Source: https://failingforward.wordpress.com/2013/03/19/volf-10-thesen-zu-exclusion-and-embrace/
Timestamp: 2017-07-27 06:45:35+00:00

Document:
Volf – 10 Thesen zu Exclusion and Embrace | Zwischenraum
HomeHintergrund
By arnachie	Emergent, Theologie, Uncategorized, Volf
Volf – 10 Thesen zu Exclusion and Embrace	Ich soll für meine Prüfung über Exclusion & Embrace (bei der ich mich explizit auf die Kapitel 2 und 3, also auf die zu Ausgrenzung und Umarmung beschränke) Thesen formulieren, die die Grundlage der Prüfung darstellen sollen. Ich habe heute mal einige Thesen formuliert, welche ein wenig die Hauptstränge von Volfs Denken und von den zwei Kapiteln in Exklusion & Embrace zusammenzufassen. Hier wäre ich natürlich über jede kritische Anmerkung (auch gerne zu einzelnen Formulierung) dankbar, da ich diese Thesen irgendwann Ende nächster Woche abgeben möchte. Thesen: § 1 Miroslav Volf begreift Theologie als systematische Artikulation einer spezifischen Lebensform, die vom Glauben an den dreieinigen Gott geprägt ist. Dabei sind für ihn die Grenzen zwischen systematischer Theologie und Exegese, zwischen Dogmatik und Ethik und zwischen „Church Theology“ und „Public Theology“ fließend.
§ 2 Volfs Theologie hat ein ökumenisches Profil. Sie vereint Anstöße aus der pfingstlich- charismatischen Frömmigkeit, mit befreiungstheologischen, feministischen, aber auch lutherischen Theologie. Sie speist sich aber auch aus ökumenischen Begegnungen mit Römisch-Katholischen und Östlich-Orthodoxen Theologen, sowie der interreligiösen Begegnung (vor allem) mit islamischen Traditionen. § 3 Volfs theologisches Programm kann als der Versuch verstanden werden, die Bedeutung der innertrinitarischen Gemeinschaft verstanden als soziale Trinität der gegenseitigen Einwohnung, der gegenseitigen Selbsthingabe und Aufnahme des Anderen, für das christliche Leben in einer Welt der Konflikte zu explizieren.
§ 4 Miroslav Volfs Buch „Von der Ausgrenzung zur Umarmung“ kann als eine theologische Antwort auf den Balkankonflikt und andere ethnischen Konflikte in der Zeit nach dem Kalten Krieg verstanden werden. Diese analysiert er als Prozesse der Exklusion. Exklusion bezeichnet dabei weniger die Ausgrenzung von gesellschaftlicher Teilhabe und mehr einen Prozess der (individuellen oder kollektiven) Identitätsbildung unter Ausschluss von Alterität, in der andere entweder assimiliert oder ausgestoßen, unterworfen oder vertrieben, symbolisch eingeordnet oder symbolisch ausgesondert werden. Dabei betont Volf, dass auch Gesellschaften, die sich als inklusiv und pluralistisch verstehen, auf solche feinen Mechanismen der Exklusion zurückgreifen.
§ 5 Im Engagement gegen Prozesse der Exklusion beobachtet er zwei Gefahren, die typisch „moderne“ Gefahr im Kampf gegen Exklusion selbstgerecht neue Formen der Exklusion zu schaffen und die typisch „postmoderne“ Gefahr durch radikale Kritik die Möglichkeit zur Verurteilung von Exklusion zu untergraben. Gegen die erste Gefahr betont er die Universalität der Sünde im Sinne der Erbsündenlehre und gegen die zweite Gefahr führt er eine schöpfungstheologisch begründete Unterscheidung zwischen legitimer Differenzierung/ moralischer Grenzziehung und illegitimer Exklusion ein. § 6 Volf wendet sich gegen die vorherrschende Kategorie der Emanzipation bzw. der Befreiung (und damit auch gegen Teile der Befreiungstheologie), da diese Kategorie die Tendenz aufweist, alle menschlichen Konflikte in ein Täter-Opfer-Schema zu pressen und so der Komplexität dieser Konflikte nicht gerecht zu werden. Er bejaht zwar die postmoderne Skepsis gegen alle Versuche, die eine „finale Versöhnung“ aller Konflikte anstreben, kritisiert aber den radikalen Pluralismus Lyotards dafür, dass er de facto die Unterdrückung der Schwachen fortschreibt. § 7 Gegen Prozesse der Exklusion betont Volf die Konstruktion eines Selbst, das fähig ist, nicht-exkludierende Urteile zu fällen und den anderen Raum in sich zu gewähren. Im Anschluss an Gal. 2, 19-20 entfaltet Volf einen Prozess der Dezentrierung und Rezentrierung des Selbst, welches in Christus eine Mitte hat, die nicht als Essenz des Selbst, sondern als sich selbst verschenkenden, kenotische Zentralität besteht, die das Selbst für den Anderen öffnet ohne die Grenzen des Selbst aufzulösen („katholische Persönlichkeit“). § 8 Dieses dezentrierte und rezentrierte Selbst wird durch Prozesse der Umkehr, des „richtigen Erinnerns“, der Vergebung und der Öffnung für den Anderen („Raum machen in sich selbst“) in der Kraft des Heiligen Geistes ermächtigt, Versöhnung in einer Welt der Feindschaft zu leben. Ermöglicht wird dies durch das Kreuz Christi, welches die geöffneten Arme Gottes darstellt (->Irenäus), durch die Gott Raum in sich schafft, um die feindselige Menschheit in sich aufzunehmen und am göttlichen Leben teilhaben zu lassen (theosis). § 9 Als Symbol dafür, wie persönliche und kollektive Identität im Blick auf den anderen unter Bedingungen der Feindschaft gedacht werden kann, stellt Volf in Anlehnung an Lk. 15 die Metapher der Umarmung vor. Dabei skizziert Volf die vier Strukturelemente einer geglückten Umarmung, die ein Bild für die Dynamik einer versöhnten Beziehung darstellt: Öffnen der Arme, das Warten, das Schließen der Arme und schließlich das Loslassen des Anderen. Diese Elemente symbolisieren eine Identität, die nicht in sich geschlossen ist, aber dennoch ihre Grenzen bewahrt, die sich zunächst einseitig für den anderen öffnet, aber nach Gegenseitigkeit strebt und die Raum schafft für den anderen ohne mit ihm zu verschmelzen. § 10 Zusammengefasst wird Volf Argument in Röm 15, 7: „Nehmt einander also an, so wie Christus euch angenommen hat“.
Tagged Theologie	Leave a Reply Cancel reply	Enter your comment here...
Blue Eyed Beliver
Alt.Worship Bibel Bücher Derrida Emergent Ethik Filme freestyle-Denken Geschichte Glaube Gottesdienst Indie Kalendersprüche Kulturhermeneutik Mystik narrative Theologie Philosophie Politik Poststrukturalismus Predigten Rezension Ricoeur Spiritualität Theologie Uncategorized Video Volf Žižek Follow Blog via Email

References: § 1

§ 2
 § 3

§ 4

§ 5
 § 6
 § 7
 § 8
 § 9
 § 10