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Timestamp: 2020-08-15 07:49:07+00:00

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Die kirchliche Zusatzversorgung im Versorgungsausgleich | Rechtslupe
Die kirch­li­che Zusatz­ver­sor­gung im Ver­sor­gungs­aus­gleich
Der Aus­gleich der von einer Reli­gi­ons­ge­sell­schaft arbeits­ver­trag­lich zuge­sag­ten Ver­sor­gung nach beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder Grund­sät­zen erfolgt grund­sätz­lich durch inter­ne Tei­lung [1].
Gemäß §§ 9 Abs. 1, 10 Abs. 1 VersAus­glG über­trägt das Fami­li­en­ge­richt für die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son zulas­ten des Anrechts der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son ein Anrecht in Höhe des Aus­gleichs­werts bei dem Ver­sor­gungs­trä­ger, bei dem das Anrecht der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son besteht (inter­ne Tei­lung). Nach § 9 Abs. 3 VersAus­glG ist ein Anrecht nur dann nach §§ 14 bis 17 VersAus­glG extern zu tei­len, wenn ein Fall des § 14 Abs. 2 oder des § 16 Abs. 1, 2 VersAus­glG vor­liegt.
Nach § 14 Abs. 2 Nr. 1 VersAus­glG ist eine exter­ne Tei­lung zuläs­sig, wenn die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son und der Ver­sor­gungs­trä­ger der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son dies ver­ein­ba­ren. Einer sol­chen Ver­ein­ba­rung hat die Antrags­geg­ne­rin als aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son aus­drück­lich wider­spro­chen. Soweit der Ver­sor­gungs­trä­ger der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son die exter­ne Tei­lung nach § 14 Abs. 2 Nr. 2 VersAus­glG auch ohne Zustim­mung der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son ver­lan­gen kann, ist dies aus­drück­lich auf Aus­gleichs­wer­te bis zu dem dort genann­ten Höchst­be­trag beschränkt. Der hier rele­van­te Aus­gleichs­wert eines Ren­ten­be­tra­ges über­steigt den für das recht­li­che Ende der Ehe­zeit (§ 3 Abs. 1 VersAus­glG) gel­ten­den Ren­ten­höchst­be­trag [2] deut­lich, so dass auch nach die­ser Vor­schrift kei­ne exter­ne Tei­lung mög­lich ist.
Als wei­te­re Aus­nah­me von dem Grund­satz der inter­nen Tei­lung wird durch § 16 Abs. 1 VersAus­glG bestimmt, dass, solan­ge der Trä­ger einer Ver­sor­gung aus einem öffent­lich-recht­li­chen Dienst- oder Amts­ver­hält­nis kei­ne inter­ne Tei­lung vor­sieht, ein dort bestehen­des Anrecht zu des­sen Las­ten durch Begrün­dung eines Anrechts bei einem Trä­ger der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung somit extern aus­zu­glei­chen ist.
Wie das Ober­lan­des­ge­richt zutref­fend erkannt hat, lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­nah­me­vor­schrift jedoch nicht vor. Der Ehe­mann stand nicht in einem öffent­lich­recht­li­chen Dienst- oder Amts­ver­hält­nis, son­dern in einem pri­vat­recht­li­chen Anstel­lungs­ver­hält­nis, aus dem er einen Anspruch auf eine Ver­sor­gung nach beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder Grund­sät­zen erwarb. Sol­che Ver­sor­gungs­zu­sa­gen wer­den vom Wort­laut des § 16 VersAus­glG nicht erfasst.
Auch ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, § 16 Abs. 1 VersAus­glG nicht ana­log auf Ver­sor­gungs­an­rech­te anzu­wen­den, bei denen ein Anspruch auf eine Ver­sor­gung nach beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder Grund­sät­zen besteht. Denn dies­be­züg­lich ent­hält das Gesetz weder eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke noch bestehen Anhalts­punk­te dafür, dass die Anwen­dung des § 10 VersAus­glG auf pri­vat­recht­lich begrün­de­te Anrech­te auf eine Ver­sor­gung nach beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder Grund­sät­zen dem Wil­len des Gesetz­ge­bers wider­spricht [3].
Der gesetz­li­chen Rege­lung liegt näm­lich die Vor­stel­lung zugrun­de, dass es aus Sicht des Ver­sor­gungs­aus­gleichs erstre­bens­wert sei, auch bei Beam­ten­ver­sor­gun­gen den Grund­satz der inter­nen Tei­lung jedes Anrechts umzu­set­zen. Des­halb wur­de im Bereich der Bun­des­be­am­ten eine ent­spre­chen­de Lösung durch das Gesetz über die inter­ne Tei­lung beam­ten­ver­sor­gungs­recht­li­cher Ansprü­che von Bun­des­be­am­tin­nen und Bun­des­be­am­ten im Ver­sor­gungs­aus­gleich vom 03.04.2009 (BVersTG) [4] getrof­fen. Allein weil der Bund nicht die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für das Ver­sor­gungs­recht der Beam­tin­nen und Beam­ten der Län­der und Kom­mu­nen besaß, konn­te durch Bun­des­ge­setz nicht auch die inter­ne Tei­lung die­ser Anrech­te ange­ord­net wer­den [5]. Die­se Aus­nah­me könn­te zwar auch auf die öffent­lich­recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis­se der Kir­chen zutref­fen, deren Aus­ge­stal­tung zu den inner­kirch­li­chen Ange­le­gen­hei­ten gehört, wel­che jede Reli­gi­ons­ge­sell­schaft gemäß Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 WRV selb­stän­dig ord­net [6]. Hier geht es jedoch um eine pri­vat­recht­li­che Ver­sor­gungs­zu­sa­ge der Betei­lig­ten zu 2, die der Bun­des­ge­setz­ge­ber auf­grund sei­ner auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG, Art. 12 GG beru­hen­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz in die mit § 10 VersAus­glG getrof­fe­ne Grund­satz­re­ge­lung ein­schlie­ßen konn­te. Bei der pri­vat­recht­li­chen Rege­lung der Dienst­ver­hält­nis­se ist die Ges­tal- tungs­frei­heit der Kir­chen durch die Bin­dung an zivil­recht­li­che Ord­nungs­grund­sät­ze begrenzt [7]. Bedie­nen sich die Kir­chen wie jeder­mann der Pri­vat­au­to­no­mie, so gel­ten deren Begren­zun­gen, wenn sie für die Kir­che die­sel­be Bedeu­tung haben wie für jeder­mann [8]. Die nicht dis­po­si­ti­ven Vor­schrif­ten über den Ver­sor­gungs­aus­gleich haben nicht die Reli­gi­ons­aus­übung als sol­che zum Gegen­stand, son­dern knüp­fen an einen reli­gi­ons­neu­tra­len Vor­gang an und durf­ten des­halb durch ein für alle gel­ten­des Gesetz, das auch die Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten bin­det, ange­ord­net wer­den [9].
Das ver­fas­sungs­recht­li­che Pri­vi­leg der Kir­che, ihre inne­ren Ange­le­gen­hei­ten selb­stän­dig zu ord­nen, hin­dert es auch nicht, in der Beschluss­for­mel aus­zu­spre­chen, dass die Durch­füh­rung der inter­nen Tei­lung zu Las­ten des Anrechts des Ehe­manns erfolgt [10]. Wel­che Rechts­fol­gen sich im Ein­zel­nen aus der Belas­tung des Anrechts des Ehe­manns erge­ben, bleibt der inner­kirch­li­chen Rege­lung vor­be­hal­ten. Das in § 11 Abs. 1 VersAus­glG ent­hal­te­ne Gebot, die gleich­wer­ti­ge Teil­ha­be der Ehe­gat­ten an den in der Ehe­zeit erwor­be­nen Anrech­ten sicher­zu­stel­len, schränkt das kirch­li­che Gestal­tungs­recht in Bezug auf die Umset­zung der Fol­gen des Ver­sor­gungs­aus­gleichs für den kirch­li­chen Mit­ar­bei­ter nicht ein. Ins­be­son­de­re wäre die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nicht gehin­dert, ihrem Mit­ar­bei­ter nach Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs eine höhe­re Ver­sor­gung zu gewäh­ren, als es einer Halb­tei­lung des ehe­zeit­lich erwor­be­nen Anrechts ent­spricht.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Juni 2013 – XII ZB 604/​12
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 23.01.2013 – XII ZB 575/​12 FamRZ 2013, 608[↩]
BGH, FamRZ 2013, 182[↩]
BGH, Beschluss vom 23.01.2013 – XII ZB 575/​12, FamRZ 2013, 608 Rn. 13 ff.[↩]
BGBl. I S. 700, 716[↩]
vgl. BT-Drucks. 16/​10144 S. 59[↩]
vgl. v. Mangold/​Klein/​v. Cam­pen­hau­sen GG 5. Aufl. Art. 137 WRV Rn. 236 ff.[↩]
v. Mangold/​Klein/​v. Cam­pen­hau­sen GG 5. Aufl. Art. 137 WRV Rn. 78[↩]
s. BVerfGE 42, 312, 334; 66, 1, 20[↩]
vgl. BVerfGE 19, 129, 133[↩]
aA: OLG Cel­le FamRZ 1983, 191, 192[↩]
Kirchliche ZusatzversorgungskasseVersorgungsausgleich

References: § 9
 § 14
 § 16
 § 14
 § 14
 § 16
 § 16
 § 16
 § 10
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 74
 Art. 12
 § 10
 § 11
 Art. 137
 Art. 137