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Timestamp: 2018-01-24 03:42:47+00:00

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LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 09.11.2011, 17 Sa 1468/11 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 09.11.2011, 17 Sa 1468/11
Aktenzeichen: 17 Sa 1468/11
1. Die Immunität eines Diplomaten von der Zivilgerichtsbarkeit hängt nicht von der Schwere seiner - angeblichen oder tatsächlichen - Rechtsverletzungen ab.(Rn.17)
2. § 18 GVG verstößt nicht gegen Art. 14 GG(Rn.23) und das Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 3 GG).(Rn.25)
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 14.06.2011, 36 Ca 3627/11
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.08.2012, 5 AZR 949/11
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. Ok­to­ber 2011
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr L. und Frau B.
Die Par­tei­en strei­ten in dem Be­ru­fungs­ver­fah­ren darüber, ob der Be­klag­te der deut­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen ist.
Der Be­klag­te ist ak­kre­di­tier­ter At­taché der Bot­schaft des König­reichs S. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Er beschäftig­te die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin seit dem 3. April 2009 als Haus­an­ge­stell­te in sei­nem Pri­vat­haus­halt. Die­se trat mit Ver­trag vom 15. Fe­bru­ar 2011 Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sei­ner Ab­wick­lung an die Kläge­rin ab.
Mit ih­rer Kla­ge hat die Kläge­rin den Aus­gleich von Ent­gelt­ansprüchen, die Er­stat­tung von Rei­se­kos­ten so­wie die Zah­lung ei­nes Schmer­zens­gel­des ge­for­dert. Der Be­klag­te ha­be ih­re Rechts­vorgänge­rin in aus­beu­te­ri­scher Wei­se beschäftigt. Die­se ha­be den Haus­halt des Be­klag­ten nicht ver­las­sen dürfen und sei zur Ar­beits­leis­tung an sie­ben Ta­gen in der Wo­che mit Ar­beits­zei­ten von bis zu zwan­zig St­un­den am Tag an­ge­hal­ten wor­den; hier­bei sei es ständig zu körper­li­chen Miss­hand­lun­gen und Er­nied­ri­gun­gen sei­tens des Be­klag­ten und sei­ner Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen ge­kom­men. Ent­ge­gen der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung sei ei­ne ei­ge­ne Un­ter­kunft nicht gewährt wor­den; ih­re Rechts­vorgänge­rin ha­be viel­mehr oh­ne Ma­trat­ze und war­me Klei­dung mit ei­ner dünnen De­cke auf dem Bo­den des Kin­der­zim­mers schla­fen müssen. Die zu­ge­sag­te Ver­pfle­gung ha­be aus Es­sens­res­ten be­stan­den. Ei­ne Vergütung ha­be ih­re Rechts­vorgänge­rin bis zu ih­rer Flucht am 30. Ok­to­ber 2010 nicht er­hal­ten; le­dig­lich ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung ha­be der Be­klag­te nach außer­ge­richt­li­chen Ver­hand­lun­gen ge­zahlt. Der Be­klag­te ha­be die Men­schen­rech­te ih­rer Rechts­vorgänge­rin mas­siv ver­letzt. Er sei bei die­ser Sach­la­ge nicht von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit.
Der Be­klag­te hat die Kla­ge für un­zulässig ge­hal­ten, weil ihm als Di­plo­mat Im­mu­nität von der ge­richt­li­chen In­an­spruch­nah­me zu­ste­he. Die ge­gen ihn und sei­ne Fa­mi­lie er­ho­be­nen Vorwürfe sei­en im Übri­gen – was er be­wei­sen könne – un­be­rech­tigt.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge durch ein am 14. Ju­ni 2011 verkünde­tes Ur­teil als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Der Be­klag­te sei nach § 18 GVG der deut­schen
Die Kläge­rin hält die Kla­ge wei­ter­hin für zulässig. Der Be­klag­te sei der deut­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen. Ihm ste­he le­dig­lich Im­mu­nität vor ei­ner straf­recht­li­chen Ver­fol­gung, nicht aber vor ei­ner zi­vil­recht­li­chen In­an­spruch­nah­me zu. Die zi­vil­recht­li­che Im­mu­nität müsse bei schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zurück­ste­hen; an­de­ren­falls würde der men­schen­rechts­wid­ri­ge Zu­stand auf­recht­er­hal­ten. Der Be­klag­te ha­be sei­ne Im­mu­nität durch sein Ver­hal­ten ver­wirkt. Der Aus­schluss der deut­schen Ge­richts­bar­keit führe zu­dem zu ei­nem Ein­griff in das durch Art. 14 GG geschütz­te Ei­gen­tum, oh­ne dass in­so­weit ei­ne Entschädi­gungs­re­ge­lung ein­grei­fe; auch würde ihr An­spruch auf Jus­tiz­gewährung oh­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung be­sei­tigt. Die Verhält­nis­se im König­reich S. ließen es nicht zu, dort ih­re Ansprüche ge­gen den Be­klag­ten zu ver­fol­gen. Der Rechts­streit sei ggf. zur Klärung all­ge­mei­ner Re­geln des Völker­rechts und der Ver-fas­sungsmäßig­keit des § 18 GVG dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zu­le­gen.
den Be­klag­ten un­ter Ände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom
14. Ju­ni 2011 – 36 Ca 3627/11 – zu ver­ur­tei­len, an sie 14.950,00 EUR brut­to
nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus
700,00 EUR seit dem 1. Mai 2009 und aus je­weils 750,00 EUR seit je­dem
Mo­nats­an­fang von Ju­ni 2009 bis No­vem­ber 2010, 15.804,00 EUR brut­to nebst
Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 7.704,00
EUR seit dem 1.Ja­nu­ar 2010 und aus 8.100,00 EUR seit dem 1. No­vem­ber 2010 so­wie im­ma­te­ri­el­len Scha­dens­er­satz, des­sen Höhe in das Er­mes­sen des
Ge­richts ge­stellt wird, aber 40.000,00 EUR nicht un­ter­schrei­ten soll­te, nebst
Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit
Kla­ge­zu­stel­lung (15. März 2011) zu zah­len.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze vom 19. und 30. Au­gust 2011 Be­zug ge­nom­men.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht als un­zulässig ab­ge­wie­sen, weil der Be­klag­te der deut­schen Ge­richts­bar­keit nicht un­ter­wor­fen ist.
1. Die Mit­glie­der der in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­rich­te­ten di­plo­ma­ti­schen Mis­sio­nen sind gemäß § 18 Satz 1 GVG nach Maßga­be des Wie­ner Übe­r­ein­kom­mens über di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen vom 18. April 1961 (WÜD) von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit. Der Be­klag­te ge­nießt da­her als Di­plo­mat i.S.d. Art. 1 lit. e) WÜD Im­mu­nität von der deut­schen Straf-, Zi­vil- und Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit (Art. 31 Abs. 1 WÜD), wo­bei die Ar­beits­ge­richts­bar­keit zur Zi­vil­ge­richts­bar­keit zählt (Wag­ner/Raasch/ Pröpstl, Wie­ner Übe­r­ein­kom­men über
di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen, 2007, S. 269). Ei­ne Strei­tig­keit, für die nach Art. 31 Abs. 1 lit. a) – c) WÜD kei­ne Im­mu­nität be­steht (näher be­zeich­ne­te ding­li­che Kla­gen und Kla­gen in Nach­lass­sa­chen so­wie Kla­gen im Zu­sam­men­hang mit ei­nem frei­en Be­ruf oder ei­ner ge­werb­li­chen Tätig­keit des Di­plo­ma­ten) ist im vor­lie­gen­den Fall nicht ge­ge­ben. So­weit die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang meint, es müsse zwi­schen ei­ner Im­mu­nität vor Straf­ver­fol­gungs­maßnah­men und ei­ner sol­chen vor zi­vil­ge­richt­li­cher In­an­spruch­nah­me un­ter­schie­den wer­den, trifft dies nicht zu. So­lan­ge die Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten be­steht, ist er viel­mehr in al­len von Art. 31 Abs. 1 WÜD er­fass­ten Ver­fah­ren in glei­cher Wei­se von ge­richt­li­chen Maßnah­men be­freit. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität soll gewähr­leis­ten, dass die Mis­si­on und die Di­plo­ma­ten als Ver­tre­tungs­or­gan des Ent­sen­de­staa­tes ih­re Auf­ga­ben wirk­sam er­le­di­gen können; dies ge­bie­tet es, den Di­plo­ma­ten auch hin­sicht­lich sei­ner Pri­vat­hand­lun­gen von ge­richt­li­chen Maßnah­men des Emp­fangs­staa­tes zu be­frei­en (Wag­ner/Raasch/Pröpstl, a.a.O., S. 262). Le­dig­lich die Dau­er der Im­mu­nität hängt von der Art der Hand­lun­gen des Di­plo­ma­ten ab, we­gen de­rer ein ge­richt­li­ches Ver­fah­ren an­ge­strengt wer­den soll. Während für Amts­hand­lun­gen Im­mu­nität auch nach der endgülti­gen Aus­rei­se des Di­plo­ma­ten aus dem Emp­fangs­staat be­steht, en­det sie in Be­zug auf sons­ti­ge Hand­lun­gen mit der endgülti­gen Aus­rei­se bzw. ei­ner hierfür gewähr­ten an­ge­mes­se­nen Frist (Art. 39 Abs. 2 WÜD). Dass es im vor­lie­gen­den Fall um die Durch­set­zung zi­vil­recht­li­cher Ansprüche und nicht um ei­ne Straf­ver­fol­gung des Be­klag­ten geht, ist dem­ge­genüber für die Fra­ge sei­ner Im­mu­nität oh­ne Be­deu­tung.
2. Die Im­mu­nität des Be­klag­ten ist nicht we­gen der Schwe­re der ge­gen ihn er­ho­be­nen Vorwürfe auf­ge­ho­ben.
a) Die Kläge­rin kann in die­sem Zu­sam­men­hang zunächst nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, der Be­klag­te ha­be sich un­ter Ver­s­toß ge­gen völker­recht­li­che Be­stim­mun­gen schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu­schul­den kom­men las­sen. Das Rechts­verhält­nis der Par­tei­en be­stimmt sich nicht nach völker­recht­li­chen Re­ge­lun­gen, son­dern nach den Vor­schrif­ten des Pri­vat­rechts, die die ma­te­ri­ell-recht­li­che Grund­la­ge für al­le Ansprüche der Kläge­rin we­gen der an­geb­lich aus­beu­te­ri­schen Beschäfti­gung ih­rer Rechts­vorgänge­rin bie­ten (§§ 253 Abs. 2, 611 Abs. 1, 670, 823, 826 BGB). Es kommt da­her aus­sch­ließlich dar­auf an, ob die
sich nicht als so schwer­wie­gend er­weist, wie dies für ei­ne Auf­he­bung der Im­mu­nität für er­for­der­lich ge­hal­ten wird. Dies zeigt sich be­son­ders deut­lich in ei­ner Fall­ge­stal­tung wie der vor­lie­gen­den, in der der be­klag­te Di­plo­mat die Rich­tig­keit des an­spruchs­be­gründen­den Vor­brin­gens der kla­gen­den Par­tei be­strei­tet und das Ge­richt des­halb den Sach­ver­halt be­reits zur Fest­stel­lung der Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten aufklären müss­te. Der Di­plo­mat wäre dann den ge­richt­li­chen Maßnah­men un­ter­wor­fen, vor de­nen ihn sei­ne Im­mu­nität schützen soll – und dies auch in Fällen, in de­nen sich das kläge­ri­sche Vor­brin­gen letzt­lich als un­rich­tig er­weist; hierfür gibt es kei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung.
c) So­weit die Kläge­rin gel­tend macht, ei­ne Im­mu­nität des Be­klag­ten würde den von ihm zu ver­tre­ten­den rechts­wid­ri­gen Zu­stand auf­recht­er­hal­ten und sei des­halb zu ver­sa­gen, ist dies un­zu­tref­fend. Seit­dem die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin den Haus­halt des Be­klag­ten ver­las­sen hat, ist sie den dor­ti­gen Verhält­nis­sen nicht mehr aus­ge­setzt; im vor­lie­gen­den Rechts­streit geht es aus­sch­ließlich um die Fra­ge, ob sie ei­nen Aus­gleich für dort an­geb­lich er­lit­te­ne Rechts­ver­let­zun­gen er­hal­ten kann. Es be­darf da­her kei­ner Ent­schei­dung, ob und ggf. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten aus Gründen der Ge­fah­ren­ab­wehr zurück­ste­hen muss (vgl. hier­zu BVerfG, a.a.O., zu II. 2. b) bb) der Gründe m.w.N.).
3. Der Be­klag­te hat sei­ne Im­mu­nität als Di­plo­mat ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht we­gen der be­haup­te­ten Rechts­ver­let­zun­gen ver­wirkt. Die Im­mu­nität von der Ge­richts­bar­keit des Emp­fangs­staats ist – wie aus­geführt – nicht von der Schwe­re der ge­gen den Di­plo­ma­ten er­ho­be­nen Vorwürfe abhängig. Mit ihr soll zu­dem vor al­lem die Ar­beitsfähig­keit der di­plo­ma­ti­schen Mis­si­on des Ent­sen­de­staa­tes und nicht der Di­plo­mat selbst geschützt wer­den. Fol­ge­rich­tig kann der Ent­sen­de­staat auf die Im­mu­nität sei­ner Di­plo­ma­ten ver­zich­ten (Art. 32 WÜD), während sie nicht zur Dis­po­si­ti­on des Di­plo­ma­ten steht.
4. Die An­grif­fe der Kläge­rin ge­gen die Wirk­sam­keit von § 18 GVG grei­fen nicht durch. Der Aus­schluss der deut­schen Ge­richts­bar­keit verstößt nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht.
a) Das durch Art. 14 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te Ei­gen­tum wird nicht durch die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten von der Zi­vil­ge­richts­bar­keit be­ein­träch­tigt.
Un­ter den Schutz des Art. 14 Abs. 1 GG fal­len ne­ben dem Sach­ei­gen­tum auch schuld­recht­li­che Ansprüche, die dem Recht­sträger pri­vatnützig zu­ge­ord­net sind, auf Ei­gen­leis­tun­gen be­ru­hen und als ma­te­ri­el­le Grund­la­gen persönli­cher Frei­heit die­nen (vgl. hier­zu nur BVerfG, Be­schluss vom 31. März 1998 – 2 BvR 1877/97, 2 BvR 50/98 – BVerfGE 97, 350 zu II. 1. a) der Gründe m.w.N.). Zu ih­nen gehören die im vor­lie­gen­den Fall gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auf Ar­beits­ent­gelt, Auf­wen­dungs­er­satz und Scha­dens­er­satz. Der In­halt und die Schran­ken die­ser Ansprüche wer­den durch § 18 GVG nicht ge­re­gelt; auch wird nicht in den Be­stand der Ansprüche ein­ge­grif­fen. So war es für das Ent­ste­hen der streit­be­fan­ge­nen Ansprüche oh­ne Be­deu­tung, dass der Be­klag­te von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit war. Auch konn­ten die Ansprüche trotz der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität des Be­klag­ten an die Kläge­rin ab­ge­tre­ten wer­den, so dass sie nun­mehr in glei­cher Wei­se In­ha­be­rin der For­de­run­gen ist wie ih­re Rechts­vorgänge­rin; sie sind auch we­gen der Im­mu­nität nicht zeit­lich be­fris­tet oder sons­ti­gen in­halt­li­chen Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen. Die durch § 18 GVG an­ge­ord­ne­te Be­frei­ung von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­trifft da­her nicht das Ei­gen­tums­recht selbst, son­dern die Fra­ge, ob das Recht im In­land ver­folgt wer­den kann. Dies wird von dem An­wen­dungs­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG nicht er­fasst. Dass die Zi­vil­ge­rich­te bei ei­nem eröff­ne­ten Rechts­weg die Ei­gen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 GG auch bei der Aus­ge­stal­tung von Ver­fah­ren zu be­ach­ten ha­ben (vgl. hier­zu BVerfG, Be­schluss vom 7. De­zem­ber 1977 – 1 BvR 734/77 – BVerfGE 46, 325 zu B. II. 1. der Gründe; Be­schluss vom 12. März 1980 – 1 BvR 759/77 – BVerfGE 53, 352 zu B. I. 2. der Gründe; Pa­pier in Maunz/Dürig, Komm. z. GG, Art. 14, Rd­nr. 45 ff.), ist für die hier zu ent­schei­den­de Fra­ge oh­ne Be­deu­tung.
b) Es ver­letzt nicht das Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG), dass Di­plo­ma­ten we­gen ih­rer Im­mu­nität nicht vor deut­schen Zi­vil­ge­rich­ten ver­klagt wer­den können.
Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an­er­kannt, dass aus dem Rechts­staats­prin­zip für bürger­lich-recht­li­che Strei­tig­kei­ten die Gewähr­leis­tung ei­nes wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes ab­zu­lei­ten ist. Die­ser
Jus­tiz­gewährungs­an­spruch um­fasst das Recht auf Zu­gang zu den Ge­rich­ten und ei­ne grundsätz­lich um­fas­sen­de tatsächli­che und recht­li­che Prüfung des Streit­ge­gen­stan­des so­wie ei­ne ver­bind­li­che rich­ter­li­che Ent­schei­dung. Die Gewähr­leis­tung schließt ei­ne ge­setz­li­che Aus­ge­stal­tung der Vor­aus­set­zun­gen und Be­din­gun­gen des Zu­gangs nicht aus (BVerfG, Be­schluss vom 12. Fe­bru­ar 1992 – BVerfGE 85, 337 zu C.I. der Gründe), wo­bei ein eröff­ne­ter Rechts­weg nicht in un­zu­mut­ba­rer, durch Sach­gründe nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se er­schwert wer­den darf (vgl. hier­zu BVerfG, Be­schluss vom 2. März 1993 – 1 BvR 249/92 – BVerfGE 88, 118 zu B. I. der Gründe). Der vollständi­ge Aus­schluss des Rechts­wegs kann vor die­sem Hin­ter­grund nur zulässig sein, wenn er ge­eig­net, er­for­der­lich und in Be­zug auf die Be­lan­ge der be­trof­fe­nen Par­tei verhält­nismäßig ist, um den ver­folg­ten ge­setz­li­chen Zweck zu er­rei­chen; es muss der ver­fas­sungsmäßige Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit und des Über­maßver­bots (vgl. hier­zu Grzes­zick in Maunz/Dürig, Komm. z. GG, Art. 20, VII, Rd­nr. 107 ff; Leib­holz/Rinck, GG, Art. 20, Rd­nr. 776, je­weils m.w.N.) ge­wahrt sein. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­ben.
Die Im­mu­nität der Di­plo­ma­ten von den Ge­richts­bar­kei­ten des Emp­fangs­staats soll der Zu­sam­men­ar­beit der Staa­ten die­nen und sie in die La­ge ver­set­zen, Verständ­nis fürein­an­der zu ent­wi­ckeln und ih­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit fried­li­chen Mit­teln bei­zu­le­gen; in­so­weit kann auf die Ausführun­gen zu 2. b) der Ent­schei­dungs­gründe ver­wie­sen wer­den. Der Aus­schluss (auch) des Zi­vil­rechts­wegs ist ge­eig­net, die­sen Zweck zu er­rei­chen. Die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der Staa­ten hängen von der Ent­sen­dung von Di­plo­ma­ten in den Emp­fangs­staat ab. Müss­ten Di­plo­ma­ten über das völker­recht­lich ver­ein­bar­te Maß hin­aus mit ge­richt­li­cher Ver­fol­gung im Emp­fangs­staat rech­nen, wäre die Be­reit­schaft, Di­plo­ma­ten zu ent­sen­den, be­ein­träch­tigt und da­mit die Ko­ope­ra­ti­on in­ner­halb der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft gefähr­det; dem wirkt die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ent­ge­gen.
Es ist fer­ner zur Er­rei­chung des ge­nann­ten Zwecks er­for­der­lich, die ent­sand­ten Di­plo­ma­ten vor ge­richt­li­chen Maßnah­men des Emp­fangs­staa­tes zu schützen. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ist in die­sem Zu­sam­men­hang un­ver­zicht­bar; je­de Ein­schränkung der Im­mu­nität gefähr­det die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der be­tei­lig­ten Staa­ten (BVerfG, Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 –
des Di­plo­ma­ten we­gen sei­ner Im­mu­nität schei­tern kann, führt mit an­de­ren Wor­ten nicht zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 18 GVG. Auch ist es oh­ne Be­lang, dass der Ge­setz­ge­ber ei­ne Entschädi­gung nicht vor­ge­se­hen hat, soll­te ein An­spruch we­gen der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität letzt­lich nicht durch­ge­setzt wer­den können. Es war an­ge­sichts der ge­nann­ten Umstände – kein Rechts­ver­lust durch die Im­mu­nität, Kla­gemöglich­keit im Ent­sen­de­staat so­wie nach En­de der Im­mu­nität ggf. auch im In­land, Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten im Be­reich des Di­plo­ma­ten­rechts – nicht er­for­der­lich, ei­nen ge­setz­li­chen Aus­gleich für im­mu­nitäts­be­ding­te For­de­rungs­ver­lus­te vor­zu­se­hen. Ob der hier­von be­trof­fe­ne Gläubi­ger ein Son­der­op­fer für die All­ge­mein­heit er­bringt und ihm des­halb nicht oh­ne­hin ein Auf­op­fe­rungs­an­spruch (vgl. hier­zu zu­letzt BGH, Ur­teil vom 3. März 2011 – III ZR 174/10 – NJW 2011, 31,57; Drei­er, Grund­ge­setz, 2. Aufl. 2004, Art. 14 Rd­nr. 136 ff., je­weils m.w.N.) ge­gen den Staat zu­steht, be­darf des­halb kei­ner nähe­ren Un­ter­su­chung. Der Aus­schluss des Zi­vil­rechts­wegs während der Dau­er der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität verstößt nach al­le­dem nicht ge­gen das Rechts­staats­prin­zip (für die Im­mu­nität von Mit­glie­dern des Per­so­nals ei­ner zwi­schen­staat­li­chen In­sti­tu­ti­on aus­drück­lich BAG, Ur­teil vom 25. Ja­nu­ar 1973 – 5 AZR 399/72 – AP Nr. 3 zu Art. 25 GG).
5. Der Rechts­streit war nicht gemäß Art. 100 GG aus­zu­set­zen, um ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len. Ei­ne Vor­la­ge nach Art. 100 Abs. 1 GG schei­det aus, weil § 18 GVG – wie aus­geführt – nicht ver­fas­sungs­wid­rig ist. Es be­ste­hen fer­ner kei­ne Zwei­fel über die An­wend­bar­keit und die Aus­wir­kun­gen von all­ge­mei­nen Re­geln des Völker­rechts im Sin­ne des Art. 100 Abs. 2 GG, so dass auch in­so­weit ei­ne Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht in Be­tracht kommt. § 18 GVG be­zieht sich auf das WÜD und da­mit auf das Völker­ver­trags­recht, des­sen In­halt von dem mit dem Rechts­streit be­fass­ten Ge­richt geklärt wer­den kann (BVerfG, Be­schluss vom 30. Ja­nu­ar 2008 – 2 BvR 793/07 – NVwZ 2008, 878 ff. zu I. 2. b) der Gründe). Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt durch sei­nen Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 – die Reich­wei­te der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität geklärt, so dass ihm der vor­lie­gen­de Rechts­streit auch aus die­sem Grun­de nicht vor­zu­le­gen war.
6. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Be­ru­fungs­kam­mer hat die Re­vi­si­on der Kläge­rin gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen zu­ge­las­sen.
Für den Be­klag­ten ist ge­gen die­se Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
zur Übersicht 17 Sa 1468/11

References: § 18
 Art. 14
 § 18
 Art. 14
 § 18
 § 18
 Art. 1
 Art. 31
 Art. 31
 § 18
 Art. 14
 Art. 14
 § 18
 § 18
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 20
 Art. 20
 § 18
 Art. 14
 Art. 25
 Art. 100
 Art. 100
 § 18
 Art. 100
 § 18
 § 97
 § 72