Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20157,%20242
Timestamp: 2020-07-06 23:06:06+00:00

Document:
BGH, 18.12.2003 - IX ZR 199/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,65
BGH, 18.12.2003 - IX ZR 199/02 (https://dejure.org/2003,65)
BGH, Entscheidung vom 18.12.2003 - IX ZR 199/02 (https://dejure.org/2003,65)
BGH, Entscheidung vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02 (https://dejure.org/2003,65)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2003,65) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
InsO § 131 Abs. 1, § 133 Abs. 1; ZPO § 286 C
Inkongruente Deckung bei Leistung zur Abwendung eines angekündigten Insolvenzantrages
Leistung auf Forderung zur Abwendung eines angekündigten Insolvenzantrages - Inkongruente Deckung - Notwendiger zeitlicher Zusammenhang einer Inkongruenz - Beweisanzeichen für einen Gläubigerbenachteiligungsvorsatz - Kenntnis des Gläubigers der finanziell beengten Lage ...
Inkongruenz von Leistungen zur Abwendung eines angedrohten Insolvenzantrags
Inkongruenz als Beweisanzeichen für Gläubigerbenachteiligungsvorsatz
Inkongruenz von Leistungen zur Abwendung eines angedachten Insolvenzantrags
Inkongruenz einer Zahlung, die zur Abwendung eines angekündigten Insolvenzantrags geleistet wird; zur Indizwirkung einer inkongruenten Deckung für die Benachteiligungsabsicht des Schuldners und die Kenntnis des Gläubigers hiervon
InsO § 131 Abs. 1 § 133 Abs. 1; ZPO § 286
Anfechtung von Leistungen zur Abwendung eines angekündigten Insolvenzantrags; Anforderungen an den Nachweis des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes
Inkongruente Deckung wegen Androhung eines Insolvenzantrags
Drohung mit Insolvenzantrag kein taugliches Mittel zur Durchsetzung von Ansprüchen
Anfechtbarkeit von Zahlungen zur Abwendung eines Insolvenzantrags
Inkongruente Deckung wegen Androhung eines Insolvenzantrags? (IBR 2004, 202)
BGHZ 157, 242
ZIP 2004, 319
MDR 2004, 650 (Ls.)
NZBau 2004, 272 (Ls.)
NZI 2004, 201
WM 2004, 299
DB 2004, 810
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bildet eine inkongruente Deckung in der Regel ein Beweisanzeichen für den Benachteiligungsvorsatz des Schuldners und für die Kenntnis des Gläubigers von diesem Vorsatz, wenn die Wirkungen der Rechtshandlung zu einem Zeitpunkt eintreten, als zumindest aus der Sicht des Empfängers der Leistung Anlass bestand, an der Liquidität des Schuldners zu zweifeln (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02, BGHZ 157, 242, 250 f;… vom 18. März 2010 - IX ZR 57/09, WM 2010, 851 Rn. 15 jeweils mwN).
Diese Betrachtungsweise lässt aber außer Acht, dass eine Anfechtung nach § 134 InsO ungeachtet der Vermögenslage des Schuldners zum Zeitpunkt der Leistung durchgreift, während § 133 Abs. 1 InsO an die zusätzliche Voraussetzung einer unsicheren Liquiditätslage des Schuldners geknüpft ist (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO;… vom 18. März 2010, aaO).
Sie drohten weder mit der Stellung eines Insolvenzantrags (vgl. BGH, Urteil vom 25. Oktober 2001 - IX ZR 17/01, BGHZ 149, 100, 111; vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02, BGHZ 157, 242, 245 ff), einer Strafanzeige (vgl. BGH, Urteil vom 9. Juni 2005 - IX ZR 152/03, NZI 2005, 497) oder mit der Zwangsvollstreckung (vgl. BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO 245 f).
Hat der Schuldner einem Gläubiger eine inkongruente Deckung gewährt, auf die der Begünstigte keinen Anspruch hat, so liegt darin regelmäßig ein starkes Beweisanzeichen für einen Benachteiligungsvorsatz (BGHZ 123, 320, 326; 138, 291, 308; 157, 242, 251).
Der antragstellende Gläubiger hat daher regelmäßig kein rechtlich geschütztes Interesse daran, mit dem Ziel der Antragsrücknahme erbrachte Zahlungen des Schuldners als Erfüllung anzunehmen (BGHZ 157, 242, 246 f).
Betreibt ein die kritische Lage des Schuldners erkennender Gläubiger die Zwangsvollstreckung und zahlt der Schuldner zu deren Abwendung, kann dies ebenfalls eine Anfechtbarkeit nach § 133 Abs. 1 InsO begründen (vgl. BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02, BGHZ 157, 242, 256 mwN).
Die dadurch bewirkten Leistungen sind inkongruent, weil sie weder dem Inhalt des Schuldverhältnisses entsprechen noch mit Zwangsmitteln erlangt worden sind, die dem einzelnen Gläubiger zur Durchsetzung seiner Ansprüche vom Gesetz zur Verfügung gestellt werden (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02, BGHZ 157, 242, 247).
aa) Eine inkongruente Deckung bildet ein Beweisanzeichen für die Kenntnis des Benachteiligungsvorsatzes, wenn die Wirkungen der Rechtshandlung zu einem Zeitpunkt eintraten, als zumindest aus der Sicht des Empfängers der Leistung Anlass bestand, an der Liquidität des Schuldners zu zweifeln (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO, S. 251;… vom 5. Juni 2008 - IX ZR 163/07, WM 2008, 1459 Rn. 19).
Die Leistung ist inkongruent, auch außerhalb des Dreimonatszeitraums der Deckungsanfechtung (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02, BGHZ 157, 242, 246 f;… vom 18. Juni 2009 - IX ZR 7/07, ZIP 2009, 1434 Rn. 5;… vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 10).
Entsprechendes gilt, wenn ein Insolvenzantrag nicht gestellt, sondern nur angedroht ist (BGH, Urteil vom 29. April 1999 - IX ZR 163/98, ZIP 1999, 973, 974; vom 18. Dezember 2003, aaO S. 247).
Eine die Inkongruenz begründende Drucksituation ist dann anzunehmen, wenn sich die mit der Mahnung verbundenen Hinweise auf ein mögliches Insolvenzverfahren nicht in Unverbindlichkeiten erschöpfen, sondern gezielt als Mittel der persönlichen Anspruchsdurchsetzung verwendet werden (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO S. 247 f;… vom 18. Juni 2009, aaO Rn. 5).
Wo genau bei der mit einem angekündigten Insolvenzantrag zusammenhängenden Zahlungsaufforderung die Grenze zwischen einer unbedenklichen Mahnung und einer die Inkongruenz begründenden Drohung verläuft, hat der Senat bislang allerdings offengelassen (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO S. 248).
Eine zur Abwendung der Einzelzwangsvollstreckung erbrachte Leistung ist nach der Rechtsprechung des Senats inkongruent, wenn der Schuldner zur Zeit der Leistung aus seiner - objektivierten - Sicht damit rechnen muss, dass ohne sie der Gläubiger nach dem Ablauf der Zahlungsfrist mit der ohne weiteres zulässigen Zwangsvollstreckung beginnt (BGH, Urteil vom 15. Mai 2003 - IX ZR 194/02, ZIP 2003, 1304, 1305; vom 18. Dezember 2003, aaO S. 248).
Der Beklagte verlangte von der Schuldnerin ein Verhalten, welches auf seine Bevorzugung auf Kosten der übrigen Gläubiger hinauslief und damit den im Insolvenzverfahren geltenden Grundsatz der gleichmäßigen Befriedigung aller Gläubiger zuwiderlief (vgl. BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO S. 248).
Entscheidend ist hierbei, ob die aus objektivierter Sicht zu beurteilende Wirkung der Androhung bis zur Zahlung fortgewirkt hat, gegebenenfalls über die gesetzte Zahlungsfrist hinaus (vgl. BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO S. 248).
Ist dieses gegeben, hat der Gläubiger eine Leistung erhalten, die er in der Art - nach Androhung eines Insolvenzantrags - nicht zu beanspruchen hatte, weil es den Zwecken eines Insolvenzantrags zuwider läuft, mit diesem Mittel die Durchsetzung von Ansprüchen einzelner Gläubiger zu verfolgen (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO S. 246).
aa) Eine inkongruente Deckung bildet nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nur dann ein Beweisanzeichen für den Benachteiligungsvorsatz des Schuldners und für die Kenntnis des Gläubigers von diesem Vorsatz, wenn die Wirkungen der Rechtshandlung zu einem Zeitpunkt eintraten, als zumindest aus der Sicht des Empfängers der Leistung Anlass bestand, an der Liquidität des Schuldners zu zweifeln (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02, BGHZ 157, 242, 251;… vom 5. Juni 2008 - IX ZR 163/07, WM 2008, 1459 Rn. 19;… vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 13;… vom 6. Dezember 2012 - IX ZR 3/12, WM 2013, 174 Rn. 46;… vom 18. Juli 2013, aaO Rn. 33).
Die Inkongruenz der Deckung kann zwar ein gemäß § 286 ZPO zu berücksichtigendes Beweisanzeichen für eine Kenntnis des Anfechtungsgegners von einer Gläubigerbenachteiligung sein, wenn er wusste, dass sich der Schuldner in einer finanziell beengten Lage befand (BGH 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02 - zu II 2 b bb (3) der Gründe, BGHZ 157, 242) .
Damit bestand der für eine Druckzahlung erforderliche Zurechnungszusammenhang von Androhung der Zwangsvollstreckung und Zahlung fort (vgl. BGH 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02 - zu I 2 a bb (3) der Gründe, BGHZ 157, 242) .
BGH, 18.02.2010 - IX ZR 121/08
Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision im Zusammenhang mit einem …
BGH, 09.06.2005 - IX ZR 158/02
AG Hagen, 12.07.2004 - 10 C 289/04
Zulässigkeit der Einziehung von Teilbeträgen durch den Gerichtsvollzieher; …
BGH, 13.06.2013 - IX ZR 163/10
Klärungsbedürftigkeit der Wirkung der Indizwirkung eines inkongruenten …
AG Aachen, 20.10.2008 - 108 C 259/08
Rückerstattungsanspruch zur Masse aufgrund der Realisierung von Forderungen eines …
LG Frankfurt/Oder, 29.05.2007 - 12 O 60/07

References: § 131
 § 133
 § 286
 § 131
 § 133
 § 286
 § 134
 § 133
 § 133
 § 286
 BGH