Source: http://stempelpapier.de/moreu6pc.html
Timestamp: 2018-01-17 01:04:23+00:00

Document:
von Wolfgang Morscheck, Bad Säckingen und Sigmar Radau, Berlin
Das Siegelpapier wurde in den Markgrafschaften Baden-Durlach schon im Jahr 1628 eingeführt und es ist dies fast eine Kopie der Holländischen Stempelsteuer von 1624. Es wurde ein kleines Oblatensiegel dem Dokument beigedrückt und ein großes Siegel der Urkunde in einer Kapselrolle angehängt.
Aber die eigentliche Stempelsteuer mit einem Kleinen Siegel/der kleinen Stempelmarke, wurde dann erst 1692 in der Markgrafschaft Baden-Durlach eingeführt, und die verwandte Markgrafschaft Baden-Baden führte die Stempelmarke gar erst 1742 ein. Ob es in der Markgrafschaft Baden-Baden auch eine Siegelsteuer gegeben hat, konnte ich noch nicht nachweisen, denn bisher sind keine Siegelpapiere aus diesem Gebiet aufgetaucht.
Anmerkung: Siehe auch: Der Stempelpapier- Impost aus den Markgrafschaften Baden-Baden und Baden- Durlach bis 1771, beider Markgrafschaften, Kurbaden und dem Großherzogtum Baden bis zum Übergang ins Deutsche Reich, von Wolfgang Morscheck, 79713 Bad Säckingen, Schillerstrasse 61. Mit 2004 der ersten Version, 2005 der zweiten Version und 2009 der dritten Version.
Woran liegt das nun, dass wir bis heute kaum Kartenspiele und Kartenstempel aus dem Großherzogtum Baden auffinden konnten?
Oder gibt es gar in Sammlerhänden das eine oder andere Exemplar badischer Spielkarten, ohne dass die interessierte Öffentlichkeit es je erfahren durfte?
Die Stempelsteuer auf Spielkarten wurde im gemeinsamen Baden und - gemessen an den anderen Ländern der Altdeutschen Staaten - eigentlich erst recht spät, nämlich mit der Verordnung von 1817, also erst nach Napoleon, eingeführt und dann auch erst ab 2ten Januar 1818 in Vollzug gesetzt.
Anmerkung: Es war damals Usus aller Staaten, solche Steuer- Edikte um die Jahreswende einzuführen, weil das Volk über die Feiertage gewöhnlich keine Zeit hatte, um sich um solche Anschläge und Aushänge zu kümmern: Draußen war es kalt und das Neujahr sollte gebührend gefeiert werden. Also waren Unruhen und Revolten im Volk von vornherein eher unwahrscheinlich!
Wir können im Folgenden nur eine Abbildung einer Spielkarte mit einer Stempel­steuermarke aufzeigen, aus der Sammlung Sigmar Radau, Berlin.
Dabei nehme ich an, dass wohl vermehrt mit ungestempelten Spielkarten gespielt wurde, zumal die Grenzen nach Frankreich, nach Württemberg oder nach der Eidgenossenschaft hin löchrig waren wie ein Schweizer Käse, und ein Einfuhrverbot für Spielkarten hatte es vorher wohl nicht gegeben, wieso auch?
Ob es eine oder mehrere Spielkarten-Fabrik in den badischen Landesteilen gegeben hat, wird im Anhang näher erläutert!
So kamen ganz sicher fremde, unversteuerte Karten en masse ins Land. Und wer sollte auf dem Dorf im Hotzenwald, in der Kinzigau oder gar im Schwarzwald kontrollieren, ob da bei den Hinterwäldlern oder dort droben bei den Salpeterern mit steuerlich gestempelten Karten gespielt wurde.
Sicher waren die im Edikt angedrohten Strafen rigide wie überall woanders bei Spielkarten- Edikten auch. Und auch das Anschmieren von Personen, die diese Stempelsteuer hinterzogen, versprach dem Anschmierer einen nicht unbeträchtliche Anteil an der Summe des Steuer- Eintreiber Erlöses.
Bei meiner Forschungstätigkeit bezüglich Baden insgesamt, aber auch für die Markgrafschaft Baden- Baden, war tatsächlich jedes zweite Dokument ungestempelt. Mir sind diverse Verträge, Urkunden, Dokumente, Zeitungen, Zollbelege und jede Menge anderweitige Steuerpapiere in die Hände gefallen, die einfach nicht steuerlich gestempelt worden waren. Das fiel mir auch für das Fürstentum Fürstenberg auf, nachdem dieses als Standesherrschaft an das Großherzogtum Baden gekommen war.
So werden insbesondere diese steuerlich gestempelten badischen Spielkarten große Raritäten bleiben! Solch gestempeltes Papier wird wohl nur noch in den Archiven aufzufinden sein, zumal die Laufzeit der Stempelsteuer auf Spielkarten im Großherzogthum Baden nur für eine relativ kurze Zeit galt.
1771 beerbte Baden-Durlach, das sich zum Musterstaat des aufgeklärten Absolutismus entwickelt hatte, Baden-Baden. Um 1785 umfasste das gemeinsame Haus Baden, das um 1780 mit Argenschwang und einem Teil Weilers auch Mitglied des Kantons Niederrheinstrom des Ritterkreises Rhein und außerdem des Kantons Odenwald des Ritterkreises Franken war - 3500 Quadratkilometer mit etwa 190.000 Einwohnern. 1796 verlor es seine linksrheinischen Gebiete an Frankreich (Amt Rhodt bei Landau (Baden-Durlach), Herrschaft Beinheim im Unterelsaß, Amt Gräfenstein bei Pirmasens, Herrschaften Hesperingen und Rodemachern in Luxemburg und Teile der Grafschaft Sponheim im Hunsrück).
Um 1800 umfasste die Markgrafschaft Baden ein Gebiet von 27 Quadratmeilen. Am 15. 2. 1803 wurde das Haus Baden durch § 5 des Reichsdeputationshauptschlus­ses zum Kurfürstentum erhoben und durch die rechtsrheinischen Teile der Pfalz (Heidelberg, Mannheim, Ladenburg, Bretten) und die Hochstifte Konstanz, Basel (teilweise), Straßburg (teilweise), Speyer (teilweise), die Hanau-Lichtenbergischen bzw. Hessen-Darmstädtischen Ämter Lichtenau und Willstätt, die Nassau-Usingische Herrschaft Lahr, die Reichsabteien Petershausen, Gengenbach, Odenheim und Salem (ohne Ostrach), die Reichsstädte Offenburg, Pfullendorf, Gengenbach, Biberach (1806 an Württemberg), Zell am Harmersbach, Überlingen, Wimpfen (später an Hes­sen), das Reichstal Harmersbach und die Klöster Schwarzach, Frauenalb, Allerheili­gen, Lichtental, Ettenheimmünster, Öhringen und Reichenau sowie kleinere Güter entschädigt, wodurch sich sein Umfang auf 7200 Quadratkilometer mit 445000 Einwohnern vermehrte.
Abb. 1	Markgrafschaft Baden-Durlach um 1770
Abb. 2	Markgrafschaft Baden-Baden um 1770
1805 erwarb es vom Herzog von Modena/Österreich den größten Teil des Breisgaues (eigentlich die Reste Vorderösterreichs diesseits des Rheinstromes mit dem Reichsstift Sankt Blasien, den vier Waldstädten Waldshut, Laufenburg, Säckingen und Rheinfelden, die Herrschaft Hauenstein, das Schloss Beuggen vom Deutschorden in Basel u.v.a.m.), die Ortenau, die Baar mit Villingen, die Stadt Konstanz und die Kommende Mainau des Deutschen Ordens mit insgeamt 2530 Quadratkilometern und 160000 Einwohnern.
Durch den Beitritt zum Rheinbund 1806 wurde es Großherzogtum und erhielt die Fürstentümer Fürstenberg, Leiningen, Salm-Krautheim, die Landgrafschaft Klettgau, die Reichsgrafschaft Bonndorf, das Johanniterpriorat Heitersheim, die südlich des Mains gelegenen Teile der Fürstentümer Wertheim und die eingeschlossenen Güter der Reichsritterschaft.
1806 wurden einige Gebietsänderungen mit Württemberg vereinbart. 1810 erhielt das Großherzogtum Baden die seit 1805 württembergische Landgraf­schaft Nellenburg und obere Grafschaft Hohenberg gegen Randgebiete im Schwarzwald (an Württemberg) und Amorbach (an Hessen-Darmstadt). Damit umfasste es etwa 15000 Quadratkilometer mit ungefähr 975.000 Einwohnern. 1810 übernahm Baden den Code Napoleon in der Form des Badischen Landrechts aber auch die Na­poleonischen Steuereinnahmen wurden gerne mit übernommen.
1818 erhielt es eine Verfassung (konstitutionelle Monarchie). Zugleich musste es an Bayern das Amt Steinfeld (bis 1810 Rotenfels) im Mainkreis und Tauberkreis und Teile Leiningens abtreten, erhielt aber von Österreich das Fürstentum von der Leyen.
1819 konnte es die Herrschaft Hohengeroldseck erwerben. 1830 wurde der Abkömmling Leopold des Großherzogs Karl Friedrich von Baden mit Luise Geyer von Geyersberg (seit 1796 Reichsgräfin von Hochberg) Großherzog in Baden, das allmählich zum liberalen „Musterländle“ wurde.
1870 trat Baden in den Norddeutschen Bund bzw. das Deutsche Reich ein. Schon die Vereinigung von und Baden-Durlach hatte an die Staatsverwaltung hohe Anforderungen gestellt. Noch schwieriger war es, zahllose kleine Gebietsteile zu einem lebensfähigen Staate zu verbinden, zumal unter den Untertanen ein Drittel Baden-Baden der Bevölkerung unter den unzufriedenen entthronten Fürsten (sog. Standesherr- schaften) stand. 13 Organisationsedikte und sieben Konstitutionsedikte ab 1806 sollten die Staatseinheit herbeiführen.
Sehr verschieden war der Steuerfuß in der Markgrafschaft Baden-Baden und Baden-Durlach; verschieden in den oberen und unteren durlachischen Landen; im Fürstenbergischen war der Steuerfuß so ungleich, dass man bald nach der Besitznahme eine provisorische Steuer-Ausgleichung veranstalten mußte; in den fürstlich und gräflich Leiningischen-, Salm-Krautheimischen- und Löwenstein-Wertheimi­schen Landen war der Pfälzische,- Mainzische,- Würzburgische und Wertheimische Steuerfuß gültig.
Es folgte dann 1807 die sogenannte „Tax-, Sporteln- und Stempel-Ordnung“ für das Großherzogtum Baden, mit Einschluss aller Hoheitslande, die immer wieder in jährlichen Abständen modifiziert worden war, auch, weil das endgültige Staatsgebilde Baden ja noch bis in das Jahr 1819 hinein, noch immer nicht völlig abgeschlossen war. Und erst im Jahre 1817/1818, gegenüber anderen Ländern eigentlich sehr spät und dabei war Napoleon auch schon längst Geschichte geworden, wird im Großherzogtum Baden die Spielkartensteuer eingeführt, die aber schon 1832 wieder aufgehoben wird.
Wahrscheinlich galt die Stempelsteuer auf Spielkarten im GHZ Baden nur als Bagatellsteuer und brachte nicht die erwarteten Einnahmen, die sich das Finanzamt davon versprochen hatte.
Abb. 3	Das Großherzogtum Baden um 1820
Die Einführung der Stempelsteuer auf Spielkarten im Großherzogtum Baden
Im Großherzoglich-Badischen Staats- und Regierungsblatt vom 25. November 1817 findet sich folgende Veröffentlichung
(Aus: Großherzoglich-Badisches Staats- und Regierungsblatt, 12ter Jahrgang No. 1 – 22, S. 111. „Carlsruhe, den 25. November 1817“):
Abb. 4	Spielkartensteueredikt Großherzogtum Baden, 1817
In der Transkription lautet der Text:
„Großherzoglich-Badisches Staats- und Regierungsblatt.
Carlsruhe, den 25. November 1817.
Wir Carl von Gottes Gnaden, Großherzog zu Baden, Herzog zu Zähringen, Landgraf zu Nellenburg, Graf zu Hanau.
Haben Uns gnädigst bewogen gefunden, den in verschiedenen Theilen Unserer Lande bereits bestehenden Spielkarten=Stempel vom ersten Jänner künftigen Jahres an mit
Zwölf Kreuzer für jedes Spiel Tarock; und
Sechs Kreuzer für jedes Spiel anderer Karten in Unserem Großherzogthum festzusetzen, und den Betrag zu milden Zwecken zu verwenden.
Unser Finanz Ministerium ist mit dem Vollzug dieser Verordnung beauftragt.
Carlsruhe, den 6ten October 1817.	Carl.“
Im Anschluss daran finden sich noch Erläuterungen für die Durchführung.
„(Nähere Bestimmung, den Vollzug des eben erwähnten höchsten Edikts betreffend.)
Unter Bezug auf das höchste Edict vom 6ten Oct. 1817. die allgemeine Einführung des Spielkarten Stempels betreffend, wird hiermit zu dessen Vollzug folgendes angeordnet:
§. 1.	Die Stempelung der Spielkarten soll in jedem Kreisbezirk von dem Ober=Polizey= und Zoll Inspector, oder bey dessen Verhinderung von einem durch ihn dazu zu beauftragenden Bezirks Inspector, an einem bestimmten Tage in jedem Monat in der Wohnung der Amtskassen Verrechnung des Kreis Sitzes, oder der dem Wohnort des Ober=Inspectors zunächst gelegenen Amtskassen Verrechnung vorgenommen werden. Der Stempel wird dem Herz=Aß jeden Spiels aufgedruckt.
§. 2.	Die Spielkartenfabrikanten, soweit solche ihre Fabrikate en detail im Lande absetzen, und sämtliche Handelsleute und Krämer, deren ganzer jeweiliger Spielkartenvorrath, als für das Innland bestimmt anzusehen ist, sind schuldig bey Strafe der Erlegung des Stempelbetrags neben einer Geldbuse von zehen Reichsthalern, welche rücksichtlich der Fabrikanten nach Umständen bis auf Einhundert Reichsthaler zu erhöhen ist, ihre Spielkartenvorräthe, gleichviel, ob solche im Innland oder Ausland fabriziert, und letztern Falls einen ausländischen Stempel bereits erhalten haben, oder nicht, am 2ten Januar 1818, so wie die Vorräthe, welche sie sich künftig anschaffen, an dem von der Oberinspection und der Amtskassen Verrechnung bestimmten Tag in jedem Monat dieser beyden Stellen in eigenen Kosten zur Stempelung diejenigen Spielkarten vorgelegt werden, welche den alten Stempel bereits erhalten haben, und denen der neue Stempel, jedoch ohne Taxansatz beyzudrucken ist.
§. 3.	Wenn in Wirthshäusern, wo mit polizeylicher Erlaubniß das Kartenspiel getrieben werden darf, mit ungestempelten Karten gespielt wird, so ist der Wirth in jedem Uebertretungsfall um zehen Reichthaler zu strafen.
§. 4.	Das gesammte Aufsichtspersonale soll mit Abdrücken von dem Stempel versehen, und zu öftern Visitationen bey den Spielkartenverkäufern, auch zur genauen Aufsicht in den Gasthöfen und Wirthshäusern angewiesen werden.
Dasselbe hat in Anzeigefällen 1/3tel der Strafe als Anzeigsgebühr zu fordern.
§. 5.	Ueber die weiteren Verhandlung und Kontroll wird den Kreisdirectorien besondere Weisung zukommen.
§. 6.	Alle bisherige den Spielkarten Stempel betreffenden Verordnungen, so weit solche gegenwärtiger Verfügung entgegenlaufen, sind aufgehoben. Carlsruhe, den 11ten November 1817.“
Unterschrieben sind die Erläuterungen vom „Großherzoglich Badisches Finanz=Ministerium.“, gezeichnet von „Volz und Vdt Hugo.“
Der letzte Satz im §. 6. lautet: „Alle bisherige den Spielkarten-Stempel betreffende Verordnungen, so weit solche gegenwärtiger Verfügung entgegenlaufen, sind aufgehoben." Sollten schon vorher Verordnungen zur Spielkartensteuer im neuen Staatsgebilde GHZ Baden, oder etwa in den Markgrafschaften in Vollzug gewesen sein?
Oder bezieht sich diese Anmerkung auf eventuell noch in Vollzug stehende Spielkarten-Steuergesetze in einigen der erst an Baden gekommenen Länder?
(An Baden kamen im Jahr 1817 das Herzogtum von der Leyen und noch im Jahr 1818 die Herrschaft Hohengeroldseck!)
In diesem Falle scheint sich diese Bemerkung aber nicht auf die erst 1817/18 erworbenen Gebiete, sondern um die Erwerbungen 1803 und bei der Erhöhung durch Napoleon zum Großherzogtum zu handeln. Gräbt man ein wenig tiefer, findet man auch Belege dafür, dass es schon vorher in beiden Landesteilen also in der Markgrafschaft Baden-Baden und in der Markgrafschaft Baden-Durlach eine Spielkartensteuer gegeben hat.
In der Markgrafschaft Baden Durlach war diese bereits seit 1757 in Kraft.
Abb. 5	Aktentitel GLA Karlsruhe, Abt. 237/1804
Generallandesarchiv Karlsruhe, [künftig GLA Karlsruhe]: G.L.A. 74, No. 9088,„Baaden Durlach. Die Verordnung wegen des Stämpfelns der Charten betrl. 1757. 1802“. Siehe auch GLA Karlsruhe, Abt. 237/1804: „Die Einführung der gestempelten Karten, und dem darauf gelegten, dem Pforzheimer Waisenhaus zuerkannten Tax.“.
Augenscheinlich gab es aber für diese Verordnungen keine gesetzlich gedruckten Exemplare. Es finden sich aber Angaben in der Literatur, die Angaben sind aus Karlsruher, Rastatter und anderen Wochenblättern oder Zeitungen zusammenge­tragen worden. Zusammenfassend wird dort berichtet
[Im folgenden entnommen aus: Ohne Autor: Wesentlicher Inhalt des beträchtlichen Theils der neuen Hochfürstlich- Markgräflich-Badischen Gesetzgebung oder alphabetischer Auszug aus den Carlsruher und Rastatter Wochenblättern befindlichen, auch mehrern andern dazu gehörigen, noch nicht gedruckten Hochfürstlich-Markgräflich-Badischen Verordnungen. Carlsruhe 1782 (künftig: Nicht gedruckte Verordnungen), Bd. I., S. 332.)]
§ 1.	Alle sowohl bey Hof, als sonst im ganzen Lande gebraucht werdende Karten, sollen mit einem Schwarz abzudruckenden Stempfel, die Tarockkarte zu 12 kr, auf die rechte Seite des Bagads, ein anderes Spiel Karten aber zu 6 Kr. auf das Pique As, von einer in Pflichten stehenden Person, allenfalls dem Landcommissarios, oder Zollinspector gestempfelt, der Tax sogleich bey der Stempfelung eingezogen, und die Gelder der Waisenhaus Verrechnung, gegen Quittung überliefert, die ungestempfelten Karten als Contrebande angesehen, und deren Verkäuffer, oder die welche damit spielen, um 10 Rchsthlr. wovon dem Anbringer der dritte Theil zuzueignen ist, gestraft werden.
v. V. v. 3. Jan. 1757	C. W. B. von 1757. No. 4
§ 2.	Im Baden-Badischen Landesantheil, sollen zu Vermeidung des, dem Badischen weltlichen Wittwenfiscus sonst zugehenden Nachtheils, keine andere als mit dem Baden-Badischen Stempel versehene Karten gebraucht, und die Uebertretter zu gebührender Strafe gezogen werden.
v. V. v. 20. May 1778	A. W. B. von 1778. No. 27
§ 3.	Darauf soll genau gehalten, mithin auch keine mit dem Durlachischen Stempel versehene in solchem Badischen Landestheil gebraucht werden.
v. V. v. 15. Dec. 1781	A. W. B. v 1782“
Schon in §. 2. wird überraschend auch von einer Spielkartensteuer in der Markgrafschaft Baden-Baden berichtet, von der bisher nichts bekannt war. Die Gebührenhöhe ist nicht angegeben, aber man kann wohl davon ausgehen, dass sie gleich hoch war, wie in Baden-Durlach, denn zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (20. Mai 1778) lag der Zusammenschluss schon sieben Jahre zurück (1771). Mit aller Vorsicht könnte man das Jahr 1778 als das Jahr für die Einführung der Spielkartenstempelsteuer in der Markgrafschaft Baden-Baden ansehen.
Zweitens ist bemerkenswert, dass 1782 ausdrücklich betont wird, dass die gestempelten Karten nicht im jeweils anderen Landesteil benutzt werden dürfen.
Im zweiten Band dieses Werkes wird fortgesetzt (Nicht gedruckte Verordnungen, Bd. II., S. Bd. II., S. 268, „Karten“..):
"§ 4.	Im ganzen Land soll mit keinen andern als mit gestempfelten Karten gespielt werden.
V. v. 25. Febr. 1794	W. B. v. 7.1794. N. 12
V. v. 3. Febr. 1795	W. B. v. 7.1795. No. 12
§ 5. In dem ganzen Land soll weder im öffentlichen noch in Privathäußern mit andern, als mit dem herrschaftlichen Stempel versehenen Karten gespielt werden, bey Strafe von zehen Reichsthaler für die Spielende sowohl als für die Wirthe, es mögen diese die Karten hergegeben, oder die Gäste dieselben mitgebracht haben.
v. v. 22. May 1795	W. B. v. J. 1795. N. 25
§ 6. In Erhaltung der im Baden-Durlachischen dem Waisenhaus zu Pforzheim und in den Badenbadischen dem Witwenfiskus zugehörigen Karten­stempfelgebühr, sollen die Beamtungen den Befehl, mit keinen andern als gestempfelten Karten zu spielen und zwar in den Städten mittelst Ausschellens erneueren, auch durch die Gerichtsdiener, Zoll-Inspectors und Hatschiers, welchen ein Drittel der sowohl von dem Wirth als von den Spielenden zu erlegenden Strafe von fünfzehn Gulden als Rüggebühr zuzuscheiden, in den Wirtshäußem öfters visitiren lassen.
V. v. 7. Juny 1797.	W. B. v. /. 1797. N. 26."
Aus dem Band II. erfahren wir, dass in Baden–Durlach die Einnahmen aus der Spielkartensteuer für das Waisenhaus zu Pforzheim und in Baden-Baden für eine Witwenkasse, also durchaus sozialen Einrichtungen, zur Verfügung gestellt werden.
Abb. 6	Wappen, Großherzogtum Baden
In den „Regalien”, siehe Abb. 7 unten, finden sich dann Abdrücke der „alten“ Spielkartenstempel. Beschriftet ist das Blatt über den Stempelabdrucken wie folgt:
„Durlach, den 17ten Januar 1818.
Das Grosherzoglich Badische Directorium des Pfinz= und Enz=Kreises sendet Einem hohen Finanz Ministerium die von der Irrenhaus und der Domainen Verwaltung Karlsruhe eingesandten alte Kartenstempel gehorsamst ein.“
Abb. 7	Gesamtabbildung der „alten Kartenstempel“, GLA Karlsruhe, Abt. 237/1804
Es sind fünf Stempelpaare abgebildet, eine Ordnung ist bei der Gesamtabbildung nicht erkennbar, es wird anschließend versucht diese „alten Kartenstempel“ zuzuordnen. Zum Vergleich dazu wird in Abbildung 6 oben das Wappen des Großherzogtums Baden gezeigt.
Die früheren Stempel, von denen drei Paar abgebildet sind, zeigen das mit einem Fürstenhut gekrönte badische Wappen, das seitlich mit einem Lorbeerzweig verziert ist. Vermutlich waren diese Stempel nicht von der Einführung an in Gebrauch, sondern erst ab 1803, also nach der Konstitution von Baden als Kurfürstentum (Das Kurfürstentum Baden entstand am 27. April 1803 mit dem Inkrafttreten des Reichsdeputationshauptschlusses aus der vorherigen Markgrafschaft Baden).
Abb. 7 a	Drei Stempelpaare mit Lorbeerzweig, vermutlich Kurbaden (1803-1806)
Diese Stempel sind in der Form eher leicht oval und wurden in den zwei Wert­stufen „6 K“ und „12 K“ in Schwarz aufgedruckt. Die drei Stempelpaare unter­scheiden sich nicht wesentlich, der Durchmesser beträgt 20 bzw. 22 mm.
Abb. 7 b	Stempelpaar, vermutlich Großherzogtum Baden ab 1816 bis 1818
Diese Kartenstempel ähneln sehr stark dem in Abbildung 6 gezeigten gekrönten Wappen des Großherzogtums, deshalb wird angenommen, dass es sich hier um den „alten“ Stempel aus der Zeit des Großherzogtums Baden vor 1818 handelt. Auch diese Stempel sind oval und mit einem Doppelrand versehen wurden in den zwei Wertstufen „6 K“ und „12 K“ in Schwarz aufgedruckt.
Abb. 7 c	Stempelpaar, vermutlich Zeitungsstempel, des Großher­zogtums Baden
Ein drittes sehr viel größeres Stempelpaar (24 x 28 mm) ist zusätzlich abgebildet.
Dabei handelt es sich vermutlich sich um den (B.)adischen (Z.)eitungsstempel, der eventuell alternativ in einem Landesteil vom GHZ Baden für den Abschlag auf Spielkarten benutzt worden war? Soviel bisher bekannt geworden ist, ist der Badische Zeitungsstempel nicht in Vollzug gekommen.
Vergleicht man die hier gezeigten Kartenstempel mit badischen Papierstempeln, ergibt sich große Ähnlichkeit.
Der farblos geprägte N 2 zu 6 Kreuzer umkränzt und mit dem „Fürstenhut“ ist aus den Landesteilen Baden Durlachs und dieser Stempel ist seit 1714 in Gebrauch und wurde bis zum gemeinsamen Baden benutzt, aber war auch noch darüber hinaus noch in Verwendung, aber nur selten.
Der farblos geprägte N 3 über 15 Kreuzer mit die­sem verschnörkelten Wappenschild, war auch vorher schon in den Landesteilen Baden- Durlach und später im gemeinsamen Baden in Gebrauch, es handelt sich dabei um Aufbrauchpapiere die ab und an sogar noch bis 1813 Verwendung fanden.
Der 15 Kreuzer Nasstempel in schwarz ist der aus dem GHZ Baden mit der Großherzogskrone und der wurde eindeutig neu geschnitten, er kommt in der Sammlung Morscheck vor 1806 nicht vor.
Demnach können sogar die umkränzten Spielkartenstempel mit dem dort genannten „Churhut“ (Fürstenhut) sogar von Anfang an in Baden-Durlach Vollzug gewesen sein! Die Baden-Badener Steuerstempel vom Stempelpapier sehen ganz anders aus nur die Chaussee, Accise und Zollstempel waren den Durlachern ähnlich!
Aus den anschließend genannten Unterlagen geht hervor, dass auch für weitere hinzugekommene Landesteilen eine dort vorhandene Spielkartensteuer, weiterhin Bestand hatte.
Der zweite Fall betrifft die Gebiete der rechtsrheinischen Kurpfalz [Die rechtsrheinischen Gebiete, einschließlich der Städte Heidelberg, Mannheim, Schwetzingen und Weinheim, wurden überwiegend dem gleichzeitig zum Großherzogtum aufgewerteten Baden zugeschlagen].
In der Kurpfalz wurde die Spielkartensteuer wohl 1735 eingeführt [Siehe GLA Karlsruhe, G.L.A. 77, No. 6172, „Impost auf die Karten“. Auch darüber wird an anderer Stelle berichtet].
Eine letzte Erwähnung vor der Eingliederung nach Baden erfolgt am 18. September 1801 in der Mannheimer Zeitung [Mannheimer Zeitung, Nr. 258. „Mittwoch, den 28. Weinmonat (Oktober) 1801“].
Dann folgen weitere „Provinzial Verordnungen der badischen Pfalzgrafschaft“ bereits im Jahre 1805 [Provinzialblatt der badischen Pfalzgrafschaft für das Jahr 1805, Nro 14. Mittwochs den 3ten April 1805, S. 98. Ich danke Jürgen Platz, Ladenburg für diese Mitteilungen aus Mannheim].
„Provinzial-Verordnungen den Kartenstempel betreffend
Die unterm 30ten Oktober 1801 erlassene Verordnung in Anschauung der Spielkarten, wird andurch erneuert und befohlen, daß der Gebrauch aller fremder und inner Landes gefertigter Spielkarten, wenn solche nicht ordnungsmäßig gestempelt werden, bei Konfiskation und einer Geldstrafe von 10 Rthlr verboten bleiben solle. Dem dahiesigen Publikum wird solches andurch mit dem Anhang bekannt gemacht, die etwa noch vorräthig habende fremde und einheimische Karten unverzüglich stempeln zu lassen, und sich diesfalls bei der Zuchthausverwaltung innerhalb 4 Wochen zu melden, im Betretungsfalle aber und bei Entdeckung des Gebrauchs ungestempelter Karten die Realisierung der bedrohten Strafe zu gewärtigen.	Mannheim den 27ten März 1805.
Kurf. Hofrath der badischen Pfalzgrafschaft.“
Diese textlich dem Gesetz von 1817 recht ähnliche Anordnung wird mehrfach ergänzt in den folgenden Jahren wiederholt und findet noch 1805 die folgende Veröffentlichung [Provinzialblatt der badischen Pfalzgrafschaft Nro 21. Mittwochs den 22ten Mai 1805, S. 154, „Provinzial-Verordnungen. c) Verkauf der Spielkarten“].
Eindeutig ist, dass dieses „Spielkartesteuergesetz“ nur für die Pfalzgrafschaft Geltung hat.
„Da ungeachtet des bestehenden Verbothes der ungestempelten Spielkarten, gleichwohl ein häufiger Gebrauch derselben, besonders auf dem Lande wahr­zunehmen ist, so wird hierdurch die, in Beziehung auf dahiesiges Publikum unterm 27ten März abhin erlaßen, und im Provinzialblatt vom 3ten v. M. N. 14. Bekannt gemachte Verordnung, nunmehr auf die Stadt Heidelberg und gesamte Aemter der Pfalzgrafschaft ausgedehnt, und hierdurch der Gebrauch aller Fremden und inner Landes gefertigten Spielkarten, wenn solche nicht vorher Verordnungsmäßig gestempelt worden, bei Konfiskation und einer Geldstrafe von 10 Rthlr allgemein dergestalt verbothen, daß die Vorräthige ungestempelte fremde, wie einheimische Karten unverzüglich zu stempeln seien, und man sich desfalls bei der dahiesigen Zuchthausverwaltung zu melden, im Vertretungsfa­le aber, und bei Entdeckung des Gebrauches ungestempelter Karten, die Realisirung der bedrohten Strafe zu gewärtigen habe. Sämtliche Aemter und Stadträthe werden daher angewiesen, auf Beobachtung dieser Verordnung mit Nachdruck zu wachen.	Mannheim den 13ten Mai 1805.
Kurfürstliche Hofrath der badischen Pfalzgrafschaft“
Am umfangsreichsten ist der Eintrag 1815, der aber deutlich zeigt, dass es im Großherzogtum Baden in verschiedenen Landesteilen, eine unterschiedliche Regelung bestand, die erst durch das Gesetz 1817 vereinheitlicht wurde [Großherzoglich badisches Anzeigeblatt für den Neckar- und Main- und Tauberkreis N°. 10. Samstags den 4ten Februar 1815. „Verordnungen Direktion des Neckarkreises, (Nr. 2184)“].
„Man hat gelegentlich der neuerdings zur Anzeige gekommenen Uebertretungen des Verboths ungestempelter Spielkarten zu bemerken gehabt, daß die An­wendung der in den Jahren 1805. 1806 u. 1808 erlaßenen Verordnungen, theils in der Verschiedenheit für die vormals pfälzischen und vormals Bruchsalischen Orte erforderlichen Mannheimer oder Bruchsaler Stempels, theils in den erst nach der Publikation dieser Vorschriften erweiterten Umfange des Kreises, der darauf erfolgten Organisation der Aemter und den Wechsel der Beamten Hin­dernisse gefunden hatte, zu deren Beseitigung nach nunmehr eingelangter hoher Ministerial-Entschließung die theils schon bestehende Verordnung in folgendem erneuert wird.
a) Der Besitz und der Gebrauch ungestempelter Karten ist bei der Konfiska­tion und einer Geldstrafe von zehn Reichsthalern verbothen.
b) Im ganzen Umfang des Neckarkreises ohne Rücksicht zu welchem ehemaligen Landesantheil die Orte gehören, gilt nur ein Stempel, nämlich der, womit bei der Zuchthausverwaltung Mannheim gestempelt wird.
c) Der Verkauf ungestempelter oder nicht in Mannheim gestempelter Karten en detail ist eben so bei Konfiskation und obiger Geldstrafe verbothen, so zwar, daß alles was unter Einem Duzend selbst außer Landes verkauft wird, gestempelt seyen muß.
d) Eine Folge hiervon ist, daß Kaufleute in ihren Läden ungestempelte oder z.B. in Bruchsal oder sonstwo gestempelte Spielkarten gar nicht, aber auch in ihren Häusern und Magazinen nicht in angebrochenem Duzend oder Halbduzend Pakets, halten dürfe weshalb in den Läden von Zeit zu Zeit, bei sich ergebendem Verdachte aber auch in ihren Wohnungen Visitationen angestellt werden sollen.
e) Wenn in Privathäusern mit ungestempelten Karten gespielt wird, so tritt außer der Konfiskation die Geldstrafe von 10 Reichsthalern den Bewohner des Hauses, in Wirthshäusern den Wirth und zwar den Wirth allein, wenn er die Karten hergibt, wenn die Gäste aber die Karten mitgebracht haben, den Wirth zur Hälfte, und denjenigen der die ungestempelte Karte mitgebracht hat, zur anderen Hälfte.
f) Dem Denunzianten wird hiermit ein Drittheil der Geldstrafe von jedem angezeigten Falle zugesichert; und
g) die übrigen zwei Drittheil sind an die Carl-Borromäus-Hospital-Verwaltung in Mannheim einzuschicken und jedesmal die Anzeige hierher zu erstatten.
Sämmtliche Amts- Polizei- und Zolldiener sind zur sorgfältigen Aufsicht auf die Handhabung dieser Verordnung anzuweisen, und auf erfolgende Anzeigen ist hiernach zu verfahren.	Mannheim den 31 ten Jäner 1815“.
Abb. 9	Spielkartensteuerstempel, GLA Karlsruhe, Abt. 237/1804, „Karlsruhe den 23. Dez. 1817
Finanz- Ministerial Kanzley“.
Abb. 10	Kartenspiel mit französischen Farben, FrankfurterBild, unbekannter Hersteller um 1825,
Lithografie koloriert, 88 x 60 mm, 32 von 52 Blatt, Slg. Radau
Hier wird eindeutig angegeben, dass nicht nur die Rheinpfalz eine eigene Gesetzgebung und hatte, sondern auch Bruchsal. Bruchsal gehörte vormals zum Bistum Speyer, dort befand sich die Sommerresidenz der Bischöfe, also ganz in der Nähe von Karlsruhe, deshalb die gesonderte Erwähnung einer eigenen gesonderten Spielkartensteuer Gesetzgebung. Das Gebiet der Stadt Bruchsal gehörte schon seit dem Mittelalter sowohl politisch als auch kirchlich zum Bistum Speyer und war dem Archidiakonat der Propstei des Kollegiatstiftes zum heiligen Johannes und heiligen Guido in Speyer unterstellt. Die Reformation konnte somit kaum Fuß fassen und wurde schließlich durch den Bischof unterdrückt. Schon sehr früh wurde Bruchsal Sitz eines Dekanats. 1716 wurde sie sogar Sitz des gesamten Fürstbistums, als Bischof Heinrich von Rollingen, ins Bruchsaler Schloss übersiedelte und damit Bruchsal Residenzstadt wurde. Als das Fürstbistum 1803 säkularisiert wurde, blieb Bruchsal aber noch Sitz des geistlichen Territoriums bis zum Tode des Bischofs 1810. Dann wurde Bruchsal Sitz des Generalvikariats Bruchsal, das für das gesamte rechtsrheinische Gebiet der ehemaligen Fürstbistümer Speyer, Mainz und Worms zuständig war. 1821 wurde dann das Erzbistum Freiburg als neues Bistum für das Großherzogtum Baden gegründet und 1827 nahm der erste Erzbischof sein Amt auf. Seither gehörte Bruchsal mit seinem gesamten Umland zu diesem Erzbistum und wurde erneut Sitz eines Dekanats.
Abb. 11	Bruchsaler Wegegeld
Sogar das Bruchsaler Wegegeld in Großherzogtums Zeiten von Baden wurde immer noch mit einem Bischofshut und Kreuz gekennzeichnet! Da hat der Großherzog Friedrich aber die Standesherren über Jahre mit Samthandschuhen angefasst und ganz anders als in Württemberg, der dicke Friedrich schwang gleich die dicke Keule!
Aber zurück zur Spielkartensteuergesetzgebung im Großherzogtum Baden. In der erwähnten Akte sind sämtliche Muster-Stempelabdrücke der „neuen Spielkarten- Stempel“ für die einzelnen Kreise abgeschlagen worden (Abb. 9). Diese wurden dann an die einzelnen Verwaltungskreise versendet und zwar - wie hier zu lesen ist - an das „Donau-Kreis Dircetorium 1 Stück“, „Dreysam Kreis Directorium 2 Stück“, „Kinzig Kreis Dirctorium 1 Stück“, „Murg Kreis Dirctorium 1 Stück“ und an das „Pfinz- und Enzkreis Dirctorium 1 Stück“. Die Stempelabbildungen sind aber alle gleich und ohne jede Gebührenangabe.
Dieser Aktenfund mit den Stempelabdrücken ist ungewöhnlich und stellt eine große Ausnahme dar. Normalerweise fehlt diese Art von Abbildungen leider immer. So merkwürdig es klingen mag, bisher ist nur ein einziger „gelaufener“ Stempel auf einem Kartenstempel bekannt. Im Anhang werden noch weitere Kartenspiele die sicher in Baden hergestellt wurden vorgestellt. Keines dieser Spiele ist gestempelt.
Dieser bisher einzige Stempel befindet sich auf einem Kartenspiel mit Frankfurter Bild (Abb. 10 oben).
Das Kartenspiel ist in einem recht schlechtem Zustand, stark gedunkelt wohl durch starken Gebrauch. Vergleicht man dieses Kartenbild mit den frühesten bekannten Frankfurter Kartenbildern von Wüst in Frankfurt, stellt man erstaunliche Übereinstimmung fest [Radau, Sigmar: Kartenmacher und Spielkartensteuer im Herzogtum Hanau und im Großherzogtum Frankfurt, Berlin 2011, S. 64].
Das Frankfurter Kartenbild ist eine Befreiungskriegskarte, identifiziert durch die Wappen der vier Siegermächte auf Kreuz- und Herz-König und Pik- und Karo-Dame.
Abb. 11	Ausschnittvergrößerung Kreuz- und Pik-König,
in beiden Fällen der „Orden vom Goldenem Vlies“ deutlich sichtbar.
Leider ist der Hersteller bisher nicht bekannt, aber es handelt sich vermutlich um einen badischen.
Über die Hersteller in Baden zu dieser Zeit, siehe im Anhang.
Abb. 12	Ausschnittvergrößerung Herz-König (Hosenbandorden)
und Pik-Dame (ursprünglich der königlich preußische Louisenorden?).
Hier finden sich noch teilweise diese Wappen (Abb. 11 + 12), z. B. der „Orden vom Goldenem Vlies“ hier zweimal auf Kreuz- und Pik-König. Diese Wappen fehlen zum Beispiel bei dem Steinberger-Spiel aus Frankfurt, datiert um 1820, schon völlig. Dies spricht für eine recht frühe Datierung des Spieles mit dem badischen Stempel.
Immerhin war der Spielkarten- Steuerstempel im Großherzogtum Baden 15 Jahre, nämlich von 1817 bis einschließlich 1831, in Vollzug. Und alle bisher gemachten Angaben von Sammlern, oder auch Behauptungen in der neueren Literatur, in Baden hätte es keine Spielkartensteuer gegeben, sind hiermit von mir widerlegt!
Im Großherzoglichen badischen Staats- und Regierungsblatt, im Dreißigsten Jahrgang, Karlruhe 1832 wird auf S. 18 vom Großherzog Leopold im „Gesetz über die Aufhebung des Kartenstempels“ das Ende des Spielkartensteuer verkündet.
„Leopold von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen.
Mit Zustimmung Unserer getreuen Stände haben Wir beschlossen und verordnet, wie folgt:	Einziger Artikel.
Der Kartenstempel ist, vom 1ten Januar 1832 an aufgehoben.
Den Spielkartenverkäufern wird die entrichtete Stempeltaxe von ihren Vorräthen gegen Vorlegung der gestempelten ungebrauchten Karten zurückbezahlt.
Gegeben zu Carlsruhe, in Unserm Großherzoglichen Staatsministerium, den 31ten December 1831.	Leopold“
Abb. 13	Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungsblatt,
im Dreißigsten Jahrgang, Nro. 1 bis 67. Carlruhe 1832
Wie schon vorher, gibt es auch hier eine zusätzlich Erläuterungen für die Durchführung [Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungsblatt, im Dreißigsten Jahrgang, Nro. 1 bis 67. Carlruhe 1832, S. 66, „Verordnungen. Die Aufhebung des Kartenstempels betreffend“].
„Verordnungen. Die Aufhebung des Kartenstempels betreffend.
Zum Vollzug des Gesetzes vom 31sten December 1831. über die Aufhebung des Kartenstempels, soweit dasselbe den Spielkartenverkäufern die Zurückzahlung der entrichteten Stempeltaxe von ihren ungebrauchten Vorräthen an Karten verheißt, wird verordnet:
1) Die Obereinnehmereien sind ermächtigt, den Spielkartenverkäufern auf Vorlage der mit dem Stempel versehenen ungebrauchten Karten, die nach dem Gesetz vom 6ten October 1817. Regierungsblatt Nro. XXVIII. Bezahlte Taxe
von jedem Spiel Tarock	12 kr.
" " " anderer Karten	6 kr
gegen Bescheinigung zurückzuerstatten.
2)Diese Ermächtigung erlöscht mit dem 15ten Februar d. J.
Die Spielkartenverkäufer, welche sich bis dahin zum Rückempfang der Taxe nicht gemeldet haben, werden dafür angesehen, als hätten sie auf denselben freiwillig verzichtet.
3)Die vorgezeigten gestempelten Karten können von den Eigenthümern am 16ten Februar d. J. bei den Obereinnehmereien wieder abgelangt werden. Bis dahin bleiben sie bei denselben in Verwahrung.
Carlsruhe, den 5ten Januar 1832	Finanzministerium von Böckh“
Eine Frist bis zum 15. Februar gleichen Jahres wurde gnädigerweise noch vom Staat zur Rückgabe von ungebrauchten, aber schon versteuerten Spielkarten und damit zur Rückerstattung der Stempelsteuer gegeben [Die Frist beträgt nur gerade sechs Wochen, das mindert etwas den „guten Eindruck“ der Rückzahlung der Stempeltaxe].
Und erst nach dieser gesetzten Frist ging der Staat Baden davon aus, dass die Besitzer von versteuerten Spielkarten zugunsten des Staates freiwillig auf Rückzahlung der Stempelsteuer verzichtet hätten.
Zum Schluss noch ein Hinweis auf das Missverständnis, dass es im Großherzogtum Baden keine Spielkartensteuer gegeben hat. Im Vorfeld der Entstehung des Deutschen Reiches (Vereinbarungen der Zollvereinsstaaten, ev. auch schon Be­strebungen zur Vereinheitlichung der Spielkartensteuer im Deutschen Reich) wurde vom Königreich Preußen ausgehend 1864 eine Befragung in allen deutschen Staaten nach dem Stand der Spielkartensteuer durchgeführt. Aus dem Großherzogtum Baden kam folgende Auskunft:
„Im Großherzogthum Baden ...
[Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin. GStA PK, I. HA, Rep. 151, Finanzministerium III, Nr. 11304, Blatt 124 ff.]
... ruht auf den Spielkarten keine Stempelabgabe und besteht damit ein völlig freier Handel, wozu sie theils von der im Lande befindlichen Karten=Fabrik in Mannheim, theils aus den Fabriken der Nachbarstaaten bezogen werden. Der Verkaufspreis ist dementsprechend auch billig und zwar vorgestellt, daß Tarokkarten nur mit 18 – 30 xr = 5 Sgr 1,5 pf / 8 Sgr 6,6 pf, Whistkarten mit 14 – 24 xr = 4Sgr / 6 Sgr 10,2 pf, Piquetkarten mit 4 – 7 xr = 1 Sgr 1,5 pf / 2 Sgr pro Spiel bezahlt werden.“
Auf die weitere Frage [GStA PK, I. HA, Rep. 151, Finanzministerium III, Nr. 11304, Blatt 241].
„C. Zusammenstellung der Materialien zur Beurtheilung der Staatseinnahmen von der Besteuerung der Spielkarten in den Zollvereinsstaaten.
I. Fabrikation der Spielkarten.
1. Ist dieselbe Staats Monopol?
2. oder auch Privatpersonen gestattet und unter welchen Bedingungen und Beschränkungen?“
erfolgte eine kurze Antwort:
„Großherzogthum Baden.
die Fabrikation der Spielkarten ist völlig frei gegeben und unterliegen keinerlei Beschränkungen.“
Und weiter: [GStA PK, I. HA, Rep. 151, Finanzministerium III, Nr. 11304, Blatt 247].
„II. Debit der Spielkarten.
1.	Ist derselbe ein Inlands Staats=Monopol?
2.	oder ach Privatpersonen gestattet und unter welchen Bedingungen und Beschränkungen?“
wurde bekannt gegeben:
„Herzogthum Baden.
Der Debit der Spielkarten ist völlig frei gegeben und unterliegt keinerlei Beschränkung.“
Damit waren die Spielkarten im Großherzogtum Baden gegenüber den Nachbarländern sehr preiswert. Gleichzeitig wurde bei dieser Abfrage auch nach den Spielkartenfabriken im Lande gefragt [GStA PK, I. HA, Rep. 151, Finanzministerium III, Nr. 11304, Blatt 134].
- Der Stempelpapier-Impost aus den Markgrafschaften Baden- Baden und Baden Durlach, aus der gemeinsamen Markgrafschaft Baden und aus dem Großherzogtum Baden, von Wolfgang Morscheck, Bad Säckingen aus 2004
- Historischer Atlas von Baden Württemberg
- und die Edikte aus Verordnungssammlungen seiner Zeit.
- Spielkartenarchiv Sigmar Radau, Berlin.
Anhang: Spielkartenfabriken in Baden
Johann Matthäus Backofen, Durlach
Bisher ist über Spielkartenhersteller in diesem Bereich recht wenig bekannt. Bekannt ist Johann Matthäus Backofen, der von 1761 bis 1778 in Durlach als Kartenmacher tätig war. Er war gleichzeitig Hautboist (Oboespieler) in der Kapelle des Markgrafen [Radau, Sigmar: Die Kartenmacherfamilie Backofen in Nürnberg. Studien zur Spielkarte, Nr. 5, Berlin 1997, S. 14 ff.].
Sein Nachfolger in Durlach war der Handelsmann Ludwig Weiser.
Weitere Hinweise über badische Kartenmacher findet man in dem Katalog von Büchler und Schultz [Büchler, Frieder; Schultz, Klaus-Jürgen: Mit offenen Karten. Alte Spielkarten aus dem Augustinermuseum in Freiburg aus Privatsammlungen. Au, Hamburg 2004, S. 182, „2. Spielkartenhersteller in Baden.“]
Johann Martin Krebs, Lörrach
Der bislang früheste Nachweis eines badischen Kartenmachers betrifft J. M. Krebs. Er wurde 1679 in Kirchen (Efringen-Kirchen) in der Nähe Basels auf deutscher Rheinseite geboren und 1745 in Lörrach als Kartenmacher und Bürger erwähnt.
Francois Kechler, Kehl
Über diesen Hersteller ist nur wenig bekannt. Kechler ist um 1784 erwähnt worden. Die Festung Kehl wurde 1698 wieder badisch und gehörte ab 1771 zur Markgrafschaft Baden-Durlach. 1774 wurde der innerhalb der Festung gelegene Gemeinde Kehl durch Markgraf Karl Friedrich von Baden die Stadtrechte verliehen.
Abgebildet ist Münzen-Zwei aus einem Tarock mit italienischen Farben (Besançontarock), beschriftet mit „FAICTES A KEHL BAR FRANCOIS KECHLER“, schablonenkolorierter Holzschnitt, 121 x 64 mm, um 1780, Sammlung Au gustinermuseum Freiburg.
Otteni, Offenburg
Dieser erste in Offenburg namentlich bekannte Kartenmacher arbeitete Ende des 18. Jahrhunderts. Über ihn liegen keine weiteren Erkenntnisse vor, insbesondere ist kein Spiel aus seiner Produktion bekannt.
Von ihm kaufte dann 1805
Joseph Heck, Offenburg
die Kartenfabrik. Über ihn und seinen ortsansässigen Konkurrenten X. A. Gailer liegen umfangreiche Informationen vor, denn im Stadtarchiv der Stadt Offenburg sind diese beiden betreffende Akten heute noch vorhanden. Danach wurde J. Heck 1782 in Karlsruhe geboren und starb 1837 in Offenburg als Kartenmacher und Tapezierer. Das Inventar seiner Kartenfabrik wurde nach seinem Tod am 6. März 1838 versteigert.
X.A. Gailer, Offenburg
Franz Xaver Gailer (der Vorname Franz ist aufgrund der Akten trotz des A. im Druckstock belegt) wurde 1801 in Offenburg geboren. Er war wie Heck „Kartenmacher und Tapezier". Bei der Versteigerung des Nachlasses von J. Heck war er unter den Erwerbern. Bei seinem Tod 1842 hinterließ er wie Heck ein großes Tapetenlager mit hunderten Mustern sowie die Spielkartenfabrik. Seine Witwe behielt die Fabrik, die vorhandenen Kartenspiele wurden allerdings, z.B. an Gastwirte aus der Umgebung, versteigert.
Abgebildet ist Becher-Zwei aus einem Tarock mit italienischen Farben (Besançontarock), beschriftet mit „DIESE UND ALLE SO/RTE KARTEN FAB/X. A. GAILER/IN OFFENBURG“, schablonenkolorierter Holzschnitt, 121 x 64 mm, um 1830, Sammlung Schlede.
I. Butz, Freiburg
Über diesen vielleicht ersten Freiburger Hersteller war leider nichts Näheres zu ermitteln. Möglicherweise war I. Butz ein Vorfahre des viel später in den Freiburger Adressbüchern auftauchenden Kartenmalers Jacob Butz.
Abgebildet ist Becher-Zwei aus einem Tarock mit italienischen Farben (Besançontarock), beschriftet mit „TAROS DE. / I: BUTZ. / IN FREIBURG B“.
Das „B“ hinter „FREIBURG“ steht für Breisgau, schablonenkolorierter Holzschnitt, 121 x 64 mm, um 1780, Sammlung Augustinermuseum, Freiburg.
Ignaz Krebs, Freiburg
Über Ignaz Krebs konnten bislang nur wenige gesicherte Erkenntnisse ermittelt werden. Aus den im Stadtarchiv Freiburg vorhandenen - bisher aber nicht weiter aufgearbeiteten Nachlassakten - ergibt sich immerhin, dass er „Handelsmann und Zunftmeister“ war. Ignaz Krebs starb 1799 und war der Vater von
Joseph Krebs, Freiburg
Joseph Krebs wird vorwiegend im 19. Jahrhundert in den Adressbüchern der Stadt Freiburg erwähnt. Von (mindestens) 1798 an - ältere Adressbücher sind auch im Stadtarchiv der Stadt Freiburg nicht vorhanden - wird Joseph Krebs ununterbrochen bis 1834 als „Kartenmaler", gelegentlich auch als „Kartenmacher", in den Adressbüchern aufgeführt. Als Adressen sind die Häuser Nr. 176 (Oberlinden), später Nr. 177 (Grünwäldergasse) und zuletzt Nr. 522 (Gauchgasse) angegeben.
Abgebildet ist Becher-Zwei aus einem Besançontarock, beschriftet mit „TAROTS FIN FAIT / PAR IOSEPH KREBS / DE FRIBOURG NE / BRISGAU, L“, schablonenkolorierter Holzschnitt, 120 x 65 mm, um 1800, Sammlung Augustinermuseum, Freiburg.
Joseph Himmelsbach, Freiburg
In den Freiburger Adressbüchern von 1801, 1813, 1820, 1823 und 1829 ist Joseph Himmelsbach als Kupferstecher aufgeführt. Ab 1827 wird er neben Joseph Krebs und Jacob Butz auch als Kartenmaler oder Kartenmacher erwähnt. Seine Adresse war zunächst das Haus Nr. 447 (Dominikanerplatz oder Unterlinden), dann Nr. 208 (Salzgasse) und zuletzt Nr. 510 (ebenfalls in der Salzgasse). 1841 taucht er letztmals unter der Rubrik „Kartenmaler" auf.
Heinrich Roth, Freiburg
In den Freiburger Adresskalendern wird er erstmals 1835 neben Jacob Butz und Joseph Himmelsbach als „Kartenmaler" erwähnt. In den folgenden Jahren bis 1841 sind jeweils diese drei zusammen als Kartenmaler vermerkt. Als Adresse ist das Haus Nr. 891 in der Engelgasse angegeben. 1850 wird Heinrich Roth im Adressbuch als „Kar tenfabrikant" bezeichnet, danach ist er nicht mehr aufgeführt.
Abgebildet sind Tarock I und Karo-As eines Vedutentarocks (Freiburger Tarock) beschriftet „BEI HEINRICH ROTH/in Freiburg im Breisgau“, schablonenkolorierte Lithographie, 109 x 62 mm, um 1840, Sammlung Cary Collection, GER Nr. 628.
C. F. Dreyspring, Lahr
In der „Geschichte der Stadt Lahr und ihrer Umgebungen" des Amtmanns Stein aus dem Jahr 1827 wird die Spielkartenfabrik von C. F. Dreyspring erwähnt und ausgeführt, dass sie einen größeren Absatz finden könnte, „wenn ihr Eigenthümer nicht durch die Cartonage-Fabrik zu sehr in Anspruch genommen wäre".
Johann Philipp Wespin, Mannheim
Johann Philipp Wespin ist ein Sohn des in Mainz schon früher als Kartenmacher tätigen Andre Wespin. Er wurde 1772 in Wiesbaden geboren und erhielt seine Konzession in Mannheim 1807 und wird bis 1833 in den Adressbüchern genannt [Stadtarchiv Mannheim, Adressbücher. Alphabetisches Verzeichnis der sämmtlichen Familien-Häupter und selbständigen Einwohner zu Mannheim, Mannheim 1833. Adreßkalender für das Jahr 1841. Mannheimer Adressbuch 1860].
Karl Wespin, Mannheim
Ab 1836 wird Karl Wespin als Kartenfabrikant bis 1840 genannt. Erst dann folgt
Andreas Philipp Wespin
ab 1841, der dann bis 1964 tätig ist. Andreas hat vorher wohl zunächst etwa zehn Jahre lang in Karlsruhe als Kartenmacher arbeitete, bevor er um 1840 nach Mannheim zurückkehrte.
Die weiteren Kartenfabrikanten in Baden sind in diesem Zusammenhang nicht mehr relevant. Es wurden ja Spielkartenfabrikanten in der Zeit der Spielkartensteuer, also je nach Landesteil zwischen 1757 und 1832 gesucht.
Diese kleine unsortierte und sicher nicht vollständige Liste weist aber für diese Zeit in verschiedenen Städten des Landes Kartenfabrikanten nach. Sicher ist auch, dass aus dem Ausland, aus dem nahem Straßburg und anderen Zentren der Spielkartenproduktion (Schaffhausen und auch Frankfurt) Spiele herangeschafft wurden.
Eigenartig ist es, daß es sich bei der Mehrzahl der erhaltenen Kartenspiele ausgerechnet um Tarocke mit italienischen Farben handelt. Vielleicht ist das auch der Grund für die gesonderte Erwähnung und Gebühr in den Verordnungen zur Spielkartensteuer. Das bedeutet aber nicht, dass in dieser Gegend und zu dieser Zeit die Spieler solche Karten ausschließlich oder besonders benutzt haben. Man muss es wohl für einen Zufall halten, daß sich fast nur solche Spiele erhalten haben.
Fakt ist aber: Keines dieser badischen Kartenspiele hat einen Kartenstempel. Es gibt bisher nur ein Kartenspiel mit einem „gelaufenen“ badischen Kartenstempel.
Es ist bisher kein weiteres Kartenspiel mit einem badischen Stempel bekannt, ausgenommen das im Artikel beschriebene. Auf Grund der hier angeführten Kartenfabrikanten ist es vermutlich in Freiburg oder Offenbach, eventuell in Mannheim entstanden. Aber das ist eine Vermutung.
Da in den Gesetzestexten keine Formulierung vorhanden ist, die die Kartenfabrikanten verpflichteten, ihren Namen und den Herstellerort auf einer Karte anzugeben, sah man sich dort zu dieser Nachweisung nicht verpflichtet [Dies war in vielen deutschen Ländern, z. B. in Bayern und Preußen Vorschrift].
Für Schmuggel in die Nachbarländer und Defraudation, also Steuerhinterziehung war es sicherer seinen Namen nicht anzugeben.
Auf jeden Fall waren die Spielkarten aus dem Großherzogtum Baden nach der Abschaffung der Spielkartensteuer preiswerter zu verkaufen, als versteuerte. Herstellung, Vertrieb und Verkauf war im Großherzogtum Baden ohne jede Kontrolle. Ein großer wirtschaftlicher Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

References: § 5

§ 1

§ 2

§ 3

§ 5

§ 6