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Timestamp: 2020-08-06 12:35:23+00:00

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Verjährungshemmung mittels Güteantrag | Rechtslupe
Die­ser erfasst alle mate­ri­ell­recht­li­chen Ansprü­che, die sich im Rah­men des Rechts­schutz­be­geh­rens aus dem zur Ent­schei­dung unter­brei­te­ten Lebens­sach­ver­halt her­lei­ten las­sen, in Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­len folg­lich sämt­li­che Pflicht­ver­let­zun­gen eines zu einer Anla­ge­ent­schei­dung füh­ren­den Bera­tungs­vor­gangs, und zwar ohne Rück­sicht dar­auf, ob die­se Pflicht­ver­let­zun­gen vor­ge­tra­gen wor­den sind oder vor­ge­tra­gen hät­ten wer­den kön­nen [1].
Dem­entspre­chend wird die Ver­jäh­rung der Ansprü­che für jeden einer Anla­ge­ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Bera­tungs­feh­ler gehemmt, wenn in unver­jähr­ter Zeit wegen eines oder meh­re­rer Bera­tungs­feh­ler Kla­ge erho­ben oder ein Mahn- oder Güte­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wird [2].
Ohne die nöti­ge Indi­vi­dua­li­sie­rung des gel­tend gemach­ten pro­zes­sua­len Anspruchs tritt eine Hem­mung der Ver­jäh­rung nicht ein; sie kann nach Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist auch nicht mehr ver­jäh­rungs­hem­mend nach­ge­holt wer­den [3].
Der Rege­lung des § 204 BGB liegt das Prin­zip zugrun­de, dass die Ver­jäh­rung durch eine akti­ve Rechts­ver­fol­gung des Gläu­bi­gers gehemmt wird, die einen auf die Durch­set­zung sei­nes Anspruchs gerich­te­ten Wil­len für den Schuld­ner erkenn­bar macht; der Gläu­bi­ger muss dem Schuld­ner sei­nen Rechts­ver­fol­gungs­wil­len so klar machen, dass die­ser sich dar­auf ein­rich­ten muss, auch nach Ablauf der (ursprüng­li­chen) Ver­jäh­rungs­zeit in Anspruch genom­men zu wer­den [4]. Ent­schei­dend ist mit­hin, ob die kon­kre­te Maß­nah­me der Rechts­ver­fol­gung die gefor­der­te Warn­funk­ti­on erfüllt [5]. Der Anspruchs­geg­ner muss erken­nen kön­nen, „wor­um es geht“.
Für die hin­rei­chen­de Indi­vi­dua­li­sie­rung des gel­tend gemach­ten Anspruchs im Mahn­an­trag (Mahn­be­scheid; § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB) ist maß­geb­lich, dass der Anspruch durch sei­ne Kenn­zeich­nung von ande­ren Ansprü­chen so unter­schie­den und abge­grenzt wer­den kann, dass er Grund­la­ge eines der mate­ri­el­len Rechts­kraft fähi­gen Voll­stre­ckungs­be­scheids sein kann und dem Schuld­ner die Beur­tei­lung ermög­licht, ob er sich gegen den Anspruch zur Wehr set­zen will. Wann die­sen Anfor­de­run­gen Genü­ge getan ist, kann nicht all­ge­mein und abs­trakt fest­ge­legt wer­den; viel­mehr hän­gen Art und Umfang der erfor­der­li­chen Anga­ben im Ein­zel­fall von dem zwi­schen den Par­tei­en bestehen­den Rechts­ver­hält­nis und der Art des Anspruchs ab [6].
Die­se den Mahn­an­trag (Mahn­be­scheid) betref­fen­den Erwä­gun­gen gel­ten unter Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten des Güte­ver­fah­rens auch für die Ver­jäh­rungs­hem­mung durch Bekannt­ga­be des Güte­an­trags (§ 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB) [7].
Der Güte­an­trag muss zum einen die for­ma­len Anfor­de­run­gen erfül­len, die von den für die Tätig­keit der jewei­li­gen Güte­stel­le maß­geb­li­chen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten gefor­dert wer­den [8].
Zum ande­ren muss der Güte­an­trag für den Schuld­ner erken­nen las­sen, wel­cher Anspruch gegen ihn gel­tend gemacht wer­den soll, damit er prü­fen kann, ob eine Ver­tei­di­gung erfolg­ver­spre­chend ist und ob er in das Güte­ver­fah­ren ein­tre­ten möch­te [9].
Dem­entspre­chend muss der Güte­an­trag einen bestimm­ten Rechts­durch­set­zungs­wil­len des Gläu­bi­gers unmiss­ver­ständ­lich kund­ge­ben und hier­zu die Streit­sa­che dar­stel­len sowie das kon­kre­te Begeh­ren erken­nen las­sen [10]. Der ver­folg­te Anspruch ist hin­rei­chend genau zu bezeich­nen [11].
Frei­lich sind inso­weit kei­ne all­zu stren­gen Anfor­de­run­gen zu stel­len. Denn das Güte­ver­fah­ren zielt – anders als die Kla­ge­er­he­bung oder das Mahn­ver­fah­ren – auf eine außer­ge­richt­li­che güt­li­che Bei­le­gung des Rechts­streits ab und führt erst im Fal­le einer Eini­gung der Par­tei­en zur Schaf­fung eines die­ser Eini­gung ent­spre­chen­den voll­streck­ba­ren Titels (§ 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO); auch besteht kei­ne strik­te Antrags­bin­dung wie im Mahn- oder Kla­ge­ver­fah­ren [12]. Ande­rer­seits ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Güte­an­trag an die Güte­stel­le als neu­tra­len Schlich­ter und Ver­mitt­ler gerich­tet wird und die­se zur Wahr­neh­mung ihrer Funk­ti­on aus­rei­chend über den Gegen­stand des Ver­fah­rens infor­miert wer­den muss [13].
Zufol­ge die­ser Grund­sät­ze hat der Güte­an­trag in Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­len regel­mä­ßig die kon­kre­te Kapi­tal­an­la­ge zu bezeich­nen, die Zeich­nungs­sum­me sowie den (unge­fäh­ren) Bera­tungs­zeit­raum anzu­ge­ben und den Her­gang der Bera­tung min­des­tens im Gro­ben zu umrei­ßen; fer­ner ist das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel zumin­dest soweit zu umschrei­ben, dass dem Geg­ner (und der Güte­stel­le) ein Rück­schluss auf Art und Umfang der ver­folg­ten For­de­rung mög­lich ist [14]. Eine genaue Bezif­fe­rung der For­de­rung muss der Güte­an­trag sei­ner Funk­ti­on gemäß dem­ge­gen­über grund­sätz­lich nicht ent­hal­ten [15].
Hier­nach genüg­te in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Güte­an­trag der Klä­ger nicht den Anfor­de­run­gen an die für die Bewir­kung der Ver­jäh­rungs­hem­mung nöti­ge Indi­vi­dua­li­sie­rung des gel­tend gemach­ten Anspruchs. Dies gilt auch unter Berück­sich­ti­gung der Vor­ga­ben in § 5 Satz 3 des Schlich­tungs­ge­set­zes Baden-Würt­tem­berg und in § 3 Abs. 1 Satz 4 der Ver­fah­rens­ord­nung der Güte­stel­le, wonach der Güte­an­trag „eine kur­ze Dar­stel­lung der Streit­sa­che, den Gegen­stand des Streits und des Begeh­rens“ ent­hal­ten muss; inso­weit bestehen kei­ne Abwei­chun­gen von den all­ge­mein gel­ten­den Grund­sät­zen [16].
Bei dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Güte­an­trag der Klä­ger han­delt es sich um einen von den vor­in­stanz­li­chen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger im Inter­net zur Ver­fü­gung gestell­ten „Mus­ter­an­trag“, der senats­be­kannt in sehr gro­ßer Zahl ver­wen­det wur­de [17] und kei­nen Bezug zum kon­kre­ten Bera­tungs­her­gang in dem der Güte­stel­le vor­ge­leg­ten Ein­zel­fall auf­weist. Er ent­hält als indi­vi­du­el­le Anga­ben ledig­lich die Namen der Klä­ger (als Anle­ger, Gläu­bi­ger und Antrag­stel­ler) sowie die Bezeich­nung des Anla­ge­fonds (hier: F. -Fonds 68) und nennt weder die Zeich­nungs­sum­me noch den (unge­fäh­ren) Bera­tungs­zeit­raum noch ande­re die getä­tig­te Anla­ge indi­vi­dua­li­sie­ren­de Tat­sa­chen. Damit war es der Beklag­ten, die im Struk­tur­ver­trieb eine gro­ße Zahl von Kapi­tal­an­la­gen unter Mit­hil­fe einer Viel­zahl von für sie täti­gen Bera­tern und Ver­mitt­lern ver­trie­ben hat, allen­falls unter grö­ße­ren Mühen mög­lich fest­zu­stel­len, um wel­che Anla­ge­be­ra­tung es im vor­lie­gen­den Fall geht. Um den Jah­res­wech­sel 2011/​2012 sah sich die Beklag­te ange­sichts des Ablaufs der für die vor dem Jahr 2002 statt­ge­fun­de­nen Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­le gel­ten­den kennt­nis­un­ab­hän­gi­gen Ver­jäh­rungs­frist des § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB am 2.01.2012 (Art. 229 § 6 Abs. 1 und 4 EGBGB) zudem einer Viel­zahl von Güte­an­trä­gen gegen­über, wäh­rend die han­dels­recht­li­chen Auf­be­wah­rungs­fris­ten (§ 257 HGB) für die­se Bera­tungs­fäl­le in den aller­meis­ten Fäl­len bereits abge­lau­fen waren [18]. Vor die­sem Hin­ter­grund genüg­ten die Anga­ben des Güte­an­trags nicht für die nöti­ge Indi­vi­dua­li­sie­rung des dem Anspruchs­be­geh­ren zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halts.
Auch das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel wird in dem Güte­an­trag nicht aus­rei­chend beschrie­ben. Zwar ist von „Scha­dens­er­satz aus feh­ler­haf­ter Anla­ge­be­ra­tung“ sowie davon die Rede, dass ein Anspruch gel­tend gemacht wer­de, „so gestellt zu wer­den, als hätte/​n ich/​wir die Betei­li­gung nie getä­tigt“. Damit bleibt jedoch offen, ob der voll­stän­di­ge Zeich­nungs­scha­den (und zwar: mit oder ohne Dar­le­hens­kos­ten?) oder nur ein Dif­fe­renz­scha­den (z.B. nach zwi­schen­zeit­li­cher Ver­äu­ße­rung der Betei­li­gung oder unter Gel­tend­ma­chung einer güns­ti­ge­ren Alter­na­tiv­be­tei­li­gung) begehrt wird. Die Grö­ßen­ord­nung des gel­tend gemach­ten Anspruchs ist für die Beklag­te (als Antrags­geg­ne­rin und Schuld­ne­rin) nicht im Ansatz zu erken­nen gewe­sen. Ein vor­gän­gi­ges Anspruchs­schrei­ben der Klä­ger, auf des­sen Inhalt hät­te Bezug genom­men und das als Anla­ge dem Güte­an­trag hät­te bei­gefügt wer­den kön­nen, hat es nicht gege­ben. Unter die­sen Umstän­den war es auch für die Güte­stel­le nicht mög­lich, im Wege eines Schlich­tungs­ver­suchs einen Ver­gleichs­vor­schlag zu unter­brei­ten [19].
vgl. BGH, Urtei­le vom 22.10.2013 – XI ZR 42/​12 aaO S. 298 ff Rn. 15 ff und – XI ZR 57/​12 aaO Rn. 15 ff sowie Beschluss vom 21.10.2014 aaO S. 59 ff Rn. 142 ff; s. auch BGH, Urteil vom 26.06.1996 – XII ZR 38/​95, NJW-RR 1996, 1409 f [zu § 209 Abs. 1 BGB aF] und BGH, Beschluss vom 26.02.2015 – III ZR 53/​14, Beck­RS 2015, 04823 Rn. 1[↩]
s. BGH, Beschluss vom 21.10.2014 aaO S. 60 f Rn. 145 f; s. auch Bun­des­ge­richts­hof aaO; OLG Frank­furt am Main, WM 2014, 2361 f; OLG Stutt­gart, Urteil vom 04.02.2015 – 3 U 126/​13, Beck­RS 2015, 06046 Rn. 29; Grü­ne­berg, WM 2014, 1109, 1111 f; a.A. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 02.05.2013 – I6 U 84/​12, Beck­RS 2013, 09015; OLG Bam­berg, BKR 2014, 334, 335 f Rn. 33 ff, 43, 47; OLG Karls­ru­he, WM 2015, 474, 476; s. auch Duch­stein, NJW 2014, 342, 345[↩]
Münch­Komm-BGB/­Gro­the, 6. Aufl., § 204 Rn. 36; s. auch OLG Hamm, Urteil vom 04.12 2014 – 34 U 30/​14, Beck­RS 2015, 03463 Rn. 53[↩]
s. OLG Hamm, WM 2015, 611, 613; OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 09.07.2014 – 17 U 172/​13, Beck­RS 2014, 15969 Rn. 25 f und WM 2014, 2361, 2362; OLG Karls­ru­he, WM 2015, 474, 475; KG, Urteil vom 08.01.2015 – 8 U 141/​13, Beck­RS 2015, 03316 Rn. 46 f; Grü­ne­berg, WM 2014, 1109, 1111 f[↩]
s. etwa BGH, Urtei­le vom 09.11.2007 – V ZR 25/​07, NJW 2008, 506 Rn. 12 sowie vom 22.02.2008 – V ZR 86/​07, Beck­RS 2008, 04680 Rn. 10 und – V ZR 87/​07, Beck­RS 2008, 04681 Rn. 10; s. fer­ner OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 09.07.2014 aaO Rn. 26 und WM 2014 aaO; OLG Karls­ru­he, Urteil vom 30.12 2014 – 9a U 12/​14, Beck­RS 2015, 08433 Rn. 56; KG aaO Rn. 47[↩]
s. OLG Dres­den, Beschluss vom 06.02.2014 – 5 U 1320/​13, Beck­RS 2014, 15965 Rn. 12; OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 09.07.2014 aaO und WM 2014 aaO; OLG Karls­ru­he, WM 2015 aaO und Urteil vom 30.12 2014 aaO Rn. 55; KG aaO Rn. 47, 50; Duch­stein, NJW 2014, 342, 343, 344[↩]
OLG Hamm, Urteil vom 04.12 2014 aaO Rn. 53; Münch­Komm-BGB/­Gro­the aaO[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 22.09.2009 – XI ZR 230/​08, BGHZ 182, 284, 287 Rn. 13; OLG Mün­chen, Urteil vom 06.11.2013 – 20 U 2064/​13, Beck­RS 2013, 19644 unter – II 5; OLG Hamm, Urteil vom 04.12 2014 aaO und WM 2015 aaO; OLG Dres­den aaO Rn. 13; OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 09.07.2014 aaO und WM 2014 aaO; OLG Karls­ru­he, WM 2015 aaO; KG aaO Rn. 47; Staudinger/​Peters/​Jacoby, BGB [2014], § 204 Rn. 61[↩]
Güte­an­trä­ge in Kapi­tal­an­la­ge­be­ra­tungs­fäl­len – und… Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich erneut ((Bestä­ti­gung der BGH, Urtei­le vom 18.06.2015 – III ZR 303/​14 und – III ZR 198/​14)) mit der Reich­wei­te der Ver­jäh­rungs­hem­mung…

References: § 204
 § 204
 § 5
 § 3
 § 199
 § 6
 § 209
 § 204
 § 204