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Timestamp: 2020-07-14 17:21:07+00:00

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Die falsche Bankleitzahl im beleggebundenen Zahlungsverkehr | Rechtslupe
Nach den Rege­lun­gen des Über­wei­sungs­ge­set­zes (Janu­ar 2002 bis Okto­ber 2009) ist bei feh­len­der Iden­ti­tät zwi­schen Bank­leit­zahl und Emp-fän­ger­bank die klar­schrift­li­che Bezeich­nung der Emp­fän­ger­bank maß­ge­bend. Das über­wei­sen­de Kre­dit­in­sti­tut hat grund­sätz­lich ein Ver­schul­den des zwi­schen­ge­schal­te­ten Kre­dit­in­sti­tuts wie eige­nes Ver­schul­den zu ver­tre­ten. Das gilt auch dann, wenn die Emp­fän­ger­bank vor der Kon­to­gut­schrift den Kon­to­num­mer-Namens Abgleich unter­las­sen hat.
Der Auf­trag­ge­ber ist zur sorg­fäl­ti­gen Aus­fül­lung der für die kor­rek­te Aus­füh­rung des Über­wei­sungs­auf­trags not­wen­di­gen Rubri­ken, ins­be­son­de­re auch der Bank­ver­bin­dung und der Bank­leit­zahl ver­pflich­tet. Bei der Über­wei­sung von einem Notarand­er­kon­to ist im Hin­blick auf den Umgang mit Fremd­geld eine beson­de­re Sorg­falt erfor­der­lich. Inso­weit ist eine Mit­ver­schul­dens­quo­te des Auf­trag­ge­bers von 40 % nicht zu bean-stan­den.
Den Bank­kun­den steht wegen der fehl­ge­lei­te­ten Über­wei­sung gegen sei­ne Bank ein ver­trag­li­cher Scha­den­er­satz­an­spruch gemäß §§ 280 Abs. 1, 675, 662, 676a ff. BGB a.F. zu.
Beim soge­nann­ten mehr­glied­ri­gen Über­wei­sungs­ver­kehr bestehen ver­trag­li­che Bezie­hun­gen nur zwi­schen Über­wei­sen­dem und sei­nem Kre­dit­in­sti­tut (über­wei­sen­des Kre­dit­in­sti­tut) einer­seits sowie der Über­wei­sungs­bank und der Emp­fän­ger­bank ande­rer­seits und schließ­lich noch zwi­schen Emp­fän­ger­bank und Über­wei­sungs­emp­fän­ger, nicht aber zwi­schen Über­wei­sen­dem und Emp­fän­ger­bank [1]. Zu dem hier maß­geb­li­chen Zeit­punkt im Febru­ar 2009 gal­ten im hier ent­schie­de­nen Fall noch nicht die neu­en Vor­schrif­ten über Zah­lungs­diens­te (§§ 675 c ff. BGB), son­dern die Vor­schrif­ten des Über­wei­sungs­ge­set­zes vom 21.07.1999 [2] gemäß §§ 676a ff. BGB a.F.
Neben der betrags­mä­ßig begrenz­ten Garan­tie­haf­tung nach § 676 b Abs. 3 BGB a.F. (begrenzt auf den Gegen­wert von 12.500, 00 €) lässt das Über­wei­sungs­ge­setz jedoch die Ver­schul­dens­haf­tung nach §§ 676 c Abs. 1 Satz 2 BGB a.F., 280, 675, 676a BGB a.F. unbe­rührt. Gemäß § 676 c Abs. 1 Satz 3 BGB a.F. hat das über­wei­sen­de Kre­dit­in­sti­tut ein Ver­schul­den des zwi­schen­ge­schal­te­ten Kre­dit­in­sti­tuts wie eige­nes Ver­schul­den zu ver­tre­ten, es sei denn, dass die wesent­li­che Ursa­che bei einem zwi­schen­ge­schal­te­ten Kre­dit­in­sti­tut lag, das der Über­wei­sen­de vor­ge­ge­ben hat. Danach muss sich die Beklag­te ein etwai­ges Ver­schul­den der im Inter­ban­ken­ver­kehr ein­ge­schal­te­ten Zwi­schen­bank wie eige­nes Ver­schul­den zurech­nen las­sen. Hält sich die Bank nicht strikt an die ihr erteil­ten Wei­sun­gen, erwirbt sie kei­nen Ver­gü­tungs­an­spruch nach §§ 670, 675 BGB a.F. [3]. Eine erlang­te Deckung muss sie daher ohne Rück­sicht davon zurück­er­stat­ten, ob sie die Ver­fü­gungs­ge­walt über den Gegen­wert noch hat (§§ 667, 675 BGB) [4]. Gegen­über dem Rück­zah­lungs­an­spruch des Auf­trag­ge­bers (Über­wei­sen­der) ist der Ein­wand des Mit­schul­dens zuläs­sig. Ein sol­ches Mit­ver­schul­den setzt die Ver­let­zung eige­ner Sorg­falts­pflich­ten des Auf­trag­ge­bers vor­aus [5].
Der Bank­kun­de hat hier eige­ne Sorg­falts­pflich­ten als Über­wei­sen­der ver­letzt. Der Über­wei­sen­de ist zur sorg­fäl­ti­gen Aus­fül­lung der für die kor­rek­te Aus­füh­rung des Auf­trags not­wen­di­gen Rubri­ken, ins­be­son­de­re die Anga­be des Emp­fän­gers, der Kon­to­num­mer, der Bank­ver­bin­dung und der Bank­leit­zahl ver­pflich­tet [6]. Inso­weit wie­der­holt Nr. 11 Abs. 2 der Ban­ken-AGB nur Selbst­ver­ständ­li­ches. Für die Rich­tig­keit der Anga­ben ist der Auf­trag­ge­ber selbst ver­ant­wort­lich. Bei der Erfül­lung die­ser giro­ver­trag­li­chen Sorg­falts­pflich­ten haf­tet der Kon­to­in­ha­ber nach § 278 BGB auch für sei­ne Hilfs­per­so­nen [7]. Hier hat das Büro­per­so­nal des Über­wei­sen­den beim Aus­fül­len des Über­wei­sungs­auf­trags ver­se­hent­lich eine fal­sche Bank­leit­zahl ein­ge­tra­gen (222 …), die mit der gewünsch­ten Emp­fän­ger­bank (X Bank) nicht über­ein­stimm­te. Da es sich hier um eine Über­wei­sung von einem Notarand­er­kon­to han­del­te und gera­de beim Umgang mit Fremd­geld immer beson­de­re Sorg­falt erfor­der­lich ist, ist die Höhe der Mit­ver­schul­dens­quo­te von 40% nicht zu bean­stan­den. Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass der Bank­kun­de als Notar inso­weit nicht als Ver­brau­cher oder Pri­vat­per­son gehan­delt hat. Gera­de im beleg­ge­bun­de­nen Über­wei­sungs­ver­kehr, in dem weder Kon­to­num­mer noch Bank­leit­zahl des Emp­fän­gers vor­co­diert sind, ist eine beson­ders sorg­fäl­ti­ge Aus­fül­lung aller erfor­der­li­chen Daten der Emp­fän­ger­bank not­wen­dig. Ein Notar hat bei Ver­fü­gun­gen vom Notarand­er­kon­to die Iden­ti­tät von Bank­leit­zahl und Emp­fän­ger­bank noch­mals zu kon­trol­lie­ren.
Die BGH, Ent­schei­dung vom 12.10.1999 [8] ist vom Sach­ver­halt nicht ver­gleich­bar. Sie betrifft den beleg­lo­sen Über­wei­sungs­ver­kehr und einen Fall der Haf­tung der Emp­fän­ger­bank gegen­über der über­wei­sen­den Bank.
Die sorg­falts­wid­ri­ge Aus­fül­lung des Über­wei­sungs­auf­tra­ges durch den Kun­den (feh­ler­haf­te Bank­leit­zahl) ist schließ­lich auch kau­sal für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den gewor­den. Die Zurech­nung wird nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass auch ande­re Ursa­chen zur Ent­ste­hung des Scha­dens bei­getra­gen haben kön­nen. Wer eine gestei­ger­te Gefah­ren­la­ge schafft, bei der Fehl­leis­tun­gen ande­rer erfah­rungs­ge­mäß vor­kom­men, hat auch den durch das Fehl­ver­hal­ten Drit­ter ent­stan­de­nen Scha­den in der Regel zure­chen­bar mit­ver­ur­sacht [9]. Hier han­delt es sich um einen Auf­trag im beleg­ge­bun­de­nen Über­wei­sungs­ver­kehr bei dem auch dem geschäft­lich erfah­re­nen Über­wei­sen­den bekannt gewe­sen sein dürf­te, dass bereits durch die Anga­be einer fal­schen Bank­leit­zahl im Mas­sen­ver­fah­ren des Über­wei­sungs­ver­kehrs die Gefahr einer Fehl­über­wei­sung ange­legt war. Dadurch ist eine gestei­ger­te Gefah­ren­la­ge geschaf­fen wor­den, die sich durch eine unter­las­se­ne Kon­trol­le der über­wei­sen­den Bank im nach­fol­gen­den Inter­ban­ken­ver­kehr zu einem Scha­den rea­li­siert hat.
Die Haf­tung der über­wei­sen­den Bank im Umfang von 60 % ist für das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt nicht zu bean­stan­den. Bei der Fest­le­gung der Mit­ver­schul­dens­quo­te ist in ers­ter Linie auf das Maß der bei­der­sei­ti­gen Scha­dens­ver­ur­sa­chung und in zwei­ter Linie auf das Maß des bei­der­sei­ti­gen Ver­schul­dens abzu­stel­len. Es kommt für die Haf­tungs­ver­tei­lung dem­nach wesent­lich dar­auf an, ob das Ver­hal­ten des Schä­di­gers oder das des Geschä­dig­ten den Ein­tritt des Scha­dens in erheb­lich höhe­rem Maße wahr­schein­lich gemacht hat [10].
Die Rege­lun­gen des Über­wei­sungs­rechts durch das Über­wei­sungs­ge­setz (Gel­tung seit dem 1.01.2002) bür­den gemäß §§ 676a ff., 676c Abs. 1 Satz 3 BGB a.F bei der Ket­ten­über­wei­sung der Erst­bank die Haf­tung für schuld­haf­tes Ver­hal­ten der Zwi­schen­bank auf [11].
Stim­men – wie hier – Bank­leit­zahl und Emp­fän­ger­bank nicht über­ein, ist die klar­schrift­li­che Bezeich­nung der Emp­fän­ger­bank maß­ge­bend [12]. Der klar­schrift­lich bezeich­ne­te Name der Emp­fän­ger­bank ermög­licht regel­mä­ßig eine siche­re Indi­vi­dua­li­sie­rung im Gegen­satz zur Ein­tra­gung der acht­stel­li­gen Zif­fern­fol­ge bei der Bank­leit­zahl, die feh­ler­an­fäl­lig ist. Von der Maß­geb­lich­keit der Emp­fän­ger­be­zeich­nung geht schließ­lich auch die gesetz­li­che Rege­lung in § 676a Abs. 1 Satz 2 BGB a.F. aus. Die über­wei­sen­de Bank darf Inhalt und Umfang ihrer Kon­troll­pflich­ten schließ­lich nicht durch die Wahl des Über­mitt­lungs­we­ges redu­zie­ren. Wan­delt die über­wei­sen­de Bank im Inter­es­se der beleg­lo­sen Abwick­lung im Inter­ban­ken­ver­kehr beleg­haft erteil­te Über­wei­sungs­auf­trä­ge in Daten­sät­ze um, so ver­än­dert sie eigen­mäch­tig den ihr vom Kun­den erteil­ten Auf­trag, wenn sie damit die Anfor­de­run­gen an die Sorg­falts­pflich­ten in der Ket­te der nach­fol­gen­den Ban­ken her­ab­setzt. Ob die­ser Ent­schluss frei­wil­lig ist oder auf ein Abkom­men zwi­schen den Kre­dit­in­sti­tu­ten (vgl. Nr. 1 Abs. 2 des Abkom­mens zum Über­wei­sungs­ver­kehr) beruht, ist im Ver­hält­nis zum Auf­trag­ge­ber belang­los [13]. Inso­weit haf­tet die Bank auch für ein etwai­ges Ver­schul­den der Emp­fän­ger­bank wegen feh­len­der Kon­trol­le des Kon­to­num­mer-Namen Abgleichs.
Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2013 – 5 U 104/​13
BGH, Urteil vom 03.10.1989, XI ZR 163/​88, Ver­si­che­rungs­recht 1990, 55[↩]
BGBl. I, 1642[↩]
Schi­m­an­sky in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts­hand­buch Bd. I, 3. Aufl. § 49 Rn. 93 m.w.N.[↩]
Schi­m­an­sky, a.a.O. mit Hin­weis auf BGH, Urteil vom 03.12.1989, WM 1989, 1754 ‑1762; BGH, Urteil vom 08.10.1991, WM 1991, 1912 – 1915[↩]
Schi­m­an­sky, a.a.O. § 49 Rn. 99 m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 08.10.1991, a.a.O., WM 1991, 1912 ‑1915[↩]
Schi­m­an­sky, a.a.O., § 49 Rn. 125[↩]
BGH, Urteil vom 12.10.1999 – XI ZR 294/​1998, WM 1999, 2255 – 2256[↩]
Palandt – Grü­ne­berg, BGB, 73. Aufl., § 249 Rn. 48[↩]
BGH, Urteil vom 12.10.1999, XI ZR 294/​1998, WM 1999, 2255 – 2256[↩]
Schi­m­an­sky, a.a.O. § 49 Rn. 97[↩]
für den Fall der feh­len­den Über­ein­stim­mung zwi­schen Kon­to­num­mer und Emp­fän­ger­be­zeich­nung vgl. BGH, Urteil vom 14.01.2003, WM 2003, 430 ‑433[↩]
Schi­m­an­sky, a.a.O. § 49 Rn. 85[↩]
BankenhaftungBankgeschäfteBankleitzahlKontoverbindungÜberweisungÜberweisungsauftrag

References: § 676
 § 676
 § 278
 § 676
 § 49
 § 49
 § 49
 § 249
 § 49
 § 49