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Timestamp: 2020-07-07 14:29:35+00:00

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Das beigetriebene Zwangsgeld - und die spätere Erfüllung | Rechtslupe
Die Bestim­mung des § 35 FamFG war hier auch anwend­bar. Dem steht § 113 Abs. 1 Satz 1 FamFG nicht ent­ge­gen. Denn der Ver­sor­gungs­aus­gleich ist weder eine Fami­li­en­streit­sa­che im Sin­ne des § 112 FamFG noch eine Ehe­sa­che nach § 121 FamFG. Auch als Fol­ge­sa­che im Schei­dungs­ver­bund (§ 137 FamFG) blei­ben für das Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ver­fah­ren grund­sätz­lich die all­ge­mei­nen und beson­de­ren Vor­schrif­ten des Fami­li­en­ver­fah­rens­ge­set­zes maß­geb­lich [1].
Rechts­grund­la­ge für die Bei­trei­bung des nach § 35 Abs. 1 FamFG fest­ge­setz­ten Zwangs­gelds sind § 1 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2, § 2 Abs. 1 und 3, § 3, § 6 JBeitrO iVm den in § 6 Abs. 1 Nr. 1 JBeitrO für anwend­bar erklär­ten Bestim­mun­gen der Zivil­pro­zess­ord­nung [2]. Die Rege­lung des § 95 Abs. 1 Nr. 1 FamFG die wie­der­um einen Ver­weis auf die Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung beinhal­tet ist nicht ein­schlä­gig [3], weil es sich beim Zwangs­geld nach § 35 Abs. 1 Satz 1 FamFG nicht um eine Geld­for­de­rung in die­sem Sin­ne han­delt, son­dern um ein eigen­stän­di­ges Mit­tel zur Voll­stre­ckung (bzw. Durch­set­zung) der gericht­li­chen Anord­nung.
Zutref­fend ist aller­dings, dass das Zwangs­geld im Sin­ne des § 35 FamFG als ein Zwangs­mit­tel anders als etwa das Ord­nungs­geld gemäß § 89 FamFG kei­nen Sank­ti­ons­cha­rak­ter hat, son­dern allein der Ein­wir­kung auf den Wil­len des Ver­pflich­te­ten dient [4] und damit ein rei­nes "Beu­g­e­mit­tel" ist [5].
Auf­grund die­ses Cha­rak­ters des Zwangs­gelds ent­spricht es der soweit ersicht­lich über­ein­stim­men­den Auf­fas­sung, dass eine (wei­te­re) Bei­trei­bung des fest­ge­setz­ten Zwangs­gelds zu unter­blei­ben hat, sobald es der Beu­ge­wir­kung nicht mehr bedarf. Dies ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn der Ver­pflich­te­te die gericht­li­che Anord­nung erfüllt hat. Soweit der das Zwangs­geld fest­set­zen­de Beschluss noch nicht rechts­kräf­tig ist, ist er dann auf die sofor­ti­ge Beschwer­de des Ver­pflich­te­ten nach § 35 Abs. 5 FamFG auf­zu­he­ben [6]. Kei­ner Ent­schei­dung bedarf hier die Fra­ge, ob eine sol­che Auf­he­bung dann ent­spre­chend § 48 Abs. 1 FamFG auch zu erfol­gen hat, wenn der Fest­set­zungs­be­schluss zwar rechts­kräf­tig, aber noch nicht voll­streckt wor­den ist [7]. Jeden­falls ist auch dann von einer (wei­te­ren) Voll­stre­ckung abzu­se­hen [8].
Anders liegt es trotz der Funk­ti­on des Zwangs­gelds als Beu­g­e­mit­tel jedoch, wenn bei rechts­kräf­ti­gem Fest­set­zungs­be­schluss das Bei­trei­bungs­ver­fah­ren voll­stän­dig und erfolg­reich durch­ge­führt ist und die gericht­li­che Anord­nung erst danach erfüllt wird. Dann kann weder eine Auf­he­bung des Zwangs­geld­fest­set­zungs­be­schlus­ses noch eine Rück­zah­lung des bei­ge­trie­be­nen Zwangs­gelds erfol­gen [9]. Denn die für die begehr­te Rück­zah­lung des Zwangs­gelds erfor­der­li­che Auf­he­bung des Fest­set­zungs­be­schlus­ses [10] fin­det im Gesetz kei­ne Grund­la­ge.
Die Auf­he­bung des rechts­kräf­ti­gen Fest­set­zungs­be­schlus­ses (und die dar­auf auf­bau­en­de Rück­zah­lung des bei­ge­trie­be­nen Zwangs­gelds) kommt aber auch nicht in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 48 FamFG oder §§ 776, 775 Nr. 1 ZPO in Betracht. Denn inso­weit lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ana­lo­gie nicht vor. Eine sol­che erfor­dert neben einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke die Ver­gleich­bar­keit der zur Beur­tei­lung ste­hen­den Sach­ver­hal­te. Die­se Vor­aus­set­zung ist erfüllt, wenn der zu beur­tei­len­de Sach­ver­halt in recht­li­cher Hin­sicht so weit mit dem Tat­be­stand, den der Gesetz­ge­ber gere­gelt hat, ver­gleich­bar ist, dass ange­nom­men wer­den kann, der Gesetz­ge­ber wäre bei einer Inter­es­sen­ab­wä­gung, bei der er sich von den glei­chen Grund­sät­zen hät­te lei­ten las­sen wie bei dem Erlass der her­an­ge­zo­ge­nen Geset­zes­vor­schrift, zu dem glei­chen Abwä­gungs­er­geb­nis gekom­men [11]. Dar­an fehlt es hier.
Gegen eine Ver­gleich­bar­keit mit dem durch § 48 Abs. 1 FamFG gere­gel­ten Sach­ver­halt spricht, dass die­se Norm die Durch­bre­chung der Rechts­kraft von (End)Entscheidungen in Form der Auf­he­bung oder Abän­de­rung wegen nach­träg­li­cher wesent­li­cher Ände­rung der zugrun­de lie­gen­den Sach- und Rechts­la­ge auf die Fäl­le beschränkt, in denen der Ent­schei­dung eine Dau­er­wir­kung zukommt. Anders als unter Gel­tung des frü­he­ren § 18 FGG, der die freie Abän­der­bar­keit von der unbe­fris­te­ten Beschwer­de unter­lie­gen­den Ent­schei­dun­gen ermög­lich­te, wenn das Gericht sie nach­träg­lich für unge­recht­fer­tigt erach­te­te und nach dem teil­wei­se eine Auf­he­bung des Fest­set­zungs­be­schlus­ses auch nach Bei­trei­bung des Zwangs­gelds für mög­lich gehal­ten wur­de [12] , sieht der Gesetz­ge­ber eine all­ge­mei­ne Abän­de­rungs­vor­schrift als nicht ver­ein­bar mit der grund­sätz­li­chen Befris­tung der Rechts­mit­tel des Fami­li­en­ver­fah­rens­ge­set­zes an [13]. Mit § 48 Abs. 1 FamFG, der funk­tio­nal § 323 ZPO ent­spricht [14], woll­te er mit­hin gezielt den Son­der­fall der Dau­er­wir­kung regeln.
Eine sol­che Dau­er­wir­kung [15] kommt dem Zwangs­geld­fest­set­zungs­be­schluss aber nicht zu. Viel­mehr erschöpft sich die Rechts­wir­kung der ein­zel­nen Zwangs­geld­fest­set­zung dar­in, dass sie dem Ver­pflich­te­ten eine ein­ma­li­ge Zah­lungs­pflicht auf­er­legt und ein­ma­lig ein Zwangs­geld bei­ge­trie­ben wer­den kann. Mit der erfolg­rei­chen Bei­trei­bung ist der Fest­set­zungs­be­schluss in sei­ner recht­li­chen Wir­kung gleich­sam ver­braucht [16] und der mit dem ein­zel­nen Zwangs­mit­tel beab­sich­tig­te Beu­ge­druck auf den Ver­pflich­te­ten abschlie­ßend aus­ge­übt.
Die §§ 776, 775 Nr. 1 ZPO betref­fen die zivil­pro­zes­sua­le Zwangs­voll­stre­ckung, die der Par­tei­dis­po­si­ti­on unter­liegt. Dem­ge­gen­über geht es beim Zwangs­geld nach § 35 Abs. 1 Satz 1 FamFG allein um die zwangs­wei­se Durch­set­zung einer ver­fah­rens­lei­ten­den gericht­li­chen Anord­nung [17], also von hoheit­li­chem Han­deln. Ob für ein Zwangs­geld nach § 888 ZPO etwas ande­res gilt [18], kann hier dahin­ste­hen.
Für eine ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 48 FamFG oder §§ 776, 775 Nr. 1 FamFG besteht auch des­halb kein Bedarf, weil sich die Recht­mä­ßig­keit der Zwangs­geld­fest­set­zung nach der Sach- und Rechts­la­ge zu dem Zeit­punkt bestimmt, in dem das Bei­trei­bungs­ver­fah­ren abge­schlos­sen ist [19]. Umstän­de, die nach die­sem Zeit­punkt auf­tre­ten, kön­nen mit­hin nicht zur Auf­he­bung des for­mell rechts­kräf­ti­gen Fest­set­zungs­be­schlus­ses füh­ren. Dem­entspre­chend erhält auch der Steu­er­pflich­ti­ge ein Zwangs­geld nach § 328 AO nicht zurück­ge­zahlt, das er bei Abga­be der Steu­er­erklä­rung schon bezahlt hat­te [20]. Nichts ande­res gilt im Übri­gen für ein in Regis­ter­sa­chen rechts­kräf­tig gemäß § 389 Abs. 1 FamFG fest­ge­setz­tes und dann auch bei­ge­trie­be­nes Zwangs­geld bei erst nach­träg­li­cher Erfül­lung der gesetz­li­chen Ver­pflich­tung [21].
BGH, Beschluss vom 13.11.2013 XII ZB 414/​13 FamRZ 2014, 109 Rn. 4 mwN[↩]
vgl. Bahrenfuss/​Rüntz FamFG 3. Aufl. § 35 Rn. 25; Haußleiter/​Gomille FamFG 2. Aufl. § 35 Rn. 11; Hol­zer FamFG § 35 Rn. 15; Jox in Frösch­le Pra­xis­kom­men­tar Betreu­ungs- und Unter­brin­gungs­ver­fah­ren 3. Aufl. § 35 Rn. 15; Prütting/​Helms/​Hammer FamFG 3. Aufl. § 35 Rn. 15; Schul­te-Bun­ert in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 35 Rn. 14[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.03.2017 XII ZB 245/​16 FamRZ 2017, 918 Rn. 10; und vom 17.08.2011 XII ZB 621/​10 FamRZ 2011, 1729 Rn. 14[↩]
beja­hend: Schul­te-Bun­ert in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 35 Rn. 14; ver­nei­nend: Bahrenfuss/​Rüntz FamFG 3. Aufl. § 35 Rn. 21[↩]
Borth/​Grandel in Musielak/​Borth FamFG 5. Aufl. § 35 Rn. 9; Cirul­lies Rpfle­ger 2011, 573, 576; Keidel/​Zimmermann FamFG 19. Aufl. § 35 Rn. 49; Haußleiter/​Gomille FamFG 2. Aufl. § 35 Rn. 11; im Ergeb­nis wohl auch Bahrenfuss/​Rüntz FamFG 3. Aufl. § 35 Rn. 21; Beck­OK FamFG/​Munzig [Stand: 1.07.2017] § 389 Rn. 23; vgl. auch Ned­den-Boe­ger in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 389 Rn. 27; aA Prütting/​Helms/​Hammer FamFG 3. Aufl. § 35 Rn. 8; Lorenz FamRZ 2016, 688, 691[↩]
st. Rspr., vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2017 XII ZB 71/​16 FamRZ 2017, 603 Rn. 31; und vom 24.08.2016 XII ZB 351/​15 FamRZ 2016, 1849 Rn.19 mwN[↩]
vgl. etwa OLG Karls­ru­he FamRZ 2005, 1698, 1699; OLG Braun­schweig FamRZ 2002, 1351; Keidel/​Zimmermann FGG 15. Aufl. § 33 Rn. 24; aA wohl Bay­O­bLG Rpfle­ger 1955, 239, 240; dif­fe­ren­zie­rend Jan­sen FGG 3. Aufl. § 33 Rn. 55[↩]
Ober­heim in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 48 Rn. 2[↩]
vgl. zu die­sem Begriff etwa Münch­Komm-FamF­G/Ul­ri­ci § 48 Rn. 7 ff. mwN[↩]
vgl. Bay­O­bLG Rpfle­ger 1955, 239, 240[↩]
Schul­te-Bun­ert in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 35 Rn. 2[↩]
vgl. dazu etwa OLG Frank­furt Jur­Bü­ro 1991, 1554, 1556 f.; LAG Hes­sen Beschluss vom 13.09.2013 12 Ta 393/​12 10; Lorenz FamRZ 2016, 688 ff. mwN; Münch­Komm-ZPO/­Gru­ber 5. Aufl. § 888 Rn. 32; Thomas/​Putzo/​Seiler ZPO 38. Aufl. § 888 Rn. 15[↩]
Bahrenfuss/​Steup FamFG 3. Aufl. § 389 Rn. 8; Keidel/​Heinemann FamFG 19. Aufl. § 389 Rn. 5; Ned­den-Boe­ger in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 389 Rn. 27; wohl auch Prütting/​Helms/​Holzer FamFG 3. Aufl. § 389 Rn. 7[↩]

References: § 35
 § 113
 § 112
 § 121
 § 35
 § 1
 § 2
 § 3
 § 6
 § 6
 § 95
 § 35
 § 35
 § 89
 § 35
 § 48
 § 48
 § 48
 § 18
 § 48
 § 323
 § 35
 § 888
 § 48
 § 328
 § 389
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 35
 § 389
 § 389
 § 35
 § 33
 § 33
 § 48
 § 48
 § 35
 § 888
 § 888
 § 389
 § 389
 § 389
 § 389