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Timestamp: 2019-05-20 18:05:16+00:00

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Bilanzen - Die Gewinn- Und Verlustrechnung
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Vorlesungsbegleiter Modul ABWL 1
Skript Einfuehrung in die Oekonomie WS2007 MG
eload 24
Bilanzen – Die Gewinn- und Verlustrechnung
eBook 00961
Die Bilanz zeigt Ihnen die Vermögens- verhältnisse, den Kapitalaufbau und die Finanzierung. Sie erkennen also, ob das Unternehmen solide finanziert ist oder ob es kurz vor dem Konkurs steht. Die Bilanz informiert, woher die finanziellen Mittel kommen und wie sie eingesetzt werden.
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Welcher Aufbau ist für die Gewinn-
und Verlustrechung vorgeschrieben?
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Jahresüberschuss und Bilanzgewinn?
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Trotz sorgfältigen Lektorats können sich
Bewertung in der Bilanz. Weshalb gibt es Buchführungs- und
Fehler einschleichen. Autoren und Verlag
Bilanzierungsgrundsätze?
sind deshalb dankbar für Anregungen und
Hinweise. Jegliche Haftung für Folgen, die auf unvollständige oder fehlerhafte Anga-
Welche Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte
ben zurückzuführen sind, ist jedoch aus-
kennen Handels- und Steuerbilanz?
Bewertungswahlrechte im Handelsrecht
Bewertungswahlrechte im Steuerrecht
lösungen auf einen klick.
Der Kaufmann muss am Schluss eines jeden Geschäftsjahres eine Gewinn- und Verlust- rechnung (G+V-Rechnung) aufstellen. Aus der Gewinn- und Verlustrechnung können Sie die Ertragslage eines Unternehmens ablesen. Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjah- res sind hier dargestellt. Zusammen mit der Bilanz, bildet die Gewinn- und Verlustrech- nung den Jahresabschluss und dient der Re- chenschaftslegung. Lieferanten, Kunden, Mit- arbeiter und die Öffentlichkeit werden über die aktuelle Lage des Unternehmens infor- miert. In diesem eBook lernen Sie, als poten- tieller Miteiegentümer, eine G+V-Rechnung richtig zu interpretieren und darüber hinaus, wie man als Kaufmann eine korrekte Gewinn- und Verlustrechnung verfasst. Zudem erfah- ren Sie auf weshalb es Buchführungs- und
Bilanzierungsgrundsätze gibt und was dabei zu beachten ist.
Welcher Aufbau ist für die Gewinn- und Verlustrechung vorgeschrieben?
1. SCHRITT: Gewinn- und Verlustrechnung
ZIEL: Konto- und Staffelform kennen
Bilanz und Betriebsergebnis
Während die Bilanz das Vermögen und die Schulden zu einem bestimmten Tag, dem Bi- lanzstichtag, darstellt, ist die G+V-Rechnung eine Zeitraumrechnung. Sie zeigt die Entste- hung des Gewinnes bzw. Verlustes in der ab- gelaufenen Periode. In ihr wird der Gesamt- erfolg eines Unternehmens dargestellt. Der Gesamterfolg umfasst betriebsbedingte und betriebsfremde Aufwendungen und Erträge.
Das Betriebsergebnis dagegen zeigt den Be- triebserfolg und unterrichtet, wie erfolgreich das Unternehmen auf seinem eigentlichen Tätigkeitsgebiet war. Die betriebsfremden Aufwendungen und Erträge werden in der Abgrenzungsrechnung herausgerechnet, z. B. Mieterträge oder Kursgewinne bzw. -ver- luste beim Verkauf von Aktien in einem Industriebetrieb.
Die G+V-Rechnung kann in Konto- oder Staf- felform erfolgen. Bei der Kontoform erfasst das Gewinn- und Verlustkonto als Abschluss- konto die Aufwendungen und Erträge einer Buchhaltungsperiode. Die Aufwendungen er- scheinen im Soll, die Erträge im Haben.
Aufwendungen sind der Werteverzehr eines Unternehmens an Gütern, Dienstleistungen und Abgaben. Die Kostenrechnung gliedert
die Aufwendungen des Unternehmens in be- triebsbezogene Aufwendungen (= Kosten) und betriebsfremde Aufwendungen (= neut- rale Aufwendungen = Nichtkosten).
Erträge sind Wertzuflüsse aus dem Verkauf
der eigenen oder fremden Erzeugnisse und der erbrachten Dienstleistungen. Sie werden für die Kostenrechnung in betriebsbezogene Erträge (= Leistungen) und betriebsfremde Erträge (= neutrale Erträge) aufgeteilt.
Erträge aus Abgang von Vermögensge- genständen
Fremdinstandhaltun-
„Gewinn“
Gewinn entsteht, wenn die Erträge größer als die Aufwendungen sind. Der Saldo „Gewinn“ wird auf der Aufwandsseite ausgewiesen. Bei Verlust sind die Aufwendungen größer als die Erträge. Der Reingewinn bzw. -verlust wird auf das Konto „Eigenkapital“ übertragen.
Die G+V-Rechnung in Kontoform ist nicht so detailliert wie die Staffelform. Der Gesetzge- ber hat für die Veröffentlichung bei Kapitalge- sellschaften die Staffelform im Handelsgesetz zwingend vorgeschrieben (§ 275 HGB). Nur Einzelunternehmen und Personengesellschaf- ten können zwischen Kontoform und Staffel- form wählen. Für sie gilt aber auch, dass die einmal gewählte Darstellungsform aus Grün- den der Bilanzkontinuität beibehalten werden muss.
Die Staffelform ermöglicht den Ausweis von Zwischensummen und Zwischenergebnis- sen. Die Erträge und Aufwendungen werden in einer bestimmten Aufstellung angeordnet und fortschreitend mit aussagefähigen Zwi- schenergebnissen ausgewiesen. Man kommt so über verschiedene Stufen von der Ge- samtleistung zum Jahresüberschuss. Die
Zusammensetzung des Erfolges wird so leicht erkennbar, was auch den Vergleich mit frühe- ren Jahren erleichtert.
Von der Gesamtleistung zum Bilanzgewinn/-verlust
Bilanzgewinn/ Bilanzverlust
Bei der Staffelform kann zwischen dem Ge- samtkostenverfahren und dem Umsatzkos- tenverfahren gewählt werden.
Das Gesamtkostenverfahren stellt die Leis- tung der Geschäftsperiode in den Mittel- punkt, gleichgültig, ob die hergestellten oder erbrachten Leistungen auch tatsächlich am Markt abgesetzt worden sind. Die Gesamt- leistung eines Industriebetriebes zeigt sich nicht nur in den Umsatzerlösen, sondern auch in etwaigen Bestandsvermehrungen und anderen Eigenleistungen (z. B. selbst erstell- te Anlagen).
Das in den angelsächsischen Ländern prakti- zierte Umsatzkos tenverfahren geht von den verkauften Produkten oder Leistungen in der Periode aus. Der Umsatz der Geschäftspe- riode ist der Ausgangspunkt und ihm werden die Kosten zugerechnet. Die Kosten werden nach den Funktionsbereichen Fertigung, Ver- trieb und Verwaltung erfasst.
2. SCHRITT: Gesamtleistung berechnen
ZIEL: Leistung der Geschäftsperiode beurteilen
Beim Gesamtkostenverfahren in Staffelform werden die ersten vier Positionen ausgewie- sen und zur Gesamtleistung addiert. Große Kapitalgesellschaften müssen die vier Posi- tionen im Geschäftsbericht angeben, man spricht deshalb auch von einer Bruttorech- nung. Die MAG weist 2002 eine Gesamtleis- tung von 174,8 Mio € aus.
Von den Umsatzerlösen zur Gesamtleistung
Gewinn- und Verlustrech- nung der Maschinenbau AG (MAG) 2005
689 401
Die Verkaufserlöse aus den eigenen Erzeug- nissen und den Handelswaren sind hier aus- zuweisen. Die Umsatzerlöse der MAG errei- chen im Geschäftsjahr 172,7 Mio €.
Eine Bestandsvermehrung an fertigen und unfertigen Erzeugnissen bedeutet eine Zu- nahme und damit Erlöse. Bestandsminde- rungen wirken entgegengesetzt. Bei der MAG waren die Bestände an fertigen und unfertigen Erzeugnissen am 31.12.2005 um 462 804 € höher als ein Jahr zuvor.
Selbst erstellte Anlagen und selbst durch- geführte Großreparaturen sind Beispiele für andere aktivierte Leistungen. Die MAG kann hier den Betrag von 689 401 € ausweisen. Es sind Eigenleistungen in Verbindung mit der umfangreichen Inves titionstätigkeit erfasst.
Mieteinnahmen von Industrie- und Handels- unternehmen sind hier auszuweisen. Die Position „Sonstige betriebliche Erträge“ ist ein Sammelposten und beinhaltet sehr verschie- dene Erträge, insbesondere:
Erlöse aus Nebentätigkeiten
Erträge aus Vermietungen und
Verpachtungen Buchgewinne aus dem Verkauf von
Anlagegütern Kursgewinne im Außenhandel
Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen
Erträge aus der Auflösung von
Auflösung des Sonderpostens mit
Erhaltene Investitionszulagen und ande- re staatliche Zuschüsse
Die sonstigen betrieblichen Erträge der MAG belaufen sich auf 956 093 €.
Das Rohergebnis ergibt sich, wenn die Ge- samtleistung, also Umsatzerlöse, Bestands- veränderungen, aktivierte Eigenleistungen und sonstige betriebliche Erträge, mit den Materialaufwendungen saldiert werden. Das Rohergebnis dürfen aber nur kleine und mit- telgroße Kapitalgesellschaften ausweisen.
Das Rohergebnis der MAG erhalten Sie, wenn Sie von der Gesamtleistung in Höhe von 174 811 943 € die Positionen „Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und bezo- gene Waren“ und „Aufwendungen für bezoge- ne Leistungen“ abziehen. Dann erhalten Sie 99 733 486 €.
Von der Gesamtleistung zum Rohergebnis
174 811 943
-62 945 918
-12 132 539
99 733 486
Wie kommt man von der Gesamtleis- tung zum „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit"?
3. SCHRITT: Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit errechnen
ZIEL: Betriebsergebnis/ Finanzergebnis
Von der Gesamtleistung müssen Sie ver- schiedene Aufwandsarten abziehen, wenn Sie das Betriebsergebnis feststellen wollen. Gesamtleistung abzüglich Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen und sons- tige betriebliche Aufwendungen ergibt das Betriebsergebnis.
Von der Gesamtleistung zum Betriebsergebnis
-54 346 890
Soziale Abgaben und Aufwen- dungen für Altersversorgung und für Unterstützung
-11 125 092
Abschreibungen auf immate- rielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen
-7 286 900
-19 345 958
7 628 646
Die anfallenden Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie die Einstandspreise für Handelswaren sind an dieser Stelle aus- zuweisen. Auch Abschreibungen auf Vor räte und Handelswaren sind hier zu buchen.
Die MAG weist unter „Materialaufwand für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie fremdbezogene Waren“ einen Betrag von 62,9 Mio € aus. Die Aufwendungen für bezo- gene Leistungen betragen 12,1 Mio €.
Der Personalaufwand umfasst Löhne und Gehälter sowie soziale Abgaben und Aufwen- dungen für Altersversorgung.
Die Position „Löhne und Gehälter“ beinhaltet sämtliche Geldbezüge der Arbeiter und Ange- stellten (= Bruttolöhne und -gehälter) sowie die Bezüge der Unternehmensleitung. Die So- zialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer beinhalten auch Feiertags- und Urlaubslöhne sowie Zulagen und Prämien.
Die Löhne und Gehälter betragen bei der MAG 54,3 Mio €. Die sozialen Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung erreichen 11,1 Mio €.
Die Aufwendungen für soziale Abgaben be-
inhalten die gesetzlichen Pflichtabgaben der
Arbeitgeber, den Arbeitgeber anteil. Pen-
sionszahlungen, Zuführungen zu den Pen- sionsrückstellungen sowie Zahlungen an Unterstützungs- und Pensionskassen sind Aufwendungen für Altersversogung und für Unterstützung.
Unter dieser Position sind Abschreibungen auf Sachanlagen und die Sofortabschreibung auf geringwertige Wirtschaftsgüter auszuweisen.
Die MAG weist unter „Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen“ einen Betrag von 7,3 Mio € aus. Die umfangrei- che Investi tionstätigkeit führte zu hohen Abschreibungen.
Sonstige betriebliche Aufwendungen sind wie die Position „Sonstige betriebliche Erträge“ ein Sammelposten. Eine Vielzahl von perio- denbezogenen und periodenfremden Aufwen- dungen sind hier zu berücksichtigen, wodurch die Aussagefähigkeit dieses Gliederungspos- tens eingeschränkt wird.
Soziale Abgaben aufgrund von Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder individueller Arbeitsverträge sind hier auszuweisen. Fahrt- kostenzuschüsse, Aus- und Fortbildungskos- ten sowie Wohngeldzuschüsse sind „Sonstige betriebliche Aufwendungen“. Auch die Ver- waltungs- und Vertriebskosten einschließlich Vertreterprovisionen sind hier zu erfassen.
Sonstige betriebliche Aufwendungen beinhal- ten ferner:
Verkauf von Anlagegütern mit Verlust
■ Instandhaltungsaufwendungen
Reisekosten und Messekosten
■ Garantieaufwendungen
Ausgangsfrachten und -verpackungen
Währungs- und Kursverluste
Abschreibungen auf Forderungen und andere Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens
Die MAG weist unter der Position „sonstige betriebliche Aufwendungen“ 19,3 Mio € aus.
Erträge aus Finanzanlagen und Abschreibun- gen auf Finanzanlagen bilden das Finanz-
ergebnis. Die MAG weist folgende Beträge in den einzelnen Positionen aus.
Das Finanzergebnis und seine Positionen
Erträge aus anderen Wertpa- pieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens
Sonstige Zinsen und ähnliche Er- träge
-946 360
-210 153
Erträge aus Beteiligungen und aus Gewinn- abführungsverträgen mit verbundenen Unter- nehmen werden an dieser Stelle erfasst. Die MAG weist in dieser Position 412 945 € aus.
Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen
Dividenden aus Aktien des Anlagevermögens und Zinserträge aus Krediten an verbundene
Unternehmen erscheinen hier. Es darf sich
aber nicht um Beteiligungen handeln. Die
MAG hat im Geschäftsjahr 2005 Erträge von
210 943 €.
Geschäftsvorfälle, die nicht in den vorigen Positionen ausgewiesen sind, gehören an diese Stelle, z. B. Zinserträge für Forderun- gen an Dritte, Zinsen für Beteiligungen und Dividenden aus Aktien des Umlaufvermö-
gens. Die MAG weist unter dieser Position
112 319 € aus.
Abschreibungen auf Finanzanlagen sowie Wertpapiere des Umlaufvermögens sind hier zu erfassen. Verluste aus dem Verkauf von Wertpapieren des Umlaufvermögens erschei- nen ebenfalls in dieser Position.
Zinsen für Bankkredite, Hypotheken, Dar- lehen und Lieferantenkredite sind hier zu buchen, z. B. Kredit-, Überziehungs- und Umsatzprovisionen; Diskontbeträge für Wechsel; Disagio; Aufwendungen aus Verlustübernahmen.
Die Zinsen für Bankkredite sind bei der MAG die größte Position. MAG weist „Zin- sen und ähnlich Aufwendungen“ in Höhe von 946 360 € aus.
Das Finanzergebnis der MAG ist mit 210 153 € negativ, wenn die obigen Positio- nen insgesamt erfasst werden.
Betriebsergebnis und Finanzergebnis ergeben zusammen das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Vom Betriebsergebnis der MAG in Höhe von 7628646 € ist das nega- tive Finanzergebnis in Höhe von 210153 € abzuziehen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der MAG beträgt dann 7 418 493 €. Dies ist ein gutes Ergebnis an- gesichts der hohen Investitionstätigkeit und den damit in Verbindung stehenden gestiege- nen Aufwendungen.
Vom Betriebsergebnis zum Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
4. SCHRITT: Ergebnis vor Steuern, Jahres- überschuss und Bilanzgewinn errechnen
ZIEL: Ertragslage und Bilanzgewinn
Das Ergebnis vor Steuern setzt sich aus dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätig- keit und dem außerordentlichen Ergebnis zusammen.
Ergebnis vor Steuern = Ergebnis der gewöhnlichen Ge- schäftstätigkeit – außerordentliches Ergebnis
Das außerordentliche Ergebnis errechnet sich aus den außerordentlichen Erträgen und Auf- wendungen. Es umfasst Vorgänge, die au- ßerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfallen und ungewöhnlich in ihrer Art sind.
Außerordentliche Erträge sind Nebenerlöse und stehen in keinem direkten Zusammen-
hang mit der Verwertung der betrieblichen Leistungen. Gewinne aus Betriebsveräuße- rungen oder einmalige staatlich Zuschüsse wären solche Beispiele.
Die außerordentlichen Aufwendungen haben keinen Bezug zur betrieblichen Leistungs- erstellung. Sie sind nicht regelmäßig wie- derkehrend und haben im Rahmen der Ge- schäftstätigkeit des Unternehmens einen einmaligen Charakter, z. B. Sanierungsmaß- nahmen, Verluste beim Verkauf einer wich- tigen Beteiligung, außergewöhnliche Scha- densfälle, Kosten für einen Sozialplan.
Die MAG hat keine außerordentlichen Auf- wendungen und Erträge. Das Ergebnis vor Steuern entspricht deshalb dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit.
Ermittlung von Jahresüberschuss und Bilanzgewinn
Das Ergebnis vor Steuern, gekürzt um „Steu- ern vom Einkommen und Ertrag“ sowie den „sonstigen Steuern“, ergibt den Jahresüber- schuss bzw. Jahresfehlbetrag.
Körperschaftsteuer und Gewerbeertragsteuer sind Steuern vom Einkommen und Ertrag. Die Position „sonstige Steuern“ beinhaltet die Steuern vom Vermögen (Grund-, Erbschafts- und Schenkungsteuer). Außerdem sind Kraft- fahrzeug-, Mineralöl- und Versicherungs- steuer sowie Ausfuhrzölle auszuweisen.
Vom Ergebnis vor Steuern zum Bilanzgewinn
418 493
-2 896 780
-394 713
Bei der AG und der GmbH wird aus dem Jah- resüberschuss bzw. -fehlbetrag der Bilanz- gewinn/-verlust ermittelt. Die Bildung von Gewinnrücklagen oder ihre Aufstockung be- deutet Gewinnverwendung. Andererseits kann durch eine Entnahme aus einer Kapi- talrücklage ein Jahresfehlbetrag vermindert oder abgebaut werden.
5. SCHRITT: Rentabilität berechnen
ZIEL: Rentabilität als Erfolgsmaßstab
Wenn Sie feststellen wollen, wie erfolgreich ein Unternehmen arbeitet, dann genügt es nicht nur die Höhe des Bilanz gewinns zu kennen. Wesentlich ist, dass Sie die Ren- tabilität berechnen, d. h. die Relation von Gewinn zu Kapital bzw. Umsatz. Der Kapi- taleinsatz im Unternehmen ist dann auch mit anderen Geldanlageformen vergleich- bar. Um die Rentabilität genauer fassen zu können, gibt es mehrere Bezugsgrößen und damit auch mehrere Rentabilitätskennzah- len, inbesondere Eigenkapital-, Gesamt- und Umsatzrentabilität.
Die Rentabilität des Eigenkapitals ist das Ver- hältnis von Reingewinn zu Eigenkapital und entspricht der Verzinsung des Eigenkapitals. Man spricht auch von der Rendite des Eigen- kapitals. Die Eigenkapitalrentabilität infor- miert den Unternehmer, die Gesellschafter und die Aktionäre über die Verzinsung des im Unternehmen investierten Kapitals.
Bilanzgewinn (−verlust )
1% Eigenkapital
Die MAG weist einen Bilanzgewinn von 3 327 000 € aus. Zu berücksichtigen ist, dass bereits 800 000 € den Rücklagen zugeführt wurden. Außerdem führen die hohen Ab- schreibungen, eine Folge der regen Investi- tionstätigkeit, zu einem niedrigeren Gewinn. Gerade in den ersten Jahren werden Investi- tionen stark abgeschrieben und entsprechend der Gewinn reduziert. Dies gilt insbesonde-
re bei degressiver Abschreibung, die in den ersten beiden Jahren vom hohen Buchwert abgeschrieben wird, was stark gewinnredu- zierend wirkt. Die Ertragslage der MAG ist damit in Wirklichkeit besser als die Zahlen hier ausweisen.
Der Bilanzgewinn von 3 327 000 € ist in Be- ziehung zum Eigenkapital zu setzen, das Eigenkapital beträgt 49978500 € (vgl. Ab-
schnitt Kapitalaufbringung).
3327000 = 6, 70%
Die Rentabilität des Gesamtkapitals setzt den Reingewinn zuzüglich Zinsaufwand zum Gesamtkapital ins Verhältnis. Der Unterneh- menserfolg ist auf den Einsatz von Eigen- kapital und Fremdkapital zurückzuführen. Der Reingewinn zuzüglich Zinsaufwand wird
deshalb in Relation zum Gesamtkapital ge- sehen. Die Gesamtkapitalrentabiltät gibt die Verzinsung des im Unternehmen arbeitenden Kapitals an.
Gewinn + KostenfürFremdkapital
1%Gesamtkapital
Bei der MAG sind deshalb außer dem Bilanz- gewinn von 3 327 000 € noch die Kosten des Fremdkapitals anzusetzen. Als Fremdkapital- zinsen wird der in der G+V-Rechnung in der Position „Zinsen und ähnliche Aufwendun- gen“ ausgewiesene Betrag von 946 360 € verwendet.
3327000 + 946360
= 4, 30%
Die MAG erreicht damit eine Eigenkapital- rentabilität von 6,7 % und eine Gesamtkapi- talrentabilität von 4,3 %. Die Eigenkapital- rentabilität ist damit deutlich höher als die
Gesamtkapitalrentabilität. Der vom Fremd- kapital erwirtschaftete Ertrag ist höher als die Kosten für das Fremdkapital, was der Eigen- kapitalrendite zugute kommt.
Wenn die Gesamtkapitalrentabilität oder in- terne Rendite des Unternehmens höher als der zu zahlende Zinssatz für das Fremdka- pital ist, dann wird durch eine weitere Ver- schuldung, also Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital, eine Steigerung der Eigenka- pitalrentabilität erreicht. Dieser Vorgang wird als Leverage-Effekt (leverage effect = Hebel-
wirkung) bezeichnet.
Liegt die Gesamtrentabilität über dem Zins- satz des Fremdkapitals, dann wird durch eine zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital die Eigenkapitalrendite erhöht. Der Leverage-Ef- fekt stellt aber keine Risikoüberlegungen an.
Das Eigenkapital und nicht das Fremdkapital sind die haftenden Mittel eines Unterneh- mens. Steigt der Anteil des Fremdkapitals, dann erhöht sich das Investitionsrisiko und das Kapitalrisiko für alle Beteiligten.
Der Leverage-Effekt hängt von der Ertragskraft des Unternehmens
und der Höhe der Zinsen für Fremdkapital ab. Der Leverage-Ef- fekt kann auch negativ wirken. Dies tritt ein, wenn die Gesamtkapitalrentabilität unter den Fremdkapitalzins fällt. Die Eigenka-
pitalrentabilität sinkt dann mit der Zunahme des Fremdkapitals am Investitionsprojekt.
Eine weitere wichtige Kennzahl ist die Um- satzrentabilität, das Verhältnis von Gewinn und Geschäftsvolumen. Sie informiert, in welcher Relation der Gewinn zum Geschäfts-
volumen steht. Hohe Umsatzrentabilität heißt, dass das Unternehmen im Hinblick auf die Größe seines Geschäftsvolumens einen ho- hen Gewinn erwirtschaftet.
Wenn Sie die Umsatzrentabilität berechnen wollen, dann müssen Sie den Bilanzgewinn bzw. -verlust in Beziehung zum Jahresumsatz setzen.
1%Umsatz
Die G+V-Rechnung der MAG weist einen Jahresumsatz von 172 703 645 € und einen Bilanzgewinn von 3 327 000 € aus.
3327000 = 1, 93%
1727036,
Die berechnete Umsatzrentabilität ist zu- nächst statisch. Eine Dynamisierung wird
erreicht, wenn Sie den Wert mit einem oder mehreren Vorjahren vergleichen.
Der innerbetriebliche Vergleich sollte durch den zwischenbetrieblichen Vergleich, insbe- sondere mit derselben Branche, ergänzt wer- den. Kennzahlen aus zwischenbetrieblichen Vergleichen, vor allem Branchendurchschnitte
oder typische Werte der Branche (häufigste
Werte), zeigen wie „gut“ das jeweilige Unter- nehmen ist.
Wieso informiert der
Cashflow umfassender?
6. SCHRITT: Cashflow errechnen
ZIEL: Cashflow in der Bilanzanlyse anwenden
Der Cashflow, der aus den USA stammt, ist
eine Kennzahl zur Beurteilung der Finanz-
und Ertragskraft eines Unternehmens. Der Cashflow zeigt den umsatzbedingten Liquidi- tätszufluss an, den Überschuss der umsatz- bedingten Einnahmen über die umsatzbe- dingten Ausgaben.
Ein Unternehmen kann mit dem Cashflow Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen finan- zieren, ohne Eigen- oder Fremdkapital auf-
zunehmen. Mit steigendem Cashflow nimmt
somit das Finanz- und Ertragspozential eines Unternehmens zu.
Wenn Sie vom Cashflow (= Brutto-Cash- flow) die Steuern und die Gewinnausschüt- tungen abziehen, dann erhalten Sie den
Netto-Cashflow.
Der Cashflow zeigt, in welcher Höhe einem Unternehmen aus der Umsatztätigkeit flüssi-
ge Mittel zur Verfügung stehen, die für ver- schiedene Zwecke verwendet werden können:
liquide Mittel aufstocken
Der Cashflow umfasst den ausgewiesenen Reingewinn, die Zuweisungen zu den Rück- lagen, die Abschreibungen auf Sachwerte und Beteiligungen sowie die Bildung von langfris- tigen Rückstellungen. Keine Einigkeit besteht, ob der Cashflow außerordentliche Aufwen- dungen und Erträge beinhalten soll.
Cashflow-Berechnung
Außerordentliche periodenfremde Aufwendungen
Außerordentliche periodenfremde Erträge
Zuführungen zu den Rücklagen
(Auflösung von Rücklagen)
Der Cashflow enthält damit auch die jährli- chen Abschreibungen, was bedeutet, dass die Auswirkungen einer unterschiedlich starken Investitionstätigkeit über die Abschreibungen erfasst wird. Der Cashflow liefert insofern ge- nauere Informationen als der Bilanzgewinn.
Bilanzgewinn (bzw. Bilanzverlust)
Die Aussagefähigkeit des Cashflow zeigt sich
besonders gut beim innerbetrieblichen Ver-
Zunahme der langfristigen Rückstellun- gen (Abnahme)
gleich. Sie sollten deshalb die Daten mehre- rer aufeinanderfolgender Geschäftsjahre in
die Analyse einbeziehen.
Cashflow der MAG
Umlagevermögen
Zunahme der langfristigen Rückstellungen
Einem Bilanzgewinn von 3 327 000 € steht
ein Cashflow von 11 863 900 € gegenüber.
Letzterer erfasst eben in vollem Umfang die Abschreibungen auf das Anlagevermögen in Höhe von 7 286 900 €. So wird die hohe In-
vestitionstätigkeit mit ihren gewinnreduzie- renden Auswirkungen erfasst.
Der Cashflow zeigt eine Erhöhung der Finanz-
und Ertragskraft deutlicher als der Jahres- überschuss oder der Bilanzgewinn.
Das Verhältnis von Cashflow zu Eigen-
kapital oder Gesamtkapital zeigt, wie viel Prozent des Eigen- oder Gesamtkapitals
in einer bestimmten Geschäftsperiode als
Finanzierungsmittel zugeflossen sind.
Cashflow − Eigenkapitalrendite =
11863900 = 23, 70%
Die Cashflow-Eigenkapitalrendite der MAG
von 23,7 % zeigt in vollem Umfang die Er- tragsstärke des Unternehmens.
Diese Kennzahl berücksichtigt eben in vollem Umfang die starke Investitionstätigkeit, die
zu hohen Abschreibungen führte. Die Cash- flow-Eigenkapitalrendite ist wesentlich aussa- gefähiger als die Eigenkapitalrentabilität.
Der Cashflow sollte insbesondere
angewendet werden, wenn bei
mittleren Unternehmen Jahre mit starken Schwankungen in der Investitionstätigkeit miteinander verglichen werden. Die Beurteilung der Er- tragslage einzelner Jahre erfolgt durch den
Cashflow objektiver als durch den Gewinn. Der Cashflow beinhaltet eben auch die
Die Cashflow-Gesamtkapitalrendite der MAG
lässt sich entsprechend ermitteln. Es sind im Zähler des Bruches noch die Fremdkapi- talzinsen zu erfassen, im Nenner steht das Gesamtkapital.
Cashflow − Gesamt =
11863900 + 946360
= 12, 80%
Die Cashflow-Gesamtkapitalrendite ist bei der
MAG deutlich niedriger als die des Eigenka-
pitals. Dieser Tatbestand war bereits bei der Kapitalrentabilität festzustellen.
Die Kennzahl Cashflow zu Umsatzerlösen ist
eine weitere Messzahl für die Beurteilung der
Ertrags- und Selbstfinanzierungskraft eines
Cashflow − Umsatzrendite =
1%Umsatzerlöse
Die Kennziffer zeigt, wie viel Prozent der Um- satzerlöse für Investitionen, Kredittilgung und Gewinnausschüttung zur Verfügung stehen.
Die selbst erwirtschafteten Finanzierungsmit- tel betragen 2005 6,9 % des Umsatzes, was 6,9 € auf 100 € entspricht.
Absoluter Cashflow und Cashflow-Kennzahlen
Die Aussagekraft der absoluten Höhe des Cashflow ist beim zwischenbetrieblichen Ver- gleich begrenzter als beim innerbetrieblichen Vergleich. Jedes Unternehmen hat seine eigene Bilanzpolitik und bildet in unterschied- lichem Umfang „stille Reserven". Die Bildung
stiller Reserven wird vom Cashflow nicht
erkannt, z. B. Anschaffung geringwertiger Wirtschaftsgüter und ihre Verrechnung als Aufwand.
Kennzahlen, die auf dem Cashflow aufbau- en, eignen sich für den Vergleich mit anderen Unternehmen daher besser als der absolute
Die verfolgte Bewertungspolitik eines Unternehmens und ihre Auswirkungen auf das Umlaufver- mögen sind nicht bekannt und können von Außenstehenden auch
im Cashflow nicht sichtbar gemacht werden.
Die anglo-amerikanischen Rechnungslegun- gen (IFRS, US-GAAP) verlangen im Jahres-
abschluss die Aufstellung einer Kapitalfluss- rechnung. Sie zeigt den Cashflow aus der
laufenden Geschäftstätigkeit sowie die Cash-
flows aus der Investitionstätigkeit und den
Finanztransaktionen auf. Der Kapitalanleger kann so zukünftige Cashflows und ihre Aus- wirkungen auf die Investitionsentscheidungen besser abschätzen.
Bewertung in der Bilanz. Weshalb gibt es Buchführungs- und Bilanzierungsgrundsätze?
Die Grundsätze der Ordnungsmäßigkeit der Buchführung (GoB) treten in drei Formen in Erscheinung:
Grundsätze ordnungsmäßiger Buchfüh-
rung (= Buchführung im engeren Sinne) Grundsätze ordnungsmäßiger Inventur
Die GoB im engeren Sinne gelten für die Buchführung und die Dokumentation der Ge- schäftsvorfälle. Die Führung der Bücher, der Belege und ihre Aufbewahrung sind Gegen- stand der GoB.
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Speicher- buchführung (GoS) wurden im Hinblick auf
die Überprüfbarkeit von EDV-Buchführungs- systemen entwickelt. Sie sollen sicherstel- len, dass auch beim Computereinsatz die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung eingehalten werden. Das Belegprinzip, die Datensicherung, die Dokumentation, die Auf- bewahrungsfristen und die Wiedergabe von Datenträgern sind hier GoS geregelt.
Die Aufzeichnungen auf Datenträgern müs- sen während der Dauer der Aufbewahrungs- frist verfügbar und jederzeit lesbar gemacht werden können. Für Inventar, Bilanzen, Ge- winn- und Verlustrechnungen, Buchungs- belege, Dateienbestände sowie Arbeitsan- weisungen und Organisationsunterlagen gilt
eine Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren.
Der Jahresabschluss ist nach § 243 HGB nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buch- führung (GoB) aufzustellen. Diese Vorschrift gilt für den Abschluss jedes Unternehmens, unabhängig von der Rechtsform. Die GoB werden in der speziellen Anwendung auf die Bilanz auch als „Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung“ bezeichnet.
Der Grundsatz der Vollständigkeit verlangt, dass im Jahresabschluss alle Vermögens- gegenstände, Schulden, Rechnungsabgren- zungsposten, Aufwendungen und Erträge erfasst werden.
Positionen der Aktivseite dürfen nach dem Saldierungsverbot nicht mit Positionen der Passivseite verrechnet werden, auch nicht Aufwands- mit Ertragspositionen.
Die Bilanzklarheit will einen klaren und über- sichtlichen Jahresabschluss. Das einmal ge- wählte Gliederungsschema für die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung ist beizubehalten.
Der Grundsatz der Bilanzwahrheit er- fordert einen vollständigen und richtigen Jahresabschluss.
Der Grundsatz der Bilanzkontinuität legt Wert auf die Beibehaltung der äußeren Form der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung. Diese Forderung gilt insbesondere für Kapi- talgesellschaften (§ 265 Abs.1 HGB).
Bilanzverschleierung und Bilanzfäl- schung sind Bilanzdelikte. Eine Bilanzverschleierung entsteht durch unklare Angaben, wodurch der Bilanzleser falsche Schlüsse
zieht, z. B. Saldierung von Forderungen und Verbindlichkeiten. Bei einer Bilanzfälschung werden vorsätzlich unwahre Angaben ge- macht. Tatbestände werden im Hinblick auf eine beabsichtigte Vermögens- und Ertrags- lage bewusst gefälscht, z. B. Bilanzpositionen falsch bewertet, Verbindlichkeiten bewusst weggelassen.
Die Bewertung ist ein Schlüsselbegriff der Bilanzierung und bedeutet, Vermögensgegen- ständen Geldwerte zuzuordnen. Die einzelnen Posten des Vermögens und des Kapitals sind in der Handelsbilanz in Geldwerten auszudrü- cken und zu bilanzieren. Die Bewertung hat Rückwirkungen auf die Höhe des Gewinns. Bewertungen sind auch in der Steuerbilanz und in der Kostenrechnung vorzunehmen.
Anschaffungswert und Tageswert
Ein Wirtschaftsgut kann grundsätzlich nach seinem „Wert“ bei der „Anschaffung", sei- nem Anschaffungswert, bewertet werden. Das Anschaffungswertprinzip orientiert sich nach einem Wert in der Vergangenheit. Eine etwaige Wertminderung durch Abnützung oder Zeitablauf wird durch Abschreibungen berücksichtigt.
Wirtschaftsgüter können zum gegenwärtigen Markt- oder Wiederbeschaffungswert bewer- tet werden, also dem Wert am Bilanzstichtag. Das Tageswertprinzip ist an der substanziel- len Erhaltung des Kapitals interessiert, die Geldentwertung ist zu berücksichtigen. Ge- winn liegt erst vor, wenn die gestiegenen Wiederbeschaffungspreise berücksichtigt sind. Die Kos tenrechnung und Kalkulation, die an genauen und aktuellen Selbstkosten inter- essiert sind, wollen Substanzerhaltung und
sind damit an Wiederbeschaffungspreisen interessiert.
Gläubigerschutz- und Teilhaberschutzprinzip
Eine niedrige Bewertung des Vermögens dient dem Gläubigerschutz, da die Vermö- genssubstanz nicht besser dargestellt wird, als sie tatsächlich ist. Eine möglichst hohe Bewertung von Verbindlichkeiten und Rück- stellungen erreicht, dass das Haftungspoten- zial der Gesellschaft nicht günstiger erscheint, als es in Wirklichkeit ist. Eine Höherbewer- tung der Schulden und eine Abwertung von Vermögensgegenständen führt zu einem niedrigeren Jahresgewinn und damit auch zu einem geringeren Eigenkapital.
Die Gläubigerschutzvorschriften berück- sichtigen in gewisser Hinsicht auch die Teilhaberschutzinteressen.
Die Teilhaber sind aber auch an einer ordent- lichen Rendite ihrer Kapitaleinlage interes- siert. Sie wollen deshalb keine willkürliche Unterbewertung der Vermögenspositionen bzw. eine willkürliche Überbewertung der Verbindlichkeiten und der Risiken sehen, da dies zu einem unangemessen niedrigen Ge- winnausweis führt. Durch eine Einschränkung des Bewertungsspielraumes wird den Teilha- berschutzinteressen entsprochen.
Eine vorsichtige Bewertung liegt im Interesse der Gläubiger. Der Schutz der Gläubiger kommt im HGB vor dem Teilhaberschutz.
Bewertungsgrundsätze für Vermögen und Schulden
§ 253 HGB nennt für das Vermögen und die Schulden besondere Bewertungsgrundsätze:
Vermögensgegenstände des Anlagever-
mögens zum Anschaffungswert oder den Herstellungskosten. Vermögensgegegenstände des Umlauf-
vermögens zum Anschaffungswert oder den Herstellungskosten und dem Börsen- oder Marktpreis. Verbindlichkeiten sind zu ihrem Rückzah- lungsbetrag anzusetzen. Auch drohende Verluste und ungewisse Verbindlichkeiten (Rückstellungen) sind auszuweisen.
Imparitätsprizip behandelt Gewinne und Verluste unterschiedlich
Gewinne dürfen in der Handelsbilanz erst ausgewiesen werden, wenn sie bereits reali- siert sind. So darf der Wertanstieg einer Aktie am Bilanzstichtag erst gezeigt werden, wenn die Aktie bereits verkauft ist.
Verluste müssen ausgewiesen werden, wenn sie am Bilanzstichtag auch noch nicht einge- treten sind. Notieren Aktien am Bilanzstich- tag niedriger als am Anschaffungstag, dann müssen sie zum niedrigeren Kurs des Bilanz- stichtages bilanziert werden.
Niederstwertprinzip für Aktiva
Liegen mehrere mögliche Wertansätze am Bilanzstichtag vor, dann ist der niedrigste anzusetzen. Das strenge Niederstwertprinzip wird in der Handelsbilanz und in der Steuer- bilanz beim Umlaufvermögen angewendet. Stehen die Wertansätze Anschaffungskosten und Tageswert am Bilanzstichtag zur Auswahl, dann ist stets der niedrigere von beiden zu nehmen. Es besteht kein Wahlrecht.
Eine Gesellschaft hat zur vorübergehen- den Geldanlage Aktien zum Kurs von 320 € für insgesamt 640 000 € gekauft. Anschaffungsnebenkosten in Höhe von 3 000 € sind angefallen.
Der Tageswert der Wertpapiere beträgt am Bilanzstichtag 800 000 €.
Der Wertpapierbestand ist am Bilanz- stichtag zu den Anschaffungskosten (640 000 €) zuzüglich den Anschaffungs- nebenkosten (3 000 €) zu bilanzieren.
Die Anschaffungskosten zuzüglich Anschaf- fungsnebenkosten dürfen somit nie über- schritten werden, wodurch der Ausweis von Buchgewinnen vermieden wird.
Das gemilderte Niederstwertprinzip gilt beim Anlagevermögen. Es lässt ein Wahlrecht zu,
wenn die Wertminderung nur vorübergehend ist.
Eine AG A hat bei einer anderen AG eine Beteiligung für 17 Mio € erworben. Wür- de der Börsenkurswert am Bilanzstichtag auf 15 Mio € sinken, dann hätte die AG ein Bewertungswahlrecht.
Die AG A könnte die Aktien zum Anschaf- fungswert von 17 Mio € oder zum Tages- wert von 15 Mio € bilanzieren.
Höchstwertprinzip für Passiva
Schulden sind nach § 253 Abs.1 HGB zu dem jeweiligen Höchstwert zu bilanzieren. Bei der Bilanzierung von Verbindlichkeiten und Rückstellungen ist der jeweils höhere Wert anzusetzen.
Eine Schuld über 1 Mio US-$ ist am Bi- lanzstichtag zu passivieren. Bei der Auf- nahme der Schuld notierte der Euro 1,0 $, am Bilanzstichtag 0,91 $.
Die Schuld muss am Bilanzstichtag zum höheren Dollarkurs, dem Tageskurs von 0,91 $, bilanziert werden. Dies entspricht einem Wert von 1 098 901 Euro (0,91 $ – 1 Euro, folglich 1 000 000 $ – 1 098 901 Euro).
Eine Bewertung zum Anschaffungskurs von 1 Euro – 1,0 $ hätte lediglich einen Wert von 1 000 000 Euro ergeben.
Für Kapitalgesellschaften gibt es im § 264 HGB eine Generalnorm zur Bilanzierung. Der Jahresab- schluss der Kapitalgesellschaft soll die wirtschaftlichen Verhältnisse des
Unternehmens richtig darstellen. Er soll die Vermögenslage, die Finanzlage und die Er- tragslage richtig wiedergeben. Die Bildung stiller Reserven wird dadurch eingeschränkt.
Das Steuerrecht will eine einheitliche Be- messungsgrundlage für die Besteuerung der Erträge, da Steuergerechtigkeit angestrebt wird. Deshalb verhindert das Steuerrecht, dass die Gewinne in der Bilanz zu niedrig ausgewiesen werden.
Das Maßgeblichkeitsprinzip der Handelsbi- lanz für die Steuerbilanz bedeutet, dass die handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften Ausgangspunkt für die Steuerbilanz sind. Die steuerlichen Bewertungsvorschriften sind also
vom Handelsrecht abgeleitet erfahren aber teilweise eine andere „Feinabstimmung".
Die Anschaffungskosten bestehen nach § 253 HGB und § 6 EStG (Einkommensteuerge- setz) aus dem Anschaffungspreis (abzüg- lich Nachlässe) zuzüglich den Anschaffungs- nebenkosten wie Maklergebühren und Transportkosten. Die Wirtschaftsgüter werden mit ihren tatsächlichen Anschaffungskosten bewertet und bilanziert.
Immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens können nach Handelsrecht (§ 248 HGB) und Steuerrecht (§ 5 EStG) nur aktiviert werden, wenn sie entgeltlich erwor- ben wurden. Selbst hergestellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermö- gens dürfen nicht aktiviert werden: Handels-
recht § 248 Abs. 2 HGB und Steuerrecht § 5 Abs. 2 EStG.
Von Herstellung spricht man, wenn der Be- treffende das Wirtschaftsgut auf eigene Rech- nung und Gefahr fertigt. Die Unterscheidung hat Folgen für die Bewertung der einzelnen Wirtschaftgüter.
Herstellungskosten ist ein Begriff des Han- delsrechts und stimmt folglich nicht mit dem in der Kostenrechnung nach betriebs- wirtschaftlichen Überlegungen ermittelten Herstellkosten überein. Zu den Herstellungs- kosten gehören Materialkosten, Fertigungs- kosten und Sondereinzelkosten der Fertigung. Angemessene Teile der Material- und der Fertigungsgemeinkosten dürfen hinzugerech- net werden. Anteilige Kosten der allgemeinen Verwaltung können berücksichtigt werden.
Hier besteht ein Bilanzierungswahlrecht. Ver- triebskosten dürfen dagegen in der Handels- bilanz und in der Steuerbilanz nicht einge- rechnet werden.
Kalkulation und Betriebswirt- schaftslehre verwenden den Be-
griff „Herstellkosten". Wenn zu den Herstellkosten die Verwal- tungs- und Vertriebskosten dazuge- schlagen werden, dann entstehen die Selbst- kosten. Selbstkosten plus Gewinn ergeben den Verkaufspreis.
Weniger Bewertungsspielraum in der Steuerbilanz
Die steuerlichen Bewertungsvorschriften erlauben dem Bilanzierenden weniger Ent- scheidungsspielräume als das Handels- recht. Mindestwertansätze bei Aktiva und Höchstwertan sätze bei Passiva sollen ver-
hindern, dass Gewinne in nachfolgende Ge- schäftsjahre verlagert werden.
Der Teilwert ist ein wichtiger Bewertungs- maßstab im Steuerrecht. Der Teilwert ist nach dem Steuerrecht in § 6 EStG „der Be- trag, den ein Erwerber des ganzen Betriebes im Rahmen des Gesamtkaufpreises für das einzelne Wirtschaftsgut ansetzen würde; da- bei ist davon auszugehen, dass der Erwerber den Betrieb fortführt". Der Teilwert ist also der Preis eines Wirtschaftsgutes, den ein Er- werber im Rahmen des gesamten Unterneh- mens zahlen würde.
Die organisatorische Einbindung eines Wirt- schaftsgutes in ein System erhöht normaler- weise seinen Wert. Das einzelne Wirtschafts- gut hat deshalb bei einer Einbindung in ein Unternehmen einen höheren Wert als losge- löst - isoliert als Einzel gut – betrachtet.
Das Heruntergehen auf den niedrigeren Teil- wert ist deshalb in der Praxis nur einge- schränkt möglich, z. B. wenn das Unterneh- men mit Verlusten arbeitet.
Wirtschaftsgüter des Anlagever- mögens sind zu den Anschaf-
fungs- oder Herstellungskosten zu bewerten. Der Verschleiß der abnutzbaren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wird durch Abschreibungen erfasst. Es entstehen dann die fortgeführten Anschaffungswerte oder Herstellungskosten. Liegt nun der Teilwert niedriger, dann können Teilwertabschreibungen vorgenommen wer- den, was zu Gewinnminderungen und weni- ger Steuern führt.
Finanzverwaltung und Rechtsprechung liefern Anhaltspunkte zur praktischen Handhabung des Begriffes „Teilwert"
Zum Zeitpunkt der Anschaffung oder Her- stellung wird vermutet, dass der Teilwert den gemachten Anschaffungs- oder Herstellungs- kosten entspricht. Dies gilt für nicht für ab- nutzbare Anlagegüter ebenso wie für Waren des Umlaufvermögens.
Es liegt eine Fehlinvestition vor.
Die Bodendecke der neuen Werkshalle ist für die Installation der geplanten Werk- zeugmaschinen zu schwach.
Ein anderes Beispiel wäre, dass die gekauf- ten Maschinen durch Konkurrenzprodukte technisch überholt sind. Eine Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert ist möglich. Bei diesen beiden Fällen einer Fehlinvestition,
kann der Bilanzierende auf den niedrigeren Teilwert bei der Bilanzierung heruntergehen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird bei abnutz- baren Gegenständen des Anlagevermögens vermutet, dass der Teilwert dem Buchwert entspricht.
Eine Abschreibung auf den niedrigeren Teil- wert ist möglich, wenn der Buchwert über dem Marktwert, dem Wiederbeschaffungs- wert, liegt. Die Wiederbeschaffungskosten sind die obere Grenze des Teilwertes eines Wirtschaftsgutes. Eine Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert ist möglich. Der Einzel- veräußerungspreis eines Wirtschaftsgutes ist die Untergrenze für die Abschreibung auf den Teilwert.
Eine Teilwertabschreibung kommt auch bei Gütern des Umlaufvermögens in Betracht, z. B. den Warenbeständen. Der Teilwert von
Warenbeständen liegt unter den Anschaf- fungs- oder Herstellungskosten, wenn die Wiederbeschaffungskosten der Waren stark gefallen sind oder die Waren nur zu stark herabgesetzten Preisen verkauft werden können.
Bewertungswahlrecht und Bilanzpolitik
Das Handelsrecht gewährt in gewissen Si- tuationen das Wahlrecht, ob eine getätigte Ausgabe als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst oder als Vermögens- posten bilanziert wird. Die gezielte Ausnut- zung der Bilanzierungs- und Bewertungsrech- te in eine bestimmte Richtung führt zu einem geringeren oder höheren Gewinnausweis,
z. B. Möglichkeit der Sofortabschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern.
Bilanzpolitik bedeutet gezielte Beeinflussung
des Jahresabschlusses, um den Vermögens- und Gewinnausweis besser oder schlechter darzustellen. Dies kann bezweckt sein, um über einen möglichst niedrigen Gewinn die Steuerbelastung niedrig zu halten. Anderer- seits kann ein möglichst hoher
Gewinnausweis wird angestrebt und die hö- here Steuerbelastung in Kauf genommen. Etwa um die Kreditgeber zur Gewährung wei- terer Kredite zu veranlassen.
Anschaffungswert und Herstellungskosten
Anschaffungspreis zuzüglich Anschaffungs- nebenkosten (Frach ten, Provisionen, Monta- gekosten) vermindert um Anschaffungspreis- minderungen (Rabatte, Skonti) ergeben die Anschaffungskosten.
Unfertige und fertige Erzeugnisse des Unter- nehmens sowie selbst erstellte Anlagen sind mit den Herstellungskosten zu bewerten.
Für bestimmte Aufwendungen hat der Bilan-
zierende eine Aktivierungspflicht, für andere
ein Aktivierungswahlrecht und für wieder an- dere ein Aktivierungsverbot (§ 255 HGB). Der Bilanzierende hat nur bei den Aktivierungs- wahlrechten einen Entscheidungsspielraum, den er in seinem Interesse nutzen kann.
Herstellungskosten in der Handelsbilanz
Materialkosten (= Fertigungsmaterial)
Fertigungskosten (= Fertigungslöhne)
Der Bilanzierende hat nach Handels- recht ein Aktivierungswahlrecht bei den Material-, den Fertigungs- und den Verwaltungsgemeinkosten.
Aktivierungswahlrecht besteht bei
Kosten von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
Kosten der Arbeitsvorbereitung
Kosten des Lohnbüros
Buchhaltung, Kalkulation
Rechts- und Steuerabteilung
Sondereinzelkosten des Betriebs
Kosten für die betriebliche Alterversorgung
Kosten für Betriebsrat und Werkschutz
Kosten für freiwillige, soziale Leistungen
Zinsen für fertigungsbedingtes Fremdkapital
Abschreibungen nach Handelsrecht
Nach Abzug der planmäßigen bzw. außer- planmäßigen Abschreibungen erhält man die fortgeführten Anschaffungskosten. Als Ab- schreibungsmethoden sind im Handelsrecht zugelassen:
arithmetisch-degressive (digitale) Abschreibung
Die Anschaffungskosten eines Wirtschafts- gutes im Handelsrecht (§ 255 HGB) stimmen mit dem steuerrechtlichen Begriff nach § 6 EStG überein. Die Vorsteuer wird im Steuer- recht aktiviert, wenn sie nicht abziehbar ist.
Unfertige und fertige Erzeugnisse sowie selbst erstellte Anlagen sind im Steuerrecht wie im Handelsrecht zu den Herstellungskos- ten zu bewerten. Der Bewertungsspielraum ist im Steuerrecht enger als im Handelsrecht.
Herstellungskosten nach Steuerrecht
Fertigungspflicht
Sondereinzelkosten des
Ein Bewertungswahlrecht besteht im Steuer- recht nur bei den „Allgemeinen Verwaltungs- kosten“. Der Unterschied zwischen der Unter- grenze und der Obergrenze in der Bewertung ist damit in der Steuerbilanz deutlich geringer als in der Handelsbilanz.
Die Höhe der Abschreibungen hat einen
nachhaltigen Einfluss auf die Größe des Ge- winns. Die Absetzung für Abnutzung (AfA)
im Steuerrecht entspricht der planmäßigen Abschreibung im Handelsrecht. Die Steuerge- setzgebung hat Richtzahlen für die Nutzungs-
dauer der Anlagengegenstände herausgeben, um willkürliche Unterbewertungen über zu
hohe Abschreibungen zu vermeiden, z. B. 5 Jahre für Pkw und Lkw, für Transportbänder
Das Steuerrecht lässt die lineare Abschrei- bung (§ 7 EStG) und die degressive Abschrei- bung zu, verboten ist allerdings die arithme- tisch-degressive (digitale) Abschreibung. Der Abschreibungsprozentsatz der geometrisch- degressiven Abschreibung darf 20 % und den zweifachen Satz des entsprechenden linearen Abschreibungssatzes nicht überschreiten.
Ein Bewertungswahlrecht besteht bei den geringwertigen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens.
Wertunter- und Wertobergrenzen im Handels- und Steuerrecht
Die Wertuntergrenze wird im Handelsrecht durch die Materialeinzelkosten, Fertigungs- einzelkosten und Sondereinzelkosten der Fer- tigung bestimmt. Es handelt sich um Einzel- kosten, die den jeweiligen Produkten direkt zugerechnet werden können.
Die Wertuntergrenze liegt im Steuerrecht hö- her, weil hier für alle variablen und fixen Kos- ten des Material- und Fertigungsbereichs eine
Aktivierungspflicht besteht.
Herstellungskosten nach HGB und EStG
variable Material- und Fertigungsgemeinkosten
fixe Material- und
Wenn alle Wahlmöglichkeiten des Handels-
Verwaltungskosten 69 000 €,
rechts im Hinblick einer Aktivierung von Herstellungskosten wahrgenommen wer- den, dann ergeben sich in der Höhe der Her- stellungskosten zwischen Handelsrecht und Steuerrecht keine Unterschiede. Der fol- gende Beispielfall zeigt, dass die Wertober- grenze von Handelsbilanz und Steuerbilanz übereinstimmt.
Vertriebsgemeinkosten 46 000 €, Sondereinzelkosten des Ver- triebs 7 000 €
Bewertungsspielräume im Handelsrecht und im Steuerrecht
Folgende Kosten eines Industriebetriebes sind bei der Herstellung von 2000 Stück angefallen:
Fertigungsmaterial 100 000 €, Material-
gemeinkosten 15% Fertigungslöhne 60 000 €, Fertigungs- gemeinkosten 125% Sondereinzelkosten der Fertigung 5000 E
Selbstkosten nach Handels-bilanz und Steuerbilanz
Angaben je- weils in 1 000 €
Das Handelsrecht gewährt ein Wahlrecht in der Abschreibungs-
methode. Ein Bewertungswahl- recht gibt es in der Handels- und Steuerbilanz bei den geringwertigen Wirtschaftsgütern. Produkte des Unterneh- mens und selbst erstellte Anlagen sind nach Handelsrecht und Steuerrecht zu den Her- stellungskosten zu bewerten. Die Aktivie- rungswahlrechte sind im Handelsrecht we- sentlich größer als im Steuerrecht.
Mit den International Financial Reporting Standards (IFRS) wird eine internationale Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse ange- strebt. Die Konzernabschlüsse von börsen- notierten Unternehmen werden nach IFRS erstellt, wobei es dann bei einzelnen Bilanz- positionen Abweichungen zum HGB gibt.
Der Jahresabschluss soll den Investor informieren
Die IFRS erfüllen durch eine stärkere Orien- tierung an Zeitwerte mehr als das HGB die Informationsbedürfnisse der Anleger am Ka- pitalmarkt. Die Ertragskraft und die Ertrags- aussichten eines Unternehmens sind für die- se wichtiger als Vermögensangaben.
Der Jahresabschluss nach IFRS legt beson- deren Wert auf die Vergleichbarkeit des Pe- riodenerfolgs und die Finanzlage. Die Aufstel-
lung einer Kapitalflussrechnung wird verlangt:
Cash flow aus der laufenden Geschäftstätig- keit, den Investitionen und den Finanztrans- aktionen. Die Auswirkungen auf Investitions- entscheidungen kann der Kapitalanleger so besser abschätzen. Angaben zu Geschäfts- feldern und Regionen sind in der Segmentbe- richterstattung zu machen.
Für alle Rechtsformen besteht der IFRS-Jahresabschluss aus:
Gewinn- und Verlustrechnung (income statement)
Kapitalflussrechnung (cash flow statement)
Vergleich der Rechnungs- legung von HGB und IFRS
Keine Maßgeblichkeit
Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungskosten
Vorsichtsprinzip (meistens überhöht)
Bildung nur bei hoher Wahrscheinlichkeit
Konsolidierung von Tochtergesellschaften
Keine Einbeziehung, wenn eine Geschäftssparte stark abweicht
Immer Erfassung im Konzernabschluss
Projekte mit langer Dauer
Gewinn im Jahresab- schluss der Fertigstellung
Gewinn fällt zeitanteilig an mit der Fertigstellung
Einzelunternehmen, Personenge- sellschaften und nicht an der Börse notierte Kapitalgesellschaf- ten erstellen ihre Abschlüsse aber nur nach deutschem Handels- und
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References: § 243

§ 253
 § 253
 § 264
 § 253
 § 6
 § 248
 § 5
 § 6
 § 6