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Timestamp: 2019-11-12 06:33:15+00:00

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Behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf eines voll­jäh­ri­gen behin­der­ten Kin­des beim Kin­der­geld | Rechtslupe
Behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf eines voll­jäh­ri­gen behin­der­ten Kin­des beim Kin­der­geld
Das Ent­ste­hen des behin­de­rungs­be­ding­ten Mehr­be­darfs eines voll­jäh­ri­gen behin­der­ten Kin­des ist dem Grun­de und der Höhe nach sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen und glaub­haft zu machen. Steht ein behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf dem Grun­de nach fest, ist er bei feh­len­dem Nach­weis der Höhe nach zu schät­zen 1.
Wer­den mit einer Behin­de­rung im Zusam­men­hang ste­hen­de Kos­ten im Wege der Ein­glie­de­rungs­hil­fe gemäß §§ 53 ff. SGB XII durch einen Sozi­al­leis­tungs­trä­ger über­nom­men, ist die gewähr­te Ein­glie­de­rungs­hil­fe einer­seits als Leis­tung eines Drit­ten bei den zur Ver­fü­gung ste­hen­den eige­nen finan­zi­el­len Mit­teln und ande­rer­seits als im Ein­zel­nen nach­ge­wie­se­ner behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf zu berück­sich­ti­gen 2.
Gemäß § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG besteht für ein voll­jäh­ri­ges Kind ein Anspruch auf Kin­der­geld, wenn es wegen kör­per­li­cher, geis­ti­ger oder see­li­scher Behin­de­rung außer­stan­de ist, sich selbst zu unter­hal­ten und die Behin­de­rung vor Voll­endung des 27. Lebens­jah­res ein­ge­tre­ten ist.
Ob ein behin­der­tes Kind außer­stan­de ist, sich selbst zu unter­hal­ten, ist anhand eines Ver­gleichs zwei­er Bezugs­grö­ßen zu prü­fen, näm­lich der dem Kind zur Ver­fü­gung ste­hen­den eige­nen finan­zi­el­len Mit­tel einer­seits und sei­nem exis­ten­zi­el­len Lebens­be­darf ande­rer­seits 3. Bei gleich­blei­ben­den monat­li­chen Ein­nah­men und einem monat­lich gleich­blei­ben­den behin­de­rungs­be­ding­ten Mehr­auf­wand kann es dahin­ste­hen, ob inso­weit auf den Kalen­der­mo­nat oder das Kalen­der­jahr abzu­stel­len ist. Denn in die­sen Fäl­len führt der Ver­gleich zu dem­sel­ben Ergeb­nis 4.
Zu den dem behin­der­ten Kind zur Ver­fü­gung ste­hen­den eige­nen finan­zi­el­len Mit­teln gehö­ren nicht nur des­sen Ein­künf­te und Bezü­ge als ver­füg­ba­res Ein­kom­men, son­dern auch Leis­tun­gen Drit­ter, wie etwa sol­che im Zusam­men­hang mit der Unter­brin­gung in einer WfbM oder die in der WfbM gewähr­te Ver­pfle­gung; auf die Her­kunft der Mit­tel und ihre Zweck­be­stim­mung kommt es in die­sem Zusam­men­hang nicht an 5. Soweit aller­dings ein Sozi­al­leis­tungs­trä­ger für sei­ne Leis­tun­gen bei den Eltern Rück­griff nimmt, dür­fen sol­che Leis­tun­gen nicht als Bezü­ge des Kin­des ange­se­hen wer­den 6.
Der exis­ten­zi­el­le Lebens­be­darf des behin­der­ten Kin­des ergibt sich typi­scher­wei­se aus dem all­ge­mei­nen Lebens­be­darf (Grund­be­darf), der sich an dem maß­geb­li­chen Jah­res­grenz­be­trag nach § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG ori­en­tiert, sowie aus dem indi­vi­du­el­len behin­de­rungs­be­ding­ten Mehr­be­darf 7.
Der behin­de­rungs­be­ding­te Mehr­be­darf umfasst Auf­wen­dun­gen, die gesun­de Kin­der nicht haben. Dazu gehö­ren alle mit einer Behin­de­rung zusam­men­hän­gen­den außer­ge­wöhn­li­chen wirt­schaft­li­chen Belas­tun­gen, etwa Auf­wen­dun­gen für zusätz­li­che Wäsche, Unter­stüt­zungs- und Hil­fe­leis­tun­gen sowie typi­sche Erschwer­nis­auf­wen­dun­gen 8. Das Ent­ste­hen der­ar­ti­ger Auf­wen­dun­gen ist dem Grun­de und der Höhe nach sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen und glaub­haft zu machen 9. Steht ein behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf dem Grun­de nach zur Über­zeu­gung des Gerichts fest, ist er bei feh­len­dem Nach­weis der Höhe nach gemäß § 162 der Abga­ben­ord­nung zu schät­zen 10.
Wer­den mit einer Behin­de­rung im Zusam­men­hang ste­hen­de Kos­ten im Wege der Ein­glie­de­rungs­hil­fe gemäß §§ 53 ff. SGB XII durch einen Sozi­al­leis­tungs­trä­ger über­nom­men, ist die gewähr­te Ein­glie­de­rungs­hil­fe einer­seits als Leis­tung eines Drit­ten bei den zur Ver­fü­gung ste­hen­den eige­nen finan­zi­el­len Mit­teln und ande­rer­seits als im Ein­zel­nen nach­ge­wie­se­ner behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf zu berück­sich­ti­gen 8. Da die­se vom Sozi­al­leis­tungs­trä­ger über­nom­me­nen Kos­ten hier­durch bereits in tat­säch­li­cher Höhe als behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf erfasst sind, schei­det ihre noch­ma­li­ge Berück­sich­ti­gung durch die in § 33b Abs. 3 EStG fest­ge­leg­ten Behin­der­ten-Pausch­be­trä­ge aus 11.
Als dem Kind zur Ver­fü­gung ste­hen­de finan­zi­el­le Mit­tel sind die Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen sowie die Ein­glie­de­rungs­hil­fe anzu­set­zen, soweit die Eltern nicht zu einem Kos­ten­bei­trag an den Trä­ger der Sozi­al­hil­fe her­an­ge­zo­gen wur­de.
Der all­ge­mei­ne Lebens­be­darf ist mit dem jewei­li­gen Jah­res­grenz­be­trag gemäß § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG zu bemes­sen.
Soweit der Klä­ger rügt, es sei kein behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf für Besuchs­fahr­ten sei­nes Soh­nes zur Fami­lie berück­sich­tigt wor­den, ver­kennt er, dass im Zusam­men­hang mit Kon­tak­ten zur Fami­lie ent­ste­hen­de Auf­wen­dun­gen zu dem Grund­be­darf zäh­len 12.
Der Ansatz eines wei­te­ren behin­de­rungs­be­ding­ten Mehr­be­darfs folgt auch nicht aus frü­he­ren BFH-Urtei­len 13, wonach ein für die Zeit der häus­li­chen Pfle­ge dem Grun­de nach fest­ste­hen­der Mehr­be­darf ggf. der Höhe nach geschätzt berück­sich­tigt wer­den kann.
Denn nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt erhielt der nicht im elter­li­chen Haus­halt leben­de Sohn des Klä­gers finan­zi­el­le Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe sowohl für das Leben in einer betreu­ten Wohn­mög­lich­keit als auch für eine ambu­lan­te Betreu­ung zur Unter­stüt­zung des Besuchs der WfbM. Ein dar­über hin­aus­ge­hen­der behin­de­rungs­be­ding­ter Mehr­be­darf für eine häus­li­che Ver­sor­gung, Betreu­ung und Unter­stüt­zung –etwa durch sei­ne Eltern– steht daher dem Grun­de nach nicht fest. Auch hat der Klä­ger einen sol­chen weder sub­stan­ti­iert dar­ge­tan noch glaub­haft gemacht.
Für die von der WfbM gezahl­ten Beträ­ge in Höhe von monat­lich 30 € ist kein Arbeit­neh­mer-Pausch­be­trag nach § 9a Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG abzu­zie­hen.
Das Finanz­ge­richt hat inso­weit ent­schie­den, die von der WfbM gezahl­ten Beträ­ge sei­en kein Arbeits­lohn und damit als Bezü­ge des Kin­des zu erfas­sen, wofür eine Kos­ten­pau­scha­le zu berück­sich­ti­gen sei.
Man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit konn­te der BFH dahin­ste­hen las­sen, ob die von der WfbM an den Sohn des Klä­gers aus­ge­zahl­ten Beträ­ge Arbeits­lohn sind. Da der vom Finanz­ge­richt fest­ge­stell­te Mit­tel­über­hang jeweils monat­lich über 30 € lag, ergä­be sich selbst bei Abzug eines Arbeit­neh­mer-Pausch­be­trags noch immer kein Über­hang des exis­ten­zi­el­len Lebens­be­darfs des behin­der­ten Kin­des über die ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den finan­zi­el­len Mit­tel. Denn ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers dürf­te ein Arbeit­neh­mer-Pausch­be­trag nach § 9a Satz 2 EStG nur bis zur Höhe der Ein­nah­men –hier also ledig­lich bis zur Höhe von monat­lich 30 € – abge­zo­gen wer­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Dezem­ber 2012 – VI R 101/​10
Bestä­ti­gung von BFH, Urtei­le vom 09.02.2012 – III R 53/​10, BFHE 236, 417; vom 24.08.2004 – VIII R 50/​03, BFHE 207, 250, BSt­Bl II 2010, 1052; VIII R 90/​03, BFH/​NV 2005, 332[↩]
Bestä­ti­gung des BFH-Urteils in BFHE 236, 417[↩]
BFH, Urtei­le vom 24.08.2004 – VIII R 83/​02, BFHE 207, 244, BSt­Bl II 2007, 248; vom 26.11.2003 – VIII R 32/​02, BFHE 204, 454, BSt­Bl II 2004, 588, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 207, 244, BSt­Bl II 2007, 248[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 09.02.2012 – III R 53/​10, BFHE 236, 417[↩]
BFH, Urtei­le vom 17.11.2004 – VIII R 22/​04, BFH/​NV 2005, 541; in BFHE 204, 454, BSt­Bl II 2004, 588[↩]
BFH, Urtei­le vom 22.10.2009 – III R 50/​07, BFHE 228, 17, BSt­Bl II 2011, 38; vom 09.02.2009 – III R 37/​07, BFHE 224, 290, BSt­Bl II 2009, 928; vom 19.11.2008 – III R 105/​07, BFHE 223, 365, BSt­Bl II 2010, 1057[↩]
BFH, Urteil in BFHE 236, 417[↩][↩]
BFH, Urtei­le vom 24.08.2004 – VIII R 50/​03, BFHE 207, 250, BSt­Bl II 2010, 1052; – VIII R 90/​03, BFH/​NV 2005, 332[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 236, 417; in BFHE 207, 250, BSt­Bl II 2010, 1052; in BFH/​NV 2005, 332[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 236, 417; in BFHE 207, 250, BSt­Bl II 2010, 1052; in BFH/​NV 2005, 332[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 224, 290, BSt­Bl II 2009, 928; vom 15.10.1999 – VI R 40/​98, BFHE 189, 449, BSt­Bl II 2000, 75[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 207, 250, BSt­Bl II 2010, 1052; in BFH/​NV 2005, 332; in BFHE 236, 417[↩]
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References: § 62
 § 63
 § 32
 § 32
 § 162
 § 33
 § 32
 § 9
 § 9