Source: https://finanzsache.com/bedingungsloses-grundeinkommen/
Timestamp: 2020-06-06 16:49:09+00:00

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Das bedingungslose Grundeinkommen (kurz: BGE) bezeichnet ein Einkommen, welches an keine Bedingungen (zum Beispiel Arbeit oder sonstige Leistungen) geknüpft ist. Durch die raschen Fortschritte im Bereich der Robotik sowie künstlicher Intelligenz wird es in Zukunft viele Berufe nicht mehr geben. Man bezeichnet diese Automatisierung auch als die “vierte industrielle Revolution” (Industrie 4.0). Anders als es bei vergangenen Revolutionen der Fall war, wird davon ausgegangen, dass diesmal mehr Arbeitsbereiche wegfallen als neue geschaffen werden. Das BGE soll eine potenzielle Antwort auf die drohende Massenarbeitslosigkeit sein.
Das bedingungslose Grundeinkommen wird in Deutschland, gemäß Prognosen und sollte es überhaupt eingeführt werden, € 1.000,- bis € 1.500,- pro Person betragen.
Ein exaktes Einführungsdatum kann seriös nicht genannt werden. Prognosen gehen von den Jahren zwischen 2025 und 2040 aus. Noch beruht jedoch alles auf Spekulation.
Eine mögliche Form der Finanzierung könnte eine Steuer in Höhe von 0,2 % bis 0,4 % auf jede Finanztransaktion sein. Alternativ wird oft eine Maschinensteuer genannt.
Das BGE ist politisch zwar oft im linken Spektrum zu finden, jedoch gehen Experten von einer schlichten Notwendigkeit im Zuge der Automatisierung und Digitalisierung aus.
Auswirkungen auf die Gesellschaft laut Befürwortern des BGE
Das bedingungslose Grundeinkommen (Englisch: Universal Basic Income, UBI) gilt unter vielen Philosophen und Zukunftsforschern als Alternativlos. Die Prognose lautet, dass die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt immens sein werden.
Vorwiegend betroffen sind, kurz gesagt, alle Berufe, die in naher Zukunft von einer Maschine gleich oder besser erledigt werden können.
Allerdings wird kein kompletter Wegfall von Arbeit prognostiziert. Es wird immer Menschen geben müssen, die eine Strategie vorgeben, die Wartung der Maschinen vornehmen oder diese Programmieren müssen.
Für einen bedeutenden Teil der Menschen in Deutschland und anderen Ländern wird es jedoch, zumindest manchen Voraussagen nach, tatsächlich keine Arbeit mehr geben. Wohlgemerkt geht es nicht in jedem Berufszweig gleich schnell. So kann beispielsweise das vollständige autonome Auto (Level 5-Autonomie) etwas länger auf sich warten lassen als es bei digitaler Rechtsauskunft der Fall sein kann.
Oft wird die Frage gestellt, ob es denn gerecht sei, dass das bedingungslose Grundeinkommen jeder erhalten soll. Schließlich würden dabei sowohl Menschen aus der Unter-, Mittel- und Oberschicht monatlich den gleichen Betrag an Geld bekommen. Millionäre und Milliardäre wären davon nicht ausgeschlossen.
Die einzige Bedingung für das BGE würde die deutsche Staatsbürgerschaft sein. Letztendlich bleibt jedoch abzuwarten, wie die Politik dies letztendlich ausgestaltet.
In welcher Höhe das bedingungslose Grundeinkommen ausgezahlt werden wird, wird noch Gegenstand vieler Diskussionen sein. Man kann sich hier aktuell also nur nach Schätzungen richten.
Einerseits dürfte dieses, vor allem zu Anfang, nicht zu hoch sein, um keine großflächigen und plötzlichen Arbeitsausstiege zu verursachen. Andererseits muss die Grundversorgung eines durchschnittlichen Haushalts durch das BGE gedeckt sein.
Ob und wie das BGE auch an Kinder verteilt wird, ist überhaupt noch ein gänzlich offenes Thema.
Der Sozialstaat als solcher würde bestehen bleiben. Einzig die aktuell ausgezahlten Sozialleistungen wie Hartz IV, Kindergeld, Familiengeld und andere Zuschüsse würden in großen Teilen durch das BGE ersetzt werden.
Ein exakter Zeitraum lässt sich jedoch kaum definieren, da dessen Einführung einerseits vom jeweiligen Land und der Politik abhängt und wie sehr sie sich des Problems bewusst ist.
Ganz grundlegend hängt der Einführungszeitraum jedoch davon ab, wie schnell die Technik, vielmehr aber noch, wie schnell Unternehmen beginnen, ihre Arbeiter durch Maschinen und Computer zu ersetzen. Dies wird zwar jetzt bereits gemacht, von einem Szenario, in dem das BGE notwendig ist, sind wir allerdings noch einige Zeit entfernt.
Finanztransaktionssteuer: Die Idee der Finanztransaktionssteuer ist es, die aktuell als die wahrscheinlichste Lösung der Finanzierung erscheint. Dabei soll jede Finanztransaktion, wie beispielsweise eine Überweisung, der Handel von Aktien und anderen Wertpapieren sowie das Trading von Derivaten mit einem Satz zwischen 0,2 % bis 0,4 % besteuert werden.
Das bedingungslose Grundeinkommen hätte mit großer Wahrscheinlichkeit weitreichende und grundlegende Veränderungen der Gesellschaft zur Folge. Viele der Auswirkungen werden sich erst mit Einführung zeigen, deshalb kann an dieser Stelle kein umfassendes Bild gezeichnet werden.
Es gibt allerdings ein paar grundsätzliche Dinge, die bereits jetzt von Befürwortern, Studien, Beobachtungen und Prognosen vorhergesagt werden können.
Menschen, die heute Hartz IV erhalten, unterliegen in vielen Fällen einer Stigmatisierung. Kaum ein Empfänger von Sozialleistungen kann offen mit dem Thema umgehen, ohne dass Vorurteile oder sogar Diskreditierung in der Gesellschaft auftreten. Bekommt jedoch jeder Mensch, egal ob arm oder reich, ein bedingungsloses Einkommen, werden die Unterschiede in Bezug auf Stigmatisierungen zwischen den sozialen Schichten reduziert.
Wenn Menschen nicht mehr arbeiten müssen, um die Existenz zu sichern, kommt damit eine gewisse Freiheit und Unabhängigkeit einher. Dinge könnten risikoloser ausprobiert werden und Selbstverwirklichung wird dadurch einfacher.
Einem anderen Teil wird das BGE wiederum zu wenig sein und sich etwas dazuverdienen wollen. Vielleicht nicht mit Vollzeitarbeit, aber in Teilzeit.
Grundsätzlich muss aber gesagt werden, dass Menschen nicht nur arbeiten gehen, um Geld zu verdienen. Die meisten Menschen gehen arbeiten, um beschäftigt und gefordert zu sein. Die vermutlich wenigsten Menschen werden sich vorstellen können, in Zukunft den ganzen Tag lang auf der Couch vor dem Fernseher zu verbringen.
Eine Umfrage von Marketagent bestätigt das: Der Großteil aller 14-29 jährigen würde weiterarbeiten, sollte das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt werden. Wie die Entwicklung am Ende tatsächlich sein wird, bleibt jedoch natürlich abzuwarten.
Die Ergebnisse aus Helsinki werden allerdings als nicht repräsentativ angesehen. Der Modellversuch war bereits im Vorfeld einiger Kritik ausgesetzt. Dazu gehörte unter anderem, dass das Einkommen von € 560,00 pro Monat viel zu niedrig angesetzt, der Beobachtungszeitraum zu gering sowie die Teilnehmeranzahl zu klein war.
In Ländern wie Deutschland und Österreich ist die Zustimmung aktuell zwar mit etwa 55 % höher, grundsätzlich sieht man das Thema in der Bevölkerung aber ebenfalls skeptisch.
Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist nicht neu und tauschte bereits in der Renaissance auf. Erste Beschreibungen eines BGE fand man im Roman “Utopia” von Thomas Morus aus dem Jahr 1516. Auch Martin Luther King und der Ökonom Milton Friedman sprachen sich dafür aus.
Aufgrund der Dringlichkeit des Themas beginnen viele Prominente Personen aus der Tech-Industrie und der Wirtschaft für das BGE einzutreten.
Ein Überblick der Standpunkte und Zitate einiger Personen.
Mark Zuckerberg, einer der großen Köpfe aus dem Silicon Valley, weist auf die Dringlichkeit des BGE hin. Als jemand, der stark mit dem Thema der künstlichen Intelligenz vertraut ist, ist davon auszugehen, dass Zuckerberg bewusst ist, was für disruptive Technologien in den kommenden Jahren auf uns zukommen werden.
Andrew Yung ist Kandidat für die Präsidentschafts-Vorwahlen 2020 in Amerika. Das vorherrschende Thema seines Wahlkampfes ist das BGE, bzw. “Freedom Divident”, wie er das BGE manchmal nennt:
Da das BGE noch nirgends auf der Welt aktiv ist, lassen sich über die tatsächlichen Vor- und Nachteile in Wahrheit nur spekulieren. Manche Punkte sind dabei gesicherter als andere.
Voraussichtliche Verbesserung der psychischen Gesundheit.
Menschen können sich selbst verwirklichen und neue Dinge weitestgehend risikofrei ausprobieren. Man erwartet positive Effekte durch gesteigerte Innovation und Kreativität.
Eventuelle negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt aber auch auf die Gesellschaft generell sind schwer abschätzbar. Aussagekräftige Untersuchungen sind jedoch kaum möglich, da es starke Auswirkungen hat, ob man jemanden sagt “Du bekommst ein BGE für 1 Jahr” oder “Du bekommst ein BGE dein ganzes Leben lang”.

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