Source: http://gosol.de/mediapool/27/272400/data/Anforderungen_an_gesunde_Wohn_und_Arbeitsverhaeltnisse_hinsichtlich_Besonnung.htm
Timestamp: 2018-10-24 04:57:19+00:00

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Nach § 1, (6), Nr.1 BauGB bzw. § 34, (1) BauGB bilden die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse einen bei der Bauleitplanung zu berücksichtigenden Belang. § 136, (3), Nr.1, a) BauGB definiert "gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse" als "die Belichtung, Besonnung und Belüftung der Wohnungen und Arbeitsstätten". Die Besonnung und Belichtung ist damit essentieller Bestandteil der Abwägung. Ob eine ausreichende Besonnung und Belichtung sichergestellt ist, ist eine Tatsachenfeststellung.
Bei Überschreitung der nach BauNVO §17(1) zulässigen Obergrenze des Maßes der baulichen Nutzung aus städtebaulichen Gründen muss nach BauNVO §17(2) sichergestellt sein, „dass die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse nicht beeinträchtigt werden". Gleiches gilt wenn die nach Landesrecht erforderlichen Grenzabstände unterschritten werden.
Aus medizinischer Sicht wird eine Mindestbesonnungsdauer von täglich 15 Minuten mit freiem Oberkörper um die Mittagszeit im Freien als notwendig(2) erachtet um Vitamin D - Mangelerscheinungen und die hierdurch direkt ausgelösten Krankheiten wie Rachitis, Osteoporose und Augenerkrankungen vorzubeugen. Sonnenlichtmangel wird auch für die Entstehung von (Lungen-) Krebs sowie Herz- / Kreislauferkrankungen und Depressionen mit verantwortlich gemacht (Serotonin-Mangel, verminderter Melatonin Abbau). Durch Licht- und Sonnenmangel verursachte Depressionen beschränken sich hierbei nicht auf Skandinavische Länder, sondern sind dem Autor aus seiner gerichtsgutachterlichen Tätigkeit auch aus Süddeutschland bekannt.
Die DIN 5034-1"Tageslicht in Innenräumen" (Juli 2011(3)) regelt zunächst als „anerkannte Regeln der Technik" die Mindestanforderungen an die Besonnungsdauer an einem klaren Tag und die Helligkeit bei bedecktem Himmel für Wohnräume, Krankenzimmer und vergleichbare Nutzungen im Rechtsverhältnis zwischen planverfassendem Architekt, Verkäufer/Käufer und Vermieter/Mieter (als zugesicherte Eigenschaft). Werden die Anforderungen nach DIN 5034-1 nicht erfüllt, ist die Planung mangelbehaftet.
Die in DIN 5034-1 geforderte einstündige Besonnungsdauer am 17. Januar ist als wohnhygienische Mindestanforderung zur Vermeidung einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu sehen. Diese Auffassung hat auch das Bundesverwaltungsgericht in einer Urteilsbegründung vertreten.
Die DIN 5034-1, insbesondere die Besonnungsdauer am Stichtag 17.Januar, kann damit als Grenze zur gesundheitlichen Beeinträchtigung bei der Beurteilung gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse gemäß § 1, (6), Nr.1 BauGB herangezogen werden.
am 8. Februar 3,0 Stunden für Wohn- und Kinderzimmer (mittlerer Wintertag) beträgt.
Dabei muss der Einfallswinkel der Sonne, aufgrund der Verschattung durch die Fensterlaibung und dem einfallswinkelbezogenen Transmissionsgrad der Verglasung, zumindest 15° bezogen auf die Glasebene betragen um den Sonneneinfall in den Raum zu ermöglichen.
Die gewichtete monatliche Besonnungsdauer verknüpft (multipliziert) die im jeweiligen Stundenintervall summierte gewichtete Besonnungsdauer mit der Sonnenscheindauer je Monat und Stunde im langjährigen Mittel. Damit wird bei der gewichteten monatlichen Besonnungsdauer die Bewölkungshäufigkeit im Tages- und Jahresgang berücksichtigt. Somit ist eine Aussage über die reale Besonnungsdauer eines Fensters bzw., als Mittelwert der Fenster, der Wohnung über einen längeren Zeitraum möglich.
Bei Überschreitung der nach § 17(1) BauNVO zulässigen Obergrenzen des Maßes der baulichen Nutzung ist nach § 17(2) sicherzustellen, dass „die Überschreitung durch Umstände ausgeglichen ist oder durch Maßnahmen ausgeglichen wird, durch die sichergestellt ist, dass die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse nicht beeinträchtigt werden".
Der Gesetzgeber geht damit davon aus, dass bis zur Obergrenze des in § 17(1) BauNVO festgesetzten Maß der baulichen Nutzung, d.h. bei einem reinen und allgemeinen Wohngebiet (WR/WA) sowie in Dorf- und Mischgebieten (MD/MI) bis zu einer GFZ von 1,2 und bei überwiegend bebauten, besonderen Wohngebieten (WB) bis zu einer GFZ von 1,6, die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse bei einer vernünftigen Planung in der Regel sichergestellt werden können und die bis zu diesen Obergrenzen eintretende Beeinträchtigung der Besonnung und Belichtung durch Abschattung zumutbar ist.
Als Bewertungsmaßstab dient die Besonnungsdauer der unterschiedlichen Gebäudestellungen für das am ungünstigsten, d.h. in Zeilenmitte gelegene Fenster im EG ohne Balkone. (Die Tabellen geben die Abweichung der Gebäudestellung in Grad zu Ost-West an, O-W-Stellung entspricht dabei einer Süd- bzw. Nord-Ausrichtung der Fenster).
Der Mittelwert des Planbereichs kann hierbei nur einen Hinweis auf gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse liefern, ist dieser unterschritten liegen diese i.d.R. nicht vor. Maßgeblich für die Beurteilung ist der Wert jeder einzelnen Wohnung. Hierbei ist zu berücksichtigen ob in unzureichend besonnten und belichteten Bereichen bei vernünftiger Wohnungsgröße und Wohnungsaufteilung, gegebenenfalls durch Maisonetten oder geeignete Anordnung von innerer Gebäudeerschließung oder Abstellräumen für Fahrräder und Kinderwagen vernünftiger Größe, die Mindestbesonnungsdauer erreicht werden kann und damit gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse möglich sind. Dies ist für übliche Gebäudetiefen von rund 12m bei einer Länge der unzureichend besonnten Bereiche von ca. 10m bis ca. 15m (DIN 5034-1, für zumindest einen Raum der Wohnung) oder übereinander liegenden, unzureichend besonnten Bereichen bei einer Angebotsplanung praktisch auszuschließen. Bei einer Vorhabensplanung ist der Nachweis zu fordern.
Die Werte für den 21. Dezember, 8. Februar sowie die Wintermonate und das Winterhalbjahr werden jeweils nach dem Verfahren der mit der unverschatteten Fensterfläche gewichteten Besonnungsdauer ermittelt. Bei den Bewertungszeiträumen wird die Besonnungsdauer auf Grundlage der meteorologisch tatsächlich vorhandenen Besonnungsdauer ermittelt.
Bei der Berechnung der Besonnungsdauer werden neben den lokalen Klimadaten(16) sowohl die Gebäudeorientierung und die Verschattung durch Nachbargebäude als auch die jahreszeitlich wechselnde Verschattung durch Vegetation und die Verschattung durch die Topographie des Planungsgebietes berücksichtigt. Auf dieser Basis bestimmt GOSOL die Besonnungsdauer für jedes einzelne Fenster im Tagesgang und Jahresgang, wahlweise nach dem Berechnungsverfahren nach DIN 5034-1 oder dem Berechnungsverfahren der mit der unverschatteten Fensterfläche gewichteten, zeitäquivalenten Besonnungsdauer.
Die Berechnung der Besonnungsdauer anhand von Schattenwurfanalysen entspricht nicht mehr dem Stand der Technik und ist nicht in der Lage eine hinreichend genaue zeitliche Auflösung der Besonnungsdauer zu ermöglichen. Zudem ist es damit auch nicht möglich die mittlere bzw. gesamte Besonnungsdauer eines Abschnitts (beide Wohnungsfassaden) zu ermitteln.
Als Modellansatz für den Fall GFZ=1,2 (WR/WA/MD/MI) dienen als Standardsituation unendlich lange, parallele, viergeschossige, geschlossene Zeilen mit 12m Gebäudetiefe für die Gebäudestellungen Ost-West bis Nord-Süd bei gebäudeparalleler öffentlicher Erschließung (Fall A). Die Geschosshöhe beträgt 2,80m. Durch die unendlich langen Zeilen bleiben die Besonnungsdauer erhöhende Randeffekte an Zeilenköpfen unberücksichtigt. Die Gebäudeabstände ergeben sich aus der GFZ von 1,2. Zwischen den Gebäuden sind Bäume mit einer Pflanzdichte von einem Baum III. Ordnung je 200 m² nicht bebauter Grundstücksfläche angeordnet. Das Gelände wird in allen Fällen als vollständig eben angenommen.
Zeit / Abw.
O-W Stellung 0°
N-S Mittel Stunden /
meteoro- logisch vorhanden
% v.met. 73,2% 69,2% 67,2% 62,6% 53,1% 42,4% 30,6% 56,9% h/159,8
% v.met. 85,6% 80,8% 72,5% 63,1% 52,9% 43,2% 33,7% 61,7% h/510,1
O-W Stellung 0° 15° 30° 45° 60° 75° 90° Mittel Std.
% v.met. 36,6% 34,6% 33,6% 31,3% 26,9% 24,1% 23,8% 30,1% h/159,8
% v.met. 42,8% 40,4% 36,3% 32,4% 29,4% 28,0% 27,9% 33,9% h/510,1
Zeit/Abw. O-W Stellung 0°
N-S Mittel Std/met. vorh.
% v.met. 33,7% 40,8% 51,1% 50,9% 44,5% 36,0% 26,1% 40,4% h/159,8
% v.met. 70,9% 68,1% 63,0% 55,0% 46,3% 37,9% 29,6% 53,0% h/510,1
Zeit/Abw. 0° 15° 30° 45° 60° 75° 90° Mittel Std.
% v.met. 16,9% 20,4% 25,5% 25,5% 22,5% 20,7% 21,2% 21,8% h/159,8
% v.met. 35,5% 34,1% 31,5% 28,3% 25,9% 25,0% 25,2% 29,3% h/510,1
Zeit/Abw.
Mittel Std/met. vorh.
Zeit/Abw. 0° 15° 30° 45° 60° 75° 90° Mittel Std/met. vorh.
% v.met. 17,4% 21,1% 25,9% 25,7% 22,7% 20,8% 21,4% 22,1% h/159,8
% v.met. 35,7% 34,4% 31,8% 28,5% 26,0% 25,1% 25,3% 29,5% h/510,1
Als Modellansatz für den Fall „D", GFZ=1,6 dienen ebenfalls unendlich lange, parallele, sechsgeschossige, geschlossene Zeilen für die Gebäudestellungen Ost-West bis Nord-Süd. Die Gebäudeabstände ergeben sich aus einer GFZ von 1,6 und im Fall „D" zusätzlich aus den Mindestabstandsflächen nach BayBO. Hierbei ergibt sich aus der GFZ eine Gebäudetiefe von 12,5m. Die Erschließung erfolgt senkrecht zu den Gebäuden. Zwischen den Gebäuden sind Bäume mit einer Pflanzdichte von einem Baum III. Ordnung je 200 m² nicht bebauter Grundstücksfläche angeordnet. Die Geschosshöhe beträgt 2,80m.
% v.met. 4,3% 9,0% 28,1% 37,5% 35,0% 29,2% 21,3% 32,4% h/159,8
% v.met. 55,5% 51,6% 49,5% 45,4% 38,8% 32,1% 25,2% 41,4% h/510,1
Anhand der Tabellen wird deutlich, dass Abschattungswinkel grundsätzlich nicht als Grundlage zur Beurteilung einer ausreichenden Besonnung und Belichtung geeignet sind, da diese keinen konkreten Rückschluss auf die tatsächliche Besonnungsdauer und natürliche Belichtung, d.h. Helligkeit zulassen. Dies wird allein schon aus der, bei identischen Abschattungswinkeln, stark divergierenden Besonnungsdauer deutlich.
Ableitung der Definition „gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse" für die Bauleitplanung aus den Obergrenzen des Maß der baulichen Nutzung nach BauNVO §17(1) für WR / WA / MD / MI
Geltungsbereich der absoluten Besonnungsdauer: München (Fall B)
Für zumindest eine Fassade der Wohnung Mittelwert aus Vorder- und Rückfassade d. WE Besonnungs- dauer
Richtwert :
Mittelwert nach Fall B Grenzwert:
Minimalwert nach Fall B Grenzwert Gesundheits- schädigung
(DIN 5034) Richtwert:
Minimalwert nach Fall B
bezogen auf die meteorologische Besonnungsdauer im Untersuchungszeitraum Referenz h
Ableitung der Definition „gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse" für die Bauleitplanung aus den Obergrenzen des Maß der baulichen Nutzung nach BauNVO §17(1) für WB, für Mindestabstandsflächen nach BayBO (Fall D)
WB Richtwert:
Mittelwert nach Fall D Grenzwert:
Minimalwert nach Fall D Grenzwert
Gesundheits- schädigung
Minimalwert nach Fall D
7. Die Formulierung „sollte die mögliche Besonnungsdauer in mindestens einem Aufenthaltsraum einer Wohnung zur Tag- und Nachtgleiche 4 h betragen. Soll auch eine ausreichende Besonnung in den Wintermonaten sicher gestellt sein, sollte die mögliche Besonnungsdauer am 17. Januar mindestens 1 h betragen" ermöglicht hier z.B. eine Differenzierung in Krankenzimmer, welche nur dem kurzzeitigen Aufenthalt dienen und Krankenzimmer mit Langzeitbehandlungscharakter. Selbst wenn man „soll" nur als Richtwert interpretiert, liegt keine „ausreichende Besonnung" und damit ein Mangel vor. Damit stellt sich allenfalls zivilrechtlich die Frage ob der Mangel, z.B. dadurch, dass die Besonnungsdauer erheblich unterschritten oder nicht in einem absehbaren Zeitraum nach dem Stichtag erreicht wird, so erheblich ist, dass hieraus ein Schadensersatzanspruch entsteht.

References: § 1
 § 34
 § 136
 §17
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 § 1
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