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Timestamp: 2017-06-25 22:02:20+00:00

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Der Mittelstand. 1|2012 by Bundesverband mittelständische Wirtschaft Unternehmerverband Deutschlands e. V. - issuu
4,90 EuroDer Mittelstand.
www.bvmw.deDas UnternehmermagazinThemenschwerpunkt: Mittelstand und Innovation„Wir sind gut aufgestellt”
.................................................. S. 6Marktplatz Internet
.................................................. S. 46Kino im Kopf
.................................................. S. 54Interview mit Dr. Annette SchavanThomas NatkowskiClaudius KrokerHand aufs Herz: Ist Ihr
Unternehmen schon dort,
wo Sie hinwollen?
business-performance-index.deBusiness Performance Index BPIWissen ist besser als glauben. Darum erhält der Mittelstand mit dem Business-Performance-Index jetzt
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Auf Deutschlands Tüftler und Denker bleibt Verlass. Sie sichern den technologischen Vorsprung
der Verfahren und Produkte „Made in Germany” auf dem Weltmarkt – und somit hierzulande
hunderttausende Arbeitsplätze. Mit über 30.000
forschenden und 110.000 hoch innovativen Unternehmen gibt der Mittelstand das Entwicklungstempo vor.
Selbst auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise haben „viele Unternehmen neue
Produkte entwickelt und diese im Aufschwung
erfolgreich im Markt platzieren können”, lobt
der jüngste Innovationsbericht des Zentrums
für Europäische Wirtschaftsforschung. Dieser
Erfolg kommt nicht von ungefähr. Denn die Unternehmer haben ihre Ausgaben für Forschung
und Entwicklung von 121 Milliarden Euro im Jahr
2010 auf 130 Milliarden Euro im Vorjahr nochmals
gesteigert. Und jeder zweite Mittelständler will
in den kommenden Monaten seine Investitionen
erneut aufstocken.
So weit, so gut. Der Innovationsmotor indes könnte noch höhere Drehzahlen erreichen, gäbe es
da nicht eine Reihe von Innovationshemmnissen.
An erster Stelle steht das Fachkräfteproblem.
Deutschlands Mittelstand leidet unter einem akuten Mangel an klugen Köpfen. Unserer Umfrage
zufolge will jeder dritte Mittelständler in diesem
Jahr zusätzliche Jobs schaffen. Gleichzeitig
haben schon jetzt 90 Prozent der Unternehmer
Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden.
Ingenieure gar sind absolute Mangelware.
Ebenso knapp fällt das Wagniskapital für findige Existenzgründer aus. In Deutschland werden
nur 0,04 Prozent des BIP als Venture Capital eingesetzt. Das liegt vor allem an der schlechteren
steuerlichen Förderung der Wagniskapitalgeber.
Die Banken tun ein Übriges. Im Unterschied zu
Der Mittelstand. | 1 | 2012Immobilien bieten Innovationen keine Sicherheiten. Im Ergebnis ist die Fremdkapitalförderung für
Forschung und Entwicklung oftmals nicht möglich, oder aber teuer im Vergleich zur Anlagen- und
Last but not least bremst die Bürokratie auch hier.
Die Anmeldung neuer Patente kostet Zeit, Nerven und Geld. Ein einheitliches Patent in Europa
lässt noch immer auf sich warten. Statt dessen
sehen sich Innovatoren einer Flut unterschiedlicher Förderprogramme von EU, Bund und Ländern
gegenüber. Hier ist die Politik gefordert. Sie muss
endlich eine Schneise durch den Förderdschungel
Erfinder wachsen nicht auf Bäumen. Ebenso
wenig steht zu erwarten, dass Brüssel, Berlin
oder der Freistaat Bayern auf eigene Fördertöpfe
verzichten werden. Deshalb ist der Hebel bei der
steuerlichen Forschungsförderung anzusetzen.
Rund 45 Prozent der mittelständischen Unternehmen halten eine Vereinfachung des deutschen
Steuerrechts für prioritär, um ihre FuE-Aktivitäten
Dafür muss das Rad nicht neu erfunden werden.
Es gibt Vorschläge zuhauf, etwa die Abschaffung der Gebührenpflicht für verbindliche Steuerauskünfte oder die Vermeidung extensiver
Missbrauchsverhinderungsnormen. Schon der
Begriff gehört abgeschafft. Unser Verband hat
beim “Wachstumsdialog innovativer Mittelstand”
des Bundeswirtschaftsministers eine Mittelstandskomponente ins Spiel gebracht. Klein- und
Mittelbetriebe bekämen demnach 12 Prozent ihrer
Personalaufwendungen für Forschung und Entwicklung steuerlich gefördert. Das wäre einfach,
unbürokratisch – und innovativ.
3INHALTPOLITIKService12	
Vorsichtiger32	
Online-PR: Nutzen Sie dasOptimismusInternet für Ihre Pressearbeit	POLITIKSERVICE	6	„Wir sind gut aufgestellt”
8	Mangelware Fachkräfte
10	Ungleichgewicht korrigieren
12	Vorsichtiger Optimismus
14	Biotech-Innovationen für Deutschland	16	News aus Brüssel
18	Estlands Tigersprung an die Spitze
20	Wachstumsbeschleuniger –
Ein Zukunftsweg für Europa	22	4für den Mittelstand?28	Urlaub und Krankheit
30	Die elektronische Rechnung
Online-PR: Nutzen Sie das Internet
für Ihre Pressearbeit34	Arm an Rohstoffen – reich an Ideen
36	Patentverwertungsgesellschaft
38	Von der Innovation zum Markterfolg
Ausgezeichnet – Preise für
MittelständlerSolarenergie am ZuckerhutEssay	24	26	Compliance – (k)ein ThemaWachstum, Werte, WettbewerbDer Mittelstand. | 1 | 201242	44	46	„Kunden haften wie ein Bürge”
Marktplatz InternetINHALTServiceBVMW34	
Arm an Rohstoffen –71	
Riesenschnellkochtopfreich an Ideen48	50	52	54	für KohlestaubDatenzoll statt Netzneutralität
Erfolg und Spaß mit Normung70	
Video – zentraler Erfolgsschlüssel
für Unternehmen71	Riesenschnellkochtopf fürMehr Erfolg mit XingKohlestaubKino im KopfBVMW58	
Mitgliederversammlung bestätigt72	V8 Alpenrausch74	ImpressumIBWF-Vorstand59	Kurz vorgestellt
60	Auf Erfolgskurs
62	Energie: sicher, effizient und
nachhaltig64	Elfenbeinturm ist längst passé
in Unternehmen68	Bildung für eine bessere ZukunftDer Mittelstand. | 1 | 20125Foto: Motherboard/fotoliaPolitik„Wir sind gut aufgestellt”
im Mittelstand-Interview6Der Mittelstand. | 1 | 2012PolitikDeutschland ist ein Hochtechnologieland. Über die Platzierung Deutschlands
unter den innovativen Nationen, das
Zusammenspiel von Wissenschaft und
Wirtschaft und über die Rolle des Mittelstands als Innovationstreiber sprach
„Der Mittelstand.“ mit der Bundes­
ministerin für Bildung und Forschung,
Prof. Dr. Annette Schavan.Schavan: Wir sind im Wissens- und
Technologietransfer in Deutschland im
internationalen Vergleich gut aufgestellt
– auch gerade durch eine Reihe von unterstützenden Maßnahmen und Initiativen
seitens der Bundesregierung. Das Engagement zahlt sich aus: Unternehmen und
Forschungseinrichtungen arbeiten eng
zusammen.Der Mittelstand: Wie steht der Innovationsstandort Deutschland im internationalen Vergleich da? Auf welchen Zukunftsfeldern haben unsere Hochschulen und
Forschungseinricht­ungen die Nase vorn,
und wo müssen sie noch zulegen?Bei den Drittmitteln beispielsweise, die
die Hochschulen aus der Wirtschaft anwerben, führt Deutschland die Spitzengruppe an. Der Pakt für Forschung und
Innovation hat den Aufbau von Partnerschaften von Wissenschaft und Wirtschaft angestoßen.Die Expertenkommission Forschung und
Innovation ihrerseits betont, dass die
steigenden Investitionen des Bundes in
Wissenschaft und Forschung sowie die
Hightech-Strategie maßgeblich zu der
guten Position Deutschlands beigetragen
Stärken des deutschen Innovationssystems bestehen besonders in den Bereichen technische Infrastruktur, Vernetzung
von Wissenschaft und Wirtschaft und im
Innovationsoutput, gemessen beispielsweise anhand von Patenten und Publikationen.
Der Mittelstand: Wie schätzen Sie die
Zusammenarbeit von Wissenschaft und
Wirtschaft ein?An immer mehr Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden heute die
Kooperation und der Verwertungsgedanke
frühzeitig in den Prozess der Forschung
und Entwicklung (FuE) einbe­zogen und
als ein wichtiger Teil ihrer Mission angesehen. Gleichwohl sehe ich Potenziale,
die Zusammenarbeit noch weiter zu verbessern.Der Mittelstand: Planen Sie zusätzliche
Forschungsimpulse für KMU (steuerliche
Forschungsförderung)?
Schavan: Ich bin davon überzeugt, dass
zusätzliche steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung die Innovationsfähigkeit Deutschlands stärken. Noch
haben wir dazu keine Einigung, aber wir
sollten in dieser Wahlperiode den ersten
Schritt tun. So ist es verabredet.Der Mittelstand: Auf welche Weise fördert die Bundesregierung innovative
Klein- und Mittelbetriebe?
Schavan: Die Beteiligung kleiner und
mittlerer Unternehmen (KMU) am FuEGeschehen in der Innovationspolitik der
Bundesregierung hat eine hohe Priorität.
Gerade diese Unternehmen sind nah am
Markt und bieten neue Technologien und
Dienstleistungen. Seitens des Bundesforschungsministeriums erfolgt die FuE-Förderung vor allem durch jene Programme,
an denen KMU maßgeblich beteiligt sind.
Um den mittelständischen Unternehmen
– insbesondere Erstantragstellern – denDer Mittelstand. | 1 | 2012Foto: ddp images/dapdSchavan: Deutschland gehört zu den führenden Innovationsstandorten weltweit.
Dies belegen Deutschlands Spitzenplätze
in namhaften Vergleichsstudien wie zum
Beispiel dem „Innovationsindikator 2011“
der Telekom Stiftung oder dem „Global
Competitiveness Report 2011-2012“ des
World Economic Forum.Einstieg in diese anspruchsvollen Programme zu erleichtern, bieten wir ihnen
einen an ihrem spezifischen Bedarf ausgerichteten Zugang an. Auch in den großen
Initiativen des BMBF wie dem „Spitzencluster-Wettbewerb“ und „Unternehmen
Region“ wirken KMU mit. Eine wichtige
Unterstützung erhalten sie zudem über
das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand beim Bundeswirtschaftsministerium.Prof. Dr. Annette Schavan
www.annette-schavan.de7PolitikMangelware
FachkräfteFoto: alexsl/iStockDeutschland muss attraktiver werden8Der Mittelstand. | 1 | 2012PolitikDas vergangene Jahr hat eindrucksvoll
gezeigt, wie erfolgreich der Wirtschaftsund Industriestandort Deutschland bislang durch die Krise gekommen ist: Die
Wirtschaft florierte und die Arbeitslosenzahlen gingen deutlich zurück. Laut
BVMW-Unternehmerumfrage wird sich
dieser Trend 2012 weiter fortsetzen. Damit
hat auch das Thema „Fachkräftemangel“
im Mittelstand wieder Hochkonjunktur.
Planen rund 33 Prozent der mittelständischen Unternehmer, neue Mitarbeiter
einzustellen, so haben über 90 Prozent der
Unternehmer Probleme bei der Besetzung
neuer Stellen.
Diese Entwicklung ist auf dem Arbeitsmarkt nicht neu. Vor allem im Mittelstand
schwächen fehlende Fachkräfte die Wirtschaftsleistung. Hinzu kommt, dass sich
der heutige Engpass in Zukunft deutlich
verschärfen wird. Rezepte, um diesem
Trend gegenzusteuern, gibt es viele. Neben der Zuwanderungspolitik steht vor allem die Qualifizierung der heimischen Arbeitskräfte im Mittelpunkt der Diskussion.
Denn trotz des demographischen Wandels
ist das Potential an Erwerbspersonen in
Deutschland bislang nur unzureichend
ausgeschöpft. Das betrifft vor allem
Frauen und zu früh aus dem Erwerbsleben scheidende ältere Arbeitnehmer.
Aber auch die Leistungsfähigkeit der in
Deutschland lebenden ausländischen Arbeitskräfte bleibt bislang unerschlossen,
dabei leben laut Institut der deutschen
Wirtschaft rund 2,9 Millionen gut ausgebildete Ausländer in Deutschland. Diese
könnten die Fachkräftelücke schließen,
sind aber oft nicht entsprechend ihrer
Qualifikation beschäftigt, weil sie sich ihre
ausländischen Fach- und Hochschulabschlüsse in Deutschland nicht anerkennen
Für Abhilfe soll nun ein neues Gesetz der
Bundesregierung sorgen. Ziel des Anerkennungsgesetzes ist es, Fachkräfte, die
im Ausland einen Beruf erlernt haben,
leichter in den deutschen Arbeitsmarkt
zu integrieren. Gleichzeitig können Arbeitgeber durch dieses Verfahren einenumfassenden Überblick über die Qualifikationen und Fähigkeiten eines ausländischen Bewerbers erhalten. Mit dem
neuen Anerkennungsverfahren wird die
Transparenz am Arbeitsmarkt erhöht und
es bietet Arbeitgebern wie Arbeitnehmern
erhebliche Vorteile und Erleichterungen.
Am 1. März 2012 soll das neue Gesetz in
Kraft treten. Ob dadurch eine bessere Integration ausländischer Fachkräfte möglich wird, bleibt abzuwarten. Aber auch
wenn alle inländischen Potentiale genutzt
sind, die bereits zugewanderten Menschen eingeschlossen, wird es auf lange
Sicht nicht reichen, das demographische
Problem zu lösen: Laut Bundesagentur für
Arbeit benötigt Deutschland bis zum Jahr
2025 rund 2,5 Millionen neue hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland.Darüber hinaus
Fachkräfte aktiv
integriert und so
langfristig im Land
Bisher hat die Politik nicht viel Erfahrung
damit, ausländische Arbeitnehmer anzuwerben. Dies zeigte sich schon bei der
Umsetzung der Arbeitnehmerfreizügigkeit
der EU, die seit 1. Mai 2011 für die acht neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten
auch in Deutschland gilt. Die eher restriktive Einwanderungspolitik und die voll in
Anspruch genommenen Übergangsfristen
von sieben Jahren führten dazu, dass nach
der „Öffnung der Grenzen“ nur wenige
Fachkräfte nach Deutschland kamen.Der Mittelstand. | 1 | 2012Auch die Umsetzung der EU-Richtlinie zur
Blue Card wurde in Deutschland lange hinausgezögert. Erst der zunehmende Mangel an qualifizierten Beschäftigten im letzten Jahr erhöhte den Druck auf die Politik.
So wurde im Dezember des vergangenen
Jahres im Bundeskabinett schließlich ein
entsprechender Entwurf verabschiedet.
Ziel der Blue Card ist die Anwerbung von
Fachkräften aus dem außereuropäischen
Ausland. Die für die Einreise- und Aufenthaltsgenehmigung benötigte Blue Card
erhalten Arbeitskräfte, die einen Hochschulabschluss und einen Arbeitsvertrag
mit einem Jahresgehalt von mindestens
44.000 Euro nachweisen können. Ingenieure und Mediziner sind dabei besonders
gefragt. Um diese vermehrt nach Deutschland zu locken, senkte die Bundesregierung die Gehaltsschwellen für die Blue
Card auf 33.000 Euro.
Gemeinsam mit dem neuen Anerkennungsverfahren kann die Blue Card nun
dazu beitragen, Deutschland attraktiver
für Fachkräfte aus dem europäischen Umland zu gestalten. Die mittelständische
Wirtschaft ist auf diese Arbeitskräfte angewiesen. Nur so können die Herausforderungen des demographischen Wandels
bewältigt und zeitgleich das Wirtschaftswachstum in Deutschland langfristig gesichert werden.
Darüber hinaus ist es besonders wichtig,
dass ausländische Fachkräfte aktiv in die
Gesellschaft integriert und so langfristig
im Land gehalten werden. Dieser neuen
Herausforderung muss sich die Politik in
den kommenden Monaten stellen. Ökonomische Ziele allein überzeugen nur
wenige, nach Deutschland zu kommen.
Langfristig bleibt am Ende nur der, der
sich wohlfühlt.Sindy Vollmert
www.bvmw.de9PolitikUngleichgewicht
Ein Plädoyer für eine stärkere Beteiligung der Industrie
an den Kosten der Energiewende
Der Umstieg auf Erneuerbare Energien wird in Deutschland in
erster Linie von Privatpersonen und mittelständischen Unternehmen vorangetrieben. Sie investieren in neue, dezentrale
Energieerzeugungsanlagen, schaffen Arbeitsplätze und holen
Wertschöpfung in die Regionen. Gleichzeitig tragen Bürger und
Mittelstand aber auch den Löwenanteil der Lasten, denn die
Energiewende kostet viele Milliarden Euro. Und ein Teil dieser Milliarden muss gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz
(EEG) von den Stromkunden aufgebracht werden: Mit jeder
verbrauchten Kilowattstunde fließen 2012 knapp 3,6 Cent sogenannte EEG-Umlage in den Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Dennoch – oder gerade deswegen? – geht es dem Wirtschaftsstandort Deutschland gut. Die Arbeitslosigkeit hat historische
Tiefststände erreicht, Wirtschaft und Konsum wachsen gegen
den Trend, der Export brummt. Und die – für die energieintensiven
Betriebe maßgeblichen – Börsenpreise für Strom sind jüngst
unter das Niveau gesunken, das sie vor dem Atom-Moratorium im
März 2011 hatten. Dies ist nicht zuletzt ein messbarer Verdienst
der Erneuerbaren Energien.Foto: visdia/fotoliaKein Wunder also, dass die staatliche Standort-MarketingAgentur „Germany Trade & Invest“ Deutschland als attraktiven
Standort für energieintensive Industrien anpreist – und dabei
darauf verweist, dass die Industriestrompreise in Deutschland
bei hohem Verbrauch niedriger liegen als im EU-Durchschnitt.10Der Mittelstand. | 1 | 2012PolitikEtwa 600 Unternehmen mit besonders hohem Stromverbrauch
sind heute schon weitgehend von der EEG-Umlage befreit.
Sieht so ein Land aus, dessen Position
als Industrienation in Gefahr ist? Zweifellos nicht. Insbesondere, da viele energieintensive Betriebe zur Finanzierung
der Energiewende kaum etwas beitragen
müssen. Etwa 600 Unternehmen mit besonders hohem Stromverbrauch sind heute schon weitgehend von der EEG-Umlage
befreit. Und diese Zahl könnte sich nach
Expertenschätzungen kurzfristig verzehnfachen. Denn ab 2012 werden die Schwellenwerte deutlich abgesenkt, ab denen
ein Unternehmen von der „Besonderen
Ausgleichsregelung für energieintensive
Betriebe“ im EEG profitieren kann. Irrwitz
inklusive: So kommen beispielsweise auch
Braunkohletagebaue in den Genuss, als
stromintensive Betriebe keinen nennenswerten Beitrag zur Energiewende mehr
leisten zu müssen.
Zahlmeister sind wieder einmal – Bürger
und Mittelstand. Es ist logisch: Wenn eine
Last auf immer weniger Schultern verteilt
wird, hat der Einzelne zunehmend mehr zu
tragen. Infolgedessen ist die EEG-Umlage
für „nicht-privilegierte Letztverbraucher“
im Vergleich zu 2011 bereits um 0,6 Cent
angestiegen. Das Institut für Zukunftsenergiesysteme in Saarbrücken hat errechnet, dass ohne die neuen Ausnahmetatbestände im EEG wohl keine Erhöhung
der Umlage notwendig geworden wäre.
Eigentlich ein klarer Auftrag an die Politik,
das Ungleichgewicht zu korrigieren und
die Industrie stärker an den Kosten der
Energiewende zu beteiligen. Doch stattdessen übt sich eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Wirtschaftspolitikern
der Regierungsfraktionen in politischer
Dialektik: Sie kritisieren massiv die steigende Umlage für Mittelstand und Privathaushalte, die sie vorher, etwa durch die
Ausweitung der „Besonderen Ausgleichsregelung“ zugunsten der Industrie, selbst
hervorgerufen haben. Dabei wird nicht
einmal davor zurückgeschreckt, gegen
eine scheinbar sozial ungerechte Umverteilung von unten nach oben zu polemisieren, da angeblich die Hartz IV-Empfänger
über die EEG-Umlage die satten Renditen
reicher Rechtsanwälte mit PhotovoltaikAnlage auf dem Dach finanzierten.Kurios, dass solche Zerrbilder bevorzugt
von jenen entworfen werden, die sich
ansonsten eher selten als Sozialpolitiker
profilieren. Zutreffend sind solche Vergleiche ohnehin nicht. Schließlich bieten
die Erneuerbaren Energien wie noch keine
Energieform zuvor die Möglichkeit, sich
auch mit kleinem Geldbeutel an der Energiewende zu beteiligen. Etwa im Rahmen
von Bürgerwindparks, Solarvereinen oder
in einer der immer zahlreicheren Energiegenossenschaften.
Mittlerweile stammt bereits jede fünfte Kilowattstunde in Deutschland aus regenerativen Quellen. Ein neuer, mittelständisch
geprägter Wirtschaftszweig ist entstanden, der aktuell rund 370.000 Menschen
Lohn und Brot bringt. Knapp 30 Milliarden
Euro werden allein in Deutschland jährlich
in neue regenerative Energieanlagen investiert. Und dank einer verlässlichen Förderpolitik haben deutsche Unternehmen
eine hervorragende Position auf einem
zukunftsträchtigen Weltmarkt erreichen
Denn ohne eine gesetzliche Anschubfinanzierung wäre diese beispiellose Entwicklung nicht möglich. Das EEG ist im internationalen Vergleich das wirkungsvollsteDer Mittelstand. | 1 | 2012Instrument, um die Erneuerbaren Energien
dezentral auszubauen und gleichzeitig die
spezifischen Kosten der Technologien zu
senken. Paradebeispiel für die Effektivität des EEG ist gerade die viel diskutierte
Preisentwicklung des Solarstroms. Er ist
seit 2008 um mehr als die Hälfte billiger
geworden. Serienproduktion, Vervielfachung von Anbietern und Nachfragern
sowie technische Entwicklungssprünge
haben die Photovoltaik erschwinglich
gemacht. Die Einspeisevergütung konnte
entsprechend sinken – teilweise bis zu 30
Prozent binnen eines Jahres.
Gleichzeitig bietet das EEG bislang ausreichend verlässliche Rahmenbedingungen
und Investitionssicherheit für Mittelständler und Privatpersonen. Diese Gruppen erweisen sich infolgedessen als Motor der
Energiewende. Eine verantwortungsvolle
und mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik täte gut daran, diesen Rahmen nicht
den Interessen großer Konzerne zu opfern.Philipp Vohrer
www.unendlich-viel-energie.de11PolitikVorsichtiger
OptimismusFoto: Christian KruppaMittelstand bleibt auch 2012 Wachstums- und Jobmotor –
Ohoven stellt Unternehmerumfrage bei der Bundespressekonferenz vorGroßes Medieninteresse – Mario Ohoven im Interview zu den Ergebnissen der Unternehmerumfrage im vollbesetzten Haus der Bundespressekonferenz.„Der unternehmerische Mittelstand garantiert auch im Jahr 2012 Wachstum und
Beschäftigung in Deutschland. Ich erwarte alles in allem ein Wachstum von einem
Prozent. Entscheidend dafür ist allerdings,
dass die Bundesregierung Planungssicherheit für die Unternehmen schafft. Vor allem die Steuer- und Abgabenlast darf nicht
noch weiter erhöht werden.“
Klare Worte, klarer Kurs. Diese Kernbotschaft vermittelte Mittelstandspräsident
Mario Ohoven, als er die Ergebnisse der
traditionellen Unternehmerumfrage des
BVMW bei der Bundespressekonferenz in12Berlin vorstellte. Dabei war ihm wie jedes
Jahr das Interesse der Medien sicher.
Mehr Investitionen geplantProzent) wollen ihr Investitionsvolumen im
Gesamtjahr 2012 steigern, immerhin knapp
47 Prozent der Betriebe wollen eben so viel
investieren wie 2011.Denn sie wissen: Ohoven hat den Finger am
Puls der Millionen Klein- und Mittelbetriebe
in unserem Land. Und die sind laut Umfrage
mit vorsichtigem Optimismus in das neue
Jahr gestartet. Knapp ein Drittel (31,2 Prozent) der Unternehmer erwartet, dass sich
ihre Geschäftslage im ersten Halbjahr weiter verbessern wird, rund 52 Prozent gehen
von einer gleichbleibend guten Geschäftslage aus. Drei von zehn Mittelständlern (29,6„Ich bin besonders froh, dass der Mittelstand auch in diesem Jahr wieder seine
Funktion als Jobmotor erfüllt“, betonte denn
auch Ohoven. Der repräsentativen Befragung zufolge plant ein Drittel (33,2 Prozent)
der Klein- und Mittelbetriebe, in den kommenden Monaten zusätzliche Arbeitskräfte
einzustellen. Weit mehr als die Hälfte (62,4
Prozent) will die Mitarbeiterzahl zumindest
halten. Überaus positiv wird auch die Finan-Der Mittelstand. | 1 | 2012Politik„Ich erhoffe mir für unser Land einen klareren
politischen Kurs als in der Vergangenheit.“zierungssituation eingeschätzt: Etwas über
84 Prozent der Mittelständler bewerten sie
mit den Schulnoten befriedigend, gut oder
Bekenntnis zum Euro
Als einen „unmissverständlichen Arbeitsauftrag für die Bundesregierung“ bezeichnete der Mittelstandspräsident das
überdeutliche Bekenntnis der deutschen
Unternehmer zur europäischen Gemeinschaftswährung: Fast 87 Prozent sagen Ja
zum Euro in der jetzigen Form. Allerdings
nicht um jeden Preis, denn knapp 58 Prozent
stimmen zugleich der Aussage zu, es könnten nicht alle Länder im Euro bleiben, weil
die Wirtschaftsstrukturen zu unterschiedlich sind. Ohovens Fazit: Der Mittelstand
erwarte eine konsistente Lösung der EUSchuldenkrise.
Kritik übte Ohoven am schwankenden
Kurs der Bundesregierung. Angesichts
der „plötzlichen Richtungswechsel“ in
der Energiepolitik, aber auch beim Thema
Mindestlöhne im Vorjahr forderte er Planungssicherheit für die Millionen Klein- und
Mittelbetriebe ein. „Ich erhoffe mir für unser Land einen klareren politischen Kurs
als in der Vergangenheit.“ Der Mittelstand
jedenfalls habe seine Hausaufgaben gemacht, und zwar erfolgreich. „Die Politik
in Berlin und Brüssel hat es letztlich selbst
in der Hand, ob 2012 ein gutes Jahr für den
Mittelstand wird“, schloss Ohoven sein
Statement bei der Bundespressekonferenz.
Zumindest die Medienvertreter hatten die
Botschaft verstanden.Welches Investitionsvolumen planen Sie für die kommenden
12 Monate im Vergleich zur Vorperiode?46,86%
23,5%steigend
kleinerSoll der Euro als Gemeinschaftswährung in der jetzigen Form
86,86%13,32%
NeinDer Mittelstand. | 1 | 201213PolitikBiotech-Innovationen
BVMW-Partnerverband BIO DeutschlandEs sind die Innovatoren unter den kleinen
und mittleren Unternehmen (KMU), denen dabei eine besondere Rolle zukommt.
Denn ihre Ideen für neuartige Produkte
und das Wagnis, diese zu entwickeln, sind
der Schlüssel zur Sicherung der Stellung
Deutschlands im globalen Wettkampf.
Als gutes Beispiel hierzu dient die Biotechnologie-Branche mit ihren mehr als
500 meist innovativ arbeitenden KMU. Sie
investieren etwa 50 Prozent ihres Umsatzes (2010 waren es rund 2 Mrd. Euro) in
Im Vorfeld des Weltkrebstages Anfang Februar präsentierten einige Biotech-KMU
die Ergebnisse ihrer Arbeit im Rahmen einer eintägigen Veranstaltung in Berlin –
des German Science Day (GSD). Dazu gab
der Branchenverband der BiotechnologieIndustrie, BIO Deutschland, die vom GSDTeam ermittelten Statistiken zum deutschen Biotechnologie-Sektor im Bereich
der Onkologie bekannt: Die durchgeführte
Studie evaluierte neun Nationen1, die auf
dem Gebiet der Entwicklung neuer medikamentöser Krebstherapien am aktivsten
Seit dem Jahr 2000 haben diese neun Länder Finanzmittel in Höhe von 10 Mrd. USD
eingeworben, wobei 24 Prozent dieser
114Mittel deutschen Firmen zugute kamen.
Der Studie zufolge arbeiten 109 BiotechUnternehmen in der Onkologie. Davon
befinden sich allein 29 Unternehmen (27
Prozent) in Deutschland.
Insgesamt führen die BiotechnologieUnternehmen der neun wichtigsten europäischen Nationen derzeit 256 onkologische Entwicklungsprogramme durch.
Davon werden mehr als 58 onkologische
Pipeline-Projekte von deutschen BiotechFirmen vorangetrieben (23 Prozent). Somit
ist der Biotechnologie-Sektor in Deutschland innerhalb Europas im Bereich der
Krebsforschung am aktivsten.
Diese Daten beeindrucken umso mehr, als
dass sich die Finanzierungssituation der
Biotech-Branche (fast nur Eigenkapital
in Form von Wagnisinvestitionen privater
Anleger und über die Börse) seit Jahren
verschlechtert: Die Mitteleinwerbung fiel
von 650 Mio. Euro im Jahr 2010 um fast
80 Prozent auf lediglich 141 Mio. Euro im
Um die Innovationskraft der deutschen Biotechnologie – stellvertretend für den innovativ arbeitenden Mittelstand – zu sichern,
muss die Politik die Rahmenbedingungen
verbessern: fiskalische Erleichterungen für
Investoren, die Innovationen fördern wollen, uneingeschränkten Erhalt der Verlustvorträge und eine steuerliche Förderung
von F&E wären ein guter Anfang.
Das Beispiel der in der Onkologie tätigen
Biotech-Unternehmen zeigt es: Eine Stärkung ihrer Position wird nicht nur hoch
qualifizierte Arbeitsplätze schaffen unddie Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands
stärken, sondern auch Millionen von Patientinnen und Patienten weltweit zugute
Bezogen auf den derzeitigen Entwicklungsstand der onkologischen Programme
führt Deutschland derzeit 23 Prozent aller
Phase I Programme durch. Deutschland
ist führend mit 30 Prozent aller Phase II
Programme in Europa und somit mit 28
Prozent aller onkologischen Therapien in
der Entwicklung. In der Durchführung von
Phase III Programmen ist Deutschland mit
24 Prozent aller Firmen und 21 Prozent aller onkologischen Entwicklungsprogramme gemeinsam mit Dänemark führend.
Deutsche Biotechnologie-Unternehmen
stellen ca. 47 Prozent der Firmen in Europa
dar, die derzeit Antikörper-basierte Therapien zur Behandlung von Krebserkrankungen entwickeln. Die durchgeführte Studie
gibt insbesondere darüber Aufschluss,
dass deutsche Biotechnologie-Unternehmen ca. 43 Prozent aller klinischen
onkologischen Studien mit den verschiedensten Antikörper-basierten Wirkstoffen
Die Auswertung der Studie ergibt, dass
sieben deutsche Biotechnologie-Unternehmen zehn Antikörper-basierte Produkte unter eigener Regie entwickeln, darunter befindet sich folgende am weitesten
fortgeschrittene Unternehmen: Apogenix
AG, Affimed Therapeutics AG, Biotest AG,
Trion Pharma GmbH, Glycotope GmbH,
MorphoSys AG und WILEX AG.
www.biodeutschland.orgÖsterreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Norwegen, Schweden, Schweiz und Großbritannien. Quelle: BioCentury & GSD-TeamDer Mittelstand. | 1 | 2012Foto: Job Search/iStockDie Finanzkrise hat es in aller Deutlichkeit
gezeigt: Der Mittelstand konnte Deutschland durch die wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen drei Jahre führen
und die Stellung des Landes im weltweiten
Wettbewerb nicht nur behaupten, sondern
auch noch stärken.Wir stärken Ihr Eigenkapital.
Die NRW.BANK fördert kleine und mittlere Unternehmen mit Eigenkapital- Finanzierungen sowie Darlehen zur Stärkung des Eigenkapitals und zum Ausgleich
mangelnder Sicherheiten. Fragen Sie uns danach: Tel. 0211 91741-1002.
www.nrwbank.de/beteiligungenPolitikNews aus Brüssel
EU-VergaberechtErleichterung für KMU
Das EU-Vergaberecht wird transparenter und flexibler. Wie aus dem Vorschlag zur
Überarbeitung der Vergaberichtlinie hervorgeht, soll für kleine und mittlere Unternehmen die Beteiligung an Bieterverfahren verbessert werden, der Aufwand wird verringert und die Kriterien für die Mittelausstattung geändert. Künftig sollen nicht mehr
nur der Preis, sondern auch soziale und Umweltkriterien berücksichtigt werden. Laut
EU-Kommissar Barnier ist geplant, dass die neuen Regeln im Juni 2014 in Kraft treten.
www.ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/10376_de.htmNeue KontonummernÜbergangsfrist bis 2016Foto: Pulwey/fotoliaDie Bundesregierung ist mit ihrem Widerstand gegen die europaweit verpflichtende Umstellung auf eine 22-stellige Kontonummer (IBAN) gescheitert.
Die Änderung der Zahlungssysteme für
Überweisungen und Lastschriften bis Februar 2014 ist nun beschlossene Sache.
Während einer Übergangsfrist bis 2016
können die alten Kontonummern noch
genutzt werden.16Parlament, Rat und Kommission hatten
sich bereits Ende Dezember 2011 auf die
Schaffung eines einheitlichen Euro-Zahlungsraumes geeinigt. Mit der offiziellen
Zustimmung des Rates wird gerechnet.
Im Bundestag gab es lange Zeit heftige Widerstände gegen die geplanteDer Mittelstand. | 1 | 2012Regelung. Der Vorsitzende des Europaausschusses Gunther Krichbaum, MdB,
bezeichnete SEPA (Single Euro Payment Aera) und IBAN als „den größten
Schwachsinn aller Zeiten“.
Dagegen versucht Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher
der Grünen im EP, die positiven Punkte des Kompromisses herauszustellen:
„Auch unter SEPA gilt das bisher bekannte bedingungslose Rückgaberecht
für Abbuchungen vom eigenen Konto
durch Lastschrift. Dies ermöglicht eine
rechtssichere und damit problemlose
Umstellung der bisherigen Lastschriftmandate auf das SEPA-Format. Ein von
Versicherungen, Vermietern und Verlegern befürchtetes Chaos bei der Umstellung bleibt uns damit erspart.“ Der
Verbraucherschutz werde gestärkt.
www.sepa-news.dePolitikKeine Publizitätspflicht für
KleinstunternehmenFoto: Kerrick/iStockEuropäisches Parlament, die Mitgliedsstaaten und die Kommission haben sich
darauf verständigt, Kleinstbetriebe von
unnötigen Verwaltungslasten zu befreien. In Zukunft muss etwa ein Handwerksbetrieb nur noch eine verkürzte Bilanz
beim Unternehmensregister einreichen,
die aber nicht veröffentlicht wird.
Über diese Ausnahmen können die Mitgliedsstaaten individuell entscheiden.
„Damit hat sich das Parlament in einemWahlkampf in FrankreichStreit um den richtigen Weg
Wie kann man eine dauerhafte Konsolidierung des Staatshaushaltes einleiten,
ohne gleichzeitig das Wirtschaftswachstum abzuwürgen? Vor dieser Frage steht
besonders Frankreich wenige Monate
vor der Präsidentenwahl am 5. Mai. Die
öffentliche Diskussion konzentriert sich
dabei auf drei Schwachpunkte französischer Politik.
1. Im Gegensatz zu Deutschland hat bei
unseren Nachbarn stets der nachfrageorientierte Grundsatz die französische Wirtschaftspolitik geprägt. Doch
die Beschäftigungspolitik schuf zu viele Arbeitsplätze in wenig produktiven
Sektoren. Während der Schuldenstand
in die Höhe getrieben wurde, stiegen
die Arbeitskosten und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verschlechterte sich.2. In Frankreich ist der Staatseinfluss
auf die Wirtschaft nach wie vor hoch.
Die Staatsquote, also der Anteil der
öffentlichen Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt, lag 2010 mit 56,6 Prozent
um zehn Prozentpunkte höher als in
Deutschland. Zwischen 1980 und 2008
ist die Zahl der im Öffentlichen Dienst
Beschäftigten um mehr als 36 Prozent
gestiegen. Heute arbeitet etwa jeder
Vierte in Frankreich im öffentlichen
3. Die französische Industrie leidet unter
erheblichen Strukturschwächen. Die
industrielle Beschäftigung geht stärker
zurück als in den Nachbarländern. Die
französischen Weltmarktanteile sind
rückläufig, seit 2007 verschlechtert
sich die Handelsbilanz. Der politische
Streit um den besten Weg der Einsparungen wird nach der Präsidentenwahl
erst richtig beginnen. Präsident Nicolas Sarkozy und sein Premierminister
Francois Fillon haben die Konsolidie-Der Mittelstand. | 1 | 2012wichtigen Punkt in den Verhandlungen mit
den Mitgliedsstaaten durchsetzen können. Anstatt in unnötige Bürokratie können Kleinstbetriebe nun in Arbeitsplätze
investieren“, erklärt der Vorsitzende des
Rechtsausschusses im EP, Klaus-Heiner
Lehne (CDU). Neben der Höchstzahl von
zehn Beschäftigten darf ein Kleinbetrieb
nicht mehr als 700.000 Euro Jahresumsatz und 350.000 Bilanzsumme haben, um
von der Ausnahmemöglichkeit zu profitieren. Dem Europaparlament ist es damit
gelungen, mehr Betriebe in den Genuss
der Ausnahme kommen zu lassen, als der
Rat ursprünglich geplant hatte.
www.kh-lehne.derung der öffentlichen Haushalte zum
wichtigsten Wahlkampfthema gemacht. Auch die Sozialisten mit ihrem
Kandidaten François Hollande können
sich dieser Herausforderung nicht
entziehen. Es bleibt jedoch fraglich,
ob sie die Politik der schrittweisen
Rückführung der hohen Staatsquote
konsequent betreiben können oder ob
sie damit die Glaubwürdigkeit gegenüber ihren Wählern verlieren.
www.kas.de/frankreichFoto: illustrez-vous/fotoliaBürokratieabbau17PolitikFoto: szaffy/iStockEstlands Tigersprung
an die Spitze18Der Mittelstand. | 1 | 2012PolitikErst 1991 erlangte Estland in einer „Singenden Revolution“ seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Das nördlichste
und mit 1,3 Millionen Einwohnern kleinste
Land des Baltikums durchlebt seither eine
stürmische Entwicklung, die es in vielen
Bereichen an die Spitze führte.
Bekannt wurde Estland als Heimat von
Skype und als Cyberland, indem viele tägliche Dinge über das Internet durchführbar
sind. So ist an allen öffentlichen Plätzen
freier Internetzugang verfügbar. Die Esten
können die Sitzungen ihrer Regierung über
das Internet verfolgen und Wahlen via Internet gehören zur Normalität. Weniger
bekannt ist, dass diese Entwicklung durch
ein sehr modernes und leistungsfähiges
Bildungssystem angetrieben wird.
Bei der Organisation des Gemeinwesens
hat sich Estland an seinen skandinavischen Nachbarn orientiert, d.h. flache
Hierarchien, Transparenz der staatlichen
Organe und moderne Kommunikationstechnik. Hierbei spielt Finnland aufgrund
seiner sprachlichen und kulturellen Nähe
eine Schlüsselrolle. Eine treibende Kraft
in Estland stellt die moderne Kommunikationstechnik dar, deren Ergebnisse unter
dem Begriff „E-Estland“ zusammengefasst werden und die die Entwicklung Estlands hin zu einer der fortschrittlichsten
Gesellschaften des digitalen Zeitalters
beschreibt. Per Gesetz garantiert Estland
den Zugang zum Internet und 99 Prozent
des Landes sind mit einem kostenlosen
Hotspot-Netz abgedeckt. Zusätzlich wird
der Internetzugang an öffentlichen Terminals in Postämtern, Bibliotheken oder
Dorfläden zur Verfügung gestellt. Auf der
Grundlage des sehr guten Internetzugangs
werden den estnischen Bürgern eine Vielzahl von elektronischen Dienstleistungen
(E-Services) wie E-Wahlen, E-Steuern,
E-Polizei, E-Gesundheit, E-Banking und
E-Schule zur Verfügung gestellt. So können langwierige Behördengänge durch ein
paar Mausklicks über das Internet ersetzt
Dabei bietet der IT-Sektor gerade für
kleine und finanzschwächere Länder den
idealen Einstieg in den High-Tech-Bereich,
denn dort ist es ohne hohe Investitionenund nur mit guter Bildung und Eigeninitiative möglich, wirtschaftliche Erfolge auf
inländischen und ausländischen Märkten
zu erzielen. Solche Entwicklungen blieben
selbstverständlich nicht ohne Auswirkungen auf das estnische Bildungssystem.
Bereits Ende 1990 hatten alle Schulen
einen Internetzugang, und seit 2003
verfügen sie über das Internetportal „ESchule“, das elektronische Klassenbücher
umfasst und Einsicht in Noten, Fehlstunden, Stundeninhalte und Hausaufgaben
gewährt. Das Ziel von „E-Schule“ ist die
aktivere Einbeziehung der Eltern in den
Lehrprozess, die Lehrinformationen für
Kinder und Eltern zugänglicher zu machen
und die Arbeit der Lehrer und der Schulleitung zu erleichtern.sich zum baltischen Tiger mit jährlichen
Wachstumsraten zwischen fünf und zehn
Prozent. Als die estnischen Schüler erstmalig im Jahr 2006 an der PISA-Studie
teilnahmen, belegten sie auf Anhieb Platz
fünf, während Deutschland nur auf Platz
13 zu finden war. Mit ähnlich guten Ergebnissen bestätigten die estnischen Schüler auch die PISA-Studie 2009. Dabei beschränken sich die Bildungsmaßnahmen
im IT-Gebrauch nicht nur auf die Schulen.
Als in Estland Wahlen und Volkszählung
per Internet eingeführt wurden, startete
eine gemeinnützige Organisation eine von
Unternehmen unterstützte Bildungskampagne, um die ältere Generation an die
digitale Welt heranzuführen und im Computerumgang zu schulen.Aber der entscheidende Innovationsschub
für das estnische Bildungssystem geht
von dem landesweiten Bildungsprogramm
„Tiigrihüppe“ (Tigersprung) aus, das in
Form einer Stiftung organisiert ist. Die
Anfänge reichen in das Jahr 1996 zurück,
als der jetzige Präsident Toomas Hendrik
Ilves und der damalige Bildungsminister
Jaak Aaviksoo gemeinsame Ideen entwickelten, wie Estland in Form eines weiten
Tigersprungs an die Weltspitze katapultiert werden kann. Das zunächst auf drei
Jahre angelegte Bildungsprogramm ist bis
heute in Kraft und wird vom Staat, den 15
Kreisen Estlands und der EU finanziert. Mit
den Mitteln der Stiftung wurden Computer
und Software für die Schüler und Lehrer
angeschafft, und den Lehrern wurde gezeigt, wie diese im Unterricht eingesetzt
werden können.Als Erbe der sowjetischen Periode im estnischen Bildungssystem wird aufgrund
der russischsprachigen Minderheit (etwa
30 Prozent) in einigen Bildungseinrichtungen noch in russischer Sprache unterrichtet. Außerdem resultieren die sehr guten
PISA-Ergebnisse der estnischen Schüler
aus dem hochwertigen naturwissenschaftlichen Unterrichtssystem vor 1991.
Dies ging teilweise zu Lasten der Entwicklung der kommunikativen und sozialen Fertigkeiten. Diese Spuren des sowjetischen
Bildungssystems lassen sich besonders
gut im Vergleich mit deutschen Studenten
im Rahmen von Austauschprogrammen an
der TU Tallinn finden. Während auf estnischer Seite das technisch-naturwissenschaftliche Verständnis besser entwickelt
ist und sich mehr an den Vorgaben der
Lehrer orientiert wird, arbeiten deutsche
Studenten selbstständiger an eigenen
Problemlösungen und haben im kommunikativen Bereich die Nase vorn.Das Verhältnis von Bildung und IT-Bereich
ist keine Einbahnstraße. Nicht nur die Bildung hat einen wesentlichen Einfluss auf
die IT-Entwicklung, ebenso wirken innovative IT-Produkte auf den Bildungsbereich.
Denn der tägliche Umgang mit Computern
beeinflusst nicht nur Denken und Handeln,
sondern auch Lernprozesse und Fähigkeiten. Daher investiert Tiigrihüppe neuerdings mehr in Roboterbaukästen, denn
der Roboterbau wird als gute Methode
verstanden, um Schüler für die kreative
Arbeit mit Computern zu begeistern.
Zu einem Tigersprung kam es für Estland
dann wirklich, denn das Land entwickelteDer Mittelstand. | 1 | 2012Prof. Dr. Rünno Lumiste
runno.lumiste@tseba.ttu.eeProf. Dr. Gunnar Prause
gunnar.prause@hs-wismar.de19PolitikFoto: Lya_Cattel/iStockWachstumsbeschleuniger –
ein Zukunftsweg für Europa
Parrainer la Croissance (Wachstumförderer) heißt ein junger
Mittelstandsverband, der aus einem Netzwerk international
tätiger Unternehmer hervorgegangen ist. Die Mitgliederzahl
der PLC hat sich allein 2011 verdoppelt.
Ausgerichtet auf die Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben, als soziales, wirtschaftliches und gesellschaftliches
Bindeglied und einzige wirkliche Quelle für Wachstum und
Beschäftigung, entwickeln die PLC innovative, leistungsfähige Angebote und zeigen neue Wege, um den Einfluss desMittelstandes in der Gesellschaft zu stärken. So gehörte auch
PLC-Präsident Denis Jacquet zu den Vertretern ausgewählter Unternehmerverbände, die Sarkozy Mitte Januar zum
Gespräch eingeladen hatte. Seit Mitte 2011 arbeiten auch
BVMW und PLC zusammen.
Ein Statement von PLC-Präsidenten Denis Jacquet finden Sie
im Internet unter: www.bvmw.de/plcAnzeigeQuelle: www.istockphoto.com Fotograf: LUGOEs gibt viele Wege zum Glück:
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17:45 UhrAntonio
TajaniAnna Maria
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OhovenBVMW - Bundesverband mittelständische Wirtschaft
Leipziger Platz 15 · 10117 Berlin · Tel.: 030 533206-0 · www.bvmw.de
Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie Ihre persönliche Eintrittskarte per E-Mail.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, die Vergabe erfolgt nach zeitlichem Eingang.Wir danken unseren PartnernEröffnung und Begrüßung
Stefan Beißwenger, BVMW Bundesgeschäftsführer
Mario Ohoven, Präsident des BVMW und der EV-KMU
(Europäische Vereinigung kleiner und mittlerer Unternehmen)
Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission,
Kommissar für Unternehmen und Industrie
Liz Mohn, Geschäftsführerin der Bertelsmann-VerwaltungsgesellschaftLiz
MohnFoto: Mafred Esser / Koch UniversalDr. Philipp
RöslerEinlass – AkkreditierungAnna Maria Kaufmann, Starsopranistin
Empfang mit Berliner BuffetHotel Maritim Berlin
10785 BerlinPolitikSolarenergie
EU-Kommissionsvizepäsident Antonio Tajani und
Mario Ohoven mit hochkarätiger Delegation in Brasilien
Auf Einladung von Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für Industrie und Unternehmen, nahm der europäische Mittelstandspräsident Mario Ohoven
als Mitglied einer hochkarätigen Kommission an einer offiziellen
EU-Reise nach Brasilien teil. In der internationalen Wirtschaft
wird das südamerikanische Schwellenland immer wichtiger, als
ernstzunehmender Partner und aussichtsreicher Investitionsort
fernab der europäischen Krise.
Hochrangig waren auch die Gesprächspartner auf brasilianischer
Seite. Ohoven traf nicht nur die Präsidentin des Gastlandes, DilmaRousseff, sondern auch zahlreiche Kabinettsmitglieder, darunter
Planungsministerin Miriam Belchior, Forschungsminister Aloísio
Mercadente und der Industrie- und Handelsminister Fernando
Brasilien nimmt mit seinen mehr als 8,5 Millionen Quadratkilometern fast die Hälfte der Fläche Südamerikas ein. Mit einem
Bruttoinlandsprodukt von 1,9 Billionen US-Dollar und einem
Pro-Kopf-Einkommen von fast zehntausend US-Dollar im Jahr
2010 erwirtschaftet Brasilien einen höheren Wohlstand als so
manches osteuropäische EU-Land.Foto: PeskyMonkey/iStockDas Center for Economics and Business Research (CEBR) vermeldete das Aufrücken der brasilianischen Wirtschaft auf Platz sechs
der BIP-Weltrangliste und damit noch vor Italien und Großbritannien. Die britische Wochenzeitschrift „The Economist“ rechnet bis
2030 mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von fast
vier Prozent pro Jahr. Gründe dafür sind die sinkende Inflationsrate, der Nachholbedarf beim Konsum und die Konsolidierung des
Staatshaushaltes. Während Europa gegen die Krise kämpft, beweist sich Brasilien immer mehr als viel versprechendes Ziel für
ausländische Direktinvestitionen. Das wirkt positiv auf
die Pläne der brasilianischen Unternehmer:
70 Prozent von ihnen wollen im Jahr
2012 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.22Der Mittelstand. | 1 | 2012PolitikBrasilien erwirtschaftet einen höheren Wohlstand
als so manches osteuropäische EU-Land.
Als Triebfedern wirken auch die Fußballweltmeisterschaft 2014
und die Olympiade 2016. Die Investitionen in die Infrastruktur
werden jetzt geplant. Im Zuge der Sportveranstaltungen präsentiert Brasilien auch sein neues Image: innovativ, modern,
umweltfreundlich. Der Staat fördert durch Pakete wie das PAC2
(Programm für die Wachstumsbeschleunigung) Infrastruktur
und Transportwesen und investiert durch die Nationale Bank
für Soziale Entwicklung (BNDES) fast eine Billion Real in Öl und
Gas. Davon können auch Unternehmen aus Europa profitieren.
Deutsche Technologie und brasilianische Power
Ein Beispiel für die Zusammenarbeit zeigt sich bei der Solarenergie.
Für die Weltmeisterschaft sind Megaprojekte im Bau: Sieben Stadien im ganzen Land werden mit Solardächern versehen. Gleichzeitig
wird an der Entwicklung eines Einspeisegesetzes und am Ausbau
von intelligenten Stromnetzen gearbeitet. Beim Besuch der EUDelegation brachte es der Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für Industrie und Unternehmen Antonio
Tajani auf den Punkt: "Wir liefern die Qualität."
Aber so rosig die Aussichten auch sind, es glänzt nicht alles. Probleme bereiten die hohen Zölle, die oft schleppende Bürokratie
und die Vorgabe der Verwaltung, dass bei Ausschreibungen ein
großer Teil im Inland produziert werden muss. Bei Bussen etwa
wird ein brasilianischer Wertschöpfungsanteil von 75 Prozent
So setzt sich der BVMW auch in Brasilien für die Interessen des
deutschen Mittelstands ein. Ein Thema ist beispielsweise das
anstehende Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Brasilien
und Deutschland, das bei den Konsultationen mit der Wirtschaft
von der BVMW-Repräsentantin in Brasilien, Ilka von BorriesHarwardt, begleitet wird.Vereinbaren eine engere Zusammenarbeit zwischen brasilianischen und europäischen Unternehmern (v. li.): Alessandro Barberis, Präsident von Eurochambers; Jesús Serafín Pérez, Präsident von FoodDrinkEurope für Business
Europe; Aloísio Mercadente, Forschungsminister von Brasilien; Antonio Tajani, Vize-Präsident der EU-Kommission und EU-Kommissar für Industrie und
Unternehmen; Mario Ohoven, Präsident von BVMW und CEA-PME.Mit uns nach Brasilien
Alle BVMW-Auslandsrepräsentanzen verbinden politische Arbeit vor Ort und praktische Unterstützung für die Unternehmer.
Das Team in Brasilien etwa unterstützt Mitgliedsunternehmen
bei allen Herausforderungen, die das deutsch-brasilianische
Geschäft mit sich bringt. Eine besondere Chance bietet dazu das
Austauschprogramm für Fachkräfte, dass der BVMW zusammen
mit dem brasilianischen Wirtschaftsverband CNI und weiteren
Verbänden entwickelt. Es wird zukünftig die Möglichkeit bieten,
Wirtschaftsverfassung und Unternehmenskultur des jeweils
anderen Kontinents kennenzulernen. Interessierte Unternehmer
können unter politik@bvmw.de mit uns Kontakt aufnehmen.So erreichen Sie die BVMW-Repräsentanz in Brasilien:
Tel.: +55-11-55056660
brasilien.sao.paulo@bvmwonline.com
www.bvmw.de/auslandsvertretungen/auslandsbueros/
brasilien.htmlIlka von Borries-Harwardt
www.bvmw.de/auslandsvertretungenDr. Michael Vogelsang
Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff mit BVMW-Präsident Mario
Ohoven während des Besuchs der EU-Delegation in Brasilia.Chefvolkswirt des BVMW
www.bvmw.deDer Mittelstand. | 1 | 201223ESSAYFoto: Stefan Schurr/fotoliaWachstum, Werte,
Ist die Zeit reif für eine Erneuerung der Wirtschaftsethik?Dem Spielen ist das Gewinnstreben implizit. Ohne Gewinnaussicht langweilen sich die – dann nicht einmal mehr als solche zu
bezeichnenden – Gegenspieler. Noch vor einigen Jahren begann
die erste Lektion eines beliebten deutschen Lateinschulbuchs
mit den Worten: „Marcus currit. Cornelia currit. Marcus vincit
et gaudet.“ (Marcus läuft. Cornelia läuft. Marcus gewinnt und
freut sich.) Eine derartige Betonung des spielerischen Wettbewerbs vor zehnjährigen Schülern wäre wohl heute nicht mehr
möglich, und was Alltag ist – dass nämlich Schüler, Sportler
und Politiker gegeneinander antreten –, scheint aus dem Wirtschaftsdiskurs unserer Gesellschaft verbannt.
Diese Gesellschaftskritik ist bedauerlicherweise geprägt von
der Angst um die vermeintliche Endlichkeit unserer Fähigkeiten.
Um nicht eingestehen zu müssen, dass die eigenen Ideale utopisch sind, solange wir uns von den Annehmlichkeiten unseres
Wohlstands und unserer Wohlfahrt nicht verabschieden mögen,
erklären die Befürworter von weniger Wettbewerb zugleich
auch weniger Wachstum zu ihrem Ziel. Was heißt das konkret?
Eines jedenfalls nicht: dass diejenigen, die das fordern, bereit
sind, auf etwas zu verzichten. Vielmehr sollen diejenigen, die
diese Wohlfahrt bieten, für die gleichen Produkte und Dienstleistungen weniger Energie, weniger Rohstoffe, weniger Arbeitszeit
aufwenden. So wird die Bringschuld diskursiv verschoben: vom
Nutznießer auf den Anbieter (damit korreliert die Verschiebung
unseres Rechtssystems zugunsten des unmündigen und zugleich
allmächtigen Verbrauchers). Nicht derjenige, der seinen Urlaub
an entlegenen Orten verbringt, ist an seiner hohen persönlichen
CO2-Bilanz schuld, sondern die Flugzeughersteller, die sich weigern, effizientere Maschinen zu bauen.
Vielleicht sind wir gerade im Begriff, eine Gesellschaft von
Neochauvinisten heranzuziehen. Da offenkundig der Unendlichkeit unserer persönlichen Bedürfnisse die Endlichkeit unserer
Ressourcen entgegensteht, sind wir – unter dem Deckmantel
des „weniger Wachstum, weniger Wettbewerb“ bereit, dem
Gros der Menschheit den Anspruch auf unser Niveau an Wohlstand abzusprechen.24Von politischer Seite kommt denn auch die notwendige Einschränkung, dass es einen Unterschied gibt zwischen Wettbewerb und „fairem Wettbewerb“. Dahinter steckt – wir können
das nur hoffen – die Vorstellung, dass es einen Marktwert gibt,
also den vom Markt generierten „gerechten Preis“. Dass sich
dieser gerechte Preis häufig ungerecht anfühlt, ist das notwendige Übel der Freiheit, sich auf den Markt zu begeben. Wenn ein
Arzt sich daran machte, ein Automobil zu bauen, und den Wert
seiner jahrelangen und mühevollen Arbeit in den aus seiner Sicht
jedenfalls gerechten Preis des Wagens einbezöge, würde er
sich vom Ingenieur und dessen geringerem Preis übergangen,
überrumpelt und ungerecht behandelt fühlen. Aber wäre dieser
Wettbewerb wirklich unfair?Nicht derjenige, der seinen Urlaub an
entlegenen Orten verbringt, ist an seiner
hohen persönlichen CO2-Bilanz schuld,
sondern die Flugzeughersteller, die sich
weigern, effizientere Maschinen zu bauen.
Die ungerechte Behandlung des gerechten Preises gilt nicht nur
für einzelne und Berufsgruppen, sie gilt auch im internationalen
Vergleich. Wer in unseren geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten
einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Schwellenländern vermutet, der sollte nicht den Blick auf Gesellschaften scheuen, in
denen neben einem dreizehnten auch ein vierzehntes Jahresgehalt gezahlt und gleichzeitig statt vierzig Stunden fünfunddreißig
Wahrscheinlich war früher die Relativität der Marktverhältnisse
ein geringerer Faktor bei der Berechnung des Fairness-Grades
unseres Wettbewerbs. Doch gerade die zunehmende Geschwin-Der Mittelstand. | 1 | 2012ESSAYdigkeit unseres Austauschs und die Öffnung des Marktes verlangen von uns, dass wir vom Elfenbeinturm des moralischen
Entweder-Oder hinabsteigen.
An diesem Punkt kommen wir ohne den Begriff der Sozialen
Marktwirtschaft nicht weiter. Vielleicht macht die Soziale Marktwirtschaft so erhaben, dass sie als Sündenbock für alle Krisen
und Garant unseres Wohlstands zugleich gilt. Doch auf die fordernden Stimmen, die Soziale Marktwirtschaft in das Grundgesetz aufzunehmen, sollten wir zumindest mit Vorsicht reagieren.
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Verteidiger der Sozialen
Marktwirtschaft den Schild der Deutschen Verfassung um den
Begriff legen mögen. Gleichzeitig ist zu befürchten, dass damit
der Absolutheitsgehalt unseres gesellschaftlichen Grundsatzes
reduziert würde. Wer meint, die Soziale Marktwirtschaft in Zukunft verfassungsrechtlich schützen zu müssen, gesteht implizit
ein, dass die Soziale Marktwirtschaft heute schwächer ist als in
den Jahrzehnten zuvor, als sie nicht den Schutz der Verfassung
genoss – ja dass ihr überdies nicht mehr absolute, sondern nurmehr relative Geltung zukommt.Wir brauchen eine Ethik für
Staaten als Wirtschaftsakteure.
Es ist zu bezweifeln, dass es tatsächlich einen Wettbewerb der
Systeme gibt. Das Dilemma des dreifachen Scheidewegs, an dem
es zu wählen gilt zwischen demokratischer Sozialer Marktwirtschaft (Deutschland), kommunistischer Marktwirtschaft (China)
und demokratischem Neoliberalismus (USA), ist ein oktroyiertes
und wohl aus wahl- und parteipolitischen Interessen eingeführtes Dilemma, das sich als nicht real existent abtun ließe, würden
wir nur die Komponente der Zeit und des einzelnen Menschen
hinreichend berücksichtigen. Dem Irrtum des Scheidewegs liegt
die Annahme zugrunde, dass es dem Menschen stets darum geht,
Erfolge zu verzeichnen; dabei gehört zu den erfrischend charmanten Eigenschaften des Menschen, dass es für ihn mindestens
ebenso wichtig ist, faire Ergebnisse zu erzielen.
Vielleicht ist es notwendig, dass wir die systemischen Unterschiede aus der umgekehrten Perspektive betrachten und uns die
Frage stellen: „Gibt es Soziale Marktwirtschaft für globale Märkte?“ und weiter: „Können wir ethische Grundsätze für die globalen Finanzmärkte ausmachen?“ Manchmal genügt ein Beispiel
aus der Alltäglichkeit der internationalen Politik, um zu zeigen,
dass damit auch durchweg bodenständige Compliance-Standards gemeint sind. Bei Basel II etwa konnten manche Staaten
sich einen nationalen Wettbewerbsvorteil dadurch verschaffen,
dass sie die Regelungen verspätet umsetzten. Das bedeutet fürdiejenigen Akteure, die rechtzeitig und regeltreu agierten, dass
sie für ihre Verantwortung bestraft wurden (wir möchten gar
nicht erst Vermutungen darüber anstellen, in welchem Ausmaß
die von Land zu Land zeitlich versetzte Ratifizierung von Basel III
zugunsten partikularer Interessen genutzt werden wird).
Wenn also die Politik von sich behauptet, für ein Funktionieren
des Marktes unabdingbar zu sein, dann muss sie auf der Ebene
des Marktes auch diejenigen Regeln, deren Einhaltung sie von
den übrigen, der Politik untergeordneten Marktteilnehmern verlangt, auch für sich selbst gelten lassen. Vielleicht also sollten
wir im Anschluss an die oben aufgeworfenen Fragen sagen:
„Brauchen wir eine Ethik für Staaten als Wirtschaftsakteure?“
Mit Geschrei und Forderungen nach Staatsschuldenbremsen
allein – denn auf dem Spielfeld, das da heißt „Weltfinanzmarkt“,
stehen sich als Gläubiger und Schuldner viel zu häufig Staaten
gegenüber – ist das Thema nicht abgetan. Hier gehen die Sphäre
der jeweils in sich geschlossenen Politik und die Sphäre des
globalen Marktes, der globalen Politiken auseinander. Wie soll
sich auch ein Politiker zweiteilen: einerseits um des Machterhalts willen sich kurzfristigen nationalen Interessen zuwenden
und andererseits die langfristige Verpflichtung gegenüber einer
möglichen Staaten-Compliance beachten?
Die Politik drückt es noch drastischer aus (wobei es nicht an
den Politikern sein sollte, sich selbst in den Arm und in Schutz
zu nehmen): Die Politik von heute müsse den Wählern von heute
erklären, dass die Wähler von morgen die Lasten heute versäumter Entscheidungen zu tragen haben werden, und dass das
erschwert werde dadurch, dass die Wähler von heute gar keine
Wähler von morgen mehr zeugen. Derartige Ausflüchte und die
Forderungen der Politik an die Akteure des Marktes – bei gleichzeitiger Nichtbeachtung dieser Forderungen, sobald die Politik
selbst zum Marktakteur wird – erschweren verständlicherweise
die Wiederherstellung des Vertrauens des Marktes in die Politik.
Dass sich die Politik ihrerseits jener Argumentationstechnik
bedient, die eingangs erwähnt wurde, macht die Angelegenheit
noch undankbarer. Wir hören beständig, dass die Politik nur
darauf wartet, bis die Wirtschaft endlich (effizientere, nachhaltigere, gerechtere) Lösungen bietet. Dass es aber häufig genug
die Politik selbst ist, die mit ihren regellosen und regeluntreuen
Versprechen an die Wähler von heute Erwartungen an morgen
schürt, davon hören wir aus den Gründen mangelnder StaatenCompliance herzlich wenig.Josef Girshovich
www.bvmw.deDer Mittelstand. | 1 | 201225SERVICECompliance – (k)ein Thema
für den Mittelstand?EBenjamin Weiler
www.bvmw.de/leistungen/
rechtshotlineDie BVMW-Rechtshotline
Mo. und Mi. 10.00 – 15.00 Uhr,
Do. 10.00 – 17.00 Uhr
Tel.: 030 / 533206-63
Fax: 030 / 533206-50
rechtshotline@bvmw.de26Ein Bauunternehmer hilft bei der Vergabe eines öffentlichen Auftrages mit einer „Bonuszahlung“ an den zuständigen
Verwaltungsbeamten seinem Glück nach.
Für derart offensichtliche Fälle strafbaren
Verhaltens hat sich in Deutschland über
Jahrzehnte ein Unrechtsbewusstsein geschärft.
Wie ist es jedoch, wenn der potenzielle
Geschäftspartner mitsamt Ehefrau und
Familie für einige Tage an den eigenen
Produktionsstandort eingeladen werden
soll, um sich dort über neue technische
Entwicklungen auszutauschen – und ihm
ganz nebenbei die Unterkunft im Wellnesshotel nebst Leihwagen zur Verfügung gestellt wird? In solchen Fällen werden viele
Unternehmer von der Pflege guter Geschäftsbeziehungen sprechen. Juristisch
gesehen, ist die Grenze zur Bestechung
im geschäftlichen Verkehr erreicht, wenn
nicht gar überschritten.
Die Sensibilität und das Bewusstsein für
Wirtschaftskriminalität ist nicht mehr
nur Thema auf den Vorstandsetagen der
Großkonzerne. Auch mittelständische Un-Der Mittelstand. | 1 | 2012ternehmen versuchen, mit systematischer
Risikokontrolle ihre Position am Markt zu
behaupten und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.
Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in
der Wirtschaft, aber auch von freiwilligen
Kodizes. Unternehmen und Unternehmensverantwortliche haben gemäß §§ 9,
30 und 130 Ordnungswidrigkeitengesetz
dafür Sorge zu tragen, dass aus dem Unternehmen heraus keine Gesetzverstöße
erfolgen. Komm es dazu, kann die Leitung
und das Unternehmen selbst zu Strafen
verurteilt werden, wenn sie entsprechende Organisations- und Aufsichtsmaßnahmen unterlassen haben. Eine Pflicht zur
Sicherstellung der Compliance ergibt sich
darüber hinaus aus §§ 91, 93 AktG sowie §
43 GmbHG zur Abwendung von wirtschaftlichem Schaden vom Unternehmen.
Macht sich folglich ein Mitarbeiter des Unternehmens durch Korruption strafbar, so
drohen dem Unternehmen nicht nur zivilrechtliche Klagen des Geschäftspartners,
dessen Mitarbeiter bestochen wurden.Perspektive
Vielmehr muss es damit rechnen, dass
ein Ordnungswidrigkeitenverfahren
eingeleitet wird, weil den Organisations- und Aufsichtspflichten nicht
Im Fall des Bauunternehmers sieht das
Gesetz eine Haftstrafe von bis zu fünf
Jahren vor. Umso wichtiger ist Prävention durch ein wirksames Compliance
System, gerade auch für mittelständische Unternehmer. Dazu gehören zunächst die Identifikation von Risiken im
Unternehmen und die Einrichtung eines Informationssystems. Dieses dient
der Verbesserung eigener Richtlinien,
der Meldung von Verstößen sowie zur
Kontaktaufnahme mit Behörden.
Von einer gewissen Unternehmensgröße an empfiehlt sich ein internes
Kontrollsystem nebst Ernennung eines
Compliance-Beauftragten. Kleinere
Betriebe sollten in jedem Fall die Entscheidungskompetenz über Compliance relevante Sachverhalte regeln.Beste Aussichten für Ihr
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Kostenschonende Gestaltungsmöglichen kennen und nutzen
Die Regelungen im Gesetz
Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) sieht
für Arbeitnehmer einen Anspruch auf Erholungsurlaub von mindestens 24 Werktagen (Montag bis Samstag) pro Kalenderjahr vor. Konnte ein Arbeitnehmer
seinen Erholungsurlaub aus persönlichen
oder dringenden betrieblichen Gründen
in einem Kalenderjahr nicht nehmen, so
werden die nicht genommenen Urlaubstage auf das Folgejahr übertragen. Der
Urlaub muss dann bis spätestens 31. März
genommen werden; anschließend verfallen die nicht genommenen
Urlaubstage grundsätzlich.
Der EuGH zum Ersten
Für Aufsehen sorgte der
EuGH mit der Entscheidung, dass Urlaub nicht
verfällt, wenn er infolge
von Krankheit weder im
Kalenderjahr noch bis zum
konnte (EuGH, Urteil vom 20.01.2009
– C-350/06 und
C-520/06). Das
längerfristig erkrankte Mitarbeiter ihren vor Beginn der Krankheit
nicht genommenen Urlaub solange aufschieben
können, bis sie
wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren.28Der Mittelstand. | 1 | 2012Das kann mehrere Jahre dauern. Hinzu
kommt, dass auch erkrankte Mitarbeiter
jedes Jahr von neuem Urlaubsansprüche erwerben. So kommen leicht 50 oder
mehr Urlaubstage zusammen, die nach
der Genesung nachgewährt werden
müssen. In der Praxis ist wohl allerdings
die Konstellation weitaus häufiger, dass
der langzeiterkrankte Mitarbeiter seine
Tätigkeit nicht wieder aufnimmt und das
Arbeitsverhältnis endet. Wenn Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr gewährt werden kann, hat der
Arbeitnehmer Anspruch auf dessen Abgeltung. Das Unternehmen muss also alle
aufgelaufenen Urlaubstage ausbezahlen.
Es liegt auf der Hand, dass diese Entscheidung für Unternehmen drastische
finanzielle Folgen hat. Das haben auch
BAG und EuGH erkannt und in mehreren
Folgeurteilen Einschränkungen an der Ursprungsentscheidung der europäischen
Richter vorgenommen.
Das BAG schränkt ein
So hat das BAG entschieden, dass sich
diese EuGH-Rechtsprechung nur auf den
gesetzlichen Mindesturlaub bezieht (BAG,
Urteil vom 24.03.2009 – 9 AZR 983/07).
Oftmals gewähren Arbeitgeber aufgrund
Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag jedoch
einen über das gesetzliche Minimum
hinausgehenden Urlaubsanspruch. Für
diesen sogenannten Mehrurlaub können
Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Arbeitsvertrag vom Bundesurlaubsgesetz
und der vorgenannten Rechtsprechung
abweichende Regelungen treffen. Das
setzt aber eine ausdrückliche Differenzierung zwischen Mindest- und Mehrurlaub
im Arbeitsvertrag voraus. Hierfür bietetFoto: DeVice/fotoliaDer Europäische Gerichtshof (EuGH) und
das Bundesarbeitsgericht (BAG) haben in
den letzten zwei Jahren mehrere Urteile
erlassen, die das Urlaubsrecht ziemlich
durcheinander gewirbelt haben. Für den
Betrieb ergeben sich durch die Urteile
aber durchaus Chancen für eine sinnvolle
Gestaltung der arbeitsvertraglichen Regelungen zum Urlaubsanspruch (soweit
nicht zwingend anzuwendende Tarifverträge entgegenstehen).SERVICEsich beispielsweise folgende Klausel im
Arbeitsvertrag an:
„In vollen Kalendermonaten, in denen
das Arbeitsverhältnis ohne Anspruch auf
Entgeltfortzahlung ruht, entsteht kein Anspruch auf Mehrurlaub. Eine Übertragung
des Mehrurlaubsanspruches über das jeweilige Urlaubsjahr hinaus erfolgt nicht,
auch nicht im Falle von Krankheit.“
Fehlt eine solche differenzierte Regelung,
gelten für den Mehrurlaub allerdings die
gleichen strengen Regelungen wie für
den Mindesturlaub (BAG, Urteil vom
04.05.2010 – 9 AZR 183/09).
Kehrt der Arbeitnehmer nach langer
Krankheit an den Arbeitsplatz zurück,
muss er den angesammelten Urlaub im
laufenden Kalenderjahr, spätestens aber
bis zum 31. März des Folgejahres nehmen,
soweit dies zeitlich möglich ist. Tut er dies
nicht, verfällt der angesparte Urlaub (BAG,
Urteil vom 09.08.2011 – 9 AZR 425/10).
Scheidet der Mitarbeiter vor seiner Genesung aus dem Arbeitsverhältnis aus (ist
also der Urlaub abzugelten) muss er die im
Arbeits- oder Tarifvertrag gegebenenfalls
vorgesehenen (zulässigen) Verfallklauseln auch für Geltendmachung des Abgeltungsanspruchs beachten. Tut er dies
nicht, erlischt der Urlaubsabgeltungsanspruch (BAG, Urteil vom 09.08.2011 – 9
AZR 352/10).
Der EuGH zum Zweiten
Eine weitere wichtige Entscheidung zum
Thema Urlaub und Krankheit kam Ende
2011 wieder vom EuGH (EuGH, Urteil vom
22.11.2011 – C-214/10). In dem zu entschei-denden Fall sah eine tarifvertragliche
Regelung vor, dass der Urlaubsanspruch
spätestens 15 Monate nach Ablauf des
Kalenderjahres, in dem er entstanden ist,
erlischt. Der EuGH hat diese Regelung als
zulässig und verbindlich erachtet. Dieses
Urteil wird sich auch auf entsprechende
arbeitsvertragliche Klauseln übertragen
lassen. In künftigen Arbeitsverträgen sollte daher eine Klausel aufgenommen werden, die eine solche Begrenzung vorsieht.
„Konnte der Urlaub wegen Krankheit
nicht genommen werden, erlischt der Urlaubsanspruch spätestens 15 Monate nach
Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Urlaubsanspruch entstanden ist.“
Aus Sicht der Unternehmen bleibt nun
noch zu hoffen, dass das BAG künftig
auch dann einen solchen Verfall der Urlaubsansprüche annimmt, wenn es an
einer entsprechenden arbeitsvertraglichen (oder tarifvertraglichen) Regelung
fehlt. Das Landesarbeitsgericht BadenWürttemberg scheint diesen Weg gehen
zu wollen (LAG Baden-Württemberg,
Urteil vom 21.12.2011 – 10 Sa 19/11). Der
Rechtssicherheit zuträglicher wäre allerdings eine klarstellende Regelung durch
den Gesetzgeber. Es bleibt also spannend.Tobias Grambow
www.buse.deDer Mittelstand. | 1 | 201229SERVICEDie elektronische
RechnungFoto: Thomas Jansa/fotolia(K)ein Problem für die Vorsteuer?30Der Mittelstand. | 1 | 2012SERVICEGerade Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen stellen den postalischen Versand von Rechnungen in den
letzten Jahren zunehmend ein. Stattdessen kommt die Rechnung per E-Mail oder
soll als Datei aus dem Internet heruntergeladen werden. Gerade Unternehmer
brauchen ordnungsgemäße Rechnungen, wenn diese als Ausgabe steuerlich
geltend gemacht werden sollen. Bis Juni
2011 war der Vorsteuerabzug aus einer
elektronischen Rechnung aber nur möglich, wenn die Datei mit einer elektronischen Signatur (=Unterschrift) versehen
war, diese Signatur elektronisch überprüft und das dann auch noch dokumentiert wurde. Weil das Verfahren so kompliziert war, hat es sich in der Praxis nicht
durchgesetzt, und der Gesetzgeber musste eingestehen, dass da etwas geändert
werden muss. Da auch die EU drängelte,
wurde die Änderung in das Steuervereinfachungsgesetz 2011 aufgenommen.
Ab Juli 2011 kann bei allen elektronischen
Rechnungen die Vorsteuer abgezogen
werden, allerdings nur, wenn einige Kriterien erfüllt sind. Die wichtigste Bedingung
ist, dass für die eingegangene elektronische Rechnung dauerhaft (also bis zu 13
Jahre lang) die Echtheit der Herkunft, die
Unversehrtheit des Inhaltes und die Lesbarkeit gewährleistet werden kann. Bei
der praktischen Ausgestaltung liegt der
Teufel im Detail.
Eine auf dem Postweg eingegangene
Papierrechnung wird erst vollständiggeprüft. Sind alle Rechnungspositionen
korrekt und waren auch so vereinbart?
In größeren Unternehmen bekommt die
Post als erstes einen Eingangsstempel.
Rechnungen wandern dann in die Fachabteilung, in der die Rechnung inhaltlich geprüft wird. Von hier wird sie zur Chefetage
befördert, wo die Bezahlung genehmigt
und von wo der Beleg zur Buchhaltung
weitergereicht wird. Zuletzt überweist
jemand den Rechnungsbetrag an den Lieferanten. Durch dieses „innerbetriebliche
Kontrollverfahren“ besteht ein „verlässlicher Prüfpfad zwischen Rechnung und
Leistung“ – genauso, wie es im neu formulierten Gesetzestext steht.
Das Gleiche muss auch für elektronische
Rechnungen gelten. Der Unternehmer
muss dieses Kontroll- und Dokumentationsverfahren in seinem Unternehmen
organisieren, und alle müssen sich daran
halten. Die Herausforderung ist die Vielfalt,
die uns die elektronische Welt bietet: Neben Download oder E-Mail-Versand einer
Datei kann die Rechnung auch auf einem
Datenträger, wie einem USB-Stick, oder
im sogenannten EDI-Verfahren übermittelt
werden. Doch damit nicht genug: Auch die
übermittelte Datei kann alle denkbaren Formate haben. Die Rechnung kann nicht nur
als PDF eingehen, sondern auch als Datei
aus einer Tabellenkalkulation, aus einem
Text- oder gar Bildbearbeitungsprogramm,
aus Warenwirtschaftssystemen oder auch
aus einer Datenbank. Alles ist möglich, solange die Rechnung nur die gesetzlich geforderten Mindestinhalte enthält.Grundsätzlich kann der Rechnungsempfänger dem Versand der elektronischen
Rechnung widersprechen. Es ist aber zu
erwarten, dass insbesondere Dienstleister, die sich hier wichtige Potentiale für
Kosteneinsparungen versprechen, diese
Bedingung in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufnehmen werden. Dort
werden dann auch ausreichend hohe
organisatorische und finanzielle Hürden
definiert, um auch erfolgreich einen Widerspruch umsetzen zu können.
Jeder Unternehmer muss sich also
zwangsläufig mit diesem Thema auseinandersetzen. Welche organisatorischen Abläufe müssen im Unternehmen verändert
werden? Welche Hilfsmittel (insbesondere Software) werden dafür benötigt?
Eine Betriebsprüfung des Finanzamtes
kann sonst Jahre später zu einem bösen
Erwachen führen. Wenn festgestellt wird,
dass die eingegangenen elektronischen
Belege nicht ordnungsgemäß aufbewahrt
wurden, trägt der Unternehmer allein die
Verantwortung und die Belastung der hohen Steuerrückzahlungen.Dipl.-Wirtsch.-Inf.
Vizepräsident des IBWF Institut e. V.
www.wagemann.netAnzeigeLogistik – intelligent gemacht
7. | 8. Juni 2012www.erfurt.de/erwicon
Anzeige 2012 - erwicon 2...
Seite 1Mittwoch, 14. Dezember 2011 10:09
GelbSERVICEOnline-PR:
Das Internet hat auch die Pressearbeit verändert, denn es ermöglicht das schnelle Verbreiten einer Meldung bei gleichzeitig hoher
Reichweite. Auch für kleine und mittlere Unternehmen ist Online-PR
ein wirkungsvolles Informationsinstrument. Wie Sie Pressetexte
schreiben, die wirklich lesenwert sind und über welche Kanäle Sie
diese veröffentlichen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Was ist Online-PR?Worüber schreiben?Der Stil entscheidetOnline-PR ist eine Form der Öffentlichkeitsarbeit (auch Public Relations genannt). Wie jede PR soll auch sie dazu
beitragen, dass eine Organisation, ein
Unternehmen, Projekt oder Produkt von
der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen
und bewertet wird.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen
Online-PR und klassischer PR sind:Auch bei der Online-PR gilt, dass eine
Pressemitteilung immer einen konkreten
Anlass benötigt. Hier eine Auswahl möglicher Aufhänger:Zuerst einige Tipps, was Sie nicht tun
sollten: Verwenden Sie für Ihre Pressemitteilung nicht die Inhalte Ihrer Werbebroschüre. Vermeiden Sie Übertreibungen und
Superlative. Flüchten Sie nicht in „Fachchinesisch“ oder unnötige Anglizismen.• Bei der Online-PR veröffentlichen Sie
Ihre Pressemitteilung direkt über OnlineRedaktionen, Presseportale und Webverzeichnisse (Blog-, Link-, RSS-Verzeichnisse). Ihre Meldung geht somit nicht nur an
einzelne Redaktionen oder Redakteure.
• Mit der Online-PR stehen Ihre Informationen unmittelbar und unverändert online
zur Verfügung. Sie sind also nicht davon
abhängig, ob ein Redakteur über Ihr Thema berichten möchte.
32Themen gibt es also viele. Wichtig ist, dass
alle Inhalte und Zahlen aktuell und auf
Nachfrage belegbar sind. Und vergessen
Sie die Quellenangaben nicht!Der Mittelstand. | 1 | 2012Schreiben Sie Ihre
- sachlich und wertfrei
- klar und verständlich
- in kurzen Sätzen
- in der dritten Person
- mit aktiven FormulierungenFoto unten/oben: Beboy/fotolia• Bei der Online-PR erreichen Sie Ihre Zielgruppe über das Internet und nicht über
TV-, Rundfunk- oder Printmedien.• neue Produkte und Dienstleistungen
• Jubiläen oder runde Zahlen
• soziale oder karitative Aktivitäten
• Zertifikate, Auszeichnungen, Patente
• neues Firmengebäude
• aktuelle Studien oder Umfragen
• neuer Name, neues Logo
• besonders großer oder
außergewöhnlicher AuftragSERVICEPraxis-Tipp:
Gut verständliche Online-Pressemitteilungen bestehen immer aus
folgenden Bausteinen:Foto: Beboy/fotoliaDer Weg zu Ihrer erfolgreichen
Ihr Pressetext muss dem Leser schon in
den ersten Zeilen die sog. „W-Fragen“
beantworten: Wer (tut) Was, Wann, Wo,
Wie und Warum? Nutzen Sie diese Fragen
als Orientierung, wobei die Reihenfolge der
„W’s“ beliebig ist und vom Thema abhängt.
Wenn Sie die „W-Fragen“ beantwortet
haben, steht das Grundgerüst Ihres Textes, der nun mit weiteren Inhalten angereichert wird. Im Journalismus gibt es das
Prinzip der umgekehrten Pyramide: Das
Wichtigste kommt zuerst, dann folgen in
den nächsten Absätzen die unbedeutenderen Angaben. Das hat den Vorteil, dass der
Text von Journalisten problemlos gekürzt
werden kann, ohne dass die wichtigsten
3. Schritt: Suchmaschinen-Optimierung
Damit Ihre Online-Pressemitteilung erfolgreich ist, muss sie sowohl gut geschrieben sein als auch in den Suchmaschinen
gefunden werden. Verwenden Sie im Text
die wichtigsten Suchbegriffe (Keywords)
Ihrer Zielgruppe. Diese Begriffe können Sie
z.B. mit dem kostenlosen Analyse-Tool von
Google recherchieren.Sie erreichen gleichzeitig eine Vielzahl von
Portalen. Bei den renommierten Diensten
geht Ihre Meldung zudem direkt an Redaktionen und Journalisten. Bei den kostenlosen
Presseportalen sparen Sie zwar Geld, aber
Sie müssen deutlich mehr Zeit einkalkulieren und Ihre Meldung in jedem Portal
einzeln hochstellen.
5. Schritt: Pressebereich
Richten Sie auf Ihrer Unternehmenswebsite einen Pressebereich ein und veröffentlichen Sie dort auch Ihre Online-Pressemitteilungen. So werden diese von Kunden
und Journalisten schnell gefunden. Und die
Suchmaschinen belohnen es mit einem
besseren Ranking, denn Websites mit aktuellen Inhalten werden häufiger durchsucht
und indiziert.Kurze & aussagekräftige Überschrift
Wecken Sie das Interesse der Leser.
Aber fassen Sie sich kurz:
63 Zeichen sind optimal, damit Ihre
Überschrift komplett in den GoogleSuchergebnissen angezeigt wird.
Teaser-Text als Einleitung
Schreiben Sie die Kernaussage in ein
bis zwei Sätzen zusammen (max. 150
Zeichen). Der Teaser-Text wird in den
Suchmaschinen direkt unter der Überschrift angezeigt. An ihm entscheidet
sich, ob der Leser Ihre Meldung ignoriert oder aber anklickt, um den gesamten Text zu lesen.
Die optimale Länge einer Online-Pressemitteilung beträgt 300 bis 500 Wörter (bzw. 2.000 und 3.500 Zeichen).
Adresse, Website, Telefon, Mail und
Namen der Ansprechpartner, inkl.
Funktion und Abteilung.
Hier stehen allgemeinen Angaben zum
Unternehmen, z.B. Anzahl der Mitarbeiter, Umsatz, Standorte, Gründung,
etc. Dieser Text muss keinen direkten
Bezug zur Meldung haben.Claudia Mattheis
Die Full-Service-Agentur aus Berlin
arbeitet bundesweit für Unternehmer
aus dem Mittelstand und gestaltet u. a.
das Magazin „Der Mittelstand.”
vom BVMW.
www.mattheis-berlin.de4. Schritt: Veröffentlichen
Um Ihre Online-Pressemitteilung zu veröffentlichen, gibt es eine Vielzahl von Kanälen. Welcher Weg der richtige für Sie
ist hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit
und Geld Sie investieren möchten. Bei kostenpflichtigen Pressediensten müssen Sie
die Meldung nur einmalig einstellen undDer Mittelstand. | 1 | 201233SERVICEArm an Rohstoffen –
Patente sichern den Innovationsvorsprung in Deutschland
Deutschland gehört zu den weltweit führenden Patentnationen
und ist ein starker Innovationsstandort. Wirtschaftlicher Aufschwung ist hierzulande untrennbar mit Innovation verbunden.
Ist das Land auch relativ arm an Rohstoffen, so zeichnen sich die
Deutschen durch Ideenreichtum, Forscherdrang und Kreativität
aus. Dieses Know-how erfordert Schutz, um das Wachstum und
die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und weiter zu steigern.
In Deutschland sind mehr als 525.000 Patente und mehr als
770.000 Marken in Kraft. Rund 60.000 Patentanmeldungen und
mehr als 70.000 Markenanmeldungen werden jährlich beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingereicht. Mit der Erteilung und der Veröffentlichung rechtsbeständiger gewerblicher
Schutzrechte leistet das DPMA einen wichtigen Beitrag zum
Schutz von Innovationen.
Auch im weltweiten Wettbewerb spielen Patente, Marken und
Muster eine immer größere Rolle: Geistiges Eigentum ist eine
wichtige Ressource geworden. Geschützte Erfindungen sind
bedeutende Werte eines Unternehmens. Innovative Produkte sichern deren Zukunft. Erfindungen und Patente sind der
Gradmesser für die Entwicklung der Wirtschaft. Nur durch den
Schutz des geistigen Eigentums in Form von Patenten, Marken
oder Geschmacksmustern kann man die Produkte wirksam vor
Nachahmern schützen und sinnvoll vermarkten.beitsplätze. In einer weltweit konkurrierenden, wissensbasierten
Wirtschaft kommt Innovationen und ihrem Schutz vor allem bei
KMU eine besondere Bedeutung zu. Diese benötigen genauso wie
große Unternehmen gewerbliche Schutzrechte, um ihre Entwicklungen vor Nachahmung zu schützen. KMU sind bei Patentanmeldungen aber nach wie vor unterrepräsentiert.
Denn noch immer stammen circa 60 Prozent aller Patentanmeldungen in Deutschland von Großunternehmen, etwa zehn Prozent
von sogenannten Einzelerfindern. Angesichts dieser Verteilung der
Patentanmeldungen in Deutschland ist es umso wichtiger, dass der
Mittelstand bei dem Schutz seiner Innovationen gefördert wird.
Für mich haben daher die Informations- und Unterstützungsangebote für KMU hohe Priorität. Wir unterstützen den Mittelstand
insbesondere durch unsere Auskunftsstellen in München, Jena
und Berlin. Diese sind bei der Antragstellung zu gewerblichen
Schutzrechten behilflich und erteilen allgemeine Auskünfte.
Ergänzend dazu stellt das DPMA auf seiner Internetseite ein umfassendes Informationsangebot sowie kostenlose Datenbanken
zu allen Schutzrechten für Recherchezwecke zur Verfügung.
Zudem sind wir bundesweit auf den wichtigsten Messen mit Informationsständen präsent. Außerdem organisieren wir speziell
für KMU und Einzelerfinder kostenlose Erfindererstberatungen
der Patentanwaltskammer.Foto: XtravaganT/fotoliaKleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind eine wesentliche
Säule der deutschen Wirtschaftskraft und schaffen neue Ar-34Der Mittelstand. | 1 | 2012SERVICERund 60.000 Patentanmeldungen und mehr als 70.000 Markenanmeldungen
werden jährlich beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingereicht.
Leistungsfähige Partner des DPMA auf Länderebene sind die 23
Patentinformationszentren (PIZ), die Erfinder und Unternehmen
vor Ort betreuen und beraten. Sie helfen bei der Recherche
nach bestehenden Patenten, Marken und Mustern, aber auch
bei der Anmeldung, Überwachung und Bewertung von Schutzrechten. Auch eine kostenlose Erfindererstberatung gehört zu
ihrem Dienstleistungsangebot. Die Anmeldezahlen beim Deutschen Patent- und Markenamt spiegeln wider, dass deutsche
Unternehmen in vielen Hochtechnologien weltweit an der Spitze
stehen. Gemessen an der Zahl der Patentanmeldungen sind in
Deutschland der Fahrzeug- und der Maschinenbau nach wie
vor die innovativsten Branchen. Sie gehören seit Jahren zu den
eifrigsten Entwicklern. Auch bei den Erneuerbaren Energien
ist die Innovationskraft ungebrochen. Knapp ein Prozent aller
Patentanmeldungen stammt aus diesem Bereich.
Wir haben allen Grund, selbstbewusst zu sein: In Europa hat
Deutschland klar die Führung bei der Summe der angemeldeten
Patente. Und auch im internationalen Vergleich stehen deutsche
Erfinder mit der Anzahl der innovativen Entwicklungen zusammen
mit den USA, Japan und Südkorea in der Spitzengruppe.Cornelia Rudloff-Schäffer
Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes
www.dpma.deDer Mittelstand. | 1 | 201235SERVICEPatentverwertungsgesellschaften
Keine Wettbewerber – schwergewichtige GegnerFoto: frank peters/fotoliaUnter einer Patentverwertungsgesellschaft (PVG) wird in der Regel ein Unternehmen verstanden, welches selbst keine
Forschung, Entwicklung oder Produktion unterhält, sondern dessen Tätigkeit
ausschließlich in der wirtschaftlichen
Nutzbarmachung von Ansprüchen aus
Patenten besteht. Die hierzu notwendigen
Patente werden von Dritten erworben.
Das Geschäftsmodell der PVG besteht
zum einen darin, Umsätze durch den Abschluss von Patentlizenzverträgen zu generieren. Zum anderen werden gegenüber
Unternehmen, welche patentgeschützte
Lösungen ohne Lizenz verwenden, Ansprüche auf Unterlassung und Schadensersatz geltend gemacht.
Ein Patent verletzt, wer sich einer geschützten Erfindung widerrechtlich bedient, so wie sie in den Patentansprüchen
der Patentschrift beschrieben ist. Doch
die Prüfung des Wortlauts der Patentansprüche allein bietet nicht verlässlich Auskunft, ob eine Patentverletzung vorliegt
oder nicht. Es muss auch geprüft werden,
ob eine Verwendung des Patents durch
sogenannte äquivalente Austauschmittel
gegeben ist. Äquivalente Austauschmittel
können wörtlich benannte Merkmale der
Erfindung aufgrund ihrer gleichen Wirksamkeit ersetzen (beispielsweise Nagel
anstatt Schraube). Auch werden Patent­
ansprüche oft vage und abstrakt formuliert, um einen möglichst breiten Schutzbereich des Patents zu erzielen.
Auch Recherche ist kein sicherer Schutz
Dies führt dazu, dass selbst eine vorbildliche Patentrecherche einen Unterneh-36mer nicht sicher davor schützen kann,
unwissentlich das Patent eines Dritten
zu verletzen. Zu berücksichtigen ist hier,
dass das deutsche Prozessrecht den Patentinhaber gegenüber dem angeblichen
Patentverletzer grundsätzlich bevorteilt.
In einem Patentverletzungsprozess vor
dem zuständigen Landgericht kann der
angegriffene Unternehmer nicht etwa den
Einwand vorbringen, dass das Patent nie
hätte erteilt werden dürfen, weil es etwa
mangels Neuheit nichtig sei. Das kann
der Beklagte nur in einem Nichtigkeitsverfahren vor dem Bundespatentgericht in
München geltend machen. Problematisch
hierbei ist, dass das Landgericht nach der
gängigen Spruchpraxis in der Regel nicht
auf den Abschluss des Nichtigkeitsprozesses wartet, sondern den Unternehmer
bei einer Patentverletzung zu Schadensersatz oder Unterlassung verurteilen wird.für sie auch kein Risiko, selbst aus einem
Patent angegriffen zu werden. Ganz im Gegenteil muss ein angegriffenes Unternehmen damit rechnen, bei einer gerichtlichen
Verurteilung zur Unterlassung ein Produkt
vom Markt nehmen zu müssen. Und weil
deutsche Patentverletzungsprozesse so
scharf sind, gilt dies sogar dann, wenn
der Bestand des Klagepatents hinsichtlich
Neuheit oder Erfindungshöhe zweifelhaft
sein mag.Klage wegen Patentverletzung riskant
Auch wenn ein Unternehmer nun einen
eigenen Patentbestand in einem bestimmten Marktsegment aufgebaut hat, ist es
trotzdem riskant, einen Wettbewerber
wegen Patentverletzung zu verklagen,
weil es durchaus möglich ist, selbst aus
einem Patent des Gegners angegriffen
zu werden. Weil es so schwierig ist, die
Schutzbereiche von Patenten zu bestimmen, ist auch der Ausgang von Verletzungsprozessen nicht vorauszusehen.
Das führt soweit, dass Unternehmen erhebliche Hemmungen haben, ihre Patente
gegenseitig durchzusetzen.In der Rechtswissenschaft gibt es inzwischen durchaus Überlegungen, den Unterlassungsanspruch von PVGs zu begrenzen. An einer intensiven Patentrecherche
und der Beseitigung zweifelhafter Patente
durch Einspruchs- und Nichtigkeitsverfahren führt aber kein Weg vorbei.Eine PVG ist aber kein direkter Marktteilnehmer und Wettbewerber auf den betroffenen Produktmärkten. Deshalb bestehtDer Mittelstand. | 1 | 2012Diese ungünstige Position bringt es mit
sich, dass produzierende Unternehmen
nur wenig Verhandlungsmacht bei der
Durchsetzung günstiger Lizenzbedingungen haben. Eine PVG kann so erheblichen
Druck ausüben, dass ein Unternehmen
nach einer Abmahnung einen Lizenzvertrag mit der PVG abschließt, um so Rechtssicherheit zu erwerben.RA Rasmus Keller
Schuster, Lentföhr & Partner,
www.wsp.deWagen Sie den Qualitätssprung!
Rechtsanwalt / Notar / Patentanwalt
im IBWF-Beraternetzwerk
genießen Sie das Vertrauen in Ihre Erfahrung und Zuverlässigkeit
als Mittelstandsberater – bei Beraterkollegen und Klienten.Gestaltung: www.modus-vm.dewww.ibwf.org®IBWF Institutwww.mittelstandsberater.deIm Verbund mit dem BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft e.V.für Betriebsberatung, Wirtschaftsförderung und -forschung e.V.
Bundesgeschäftsstelle: Theaterstraße 22 · 53111 Bonn · Tel. 02 28 / 6 04 77 – 0 · ibwf@ibwf.orgSERVICEVon der Innovation
zum MarkterfolgIFoto: alashi/iStockWie sich Mittelständler vor Nachahmung schützen könnenIn Deutschland ist es grundsätzlich erlaubt,
innovative Produkte, wie Maschinen oder
Bauelemente, nachzubauen. Auch Verfahren oder Dienstleistungen dürfen im Prinzip nachgeahmt werden, um damit auf dem
Markt aufzutreten. Innovative Unternehmen
sollten ihre Ideen und Innovationen gegen
solche Nachahmungen schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen verschiedene
Technische, aber auch nicht-technische Innovationen resultieren in der Regel erst dann
aus Ideen (Inventionen), wenn letztere in
neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen umgesetzt werden, die tatsächlich erfolgreiche Anwendung finden und den Markt38Der Mittelstand. | 1 | 2012durchdringen. Beim Schutz vor Nachahmung
müssen die aus den Ideen entwickelten Produkte im Fokus des Unternehmens stehen.
Den Vorsprung sichern
Gewerbliche Schutzrechte, wie sie nachfolgend kurz vorgestellt werden, dienen als
flankierende Maßnahmen, die gezielt eingesetzt werden sollten. In hoch innovativen
Branchen können die Entwicklungszyklen
so kurz sein, dass es ratsam ist, durch rasch
aufeinander folgende Innovationen Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Unter bestimmten
Umständen führt auch die Geheimhaltung
von firmeninternem Know-how zu einem ausreichenden Vorsprung, um innovative Pro-SERVICEdukte erfolgreich am Markt zu platzieren
und die eigene Stellung gegenüber den
Wettbewerbern behaupten zu können.
Um schon frühzeitig das geistige Eigentum an Ideen bzw. den daraus entwickelten Produkten zu schützen, gibt es in
Deutschland unterschiedliche gewerbliche Schutzrechte.Alle diese Schutzrechte bieten einen territorial begrenzten Schutz. Ein deutsches
Schutzrecht entfaltet nur in Deutschland
seine Wirkung, allerdings auch gegen
Produkte, die importiert oder über das
Internet angeboten werden, unabhängig
davon, ob sie in Deutschland oder außerhalb hergestellt werden.Das Patent schützt technische Produkte
oder Verfahren, soweit sie neu und erfinderisch sind. Die Erteilung eines Patents
erfolgt nach formaler und materieller Prüfung durch das Patentamt. Die Schutzdauer läuft so lange, wie die fälligen Jahresgebühren entrichtet werden, maximal 20
Jahre ab dem Anmeldetag.Weltweiter SchutzDas Gebrauchsmuster schützt technische
Produkte, soweit sie neu und erfinderisch
sind, jedoch keine Verfahren. Die Eintragung erfolgt nach formaler Prüfung. Die
Schutzdauer läuft so lange, wie die fälligen Verlängerungsgebühren bezahlt werden, maximal zehn Jahre ab dem Anmeldetag. Nur in strittigen Fällen, d. h. wenn ein
Löschungsantrag eines Dritten vorliegt,
führt das Patentamt eine materielle Prüfung durch.
Die Marke schützt eine Bezeichnung für
bestimmte Produkte (Waren) oder/und
Dienstleistungen. Der Anmelder hat einen
Rechtsanspruch auf Eintragung der Marke, sofern kein absolutes Schutzhindernis
entgegensteht. Die Schutzdauer beträgt
zehn Jahre ab dem Anmeldetag; sie ist
beliebig oft um zehn Jahre verlängerbar.
Das Geschmacksmuster (Design) schützt
die äußere Erscheinungsform eines Produkts, soweit sie neu ist und Eigenart
aufweist. Die Eintragung erfolgt nach formaler Prüfung. Die Schutzdauer läuft so
lange, wie die fälligen Verlängerungsgebühren bezahlt werden, maximal 25 Jahre
ab dem Anmeldetag.Um in mehreren europäischen Ländern
oder weltweit Schutzrechte zu erlangen,
besteht die Möglichkeit, eine nationale
Anmeldung in den gewünschten Ländern
selbst zu hinterlegen, oder eine einzige
Anmeldung bei einer zuständigen internationalen Zentralbehörde einzureichen.
Vom Europäischen Patentamt wird nach
einem zentralen Anmelde- und Erteilungsverfahren ein europäisches Patent für die
38 europäischen Mitgliedstaaten erteilt.
Nach der Erteilung kann der Patentinhaber entscheiden, in welchen Ländern das
Patent durch die Erfüllung der jeweiligen
nationalen Vorschriften validiert werden
Ein zentrales Patent-Anmeldeverfahren
für ein noch größeres internationales,
quasi weltweites Gebiet stellt das PCTVerfahren der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (World Intellectual Property
Organization, WIPO) bereit. Das entsprechende Erteilungsverfahren, das auch die
materielle Prüfung der Patentanmeldung
umfasst, wird von bestimmten nationalen
oder regionalen Ämtern, etwa dem USPatentamt oder dem Europäischen Patentamt, durchgeführt.
Marken und Geschmacksmuster (Design)
können beim Harmonisierungsamt für den
Binnenmarkt der EU mit Wirkung für die
gesamte EU angemeldet und eingetragen
werden. Quasi weltweiter Schutz für Mar-Der Mittelstand. | 1 | 2012ken und Geschmacksmuster kann zentral
über die WIPO erlangt werden.
Die amtlichen Gebühren für ein in Deutschland erteiltes/eingetragenes Schutzrecht,
das während zehn Jahren aufrechterhalten wird, belaufen sich in einfachen Fällen
und bei normalem Verfahrensverlauf auf
1.910 Euro für ein Patent, 1.120 Euro für ein
Gebrauchsmuster, 290 Euro für eine Marke
und 160 Euro für ein Geschmacksmuster.
Für Schutz in mehreren Ländern fallen höhere Gebühren an.
Auch für kleine und mittelständische
Unternehmen ist es unverzichtbar, eine
Strategie zum Schutz ihrer Innovationen
Der flankierende Schutz durch gewerbliche Schutzrechte und die Geheimhaltung
von firmeninternem Know-how müssen
optimal aufeinander abgestimmt werden.
Es ist ratsam, einen Fachmann beizuziehen, d.h. einen entsprechend qualifizierten Patentanwalt, dem auf Grund seiner
technischen oder naturwissenschaftlichen Hochschulausbildung und der staatlich geprüften juristischen Zusatzausbildung Schnittstellenfunktion zwischen
dem Unternehmen und den Patentämtern,
Gerichten und Dritten zukommt. Ziel der
Strategie sollte es sein, diejenige Kombination von Schutzrechten und anderen
Maßnahmen zur Absicherung der Innovationen zu finden, die im Wettbewerb den
größtmöglichen Vorsprung vermittelt.Patentanwalt
Dr. sc. techn. ETH Steffen
Frischknecht Heller
www.fripat.com39SERVICEAusgezeichnet –
Preise für Mittelständler
Ob besonders innovativ, sozial engagiert oder umweltbewusst –
mittelständische Unternehmen können bei Wettbewerben ihre Leistungsfähigkeit
unter Beweis stellen und sich prämiieren lassen. Eine Übersicht bietet zum Beispiel
das Onlineportal www.biz-awards.de. Hier eine kleine Auswahl aktueller Preise:
Ernst & Young sucht den Entrepreneur des
Jahres 2012. Innovative Mittelständler aus
allen Branchen, sowohl Wachstumsfirmen
als auch Start-up-Kandidaten, können sich
Voraussetzung ist, das Unternehmen hat
seinen Sitz in Deutschland, besteht seit
mehr als vier Jahren und beschäftigt mindestens 40 fest angestellte Mitarbeiter
(außer in der Kategorie Start-up).
Einem der Sieger in fünf Kategorien winkt
zudem internationaler Ruhm: Er tritt als
deutscher Vertreter bei der Wahl zum
„World Entrepreneur of the Year“ an.
Zu diesem globalen „Kräftemessen“
treffen sich die besten Unternehmer aus
über 50 Ländern, in denen der Wettbewerb mittlerweile stattfindet.Modellhafte CSR-Aktivitäten kleiner und
mittlerer Unternehmen sollen ins Licht der
Öffentlichkeit gerückt werden. Dazu loben
das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft und die Caritas 2012 zum sechsten
Mal den Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg, Leistung – Engagement – Anerkennung, aus.
Bewerben können sich baden-württembergische Unternehmen mit maximal 500
Vollzeitbeschäftigten, die einen Wohlfahrtsverband, einen Verein, eine soziale
Organisation, Initiative oder Einrichtung
unterstützen und gemeinsam mit ihrem
Sozialpartner ein gemeinnütziges Projekt
Am 26. Juni 2012 werden die beispielhaften Unternehmen im Neuen Schloss in
Stuttgart für ihr Engagement ausgezeichnet. www.mittelstandspreis-bw.deNachhaltigkeitspreis der EthikBank
Die EthikBank zeichnet im zweijährigen
Turnus herausragende Unternehmen
aller Branchen aus, die die drei Säulen
der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie,
Soziales) beständig in Einklang bringen.
Die Bewertungskriterien orientieren sich
an den sozialökologischen Anlagekriterien
der EthikBank, wie Schaffen und Erhalten
von Arbeitsplätzen, Aus- und Weiterbildung, Personalentwicklung, Gleichberechtigung und Umweltleistungen.
Bewerber müssen ihren Firmensitz in
Deutschland oder Österreich haben, seit
mindestens fünf Jahren existieren und
dürfen maximal 500 Mitarbeiter beschäftigen. Auch kleine und gemeinnützige
Unternehmen mit mindestens drei Mitarbeitern können sich bewerben. „Tabukriterien“ sind: Militärwaffen, Atomkraftwerke, Ozon zerstörende Chemikalien,
gentechnisch veränderte Pflanzen und
Saatgut, Tierversuche bei Kosmetika.
Die Ausschreibung endet am
30. April 2012. Der Preis wird im Oktober
2012 verliehen. www.ethikbank.de/dieethikbank/nachhaltigkeitspreis.htmlFoto: Stefan Rajewski/fotoliaBewerbungen sind möglich bis zum
31. März 2012: www.ey.comMittelstandspreis für soziale
Verantwortung in Baden-Württemberg40Der Mittelstand. | 1 | 2012DRITTE RUNDE DER INDUSTRIESCHAU
Jenaer Industrietage laden im März 2012 an die FH Jena ein
Unternehmen, Fachbesucher und die Fachkräfte von morgen
treffen sich am 28. und 29. März 2012 an der Fachhochschule
Jena. Zum dritten Mal finden dann die Jenaer Industrietage statt;
eine Veranstaltung des BVMW-Kreisverbund Jena/Saale-Holzland-Kreis, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH
und der Fachhochschule Jena.
Zur Industrieausstellung am ersten Tag sind Fachbesucher
aller Richtungen eingeladen (Eintritt frei!). Mehr als 40 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Institutionen präsentieren sich vor Ort mit ihren Innovationen. Das High-Tech-Treffen
bietet eine Plattform, um sich über neueste technologische
Entwicklungen auszutauschen, sich Kunden, Zulieferern und
Dienstleistern vorzustellen und die eigenen Kontakte mit der
regionalen und überregionalen Wirtschaft und Wissenschaft
Die ausstellenden Unternehmen repräsentieren Branchen,
die in Jena und der Region ansässig sind (Ausstellerliste sieheWebseite). Ein Besuch lohnt sich also auch für Unternehmen
mit einem längeren Anfahrtsweg.
Interessant ist auch der Einblick in den Wissenschaftsbetrieb der Fachhochschule Jena, der mit Führungen durch
Labore und zu Forschungsschwerpunkten geboten wird. Der
Empfang für Unternehmer am Abend des 28. 3. ist ein weiteres
Podium für Kontaktpflege und individuelle Gespräche.
Begleitet wird der Fachbesuchertag von einem Anwenderforum Optik und Medizintechnik mit den Themen „Optics goes
Photonics“ sowie „Medizintechnik – Prosperierendes Geschäft
für den OEM“, in dem Fachleute aus Thüringer Unternehmen,
vom Fraunhofer-Institut IKTS und der FH Jena zu Wort kommen (ausführliches Programm, Anmeldung und Teilnahmegebühr unter www.jenaer-industrietage.de).
Fragen zum Ablauf beantwortet gerne Herr Winter, Leiter
des Kreisverbundes Jena/Saale-Holzland-Kreis: Tel. 03641652769 oder per E-Mail dietmar.winter@bvmw.de28. & 29. MÄRZ 2012
Fachhochschule Jena, Haus 4
28. März 2012 FACHBESUCHERTAG
9 – 17 Uhr: Industrieausstellung mit über 40 regionalen
Technologieunternehmen (Eintritt frei!)
13 – 17 Uhr: Anwenderforum Optik und Medizintechnik
mit den Themen »Optics goes Photonics« und
»Medizintechnik – Prosperierendes Geschäft für den OEM«
ganztags: Führungen durch den Wissenschaftsbetrieb
der Fachhochschule Jena
ab 17 Uhr: »Wirtschaft trifft«: Ausstellerabend
mit Unternehmern, Referenten und Gästen
Programm und alle Infos sowie Anmeldung
zum Anwenderforum und zu Führungen unter:
Veranstalter:www.jenaer-industrietage.deSERVICE„Kunden haften
wie ein Bürge”
Im Mittelstand-Interview: Marcus Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung USG
People Germany GmbH, eines der führenden Personaldienstleister in Deutschland,
zur Nicht-Tariffähigkeit der Christlichen Gewerkschaften und den Konsequenzen.Der Mittelstand: In der Zeitarbeit wurde
die Tariffähigkeit der Christlichen Gewerkschaften vom Bundesarbeitsgericht
verneint. Welche Folgen hat das?
Schulz: Viele Personaldienstleister haben
den Christlichen Tarifvertrag über Jahre
hinweg guten Gewissens angewendet.
Dann kam überraschend das Aus. Wenn
die Arbeitsgerichte jetzt auch noch zu dem
Ergebnis kommen, dass die Christlichen Tarifverträge von Beginn an unwirksam waren, ist die Folge, dass unser Arbeitnehmerüberlassungsgesetz Lohnnachzahlungen
nach dem Equal-Pay-Prinzip vorsieht. Doch
bereits jetzt fordern die Sozialversicherungen von den Personaldienstleistern auf diese möglichen Lohnnachzahlungen zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge – man
spricht von insgesamt zwei Milliarden Euro.Foto: Alterfalter/fotoliaDer Mittelstand: Kann das Auswirkungen auch auf die Unternehmen haben,
die Zeitarbeit genutzt haben oder noch
Schulz: Ja, es kann passieren. Die Höhe
und der Bemessungszeitraum stehen aus
Sicht der Sozialversicherungsträger bereits fest. Sie wenden sich an die Personaldienstleister und nennen ihre Forderungen. Die Höhe der Summe wird im Rahmen
von Betriebsprüfungen festgelegt. Falls
ein Personaldienstleister nicht in der Lage42ist, die Nachzahlungen zu zahlen, tritt die
Subsidiärhaftung in Kraft.
Der Mittelstand: Was bedeutet die
Subsidiärhaftung für ein Unternehmen?
Schulz: Bei Subsidiärhaftung werden die
Unternehmen, die Zeitarbeit genutzt haben, mit der Forderung der Nachzahlung
konfrontiert. Das heißt, die Kunden haften
wie ein Bürge, ohne sich gegen die zuvor
ergangenen Beitragsbescheide wehren
Diese Beitragsbescheide sind gegebenenfalls vorher bereits bestandskräftig
geworden, sofern sich das Zeitarbeitsunternehmen nicht dagegen gewehrt hat.
Die Sozialversicherung muss das Zeitarbeitsunternehmen lediglich einmalig mahnen. Erfolgt dann keine Zahlung, können
die Beitragssummen bei den jeweiligen
Kunden beigetrieben werden. Dies umfasst auch Säumniszuschläge von zwölf
Prozent pro Jahr und Zinsen.
Der Mittelstand: Sind bereits Sozialversicherungen auch auf Ihr Unternehmen
Schulz: Wir haben vor einigen Jahren ein
Zeitarbeitsunternehmen übernommen,
das den Christlichen Tarifvertrag ange-Der Mittelstand. | 1 | 2012wendet hat. Als Mitglied des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister haben wir dessen Mitarbeiter
schnellstmöglich in den BZA/DGB- und
IGBCE-Tarifvertrag überführt. Dennoch
sehen wir uns auch mit Forderungen aus
den Jahren 2006 bis 2009 konfrontiert.
Der Mittelstand: Was haben Sie Ihren
Kunden kommuniziert?
Schulz: Unsere Kundenunternehmen
waren über diese Schritte informiert. Außerdem haben wir mit den Kassen – ohne
Anerkennung einer Schuld – vorsorglich
Stundungsvereinbarungen geschlossen.
Damit sind automatisch auch unsere Kunden vor existenzvernichtenden Forderungen geschützt.
Der Mittelstand: Ihr Rat für Unternehmen,
die Zeitarbeit mit Christlichem Tarifvertrag genutzt haben?
Schulz: Wir raten Unternehmen, die Zeitarbeit genutzt haben, sich unter anderem
bei dem Zeitarbeitsunternehmen darüber
zu informieren, welcher Tarifvertrag in den
Jahren 2006 bis 2010 zur Anwendung kam.
Meine Empfehlung: Erst Informationen
einholen und bei Unklarheiten, die einen
wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage haben können, sich Rechtsbeistand holen.SERVICE§
Wie ist die aktuelle
Rechtslage?Checkliste für Unternehmer
• Mit welchem Zeitarbeitsunternehmen
arbeiten Sie heute zusammen (genaue
Firmierung mit HRB-Nummer)?
haben Sie in dem Zeitraum von 01.12.2005
bis heute zusammengearbeitet? Hat ein
Wechsel des Zeitarbeitsunternehmens
stattgefunden? Warum?
• Welchen Tarifvertrag der Zeitarbeit hat
der Personaldienstleister angewandt, mit
dem Sie in dem Zeitraum von 01.12.2005
bis heute zusammengearbeitet haben?
Lassen Sie sich hierzu Arbeitsverträge
von Arbeitnehmern zeigen, die in diesem
Zeitraum bei Ihnen eingesetzt waren.
• Ist die Tarifgemeinschaft Christlicher
Gewerkschaften für Zeitarbeit und PSA
(CGZP) an dem seinerzeit angewandten
Tarifvertrag der Zeitarbeit beteiligt gewesen? Bis wann wurden entsprechende Tarifverträge angewandt?
• Wurde der Personaldienstleister bereits
von der Deutschen Rentenversicherung
auf Nachzahlungen zur Sozialversicherung geprüft? Mit welchem Ergebnis?
• Welche Bruttolohnsumme hat der Personaldienstleister in dem Zeitraum von
01.12.2005 bis heute / bis zur Beendigung
der CGZP-Anwendung zur Sozialversicherung gemeldet?
• Um wie viel Prozent (= Lohndifferenzsatz) hat der Stundenlohn, den der
Personaldienstleister in dem Zeitraumvon 01.12.2005 bis heute / bis zur Beendigung der CGZP-Anwendung seinen
bei Ihnen eingesetzten Mitarbeitern gezahlt hat, den Stundenlohn Ihres vergleichbaren Stammarbeitnehmers circa
• Multiplizieren Sie die von dem Personaldienstleister genannte Bruttolohnsumme in dem Zeitraum von 01.12.2005
bis heute / bis zur Beendigung der
CGZP-Anwendung mit dem Lohndifferenzsatz und ziehen Sie hiervon 25
Prozent ab. Unterstellt, diese Summe
müsste der Personaldienstleister nachträglich zur Sozialversicherung verbeitragen (Beitragssatz ca. 43 Prozent):
Verfügt er über die nötige Liquidität?
Der Lohndifferenzsatz ist der prozentuale Satz, um den der in der Vergangenheit gezahlte Lohn das „Sollentgelt“
(Equal Pay) bei Kunden unterschritten
hat. Also ist der in der Vergangenheit
gezahlte Lohn entsprechend zu erhöhen beziehungsweise nachzuzahlen.
Von dem in der Vergangenheit gezahlten Lohn ist aber ein nicht unerheblicher Teil nicht Equal Pay-relevant, also
nicht zu erhöhen. Andererseits können
Zwölf-Prozent-Säumniszuschläge aufzuschlagen sein. Im Ergebnis dürfte ein
25-prozentiger Abzug einer vorsichtigen
Risikokalkulation Rechnung tragen.
• Wenn der Personaldienstleister nicht
über die nötige Liquidität verfügt: Durch
welche Maßnahmen verhindert er die
Insolvenz? Lassen Sie sich sein Konzept
erläutern.Der Mittelstand. | 1 | 2012• Bislang wurde mit Beschluss
vom 14.12.2010 durch das Bundesarbeitsgericht (BAG) die fehlende Tariffähigkeit der CGZP
ausschließlich für die Gegenwart
und Zukunft festgestellt.
• Das Landesarbeitsgericht BerlinBrandenburg hat diese Rechtsprechung mit Beschluss vom
09.01.2012 auf den Vergangenheitszeitraum bis einschließlich
2004 erstreckt.
• Das Rechtsmittel zum BAG wurde gegen den Beschluss vom
09.01.2012 nicht zugelassen. Es
wird erwartet, dass daher im Mai
rechtskräftig feststeht, dass die
CGZP seit einschließlich 2004
nicht tariffähig gewesen ist.
• Bis Anfang 2013 werden die Urteile in I. Instanz in den Equal-PayKlagen der betroffenen Zeitarbeitnehmer ergehen. Die letztendliche
Entscheidung des BAG zu der
Frage, ob den klagenden Arbeitnehmern Equal-Pay-Ansprüche
zustehen, wird nicht vor Ende 2014
• Ob die Sozialversicherung tatsächlich berechtigt ist, die
Beiträge – wie derzeit bereits
erfolgt – nachzufordern, wird
wahrscheinlich nicht vor 2016
abschließend geklärt sein.
• In einstweiligen Verfügungsverfahren entscheiden die Sozialgerichte bislang je zur Hälfte für die
Zeitarbeitsunternehmen oder die
Sozialversicherung.43SERVICEDas Geheimnis der Arbeit Wie gut ist mein Ruf?
So werden wir produktiverStrategien für eine gute ReputationSchon Friedrich Nietzsche erkannte: „Wer ein Warum hat, dem
ist kein Wie zu schwer.“ Dieses Buch handelt sowohl von dem
„Warum“ als auch dem „Wie“ der Sinnstiftung am Arbeitsplatz.
Der globale Wettbewerb, wirtschaftliche Probleme, die Technisierung der Arbeitsprozesse und die Arbeitsplatzunsicherheit
haben eine neue Arbeitswelt entstehen lassen. Die neuen Tätigkeiten sind anspruchsvoller und stellen hohe Anforderungen.
Vielen Mitarbeitern fehlt jedoch der Sinn ihrer Tätigkeit, was zu
Demotivation und weniger Leistung führt. Unternehmen müssen
sich daher nicht fragen, wie sie ihre Mitarbeiter dazu bringen,
mehr zu arbeiten, sondern wofür. Wer weiß, welche Ziele er mit
seiner Arbeit verfolgt, ist engagierter, produktiver und loyaler,
was sich auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Dave und Wendy
Ulrich helfen auf Basis von sieben Fragen eine positive Identität
zu entwickeln, echtes Engagement zu erzielen, Beziehungen
aufzubauen, ein gutes Arbeitsumfeld zu erzeugen, einen tieferen
Sinn zu finden und einen kontinuierlichen Lernprozess in Gang zu
setzen. Das Buch gibt Führungskräften Ideen, Instrumente und
Praktiken an die Hand, die eine Steigerung der Sinnhaftigkeit und
Reichhaltigkeit liefern können.Noch nie war Privates so öffentlich wie heute! Warum ist es
wichtig, was andere über mich denken? Weil Privates heute
öffentlich ist und ein schlechter Ruf gesellschaftliche Ausgrenzung bedeutet. Und ist der Ruf erst ruiniert – adé Karriere und
Erfolg. Rufmord und eine schlechte Reputation lauern im Internet
an jeder Ecke. Ein jahrelang mühevoll aufgebauter Ruf ist heute
innerhalb von Tagen ruiniert, das haben von Guttenberg und
Strauss-Kahn deutlich gemacht. Wie sich ein guter Ruf aufbauen
und dauerhaft bewahren lässt, zeigen die beiden Reputationsexperten Bernhard Bauhofer und Michael Neubert. Sie betrachten
das Thema über den gesamten Lebensweg – von der Ausbildung
bis zur beruflichen Karriereleiter, von der Partnersuche bis zum
sozialen und kulturellen Engagement. Zudem gewähren sie einen
Einblick in die Geheimnisse von Reputationsstars wie Steve Jobs
und Juanes, dem kolumbianischen Weltstar und Friedensaktivisten. Das Buch beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wie gut
ist mein Ruf? Welchen Ruf will ich haben? Danach werden die
Erfolgsfaktoren erklärt, die eine Reputation beeinflussen. Vier
Praxis-Tools zeigen die Wege auf, um den guten Ruf sowohl in
der realen als auch in der virtuellen Welt aufzubauen. Und falls
es dann doch mal schief geht: Im Kapitel Krisenmanagement wird
gezeigt, wie man mit die Fallstricke des Lebens umgeht.Fazit: Die Autoren haben einen Leitfaden verfasst, der beschreibt, worauf es den Mitarbeitern im Unternehmen ankommt,
worauf sie Wert legen und unter welchen Bedingungen sie bereit
sind, ihre Leistung täglich zu hundert Prozent abzurufen – zum
beiderseitigen Vorteil.Dave Ulrich / Wendy Ulrich
Redline Verlag 2012
352 Seiten24,99 €44Fazit: Das Buch ist ein guter Reputations-Check für Situationen
online und offline. Und ein wertvoller Ratgeber mit vielen, einfach
umsetzbaren Tipps für den beruflichen und privaten Alltag.Bernhard Bauhofer /
Die besten Strategien für eine
GABAL 2012
176 Seiten19,90 €Der Mittelstand. | 1 | 2012SERVICEAndreas SuchanekPeter WawerzinekÖkonomische Ethik
(Taschenbuch)Rabenliebe
RomanUTB, Stuttgart 2007,
199 Seitenbtb Verlag 2012,
432 Seiten9,90 €10,99 €Tomáš SedlácekRolf DobelliDie Ökonomie von Gut und Böse
(gebundene Ausgabe)Die Kunst des klaren Denkens
52 Denkfehler, die Sie besser anderen
überlassenCarl Hanser Verlag
GmbH & Co. KG 2012,
448 SeitenCarl Hanser Verlag
GmbH & Co. KG 2011,
256 Seiten24,90 €14,90 €Marlis ThielEberhard HamerDer Kaufmann und der Dichter
RomanMittelstand unter lauter Räubern
Die Plünderung der SelbstständigenDonat 2011,
240 SeitenAton 2011,
250 Seiten25,00 €18,80 €Data Unser
Wie Kundendaten die Wirtschaft revolutionieren
Google, Amazon, Apple, ebay und facebook haben ihre globalen
Geschäftsmodelle auf (Kunden-)Daten aufgebaut und zeigen
heute schon, wohin die Reise in Sachen umfassende Kundenkenntnis und differenzierte Ansprache geht. Doch während vor
Björn Bloching / Lars Luck /
Wie Kundendaten die
Wirtschaft revolutionieren
224 Seiten24,99 €zehn Jahren nur Großunternehmen über die Ressourcen verfügten, die Daten ihrer Kunden im großen Stil zu sammeln, kann
heute jeder Pizza-Lieferservice datenbasierte Kundenbindung
Hersteller und Händler in Massenmärkten sammeln weltweit
massenhaft digitale Daten. Kreditkartenfirmen wissen sogar,
wer sich in den nächsten fünf Jahren scheiden lässt. In dieser
neuen Welt können Unternehmen Kundenverhalten vorhersagen. Sogar oft besser als die Kunden selbst. Mit Social Media,
Cloud und Smartphone heben sich die Grenzen von Online- und
Offline-Welten mehr und mehr auf – und verbreitern die Datenbasis weiter. Die Gewinner im großen Stil des datenbasierten
Marketings werden Firmen sein, die relevante Informationen über
ihre Kunden herausfiltern und dieses Wissen in allen Bereichen
Fazit: Datenanalyse statt Datenparalyse lautet das Gebot der
Stunde. Am neuen Data Unser kommt niemand vorbei.Der Mittelstand. | 1 | 201245ServiceMarktplatz Internet
Wertschöpfung neu denkenThomas Natkowski
Foto: Sebastian Kaulitzki/fotoliaDiplom-Volkswirt und Berater für
E-Commerce und Online-Strategie,
Herausgeber des Sammelbands
"Online gewinnen"
Thomas_Natkowski46Der Mittelstand. | 1 | 2012ServicePermanente technische und gesellschaftliche Veränderungen verlangen von Unternehmen eine ebenso stete Prüfung und
Erneuerung ihrer Produkte, Prozesse und
somit ihrer Wertschöpfung, um im Wettbewerb bestehen zu können. Eine der
größten Herausforderungen der letzten
Jahre stellt sicher die Verbreitung des
Internets dar, welche zunächst die Medien und den Handel, zunehmend aber auch
viele weitere Branchen beschäftigen
wird. Denn von E-Mail und Firmenwebseite abgesehen nutzen viele Unternehmen das Internet für ihre Wertschöpfung
Als Medium und Informationskanal ist das
Internet gerade dabei, zumindest in einigen Teilen der Bevölkerung das Fernsehen als wichtigstes Nachrichtenmedium
abzulösen. Damit erhöht sich auch seine
Bedeutung als Werbeträger. Im vergangenen Jahr haben die Gesamtausgaben für
Online-Werbung erstmals die 6-Milliarden-Euro-Marke überschritten und werden 2012 wohl ein Viertel zum deutschen
Bruttowerbebudget beitragen. Medienunternehmen haben ihre Wertschöpfung mit
unterschiedlichem Erfolg dieser Entwicklung angepasst.
Vorreiter Versandhandel
Für Branchen wie den klassischen Versandhandel ist das Internet längst Verkaufsplattform und Dialogkanal und somit
integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette. Schon vor etwa 15 Jahren
haben viele Katalogversender begonnen,
sich in gesonderten Abteilungen mit den
neuen Medien zu beschäftigen. Heute
macht der Anteil des Online-Handels nicht
selten 80 Prozent des Umsatzes aus und
stellt somit das Kerngeschäft dar. Viele
Händler haben es aber bis heute nicht verstanden, die einstigen Innovationen in ihre
Prozesslandschaft zu integrieren. Zentrale
Abteilungen wie Einkauf, Marketing und
Logistik arbeiten noch immer im OfflineModus. Zwar kann das Online-Geschäft
die Einbußen aus dem Katalogversand
kompensieren, am rasanten Wachstum
des Online-Marktes nehmen diese Unternehmen aber oft nicht teil.Die reinen Online-Player können mit anderen Kostenstrukturen Marktpreise setzen
und mit schlankeren Prozessen oft agiler
auf Kundenbedürfnisse reagieren. Diese
Unternehmen haben ihre Geschäftsmodelle vollkommen auf technische Innovationen aufgebaut und zeigen, dass nur
eine konsequente Ausrichtung auf das
Nutzungsverhalten des Kunden zum Erfolg
führt. Der Reifegrad, welcher bei der Analyse und Steuerung des Nutzerverhaltens
im Online-Marketing und Online-Handel
erreicht wurde, ist bemerkenswert: User
Targeting, Personalisierung oder Mass
Customization heißen die Schlüsselbegriffe einer effizienten Bedarfsdeckung
im Online-Handel.
Nachzügler EinzelhandelWie schnell Wertschöpfungsstufen im
Netz übersprungen werden können, zeigen vor allem die dominanten Internet­
akteure. Google ist für die meisten noch
immer eine normale Suchmaschine. Dabei
hat das Unternehmen mit seinen Spezialsuchen, wie Google Products, dem Markt
der Preis- und Produktvergleiche Konkurrenz gemacht und mit Google Checkout
tritt es zumindest in den USA auch direkt
gegen die Händler an. Amazon, einst ein
Online-Buchhändler, bietet inzwischen
nicht nur anderen Händlern einen Marktplatz mit Lager und Logistik, sondern produziert inzwischen auch eigene Geräte
und verlegt eigene Bücher. Apple, einst
ein Computer-Hersteller, ist inzwischen
einer der größten internationalen Händler
für digitale Medienformate.Für lokale Händler und Dienstleister war
das Internet lange Zeit kein Segen, fanden sie doch kaum eine Antwort auf das
rasante E-Commerce-Wachstum. Aber
noch werden fast 95 Prozent aller Handelsumsätze offline verdient und mit der
zunehmenden Verbreitung mobiler Endgeräte sowie den Möglichkeiten der Lokalisierung entwickeln auch diese Akteure
zunehmend Konzepte, die Sichtbarkeit ihrer lokalen Produkte und Dienstleistungen
zu erhöhen, Kunden zu gewinnen oder zu
binden. Als ein prominentes Beispiel sei
Groupon genannt, welches online mit Hilfe
traditioneller Gutscheine für Sonderangebote nach neuen Kunden für den OfflineHandel sucht.Nachdenken über neue GeschäftsmodelleHersteller könnten die nächste Gruppe
sein, welche ihre Wertschöpfung massiv in Richtung Internet und E-Commerce
ausdehnen. Abgesehen von einigen Markenherstellern scheuen jedoch noch viele,
ihre Produkte an den über Jahre gewachsenen Groß- und Einzelhandelsstrukturen
vorbei anzubieten. Und doch sollten der
direkte Draht zum Endkunden wie wesentlich höhere Margen Anreiz genug sein,
im Internet neue Wege zu beschreiten.
Online-Marktplätze, Payment- und Logistikdienstleister stellen schon heute jede
erdenkliche Infrastruktur bereit und für
viele lohnt sicher auch die Investition in
die eigene E-Commerce-Kompetenz.Dass dabei die Ergänzung oder Erweiterung der Online-Wertschöpfungskette
durch Innovationen nicht immer eine
Make-Entscheidung sein muss, beweisen
die Beteiligungsgesellschaften der großen
Medien- und Handelshäuser, von Holtzbrinck bis zur Otto Group. Diese finanzieren massiv innovative Geschäftsmodelle
und Technologien junger Gründer. Dem
Mittelstand fehlt für eine solche Infrastruktur nicht selten die Kapazität, doch
sein Branchenwissen verbunden mit aktivem Innovationsmanagement kann mittelfristig auch Online zum Erfolg führen.Der Mittelstand. | 1 | 2012Wie dargestellt, bieten sich selbst Branchen, die das Internet wie der Handel
bereits intensiv erschlossen haben, erstaunliche Potentiale. Für Unternehmen
gilt es, permanent nach Innovationen zu
suchen und diese im Sinne einer größeren
Wertschöpfung auszunutzen. Dabei ist es
angebracht, auf jeder Stufe der eigenen
Wertschöpfungskette technologische
Neuerungen, Änderungen im Nutzerverhalten wie im Wettbewerb im Blick zu
behalten und Prozesse zu implementieren, die es der Organisation ermöglichen,
Innovationen flexibel und wirkungsvoll
umzusetzen.47SERVICEDatenzoll statt
Vier Qualitätsklassen für Datenübertragungen im Internet –
wer trägt in Zukunft die zusätzlichen Kosten?Der Erfolg des Internets beruht seit seinen
Anfängen in den 60er Jahren immer auch
auf dem sogenannten Best Effort Prinzip.
Private E-Mails werden genauso schnell
transportiert wie ein HD-Video einer neuen Produktlinie oder ein Voice-Over-IPTelefonat mit einem Vertriebspartner in
Übersee. Und zum gleichen Preis.Fotounten: T. Michel/fotolia | Foto oben: Joachim Kreft/fotoliaDamit moderne Anwendungen wie Breitband Streaming bei IPTV oder Telemedizin
reibungslos funktionieren, sind allerdings
Qualitätsstandards nötig, die zum Beispiel
dem behandelnden Arzt zuverlässig garantieren, dass die hochauflösende Übertragung aus dem OP in Echtzeit bei ihm
ankommt. Daneben nimmt das allgemeine
Datenvolumen in den Kabelnetzen und insbesondere im Mobilfunk immens zu, und
ein Ende der stetig steigenden Tendenzist dabei nicht abzusehen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist es einerseits nötig, bestimmten zeitkritischen
Anwendungen eine höhere Priorität beim
Transport zuzuweisen und andererseits
die Netze auszubauen.
Aus dieser Situation leiten die großen
Netzbetreiber nun die Möglichkeit ab,
generell Qualitätsklassen einzuführen,
deren Leistungen aufeinander aufbauen
und jeweils extra zu bezahlen sind. Aus
dem Gewinnzuwachs durch Produktdifferenzierung soll schließlich der Netzausbau finanziert werden. Im Rahmen des von
der Bundesnetzagentur initiierten NGAForums haben sie zunächst vier Qualitätsklassen für Endkunden vereinbart: Best Effort, Voice, Video und Critical Application.
Die Einführung beliebiger weiterer Klassen behalten sich die Netzbetreiber dabei vor. Sie einigten
sich außerdem darauf, dass
die einzelnen Qualitäts- und
Leistungsparameter ebenfalls
mit dem Anbieter der Inhalte
zu verhandeln sind.
E-Mails können wie bisher
versandt werden. Aber die
Möglichkeit, VoIP-Telefonate
zu führen, hat künftig nur, wer
die entsprechende Qualitätsklasse gebucht hat. Und das
HD-Video auf einer Website
wird nur derjenige potentielle
Kunde verzögerungsfrei sehen, der auch die dritte Klasse48Der Mittelstand. | 1 | 2012bezahlt – vorausgesetzt, der Vertrag mit
dem Provider schließt derartig datenintensive Formate auf der Internetpräsenz ein.
Unternehmen wie Google, der Betreiber
der Videoplattform Youtube, verhandeln
bereits mit europäischen Providern, um
möglicherweise auch den Endkunden, die
keine zusätzliche Qualitätsklasse gebucht
haben, ihr Angebot in bestmöglicher Form
präsentieren zu können, indem sie die erhobenen Zusatzgebühren selbst übernehmen. Die Expertenkommission Forschung
und Innovation (EFI) der Bundesregierung
hat in ihrem Jahresgutachten 2011 bereits
darauf hingewiesen, dass „sichergestellt
werden [muss], dass vertikal integrierte
Netzanbieter keine Möglichkeit erhalten,
durch Blockierung, Verzögerung und Priorisierung bzw. strategische Preissetzung
die Vielfalt von Angeboten im Internet einzuschränken.“
Sicherzustellen hat dies die Netzagentur, und der Gesetzgeber muss ihr klare
Rechtsgrundlagen verschaffen, um zu
verhindern, dass hier Marktkräfte eingeschränkt werden.Thorbjörn Siebert
www.bvmw.deADVERTORIALEnergiesparen mit System
Steigende Energiekosten belasten viele Unternehmen zunehmend. Oft ist nicht sofort
ersichtlich, wo die Stromfresser lauern
und wie man sie ausschalten kann. Die Lösung kann ein Energiemanagementsystem
liefern. Es hilft dabei, Energieverbrauch
und Einsparpotenziale zu ermitteln und zu
bewerten. Auf dieser Basis können Entscheidungen für Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz getroffen werden. Dies ermöglicht Unternehmen, ihren
Energieverbrauch kontinuierlich zu senken
und dabei gesetzliche Anforderungen zu
Die im Juni 2009 in Kraft getretene Norm
DIN EN 16001 legt EU-weit einheitliche Kriterien für ein Energiemanagementsystem
für Unternehmen fest. Die Norm wurde so
entwickelt, dass sie mit anderen Manage-mentsystemen, wie etwa Qualitäts- und
Umweltmanagement, vereinbar ist. Die erfolgreiche Einführung und Umsetzung des
Energiemanagementsystems wird durch
staatlich anerkannte Organisationen, wie
TÜV oder DEKRA, zertifiziert.
Unternehmen mit einem Jahresstromverbrauch von mehr als 10 GWh müssen ein
Energiemanagementsystem vorweisen,
um Vergünstigungen bei den EEG Abgaben
in Anspruch nehmen zu können. Auch Unternehmen des produzierenden Gewerbes
mit Jahresstrombezugsmengen von 1 GWh
oder mehr an einer Abnahmestelle können
EEG-Vergünstigungen erhalten, wenn ihre
Stromkosten mindestens 14 Prozent der
Bruttowertschöpfung des Unternehmens
ausmachen. Für diese Unternehmen ist
ein zertifiziertes Energiemanagement nicht
zwingend erforderlich.Die EU-Kommission hat die Steuervergünstigungen der deutschen Wirtschaft
bis zum 31.12.2012 genehmigt. Die Bundesregierung wird ab 2013 den im Haushaltsbegleitgesetz zu beschließenden Spitzenausgleich im Rahmen der Energie- und
Stromsteuer nur noch gewähren, wenn die
Betriebe einen Beitrag zu Energieeinsparungen leisten. Der Nachweis dafür kann
durch ein zertifiziertes Energiemanagementsystem oder andere gleichwertige
Maßnahmen erfolgen. Gern beraten Sie
die Ingenieure von enviaM zu Möglichkeiten der Energie- und Kosteneinsparung
sowie zur DIN 16001. Ansprechpartner:
Dr. Lars Freygang, Leiter Energy Services,
Tel.: 0371 482-2047, E-Mail: lars.freygang@
enviam.deSTROM, GAS UND ENERGIENAHE DIENSTLEISTUNGEN FÜR DIE PROFIS:„DENN GESCHÄFTSKUNDEN
SIND NICHT OTTO NORMAL.“
Wir möchten Sie dabei unterstützen, dass Ihr Geschäft noch
besser läuft. Zum Beispiel mit günstigen, planbaren Energiekosten
und preisstabilen Lieferverträgen oder mit maßgeschneiderten
Lösungen für den effizienten Energieeinsatz. Hört sich nach
Arbeit an? Die können Sie gern uns überlassen. Weitere
Informationen unter 0341 120-8646 oder www.enviaM.de.Der Mittelstand. | 1 | 201249SERVICEErfolg und Spaß
mit NormungFoto: toolklickit/fotoliaNeue Märkte, neue Kunden: DIN als Dienstleister für InnovatorenNormen und Standards bereiten Innovationen einen Markt. Kunden greifen bei der Auftragsvergabe lieber auf einen Standard als
Grundlage zurück, als sich ausschließlich an ein Unternehmen
zu binden, auch wenn dies noch so innovative, aber singuläre
Produkte zu bieten hat.
Die Kunst besteht für ein innovatives Unternehmen oder ein Forschungsprojekt darin zu erkennen, ob und in welchem Stadium50der Innovation eine Entscheidung für Standardisierung sinnvoll
ist. Dies hängt ab von der Strategie des Unternehmens, seiner
Stellung am Markt und der Natur seiner Produkte, also etwa ihrer
Einbindung in ein System.
Im Deutschen Institut für Normung (DIN) finden interessierte
Unternehmen und Forschungsinitiativen Ansprechpartner, die
über lange Jahre Erfahrung haben mit dem frühzeitigen Ineinan-Der Mittelstand. | 1 | 2012SERVICEdergreifen von Forschungs-, Innovations- und Entwicklungsprozessen mit Normung- und Standardisierungsaktivitäten.
Beispiel Nanotron Technologies GmbH
„Innovation braucht Normung“, sagt Dr. Jens Albers, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens Nanotron Technologies GmbH. Während nicht jeder mittelständische Unternehmer
Normung und Innovation in einem Atemzug nennen würde, ist Dr.
Albers davon überzeugt, dass sich die intensive Mitarbeit in der
Normung für sein Unternehmen ausgezahlt hat.
Das Berliner Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiter und ist im
Bereich drahtlose Sensornetzwerke tätig. Zunächst hatte Nanotron im Rahmen des amerikanischen Ingenieurverbandes IEEE
an einer Norm für die entwickelte Funktechnologie mitgewirkt.
Dadurch konnten die Produkte frühzeitig eine Zulassung der
entsprechenden Behörden auch für den US-Markt bekommen.
Inzwischen ist Nanotron in verschiedenen Gremien der Internationalen Normungsorganisation ISO tätig. „Fachmitarbeiter haben
einen technologischen Austausch auf höchstem technischen
Niveau. Außerdem besteht ein direkter Kontakt zu den Kunden,
und es kann unmittelbar Kundenakquise betrieben werden“,
nennt Albers neben der marktöffnenden Wirkung der Normen
weitere Gründe für die Teilnahme seines Unternehmens an den
ISO-Gremien.
Beispiel COROCORD GmbH
Auch Torsten Frank, Geschäftsführer der COROCORD GmbH,
nimmt sich persönlich Zeit, die Interessen seines Unternehmens
in der europäischen Normung zu vertreten und tauscht sich am
Normungstisch mit Kunden und Prüfern aus. Das kleine Unternehmen hat sich auf Spielplatznetze spezialisiert. Innovative
Ideen für Produkte und deren Komponenten müssen dabei stets
den hohen Ansprüchen an die Sicherheit der Kinder genügen. Die
Normung erlaubt es Frank, eigene Produktlösungen einzubringen
oder mitunter auch zu verteidigen.von Softwareherstellern, Branchenverbänden, Forschungsinstitutionen und Anwenderunternehmen erarbeitet wurde. Die
Spezifikation erfreute sich schnell breiter Akzeptanz in der Industrie, weil es gelungen war, die Komplexität des elektronischen
Datenaustausches zu reduzieren.
Das Unternehmen myOpenFactory betreut heute mit zehn Mitarbeitern 500 Kunden aus der Maschinenbau- und deren Zulieferindustrie. Geschäftsführer Dr. Carsten Schmidt sagt dazu: „Die
Nutzung der Spezifikation reduzierte das Risiko der anschließenden Markteinführung erheblich, weil der adressierte Markt
durch die intensive Vorbereitung der potenziellen Kunden im
Rahmen des gemeinsamen Standardisierungsprozesses bereits
eingehend informiert war.“Sibylle Gabler
www.ebn.din.deAnzeige
Freiburg · Leonberg · Köln · Chemnitz · München · Hamburg · Darmstadt · Wien · Graz · Klagenfurt · Villach · Dornbirn · ZagrebNationale und internationale
Risk Management und Finanzdienstleistungen:
Für Sie und Ihr UnternehmenAls vor einigen Jahren die Gesamthöhe von Kletternetzen auf
drei Meter Höhe begrenzt werden sollte, konnte er mit seinem
Sicherheitskonzept dagegen halten. Auch Frank hat mehr als nur
eine Motivation, an der Normung teilzunehmen, wie er augenzwinkernd zugibt: „Normung macht nämlich Spaß!“Versicherungsmakler
Internationale LösungenBeispiel myOpenFactoryVersorgung
DebitorenmanagementNormung, beziehungsweise ihre schnellere Schwester, die Standardisierung, kann nicht nur Produkten auf den Markt helfen,
sondern gleich ganzen Unternehmen.
Ausgangspunkt für eine Unternehmensgründung war beispielsweise die Spezifikation PAS 1047 „myOpenFactory: Prozess- und
Datenstandard für die überbetriebliche Auftragsabwicklung“, die
2007 im Deutschen Institut für Normung (DIN) unter BeteiligungIch berate Sie gern in einem
Rainer Schuler, Niederlassungsleiter
SÜDVERS-GRUPPE - Niederlassung Leonberg Tel. +49 71 52 92 62-250, rainer.schuler@suedvers.deDer Mittelstand. | 1 | 2012Hauptsitz: 79280 Au · Am Altberg 1-3
Tel. +49 761 4582-0 · www.suedvers.de51SERVICEMehr Erfolg mit XingFoto: seewhatmitchsee/iStockGewinnung von Neukunden und qualifizierten Mitarbeitern52Der Mittelstand. | 1 | 2012SERVICE„Ein professionelles Xing-Profil ist die Basis für wirksame
und erfolgreiche Maßnahmen in Xing“!
Mit weltweit rund 11,4 Millionen Nutzern ist die Businessplattform Xing ein
wichtiges Marketinginstrument für den
Mittelstand. Allein im deutschsprachigen
Raum nutzen 5,1 Millionen Mitglieder die
Businessplattform. Sie suchen und finden
dort Aufträge, Kooperationspartner, qualifizierte Fachkräfte und präsentieren ihr
Kaltakquise ade
So lassen sich etwa neue Kunden über
die „erweiterte Suche“ selektieren. Im
Vergleich zu Kontaktadressen von Adressverlagen sind die Informationen bei
Xing weit umfangreicher: Was suchen
potenzielle Interessenten und was bieten
sie? Welchen Organisationen und Gruppen gehören sie an?
Alles relevante Informationen, um einfacher sinnvolle Kontakte zu knüpfen, aber
auch Gemeinsamkeiten zu finden und Verbindungen zu schaffen.
Xing eignet sich aber auch gut für das
Empfehlungsmarketing. Wenn ein mittelständischer Unternehmer einen passenden Kontakt gefunden hat, erfährt er
auch gleich, in welchem Verhältnis diese
Person zu bereits bestehenden Kontakten
steht. In vielen Fällen kennt einer dieser
Kontakte den neuen Kontakt. Nun kann
man den bestehenden Kontakt bitten,
eine Empfehlung oder Referenz auszusprechen. So wird aus einem Kaltkontakt
ein empfohlener Warmkontakt.oder nicht, entscheidet sich in der Regel
in weniger als zehn Sekunden. Deshalb
sollten Sie auch die Präsentationsmöglichkeiten auf der Seite „Über mich“ voll
ausnutzen. Außerdem kann jedes XingProfil auch von Google gefunden werden,
wenn in Xing die entsprechende Einstellungen gewählt wurde. So ist das eigene
Profil auch für Nicht-Xing-Mitglieder im
Internet auffindbar.
Xing ist aber nicht nur für die Akquise einsetzbar, sondern auch beim Rekrutieren.
Ein gut entwickeltes Netzwerk mit verlässlichen Kontakten ist gerade bei der
Kandidatensuche Gold wert. Erfahrungsgemäß werden mehr als 50 Prozent aller
Jobs über persönliche Netzwerke vermittelt. Eine empirische Untersuchung unter
den deutschen Top-1.000-Unternehmen
zeigt: Die besten Kandidaten kommen aus
dem eigenen, persönlichen Netzwerk. 18
Prozent der Studienteilnehmer gaben an,
regelmäßig in Xing aktiv nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Mit der sogenannten Xing „Recruiter-Mitgliedschaft“
finden Sie schneller und effektiver Mitarbeiter. Mit exklusiven Suchfiltern lässt
sich die Relevanz der Suchergebnisse erhöhen. So lassen sich die Suchergebnisse
per Klick etwa nach „Berufserfahrung“,
„Karrierelevel“, „Arbeitsort“ oder „Letzte
Position“ filtern. So lassen sich nicht nur
viel Zeit, sondern auch Kosten sparen.Quick-Tipps für den
• Erweiterte Suche nutzen: Setzen
Sie die erweiterte Suchfunktion
ein, um die passenden Kontakte
zu finden und grenzen Sie sie bei
Bedarf regional ein.
• Empfehlungsmarketing nutzen:
Lassen Sie sich durch Ihre Kontakte empfehlen und vermeiden
Sie so lästige Kaltansprachen.
• L assen Sie sich finden: Von potenziellen Interessenten angesprochen zu werden, bringt Sie in eine
bessere Position. Optimieren Sie
Ihr Xing-Profil, nur so können Sie
• Empfehlungen aussprechen: Bei
Social Media ist geben seliger
denn nehmen. Insofern sprechen
Sie für Ihre Kontakte Empfehlungen aus. Es wird sich um ein Vielfaches für Sie lohnen!
• Recruiter-Mitgliedschaft buchen:
Nutzen Sie als Personalentscheider exklusive Suchfilter. Finden
Sie so effektiver und kostengünstig neue Talente.Ihr professionelles Xing-Profil
Auch für potenzielle Interessenten ist
man bei Xing auffindbar. Das eigene Profil
muss dafür aber sofort erkennen lassen,
welche Leistungen und welchen Nutzen
der Interessent erwarten kann. Die Entscheidung, ob ein Profil interessant istRalph Dannhäuser
Experte für wirksames
Xing-Marketing & -Recruiting
www.erfolgreich-netzwerken.deDer Mittelstand. | 1 | 201253SERVICEKino im KopfFoto: Pozor/fotoliaWie Mittelständler die Rede als Kommunikationsmittel und
wichtiges Führungsinstrument nutzen können54Der Mittelstand. | 1 | 2012SERVICEViele Politiker, vor allem in Bundes- und
Landesregierungen, lassen sich ihre Reden schreiben oder zumindest Formulierungsvorschläge vorbereiten von Profis,
die ein Gespür haben für Aufbau, Struktur
und Wirkung einer erfolgreichen Rede.
Das ist kein Geheimnis, denn die Arbeit
von fest angestellten und freiberuflich tätigen Redenschreibern ist eine anerkannte Dienstleistung. Leider wird sie zu oft
nur mit Politikern in Verbindung gebracht.
In Industrie, Handel und Wirtschaft werden Chancen und Bedeutung einer guten
Rede vielfach übersehen.
Wie ein Redetext zu verfassen ist, hängt
unter anderem von der Zielgruppe und dem
Ziel der Rede ab. Beim Entwurf sind daher
Grundlagen und Regeln zu berücksichtigen, wie sie auch für andere Texte gelten,
für Pressemitteilungen etwa, Imagebroschüren oder Geschäftsberichte. Gerade
die Rede an eigene Mitarbeiter ist mehr
als nur ein Kommunikationsweg, sie ist
ein Führungsinstrument. Mit einer gelungenen Rede können Menschen ermutigt,
Produktivität und Qualität gesteigert und
heterogene Belegschaften zu vertrauensvoller Zusammenarbeit motiviert werden.
Der Erfolg einer Rede setzt Vorbereitung
und Übung voraus.
1. Das Ziel vor Augen haben
Zunächst muss klar sein, welches Ziel mit
der Rede erreicht werden soll. Ist die Rede
das geeignete Mittel, um bestimmte Ziele
zu erreichen? Dazu müssen auch Kernaussagen und Botschaften feststehen,
die in dem Redemanuskript ausformuliert
2. Reden ist Dialog
Auch wenn nur einer redet: Eine Rede ist
kein Monolog, sondern ein Dialog. In die-ser Wechselbeziehung zwischen Redner
und Publikum ist es wichtig, die Sprache
der Zuhörer zu sprechen. Damit ist nicht
(nur) die Landessprache gemeint, sondern
vor allem die Verständlichkeit. Rede ich
vor Handwerkern, vor Führungspersonen,
dem Management oder Investoren, vor
Technikern oder vor Endverbrauchern?
Nur wenn die Zuhörer die Botschaften
wirklich verstehen, können Redner ihr
3. Inhalte aufbereiten und strukturieren
Vor dem Ausformulieren werden die wesentlichen Inhalte einer Rede zusammengetragen. Zwei Dinge sind dabei wichtig.
Erstens muss sich der Redner in seinem
Thema auskennen und zweitens muss
die Rede positiv bewegen. Auch schlechte Nachrichten sollen nicht Trübsal und
Blockade, sondern Motivation und Engagement auslösen. Zu oft werden hier
die Chancen der Motivationsrede unterschätzt. Wichtig ist, dass die Redner
(Unternehmer, Geschäftsführer, Standortleiter etc.) nachvollziehbar erklären, wo
Ursachen liegen, was getan werden muss
und was für die Mitarbeiter langfristig von
Eine gut strukturierte Rede lässt Mitarbeiter auch unspektakuläre Maßnahmen
besser verstehen, nachvollziehen und
• So (schlecht) ist die Situation jetzt.4. Reden ist Kino im Kopf
Eine Rede ist mehr als die Auflistung
von Bilanzen, Verkaufszahlen und Begründungen. Sie appelliert direkt an die
Zuhörer, am besten durch starke Bilder.
Den nüchternen Sachverhalt von Auf- und
Abschwung in eine gemeinsame Bergtour
zu übersetzen, macht den Inhalt verständlicher und lässt auch in der Krise leichter
Chancen erkennen. Bilder, Geschichten
und Anekdoten können sich die Zuhörer
leichter vorstellen. Kino im Kopf nennen
das professionelle Redenschreiber. Es
versteht sich von selbst, dass Schachtelsätze und Fach-Chinesisch in diesem Kino
keinen Platz haben.
5. Rede und Schluss vorbereiten
Eine bildhafte Rede bleibt kaum in guter
Erinnerung, wenn sie mit einer Bruchlandung endet, sich der Redner verhaspelt
oder das Ende nicht deutlich wird. Die
Kernbotschaft gerät dann in Vergessenheit, die Motivation der Mitarbeiter ist
dahin, die Bildersprache verliert ihre Wirkung. Ebenso gilt: Wer mit leeren Phrasen
startet, mit schlechten Witzen oder langatmigen Begrüßungen, verliert schnell die
Aufmerksamkeit seiner Zuhörer. Daher gilt
für jede Redevorbereitung, besondere
Sorgfalt auf Einstieg und Schluss zu legen – und auf den roten Faden, der Anfang
und Ende möglichst knapp verbindet, ohne
dabei an Spannung zu verlieren.• Diese gute Situation wollen wir erreichen.
• Das sind unsere Maßnahmen auf dem
Diese in drei Abschnitte aufgeteilte Gesamtbotschaft muss sich auch in der
Struktur der Rede wiederfinden.Der Mittelstand. | 1 | 2012Claudius Kroker
Freier Journalist und Redenschreiber/
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bestätigt IBWF-Vorstand
Vor dem Umzug nach Berlin
Veränderungen beim IBWF Institut: Auf der Mitgliederversammlung hat IBWF-Präsident Karl-Heinz Thor über die erfolgreichen
Geschäftsjahre 2009, 2010 und 2011 sowie über den in diesem
Jahr bevorstehenden Umzug nach Berlin berichtet.
Der Vorstand wurde von neun auf künftig sechs Mitglieder mit
jeweils eigenem Aufgabenbereich verkleinert.Ohne Gegenstimme wurden gewählt:
Präsident: Vizepräsident: Vorstand: Karl-Heinz Thor,
Ullrich Hänchen, Steuerberater
Boje Dohrn, Unternehmensberater
Dr. Manfred Hahn, Unternehmensberater
Gabriele Kaufmann, Unternehmensberaterin
Martin Wagner, RechtsanwaltAlle Vorstandsmitglieder gehörten bereits dem alten Vorstand an.
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Bodensee GmbHmarburger Signier-TechnikSysteme GmbH & Co. KGRoadtrack AG: Events & Roadshows & LocationCinemaLeistungen: Wir sind für den Verkauf und die
Vermietung von Wohn- und Gewerbeimmobilien am Bodensee spezialisiert. Mit modernen
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kompetenter Betreuung erreichen wir einen hohen Servicegrad. Uns stehen in allen Bereichen
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garantiert Ihnen professionelle Immobilienverwaltung und eine optimale Objektvermarktung.Leistungen: Die marburger Signier-TechnikSysteme GmbH & Co. KG wurde im Jahre 2001
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( Baden-Württemberg )Hauptsitz: Marburg / Lahn
(Hessen)Hauptsitz: Frankfurt am Main
(Hessen)www.baukunst-konzept.dewww.marburger-sts.dewww.roadtrack.deDERPART
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Dach der REWE Touristik verfügt über die Kompetenz, Ihr Geschäftsreisemanagement optimal
zu betreuen. Unsere Mitarbeiter vor Ort wissen
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Region verlangt werden. Vom Visaantrag bis zur
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Betreuung. Wir produzieren mit neuester 32und 16-Seiten-Rollenoffset- und modernster
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Broschüren und weitere Printprodukte.Leistungen: RWG stellt seit 1990 Sondermaschinen und Anlagen für die Holz- und Aluminiumstabbearbeitung her. Wir stehen für
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Lieferprogramm erstreckt sich von FörderHandlingstechnik über Maschinen für Sägen,
Bohren und Fräsen bis zur Säge-BAZ mit integrierter Bearbeitung. Automatische, fertigungsintegrierte Hochregal- und Flächenlager
runden das Portfolio ab.Hauptsitz: Frankfurt am Main
(Hessen)Hauptsitz: Ahrensfelde OT Blumberg
(Brandenburg)Hauptsitz: München
(Bayern)www.dts24.dewww.moellerdruck.dewww.mittelstand.max-it.deDer Mittelstand. | 1 | 201259BVMWAuf Erfolgskurs
Kontinuität und Aufbruch – BVMW-Jahrestagung in BerlinIm Rampenlicht: Edda Schwarz, BVMW Dresden, nimmt stellvertretend für erfolgreiche Verbandsrepräsentanten
den ganz persönlichen Dank von Mario Ohoven für ihre langjährige, erfolgreiche Arbeit entgegen.Optimistisch wie der deutsche Mittelstand selbst ist sein
führender Verband in das Jahr 2012 gestartet. Kontinuität
und Aufbruch, so das Motto der ersten Jahrestagung des
BVMW in Berlin, geben die Richtung vor.
Mit einem klaren Bekenntnis zum Leistungsprinzip als unternehmerischem Wert stimmte BVMW-Präsident die mehr
als 300 Verbandsrepräsentanten aus Deutschland und den
Auslandsvertretungen weltweit auf die Herausforderungen
der nächsten Monate ein: „Haben Sie nicht Angst vor, sondern Freude auf.“60Workshops und Impulsreferate von Topreferenten, wie Franc
Hagel, Karsten Brocke und Joey Kelly, vermittelten der „Basis“ das nötige Rüstzeug.
Die Bandbreite der Themen spiegelte die Bereiche wider, in
denen der Verband sich erfolgreich engagiert: Ob Energieeffizienz, Kommunalpolitik oder Corporate Social Responsibility, der BVMW ist für den Mittelstand Impulsgeber und Scout
zugleich. Das müsse und werde auch 2012 so bleiben, betonte
Bundesgeschäftsführer Stefan Beißwenger. Die Weichen
dafür sind gestellt. Motiviert, kompetent und deutlich verjüngt – das BVMW-Team steuert auch 2012 auf Erfolgskurs.Der Mittelstand. | 1 | 2012BVMW1 S
 tandortbestimmung: Die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Mitglied im
Politischen Beirat des BVMW, analysiert die Politik der Bundesregierung.
 o Limits: Extremsportler Joey Kelly verrät, wie man auch unter härtesten Bedingungen
3 Künstlerisches Glanzlicht: Martina Welschbach & Ugo D'Orazio, Deutsche Oper Berlin
 us der Praxis für die Praxis: Referent Franc Hagel spricht über moderne Methoden der
5 I nspirierend: Topreferent Karsten Brocke gibt Tipps für künftige Bestseller
 esunder Betrieb: Dr. Hans-Joachim Petersohn, Leiter der BVMW-Gesundheitskommission, stellte medizinische Konzepte zur Senkung des Krankenstandes im Unternehmen vor.
 efragt: Am Rande der Jahrestagung steht Mittelstandspräsident Mario Ohoven den
Medien Rede und Antwort zu Problemen des Mittelstands.1234657Der Mittelstand. | 1 | 201261BVMWEnergie: sicher,
effizient und nachhaltigFoto:BVMW-Energiekommission will Mittelstand unterstützen62Der Mittelstand. | 1 | 2012BVMW• Stärkung der Dezentralität
Energieerzeugung und -vertrieb sollen
so dezentral wie möglich, so zentral
wie nötig erfolgen.
• Vielfältigkeit statt Monokulturen
Nachhaltige Strukturen können nur
durch individuelle und innovative
Lösungen gefördert werden.
• Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht
Energieeffizienzmaßnahmen sind mehr
als nur eine reine Kostenreduktion.
 achhaltige Kommunikation
Ziel der Kommissionsarbeit ist es, eine
wirtschaftlich effiziente, sichere und
nachhaltige Energiepolitik zu fördern. Aus
dieser Perspektive werden im Rahmen der
Kommission energiepolitische Strategien
und Konzepte entwickelt. Dabei umfasst
die Arbeit nicht nur die Betrachtungen des
Energiemanagements bzw. der Energie­
effizienzanstrengungen im Unternehmen
als Teilprozess, sondern ebenso die Bewältigung der Energiewende als gesamtwirtschaftliche Herausforderung.
Thematisch stand im vergangenen Jahr
der im Juni beschlossene Umbau der
Energieversorgung im Mittelpunkt der
Kommissionsarbeit. Hierzu wurde eineigenständiges Konzept erarbeitet, durch
das eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung möglich wird.
Leitsatz des BVMW-Energiekonzeptes ist
der Grundsatz „so dezentral wie möglich,
so zentral wie nötig“. Mit dieser Prämisse
werden die regionalen Potenziale einer
nachhaltigen Energieversorgung aktiviert
und die mittelständische Wirtschaft vor
Ort gestärkt. Die Kommission und der
BVMW stehen in einem engen Dialog
mit Wissenschaftlern und Politikern aus
allen Parteien, um dieses Konzept wirksam umzusetzen.
In diesem Jahr wird die Energieeffi­zienz
mit zu den Schwerpunktthemen der Energiekommission zählen. Denn vor allem
kleine und mittlere Unternehmen bieten
bei den Energieeinsparungen ein besonders hohes Potenzial. Neben einer reinen
Kostenersparnis bieten Energieeffizienzmaßnahmen dem Mittelstand die Chance,
sich in anderen Unternehmensbereichen
Trotz vieler Vorteile werden Energie­
effizienzmaßnahmen bislang kaum oder
nur unzureichend von Unternehmen angenommen und umgesetzt. Verantwortlich hierfür sind oftmals unzureichende
Kenntnisse über die Art, Ausgestaltung
und Finanzierung von Energieeinsparungen und Nachhaltigkeitsstrategien. Diese
Wissenslücke will die Energiekommission
mit ihrer Arbeit schließen, damit Energieeffizienzmaßnahmen für mittelständische
Unternehmen an Attraktivität gewinnen.Sindy Vollmert
www.bvmw.deFoto: illustrez-vous/fotoliaSSteigende Energiepreise belasten kleine
und mittlere Unternehmen in erheblichem
Maße. Aus diesem Grund hat der BVMW
2011 die Energiekommission ins Leben
gerufen. Hier erarbeiten mittelständische
Unternehmerinnen und Unternehmer Lösungen, um die Energiewende aktiv mitzugestalten und nachhaltiges Wirtschaften
als ganzheitlichen Ansatz zu verbreiten.
Die Arbeit der Kommission orientiert sich
an folgenden Grundsätzen:Der Mittelstand. | 1 | 201263BVMWElfenbeinturm ist
längst passéW
64Foto: Klaus-Peter VoigtMagdeburger Wissenschaftler holen BVMW mit ins Boot –
Forschungsprojekte mit Praxisbezug sollen mittelständischen Unternehmen helfenProf. Dr. Georg Rose vom Lehrstuhl Medizinische Telematik und Medizintechnik im Forschungslabor, in dem intelligente Katheter für schonende Operationstechniken entwickelt werden.„Wir suchen ständig nach
Möglichkeiten, unserem
relativ jungen Lehrstuhl
anspruchsvolle Projekte zu
verschaffen", sagt Professor
Georg Rose vom Lehrstuhl
Medizintechnik der Magdeburger Otto-von-GuerickeUniversität. Vor sechs Jahren war der Professor von
der Wirtschaft in die universitäre Forschung gewechselt. Ein Anfang 2011 gestartetes Vorhaben trägt erste
Früchte und will helfen, den
Mittelstand vor allem inSachsen-Anhalt zu stärken.
Mit dem Kompetenzzentrum
für Medizintechnik (KOMET)
entstand eine interessante
Plattform, die drei Jahre
durch das Bundesland gefördert wird.
Ziel ist es, wissenschaftliche
Ergebnisse, die sonst oftmals
regelrecht in der Schublade
verschwinden, auf ihre kommerzielle Verwertbarkeit hin
zu untersuchen. Im Idealfall
finden sich industrielle Partner für die Umsetzung oder
die Ingenieure machen sichDer Mittelstand. | 1 | 2012selbstständig, um ihre Arbeitsergebnisse im eigenen
Unternehmen umzusetzen.
Der BVMW wird sich in
diesem Prozess als Partner
einbringen, Kontakte vermitteln und Interesse bei
Firmen wecken. In diesem
Jahr soll die Suche nach
Partnern forciert werden.
Ihnen will man Kooperationen mit der Universität bei
der Produktentwicklung anbieten und ihr Interesse an
solchen Projekten fördern,
sagt Peter Martini, Leiter der
BVMW-WirtschaftsregionBVMW„Solche Forschungsprojekte mit einem
engen Bezug zum Mittelstand sind für uns
mehr als das Salz in der Suppe", versichert
Professor Rose. Ohne Drittmittel könnten
Universitäten heute kaum noch forschen.
Allein für seinen Lehrstuhl bedeute Geld
der Europäischen Union, des Bundes, des
Landes und aus der Wirtschaft eine Sicherung der Forschungskontinuität und
gleichzeitig auch von Arbeitsplätzen.
Zwölf der 15 Mitarbeiter im Bereich der
Medizintechnik würden über solche Projekte finanziert. Man sehe den BVMW als
einen Partner für die Zukunft.Foto: Uni Magdeburg„Eines der erfolgversprechenden Vorhaben ist die Ausgründung einer Hochtechnologiefirma, in der zwei Wissenschaftler
ab Anfang kommenden Jahres die für die
Telemedizin-Lösung notwendige Technik
und Software herstellen sowie vermarkten wollen", berichtet Rose zufrieden. Das
sei der Weg, den man beschreiten wolle.
Zu den grundlegenden Voraussetzungen
gehöre stets eine umfassende Unterneh-mensberatung, um Märkte, Absatzchancen und -möglichkeiten auszuloten. Ohne
den „richtigen Riecher" gehe es nicht.
Spezielle Endoskope für minimalinvasive
Operationstechniken und Geräte für die
Rehabilitation von Kniegelenken seien
nächste Projekte, die in neuen Unternehmen verwirklicht werden sollen.
Der Wissenschaftler berichtet zudem von
einem erfolgreichen Projekt, dass sich in
Sachsen-Anhalt bereits bewährt. „Mit
ASTER werden Lösungen entwickelt, um
Informationen per Telemedizin aus und in
den Rettungswagen zu übermitteln", sagt
der Professor. ASTER stehe für AkutSchlaganfall-Telemedizin im Rettungswagen.
Patienten aus sieben Kliniken profitieren
bereits von einem hochmodernen Netzwerk. Per Telemedizin werden Frauen
und Männer, die einen Schlaganfall erlitten haben, von Spezialisten aus dem
Magdeburger Uniklinikum untersucht.
Neurologen nehmen per Videoschaltung
und Datenübertragung eine Diagnose vor
und geben den Ärzten vor Ort konkrete
Behandlungshinweise. Nach den umfassenden Forschungsarbeiten geht „TASC
– Telemedical Acute Stroke Care" jetzt in
den Regelbetrieb, erläutert der Wissenschaftler. Während der Akutphase gebe
es keine Zeit für eine Verlegung in andere
Kliniken, unterschiedliche Verzögerungen oder Fehlentscheidungen. GeradeIm Forschungslabor des Lehrstuhls Medizinische Telematik und
Medizintechnik der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität.Der Mittelstand. | 1 | 2012Foto: Uni MagdeburgSachsen-Anhalt Nord. Gerade bei Innovationen im Bereich Medizintechnik sei der
Forschungsbedarf enorm. Die Scheu vor
einer Zusammenarbeit mit der Bildungseinrichtung müsse ausgeräumt werden
und es gelte, Potenziale zu erschließen.
Dafür seien gemeinsame Veranstaltungen ebenso geplant wie die Vermittlung
direkter Kontakte zu BVMW-Mitgliedern
zwischen Altmark und Burgenland.Neurologen nehmen in Sachsen-Anhalt per Videoschaltung und Datenübertragung eine Diagnose bei
Schlaganfallpatienten vor.in ländlichen Regionen ohne Schlaganfallspezialisten sei die Einhaltung des
Vier-Stunden-Fensters sonst unmöglich.
Die Entwicklung der Technologie wurde
gemeinsam von den Lehrstühlen Medizinische Telematik/Medizintechnik und
Entrepreneurship, der Klinik für Neurologie und dem Institut für Neuroradiologie
umgesetzt. Dafür gab es eine Förderung
1,7 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Der Nutzen wird schnell deutlich, wenn
man weiß, dass bei einem akuten Schlaganfall jede Minute zählt. Das Zeitfenster
für die medizinische Hilfe ist sehr klein. In
gerade einmal vier Stunden müssen geeignete lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden. Künftig sollen Patienten
vom Eintreffen des Rettungsdienstes an
von den Fachkenntnissen eines Spezialisten profitieren. Um mit einer umfassenden
Betreuung schon vor Ort beginnen zu können, wird an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ein Rettungswagen
mit modernster telemedizinischer Ausrüstung entwickelt. Mit im Boot sind dabei
mittelständische Unternehmen, betont
Professor Rose. Ihre Leistungsfähigkeit
müssten sie längst nicht mehr unter Beweis stellen.Klaus-Peter Voigt
www.bvmw.de65BVMWGesellschaftliches
in UnternehmenFoto: Yuri Arcurs/fotoliaDer Mittelstand in Deutschland geht mit gutem Beispiel voran66Der Mittelstand. | 1â&#x20AC;&#x2030;|â&#x20AC;&#x2030;2012BVMWDDie Begriffe Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltige Wirtschaft
sind in aller Munde. Doch was steckt
hinter diesen beiden Begriffen, und wie
kann auch ein mittelständischer Betrieb
CSR in seiner Unternehmensphilosophie
verankern und in Projekte umsetzen?ken zum Dialog anregen und Wissen vermitteln. Denn: Speziell durch nachhaltiges
Wirtschaften und CSR-Maßnahmen der
inhabergeführten Unternehmen kann sich
in Deutschland viel bewegen.Das Bundeskabinett hat am 6. Oktober
2010 die Nationale Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen in Form eines Aktionsplans CSR
verabschiedet. Wichtiges Anliegen des
Aktionsplans ist es, einen Bewusstseinswandel dahingehend herbeizuführen,
dass CSR sich sowohl für Unternehmen
als auch für die Gesellschaft lohnt. Denn
CSR bietet für Deutschland die Chance, einerseits die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nachhaltig zu
stärken und andererseits auch Antworten
auf gesellschaftliche Herausforderungen
zu finden.So kann die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ein wesentlicher
Schlüssel zum Unternehmenserfolg sein
– wenn es als strategiekonformes, integriertes Handeln verstanden wird. Als
Standortfaktor (Nähe zur Region) und mit
einer klaren Unternehmens-, Marken- und
Produktpositionierung können CSR-Maßnahmen Wettbewerbsvorteile schaffen
und Gewinne steigern.Mit über 99 Prozent der Unternehmen
und über 60 Prozent der Beschäftigten
bildet der Mittelstand das Rückgrat der
deutschen Wirtschaft, ist der Motor für
die Schaffung von Arbeitsplätzen und Innovationen.
Gelebtes EngagementDer BVMW wird in diesem Jahr
das Projekt der BertelsmannStiftung „Unternehmen für die
Region“ in Deutschland unterstützen.
Ebenso engagiert sich der Verband mit der „Stiftung Unesco –
Bildung für Kinder in Not“ für ein
eigenes BVMW-Berufsbildungszentrum in Burkina Faso, Afrika.Für den Mittelstand ist gesellschaftliches Engagement oft schon jetzt gelebte
Selbstverständlichkeit: Lokale Unternehmen sind Teil der sozialen Gemeinschaft
und haben eine Verantwortung gegenüber
ihren Mitarbeitern, Kunden und Nachbarn,
ihrer Umwelt und der Gesellschaft insgesamt. Es sind oft die kleinen und mittelständischen Betriebe, die sich dieser
Verantwortung stellen und sich weit über
ein gelegentliches Sponsoring örtlicher
Vereine hinaus engagieren.
Aufgrund knapper finanzieller und personeller Ressourcen können sich allerdings
mittelständische Betriebe oft keinen CSRManager leisten. Daher setzen sie sich
selten systematisch mit dem Thema auseinander. Hier möchte der BVMW unterstützen, die Firmen auf ihrem Weg begleiten,
Impulse geben, mit regionalen Netzwer-Der Mittelstand. | 1 | 2012Schlüssel zum ErfolgEine mitarbeiterorientierte Personalpolitik mit regelmäßigen Weiterbildungs- und
Qualifizierungsmaßnahmen und einem
Ideenmanagementsystem, das Ideen der
Mitarbeiter in die Unternehmensprozesse
einfließen lässt, wirkt sich positiv auf die
Motivation und Produktivität der Belegschaft aus.
Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf
und Familie, Kooperationen mit Schulen
und die Beschäftigung von älteren Mitarbeitern helfen, den Fachkräftebedarf zu
sichern. Ein schonender und effizienter
Umgang mit natürlichen Ressourcen senkt
Kosten und führt zu ökologischen Verfahrens- und Produktionsinnovationen.
trägt zur nachhaltigen Entwicklung der
Region bei, ist Grundlage für eine positive Unternehmensentwicklung und schafft
Vertrauen. Mit dem neu gegründeten Bereich "Gesellschaftliche Verantwortung"
steht der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft als Ansprechpartner für
Unternehmen zur Verfügung.Katja Weigand
und Kooperationen im BVMW
www.bvmw.de67Bildung für eine
BVMW engagiert sich in Burkina Faso
Ein Partner der Stiftung UNESCO68Der Mittelstand. | 1 | 2012Foto: Somwaya/fotoliaBVMWBVMWNeben vielen gesellschaftspolitischen
und sozialen Projekten im Inland unterstützt der BVMW auch den Aufbau eines
Berufsausbildungszentrum im afrikanischen Burkina Faso. BVMW-Bundesgeschäftsführer Stefan Beißwenger sprach
mit Thomas Goesmann, Geschäftsführer
der Stiftung UNESCO – Bildung für Kinder
in Not, die dieses Projekt initiiert hat.Goesmann: Das UNESCO Programm "Bildung für Kinder in Not" wurde 1992 vom
damaligen Generaldirektor der UNESCO
Federico Mayor, Headquarter Paris,
ins Leben gerufen. Seit dem setzt sich
UNESCO-Sonderbotschafterin Dr. UteHenriette Ohoven für dieses Programm
ein. Bis heute konnten mehr als 400 Projekte in 99 Ländern verwirklicht werden.
Kindern und Jugendlichen wird vor allem durch den Zugang zu Bildung und die
Möglichkeit auf eine Berufsausbildung
Seit der Gründung der Stiftung UNESCO
im Jahr 2002 wird das Sonderprogramm
Bildung für Kinder in Not effektiv gestärkt
und die Realisierung der Ziele intensiv
verfolgt. Die Stiftung UNESCO leistet
Hilfe zur Selbsthilfe und sorgt mit ihren
Projekten für beständige und effektive
Beißwenger: Der BVMW engagiert sich
zur Zeit für den Aufbau eines eigenen
Berufsausbildungszentrums in Burkina
Faso. Was zeichnet dieses Projekt in besonderem Maße aus?
Goesmann: Burkina Faso, vor allem aber
das vorgesehene Projektgebiet, ist durch
eine große und zunehmend um sich greifende ländliche Armut gekennzeichnet.
Leider gibt es in Burkina Faso, wie in vielen anderen afrikanischen Regionen, aus
historischen Gründen kaum ausgebildete
Menschen in Handwerksberufen. Dies
ist eine der Ursachen dafür, warum es oft
nur schwer gelingt, diese Regionen aus
sich selbst heraus zu entwickeln. Durch
die Schulung von Kenntnissen im Lesen,Foto: Katja WeigandBeißwenger: Sie unterstützen mit der
Stiftung sehr viele Projekte für Kinder in
aller Welt. Seit wann gibt es die Stiftung
UNESCO Bildung für Kinder in Not?Bildung für Kinder in Not: Stefan Beißwenger (li.) und Thomas Goesmann im Gespräch.Schreiben und Rechnen auf der einen sowie in landwirtschaftlichen und handwerklichen Techniken, etwa als Schweißer,
Schneider oder Bäcker, auf der anderen
Seite aber auch durch die Förderung von
Selbstverantwortung, will das Projekt die
Gemeinden und sozialen Strukturen direkt
vor Ort dazu befähigen, ihr Leben selbst zu
organisieren und wirtschaftliches Wachstum in der Region zu entwickeln.
Die Alphabetisierung der Bäuerinnen und
Bauern, die Vermittlung spezifischer Techniken und praktischer Technologien sowie
die Ausstattung mit Maschinen, Geräten,
Materialien und Zubehör werden zusammen dazu beitragen, dass die Menschen
dort ihr Einkommen effizienter, ertragreicher und nachhaltiger selbst erwirtschaften können.
Beißwenger: Mit dem Aufbau des Berufsausbildungszentrums in Burkina Faso
möchten wir, neben anderen Aktivitäten
und gesellschaftspolitisch wichtigen sozialen Projekten, die wir bereits heute
auch in Deutschland unterstützen, einen
konkreten Beitrag für die Entwicklung
in Afrika leisten. Wir wollen in diesem
Jahr verschiedene Veranstaltungen zu
Gunsten des Projektes organisieren. Wie
können sich BVMW Mitgliedsunternehmen am Aufbau des Zentrums regional
beteiligen?Der Mittelstand. | 1 | 2012Goesmann: Es gibt verschiedene Möglichkeiten aktiv zu werden, und wir freuen uns
über vielfältige Aktionen in den Regionen.
Sehr gut lassen sich Sponsorenläufe und
Sportveranstaltungen organisieren. Weitere Spendenmaßnahmen können auch
Online-Auktionen sein, etwa die Versteigerung von Dienstleistungen eines Unternehmens oder auch das Aufstellen von
Spendenboxen im Unternehmen oder eine
Gehaltsaktion: Jeder Mitarbeiter spendet
die Cent-Beträge seines Nettogehaltes.
Auch ein Spendenbutton auf der Homepage kann genutzt werden.
Der deutsche Mittelstand engagiert sich
bereits heute in vielfältiger Weise in sozialen und gesellschaftspolitisch wichtigen
Projekten. Ich freue mich sehr darüber,
dass der BVMW gemeinsam mit der Stiftung UNESCO ein Projekt zur konkreten
Entwicklung der Menschen und der Strukturen in der Region aktiv unterstützt.Wenn auch Sie sich mit uns in
diesem Projekt engagieren wollen,
senden Sie uns Ihre Ideen oder Aktionsvorschläge bitte per E-Mail an :
katja.weigand@bvmw.de.69BVMWVideo – zentraler Erfolgsschlüssel für Unternehmen
Wirtschaftssenatoren besuchten MAGIX in Berlin„Das allgegenwärtige Internet
wird alle Branchen und Unternehmen revolutionieren und zwar
vom größten Konzern bis zum
kleinsten Dienstleister.“
Keynote-Speaker, Bestseller-Autor und Vertriebsberater Edgar K. GeffroyDer BVMW-Wirtschaftssenat besuchte kürzlich die MAGIX AG, ein
international führender Anbieter von Software zur multimedialen
Kommunikation. In deren Berliner Hauptsitz konnten die Senatoren
erleben, was innovative Präsentationsmethodik in Verbindung mit
Online Marketing bedeutet und warum führende Unternehmen
immer stärker auf das Medium Video setzen.
Sie erfuhren aus erster Hand, wie MAGIX in nur fünf Jahren durch
gezieltes Internet-Marketing mehr als die Hälfte des Umsatzes über
die Online-Vertriebsplattform erreicht hat. In einer Multimediavorführung lud Geschäftsführer Jürgen Jaron die Senatoren ein, mithilfe von videounterstützter Präsentationsmethodik in die „Köpfe
der MAGIX-Mitarbeiter“ zu schauen. Bei dieser „Firmenführung“
ging es sowohl um die Vermittlung von MAGIX-Wissen als auch um
die Darstellung neuester Multimedia-Trends als Erfolgsschlüssel
Geladener Gastredner war Keynote-Speaker Edgar K. Geffroy. In
einer dynamischen Präsentation gab er den Teilnehmern den entscheidenden Hinweis für mehr Unternehmenserfolg: „Nehmen Sie
Ihre begeisterten Kunden auf. Video anschaffen, aufnehmen. Wie
finden Sie unser Unternehmen? … Stellen Sie das ins Internet, mehr
müssen Sie nicht erzählen.” Klingt simpel – ist es auch – trotzdem
haben noch sehr viele Unternehmen in dem Bereich Nachholbedarf.
Sebastian Merk, Senior Produkt Manager, stellte anschaulich dar,
warum und wie Unternehmen mit Videos effektiver und effizienter70kommunizieren können. Das liege zum einen am Menschen selbst,
da Videos mehr Sinne des menschlichen Gehirns ansprechen als
reiner Text. Dadurch werde die Botschaft effektiver aufgenommen
und verarbeitet. Zum anderen könnten Videos deutlich mehr Informationen in kurzer Zeit und auch anschaulicher kommunizieren.
Dass dies nicht kostspielig sein muss, beweist MAGIX in der täglichen Arbeit. Videos können Inhouse von den eigenen Mitarbeitern
gedreht werden, oftmals ist das Wissen bei den Mitarbeitern aufgrund von privaten Videodrehs schon vorhanden, und die Ausgaben
für technisches Equipment sind heutzutage zu vernachlässigen.
Wie erreiche ich eine Topposition bei der Suchmaschinenoptimierung? Diese Frage stellt sich inzwischen jedes Unternehmen.
Dr. Arnd Schröder, Executive Vice President Online Marketing,
gewährte den Teilnehmern einen exklusiven Einblick in das schnelllebige Arbeitsfeld des Online Marketings bei MAGIX (www.magixcloud.com). Auch hier gehe der Trend zu Video, da Unternehmen mit
Videos in Suchmaschinen eine höhere Aufmerksamkeit erreichten
als mit traditioneller Text-/Bildkommunikation.Hans-Joachim Döllgen
www.bvmw.deDer Mittelstand. | 1 | 2012BVMWRiesenschnellkochtopf
für Kohlestaub
BVMW-Mitgliedsunternehmen Grenol erhält Kyocera-Umweltpreis"Respect the divine
and love people"
Auch bei der dritten Verleihung des von
der japanischen Firma Kyocera gestifteten
Umweltpreises in der Liederhalle Stuttgart
hatten BVMW-Mitgliedsfirmen die Nase
vorn. Der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Preis wird in drei Klassen vergeben.
Träger des mit 50.000 Euro dotierten Hauptpreises war bereits zum zweiten Mal ein
BVMW-Mitgliedsunternehmen: Nach der
Solitem AG im Jahr 2008 ist es 2012 die Grenol GmbH aus Wülfrath. Der Vorsitzende der
Jury, Professor Klaus Töpfer, würdigte das
Firmenkonzept als zündende Praxisumsetzung naturgesetzlicher Kreislaufwirtschaft
und Nachhaltigkeitsethik.
Die Preisverleihung fand in Zusammenarbeit
mit dem Forschungsnetzwerk Office 21, demFraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft
und Organisation (IAO) im Rahmen des Zukunftsforums 2012 „Arbeit und Leben in
einer nachhaltigen Welt“, statt. Der Leiter
des IAO, Professor Dieter Spath, und IAODirektor Dr. Wilhelm Bauer hatten hochkarätige Experten zu Themen wie nachhaltige
Stadtstrukturen, nachhaltige Technologien
und IT-Zukunft eingeladen.
Die mittelständische Erfolgsgeschichte der
Grenol GmbH begann 2006, als der Landwirt
Alfons Kuhles und sein Mitstreiter Lothar
Hofer, Inhaber einer Firma für Elektrotechnik, eher zufällig einen Film von Professor
Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut
für Kolloid- und Grundflächenforschung sahen. Der Film faszinierte die beiden so sehr,
dass sie begannen, mit Bordmitteln aus der
landwirtschaftlichen Praxis und moderner
Computertechnik den von Antonietti angedachten „Riesenschnellkochtopf“ für die
hydrothermale Gewinnung von Feinstkohlepulver zu bauen. Seit 2007 wird nun beiGrenol Biomasse aus Landwirtschaft und
Hausmüll in einem computergesteuerten
Katalysereaktor (HTK) verarbeitet, der die
eingesetzte Biomasse zu fast 100 Prozent
in pulverisierte Kohle umsetzt.
Heute laufen zehn HTK-Pilotanlagen, darunter auch eine industrielle Großanlage im
Praxistest. Die Anlagen werden von acht
hochmotivierten Mitarbeitern gewartet. Unterstützt wird die Firma von einem Netzwerk
von Kooperationspartnern und engagierten
Das von BVMW-Kreisgeschäftsführer
Horst-Werner Altena betreute Unternehmen entspricht ganz den Ideen des Kyocera-Gründers Kazuo Inamori. Verwurzelt in
der tausendjährigen japanischen Kulturtradition, voller optimistischer Ruhe und
Gelassenheit hat dieser außergewöhnliche
Vorbildunternehmer einst das Leitmotiv
„Respect the divine and love people“ in
die Kyocera-Firmenbibel „Passion for success“ geschrieben. Frei ins Nachhaltigkeitsdeutsch übersetzt: „Respekt vor der
göttlichen Schöpfungskraft und Liebe zu den
Mitmenschen“.
Der Fall Grenol belegt einmal mehr, dass
ganzheitliches Management nicht nur einen
Vertrauensbonus bei Firmenkunden verschafft, sondern durch ökonomische Energieeffizienz auch sichere Zukunftsmärkte.Peter Menke-Glückert
Der Geschäftsführer der Kyocera Mita Deutschland GmbH und Kyocera Mita Austria GmbH, Reinhold
Schlierkamp (li.) mit Lothar Hofer, Geschäftsführer der AAG GmbH und Grenol GmbH, Ratingen.Der Mittelstand. | 1 | 2012www.nachhaltigermittelstand.de
www.bvmw.de71SERVICEV8 Alpenrausch
Luxusauto-Hersteller Peter Monteverdi startete
als JungunternehmerEs war und ist der Traum von Generationen autobegeisterter Jungs, einen eigenen
Sportwagen auf die Räder zu stellen. Peter Monteverdi aus Binningen bei Basel hat es geschafft – und dabei
Automobilgeschichte geschrieben.
Sein Monteverdi Hai 450 SS, ein ultraflaches Geschoss, war 1970
die Sensation beim Genfer Automobilsalon. Mit einem amerikanischen Hemi-V8-Motor spurtete der Sportwagen in weniger als 5
Sekunden auf 100 km/h und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 290 km/h. Damit ließ er zur damaligen Zeit italienische
Vollblut-Sportler wie Ferrari, Maserati, Lamborghini sowie zeitgenössische Porsche und Mercedes hinter sich.
Wer aber war dieser Peter Monteverdi?
Der Enkel italienischer Einwanderer aus Cremona erbte 1954
von seinem Vater, der plötzlich verstarb, als 20-jähriger eine
Autowerkstatt in Binningen bei Basel. Bei den Saurerwerken
in Arbon hatte er die Ausbildung zum KfZ-Mechaniker gemacht
und fuhr nebenbei erfolgreich Rennen auf Renault Gordini und
Porsche. 1957 wird er als 23-jähriger aufgrund seiner großen
Erfahrung mit Sport- und Rennwagen jüngster Vertragshändler
aller Zeiten für Ferrari. Seine Sportkarriere endet abrupt, als er
mit einer Rennwagen-Eigenkonstruktion 1961 auf dem Hockenheimring verunglückt: Er bricht sich Rippen, Becken, beide Beine
und einen Arm.
In den folgenden Jahren übernimmt er weitere Markenvertretungen für Jensen, Lancia und BMW. Als ihm Ferrari 1965 wegen72Meinungsverschiedenheiten die Vertretung
entzieht, beschließt Monteverdi,
eigene Wagen zu bauen. Monteverdi
geht gleich in die Vollen und präsentiert 1967
als 33-jähriger das erste Luxusauto, den High-Speed
375 S. Daraus entsteht eine ganze Baureihe, die Coupés, eine
Limousine und einen Convertible umfasst.
Das Konzept bestand aus einem amerikanischen V8, einer
Schweizer Bodengruppe und einer italienischen Karrosserie von
Frua und später von Fissore mit einer für damalige Verhältnisse
traumhaften Ausstattung: Conolly-Leder, Automatikgetriebe,
Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Colorverglasung, Stereoanlage und auf Wunsch sogar ein Fernsehgerät. Das sorgte
für Gesprächsstoff unter den Schönen und Reichen. Die Ölkrise
von 1973 beendete damals die weitere Entwicklung schlagartig.
Monteverdi hatte aber bereits den nächsten Coup parat und
stellte 1976 mit dem „Safari“ einen Luxus-Geländewagen vor.
Er war mit 65.000 CHF zwar sehr teuer, wurde aber dennoch ein
Erfolg. Er gilt als Wegbereiter heutiger Luxus-SUVs und macht
formal neben diesen immer noch eine gute Figur.Der Mittelstand. | 1 | 2012SERVICEInsgesamt wurden in der Zeit von 1967 bis 1995 in allen acht
Baureihen über 3.500 Fahrzeuge gebaut und ausgeliefert.
Als Abrundung nach unten stellte Monteverdi ab 1977 auf Basis eines US-amerikanischen Großserienmodells von Dodge in
kleiner Stückzahl die Limousine Sierra im edlen Stil der großen
Boliden her. Als Ford 1982 ebenfalls einen Sierra anbot, ohne
vorher die Markenrechte abzuklären, erhielt Monteverdi je 5 CHF
Lizenzgebühr für 2,7 Millionen gefertigte Sierra. Später erhielt er
auch Lizenzen aus dem Design des Volvo 740. Diese finanziellen
Mittel erlaubten es ihm, für das geplante Museum besonders
schöne und neuwertige Fahrzeuge aus eigener Produktion zurückzukaufen.In den 1990er Jahren versuchte er sich mit einem Engagement in
der Formel 1, was aber misslang. Mit den Resten an Technik aus
dieser Epoche entstand 1995 der Hai 650F1, der formal und leistungsmäßig auch heute noch beeindruckt. Im Jahr 1998 verstarb
Peter Monteverdi an einem Krebsleiden. Er wäre auf die schwindelerregenden Auktionsgewinne seiner Schöpfungen sehr stolz
gewesen, die heute bis zu 400.000 EUR erbringen.Oskar G. Loewe
Landesbeauftragter Schweiz
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Interview mit Dr. Anette Schavan:„Wir sind gut aufgestellt‟ | Thomas Natkowski: Marktplatz Internet | Claudius...See Moreder_mittelstand.FollowRead moreRead moreSimilar toPopular nowJust for youGo explore

References: §
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