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Timestamp: 2017-08-21 21:46:11+00:00

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Qualität: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Erklärung zum Begriff Qualität
Qualität im Zivilrecht
Qualität und die Norm
Qualitätsansatz nach David A. Garvin
1. Kundenbezogene Qualitätsverständnis
2. Wertorientierte Qualitätsverständnis
3. Transzendente Qualitätsverständnis
4. Fertigungsbezogene Qualitätsverständnis
5. Produktbezogene Qualitätsverständnis
Das Wort Qualität stammt aus dem Lateinischen von 'qualitas', der Beschaffenheit, dem Zustand, der Eigenart.
Qualität ist ein Begriff, der immer subjektiv behaftet sein wird. Eine tatsächliche Definition kann nur ein zweiteiliger Versuch sein. In neutraler, sachlicher Bewertung ist Qualität die Summe aller Merkmale eines Prozesses, eines Systems oder eines bestimmten Objekts. Als Gütebewertung wäre es die Summe der Güte aller Merkmale eines Prozesses, eines Systems oder eines bestimmten Gegenstandes. Eine dritte Haltung bewertet die beiden ersten mit deren Resultaten.
Wie deutlich wird, hat der Begriff Qualität seine eigene Qualität. Nichtsdestotrotz findet diese Begrifflichkeit auch in die deutsche Rechtsprechung Einlass. Meistens wird dies die Kehrseite der Qualität betreffen, nämlich den Mangel an Qualität. Ein solcher Qualitätsmangel kann im kaufmännischen Dasein neben den direkten wirtschaftlichen Folgen, wie Imageverlust und Umsatzeinbußen, ebenso Konsequenzen haben, die in das Zivilrecht und Strafrecht reichen. Ein Hersteller kann wegen mangelhafter Produktqualität haftbar gemacht werden.
Das Zivilrecht definiert die zivilrechtliche Haftung einmal aus der Gewährleistungspflicht des Unternehmens dem Käufer gegenüber, zum anderen als außervertragliche Haftung, die aufgrund der Rechtsprechung des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Produkthaftungsgesetzes entsteht. Grundsätzlich bis 6 Monate nach Vertragsabschluss wird ein Verkäufer beweisen müssen, dass der Grund für einen Defekt, die Qualitätseinbuße, die nicht zu erwarten war, nicht schon bei der Übergabe vorlag.
Der Mängelausgleich im Zuge der Gewährleistungsfrist wirkt sich als Minderung, Wandlung oder Ersatzlieferung aus. Die Produkthaftung kennt Schadensersatzforderungen für Personenschäden, Sachschäden und Vermögensschäden.
Mit einem Kaufvertrag nach § 433 S. 1 BGB, dessen Bedingungen gesetzlich also genau definiert sind, geht der Verkäufer die Verpflichtung ein, dem Käufer die Sache frei von Sach- und Rechtsmängeln zu übergeben. Wenn die Sache nicht die vereinbarte Beschaffenheit aufweist oder sich nicht für die gewöhnliche oder im Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet, nennt sich dies Sachmangel.
Der Sachmangel ist in § 434 BGB des Bürgerlichen Gesetzbuches definiert. Nach dem § 437 BGB ist es dem Käufer möglich, den Kaufpreis zu mindern, Nacherfüllung zu verlangen oder auch vom Kaufvertrag zurücktreten. Einen Schadensersatzanspruch hat er in allen drei Fällen. Verjähren werden Mängelansprüche generell nach zwei Jahren. Ein Produktmangel ist also kein Kavaliersdelikt, umfangreiche, negative rechtliche Folgen können eintreten.
Das Produkthaftungsgesetz versteht sich als eine Erweiterung der Regelung nach § 823 BGB des Bürgerlichen Gesetzbuches, in der festgelegt ist, dass derjenige zu Schadensersatz verpflichtet sein wird, der in fahrlässiger oder auch vorsätzlicher Art und Weise das Leben, die Freiheit oder die Gesundheit und auch das Eigentum oder ein sonstiges ihm zugeeignetes Recht widerrechtlich verletzt.
Im § 1 ProdHaftG des Produktionshaftgesetzes ist festgeschrieben, dass der Hersteller eine Produktes für den Fall, dass durch ein fehlerhaftes Produkt jemand verletzt oder getötet wird oder an seiner Gesundheit Schaden erleidet oder eine Sache beschädigt wird, er in Schadensersatz treten muss. Die Schadenersatzforderung wird in der Rechtsprechung und Literatur höher eingeschätzt als die Gewährleistungspflicht, denn hier handelt es sich regelmäßig um hohe Ansprüche einem Hersteller gegenüber.
Es existiert eine Norm für die Qualität. Die Norm DIN EN ISO 9000 2015, diese stellt die gültige Norm zum Qualitätsmanagement dar, beschreibt Qualität abstrakt als:
'Den Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale eines Objekts Anforderungen erfüllt'
Inhärent heißt ‚'in etwas hängen‘‚ an etwas haften‘. Hier wird also ein dauerndes Merkmal beschrieben. Nach einer früheren Beschreibung der DIN EN ISO 8402:1995-08 war Qualität
'die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen'
Gemäß der IEC2371 beschreibt sich Qualität als
'die Übereinstimmung zwischen den festgestellten Eigenschaften und den vorher festgelegten Forderungen einer Betrachtungseinheit.'
Es gibt diverse Versuche und Ansätze, Qualität in definierten Wortlaut umzusetzen. Der eigentlichen Qualität der Qualität im philosophischen Sinne wird keine Formulierung gerecht. Neben den wichtigen Qualitätsansätzen nach Garvin gibt es einen solchen nach Lübke, es existiert weiter das unternehmerische Qualitätsverständnis, es gibt die Qualität im Produkt-, Service- und Prozessbereich, es gibt schließlich und endlich noch das Qualitätsverständnis des Kunden und Konsumenten. Qualität stellt im wirtschaftlichen Alltag einen Wertmaßstab dar. Dabei orientiert sich die 'Qualität' an der Produktqualität, will meinen, der Zweckangemessenheit. Auch eine Dienstleistung oder ein Prozess kann in diesem Sinne qualitativ beurteilt werden.
Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler David A. Garvin an der Harvard Business School in Boston, gestorben im April 2017, beschrieb fünf verschiedene Sichtweisen des Qualitätsbegriffes, die dessen Bedeutung gut umreißen.
Wie die Qualitätsbeschreibung der ISO 9000:2005 definiert sich Qualität hier über die 100 prozentige Realisierung der Wünsche des Kunden. Aufgrund der Tatsache der Individualität der Konsumentenpersönlichkeiten kann es kein Produkt mit dem Merkmal absoluter Qualität geben.
Die Qualität ergibt sich relativ aus den unterschiedlichen Sichtweisen, Weltanschauungen. So kann ein Sportwagen für den einen den Inbegriff höchster Qualität bedeuten, weil dadurch sein von ihm gewünschter Sozialstatus gehoben wird. Ein anderer sieht den erhöhten Benzinverbrauch und die schlechte CO2-Bilanz, beschreibt seinen Sozialstatus anders.
Hier steht das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vordergrund. Qualität wird hier beschrieben als der Kauf eines Produktes, das im Vergleich zu seinen tatsächlichen Wertigkeiten, seinen realisierten Merkmalen einen angemessen Preis hat. Die Bewertung obliegt zumeist den Medien, beispielsweise in Form von Produkttests.
Ein in der Wissenschaft nicht verwertbarer Begriff von Qualität, wie ihn die Umgangssprache, das allgemeine Volksverständnis kennt. Qualität stellt eine subjektive Erfahrung dar. Eine Person sieht, aus seiner Situation heraus, besondere und einzigartige Produkteigenschaften einer Dienstleistung oder eines Produktes. Qualität ist hier nicht zu definieren, so wenig wie der Begriff 'Schönheit' eine exakte Beschreibung einfordern kann.
Das fertigungsbezogene Qualitätsverständnis ist rein sachlich. Es bezieht sich auf Normen und Daten, die Erfüllung von Vorgaben und Zeichnungsangaben, allgemeinen Vereinbarungen, als Voraussetzung angenommener Standards.
Diese Art des Verständnisses von Qualität meint die Erfüllung von generell festgelegten Anforderungen. Beispielsweise wird ein Wein in seiner Qualität regelmäßig höherwertig werden, je älter er ist, je länger er in Reifung verbrachte.
Ganz allgemein ist mit Bezug auf das Weinbeispiel zu sagen, die Qualität könnte hier der Wein als eine Zusammensetzung chemischer Bestandteile mit der Wirkung eines lediglich subjektiv zu betrachtenden Geschmackes sein. Genauso könnte aber der Reifeprozess der Traube gemeint sein, der Vertrieb oder die handwerkliche Produktion des Weines, der Prozess des Marketings.
Erstellt von JuraforumWiki-Redaktion, 08.08.2017 13:17
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 08.08.2017 13:17
Entscheidungen zum Begriff Qualität
BAYERISCHER-VGH, 14.02.2014, 3 CE 13.2193
Beamtenrecht; Beförderung; Auswahlentscheidung; dienstliche Beurteilung; Änderung der Beurteilungs- und Beförderungsrichtlinien; Anwendbarkeit auf zurückliegenden Beurteilungszeitraum; gleiches Gesamturteil; Binnendifferenzierung; Vorrangkriterien (Qualität und Quantität); Leistungsvorsprung; Hilfskriterien
VG-AUGSBURG, 26.07.2013, Au 7 K 13.186
Geltendmachung der Bestattungskosten für einen Verstorbenen durch eine Kommune;leibliche Tochter des Verstorbenen als Bestattungs- und Zahlungspflichtige;Qualität der Beziehung zwischen Tochter und Verstorbenem;Ausschlagung von Erbschaft
VG-AUGSBURG, 26.07.2013, Au 7 K 13.216
HESSISCHER-VGH, 29.02.2012, 6 A 69/11
Der Betrieb einer Theke rechtfertigt es nicht, einem Raucherraum die Qualität eines Nebenraums im Sinne des § 2 Abs. 4 HessNRSG 2007 abzusprechen.
HESSISCHER-VGH, 13.10.2005, 4 UE 3311/03
Regionalplanerische Gründe können zugleich die städtebauliche Qualität aufweisen, die für einen Ausschluss des isolierten Einzelhandels nach § 1 Abs. 5 und 9 BauNVO erforderlich ist.
BAYOBLG, 10.09.2001, 5Z RR 10/00
Zur Frage der Höhe der Entschädigung, wenn ein Jagdrevier durch Abtretung von Grundstücksflächen für den Straßenbau die Qualität eines Eigenjagdbezirks verliert.
OLG-HAMBURG, 12.06.2002, II - 19/02
Fehlende erstinstanzliche Feststellungen zur Qualität des gehandelten Betäubungsmittels stehen der Wirksamkeit einer Berufungsbeschränkung auf das Strafmaß nicht entgegen, wenn ausnahmsweise die in Betracht kommende Qualität den Schuldumfang nicht bestimmt und das Strafmaß nicht entscheidend beeinflussen kann (hier: Handeltreiben mit...
OLG-DUESSELDORF, 08.11.2000, 2a Ss 272/00 - 64/00 II
Leitsatz: BtmG §§ 29 Abs. 1, 29a Abs. 1 Nr. 2 Die Bestimmung des Schuldumfangs bei Verstößen gegen das Betäubungmittelgesetz setzt grundsätzlich voraus, daß entweder konkrete Festellungen über die Qualität des Betäubungsmittels getroffen oder daß von der für den Angeklagten günstigsten Qualität ausgegangen wird, die nach den...
VG-DUESSELDORF, 22.06.2010, 27 K 8945/08
Der drittstaatsangehörige Ehegatte eines Unionsbürgers hat, wenn dieser von seinen Freizügigkeitsrechten Gebrauch gemacht hat und in seinen Herkunftsstaat zurückkehrt, ein abgeleitetes Aufenthaltsrecht in dem Herkunftsstaat des Unionsbürgers nur dann, wenn das Gebrauchmachen von den Freizügigkeitsrechten eine spezifische Qualität und...
OLG-STUTTGART, 21.12.2006, 13 U 51/06
Reparaturkostenübernahme durch Vermieter bei selbst finanzierter ... (31.10.2012, 16:36)
Mieter M ist Mitglied einer Wohnungsbaugesellschaft W. Vor einigen Jahren wurden im gesamten Haus die Badezimmer modernisiert. M wünschte einen höheren Komfort und hat sich andere Einbauten (Toilette, Waschbecken, Wasserhahn usw.) und Fliesen höherer Qualität gekauft. W gab hierzu einen finanziellen Beitrag und ließ alles im Rahmen der...
Hallo liebe Teilnehmer: Nehmen wir an: Eine Dozentin einer privaten Schule für Berufsausbildung, gibt vor eine bestimmte Fachausbildung zu unterrichten. Kann aber das Wort noch nicht mal richtig aussprechen und hat auch keine Ahnung von der Materie für die eine mehrjährige Fachausbildung nötig ist. Sie lässt wichtige...
Qualität der versch. Unis (07.09.2012, 14:59)
Hallo zusammen, wenn man sich durch die Statistiken der Landesjustizprüfungsämter klickt fällt auf, dass manche Ämter sogar die Durchfallquoten einzelner Unis aufführen. So hat zB Freiburg eine aktuelle Durchfallquote von unter 7% während Tübingen ca. 50% aufweist. Meine Frage: Woher kommt sowas? Ist die Lehre zB in Tübingen dermaßen...
Darf man eine I-net seite eröffnen die sich mit der Qualität von ... (14.08.2007, 19:15)
Liebe User und userinen, wie weit greift der Artikel 5 wenn es um Meinungsfreiheit geht? Darf man eine I-net Seite eröffnen, wo Krankenhäuser beurteilt werden und ein Ranking-System implementiert wird? mfg LALILU
Weitere Strafanzeigen von Geschädigten nach einer Bewährung (11.09.2011, 17:29)
Hallo, Mustermann wurde 2008 in einem Beschluss verurteilt Geld an Geschädigte (abzocke) zurückzuzahlen und geminschaftliche Arbeit zu leisten.Insgesamt 30 abgezockte Kunden, bisher haben nur 4 Betrugsantzeige gestellt, es können aber weitere aus der Zeit vor 2008 dazukommen, das weiss man ja nicht. Geldzahlung und Stunden abarbeiten...
Sicherheitsfrage 87 - Ne u.n =
Qualität – Weitere Begriffe im Umkreis
Qualifizierte Straftaten
Privilegierte Straftaten sind Straftaten, bei denen zum Grundtatbestand eines Delikts mindestens ein weiteres Tatbestandsmerkmal hinzukommt und so ein neuer Straftatbestand gebildet wird, der mit einer höheren Strafe bedroht ist als der...

References: § 433
 § 434
 § 437
 § 823
 § 1
 § 2
 § 1