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Timestamp: 2020-08-12 12:10:43+00:00

Document:
BPatG, 25 W (pat) 70/09: BPatG (bezeichnung, marke, verkehr, bezug, beschreibende angabe, unterscheidungskraft, berufliche tätigkeit, begriff, schokolade, eugh)
Urteil des BPatG vom 30.07.2008, 25 W (pat) 70/09
Aktenzeichen: 25 W (pat) 70/09
BPatG (bezeichnung, marke, verkehr, bezug, beschreibende angabe, unterscheidungskraft, berufliche tätigkeit, begriff, schokolade, eugh)
25 W (pat) 70/09
betreffend die Markenanmeldung 307 29 875.2
18. Februar 2010 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Knoll sowie des
ist am 9. Mai 2007 unter Inanspruchnahme der Priorität einer in Indien am
5. Dezember 2006 unter der Nr. 1 510 481 angemeldeten und zwischenzeitlich
"Kakao, Kakaopulver, kakaohaltige Getränkepulver, kakaohaltige
Getränkepulver in Instantform, Schokolade, Schokoladewaren,
Schokoladetafeln, auch in Form portionierter Einzelstücke; Pralinen, Müsliriegel, Schokoladenriegel, insbesondere gefüllte Riegel,
auch mit Karamell und/oder Nüssen und/oder Nusssplittern; Zuckerwaren, insbesondere Kaubonbons; Dauerbackwaren, Biskuit"
2 MarkenG ist die Anmeldung durch Beschluss der Markenstelle für Klasse 30
vom 30. Juli 2008 zurückgewiesen worden.
Die Prüfung auf die absoluten Schutzhindernisse des § 8 MarkenG sei wegen des
Tele-quelle-Schutzes, den die Marke für sich in Anspruch nehme, in den Grenzen
der Vorschrift des Art. 6 quinquies Abschnitt B Nr. 2 PVÜ vorzunehmen. Nachdem die
Schutzvoraussetzungen dieser Vorschrift den Bestimmungen des § 8 Abs. 2 Nr. 1
und 2 MarkenG jedoch inhaltlich vollständig entsprächen, gelte für die Beurteilung
angemeldeten Marke unter dem Gesichtspunkt des Tele-quelle-Schutzes kein
anderer Maßstab als nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG.
jegliche Unterscheidungskraft im Sinne von § 8 Abs. 1 Nr. 1 MarkenG. Bei der angemeldeten Bezeichnung handele es sich um eine sprachüblich gebildete Kombination aus dem französischen Wort "chocolat" und der für Verkaufsstätten auch im
Inland üblichen Endung "-eria". Das zum französischen Grundwortschatz gehörende Wort "chocolat" habe im Deutschen die Bedeutung von "Schokolade, Trinkschokolade, Kakao". Dieser Sinngehalt sei auch für die einschlägigen Verkehrskreise aufgrund der Nähe dieses Wortes zum entsprechenden deutschen Begriff
bzw. zum englischen Ausdruck "chocolate" ohne weiteres erkennbar.
Die angemeldete Bezeichnung sei nach dem bekannten Muster "Ware plus -eria"
gebildet, wie es etwa bei den Wörtern "Pizzeria", "Gelateria", "Cafeteria", "Baguetteria" und "Döneria" der Fall sei. In diesen Begriffbildungen erkenne der Verkehr
ohne weitere gedankliche Analyse die Bezeichnung von Verkaufsstätten, in denen
Pizzen, Eis, kleinere Gerichte, Baguette oder Döner hergestellt und verkauft wür-
den. Daher werde er auch die angemeldete Marke "CHOCOLATERIA" lediglich als
Bezeichnung für eine Verkaufsstätte für Schokoladenerzeugnisse verstehen.
a) unter Aufhebung des Beschlusses der Markenstelle für Klasse 30 des Deutschen Patent- und Markenamts vom
30. Juli 2008 die angemeldete Bezeichnung für alle beanspruchten Waren einzutragen
Im Laufe des Beschwerdeverfahrens hat die Anmelderin ihr Warenverzeichnis wie
folgt beschränkt:
"Kakaopulver, kakaohaltige Getränkepulver, kakaohaltige Getränkepulver in Instantform, Schokoladewaren, Schokoladetafeln,
auch in Form portionierter Einzelstücke; Pralinen, Schokoladenriegel, insbesondere gefüllte Riegel, auch mit Karamell und/oder
Nüssen und/oder Nusssplittern"
In der Sache macht sie geltend, dass der Verkehr die angemeldete Bezeichnung
bereits nicht in dem von der Markenstelle dargelegten Sinne verstehen werde, weil
zum einen der englische bzw. französische Begriff "chocolat"/"chocolate" bei inländischen allgemeinen Verkehrskreisen nicht so bekannt sei und es sich ferner
mit Ausnahme des Begriffs "Pizzeria" bei den weiteren seitens der Markenstelle
aufgeführten Begriffsbildungen mit "-eria" wie z. B. "Gelateria", "Baguetteria" oder
"Döneria" auch nicht um im Inland gebräuchliche Bezeichnungen handele.
Unabhängig davon bezeichneten Begriffe wie "Pizzeria" oder "Cafeteria" in erster
Linie ein Restaurant oder Etablissement zur Bewirtung von Gästen, nicht jedoch
Waren wie sie vorliegend von der Anmelderin beansprucht würden. Dies verdeutliche auch die seitens des Senats durchgeführte Recherche, mit der ausnahmslos
Etablissementbezeichnungen ermittelt worden seien.
"CHOCOLATERIA" enthalte daher für die beanspruchten Waren der Klasse 30
keinen warenbeschreibenden Anklang. Dies gelte um so mehr, als die Begriffe
"chocolat" bzw. "chocolate" nur Schokolade oder Kakao, nicht jedoch Schokoladenwaren oder die weiteren von der Anmelderin beanspruchten industriell gefertigten, nicht in einer Verkaufsstätte für Schokolade hergestellten Waren, auf die
die Anmelderin ihr Warenverzeichnis im Beschwerdeverfahren beschränkt habe,
Dementsprechend habe der BGH in der Entscheidung "House of Blues" festgestellt, dass Etablissementbezeichnungen in Bezug auf die darin vertriebenen/angebotenen Waren eine Schutzfähigkeit nicht angesprochen werden könne. Bei der
angemeldeten Bezeichnung handele es sich daher in Bezug auf die beanspruchten Waren allenfalls um ein sprechendes Zeichen, welches hinreichend unterscheidungskräftig sei (§ 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG) und an dem auch kein Freihaltungsbedürfnis (§ 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG) bestehe.
Von Bedeutung sei in diesem Zusammenhang ferner, dass in der Vergangenheit
eine Reihe von vergleichbar gebildeten Bezeichnungen für Waren als kennzeichnungsfähig anerkannt und dementsprechend eingetragen worden seien. Dies gelte insbesondere für die kürzlich unter der Nr. 307 00 027 eingetragenen identischen Wortmarke "Chocolateria".
Ihren ursprünglich hilfsweise gestellten Terminsantrag hat die Anmelderin mit
Schriftsatz vom 24. November 2009 zurückgenommen, worauf der auf den
3. Dezember 2009 angesetzte Termin zur mündlichen Verhandlung abgesetzt
Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg, da es der angemeldeten Bezeichnung in Bezug auf die beanspruchten Waren an jeglicher Unterscheidungskraft fehlt. Die Markenanmeldung ist deshalb zu Recht nach § 8 Abs. 2
Nr. 1 i. V. m. Art. 6 quinques B Nr. 2 PVÜ zurückgewiesen worden.
Unterscheidungskraft im Sinne von § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG sowie der inhaltsgleichen Bestimmung des Art. 6 quinquies B Nr. 2 1. Alt PVÜ (vgl. dazu BGH
GRUR 2004, 329 III. 1. - Käse in Blütenform) ist nach ständiger Rechtsprechung
im Hinblick auf die Hauptfunktion der Marke, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen zu gewährleisten, die einer Marke
BGH GRUR 2003, 1050 - Cityservice; GRUR 2006, 850, 854 - [Tz. 18] - FUSS-
BALL WM 2006; EuGH GRUR 2004, 674 - Postkantoor). Es muss also eine Kennzeichnungskraft mit der Eignung zur Ausübung der Herkunftsfunktion verbunden
sein, auch wenn eine Marke zusätzlich noch weitere Funktionen haben kann (Ströbele/Hacker, Markengesetz, 9. Aufl. § 8 Rdn. 42).
Waren und Dienstleistungen an (Ströbele/Hacker, MarkenG, 9. Aufl., § 8
Rdn. 23 ff.). Von den beanspruchten Waren der Klasse 30 werden die allgemeinen
Verkehrskreise angesprochen.
Ausgehend davon teilt der Senat die Auffassung der Markenstelle, wonach es sich
bei der Bezeichnung "CHOCOLATERIA" um einen Ausdruck handelt, der in Verbindung mit den in Anspruch genommenen Waren von den angesprochenen
Verkehrskreisen ohne weiteres als Hinweis auf ein Geschäft oder Lokal aufgefaßt
wird, in dem Schokoladenwaren verkauft und angeboten werden.
Der Begriff "CHOCOLATERIA" ist an italienische bzw. spanische Sprach- und
Wortbildungsregeln angelehnt, bei denen ein Ort, an dem eine bestimmte Ware
hergestellt bzw. angeboten und vertrieben oder eine bestimmte berufliche Tätigkeit/dienstleistung erbracht wird, durch die Endung "-eria" beschrieben werden
kann wie es z. B. bei den italienischen Begriffen "pesce/pescheria" (Fisch/Fischgeschäft), "libro/libreria" (Buch/Buchhandlung), "panettiere/panetteria" (vgl. PONS
Wörterbuch Italienisch - Deutsch 1999) bzw. den gleichbedeutenden spanischen
Begriffen "panadero/panaderia" (Bäcker/Bäckerei) der Fall ist. Auch die hier angemeldete Bezeichnung "chocolateria" ist als ein diesen Wortbildungsregeln entstammender Begriff der spanischen Sprache für "Schokoladenfabrik, Schokoladengeschäft" lexikalisch nachweisbar (vgl. PONS Großwörterbuch Spanisch -
Deutsch, 2001, S. 164).
Wenngleich dies dem überwiegenden Teil der maßgeblichen allgemeinen Verkehrskreise mangels hinreichender Kenntnis der spanischen Sprache nicht bekannt sein dürfte, werden sie die Bezeichnung dennoch in diesem Sinne, d. h. als
Bezeichnung einer Verkaufsstätte für Schokoladenwaren verstehen. Denn auch
den nicht mit Grundbegriffen der spanischen und/oder italienischen Sprache vertrauten inländischen Verkehrskreise sind die ebenfalls nach diesen Sprachregeln
gebildeten und seit langem in den deutschen Sprachgebrauch eingegangenen
Sachbegriffe "Pizzeria", "Cafeteria" oder "Gelateria" bekannt. Anknüpfend daran
haben sich im deutschen Sprachgebrauch - wie die seitens des Senats der Anmelderin übersandete Recherche belegt - eine Reihe von vergleichbar gebildeten
Bezeichnungen mit einem den Gegenstand des Geschäfts/des Betriebs bezeichnenden (Waren-)Begriff und dem Zusatz "-eria" wie z. B. "Döneria", "Baguetteria",
"Delicateria" (vgl. dazu BPatG PAVIS PROMA 27 W (pat) 76/05 v. 5. Juli 2005 -
STOFFERIA) oder auch "Spaghetteria" (vgl. BPatG 27 W (pat) 182/86 - Spaghetteria Chiao) etabliert, mit denen eine Verkaufsstätte bezeichnet wird, in der hauptsächlich, aber nicht unbedingt ausschliesslich Döner, Baguette oder Delikatessen,
also Lebensmittel, ebenso wie Pizza in einer "Pizzeria", hergestellt und/oder vertrieben werden. Dabei kann der Verkauf und Vertrieb der jeweiligen Waren mit
entsprechenden Bewirtungsdienstleistungen verbunden sein wie es z. B. bei einer
"Pizzeria" regelmäßig der Fall ist. Entgegen der Auffassung der Anmelderin kann
sich eine solche Einrichtung aber auch nach Art eines Imbiss-/Snackbetriebes nur
auf den Verkauf der entsprechenden Produkte beschränken. Diese Wort(neu)schöpfungen sind wie die vergleichbar gebildeten, sich an französische Sprachregeln anlehnende und sich letztlich nur geringfügig in der Endsilbe unterscheidenden Etablissementbezeichnungen "Chocolaterie", "Baguetterie" etc. dem Bemühen geschuldet, sachbezogene Aussagen und Informationen zum Geschäftsgegenstand, speziell zu den in der Einrichtung vertriebenen Waren, dem Verkehr
schlagwortartig und vor allem einprägsam zu vermitteln. Die angesprochenen Verkehrskreise werden daher in solchen Bezeichnungen keinen individualisierenden
Hinweis auf einen bestimmten Hersteller erkennen, sondern darin lediglich einen
Gattungsbegriff (Etablissementbezeichnung) auf irgendeinen die angebotenen
Waren herstellenden Betrieb sehen.
Vor diesem Hintergrund liegt es nahe und erscheint nicht ungewöhnlich, durch
Verwendung eines an dieses Begriffsbildungsschema anknüpfenden Ausdrucks
wie "CHOCOLATERIA" in prägnanter und werbetechnisch wirksamer Form darauf
hinzuweisen, dass in dem fraglichen Etablissement vorzugsweise Schokoladenwaren angeboten werden. Der Verkehr, der daran gewöhnt ist, vor allem in der
Werbung mit Wortneubildungen konfrontiert zu werden, mit dem ihm sachliche Informationen vermittelt werden sollen (vgl. Ströbele/Hacker, Markengesetz, 9. Aufl.,
§ 8 Rdnr. 117), wird die Bezeichnung "CHOCOLATERIA" aufgrund dieser ohne
weiteres erkennbaren Anlehnung an gebräuchliche Etablissementbezeichnungen
wie "Pizzeria", "Gelateria" etc. sowie der Nähe der Lautfolge "CHOCOLAT(E)" zu
dem entsprechenden deutschen Begriff "Schokolade" ohne weiteres in diesem
Sinne verstehen, ohne dass er sich dabei nähere Gedanken darüber macht, ob
die Lautfolge sich am französischen Begriff "chocolat", dem englischen Wort
"chocolate" oder auch dem spanischen "chocolata" anlehnt.
Die angesprochenen allgemeinen Verkehrskreise werden dann aber die Bezeichnung "CHOCOLATERIA" nicht als Hinweis auf eine bestimmte betriebliche Herkunft der so bezeichneten Produkt, sondern nur als gattungsmäßige (Etablissement-)Bezeichnung des Ortes, an dem sie erworben werden können, ansehen.
Dem steht nicht entgegen, dass das beanspruchte Warenverzeichnis nach erfolgter Einschränkung nicht mehr die dem Begriff "chocolat(e)" entsprechenden Waren "Schokolade" und "Kakao" umfasst. Denn der Verkehr erwartet, in einer so
bezeichneten Verkaufsstätte nicht nur die "Rohprodukte" Schokolade bzw. Kakao
zu erhalten, sondern vor allem auch schokoladenhaltige Produkte wie die seitens
der Anmelderin beanspruchten "Schokoladewaren, Schokoladetafeln, auch in
Form portionierter Einzelstücke; Pralinen, Schokoladenriegel, insbesondere gefüllte Riegel, auch mit Karamell und/oder Nüssen und/oder Nusssplittern" sowie zur
Schokoladenherstellung erforderliche und/oder geeignete Zutaten wie z. B. die
von der Anmelderin beanspruchten Waren "Kakaopulver, kakaohaltige Getränkepulver, kakaohaltige Getränkepulver in Instantform".
Soweit die Anmelderin unter Hinweis auf die Entscheidung des BGH "HOUSE OF
BLUES" geltend macht, dass Etablissementbezeichnungen in Bezug auf die darin
vertriebenen/angebotenen Waren eine Schutzfähigkeit nicht angesprochen werden könne, ist dem insoweit zuzustimmen, als das Bedürfnis, eine Bezeichnung
für eine bestimmte Herstellungs- oder Verkaufsstätte freizuhalten, es in aller Regel
nicht rechtfertigt, die Eintragung des Zeichens auch für dort hergestellte oder verkaufte Waren nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG zu versagen, da diese Bezeichnung
nicht der unmittelbaren Beschreibung der dort hergestellten oder vertriebenen Waren dient (vgl. BGH GRUR 1999, 988 - HOUSE OF BLUES). Dies indiziert jedoch
nicht, dass das Zeichen dann auch Unterscheidungskraft i. S. d. § 8 Abs. 2 Nr. 1
MarkenG aufweist. Insoweit ist nämlich zu beachten, dass nach der aktuellen
Rechtsprechung des EuGH wie auch des BGH Unterscheidungskraft nicht nur
solchen Angaben abzusprechen ist, denen die angesprochenen Verkehrskreise
für die fraglichen Waren und Dienstleistungen einen im Vordergrund stehenden
beschreibenden Begriffsinhalt zuordnen; vielmehr kann diese auch aus anderen
Gründen fehlen (vgl. EuGH GRUR 2004, 674 - Postkantoor; GRUR 2004, 680 -
Biomild). So mangelt es vor allem auch solchen Angaben an einer (hinreichenden)
Unterscheidungskraft, die sich auf Umstände beziehen, die zwar die Ware oder
Dienstleistung selbst nicht unmittelbar betreffen, durch die aber ein enger beschreibender Bezug zu den angemeldeten Waren oder Dienstleistungen hergestellt wird und deshalb die Annahme gerechtfertigt ist, dass der Verkehr den beschreibenden Begriffsinhalt als solchen ohne weiteres und ohne Unklarheiten erfasst und in der Bezeichnung nicht ein Unterscheidungsmittel für die Herkunft der
angemeldeten Waren und Dienstleistungen sieht (vgl. BGH MarkenR 2009, 163,
163 [Tz. 9] - STREETBALL; GRUR 2008, 1093, 1094 [Tz. 15] - Marlene-Dietrich-
Bildnis; GRUR 2006, 850, 854 - FUSSBALL WM 2006).
So verhält es sich auch hier. Denn wenn eine Bezeichnung in erster Linie als Umschreibung eines Ortes verstanden wird, an dem üblicherweise die betroffenen
Waren vertrieben werden, ist sie nicht geeignet, den Bezug zu einem bestimmten
Geschäftsbetrieb herzustellen und die Waren dieses konkreten Unternehmens von
denen anderer, auf demselben Gebiet tätiger Firmen markenmäßig abzugrenzen.
Dementsprechend sind entgegen der Auffassung der Anmelderin gerade Etablissementbezeichnungen, welche grundsätzlich nur auf irgendeine der vielen Vertriebsstätten der betreffenden Gattung hinweisen und vom Verkehr daher nicht mit
einem ganz bestimmten Unternehmen in Verbindung gebracht werden können,
grundsätzlich als Herkunftshinweis nicht geeignet und daher mangels der erforderlichen Unterscheidungskraft regelmäßig nicht eintragbar (vgl. BPatG
27 W (pat) 64/01 - KLEIDERMARKT; 27 W (pat) 96/03 und 97/03 - TECHNO-
MARKT; 27 W (pat) 335/03 - Gardinenland; 27 W (pat) 76/05 - STOFFERIA, alle
veröffentlicht in PAVIS PROMA). Der Verkehr wird dementsprechend auch die hier
maßgebliche Begriffsbildung "CHOCOLATERIA" nicht als herkunftsbezogenen
Hinweis für die beanspruchten Waren auffassen, sondern darin nur einen Gattungsbegriff für solche Betriebsstätten erkennen, damit jedoch nicht die Vorstellung verbinden, die damit gekennzeichneten Waren stammten aus einem (einzigen) bestimmten Unternehmen.
Soweit die Anmelderin auf Voreintragungen vergleichbar gebildeter Wortmarken
mit der endung "-eria" hinweist, u. a. auf die Voreintragung einer identischen Wortmarke "Chocolateria" (307 00 027) für Waren der Klassen 29 und 30, ist zunächst
festzustellen, dass diesen Eintragungen auch eine Reihe von Zurückweisungen
solcher Bezeichnungen entgegenstehen, wie die bereits genannten Entscheidungen des BPatG und die der Anmelderin mit Verfügung vom 3. Dezember 2009
übersandten Registerauszüge zu den seitens der Markenstelle abgelehnten Eintragungen der Bezeichnungen "Baguetteria" (398 018 537) und "döneria"
(304 447 501) belegen.
Unabhängig davon ist in rechtlicher Hinsicht zu beachten, dass bestehende Eintragungen zwar zu berücksichtigen sind, jedoch keine für den zu entscheidenden
Fall rechtlich bindende Wirkung zu entfalten vermögen. Dies hat der EuGH in
seiner auch für das nationale Verfahren maßgeblichen Rechtsprechung mehrfach
und zuletzt auf ein dahingehend gerichtetes Vorabentscheidungsersuchen ausdrücklich nochmals bestätigt (vgl. EuGH GRUR 2009, 667 - Bild.T-Online u. ZVS
unter Hinweis u. a. auf die Entscheidungen EuGH GRUR 2008, 229 [Tz. 47 - 51]
- BioID; GRUR 2004, 674 [Tz. 42 - 44] - Postkantoor; GRUR 2004, 428 [Tz. 63]
- Henkel). Dies entspricht auch der ständiger Rechtsprechung des Bundespatentgerichts und des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH GRUR 2008, 1093 [Tz. 18] - Mar-
lene-Dietrich-Bildnis; BPatG GRUR 2007, 333 - Papaya sowie aktuell BPatG
GRUR 2009, 1175 - Burg Lissingen). Die Frage der Schutzfähigkeit einer angemeldeten Marke ist keine Ermessensentscheidung, sondern eine gebundene Entscheidung, die allein auf der Grundlage des Gesetzes und nicht auf der Grundlage
einer vorherigen Entscheidungspraxis zu beurteilen ist. Aus dem Gebot rechtmäßigen Handelns folgt, dass sich niemand auf eine fehlerhafte Rechtsanwendung zugunsten eines anderen berufen kann, um eine identische Entscheidung zu
Ob das das angemeldete Zeichen in Bezug auf die hier maßgeblichen beanspruchten Waren darüber hinaus eine beschreibende Angabe im Sinne des § 8
Abs. 2 Nr. 2 MarkenG darstellt, an der die Mitbewerber ein berechtigtes Freihaltungsbedürfnis haben, bedarf im Hinblick darauf, dass das Zeichen bereits keine
ursprüngliche Unterscheidungskraft i. S. von § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG aufweist,
keiner abschliessenden Entscheidung mehr.
Es ist nicht veranlasst, die Rechtsbeschwerde zum BGH gemäß § 83 Abs. 2 MarkenG zuzulassen. Die Entscheidung hängt weder von einer Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung ab, noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs. Insbesondere weicht der Senat - soweit ersichtlich - in keiner entscheidungserheblichen Rechtsfrage von der Spruchpraxis des Bundesgerichtshofs, eines anderen Senats des Bundespatentgerichts oder eines vergleichbaren Instanzgerichts ab. Weder ist die Schutzfähigkeit der hier angemeldeten Bezeichnung in
Zusammenhang mit den beanspruchten Waren bisher Gegenstand solcher Entscheidungen gewesen noch handelt es sich bei der Frage, ob Begriffskombinationen mit dem Endbestandteil "-eria" schutzfähig sind, um eine abstrakt zu entscheidende Rechtsfrage; vielmehr ist dies nur im Einzelfall unter Berücksichtigung
der beanspruchten Waren und/oder Dienstleistungen auf Grundlage des Verkehrs-
verständnisses der jeweils relevanten Verkehrskreise zu beantworten. Im Übrigen
gebieten abweichende Gerichtsentscheidungen, in denen das betreffende Gericht
aufgrund eines anderen Verkehrsverständnisses zu einer abweichenden Beurteilung gelangt ist, wegen ihrer auf tatsächlichem Gebiet liegende Divergenz nicht
die Zulassung einer Revision bzw. Rechtsbeschwerde (vgl. BGH Beschl. v.
9. Juli 2007 - II ZR 95/06, NJW-RR 2007, 1676; Beschl. v. 22. Oktober 2009 -
I ZR 124/08, veröffentlicht auf der Internet-Seite des BGH).
Bezeichnung, Marke, Verkehr, Bezug, Beschreibende angabe, Unterscheidungskraft, Berufliche tätigkeit, Begriff, Schokolade, Eugh

References: § 8
 Art. 6
 § 8
 § 8
 § 8
 BGH 
 § 8
 Art. 6
 § 8
 Art. 6
 BGH

BGH 
 EuGH 
 § 8
 § 8

§ 8
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 § 8
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 § 8
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 § 83
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