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Timestamp: 2019-10-18 03:00:37+00:00

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Die Beru­fungs­be­grün­dung und die Unter­schrift "i.V." | Rechtslupe
Die Beru­fungs­be­grün­dung und die Unter­schrift "i.V."
Ein Rechts­an­walt, der die Beru­fungs­be­grün­dung für den dort bezeich­ne­ten Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Par­tei mit dem Zusatz "i.V." unter­zeich­net, han­delt erkenn­bar als Unter­be­voll­mäch­tig­ter und über­nimmt mit sei­ner Unter­schrift die Ver­ant­wor­tung für den Inhalt der Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift. In einem sol­chen Fall hängt die Ein­rei­chung einer form­wirk­sa­men Beru­fungs­be­grün­dung nicht davon ab, dass die Iden­ti­tät und die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit des Unter­be­voll­mäch­tig­ten bereits im Zeit­punkt des Ablaufs der für die Pro­zess­hand­lung vor­ge­se­he­nen Frist für das Gericht fest­ste­hen. Erge­ben sich bei der Prü­fung der Zuläs­sig­keit der Beru­fung im Ver­fah­ren nach § 522 Abs. 1 ZPO Zwei­fel hier­an, hat das Beru­fungs­ge­richt die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen von Amts wegen zu tref­fen. Maß­ge­bend hier­für ist, wenn die Ent­schei­dung gemäß § 522 Abs. 1 Satz 3 ZPO durch Beschluss ergeht, der Erkennt­nis­stand in dem Zeit­punkt, wel­cher im schrift­li­chen Ver­fah­ren nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ent­spricht 1.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss die Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift als bestim­men­der Schrift­satz im Anwalts­pro­zess grund­sätz­lich von einem beim Beru­fungs­ge­richt pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­an­walt eigen­hän­dig unter­schrie­ben sein (§ 130 Nr. 6, § 520 Abs. 5 ZPO). Die Unter­schrift soll die Iden­ti­fi­zie­rung des Urhe­bers der schrift­li­chen Pro­zess­hand­lung ermög­li­chen und des­sen unbe­ding­ten Wil­len zum Aus­druck brin­gen, die Ver­ant­wor­tung für den Inhalt des Schrift­sat­zes zu über­neh­men 2. Zugleich soll sicher­ge­stellt wer­den, dass es sich bei dem Schrift­stück nicht nur um einen Ent­wurf han­delt, son­dern dass es mit Wis­sen und Wil­len des Berech­tig­ten dem Gericht zuge­lei­tet wor­den ist 3.
Eben­falls höchst­rich­ter­lich geklärt ist, dass Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­schrif­ten unter Wah­rung der sich aus § 130 Nr. 6, § 520 Abs. 5 ZPO erge­ben­den Form­erfor­der­nis­se in Unter­voll­macht von einem beim Rechts­mit­tel­ge­richt zuge­las­se­nen und damit pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­an­walt unter­zeich­net wer­den kön­nen, weil auch dann sicher­ge­stellt ist, dass der Unter­zeich­nen­de die Ver­ant­wor­tung für den Inhalt der Rechts­mit­tel­be­grün­dung und deren Ein­rei­chung bei Gericht trägt 4.
Bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze sah der Bun­des­ge­richts­hof die Anfor­de­run­gen an die Ein­rei­chung einer form­ge­rech­ten Beru­fungs­be­grün­dung im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall gewahrt: Sie ist hand­schrift­lich mit einem die Iden­ti­tät des Aus­stel­lers, Rechts­an­wäl­tin G., hin­rei­chend kenn­zeich­nen­den indi­vi­du­el­len Schrift­zug unter­zeich­net 5. Eben­falls außer Fra­ge steht, dass es sich beim Aus­stel­ler um eine bei dem Beru­fungs­ge­richt pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­ge Rechts­an­wäl­tin han­delt. Dass sie in Unter­voll­macht für den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten R.W.G der Beklag­ten gehan­delt hat, ergibt sich ohne wei­te­res aus dem ihrer Unter­schrift hand­schrift­lich hin­zu­ge­füg­ten Zusatz "i.V." 6, womit zugleich klar­ge­stellt ist, dass der Schrift­satz nicht von der im maschi­nen­schrift­li­chen Zusatz am Ende des Schrift­sat­zes ange­ge­be­nen Per­son (Rechts­an­walt R.W.G.) unter­zeich­net ist.
Zu Unrecht meint das Beru­fungs­ge­richt 7 unter Bezug­nah­me auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 8, die Beru­fungs­be­grün­dung sei gleich­wohl nicht form­ge­recht, weil es im Zeit­punkt ihrer Ein­rei­chung nicht zwei­fels­frei habe erken­nen kön­nen, ob sie von einem beim Ober­lan­des­ge­richt zuge­las­se­nen Rechts­an­walt unter­zeich­net wor­den sei.
Mit die­ser Auf­fas­sung über­spannt das Beru­fungs­ge­richt die for­ma­len, an den Nach­weis der Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit geknüpf­ten Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung eines Rechts­mit­tels. Rich­tig ist zwar, dass die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit Pro­zess­hand­lungs­vor­aus­set­zung ist, die im Zeit­punkt der Vor­nah­me der Pro­zess­hand­lung gege­ben sein muss 9. Dar­aus lässt sich indes ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts nicht der Grund­satz ablei­ten, dass die Iden­ti­tät des Anwalts, der die Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­chrift unter­zeich­net hat, bereits im Zeit­punkt des Ablaufs der für die Begrün­dung des Rechts­mit­tels maß­geb­li­chen Frist in sol­cher Wei­se ein­deu­tig geklärt sein muss, dass end­gül­ti­ge Fest­stel­lun­gen zur Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit des Unter­zeich­ners getrof­fen wer­den kön­nen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat ein Rechts­an­walt sei­ne Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit weder bei der Ein­le­gung noch bei der Begrün­dung einer Beru­fung nach­zu­wei­sen oder auch nur glaub­haft zu machen. Erge­ben sich bei der Prü­fung der Zuläs­sig­keit der Beru­fung im Ver­fah­ren nach § 522 Abs. 1 ZPO Zwei­fel hier­an, hat das Beru­fungs­ge­richt die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen von Amts wegen zu tref­fen. Maß­ge­bend hier­für ist, wenn die Ent­schei­dung – wie hier – gemäß § 522 Abs. 1 Satz 3 ZPO durch Beschluss ergeht, der Erkennt­nis­stand in dem Zeit­punkt, wel­cher im schrift­li­chen Ver­fah­ren nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ent­spricht 10. Hier stand jeden­falls in die­sem Zeit­punkt fest, dass die Beru­fungs­be­grün­dung von der all­ge­mein zuge­las­se­nen und des­halb nach der seit 2002 gel­ten­den Rechts­la­ge auch vor dem Ober­lan­des­ge­richt pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­an­wäl­tin G. unter­zeich­net ist.
Der Bun­des­ge­richts­hof braucht nicht zu ent­schei­den, ob die­se Grund­sät­ze auch dann gel­ten, wenn über­haupt kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te dafür vor­han­den sind, dass die Beru­fungs­be­grün­dung von einem zur Pro­zess­ver­tre­tung zuge­las­se­nen Rechts­an­walt unter­schrie­ben ist. Die­se Unklar­heit bestand hier nicht. Durch die Hin­zu­fü­gung des Zusat­zes "i.V." gibt der Unter­zeich­nen­de, wie aus­ge­führt, regel­mä­ßig zu erken­nen, dass er als Unter­be­voll­mäch­tig­ter des Pro­zess­ver­tre­ters der Par­tei die Ver­ant­wor­tung für den Inhalt der Beru­fungs­be­grün­dung über­nimmt. Das setzt vor­aus, dass es sich beim Unter­zeich­nen­den um einen pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­an­walt han­delt. Nur in die­sem Sin­ne konn­te das Beru­fungs­ge­richt ver­nünf­ti­ger­wei­se die mit dem Zusatz "i.V." ver­se­he­ne Unter­schrift der Rechts­an­wäl­tin G. auf­fas­sen.
Allein der Umstand, dass die Iden­ti­tät der Rechts­an­wäl­tin G. bei Ein­rei­chung der Beru­fungs­be­grün­dung für das Beru­fungs­ge­richt nicht erkenn­bar war, durf­te nicht zur Ver­wer­fung des Rechts­mit­tels füh­ren. Höchst­rich­ter­lich geklärt ist, dass die Wirk­sam­keit der Beru­fung und der Beru­fungs­be­grün­dung nicht von der Anga­be der ladungs­fä­hi­gen Anschrift eines Unter­be­voll­mäch­tig­ten abhängt 11. Es reicht aus, dass der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Par­tei – wie hier – unter der im Brief­kopf der Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift ange­ge­be­nen Anschrift erreich­bar ist. Damit war, wie gera­de der vor­lie­gen­de Fall zeigt, für das Beru­fungs­ge­richt zugleich in aus­rei­chen­der Wei­se die Mög­lich­keit eröff­net, auf die­sem Wege die Iden­ti­tät der Unter­be­voll­mäch­tig­ten und gege­be­nen­falls ihre Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit zu klä­ren.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. April 2012 – VII ZB 83/​10
im Anschluss an BGH, Urteil vom 11.10.2005 – XI ZR 398/​04, NJW 2005, 3773[↩]
BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – IV ZB 9/​11; Beschluss vom 22.11.2005 – VI ZB 75/​04, VersR 2006, 387 Rn. 5; Urteil vom 11.10.2005 – XI ZR 398/​04, NJW 2005, 3773; Beschluss vom 15.06.2004 – VI ZB 9/​04, NJW-RR 2004, 1364; Beschluss vom 28.08.2003 – I ZB 1/​03, MDR 2004, 349, 350; Urteil vom 31.03.2003 – II ZR 192/​02, NJW 2003, 2028; eben­so: BAG, NJW 1990, 2706[↩]
BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – IV ZB 9/​11[↩]
BGH, Urteil vom 31.03.2003 – II ZR 192/​02, NJW 2003, 2028; BAG, NJW 1990, 2706, m.w.N[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2005 – XI ZR 398/​04, NJW 2005, 3773, m.w.N.[↩]
OLG Mün­chen, Beschluss vom 13.9.2010 – 19 U 2745/​10[↩]
BGH, Beschluss vom 22.11.2005 – VI ZB 75/​04, VersR 2006, 387; vgl. auch Beschluss vom 26.10.2011 – IV ZB 9/​11[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.06.1992 – VI ZB 15/​92, NJW 1992, 2706; und vom 18.10.1989 – IVa ZB 15/​89, NJW 1990, 1305[↩]
Zum Gan­zen: BGH, Urteil vom 11.10.2005 – XI ZR 398/​04, NJW 2005, 3773, 3774 f.[↩]
BGH, Urteil vom 11.10.2005 – XI ZR 398/​04, NJW 2005, 3773, 3774; BAG, NJW 1990, 2706[↩]
BerufungBerufungsbegründungii zr 192/02PostulationsfähigkeitVertretungszwangZivilprozess

References: § 522
 § 522
 § 520
 § 130
 § 520
 § 522
 § 522