Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20226/97
Timestamp: 2018-11-19 14:39:58+00:00

Document:
BGH, 01.12.1999 - I ZR 226/97 - dejure.org
Recht am eigenen Bild bei nachgestellter Szene ("Der blaue Engel")
Unerlaubte Handlung - Schadenersatz - Allgemeines Persönlichkeitsrecht - Doppelgänger - Bildnis - Werbung
Nachstellen einer berühmten Szene mit Marlene Dietrich aus dem Film "Der blaue Engel" zu Werbezwecken
Ansprüche der Erben bei Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts durch ein Double
BGB § 823; KUG §§ 22, 23
Verletzung des Rechts am eigenen Bild durch Nachstellen einer bekannten Filmszene - Der blaue Engel
Verletzung des Rechts am eigenen Bild durch Nachstellen einer bekannten Filmszene aus "Der blaue Engel" - Verwendung von Name und Bild Marlene Dietrichs zu Werbezwecken - Bundesgerichtshof stärkt Schutz des Persönlichkeitsrechts nach dem Tode - Auch die Erben können Schadenersatz fordern
Zum Ostersonntag: postmortale (?) Persönlichkeitsrechte Jesu Christi
NJW 2000, 2201
MDR 2000, 1146
GRUR 2000, 715
FamRZ 2000, 1086
VersR 2000, 1160
WM 2000, 1457
ZUM 2000, 589
afp 2000, 354
Auf der anderen Seite steht das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Beweisgegners aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG in seiner Ausprägung als Recht auf informationelle Selbstbestimmung und ggf. als Recht am eigenen Bild, sofern er auf der Aufnahme für Dritte erkennbar ist (…vgl. Senatsurteil vom 13. Oktober 2015 - VI ZR 271/14, BGHZ 207, 163 Rn. 31; BGH, Urteil vom 1. Dezember 1999 - I ZR 226/97, NJW 2000, 2201, 2202).
Die unbefugte kommerzielle Nutzung eines Bildnisses stellt einen Eingriff in den vermögensrechtlichen Zuweisungsgehalt des Rechts am eigenen Bild wie auch des allgemeinen Persönlichkeitsrechts dar und begründet grundsätzlich - neben dem Verschulden voraussetzenden Schadensersatzanspruch - einen Anspruch aus Eingriffskondiktion auf Zahlung der üblichen Lizenzgebühr (vgl. BGH, Urt. v. 1.12.1999 - I ZR 226/97, GRUR 2000, 715, 716 = WRP 2000, 754 - Der blaue Engel; ferner BVerfG, Beschl. v. 22.8.2006 - 1 BvR 1168/04, WRP 2006, 1361 Tz 28 u. 31).
b) Der Bundesgerichtshof verurteilte auf die Revision der Klägerin die Beschwerdeführerin zur Auskunftserteilung und verwies die Sache zur Entscheidung über den Zahlungsanspruch an das Landgericht zurück (Urteil vom 1. Dezember 1999 - 1 ZR 226/97 -, NJW 2000, S. 2201 f.).
Darüber hinaus erscheint es unbillig, den durch die Leistungen des Verstorbenen geschaffenen und in seinem Bildnis, seinem Namen oder seinen sonstigen Persönlichkeitsmerkmalen verkörperten Vermögenswert nach seinem Tode dem Zugriff eines jeden beliebigen Dritten preiszugeben, statt diesen Vermögenswert seinen Erben oder Angehörigen oder anderen Personen zukommen zu lassen, die ihm zu Lebzeiten nahestanden (vgl. BGH BGHZ 143, 214, 224 - Marlene Dietrich; vgl. auch Urteil vom 1. Dezember 1999 - I ZR 226/97 - aaO - Der blaue Engel).
Hierbei sind insbesondere die Bedeutung und Tragweite des Eingriffs, ferner Anlass und Beweggrund des Handelnden sowie der Grad seines Verschuldens zu berücksichtigen (st. Rechtsprechung, vgl. Senatsurteile BGHZ 128, 1, 12; 132, 13, 27; 160, 298, 306; vom 25. Februar 1969 - VI ZR 241/67 - VersR 1969, 519, 520 - Detektei;… vom 5. März 1974 - VI ZR 89/73 - aaO, 759 - Todesgift;… vom 4. Juni 1974 - VI ZR 68/73 - aaO - Fiete Schulze;… vom 5. Dezember 1995 - VI ZR 332/94 - aaO;… vom 12. Dezember 1995 - VI ZR 223/94 - aaO; BGH, Urteil vom 1. Dezember 1999 - I ZR 226/97 - aaO - Der blaue Engel; vgl. auch BVerfG, NJW 2004, 591, 592; Diederichsen, VersR 2005, 433, 437;… Müller, aaO, S. 55; dies., VersR 2000, 797, 800 und VersR 2003, 1, 5; Steffen, NJW 1997, 10 f.; kritisch K. W. Lange, VersR 1999, 274 ff., 278).
Die unbefugte kommerzielle Nutzung seines Bildnisses stellt einen Eingriff in den vermögensrechtlichen Zuweisungsgehalt des Rechts am eigenen Bild wie auch des allgemeinen Persönlichkeitsrechts dar und begründet grundsätzlich - neben dem Verschulden voraussetzenden Schadensersatzanspruch - einen Anspruch aus Eingriffskondiktion auf Zahlung der üblichen Lizenzgebühr (BGH, Urt. v. 1.12.1999 - I ZR 226/97, GRUR 2000, 715, 716 = NJW 2000, 2201 - Der blaue Engel; BGHZ 169, 340 Tz. 12 - Rücktritt des Finanzministers).
Nach § 242 BGB kann der Betroffene Auskunft über den Verbreitungsumfang einer Veröffentlichung verlangen, wenn sie zur Rechtsverfolgung erforderlich ist und der Verletzer sie unschwer erteilen kann (BGH NJW 2000, 2201 [BGH 01.12.1999 - I ZR 226/97] - Der blaue Engel;… Wenzel/Burkhardt, Recht der Wort- und Bildberichterstattung, 5. Aufl. 2003, Kap. 15 Rn. 7 m.w.N.;… Löffler/Steffen, PresseR, 6. Aufl. 2015, § 6 Rn. 346a m.w.N.;… Wandtke/Bullinger-Fricker, UrhG, 4. Aufl. 2014, § 22 KUG Rn. 39).
Zwar kann bei der Verletzung von Bildnisrechten auch Auskunft über erzielte Erlöse verlangt werden (…Wandtke/Bullinger-Fricker, a.a.O., § 22 KUG Rn. 39 m.w.N.), dies gilt jedoch nur, wenn das Bildnis des Betroffenen werblich vereinnahmt wird (vgl. BGH NJW 2000, 2201 [BGH 01.12.1999 - I ZR 226/97] - Blauer Engel).
Bei den versendeten Lichtbildern handelt es sich um Bildnisse im Sinne von § 22 KUG, also um die Wiedergabe des äußeren Erscheinungsbildes einer Person in einer für Dritte erkennbaren Weise (vgl. BGH, Urteil vom 1. Dezember 1999 - I ZR 226/97, NJW 2000, 2201, 2202).
Angemessene Lizenzgebühr für Werbung mit der Figur "Blauer Engel"
LG Hamburg, 05.08.2011 - 324 O 134/11
Keine unzulässige Vereinnahmung für Werbezwecke - Landgericht Hamburg weist Klage …
LG Hamburg, 25.04.2003 - 324 O 381/02
Oliver Kahn gegen Computerspielhersteller
KG, 23.10.2008 - 10 U 140/08

References: § 823
 Art. 2
 Art. 1
 BGH 
 § 242
 § 6
 § 22
 § 22
 BGH 
 § 22