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Timestamp: 2019-07-19 23:41:02+00:00

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Körperschaftsteuerbescheid und Gewinnfeststellung bei einer KGaA | Rechtslupe
Die Frage, ob an körperschaftsteuerpflichtigen Einkünften und mit ihnen in Zusammenhang stehenden anderen Besteuerungsgrundlagen mehrere Personen beteiligt sind und ob die Einkünfte diesen Personen steuerlich zuzurechnen sind, ist grundsätzlich im Gewinnfeststellungsverfahren gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO zu beantworten.
Ein Feststellungsverfahren ist bereits dann durchzuführen, wenn zweifelhaft ist, ob die hierfür erforderlichen Voraussetzungen vorliegen. Die Entscheidung über das Erfordernis oder Nichterfordernis einer gesonderten Feststellung kann verbindlich nur in dem -vorliegend noch einzuleitenden- Grundlagenverfahren getroffen werden. Dementsprechend ist ein positiver oder negativer Feststellungsbescheid gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO dann zu erlassen, wenn eine gesonderte Feststellung aufgrund des (ggf. streitigen) Sachverhalts möglich erscheint1. Diese (positiven oder negativen) Feststellungen sind für einen Folgebescheid -wie den Körperschaftsteuerbescheid- bindend (§ 182 Abs. 1 Satz 1 AO).
Aus diesem Grund hat das Finanzgericht das Verfahren betreffend den Folgebescheid (hier: Körperschaftsteuerbescheid) gemäß § 74 FGO auszusetzen, wenn in ihm Einwendungen erhoben werden, über die in einem Grundlagenbescheid zu entscheiden ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Grundlagenbescheid bereits ergangen und angefochten ist oder ob ein solcher erst noch ergehen muss2.
Nach diesen Grundsätzen ist auch die Frage, ob die Ergebnisanteile des persönlich haftenden Gesellschafters einer KGaA Gegenstand eines Verfahrens zur gesonderten und einheitlichen Feststellung sind, in dem Feststellungsverfahren zu klären3. Der Bundesfinanzhof hat diese Frage ausdrücklich offen gelassen4. Hinzu kommt, dass sich dem Schrifttum kein einheitliches Meinungsbild entnehmen lässt5.
Dies gilt auch, wenn neben der klagenden persönlich haftenden Gesellscchafterin keine weiteren persönlich haftenden Gesellschafter an der KGaA beteiligt waren. Ob eine gesonderte Feststellung gemäß der Ausnahmevorschrift des § 180 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 AO nicht erforderlich ist, kann bei Zweifeln ebenfalls nur durch das für die gesonderte Feststellung zuständige Finanzamt entschieden werden6.
Entgegen der Ansicht des Hessischen Finanzgerichts7 kann in der Einspruchsentscheidung des Finanzamt hinsichtlich des Körperschaftsteuerbescheides keine bindende Ablehnung einer Feststellung gesehen werden. Selbst wenn man dem Einspruchsbescheid eine schlüssige Ablehnung der Durchführung eines Feststellungsverfahrens entnehmen wollte, fehlt es an dem in einem förmlichen Verfahren zu erlassenden negativen Feststellungsbescheid8. Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn das für dieses Verfahren zuständige Finanzamt gleichzeitig auch für die Festsetzung der Körperschaftsteuer aller an den Einkünften beteiligten Steuerpflichtigen zuständig ist9.
Bundesfinanzhof, Urteil vom 15. März 2017 – I R 41/16
Körperschaftsteuerbescheide – und der fehlende Feststellungsbescheid Körperschaftsteuerpflichtige Einkünfte sind dann gemäß § 179 Abs. 1 i.V.m. § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO gesondert und einheitlich festzustellen, wenn an den Einkünften mehrere Personen beteiligt…
Der persönlich haftende Gesellschafter einer KGaA – und die gesonderte… Hinsichtlich des Gewinnanteils persönlich haftender Gesellschafter einer KGaA ist eine gesonderte Feststellung erforderlich. Ein Feststellungsverfahren nach § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO ist bereits dann durchzuführen, wenn…
BFH, Urteile vom 09.05.1984 – I R 25/81, BFHE 141, 252, BStBl II 1984, 726; in BFH/NV 1996, 592; vom 17.12 2003 – I R 47/02, BFH/NV 2004, 771; BFH, Beschluss vom 29.06.2016 – I B 32/16, BFH/NV 2016, 1679; s.a. BFH, Beschlüsse vom 16.11.2006 – XI B 156/05, BFH/NV 2007, 401; vom 22.08.2013 – X B 16-17/13, BFH/NV 2013, 1763 [↩]
vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 16.04.1993 – I B 173/92, BFH/NV 1993, 745; BFH, Urteile vom 19.04.1989 – X R 3/86, BFHE 156, 383, BStBl II 1989, 596; in BFH/NV 1994, 868 [↩]
BFH, Beschluss in BFH/NV 2016, 1679 [↩]
BFH, Urteil vom 07.12 2011 – I R 5/11, BFH/NV 2012, 556; ebenso BFH, Urteil vom 21.06.1989 – X R 14/88, BFHE 157, 382, BStBl II 1989, 881 [↩]
die Notwendigkeit eines Feststellungsverfahrens bejahend z.B. Brandis in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 180 AO Rz 17; Drüen/van Heek, Deutsches Steuerrecht -DStR- 2012, 541, 547; Desens/Blischke in Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 15 Rz D 17; verneinend z.B. Klein/Ratschow, AO, 13. Aufl., § 180 Rz 6; Koenig, Abgabenordnung, 3. Aufl., § 180 Rz 16 [↩]
BFH, Urteil vom 18.07.1990 – I R 39/89, BFH/NV 1991, 498; BFH, Beschluss vom 12.07.1988 – IX B 28/88, BFH/NV 1989, 87; s.a. BFH, Urteil in BFHE 145, 308, BStBl II 1986, 239 [↩]
Hess. FG, Urteil vom 31.05.2016 – 4 K 1879/13 [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 19.07.1990 – IV R 11/89, BFH/NV 1991, 649 [↩]
BFH, Urteile vom 09.09.2010 – IV R 31/08, BFH/NV 2011, 413; vom 14.02.2008 – IV R 44/05, BFH/NV 2008, 1156 [↩]
FeststellungsbescheidFinanzgerichtsverfahrenGrundlagenbescheidKGaAKörperschaftsteuerbescheidVerfahrensaussetzung

References: § 180
 § 180
 § 74
 § 180
 § 179
 § 180
 § 180
 § 180
 § 15
 § 180
 § 180