Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=20.06.2013&Aktenzeichen=VII%20ZR%204/12
Timestamp: 2019-06-16 05:49:15+00:00

Document:
BGH, 20.06.2013 - VII ZR 4/12 - dejure.org
https://dejure.org/2013,13434
BGH, 20.06.2013 - VII ZR 4/12 (https://dejure.org/2013,13434)
BGH, Entscheidung vom 20.06.2013 - VII ZR 4/12 (https://dejure.org/2013,13434)
BGH, Entscheidung vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12 (https://dejure.org/2013,13434)
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BGB § 254 Abs. 1; BGB (31. 12. 2001) § 633 Abs. 1, § 635; HOAI (1. 1. 1996) § 15 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Nr. 1, § 64 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 Nr. 1
§ 254 Abs 1 BGB, § 633 Abs 1 BGB vom 06.12.1976, § 635 aF BGB, § 15 Abs 1 Nr 1 AIHonO vom 21.09.1995, § 15 Abs 2 Nr 1 AIHonO vom 21.09.1995
Haftung des mit der Grundlagenermittlung beauftragten Architekten und des Tragwerkplaners: Unterlassene Erörterung der risikoreichen Bodenverhältnisse mit dem Auftraggeber; Beweislast; Mitverschulden des Bauherrn bei Kenntnis der Gefahrenlage
Architektenhaftung - Steilküste - Baugrundgutachten
BGB (31.12.2001) § 633 Abs. 1, § 635; HOAI (1.1.1996) § 15 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Nr. 1, § 64 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 Nr. 1; BGB § 254 Abs. 1 A
Architekt muss bei risikoreichen Bodenverhältnissen mit Auftraggeber erörtern, ob am Bauvorhaben festgehalten werden soll
Erörterungspflicht eines mit der Grundlagenermittlung beauftragten Architekten bei unzureichender Standsicherheit des Bauvorhabens wegen der Lage an einem abbruchgefährdeten Steilhang
Haftung des Architekten und des Statikers bei Mitverschulden des Bauherrn durch Kenntnis der Gefahrenlage; Steilküstenabbruch auf Rügen; Grundlagenermittlung; Standsicherheit; Bau am Steilhang; Schadensminderung; Mitverschulden
Riskante Bodenverhältnisse sind zu erörtern!
Zu Steilküstenabbruch auf Rügen - Auftraggeber kann bei Architektenfehler mithaften
Zum Mitverschulden des Auftraggebers - Steilküstenabbruch auf Rügen
Steile Küste, harte Haftung - Steilküstenabbruch auf Rügen und Architektenhaftung
Architekten und Statiker müssen die Risiken eines Bauvorhabens mit ihrem Auftraggeber erörtern
Architekt muss risikoreiche Bodenverhältnisse mit dem Bauherrn erörtern! (IBR 2013, 544)
Tragwerksplaner muss Bodenverhältnisse zusammen mit Auftraggeber klären! (IBR 2013, 545)
Bauherr darf die Augen vor Baugrundrisiken nicht verschließen! (IBR 2013, 546)
LG Stralsund, 15.12.2009 - 4 O 173/07
OLG Rostock, 19.12.2011 - 7 U 3/10
NJW 2013, 3442
MDR 2013, 1158
NZBau 2013, 515
BauR 2013, 1472
ZfBR 2013, 662
Die Erfüllung der Aufklärungspflicht soll die Beweisnot beseitigen, die darin besteht, dass sich nachträglich nur schwer mit der erforderlichen Zuverlässigkeit beurteilen lässt, wie der Betroffene bei rechtzeitiger Kenntnis von schadendrohenden Umständen und des Umfangs von Schadensrisiken gehandelt hätte (BGH, Urteil vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12 -, juris Rn. 21 m.w.N.).
Von der Verletzung einer Obliegenheit kann nur ausgegangen werden, wenn der Geschädigte unter Verstoß gegen Treu und Glauben diejenigen zumutbaren Maßnahmen unterlässt, die ein vernünftiger, wirtschaftlich denkender Mensch nach Lage der Dinge ergreifen würde, um Schaden von sich abzuwenden oder zu mindern (…vgl. BGH, Urteile vom 12. März 2015 - VII ZR 173/13, BauR 2015, 1202 Rn. 43 = NZBau 2015, 368; vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, BauR 2013, 1472 Rn. 29 = NZBau 2013, 515;… vom 20. Dezember 2012 - VII ZR 209/11, BauR 2013, 624 Rn. 27 f. = NZBau 2013, 244;… vom 22. Dezember 2005 - VII ZR 71/04, BauR 2006, 522, 523, juris Rn. 10 = NZBau 2006, 995).
Zu einem solchen Schadensersatzanspruch kann auch eine fehlerhafte Grundlagenermittlung führen (BGH, Urteil vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, BauR 2013, 1472 Rn. 16 = NZBau 2013, 515;… Korbion in: Korbion/Mantscheff/Vygen, HOAI, 8. Aufl., § 33 Rn. 75).
Dazu gehört das Abfragen und Besprechen der Wünsche, Vorstellungen und Forderungen des Bestellers (BGH, Urteil vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, aaO Rn. 16;… Koeble in: Locher/Koeble/Frik, HOAI, 9. Aufl., § 15 Rn. 15;… Koeble in: Kniffka/Koeble, Kompendium des Baurechts, 3. Aufl., Teil 12 Rn. 404; Neuenfeld, NZBau 2000, 405, 406;… zu § 33 HOAI 2009 i.V.m. Anlage 11 siehe Koeble in: Locher/Koeble/Frik, HOAI, 11. Aufl., § 33 Rn. 28 f.).
a) Grundsätzlich kann die Entscheidung über eine Haftungsverteilung im Rahmen des § 254 BGB im Revisionsverfahren nur dahingehend überprüft werden, ob alle in Betracht kommenden Umstände vollständig und richtig berücksichtigt und der Abwägung rechtlich zulässige Erwägungen zu Grunde gelegt worden sind (vgl. BGH, Urteil vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, NJW 2013, 3442 Rn. 28;… vom 17. Juni 2014 - VI ZR 281/13, NJW 2014, 2493 Rn. 6; jeweils mwN).
Nach der Rechtsprechung des Senats darf der Auftraggeber die Baumaßnahme nicht ohne Weiteres auf der Grundlage offenkundiger Risiken vornehmen lassen, denn der Auftraggeber, dem sich aufgrund der Kenntnis tatsächlicher Umstände eine bestimmte Gefahrenlage aufdrängen muss, verstößt regelmäßig gegen die in seinem eigenen Interesse gemäß § 254 Abs. 1 BGB bestehende Obliegenheit, sich selbst vor Schaden zu bewahren, wenn er die Augen vor der Gefahrenlage verschließt und das Bauvorhaben ohne Weiteres durchführt (vgl. BGH, Urteil vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, BauR 2013, 1472 Rn. 29 = NZBau 2013, 515;… Urteil vom 20. Dezember 2012 - VII ZR 209/11, BauR 2013, 624 Rn. 27 f. = NZBau 2013, 244;… Urteil vom 19. Mai 2011 - VII ZR 24/08, BauR 2011, 1494 Rn. 30 = NZBau 2011, 483;… Urteil vom 10. Februar 2011 - VII ZR 8/10, BauR 2011, 869 Rn. 43 ff. = NZBau 2011, 360).
Dies steht nicht im Widerspruch zu der ständigen Rechtsprechung des Senats zur begrenzten Mitverantwortung des Auftraggebers gegenüber Planern (vgl. BGH, Urteile vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, BauR 2013, 1472 Rn. 27 ff.; vom 4. Juli 2002 - VII ZR 66/01, BauR 2002, 1719, 1720 = NZBau 2002, 616; vom 10. Juli 2003 - VII ZR 329/02, BauR 2003, 1918, 1920 f. = NZBau 2003, 567;… Kniffka/Koeble, Kompendium des Baurechts, 4. Aufl., Teil 12 Rn. 749 f.).
Dass den Auftraggeber im Verhältnis zu seinem planenden Architekten oder Ingenieur ein Mitverschulden treffen kann, wenn sich ihm aufgrund der Kenntnis tatsächlicher Umstände eine bestimmte Gefahrenlage aufdrängen muss, er hiervor aber die Augen verschließt und das Bauvorhaben ohne Weiteres durchführt, hat der Senat mehrfach entschieden (vgl. BGH, Urteile vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, BauR 2013, 1472 Rn. 29 = NZBau 2013, 515;… vom 20. Dezember 2012 - VII ZR 209/11, BauR 2013, 624 Rn. 27 f. = NZBau 2013, 244;… vom 10. Februar 2011 - VII ZR 8/10, BauR 2011, 869 Rn. 43 ff. = NZBau 2011, 360).
Dazu gehören das Abfragen und Besprechen der Wünsche, Vorstellungen und Forderungen des Auftraggebers (…BGH, Urteile vom 10. Juli 2014 - VII ZR 55/13, BauR 2014, 1801 Rn. 10 = NZBau 2014, 568; vom 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12, BauR 2013, 1472 Rn. 16 = NZBau 2013, 515).
Ein Eigenverschulden des Bauherrn kann zwar im Einzelfall in Betracht kommen, wenn er trotz entsprechender Hinweise möglichen Gefährdungen nicht nachgeht, gebotene Erkundigungen nicht einholt oder für das Gelingen des Bauwerks wichtige Informationen zurück- bzw. für sich behält (…vgl. Kniffka/Koeble, a.a.O., 6. Teil, Rn 62-66 ff. mwN;… Kniffka, a.a.O., § 634, Rn 88 ff. mwN; BGH, Urteil vom 20.06.2013, VII ZR 4/12, BauR 2013, 1472).
Ist eine solche Wahrscheinlichkeit festzustellen, bedarf es im Rahmen eines Grundurteils keiner Feststellungen zu einzelnen Schadenspositionen (BGH, Urteil v. 20.6.2013 -VII ZR 4/12, NJW 2013, 3442 [3445] Rz. 30).
OLG Köln, 19.08.2014 - 22 U 12/13
Die Kläger verweisen schließlich auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 20.6.2013 - VII ZR 4/12 (MDR 2013, 1158).
Die sachgerechte Erörterung des Auftraggebers schließt die Erörterung standortbezogener Gefahren ein ( BGH MDR 2013, 1158).
Er hätte diese Problematik mit ihnen erörtern müssen, um so die eigenverantwortliche Entscheidung der Kläger über das weitere Vorgehen herbeizuführen (vgl. BGH VII ZR 4/12 Rdnr. 16 ff.).
Hier handelt es sich möglicherweise lediglich um eine Bewertung der Kläger aus heutiger Sicht, auf die es aber für die Bewertung des mit der Klage und Berufung geltend gemachten Schadensersatzanspruches allerdings nicht ankommen kann (vgl. BGH VII ZR 4/12 Rdnr. 24).
Gleiches gilt für die Frage, ob hier die Grundsätze über die Beweislastverteilung bei Aufklärungspflichtverletzungen und der Vermutung aufklärungsgerechten Verhaltens überhaupt anwendbar sind (hierzu einerseits BGH MDR 2013, 1158; aber OLG Hamm BauR 2005, 130).
Ist eine solche Wahrscheinlichkeit festzustellen, bedarf es im Rahmen eines Grundurteils keiner Feststellungen zu einzelnen Schadenspositionen (vgl. BGH, Urteil v. 20. Juni 2013 - VII ZR 4/12 , NJW 2013, 3442 Rz. 30).

References: § 254
 § 633
 § 635
 § 15
 § 64

§ 254
 § 633
 § 635
 § 15
 § 15
 § 633
 § 635
 § 15
 § 64
 § 254
 § 33
 § 15
 § 33
 § 33
 § 254
 § 254
 § 634
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