Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/feuerbach_recht_1801?p=241
Timestamp: 2019-03-20 23:51:38+00:00

Document:
Ein culposer Kindermord wird am häufig-
sten durch fahrlässiges Unterlassen der Unter-
bindung der Nabelschnur, oder durch eine
aus Fahrlässigkeit, besonders durch Verheim-
lichung der Schwangerschaft, entstandene hülf-
lose Niederkunft begangen.
Die Strafe des Verbrechens ist das Er-
tränken. Wo aber der Kindermord an einem
Orte sehr überhand nimmt, da soll, grösserer
Abschreckung wegen, auch das Pfählen und
Lebendigbegraben, oder Schärfung des Er-
tränkens durch Zangenreissen angewendet
werden dürfen *). Die Praxis hat als ordent-
liche Strafe das Schwerd **).
Diese Strafe muss gemildert werden 1)
wenn die Lebensfähigkeit des Kindes mangelt
oder zweyfelhaft ist, 2) wenn die Mutter die
*) P G O. Art. 131. "Wo aber solche Uebel oft ge-
"schähe, wollen wir die gemeldete Gewohnheit
"des Vergrabens und Pfählens, um mehrerer Furcht
"willen, solcher boshaftigen Weiber auch zulassen,
"oder aber dass vor dem Ertränken die Uebelthä-
"terin mit glühenden Zangen gerissen werde." Ei-
nige verstehen, ganz den Worten und dem ange-
gebenen Grund zuwider, diese Disposition von dem
Fall der Wiederholung, wie Boehmer ad h. a.
§. 20. Quistorp Thl. l. §. 283.
**) Boehmer ad art. 131. §. 19. Quistorp Thl. I.
Ein culpoſer Kindermord wird am häufig-
ſten durch fahrläſſiges Unterlaſſen der Unter-
bindung der Nabelſchnur, oder durch eine
aus Fahrläſſigkeit, beſonders durch Verheim-
lichung der Schwangerſchaft, entſtandene hülf-
loſe Niederkunft begangen.
Die Strafe des Verbrechens iſt das Er-
Orte ſehr überhand nimmt, da ſoll, gröſserer
Abſchreckung wegen, auch das Pfählen und
tränkens durch Zangenreiſſen angewendet
Dieſe Strafe muſs gemildert werden 1)
oder zweyfelhaft iſt, 2) wenn die Mutter die
*) P G O. Art. 131. „Wo aber ſolche Uebel oft ge-
„ſchähe, wollen wir die gemeldete Gewohnheit
„des Vergrabens und Pfählens, um mehrerer Furcht
„willen, ſolcher boshaftigen Weiber auch zulaſſen,
„oder aber daſs vor dem Ertränken die Uebelthä-
„terin mit glühenden Zangen geriſſen werde.“ Ei-
nige verſtehen, ganz den Worten und dem ange-
gebenen Grund zuwider, dieſe Dispoſition von dem
§. 20. Quiſtorp Thl. l. §. 283.
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[213/0241] V. d. qualificirten Mord od. d. Parricidium. §. 273. Ein culpoſer Kindermord wird am häufig- ſten durch fahrläſſiges Unterlaſſen der Unter- bindung der Nabelſchnur, oder durch eine aus Fahrläſſigkeit, beſonders durch Verheim- lichung der Schwangerſchaft, entſtandene hülf- loſe Niederkunft begangen. §. 274. Die Strafe des Verbrechens iſt das Er- tränken. Wo aber der Kindermord an einem Orte ſehr überhand nimmt, da ſoll, gröſserer Abſchreckung wegen, auch das Pfählen und Lebendigbegraben, oder Schärfung des Er- tränkens durch Zangenreiſſen angewendet werden dürfen *). Die Praxis hat als ordent- liche Strafe das Schwerd **). §. 275. Dieſe Strafe muſs gemildert werden 1) wenn die Lebensfähigkeit des Kindes mangelt oder zweyfelhaft iſt, 2) wenn die Mutter die Schwan- *) P G O. Art. 131. „Wo aber ſolche Uebel oft ge- „ſchähe, wollen wir die gemeldete Gewohnheit „des Vergrabens und Pfählens, um mehrerer Furcht „willen, ſolcher boshaftigen Weiber auch zulaſſen, „oder aber daſs vor dem Ertränken die Uebelthä- „terin mit glühenden Zangen geriſſen werde.“ Ei- nige verſtehen, ganz den Worten und dem ange- gebenen Grund zuwider, dieſe Dispoſition von dem Fall der Wiederholung, wie Boehmer ad h. a. §. 20. Quiſtorp Thl. l. §. 283. **) Boehmer ad art. 131. §. 19. Quiſtorp Thl. I. §. 283.
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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 213. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/241>, abgerufen am 20.03.2019.

References: Art. 131
 art. 131
 Art. 131
 art. 131
 Art. 131
 Art. 131
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