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Timestamp: 2020-06-02 22:01:52+00:00

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Ausländische Rentenzahlungen in der deutschen Insolvenz | RentenBote
22. Oktober 2014 VerbraucherBote Altersrente
Bei der Berech­nung des pfänd­ba­ren Ein­kom­mens sind auf Antrag aus­län­di­sche gesetz­li­che Ren­ten mit inlän­di­schen gesetz­li­chen Ren­ten zusam­men­zu­rech­nen.
Nach § 35 Abs. 1 InsO (vgl. im Ver­hält­nis zu Öster­reich Art. 3 Abs. 1 EuIns­VO, Art. 4 Abs. 1 und 2 lit. b EuIns­VO) erfasst das Insol­venzver­fah­ren das gesam­te Ver­mö­gen, das der Schuld­ne­rin zur Zeit der Eröff­nung des Ver­fah­rens gehört und das sie wäh­rend des Ver­fah­rens erlangt. Dazu gehört auch Aus­lands­ver­mö­gen; das folgt aus dem Uni­ver­sa­li­täts­prin­zip 1. Des­we­gen fällt – neben der deut­schen Alters- und Wit­wen­ren­te (§ 54 SGB I) – auch die öster­rei­chi­sche gesetz­li­che Alters­ren­te (Pen­si­on) als Neu­erwerb in die Insol­venzmas­se, soweit die­se Ren­ten nicht nach § 36 Abs. 1 Satz 1 InsO etwa in Ver­bin­dung mit § 850c ZPO unpfänd­bar sind. § 850e ZPO fin­det Anwen­dung.
Die aus­län­di­schen Ren­ten­an­sprü­che fal­len nicht unter den Wort­laut des § 850e Nr. 2 und Nr. 2a ZPO 2. Danach sind auf Antrag bei der Pfän­dung meh­re­re Arbeits­ein­kom­men oder Arbeits­ein­kom­men und Ansprü­che auf lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch zusam­men­zu­rech­nen, soweit die­se der Pfän­dung unter­wor­fen sind. Die Pen­si­ons­zah­lun­gen der öster­rei­chi­schen Pen­si­ons­ver­si­che­rungs­an­stalt an die Schuld­ne­rin (nach §§ 221 bis 314 des öster­rei­chi­schen Bun­des­ge­set­zes vom 09.09.1955 über die All­ge­mei­ne Sozi­al­ver­si­che­rung (All­ge­mei­nes Sozi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz – ASVG) sind jedoch weder Leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch (§§ 18 bis 29 SGB I; vgl. Prütting/​Gehrlein/​Ahrens, ZPO, 6. Aufl., § 850e Rn. 30), was auf der Hand liegt, noch Arbeits­ein­kom­men.
Arbeits­ein­kom­men im Sin­ne von § 850e Nr. 2 und 2a ZPO sind Bezü­ge, die unter § 850 ZPO fal­len 3. Hier­zu gehö­ren in Geld zahl­ba­re Bezü­ge oder Ver­gü­tun­gen, deren Rechts­grund­la­ge gegen­wär­ti­ge oder frü­he­re Arbeits­leis­tun­gen oder Zusa­gen von Arbeits­leis­tun­gen sind 4. § 850 Abs. 2 ZPO nennt neben den Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­gen der Beam­ten und den Arbeits- und Dienst­löh­nen die Ruhe­gel­der und ähn­li­che nach dem einst­wei­li­gen oder dau­ern­den Aus­schei­den aus dem Dienst- oder Arbeits­ver­hält­nis gewähr­te fort­lau­fen­de Ein­künf­te, fer­ner Hin­ter­blie­be­nen­be­zü­ge, § 850 Abs. 3 ZPO die Ren­ten, die auf Grund von Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen gewährt wer­den, wenn die­se Ver­trä­ge zur Ver­sor­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers oder sei­ner unter­halts­be­rech­tig­ten Ange­hö­ri­gen ein­ge­gan­gen sind (§ 850 Abs. 3 ZPO).
Unter Ruhe­gel­dern und ähn­li­chen Ein­künf­ten wer­den Bezü­ge ver­stan­den, die vom Arbeit­ge­ber wäh­rend des lau­fen­den Arbeits­ver­hält­nis­ses und im Hin­blick auf erbrach­te Arbeit für die Zeit nach dem Aus­schei­den zuge­sagt wur­den, so etwa Betriebs­ren­ten, betrieb­li­che Teil­ren­ten, Bezü­ge aus durch den Dritt­schuld­ner ein­ge­rich­te­ten Pen­si­ons­kas­sen, Inva­li­den­ren­ten oder sons­ti­ge betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung, Direkt­ver­si­che­run­gen, Ver­sor­gungs­be­zü­ge von Vor­stands­mit­glie­dern oder Geschäfts­füh­rern, soweit sie lau­fen­den Cha­rak­ter haben 5. Hier­un­ter fal­len jedoch nicht die gesetz­li­chen Ren­ten 6. § 850 Abs. 3 lit. b ZPO betrifft dem­ge­gen­über Ver­sor­gungs­ren­ten frü­he­rer Arbeit­neh­mer, die auf Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen beru­hen und bestim­mungs­ge­mäß Ruhe­geld oder Hin­ter­blie­be­nen­be­zü­ge erset­zen oder ergän­zen sol­len. Gesetz­li­che Ren­ten­an­sprü­che fal­len nach ganz all­ge­mei­ner Ansicht eben­falls nicht hier­un­ter 7.
Die Pen­si­ons­zah­lun­gen der Pen­si­ons­ver­si­che­rungs­an­stalt Wien sind – wie die Zah­lun­gen der Ren­te nach dem SGB VI – Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (vgl. §§ 221 ff ASVG). Mit­hin sind sie weder Ruhe­gel­der im Sin­ne von § 850 Abs. 2 ZPO noch Zah­lun­gen aus pri­va­ten Ver­si­che­rungs­ren­ten.
Jedoch sind deut­sche und aus­län­di­sche gesetz­li­che Ren­ten in ana­lo­ger Anwen­dung des § 850e Nr. 2, 2a ZPO zusam­men­zu­rech­nen.
Die gesetz­li­chen Rege­lun­gen über die Zusam­men­rech­nung sind lücken­haft. Nach § 850e Nr. 2 ZPO wer­den nur Arbeits­ein­kom­men zusam­men­ge­rech­net, nach Num­mer 2a Arbeits­ein­kom­men mit lau­fen­den Leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch. Es ist jedoch unbe­strit­ten, dass unter­schied­li­che lau­fen­de Leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch ent­spre­chend § 850e Nr. 2 und Nr. 2a ZPO zusam­men­ge­rech­net wer­den. Ent­schie­den ist der Fall, dass der Schuld­ner zwei Ren­ten von unter­schied­li­chen deut­schen Ren­ten­trä­gern bezieht 8. Die grund­sätz­li­che Mög­lich­keit der Zusam­men­rech­nung von Sozi­al­leis­tun­gen (etwa Wohn­geld, Leis­tun­gen nach dem Unter­halts­vor­schuss­ge­setz, Kin­der­geld, Bun­des­er­zie­hungs­geld, Lan­des­er­zie­hungs­geld) ist eben­falls aner­kannt 9.
Eine Ana­lo­gie ist zuläs­sig und gebo­ten, wenn das Gesetz eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke ent­hält und der zu beur­tei­len­de Sach­ver­halt in recht­li­cher Hin­sicht soweit mit dem gesetz­lich gere­gel­ten Tat­be­stand ver­gleich­bar ist, dass ange­nom­men wer­den kann, der Gesetz­ge­ber wäre bei einer Inter­es­sen­ab­wä­gung, bei der er sich von den glei­chen Grund­sät­zen hät­te lei­ten las­sen wie bei dem Erlass der her­an­ge­zo­ge­nen Geset­zes­vor­schrift, zu dem glei­chen Abwä­gungs­er­geb­nis gekom­men 10. Das ist bei der Zusam­men­rech­nung inlän­di­scher und aus­län­di­scher gesetz­li­cher Ren­ten der Fall.
§ 850e Nr. 2 und Nr. 2a ZPO ent­hal­ten im Hin­blick auf die aus­län­di­schen gesetz­li­chen Ren­ten eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke. Der Gesetz­ge­ber hat das Zusam­men­tref­fen von inlän­di­schen und aus­län­di­schen Ren­ten­an­sprü­chen des Schuld­ners ersicht­lich im Rah­men des § 850e ZPO nicht bedacht. Die­se Vor­schrift (ein­schließ­lich Nr. 2 ohne Nr. 2a) wur­de ein­ge­führt durch Art. 1 Nr. 12 des Geset­zes über Maß­nah­men auf dem Gebiet der Zwangs­voll­stre­ckung vom 20.08.1953 11. Die Mög­lich­keit, Arbeits­ein­kom­men zusam­men­zu­rech­nen, um aus dem zusam­men­ge­rech­ne­ten Arbeits­ein­kom­men den Pfän­dungs­frei­be­trag zu errech­nen, gab es jedoch jeden­falls seit den zwan­zi­ger Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts. Gere­gelt wur­de dies aller­dings in Neben­ge­set­zen (zuletzt in § 7 der Lohn­pfän­dungs­ver­ord­nung vom 30.10.1940 12). § 850e Nr. 2a ZPO wur­de mit Ein­füh­rung des Sozi­al­ge­setz­bu­ches durch Art. – II § 15 des Geset­zes vom 11.12 1975 13 mit Wir­kung vom 01.01.1976 ein­ge­führt, geän­dert durch Arti­kel 5 des Ers­ten Geset­zes zur Ände­rung des Sozi­al­ge­setz­bu­ches vom 20.07.1988 14 mit Wir­kung vom 01.01.1989, geän­dert durch Arti­kel 19 des Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des Sozi­al­ge­setz­buchs vom 13.06.1994 15 mit Wir­kung vom 18.06.1994, geän­dert durch Arti­kel 4 des Jah­res­steu­er-Ergän­zungs­ge­set­zes 1996 vom 18.12 1995 16 mit Wir­kung vom 01.01.1996.
Mit dem erwähn­ten Gesetz vom 11.12 1975 hat der Gesetz­ge­ber in § 54 SGB I die Mög­lich­keit, Sozi­al­leis­tun­gen zu pfän­den, erwei­tert. Er woll­te für die Pfän­dung von Geld­leis­tun­gen eine dif­fe­ren­zier­te Rege­lung schaf­fen, die einer­seits den not­wen­di­gen sozia­len Schutz des Leis­tungs­be­rech­tig­ten beach­te­te, ande­rer­seits den Rechts­ver­kehr nicht über Gebühr beschränk­te 17. Die Gläu­bi­ger- und Schuld­ner­in­ter­es­sen soll­ten in sozi­al- und recht­po­li­tisch ver­tret­ba­rer Wei­se gegen­ein­an­der abge­wo­gen wer­den. Jeden­falls soll­ten die für das Arbeits­ein­kom­men gel­ten­den Pfän­dungs­gren­zen ein­ge­hal­ten wer­den. Soweit die lau­fen­den Geld­leis­tun­gen die­sen Betrag über­stie­gen, soll­te das Voll­stre­ckungs­ge­richt zusätz­lich prü­fen, ob und in wel­cher Höhe die Pfän­dun­gen der Bil­lig­keit ent­spra­chen 18.
Als Fol­ge der erwei­ter­ten Pfänd­bar­keit der Sozi­al­leis­tun­gen regel­te der Gesetz­ge­ber in § 850e Nr. 2a ZPO die Zusam­men­re­chen­bar­keit von Arbeits­ein­kom­men mit lau­fen­den Geld­leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch, soweit dies ent­spre­chend den Rege­lun­gen in § 54 Abs. 2 SGB I der Bil­lig­keit ent­sprach 19.
Durch das Ers­te Ände­rungs­ge­setz zum Sozi­al­ge­setz­buch vom 20.07.1988 ver­lang­te der Gesetz­ge­ber sowohl im Rah­men von § 54 SGB I wie auch im Rah­men des § 850e Nr. 2a ZPO die Anhö­rung von Schuld­ner und Gläu­bi­ger vor Pfän­dung und Zusam­men­rech­nung zu der Bil­lig­keits­ent­schei­dung. Anlass für den Gesetz­ge­ber war, dass es dem Gläu­bi­ger häu­fig Schwie­rig­kei­ten berei­te­te dar­zu­le­gen, dass die bean­trag­te Pfän­dung der Bil­lig­keit ent­sprach und sie nicht zur Sozi­al­hil­fe­be­dürf­tig­keit des Schuld­ners führ­te 20. Wei­ter bestimm­te er, dass der unpfänd­ba­re Grund­be­trag, soweit die Pfän­dung nicht wegen gesetz­li­cher Unter­halts­an­sprü­che erfol­ge, in ers­ter Linie den lau­fen­den Geld­leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch zu ent­neh­men sei 21. In der wei­te­ren Debat­te ging es vor allem dar­um sicher­zu­stel­len, dass der Schuld­ner nicht durch die Pfän­dung sozi­al­be­dürf­tig wird 22.
Mit der Geset­zes­än­de­rung vom 13.06.1994 ver­zich­te­te der Gesetz­ge­ber auf die Bil­lig­keits­prü­fung. Er mein­te, die Son­der­vor­schrif­ten bei der Pfän­dung lau­fen­der Sozi­al­leis­tun­gen hät­ten zu Ver­wer­fun­gen mit dem Voll­stre­ckungs­recht geführt. Um für die Zukunft bei der Pfän­dung von Sozi­al­leis­tun­gen einer­seits den Zweck der ein­zel­nen Leis­tun­gen zu berück­sich­ti­gen, ande­rer­seits aber das Pfän­dungs­ver­fah­ren von schwie­ri­gen Ein­zel­fall­prü­fun­gen zu ent­las­ten, soll­ten lau­fen­de Sozi­al­leis­tun­gen ent­we­der von vorn­her­ein unpfänd­bar gestellt wer­den oder wie Arbeits­ein­kom­men gepfän­det wer­den kön­nen. § 850e Nr. 2a ZPO wur­de die­sen Vor­ga­ben ange­passt 23.
Die letz­te Geset­zes­än­de­rung betraf § 850e Nr. 2a Satz 3 ZPO. Sie wur­de erfor­der­lich – so die Geset­zes­be­grün­dung , um die Rege­lung an die Wei­ter­ent­wick­lung des Fami­li­en­las­ten­aus­gleichs zu einem Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 1996 redak­tio­nell anzu­pas­sen 24.
Die­se Geset­zes­vor­ha­ben waren sämt­lich vom Wil­len des Gesetz­ge­bers getra­gen, die Pfän­dung von Sozi­al­leis­tun­gen im Inter­es­se der Gläu­bi­ger zu ermög­li­chen, den Schuld­ner aber nicht schutz­los zu stel­len. Die Mög­lich­keit eines Bezugs aus­län­di­scher Ren­ten wur­de hier­bei vom Gesetz­ge­ber in kei­nem Fall ange­spro­chen und nicht bedacht. Dage­gen spricht nicht, dass der Gesetz­ge­ber in ande­rem Zusam­men­hang das aus­län­di­sche Ein­kom­men berück­sich­tigt hat (§ 17a, § 18a Abs. 1 Satz 3 SGB IV, § 31 Fremd­ren­ten­ge­setz).
Der zu beur­tei­len­de Sach­ver­halt – Zusam­men­rech­nung einer inlän­di­schen mit einer aus­län­di­schen Ren­te – ist in recht­li­cher Hin­sicht mit den in § 850e Nr. 2 und 2a ZPO gere­gel­ten Sach­ver­hal­ten ver­gleich­bar. § 850e ZPO ist Grund­la­ge für die kon­kre­te Berech­nung des pfänd­ba­ren Betra­ges nach § 850c und § 850d ZPO. Aus die­ser Vor­schrift ergibt sich bei­spiel­haft, wie der Gesetz­ge­ber die Schuld­ner- und Gläu­bi­ger­inter­es­sen abwä­gen will 25. Nach § 850e Nr. 2 und 2a ZPO sind dem­nach meh­re­re dem Pfän­dungs­schutz des § 850c ZPO unter­lie­gen­de Leis­tun­gen zur Bemes­sung eines gemein­sa­men pfand­frei­en Betra­ges nach den Gesamt­be­zü­gen auf Antrag zusam­men­zu­rech­nen. Ent­spre­chend die­sem Grund­ge­dan­ken hat der Gesetz­ge­ber auch in § 851c Abs. 3 ZPO die Zusam­men­rech­nung von Ren­ten­zah­lun­gen aus pri­va­ter Alters­vor­sor­ge, soweit sie unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 851c Abs. 1 ZPO nur wie Arbeits­ein­kom­men gepfän­det wer­den dür­fen, mit ande­ren Zah­lun­gen auf eine pri­va­te und gesetz­li­che Ren­te oder ande­ren geschütz­ten Leis­tun­gen ange­ord­net.
Die­sen Grund­sät­zen wider­sprä­che es, die aus­län­di­schen Ren­ten nicht mit den inlän­di­schen geschütz­ten Ein­künf­ten zur Bemes­sung eines gemein­sa­men pfand­frei­en Betra­ges nach § 850c ZPO zusam­men­zu­rech­nen. Die Gläu­bi­ger wür­den ohne Recht­fer­ti­gung unter Ein­griff in ihre grund­recht­lich geschütz­ten Posi­tio­nen benach­tei­ligt, weil ihre Voll­stre­ckungs­aus­sich­ten geschmä­lert wür­den. Zu den Eigen­tums­rech­ten im Sin­ne von Art. 14 Abs. 1 GG gehö­ren auch schuld­recht­li­che For­de­run­gen. Der ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Schutz erstreckt sich ins­be­son­de­re auf das Befrie­di­gungs­recht des Gläu­bi­gers. Der Staat, der selbst das Zwangs­voll­stre­ckungs­mo­no­pol aus­übt, darf den davon betrof­fe­nen Gläu­bi­gern das Ein­kom­men bestimm­ter Schuld­ner­krei­se nicht gene­rell als Haf­tungs­grund­la­ge ent­zie­hen. Pfän­dungs­ver­bo­te sind nur aus Grün­den des Sozi­al­staats­prin­zips (Art.20 Abs. 1, Art. 28 Abs. 1 GG) gerecht­fer­tigt, um die eige­ne Lebens­grund­la­ge des Schuld­ners durch Pfän­dungs­frei­be­trä­ge (§§ 850 ff ZPO) zu sichern. Auch im Inhalt eines Rech­tes ange­leg­te Pfän­dungs­hin­der­nis­se sind in Abwä­gung mit dem durch Art. 14 Abs. 1 GG geschütz­ten Befrie­di­gungs­recht der Gläu­bi­ger allen­falls wirk­sam, soweit sons­ti­ge, über­wie­gen­de Grün­de das zwin­gend erfor­dern 26.
Zwar könn­te der Treu­hän­der auf die Ren­ten- und Pen­si­ons­zah­lun­gen nach ihrer Aus­zah­lung nach §§ 808 ff, § 811 ZPO bei einer Bar­aus­zah­lung und nach §§ 829 ff, § 835 Abs. 3 Satz 2, §§ 850k, 850l ZPO bei einer Geld­über­wei­sung auf ein Giro­kon­to zugrei­fen, weil nur die For­de­run­gen, nicht aber die ein­ge­nom­me­nen Zah­lun­gen geschützt sind 27. Die­ser Schutz kann im Ein­zel­fall aber nicht aus­rei­chend sein.
Die Zusam­men­rech­nung hat jeden­falls dann zu erfol­gen, wenn die Aus­län­di­sche Ren­te im Grund­satz pfänd­bar ist. Denn sowohl § 850e Nr. 2a ZPO als auch § 54 Abs. 4 SGB I schlie­ßen es aus, Ansprü­che auf Arbeits­ein­kom­men mit Sozi­al­leis­tun­gen oder Ansprü­che auf ver­schie­de­ne Sozi­al­leis­tun­gen unter­ein­an­der zusam­men­zu­rech­nen, soweit die­se der Pfän­dung nicht unter­wor­fen sind 28. Dies ist für die öster­rei­chi­sche Pen­si­on – ent­ge­gen den Aus­füh­run­gen in der Rechts­be­schwer­de­er­wi­de­rung – aber nicht der Fall.
Nach öster­rei­chi­schem Recht regelt das Gesetz vom 27.05.1896 über das Exe­ku­ti­ons- und Siche­rungs­ver­fah­ren (Exe­ku­ti­ons­ord­nung – EO), inwie­weit Pen­si­ons­an­sprü­che pfänd­bar sind (§ 98a ASVG). Nach Art. 290a Abs. 1 Nr. 4 EO sind Pen­sio­nen aus der gesetz­li­chen Sozi­al­ver­si­che­rung nach – dem vor­lie­gend allein rele­van­ten – Art. 291a EO pfänd­bar. Danach schützt die Exe­ku­ti­ons­ord­nung das Exis­tenz­mi­ni­mum durch einen unpfänd­ba­ren Frei­be­trag, der für die Schuld­ne­rin (nach Zusam­men­rech­nung der Ren­ten) der­zeit 1.206, 66 € betrü­ge. Die Zusam­men­rech­nung der öster­rei­chi­schen mit den deut­schen Ren­ten erlaubt Art. 292 EO 29, sofern die aus öster­rei­chi­scher Sicht Aus­län­di­sche Ren­te pfänd­bar ist 30.
Bean­stan­dungs­frei hat das Amts­ge­richt eben­falls ange­ord­net, dass der pfänd­ba­re Betrag den deut­schen Ren­ten zu ent­neh­men ist. Aller­dings ist nach § 850e Nr. 2a Satz 2 ZPO der unpfänd­ba­re Grund­be­trag, soweit die Pfän­dung nicht wegen gesetz­li­cher Unter­halts­an­sprü­che erfolgt, in ers­ter Linie den lau­fen­den Geld­leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch zu ent­neh­men. Damit woll­te der Gesetz­ge­ber zum Schutz des Schuld­ners sicher­stel­len, dass der unpfänd­ba­re Grund­be­trag grund­sätz­lich dem jewei­lig sichers­ten Ein­kom­men ent­nom­men wird 31. Das sah er in den Leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch. Vor­lie­gend sind die Leis­tun­gen der inlän­di­schen wie der öster­rei­chi­schen Ver­si­che­rung gleich sicher. In einer sol­chen Lage darf der Treu­hän­der wäh­len, wel­cher Ren­te er den pfänd­ba­ren Betrag ent­neh­men will.
Der Zusam­men­rech­nungs­be­schluss des Insol­venzgerichts hat Bestand, obwohl in ihm die Höhe des Gesamt­ein­kom­mens nicht ange­ge­ben wor­den ist 32. Die­se Anga­be ist hier nicht erfor­der­lich, zumal sich die Ein­künf­te stän­dig ver­än­dern kön­nen 33.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Sep­tem­ber 2014 – IX ZB 68/​13
vgl. BGH, Urteil vom 13.07.1983 – VIII ZR 246/​82, BGHZ 88, 147, 150 zu § 1 KO; Beschluss vom 18.09.2003 – IX ZB 74/​03, nv, Rn. 6[↩]
vgl. LG Aachen, MDR 1992, 521; AG Nien­burg, Jur­Bü­ro 2004, 559; Münch­Komm-ZPO/S­mid, 4. Aufl., § 850e Rn. 35; Stein/​Jonas/​Brehm, aaO § 850e Rn. 59; Zöller/​Stöber, ZPO, 30. Aufl., § 850e Rn. 15; Musielak/​Becker, ZPO, 11. Aufl., § 850e Rn. 13; Hk-ZPO/K­em­per, 5. Aufl., § 850e Rn. 14; Baumbach/​Hartmann, ZPO, 72. Aufl., § 850e Rn. 8[↩]
Stein/​Jonas/​Brehm, aaO § 850e Rn. 21; Zöller/​Stöber, aaO § 850e Rn. 3[↩]
vgl. Stein/​Jonas/​Brehm, aaO § 850 Rn.19[↩]
Mel­ler-Han­nich, aaO § 850 Rn. 50; Prütting/​Gehrlein/​Ahrens, aaO § 850 Rn. 25[↩]
Mel­ler-Han­nich, aaO; Prütting/​Gehrlein/​Ahrens, aaO; Schusch­ke/­Wal­ker/Kes­sal-Wulf, Voll­stre­ckung und Vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 5. Aufl., § 850 Rn. 12[↩]
Prütting/​Gehrlein/​Ahrens, aaO § 850 Rn. 30; Kes­sal-Wulf, aaO Rn. 16[↩]
BGH, Beschluss vom 03.12 2009 – IX ZB 247/​08, BGHZ 183, 258 Rn. 2, 11 – unter Anwen­dung des § 850e Nr. 2 ZPO[↩]
BGH, Beschluss vom 05.04.2005 – VII ZB 20/​05, WM 2005, 1369, 1370 – unter Anwen­dung des § 850e Nr. 2a ZPO; vgl. Kes­sal-Wulf, aaO § 850e Rn. 10; Prütting/​Gehrlein/​Ahrens, aaO, § 850e Rn. 30[↩]
BGH, Beschluss vom 14.06.2007 – V ZB 102/​06, NJW 2007, 3124 Rn. 11 mwN[↩]
BGBl. I S. 952[↩]
RGBl. I S. 1451[↩]
BGBl. I S. 3015[↩]
BGBl. I S. 1229[↩]
BGBl. I S.1959[↩]
BT-Drs. 6/​3764 S. 27 zu § 52 und § 53; BT-Drs. 7/​868 S. 32[↩]
BT-Drs. 6/​3764 S. 27 zu § 53; BT-Drs. 7/​868 S. 32 zu § 54[↩]
vgl. BT-Drs. 6/​3764 S. 31 zu § 14; BT-Drs. 7/​868 S. 37 zu § 15[↩]
BR-Drs. 315/​87, S. 15[↩]
vgl. zu den Grün­den BR-Drs. 315/​87 S. 40[↩]
vgl. nur BR-Drs. 315÷1÷87 S. 4[↩]
BT-Drs. 12/​5187 S. 29[↩]
BT-Drs. 13/​3084 S. 22[↩]
vgl. Prütting/​Gehrlein/​Ahrens, aaO § 850e Rn. 1[↩]
BGH, Beschluss vom 25.08.2004 – IXa ZB 271/​03, BGHZ 160, 197, 200[↩]
vgl. Mel­ler-Han­nich, aaO § 850 Rn. 5[↩]
BGH, Beschluss vom 05.04.2005 – VII ZB 20/​05, WM 2005, 1369, 1370[↩]
LG Steyr, Arbeits­ge­mein­schaft der Rechts­pfle­ger in Exe­ku­ti­ons­sa­chen beim Exe­ku­ti­ons­ge­richt Wien, Rechts­mit­tel­ent­schei­dun­gen in Zivil­pro­zess- und Exe­ku­ti­ons­sa­chen, 1996, Nr. 84 zur Zusam­men­rech­nung einer deut­schen mit einer öster­rei­chi­schen Ren­te; Angst/​Jakusch/​Mohr, Exe­ku­ti­ons­ord­nung, 15. Aufl., Art. 292 Anm. E 14[↩]
Angst/​Jakusch/​Mohr, aaO Anm. E 15[↩]
BR-Drs. 315/​87 S. 40[↩]
so in einem obiter dic­tum BGH, Urteil vom 10.07.2008 – IX ZR 118/​07, NZI 2008, 607 Rn. 14[↩]
vgl. Beck­OK-ZPO/­Rie­del, 2014, § 850e Rn. 32[↩]
Schwei­zer Pen­si­ons­kas­sen und die Besteue­rung ihrer Aus­tritts­leis­tun­gen
Steu­er­li­che Ungleich­be­hand­lung pri­va­ter und gesetz­li­cher Ren­ten
AltersrenteAusländische RenteInsolvenzPfändungsfreibetrag
Ein Eigenheim als Altersvorsorge
Aussetzung der Rentenanpassung 2010

References: § 35
 Art. 3
 Art. 4
 § 36
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850

§ 850
 § 850
 Art. 1
 § 7
 § 850
 § 15
 § 54
 § 850
 § 54
 § 54
 § 850
 § 850
 § 850
 § 18
 § 31
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 851
 § 851
 § 850
 Art. 14
 Art. 28
 Art. 14
 § 811
 § 835
 § 850
 § 54
 Art. 290
 Art. 291
 Art. 292
 § 850
 § 1
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 850
 § 52
 § 53
 § 53
 § 54
 § 14
 § 15
 § 850
 § 850
 Art. 292
 § 850