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Timestamp: 2020-07-09 21:58:16+00:00

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Das Sachverständigengutachten im Betreuungsverfahren | Rechtslupe
Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Betreu­ungs­ver­fah­ren
Der Sach­ver­stän­di­ge hat den Betrof­fe­nen vor der Erstel­lung eines Gut­ach­tens per­sön­lich zu unter­su­chen. Eine Begut­ach­tung nach Akten­la­ge ist auch im Auf­he­bungs­ver­fah­ren grund­sätz­lich nicht zuläs­sig [1].
Zwar ord­net § 294 FamFG für das Auf­he­bungs­ver­fah­ren die Gel­tung der §§ 278 Abs. 1, 280 FamFG, die die per­sön­li­che Anhö­rung des Betrof­fe­nen und die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens vor­schrei­ben, nicht an. Es ver­bleibt inso­weit bei den all­ge­mei­nen Ver­fah­rens­re­geln und damit bei den Grund­sät­zen der Amts­er­mitt­lung nach § 26 FamFG, so dass die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens im Auf­he­bungs­ver­fah­ren nicht obli­ga­to­risch ist. Wenn das Gericht aber wie hier ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­holt und sei­ne Ent­schei­dung auf die­ses stützt, dann muss das Gut­ach­ten den for­ma­len Anfor­de­run­gen des § 280 FamFG genü­gen [2].
Gemäß § 280 Abs. 2 Satz 1 FamFG hat der Sach­ver­stän­di­ge den Betrof­fe­nen vor der Erstat­tung des Gut­ach­tens per­sön­lich zu unter­su­chen oder zu befra­gen. Ein ohne die erfor­der­li­che per­sön­li­che Unter­su­chung erstat­te­tes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ist grund­sätz­lich nicht ver­wert­bar. Die Wei­ge­rung des Betrof­fe­nen, einen Kon­takt mit dem Sach­ver­stän­di­gen zuzu­las­sen, ist für sich genom­men kein hin­rei­chen­der Grund, von einer per­sön­li­chen Unter­su­chung durch den Sach­ver­stän­di­gen abzu­se­hen. Wirkt der Betrof­fe­ne an einer Begut­ach­tung nicht mit, so kann das Gericht abge­se­hen vom Aus­nah­me­fall, dass die Vor­füh­rung außer Ver­hält­nis zum Ver­fah­rens­ge­gen­stand steht gemäß § 283 Abs. 1 und 3 FamFG sei­ne Vor­füh­rung anord­nen [3].
Die übri­gen Erkennt­nis­quel­len des Sach­ver­stän­di­gen – schrift­li­che Äuße­run­gen der Betrof­fe­nen, Vor­gut­ach­ten einer ande­ren Sach­ver­stän­di­gen, Gesprä­che mit Drit­ten (Betreu­er, Behand­ler, sons­ti­gen Per­so­nen) und Akten­in­halt – ver­mö­gen die per­sön­li­che Unter­su­chung der Betrof­fe­nen nicht zu erset­zen. Das Amts­ge­richt hät­te des­we­gen erwä­gen müs­sen, die Betrof­fe­ne zur gut­ach­ter­li­chen Unter­su­chung vor­füh­ren zu las­sen.
Dabei hängt die Erstat­tung des Gut­ach­tens im Ergeb­nis aller­dings nicht davon ab, dass ein ver­ba­ler Kon­takt zwi­schen dem Betrof­fe­nen und dem Sach­ver­stän­di­gen her­ge­stellt wer­den kann. Der Sach­ver­stän­di­ge ist nicht gehin­dert, im Fall einer durch den Betrof­fe­nen ver­wei­ger­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on aus des­sen Gesamt­ver­hal­ten in Ver­bin­dung mit ande­ren Erkennt­nis­sen Schlüs­se auf ein bestimm­tes Krank­heits­bild zu zie­hen [4].
In der Ver­wer­tung des nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen­den Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens liegt ein wesent­li­cher Ver­fah­rens­man­gel. Von einem sol­chen ist aus­zu­ge­hen, wenn der Feh­ler so ein­deu­tig und erheb­lich ist, dass das Ver­fah­ren kei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Grund­la­ge für eine instanz­be­en­den­de Ent­schei­dung sein kann [5]. Dies ist bei einer Ver­let­zung der Ver­fah­rens­be­stim­mung des § 280 Abs. 2 FamFG, die der umfas­sen­den Sach­ver­halts­auf­klä­rung dient, der Fall [6].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2014 – XII ZB 355/​14
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 20.08.2014 – XII ZB 179/​14 NJW 2014, 3445[↩]
BGH, Beschluss vom 20.08.2014 – XII ZB 179/​14 NJW 2014, 3445 Rn. 8 f. mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 20.08.2014 – XII ZB 179/​14 NJW 2014, 3445 Rn. 10 f., 16 mwN; vgl. auch BGH, Beschluss vom 02.07.2014 – XII ZB 120/​14 FamRZ 2014, 1543 Rn. 15 f.[↩]
BGH, Beschluss vom 20.08.2014 – XII ZB 179/​14 NJW 2014, 3445 Rn. 13[↩]
vgl. BGH Urtei­le vom 26.09.2002 – VII ZR 422/​00 NJW-RR 2003, 131; und vom 22.05.2001 – VI ZR 74/​00 NJW 2001, 2550[↩]
Jürgens/​Kretz Betreu­ungs­recht 5. Aufl. § 69 Rn. 9; vgl. auch Musielak/​Borth/​Grandel FamFG 4. Aufl. § 69 Rn. 3; Keidel/​Sternal FamFG 18. Aufl. § 69 Rn. 15 b; Münch­Komm-FamF­G/­Fi­scher 2. Aufl. § 69 Rn. 43[↩]
Betreu­ungs­ver­fah­ren – und das nicht bekannt­ge­be­ne… Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs setzt die Ver­wer­tung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens als Grund­la­ge einer Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che gemäß § 37 Abs. 2 FamFG vor­aus, dass…

References: § 294
 § 26
 § 280
 § 280
 § 283
 § 280
 BGH 
 § 69
 § 69
 § 69
 § 69
 § 37