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I. BVG-logische Vorsorgepläne - PDF
I. BVG-logische Vorsorgepläne
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1 SAV Vorlesung Herbstsemester 2012 Dr. Ruprecht Witzel2 1 INHALTSVERZEICHNIS I. BVG-logische Vorsorgepläne Pläne zur Generierung von Vorsorgeleistungen Vorsorgepläne im Allgemeinen Strukturierung von Vorsorgeleistungen Ziele der Vorsorge Organisationsstruktur der beruflichen Vorsorge Der BVG-Minimalplan Koordinierter Lohn Altersguthaben Jährliche Altersgutschriften Verzinsung Freizügigkeit Altersleistungen Bezugsmöglichkeiten Bezug einer Altersrente Bezug von Alterskapital Hinterlassenenleistungen Invalidenleistungen Invalidenrenten Prämienbefreiung Vorgehen bei Teilinvalidität Obligatorische Teuerungsanpassung Die Goldene Regel im BVG-Minimalplan Beispiele für überobligatorische Vorsorgelösungen mit BVG-logischer Tarifierung Vorbemerkungen Umhüllende und gesplittete BVG-logische Pläne Leistungsprimatpläne Grundlegende Annahmen und Notation Lohnkoordination Altersleistungen und deren Finanzierung Anzahl Dienstjahre Erworbene Leistungen Berechnung der Freizügigkeitsleistung Bestimmung der Versicherungsleistungen und deren Prämien Ergänzungen zu den Vorsorgeplänen Zum BVG-Rentenumwandlungssatz Rentenumwandlungssatz und Barwert einer Leibrente Zur Höhe des BVG-Rentenumwandlungssatzes bis zum Jahr Zu Anpassungen des BVG-Rentenumwandlungssatzes Rentenumwandlungssätze in der beruflichen Vorsorge ab Zur Kapitaloption Freizügigkeit Grundsätzliches Regelung der Freizügigkeit Berechnung der Freizügigkeitsleistung Einbau von Freizügigkeitsleistungen bzw. Einkauf Wohneigentumsfinanzierung BVG-Schattenrechnung und BVG-Vergleichsrechnung Grade der Rückdeckung bzw. der Selbstbeteiligung Überschussbeteiligung und -verwendung... 733 2 I. BVG-logische Vorsorgepläne 1. Pläne zur Generierung von Vorsorgeleistungen 1.1. Vorsorgepläne im Allgemeinen 1) In der Schweiz erfolgt die Vorsorge gegen die drei Risiken Alter, Tod und Invalidität im Rahmen des Drei-Säulen-Konzeptes. In diesem Kurs beschränken wir uns auf die zweite Säule, genauer gesagt auf die berufliche Vorsorge, die im Jahr 1985 durch die Inkraftsetzung des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) ein grundlegend neues rechtliches Fundament erhalten hat. Das BVG definiert einerseits den Rahmen für die berufliche Vorsorge neu und legt andererseits obligatorische Mindestvorschriften fest. Die Unfallversicherung gemäss UVG, die auch zur zweiten Säule des Schweizerischen Vorsorgesystems gehört, klammern wir hier bewusst aus, um den Umfang der Vorlesung nicht zu weit zu fassen. Die Vorsorgeleistungen der beruflichen Vorsorge werden als Rente oder als einmalige Kapitalzahlung erbracht. Die Höhe der Vorsorgeleistungen hängt sehr oft direkt von der Höhe des bezogenen Lohnes ab. Die formelmässige Beschreibung der Abhängigkeiten der Vorsorgeleistungen vom Lohn und gegebenenfalls von weiteren Parametern erfolgt mit Hilfe so genannter Vorsorgepläne. Für die Schweiz typisch sind Beitragsprimatpläne, Leistungsprimatpläne und insbesondere BVG-logische Pläne. 2) Bei Beitragsprimatplänen wird in einem ersten Schritt die Höhe des Beitrages fixiert. In der beruflichen Vorsorge erfolgt das oft in Form von Lohnprozenten. In einem zweiten Schritt erfolgt dann die Aufteilung dieses Beitrages auf die Versicherungen gegen die drei Risiken Alter, Tod und Invalidität. Hierzu werden beispielsweise gewisse Leistungen gegen die Risiken Tod und Invalidität vordefiniert - wieder z.b. in Prozent vom Lohn - und versichert. Der verbleibende Teil des Beitrages wird für die Altersleistungen angespart. Beitragsprimatpläne sind durch eine hohe Transparenz der Finanzierungskosten gekennzeichnet. Dies ist insbesondere für den Arbeitgeber von Vorteil, da hierdurch die Budgetierung der Vorsorgekosten erheblich vereinfacht wird. Für den Versicherten entsteht dagegen - insbesondere bezogen auf die Höhe der Altersleistungen - meist eine gewisse Unsicherheit, die die Einschätzung der Vorsorgesituation im Alter erschwert. Im Allgemeinen ist hier nämlich nicht abschätzbar, wie hoch eine allfällige Altersrente sein wird.4 3 3) Bei Leistungsprimatplänen geht man gerade in umgekehrter Reihenfolge vor. Hier wird zunächst die Höhe der Vorsorgeleistungen bestimmt. Oft wird als erstes die Altersrente in Prozenten eines Lohnes festgelegt; z.b. 2% des Lohnes im Schlussalter (Endlohn) multipliziert mit der Anzahl möglicher Dienstjahre, im Maximum 60% des Endlohnes. Statt des Endlohnes wird oft auch der Durchschnitt von wohl bestimmten Löhnen aus verschiedenen Jahren der Altersrente zu Grunde gelegt. Die Invalidenrente wird meist gleich der Altersrente angesetzt und die Witwenrente wird in Prozent der Altersrente ausgedrückt, in der Regel zwischen 60 und 65 Prozent. Hier wird also die Höhe der Leistungen vorgegeben, und die Finanzierungskosten ergeben sich. Dies führt dazu, dass der Versicherte relativ gut seine Vorsorgesituation im Alter einschätzen kann, während die Finanzierungskosten für den Arbeitgeber meistens nicht so einfach abzuschätzen sind. Bei Leistungsprimatplänen stellen Lohnerhöhungen für ältere Mitarbeiter ein spezielles Finanzierungsproblem dar. Der hierzu erforderliche Einmalbeitrag kann leicht die jährliche Lohnerhöhung überschreiten. Es stellt sich die Frage, wie die Finanzierung dieses Einmalbeitrages zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt wird. 4) Durch die Einführung des BVG sind in der Schweiz so genannte BVG-logische Pläne üblich geworden, bei denen die Altersleistungen gemäss dem Beitragsprimat bestimmt werden, während für die Risikoleistungen eher das Leistungsprimat gilt. Als Risikoleistungen werden hier die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen von Aktiven bzw. Invaliden bezeichnet. In Abschnitt I.2. besprechen wir ausführlich den BVG-Minimalplan, der als Prototyp für BVG-logische Pläne gilt. 5) Die Planungssicherheit der aktiven Versicherten wird dadurch stark relativiert, dass der Stiftungsrat der Vorsorgeeinrichtung im Prinzip jeder Zeit Änderungen des Vorsorgeplanes beschliessen kann. Bei Verschlechterungen werden dabei meistens freiwillig gewisse Übergangsregelungen berücksichtigt. Man vergleiche hierzu die zurzeit zu beobachtende Umstellung von vielen Leistungsprimatplänen zu Beitragsprimatplänen. Im Gegensatz dazu sind die einmal zugesprochenen Renten zumindest bisher sakrosankt und wurden bei solchen Sparmassnahmen noch nicht gekürzt. Bei der Tarifierung ist eine Tendenz feststellbar, von der klassischen Tarifierung à la Pensionskasse umzustellen auf die BVG-logische Tarifierung gemäss dem BVG-Miniplan.5 Strukturierung von Vorsorgeleistungen 1) Die Vorsorgeleistungen gegen die drei Risiken Alter, Tod und Invalidität lassen sich im Allgemeinen gemäss der nachstehenden Abbildung strukturieren:6 5 Strukturierung der Leistungen in der Vorsorge gegen die Risiken Alter, Tod und Invalidität Risiken anwartschaftliche Leistungen "laufende" Leistungsarten Einmalig "Leibrente" "Kapitalverzehr" Alter Ansparprozess mit/ohne Zinsgarantie mit/ohne Erlebensfall-Risikovers. Alterskapital Altersrente Alterskapital wird in Raten aufgebraucht Tod Risikoversicherung Todesfallkapital Hinterlassenenrente Todesfallkapital wird in Raten aufgebraucht Invalidität Risikoversicherung Invaliditätskapital Invaliditätsrente Invaliditätskapital wird in Raten aufgebraucht Anschlussprobleme für den Empfänger (Einzelperson) Kapitalanlageentscheid (Einzel-Lebensversicherung oder Bank) alle obigen drei Leistungsarten stehen zur Auswahl Langlebigkeitsrisiko Kapitalanlagerisiken "Kapitalverzehr" : Das Kapital wird durch Auszahlungen vermindert und durch Verzinsung vermehrt; die Zahlung wird eingestellt, falls das Kapital aufgebraucht ist. "Kapitalverzehr" ist in der Schweiz im Rahmen der beruflichen Vorsorge nicht möglich; allerdings kann man sich mit einer Kapitalleistung aus der beruflichen Vorsorge eine solche Leistung generieren. In Großbritannien hat das Produkt "income draw down" ähnliche Eigenschaften.7 6 2) Zunächst ist zwischen "anwartschaftlichen Leistungen" und laufenden Leistungen zu unterscheiden. Bezüglich des Tarifierungskonzeptes beziehen wir uns im Folgenden auf BVG-logische Pläne. Desweiteren nehmen wir an, dass die Vorsorgeeinrichtung eine Vollversicherung bei einer Lebensversicherung abgeschlossen hat. Falls die Vorsorgeeinrichtung gewisse Risiken selbst trägt, ergeben sich entsprechende Anpassungen der Aussagen. 3) Durch die anwartschaftlichen Leistungen wird Kapital für die entsprechenden Vorsorgefälle zur Verfügung gestellt. Für das Risiko Alter wird Geld angespart. Dieser Ansparprozess kann mit bzw. ohne Zinsgarantie erfolgen. Zusätzlich kann er mit einer Erlebensfall-Risikoversicherung gekoppelt sein oder auch nicht. Gegen die Risiken Tod und Invalidität werden Risikoversicherungen abgeschlossen, durch die im Versicherungsfall entsprechendes Kapital bereitgestellt wird. 4) Bezüglich der Tarifierungsgrundsätze während der Anwartschaft sind die beiden folgenden Charakteristika der BVG-logischen Tarifierung zu erwähnen: Erstens ist für diese Phase eine weitgehende Trennung zwischen dem Sparprozess für die Altersleistungen einerseits und den Versicherungen gegen die Risiken Tod und Invalidität andererseits charakteristisch. Diese Trennung wird lediglich bei der Ausgestaltung der Versicherung der Todesfallleistungen dadurch durchbrochen, dass hier das bereits angesparte Kapital berücksichtigt wird, da es bei Tod des Versicherten nicht mehr für dessen Altersleistungen benötigt wird. Hierdurch ergibt sich eine spürbare Reduktion der Beiträge für die Todesfallleistungen. Zweitens ist zu bemerken, dass diese Phase durch einjährige Tarifierung gekennzeichnet ist, was eine enorme Flexibilität impliziert. Normalerweise ist bei Kollektiv-Lebensversicherungen eine enge Anbindung der Beiträge oder Leistungen an den Lohn gegeben. Dies führt fast zwangsläufig zu jährlich ändernden Beiträgen. Für die konventionelle Tarifierung mit garantierten nivellierten (d.h. konstanten) Beiträgen ergeben sich hieraus normalerweise erhebliche versicherungstechnische Komplikationen, insbesondere falls mehrere Tarifgenerationen involviert sind. Bei einjähriger Tarifierung entfallen diese Probleme. Die Beitragsbestimmung mittels einjähriger, altersabhängiger Tarife führt allerdings dazu, dass sich auch bei konstantem Lohn und sonst gleichen Verhältnissen jährliche Änderungen (meistens Erhöhungen)8 7 bei den Beiträgen ergeben. Die Bedeutung der Tarifgarantie wird hier stark eingeschränkt, da sie lediglich jeweils für ein Jahr gewährt wird. Bei Einführung neuer Tarifgrundlagen gelten diese somit nicht nur für das Neugeschäft sondern auch für alle bestehenden Versicherungen. 5) Während der Anwartschaft bestehen grundsätzliche Unterschiede zwischen der BVG-logischen Tarifierung und der klassischen PK-Tarifierung, die wir im Wintersemester besprochen haben. Wie oben erwähnt wird die BVG-logische Tarifierung während der Anwartschaft durch zwei Charakteristika geprägt: einjährige Tarifierung weitgehende Trennung zwischen dem Ansparprozess für die Altersleistungen und den Risikoleistungen Im Gegensatz dazu wird die klassische PK-Tarifierung geprägt durch: mehrjährige Tarifierung ein konglomorates Deckungskapital für das anwartschaftliche Leistungspaket Es ist zu beachten, dass immer mehr autonome Pensionskassen von der klassischen PK-Tarifierung auf die BVG-logische Tarifierung umstellen; bei den Lebensversicherungsunternehmungen ist dieser Umstellungsprozess nach meinen Informationen schon seit langem abgeschlossen. Sicherlich ist die Tatsache, dass im Sinne einer Schattenrechnung der BVG-Minimalplan sowieso für jeden obligatorisch zu versichernden gerechnet werden muss, mit ein Grund für die Umstellung auf BVG-logische Tarifierung bei dem eigentlichen Versicherungsplan. 6) Im Gegensatz zur Anwartschaft besteht für laufende Renten die Tarifgarantie während der ganzen Laufzeit der Renten; und zwar gilt dies sowohl für die BVG-logische Tarifierung als auch für die klassische PK-Tarifierung. Im ersten Fall ergibt sich dies dadurch, dass bei Beginn einer Rente ein tarifarisch bestimmter Einmalbeitrag entweder vom Versicherungsnehmer bezahlt wird oder von der Versicherungsunternehmung als Schadensumme bereitgestellt wird. Der erste Fall liegt bei Altersrenten9 8 vor, für die während der Anwartschaft Geld angespart wurde, und der zweite bei Hinterlassenen- und Invalidenrenten. Dieser Einmalbeitrag ist ein garantierter Höchstpreis, d.h. der Versicherungsnehmer hat die Garantie, dass das Erbringen der Rentenleistung für ihn in Zukunft nicht teurer werden kann. In den meisten Fällen ergibt sich de facto aufgrund der Überschussbeteiligung eine Verbilligung, die jedoch jedes Jahr neu bestimmt wird und in ihrer Höhe nicht garantiert ist. Bei der klassischen PK-Tarifierung gilt Analoges; bei Altersrenten wird das entsprechende Deckungskapital angespart und bei den Risikorenten wird es durch die Risikoversicherungen zur Verfügung gestellt. Für die laufenden Renten liegt somit die klassische Tarifierung mit Finanzierung durch einen Einmalbeitrag vor. Die Lebensversicherungsunternehmung übernimmt hier das Langlebigkeitsrisiko und gewährt gleichzeitig gewisse Mindestzinsgarantien. Für die versicherte Einzelperson entfallen somit die Risiken, die mit der Kapitalanlage und der Langlebigkeit verbunden sind (vgl. obige Abbildung). 7) Normalerweise entstehen Überschüsse sowohl für die anwartschaftlichen Versicherungen als auch für die laufenden Renten. In der Kollektiv-Lebensversicherung ist die Vorsorgeeinrichtung als Versicherungsnehmer Empfänger dieser Überschussanteile und nicht unmittelbar die einzelne versicherte Person wie in der Einzelversicherung. Über die Verwendung der Überschüsse entscheidet die Vorsorgeeinrichtung. Als Leistungsbonus kann z.b. für Aktive das Altersguthaben (Deckungskapital) erhöht werden und für Rentenbezüger die laufende Rente, um einen gewissen Ausgleich für die Preissteigerung zu erreichen. Als Prämienbonus kann z.b. der Arbeitgeberbeitrag reduziert werden, was bei Leistungsprimatplänen häufig der Fall ist, insbesondere wenn der Arbeitgeberanteil der Finanzierung erheblich mehr als die Hälfte beträgt. 8) Durch einmalige Kapitalleistungen in Form von Alterskapital, Todesfallkapital oder Invaliditätskapital können Gelder aus der zweiten Säule an Privatpersonen ausbezahlt werden. Diese sind dadurch unmittelbar einem Kapitalanlageproblem ausgesetzt. Eine Lösungsmöglichkeit besteht darin, diese Gelder in Produkte der Einzellebensversicherung zu investieren. Auch hier bieten sich wieder Kapital- und Rentenprodukte an. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Kapitalanlage selbst zu übernehmen oder einer Bank anzuvertrauen. Wichtig ist dabei, dass bei den zur Verfügung stehenden Bankprodukten das Langlebigkeitsrisiko stets bei der Einzelperson10 9 verbleibt. Produkte mit gewissen Mindestzinsgarantien für nicht allzu lange Zeiträume sind dagegen mittlerweile auf dem Kapitalmarkt auch für Privatpersonen erhältlich. Es ist festzuhalten, dass die kombinierte Übernahme des Langlebigkeitsrisikos und langfristiger Zinsgarantien ausschliesslich durch Leibrenten von Lebensversicherungsunternehmungen oder autonomen Pensionskassen erfolgen kann. 9) Falls die Beträge der Kapitalleistungen aus der zweiten Säule hoch genug sind, und die Privatperson sich für eine Kapitalanlage in Zusammenarbeit mit einer Bank entscheidet, entstehen hierdurch Kunden für das Private Banking Segment. Für die Verfolgung von Allfinanzstrategien ergeben sich daraus interessante Geschäftsperspektiven. 10) "Kapitalverzehr"-Produkte im Sinne der obigen Abbildung kann jede Privatperson selbst herstellen, indem sie von der Substanz eines Kapitalbestandes lebt. Professionelle Kapitalanlagegesellschaften bieten vermutlich mittlerweile entsprechend strukturierte Produkte an. Innerhalb der beruflichen Vorsorge sind solche Produkte in der Schweiz nicht zugelassen. Selbstverständlich können jedoch Kapitalleistungen aus der zweiten Säule dazu benutzt werden, solche Produkte zu erwerben. 11) Durch die Wahlfreiheit bzgl. der Bezugsform der Altersleistungen stellt sich ein grundlegendes sozialpolitisches Problem. Falls die berufliche Vorsorge als wichtige Ergänzung der staatlichen Vorsorge gesehen wird, sind "Leibrenten"-Produkte sicherlich die am meisten geeignete Form dazu, da hier ein Risikotransfer bzgl. des Langlebigkeits- und des Anlagerisikos von einem Einzelnen an ein Kollektiv stattfindet, sei es eine Lebensversicherungsunternehmung oder eine autonome Pensionskasse. Bei Kapitalauszahlung im Alter ist die entsprechende Person allein mit dem Langlebigkeitsrisiko und dem Kapitalanlagerisiko konfrontiert. Das Langlebigkeitsrisiko kann aber nur in Form von Versicherungen transferiert werden (Risikoausgleich im Kollektiv). Ein weiteres Problem ergibt sich dadurch, dass das Alterskapital in relativ kurzer Zeit grosszügig konsumiert wird und dass anschliessend eine öffentliche Einrichtung finanziell belastet wird. Zum Schutz gegen solche Vorkommnisse kann z.b. in den Niederlanden und Grossbritannien lediglich ein Teil des angesparten Alterskapitals aus der beruflichen Vorsorge als einmalige Kapitalzahlung bezogen werden. Der andere Teil muss zwingend in Form von Altersrenten ausgerichtet werden. Hierdurch wird das Risiko der Langlebigkeit vom Einzelnen auf ein Kollektiv übertragen.11 10 Im Rahmen der ersten BVG-Revision geht man in der Schweiz gerade in die entgegen gesetzte Richtung, indem dort in Art. 37 festgehalten wird, dass der Versicherte mindestens ein Viertel seines obligatorischen BVG-Altersguthabens in Form von Kapital beziehen kann Ziele der Vorsorge 1) In der Bundesverfassung (Art. 112 und 113) wird festgehalten, dass die AHV/IV, d.h. die erste Säule, den Existenzbedarf angemessen decken soll. Darüber hinaus gehend sollen die Leistungen aus der AHV/IV und der beruflichen Vorsorge zusammen, also aus der ersten und zweiten Säule gemeinsam, die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen. Meist wird das als 60% des letzten Lohnes interpretiert. Die private Vorsorge, d.h. die dritte Säule, soll zum Schliessen allfälliger individueller Lücken in der Vorsorge dienen bzw. zur Erhöhung der Vorsorgeleistungen nach individuellem Entscheid. Im Folgenden werden so genannte Grenzwerte angegeben, durch deren Änderungen gewisse Anpassungen der Vorsorge an die wirtschaftliche Entwicklung (z. B. Inflation, Salärsteigerungen etc.) erreicht werden soll. Die Änderungen der Grenzwerte werden vom Bundesrat im Prinzip alle zwei Jahre beschlossen. 2) Bei voller Beitragsdauer sind die Vorsorgeleistungen der AHV für Einzelpersonen nach unten durch die AHV-Minimalrente beschränkt (im Jahr 2012 CHF ). Eine Beschränkung der Vorsorgeleistungen der AHV für Einzelpersonen nach oben wird durch die maximale AHV-Altersrente (im Jahr 2012 CHF ) gegeben; sie beträgt höchstens das Doppelte der minimalen AHV-Rente. Für Ehepaare, bei denen beide Ehepartner AHV-Bezüger sind, beträgt die Obergrenze das 1.5-fache der maximalen AHV-Altersrente. Bei unvollständiger Beitragsdauer werden proportionale Kürzungen dieser Werte vorgenommen. Die Ziele der Vorsoge werden hier im Sinne des Existenzminimums in absoluten Geldbeträgen definiert. Allerdings stellt sich die Frage, ob durch diese Geldbeträge wirklich das Existenzminimum in allen Teilen der Schweiz gewährleistet wird. 3) In der beruflichen Vorsorge werden durch das BVG recht detailliert obligatorische Minimalvorschriften bezüglich des Vorsorgeumfangs festgelegt. Man spricht in diesem Zusammenhang vom BVG-Minimalplan, der in Abschnitt I.2. ausführlich besprochen wird. Wegen dieser Mindestvorschriften ergibt sich die Notwendigkeit im Rahmen der12 11 beruflichen Vorsorge stets zwischen den obligatorischen Mindestleistungen und den tatsächlichen Vorsorgeleistungen zu unterscheiden. Die tatsächlichen Vorsorgeleistungen enthalten in den meisten Fällen zusätzlich auch überobligatorische Elemente der Vorsorge. Eine obere Beschränkung der Vorsorgeleistungen in der beruflichen Vorsorge wird erst ab dem Jahr 2005 durch die erste BVG- Revision dadurch eingeführt, dass der koordinierte Lohn auf den 30igfachen Wert der maximalen AHV-Altersrente (im Jahr 2012 CHF 835'200 = 10*3*27'840) beschränkt wird. 4) Das Vorsorgeziel beträgt gemäss BVG bei voller Beitragsdauer und Gültigkeit der Goldenen Regel 36% vom letzten gemäss BVG koordinierten AHV-Jahreslohn. Die Goldene Regel ist in diesem Zusammenhang erfüllt, falls die gemäss BVG koordinierten Löhne mit einer jährlichen Wachstumsrate wachsen, die gleich der Verzinsung des bereits angesparten Altersguthabens ist. Das BVG strebt also ein relatives Vorsorgeziel an, das die Altersrente in Prozenten des letzten BVG-koordinierten Lohnes definiert. Durch die BVG-Lohnkoordination wird eine absolute obere Schranke für die BVG-Mindestleistungen definiert. 5) Da im BVG-Minimalplan der koordinierte Lohn bisher auf das Zweifache der maximalen AHV-Altersrente beschränkt war bzw. dank der 1. BVG-Revision ab 2005 auf das 21/8 fache beschränkt ist, sinkt mit steigendem Lohn der Grad der Vorsorge durch die BVG-Minimalleistungen. 6) Für die Leistungen gemäss AHV und BVG wird in der nachstehenden Grafik der Verlauf des Deckungsgrades in Prozent des Lohnes mit den Parametern des Jahres 2004 dargestellt: Leistungen in % des Bruttolohnes 100% 90% 80% 70% 60% 50% BVG 40% 30% 20% 10% AHV 0% Jahreslohn in tausend Franken13 12 7) Bei gut ausgebauten Leistungsprimatplänen strebt man erheblich höhere Grade der Vorsorge an. So betragen die überobligatorischen Leistungen oft ein Vielfaches der BVG-Mindestleistungen. Bei finanzstarken Unternehmen findet man häufig, allerdings mit sinkender Tendenz, Endlohnpläne, die z.b. eine maximale Altersrente von 60 bis 70% vom letzten koordinierten Lohn anstreben. Für die Versicherten wird durch die Definition des Vorsorgeziels als relatives Ziel, d.h. als Prozentsatz des letzten koordinierten Lohnes, die Vorsorgesituation im Alter recht gut einschätzbar. 8) Die folgenden Ausführungen berücksichtigen die Änderungen aufgrund der 1. BVG-Revision, die ab in Kraft ist. Da der Souverän am 16. Mai 2004 die 11. AHV-Revision abgelehnt hat, treten einige darin vorgesehene Koordinationsschritte zwischen erster und zweiter Säule nicht in Kraft. Ferner berücksichtigen wir die relevanten Änderungen in der Aufsicht aufgrund der neuen Version des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG), das seit dem in Kraft ist. Darin sind auch Massnahmen zur Erhöhung der Transparenz in der beruflichen Vorsorge enthalten, die durch die Änderung der Lebensversicherungsverordnung (LeVV) schon ab dem Jahr 2004 galten Organisationsstruktur der beruflichen Vorsorge 1) Die Produktion der Vorsorgeleistungen kann eine Vorsorgeeinrichtung selbst erbringen oder an eine Lebensversicherungsunternehmung outsourcen. Falls sie alle Risiken selbst trägt, spricht man von einer autonomen Pensionskasse. Ein vollständiges Outsourcen ist z.b. an eine Lebensversicherungsunternehmung möglich. Da Vorsorgeeinrichtungen im Prinzip Aufgaben in Analogie zu Lebensversicherungsunternehmungen wahrnehmen können, unterliegen sie einer staatlichen Aufsicht, die vom BSV wahrgenommen wird. Es wurde diskutiert, auch die Pensionskassen der Versicherungsaufsicht durch das BPV zu unterstellen; allerdings hat man sich entschieden, dies nicht zu tun. Die Konsequenz ist, dass es unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Durchführung der beruflichen Vorsorge gibt. Im Laufe der Vorlesung gehen wir immer wieder darauf ein. Die beiden Extremvarianten für die Durchführung der Vorsorge lassen sich wie folgt grafisch veranschaulichen. In Abbildung 1 ist der Fall der autonomen Pensionskasse dargestellt, bei der die Vorsorgeeinrichtung die Vorsorge autonom durchführt, in Abbildung 2 wird der Fall "vollständigen Rückdeckung" oder "Vollversicherung" dargestellt.14 13 Abbildung 1 Vorsorgeeinrichtung führt die Vorsorge autonom durch (autonome Pensionskasse) Arbeitgeber Firma Arbeitnehmer Destinatär Vorsorge [Aufsicht durch das BSV] Abbildung 2 Vorsorgeeinrichtung gibt die Vorsorge in Rückdeckung bei einer Lebensversicherungsunternehmung Arbeitgeber Firma Vorsorgeeinrichtung Vorsorgeeinrichtung Lebensversicherungsunternehmung Arbeitnehmer Destinatär Vorsorge [Aufsicht durch das BSV] Versicherung [Aufsicht durch das BPV]15 14 2) Bis Ende 2003 wendeten die Schweizerischen Lebensversicherungsunternehmungen den BVG Mindestzinssatz von 4% bzw. 3.25% und den BVG-Rentenumwandlungssatz von 7.2% für die obligatorischen und die überobligatorischen Teile der beruflichen Vorsorge an. Aufgrund der Entwicklung an den Kapitalmärkten in den Jahren 2001 und 2002 führten sie ab 2004 eine Trennung zwischen den obligatorischen Teilen, in denen sie die beiden durch den Bundesrat bzw. das Parlament festgelegten Parameter der beruflichen Vorsorge benutzen, und den überobligatorischen Teilen ein; in letzteren legen sie auf Grund ihrer Einschätzung der Marktsituation diese beiden Parameter fest. Zumindest von der Winterthur wissen wir, dass sie zusätzlich eine strickte Trennung zwischen Vorsorge und Versicherung eingeführt hat. So garantierte die Winterthur auf den Altersguthaben - und zwar auf den obligatorischen und überobligatorischen Teilen im Jahr 2004 lediglich einen Zinssatz von 2%. Die Differenz zum BVG-Mindestzinssatz von 2.25% für das Jahr 2004, wies sie als minimale Überschussbeteiligung den Vorsorgewerken bzw. Stiftungen zu. Diese Vorgehensweise ist wesentlicher Teil des so genannten Winterthur- Modells. Allerdings wurde diese Abweichung von der garantierten BVG-Mindestverzinsung auch im Obligatorium im Jahr 2007 nach dem Kauf der Winterthur durch die AXA - schon wieder abgeschafft. Zusammenfassend kann man festhalten, dass bei Versicherungslösungen ab dem Jahr 2004 die Unterscheidung sowohl o zwischen Vorsorge und Versicherung als auch o zwischen obligatorischen BVG-Leistungen und überobligatorischen Leistungen relevant ist. 3) Bei den autonomen Pensionskassen ist eine strikte Trennung zwischen obligatorischen und überobligatorischen Leistungen nicht so üblich; meist bieten sie weit überobligatorische Leistungen an und benutzen ihnen geeignet erscheinende Parameter zur Bestimmung der gesamten Leistungen. Dies kann z.b. bei einer Nullverzinsung des gesamten Altersguthabens dazu führen, dass für den überobligatorischen Anteil des Altersguthabens eine negative Verzinsung vorliegt, da selbstverständlich für den Anteil obligatorischen des Altersguthabens der BVG-Mindestzinssatz relevant ist. Ähnliche Phänomene können bei dem Rentenumwandlungssatz auftreten. Um so etwas zu vermeiden, wäre eine strikte Trennung zwischen obligatorischen und überobligatorischen Leistungen unsrer Meinung nach die einzige angemessene Lösung.16 15 2. Der BVG-Minimalplan 1) Im Folgenden beschreiben wir die im BVG unter Berücksichtigung der 1. BVG-Revision detailliert festgelegten Mindestvorschriften bzgl. der Vorsorgeleistungen und deren Finanzierung. Man nennt dies kurz den BVG-Minimalplan. 2) Gemäss BVG erfolgt die Aufnahme in eine Vorsorgeeinrichtung frühestens am 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahres für die Risiken Tod und Invalidität am 1. Januar nach Vollendung des 24. Altersjahres für die Alters - leistungen 3) Für Männer wird das ordentliche BVG-Rentenalter am Monatsersten nach Vollendung des 65. Altersjahres erreicht. Für Frauen ist das ordentliche BVG-Rentenalter allein durch die 1. BVG-Revision im Einklang mit der AHV im Jahr 2005 auf 64 erhöht worden. Falls die 11. AHV-Revision angenommen worden wäre, wäre ab 2010 das ordentliche AHV- und BVG-Rentenalter auch für Frauen 65. Da jedoch die 11. AHV-Revision abgelehnt wurde, bleiben bis auf weiteres die ordentlichen AHV- und BVG-Rentenalter geschlechts-abhängig: 65 für Männer und 64 für Frauen Koordinierter Lohn 1) Wesentliche Bezugsgrösse für die Ausgestaltung von Vorsorgeplänen in der beruflichen Vorsorge ist der so genannte "koordinierte Lohn". Es handelt sich hierbei um die Lohnanteile, die in der beruflichen Vorsorge berücksichtigt werden sollen. Unterschiedliche Methoden zur Koordination sind möglich. Es wird eine Koordination der Vorsorge gemäss zweiter Säule mit den Leistungen der ersten Säule angestrebt, was durch den Begriff "koordinierter Lohn" zum Ausdruck gebracht wird. 2) Die Lohnkoordination im BVG-Obligatorium orientiert sich an der AHV maximalen AHV-Altersrente des Jahres t AR t. Der nach BVG BVG koordinierte Lohn L t berücksichtigt zur Zeit lediglich die Lohnanteile des AHV-pflichtigen Jahreslohn zwischen 7/8 der einfachen maximalen AHV-Altersrente und der dreifachen; zusätzlich ist vorgeschrieben, dass der BVG-Lohn L t BVG mindestens 1/8 der einfachen17 16 maximalen AHV-Altersrente beträgt und das die Versicherungspflicht beginnt, falls der AHV-Lohn grösser oder gleich ¾ der einfachen maximalen AHV-Altersrente ist. Falls mit Ltder AHV-pflichtige Jahreslohn des Jahres t bezeichnet wird, gilt: BVG Lt : 3 AHV 0 für Lt AR 4 t 7 AHV 1 AHV max Lt ARt, ARt AHV AHV 2 AR t t für L 3 AR 8 t für 3 4 AHV ARt Lt AHV 3 ARt Mit der einfachen maximalen AHV-Altersrente des Jahres 2012 in Höhe von CHF 27'840 ergibt sich somit: L BVG t : 0 für Lt 20'880 max L t 24'360, 3'480 59'160 für Lt 83'520 für 20'880 L t 83'520 Hierzu einige Zahlenbeispiele: Für L t = 18'000 ist L BVG t = 0 Für L t = 20'881 ist L BVG t = max(-3'479; 3'480) = 3'480 Für L t = 70'000 ist L BVG t = max(45'640; 3'480) = 45'640 Für L t = 150'000 ist L BVG t = 59'160 3) Unter sozialpolitischen Gesichtspunkten ist die Lohnuntergrenze für die Versicherungspflicht gemäss BVG problematisch. Hierdurch wird der Vorsorgegrad bei Erwerbstätigen mit geringem Einkommen oft allein auf die Leistungen der ersten Säule beschränkt, die in diesen Fällen wegen des tiefen Einkommens nicht allzu gross ausfallen. Verschärft wird diese Problematik dadurch, dass für Teilzeitbeschäftigte der Koordinationsabzug nicht dem Beschäftigungsgrad angepasst wird. Der AHV-pflichtige Jahreslohn Lt entspricht selbstverständlich nur dem Teilzeitlohn, während die Versicherungspflicht erst bei ¾ der maximalen AHV-Altersrente beginnt. Durch die (bewusste) Aufteilung der Arbeitskraft auf mehrere Teilzeitjobs kann hierdurch die18 17 Pflichtversicherung im Rahmen der zweiten Säule umgangen werden. In Deutschland treten solche Probleme in der ersten Säule bei den so genannten 400-Euro-Jobs auf, die nicht der obligatorischen gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen. Zur Begründung für solche Untergrenzen wird meist angeführt, dass man den Verwaltungsaufwand in Grenzen halten will. Um diese Problematik wenigstens etwas zu entschärfen, wurde in der 1. BVG-Revision die Versicherungspflicht ab Jahreslöhnen, die lediglich ¾ der maximalen AHV-Altersrente übersteigen, eingeführt und nicht wie vorher erst ab einer ganzen AHV-Altersrente. Die Absenkung des Koordinationsabzuges auf lediglich 7/8 der AHV-Altersrente dient dagegen zur Kompensation der Reduktion des BVG-Rentenumwandlungssatzes von 7.2% im Laufe von 10 Jahren ab dem Jahr 2005 auf 6.8%. 4) Die Versicherungspflicht gemäss BVG beginnt, falls die Bedingungen bzgl. der Altersgrenzen erfüllt sind und der Lohn grösser oder gleich dem BVG-Mindestlohn ist. Die Versicherungspflicht gemäss BVG endet, falls - das ordentliche BVG-Rentenalter erreicht wird - das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird - der Lohn den BVG-Mindestlohn unterschreitet - der Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung wegen des Ablaufs der Rahmenfrist endet - eine vorzeitige Pensionierung mit Rentenbezug aus der beruflichen Vorsorge vorliegt Falls man nach einer vorzeitigen Pensionierung weiter arbeitet, ist man zwar weiterhin AHV-pflichtig, nicht jedoch BVG-pflichtig; man kann sich jedoch weiter in der beruflichen Vorsorge freiwillig versichern, falls der Arbeitgeber und die Vorsorgeeinrichtung das akzeptieren. 5) Ein Beispiel für eine überobligatorische Lohnkoordination liegt koord vor, falls der koordinierte Lohn L t sich wie folgt bestimmt:19 18 koord Lt : 3 AHV 0 für Lt AR 4 t 7 AHV 1 AHV max Lt ARt, ARt für AHV AHV 29 AR t t für L 30 AR 8 t 3 4 AHV ARt Lt AHV 30 ARt Mit der maximalen AHV-Altersrente des Jahres 2012 in Höhe von CHF 27'840 ergibt sich somit: L koord t : 0 für Lt 20'880 max L t 24'360, 3'480 für 20'880 L 810'840 für Lt 835'200 t 835'200 Hierzu einige Zahlenbeispiele: Für L t = 18'000 ist L koord t = 0 Für L t = 20'881 ist L koord t = max(-3'479; 3'480) = 3'480 Für L t = 70'000 ist L koord t = max(45'640; 3'480) = 45'640 Für L t = 150'000 ist L koord t = max(125'640; 3'480) = 125'640 Für L t = 900'000 ist L koord t = 810' Altersguthaben Zur Finanzierung der Altersleistungen wird ein Altersguthaben akkumuliert. Es setzt sich zusammen aus den jährlichen Altersgutschriften (vgl. I ) und der Verzinsung (vgl. I ) Jährliche Altersgutschriften 1) Die jährlichen Altersgutschriften ergeben sich durch Anwendung einer Skala mit Prozentsätzen auf einen koordinierten Lohn. Zur Bestimmung der obligatorischen Mindest-Altersgutschriften gemäss BVG wendet man die Prozentsätze PS x der folgenden Skala auf den BVG-Lohn an. Ab dem Jahr 2005 sind sie nur noch abhängig20 19 vom Alter der versicherten Person, und nicht noch zusätzlich vom Geschlecht: 7 % für jährige Männer und Frauen, 10 % für jährige Männer und Frauen, 15 % für jährige Männer und Frauen, 18 % für jährige Männer und Frauen. Es steht einer Vorsorgeeinrichtung frei, andere Skalen zu definieren. Sie muss jedoch dafür besorgt sein, dass die Altersgutschriften gemäss ihrer Skala und ihrer Lohnkoordination zu Leistungen führen, die grösser oder wenigstens gleich gross sind wie die obligatorischen BVG-Mindestleistungen. Beispiel für eine Skala, die zu überobligatorischen Altersgutschriften führt, ist die folgende Skala: 10 % für jährige Männer und Frauen, 18 % für jährige Männer und Frauen. 2) Die jährlichen Altersgutschriften sind gemäss BVG nachschüssig fällig. Für das BVG-Obligatorium heisst das, dass am Ende des Jahres t dem Versicherten mit Alter x Altersgutschriften in Höhe von L PS BVG t x gutzuschreiben sind. Dabei ist PS x der Prozentsatz der Altersgutschrift zum Alter x=x(t) im Jahr t. Das Alter x wird als Differenz zwischen dem Kalenderjahr t und dem Geburtsjahr der versicherten Person berechnet. Das Versicherungsjahr entspricht im BVG immer dem Kalenderjahr. 3) Da Versicherungsprämien üblicherweise vorschüssig fällig sind, beträgt bei Versicherungslösungen die zugehörige vorschüssig fällige Sparprämie S 1 BVG x,t L BVG t PSx, 1 it wobei i BVG t der BVG-Mindestzinssatz des Jahres t ist. 4) Die durch das Gesetz vorgeschriebene Staffelung der Prozentsätze für die Altersgutschriften führt dazu, dass die Vorsorgekosten, die ja Lohnnebenkosten darstellen, mit zunehmendem Alter der Ver- Mehr anzeigen
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