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Timestamp: 2020-02-21 12:45:30+00:00

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Asyl – und das unwil­li­ge OVG | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Die 1978 gebo­re­ne Syre­rin und ihre bei­den 2008 und 2011 gebo­re­nen Kin­der bean­trag­ten nach ihrer Ein­rei­se in die Bun­des­re­pu­blik Asyl. Das Bun­des­amt lehn­te den Antrag auf Aner­ken­nung als Asyl­be­rech­tig­te und auf Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft ab und stell­te das Vor­lie­gen eines Abschie­be­ver­bots nach § 60 Abs. 2 Auf­en­thG fest. Bei einer Rück­kehr nach Syri­en sei mit einer Rück­kehr­erbe­fra­gung zu rech­nen, die mit beacht­li­cher Wahr­schein­lich­keit eine kon­kre­te Gefähr­dung in Form men­schen­rechts­wid­ri­ger Behand­lung bis hin zur Fol­ter aus­lö­se.
Das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf wies die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge ab 1, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len lehn­te den Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung ab 2. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt wur­de die Syre­rin per­sön­lich ange­hört und gab an, dass sie zwi­schen­zeit­lich auf Inter­net­sei­ten der syri­schen Oppo­si­ti­on zwei regime­kri­ti­sche Arti­kel ver­öf­fent­licht habe, in denen sie das Régime unter ande­rem wegen der Ermor­dung von Kin­dern und des Ein­sat­zes von Gift­gas kri­ti­siert habe. Als Kur­den wür­den sie und ihre Kin­der in Syri­en sowohl von den Isla­mis­ten als auch von der Regie­rung ver­folgt.
Die Nicht­zu­las­sung der Beru­fung durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ver­letzt die Beschwer­de­füh­rer in ihrem Grund­recht auf effek­ti­ven Rechts­schutz aus Art.19 Abs. 4 GG. Die­ses gewähr­leis­tet zwar kei­nen Anspruch auf die Ein­rich­tung eines bestimm­ten Rechts­zu­ges 3. Hat der Gesetz­ge­ber jedoch meh­re­re Instan­zen geschaf­fen, darf der Zugang zu ihnen nicht in unzu­mut­ba­rer und durch Sach­grün­de nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se erschwert wer­den 4. Das glei­che gilt, wenn das Pro­zess­recht – wie hier der § 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylG – den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten die Mög­lich­keit gibt, die Zulas­sung eines Rechts­mit­tels zu erstrei­ten 5. Aus die­sem Grun­de dür­fen die Anfor­de­run­gen an die Dar­le­gung der Zulas­sungs­grün­de nicht der­art erschwert wer­den, dass sie auch von einem durch­schnitt­li­chen, nicht auf das gera­de ein­schlä­gi­ge Rechts­ge­biet spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­walt mit zumut­ba­rem Auf­wand nicht mehr erfüllt wer­den kön­nen und die Mög­lich­keit, die Zulas­sung eines Rechts­mit­tels zu erstrei­ten, für den Rechts­mit­tel­füh­rer leer­läuft 6. Dies gilt nicht nur hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen an die Dar­le­gung der Zulas­sungs­grün­de gemäß § 78 Abs. 4 Satz 4 AsylG bezie­hungs­wei­se § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO, son­dern in ent­spre­chen­der Wei­se für die Aus­le­gung und Anwen­dung der Zulas­sungs­grün­de des § 78 Abs. 3 AsylG bezie­hungs­wei­se § 124 Abs. 2 VwGO selbst 7.
Von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung im Sin­ne des – hier in Rede ste­hen­den – Zulas­sungs­grun­des nach § 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylG ist eine Rechts­sa­che, wenn es maß­ge­bend auf eine kon­kre­te, über den Ein­zel­fall hin­aus­ge­hen­de Rechts­fra­ge ankommt, deren Klä­rung im Inter­es­se der Ein­heit oder der Fort­bil­dung des Rechts oder sei­ner ein­heit­li­chen Aus­le­gung und Anwen­dung gebo­ten erscheint 8. Vom Vor­lie­gen einer grund­sätz­li­chen Bedeu­tung ist regel­mä­ßig dann aus­zu­ge­hen, wenn eine bun­des­recht­li­che Rechts­fra­ge in der Recht­spre­chung der Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­te unein­heit­lich beur­teilt wird und es an einer Klä­rung durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt fehlt 9. Bei Tat­sa­chen­fra­gen kommt es regel­mä­ßig nur auf die Klä­rung des im Instan­zen­zug über­ge­ord­ne­ten Ober­ver­wal­tungs­ge­richts an, weil wegen der Bin­dung des Revi­si­ons­ge­richts an die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts, § 137 Abs. 2 VwGO, eine wei­ter­ge­hen­de Ver­ein­heit­li­chung der Recht­spre­chung durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus­schei­det.
Gemes­sen an die­sen Maß­stä­ben hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das Vor­lie­gen einer klä­rungs­be­dürf­ti­gen grund­sätz­li­chen Fra­ge zu Unrecht ver­neint. Es ist – wie sich auch aus sei­nem in Bezug genom­me­nen Beschluss vom 27.06.2013 10 ergibt – davon aus­ge­gan­gen, dass ledig­lich eine tat­säch­li­che Fra­ge im Raum ste­he. Das ist jedoch nicht der Fall. Viel­mehr wirft die Zulas­sungs­schrift die Rechts­fra­ge auf, ob auf der Grund­la­ge der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len in sei­nem Urteil vom 14.02.2012 11sub­si­diä­rer Schutz – so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt – oder die Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft gemäß § 60 Abs. 1 Auf­en­thG (heu­te § 3 AsylG) – so der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg 12 – zu gewäh­ren ist. In sei­nem Urteil vom 14.02.2012 ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len davon aus­ge­gan­gen, dass nicht nur poli­tisch Ver­däch­ti­gen, son­dern allen nach Syri­en zurück­keh­ren­den Asyl­be­wer­bern mit beacht­li­cher Wahr­schein­lich­keit ein Ver­hör unter Anwen­dung von gra­vie­ren­der Fol­ter dro­he. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg begrün­det sei­ne – bei als iden­tisch ange­nom­me­ner Tat­sa­chen­grund­la­ge – vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len abwei­chen­de Rechts­auf­fas­sung mit einer ein­ge­hen­den Aus­wer­tung der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der es uner­heb­lich ist, ob der Asyl­be­wer­ber tat­säch­lich poli­tisch aktiv war, soweit nur die Behör­den des Hei­mat­staats von einer sol­chen Betä­ti­gung aus­gin­gen 13. Damit stand eine bun­des­recht­li­che Rechts­fra­ge im Raum, die nicht – jeden­falls nicht im Sin­ne der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len – geklärt war. Ihre Ein­stu­fung als – zudem geklär­te – Tat­sa­chen­fra­ge erschwert den Zugang zur Beru­fungs­in­stanz in einer durch Sach­grün­de nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­den Wei­se.

References: § 60
 Art.19
 § 78
 § 78
 § 124
 § 78
 § 124
 § 78
 § 137
 § 60
 § 3