Source: http://m.hensche.de/Sozialplan_Abfindung_Behinderung_keine_geringere_Abfindungen_fuer_vorzeitig_rentenberechtigte_behinderte_Arbeitnehmer_EuGH_C-152-11_Odar_Baxter_u.html
Timestamp: 2016-12-05 08:23:26+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: C-152/11
Sozialplan, Abfindung: Diskriminierung, Diskriminierung: Abfindung, Schwerbehinderung
1. Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit nicht ent­ge­gen­ste­hen, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und de­nen be­triebs­be­dingt gekündigt wird, die ih­nen zu­ste­hen­de Ab­fin­dung auf der Grund­la­ge des frühestmögli­chen Ren­ten­be­ginns be­rech­net wird und im Ver­gleich zur Stan­dard­be­rech­nungs­me­tho­de, nach der sich die Ab­fin­dung ins­be­son­de­re nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit rich­tet, ei­ne ge­rin­ge­re als die sich nach der Stan­dard­me­tho­de er­ge­ben­de Ab­fin­dungs­sum­me, min­des­tens je­doch die Hälf­te die­ser Sum­me, zu zah­len ist. 2. Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit ent­ge­gen­steht, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und de­nen be­triebs­be­dingt gekündigt wird, die ih­nen zu­ste­hen­de Ab­fin­dung auf der Grund­la­ge des frühestmögli­chen Ren­ten­be­ginns be­rech­net wird und im Ver­gleich zur Stan­dard­be­rech­nungs­me­tho­de, nach der sich die Ab­fin­dung ins­be­son­de­re nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit rich­tet, ei­ne ge­rin­ge­re als die sich nach der Stan­dard­me­tho­de er­ge­ben­de Ab­fin­dungs­sum­me, min­des­tens je­doch die Hälf­te die­ser Sum­me, zu zah­len ist und bei der An­wen­dung der al­ter­na­ti­ven Be­rech­nungs­me­tho­de auf die Möglich­keit, ei­ne vor­zei­ti­ge Al­ters­ren­te we­gen ei­ner Be­hin­de­rung zu er­hal­ten, ab­ge­stellt wird.
6. De­zem­ber 2012(*)
„Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf – Richt­li­nie 2000/78/EG – Ver­bot je­der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung – Ent­las­sungs­ab­fin­dung – So­zi­al­plan, der die Min­de­rung des Ab­fin­dungs­be­trags für be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer bei Ent­las­sung vor­sieht“
In der Rechts­sa­che C‑152/11
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Ar­beits­ge­richt München (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 17. Fe­bru­ar 2011, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 28. März 2011, in dem Ver­fah­ren
Jo­hann Odar
Bax­ter Deutsch­land GmbH
un­ter Mit­wir­kung des Rich­ters A. Ro­sas in Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben der Präsi­den­tin der Zwei­ten Kam­mer so­wie der Rich­ter U. Lõhmus, A. Ó Cao­imh, A. Ara­b­ad­jiev (Be­richt­er­stat­ter) und C. G. Fern­lund,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18. April 2012,
– von Herrn Odar, ver­tre­ten durch die Rechts­anwälte S. Sal­ler und B. Renkl,
– der Bax­ter Deutsch­land GmbH, ver­tre­ten durch Rechts­anwältin C. Grund­mann, – der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch T. Hen­ze, J. Möller und N. Graf Vitzt­hum als Be­vollmäch­tig­te,
– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch J. En­e­gren und V. Kreu­schitz als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin in der Sit­zung vom 12. Ju­li 2012
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 2 und Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Odar und sei­nem frühe­ren Ar­beit­ge­ber, der Bax­ter Deutsch­land GmbH (im Fol­gen­den: Bax­ter), über den Be­trag der Ent­las­sungs­ab­fin­dung, die er auf­grund des zwi­schen die­sem Un­ter­neh­men und des­sen Be­triebs­rat ge­schlos­se­nen Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans er­hal­ten hat. Recht­li­cher Rah­men
Uni­ons­recht 3
In den Erwägungs­gründen 8, 11, 12 und 15 der Richt­li­nie 2000/78 heißt es: „(8) In den vom Eu­ropäischen Rat auf sei­ner Ta­gung am 10. und 11. De­zem­ber 1999 in Hel­sin­ki ver­ein­bar­ten beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en für 2000 wird die Not­wen­dig­keit un­ter­stri­chen, ei­nen Ar­beits­markt zu schaf­fen, der die so­zia­le Ein­glie­de­rung fördert, in­dem ein gan­zes Bündel auf­ein­an­der ab­ge­stimm­ter Maßnah­men ge­trof­fen wird, die dar­auf ab­stel­len, die Dis­kri­mi­nie­rung von be­nach­tei­lig­ten Grup­pen, wie den Men­schen mit Be­hin­de­rung, zu bekämp­fen. Fer­ner wird be­tont, dass der Un­terstützung älte­rer Ar­beit­neh­mer mit dem Ziel der Erhöhung ih­res An­teils an der Er­werbs­bevölke­rung be­son­de­re Auf­merk­sam­keit gebührt.
(12) Da­her soll­te je­de un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in den von der Richt­li­nie ab­ge­deck­ten Be­rei­chen ge­mein­schafts­weit un­ter­sagt wer­den. …
(15) Die Be­ur­tei­lung von Tat­beständen, die auf ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung schließen las­sen, ob­liegt den ein­zel­staat­li­chen ge­richt­li­chen In­stan­zen oder an­de­ren zuständi­gen Stel­len nach den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten; in die­sen ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten kann ins­be­son­de­re vor­ge­se­hen sein, dass mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung mit al­len Mit­teln, ein­sch­ließlich sta­tis­ti­scher Be­wei­se, fest­zu­stel­len ist.“
Gemäß Art. 1 der Richt­li­nie ist ihr „Zweck … die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“. 5
Die Abs. 1 und 2 von Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) der Richt­li­nie se­hen vor: „(1) Im Sin­ne die­ser Richt­li­nie be­deu­tet ‚Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe ge­ben darf.
ii) der Ar­beit­ge­ber oder je­de Per­son oder Or­ga­ni­sa­ti­on, auf die die­se Richt­li­nie An­wen­dung fin­det, ist im Fal­le von Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten Be­hin­de­rung auf­grund des ein­zel­staat­li­chen Rechts ver­pflich­tet, ge­eig­ne­te Maßnah­men ent­spre­chend den in Ar­ti­kel 5 ent­hal­te­nen Grundsätzen vor­zu­se­hen, um die sich durch die­se Vor­schrift, die­ses Kri­te­ri­um oder die­ses Ver­fah­ren er­ge­ben­den Nach­tei­le zu be­sei­ti­gen.“
Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt in Abs. 1: „Im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten gilt die­se Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf …
Art. 6 („Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“) der Richt­li­nie sieht in Abs. 1 vor: „Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Art. 16 der Richt­li­nie be­stimmt: „Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass
Deut­sche Rechts­vor­schrif­ten
Die Richt­li­nie 2000/78 wur­de durch das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz vom 14. Au­gust 2006 (BGBl I S. 1897, im Fol­gen­den: AGG) in die deut­sche Rechts­ord­nung um­ge­setzt. § 1 („Ziel des Ge­set­zes“) AGG sieht vor: „Ziel des Ge­set­zes ist, Be­nach­tei­li­gun­gen aus Gründen der Ras­se oder we­gen der eth­ni­schen Her­kunft, des Ge­schlechts, der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Iden­tität zu ver­hin­dern oder zu be­sei­ti­gen.“ 10
§ 10 („Zulässi­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters“) AGG be­stimmt:
„Un­ge­ach­tet des § 8 ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters auch zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels müssen an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. Der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen können ins­be­son­de­re Fol­gen­des ein­sch­ließen: …
Die §§ 111 bis 113 des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes in der Fas­sung vom 25. Sep­tem­ber 2001 (BGBl. I S. 2518) schrei­ben Maßnah­men vor, die zur Mil­de­rung der für Ar­beit­neh­mer aus der Um­struk­tu­rie­rung ei­nes Un­ter­neh­mens ent­ste­hen­den Nach­tei­le zu er­grei­fen sind. Ar­beit­ge­ber und Be­triebsräte sind ver­pflich­tet, zu die­sem Zweck So­zi­alpläne ab­zu­sch­ließen. 12
§ 112 („In­ter­es­sen­aus­gleich über die Be­triebsände­rung, So­zi­al­plan“) des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes sieht in Abs. 1 vor: „Kommt zwi­schen Un­ter­neh­mer und Be­triebs­rat ein In­ter­es­sen­aus­gleich über die ge­plan­te Be­triebsände­rung zu­stan­de, so ist die­ser schrift­lich nie­der­zu­le­gen und vom Un­ter­neh­mer und Be­triebs­rat zu un­ter­schrei­ben. Das Glei­che gilt für ei­ne Ei­ni­gung über den Aus­gleich oder die Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le, die den Ar­beit­neh­mern in­fol­ge der ge­plan­ten Be­triebsände­rung ent­ste­hen (So­zi­al­plan). Der So­zi­al­plan hat die Wir­kung ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung. …“ 13
Gemäß § 127 des Drit­ten Bu­ches des So­zi­al­ge­setz­buchs er­folgt die Zah­lung von Re­gel­ar­beits­lo­sen­geld für ei­ne be­grenz­te Dau­er, die vom Al­ter des Ar­beit­neh­mers und der Länge des Zeit­raums abhängt, in dem Beiträge ge­leis­tet wur­den. Ein Ar­beit­neh­mer hat vor Voll­endung des 50. Le­bens­jahrs An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld in Höhe von 12 Mo­nats­gehältern, nach Voll­endung des 50. Le­bens­jahrs in Höhe von 15 Mo­nats­gehältern, nach Voll­endung des 55. Le­bens­jahrs in Höhe von 18 Mo­nats­gehältern und mit Voll­endung des 58. Le­bens­jahrs in Höhe von 24 Mo­nats­gehältern. Vor­sorg­li­cher So­zi­al­plan und Ergänzen­der So­zi­al­plan 14
Bax­ter schloss mit dem Ge­samt­be­triebs­rat am 30. April 2004 ei­nen Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plan. In § 6 Abs. 1 Punk­te 1.1 bis 1.5 die­ses Plans heißt es: „1. Ab­fin­dun­gen bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses (außer ‚Frühver­ren­tung‘)
1.1 Mit­ar­bei­tern, de­nen trotz al­ler Bemühun­gen kein zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz bei Bax­ter in Deutsch­land an­ge­bo­ten wer­den kann, bei de­nen auch ei­ne vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 5 nicht in Fra­ge kommt und die das Un­ter­neh­men ver­las­sen (durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gung oder ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung), er­hal­ten ei­ne zu ver­steu­ern­de Brut­to­ab­fin­dung in Eu­ro nach fol­gen­der For­mel:
Ab­fin­dung = Al­ters­fak­tor x Be­triebs­zu­gehörig­keit x Brut­to­mo­nats­ent­gelt [im Fol­gen­den: Stan­dard­for­mel]
Al­ters-
0,35 34
0,35 37
0,40 39
1,70 27
0,50 43
0,60 44
0,90 31
0,60 32
0,30 33
1.5 Bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und be­triebs­be­dingt gekündigt wer­den oder ein­ver­nehm­lich das Ar­beits­verhält­nis be­en­den, wird die gemäß § 6 Abs. 1 Punkt 1.1 er­rech­ne­te Ab­fin­dung fol­gen­der Be­rech­nung ge­genüber­ge­stellt:
Mo­na­te bis zum frühestmögli­chen Ren­ten­ein­tritt x 0,85 x Brut­to­mo­nats­ent­gelt [im Fol­gen­den: Son­der­for­mel]
Soll­te die [Stan­dard­for­mel-Ab­fin­dung] größer sein als die [Son­der­for­mel-Ab­fin­dung], so kommt die ge­rin­ge­re Sum­me zur Aus­zah­lung. Die­se ge­rin­ge­re Sum­me darf je­doch die Hälf­te der [Stan­dard­for­mel-Ab­fin­dung] nicht un­ter­schrei­ten.
Ist das Er­geb­nis [der Son­der­for­mel] gleich null, kommt die Hälf­te der [Stan­dard­for­mel-Ab­fin­dung] zur Aus­zah­lung.“ 15
Am 13. März 2008 schloss Bax­ter mit dem Ge­samt­be­triebs­rat ei­nen Ergänzen­den So­zi­al­plan. In § 7 die­ses Plans, der die Ab­fin­dun­gen be­trifft, heißt es: „Mit­ar­bei­ter, die in den Gel­tungs­be­reich die­ses So­zi­al­plans fal­len und de­ren Ar­beits­verhält­nis we­gen der Be­triebsände­rung en­det, er­hal­ten die fol­gen­den Leis­tun­gen: 7.1 Ab­fin­dung. Die Mit­ar­bei­ter er­hal­ten die ein­ma­li­ge Ab­fin­dung, die sich aus § 6 [Abs.] 1 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans er­gibt. 7.2 Klar­stel­lung. Zu § 6 [Punkt] 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans ei­ni­gen sich die Par­tei­en auf fol­gen­de Klar­stel­lung: Un­ter ‚frühestmögli­chem Ren­ten­ein­tritt‘ wird ver­stan­den der Zeit­punkt, zu dem der Mit­ar­bei­ter erst­mals ei­ne der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­ten, auch ei­ne sol­che mit Ab­schlägen we­gen vor­zei­ti­ger In­an­spruch­nah­me, in An­spruch neh­men kann. …“
Der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, Herr Odar, ist öster­rei­chi­scher Staats­an­gehöri­ger und 1950 ge­bo­ren. Er ist ver­hei­ra­tet, hat zwei un­ter­halts­be­rech­tig­te Kin­der und ist als Schwer­be­hin­der­ter an­er­kannt; der Grad sei­ner Be­hin­de­rung beträgt 50 %. Herr Odar war seit dem 17. April 1979 bei Bax­ter bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin­nen beschäftigt, zu­letzt als Mar­ke­ting-Ma­na­ger. 17
Bax­ter kündig­te das Ar­beits­verhält­nis von Herrn Odar mit Schrei­ben vom 25. April 2008 und bot ihm die Fortführung des Ar­beits­verhält­nis­ses am Stand­ort München-Un­ter­sch­leißheim (Deutsch­land) an. Herr Odar nahm die­ses An­ge­bot an und be­schloss dann, sei­ner­seits zum 31. De­zem­ber 2009 zu kündi­gen, nach­dem die Par­tei­en ver­ein­bart hat­ten, dass die­se Kündi­gung sei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch nicht schmälern wer­de.
Wie sich aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt, hat Herr Odar ge­genüber der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung mit Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs, d. h. ab dem 1. Au­gust 2015, An­spruch auf ei­ne Re­gel­al­ters­ren­te und mit Voll­endung des 60. Le­bens­jahrs, d. h. ab dem 1. Au­gust 2010, An­spruch auf ei­ne Al­ters­ren­te für Schwer­be­hin­der­te.
Bax­ter zahl­te Herrn Odar auf­grund des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans ei­ne Brut­to­ab­fin­dung in Höhe von 308 253,31 Eu­ro. Nach der Stan­dard­for­mel hätte die ihm zu zah­len­de Ab­fin­dung 616 506,63 Eu­ro brut­to be­tra­gen. Aus­ge­hend von ei­nem frühestmögli­chen Ren­ten­ein­tritt nach der Son­der­for­mel, d. h. zum 1. Au­gust 2010, er­rech­ne­te Bax­ter ei­ne Ab­fin­dung in Höhe von 197 199,09 Eu­ro brut­to. Sie zahl­te ihm da­her den ga­ran­tier­ten Min­dest­be­trag, der der Hälf­te von 616 506,63 Eu­ro ent­spricht.
Mit Schrei­ben vom 30. Ju­ni 2010 er­hob Herr Odar beim Ar­beits­ge­richt München Kla­ge. Er be­an­trag­te, Bax­ter zur Zah­lung ei­ner wei­te­ren Brut­to­ab­fin­dung in Höhe von 271 988,22 Eu­ro zu ver­ur­tei­len. Die­ser Be­trag ent­spricht der Dif­fe­renz zwi­schen der ihm tatsächlich ge­zahl­ten Ab­fin­dung und dem Be­trag, den er er­hal­ten hätte, wenn er bei glei­cher Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses 54 Jah­re alt ge­we­sen wäre. Herr Odar ist der An­sicht, dass er durch die Be­rech­nung der im Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plan vor­ge­se­he­nen Ab­fin­dung we­gen sei­nes Al­ters und sei­ner Be­hin­de­rung be­nach­tei­ligt wer­de. 21
Das vor­le­gen­de Ge­richt fragt sich, ob § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG und die Re­ge­lung des § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans mit der Richt­li­nie 2000/78 ver­ein­bar sind. Es führt aus, wenn die ers­te die­ser bei­den na­tio­na­len Be­stim­mun­gen nicht im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht ste­he und da­her kei­ne An­wen­dung fin­de, sei der von Herrn Odar bei ihm er­ho­be­nen Kla­ge statt­zu­ge­ben. Die Re­ge­lung der zwei­ten Be­stim­mung könne nämlich nicht auf ei­ne mit die­ser Richt­li­nie un­ver­ein­ba­re Vor­schrift gestützt wer­den. 22
Un­ter die­sen Umständen hat das Ar­beits­ge­richt München be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen: 1. Verstößt ei­ne in­ner­staat­li­che Re­ge­lung, die vor­sieht, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig sein kann, wenn die Be­triebs­par­tei­en im Rah­men ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­ge­schlos­sen ha­ben, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, weil sie, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind, ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie 2000/78, oder ist ei­ne sol­che Un­gleich­be­hand­lung gemäß Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie ge­recht­fer­tigt?
2. Verstößt ei­ne in­ner­staat­li­che Re­ge­lung, die vor­sieht, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig sein kann, wenn die Be­triebs­par­tei­en im Rah­men ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­ge­schlos­sen ha­ben, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, weil sie, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind, ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie 2000/78?
3. Verstößt ei­ne Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und be­triebs­be­dingt gekündigt wer­den, ei­ne al­ter­na­ti­ve Be­rech­nung der Ab­fin­dung auf Grund­la­ge des frühes­tens mögli­chen Ren­ten­be­ginns vor­ge­nom­men wird und im Ver­gleich zur re­guläre­ren Be­rech­nungs­me­tho­de, wel­che ins­be­son­de­re an die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit an­knüpft, der ge­rin­ge­re Ab­fin­dungs­be­trag, je­doch min­des­tens die Hälf­te der re­gulären Ab­fin­dungs­sum­me, zu zah­len ist, ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie 2000/78, oder ist ei­ne sol­che Un­gleich­be­hand­lung gemäß Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie ge­recht­fer­tigt?
4. Verstößt ei­ne Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und be­triebs­be­dingt gekündigt wer­den, ei­ne al­ter­na­ti­ve Be­rech­nung der Ab­fin­dung auf Grund­la­ge des frühes­tens mögli­chen Ren­ten­be­ginns vor­ge­nom­men wird und im Ver­gleich zur re­guläre­ren Be­rech­nungs­me­tho­de, wel­che ins­be­son­de­re an die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit an­knüpft, der ge­rin­ge­re Ab­fin­dungs­be­trag, je­doch min­des­tens die Hälf­te der re­gulären Ab­fin­dungs­sum­me, zu zah­len ist und bei der al­ter­na­ti­ven Be­rech­nungs­me­tho­de auf ei­ne Al­ters­ren­te we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ab­ge­stellt wird, ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung gemäß Art. 1 und Art. 16 der Richt­li­nie 2000/78?
Mit sei­nen ers­ten bei­den Fra­gen, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, die vor­sieht, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig sein kann, wenn die Be­triebs­par­tei­en im Rah­men ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­ge­schlos­sen ha­ben, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, weil sie, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind.
In die­sem Zu­sam­men­hang ist so­gleich auf die ständi­ge Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs hin­zu­wei­sen, nach der ei­ne Ver­mu­tung für die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Vor­la­ge­fra­gen des na­tio­na­len Ge­richts spricht, die es zur Aus­le­gung des Uni­ons­rechts in dem recht­li­chen und tatsächli­chen Rah­men stellt, den es in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung fest­ge­legt und des­sen Rich­tig­keit der Ge­richts­hof nicht zu prüfen hat. Der Ge­richts­hof darf die Ent­schei­dung über ein Er­su­chen ei­nes na­tio­na­len Ge­richts nur dann ver­wei­gern, wenn die er­be­te­ne Aus­le­gung des Uni­ons­rechts of­fen­sicht­lich in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Rea­lität oder dem Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits steht, wenn das Pro­blem hy­po­the­ti­scher Na­tur ist oder wenn der Ge­richts­hof nicht über die tatsächli­chen und recht­li­chen An­ga­ben verfügt, die für ei­ne zweck­dien­li­che Be­ant­wor­tung der ihm vor­ge­leg­ten Fra­gen er­for­der­lich sind (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 22. Ju­ni 2010, Mel­ki und Ab­de­li, C‑188/10 und C‑189/10, Slg. 2010, I‑5667, Rand­nr. 27, vom 29. März 2012, SAG ELV Sl­ovens­ko u. a., C‑599/10, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 15, so­wie vom 12. Ju­li 2012, VA­LE Építési, C‑378/10, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 18). 25
Ge­nau dies ist hier der Fall. 26
Die ers­ten bei­den Fra­gen be­ru­hen nämlich auf der Prämis­se von § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG, dass die Be­triebs­par­tei­en Beschäftig­te von den Leis­tun­gen des So­zi­al­plans aus­sch­ließen, die wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, weil sie, ge­ge­be­nen­falls nach Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, ren­ten­be­rech­tigt sind.
In der Vor­la­ge­ent­schei­dung deu­tet je­doch nichts dar­auf hin, dass das Aus­gangs­ver­fah­ren ei­nen sol­chen Fall be­trifft. Das vor­le­gen­de Ge­richt hat viel­mehr aus­geführt, dass Ar­beit­neh­mer, die kurz vor dem Ren­ten­ein­tritt stünden, nach dem Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plan, im Un­ter­schied zu der in der AGG-Be­stim­mung vor­ge­se­he­nen Möglich­keit, nicht von der Ent­las­sungs­ab­fin­dung aus­ge­schlos­sen wer­den könn­ten und der An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Ar­beits­lo­sen­geld auch nicht berück­sich­tigt wer­de. Wie aus den Ak­ten her­vor­geht, hat Herr Odar ei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung er­hal­ten, die je­doch gemäß § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans in Ver­bin­dung mit § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans ge­min­dert wur­de, was er mit sei­ner Kla­ge beim ge­nann­ten Ge­richt an­greift. 28
Die Fra­ge der Ver­ein­bar­keit von § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG mit der Richt­li­nie 2000/78 hat da­her im Hin­blick auf den Ge­gen­stand des Aus­gangs­ver­fah­rens of­fen­sicht­lich abs­trak­ten und rein hy­po­the­ti­schen Cha­rak­ter.
Des­halb sind die ers­te und die zwei­te vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­stell­te Fra­ge nicht zu be­ant­wor­ten. Zur drit­ten Fra­ge 30
Mit sei­ner drit­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit ent­ge­gen­ste­hen, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und de­nen be­triebs­be­dingt gekündigt wird, die ih­nen zu­ste­hen­de Ab­fin­dung auf der Grund­la­ge des frühestmögli­chen Ren­ten­be­ginns be­rech­net wird und die­sen Ar­beit­neh­mern im Ver­gleich zur Stan­dard­be­rech­nungs­me­tho­de, nach der sich die Ab­fin­dung ins­be­son­de­re nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit rich­tet, ei­ne ge­rin­ge­re als die sich nach der Stan­dard­me­tho­de er­ge­ben­de Ab­fin­dungs­sum­me, min­des­tens je­doch die Hälf­te die­ser Sum­me, zu zah­len ist.
Was zunächst die Fra­ge be­trifft, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de in­ner­staat­li­che Re­ge­lung in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se Richt­li­nie, wie sich so­wohl aus ih­rem Ti­tel und ih­ren Erwägungs­gründen als auch aus ih­rem In­halt und ih­rer Ziel­set­zung er­gibt, ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen soll, der gewähr­leis­tet, dass je­de Per­son „in Beschäfti­gung und Be­ruf“ gleich­be­han­delt wird, in­dem ihr ein wirk­sa­mer Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe – dar­un­ter auch das Al­ter – ge­bo­ten wird.
Im Ein­zel­nen er­gibt sich aus Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78, dass die­se im Rah­men der auf die Eu­ropäische Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten „für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len“, u. a. in Be­zug auf „die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“ gilt.
§ 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans sieht für Ar­beit­neh­mer, die älter als 54 Jah­re sind, ei­ne Min­de­rung des Ab­fin­dungs­be­trags bei Ent­las­sung vor und be­trifft so­mit die Ent­las­sungs­be­din­gun­gen die­ser Ar­beit­neh­mer im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78. Ei­ne sol­che in­ner­staat­li­che Be­stim­mung fällt da­her in den Gel­tungs­be­reich die­ser Richt­li­nie.
Wie sich aus der ständi­gen Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs er­gibt, müssen die So­zi­al­part­ner, wenn sie Maßnah­men tref­fen, die in den Gel­tungs­be­reich der das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters für Beschäfti­gung und Be­ruf kon­kre­ti­sie­ren­den Richt­li­nie 2000/78 fal­len, un­ter Be­ach­tung die­ser Richt­li­nie vor­ge­hen (Ur­tei­le vom 13. Sep­tem­ber 2011, Prig­ge u. a., C‑447/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 48, so­wie vom 7. Ju­ni 2012, Ty­ro­le­an Air­ways Ti­ro­ler Luft­fahrt, C‑132/11, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 22). 35
Zur Fra­ge, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Re­ge­lung ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 enthält, ist fest­zu­stel­len, dass § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans für Ar­beit­neh­mer, die älter als 54 Jah­re sind und de­nen be­triebs­be­dingt gekündigt wird oder die das Ar­beits­verhält­nis ein­ver­nehm­lich be­en­den, zur Fol­ge hat, dass die Stan­dard­for­mel-Ab­fin­dung der Son­der­for­mel-Ab­fin­dung ge­genüber­ge­stellt wird. Dem be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer wird der ge­rin­ge­re Be­trag gewährt; er hat je­doch die Ga­ran­tie, ei­nen der Hälf­te der Stan­dard­for­mel-Ab­fin­dung ent­spre­chen­den Be­trag zu er­hal­ten.
Nach die­sen Be­stim­mun­gen wur­de Herrn Odar ein Be­trag von 308 357,10 Eu­ro ge­zahlt, der der Hälf­te der Stan­dard­for­mel-Ab­fin­dung ent­spricht. Wenn Herr Odar bei sei­ner Ent­las­sung 54 Jah­re alt ge­we­sen wäre, hätte er, un­ter sonst glei­chen Umständen, An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung in Höhe von 580 357,10 Eu­ro ge­habt. Dass er älter als 54 Jah­re war, hat da­her zur An­wen­dung der Ver­gleichs­me­tho­de und zur Zah­lung ei­nes ge­rin­ge­ren als des Be­trags geführt, auf den er An­spruch ge­habt hätte, wenn er die­ses Al­ter noch nicht über­schrit­ten ge­habt hätte. Die im Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plan vor­ge­se­he­ne Be­rech­nungs­me­tho­de bei be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung stellt so­mit ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung dar. 37
Es ist zu prüfen, ob die­se Un­gleich­be­hand­lung gemäß Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt wer­den kann. Nach die­ser Be­stim­mung stellt nämlich ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. 38
Zum Ziel der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Maßnah­men führt das vor­le­gen­de Ge­richt aus, dass der Wort­laut des § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans kei­nen Hin­weis auf die ver­folg­ten Zie­le ent­hal­te. Aus den dem Ge­richts­hof vor­ge­leg­ten Ak­ten geht je­doch her­vor, dass die­se mit dem Ziel der Re­ge­lung des § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG übe­rein­stim­men. Wie das vor­le­gen­de Ge­richt ausführt, müssen die von den So­zi­al­part­nern im Rah­men des So­zi­al­plans gewähl­ten Mo­da­litäten ge­eig­net sein, das in die­ser Be­stim­mung des AGG ge­nann­te Ziel tatsächlich zu fördern, und dürfen die In­ter­es­sen der be­nach­tei­lig­ten Al­ters­grup­pen nicht un­verhält­nismäßig be­ein­träch­ti­gen. 39
Gemäß § 112 des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes in der Fas­sung vom 25. Sep­tem­ber 2001 sei es Sinn und Zweck ei­nes So­zi­al­plans, die Fol­gen struk­tu­rel­ler Verände­run­gen im be­tref­fen­den Un­ter­neh­men aus­zu­glei­chen oder zu ver­rin­gern. In ih­ren schrift­li­chen Erklärun­gen hat die deut­sche Re­gie­rung hier­zu aus­geführt, dass Ab­fin­dun­gen auf­grund ei­nes Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans nicht spe­zi­fisch dar­auf ge­rich­tet sei­en, die Wie­der­ein­glie­de­rung in das Er­werbs­le­ben zu er­leich­tern.
Ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach dem Al­ter bei Ab­fin­dun­gen auf­grund ei­nes Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans ver­fol­ge ein Ziel, das auf der Fest­stel­lung be­ru­he, dass, weil es um in der Zu­kunft lie­gen­de wirt­schaft­li­che Nach­tei­le ge­he, be­stimm­te Ar­beit­neh­mer, bei de­nen sol­che sich aus dem Ver­lust ih­res Ar­beits­plat­zes er­ge­ben­den Nach­tei­le nicht oder we­ni­ger als bei an­de­ren ein­träten, ge­ne­rell von die­sen Ansprüchen aus­ge­schlos­sen wer­den könn­ten.
Die deut­sche Re­gie­rung be­tont in die­sem Zu­sam­men­hang, ein So­zi­al­plan müsse die Ver­tei­lung be­grenz­ter Mit­tel so vor­se­hen, dass er sei­ne „Über­brückungs­funk­ti­on“ in Be­zug auf al­le Ar­beit­neh­mer und nicht nur die älte­ren erfülle. Ein sol­cher Plan dürfe grundsätz­lich nicht da­zu führen, den Fort­be­stand des Un­ter­neh­mens oder die ver­blei­ben­den Ar­beitsplätze zu gefähr­den. § 10 Satz 3 Nr. 6 AGG er­lau­be es auch, die Möglich­kei­ten ei­nes Miss­brauchs zu be­gren­zen, der dar­in bestünde, dass ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­fin­dung bezöge, die da­zu be­stimmt sei, ihn bei sei­ner Su­che nach ei­ner neu­en Beschäfti­gung zu un­terstützen, ob­wohl er in den Ru­he­stand tre­te.
Die in­ner­staat­li­che Be­stim­mung be­zwe­cke da­her die Gewährung ei­nes Aus­gleichs für die Zu­kunft, den Schutz der jünge­ren Ar­beit­neh­mer so­wie die Un­terstützung bei ih­rer be­ruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung und tra­ge zu­gleich der Not­wen­dig­keit ei­ner ge­rech­ten Ver­tei­lung der be­grenz­ten fi­nan­zi­el­len Mit­tel ei­nes So­zi­al­plans Rech­nung. 43
Sol­che Zie­le können, als Aus­nah­me vom Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, u. a. Un­gleich­be­hand­lun­gen in Zu­sam­men­hang mit der „Fest­le­gung be­son­de­rer Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Be­din­gun­gen für Ent­las­sung und Ent­loh­nung, um die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von Ju­gend­li­chen [und] älte­ren Ar­beit­neh­mern … zu fördern oder ih­ren Schutz si­cher­zu­stel­len“, im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 recht­fer­ti­gen. 44
Darüber hin­aus ist das Ziel, zu ver­mei­den, dass ei­ne Ent­las­sungs­ab­fin­dung Per­so­nen zu­gu­te­kommt, die kei­ne neue Stel­le su­chen, son­dern ein Er­satz­ein­kom­men in Form ei­ner Al­ters­ren­te be­zie­hen wol­len, als le­gi­tim an­zu­se­hen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2010, In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark, C‑499/08, Slg. 2010, I‑9343, Rand­nr. 44). 45
Un­ter die­sen Umständen ist an­zu­er­ken­nen, dass Zie­le wie die mit § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans ver­folg­ten grundsätz­lich ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters, wie in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 vor­ge­se­hen, als „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ „im Rah­men des na­tio­na­len Rechts“ recht­fer­ti­gen können. 46
Fer­ner muss ge­prüft wer­den, ob die zur Er­rei­chung die­ser Zie­le ein­ge­setz­ten Mit­tel an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind und ob sie nicht über das zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels Er­for­der­li­che hin­aus­ge­hen. 47
In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten und ge­ge­be­nen­falls die So­zi­al­part­ner auf na­tio­na­ler Ebe­ne über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum nicht nur bei der Ent­schei­dung über die Ver­fol­gung ei­nes be­stimm­ten so­zi­al- und beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Ziels, son­dern auch bei der Fest­le­gung der für sei­ne Er­rei­chung ge­eig­ne­ten Maßnah­men verfügen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 5. Ju­li 2012, Hörn­feldt, C‑141/11, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 32). 48
Zur An­ge­mes­sen­heit der in Re­de ste­hen­den Be­stim­mun­gen des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans und des Ergänzen­den So­zi­al­plans ist fest­zu­stel­len, dass die Min­de­rung des Ab­fin­dungs­be­trags bei Ent­las­sung, den Ar­beit­neh­mer er­hal­ten, die zum Zeit­punkt ih­rer Ent­las­sung wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert sind, im Hin­blick auf das Ziel sol­cher So­zi­alpläne, auf­grund ih­rer be­grenz­ten fi­nan­zi­el­len Mit­tel Ar­beit­neh­mer, für die sich der Über­gang in ei­ne neue Beschäfti­gung als schwie­rig er­weist, stärker zu schützen, nicht un­an­ge­mes­sen er­scheint. 49
So­mit er­scheint ei­ne Be­stim­mung wie § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans nicht of­fen­sicht­lich un­an­ge­mes­sen, um das le­gi­ti­me Ziel ei­ner Beschäfti­gungs­po­li­tik wie der vom deut­schen Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten zu er­rei­chen.
Zur Er­for­der­lich­keit die­ser Be­stim­mun­gen ist zwar fest­zu­stel­len, dass gemäß § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans der frühestmögli­che Ren­ten­ein­tritt im Sin­ne von § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans dem Zeit­punkt ent­spricht, zu dem der Mit­ar­bei­ter erst­mals ei­ne der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­ten, auch ei­ne sol­che mit Ab­schlägen we­gen vor­zei­ti­ger In­an­spruch­nah­me, in An­spruch neh­men kann. 51
Wie in Rand­nr. 27 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stellt, sieht der Vor­sorg­li­che So­zi­al­plan für die­se Ar­beit­neh­mer je­doch le­dig­lich die Min­de­rung des Ab­fin­dungs­be­trags bei Ent­las­sung vor.
Da­bei ent­spricht zum ei­nen die Ab­fin­dung für den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer gemäß § 6 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans dem ge­rin­ge­ren nach der Stan­dard­for­mel oder der Son­der­for­mel er­rech­ne­ten Be­trag; der Empfänger hat je­doch die Ga­ran­tie, dass ihm zu­min­dest die Hälf­te des sich nach der Stan­dard­for­mel er­ge­ben­den Be­trags tatsächlich ge­zahlt wird. Wie aus der in Rand­nr. 14 des vor­lie­gen­den Ur­teils wie­der­ge­ge­be­nen Ta­bel­le her­vor­geht, steigt zu­dem der Al­ters­fak­tor, der ein Ko­ef­fi­zi­ent der Stan­dard­for­mel und der Son­der­for­mel ist, schritt­wei­se ab dem Al­ter von 18 Jah­ren (0,35) bis zum Al­ter von 57 Jah­ren (1,70). Erst bei ei­nem Al­ter von 59 Jah­ren be­ginnt die­ser Fak­tor ab­zu­neh­men (1,50) und er­reicht beim Al­ter von 64 Jah­ren sein Mi­ni­mum (0,30). Zum an­de­ren hat der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer gemäß § 6 Punkt 1.5 Un­terabs. 3, auch wenn das Er­geb­nis nach der Son­der­for­mel gleich null ist, An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung, die der Hälf­te der Stan­dard­for­mel-Ab­fin­dung ent­spricht. 53
Hin­sicht­lich der Be­ur­tei­lung durch das vor­le­gen­de Ge­richt ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans die Frucht ei­ner von den Ar­beit­neh­mer- und den Ar­beit­ge­ber­ver­tre­tern aus­ge­han­del­ten Ver­ein­ba­rung ist, die da­mit ihr als Grund­recht an­er­kann­tes Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen aus­geübt ha­ben. Dass es da­mit den So­zi­al­part­nern über­las­sen ist, ei­nen Aus­gleich zwi­schen ih­ren In­ter­es­sen fest­zu­le­gen, bie­tet ei­ne nicht un­er­heb­li­che Fle­xi­bi­lität, da je­de der Par­tei­en ge­ge­be­nen­falls die Ver­ein­ba­rung kündi­gen kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2010, Ro­sen­bladt, C‑45/09, Slg. 2010, I‑9391, Rand­nr. 67).
Nach al­le­dem ist auf die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit nicht ent­ge­gen­ste­hen, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und de­nen be­triebs­be­dingt gekündigt wird, die ih­nen zu­ste­hen­de Ab­fin­dung auf der Grund­la­ge des frühestmögli­chen Ren­ten­be­ginns be­rech­net wird und die­sen Ar­beit­neh­mern im Ver­gleich zur Stan­dard­be­rech­nungs­me­tho­de, nach der sich die Ab­fin­dung ins­be­son­de­re nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit rich­tet, ei­ne ge­rin­ge­re als die sich nach der Stan­dard­me­tho­de er­ge­ben­de Ab­fin­dungs­sum­me, min­des­tens je­doch die Hälf­te die­ser Sum­me, zu zah­len ist. Zur vier­ten Fra­ge
Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit ent­ge­gen­steht, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und de­nen be­triebs­be­dingt gekündigt wird, die ih­nen zu­ste­hen­de Ab­fin­dung auf der Grund­la­ge des frühestmögli­chen Ren­ten­be­ginns be­rech­net wird und im Ver­gleich zur Stan­dard­be­rech­nungs­me­tho­de, nach der sich die Ab­fin­dung ins­be­son­de­re nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit rich­tet, ei­ne ge­rin­ge­re als die sich nach der Stan­dard­me­tho­de er­ge­ben­de Ab­fin­dungs­sum­me, min­des­tens je­doch die Hälf­te die­ser Sum­me, zu zah­len ist und bei der An­wen­dung der al­ter­na­ti­ven Be­rech­nungs­me­tho­de auf die Möglich­keit, ei­ne vor­zei­ti­ge Al­ters­ren­te we­gen ei­ner Be­hin­de­rung zu er­hal­ten, ab­ge­stellt wird. 56
Was ers­tens die Fra­ge be­trifft, ob § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans in Ver­bin­dung mit § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen der Be­hin­de­rung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 enthält, ist fest­zu­stel­len, dass der Ab­fin­dungs­be­trag für den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer bei Ent­las­sung gemäß § 7 Punkt 7.2 un­ter Berück­sich­ti­gung des frühestmögli­chen Ren­ten­ein­tritts ge­min­dert wird. Der Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te setzt je­doch ein Min­dest­al­ter vor­aus, und die­ses Al­ter ist bei Schwer­be­hin­der­ten an­ders. 57
Wie die Ge­ne­ral­anwältin in Nr. 50 ih­rer Schluss­anträge aus­geführt hat, wird die ers­te Kom­po­nen­te bei der Be­rech­nungs­me­tho­de nach der Son­der­for­mel für ei­nen schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer im­mer nied­ri­ger sein als für ei­nen gleich­alt­ri­gen nicht­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer. Dass die­ser Be­rech­nung das Ren­ten­ein­tritts­al­ter dem An­schein nach neu­tral zu­grun­de liegt, führt im vor­lie­gen­den Fall zu dem Er­geb­nis, dass schwer­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer, die die Möglich­keit ha­ben, früher, und zwar mit 60 Jah­ren statt mit 63 Jah­ren wie nicht­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer, in Ren­te zu ge­hen, we­gen ih­rer Schwer­be­hin­de­rung ei­ne ge­rin­ge­re Ent­las­sungs­ab­fin­dung er­hal­ten. 58
Wie aus den Ausführun­gen von Herrn Odar her­vor­geht und wie Bax­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung ein­geräumt hat, hätte die Ent­las­sungs­ab­fin­dung, die er er­hal­ten hätte, wenn er nicht schwer­be­hin­dert wäre, 570 839,47 Eu­ro be­tra­gen. 59
Folg­lich er­gibt sich aus § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans in Ver­bin­dung mit § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans, wo­nach ei­nem schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer bei Ent­las­sung ein ge­rin­ge­rer Ab­fin­dungs­be­trag zu zah­len ist als ei­nem nicht­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer, ei­ne mit­tel­bar auf dem Kri­te­ri­um der Be­hin­de­rung im Sin­ne von Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung. 60
Zwei­tens ist zu prüfen, ob sich schwer­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer, die ei­ner kurz vor dem Ren­ten­ein­tritt ste­hen­den Al­ters­grup­pe an­gehören, in ei­nem Kon­text, wie er von der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Be­stim­mung ge­re­gelt wird, in ei­ner Si­tua­ti­on be­fin­den, die mit der nicht­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer, die der­sel­ben Al­ters­grup­pe an­gehören, im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 ver­gleich­bar ist. Die deut­sche Re­gie­rung macht nämlich gel­tend, dass die­se bei­den Grup­pen von Ar­beit­neh­mern sich in Be­zug auf ih­ren Ren­ten­an­spruch in ob­jek­tiv ver­schie­de­nen Aus­gangs­si­tua­tio­nen befänden. 61
Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass sich Ar­beit­neh­mer, die kurz vor dem Ren­ten­ein­tritt ste­hen­den Al­ters­grup­pen an­gehören, in ei­ner Si­tua­ti­on be­fin­den, die mit der der an­de­ren vom So­zi­al­plan be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ver­gleich­bar ist, da ihr Ar­beits­verhält­nis mit ih­rem Ar­beit­ge­ber aus dem­sel­ben Grund und un­ter den­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen en­det. 62
Der schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern gewähr­te Vor­teil, der dar­in be­steht, dass sie ab Er­rei­chen ei­nes Al­ters, das drei Jah­re nied­ri­ger ist als bei nicht­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern, ei­ne Al­ters­ren­te in An­spruch neh­men können, kann sie nämlich ge­genüber die­sen Ar­beit­neh­mern nicht in ei­ne be­son­de­re Si­tua­ti­on brin­gen. 63
Gemäß Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 ist zu prüfen, ob die Un­gleich­be­hand­lung die­ser bei­den Grup­pen von Ar­beit­neh­mern durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt ist, ob die zu des­sen Er­rei­chung ein­ge­setz­ten Mit­tel an­ge­mes­sen sind und ob sie nicht über das hin­aus­ge­hen, was zur Er­rei­chung des vom deut­schen Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Ziels er­for­der­lich ist.
Hier­zu ist zum ei­nen in den Rand­nrn. 43 bis 45 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stellt wor­den, dass Zie­le wie die mit § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans ver­folg­ten grundsätz­lich ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters, wie in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 vor­ge­se­hen, als „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ „im Rah­men des na­tio­na­len Rechts“ recht­fer­ti­gen können. Zum an­de­ren er­scheint ei­ne sol­che na­tio­na­le Vor­schrift, wie aus Rand­nr. 49 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, nicht of­fen­sicht­lich un­an­ge­mes­sen, um das le­gi­ti­me Ziel ei­ner Beschäfti­gungs­po­li­tik wie der vom deut­schen Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten zu er­rei­chen. 65
Zur Prüfung, ob § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans in Ver­bin­dung mit § 7 Punkt 7.2 des Ergänzen­den So­zi­al­plans über das zur Er­rei­chung der ver­folg­ten Zie­le Er­for­der­li­che hin­aus­geht, ist die­se Vor­schrift in dem Kon­text zu be­trach­ten, in den sie sich einfügt, und sind die Nach­tei­le zu berück­sich­ti­gen, die sie für die Be­trof­fe­nen be­wir­ken kann. 66
Bax­ter und die deut­sche Re­gie­rung ma­chen im We­sent­li­chen gel­tend, die Min­de­rung des Be­trags der Ent­las­sungs­ab­fin­dung, die Herr Odar er­hal­ten ha­be, sei durch den Schwer­be­hin­der­ten gewähr­ten Vor­teil ge­recht­fer­tigt, der dar­in be­ste­he, dass sie ab ei­nem Al­ter, das drei Jah­re nied­ri­ger sei als bei nicht­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern, ei­ne Al­ters­ren­te in An­spruch neh­men könn­ten. 67
Die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on kann je­doch nicht ge­folgt wer­den. Zum ei­nen liegt ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Be­hin­de­rung vor, wenn die strei­ti­ge Maßnah­me nicht durch ob­jek­ti­ve Fak­to­ren, die nichts mit die­ser Dis­kri­mi­nie­rung zu tun ha­ben, ge­recht­fer­tigt ist (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le vom 6. April 2000, Jørgen­sen, C‑226/98, Slg. 2000, I‑2447, Rand­nr. 29, vom 23. Ok­to­ber 2003, Schönheit und Be­cker, C‑4/02 und C‑5/02, Slg. 2003, I‑12575, Rand­nr. 67, so­wie vom 12. Ok­to­ber 2004, Wip­pel, C‑313/02, Slg. 2004, I‑9483, Rand­nr. 43). Zum an­de­ren lie­fe die­se Ar­gu­men­ta­ti­on dar­auf hin­aus, die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der na­tio­na­len Vor­schrif­ten, die den ge­nann­ten Vor­teil vor­se­hen, zu be­ein­träch­ti­gen, de­ren Da­seins­be­rech­ti­gung all­ge­mein dar­in be­steht, den Schwie­rig­kei­ten und be­son­de­ren Ri­si­ken Rech­nung zu tra­gen, mit de­nen schwer­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer kon­fron­tiert sind. 68
So­mit ha­ben die So­zi­al­part­ner bei der Ver­fol­gung des le­gi­ti­men Ziels ei­ner ge­rech­ten Ver­tei­lung der be­grenz­ten fi­nan­zi­el­len Mit­tel, die für ei­nen So­zi­al­plan zur Verfügung ste­hen, ent­spre­chend den Bedürf­nis­sen der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer re­le­van­te Ge­sichts­punk­te, die ins­be­son­de­re die schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer be­tref­fen, un­berück­sich­tigt ge­las­sen. 69
Sie ha­ben nämlich so­wohl das Ri­si­ko für Schwer­be­hin­der­te, die im All­ge­mei­nen größere Schwie­rig­kei­ten als nicht­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer ha­ben, sich wie­der in den Ar­beits­markt ein­zu­glie­dern, als auch die Tat­sa­che ver­kannt, dass die­ses Ri­si­ko steigt, je mehr sie sich dem Ren­ten­ein­tritts­al­ter nähern. Die­se Per­so­nen ha­ben je­doch spe­zi­fi­sche Bedürf­nis­se im Zu­sam­men­hang so­wohl mit dem Schutz, den ihr Zu­stand er­for­dert, als auch mit der Not­wen­dig­keit, des­sen mögli­che Ver­schlech­te­rung zu berück­sich­ti­gen. Wie die Ge­ne­ral­anwältin in Nr. 68 ih­rer Schluss­anträge aus­geführt hat, ist dem Ri­si­ko Rech­nung zu tra­gen, dass Schwer­be­hin­der­te un­ab­weis­ba­ren fi­nan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen im Zu­sam­men­hang mit ih­rer Be­hin­de­rung aus­ge­setzt sind und/oder dass sich die­se fi­nan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen mit zu­neh­men­dem Al­ter erhöhen.
Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me be­wirkt folg­lich da­durch, dass sie bei be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung zur Zah­lung ei­nes Ab­fin­dungs­be­trags an ei­nen schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer führt, der ge­rin­ger ist als die Ab­fin­dung, die ein nicht­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer erhält, ei­ne übermäßige Be­ein­träch­ti­gung der le­gi­ti­men In­ter­es­sen schwer­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer und geht da­her über das hin­aus, was zur Er­rei­chung der vom deut­schen Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten so­zi­al­po­li­ti­schen Zie­le er­for­der­lich ist. 71
Die sich aus § 6 Abs. 1 Punkt 1.5 des Vor­sorg­li­chen So­zi­al­plans er­ge­ben­de Un­gleich­be­hand­lung kann des­halb nicht gemäß Art. 2 Abs. 2 Buchst. b Ziff. i der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt wer­den.
Nach al­le­dem ist auf die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner Re­ge­lung ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit ent­ge­gen­steht, die vor­sieht, dass bei Mit­ar­bei­tern, die älter als 54 Jah­re sind und de­nen be­triebs­be­dingt gekündigt wird, die ih­nen zu­ste­hen­de Ab­fin­dung auf der Grund­la­ge des frühestmögli­chen Ren­ten­be­ginns be­rech­net wird und im Ver­gleich zur Stan­dard­be­rech­nungs­me­tho­de, nach der sich die Ab­fin­dung ins­be­son­de­re nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit rich­tet, ei­ne ge­rin­ge­re als die sich nach der Stan­dard­me­tho­de er­ge­ben­de Ab­fin­dungs­sum­me, min­des­tens je­doch die Hälf­te die­ser Sum­me, zu zah­len ist und bei der An­wen­dung der al­ter­na­ti­ven Be­rech­nungs­me­tho­de auf die Möglich­keit, ei­ne vor­zei­ti­ge Al­ters­ren­te we­gen ei­ner Be­hin­de­rung zu er­hal­ten, ab­ge­stellt wird. Kos­ten
Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig. Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Zwei­te Kam­mer) für Recht er­kannt:
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References: Art. 2
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 267
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 2

Art. 3

Art. 6

Art. 16
 § 1

§ 10
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§ 112
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 § 5
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 § 7
 § 6
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