Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=16.09.1993&Aktenzeichen=2%20AZR%20697/92
Timestamp: 2019-04-22 13:12:22+00:00

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BAG, 16.09.1993 - 2 AZR 697/92 - dejure.org
Tarifvertrag - Kündigungsfristen - Verfassungswidrigkeit - Geltungsbereich
Kündigungsrecht; tarifliche Arbeiterkündigungsfrist
LAG Baden-Württemberg, 13.10.1992 - 7 Sa 32/92
BAGE 74, 167
NJW 1994, 1302 (Ls.)
NZA 1994, 221
DB 1994, 378
Deren privatrechtliche Herleitung führt zu einer entsprechenden Anwendung von § 293 ZPO (vgl. BAG 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 -BAGE 74, 167;… ErfK/Dieterich 5. Aufl. Art. 3 GG Rn. 49 f.).
Das Landesarbeitsgericht hat § 9 Ziffer 2.1 MTV mit zutreffender Begründung als konstitutive Regelung der Kündigungsfristen für Arbeiter angesehen, über deren Vereinbarkeit mit Art. 3 Abs. 1 GG die Arbeitsgerichte in eigener Kompetenz zu befinden haben (vgl. nur Senatsurteil vom 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 - BAGE 74, 167 = AP Nr. 42 zu § 622 BGB, m.w.N.).
Ob die Kündigungsfristen bei längerer Beschäftigungsdauer verfassungskonform geregelt sind, bedarf keiner Entscheidung (vgl. dazu Senatsurteile vom 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 -, a.a.O., und vom 11. August 1994 - 2 AZR 9/94 - AP Nr. 31 zu § 1 KSchG 1969 Krankheit, m.w.N.).
Sachlich gerechtfertigt sind dagegen hinreichend gruppenspezifisch ausgestaltete unterschiedliche Regelungen, die z.B. nur eine verhältnismäßig kleine Gruppe nicht intensiv benachteiligen oder funktions-, branchen- oder betriebsspezifischen Interessen im Geltungsbereich eines Tarifvertrages mit Hilfe verkürzter Kündigungsfristen für Arbeiter entsprechen (z.B. überwiegende Beschäftigung von Arbeitern in der Produktion), wobei andere sachliche Differenzierungsgründe nicht ausgeschlossen sind (ständige Rechtsprechung, vgl. Senatsurteil vom 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 - a.a.O., m.w.N.).
Dieser könnte sich vielmehr erst ergeben, wenn branchenspezifische Besonderheiten wie erhöhte produkt-, mode-, witterungs- oder saisonbedingte Auftragsschwankungen hinzuträten (vgl. Senatsurteil vom 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 -, a.a.O., m.w.N.).
Diese haben mit Einschränkungen die Vermutung für sich, daß sie den Interessen beider Seiten gerecht werden und keiner Seite ein unzumutbares Übergewicht vermitteln (vgl. Senatsurteile vom 2. April 1992 - 2 AZR 516/91 - und vom 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 - jeweils a.a.O., m.w.N.).
Bei einer solchen eigenständigen Regelung haben die Gerichte für Arbeitssachen in eigener Kompetenz festzustellen, ob die tarifliche Regelung mit dem Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar ist (st. Rspr. vgl. etwa Senat 23. Januar 1992 - 2 AZR 470/91 - BAGE 69, 257 und 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 - BAGE 74, 167).
Soweit die Tarifpartner, für deren Einschätzung der branchenspezifischen Besonderheiten eine materielle Richtigkeitsgewähr besteht, dem sachlich begründeten Flexibilitätsbedürfnis der Branche durch unterschiedliche Grundkündigungsfristen für Arbeiter und Angestellte Rechnung getragen haben, hat der Senat in ständiger Rechtsprechung solche Regelungen als unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten unbedenklich angesehen (Senat 23. Januar 1992 - 2 AZR 389/91 - AP BGB § 622 Nr. 35 = EzA BGB § 620 nF Nr. 40; 23. Januar 1992 - 2 AZR 470/91 - BAGE 69, 257;… 2. April 1992 - 2 AZR 516/91 - AP aaO Nr. 38 = EzA BGB § 620 nF Nr. 43; 15. Oktober 1992 - 2 AZR 296/92 - nv.;… 4. März 1993 - 2 AZR 355/92 - AP aaO Nr. 40 = EzA BGB § 620 nF Nr. 44; 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 - BAGE 74, 167; 10. März 1994 - 2 AZR 605/93 - BAGE 76, 111; 10. März 1994 - 2 AZR 633/93 - nv.; 29. Oktober 1998 - 2 AZR 683/97 - EzA-SD 1999, Nr. 2, 3 und 12. November 1998 - 2 AZR 85/98 - nv.).
Der Senat hat stets betont (vgl. etwa Senat 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 - BAGE 74, 167), ein betriebliches Interesse an einer flexiblen Personalplanung und -anpassung, das unterschiedliche Kündigungsfristen für Arbeiter und Angestellte rechtfertige, könne auch aus anderen als "witterungs-, saison- oder produktionsspezifischen Gründen" resultieren.
a) Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts liegt eine deklaratorische Klausel vor, wenn nur auf ohnehin anwendbare gesetzliche Vorschriften verwiesen wird oder ohne Nennung des Gesetzes einschlägige Vorschriften wörtlich oder inhaltlich unverändert in einen umfangreichen Tarifvertrag aufgenommen werden und der Wille der Tarifvertragsparteien zu einer gesetzesunabhängigen eigenständigen Tarifregelung im Tarifvertrag keinen hinreichend erkennbaren Ausdruck gefunden hat (27. August 1982 - 7 AZR 190/80 - BAGE 40, 102; 16. September 1993 - 2 AZR 697/92 - BAGE 74, 167; 5. Oktober 1995 - 2 AZR 1028/94 - BAGE 81, 76).
LAG Hessen, 23.08.1999 - 11 Sa 2559/98
Gleichbehandlungsgrundsatz; Kündigungsfristen für gewerbliche Arbeitnehmer und …
LAG Köln, 02.02.1995 - 10 Sa 1035/94
Kündigungsfrist: Arbeiter/Angestellte - dreitägige Kündigungsfrist
LAG Hamburg, 03.07.1998 - 3 Sa 9/98
Bemessung der Höhe des Anspruchs auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle; …

References: § 293
 Art. 3
 § 9
 Art. 3
 § 622
 § 1
 Art. 3
 § 622
 § 620
 § 620
 § 620