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Timestamp: 2019-03-18 13:52:42+00:00

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Steuern auf Gewinne beim Verkauf von Bitcoins und anderen Kryptowährungen
Die steuerliche Behandlung der Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoins ist in Deutschland noch ungewiss. Es bestehen bislang keine Grundsatzentscheidungen deutscher Finanzgerichte zum steuerlichen Umgang von Bitcoins und anderen Kryptowährungen.
Allerdings hat sich der europäische Gerichtshof in einem Verfahren zur Frage der Umsatzsteuer ausführlich mit der Einordnung von Bitcoins beschäftigt.
Dabei hat der EuGH im Urteil vom 22.10.2015 C-264/14, Hedquist die Kryptowährung Bitcoin als „vertragliches Zahlungsmittel“ und „virtuelle Währung“ bezeichnet. Es wurde nicht bezweifelt, dass die virtuelle Währung „Bitcoin“ keinem anderen Zweck als dem der Verwendung als Zahlungsmittel dient und dass die virtuelle Währung Bitcoin in dieser Eigenschaft von bestimmten Wirtschaftsteilnehmern akzeptiert wird. Weiterhin wurde im Urteil festgestellt, dass die virtuelle Währung „Bitcoin“ weder ein Wertpapier darstellt, das ein Eigentumsrecht an juristischen Personen begründet, noch ein vergleichbares Wertpapier darstellt.
Auch wenn die Grundsätze dieses Urteils nur für Zwecke der Umsatzsteuer gelten, ist doch zu erwarten, dass sich die Rechtsprechung deutscher Finanzgerichte an dieser Einordnung des EuGH orientiert und zu dem selben Ergebnis kommt.
Nachfolgend soll dargestellt werden, zu welchen ertragsteuerlichen Folgen diese Einordnung nach dem deutschen Steuerecht führen würde.
Die Einordnung der Bitcoins als Zahlungsmittel und die gleichzeitige Abgrenzung der Bitcoins von den Wertpapieren führt dazu, dass Gewinne aus dem Ankauf und Verkauf von Bitcoins und anderen Zahlungsmitteln nicht unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG fallen.
Allerdings werden sog. Guthaben in anderen Zahlungsmitteln als dem Euro (sog. Fremdwährungsguthaben) als „andere Wirtschaftsgüter“ von der Vorschrift der sonstigen Einkünftedes § 23 EStG erfasst.
Der Vorteil der Einordnung der Ktyptowährungen in die Vorschrift des § 23 EStG liegt darin, dass Gewinne aus Kurssteigerungen nach Ablauf eines Sperrjahres steuerfrei sind. Wird also nach dem Ankauf der Kryptiowährung ein Jahr gewartet, sind die erzielten Gewinne steuerfrei. Würden die Kryptowährungen unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG fallen, wären Kursgewinne immer steuerpflichtig, auch wenn ein Jahr gewartet wird, bis verkauft wird.
Wann ist die 1-Jahresfrist beim Verkauf von Bitcoins erreicht?
Die Veräußerung von Bitcoins und anderen Kryptowährungen, die mit klassischen Zahlungsmitteln vergleichbar sind, ist somit steuerfrei, wenn seit der Anschaffung ein Jahr verstrichen es.
Problematisch hieran ist jedoch festzustellen, wann dieser Zeitraum verstrichen ist.
Wurden die Bitcoins nicht alle auf einmal angeschafft, sondern nach und nach zu verschiedenen Zeitpunkten, gilt es im Fall der Veräußerung die Frage zu beantworten welche Bitcoins aus welchem Anschaffungsgeschäft nun tatsächlich veräußert wurden.
Zur Beantwortung dieser Frage sieht das deutsche Steuerrecht die Anwendung verschiedener sog. Verbrauchsfolgeverfahren vor. Hier kommt zum Beispiel das
sog. „First-in-first-out“ Verfahren (kurz: „fifo“),
sog. „last-in-first-out“ Verfahren (kurz: „lifo“) oder
ein Verfahren der Durchschnittsbewertung
Zu dieser Auffassung kommt es meines Erachtens auch bei Auslegung des allgemeinen Anwendungsschreibens zum Umgang mit Fremdwährungen des Bundesministeriums der Finanzen vom 25.10.2014 (BMF, 25.10.2004, IV C 3 – S 2256 – 238/04, Rz. 42).
Die ertragsteuerliche Folge aus dieser Einordnung ist, dass nach der Vorschrift des § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG zwingend das Fifo-Verfahren bei der Veräußerung von Kryptowährungen anzuwenden ist.
Zu beachten ist, dass die zwingende Anwendung des Fifo-Verfahrens für Fremdwährungsgeschäfte in § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG erst mit dem KroatienAnpG vom 25.07.2014 mit Wirkung ab dem Steuerjahr 2014 eingeführt wurde. Aus diesem Grund finden sich in älteren Aufsätzen und Hinweisen zur steuerlichen Behandlung zum Handel von Fremdwährungen oder Kryptowährungen möglicherweise noch abweichende Auffassungen.
Ab dem Jahr 2014 ist die zwingende Anwendung des Fifo-Verfahrens auf Fremdwährungshandelsgeschäfte – zu denen meines Erachtens auch der Handel mit Kryptowährungen zählt – jedenfalls gesetzlich fest vorgeschrieben.
Tausch von verschiedenen Kryptowährungen (z. B. Litecoins in Bitcoin oder Bitcoin in IOTA)
Durch den Umtausch von Euro in eine andere (virtuelle) Währung – wie zum Beispiel Bitcoin, Litecoin oder IOTA kommt es zur Anschaffung eines Wirtschaftsgutes „Fremdwährungsguthaben”. Der Rücktausch dieses Fremdwährungsguthabens in Euro sowie der Umtausch dieses Guthabens in eine andere Fremdwährung innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung ist als privates Veräußerungsgeschäft i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG einkommensteuerpflichtig (Siehe BMF, 25.10.2004, IV C 3 – S 2256 – 238/04, Rz. 42).
Wird also ein Bestand an Kryptopwährungen verwendet, um diesen in eine andere Kryptowährung einzutauschen, liegt ein steuerpflichtiger Verkauf vor (soweit noch nicht ein Jahr rum ist).
Der Umtausch von Bitcoin in Litecoin, IOTA oder andere Kryptowährungen sowie umgekehrt kann also eine Besteuerung mit Einkommensteuer auslösen.
Verluste aus dem Handel mit Bitcoins steuerlich geltend machen
Werden aus dem Handel mit Bitcoins Verluste erzielt, weil der Einstiegskurs unter dem Verkaufskurs liegt, können dieses Verluste steuerlich geltend gemacht werden.
Entscheidend für die steuerliche Behandlung ist – ebenso wie bei Gewinnen – die Haltefrist. Verluste werden also nur berücksichtigt, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als 1 Jahr liegt.
Soweit Verluste aus dem Verkauf von Kryptowährungen erzielt wurden ist grundsätzlich festzustellen, dass die Verluste nicht mit anderen Einkünften (z. B. als Angestellter, Freiberufler oder Gewerbetreibender) verrechnet werden dürfen. Nur mit anderen privaten Veräuerßungsgeschäften dürfen die Verluste verrechnet werden.
Soweit sich die Verluste des Jahres 2018 aus einer anderen Kryptowährung (z. B. Litecoin oder IOTA) ergeben, wäre eine Verrechnung mit den Gewinnen aus der Veräußerung der Bitcoins im Jahr 2017 ebenso möglich
## Darlehensverträge in Bitcoin und anderen Kryptowährungen
Wird ein Darlehen in Bitcoins oder einer anderen Kryptowährung gegeben ist eine Trennung zwischen der Einkommens- und Vermögensebene vorzunehmen.
Die Begründung einer Forderung in Fremdwährung (z.B. Bitcoin) und anschließende Einlösung dieser Forderung ist kein privates Veräußerungsgeschäft i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.
Auch die Rückzahlung eines Fremdwährungsdarlehens innerhalb eines Jahres seit Abschluss des Darlehensvertrages führt nicht zu einem steuerpflichtigen privaten Veräußerungsgewinn i.S.d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.
Währungskursschwankungen sind hier also grundsätzlich unbeachtlich. Denn Fremdwährungsbeträge, die aus Forderungen resultieren können mangels Anschaffung i. S. d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG kein steuerbares privates Veräußerungsgeschäft auslösen (Vgl. BFH-Urteil vom 2.5.2000, BStBl II 2002 S. 614; BMF, 25.10.2004, IV C 3 – S 2256 – 238/04, Rz. 44;)
Einkommensebene
Hingegen sind die Zinsen für das Darlehen, welche an den Darlehensgläubiger zu leisten sind als steuerpflichtiges Einkommen zu behandeln.
Die Zinsen sind beim Darlehensgläubiger als Einkünfte aus Kapitalvermögen gem. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zu erfassen. Hierzu hat eine Umrechnung der in Bitcoin etc. geleisteten Zinsen in Euro zu erfolgen.
Lesen Sie im Artikel über steuerlichen Folgen beim Bitcoin-Mining..
BITCOIN MINING – WAS GILT STEUERLICH?
By halle.law | 30. Dezember 2017 | In Einkommensteuer, Sonstige Themen |

References: EuGH 
 EuGH 
 § 20
 § 23
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