Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Massenentlassung_Kuendigung_vor_Ablauf_der_Sperrfrist_des_Paragraph-18_KSchG_LAG_Berlin-Brandenburg_13Sa30-10.html
Timestamp: 2016-12-09 11:32:16+00:00

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Nach § 18 KSchG wer­den Ent­las­sun­gen, die nach § 17 KSchG an­zu­zei­gen sind, vor Ab­lauf ei­nes Mo­nats nach Ein­gang der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nur mit Zu­stim­mung der Agen­tur für Ar­beit wirk­sam. Ei­ne nach er­folg­ter An­zei­ge­er­stat­tung aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung bleibt aber als Rechts­geschäft grundsätz­lich wirk­sam. Sie be­en­det, so­fern der Kündi­gungs­ter­min vor Ab­lauf die­ser Sperr­frist lie­gen soll­te, das Ar­beits­verhält­nis nur nicht zu dem in der Kündi­gungs­erklärung ge­nann­ten Zeit­punkt, son­dern erst mit Ab­lauf ei­nes Mo­nats nach Ein­gang der An­zei­ge, wenn kei­ne Zu­stim­mung der Agen­tur für Ar­beit zu ei­ner frühe­ren Be­en­di­gung er­folgt.(Rn.13)
am 9. April 2010 Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
5 Ca 209/09Ar­beits­ge­richt Pots­dam L., VAals Ur­kunds­be­am­tinder Geschäfts­stel­le
In Sa­chen pp hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 13. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. April 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. F. als Vor­sit­zen­der­so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter B. und H.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pots­damvom 10. No­vem­ber 2009 - 5 Ca 209/09 - wird auf sei­ne Kos­ten bei ei­nem Streit­wert von 6.400,00 EUR in der II. In­stanz zurück­ge­wie­sen. II. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.
Der Kläger ver­langt aus An­nah­me­ver­zug für den Mo­nat Au­gust 2009 6.400,-- € brut­to nebst Zin­sen von der Be­klag­ten. Die Be­klag­te hat­te im Rah­men von Mas­sen­ent­las­sun­gen auch das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist von 7 Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de nach § 622 Abs. 2 Ziff. 7 BGB mit Schrei­ben vom 23. De­zem­ber 2008, dem Kläger am 30. De­zem­ber 2008 zu­ge­gan­gen, zum 31. Ju­li 2009 gekündigt. Am 22. De­zem­ber 2008 hat­te die Be­klag­te bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit - Agen­tur für Ar­beit Pots­dam - (im Fol­gen­den: Ar­beits­agen­tur Pots­dam) gem. § 17 KSchG ei­ne Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge er­stat­tet. Mit Be­scheid vom 23. De­zem­ber 2008 teil­te die Ar­beits­agen­tur Pots­dam der Be­klag­ten mit, dass die in § 18 KSchG fest­ge­setz­te Frist (Ent­las­sungs­sper­re oder Sperr­frist) von 1 Mo­nat am 23. De­zem­ber 2008 be­gann und am 22. Ja­nu­ar 2009 en­de­te, was nach ei­ner Verlänge­rung der Sper­re durch die Ar­beits­agen­tur Pots­dam und dem er­folg­rei­chen Wi­der­spruch der Be­klag­ten nun­mehr rechts­kräftig fest­steht.
Der Kläger ist im Rah­men sei­ner am 30. Ja­nu­ar 2009 beim Ar­beits­ge­richt Pots­dam ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge der Auf­fas­sung ge­we­sen, dass die Kündi­gungs­frist erst mit Ab­lauf der Sperr­frist des § 18 Abs. 1 KSchG in Lauf ge­setzt wor­den sei und da­mit das Ar­beits­verhält­nis erst am 31. Au­gust 2009 ge­en­det ha­be. Das Ar­beits­ge­richt Pots­dam hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 10. No­vem­ber 2009 ab­ge­wie­sen und sich zur Be­gründung auf das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 06. No­vem­ber 2008 - 2 AZR 935/07 - (z. B. EzA § 18 KSchG Nr. 1 mit zu­stim­men­der An­mer­kung von Bro­se) gestützt. Da­nach hin­dert die Ent­las­sungs­sper­re nach § 18 Abs. 1 KSchG we­der den Aus­spruch ei­ner Kündi­gung nach An­zei­ge der Mas­sen­ent­las­sung bei der Agen­tur für Ar­beit während des Laufs der Sperr­frist noch verlängert die Sperr­frist die ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten. We­gen der kon­kre­ten Be­gründung des Ar­beits­ge­richts und des
Vor­trags der Par­tei­en ers­ter In­stanz wird auf das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pots­dam vom 10. No­vem­ber 2009 (Bl. 71 ff d. A.) ver­wie­sen.
Ge­gen die­ses ihr am 08. De­zem­ber 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pots­dam rich­tet sich die am 07. Ja­nu­ar 2010 im Ori­gi­nal ein­ge­gan­ge­ne und am 22. Fe­bru­ar 2010 nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 22. Fe­bru­ar 2010 per Fax be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers. Er meint, dass die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts Pots­dam und des Bun­des­ar­beits­ge­richts in der zi­tier­ten Grund­satz­ent­schei­dung eu­ro­pa­rechts­wid­rig sei und nicht genügend die Ent­schei­dungs­gründe der EuGH-Ent­schei­dung vom 27. Ja­nu­ar 2005 - C - 188/03 - [Junk] (EzA § 17 KSchG Nr. 13) berück­sich­ti­ge. Nach den dor­ti­gen Ent­schei­dungs­gründen und ins­be­son­de­re der Gleich­set­zung von „Kündi­gung“ und „Ent­las­sung“ in §§ 17, 18 KSchG könne zwar nach Er­stat­tung der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge die Kündi­gung aus­ge­spro­chen wer­den, der Lauf der Kündi­gungs­frist sei je­den­falls bis zum Ab­lauf der Ent­las­sungs­sper­re ge­hemmt, so dass vor­lie­gend der Lauf der Kündi­gungs­frist sich um 1 Mo­nat verlänge­re.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pots­dam vom 10. No­vem­ber 2009 - 5 Ca 209/09 - ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 6.400,-- € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01. Sep­tem­ber 2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und ver­weist so­wohl auf das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts als auch des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs.
We­gen des wei­te­ren kon­kre­ten Vor­trags in der zwei­ten In­stanz wird auf die Schriftsätze des Klägers vom 22. Fe­bru­ar 2010 (Bl. 100 ff d. A.) und 31. März 2010 (Bl. 135 f. d. A.) und der Be­klag­ten vom 24. März 2010 (Bl. 121 ff d. A.) ver­wie­sen.
In der Sa­che hat die Be­ru­fung des Klägers je­doch kei­nen Er­folg. So­wohl im Er­geb­nis als auch in der Be­gründung zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt Pots­dam un­ter Ver­weis auf die zi­tier­te Grund­satz­ent­schei­dung des BAG vom 06. No­vem­ber 2008 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg folgt dem Ar­beits­ge­richt Pots­dam, dem Bun­des­ar­beits­ge­richt in der zi­tier­ten Ent­schei­dung und der bestäti­gen­den Ent­schei­dung des 8. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 28. Mai 2009 - 8 AZR 273/08 - EzA § 17 KSchG Nr. 20, zu Rz. 67 ff und ver­weist wie in der münd­li­chen Ver­hand­lung auf die bei­den ei­ge­nen rechts­kräftig ent­schie­de­nen Fälle vom 28. No­vem­ber 2008 - 13 Sa 1561/08 - n. v. - und 13 Sa 1461/08 - n. v. -, so dass von ei­ner nur wie­der­ho­len­den Be­gründung gem. § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen wird. Zu­sam­men­fas­send wird nur dar­auf ver­wie­sen, dass nach § 18 Abs. 1 KSchG Ent­las­sun­gen, die nach § 17 KSchG an­zu­zei­gen sind, vor Ab­lauf ei­nes Mo­nats nach Ein­gang der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nur mit Zu­stim­mung der Agen­tur für Ar­beit wirk­sam wer­den. Ei­ne nach er­folg­ter An­zei­ge­er­stat­tung aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung bleibt aber als Rechts­geschäft grundsätz­lich wirk­sam. Sie be­en­det, so­fern der Kündi­gungs­ter­min vor Ab­lauf die­ser Sperr­frist lie­gen soll­te, das Ar­beits­verhält­nis nur nicht zu dem in der Kündi­gungs­erklärung ge­nann­ten Zeit­punkt, son­dern erst mit Ab­lauf ei­nes Mo­nats nach Ein­gang der An­zei­ge, wenn kei­ne Zu­stim­mung der Agen­tur für Ar­beit zu ei­ner frühe­ren Be­en­di­gung er­folgt.
Nach dem Wort­laut des § 18 Abs. 1 KSchG darf ei­ne Kündi­gung schon un­mit­tel­bar nach Ein­gang der An­zei­ge bei der Agen­tur für Ar­beit aus­ge­spro­chen wer­den. Die Fas­sung des Ge­set­zes ver­bie­tet den Aus­spruch der Kündi­gung vor dem Ab­lauf der Sperr­frist nicht, auch wenn un­ter „Ent­las­sung“ i. S. d. § 18 Abs. 1 KSchG die Kündi­gung ver­stan­den wird. Aus dem Ge­set­zes­wort­laut lässt sich nur ent­neh­men, dass die Ent­las­sung - auch bei ord­nungs­gemäßer An­zei­ge - grundsätz­lich nicht oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Min­dest­frist von 1 Mo­nat voll­zo­gen wer­den darf. Ge­re­gelt wird in­so­weit nur der Voll­zug der Ent­las­sung. Da­mit be­zieht sich das „Wirk­sam­wer­den“ i. S. d. § 18 KSchG auf den Ein­tritt der Rechts­fol­gen der Kündi­gung. Die­se tre­ten mit dem Ab­lauf der Kündi­gungs­frist ein. Der Ge­set­zes­wort­laut um­schreibt da­her nur ei­nen „Min­dest­zeit­raum“, der zwi­schen der An­zei­gen­er­stat­tung und der tatsächli­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses lie­gen muss. Die­ses Er­geb­nis steht auch der Richt­li­nie 98/59/EG vom 20. Ju­li 1998 (Mas­sen­ent­las­sungs­richt­li­nie) nicht ent­ge­gen (BAG 28.05.2009, a. a. O., Rz. 70; BAG 06.11.2008, a. a. O., m. w. N. und ein­ge­hen­der Be­gründung). Im Streit­fall er­langt § 18 Abs. 1 KSchG des­halb kei­ne Be­deu­tung, weil der Kündi­gungs­ter­min (31.07.2009) außer­halb der Sperr­frist des § 18 Abs. 1 KSchG liegt (eben­so BAG 28.05.2009, a. a. O., Rz. 71).
Der Kläger trägt da­her die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Be­ru­fung gem. § 97 Abs. 1 ZPO.
Für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on oder ei­ner Vor­la­ge an den EuGH zwecks Vor­ab­ent­schei­dung be­stand kei­ne Ver­an­las­sung:
1. Die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge hat kei­ne grundsätz­li­che Be­deu­tung i. S. v. § 72 Abs. 2 Ziff. 1 ArbGG, da sie nun be­reits mehr­fach durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­den wor­den ist.
2. Ei­ner Vor­la­ge an den EuGH be­durf­te es zum ei­nen des­halb nicht, weil kei­ne Vor­la­ge­pflicht gem. Art. 267 Abs. 2 AEUV be­steht, da das Lan­des­ar­beits­ge­richt we­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de nicht letzt­in­stanz­lich ent­schei­den­des na­tio­na­les Ge­richt ist (ständi­ge Recht­spre­chung der na­tio­na­len Ober­ge­rich­te, des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des EuGH, vgl. et­wa BFH 30.09.2009 - VII B 72/09 - zi­tiert nach ju­ris, zu Rz. 10 m. w. N. aus der Recht­spre­chung), zum an­de­ren weil auch der EuGH in der zi­tier­ten Ent­schei­dung vom 27.01.2005 [„Junk“] be­reits das vor­lie­gen­de Pro­blem ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ent­schie­den hat. Rechts­mit­tel­be­leh­rung
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References: § 18
 § 17
 § 622
 § 17
 § 18
 § 18
 § 18
 § 18
 § 17
 § 17
 § 69
 § 18
 § 17
 § 18
 § 18
 § 18
 § 18
 § 18
 § 97
 EuGH 
 § 72
 EuGH 
 Art. 267
 EuGH