Source: http://www.sgipt.org/kom/versteh.htm
Timestamp: 2019-02-20 00:42:18+00:00

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Verstehen mit einer Begriffsanalyse und Gebrauchsbeispielen
IP-GIPT DAS=00.00.2013 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung: 03.02.19
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mit einer Begriffsanalyse und Gebrauchsbeispielen
und der Gretchenfrage: Wie kann man prüfen, ob man sich versteht?
"... denn Worte können nur zwischen denen der wahren Verständigung dienen, die gleiche Erfahrungen teilen."
Allan W. Watts (1961) Zen-Buddhismus. Reinbek: rde. S. 20
Inhaltsverzeichnis Editorial.
Begriffsanalyse verstehen.
Begriffsanalyse erklären.
Unterscheidungen beim verstehen hinsichtlich des Objektes oder Sachverhaltes.
Praktische Haupt-Paradigmen.
Nonverbale Signale des Nicht- / Verstehens.
Operationale Zugaenge zum Verstehen.
Entwicklungspsychologie des Verstehens.
Denken und Verstehen.
Grundaufgaben des Denkens.
Geistige Re-Präsentation.
Verstehen der Welt.
Paradigmatisches Grundproblem (Wort und Begriff).
Fuzzy-Begrifflichkeit im Alltag.
Systematische Pruefmethoden:
Die Nachfrage: Bitte um Erläuterung, Beispiele.
Klärender Dialog.
Kontrollierter Dialog in besonderen Fällen.
Einbindung oder Bezug zum Handeln.
Sich selbst einbringen: bei mir ist das so ...
Andere Quellen oder Belege (Beispiele): wie sehen andere das?
Sonstige, bislang nicht berücksichtigte (Rest- und Auffangkategorie).
Möglichkeiten des Grundproblems zum Verstehens.
Materialien zum Verstehen des Verstehens.
Aristoteles: Aus der Metaphysik.
Allan W. Watts (1961) Verstehen erfordert gleiche Erfahrungen.
Eisler verstehen im Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Waismann (1976) Können, Wissen, Verstehen.
Dilthey Erklären und verstehen.
Gadamer Hermeneutik I. und II Wahrheit und Methode.
Wright (1974). Erklärung und Verstehen.
Jaspers (1948) Erklären und Verstehen.
Gruhle (1948) Verstehende Psychologie.
Kehrer, F.A. (1951) Das Verstehen und Begreifen in der Psychiatrie.
Sachse, Rainer (2013) Persönlichkeitsstörungen verstehen.
Heilmann, Christa M. (2011) Körpersprache richtig verstehen und einsetzen.
Beispiele zum Gebrauch des Wortes verstehen. (Auswahl):
Gebrauchsbeispiele aus dem Internet (Auswahl).
Gebrauchsbeispiele aus der Literatur (Belletristik) (Auswahl).
Gebrauchsbeispiele aus Sachbuechern (Auswahl).
Gebrauchsbeispiele aus der Ratgeber-Literatur (Auswahl).
Gebrauchsbeispiele aus der Geistesgeschichte (Auswahl).
Gebrauchsbeispiele aus der Psychologie:
Grundlagen und Gebrauchsbeispiele aus William Stern.
Literatur, Links, Glossar, Anmerkungen und Endnoten; Querverweise, Zitierung & Copyright, Änderungen.
Editorial Anlässlich des in memoriam Walter Toman 2013 zum Verstehen wurde ich angeregt, diesem kaum zu überschätzenden Begriff eine eigene Seite zu widmen, um folgenden Fragen nachzugehen: Welche Bedeutungen hat verstehen? Woher wissen, wir, dass wir uns verstehen oder verstanden werden? Welcher Voraussetzungen bedarf es, damit man sich versteht? Wie kann man prüfen, ob man sich versteht?
Verstehen kann als kommunikativer Grundbegriff aufgefasst werden, der im Alltag von den meisten Menschen ohne Probleme verstanden :-) wird. Man weiß, was verstehen bedeutet und wie man Verständnisprobleme im Dialog klären kann. Aus dem Meinen zu verstehen lässt sich aber nicht zwingend schließen, dass man sich tatsächlich versteht, was man oft erst später merkt.
In der Wissenschaft gibt es allerdings mit dem Verstehen eine Reihe von Problemen. Windelband führt 1894 den Gegensatz zwischen naturwissenschaftlicher Orientierung, die nach allgemeinen Gesetzen und Regeln sucht und dem idiographischen Einzelfall, der verstanden werden muss, ein. Und Dilthey führte 1994 den Gegensatz zwischen erklären (Naturwissenschaft) und verstehen (Geisteswissenschaft) ein (erklären und verstehen). Es gibt nur eine Wissenschaft und deshalb halte ich diese Gegensatzkonstruktionen für nicht förderlich: sie sollten überwunden werden und aus dem entweder oder sollte ein sowohl als auch werden.
Man versteht Worte, Begriffe, Erklärungen, Beschreibungen, Texte, Geschichten, Mitteilungen, Ereignisse, Vorgänge, Sachverhalte und vieles andere mehr. Aber versteht man wirklich?
Verstehen hat neben vielen Neben- drei Hauptbedeutungen: (1) geistiges nachvollziehen, begreifen (Verstbedeut ); (2) einfühlendes, mit- oder nacherlebendes verstehen (Versteinf) und (3) billigen, akzeptieren, gut heißen (Verstbillig). Hierbei sind (1) und (2) ähnlich; (3) fällt aus dem Rahmen. Zur genaueren Begriffsanalyse (> Methode) erscheint es sinnvoll, zunächst möglichst viele Bedeutungen zu erfassen, die man später, wenn genügend Material vorliegt, klassifizieren und zusammenfassen kann.
Verstehen gelingt dort am besten, wo es in eine gemeinsame Lebenspraxis eingebunden ist und auf ähnlichen Erfahrungen (> Watts) basiert. Die wichtigste Methode zur Prüfung, ob man sich versteht, ist das Gespräch, der Dialog und der Bezug auf Lebenspraxis und Erfahrung.
In den mir bislang vorliegenden Texten wird verstehen als anscheinend bekannter Grundbegriff nicht weiter erklärt und nicht einmal über Beispiele eingeführt - eine leider weitverbreitete Krankeit der Philosophie und Geisteswissenschaften.
Die psychologische Grundlage von verstehen ist das Denken, also geistige Modell bilden und zueinander in Beziehung setzen. Das zwischenmenschliche Verstehen bedeutet demnach, ähnliche geistige Modelle bilden oder zueinander in Beziehung setzen.
Beispiele für Sachverhalte, die man verstehen kann:
Reich mir bitte die Kanne.
Ich habe keine Lust aufzustehen.
Was weiter weg ist, sieht kleiner aus.
Als allgemeine Regel kann diesen: alle Aussagen des Gesunden Menschenverstandes sind in der Regel für fast alle verstehebar, besonders, wenn unsere Forschungshypothese gilt: Menschen verstehen (Verstbedeut) sich umso besser, je ähnlicher ihre kognitiven Strukturen, ihre Erfahrungen und ihre Sprachsozialisationen sind.
Begriffsanalyse verstehen (Signierungen)
Verstehen ist wie die meisten Worte ein vielfältiges Homonym hat mehrere Grund- und Nebenbedeutungen. Im Sinne von Wittgenstein (> Methodik) ergibt sich die Bedeutung eines Wortes, der einen Begriff einkleidet, durch seinen Gebrauch (nach Index alphabetisch sortiert; in Klammern Beispiele):
Verstabstr Verstehen von Abstraktem (> Stern 371)
Verstalltag alltags- und anwendungsnah verstehbar (> EP-S.XI)
Verstbedeut verstehen der Bedeutung einer Aussage: geistig nachvollziehen, begreifen. (> B02, )
Verstbereit verstehen als zu etwas bereit sein (> B06, )
Verstbezieh Sich verstehen als Beziehungsmerkmal (> B10, )
Verstbild verstehen von Bildern (> Stern 113)
Verstbillig verstehen als (nicht) billigen, gut heißen, verstehen als (nicht) akzeptieren. (> I12, )
Verstdef Verstehen als Floskel für einen Defintion oder Charakterisierung (unter ... verstehen wir ...) (> Stern 157), (> Stern 35)
Verstdeut Verstehen als deuten, interpretieren, auslegen (> > Jaspers, Stern 25-29)
Verstdif verstehen unterscheiden und differenzieren von ..., z.B. Verständnis haben. (> Stern 506) Eine Differenzierung wird zwar vorgenommen, aber nicht erklärt (-) > Heidegger (echtes verstehen).
Verstecht Merkmal von Heidegger > Heidegger (echtes verstehen).
Versteinf emotionales verstehen: einfühlen, nacherleben können. (> Stern 506)
Versteinh Einheit des Verstehens (> Stern 25-29)
Versteins Verstehen als Einsicht, verstehen als einsehen (> Keyserling G04)
Versterkl-verst erklären und verstehen (> Stegmüller)
Verstford (Auf-) Forderung, zu verstehen (> Stern S.9, S.15, S.44, )
Verstfrage Die Verstehensfrage stellen: verstehst Du das, mich oder X? (> I02, I05, I06, I08, B01, B12)
Verstganzh verstehen im Ganzen, ganzheitliches Verstehen (> Stern 25-29, > G09-Dilthey-S.35, )
Verstgemein verstehen setzt Gemeinsamkeit Mitverstehende voraus (> Bollnow G12-Bollnow-S.93ff, )
VerstgsozM verstehen als geistes- und sozialwissenschaftliche Methode im Unterschied zum naturwissenschaftlichen erklären. (> Stern 25-29)
Versthinweis Zu verstehen geben, verstehen als Hinweis (> B03, )
Versthist historisches Verstehen. (> (> Stern 506)
Versthypoth Hypothesen verstehen (> Stegmüller)
Verstinteraktiv verstehen als interaktiver Prozess ( > G07, )
Verstkausal kausales Verstehen. ursächlich verstehen ( > Stern 64, EP-S.244a, )
VerstKind Verstehenszustand eines Kinder (> EP2-S.18)
Verstklass verstehen als Klasseneinteilung erkennen oder wissen (> EP-S.241)
Verstkönn Verstehen als können (sein Handwerk verstehen > Waismann)
Verstkomm kommunikativ: die Worte und Aussage sprachlich verstehen. (> B03, B07, )
Versthkonstr Verstehen als Kontruktion (z.B. einer neuen Wirklichkeit > Keyserling G04)
Verstkritisch Kritisches Verstehen ( > G10-BollnowS.34)
Verstkunst Verstehen als Kunst (> Stern 506)
Verstlebendig Differenmzierung von Heidegger.
Verslebvor lebensweltliches Vorverständnis (> G12-BollnowS93ff)
Verstlern verstehen lernen, lehren, unterweisen, fördern (> EP2-S.10, )
Verstmensch verstehen der Menschen, auch sich selbst (> Bollnow G12-Bollnow-S93ff, )
Verstmess mehr oder minder gut verstehen, messen (schätzen) des Verstehens (> EP2-S.18,)
Vertmissv Missverstehen (> I13, )
Verstmoti motiviertres, interessiertes Verstehen; Motive verstehen ( > Stern 203)
Verstname verstehen als wissen, wie etwas heißt, den Namen wissen (entwicklungspsychologisch bedeutsam). Allgemeinbegriff: dies ist ein Hund; Eigenname: dies ist Bello. Namen braucht man, damit man gerufen werden kann und verschiedene, ähnliche Sachverhalte, Gegenstände oder Personen unterscheiden kann).
Verstnaterkl im Sinne naturwissenschaftlicher Erklärung (> noch ohne Beispiel, evtl. löschen)
Verstnatwis naturwissenschaftlichen Verstehen (> Stegmüller)
Verstnicht Nichtverstehen, etwas nicht verstehen, falsch verstehen, kein verstehen scheitern (> I10, G11-Gadamer2-S.57)
Verstnorm Normen für verstehen, z.B. Erwachsenenverständnis (> > EP2-S.18,)
VerstonS? verstehen ohne nähere Spezifikation oder unklare Bedeutung (> I10, I12, I13,)
Verstprozess Verstehen als Prozess (> I10, G08, )
Verstpsych psychologisches Verstehen (> kritisch Bollow B12-BollnowS93ff)
VerstssB Sonstige spezifische Bedeutung (> Stern 144)
Versttest Verstehenstest (Piaget > EP-S.130)
Verstheorie Theorie des Verstehens (> G03, G05, G06, Stern 25-29, )
Versturspr ursprüngliches Verstehen nach Heidegger, wobei unklar bleibt, was er damit meint. > Heidegger.
Verstvield verstehen als vieldeutiges Homonym. (> Stegmüller)
VerstWelt verstehen der Welt (> EP2-S.16, )
Verstwert Verstehen als Wert, Vorteil im Leben (> I09, )
Verstwis verstehen als wissen (> I04, B19, ), siehe bitte auch Verstname.
Verstwiss wissenschaftliches verstehen (> EP2-S.18, )
Verstwitz verstehen von Witzen (> Stern 98)
Verstzirkel Zirkel des Verstehens: vom Ganzen zum Teil und vom Teil wieder zum Ganzen. (> G11-Gadamer2-S.57)
Verstzusam verstehen eines Zusammenhanges; Sinnerfassung. (> Stern 25-29)
Begriffsanalyse erklaeren (Beispiele zur Abgrenzung und zum Kontrast)
Viele Bedeutungen des Wortes verstehen lassen sich auch dem Wort erklären zuordnen.
Erklbedeut Bedeutungserklärung, Begriffserklärung
Erklbegrü Erklären im Sinne von begründen
Erkldeuten Erklären als deuten, interpretieren, auslegen.
ErklGründe Gründe G für einen Sachverhalt S angeben: S wird durch G erklärt.
ErklHOS Hempel-Openheim-Schema
ErklonS? erklären ohne nähere Spezifikation oder unklare Bedeutung
Erklpraxis Erklären wie man etwas macht.
Erklrechtf Erklären als rechfertigen
ErklssB Sonstige spezifische Bedeutung
Erkltheorie Theorie des Erklärens, z.B. HOS.
Erklursach Ursachen U für einen Sachverhalt S angeben: S wird durch U erklärt.
Erklverst Erklären im Sinne von verstehen
Erklzusam Einen Zusammenhang erklären: was hängt wie mit wem zusammen?
Unterscheidungen beim verstehen hinsichtlich des Objektes oder Sachverhaltes
Praktische Haupt-Paradigmen
Ich verstehe (nicht), was du sagen willst.
Ich verstehe (nicht), was Du meinst.
Ich verstehe (nicht), was Du sagst.
Nonverbale Signale des Nicht-/ Verstehens
Irritierter Ausdruck
Ratloser Ausdruck
Unverständnis kündender Ausdruck
Abweisende, abwehrende Gestik
Operationale Zugaenge zum Verstehen
Denken wir uns einen Menschen aus einer anderen Kultur mit einer fremden Sprache. Dem soll jetzt ein Verständnis von einem a) Ei, b) Kieselstein oder c) Zweig beigebracht werden.
Woran kann man feststellen, ob A den Sachverhalt S versteht?
Lassen sich an ein Verstehen Handlungskonsequenzen knüpfen, so dass man aus den Handlungen auf das Verstehen zurückschließen kann?
Gehen auf die Metaebene etwa durch ein Verstehst Du mich? kann zur Prüfung zwar eingesetzt werden, aber wie kann man prüfen, ob die Antwort stimmt?
Entwicklungspsychologie des Verstehens
EP Auswahl aus Siegler et al.
Siegler, Robert; Eisenberg, Nancy; DeLoache, Judy & Saffran, Jenny (2016) Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. Berlin: Springer.
Verstehen wird in dem Buch nicht weiter differenziert und erklärt. Die Kenntnis der Bedeutung von Verstehen wird offenbar als allgemein bekannter Grundbegriff vorausgesetzt. Dabei wäre gerade für die kognitive Entwicklung ein differenziertes Bild der Verstehensbedeutungen sehr wünschenswert.
Verstehen weist folgende Sachregistereinträge auf: Verstehen 245, 250, 253, 300, 303
–– biologische Prozesse 253
–– Denkweise anderer 250
–– Emotionen 245
–– Handlungsabsicht 245
–– mathematisches Konzept 303
–– menschliches Erleben 245
–– metakognitives 300
–– Test 130
Verständnis weist folgende Sachregistereinträge auf:
Verständnis 137, 211, 245, 248, 250, 306, 377
–– Autismus 248
–– biologisches 137
–– des Denkens 248
–– emotionales 377
–– frühes 245
–– metakognitives 306
–– soziales 250
–– teilen 211
Ausgewaehlte Gebrauchsbeispiele
EP-S.XI: "Auch waren wir bemüht, Fachsprache und Umgangssprache so zu verzahnen, dass die unterschiedlichen Terminologien in den verschiedenen theoretischen Ansätzen und Kontexten alltags- und anwendungsnah verstehbar (Verstalltag) bleiben."
EP-S.5: "Das Wesen des Menschen verstehen (Verstzusam) Ein dritter Grund für die Erforschung der Kindesentwicklung besteht darin, dass man das Wesen des Menschen besser verstehen (Verstzusam)
EP-S.6: "In Kürze Für die Untersuchung der Kindesentwicklung gibt es mindestens drei gute Gründe: Man kann die Erziehung der eigenen Kinder verbessern, zur Verbesserung der sozialen Situation von Kindern im Allgemeinen beitragen und die Natur des Menschen besser verstehen (Verstzusam)."
EP-S.11a: "Forscher, die die Entwicklung als diskontinuierlich betrachten, gehen von einer allgemeinen Beobachtung aus: Kinder verschiedenen Alters erscheinen qualitativ unterschiedlich. Beispielsweise unterscheiden sich Vier- und Sechsjährige nicht nur darin, wie viel sie wissen, sondern in der gesamten Art und Weise, wie sie die Welt verstehen. (Verstdif)"
EP-S.11b: "Etwa vom zweiten Lebensjahr an geben Kinder in gespielten Szenen manchmal vor, jemand anders zu sein. Zum Beispiel behaupten sie, dass sie jetzt Superhelden im Kampf mit Monstern oder Eltern, die sich um ein Baby kümmern, seien. Neben dem intrinsischen Vergnügen bringen diese Fantasiespiele wertvollen Lernzuwachs, beispielsweise darüber, wie man mit Ängsten umgeht oder eigene Reaktionen und die anderer Menschen versteht (Verstzusam) (Howes und Matheson 1992; Smith 2003)."
EP-S.32: "Mit Einführung der wissenschaftlichen Methode wurden große Fortschritte beim Verstehen (VerstKind) von Kindern möglich."
Aus Kapitel 4: Theorien der kognitiven Entwicklung:
EP-S.119: "Kinder unter acht Monaten reagieren auf das Verschwinden eines Objekts so, als ob sie nicht verstehen (ErklssB - hier Objektpermanenz) würden, dass das Objekt immer noch existiert; sie besitzen noch keine Vorstellung von Objektpermanenz."
EP-S.130: "Säuglinge und Kleinkinder sind kognitiv kompetenter, als Piaget dachte: Piaget gab Kindern relativ schwierige Verstehenstests (Versttest) vor. Das führte ihn dazu, die frühesten Konzepte, über die Säuglinge und Kleinkinder bereits verfügen, zu übersehen. Beispielsweise durften die Kinder bei Piagets Test zur Objektpermanenz erst einige Sekunden nach dem Verstecken nach dem verborgenen Objekt greifen; Piaget behauptete, dass Kinder dies nicht vor ihrem achten oder neunten Lebensmonat tun. Allerdings zeigten alternative Tests zur Objektpermanenz, bei denen die Blickfixationen des Kindes analysiert werden, nachdem das Objekt aus dem Sichtfeld verschwunden ist, dass Kinder bereits mit drei Monaten ein gewisses Verständnis (ErklssB - hier Objektpermanenz) der kontinuierlichen Existenz von Objekten besitzen (Baillargeon 1987, 1993)."
Aus Kapitel 7: Die Entwicklung von Konzepten:
EP-S.241: "Die Dinge verstehen (Verstklass) : Wer oder was Objekte in Klassen einteilen
Schon früh in ihrer Entwicklung versuchen Kinder zu verstehen (VerstWelt), welche Arten von Dingen es auf der Welt gibt. Zunächst einmal teilen sie die Dinge, die sie wahrnehmen, in die drei allgemeine Kategorien ein: unbelebte Objekte, Menschen und andere Lebewesen (dabei sind sie jedoch noch einige Jahre unsicher, ob Pflanzen eher den Tieren oder den unbelebten Objekten ähneln) (Gelman und Kalish 2006). ..."
EP-S.242: "Wie in ? Kap. 5 erwähnt, verstehen (Verstzusam) beispielsweise schon drei Monate alte Säuglinge, dass ein Objekt (wie etwa ein Glas) zu Boden fallen wird, wenn es nicht durch ein anderes Objekt (etwa einen Tisch) unterstützt wird; allerdings dauert es bis zum Alter von fünf Monaten, bis die Säuglinge auch verstehen (Verstzusam), dass ein Objekt dann herunterfallen wird, wenn nur ein kleiner Teil des Objekts gestützt wird (Baillargeon 1994)."
EP-S.244a: "Allgemein hilft das Verstehen (Verstkausal) von Ursache-Wirkungs-Beziehungen Menschen jeden Alters beim Lernen und Behalten"
EP-S.244b: "Für die Bildung vieler Begriffsklassen ist das Verstehen (Verstklass), (Verstkausal) von Kausalbeziehungen unerlässlich."
EP-S.245a: "Im Zentrum der naiven Psychologie stehen drei Konzepte, die wir alle normalerweise heranziehen, um das menschliche Verhalten zu verstehen (Verstdif): Wünsche, Überzeugungen und Handlungen."
EP-S.245b: "Entwicklung im späteren Kindesalter
Im Kleinkind- und Vorschulalter bauen Kinder auf ihren früh entstandenen psychologischen Grundkenntnissen auf, um ein immer differenzierteres Verständnis von sich selbst und anderen Menschen zu entwickeln und auf immer komplexere Weise mit anderen zu interagieren. In zwei Bereichen ist diese Entwicklung besonders eindrucksvoll: bei den Spielaktivitäten und beim Verstehen (Verstzusam) des menschlichen Erlebens und Verhaltens."
EP-S.246: "Ein wichtiger Bestandteil einer solchen Theory of Mind, das Verstehen (Verstzusam) der Verbindung zwischen den Wünschen anderer Menschen und ihren Handlungen, taucht gegen Ende des ersten Lebensjahres auf."
EP2 - Auswahl aus Entwicklungspsychologie 2
Köhnlein, Walter ; Marquardt-Mau, Brunhilde & Helmut Schreier (1997, Hrsg.) Kinder auf dem Weg zum Verstehen der Welt. Bad Heilbrunn: Klinkhardt. [... E-Books/PsychologiePDF/EntwickPsy/Koehnlein_MarquardtMau_Schreier_1997_Kinder_auf_dem_Weg.pdf]
EP2-S.7: "... Das „Verstehen (Verstprozess)der Welt“ ist demgegenüber keineswegs eine vorgegebene Konstante, sondern ein Prozeß, der vielfältige Konstruktionsmöglichkeiten zuläßt. ..."
EP2-S.8: "Die hier zusammengetragenen Texte befassen sich mit jedem der drei im Titel des Buches angesprochenen Begriffe. Sie gehen etwa folgenden Pagen nach: Was heißt „Kinder“ und „Kindheit“?; Was heißt „Verstehen“ (Verstfrage), (Verstdef), (Versttheorie) ?; Was heißt „Welt“ oder „Wirklichkeit“? Zwar ist in jedem der Beiträge jeweils der gesamte Zusammenhang des Titels unter der Perspektive eines bestimmten Faches oder einer bestimmten Forschungs-Tradition reflektiert, aber Unterschiede der Betonung gestatten die Untergliederung in drei Teile, die dem Lesenden den Zugang erleichtern. So ergibt sich die äußere Form als ein Bild, das Bilanzierungsversuche (entsprechend dem Forschungstyp der Metaanalyse), Annäherungen an Verstehensprozesse (Verstprozess) von Kindern und Vorschläge oder Programme zur künftigen Orientierung der Forschung umfaßt. Die Reihenfolge entspricht der Vorstellung des fortschreitenden Forschungsprozesses: Am Anfang der Blick zurück, am Ende der Blick in die Zukunft (oder das, was wir dort wahmehmen), dazwischen das, was in der Gegenwart zur Wirksamkeit zu gelangen versucht und in die Unterrichtspraxis hineindrängt."
EP2-S.10: "Der zweite Teil Überlegungen zum Verstehenskonzept (Versttheorie) enthält solche Texte, die auch als „Annäherungen an die Lebenswelt von Kindern“ akzentuiert werden könnten. Das Verstehenskonzept (Versttheorie) ist hier insofern zentral und auf fundamentale Weise von dem unterschieden, das im drittenTeil zugrundegelegt wird - was bei Gelegenheit des dritten Teils näher zu erläutern ist -, als die Verfasser der vier Texte von der Möglichkeit ausgehen, daß Verstehen (Versttheorie) im Sinne der Entdeckung eines unabhängig vom erkennenden Menschen gegebenen Zusammenhangs überhaupt möglich ist. In diesem Sinne erinnert Kay Spreckelsen an die eigentliche Schlüsselqualifikation von Didaktikern des Sachunterrichts, die in ihrer Fähigkeit liegt, die zunächst gewissermaßen stummen und dumpfen Gegenstände der Umwelt in rätselhafte Phänomene zu verwandeln, welche Kinder ansprechen und die dazu geeignet sind, die lernenden Kinder auf die Spur zum Verstehen (Verstlern) der Welt zu führen. Daß dies Verstehen (VerstonS?) eben nicht ins Abgründig-Chaotische, sondern in die wohlgeordnete und bewundernswert schöne Welt namens Kosmos mündet, ist auch die dem „Philosophieren im Sachunterricht“ [>11] von Martin Ganter eingeschriebene Orientierung."
Dollase, Rainer (1997) Entwicklungspsychologische Grundlagen des kindlichen Weltverstehens. In (16-38) Köhnlein et al. (1997, Hrsg)
EP2-S.16: "Entwicklungspsychologische Grundlagen des kindlichen Weltverstehens (Versttheorie) Weithin wird akzeptiert, daß die Entwicklungspsychologie versucht, die Veränderungen des Erlebens und Verhaltens eines Menschen während seiner Lebensspanne zu beschreiben und zu erklären (vgl. Oerter, Montada 1982, S. 3 f). Die Beschreibung und Erklärung der Veränderung von Erleben und Verhalten schließt das Verstehen (VerstWelt) der Welt ein, allerdings ist der Begriff „Weltverstehen” (VerstWelt) heute ungebräuchlich. Er erinnert eher an Klassiker der Entwicklungspsychologie, z.B. an Wilhelm Hansen „Die Entwicklung des kindlichen Weltbildes” (1949, 2. Auflage). Heute ist die Frage nach der „Entwicklung des Weltverstehens” (VerstWelt) in die kognitive Entwicklungspsychologie bzw. die Informationsverarbeitungstheorie (z.B. nach Trautner 1992 bzw. Miller 1993) einzuordnen, deren Ahnen mit Namen wie Piaget, Bruner oder Wygotski (nach Gage und Berliner 1996) so wie vielen anderen angegeben werden. Das zugehörige Forschungsgebiet ist derart gigantisch umfangreich und komplex, daß eine knappe Zusammenfassung lediglich ein paar Grundstrukturen benennen kann."
EP2-S.16b: "1. Der Gegenstand: das Verstehen (VerstWelt) der Welt Der umgangssprachliche Begriff „verstehen” (Versttheorie) ist keineswegs eindeutig, er hat mehrere Bedeutungen (z.B. von „ich verstehe mich als Arno Schmidt Fan” bis zu „ich verstehe etwas von Soziometrie”). „Weltverstehen” (VerstWelt) verweist auf Kognitionen des Menschen, die ihn befähigen, die soziale und nicht soziale Umwelt zu „verstehen” (VerstWelt) (im Sinne von „sich auskennen, besondere Kenntnisse haben”) (Verstdif), (Verstwis)."
EP2-S.17: ""Zum Weltverstehen (VerstWelt) ist also nicht nur Speicherung von Information nötig, sondern auch Verarbeitung, Motivierung und Steuerung.
EP2-S17b: "Die verstehende (VerstonS?) Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Umwelt produziert keineswegs nur Wissen, kognitive Schemata, Strategien etc. über sich selbst und die Umwelt, sondern auch sogenannte metakognitive Wissensbestandteile und -prozesse (vgl. Hasselhom 1992 in Nold). Zu diesen Metakognitionen gehören z.B. das Wissen über das eigene kognitive System, das Wissen über Strategien, aber auch sogenanntes epistemisches Wissen, z.B. Wissen über die Inhalte und Grenzen des eigenen Wissens oder über dessen Verwendungsmöglichkeiten sowie über exekutive Prozesse, wodurch eigene Lernprozesse geplant, überwacht und gesteuert werden können. Hinzu käme auch noch eine gewisse Sensitivität für die Möglichkeiten kognitiver Aktivitäten (Erfahrungswissen und Intuition) sowie metakognitive Erfahrungen bezüglich der eigenen kognitiven Aktivität (z.B. bewußte kognitive Empfindungen und bewußte affektive Zustände). Wie weit allerdings Grundschulkinder über metakonzeptionelle Kognitionen verfügen, ist nach wie vor noch strittig (vgl. Sodian 1995)."
EP2-S.18: "Wenn man sagt, „dem Kinde gelingt ein zunehmend besseres Verstehen (VerstWelt) der Welt” so impliziert dies die Verfügbarkeit über einen Maßstab schlechten bzw. besseren Verstehens (Verstmess). Zumeist wird das erwachsene Verstehen (Verstnorm) als Norm oder Maßstab genommen - was leicht zu problematisieren ist. Auch die Messung des Verstehens (Verstmess ) von Welt am wissenschaftlichen Erkenntnisstand ist nicht unumstritten - dieser ist stets grob unvollständig, zum Teil falsch und möglicherweise unter funktionalen Überlegungen „schädlicher” für ein zukunftsfähiges Handeln als der kindliche Verstehenszustand (VerstKind). Jedenfalls gilt für kindliches, erwachsenes und wissenschaftliches Weltverstehen (Verstwiss) gleichermaßen die Unvollständigkeit, das Nicht- und Falschverstehen als normale Erscheinung."
II. Überlegungen zum Verstehenskonzept
Spreckelsen, Kay (1997) Phänomenkreise als Verstehenshilfe. In (111-127) Köhnlein et al. (1997, Hrsg)
Texte von der Hauptseite denken0:
2 Grundaufgaben des Denkens:
1. Geistige Re-Präsentation und 2. Verstehen der Welt
2.0 Philosophischer Einstiegs-Exkurs zur Erkenntnistheorie.
Die Denkpsychologie hat seit langem bedeutende Vorfahren: 1) die Mathematik und Logik als bislang höchste Form reinen Denkens, 2) die Erkenntnistheorie, früher meist von Philosophen, heute teilweise von WissenschaftstheoretikerInnen betrieben und 3) die empirischen, besonders die sehr erfolgreichen Natur-Wissenschaften. Nicht zu vergessen ist natürlich das Denken im Alltag. Fast alle Menschen denken nahezu ständig. Das Denken spielt sozusagen eine überragende Rolle im Leben. Das Denken ist somit Forschungsgegenstand vieler Wissenschaften, einschließlich des alltäglichen Denkens. Nur in diesem Punkt hat Ryle mit seiner Kritik an der Denk-Psychologie recht.
Die philosophische Erkenntnistheorie führt aber leider nicht weiter, weil sie nur auf das Denken setzt. Das ist zwar auch in der Mathematik so, aber dort diszipliniert der Beweis sehr streng und sehr radikal. Ansonsten sind die meisten Wissenschaften, die diesen Namen verdienen, an die Erfahrung gebunden und werden auch an ihr geprüft. Aber nicht nur die mathematische Beweisstrenge, auch die empirische Anbindung fehlt der Philosophie in ihrer genuinen Denkpraxis meist gänzlich, so bleibt sie meist auf dem Niveau von Theologie, Meinungsideologien oder anderen Glaubensgebäuden stehen (Ausnahmen). Daher soll der Ausflug in die philosophische Erkenntnistheorie sehr kurz gehalten werden.
Gibt es die Welt, das Ding an sich [Kant, Eisler], also eine "objektive" Welt? Oder gibt es die Welt immer nur relativ zu einem Erfassungs- , Erkenntnis- und Konstruktionssystem? Obwohl wir das Ding an sich [Kant, Eisler] per definitionem eigentlich gar nicht erkennen können, braucht es das auch nicht, wie uns besonders die Naturwissenschaften zeigen und vormachen. Die Wissenschaften haben ihre Erkenntnisse unabhängig von ihrer Stellungnahme zum Ding an sich [Kant, Eisler] und der Philosophie gewonnen. So gesehen kann man also getrost auf die nur denkende Philosophie verzichten. Denken, vor allem richtig denken, ist zwar eine notwendige Bedingung für wissenschaftliche Erkenntnis und Fortschritt, aber sie reicht natürlich längst nicht hin.
Die Begrenztheit unseres direkten Erkenntnisvermögens durch unsere Sinne wurde durch die Entwicklung von Meßgeräten wenn auch nicht gänzlich überwunden, so aber doch sehr stark erweitert. Wir wissen dank der (Natur-) Wissenschaft über die Welt viel, viel mehr als wir nach unseren Sinnesorganen wissen könnten. Das eben ist der große Vorzug aller Wissenschaft: sie erweitert unser naives Erfahrungswissen, unser gewöhnliches Denken oder unseren naiven Glauben. Dieses Wissen ist wesentlich eine Errungenschaft des wissenschaftlichen Denkens.
Die alte Frage nach dem Ding an sich hat im 20. Jahrhundert eine neue und radikale Interpretation durch den Konstruktivismus erfahren, wobei mit diesem oft in vulgärkonstruktivistischer Manier das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet wird. In der Wissenschaftstheoretischen Bewegung sind nicht wenige fragwürdige Geister unterwegs und es ist manchmal sehr schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Die allgemeinen wissenschaftstheoretischen Hilfsmittel zum Verstehen der Welt behandle ich unter den Methoden 4.3
2.1. Geistige Re-Präsentation
Als erste Grundaufgabe des Denkens kann gelten: Geistige Modelle der Welt (einschließlich von sich selbst) bilden und zueinander in Beziehung setzen, wobei in Beziehung setzen schon ein gewisses Verstehen - zumindest erste (implizite) Hypothesen - bedeutet, wodurch 2.1 und 2.2 zusammenhängen. Wahrscheinlich ist eine isolierte begriffliche Erkenntnis ohne begriffliche Umgebung und Kontext auch gar nicht möglich. Die Welt-Repräsentation ist - psychologisch gesehen - geistig aus Begriffen aufgebaut, die zueinander in Beziehung stehen und dadurch eine Re-Präsentation der Welt ermöglichen. Jeder Mensch erschafft - meist ohne das besonders zu bemerken, er denkt "einfach" - seine eigene subjektive Welt. Naive Menschen halten ihre eigene subjektive Welt für die Welt schlechthin und glauben, dass die Welt so ist, wie sie ihnen erscheint, wie sie sie erleben. Kritische Geister wissen um die Subjektivität und Relativität ihrer Konstruktionen. Die persönliche Erschaffung eines Modells der Welt oder von ihren Teilen ist eine konstruktive Leistung, die mit anderen Modellen, auch anderer Menschen, teilweise übereinstimmen oder nicht übereinstimmen kann. So lässt sich auch der schwierige Wahrheitsbegriff als Relation zwischen Wirklichkeitsmodellen vernünftig begründen
2.2 Verstehen der Welt
Wozu brauchen Lebewesen ein Verständnis der Welt? Nun, die Antwort hat Darwin gegeben. Wer seine Welt verstehen kann, überlebt eher und lebt womöglich auch besser. Verstehen der Welt dient also der Sicherung der Existenz und ihrer Qualität. Geht man von diesen beiden Elementarzielen aus, so sollte auch Erziehung, Schule, Ausbildung, Arbeit und Beruf an diesen Elementarzielen ausgerichtet sein. Leider lernt man - gemessen an den beiden Elementarzielen - viel überflüssigen Plunder in der Schule, aber nicht das, was man in seinem Leben wirklich brauchen kann und was weiter führt.
Ausgehend von den beiden Elementarzielen, die Existenz und ihre Qualität zu sichern, käme es in der Hauptsache darauf an, die Welt, sich selbst und die anderen so zu begreifen, das sich einem Zusammenhänge, Gesetzmäßig- und Regelhaftigkeiten erschließen.
Für die meisten Untersuchungen zum Denken ist Verstehen eine wichtige Voraussetzung. Eine Denkaufgabe kann nur dann sinnvoll ausgeführt werden, wenn verstanden wird, was zu tun ist. Damit gelangen wir in einen grundlegenden Zirkel. Denn beim Verstehen von Aufgaben, ist Denken beteiligt und auch eine Sprache nötig. Verstehen ist ein grundlegender Begriff, der nur auf dem ersten Blick klar scheint. Tatsächlich dürfte es in den meisten Situationen so sein, dass wir zwar meinen oder glauben, zu verstehen - aber verstehen wir "wirklich"? Wie können wir prüfen, ob wir "wirklich" verstehen? Wie macht man das? Die einfachste Möglichkeit, verstehen zu prüfen, geht über das Verhalten oder Handeln.
4.4.1 Paradigmatisches Grundproblem: Wie kann man feststellen und ermitteln, welchen Begriff ein Kommunikator mit der bildlichen oder lautlichen Ausdruckshülle eines Wortes verbindet? Das Problem hat in allen Wissenschaften, die mit Erleben und Verhalten zu tun haben, eine kaum zu überschätzende Bedeutung.
Aus dieser Fragestellung ergibt sich sofort die nächste und noch grundlegendere Frage: was können oder sollen wir unter einem Begriff verstehen? Eine Idee, eine Vorstellung, ein kognitives Schema, eine mehr oder minder deutliche Merkmalskombination in dieser oder jener Kommunikationssituation? Auf den ersten Blick scheint intuitiv klar, was wir unter einem Begriff verstehen können, etwa dadurch, dass wir Beispiele und Gegenbeispiele für Begriffe angeben können, z.B. Baum, Anfang, und, .... Tatsächlich geben wir beim Kommunizieren aber nur Worte an. Worte sind aber nur die "Kleider" der Begriffe. Sie repräsentieren oder bezeichnen einen Begriff, aber welchen nun genau? Man könnte auch sagen, mit Worten rufen wir in unserem Geist, in unserem Gedächtnis, in unserer Erfahrung Begriffe auf. Aber welche? Wie geschieht das? Wie können wir prüfen, welcher Begriff sich bei diesem oder jenem Menschen, in dieser oder jener Situation, mit diesem oder jenem Wort verbindet? Fragen wir nach und ausführlicher, erhalten wir als Antwort wiederum Worte, so dass sich ein sog. unendlicher Regress, ein nicht endender Frage- und Wortkreislauf anbahnt. Aus empirisch- operational- wissenschaftlicher Sicht sind daher vor allem solche Methoden erwünscht, die nicht nur eine Prüfung gestatten, sondern auch ein Ende haben. Beispiel: Es bestehe die Aufgabe darin, aus drei Gegenständen, die blau, rot und gelb sind, einen auswählen. Aus der Wahl lässt sich bei ehrlichen Probanden schließen, ob z.B. die Begriffe blau, rot, gelb zur Verfügung stehen. Relativ einfach erscheinen hierbei Begriffe, die Äußeres, Wahrnehmbares, Zeigbares betreffen. Sehr viel schwieriger wird es, wenn die Begrifflichkeit von Innerem, Erleben, Gefühlen oder Stimmungen, Wünschen, Bedürfnissen oder Zielen zu überprüfen sind.
4.4.2 Fuzzy-Begrifflichkeit im Alltag. In alltäglichen kommunikativen Situationen begnügt man sich meist mit einem ungefähren Verständnis, d.h. man prüft hier meist gar nicht, was gemeint ist, sondern nimmt eine Bedeutung einfach an. In der Psychodiagnostik und Psychotherapie kann dies sehr problematisch werden, weil man möglicherweise nur meint, sich zu verstehen. Fragt man etwa: Welche Gefühle kennen Sie? und fragt nicht: Welche Gefühle kennen Sie vom eigenen Erleben her? kann man Antworten bekommen, die nur den Wortschatz der Gefühle einer Person repräsentieren, aber nicht das Erleben. Fühlprobleme werden so vielleicht übersehen.
Andererseits ist die Idee reizvoll, dass die Alltagswelt vielleicht gerade deshalb praktisch funktioniert, weil man sich mit dem Ungefähren begnügen kann. Man konnte unter 4.1 oben schön sehen, dass die Dinge vielleicht erst dann richtig schwierig werden, wenn man sie genau und ausdrücklich zu erfassen sucht. Vielfach gibt es keinerlei Probleme zu verstehen, was jemand meint, auch wenn viele objekt- und metasprachliche Ebenen ineinander verschachtelt sind. Erst wenn man genauer einzudringen versucht, stellt man fest, dass es dann kompliziert und schwierig werden kann. Kaum ein des Rechnens mächtiger Mensch hat ein Problem mit den natürlichen Zahlen, jeder weiß, wie sie aufeinander folgen und wie man ihnen umgeht, zählt und rechnet - bis man sich fragt: gibt es alle? Und was bedeutet hier alle? Und was heißt geben? Gibt es Dinge, die sich selbst enthalten? Gibt es Unvollendbares als Vollendetes? Gibt es Teile eines Ganzen, die genau so groß sind wie das Ganze?
Systematische Pruefmethoden
Die einfachste und natürlichste Form, verstehen abzusichern, ist die Nachfrege: wie meinst Du das? Kannst Du das noch ein bißchen näher ausführen, kannst Du vielleicht ein Beispiel nennen?
Klaerender Dialog
Ausführlicher als die einfache Nachfrage ist der klärende Dialog, das Wechselspiel von Frage und Antwort, um den Sachverhalt, den es zu verstehen gilt, weiter aufzuklären, wobei man gelegentlich darauf achten muss, nicht abzudriften.
Unter einem kontrollierten Dialog zwischen A und B versteht man einen Dialog, wo B erst antworten darf, wenn er vorher wiedergibt, was A gesagt hat und das bestätigt. Ein Trainingsprogramm findet sich in enem Partnerschafts-Programm in einem Therapieforschungsprojektes des Psychologischen. Instituts der Westfälisehen-Wilhelms-Universität (1970/80er Jahre), herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. Dort werden auch die Trainingsregeln, ein Beispiuel und die Hauptschwierigkeitsquellen bonm A und B gelistet (S. 88-89):
Häufige Fehler auf der Seite des Sprechenden
Organisiert seine Gedanken nicht, bevor er spricht
Drückt sich ungenau aus,
Versucht, zu viel in einer Aussage unterzubringen, so daß sie verwirrend wirkt Wirk-samkeit nimmt mit der Kürze zu.
Bringt zu viele Ideen in seine Äußerungen ein, oft untereinander nicht verbunden, so daß eine Zusammenfassung für den Partner schwierig ist
Redet aus Unsicherheit immer weiter, ohne die Auffassungskapazität seines Partners abzuschätzen: Fehlende Resonanz bei langem Sprechen erhöht ein Bestätigungsbe-dürfnis, das wirkungslos bleiben muß.
Übersieht bestimmte Punkte der Antwort des vorausgegangenen Spre¬chers und ant-wortet daher nicht aktuell zu dem, was zuvor gesagt wurde: Das Gespräch kommt nicht vorwärts.
Häufige Fehler auf der Seite des Zuhörers
Denkt schon an und probt seine Antwort, statt aufmerksam zuzuhören, legt sie sich zu-recht, während der Partner noch spricht. Erfolg: Er kann nicht vollständig wiederholen, vergißt, was gesagt ist und was er sagen will.
Neigt eher dazu, auf Details zu hören und sich evtl, über sie zu echauf¬fieren, anstatt den ganzen Sinn und die wesentlichen Mitteilungen zu erfassen.
Versucht, weniger Vertrautes in seine Denkschemata einzuordnen."
Die AutorInnen ergänzern:
"Die reale Erfahrung, daß Verstehen und Verstandenwerden keineswegs so selbstverständlich sind, wie oft naiverweise angenommen wird, macht sensibler gegenüber den Möglichkeiten des Mißverstehens, Mißhörens und Mißverstandenwerdens in einer größeren Gruppe. Diese Erfahrung kann zu einem Bewußtsein dafür führen, wie leicht von dem unbe-wußten Vorurteil ausgegangen wird, die eigene Psychologie sei jeweils auch die des anderen. Erweitert und modifiziert nach Brocher, T. (1967). Auch in: Nylen , D. et al. (1967), Antons, K„ Enke, E., Malzahn, P. v. , Troschke, J. 1971)."
Die beste und sicherste Methode, Un- oder Missverständnisse zu vermeiden, ist, wenn man einen Sachverhalt mit Handlungen verbindet, die fast jeder kennt.
Manchmal ist es leichter zu klären, wenn man aus dem eigenen Erleben etwas einbringt.
Andere Quellen oder Belege: wie sehen andere das?
Man kann nachschlagen, andere fragen, recherchieren, um die Klärung voranzubringen. Wissenschaftliche, psychologische oder kommunikationsfachliche Quellen heranziehen
Es ist eine gute methodische Tradtion, immer daran zu denken, dass man nicht alles gedacht hat, dass es noch andere Möglichkeiten gibt.
Vielfach meint man, auch ich, zu verstehen und hinterfragt es deshalb nicht.
Das Grundproblem des Meinens, dass man sich versteht, ergibt folgende Möglichkeiten:
Möglichkeiten meinen zu verstehen meinen, nicht zu verstehen
tatsächlich verstehen ++ +-
tatsächlich nicht verstehen -+ --
Materialien zum Verstehen des Verstehens
Stegmüller zum verstehen und erklären.
Verstehen bei William Stern.
Aristoteles [Quelle: Exurs Homonyme: Die Mehrdeutigkeit der Worte.]
ein gegenseitiger Gedankenaustausch
Aus: Aristoteles (384-322) Metaphysik. 11. Buch, 5 Kap., S. 244 (Rowohlts Klassiker 1966)
Die Worte sind die "Kleider" der Begriffe. Verschiedene Menschen werden meist mit den gleichen Worten unterschiedliche Bedeutungen verknüpfen, je nach ihren Erfahrungen, Wissen und Kenntnissen, Interessen und Kommunikationssituationen. D.h., aus der bloßen Tatsache, dass Menschen das gleiche Wort verwenden, kann leider nicht geschlossen werden, dass sie auch den gleichen Begriff meinen. Die Problematik betrifft auch keineswegs nur die Alltagskommunikation, die Geistes- und Sozialwissenschaften, sondern auch die Naturwissenschaften und die Mathematik, wenngleich es gerade bei Begriffen, die psychisches Erleben beschreiben besonders schwierig ist, einen auch nur annähernd gleichen Begriff zu normieren (> nur_empfinden,fühlen,spüren, > Terminologie).
Allan W. Watts Verstehen erfordert gleiche Erfahrungen
Quelle S. 20: Allan W. Watts (1961) Zen-Buddhismus. Reinbek: rde.
Im Kern und Ziel ist diese These Watts wohl richtig, ich würde sie aber abschwächen und statt "gleicher Erfahrungen" nur gleichartige oder ähnliche verlangen. Wahrscheinlich bietet das Erlernen der Bedeutungen der Worte und der sie ausdrückenden Begriffe durch eine gleichartige oder ähnliche Lebenspraxis die beste Gewähr für verstehen.
Eisler Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1904, nach textlog)
Historisch interessant, aber inhaltlich wenig ergiebig, wie so oft in Philosophie und Geistesgeschichte.
"Verstehen (intelligere) heißt, die Bedeutung eines Wortes, eines Satzes, eines Satzzusammenhanges erfassen, wissen, d.h. die den betreffenden Sprachzeichen zugehörigen Vorstellungen, Begriffe, Urteile mehr oder weniger deutlich, gegliedert, zusammenhängend reproduzieren oder produzieren können. CHR. WOLF definiert: »Sobald wir von einem Dinge deutliche Gedanken oder Begriffe haben, so verstehen wir es« (Vern. Ged. I, § 276). Nach KIESEWETTER ist Verstehen »etwas hinreichend zu einem Begriff sich vorstellen« (Gr. d. Log. S. 246). Nach J. G. FICHTE drückt »Verstehen« »eine Beziehung auf etwas aus, das uns ohne unser Zutun von außen kommen soll« (Gr. d. g. Wissensch. S. 201 f.). SUABEDISSEN erklärt: »Verstanden wird, was im Verstande gefaßt. also wessen Bedeutung und Stelle im Gedankensystem erkannt wird. Es ist dann zugleich begriffen und eben damit aus einem unklaren und unsichern zu einem klaren und sichern Gedanken geworden« (Grdz. d. Lehre von d. Mensch. S.118). CALKER bestimmt: »Das Erkennen, in welchem die Verbundenheit des Mannigfaltigen mit der Einheit erkannt wird vermittelst der Allgemeinheit, ist das Verstehen« (Denklehre, S. 250). BACHMANN erklärt: »Man versteht... etwas, wenn man nicht bloß erkennt, was es ist, sondern auch warum es so ist« (Syst. d. Log. S. 73). Nach L. FEUERBACH heißt Verstehen »etwas in und aus uns selbst, in Übereinstimmung mit mehreren eigenen vernünftigen Wesen. erkennen« (WW. III, 175). Nach JESSEN ist Verstehen so viel wie »den in Gehörtem oder Gelesenem enthaltenen Gedanken vollständig in sich reproduzieren« (Physiol. d. menschl. Denk. S. 114). Nach LAZARUS heißt Verstehen »Gedachtes oder das Denken eines andern (denkenden) Subjekts auffassen« oder auch: »den inneren Zusammenhang, die Beziehung der Dinge zu andern als zu ihren Zwecken und Ursachen auffassen« (Leb. d. Seele II2, 160. v gl. Einl. in d. Psychol. I, 385 ff.). HÖFFDING erklärt: »Ich verstehe, was etwas ist, wenn ich es wiedererkenne« (Philos. Probl. S. 34). Nach A. MEINONG besteht das Verstehen des Satzes im Erfassen des »Objektivs« durch ein Urteil oder eine »Annahme« (Über Annahm. S. 272). »Verstehen eines Gesprochenen... besteht im Erfassen seiner Bedeutung« (ib.). Nach HUSSERL beruht das Verstehen nicht auf Phantasiebildern. wir können ohne Anschauungen, in bloß symbolischen Vorstellungen denken. Verstehen ist das »aktuelle Bedeuten« (Log. Unters. II, 62 ff.). Vgl. DUGAS, Le Psittcisme. RIBOT, Id. génér. - Vgl. Begreifen."
Waismann (1976) > Wittgenstein.
Waismann, Friedrich (1976) Können, Wissen, Verstehen.- In (492-530) Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart: Reclam. Das Buch beschreibt die Philosophie Wittgensteins und wurde bereits 1930 geplant und 1939 vollendet. Aber erst 1965 erschien die englische Fassung und 1976 die deutsche. Weder im Titel (ein Untertitel "Einführung in die Philosophie Wittgensteins" wäre angemessen) noch in der Einleitung wird Wittgenstein erwähnt, aber im Vorwort von Schlick und im Nachwort der Herausgeber). Das ist weder guter Stil von Waismann noch vom Verlag. Wittgenstein spürte etwas richtiges, wie die Herausgeber S. 653 berichten (> Wittgensteins Misstrauen). Ich zitiere zunächst das Inhaltsverzeichnis des XVII. Kapitels zum Verstehen und im Anschluss eine Textprobe.
"XVII. Können, Wissen, Verstehen 492
1. Der Begriff der Möglichkeit 492
2. Können 498
3. Wissen 503
4. Verstellen 505
5. Das Verstehen eines Wortes 508
6. Ist das Verstehen ein Vorgang in der Zeit? 511
7. Substanzhafte und transitive Bewußtseinszustände 513
8. Gibt es Begriffsblindheit? 518
9. Verschiedene Auffassungen eines Wortes, eines Satzes 521
10. Ist im Verstehen eines Wortes seine ganze künftige Verwendung enthalten? 522
11. Das Verstehen als Erlebnis 525
12. Gibt es Grade des Verstehens? 527
13. Nähern wir uns im Verstehen der Wirklichkeit? 529"
S.505f: "Ein Handwerk verstehen = Das Handwerk können
Er versteht es, die Menschen zu behandeln = Er weiß sie zu behandeln = Er kann sie richtig behandeln.
Hier zeigt sich wieder eine Verwandtschaft zwischen der Grammatik von »verstehen«, »wissen« und »können«. Sage ich aber »Er versteht Englisch«, so heißt das nicht ganz dasselbe wie »Er kann Englisch«. Es ist vielmehr charakteristisch, daß man sagt »Er versteht zwar Englisch, aber er kann es nicht sprechen«. Für unser Sprachgefühl liegt im ersten Satz mehr etwas Passives, im zweiten etwas Aktives. So hat auch der Ausdruck »Mathematik verstehen« einen leisen Beiklang des Passiven (und noch deutlicher ist das im Fall der Musik).
Vergleichen wir nun die Ausdrücke:
Ich verstehe diesen Satz.
Ich verstehe diesen Beweis.
Ich verstehe deine Handlungsweise.
Hat hier das Wort »verstehen« jedesmal denselben Sinn? Welches sind die Kriterien, nach denen wir es verwenden? Der Leser durchmustere auch die folgenden Beispiele:
Ich verstehe dich nicht. Du mußt lauter sprechen!
Ich verstehe dich nicht, das ist ja Unsinn!
Er versteht es, sich beliebt zu machen.
Er versteht das, was er liest.
Augustinus verstand nicht, wie man die Zeit messen kann.
Erst die Relativitätstheorie läßt uns verstehen, warum träge und schwere Masse proportional sind.
Er versteht Musik.
Das Wort »verstehen« bedeutet in einem Teil seiner Anwendungen eine psychische Reaktion beim Hören, Lesen, Aussprechen eines Satzes. Verstehen ist dann ein Phänomen, das sich einstellt, wenn ich den Satz einer mir geläufigen Sprache höre, und nicht, wenn ich den Satz einer mir fremden Sprache höre. Ich kann dann von einem »Erleben« des Satzes sprechen. Ich folge ihm mit bestimmten Gefühlen. Und dieses Verstehen eines Satzes weist eine Verwandtschaft auf mit dem Verstehen eines Musikstückes, dem Erfassen einer Melodie, aber auch mit dem Verstehen eines Bildes.
»Einen Satz verstehen« kann andererseits heißen »Wissen, was der Satz sagt«, d. h. die Frage »Was sagt dieser Satz?« beantworten können. Das Verstehen ist dann kein Erlebnis, sondern eine Disposition."
Wittgenstein > Waismann.
Am wichtigsten erscheint mir der Grundsatz Wittgensteins, dass sich die Bedeutung der Worte aus ihrem Gebrauch ergibt. Ich habe diesen Grundsatz auf Begriffsanalysen angewandt und dokumentiert.
Sinn, Helga (2012) Was heißt verstehen?: Eine Reise durch die Philosophie Ludwig Wittgensteins. Akademikerverlag Zu dem Werk wird ausgeführt: "Es ist nicht selbstverständlich, dass wir einander verstehen, besonders dann nicht, wenn wir über Gefühle und Gedanken sprechen. Oft fehlen einem die Worte, um etwas richtig auszudrücken, und oft fragt man sich, ob ein anderer wirklich verstanden hat, was man sagen wollte. Kann man sich denn jemals sicher sein, dass die Bedeutung von Sätzen und Worten für andere dieselbe ist wie für einen selbst? Und ist es dann nicht ein Wunder, dass wir uns dennoch irgendwie verstehen? Für Wittgenstein stellt sich diese Frage nicht. Die Bedeutung eines Wortes ist für ihn nichts Verborgenes, Inneres, das nur dem jeweiligen Sprecher zugänglich ist, und das er nur ungeschickt in Worte fassen kann. Die Bedeutung eines Ausdrucks, macht er deutlich, geht nicht über die Sprache hinaus, sondern liegt in ihr und zeigt sich in ihr durch die Verwendung, die dieser Ausdruck in der Sprache findet. Wittgenstein erklärt, wie wir verstehen, und warum man fehlgeleitet ist, wenn man sich über die Möglichkeit des Verstehens wundert. In dieser Arbeit wird Wittgensteins antimentalistische Position zum Thema „Verstehen“ erarbeitet, ein Thema, das bei ihm mit vielen anderen philosophischen Problembereichen verknüpft ist. Die vorliegende Arbeit ist deshalb auch ein Streifzug durch die wichtigsten Überlegungen Wittgensteins in den hier behandelten Werken "Big Typescript" und "Philosophische Untersuchungen"."
Anmerkung: Verstehen, Wissen und Meinen bei Wittgenstein Hausarbeit (Hauptseminar), 1999.
Wright Erklären und Verstehen
Wright, Georg Hendrik von (1974) Erklären und Verstehen. Frankfurt aM: Athäneum.
Sachregistereinträge Verstehen: 19 f., 36 f., 37 f., 39 f., 41, 115, 122-124, 138, 141, 153 f. 14punktg fette Hervorhebungen von Sponsel.
19 f.: "Der normale Sprachgebrauch macht keinen scharfen Unterschied zwischen den Wörtern »erklären« und »verstehen«. Man kann praktisch von jeder Erklärung, sei sie kausal, teleologisch oder von irgendeiner anderen Art, sagen, daß sie unser Verstehen. fördert. Allerdings hat »Verstehen« auch einen psychologischen Beiklang, den »Erklären« nicht hat. Dieses psychologische Merkmal wurde von mehreren [>20] antipositivistischen Methodologen des neunzehnten Jahrhunderts .besonders hervorgehoben, am eindringlichsten vielleicht von Simmel, der der Ansicht war, daß Verstehen als eine für die Geisteswissenschaften charakteristische Methode eine Form von Einfühlung oder innerem Nachvollzug der geistigen Atmosphäre ist, d. h. der Gedanken, Gefühle und Motivationen, kurz der Gegenstände, die der Geisteswissenschaftler untersucht22.
Es ist jedoch nicht nur dieser psychologische Anstrich, wodurch sich das Verstehen vom Erklären unterscheiden läßt. Verstehen hängt auch mit Intentionalität zusammen, und zwar in einer Weise, in der dies für Erklären nicht gilt. Man versteht die Ziele und Absichten eines Handelnden, die Bedeutung eines Zeichens oder Symbols und den tieferen Sinn einer sozialen Institution oder eines religiösen Ritus. Diese intentionalistische oder, wie man sie vielleicht ebenfalls nennen könnte, semantische Dimension desVerstehens trat in der jüngeren methodologischen Diskussion immer mehr in den Vordergrund (vgl. unten, Abschn. 10).23"
36 f.: Drays Erklärungmodell ähnle den traditionellen Ideen über diee "methodologische Rolle des Einfühlens und Verstehens."
37 f.: "Winchs Buch, so kann man sagen, zentriert sich um die Frage nach den Kriterien für soziales Verhalten (Handlung). Der Sozial Wissenschaftler muß die »Bedeutung« der gesammelten Verhaltensdaten verstehen, um sie in soziale Fakten um wandeln zu können. Er kommt zu diesem Verstehen durch Beschreibung (Interpretation) der Daten mit Hilfe der Begriffe und Regeln, die die »soziale Realität« der un- [>38] tersuchten Handelnden determinieren. Die Beschreibung bzw. Erklärung sozialen Verhaltens muß dasselbe Begriffssystem verwenden wie die sozial Handelnden selbst. Aus diesem Grund kann der Sozialwissenschaftler nicht in demselben Sinn wie ein Naturwissenschaftler von außen an seinen Untersuchungsgegenstand herangehen. Dies, so könnte man sagen, ist der Kern an begrifflicher Wahrheit in der psychologischen Doktrin der »Einfühlung«. Einfühlendes Verstehen ist kein »Gefühl«; es ist eine Fähigkeit zur Partizipation an einer »Lebensform«80."
39 f.: "»Verstehen« im Sinne der hermeneutischen Philosophie sollte von Einfühlung unterschieden werden. Es handelt sich hier um eine semantische und nicht um eine psychologische Kategorie (vgl. oben, S. 20). Der von positivistischen Philosophen so häufig erhobene Vorwurf, Verstehen sei lediglich ein heuristisches Mittel, das vielleicht für die Ermittlung von Erklärungen ganz nützlich, für die begriffliche Natur des Erklärungsschemas selbst jedoch keineswegs konstitutiv ist, mag für einige frühere und überholte Versionen der Methodologie der Einfühlung zutreffen90. Er ist jedoch kein fairer Einwand gegen die Methodologie des Verstehens als solcher."
41: "Dennoch gibt es einen Dialog zwischen den Positionen und eine Art Fortschritt. Die temporäre Dominanz einer der beiden Richtungen ist gewöhnlich das Resultat eines Durchbruchs, der auf eine Periode der Kritik an der anderen Richtung folgt. Das Resultat eines solchen Durchbruchs ist niemals nur eine Rehabilitierung von etwas, das es bereits vorher gab, es trägt vielmehr auch den Stempel der Ideen, aus deren Kritik es hervorgegangen ist. Dieser Prozeß illustriert, was Hegel mit den Worten aufgehoben und auf bewahrt beschrieben hat. Die Position, die gerade aufgehoben wird, verschwendet gewöhnlich ihre polemischen Energien zur Bekämpfung längst überholter Züge der gegnerischen Auffassung und sieht in der Regel in dem, was in der resultierenden Position aufbewahrt ist, lediglich einen deformierten Schatten ihrer selbst. Genau dies ist beispielsweise der Fall, wenn positivistische Wissenschaftstheoretiker heutzutage mit Argumenten gegen das Verstehen vorgehen, die vielleicht auf Dilthey oder Collingwood zutreffen, oder wenn sie Wittgensteins Philosophie der Psychologie fälschlicherweise nur für eine andere Form von Behaviorismus halten."
115: "A beabsichtigte, den Knopf zu drücken.
Folglich drückte A den Knopf.
Dies klingt recht trivial. Kann dies die »Erklärung« von irgend etwas sein? Es wäre nicht ganz korrekt, wenn man sagte, daß es die Erklärung einer Handlung sei. Die Handlung des Knopf-Drückens wird nicht dadurch erklärt, daß man sagt, sie sei intentional (gewollt) gewesen. Denn daß sie dies war, ist bereits darin enthalten, daß man sie überhaupt eine Handlung nennt. Wenn wir die Handlung erklären wollen, müssen wir daher auf ein entfernteres Ziel oder Objekt der Intention, das nicht bereits in der Handlung selbst drinstcckt, verweisen können. Aber wenn wir das in der betreffenden Situation vorgekommene Verhalten erklären oder, was hier eine bessere Ausdrucksweise wäre, verstehen wollen, dann wäre es nicht trivial, wenn man sagte, daß A beabsichtigte, den Knopf zu drücken. Das heißt, es wäre nicht trivial, das, was vor sich ging, als einen Akt des Knopf-Drückens zu interpretieren. Vielleicht war A's Verhalten in der Situation sehr seltsam. Nehmen wir einmal an, daß er den Knopf mit dem Ellbogen gedrückt hat. Wir wären uns dann vielleicht nicht so ganz sicher, was er wirklich tat: drückte er den Knopf oder tat er vielleicht etwas anderes, z. B. seinen Ellbogen kratzen, woraus sich zufällig ergab, daß der Knopf gedrückt wurde. Solche Fälle kann man sich vorstellen.
»A drückte den Knopf, weil er beabsichtigte, den Knopf zu drücken.« Dies ist keine Erklärung dafür, warum A den Knopf drückte. Es kann aber eine etwas irreführende Ausdrucksweise dafür sein, daß A beim Drücken des Knopfes kein darüber hinausgehendes Objekt der Intention, hatte als eben genau dies — den Knopf zu drücken,
»A verhielt sich so, weil er beabsichtigte, den Knopf zu drücken.« Davon läßt sich sagen, daß es einen echten Erklärungswert hat, und zwar dann, wenn es bedeutet, daß A3s Verhalten ein intentionales Drücken des Knopfes war oder ein Versuch, den Knopf zu drücken, und nicht nur eine Bewegung eines Teils seines Körpers, die in einem Druck auf den Knopf resultierte. Wenn wir so A3s Verhalten »erklären«, verstehen wir es dadurch als den äußeren Aspekt einer Handlung, daß wir diesem Verhalten eine bestimmte Intention unterstellen.
Bereits das bloße Verstehen eines Verhaltens als Handlung (z.B. als ein Knopf-Drücken) - auch ohne diesem Verhalten einen entfernten Zweck (z. B. zu klingeln) zuzuschreiben, zu dessen Erreichung die Handlung ein Mittel ist - ist selbst eine Möglichkeit, Verhalten zu erklären. Vielleicht könnte es eine rudimentäre Form einer teleologischen Erklärung genannt werden. Es ist der Schritt, wodurch wir die Beschreibung des Verhaltens sozusagen auf die teleologische Ebene heben. ... "
122-124: "1. Einer teleologischen Handlungserklärung geht normalerweise ein Akt intentionalistisdien Verstehens gewisser Verhaltensdaten voraus.
Man kann »Schichten« oder »Stufen« solcher Verstehensakte unterscheiden. Zum Beispiel: Ich sehe, wie Menschenmengen in derselben. Richtung durch die Straßen ziehen, im Chor irgend etwas schreien, einige schwenken Fahnen, etc. Was ist das, was hier vor sich geht? Die »Elemente« dessen, was ich intentionalistisch sehe, habe ich bereits. verstanden. Die Leute bewegen sich »selbst« vorwärts und werden,, nicht von einem Wind oder Sturzbach fortgerissen. Sie schreien - und: das heißt mehr, als daß Töne aus ihren Kehlen kommen. Aber dasj »Ganze«, das ich beobachte, ist mir noch nicht klar. Handelt es sich um eine Demonstration? Oder bin ich vielleicht Zeuge eines VolksfestsJ oder einer religiösen Prozession?
Ich glaube nicht, daß man diese Fragen beantworten könnte, indem man teleologische Erklärungen für das (intentionalistisch verstandene); Verhalten der einzelnen Glieder dieser Menge konstruiert. Eine Demonstration hat ein Ziel, das irgendwie aus den Zielen der einzelnen,; Leute »extrapoliert« werden kann. In welcher Weise dies aber geschehen kann, ist nicht leicht zu sagen. Ein Volksfest oder eine religiöse; Prozession ist, wenn überhaupt, nur entfernt mit Zielen verbunden.; Vielleicht nahmen einige an dem Fest teil, um sich zu amüsieren. Dies) würde ihre Anwesenheit bei diesem Ereignis erklären. Doch zu wissen, welches Ziel sie und andere Beteiligte damit verfolgten, daß sie sich der Menge anschlossen, würde uns noch nicht sagen, daß es sich; hier um ein Volksfest handelt. (Wenn man uns sagte, daß es ihr Ziel war, ein Volksfest zu besuchen, würde uns das nicht weiterhelfen, solange wir nicht über unabhängige Kriterien verfügen, nach denen wir beurteilen können, ob etwas ein Volksfest ist oder nicht.)
Die Beantwortung der Frage, was hier vor sich geht, besteht nicht in einer teleologischen Erklärung der Handlungen einzelner Personen..Sie besteht in einem neuen Akt des Verstehens, einem Verstehensakt zweiter Stufe. Wir sagten, aus der Tatsache, daß jemand den vor ihm befindlichen Knopf zu drücken beabsichtigt, folge nicht, daß er gewisse spezifische Körperbewegungen (bzw. eine von mehreren spezifizierten alternativen Bewegungen) ausführt. Es folgt lediglich, daß er mit den tatsächlich ausgeführten Bewegungen den Knopf zu drücken beabsich[>123]tigt. In ähnlicher Weise läßt sich aus der Tatsache, daß eine Menschenmenge demonstriert, nicht logisch schließen, daß die einzelnen Demonstranten gewisse spezifische individuelle Handlungen (bzw. eine von mehreren spezifizierten alternativen Handlungen) ausführen. Es folgt lediglich, daß die Handlungen, die sie ausführen, als Demonstration intendiert sind, bzw. daß ihre Absicht durchkreuzt wurde (z. B. hat die Polizei auf die Menge geschossen und sie zerstreut sich nun). Die Analogie zwischen individuellen und kollektiven Handlungen ließe sich bis ins Detail verfolgen.
Man kann die Hierarchie oder Stufenfolge dieser interpretativen Akte, eine Bedeutung zu erfassen, durchlaufen. Es gab Demonstrationen, Aufruhr, Streiks, Terror etc. Soll man die Situation »Bürgerkrieg« oder »Revolution« nennen? Es handelt sich hierbei weder um eine Frage der Klassifikation nach bestimmten Kriterien noch der willkürlichen Entscheidung über die Anwendung eines Begriffs. Es handelt sich um eine Frage der Interpretation, es geht darum, die Bedeutung dessen, was passiert, zu verstehen.
Man könnte diese Tätigkeit der Interpretation explikativ nennen. Ein Großteil von dem, was man normalerweise als die »Erklärungen« von Historikern oder Sozialwissenschaftlern bezeichnen würde, besteht in solchen Interpretationen des Rohmaterials ihrer Forschung.
Es scheint mir jedoch klarer, hier zwischen Interpretation oder Verstehen auf der einen Seite und Erklärung auf der anderen zu unterscheiden. Die Ergebnisse der Interpretation sind Antworten auf die Frage »Was ist dies?«1. Nur wenn wir fragen, warum es eine Demonstration gab, oder was die »Ursachen« der Revolution waren, versuchen wir das, was ist, die Tatsachen, in einem engeren und strengeren Sinn zu erklären.
Diese beiden Tätigkeiten scheinen außerdem in einer charakteristischen Weise miteinander verbunden zu sein und sich gegenseitig zu stützen. Dies ist ein anderer Grund, sie in einer methodologischen Untersuchung zu trennen. Oft bahnt eine Erklärung auf der einen Ebene den Weg für eine Reinterpretation der Tatsachen auf einer höheren Ebene. Wiederum besteht eine Analogie zu individuellen Handlungen. Wenn man den Akt, einen Knopf zu drücken, teleologisch erklärt, so kann dies dazu führen, daß wir das, was der Handelnde tat, neu beschreiben als einen Akt des Läutens, Aufmerksam-Machens oder sogar Hereingelassen-Werdens. »Dadurch daß er den Knopf drückte, tat er x.« Von nun an sehen wir, was er tat, primär als einen Akt des x’ens an. Ähnliches gilt für kollektive Handlungen. Was man gewöhnlich für eine reformatorische Bewegung innerhalb, der Religion hielt, kann sich mit tieferem Einblick in die Ursachen als »eigentlich« ein Klassenkampf für Landreform heraussteilen. Mit die[>124]ser Reinterpretation der Tatsachen wird ein neuer Anstoß zu einer Erklärung gegeben. Eine Untersuchung der Ursachen eines Religionszwists kann uns dazu führen, dem Ursprung sozialer Ungleichheiten nachzugehen, beispielsweise als einem Ergebnis von Veränderungen in den Produktionsmethoden einer Gesellschaft.
Mit jedem neuen Akt der Interpretation werden die verfügbaren Tatsachen unter einen neuen Begriff gefaßt . Die Tatsachen nehmen sozusagen eine »Eigenschaft« an, die sie vorher nicht besaßen. Dieser begriffliche Prozeß ist, glaube ich, verwandt mit dem, was in der Hegelschen und Marxschen Philosophie der Umschlag von der »Quantität in Qualität« genannt wird, sowie mit verschiedenen Gedanken, die Philosophen über »Emergenz« (»emergence Eigenschaften«) geäußert haben.
Bevor eine Erklärung beginnen kann, muß ihr Gegenstand - das Explanandum - beschrieben werden. Jede Beschreibung, so könnte man sagen, sagt uns, was etwas »ist«. Wenn wir jeden Akt des Erfassens, was ein bestimmtes Ding ist, »Verstehen« nennen, dann ist Verstehen eine Vorbedingung für jede Erklärung, sei sie kausal oder teleologisch. Dies ist trivial. Doch Verstehen, was etwas ist, im Sinne von von welcher Art es ist, sollte nicht verwechselt werden mit Verstehen, was etwas ist, im Sinne von was es bedeutet oder anzeigt. Ersteres ist ein charakteristisches Präliminarium der kausalen, letzteres der teleologischen Erklärung. Es ist daher irreführend zu sagen, daß Verstehen versus Erklären den Unterschied zwischen zwei Typen wissenschaftlicher Erkenntnis kennzeichnet. Dagegen könnte man sagen, daß der intentionale oder nicht-intentionale Charakter ihrer Gegenstände den Unterschied zwischen zwei Typen des Verstehens und des Erklärens kennzeichnet."
138: "Sekundäre Regeln spielen, soweit ich sehen kann, keine charakteristische oder wichtige Rolle in der Erklärung von Verhalten. Dies liegt. daran, daß sie keine Mechanismen darstellen, um jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun. Sie haben jedoch fundamentale Bedeutung für das Verstehen von Verhalten und daher für die Beschreibungen, die . Anthropologen und Sozialwissenschaftler von den von ihnen untersuchten Gemeinschaften geben14."
141: "Ein vollständiges Verstehen der vergangenen Geschichte, so könnte man sagen, setzt voraus, daß es keine Zukunft gibt, daß die Geschichte zu einem Ende gekommen ist. Es gab einen großen Philosophen, der in gewissen Momenten der Exaltation der Ansicht gewesen zu sein scheint, daß er die Geschichte vollständig »durchschaut« hat. Dieser Philosoph war Hegel. In solchen Momenten sprach er von sich als dem Ende und der Vollendung der Weltgeschichte18. Doch seine Worte, glaube ich, wollte er in dem Sinne verstanden wissen, der eine adäquate Beurteilung ihrer Wahrheit erst ermöglicht."
153 f.: Anmerkung 22: "Simmel entwickelt seine psychologistische Theorie des Verstehens und des historischen Wissens in Simmel 1892, besonders Kap. I, und Simmel 1918."
Stegmueller zum verstehen und erklären in seiner Analyse und Kritik des sog. hermeneutischen Zirkels
"... Ein anderer hermeneutischer Schlüsselbegriff ist der Ausdruck „Verstehen" (VerstgsozM). Auch heute scheint noch immer die von Dilthey stammende Gegenüberstellung von Verstehen (VerstgsozM) und Erklären eine große Rolle zu spielen. Es sollte dadurch der Gegensatz zwischen Natur- und Geisteswissenschaften sowohl charakterisiert als auch zementiert werden. Unter allen mir bekannten erkenntnistheoretischen Dichotomien — wie „analytisch — synthetisch", „a priori — empirisch", „deskriptiv — normativ", die sich alle in gewissen Kontexten als mehr oder weniger hilfreich erweisen — ist die Diltheysche Gegenüberstellung die mit Abstand unfruchtbarste. Der Grund dafür ist sprachlogischer Natur und betrifft die beiden von Dilthey benützten Worte. Was zunächst den Ausdruck „Verstehen" (Verstvield) betrifft, so ist dieses Wort so vieldeutig, daß ich fast geneigt bin, eine Wendung von Wittgenstein I, dem Verfasser des Tractatus Logico-Philosophicus, ironisch zu gebrauchen und zu sagen: „Das Verstehen (Verstvield) erfüllt den ganzen logischen Raum". Es ist kaum eine wissenschaftliche Aktivität denkbar, in bezug auf welche man das Wort „verstehen" (Verstvield) nicht auf vielfältige Weise und dabei doch durchaus adäquat verwenden könnte. So ist es zwar korrekt zu betonen, daß es Literaturwissenschaftlern und Historikern darum geht, Texte zu verstehen (oder sie verstehend zu deuten); daß sie sich bemühen, Motive und Charakterzüge historischer Persönlichkeiten zu verstehen; daß sie Norm- und Wertvorstellungen von Kulturen zu verstehen suchen. Solche Feststellungen kann man aber sofort durch ganz analoge "Aussagen über die Tätigkeit der Mathematiker und Physiker parallelisieren. Ein Student dieser beiden Fächer muß sich vor allem darum bemühen, die Grundbegriffe' der Mathematik und Physik zu verstehen (Verstnatwis). Später muß er dazu übergehen, Lehrsätze, Theorien und Hypothesen zu verstehen (Verstnatwis). Und dafür wird es sich wieder als notwendig erweisen, daß er die für die Lehrsätze gegebenen Beweise und die für die Hypothesen gegebenen Begründungen verstehen (Versthypoth) lernt. Diese Parallele zeigt nicht etwa, daß Mathematik und Physik auch ,hermeneutisch zu interpretieren' sind, sondern nichts weiter als daß das Wort „Verstehen" (Verstvield) wegen seiner zahlreichen Bedeutungen und Bedeutungsschattierungen überhaupt nichts leistet, wenn wir einen Aufschluß über die Natur der einzelnen Wissenschaften und ihr Verhältnis zueinander gewinnen wollen. Will man Differenzierungen vornehmen und Unterschiede erkennen, so darf man nich't einen Ausdruck als »Schlüsselwort' verwenden, aus dem sich für jede , Situation irgendeine darauf anwendbare Bedeutung herausquetschen läßt.
Die Sache verschlimmert sich noch dadurch, daß unglücklicherweise auch das Wort „erklären" außerordentlich vieldeutig ist. So stimmt es zwar, daß Naturwissenschaftler häufig das sogenannte Subsumptionsmodell der Erklärung gebrauchen und etwa sagen: „Das Galileische Fallgesetz und die Keplerschen Gesetze lassen sich wenigstens approximativ durch die Newtonsche Theorie erklären". Aber wiederum kann man zu anderen Verwendungen von „erklären" greifen und mit ihrer Hilfe die interpretierende Tätigkeit beschreiben. So etwa erklärt uns ein Sprachwissenschaftler die Bedeutung von Wörtern einer uns nicht bekannten Sprache; oder ein sinologischer Fachmann erklärt seinem Auditorium den Sinn eines chinesischen Gedichtes.
Entweder also bezeichnen die beiden Ausdrücke „verstehen" (Versterkl-verst) und „erklären" völlig disparate Begriffe, wie etwa in: „Verstehen eines Textes — Erklärung des Fallgesetzes". Dann ist die Gegenüberstellung ebenso uninteressant und unfruchtbar wie in anderen Fällen von disparaten Begriffen: Wir erwarten ja auch von der Gegenüberstellung solcher Begriffe wie „Primzahl" und „Papagei" keine fundamentalen Einsichten. Oder aber die Bedeutungsinhalte überschneiden sich. Dann kann man die auf ein Verstehen (Versterkl-verst) abzielende Frage so formulieren, daß sie zu einer Erklärung heischenden Frage wird, so etwa, wie wir gesehen haben, in den drei Fällen, wo jemand einen Begriff, eine Theorie oder einen Beweis nicht versteht (Versterkl-verst) und erklärt bekommen möchte. Ähnlich verhält es sich, wenn es um die Analyse der Funktion eines Automaten geht. So kann z. B. jemand fragen: „Ich verstehe (Versterkl-verst) nicht die Kopierungs- und Übersetzungsautomatik des genetischen Code. Kann mir jemand diesen Automatismus erklären?" Selbst im Frage- und Antwortspiel moralischer Vorwürfe und Rechtfertigungen greifen die beiden Bedeutungen ineinander, so wenn einer zum anderen sagt: „Ich verstehe (Verstnicht), (Versterkl-verst) nicht, wie du so etwas tun konntest. Kannst du mir dein Handeln erklären?"
Quelle S. 24f: Stegmüller, Wolfgang (1973) Der sogenannte Zirkel des Verstehens. In (21-46): Hübner, Kurt & Menne, Albert (1973, Hrsg-). Natur und Geschichte. X. Kongress für Philosophie. Kiel 8.-12. Oktober 1972. Hamburg: Meiner.
William Stern > Gebrauchsbeispiele bei William Stern.
Aufgrund des Umganges ausgelagert in eine eigene Seite: Grundlagen des Verstehens bei William Stern.
Dilthey Erklaeren und verstehen
S.10: "Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir." (Dilthey 1894).
Zur ganzheitlichen Auffassung des Verstehens siehe bitte: G09-Dilthey-S.35.
Gadamer Hermeneutik Wahrheit und Methode
Gadamer hat zwei Bände zur Hermeneutik (Wahrheit und Methode) vorgelegt. Textbeleg zum hermeneutischen Zirkel: (> G11-Gadamer2-S.57)
Im II. Band gibt es ein Sachregister für beide Bde. mit Einträgen zum Themenfeld verstehen:
Verständigung, Einverständnis (Konsensus) I 183, 297f.; II 16ff, 116, 183 u.ö., 225 u.ö., 266u.ö., 342ff, 497
Verständnis (sittliches) 1328; II 314ff
Verstehen s. a. Sprache, Sprachliclikeit I 183ff, 215, 219ff, 263ff; II 6ff, 30ff u.ö., 52ff, 57ff, 103, 116£, 121 ff, 222 ff u. ö., 330 u. Ö.
Sprachlichkeit des Verstehens II 64£, 73, 112, 143f£, 184ff, 232ff, 436, 444, 465, 496 £
Hermeneutik I 169 ff., 177 ff. u.ö., 300 ff., 312ff., 330f£, 346ff.; II 5 ff. u. ö„ 57ff., llOff., 178fT., 219f£ U.Ö., 297, 301 ff. u.ö., 419ff, 438ff, 493ff
- romantische I 177ff, 201 ff., 227f., 245, 301 £, 392; II97ff., 121 £, 222£
- reformatorische 1177ff.; II94f., 277, 311 f,
- theologische 1177, 312ff., 335 ff; II93 ff, 101 ff., 125f£, 281 ff, 391 €, 403ff
- juristische I 44, 314ff, 330ff; II 67£, 106 f., 278, 31 Of, 392 f, 430
- Universalität d. H. II llOf. u.ö., 186 u.ö„ 201f£, 219f£, 242 u.ö., 255f£, 312ff u.ö., 439ff
Jaspers, Erklären und Verstehen in der Allgemeinen Psychopathologie (1948)
Quelle: Jaspers, Karl (1948) Allgemeine Psychopathologie. Berlin: Springer. Erklären (Teil III ) und Verstehen (Teil II. erstes und zweites Kapitel) nehmen in Jaspers Psychopathologie einen großen Raum ein, sowohl im Inhaltsverzeichnis als auch im Sachregister.
S. 296ff: "§ 5. Die Grundgesetze des psychologischen Verstehens und der Verstehbarkeit
Solange man sein Verstehen unter die Maßstäbe naturwissenschaftlicher Erkenntnis stellt, bemerkt man, daß man in Widersprüche gerät, in Ungewißheiten und Beliebigkeiten, die unwillig machen. Man ist geneigt, das ganze Verfahren als unwissenschaftlich beiseite zu werfen. Aber das Verstehen fordert andere Methoden als die Naturwissenschaft und das Verstehbare hat ganz andere Seinsweisen als ein naturwissenschaftlicher Gegenstand. Die Methoden des Verstehens stehen unter allgemeinen Grundsätzen, die ausdrücklich zu formulieren zweckmäßig ist, um zu wissen, was man im Verstehen tut, was hier nicht zu erwarten ist und worin die eigentümliche Erfüllung einer Erkenntnis auf diesem Gebiet liegen kann.
Das Verstehbare hat Eigenschaften, denen in der Methode des Verstehens Grundsätze entsprechen: a) Das Verstehbare ist empirisch wirklich nur soweit es in wahrnehmbaren Tatbeständen erscheint. Dem entspricht, daß alles empirische Verstehen Deuten ist. — b) Das Verstehbare hat als Einzelnes Zusammenhang im ganzen, ist in seinem Sinn und seiner Farbe durch dieses Ganze, den Charakter oder die Persönlichkeit bestimmt. Dem entspricht, daß alles Verstehen im „hermeneutischen Zirkel“ sich vollzieht: das Einzelne ist nur aus dem Ganzen, das Ganze aber nur auf dem Wege übrtt das Einzelne zu verstehen. — c) Alle Verstehbarkeit bewegt sich in Gegensätzen. Dem entspricht, daß methodisch das Entgegengesetzte gleich verständlich ist, — d) Das Verstehbare ist als Wirklichkeit an außer bewußte Mechanismen gebunden und gründet in der Freiheit. Dem entspricht, daß das Verstehen unabschließbar ist. Obgleich es über jede erreichte Sti weitergeht, stößt es an die beiden Grenzen (der Natur und Existenz). Die Unvollendbarkeit des sich ständig hervorbringenden Verstandenen entspricht die Unabschließbarkeit des nachfolgenden Verstehens. — e) Das Einzelne als objektiver Tatbestand, als Ausdruck, als gemeinter Inhalt als Tat, alle diese Erscheinungen der Seele werden in ihrer Isolierung ärmer, im Zusammenhang reicher an Sinn. Dem entspricht die endlose Deutbarkeit und Umdeutbarkeit aller Erscheinungen, an die das Verstehen sich hält. — f) Das Verstehbare kann sich in der Erscheinung nicht nur offenbaren, sondern auch verschleiern. Dem entspricht, daß das Verstehen entweder Erhellen oder Entlarven ist."
S. 252 "b) Evidenz des Verstehens und Wirklichkeit (Verstehen und Deuten). Die Evidenz des genetischen Verstehens ist etwas Letztes. Wenn Nietzsche uns überzeugend verständlich macht, wie aus dem Bewußtsein von Schwäche, Armseligkeit und Leiden moralische Forderungen und Erlösungsreligionen entspringen, weil die Seele auf diesem Umweg trotz ihrer Schwäche ihren Willen zur Macht befriedigen will, so erleben wir eine unmittelbare Evidenz, die wir nicht weiter zurückführen können. Auf solchen Evidenzerlebnissen gegenüber ganz unpersönlichen, losgelösten, verständlichen Zusammenhängen baut sich alle verstehende Psychologie auf. Solche Evidenz wird aus Anlaß der Erfahrung gegenüber menschlichen Persönlichkeiten gewonnen, aber nicht durch Erfahrung, die sich wiederholt, induktiv bewiesen. Sie hat ihre Überzeugungskraft in sich selbst. Die Anerkennung dieser Evidenz ist Voraussetzung der verstehenden Psychologie, sowie die Anerkennung der Wahrnehmungsrealität und Kausalität Voraussetzung der Naturwissenschaft ist.
Die Evidenz eines verständlichen Zusammenhangs aber beweist noch nicht, daß dieser Zusammenhang nun auch in einem bestimmten Einzelfall wirklich sei. oder daß er überhaupt wirklich vorkomme. Wenn Nietzsche wirklich jenen überzeugend verständlichen Zusammenhang zwischen Bewußtsein der Schwäche und Moral auf den wirklichen einzelnen Vorgang; der Entstehung des Christentums überträgt, so kann diese Übertragung auf den Einzelfall falsch sein, trotz der Richtigkeit des generellen (ideal-typischen) Verstehens jenes Zusammenhangs. Denn das Urteil über die Wirklichkeit eines verständlichen Zusammenhangs im Einzelfall beruht nicht allein auf der Evidenz desselben, sondern vor allem auf dem objektiven Material greifbarer Anhaltspunkte (sprachliche Inhalte, geistige Schöpfungen. Handlungen, Lebensführung, Ausdrucksbewegungen), in denen der Zusammenhang verstanden wird; diese Objektivitäten bleiben aber immer unvollständig. Alles Verstehen einzelner wirklicher Vorgänge bleibt daher mehr oder weniger ein Deuten, das nur in seltenen Fällen relativ hohe Grade: der Vollständigkeit überzeugenden objektiven Materials erreichen kann. Wir verstehen, soweit uns die objektiven Daten der Ausdrucksbewegungen, Handlungen, sprachlichen Äußerungen, Selbstschilderungen im einzelnen Fall dies Verstehen mehr oder weniger nahelegen. Zwar können wir losgelöst von aller konkreten Wirklichkeit einen seelischen Zusammenhang: evident verständlich finden. Im wirklichen Einzelfall aber können wir; die Realität dieses verständlichen Zusammenhangs nur in dem Maße behaupten, als die objektiven Daten gegeben sind. Je weniger an Zahl diese, objektiven Daten sind, je weniger zwingend sie das Verstehen in bestimmtem Sinne herausfordern, desto mehr deuten, desto weniger verstehen wir. Die Verhältnisse werden am klarsten durch einen Vergleich des Verhaltens der Kausalregeln und der evident verständlichen Zusammenhänge zur Wirklichkeit. Kausalregeln sind induktiv gewonnen, gipfeln in Theorien, die etwas der unmittelbar gegebenen Wirklichkeit zugrunde Liegendes denken. Unter sie wird ein Fall subsumiert. Genetisch verständliche Zusammenhänge dagegen sind idealtypische Zusammenhänge, sind; in sich evident (nicht induktiv gewonnen), führen nicht zu Theorien, sondern sind ein Maßstab, an dem einzelne Vorgänge gemessen und als mehr oder weniger verständlich erkannt werden. Fälschlicher weise treten verständliche Zusammenhänge als Regeln auf, indem die Häufigkeit des Vorkommens eines verständlichen Zusammenhangs konstatiert wird. Seine Evidenz wird dadurch jedoch in keiner Weise vermehrt; nicht er selbst, sondern seine Häufigkeit ist induktiv gefunden. Zum Beispiel ist [>253] Häufigkeit des Zusammenhangs zwischen hohem Brotpreis und Diebszahl verständlich und statistisch konstatiert. Die Häufigkeit des verständlichen Zusammenhangs zwischen Herbstwitterung und Selbstmord durch die Selbstmordkurve, die im Frühjahr am höchsten ist, gar nicht bestätigt, darum ist aber der verständliche Zusammenhang nicht falsch. wirklicher Fall kann uns Anlaß werden zum Begreifen eines verständlichen Zusammenhangs, die Häufigkeit tut dann zur Vermehrung der einmal gewonnenen Evidenz nichts hinzu. Ihre Feststellung dient ganz anderen Interessen. Im Prinzip ist es durchaus denkbar, daß etwa ein Dichter verständliche Zusammenhänge überzeugend darstellt, die noch niemals vorgekommen sind. Sie sind unwirklich, besitzen aber ihre Evidenz in idealtypischem Sinne. Man ist leicht voreilig, die Wirklichkeit eines verständlichen Zusammenhangs etwa dann zu behaupten, wenn er bloß diese generelle Evidenz hat. Wenn etwa Jung sagt, es sei „eine bekannte Sache, daß es nicht allzu schwer ist, zu sehen, wo Zusammenhang und wo nicht“, so ist angesichts des wirklichen Menschen gerade das Umgekehrte richtig."
Sachregistereinträge Erklären und Verstehen S. 23ff, 250-260, 261-304, S. 37
S. 23ff: ""
S. 37: ""
S. 250-260: ""
S. 261-304: ""
Inhaltsverzeichnis und teilweise auch Sachregistereinträge Verstehen.
Weisen des V. 251 ff.;
[Die verständlichen Zusammenhänge des Seelenlebens (Verstehende Psychologie) 205ff]
a) V. und Erklären 23, 251ff„ 255f.;
b) Evidenz des V. (V. und Deuten) 252, 255, 260, 296ff„ 598f.;
c) Rationales und einfühlendes V. 253;
d) Grenzen des V, Unbeschränktheit des Erklärens 253ff.; 302, 358ff„ 455ff., 583, 591 ff 629f — s. unverständlich;
e) Verstehen und Unbewusstes 254
f) „Als-ob-V.“ 254f; 452f„ — s. Psychoanalyse;
g) Über die Arten des Verstehens insgesamt (geistiges, existenzielles, metaphysisches Verstehen) 255ff
[Phänomenologisches Verstehen und Ausdrucksverstehen 255]
h) Wie die psychologische Verstehbarkeit in der Mitte zwischen den verstellbaren Qbjelrtivitäten und dem Unverständlichen sich bewegt 258. —
i) Die Aufgaben der verstehenden Psychopathologie 260.
Erstes Kapitel. ? '
Verständliche Zusammenhänge. § 1. Die Quellen unseres Verstehenkönhens und die Aufgabe Verstehender Psychopathologie 261
§2. Inhaltliche verständliche Zusammenhänge 263
a) Die Triebe, ihre seelische Entfaltung und Verwandlung (Begriff des Triebes,
Ordnung der Triebe,. Abnorme Triebregüngen, Seelisohe Entwicklungen aus Triebvorwandlungen) 263. —
b) Der Einzelne in der Welt (Der Situationsbegriff,
Die Wirklichkeit, Selbstgenügsamkeit und Abhängigkeit, Typische, Grund - Verhältnisse des Einzelnen zur Wirklichkeit, Sich der Wirklichkeit versagen durch Selbsttäusehuhgen, Grenzsituationen) 271
c) Inhalte des Grundwissens, die Symbole; (Das ’Grundwissen, Begriff des Symbols und seine Bedeutung in der Lebenswirkliohkeit, Möglichkeit des Symbolyerstehens, Geschichte der Symbolforschung, Mögliche Aufgaben der Symbolforschung) 275.
§3. Grundformen der Verstehbarkeit 283
a) Die gegensätzliche Spannung der Seele und die Dialektik ihrer Bewegung
(Kategoriale, biologische, psychologische, geistige Gegensätzlichkeiten, Weisen. der Dialektik, Beispiele psychopathologischen Verstehens minder Dialektik der Gegensätze, Verfestigung psyohopathologischer Auffassung in verabsolutierten Gegensätzlichkeiten) 283
b) Leben und Verstehbarkeit in Kreisen 287
§ 4, Selhstreflexion 289
a) Die Reflexion und das Unbewußte 289
b) Die Sclbstreflexion als bewegender Stachel in der Dialektik der Seele 291
c) Gliederung der Selbstreflexion 291
d) Beispiele von Selbstreflexion in ihrer Wirkung (Der Zusammenhang zwischen willkürlichem und unwillkürlichem Geschehen, Das Persönliehkeitsbewußtsein, Das Grundwissen) 292.
§ 5. Grundgesetze des psychologischen Verstehens und der Verstehbarkeit 296
a) Empirisches Verstehen ist Deuten 296.
b) Das Verstehen vollzieht sich im hermeneutischen Zirkel 297
c) Entgegengesetztes ist gleich verständlich 297
d) Das Verstehen ist unabschließbar 298.
e) Die endlose Deutbarkeit 298.
f) Verstehen ist Erhellen und Entlarven 299.
Exkurs über Psychoanalyse 299. Zweites Kapitel.
Verständliche Zusammenhänge bei spezifischen Mechanismen, a) Der Begriff des außerbewußten Mechanismus 303.
b) Verstehbarer Inhalt
und Mechanismen 304
c) Allgemeine, ständig gegenwärtige und durch seelische Erlebnisse in Bewegung gebrachte besondere Mechanismen 304. — d) Normale und abnorme Mechanismen 305.
Erster Abschnitt. Normale Mechanismen 305
a) Erlebnisreaktionen 305.
b) Nachwirkung früherer Erlebnisse 307
c) Die Trauminhalte 310.
d) Suggestion 313
e) Hypnose 315.
Zweiter Abschnitt. Abnorme Mechanismen 317
Merkmale der Abnormität der Mechanismen 317.
§ 1. Pathologische Erlebnisreaktionen 319
a) Reaktion im Unterschied von Phase und Schub 320
b) Die dreifache
Richtung der Verstehbarkeit der Reaktionen 321
c) Übersicht über die reaktiven Zustände: nach den Anlässen, nach der Art der seelischen Struktur, nach Art der bedingenden Konstitution. Reaktive Zustände bei Schizophrenie 324
d) Die heilende Wirkung von Gemütsersohütterungen 327
§ 2. Abnorme Nachwirkung früherer Erlebnisse 328
a) Abnorme Gewohnheiten 328
b) Komplexwirkungen 329
c) Kompensationen 330.
d) Auflösungstendenzen und Ganzheitstendenzen 331.
§ 3. Abnorme Träume 332
a) Träume bei körperliehen Erkrankungen 332
b) Abnormes Träumen bei Psychosen 332
c) Inhalt abnormer Träume 333,
§ 4. Die Hysterie 334
§ 5, Verstehbare Inhalte der Psychosen 340
a) Wahnhafte Ideen 340.
b) Wahnideen der Schizophrenen 341
c) Die Unkorrigierbarkeit 342
d) Ordnung der Wahninhalte 342.
Weitere Stichworte zum Verstehen im Sachregister
Quellen des V. 261ff.;
Gesichtspunkte, Richtungen, Beispiele des V. 263ff.;
Grundformen 283ff.;
Grundgesetze 296ff. — S. a.. Charakterologie, Gegensätzlichkeit; statisches und genetisches V. 23f., 255;
V. und Sprechen 156ff.;
Ausdrucksv. 214ff„ 255;
das geistige V. 256;
das existentielle V. 256f„ 258ff„ 648f., s. Existenz, Existenzerhellung; das metaphysische V. 257 f — s. metaphysisch; V. und Werten 257f.;
V, als Erhellen oder Entlarven 299f.;
das lebens-geschichtliche V. 583ff.;
v. Psychologie als Charakterologie 357, 360ff.;
Aufgaben der v. Psychopathologie 260ff.;
in der Bearbeitung historischen Materials 596f.;
v. und kausal untersuchende Forschung 596f.;
v. Psychoanalyse 299ff„ 450ff„ 646ff.;
Existenzerhellung und v. Psychologie 648f.;
Zwischensein 258ff., 358ff., 648f.;
Unabschließbarkeit 254f„ 298f
S. a. Existenzerhellung, Philosophie, Psychologie.
Gruhle (1948) Verstehende Psychologie
Warnung: Gruhle bezichtigt in Verstehen und Einfühliung S. 284f Wilhelm von Humboldt unbelegt der Fälschungsbereitschaft.
Das Buch umfasst 622 Seiten. Das Wort "verstehen" - im Gegensatz zu Einfühlung mit vielen Einträgen - wird im Sachregister merkwürdigerweise nicht einmal aufgeführt. Allein aus diesem Befund liegt die Hypothese nahe, dass Verstehen für Gruhle im wesentlichen Einfühlung bedeutet.
Im Abschnitt "III. Psychologisches Verstehen, Einfühlung." (S. 57-148) sollte man erwarten. Erklärungen zum Verstehen zu finden."Bei der Beobachtung eines Hundes, habe ich aus seinem gesamten Gebaren erschließen gelernt, was in ihm vorgeht." Er erörtert dann, wie ein Kind zu solchen Deutungen mit Hilfe von Analogieschlüssen des Hundeverhaltens gelangen kann.
Gruhle-S.60: "Wenn ich als Erwachsener einen Hund sehe, so ist das eben schlechtweg ein Hund, dazu brauche ich keine langen Analogieschlüsse. Wenn das Kind jemand weinen sieht, so ist dieser traurig. Auch das steht dem Kind schlichtweg fest. Die Festlegung dieses Tieres mit Hund und die Festlegung dieses Weinens mit Traurigsein, ist grundsätzlich nicht voneinander unterschieden. Es ist dies ein Wissen um das Traurigsein. Ob ein Teilnehmen an dem Traurigsein dazukommt, ist eine ganz andere Frage, die des Nachfühlens, Mitfühlens, Mitergriffenseins usw. Hier wird oft folgender Gedankengang eingeschaltet: Ich sehe die Ausdrucksbewegungen des Mitmenschen. Da ich von mir her meine eigenen Ausdrucksbewegungen kenne und weiß, wovon sie Ausdruck sind, so nehme ich analogisch an, daß bei dem andern die Ausdrucksbewegungen den gleichen Sinn bergen werden. Das ist irrig. Ich habe meinen eigenen Ausdruck nie gesehen, kann also nicht von mir auf andere schließen. Aber ich hörte ja oft, was der andere sagt und tut, wenn er Ausdruck zeigt. Infolgedessen ist ein Schluß darauf, was in ihm vorgeht, nicht schwer. Einfühlung s. str. ist das nicht. Freilich glaube ich, nicht nur zu wissen, was sich in ihm abspielt, sondern auch die Herkünfte zu kennen, aus denen seine Regungen stammen, also den Zusammenhang zu durchschauen, aus dem diese entspringen. Dies letztere ist Einfühlung im engeren Sinne: das Motivverstehen des Nächsten. Aus ihm entspringt das, was man meist als Taktgefühl bezeichnet. Es handelt sich dabei nicht um ein besonderes Gefühl, sondern um ein sehr geschicktes Erraten der Regungen der Mitmenschen und eine feine voraussehende Einstellung auf diese Innenvorgänge der anderen, wonach sich dann das eigene Benehmen richtet. Derjenige, der kein sog. Taktgefühl hat, begeht Taktlosigkeiten, d. h. er kam gar nicht auf den Gedanken, daß dieses oder jenes im Mitmenschen vorgehen könne, oder er mißdeutete dessen Verhalten und blieb daher selbst unangepasst. Th. Lipps, der der Hauptautor für die Einfühlungstheorie ist, nimmt einen besonderen Instinkt der Einfühlung an. Das ist schon deshalb wahrscheinlich, weil die Einfühlung mit vieler Mühe erlernt werden muß. Lipps nimmt weiter an, daß in der Einfühlung in mir der Gedanke an ein so und so geartetes Geschehen im Mitmenschen „sich regt und in mein gegenwärtiges Erleben sich eindrängt, so daß dasselbe in mir mit dem Akte der Auffassung zusammen ein einziges Bewußtseinserlebnis ausmacht“. Dies ist eine etwas kuriose Formulierung. Wie ich von einem Gefäß annehme, es sei hohl, so nehme ich von einem [>61] Mitmenschen an, er langweile sich. Aber dabei drängt sich nichts in mich ein. Wie ich jenem Gefäß auch noch andere Eigenschaften zuspreche, etwa es sei spröde oder hart oder schon sehr alt u. dgl, so spreche ich auch. dem Mitmenschen eine Anzahl Tendenzen und Eigenschaften zu und habe dann eine Gesamtauffassung von ihm, von seiner Persönlichkeit. Diese Auffassung kann sich so intensivieren, daß „der andere“ dann, wie man zu sagen pflegt, deutlich vor mir steht. Denke ich mir eine Situation, in die der andere geriete, so könnte ich aus dieser Einfühlung heraus Voraussagen, wie er sich verhalten würde. Ich muß ihn freilich lange und gut studieren, ihn In vielen Situationen sehen, ihn über viele sprechen hören, dann rundet sich in mir sein Bild. Wenn Lipps formuliert, die fremden Iche seien das Ergebnis einer Vervielfältigung meiner Selbst, so ist das nicht glücklich gefaßt. Ich weiß ja, daß diese Persönlichkeiten anders gebaut sind. Meine Phantasie gibt mir freien Spielraum, und nur einiges von mir geht in den Fremden ein.
Natürlich hat Simmel7 recht, wenn er sagt: „Alles Verstehen ist eine Hineinverlegung selbsterlebter Innenereignisse. Woher als aus der eigenen Seele soll denn das Material zum Verstehen kommen? ... Das Du und das Verstehen ist dasselbe, gleichsam einmal als Substanz und einmal als Funktion ausgedrückt.“ — Daß ein Gefäß hohl sein wird, weiß ich aus anderen Erfahrungen an Gefäßen; nicht anders weiß ich von mir, daß z. B. in einem Moment der Enttäuschung mir so und so zumute ist. Erlebe ich, daß ein anderer enttäuscht wird, so vermute ich bei ihm die gleichen Innenvorgähge. Zugleich sehe ich seine Mimik und Haltung und erwerbe so Kenntnisse von Enttäuschungsmimik, die ich dann später bei meiner Menschenkenntnis anwende."
Kehrer, F.A. (1951) Das Verstehen und Begreifen in der Psychiatrie. Stuttgart: Thieme.
bei Kehrer g e s p e r r t Geschriebenes ist hier kursiviert.
S. 3f: "Erkenntnistheoretische Erörterungen über Verstehen und Erklären
Gehen wir sie der Reihe nach durch, so muß aus erkenntnistheoretischen Gründen an die Spitze die (erste) Frage gestellt werden: Ist „Verstehen" (weiter abgekürzt: „V.") eine allgemein verbindliche Methodik, d. h. ist der Maßstab, der von den verschiedenen Psychiatern im Verfahren des V. jeweils an die gleichen Zustände angelegt wird, ein einheitlicher, kommen demgemäß alle, die ihn anlegen, zu annähernd dem gleichen Ergebnis, derart, daß jeder einzelne Zustand von allen gleichermaßen verstanden wird, oder hängt es nicht vielmehr von der ganzen psychischen Struktur des Verstehenden ab, ob und inwieweit dies gelingt?
Die zweite grundsätzliche Frage, die naturgemäß die positive Beantwortung der ersten zur Voraussetzung hat, lautet: Wieviel leistet das V. für die Erkenntnis vom Wesen der Psychosen überhaupt? Leistet sie mehr öder weniger als die andere, grundsätzlich in Betracht kommende, die genetische Analyse, die Jaspers das „kausale, objektive Erklären" oder „erklärende Psycho-[> S. 4] loogie" genannt hat, und die kurz als die Methode des Zurückführens krankhaften seelischen Geschehens auf dessen körperliche Grund- oder Unterlage bezeichnet werden kann? Wie weit reicht beider Bereich und insbesondere (entsprechend dem Thema, das wir uns hier gestellt haben), wie weit können sich im Gebiete der Psychiatrie die verstehende und die erklärende Psychologie gegenseitig ergänzen? (Ich sage ausdrücklich: ergänzen, und nicht: ersetzen; denn beide Verfahren stehen gleichwertig nebeneinander, sie gehen nur von verschiedenen Standpunkten und mit verschiedenen Verfahren auf das gleiche Ziel: die kranke Seele, zu, sind also synoptisch zu erfassen.) Beim Suchen nach Antworten auf diese Frage im Schrifttum bin ich nur auf drei Aussagen gestoßen, die von Jaspers, Ewald und Bumke.
Jaspers meint, das V. dürfe nicht das Erklären, d. i. das (somatologische) Bemühen um Aufdeckung der körperlichen Grundlagen der Psychosen unterbinden oder ersetzen wollen; es bedeute lediglich ein Plus, das zu diesem hinzukomme. Wozu dies „Plus" nützt, sagt er nicht. Ewald schreibt FN1, der Gewinn der Unterscheidung von homo- und heteronomen Zuständen scheine ihm nicht sehr bedeutend gegenüber derjenigen in endogene und exogene und eine reinliche Scheidung damit nicht erreichbar zu sein. Immerhin will er die „nicht encephalopathisch-exogenen Reaktionen" in einfühlbare und nicht einfühlbare unterscheiden. Und Bumke schließlich (1948) gibt der Überzeugung Ausdruck, daß „alle psychologischen Deutungsversuche der Schizophrenie in dem Augenblick abgetan sein werden, in dem wir die körperlichen Grundlagen dieser Krankheiten gefunden haben." Wenn sich dies auch nicht, wie wir später sehen werden, auf die eigentliche v. P. bezieht, sondern auf die psychoanalytische Deutung, so scheint es doch, als ob er damit auch erstere im Auge gehabt habe.
Soll man nun etwa schon aus diesen Äußerungen den Schluß ziehen, daß die, ja alltäglichen, Bemühungen des praktischen Seelenarztes um ein V. der Psychosyndrome zwar ethisch und psychotherapeutisch wertvoll, im Grunde aber insofern überflüssig seien, als sie zu deren nosologischer Einordnung nichts beitrügen oder womöglich gar zu trügerischen Ergebnissen führten? Man sieht, hier wird ein für die Theorie wie die Praxis in der Psychiatrie sehr wichtiges Problem angeschnitten.
Tritt man vorurteilslos an dieses heran, so muß es 1. als an sich sehr wohl denkbar bezeichnet werden, daß die v. P. gerade in jenen Fällen zur Erkennung des Aufbaus von Psychosen beitragen könnte, in denen deren statisch-ikonographische Erfassung zu keinem eindeutigen Ergebnis bezüglich der Beurteilung ihrer Verursachung führt — anders ausgedrückt: in denen die nach Jaspers „erklärende" Psychologie versagt, insofern bei ihnen keine oder keine eindeutigen somatischen Abweichungen gefunden werden, die als Unterlage der psychischen gedeutet werden dürfen. Hier also könnte die v. P. vikariierend [RS: ersatzweise, stellvertretend] für die nicht zum Ziele führende „kausale" eintreten.
2. wäre es an sich wohl denkbar — diesen Gedanken hat Bumke (1948) in Hinsicht auf die organischen Psychosen geäußert —, daß verschiedene Grade der Verstehbarkeit vorkämen, entsprechend der Art, wie eine hirnexogene Noxe auf das Hirn einwirkt. Er schreibt: „Weil ein Gift, wo es auch entsteht und wie immer es ans Gehirn gelangt, viel eher der Funktion nach zusammengehörige Teile desselben treffen und ihre Leistungen im Ganzen dämpfen oder reizen wird als Verletzungen, Entzündungen usw., die wahl- und (psychologisch) sinnlos ohne Rücksicht auf ihre funktionelle Verbundenheit alle möglichen Teile des Gehirns angreifen können, werden die so entstandenen Syndrome . . . auch dem Verständnis des Gesunden immerhin etwas zugänglicher sein als die groborganischen, und . . . auch den Äußerungen der funktionellen Psychosen werden sie näher stehen." Auf diese Frage soll weiter unten (S. 49) eingegangen werden. Vorläufig sei festgestellt: So plausibel dieser Gedanke erscheint, die bisherige Erfahrung hat ihn, so viel ich sehe, nicht als zutreffend bestätigt.
FN 1 in dankenswerter brieflicher Mitteilung
Sachse, Rainer (2013) Persönlichkeitsstörungen verstehen. Zum Umgang mit schwierigen Klienten. Bonn: Psychiatrie-Verlag.
"Das Modell der doppelten Handlungsregulation
Zum Verstehen der Funktionsweise von Persönlichkeitsstörungen und zur Ableitung therapeutischer Strategien wird hier theoretisch vom Modell der »doppelten Handlungsregulation« ausgegangen. Dieses Modell stellt eine allgemeine Theorie darüber dar, wie Persönlichkeitsstörungen psychologisch funktionieren (zur Vertiefung siehe auch Sachse 1999, 2001a, 2001b, 2004a; SACHSE & SACHSE 2010). Grundannahme dieses Modells ist, dass Persönlichkeitsstörungen als Beziehungs- oder Interaktionsstörungen aufgefasst werden. Persönlichkeitsstörungen sind komplexe Störungen, die Handeln, Denken, Fühlen und spezifische Formen der Informationsverarbeitung einschließen. Dennoch kann man annehmen, dass dysfunktionale Überzeugungen über Beziehungen, dysfunkunktionale Intentionen und dysfunktionale Arten der Beziehungsgestaltung den Kern der Störung bilden. Das Modell umfasst drei Ebenen:
Die Elemente der authentischen Handlungsregulation oder Motivebene: Auf dieser Ebene handeln die Personen authentisch und transparent. Interaktionspartner können ihre Absichten erkennen. Die Personen handeln so, dass zentrale Beziehungsmotive, z.B. das Motiv nach Wichtigkeit oder das Motiv nach Anerkennung, befriedigt werden können.
Die Ebene der Schemata: Auf dieser Ebene sind Selbstschemata der Person lokalisiert, also Überzeugungen der Person von sich selbst. (z.B. Ich bin ein Versager!« oder »Ich bin kompetent!«), sowie Beziehungsschemata, also Überzeugungen der Person darüber, wie [>27] Beziehungen funktionieren oder was sie in Beziehungen zu erwarten hat (z.B.: »In Beziehungen wird man nicht respektiert!«).
Die Spielebene: Auf dieser Ebene sind die manipulativen Strategien der Person lokalisiert, die Strategien, die die Person zur Lösung schwieriger Interaktionen entwickelt. Es handelt sich also um die Ebene des nicht authentischen, manipulativen Verhaltens. Daher wird diese Ebene auch »Spielebene« genannt, nach dem Begriff des »Spiels« in der Transaktionsanalyse, der genau dieses unoffene, manipulative Verhalten definiert.
Die Befriedigung von Wünschen auf der Motivebene
Die Motivebene beschreibt die »normale« Regulation interaktionellen Handelns. Es wird hier davon ausgegangen, dass eine Person eine Reihe interaktioneller Grundbedürfnisse aufweist. Diese zentralen Beziehungsmotive sind:
das Motiv nach Anerkennung, Wertschätzung, positiver Definition,
das Motiv nach Wichtigkeit,
das Motiv nach verlässlicher Beziehung,
das Motiv nach solidarischer Beziehung,
das Motiv nach Autonomie,
das Motiv nach Unverletzlichkeit des eigenen Territoriums und der eigenen Grenzen.
Die Person versucht nun, ein zentrales Beziehungsmotiv in einer Beziehung zu befriedigen. Hat diese Person ein starkes Bedürfnis nach Wichtigkeit, dann versucht sie, von einer anderen Person Aufmerksamkeit zu bekommen, von ihr ernst genommen, von ihr wahrgenommen zu werden. Sie versucht dann, ihr eigenes Handeln so zu gestalten, dass ihr Gegenüber ihr all diese Aspekte gibt. Das funktioniert in der Regel, wenn die Person authentisch handelt, also dem Partner deutlich macht, was sie will und braucht, und wenn sie kompetent handelt. Ein übergeordnetes Motiv enthält viele untergeordnete »interaktionelle Ziele«, die man ganz konkret im Handeln anstreben kann. Zum Beispiel enthält das Motiv Wichtigkeit Ziele wie:
Aufmerksamkeit erhalten; ernst genommen werden; zugehörig sein; gehört werden; Rückmeldungen erhalten wie: Ich verbringe gerne Zeit mit dir; du bereicherst mein Leben.
[S. 28: Abbildung Das Modell der doppelten Handlungsregulation]
Zur Umsetzung von Intentionen in konkrete Handlungen sind Kompetenzen notwendig. Die Person weist dabei in mehr oder weniger großem Ausmaß Verarbeitungs- und Handlungskompetenzen auf, um konkrete Handlungen auszuführen, die der Erreichung solcher Ziele dienlich sind.
Handlungskompetenzen sind z.B. Kenntnisse über geeignete Strategien des Handelns, also Wissen darüber, was genau man in bestimmten Situationen tun kann, um ein Ziel zu erreichen. Verarbeitungskompetenzen sind Fähigkeiten, Situationen schnell zu analysieren und zu verstehen, z. B. die Fähigkeit, aus dem Verhalten einer anderen Person auf deren Ziele, Motive und Werte zu schließen. Hat eine Person hohe Kompetenzen, dann kann sie effektiv handeln, hat sie solche Kompetenzen nicht, kann sie »in alle Fettnäpfchen treten«.
Auf dieser Ebene geht man immer davon aus, dass das Handeln Motive reflektiert, oder »diagnostisch« gesprochen, dass aus dem Handeln prinzipiell auf die Motive geschlossen werden kann. Es [>29] wird damit angenommen, dass das Handeln authentisch ist: Die Person hat nicht durchweg und prinzipiell die Intention, ihre Ziele zu verbergen oder sie zu tarnen, die Motive sind im Handeln transparent. Die Handlungsregulation auf der Motivebene ist eine authentische Handlungsregulation."
Heilmann, Christa M. (2011) Körpersprache richtig verstehen und einsetzen. München [u.a.]: Reinhardt.
Obwohl das informative und interessante Buch ausdrücklich vom verstehen im Titel spricht, kommt "verstehen" nicht als Eintrag im Sachregister vor. Das könnte man aber auch damit erklären, weil das ganze Buch vom Verstehen der Körpersprache handelt.
S. 24 (Verstehensambivalenz hervorgehoben von mir): "Zusammenfassung und Vertiefung
Körpersprache im eigentlichen Sinne sind die körperlichen Ausdrucksbewegungen, die in einer Sprachgemeinschaft bestimmte festgelegte Bedeutungen haben. Natürlich besitzen sie eine noch größere Vieldeutigkeit (Ambiguität) und einen geringeren Festlegungsgrad (Kodifizierungsgrad) als die Sprache selbst, aber im kontextuellen Zusammenhang sind sie zu verstehen. Wir müssen nicht aus Erfahrungen heraus eine Bedeutung vermuten, sondern können sie mit einer gewissen Sicherheit wissen. Trotzdem hat die Körper-Sprache eine höhere Verstehensambivalenz (Bedeutungsunklarheit) als die Wort-Sprache und bedarf daher viel intensiver der Klärung über den sprachlichen und außersprachlichen Kontext. Spannend wird die Körpersprache im interkulturellen Kontext, weil in anderen Sprachen natürlich ebenfalls solche festen Verbindungen bestehen, aber nicht unbedingt in der gleichen Weise wie im Deutschen. Zufällig (arbiträr) wurde im Deutschen die Verneinung mit dem mehrmaligen Drehen des Kopfes verbunden. Im Griechischen z. B. gibt es dafür einen kurzen Schnalzlaut, der mit einer einmaligen kleinen Rückwärtsbewegung des Kopfes gekoppelt ist. In beiden Sprachen ist die Bedeutung der jeweiligen Bewegung konventionalisiert, also festgelegt, und muss wie das Erlernen der Wortbedeutung mit dem Spracherwerb angeeignet werden."
Nachdem das Analoge auch sehr vieldeutig sein kann, wären es natürlich sehr interessante und wichtige Fragen gewesen, wie man sich denn vergewissern, prüfen, kontrollieren, evaluieren kann, dass man versteht. Auch hier keine Einträge im Sachregister.
Winterstein, Alfred (1931) Zur Problematik der Einfühlung und des psychologischen Verstehens. (1931). Imago, 17(3):305-334
I) Die Einfühlung
Der Begriff der Einfühlung taucht zuerst in den metaphysisch-ästhetischen Spekulationen der romantischen Schule auf. Theodor Lipps hat dann diesen Gedanken in seiner Bedeutung für unser Wissen um fremde Persönlichkeiten erfaßt und aus dem engen Bezirk der ästhetischen Fragestellung in das weite Feld der allgemeinen Psychologie verpflanzt. Verstand man unter Einfühlung ursprünglich nur die Beseelung des Untermenschlichen, so ist darunter heute zumeist ein bestimmter psychologischer Prozeß gemeint, durch den wir fremdes Seelisches so unmittelbar wie eigenes Erleben zu erfassen trachten. Auf Grund der Einfühlung verstehen wir das Seelenleben des andern; beide Begriffe hängen also aufs engste zusammen, ohne natürlich identisch zu sein. Trotzdem werden sie von manchen Autoren unterschiedslos gebraucht und andersartige Bezeichnungen, wie Vergegenwärtigen, Anschauen, Hineinversetzen, Nacherleben, ihnen gleichgesetzt. Es ist bemerkenswert, daß die doch so verwandten Probleme der Einfühlung und des Verstehens in der wissenschaftlichen Literatur fast völlig getrennt behandelt werden. Dilthey, Rickert, Jaspers und Spranger erwähnen kaum das Problem der Einfühlung, während wiederum Volkelt und Lipps dem Problem des Verstehens so gut wie gar nicht nahetreten.
Brandt, Christian (2010) Soziale Formen psychotherapeutischen Verstehens. Psychotherapeutenjournal 4/2010, 381-388. [PDF im Netz]
In dieser Arbeit wird der Verstehensbegriff vorausgesetzt und nicht näher analysiert, obschon doch im Resümee dargelegt wird, dass Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und Gesprächspsychotherapie unterschiedliche Verstehenskonzepte haben. Letztlich bleibt damit dunkel, was psychotherapeutisches Verstehen sein soll und wie es vor sicht geht, funktioniert und kontrolliert wird.
Textbelege Brandt:
S.381: Titel: Soziale Formen psychotherapeutischen Verstehens
S.383: "Soziale Grundformen des Verstehens
So verschieden die hier betrachteten therapeutischen Grundkonzepte angelegt sind, jedes scheint die störungswertigen Erlebens- und Verhaltensmuster in eine irgendwie verstehbare Form zu bringen; durch möglichst exakte Symbolisierung, durch Klärung der auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen oder durch Integration der störungsrelevanten Impulse in das Ich-Erleben. ..."
S.384a: "Das Verstehen dessen, was in den Symptomen „steckt“ – sei es eine spezifische Lerngeschichte und Verstärkersituation, eine Libidokonstellation oder eine mögliche Selbsterfahrung – erfolgt im Rahmen eines sozialen Prozesses zwischen Therapeut und Patient. ... "
S.384b: "Differentielle Verstehensformen: Wert- und Zweckrationalität
Es scheint so, als seien die therapeutischen Verstehensangebote von Gesprächs- und Verhaltenstherapie mit ihren ursprünglichen Konzepten auf diese beiden Rationalitätsformen ausgerichtet. "
S.385: "Auf dieser Verstehensgrundlage wird im therapeutischen Prozess der Aufbau oder die Aktivierung von funktional günstigerem Alternativverhalten angeboten und erprobt, um das relevante Bedürfnis zu befriedigen (d. h. den objektiven Zweck des Problemverhaltens zu erfüllen), ohne die ungünstigen Nebenfolgen herbeizuführen. "
S.386a: "Die therapeutische Symbolisierung des „heißen“ Handlungsimpulses ermöglicht der Person, diesen als Ausdruck einer von der „kalten“ Bewertungsbedingung abweichenden Werthaltung zu verstehen, soziologisch formuliert bedeutet dies, „dass eine singuläre Handlung (d. i. hier die durch die Aktualisierungstendenz geregelte inkongruente Erfahrung, Anm. d. Verf.), die bislang geltungsfrei vollzogen wurde, nun werthaft aufgeladen wird“ (Döbert, 1989, S. 240). ..."
S.386b: "Welche Vorstellung von Sinn sich im psychoanalytischen Verstehen findet, ist eine Frage, auf die es verschiedene Antwortebenen gibt. ..."
S.387: "Übertragen auf soziale Verstehensformen beinhaltet das psychoanalytische Symptomverständnis zwei Ebenen. ..."
S.388a: "Soziales Verstehen affektuellen Handeln vollzieht sich einfach, indem das Handeln als Befriedigung eines aktuellen affektuellen Bedürfnisses verstanden wird. ..."
S.388b: "Resümee Die konstitutiven, ursprünglichen Konzepte von Psychoanalyse, Gesprächs- und Verhaltenstherapie stellen ihren gemeinsamen Gegenstand, das psychisch störungswertige Erleben und Verhalten, in unterschiedliche Verstehenskontexte. Es lässt sich zeigen, dass die unterschiedlichen Begründungen dieser drei Verfahren mit unterschiedlichen Formen sozialer Sinnzuschreibung in unserem Kulturkreis korrespondieren. Inwieweit die jeweilige therapeutische Praxis den ursprünglich gesetzten Verstehensrahmen möglicherweise generell überschreitet und in welcher Weise die frühen Konzeptionen sich in der weiteren Entwicklung auf andere Sinnkontexte ausgedehnt haben, muss an dieser Stelle offen bleiben. ..."
Beispiele zum Gebrauch des Wortes verstehen
aus Medien, Literatur und Internet
Gebrauchsbeispiele aus dem Internet (Auswahl)
I01 Verstehen Sie Spaß? (Fernsehsendung Abruf 23.08.18)
I02 "Du verstehst (Verstfrage) mich einfach nicht" (Freundin 05.05.2017, Abruf 23.08.18)
I03 "Wie gut verstehst (Verstbezieh) du dich mit deinem Vater?" (testedich ohne Datum, Abruf 23.08.18)
I04 "Unser Geldsystem – verstehst (Verstwis) (Verstzusam) Du es" (Carsten Stolle ohne Datum, Abruf 23.08.18)
I05 "Nicht, dass du mich falsch verstehst (Verstfrage): Ich bin zwar allein, aber ich fühle mich nicht einsam" (Gedankenwelt 18.11.12016, Abruf 23.08.18)
I06 "Verstehst du jetzt, warum ich dich liebe? (Verstfrage), (Verstzusam)" (Gedichte.com-19.11.2006, Abruf 23.08.18)
I07 "verstehst du mich? (Verstfrage) – Hundetraining und Verhaltensberatung" (diehundeschulen ohne Datum, Abruf 23.08.18)
I08 Bei "Ich hoffe du verstehst (Verstfrage) mich." Komma?! Wie ist es korrekt? Ich hoffe, du verstehst (Verstfrage) mich." (gutefrage ohne Datum, Abruf 23.08.18)
I09 "Wer versteht, gewinnt!" (Verstwert) Verstehen ist der Erfolgsfaktor der Zukunft. Wer tief versteht, sieht klarer, erkennt, worum es im Kern geht, und trifft die besten Entscheidungen. ... (die-ratgeber ohne Datum, Abruf 23.08.18)
I10 "Verstehen (VerstonS?), Nichtverstehen (Verstnicht), Missverstehen (Verstmissv) - Verstehensprozesse (Verstprozess) bei verbaler Kommunikation im Rahmen der Relevanztheorie " (Hausarbeiten, Diplomarbeit 2004, Abruf 23.08.18)
I11 "Das deutsch-französische Missverstehen" (Verstmissv) (Tagesspiegel 23.05.2018, Abruf 23.08.18)
I12 "Warum „Verstehen“ (VerstonS?) und „Verständnis haben“ (Verstdif) nicht das gleiche ist. „Kannst du mich nicht verstehen?“ (Verstfrage) oder „Warum hast du dafür kein Verständnis?“ (Verstfrage) haben wir alle schon mal gehört. In den meisten Fällen wird dann „Verstehen“ (VerstonS?) mit „Verständnis haben“ (VerstonS?) gleichgesetzt. Es ist jedoch etwas völlig verschiedenes. Jemanden zu verstehen (VerstonS?), bedeutet nicht, dass ich sein Verhalten oder seine Meinung gut finden muss und Verständnis (Verstbillig) dafür habe." (Mind Hacker ohne Datum Abruf 23.08.18, Abruf 23.08.18)
I13 "Verstehen (VerstonS?) ist die Ausnahme – Missverstehen (Vertmissv) die Regel. Warum es keine Garantie gibt, dass wir andere wirklich verstehen." (Hans.Jürgen.Walter ohne Datum, Abruf 23.08.18)
Gebrauchsbeispiele aus der Literatur (Belletristik) (Auswahl)
B01 Rainer Maria Rilke "Du musst das Leben nicht verstehen" (Verstfrage), (Verstzusam) (Gedicht, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B02 EinFach Deutsch ...verstehen (Verstbedeut) - Interpretationshilfen / Johann Wolfgang von Goethe: Iphigenie auf Tauris von Michael Fuchsö
B03 "Die Kranke schien durch die Anstrengung, die sie soeben gemacht, ganz erschöpft zu sein und zeigte, ohne den Kopf vom Pfühl zu erheben, mit matter Hand auf einen Sessel, indem sie dem Geistlichen durch diese Gebärde zu verstehen (Versthinweis) gab, daß er sich dem Bette nähern und Platz nehmen solle. Der Priester verstand (Verstkomm) diese Gebärde, näherte sich dem zu Häupten des Bettes stehenden Sessel und setzte sich. ..." (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B04 "... »Sie verstehen (Verstkönn) noch nicht zu lügen,« sagte Miß Arabella. »Ich hatte dies buchstäblich erraten.« ... " (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B05 "... Amy blieb stehen, bedeckte sich das Gesicht mit ihrem Tuche und sagte mit halberstickter Stimme zu mir: »Sprich, sprich! Mylord wird dich lieber anhören und besser verstehen als mich.« ... " (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B06 "... Ich weiß eigentlich nicht, warum ich nicht lieber meine Zofe schicke, und ich werde dies auch tun, wenn Sie sich dazu verstehen (Verstbereit), mich anderswohin zu begleiten.« ..." (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B07 "... Sir John hörte mich meine Befehle erteilen, ohne meine Absichten zu verstehen (Verstkomm), und wünschte wahrscheinlich sehnlich, daß ich ihm mein Geheimnis wenigstens zum Teil verraten möchte, aber ich sagte kein Wort. ..." (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B08 "... Gestatten Sie mir, Ihnen bloß noch eins zu sagen, nämlich daß, wenn Sie keine Törin sind, Sie Ihr Glück in den Händen haben; verstehen (Verstfrage) Sie mich?« – »Ja, Madame, ich verstehe (Verstnicht), obschon nicht ganz.« – »Nun gut denn, Miß Clarissa, dann wird man Ihnen jemanden schicken, der sich deutlicher erklären wird. ..." (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B09 "... Wir haben in England wenig Maler, beinahe alle aber, die wir haben, verstehen (Verstkönn) sich trefflich auf das Kolorit und Romney nimmt unter diesen den ersten Rang ein. ..." (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B10 "... Sie sind auch ein Mann von Witz, Mylord. Ich sehe, daß wir uns verstehen (Verstbezieh) werden. ... " (Alexander Dumas Lady Hamilton, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B11 "... Die Platte war von jener Bronze gefertigt, welche nie vom Wasser angegriffen wird und deren Fabrikation nur die Chinesen und Japanesen verstehen (VerstssB). ..." (Karl May: Am Stillen Ozean - Kapitel 4, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B12 "... Was verstehen (Verstfrage) diese Kerls von der Jagd? ... " (Karl May: Am Stillen Ozean - Kapitel 4, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B13 "... Drei Wörter, welche er mir heut fünfzigmal hersagen mußte, hatte er bereits morgen schon wieder vergessen oder gebrauchte sie in einer Weise, welche mir die Lachtränen in die Augen trieb, und als wir Kanton erreichten, war er imstande, eine englisch-chinesische Rede zu halten, von der kein Mensch ein Wort verstehen (Verstnicht) konnte, weil sie aus Redeteilen bestand, welche er für den Augenblick extemporierte. ... " (Karl May: Am Stillen Ozean - Kapitel 4, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B14 "... Zwar hätte ich sehr leicht eine direkte Frage aussprechen können, da er aber meine Andeutungen nicht verstehen (Verstnicht) wollte, so hatte ich dies unterlassen. ... " (Karl May: Am Stillen Ozean - Kapitel 4, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B15 "... Denn zum erstenmal, seit sie hier Dienst tut, sieht sie ihren eigenen Namen auf einem telegrafischen Blatt. Sie liest einmal, zweimal, dreimal die nun schon fertig gehämmerte Depesche, ohne den Sinn zu verstehen (Verstnicht). ..." (Stefan Zweig: Rausch der Verwandlung - Kapitel 2, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B16 "... Zu unerfahren, kann sie nicht begreifen, daß dieser Lord, dieser General, der ihr unnahbar scheint, wolkenweit über ihrer Welt, mit der Mutlosigkeit eines alternden Mannes, der nicht mehr weiß, ob er noch zählt, und von Scham bedrängt ist, sich durch Werbung lächerlich zu machen, auf irgendein winziges Zeichen von ihr, auf ein ermutigendes Wort wartet; aber wie soll sie diese Mutlosigkeit verstehen (VerstonS?) (VerstssB), sie, die selbst keinen Mut hat, an sich zu glauben? Sie spürt die Andeutungen als Zeichen besonderer Sympathie gleichzeitig ängstlich und beglückt, ohne zu wagen, ihnen zu glauben, indes er sich quält, dies ihr verlegenes Ausweichen richtig zu deuten. ... " (Stefan Zweig: Rausch der Verwandlung - Kapitel 2, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B17 "... Alle verstehen (Verstzusam) sofort das Demonstrative dieses Armbindens und seiner betonten Reverenz. ..." (Stefan Zweig: Rausch der Verwandlung - Kapitel 2, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B18 "... Zum erstenmal in ihrem Leben sieht sie die Schwester, der sie immer respektvoll untergeordnet war, mit Verächtlichkeit an und mit Haß, weil sie nicht versteht (Verstnicht), was sie nicht verstehen will (Verstmoti). ..." (Stefan Zweig: Rausch der Verwandlung - Kapitel 2, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
B19 "Der verhängnisvolle Urlaub / Frauen verstehen mehr von Liebe" (Verstwiss), (Verstkönn) von Heinz G. Konsalik.
Gebrauchsbeispiele aus Sachbuechern (Auswahl)
Sie können alle wie folgt signiert werden: (Verstfrage), (Verstbedeut), (Verstwiss), (Verstzusam),
Andere verstehen von Eva Jaeggi Beltz,
Antiepileptika verstehen von Pohlmann-Eden, Bernd; Steinhoff, Bernhard J
Aristoteles verstehen von Sebastian Wendt
Autorität verstehen von Harrison, Buddy Dr.
Banker verstehen von Markus Neumann
Blutwerte verstehen von Vera Zylka-Menhorn
Christentum verstehen Autorenkollektiv
Computer und Internet sehen und verstehen – (Reader's Digest)
Das große Reader's Digest Länderlexikon - Alle Länder der Erde kennen - erleben - verstehen. Hier fragt man sich, wie das geht, ein Land zu verstehen?
Deutsches Sprachbuch für höhere Schulen. Wege zum Verstehen und Gestalten der Muttersprache. Erster Band (1. Klasse-Sexta) von Wilhelm Eggerer.
Duden 8. bis 10. Klasse Chemische Verfahren und Gesetze richtig verstehen und anwenden
Europa verstehen von Eckart Gaddum
Flüchtlinge verstehen von Rudolf Stumberger
Frankreich verstehen von Grosse, Ernst U; Lüger, Heinz H
Glauben verstehen von Uwe Dittmer
Globalisierung verstehen von Siegler
Gründlich verstehen. Literaturkritik heute von Görtz, Franz / Ueding, Gert (Hg)
Homer verstehen.von Mannsperger, Brigitte und Dietrich.
Inkontinenz verstehen von Kinie Hoogers
Innere Medizin - Verstehen Lernen Anwenden von Schettler, Gotthard; Greten, Heiner
Islam verstehen von Sympathie Magazin
Italien verstehen von Ernst Ulrich Große / Günter Trautmann
Judentum verstehen Sympathie Magazin
Kinderängste verstehen von Monika Niederle
Kinderträume verstehen von Hopf, Hans H
Kinderwelten verstehen vpn Aster, Sigrid von
Kinderzeichnungen verstehen von Meike Aissen-Crewett
Kirche verstehen von Uta Pohl-Patalong
Körpersprache verstehen von Reutler, Bernd H
Kritisches Verstehen von Holthusen, Hans Egon
Laborwerte verstehen von Maria Lohmann
Leben Verstehen von Markus Klepper
Leukämie verstehen von Mughal; Goldman; Hehlmann; Berger
Malerei verstehen von Norbert Wolf
Mathematik verstehen von Robert Müller
Menschenrechte verstehen von Wolfgang Benedek
Musik verstehen von Hans Heinrich Eggebrecht
Muslime verstehen von Roland Denner
Persönlichkeitsstörungen verstehen von Rainer Sachse
Polyphones Verstehen von Gerd Theißen
Russland verstehen von Michel, Karl M; Spengler, Tilman; Margolina, Sonja
Statistik verstehen von Peter Zöfel
Sterbende verstehen von Heinrich Pera
Vergangenheit verstehen von Erna Paris
Verstehen lernen von Peter Müller
Verstehen und Gestalten Ausgabe B Band 7 - Arbeitsbuch für Gymnasien
"Wirtschaft und Politik verstehen. Didaktisches Sachbuch zur Vorgeschichte und Geschichte der Bundesrepublik. Hrsg. von Bernewitz, Ernst Heinrich von.
Gebrauchsbeispiele aus der Ratgeber-Literatur (Auswahl)
Hamster - richtig pflegen und verstehen - Experten-Rat für die artgerechte Haltung.
Katzen richtig pflegen und verstehen. – Ratgeber von Katrin Behrend.
Zwergkaninchen richtig pflegen und verstehen von Monika Wegler
Pferde verstehen, Kosmos,
Hunde verstehen von Horst Hegewald-Kawich und Monika Wegler
Hundesprache verstehen von Brigitte Harries
Gebrauchsbeispiele aus der Geistesgeschichte (Auswahl)
G01 nietzsche verstehen (Verstzusam), (VerstssB - hier Nietzsche) von christian niemeyer
G02 "... Unter dem Sein eines Menschen verstehen (Verstdef) wir alle selbstverständlich sein unmittelbares Wesen, im Körper seiner Gedanken, Gefühle und Wollungen ausgedrückt; diese weisen, wo Sein bestimmt, unmittelbar auf den Kern der Persönlichkeit zurück, in dem sie organisch verankert sind. ... (Graf Hermann Keyserling: Schöpferische Erkenntnis - Kapitel 8, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
G03 "... Alles Auffassen, Aufnehmen ist schon ein Beleben; allein Verstehen (Verstheorie) ist Gleiches in höherem Grad. Nicht nur deshalb, weil nur Verstandenes (Verstheorie) als assimiliert gelten darf, sondern weil das Verstehen über das Verstandene Macht gibt und die Außenwelt überall den Stempel des Geistes trägt und die von ihm gewollte Gestalt annimmt, wo dieser sie begriff. Hier gilt nun ein weiterer Satz: je tiefer Geist verstehend vordrang, desto mehr hat das Gegenständliche am Leben teil. Die Tiefe der Sinneserfassung scheint dabei der Weite des also durchdrungenen Gebiets geradezu proportional zu sein, so schwer sich dies nachweisen läßt: wie die mathematische Formel, je allgemeiner sie ist, desto mehr Sonderfälle zu beherrschen gestattet, so bedingt jede tiefere Stufe der Einsicht Überlegenheit über entsprechend mehr Kräfte und Situationen. Von hier aus gelingt nun besser zu verstehen (Verstheorie), was wir schon bei anderer Gelegenheit feststellten, daß Verankerung des eigenen Lebens in tieferem Sinn allein den bewußten Lebensprozeß im Gang erhält." (Graf Hermann Keyserling: Schöpferische Erkenntnis - Kapitel 8, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
G04 "... Hier nun beweist vieltausendjährige Erfahrung wiederum, daß Einsicht oder Verstehen(Versteins), wo sie stark genug vitalisiert sind und lange genug das Bewußtsein beschäftigen, unweigerlich eine ihnen entsprechende Wirklichkeit schaffen. ..." (Graf Hermann Keyserling: Schöpferische Erkenntnis - Kapitel 8, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
G05 "... Wir sahen weiter, daß persönliches Verstehen (Verstheorie), (VerstssB - hier persönliches V.) allein das sonst Äußerliche ins Innere hineinbezieht, das alles Leben ein Beleben ist und folglich ein schöpferisches Tun. ..." (Graf Hermann Keyserling: Schöpferische Erkenntnis - Kapitel 8, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
G06 "... Der Schnittpunkt des Winkels, der das Problem dieser Zeit einschließt, muß eine konkretere Fassung finden, als der abstrakte Erkenntnisausdruck ihn bietet, um vom verstehenden (Verstheorie), (VerstssB - hier verst.Bewusstsein.) Bewußtsein der Mehrzahl aufgenommen zu werden. ..." (Graf Hermann Keyserling: Schöpferische Erkenntnis - Kapitel 8, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
G07 "... Es kommt auf Sinn verstehen (Verstzusam) , nicht Fachkenntnisse an; die nötigen Fachleute sind überall zu mieten, wo es ihrer bedarf. ..." (Graf Hermann Keyserling: Schöpferische Erkenntnis - Kapitel 8, Gutenbergprojekt, Abruf 23.08.18)
G08: "Verstehen (Verstinteraktiv) ist keine statische Anfgelegenheit, sondern ereignet sich - [>38] metaphorisch gesprochen - im Hin- und Hergehen zwischen einem Objekt und einem verstehenden Subjekt. Dieses Hin- und Hergehen ist verschiedentlich als ein »Zwischen«, ein »Zwischenraum« bezeichnet worden. Für Gadamer ist der Ort zwischen Fremdheit und Vertrautheit der wahre Ort der Hermeneutik. Verstehen (Verstprozes) als Prozess kann in der Tat nicht nur bei den Verstehenden selbst angesiedelt werden; wer anderes verstehen () will, muss »aus sich herausgehen«. Auf der anderen Seite lässt sich der Verstehensprozess (Verstprozes) nicht nur bei dem Objekt des Verstehens (VerstonS?) festmachen; denn ich bin es ja, der verstehen will und Fremdes bei sich einlässt. Deshalb ist Verstehen (Verstinteraktiv) immer ein sowohl reproduktives als auch ein produktives Geschehen. Der Prozesscharakter des Verstehens (Verstprozes) verweist auf den Ort »dazwischen«, in dem Sinn entdeckt und Bedeutung zugeschrieben werden können. Dieser »Raum des Verstehens (Verstheorie) « ist durchaus begrenzbar (es lässt sich nicht alles auf jede Weise verstehen (Verstheorie) ); aber abgeschlossen werden kann er nicht. Auch wenn manche, nicht zuletzt religiöse Interpretationen mit definitivem Anspruch auftreten, wäre eine »endgültige Interpretation« doch ein Widerspruch in sich selbst. Interpretation ist immer auf dem Weg, sie ist unabschließbar und prinzipiell offen.
Offen ist sie auch in der Hinsicht, dass sie sich nicht nur rein kognitiv begrenzen lässt. »Ein freischwebendes, rein kognitives Verstehen (Verstheorie) hätte nichts mehr mit dem Verstehenden zu tun, es wäre willkürlich und ohne Anker und damit kein »Verstehen« () Verstehen (Verstheorie), (Verstdef) hat eine pragmatische Komponente, ist rational und emotiv, kognitiv und handlungsorientiert zugleich. Aus diesem Grund ist das Verstehen (Verstnicht) ein so schwierig-lohnendes Geschäft." Quelle S. 37f: Müller, Peter; Dierk, Heidrun & Müller-Friese, Anita (2005) Verstehen lernen. Ein Arbeitsbuch zur Hermeneutik. Stuttgart: calwer.
G09-Dilthey-S.35: "Hiermit ist eine zweite Eigenthümliclikeit der Auffassung seelischer Zustände gegeben. Diese Auffassung entsteht aus dem Erlebniss und bleibt mit ihm verbunden. In dem Erlebniss wirken die Vorgänge des ganzen Gemüthes (Verstganzh) zusammen. In ihm ist Zusammenhang (Verstzusam) gegeben, während die Sinne nur ein Mannigfaltiges von Einzelheiten darbieten. Der einzelne Vorgang ist von der ganzen Totalität (Verstganzh) des Seelenlebens im Erlebniss getragen, und der Zusammenhang, in welchem er in sich und mit dem Ganzen des Seelenlebens steht, gehört der unmittelbaren Erfahrung an. Dies bestimmt schon die Natur des Verstehens (Verstheorie) unserer Selbst und Anderer. Wir erklären durch rein intellectuelle Processe, aber wir verstehen (Verstganzh) durch das Zusammenwirken aller Gemüthskräfte in der Auffassung. Und wir gehen im Verstehen (Verstzirkel) vom Zusammenhang des Ganzen, der uns lebendig gegeben ist, aus, um aus diesem das Einzelne uns fassbar zu machen. Eben dass wir im Bewusstsein von dem Zusammenhang des Ganzen leben, macht uns möglich, einen einzelnen Satz, eine einzelne Geberde oder eine einzelne Handlung zu verstehen. Alles psychologische Denken behält diesen Grundzug, dass das Auffassen des Ganzen die Interpretation des Einzelnen ermöglicht und bestimmt. An dem ursprünglichen Verfahren des Verstehens (Verstheorie) muss auch die Nachconstruction der allgemeinen Menschennatur in der Psychologie festhalten, wenn sie gesund, lebensvoll, lebenskundig, fruchtbar für das Verständniss (Verstheorie) des Lebens bleiben soll. Der erfahrene Zusammenhang des Seelenlebens muss die feste, erlebte und unmittelbar sichere Grundlage der Psychologie bleiben, wie tief sie auch in die experimentelle Einzelforschung eindränge. [1343]" Quelle S. 35: Dilthey, Wilhelm (1894) Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie. Sitzungsberichte der königlich preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 7. Juni 1894, Ausgabe XXVI,
G10-BollnowS34.:"Ober das kritische Verstehen (Verstkritisch) Man sagt vom Verhalten eines anderen Menschen „Das kann ich verstehen" V oder „Das kann ich gut verstehen" (Verstbillig) (nämlich, daß er in einer bestimmten Lage so und nicht anders gehandelt hat) oder im entgegengesetzten Fall „Das kann ich nicht verstehen". Man meint damit im ersten Fall: wenn ich mich in die Lage des betreffenden Menschen hineinversetze, so kann ich mir denken, daß ich genau ebenso gehandelt haben würde. Oder auf der andern Seite bedeutet „Das kann ich nicht verstehen (Verstbillig)": das kann ich nicht billigen; auch bei Berücksichtigung aller beteiligten Umstände hätte ich nicht ebenso handeln können und muß auch beim andern Menschen ein solches Verhalten ablehnen. Die Sprache spricht hier im natürlichen Gebrauch von „verstehen" () unbefangen in einem bestimmten engeren Sinn, obgleich man das Verhalten, von dem man hier sagt, daß man es „nicht versteht" (Verstbillig), in einem andern, psychologischen Sinn durchaus versteht (Verstmoti), d. h. in seiner Motivation und in seinem inneren Zusammenhang begreift. Das Verstehen (Verstbillig) in dem hier gemeinten unbefangenen Sprachgebrauch schließt also das Billigen schon immer ein. Es bedeutet nicht nur eine theoretische Erfassung des betreffenden menschlichen Verhaltens, sondern immer schon zugleich eine ganz bestimmte Stellungnahme dazu"
Quelle: Bollnow, Otto-Friedrich (1949) Das Verstehen. Drei Aufsätze zur Theorie der Geisteswissenschaften, Mainz: Kirchheim.
G11-Gadamer2-S.57: "5. Vom Zirkel der Verstehens (Verstzirkel) 1959 Die hermeneutische Regel, daß man das Ganze aus dem Einzelnen und das Einzelne aus dem Ganzen verstehen (Verstzirkel) müsse, stammt aus der antiken Rhetorik und ist durch die neuzeitliche Hermeneutik von der Redekunst auf die Kunst des Verstehens (Verstkunst) übertragen worden. Es ist ein zirkelhaftes Verhältnis, das hier wie dort vorliegt. Die Antizipation von Sinn, in der das Ganze gemeint ist, kommt dadurch zu explizitem Verständnis, daß die Teile, die sich vom Ganzen her bestimmen, ihrerseits auch dieses Ganze bestimmen.
Wir kennen das aus der Erlernung von fremden Sprachen. Wir lernen da, daß wir einen Satz erst konstruieren« müssen, bevor wir die einzelnen Teile des Satzes in ihrer sprachlichen Bedeutung zu verstehen suchen. Dieser Vorgang des Konstruicrens ist aber selber schon dirigiert von einer Sinnerwartung, die aus dem Zusammenhang des Vorangegangenen stammt. Freilich muß sich diese Erwartung berichtigen lassen, wenn der Text es fordert. Das bedeutet dann, daß die Erwartung umgestimmt wird und daß sich der Text unter einer anderen Sinnerwartung zur Einheit einer Meinung zusammenschließt. So läuft die Bewegung des Verstehens (Verstzirkel) stets vom Ganzen zum Teil und zurück zum Ganzen. Die Aufgabe ist, in konzentrischen Kreisen die Einheit des verstandenen (Verstzirkel) Sinnes zu erweitern. Einstimmung aller Einzelheiten zum Ganzen ist das jeweilige Kriterium für die Richtigkeit des Verstehens. Das Ausbleiben solcher Einstimmung bedeutet Scheitern des Verstehens (Verstnicht)."
Quelle Gadamer (1993) Hermeneutik II., S. 57
G12-BollnowS93ff: "Der hier auftretende Begriff des Verstehens (Verstheorie) ist durch das Verdienst von Dilthey und Heidegger in den Mittelpunkt einer neuen, lebensphilosophischen Grundlegung der Erkenntnis gerückt wor-[>94] den. Zunächst ging es Dilthey bei der Bemühung um eine methotdisch selbständige Begründung der Geisteswissenschaften auf, daß die hier vorliegende, vom Philologen und Historiker geübte Verfahrensweise des Verstehens (Verstheorie) (im einfachsten Falle: eines vorliegenden Textes) eine Erkenntnisweise eigner Art darstellt, die sich nicht auf andre, bisher stärker beachtete Erkenntnisformen (vor allem der Naturwissenschaften) zurückführen läßt. Im Verlauf seiner philosophischen Entwicklung wurde er dann aber immer stärker dahin gedrängt, zu erkennen, daß es sich hier nicht um eine besondre Angelegenheit der Geisteswissenschaften handelt — geisteswissenschaftliches „Verstehen" (Verstheorie) als nebengeordnet dem naturwissenschaftlichen „Erklären" etwa —, sondern um ein ursprüngliches, allen späteren Differenzierungen vorausliegendes Phänomen des menschlichen Lebens. Der Begriff des Verstehens (Verstganzh), (Verstheorie) ist dann nicht mehr auf den Bereich der „geistigen Welt" eingeschränkt, sondern wird auf die Welt und das menschliche Leben als Ganzes ausgedehnt: sofern der Mensch überhaupt lebt, versteht er, d. h. alles, was ihm überhaupt in der Welt begegnet, wird von ihm von vornherein schon im Horizont eines bestimmten Vorverständnisses (Verslebvor) als dieses oder jenes, d. h. immer schon in einer bestimmten Auslegung verstanden.")
Heidegger hat dann diese von Dilthey angelegte, aber im schrittweisen Fortschreiten seiner Arbeit nicht immer scharf durchgehaltene Wendung ausdrücklich herausgestellt. Ein solches Verstehen (Verslebvor) wird nicht erst im Verlauf des Lebens langsam erworben, sondern es bildet einen unablösbaren Wesenszug des menschlichen Daseins: Grade so ursprünglich, wie der Mensch in einer Welt lebt, versteht er auch schon immer diese Welt und was in ihr begegnet. Und alles übrige Erkennen gründet letztlich in diesem ursprünglichen Verstehen (Verslebvor) und baut in hinzukommender Leistung auf ihm auf. Dieses Lebensverständnis ist also nicht etwa eine besondre Form der Erkenntnis neben möglichen andern (etwa neben den Formen einer naturwissenschaftlichen Erkenntnis), son-[>95] dern es bildet die gemeinsame tragende Grundlage aller menschlichen Erkenntnisformen, hinter die nicht zurückgegangen werden kann, und von der her alle andern erst verstanden (Verslebvor) und begründet werden müssen.
Die beiden Leistungen des Erklärens und des Verstehens (Verstdif), (VerstgsozM), (Verstheorie) stehen sich also nicht koordiniert gegenüber, so daß man, wie es im ersten Ansatz hatte scheinen können, Natur- und Geisteswissenschaften als erklärende und verstehende (Verstdif), (VerstgsozM), (Verstheorie) Wissenschaften unterscheiden könnte, sondern in beiden Wissenschaftsgruppen gibt es, wenn auch mit verschiedenem Gewicht verteilt, verstehende (Verstdif), (VerstgsozM), (Verstheorie) und erklärende Leistungen. Immer aber ist das Verstehen (Verstdif), (VerstgsozM), (Verstheorie) die ursprünglichere und elementarere Leistung und erst in sie eingegliedert und auf ihr aufgebaut bildet sich dann das Erklären aus, doch können diese Verhältnisse im gegenwärtigen Rahmen nicht weiter verfolgt werden.
In diesem Lebensverständnis liegt aber jetzt auch die Möglichkeit enthalten, die in unsrer Frage weiterführt. Dilthey wie Heidegger wiesen darauf hin, daß dieses Verstehen (Verslebvor) des Lebens und der Welt stets eine Gemeinsamkeit der Verstehenden (Verstgemein) voraussetzt: Sofern der Mensch überhaupt in eine Welt hineingeboren ist und in dieser Welt verstehend (Verslebvor) sich zurechtfindet, findet er diese Welt als eine gemeinsame mit andern Menschen vor. Und darin ist zugleich enthalten, daß auch das Verstehen (Verstgemein) dieser Welt ein gemeinsames ist, das der Einzelne mit seiner Umgebung teilt. „Alles Verstandene" (Verstgemein), sagt Dilthey, „trägt gleichsam die Marke des Bekanntseins aus solcher Gemeinsamkeit an sich. Wir leben in dieser Atmosphäre, sie umgibt uns beständig", wir sind „eingetaucht" in dieses „Medium".") Alles Verstehen (Verslebvor) dessen, was dem Menschen in der Welt begegnet, ist also ein gemeinsames Verstehen (Verstgemein) und bedeutet daher zugleich ein Sichverstehen () der Menschen in ihrem Verhalten zu dieser gemeinsamen Welt. Oder anders gewendet: Der Träger dieses Verstehens (Verstgemein) ist ursprünglich nicht der einzelne Mensch, sondern es sind [>96] von vornherein Formen der Gemeinschaft, die durch dieses gemeinsame Verstehen (Verstgemein) aneinander gebunden sind.
Und wiederum hat Heidegger hier eingesetzt und das von Dilthey Gesehene in seiner grundsätzlichen Bedeutung scharf herausgestellt. „Die Welt des (menschlichen) Daseins ist Mitwelt" 15), so faßt er das Ergebnis prägnant zusammen, d. h. die Welt, die ich im täglichen Lebensverständnis verstehe (Verstgemein), ist nie meine besondre, sondern von vornherein und ursprünglich eine solche, die mich mit andern verbindet, und in der ich selbst nur einer dieser „andern" bin. Und in dem Verstehen (Verstgemein) ist von vornherein und ungeteilt ein doppeltes enthalten: ein Verstehen (VerstWelt) der Dinge, mit denen ich umgehe, und ein Verstehen (Verstmensch) der Menschen, mit denen ich mich in der gemeinsamen Arbeit in der Welt begegne. „Das In-Sein [des Menschen in der Welt] ist Mit-Sein mit anderen" 15). Das Verstehen (Verstgemein) also, so kann man zusammenfassen, ist dem Menschen von vornherein als ein gemeinsam verbindendes Medium gegeben.
Um ein weitverbreitetes Mißverständnis zurückzuweisen, sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Begriff des Verstehens (Verstkönn), so wie er hier zugrunde gelegt wird, in dem ursprünglichen Sinn des Damit-umgehen-könnens, des Sich-auf-etwas-verstehens (Verstkönn) genommen ist, so wie man auch davon spricht, daß jemand ein Handwerk versteht (Verstkönn). Zwar gründet in diesem unmittelbar sachbezogenen Verstehen (Verstkönn) zugleich ein Sich-verstehen (Verstmensch) der Menschen untereinander, aber auch dieses erfolgt nur in dem gemeinsamen Hinblick auf die Sache, die man zusammen betreibt, und erhält von dieser Sache her seine Verbindlichkeit. Ein sogenanntes „psychologisches Verstehen" (Verstpsych), (Verstdif) überhaupt der Hinblick auf das „Innenleben" des andern Menschen kann sich von diesem Boden her erst in einer besondern charakteristischen Wendung erheben, darf aber in keiner Weise mit ihm gleichgesetzt werden. Daraus folgt, daß der hier vollzogene Rückgang auf das Verstehen (Verstdif) mit einem Psychologismus im Sinne auflösen-[97] der Unverbindlichkeit und konturloser Weichheit auch nicht das mindeste zu tun hat."
G13-Heidegger-PhilBegrBild-3 ""EINLEITUNG
§ 1. Die Funktion einer »Theorie der philosophischen Begriffsbildung« in der Phänomenologie
Das Thema macht den Eindruck eines Spezialproblems und erscheint als bewußtes Zugeständnis an die heute modemäßig vielbekämpfte Spezialistik. Die nächstgegebene Auffassung läge noch in der Meinung, es handle sich um spezifisch ästhetische Probleme, gar mit besonderer Beziehung auf expressionistische Kunst. Das Herumrätseln wäre auch nur scheinbar beruhigt, wenn ich versuchen wollte, gleich zu Anfang der Reihe nach die Bedeutung der Worte »Phänomenologie«, »Anschauung« und »Ausdruck« zu »erklären«. Das würde zu gewissen Sätzen und Bestimmungen führen, die nur täuschungsweise ein echtes Verstehen (Verstecht), (Verstdif-), gewährleisteten. Allenfalls könnte das Haftenbleiben an Worten noch begünstigt werden. Daß es auf diese Weise in der Philosophie überhaupt nicht geht, soll ja gerade in diesen Betrachtungen mitgezeigt werden. Es gibt aber doch Wege, unter Absehen von festen Definitionen auf den Fragepunkt hinzuleiten. Das in einer konkreten, die Prinzipienfragen der Philosophie mitbeachtenden Weise durchzuführen, ist das vorläufige und alleinige Ziel der folgenden Überlegungen."
Quelle: Heidegger, Martin (2007) § 1. Die Funktion einer »Theorie der philosophischen Begriffsbildung« in der Phänomenologie in (S.3) GESAMTAUSGABE II. ABTEILUNG: VORLESUNGEN 1919-1944 BAND 59 PHÄNOMENOLOGIE DER ANSCHAUUNG
UND DES AUSDRUCKS. Frankfurt aM: Klostermann.
Kommentar. Heidegger führt hier die Differenzierung (Verstdif) echtes Verstehen (Verstecht) ein, was zweifellos sinvoll erscheint. Er erklärt allerdings nicht, was echtes Verstehen vom unechten Verstehen unterscheidet.
G14-Heidegger-lebendig-PhilBegrBild-
G15-Heidegger-urpr-PhilBegrBild-
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Aehnlich, Ähnlichkeit.
Sachverhalte können mehr oder minder ähnlich sein. Haben sie nichts gemein, kann man sagen, die Ähnlichkeit betrage 0. Sind sie gleich, kann man die Ähnlichkeit mit 100% bewerten.
Mehrdeutige Sachverhalte bedürfen der Deutung oder Interpretation. Damit geht eine Auswahl einher. Deutet jemand beim Bäcker auf ein Objekt von mehreren, die muss die Verkäuferin deuten, welche gemeint ist. Erblickt jemand in einer Wolkenformation einen Pferdekopf, so hat er eine Deutung vorgenommen. Sagt jemand, es gehe ihm nicht gut, so ist das einerseits für die meisten Menschen unmittelbar verständlich, aber der Adressat der Mitteilung kann im einzelnen mehrerlei Gründe deuten. Nachdem die meisten Worte und selbst Begriffe vielfältige Homonyme sind, muss auch in der Alltagskommunikation immer gedeutet werden, was gerade gemeint wird. Je unklarer Sachverhalte sind, desto mehr Deutungsmöglichkeiten gibt es in der Regel.
Hempel-Openheim-Schema
Hermeneutik Lehre oder Kunst der Ausleguzng.
Interpretation > Deuten.
so erleben wir eine unmittelbare Evidenz
Wer ist "wir"? Wie begründet und belegt? Bei mir ist das nicht, wenn ich mir Nietzsches These vergegenwärtige.
Evidenz bei Jaspers
bleibt trotz vielfacher Verwendung ungeklärt, was kein guter wissenschaftlicher Stil ist und nicht zu dem vielgerühmten Jahrhundertwerk passr. Was Evidenz bedeutet ist im Verständnis Jaspers offenbar evident ;-)
Jürgen Mittelstraß (2005) leitet seinen Stichwortartikel wie folgt ein: "Evidenz (engl. evidence, franz. evidence), in erkenntnistheoretischen Zusammenhängen Bezeichnung für eine Einsicht ohne methodische Vermittlungen. In seiner lateinischen Form (evidentia) gibt der Ausdruck beiM. T. Cicero (synonym mit perspicuitas) den in der iStoa und im iEpikureismus terminologisch verwendeten Ausdruck ivapyc:ux (Klarheit, Deutlichkeit) wieder. Seine Bedeutung etwa im Sinne voraussetzungsloser Einsicht oder >anschauender >Gewißheit< (I. Kant, KrV B 762) ist in der philosophischen Tradition abhängig von vorausliegenden erkenntnistheoretischen Positionen und entsprechend uneinheitlich. Schwankender terminologischer Gebrauch drückt sich (1) in der Beurteilung der E. entweder als der subjektiven Form der Wahrheitsanerkennung (E. als >Sehen< eines Sachverhaltes) oder als der objektiven Form der Wahrheitsfindung (E. als >Sich-zeigen< eines Sachverhaltes), (2) in Zuordnungen wie >metaphysische<, >logische<, >psychologische<, >physische< und (erneut) >subjektive< bzw. >objektive< E. aus. Gegensatz (ebenso wie beim Begriff der ilntuition) ist in allen Fällen der Begriff der diskursiven bzw. begrifflichen, d. h. der methodisch (durch Beweis, Erklärung etc.) fortschreitenden, Einsicht (idiskursiv/Diskursivität). ... ..."
IP-GIPT-Charakterisierung: Evidenz bedeutet offensichtlich, klar, keiner weiteren Begründung oder Erklärung bedürftig oder auch fähig wie z.B. der Satz vom Widerspruch: ein Sachverhalt kann nicht zugleich bestehen und nicht bestehen. Das setzt
Krankeit der Geistes- und Sozialwissenschaften
Das ist das unbekümmerte Drauflosmeinen mit Abstrakten- und Allgemeinbegriffen, oft hypostase-homunculusartig, als ob die Begriffe handelnde Subjekte seien, ohne - operationale oder lebenspraxtische - Beispiele, ohne klare und strenge Protokolle der Bewusstseinstätigkeit, ohne sorgfältig dokumentierte Beobachtungen, ohne gründliche Belege und Beweise. Während die Mathematik den Beweis hat und die Naturwissenschaft das Experiment, hahen Philosophie und Geistwissenschaft nichts dergleichen, obglewich sie es viel nötiger hätten. Viele Lehrstühle sind seit Jahrhunderten falsch besetzt und nichts spricht dafür, dass es besser wird. Kein Wunder, dass es angesichts des extremen und unklaren Schwadronierens einer Hermeneutik bedarf, die ihrerseits wieder auszulegen ist usw. usf. Besser wäre, man würde klarer, prüf-, lehr- und lernbarer schreiben nach dem Vorbild der Mathematik und Naturwissenschaft.
Nus des Anaxagoras
Nach der Internetseite textlog: "... Was bedeutet dieser Nus? Schwerlich hat Anaxagoras unter demselben schon ein rein geistiges, persönliches Wesen, eine »von allem Stoffe schlechthin gesonderte, weltenbildende, nach Zwecken handelnde Intelligenz« (Schwegler S. 45) verstanden. ... ."
Primzahl und Papagei
Vergleichen lässt sich alles. Es sind zwei Arten (Klassen).
Wittgensteins Misstrauen, S. 653f: "Im Frühjahr 1936 veröffentlichte Waismann den Artikel »Über den Begriff der Identität« in Erkenntnis 6 (1936/37) S. 56-64, und von April bis Juni hielt er acht wöchentlich stattfindende Vorlesungen, die als »Einführung in das philosophische Denken« angekündigt waren. Diese Vorlesungen beruhten auf einer vorläufigen Fassung des Ersten Teils von Logik, Sprache, Philosophie (LSP). Dieser Artikel gab Wittgenstein jedoch Anlaß, sich darüber zu beklagen, daß Waismann sich seiner Ideen ohne hinreichenden Hinweis auf ihre Herkunft bedient habe. Waismann antwortete mit einem versöhnlichen Brief vom 27. Mai 1936, in dem er bemerkt, es sei weithin bekannt und auf jeden Fall deutlich, »daß die Grundidee dieser Untersuchungen von Ihnen und die Durchführung von mir stammt«. Eine ausdrückliche Bestätigung von Wittgensteins Verantwortung für die Gedanken dieses [>654] Artikels erschien im nächsten Heft der Erkenntnis (in: Erkenntnis 6, 1936/37). Trotzdem brach Wittgenstein die Verbindung zu Waismann ab, so daß dieser keinen privilegierten Zugang zu Wittgensteins (unveröffentlichten) Schriften mehr hatte noch weitere Diskussionen mit ihm führen konnte."
Standort: Verstehen.
Sponsel, Rudolf (DAS). Verstehen. Mit einer Begriffsanalyse und Gebrauchsbeispielen und der Gretchenfrage: Wie kann man prüfen, ob man sich versteht? IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/kom/versteh.htm
Ende_Verstehen_Daternschutz_Service_ Überblick_ Relativ Aktuelles_ Rel. Beständiges _ Titelblatt_ Konzept_ Archiv_ Region_
korrigiert: irs 20.08.2018 und 21.08.2018
03.02.19 Möglichkeiten des Grundproblems zum Verstehens.
17.09.18 Nach Heidegger Verstecht.
31.08.18 Erg. zu Index Name.
30.08.18 Stegmüller.
27.08.18 Neue Bedeutungen (gemein, lebvor, mensch, psych, zirkel) G12 Bollnw zum Verstehensbegriff, Gadamer Hermeneutik I. und II., G11 Gadamer. G10 Bollnow, G09 (Dilthey), Eisler, G08, Entwicklungspsychologie EP2, Ergänzungen Verstehensbedeutungen.
26.08.18 Entwicklungspsychologie * Prüfmethoden.
24.08.18 Inhaltsverzeichnis, Gebrauchsbeispiele.
23.08.18 Ergänzungen: Gruhle, Jaspers, Wright.
21.08.18 Ergänzungen: Aristoteles, Watts, Wittgenstein.
20.08.18 Zum Geleit.
11.05.18 Wittgensteins Misstrauen.
10.05.18 Waismann.
19.11.16 Überarbeitet.
14.10.13 Änderung nicht dokumentiert.
15.09.13 Änderung nicht dokumentiert.
00.00.13 Irrtümlich, weil noch nicht abgeschlossen, 2013 ins Netz gelangt.

References: § 276
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