Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_13/vo/1/81360000061.htm
Timestamp: 2018-11-19 22:46:22+00:00

Document:
113061 Hügelland um Höfen
1.36.061 Hügelland um Hofen
Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet ”Goldshöfer Sande" und das Landschaftsschutzgebiet ”Hügelland um Hofen" vom 19. Dezember 2000 (GBl. v. 23.02.2001, S. 130).
Auf Grund der §§ 21, 22 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Aalen und der Gemeinde Hüttlingen, Ostalbkreis, werden zum Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung ”Goldshöfer Sande", das Landschaftsschutzgebiet die Bezeichnung ”Hügelland um Hofen".
(1) Natur- und Landschaftsschutzgebiet haben zusammen eine Größe von 106,2 ha. Davon entfallen 46,5 ha auf das Naturschutzgebiet und 59,7 ha auf das Landschaftsschutzgebiet.
(2) Nach dem Stand vom 1. November 1998 umfasst
das Naturschutzgebiet auf Gemarkung Aalen-Hofen ganz oder zum Teil die Gewanne Heimatsmüllershölzle, Himmelhalde, Sandäcker und Haldenfeld; das Landschaftsschutzgebiet ganz oder zum Teil
- auf Gemarkung Aalen-Hofen die Gewanne Himmelhalde, Mühlfeld, Dorfäcker und Haldenfeld,
- auf Gemarkung Aalen-Wasseralfingen das Gewann Sandbett,
- auf Gemarkung Hüttlingen das Gewann Himmelhalde.
(3) Die Schutzgebiete bzw. ihre Grenzen sind in einer Übersichtskarte des Regierungs­präsidiums Stuttgart vom 10. August 2000 im Maßstab 1:25000 flächig rot (Naturschutzgebiet) bzw. flächig grün (Landschaftsschutzgebiet) sowie in einer Detailkarte des Regierungs­präsidiums Stuttgart vom 10. August 2000 im Maßstab 1:2500 rot (Naturschutzgebiet) bzw. grün (Landschaftsschutzgebiet) angeschummert eingetragen; Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart, bei der Stadt Aalen und beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen für die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündigung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Sicherung und der Erhalt eines relativ ungestörten Vorkommens der altpleistozänen Goldshöfer Sande auf einer Hügelkuppe im Albvorland
- als einzigartiges Zeugnis der Erdgeschichte von regionalgeologischer Bedeutung;
- als erd- und landschaftsgeschichtliches Dokument aus geowissenschaftlichen und landschaftskundlichen Gründen sowie wegen der überregionalen Bedeutung für Forschung, Lehre und Bildung;
- wegen des Erhaltungszustandes und der Fossilhöffigkeit als Reservatsfläche für künftige Forschungen;
- als Demonstrations- und Referenzobjekt;
- als bislang einziger großräumiger Geotop dieser Typlokalität mit Schutzstatus,
der durch die Mischung von Äckern, Weiden, Wiesen und Obstwiesen charakterisierten landwirtschaftlichen Nutzfläche mitsamt der Verzahnung des Offenlandes mit vielfältigen Gehölzstrukturen wie Waldrändern, Feldgehölzen, Hecken, Büschen und Einzelbäumen
- als Brut- und Lebensraum sowie Rückzugsgebiet z.T. stark gefährdeter Vogelarten;
- um die Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushalts zu gewährleisten;
- um die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten;
- um die Vielfalt, Schönheit und Eigenart von Natur und Landschaft und damit auch ihren Erholungswert zu erhalten und
- um die Landschafts- und Freiraumfunktionen im Siedlungsband (Essingen - bzw.) Unterkochen - Aalen - Wasseralfingen - Hüttlingen zu sichern.
(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung, Veränderung des Schutzgegenstandes oder seines Naturhaushalts oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.
1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen, Aufschüttungen und Abgrabungen;
3. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen, davon ausgenommen die Flurstücksnummern 309/1 tw. und 309/2 tw.;
5. Pflanzenschutzmittel; Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden;
6. Einfriedungen zu errichten.
2. das Gebiet außerhalb von Wegen von mindestens 2 Metern Breite mit Fahrrädern oder ähnlichem zu befahren, davon ausgenommen sind Krankenfahrstühle;
3. im Gebiet außerhalb von befestigten Wegen zu reiten;
4. das Gebiet außerhalb von Wegen mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren;
5. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge, Verkaufsstände oder mobile Werbeanlagen aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;
6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie Flugmodelle aufsteigen zu lassen oder das Gebiet mit Flugmodellen zu überfliegen.
2. Feuer anzumachen oder zu unterhalten oder Feuerstellen anzulegen, ausgenommen ist das Verbrennen von Baumschnitt;
(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass
3. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen werden;
5. Feldraine, ungenutztes Gelände, Gebüsche, Hecken, Bäume und Feldgehölze nicht beeinträchtigt werden.
1. die Zusammensetzung der Baumarten aus standortheimischen Arten gemäß der potenziell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird;
2. stehendes Totholz, Höhlenbäume und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden, es sei denn, dass dies aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nicht möglich ist;
3. der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen Wegen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgt.
1. Hochsitze landschaftsgerecht in die Umgebung eingebunden werden;
2. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, es sei denn, das Verlassen befestigter Wege ist zu Transportzwecken unumgänglich und erfolgt unter Berücksichtigung des Schutzzweckes.
(4) Bei Nutzung der Sandgruben für den Eigenbedarf gelten die Verbote des § 4 nicht unter der Voraussetzung, dass
1. die Arbeiten den Schutzzweck nicht gefährden. Der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart, dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg und dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart ist deshalb jederzeit Zutritt zu den Arbeitsstellen zu gewähren;
2. Fossilfunde in Fundlage belassen und unverzüglich dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg oder der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart gemeldet werden. Die Fundstelle ist bis zum Ablauf des vierten Werktages nach der Anzeige in unverändertem Zustand zu belassen. Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart und seine Beauftragten sind berechtigt, die gefundenen Fossilien zu bergen, wissenschaftlich auszuwerten und für das Land in Besitz zu nehmen. Bei Beteiligung von Geowissenschaftlern am Fund/an der Grabung erfolgt die wissenschaftliche Auswertung in Zusammenarbeit mit diesen.
Schutzzweck im Landschaftsschutzgebiet ist die Sicherung, der Erhalt und die Entwicklung eines beispielhaften, landschaftstypischen Ausschnitts der Goldshöfer Terrassenplatten als Untereinheit der naturräumlichen Einheit Östliches Albvorland, um die auf weitgehend extensiver Nutzung beruhende
- Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts zu erhalten oder zu verbessern, insbesondere die kleinklimatische Ausgleichsfunktion der landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Freiraumfunktion im Siedlungsband Aalen-Wasseralfingen-Hüttlingen;
- Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten oder zu verbessern, insbesondere der extensiv genutzten Wiesen, Weiden und Gehölzstrukturen als Lebensraum einer durch seltene Arten gekennzeichneten Vogelwelt sowie als Wasserschutz- und Frischluftentstehungsgebiet;
- Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft zu erhalten und zu steigern, teils aus ökologischen Gründen, teils wegen ihres besonderen Erholungswertes für die Allgemeinheit.
- der Naturhaushalt geschädigt,
- die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,
- eine im Sinne des § 6 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,
- das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder
- bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;
- Einfriedungen zu errichten;
- Flugplätze, Gelände für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitsegel, Sprungfallschirme u.a.) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen, anzulegen oder zu verändern, oder Flugmodelle aufsteigen zu lassen oder das Gebiet mit Flugmodellen zu überfliegen;
- in Schutzzone 1 außerhalb befestigter Wege zu reiten;
- Grünland in Schutzzone 1 umzubrechen;
- zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge, Verkaufsstände oder mobile Werbeanlagen aufzustellen;
3. Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 7 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, dass die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich entgegenlaufen.
1. Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 7 und 8 gelten nicht für die
- ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, dass
b) Grünland in Schutzzone 1 nicht umgebrochen wird;
c) wesentliche Landschaftsbestandteile wie Büsche, Hecken, Einzelbäume, Obstwiesen, Feld- und Ufergehölze und ähnliche Landschaftselemente, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes und im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen, nicht beseitigt, verändert oder beeinträchtigt werden;
- ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung mit der Maßgabe, dass
a) die Zusammensetzung der Baumarten aus standortheimischen Arten gemäß der potenziell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird;
b) stehendes Totholz, Höhlenbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden, es sei denn, dass dies aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nicht möglich ist.
- ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, dass
b) das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, es sei denn, das Verlassen befestigter Wege ist zu Transportzwecken unumgänglich und erfolgt unter Berücksichtigung des Schutzzweckes.
- ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, dass
a) Besatzmaßnahmen nur mit standortheimischen Fischarten erfolgen;
b) das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird.
2. Unberührt bleiben auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang unter der Voraussetzung, dass auf die Ökologie des Braunkehlchens Rücksicht genommen wird.
3. Unberührt bleiben auch behördlich angeordnete Beschilderungen.
Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung - im Wald im Einvernehmen mit dem Staatlicher Forstamt und auf Goldshöfer Sanden in Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg - festgesetzt.
Für geowissenschaftliche Lehr- und Forschungszwecke sollen Aufschlüsse angelegt und durch Pflegemaßnahmen der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart - in Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg- in dem dafür vorgesehenen Zustand erhalten werden. Die Zugänglichkeit für Exkursionen und Untersuchungen ist zu gewährleisten.
Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer in dem Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Abs. 3 und § 9 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

References: § 28
 § 2
 § 4
 § 4
 § 6
 § 7
 § 40
 § 5
 § 9