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Timestamp: 2020-05-31 17:20:58+00:00

Document:
BUNDESARBEITSGERICHT Urteil vom 23.7.2019, 3 AZR 91/18
ECLI:DE:BAG:2019:230719.U.3AZR91.18.0
Auf die Revision der Beklagten wird - unter Zurückweisung der Revision im Übrigen - das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamburg vom 15. November 2017 - 6 Sa 62/17 - teilweise aufgehoben.
Auf die Berufung der Beklagten und die Anschlussberufung des Klägers wird - unter Zurückweisung der Berufung und der Anschlussberufung im Übrigen - das Urteil des Arbeitsgerichts Hamburg vom 27. April 2017 - 15 Ca 557/16 - teilweise abgeändert und wie folgt neugefasst:
1. Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger beginnend mit dem 1. Juli 2017 über den Betrag von 5.160,89 Euro brutto hinaus jeweils zum Ersten eines Monats einen Betrag iHv. 281,41 Euro brutto zu zahlen.
2. Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 4.321,08 Euro brutto nebst Zinsen iHv. fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab dem 24. Juli 2019 zu zahlen.
Die Beklagte hat die Kosten des Rechtsstreits erster und zweiter Instanz zu tragen. Von den Kosten der Revision haben die Beklagte 6/7 und der Kläger 1/7 zu tragen.
Der Kläger war vom 1. April 1969 bis zum 30. April 2002 bei der Beklagten - ein in den deutschen G-Konzern eingebundenes Lebensversicherungsunternehmen - tätig. Er bezieht seit dem 1. Mai 2002 von der Beklagten Leistungen der betrieblichen Altersversorgung nach den „Bestimmungen des Betrieblichen Versorgungswerkes“ (im Folgenden BVW). Diese lauten auszugsweise:
Der Kläger erhielt - neben seiner gesetzlichen Rente - bis zum 30. Juni 2015 von der Beklagten eine Pensionsergänzung iHv. 4.258,34 Euro brutto sowie eine Rente der Versorgungskasse iHv. 759,52 Euro brutto.
Nach der Entscheidung der Beklagten sollten entweder die Gesamtversorgungsbezüge um 0,5 vH erhöht und sodann die - erhöhte - gesetzliche Rente sowie die Versorgungskassenrente abgezogen werden oder, wenn dies für den Versorgungsempfänger günstiger war, lediglich die Pensionsergänzung um 0,5 vH erhöht werden. Da letztere Variante für den Kläger - wie letztlich für alle nach den BVW versorgungsberechtigten Betriebsrentner - günstiger war, wurde seine Pensionsergänzung um 0,5 vH gesteigert. Demgemäß gewährte die Beklagte dem Kläger ab dem 1. Juli 2015 eine Pensionsergänzung iHv. 4.279,63 Euro brutto. Zudem erhielt er weiterhin eine Rente der Versorgungskasse iHv. 759,52 Euro brutto.
Der Vorstand der Beklagten beschloss nach Anhörung der Betriebsräte und des Gesamtbetriebsrats am 20. Juni 2016, die Gesamtversorgungsbezüge bzw. Renten zum 1. Juli 2016 um 0,5 vH zu erhöhen; sofern eine Anpassung der Pensionsergänzung um 0,5 vH für den Versorgungsempfänger günstiger sein sollte, sollte diese vorgenommen werden. Der Aufsichtsrat der Beklagten fasste am 22. Juni 2016 einen entsprechenden Beschluss. Ab dem 1. Juli 2016 gewährte die Beklagte dem Kläger eine Pensionsergänzung iHv. 4.301,03 Euro brutto. Von der Versorgungskasse erhielt der Kläger ab dem 1. Juli 2016 eine Rente iHv. 763,39 Euro brutto.
Zum 1. Juli 2017 wurden die Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung um 1,90476 vH erhöht.
Der Kläger hat die Auffassung vertreten, die Beklagte müsse ihm ab dem 1. Juli 2015 eine höhere Pensionsergänzung zahlen. Nach § 6 Ziff. 1 der Ausführungsbestimmungen (im Folgenden AB) BVW hätten seine Gesamtversorgungsbezüge zum 1. Juli 2015 um 2,09717 vH und zum 1. Juli 2016 um weitere 4,2451 vH angehoben werden müssen. Abzüglich der gewährten Versorgungskassenrente, der gesetzlichen Rentenleistungen und bereits erfolgten Zahlungen der Beklagten ergebe sich damit ab dem 1. Juli 2015 eine monatliche Differenz iHv. 83,95 Euro und ab dem 1. Juli 2016 iHv. insgesamt 276,16 Euro. Die Regelung in AB § 6 Ziff. 3 BVW sei mangels Bestimmtheit unwirksam. Jedenfalls seien ihre Voraussetzungen nicht erfüllt.
die Beklagte zu verurteilen, an ihn beginnend mit dem 1. September 2016 über den Betrag von 5.064,42 Euro brutto (der sich aus 763,39 Euro und 4.301,03 Euro zusammensetzt) hinaus jeweils zum 1. eines Monats einen Betrag iHv. 276,16 Euro brutto zu zahlen;
die Beklagte zu verurteilen, an ihn einen Betrag von 1.559,72 Euro brutto nebst Zinsen iHv. fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. Juli 2015, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. August 2015, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. September 2015, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. Oktober 2015, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. November 2015, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. Dezember 2015, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. Januar 2016, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. Februar 2016, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. März 2016, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. April 2016, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. Mai 2016, auf einen Betrag iHv. 83,95 Euro seit dem 1. Juni 2016, auf 276,16 Euro seit dem 1. Juli 2016 und auf 276,16 Euro seit dem 1. August 2016 zu zahlen.
Das Arbeitsgericht hat der Klage im Wesentlichen stattgegeben und die Beklagte ab 1. September 2016 über einen Betrag iHv. 5.064,42 Euro hinaus zur Zahlung weiterer 276,15 Euro monatlich zum jeweiligen Ersten eines Monats sowie zur Zahlung rückständiger Betriebsrente iHv. 1.559,58 Euro zzgl. Zinsen ab Rechtskraft der Entscheidung verurteilt und im Übrigen die Klage abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung der Beklagten zurückgewiesen. Auf die Anschlussberufung des Klägers hat es die Beklagte verurteilt, an den Kläger beginnend mit dem 1. September 2016 und endend mit dem 30. Juni 2017 über den Betrag von 5.064,42 Euro brutto hinaus jeweils zum 1. eines Monats einen Betrag iHv. 276,15 Euro brutto, für die Zeit ab dem 1. Juli 2017 über den Betrag von 5.160,89 Euro brutto hinaus jeweils zum 1. eines Monats einen Betrag iHv. 281,41 Euro brutto und Rückstände iHv. insgesamt 4.341,20 Euro zzgl. Zinsen iHv. fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab Rechtskraft der Entscheidung zu zahlen. Mit ihrer Revision verfolgt die Beklagte ihren Antrag auf vollständige Klageabweisung weiter. Der Kläger begehrt die Zurückweisung der Revision.
Die zulässige Revision der Beklagten ist teilweise begründet. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Arbeitsgerichts zu Recht zurückgewiesen. Allerdings hat es der Anschlussberufung teilweise zu Unrecht stattgegeben und die Beklagte für den Zeitraum vom 1. September 2016 bis zum 30. Juni 2017 sowohl im Tenor zu 1. zur Zahlung von monatlich weiteren 276,15 Euro brutto verurteilt als auch im Tenor zu 3. für diese Monate Rückstände in dieser Höhe mit eingerechnet. Diese doppelte Verurteilung und ein Rechenfehler iHv. 20,12 Euro bei den Rückständen waren auf die Revision der Beklagten zu korrigieren.
1. Der Kläger erstrebt mit dem Klageantrag zu 1. und dem mit der Anschlussberufung angebrachten Antrag für die Zeit ab dem 1. Juli 2017 unter Berücksichtigung seines Klagevorbringens und der wohlverstandenen Interessenlage lediglich den zwischen den Parteien zuletzt noch streitigen monatlichen Differenzbetrag iHv. 281,41 Euro. Davon sind auch die Vorinstanzen zutreffend ausgegangen.
II. Die Klage ist im noch rechtshängigen Umfang begründet. Die Beklagte ist verpflichtet, die Gesamtversorgungsbezüge des Klägers nach AB § 6 Ziff. 1 und Ziff. 2 BVW entsprechend der Steigerung der Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung zum 1. Juli 2015 um 2,09717 vH, zum 1. Juli 2016 um 4,2451 vH und zum 1. Juli 2017 um weitere 1,90476 vH zu erhöhen und von dem sich ergebenden Betrag die gesetzliche Rente des Klägers sowie die Leistungen der Versorgungskasse in Abzug zu bringen. Daher schuldet sie dem Kläger ab dem 1. Juli 2017 eine um 281,41 Euro brutto monatlich höhere Pensionsergänzung, für die Zeit vom 1. Juli 2015 bis zum 30. Juni 2016 rückständige Leistungen iHv. 1.007,28 Euro brutto und für die Zeit vom 1. Juli 2016 bis zum 30. Juni 2017 iHv. 3.313,80 Euro brutto, insgesamt mithin Rückstände iHv. 4.321,08 Euro brutto zzgl. Zinsen ab dem 24. Juli 2019. Für die von der Beklagten vorgenommene - gesonderte - Erhöhung der Pensionsergänzung zum 1. Juli 2015 iHv. 0,5 vH und zum 1. Juli 2016 iHv. 0,5 vH fehlt es an einer rechtlichen Grundlage. AB § 6 Ziff. 3 Satz 1 BVW trägt diese Entscheidung nicht, sodass es bei der in AB § 6 Ziff. 1 BVW vorgesehenen Anpassung entsprechend der Erhöhung der Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung verbleibt.
2. Damit verbleibt es bei der in AB § 6 Ziff. 1 und Ziff. 2 BVW vorgesehenen Anpassung. Der Kläger hat danach einen Anspruch auf Erhöhung seiner Gesamtversorgungsbezüge entsprechend der Erhöhung der Renten der gesetzlichen Rentenversicherung zum 1. Juli 2015 um 2,09717 vH und zum 1. Juli 2016 um 4,2451 vH und zum 1. Juli 2017 um 1,90476 vH. Die Beklagte schuldet ihm folglich für die Zeit vom 1. Juli 2015 bis zum 30. Juni 2016 insgesamt 1.007,28 Euro (83,94 Euro/Monat x 12 Monate) brutto, für die Zeit vom 1. Juli 2016 bis zum 30. Juni 2017 weitere 3.313,80 Euro (276,15 Euro/Monat x 12 Monate), mithin insgesamt 4.321,08 Euro zzgl. Zinsen ab dem 24. Juli 2019 und ab dem 1. Juli 2017 monatlich eine um 281,41 Euro (276,15 Euro x 1,0190476) brutto höhere Pensionsergänzung.

References: § 6
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