Source: https://www.elo-forum.org/threads/mein-grundeinkommen-michas-bge-doch-nicht-so-bedingungslos-wie-angenommen.143624/page-7
Timestamp: 2019-12-10 10:44:31+00:00

Document:
Mein Grundeinkommen ("Micha's" BGE), doch nicht so bedingungslos wie angenommen?Seite 7 | Erwerbslosenforum Deutschland
Mein Grundeinkommen ("Micha's" BGE), doch nicht so bedingungslos wie angenommen? (1 Betrachter)
https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/222281/netzdebatte-talk-brauchen-wir-das-bedingungslose-grundeinkommen
teuton4 meinte:
Es würde sich vieles im Markt ändern und eigendlich soll es das doch auch.
plötzlich soll man sich dazu bereit erklären, seine daten zu veröffentlichen. ernsthaft? ich fand die idee gut und habe sie monatlich als "crowdhörchen" unterstützt. aber das geht mir dann doch zu weit. ab sofort ist die unterstüstung gestrichen.
@humble ...da hast du wohl nicht richtig gelesen... Nur dein VORname wird dann veröffentlicht.....
GoldenGirl meinte:
Stimmt, habe erst jetzt gesehen, dass die das im Text genauer spezifiziert haben. Ging ja auch um diese aktuelle Sonderauslosung.
Ein Hartz 4 Bezieher in einer Großstadt, der die vollen Mietgrenzen ausschöpft, incl. zusätzlicher Zuschläge (z.B. 10% mehr Mietanrechnung wegen Stadtteilen mit wenig Hartz 4 Beziehern) bekommt etwas über 900 Euro im Monat. Dabei ist er krankenversichert, hat Anspruch auf unterschiedliche Leistungen z.B. bei Erstbezug einer Wohnung nach Scheidung Kautionsdarlehen, Ersteinrichtung, Renovierungskosten usw. Bei Nachzahlungen für Nebenkosten, Wasser, Heizung usw. wird alles übernommen.
Das müsste alles im BGE berücksichtigt werden, damit die Millionen von Menschen die jetzt schon von Sozialleistungen leben müssen, nicht plötzlich schlechter gestellt würden. Das würde grob gerechnet bei 1200-1300 BGE monatlich liegen. Ist schon ein Batzen Geld, welches dann allen Bürgern ausgezahlt werden müsste, ansonsten macht es keinen Sinn.
Oder man macht ein BGE von z.B. 700-800 Euro monatlich und schafft eben die ganzen zusätzlichen Leistungen bei Bedürftigen eben nicht ab. Das ist eigentlich die einzig sinnvolle Lösung.
Zum Thema: unterschiedliche Lebenskosten in den Landesteilen. Klar, jemand der im hintersten Dorf lebt, hat deutlich niedrigere Lebenshaltungskosten als ein Großstädter. Dafür hat der Großstädter wohl größere Chancen sich eben zusätzlich etwas zu verdienen, Ärzte, Schulen, Einkaufsgeschäfte usw. gleich um die Ecke. Das relativiert sich alles und da sehe ich kein Problem bei gleicher Höhe des BGE im ganzen Land. Vll. würde das eben sogar ländlichere Gebiete wieder Bevölkern, die jetzt massiv aussterben, weil viele Menschen genügsam mit ihrem BGE auskommen und keine Ansprüche eines Großstädters haben.
Ich weiß nicht, aber ich glaube, hier ziehen einige die falschen Schlüsse.
These 1: Jobs, die keiner machen will, werden künftig viel besser bezahlt. Jobs, die jeder machen will, werden künftig schlechter bezahlt.
Halte ich für ein Märchen. Sicher würde ein Putzfrauen-Job, der mit 4.000 € vergütet wird (ist übertrieben, ich weiß) dann auf einmal finanziell reizvoller. Aber eben deswegen auch nicht zwingend beliebter. Weil: der eigentliche Zwang zu einem ungeliebten Job wurde ja durch ein BGE eliminiert. Oder? Natürlich wird keine Putzfrau jemals so viel Geld verdienen. Die Hotelbesitzer würden genau das tun, was sie jetzt schon tun: sie rekrutieren Ausländer. Also Leute, die kein BGE bekommen. Fazit: BGE bringt da nix.
Und was ist mit den "beliebten" Jobs? Die kann auch künftig nur eine Minderheit ausführen, weil es dazu eine evtl. umfangreiche Ausbildung bedarf (schafft nicht jeder) oder man dafür Talent haben muß (hat nicht jeder).
These 2: Wer BGE bekommt, zieht auf's Land, weil er dort mehr von seinem Geld hat
Es mag in einigen Fällen dazu kommen, daß Leute wegen der angeblich niedrigen Lebenshaltungskosten auf's Land ziehen. Doch Vorsicht: die Mieten mögen dort günstig sein (sofern man ohnehin eine Mietwohnung bekommt; auf dem Land hat man lieber sein eigenes Haus), aber ohne Auto geht auf dem Land gar nichts. Da fährt keine U-Bahn. Und die Supermarktpreise sind dort auch nicht niedriger als in der Stadt. Zudem sind Mietwohnungen dort in schlecht isolierten Altbauten. Wo ist da also der Vorteil gegenüber der Stadt?
Bedenken sollte man auch: noch mehr Ärzte als jetzt würden vom Land verschwinden, weil es unter den ganzen Menschen mit kleinem Einkommen kaum noch Privatpatienten gäbe. Und auf dem Land schließen reihenweise Krankenhäuser. Auch, weil dort keine arbeiten will.
BGE hat viel mit Wunschdenken zu tun. Finde ich.

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