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Timestamp: 2019-11-19 19:03:02+00:00

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Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung – und die pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­pflicht | Rechtslupe
Vergütungsvereinbarung - und die prozessuale Kostenerstattungspflicht
Die unter­lie­gen­de Par­tei trifft kei­ne pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­pflicht nach § 91 ZPO gegen­über der obsie­gen­den Par­tei bezüg­lich einer von die­ser gemäß § 3a RVG ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung, soweit die­se die gesetz­li­che Ver­gü­tung über­steigt.
Nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO hat die unter­lie­gen­de Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, ins­be­son­de­re die dem Geg­ner erwach­se­nen Kos­ten zu erstat­ten, soweit sie zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­dig waren. Nach § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO sind die gesetz­li­chen Gebüh­ren und Aus­la­gen des Rechts­an­walts der obsie­gen­den Par­tei in allen Pro­zes­sen zu erstat­ten.
Hin­sicht­lich des pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs nach § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO gehen die Recht­spre­chung und die Lite­ra­tur fast ein­hel­lig davon aus, dass als erstat­tungs­fä­hi­ge "gesetz­li­che Gebüh­ren und Aus­la­gen" ledig­lich die Regel­sät­ze des Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­set­zes zu erstat­ten sind und nicht ein auf­grund einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit dem Rechts­an­walt über­stei­gen­des Hono­rar 1 und dass die unter­lie­gen­de Par­tei Mehr­kos­ten auf­grund eines ver­ein­bar­ten Hono­rars auch nicht nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO zu erstat­ten hat 2.
Die­se Auf­fas­sung ist unter Berück­sich­ti­gung der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te 3 zutref­fend. § 87 Abs. 2 Satz 1 der Civil­pro­zeß­ord­nung vom 30.01.1877 4 sieht – eben­so wie § 91 Abs. 2 Satz 1 der Civil­pro­zeß­ord­nung in der vom 01.01.1900 an gel­ten­den Fas­sung 5 – vor, dass "die Gebüh­ren und Aus­la­gen des Rechts­an­walts der obsie­gen­den Par­tei … in allen Pro­zes­sen zu erstat­ten" sind. Die Mög­lich­keit, eine ver­ein­bar­te Ver­gü­tung, soweit die­se die gesetz­li­che Ver­gü­tung über­steigt, im Wege der pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tung auf die unter­lie­gen­de Par­tei abzu­wäl­zen, wird in § 94 der Gebüh­ren­ord­nung für Rechts­an­wäl­te in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 05.07.1927 6, die bereits Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Rechts­an­walt und Auf­trag­ge­ber zuließ (vgl. § 93 RAGe­bO), aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen 7.
Die im Jahr 1957 in Kraft getre­te­ne Bun­des­ge­büh­ren­ord­nung für Rechts­an­wäl­te 8 ent­hält eine § 94 RAGe­bO ent­spre­chen­de Vor­schrift nicht. Statt­des­sen wur­de § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO durch Ein­fü­gung des Wor­tes "gesetz­li­chen" dahin gefasst, dass die "gesetz­li­chen Gebüh­ren und Aus­la­gen des Rechts­an­walts der obsie­gen­den Par­tei … in allen Pro­zes­sen zu erstat­ten" sind 9. In der Ent­wurfs­be­grün­dung 10 wird hier­zu aus­ge­führt, in den § 91 Abs. 2 ZPO wür­den die Vor­schrif­ten ein­ge­fügt, die bis­her unter ande­rem in § 94 RAGe­bO ent­hal­ten gewe­sen sei­en; die­se Vor­schrif­ten gehör­ten in die Zivil­pro­zess­ord­nung, weil sie nicht das Ver­hält­nis des Rechts­an­walts zum Auf­trag­ge­ber, son­dern die Kos­ten­er­stat­tung zwi­schen den Par­tei­en regel­ten. Danach soll­te es dabei blei­ben, dass die unter­lie­gen­de Par­tei bezüg­lich einer ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung, soweit die­se die gesetz­li­che Ver­gü­tung über­steigt, kei­ne pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­pflicht trifft.
Es ist nicht ersicht­lich, dass der Gesetz­ge­ber hier­von abrü­cken woll­te, als im Jahr 2004 das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz an die Stel­le der Bun­des­ge­büh­ren­ord­nung für Rechts­an­wäl­te getre­ten ist 11. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus der im Jahr 2008 in das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz ein­ge­füg­ten Vor­schrift des § 3a Abs. 1 Satz 3 RVG. Danach hat eine Ver­ein­ba­rung über die Ver­gü­tung einen Hin­weis unter ande­rem dar­auf zu ent­hal­ten, dass die geg­ne­ri­sche Par­tei im Fal­le der Kos­ten­er­stat­tung regel­mä­ßig nicht mehr als die gesetz­li­che Ver­gü­tung erstat­ten muss. Die Geset­zes­be­grün­dung zu § 3a RVG geht inso­weit davon aus, dass die recht­su­chen­de Per­son die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung, soweit die­se die gesetz­li­che Ver­gü­tung über­steigt, grund­sätz­lich selbst tra­gen muss 12. Es kann nicht ange­nom­men wer­den, dass der Gesetz­ge­ber mit der blo­ßen Sta­tu­ie­rung einer Hin­weis­pflicht in § 3a Abs. 1 Satz 3 RVG die Regeln der pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tung gemäß § 91 ZPO abän­dern woll­te. Der Hin­weis dar­auf, dass die geg­ne­ri­sche Par­tei im Fal­le der Kos­ten­er­stat­tung "regel­mä­ßig" nicht mehr als die gesetz­li­che Ver­gü­tung erstat­ten muss, ist auch dann sinn­voll, wenn die unter­lie­gen­de geg­ne­ri­sche Par­tei kei­ne pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­pflicht bezüg­lich einer ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung, soweit die­se die gesetz­li­che Ver­gü­tung über­steigt, trifft. Denn nach der Recht­spre­chung kann der­je­ni­ge, der sich scha­dens­er­satz­pflich­tig gemacht hat, in bestimm­ten Fäl­len mate­ri­ell­recht­lich ver­pflich­tet sein, höhe­re Auf­wen­dun­gen aus einer anwalt­li­chen Hono­rar­ver­ein­ba­rung zu erstat­ten 13.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Janu­ar 2018 – VII ZB 60/​17
BGH, Urteil vom 16.07.2015 – IX ZR 197/​14, NJW 2015, 3447 Rn. 56; offen­ge­las­sen von BGH, Beschluss vom 13.11.2014 – VII ZB 46/​12, NJW 2015, 633 Rn. 18 f. mit Nach­wei­sen des Streit­stands; vgl. auch BGH, Urteil vom 23.01.2014 – III ZR 37/​13, BGHZ 200, 20 Rn. 49[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 14.09.2004 – VI ZB 22/​04, NJW-RR 2005, 499 8; Rosenberg/​Schwab/​Gottwald, Zivil­pro­zess­recht, 17. Aufl., § 85 Rn. 14; BVerfGE 118, 1, 18 f. 75 ff., zur Anbin­dung der Erstat­tungs­pflicht an die gesetz­li­che Ver­gü­tung; Hau, JZ 2011, 1047, 1050; a.M. Gerold/​Schmidt/​Mayer, RVG, 23. Aufl., § 3a Rn. 75[↩]
vgl. dazu Hau, aaO S. 1049 f.[↩]
RGBl. S. 83, 98[↩]
RGBl. 1898 S. 369, 426[↩]
RGBl. – I S. 162, 170; im Fol­gen­den: RAGe­bO[↩]
vgl. Hau, aaO S. 1049; Walter/​Joachim/​Friedlaender, Gebüh­ren­ord­nung für Rechts­an­wäl­te, 9. Aufl., § 94 Rn. 1[↩]
BGBl.1957 – I S. 861, 907[↩]
BGBl.1957 – I S. 931[↩]
BT-Drs. 2/​2545, S. 282[↩]
vgl. Hau, JZ 2011, 1047, 1050[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 16.07.2015 – IX ZR 197/​14, NJW 2015, 3447 Rn. 58; Urteil vom 23.10.2003 – III ZR 9/​03, NJW 2003, 3693, 3697 49; Urteil vom 14.05.1962 – III ZR 39/​61, LM § 839 (D) BGB Nr. 18 Bl. 2 11[↩]

References: § 91
 § 3
 § 91
 § 91
 § 91
 § 91
 § 87
 § 91
 § 94
 § 93
 § 94
 § 91
 § 91
 § 94
 § 3
 § 3
 § 3
 § 91
 § 85
 § 3
 § 94
 § 839