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Timestamp: 2016-10-28 14:08:51+00:00

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104 II 14524. Urteil der II. Zivilabteilung vom 2. M�rz 1978 i.S. A. gegen A.
Art. 142 al. 2 CC; droit de s'opposer � l'action en divorce de l'�poux dont la faute est pr�pond�rante. En principe, peu importe pour quels motifs un conjoint s'oppose � l'action en divorce de la partie dont la faute est pr�pond�rante. Toutefois, si l'�poux qui invoque son droit de s'opposer � l'action en divorce a lui-m�me perdu tout lien r�el avec le mariage et ne l'observe plus que pour la forme, il doit, pour que l'action soit rejet�e, pouvoir faire valoir un int�r�t digne de protection au maintien de l'union conjugale. Si tel n'est pas le cas, le fait d'invoquer l'art. 142 al. 2 CC appara�t comme un abus de droit. Faits � partir de page 146
BGE 104 II 145 S. 146
A.- Josef A., geboren 1909, und Emilie F., geboren 1899, heirateten am 14. M�rz 1935 in Z�rich. Durch die Heirat wurde der bereits am 28. Januar 1934 geborene Sohn legitimiert. Der am 22. August 1935 geborene zweite Sohn der Eheleute starb im Jahre 1949.
Seit dem 1. Januar 1945 leben die Eheleute getrennt. Der Ehemann erhob beim Bezirksgericht Z�rich Klage auf Scheidung, der sich die Ehefrau widersetzte. Mit Urteil vom 17. Juni 1947 wies das Bezirksgericht diese Klage wegen �berwiegenden Verschuldens des Ehemannes ab. Der Kl�ger reichte gegen das Urteil Berufung an das Obergericht ein, zog diese in der Folge aber wieder zur�ck. Auch nach Beendigung des Prozesses nahm der Ehemann das Zusammenleben mit seiner Frau nicht wieder auf. Im Jahre 1949 �bersiedelte er nach Genf, w�hrenddem die Ehefrau mit dem Sohn in Z�rich wohnhaft blieb. In Genf klagte der Ehemann erneut auf Scheidung. Auch diese Klage wurde aber am 17. Mai 1951 abgewiesen. Hierauf wanderte er am 23. Juni 1953 nach Australien aus. Dort heiratete er am 31. Juli 1953 die ihm nach Australien gefolgte Schweizerin Gertrud Z., mit der er bereits in Genf zusammengelebt hatte. Dieser Verbindung entsprossen zwei T�chter. Am 30. Juli 1963 erwarb der Kl�ger die australische Staatsb�rgerschaft, wobei er das Schweizerb�rgerrecht beibehielt.
B.- Am 23. Dezember 1975 reichte Josef A. beim zust�ndigen Gericht seines Heimatkantons Luzern gegen Emilie A. Scheidungsklage ein. Zur Begr�ndung berief er sich einerseits auf Umst�nde, die bereits Gegenstand der fr�heren Scheidungsprozesse gebildet hatten. Andererseits machte er geltend, dass er seit seiner Auswanderung nach Australien keinerlei Kontakt mehr mit der Beklagten gehabt habe, wenn man von Schm�hbriefen und -karten absehe, welche die Beklagte ihm in den ersten Jahren habe zukommen lassen. Zwischen den Parteien, die sich seit mindestens 23 Jahren nicht mehr gesehen h�tten, sei eine v�llige innere Entfremdung eingetreten, welche die M�glichkeit eines sinnvollen Zusammenlebens ausschliesse. Unter diesen Umst�nden habe die Ehe aber jeglichen Sinn als Lebensgemeinschaft verloren.
Die Beklagte beantragte die Abweisung der Klage. F�r den Eventualfall der Scheidung stellte sie verschiedene Antr�ge verm�gensrechtlicher Natur. Sie machte geltend, die vom Kl�ger in Australien geschlossene Ehe sei nach schweizerischem Recht BGE 104 II 145 S. 147nichtig und daher unbeachtlich. Der Kl�ger habe heute noch viel weniger einen Scheidungsanspruch als fr�her, da er der alleinschuldige Teil sei. Sie sei bereit, ihn zu jeder Zeit wieder aufzunehmen. Sie liebe ihn noch; f�r die Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft sei es noch nicht zu sp�t.
Das Amtsgericht hiess mit Urteil vom 24. November 1976 die Klage gut. Es schied die Ehe der Parteien und verpflichtete den Kl�ger zur Bezahlung eines monatlichen Unterhaltsbeitrages von Fr. 100.- an die Beklagte. Die weitergehenden Begehren wies es ab.
C.- Die Beklagte appellierte gegen dieses Urteil an das Obergericht des Kantons Luzern. Sie hielt an ihrem Antrag auf Abweisung der Klage fest und verlangte f�r den Fall der Scheidung einen h�heren Unterhaltsbeitrag sowie die Bezahlung eines Betrages von Fr. 25'000.- als Vorschlagsanteil.
Mit Urteil vom 12. September 1977 best�tigte das Obergericht das erstinstanzliche Urteil im Scheidungspunkt. Zus�tzlich zu dem bereits von der ersten Instanz zugesprochenen Unterhaltsbeitrag verpflichtete es den Kl�ger, der Beklagten Fr. 23'000.- als Vorschlagsanteil zu bezahlen. Das Obergericht bejahte das Vorliegen einer tiefen und unheilbaren Zerr�ttung. Es vertrat sodann die Auffassung, dass heute nicht mehr von einem �berwiegenden Verschulden des Kl�gers an dieser Zerr�ttung gesprochen werden k�nne; diese sei ebensosehr auf das Verhalten der Beklagten und auf Objektive Umst�nde zur�ckzuf�hren. Selbst wenn der Kl�ger aber nach wie vor als �berwiegend schuldiger Teil betrachtet werden m�sste, w�re die Scheidung trotzdem auszusprechen, da der Widerstand der Beklagten gegen die Scheidung als rechtsmissbr�uchlich erscheine.
D.- Gegen dieses Urteil hat die Beklagte Berufung an das Bundesgericht erhoben. Sie beantragt, die Scheidungsklage sei abzuweisen.
Der Kl�ger hat keine Berufungsantwort eingereicht.
1. Der Kl�ger hat seinen Wohnsitz in Australien. Er ist Schweizerb�rger und besitzt daneben die australische Staatsb�rgerschaft. Die kantonalen Instanzen haben unter diesen Umst�nden die Zust�ndigkeit des schweizerischen Heimatrichters BGE 104 II 145 S. 148zur Beurteilung der Scheidungsklage und die Anwendbarkeit des schweizerischen Rechts auf Grund von Art. 7 g NAG mit Recht bejaht (BGE 84 II 472 ff.).
2. Die Berufung richtet sich ausschliesslich gegen die Gutheissung der Scheidungsklage durch die Vorinstanz, nicht aber gegen die Regelung der Nebenfolgen im Falle der Best�tigung des Scheidungsurteils. Die Beklagte wirft der Vorinstanz vor, ihre Einrede des �berwiegenden Verschuldens des Kl�gers zu Unrecht verworfen und dadurch Art. 142 Abs. 2 ZGB verletzt zu haben. Auch sie bestreitet hingegen nicht, dass die Ehe der Parteien objektiv tief zerr�ttet ist. Das Vorhandensein einer solchen Zerr�ttung k�nnte denn auch kaum ausgepr�gter sein als hier, wo die Parteien seit vielen Jahren keinerlei Kontakt mehr miteinander haben und sich in verschiedenen Teilen der Welt einen selbst�ndigen Lebenskreis geschaffen haben. Die Beklagte macht jedoch geltend, die Zerr�ttung der Ehe sei allein auf das Verschulden des Kl�gers zur�ckzuf�hren, weshalb diesem kein Scheidungsanspruch zustehe; Rechtsmissbrauch k�nne ihr sodann nicht vorgeworfen werden, wenn sie sich der Scheidungsklage unter Berufung auf Art. 142 Abs. 2 ZGB widersetze, da es der Kl�ger zu vertreten habe, dass eine Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft nicht m�glich sei.
3. Die Vorinstanz hat den Widerspruch der Beklagten gegen die Scheidungsklage zun�chst deshalb als unbegr�ndet betrachtet, weil heute nicht mehr von einem �berwiegenden Verschulden des Kl�gers gesprochen werden k�nne. Sie stellt in diesem Zusammenhang fest, dass w�hrend der Zeit des Zusammenlebens nicht nur der Kl�ger Fehler gemacht habe; die Beklagte ihrerseits habe durch ihre am Anfang der Ehe an den Tag gelegte Streitsucht und ihre T�tigkeit als Kupplerin Ursachen zur Zerr�ttung gesetzt. Wenn die Versuche des Kl�gers, in Z�rich und sp�ter in Genf die Scheidung zu erlangen, gescheitert seien, so offensichtlich nur deshalb, weil er im Zeitpunkt dieser Scheidungsprozesse wegen seiner Beziehungen zu andern Frauen als �berwiegend schuldiger Teil gegolten habe. F�r die Folgezeit falle aber ins Gewicht, dass die Beklagte keinerlei Bem�hungen unternommen habe, um dem Kl�ger die T�re zur R�ckkehr in die eheliche Gemeinschaft offenzuhalten. Sie habe auch nicht die Nichtigerkl�rung der vom Kl�ger in Australien abgeschlossenen Ehe angestrebt. Wenn die Beklagte dem Kl�ger noch neun Jahre nach der faktischen Trennung eine hasserf�llte, BGE 104 II 145 S. 149beleidigende Karte zugestellt habe, so habe sie damit dokumentiert, dass sie ihrerseits die Br�cken zu einer Vers�hnung und damit zu einer allf�lligen sp�teren Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft abgebrochen habe. Ber�cksichtige man die Unvers�hnlichkeit der Beklagten im Zusammenhang mit der sehr langen Dauer der faktischen Trennung, so �berwiege heute das Verschulden des Kl�gers an der Zerr�ttung jenes der Beklagten sowie die objektiven Zerr�ttungsursachen nicht mehr.
Was die beiden Urteile anbetrifft, mit denen zwei fr�here Scheidungsklagen des Kl�gers abgewiesen worden waren, hat die Beklagte diese Entscheide im kantonalen Verfahren zwar angef�hrt, ohne aber ausdr�cklich die Einrede der Rechtskraft zu erheben. Die Vorinstanz hat trotzdem im wesentlichen auf jene Urteile abgestellt, wenn sie ausf�hrt, dass wohl auch die Beklagte w�hrend der Zeit des Zusammenlebens Fehler gemacht und dadurch Zerr�ttungsursachen gesetzt habe, dass der Kl�ger jedoch wegen seiner Beziehungen zu andern Frauen als �berwiegend schuldiger Teil gegolten habe. Ob die materielle Rechtskraft von Urteilen, mit denen eine Scheidungsklage abgewiesen wurde, in einem sp�teren Scheidungsprozess zwischen den gleichen Parteien kraft Bundesrechts von Amtes wegen oder bloss auf Einrede hin zu beachten ist, wurde in BGE 95 II 643 /644 offengelassen. Diese Frage braucht auch heute nicht entschieden zu werden, da die Vorinstanz die Verbindlichkeit der beiden zwischen den Parteien ergangenen Urteile nicht etwa in Frage gestellt, sondern sich die damalige Beurteilung der Verschuldensfrage im wesentlichen zu eigen gemacht hat.
Nicht zu �berzeugen vermag das angefochtene Urteil indessen, wenn es das �berwiegen des Verschuldens des Kl�gers an der Zerr�ttung unter Hinweis auf die seitherige Entwicklung der Dinge glaubt verneinen zu k�nnen. Das Verhalten des Kl�gers, der sich nach der Abweisung seiner Scheidungsklagen nicht nur weigerte, zu seiner Familie zur�ckzukehren, sondern mit einer andern Frau zusammenlebte, mit dieser nach Australien auswanderte und dort mit ihr eine neue Familie gr�ndete, ohne sich je um das Schicksal der in der Schweiz zur�ckgelassenen Ehefrau zu k�mmern, wird mit keinem Wort gew�rdigt. Der Beklagten wird hingegen der Vorwurf gemacht, keinerlei Bem�hungen zur R�ckkehr des Kl�gers in die eheliche Gemeinschaft unternommen und die Nichtigerkl�rung der vom Kl�ger in Australien geschlossenen Ehe nicht angestrebt zu haben.
BGE 104 II 145 S. 150Diese Betrachtungsweise wird der Sachlage nicht gerecht. Soweit im geschilderten Verhalten der Beklagten �berhaupt ein Verschulden erblickt werden kann, ist dieses jedenfalls erheblich geringer als jenes des Kl�gers. Die Vorinstanz �bersieht, dass es der Kl�ger war, der nach der Abweisung seiner Scheidungsklagen die Br�cken zur Beklagten v�llig abgebrochen hat. Mit seiner Auswanderung nach Australien, seiner dortigen Heirat und der Einstellung jeglicher Beitragsleistungen an die Beklagte hat er mit nicht zu �berbietender Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, dass er alle Verbindungen mit der Beklagten f�r dauernd l�sen wolle. Die von der Vorinstanz zitierte Karte, welche die Beklagte dem Kl�ger etwa ein Jahr nach dessen Auswanderung nach Australien schrieb, muss unter diesen Umst�nden als Reaktion einer verbitterten Ehefrau auf das erlittene Unrecht verstanden werden und f�llt deshalb verschuldensm�ssig nicht stark ins Gewicht. Angesichts des Verhaltens des Kl�gers kann auch die lange Dauer des Getrenntlebens nicht als selbst�ndige Zerr�ttungsursache objektiver Natur betrachtet werden, welche geeignet w�re, den Anteil des Verschuldens des Kl�gers an der Zerr�ttung zu vermindern. Die lange Trennungsdauer und die dadurch bewirkte zus�tzliche Entfremdung zwischen den Parteien sind nichts anderes als die Folge der bewussten Abwendung des Kl�gers von der Beklagten. Sie verm�gen daher den Kl�ger verschuldensm�ssig nicht zu entlasten. Ist der Kl�ger aber auch heute noch als �berwiegend schuldiger Teil zu betrachten, verletzt das angefochtene Urteil Bundesrecht, wenn es die Anwendbarkeit von Art. 142 Abs. 2 ZGB mit der Begr�ndung verneint, das Verschulden des Kl�gers an der Zerr�ttung der Ehe sei nicht gr�sser als jenes der Beklagten und die objektiven Zerr�ttungsursachen.
4. Die Vorinstanz hat die Scheidungsklage jedoch nicht nur mit dieser Begr�ndung gutgeheissen, die vor dem Bundesrecht nicht standh�lt. Sie hat vielmehr Art. 142 Abs. 2 ZGB auch deshalb als unanwendbar betrachtet, weil sie in der Anrufung dieser Bestimmung durch die Beklagte einen Rechtsmissbrauch erblickte. Sie f�hrte in diesem Zusammenhang aus, es sei anzunehmen, dass die Beklagte den Kl�ger entgegen ihren prozessualen Beteuerungen seit langem als Partner einer ehelichen Gemeinschaft ablehne. Anders sei ihr Verhalten w�hrend der Trennung nicht zu erkl�ren; eine andere Haltung w�re auch menschlich kaum einf�hlbar. Es sei nicht einzusehen, wie sich die Parteien BGE 104 II 145 S. 151heute nach 32-j�hriger Trennung, nach v�lliger Entfremdung und dem Aufbau verschiedener Lebenskreise sowie angesichts ihres vorger�ckten Alters (die Beklagte 78-j�hrig, der Kl�ger 68-j�hrig) erneut zu einer Gemeinschaft zu finden verm�chten. Andere sch�tzenswerte Interessen der Beklagten f�r das Festhalten an der Ehe, insbesondere solche finanzieller Natur, seien nicht ersichtlich.
Die Beklagte wendet demgegen�ber ein, der Kl�ger habe ihr keine Gelegenheit gegeben, die Lebensgemeinschaft mit ihm je wieder aufzunehmen, sondern durch seine in Australien erfolgte Heirat unmissverst�ndlich zum Ausdruck gebracht, dass er von ihr nichts mehr wissen wolle. Trotzdem habe sie aus ideellen Gr�nden immer an der Ehe festgehalten. Heute sei sie 78-j�hrig und leidend. Mit R�cksicht auf ihr hohes Alter und ihre Altersbeschwerden sei eine Scheidung erst recht nicht mehr angebracht. Der Kl�ger habe die Scheidungsklage im �brigen nur eingereicht, weil die f�r die AHV zust�ndige schweizerische Beh�rde einen entsprechenden Entscheid verlangt habe.
Das in Art. 142 Abs. 2 ZGB gew�hrleistete Recht auf Widerspruch gegen die Scheidungsklage eines ausschliesslich oder �berwiegend schuldigen Ehegatten beruht auf dem Gedanken, dass aus eigenem Verschulden kein Scheidungsanspruch soll ab geleitet werden k�nnen. Die betreffende Bestimmung will somit eine missbr�uchliche Aus�bung des Klagerechts verhindern. Wie jedes Recht findet aber auch diese dem unschuldigen oder weniger schuldigen Ehegatten verliehene M�glichkeit, sich der Scheidungsklage des andern Teils zu widersetzen, ihre Schranke am allgemeinen Verbot des Rechtsmissbrauchs (Art. 2 Abs. 2 ZGB). Das Bundesgericht hat in seiner bisherigen Rechtsprechung die Unzul�ssigkeit der Anrufung von Art. 142 Abs. 2 ZGB wegen Rechtsmissbrauchs allerdings nur mit grosser Zur�ckhaltung bejaht. Als rechtsmissbr�uchlich wird die Aus�bung des in dieser Bestimmung gew�hrleisteten Widerspruchsrechtes grunds�tzlich nur dann betrachtet, wenn der die Scheidung ablehnende Ehegatte nicht gewillt ist, die eheliche Gemeinschaft wieder aufzunehmen, obwohl der andere Teil hiezu bereit w�re und sein ehewidriges Verhalten aufg�be (BGE 92 II 76). Die zur�ckhaltende Anwendung des Rechtsmissbrauchsverbotes rechtfertigt sich mit R�cksicht auf den absoluten Charakter des Art. 142 Abs. 2 ZGB. Es kann grunds�tzlich nicht darauf ankommen, aus welchen Beweggr�nden sich ein Ehegatte der BGE 104 II 145 S. 152Scheidungsklage des �berwiegend schuldigen Teils widersetzt und ob die Scheidung bei Ber�cksichtigung aller in Betracht fallenden Interessen die vern�nftigste L�sung w�re (B�HLER, N. 143 und 149 zu Art. 142 ZGB; HINDERLING, Schweizerisches Ehescheidungsrecht, 3. Auflage, S. 53 ff., je mit Zitaten). Eine Interessenabw�gung bei der Anwendung von Art. 142 Abs. 2 ZGB w�rde unweigerlich zu einer Relativierung dieser Bestimmung f�hren, die mit deren Wortlaut und Sinn nicht vereinbar w�re (HINDERLING, Die rechtsmissbr�uchliche Berufung auf Art. 142 Abs. 2 ZGB, in Festgabe Simonius, S. 123 ff.; vgl. auch BGE 92 II 76 /77).
Im vorliegenden Fall fehlt dem Kl�ger offensichtlich die Bereitschaft, seine in Australien gegr�ndete Familie zu verlassen, um zur Beklagten zur�ckzukehren. Die Beklagte ihrerseits hat im kantonalen Verfahren und vor Bundesgericht erkl�ren lassen, sie sei zur Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft bereit. Nach der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung w�ren somit die Voraussetzungen f�r die Bejahung einer rechtsmissbr�uchlichen Anrufung von Art. 142 Abs. 2 ZGB nicht gegeben. Indessen kann man sich fragen, ob es sich bei dieser Erkl�rung nicht um ein blosses Lippenbekenntnis handelt, das nicht dem wirklichen Willen der Beklagten entspricht, da nicht zu �bersehen ist, dass hier eine ausgesprochene Ausnahmesituation vorliegt. So hat auch die Vorinstanz angenommen, dass die Beklagte entgegen ihren prozessualen Beteuerungen den Kl�ger als Partner seit langem ablehne. Diese �usserung stellt zwar nicht eine tats�chliche Feststellung dar, die f�r das Bundesgericht verbindlich w�re, sondern eine auf der allgemeinen Lebenserfahrung beruhende Schlussfolgerung, die frei �berpr�ft werden kann (BGE 99 II 329 mit Hinweisen). Doch st�tzt sich diese Schlussfolgerung wiederum auf feststehende Tatsachen, n�mlich, dass die Parteien seit 32 Jahren getrennt sind, sich v�llig entfremdet und verschiedene Lebenskreise aufgebaut haben, ferner dass sie sich heute beide in vorger�cktem Alter (die Beklagte beinahe 80-j�hrig und der Kl�ger beinahe 70-j�hrig) befinden.
Im Hinblick auf diese tats�chlichen Feststellungen ist es v�llig undenkbar, dass sich die Parteien selbst bei entsprechender Bereitschaft neuerdings zu einer Lebensgemeinschaft zusammenfinden k�nnten. Es �berstiege die menschlichen M�glichkeiten beider Parteien, nach all dem, was sich w�hrend des Getrenntlebens BGE 104 II 145 S. 153ereignet hat, nochmals ein gemeinsames Leben zu beginnen. Unl�sbar w�re nur schon die Frage, welches gemeinsame Domizil die Parteien w�hlen k�nnten, nachdem sich die Beklagte in Luzern und der Kl�ger in Australien einen selbst�ndigen Lebenskreis geschaffen haben. Vor allem aber ist die innere Kluft zwischen den Parteien heute so gross, dass sie auch mit gutem Willen nicht mehr �berwunden werden k�nnte. Das gilt nicht nur f�r den Kl�ger, sondern ebensosehr f�r die Beklagte. In ihr hat sich in den langen Jahren des Alleinseins eine grosse Entt�uschung und Verbitterung �ber den Kl�ger aufgestaut, wie die im angefochtenen Urteil wiedergegebene Karte eindr�cklich zeigt. Es ist schlechterdings nicht vorstellbar, dass die Beklagte diese Gef�hle �berwinden k�nnte, falls sich der Kl�ger wider alles Erwarten entschl�sse, sich von seiner neuen Familie zu l�sen und zu ihr zur�ckzukehren. Wie ernst die Bereitschaft der Beklagten zur Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft gemeint war, braucht unter diesen Umst�nden nicht weiter gepr�ft zu werden. Auf jeden Fall verkennt sie die Wirklichkeit, wenn sie sich zutraut, mit dem Kl�ger eine neue Lebensgemeinschaft aufbauen zu k�nnen.
Angesichts dieser besondern Verh�ltnisse muss in �bereinstimmung mit der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass die Beklagte ungeachtet der vom Kl�ger eingenommenen Haltung jede wirkliche Bindung an die Ehe und den Kl�ger verloren hat und daher nur noch der Form halber am Eheband festh�lt. Die Verhinderung der Scheidung gest�tzt auf Art. 142 Abs. 2 ZGB dient in einem solchen Fall nur der Aufrechterhaltung einer v�llig inhaltslosen Ehe. Will sich die Beklagte trotzdem mit Erfolg auf ihr Widerspruchsrecht berufen, muss von ihr verlangt werden, dass sie ein sch�tzenswertes Interesse an der Fortdauer der Ehe geltend machen kann. Finanzielle Interessen, die als sch�tzenswert anzuerkennen w�ren, sind nicht vorhanden. Die Beklagte hat w�hrend des ganzen Prozesses nie geltend gemacht, dass sich ihre wirtschaftliche Lage im Falle einer Scheidung verschlechtern w�rde. Insbesondere hat sie nie behauptet, dass sich ihre AHV-Rente und die entsprechenden Erg�nzungsleistungen im Vergleich zu ihren heutigen Bez�gen verringern w�rden. Unterhaltsbeitr�ge konnte sie auch bisher nicht erh�ltlich machen. Selbst erbrechtlich d�rfte sich f�r sie im Hinblick auf die vom Kl�ger in Australien abgeschlossene und dort auch anerkannte Ehe nichts �ndern.
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Die Beklagte macht zur Begr�ndung ihres Widerspruchs gegen die Scheidungsklage ausschliesslich ideelle Gr�nde geltend und beruft sich �berdies auf ihr hohes Alter sowie ihren geschw�chten Gesundheitszustand. Sie legt indessen nicht n�her dar, worin diese ideellen Gr�nde f�r die Aufrechterhaltung der Ehe im einzelnen bestehen. Auch der Hinweis auf das hohe Alter und die geschw�chte Gesundheit der Beklagten reicht f�r sich allein nicht aus, um ein schutzw�rdiges Interesse an der Fortdauer der nur mehr auf dem Papier bestehenden Ehe darzutun. Ein ausreichendes Interesse der Beklagten an der Aufrechterhaltung der Ehe ist somit nicht ersichtlich. Die Anrufung von Art. 142 Abs. 2 ZGB erscheint unter diesen Umst�nden als rechtsmissbr�uchlich. Die Auffassung der Vorinstanz, dass die Aus�bung des Widerspruchsrechts durch die Beklagte im Sinne von Art. 2 Abs. 2 ZGB keinen Rechtsschutz finden k�nne, verst�sst damit nicht gegen Bundesrecht. Das angefochtene Urteil ist daher zu best�tigen.
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern vom 12. September 1977 best�tigt.
92 II 76,
84 II 472,
99 II 329

References: Art. 142

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 Art. 7
 Art. 142
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