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Timestamp: 2018-03-17 06:15:26+00:00

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etem Magazin | Ausgabe 1/2018 | Textil Medienerzeugnisse
Zahlen, Fakten, Angebote
Tragödie im Trockner
Doppelte Vorsicht ist besser
Erfolgreich gegen Lösemitteldämpfe
Der "wahre" 3-D-Druck
Unfälle mit Fußgängerbeteiligung
Umrüsten für mehr Sicherheit
Anruf nach Arbeitsunfall
Datenbank zur Erfassung gefährdeter Beschäftigter
Sicheres Angebot
Vortragsveranstaltung ELEKTROTECHNIK
Kongress der Experten
Bunte Blätter bleiben beliebt
Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung 1.2018 Textil Medienerzeugnisse Reha-Management der BG ETEM Optimal versorgt 8 Maschinen-Instandhaltung 18 Initiative Offsetdruck 30 Vortragsveranstaltung Welche rechtlichen Vorgaben bei Wartungsarbeiten zu beachten sind Was die Branche gegen Lösemittel- dämpfe im Drucksaal unternimmt Was Elektrotechnik-Experten 2018 beim Treffen in Kassel erwartet
editorial Johannes Tichi Vorsitzender der Geschäftsführung Unter der Lupe Qualifizierte Beschäftigte, klare Verantwortlichkeiten und transparente Verfahren – Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. Das gilt für Unter- nehmen ebenso wie für die BG ETEM. Beide müssen ihre Produkte und Dienstleistungen optimieren, um auch künftig Spitzenleistungen anzubieten. Das Reha-Management der BG ETEM hat einen guten Ruf. Dennoch sind wir ständig dabei, es zu verbessern. Vom Erstgespräch mit verletzten oder erkrankten Ver- sicherten über ihre persönliche Betreuung bis hin zur Steuerung des Heilverfahrens nehmen wir das gesamte Verfahren immer wieder unter die Lupe. Alle Beteiligten verfolgen dabei ein Ziel: das Heilverfah- ren so effizient wie möglich zu steuern, damit Versicher- te schneller gesund werden und an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Eine Ausbildung nach einheitli- chen Richtlinien macht das möglich. In dieser Ausgabe lesen Sie, wie dieses System funktioniert (S. 26/27). Da- zu berichtet Sachbearbeiterin Silke Munier über ihr Vor- gehen beim Erstgespräch mit Versicherten (S. 24/25).
inhalt 8Schwerpunkt Instandhaltungsarbeiten erfordern hoch qualifizierte Beschäftigte und klare Verantwortlichkeiten. Dabei sind die Vorgaben der europäischen Maschinen- richtlinie, der Betriebssicherheitsver- ordnung und die Gebrauchsanweisungen der Hersteller zu berücksichtigen. 14Verkettete Anlagen Verkettete Anlagen sind oft nicht vollständig zu überblicken. Bei Ar- beiten daran besteht ein hohes Unfallrisiko. Daher ist besondere Sorgfalt nötig – und manchmal sogar überlebenswichtig. kompakt 4 Zahlen, Fakten, Angebote Meldungen und Meinungen mensch & arbeit 8 Sichere Instandhaltung von Maschinen Erst prüfen, dann starten 12 Gesunde Selbstführung Handlungsfähig bleiben betrieb & praxis 14 Verkettete Anlagen Tragödie im Trockner etem 01.2018 l e h o N . E : n o i t a r t s u l l I ; n e l r u e h c S a e h t o r o D , V U G D ; 2 4 n a i t s i r h c , k c o t S e b o d A : s o t o F 26Reha-Management der BG ETEM Die BG ETEM geht neue Wege und entwickelt das Reha-Management weiter. Ihr Ziel: eine noch besse- re Versorgung von schwer verletzten Versicherten. Zum Vorteil der Betroffenen und der Betriebe. 16 Aus Unfällen lernen Doppelte Vorsicht ist besser 18 Brancheninitiative Offsetdruck Erfolgreich gegen Lösemitteldämpfe 20 Pulverdruck Der „wahre“ 3-D-Druck gesundheit 22 Unfälle mit Fußgängerbeteiligung Umrüsten für mehr Sicherheit service 26 Reha-Management Hand in Hand 28 Datenbank zur Erfassung gefährdeter Beschäftigter Sicheres Angebot 29 Impressum 30 Vortragsveranstaltung ELEKTROTECHNIK Kongress der Experten 24 Anruf nach Arbeitsunfall Der erste Kontakt 31 Hätten Sie es gewusst? Bunte Blätter bleiben beliebt 3
kompakt Fachtagung mit Praxisworkshop Gegen Absturz an Freileitungen Aktuelle Entwicklungen zum Schutz gegen Absturz an Freileitun- gen stehen im Mittelpunkt der gleichnamigen Fachtagung der BG ETEM am 17. und 18. April 2018 in Gera. Dabei geht es um den Erfahrungsaustausch aller im Bau und Betrieb von Freilei- tungen engagierten Unternehmen sowie ihrer Führungs- und Fachkräfte. In einem Praxisworkshop demonstrieren Freileitungsbetreiber, Bauunternehmen und Ausrüstungshersteller die neusten Ent- wicklungen beim Einsatz technischer Einrichtungen und Persön- licher Schutzausrüstungen zum Besteigen von und Arbeiten auf Leitungsmasten. Auf dem Programm stehen unter anderem ▪ aktuelle Rechtsvorschriften und Regelwerke; Verantwortung betrieblicher Führungskräfte ▪ technische Entwicklungen ▪ Qualifizierungskonzepte für Beschäftigte ▪ Ausästarbeiten an Freileitungen ▪ Gefährdungen durch UV-Strahlung Neue Sifa-Ausbildung Das Projekt der Berufsgenossenschaften zur Weiter- entwicklung der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeits- sicherheit (Sifa) biegt auf die Zielgerade ein. 2018 finden die beiden ersten Pilotkurse nach dem neuen Ausbildungsmodell am IAG in Dresden statt. Die BG ETEM ist sowohl in dem Entwicklungsprojekt als auch in der Piloterprobung maßgeblich beteiligt. 2019 wird das Konzept auch an der Bildungsstätte Bad Münstereifel erprobt und voraussichtlich 2020 vollständig umgesetzt werden. Eine Internet-basierte Lernplattform ist zentrales Mit- tel der Sifa-Ausbildung. In einem integrierten Lern- konzept (Blended Learning) wechseln sich selbstor- ganisiertes Lernen, Praktika und Seminare ab. Der didaktische Ansatz wurde grundlegend moderni- siert. Er steht im Einklang mit dem gemeinsamen Bildungsverständnis der Unfallversicherungsträger, der „KompetenzBildung für Sicherheit und Gesund- heitsschutz (KoSiG)“. → info www.dguv.de Webcode: d546989 ▪ Demonstrationen zum gesicherten Besteigen/Arbeiten auf Freileitungsmasten und zur Rettung aus Leitungsfahrzeugen Eine Fachausstellung zum Themenfeld „Sicherheit an Freileitun- gen“ bietet Herstellern, z. B. von kollektiven und Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz, die Gelegenheit zur Präsen- tation innovativer Produkte. → info und anmeldung www.bgetem.de, Webcode 17419303 Alle Informationen über den Veranstaltungsort, Teilnahme- und Ausstellergebühren sowie Hotelkontingente. Individuelle Bera- tung über das Sekretariat: Andrea Oudri E-Mail: oudri.andrea@bgetem.de Tel.: 0221 3778-6161, Fax: 0221 3778-6166 CE, GS oder DGUV Test Kennzeichnung oder Prüfzeichen: Was ist der Unter- schied zwischen CE-Kennzeichnung, GS-Prüfzeichen oder DGUV Test? Welche Zeichen sind vorgeschrie- ben, welche freiwillig? Und was muss ich als Unter- nehmer tun? Ein Kurzfilm zeigt, was jeweils hinter den einzelnen Zeichen steckt. Unternehmen erfah- ren so auch, welche Kennzeichnung Pflicht ist und welche Prüfzeichen für ihre Produkte infrage kom- men könnten. → info www.dguv.de/de/mediencenter/filmcenter/filme/ dguv-test/index.jsp
kompakt ? nachgefragt Lob sorgt für Sicherheit Prof. Dr. Christoph Bördlein von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt über die Rolle von Vorgesetzten beim Arbeitsschutz. Positives Feedback des Chefs erhöht die Arbeitssicher- heit. Wie geht das denn? Sicheres Verhalten ist oft mit einem, manchmal nur klei- nen Mehraufwand verbunden: Wenn ich für eine Arbeit über Kopf eine Leiter hole, dauert das länger, als wenn ich einfach auf einen Tisch steige, der im Raum steht. Gerade so passieren Unfälle. Alle Betriebe wollen, dass ihre Mit- arbeiter sicher arbeiten. Wenn das nicht nur ein Lippenbe- kenntnis sein soll, muss man ihnen täglich, in der konkre- ten Arbeitssituation zeigen, dass man es schätzt, wenn sie sicher arbeiten. Bekomme ich diese positive Rückmel- dung systematisch, entscheide ich mich auch dann für die sichere Variante, wenn mir niemand beim Arbeiten zu- sieht. Wie sind Sie darauf gekommen? Positives Feedback für sicheres Arbeiten (statt nur Kritik für riskantes Arbeiten) ist ein zentraler Bestandteil der am besten untersuchten und wirksamsten Methode zur Ver- änderung des Verhaltens im Bereich der Arbeitssicher- heit, der Behavior Based Safety (BBS, verhaltensorientier- te Arbeitssicherheit). BBS wird in vielen Betrieben welt- weit erfolgreich eingesetzt. Nur in Deutschland ist es rela- tiv unbekannt. Als Verhaltenswissenschaftler setze ich mich dafür ein, diese Methoden hierzulande bekannter zu machen. Was raten Sie Unternehmen, die den Arbeitsschutz ver- bessern wollen? Die meisten Unfälle gelten als „verhaltensbedingt“. Wenn man erreichen will, dass Mitarbeiter sich sicher verhalten, muss man die Sicherheitskultur verändern, sodass sich sicheres Verhalten psychologisch gesehen „lohnt“. Das ist ein Prozess mit vielen Stellschrauben. An der Hoch- schule für angewandte Wissenschaften Würzburg- Schweinfurt bieten wir deshalb einen Zertifikatslehrgang an, in dem man die Theorie und Praxis von BBS erlernen kann. → Weitere Infos www.fhws.de/weiterbildung/ zertifikatslehrgaenge/spezialistin-fuer-behavior-ba- sed-safety Forschung für bessere Stirnleuchten Im Oberleitungsbau müssen dringende Montage- tätigkeiten auch bei Nacht ausgeführt werden. Auf- grund der elektrischen Gefährdung bleibt zur Aus- leuchtung oft nur die Verwendung von Stirnleuchten. Bei aktuell eingesetzten Stirnleuchten besteht aus lichttechnischer Sicht deutlicher Optimierungsbe- darf. Gemeinsam mit dem Fachgebiet Lichttechnik der TU Ilmenau führt die BG ETEM aktuell ein Projekt durch, um die lichttechnischen Anforderungen an Stirnleuchten zu konkretisieren. Eine nach diesen Kriterien optimierte Stirnleuchte soll dann auf dem Markt verfügbar gemacht werden. → kontakt An einer Umsetzung interessierte Hersteller von Stirnleuchten melden sich bitte per Mail bei holzschneider.markus@bgetem.de ↓ Termine ▪ 12.-13.06.2018, Kassel, Vortragsveranstaltung Elektrotechnik ▪ 27.-28.06.2018, Essen, Forum Verkehrssicherheit ▪ 03.-06.09.2018, Dresden, 50. FS-Jahrestagung für Strahlenschutz → weitere termine www.bgetem.de, Webcode 12568821 etem 01.2018 5 s n o c i k c o t s y m , s r g a m I y t t e G y b k c o t S i ; a i l o t o F - 6 n a i r a s s o y ; M E T E G B : s o t o F
kompakt Führung. Kommunikation. Verhalten Die Vorteile einer guten und gesundheitsorientierten Führung für Unternehmen sind ein Thema beim Forum – Führung. Kom- munikation. Verhalten am 13. und 14. März 2018. Teilnehmer er- fahren, wie sie verhaltensbedingten Unfällen vorbeugen können und mit den gleichen Mitteln Beschäftigte zum Mitdenken anre- gen sowie die Wertschöpfung im gesamten Unternehmen ver- bessern. Programmschwerpunkte sind unter anderem: ▪ Verhaltensbedingte Unfälle vermeiden. ▪ Wie rege ich zum „Mitdenken“ an? ▪ Beispiel für gelungene Mitarbeiter-Beteiligung. ▪ Entwicklung einer Kultur der Prävention. → anmeldung www.bgetem.de, Webcode 17276233 Ansprechpartnerin: Carmen Mittelstädt; Telefon: 033931 523848 E-Mail: mittelstaedt.carmen@bgetem.de Mobilität im Wandel – Risiko Stadtverkehr Im Bereich der Verkehrssicherheit konnten in den zu- rückliegenden Jahren sehr weitreichende Erfolge er- zielt werden. Besorgniserregend ist jedoch, dass 2017 besonders innerorts deutlich mehr Verkehrsto- te zu verzeichnen waren als in den Vorjahren. Die Ursa- chen hierfür sind vielfältig und treffen sowohl Be- schäftigte auf Arbeits- und Dienstwegen als auch Un- ternehmer. Im Rahmen des Forums Verkehrssicherheit widmen wir uns deshalb den aktu- ellen Sicherheitsrisiken im Stadtverkehr, stellen Bei- spiele betrieblicher Ver- kehrssicherheitsarbeit vor und geben gleichzeitig ei- nen Ausblick auf die Mobi- lität von morgen. Merken Sie sich den 27./28. Juni 2018 für die Veran- staltung „Mobilität im Wandel – Risiko Stadtverkehr“ auf der Zeche Zollverein in Essen vor – es lohnt sich. Vorschussbescheid 2017 Die Mitgliedsbetriebe der BG ETEM erhalten im Janu- ar dieses Jahres den Vorschussbescheid auf den Bei- trag für 2017. Dieser geht an Betriebe, deren Brutto- beitrag zuzüglich der Lastenverteilung nach Entgel- ten und Neurenten im Vorjahr 1.000 Euro und mehr betragen hat. Unberücksichtigt bleiben die Beitrags- nachlässe aus dem Vorjahr – ebenso wie Gutschrif- ten, Säumniszuschläge oder Zinsen, die auf dem Vorjahresbescheid aufgeführt waren. Auch freiwillig versicherte Personen erhalten einen Vorschussbe- scheid unter ihrer Versicherungsnummer, sofern bei ihnen die Beitragssumme des Vorjahres 1.000 Euro erreicht oder überstiegen hat. Die Betriebe zahlen zwei Vorschüsse jeweils in Höhe eines Drittels des Vorjahresbeitrags zum 15. Februar und zum 15. Mai 2018. Stellen Sie mit einem Eintrag im Kalender die Einhaltung der Zahlungsfrist sicher. Bereits gezahlte Vorschüsse werden automatisch ab- gezogen und mit dem tatsächlichen Beitrag für das Jahr 2017 verrechnet. Die Restzahlung wird mit dem Beitragsbescheid im Juli bekanntgegeben und am 15. August 2018 fällig. Entsteht ein Guthaben, wird dieses erstattet. Von Betrieben mit einem Beitrag un- ter 1.000 Euro werden grundsätzlich keine Vorschüs- se angefordert. Diese bezahlen den Beitrag wie bis- her in einer Summe am 15. August. → info www.bgetem.de, Webcode 17641146 → info www.bgetem.de, Webcode 11197352 l e m m u R n a i t s i r h C , s e g a m I y t t e G y b k c o t S i ; s e g a m I o r e H , s e g a m I y t t e G ; M E T E G B : s o t o F
kompakt Plakatkampagne 2018 Echte Hingucker kerker Jetzt bestellen! Die neuen Plakate können Mitglieds- betriebe kostenlos bestel- len unter: www.bgetem.de, Webcode 14822765 Bestell-Nr. P 002/2018 Bestell-Nr. P 001/2018 Bestell-Nr. P 003/2018 Bestell-Nr. P 004/2018 Bestell-Nr. P 005/2018 Bestell-Nr. P 006/2018 Bestell-Nr. P 007/2018 Bestell-Nr. P 008/2018 Bestell-Nr. P 009/2018 Bestell-Nr. P 010/2018 Bestell-Nr. P 011/2018 Bestell-Nr. P 012/2018 etem 01.2018 7
mensch & arbeit 8 etem 01.2018
mensch & arbeit Sichere Instandhaltung von Maschinen Erst prüfen, dann starten Instandhaltungsarbeiten erfordern, die Vorgaben der europäischen Maschinenrichtlinie, der Betriebssicher- heitsverordnung und die Gebrauchsanweisungen der Hersteller zu berücksichtigen. Die BG ETEM erklärt die wichtigsten Punkte. Auf hohem Niveau durchgeführte In- standhaltungsmaßnahmen stellen ei- ne der wesentlichen Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb und lange Stand- zeiten von Maschinen dar. Nach der erst- maligen Inbetriebnahme eines Arbeits- mittels kann man davon ausgehen, dass für seine Betriebsarten herstellerseitig geeignete Schutzmaßnahmen konzipiert wurden und den Beschäftigten zur Verfü- gung stehen. standhaltungsmaßnahmen gehören ne- ben der Inspektion auch die Wartung und Instandsetzung. Die Maßnahmen zielen auf die Erhaltung des Zustands ab, die ei- nen weiteren sicheren Betrieb der Ma- schine gewährleistet. Weitere Konkretisie- rungen zu Begriffen der Instandhaltung können auch den Technischen Regeln zur Betriebssicherheit und dem Normenwerk entnommen werden. Maschinen gehören nach der Betriebs- sicherheitsverordnung (BetrSichV) zu den Arbeitsmitteln und stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen dieses Beitrags zur si- cheren Instandhaltung. Während in der Vergangenheit der Betrieb von Maschinen häufig als Verwendung im Rahmen von Fertigungsprozessen verstanden wurde, legt die BetrSichV eine Begriffsbestim- mung der Verwendung von Arbeitsmitteln vor, zu der auch das Instandhalten zählt (siehe Abbildung 2 auf Seite 11). Die Ver- ordnung ordnet eine Reihe von Begriffen, die zu einem Maschinen-Lebenszyklus gehören, der Verwendung von Arbeitsmit- teln zu. Das Betreiben beginnt daher mit dem Transport vom Hersteller/Händler zum Betreiber, setzt sich mit der Montage fort und geht in diverse Betriebsphasen über, zu denen auch die Instandhaltung zählt. Die Instandhaltung stellt keine exoti- sche Situation im Umgang mit dem Pro- dukt dar, die unter Umständen abwei- chende Sicherheitsmaßnahmen oder gar einen Verzicht darauf gestattet. Zu den In- Anforderungen der europäischen Maschinenrichtlinie Die europäische Maschinenrichtlinie for- dert eine Reihe sicherheitstechnischer Maßnahmen, die konstruktionsseitig eine sichere Instandhaltung gewährleisten sol- len, z. B.: ▪ Maschinen sind so zu konstruieren, zu bauen und auszurüsten, dass eine Mini- mierung späterer Anlässe für ein Ein- greifen erreicht wird. Kann ein Eingrei- fen herstellerseitig nicht ausgeschlos- sen werden, so muss die Konstruktion dies sicher und einfach gewährleisten. ▪ Einrichtungs- und Wartungsstellen sind so zu konzipieren, dass sie außerhalb der Gefahrenbereiche liegen. Die Be- triebsarten sowie die Steuerung sind so auszulegen, dass u. a. Instandhaltungs- arbeiten bei stillgesetzter Maschine durchgeführt werden können. In regel- mäßigen Abständen sind jedoch Eingrif- fe z. B. zur Störungsbeseitigung an Werkzeugen oder Transfereinrichtungen erforderlich. Zur sicheren Durchführung der Arbeiten sind ergänzende Maßnah- etem 01.2018 men zu ergreifen. Eine besondere Be- deutung kommt hier der Auswahl der Steuerungs- und Betriebsarten zu. ▪ Bei automatischen Maschinen, wie z. B. Bearbeitungszentren oder Industriero- botern, sind Schnittstellen zum An- schluss von Fehlerdiagnoseeinrichtun- gen vorzusehen. ▪ Die Montage/Demontage von Maschi- nenteilen soll möglichst unter Verwen- dung technischer Hilfsmittel und nach festgelegten Arbeitsverfahren erfolgen können. ▪ Bedientableaus und -stände sowie In- standhaltungsbereiche müssen gefahr- los zu erreichen sein. ▪ Bei manuellen Eingriffen muss eine Ge- fährdung durch bewegte Maschinentei- le ausgeschlossen sein. Hierzu sind auch für Instandhaltungsarbeiten Ein- richtungen vorzusehen, die eine Tren- nung von jeder einzelnen Energiequelle ermöglichen. Diese sind eindeutig zu kennzeichnen und müssen abschließ- bar sein, sofern eine Wiedereinschal- tung eine Gefahr verursachen kann. ▪ Bei elektrisch betriebenen Maschinen, die über Steckverbindungen angeschlos- sen sind, ist eine Trennung von der Ener- gieversorgung durch die Steckverbin- dung ausreichend, sofern das Bedie- nungspersonal die permanente Tren- nung der Steckverbindung von jeder Zu- gangsstelle zur Maschine aus kontrollie- ren kann. ▪ In der Vergangenheit waren wiederholt Unfälle durch Restenergie oder gespei- cherte Energien zu beklagen, die trotz Trennung von Energiequellen zu Bewe- gungen von Werkzeugen oder bewegten Maschinenteilen führten. Die Konstrukti- on muss daher gewährleisten, dass mög- liche Rest- oder gespeicherte Energien ohne Gefährdungen abgeführt werden können. 9
mensch & arbeit Eine vollständige Trennung von allen Ener- giequellen kann in Einzelfällen uner- wünschte Probleme hervorrufen, z. B. den Verlust von Werkstückpositionierungen oder Datensätzen zum Fertigungsstatus. In solchen Fällen sind konstruktive und steu- erungstechnische Lösungen zu erarbeiten, um die Sicherheit zu gewährleisten. Gebrauchsanleitung in deutscher Sprache Bereits das Produktsicherheitsgesetz for- dert, dass Maschinen nur dann auf dem Markt bereitgestellt werden dürfen, wenn u. a. die Sicherheit und Gesundheit von Personen bei bestimmungsgemäßer oder vorhersehbarer Verwendung nicht gefähr- det werden. „Sind bei der Verwendung, Ergänzung oder Instandhaltung eines Pro- dukts bestimmte Regeln zu beachten, um den Schutz von Sicherheit und Gesund- heit zu gewährleisten, ist bei der Bereit- stellung auf dem Markt hierfür eine Ge- brauchsanleitung in deutscher Sprache mitzuliefern ...“. Hersteller sind verpflichtet, Betreiber durch eine Gebrauchsanleitung u. a. über die bestimmungsgemäße und vorherseh- bare Verwendung ihrer Produkte zu infor- mieren. Eine bestimmungsgemäße Ver- wendung liegt vor, wenn sie für ein Produkt nach den Angaben derjenigen Person, die es in den Verkehr bringt, vor- gesehen ist. Das gilt auch für die übliche Verwendung, die sich aus Bauart und Ausführung des Produkts ergibt. der Arbeitgeber die Betriebsanleitung des Herstellers zu berücksichtigen. Bei vorhersehbarer Verwendung wird ein Produkt in einer Weise benutzt, die vom Inverkehrbringer nicht vorgesehen, jedoch nach vernünftigem Ermessen vor- hersehbar ist. Hierbei handelt es sich z. B. um ein Eingreifen in bewegte Maschinen- teile oder die Durchführung von Instand- haltungsarbeiten bei nicht sicher stillge- setzten Maschinen. Auch die Maschinenrichtlinie verpflich- tet Hersteller, wesentliche Informationen für eine bestimmungsgemäße Verwen- dung ihrer Produkte in einer Betriebs- anleitung für die Betreiber zusammenzu- stellen. Dennoch können auch richtlinien- konforme Maschinen im Einzelfall Restge- fährdungen bei Instandhaltungsarbeiten aufweisen, denen durch sicherheitstech- nische, ergänzende organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen zu begegnen ist. Die Durchführung dieser Maßnahmen liegt in der Verantwortung des Maschinenbetreibers. Für eine sichere Instandhaltung richtet die BetrSichV eine Reihe von Anforderun- gen an Arbeitgeber und rückt die Gefähr- dungsbeurteilung als zentrales Hand- lungswerkzeug für die vom Arbeitgeber zu ergreifenden Maßnahmen in den Mittel- punkt ihrer umfangreichen Regelungen. Im Rahmen der Ermittlung und späteren Festlegung von Schutzmaßnahmen hat Weitere Aufgaben des Arbeitgebers Alle sowohl hersteller- als auch arbeitge- berseitig getroffenen Schutzmaßnahmen für Instandhaltungsarbeiten an Maschi- nen können nur erfolgreich sein, wenn die damit beauftragten Beschäftigten über eine entsprechende Qualifikation verfü- gen. Nachdem der Arbeitgeber die Verant- wortlichkeiten bei Instandhaltungsarbei- ten festgelegt hat, muss er weitere Maß- nahmen ergreifen, u. a.: ▪ Instandhaltungsarbeiten setzen eine systematische Arbeitsfreigabe voraus. Eine ausreichende Kommunikation zwi- schen Bedien- und Instandhaltungsper- sonal ist sicherzustellen. ▪ Gefährdungen durch bewegte/angeho- bene Maschinen oder deren Teile sowie durch gefährliche Energien/Stoffe sind bei Instandhaltungsarbeiten zu vermei- den. ▪ Können für den Normalbetrieb getroffe- ne technische Schutzmaßnahmen nicht oder nur zum Teil zum Einsatz kommen, hat der Arbeitgeber andere geeignete Maßnahmen auszuwählen und zum Ein- satz zu bringen. ▪ Instandhaltungsarbeiten dürfen aus- schließlich mit geeigneten Geräten und Werkzeugen durchgeführt werden. Abb. 1: Abläufe und Maßnahmen bei Instandhaltungsarbeiten Arbeitsaufgabe Arbeitsablauf und Maß- nahmen beschrieben? ja Festgelegte Maßnahmen ausreichend wirksam? ja nein nein Durchführung der Arbeit: Vorgehensweise nach getroffenen und dokumen- tierten Fest legungen • zusätzliche Informationen beschaffen • Gefährdungen ermitteln und bewerten • Maßnahmen festlegen und dokumentieren Arbeiten sicher abbrechen! a j Neue Gefährdungen? Meldung an verantwortliche Person Erprobung nein n i e n Erprobung sicher möglich? ja Festgestellte Abweichung beheben n i e n Sicherer Zustand wieder hergestellt? a j Ende 10 etem 01.2018
mensch & arbeit Abb. 2: Verwendung von Arbeitsmitteln jegliche Tätigkeit mit Arbeitsmitteln Betreiben Überwachen Gebrauch Bedienen Arbeitsmittel – Lebenszyklus Transpor- tieren Montieren Installie- ren Erproben An- und Abschal- ten Einstellen Reinigen Prüfen Instand- halten Umbauen Installie- ren Demon- tieren ▪ Abläufe von Instandhaltungsarbeiten sind möglichst zu standardisieren. Sind vom Normzustand abweichende Abläu- fe erforderlich, sind hierfür sichere Ar- beitsverfahren festzulegen. ▪ Eine Arbeitsbereichsabsicherung ist vorzunehmen. An den Maschinen sind verständliche Warn- und Gefahrenhin- weise bezogen auf Instandhaltungsar- beiten anzubringen. ▪ Ggf. ist mit Blick auf die Gefährdungsbe- urteilung der Zugang für Unbefugte in den Arbeitsbereich zu verhindern. ▪ Für das Instandhaltungspersonal sind sichere Zugänge vorzusehen. ▪ Lassen sich Gefährdungen im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten durch kons- truktive und/oder organisatorische Maß- nahmen nicht ausschließen, hat der Ar- beitgeber seine Beschäftigten mit geeig- neten Persönlichen Schutzausrüstungen auszustatten und sie in der sachgemä- ßen Verwendung zu unterweisen. Wenn ein gefahrloser Zustand nicht erreicht werden kann Weitere Konkretisierungen für Instandhal- tungsarbeiten können den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) ent- nommen werden. Sie legen auch Maßnahmen für den Fall fest, dass ein ab- schließend gefahrloser Zustand der in- standzusetzenden Maschine nicht er- reicht werden kann, z. B. bei der Fehlersu- che. Derartige Randbedingungen erfor- dern mindestens folgende Maßnahmen: ▪ Der Arbeitgeber hat spezielle Schutz- maßnahmen zu ermitteln und deren etem 01.2018 konsequente Anwendung sicherzustel- len. Der Maschinen-/Anlagenverant- wortliche hat für die Einhaltung der si- cherheitstechnischen Maßnahmen zu sorgen – der Arbeitsverantwortliche ist für die Einhaltung der verhaltensbezo- genen Maßnahmen bei Instandhal- tungsarbeiten verantwortlich. ▪ Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über alle mit ihrer Arbeit verbundenen besonderen Gefährdungen zu unterrich- ten und zu unterweisen. ▪ Für das Verhalten beim Auftreten von Unregelmäßigkeiten und Störungen müssen spezielle Anweisungen vorhan- den und dem Personal bekannt sein. ▪ Instandhaltungsarbeiten sind nur von hierzu qualifizierten und vom Arbeitge- ber beauftragten Beschäftigten auszu- führen. Sie müssen über umfangreiche Kenntnisse hinsichtlich der Besonder- heiten der Maschine verfügen und auf- tretende Gefährdungssituationen erken- nen und abwenden können. ▪ Im Gefahrenbereich dürfen sich nur die für Instandhaltungsarbeiten erforderli- chen Personen aufhalten. ▪ Bei erhöhtem Gefährdungspotenzial ist ein Aufsichtsführender zu beauftragen, der den Fortgang der Arbeiten beobach- tet und bei akuter Gefährdung geeigne- te Maßnahmen ergreift. Abbildung 1 (S. 10) stellt Abläufe und Maßnahmen bei Instandhaltungsarbeiten dar – von der anfänglichen Gefährdungs- beurteilung bis zur Durchführung der Ar- beiten, einschließlich der Erprobung. Die Systematik verdeutlicht, dass die Festle- gung geeigneter Sicherungsmaßnahmen und deren konsequente Anwendung als Erfolgsgaranten jeder Instandhaltungsar- beit zu verstehen sind. Fazit Instandhaltungsarbeiten erfordern basie- rend auf einer rechtskonformen Ausrüs- tung von Maschinen hoch qualifizierte Beschäftigte. Nur durch ihr konsequent sicherheitsgerichtetes Verhalten können die technischen Möglichkeiten zur risi- koarmen Durchführung der Instandhal- tung an Maschinen vollständig ausge- schöpft und der nicht bestimmungsgemä- ße Eingriff anderer Personen weitgehend verhindert werden. Dr. Reinhard Lux → info Weitere Informationen zum Thema finden Sie z. B. hier: www.bghm.de/de/arbeits- schuetzer/fachinformationen/instandhal- tung Instandhaltung (Auszug aus der Betriebssicher- heitsverordnung) „Gesamtheit aller Maßnahmen zur Erhaltung des sicheren Zustandes oder der Rückführung in diesen. … umfasst insbesondere Inspek- tion, Wartung und Instandsetzung.“ 11 5 0 1 6 a y l o , k c o t S e b o d A ; l r e h c a Z . E , k c o t S e b o d A ; y a y l e b , k c o t S e b o d A ; y a y l e b , k c o t S e b o d A ; 2 4 n a i t s i r h c , k c o t S e b o d A : s o t o F
mensch & arbeit Gesunde Selbstführung Handlungsfähig bleiben Gesundheitsgerechte Führung soll die Gesundheit der Beschäftigten fördern. Die Gesundheit der Führungskräfte selbst wird dabei häufig vergessen. Führungskräfte sind einer größeren Viel- falt von Belastungsfaktoren ausgesetzt. Sie werden deutlich häufiger mit schwie- rigen Entscheidungen konfrontiert. Erfah- rungen, Menschenkenntnis und ein „di- ckes Fell“ sind zwar eine gute Vorausset- zung, um Probleme zu lösen, sie schützen aber nicht vor seelischen oder körper- lichen Beanspruchungen. Führungskräfte sind in der Regel nicht problemlos zu ersetzen; der Erfolg des Un- ternehmens hängt nicht selten direkt von ihrer Leistungsfähigkeit ab. Ihr Wagemut, ihre Neugier, Kreativität, Diplomatie und ihre Entscheidungsfreudigkeit sind Werte, die – auch wenn sie nicht in der Bilanz auftauchen – die Zukunft des Unter- nehmens bestim- men. Viele Projekte scheitern, wenn entscheidende Per- sonen ausfallen. Daher betreiben viele Unternehmen einen großen Auf- wand, um die Ge- sundheit der Führungskräfte zu fördern. Es gibt verschiedene Ansätze, um Ge- sundheitskompetenz gezielt aufzubauen. Dazu gehören beispielsweise Gesund- heits-Check-ups, spezielle gesundheits- bezogene Qualifizierungsangebote oder Gesundheitscoachings. Achtsamkeit trainieren Als relativ neuer Ansatz können Acht- samkeitstrainings gelten. Sie verbinden Gesundheitswissen, Techniken zur Ent- spannung und Stressbewältigung mit Ele- menten der Selbstreflexion. Der Erfolg setzt ein hohes Maß an Selbstverantwor- 12 tung voraus für die regelmäßige Übung und Bearbeitung von Reflexionsaufgaben. Liegt der Schwerpunkt auf dem Thema Achtsamkeit am Arbeitsplatz, wird in besonderem Maße Führungskompetenz entwickelt. Neben dem Aufbau eigener Gesundheitskompetenz kann das Füh- rungsverhalten in Bezug auf die Stärkung organisatorischer und sozialer Ressour- cen der Mitarbeiter beziehungsweise die Präventionskultur im Unternehmen in die Reflexion mit einbezogen werden. Eines der am besten erforschten Achtsamkeitsprogramme ist Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), also Stressbewältigung durch Achtsamkeit, entwickelt von Jon Kabat-Zinn. Es ver- bindet Meditations- formen mit Wurzeln im Buddhismus mit Elementen der kog- nitiven Psycholo- gie. Alle Übungen sind frei von religiö- sen oder esoteri- schen Formen. »Mit unseren Smartphones sind wir inzwischen in der Lage, mit allem und jedem in Kontakt zu treten. Wir laufen jedoch Gefahr, niemals in Kon- takt mit uns selbst zu sein.« Jon Kabat-Zinn, Achtsamkeitsforscher Auf der Suche nach Ausgleich, Entschleu- nigung und Weiterentwicklung des eige- nen Führungspotenzials ermöglicht Acht- samkeit die Reflexion der eigenen Hal- tung und Rolle als Vorbild, das Erleben von Sinnhaftigkeit, Klarheit und Authenti- zität und die Stärkung von Gelassenheit und innerer Balance. Die bewusst geübte Ausrichtung auf das eigene Erleben in Bezug auf Gedan- ken, Gefühle und Körperempfindungen hilft inmitten des permanenten Versuchs von Multitasking, häufiger Unterbrechung und Informationsflut, wieder Verbindung mit sich selbst zu finden. Achtsamkeit Der Begriff beschreibt das bewuss- te Lenken der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment, ohne zu bewerten. Auf diese Weise wer- den Gedanken, Gefühle, Sinnesein- drücke und Körperempfindungen mit einer inneren Distanz beobach- tend wahrgenommen. Dabei wer- den auch unangenehme Erfahrun- gen hier und jetzt in die Achtsam- keit integriert. Die Herausforderung besteht darin, die Dinge so sein zu lassen, wie sie sind, ohne in die- sem Moment eine Veränderung er- zwingen zu wollen. Ganz gleich, ob Termindruck, Ärger oder Nackenschmerzen – in der Achtsamkeitsmeditation besteht die Möglichkeit, den Raum zwi- schen Stressauslösern und auto- matischen Reaktionen ohne An- strengung und Optimierungsdruck zu öffnen. Es geht darum, bewer- tungsfrei folgende Fragen anzu- schauen: ▪ Wie fühlen sich Zeitdruck, Überlastung, widersprüchliche Information oder Erschöpfung im Körper an? ▪ Was geschieht, wenn der Kopf schmerzt, der Atem flach wird oder die Gedanken immer wieder im Kreis gehen? Achtsamkeitsübungen ermöglichen auch bei schwierigen Erfahrungen die Wahlfreiheit für Reaktionen. Es wird der eigene Gestaltungsspiel- raum entdeckt. etem 01.2018
mensch & arbeit bewertende, offene und akzeptierende Art und Weise. So verbessert sich im Ge- hirn der Austausch zwischen dem prä- frontalen Cortex – dem Entstehungsort von Gedanken – und der Amygdala – dem Entstehungsort von Emotionen. Das hilft, um sicher und gelassen handlungsfähig zu bleiben. Eine gute Selbstregulation ist für Füh- rungskräfte eine wichtige persönliche Ressource zur Stärkung der eigenen Ge- sundheitskompetenz. Neben den positi- ven Auswirkungen auf das Verhalten in Stresssituationen selbst, werden auch Belastungsgrenzen besser erkannt, so- dass eine entsprechende selbstverant- wortliche Sorge zum Erhalt der eigenen gesundheitlichen Balance nachhaltig in den Alltag integriert wird. Maria Köhne, Dr. Just Mields Der Artikel ist die gekürzte Fassung eines Beitrags aus der Zeitschrift „Sicherheitsingenieur“, Ausgabe Oktober 2017. Maria Köhne ist Psychologin und MBSR-Trainerin. Sie berät Unternehmen in Fragen der psychologischen Gesundheitsförderung. Dr. Just Mields ist Arbeitspsychologe bei der BG ETEM Übung: Achtsamkeitspause Halten Sie kurz inne und wenden Sie sich bewusst dem gegenwärti- gen Moment zu: Die Aufmerksam- keit auf den Atem richten und ihn einfach wahrnehmen – Einatmen in diesem Moment, Ausatmen im nächsten ... den Atem dabei fließen lassen, so wie er es ganz von allei- ne tun möchte, ganz egal, ob dies schnell, langsam, tief, flach, regel- mäßig oder unregelmäßig ge- schieht ... Das Hier und Jetzt wahrnehmen, welche Gedanken gerade da sind ... welche Gefühle … welche Körper- empfindungen … Alles so wahrneh- men, wie es in diesem Moment ist – ohne zu bewerten, nachzudenken oder etwas verändern zu müssen. Mit der Aufmerksamkeit zum Atem zurückkehren. Beenden Sie die Pause mit einem tiefen Ein- und Ausatmen und wenden Sie sich Ih- ren Aufgaben bewusst wieder zu. Bewusst innehalten und den gegenwärtigen Moment wahrnehmen kann neue Kräfte wecken. Eine Übung, die sich auch für Kurz- pausen im Arbeitsalltag eignet, ist das achtsame Innehalten: Innehalten, Wahr- nehmen von Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Die Verbindung mit aktuellen Körpersignalen schafft Chancen zum Ausbalancieren des autonomen vegetativen Systems. genen oder Zukünftigen zu verlieren, gelingt es, durch bewusstes Lenken der Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt Klarheit zu gewinnen. Als Technik eignet sich eine einfache Fokussierung auf das Beobachten der eigenen Atmung: Inne- halten, Atem beobachten, so wie er von selbst gerade fließt (vgl. Übung). Pause im Kopfkino Das Üben der Achtsamkeit verbessert die Aufmerksamkeitsregulation. Inmitten von schnell wechselnden, oft unberechenba- ren und mehrdeutigen Anforderungen so- wie einer Reizüberflutung im Laufe eines Arbeitstages gelingt es damit, den roten Faden zu behalten. Statt sich im Vergan- Gefühle kontrollieren Ärger, Angst oder Hilflosigkeit können schnell die Kontrolle übernehmen, wenn durch das Ausschütten von Stresshormo- nen kognitive Prozesse eingeschränkt werden. In Achtsamkeitsübungen wird trainiert, die Aufmerksamkeit auch auf Gefühle zu richten, und zwar auf eine nicht r e u a L . J / v d w : o t o F etem 01.2018 13
betrieb & praxis Verkettete Anlagen Tragödie im Trockner Verkettete Anlagen sind o nicht vollständig zu über- blicken. Bei Arbeiten daran besteht ein hohes Unfall- risiko. Daher ist besondere Sorgfalt nötig – und manch- mal sogar überlebenswichtig. Es riecht nach frischer Wäsche. Im Finish- bereich einer Großwäscherei laufen die getrockneten Wäschestücke über ein Transportband zu den Sortierarbeitsplät- zen. Flinke Hände ordnen die sauberen Tei- le. Da bemerkt eine Mitarbeiterin dunkle Anhaft ungen an weißen Wäschestücken. Gelangen mit Kunststoﬀ beschichtete Teile, wie Socken mit rutschfester Sohle, unbemerkt in die große Waschröhre, kann sich der Kunststoﬀ bei den heißen Tempe- raturen im Trockner ablösen. Kleinste plastiﬁ zierte Teile kleben an der Trockner- wand oder an anderen Wäscheteilen. Be- sonders bei hellen Textilien ist dann eine intensive Nachbehandlung fällig. Die Mitarbeiterin informiert den In- standhaltungsbereich. Der Trockner muss schnell gereinigt werden. Eine mühselige Arbeit. Hauselektriker Herbert K. musste schon ö er in eine der noch nicht abge- kühlten Trommeln steigen und die Verkle- bungen vorsichtig abkratzen. Die Mitarbeiterinnen im Sortierbereich schalten die Anlage ab und gehen in den Pausenraum. Elektriker Herbert K. klettert mittels Steigleiter auf die Trocknerbühne in ca. vier Metern Höhe. Er sucht den mannshohen Trockner, in dem sich die Verschmutzungen beﬁ nden. In der Trom- mel ist es heiß, eng und stickig. In ge- beugter Haltung, halb liegend versucht er die Verklebungen zu beseitigen. Nach einer Viertelstunde Säuberung be- merkt Herbert K., wie die Trommel beginnt, sich wieder zu drehen. Das ist seine letzte Erinnerung, bevor er im Krankenhaus auf der Notfallstation erwacht. Herbert K. hätte tot sein können. Im Trock- ner wird er mehrfach gegen die Wandun- gen geschleudert, an denen sich Auskra- gungen zum Transport der Wäsche beﬁ n- den. Er verliert das Bewusstsein und wird hilflos aus der Trommel auf das Förder- band gekippt. Wie ein schwerer Sack fällt er über drei Förderbandkaskaden aus vier Metern Höhe nach unten den Sortiererin- nen direkt vor die Füße. Eine der Mitarbeiterinnen erleidet einen Schock. Sie war es, die nach der Pause die Anlage eingeschaltet hatte. Dass sich in ei- nem der weit oben angeordneten Trockner ein Mensch beﬁ ndet, konnte sie nicht se- hen. Auch am Bedienpult deutete kein Hin- weisschild auf die Reparaturarbeiten hin. Der Unfall zeigt deutlich, dass bei Repa- raturen an weiträumigen verketteten Anla- gen die Eigensicherung der Servicetechni- ker überlebenswichtig ist. Wie für Arbei- ten an elektrischen Betriebsmitteln die fünf Sicherheitsregeln gelten, müssen auch bei allen anderen Instandhaltungs- arbeiten folgende Maßnahmen eingehal- ten werden: Über drei Förderband- kaskaden stürzte Herbert K. einer Mitar- beiterin vor die Füße. 14 etem 01.2018
betrieb & praxis heitseinrichtungen aus technischen Grün- den nicht verwendet werden können. Dann sind besondere Zusatzeinrichtun- gen notwendig, die ▪ das Eingreifen in Gefahrstellen entbehr- lich machen (z. B. Hilfswerkzeuge, Zan- gen, Greifer, Robotersysteme), ▪ das Erreichen benachbarter Gefahrstel- len verhindern (z. B. Abschrankungen, Abtrennungen oder Verdeckungen), ▪ das schnelle Stillsetzen gefahrbringen- der Bewegungen ermöglichen (z. B. trag- barer Adapter als Drei-Punkt-Zustim- mungsschalter oder Not-Aus-Schalter), ▪ die Geschwindigkeit oder Kra wirkung der gefahrbringenden Bewegungen so herabsetzen, dass das Risiko einer Ver- letzung nicht gegeben ist. Weiterführende Maßnahmen sind im Arti- kel „Sichere Instandhaltung von Maschi- nen“ auf Seite 8 dargestellt. Herbert K. hätte den Unfall vermeiden können, wenn er vor der Reparatur die An- lage wirksam und deutlich erkennbar ge- gen Wiedereinschalten gesichert hätte – z. B. mit einem Vorhängeschloss am Hauptschalter. Nach sechs Wochen konnte Herbert K. seine Arbeit wieder aufnehmen, hat aber noch Schmerzen im Rückenbe- reich. Kopfschüttelnd denkt er an den Un- falltag zurück. Schließlich wisse er als In- standhalter, wie wichtig die Eigensiche- rung zum Beispiel mit einem Vorhänge- schloss am Anlagenhauptschalter sei. Doch: „Es war ja Pause und ich dachte, in zehn Minuten ist alles erledigt, warum dann erst das Schloss anbringen. Im Nach- hinein betrachtet – ein fataler Irrtum.“ Dr. Ronald Unger Hintergrund Wenn Maschinen und Transportein- richtungen aus mehreren Kompo- nenten eine technologische Ge- samtheit bilden, sind dies „verket- tete“ Anlagen. Typische Prozesse dieser Art sind in der Spinnerei, bei der Vliesherstellung, in der Waren- schau oder in Großwäschereien an- zutreﬀ en. Die Instandhaltung der verketteten Anlagen birgt ein be- sonders hohes Unfallrisiko, da Re- paraturpersonal und Bediener die Anlage wegen der großen räumli- chen Ausdehnung nicht vollständig überblicken können. Bei Arbeiten muss der Zugang zur Anlage gesperrt und sie wirksam gegen Wie- dereinschalten gesichert sein. Ein Zettel mit Klebestreifen reicht da nicht aus. 1. Gesamtanlage oder Anlagenabschnitte freischalten Für die Fehlersuche an einer defekten An- lage ist o das Gehör die wichtigste Sin- neswahrnehmung. Viele Instandhalter meinen, nur durch den Gang ins Innere ei- ner laufenden Anlage könne der Fehler lo- kalisiert werden. Sicherheitseinrichtungen werden abgebaut oder umgangen, um die Ursache möglichst nahe an der vermeintli- chen Fehlerquelle zu analysieren. Eine kur- ze Unaufmerksamkeit genügt und die Hand wird zwischen zwei benachbarten Walzen eingezogen. Vor Beginn jeder Re- paratur ist deshalb die Anlage, oder wenn möglich, der betreﬀ ende Anlagenabschnitt am Hauptschalter auszuschalten. 2 . Gegen Wiedereinschalten sichern Verkettete Anlagen sind schwer zu über- blicken. Die Betriebssicherheitsverord- nung fordert in § 8 Abs. 6, dass vom jewei- ligen Bedienungsort des Arbeitsmittels feststellbar sein muss, ob sich Personen oder Hindernisse im Gefahrenbereich be- ﬁ nden oder ein automatisch ansprechen- des Sicherheitssystem das Ingangsetzen verhindert, solange sich Beschä igte im Gefahrenbereich au alten. In der Praxis wird dies bei Reparaturar- beiten nicht immer einzuhalten sein, da sich die Störungsstelle o von außen nicht einsehbar im Innern der Anlage be- ﬁ ndet. Deshalb ist bei diesen Arbeiten be- sonders wichtig, dass Einrichtungen zum Sichern gegen Wiedereinschalten verwen- det werden. Dies können sein: verschließ- bare Schalter, Schalterabdeckungen, ab- nehmbare Schalthebel. ist ein Verbotszeichen mit der Aussage „Nicht schalten“ und erforderlichenfalls der zusätzlichen Aussage „Es wird gearbei- tet/Ort …/Entfernen des Schildes nur durch …“ gut sichtbar in unmittelbarer Nä- he des Ausschalters fest anzubringen. Ein Klebestreifen, der das Schild schon beim leisen Windzug „loslässt“, genügt nicht. 3. Verhinderung von gefahrbringenden Bewegungen infolge gespeicherter Energie Nach dem Abschalten der Anlage können noch Restenergien gespeichert sein. Ins- besondere thermische Gefahren durch er- hitzte Oberflächen stellen ein Verbren- nungsrisiko dar. In der Nähe solcher Teile darf erst gearbeitet werden, wenn die Tem- peratur gesunken ist oder entsprechende Persönliche Schutzausrüstung getragen wird. Druckenergie kann in pneumatischen oder hydraulischen Anlagenteilen gespei- chert sein. Auch Warenspannungen in Tex- tilverarbeitungsanlagen können über ei- nen längeren Zeitraum eine hohe Druck- spannung halten. Vor Beginn der Reparatur ist die Restenergie an diesen Anlagentei- len durch Druckfreimachen, Entlü en, Ab- senken und/oder Entspannen abzuleiten. 4. Zusatzmaßnahmen bei Arbeiten an bewegten Teilen Wenn Instandhaltungsarbeiten nicht bei Stillstand möglich sind, müssen die vor- handenen Schutzeinrichtungen (z. B. Ver- kleidungen, Verdeckungen, Umzäunun- gen, Umwehrungen, Zweihandschaltun- gen, Lichtvorhänge, Lichtschranken, La- ser-Scanner, Schaltmatten, Schaltleisten und Pendelklappen) aktiv sein. Der Reparateur muss verhindern, dass während der Störungsbehebung die Anla- ge eingeschaltet werden kann. Weiterhin Einen absoluten Ausnahmefall stellt die Reparatur in der Nähe bewegter Teile dar, bei denen die vorhandenen Sicher- etem 01.2018 15 l e h o N . E n o i t a r t s u l l l I ; r e g n U d a n o R . r D / M E T E G B : s o t o F
betrieb & praxis Aus Unfällen lernen Doppelte Vorsicht ist besser Wegen eines unbemerkten technischen Fehlers des Herstellers zog sich die Mitarbeiterin eines Textil- betriebs Quetschungen an zwei Fingern zu. Mit einer solchen Wirkung hätte Mi- chaela Mai (Name von der Redaktion geändert) nie gerechnet. Die Leiterin der Konfektionsabteilung eines Textilunter- nehmens war gerade dabei, einen mit der Maschine nicht vertrauten Mitarbeiter ein- zuweisen und gleichzeitig den Warenlauf zu überprüfen. Dabei versuchte sie, wäh- rend des Betriebes die einlaufende Waren- bahn gerade zu ziehen und griff deshalb um das Schutzgitter herum. Die Folge: Die Hand wurde durch das nicht eigens gesi- cherte Einzugswalzenpaar erfasst. Durch die Bewegung drückte sie aber zufällig die Vor dem Unfall: Da das Schutzgitter zu klein war ... ... konnte die Gefahrstelle problemlos erreicht werden. 16 verriegelte Schutztür auf und die Maschi- ne stoppte. Kollegen mussten die Frau, deren Zeige- und Mittelfinger gequetscht wurden, aus der Maschine befreien. Ursache für den Unfall Eine neue Maschine darf in der EU nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn sie die im Anhang 1 der Maschinenrichtli- nie (Richtlinie 2006/42/EG) aufgeführten Sicherheits- und Gesundheitsschutzan- forderungen erfüllt. Beispielsweise darf es nicht möglich sein, bei laufender Ma- schine in bewegliche Teile zu greifen. Der Hersteller bestätigt dies durch eine Kon- formitätserklärung und eine CE-Kenn- zeichnung an der Maschine. In diesem Fall hatte der Maschinen- hersteller ein verriegeltes Schutzgitter an- gebracht, um den Zugriff auf die Einzugs- walzen und den Nähkopf zu verhindern. Verriegelt heißt: Die Maschine stoppt, so- bald das Gitter geöffnet wird. Sie lässt sich auch erst wieder einschalten, wenn das Gitter wieder geschlossen ist. Unfall- risiken an beweglichen Maschinenteilen sollten damit ausgeschlossen werden. Das an der Unfallmaschine angebrach- te Schutzgitter war jedoch viel zu klein di- mensioniert. Die Beschäftigten konnten problemlos um die Schutzeinrichtung he- rum- oder auch unter ihr hindurchgreifen. Bei der Verwendung einer Schutzeinrich- tung mit diesen geringen Abmessungen hätte der Sicherheitsabstand zwischen Gitter und Gefahrstellen deutlich größer sein müssen. DIN EN ISO 13857 regelt die Sicherheits- abstände an Maschinen, sodass Gefahr- stellen mit den oberen und unteren Glied- maßen nicht erreicht werden können. Kann um eine Schutzeinrichtung herum- oder hinübergegriffen werden, so muss z. B. zwischen einer Schutzkonstruktion von 1 m Höhe und einer Gefahrstelle, die sich ebenfalls auf 1 m Höhe befindet, bei Nach Umrüstung der Maschine ist kein Zugriff auf die Gefahrstelle mehr möglich. geringem Risiko ein Abstand von mindes- tens 1,40 m, bei hohem Risiko ein Ab- stand von 1,50 m eingehalten werden (siehe Tabelle auf S. 17). Hersteller und Unternehmer sind verantwortlich In diesem Fall betrug der Abstand nur ca. 0,55 m. Der Maschinenhersteller hätte al- so eine größere trennende Schutzeinrich- tung, einen größeren Abstand zwischen Schutzgitter und Maschine oder eine an- dere Art der Gefahrstellensicherung wie beispielsweise eine berührungslos wir- kende Schutzeinrichtung wählen müssen. Allerdings muss der Unternehmer auch an neuen Maschinen eine Gefährdungs- beurteilung durchführen. Nach § 3 Be- triebssicherheitsverordnung entbindet ihn eine vorhandene CE-Kennzeichnung nicht von dieser Pflicht. Laut § 4 darf das Ar- beitsmittel erst dann verwendet werden, wenn ▪ die Gefährdungsbeurteilung durchge- führt, ▪ Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik getroffen wurden und ▪ die Verwendung nach dem Stand der Technik sicher ist. Hier hätte dem Unternehmer auffallen müssen, dass Gefahrstellen trotz Schutz- einrichtung einfach erreichbar sind. Auch die Mitarbeiter sollten bei neuen Maschinen, insbesondere wenn sie noch im Probebetrieb sind, ein besonderes Au- etem 01.2018
betrieb & praxis genmerk auf die Sicherheitseinrichtungen legen. Auch wenn sie vorhanden sind, bedeutet dies nicht automatisch, dass Gefährdungen ausge- schlossen sind. grundsätzlich Die Maschine wurde zwischenzeitlich nachgerüstet und deutlich größere Schutz- einrichtungen angebracht. Ein Zugriff zur Gefahrstelle ist jetzt nicht mehr mög- lich. Für Michaela Mai kommt diese Ver- besserung jedoch leider zu spät. Karin Dauth, Richard Gopp → info Angaben über notwendige Sicherheitsab- stände bei Arbeiten an Maschinen finden sich in DIN EN ISO 13857 „Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefährdungsbereichen mit den oberen und unteren Gliedmaßen“. Die BG ETEM hat hierzu eine Arbeitshilfe herausgebracht: „Sicherheit an Maschi- nen – Sicherheitsabstände gegen das Erreichen mit den oberen und unteren Gliedmaßen“. Download unter: http:// dp.bgetem.de/pages/service/download/ medien/S_044.pdf Obere Gliedmaßen – Sicherheitsabstände (nach DIN EN ISO 13857) Höhe der schützenden Konstruktion b1 Höhe des Gefahr- bereichs a2 14003 1600 1800 2000 2200 2400 2600 2400 2200 2000 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 1000 – 900 100 1100 600 1300 1100 1400 1100 1500 1300 1500 1300 1500 1400 1500 1400 1500 1300 1500 1200 1400 1200 1400 1100 1200 1100 1100 1200 – 800 100 1000 600 1200 900 1300 1000 1400 1000 1400 1000 1400 1000 1400 1000 1400 900 1300 500 1300 300 1200 200 900 200 500 – 700 100 900 500 1000 700 1100 900 1100 900 1100 900 1100 900 1100 900 1000 600 900 – 800 – 400 – – – – – 600 100 800 500 900 600 900 900 900 900 900 800 900 500 900 300 800 – 600 – – – – – – – – – 600 100 700 400 800 500 800 600 800 500 800 100 800 – 700 – – – – – – – – – – – – – 500 100 600 350 600 350 600 – 600 – 500 – – – – – – – – – – – – – – – – – 400 100 400 250 400 – 400 – – – – – – 300 100 300 – 300 – – – – – – – beim Hinüberreichen – – – – – – – – – – – – – – – – – bd – c 2500 – 100 – 100 – – – – – – – – – – – – – – – – a – – – M E T E G B / m o c . r e k fi a r g o f n i : n o i t a r t s u l l I , r e l h ä N e t l a M , M E T E G B : s o t o F – – – – – – – – a Höhe des Gefahrbereichs – b Höhe der schützenden Konstruktion – c waagerechter Abstand zum Gefahr- – d schützende Konstruktion – bereich – – – – Horizontaler Abstand zum Gefahrbereich c4 Maße in mm 1 Schützende Konstruktionen mit einer Höhe unter 1.000 mm sind nicht enthalten, da sie die Bewegung nicht zufriedenstellend einschränken. 2 Für Gefahrenbereiche über 2.500 bzw 2.700 mm: siehe Sicherheitsabstände beim Hinaufreichen 3 Schützende Konstruktionen niedriger als 1.400 mm sollten bei hohem Risiko nicht ohne zusätzliche sicherheitstechnische Maßnahmen benutzt werden. 4 Der obere Wert gilt bei geringem Risiko. Der untere Wert gilt bei hohem Risiko oder es müssen andere sicherheitstechnische Maßnahmen ergriffen werden. etem 01.2018 17
betrieb & praxis Brancheninitiative Offsetdruck Erfolgreich gegen Lösemitteldämpfe Beim jüngsten Jahrestreffen der Initiative zur Verminderung der Lösemittel- emissionen im Offsetdruck war ein Schwerpunkt die Übertragung des Gedankens der Brancheninitiative auf andere Prozesse. Ziel bleibt es, die Luft im Drucksaal zu verbessern. Seit 22 Jahren haben es sich die Mitglie- der der Brancheninitiative zur Aufgabe gemacht, die Lösemittelemissionen, de- nen Beschäftigte im Offsetdruck ausge- setzt sind, zu verringern. Das dient nicht nur dem Gesundheitsschutz der Beschäf- tigten, sondern auch dem Schutz der Um- welt. 1995 von der damaligen Berufsge- nossenschaft Druck und Papierverarbei- tung (heute BG ETEM), den führenden Druckmaschinen- und Waschmittelherstel- lern, dem Fogra Forschungsinstitut für Me- dientechnologien e. V., dem Bundesver- band Druck & Medien (bvdm) und der IG Medien (heute ver.di) ins Leben gerufen, hat die Brancheninitiative nichts an Be- deutung eingebüßt. Sie hat zum Ziel, u. a. die bei der Reinigung von Druckplatten und Gummitüchern anfallenden VOC- Emissionen (volatile organic compounds = flüchtige organische Verbindungen) deut- lich zu reduzieren und so die Belastung der Atemluft im Drucksaal zu verringern. Mit Erfolg – wie die bisherige Bilanz zeigt. So ist es seit der Gründung der Ini- tiative gelungen, den Anteil an leichtflüch- tigen Reinigungsmitteln in Offsetdrucke- reien um mehr als zwei Drittel zu reduzie- ren. Im Gegenzug stieg der Gesamtver- brauch an weniger flüchtigen Reinigungs- mitteln auf ein seit mehreren Jahren kons- tant hohes Niveau von über 80 Prozent (siehe Grafik auf S. 19). Dieser Erfolg be- ruht auf der guten Zusammenarbeit zwi- schen den Druckereien, den Wasch- und Reinigungsmittelherstellern sowie den Druckmaschinenherstellern mit der BG ETEM und den Sozialpartnern. Erfahrungsaustausch und Themen Beim jüngsten Treffen der Brancheninitia- tive waren u. a. Druckmaschinen- und Pe- ripheriegerätehersteller sowie Hersteller und Lieferanten der im Offsetdruck benö- tigten chemischen Hilfsstoffe anwesend. Sie stellen zum Beispiel Wasch- und Rei- nigungsmittel, Feuchtmittel und Druckbe- 18 etem 01.2018
betrieb & praxis Ausblick Der Gedanke der Brancheninitiative und ihr Erfolg brachte die Beteiligten schon in der Vergangenheit auf die Idee, das Prin- zip auch auf andere Bereiche zu übertra- gen. Daraufhin wurden ähnliche Abspra- chen getroffen, etwa für Druckbestäu- bungspuder, für sogenannte Sonderreini- ger im Offsetdruck und den Etiketten- druck. Auch beim jüngsten Treffen wurde wieder der Wunsch geäußert, die Zusam- menarbeit zu vertiefen. Einige Hersteller zeigten großes Interesse daran, auch in Bereichen wie Feuchtmittel oder Reini- gungsmittel für den Flexodruck im Sinne der Brancheninitiative die Druckereien besser zu unterstützen und somit für eine sicherere Arbeitsumgebung zu sorgen. Die freiwillige Brancheninitiative zeigt, dass die Druckbranche innovativ und en- gagiert genug ist, Probleme ohne staatli- chen Druck zu lösen. Durch Kooperatio- nen konnten praxistaugliche und bestän- dige Lösungen entwickelt werden. Dies ist nicht nur beispielhaft für vergleichbare Projekte in anderen Bereichen. Die Bran- cheninitiative im Offsetdruck wird seit vie- len Jahren auch in anderen Ländern Euro- pas akzeptiert und umgesetzt. Dr. Nadine Metz, Dr. Axel Mayer → info Weitere Informationen zur Branchenini- tiative zur Verminderung der Lösemittel- emissionen im Offsetdruck: www.bgetem. de, Webcodes 15625968 oder 15779576 stäubungspuder her. Darüber hinaus ka- men Vertreter des Deutschen Verbandes der Lack- und Druckfarbenindustrie, des Bundesverbandes Druck und Medien und der Forschungsgesellschaft Druck (Fogra) nach Mainz. Einer der Themenschwerpunkte des Treffens war die Entwicklung im Bereich der UV-Trocknung von Druckprodukten. Durch die Einführung von UV-Strahlungs- quellen mit verschiedenen Emissionsver- halten ergeben sich nicht nur Unterschie- de im Energieverbrauch, in der Auswahl der UV-Farben und -Lacke etc. Auch die von der Strahlungsquelle ausgehenden Gefährdungen für die Anwender können sich je nach UV-Quelle unterscheiden. Nach der Erörterung der verschiedenen Arbeitsschutzaspekte folgte im Anschluss die vieldiskutierte Thematik der „Deink- barkeit“ UV-bedruckter Papiere. Weitere Themen der Veranstaltung waren ▪ Änderungen im gesetzlichen Regelwerk mit Relevanz für die Branche Druck und Papierverarbeitung, ▪ das neue Hand- und Hautschutzportal der BG ETEM (www.basis-bgetem.de), ▪ die zukünftige Einstufung von Titandioxid, dessen mögliche Auswirkungen lebhaft und praxisnah vorgestellt wurden, und ▪ das sichere Betreiben von Heatsettrock- nern. Erfolg der Brancheninitiative Der Anteil an weniger flüchtigen Reinigungsmitteln ist im Jahr 2016 gegenüber dem Beginn der Initiative 1995 deutlich gestiegen. 1995 2 % 8 % 19 % 61 % 29 % 2016 5 % 12 % 64 % n g i s e d k n u r b ; n e ff e t S & r e n d n i L : n e n o i t a r t s u l l I / s o t o F weit über 100 °C z. B. Reonogungs- öle auf Pflanzen- ölbasos etem 01.2018 über 100 °C z. B. hoch- soedende Kohlen- wasserstoﬀ e 60 –100 °C z. B. Test- benzon (AIII) unter 60 °C z. B. Testbenzon (AII) & Spezoal- benzon (AI) 19
betrieb & praxis Pulverdruck Der „wahre“ 3-D-Druck Heraus kommen kleine Modelle oder bunte Spielzeuge. Das Verfahren gilt als sicher – allerdings nur wenn bestimmte Schutzmaß- nahmen eingehalten werden. O wird 3-D-Druck als Überbegriﬀ über alle additiven Fertigungsverfahren verwendet. Laut VDI Richtlinie 3405 ist der Pulverdruck allerdings der „wahre“ 3-D-Druck. In den letzten Jahren erfreut sich der Pulverdruck immer größerer Beliebtheit. In Industrie und Forschung wird dieses Verfahren zur Herstellung von dreidimen- sionalen mehrfarbigen Mustern oder Ein- zelbauteilen eingesetzt. Es können bei- spielsweise kleine Spielzeuge, Deko-Ob- jekte oder Ähnliches hergestellt werden, aber auch Prototypen, deren Design da- mit in den Vordergrund gestellt werden soll; denn mechanisch belastbar sind Ob- jekte aus einem Pulver-3-D-Drucker nicht. Verfahren Bei diesem Verfahren wird das pulver- förmige Ausgangsmaterial durch Binde- mittel schichtweise verfestigt bzw. vorge- bunden. Im Anschluss werden die im Rohzustand leicht zerbrechlichen Objekte mittels Wachs oder Epoxidharz inﬁltriert, um die ﬁnale Festigkeit zu erreichen. Im Gegensatz zu anderen 3-D-Druck-Verfah- ren sind mittels Pulverdruck auch mehr- farbige Objekte möglich – abhängig von der Anzahl der Druckköpfe. Die Wirkungs- weise dieser Druckköpfe ist ähnlich der Funktion eines Druckkopfs in einem her- kömmlichen Tintenstrahldrucker. Der größte Vorteil dieses Verfahrens ist das Erstellen von komplexen farbigen Strukturen. Das nicht verfestigte Aus- gangsmaterial dient während des Prozes- ses als Stützstruktur und kann nach dem Aushärten entfernt und sogar wiederver- wendet werden. Somit ist neben der ho- 20 hen Designfreiheit auch eine Schonung der Ressourcen möglich. Ausgangsmaterialien Verwendet werden pulverförmige Aus- gangsmaterialien, z. B. Polymergips für das Grundgerüst des zu druckenden Ob- jekts – ein sehr fein zermahlenes Pulver, das aus Gips und Kunstharzen besteht. Zusätzlich kommen verschiedene Binde- mittel, wie Wachs, Epoxidharz oder Se- kundenkleber, zum Einsatz. Vorrangig werden Gips und verschiede- ne Kunststoﬀpulver verarbeitet. Andere Ausgangsmaterialien sind Keramik, Metall oder Holz. Je nach Ausgangsmaterial muss der Binder entsprechend angepasst wer- den. Die Pulver sind getrennt von Lebens- mitteln zu lagern. Auf staubarmes Arbei- ten ist generell zu achten. Diese allgemei- nen Schutzmaßnahmen sind auch in der Gefahrstoﬀverordnung verankert. Vorbereitung – Pre-Process Bevor ein fertiges dreidimensionales Bau- teil entstehen kann, müssen die Daten für das Werkstück mit einem CAD-Programm digital erfasst werden. Diese Daten werden dann an den 3-D-Drucker übertragen. Eben- so muss der Vorratsbehälter des Druckers mit Ausgangsmaterial – also Pulver – be- füllt werden. Die Druckköpfe haben eben- falls meist kleine Tanks, die mit dem flüssi- gen, farbigen Bindemittel gefüllt werden. Das CAD-Modell wird vom Computer an den Drucker weitergeleitet. Das pulverar- tige Ausgangsmaterial wird aus dem Ver- sorgungsbehälter durch eine Walze als hauchdünne Schicht auf einer Bauplatte aufgetragen. Der Druckkopf bringt an- schließend das Bindemittel in die zu verfestigenden Strukturen auf. Dadurch werden die einzelnen Pulverschichten miteinander verbunden. Farbige Binde- mittel ermöglichen die Einfärbung des späteren Werkstückes. Vor dem nächsten Druckschritt senkt sich die Bauplatte um ca. 0,1 mm ab und schafft somit Platz für eine neue Schicht. Durch die Walze wird schichtweise neu- es Pulver aufgetragen und mittels Binder aus dem Druckkopf verfestigt. Somit ent- steht Schicht für Schicht die gewünschte Struktur. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis das CAD-Modell als ferti- ges 3-D-Modell im Drucker entstanden ist. Der Druckprozess – In-Process Das Prinzip eines Pulverdruckers ist dem eines Tintenstrahldruckers sehr ähnlich. Daher lässt sich für den Pulverdruck auch die Begriﬀlichkeit 3-D-Druck ableiten. Nachbereitung – Post-Process Das im Rohzustand noch sehr zerbrechli- che Objekt wird nach der Fertigung vor- sichtig vom überschüssigen, nicht mittels Binder verfestigten Pulvermaterial gerei- etem 01.2018
betrieb & praxis Im Pulverdruck entstehen Muster, Modelle oder Deko-Objekte. toxische Wirkung gelten allgemeine Ober- grenzen für die A- sowie E-Staubfraktion (AGW A-Staub: 1,25 mg/m³, AGW E-Staub: 10 mg/m³). Die Persönliche Schutzausrüstung ist entsprechend der sehr feinen Partikelgrö- ße der Pulver anzupassen. Die Hände müssen bei Handling des Pulvers bzw. während des Nachberei- tungsschritts der Inﬁltration mit undurch- lässigen Handschuhen am besten aus Nitril geschützt werden, um ein Verschlep- pen des Pulvers und den direkten Haut- kontakt mit dem Inﬁltrat zu vermeiden. Besteht die Möglichkeit von Pulverver- wirbelungen und Inflitratspritzern bei der Nachbehandlung, muss man, um die Au- gen zu schützen, während der Arbeitsgän- ge eine Schutzbrille tragen und für den Notfall eine Augendusche im Arbeitsbe- reich haben. Ansonsten empﬁehlt sich geschlossene Kleidung – evtl. inkl. Schürze – und geschlossenes Schuhwerk. Können Staub- verwirbelungen während des Pulver-Hand- lings nicht ausgeschlossen werden, emp- ﬁehlt sich das Tragen partikelﬁltrierenden Atemschutzes. Entsorgung Da für den 3-D-Pulverdruckprozess ver- schiedenste, Ausgangsmaterialien ver- wendet werden, muss auch bei deren Entsorgung auf einige Punkte geachtet werden. Pulver oder Bindemittel dürfen nicht in Gewässer, Abflüsse etc. abgelassen wer- den. Stattdessen kann durch den fast vollständigen Gebrauch dieses Produkts der Abfall reduziert werden. Bleiben den- noch Reste, so sollten diese nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Die bun- desweiten oder regionalen Vorschrien müssen hierzu beachtet werden. Isa Schneider nigt. Das übrig gebliebene Pulver muss nicht entsorgt werden, sondern kann für einen neuen Druckvorgang wiederver- wendet werden. Das fragile Werkstück wird anschlie- ßend inﬁltriert. Dies geschieht meist ma- nuell mittels eines Tauchverfahrens. Dabei besteht die Möglichkeit von Hautkontakt mit dem Inﬁltrat, gegen das man sich schützen muss. Das Inﬁltrat härtet im Ob- jekt aus und verleiht ihm die endgültige Festigkeit. Gängige Inﬁltrate sind Acrylate wie bspw. Sekundenkleber. Im Anschluss können kleine Ecken und Kanten bzw. Gra- te mittels Schleifen (spanender Nachbear- beitung) entfernt werden. Wartung/Reinigung Prinzipiell sollte das übrig gebliebene, lo- se Pulver direkt nach dem Druckprozess entfernt werden. Am vorteilhaesten wäre es, den Pul- verstaub mittels eines Saugers zu entfer- nen oder feucht aufzuwischen, da Kehren oder Fegen zu größeren Verwirbelungen und somit einer höheren Staubbelastung führen würde. Auch sind diese Reini- gungsmöglichkeiten laut Gefahrstoﬀver- ordnung verboten. Werden organische Stäube als Ausgangsmaterial verwendet, muss sorgfältig geprü werden, ob ein ex- plosionsgeschützter Staubsauger der Bauart Zone 22 nach DIN EN 60335-2-69 verwendet werden muss. Hierbei bietet die DGUV-I 209-084 „Industriestaubsau- ger und Entstauber“ eine Hilfestellung. Viele Hersteller bieten auch Komplettlö- sungen inkl. eines Handschuhkastens (Glovebox) an. Dadurch lässt sich staub- armes Arbeiten gewährleisten. Schutzmaßnahmen Um Geruchsbelästigung durch eventuell auretende Gase zu vermeiden, ist es sinnvoll, den Drucker nicht neben dem Ar- beitsplatz bzw. Schreibtisch, sondern in einem separaten Raum aufzustellen. Auf gute Lüung ist zu achten! Die TRGS 900 beinhaltet eine Liste mit stoﬀspeziﬁschen Arbeitsplatzgrenzwer- ten. Sofern kein stoﬀspeziﬁscher Grenz- wert vorgegeben ist, sollte der allgemeine Staubgrenzwert beachtet werden. Prinzi- piell wird zwischen der aveolengängigen (A-) und einatembaren (E-) Staubfraktion unterschieden. Für Stäube ohne spezielle etem 01.2018 21 ﬀ r a c S i l O , s e g a m I y t t e G : o t o F
gesundheit Unfälle mit Fußgängerbeteiligung Umrüsten für mehr Sicherheit In der dunklen Jahreszeit sind Fußgänger im Straßenverkehr besonders gefährdet. Helle Kleidung und reflektierende Materialien helfen dabei, für andere Verkehrsteil- nehmer besser sichtbar zu werden. Es ist dunkel und regnet stark. Ein Pkw- Fahrer fährt auf einen Kreisverkehr zu. Er übersieht eine Fußgängerin, die gerade den Zebrastreifen am Kreisverkehr über- queren will. Als das Auto sie erfasst, wird die Fußgängerin erst auf die Motorhaube und dann auf den Asphalt geschleudert. Sie erleidet schwerste Kopfverletzungen und verstirbt im Krankenhaus. Die Fuß- gängerin war mit einer schwarzen Winter- jacke und schwarzen Jeans bekleidet. Nach Unfällen in der Dunkelheit mit Fußgängern geben neun von zehn Pkw- Fahrern an, den Fußgänger nicht gesehen zu haben. Denn leider erliegen Fußgänger im städtischen Bereich schnell dem Trug- schluss, sich aufgrund der Straßenbe- leuchtung nicht schützen zu müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dunkel ge- kleidete Fußgänger werden von Pkw-Fah- rern erst ab einer Entfernung von 25 Me- tern wahrgenommen. Bei einer Geschwin- digkeit von 50 km/h beträgt der Anhalte- weg aber schon circa 28 Meter – zu viel, um noch rechtzeitig vor dem Fußgänger zum Stehen zu kommen. Kleiner Aufwand – großer Effekt Fußgänger können ihre Sichtbarkeit mit vertretbarem Aufwand deutlich erhöhen, etwa durch das Tragen heller Kleidung oder Accessoires. Am wirksamsten sind fluoreszierende und retroreflektierende Materialien an Bekleidung, Taschen und Schirmen. Fußgänger sind so bereits ab einer Entfernung von 140 Metern sichtbar. Aber auch dann sollten sie Straßen nur an übersichtlichen Stellen überqueren und den Fahrzeugverkehr beachten. Ins- besondere bei Regen ist jedoch die Sicht mancher Fußgänger durch den Regen- schirm oder die weit ins Gesicht gezogene Kapuze verdeckt. Herannahende Fahrzeu- ge werden von den Gefährdeten dann schnell übersehen. In der Regel stoßen Unternehmen we- gen dieses Problems bei ihren Beschäf- tigten auf offene Ohren. Die BG ETEM hilft bei der persönlichen „Umrüstung“ für mehr Sicherheit: So zeigen Ausstellungs- stücke aus dem „Aktionsmobil Zweirad“ (das Mitgliedsunternehmen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird), mit welch Sichtbarkeit von Fußgängern bei Dunkelheit Dunkle Kleidung 25 m Helle Kleidung 40 m 22 etem 01.2018
In einem Pilotprojekt werden Jeans mit speziellen Fasern entwickelt, die auffallendes Licht reflek- tieren und im Dunkeln besser zu sehen sind. Zum Vergleich rechts eine herkömmliche Jeans. reflektierende einfachen Möglichkeiten man sich im Straßenverkehr sichtbar machen kann. Dazu gehören Jacken, Schirme oder Reflexarmbänder und -auf- kleber. Letztere sind bereits für circa ein Euro erhältlich und erhöhen – sofern sie richtig angebracht sind – die Sichtbarkeit deutlich. Besonders empfehlenswert ist eine der- artige Ausrüstung für Berufsgruppen, die oft im Dunkeln unterwegs sind. Dies be- trifft zum Beispiel die Zeitungszusteller, die meist in den Morgenstunden von drei bis fünf Uhr auf den Beinen sind. Auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung ist es wichtig, dass Arbeitgeber diesem Per- sonenkreis entsprechende reflektierende Artikel oder mit Reflektoren ausgestattete Bekleidung zur Verfügung stellen. Damit kann das Unfallrisiko für die Zeitungszu- steller sehr gut minimiert werden. Sehtest nutzen Eine nicht unerhebliche Rolle für die Si- cherheit spielt bei allen Verkehrsteilneh- mern auch das Sehvermögen. 90 Prozent Im Dunkeln sind Fuß- gänger mit heller und reflektierender Klei- dung sowie Fahrräder mit „Katzenaugen“ deutlich besser zu sehen. gesundheit der notwendigen Informationen im Stra- ßenverkehr werden über die Augen aufge- nommen. In der Nacht beträgt die Seh- leistung des menschlichen Auges hinge- gen nur noch fünf Prozent. Fehleinschät- zungen sind so vorprogrammiert. Mit ei- nem Sehtest, zum Beispiel in Kooperation mit dem Betriebsarzt oder ansässigen Au- genoptikern, lassen sich in wenigen Mi- nuten Sehschärfe, Dämmerungssehver- mögen, Blendempfindlichkeit und andere Parameter überprüfen. Ina Papen → info Ein Video über „Sichtbarkeit im Straßenverkehr“ gibt es in der Reihe Riskbuster der BG ETEM unter youtube.com/diebgetem Mögliche Maßnahmen für Unternehmen zur Prävention von Fußgängerunfällen: ▪ Aktionen für Pkw-Fahrer zur Sicht- barkeit von Fußgängern, Anhalte- weg bei 50 km/h mit Stoffbahnen oder Planen nachstellen ▪ Bei der Beschaffung von Dienst- fahrzeugen den „Fußgänger- schutz“ berücksichtigen (aktive Motorhaube, Abbiege- und Nacht- sichtassistenten, Windschutz- scheibenairbag, Notbremsassis- tenten mit Fußgängererkennung) Mit Reflektoren 140 m l e h o N . E : n o i t a r t s u l l I ; y l e k e z S a n a O - v d w ; r e h c a m h u h c S r a m l E : s o t o F etem 01.2018 23
gesundheit Silke Munier im Gespräch mit etem-Redakteur Christoph Nocker. Anruf nach Arbeitsunfall Der erste Kontakt Die BG ETEM lässt Verletzte nach Arbeitsunfällen nicht im Stich. Sobald sich der erste Schock gelegt hat, mel- det sie sich. Bei Bedarf kümmert sich das Reha-Manage- ment um alle Fragen auf dem Weg zurück in den Job. ? Frau Munier, wenn der Berufsgenos- ? Was klären Sie in diesem Gespräch? Zunächst einmal stelle ich mich als zu- ständige Sachbearbeiterin vor, damit der Versicherte mich als Ansprechpartnerin kennenlernt. Dann spreche ich die Leis- tungen der Berufsgenossenscha an, zum Beispiel Verletztengeld als Entgelter- satz, Fahrtkostenerstattung und natürlich die Steuerung des Heilverfahrens – unse- re Hauptaufgabe. Ich möchte einfach ver- mitteln, wir sind da, wenn es Probleme gibt. Dabei versuche ich auch mögliche Kontextfaktoren zu ermitteln. ? Was sind Kontextfaktoren? Das sind alle Faktoren, die den Lebens- hintergrund einer Person ausmachen. Er- fasst werden dabei sowohl Umweltfakto- ren als auch personenbezogene Fakto- ren. Da geht es z. B. darum: Welche Fort- schritte macht die Genesung? Welche Be- einträchtigungen gibt es noch? Wie mobil ist der Versicherte? Wie sieht das familiä- re Umfeld aus? Gibt es Bezugspersonen, die unterstützen können? Wie geht es dem Versicherten psychisch? Hat er Angst etem 01.2018 cherten an. Der telefonische Erstkontakt dient uns dabei quasi als Werkzeug, um so viele Informationen wie möglich über den Versicherten und seine Situation nach dem Unfall zu erfahren. Diese benö- tigen wir, um das Heilverfahren zu steu- ern und entscheiden zu können, ob eine intensivere Betreuung durch das Reha- Management erforderlich ist. ? Wann rufen Sie die Versicherten zum ersten Mal an? In der Regel zwischen dem 8. und dem 18. Tag nach dem Unfall. Zu diesem Zeitpunkt geht man davon aus, dass die Schock- phase überwunden und der Versicherte in der Lage ist, mit uns über seine Situation nach dem Unfall und die weiteren Schritte in der Rehabilitation zu sprechen. senschaft ein Arbeits- oder Wegeunfall gemeldet wird, setzt sich der Unfallsach- bearbeiter oft mit der verletzten Person telefonisch in Verbindung. In welchen Fäl- len erfolgt eine solche Kontaktaufnahme? Silke Munier: Um das zu erläutern, muss ich etwas ausholen. Der BG ETEM werden eine Vielzahl von Unfällen gemeldet. Da gibt es leichte Verletzungen, wie z. B. leichte Prellungen, die unproblematisch ausheilen und keine Steuerung durch den Sachbearbeiter benötigen. Diese Versi- cherten werden nicht angerufen. Darüber hinaus gibt es aber auch komplexere Fälle. Erste Informationen erhalten wir aus dem Durchgangsarztbericht. Diesen werten wir aus und wenn es sich nicht um eine Baga- tellverletzung handelt, rufen wir die Versi- 24
gesundheit Zur Person Silke Munier küm- mert sich als Sachbe- arbeiterin bei der BG ETEM darum, dass Versicherte nach Arbeitsunfällen bestmöglich versorgt und medizi- nisch behandelt werden. Sie überwacht das Heilverfahren, fordert Gutachten an und berechnet alle Sach- und Geldleistungen. Das dazu notwendige Wissen hat sie in einem dualen Studium mit Bache- lor-Abschluss des Studiengangs „Sozialversicherung, Schwerpunkt Unfallversicherung“ erworben. seine Arbeit zu verlieren? Wie hoch ist die Motivation in den Betrieb und Beruf zu- rückzukehren? Alle diese Faktoren helfen uns zu bewerten, ob dieser Fall ins Reha- Management gehört, um ihn dann über die Reha-Beratung optimal zu versorgen. ? Können Sie uns einige ganz konkrete Beispiele nennen, wie Sie Hilfestellun- gen leisten können? Ein Beispiel wäre, jemand hat eine schwe- rere Schnittverletzung mit einer Verletzung der Nerven und dadurch in zwei Fingern kein Gefühl mehr. Beruflich benötigt er aber seine Hände, um schwere Gegen- stände zu tragen. Hier kann die berufliche Wiedereingliederung gefährdet sein. Die- sen Fall haben wir in der Fallkonferenz be- sprochen, mit dem Ergebnis, dass ein Reha-Berater die berufliche Situation vor Ort mit dem Versicherten besprochen hat. Häufig bestehen Versorgungsängste, weil die Entgeltfortzahlung ausläu, dann klä- ren wir über das Verletztengeld auf. Wir erläutern, wann ein Anspruch auf Verletz- tengeld besteht und wie hoch die Leis- tungen sind. Letztens hatte ich einen Fall, wo jemand im Betrieb Opfer einer Verpuffung war und die Unfallsituation immer wieder durchlebte, durch Albträume etc. In die- sem Fall habe ich in Abstimmung mit dem Versicherten einen Psychotherapeu- ten eingeschaltet. ? Wie geht es nach dem Erstkontakt weiter? Nach dem Gespräch schreiben wir einen Vermerk, in dem alle Informationen, die für eine erfolgreiche Heilverfahrenssteue- rung wichtig sein können, dokumentiert werden. Dieser Vermerk dient dann als ei- ne Grundlage für die Fallkonferenz. Die wird einberufen, wenn eine Sachbearbei- terin oder ein Sachbearbeiter vorschlägt, einen Fall ins Reha-Management aufzu- nehmen. Gemeinsam diskutieren Sachbe- arbeiter, Reha-Berater und Teamleiter den Vorschlag. Der Teamleiter oder die Team- leiterin entscheidet nach Abwägung aller vorgetragenen Argumente, ob der Fall an einen Reha-Berater übergeben wird. ?Welche Vorteile haben der Versicherte und die Berufsgenossenschaft vom tele- fonischen Erstkontakt? Der Versicherte hat den Vorteil, dass er seinen Ansprechpartner kennt, Vertrauen fasst und weiß, da ist jemand, der sich im Hintergrund um die medizinische, berufli- che und soziale Rehabilitation sowie die finanzielle Versorgung nach dem Unfall kümmert. Für beide Seiten liegt der Nutzen darin, dass die Unfallsachbearbeiterin oder der Unfallsachbearbeiter wichtige Informatio- nen vom Versicherten direkt und schnell h c a b s A . D : s o t o F Im Gespräch sammelt sie Informationen über die Versicherten und ihre Situation nach dem Unfall. Danach entschei- det sich, ob das Reha-Management zum Tragen kommt. Silke Munier ruft verletzte Versicherte einige Tage nach ihrem Arbeitsunfall an. erhält und so in die Lage versetzt wird, das Heilverfahren effizienter zu steuern. Durch den persönlichen Kontakt erhöht sich die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Sachbearbeiter und Versicher- tem, beide verfügen über den gleichen Informationsstand. So können wir mögli- cherweise verhindern, dass das Heilver- fahren stagniert und sich die berufliche Wiedereingliederung verzögert. ? Wie reagieren die Versicherten auf Sie, wenn Sie sich nach einem Unfall bei ihnen melden. Haben Sie da mit Vorbe- halten zu kämpfen? Bisher noch nie. Die Angerufenen waren durchweg grundsätzlich positiv einge- stellt, freuten sich, dass sich jemand mel- det und sich kümmern will. Aber wir wur- den ja auch speziell auf diese Anrufe vor- bereitet und geschult. Inhalt der Schu- lung war sowohl der Umgang mit speziel- len Gesprächssituationen als auch die Frage, wie erkenne und bewerte ich die Kontextfaktoren richtig. → info Weiterführende Informationen, wie die BG ETEM Ihnen im Falle eines Unfalls oder einer Berufskrankheit hilft, finden Sie im Internet unter www.bgetem.de Webcode: 11211111 etem 01.2018 25
service Reha-Management Hand in Hand Die BG ETEM geht neue Wege und entwickelt das Reha-Management weiter. Ihr Ziel: eine noch bessere Versorgung von schwer verletzten Versicherten. Zum Vorteil der Betroffenen und der Betriebe. einheitlichen Transparent, nachvollziehbar und nach Qualitätsmaßstäben. Nach diesen Kriterien wird das Reha-Ma- nagement der BG ETEM seit 2015 konse- quent weiterentwickelt. Es basiert auf dem DGUV-Handlungsleitfaden, wurde aller- dings an die Bedürfnisse der BG ETEM an- gepasst. „Unser Ziel ist es, Versicherte nach einem Unfall oder einer Erkrankung so schnell und dauerhaft wie möglich be- ruflich und sozial wieder einzugliedern“, erklärt Gülcan Miyanyedi von der BG ETEM. „Dabei sollen die zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal eingesetzt werden.“ 26 Um dieses Ziel zu erreichen, hat die BG ETEM eine gemeinsame Grundlage an Fachwissen und Handlungskompetenzen für alle am Verfahren beteiligten Akteure geschaffen. Sachbearbeiter, Reha-Bera- ter, Teamleiter und die Geschäftsführer der Bezirksverwaltungen haben klar deﬁ- nierte Rollen und werden nach einem ein- heitlichen Schulungskonzept auf ihre je- weiligen Aufgaben vorbereitet. Das Konzept ist modular aufgebaut und blockweise für die jeweiligen Beschäftig- tengruppen gegliedert. Zwölf Module ver- mitteln das Wissen für eine einheitliche, etem 01.2018
leichten Verletzungen, die unproblema- tisch ausheilen, braucht es keine Steue- rung durch die Sachbearbeitung. Kompli- kationen, die auch bei leichten Verletzun- gen auftreten können, müssen dagegen erkannt und beachtet werden. Eine zen- trale Rolle spielt dabei das Erstgespräch mit dem oder der betroffenen Versicher- ten (siehe dazu das Interview auf S. 24). Darin werden auch die in der Reha-Wis- senschaft deﬁnierten Kontextfaktoren er- mittelt, die den Lebenshintergrund einer Person beschreiben. Sie können einen positiven oder negativen Einfluss auf den Heilverlauf haben. „Entscheidend ist, einen konkreten Faktor als solchen zu identiﬁzieren und so in eine bestehende Systematik einzuord- nen, damit ein konkretes Interventions- ziel für den Reha-Manager deﬁniert wer- den kann“, erklärt Miyanyedi. Auf Basis dieser Daten kann der Reha-Berater oder die Reha-Beraterin mit dem behandelnden Arzt einen individuel- len Reha-Plan erstellen. Darin werden alle Maßnahmen zur Verbesserung der Le- benssituation der Versicherten festgehal- ten. Dazu gehören medizinische Maßnah- men und notwendige Hilfsmittel, aber auch Maßnahmen, um wieder an den Ar- beitsplatz zurückzukehren. Vorteile für Arbeitgeber Darin liegt auch ein Vorteil für den Arbeit- geber. „Je schneller eine dringend benö- tigte Fachkraft nach einer Krankheit oder einem Unfall wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt, desto besser für den Be- trieb“, sagt Gülcan Miyanyedi. Denn die Kosten für Produktionsausfälle oder Ein- arbeitung von Ersatzpersonal sind nicht zu vernachlässigen. Darüber hinaus haben Betriebe in der für sie zuständigen Bezirksverwaltung der BG ETEM nur einen Ansprechpartner in al- len Fragen rund um die Rückkehr des Kol- legen oder der Kollegin. Das kann not- wendige Umbaumaßnahmen am Arbeits- platz ebenso betreffen wie Umschulun- gen oder ein betriebliches Eingliede- rungsmanagement. „Das Reha-Management der BG ETEM sorgt dafür, dass alle Bezirksverwaltun- gen nach gleichen Standards arbeiten“, erklärt Miyanyedi. Das garantiert die sys- tematisierte Schulung aller am Reha-Ma- nagement beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BG ETEM über alle Hierarchiestufen hinweg. Damit können service Zur Person Gülcan Miyanyedi ist Abteilungslei- terin Grundsatz und Organisation bei der BG ETEM. die Betriebe sicher sein, dass ihre Be- schäftigten an allen Standorten möglichst optimal betreut werden. „Mit diesem Ver- fahren“, freut sich Gülcan Miyanyedi „ist die BG ETEM Vorreiter unter den Berufsge- nossenschaften.“ Hintergrund: Arbeitsunfälle im Jahr 2016 sind der BG ETEM 164.839 Arbeits- und Wegeunfälle gemeldet worden. In rund 2/3 der gemeldeten Fälle handelte es sich um leichtere Verletzungen. Die ver- sicherte Person war innerhalb weni- ger Tage ohne gesundheitliche Fol- gen wieder voll arbeitsfähig. 69.201 Arbeits- und Wegeunfälle waren meldepflichtig, es bestand also Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen. In etwa drei Prozent dieser Fälle waren die Verletzungen so schwer, dass zusätzlich zu den medizinischen Maßnahmen weitere Leistungen zur beruflichen und so- zialen Teilhabe erforderlich waren. Sofern die Folgen des Arbeitsun- falls zu einer Minderung der Er- werbsfähigkeit führen, folgen Ent- schädigungsleistungen. 2016 wurden 1.517 Renten infolge von Arbeitsunfällen erstmals fest- gestellt. Im Falle eines Arbeitsun- falls oder einer Berufskrankheit, aber auch, wenn eine Berufskrank- heit zu entstehen droht, sorgt die Berufsgenossenschaft für eine ganzheitliche Rehabilitation, die den medizinischen, beruflichen und sozialen Bereich der Versicher- ten umfasst, und sichert sie und ih- re Familien ﬁnanziell ab. Mit allen geeigneten Mitteln sorgt die BG ETEM für eine umfassende Be- treuung. 27 Hand in Hand – mit Herz und Verstand: Zum Reha-Management gehört die per- sönliche Betreuung der Versicherten durch Reha-Beraterinnen und -Berater. praktikable und rechtssichere Umsetzung des Reha-Managements in jeder Bezirks- verwaltung. Neben BG ETEM-speziﬁschen Modulen umfasst das Schulungskonzept auch Angebote der DGUV. „Mitte 2015 ha- ben wir mit den Schulungen begonnen“, erklärt Gülcan Miyanyedi, „bis Februar 2017 haben 614 Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter das Programm durchlaufen. Davon proﬁtieren Versicherte und Arbeitgeber.“ Vorteile für Versicherte Jeder angezeigte Arbeitsunfall wird als Einzelfall bedarfsgerecht betreut. Bei etem 01.2018 n e l r u e h c S a e h t o r o D , V U G D ; M E T E G B : s o t o F
service Datenbank zur Erfassung gefährdeter Beschäftigter Sicheres Angebot Arbeitgeber sind verpflich- tet, ein Verzeichnis aller Mitarbeiter zu führen, die durch die Exposition krebs- erzeugender Stoffe gefähr- det sein könnten. Die An- gaben über die Exposition müssen sie 40 Jahre lang aufbewahren – oder in einer DGUV-Datenbank speichern. Wir erläutern, worauf es ankommt. 28 Unternehmen sind gesetzlich verpflich- tet, die Gesundheit ihrer Beschäig- ten bei Tätigkeiten mit Gefahrstoﬀen zu schützen. Seit 2015 enthält die Gefahr- stoﬀverordnung im § 14 die Verpflichtung des Arbeitgebers, ein Verzeichnis über die durch krebserzeugende oder keimzellmu- tagene Stoﬀe gefährdeten Beschäigten zu führen („Dokumentationspflicht“). Stellt der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung fest, dass Gefähr- dungen durch krebserzeugende oder keimzellmutagene Gefahrstoﬀe vorliegen, muss er die Angaben über Höhe und Dauer der Exposition dokumentieren und 40 Jah- re aufbewahren („Archivierungspflicht“). Scheiden Beschäftigte aus dem Betrieb aus, so muss das Unternehmen den be- troffenen Beschäftigten die entsprechen- den Auszüge aus dem Verzeichnis aushän- digen („Aushändigungspflicht“). Diese Regelung geht auf die EU-Krebs- Richtlinie 2004/37/EG zurück. Ihr Ziel ist es, die pflichterhobenen Expositionsda- ten personenbezogen langfristig zu si- chern. Dadurch sollen auch nach Ablauf der meist langen Latenzzeiten mögliche Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedin- gungen und aufgetretener Erkrankung er- kennbar bleiben. Dies ist von entschei- dender Bedeutung für die Entschädigung bei Fällen von Berufskrankheiten. Arbeitgeberpflicht auf UV-Träger übertragbar In der Gefahrstoffverordnung ist auch festgelegt, dass der Arbeitgeber die Auf- bewahrungs- und Aushändigungspflicht auf den zuständigen Unfallversicherungs- träger übertragen kann. Die Vorausset- zungen der Übermittlungsbefugnis für Ar- beitgeber sind in § 14 Abs. 4 der Gefahr- stoffverordnung bzw. in § 5 Abs. 3 der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge geregelt. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversi- cherung (DGUV) bietet hierfür eine Daten- bank zur zentralen Erfassung gegenüber krebserzeugenden Stoffen exponierter Beschäftigter an. Diese „Zentrale Exposi- tionsdatenbank“ (ZED) ist ein Angebot für alle versicherten Unternehmen, um ihrer Verpflichtung laut der Gefahrstoffverord- nung nachzukommen. Über die Datenbank In der ZED werden Daten über die Exposi- tion von Beschäftigten erfasst, die durch Tätigkeiten mit krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Stoffen der Kategori- en 1 A und 1 B gemäß Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP-Verordnung) gefährdet sind. Unternehmen können die jeweiligen Angaben über ein Internetportal (http:// zed.dguv.de) in die ZED eintragen und dort verwalten. Diese Daten unterliegen dem Sozialdatenschutz. Andere Personen oder Stellen haben keinen Zugang zu den Verzeichnissen. Zugriff auf die gespei- cherten Inhalte haben nur ▪ Unternehmen auf die von ihnen einge- gebenen und erfassten Daten und ▪ Beschäftigte auf die sie persönlich be- treffenden Daten. Sie können den Aus- zug über ihre Expositionshistorie schriftlich bei der ZED anfordern. In ei- nem Anerkennungsverfahren für Berufs- krankheiten können sie auch einer Wei- tergabe ihrer Daten an die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zustim- men. Vor der erstmaligen Speicherung der An- gaben in der ZED ist die Zustimmung der Beschäftigten erforderlich. Auf Wunsch des Unternehmens können die in der ZED erfassten Daten auch für das Angebot nachgehender arbeitsmedizinischer Vor- sorge durch ▪ den Organisationsdienst für nachge- hende Untersuchungen (ODIN) bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) sowie ▪ die Gesundheitsvorsorge (GVS) bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) genutzt werden. Dieser Nutzung muss die betreffende Per- son zustimmen, das Unternehmen muss etem 01.2018
service diese ausdrückliche Einwil- ligung schrilich einholen. Dann entfällt eine gesonderte Meldung an ODIN bzw. GVS. Die Unternehmen können ihre Teil- nahme an der ZED jederzeit beenden und die Dokumentation im eigenen Hause weiterführen. Die BG ETEM empfiehlt, die zu diesem Zeitpunkt bereits erfassten Da- ten in der ZED zu belassen. Vorteil für die Unternehmen Unternehmen können ihr Verzeichnis ge- fährdeter Beschäigter mithilfe eines Web-Portals der DGUV in der ZED daten- schutzgerecht erfassen und verwalten. Nur das jeweilige Unternehmen hat über autorisierte Personen Zugriﬀ auf seine Daten. Einzige Ausnahme: Die DGUV hän- digt auf Anfrage von Beschäigten die sie persönlich betreﬀenden Angaben aus. Die DGUV übernimmt auch die Archivie- rungsverpflichtung von 40 Jahren. Weite- re Vorteile sind: ▪ Die ZED ist ein kostenfreies Dienstleis- tungsangebot durch die DGUV. ▪ Eine einfache dialoggeführte Online-Er- fassung der Daten reduziert den Auf- wand für die Erstellung und Pflege des Verzeichnisses. ▪ Eine zusätzliche oder alternative Daten- übermittlung über „Excel“ ist möglich. Impressum Wo dieses GHS-Piktogramm zu sehen ist, kön- nen krebserzeugende Stoﬀe im Umlauf sein. ▪ Auf Wunsch können die Meldeverpflich- tungen an ODIN und GVS abgelöst wer- den. ▪ Unternehmen können jederzeit die Teil- nahme an der ZED beenden, wenn sie das Verzeichnis im eigenen Hause wei- terführen wollen. Vorteile für Beschäftigte Das Erfassen und die Archivierung von Ex- positionen am Arbeitsplatz dienen dazu, auch nach Ablauf der meist sehr langen Latenzzeiten mögliche Zusammenhänge zwischen beruflicher Tätigkeit und aufge- tretener Erkrankung zu erkennen. Mithilfe der ZED werden die notwendigen Informa- tionen zentral erfasst und sicher für den Zeitraum von 40 Jahren verfügbar gehal- für Ursachen ten. So wird sichergestellt, dass eventuelle berufliche Erkrankungen bestmöglich erkannt und die Be- troﬀenen durch die gesetzlichen Un- fallversicherungsträger bei berechtigten Ansprüchen entschädigt werden können. Auf Anfrage können Beschäigte die sie persönlich betreﬀenden Daten schri- lich erhalten. Vorteil: Die Daten stehen zur Verfügung – unabhängig davon, ob ein Betrieb noch existiert oder Beschäf- tigte ihre Unterlagen selbst noch verfüg- bar haben. Zudem entfällt der Aufwand für eine private Archivierung entspre- chender Einzeldokumente. Kathrin Kraft → info Weitergehende Informationen finden Sie im Internet: ▪ Zentrale Expositionsdatenbank (ZED): https://zed.dguv.de/zed/#/login ▪ Datenschutzkonzept zur ZED: www.dguv.de, Webcode d1064651 ▪ Information für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: www.dguv.de, Web- code d1042606 ▪ Fragen und Antworten (FAQ) zur ZED: www.dguv.de, Webcode d1042604 etem – Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung. Herausgeber: Berufsgenossenscha Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse, Gustav-Heinemann-Ufer 130, 50968 Köln, Tel.: 0221 3778-0, Telefax: 0221 3778-1199, E-Mail: info@bgetem.de. Für den Inhalt verantwortlich: Johannes Tichi, Vorsitzender der Geschäsführung. Redaktion: Christoph Nocker (BG ETEM), Stefan Thissen (wdv Gesellscha für Medien & Kommunikation mbH & Co. OHG, Dieselstraße 36, 63071 Oﬀenbach). Tel.: 0221 3778-1010, E-Mail: etem@bgetem.de. Bildredaktion: Sonja Streit (wdv); Gestaltung: Jochen Merget (wdv). Druck: Vogel Druck und Medienser- vice GmbH. etem erscheint sechsmal jährlich (jeden zweiten Monat). Der Bezugspreis ist durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten. Gedruckt auf umweltfreundlichem, chlorfreien Papier. Titelillustration: 2Agenten, M. Wagner. Leserservice (Adress- oder Stückzahl- änderung): Tel. 0221 3778-1070, E-Mail: leserservice@bgetem.de. www.bgetem.de twitter.com/bg_etem youtube.com/diebgetem xing.to/bgetem @bg_etem etem 01.2018 www.bgetem.de Webcode: 13671559 www.facebook.com/ BGETEM 29 l e h c i M . T , a i l o t o F : n o i t a r t s u l l I
service Vortragsveranstaltung ELEKTROTECHNIK Kongress der Experten Zum 19. Mal kommen am 12. und 13. Juni 2018 in Kassel Experten für Elektrotechnik zu ihrem alle zwei Jahre stattfindenden Spitzentreffen zusammen. lichtbögen mit Blick auf Arbeitssicher- heit und Gesundheitsschutz in einer stärker ausgeprägten digitalisierten Ar- beitswelt. Auch E-Mobilität ist 2018 ein Schwer- punktthema, da sie immer mehr unser Le- ben beeinflusst. Ein Energiekonzept der Zukun ohne E-Mobilität ist nicht mehr denkbar. Sie bringt jedoch diverse He- rausforderungen mit sich, beispielsweise hinsichtlich Batterieprüfungen, Ladeinfra- struktur und Ladestationen, die wir bei der Vortragsveranstaltung betrachten und diskutieren wollen. „Wir haben die Themenblöcke ver- schlankt, sodass nun weitaus mehr Zeit für Diskussion und Antworten auf Ihre Fra- gen vorhanden ist“, sagt Dr. Jens Jühling, Leiter der Präventionsabteilung der BG ETEM. Weiterer Pluspunkt: Alles wird teurer – wir halten den Beitrag seit Jahren stabil. In der Gebühr von 300 Euro sind wieder die Teilnahmekosten, die Tagungsunterla- gen, Ihre Verpflegung am Tage und das Abendprogramm enthalten. Selbstver- ständlich stehen Ihnen – wenn gewünscht – Hotelkontingente in der Nähe des Kon- gress Palais zum Abruf für Sie bereit. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Die Anmeldung zur Vortragsveranstaltung ELEKTROTECHNIK ist auf verschiedenen Wegen möglich („info“). Bei Fragen steht Ihnen das Tagungsbüro zur Verfügung. Wir freuen uns, Sie in Kassel begrüßen zu dürfen! Joydeep Mukherjee, Dieter Rothweiler Alle zwei Jahre lädt die BG ETEM Elektrotechnikexperten aus Deutschland und darüber hinaus in den Kasseler Kongress Palais. Im Rahmen der über die Landesgrenzen hinaus renommierten Veranstaltung ha- ben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, sich über aktuelle Trends und Neuerungen im Bereich Sicherheit bei der Arbeit in der Elektrotechnik zu in- formieren. Neben den aktuellen Entwick- lungen in unterschiedlichen elektrotech- nischen Themenfeldern geht es vorrangig darum, dass Fachleute für Arbeitssicher- heit und Gesundheitsschutz aus elektro- technischen Betrieben und der Berufsge- nossenscha ▪ zum konstruktiv-kritischen Dialog zu- sammenkommen, Fachleuten. Dieser Nutzen lässt sich auch an den eindrucksvollen Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren ablesen. Al- lein 2016 meldeten sich über 600 E-Tech- nikexpertinnen und -experten an. Auf der Agenda finden sich auch in die- sem Jahr breitgefächerte Themenspek- tren, z. B. ▪ Aktuelle Informationen, unter anderem – Evaluierung der DGUV Vorschri 2 und – Aktuelles zum nationalen „Asbest Dialog“, ▪ Elektrische Gefährdungen, hervorgeho- ben seien zwei Forschungsprojekte: – Stromdichteverteilung im menschli- ▪ Erfahrungswerte austauschen, sam- chen Körper und meln und – Beeinflussungsfaktoren beim Lei- ▪ unter Umständen kanalisiert in ihre täg- tungsziehen, liche Arbeit einfließen lassen. Zudem ist die Zusammenkun im Kasse- ler Kongress Palais auch außerhalb der Vortragsveranstaltung eine ideale und be- liebte Plattform zur Vernetzung und für ausgiebigen Erfahrungsaustausch unter ▪ Elektrische Prüfungen mit sehr umfas- senden Informationen, beispielsweise zu – Wiederholungsprüfungen und – Organisation nach VDE 0105-100. ▪ Praxisorientierte Beiträge zu DC-Stör- → info Zur Vortragsveranstaltung ELEKTROTECH- NIK können Sie sich hier anmelden: ▪ im Netz: www.bgetem.de, Webcode 17678995 ▪ per Telefon: 0221 3778-6190 (Elke Fran- ken und Nicole Schüssler) ▪ per Fax: 0221 3778-6185 ▪ per E-Mail: elektrotechnik@bgetem.de r e d i e n h c s t h c a h c S r e t e i D / v d w : o t o F 30 etem 01.2018
ausblick Hätten Sie es gewusst? Bunte Blätter bleiben beliebt Trotz rückläuﬁ ger Auflagenzahlen: Zeitschri en ﬁ nden in Deutschland noch immer viele Leser. Allein im 3. Quartal 2017 druckten in Deutschland ansässi- ge Verlage 150 Millionen Exemplare der Publikums- und Fachzeitschrift en. Publikumszeitschrift en (Thema, Auswahl) ▪ Frauen ▪ Motorpresse ▪ Programm ▪ Wohnen und Garten ▪ Aktuelles ▪ Kinder und Jugend ▪ Sport ▪ Gesundheit ▪ Essen ▪ Wirtscha ▪ Lifestyle ▪ Wissen ▪ Reise ▪ Natur verkauft e Auflage (3/2017) 18,0 Mio. 17,0 Mio. 13,1 Mio. 9,6 Mio. 8,1 Mio. 3,2 Mio. 3,1 Mio. 2,9 Mio. 2,4 Mio. 2,0 Mio. 1,6 Mio. 1,5 Mio. 1,2 Mio. 1,0 Mio. Fachzeitschrift en (Thema, Auswahl) ▪ Wirtscha ▪ Medizin und Gesundheitswesen ▪ Natur und Umwelt ▪ Recht und Verwaltung ▪ Bauen und planen ▪ Erziehung und Bildung verkauft e Auflage (3/2017) 2,9 Mio. 1,5 Mio. 1,1 Mio. 1,0 Mio. 700.000 465.000 Quelle: IVW s e n i a H . K : n o i t a r t s u l l I etem 01.2018 31
D U B E S T I M M S T D A S R I S I K O ! Rund 26 Prozent der Deutschen sind schon am Steuer eingenickt. 17 Prozent fahren einfach weiter, wenn sie müde sind. Fatal: Im Jahr 2015 waren 1838 Unfälle mit Personenschaden auf Müdigkeit zurückzuführen. MACHEN SIE GENÜGEND PAUSEN! 8 1 0 2 _ 1 . e d h c s h u k n u b w w w . . n l ö k . r e g r e b n e l l e h c s . l h u k . n e t r a g n u b

References: § 8
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