Source: https://www.kostenlose-urteile.de/BGH_VI-ZR-19713_Veroeffentlichung-eines-auf-einem-Mieterfest-angefertigten-Fotos-in-einer-Informationsbroschuere-auch-ohne-Einwilligung-der-Fotografierten-zulaessig.news18434.htm
Timestamp: 2019-09-15 12:49:28+00:00

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Urteil > VI ZR 197/13 | BGH - Veröffentlichung eines auf einem Mieterfest angefertigten Fotos in einer Informationsbroschüre auch ohne Einwilligung der Fotografierten zulässig < kostenlose-urteile.de
Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Während eines Mieterfestes im August 2010 wurden von mehreren Mietern Fotos angefertigt. Einige dieser Fotos wurden anschließend in einer für die Mieter bestimmten Informationsbroschüre der Vermieterin veröffentlicht. Einige der fotografierten Mieter waren damit aber nicht einverstanden. Sie gaben an mit dem Fotografieren und Veröffentlichen des sie zeigenden Fotos nicht einverstanden gewesen zu sein. Sie mahnten daher die Vermieterin ab und forderten sie zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf. Zwar gab die Vermieterin die Unterlassungserklärung ab. Sie weigerte sich aber den geforderten Schadenersatz von 3.000 EUR sowie die Abmahnkosten von ca. 840 EUR zu zahlen. Die Mieter erhoben daraufhin Klagen.
Amtsgericht und Landgericht wiesen Klagen ab
Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg sowie das Landgericht Berlin wiesen die Klagen der Mieter ab. Sie haben nach Ansicht des Landgerichts weder ein Anspruch auf Schadenersatz noch auf Zahlung der Abmahnkosten gehabt. Denn die Veröffentlichung der Fotos sei gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 3 KUG auch ohne Einwilligung der Mieter zulässig gewesen. Gegen diese Entscheidung legten die Mieter Revision ein.
Bundesgerichtshof verneinte ebenfalls Anspruch auf Schadenersatz und Zahlung der Abmahnkosten
Der Bundesgerichtshof bestätigte die Entscheidung der Vorinstanzen und wies daher die Revision der Mieter zurück. Es habe weder ein Anspruch auf Schadenersatz noch auf Zahlung der Abmahnkosten bestanden. Zwar sei es richtig, dass die Veröffentlichung von Fotos einer Person grundsätzlich nur mit deren Einwilligung zulässig ist (§ 22 Satz 1 KUG). Einer Einwilligung bedürfe es aber nicht in den Fällen des § 23 KUG.
Vorliegen eines Fotos der Zeitgeschichte
Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs habe ein Foto der Zeitgeschichte vorgelegen. Einer Einwilligung der Mieter habe es daher gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG nicht bedurft. Das Mieterfest sei von lokaler gesellschaftlicher Bedeutung gewesen. Aufgrund des gesellschaftlichen Interesses habe es sich beim Mieterfest um ein zeitgeschichtliches Ereignis gehandelt. Die Vermieterin habe unter dem Gesichtspunkt der Meinungsäußerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) ein Recht zugestanden, ihre Mieter über den Ablauf und die Atmosphäre der Veranstaltung zu informieren. Denn ein Mieterfest pflege und schaffe ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Zudem werde durch die Broschüre der Eindruck vermittelt, es lohne sich bei der Vermieterin Mieter zu sein.
Geringe Beeinträchtigung des Rechts am eigenen Bild
Zwar betonte der Bundesgerichtshof, dass bei einer Veröffentlichung von Fotos der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten ist. Es sei vor allem das Recht am eigenen Bild und damit das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen (Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG, Art. 8 Abs. 1 EMRK) zu berücksichtigen (vgl. BGH, Urt. v. 01.07.2008 - VI ZR 67/08 - und BGH, Urt. v. 01.07.2008 - VI ZR 243/06 -). Dieses Recht sei im vorliegenden Fall aber nur gering beeinträchtigt gewesen. So sei es angesichts dessen, dass bereits in den Vorjahren eine Bildberichterstattung in einer Mieterbroschüre stattfand, zu erwarten gewesen, dass in entsprechender Weise wieder über das Mieterfest berichtet wird. Zudem sei zu beachten gewesen, dass das Foto nicht heimlich aufgenommen wurde und dass sich die Broschüre nur an einen eng umgrenzten Personenkreis richtete.
Amtsgericht Charlottenburg, Urteil vom 19.10.2012
[Aktenzeichen: 224 C 184/12]
Landgericht Berlin, Urteil vom 26.03.2013
[Aktenzeichen: 27 S 18/12]
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 08.04.2014 [Aktenzeichen: VI ZR 197/13]
Mieterfest als zeitgeschichtliches Ereignis: Fotos auch ohne Einwilligung der Betroffenen »
Urteile zu den Schlagwörtern: Abmahnkosten | Abmahnungsgebühren | Abmahnungskosten | Bildnis der Zeitgeschichte | Einwilligung | Ereignis der Zeitgeschichte | Foto | Fotos | Lichtbild | Informationsbroschüre | kein Anspruch auf ... | Mieterfest | Persönlichkeitsrecht | Recht am eigenen Bild | Schadensersatz | Veröffentlichung von Fotos | zeitgeschichtliches Ereignis (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG)
Jahrgang: 2014, Seite: 870 GE 2014, 870 | Zeitschrift: Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht (GRUR)
Jahrgang: 2014, Seite: 804 GRUR 2014, 804 | Zeitschrift: Monatsschrift für Deutsches Recht (MDR)
Jahrgang: 2014, Seite: 771 MDR 2014, 771 | Zeitschrift: NJW-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht (NJW-RR)
Jahrgang: 2014, Seite: 1193 NJW-RR 2014, 1193 | Zeitschrift: NJW-Spezial
Jahrgang: 2014, Seite: 513, Entscheidungsbesprechung von Michael Drasdo NJW-Spezial 2014, 513 (Michael Drasdo) | Zeitschrift: Wohnungswirtschaft und Mietrecht (WuM)
Jahrgang: 2014, Seite: 407 WuM 2014, 407 | Zeitschrift für Datenschutz (ZD)
Jahrgang: 2014, Seite: 468 ZD 2014, 468 | Zeitschrift für Miet- und Raumrecht (ZMR)
Jahrgang: 2014, Seite: 866 ZMR 2014, 866
Dokument-Nr. 18434
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References: BGH 
 § 23
 § 23
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 Art. 2
 Art. 8