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Timestamp: 2019-01-17 11:01:57+00:00

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17. Jan 2019, 12:01 Hallo Gast.
Autor Thema: Thranduils Hallen (Gelesen 1635 mal)
« am: 23. Jun 2017, 18:26 »
Eryniels Start:
Eryniel von Dol Guldur
Ihre weiße Hand berührte das kalte, glatte Gestein. Die großen Säulen liefen, nach oben hin, in gewundenem Geäst aus. Efeu wand sich um dessen Sockel. In der vergangenen Zeit hatte der Wald bereits begonnen, den Raum der genommen ward, zurückzufordern. Überall in den Hallen hatten sich grüne Flechten daran gemacht, die Gebilde zu schmücken, doch sie hatten noch nicht alles bedecken können. Die Verwüstung war allgegenwärtig. Vieles war von den dunklen Horden zerstört worden. Sie hatten Wände mit Zeichen des roten Auges befleckt, Statuen und andere Kunstgegenstände geschändet. Überall waren die Elben damit beschäftigt, den angerichteten Schaden zu beheben. Die Hallen des Waldlandreiches hatten vielleicht etwas an Glanz verloren, doch immerhin standen sie noch.
Eryniel stand neben einer der Säulen im Innenhof und betrachtete das ganze Geschehen. Sie war froh wieder daheim zu sein, egal wie anders es nun schien. Selbst die Zerstörung in ihren Gemächern hatten sie nicht weiter gekümmert. Als sie dort eintraf, hatte sie nur zerschlagenes Mobiliar vorgefunden. Wertgegenstände mussten die Orks weggeschafft haben. Doch alles hatten sie zum Glück nicht finden können. Wertvolles hatte sie nie viel besessen und Erbstücke waren gut versteckt worden, bevor sie nach Lórien aufgebrochen war.
“Sie brauchen Hilfe in den Vorratskammern.“, eine Frau mit blondem Haar trat auf Eryniel zu. "Man hat mich geschickt um einige freiwillige zu finden, die sich dessen annehmen.“, erklärte sie.
“ Aber natürlich. Ich mache mich sofort auf den Weg.“ entgegnete Eryniel.
“ Meldet euch bei Malduin. Er wird euch sagen, was zu tun ist.“ hastigem Schrittes, eilte die Elbin davon.
Die Vorratskammern lagen auf den unteren Ebenen, unweit des großen Festsaales und der Weinkeller. Auf den vielen Brücken und Treppen begegneten Eryniel viele geschäftige Arbeiter. Was ein Chaos, dachte sie bei sich. In der Felswand neben ihr befand sich die Tür zu den Lagerräumen. Beim Eintreten stieg ihr ein herrlich würziger Duft in die Nase.
Ein in Grau gekleideter Elb trat, aus der Mitte des mit Kisten zugestellten Raumes, auf sie zu. “ Ah, gut! Wir können ein jeden gebrauchen, der sich entbehren lässt.“ Er machte eine alles umfassende Geste, “Ihr seht ja, wie es hier aussieht.“ Er warf einen Blick auf eine Rolle Pergament, welche er in der einen Hand hielt und nun prüfend untersuchte.“ Ah, hier steht es ja!“, er sprach sehr hastig und schien auch sonst sehr unruhig zu sein. “ Es stehen noch einige Kisten mit Handwerkszeug draußen im Lager. Wisst ihr von, wo ich spreche? Unweit des Tors solltet ihr euch rechts halten. Ihr werdet es schon finden. Los, los !“, er wedelte mit der freien Hand. Eryniel war noch gar nicht zu Wort gekommen. Sie drehte um und machte sich auf dem Weg zum Eingang.
Der Torbogen kam vor ihr in Sicht. Einer der beiden großen Türen schien aus den Angeln gerissen worden zu sein und war behutsam an eine der Mauern gelehnt worden. Sechs Soldaten standen in ihren goldenen Rüstungen an je einer der sechs Säulen zu beiden Seiten der Eingangshalle. An den Wänden waren Laternen angebracht, die alles mit ihrem warmen gelben Licht durchfluteten. Als sie an den Wachen vorbei, durch das Tor, ging, gelangte sie in die kleine offene Vorhalle, dessen Säulen einen Kreis bildeten und die Decke der Höhle hielten, in der sich die Festung befindet. Von dort aus gelangte sie zu der schmalen Brücke die über die Schlucht und den Fluss darin, führte. Beladene Pferde standen auf der anderen Seite. Ihre Reiter waren damit beschäftigt die vielen Satteltaschen zu lösen.
“ Aur vaer!“, sie blieb kurz stehen und hob die Hand.“ Le suilon!“, grüßte einer von ihnen zurück. Sie machte sich daran dem Pfad rechts, entlang des Flusses, zu folgen.
Der Himmel war wolkenverhangen, nur trübes Licht gelang hindurch. Der Pfad führte zwischen einigen größeren und kleineren Bäumen her, ehe sie in das besagte Lager kam. Hier waren Zelte aufgebaut worden, in denen man sich eingerichtet hatte. Hier und dort standen allerlei Kisten oder Säcke herum. Auf einem Wagen Stand ein Elb und reichte Fracht weiter.“ Man hat mir gesagt, ich solle hier Handwerkszeug abholen und in das Lager bringen.“, informierte sie ihn.
“ Gleich hier.“ er packte nach einer Holzkiste und gab sie runter. Sie nahm sie entgegen.
Sogleich machte sie sich auf den Rückweg. Wie gewünscht brachte sie die Lieferung. Den restlichen Nachmittag verbrachte sie mit Botengängen, die sie kreuz und quer durch die Gänge der Festung führten. Eryniel war froh, sich irgendwie nützlich machen zu können. Es war zu erwarten gewesen, dass einiges zu tun sei. Sie saß auf der Kannte eines kleinen Platos. Von hier konnte sie in das verzweigte Höhlensystem, mit seinen Brücken, Treppen und Bauten, hinaus gucken. Hier und da bedeckten Moose die Felsen und der Fluss schlängelte sich ins Freie, wo er dann tosend die andere Seite der Höhle hinabfiel. An Decke und Wänden ragten mächtige Wurzeln hinab. Elbinen brachten Lichter an. Immer mehr flammten auf, bis die Hallen ausreichend beleuchtet waren.
“ Sieht bereits viel besser aus, meinst du nicht ?“ Paladir setzte sich neben Eryniel und ließ seine Beine über dem Abhang baumeln. Sie freute sich ihn zu sehen. “ Stimmt.“, seufzte sie. Er lächelte und sagte betont fröhlich: “Ich habe eine Überraschung für dich.“ “Wirklich?“ Was hatte er sich wohl mal wieder ausgedacht?
Er nahm sie bei der Hand und half ihr auf.“ Du wirst schon sehen. Es wird dir gefallen.“ seine sanfte Stimme schien es ernst zu meinen. Ohne weiter nachzufragen, folgte sie ihm.
Paladir blieb vor ihren Gemächern stehen. Jetzt musste sie doch fragen: “ Eine Überraschung in meinem Heim ?“ Ihre Behausung bestand aus mehreren Zimmern, die in den Fels eingelassen waren. Ein großer Raum mit einem Balkon über dem Abhang des Höhleninneres. An der linken und rechten Wand befanden sich zwei Treppen, die in einer seichten Biegung nach oben führten, wo sich drei weitere Räume befanden, die miteinander verbunden waren. Der mittlere Raum öffnete sich in Richtung des ersten großen Raumes, durch den man rein kam und besaß ein kleines Geländer.
“ So ist es! Aber du wirst schon sehen.“, er griff nach der Tür und schwang sie nach innen auf. Der Schutt war verschwunden. An dessen Stelle standen neue Sachen und einige Möbel, die repariert worden zu sein schienen. Es waren eher zweckmäßige Gegenstände, doch alles was man brauchte, war vorhanden. Sie trat überwältigt ein.“ Hast du das alles allein gemacht?“, sie strich über die Kante eines kleinen Holz-Schrankes.
“ Hat eine ganze Weile gebraucht, bis ich alles beisammen hatte. Zum Glück war mir ein Freund noch etwas schuldig. Du hattest heute einiges zu tun, ich aber auch. Während du durch den Palast geschlendert bist, habe ich hier alles in Ordnung gebracht und neues Mobiliar herangeschafft. Es war alles was sich finden ließ. Gefertigt aus Buche. Betrachte es als kleines Willkommensgeschenk.“, er gab dem ganzen einen feierlichen Beiklang. Er trat ein “ Gewiss hast du noch einiges vor heute. Du solltest dich auch zur Schmiede begeben. Ich habe gehört, sie sei ebenfalls nicht gerade in bestem Zustand.“
Sie trat an seine Seite und umschloss seine Hände “ Hannon gin, meldir!“ Sie war ihm wirklich sehr dankbar, für seinen Freundschaftsdienst. Sie müsse sich im Laufe der Zeit revanchieren, befand sie.
“ Maedol na mar!“
« Letzte Änderung: 18. Feb 2018, 21:08 von Fine »
Re: Thranduils Hallen
« Antwort #1 am: 24. Jun 2017, 16:48 »
Eryniel wurde gegen Abend einer der Spähtrupps zugeteilt. Sie stand nun in der Rüstkammer und legte die grüne Tracht an. Einen leichten Harnisch aus Schuppenartigen Ketten mit einem Schulter-Überwurf aus Leder in Form von vielen großen Blättern die spitz an Schultern und über dem Dekolletee lagen und einen Kragen besaß. Ebenso passende Armschienen die bis zum Ellbogen reichten, hohe Stiefel und einen Rock der vorne offen ward und zackig an der Spitze. Sie nahm ihren Gürtel, an dem Dolche und Schwert hingen, und machte ihn um ihre Taille fest. Das lange Haar hatte sie vorsorglich hinter ihre spitzen Ohren gesteckt und einen Teil davon nach hinten geflochten zu einem langen Zopf, der Rest fiel in einer einzelnen gewaltigen Strähne hinab. Nur zwei kleine Strähnen lagen vor ihren Ohren. Beim Rausgehen schnappte sie sich ihren Bogen, der an der Wand stand, und legte sich den Köcher über die Schulter.
Die Sonne glomm rot in der Ferne über den Wipfeln der Bäume. Die Dämmerung hatte eingesetzt. Zwei Gruppen von Elben bildeten sich vor der Brücke. Eryniel war den Spähern zugeteilt worden, die sich um herumstreunende Orks kümmern sollten, welche gesehen wurden. Sie hatte mitbekommen, dass der andere Trupp wohl Eindringlingen entgegenkommen sollte, die sich auf dem alten Elbenpfad befanden. Die Elben unter Angvagor zogen zuerst ab, mit ihnen einer der Dúnedain, welche sich hier und dort herumtrieben. Auch ihre Einheit setzte sich in Bewegung.
Wie Schatten huschten die Elben durch das Dickicht. Mit ihren dunklen Mänteln und den Kapuzen schienen sie fast gänzlich im Blätterwerk zu verschwinden. Kaum ein Laut war zu hören. Sie befanden sich auf dem Weg Richtung der kleinen Bergkette, die sich dunkel im Süden erhob.
Vor ihnen lag der verzauberte Fluss, dessen verlauf sie weiter folgten. Seine Quelle lag in den Bergen des Düsterwaldes und von dort aus floss er in den Waldfluss.
Sie waren noch nicht lange gelaufen als: “Dartho!“, die Stimme ertönte leise von vorne. Limhir ihr Führer hatte angehalten.
Sofort blieben alle stehen. Etwa 40 Meter vor ihnen hörten sie ein kehliges Röcheln. Langsam pirschten sie sich durch das Unterholz näher die Geräusche an. Ein Paar Elben wichen nach rechts und links aus. Schon waren sie verschwunden in den lichtlosen Schatten. Eryniel hockte nun hinter einer großen Wurzel. Drei gekrümmte graue Gestalten hinkten durch den Wald. “Orch.“ Sie trugen Lumpen und schäbige Brustpanzer auf denen man das Zeichen der weißen Hand erkennen konnte. Kundschafter unseres Besatzers. Seine Diener durchstreifen unsere Lande und geben ihrem Meister über alles Nachricht.
Limhir gab ein Handzeichen. Die Elben traten aus allen Richtungen, mit erhobenen Waffen, auf die Orks zu. Sichtlich erschrocken stellten sich die drei Kreaturen zusammen. Ihre Köpfe wanderten nervös hin und her.
“Was wollt ihr? Sprecht schnell was ihr in unserem Wald zu suchen habt!“ Limhir erhob die stimme fordernd.
Eine der drei trat einen Schritt vor. Mit seiner krächzenden grässlichen Stimme richtete er das Wort an den Elb:“Wir sind im Auftrag unseres Meisters, des großen Saruman, unterwegs. Ihr habt uns nichts zu sagen glob,“ das letzte Wort spuckte er geradezu aus. “Sha! Haltet uns nicht auf. Unser Herr wird nicht erfreut sein,“ nun drohte er ihnen. “Gebt den Weg frei!“
Limhir sah den Ork mit finsterem Blick an. „Lasst sie durch.“
Eryniel blickte ihn verständnislos an. Er ignorierte sie und richtete sich wieder an die Orks. “Ich vergesse nicht Kreatur. Seid auf der Hut! Euer Herr ist nicht der unsere.“ Wie es sich anhörte, war auch Limhir nicht von dem Gedanken begeistert, die Orks frei durch ihr Land ziehen zu lassen.
Die drei fingen an zu zischen, drehten sich dann aber um und traten an den Elben vorbei. Lärmend verschwanden sie hinter einigen Sträuchern. Man hörte das Brechen von Zweigen unter ihren schweren Füßen.
“Nandos und Varion, folgt ihnen unauffällig und erstattet mir Bericht, wenn sie den Wald wieder verlassen,“ Limhir hatte doch nicht den Verstand verloren, befand Eryniel.
„Tirim, lathram a osradam had vîn.” auch die beiden verschwanden nun hinter dem Gebüsch. Es war Nichts zu hören.
“Hûl ! Es geht zurück. Unsere Arbeit hier ist getan mehr können wir nicht tun. Alles andere wäre unklug.“
Ihre Gruppe trat wieder zusammen. Eryniel blickte über die Schulter in die Finsternis. Sie war nicht glücklich mit dem Ausgang ihrer Mission. Auch wenn sie nicht grundlos zu Gewalt neigte, behagte es ihr nicht, dass man die Diener Sarumans ziehen ließ. Sie schaute sich ihre Mitstreiter an – sie schienen auch nicht erleichtert. Gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg.
Als sie unter den dichten Schatten der Bäume hervortraten, erloschen gerade die letzten Strahlen der Sonne und am dunkelblauem Firmament traten die Sterne zum Vorschein. In dem kalten Licht der Sterne traten sie an das Haupttor. Die beiden Palastwachen machten die Tore auf.
Eryniel trat zu Limhir:“Verzeiht mir! Ich muss kurz mit euch sprechen,“ der Elbenherr nickte und beide gingen ein Stück zusammen und ließen die anderen hinter sich zurück “gewiss seid ihr ebenso wenig davon begeistert gewesen die drei ziehen zu lassen wie ich. Der König lässt Saruman zu viel Freiraum in unserem Reich! Diese Kreaturen streifen durch unsere Wälder. An den Ostgrenzen haben sie begonnen Bäume zu hacken und ihre Kriegsmaschinen zu bauen,“ sie hatte begonnen sich in Rage zu reden, “Sie kennen nichts außer zerstören und gerade deswegen wird dieses Bündnis nicht lange halten.“ Eryniel war stehen geblieben und blickte Limhir ernst an.
“Ihr seid noch jung. Ich maße mir nicht an über das Handeln unseres Königs zu befinden. Meine Pflicht ist es unserem Reich zu dienen und meine Befehle auszuführen, was ich immer gewissenhaft tat. Nun gebe ich dir den Rat dich zu gedulden, denn mit Zeit kommt Rat.“ mit diesen Worten ging der silberhaarige Elf davon und ließ Eryniel, in Gedanken versunken, stehen.
Geduld. Sie war noch immer in der Eingangshalle, alle anderen waren bereits verschwunden, nur die Wachen standen an den Säulen. Was bringt mir dies Grübeln? Ich brauche erst einmal Ablenkung. Da fällt mir ein: Sie trat wieder ans Tor und sprach zu einer der Wachen: “Ist die andere Gruppe bereits wieder zurück?“
“Nein, noch nicht.“ Er stellte sich aufrecht hin und hieb das Ende seines Speers kurz auf den Boden, wodurch ein dumpfer Ton entstand.
Eryniel nickte und schaute in Richtung des Pfads. Die kühle Nachtluft ließ das Laub auf den Bäumen rascheln und, zusammen mit dem Rauschen des Flusses, ergab dies eine beruhigende Melodie.
« Letzte Änderung: 26. Jun 2017, 22:28 von Tauriel? »
« Antwort #2 am: 26. Jun 2017, 19:46 »
Oronêl, Finelleth, Celebithiel, Mírwen und Kerry vom Elbenpfad
Nicht lange nach Mathans Abschied erreichten sie den rasch fließenden Fluss, dessen Rauschen Oronêl bereits von Ferne gehört hatte. Das Wasser strömte unter ihnen weißschäumend durch eine enge Felsschlucht, über die sich eine einzelne steinerne Brücke spannte. Auf der anderen Brücke erhob sich ein hoher, von mächtigen Bäumen überwucherter Hügel, in dessen der Brücke zugewandte Flanke ein großes Tor geschlagen war. Am Anfang der Brücke standen zwei Wächter, die in ähnliche Rüstungen wie Angvagor gehüllt und mit Speeren mit elegant geschwungenen Klingen bewaffnet waren. Auf der anderen Seite, vor dem Tor, erkannte Oronêl weitere Wachen, und eine weibliche Gestalt mit rotblonden Haaren, die eher wie eine Späherin gekleidet war.
"Der Nachtwaldfluss", sagte Finelleth, und deutete hinunter in die Schlucht. "Schon immer hat er unsere Hallen geschützt - und doch hat es nicht ausgereicht, um diese Hallen vor dem Zugriff Saurons zu bewahren... noch vor dem Sarumans."
"Gib acht was du sagst", sagte Galanthir leise und warnend. "Saruman hat große Macht hier - auch in den Herzen und Köpfen unserer Krieger."
Oronêl schüttelte den Kopf. Er verspürte keinen Zorn, sondern nur Verwunderung - und vielleicht Enttäuschung. "Haben sie denn vergessen, was Saruman in Lórien getan hat? Wie es kam, dass der goldene Wald sich nun in seinen Händen befindet?"
"Niemand, der in Lórien war, kann das vergessen", erwiderte Angvagor, während sie auf die Brücke traten. "Doch es ist schwer, der Stimme des Zauberers zu widerstehen. Erst recht nicht, wenn er seine Versprechen erfüllt - er hat uns unsere Heimat wiedergegeben." Oronêls Blick entgingen nicht die Spuren, die die Besetzung durch Saurons Orks hier hinterlassen hatten. Auf vielen Steinen waren verblasste Symbole des roten Auges zu erkennen, und einer der Flügel des großen Tores wirkte, als wäre er noch vor kurzem aus den Angeln gerissen gewesen.
"Ja, als Heimat seiner Diener...", murmelte Finelleth vor sich hin. Sie erreichten das Ostende der Brücke und traten hinaus auf den kleinen Hof vor dem Tor. Über dem Tor wehte das grüne Banner des Waldlandreichs, doch daneben hing wie eine stumme Erinnerung an den wahren Machthaber die weiße Hand Sarumans. Oronêl trat neben Finelleth, deren Schritte langsamer und zögerlicher geworden waren, und die nun ihre Blicke über den Hof schweifen ließ. Die Macht und Autorität, die sie zuvor ausgestrahlt hatte, waren beinahe verschwunden, doch, so hoffte Oronêl, nicht vollständig. Wenn sie vor Thranduil traten, würden sie nicht Finelleth, die Späherin, sondern Faerwen, die Königstochter, brauchen.
"Es hat sich... nicht so sehr verändert", sagte Finelleth leise. "Ich hätte gedacht, dass ich es kaum wiedererkennen würde."
"Das ist doch gut, oder?", meinte Kerry, die auf der anderen Seite neben sie getreten war, aufmunternd. "Keine Orks weit und breit zu sehen - vielleicht hat Saruman hier weniger Macht als er gerne hätte."
"Du solltest ihn nicht unterschätzen, Kerry", warf Celebithiel ruhig ein. "Saruman ist gerissen und listig. Selbst wenn er und seine Orks nicht hier sind heißt es nicht, dass er dieses Land nicht in seinem festen Griff haben kann." Oronêl konnte ein schiefes Lächeln nicht unterdrücken. "Du verstehst es wirklich, uns allen Mut zu machen", meinte er. "Dennoch fürchte ich, dass du nur die Wahrheit sagst."
In der Zwischenzeit hatte Finelleth sich der jungen Späherin zugewandt, die an einer der Säulen neben dem Tor lehnte, und die Neuankömmlinge aufmerksam und mit einer Spur Neugierde musterte. "Ich kenne dich", meinte Finelleth. "Eryniel, Curuhirs Tochter, richtig?"
Eryniel nickte. "Das ist richtig. Es ist gut, dass du zurück bist, Finelleth." Sie sprach ohne Scheu, doch mit deutlich zu hörendem Respekt in der Stimme. Offenbar wusste sie Bescheid, wer genau Finelleth war. "Vielleicht hilft deine Rückkehr, den König zur Vernunft zu bringen..." Sie verstummte plötzlich, und warf den Torwächtern einen misstrauischen Seitenblick zu, der Oronêl gar nicht gefiel. Misstrauen schien unter Sarumans Einfluss zu gedeihen wie Unkraut - hoffentlich war es nicht bereits zu spät. Finelleth schenkte der jungen Elbin ein kleines Lächeln. "Wir werden sehen, was geschieht..."
Angvagor hatte in der Zwischenzeit leise mit den Torwächtern gesprochen, und die Flügel des Tores schwangen nun langsam auf.
Finelleth ging voran, flankiert von Angvagor und Galanthir. Oronêl und Mírwen kamen hinter ihnen und hatten Kerry in die Mitte genommen, während Celebithiel den Schluss bildete. Ihre Gegenwart beruhigte Oronêl, obwohl er die Nervosität spürte, die von seiner alten Freundin ausging. Doch er wusste, dass sie nicht durch die Blicke der Wächter an den schlanken Säulenpaaren oder die grauen Gestalten der Dúnedain in den Schatten dahinter bedingt war, sondern durch jemand anderes.
Ihr Weg führte sie durch die lange, dämmrige Eingangshalle, bis die Wände zu beiden Seiten zurückwichen, und sie in eine große Höhle hinabblickten, die von einem verzweigten System aus Treppen, Plattformen und kleinen Pavillons durchzogen war. Mächtige Baumwurzeln ragten aus Wänden und Decken hervor, und der Waldfluss zog sich als schimmerndes Band, in dem sich die vielen kleinen Lampen, die die Thranduils Hallen erhellten, spiegelten, mitten hindurch.
Angvagor und Galanthir führten sie eine Treppe hinab und einen schmalen Pfad durch die Mitte der Höhle, wobei sie erneut auf einer schmalen Brücke den Fluss überquerten. Überall waren noch Spuren der Zerstörung zu sehen - hier und da waren Statuen umgestürzt oder beschädigt, Holz durch Feuer geschwärzt und Steine beschmiert. Vieles war bereits mehr oder weniger notdürftig repariert und gesäubert, doch das Ausmaß der Verwüstung, das Saurons Orks hier angerichtet haben mussten, war noch immer spürbar. Neben Oronêl blickte Kerry sich mit großen Augen um, doch auch sie schien die Schäden wahrzunehmen, denn auf ihrem Gesicht mischte sich Erstaunen mit Kummer, und sie blieb still. Finelleth blickte stur geradeaus und ließ sich nicht anmerken, dass der Zustand ihrer Heimat sie bedrückte. Eine leise Stimme in Oronêls Hinterkopf fragte sich, ob es in Lórien eines Tages auch so sein würde - oder ob Lórien für immer zerstört und verloren war.
Immer mehr Elben und einige wenige Dúnedain versammelten sich entlang des Weges, denn anscheinend hatte sich herumgesprochen, wer sich unter den Neuankömmlingen befand. Während die Elben vielfach Neugierde oder sogar Freude zeigten, waren die Gesichter der Dúnedain verschlossener und teilweise feindselig. Oronêl vermutete, dass sie noch weitaus tiefer unter Sarumans Bann standen, als Thranduils Volk. Doch je länger Saruman seine Macht hier ausübte, desto mehr würden die Elben des Waldlandreichs wie Helluins Gefolgsleute werden.
Das Herz der Hallen bildete eine runde, erhöhte Plattform, an deren Ende sich ein Thronsitz erhob. Der Thron war in das Ende einer dicken, von der Decke hängenden Wurzel, geschlagen, und am oberen Ende mit einem Geflecht aus kunstvoll geschnitzten Ästen verziert. Einige der Schnitzereien waren abgebrochen und auf anderen waren noch Reste von roter Farbe zu erkennen, doch der Thron strahlte noch immer ein Gefühl der Macht und Würde aus. Auf dem Thron saß ein großer Elb mit den gleichen hellen Haaren wie Finelleth, den Oronêl sofort wiedererkannte. Neben dem Thron stand ein Mensch mit schulterlangen, schwarzen Haaren und bleichem Gesicht, der einen silbernen Reif mit einem hellen Stein auf der Stirn trug. In ihm vermutete Oronêl Helluin, den Anführer der Dúnedain in Sarumans Diensten und Belens Konkurrenten.
Auf der Plattform angelangt traten Angvagor und Galanthir beiseite, und Thranduil beugte sich auf seinem Thron ein Stück vor. Seine Augen wanderten über die Gruppe, während sein Gesichtsausdruck kalt und hart blieb.
"Die Späherin Finelleth kehrt zurück", sagte er schließlich kühl. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dir gestattet zu haben, das Heer zu verlassen."
"Das hast du auch nicht getan", erwiderte Finelleth mit einer Stimme, der kein Zittern anzumerken war. Oronêl spürte unwillkürlich eine Welle von Stolz auf sie - sie war jetzt nicht die Späherin Finelleth, die sie so lange gewesen war und zu der ihr Vater sie machen wollte, sondern mit Haut und Haar Faerwen, die Prinzessin und Thronerbin des Waldlandreiches. "Allerdings brauche ich deine Erlaubnis nicht um irgendwo hinzugehen, Vater. Und ich hatte kein Interesse daran an der Seite derer in meine Heimat zurückzukehren, die die Heimat unserer Verwandten zerstört haben."
"Genug", schnitt Thranduil ihr das Wort ab, und der Blick seiner dunkelbraunen Augen wanderte weiter zu Oronêl, der den Blick ruhig erwiderte. Er wusste nicht, wie sehr Thranduil unter Sarumans Einfluss stand, und er wusste auch nicht, wie viel Thranduil - und Saruman - über die Dinge wussten, die er und die anderen westlich des Gebirges getan hatten. Doch ihm war klar, dass er sich keinesfalls ein Anzeichen von Schwäche leisten konnte - und es fiel ihm auch nicht schwer, denn er fürchtete Thranduil nicht.
"Oronêl, Sohn des Ardir und Freund und Berater Amdírs", richtete Thranduil das Wort an ihn. "Ich habe seit Aldburg geahnt, dass wir uns nur allzu bald wiederbegegnen werden."
Oronêl zuckte mit den Schultern. "Dazu gehört nicht sonderlich viel Voraussicht, um das zu erahnen, Vetter. Immerhin sind du und deine Tochter beinahe die einzige Verwandschaft, die ich in Mittelerde noch habe - und es ist schmerzhaft zu sehen, wie sehr du vom Weg deines Hauses abgekommen bist." Thranduil lehnte sich in seinem Thron wieder zurück, und sein Gesicht war beinahe unmerklich blasser geworden.
"Ich bin nicht derjenige, der vom Weg abgekommen ist", gab er dennoch mit ruhiger Stimme zurück. "Ich bin derjenige, der alles dafür tut seinem Volk seine Heimat zurückzugeben - selbst wenn es Opfer erfordert." "Opfer, die zu groß sein könnten", warf Finelleth ein, doch ihr Vater beachtete sie nicht. "Ich bin nicht derjenige, der sein Volk im Stich gelassen hat, und es den Launen der Noldor ausgeliefert hat."
Oronêl zuckte zusammen, denn Thranduil hatte einen wunden Punkt an ihm getroffen. Natürlich hatten Galadriel und Celeborn gut über Lothlórien geherrscht, und dennoch hatte Thranduil nicht vollkommen unrecht. Nachdem Amroth Mittelerde verlassen hatte, hätte eigentlich Oronêl sein Amt übernehmen sollen, doch er hatte sich der Verantwortung entzogen.
"Gib acht, was du über die Herrin Galadriel sagst", mischte sich eine neue Stimme ein, bei deren Klang ein Lächeln über Celebithiels Gesicht ging. Hinter ihnen kam Glorfindel die Treppe zum Thron hinauf, und sein goldenes Haar glänzte im Schein der Laternen. Er nahm Celebithiels Hände, und sagte: "Es ist schön dich zu sehen, Gwilwileth - auch wenn hier nicht alles so ist, wie es sein sollte." Dann wandte er sich wieder Thranduil zu. "Die Noldor sind nicht besser oder schlechter als andere Elben", sprach er. "Und Frau Galadriel hat weise und gerecht über Lothlórien geherrscht, ebenso gut oder besser, als jeder andere es gekonnt hätte."
"Ist das so?", fragte Thranduil leise. "Ist es nicht ihre Schuld, dass der Goldene Wald unterging? Sind nicht ihre Missachtung Curunírs und ihre Intrigen gegen ihn der Grund, warum er zu diesem Angriff gezwungen wurde? Hätte sie mit ihm zusammengearbeitet, hätte viel Leid vermieden werden können, doch sie ließ ihm keine Wahl."
"Saruman bietet keine Zusammenarbeit", sagte Oronêl, und zwang sich mühsam dazu, ruhig zu sprechen. Der Zorn, den er vorher nicht empfunden hatte, brach sich bei Thranduils Worten allmählich bahn. "Saruman will beherrschen, und Saruman will angebetet werden. Für ihn gibt es nur Macht, und die Rache an denen, die ihn gekränkt haben."
"Und aus dir höre ich nur Saruman sprechen." Auch in Finelleths Stimme hörte Oronêl nur unzureichend beherrschte Wut und Enttäuschung. "Du bist seine Marionette, kein echter König - vielleicht bist du nicht einmal mein Vater." Ein Raunen ging durch die Zuschauer, als Thranduils Hände sich um die Lehnen des Throns verkrampften und der König sich gerade noch davon abhalten konnte, wütend aufzuspringen.
"Nein, vielleicht bin ich das nicht. Mein einzig wahres Kind starb in Mordor, durch die Hände von Saurons Schergen", stieß er hervor. "Vor mir sehe ich nur die untreue Späherin Finelleth, die sich weigert zu gehorchen. Galanthir, Angvagor - bringt sie in ihre Gemächer, wo sie bleiben wird, bis ich mich mit ihr befasst habe."
Die beiden Wächter zögerten, und tauschten unbehagliche Blicke. Ihnen war sichtlich unwohl bei der Angelegenheit, und so fügte Thranduil hinzu: "Wenn ihr ihre Freunde seid, dann tut, was ich euch sage. Ich bin euer König, und nicht sie." Angvagor warf Finelleth einen unsicheren Blick zu, und sie nickte beinahe unmerklich, wobei sie Thranduil nicht aus den Augen ließ. Galanthir und Angvagor nahmen sie in die Mitte, und führten sie die Treppe hinunter vom Thron weg.
Als sie fort waren, wandte Thranduil sich den übrigen zu. "Du, Oronêl, bist trotz allem mein Vetter", sagte er. "Ich erinnere mich an einen Besuch von dir und Amdír in diesen Hallen, als mein Vater König und ich noch ein Kind war - und im Gedanken an diese Verwandschaft will ich dir gestatten, dich frei in meinem Reich zu bewegen, solange du deine Waffen nicht bei dir trägst - trotz deiner Taten und Zusammenarbeit mit den verräterischen Dúnedain und Dunländern in Eriador." Oronêl neigte den Kopf. Er war nicht besonders glücklich darüber, sich nur waffenlos bewegen zu können, doch er glaubte nicht, dass ihm in Thranduils Hallen wirkliche Gefahr drohte - zumindest nicht, solange Saruman nicht dort war. Wie Finelleth hatte er erkannt, dass man manche Schlachten auf anderen Schlachtfeldern schlagen musste. Außerdem hatte Thranduil ihm verraten, dass Saruman sehr genau über die Geschehnisse westlich der Berge Bescheid zu wissen schien.
Thranduil wandte sich an Celebithiel. "Celebithiel von Imladris, aufgrund deiner... Beziehung zu Glorfindel gilt für dich das gleiche: Du kannst dich frei bewegen, solange du deine Waffen in den dir zugewiesenen Gemächern zurücklässt." Die ganze Zeit über hatte Glorfindel Thranduil nicht aus den Augen gelassen, und Oronêl fragte sich, was er getan hätte, hätte Thranduil anders entschieden.
"Dich kenne ich nicht", fuhr Thranduil fort, und sein Blick wanderte von Mírwen zu Kerry. "Und dieses Menschenmädchen ebenfalls nicht. An euren Blicken erkenne ich, dass ihr Feinde Curunírs seit, also kann ich euch nicht vertrauen. In Anbetracht der Gesellschaft, in der ihr gekommen seid, werde ich euch nicht in die Kerker bringen lassen..." Kerry schnappte vor Empörung oder Schrecken hörbar nach Luft, und auch Mírwen war eine Spur blasser geworden als üblich. Offenbar hatten beide damit gerechnet, ebenso behandelt zu werden, wie ihr Gefährten. Oronêl wartete angespannt ab, was Thranduil entscheiden würde, und ließ den König dabei nicht aus den Augen. Er würde nicht akzeptieren, dass Thranduil die beiden fortschickte. "... sondern euch lediglich verbieten, eure Gemächer zu verlassen, bis ich entschieden, wie ich mit euch umgehen soll", beendete Thranduil seinen Satz.
"Das kann nicht euer Ernst sein", platzte Kerry heraus, und errötete, als alle Augen sich auf sie richten. "Ihr könnt uns doch nicht einfach einsperren."
"Ich kann, und ich werde", entgegnete Thranduil, und sein Blick war kalt. "Aber wenn dir die Gemächer nicht gut genug sind, Mädchen... Unsere Kerker sind inzwischen größtenteils von dem Unrat geräumt worden, den Saurons Ungeziefer dort hinterlassen hat. Ich könnte mich auch entschließen, dich dort einzuquartieren."
"Das wird nicht nötig sein", ergriff Mírwen zum ersten Mal das Wort, und legte eine Hand auf Kerrys Schulter. "Wir werden eurem Wunsch Folge leisten - ich nehme an, es spricht nichts dagegen, uns dann zumindest gemeinsam unterzubringen?" Oronêl warf ihr ein dankbares Lächeln zu.
Thranduil schien einen Moment über ihren Vorschlag nachzudenken, dann nickte er. "Also schön. Malduin?" Ein in graue Gewänder gekleideter Elb trat neben seinen Thron. "Zeigt unseren... Gästen, ihre Gemächer."
Oronêl, Kerry und Mírwen folgten Malduin die Treppe hinunter, durch die große Höhle hindurch in einen Nebengang. Celebithiel war bei Glorfindel zurückgeblieben, und Oronêl konnte sie verstehen - schließlich war einige Zeit vergangen, seit sie ihren Liebsten gesehen hatte. Malduin führte sie durch einige Nebengänge und eine Treppe hinauf, bis zu einem Komplex aus mehreren spärlich eingerichteten Zimmern, die kleine, in die Flanke des Hügels gehauene, Fenster aufwiesen. "Bitte verzeiht die Einrichtung", sagte er entschuldigend. "Die Orks haben viel zerstört oder fortgeschleppt, und wir konnten noch nicht alles ersetzen."
"Es wird schon ausreichen...", erwiderte Oronêl nachdenklich. "Sagt mir, Malduin, wo finde ich die Gemächer, in denen Finelleth untergebracht wurde?" Malduin beschrieb ihm bereitwillig den Weg, woraus Oronêl schloss, dass es ihm nicht verboten war, seine Gefährtin aufzusuchen, und entschuldigte sich dann. "Ich habe noch einiges zu erledigen - das Chaos, was die Orks hier angerichtet hatten, ist unbegreiflich."
Als er fort war, ließ Kerry sich auf einen nach frischem Holz duftenden Stuhl fallen, und sah offensichtlich unzufrieden aus. "Ich kann es nicht fassen, dass Finelleths Vater uns hier einsperrt", sagte sie. "So hatte ich mir das nicht vorgestellt - ich dachte, wir würden ihn davon überzeugen, dass er falsch handelt."
"Eine Schlacht ist noch nicht der Krieg", erwiderte Oronêl. Er konnte Kerrys Frustration verstehen, doch sein eigener Zorn und seine Enttäuschung hatten zu schwinden begonnen. Langsam ergriff ihn ein seltsamer Tatendrang - er würde tun was er konnte, um Sarumans Einfluss auf das Waldlandreich Stück für Stück zu lockern. "Und das hier war noch keine Schlacht", fuhr er fort. "Es war ein erstes Abtasten, könnte man sagen. Wir haben gesehen, wie es um Thranduil und sein Volk steht, und welche Macht Saruman hier ausübt - und jetzt können wir etwas dagegen tun."
Kerry schnaubte verächtlich. "Du meinst, du und Celebithiel könnt das - wir anderen sitzen ja fest."
"Eins nach dem anderen, Kerry", meinte Oronêl. "Ich hoffe doch, dass wir euch ebenfalls mehr Bewegungsfreiheit verschaffen können."
"Das wäre schön." Mírwen hatte sich Kerry gegenüber auf einem Stuhl niedergelassen und elegant ein Bein über das andere geschlagen - als würde sie ihre Rüstung kein bisschen behindern. "Was hast du jetzt vor?"
"Ich werde zunächst versuchen, zu Finelleth zu gelangen", erklärte er. "Ich denke, ich sollte mit ihr über das Geschehene sprechen. Und dann... werde ich mit ein paar Leuten reden - Leute, die unzufrieden mit Thranduils Handeln sind. Diese Späherin, mit der Finelleth am Tor gesprochen hat, könnte ein Anfang sein..."
« Letzte Änderung: 26. Jun 2017, 22:00 von Fine »
« Antwort #3 am: 26. Jun 2017, 21:57 »
Kerry strich frustriert mit ihren Fingern über die steinerne Rückwand des kleinen Raumes, in dem sie und Mírwen einquartiert worden waren. "Eingesperrt wie ein Vögelchen im goldenen Käfig", murmelte sie.
"Ein ziemlich hübsches Vögelchen, wenn ich das so sagen darf," meinte Mírwen mit einem unsicheren Lächeln.
Kerry hielt inne und wandte der Elbin den Kopf zu. "Findest du?" fragte sie zurück und stellte fest, dass sie sich geschmeichelt fühlte.
"Elben lügen nie," antwortete Mírwen zuversichtlich, doch dann änderte sich ihr Gesichtsausdruck. "Zumindest nicht die Elben, die ich kenne..."
"Ja, ich verstehe, was du meinst," sagte Kerry. "Ich hatte mich auf etwas Erholung gefreut, und würde jetzt so gerne diesen faszinierenden Palast erkunden. Aber jetzt sitzen wir hier fest und müssen auf das Urteil des mies gelaunten Königs warten." Sie machte eine Pause und atmete frustriert durch. Ihr Blick ging zurück zu Mírwen, die mit im Schoß gefaltenen Händen auf ihrem Stuhl saß und den Blick in die Ferne schweifen ließ. Da fiel Kerry etwas ein. "Weißt du, Mírwen, es tut mir Leid, was ich auf dem Hohen Pass zu dir gesagt habe. Das war voreilig."
Mírwen schien aus ihren Gedanken aufzufahren und brauchte einen Augenblick, ehe sie Kerrys Gesicht fixierte. "Wie, was meinst du?"
"Dir zu raten, dich von Oronêl fernzuhalten, stand mir nicht zu. Ihr seid beide so viele Jahre älter als ich und ich verstehe euch Elben längst nicht so gut wie ihr mich versteht. Ich habe aus dem Affekt gesprochen. Und ich sehe jetzt, dass sich etwas zwischen euch beiden geändert hat..."
"Kerry, das muss dir nicht Leid tun. Du hast deine Gedanken zum Ausdruck gebracht; dafür brauchst du dich nicht zu entschuldigen."
"Ich möchte es aber trotzdem tun. Ich hätte mich da nicht einmischen sollen."
"Vielleich nicht; aber dennoch glaube ich, dass es kein Fehler ist, bei solch wichtigen Entscheidungen eine Meinung mehr einzuholen."
"Aber ihr habt mich nicht nach meiner Meinung gefragt. Ich habe sie dir einfach aufgedrängt."
Mírwen winkte ab. "Ist schon gut. Ich glaube, wir haben jetzt andere Sorgen."
Kerry stand auf und ging unruhig im Zimmer auf und ab. Der reich verzierte Teppich, der den Großteil des Bodens bedeckte, schluckte das Geräusch ihrer Schritte als sie langsam im Kreis ging. "Wir müssen hier raus," sagte sie. "Aber wie? Sicherlich stehen vor der Tür Wachen..."
"Hast du nachgesehen?" fragte Mírwen und traf Kerry damit unvorbereitet. Rasch eilte sie zur Tür und zuckte überrascht zurück, als diese sich ohne Widerstand öffnen ließ. Sie lugte vorsichtig hinaus, doch da wuchs vor ihr ein Schatten in die Höhe als ein hochgewachsener Dúnadan hervortrat.
"Tut mir Leid, Mädchen," sagte der Waldläufer, der mit Bogen und Schwert bewaffnet war. "Deine Freundin und du müssen drinnen bleiben."
Kerrys Augen verengten sich und sie stemmte die Hände in die Hüften, nicht einen Schritt zurückweichend. "Ich kenne solche wie dich," sagte sie mit fester Stimme. "Was hast du hier verloren? Deine Heimat braucht dich. Wie ist dein Name, hmm?"
Der Dúnadan schien davon zu gleichen Teilen überrascht und irritiert zu sein. "Daerod," antwortete er, ehe er sich wieder gefangen hatte. "Bitte geh jetzt zurück ins Zimmer."
"Nicht ehe du mir ein paar Fragen beantwortet hast," beharrte Kerry. "Wieso folgst du dem Verräter Saruman? Was hat er vor? Und wann können wir hier raus?"
Ihr Gegenüber schwieg. In seinen Augen sah Kerry Unerbittlichkeit und Härte, doch als sie etwas länger hinein blickte, entdeckte sie eine tiefliegende Traurigkeit, die das Innere des Mannes zu erfüllen schien. Ich glaube, er ist nicht ganz freiwillig hier, schoss es ihr durch den Kopf.
"Ich tue, was ich tun muss, Mädchen," sagte Daerod leise. "Du kannst das nicht verstehen. Bitte mach' mir keine Schwierigkeiten, hörst du?"
Etwas fügte sich in Kerrys Hinterkopf zusammen, und sie erinnerte sich an den Anfang ihrer Zeit beim Sternenbund, als sie kurz nach der Befreiung des Auenlandes nach Norden in Richtung des Abendrotsees gezogen waren. Dort hatten sie den Erbsitz der Nachfahren Isildurs aus den Händen von Sarumans entrissen, und hatten Gefangene befreit, die dort eingesperrt gewesen waren. Gefangene, deren Verwandte für Saruman kämpften...
"Doch, Daerod. Ich verstehe ganz genau, was hier los ist. Sie haben deine Familie, nicht wahr?" wisperte Kerry.
Daerods Augen weiteten sich und er blickte sich hastig um. "Woher weißt du...?"
"Ich war dabei, als sie befreit wurden. Der Sternenbund hat sie gerettet."
"Der Sternenbund! Wir dachten, sie seien alle fehlgeleitete Narren..."
Kerry schüttelte heftig den Kopf. "Sind sie nicht. Sie haben Eriador von Sarumans Einfluss befreit."
Daerod blinzelte und richtete sich wieder auf. "Du weißt gar nicht, wie gut es tut, das zu hören. Meine Familie ist in Sicherheit!" sagte er leise, doch Kerry hörte die Erleichterung in seiner Stimme. "Aber ich kann dich trotzdem nicht rauslassen, Mädchen -"
"Ich heiße Kerry."
"- Kerry. Also gut, Kerry. Wenn sie herausfinden, dass ich dich habe gehen lassen... was sie hier mit Verrätern machen ist..." er ließ den Satz unvollendet und verzog das Gesicht. "Erst vor Kurzem kam heraus, dass eine von uns Dúnedain eine Spionin des Feindes war. Man hat sie gejagt, ohne Gnade."
"Lóvarië? Sie hat es bis zum Carrock geschafft, und ist jetzt auf dem Weg nach Imladris," sagte Kerry.
"Noch mehr gute Nachrichten," meinte Daerod leise und blickte sich erneut vorsichtig um. Niemand war zu sehen, doch dennoch schien er unruhiger zu werden. "Hör zu, Kerry. Du hast mir neue Hoffnung gegeben, und einen Grund, von diesem Ort zu verschwinden. Einige meiner Brüder werden genauso froh wie ich sein, wenn sie hören, dass ihre Familien frei sind. Aber nicht alle folgen Saruman aus Zwang. Genau genommen sind es nur ein Dutzend, die er so in seinen Dienst gepresst hat. Der Großteil ist von Helluins verblendeter Vision verführt worden. Du musst vorsichtig sein. Ich werde dir vielleicht helfen können, aber nicht jetzt. Hab Geduld! Und sprich mit niemandem über das, was ich dir erzählt habe."
Kerry nickte und ließ zu, dass Daerod die Türe ihres Raumes wieder schloss.
Geduld! dachte sie während sie sich auf das Bett fallen ließ, das man ihr zur Verfügung gestellt hatte. Gerade das, was mir so schwer fällt...
Rasch erzählte sie Mírwen auf Quenya, was geschehen war, auch wenn die Elbin ihr später sagte, dass sie den Großteil dank ihrer geschärften Ohren mitangehört hatte. Doch auch Mírwen war der Meinung, dass sie für den Augenblick nichts tun konnten, als abzuwarten und auf Oronêl, Finelleth oder Celebithiel zu warten.
Und so verging die Zeit. Kerry verbrachte die Minuten, die ihr länger und länger vorkamen, damit, sich vorzustellen, welche Länder und Regionen Mittelerdes sie noch alle bereisen wollte. Sie dachte schon bald an Rhûn, denn Finelleth hatte ihr gesagt, dass sich ihr Vater dort aufhielt und in geheimer Mission unterwegs war. Kerry fragte sich, wie es wohl sein würde, ihn nach all den Jahren wiederzusehen. Zwar war sie froh darüber, zu wissen, dass Cyneric noch am Leben war, doch seit ihrer Trennung kurz vor Ausbruch des Ringkriegs war nun so viel geschehen , dass sich Kerry inzwischen wie ein ganz anderer Mensch vorkam.
Ein sanftes Klopfen an der Tür riss Kerry aus ihren Gedanken, und sie erhob sich schwungvoll vom Bett. Der Dúnadan war verschwunden. Stattdessen stand dort eine in die Grün- und Brauntöne gekleidete Elbin, die vorsichtig hereinkam sobald Kerry die Türe auch nur einen Spalt weit geöffnet hatte.
"Verzeiht doch.. Wer seid ihr, von wo kamt und was macht ihr hier? Sprecht rasch, und ich würde euch raten, bei der Wahrheit zu bleiben, Fremdling," sagte die Waldelbin und überrumpelte die vor Überraschung etwas sprachlose Kerry damit.
"Also... ich heiße Kerry, und komme aus Rohan," sagte sie nachdem sie sich gesammelt hatte. "Ich bin hier, um meiner Freundin Finelleth zu helfen, das Waldlandreich von Sarumans Einfluss zu befr..." Mírwens warnender Blick ließ Kerry verstummen und sie schlug sich rasch die Hände vor den Mund.
"Hm.. Nun, ich bin Eryniel," sagte die Elbin mit einem forschenden Blick in Kerrys Gesicht. "Mehr müsst Ihr zunächst nicht wissen. An Eurer Stelle würde ich aufpassen, mit wem ich rede und was ich sage – sagt das auch Euren Freunden, denn sie täten gut daran, dies zu beherzigen."
"Ich werde es ihnen sagen, Eryniel," antwortete Kerry rasch.
Eryniel nickte, offenbar war sie damit zufrieden. "Ich muss wieder fort. Wir haben uns nicht zum letzten Mal gesehen, Mensch," sagte sie und eilte raschen Schrittes wieder hinaus.
Mensch, wiederholte Kerry in ihren Gedanken. Ich habe einen Namen, hat sie ihn etwa nicht gehört?
Mírwen schien ihre Gedanken gelesen zu haben, denn sie sagte: "Mach dir nichts draus. Thranduils Volk hatte schon immer einen misstrauischen und eigensinnigen Ruf. Ich glaube, es war ein gutes Zeichen, dass Eryniel hier war und mit dir gesprochen hat. Sie hat uns vorhin am Tor sehr aufmerksam beobachtet, weißt du? Du hast offenbar ihr Interesse erregt."
"Kann sein," meinte Kerry. "Aber ist das jetzt gut oder schlecht?"
Mírwen legte den Kopf schief. "Das wird sich bald zeigen, schätze ich."
« Letzte Änderung: 5. Okt 2017, 17:51 von Fine »
« Antwort #4 am: 28. Jun 2017, 21:12 »
Eine Gruppe von Gestalten tauchte unter dem Schatten der Bäume hervor. Angvagors Trupp war zurück und mit ihnen kamen 5 weitere Personen. Eryniel betrachtete jeden von ihnen eingängig. Vier Elben waren es und ein Mensch. Bei dem Menschen handelte es sich um eine Frau - sie konnte nicht sehr alt sein – mit langem blonden Haaren, klein und zierlich gebaut – wie es aussah. Sie sah nicht nach einer Kriegerin aus. Einer der Elben war ein relativ großer Mann mit braunem Haar, das ihm bis zu den Schultern reichte. Besonders auffällig war eine Narbe, die sich vom Kinn über seine linke Wange zog. Er trug ein braun-grünes Ledergewand, an dessen Gürtel eine Axt hing. Unter ihnen waren da noch drei Elben-Frauen. Die eine hatte kurzes rötlich blondes Haar. Bei ihr waren es die Augen die Eryniel auffielen – tiefblaue waren sie. Sie trug eine silberne Rüstung. Die Zweite hatte auffallend rotes Haar. Die letzte der Gruppe hatte langes sandfarbenes Haar, sie war relativ klein.
Verwunderung trat ihn Eryniels Gesicht. Es war Finelleth. Lange war es her, dass Eryniel sie gesehen hatte und viele Gerüchte waren nach ihrem Verschwinden umgegangen, doch dort stand sie und es war gut sie zu sehen. Hoffnung keimte in Eryniel auf. Die Gruppe schien sich angeregt zu unterhalten. Sie konnte nur Wortfetzen aufschnappen, doch als sie näher kamen, hörte sie deutlich, worum es ging: Saruman und seine Besatzung. Sofort waren Eryniels Gedanken wieder bei dem Gespräch mit Limhir. Die Neuankömmlinge traten gemeinsam mit Angvagor und seiner Einheit über die Brücke und standen nun im kleinen Innenhof. Sie bemerkte, wie Finelleth zögerte, als sie dem Eingang näher kam. Sogleich trat der Elb mit der Axt neben sie. Finelleth sagte leise: “Es hat sich... nicht so sehr verändert. Ich hätte gedacht, dass ich es kaum wiedererkennen würde.“
“Das ist doch gut, oder?“, der Mensch versuchte sie anscheinend aufzumuntern. "Keine Orks weit und breit zu sehen - vielleicht hat Saruman hier weniger Macht als er gerne hätte." Wie richtig du doch liegst. Weniger als er gern hätte, dachte Eryniel bitter.
“Ich kenne dich,“ Finelleth war zu ihr herüber gekommen. “Eryniel, Cruruhirs Tochter, richtig ?“
Eryniel nickte. "Das ist richtig. Es ist gut, dass du zurück bist, Finelleth.“ du bringst Hoffnung “Vielleicht hilft deine Rückkehr, den König zur Vernunft zu bringen..." Sofort brach sie den Satz ab und ließ ihren Blick zu den Wachen wandern, die vor dem Tor standen. Wie leichtsinnig! Geduld.
Finelleth lächelte schwach. "Wir werden sehen, was geschieht..." Wir werden sehen. Finelleth schien etwas mutlos, das Gespräch war beendet und auch Eryniel hatte genug gesagt. Die Versammlung vor dem Tor trat ein als die Tore sich auftaten. Eryniel wartete einen Moment draußen ehe sie ihnen, in einigem Abstand, folgte.
Die Prozession ging Richtung Thron, über dem Pfad, der sich durch die Mitte der Höhle zog. Von überall kamen Schaulustige, Elben und auch einige der Dunedain, die sich in diesen Hallen aufhielten. Der schmale Weg wand sich bis ins Zentrum der Hallen. Dort standen mächtige, fein-gearbeitete Säulen in einem Kreis um eine Anhöhe, auf dessen runder Plattform, der Thron des Königs stand, welcher aus einer großen Wurzel gefertigt war, die sich noch immer von der Decke hinab wand. In dem reich verzierten, doch noch immer vom Fall des Waldlandreiches gezeichneten, Thron, saß Thranduil, ihr König.
Eryniel wich auf einen der Nebenpfade aus, welcher sie nicht so nah an den Thron heran ließ, doch ihr erlaubte etwas weniger offensichtlich zu lauschen. Sie trat unter eine Laterne, welche im Bogen einer Wurzel hing.
Finelleth war vorgetreten und stand nun vor ihrem Vater, welcher als erster das Wort an sie richtete: "Die Späherin Finelleth kehrt zurück. Ich kann mich nicht daran erinnern, dir gestattet zu haben, das Heer zu verlassen." Es war bekannt, dass Finelleth sich ohne die Erlaubnis ihres Vaters abgewandt hatte. Bis heute hatten sie ihre Prinzessin nicht wiedergesehen, doch dafür schien der König wenig begeistert zu sein.
"Das hast du auch nicht getan", Finelleth hatte anscheinend Mut gefasst. "Allerdings brauche ich deine Erlaubnis nicht um irgendwo hinzugehen, Vater. Und ich hatte kein Interesse daran an der Seite derer in meine Heimat zurückzukehren, die die Heimat unserer Verwandten zerstört haben." Wahre Worte. Seite an Seite mit denen die Lórien nahmen. Ich war nie begeistert gewesen, doch es war bestimmt worden und wie hätte ich, dem etwas entgegenzubringen gehabt ? Sie hatte eine Entscheidung getroffen, die ich nicht hatte fällen können. Gedankenverloren schaute sie in das Licht.
"Genug", rief Thranduil. Eryniel beobachtete wieder den König. Seine Augen waren auf den Elben mit dem dunklen Haar gerichtet.
"Oronêl, Sohn des Ardir und Freund und Berater Amdírs. Ich habe seit Aldburg geahnt, dass wir uns nur allzu bald wiederbegegnen werden." Oronêl also.. Der König schien ihn zu kennen.
Oronêl richtete das Wort an den König: "Dazu gehört nicht sonderlich viel Voraussicht, um das zu erahnen, Vetter. Immerhin sind du und deine Tochter beinahe die einzige Verwandtschaft, die ich in Mittelerde noch habe – und es ist schmerzhaft zu sehen, wie sehr du vom Weg deines Hauses abgekommen bist." Es war mutig von ihm, den König so zu tadeln.
Eryniel untersuchte das schmale Gesicht Thranduils und erwartete einen immer noch kalten oder gar erbosten Ausdruck darin zu finden, doch.. der König schien, kaum merklich, etwas in sich zusammenzufallen. Mit unberührter Stimme entgegnete er: "Ich bin nicht derjenige, der vom Weg abgekommen ist. Ich bin derjenige, der alles dafür tut seinem Volk seine Heimat zurückzugeben - selbst wenn es Opfer erfordert." Opfer für ein jeden. Eryniel hörte diese Argumentation nicht zum ersten Mal. Er tat, was er für richtig hielt, musste Eryniel einräumen, doch war es allein deswegen die richtige Entscheidung. Sie musste daran denken, dass der Beschluss nicht allein durch Thranduil gefallen war.
"Opfer, die zu groß sein könnten", entgegnete Finelleth und damit sprach sie das aus, was Eryniel immer und immer wieder, durch den Kopf gegangen war. Thranduil schien dies, gar nicht gehört zu haben.
Er sprach weiter zu Oronêl: "Ich bin nicht derjenige, der sein Volk im Stich gelassen hat, und es den Launen der Noldor ausgeliefert hat." Dem Punkt konnte Eryniel nicht ganz folgen, denn sie wusste nicht, was Oronêl zu tun gehabt haben schien. Dem Elben hatte es einen Schlag versetzt.
"Gib acht, was du über die Herrin Galadriel sagst" Glorfindel kam die Treppe zum Thron hinauf. Einer der wenigen Fremdlinge, die Eryniel ihrerseits willkommen hieß. Er war es gewesen, der einen entscheidenden Teil zum Sieg über Dol Guldur geleistet hatte. Der Elb mit dem goldenen Haar wandte sich kurz an eine der Frauen, drehte sich wieder zum König und sprach weiter: "Die Noldor sind nicht besser oder schlechter als andere Elben und Frau Galadriel hat weise und gerecht über Lothlórien geherrscht, ebenso gut oder besser, als jeder andere es gekonnt hätte."
Thranduil gab kaum hörbar Antwort: "Ist das so? Ist es nicht ihre Schuld, dass der Goldene Wald unterging? Sind nicht ihre Missachtung Curunírs und ihre Intrigen gegen ihn der Grund, warum er zu diesem Angriff gezwungen wurde? Hätte sie mit ihm zusammengearbeitet, hätte viel Leid vermieden werden können, doch sie ließ ihm keine Wahl.", er war lauter geworden. Es waren eindeutig die Worte eines anderen, die er hier wiedergab. Genug Einfluss und Macht, gab sie der blonden Frau im Gedanken zur Antwort
"Saruman bietet keine Zusammenarbeit. Saruman will beherrschen, und Saruman will angebetet werden. Für ihn gibt es nur Macht, und die Rache an denen, die ihn gekränkt haben.“ Oronêl schien sich wieder gefasst zu haben.
“Und aus dir höre ich nur Saruman sprechen. Du bist seine Marionette, kein echter König – vielleicht bist du nicht einmal mein Vater." auch Finelleth kam zu demselben Schluss wie Eryniel.
Die Zuschauer waren fassungslos. Thranduil selbst, war nun aus seiner kühlen Gleichgültigkeit aufgetaut. Seine Hände verkrampften sich. Innerlich musste er toben - seine Autorität wurde öffentlich angezweifelt.
"Nein, vielleicht bin ich das nicht. Mein einzig wahres Kind starb in Mordor, durch die Hände von Saurons Schergen.“ Legolas.. Alle hatten Opfer leisten müssen. “Vor mir sehe ich nur die untreue Späherin Finelleth, die sich weigert zu gehorchen. Galanthir, Angvagor - bringt sie in ihre Gemächer, wo sie bleiben wird, bis ich mich mit ihr befasst habe. Wenn ihr ihre Freunde seid, dann tut, was ich euch sage. Ich bin euer König, und nicht sie." Der König hatte nichts weiter zu sagen.
Oronêl und eine der Frauen, welche Celebithiel zu heißen schien, bekamen die Erlaubnis sich frei zu bewegen, solange sie ihre Waffen ablegten. Die andere Elbin und der Mensch, sollten in ihren Zimmern eingesperrt werden. Auf Proteste folgte die Drohung mit dem Kerker. Ihnen wurde lediglich der Wunsch gewehrt, zusammen untergebracht zu werden. Gefangene
Thranduil erhob noch einmal die Stimme: “ Malduin? Zeigt unseren... Gästen, ihre Gemächer."
Eryniel wanderte ziellos durch die Gänge. Sie dachte an das, was im Thronsaal gesagt wurde. Es stimmte, dass sie viele Entbehrungen hatten erdulden müssen. Doch war ihr Leid eine Rechtfertigung für das Bündnis mit einem anderen Übel, nur um das Größere zu bekämpfen? Nein! Sie hatten ihre Heimat wieder, doch frei waren sie hier nicht. Es muss sich etwas ändern! Saruman hatte seinen Teil der Abmachung erfüllt – eine Abmachung, die nicht aus Gutmütigkeit getroffen wurde. Der König war in seinem Schmerz, auf dessen wohltuenden Worte hereingefallen. Wie eine Spinne, hatte er seine Netze gewebt und nun konnte sich sein Opfer nicht mehr bewegen – tot war es nicht, nur betäubt durch das Gift. Düstere Gedanken waren es. Sie hatte genug daran gedacht! Viel lieber wollte sie wissen, wer die Neulinge waren. Man konnte nicht noch mehr Fremde gebrauchen, die nichts weiter als Unheil bringen. Sie waren mit Finelleth gekommen und doch wollte Eryniel sich zunächst selbst ein Bild machen. Sie hatten viel gesagt. Einiges davon hatten ihre Aufmerksamkeit erregt. Zu viele Fragen schwirrten in ihrem Kopf herum, auf die sie keine Antwort fand. Sie beschloss den beiden “Gästen“ einen Besuch abzustatten.
Sie wusste, wo die beiden Untergebracht worden waren. Eilig ging sie den Hauptweg entlang, nahm eine Abzweigung und stieg Treppen hinauf, die zu den kleinen Gemächern in den Felswänden führten. Vor einer der Türen stand ein Dúnadan. Eryniel wich hinter einen Felsen zurück. Sie beobachtete den Mann. Es wäre vergebens gewesen darauf zu hoffen, einfach zu durchgelassen zu werden. Er schien jedoch unruhig zu sein – irgendwas hatte ihn aufgelöst.. Nicht ganz bei der Sache. Umso besser. Sie kam aus ihrem Versteck und ging auf die Wache zu: “Ihr seht nicht gut aus, Dúnadan.“
Der Mann stellte sich aufrecht hin. “Alles in Ordnung.“, er versuchte überzeugend zu klingen.
“Ihr solltet nach Verpflegung fragen. Wenn man euch hier einsetzt, solltet ihr wenigstens versorgt werden“, sie gab sich freundlich. “Schwach nützt ihr keinem etwas. Eine Wache sollte bereit sein zu handeln.“
“Man hat mir gesagt, ich solle meinen Posten nicht verlassen.“ Pflichtbewusst, ganz toll.
“Ihr habt recht. Ich werde euch etwas bringen.“ Dann halt anders. Der Dúnedain bedankte sich und Eryniel lief wieder die Stufen hinunter. Sie steuerte auf den Weinkeller zu.
Die Wände waren zugestellt mit Fässern und Regalen, welche auch in der Mitte des Raumes aufgereiht waren. In ihnen waren Flaschen untergebracht, gefüllt mit dem elbischen Wein. Im Weinkeller war sonst niemand. Sie nahm sich eine der rundlichen, langhalsigen Flaschen und einen Kelch, der auf einem der Tische stand. Außerdem einen Teller mit einer Rebe Weintrauben.
Oft hatten sich einige der Dúnedain an dem elbischen Gebräu gütig getan und sie hatte bemerkt, dass sie diesen nicht zu vertragen schienen. Bereits ein kleiner Schluck genügte, um sie betrunken durch die Gegend taumeln zu lassen. Er war einfach zu stark für die Menschen. Genau das brauchte sie jetzt.
Eilig kehrte sie zu dem Wächter zurück. “Hier bitte nehmt etwas hiervon.“, sie reichte ihm Kelch und Teller.
“Habt dank!“ dankend nahm dieser an. Eryniel verabschiedete sich und ging wieder fort. Lange würde er nicht brauchen.
Als sie kurz darauf wiederkam lehnte der Mann an der Wand. Seine Augen waren zugefallen und er atmete tief ein und aus. Er schlief. Es würde wohl kein Misstrauen auslösen, wenn man ihn hier fände. Sie sollte lediglich weg sein, wenn dies eintrat. Sie trat an die Tür und klopfte sacht. Die blonde Frau machte die Tür auf und sogleich schlüpfte Eryniel hindurch. Sie wollte endlich ein Paar Antworten haben. “Verzeiht doch.. Wer seid ihr, von wo kamt und was macht ihr hier? Sprecht rasch, und ich würde euch raten, bei der Wahrheit zu bleiben, Fremdling,"
Die Frau war sichtlich überrascht. Sie brauchte kurz, um sich zu sammeln. "Also... ich heiße Kerry, und komme aus Rohan. Ich bin hier, um meiner Freundin Finelleth zu helfen, das Waldlandreich von Sarumans Einfluss zu befr..." Sie verstummte. Die rothaarige Elbe, welche auf einem Stuhl saß, warf ihr einen mahnenden Blick zu. Kerry hatte die Hände vor den Mund gelegt. Sie hatte wohl zu viel gesagt.. Ihre Absichten werden sicher nicht allen Ohren gefallen, die sie vernehmen. Eryniel war nicht gekränkt – sie hatten lediglich ebenso bedenken wie sie selbst und die sollten sie haben.
"Hm.. Nun, ich bin Eryniel, mehr müsst Ihr zunächst nicht wissen. An Eurer Stelle würde ich aufpassen, mit wem ich rede und was ich sage – sagt das auch Euren Freunden, denn sie täten gut daran, dies zu beherzigen."
"Ich werde es ihnen sagen, Eryniel," sie antwortete zügig.
Gut.. Eryniel nickte. "Ich muss wieder fort. Wir haben uns nicht zum letzten Mal gesehen, Mensch," mit diesen Worten trat sie wieder aus dem Raum. Sie haben also vor etwas gegen Saruman zu unternehmen. Interessant..
« Antwort #5 am: 1. Jul 2017, 12:53 »
Die Zeit verging im goldenen Käfig nur sehr langsam. Zwar war Kerry froh, dass sie nicht alleine war, sondern ihre Gefangenschaft mit Mírwen teilte, doch nachdem sie einige Zeit miteinander gesprochen und sich gegenseitig verschiedene Fragen über das Leben der Anderen gestellt hatten, gab es nichts mehr, was Kerry über Mírwen wissen wollte. Sie vermied es, die Schlacht um Fornost anzusprechen, in der Mírwens Vater Cúruon gefallen war, und ließ auch das Thema Oronêl vorerst aus. Immerhin war Mírwen für Kerry eine gute Hilfe dabei, ihr Quenya zu verbessern, denn zwar verstand sie inzwischen die meisten Sätze und Wörter, doch ihr eigener Wortschatz war noch immer recht klein und sie kam immer wieder ins Stocken, wenn sie längere oder kompliziertere Sätze bildete. Mírwen hatte sich einige Zeit später entschuldigt und ruhte nun mit geschlossenen Augen sitzend vor dem kleinen Fenster, durch das ein wenig Licht in den kleinen Raum fiel. Kerry war für den Augenblick mit ihren Gedanken alleine.
Ich frage mich, was Oronêl gerade macht, dachte sie. Er hat gesagt, er würde mit Finelleth sprechen wollen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr Vater das ohne weiteres zulassen würde. Oronêl und Thranduil sind über einige Ecken miteinander verwandt, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber Freunde sind sie deshalb noch lange nicht. Wie könnten sie auch? Thranduil folgt Saruman... dem Zauberer, der Feuer und Tod über Rohan und Lothlórien gebracht hat und dessen Worte falsch und verlogen sind. Kerry hielt inne, als ihr ein neuer Gedanke kam, und begann, unschlüssig auf und ab zu gehen. Aber Saruman hat diesmal sein Wort gehalten, und den Elben des Waldlandreiches tatsächlich ihre Heimat zurückgegeben... könnte das etwa bedeuten, dass er sich geändert hat? Nein, das kann nicht sein. Wieso sollte er? Die Elben sind wahrscheinlich so wertvolle Verbündete für ihn, dass er es sich nicht leisten kann, sie zu verlieren wie er Dunland und Eriador verloren hat. Außerdem spüre ich hier überall den schädlichen Einfluss der Weißen Hand - in diesen Hallen, in den Gesichtern einigen der Elben, und in den Worten ihres Königs. Vielleicht merken sie selbst nicht, wie Sarumans Gift in ihren Adern sie mehr und mehr verändert. Oh, ich glaube, uns läuft die Zeit davon! Wenn ich nur hier 'raus könnte, würde ich vielleicht...
Die Türe ging mit einem lauten Geräusch auf und Kerry fuhr erschrocken herum. Zwei Dúnedain kamen herein, beide in graue Umhänge und schwarze Lederrüstungen gehüllt. Einer der beiden war Daerod, mit dem Kerry zuvor kurz gesprochen hatte. Der zweite Mensch hatte kurz geschorenes graues Haar und eine lange Narbe auf der rechten Gesichtshälfte, die von seinem Mundwinkel bis zum Ansatz seines Ohres reichte. Sein Gesichtsausdruck war deutlich grimmiger als Daerods, und er schien eine höhere Stellung zu besitzen - erkennbar an dem silbernen Stern, der an seiner Umhangsspange befestigt war.
"Mitkommen," knurrte er und packte Kerry grob am Oberarm.
Mírwen war aufgesprungen, doch Daerod gab ihr zu verstehen, dass sie im Raum bleiben sollte. "Mit Euch werden sich die Elben Thranduils bald befassen," sagte er in einem neutralen Ton. "Wir haben Befehl, nur Kerry abzuholen."
Der zweite Dúnadan warf einen raschen, argwöhnischen Blick zu Daerod, offenbar darüber verwundert, dass er ihren Namen kannte. Doch er sagte nichts sondern zog Kerry unsaft durch die Türe in den Gang hinaus.
"Lass mich los, du Flegel," beschwerte sie sich. "Ich kann selbst gehen."
"Keine Dummheiten jetzt, Mädchen," warnte der Grauhaarige sie, ließ aber tatsächlich ihren Arm los.
"Wohin bringt ihr mich?" verlagte sie zu wissen.
Doch weder Daerod noch der zweite Mann antworteten ihr. Daerod ging voraus, ein schnelles Schrittempo anschlagend. Der Grimmige versetzt Kerry einen Schubs gegen den Rücken und zwang sie, vor ihm herzugehen und Daerods Weg zu folgen. Durch mehrere teilweise zerstörte Gänge kamen sie wenige Minuten später erneut in die große Halle, in deren Mitte Thranduils Thron stand. Der Sitz war inzwischen leer, und in der gesamten Halle waren nur wenige Elben zu sehen. Keiner von ihnen schenkte den drei Menschen Beachtung. Kerry hielt die Augen nach Oronêl, Finelleth und Eryniel offen, konnte aber keinen der drei entdecken. Sie durchquerten Thranduils große Halle rasch und kamen in einen breiteren Gang, der offenbar von jeglicher Zerstörung verschont geblieben war. An dessen Ende lag eine Wendeltreppe, die sich um eine riesige Wurzel wand und auf der sie mehrere Stockwerke in die Höhe stiegen. Hier war es heller und die Luft kam Kerry weniger stickig vor. Offenbar lebten hier jene Elben, die unter Thranduils Volk als besonders angesehen galten, denn die Verzierungen auf den Wänden und die Pflanzen, die überall wuchsen, waren hier prächtiger und prunkvoller als in den tieferen Etagen.
Vor einer aus hellem Holz gefertigten Tür blieben sie stehen. Zwei Dúnedain-Wächter hielten davor Wache; es handelte sich bei ihnen um einen Mann und eine Frau, die beide ähnliche Ausrüstung wie Daerod und sein älterer Kamerad trugen. Erst jetzt fiel Kerry auf, dass eine stilisierte weiße Hand auf ihren Oberkörpern prangte, umgeben von den Sternen Arnors.
Daerod blieb im Gang stehen als der grauhaarige Dúnadan Kerry grob durch die aufgestoßene Tür beförderte. Der Raum auf der anderen Seite war etwas größer als das Zimmer, das Kerry sich mit Mírwen teilte. An der gegenüberliegenden Wand war ein sehr großes und breites Fenster eingelassen, das beinahe die gesamte Rückwand einnahm und einen guten Ausblick über den Wald nördlich der Hallen des Waldlandkönigs bot. Davor stand ein nach elbischer Art gefertigter, breiter Tisch, auf dem allerlei Schriftrollen, Briefe und eine große ausgebreitete Karte lagen. Und zwischen Fenster und Tisch saß eine Gestalt, die sich gerade über die Karte beugte und nicht einmal dann aufblickte, als einer der beiden Wächter die Türe geräuschvoll hinter Kerry schloss. Sein Gesicht war unter der Kapuze seines grauen Umhangs verborgen.
"Brannon nín", sagte der Grauhaarige und machte eine ehrerbietende Geste, indem er mit der Faust gegen seine Brust schlug. "Ich habe das Mädchen gebracht."
Noch immer schien den Mann auf dem Stuhl die Karte viel mehr zu interessieren als sein neuer Gast, denn seine Reaktion bestand nur aus einer abwinkenden Geste mit der linken Hand. "Das wäre alles, Forgam," fügte er leise hinzu.
Forgam - der grauhaarige Dúnadan, der Kerry hierher gebracht hatte, zog sich in Richtung der Tür zurück und ließ Kerry etwas ratlos dort stehen. Sie sah zu, wie der Dúnadan, den Forgam Brannon genannt hatte, mit der rechten Hand eine grüne Linie auf der Karte nachfuhr und eine kleine Figur verschob, die wie eine weiße Hand gestaltet war. Als sie genauer hinsah, stellte sie fest, dass sie eine Karte des Düsterwalds vor sich hatte. Die Figur der weißen Hand stand jetzt am nordöstlichen Waldrand, ganz in der Nähe der als "Seestadt" bezeichneten Stadt der Menschen am Langen See. Auch dort waren bereits ähnliche Figuren platziert: diese waren rot und ein stilisiertes Auge war darin eingeritzt. Saurons Streitkräfte, wurde ihr klar.
Als der Dúnadan noch immer keine Reaktion auf Kerry zeigte, wandelte sich ihre Verwirrung mehr und mehr in Verärgerung. Sie stemmte die Fäuste in die Hüften und trat an den Kartentisch heran. "Du hast mich herbringen lassen, und hier bin ich," sagte sie laut und absichtlich ohne jeglichen Respekt. "Was also willst du von mir?"
Endlich hielt der Dúnadan inne und blickte auf. Noch immer lag der Großteil seines Gesichts im Schatten der Kapuze, doch Kerry glaubte, für einen Bruchteil eines Augenblicks tiefblaue Augen darunter aufblitzen zu sehen.
"Es ist unhöflich, seinen Gastgeber zu unterbrechen wenn man zur Audienz gebeten wird," sagte er leise. "Doch um deinetwillen werde ich für den Moment darüber hinwegsehen. Bitte, nimm Platz."
Foram stellte Kerry einen Stuhl hin und sie setzte sich ihrem "Gastgeber" gegenüber an den Tisch.
"Also," begann er, noch immer mit leiser, aber gut zu verstehender Stimme. "Wie soll ich dich ansprechen? Du hast in den wenigen Jahren deines Lebens viele Namen angesammelt. Déorwyn, Cynerics Tochter, das wilde Mädchen von Hochborn, Dana Weizler vom Scheunenhof, Kerevalline die Ungestüme, und zuletzt Ténawen von Haus Nénharma."
Kerrys Mund klappte auf, doch keine Worte kamen heraus. Woher weiß er...
"Überrascht?" Ein gefährliches Lächeln erschien aus den Schatten der Kapuze. "Dachtest du, die Augen des Stern des Nordens wären blind? Ich weiß genau wer du bist, und was du getan hast. Ich habe deine Ankunft schon erwartet. Aber werte das nicht als Hochschätzung. Die Geringste in deiner Gruppe bist du, keine Gefahr für die Pläne des Meisters. Jetzt, wo dein Ziehvater dich verlassen hat, bist du noch hilfloser als zuvor."
Zorn stieg in Kerry auf. "Ist es nicht ebenso unhöflich, dass du offenbar alles über mich weißt, mir aber im Gegenzug nicht einmal deinen Namen verrätst? Und sprich nicht so über Mathan - du kennst ihn nicht, und weißt nicht, welchen Aufgaben er sich nun stellen muss. Nenn mich, wie du willst! Es ist mir gleich - genau so gleichgültig, wie mir dein hochfahrendes Gerede ist."
Der Dúnadan schien belustigt zu sein. "Nun, bezüglich deines Temperaments hat der Bericht aus Eriador augenscheinlich nicht übertrieben, Kerry." Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schien den Augenblick zu genießen. Dann setzte er langsam die Kapuze ab und sagte: "Ich bin Helluin, Haldars Sohn - Stammesführer der Dúnedain und rechte Hand Cúrunir Herons."
Kerry starrte ihn an. Sie hatte bereits viel über Helluin gehört: von Rilmir, von Belen und sogar von Gandalf. Doch niemals hatte sie sich ihn so vorgestellt. Das Gesicht war jung, viel jünger als sie erwartet hatte. Zwar trug er einen kurzen Bart, doch er konnte kaum ein oder zwei Jahre älter als Kerry selbst sein. Seine Züge waren hart, und doch haftete ihnen noch immer ein Hauch von Jugendhaftigkeit an. Kerry wusste, dass Helluin im Alter von siebzehn Jahren vom Rat der Dúnedain zu ihrem Anführer erklärt worden und über Nacht zum Mann geworden war - vor seiner Zeit, wie Belen oft betont hatte. Doch damals, nachdem weder Aragorn noch Halbarad aus den Schatten Mordors nach Arnor zurückkehrten, war er der letzte aus Isildurs Linie gewesen. Die letzte Hoffnung für die Dúnedain, zumindest bis Belen aus seiner Gefangenschaft in Mordor entkam und sich in den Norden durchschlug. Doch damals war es bereits zu spät gewesen.
Helluin erwiderte Kerrys Blick und seine Augen hielten sie fest. Sie waren tatsächlich auffällig und kräftig blau, geradezu leuchtend. Leuchtend wie zwei Sterne - doch ohne jegliche Wärme. Kälte und Eis schienen von Helluins Blick auszugehen.
Endlich brach er das Schweigen. "Also, Kerry. Du hast Saruman viel Ärger bereitet. Was machen wir jetzt mit dir?"
Kerry beschloss, ihm nicht die Genugtuung zu geben und sich zu fürchten. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und antwortete: "Ihr könnt mir ihr machen, was ihr wollt. Ich habe keine Angst vor dir, Helluin."
"Oh, ich habe nicht vor, dir etwas anzutun. Nein, das bist du nicht wert. Im Gegensatz zu den Dienern Saurons habe ich keine Freude an Folter und Qual."
"Und was ist mit dem Fall Lothlóriens? Deine Leute tragen Schuld daran!"
"Ein notwendiges Opfer. Die Elben und ihre fehlgeleiteten Verbündeten mussten erkennen, dass Saruman es ernst meint. Außerdem birgt der Goldene Wald unschätzbare Ressourcen... Ressourcen, die die Elben eifersüchtig gehortet und somit vergeudet haben. Jetzt werden sie im Krieg gegen den Dunklen Herrscher eingesetzt."
Wenn Oronêl das hören könnte, würdest du deinen Kopf schneller verlieren als du "Saruman" sagen könntest, dachte Kerry zornig. Sie konnte nicht glauben, was sie da hörte. Glaubte Helluin das alles wirklich, oder waren es nur Sarumans Lügen, die seinen Verstand vergiftet hatten?
"Saruman, immer nur Saruman," presste sie wütend hervor. "Siehst du denn nicht, dass er nur seine eigene Macht im Sinn hat, und dich und den König der Waldelben nur ausnutzt?"
"Aus dir hören ich nur die Lügen Anderer sprechen," gab Helluin gelassen zurück. "Saruman hat den Waldelben ihre Heimat zurückgegeben, wie er es versprochen hat. Als nächstes sind die Menschen von Thal an der Reihe, deren König große Weisheit gezeigt hat als er sich uns bei Dol Guldur anschloss. Und auch die Galadhrim könnten schon bald nach Lórien zurückkehren, wenn sie mit Saruman zusammenarbeiten würden. Natürlich würden sie dabei helfen müssen, die Bäume dort für die Kriegsmaschinerie zu fällen, doch wie alle Pflanzen werden auch die Mellyrn nachwachsen. Es wird kein bleibender Schaden entstehen. Und was die Dúnedain angeht: Wir nehmen endlich unseren rechtmäßigen Platz als die Herren der Menschen ein. Viel zu lange haben wir das Erbe Númenors mit Füßen getreten und haben in Wäldern und Höhlen gehaust wie Wilde. Auch deine verblendeten Freunde in Fornost werden das bald verstehen. Es gibt keinen Grund für weitere Gewalt. Wenn die Worte des Meisters sie erreichen, werden sie die Wahrheit erkennen und Arnor wird sich aus den Schatten der Zeit erheben und alle Menschen des Nordens unter dem Sternenbanner vereinen."
Kerry tippte Helluin unbeeindruckt auf die Brust. "Ich sehe die Sterne, von denen du sprichst - doch in ihrem Zentrum steht die Weiße Hand. Saruman will herrschen, und zwar alleine. Er teilt seine Macht nicht."
Geradezu sanft nahm Helluin ihre Hand und schob sie von sich. "Ein Mädchen wie du kann das nicht verstehen. Du plapperst nur nach, was dir Andere eingeflößt haben. Ich weiß, dass einige Taten Sarumans auf den ersten Blick böse wirken können, aber er tut nie etwas unbedachtes. Alles folgt seinem Plan. Wenn sich die Auswirkungen zeigen - vielleicht erst in einigen Jahren - werden alle dem Meister noch dankbar sein."
"Sprich nicht mit mir als wäre ich ein Kind! Du bist kaum älter als ich," gab Kerry agressiv zurück.
"Das mag sein. Aber dir fehlt die Weisheit, die mir zuteil wurde. Wenn du mit Saruman sprechen würdest... würdest du verstehen. Du würdest alles verstehen. Und ich gebe dir die Gelegenheit dazu. Ich bin kein Unmensch. Zwar hast du dich in Eriador an vielen torhaftigen Taten beteiligt, doch ich kann darüber hinwegsehen. Du bist nur jenen gefolgt, die du für deine Freunde hieltest und hattest keine Chance, dich umzuentscheiden. Ein Mädchen, von den Schatten Mordors aus der Heimat vertrieben und vom Schicksal hart getroffen. Hättest du nicht Rilmir, sondern einen meiner Gefolgsleute getroffen, hätte alles anders kommen können. Und das kann es jetzt. Bleibe hier, und sprich mit mir. Ich werde dir helfen, wenn du mir im Gegenzug ebenfalls hilfst."
"Mit dir zu sprechen ist Zeitverschwendung," sagte Kerry, doch innerlich begann ihre Entschlossenheit zu wanken. Vielleicht ist er wie Schlangenzunge, und wünscht sich nur eine... eine hübsche Begleitung? Sollte ich mich darauf einlassen, um seine Pläne herauszufinden und sie an Oronêl weiterzugeben? Oh, was würde nur Aéd davon halten?
"Noch immer so heißblütig," sagte Helluin schmunzelnd. "Das gefällt mir. Aber keine Angst: Im Gegensatz zu Gríma habe ich nur dein Bestes im Sinne. Nun erschrick doch nicht! Oder ist das Errötung, die sich auf deinen Wangen zeigt? Nun, auch das kann ich verstehen. Was dort in deiner Zelle geschehen ist, ist nichts, das man gerne in einem Bericht seines Spions in Eriador liest. Leider sind einige Diener Sarumans nicht so zuverlässig wie man es sich wünschen würde. Aber sprechen wir nicht mehr davon; denn ich kann sehen, dass es dir nicht behagt. Reden wir lieber von deinen "Freunden" in Fornost. Wie ist die Lage in der Stadt? Wieviele Dúnedain sind dort? Haben sie vor, Bree anzugreifen?"
Kerry fühlte sich noch immer bis ins Innerste getroffen. Helluin schien all ihre tiefsten Geheimnisse zu kennen. Und dennoch will er jetzt Informationen über den Sternenbund aus mir herausholen, wunderte sie sich. Ist das eine Art Test? Sicherlich weiß er bereits genau, was in Fornost vor sich geht.... "Ich werde dir nichts verraten," sagte sie mit der wenigen Entschlossenheit, die sie noch aufbrachte.
Für einen kurzen Augenblick legte sich ein Ausdruck von Enttäuschung auf Helluins Gesicht, doch er verschwand so rasch wie er gekommen war. Der Dúnadan legte die Fingerspitzen zusammen und sagte: "Fragst du dich nicht auch, wo dein Vater ist, Kerry? Dein richtiger Vater, nicht dieser Elbling mit fragwürdigen Absichten."
"Er ist... in Rhûn," kam es über Kerrys Lippen, ehe sie sich stoppen konnte.
Helluin nickte. "Ja, das ist er. Aber du weißt nichts darüber, wo er sich dort genau aufhält und wie es um ihn bestellt ist. All das könnte ich für dich herausfinden..."
Bleib stark! Er versucht dich auf seine Seite zu ziehen, aber das darfst du nicht zulassen! Kerrys Gedanken rasten und sie bekam mit einem Mal kaum noch Luft. Sie wusste nicht, was sie tun sollte und wünschte sich, sie wäre niemals mit ins Waldlandreich gereist.
"Ich sehe, die Entscheidung fällt dir nicht leicht," sagte Helluin. "Das kann ich verstehen, immerhin geht es hier um Personen, die du mehrere Jahre als Freunde bezeichnet hast. Ich werde dir Zeit geben, über mein Angebot nachzudenken. Aber nutze die Zeit gut. Denk daran: Wenn du dich mir anschließt, werden wir zusammen Großes erreichen und du wirst noch viele wunderbare Dinge sehen. Schlägst du das Angebot aus, steht dir ein ungewisses und schlimmes Schicksal bevor. Triff deine Wahl weise, Kerry... Forgam, bring sie zurück. Es gibt jetzt andere wichtige Dinge zu besprechen."
Forgam trat aus den Schatten hervor und packte erneut Kerrys Arm, doch diesmal riss sie sich los. "Ich finde den Weg selbst," sagte sie mit fester Stimme. Und so ging sie vor Forgam her, auf demselben Weg den sie gekommen war. Daerod war verschwunden, und auch von ihren elbischen Freunden sah Kerry im Thronsaal keine Spur. In dem Zimmer, das man ihr und Mírwen zugewiesen hatte angekommen, ließ sie sich erschöpft auf das kleine Bett fallen, das an der Rückwand stand. Mírwens Fragen wehrte sie vorerst mit einem einfachen "Ich muss nachdenken" ab, als die Tür wieder ins Schloss fiel und sie erneut einsperrte.
« Letzte Änderung: 6. Okt 2017, 13:25 von Fine »
« Antwort #6 am: 1. Jul 2017, 20:50 »
Sie folgte dem steinernen Pfad vor ihr und weiter unten gurgelte das Wasser. Es ist Zeit. Keine weiteren Aufschübe oder Ablenkungen. Vor ihr in der Felswand war ein Eingang. Zu beiden Seiten standen Säulen, an dessen Front Statuen zweier Elben angebracht waren die je eine Klinge über dem Eingang hielten, wo sich diese dann kreuzten. Sie stehen noch.. Eryniel schloss die Augen und lächelte sanft. Das kleine Vordach über dem Eingang war von dichtem Efeu überwachsen, was sich über die Säulen nach unten hangelte und an den Sockeln, der beiden Wächter in ihren marmornen Rüstungen, endete.
Langsam trat sie zum Tor aus Eisen-Stangen, wie Äste verzweigt und von dessen Gestalt, und zog einen Schlüssel aus der kleinen Tasche an ihrem Gürtel. Mit ruhiger Hand steckte sie ihn in das Schloss mittig des Tors und drehte ihn eine halbe Umdrehung, bis es klickte. Tief atmete sie ein und dann wieder aus, ihre Hände griffen je eine Stange bieder Flügel und schwang sie langsam nach innen auf.
Es war dunkel in dem Raum, als sie die ersten Schritte hinein tat. Vor ihr stand, an der hinteren Wand, der große Schmiedeofen, davor der Amboss. Der Ofen war wie ein Baumstamm gefertigt worden und seine gewaltigen Ausläufe bedeckten das ganze Plafond und gingen dann in die Zimmerdecke über. Wunderschön, doch ward er so lange in dieser finsteren Kälte eingesperrt. Es ist Zeit das Feuer zu entfachen!
Eryniel trat an eine der Säulen des Eingangs, an dessen Innenseite sich ein Hacken befand mit einer Laterne daran. Nun holte sie zwei kleine weiße Steine aus ihrer Tasche, welche durchscheinend waren. Fest hielt sie beide in der Hand und konzentrierte sich darauf. Leise flüsterte sie ein paar Wörter in der Sprache der Waldelben und durch ihre geschlossene Hand strahlte ein goldenes Licht. Einen der beiden leuchtenden Steine brachte sie in der einen Laterne an, den anderen in der Laterne der zweiten Säule. Der Raum ward nun etwas beleuchtet, so dass Eryniel sehen konnte, wie es um die alte Schmiede stand. Bis auf einige Pflanzen hier und da schien noch alles da zu sein. Rechts erhob sich der Raum über zwei Stufen. Dort waren einige Gestelle für Waffen und auch an der Wand hingen Halterungen. Links befand sich eine Trennwand mit breitem Eingang. Darin fanden sich einige Regale mit Büchern und Werkzeug, sowie ein runder Tisch an der Wand mit drei kunstvollen Stühlen. Eryniel trat an den Amboss. Ihr floss eine Träne über die Wange, als sich ihre Hand um den Griff des Hammers darauf schloss. Es war der Hammer ihres Vaters, dies war seine Schmiede, sein Leben. “Savo hîdh nen gurth“, sagte sie leise.
Sie kniete sich vor dem Schlund des Ofens. Sein Feuer mochte lange geruht haben doch dies sollte nun ein Ende haben. Sie füllte ihn mit einigen Scheiten Holz, die daneben gelagert waren, und Kohlen, aus einem ebenfalls dort liegenden Sack, auf. Sie nahm ein paar Büschel Stroh und stopfte diese zwischen die Äste. Von einer Ablagefläche nahm sie zwei Feuersteine, welche sie nutze, um das Stroh zu entzünden. Sie pustete einige Male bis Flammen aufzüngelten.
Lange saß sie vor dem Feuer und lauschte dem Knistern der brennenden Zweige, die in sich zusammenbrachen. Dann ging sie zum Blasebalg an der rechten Flanke des Herds und begann Luft zu pumpen, um die Kohlen anzufachen, bis der Ofen hell glomm und genug Hitze aufgebaut hatte. Sie legte einige Kohlen nach. Das sollte reichen.
Funken flogen, begleitet vom hellen Klirren des Ambosses, als der Hammer darauf niederging.
“Du hast deine Angst also doch noch überwunden“, seine heitere Stimme ertönte von Hinten. “Ich habe gehofft, dass du sie überwältigst und dich dazu durchringst.“
Sie drehte sich um. Er stand lässig im Eingang und lehnte sich an das Tor. “Du hattest doch nicht wirklich gedacht ich würde sie einfach so verkommen lassen, Paladir?“, sagte sie vorwurfsvoll doch nicht allzu ernst.
“Nun, nicht wirklich.. Doch ich lasse mich lieber von deinen Taten überzeugen, als von dem was ich denke, dass du tun wirst. Das war seither nie das was ich erwartete.“, er lachte kurz auf.
“Vielleicht seid ihr einfach schlecht im Raten?“, absichtlich sprach sie ihn nun formell an, um ihn zu necken.
Er sprach nun ernster: “Alles in Ordnung? Ich habe dich nicht ihm Thronsaal gesehen. Fremde sind eingetroffen un..“
Sie unterbrach ihn: “Ich war dort und mir geht es gut.“
“Oh. Verzeih.“, er drückte sich von der Säule ab und ging in die Schmiede. “Wenn ich schon einmal hier bin, so kann ich dir auch etwas zur Hand gehen.“
Sie hielt ihm eine grob geformte Klinge hin. Er nahm sie entgegen und stellte sich zu ihr an den Amboss.
« Letzte Änderung: 1. Jul 2017, 20:59 von Tauriel? »
« Antwort #7 am: 8. Jul 2017, 18:11 »
Oronêls Weg führte ihn durch die immer wieder von mächtigen Wurzeln durchzogenen Gänge des Waldlandreichs, immer weiter nach oben. Am Ende einer gewundenen, kunstvoll verzierten Treppe, gelangte er in einen langen Gang, der sich wie er sich erinnerte über der großen Halle befand und sich entlang ihrer ganzen Breite zog. An diesem Gang lagen die Gemächer der königlichen Familie, wie Oronêl von seinem letzten Besuch vor so langer Zeit wusste - oben an der Spitze des Hügels, wo die Bewohner durch Fenster zwischen den Wurzeln und Stämmen der großen Bäume nach draußen über den Wald blicken konnten. Die Wände des Ganges waren mit Holz verkleidet und mit Schnitzereien, die die Geschichte der königlichen Familie über die Zeitalter zeigte, und die Geschehnisse im Waldlandreich seit seiner Gründung. Als Oronêl und Amdír vor Jahrtausenden hier gewesen waren, hatten die Schnitzereien nur ein kleines Stück des Ganges bedeckt, doch jetzt zogen sie sich beinahe die gesamten Wände entlang - und ihr Anblick schmerzte Oronêl. Auch hier oben hatten Saurons Orks gehaust. Von den Schnitzereien waren große Stücke herausgebrochen worden, es waren Kerben hineingeschlagen worden und viel war noch immer von schwarzer und roter Farbe besudelt. Flüche und finstere Worte, und das allgegenwärtige Zeichen des Roten Auges bedeckten das uralte Holz. Angesichts dieser Zerstörung vermochte Oronêl für einen kurzen Augenblick zu verstehen, wie Thranduil Saruman folgen könnte - doch im nächsten Moment dachte er daran, wie es in Lórien aussehen mochte, durch Sarumans Schuld.
Die Tür am Ende des Ganges führte in Thranduils eigene Gemächer, doch hinter der nächsten Tür zur linken befanden sich die Räume, in die man laut Malduin Finelleth gebracht hatte. Vor beiden Türen stand ein Wächter in der Rüstung der Silvan-Garde.
"Ich möchte zu Herrin Faerwen", sprach Oronêl den Wächter vor Finelleths Tür an. "Ihr meint die Späherin Finelleth?", erwiderte der Wächter, auch wenn die Worte nur widerwillig aus seinem Mund zu kommen schienen. Oronêl schüttelte den Kopf. "Nein, ich meine nicht die Späherin Finelleth. Die Späherin Finelleth ist mit mir durch Arnor und Eriador gereist und über die Hithaeglir nach Osten. Aber jetzt möchte ich Faerwen, Thranduils Tochter und Erbin des Waldlandreichs sehen."
Die beiden Wächter wechselten unbehagliche Blicke. "Ich denke nicht, dass wir..." "Der König hat uns nur befohlen darauf zu achten, dass seine T... Finelleth ihre Gemächer nicht verlässt", warf der Wächter vor Thranduils Tür, ein großer Elb mit dunkelbraunen Haaren und einer Narbe an der Schläfe, ein. "Er hat nicht verboten, dass jemand zu ihr kommt - und Herr Oronêl ist darüber hinaus immerhin ihr Vetter und gehört damit ebenfalls zur königlichen Familie."
Oronêl zog interessiert eine Augenbraue in die Höhe. So hatte er es noch nicht betrachtet - er war sich seiner Verwandschaft zu Thranduil zwar bewusst gewesen und hatte sie auch mit Bedacht eingesetzt, aber man konnte es auch so betrachten, dass er direkt der königlichen Familie angehörte. Immerhin waren seine Urgroßmutter Linwen und Thranduils Urgroßvater Malgalad Geschwister gewesen, und Oronêl hatte Thranduils Cousine geheiratet. Er wandte sich wieder dem linken Wächter zu. "Du hast es gehört - es ist euch nicht ausdrücklich verboten worden, mich - oder überhaupt jemanden - zu Faerwen zu lassen. Und außerdem bitte ich dich als Mitglied der königlichen Familie in aller Höflichkeit, mich vorbei zu lassen."
Der Wächter seufzte, und trat dann zur Seite. "Vielen Dank", meinte Oronêl, während er die Tür öffnete. "Keine Sorge, ich werde dafür sorgen, dass du deswegen keine Schwierigkeiten bekommst." Es hörte sich zuversichtlicher an, als er eigentlich war.
Der Raum war größer, als Oronêl erwartet hatte. Die Decke war hoch und von schmalen hölzernen Querbalken, die in einer Art Kuppel zusammenliefen, gestützt. Es gab nicht viele Möbel. Ein Tisch mit einigen Stühlen, ein schmales Bett unter den Fenstern an der Rückwand des Zimmers, nicht mehr. Alles sah neu und nicht benutzt aus, und ein Geruch nach frischem Holz hing in der Luft. Oronêl sah zunächst keine Spur von Finelleth, bis er ihre Stimme aus einem mit einem hellgrünen Vorhang abgetrennten Alkoven an der linken Wand hörte. "Wer ist da?" Sie klang ein wenig atemlos, und Oronêl wunderte sich, was der Grund dafür sein mochte.
"Ich bin es, Oronêl", antwortete er. "Ist alles in Ordnung?"
Finelleth stieß ein Geräusch aus, das kein bisschen nach ihr klang - man konnte es beinahe als Quieken bezeichnen. "Ja ja, alles in Ordnung... ich muss nur kurz... komm bloß nicht hier rein!" Oronêl schüttelte den Kopf, ging langsam durch den Raum und ließ sich auf einem der frisch gezimmerten Stühle nieder. "Faerwen, was bei allen Bäumen treibst du dort drin?"
"Ich versuche... deinen Rat zu beherzigen", kam die atemlose Antwort. "Ich... oh verdammt. Wie soll denn..."
"Faerwen...", sagte Oronêl langsam, und spürte, wie sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete. Während sein Blick durch den Raum geschweift war, hatte er über der Stange, die den Vorhang vor dem Alkoven hielt, die ledernen Beinkleider entdeckt, die Finelleth üblicherweise trug. "Du tust doch nicht etwa was ich denke, dass du es tust?"
"Hör auf, darüber zu scherzen!" Finelleth klang frustriert. "Ach, ich kann nicht... du musst herkommen, und mir helfen." Oronêl stand auf und ging gemächlichen Schrittes durch den Raum, während er still in sich hineinlachte. Trotz der ernsten Lage im Waldlandreich war die Situation einfach zu merkwürdig-komisch, um nicht darüber zu lachen. Er zog den Vorhang zur Seite, und sah sich Finelleth gegenüber, die nicht länger ihre übliche Lederkleidung trug, sondern ein weißes Kleid mit grünen Stickereien, dass sie vor der Brust mit beiden Händen festhielt. "Hör auf zu grinsen", fuhr sie Oronêl an. "Wie um alles in der Welt soll man dieses Teil alleine anziehen können?"
"Gar nicht", antwortete Oronêl, um eine ernsthafte Miene bemüht. "Was glaubst du, warum die meisten adligen Frauen bei den Menschen Zofen haben, die ihnen dabei helfen?"
"Das kann nicht dein Ernst sein", gab Finelleth zurück. "Das muss doch möglich sein." Oronêl zuckte mit den Schultern. "Ist es wohl auch, mit genug Übung - die dir natürlich fehlt. Schade nur, dass ich dir dabei ebenfalls nicht helfen kann... wir werden wohl jemanden holen müssen. Wie wäre es mit Kerry?"
"Du meinst das nicht ernst", stellte Finelleth fest. "Oder? Kerry würde mich das nie vergessen lassen."
"Niemals", bestätigte Oronêl, ohne eine Miene zu verziehen. "Aber zu deinem Glück habe ich gelogen - dreh dich um." Finelleth wandte ihm mit einem erleichterten Seufzer den Rücken zu, und Oronêl begann, das Kleid zu verschnüren. Es war lange her, dass er Calenwen dabei geholfen hatte, doch er hatte nicht vergessen, wie es ging. "Nie wieder tue ich das", ächzte Finelleth, als er fertig war, und wandte sich ihm wieder zu. "Ich weiß schon, warum ich als Kind irgendwann aufgehört habe, diese Dinger zu tragen."
"Und warum tust du es jetzt wieder?", fragte Oronêl, obwohl er die Antwort kannte.
"Du hast meinen Vater doch erlebt. Ich bin nicht seine Tochter, sondern die ungehorsame Späherin Finelleth. Selbst den Wachen hat er gesagt, dass sie mich so anreden sollen."
"Ich habe es erlebt", sagte Oronêl leise, und Finelleth blickte zu Boden.
"Das hier..." Sie deutete an dem Kleid herunter. "Das hier sollte... ich weiß nicht. Ihn daran erinnern, dass ich immer noch seine Tochter bin. Dass er immer noch mein Vater ist. Dass ich ihn trotz allem nicht hasse, und... dass er mich auch nicht hassen sollte."
Eine einzelne Träne löste sich aus ihrem Augenwinkel und tropfte zu Boden. Ohne darüber nachzudenken, legte Oronêl die Arme um sie, und zog sie an sich. "Wir werden es wieder gut machen", sagte er leise, während sie ihr Kinn auf seine Schulter bettete, und den Tränen für einen Augenblick freien Lauf ließ. "Wir werden deinen Vater daran erinnern, wer er ist und wer seine Freunde sind. Sei tapfer, Faerwen, wie du es immer warst." Er hielt sie fest und strich ihr mit der rechten Hand sanft über den Rücken, während sie weinte, bis Finelleth sich schließlich sanft, aber entschieden aus der Umarmung löste. Sie wischte sich mit dem Handrücken die Tränenspuren von den Wangen, und sagte: "Wenn du jemandem davon erzählst, dann... dann... dann wirst du es bereuen." Der weiche Ausdruck in ihren Augen strafte ihre drohenden Worte Lügen, und Oronêl lächelte. "Ich zweifle nicht daran", gab er zurück. "Du brauchst es nicht zu befürchten."
Im selben Augenblick schwang die Tür auf, und Thranduil trat in den Raum. Als er Oronêl sah, verdüsterte sich seine Miene kurz, doch bei Finelleths Anblick blieb er auf der Stelle stehen und für einen winzigen Moment huschte etwas ähnliches wie ein Lächeln über sein Gesicht.
"Ich kann mich nicht daran erinnern, dir erlaubt zu haben hierher zu kommen, Vetter", sagte er dann an Oronêl gewandt. "Du hast es mir auch nicht verboten", erwiderte Oronêl. "Du hast mir stattdessen gestattet, mich frei in deinem Reich zu bewegen, solange ich keine Waffen trage - und wie du siehst, bin ich vollkommen unbewaffnet."
"Ein Fehler meinerseits, sicherlich", meinte Thranduil kühl. "Ich bin eigentlich gekommen, um mit meiner Tochter zu sprechen."
"Es freut mich, dass du dich daran erinnerst wer ich bin." In Finelleths Stimme schwang ein kaum verhohlener Hauch Bitterkeit mit. "Ich hatte befürchtet, du hättest es vergessen - Vater."
"Ich habe es nicht vergessen", erwiderte Thranduil langsam, und schüttelte den Kopf. "Aber du machst es mir nicht leicht, das nicht zu tun - mit allem, was du tust. Du hättest mit mir kommen sollen, nach Dol Guldur. Wir hätten unser Volk gemeinsam in unsere Heimat zurück führen können, wie ich es nun alleine tun musste."
"Als Sarumans Diener?", gab Finelleth verächtlich zurück. "Niemals. Du und ich, wir waren beide in Lórien und haben gesehen, was er dort getan hat."
"Ein notwendiges Übel", widersprach Thranduil, doch in seiner Stimme schwang weniger Überzeugung mit als im Thronraum. "Aber ich bin nicht deswegen gekommen."
"Warum dann?", fragte Oronêl an Finelleths Stelle. Zum ersten Mal seit sie im Waldlandreich angekommen waren, wirkte Thranduil ein wenig ratlos. "Vielleicht, um meine Tochter um Verzeihung zu bitten."
Finelleth warf Oronêl einen Hilfe suchenden Blick zu, doch er war ebenso überrascht wie sie. Da sie beide schwiegen, sprach Thranduil weiter: "Ich habe im Thronsaal einige Dinge gesagt, die... falsch waren. Du bist ebenso sehr mein Kind wie Legolas es gewesen ist. Obwohl du rebellisch und stolz bist, und nicht erkennen kannst, was Curunír für uns tut."
Finelleth schwieg, anscheinend getroffen von den Worten ihres Vaters. Stattdessen antwortete Oronêl: "Saruman tut nichts für euch. Saruman tut nur etwas für sich selbst, Thranduil. Er will keine Verbündeten, er will Diener. Irgendwann wird euch das bewusst werden, doch dann wird es zu spät sein - und dann wird er euch fallen lassen und vernichten. Dich, und alle die dir folgen."
"Du hast es schon gesehen", fügte Finelleth tonlos hinzu. "Die Elben Lóriens waren einst seine Verbündeten - ganz gleich, welche Lügen er inzwischen verbreitet. Doch sie wollten nicht seine Diener sein, und so versuchte er, sie zu vernichten. Die Menschen Rohans waren seine Verbündeten in alten Zeiten. Und als sie nicht seine Untertanen sein wollten, hat er versucht, sie zu vernichten. Und glaubst du, er hat sie nach Dol Guldur aus der Güte seines Herzens gehen lassen? Er hat sie unbehelligt gehen lassen, weil er sich einen Kampf gegen sie nicht leisten konnte, doch du kannst dir sicher sein, dass er sie erneut angreifen wird, wenn er sich stark und sicher genug dazu glaubt."
"Die Lügen anderer haben euren Geist umwölkt, fürchte ich", erwiderte Thranduil. "Die Lügen derer, die nicht einsehen wollen, dass sie einen Fehler begingen als sie Curunír hintergingen und ablehnten, und die die ganze Welt ihrem Stolz opfern. Auch ich habe ihn einst als meinen Feind angesehen, doch ich habe mit ihm gesprochen, meinen Stolz überwunden und meinen Fehler eingesehen. Nur so kann diese Welt gerettet werden."
"Und aus dir sprechen die Lügen Sarumans." Oronêl schüttelte den Kopf. "Wie kannst du glauben, dass jemand wie Mithrandir, Galadriel oder Elrond Saruman aus kleinlicher Missgunst hintergehen würden, während Saurons Schatten die Welt bedroht? Es war Saruman, der sie in seiner Gier nach Macht hintergangen hat." Er hatte vieles über Sarumans Verrat gehört seit dem Fall von Lórien, denn er hatte wissen wollen, wie es dazu gekommen war. "Du sagst, die Menschen von Rohan und Gondor, die Elben von Imladris und Lindon, die Elben von Lórien wären Narren, dass sie nicht mit Saruman gemeinsam gegen Sauron kämpfen. Aber du vergisst, dass es Saruman war, der Rohan hinterrücks überfiel, während im Osten die Bedrohung aus Mordor näher rückte, anstatt an ihrer Seite gegen den Feind zu kämpfen."
"Das ist Vergangenheit", widersprach Thranduil. Noch keiner der drei hatte sich seit Beginn des Gesprächs vom Fleck bewegt, und eine deutlich spürbare Spannung lag über dem Raum. "Es wurden Fehler auf beiden Seiten gemacht, doch jetzt zählt der Kampf gegen Sauron. Curunír kämpft gegen ihn, mit all seiner Macht - und er könnte noch mehr Macht aufbieten, wenn ihr nicht in eurem kleinlichen Groll in seinem Rücken gegen ihn kämpfen würdet. Er hat Dol Guldur aus den Fängen des Feindes entrissen, mir meine Heimat zurückgegeben und als nächstes wird er den Menschen von Thal ihre Freiheit und ihren König wiederbringen."
"Saruman verspricht Geschenke an die, die ihm helfen", meinte Finelleth langsam, während sie ihren Vater nicht aus den Augen ließ. "Erinnere dich, wen man einst Annatar, den Herrn der Geschenke, nannte - und wie seine Geschichte endete."
"Ich habe einen Freund, der den Untergang von Eregion miterlebt hat", knüpfte Oronêl an ihren Gedanken an, und wünschte sich, Mathan wäre nicht nach Norden weitergezogen. Er hätte ihnen sehr dabei helfen zu können, Thranduil von seinem Irrtum zu überzeugen. "Er könnte dir viel darüber erzählen, wie Sauron Celebrimbor umgarnte, ihm geheimes Wissen und Geschenke brachte - und ihn verriet, als er hatte was er wollte. Ebenso wird es dir mit Saruman gehen. Sie sind sich ähnlich, er und Sauron."
"Niemand weiß, was die Zukunft bringt", erwiderte Thranduil, doch Unsicherheit flackerte in seinem Blick. "Das Wissen um die Vergangenheit lässt uns nicht voraussagen, was in Zukunft geschehen wird." Er schüttelte den Kopf. "Ich sehe, es ist nicht möglich, euch ohne weiteres davon zu überzeugen, dass ihr im Irrtum seid - und das bekümmert mich. Doch vielleicht gibt es eine Möglichkeit: Schon bald werden wir ein letztes Mal für Curunír ins Feld ziehen, als Teil des Handels. Wir werden an der Seite seiner Armeen nach Osten ziehen, und Thal und den Erebor aus den Klauen des Feindes entreißen. Begleitet mich, und ihr werdet sehen, dass Saruman treu zu seinem Wort steht."
Oronêl wechselte einen Blick mit Finelleth. Das war nicht der Grund, weswegen sie hierher gekommen waren - in Sarumans Armeen zu kämpfen. Und dennoch... wer konnte beiseite stehen, wenn sich die Gelegenheit bot, Sauron einen schweren Schlag zu versetzen? Schließlich nickte Oronêl langsam, und Finelleth wandte sich Thranduil zu. "Also schön, wir werden mit dir gehen - nur dieses eine Mal."
"Aber wir können nicht für unsere Begleiter sprechen", ergänzte Oronêl. "Sie alle haben Freunde oder Verwandte im Kampf gegen Saruman verloren." Er dachte an Amrûn und Rúmil, an Cúruon, Faronwe und an Forath. "Selbst du musst verstehen, dass es sie - und uns - große Überwindung kostet, an Sarumans Seite zu kämpfen."
"Selbst ich..." Ein bitteres Lächeln umspielte Thranduils Lippen. "Gerade ich kann erkennen, dass es ein Opfer ist, seine Fehler einzugestehen. Jeder von eurer Gemeinschaft der mit uns kommt, erbringt dieses Opfer, und wird sich daher frei in diesen Hallen bewegen dürfen - unter den selben Bedingungen wie du, Oronêl, und solange sie keine Verschwörung gegen mich anzuzetteln versuchen."
"Ich werde es ihnen sagen", erwiderte Oronêl. Er war sich nicht sicher, ob er Thranduil richtig verstanden hatte - der König hatte nur von einer Verschwörung gegen sich selbst geredet. Er hatte ihnen nicht verboten, im Geheimen gegen Sarumans Einfluss vorzugehen. War es Zufall oder Absicht gewesen? Thranduil nickte zufrieden. "Also dann. Ich würde gerne noch ein Wort mit meiner Tochter unter vier Augen wechseln."
"Dann werde ich euch allein lassen." Oronêl lächelte Finelleth ermutigend zu, und verließ mit leisen Schritten den Raum.
Er wählte einen anderen Weg zurück als er gekommen war, weil er hoffte, Galanthir, Angvagor oder vielleicht Eryniel zu treffen, doch er sah keinen der drei. Dafür erhaschte er, als er am Fuß einer breiten Wendeltreppe, die sich um eine Wurzel herumwand, einen Blick auf einen großgewachsenen, grauhaarigen Menschen, vor dem ein ihm sehr bekannt vorkommendes blondes Mädchen herging. Er blieb einen Augenblick stehen und rieb sich gedankenverloren die Narben an der linken Hand, wo einst seine beiden Finger gewesen waren. Was konnten die Dúnedain von Kerry wollen?
Oronêl folgte Kerry und dem Dúnadan in sicherem Abstand, doch zu seiner Enttäuschung gingen sie auf geradem Weg zurück zu dem Quartier, dass Kerry und Mírwen zugewiesen worden war, und nicht zu den Unterkünften der Dúnedain. Also würde er Kerry selbst fragen müssen, oder...
Als Kerry und ihr Bewacher ihr Ziel erreicht hatten, blieb Oronêl hinter einer Biegung des Ganges verborgen im Schatten stehen, und wartete. Es dauerte nicht lange, bis der Mensch in seine Richtung zurückkam, und im passenden Augenblick vertrat Oronêl ihm den Weg.
"Ich hatte nicht erwartet, hier unten einen der Dúnedain zu finden", sagte er scheinbar neugierig. "Was führt euch hierher?"
"Du bist doch einer von diesen Neuankömmlingen, diesen Unruhestiftern", gab der Dúnadan zurück, und seine Augen verengten sich misstrauisch. "Ich habe dich im Thronsaal beobachtet."
"Mag sein." Oronêl war nicht zufrieden. Eigentlich hatte er gehofft, der Mann würde ihn nicht sofort erkennen, aber offenbar hatte ihre Ankunft hohe Wellen geschlagen. "Mein Name ist Oronêl", stellte er sich vor. "Und du bist..."
"Forgam", knurrte der Grauhaarige. "Und ich muss jetzt weiter, ich habe noch einiges zu erledigen."
"Das wird doch sicherlich ein wenig warten können", meinte Oronêl. "Ich würde liebend gerne erfahren, was du und dein Anführer von Kerry gewollt haben können."
"Das hat dich nicht zu interessieren. Frag sie doch selbst." Er versuchte sich an Oronêl vorbeizudrängen, doch dieser hatte nicht vor, das geschehen zu lassen. Er trat Forgam mit einer raschen Bewegung die die Füße weg und rammte ihm während der Mann fiel das Knie in den Bauch, sodass Forgam hart auf dem Rücken landete. Oronêl setzte ihm einen Fuß auf die Brust und sagte ruhig: "Ich frage gern noch einmal: Was habt ihr von Kerry gewollt?"
Forgam rang kurz nach Luft, doch als er die Augen wieder öffnete, waren sie kalt und schwarz. "Ich werde dir kein Wort verraten, Elb - selbst wenn du mich töten würdest."
"Und das wäre eine unschöne Angelegenheit", erwiderte Oronêl. "Ich habe nämlich keine Waffen bei mir, und müsste meine Hände benutzen - aber du hast Glück." Er nahm den Fuß von Forgams Brust, und blickte verächtlich auf den Mann hinunter. "Sag deinem Anführer, er soll Kerry in Ruhe lassen - ansonsten wird er mehr als einen Grund haben, es zu bereuen."
Ohne ein weiteres Wort und ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich ab, und ging mit langen Schritten den Gang entlang davon.
In dem kleinen Raum stand Mírwen an einem der kleinen Fenster und sah hinaus, während Kerry mit an die Decke gerichtetem Blick auf einem der Betten lag. "Hattest du ein interessantes Gespräch mit Helluin?", fragte Oronêl sie, und Kerry richtete sich ruckartig auf. "Woher weißt du, dass..."
"Ich habe dich mit Forgam zurückkommen sehen", beantwortete Oronêl die Frage, bevor sie ganz gestellt war. "Der Schluss lag also nahe."
"Hm. Ich möchte eigentlich nicht darüber reden - ich muss noch ein wenig nachdenken", erwiderte Kerry, und Oronêl wechselte einen bedeutsamen Blick mit Mírwen. Helluin musste Kerry irgendeinen Vorschlag gemacht haben, und sie schämte sich dafür, dass sie nicht sofort abgelehnt hatte, vermutete er. Ansonsten hätte sie keinen Grund, über etwas nachzudenken und es ihren Gefährten zu verschweigen.
"Hast du Finelleth gesehen?", fragte Mírwen, und wechselte damit das Thema. Oronêl nickte. "Ich war bei ihr. Es geht an den Umständen gemessen gut - sie hat nicht vor, sich von ihrem Vater dauerhaft einschüchtern zu lassen, sondern offen zu zeigen, dass sie seine Tochter ist."
"Das klingt doch gut", stellte Kerry fest - offenbar erleichtert über den Themenwechsel. "Glaubst du, dass sie ihn davon überzeugen kann, dass er einen Fehler macht?"
"Das... wird nicht einfach werden, fürchte ich", antwortete Oronêl langsam. "Thranduil steht stark unter Sarumans Einfluss - Saruman vermischt Lügen gekonnt mit Wahrheiten und Halbwahrheiten, und zusammengenommen hört es sich an, wie die reinste Wahrheit. Aber er hat uns ein Geschäft angeboten: Wer ihn und Saruman begleitet um Thal von Sauron zu befreien und das Reich von Thal wieder zu errichten, darf sich frei hier bewegen."
"Ich... weiß nicht, ob ich das kann", sagte Mírwen, die blass geworden war. "Sarumans Kreaturen haben meinen Vater getötet. Wie könnte ich..." Oronêl trat neben sie, und ergriff ihre Hände. "Niemand wird dich dazu zwingen. Finelleth und ich werden gehen, doch euch anderen steht es frei hierzubleiben."
Mírwen blickte ihm fest in die Augen. "Selbst wenn du gehst, weiß ich nicht, ob ich... stark genug sein kann." "Auch nicht zu gehen erfordert Stärke, Mírwen", erwiderte Oronêl. "Ich werde nicht schlechter von dir denken, ganz egal wie du dich entscheidest."
"Gilt das denn auch für mich?", fragte Kerry. "Ich kann schließlich schlecht in einer Schlacht kämpfen, warum sollte ich also dabei sein?"
"Du könntest dich den Dúnedain anschließen - es wird niemanden überraschen, wenn du unter Menschen sein willst. Du könntest dich umhören, und vielleicht ein wenig Unfrieden unter ihnen stiften...", schlug Oronêl vor, doch Kerrys Miene blieb unsicher. "Ich weiß nicht... vielleicht könnte ich es versuchen."
Oronêl trat wieder zur Tür. "Ich werde versuchen, mit einigen von Thranduils Volk zu sprechen - er hat mir zwar verboten eine Verschwörung gegen ihn anzuzetteln, aber von Saruman hat er nichts gesagt..."
Er zwinkerte Kerry und Mírwen zu, und trat wieder hinaus in den Flur.
Versuche es mit der Wahrheit
« Antwort #8 am: 12. Jul 2017, 18:34 »
"Oronêl, warte." Kerry hatte sich aufgesetzt, als ihr ein Gedanke gekommen war, und sie rief nach ihrem guten Freund, da sie seinen Rat brauchen würde. Der Waldelb verharrte direkt außerhalb des Türrahmens und drehte sich langsam um. Er schien nicht überrascht zu sein, wirkte aber auch nicht so, als hätte er Kerrys Ausruf erwartet.
Kerry ging zu ihm hinüber und spähte an Oronêl vorbei in den Gang, in dem das kleine Zimmer lag das man Mírwen und Kerry zugewiesen hatte. Am Ende des Ganges war die hochgewachsene Gestalt eines Dúnedain-Wachpostens zu sehen. Rasch zog Kerry die Türe wieder zu und Oronêl trat einen Schritt beiseite, zurück in den Raum den er gerade hatte verlassen wollen.
"Ehe du gehst sollte ich dir wohl erzählen, was die Dúnedain von mir gewollt haben," sagte Kerry mit vorsichtig gedämpfter Stimme. Sie wusste zwar nicht, ob sie belauscht wurden, doch sie hatte beschlossen, bei der Angelegenheit, über die sie jetzt sprechen wollte, keine Risiken einzugehen.
"Ich hätte nicht erwartet, dass du deine Meinung so rasch änderst," meinte Oronêl mit einem belustigten Unterton. Er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen den Türrahmen.
"Du hast gesagt, ich könnte mich bei den Dúnedain, die Saruman folgen, vielleicht umhören," begann Kerry. "Ihr Anführer, Helluin, wollte Informationen von mir - Informationen über den Sternenbund und deren Ziele in Eriador. Aber ich bin mir nicht sicher, wie ernst er das gemeint hat. Er wusste furchtbar viel über mich und meine Vergangenheit. Da muss er doch auch wissen, dass ich schon lange aus Fornost fort bin und die aktuelle Lage nicht kenne."
"Vielleicht geht es ihm gar nicht um Informationen, sondern darum, seine Überredungskünste zu testen," überlegte Mírwen. "Womöglich hat Saruman ihm dies als Probe gestellt. Gelingt es ihm, dich dazu zu bewegen, sich ihm anzuvertrauen, hat er sich als würdiger Diener der Weißen Hand erwiesen."
"Ich weiß nicht recht," meinte Kerry. "Das klingt zwar möglich, aber ich hatte nicht wirklich den Eindruck dass dieser Helluin um jeden Preis nach Sarumans Anerkennung strebt. Dennoch verstehe ich einfach nicht, was er von mir will. Ich bin niemand Besonderes. Die Informationen, die ich habe, kann ihm sicherlich auch sein Spion in Eriador liefern. Will er das, was ich ihm erzählen könnte, einfach nur mit seinem eigenen Wissenstand abgleichen? Was könnte er nur..."
Oronêl, der bislang schweigend zugehört hatte, schien bei Kerrys letzten Worten noch aufmerksamer zu werden, und er unterbrach sie: "Moment mal, sagtest du Spion? Bedeutet das etwa, dass Helluin einen Informanten in Eriador hat? Gibt es womöglich einen Verräter in den Reihen des Sternenbundes?"
Kerrys Augen weiteten sich als sie verstand. Sie hatte Helluins Worte zwar gehört, verstand aber erst jetzt die genaue Bedeutung, als Oronêl sie aufzeigte. "Es muss so sein," stammelte sie, ehe sie sich wieder fing. "Er wusste, was mir im Auenland zugestoßen ist, und dass der Sternenbund Fornost befreit hat. Ich glaube fast, die Erwähnung dieses Spions ist ihm herausgerutscht, denn er sprach nur beiläufig davon."
"Ja, ich denke nicht, dass Helluin dir gegenüber freiwillig zugegeben hätte, dass er Nachrichten von einem Informanten in Eriador erhält. Das ist gut, Kerry - er hat einen Fehler gemacht, und womöglich hast du ihn dazu verleitet. Erzähl rasch, worüber ihr noch gesprochen habt!" Oronêl war dazu übergegangen, langsam im Raum auf- und abzugehen, während er sprach.
Hastig fasste Kerry ihre Unterhaltung mit dem Anführer der Dúnedain in Sarumans Diensten zusammen, und Oronêl und Mírwen nickten verstehend. "Am Ende sagte er, er könnte herausfinden, wie es meinem Vater in Rhûn ergeht und wo er sich gerade aufhält."
"Und da haben wir den Köder, mit dem er dich fangen will, wie eine Spinne einen Schmetterling in ihr Netz lockt," kommentierte Mírwen.
Oronêl stimmte ihr zu. "Ich denke, du solltest dich darauf einlassen. Du hast nichts preiszugeben, was für den Sternenbund kritisch ist. Erzähl' ihm ruhig, was er wissen will. Und sag' die Wahrheit, das wird dich schützen. Ich bin mir sicher, die Dúnedain würden eine Lüge sofort durchschauen."
"Bringe ich meine Freunde in Eriador damit nicht in Gefahr?"
"Nein, mach' dir deswegen keine Sorgen. Erinnerst du dich an die Waldläuferin, die wir am Carrock getroffen haben und die mit Ardóneth nach Imladris zurückgekehrt ist? Sie wird Belen wichtige Informationen über Helluins Pläne bringen und der Sternenbund wird bereit sein, falls die Diener Sarumans irgendetwas unternehmen. Außerdem hast du ja selbst schon erkannt, wie lange du aus Fornost fort bist. Alles, was du Helluin über den Sternenbund verraten kannst, ist jetzt mehrere Monate alt. Mit veralteten Informationen wird er nicht viel anfangen können."
"Aber das muss ihm doch auch klar sein," warf Mírwen ein. "Ich fürchte, da steckt noch etwas ganz anderes dahinter..."
"Ich glaube, ich muss dieses Risiko eingehen," entschied Kerry. "Wenn ich mich den Dúnedain anschließe, kann ich mich im Palast vielleicht schon bald frei bewegen und Finelleth helfen. Und vielleicht finde ich heraus, was Helluin vorhat."
"Vielleicht gelingt es dir erneut, ihn zu Versprechern zu verleiten," meinte Oronêl ermutigend. "Wenn dann alles geklärt ist, werde ich jetzt gehen und mit den Elben sprechen, die ich im Palast kennengelernt habe. Vielleicht finde ich etwas heraus, das uns weiterhilft."
Nachdem Oronêl verschwunden war sprach Kerry noch ein Weilchen mit Mírwen, die noch immer sehr unentschlossen war. Einerseits wünschte sich die Elbin, sich wie Oronêl frei im Palast bewegen zu können und in der Schlacht gegen die Kreaturen Saurons zu kämpfen, doch noch immer fiel es ihr schwer, dass sie sich dafür zumindest zeitweise Sarumans Dienern anschließen musste. Als Kerry merkte, dass sie Mírwen im Augenblick nicht weiterhelfen konnte, sprach sie ihr zum Abschied einen Quenya-Satz zu, den sie von Halarîn gelernt hatte: "Eleni caluva tielyanna" - Mögen die Sterne deinen Weg erleuchten.
Sie betrat den Gang, der von mehreren elbischen Lampen erleuchtet wurde. Der Dúnadan-Wächter wurde beinahe sofort aufmerksam und kam herüber. Es war nicht Daerod. "Was glaubst du, wo du hingehst, Mädchen?"
"Bring' mich zu deinem Anführer," gab sie entschlossen zurück. "Ich habe über sein Angebot nachgedacht."
Der Mann musterte sie einen langen Augenblick misstrauisch, doch dann bedeutete er ihr, ihm zu folgen. Während sie den Palast durchquerten, hielt Kerry die Augen offen. Als sie den Thronsaal durchquerten, glaubte sie, in der Ferne die rötlich-blonden Haare Eryniels aufblitzen zu sehen, doch es war zu trüb, um sich sicher zu sein. Vorsichtig hob Kerry die Hand, ehe sie dem Dúnadan durch den Durchgang folgte, der zu den Treppen zu den oberen Stockwerken führte. Und schon kurz darauf stand sie erneut vor Helluins Kartentisch.
"Das hat nicht allzu lange gedauert," kommentierte der Anführer der Dúnedain ihre Rückkehr. "Ich muss sagen, ich bin ein klein wenig überrascht, Kerry."
"Glaub' bloß nicht, dass du mich mit deinen Worten umgarnen kannst," gab sie patzig zurück. "Aber ich muss wissen, was mit meinem Vater passiert ist. Deshalb bin ich hier." Kerry hatte beschlossen, auf Oronêls Rat zu hören, und es direkt mit der Wahrheit zu versuchen. Und das tat sie - auch wenn sie natürlich einige Dinge verschwieg. Sie war hier, um Informationen über den Aufenthaltsort und den Zustand Cynerics zu erlangen, doch dies war nicht ihr Hauptanliegen. Sie hoffte, dass Helluin dennoch die Wahrheit in ihren Worten erkennen würde.
"Daher weht also der Wind," meinte dieser und lehnte sich zufrieden in seinem Stuhl zurück. "Nun, es hätte mich auch gewundert, wenn du dich ganz plötzlich entschieden hättest, dich unserer Sache anzuschließen ohne etwas davon zu haben. Es geht dir um deinen Vater - das kann ich nachvollziehen. Aber ich bin mir sicher, dass du schon bald erkennen wirst, warum wir tun, was wir tun, und dann wirst du verstehen, worum es bei all dem wirklich geht. Spätestens wenn du mit Saruman gesprochen hast wird es dir klar werden."
"Ist er hier?" entfuhr es Kerry erschrocken.
"Er macht dir Angst, nicht wahr?" Ein gemeines Lächeln breitete sich auf Helluins Gesicht aus. "Das sollte er auch. Seine Macht wächst jeden Tag und wird schon bald unaufhaltsam sein. Du wirst es selbst sehen, wenn er den Leutnant Saurons, den Schatten des Ostens, am Erebor zerschmettert. Sarumans Streitmacht sammelt sich am Ostrand des Waldes und er selbst ist dort vor Ort, um den Angriff vorzubereiten. Wir werden uns ihm dort schon bald anschließen, wenn das Heer der Elben Thranduils abmarschbereit ist."
Kerry schluckte. Sie wollte nicht in Sarumans Nähe kommen. Doch wenn sie mit den Dúnedain ginge, würde es wahrscheinlich dazu kommen. Also rief sie sich erneut ins Gedächtnis, weshalb sie das hier tat: um Finelleth dabei zu helfen, ihre Heimat von Sarumans Einfluss zu befreien. Und wenn als Nebeneffekt des Ganzen den Dienern Saurons am Erebor ein schwerer Schlag versetzt wurde, was konnte das schon schaden?
"Aber jetzt zu dir, Kerry," sagte Helluin und riss Kerry aus ihren Gedanken. "Oder hast du etwa vergessen, was ich von dir wollte? Mein Angebot ist großzügig, doch ich fordere dennoch eine Gegenleistung. Sag mir, wie es um den Sternenbund in Eriador bestellt ist, und was diese Abtrünnigen vorhaben."
"Also gut. Ich werde dir sagen, was ich weiß. Aber du musst wissen, dass ich Fornost schon vor vielen Wochen verlassen habe."
Helluin nahm diese Information mit einem wissenden Nicken hin und bedeutete ihr, weiterzusprechen. Und das tat Kerry. Sie berichtete von der Schlacht um Fornost und der Lage, in der sich die Stadt danach befunden hatte. Sie erzählte Helluin, wer in den Kämpfen gefallen war und wer überlebt hatte und bestätigte ihm, dass Lutz Farnrich, der Verstärkung aus Bree und Tharbad gebracht hatte, nun ein Gefangener des Sternenbundes war.
Ihr Gegenüber stellte hin und wieder Zwischenfragen zu einzelnen Personen und Ereignissen, die Kerry nicht sonderlich wichtig vorkamen und die sie nach bestem Wissen beantwortete. Als sie ihren Bericht beendet hatte, lehnte Helluin sich in seinem Stuhl leicht vor und fragte: "Und was ist mit dem Zauberer? Du hast Gandalf erwähnt - wo ist er jetzt?"
"Er ging nach der Schlacht um Fornost fort, denn er wollte sich ausruhen und nicht länger in der Stadt bleiben," antwortete Kerry wahrheitsgemäß. "Ich wurde entführt, ehe ich mit ihm darüber sprechen konnte, wo sein Ziel lag."
"Dann muss er wohl ins Auenland zurückgekehrt sein, um dort bei seinen Halbling-Freunden Ruhe zu finden," mutmaßte Helluin. Doch etwas Anderes schien Helluins Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Entführt sagst du? Du hast Fornost also nicht freiwillig verlassen?"
"Das war Laedors Werk," sagte Kerry und fasste ihre Entführung nach Carn Dûm in einigen raschen Sätzen zusammen. Helluins Fragen dazu bezogen sich vor allem auf Laedor und auf die Schlacht um Carn Dûm; an Kerrys weiterer Reise schien er kein Interesse zu haben. Als er von Laedors Tod erfuhr, nickte er zufrieden. "Er war ein fanatischer Narr. Ein guter Kämpfer, keine Frage, aber zerfressen von Rachsucht und geblendet von seinen selbstsüchtigen Zielen. Sein Tod ist bedeutungslos. Wichtig ist nur, dass Carn Dûm die Schlacht überstanden hat und der Vormarsch dieser Gundabad-Maden aufgehalten wurde."
"Ich habe dir all deine Fragen beantwortet," sagte Kerry. "Habe ich jetzt meinen Teil der Abmachung erfüllt?"
Helluin machte eine rasche Geste mit der Hand, und der Waldläufer Forgam trat aus den Schatten hervor. "Forgam, was meinst du - hat sie die Wahrheit gesagt?"
"Ich sah keine Lüge in ihren Augen. Hätte sie etwas versucht, wäre es uns sofort aufgefallen. Dennoch verstehe ich nicht, weshalb sie hier ist. Sie ist nur ein Mädchen, das -"
"Das genügt. Gib den Wächtern Bescheid, dass Kerry sich auf meine Anordnung frei im Palast bewegen darf," unterbrach Helluin seinen Gefolgsmann. Dieser warf Kerry einen letzten mürrischen Blick zu, ehe er sich entfernte um Helluins Befehl auszuführen.
Kerry hatte es gar nicht gefallen, dass in ihrer Anwesenheit über sie gesprochen wurde, als wäre sie gar nicht da. Doch Helluin schien ihre Verärgerung zu ignorieren. "Wenn du versuchst, mich anzulügen, werde ich es merken, und dann ist unsere Abmachung dahin, Kerry," sagte er während er sich von seinem Stuhl erhob. "Weil du mir die Wahrheit gesagt hast, darfst du das Zimmer, das man dir gegeben hat, jetzt jederzeit verlassen, aber halte dich nicht allzu lange damit auf, den Palast zu erforschen. Wir werden schon bald aufbrechen, und ich erwarte, dass du mit mir kommst und in meiner Nähe bleibst."
"Ich werde dir in der kommenden Schlacht nicht von großem Vorteil sein," gab Kerry wahrheitsgetreu zu.
"Das sehe ich. Ich werde schon dafür sorgen, dass dir nichts geschieht. Und ich werde mich nach deinem Vater umhören, wie ich es versprochen habe - wenn du mir weiterhin treu bleibst."
"Ich werde Saruman niemals dienen," stellte sie klar. "Ich tue das nur für meinen Vater."
Helluin kam um den Tisch herum und stellte sich unangenehm nahe vor sie. "Oh, das verstehe ich durchaus, Kerry. Dennoch wirst du außerordentlich nützlich für mich sein. Und wenn du erst mit dem Vielfarbigen gesprochen hast... wirst auch du verstehen." Einen Augenblick blieb er so stehen und ihre Blicke trafen sich. Unwilkürlich musste Kerry an Aéd denken, der sich gerade jetzt in Dunland den Herausforderungen seines Daseins als Wolfskönig stellen musste. Doch dann trat Helluin einen Schritt zurück und wandte ihr den Rücken zu. "Geh jetzt. Es gibt noch viel zu tun. Halte dich bereit zum Aufbruch - er wird bald kommen."
Damit war sie entlassen und atmete erleichtert auf.
Sie verließ Helluins Raum und schloss die Türe hinter sich. Zu ihrer Rechten stand Daerod, mit Schild und Speer bewaffnet. Er nickte Kerry zu, schien im Augenblick jedoch ansonsten nicht ansprechbar zu sein. Etwas unentschlossen blickte sie sich in dem Gang um, in dem sie stand. Erst jetzt fiel ihr die kunstvolle Schnitzerei auf, die die der Tür gegenüberliegende Seite des Ganges in seiner gesamten Länge bedeckte. Kerry warf einen Blick nach rechts, wo es zur Treppe und zurück zum Thronsaal ging, und dann nach links, wo der Gang ein ganzes Stück geradeaus weiterführte und wo auf derselben Seite wie Helluins Tür einige weitere Türen zu sehen waren. Ganz am Ende war eine Tür am fernen Ende des Ganges, vor der ein elbischer Wächter in prunkvoller Rüstung stand. Und während Kerry noch dorthin blickte öffnete sich die letzte Tür auf der Seite, und der Elbenkönig selbst kam heraus. Er bemerkte sie beinahe sofort und für einen kurzen Augenblick trafen sich ihre Augen. Doch dann wandte Thranduil sich ab, und verschwand durch die große Tür am Ende des Ganges, als sein Wächter respektvoll beiseite trat.
Neugierig geworden durchquerte Kerry den Gang. Sie hatte nicht vor, mit dem Waldlandkönig zu sprechen, doch vielleicht konnte sie ihre neue Bewegungsfreiheit bei seinen Wächtern auf die Probe stellen. Es waren zwei elbische Gardisten, denn auch vor der Tür, aus der Thranduil gekommen war, stand eine in bronzefarbene Rüstung gehüllte Gestalt mit griffbereiten Waffen.
"Kehre um," sagte der Gardist vor Thranduils Tür. Er war hochgewachsen und besaß dunkles Haar und eine auffällige Narbe an der Schläfe.
"Die Dúnedain haben mir zugesagt, dass ich mich hier frei bewegen darf," entgegnete Kerry unbeeindruckt.
"Sie sprechen nicht für meinen König. Dies ist sein Rückzugsort. Du bist hier nicht willkommen, Mensch."
Die zweite Tür stand noch immer offen, denn weder Thranduil noch der andere Gardist hatten sie geschlossen. Und durch die Tür drang in diesem Moment eine sehr bekannte Stimme, die eine Sprache verwendete, die Kerry nicht verstand: "Leithio í-velneth!"
Sofort gab der Gardist den Weg frei und Kerry trat ein. Dort, inmitten eines weitläufigen, aber nur wenig eingerichteten Raumes, stand Finelleth. Sie war es - und auch wieder nicht. Denn von der Kundschafterin, die sie die meiste Zeit über gewesen war, sah Kerry in jenem Moment nichts. Vor ihr stand eine Elbin, die sie eher an Faelivrin erinnerte und von der eine ehrfürchtige Aura ausging. Das weiße Kleid, das sie trug, war mit grünen und goldenen Stickereien besetzt und ihr Haar war nicht geflochten, sondern fiel in breiten Strähnen zu beiden Seiten ihres Kopfes herab. Vor Kerry stand Faerwen, die Prinzessin des Waldlandreiches.
Und dann verging der Augenblick und Kerry sah wieder Finelleth vor sich, der die Situation sichtlich unangehem war. Kerry sah ihr deutlich an, wie ungewohnt es für sie war, ein Kleid zu tragen und ihren Wachen Befehle zu erteilen. "Nun schau' mich nicht so an," sagte sie und ergriff Kerrys Hand; zog sie rasch weiter in den Raum herein und außer Hörweite der Türe. "Ich komme mir noch vor wie eine Statue, wenn du weiter so starrst."
"Aber Finelleth - das ist wunderschön!" sagte Kerry während sie ihre Freundin weiterhin staunend betrachtete. "Du bist wunderschön! Wieso trägst du so etwas nicht öfter?"
"Weil es sehr unpraktisch ist und ich es kaum alleine anziehen kann," erwiderte Finelleth. "Oronêl musste mir dabei helfen, und er konnte sich das Lachen dabei kaum verkneifen."
"Das kann ich mir vorstellen", sagte Kerry. "Hast du noch mehr solche Kleider?"
Finelleth machte ein leidvolles Gesicht. "In meiner Jugend hatte ich mehr, als ich zählen konnte. Ich weiß nicht, wieviele die Plünderung dieser Hallen überstanden haben. Ich... habe noch nicht im Kleiderschrank nachgesehen."
"Was?" Kerry riss sich augenblicklich von Finelleths Anblick los und sprang zu dem neu aussehenden großen Schrank hinüber, der neben Finelleths Bett stand. Zu ihrer Enttäuschung waren jedoch nur wenige Kleider darin zu finden; nicht mehr als ein Dutzend.
"Was tust du überhaupt hier, Kerry?" wollte Finelleth wissen, während Kerry den Inhalt des Kleiderschranks auf dem Bett ausbreitete. Rasch erzählte sie der Waldelbin von den Ereignissen und dem Plan, den sie mit Oronêl bezüglich Helluin geschmiedet hatte. Als sie fertig war, war auf Finelleths Gesicht ein entschlossener Ausdruck erschienen. "Es wird wirklich Zeit, dass diese Dúnedain-Verräter aus den Hallen meines Volkes verschwinden. Ich hoffe, du findest etwas heraus, das uns bei unserem Vorhaben helfen wird. Wenn die Schlacht gegen Saurons Streitmacht erst geschlagen ist, können wir meinen Vater vielleicht davon überzeugen, sich von Saruman loszusagen."
"Ich sah, wie er dein Zimmer verlassen hat, kurz bevor ich herkam," meinte Kerry. "Habt ihr... ich meine, habt ihr miteinander gesprochen? Oder war es ein Streit?"
"Nein, wir haben uns nicht gestritten. Das haben wir bereits im Thronsaal getan, als uns alle sehen konnten. Oronêl war vor einiger Zeit hier, doch nachdem er gegangen war, haben mein Vater und ich... geredet. Und geschwiegen. Wir haben einige wertvolle Minuten miteinander verbracht, als Vater und Tochter. Ich verstehe jetzt, welch schwere Bürde auf ihm lastet. Denn ich beginne, sie ebenfalls zu spüren. Seine Gründe, sich Saruman anzuschließen, sind mir klarer und nachvollziehbarer geworden."
"Du wirst doch nicht..."
"Nein, Kerry. Ich werde der Weißen Hand niemals dienen, ebensowenig wie Oronêl. Nicht nach dem, was er im Goldenen Wald getan hat. Aber ich kann meinen Vater jetzt verstehen, wenn ich auch seinen Entscheidungen nicht zustimme."
Finelleth seufzte leise. "Jetzt muss mein Volk ein letztes Mal für Saruman in den Krieg ziehen. Mein Vater hat bereits den Befehl an seine Hauptleute gegeben, sich bei ihm zu versammeln. Und wenn die Schlacht geschlagen ist, dann... dann werden wir sehen, wie es weitergeht."
Eine Pause trat ein, in der Kerry und Finelleth schweigend nebeneinander auf der Kante des Bettes saßen. Finelleth schien noch immer Probleme mit ihrer neuen Rolle zu haben, doch Kerry spürte, dass ihre Freundin für den Augenblick zurechtzukommen schien. Es musste die anstehende Schlacht sein, die Finelleth weitermachen ließ. Dort konnte sie das tun, was sie all die Jahre getan hatte: Sie würde kämpfen.
"Du musst nicht fragen," sagte Finelleth in die Stille hinein. "Such' dir ruhig eins aus. Ich werde bei diesem Kleid bleiben... ich kann es sowieso ohne Hilfe kaum ablegen."
Sie lachten herzlich, und dann umarmte Kerry Finelleth fest. "Komm bloß nicht auf die Idee, in der Schlacht zu sterben," drohte sie, ehe sie aufsprang. "Ich nehme das Blaue, wenn du erlaubst - Majestät."
Finelleth seufzte. "Wenn du schon darauf bestehst, eine solche Anrede zu verwenden, musst du schon Araniel ó Ardheryn sagen," korrigierte sie. "Du kannst dich hinter dem Vorhang dort umziehen, wenn du es ohne Hilfe hinbekommst."
"Nun, dafür habe ich ja dich, Araniel."
Wenige Minuten später verließ Kerry Finelleths Gemach, ihre Reisekleidung im Arm tragend. Sie machte sich auf den Rückweg zu Mírwen, um ihr von den Geschehnissen zu erzählen und auf Oronêls Rückkehr zu warten...
« Letzte Änderung: 6. Okt 2017, 15:03 von Fine »
« Antwort #9 am: 20. Jul 2017, 13:48 »
Auf seinem Weg durch die Hallen des Waldlandreichs traf Oronêl auf viele Elben, mit denen er sprach. Nicht nur Krieger und Kriegerinnen waren Thranduil zurück in seine Heimat gefolgt, sondern, seit Saurons Streitkräfte vertrieben worden waren, auch viele andere. Die meisten dieser Nachzügler sahen das Bündnis mit Saruman zwar als notwendig, doch als notwendiges Übel. Viele, mit denen Oronêl sprach, äußerten Bedenken darüber, an Sarumans Seite weiter nach Osten, gegen den Erebor zu ziehen, und hätten es lieber, Thranduil und seine Krieger würden in der Heimat bleiben.
Anders sah es bei jenen aus, die bei Dol Guldur und hier im Waldlandreich gegen Saurons Orks gekämpft hatten. Bei ihnen spürte Oronêl die Auswirkungen von Sarumans Reden viel stärker. Die meisten sahen sich in der Schuld des Zauberers und würden bereitwillig weiter an seiner Seite kämpfen.
"Nicht ihr steht in Sarumans Schuld", versuchte Oronêl einem hochgewachsenen Bogenschützen zu erklären. "Sondern er in unserer - seit Lórien. Er hat den Elben eine Heimat genommen, und ihnen dafür eine zurückgegeben, und selbst das genügt nicht, um das Unheil auszugleichen, dass er angerichtet hat."
"Aber waren es nicht die Noldor, die Curunír zum Angriff auf Lórien zwangen?", wandte sein Gegenüber ein. "Die Demütigungen und Missachtung, die Galadriel ihm zufügte, und die Ränke, die sie gegen ihn schmiedete?"
Oronêl schüttelte den Kopf. Diese Lügen hatten sich tief in den Verstand derjenigen gegraben, die Saruman seit Aldburg folgten. Dennoch, es bestand Hoffnung, denn nicht alle unter Thranduils Gefolgsleuten waren Sarumans Worten vollständig verfallen. Einige, deren Geist stärker und wacher war, schienen in der Lage zu sein, seine Lügen als solche zu durchschauen, oder zumindest nicht jedes seiner Worte für bare Münze zu nehmen. "Warst du in Lórien, nach dem Fall des Waldlandreiches?" Der andere Elb nickte. "Dann hast du die Herrin Galadriel gesehen. Und dann solltest du wissen, dass sie niemand ist, der danach strebt anderen zu schaden, oder die Ränke gegen ihre Verbündeten schmiedet. Das ist Sarumans Art. Geh nach Rohan, und frag die Leute dort nach Sarumans Vertrauenswürdigkeit."
"Ich... weiß nicht, was ich glauben soll", gestand der andere ein. "Du sprichst überzeugend und als ob du glaubst, was du sagst, aber... das tut der Zauberer auch. Und er hat uns unsere Heimat zurückgegeben, nicht du oder Galadriel. Es tut mir leid, aber... ich kann dir jetzt nicht glauben."
Oronêl unterdrückte einen frustrierten Seufzer, erwiderte aber: "Ich kann dich nicht dazu zwingen. Ich bitte dich nur, aufmerksam zu beobachten, und dich zu fragen, ob Saruman wirklich die reine Wahrheit sagt."
In der großen Halle traf er auf Galanthir und Angvagor, die ein einer dämmrigen Ecke leise miteinander sprachen. Als Oronêl zu ihnen trat, blickten sie auf und entspannten sich sichtlich, als sie ihn erkannten. "Oronêl", begrüßte Galanthir ihn. "Wir sprachen gerade über Finelleth."
"Sie hat sich verändert, seit wir sie bei Dol Guldur das letzte Mal sahen", fuhr Angvagor fort. "Und wir fragen uns... ist sie zurückgekehrt, um Anspruch auf den Thron zu erheben?"
Oronêl schüttelte den Kopf. "Nein, ich denke nicht. Sie hat einiges über Verantwortung gelernt, aber auch einiges über sich selbst und ihren Vater. Sie ist zurückgekommen, weil sie das Waldlandreich nicht länger in Sarumans Händen sehen will - denn das ist es, täuscht euch nicht. Die Krone ihres Vaters will sie nicht, denn sie weiß, was sie dafür für einen Preis zahlen müsste."
"Ich wünsche Thranduil nichts schlechtes", meinte Angvagor. "Aber trotzdem... ich wäre froh, wenn sie hier das Sagen hätte. Dann würden wir diese sogenannten Dúnedain los, und den Rest von Sarumans Brut ebenso."
"Angvagor...", sagte Galanthir leise. "Gib acht was du sagst. Ohne den Zauberer wären wir nicht hier. Ohne den Zauberer würden hier noch immer Saurons Orks hausen."
"Und ohne den Zauberer könnten wir noch immer im Goldenen Wald sein", gab Angvagor zornig zurück. "Ich sage euch, es war ein Fehler, uns mit ihm zu verbünden - oder uns ihm zu unterwerfen?"
"Es hilft nichts, uns untereinander zu streiten", kam Oronêl einer möglicherweise scharfen Antwort Galanthirs zuvor. "Galanthir, wenn du Finelleths Freund bist, bitte ich dich nur um eines. Halte deine Augen offen, und beobachte. Vielleicht wirst du etwas erleben, das deine Sicht verändert."
"Um Finelleths Willen werde ich das tun", meinte Galathir mit einem traurigen Lächeln. "Denn weißt du, selbst wenn ich überzeugt bin, dass ihr Vater das richtige tut wenn er Saruman folgt... Wenn sie mich ruft, würde ich ihr auf jedem Weg folgen."
Nach der Begegnung mit Galanthir und Angvagor wanderte Oronêl eine Weile ziellos umher. Von ihm selbst unbemerkt führte ihn sein Weg schließlich auf einen steinernen Pfad, unter dem das Wasser des Waldflusses schnell dahin floss. Am Ende des Pfades kam er an ein eisernes Tor, zu dessen Seiten zwei steinerne Elbenstatuen Wache hielten. Von dem Vordach über dem Tor aus wuchs Efeu über die Wände und zu den Sockeln der Statue hinunter, und aus dem Tor drangen ein flackernder Lichtschein und das Geräusch von Metall auf Metall. Eine Schmiede, wurde Oronêl klar, und aus einem Anflug von Neugierde heraus trat er durch das Tor.
« Antwort #10 am: 2. Aug 2017, 15:11 »
Paladir hielt den Eisengriff fest in der Hand und die Klinge lag waagerecht auf dem Amboss. Eryniel hob den Arm, in der Hand den Schmiedehammer. In einer fließenden Bewerbung ließ sie ihn auf das Metall niedersausen. Der helle Ton zerriss die Luft und hallte von den Wänden zurück. Er drehte das Eisen und sie setze zum nächsten Schlag an. Paladir liefen Schweißperlen über die Stirn – die Hitze des Ofens brachte die Luft zum flimmern.
"In das Wasser" Paladir tat wie ihm geheißen. Die glühende Klinge kühlte zischend aus. Er hielt das Schwert in der Hand und musterte es, dann schwang er es einmal durch die Luft. "Fühlt sich gut an."
Eryniel legte den Hammer bei Seite und wischte sich mit einem Tuch über das Gesicht. "Fühlt sich gut an, wieder hier zu sein. Ich hätte gar nicht so lange warten müssen."
"Du bist nun hier.", er hielt ihr den Schwertgriff hin. Eryniel legte es auf eine Halterung, auf der bereits einige andere einen Platz gefunden hatten. Sie drehte sich zu Paladir um "Ich danke dir für deine Hilfe. Ich denke, es wäre nur angemessen, wenn du dir eine Waffe deiner Wahl aussuchst. Auch wegen meinem Zimmer.. Du bist ein guter Freund.", sie machte eine weitläufige Geste mit der Hand. "Bitte, such dir etwas aus."
Paladir lächelte "Da hat es sich ja doch gelohnt!", scherzte er. Er stieg auf die kleine Erhöhung und sah sich die Schwerter, Dolche, Speere und Rüstungsteile an. Er schien sich Gedanken über seine Wahl zu machen und runzelte nachdenklich die Stirn. Ohne den Blick von den Regalen zu heben, begann er eine Frage: "Weißt du noch? Unser erster Kampf..", es schien beiläufig zu klingen.
Eryniel musste kurz lachen, nahm sich dann aber wieder zusammen "Natürlich, du warst ganz wild darauf die Neue zu prüfen. Und ich muss sagen, eine Prüfung war es sehr wohl," sie schluckte das Kichern runter, aber klang immer noch reichlich belustigt. "Doch viel mehr für dich."
Jetzt drehte sich Paladir zu ihr und warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu. "Ja, lach nur. Ich war vielleicht etwas zu sorglos gewesen und es kann sein, dass ich dich nicht so hätte schonen sollen.", er lächelte wieder. "Um auf meine Frage zurückzukommen: Weißt du noch, welches Schwert du geführt hast ?"
Eryniel war etwas überrascht. "Ja, es liegt bei denen dort hinten.", Sie zeigte auf die andere Seite des Raumes, Richtung des Nebenraums.
"Würdest du es bitte holen?"
"Natürlich." Sie ging an einen Ständer und griff nach dem Schwert. Aus Silber gefertigt, doch dunkler - beinahe schwarz. Sie trat wieder in den großen Raum. "Dieses hier?"
Er lachte und rieb sich die Schulter. "Genau das!"
Eryniel musste sich daran erinnern, wie ihr erster Tag bei der Silvan-Wache gewesen war: Sie war in den weitläufigen Trainingsraum gekommen und hatte aufmerksam zugesehen, wie sich einige Elben Duelle lieferten. Sie war die jüngste gewesen und sollte heute zeigen, wie weit sie war. Unter den vielen Kriegern war ihr ein stattlicher Elb aufgefallen. Er war in einen Kampf mit gleich zwei anderen Gegnern vertieft. Gekonnt entwaffnete erst den einen, blockte den Hieb des anderen hinter sich und klirrend fiel auch dessen Waffe zu Boden.
Sie hatte sich zu einigen Zuschauern am Rand des Übungsfeldes gestellt. Nicht schlecht..
Der junge Mann trat an die Seite einer Wache, welche ihren Blick über die Versammlung schweifen ließ. "Ihr! Ich meine euch!", er winkte die Elbe zu sich. "Ihr seid als nächste an der Reihe."
Eryniel hatte sich bereits auf den Befehlston eingestellt, welchen sie nun öfters vernehmen würde.
Sie trat zu den beiden und nahm Haltung ein.
"Er wird dein Gegner sein." , er sprach etwas leiser zu dem Kämpfer. "Und nehme dich etwas zurück. Keine Verletzungen." Der Elb nickte.
Beide nahmen ihre Plätze, sich gegenüber, ein. Der Elb lächelte sie an "Gebt euer Bestes."
Eryniel nickte, entschlossen seinen Rat zu befolgen. Auf das Zeichen der Wache begannen sie. Im folgenden Duell hatten sich beide einen beeindruckenden Schlagabtausch geliefert, doch Eryniel hatte schnell die Oberhand gewonnen. Auch wenn ihr Rivale stärker war, hatte sie dies mit ihrer Geschwindigkeit ausgleichen können. Der Kampf endete mit einem Schlag auf die Schulter ihres Kontrahenten, für den sie den Griff ihres Schwertes benutzt hatte. Sie half dem am Boden Liegenden auf.
"Mein Name ist Paladir", er rieb sich immer noch die Schulter, aber hatte gelächelt.
Viel Zeit war seither vergangen und sie waren beide gute Freunde geworden. Und genau nach dem Schwert, mit dem sie ihn damals besiegt hatte, verlangte Paladir nun.
"Du sollst es haben."
Er nahm es entgegen und beide lachten.
Paladir zog sich sein graues Hemd über den Kopf und stand plötzlich mit freier Brust vor ihr. "Dann Mal wieder an die Arbeit."
Angeber, dachte sie sich, als sie ihm wieder zur Schmiede folgte.
Paladir hatte erst einige Male auf ein neues Stück Eisen gehoben, als jemand durch das Tor in die Schmiede trat.
Das Licht fiel in ein, von einer langen Narbe durchzogenes, Gesicht. Sein schulterlanges Haar schien nun in einem warmen Braun. Er schaute sich etwas unsicher um, bis er Eryniel sah.
"Verzeiht mein Eindringen, doch hättet ihr vielleicht ein Moment Zeit für mich?", sagte er höflich.
Eryniel warf Paladir einen kurzen Blick zu und legte dann ihre Arbeit beiseite. Sie drehte sich zu dem Elben, welchen sie vorher im Thronsaal und am Tor gesehen hatte. "Ihr seid einer der Gefährten von Kerry und Faerwen. Euer Name war Oronêl, wenn ich mich nicht täusche...Sprecht." sie musterte den Elb.
Er nickte leicht "Und ihr seid Eryniel, eine Späherin der Wache König Thranduils – Ich hatte nicht gewusst, dass ihr außerdem in der Schmieden arbeitet." Er sah sich wieder im Raum um.
"Eigentlich arbeite ich auch nicht hier..", sie war kurz im Gedanken versunken. Paladir legte ihr eine Hand auf die Schulter und Eryniel erwachte wieder. "Aber das tut jetzt nichts zur Sache." Sie sah Oronêl nun ganz unverhohlen in die braunen Augen. "Was wollt ihr?"
Der Elb schien sorgfältig abzuwägen, was er sagte. "Ich... wollte euch nicht bei eurer Arbeit stören.", sagte er zögerlich. "Ich hatte euch am Tor bei unserer Ankunft bemerkt und nach dem was ich vernommen habe, scheint ihr eine der Wenigen zu sein, die nicht mit dem Bündnis Sarumans einverstanden sind." Eryniel hatte dergleichen erwartet.
"Eryniel!", Paladir machte ein Schritt nach vorne. Er machte Anstalten sie zurückzuhalten. "Bedenke, was du jetzt sagst. Wir kennen ihn nicht.." Er schien besorgt.
Eryniel winkte ab und Paladir war sicher nicht begeistert, doch schwieg er.
"Ihr habt Recht. Ich bin nicht damit einverstanden und ihr solltet langsam zum Punkt kommen. Ich hörte, was im Thronsaal sagtet. Ihr seid kaum gekommen, um zu plaudern." Sie wollte nicht länger warten.
Oronêl atmete tief durch. "Ihr habt Recht, ich bin nicht zum Plaudern gekommen." Er warf Eryniel und Paladir einen festen Blick zu. "Wisst ihr, dass wir in Kürze gegen Thal und den Erebor ziehen?"
Beide nickten. Sie hatten bereits davon gehört, dass nötige Vorkehrungen getroffen wurden und beide hatten das Aufrüsten Sarumans beobachten können.
"Ich werde zuvor nichts gegen Saruman unternehmen, doch wenn dies vorüber ist..." Oronêl senkte die Stimme. "Wenn dies vorüber ist, werde ich Hilfe brauchen. Einer allein wird Thranduil niemals von den Lügen des Zauberers befreien können – dem Fehler dieses Bündnis eingegangen zu sein." bedauern schwang in seiner Stimme mit. Zugleich flammte ein kleiner Schimmer von Hoffnung in seinen Augen auf. "Aber wenn sich sein Volk dazu entscheidet, dem Verräter Saruman nicht länger zu gestatten, sie zu beherrschen und ihr Reich zu befreien, so könnte es gelingen, den König von dem schädlichen Einfluss seiner Worte zu befreien. Es könnte gelingen.", den letzten Satz sagte er vielmehr zu sich selbst. "Werdet ihr mir und meinen Freunden dabei helfen?"
Eine kleine Flamme in Mitten von tiefer Dunkelheit..
"Kein leichtes Unterfangen. Es gibt diejenigen unter uns welche meinen, dass Saruman ein Segen in der Not war, andere sehen ihn als notwendiges Übel, und wieder andere, wie ich, die ihm nicht so leicht Glauben schenken." Sie schloss die Augen. "Ich werde mich euch anschließen, wenn ihr gegen Saruman aufbegehrt." Paladir neben ihr seufzte. Er hatte wohl damit gerechnet und sah sich bestätigt in seinen Befürchtungen. "Ich werde sehen, was ich für euch tun kann. Saruman hat ganze Arbeit geleistet und es dürfte nicht leicht sein die Ketten abzuschütteln, die er uns angelegt hat..." Sie schüttelte den Kopf. "Ich will kein vermehrtes Leid unter meinem Volk, doch werden wir uns befreien müssen." Ihr war klar, dass es wohl kaum anders ginge. Saruman würde sie nicht aus einem Anflug von Großmut von seiner Kontrolle erlösen und sich selbst überlassen.
"Vermehrtes Leid unter diesem Volk ist das letzte, was ich will. Doch ich fürchte, so wird es enden, wenn Thranduil sich nicht von Saruman lossagt und erkennt, wer seine wahren Freunde in diesem Krieg sind. Denn in einem könnt ihr euch sicher sein, für Saruman sind die Elben des Waldlandreiches keine gleichrangigen Verbündeten – lediglich Mittel zum Zweck, Diener, die er nach Belieben gegen Saurons Horden ziehen lassen kann.", sagte Oronêl.
Sie wusste, dass er Recht hatte, doch eines interessierte sie wirklich sehr, da sie selbst schon oft darüber nachgedacht hatte. "Wie lautet euer Plan?"
"Einen wirklichen Plan gibt es nicht – schließlich will ich keine Rebellion anzetteln und meinen Vetter stürzen. Für den Moment genügt mir, wenn ihr mit den Leuten sprecht. Ihr seid von hier, gehört zu ihrem Volk. Vielleicht hören jene auf euch, die nicht auf mich hören wollten. Und je mehr von eurem Volk sich von Saruman abwenden, desto besser stehen unsere Chancen."
Ernüchterung, doch Eryniel war immer noch fest entschlossen. "Nun, dann werde ich tun was ich kann."
Oronêl neigte den Kopf und verabschiedete sich höflich, dann verließ er die Schmiede wieder.
"Eryniel, bist du dir sicher?" Paladir sprach wieder.
"Das bin ich mein Freund." sie sprach fest und ohne jeden Zweifel.
"Dann kannst du auf mich zählen."
« Letzte Änderung: 28. Aug 2017, 13:38 von Tauriel? »
Aufmarsch der Waldelben
« Antwort #11 am: 27. Aug 2017, 14:26 »
Zwei Tage später war es soweit. Thranduils Elbenheer hatte alle Reisevorbereitungen abgeschlossen und war zum Abmarsch bereit. Die Krieger des Waldlandreiches strömten aus dem großen Tor der unterirdischen Hallen und versammelten sich auf der Brücke davor und im Wald jenseits davon. Es waren mehr als Kerry angenommen hatte. Alle kampfbereiten Elben waren dem Aufruf ihres Königs gefolgt, ein letztes Mal in den Krieg zu ziehen und die Grenzen ihres kürzlich befreiten Reiches zu festigen, damit sie in Sicherheit leben konnten. So hatte es zumindest der Elbenkönig in einer kleinen Ansprache formuliert, und der Großteil der Waldelben schien derselben Meinung zu sein.
Kerry stand neben Finelleth und Mírwen auf einem großen Felsen, von dem sie einen guten Blick auf das Schauspiel vor den Toren hatten. Zu ihrer Linken erhob sich der bewaldete Berg, unter dem Thranduils Hallen lagen, und zur Rechten lag der Waldfluss, der zwischen hohen Klippen ostwärts rauschte. In dieselbe Richtung, in die das Elbenheer schon bald marschieren würde.
Finelleth trug eine ganz ähnliche Rüstung wie die, in die ihr Vater nun gehüllt war. Silberne, fein geschwungene Metallplatten, die ineinander griffen, bedeckten Oberkörper, Schultern und Hüften, und darunter blitzte ein matt glänzendes Kettenhemd hervor. Ihres Standes angemessen trug Finelleth einen rotschwarzen Umhang, der ihr über die Schultern fiel und kurz unterhalb des schlanken Halses von einer Spange in Form eines Baumes zusammengehalten wurde. Das Siegel ihres Hauses, dem Haus Lenwes. Schwert und Axt nach elbischer Fertigung hingen zu beiden Seiten ihres Gürtels, und in ihren gepanzerten Stiefeln und Handschuhen steckten die für sie so typischen Wurfmesser. Auch wenn sie nun kein königliches Kleid mehr trug, besaß sie noch immer eine ehrfürchtige Ausstrahlung, wie Kerry fand. Ihr Blick ging in die Ferne. Sorge und Kummer lagen darin, doch da war noch etwas anderes: Entschlossenheit. Kerry wusste, dass ihre Freundin mit aller Kraft für ihr Volk kämpfen würde und nicht aufgeben würde, bis der Schatten der Weißen Hand vom Grünwald genommen worden war.
Mírwen trug ihre aus Imladris stammende Rüstung und ihr Blick huschte hierhin und dorthin, stets von einer Seite des Aufstellung annehmenden Heeres zur anderen. Kerry wusste, wonach die Elbin suchte: Oronêl war seit dem frühen Morgen verschwunden. Inzwischen war es schon beinahe Mittag, doch von dem Waldelb war keine Spur zu entdecken.
"Er kommt schon noch," sagte Kerry beruhigend in Mírwens Richtung.
Es war Finelleth, die darauf antwortete. "Ich weiß nicht. Ich kann mir vorstellen, dass er sich in einem Spinnennetz verheddert hat und mal wieder mächtig in der Patsche sitzt. Wahrscheinlich werden wir ihn retten müssen, ehe wir zum Einsamen Berg losziehen."
Da war sie wieder, die Finelleth, die Kerry in Eriador kennengelernt hatte. Für einen Augenblick fiel die königliche Aura von ihr ab, und sie war wieder eine einfache Waldelbin, die sich nie für einen Scherz zu schade war. Doch viel zu rasch verging der Moment, und die Anspannung kehrte in Finelleths Gesichtsausdruck zurück. Sie schaute zum großen Tor herab, wo Thranduil erschienen war, auf einem prächtigen Ross reitend. Seine Rüstung blitzte silbern auf als das Sonnenlicht darauf fiel. Direkt hinter ihm kamen die Dúnedain-Waldläufer, ebenfalls beritten, die wie ein grauer Fleck aus der Masse der Elben herausstachen und Kerry erneut daran erinnerten, dass sie hier nicht hingehörten. Die meisten Elben trugen entweder leichte, aber feste Kleidung aus Leder in Grün- oder Brauntönen, oder die bronzefarbene Stahlrüstung der Düsterwaldkrieger.
Helluin erspähte Kerry beinahe sofort, als er durch das Tor nach draußen kam, und er winkte sie zu sich. Er hatte Kerry angeboten, sie mit sich zu nehmen und sie während der bevorstehenden Schlacht an einen Beobachtungsposten zu schicken, wo sie sicher war. Nach einem langen Gespräch mit Oronêl, Mírwen und Finelleth hatte Kerry schließlich zugestimmt. Es galt, das Vertrauen des Anführers der Dúnedain zu erlangen, und dafür würde es nützlich sein, auf seine Angebote einzugehen. Und wenn sie dadurch mehr über den Verbleib ihres Vaters erfahren würde, umso besser.
"Ich muss wohl los," sagte sie zu den beiden Elbinnen. "Wir sehen uns am Waldrand, wenn das Heerlager aufgeschlagen wird. Passt auf euch auf, ihr beiden."
"Du auch, Kerry," antwortete Mírwen, und Finelleth nickte ihr aufmunternd zu. "Du schaffst das schon, Kerry."
Als sie sich ihren Weg durch das Elbenheer in Richtung Helluins bahnte, fiel Kerry ein bekanntes Gesicht auf, das aus der Menge herausstach. Es war Eryniel, die ebenfalls zum Kampf gerüstet war und neben einem ähnlich gekleideten Elben stand, den Kerry nicht kannte. Die beiden unterhielten sich leise miteinander, während sie ihren Platz in den Reihen der anderen Krieger einnahmen. Doch für einen Augenblick trafen sich Eryniels und Kerrys Blicke, und Kerry nickte der Elbin leicht zu. Auch dir viel Glück in den kommenden Kämpfen, dachte Kerry. Sie war sich sicher, dass die Nachricht angekommen war.
"Du kommst spät," begrüßte Helluin sie, als Kerry bei ihm eingetroffen war. Er warf einen Blick auf ihre Ausrüstung, und nickte dann, offenbar zufrieden damit. Ihr kurzes Schwert hing an ihrer Hüfte und sie trug ihre feste Reisekleidung. Auf Finelleths Wunsch hin hatte sie sich dazu überreden lassen, ein einfaches Kettenhemd darunter zu tragen und elbische Schulterschützer anzulegen. Ein Umhang der Dúnedain vervollständigte Kerrys Ausrüstung. Sie war froh, dass sie mit den Waldläufern reiten würde, denn das zusätzliche Gewicht war ungewohnt für sie und machte das Wandern anstrengender.
"Noch ist das Heer nicht aufgebrochen," gab sie im neutralen Ton zurück. "Ich bin also nicht zu spät."
Helluin betrachtete sie einen kurzen Moment nachdenklich. Dann wandte er den Blick ab und zeigte nach Osten. "Wir werden heute Abend den Waldrand erreichen und zum Rest des Heeres des Gebieters stoßen," erklärte er.
"Und wann wird es zur Schlacht kommen?"
"Das bleibt abzuwarten. Es mag sein, dass der Feind sich aus dem Berg herauslocken lässt und uns direkt bei unserer Ankunft angreift. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass wir uns auf eine langwierige Belagerung des Erebors einstellen müssen. Ich persönlich vermute jedoch, dass wir zumindest einige Stunden Ruhe haben werden, nachdem wir das Heerlager erreicht haben. Es ist gut möglich, dass uns eine nächtliche Schlacht bevorsteht."
"Noch heute Nacht," flüsterte Kerry, auch wenn sie natürlich wusste, dass Helluin nur eine Vermutung abgegeben hatte und nicht genau wissen konnte, was geschehen würde. Dennoch versetzte sie der Gedanke an eine Schlacht im Finsteren der Nacht in eine merkwürdige Aufregung.
"Du wirst gemeinsam mit Daerod auf einem Beobachtungsposten stationieren und ihm dabei helfen, die feindliche Truppenbewegungen zu beobachten und mir davon zu berichten," erklärte Helluin weiter. Daerod, der Waldläufer, den Kerry bereits einige Tage zuvor näher kennengelernt hatte, ritt schweigend einige Reihen hinter ihnen.
Die Dúnedain folgten Thranduil nun über die Brücke, wo sich die elbischen Offiziere und Befehlshaber versammelt hatten. Auch Glorfindel und Celebithiel waren dort anwesend, beide in prächtige Schlachtrüstungen gehüllt und mit entschlossenen Mienen. Sie mochten mit Thranduils Entscheidungen nicht überein stimmen, aber dennoch würden sie an seiner Seite gegen die Orks von Mordor kämpfen.
Helluin schloss sich der letzten Beratung vor dem Aufbruch an, und auch Finelleth war inzwischen an die Seite ihres Vaters getreten. Kerry hingeben blieb bei den Waldläufern zurück, die etwas Abstand genommen hatten und darauf warteten, dass sich das elbische Heer in Bewegung setzen würde.
Nur wenige Minuten später war es bereits soweit. Thranduil und seine Tochter schwangen sich auf ihre Sättel und setzten sich an die Spitze des Heereszuges. Hörner wurden geblasen, und die Streitmacht des Waldlandreiches schlug den Weg nach Osten ein, am Waldfluss entlang in Richtung des Erebors. Kerry blickte sich suchend um, konnte jedoch noch immer keine Spur von Oronêl entdecken. Er kommt schon noch, dachte sie und versuchte, sich ein wenig zu beruhigen. Vielleicht hat er sich den Kundschaftern angeschlossen, die vor einigen Stunden vorausgeschickt wurden. Doch während sie nun unter den dichten Kronen der Bäume dahin zogen, gelang es Kerry nicht, ihre wachsende Anspannung zu unterdrücken. Schon bald würde es womöglich zu einer große Schlacht kommen, und diesmal würde es keine Mauer geben, die Kerry von den Feinden trennte. Diesmal war kein Gandalf in der Nähe, der auf sie Acht geben würde. Diesmal würde sie ganz besonders vorsichtig sein müssen. Sie dachte an Mathan, der ins Ungewisse gezogen war, und an Halarîn, die in Eregion auf sie wartete. Ich werde nicht sterben, sagte sie sich und ihre Entschlossenheit wuchs. Nicht heute, und auch nicht morgen. Ich werde das hier überstehen, und nach Hause zurückkehren. Zu meiner Familie. Sie gab dem kleinen braungescheckten Pferd, das man ihr geben hatte, einen aufmunternden Stups gegen die Flanke. "Wir kommen beide wieder heil aus dieser Sache heraus," murmelte sie leise auf Rohirrisch. "Das verspreche ich dir."
Thranduil, Glorfindel, Oronêl, Eryniel, Finelleth, Celebithiel, Mírwen, Helluin, Paladir und Kerry mit dem Heer des Waldlandreiches zur Ostgrenze des Waldes
« Letzte Änderung: 13. Sep 2017, 09:06 von Fine »
« Antwort #12 am: 12. Sep 2018, 16:01 »
Zarifa und Cyneric von der Waldstraße
Sie waren der Hauptstraße, die durch das Waldlandreich führte, tiefer und tiefer in den Düsterwald hinein gefolgt, bis sie an einem elbischen Außenposten angehalten worden waren. Die Straße durchquerte hier einen aus fein gearbeiteten Steinen erbauten Torbogen, zu dessen Seiten jeweils ein kleiner Wehrgang aufragte. Cyneric hielt sein Ross vor dem Torbogen an, während vier schwer gerüstete Elbenkrieger ihn argwöhnisch im Auge behielten. Sie trugen dieselben bronzefarbenen Rüstungen, die Cyneric in Thranduils Heer bei Dol Guldur gesehen hatte.
„Woher kommt ihr, Reisende?“ fragte sie der Anführer der Wachposten.
„Aus der Seestadt,“ antwortete Cyneric wahrheitsgemäß.
„Weitere Flüchtlinge?“ wunderten sich die Elben. „Wir nahmen an, dass die meisten Bewohner Esgaroths die Stadt bereits verlassen hätten.“
„Einige sind noch immer dort, gemeinsam mit den Ostlingen,“ erwiderte Cyneric. „Niemand weiß, unter wessen Herrschaft der See und die Stadt darauf nun stehen. Weder aus Rhûn noch vom Einsamen Berg kam in den letzten Tagen Nachricht.“
„Und dennoch seid ihr nun hier,“ sagte der Anführer der Elben.
„Ich bin auf der Suche nach meiner Tochter,“ erklärte Cyneric. „In Esgaroth hörte ich, sie wäre mit dem Elbenheer vom Erebor zu den Hallen des Waldlandkönigs gezogen.“
„Das taten viele der Menschen von Thal,“ antwortete man ihm. „Sie suchten Zuflucht bei unserem Volk, und Zuflucht wurde ihnen gewährt.“ Er gab seinen Untergebenen ein Zeichen, und die Elben machten den Weg durch den Torbogen frei. „Sucht nun also nach Eurer Tochter, Reisender. Doch seid gewarnt: Solltet Ihr böse Absichten hegen, werdet Ihr Euch der Gerechtigkeit der Elben stellen müssen. Wir werden Euch stets im Auge behalten.“
„Ist ja schon gut, wir werden schon keine Dummheiten machen,“ warf Zarifa ein. Sie schien den Elben genauso wenig zu trauen wie diese ihr.
Langsam ritt Cyneric durch das Tor und folgte erneut der Straße. Dieser Teil des Waldes kam ihm viel freundlicher und heller als das Gebiet vor, das er auf dem Weg nach Dol Guldur einst durchquert hatte. Er vermutete, dass es an der Präsenz der Elben lag.
„Waren das die ersten Elben, die du in deinem Leben gesehen hast, Zarifa?“ fragte er.
Die junge Südländerin nickte. „Diese geschwollene Redeweise von denen geht mir jetzt schon auf die Nerven.“
Cyneric musste lächeln. „So sind sie nun einmal. Ein bisschen altmodisch, aber auf die gute Art und Weise, wenn man das so sagen kann.“
„Ich weiß nicht recht,“ murmelte Zarifa. „Die Blicke, die sie mir zugeworfen haben, haben mir nicht gefallen.“
„Sie haben ihre Heimat erst vor Kurzem zurückerobert,“ erklärte Cyneric. „Da ist es doch leicht zu verstehen, dass sie Fremden misstrauisch gegenüber sind.“
Zarifa gab ein unverständliches Grummeln von sich. „Suchen wir einfach deine Tochter und verschwinden wir dann von hier,“ sagte sie leise.
Cyneric war sich nicht sicher, was Zarifas Laune so getrübt haben könnte. Er hatte den Versuch, Frauen zu verstehen, schon früh in seinem Leben aufgegeben, insbesondere wenn sie in Zarifas Alter waren. Er würde sich damit begnügen, auf die junge Südländerin Acht zu geben und für sie da zu sein, wenn sie ihn brauchte. Damit kannte er sich aus.
Durch das dichte Blätterdach hindurch drang ein Rauschen, das immer lauter wurde, je weiter sie der Straße durch den Wald folgten. Schließlich gaben die Bäume den Blick auf einen großen Wasserfall frei, über den mit großen Getöse die Strömung eines Flusses hinabstürzte. Die Straße schraubte sich in engen Windungen am Südufer des Flusses hinauf, und verlief ab dem Wasserfall sehr nahe am Strom entlang. Je weiter sie kamen, desto mehr senkte sich der Fluss in eine steile Schlucht hinab, bis sie nach einiger Zeit des gemächlichen Rittes an eine geschwungene Brücke kamen. Hier gabelte sich die Straße und führte linker Hand weiter durch den Wald, während es nach rechts über die Brücke hinüber zu einem reich verzierten Tor ging, das offenbar ins Innere des Berges führte, der sich auf dem anderen Ufer des Flusses erhob. In schwere Rüstung gekleidete Elbenwächter bewachten das Tor und wurden von einigen weiteren Elben in grünen und braunen Gewändern begleitet.
„Bleib hinter mir und halt am besten den Mund,“ raunte Cyneric Zarifa zu. Das Mädchen schenkte ihm wegen seiner Wortwahl einen finsteren Blick, schien jedoch genug Verstand zu besitzen, nicht in einen Wutausbruch zu verfallen. Vorsichtig stiegen sie ab und überquerten die Brücke, das Kriegsross am Zügel führend. Sie hatten kaum einen Fuß an das andere Ufer gesetzt, als sie sich schon von bewaffneten Elben umzingelt sahen.
„Wer seid ihr, die ihr so bewaffnet vor die Tore des Königreichs des Grünwaldes tretet?“
Cyneric, darauf bedacht, die Hände so weit wie möglich vom Griff seines Schwertes entfern zu halten, antwortete vorsichtig: „Mein Name ist Cyneric, Sohn des Cynegar, und dies ist Zarifa, meine Begleiterin. Wir sind aus der Seestadt hierher gekommen und sind auf der Suche nach meiner Tochter, Déorwyn.“
„Cyneric?“ Einer der in grün gekleideten Elben trat vor. Er hatte lange, blonde Haare und hielt einen langen Speer in der Hand. Über seinen Rücken, der von einem braunen Umhang verhüllt war, hing ein elbischer Langbogen. Sein Gesicht kam Cyneric bekannt vor, und schließlich fiel ihm auch der Name des Elben ein, den er während Irwynes Rettung aus den Fängen der Orks des Düsterwaldes flüchtig kennen gelernt hatte.
„Herr Galanthir?“ fragte er.
„Du bist es wirklich,“ sagte Galanthir und lächelte. „Nun, das ist wirklich eine Überraschung. Ich nahm an, du weiltest noch immer im fernen Rhûn.“
„Nicht mehr,“ erwiderte Cyneric. Ein rascher Blick zeigte ihm, dass die meisten Elben inzwischen ihre Waffen gesenkt hatten und er entspannte sich. „Wie ich sehe hat Saruman wohl sein Versprechen gehalten. Das Waldlandreich gehört wieder König Thranduil.“
Ein Schatten zog über Galanthirs Gesicht. „Sarumans Versprechungen haben nur selten den Wert, den sie im ersten Moment zu bieten scheinen,“ sagte er ernst. „Du bist auf der Suche nach deiner Tochter, richtig?“
Cyneric nickte. „Hast du sie vielleicht gesehen? Sie sieht Irwyne recht ähnlich. Ich hörte in Esgaroth, sie wäre vom Erebor mit eurem Heer hierher gekommen.“
Galanthir machte ein nachdenkliches Gesicht. „Viele der Menschen von Thal kamen mit uns, als wir ihre Stadt evakuierten. Die meisten von ihnen sind allerdings inzwischen mit ihrem König in die südlicheren Teile des Waldes gezogen. Du könntest allerdings unter jenen, die noch in unseren Hallen weilen, nach ihr fragen.“
„Man sagte mir, sie trägt nun einen anderen Namen,“ sagte Cyneric, sich an die Worte des jungen Ostlings erinnernd. „Sie nennt sich jetzt Kerry.“
Galanthir schien für einen Bruchteil einer Sekunde zu erstarren, dann warf er Cyneric einen seltsamen Blick zu. „Du solltest mit der K.... mit Finelleth sprechen. Sie kann dir weiterhelfen.“
„Dann sollten wir zu ihr gehen.“
Galanthir nickte und auf seinen Wink öffnete sich das Tor im Berg. „Ehe wir hinein gehen, muss ich euch bitten, eure Waffen bei den Wachen hier draußen zu lassen,“ bat er.
„Wieso? Wir werden euren König schon nicht abstechen,“ warf Zarifa dreist ein.
Das betretene Schweigen, das auf diese Aussage folgte, ließ Cyneric Böses ahnen. Er nahm Zarifas Hand und redete leise auf die junge Frau ein. „Wir sind hier unter Freunden. Niemand wird dich anrühren, ich verspreche es dir. Jetzt, wo wir so kurz davor sind, meine Tochter zu finden, können wir uns keine weiteren Komplikationen leisten. Ich bitte dich, Zarifa... gib ihnen deinen Dolch. Mir zuliebe.“
Zarifa stieß ein lautes Schnauben aus, dann zog sie ihren Dolch hervor und ließ ihn zu Boden fallen. „Wehe wenn der nicht genau hier an Ort und Stelle liegt, wenn ich wiederkomme,“ sagte sie unheilvoll.
Cyneric übergab den Elbenwächtern Schild und Schwert, dann folgten Zarifa und er Galanthir ins Innere der Hallen des Elbenkönigs.
Nach einer großen Eingangshalle kamen sie nach vielen Treppen und Biegungen, die sie durch ein verzweigtes Höhlensystem führten schließlich in eine gewaltige Grotte, von deren Decke geradezu riesenhafte Baumwurzeln hinab wuchsen, die teilweise sogar als Brücken benutzt wurden. In der Tiefe strömte offenbar derselbe Fluss über die Felsen, dem Cyneric und Zarifa auf dem Weg durch das Waldlandreich bis zu den Hallen gefolgt waren, in deren Zentrum sie nun angekommen waren. Im Herzen der mächtigen Höhle stand ein erhöhter Sitz, der im Augenblick verlassen war. Der Thron des Waldlandreiches, daran hatte Cyneric keinen Zweifel.
Auf der untersten Stufe der geschwungenen Treppe, die zu einer kleinen Plattform direkt unterhalb des Thrones hinauf führte, blieb Galanthir stehen. Er drehte sich zu ihnen um und sagte: „Wartet hier. Die Königin wird euch in Kürze empfangen.“ Ohne eine weitere Erklärung sprang er kurzerhand von der breiten Wurzel, auf der er gestanden hatte auf einen mehrere Meter tiefer liegenden Pfad und verschwand in den Tiefen der Grotte.
Cyneric machte ein überraschtes Gesicht. „Die Königin?“ wiederholte er langsam.
„Wahrscheinlich sind wir nicht wichtig genug, damit sich der Elben-Obermotz persönlich mit uns abgibt,“ meinte Zarifa etwas pampig. „Um mit kleinen Fischen wie uns zu reden schickt er wohl lieber seine Frau.“
„Hmm,“ machte Cyneric. Dass Thranduil seine Frau zu ihnen schickte, war eine Erklärung... doch weshalb hatte dann offenbar Galanthir diese Entscheidung getroffen? Es musste eine andere Erklärung geben. „Ich denke, der König ist im Augenblick nicht hier,“ sagte er daher. „Ich frage mich nur, weshalb Galanthir mir riet, mit Finelleth zu sprechen, doch nun stehen wir hier und warten auf eine Andere.“
„Wer ist denn diese Finelleth überhaupt?“
„Eine Späherin des Waldlandreiches,“ erklärte Cyneric. „Bevor ich nach Rhûn kam, kämpfte ich in der Belagerung von Dol Guldur mit - das ist eine Festung Saurons weit im Süden dieses Waldes. Dort lernte ich Finelleth kennen. Ich habe ihr eine gute Freundin von mir anvertraut, bevor ich nach Rhûn aufbrach.“
Zarifa schien ihm kaum zuzuhören. „Ich brauche was zum Werfen,“ murmelte sie und suchte mit ihrem Blick den Boden ab. „Die Tante da hinten starrt mich schon die ganze Zeit so komisch an, das gefällt mir gar nicht.“
Cyneric blicke in die Richtung, in die die junge Südländerin gedeutet hatte. Auf der gegenüberliegenden Seite der Grotte waren mehrere Waldelben unterwegs, und am Geländer nahe der Schlucht, durch die das Wasser strömte, stand eine Elbin, die ganz ähnliche Kleidung wie Galanthir trug. Erst glaubte Cyneric, es handle sich um Finelleth, doch das rötliche Haar und die beiden Schwerter, die sie in den Händen hielt, mochten nicht recht zu dem Bild passen, das Cyneric von seiner elbischen Freundin in Erinnerung hatte. Während er noch hinsah tauchten weitere Gestalten hinter der Waldelbin auf, bei denen es sich unverkennbar um die Königin und ihr Gefolge handeln musste. Schwer gerüstete Palastgardisten mit vermummten Gesichtern nahmen die Elbenkönigin in ihre Mitte, als sie sich rasch näherte. Cyneric sah, wie die rothaarige Waldelbin, die Zarifa aufgefallen war, sich der Prozession anschloss, als die Elben rasch den Fluss überquerten und sich dem Thron näherten. Dann nahm die Königin, die ein dunkelgrünes Kleid und eine mit rötlichen Blättern besetzte Krone trug, auf dem erhöhten Sitz Platz und ihre Wachen bezogen zu beiden Seiten Stellung.
„Tretet näher, Bittsteller,“ forderte man Cyneric und Zarifa auf. So stiegen sie mit etwas mulmigem Bauchgefühl die steilen Stufen hinauf, bis sie die Platform direkt vor dem Thron erreicht hatten. Cyneric ließ sich, wie es sich gehörte, auf die Knie nieder und bedeutete Zarifa, dasselbe zu tun. Eindeutig unwillig kam das Mädchen seiner Aufforderung nach.
„Eure königliche Majestät,“ begann Cyneric nach einer langen Minute des angespannten Schweigens. Noch immer hielt er den Kopf gesenkt. „Wir danken Euch, dass Ihr uns empfangt und gewillt seid, unser Anliegen zu hören. Mein Name ist -„
„Ich weiß, wer ihr seid,“ erklang die klare und strenge Stimme der Königin. „Und ich weiß auch, weshalb ihr hier seid. Beantwortet mir eine Frage, Cyneric, Sohn des Cynegar - was ist Euch in Rhûn widerfahren?“
Cynerics Bauch verkrampfte sich bei diesen Worten. Wieviel wusste die Elbenkönigin wirklich? Wenn sie erfuhr, dass er den Schattenläufern gedient hatte... ja sogar für sie getötet hatte...
„Euer Gnaden, ich versichere Euch, meine Absichten sind absolut ehrlich,“ beteuerte er ohne den Blick zu erheben. „Ich bin auf der Suche nach meiner Tochter, mehr nicht.“
„Das weiß ich bereits, Cyneric,“ sagte die Königin, nun mit eindeutiger Belustigung in der Stimme. „Und ich weiß auch, wo sie ist, alter Freund.“
Nun endlich hob Cyneric den Kopf und starrte die Elbin an. Unter der Krone spross fein gepflegtes, sandblondes Haar hervor. Das Kleid war von edelstem Stoff und sie war unbewaffnet, wie es schien. Und doch kamen Cyneric die Gesichtszüge und die Stimme so verdammt bekannt vor...
„...Finelleth?“ wagte er zu fragen.
„Ihr steht im Angesichte Faerwens, Erste ihres Namens, Königin des Waldlandreiches und des Großen Grünwaldes,“ sagte einer der Elbengardisten.
„Natürlich bin ich es,“ sagte Finelleth, deren Lächeln nun nicht mehr zu übersehen war.
„Aber...“ begann Cyneric. Er hatte Finelleth nie in anderer Kleidung als der Ausrüstung einer Waldelbenspäherin gesehen, und sie hatte stets eine oder mehrere Waffen bei sich getragen. „Wieso bist du...“ Er verstummte, als ein düsterer Verdacht sein Herz erfasste. „Wo ist König Thranduil?“
Ein Schatten legte sich auf Finelleths Gesicht. „Er ist fort,“ sagte sie leise und traurig. „Doch dank seiner Taten sind die Hallen meines Volkes wieder frei - sowohl von Sauron als auch von Saruman.“
„Sein Tod tut mir sehr leid,“ sagte Cyneric voller Mitgefühl und machte einen Schritt in Richtung des Thrones. Sofort reagierten die Gardisten und richteten die Waffen drohend in seine Richtung. „Und du bist...“
„Seine einzige Tochter und Erbin,“ ergänzte Finelleth mit Entschlossenheit in der Stimme. „Die Waffen runter, Krieger. Er ist ein Freund und keine Gefahr.“ Die Gardisten entspannten sich. „Ach Cyneric, ich bin froh, dass du hier bist,“ fuhr Finelleth fort und erhob sich von ihrem Thron. Ehe Cyneric reagieren konnte, war sie bei ihm und umarmte ihn fest. Ihr Kleid raschelte, als sie ihn wieder losließ. „Doch du kommst einige Tage zu spät. Kerry... deine Tochter... ist schon wieder aufgebrochen. Sie ging mit Oronêl nach Dol Amroth.“
„Herr Oronêl? Dann ist er also am Leben?“
Finelleth nickte. „Es tut mir Leid, dass du sie verpasst hast. Doch sie sind zu Fuß unterwegs. Auf dem Rücken deines Pferdes könntest du sie einholen, ehe sie Rohan oder Gondor erreichen.“
Cyneric versuchte, seine Enttäuschung zu verbergen, so gut es ging. Er hatte gehofft, seine Tochter noch am selben Tag wieder zu sehen. Immerhin wusste er nun, dass sie in Sicherheit war, nun, da sie mit Oronêl unterwegs war. Und es bestand die Chance, sie noch vor ihrer Ankunft in Dol Amroth einzuholen.
„Und wen hast du da mitgebracht?“ fragte Finelleth neugierig. Jetzt, da Cyneric sie erkannt hatte, klang sie schon wieder viel mehr wie die schlagfertige Späherin, die er während des Dol Guldur-Feldzuges kennengelernt hatte.
„Ich heiß‘ Zarifa,“ gab die junge Südländerin misstrauisch zurück. „Ich bin nicht der Ersatz für seine Tochter, falls hier irgendjemand so etwas denkt.“
Finelleth lachte leise. „Offensichtlich nicht. Sei willkommen in meinem Königreich, junge Zarifa.“ Sie kehrte zu ihrem Thron zurück. „Nun, da das geklärt ist... ihr werdet die Nacht hier verbringen und euch ausruhen. Zur Feier unseres Wiedersehens, Cyneric, werden wir heute Abend gutes Essen zu uns nehmen und Pläne für eure Weiterreise machen. Es gibt so viel, was ich dir über deine Tochter erzählen möchte! Aber dafür ist der Thronsaal nicht der richtige Ort. Ach, nun blickt nicht so betreten drein. Das wird sehr unterhaltsam! Außerdem werdet ihr beiden doch wohl nicht so dumm sein, euch einem Befehl der Königin zu widersetzen, nicht wahr?“
„Nein, Euer Majestät“ antwortete Cyneric schmunzelnd. Auch wenn er es kaum erwarten konnte, seine Tochter einzuholen, war ihm klar, dass Finelleth - oder vielmehr Königin Faerwen I. - in dieser Hinsicht keine Widerrede dulden würde.
„Wunderbar,“ sagte Finelleth und klatschte in die Hände. „Eryniel -„ sie wandte sich an die rothaarige Elbin, die die ganze Unterhaltung schweigend an der Seite ihrer Königin mitangehört hatte „- zeig den beiden ihr Zimmer. Wir sehen uns später. Macht es euch solange gemütlich - und seht zu, dass ihr beiden ein Bad nehmt.“
« Letzte Änderung: 12. Sep 2018, 18:50 von Fine »
« Antwort #13 am: 5. Nov 2018, 17:14 »
Nachdem die Waldgardistin Eryniel sie zu ihrer Unterkunft geführt hatte, dauerte es nicht sonderlich lange, bis Cyneric und Zarifa sich (selbstverständlich nacheinander) gewaschen und umgezogen hatten. Die Elben hatten ihnen frische Kleidung zur Verfügung gestellt, die sie in den kühlen Höhlen des unterirdischen Palastes warm hielten, aber gleichzeitig luftig genug waren, dass sie nicht schwitzten. Es hatte zwar einiges an Überredungskunst gekostet, Zarifa dazu zu bringen, sich Elbenkleidung anzuziehen, doch als die Südländerin bemerkt hatte, wie angenehm weich sich der Stoff anfühlte, hatte sie ihren Protest schließlich aufgegeben.
"Ich muss zugeben, daran könnte ich mich gewöhnen," sagte Zarifa, die ein langärmliges, grünes Oberteil trug, das mit silbernen Blattmustern bestrickt war. Ihre Beine steckten in einer festen, dunkelbraunen Hose aus Leder, dazu kamen hohe Stiefel mit breitem Rand. Ein dünner Gürtel vervollständigte ihre Kleidung. Cyneric, der Ähnliches trug, stimmte nickend zu, auch wenn er sich etwas unbehaglich fühlte, von Finelleth so beschenkt worden zu sein. Er fragte sich, ob diese Großzügigkeit sich wirklich allein auf die nicht allzu enge Freundschaft gründete, die er mit Thranduils Tochter während des Feldzugs gegen Dol Guldur geschlossen hatte.
"Wir sollten zusehen, dass wir uns auf den Weg zur Festhalle machen," sagte Cyneric. "Sicherlich erwartet man uns bereits. Bei einem königlichen Hofstaat zu spät zu kommen, können sich nur die wirklich Mächtigen leisten."
Zarifa warf ihm als Antwort einen verärgerten Blick zu, was Cyneric daran erinnerte, wie schlecht die junge Frau auf die Oberschicht zu stehen war. Es waren Adelige aus Umbar gewesen, die Zarifas Ziehvater getötet und das Mädchen in die Sklaverei verkauft hatten, wie ihm wieder einfiel. Er hoffte, Zarifa würde sich in der Gegenwart der angesehenen Elben im Gefolge der Königin nicht allzu sehr im Ton vergreifen.
Auf ihre Nachfrage bei einer der durch die Gänge streifenden Palastwachen hin erklärte man ihnen höflich den Weg zur Festhalle der Königin, die jenseits des großen Throngewölbes lag und das man durch einen breiten Tunnel erreichte, der sich in mehreren Windungen tief in den Felsen hinein zu bohren schien. Cyneric atmete erleichtert auf, als er die Halle betrat, in der ihn Finelleth bereits erwartete, denn die Königin war noch beinahe alleine dort. Seit ihrem Wiedersehen im Thronsaal hatte Finelleth sich ebenfalls umgezogen und trug nun ein tief ausgeschnittenes, silbernes Gewand, das ihre schlanke Figur betonte und sich erst auf Höhe der Oberschenkel zu einem breiten Rock vergrößerte. Auf dem Kopf saß nun ein silbern funkelnder Haarschmuck und ihre Ohren waren von Ohrringen mit grünen Adamanten geziert.
"Ich sehe, dass die Bediensteten ein gutes Auge bei der Kleiderwahl für euch beide bewiesen haben," sagte die Königin lächelnd, als sie sich zu ihr gesellten.
"Ich bin mir nicht sicher, womit wir diese Gabe verdient haben," erwiderte Cyneric, ehe ihm einfiel, welche Antwort eigentlich angebracht gewesen wäre. "Was ich sagen wollte... Ihr seht bezaubernd aus, Euer Majestät."
Finelleth lachte leise. "Nun hör' schon auf damit, Cyneric. Ich mag jetzt Königin sein, aber ich bin noch immer deine Freundin und du musst mich nicht so förmlich ansprechen. Vor dem Thron war die Situation eine Andere, aber hier und jetzt können wir ungezwungen miteinander sprechen."
Cyneric war froh darüber. So kam er ohne Umschweife zu der Frage, die ihm seit seiner Ankunft im Waldlandreich auf dem Herzen gebrannt hatte. "Du hast gesagt, meine Déorwyn sei auf dem Weg nach Dol Amroth, in der Begleitung des Herrn Oronêl. Und du sprachst von ihr, als wärst du vertraut mit ihr. Was hat es damit auf sich, wenn du mir die Frage gestattest?"
"Natürlich gestatte ich sie dir, Cyneric. Immerhin geht es hier um deine Tochter. Kerry - so hatte sie sich mir gegenüber vorgestellt - kenne ich zwar erst seit einem halben Jahr, aber in dieser Zeit habe ich beinahe jeden Tag in ihrer Nähe verbracht, denn wir waren beide Teil von Oronêls Gemeinschaft, die erst in den Landen von Eriador, und nun auf in Rhovanion, allerlei Abenteuer erlebte. Ich könnte dir viel von den schönen als auch von den schlimmen Dingen erzählen, die uns in jenen Wochen widerfahren sind, doch ich möchte dich weder lange aufhalten, noch dir die Freude vorenthalten, dir von all dem von Kerry selbst erzählen zu lassen. Du wirst sie bald eingeholt haben, wenn du dich in Richtung Rohan aufmachst, denn ich weiß, dass dein Pferd schnell ist."
"Sag mir nur eines, Finelleth," bat Cyneric. "Geht es ihr gut? Ich meine... kommt sie gut zurecht? So ganz alleine, ohne Familie?"
"Oh, mach dir darum nur keine Sorgen, Cyneric. Sie hat eine Familie und viele, viele Freunde, die sie schätzen und lieben. Auch davon wird sie dir am besten selbst berichten. Und ja, es geht ihr gut. Auch wenn die Dinge besser stehen könnten, aber ich schätze, das trifft auf uns alle zu." Sie ließ den Blick durch die Halle schweifen, die sich nun mehr und mehr mit den Gästen der Königin zu füllen begann. Finelleth seufzte leise. "Ich trage als Königin nun nicht nur das Erbe meines Vaters wie eine Last auf den Schultern... ich trage auch die Verantwortung für das Reich der Waldelben und für die Sicherheit seiner Bewohner. Wir sind auf uns allein gestellt und an zwei Fronten von Feinden bedroht. Dabei haben wir unsere Heimat erst vor wenigen Wochen zurückerlangt."
"Ich dachte, Thranduil habe sich zu eben diesem Zweck überhaupt erst mit Saruman verbündet," wandte Cyneric ein.
"Und obwohl mir dieses Bündnis von Anfang an nicht gefallen hat, hat es sein Ziel erreicht, wenn auch mit hohem Preis verbunden."
"Du sprichst von deinem Vater," sagte Cyneric vorsichtig.
Finelleths Blick wurde traurig. "Vor seinem Tod erkannte er den Fehler, den er begangen hatte," antwortete sie leise. "An manchen Tagen frage ich mich, wie ich ohne ihn überhaupt weitermachen soll. Ich weiß, dass mein Volk mich jetzt braucht und dass sie sich auf mich verlassen, aber... ich fühle mich einfach nicht wie eine Königin, geschweige denn wie eine Anführerin."
Überraschenderweise war es Zarifa, die die richtigen Worte fand. "Deine Leute sehen zu dir auf," sagte sie in einem Tonfall, den man beinahe sanft nennen konnte, obwohl sie nach wie vor die Hände vor der Brust verschränkt hatte. "Ich konnte es erkennen, dort im Thronsaal. Sie respektieren und lieben dich. Du musst dich für sie nicht in eine perfekte Königin verwandeln. Du bist schon so, wie du bist, gut genug für sie. Also mach weiter so, und... dann wirst du schon zurecht kommen, schätze ich."
"Ich kann Zarifa nur zustimmen," ergänzte Cyneric. "Dein Vater wird schon gewusst haben, was er tat, als er dich zu seiner Nachfolgerin bestimmt hat. Er hat erkannt, dass du in der Lage sein wirst, für dein Volk einzutreten und es anzuführen. Also Kopf hoch, Königin Faerwen," sagte er und legte ihr aufmunternd die Hand auf die Schulter. "Dein Reich ist bei dir in den besten Händen."
"Ich danke euch beiden," murmelte Finelleth. "Aber jetzt solltet ihr aufhören, solche Dinge zu sagen. Ihr beschämt mich noch vor meinem Hofstaat, und von dem daraus resultierenden Gerede würde ich mich vermutlich niemals erholen können."
"Dann musst du eben etwas härter durchgreifen und ein Gesetz gegen Gerüchte erlassen. Du bist doch Königin, oder nicht?" schlug Cyneric scherzend vor.
"Vorsicht, Cyneric... ich habe dich in meinen Palast gelassen, aber ich kann dich auch ebenso leicht wieder daraus entfernen lassen." Doch während Finelleth das sagte, stahl sich bereits wieder ein Lächeln auf ihr Gesicht.
Das Essen, an dem Cyneric und Zarifa nun teilnahmen, war vermutlich das Beste, das sie in ihrem gesamten Leben erlebten. Zwar gab es keine rauen Mengen, denn noch immer waren die Vorräte der Waldelben knapp, doch das was es gab, war so wohlschmeckend, dass Cyneric am liebsten den ganzen Abend damit verbracht hätte, einen Bissen hiervon und ein Stückchen davon zu sich zu nehmen. Die Stimmung ihrer Gastgeber war gut, doch bis zu Zarifa drang die gute Laune leider nicht vor. Auch wenn es der jungen Südländerin offensichtlich schmeckte, schien sie ihr Misstrauen den meisten der Elben gegenüber noch nicht abgelegt zu haben. Cyneric vermutete, dass diese Tatsache mit den Dingen zu tun hatte, die Zarifa in ihrem bisherigen Leben von den Reichen und Privilegierten miterlebt hatte.
An diesem Abend erfuhr Cyneric, wie die Schlacht am Fuße des Einsamen Berges aus Sicht der Elben verlaufen war und wie das Bündnis mit Saruman in die Brüche gegangen war. Er war froh, dass seine Tochter dem Chaos unbeschadet entgangen war und sich nun in der Begleitung eines so berühmten Elbenfürstens wie Oronêl zu befinden. Doch als er Finelleth nach dem Grund der Reise Oronêls nach Dol Amroth fragte, wurde diese wieder eine Spur betrübter.
"Das solltest du ihn selbst fragen, falls es dir gelingt, ihn einzuholen," erklärte die Elbenkönigin. "Es steht mir nicht zu, Oronêls Beweggründe zu interpretieren, denn ich muss dir ehrlich gestehen, dass ich sie nicht ganz verstehe."
Diese etwas kryptische Antwort ließ Cyneric nichts Gutes ahnen. Er hoffte, dass seine Tochter wohlbehalten in Gondor ankommen würde, wenn es ihm nicht gelingen würde, sie reichtzeitig zu überholen.
Der Abend verging rasch und die Feierlichkeiten endeten. In der Nacht schliefen Cyneric und Zarifa in bequemen Betten und stellten sich darauf ein, auf diesen Komfort bis zu ihrer Ankunft in Rohan, weit im Süden, ab sofort verzichten zu müssen. Früh am folgenden Morgen sattelten sie ihre Pferde und beluden sie mit den Vorräten, die ihnen die Königin des Waldlandreiches mitgegeben hatte. Auch die Kleidung, die sie am Festabend getragen hatten, durften sie behalten. Finelleth verabschiedete sich persönlich von ihnen am Tor von Thranduils Hallen und wünschte ihnen viel Glück bei ihrer Suche. Dann stiegen sie in ihre Sättel und setzten sich entlang des Elbenpfades in Bewegung, der sie nach Südwesten durch den Wald bis zum Tal des Anduin führen würde. Dort planten sie, nach Süden abzubiegen und dem Weg zu folgen, den einst das Heer Eorls, des Gründers von Rohan genommen hatte, als es aus dem Norden zur Rettung von Gondor auf die Ebene von Celebrant ritt...
Cyneric und Zarifa zur Ebene von Celebrant
« Letzte Änderung: 27. Nov 2018, 21:57 von Fine »

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