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Timestamp: 2016-09-27 05:17:05+00:00

Document:
8C_568/2015 (15.01.2016)
8C_568/2015 {T�0/2} � � Urteil vom 15. Januar 2016
(Kausalzusammenhang; Invalidenrente),
vom 18. Juni 2015.
Der 1974 geborene A.________ war als Anlagef�hrer der B.________ AG bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als er am 9. November 2010 in �gypten einen Autounfall erlitt und sich eine Berstungsfraktur am Lendenwirbelk�rper 1 zuzog. F�r die bleibenden Folgen dieses Unfalls sprach die SUVA dem Versicherten mit Verf�gung vom 29. November 2013 und Einspracheentscheid vom 16. Januar 2014 ab 1. Dezember 2013 eine Rente bei einem Invalidit�tsgrad von 13 % zu.
Die von A.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht Luzern mit Entscheid vom 18. Juni 2015 ab.
Mit Beschwerde beantragt A.________ insbesondere, es sei ihm unter Aufhebung des Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheides eine Rente bei einem Invalidit�tsgrad von 100 % zuzusprechen. Gleichzeitig stellt A.________ ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.
Streitig sind die Leistungsanspr�che des Versicherten ab 1. Dezember 2013. Dabei steht fest und ist unbestritten, dass von der Fortsetzung der Behandlung der somatischen Leiden keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war. Unbestritten ist im Weiteren die grunds�tzliche Leistungspflicht der SUVA f�r die somatischen Unfallfolgen.
Zu pr�fen ist zun�chst, ob eine Leistungspflicht der SUVA auch f�r allf�llige psychische Unfallfolgen besteht.
3.1.�Im kantonalen Entscheid werden die nach der Rechtsprechung f�r den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) geltenden Voraussetzungen des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181), insbesondere bei psychischen Unfallfolgesch�den (BGE 115 V 133), zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Festzuhalten ist, dass die im Bereich der Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechungs�nderung zu den anhaltenden somatoformen Schmerzst�rungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden gem�ss BGE 141 V 281 nichts an der unfallversicherungsrechtlichen Rechtsprechung zum nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhangs ge�ndert hat (vgl. Urteil 8C_10/2015 vom 5. September 2015 E. 5.2 letzter Satz, zur Publikation bestimmt).
3.2.�Die Schwere des Unfalles ist aufgrund des augenf�lligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften zu beurteilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 3.1). Gem�ss den Angaben des Versicherten vom 17. Februar 2011 war dieser am 9. November 2010 um ca. 23:00 Uhr alleine in �gypten mit einem Auto unterwegs, als er auf einer Autobahn bei ungef�hr 90 km/h ins Schleudern geriet, worauf sich das Fahrzeug mehrfach �berschlug. Als Grund f�r diesen Selbstunfall vermutet der Versicherte eine mit Sand �berdeckte �llache auf der Fahrbahn. Mit der Vorinstanz ist dieses Ereignis als Unfall im eigentlichen mittleren Bereich zu qualifizieren. Eine Einordnung im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen l�sst sich nicht rechtfertigen. Autounf�lle, die mit vergleichbaren oder jedenfalls nicht mit geringeren Krafteinwirkungen verbunden sind, werden in �bereinstimmung mit der vorinstanzlichen Betrachtungsweise regelm�ssig dem mittleren Bereich zugeordnet. Zu erw�hnen sind etwa Unf�lle, bei welchen das Fahrzeug mit der versicherten Person bei einem �berholman�ver mit ca. 100 km/h abrupt abgebremst wurde, dabei ins Schleudern geriet, gegen einen Strassenwall prallte, sich �berschlug und auf der Fahrerseite zu liegen kam (Urteil 8C_169/2007 vom 5. Februar 2008 E. 4.2), einen Lastwagen beim �berholen touchierte und sich �berschlug (Urteil 8C_743/2007 vom 14. Januar 2008 Sachverhalt und E. 3), von der Strasse abkam und sich �berschlug (Urteil U 213/06 vom 29. Oktober 2007 Sachverhalt und E. 7.2), auf der Autobahn in einer Kurve ins Schleudern geriet, sich �berschlug und auf dem Dach liegend zum Stillstand kam (Urteil U 258/06 vom 15. M�rz 2007 Sachverhalt und E. 5.2) oder sich bei einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h auf einer Autobahn �ber eine Mittelleitplanke hinweg �berschlug - wobei die versicherte Person hinausgeschleudert wurde - und mit Totalschaden auf der Gegenfahrbahn auf dem Dach zu liegen kam (Urteil U 492/06 vom 16. Mai 2007 E. 4.2). Die vom Versicherten erw�hnten F�lle, welche als im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen qualifiziert wurden, wiesen demgegen�ber ein h�heres Sch�digungspotenzial auf. Unerheblich f�r die Qualifikation der Unfallschwere im vorliegenden Fall ist die Frage, ob sich beim Unfall Rauch entwickelt hat, wurde er doch durch diesen unbestrittenermassen nicht gesch�digt. Die Ad�quanz eines nat�rlichen Kausalzusammenhanges w�re somit dann zu bejahen, wenn eines der massgeblichen Ad�quanzkriterien in besonders ausgepr�gter, oder mehrere dieser Kriterien in geh�ufter Weise erf�llt w�ren.
3.3.�Der Beschwerdef�hrer macht zu Recht nicht geltend, das Kriterium der �rztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, jenes der ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung oder jenes des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen seien erf�llt. Die drei Kriterien sind ohne weiteres zu verneinen.
3.4.�Die Rechtsprechung anerkennt Ad�quanzkriterien nur mit grosser Zur�ckhaltung als ausgepr�gt erf�llt an. So wurde eine beim �ffnen eines Steamers erlittene grossfl�chige Verbr�hung als ausgepr�gt geeignet erachtet, eine phobische Angst vor Hitzequellen auszul�sen (Urteil 8C_435/2011 vom 13. Februar 2012 E. 4.2.7). Die vom Versicherten erlittenen Verletzungen erscheinen nicht im gleichen Masse geeignet, psychische Beschwerden auszul�sen. Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen ist damit jedenfalls nicht in seiner ausgepr�gten Form erf�llt.
3.5.�Der Ber�cksichtigung des Kriteriums der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls liegt der Gedanke zugrunde, dass solche Umst�nde geeignet sind, bei der betroffenen Person w�hrend des Unfallgeschehens oder nachher psychische Abl�ufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein k�nnen. Dabei sind objektive Massst�be anzuwenden. Nicht was im einzelnen Betroffenen beim Unfall psychisch vorgeht - sofern sich dies �berhaupt zuverl�ssig feststellen liesse - soll entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumst�nde, bei Betroffenen psychische Vorg�nge der genannten Art auszul�sen. Zu beachten ist zudem, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindr�cklichkeit eigen ist (Urteil 8C_584/2010 vom 11. M�rz 2011 E. 4.3.2 mit weiteren Hinweisen). Vor diesem Hintergrund erf�llt das Geschehen vom 9. November 2010 das Kriterium nicht.
3.6.�Die als k�rperlich imponierenden, organisch jedoch nicht hinreichend erkl�rbaren Beschwerden sind bei einer Pr�fung der Ad�quanz nach BGE 115 V 133 nicht in die Beurteilung einzubeziehen (Urteil 8C_825/2008 vom 9. April 2009 E. 4.6). Die k�rperlich erkl�rbaren Beschwerden sind nicht so stark, als dass sich die Bejahung des Kriteriums der k�rperlichen Dauerschmerzen rechtfertigen w�rde.
3.7.�Was schliesslich das Kriterien des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit betrifft, gilt festzustellen, dass selbst wenn dieses bejaht werden k�nnte, es jedenfalls nicht in ausgepr�gter Weise gegeben ist.
3.8.�Da mithin keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgepr�gt vorliegt und, selbst wenn man zu Gunsten des Versicherten davon ausgehen w�rde, die Kriterien der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen und des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit seien erf�llt, diese nicht in geh�ufter Weise gegeben sind, haben Vorinstanz und Verwaltung die Ad�quanz eines allf�lligen Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 9. November 2010 und den psychischen Beschwerden des Versicherten zu Recht verneint. Somit besteht f�r die hier massgebende Zeit ab dem 1. Dezember 2013 lediglich f�r organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen eine Leistungspflicht der SUVA.
4.1.�Ist eine versicherte Person infolge des Unfalles mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie gem�ss Art. 18 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine Invalidenrente. Zur Bestimmung des Invalidit�tsgrades wird gem�ss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidit�t und nach Durchf�hrung allf�lliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare T�tigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k�nnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen k�nnte, wenn sie nicht invalid geworden w�re (sog. Valideneinkommen).
4.2.�F�r die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung prim�r von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. �bt sie nach Eintritt der Invalidit�t eine Erwerbst�tigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverh�ltnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsf�higkeit in zumutbarer Weise voll aussch�pft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grunds�tzlich der tats�chlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tats�chlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbst�tigkeit aufgenommen hat, so k�nnen nach der Rechtsprechung entweder Tabellenl�hne gem�ss den vom Bundesamt f�r Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475 mit Hinweisen).
4.3.�F�r den Umstand, dass dem Versicherten aus somatischen Gr�nden die bisherige T�tigkeit nicht l�nger zumutbar ist, sprach die SUVA ihm eine Rente bei einem Invalidit�tsgrad von 13 % zu. Dabei ermittelte sie das Invalideneinkommen nach der DAP-Methode. Der Beschwerdef�hrer wendet sich gegen diese Methode und verlangt sinngem�ss eine Bemessung des Vergleichseinkommens nach der LSE-Methode. Gem�ss den vorinstanzlichen Erw�gungen k�nnte der Versicherte indesssen aus dem Beizug der LSE-Tabellen nichts zu seinen Gunsten ableiten, da Gr�nde f�r einen 10 % �bersteigenden Abzug vom Tabellenlohn im Sinne von BGE 126 V 75 E. 5b/cc S. 80 nicht ersichtlich seien. Da die Frage nach der H�he des Abzuges nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine Ermessensfrage darstellt, deren Beantwortung einer bundesgerichtlichen Korrektur nur mehr dort zug�nglich ist, wo das kantonale Gericht das Ermessen rechtsfehlerhaft ausge�bt hat (BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399), der Beschwerdef�hrer eine solche rechtsfehlerhafte Ermessensaus�bung jedoch nicht aufzuzeigen vermag, ist sein Einwand, der Abzug sei auf 20 % zu erh�hen, nicht zu h�ren. Weiter sind auch keine Gr�nde ersichtlich, weshalb ihm nur noch Stellen im Dienstleistungssektor zumutbar sein sollten. Erg�be sich somit bei der Anwendung der LSE-Methode kein h�herer Invalidit�tsgrad, so braucht auf die Argumente des Versicherten gegen die DAP-Methode und seine diesbez�glichen Antr�ge nicht n�her eingegangen zu werden. Seine Beschwerde ist abzuweisen.
Dem Beschwerdef�hrer wird die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt und Rechtsanwalt David Husmann wird als unentgeltlicher Anwalt bestellt.

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 18
 Art. 16
 BGE