Source: http://meeresnaturschutz.de/Meereszonen/AWZ.html
Timestamp: 2017-03-25 09:38:36+00:00

Document:
Meereszonen - Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ)
Meereszonen
In Bezug auf seine maximal 200sm breite (Art. 57 SRÜ) ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ, exclusive economic zone), die nicht zum Staats- bzw. Hoheitsgebiet des Küstenstaats gehört, sind dem Küstenstaat so genannte funktional beschränkte Hoheitsrechte [1] zugewiesen. Mit Proklamation vom 25.11.1995 [2] hat die Bundesrepublik Deutschland in Nord- und Ostsee eine ausschließliche Wirtschaftszone errichtet. In der Nordsee deckt sich die seewärtige Grenze der bundesdeutschen AWZ grundsätzlich mit der des deutschen Festlandsockels. In der westlichen Ostsee verbleiben örtlich für die Abmessung der bundesdeutschen AWZ – aufgrund der Nähe zu Dänemark – gerade 2sm seewärts der Grenze des deutschen Küstenmeeres [3].
Im „Funktionshoheitsraum“ [4] AWZ hat der Küstenstaat im Einzelnen:
das souveräne Recht (die ausschließliche Kompetenz [5]) für die Erhaltung der lebenden Meeresressourcen (Art. 56 Abs. 1 lit. a), Art. 61 SRÜ);
das souveräne Recht (den Vorrang [6]) für die Nutzung der lebenden Meeresressourcen (Art. 56 Abs. 1 lit. a), Art. 62 SRÜ);
das ausschließliche Recht zur Erforschung des Festlandsockels (continental shelf) und zur Ausbeutung seiner nichtlebenden (mineralischen und sonstigen) und lebenden (zu den sesshaften Arten gehörenden Lebewesen) natürlichen Ressourcen (Art. 56 Abs. 1 lit. a), Abs. 3, Art. 77 SRÜ);
In Bezug auf die Rechte des Küstenstaats hinsichtlich des Meeresbodens und seines Untergrund verweist Art. 56 Abs. 3 SRÜ auf das Festlandsockelregime des Teils VI des SRÜ. Die Bundesrepublik Deutschland hat am 22.1.1964 ihre Proklamation über die Erforschung und Ausbeutung des deutschen Festlandsockels [7] veröffentlicht. Die äußeren Grenzen des Festlandsockels (vgl. Art. 76 SRÜ) in der Nordsee wurden später in bilateralen Vereinbarungen mit Dänemark, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich festgelegt. Im Hinblick auf die äußeren Festlandsockelgrenzen in der Ostsee gelten die Vereinbarungen der DDR mit Polen, Schweden und Dänemark fort [8].
das ausschließliche Recht zur Errichtung und Nutzung von künstlichen Inseln aller Art sowie von Anlagen und Bauwerken für wirtschaftliche Zwecke (Art. 56 Abs. 1 lit. b) Nr. i), Art. 60 Abs. 1, Art. 80 SRÜ);
souveräne Rechte hinsichtlich anderer Tätigkeiten zur wirtschaftlichen Erforschung und Ausbeutung der AWZ wie der Energieerzeugung aus Wasser, Strömung und Wind (Art. 56 Abs. 1 lit. a) SRÜ);
Hoheitsbefugnisse in Bezug auf die wissenschaftliche Meeresforschung (Art. 56 Abs. 1 lit. b) Nr. ii) SRÜ);
Hoheitsbefugnisse in Bezug auf den Schutz und die Bewahrung der Meeresumwelt (Art. 56 Abs. 1 lit. b) Nr. iii) SRÜ);
das Recht, die Ausbeutung von Meeressäugetieren stärker als in Teil XII des SRÜ vorgesehen zu verbieten, zu begrenzen oder zu regeln (Art. 65 S. 1 SRÜ).
L. Gündling: Die 200 Seemeilen Wirtschaftszone, Berlin u.a. 1983, S. 119.
BGBl. 1994 II S. 3770.
Lagoni (Fn. 2), S. 259.
W. Graf Vitzthum: Raum und Umwelt im Völkerrecht, in: ders. (Hrsg.): Völkerrecht, 2. Aufl., Berlin, New York 2001, S. 379 (390).
C. Gloria: Internationales öffentliches Seerecht, in: K. Ipsen, Völkerrecht, 4. Aufl., München 1999, S. 710 (745).
Gloria (Fn. 8), S. 746.
BGBl. 1964 II S. 104.
Lagoni (Fn. 2), S. 257 f.

References: Art. 61
 Art. 62
 Art. 77
 Art. 56
 Art. 76
 Art. 60
 Art. 80