Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/buergerbegehrung-in-bayern-und-die-dort-wohnenden-eu-unionsbuerger-3109058
Timestamp: 2020-02-17 07:40:21+00:00

Document:
Bür­ger­be­geh­rung in Bay­ern – und die dort woh­nen­den EU-Uni­ons­bür­ger | Rechtslupe
Uni­ons­bür­gern muss nicht die Teil­nah­me an Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­schei­den in Bay­ern ermög­licht wer­den.
Uni­ons- und bun­des­recht­li­che Grund­la­gen
Rechts­ent­wick­lung in Bay­ern
Popu­lark­la­ge vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof
Prü­fungs­maß­stab bei Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te
Art. 103 Abs. 1 GG»">Recht­li­ches Gehör, Art. 103 Abs. 1 GG
gesetz­li­cher Rich­ter, Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG»">Anhö­rungs­rü­ge und gesetz­li­cher Rich­ter, Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG
Uni­ons- und bun­des­recht­li­che Grund­la­gen[↑]
Der am 7.02.1992 in Maas­tricht unter­zeich­ne­te Ver­trag über die Euro­päi­sche Uni­on sieht das akti­ve und pas­si­ve Wahl­recht von Uni­ons­bür­ge­rin­nen und ‑bür­gern bei den Kom­mu­nal­wah­len in dem Mit­glied­staat, in dem sie ihren Wohn­sitz haben, zu den­sel­ben Bedin­gun­gen wie für die Ange­hö­ri­gen des betref­fen­den Mit­glied­staa­tes vor (Art. 8b Abs. 1 EGV bezie­hungs­wei­se Art.19 Abs. 1 EGV, nun­mehr Art.20 Abs. 2 Satz 2 Buch­sta­be b, Art. 22 Abs. 1 AEUV).
Um die inner­staat­li­che Ver­fas­sungs­rechts­la­ge an die­se Ver­trags­än­de­rung anzu­pas­sen 1, wur­de mit Ände­rungs­ge­setz vom 21.12 1992 in Art. 28 Abs. 1 GG fol­gen­der neu­er Satz 3 ein­ge­fügt 2:
Bei Wah­len in Krei­sen und Gemein­den sind auch Per­so­nen, die die Staats­an­ge­hö­rig­keit eines Mit­glied­staa­tes der Euro­päi­schen Gemein­schaft besit­zen, nach Maß­ga­be von Recht der Euro­päi­schen Gemein­schaft wahl­be­rech­tigt und wähl­bar.
Die Richt­li­nie 94/​80/​EG des Rates vom 19.12 1994 über die Ein­zel­hei­ten der Aus­übung des akti­ven und pas­si­ven Wahl­rechts bei den Kom­mu­nal­wah­len für Uni­ons­bür­ger mit Wohn­sitz in einem Mit­glied­staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit sie nicht besit­zen 3, legt die Ein­zel­hei­ten fest (vgl. Art. 22 Abs. 1 Satz 1 AEUV), nach denen Uni­ons­bür­ger in einem Mit­glied­staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit sie nicht besit­zen, das akti­ve und pas­si­ve Wahl­recht bei den Kom­mu­nal­wah­len aus­üben kön­nen (vgl. Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 94/​80/​EG des Rates vom 19.12 1994 über die Ein­zel­hei­ten der Aus­übung des akti­ven und pas­si­ven Wahl­rechts bei den Kom­mu­nal­wah­len für Uni­ons­bür­ger mit Wohn­sitz in einem Mit­glied­staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit sie nicht besit­zen). Als Kom­mu­nal­wah­len defi­niert die Richt­li­nie die all­ge­mei­nen, unmit­tel­ba­ren Wah­len, die dar­auf abzie­len, die Mit­glie­der der Ver­tre­tungs­kör­per­schaft und gege­be­nen­falls gemäß den Rechts­vor­schrif­ten jedes Mit­glied­staa­tes den Lei­ter und die Mit­glie­der des Exe­ku­tiv­or­gans einer loka­len Gebiets­kör­per­schaft der Grund­stu­fe zu bestim­men (Art. 2 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 94/​80/​EG des Rates vom 19.12 1994 über die Ein­zel­hei­ten der Aus­übung des akti­ven und pas­si­ven Wahl­rechts bei den Kom­mu­nal­wah­len für Uni­ons­bür­ger mit Wohn­sitz in einem Mit­glied­staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit sie nicht besit­zen).
Rechts­ent­wick­lung in Bay­ern[↑]
Zur Umset­zung die­ser Richt­li­nie wur­de in Bay­ern mit Gesetz vom 26.07.1995 4 das Gemein­de- und Land­kreis­wahl­ge­setz geän­dert. Art. 1 Abs. 1 GLKrWG lau­te­te sodann:
Art. 1 Vor­aus­set­zun­gen des Wahl­rechts
(1) Wahl­be­rech­tigt bei Gemein­de- und Land­kreis­wah­len sind alle Deut­schen im Sinn des Art. 116 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes sowie alle Staats­an­ge­hö­ri­gen der übri­gen Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on (Uni­ons­bür­ger), die am Wahl­tag
das 18. Lebens­jahr voll­endet haben,
sich seit min­des­tens drei Mona­ten in der Gemein­de, bei Land­kreis­wah­len im Land­kreis, mit dem Schwer­punkt ihrer Lebens­be­zie­hun­gen auf­hal­ten. Die­ser Auf­ent­halt wird dort ver­mu­tet, wo die Per­son gemel­det ist. Ist eine Per­son in meh­re­ren Gemein­den gemel­det, wird der Schwer­punkt der Lebens­be­zie­hun­gen dort ver­mu­tet, wo sie mit der Haupt­woh­nung gemel­det ist,
nicht nach Art. 2 vom Wahl­recht aus­ge­schlos­sen sind.
In der der­zei­ti­gen Fas­sung bestimmt Art. 1 GLKrWG Fol­gen­des:
Art. 1 Wahl­recht
(1) Wahl­be­rech­tigt bei Gemein­de- und Land­kreis­wah­len sind alle Per­so­nen, die am Wahl­tag
Uni­ons­bür­ger sind,
sich seit min­des­tens zwei Mona­ten im Wahl­kreis mit dem Schwer­punkt ihrer Lebens­be­zie­hun­gen auf­hal­ten,
(2) Uni­ons­bür­ger sind alle Deut­schen im Sinn des Art. 116 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes sowie die Staats­an­ge­hö­ri­gen der übri­gen Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on.
Durch einen Volks­ent­scheid vom 01.10.1995 wur­den in Bay­ern auf Gemein­de- und Land­kreis­ebe­ne Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­schei­de ein­ge­führt 5. Art. 7 BV erhielt durch die Ände­rung sei­nes Absat­zes 2 fol­gen­de Fas­sung:
(1) Staats­bür­ger ist ohne Unter­schied der Geburt, der Ras­se, des Geschlechts, des Glau­bens und des Berufs jeder Staats­an­ge­hö­ri­ge, der das 18. Lebens­jahr voll­endet hat.
(2) Der Staats­bür­ger übt sei­ne Rech­te aus durch Teil­nah­me an Wah­len, Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­schei­den sowie Volks­be­geh­ren und Volks­ent­schei­den.
(3) Die Aus­übung die­ser Rech­te kann von der Dau­er eines Auf­ent­halts bis zu einem Jahr abhän­gig gemacht wer­den.
BV wur­de um fol­gen­den Absatz 3 ergänzt:
(3) Die Staats­bür­ger haben das Recht, Ange­le­gen­hei­ten des eige­nen Wir­kungs­krei­ses der Gemein­den und Land­krei­se durch Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­scheid zu regeln. Das Nähe­re regelt ein Gesetz., /​p
Zudem wur­den durch den Volks­ent­scheid Rege­lun­gen zum Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­scheid in die Gemein­de- (Art. 18a GO) und Land­kreis­ord­nung (Art. 12a LKrO) auf­ge­nom­men. Danach steht die Teil­nah­me an Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den, die auf Ange­le­gen­hei­ten des eige­nen Wir­kungs­krei­ses beschränkt sind, allen Gemein­de- (vgl. Art. 18a Abs. 1, 5, 6 und 10 Satz 3 GO) bezie­hungs­wei­se Kreis­bür­gern (Art. 12a Abs. 1, 5 Satz 1 und 2, Abs. 6, 7 Satz 1 und 2 und Abs. 10 Satz 3 LKrO) offen. Gemein­de- bezie­hungs­wei­se Kreis­bür­ger sind gemäß Art. 15 Abs. 2 GO bezie­hungs­wei­se Art. 11 Abs. 2 LKrO alle Gemein­de- bezie­hungs­wei­se Kreis­an­ge­hö­ri­gen, die bei den jewei­li­gen Kom­mu­nal­wah­len wahl­be­rech­tigt sind. Daher sind in Bay­ern auch Uni­ons­bür­ger ande­rer Mit­glied­staa­ten zur Teil­nah­me an Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den berech­tigt. Gemäß Art. 18a Abs. 13 Satz 1 GO bezie­hungs­wei­se Art. 12a Abs. 12 Satz 1 LKrO hat ein Bür­ger­ent­scheid die Wir­kung eines Beschlus­ses des Gemein­de­rats bezie­hungs­wei­se Kreis­tags.
Popu­lark­la­ge vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof[↑]
Mit ihrer Popu­lark­la­ge rüg­ten die Beschwer­de­füh­rer, dass die Mit­wir­kung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den gegen Art. 2, Art. 7 Abs. 2, Art. 12 Abs. 3 und Art. 101 BV ver­sto­ße.
Mit Beschluss vom 12.06.2013 6 hat der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof fest­ge­stellt, dass die lan­des­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen, die Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten das Recht zur Teil­nah­me an kom­mu­na­len Bür­ger­be­geh­ren und Bür­ger­ent­schei­den ein­räu­men, ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den sind.
Ein Ver­stoß gegen das Rechts­staats­prin­zip (Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV) unter dem Gesichts­punkt der Ver­let­zung bun­des­recht­li­cher Vor­schrif­ten, hier des Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG, sei nicht gege­ben. Prü­fungs­maß­stab im Popu­lark­la­ge­ver­fah­ren sei allein die Baye­ri­sche Ver­fas­sung. Ver­sto­ße eine Vor­schrift des Lan­des­rechts gegen Bun­des­recht, kön­ne dies im Popu­lark­la­ge­ver­fah­ren nur inso­weit ent­schei­dungs­er­heb­lich wer­den, als dar­in zugleich ein Ver­stoß gegen das Rechts­staats­prin­zip des Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV lie­ge. Das Rechts­staats­prin­zip der Baye­ri­schen Ver­fas­sung erstre­cke sei­ne Schutz­wir­kung aber nicht in den Bereich des Bun­des­rechts mit der Fol­ge, dass jeder for­mel­le oder inhalt­li­che Ver­stoß einer lan­des­recht­li­chen Vor­schrift gegen Bun­des­recht zugleich eine Ver­let­zung des Rechts­staats­prin­zips der Baye­ri­schen Ver­fas­sung dar­stell­te. Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV sei viel­mehr erst dann ver­letzt, wenn der Wider­spruch des baye­ri­schen Lan­des­rechts zum Bun­des­recht offen zuta­ge tre­te und dar­über hin­aus auch inhalt­lich nach sei­nem Gewicht als schwer­wie­gen­der, beson­ders kras­ser Ein­griff in die Rechts­ord­nung zu wer­ten sei. Unter Beach­tung die­ser Prü­fungs­schran­ken kön­ne ein Ver­stoß gegen das Rechts­staats­prin­zip nicht fest­ge­stellt wer­den. Zwar wür­den von den in Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG in Bezug genom­me­nen Rege­lun­gen des Uni­ons­rechts nach nahe­zu ein­hel­li­ger Ansicht in der Lite­ra­tur nur Wah­len erfasst, nicht auch Abstim­mun­gen über Sach­fra­gen, so dass sich die Rege­lung im Grund­ge­setz allein auf die Teil­nah­me an Kom­mu­nal­wah­len bezie­he. Hier­aus wer­de in der Lite­ra­tur teil­wei­se gefol­gert, dass lan­des­recht­li­che Rege­lun­gen, die Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten auch die Teil­nah­me an kom­mu­na­len Sach­ent­schei­dun­gen eröff­ne­ten, gegen das Grund­ge­setz ver­stie­ßen. Nach der in der Lite­ra­tur eben­falls ver­tre­te­nen Gegen­mei­nung jedoch zwin­ge die Tat­sa­che, dass der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber die kom­mu­na­len Abstim­mun­gen in Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG nicht gere­gelt habe, nicht zu dem Schluss, dass er die Teil­nah­me von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen habe aus­schlie­ßen wol­len. Auch ohne aus­drück­li­che Ein­be­zie­hung in das Grund­ge­setz und das Uni­ons­recht bestehe auf Lan­des­ebe­ne aus­rei­chen­der Spiel­raum, nicht­deut­schen Uni­ons­bür­gern über das kom­mu­na­le Wahl­recht hin­aus ein Recht zur Teil­nah­me an kom­mu­na­len (Sach-)Abstimmungen ein­zu­räu­men. Durch die Auf­nah­me der in Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG ent­hal­te­nen Öff­nungs­klau­sel kön­ne der Gemein­de­rat nun­mehr von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten mit­ge­wählt wer­den und sogar aus sol­chen bestehen. Die Ein­be­zie­hung der­sel­ben Uni­ons­bür­ger in das akti­ve Stimm­recht bei Gemein­de­rats­be­schlüs­sen gleich­ste­hen­den Bür­ger­ent­schei­den und bei Bür­ger­be­geh­ren stel­le kei­nen Ver­stoß gegen Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG dar, da die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­ons­grund­la­ge bei Wah­len und Abstim­mun­gen ein­heit­lich zu beur­tei­len sei. Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG sei dem­entspre­chend sys­te­ma­tisch-teleo­lo­gisch erwei­ternd zu inter­pre­tie­ren. Auf­grund die­ses Mei­nungs­stands bestehe jeden­falls kein offen zuta­ge tre­ten­der Wider­spruch der vor­lie­gend ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen zu Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG. Ein Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV kön­ne daher nicht fest­ge­stellt wer­den.
Auch das Uni­ons­recht sei im Popu­lark­la­ge­ver­fah­ren nicht unmit­tel­ba­rer Prü­fungs­maß­stab. Die Fra­ge, ob das Uni­ons­recht wie Bun­des­recht über Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV mit­tel­bar Bedeu­tung erlan­gen kön­ne, habe der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof bis­her offen gelas­sen. Die­se Fra­ge kön­ne auch wei­ter­hin offen blei­ben. Vor­lie­gend sei ein Wider­spruch zu den maß­geb­li­chen Rege­lun­gen des pri­mä­ren und sekun­dä­ren Uni­ons­rechts schon ansatz­wei­se nicht erkenn­bar, da die­se die Mög­lich­keit zur Teil­nah­me von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen weder ver­lang­ten noch ver­bö­ten.
Abs. 2, Art. 12 Abs. 3 BV sei­en eben­falls nicht ver­letzt. Staats­bür­ger im Sin­ne der Art. 7 Abs. 2, Art. 12 Abs. 3 Satz 1 BV sei­en nach den maß­geb­li­chen Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen zunächst alle in Bay­ern wohn­haf­ten deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen. Die hier­aus abge­lei­te­te Auf­fas­sung, dass die Baye­ri­sche Ver­fas­sung allein eine Teil­ha­be deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger an der Staats­ge­walt zulas­se, bedür­fe jedoch ange­sichts der im kon­kre­ten Fall zugrun­de lie­gen­den Rechts­ent­wick­lung der Modi­fi­ka­ti­on. Eine Bewer­tung der Ver­fas­sungs­än­de­rung, mit der Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­de ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­kert wor­den sei­en, anhand ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te erge­be, dass Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 Satz 1 BV der Teil­nah­me nicht­deut­scher Uni­ons­bür­ger an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen nicht ent­ge­gen­stün­den.
Die Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on die­ne der Besei­ti­gung von Unklar­hei­ten, die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten anhaf­te­ten, mit dem Ziel, das zur Gel­tung zu brin­gen, was die Norm eigent­lich aus­drü­cken sol­le. Auf­ga­be des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs sei es, im Wege der Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on die anzu­wen­den­de Ver­fas­sungs­norm in ein dem objek­ti­vier­ten Wil­len des Ver­fas­sungs­ge­bers zu ent­neh­men­des Begriffs- und Wert­sys­tem ein­zu­ord­nen und so ihren Sinn­ge­halt zu ermit­teln. Dabei stün­den dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof die übli­chen Aus­le­gungs­me­tho­den zur Ver­fü­gung. An dem Wort­laut einer Norm müs­se bei deren Aus­le­gung nicht unbe­dingt fest­ge­hal­ten wer­den. Die­se soge­nann­te gram­ma­ti­ka­li­sche Aus­le­gung sei nur eine von meh­re­ren sich gegen­sei­tig ergän­zen­den Metho­den. Dane­ben trä­ten beson­ders die Aus­le­gung der Norm aus ihrem Zusam­men­hang und die Aus­le­gung nach ihrem Zweck. Die Aus­le­gung der Norm müs­se auf die rea­len Gege­ben­hei­ten Bedacht neh­men, aus denen sie erwach­se und auf die sie bezo­gen sei; sie dür­fe an den kon­kre­ten Lebens­ver­hält­nis­sen nicht vor­über­ge­hen. Auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te einer Ver­fas­sungs­norm kön­ne bei der Aus­le­gung Berück­sich­ti­gung fin­den und Anhalts­punk­te geben.
Der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Ver­fas­sungs­än­de­rung, mit der Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­de ver­an­kert wor­den sei­en, kom­me vor­lie­gend aus fol­gen­den Grün­den maß­geb­li­che Bedeu­tung zu:
Kom­mu­na­le Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­de sei­en durch Volks­ent­scheid vom 01.10.1995 ein­ge­führt wor­den. Art. 1 des dem Volks­ent­scheid zugrun­de lie­gen­den Geset­zes ent­hal­te Ände­run­gen des Art. 7 Abs. 2 und des Art. 12 BV. Durch Art. 2 und 3 des Geset­zes sei­en Rege­lun­gen zum Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­scheid in die Gemein­de- und die Land­kreis­ord­nung auf­ge­nom­men wor­den. Dem Volks­ent­scheid vor­ge­schal­tet gewe­sen sei das Volks­be­geh­ren "Mehr Demo­kra­tie in Bay­ern: Bür­ger­ent­schei­de in Gemein­den und Krei­sen", das zusam­men mit den erfor­der­li­chen Unter­schrif­ten im Okto­ber 1994 beim Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um des Innern ein­ge­reicht wor­den sei.
Die durch den Volks­ent­scheid vor­ge­nom­me­nen Rechts­än­de­run­gen hät­ten zum einen zur Fol­ge gehabt, dass in Art. 7 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 12 Abs. 3 BV ein Recht der Staats­bür­ger auf Teil­nah­me an Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den ver­an­kert wor­den sei. Zum ande­ren sei durch die ein­fach­ge­setz­li­chen Ände­run­gen der Gemein­de- und Land­kreis­ord­nung bewirkt wor­den, dass sich auch Uni­ons­bür­ger ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen betei­li­gen könn­ten. Die­se Kon­se­quenz des dem Volks­ent­scheid zugrun­de lie­gen­den Geset­zes sei beim Errei­chen des vor­ge­schal­te­ten Volks­be­geh­rens nicht abseh­bar gewe­sen, da zu die­sem Zeit­punkt nicht­deut­sche Uni­ons­bür­ger noch nicht berech­tigt gewe­sen sei­en, auf Gemein­de- und Kreis­ebe­ne an Kom­mu­nal­wah­len teil­zu­neh­men. Sie habe sich erst wäh­rend des Volks­ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens als Fol­ge der Ände­rung des Gemein­de- und Land­kreis­wahl­ge­set­zes vom 26.07.1995 erge­ben.
Vor dem Hin­ter­grund die­ser Ent­ste­hungs­ge­schich­te lie­ßen die Rege­lun­gen der Art. 7 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 12 Abs. 3 BV die Betei­li­gung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen zu.
Im Rah­men des Volks­ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens, das in den Volks­ent­scheid vom 01.10.1995 gemün­det sei, sei eine Reak­ti­on auf die sich gleich­zei­tig ändern­den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zur Teil­ha­be nicht­deut­scher Uni­ons­bür­ger auf der Ebe­ne der Gemein­den und Land­krei­se nicht mög­lich gewe­sen. Die Betei­li­gung des Vol­kes an der Gesetz­ge­bung kön­ne in aller Regel nur auf eine Ja- oder Nein, Ent­schei­dung hin­aus­lau­fen. Das Volk habe kei­ne Mit­wir­kungs­mög­lich­keit bei der Erar­bei­tung des Geset­zes­tex­tes. Anders als im par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren feh­le die Mög­lich­keit der ste­ti­gen Ver­bes­se­rung und Anpas­sung an geän­der­te tat­säch­li­che oder recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen. Nach der Begrün­dung des dem Volks­ent­scheid vom 01.10.1995 zugrun­de lie­gen­den Volks­be­geh­rens sei es Ziel der Initia­to­ren gewe­sen, mehr Demo­kra­tie in Bay­ern dadurch zu errei­chen, dass die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger einer Gemein­de sowie eines Land­krei­ses über bestimm­te Ange­le­gen­hei­ten selbst ent­schei­den könn­ten 7. Die Schaf­fung einer in sich wider­sprüch­li­chen Rege­lung, die einer­seits – durch Ände­rung der Ver­fas­sung (Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 BV) – die Teil­nah­me an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen auf deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge beschrän­ke und ande­rer­seits – durch Ein­füh­rung ent­spre­chen­der ein­fach­recht­li­cher Rege­lun­gen in der Gemein­de- und Land­kreis­ord­nung – eben die­se Teil­ha­be auf nicht­deut­sche Uni­ons­bür­ger erstre­cke, habe dem ver­fas­sungs­än­dern­den Volks­ge­setz­ge­ber fern gele­gen. Es sei daher im Wege der Aus­le­gung sicher­zu­stel­len, dass dem erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers, der allen Gemein­de- und Land­kreis­bür­gern ein Mehr an direkt­de­mo­kra­ti­scher Betei­li­gung habe eröff­nen wol­len, mög­lichst weit­ge­hend Gel­tung ver­schafft wer­de. Dafür, dass der Volks­ge­setz­ge­ber die­se Teil­ha­be gege­be­nen­falls auf deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge habe beschrän­ken wol­len, sei­en kei­ne Anhalts­punk­te ersicht­lich.
Für die Auf­fas­sung, dass Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 BV die Teil­nah­me von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen zulie­ßen, spre­che auch der Gedan­ke der Sys­tem­ge­rech­tig­keit und Fol­ge­rich­tig­keit.
Auf­grund uni­ons­recht­li­cher Rege­lun­gen sei der natio­na­le Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, eine Berech­ti­gung nicht­deut­scher Uni­ons­bür­ger zur Teil­nah­me an den Kom­mu­nal­wah­len ein­zu­füh­ren. Der Frei­staat Bay­ern sei die­ser Ver­pflich­tung durch Ergän­zung von Art. 1 GLKrWG nach­ge­kom­men. Die Umset­zung der euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben habe damit zur Fol­ge, dass Uni­ons­bür­ger ande­rer Mit­glied­staa­ten den Gemein­de­rat und den Kreis­tag mit­wäh­len und die­sen Gre­mi­en auch ange­hö­ren könn­ten. Sie sei­en gege­be­nen­falls an Beschlüs­sen des Gemein­de­rats und des Kreis­tags betei­ligt und hät­ten gemäß Art. 18a Abs. 8 Satz 1 GO, Art. 12a Abs. 8 Satz 1 LKrO sogar über die Zuläs­sig­keit von Bür­ger­be­geh­ren mit­zu­ent­schei­den. Es lie­ge auf der Hand, dass eine Rege­lung, die den­sel­ben Bür­gern die Mit­wir­kung an der Ent­schei­dung einer ein­zel­nen Sach­fra­ge durch – gemäß Art. 18a Abs. 13 Satz 1 GO, Art. 12a Abs. 12 Satz 1 LKrO einem Gemein­de­rats- bezie­hungs­wei­se Kreis­tags­be­schluss gleich­ste­hen­den – Bür­ger­ent­scheid ver­weh­re, sys­te­ma­ti­sche Brü­che auf­wei­se.
Auch sei es nicht nach­voll­zieh­bar, inwie­fern für Wah­len und Abstim­mun­gen auf der­sel­ben (kom­mu­na­len) Ebe­ne ver­schie­de­ne Teil­neh­mer­krei­se und damit unter­schied­li­che Legi­ti­ma­ti­ons­sub­jek­te maß­geb­lich sein soll­ten. Es erschei­ne inkon­se­quent, eine Auf­spal­tung der kom­mu­na­len demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­ons­grund­la­ge anzu­neh­men, je nach­dem, ob die von den Bür­gern her­zu­lei­ten­den Ent­schei­dun­gen einer­seits von den gewähl­ten Ver­tre­tun­gen bezie­hungs­wei­se Bür­ger­meis­tern oder Land­rä­ten und ihren Ver­wal­tun­gen oder ande­rer­seits von den Bür­gern selbst getrof­fen wür­den. Wenn bei einem Bür­ger­ent­scheid die Bür­ger eine Sach­fra­ge selbst ent­schie­den, dann wechs­le ledig­lich die Form, in der Staats­ge­walt auf kom­mu­na­ler Ebe­ne aus­ge­übt wer­de. Das Legi­ti­ma­ti­ons­sub­jekt kön­ne durch die­sen For­men­wech­sel bei Aus­übung der­sel­ben Staats­ge­walt nicht von Ver­fas­sungs wegen zwin­gend anders gewor­den sein, näm­lich ein auf die Deut­schen im Sin­ne von Art. 116 Abs. 1 GG beschränk­ter Kreis.
Die­ser Beur­tei­lung ste­he nicht ent­ge­gen, dass nach Art. 75 Abs. 1 Satz 2 BV Ände­run­gen der Ver­fas­sung, die den demo­kra­ti­schen Grund­ge­dan­ken der Ver­fas­sung wider­sprä­chen, unzu­läs­sig sei­en. Zwar bedeu­te die Grund­ent­schei­dung der Baye­ri­schen Ver­fas­sung für ein demo­kra­ti­sches Staats­we­sen (Art. 2 Abs. 1, Art. 4, 5 Abs. 1 BV), dass staat­li­che Herr­schaft grund­sätz­lich durch das Volk, das heißt die deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen, legi­ti­miert sein müs­se. Dies schlie­ße jedoch nicht aus, dass auf kom­mu­na­ler Ebe­ne Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten die Mög­lich­keit der Teil­ha­be sowohl an Wah­len als auch an Abstim­mun­gen ein­ge­räumt wer­de. Für die Teil­nah­me an Kom­mu­nal­wah­len erge­be sich eine ent­spre­chen­de Klar­stel­lung im Hin­blick auf die ver­gleich­ba­re bun­des­staat­li­che Rege­lung des Art. 79 Abs. 3 GG aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 31.10.1990 8. Dafür, dass die Betei­li­gung an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen nicht abwei­chend beur­teilt wer­den kön­ne, sprä­chen die bereits dar­ge­leg­ten Erwä­gun­gen.
Eben­so wenig ste­he das Homo­ge­ni­täts­ge­bot des Grund­ge­set­zes der Aus­le­gung ent­ge­gen, dass Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 Satz 1 BV die Teil­nah­me von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen zulie­ßen. Gemäß Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG müs­se die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung in den Län­dern unter ande­rem den Grund­sät­zen des demo­kra­ti­schen Rechts­staats im Sin­ne des Grund­ge­set­zes ent­spre­chen. Danach bestehe eine Bin­dung hin­sicht­lich der demo­kra­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on und Legi­ti­ma­ti­on von Staats­ge­walt. Art. 28 Abs. 1 GG wol­le das­je­ni­ge Maß an struk­tu­rel­ler Homo­ge­ni­tät zwi­schen Gesamt­staat und Glied­staat gewähr­leis­ten, das für das Funk­tio­nie­ren eines Bun­des­staa­tes uner­läss­lich sei. Er wol­le aber nicht für Uni­for­mi­tät sor­gen. Das Grund­ge­setz gehe im Gegen­teil von der grund­sätz­li­chen Ver­fas­sungs­au­to­no­mie der Län­der aus. Es for­de­re nur ein Min­dest­maß an Homo­ge­ni­tät, das auf die in Art. 28 Abs. 1 GG genann­ten Staats­struk­tur- und Staats­ziel­be­stim­mun­gen und inner­halb die­ser wie­der­um auf deren Grund­sät­ze beschränkt sei. Zu die­sen auch von den Län­dern zu beach­ten­den demo­kra­ti­schen Grund­prin­zi­pi­en gehö­re, dass die Teil­nah­me an Wah­len und Abstim­mun­gen als Aus­übung von Staats­ge­walt grund­sätz­lich die Eigen­schaft als Deut­scher vor­aus­set­ze. Aller­dings ent­hal­te das Grund­ge­setz selbst in Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG eine Aus­nah­me für Wah­len in Krei­sen und Gemein­den, bei denen nach Maß­ga­be des Uni­ons­rechts auch Per­so­nen, die die Staats­an­ge­hö­rig­keit eines Mit­glied­staa­tes der Euro­päi­schen Uni­on besä­ßen, wahl­be­rech­tigt und wähl­bar sei­en. Art. 28 Abs. 1 GG akzep­tie­re im Hin­blick auf die genann­ten Wah­len somit auch Uni­ons­bür­ger ande­rer Mit­glied­staa­ten als demo­kra­tisch legi­ti­ma­ti­ons­be­fä­higt. Auf­grund die­ser Aus­wei­tung der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­ons­grund­la­ge auf kom­mu­na­ler Ebe­ne kön­ne es dem Lan­des­ge­setz­ge­ber nicht ver­wehrt sein, sol­che Legi­ti­ma­ti­ons­kraft auch der eng damit ver­bun­de­nen ple­bis­zi­tä­ren Betei­li­gung nicht­deut­scher Uni­ons­bür­ger zuzu­er­ken­nen.
Aus der Staats­fun­da­men­tal­norm des Art. 2 BV, die durch wei­te­re ein­schlä­gi­ge Ver­fas­sungs­nor­men, wie die bereits als Prü­fungs­maß­stab her­an­ge­zo­ge­nen Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 BV, näher aus­ge­stal­tet wer­de, erge­be sich kei­ne ande­re Bewer­tung.
Ein Ver­stoß gegen Art. 101 BV sei eben­falls nicht gege­ben. Die von den Beschwer­de­füh­rern geheg­ten Befürch­tun­gen, es wer­de zu Bür­ger­ent­schei­den kom­men, die ihrer­seits frei­heits­be­schrän­ken­den Cha­rak­ter hät­ten, könn­ten nicht begrün­den, dass die Rechts­grund­la­gen für die Teil­nah­me von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den gegen Art. 101 BV ver­stie­ßen. Es han­de­le sich inso­weit ledig­lich um mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen der ange­grif­fe­nen Rechts­nor­men, wie sie sich grund­sätz­lich auch aus Ent­schei­dun­gen der gewähl­ten Orga­ne der Gemein­den oder des Land­krei­ses erge­ben könn­ten.
Die Ent­schei­dung wur­de dem Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten der Beschwer­de­füh­rer am 17.06.2013 zuge­stellt.
Hier­ge­gen erho­ben die Beschwer­de­füh­rer eine Anhö­rungs­rü­ge, auf die Ihnen der Prä­si­dent des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs mit Schrei­ben vom 03.07.2013 mit­teil­te, dass eine Anhö­rungs­rü­ge gegen die Ent­schei­dung vom 12.06.2013 nicht statt­haft sei. Die Vor­schrif­ten über die Anhö­rungs­rü­ge, die für fach­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen kon­zi­piert sei­en, fän­den auf Ent­schei­dun­gen des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs kei­ne ent­spre­chen­de Anwen­dung. Habe der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer lan­des­recht­li­chen Rechts­vor­schrift fest­ge­stellt, so sei die Rechts­la­ge geklärt und es müs­se dabei grund­sätz­lich sein Bewen­den haben. Es sei daher auch nicht beab­sich­tigt, die Spruch­grup­pe, die am 12.06.2013 ent­schie­den habe, erneut mit der Ange­le­gen­heit zu befas­sen.
Mit ihrer dar­auf­hin erho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügen die Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1 und Art.19 Abs. 4 GG durch die Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs vom 12.06.2013 sowie dar­über hin­aus eine Ver­let­zung von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 und Art. 103 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 4 GG und dem all­ge­mei­nen Jus­tiz­ge­währ­leis­tungs­an­spruch durch das Schrei­ben des Prä­si­den­ten des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs vom 03.07.2013.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die zuläs­si­ge Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, da sie kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung habe. Auch sei ihre Annah­me nicht zur Durch­set­zung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genann­ten Rech­te ange­zeigt (§ 93a Abs. 2 BVerfGG).
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, teil­wei­se unzu­läs­sig, im Übri­gen unbe­grün­det.
Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Ent­schei­dung eines Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]
Die Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs vom 12.06.2013 sowie das Schrei­ben des Prä­si­den­ten des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs vom 03.07.2013 sind taug­li­che Gegen­stän­de einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de.
Unter dem Grund­ge­setz ver­fü­gen die Län­der über eine weit­ge­hen­de Ver­fas­sungs­au­to­no­mie. Das Grund­ge­setz ent­hält in Art. 28 Abs. 1 GG nur weni­ge Vor­ga­ben für die Ver­fas­sun­gen der Län­der. Im Übri­gen kön­nen sie, soweit das Grund­ge­setz nicht beson­de­re Anfor­de­run­gen sta­tu­iert, ihr Ver­fas­sungs­recht und auch ihre Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit nach eige­nem Ermes­sen ord­nen 9. Daher muss der Bereich der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit der Län­der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mög­lichst unan­ge­tas­tet blei­ben; auch darf die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit nicht in grö­ße­re Abhän­gig­keit von der Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit gebracht wer­den, als es nach dem Grund­ge­setz unver­meid­bar ist 10.
Nach den Rege­lun­gen des Grund­ge­set­zes ist gegen Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te aller­dings eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt statt­haft (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG), weil Art. 1 Abs. 3 und Art.20 Abs. 3 GG auch die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te an die Grund­rech­te und grund­rechts­glei­chen Gewähr­leis­tun­gen des Grund­ge­set­zes bin­den, zu deren Schutz das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Wege der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a, § 90 Abs. 1 BVerfGG ange­ru­fen wer­den kann. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sind daher Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te Akte "öffent­li­cher Gewalt", die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wer­den kön­nen 11. Dies gilt nur inso­weit nicht, als die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te Strei­tig­kei­ten in der Sache abschlie­ßend ent­schei­den. Denn das Grund­ge­setz erkennt aus­weis­lich von Art. 93 Abs. 1 Nr. 4 GG a.E. an, dass ein Land bestimm­te Strei­tig­kei­ten ohne jede bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Ein­wir­kung in der Sache selbst ent­schei­den kann 12. Popu­lark­la­ge­ver­fah­ren im Sin­ne von Art. 98 Satz 4 BV gehö­ren dazu nicht 13.
Jedoch sind die Beschwer­de­füh­rer nur teil­wei­se beschwer­de­be­fugt.
Soweit sie mit der nur ein­ge­schränk­ten Über­prü­fung der Ver­ein­bar­keit eines Lan­des­ge­set­zes mit dem Grund­ge­setz im Rah­men der Popu­lark­la­ge eine Ver­let­zung von Art.19 Abs. 4 GG rügen, erscheint die­se von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG gewähr­leis­tet effek­ti­ven Rechts­schutz, wenn jemand behaup­tet, durch die öffent­li­che Gewalt in sei­nen Rech­ten ver­letzt zu sein 14. Ein Ver­stoß gegen Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG setzt eine im Inter­es­se des Ein­zel­nen bestehen­de Rechts­po­si­ti­on vor­aus 15, gewähr­leis­tet aber nicht selbst Bestand oder Inhalt des als ver­letzt gerüg­ten Rechts 16. Da die Beschwer­de­füh­rer im Popu­lark­la­ge­ver­fah­ren vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof jedoch nicht die Ver­let­zung eige­ner Rech­te gel­tend gemacht haben und eine sol­che auch nicht ersicht­lich ist, schei­det eine Ver­let­zung von Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG durch die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung vom 03.07.2013 von vorn­her­ein aus 17.
Nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen ist aller­dings die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung von ver­fas­sungs­be­schwer­de­fä­hi­gen Rech­ten der Beschwer­de­füh­rer durch die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung und das ange­grif­fe­ne Schrei­ben des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs inso­weit, als sie rügen, dass im Ver­fah­ren vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof das Recht auf recht­li­ches Gehör und der Anspruch auf den gesetz­li­chen Rich­ter ver­letzt wor­den sei­en. Auch im (Popularklage-)Verfahren vor den Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­ten gel­ten die Pro­zess­grund­rech­te des Grund­ge­set­zes 18. Das­sel­be gilt, soweit die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eine Ver­let­zung von Art.19 Abs. 4 GG bezie­hungs­wei­se des Rechts­staats­prin­zips in Ver­bin­dung mit Art. 103 Abs. 1 GG dar­in erblickt, dass die Beschwer­de­füh­rer im Rah­men des Popu­lark­la­ge­ver­fah­rens beim Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof kei­ne Anhö­rungs­rü­ge gegen die gel­tend gemach­te Ver­let­zung ihres Anspruchs auf recht­li­ches Gehör erhe­ben konn­ten.
Eben­falls beschwer­de­be­fugt sind die Beschwer­de­füh­rer, soweit sie eine Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 1 GG durch die vom Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung von Art. 7 Abs. 2, Art. 12 Abs. 3 BV und die auf die­ser Grund­la­ge ange­nom­me­ne Ver­ein­bar­keit von Art. 18a GO und Art. 12a LKrO mit der Baye­ri­schen Ver­fas­sung rügen.
Zwar sind im Rah­men der Popu­lark­la­ge im Sin­ne von Art. 98 Satz 4 BV Prü­fungs­maß­stab allein Vor­schrif­ten der baye­ri­schen Ver­fas­sung. Die Län­der sind, abge­se­hen von Art. 28 Abs. 1 GG, der nur ein gewis­ses Maß an Homo­ge­ni­tät der Bun­des­ver­fas­sung und der Lan­des­ver­fas­sun­gen (im mate­ri­el­len Sinn) for­dert, zudem frei in der Aus­ge­stal­tung ihrer Ver­fas­sung, soweit das Grund­ge­setz nichts ande­res vor­schreibt 19. Dies bedeu­tet auch, dass sie – abge­se­hen vom Fal­le des Art. 99 GG – auch durch eine eige­ne Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit über die Ver­ein­bar­keit von Lan­des­ge­set­zen mit der Lan­des­ver­fas­sung ent­schei­den und die­se in den oben beschrie­be­nen Gren­zen grund­sätz­lich ohne (inhalt­li­che) Kon­trol­le durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­le­gen kön­nen 20. Die von die­sen getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht voll­um­fäng­lich nach. Es ist kei­ne zwei­te Instanz über den Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­ten 21, son­dern an die Aus­le­gung einer Norm der Lan­des­ver­fas­sung durch ein Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich gebun­den 22.
Prü­fungs­maß­stab bei Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te[↑]
Gren­zen der Ent­schei­dungs­ge­walt der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te erge­ben sich jedoch aus den Grund­rech­ten und den ande­ren für den Lan­des­ver­fas­sungs­ge­ber unmit­tel­bar bin­den­den Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes (Art.20 Abs. 3, Art. 1 Abs. 3 GG), so dass Aus­le­gung und Anwen­dung der Lan­des­ver­fas­sun­gen die­sen Vor­ga­ben nicht wider­spre­chen dür­fen 23. Daher über­prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ent­schei­dung eines Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts über die Ver­ein­bar­keit einer Norm des Lan­des­rechts mit der Lan­des­ver­fas­sung und die dabei vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung – wie die Ent­schei­dun­gen der Fach­ge­rich­te – auch auf ihre Ver­ein­bar­keit mit dem in Art. 3 Abs. 1 GG ver­an­ker­ten Will­kür­ver­bot 24.
Der Prü­fungs­maß­stab für die vor­lie­gen­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de ergibt sich aus Art. 3 Abs. 1, Art. 103 Abs. 1, Art. 101 Abs. 1 Satz 2 und Art.19 Abs. 4 GG sowie aus Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG. Nicht dar­un­ter fällt das Homo­ge­ni­täts­ge­bot des Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG und die es kon­kre­ti­sie­ren­den Rege­lun­gen in Art. 28 Abs. 1 Satz 2 bis 4 GG. Die­se legen den Län­dern Pflich­ten gegen­über dem Bund auf und bezie­hen sich inso­weit nur auf das bun­des­staat­li­che Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Bund und Län­dern. Als Homo­ge­ni­täts­ge­bot gilt Art. 28 Abs. 1 GG für die Län­der, nicht in ihnen 25. Er ver­mit­telt den Beschwer­de­füh­rern kein sub­jek­ti­ves Recht, des­sen Ver­let­zung im Rah­men einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de fest­ge­stellt wer­den könn­te 26.
Die Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs vom 12.06.2013 ver­stößt nicht gegen das in Art. 3 Abs. 1 GG ver­an­ker­te Will­kür­ver­bot.
Ein sol­cher Ver­stoß liegt nur vor, wenn eine feh­ler­haf­te Rechts­an­wen­dung bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der das Grund­ge­setz beherr­schen­den Gedan­ken nicht mehr ver­ständ­lich ist und sich daher der Schluss auf­drängt, dass sie auf sach­frem­den Erwä­gun­gen beruht 27. Das ist anhand objek­ti­ver Kri­te­ri­en fest­zu­stel­len 28. Will­kür liegt vor, wenn eine offen­sicht­lich ein­schlä­gi­ge Norm nicht berück­sich­tigt oder der Inhalt einer Norm in kras­ser Wei­se miss­deu­tet wird. Von einer der­ma­ßen will­kür­li­chen Miss­deu­tung kann jedoch nicht gespro­chen wer­den, wenn das Gericht sich mit der Rechts­la­ge ein­ge­hend aus­ein­an­der­setzt und sei­ne Auf­fas­sung nicht jedes sach­li­chen Grun­des ent­behrt 29. Die Aus­le­gung eines Geset­zes ist will­kür­lich, wenn sie das gesetz­ge­be­ri­sche Anlie­gen grund­le­gend ver­fehlt, indem dem Gesetz ein Sinn unter­legt wird, den der Gesetz­ge­ber offen­sicht­lich nicht hat ver­wirk­li­chen wol­len, den er nicht aus­ge­drückt hat und den das Gesetz auch nicht im Ver­lauf einer Rechts­ent­wick­lung auf­grund gewan­del­ter Anschau­un­gen erhal­ten hat 30.
Die Aus­le­gung von Art. 28 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV und Art. 7 Abs. 2, Art. 12 Abs. 3 BV, dass die­se einer Teil­nah­me von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen nicht ent­ge­gen­ste­hen, ver­stößt nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG.
Bei der Aus­le­gung von Art. 28 Abs. 1 GG ist eine Ver­let­zung des Will­kür­ver­bots nicht fest­stell­bar.
Zwar ist zwei­fel­haft, ob die Annah­me, dass Ver­stö­ße von baye­ri­schem Lan­des­recht gegen Bun­des­recht nur dann als Ver­stoß gegen die Baye­ri­sche Ver­fas­sung anzu­se­hen sind, wenn der Wider­spruch offen zuta­ge tritt und als schwer­wie­gen­der, beson­ders kras­ser Ein­griff in die Rechts­ord­nung zu wer­ten ist 31, auch im Hin­blick auf die Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes ver­tret­bar ist, die die Ver­fas­sungs­au­to­no­mie der Län­der begren­zen, das heißt im Hin­blick auf das Homo­ge­ni­täts­ge­bot des Art. 28 Abs. 1 GG, die Grund­rech­te des Grund­ge­set­zes 32 sowie die in die Lan­des­ver­fas­sun­gen hin­ein­wir­ken­den Ele­men­te des Grund­ge­set­zes 33. Gemäß Art. 100 Abs. 1 Satz 2 GG sind auch Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te zur Vor­la­ge von Lan­des­recht an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­pflich­tet, wenn sie von der Ver­let­zung des Grund­ge­set­zes durch Lan­des­recht über­zeugt sind 34. Die­se Über­zeu­gung setzt vor­aus, dass die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te Lan­des­recht auch tat­säch­lich an den für sie ver­bind­li­chen Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes über­prü­fen und daher das Grund­ge­setz auch anwen­den und erfor­der­li­chen­falls aus­le­gen. Art. 100 Abs. 1 Satz 2 GG ist kei­ne Beschrän­kung auf offen­sicht­li­che und schwer­wie­gen­de Ver­stö­ße gegen das Grund­ge­setz zu ent­neh­men. Schließ­lich ver­pflich­tet Art. 100 Abs. 3 GG zu einer soge­nann­ten Diver­genz­vor­la­ge, wenn ein Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt bei der Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes von der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts oder eines ande­ren Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts abwei­chen will. Auch dies impli­ziert, dass die Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te das Grund­ge­setz tat­säch­lich aus­le­gen; andern­falls wäre ein Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt nie­mals zu einer Diver­genz­vor­la­ge ver­pflich­tet. Dem trägt die vom Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung prak­ti­zier­te ein­ge­schränk­te Kon­trol­le von Lan­des­recht am Maß­stab der auch für sie ver­bind­li­chen Rege­lun­gen des Grund­ge­set­zes nicht hin­rei­chend Rech­nung.
Das kann im vor­lie­gen­den Fall jedoch dahin­ste­hen, da die Aus­le­gung von Art. 28 Abs. 1 GG durch den Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in der Sache nicht zu bean­stan­den ist. Der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof bejaht weder einen Ver­stoß einer baye­ri­schen Lan­des­vor­schrift gegen Art. 28 Abs. 1 GG, was ihn zu einer Vor­la­ge gemäß Art. 100 Abs. 1 Satz 2 GG ver­pflich­tet hät­te, noch weicht er von der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts oder ande­rer Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te zu die­ser Bestim­mung des Grund­ge­set­zes ab, was zu einer Vor­la­ge gemäß Art. 100 Abs. 3 GG hät­te füh­ren müs­sen. Denn ein­schlä­gi­ge ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Recht­spre­chung zu Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG, das heißt zu der Fra­ge, ob die­se Bestim­mung einer Abstim­mungs­be­rech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten ent­ge­gen­steht, gibt es nicht. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen war der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof berech­tigt, Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG selb­stän­dig aus­zu­le­gen, ohne die Rech­te der Beschwer­de­füh­rer aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG zu ver­let­zen. Ob die Aus­le­gung zutref­fend ist, kann hier dahin­ste­hen, da die Kon­trol­le durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt inso­weit auf eine Will­kür­kon­trol­le beschränkt ist.
Die Annah­me, dass Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG eine Abstim­mungs­be­rech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten bei kom­mu­na­len Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den nicht ver­bie­tet, ist jeden­falls nicht will­kür­lich.
Das Homo­ge­ni­täts­ge­bot des Art. 28 Abs. 1 GG for­dert ein Min­dest­maß an ver­fas­sungs­struk­tu­rel­ler und mate­ri­el­ler Homo­ge­ni­tät der Lan­des­ver­fas­sun­gen mit dem Grund­ge­setz, ohne das der Bun­des­staat nicht funk­tio­nie­ren könn­te 35. Es gebie­tet jedoch kei­ne Uni­for­mi­tät 36. Das Grund­ge­setz geht, im Gegen­teil, von der Ver­fas­sungs­au­to­no­mie der Län­der aus 37. Die Direk­ti­ons­kraft von Art. 28 Abs. 1 GG ist auf die dort genann­ten Staats­struk­tur­prin­zi­pi­en beschränkt, und – soweit nicht Art. 28 Abs. 1 Satz 2 bis 4 GG etwas ande­res anord­nen – auch nur auf deren Grund­sät­ze, nicht auf die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung, die sie im Grund­ge­setz erfah­ren haben 38. Das gilt nament­lich für die Grund­ent­schei­dung des Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG für Demo­kra­tie und Volks­sou­ve­rä­ni­tät sowie die dar­aus abzu­lei­ten­den Grund­sät­ze der demo­kra­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on und Legi­ti­ma­ti­on der Staats­ge­walt 39. Einer im Ver­gleich zur Bun­des­ebe­ne stär­ke­ren Aus­ge­stal­tung von ple­bis­zi­tä­ren Ver­fah­ren auf der Ebe­ne der Län­der steht Art. 28 Abs. 1 GG nicht ent­ge­gen 40.
Das in Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG ent­hal­te­ne Gebot, dass die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung in den Län­dern den Grund­sät­zen des demo­kra­ti­schen Staa­tes im Sin­ne des Grund­ge­set­zes ent­spre­chen müs­se, wird in den Sät­zen 2 bis 4 näher kon­kre­ti­siert. Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG ergänzt Satz 1 41, indem er die Ein­rich­tung einer Ver­tre­tung des Vol­kes in den Län­dern, Krei­sen und Gemein­den vor­schreibt und zugleich Wahl­grund­sät­ze bestimmt, die bei deren Wahl zu beach­ten sind. "Volk" im Sin­ne von Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG sind dabei wie im Rah­men von Art.20 Abs. 2 GG nur die (im jewei­li­gen Wahl­ge­biet ansäs­si­gen) deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen und die ihnen gleich­ge­stell­ten Per­so­nen im Sin­ne von Art. 116 Abs. 1 GG 42.
Der mit Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 21.12 1992 43 ein­ge­füg­te heu­ti­ge Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG bestimmt, dass bei Wah­len in Krei­sen und Gemein­den auch Per­so­nen, die die Staats­an­ge­hö­rig­keit eines Mit­glied­staa­tes der Euro­päi­schen Gemein­schaft besit­zen, nach Maß­ga­be von Recht der Euro­päi­schen Gemein­schaft wahl­be­rech­tigt und wähl­bar sind. Die­se dyna­mi­sche Ver­wei­sung 44 soll einen Wider­spruch zwi­schen deut­schem und unio­na­lem Recht ver­mei­den, das in der Richt­li­nie 94/​80/​EG des Rates vom 19.12 1994 über die Ein­zel­hei­ten der Aus­übung des akti­ven und pas­si­ven Wahl­rechts bei den Kom­mu­nal­wah­len für Uni­ons­bür­ger mit Wohn­sitz in einem Mit­glied­staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit sie nicht besit­zen 3 (vgl. Art. 22 Abs. 1 Satz 2 AEUV), die Ein­zel­hei­ten fest­legt. Danach kön­nen Uni­ons­bür­ger, die ihren Wohn­sitz in einem Mit­glied­staat haben, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit sie nicht besit­zen, dort das akti­ve und das pas­si­ve Wahl­recht bei den Kom­mu­nal­wah­len aus­üben (Art. 1 Abs. 1 Richt­li­nie 94/​80/​EG). Als "Kom­mu­nal­wah­len" bezeich­net die Richt­li­nie die all­ge­mei­nen, unmit­tel­ba­ren Wah­len, die dar­auf abzie­len, die Mit­glie­der der Ver­tre­tungs­kör­per­schaft und gege­be­nen­falls gemäß den Rechts­vor­schrif­ten jedes Mit­glied­staa­tes den Lei­ter und die Mit­glie­der des Exe­ku­tiv­or­gans einer loka­len Gebiets­kör­per­schaft der Grund­stu­fe zu bestim­men (Art. 2 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie). Laut Anhang der Richt­li­nie gel­ten als loka­le Gebiets­kör­per­schaf­ten der Grund­stu­fe in Deutsch­land die kreis­frei­en Städ­te bezie­hungs­wei­se Stadt­krei­se, Krei­se, Gemein­den und Bezir­ke in der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg und im Land Ber­lin. Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG ver­pflich­tet die Län­der folg­lich, für Kom­mu­nal­wah­len über Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG hin­aus ein Wahl­recht für Uni­ons­bür­ger ande­rer Mit­glied­staa­ten vor­zu­se­hen 45. Abstim­mun­gen im Sin­ne von Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG, das heißt Ent­schei­dun­gen über Sach­fra­gen, wer­den weder in Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG noch im euro­päi­schen Pri­mär­recht oder in der Richt­li­nie 94/​80/​EG des Rates erwähnt.
Die Aus­le­gung von Art. 28 Abs. 1 GG durch den Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof ist zwar durch den Wort­laut der Norm nicht erfasst, ent­behrt aber nicht sach­li­cher Grün­de und ist daher nicht will­kür­lich im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 GG. Art. 28 Abs. 1 GG ent­hält kei­ne aus­drück­li­che Rege­lung über die Mit­wir­kung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den; die Aus­nah­me­re­ge­lung in Satz 3 sieht ledig­lich eine Wahl­be­rech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten bei Wah­len in Krei­sen und Gemein­den vor. Dar­aus könn­te man, gera­de weil das auch in Art. 28 Abs. 1 Satz 1 und 2 GG ver­an­ker­te Prin­zip der Volks­sou­ve­rä­ni­tät allein das deut­sche Volk zum Legi­ti­ma­ti­ons­sub­jekt aller staat­li­chen Gewalt bestimmt und Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG die Aus­übung von Staats­ge­walt in der Form der Abstim­mung eben­falls dem Staats­volk vor­be­hält, schlie­ßen, dass Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG eine Abstim­mungs­be­rech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten in den Län­dern gene­rell ver­bie­tet 46.
Zwin­gend ist dies jedoch nicht. Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG ord­net an, dass Uni­ons­bür­ger ande­rer Mit­glied­staa­ten bei der Wahl der Volks­ver­tre­tun­gen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne wahl­be­rech­tigt sind. Damit kön­nen sie die per­so­nel­le Zusam­men­set­zung kom­mu­na­ler Volks­ver­tre­tun­gen unmit­tel­bar mit­be­stim­men und dadurch mit­tel­bar an den dort zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen mit­wir­ken. Soweit sie als Inha­ber des pas­si­ven Wahl­rechts zum Mit­glied einer Volks­ver­tre­tung gewählt sind, wir­ken sie auch unmit­tel­bar an den zu tref­fen­den Sach­ent­schei­dun­gen mit. Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint es jeden­falls nicht will­kür­lich, Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG auch so aus­zu­le­gen, dass er einer Erstre­ckung der Mit­wir­kungs­rech­te bei kom­mu­na­len Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den auf Uni­ons­bür­ger ande­rer Mit­glied­staa­ten nicht ent­ge­gen­steht 47.
Die Aus­le­gung von Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 BV lässt einen Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot eben­falls nicht erken­nen.
Von jeher geht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt davon aus, dass es für die Aus­le­gung einer Norm auf den in die­ser zum Aus­druck kom­men­den objek­ti­vier­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers ankommt, so wie er sich aus dem Wort­laut der Vor­schrift und dem Sinn­zu­sam­men­hang ergibt, in den sie hin­ein­ge­stellt ist. Nicht ent­schei­dend ist dage­gen die sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung der am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren betei­lig­ten Orga­ne oder ein­zel­ner ihrer Mit­glie­der 48. Der Ent­ste­hungs­ge­schich­te kommt für die Aus­le­gung zwar grund­sätz­lich nur inso­fern Bedeu­tung zu, als sie die Rich­tig­keit einer nach den ange­ge­be­nen Grund­sät­zen ermit­tel­ten Aus­le­gung bestä­tigt oder Zwei­fel behebt, die auf dem ange­ge­be­nen Weg allein nicht aus­ge­räumt wer­den kön­nen 49. Vor­ar­bei­ten für ein Gesetz kön­nen daher in der Regel bloß unter­stüt­zend ver­wer­tet, die in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en doku­men­tier­ten Vor­stel­lun­gen der gesetz­ge­ben­den Instan­zen nicht mit dem objek­ti­ven Geset­zes­in­halt gleich­ge­setzt wer­den 50. Für die Erfas­sung des objek­ti­ven Wil­lens des Gesetz­ge­bers sind viel­mehr alle aner­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den her­an­zu­zie­hen, das heißt die gram­ma­ti­ka­li­sche, sys­te­ma­ti­sche, teleo­lo­gi­sche und his­to­ri­sche Aus­le­gung. Die­se Metho­den ergän­zen sich gegen­sei­tig 51, wobei kei­ne einen unbe­ding­ten Vor­rang vor einer ande­ren hat 52.
Die Aus­le­gung von Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 BV durch den Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof lässt Defi­zi­te inso­weit nicht erken­nen. Vom Wort­laut aus­ge­hend hat er ins­be­son­de­re auf den Zusam­men­hang der Ände­rung von Art. 7 Abs. 2 BV und der Ein­fü­gung von Art. 12 Abs. 3 BV mit der gleich­zei­ti­gen Ein­füh­rung von Art. 18a GO und Art. 12a LKrO abge­stellt. Dabei hat er an Umstän­de und Gege­ben­hei­ten ange­knüpft, aus denen die Ände­rung von Art. 7 Abs. 2 BV und die Ein­fü­gung des Absat­zes 3 in Art. 12 BV erwach­sen und auf die sie bezo­gen sind. Dazu gehört, dass die in Rede ste­hen­den Bestim­mun­gen die gleich­zei­tig erlas­se­nen ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen der Art. 18a GO und Art. 12a LKrO (landes-)verfassungsrechtlich absi­chern soll­ten 53, so dass es der teleo­lo­gi­schen Aus­le­gung ent­spricht, den Rege­lungs­ge­halt von Art. 18a GO und Art. 12a LKrO bei der Aus­le­gung der gleich­zei­tig erlas­se­nen Ver­fas­sungs­nor­men zu berück­sich­ti­gen. Ange­sichts der Gleich­zei­tig­keit von Erlass und Ände­rung im Rah­men ein und des­sel­ben Volks­be­geh­rens sowie der Tat­sa­che, dass mit der Ände­rung von Art. 7 Abs. 2 BV und der Ein­fü­gung von Absatz 3 in Art. 12 BV die Rege­lun­gen in Art. 18a GO und Art. 12a LKrO ver­fas­sungs­recht­lich abge­si­chert wer­den soll­ten 53, war die Berück­sich­ti­gung von Art. 18a GO und Art. 12a LKrO bei der Aus­le­gung von Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 BV nahe­lie­gend und zur Ermitt­lung des gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens sogar gebo­ten.
Zwar dürf­te die Annah­me, dass die Abstim­mungs­be­rech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern im Rah­men von Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den gemäß Art. 18a GO in Ver­bin­dung mit Art. 15 Abs. 2 GO, Art. 1 GLKrWG bezie­hungs­wei­se Art. 12a LKrO in Ver­bin­dung mit Art. 11 Abs. 2 LKrO, Art. 1 GLKrWG zum Zeit­punkt der Ein­rei­chung des Volks­be­geh­rens im Okto­ber 1994 nicht vor­her­seh­bar gewe­sen sei, ange­sichts der bereits im Jah­re 1992 erfolg­ten Anpas­sung des Grund­ge­set­zes an die uni­ons­recht­li­che Rechts­la­ge nach dem Ver­trag von Maas­tricht nicht zutref­fen; die­se Annah­me führt jedoch nicht dazu, dass der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof Art. 7 und Art. 12 BV einen Sinn unter­ge­legt hät­te, den der (Volks-)Gesetzgeber offen­sicht­lich nicht hat ver­wirk­li­chen wol­len oder dass er die in Rede ste­hen­den Nor­men in kras­ser Wei­se miss­deu­tet hät­te.
Es sind – wie der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof fest­ge­stellt hat – kei­ne Anhalts­punk­te dafür ersicht­lich, dass der (Volks-)Gesetzgeber die Abstim­mungs­be­rech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern hat aus­schlie­ßen wol­len. Anlie­gen des Volks­ent­scheids, der Art. 18a GO und Art. 12a LKrO im Jah­re 1994 ein­ge­führt, Art. 7 Abs. 2 BV geän­dert und Art. 12 BV ergänzt hat, war die Ermög­li­chung von mehr direk­ter Demo­kra­tie auf kom­mu­na­ler Ebe­ne 7. Ein­schrän­kun­gen im Hin­blick auf die Wahl­be­rech­tig­ten wur­den nicht the­ma­ti­siert. Auch wenn man davon aus­gin­ge, dass der (Volks-)Gesetzgeber die Rol­le von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten im Rah­men des Volks­be­geh­rens nicht bedacht hat, ist zu berück­sich­ti­gen, dass der (Volks-)Gesetzgeber mit Art. 7 Abs. 2, Art. 12 Abs. 3 BV und Art. 18a GO, Art. 12a LKrO ganz offen­sicht­lich in sich wider­spruchs­freie Rege­lun­gen tref­fen woll­te. Die Ände­run­gen von Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 BV soll­ten der ver­fas­sungs­recht­li­chen Absi­che­rung von Art. 18a GO und Art. 12a LKrO die­nen 53, was – zumin­dest im Hin­blick auf Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­de – einen Gleich­lauf des Ver­ständ­nis­ses der Begrif­fe des "Gemein­de- oder Land­kreis­bür­gers" im Sin­ne von Art. 18a GO und Art. 12a LKrO und des "Staats­bür­gers" im Sin­ne von Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 BV vor­aus­setzt. Es ist daher kei­nes­falls will­kür­lich, wenn der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof auf­grund des engen Zusam­men­hangs von Art. 7 Abs. 2, Art. 12 Abs. 3 BV mit Art. 18a, 15 Abs. 2 GO und Art. 12a, 11 Abs. 2 LKrO und der jeweils an Art. 1 GLKrWG anknüp­fen­den Abstim­mungs­be­rech­ti­gung ange­nom­men hat, dass Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 BV der Teil­nah­me von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten an kom­mu­na­len Abstim­mun­gen nicht ent­ge­gen­ste­hen.
Die Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs vom 12.06.2013 ver­letzt die Beschwer­de­füh­rer auch nicht in ihrem grund­rechts­glei­chen Recht aus Art. 103 Abs. 1 GG.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gewährt Art. 103 Abs. 1 GG den Betei­lig­ten eines gericht­li­chen Ver­fah­rens ein Recht dar­auf, im Ver­fah­ren zu Wort zu kom­men, Anträ­ge zu stel­len und Aus­füh­run­gen zu dem in Rede ste­hen­den Sach­ver­halt, den Beweis­ergeb­nis­sen sowie zur Rechts­la­ge zu machen 54. Die­sem Recht der Betei­lig­ten auf Äuße­rung ent­spricht die Pflicht des Gerichts, Anträ­ge und Aus­füh­run­gen der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und bei sei­ner Ent­schei­dung in Erwä­gung zu zie­hen 55, soweit das Vor­brin­gen nicht aus Grün­den des for­mel­len oder mate­ri­el­len Rechts unbe­rück­sich­tigt gelas­sen wer­den darf 56. Die Gerich­te sind jedoch nicht ver­pflich­tet, jedes Vor­brin­gen der Betei­lig­ten in den Grün­den der Ent­schei­dung aus­drück­lich zu beschei­den 57. Viel­mehr ist grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass ein Gericht das von ihm ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen hat. Ein Gehörs­ver­stoß kann des­halb nur fest­ge­stellt wer­den, wenn er sich aus den beson­de­ren Umstän­den des ein­zel­nen Fal­les deut­lich ergibt 58. Eine gericht­li­che Ent­schei­dung kann zudem nur dann wegen eines Ver­sto­ßes gegen Art. 103 Abs. 1 GG auf­ge­ho­ben wer­den, wenn nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass die Anhö­rung der Betei­lig­ten zu einer ande­ren, ihnen güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung geführt hät­te 59. Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet die Gerich­te aller­dings nicht, der Rechts­an­sicht einer Par­tei zu fol­gen 60.
Abs. 1 GG ver­bie­tet auch soge­nann­te Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen 61. Da die Betei­lig­ten gemäß Art. 103 Abs. 1 GG Gele­gen­heit erhal­ten sol­len, sich zu dem für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Sach­ver­halt, den Beweis­ergeb­nis­sen und den Rechts­auf­fas­sun­gen vor Erlass der Ent­schei­dung zu äußern, setzt eine den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ansprü­chen genü­gen­de Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs vor­aus, dass die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten bei Anwen­dung der von ihnen zu ver­lan­gen­den Sorg­falt zu erken­nen ver­mö­gen, auf wel­chen Vor­trag es für die Ent­schei­dung ankom­men kann 62. Es kann daher der Ver­hin­de­rung eines Vor­trags zur Rechts­la­ge gleich­kom­men, wenn das Gericht ohne vor­he­ri­gen Hin­weis auf einen bestimm­ten recht­li­chen Gesichts­punkt abstellt. Dabei ist aller­dings zu beach­ten, dass das Gericht grund­sätz­lich weder zu einem Rechts­ge­spräch noch zu einem Hin­weis auf sei­ne Rechts­auf­fas­sung ver­pflich­tet ist 63; Art. 103 Abs. 1 GG sta­tu­iert kei­ne all­ge­mei­ne Fra­ge- und Auf­klä­rungs­pflicht des Rich­ters 64. Ein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter muss daher, auch wenn die Rechts­la­ge umstrit­ten oder pro­ble­ma­tisch ist, grund­sätz­lich alle ver­tret­ba­ren recht­li­chen Gesichts­punk­te von sich aus in Betracht zie­hen und sei­nen Vor­trag dar­auf ein­stel­len 65. Ein Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG ist nur dann anzu­neh­men, wenn ein Gericht ohne vor­he­ri­gen Hin­weis Anfor­de­run­gen an den Sach­vor­trag stellt oder auf recht­li­che Gesichts­punk­te abstellt, mit dem bezie­hungs­wei­se mit denen auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter – selbst unter Berück­sich­ti­gung der Viel­falt ver­tret­ba­rer Rechts­auf­fas­sun­gen – nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen braucht 66.
Gemes­sen hier­an ist eine Ver­let­zung der Rech­te der Beschwer­de­füh­rer aus Art. 103 Abs. 1 GG nicht erkenn­bar.
Soweit die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eine Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG dar­in erblickt, dass der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof von der aus Sicht der Beschwer­de­füh­rer abwe­gi­gen und über­ra­schen­den Annah­me aus­ge­gan­gen ist, dass die Berech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten zur Teil­nah­me an Bür­ger­be­geh­ren und ‑ent­schei­den bei Ein­rei­chung des Volks­be­geh­rens nicht abseh­bar gewe­sen sei, ist eine sol­che nicht erkenn­bar. Die Behaup­tung, eine rich­ter­li­che Tat­sa­chen­fest­stel­lung sei falsch, berührt nicht das von Art. 103 Abs. 1 GG ver­bürg­te Recht, sich im Ver­fah­ren äußern zu kön­nen und gehört zu wer­den, und ver­mag daher einen Vor­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG grund­sätz­lich nicht zu begrün­den 67. Art. 103 Abs. 1 GG gewährt kei­nen Anspruch auf eine "rich­ti­ge" Ent­schei­dung.
Soweit die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zur Begrün­dung eines Ver­sto­ßes gegen Art. 103 Abs. 1 GG vor­trägt, dass die Aus­füh­run­gen der Beschwer­de­füh­rer zu Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG nicht ange­mes­sen gewür­digt wor­den sei­en, ist eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör eben­falls nicht ersicht­lich. Das­sel­be gilt, soweit vor­ge­tra­gen wird, dass der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof zumin­dest dar­auf hät­te hin­wei­sen müs­sen, dass die Aus­füh­run­gen der Beschwer­de­füh­rer zu Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG, ins­be­son­de­re zu sei­ner Ent­ste­hungs­ge­schich­te, für ihn ohne maß­geb­li­che Bedeu­tung sei­en.
Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat sich in der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung mit der Aus­le­gung von Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG aus­ein­an­der­ge­setzt und dabei auch die von den Beschwer­de­füh­rern ver­tre­te­ne Ansicht berück­sich­tigt, dass Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG eine eng aus­zu­le­gen­de Aus­nah­me­re­ge­lung sei. Er hat die­se Rechts­an­sicht sei­ner Prü­fung von Art. 18a GO und Art. 12a LKrO am Maß­stab von Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV zugrun­de gelegt und inso­fern in Erwä­gung gezo­gen. Der Gesichts­punkt, dass Abstim­mun­gen bewusst nicht in Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG auf­ge­nom­men wor­den sei­en, spiel­te in die­sem Zusam­men­hang für den Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof auf­grund des zurück­ge­nom­me­nen Prü­fungs­maß­stabs bei Art. 3 Abs. 1 Satz 1 BV kei­ne ent­schei­den­de Rol­le. Das war auf­grund sei­ner stän­di­gen Recht­spre­chung auch vor­her­seh­bar. Vor die­sem Hin­ter­grund war es fol­ge­rich­tig, dass er nicht auf alle für die Inter­pre­ta­ti­on des Bun­des­rechts rele­van­ten Gesichts­punk­te ein­ge­gan­gen ist.
Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof ist zudem – anders als die Ver­fas­sungs­be­schwer­de annimmt – kei­nes­wegs davon aus­ge­gan­gen, dass die durch das Volks­be­geh­ren 1994 ein­ge­führ­ten Rege­lun­gen des Art. 18a GO und Art. 12a LKrO sowie die gleich­zei­tig beschlos­se­nen Ände­run­gen von Art. 7 und Art. 12 BV Vor­ga­ben des Art. 28 Abs. 1 Satz 3 GG nach­voll­zo­gen hät­ten. Er hat ledig­lich fest­ge­stellt, dass die­se Grund­ge­setz­be­stim­mung – unge­ach­tet ihres auf Wah­len beschränk­ten Wort­lauts – einer Abstim­mungs­be­rech­ti­gung von Uni­ons­bür­gern ande­rer Mit­glied­staa­ten nicht (gene­rell) ent­ge­gen­ste­he.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist auch inso­weit unbe­grün­det, als sie rügt, dass der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof auf die Struk­tur­un­ter­schie­de zwi­schen Wah­len und Abstim­mun­gen nicht ein­ge­gan­gen sei. Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat das Ver­hält­nis von Beschlüs­sen gewähl­ter kom­mu­na­ler Ver­tre­tungs­or­ga­ne und Bür­ger­ent­schei­den auf kom­mu­na­ler Ebe­ne aus­drück­lich behan­delt und sich inso­weit mit den – für die Popu­lark­la­ge rele­van­ten – Unter­schie­den zwi­schen Kom­mu­nal­wah­len und Bür­ger­ent­schei­den befasst. Er hat dar­ge­legt, aus wel­chen Grün­den er Beschlüs­se kom­mu­na­ler Ver­tre­tungs­or­ga­ne und Bür­ger­ent­schei­de für ver­gleich­bar hält und wes­halb es aus sei­ner Sicht inso­fern sys­tem­kon­form ist, die­sel­ben Per­so­nen als wahl- bezie­hungs­wei­se abstim­mungs­be­rech­tigt anzu­se­hen. Er hat damit zu erken­nen gege­ben, dass er den gegen­tei­li­gen Gedan­ken der Beschwer­de­füh­rer nicht folgt.
Schließ­lich ver­letzt die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung vom 12.06.2013 den Anspruch der Beschwer­de­füh­rer auf recht­li­ches Gehör auch nicht dadurch, dass der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof vor sei­ner Ent­schei­dung nicht dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass er der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des geän­der­ten Art. 7 Abs. 2 BV und des neu ein­ge­füg­ten Art. 12 Abs. 3 BV maß­geb­li­che Bedeu­tung für deren Aus­le­gung zukom­men las­sen woll­te. Wie dar­ge­legt ist die vom Ver­fas­sungs­ge­richts­hof vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung von Art. 7 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 BV metho­disch nicht zu bean­stan­den und liegt für einen gewis­sen­haf­ten und kun­di­gen Pro­zess­be­tei­lig­ten auch nicht außer­halb des Erkenn­ba­ren.
Soweit die Beschwer­de­füh­rer behaup­ten, durch die feh­len­de Mög­lich­keit, beim Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof eine Anhö­rungs­rü­ge erhe­ben zu kön­nen, in ihren Rech­ten aus Art. 103 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG bezie­hungs­wei­se Art.19 Abs. 4 GG ver­letzt zu sein, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eben­falls nicht zur Ent­schei­dung anzu­neh­men. Die Fra­ge, ob der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in Über­tra­gung der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 30.04.2003 ver­pflich­tet gewe­sen wäre, das Popu­lark­la­ge­ver­fah­ren auf­grund der Anhö­rungs­rü­ge der Beschwer­de­füh­rer fort­zu­set­zen 68, bedarf vor­lie­gend man­gels Ver­let­zung des Rechts der Beschwer­de­füh­rer aus Art. 103 Abs. 1 GG und wegen der dar­aus fol­gen­den Erfolg­lo­sig­keit eines Gehörs­rü­ge­ver­fah­rens kei­ner Ent­schei­dung.
Anhö­rungs­rü­ge und gesetz­li­cher Rich­ter, Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG[↑]
Die unter­blie­be­ne Wei­ter­lei­tung der Anhö­rungs­rü­ge an die Spruch­grup­pe des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs ver­letzt die Beschwer­de­füh­rer nicht in ihren Rech­ten aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.
Das Gebot des gesetz­li­chen Rich­ters in Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG bedeu­tet, dass kein ande­rer als der Rich­ter tätig wer­den und ent­schei­den soll, der in den all­ge­mei­nen Nor­men der Geset­ze und der Geschäfts­ver­tei­lungs­plä­ne der Gerich­te dafür vor­ge­se­hen ist 69. Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG gewährt inso­fern einen Anspruch auf den sich aus dem Gerichts­ver­fas­sungs­ge­setz, den Pro­zess­ord­nun­gen sowie den Geschäfts­ver­tei­lungs- und Beset­zungs­re­ge­lun­gen des Gerichts erge­ben­den Rich­ter 70. Er setzt daher einen Bestand von Rechts­sät­zen vor­aus, die für jeden denk­ba­ren Streit­fall im Vor­aus den Rich­ter bezeich­nen, der für die Ent­schei­dung zustän­dig ist 71 und ver­pflich­tet dazu, Rege­lun­gen zu tref­fen, aus denen sich der gesetz­li­che Rich­ter ergibt 72. Gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist dabei nicht nur das Gericht als orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit oder das Gericht als Spruch­kör­per, vor dem ver­han­delt und von dem die ein­zel­ne Sache ent­schie­den wird, son­dern auch der zur Ent­schei­dung im Ein­zel­fall beru­fe­ne kon­kre­te Rich­ter 73. Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG gewährt jedoch kein Recht auf einen Pro­zess und damit auch kein Recht auf einen bestimm­ten Rechts­be­helf oder ein bestimm­tes Rechts­mit­tel. Er setzt den Zugang zu Gericht viel­mehr vor­aus. Ob ein sol­cher bestehen muss, ist eine an Art.19 Abs. 4 GG bezie­hungs­wei­se dem all­ge­mei­nen Jus­tiz­ge­wäh­rungs­an­spruch gemäß Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG zu mes­sen­de Fra­ge 74.
Durch die unter­blie­be­ne Befas­sung der Spruch­grup­pe des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs mit ihrer Anhö­rungs­rü­ge sind die Beschwer­de­füh­rer nicht in ihrem grund­rechts­glei­chen Recht aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­letzt wor­den. Das Gesetz über den Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof sieht – anders als die Ver­fah­rens­ord­nun­gen für fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren (z.B. § 321a ZPO, § 152a VwGO oder § 33a StPO) – kei­nen Rechts­be­helf gegen eine ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Ent­schei­dung vor, auch kei­nen, im Rah­men des­sen die Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör durch den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gerügt wer­den könn­te. Die Annah­me, dass die für fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren kon­zi­pier­ten Rege­lun­gen über die Anhö­rungs­rü­ge nicht auf das Ver­fah­ren vor dem Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof anwend­bar sind und eine Anhö­rungs­rü­ge inso­fern nicht statt­haft ist, ist ver­fas­sungs­recht­lich – ins­be­son­de­re unter Berück­sich­ti­gung des Gebots der Rechts­mit­tel­klar­heit 75 – nicht zu bean­stan­den. Wenn aber schon kein Rechts­be­helf gege­ben ist, wur­den die Beschwer­de­füh­rer durch das die­se Rechts­la­ge erklä­ren­de Schrei­ben des Prä­si­den­ten des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs und die unter­blie­be­ne Befas­sung und Ent­schei­dung der Spruch­grup­pe des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs auch nicht ihrem gesetz­li­chen Rich­ter im Sin­ne von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ent­zo­gen.
Demo­kra­tie­prin­zip[↑]
Die Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs ver­stößt schließ­lich auch nicht gegen den aus Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 28 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG ver­an­ker­ten Anspruch der Beschwer­de­füh­rer auf Demo­kra­tie 76. Obwohl das Demo­kra­tie­prin­zip durch eine unzu­läs­si­ge Aus­deh­nung der Wahl­be­rech­tig­ten durch­aus ver­letzt wer­den kann 77, wird der durch den Anspruch auf Demo­kra­tie gemäß Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 28 Abs. 1 und Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­te Men­schen­wür­de­ge­halt poli­ti­scher Selbst­be­stim­mung in der Regel nicht allein dadurch berührt, dass die­ses Recht zu Unrecht auch Drit­ten ein­ge­räumt wird 78.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 31. März 2016 – 2 BvR 1576/​13
Brand­schutz­recht­li­che Män­gel – und die sofor­ti­ge… Ist nicht hin­rei­chend nach­ge­wie­sen, dass gra­vie­ren­de brand­schutz­recht­li­che Män­gel – wie etwa das Feh­len eines ers­ten oder zwei­ten Ret­tungs­wegs oder Beden­ken gegen die Stand­fes­tig­keit einer Groß­ga­ra­ge…
vgl. BT-Drs. 12/​3338, S. 5[↩]
BGBl I S.2086[↩]
ABl EG Nr. L 368 vom 31.12 1994, S. 38 ff.[↩][↩]
GVBl S. 371[↩]
Gesetz vom 27.10.1995, GVBl S. 730[↩]
Bay­VerfGH, Beschluss vom 12.06.2013 – Vf. 11-VII-11[↩]
vgl. LTDrucks 13/​1252, S. 1[↩][↩]
BVerfGE 83, 37, 59[↩]
vgl. BVerfGE 4, 178, 189; 36, 342, 361; 60, 175, 207 f.; 96, 345, 368 f.[↩]
vgl. BVerfGE 36, 342, 357; 41, 88, 119; 60, 175, 209; 96, 231, 242; 107, 1, 10[↩]
vgl. BVerfGE 6, 445, 447; 13, 132, 140; 42, 312, 325; 85, 148, 157; 96, 231, 242; BVerfGK 8, 169, 171; 17, 131, 131; BVerfG, Beschluss vom 25.07.1990 – 1 BvR 1438/​89 1; BVerfG, Beschluss vom 19.04.1993 – 1 BvR 744/​91, NVwZ 1994, S. 59, 60; BVerfG, Beschluss vom 08.01.1996 – 2 BvR 2604/​95 5; BVerfG, Beschluss vom 27.10.1997 – 1 BvR 1604/​97 u.a., NJW 1999, S. 1020, 1020; BVerfG, Beschluss vom 25.03.2004 – 2 BvR 596/​01, NVwZ 2004, S. 980; BVerfG, Beschluss vom 08.07.2008 – 2 BvR 1223/​08 3[↩]
vgl. BVerfGE 96, 231, 242 f.; BVerfG, Beschluss vom 14.01.1998 – 2 BvR 2306/​96, NVwZ 1998, S. 387, 388; BVerfG, Beschluss vom 25.03.2004 – 2 BvR 596/​01, NVwZ 2004, S. 980; BVerfG, Beschluss vom 08.07.2008 – 2 BvR 1223/​08 3[↩]
vgl. BVerfGE 96, 231, 243[↩]
vgl. BVerfGE 13, 132, 151; 27, 297, 305[↩]
vgl. BVerfGE 27, 297, 305; 83, 182, 194[↩]
vgl. BVerfGE 61, 82, 110[↩]
vgl. BVerfGE 13, 132, 151[↩]
vgl. BVerfGE 13, 132, 140 ff.; 60, 175, 210 ff.; 69, 112, 120 ff.; 96, 231, 243 f.; vgl. auch BVerfGK 17, 131, 132; BVerfG, Beschluss vom 25.07.1990 – 1 BvR 1438/​89 1 ff.; BVerfG, Beschluss vom 19.04.1993 – 1 BvR 744/​91, NVwZ 1994, S. 59, 60; BVerfG, Beschluss vom 27.10.1997 – 1 BvR 1604/​97 u.a., NJW 1999, S. 1020, 1020[↩]
vgl. BVerfGE 6, 445, 449; 41, 88, 118 f.; 60, 175, 208 f.; BVerfGK 8, 169, 171 f.; 17, 131, 131 f.[↩]
vgl. BVerfGE 42, 312, 325; 97, 298, 314[↩]
vgl. BVerfGE 6, 445, 449; 42, 312, 325; BVerfG, Beschluss vom 30.06.2015 – 2 BvR 1282/​11, NVwZ 2015, S. 1434, 1434 ff., 1439 f.[↩]
vgl. BVerfGE 60, 175, 209, 214[↩]
vgl. BVerfGE 1, 208, 236 f.; 6, 104, 111[↩]
vgl. BVerfGE 1, 208, 236; 6, 376, 383 f.; 99, 1, 8; BVerfGK 15, 186, 190; BVerfG, Beschluss vom 26.08.2013 – 2 BvR 441/​13, NVwZ 2013, S. 1540, 1541[↩]
vgl. BVerfGE 4, 1, 7; 42, 64, 72 ff.; 54, 117, 125; 55, 72, 89 f.; 58, 163, 167 f.; 59, 128, 160 f.; 62, 189, 192; 70, 93, 97; 80, 48, 51; 81, 132, 137[↩]
vgl. BVerfGE 42, 64, 73; 58, 163, 167 f.; 70, 93, 97; 87, 273, 279; 96, 189, 203[↩]
vgl. BVerfGE 87, 273, 279; 89, 1, 14; 96, 189, 203[↩]
vgl. BVerfGE 86, 59, 64[↩]
vgl. auch Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 20.06.2008 – Vf. 14-VII/00, NJW-RR 2008, S. 1403, 1405; Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 23.10.2008 – Vf. 10-VII-07, NVwZ 2009, S. 716, 716; Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 24.05.2012 – Vf. 1‑VII-10, NVwZ-RR 2012, S. 665, 667[↩]
vgl. BVerfGE 42, 312, 325; 97, 298, 314 f.[↩]
vgl. BVerfGE 1, 208, 232 f.; 27, 44, 55; 103, 332, 352 f.[↩]
vgl. BVerfGE 36, 342, 356; 69, 112, 117 f.[↩]
vgl. BVerfGE 36, 342, 361; 90, 60, 84[↩]
vgl. BVerfGE 9, 268, 279[↩]
vgl. BVerfGE 36, 342, 361; 90, 60, 84 f.[↩]
vgl. BVerfGE 90, 60, 84 f.[↩]
vgl. BVerfGE 9, 268, 281; 47, 253, 272; 83, 60, 71; 93, 37, 66[↩]
vgl. Bar­ley, Das Kom­mu­nal­wahl­recht für Aus­län­der nach der Neu­ord­nung des Art. 28 Abs. 1 S. 3 GG, 1999, S. 68; Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Abs. 1 Rn. 64 ff., Dezem­ber 2014; Tettinger/​Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2010, Art. 28 Abs. 1 Rn. 47[↩]
vgl. BVerfGE 83, 37, 58[↩]
vgl. BVerfGE 83, 37, 53; 83, 60, 71; StGH Bre­men, Urteil vom 31.01.2014 – St 1/​13, Nor­dÖR 2014, 262, 263 ff.[↩]
vgl. Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Abs. 1 Rn. 123, Dezem­ber 2014[↩]
vgl. Bar­ley, Das Kom­mu­nal­wahl­recht für Aus­län­der nach der Neu­ord­nung des Art. 28 Abs. 1 S. 3 GG, 1999, S. 72; Tettinger/​Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2010, Art. 28 Abs. 1 Rn. 118[↩]
so z.B. Tettinger/​Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2010, Art. 28 Abs. 1 Rn. 121[↩]
vgl. Engel­ken, NVwZ 1995, S. 432, 434; Meh­de, in: Maunz/​Dürig, Art. 28 Abs. 1 Rn. 124, Dezem­ber 2014[↩]
vgl. BVerfGE 1, 299, 312; 10, 234, 244; 35, 263, 278; 105, 135, 157; 133, 168, 205 Rn. 66[↩]
vgl. BVerfGE 1, 299, 312; 11, 126, 130 f.; 59, 128, 153; 119, 96, 179 im Rah­men eines Son­der­vo­tums; 119, 247, 290[↩]
vgl. BVerfGE 11, 126, 130; 62, 1, 45[↩]
vgl. BVerfGE 11, 126, 130; 133, 168, 205 Rn. 66[↩]
vgl. BVerfGE 105, 135, 157; 133, 168, 205 Rn. 66[↩]
vgl. LTDrucks 13/​1252, S. 5[↩][↩][↩]
vgl. BVerfGE 6, 19, 20; 15, 303, 307; 36, 85, 87; 60, 175, 210; 64, 135, 143 f.; 65, 227, 234; 83, 24, 35; 86, 133, 144; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 11, 218, 220; 14, 320, 323; 42, 364, 367 f.; 60, 250, 252; 83, 24, 35; 96, 205, 216; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 18, 380, 383; 21, 191, 194; 69, 145, 148 f.; 70, 288, 294; 96, 205, 216; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 5, 22, 24; 13, 132, 149; 22, 267, 274; 88, 366, 375; 96, 205, 216 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 22, 267, 274; 88, 366, 375 f.; 96, 205, 217; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 7, 239, 241; 7, 275, 281; 9, 261, 267; 10, 177, 184; 13, 132, 145[↩]
vgl. BVerfGE 107, 395, 410 unter Ver­weis auf BVerfGE 84, 188, 190; 86, 133, 144 f.; vgl. auch BVerfGK 14, 455, 456[↩]
vgl. BVerfGE 84, 188, 190; 86, 133, 144 f.; BVerfG, Beschluss vom 20.09.2012 – 1 BvR 1633/​09 11; BVerfG, Beschluss vom 25.04.2015 – 1 BvR 2314/​12, NJW 2015, S. 1867, 1868 f.[↩]
vgl. BVerfGE 74, 1, 6; 84, 188, 190; 86, 133, 145; 98, 218, 263; BVerfGK 14, 455, 456[↩]
vgl. BVerfGE 84, 188, 190; 86, 133, 144 f.; 98, 218, 263; BVerfG, Beschluss vom 15.10.2009 – 1 BvR 3474/​08 64; BVerfG, Beschluss vom 14.10.2010 – 2 BvR 409/​0920; BVerfG, Beschluss vom 05.04.2012 – 2 BvR 2126/​11, NJW 2012, S. 2262, 2262; BVerfG, Beschluss vom 25.04.2015 – 1 BvR 2314/​12, NJW 2015, S. 1867, 1869[↩]
vgl. BVerfGE 22, 267, 273[↩]
vgl. BVerfGE 107, 395, 418[↩]
vgl. BVerfGE 21, 139, 145; 48, 246, 254[↩]
vgl. BVerfGE 89, 28, 36; 133, 168, 202 f. Rn. 62[↩]
vgl. BVerfGE 2, 307, 319 f.; 19, 52, 60[↩]
vgl. BVerfGE 19, 52, 60; 95, 322, 328[↩]
vgl. BVerfGE 17, 294, 298 f.; 95, 322, 329[↩]
vgl. BVerfGE 107, 395, 401 ff., 409; Clas­sen, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 101 Abs. 1 Rn. 9, 44[↩]
vgl. BVerfGE 107, 395, 416 f.[↩]
vgl. BVerfGE 135, 317, 386 Rn. 125[↩]
vgl. BVerfGE 83, 37, 50 ff.; 83, 60, 71 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 08.01.1997 – 2 BvR 2862/​95, NVwZ 1998, S. 52, 53; BVerfG, Beschluss vom 19.02.1997 – 2 BvR 2621/​95, NVwZ 1998, S. 52[↩]
BürgerbegehrenBürgerentscheidUnionsbürger

References: Art. 103
 Art. 103
 Art. 101
 Art. 101
 Art.19
 Art.20
 Art. 22
 Art. 28
 Art. 22
 Art. 1
 Art. 1

Art. 1
 Art. 116
 Art. 2
 Art. 1

Art. 1
 Art. 116
 Art. 7
 Art. 18
 Art. 15
 Art. 11
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 2
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 101
 Art. 28
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 1
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 2
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 1
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 116
 Art. 75
 Art. 4
 Art. 79
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 2
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 101
 Art. 101
 Art. 103
 Art. 3
 Art.19
 Art. 101
 Art. 103
 Art.19
 § 90
 Art. 28
 Art. 1
 Art.20
 Art. 93
 § 90
 Art. 93
 Art. 98
 Art.19
 Art.19
 Art.19
 Art.19
 Art.19
 Art. 103
 Art. 3
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 98
 Art. 28
 Art. 99
 Art. 1
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 103
 Art. 101
 Art.19
 Art.20
 Art. 1
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 3
 Art. 28
 Art. 3
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 3
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 100
 Art. 100
 Art. 100
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 100
 Art. 100
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 101
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art.20
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art.20
 Art. 116
 Art. 28
 Art. 22
 Art. 28
 Art. 28
 Art.20
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 3
 Art. 28
 Art. 28
 Art.20
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 15
 Art. 1
 Art. 12
 Art. 11
 Art. 1
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 1
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 3
 Art. 28
 Art. 3
 Art. 18
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 28
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 103
 Art.20
 Art.19
 Art. 103
 Art. 101
 Art. 101
 Art. 101
 Art. 101
 Art. 101
 Art.19
 Art. 2
 Art.20
 Art. 101
 § 321
 § 152
 § 33
 Art. 101
 Art.20
 Art. 28
 Art. 1
 Art. 79
 Art.20
 Art. 28
 Art. 79
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 101