Source: https://www.steuerschroeder.de/steuerlexikon/631180/Pauschalierung%20der%20Lohnsteuer%20-%20Mini-Jobs
Timestamp: 2020-07-10 19:03:36+00:00

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Pauschalierung der Lohnsteuer - Mini-Jobs - Steuerlexikon von A-Z
Bis 400 EUR im gewerblichen Bereich (ab 2013 Anhebung der Entgeltgrenze auf 450 EUR)
Bis 400 EUR im privaten Haushalt (ab 2013 Anhebung der Entgeltgrenze auf 450 EUR)
Von 400,01 EUR bis 800 EUR (ab 2013 von 450,01 EUR bis 850 EUR)
Hat der Arbeitgeber z.B. aufgrund der Kumulation von mehreren Mini-Jobs statt der pauschalen Sozialversicherungsbeiträge die "normalen" Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten und scheidet daher die 2%-Besteuerung aus, entsteht noch nicht unmittelbar eine individuelle Steuerpflicht beim Arbeitnehmer. Der jeweilige Arbeitgeber kann je Arbeitsverhältnis - grundsätzlich bis zu einem Arbeitslohn von 400 EUR (bzw. ab 2013 450 EUR) monatlich - die Lohnsteuer des geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses mit einem Pauschsteuersatz in Höhe von 20 % des Arbeitsentgelts erheben (§ 40a Abs. 2a EStG). Hinzu kommen dann Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
Beispiel 1: (Zwei Mini-Jobs in 2012, Summe > 400 EUR)
Arbeitnehmer A erzielt in 2012 aus seinem Hauptberuf einen monatlichen Bruttolohn von 460 EUR. Daneben übt er eine geringfügige Beschäftigung i.S. § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV aus (350 EUR/monatlich). Für das nicht geringfügige Beschäftigungsverhältnis besteht Sozialversicherungspflicht. Für den Mini-Job (als eine geringfügige Nebenbeschäftigung) fallen nur 2 % Pauschalsteuer und pauschale Sozialabgaben an (keine Zusammenrechung; keine Pauschalierung mit 20 %).
Arbeitnehmer A erzielt in 2012 aus seinem Hauptberuf einen monatlichen Bruttolohn von 2.400 EUR. Daneben übt er zwei geringfügige Beschäftigungen i.S. § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV aus: Mini-Job 1 mit 100 EUR/monatlich seit 2002; Mini-Job 2 mit 400 EUR/monatlich seit 2011. Eine geringfügige Beschäftigung bleibt versicherungsfrei, d.h. der Job mit 100 EUR als der zuerst aufgenommene Job bleibt sozialversicherungsfrei. Die andere Nebenbeschäftigung und die Hauptbeschäftigung unterliegen der vollen Steuer- und Sozialversicherungspflicht. Der Arbeitslohn aus dem Mini-Job 2 kann vom Arbeitgeber aber mit 20 % pauschaliert werden!
Im EStG (§ 40a ) ist keine eigene Monatslohngrenze aufgenommen worden. Die steuerliche Beurteilung ist also nur davon abhängig, dass das regelmäßige monatliche Entgelt 400 EUR(bzw. ab 2013 450 EUR) nicht übersteigt. Ein nur gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze führt nicht zur Versicherungspflicht. Als gelegentlich ist dabei ein Zeitraum von bis zu zwei Monaten innerhalb eines Jahres anzusehen. In diesem Fall kann in den entsprechenden Monaten also auch der (Mehr-)Lohn ggf. mit 20 % pauschaliert werden.
Ein Arbeitnehmer mit einem Hauptjob A in Höhe von 2.500 EUR monatlich hat seit Jahren eine Nebenbeschäftigung B für 225 EUR monatlich. Ab dem 01.04. hat er einen zweiten Nebenjob C für monatlich 175 EUR. Ende Juni bitte ihn sein Arbeitgeber C wider Erwarten vom 01.07. bis zum 31.08.2011 eine Urlaubsvertretung zu übernehmen. Dadurch erhöht sich das Arbeitsentgelt C für Juli und August auf monatlich 1.175 EUR. Für den Arbeitnehmer können vom Arbeitgeber für Mini-Job B (erster Mini-Job neben Hauptbeschäftigung) pauschale Abgaben incl. 2 %-Lohnsteuer entrichtet werden. Für den Mini-Job C scheidet die 2 %-Steuer aus (erforderliche Zusammenrechnung mit dem Haupt-Job). Es besteht jedoch die Möglichkeit, das Entgelt mit 20 % zu pauschalieren (Juli/August jew. 1.175 EUR).
Ein Arbeitnehmer hat seit dem 01.04.2006 zwei Beschäftigungsverhältnisse bei verschiedenen Arbeitgebern. Die Arbeitgeber wissen nichts über das jeweils andere Arbeitsverhältnis. Das Arbeitsentgelt beträgt beim ersten Arbeitgeber 400 EUR und beim zweiten Arbeitgeber 300 EUR. Die Arbeitgeber entrichten jeweils 25 % pauschale Abgabe an die Bundesknappschaft. Der Sozialversicherungsträger teilt den Arbeitgebern im Dezember 2012 mit, dass die Voraussetzungen einer geringfügigen Beschäftigung nicht vorliegen. Versicherungspflicht tritt erst mit dem Tag der Bekanntgabe der Feststellung durch den SV-Träger ein (§ 8 Abs. 2 Satz 3 SGB IV). Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt die Entrichtung der pauschalen Abgabe von insgesamt 30 % (incl. 2 % Pauschalsteuer) zulässig. Erst nach Bekanntgabe der Feststellung kann/muss eine pauschale Versteuerung nach § 40a Abs. 2a EStG mit 20 % oder eine individuelle Besteuerung erhoben werden.
Die Lohnsteuerpauschalierungen von 2 % und auch von 20 % sind bei den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (400-/450-EUR-Jobs) nicht von einem Höchstbetrag für einen Stundenlohn abhängig. Der durchschnittliche Stundenlohn von 12 EUR gilt insoweit nicht (§ 40a Abs. 4 EStG).
Eine geringfügig Beschäftigte Mitarbeiterin erhält in 2012 400 EUR monatlich und zusätzlich eine Direktversicherung von monatlich 80 EUR, die nach § 40b EStG pauschal versteuert wird. Eine Pauschalbesteuerung des Mini-Jobs ist möglich.
4. Änderungen ab 2013
Mit dem Gesetz zu Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung vom 13.12.2012 treten zum 01.01.2013 zwei wesentliche Änderungen bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen ein:
Personen, die vom 01.01.2013 an ein geringfügig entlohntes Beschäftigungsverhältnis aufnehmen, unterliegen grundsätzlich der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Erhöht der Arbeitgeber nach dem 31.12.2012 allerdings das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt auf einen Betrag von mehr als 400 EUR und weniger als 450,01 EUR, gilt für die alte Beschäftigung das neue Recht. Dann tritt bei dem bisher versicherungsfreien Minijob Versicherungspflicht in der Rentenversicherung ein, es sei denn, der Beschäftigte ist Bezieher einer Vollrente wegen Alters oder Pensionär. Der Minijobber kann sich jedoch von der Versicherungspflicht befreien lassen.
Die steuerliche Beurteilung orientiert sich weiterhin an der sozialversicherungsrechtlichen Würdigung. § 40a EStG wurde nicht geändert. Der Arbeitgeber kann weiterhin bei einem Mini-Job die Lohnsteuer mit einem einheitlichen Pauschsteuersatz von 2 % des Arbeitsentgelts erheben (§ 40a Abs. 2 EStG). Hat der Arbeitgeber keine Beiträge nach § 168 Abs. 1 Nr. 1b oder 1c oder nach § 172 Abs. 3 oder 3a SGB VI zu entrichten, kann er die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 20 % des Arbeitsentgelts erheben (§ 40a Abs. 2a EStG).
Thema: Pauschalierung,Lohnsteuer,Mini-Jobs

References: § 8
 § 8
 § 40
 § 40
 § 40
 § 168
 § 172