Source: https://www.pflegehilfeset.de/pflegebeduerftigkeit/
Timestamp: 2019-09-21 13:19:28+00:00

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Pflegebedürftigkeit | PflegehilfeSet
Alles Wissenswerte zur Pflegebedürftigkeit
Als Pflegebedürftige gelten im Sinne des Gesetzes Menschen, die aufgrund von Erkrankungen oder Verletzungen nicht in der Lage sind, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.
Aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist eine Pflegebedürftigkeit gegeben, wenn sie auf fremde Hilfe angewiesen sind.
Die Anerkennung der Pflegebedürftigkeit erfolgt anhand von körperlichen, kognitiven und psychischen Einschränkungen, durch welche die Anforderungen eines normalen Alltags nicht mehr allein bewältigt werden können.
Gemäß § 15 Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) muss die Pflegebedürftigkeit dauerhaft, mindestens jedoch für sechs Monate vorliegen.
Begutachtung und Antragsfristen für die Anerkennung der Pflegebedürftigkeit
Mobilität gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 1 SGB XI
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 2 SGB XI
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 2 SGB XI
Selbstversorgung gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 4 SGB XI
Erfüllen von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 5 SGB XI
Alltagsleben und soziale Kontakte gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 6 SGB XI
Beurteilung der Pflegebedürftigkeit anhand der Punktetabelle
Anerkennung und Leistungsbescheid der Pflegebedürftigkeit
Plötzliche Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen: Das müssen Sie wissen
Arbeitsfreistellung und Pflegeunterstützungsgeld
Soziale Absicherung während der Pflegezeit
Pflegebedürftigkeit: Voraussetzungen und Antragstellung
Den schriftlichen Antrag auf Pflegebedürftigkeit können die betroffenen Personen selbst stellen, dabei bei Bedarf auch die Hilfe von ihnen nahestehenden Personen in Anspruch nehmen. Ebenso besteht für Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde des beeinträchtigten Patienten die Möglichkeit, den Antrag bei der zuständigen Pflegekasse einzureichen, wenn sie über eine entsprechende Vollmacht verfügen. Die wichtigste Voraussetzung für die Antragstellung der Pflegebedürftigkeit und eine mögliche Bewilligung der vollumfänglichen Leistungen ist eine bestehende Familienversicherung über einen Zeitraum von zwei Jahren innerhalb der letzten zehn Jahre. Zudem muss der Betroffene in dieser Zeit in die Pflegekasse Beiträge eingezahlt haben.
Nach Antragstellung auf Pflegebedürftigkeit wird der Medizinische Dienst der Krankenkassen damit beauftragt, die Person zu begutachten, für die der Antrag ausgestellt wurde.
Ist ein gültiger Antrag bei der zuständigen Pflegekasse eingegangen, ist seitens der Sachbearbeiter eine Frist von 25 Arbeitstagen einzuhalten. Liegt der betroffene Patient in einem Krankenhaus, einer Rehabilitationseinrichtung oder ist eine Behandlung zum Zeitpunkt nur in einem Hospiz oder einer ambulanten-palliativen Therapie möglich, muss die Begutachtung innerhalb einer Woche erfolgen. Werden diese Fristen nicht eingehalten, muss die Pflegekasse je angefangene überschrittene Woche 70 Euro an den Antragsteller zahlen.
Ausgenommen ist die Zahlung lediglich, wenn die Pflegekasse die Verzögerung nicht zu verantworten hat oder bei dem Antragsteller zu diesem Zeitpunkt bereits ein anerkannter Pflegegrad, mindestens Pflegegrad 2, besteht oder er sich in einer vollstationären Pflegeeinrichtung befindet.
In Folge der Antragstellung auf Pflegebedürftigkeit wird von der Pflegekasse der Medizinische Dienst der Krankenkassen mit einem Gutachter beauftragt, den Betroffenen in Augenschein zu nehmen und ihn hinsichtlich gesetzlich vorgeschriebener Kriterien zu beurteilen. Anhand eines Punktesystems wird die Pflegebedürftigkeit festgestellt und die Unterteilung in die entsprechenden Pflegegrade vorgenommen.
In diesem Bereich werden lediglich körperliche Befähigungen betrachtet. Für eine Bewilligung der Pflegebedürftigkeit geht es ausnahmslos darum, in welchem Maß der Patient in der Lage ist, eigenständig bestimmte Bewegungsabläufe selbstständig vorzunehmen und wobei er Hilfe benötigt.
Treppen steigen Bewegung in der eigenen Wohnung Umsetzen auf verschiedene Sitzgelegenheiten Beibehalten einer stabilen und sicheren Sitzposition Wechsel von Liegepositionen im Bett
Die vorhandene Körperkraft, das Gefühl für Balance und Koordination fließen ebenso in die Begutachtung zur Pflegebedürftigkeit ein.
Die wichtigen Aspekte der Wahrnehmung stehen bei diesem Bereich im Mittelpunkt. Hierbei geht es nicht um motorische Fähigkeiten. Der Gutachter prüft den Betroffenen hinsichtlich Erkennen, Entscheiden und Steuerung von kommunikativen Aktivitäten. Da Pflegebedürftigkeit nicht auf einen Altersbereich begrenzt wird, ist es dabei auch unerheblich, ob die Fähigkeiten jemals erlernt wurden oder aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen verloren gingen.
Erkennen von Menschen aus dem privaten Umfeld Räumliches und zeitliches Verständnis Erinnerungen an wichtige Ereignisse wie Termine oder vorangegangene Reminiszenzen Eigenständige Steuerung von Alltagshandlungen Treffen von Alltagsentscheidungen Verständnis für Informationen und Sachverhalte Risiko- und Gefahrenerkennung Elementare Bedürfnisse ausdrücken Aufforderungen verstehen und umsetzen Gesprächsbeteiligung
Auffällige Verhaltensweisen oder psychische Beeinträchtigungen, die in Folge eines Unfalls oder einer Erkrankung auftreten, werden in diesem Bereich in Augenschein genommen. Dabei ist hier besonders die Frage zu klären, in wieweit der Antragsteller sein eigenes Verhalten ohne fremde Hilfe steuern und kontrollieren kann. Auch ist die Prüfung vorzunehmen, in welchem Maß sich der Versicherte an Aufforderungen, ein bestimmtes Verhalten abzustellen, bereits nach kurzer Zeit nicht mehr erinnern kann oder ob er es von Beginn an nicht verstanden hat.
Motorische Auffälligkeiten Unruhe in der Nacht Aggressionen gegenüber sich selbst, Gegenständen und anderen Personen Verbale Aggression Pflegerelevante Auffälligkeiten wie Weigerung oder Beschimpfungen Wahnvorstellung und Ängste Asoziale Verhaltensweisen Depressive Stimmungslage mit allen auftretenden Formen Selbstversorgung gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 4 SGB XI
Hierbei werden der Antrieb und die Fähigkeiten des Betroffenen in Bezug auf Versorgung und Hygiene begutachtet. Besonders hervorzuheben sind die überlebenswichtigen Kriterien wie Nahrungsaufnahme und Ausscheidungen.
Eigenständiges An- und Auskleiden Waschen, Duschen und Hygiene des Oberkörpers, Intimbereiches und Kopfes Selbstständige Zubereitung der Nahrung, Eingießen von Getränken Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme Nahrungsaufnahme über eine Sonde Benutzung von Toilette oder Toilettenstuhl Umgang mit Harn- und Stuhlinkontinenz, Dauerkatheter, Stoma und Urostoma Problemerkennung bei der Nahrungsaufnahme von Kindern mit einem außergewöhnlichen Pflegebedarf unter 18 Monaten
Eigenständiges An- und Auskleiden
Waschen, Duschen und Hygiene des Oberkörpers, Intimbereiches und Kopfes
Selbstständige Zubereitung der Nahrung, Eingießen von Getränken
Nahrungsaufnahme über eine Sonde
Benutzung von Toilette oder Toilettenstuhl
Umgang mit Harn- und Stuhlinkontinenz, Dauerkatheter, Stoma und Urostoma
Problemerkennung bei der Nahrungsaufnahme von Kindern mit einem außergewöhnlichen Pflegebedarf unter 18 Monaten
Bei einem vorliegenden Krankheitsbild ist hier der Umgang mit den Therapiemaßnahmen zu betrachten. In welchem Maß kann der Versicherte die Anforderungen aus eigener Kraft durchführen oder wobei wird Hilfe benötigt. Dabei muss das Krankheitsbild für mindestens sechs Monate Bestand haben.
Medikation und Injektion nach Vorschrift einnehmen Messen und Interpretieren von Fieberzuständen Verbandswechsel und Wundversorgung Umgang mit intravenösen Zugängen und körpernahen Hilfsmitteln Umgang mit Einmalkatheter und abführenden Methoden Arztbesuche und therapeutische Maßnahmen wahrnehmen, auch in häuslicher Umgebung – innerhalb von drei Stunden oder länger ausgedehnte Maßnahmen Einhalten von Diätvorschriften Frühförderung bei Kindern
Die Beobachtung eines geregelten Alltags und der damit verbundenen Hürden werden im letzten Bereich in die Begutachtung über die Pflegebedürftigkeit eines Patienten einbezogen. Unerheblich ist dabei, ob die Beeinträchtigungen aufgrund von psychischen oder körperlichen Schäden eintreten.
Tagesablauf gestalten und gegebenenfalls Veränderungen anpassen
Regelmäßige Schlaf- und Ruhezeiten
Selbstständiges Beschäftigen
Regelmäßiger Kontakt mit Personen aus dem direkten Umfeld
Soziale Kontakte außerhalb des direkten Umfeldes pflegen
Zusätzlich werden vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen noch Beobachtungen zur eigenen Haushaltsführung und außerhäuslichen Aktivitäten herangezogen, die allerdings keinen direkten Einfluss auf die Bewilligung der Pflegebedürftigkeit haben. Je nachdem, welcher Pflegegrad anschließend anerkannt wird, beurteilt der MDK zusätzlich den Pflegebedarf, falls zusätzliche Maßnahmen notwendig werden, dabei wird besonders berücksichtigt, ob ein vollständiger Verlust der Arm- und Beintätigkeiten vorliegt.
Auch in diesem Fall wird die Begutachtung durch den MDK durchgeführt, hierfür sind speziell geschulte Fachkräfte im Einsatz, die über Qualifikationen als Kinderkrankenpfleger verfügen. Die Ermittlung der Pflegegrade erfolgt dabei anhand der für das entsprechende Alter typischen Fähigkeiten. Besonders bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern unter 18 Monaten werden altersunabhängige Gesichtspunkte wie Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme oder der Umgang mit krankheitsbedingten Maßnahmen in die Begutachtung einbezogen.
Anhand der Beurteilung der sechs Bereiche wird im Anschluss durch die Pflegekasse der Pflegebedarf ermittelt. Die Unterteilung erfolgt in fünf Pflegegraden. Die Leistungen sind daher sehr verschieden und werden in Pflegegeld und Pflegesachleistung sowie Zahlung für teil- und vollstationäre Pflege unterteilt. Der Gesetzgeber möchte dabei die häusliche Pflege und die Selbstständigkeit der Betroffenen nach dem Prinzip „ambulant vor stationär“ so lange wie möglich gesondert unterstützen.
728 Euro 1612 Euro 1612 Euro 1775 Euro
Der Leistungsbescheid soll den Betroffenen so transparent wie nur möglich über die Pflegebedürftigkeit unterrichten. Bei einer Ablehnung ist ein Widerspruch ratsam, bei Bedarf auch bis zu einer gerichtlichen Instanz.
Eine monetäre Auszahlung in Form eines Pflegegeldes steht jedem Pflegebedürftigen zu. Wie es eingesetzt wird, entscheidet der Betroffene eigenmächtig. Erfahrungsgemäß wird es den pflegenden Angehörigen als Aufwandsentschädigung zur Verfügung gestellt.
Pflegesachleistungen hingegen werden nicht an den Patienten ausgezahlt. Die Beträge sollen die Kosten decken, die bei der häuslichen Pflege durch die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes entstehen. Der Pflegedienst rechnet daher auch direkt mit der Pflegekasse ab. Wird das Budget überschritten, muss der Leistungsempfänger die Differenz selbst tragen. Die ambulante Pflege kann sich dabei unterschiedlich gestalten. Sie kann am Tag unterstützend eingesetzt werden, aber auch als stationäre Nachtpflege in einer speziellen Einrichtung. Hinzu kommen Kosten für eine Verhinderungspflege, falls der pflegende Angehörige durch Arbeit oder Urlaub nicht verfügbar ist.
Anspruchsberechtigt für Pflegesachleistungen sind pflegebedürftige Patienten ab dem Pflegegrad 2. Zu den Pflegesachleistungen zählen unterstützende Maßnahmen in der ambulanten Pflege, der Haushaltsführung sowie pflegerische Hilfen bei Hygiene, Körperpflege, Ernährung und Bewegung. Zusätzlich können bei Bewilligung der Pflegebedürftigkeit unabhängig vom Pflegegrad jederzeit nach § 40 Abs. 2 SGB XI Pflegehilfsmittel für den Verbrauch beantragt werden. Ein monatliches Budget von 40 Euro steht jedem Betroffenen für Pflegehilfsmittel zu Verfügung. Dazu zählen:
Ein Unfall oder eine Krankheit kann schnell zu einer Pflegebedürftigkeit von Eltern, Großeltern oder sogar Kindern führen. In diesem Moment kann das eigene Leben nicht mehr so weitergeführt werden wie bisher, Sie müssen sich neu organisieren und im schlimmsten Fall auch das Leben Ihres pflegebedürftigen Angehörigen stemmen. Vor allem Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, trifft die plötzliche Pflegebedürftigkeit eines nahen Verwandten besonders hart.
Nicht nur dem Betroffenen selbst steht in Bezug auf die Pflegebedürftigkeit ein Antragsmarathon bevor, auch Sie als pflegender Angehöriger haben Rechte, die Sie in Anspruch nehmen können.
Ab dem Eintritt der besonderen Pflegesituation steht Ihnen kurzzeitig das Recht auf eine Freistellung in Ihrem Beruf zu. Für zehn Tage können Sie diesen Sonderurlaub beantragen und gleichzeitig das Pflegeunterstützungsgeld, dass Ihnen einen finanziellen Ausgleich verschafft. In dieser Zeit können Sie die Erstversorgung übernehmen und sich um die Antragsabwicklung zur Pflegebedürftigkeit kümmern.
Analog zur Elternzeit haben Sie einen gesetzlichen Sonderkündigungsschutz, wenn Sie sich die ersten sechs Monate um Ihren Angehörigen kümmern. Ihnen steht es nach dem Pflegezeitgesetz zu, dass Sie in dieser Zeit Ihren Beruf nicht ausüben müssen. Einen finanziellen Ausgleich erhalten Sie unter Umständen über das Pflegegeld, dass Ihnen der Pflegebedürftige auszahlt.
Dauert die Pflegebedürftigkeit länger als sechs Monate an, haben Sie die Möglichkeit, die Familienpflegezeit für 24 Monate in Anspruch zu nehmen. Einzige Voraussetzung hierbei ist, dass Sie bei Ihrem Arbeitgeber mit mindestens 15 Wochenstunden angestellt sind. Während der Familienpflegezeit ruht Ihr Arbeitsverhältnis bis auf die 15 Wochenstunden. Den Verdienstausfall können Sie entweder über das Pflegegeld Ihres Angehörigen oder über ein zinsloses Darlehen vom Bundesamt für Familie abfedern. Sie können die Familienpflegezeit bei einer Pflegebedürftigkeit bei folgendem Personenkreis in Anspruch nehmen:
Geschwister, Schwager oder Schwägerin, Lebenspartner der Geschwister, Geschwister der Lebenspartner
leibliche Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder, Kinder des Ehegatten oder Lebenspartners
Wenn ein naher Angehöriger in eine Pflegebedürftigkeit fällt, zahlt die Pflegekasse Ihre vollen Beiträge zur Rentenversicherung sowie Ihre Beiträge zur Pflege- und Krankenversicherung, wenn Sie sich mindestens zehn Stunden pro Woche der Pflege widmen und dadurch eine Auszeit im Beruf nehmen.

References: § 15
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 40