Erhaltung ihnen am Herzen liegt, für immer zu begründen, und durch eine vollkommene und feste Vereinigung zur Erhaltung des Kontinentalfriedens, wie auch zur Wiederherstellung des Seefriedens, gemeinschaftlich beyzutragen;
So wie in Erwägung, daß nichts zur Erreichung dieser wünschenswerthen Resultate mehr geeignet wäre, als der Abschluß eines Allianztraktats, welcher die Sicherheit Ihrer Staaten und Besitzungen, und die Garantie der Hauptgegenstände ihrer beyderseitigen Politik zum Zwecke hätte;
Haben zu diesem Ende zu ihren Bevollmächtigten ernannt, nämlich:
Se. Majestät, der Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen: den Herrn Karl Fürsten von Schwarzenberg, Herzog von Krumau, Ritter des goldenen Vließes, Großkreuz des königl. Ungarischen St. Stephan-, und Kommandeur der militärischen Marien-Theresienordens, Großkreuz der Ehrenlegion, Ihren Kämmerer, wirklichen geheimen Rath, General der Kavallerie, Inhaber eines Uhlahnenregiments, und Bothschafter bey Sr. Majestät, dem Kaiser der Franzosen, König von Italien;
Und Se. Majestät, der Kaiser der Franzosen, König von Italien, Beschützer des rheinischen und Vermittler des schweizerischen Bundes: den Herrn Hugo Bernhard, Grafen Maret, Herzog von Bassano, Großkreuz der Ehrenlegion, Kommandeur des Ordens der eisernen Krone, Großkreuz des königl. ungarischen St. Stephan-, des bayerischen St. Hubert- und des sächsischen Ordens der Krone, Ritter des persischen Ordens der Sonne erster Klasse, Großkreuz des badenschen Ordens der Treue, Einer der vierzig Mitglieder der zweyten Klasse des kaiserlichen Institutes von Frankreich, und Ihren Minister der auswärtigen Angelegenheiten; welche nach Auswechselung ihrer Vollmachten über nachstehende Artikel übereingekommen sind:
Art. 1. Es soll für immer Freundschaft, aufrichtige Vereinigung und Allianz zwischen Sr. Majestät, dem Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen, und Sr. Majestät, dem Kaiser der Franzosen, König von Italien, Beschützer des rheinischen und Vermittler des schweizerischen Bundes, seyn. Dem zu Folge werden die hohen kontrahirenden Mächte ihre größte Aufmerksamkeit dahin richten, das zwischen ihnen, so wie ihren respektiven Staaten und Unterthanen, glücklich bestehende freundschaftliche Verhältniß zu erhalten, Alles, was dasselbe stören könnte, zu vermeiden, und in jeder Rücksicht ihren wechselseitigen Nutzen, Ehre und Vortheil befördern.
Art. 2. Die beyden hohen kontrahirenden Mächte garantiren sich wechselseitig die Integrität ihrer gegenwärtigen Besitzungen.
Art. 3. In Folge dieser wechselseitigen Garantie werden die beyden kontrahirenden Mächte stets im Einvernehmen an den Maßregeln arbeiten, welche ihnen zur Erhaltung des Friedens die geeignetsten scheinen werden, und sie werden in dem Falle, wo die Staaten der einen oder andern derselben mit einem Angriffe bedroht würden, ihre kräftigste Verwendung eintreten lassen, um einen solchen Angriff zu verhindern. Da indessen diese Verwendung nicht die gewünschte Wirkung haben könnte, so verpflichten sie sich, einander wechselseitig Beystand zu leisten, im Falle die eine oder andere angegriffen oder bedroht werden sollte.
Art. 4. Der durch den vorhergehenden Artikel stipulirte Beystand soll aus 30,000 Mann bestehen, wovon 24,000 Mann Infanterie und 6000 Mann Kavallerie, welche sämmtlich fortwährend in völlig kompletem Kriegsstande erhalten werden sollen; ferner aus einem Artilleriepark von 60 Kanonen.
Art. 5. Dieser Beystand soll auf die erste Aufforderung des angegriffenen oder bedrohten Theiles geleistet werden, und sich in der möglichst kürzesten Zeitfrist, und spätestens vor Verlauf von 2 Monaten nach geschehener Aufforderung, in Bewegung setzen.
Art. 6. Die zwey hohen kontrahirenden Mächte garantiren die Integrität der Besitzungen der ottomannischen Pforte in Europa.
Art. 7. Sie erkennen und garantiren gleichergestalt die Grundsätze der neutralen Schifffahrt, so wie selbe durch den Vertrag von Utrecht anerkannt und bestätigt worden sind. Se. Majestät, der Kaiser von Oesterreich, erneuern, in sofern es nöthig ist, die bereits eingegangene Verbindlichkeit, während der Dauer des gegenwärtigen Seekrieges, bey dem gegen England angenommenen Verbotsysteme zu beharren.
Art. 8. Der gegenwärtige Allianztraktat soll nur nach vorausgegangenem gemeinschaftlichen Einvernehmung beyder hohen kontrahirenden Mächte öffentlich bekannt gemacht, oder einem andern Kabinette mitgetheilt werden können.
Art. 9. Er soll ratificirt und die Ratifikationen desselben sollen zu Wien binnen 14 Tagen, oder wo möglich noch eher, ausgewechselt werden.
So geschehen und unterzeichnet zu Paris, den 14ten März 1812.
Karl, Fürst v. Schwarzenberg.
Der vorstehende Traktat ist von beyden hohen kontrahirenden Mächten, und zwar in Paris am 15ten, in Wien aber am 25sten März d. J. ratificirt, und die gegenseitigen Ratifikationen am letztern Tage in Wien ausgewechselt worden.
Allianz-Traktat zwischen Oesterreich und Frankreich. Bearbeiten
Der vierzehnte März 1812.
Kaum hatte Napoleon den König von Preussen zu einer schmählichen Allianz gegen Rußland gezwungen, so geschah das nemliche auch dem Kaiser von Oesterreich. Auch dieser mußte am heutigen Tag einen Traktat unterzeichnen und kraft desselben versprechen, das Unternehmen der französischen Usurpators mit 24000 Mann Infanterie, 6000 Mann Kavallerie und 60 Kanonen zu unterstützen, nur mit dem einzigen Unterschied, daß dieses Heer von einem österreichischen General angeführt werden und unabhängig operiren durfte. Dagegen wurde Oesterreich Gallizien gesichert, im Fall Polen wieder als Königreich hergestellt würde, und wenn jenes es zuträglich finden sollte, einen Theil von Gallizien an Polen abzutreten, um die illyrischen Provinzen dagegen einzutauschen, so versprach Napoleon vorläufig, daß er sich diesen Tausch wolle gefallen lassen und daß die Schätzung der auszutauschenden Gegenstände mehr nach dem wahren Werth als nach dem Flächeninnhalt, beurtheilt werden sollte. Ausserdem wurde auf den glücklichen Ausgang des Krieges ein noch größerer Zuwachs von Ländern versprochen, wodurch nicht nur die dargebrachten Opfer belohnt, sondern überdies der innigen Verbindung beyder Kaiserhöfe ein dauerhaftes Denkmal gestiftet werden sollte. Nach einem Separatartikel dieses Traktats sollte auch die Pforte eingeladen werden, demselben beyzutreten. Was hierinne geschah, ist bis jetzt noch Staatsgeheimniß, aber so viel wenigstens gewiß, daß um diese Zeit der Ton der Pforte auf dem Friedens-Congreß zu Geurgewo sich auffallend geändert hatte, und viele türkische Truppen in Marsch gesetzt wurden. Die contrahirenden Mächten garantirten sich übrigens wechselsweise ihre damaligen Besitzungen, und dadurch gelang es Napoleon, den neuerlichen Einverleibungen mehrerer Landstriche in sein großes Reich einen Anstrich von Rechtmäßigkeit zu geben, den sie doch im Grunde als bloße Gewaltstreich nie gehabt hatten.
Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 166. Donnerstag, den 11/23. July 1812.
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References: Art. 1

Art. 2

Art. 3

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 9