Source: https://zelking.com/?p=58
Timestamp: 2018-04-19 21:07:29+00:00

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Ereignisse – Zelking.com
Die Belagerung von Melk 1309
(die Herren von Zelking betreffend)
Die erste Belagerung des Klosters und des Marktes fand ihm Jahre 1309 statt, so berichtet die Tradition im Stift. Nach der Ermordung König Albrechts I. wollten österreichische Adelige unter der Führung der Pottendorfer und Zelkinger die schwache Stellung der Habsburger nützen und das wenig geliebte Regiment der „Schwaben“ abschütteln. Mit Unterstützung des Bayernherzogs Otto versuchten sie zwei Brüder des neuen Herzogs Friedrich des Schönen zu fangen, wurden aber von Ulrich von Wallsee besiegt und hart bestraft. Bei der Abwehr der Aufrührer war angeblich auch Melk belagert worden und hatte sich unter Abt Ulrich tapfer zur Wehr gesetzt. Herzog Friedrich bestätigte dem Kloster daraufhin im Jahre 1310 alle bisherigen Privilegien. Ein Jahr später sprach er dem Abt seinen Dank für das treue Verhalten aus und bestätigte alle Besitzungen und auch künftigen Erwerbungen des Klosters mit der ausdrücklichen Widmung, der Abt solle damit in die Lage versetzt werden, das Kloster weiterhin zu befestigen und zu besetzen. Daraus leiteten die Nachfahren die stolze Bezeichnung der Melker Klosteranlage als „Landesfeste“ ab. Ob diese Belagerung Melks tatsächlich stattgefunden hat, ist leider wegen der fehlenden Quellen nicht mehr zu klären. Die Melker Bürger haben jedenfalls dieses Ereignis gewürdigt und neben dem Fischertor eine darauf bezug nehmende Tafel angebracht (siehe Foto!). Leider ist dem Chronisten oder Steinmetz ein Irrtum passiert, sodass die Regierungsdaten des Abtes als die Jahre der Heldentaten der Melker in die historische Literatur eingegangen sind. Die richtige Inschrift müsste folgendermaßen lauten (KEIBLINGER 1851 I., 393 ff.; LINDE 1900, 21; GUTKAS 1983, 98; BRUCKMÜLLER 1989, 373; GUTKAS 1994, 134):
Unter FRIEDRICH DEM SCHÖNEN vertheidigten Abt ULRICH II. (*) 1306 1324 und ULRICH VON WALSEE den Ort erfolgreich gegen die Bayern unter Führung der Herrn von ZELKING und POTENDORF. Der Herzog verlieh hiefür Melk für alle Zeiten den Namen einer „LANDESFESTE“.
(Die Erinnerungstafel)
Das unter dem Abte Conrad IV. am 14. August 1297 von einer verheerenden Feuersbrunst gänzlich zerstörte und in Asche gelegte Stift wurde durch Ulrich II. (* Abt von 1306 bis 1324!) neu erbaut. Berühmt machte denselben seine unerschütterliche Treue gegen (gegenüber!) seinem Landesfürst Friedrich den Schönen, als dieser von seinen eigenen Großen befehdet und mit den Bayern in Krieg verwickelt war. Dem kraftvollen Landeshauptmann von Steiermark, Ulrich von Wallsee, die Freundeshand reichend, nahm der Abt, ohne die Rache der mächtigen Gegenpartei und ihrer Häupter, der Herren von Zelking und von Pottendorf, zu fürchten, eine auserlesene Schaar rüstiger und muthvoller Streiter in die schützenden Mauern des wohlbefestigten Stiftes auf, verpflegte sie nach seinem Vermögen und setzte durch ihre Mitwirkung den zahlreichen Feinden des rechmäßigen Landesherrn einen unbesiebgaren Widerstand entgegen.
(Teilentnahme aus: Stadtbuch Melk 1998, Seite 13)
Loosdorf, 9. August 2005
(°) Ihrem Brief entnehme ich, dass die Schreibung im Stadtbuch sie offensichtlich verwirrt hat. Gemeint ist hier – authentisch von mir – dass auf der Tafel es so ausschaut, wie wenn im Jahre 1306 und 1324 Abt Ulrich und Ulrich von Wallsee Melk gegen die Bayern etc. hätten verteidigen müssen. Tatsächlich sind die beiden Jahreszahlen die Regierungsjahre (*) des Abtes, daher gehören sie richtig anschließend an den Namen in Klammer und Bindestrich angefügt. Die Klammer und der Bindestrich fehlen nämlich auf der Tafel. Darum habe ich gemeint, dass der Steinmetz eine schlechte Vorgabe vom Chronisten hatte und irrtümlich die Regierungsdaten des Abtes eingefügt hat statt der Belagerungsdaten.
Die Belagerung zur Zeit des Herzog Friedrich des Schönen kann erst nach 1308, nach dem Tod König Albrechts und der Machtübernahme Friedrichs erfolgt sein. Es gab tatsächlich gewaltige Auseinandersetzungen Friedrichs mit den Bayern und Schweizern mit schweren Niederlagen der Österreicher, die erfolgten alle jedoch im bayrischen Raum. Bei uns dürfte sich dabei nichts abgespielt haben. Es gab jedoch unter König Albrecht Aufstände der österreichischen Adeligen, auf die diese Anmerkung zutreffen könnte. Daher mein Hinweis, dass dies wegen der fehlenden Quellen nicht nachzuvollziehen ist.
Die Tafel mit dem Hinweis auf die Landesfeste wurde nach Diktion und Schreibweise ganz offensichtlich im 19. Jahrhundert angebracht. Diejenigen, die den Text vorgegeben haben waren historisch nicht ganz stark bzw. haben so wie wir keine Quellen zur Unterstützung gehabt und waren vermutlich nur auf mündliche Überlieferung angewiesen.
(° Antwortschreiben von Dr. Gerhard Floßmann auf meine Anfrage die Belagerungen Melks 1309 und 1619 betreffend – Teil I)
(*) Aber schon 1309 schien es, als seien die Tage habsburgischer Herrschaft gezählt. Ihnen die Hoheit über das Babenberger Erbe zu nehmen, war das Ziel Heinrichs VII. von Luxemburg, der, als er den deutschen Kaiserthron bestieg, zauderte, Friedrich den Schönen zu belehnen. Die Missgesinnten Adeligen, vor allen der Zelkinger, verbanden sich mit dem starken Heere Ottos von Bayern, das jedoch an den Mauern von Melk zerschellte.
(*) Heimatkunde des Bezirkes Melk. Von L. G. Ricek, Wien 1912, Seite 8
Die Visitation der protestantischen Pfarren von Niederösterreich (1580)
Die Stände erbaten sich daher wieder den Theologen Lucas Backmeister, der 1580 durch eine Visitation aller protestantischen Pfarren in Niederösterreich das Bekenntnis der Augsburger Confession befestigen sollte (Seite 348).
(In einer späteren Eingage vom Jahre 1580 waren bedeutend mehr flacianische Prediger unterschrieben; … unter anderem: M. Josias Udenius, Pfarrer zu Zelking – Seite 350.)
Die Ergebnisse der Visitation waren folgende:
Für das Viertel ober dem Manhartsberg wurde die Visitation zu Horn gehalten vom 11. Juli bis 6. August. Aus dem Herren- und Ritterstand haben sich „öffentlich zur Evangelischen Religion bekannt, auch das freye Exercitium derselben in ihrem Gebiete gehabt und betrieben“:
1. Aus dem Herrenstand: …, H. Hans Christoph von Zelcking, Freyherr auf großen Germs (Seite 351).
„Georgius Walher, Pfarrer zu Grosen Germs unter gedachten Herrn (Hans Christoph) von Zelcking. Gebohren zu Reichenheim Anno 1530. Er hatte in seinem Vaterland studirt und ward ein Mönch (Seite 360).
Die zweite Visitation im Viertel ob dem Wienerwald wurde zu Schallaburg vom 12. bis 23. August gehalten, „Die Herren und Land-Leute, die in demselben lebten oder doch Pfarrlehen in diesem Viertel hatten und der Evangelischen Lehre öffentlich zugethan waren, waren folgende (Seite 361):“
2. Ritterstand:
„Diese Oerter, da sich alles zum Evangelio bekannte, waren folgende: …, Zelcking Schloß, … (Seite 363).
Die vierte Visitation im Viertel unter dem Manhartsberg wurde zu Feldsberg und zu Enzersdorf im Langenthal vom 13. bis zum 22. September 1580 abgehalten.
1. Herren-Stand: Weyl. Herrn Carl Ludwig Freyherrn von Zelcking sel. gelassen Erben; Hans Christoph Freyherr von Zelcking zu Sirendorff (Seite 369/370).
Die Lage der Kirche in Österreich beim Regierungsantritt Ferdinands II. wird am besten durch die Beschwerdeschrift der katholischen Stände erklärt, die eine Reihe von Rechtsverletzungen durch die Protestanten aufzählt, und zwar: Die Protestanten ziehen Klagen von Untertanen katholischer Herrschaften vor ihr Gericht; alle höheren Beamtenposten im Defensionswesen und in Kanzleien sind von Protestanten besetzt; bei Aufstellung von Ärzten wird auf die Konfession gesehen; beim Verkauf von Gütern, mit denen Kirchenpatronate verbunden sind, werden Katholiken als Käufer ausgeschlossen; in katholischen Pfarrkirchen setzen sie Prädikanten an; müssen sie eine Kirche zurückgeben, so ist die Kirche ohne Schmuck und Paramente, die Einkünfte sind verschwunden; fällt ein Pfarrer vom Glauben ab, so bemächtigen sie sich seiner Kirche; wird dagegen ein katholischer Pfarrer irgendwo eingesetzt, so wird er von den benachbarten Protestanten in jeder Weise belästigt; sie setzen Messner ein, die aus den Sakristeien Fleischgewölbe machen; sie verhindern die Vornahme von Taufen, Kopulationen (Trauungen) und Begräbnissen aus dem Bereich der Filialkirchen in der Mutterpfarre; Stiftungen werden von ihnen eingezogen, schuldige Leistungen verweigert; sie nehmen die Kirchenschlüssel (*) an sich, um katholische Pfarrer oder Prozessionen aussperren zu können; katholische Untertanen werden zum Abfall überredet oder gezwungen; unter Androhung des Verlustes aller Habe wird den Untertanen verboten zu beichten und zu kommunizieren; in katholischen Kirchen nehmen sie das halbe Opfergeld weg, behalten die Einkünfte der Pfarre für sich und entziehen dem Pfarrer Zehent (Seite 516). (*Hans Wilhelm Herr von Zelkhing sperrt die Filiale von Melk in Mätzeldorf [Matzleinsdorf], so daß kein Gottesdienst gehalten werden konnte und die Prozessionen am Bartholomäustag abziehen mußten.) (Seite 517)
Wiener Diarium, 12. Julii 1727
(Wiener Zeitung Nr. 133 – Freitag/Samstag, 12./13. Juli 2002)
Das den verwichenen Sonntag / als den 6ten (1727) dieses / nach = Mittag alhier geweste mit Donner / Blitz Platz = Regen und grossen Hagel = Steinen vermischte schwere Ungewitter / hat nicht allein alhier / sondern auch in denen umligenden Gegenden grossen Schaden verursacht / und unter andern an vielen orten die Fenster eingeschlagen : und vernimmt man leider von Melk / ein an der Donau 12. Meil von hier aufwärts ligender Markt / und berühmte Abtey Ord. S. Benedicti, daß eben obgedachtes Ungewitter nach = Mittag um 4. Uhr auch daselbst einen erschröcklichen Hagel herab geworfen / dergestalten / daß in dem gantzen Gezirk um Melk herum / nemlich zu Ornding / Mätzelstorf / Zelking / Priel / Pöferting / Schratenbruck / Rosenfeld / Lostorf / Neubach / und Albrechtsberg / alles in Grund geschlagen worden. Es hat zwar dieser Schauer denen Feldern / so ungefehr eine halbe Stund um Melk herum ligen / nichts geschadet : jedoch ist gleich nach diesem geschehenen Schauer unversehens zu gedachtem Melk eine so heftige Wasser= Ergiessung / welche durch einen in dem Gebürg bey Schallaburg niedergegangenen Wolken = Bruch verursacht worden / erfolget / daß das kleine Bächlein / so von Schratenbruck her / über die Aecker / und Wiesen / nebst dem Closter=Garten vorbey rinnet / und hinter denen Häusern durch den Markt fliessend / sich bey Fischhof in die Donau giesset / …
Teilentnahme: Freundlicherweise in Kopie und Faksimile, plus Originalzeitung (Datum siehe oben) zur Verfügung gestellt
Der Großbrand in Zelking von 1874
Am 4. September 1874 brach ein Feuer aus, welches 17 von 21 (!) Gebäuden (ausgebrochen in der heutigen Straßenbezeichnung Am Sandberg Nr. 2; es brannten unter anderem. alle Häuser der heutigen Pöchlarnerstraße ab) vernichtete, wobei auch vier Menschenleben zu beklagen waren. In diesem Jahr sollen auch noch die „schwarzen Blattern“ (*) ausgebrochen und 23 Todesopfer, vor allem bei Jugendlichen zwischen ein und 23 Jahren, gefordert haben (Alexander Schmidl – Ortsgeschichte St. Leonhard am Forst. 2. Nachdruck 1995. Seite 137).
Auf ein Haar wäre jedoch damals die Donaustadt (Ybbs) eine der letzten Stationen des 10-jährigen Wunderkindes Wolfgang Amadeus Mozart geworden! Es war jene schicksalsreiche Zeit, da in der Residenzstadt die gefürchtetste Krankheit des 18. Jahrhundert wütete – die Pocken (*). Obwohl die Familie Hals über Kopf nach Olmütz geflohen war, erkrankte Mozart dennoch an der schrecklichen Seuche und erblindete für 9 Tage.
Entnommen aus: Ybbser Altstadtansichten aufgeschlagen von Claudius Caravias. 1994. Seite 165.
(*) Dieskönnte ein indirekter Hinweis auf den Seuchenausbruch (nach dem Brand) in Zelking sein!
Bei einer Kleidersammlung soll laut Herrn Johann Bauer die Pest (vermutlich waren es die Blattern etc.) eingeführt worden sein. Ursache der heutigen Wallfahrt nach Maria Steinparz?
Im „Harrerhaus“ (heute Manker Straße 9) war ein Kleinkind aufgebahrt, und dieses Haus ist den Flammen nicht mehr zum Opfer gefallen (nach mündlichen Mitteilungen)!
Durch Dipl.-Kfm. Dr. Helmut Gaisbauer, Zelking/Wien, erfolgte folgende Ergänzung: Dieses tote Kind war Cäcilia Hillebrand, die Schwester meiner Großmutter Helena Gaisbauer, geb. Hillebrand; das Haus gehörte damals der Familie. Meine Großmutter wurde 1876 geboren, ihre Schwester Cäcilia, die eben als Baby starb, im Jahr des Brandes. Der Vater der beiden war Josef Hillebrand, geboren 1850 (mein Urgroßvater).
Der Zeppelin über dem Gemeindegebiet von Zelking-Matzleinsdorf 1929
Auf seiner Fahrt in Richtung Wien überquerte am 2. Mai 1929 das Riesenluftschiff „Graf Zeppelin L. Z. 127“ auch das Gemeindegebiet von Zelking-Matzleinsdorf. Trotz Regen bestaunten viele Menschen nach acht Uhr morgens den „lautlosen Riesen“ in Teilen des Melker Bezirks.
Ferdinand Graf von Zeppelin war der Erfinder des nach ihm benannten Starrluftschiffes. Geboren am 8. Juli 1838 in Konstanz, gestorben am 8. März 1917 in Berlin; vollendete er (mit Kobler) 1895 die erste Konstruktion eines Starrluftschiffes.
Nach Finanzierungsschwierigkeiten und Rückschlägen wurde 1908 durch die „Nationalspende“ von sechs Millionen Mark die Gründung der „Luftschiffbau-Zeppelin GmbH“ ermöglicht und so die Idee von Ferdinand Graf von Zeppelin verwirklicht.
Das Nordlicht von 1938
(in unserer Gegend)
Briefmarke Deutschland 2009
mit der Himmelserscheinung Nordlicht
Am 25. Jänner 1938 gab es ein ungemein prächtiges Nordlicht (Polarlicht) zu beobachten. Abends, um etwa 20.30 Uhr ertönte Feueralarm in Ruprechtshofen, da am nördlichen Himmel über dem Hiesberg lebhafter Feuerschein zu beobachten war. In den Straßen sammelten sich sehr zahlreich Beobachter, die von einem Brand etc. wissen wollten.
Teilentnahme aus: Geschichte der Marktgemeinde Ruprechtshofen 1993, Seite 148
In der Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf dachte man an einem Großbrand „drüber der Donau“ (im Waldviertel), bis es sich herausstellte, dass es ein sogenanntes Nordlicht war. Den Menschen in den 30er-Jahren – in einer politischen und wirtschaftlich angespannten Zeit lebend, schien dies kein gutes Omen zu sein. Bereits am 12. März (in aller „Herrgottsfrüh“) 1938 durchquerten die deutschen Truppen Österreich.
Wie sich nachträglich herausstellen sollte, brach schon am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Danzig (Polen) der Zweite Weltkrieg aus (LP).
(*) Nordlicht entsteht durch Ströme elektrisch geladener Teilchen, die von der Sonne ausgehen und im Magnetfeld der Erde abgelenkt werden. Nordlichter gibt es besonders häufig zu Zeiten reger Sonnenfleckentätigkeit zu sehen; die bewegten geladenen Teilchen verursachen Störungen des Magnetfeldes. Die durch den Zusammenprall mit den Luftmolekülen gebildeten Ionen (grch. „Wandernde“, ein- oder mehrfach positiv [Kationen] oder negativ [Anionen] geladene Atome oder Atomgruppen) bewirken Radiostörungen.
Es sind Nordlichterscheinungen als unregelmäßiges „Band“; beweglicher „Vorhang“; unscharf begrenzte „Wolke“; fächerartig auseinandergehende „Strahlen“; leuchtende „Krone“, und wo die Strahlen hoch am Himmel zusammenzulaufen, scheinen sie als „zerstreutes Licht“, aber in Horizontnähe als flacher „Bogen“ zu sehen. Die Farben sind meist gelblichgrün, rot, blau bis grauviolett; aber niemals fehlt die grüne „Nordlichtlinie“, die dem Sauerstoffspektrum angehört!
(*) Entnommen aus: Das moderne Lexikon, Band 14
Ein stiller Held – Leopold Gsenger
(*) Unseren Bericht über die kleine Pfarre Matzleinsdorf möchten wir nicht schließen, ohne einen Mann zu erwähnen, der im Zweiten Weltkrieg unter Todesgefahr französischen Intellektuellen, unter ihnen Bischöfe, Priester, die im Konzentrationslager und Krematorium von Melk ihre letzte Lebensstation erreicht hatten, konsekrierte Hostien zukommen ließ.
Die Erinnerungsstätte: Das ehem. KZ-Krematorium in Melk
Leopold Gsenger, der in der Nähe des Krematoriums als Zimmermann arbeitete, schmuggelte – in Zeitungspapier gewickelt, zwischen Jausenbroten, im Brot versteckt – den Leib des Herrn jenen Männern zu, die allesamt den Tod vor Augen hatten. Anteil an diesem gefährlichen Unternehmen hatte der greise Pfarrer von Matzleinsdorf, P. Benda Atzelhuber, und die Pfarrhaushälterin, die die Hostien so gut versteckte, dass sie niemals von den Bewachern entdeckt wurden. „Gsenger ist aus der erlebten Angst heraus später geistig verwirrt geworden. Nach einem Aufenthalt in Mauer-Öhling hat er leider Selbstmord begangen“, erzählte Pfarrer (Edmund) Warchol.
Grab von Leopold Gsenger (1900–1958) und seiner Gattin Maria (1915–1990)
1968 kam ein Filmteam aus Frankreich nach Matzleinsdorf, um den Spuren jenes Mannes nachzugehen, der ihren Landsleuten einen Bruderdienst erwiesen hatte.
Erinnerungstafel (auf dem Schlot angebracht) wegen der hier ums Leben gekommenen Franzosen
Die Internierten waren alle in Melk umgekommen; ihre Angehörigen hatten aber doch von jenem Österreicher erfahren, der unter Lebensgefahr den Gemarterten Trost und Hoffnung gebracht hatte (* Auszug aus: SKZ – 10 = St. Pöltner Kirchenzeitung, Oktober 1977, Seite 11).
–Wies–
Übergriffe und Diebstähle in der Gemeinde Zelking
(vom 26. bis 30. August 1945)
(*)Sonntag, den 26. VIII.
Acht Fuhrwerke kommen mit ca. 20 russisch sprechenden Zivilpersonen und 4 bewaffneten Soldaten nachmittags in das Dorf. Da werden ca. 15 Festmeter fertig geschnittenes Hartholz gestohlen, die für den winterlichen Verbrauch in der Schule bestimmt waren. Eine Anweisung der Kommandantur auf Ausfolgung des Holzes konnte nicht nachgewiesen werden, Bezahlung erfolgte nicht. Die Wegnahme des Holzes war also willkürlich und widerrechtlich.
Gleichfalls am Sonntag werden dem hiesigen Lehrer Adolf Harrer aus seiner Gartenhütte von fremden Zivilpersonen seine sämtlichen 10 Hühner und 2 Hasen gestohlen.
Dienstag, den 28. VIII.
Der Bauer Karl Wallner, Vize-Bgm. der hiesigen Gemeinde, will sich auf seinem Fahrrad in das Melker Spital zur Nachbehandlung begeben, da ihm vor einer Woche dort ein Finger abgenommen wurde. Er wird auf der Straße zwischen Zelking und Matzleinsdorf von 2 Soldaten und einem Zivilisten angefallen und es wird ihm unter Stockhieben sein Fahrrad geraubt. Er begibt sich zur Kommandantur des Lagers Matzleinsdorf und erstattet die Anzeige. Es wird ihm bedeutet, er möge um 6 Uhr abends wiederkommen, da werde er sein Fahrrad zurückerhalten, die Täter seien bekannt. Seitdem war er schon mehrmals dort. Sein Fahrrad hat er nicht wieder gesehen.
Gleichfalls am Dienstag erfolgten durch Soldaten b e d e u t e n d e Diebstähle an Kartoffeln auf dem Acker des Karl Wallner sowie an Heu auf der Wiese der Witwe Karl Gruber. Anweisungen der Kommandantur konnten nicht vorgewiesen werden, bezahlt wurde nicht. Desgleichen Diebstahl von Kartoffeln auf dem Acker des Hans Wolferseder durch Soldaten. Gleichfalls am Dienstag stehlen Soldaten und Zivilpersonen, die auf dem Lastauto mit der Bezeichnung (seitenverkehrtes R) Я 65802 in das Dorf kamen, das gesamte Brennholz des armen Hilfsarbeiters Karner (?).
In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch, ½ 2 Uhr, halten zwei mit Soldaten besetzte Fuhrwerke bei der Mühle des Hans Bauer und beginnen dort, Bretter und Pfosten aufzuladen. Beim Alarm der Nachtpolizei ergreifen sie die Flucht.
Mittwoch den 29. VIII.
Vom Acker des Fritz Erber werden von drei Soldaten auf dem Lastauto mit der Bezeichnung Y 57012 Erdäpfel gestohlen. Als die herbeigerufene Ortspolizei nach einer Anweisung fragte, wurde von einem der Soldaten gesagt, eine solche sei nicht nötig, es könne ohne Anweisung a l l e s g e n o m m e n werden, was auf den Feldern wachse. Bezahlung erfolgte nicht.
Gleichfalls am Mittwoch wurde der alten Magd Marie Stark beim Mähen von zwei Soldaten ihre Sense geraubt. Hierbei wurde diese 70jährige Frau durch Schläge ins Gesicht misshandelt.
Donnerstag, den 30. VIII.
Ein Soldat mit Pferdefuhrwerk und einem angehängten Leiterwagen kam, stiehlt vom Acker des Bauern Engelbert Kühberger den letzten Klee, der diesem nach vielen früheren Diebstählen noch übrig blieb. Anweisung wurde nicht vorgezeigt, Bezahlung erfolgte nicht.
Gleichfalls Donnerstag, den 30. VIII.
Der Hof des Bauern Florian Schedlmayer in Höhenberg, der schon wiederholt schwer heimgesucht wurde, wird heute mittags von drei Soldaten neuerdings überfallen. Ein Zuchtschwein, das in wenigen Tagen ferkeln sollte, wird erschossen. Ein junges Pferd wird gestohlen, doch den Dieben wieder abgejagt. Die Einwohner des Hofes werden mit Gewehren bedroht, Florian Schedlmayer sowie sein Sohn werden schwer misshandelt. Sämtliche Türen und Kästen des Hauses werden zertrümmert. Schedlmayer getraut sich mit seiner Familie nicht mehr auf dem einsamen Hof zu verbleiben. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die beiden Bauern in Einsiedl, Gröbl und Schmoll samt ihren Familien ihre Höfe Abends verlassen müssen, da sie es nicht mehr wagen, dort Nachts zu verbleiben. Schmoll wurde d r e i N ä c h t e hintereinander überfallen und auf das schwerste misshandelt. Dieser Fall wurde von zwei russischen Soldaten, welche in der dritten Nacht dort friedlich übernachten wollten und Zeugen des Überfalles durch eine schwer bewaffnete Bande wurden, aus eigenen freien Stücken bei der Kommandantur in Melk zur Anzeige gebracht. Die Kommandantur versprach, Schmoll abzuholen, mit ihm ein Protokoll über seine geradezu furchtbaren Erlebnisse aufzunehmen und dann nach den Tätern zu fahnden. Dies ist jedoch bisher nicht erfolgt.
Gleichfalls am Donnerstag, den 30. VIII. wurde von 2 Soldaten nächst dem Hof des Josef Kernstock in der Arb Heu gestohlen. <YHierbei gerieten die Pferde der Diebe in die sumpfige Wiese, wo sie stecken blieben. Die Diebe wollten sie daraufhin im Stich lassen und sich die Pferde des Kernstock aneignen. Im Verlaufe der sich hieraus ergebenden Auseinandersetzungen wird Kernstock misshandelt und verletzt.
vom 30. August bis 10. September 1945
In der Nacht vom 30. VIII. auf den 31. VIII.
Eine mehrköpfige Bande von Soldaten versucht unter Abgabe zahlreicher Schüsse in das Gehöft des Landwirtes Gröbl in Hofstetten einzudringen, sucht jedoch beim Eintreffen der Ortspolizei das Weite.
Tagsüber zahlreiche Diebstähle an Klee und Kartoffeln auf den Äckern der Besitzer Fritz Erber, Rudolf Leonhardsberger und Hans Grubers Witwe durch Soldaten, welche auf Pferdefuhrwerken in das Dorf gekommen sind.
Um 6 Uhr abends erscheint ein großes Personenauto ohne Nummertafel, besetzt mit 4 Soldaten, darunter einer mit einer KP-Armbinde, bei dem Bauer Engelbert Kühberger und stiehlt aus seinem Keller ein Mostfaß, welches rasch aufgeladen und davon geführt wird.
In der Nacht vom 31. VIII. auf den 1. IX.
Um ½ 2 Uhr nachts wird das abseitige Gehöft des Bauern Josef Reiter „Hochbauer“ von 8 Soldaten überfallen und es werden 3 Schafe und s ä m t l i c h e Hühner geraubt. Es erfolgt schwerste Bedrohung mit Schießwaffen. Reiter wird misshandelt und trägt eine arge Stirnwunde davon.
Nachmittags stiehlt ein Zivilrusse vom Acker des Pfarrers Alexander Platzer einen Wagen voll Futterrüben. Er gibt auf die intervenierende Ortspolizei aus einer Maschinenpistole 2 Schüsse ab.
In der Nacht vom 4. IX. auf den 5. IX.
Um 1 Uhr wird abermals das Gehöft des Bauer Josef Reiter „Hochbauer“ von einer mehrköpfigen Bande von Soldaten überfallen. Die Einwohner werden durch Waffenbedrohung daran gehindert, um Hilfe zu rufen. Es wird eine Kuh geraubt und fortgetrieben, die – wie die aufgefundenen Überreste beweisen – in einem Garten der Gemeinde Matzleinsdorf noch in der gleichen Nacht geschlachtet wird.
In der Nacht vom 5. IX. auf den 6. IX.
Auf mehrere Gehöfte der Siedlung Hofstetten werden unter Abgabe zahlreicher Schüsse Überfälle versucht, jedoch durch die Ortspolizei abgewährt.
In der Nacht vom 6. IX. auf den 7. IX.
Wiederum unter Abgabe vieler Schüsse werden in Hofstetten auf die Gehöfte der Bauern Eibl, Gröbl und Fohringer Überfälle unternommen.
Nachmittags wird auf der Straße zwischen Zelking und Mannersdorf der Briefträger Berger aus Ruprechtshofen von einem Soldaten und einem Zivilrussen vom Fahrrad gerissen und unter Bedrohung mit der Maschinenpistole ausgeplündert. Es wird ihm auch ein Paket mit fremdem Eigentum geraubt, das er befördern sollte. Um ihm zu betätigen, dass ihm dieses fremde Gut ohne sein Verschulden abhanden kam, stellen sich ihm zwei Zeuginnen dieses Vorfalls zur Verfügung, nämlich die Bäuerin Aloisia Fichtinger aus der Grub und ihre Ziehtochter Josefine Kaltenbrunner.
Gleichfalls am 7. IX. dringen vormittags 2 auf Fahrrädern gekommene Soldaten unter Bedrohung mit Pistolen in das Gehöft des Bauern Franz Fohringer Hofstetten ein. Hierauf begeben sie sich in das Haus des Karl Huber „Pimmeshof“. Wieder unter Bedrohung mit Revolvern werden hier 2 Radioapparate geraubt. Hierbei wird der junge Knecht, namens Franz Dachsberger, durch Hiebe auf den Kopf verletzt. Ferner werden die alte Mutter des Hubers, seine 12-jährige Tochter und ein im Haus wohnender 83-jähriger Greis misshandelt und verletzt.
8. IX, mittags.
Diese beiden gleichen Radfahrer überfallen auf der Straße zwischen Zelking und Matzleinsdorf ein Pferdefuhrwerk, auf welchem zwei Männer aus Oberösterreich in ihre Niederösterreichische Heimat heimkehren wollen, und versuchen diese auszuplündern und ihnen Wagen und Pferde zu rauben. Im Verlauf des sich entspinnenden Handgemenges geben die Räuber mehrere Pistolenschüsse ab, ergreifen aber beim Herannahen der Ortspolizei die Flucht auf ihren Rädern.
Im Garten des Bauern Josef Gallhofer erscheinen 5 Soldaten und machen Jagd auf dessen Hühner. Sie erschießen eine Henne. Bevor sie weiteren Schaden anrichten können, werden sie von einer russischen Polizeipatrouille vertrieben.
Fast täglich werden die Milchkannen gestohlen, mittels welcher die Bauern ihrer Ablieferungspflicht von Milch an die Molkerei Mank nachkommen wollen. Da diese Milchkannen zwecks Abholung durch den Milchwagen in der Früh vor die Häuser gestellt werden, werden sie von dem des Wegs kommenden Pferdefuhrwerken der Soldaten einfach mitgenommen. Sie sind heute unersetzbar und dem betreffenden Haus ist die weitere Milchablieferung unmöglich.
Vorgelegt vom Gemeindeamt Zelking bei Melk a. d. Donau am 13. IX. 1945
Der Bauer Josef Gallhofer wird von 2 Rad fahrenden Männern in Uniform Überfallen und durch Hiebe auf den Kopf und Fußtritten verletzt.
Nacht vom 14. auf den 15. IX.
Ein geplanter Überfall auf den Hof des Bauern Rudolf Leonhardsberger durch etwa 6 Personen, teils in Uniformen, teils in ziviler Kleidung, wird vereitelt. Hierbei wird die Ortspolizei aus Maschinenpistolen scharf beschossen.
Vermutlich von den gleichen Tätern wird in der gleichen Nacht auf dem Gredinghof ein Zuchteber erschossen, jedoch nicht mitgenommen.
Der Häusler Anton Janisch aus St. Leonhard wird auf Zelkinger Gemeindegebiet bei hellem Tag von einem Mann in Uniform vom Rad gerissen und durch Schläge mit dem Gewehrkolben auf den Kopf verletzt. Das Fahrrad wird ihm geraubt.
Nacht vom 26. auf den 27. IX.
Dem Bauer Stattler in der Arb wird von Tätern, die niemand sah, ein Pferd aus dem Stall gestohlen.
Ein Mann in Uniform und eine Zivilperson dringen in den Hof des Rudolf Leonhardsberger ein und rauben unter Abgabe von mehrfachen Pistolenschüssen eine Gans und eine größere Anzahl von Eiern. Es werden allerdings als Bezahlung schließlich RM 40.– zurückgelassen.
Nacht vom 28. auf den 29. IX.
Drei Männer in Offizieruniformen, die auf einem Motorrad mit Beiwagen kommen, nehmen unter Waffengewalt und ohne Bezahlung aus dem Hofe des Bauern Kaltenbrunner in Mannersdorf ein Schwein weg.
Zwei Rad fahrende Männer in Uniformen brechen bei Tag in den Hof des Bauern Franz Gröbl/Einsiedl ein. Einer gibt auf den Franz Gröbl aus einer Pistole einen scharfen Schuß ab, der über dessen Kopf in die Stalltüre einschlägt. Es werden Lebensmittel geraubt.
Zusammenfassende Darstellung einiger in letzter Zeit erfolgter Vorfälle
in der Gemeinde Zelking bei Melk a. d. Donau/Niederösterreich
Zwei Soldaten, auf einem Pferdefuhrwerk vorbeikommend, rauben aus der Schmiede des Karl Grünauer ein dort abgestelltes Fahrrad. Sie geben aus einer Maschinenpistole zahlreiche Schüsse ab, wobei der Gastwirt Josef Kraus und der Schuster Franz Wallner durch Steinsplitter verletzt werden. Das Fahrrad wird den Räubern, nachdem sie alle Munition verschossen hatten, wieder abgenommen.
Soldaten in Begleitung von Frauenpersonen versuchen in das Schulgebäude einzudringen. Hierbei wird von einem Feldwebel der Oberlehrer Karl Hofreiter durch einen Tritt in den Bauch verletzt und erleidet eine Quetschung der Leber.
Von dem gleichen Täter wird der Beamte Zimmermann der Wiener Creditanstalt, der zur Inspektion des dieser Anlage gehörenden Erholungsheimes in Zelking weilt, bei hellem Tag überfallen und seiner Brieftasche mit dem Inhalt von RM 3000.– beraubt. Von diesem Vorfall hat die Direktion der Creditanstalt in Wien die Anzeige beim Oberkommando der Roten Armee erstattet.
Der Student Max Hofreiter wird auf der Straße von zwei Soldaten angefallen und mit der Maschinenpistole bedroht. Es wird ihm das Fahrrad geraubt, mit dem er aus St. Leonhard den Tierarzt herbei holen sollte.
In das Gehöft des Bauern Anton Griesler dringen bei Nacht Soldaten ein, um zu plündern. Griesler wird schwer misshandelt, es werden ihm mehrere Rippen gebrochen.
Das Gehöft des Florian Schedlmayer wird bei Nacht von Soldaten überfallen. Hierbei werden aus Pistolen und Gewehren zahlreiche Schüsse abgegeben.
Das Gehöft des Bauern Engelbert Fichtinger wird bei Nacht von einer Bande, teils aus Soldaten, teils aus Zivilpersonen bestehend, überfallen. Aus Pistolen werden zahlreiche Schüsse abgefeuert. Frau Fichtinger wird verletzt und steht in Arztbehandlung. Sämtliche Lebensmittel, alles Gewand, vieler Hausrat wird geraubt und auf einem Lastauto fortgebracht.
Aus der provisorischen Gemeindekanzlei wird bei hellem Tag von zwei, auf einem Motorrad durch den Ort fahrender Soldaten unter Bedrohung mit Maschinenpistolen die Schreibmaschine der Gemeinde geraubt.
Bei einem nächtlichen Einbruchsversuch in das Erholungsheim der Creditanstalt werden mehrere Schüsse abgefeuert.
Auf den Bauer Leopold Haunlieb (Gassen), dem zur Nachtzeit ein Schwein geraubt wird, werden hierbei mehrere Schüsse abgefeuert.
Bei hellem Tag wird das Gehöft der Bäuerin Franziska Schallhas (jetzt Zuser) von einer Bande von Zivilpersonen unter dem Kommando eines Offiziers überfallen. Die Ortspolizei wird von dem Offizier mit der Pistole fortgesetzt bedroht, bis ein zufällig durch den Ort fahrender Kommissar endlich Ordnung schafft.
Bei wiederholten Überfällen auf das Kaufmannsgeschäft des Adolf Starzer erfolgt immer wieder schwerste Bedrohung mit Schußwaffen. Es werden dort sämtliche Lebensmittel, die zur Versorgung der Einwohnerschaft von Zelking bestimmt waren, geraubt und auf Lastautos weggebracht.
Fortsetzung der zusammenfassenden Darstellung …
Bei räuberischen Überfällen auf das Haus des Gastwirtes Josef Kraus wird auf diesen mehrfach geschossen.
Das Gehöft des Bauern Josef Tippl wird bei einem nächtlichen Raubüberfall unter Beschuss durch Feuerwaffen genommen.
(*) Das Gehöft des Bauern Johann Tippl wird bei einem nächtlichen Raubüberfall unter Beschuss durch Feuerwaffen genommen. Überfälle am laufenden Band.
(* Handgeschriebener Zusatz von Fr. Maria Gundacker, geb. Tippl, 2000; daher dürfte der Name Josef falsch sein!).
Bei einem nächtlichen Überfall auf das Gehöft des Bauern Rudolf Leonhardsberger werden sämtliche Einwohner sowie die herbeigeeilte Ortspolizei mit Maschinenpistolen auf das schwerste bedroht. Ein Mann der Ortspolizei, der Schmied Franz Grünauer, wird durch einen Hieb auf den Kopf zu Boden gestreckt und verletzt.
Bei einem Überfall auf das Gehöft des Josef Gallhofer durch Soldaten und Weibspersonen wird die zufällig im Haus weilende Anna Buchegger, eine alte Frau, schwer misshandelt.
Am ärgsten dürfte Alois Schmoll sein, einer der größten Bauern der Gemeinde Zelking. Sein einsam gelegener Hof wurde in drei aufeinander folgenden Nächten (19. VIII.–21. VIII.) von einer vierköpfigen, teils aus Soldaten, teils aus Zivilpersonen bestehenden Bande unter dem Kommando eines Offiziers überfallen und ausgeplündert. Es wurde ihm unter unausgesetzter Bedrohung mit Maschinenpistolen sämtliche Schweine, einige Kühe, sein Wagen, sein Hausgerät usw. geraubt. Er selbst, sein Bruder, sein alter Vater sowie ein zur Erntehilfe auf dem Hof weilendes Mädchen, die Hochschülerin Tilde Loiskandl, die sich der Vergewaltigung widersetzte, wurde schwer misshandelt und erlitten ernsthafte Verletzungen.
Diese Aufzählung entspricht in jedem einzelnen Fall nachweisbar der r e i n e n W a h r h e i t. Sie darf leider keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, vielmehr könnte sie noch lange fortgeführt werden. Unerwähnt bleiben die vielen nächtlichen Diebstähle von Kühen und Schweinen (beim Verwalter Andreas Harrer, beim Müller Johann Bauer, bei den Bauern Johann Polly, Franz Gröbl usw.), unerwähnt auch die tagtäglichen Diebstähle an Hühnern, Obst, Gemüse, Kartoffeln aus Höfen, Gärten und Feldern sowie an fertig geschlägertem Holz aus dem Wald. Desgleichen wurde nicht angeführt der fortgesetzt im größten Umfang betriebene Diebstahl an Heu und Klee, wobei auch der Samenklee keineswegs verschont bleibt, sodass auch der nächstjährige Anbau in Frage gestellt ist. Viele Bauern mussten infolge dieses gewaltigen Ausfalles an Futtermitteln ihren Viehbestand bereits verringern, ein weiterer Abbau ist unausbleiblich.
N a c h t r a g ! Soeben kommt die Meldung, dass h e u t e N a c h t (26. VIII.) eine etwa zehnköpfige Bande von Soldaten das Gehöft des Franz Gröbl überfiel und diesen großen Bauern sämtliche restliche Schweine, Schafe und Hühner raubte. Hierauf begaben sie sich in die Höfe des Anton Griesler und des ihm benachbarten Ignaz Kaltenbrunner und plünderten auch dort. Dabei wurde Kaltenbrunner und die Frau vom Griesler durch Kolbenhiebe mit den Gewehren schwer verletzt. Kaltenbrunner erlitt Beschädigungen des Kiefers. Sämtliche Bewohner beider Höfe werden in einem Winkel zusammengetrieben und durch fortgesetzte Kolbenschläge daran gehindert, um Hilfe zu schreien, die ihnen übrigens auch niemand hätte bringen können.
Zelking bei Melk a. d. Donau. Niederösterreich
27. VIII. 1945
An das geehrte Oberkommando der amerikanischen Besatzungstruppen in Wien
Wenn sich das in gebührender Ergebenheit gezeichnete Bürgermeisteramt einer kleinen Landgemeinde Niederösterreichs die Freiheit nimmt, einem geehrten Oberkommando die beiliegende, wahrheitsgetreue Zusammenstellung zur Kenntnis zu bringen, so wird es dabei zunächst wohl von rein informativen Ansichten geleitet. Das Bürgermeisteramt ist nämlich der Meinung, dass das Oberkommando, das ja dem g a n z e n Ö s t e r r e i c h ein so dankenswertes und großmütiges Interesse bekundet, auch dem Schicksal eines so bescheidenen Dorfes seine aufmerksame Teilnahme nicht völlig versagen kann, wenngleich dieses Dorf außerhalb seiner Besetzungszone liegt. Lebt doch in unserer Gemeinde ein braves, gottesfürchtiges, arbeitsames Landvolk, das aus seiner treuen österreichischen Gesinnung auch in dem letzten schweren Jahr nie ein Hehl machte.
Die beiliegende Aufzählung, einen geringen Zeitraum unfassend, dürfte dem geehrten Oberkommando unschwer ein Bild von dem grausamen Los vermitteln, von dem dieses Bauernvolk nunmehr betroffen wurde, und das es wahrlich nicht verdient. Dass auch in manchen anderen Gemeinden unserer Umgebung – z. B. in Texing und Kirnberg – gleichermaßen traurige Sicherheitsverhältnisse herrschen, vermag uns keinen Trost zu bedeuten, vielmehr ermutigt uns gerade diese Tatsache zu dem ungewöhnlichen Schritt, den wir hiermit unternehmen.
Denn ein geehrtes Oberkommando mit der Schilderung blos e i n e s kleinen, wenn auch noch so bitteren Dorfschicksals zu behelligen würden wir kaum wagen. Es ist das Schicksal eines ganzen Landstrichs, das wir hiermit aufzeigen, unsere Gemeinde bildet nur ein Beispiel für viele Leidensgefährtinnen.
Nebst der rein informativen Absicht bewegt uns wohl auch die leise Hoffnung, das geehrte Oberkommando könne bei gegebener Gelegenheit im Rahmen seiner Möglichkeiten und Machtmittel an einer Besserung der hier geschilderten Verhältnisse mitwirken, was sicherlich den edlen Geboten der Menschlichkeit und Gerechtigkeit entsprechen würde. Es kommt uns selbstverständlich nicht zu, gegen irgendjemanden Anklage zu erheben, und in diesem Sinne darf auch unser Schreiben ganz und gar nicht gedeutet werden. Doch halten wir es für unser gutes Recht, bestehendes Unrecht leidenschaftslos aufzuzeigen und damit der endlichen Wiederkehr friedlicher Arbeitstage den Weg bereiten zu helfen.
Allerdings müsste jegliche Intervention oder Fürsprache, zu der sich ein geehrtes Oberkommando etwa in Güte bereit finden könnte, in so vorsichtiger Form erfolgen, dass daraus für unsere Gemeinde nicht etwa neue Gefährdung uns noch schwerere Not heraufbeschworen werden kann. Das gefertigte Bürgermeisteramt bittet daher auf das dringendste, dieses Schreiben samt seiner Beilage als s t r e n g v e r t r a u l i c h zu behandeln, und baut zuversichtlich auf die Erfüllung dieser Bitte.
Mit der Versicherung dankbarer Ergebenheit zeichnet für das Gemeindeamt Zelking
An das geehrte Oberkommando der französischen Besatzungstruppen in Wien
An das geehrte Oberkommando der englischen Besatzungstruppen in Wien
Wenn sich das in gebührender Ergebenheit gezeichnete Bürgermeisteramt einer kleinen Landgemeinde Niederösterreichs die Freiheit nimmt, einem geehrten Oberkommando die beiliegende, wahrheitsgetreue Zusammenstellung zur geneigten Kenntnis zu bringen, so wird es dabei zunächst wohl von rein informativen Ansichten geleitet. Das Bürgermeisteramt ist nämlich der Meinung, dass das Oberkommando, das ja dem g a n z e n Ö s t e r r e i c h ein so dankenswertes und großmütiges Interesse bekundet, auch dem Schicksal eines so bescheidenen Dorfes seine aufmerksame Teilnahme nicht völlig versagen kann, wenngleich dieses Dorf außerhalb seiner Besetzungszone liegt.
Lebt doch in unserer Gemeinde ein braves, gottesfürchtiges, arbeitsames Landvolk, das aus seiner treuen österreichischen Gesinnung auch in dem letzten schweren Jahr nie ein Hehl machte.
Die beiliegende Aufzählung, einen geringen Zeitraum unfassend, dürfte dem geehrten Oberkommando unschwer ein Bild von dem grausamen Los vermitteln, von dem dieses Bauernvolk nunmehr betroffen wurde, und das es wahrlich nicht verdient. Ist es doch nicht blos in allem Hab und Gut, sondern nicht minder auch an Gesundheit und Leben stündlich auf das gefährlichste bedroht. Dass auch in manchen anderen Gemeinden unserer Umgebung – z. B. in Texing und Kirnberg – gleichermaßen traurige Sicherheitsverhältnisse herrschen, vermag uns keinen Trost zu bedeuten, vielmehr ermutigt uns gerade diese Tatsache zu dem ungewöhnlichen Schritt, den wir hiermit unternehmen. Denn ein geehrtes Oberkommando mit der Schilderung blos e i n e s kleinen, wenn auch noch so bitteren Dorfschicksals zu behelligen würden wir kaum wagen. Es ist das Schicksal eines ganzen Landstrichs, das wir hiermit aufzeigen, unsere Gemeinde bildet nur ein Beispiel für viele Leidensgefährtinnen.
Zelking bei Melk a. d. Donau
An die Niederösterreichische Landesregierung Wien
Das gefertigte Bürgermeisteramt erlaubt sich hierdurch an die hohe Landesregierung die ergebene Bitte, von dem Inhalt der beiliegenden Zusammenstellung Kenntnis nehmen zu wollen.
Es sind aus einer langen Reihe ähnlicher Vorfälle hauptsächlich jene gewählt, bei denen Anwendung von militärischen Schußwaffen oder zumindest Bedrohung mit solchen erfolgte oder körperliche Verletzungen stattfanden, da hierdurch erwiesen ist, dass die Einwohnerschaft unserer Gemeinde nicht blos an Hab und Gut, sondern leider auch an Leben und Gesundheit ständig auf das schwerste gefährdet ist. Dass es auch in anderen Gemeinden der Umgebung mit der öffentlichen Sicherheit immer noch übel bestellt ist – so z. B. in Kirnberg und Texing –, vermag uns keinen Trost zu bedeuten.
Einer solchen Zusammenfassung konkreter Fälle, deren Glaubwürdigkeit jeder Überprüfung standhält und nicht im Entferntesten angezweifelt werden kann, dürfte ein weit ernsteres Gewicht beizumessen sein, als einer allgemein gehaltenen Klage, die nur allzu leicht als übertrieben abgetan zu werden pflegt.
Die v e r t r a u l i c h e Vorlage dieser Zusammenstellung verfolgt zunächst rein informative Absichten. Freilich verbindet das in Ergebenheit gefertigte Bürgermeisteramt damit auch die sehr eindringliche Bitte, eine hohe Landesregierung möge bei etwa sich darbietender Gelegenheit im Rahmen ihrer Möglichkeit und Machtmittel helfend einzugreifen, doch müsste dies selbstverständlich in einer genügend vorsichtigen Form geschehen, um für unsere Gemeinde nicht etwa neue Gefährdung und noch schwerere Not herauf zu beschwören.
Die gleiche Zusammenstellung wird gleichzeitig auch der Bezirkshauptmannschaft Melk vorgelegt.
Einer hohen Landesregierung getreulich ergeben
An die Bezirkshauptmannschaft Melk a. d. Donau
Hochgeehrter Herr Bezirkshauptmann!
Das gefertigte Bürgermeisteramt erlaubt sich die ergebene Bitte, von dem Inhalt der beiliegenden Zusammenstellung Kenntnis nehmen zu wollen.
Es sind aus einer langen Reihe ähnlicher Vorfälle hauptsächlich jene gewählt, bei denen Anwendung von militärischen Schusswaffen oder zumindest Bedrohung mit solchen erfolgte oder körperliche Verletzungen stattfanden, da hierdurch erwiesen ist, daß die Einwohnerschaft unserer Gemeinde nicht blos an Hab und Gut, sondern leider auch an Leben und Gesundheit ständig auf das schwerste gefährdet ist. Daß es mit der öffentlichen Sicherheit auch ihn manchen anderen Gemeinden der Umgebung immer noch nicht besser bestellt ist – so z. B. dem Vernehmen nach in Kirnberg und Texing, vermag uns keinen Trost zu bedeuten.
Einer solchen Zusammenfassung konkreter Fälle, deren Glaubwürdigkeit jeder Überprüfung standhält und nicht im geringsten angezweifelt werden kann, dürfte ein weit ernsteres Gewicht beizumessen sein, als einer allgemein gehaltenen Klage, die nur allzu leicht als übertrieben abgetan zu werden pflegt. Da in der bedrängten Bevölkerung unserer Gemeinde schon mehrfach die Frage laut wurde, ob den solche Vorfälle auch zur Kenntnis der höheren Verwaltungsstellen kämen, damit diese in der Lage versetzt würden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Machtmittel helfend einzugreifen, wird sich das gefertigte Bürgermeisteramt in gewissen Zeitabschnitten erlauben, von etwa neu vorgefallenen Ereignissen ähnlicher Art immer wieder Bericht zu erstatten.
Aus dem Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit heraus übermittelt übrigens das Bürgermeisteramt auch der Niederösterreichischen Landesregierung die gleiche Zusammenstellung der letzten Vorfälle und erbittet das Einverständnis der Bezirkshauptmannschaft mit diesem Schritt.
An die russische Stadt-Kommandantur Melk a. d. Donau
Die Stadtkommandantur fordert im „Waldviertler-Melker-Boten“ vom 12. August die Bevölkerung öffentlich auf, ihr „Unzukömmlichkeiten und Eigenmächtigkeiten“ sofort zur Anzeige zu bringen, damit solche eingestellt werden können. Im Sinne dieser Aufforderung erlaubt sich das gefertigte Bürgermeisteramt Zelking, auf dem beiliegenden Blatt die vom 26. VIII. bis zum 30. VIII. vorgefallenen Ereignisse dieser Art zu melden und um deren strengen Untersuchung sowie Bestrafung zu bitten. Namentlich in den beiden Fällen, in denen die Autonummern festgehalten wurden, wird es der Kommandantur unschwer möglich sein, die Täter zu eruieren und zur Verantwortung zu ziehen.
Das gefertigte Bürgermeisteramt dankt dafür, dass die Kommandantur ihr Interesse an der Abstellung solcher Vorfälle öffentlich bekundet, durch deren fast täglichen Wiederholungen die friedliche Arbeit des Landmannes unmöglich gemacht, sowie das Gefühl der Sicherheit für Leben, Gesundheit und jegliche Habe erschüttert wird.
Das gefertigte Bürgermeisteramt wird sich gestatten, auch ferner alle solchen Vorfällen zu melden. Eine raschere Meldung (solange die Täter noch an Ort und Stelle weilen) ist unmöglich, da es an den Voraussetzungen hierfür fehlt, wir besitzen keine Fahr- und Motorräder mehr, die Telefonleitung ist lahm gelegt.
Zelking, den 31. VIII. 1945
Zelking, den 11. September 1945
Das gefertigte Bürgermeisteramt übersendete am 31. VIII. d. J. der russischen Stadtkommandantur in Melk eine Liste der im Zeitraum vom 26.–30. August im Zelkinger Gemeindegebiet vorgekommenen Überfälle und Diebstähle. Hierbei nahm es Bezug auf eine im „Waldviertler-Melker-Boten“ vom 12. August erschienenen Aufforderung der Stadtkommandantur an die Bevölkerung, jede „Unzukömmlichkeiten und Eigenmächtigkeiten“ sofort anzuzeigen, an deren Abstellung sie nicht minder interessiert sei, als die Einwohnerschaft des Melker Bezirkes. Obwohl das gefertigte Bürgermeisteramt genaueste Angaben vorlegte und in zwei Fällen sogar die Bezeichnung der Autos nennen konnte, auf denen die Täter erschienen, ist irgendeine Art von Untersuchung auch nur eines der krassesten Fälle durch die Stadtkommandantur bisher leider nicht erfolgt.
Das Bürgermeisteramt kündigt in seinem Schreiben an die Stadtkommandantur an, dass es dieses traurige Tagebuch in gewissen Zeitabschnitten immer wieder fortsetzen werde, um dem Vorwurf vorzubeugen, es habe die Anmeldung trotz öffentlicher Aufforderung unterlassen. Es werde also anknüpfend an den ersten Bericht ein zweiter verfasst, welcher sich auf den Zeitraum vom 30. August bis zum 10. September erstreckt. Selbstverständlich entsprechen wiederum alle Angaben der reinen Wahrheit und sind durch genug Zeugen erhärtet.
Nun wird uns durch die Gendarmerie bedeutet, dass solche Meldungen bei der Stadtkommandantur nur dann Beachtung fänden, wenn sie auf dem Wege über die Bezirkshauptmannschaft dorthin kämen, eine Meinung, deren Richtigkeit das Bürgermeisteramt nicht zu überprüfen vermag. Wir richten also an die Bezirkshauptmannschaft die ergebene Bitte, die beiliegende Aufstellung an die Stadtkommandantur nach Kenntnis weiterzuleiten und womöglich – damit der Zusammenhang hergestellt werde – beizufügen, dies sei die Fortsetzung des ersten, von uns am 31. VIII. der Kommandantur direkt überreichten Berichtes, der sich auf jene öffentliche Aufforderung stützte.
Das Bürgermeisteramt wird diese Berichte, mögen sie auch zunächst kein Echo und keine Wirkung ergeben, dennoch unverdrossen fortsetzen.
Mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung und Ergebenheit
1 Beilage zur gefälligen Weiterleitung
Dauer des Wachdienstes
Es wurde gewacht vom 27. Mai 1945 (Dreifaltigkeitssonntag) bis 3. Februar 1946 (Tag nach Maria Lichtmess). Das sind 36 Wochen = 252 Nächte.
In den ersten 17 Nächten (bis 12. Juni) dauerte der Wachdienst von 21 Uhr bis 5 Uhr, also pro Nacht 8 Stunden.
In den weiteren 235 Nächten dauerte der Wachdienst von 21 Uhr bis 4 Uhr, als pro Nacht 7 Stunden.
Die Durchrechnung ergibt, daß insgesamt 1781 Stunden lang gewacht wurde.
Vom 27. V. 45 bis zum 31. X. 45 wachten je 8 Männer (Halbzeit je 4 Männer).
Vom 1. IX. 45 bis zum 31. XII. 45 wachten je 6 Männer (Halbzeit je 3 Männer).
Vom 1. I. 46 bis zum 3. II. 46 wachten je 4 Männer (Halbzeit je 2 Männer).
Von den 1781 durchwachten Stunden wurde, wie die Durchrechnung ergibt, 1130 Stunden durchwacht von je 4 Männern = 4520 Leistungsstunden.
420 Stunden je 3 Männern = 1260; 231 Stunden je 2 Männern = 462
1781 Stunden ergeben insgesamt also 6242 Leistungsstunden
Nicht berücksichtigt wurde dabei, dass mehrfach in kritischen Nächten die Wache um 2–5 Mann verstärkt wurde.
Desgleichen blieb unberücksichtigt, dass bei den vielen nächtlichen Alarmen stets ein großer Teil der gesamten Wache intervenierte und zwar oft in der Dauer von 1–2 Stunden.
Uneingerechnet blieb selbstverständlich auch der Zeitverlust, der durch die Intervention der Wache bei Tag entstand.
Solche Alarme gab es Monate hindurch t ä g l i c h, ja sogar oft 3–4 Mal des Tages.
Bei einer Versammlung am 3. II. 1946 beim Kraus wurde einstimmig beschlossen, den Polizeidienst versuchsweise aufzulassen, da es schon seit einigen Wochen in den Nächten ganz ruhig ist.
Doch wurde die Aufstellung eines besoldeten Nacht- und Feuerwächters beschlossen, wie er nach Mitteilung des Bürgermeisters Gattringer in Ortschaften von mindestens 20 Häusern sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Als solcher wird probeweise Franz Grünauer bestellt, mit einem Monatslohn von Sch. 100–120.
Dieses Geld wird von der Gemeinde durch eine Sonderumlage auf die Haussteuer aufgebracht werden.
Bürgermeister und Vizebürgermeister dankten mir für meine Mühe.
(Unterschrift HBrecka)
(*) Die in Kopien vorhandenen Aufzeichnungen (Schreibmaschinenmanuskripte) wurden teilweise in der heutigen Rechtschreibung wiedergegeben!
Der Marshallplan, offiziell European Recovery Program (ERP) genannt, war das wichtigste wirtschaftliche Wiederaufbauprogramm der USA, das nach dem Zweiten Weltkrieg dem zerstörten Westeuropa zugute kam und bestand aus Krediten, Rohstoffen, Lebensmitteln und Waren. Das 12,4-Milliarden-Dollar-Programm wurde am 16. April 1948 beschlossen und sollte vier Jahre dauern. Im gesamten Zeitraum (1948–1957) leisteten die USA den bedürftigen Staaten der Organisation For European Economic Co-Operation (OEEC) Hilfen im Wert von insgesamt 13,1 Milliarden Dollar.
Das Programm wurde nach dem US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1953, George C. Marshall (Amtszeit 1947–1949) benannt, auf dessen Initiative dies zurückgeht. Ausgearbeitet wurde es vor allem von William L. Clayton und George F. Kennan im Außenministerium.
Briefmarke der Vereinigten Staaten von Amerika mit Abbildung von George C. Marshall
European Recovery Program (The Marshall Plan)
Für das Programm gab es drei Gründe: Hilfe für die Not Leidende und teilweise Hungernde Bevölkerung des durch den Krieg zerstörten Europas, eine Eindämmung der kommunistischen Sowjetunion und die Schaffung eines Absatzmarktes für die amerikanische Überproduktion.
Der Plan wurde ab Mai 1947 entwickelt, um die Konferenzteilnehmer im April 1948 einzuberufen und eine „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa“ (OEEC) zu gründen. Die Sowjetunion und die osteuropäischen Staaten waren ebenfalls eingeladen, Stalin sah den Plan aber als Gefahr für die Vorherrschaft der Sowjetunion in den osteuropäischen Staaten, die er als „Sicherheitsgürtel“ benutzen wollte. Er verbot den Staaten unter sowjetischer Besatzung deshalb die Teilnahme, woran sich auch alle hielten (Internet).
Vermutlich erhielten meines Wissens wir (damit ist die Familie Pichler in Zelking gemeint), ein- oder zweimal einen „Dosenkäse“. Dieser feste, salzige und ziemlich gelbe Käse sollte an Arme Menschen oder kinderreiche Familien abgegeben werden, wurde aber (so laut meiner Erinnerung) zum Teil an Schweinen bei „gewissen“ Bauern verfüttert (wie ich es öfters in Gesprächen zwischen Erwachsenen „mitgekriegt“ hatte).
Die damaligen „Abnehmer“ – sofern noch am Leben, werden sich natürlich noch daran erinnern.
Leicht angerostete Originaldose (mit Inhalt) aus der damaligen Zeit!
Dosendurchmesser 15 cm, hoch 18 cm)
Auf dem Dosendeckel stand in Kreisform folgende Inschrift angebracht:
PASTEURIZED PROCESS CHEDDAR CHEESE ° NOT TO BE SOLD OR EXCHANGED
Im Innenkreis:
NET WEIGHT 7 POUNDS
Danated by the
Wiedergabe einer in Kurrent verfassten „Streitschrift“ unbekannten Datums
(den Zelkinger Pfarrer betreffend)
L. W. (ehemaliger Bauer aus Zelking) wird beschuldigt, öffentlich, das ist an einem Orte, wo die Beleidigung von anderen Personen wahrgenommen werden konnte, folgende Schimpfworte gegen den H. Pfarrer geschrien zu haben: „Der Teufel soll ihn holen.“ „Dös Büberl ist ja gar nichts.“ „Der Böhm muß mit mir gut abkommen, sonst kracht’s.“ „Wenn ich mit ihm zusammenkomm schmeiß ich ihn in‘ Donau!“ Dann trägt er dem Pfarrer vis-à-vis Ohrfeigen an und hebt die Hand zum Schlage auf.
Ferner beschimpft er die Dienstboten in einer Weise, wodurch sich auch der Pfarrer betroffen fühlt: als „Pfarrerbagage“, „verdammte Rabenviecher“, „Kram verdammte“, „Ös Affen, auf die Pfarrerleut wird überhaupt geschi…“
Mit 1. 1. 1971 erfolgte die Vereinigung
der KG Zelking und der KG Matzleinsdorf
zur Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf
Wien, am 14. Juli 1970
GZ. II/1-2148/24-1970
3393 in Zelking
Betr. Vereinigung der Gemeinden
Matzleinsdorf und
polit. Bezirk Melk.
Die NÖ. Landesregierung hat in ihrer Sitzung am 14. Juli 1970 gemäß § 13 Abs. 4 der NÖ. Gemeindeordnung, LGBl. Nr. 369/1955, die Vereinigung der Gemeinden Matzleinsdorf und Zelking angeregt.
Dies wird zur vorläufigen Kenntnis mitgeteilt.
Die Bezirkshauptmannschaft wird gemäß § 13 Abs. 4 der NÖ. Gemeindeordnung alle für die Vereinigung sprechende Umstände erheben.
Dieses Erhebungsergebnis wird den do. beteiligten Gemeinden vom Amte der NÖ. Landesregierung bis 5. August 1970 zur Kenntnis und zur Stellungsnahme übermittelt werden.
Bis dahin hätte daher der do. Gemeinderat nichts zu veranlassen.
NÖ. Landeregierung
Abschrift aus Kopie
Wien, am 30. Juli 1970
GZ. II/1-4043-1970
Matzleinsdorf und Zelking,
(Eingelangt am 31. VII. 1970, Zahl 74)
3393 in Matzleinsdorf
Die NÖ. Landesregierung hat in ihrer Sitzung am 14. Juli 1970, wie bereits mit ha. Erlaß vom 14. Juli 1970, GZ. II/1-21/24-1970, mitgeteilt, gemäß § 13 Abs. 4 der NÖ. Gemeindeordnung, LGBl. Nr. 369/1965, die Vereinigung der Gemeinden Matzleinsdorf und Zelking angeregt.
Die Bezirkshauptmannschaft hat (gemäß der bezogenen Gesetzesstelle) alle für die Vereinigung sprechenden Unstände erhoben.
In der Anlage wird dieses Erhebungsergebnis zur Kenntnis gebracht und eine Durchrechnung über den Mehrertrag, der sich zufolge der Anwendung des höheren abgestuften Bevölkerungsschlüssels (gemäß den Bestimmungen des Finanzausgleichgesetzes, LGBl. Nr. 2/1967) aus den gemeinschaftlichen Bundesabgaben voraussichtlich ergibt, übermittelt.
Der Gemeinderat hat nunmehr zum Erhebungsergebnis der Bezirkshauptmannschaft Stellung zu nehmen und diese Stellungnahme (Auszug aus dem Sitzungsprotokoll) unter Ausschluß einer beglaubigten Abschrift der Einladunskurrende bis spätestens 22. September 1970 der NÖ. Landesregierung vorzulegen.
Es bleibt jedoch den Gemeinden überlassen, allenfalls die Vereinigung freiwillig zu beschließen. Diese Beschlüsse sind gemäß § 13 Abs. 1 NÖ. Gemeindeordnung durch zwei Wochen hindurch kundzumachen.
Auf die Bestimmungen des § 13 Abs. 2 NÖ. Gemeindeordnung, wonach der Gemeinderat zu allfällig eingebrachten Erinnerungen Stellung zu nehmen hat, wird verwiesen.
Die Beschlüsse über die freiwillige Vereinigung (Auszug aus dem Sitzungsprotokoll) sind unter Anschluß der beglaubigten Abschrift der Einladungskurrenden und der mit Anschlags- und Abnahmedatum versehenen Kundmachungen der Abteilung II/1 des Amtes der NÖ. Landesregierung ehestens, spätestens bis 22. September 1970 (zu diesem Termin muß die Kundmachungsfrist abgelaufen sein) zu übermitteln.
Es sollte nicht übersehen werden, daß jene Gemeinden, die sich noch im Jahre 1970 freiwillig vereinigen, die letzte Möglichkeit haben, in den Genuß der von der NÖ. Landesregierung bisher gewährten Förderungsmittel (halbe Landesumlage in der Dauer von 3 Jahren – erhöhte Bedarfszuweisungen in der Dauer von 5 Jahren) zu kommen.
Gemäß § 2 Abs. 2 NÖ. Gemeindeordnung werden hiermit die Gemeinden zur Frage des namens der neuen Gemeinde, den die NÖ. Landesregierung nach Anhörung der Gemeinden bestimmt, zur Stellungsnahme eingeladen.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Gemeinderatsbeschlüsse, deren Gültigkeit von Bedingungen abhängig gemacht werden, im Gesetz keine Deckung finden.
Abschließend ergeht nunmehr die Einladung, die Vorlagefrist (22. September 1970) unbedingt einzuhalten, da ansonsten angenommen werden müßte, daß der Gemeinderat nicht die Absicht hat, eine Stellungnahme zum Erhebungsergebnis der Bezirkshauptmannschaft abzugeben.
NÖ. Landesregierung:
Vortr. Hofrat
Wien, am 29. September 1970
GZ. II/1- 4043/2-1970
die Herren Bürgermeister
Die Niederösterreichische Landesregierung genehmigt gemäß § 8 Abs. 1 der NÖ. Gemeindeordnung, LGBl. Nr. 369/1965, die von den Gemeinden Matzleinsdorf und Zelking am 7. September 1970 (politischer Bezirk Melk) beschlossene Vereinigung zu einer neuen Gemeinde.
Als Name der neuen Gemeinde wird gemäß § 2 Abs. 2 der NÖ. Gemeindeordnung „Zelking-Matzleinsdorf“ bestimmt.
Die Vereinigung wird gemäß § 12 Abs. 4 der NÖ. Gemeindeordnung mit Beginn des Kalenderjahres 1971 in Geltung gesetzt.
Eine Begründung entfällt gemäß § 58 Abs. 2 AVG. 1950.
Abschrift eines kopierten Bescheides
Schreiben des Bürgermeisters an die Landesregierung!
Matzleinsdorf, am 5. 11. 1970
GEMEINDE MATZLEINSDORF
Gemeindereferat der
Wien 1, Herrengasse 13
Am 31. 8. 1970 fand in Matzleinsdorf eine Zusammenkunft der Gemeinderäte aus Matzleinsdorf und Zelking statt, bei der auch Landtagsabgeordneter H. H. Kienberger und der ÖVP Bezirksparteiobmann Herr A. Bayr anwesend waren. Bei dieser Aussprache kristallisierte sich der Kompromiß heraus, daß der Sitz der kommenden Gemeinde in Zelking sein solle und der Name „Matzleinsdorf-Zelking“ lauten soll. Auf Grund dieser Vereinbarung beschloß der Gemeinderat von Matzleinsdorf die Vereinigung mit der Gemeinde Zelking.
Nun stellte sich die n.ö. Landesregierung durch das Gemeindereferat gegen diese Vereinbarung, indem sie von sich aus den Namen „Zelking-Matzleinsdorf“ beschloß, obwohl durch den zuständigen Beamten H. Dr. Grabenhofer verbindlich erklärt wurde, daß die Namensgebung ausschließlich Angelegenheit der Gemeindevertretung der künftigen Gemeinde sei.
Der Gemeinderat von Matzleinsdorf ersucht nun um Änderung des neuen Gemeindenamens auf „Matzleinsdorf-Zelking“ seitens der n. ö. Landesregierung.
Die Ortschaft Zelking hat 78 Häuser, die Ortschaft Matzleinsdorf hingegen 120 (Differenz von 50%). Außerdem sind in Matzleinsdorf 30 Häuser im Bau, in Zelking aber nur einige.
Matzleinsdorf liegt in der Richtung der Verkehrsstromes der Bevölkerung. Die Bewohner der Gemeinde Zelking müssen durch Matzleinsdorf durchfahren, wenn sie zur Bezirkshauptmannschaft, Hauptschule, Standesamt, Kammern oder sonstigen Behörden zu fahren haben. Dagegen liegt Zelking in entgegengesetzter Richtung für die Bewohner von Matzleinsdorf.
Entnommen aus einem kopiertem Schreiben an die Landesregierung!
⟵Das Herrengeschlecht der Zelking
Persönlichkeiten und Annekdoten⟶

References: § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 13
 § 2
 § 8
 § 2
 § 12
 § 58