Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/dienstliche-beurteilung-und-die-beurteilungsirrelevanz-von-nebentaetigkeiten-3202016?pk_campaign=feed&pk_kwd=dienstliche-beurteilung-und-die-beurteilungsirrelevanz-von-nebentaetigkeiten
Timestamp: 2020-04-02 00:07:25+00:00

Document:
Dienst­li­che Beur­tei­lung – und die Beur­tei­lungs­ir­rele­vanz von Neben­tä­tig­kei­ten | Rechtslupe
Sta­tus­re­le­van­te Aus­wahl­ent­schei­dun­gen sind grund­sätz­lich anhand aktu­el­ler dienst­li­cher Beur­tei­lun­gen vor­zu­neh­men, die auf das Sta­tus­amt bezo­gen sind und eine Aus­sa­ge dazu tref­fen, ob und in wel­chem Maße der Beam­te den Anfor­de­run­gen sei­nes Amts und des­sen Lauf­bahn gewach­sen ist. Eine Ein­engung des Bewer­ber­felds anhand der Anfor­de­run­gen eines bestimm­ten Dienst­pos­tens ist hier­mit grund­sätz­lich nicht ver­ein­bar. Ande­res gilt nur dann, wenn die Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben eines Dienst­pos­tens zwin­gend beson­de­re Kennt­nis­se oder Fähig­kei­ten vor­aus­setzt, die ein Lauf­bahn­be­wer­ber regel­mä­ßig nicht mit­bringt und sich in ange­mes­se­ner Zeit und ohne unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gung der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung auch nicht ver­schaf­fen kann 1.
Die­sen Anfor­de­run­gen genügt das Anfor­de­rungs­pro­fil auch dann, wenn es sich bei den nicht in ange­mes­se­ner Zeit nach­er­werb­ba­ren zusätz­li­chen Anfor­de­rungs­kri­te­ri­en um Anfor­de­run­gen han­delt, die erst bei Leis­tungs­gleich­stand der Bewer­ber, d.h. bei dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen mit glei­cher Gesamt­no­te und ohne erkenn­ba­ren Leis­tungs­vor­sprung bei den Ein­zel­be­wer­tun­gen, rele­vant wer­den 2. Die­se nicht in ange­mes­se­ner Zeit nach­er­werb­ba­ren zusätz­li­chen Anfor­de­rungs­kri­te­ri­en – im vor­lie­gen­den Fall etwa Erfah­run­gen im Hoch­schul­be­reich und in der Erwach­se­nen­bil­dung – haben danach nur Hilfs­funk­ti­on. Sie haben kei­nen "kon­sti­tu­ti­ven" Cha­rak­ter.
Nach Art. 33 Abs. 2 GG hat jeder Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zugang zu jedem öffent­li­chen Amt. Der in der Ver­fas­sung selbst vor­ge­ge­be­ne Maß­stab gilt danach unbe­schränkt und vor­be­halt­los. Sta­tus­äm­ter dür­fen nur nach Kri­te­ri­en ver­ge­ben wer­den, die unmit­tel­bar Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­che Leis­tung betref­fen. Der Grund­satz der Bes­ten­aus­wahl dient zwar pri­mär dem öffent­li­chen Inter­es­se an der best­mög­li­chen Beset­zung der Stel­len des öffent­li­chen Diens­tes; er ver­mit­telt den Bewer­bern aber zugleich ein grund­rechts­glei­ches Recht auf ermes­sens- und beur­tei­lungs­feh­ler­freie Ein­be­zie­hung in die Bewer­ber­aus­wahl (Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch) 3.
Wei­ter ent­hal­ten die Beam­ten­ge­set­ze zur Fra­ge, wie und in wel­chem Ver­fah­ren Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­che Leis­tung der Bewer­ber fest­zu­stel­len und zu ver­glei­chen sind, kei­ne Rege­lung. § 22 Abs. 1 Satz 2 BBG ist aber zu ent­neh­men, dass die Aus­wahl­ent­schei­dung auf der Grund­la­ge aktu­el­ler dienst­li­cher Beur­tei­lun­gen erfol­gen kann. § 33 Abs. 1 Satz 1 BLV gibt dies als Regel vor. Eben­so ist in der Recht­spre­chung von Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 4 und Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 5 geklärt, dass der Ver­gleich der Bewer­ber im Rah­men einer dienst­recht­li­chen Aus­wahl­ent­schei­dung nach Art. 33 Abs. 2 GG vor allem anhand dienst­li­cher Beur­tei­lun­gen zu erfol­gen hat. Mit der durch § 21 Satz 1 BBG fest­ge­schrie­be­nen Ori­en­tie­rung der dienst­li­chen Beur­tei­lung an den Aus­wahl­kri­te­ri­en des Grund­sat­zes der Bes­ten­aus­wahl ist auch sicher­ge­stellt, dass die­se als Grund­la­ge für nach­fol­gen­de Aus­wahl­ent­schei­dun­gen her­an­ge­zo­gen wer­den kann 6.
Die Eig­nung von dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen als Grund­la­ge für den Bewer­ber­ver­gleich setzt vor­aus, dass die­se zeit­lich aktu­ell 7 und inhalt­lich aus­sa­ge­kräf­tig 8 sind. Hier­für ist erfor­der­lich, dass sie die dienst­li­che Tätig­keit im maß­ge­ben­den Beur­tei­lungs­zeit­raum voll­stän­dig erfas­sen, auf zuver­läs­si­ge Erkennt­nis­quel­len gestützt sind, das zu erwar­ten­de Leis­tungs­ver­mö­gen in Bezug auf das ange­streb­te Amt auf der Grund­la­ge der im inne­ge­hab­ten Amt erbrach­ten Leis­tun­gen hin­rei­chend dif­fe­ren­ziert dar­stel­len sowie auf glei­chen Bewer­tungs­maß­stä­ben beru­hen 9.
Da die dienst­li­che Beur­tei­lung den Ver­gleich meh­re­rer Bewer­ber mit­ein­an­der ermög­li­chen soll, müs­sen die Beur­tei­lungs­maß­stä­be gleich sein und gleich ange­wen­det wer­den 10. Dem­entspre­chend gibt § 50 Abs. 1 Satz 1 BLV vor, dass die Beur­tei­lun­gen nach einem ein­heit­li­chen Beur­tei­lungs­maß­stab unter Berück­sich­ti­gung der Anfor­de­run­gen des Amtes zu erfol­gen haben. Unab­hän­gig von den unter­schied­li­chen Auf­ga­ben­be­rei­chen der Beam­ten sind die auf dem jewei­li­gen Dienst­pos­ten erbrach­ten Leis­tun­gen am ein­heit­li­chen Maß­stab des Sta­tusamts der Ver­gleichs­grup­pe zu beur­tei­len 11.
Etwas ande­res gilt, wenn ein Beam­ter eine Neben­tä­tig­keit auf Ver­lan­gen oder im dienst­li­chen Inter­es­se sei­nes Dienst­herrn über­nom­men hat und die dort gezeig­ten Leis­tun­gen Rück­schlüs­se auf sei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on in Bezug auf wei­te­re dienst­li­che Ver­wen­dun­gen zulas­sen 12.

References: Art. 33
 § 22
 § 33
 Art. 33
 § 21
 § 50