Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20ZR%20246/02
Timestamp: 2018-07-21 13:19:50+00:00

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BGH, 12.02.2004 - IX ZR 246/02 - dejure.org
BGB § 675; SGB V § 8; StBerG § 68; SGB IV § 28 p Abs. 1
Haftung eines Steuerberaters wegen Pflichtverletzung bei der Lohnbuchführung; Nichtabführung von Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung; Auszahlung des Arbeitnehmeranteils trotz Versicherungspflicht ; Irrtümliche Schlüsselung als versicherungsfrei; Nachforderungsbescheid der Krankenkasse; Unrichtige Vorgaben des Auftraggebers; Verjährung des Regressanspruchs; Sekundärer Schadensersatzanspruch
Zur Beratungspflicht eines Steuerberaters, der die Lohnbuchführung seines Auftraggebers übernommen hat und Beschäftigte des Auftraggebers als "krankenversicherungsfrei" einschlüsselt; zur Frage des Beginns der Verjährungsfrist für dabei wegen Pflichtverletzungen etwa entstehender Schadensersatzansprüche
Steuerberater - Beratungspflicht eines Steuerberaters
Beraterhaftung - Haftungsrechtliche Brisanz bei der Beurteilung der Sozialversicherungspflicht
Beratungspflicht des Steuerberaters hat Grenzen
Grenzen der Beratungspflicht des Steuerberaters bei der Lohnbuchführung
Kurznachricht zu "Die Haftung des Steuerberaters im Hinblick auf sozialversicherungsrechtliche Hinweis- und Aufklärungspflichten" von RA/FASteuerR Dr. Alexander Pallas und RA/FASteuerR Christian Gercke, original erschienen in: Stbg 2012, 557 - 562.
NJW-RR 2004, 1358
MDR 2004, 746
VersR 2006, 553
WM 2004, 2034
DB 2004, 1771
a) Mit Recht ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß die Verjährung eines Ersatzanspruchs gegen einen Steuerberater, der steuerliche Nachteile seines Mandanten verschuldet hat, in der Regel frühestens beginnt, sobald diesem der belastende Steuerbescheid gemäß § 122 Abs. 1, § 155 Abs. 1 Satz 2 AO bekanntgegeben wird; erst dann ist grundsätzlich ein Schaden infolge eines Beratungsfehlers und damit ein Ersatzanspruch des Mandanten entstanden, so daß die Verjährungsfrist des § 68 StBerG in Lauf gesetzt wird (BGHZ 129, 386, 388; BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, WM 2004, 2034, 2037).
Sofern der Steuerberater zu einer außerhalb des Steuerrechts gelagerten Rechtsberatung nicht befugt ist, hat er seinen Mandanten aufzufordern, einen mit den notwendigen Kenntnissen ausgestatteten Rechtsanwalt aufzusuchen (BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, WM 2004, 2034, 2036).
Diese Frage ist in der bisherigen Rechtsprechung noch offengelassen worden (vgl. BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, BGH-Report 2004, 809, 811 unter IV. 1. b. a.E.).
Der steuerliche Berater, der im Auftrag des Arbeitgebers die Lohnabrechnungen besorgt, muß grundsätzlich auch prüfen, ob für Arbeitnehmer eine Befreiung von der Versicherungspflicht in Betracht kommt, wenn Beiträge nicht abgeführt werden (vgl. BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 aaO S. 810 f; OLG Celle VersR 2001, 1437, 1438).
Dafür genügt, dass ein Teilschaden entstanden ist, unabhängig davon, ob dieser Schaden bestehen bleibt (BGHZ 114, 150, 152; 119, 69, 72;… BGH, Urt. v. 18. Dezember 1997 - IX ZR 180/96, WM 1998, 779, 780; v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, NJW-RR 2004, 1358, 1360;… Zugehör in Zugehör/Fischer/Sieg/Schlee, Handbuch der Anwaltshaftung 2. Aufl. Rn. 1343).
Es muss nicht feststehen, dass eine Vermögenseinbuße bestehen bleibt und damit endgültig wird (BGHZ 114, 150, 152 f; 119, 69, 70 ff; BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, WM 2004, 2034, 2037;… Beschl. v. 29. März 2007 - IX ZR 102/05, Rn. 2 n.V.).
Ist dagegen - objektiv betrachtet - noch offen, ob ein pflichtwidriges, mit einem Risiko behaftetes Verhalten zu einem Schaden führt, ist ein Ersatzanspruch noch nicht entstanden, so dass die Verjährungsfrist noch nicht in Lauf gesetzt wird (BGHZ 119, 69, 71; BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 aaO).
Unkenntnis des Schadens und des Ersatzanspruchs hindern den Verjährungsbeginn nach § 68 StBerG nicht (BGHZ 114, 150, 151; BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 aaO).
Diese Rechtsprechung beruht wesentlich darauf, dass es oftmals unsicher ist, ob die Finanzbehörde einen steuerlich bedeutsamen Sachverhalt aufdeckt (BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 aaO).
Bei einer Vorverlegung des Verjährungsbeginns auf den Zeitpunkt der Verwirklichung des Steuertatbestandes würden die schützwürdigen Belange des Mandanten nicht angemessen gewahrt, weil der Beratungsfehler und die dadurch ausgelösten Steuernachteile häufig erst lange nach der Beratung erkennbar werden (…BGH, Urt. v. 26. Mai 1994 aaO; v. 12. Februar 2004 aaO).
Diese Rechtsprechung beruht im Wesentlichen darauf, dass es sich nicht allgemein voraussehen lässt, ob die Finanzbehörde einen steuerlich bedeutsamen Sachverhalt aufdeckt, welche Tatbestände sie aufgreift und welche Rechtsfolgen sie aus ihnen herleitet (BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, aaO;… Urt. v. 17. November 2005 - IX ZR 208/04, aaO).
Bei einer Vorverlegung des Verjährungsbeginns auf den Zeitpunkt der Verwirklichung des Steuertatbestands würden die schutzwürdigen Belange des Mandanten nicht angemessen gewahrt, weil der Beratungsfehler und die dadurch ausgelösten Steuernachteile häufig erst lange nach der Beratung erkennbar werden (…BGH, Urt. v. 26. Mai 1994 - IX ZR 57/93, WM 1994, 1848, 1850; Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, aaO S. 2038;… v. 17. November 2005 - IX ZR 208/04, aaO).
Es muss nicht feststehen, dass eine Vermögenseinbuße bestehen bleibt und damit endgültig wird (BGHZ 114, 150, 152 f.; 119, 69, 70 ff; BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, WM 2004, 2034, 2037;… v. 29. Mai 2008 - IX ZR 222/06, WM 2008, 1416 Rn. 14).
Ist dagegen - objektiv betrachtet - noch offen, ob ein pflichtwidriges, mit einem Risiko behaftetes Verhalten zu einem Schaden führt, ist ein Ersatzanspruch noch nicht entstanden, so dass die Verjährungsfrist noch nicht in Lauf gesetzt wird (BGHZ 119, 69, 71; BGH, Urt. v. 12. Februar 2004 a.a.O.;… v. 29. Mai 2008 a.a.O.).
Es muss nicht feststehen, dass eine Vermögenseinbuße bestehen bleibt und damit endgültig wird (BGH, Urteil vom 2. Juli 1992 - IX ZR 268/91, BGHZ 119, 69, 70 ff; vom 12. Februar 2004 - IX ZR 246/02, WM 2004, 2034, 2037;… vom 29. Mai 2008, aaO Rn. 14).
Ist dagegen - objektiv betrachtet - noch offen, ob ein pflichtwidriges, mit einem Risiko behaftetes Verhalten zu einem Schaden führt, ist ein Ersatzanspruch noch nicht entstanden, so dass die Verjährungsfrist noch nicht in Lauf gesetzt wird (BGH…, Urteil vom 2. Juli 1992, aaO, S. 71; vom 12. Februar 2004 aaO;… vom 29. Mai 2008, aaO;… vom 5. März 2009 - IX ZR 172/05, WM 2009, 863 Rn. 8).
BGH, 23.06.2005 - IX ZR 79/02
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BGH, 09.12.2010 - IX ZA 18/10
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OLG Frankfurt, 09.03.2010 - 14 U 52/09
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Haftung des Steuerberaters für eine unterlassene Aufklärung ( hier: Anfallen von …
SG Düsseldorf, 31.05.2011 - S 52 R 1683/10

References: § 675
 § 8
 § 68
 § 28
 § 122
 § 155
 § 68
 § 68