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Tacheles Rechtsprechungsticker KW 49/2015 | Rechtsanwalt König in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht
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1. 1 BSG, Urteile vom 03.12.2015 – B 4 AS 59/13 R, B 4 AS 44/15 R und B 4 AS 43/15 R
Der Ausschluss arbeitsuchender Unionsbürger von SGB II-Leistungen greift auch für diejenigen Unionsbürger ("Erst-Recht"), die über kein Aufenthaltsrecht nach dem Freizügigkeitsgesetz oder dem Aufenthaltsgesetz verfügen. Auch bei fehlender Freizügigkeitsberechtigung sind aber zumindest Sozialhilfeleistungen im Ermessenswege zu erbringen. Im Falle eines verfestigten Aufenthalts – über sechs Monate – ist dieses Ermessen aus Gründen der Systematik des Sozialhilferechts und der verfassungsrechtlichen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts in der Weise reduziert, dass regelmäßig zumindest Hilfe zum Lebensunterhalt in gesetzlicher Höhe zu erbringen ist.
1. 2 BSG, Urteil vom 03.12.2015 – B 4 AS 49/14 R
Tilgungsleistungen für Wohneigentum – zuschussweise – Prognose – Vermögensaufbau findet nur in einer überschaubaren Übergangszeit statt – lange Restlaufzeit im Rahmen der Anschlussfinanzierung gerade während des SGB II-Leistungsbezugs – Nähe zum Altersrentenbezug (mit höheren Einkünften)
1. 3 BSG, Urteil vom 03.12.2015 – B 4 AS 47/14 R
Leistungen für Unterkunft und Heizung für ein Eigenheim – Heizkosten – – Betriebsstrom für die Heizungsanlage ab 1.1.2011 kein Bestandteil des Regelbedarfs
Rechtstipp: ebenso: BSG, Beschluss vom 26.05.2010 – B 4 AS 7/10 B -, Urteil vom 07.07.2011 – B 14 AS 51/10 R
2. 1 Landessozialgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 20.10.2015 – L 13 AS 1806/14
Rechtstipp: ebenso zur Witwenrente: SG Augsburg, Urt. v. 10.03.2015 – S 11 AS 1263/14 – Berufung anhängig beim BAY LSG Az. L 9 AS 247/15; zur Nachzahlung von polnischer Rente: LSG NRW, Beschl. v. 01.04.2015 – L 19 AS 2233/14 B und zur Nachzahlung von Verletztenrente: LSG NRW v. 22.7.2013 – L 2 AS 738/13 B
2. 2 Landessozialgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 17.11.2015 – L 13 AS 3773/14 – Die Revision wird zugelassen.
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Einkommensberücksichtigung und -berechnung – Absetzung der Versicherungspauschale – Beiträge für eine nur in Baden-Württemberg angebotene Zusatzversicherung zur privaten Schülerunfallversicherung für einen Minderjährigen – Angemessenheit – preisgünstige Erweiterung des Versicherungsschutzes
Leitsatz ( Anlehnung an LSG Baden-Württemberg, Urteil v. 20.10.2015 – L 13 AS 4522/13 )
2. 3 Bayerisches Landessozialgericht, Beschluss vom 11.09.2015 – L 16 AS 510/15 B ER – rechtskräftig
2. 4 Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Beschluss vom 19.09.2014 – L 11 AS 502/14 B ER
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Leistungsausschluss für Ausländer in den ersten drei Monaten des Aufenthalts – Rückausnahme für Ausländer mit einem Aufenthaltstitel nach Kap 2 Abschn 5 AufenthG 2004 – nachziehende Familienangehörige
2. 5 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 09.11.2015 – L 19 AS 924/15
1. Laufende Einnahmen sind solche, die auf demselben Rechtsgrund beruhen und regelmäßig erbracht werden, bei einmaligen Einnahmen erschöpft sich das Geschehen in einer einzigen Leistung. Die nachträgliche Erbringung einer an sich laufenden Einnahme ändert deren Qualität nicht (vgl. BSG, Urteile vom 24.04.2015 – B 4 AS 32/14 R, SozR 4-4200 § 11 Nr. 72, vom 16.05.2012 – B 4 AS 154/11 R, SozR 4-1300 § 33 Nr. 1, vom 07.05.2009 – B 14 AS 4/08 R, vom 16.12.2008 – B 4 AS 70/07 R, SozR 4-4200 § 11 Nr. 19 und vom 30.07.2008 – B 14 AS 26/07 R, SozR 4-4200 § 11 Nr. 17; Hauck/Noftz, SGB II, § 11, Rn. 105; Eicher, SGB II, 3. Aufl. 2013, § 11, Rn. 30; Söhngen in: Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB II, 4. Aufl. 2015, § 11, Rn. 70.2; vgl. auch Geiger in LPK-SGB II, 5 Aufl., § 11 Rn. 37, wonach die erste Auszahlung einer laufend zu zahlenden Leistung laufendes Einkommen i.S.v. § 11 Abs. 2 SGB II ist, auch wenn ein aufgestauter Betrag zur Auszahlung kommt).
2. Der Nachzahlungsbetrag einer an sich laufend zu zahlenden Leistung ist auch nicht als "aufgestauter Betrag" und daher als Einkommen i.S.v. § 11 Abs. 2 S. 3 SGB II zu werten. Danach gilt für laufende Einnahmen die in größeren zeitlichen Abständen zufließen, § 11 Abs. 3 SGB II entsprechend. Ein solcher Sachverhalt ist unter Zugrundelegung der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (Urteil vom 24.04.2015, a.a.O.) zum Begriff der "laufenden Leistung" nur dann gegeben, wenn sich der größere Zeitabstand aus dem Rechtsgrund der Zahlung ergibt, wie es etwa bei jährlichen Sonderzahlungen oder nicht regelmäßig zu zahlenden Prämien der Fall ist. Unter die Regelung des § 11 Abs. 2 S. 3 SGB II fallen daher nur laufende Einnahmen, die zwar regelmäßig, aber nicht in aufeinander folgenden Monaten gezahlt werden (vgl. Schmidt in Eicher, SGB II, 3. Aufl., § 11 Rn. 33; LSG NRW, Beschluss vom 01.04.2015 – L 19 AS 2233/14 B; a.A. SG Osnabrück, Urteil vom 09.07.2014 – S 33 AS 133/13).
Rechtstipp: ebenso zu Nachzahlungen auf Sozialleistungen (hier: Rentennachzahlung aus privater Berufsunfähigkeitsrente) LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 20.10.2015 – L 13 AS 1806/14 ; zur Kindergeldnachzahlung:SG Berlin, Beschluss vom 12.11.2015 – S 61 AS 22013/15 ER ; LSG NRW, Beschluss vom 28.05.2014 – L 19 AS 1860/13 B; offen gelassen: LSG NRW, Beschluss vom 14.08.2015 – L 7 AS 1321/14 B ; LSG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 17.09.2015 – L 31 AS 1571/15 ; ebenso zum ALG I: SG Duisburg, Urt. v. 28.4.2014 – S 49 AS 2522/13; SG Augsburg, Urteil vom 06.06.2014 – S 15 AS 58/14, zur Witwenrente: SG Augsburg, Urt. v. 10.03.2015 – S 11 AS 1263/14 – Berufung anhängig beim BAY LSG Az. L 9 AS 247/15; zur Nachzahlung von polnischer Rente: LSG NRW, Beschl. v. 01.04.2015 – L 19 AS 2233/14 B und aktuell zur Krankengeldnachzahlung – Bay LSG, Beschluss vom 15.07.2015 – L 11 AS 389/15 NZB ; SG Hannover, Beschluss v. 27.07.2015 – S 48 AS 2399/15 ER ( Krankengeldnachzahlung in Anlehnung an BSG, Urt. v. 24.4.2015 – B 4 AS 32/14 R); LSG NRW v. 22.7.2013 – L 2 AS 738/13 B – ( Nachzahlung von Verletztenrente ); a. A. zur Elterngeldnachzahlung: SG Augsburg, Urteil vom 21.08.2015 – S 8 AS 126/15
2. 6 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 26.11.2015 – L 2 AS 1199/15 B ER – rechtskräftig
Der Senat hält – in Übereinstimmung mit den Beschlüssen des LSG NRW vom 29.06.2015 zum Az. L 12 AS 862/15 B ER sowie vom 06.07.2015 zum Az. L 19 AS 931/15 B ER – in ständiger Rechtsprechung (siehe zuletzt Beschluss vom 17.11.2015, L 2 AS 1821/15 B ER ) daran fest, dass eine derartige Gefahr in der Regel frühestens ab Zustellung einer Räumungsklage anzunehmen ist und nicht bereits generell eine Kündigung ausreichend ist, um die Erforderlichkeit einer vorläufigen Regelung durch das Gericht zu begründen.
Rechtstipp: a. A. der 7. Senat des Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, vgl. Beschluss vom 17.06.2015 – L 7 AS 704/15 B ER, L 7 AS 705/15 B ).
3. 1 SG Neubrandenburg, Urteil vom 12.11.2015 – S 14 AS 969/15
Grundsicherung nach dem SGB II – vorläufige Bewilligung – endgültige Leistungsfestsetzung – Erstattungsforderung – Verjährungsregelung
Rechtstipp: vgl. auch Sächsisches LSG, Urteil vom 20. September 2013 – L 7 AS 863/11 –, die augenscheinlich eine Anwendung der Jahresfrist für möglich halten; a. A. SG Berlin, Urteil v. 21.08.2013 – S 205 AS 15021/11
3. 2 Sozialgericht Dortmund, Beschluss vom 23.11.2015 – S 30 AS 3827/15 ER
Anmerkung: a. A. LSG NRW, Beschluss vom 23.11.2015 – L 6 AS 1583/15 B ER – rechtskräftig – Hartz-IV-Ausschluss von EU-Ausländern weiter streitig, BSG, Urteile vom 03.12.2015 – B 4 AS 59/13 R, B 4 AS 44/15 R und – B 4 AS 43/15 R
3. 3 SG Dortmund, Urteil vom 04.12.2015 – S 27 AS 4097/12
3. Die von der Behörde vorgenommene pauschale Begrenzung des Anspruchs steht der durch das Bundesverfassungsgericht angemahnten Verwirklichung von Chancengerechtigkeit für Kinder von langzeitarbeitslosen Eltern entgegen ( Anlehnung an SG Dortmund, Urteil v. 20.12.2013 – S 19 AS 1036/12).
4. 1 SG Kiel, Urt. v. 27.08.2015 – S 26 SO 88/13
Rechtstipp: Thüringer LSG, Urteil v. 09.09.2015 – L 8 SO 273/13 – rechtskräftig – Die Änderung von Leistungen i. S. d. § 44 Abs. 1 Satz 2 SGB XII betrifft nur solche Änderungen, die während eines Bewilligungszeitraumes eintreten.
6. Kostenerstattung für Lebensunterhalt eines Ausländers bei Verpflichtungserklärung – Az. 6 K 2120/15.TR

References: § 11
 § 33
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 § 44