Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=25.11.2010&Aktenzeichen=VI%20R%2034/08
Timestamp: 2019-07-20 04:26:49+00:00

Document:
BFH, 25.11.2010 - VI R 34/08 - dejure.org
https://dejure.org/2010,415
BFH, 25.11.2010 - VI R 34/08 (https://dejure.org/2010,415)
BFH, Entscheidung vom 25.11.2010 - VI R 34/08 (https://dejure.org/2010,415)
BFH, Entscheidung vom 25. November 2010 - VI R 34/08 (https://dejure.org/2010,415)
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Werbungskostenabzug für Verzicht auf Darlehensforderung des Arbeitnehmers gegen Arbeitgeber - Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis oder durch das Arbeitsverhältnis - Bindung an Tatsachenwürdigung des FG
Werbungskostenabzug für Verzicht auf Darlehensforderung des Arbeitnehmers gegen Arbeitgeber; Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis oder durch das Arbeitsverhältnis; Bindung an Tatsachenwürdigung des FG
§ 9 Abs 1 S 1 EStG 1997, § 19 Abs 1 EStG 1997, § 118 Abs 2 FGO, § 20 EStG 1997
Werbungskosten bei Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit für Verzicht auf eine noch werthaltige Darlehensforderung des Arbeitnehmers gegen Arbeitgeber
Werbungskostenabzug für Verzicht auf Darlehensforderung des Arbeitnehmers gegen Arbeitgeber
Rückforderungsverzicht bei Gesellschafterdarlehen ist abzugsfähig
Verzicht auf Rückzahlung eines Arbeitnehmerdarlehens
Werbungskosten bei Verzicht auf Darlehensforderung gegen Arbeitgeber
Darlehensverzicht des Gesellschafter-Geschäftsführers
GmbH-Geschäftsführer kann Verzicht auf Darlehensforderung absetzen
Werbungskostenabzug für Verzicht auf Darlehensforderung
Werbungskosten für Arbeitnehmer bei Darlehensverzicht gegen Arbeitgeber
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 25.11.2010, Az.: VI R 34/08 (Werbungskostenabzug für Verzicht auf Darlehensforderung des Arbeitnehmers gegen Arbeitgeber)" von RA/StB/FAStR Dr. Björn Demuth, original erschienen in: BB 2011, 677 - 679.
Kurznachricht zu "Anmerkung zur Entscheidung des BFH vom 25.11.2010, Az.: VI R 34/08 (Verzicht auf Arbeitnehmerdarlehen des Gesellschafter-GF: WK bei § 19 EStG)" von RA/FAStR/StB Ingo Heuel, original erschienen in: GmbH-StB 2011, 104 - 105.
Kurznachricht zu "Anmerkung zur Entscheidung des BFH vom 25.11.2010, Az.: VI R 34/08 (Verzicht auf Arbeitnehmerdarlehen des Gesellschafter-GF: WK bei § 19 EStG)" von RA/FAStR/StB Ingo Heuel, original erschienen in: EStB 2011, 135 - 136.
Kurznachricht zu "Zugleich Anmerkung zum BFH-Urteil vom 25.11.2010 - VI R 34/08 - Aufwendungen bei Darlehensforderungen des Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber als Werbungskosten bei den Einkünften aus ..." von RiFG Stefan Kolbe, original erschienen in: StuB 2011, 304 - 307.
Kurznachricht zu "Uneinbringliches Darlehen an Arbeitgeber als Werbungskosten" von RiBFH Dr. Stefan Schneider, original erschienen in: NWB 2011, 604 - 606.
BFHE 232, 86
NJW-RR 2011, 683
BB 2011, 675
DB 2011, 393
BStBl II 2012, 24
NZG 2011, 719
Gleichwohl stellt der Verlust des Genussrechtskapitals, soweit dieses auf die Umwandlung des Investstunden-Guthabens entfällt, im Streitfall keinen steuerlich unbeachtlichen Kapitalverlust im Rahmen der Einkunftsart des § 20 EStG dar (vgl. hierzu BFH-Urteile vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24; vom 16.4. 1991 VIII R 100/87, BStBl II 1992, 234), weil er in einem einkommensteuerrechtlich erheblichen Veranlassungszusammenhang zum Arbeitsverhältnis steht und nicht auf der Nutzung des Genussrechtskapitals als Kapitalertragsquelle oder etwaigen Gewinnerwartungen beruht.
Dazu rechnen nach der ständigen Rechtsprechung des BFH alle Aufwendungen, die durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst sind (BFH-Urteil vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24; BFH-Urteil vom 7.2. 2008 VI R 75/06, BStBl II 2010, 48; Beschluss des Großen BFH-Senats vom 28.11.1977 GrS 2-3/77, BStBl. II 1978, 105).
Zu diesen Aufwendungen i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG zählen alle Vermögensabflüsse in Geld und Geldeswert (vgl. BFH-Urteil vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24; Beschluss des Großen BFH-Senats vom 4.7. 1990 - GrS 1/89, BStBl. II 1990, 830) einschließlich den Arbeitnehmer unfreiwillig treffende Substanzverluste (vgl. BFH-Urteil vom 7.2. 2008 VI R 75/06, BStBl II 2010, 48,m.w.N.).
Danach sind die Aufwendungen der Einkunftsart zuzuordnen, die im Vordergrund steht und die Beziehungen zu den anderen Einkünften verdrängt (BFH-Urteile vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24; vom 7.2.2008 VI R 75/06, BStBl II 2010, 48, und vom 5.4. 2006 IX R 111/00, BStBl II 2006, 654;… BFH-Beschluss vom 28.6. 2007 VI B 23/07, BFH/NV 2007, 1870, jeweils m.w.N.).
Insoweit gelten die Rechtsgrundsätze, die auch für die Frage heranzuziehen sind, ob eine Zuwendung des Arbeitgebers auf dem Arbeitsverhältnis oder auf anderen Rechtsbeziehungen gründet (BFH-Urteile vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24; vom 22.3.1985 VI R 170/82, 544, BStBl II 1985, 529; vom 17.6.2009 VI R 69/06, BStBl II 2010, 69;… vom 1.2.2007 VI R 72/05, BFH/NV 2007, 898; vom 20.5.2010 VI R 12/08, BStBl II 2010, 1069; jeweils m.w.N.).
Die Frage, welchem Bereich dieser Leistungsaustausch zuzurechnen ist, entscheidet sich aufgrund einer in erster Linie der Tatsacheninstanz obliegenden tatsächlichen Würdigung der Gesamtumstände des Einzelfalles (BFH-Urteil vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24).
Geht in einem solchen Fall die Darlehensvaluta verloren, entspricht es der ständigen Rechtsprechung des BFH zu § 20 EStG i.d.F. vor dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008, dass Aufwendungen, die das Kapital selbst betreffen, wie Anschaffungskosten, Tilgungszahlungen oder der Verlust des Kapitals selbst, im Rahmen der Einkunftsart des § 20 EStG grundsätzlich nicht abziehbar sind (vgl. BFH-Urteile vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24; vom 16.4. 1991 VIII R 100/87, BStBl II 1992, 234).
Bei der Beantwortung dieser Frage ist vor allem auch zu berücksichtigen, welche Konsequenzen sich für den Arbeitnehmer hätten ergeben können, wenn er seinem Arbeitgeber die entsprechende Finanzierungsmaßnahme nicht gewährt hätte (vgl. BFH-Urteil vom 25.11.2010 VI R 34/08, BStBl II 2012, 24).
Eine Bindung ist gegeben, wenn die Würdigung möglich war und das FG weder gegen Denkgesetze verstoßen noch wesentliche Umstände vernachlässigt hat (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 25. November 2010 VI R 34/08, Der Betrieb 2011, 393;… vom 30. Juni 2010 II R 14/09, BFH/NV 2010, 2002).
Stehen Aufwendungen mit mehreren Einkunftsarten in einem objektiven Zusammenhang, sind sie bei der Einkunftsart zu berücksichtigen, zu der sie nach Art und Weise die engere Beziehung haben (BFH-Urteile vom 25. November 2010 VI R 34/08, BFHE 232, 86, BFH/NV 2011, 680; vom 26. November 1993 VI R 3/92, BFHE 173, 69, BStBl II 1994, 242; vom 17. Juli 1992 VI R 125/88, BFHE 169, 148, BStBl II 1993, 111).
Diese ist revisionsrechtlich bindend (§ 118 Abs. 2 FGO), wenn die Tatsachenwürdigung verfahrensrechtlich ordnungsgemäß durchgeführt wurde und die Würdigung nicht gegen Denkgesetze verstößt oder Erfahrungssätze verletzt (Senatsurteile in BFHE 245, 330, BStBl II 2014, 850; in BFHE 232, 86, BStBl II 2012, 24;… BFH-Beschlüsse vom 10. Februar 2005 IX B 169/03, BFH/NV 2005, 1057;… vom 6. August 2003 IX B 44/03, BFH/NV 2003, 1604;… vom 28. Januar 2003 VI B 161/00, BFH/NV 2003, 793).
Dies ergebe sich auch aus dem BFH-Urteil vom 25. November 2010 VI R 34/08, BFHE 232, 86, BStBl II 2012, 24 und dem BFH-Beschluss vom 28. Juni 2007 VI B 23/07, BFH/NV 2007, 1870.
Aus dem vom Beklagten angeführten BFH-Urteil vom 25. November 2010 VI R 34/08, (BFHE 232, 86, BStBl II 2012, 24 betreffend den Verzicht auf ein dem Arbeitgeber gewährten Darlehen) und dem BFH-Beschluss vom 28. Juni 2007 VI B 23/07 (…BFH/NV 2007, 1870 betreffend der Behandlung von Zinsen als Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit) ergibt sich nichts anderes.

References: § 9
 § 19
 § 118
 § 20
 § 19
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 § 20
 § 9
 § 20
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