Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/stein_handbuch_1870?p=349
Timestamp: 2019-04-20 02:57:42+00:00

Document:
der Ablösung solcher Dienstbarkeit (Holzlieferung, Streusammeln,
Mastung, Weide). Keine Ablösung durch Abtheilung.
2) Pflanzungsordnungen: 1) bei geschlagenen Waldflächen;
2) bei unbestandenem absolutem Waldboden; 3) Baumpflanzen (bei
Wegen etc.); Nutzbäume (Fruchtbäume, Maulbeerbäume etc.) gehören
nicht der Forstwirthschaft.
3) Schlagordnung, mit dem Grundsatz, daß keine Rodung
ohne Erlaubniß der höheren Stelle, und genaue Vorschrift über das
Verfahren sowohl beim Schlagen als beim Verkaufe der Waldprodukte.
4) Holzbringung, theils durch eigene Straßen, theils mit
sog. Riesen, theils zu Wasser mit Trift- und Schwemmrecht, nebst dem
Recht der Holzwehren. Princip der eventuellen Expropriation für die
Nachbargrundstücke.
Für die einzelnen Fragen Verweisung auf die Forstwirthschaftslehre (Forst-
polizei). Dieselben sind in den meisten Fällen nur dadurch verwickelt, daß das
bisherige Recht den Unterschied zwischen den Staatsforsten und den Privat-
forsten aufrecht hält, und daher stets die Frage zu entscheiden bleibt, wie weit
das öffentliche Recht des Forstwesens in das Privatrecht im öffentlichen In-
teresse hineingreifen dürfe und solle. Daher hier Schwanken der Gesetzgebung.
Fast allgemein ist jedoch schon jetzt der Grundsatz, daß keine Rodung ohne
Genehmigung der Forstbehörde, wobei merkwürdiger Weise das Princip der
Entschädigung fehlt. -- Frankreich: Code forest. Art. 147. Neues und sehr
ausführliches Decret über Bergbewaldung vom 10. Nov. 1864. -- Oester-
reich: Forstgesetz Art. 2. 3. Badens neues Forstgesetz von 1854 hat die
durch das Forstgesetz von 1833 eingeführte volle Freiheit der Einzelwirthschaft
wieder aufgehoben (Rau §. 156). -- Preußen stellte früher die ganze Privat-
wirthschaft unter behördliche Oberaufsicht; als das zu Widersprüchen führte,
schlug die Gesetzgebung in das Gegentheil um, und gab durch das Landes-
kulturedikt vom 14. Sept. 1811 die volle Freiheit, die jedoch durch die vielen
lokalen Forstordnungen (bei Rönne §. 382) im Einzelnen wesentlich beschränkt
ist. Aus diesem Zustand der Gesetzgebung der Uebelstand, daß es mit Aus-
nahme des Rodungsverbotes und zum Theil der Servitutenablösung (Frank-
reich: Code For. 130; Oesterreich: Gesetz vom 5. Juli 1853 bei Manz, nebst
Verwaltungsverordnung; Preußen: Rönne §. 381) und einer Reihe von An-
pflanzungsvorschriften, stets zweifelhaft ist, ob die gesetzlichen Bestimmungen
auf Privatwirthschaft Anwendung finden, während doch die Waldungen der
Selbstverwaltung den staatlichen Vorschriften unterworfen sind (vergl. österreich.
Staatsforstgesetz Art. 1. 2). -- Rönne über Preußen §. 381. -- Baden:
Forststrafrecht (Verordnung vom 25. Jan. 1865). -- Code forest. Art. 90. 128.
Die Jagd ist zunächst wirthschaftlich eine Form der Benützung des
Grundes und Bodens. Allein sie ist zugleich die einzige Art, wie
der Ablöſung ſolcher Dienſtbarkeit (Holzlieferung, Streuſammeln,
Maſtung, Weide). Keine Ablöſung durch Abtheilung.
2) Pflanzungsordnungen: 1) bei geſchlagenen Waldflächen;
2) bei unbeſtandenem abſolutem Waldboden; 3) Baumpflanzen (bei
Wegen ꝛc.); Nutzbäume (Fruchtbäume, Maulbeerbäume ꝛc.) gehören
nicht der Forſtwirthſchaft.
3) Schlagordnung, mit dem Grundſatz, daß keine Rodung
ohne Erlaubniß der höheren Stelle, und genaue Vorſchrift über das
Verfahren ſowohl beim Schlagen als beim Verkaufe der Waldprodukte.
ſog. Rieſen, theils zu Waſſer mit Trift- und Schwemmrecht, nebſt dem
Nachbargrundſtücke.
Für die einzelnen Fragen Verweiſung auf die Forſtwirthſchaftslehre (Forſt-
polizei). Dieſelben ſind in den meiſten Fällen nur dadurch verwickelt, daß das
bisherige Recht den Unterſchied zwiſchen den Staatsforſten und den Privat-
forſten aufrecht hält, und daher ſtets die Frage zu entſcheiden bleibt, wie weit
das öffentliche Recht des Forſtweſens in das Privatrecht im öffentlichen In-
tereſſe hineingreifen dürfe und ſolle. Daher hier Schwanken der Geſetzgebung.
Faſt allgemein iſt jedoch ſchon jetzt der Grundſatz, daß keine Rodung ohne
Genehmigung der Forſtbehörde, wobei merkwürdiger Weiſe das Princip der
Entſchädigung fehlt. — Frankreich: Code forest. Art. 147. Neues und ſehr
ausführliches Decret über Bergbewaldung vom 10. Nov. 1864. — Oeſter-
reich: Forſtgeſetz Art. 2. 3. Badens neues Forſtgeſetz von 1854 hat die
durch das Forſtgeſetz von 1833 eingeführte volle Freiheit der Einzelwirthſchaft
wieder aufgehoben (Rau §. 156). — Preußen ſtellte früher die ganze Privat-
wirthſchaft unter behördliche Oberaufſicht; als das zu Widerſprüchen führte,
ſchlug die Geſetzgebung in das Gegentheil um, und gab durch das Landes-
lokalen Forſtordnungen (bei Rönne §. 382) im Einzelnen weſentlich beſchränkt
iſt. Aus dieſem Zuſtand der Geſetzgebung der Uebelſtand, daß es mit Aus-
nahme des Rodungsverbotes und zum Theil der Servitutenablöſung (Frank-
reich: Code For. 130; Oeſterreich: Geſetz vom 5. Juli 1853 bei Manz, nebſt
pflanzungsvorſchriften, ſtets zweifelhaft iſt, ob die geſetzlichen Beſtimmungen
auf Privatwirthſchaft Anwendung finden, während doch die Waldungen der
Selbſtverwaltung den ſtaatlichen Vorſchriften unterworfen ſind (vergl. öſterreich.
Staatsforſtgeſetz Art. 1. 2). — Rönne über Preußen §. 381. — Baden:
Forſtſtrafrecht (Verordnung vom 25. Jan. 1865). — Code forest. Art. 90. 128.
Die Jagd iſt zunächſt wirthſchaftlich eine Form der Benützung des
Grundes und Bodens. Allein ſie iſt zugleich die einzige Art, wie
der <hi rendition="#g">Ablö&#x017F;ung</hi> &#x017F;olcher Dien&#x017F;tbarkeit (Holzlieferung, Streu&#x017F;ammeln,<lb/>
Ma&#x017F;tung, Weide). <hi rendition="#g">Keine</hi> Ablö&#x017F;ung durch Abtheilung.</p><lb/>
<p>2) <hi rendition="#g">Pflanzungso</hi>rdnungen: 1) bei ge&#x017F;chlagenen Waldflächen;<lb/>
2) bei unbe&#x017F;tandenem ab&#x017F;olutem Waldboden; 3) Baumpflanzen (bei<lb/>
Wegen &#xA75B;c.); <hi rendition="#g">Nutzbäume</hi> (Fruchtbäume, Maulbeerbäume &#xA75B;c.) gehören<lb/><hi rendition="#g">nicht</hi> der For&#x017F;twirth&#x017F;chaft.</p><lb/>
<p>3) <hi rendition="#g">Schlagordnung</hi>, mit dem Grund&#x017F;atz, daß <hi rendition="#g">keine</hi> Rodung<lb/>
ohne Erlaubniß der höheren Stelle, und genaue Vor&#x017F;chrift über das<lb/>
Verfahren &#x017F;owohl beim Schlagen als beim <hi rendition="#g">Verkaufe</hi> der Waldprodukte.</p><lb/>
<p>4) <hi rendition="#g">Holzbringung</hi>, theils durch eigene Straßen, theils mit<lb/>
&#x017F;og. Rie&#x017F;en, theils zu Wa&#x017F;&#x017F;er mit Trift- und Schwemmrecht, neb&#x017F;t dem<lb/>
Recht der Holzwehren. Princip der eventuellen Expropriation für die<lb/>
Nachbargrund&#x017F;tücke.</p><lb/>
<p>Für die einzelnen Fragen Verwei&#x017F;ung auf die For&#x017F;twirth&#x017F;chaftslehre (For&#x017F;t-<lb/>
polizei). Die&#x017F;elben &#x017F;ind in den mei&#x017F;ten Fällen nur dadurch verwickelt, daß das<lb/>
bisherige Recht den Unter&#x017F;chied zwi&#x017F;chen den Staatsfor&#x017F;ten und den Privat-<lb/>
for&#x017F;ten aufrecht hält, und daher &#x017F;tets die Frage zu ent&#x017F;cheiden bleibt, wie <hi rendition="#g">weit</hi><lb/>
das öffentliche Recht des For&#x017F;twe&#x017F;ens in das Privatrecht im öffentlichen In-<lb/>
tere&#x017F;&#x017F;e hineingreifen dürfe und &#x017F;olle. Daher hier <hi rendition="#g">Schwanken</hi> der Ge&#x017F;etzgebung.<lb/>
Fa&#x017F;t allgemein i&#x017F;t jedoch &#x017F;chon jetzt der Grund&#x017F;atz, daß <hi rendition="#g">keine Rodung</hi> ohne<lb/>
Genehmigung der For&#x017F;tbehörde, wobei merkwürdiger Wei&#x017F;e das Princip der<lb/>
Ent&#x017F;chädigung fehlt. &#x2014; <hi rendition="#g">Frankreich</hi>: <hi rendition="#aq">Code forest.</hi> Art. 147. Neues und &#x017F;ehr<lb/>
ausführliches Decret über <hi rendition="#g">Bergbewaldung</hi> vom 10. Nov. 1864. &#x2014; <hi rendition="#g">Oe&#x017F;ter-<lb/>
reich</hi>: For&#x017F;tge&#x017F;etz Art. 2. 3. Badens <hi rendition="#g">neues</hi> For&#x017F;tge&#x017F;etz von 1854 hat die<lb/>
durch das For&#x017F;tge&#x017F;etz von 1833 eingeführte volle Freiheit der Einzelwirth&#x017F;chaft<lb/>
wieder aufgehoben (<hi rendition="#g">Rau</hi> §. 156). &#x2014; <hi rendition="#g">Preußen</hi> &#x017F;tellte früher die <hi rendition="#g">ganze</hi> Privat-<lb/>
wirth&#x017F;chaft unter behördliche Oberauf&#x017F;icht; als das zu Wider&#x017F;prüchen führte,<lb/>
&#x017F;chlug die Ge&#x017F;etzgebung in das Gegentheil um, und gab durch das Landes-<lb/>
kulturedikt vom 14. Sept. 1811 die <hi rendition="#g">volle</hi> Freiheit, die jedoch durch die vielen<lb/>
lokalen For&#x017F;tordnungen (bei Rönne §. 382) im Einzelnen we&#x017F;entlich be&#x017F;chränkt<lb/>
i&#x017F;t. Aus die&#x017F;em Zu&#x017F;tand der Ge&#x017F;etzgebung der Uebel&#x017F;tand, daß es mit Aus-<lb/>
nahme des Rodungsverbotes und zum Theil der Servitutenablö&#x017F;ung (<hi rendition="#g">Frank-<lb/>
reich</hi>: <hi rendition="#aq">Code For.</hi> 130; <hi rendition="#g">Oe&#x017F;terreich</hi>: Ge&#x017F;etz vom 5. Juli 1853 bei Manz, neb&#x017F;t<lb/>
Verwaltungsverordnung; <hi rendition="#g">Preußen</hi>: Rönne §. 381) und einer Reihe von An-<lb/>
pflanzungsvor&#x017F;chriften, &#x017F;tets <hi rendition="#g">zweifelhaft</hi> i&#x017F;t, ob die ge&#x017F;etzlichen Be&#x017F;timmungen<lb/>
auf Privatwirth&#x017F;chaft Anwendung finden, während doch die Waldungen der<lb/>
Selb&#x017F;tverwaltung den &#x017F;taatlichen Vor&#x017F;chriften unterworfen &#x017F;ind (vergl. <hi rendition="#g">ö&#x017F;terreich</hi>.<lb/>
Staatsfor&#x017F;tge&#x017F;etz Art. 1. 2). &#x2014; <hi rendition="#g">Rönne</hi> über <hi rendition="#g">Preußen</hi> §. 381. &#x2014; <hi rendition="#g">Baden</hi>:<lb/>
For&#x017F;t&#x017F;trafrecht (Verordnung vom 25. Jan. 1865). &#x2014; <hi rendition="#aq">Code forest.</hi> Art. 90. 128.</p>
<head><hi rendition="#g">Jagdrecht</hi>.</head><lb/>
<p>Die Jagd i&#x017F;t zunäch&#x017F;t wirth&#x017F;chaftlich eine Form der Benützung des<lb/>
Grundes und Bodens. Allein &#x017F;ie i&#x017F;t zugleich die einzige Art, wie<lb/></p>
[325/0349] der Ablöſung ſolcher Dienſtbarkeit (Holzlieferung, Streuſammeln, Maſtung, Weide). Keine Ablöſung durch Abtheilung. 2) Pflanzungsordnungen: 1) bei geſchlagenen Waldflächen; 2) bei unbeſtandenem abſolutem Waldboden; 3) Baumpflanzen (bei Wegen ꝛc.); Nutzbäume (Fruchtbäume, Maulbeerbäume ꝛc.) gehören nicht der Forſtwirthſchaft. 3) Schlagordnung, mit dem Grundſatz, daß keine Rodung ohne Erlaubniß der höheren Stelle, und genaue Vorſchrift über das Verfahren ſowohl beim Schlagen als beim Verkaufe der Waldprodukte. 4) Holzbringung, theils durch eigene Straßen, theils mit ſog. Rieſen, theils zu Waſſer mit Trift- und Schwemmrecht, nebſt dem Recht der Holzwehren. Princip der eventuellen Expropriation für die Nachbargrundſtücke. Für die einzelnen Fragen Verweiſung auf die Forſtwirthſchaftslehre (Forſt- polizei). Dieſelben ſind in den meiſten Fällen nur dadurch verwickelt, daß das bisherige Recht den Unterſchied zwiſchen den Staatsforſten und den Privat- forſten aufrecht hält, und daher ſtets die Frage zu entſcheiden bleibt, wie weit das öffentliche Recht des Forſtweſens in das Privatrecht im öffentlichen In- tereſſe hineingreifen dürfe und ſolle. Daher hier Schwanken der Geſetzgebung. Faſt allgemein iſt jedoch ſchon jetzt der Grundſatz, daß keine Rodung ohne Genehmigung der Forſtbehörde, wobei merkwürdiger Weiſe das Princip der Entſchädigung fehlt. — Frankreich: Code forest. Art. 147. Neues und ſehr ausführliches Decret über Bergbewaldung vom 10. Nov. 1864. — Oeſter- reich: Forſtgeſetz Art. 2. 3. Badens neues Forſtgeſetz von 1854 hat die durch das Forſtgeſetz von 1833 eingeführte volle Freiheit der Einzelwirthſchaft wieder aufgehoben (Rau §. 156). — Preußen ſtellte früher die ganze Privat- wirthſchaft unter behördliche Oberaufſicht; als das zu Widerſprüchen führte, ſchlug die Geſetzgebung in das Gegentheil um, und gab durch das Landes- kulturedikt vom 14. Sept. 1811 die volle Freiheit, die jedoch durch die vielen lokalen Forſtordnungen (bei Rönne §. 382) im Einzelnen weſentlich beſchränkt iſt. Aus dieſem Zuſtand der Geſetzgebung der Uebelſtand, daß es mit Aus- nahme des Rodungsverbotes und zum Theil der Servitutenablöſung (Frank- reich: Code For. 130; Oeſterreich: Geſetz vom 5. Juli 1853 bei Manz, nebſt Verwaltungsverordnung; Preußen: Rönne §. 381) und einer Reihe von An- pflanzungsvorſchriften, ſtets zweifelhaft iſt, ob die geſetzlichen Beſtimmungen auf Privatwirthſchaft Anwendung finden, während doch die Waldungen der Selbſtverwaltung den ſtaatlichen Vorſchriften unterworfen ſind (vergl. öſterreich. Staatsforſtgeſetz Art. 1. 2). — Rönne über Preußen §. 381. — Baden: Forſtſtrafrecht (Verordnung vom 25. Jan. 1865). — Code forest. Art. 90. 128. Jagdrecht. Die Jagd iſt zunächſt wirthſchaftlich eine Form der Benützung des Grundes und Bodens. Allein ſie iſt zugleich die einzige Art, wie
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/stein_handbuch_1870/349
Zitationshilfe: Stein, Lorenz von: Handbuch der Verwaltungslehre und des Verwaltungsrechts: mit Vergleichung der Literatur und Gesetzgebung von Frankreich, England und Deutschland; als Grundlage für Vorlesungen. Stuttgart, 1870, S. 325. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stein_handbuch_1870/349>, abgerufen am 20.04.2019.

References: Art. 147
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 90
 Art. 147
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 90
 Art. 147
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 90
 Art. 147
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 90