Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/gerichtsstandsvereinbarung-und-die-schriftform-372610
Timestamp: 2020-02-17 10:22:14+00:00

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Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung per eMail – und die Schrift­form | Rechtslupe
Die Schrift­for­man­for­de­run­gen des Art. 23 Abs. 2 EuGV­VO ver­lan­gen nicht das Vor­lie­gen einer elek­tro­ni­schen Ver­schlüs­se­lung oder Signa­tur.
Der Wort­laut des Art. 23 Abs. 2 EuGV­VO, nach der elek­tro­ni­sche Über­mitt­lun­gen, die eine dau­er­haf­te Auf­zeich­nung der Ver­ein­ba­rung ermög­li­chen, der Schrift­form gleich­ge­stellt sind, gibt für ein der­art qua­li­fi­zier­tes Form­erfor­der­nis nichts her.
Auch der Zweck des Schrift­form­erfor­der­nis­ses, näm­lich durch bestimm­te for­ma­le Vor­ga­ben zu gewähr­leis­ten, dass zum einen – im Sin­ne einer Warn­funk­ti­on – den Ver­trags­par­tei­en die Eini­gung über die­sen Rege­lungs­ge­gen­stand vor Augen geführt wird 1, und dass zum ande­ren – zur Gewähr­leis­tung von Rechts­si­cher­heit – im Fal­le einer spä­te­ren Rechts­hän­gig­keit die Eini­gung über den Gerichts­stand für die betei­lig­ten Gerich­te klar und prä­zi­se fest­stell­bar sein soll 2, erfor­dert eine Ver­schlüs­se­lung oder Signa­tur nicht.
Dem­entspre­chend wird durch­gän­gig ange­nom­men, dass der von Art. 23 Abs. 2 EuGV­VO gefor­der­ten elek­tro­ni­schen Form genügt ist, wenn die Erklä­rung – wie etwa bei einer übli­chen EMail – in einem sicht­ba­ren Text ver­kör­pert ist, der sei­nen Urhe­ber erken­nen lässt sowie gespei­chert ist und zumin­dest dadurch repro­du­ziert wer­den kann 3.
Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Köln 4 auf eine – ver­meint­li­che – Gegen­stim­me 5 ver­weist, betrifft die­se die mit einem abwei­chen­den Wort­laut unter­leg­te Gleich­stel­lungs­re­ge­lung des Art. 13 CISG; für die­se wird im Fal­le ver­ein­bar­ter Schrift­form aber inzwi­schen eben­falls ganz über­wie­gend die Fixie­rung der Erklä­rung in einer EMail als im Regel­fall aus­rei­chend ange­se­hen 6.
Art. 23 Abs. 1 EuGV­VO ver­langt zur Wirk­sam­keit einer Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung eine dahin­ge­hen­de Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en. Das im Streit­fall ange­ru­fe­ne Gericht muss des­halb in ers­ter Linie prü­fen, ob die sei­ne Zustän­dig­keit begrün­den­de Klau­sel tat­säch­lich Gegen­stand einer Wil­lens­ei­ni­gung zwi­schen den Par­tei­en war, ob also – und zwar unab­hän­gig von der mate­ri­ell­recht­li­chen Wirk­sam­keit des Haupt­ver­tra­ges 7 – eine sol­che Wil­lens­ei­ni­gung der Par­tei­en tat­säch­lich vor­liegt 8.
Zwar ist umstrit­ten, ob die Vor­aus­set­zun­gen für das Zustan­de­kom­men einer sol­chen Wil­lens­ei­ni­gung auto­nom dahin zu bestim­men sind, dass es allein auf deren – wie hier – tat­säch­li­ches Bestehen unter Wah­rung der in Art. 23 EuGV­VO beschrie­be­nen For­man­for­de­run­gen ankommt, oder ob zusätz­lich die kol­li­si­ons­recht­lich nach dem Ver­trags­sta­tut zu bestim­men­den Regeln über einen Ver­trags­schluss her­an­zu­zie­hen sind, zu denen sich die EuGV­VO mit Aus­nah­me der genann­ten For­man­for­de­run­gen nicht näher ver­hält 9. Selbst wenn man – wovon die Revi­si­on ersicht­lich aus­geht – inso­weit an das nach dem Ver­trags­sta­tut beru­fe­ne Recht anzu­knüp­fen hät­te, könn­te das Vor­lie­gen einer ins­ge­samt wirk­sa­men Wil­lens­ei­ni­gung der Ver­trags­par­tei­en über den Gerichts­stand nicht ver­neint wer­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Janu­ar 2014 – VIII ZR 137/​13
Emp­­feh­­lungs-eMail Schafft ein Unter­neh­men auf sei­ner Web­site die Mög­lich­keit für Nut­zer, Drit­ten unver­langt eine soge­nann­te Emp­feh­lungs-eMail zu schi­cken, die auf den Inter­net­auf­tritt des Unter­neh­mens hin­weist, ist…
vgl. EuGH, EuZW 1999, 441 Rn.19 – Cas­tel­let­ti; EuZW 2004, 188 Rn. 50 – Gas­ser[↩]
vgl. EuGH, NJW 1977, 494 – Estasis Salot­ti; NJW 1997, 1431 Rn. 15 – MSG; EuZW 2004, 188 Rn. 51 – Gas­ser; BGH, Urteil vom 06.07.2004 – X ZR 171/​02, WM 2005, 1049 unter – II 1[↩]
BGH, Urteil vom 22.02.2001 – IX ZR 19/​00, WM 2001, 768 unter – II 2; Musielak/​Stadler, ZPO, 10. Aufl., Art. 23 VO [EG] 44/​2001 Rn. 9; Münch­Komm-ZPO/Gott­wald, 4. Aufl., Art. 23 EuGVO Rn. 32, 46; Saenger/​Dörner, ZPO, 5. Aufl., Art. 23 EuGV­VO Rn. 33; jeweils mwN[↩]
OLG Köln, Urteil vom 24.02.2013 – 16 U 106/​12[↩]
Schlech­trie­m/­Schwen­zer/­Schmidt-Kes­sel, Kom­men­tar zum Ein­heit­li­chen UN-Kauf­recht, 5. Aufl., Art. 13 Rn. 7[↩]
Schlech­trie­m/­Schwen­zer/­Schmidt-Kes­sel, Kom­men­tar zum Ein­heit­li­chen UN-Kauf­recht, 6. Aufl., Art. 13 Rn. 7; Staudinger/​Magnus, BGB, Neubearb.2013, Art. 13 CISG Rn. 5; jeweils mwN[↩]
EuGH, RIW 1997, 775 Rn. 29 – Ben­in­ca­sa[↩]
EuGH, IHR 2013, 85 Rn. 27 f. mwN – Ref­comp[↩]
zum Streit­stand Münch­Komm-ZPO/Gott­wald, aaO Rn. 22; Saenger/​Dörner, aaO Rn. 13 f.; jeweils mwN[↩]

References: Art. 23
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 Art. 13

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 Art. 13
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