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Timestamp: 2016-10-27 04:57:30+00:00

Document:
5A_400/2015 (25.02.2016)
5A_400/2015 � � Urteil vom 25. Februar 2016
vertreten durch Rechtsanw�ltin Ingrid Indermaur,
vertreten durch Rechtsanw�ltin Mich�le Str�hl-Obrist,
Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 11. M�rz 2015.
B.________ und A.________, welche nie zusammengelebt haben, sind die Eltern der 2010 geborenen Tochter C.________. Die Mutter war damals mit einem anderen Mann verheiratet und ist zwischenzeitlich eine neue Ehe eingegangen. Der Vater ist abgewiesener Asylant mit einem vorl�ufigen Bleiberecht und lebt von der Nothilfe in einer Notschlafstelle. Am Anfang hatte er noch Kontakt zu C.________; seit Mai 2011 fand kein Kontakt mehr statt.
Auf Gesuch des Vaters hin beschloss die Vormundschaftsbeh�rde U.________ am 17. September 2012, dem Vater stehe gegen�ber der Tochter im Oktober, November und Dezember 2012 ein begleitetes Besuchsrecht von jeweils zwei Stunden zu. Eine dagegen erhobene Beschwerde des Vaters wies das Departement f�r Justiz und Sicherheit am 12. Dezember 2012 ab.
Am 19. Dezember 2012 ersuchte der Vater erneut um die Regelung des Besuchsrechts. Die KESB U.________ r�umte ihm mit Entscheid vom 24. April 2013 das Recht ein, seine Tochter jeden ersten und dritten Sonntag im Monat f�r jeweils zwei Stunden in Begleitung zu besuchen, unter Errichtung einer Besuchsbeistandschaft.
Die Beist�ndin berichtete am 12. November 2013, dass die Mutter sich jeglicher Kooperation entziehe und sich das Besuchsrecht nicht durchsetzen lasse. Am 19. Februar 2014 genehmigte die KESB den Bericht, unter Aufrechterhaltung der Beistandschaft, und wies die Mutter unter Androhung einer Ungehorsamsstrafe nach Art. 292 StGB an, den pers�nlichen Verkehr zwischen Vater und Tochter zu erm�glichen.
Am 16. Juli 2014 berichtete die Beist�ndin, der Vater suche nach wie vor den Kontakt zu seiner Tochter, aber die Mutter verweigere jegliche Kooperation; es sei ihr (Beist�ndin) unm�glich, ihre Aufgabe wahrzunehmen.
Am 29. Juli 2014 beantragte der Vater, C.________ sei unter die gemeinsame elterliche Sorge zu stellen und die angedrohte Ungehorsamsstrafe sei zu vollziehen. Die Mutter erkl�rte sich damit nicht einverstanden; der Vater k�nne keine Verantwortung tragen und sei im Umgang mit einem Kind �berfordert. Am 19. Dezember 2014 erg�nzte der Vater sein Gesuch dahingehend, dass die Beist�ndin ihn bei seinem ersten Schulbesuch begleiten und soweit erforderlich auch weitere Begleitungen im Schulbereich gew�hrleisten solle.
Mit Entscheid vom 21./22. Januar 2015 genehmigte die KESB U.________ den Bericht der Beist�ndin vom 16. Juli 2014 und hielt an der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter fest. Ferner verf�gte sie die Weiterf�hrung der Beistandschaft und beauftragte die Beist�ndin mit der Organisation und �berwachung der seinerzeit angeordneten Besuche.
Die hiergegen vom Vater erhobene Beschwerde wies das Obergericht des Kantons Thurgau mit Entscheid vom 11. M�rz 2015 ab, soweit es darauf eintrat.
Gegen den obergerichtlichen Entscheid hat der Vater eine Beschwerde in Zivilsachen erhoben mit dem Begehren, C.________ sei unter die gemeinsame elterliche Sorge zu stellen; eventualiter verlangt er die R�ckweisung der Sache an das Obergericht, unter Anweisung zur Errichtung einer Prozessbeistandschaft und Beigabe einer unentgeltlichen Kinderanw�ltin. Ferner verlangt er die unentgeltliche Rechtspflege. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2015 hat das Obergericht die Abweisung der Beschwerde beantragt. Mit Vernehmlassung vom 20. Januar 2016 verlangt die Mutter die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Sodann verlangt auch sie die unentgeltliche Rechtspflege. Am 25. Februar 2016 wurde die Angelegenheit �ffentlich beraten.
Angefochten ist der kantonal letztinstanzliche Endentscheid in einer nicht verm�gensrechtlichen Zivilsache (Art. 72 Abs. 1, Art. 75 Abs. 1 und Art. 90 BGG). Die Beschwerde in Zivilsachen steht mithin offen.
Strittig ist vorab die Frage, ob C.________ im kantonalen Verfahren eine Kindesvertretung h�tte bestellt werden m�ssen.
2.1.�Das Obergericht hat im Zusammenhang mit Art. 314a bis Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. 2 ZGB festgehalten, die blosse Tatsache des Elternkonfliktes gen�ge nicht, weil dies auf ein vom Gesetzgeber nicht gew�nschtes Obligatorium hinauslaufen w�rde. Sodann hat es unter Verweis auf den Basler Kommentar befunden, Kindesvertretungen seien eine sinnvolle Einrichtung und n�tzten als "�bersetzungshilfe" in der manchmal nicht einfachen Kommunikation zwischen Institutionen und Betroffenen; allerdings k�nnten zu viele Beteiligte ein Verfahren auch komplizieren. Anschliessend hat es zum konkreten Fall erwogen, C.________ sei f�nf Jahre alt. Sie kenne ihren Vater nicht und d�rfte bei der Diskussion, ob die gemeinsame elterliche Sorge anzuordnen sei, derzeit die Tragweite des Entscheides kaum erkennen. Dieser werde f�r sie im Moment auch keine direkten Konsequenzen haben. Die KESB sei eine interdisziplin�re Beh�rde und es sei nicht davon auszugehen, dass ihr dabei eine Kindesvertretung angesichts des Alters von C.________ und der Tatsache, dass diese den Vater nicht kennt, behilflich sein k�nnte.
2.2.�Der Beschwerdef�hrer sieht darin eine Verletzung von Art. 299 ZPO sowie von Art. 314a bis ZGB. Er ist der Ansicht, es gebe eine "faktische Vermutung" zugunsten einer Kindesvertretung, sobald die Eltern unterschiedliche Antr�ge stellten. Im �brigen sei die Mutter aufgrund ihrer verweigernden Haltung nicht f�hig, das Kind zu vertreten.
2.3.�Der im Bereich des Kindesschutzes anwendbare Art. 314a bis ZGB entspricht dem in eherechtlichen Verfahren zur Anwendung gelangenden Art. 299 ZPO. Beide Normen auferlegen der Beh�rde bzw. dem Gericht, ex officio zu pr�fen, ob dem Kind als Vertretung in Form eines Beistandes eine in f�rsorgerischen und rechtlichen Fragen erfahrene Person zur Seite zu stellen ist; dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Eltern in Bezug auf das Sorgerecht unterschiedliche Antr�ge stellen (Art. 299 Abs. 2 lit. a ZPO bzw. Art. 314a bis Abs. 2 Ziff. 2 ZGB). Selbst in diesem Fall besteht aber lediglich eine Pr�fungspflicht des Gerichtes und ist die Anordnung einer Kindesvertretung keineswegs imperativ; die Bezeichnung einer Vertretung steht vielmehr im Ermessen des Gerichtes (Urteile 5A_465/2012 vom 18. September 2012 E. 4.1.2; 5A_744/2013 vom 31. Januar 2014 E. 3.2.3).
Die Kindesvertretung hat verschiedene Aspekte, welchen je nach Alter des Kindes und Situation des Einzelfalles unterschiedliches Gewicht zukommt. Ein Teilgehalt besteht darin, dass die Vertretung den Willen des Kindes gegen�ber dem Gericht zum Ausdruck bringt; insbesondere in diesem Bereich ist der gem�ss Art. 308 Abs. 2 ZGB spezifisch f�r die �berwachung des Besuchsrechts eingesetzte Beistand keine Kindesvertretung im Sinn von Art. 299 ZPO bzw. Art. 314a bis ZGB. Der angesprochene Aspekt der Vertretung kann aber nur bei urteilsf�higen Kindern von Belang sein, mithin nicht bei der erst f�nfj�hrigen C.________. Aber bereits bei einem f�nfj�hrigen Kind, welches in der Regel noch nicht gerichtlich angeh�rt wird (vgl. BGE 131 III 553 E. 1.2 S. 555 ff.), k�nnte die Kindesvertretung allenfalls die Funktion eines "Dolmetschers" (vgl. Urteile 5A_465/2012 vom 18. September 2012 E. 4.2; 5A_744/2013 vom 31. Januar 2014 E. 3.3) zwischen Kind und Gericht insofern wahrnehmen, als je nach konkreter Situation ein kindesgerecht gef�hrtes Gespr�ch in einem ungezwungenen Rahmen bereits m�glich ist und sich die Vertretung so ein Bild �ber die Wahrnehmungen des Kindes machen kann. Wie das Obergericht zutreffend ausgef�hrt hat, scheint dies aber in der vorliegenden Situation nicht m�glich, weil das f�nfj�hrige M�dchen den Vater seit Jahren nicht mehr gesehen hat; weder kann es sich an ihn erinnern noch kann es sich vor diesem Hintergrund eine vage Vorstellung davon machen, was die anbegehrten Massnahmen f�r seine Person bedeuten w�rden. Folglich gibt es nichts, was eine Vertretung dem Gericht im Sinn eines "Dolmetschers" �bermitteln k�nnte. Ein weiterer Aspekt der Kindesvertretung ist, dass sich diese ein Bild von der konkreten Situation (�rtlich, h�uslich, schulisch, Interaktion zwischen Kind und Eltern sowie Geschwistern, etc.) machen und dem Gericht zur Kenntnis bringen kann; auch solche Informationen sind f�r die Entscheidfindung wichtig. Ein elternunabh�ngiges neutrales Bild �ber die konkrete Situation des Kindes wird aber in umfassender Weise bereits durch die Berichte vermittelt, welche die Beist�ndin des Kindes im Rahmen der bestehenden Besuchsrechtsbeistandschaft regelm�ssig abliefert; es ist nicht ersichtlich, was ein Verfahrensbeistand im Sinn von Art. 299 ZPO bzw. Art. 314a bis ZGB an zus�tzlichen Informationen in Erfahrung bringen k�nnte. Es bleibt mithin zu pr�fen, ob eine Kindesvertretung den entscheidbefassten Beh�rden bzw. Gerichten, f�r welche die Untersuchungs- und Offizialmaxime gelten, zus�tzliche Unterst�tzung oder Entscheidungshilfe bieten k�nnte bei der Frage, ob im vorliegenden Einzelfall das Kindeswohl einem gemeinsamen Sorgerecht entgegensteht, so dass vom Grundsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge abzuweichen ist. Dies ist aber ebenfalls nicht zu sehen.
2.4.�Nach dem Gesagten hat das Obergericht kein Bundesrecht verletzt, wenn es C.________ f�r das vorliegende Verfahren nicht spezifisch verbeist�ndet hat.
In materieller Hinsicht verlangt der Beschwerdef�hrer die gemeinsame elterliche Sorge.
3.1.�Das Obergericht hat auf die parlamentarische Diskussion zum neuen Sorgerecht verwiesen und festgehalten, dass f�r die Frage der Alleinsorge im Sinn von Art. 298 ff. ZGB nicht die Kriterien von Art. 311 ZGB zur Anwendung k�men; insbesondere bei einem un�berwindbaren Dauerkonflikt zwischen den Eltern k�nne von einem gemeinsamen Sorgerecht abgesehen werden. Dies stehe in Einklang mit Stimmen aus der Psychologie, wonach die gemeinsame elterliche Sorge dort ihre Grenze finden m�sse, wo aufgrund eindeutiger und objektiver Kriterien von einem unaufl�sbaren Konflikt auszugehen sei und das Kind in einen seine Entwicklung beeintr�chtigenden Loyalit�tskonflikt geraten k�nnte. Ein Problem liege freilich darin, dass mit einer konsequenten Kooperationsverweigerung die Alleinsorge erzwungen werden k�nne. Vorliegend sei aber zu beachten, dass zwischen Vater und Tochter keine Beziehung bestehe; seit C.________ 16 Monate alt sei, h�tten die beiden keinen Kontakt mehr. Sodann seien die Eltern ausser Stande, miteinander zu kommunizieren. Selbst mit Hilfe der Beist�ndin sei es dem Vater zur Zeit nicht m�glich, den Kontakt mit seiner Tochter aufzunehmen. Die gemeinsame Sorge w�re nicht durchf�hrbar und h�tte angesichts des obstruktiven Verhaltens der Mutter nur vermehrte Rechtsstreitigkeiten zur Folge. Dies l�ge weder im Interesse des Kindes noch k�nnte es die Beziehung zwischen den Eltern verbessern.
3.2.�Der Beschwerdef�hrer macht geltend, es bestehe gar kein Konflikt, und schon gar kein Dauerkonflikt, sondern einfach Funkstille. Insofern best�nden f�r das Kind gar keine Schwierigkeiten; dass sich die gemeinsame elterliche Sorge negativ auf das Kindeswohl auswirken w�rde, sei eine blosse Hypothese. Sodann seien nicht die Eltern kooperationsunf�hig, sondern bloss die Mutter. Diese verhalte sich mithin rechtsmissbr�uchlich. Eine allf�llige Unzumutbarkeit f�r den einen Elternteil sei kein Grund, von der gemeinsamen Sorge abzusehen. Insgesamt habe das Obergericht somit Art. 296 Abs. 2 und Art. 298b Abs. 2 i.V.m. Art. 311 ZGB verletzt.
3.3.�Nach der per 1. Juli 2014 in Kraft getretenen Sorgerechtsnovelle steht den Eltern die Sorge �ber ihre Kinder gemeinsam zu (Art. 296 Abs. 2, Art. 298a Abs. 1, Art. 298b Abs. 2 und Art. 298d Abs. 1 ZGB). Indes sind Ausnahmen zul�ssig, wenn das Kindeswohl solche gebietet (vgl. Art. 298 Abs. 1 und Art. 298b Abs. 2 ZGB). Vorliegend ist die Frage zu entscheiden, ob ein solcher Fall gegeben ist; dabei ist gest�tzt auf Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB der Art. 298b Abs. 2 ZGB sinngem�ss zur Anwendung zu bringen.
3.4.�Das Bundesgericht hat sich mit der Frage, welche Kriterien f�r die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge massgebend sind, neulich an einer �ffentlichen Sitzung eingehend auseinandergesetzt. Es ist zum Schluss gekommen, dass f�r die Frage der Alleinzuteilung nicht die gleichen Voraussetzungen gelten wie f�r den Entzug im Sinn einer Kindesschutzmassnahme gest�tzt auf Art. 311 ZGB (dazu im Einzelnen BGE 141 III 472 E. 4, worauf verwiesen wird). Mit der gegenteiligen Behauptung l�sst sich keine Verletzung von Bundesrecht begr�nden.
3.5.�Was die Gr�nde f�r eine Alleinzuteilung im Sinn von Art. 298 Abs. 1 oder Art. 298b Abs. 2 ZGB anbelangt, hat das Bundesgericht in BGE 141 III 472 E. 4.6 S. 478 festgehalten, dass insbesondere ein schwerwiegender elterlicher Dauerkonflikt oder anhaltende Kommunikationsunf�higkeit eine Alleinzuteilung des Sorgerechts gebieten kann, wenn sich der Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirkt und die Alleinzuteilung diesem besser Rechnung tr�gt.
Nicht gefolgt werden kann der Ansicht des Beschwerdef�hrers, dass das Kindeswohl nicht tangiert werde, wenn gar keine Kooperation stattfinde. F�r das Kind macht es in der Regel wenig Unterschied, welcher Art der Mangel bei der elterlichen Interaktion ist, und ein gemeinsames Sorgerecht l�sst sich offensichtlich nicht zu seinem Wohl aus�ben, wenn zwischen den entscheidbefugten Eltern nicht ansatzweise ein Austausch m�glich ist.
Bei der elterlichen Sorge handelt es sich um ein sog. Pflichtrecht (BGE 136 III 353 E. 3.1 S. 356; Urteil 5A_198/2013 vom 14. November 2013 E. 4.1). Es hat das Recht und die Pflicht zum Gegenstand, �ber die wesentlichen Belange des Kindes zu entscheiden. Dies erfordert vorab, dass der Sorgerechtsinhaber Zugang zu aktuellen Informationen �ber das Kind hat. F�r eine sinnvolle Aus�bung des Sorgerechts wird aber in der Regel auch der pers�nliche Kontakt zum Kind unabdingbar sein; es ist nur schwer vorstellbar, dass ein Sorgerechtsinhaber pflichtgem�ss Entscheidungen zum Wohl des Kindes treffen kann, wenn �ber lange Zeit kein irgendwie gearteter Austausch zwischen ihm und dem Kind stattfindet. Wo das Sorgerecht den Eltern gemeinsam zusteht oder zustehen soll, ist schliesslich erforderlich, dass diese in Bezug auf die grunds�tzlichen Kinderbelange ein Mindestmass an �bereinstimmung aufweisen und wenigstens im Ansatz einvernehmlich handeln k�nnen (in diesem Sinn das deutsche Bundesverfassungsgericht, Entscheid 1 BvR 738/01 vom 1. M�rz 2004 Rz. 9). Ist dies nicht der Fall, f�hrt ein gemeinsames Sorgerecht fast zwangsl�ufig zu einer Belastung des Kindes, welche anw�chst, sobald dieses das fehlende Einvernehmen der Eltern selbst wahrnehmen kann. Im �brigen drohen auch Gefahren wie die Verschleppung wichtiger Entscheidungen, beispielsweise im Zusammenhang mit notwendiger medizinischer Behandlung.
3.6.�Im vorliegenden Fall fehlt es nach den kantonalen Feststellungen in jeder Hinsicht an den Voraussetzungen, wie sie f�r eine effektive Aus�bung des Sorgerechts gegeben sein m�ssen. Trotz den anhaltenden Bem�hungen der Beist�ndin hat der Beschwerdef�hrer das inzwischen bald sechsj�hrige M�dchen kein einziges Mal mehr gesehen, seit es 16 Monate alt war. Dabei handelt es sich zwar in erster Linie um einen Aspekt des Besuchsrechts. Indem der Beschwerdef�hrer aber keinerlei physischen Zugang zum Kind hat und er weitgehend auch vom Informationsfluss �ber das Kind abgeschnitten sein d�rfte, w�re das gemeinsame Sorgerecht eine bloss formale H�lse, welche er inhaltlich nicht zu f�llen w�sste. Er w�re �berdies nicht in der Lage, aus eigener Kraft vom Sorgerecht Gebrauch zu machen, soweit es ein Recht ist, und im Interesse des Kindes zu wirken, soweit es sich um eine Pflicht handelt. Selbst mit der Hilfe der Beist�ndin verm�chte er das Sorgerecht nicht in einer effektiven Weise auszu�ben, wie die chronische Unterbindung der Besuchsrechtsaus�bung trotz mannigfaltiger Hilfestellung durch die Beist�ndin eindr�cklich dokumentiert. Vielmehr w�re er als Mitinhaber des Sorgerechts darauf angewiesen, in allen Belangen, welche einen gemeinsamen Entscheid erfordern, stets von Neuem die Kindesschutzbeh�rde oder gar den Richter anzurufen und um autoritative Entscheidung zu bitten.
Es liegt offensichtlich nicht im Kindeswohl, wenn f�r jede Einzelfrage ein Verfahren zu er�ffnen w�re, in welches das Kind mit zunehmendem Alter hineingezogen w�rde. Es w�rde dadurch fast zwangsl�ufig in einen unn�tigen Loyalit�tskonflikt geraten oder aber eine eigene Abwehrhaltung gegen den Beschwerdef�hrer entwickeln, welche auch das bislang bestehende Defizit bei der Besuchsrechtsaus�bung verst�rken und auf die pers�nliche Ebene des Kindes ziehen w�rde. Abhilfe k�nnte auch die Alleinzuweisung bestimmter Entscheidbefugnisse im Rahmen der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht schaffen; dies kann nur dort zu Gebote stehen, wo sich der elterliche Konflikt auf einzelne Probleme beschr�nkt, im Grundsatz aber ein einvernehmliches Zusammenwirken m�glich ist (vgl. BGE 141 III 472 E. 4.7 S. 478 f.).
3.7.�Es bleibt die Frage, ob und wie einer einseitigen elterlichen Blockade - welche in den Augen des Beschwerdef�hrers Rechtsmissbrauch bedeutet - beizukommen ist (vgl. spezifisch zu diesem Thema FELDER/HAUSHEER/AEBI-M�LLER/DESCH, Gemeinsame elterliche Sorge und Kindeswohl, in: ZBJV 2014, S. 897 ff., insb. S. 899).
Bei einer einseitigen Blockade stehen meist nicht Aspekte des Rechtsmissbrauchs im Vordergrund. Vielmehr handelt es sich vorab um ein Problem tats�chlicher Natur. Den Eltern obliegt zwar im Rahmen des Sorgerechts namentlich auch die Pflicht zu eintr�chtigem Zusammenwirken bei dessen Aus�bung. Ferner stehen bei Verletzung dieser Pflicht durchaus verschiedene Behelfe zur Verf�gung (insbesondere auf Art. 307 ZGB gest�tzte Mahnungen und Weisungen, wozu auch die M�glichkeit geh�rt, eine Therapie, eine psychologische Begleitung oder eine Mediation anzuordnen, vgl. Urteile 5A_457/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 4; 5A_411/2014 vom 3. Februar 2015 E. 3.3.2). Dies darf aber nicht dar�ber hinwegt�uschen, dass all diese Massnahmen unter Umst�nden wenig fruchten, jedenfalls soweit die Blockade grunds�tzlich ist und wom�glich in der Pers�nlichkeitsstruktur oder der besonderen Familiengeschichte der Beteiligten begr�ndet liegt.
In rechtlicher Hinsicht ist zu beachten, dass sich die Zuteilung der Sorgerechte weder an der "Schuldfrage" auf Elternebene orientieren (Urteil 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 5.1, nicht publ. in: BGE 141 III 472) noch von Sanktionsgedanken gegen�ber dem nicht kooperationswilligen Elternteil leiten lassen darf (vgl. COESTER, in: J. von Staudingers Kommentar zum B�rgerlichen Gesetzbuch, Berlin 2015, N. 101 zu � 1626a BGB). Eine �ber die Ausgestaltung des Sorgerechts erfolgende Massregelung des f�r den Elternkonflikt verantwortlich gemachten Elternteils w�rde unweigerlich auf dem Buckel des Kindes geschehen. Bereits aus dem Wortlaut von Art. 296 ff. ZGB ergibt sich, dass das Kindeswohl die einzige Maxime f�r die Sorgerechtszuteilung sein kann. Freilich darf die Alleinsorge nicht schon dort ausgesprochen werden, wo sie dem Kindeswohl am besten gerecht w�rde. Das Parlament hat durch Ablehnung eines entsprechenden Minderheitsantrages das Konzept der freien richterlichen Sorgerechtszuteilung ausdr�cklich verworfen (AB 2012 N 1635). Die gemeinsame elterliche Sorge stellt nach dem Willen des Gesetzgebers den Grundsatz dar und die Zuteilung oder Belassung der Alleinsorge muss die eng begrenzte Ausnahme bleiben (Urteil BGE 141 III 472 E. 4.7 S. 478 f.) f�r den Fall, dass das Kindeswohl bei gemeinsamer Sorge erheblich beeintr�chtigt w�re und die Alleinzuteilung eine Verbesserung der Lage - bzw. die Belassung der Alleinsorge die Abwendung einer zu bef�rchtenden Verschlechterung - verspricht, wie dies vorliegend der Fall ist.
In Bezug auf die Frage, wem die Alleinsorge, wenn diese aufgrund des Kindeswohls angezeigt ist, zustehen soll, wurde im Urteil 5A_923/2014 von 27. August 2015 E. 5.1 (nicht publ. in: BGE 141 III 472) festgehalten, dass bei einer einseitigen Blockade die Zuteilung an den kooperativen Elternteil zu pr�fen ist, insbesondere wenn dieser eine gute Bindungstoleranz aufweist, w�hrend die Kooperations- oder Kommunikationsunf�higkeit des anderen Teils mit der Tendenz einhergeht, das Kind dem anderen Elternteil zu entfremden. Vorliegend w�rde die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge an den Vater jedoch bereits am formellen Umstand scheitern (Art. 99 Abs. 2 und Art. 107 Abs. 1 BGG), dass er weder im kantonalen noch im vorliegenden Verfahren einen entsprechenden Antrag gestellt, sondern sich darauf beschr�nkt hat, die gemeinsame elterliche Sorge zu verlangen. Sie k�nnte aber auch von der Sache her nicht in Frage kommen. Der Beschwerdef�hrer ist augenf�llig nicht f�hig, das Kind bei sich aufzunehmen und f�r dieses zu sorgen. Nicht zur Debatte stehen kann aufgrund des Subsidiarit�tsprinzips ferner die (ebenfalls nicht beantragte) Fremdplatzierung des Kindes, soweit es beim betreuenden Elternteil an sich gut aufgehoben ist (vgl. GEISER, Wann ist Alleinsorge anzuordnen und wie ist diese zu regeln?, in: ZKE 2015, S. 243).
Die vorliegende, relativ atypische Situation gebietet, dass die alleinige elterliche Sorge der Mutter zu belassen ist. Zwar scheint die in der Literatur verschiedentlich angesprochene Gefahr, der hauptbetreuende Elternteil k�nnte bewusst eine Eskalation herbeif�hren, um das alleinige Sorgerecht zu erlangen oder zu behalten, im Allgemeinen klein zu sein und sind solche Handlungsmotive jedenfalls vorliegend nicht ersichtlich. Dennoch erscheint das rechtliche Ergebnis insofern wenig billig, als die gemeinsame elterliche Sorge, wie sie als Grundsatz gesetzlich vorgesehen ist, an der einseitigen m�tterlichen Blockade scheitert und die Mutter mit ihrer Verweigerungshaltung auch gegen die Interessen des Kindes handelt. Die unbefriedigende Lage ist aber letztlich hinzunehmen, weil in der konkreten Situation ein gemeinsames Sorgerecht das Kind anhaltenden beh�rdlichen Interventionen bei der Aus�bung dieses Rechtes aussetzen w�rde, welche seinem Wohl offensichtlich abtr�glich w�ren.
3.8.�Vor dem geschilderten Hintergrund ist in der vorliegenden konkreten Situation der gest�tzt auf Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB analog anwendbare Art. 298b Abs. 2 ZGB nicht verletzt, wenn das Obergericht keine gemeinsame elterliche Sorge zugesprochen hat.
Wo das Gericht nach umfassender Pr�fung der Voraussetzungen und Abw�gung der auf dem Spiel stehenden Interessen sowie insbesondere in Beobachtung des Kindeswohles ohne Verletzung von Art. 298b ZGB zu einem Ergebnis gekommen ist, sind Verfassungsr�gen konsumiert.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit auf sie eingetreten werden kann. Zufolge offensichtlicher Prozessarmut ist beiden Parteien die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen, je unter Beigabe der sie vertretenden Rechtsanw�ltin (Art. 64 BGG). Die Gerichtskosten sind ausgangsgem�ss dem Beschwerdef�hrer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG), jedoch einstweilen auf die Bundesgerichtskasse zu nehmen. Sodann ist beiden Rechtsvertreterinnen ein reduziertes Honorar aus der Bundesgerichtskasse auszurichten (Art. 64 Abs. 2 BGG sowie Art. 6 und 10 Reglement SR 173.110.210.3).
Die Gesuche der Parteien um unentgeltliche Rechtspflege f�r das bundesgerichtliche Verfahren werden gutgeheissen. Dem Beschwerdef�hrer wird Rechtsanw�ltin Ingrid Indermaur und der Beschwerdegegnerin Rechtsanw�ltin Mich�le Str�hl-Obrist je als amtlicher Rechtsbeistand bestellt.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'500.-- werden dem Beschwerdef�hrer auferlegt, aber einstweilen auf die Bundesgerichtskasse genommen.
Den amtlichen Rechtsbeist�nden wird je ein reduziertes Honorar von Fr. 2'000.-- aus der Bundesgerichtskasse entrichtet.

References: Art. 292
 Art. 75
 Art. 90
 Art. 314
 Art. 299
 Art. 314
 Art. 314
 Art. 299
 Art. 314
 Art. 308
 Art. 299
 Art. 314
 BGE 
 Art. 299
 Art. 314
 Art. 298
 Art. 311
 Art. 296
 Art. 298
 Art. 311
 Art. 298
 Art. 298
 Art. 298
 Art. 298
 Art. 298
 Art. 12
 Art. 298
 Art. 311
 BGE 
 Art. 298
 Art. 298
 BGE 
 BGE 
 Art. 307
 BGE 
 Art. 296
 BGE 
 BGE 
 Art. 107
 Art. 12
 Art. 298
 Art. 298
 Art. 6