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Timestamp: 2018-11-16 12:33:33+00:00

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Die Insassen-Unfallversicherung - Im Zusammenspiel zwischen Haftpflicht-, Privatversicherungs-und Sozialversicherungsrecht - PDF
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1 Die Insassen- - Im Zusammenspiel zwischen Haftpflicht-, Privatversicherungs-und Sozialversicherungsrecht HAVE Prof. Dr. Agenda 1. Herkunft der Insassenversicherung 2. Bedeutung und Charakteristik der Insassenversicherung Art. 62 Abs. 3 SVG und Art. 72 VVG 5. Sozialversicherungen 1
2 Herkunft der Insassen- Entlehnung des Gedankengutes von altart. 13 EHG, wonach derjenige, der für einen anderen eine Versicherung abschliesst und für die Prämien aufkommt, daraus einen eigenen Vorteil ziehen soll Aufnahme in die Botschaft und den Entwurf zum SVG Umsetzung in praktisch unveränderter Fassung in Art. 62 Abs. 3 SVG Bedeutung der Insassen- In einem Umfeld der sozialversicherungsrechtlichen Absicherung Ergänzung bestehender Leistungsangebote Deckung unzureichender Sozialversicherungsdeckung Generell nicht erwerbstätige Personen Speziell Kinder 2
3 Die versicherten Personen: Umschreibung des Versichertenkreises gemäss Vertrag Unklarheiten gehen zu Lasten des Versicherers Anzutreffen sind u.a. folgende Ein- und Abgrenzungen: «Insassen» des Fahrzeuges «Mitfahrer» des Fahrzeuges (auch Lenker, BGE 117 II 609) Weitere Personenkreise, z.b. Personen, die am Unfallort Hilfe leisten Personen, die beim Ein- und Aussteigen behilflich sind Personen, die bei notwendigen Hantierungen am Fahrzeug unterwegs einen Unfall erleiden Eigen- und Fremdversicherung Für den Halter bildet die Insassen- eine Eigenversicherung Für die übrigen Versicherten (Lenker, Mitfahrer, weitere Dritte) bildet sie hingegen eine Fremdversicherung Häufig daher: Kombinierte Eigen-und Fremdversicherung 3
4 Kollektivversicherung Mehrzahl (im voraus i.d.r. unbestimmter) Personen als Versicherte Selbständiges Forderungsrecht: Art. 87 VVG: «Aus der kollektiven Unfall-oder Krankenversicherung steht demjenigen, zu dessen Gunsten die Versicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungsrecht gegen den Versicherer zu.» Versicherte Risiken: Massgeblichkeit der versicherungsvertraglichen Vereinbarungen I.d.R. Unfälle während der Fahrt sowie beim Ein-und Aussteigen Häufig Anlehnung der AVB an Unfallbegriff nach Art. 4 ATSG Nicht selten: Zusätzliche Risikoeinschlüsse, z.b. Schädigungen durch unfreiwilliges Einatmen von Gasen oder Dämpfen Erfrierungen, Hitzschlag, Sonnenstich Schädigungen durch Vergiftungen und Verätzungen Ertrinken 4
5 Versicherte Risiken: Ausserdem aber Risikoausschlüsse, z.b. Der Fahrzeugführer verfügt über keine Fahrerlaubnis, was die Mitfahrer bei gehöriger Aufmerksamkeit hätten erkennen können Fahrten auf Renn- und Trainingsstrecken Fahrten in entwendeten Fahrzeugen Versicherte Leistungen: Massgeblichkeit der versicherungsvertraglichen Vereinbarungen Heute üblich: Heilungskosten (insbes. Spitalabzug nach Art. 27 UVV) Taggeld Invaliditätskapital Todesfallkapital Reise-, Transport- und Rettungskosten Überführungs- und Bestattungskosten Vergütung von Sachschäden Behandlungskosten mitgeführter Haustiere 5
6 Versicherte Leistungen: Schaden- oder Summenversicherungsleistungen? Keine Abweichung von den generellen Unterscheidungskriterien Allerdings: Art. 62 Abs. 3 VVG Auch Art. 96 VVG unterworfene Summenversicherungsleistungen unterliegen der Anrechnung und werden insofern wie Schadensversicherungsleistungen behandelt Die Ausgangslage gemäss Art. 62 Abs. 3 SVG: «Leistungen an den Geschädigten aus einer privaten Versicherung, deren Prämien ganz oder teilweise vom Halter bezahlt wurden, sind im Verhältnis seines Prämienbeitrages auf seine Ersatzpflicht anzurechnen.» 6
7 Hauptaspekte der Regelung Anrechnung von Gesetzes wegen an die Ersatzpflicht des Halters Die Anrechnung erfolgt proportional zur Prämientragung Die Anrechnung kann durch anderslautende vertragliche Bestimmungen ausgeschlossen werden Anrechnung an die Ersatzpflicht des Halters Von Gesetzes wegen zulässig Keine explizite Regelung in der Police oder den AVB erforderlich Umfassende Anrechnung, sofern kein Ausschluss vereinbart Allerdings unter Beachtung des Kongruenzgrundsatzes Ausschluss der Anrechnung z.t. auf bestimmte Leistungsarten beschränkt 7
8 Anrechnung an die Ersatzpflicht des Halters Anrechnung nur auf die persönliche Ersatzpflicht des Halters oder auch auf die Ersatzpflicht des Haftpflichtversicherers? Problematik: Insassenversicherung kombiniert mit Haftpflichtversicherung bei demselben Versicherer Prämienbezug für beide Versicherungen, aber Leistungsanrechnung Zulässigkeit gemäss BGer bejaht (BGE 97 II 259) Befürwortend auch BREHM: «Bereicherung des Geschädigten wird vermieden» Anrechnung an die Ersatzpflicht des Halters Kritik an der Anrechnung zugunsten des Haftpflichtversicherers: Bereicherung des Geschädigten wäre ohnehin nur im Rahmen der Schadensversicherung zu prüfen, hier greift aber bereits Art. 72 VVG Besserstellung des Versicherers, der für beide Leistungen Prämien vereinnahmt lässt sich kaum begründen Art. 62 Abs. 3 SVG als Ausnahme zu Art. 96 VVG sollte nur dort angewendet werden, wo alle Voraussetzungen zweckentsprechend erfüllt sind 8
9 Anrechnung an die Ersatzpflicht des Halters Fazit: Anrechnung sollte nur auf die persönliche Ersatzpflicht des Halters erfolgen Keine Anrechnung auf die Ersatzpflicht des Haftpflichtversicherers Daher wohl in der Praxis: Einschränkung der Anrechnung auf die Rückgriffsforderung nach Art. 65 Abs. 3 SVG Anrechnung an die Ersatzpflicht des Lenkers? Lenker ist nicht Prämienzahler i.s.v. Art. 62 Abs. 3 SVG, aber da der Halter für das Verschulden des Lenkers gemäss Art. 58 Abs. 4 SVG einzustehen hat, sollte eine Anrechnung an die (persönliche) Ersatzpflicht des Lenkers zugelassen sein. I.d.R. entsprechende Umsetzung in den AVB 9
10 Anrechnung an die Ersatzpflicht eines Dritthaftpflichtigen? Haftet mit dem Halter (solidarisch) ein Dritthaftpflichtiger, bringt Art. 62 Abs. 3 SVG heikle Anrechnungsproblematiken mit sich Darf auch der Dritthaftpflichtige von den Leistungen der Insassenversicherung profitieren? Anrechnung an die Ersatzpflicht eines Dritthaftpflichtigen? Variante 1: Volle Anrechnung (WYNIGER, OSWALD) Schaden CHF Leistungen Insassenversicherung CHF Haftungsquote Dritter 80%, Halter 20% Somit = Dritter 10
11 Anrechnung an die Ersatzpflicht eines Dritthaftpflichtigen? Var. 2: Anrechnung bis zur Ersatzpflicht des Halters (BGE 97 II 259) Schaden CHF Leistungen Insassenversicherung CHF Haftungsquote Dritter 80%, Halter 20% Volle Ersatzpflicht des Dritten: CHF Anrechnung an die Ersatzpflicht des Halters CHF Darüber hinaus Kumulation, somit total CHF zugunsten des Geschädigten Art. 62 Abs. 3 SVG und Art. 72/96 VVG Art. 62 Abs. 3 SVG macht aus Summenversicherungsleistungen keine Schadensversicherungsleistungen Die Anrechnungskompetenz überlagert jedoch Art. 96 VVG aus Billigkeitsüberlegungen zugunsten des Halters Eine Kollision von Art. 62 Abs. 3 SVG mit Art. 72 VVG dürfte der historische Gesetzgeber noch nicht erkannt haben 11
12 Art. 62 Abs. 3 SVG und Art. 72/96 VVG Wirkungen von Art. 62 Abs. 3 SVG bei Schadensversicherungsleistungen: Versicherer subrogiertzwar in die Ansprüche der geschädigten Person Die Regressforderung gegen den Halter bleibt jedoch mit der Anrechnungseinrede nach Art. 62 Abs. 3 SVG belastet Gegenüber einem Dritthaftpflichtigen erfolgt demgegenüber keine Anrechnung nach Art. 62 Abs. 3 SVG, es gilt daher bei mehreren Haftpflichtigen: Regress gegen Dritte möglich, soweit die Insassenversicherungsleistungen den vom Halter im Innenverhältnis zu tragenden Anteil übersteigen Art. 62 Abs. 3 SVG und Sozialversicherungsregress Koordination von Leistungen der Insassenversicherung und der Sozialversicherungen im Allgemeinen Grundsatz der Subsidiarität der Privatversicherungsleistungen Den Sozialversicherungen ist es nicht gestattet, Leistungen der Insassenversicherung anzurechnen Den Anbietern der Insassen- steht es offen, die Leistungen bzw. einzelne Leistungsarten unter Anrechnung der kongruenten Sozialversicherungsleistungen auszurichten bzw. zu kürzen Z.B. betreffen Heilungskosten: «Sind die Heilungskosten aufgrund der obligatorischen, der Krankenversicherung, der Militärversicherung oder der Invalidenversicherung versichert, erbringt der Versicherer nur ergänzende Leistungen. Selbstbehalte, Kostenbeteiligungen und gesetzliche Abzüge werden nicht übernommen.» 12
13 Art. 62 Abs. 3 SVG und Sozialversicherungsregress Wirkungen der Insassenversicherungs-Leistungen auf den Sozialversicherungsregress? Frühere Regelungen über den Regress bei obligatorischer Motorradunfallversicherung i.s.v. altart. 78 SVG kann keine Anwendung auf Insassenversicherungs-Leistungen finden ( altart. 100 Abs. 2 KUVG) Der Sozialversicherer kann im Rahmen des Regresses nichts gegen die Anrechnung der Leistungen der Insassenversicherung einwenden Daher: Besondere Beachtlichkeit der Kongruenz im Rahmen der Anrechnung nach Art. 62 Abs. 3 SVG Aber: Wohl keine Anrechnung der Insassenversicherungs-Leistungen im Sozialversicherungsregress, wenn Vorabkoordination zwischen Insassenversicherung und Sozialversicherungsleistungen erfolgt ist Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 13

References: Art. 62
 Art. 72
 Art. 62
 BGE 
 Art. 87
 Art. 4
 Art. 27
 Art. 62
 Art. 96
 Art. 62
 BGer 
 Art. 72
 Art. 62
 Art. 96
 Art. 65
 Art. 62
 Art. 58
 Art. 62
 Art. 62
 Art. 72
 Art. 62
 Art. 96
 Art. 62
 Art. 72
 Art. 62
 Art. 72
 Art. 62
 Art. 62
 Art. 62
 Art. 62
 Art. 62
 Art. 62