Source: https://www.stb-weiss.at/aktuelle-steuerinformationen/steuerinformationen-f%C3%BCr-land-und-forstwirte/nebenbetriebe-und-t%C3%A4tigkeiten/
Timestamp: 2020-08-05 22:51:56+00:00

Document:
Nebenbetriebe und -tätigkeiten Land- und Forstwirtschaft - Steuerberater Mag. Hans Weiß
Rechtslage ab 2011 (bis 2015) - Auszug aus der Pauschalierungsverordnung 2011
Einkommensteuerrichtlinien RZ 4202:
Ob eine land- und forstwirtschaftliche Nebentätigkeit vorliegt, ist nach dem Gesamtbild der Verhältnisse zu beurteilen. Eine land- und forstwirtschaftliche Nebentätigkeit ist eine an sich nicht land- und forstwirtschaftliche Tätigkeit, für deren Ausübung keine Organisation erforderlich ist, die erheblich über das zum Betrieb der Land- und Forstwirtschaft erforderliche Betriebsvermögen hinausgeht; dies ist der Fall, wenn die für die Nebentätigkeit verwendeten Wirtschaftsgüter bereits zum Betriebsvermögen des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes gehören (VwGH 31.05.2011, 2008/15/0129). Weiters muss die land- und forstwirtschaftliche Nebentätigkeit wegen ihres engen Zusammenhanges mit der Haupttätigkeit und wegen ihrer untergeordneten Bedeutung gegenüber dieser Haupttätigkeit nach der Verkehrsauffassung in der Haupttätigkeit gleichsam aufgehen, sodass die gesamte Tätigkeit des Land- und Forstwirts als land- und forstwirtschaftlich anzusehen ist (VwGH 31.05.2011, 2008/15/0129; VwGH 21.07.1998, 93/14/0134 ).
Übersichtstabelle Nebeneinkünfte
(PauschVO 2011)
(zwischenbetriebliche Zusammenarbeit)
maximal zu ÖKL-Maschinenselbstkosten
d.h. ohne Entgelt für Arbeitsleistung
abpauschaliert,
keine Aufzeichnungs-pflicht für Einnahmen bei Voll- und Teilpauschalierung
keine Zahllast
(12 % USt, ab 2016 13 % USt)
abpauschaliert durch Versicherungswert, keine gesonderte Beitragspflicht
Bäuerliche Nachbarschaftshilfe Entgelt über ÖKL-Maschinenselbstkosten
(somit Entgelt auch für Arbeitsleistung)
Abzug der ÖKL-Maschinenselbstkosten möglich (ESTR RZ 4206) oder
Einnahmen-Ausgaben-Rechnung („EAR“)
abpauchaliert
(12 % USt, ab 2016 13% USt)
Beitragspflicht (kein Freibetrag)
70 % pauschale Betriebsausgaben oder Beitragsgrundlage auf Basis tatsächlicher Einkünfte („kleine Option“)
Holzakkordant mit Motorsäge, Traktor, Seilwinde für andere luf Betriebe
EAR oder
Abzug der ÖKL-Maschinenselbstkosten
abpauschaliert
(idR 12% USt, ab 2016 13% USt)
inbes. mit Traktor und Häcksler bzw. Mähwerk für Gemeinden
50 % pauschale Betriebsausgaben
10 % USt, wenn die Leistung für den Hoheits-bereich einer Gemeinde erfolgt bzw. 12 % USt (ab 2016 13 % USt), wenn die Leistung für Unternehmens
(sbereich) erbracht wird
Winterdienst mit Traktor und Schneeräumschild für Gemeinden und hauptsächlich zur Erschließung luf Grundstücke (ländliches Wegenetz)
10 % USt, wenn die Leistung für den Hoheits-bereich einer Gemeinde erfolgt bzw. 12 % USt (ab 2016 13% USt), wenn die Leistung für Unternehmen
Kompostieren – Verwertung von fremden organischen Abfällen mit luf Methoden und Kompostverkauf
im Rahmen von Urlaub am Bauernhof bis 10 Betten
an Private mit 10 % USt,
an Unternehmer mit 12 % USt (ab Mai 2016 13% USt)
Freibetrag € 3.700 und
Veräußerung von be- und verarbeiteten, überwiegend eigenen Naturprodukten
70 % pauschale Betriebsausgaben,
keine EAR im Rahmen der Pauschalierung
an Private mit 10 % USt (Getränke 20 % USt),
an Unternehmer mit 12 % USt (ab 2016 13% USt)
„altes Herkommen oder Landesbuschenschank-gesetz und 25 % Zukaufsgrenze (max. Anmeldungsgewerbe)
idR Abgabe an Private mit 10 % USt für Speisen
(abpauschaliert) und 20 % USt für Getränke (10 % Zahllast)
Anmeldungsgewerbe >> GSVG-Versicherung
(Almbuffet)
Wärmeverkauf aus eigenen Hackschnitzeln
an Unternehmer mit 12 % USt
(ab 2016 13% USt)
(alte Rechtsansicht)
Stromerzeugung liegt unter Eigenbedarf (betrieblich und privat),
Privatverbrauch überwiegt
betrieblicher Verbrauch überwiegt
Stromerzeugung liegt über Eigenbedarf (betrieblich und privat),
betrieblicher Verbrauch überwiegt nicht
ACHTUNG: neue Rechtsansicht zur Photovoltaik ab 24.2.2014 (siehe Erlass unten).
Stromerzeugung ist Privatsphäre
Stromerzeugung Teil
der luf Betriebes
(kein Nebenbetrieb)
Vollpauschalierung: abpauschaliert
Privatverbrauch als Einnahme zu erfassen
Stromerzeugung ist
luf Nebenbetrieb
eigenständiger Gewerbebetrieb
(eigene Gewinn-ermittlung z.B. EAR)
Einspeisung mit 12 % USt (ab 2016 13% USt)
Einspeisung mit Normalsteuersatz
20 % USt (ab 2016 13% USt)
GSVG-Beitragspflicht
bei Überschreiten gewisser Versicherungs-grenzen („Neue Selbständige“)
*) Die wirtschaftliche Unterordnung ist ohne Nachweis anzuerkennen, wenn u.a. die Einnahmen nicht mehr als € 33.000,-- (ab 2011) betragen. Der Nachweis der wirtschaftlichen Unterordnung kann im Einzelfall auch entsprechend den von der bisherigen Rechtsprechung herausgearbeiteten Kriterien nachgewiesen werden.
Quelle: Tabelle angelehnt an Jilch, Die Besteuerung pauschalierten Land- und Forstwirte, 4. Auflage, S. 630 ff.
Buchführungsgrenzen für Nebenbetriebe / Nebentätigkeiten:
Anzurechnen auf 33.000,- € *)
Privatzimmervermietung bis 10 Betten
Buschenschank als Teil des Hauptbetriebes
Vermarktung be- und verarbeiteter Produkte
Holzakkord
*) Untergeordnet ist ein Nebenbetriebszweig dann, wenn die Einnahmen inkl. USt nicht mehr als 33.000,- € betragen (ab 2011). Ob ein Nebenerwerb angerechnet werden muss (z.B.: Privatzimmervermietung), ist in der Tabelle angegeben.
ÖKL-Richtwerte für de Maschinenselbstkosten
Der Gesetzgeber fördert die bäuerliche Nachbarschaftshilfe und trägt ihrer Bedeutung auf mehreren Ebenen Rechnung. Gemäß § 6 Abs 4 LuF PauschVO, BGBl II 471/2010 sind Einnahmen, die auf reiner Selbstkostenbasis und ohne Verrechnung der eigenen Arbeitsleistung im Rahmen der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit der Landwirte erzielt werden, bei der Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen (Voll- und Teilpauschalierung) nicht zu berücksichtigen. Zudem sieht § 20a des Bauern-Sozialversicherungsgesetzes vor, dass Einnahmen aus Dienstleistungen, die auf Selbstkostenbasis und ohne Verrechnung der eigenen Arbeitskraft erbracht werden, nicht in die Beitragsgrundlage einzubeziehen sind. Bei der Überprüfung, ob zwischenbetriebliche Verrechnungen auf Selbstkostenbasis erfolgen, orientieren sich die Abgabenbehörden an Durchschnittssätzen, die auf Erfahrungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Landwirtschaft beruhen (vgl § 17 Abs 4 EStG).
Bei Erbringung von Leistungen durch einen Landwirt an einen Nichtlandwirt sind die ÖKL-Richtwerte nicht relevant.
Stattdessen können, wenn das Entgelt überwiegend für die Bereitstellung von Fahrzeugen, Maschinen oder Geräten gegenüber Nichtlandwirten geleistet wird, 50% der gesamten Einnahmen aus dem land- und forstwirtschaftlichen Nebenerwerb als pauschale Betriebsausgaben abgezogen werden (vergleiche § 6 Abs 4 LuF PauschVO (BGBl II 258/2005; nunmehr BGBl II 471/2010 idgF sowie EStR, Rz 4203 ff).
Bei den ÖKL-Richtwerten handelt es sich demnach um ein Hilfsmittel im Rahmen der Erhebung von Abgabenpflichten für landwirtschaftliche Betriebe. Hingegen ist es nicht Zweck der Richtwerte, gegenüber Landwirten oder sonstigen Unternehmen eine Empfehlung abzugeben, welche Preise verrechnet oder Kalkulationsrichtlinien eingehalten werden sollen, wenn im gewerblichen Bereich (außerhalb der bäuerlichen Nachbarschaftshilfe) Maschinen vermietet oder Dienstleistungen erbracht werden.
Wann neben einem landwirtschaftlichen Betrieb aus steuerlicher Sicht ein Gewerbebetrieb vorliegt
Immer öfter werden im Rahmen von land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen Tätigkeiten ausgeführt, die einerseits eng mit der Urproduktion verbunden sind, andererseits aber auch mit gewerblichen Tätigkeiten zu tun haben.
Typische Beispiele hierfür sind Maschinenvermietung, Landesproduktenhandel, Sägewerke oder Schnapsbrennereien. In allen Fällen ist zuerst einmal darauf zu achten, ob die im Beispiel genannten Tätigkeiten
ausschließlich dem landwirtschaftlichen Betrieb dienen,
diesem untergeordnet sind (nach wirtschaftlichen und äußeren Gesichtspunkten)
oder aber ganz einfach ein Umsatz von brutto € 33.000 nicht überschritten wird.
Sind diese Punkte erfüllt, so handelt es sich insgesamt um einen landwirtschaftlichen Betrieb. Wurden diese hingegen überschritten, so liegt die Kombination eines landwirtschaftlichen Betriebes und eines separaten Gewerbebetriebes aus steuerlicher Sicht vor.
Dies hat zur Folge, dass eine eigene Gewinnermittlung für den steuerlichen Gewerbebetrieb anzuwenden ist. Dabei sind die Umsatzgrenzen von € 700.000 für diese gewerbliche Tätigkeit zu beachten. Der Umsatz aus der Landwirtschaft wird dabei nicht mit den Umsätzen aus der gewerblichen Tätigkeit summiert. Es kann sich daher auch die Kombination ergeben, dass der Gewinn aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit durch eine doppelte Buchführung ermittelt wird und andererseits die Gewinnermittlung im Gewerbebetrieb durch eine Einnahmen- Ausgaben-Rechnung erfolgt, wenn dessen Jahresumsatz unter netto € 700.000 liegt. Auch Formen von Pauschalierungsvarianten bezüglich des Gewerbebetriebs sind denkbar. Zum Beispiel die Kombination Weinbaubetrieb und Gastronomiebetrieb.
Hackschnitzelheizung als zusätzliche Erwerbsquelle?
Aus einkommensteuerlicher Sicht stellt bei pauschalierten Landwirten die Erzeugung von Wärme aus Hackschnitzel einen Betriebsteil (unselbständiger Verarbeitungsbetrieb) der Land- und Forstwirtschaft dar. Vorausgesetzt die Hackschnitzelheizung dient dem Eigenbedarf. Wird die erzeugte Energie auch verkauft, so kommt die Regelung für Nebenbetriebe zur Anwendung. Das bedeutet, dass bei einem Verkaufspreis für die Wärme bis zu € 33.000 ein pauschaler Abzug von 70% des Erlöses als Betriebsausgabe zulässig ist. Der Land- und Forstwirt muss – sofern er einkommensteuerpflichtig ist – die Einnahmen aus dem Wärmeverkauf in die Beilage zur Einkommensteuer- bzw. Feststellungserklärung (Komb 26) eintragen.
Überschreitet der Verkaufserlös den Betrag von € 33.000 so liegt aus steuerlicher Sicht ein Gewerbebetrieb vor. Der Land- und Forstwirt hat sodann eine vollständige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu erstellen. Die Heizanlage ist in diesem Fall als Anlagegut über die Nutzungsdauer von mindestens 10 Jahren abzuschreiben.
Aus umsatzsteuerlicher Sicht ist zu berücksichtigen, dass bei Landwirten immer die Erzeugung von Wärme aus Hackschnitzel für den eigenen Betrieb einen Innenumsatz darstellt und umsatzsteuerlich nicht relevant ist. Wird die erzeugte Energie auch verkauft, so kommt bei einem Verkaufserlös für die Wärme bis zu € 33.000 bei Lieferung an Private ein Umsatzsteuersatz von 10% zum Ansatz. Wird hingegen an einen anderen Unternehmer geliefert, so unterliegt die Wärmelieferung einem Umsatzsteuersatz von 12%. Übersteigt der jährliche Verkaufserlös für die Wärme € 33.000, so ist 20% Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen.
Was bei gemeinschaftlichen Hackschnitzelanlagen steuerlich zu beachten ist
Mehrere Land- und Forstwirte schließen sich häufig zusammen um gemeinsam größere Hackschnitzelanlagen zu gründen. Als Rechtsformen können hier die Gesellschaft nach bürgerlichem Recht, die offene Gesellschaft (OG), die Kommanditgesellschaft (KG), die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die GmbH & Co KG in Betracht gezogen werden. Alle genannten Gesellschaften haben Vor- und Nachteile, wobei hier neben steuerlichen vor allem auch sozialversicherungsrechtliche und haftungsrechtliche Gesichtspunkte eine Rolle spielen. Bei der Gesellschaft nach bürgerlichem Recht, der offenen Gesellschaft und der Kommanditgesellschaft unterliegen die Einkünfte der Gesellschafter der Einkommensteuer. Dabei wird der Gewinn bzw. Verlust einheitlich ermittelt und dann auf die Gesellschafter aufgeteilt. Dabei gilt es zu beachten, dass bis zu einem Umsatz von € 700.000 der Gewinn mit einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermittelt werden darf. Wird diese Grenze überschritten, so ist der Gewinn mit einer doppelten Buchführung zu ermitteln.
Falls die Hackschnitzelheizung in der Rechtsform einer GmbH betrieben wird, so ist eine doppelte Buchführung einzurichten und zusätzlich ein Anhang zu erstellen. Der Gewinn ist körperschaftsteuerpflichtig. Der Körperschaftsteuersatz beträgt 25% des Gewinnes. Im Falle eines Verlustes ist jährlich eine Mindestkörperschaftsteuer i.H.v. € 1.750 abzuführen. Falls der Gewinn ausgeschüttet wird (d.h. an die Gesellschafter ausgezahlt wird), ist zusätzlich eine Kapitalertragsteuer i.H.v. 25% zu entrichten. Die Steuerbelastung beträgt somit bei Vollausschüttung 43,75 Prozent des Gewinnes.
Zu welchem Preis können die Land- und Forstwirte nun Hackschnitzel an ihre Gesellschaft verkaufen? Die Preise müssen fremdüblich sein, um von der Finanzbehörde anerkannt zu werden. Liefern die Land- und Forstwirte aber zu überhöhten Preisen, so wird grundsätzlich der überhöhte Teil des Preises bei der Hackschnitzelheizung nicht als Betriebsausgabe anerkannt. Bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung kommt zusätzlich noch die Problematik der verdeckten Gewinnausschüttung hinzu. Das heißt, dass für den überhöhten Teil des Verrechnungspreises, der auch hier nicht als Betriebsausgabe anerkannt wird, Kapitalertragsteuer an das Finanzamt abzuführen ist.
Die Lieferung von Hackschnitzel und Brennholz bei vollpauschalierten Land- und Forstwirten ist an die Gesellschaft "abpauschaliert", da es sich hier um Urprodukte handelt. Zu beachten ist außerdem, dass die Grenze zwischen Voll- und Teilpauschalierung beim Forst bei einem forstlichen Einheitswert von € 11.000 liegt, sofern der Gesamteinheitswert des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes unter € 100.000 liegt (laut derzeit gültige PauschalierungVO bis 31.12.2014, ab 1.1.2015 € 75.000).
Broschüre der Landwirtschaftskammer Österreich, Stand: 19.9.2012
Inhalt: Gewerberecht, Gesellschaftsrecht, Steuerliche Aspekte, Arbeits- und Sozialrecht.
Bioenergieerzeugung_Rechtliches.pdf
Photovoltaik: Alter BMF-Erlass warf für Landwirte steuerliche Fragen auf
Für große Verunsicherung sorgte der Erlass über die ertrags- und umsatzsteuerliche Beurteilung von Photovoltaikanlagen des Bundesministeriums für Finanzen vom 8. Oktober 2012 im Bereich Forst- und Landwirtschaft. Steuerberater, Experten des Bauernbundes und der LK OÖ kritisieren: Die ein­kommens- und umsatzsteuerliche Betrachtung klaffte auseinander, die Unterscheidung in Voll- und Überschuss­einspeiser sei nicht nötig und systemwidrig sowie beim Eigenverbrauch zähle nur mehr der Privatverbrauch. Bisher wurde privat- und betrieblicher Verbrauch zusammengezählt. Die Grenze zum Gewerbe sei dabei viel früher überschritten. Außerdem wird be­mängelt, dass Volleinspeiser als Gewerbebetriebe eingestuft werden. Das bedeutet, diese haben mit allen steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Die bisherige Einstufung in landwirtschaftlichem Nebenbetrieb würde vollkommen ausreichen. Gleichzeitig bestehe eine fehlende Rechtssicherheit für Land- und Forstwirte, insbesondere für jene, die bereits eine Photovoltaik-Anlage errichtet haben. Empfohlen wird daher für jene, die 2012 eine PV-Anlage in Betrieb genommen haben und noch keine Stromgeldzahlung erhalten oder in den nächsten Monaten noch eine Anlage in Betrieb nehmen, ehestmöglich einen fachkundigen Steuerberater auszusuchen. Nähere Details finden Sie im BMF-Erlass unter www.findok.bmf.gv.at.
Um einen Vorsteuerabzug geltend machen zu können, sollte entweder ein Optionsantrag für die Regelbesteuerung in der Umsatzsteuer überlegt oder ein Splitting vorgenommen werden, bei dem z.B. ein Ehegatte die Photovoltaikanlage alleine betreibt und beide Ehegatten die Landwirtschaft gemeinsam bewirtschaften.
EUGH widerspricht der österreichischen Finanzverwaltung: Vorsteuerabzug für Photovoltaikanlage möglich
Der Betrieb einer privaten, aber netzgeführten Photovoltaikanlage kann nach Ansicht des EuGH zum Abzug der entrichteten Vorsteuer berechtigen. Der EuGH stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der Betrieb einer Photovoltaikanlage eine „wirtschaftliche Tätigkeit“ darstellt, wenn diese Tätigkeit zur nachhaltigen Erzielung von Einnahmen ausgeübt wird. Da die streitgegenständliche Anlage Strom erzeugt, der gegen Entgelt in das Netz eingespeist wird, erfolgt der Betrieb dieser Anlage zur Erzielung von Einnahmen. Diese Einnahmen sind, da die Stromlieferungen an das Netz auf der Grundlage eines auf unbestimmte Zeit abgeschlossenen Vertrages erfolgen, auch nachhaltig. Insoweit ist es unerheblich, dass die Menge des von der Anlage produzierten Stroms die durch den Anlagenbetreiber für seinen Haushaltsbedarf verbrauchte Strommenge immer unterschreitet. Außerdem weist der EuGH darauf hin, dass ein Steuerpflichtiger nach der Logik des Mehrwertsteuersystems die Mehrwertsteuer, mit der auf der Vorstufe die Gegenstände oder Dienstleistungen belastet waren, die er für die Zwecke seiner besteuerten Umsätze verwendet, abziehen kann. Der Vorsteuerabzug ist an die Erhebung der Steuern auf der folgenden Stufe geknüpft (EuGH 20. 6. 2013, Rs. C-219/12).
Betreiber einer Photovoltaikanlage ohne Speicher können ein Vorsteuerabzugsrecht auf mit der Photovoltaikanlage verbundene Ausgaben geltend machen (Anschaffung, Montage, Wartung). Zu beachten ist, dass ein privater Photovoltaikanlagenbetreiber in der Regel unter die Kleinunternehmerregelung (jährlicher Umsatz unter € 30.000) fallen wird. Um ein Vorsteuerabzugsrecht in einem offenen Verfahren geltend zu machen, wird daher eine Option zur Steuerpflicht (Verzicht auf Kleinunternehmerregelung) notwendig sein. Zugleich ist natürlich zu beachten, dass der Betreiber der Photovoltaikanlage bei Unternehmereigenschaft auch die Einspeisung des Stroms ins Netz mit Umsatzsteuer verrechnen muss und zudem steuerlichen Erklärungspflichten unterliegt.
Das Finanzministerium hat auf das EUGH-Urteil reagiert und am 24.2.2014 einen neuen Erlass über die Ertrags- und umsatzsteuerliche Beurteilung von Photovoltaikanlagen veröffentlicht.
Alter Erlass über die Ertrags- und umsatzsteuerliche Beurteilung von Photovoltaikanlagen vom 8. Oktober 2012 (gültig bis 23.2.2014)
BMF-Erlass zu Photovoltaikanlagen vom 8.
Neuer Erlass über die Ertrags- und umsatzsteuerliche Beurteilung von Photovoltaikanlagen vom 24. Februar 2014 (gültig ab 24.2.2014)
BMF-Erlass Photovoltaik gültig ab 24.2.2
Photovoltaik - (steuer-)rechtliche Fragen beachten
Artikel in "Der Bauer" vom 9.10.2013
Photovoltaik steuerrechtliche Fragen.pdf
Photovoltaik: neue steuerliche Beurteilung
Beitrag von StB Mag. Helmut Kierner in "Der Bauer" vom 12.3.2014
Photovoltaik_neue steuerliche Beurteilun
Agrenzung zur Vermietung und Verpachtung
Handelt es sich bei der Vermietung um Hilfs- und Nebengeschäfte, die mit dem Betrieb in engem Zusammenhang stehen und diesem dienen bzw. ihn ergänzen, liegen noch Vorgänge im Rahmen des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes vor (ESTR RZ 5070).
Nach den Einkommensteuerrichtlinien (ESTR RZ 5071) steht bei der Vermietung landwirtschaftlicher Nutzflächen hingegen wirtschaftlich eine Vermögensverwaltung wie bei der Vermietung anderer (üblicherweise nicht dem Betriebsvermögen einer Land- und Forstwirtschaft zugehörender) Objekte im Vordergrund, so wird der land- und forstwirtschaftliche Bereich verlassen. Solche nicht landwirtschaftliche Nutzungen von Grund und Boden (einschließlich Baulichkeiten) sind insbesondere Vermietung von Grundflächen für Campingplätze, (Mini-)Golfplätze (VwGH 14.4.1994, 93/15/0186), Fußballplätze (VwGH 14.4.1994, 91/15/0158), Parkplätze, Lagerplätze und -räume, Deponien, Liftanlagen.
Weiters führen die Einkommensteuerrichtlinen (ESTR RZ 5072) aus, dass die Vermietung von bis dahin landwirtschaftlich genutztem Grund und Boden zur(sportlichen) Nutzung als Schipiste oder Langlaufloipe oder kurzfristig als Parkplatz ist dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb dann noch zuzurechnen, wenn die landwirtschaftliche Nutzung nicht bzw. nur unwesentlich beeinträchtigt wird. Die Vermietung von landwirtschaftlichen Gebäuden oder Gebäudeteilen für nicht landwirtschaftliche Nutzungen stellt auch dann noch Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft dar, wenn sie nur vorübergehend erfolgt (die landwirtschaftliche Nutzung bleibt mittelfristig weiterhin aufrecht) und von untergeordneter Bedeutung ist (zB Einstellung eines einzelnen Wohnwagens für die Wintermonate in der Maschinenhalle).
Die Einkommensteuerrichtlinien (ESTR RZ 5073 und 5074) führen zur Privatzimmervermietung eines Land- und Forstwirtes aus:

References: § 6
 § 20
 § 17
 § 6

EUGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH