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Timestamp: 2019-07-18 10:49:47+00:00

Document:
Satzung der Stadt Mülheim an der Ruhr für den Denkmalbereich III Siedlung Heimaterde - Stadt Mülheim an der Ruhr
Satzung der Stadt Mülheim an der Ruhr für den Denkmalbereich III Siedlung Heimaterde
Anlage 1.0 zur Drucksache Nr. V 07/0748-01
Aufgrund des § 2 Absatz 3 und des § 5 des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen (Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen – DSchG NW) vom 11. März 1980 (GV. NRW. Seite 226, 716), zuletzt geändert durch Artikel 259 des Gesetzes vom 5. April 2005 (GV. NRW. Seite 274) in Verbindung mit § 7 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Juli 1994 (GV. NRW. Seite 666), zuletzt geändert durch Gesetz vom 3. Mai 2005 (GV. NRW. Seite 498) hat der Rat der Stadt Mülheim in seiner Sitzung am 29. März 2007 folgende Satzung beschlossen:
Das im beigefügten Lageplan (Anlage 1.1 Abgrenzungsplan Denkmalbereich III) ausgewiesene Gebiet „Siedlung Heimaterde“ in Mülheim an der Ruhr wird als Denkmalbereich gemäß § 5 DSchG NW festgesetzt und unter Schutz gestellt.
(1) Die Abgrenzung des Denkmalbereichs ergibt sich aus der als Anlage 1.1 beigefügten Karte und der in der Anlage 1.1a beigefügten Beschreibung des Grenzverlaufes des Geltungsbereiches, sowie dem in Anlage 1.1b beigefügten Verzeichnis der im Geltungsbereich liegenden Flure und Flurstücke und Gebäuden mit Hausnummern, welche Bestandteil dieser Satzung sind.
Der Schutzgegenstand ist das äußere Erscheinungsbild im Geltungsbereich der Satzung, das bestimmt ist durch den seit 1918 entstandenen Siedlungsgrundriss. Damit ist die städtebauliche Anordnung der Bebauung im Gelände, sowie die Bauflächen und die Erschließung der Gebäude beziehungsweise Gebäudegruppen gemeint. Im Einzelnen gehören dazu: das System der Straßenführung, der Plätze beziehungsweise der gegliederten Straßenräume, die Fußwege, die Aufteilung der sonstigen öffentlichen und privaten Freiflächen und die überbauten Flächen (laut Anlage 2 Übersichtskarte "Erhaltenswerte Elemente des Siedlungsgrundrisses"), die typische äußere Gestaltung der in diesem Zeitraum entstandenen Gebäude beziehungsweise der architektonisch besonders ausgebildeten Ensembles, laut beigefügter Darstellung (Anlage 3 Karte und Text "Merkmale der städtebaulich-architektonischen Gestaltung"). Zu diesen Gebäuden zählen auch (zum Beispiel nach Zerstörung) wiederaufgebaute Bauten. Das Erscheinungsbild der städtebaulich-architektonischen Gestaltung wird bestimmt durch verschiedene Varianten von bis zu dreigeschossigen Putzbauten. Diese treten in Variationen als typisierte Einzel- oder Doppelhäuser, zum Teil durch Zwischenbauten kettenartig verbunden oder an einzelnen Stellen zu besonderen Baugruppen angeordnet, auf.
Schutzgegenstand bei allen Gebäuden ist die Baukörperform (Kubatur, gebildet durch die Außenwände in vorhandener Höhe, Breite und Umrisslinie und die Dachform mit ihrer Neigung, dem Verlauf der Firste und Grate, Kehlen und dem Dachrand) und die Gebäudeoberfläche (Spritzputzfassade, Eindeckung mit Dachpfannen, Farbgebung), die typische Gestaltung der Freiflächen (Vorgärten, sonstige Grünflächen, Siepentäler) mit ihren Einfassungen, Baumpflanzungen, Hecken (Anlage 4 Karte und Text "Merkmale der siedlungstypischen Freibereiche") und die Blickbeziehungen im Siedlungszusammenhang (Anlage 5 Karte und Text „Blickbezüge und Sichtachsen - Blickbezüge und Sichtachsen zur Wahrnehmung historischer und charakteristischer Siedlungseindrücke). Standorte und Blickrichtungen sind in Anlage 5 dargestellt. Blickbezüge und Sichtachsen sind von störenden Sichthemmnissen freizuhalten.
Die oben erwähnten Anlagen 2 bis 5 sind ebenfalls Bestandteil der Satzung.
Im Geltungsbereich dieser Satzung (siehe § 2) sind aufgrund des § 5 Absatz 2 DSchG NW alle Maßnahmen, welche die dargestellten Merkmale des Denkmalbereichs betreffen, gemäß § 9 DSchG NW erlaubnispflichtig. Das bedeutet, dass derjenige einer Erlaubnis bedarf, der die in § 3 dargestellten Merkmale des Schutzgegenstandes verändern oder beseitigen will.
Das Hinzufügen von neuen Gebäudeteilen oder das Einfügen von Neubaumaßnahmen in den Siedlungsgrundriss muss maßstäblich und harmonisch erfolgen. Für Einzeldenkmäler im Denkmalbereich gilt der § 9 DSchG NW unmittelbar.
Die Siedlung Heimaterde ist ein besonderes Beispiel einer genossenschaftlichen Werkssiedlung für Angehörige der Firma Krupp mit gartenstädtischem Charakter. 1844 wurde in Oberhausen mit der Kolonie Eisenheim durch die Zeche Osterfeld die erste Werkssiedlung im Ruhrgebiet errichtet. Die Firma Krupp errichtete als erstes Unternehmen im Ruhrgebiet in größerem Maße Werkswohnungen, die ersten Werkswohnungen für Meister bereits in den 1860er Jahren. Ab 1905 wurden erste so genannte Gartenkolonien, Siedlungen nach der Idee des Engländers Ebenezer Howard, verwirklicht mit großen Gartenflächen zur Eigenversorgung und gemeinschaftlichen Grünflächen zur Erholung. Die Idee einer „Gartenstadt“, einer Arbeitersiedlung mit großen Grünflächen zur Selbstversorgung und zur Erholung auf genossenschaftlicher Basis, setzte der Architekt Theodor Suhnel in der Siedlung Heimaterde geradezu beispielhaft um. Damit ist die Siedlung ein wichtiges schützenswertes Dokument der Geschichte der Stadtplanung und des Siedlungswesens allgemein.
Die besondere Bedeutung der Siedlung liegt begründet in:
1. dem städtebaulichen Entwurf:
Ausgehend von den ersten Baumaßnahmen 1918/1919 entstanden in aufeinanderfolgenden Abschnitten ein nach einheitlichen Gestaltungsprinzipien, aber dennoch auch in erkennbar unterschiedlichen Bauphasen entwickelte umfangreiche Siedlung. Die Planung verfolgte das Ziel, nicht nur benötigten Wohnraum zu schaffen, sondern auch das Umfeld, insbesondere die Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen, in die Anlage einzubeziehen und mitzuerstellen. Mit der Anordnung der Hausreihen gelang Theodor Suhnel darüberhinaus eine harmonische Einbindung der Siedlung in die bewegte Landschaft. So entstand ein Stadtteil, der von einer angenehmen dörflich-vorstädtischen Atmosphäre geprägt und in dem zugleich qualitätvolles Wohnen möglich war. Diese besondere Eigenart hat sich in der Siedlung bis heute erhalten.
2. der architektonischen Qualität der Hochbauten:
Theodor Suhnel verwirklichte eine Vielfalt von Einzelbautypen und schuf so eine abwechslungsreiche ansprechende Bebauung, in der besondere städtebauliche Bereiche durch Architekturelemente und schmückende Baudetails betont werden. Als zusammenhaltendes Element komponierte er eine detailreiche, jedoch auch als Einheit wahrnehmbare Dachlandschaft. Wiederkehrende Materialien als Gestaltungselemente dienen dem Ausdruck einer detailreichen Einheitlichkeit.
Einige der ersten Häuser wurden in der dem Ziegelbau gegenüber damals billigeren Lehmbauweise, teilweise in der Kombination von Lehm und Draht, errichtet und sind aus heutiger Sicht eine baukonstruktive Besonderheit.
3. der Bedeutung für das Werk des Architekten
Theodor Suhnel ist durch zwei weitere Siedlungen in Mülheim bekannt: 1924 bis 1925 baute er für den Mülheimer Spar- und Bauverein in der Mülheimer Innenstadt (Kämpchen- Ober-, Paul-Essers-Straße) als Ergänzung eines Baublocks eine Reihe von mehrgeschossigen städtischen Mietwohnhäusern. In den anschließenden beiden Jahren (1925 bis 1926) schloss er ebenfalls für den Mülheimer Spar- und Bauverein in vergleichbarer Bauart den an der Paul-Essers-Straße benachbarten Baublock und baute gegenüberliegend eine Zeile. Unabhängig von den baulichen und gärtnerischen Veränderungen, die Wohnbauten im Verlauf von Jahrzehnten und insbesondere Siedlungen mit den sich wandelnden industriellen Entwicklungen zugestanden werden müssen, werden der Siedlung Heimaterde Eigenschaften zugesprochen, die von historischem Aussagewert sind. Die städtebauliche Konzeption der Siedlungsanlage reagiert auf die ganz besondere und reizvolle topografische Situation, indem sie die Landnutzungsmöglichkeiten als einen gegebenen Rahmen voll ausschöpft. Suhnels planerisch-architektonische Leistung besteht darin, Baukörper zu Gruppen zusammenzufassen und so auszubilden, dass die Architektur die topografische Situation umspielt, überhöht und so einzigartig Zusammenspiel von natürlichen Gegebenheiten, landschaftlicher Nutzung, städtebauliche Planung und raumwirksamen Baukörpern inszeniert.
Suhnel hatte außerdem als ortsansässiger Architekt einzelne Solitärbauten realisiert. Die Siedlung „Heimaterde“ nimmt innerhalb seines Werkes und seiner Schaffensperiode allein durch die Ausführungsdauer einen gewichtigen Raum ein. Sie zeichnet sich als Architektenwerk insbesondere durch die Weiterentwicklung und Anpassung des Siedlungskonzeptes an veränderte Rahmenbedingungen, einer sich verändernden politischen Situation und durch die Entwicklung unterschiedlicher Haustypen aus.
Für die Erhaltung des Erscheinungsbildes der Siedlung Heimaterde liegen somit städtebauliche, ortsgeschichtliche, künstlerische und wissenschaftliche Gründe vor.
Die von Theodor Suhnel entworfene verbindende städtebauliche Struktur, der einheitliche Charakter der baulichen Altsubstanz und die wiederkehrenden gestalterischen Elemente, sowie das Zusammenwirken dieser Merkmale sollen zukünftigen städtebaulichen Entwicklungen als Vorlage und Maßstab dienen. Einzelheiten der ursprünglichen Gestaltung der Bauten sind in den Darstellungen der „Gestaltungsfibel Heimaterde“ enthalten.
Gemäß § 41 DschG NW handelt ordnungswidrig, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 9 Absatz 2 DschG NW Maßnahmen an den in den §§ 2 und 3 festgelegten Schutzgegenständen ohne Erlaubnis oder abweichend von ihr durchführt oder durchführen lässt. Die Ordnungswidrigkeiten können mit Geldbußen entsprechend § 41 DSchG NW geahndet werden.
Anlagen zur Denkmalbereichssatzung III "Siedlung Heimaterde"
Bestandteil der Satzung sind folgende Anlagen:
Anlage 1.1 Abgrenzungsplan,
Anlage 1.1a Beschreibung des Grenzverlaufes des Geltungsbereiches,
Anlage 1.1b Verzeichnis der im Geltungsbereich liegenden Flure und Flurstücke und Gebäuden mit Hausnummern
Anlage 2 Übersichtskarte "Erhaltenswerte Elemente des Siedlungsgrundrisses"
Anlage 3 Karte und Text "Merkmale der städtebaulich-architektonischen Gestaltung"
Anlage 4 Karte und Text "Merkmale der siedlungstypischen Freibereiche"
Anlage 5 Karte und Text „Blickbezüge und Sichtachsen – Blickbezüge und Sichtachsen zur Wahrnehmung historischer und charakteristischer Siedlungseindrücke
Nachrichtlich beigefügt ist das Gutachten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege zur Denkmaleigenschaft der Siedlung Heimaterde vom 25. Juni 2004.
Melanie Rimpel

References: § 2
 § 5
 § 7
 § 5
 § 2
 § 5
 § 9
 § 3
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 § 41
 § 9
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