Source: https://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bsg&Art=en&Datum=2017-8-30&nr=14091&linked=pv
Timestamp: 2020-01-28 18:54:46+00:00

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Terminvorschau Nr. 61/15
Der 14. Senat des Bundessozialgerichts beabsichtigt, am 16. Dezember 2015 im Weißenstein-Saal nach mündlicher Verhandlung über drei Revisionen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende zu entscheiden.
1) 10.00 Uhr - B 14 AS 15/14 R - A.H. ./. Jobcenter Wiesbaden
Umstritten sind Leistungen nach dem SGB II vom 1.8. bis zum 11.10.2011. Die am 16.10.1989 geborene Klägerin ist bulgarische Staatsangehörige. Nach ihren Angaben reiste sie im Oktober 2010 nach Deutschland. Am 1.6.2011 meldete sie ein Gewerbe an und zum 1.8.2011 wieder ab, da sie die deutsche Sprache nicht beherrsche und schwanger sei. Im Juni 2011 habe sie für die T. GmbH gearbeitet und dafür 1200 bis 1300 Euro bar erhalten. Den Antrag der Klägerin vom 3.8.2011 auf Leistungen nach dem SGB II lehnte das beklagte Jobcenter unter Hinweis auf § 8 Abs 2, § 7 Abs 1 Satz 2 Nr 2 SGB II ab, bewilligte aber vorbehaltslos ab 12.10.2011 Leistungen in Höhe des Regelbedarfs und eines Mehrbedarfs für Schwangere.
Das SG hat die Klage abgewiesen. Das LSG hat den Beklagten verurteilt, der Klägerin vom 1.8. bis zum 11.10.2011 "Leistungen nach dem SGB II zu gewähren", weil diese die Leistungsvoraussetzungen nach § 7 Abs 1 Satz 1 SGB II erfülle und der Leistungsausschluss des § 7 Abs 1 Satz 2 Nr 2 SGB II nicht greife. Sie könne sich nicht auf ein Aufenthaltsrecht nach § 2 FreizügG/EU be­rufen, da sie nur im Juni 2011 für die T. GmbH tätig gewesen sei. Auch ein Aufenthaltsrecht aufgrund schwangerschaftsbedingter Vorwirkungen des Art 6 GG scheide aus. Eine Freizügigkeitsberechtigung zur Arbeitsuche sei nicht gegeben, da sie keine dahingehenden "Ambitionen" entfaltet habe, und § 7 Abs 1 Satz 2 SGB II könne nicht im Wege eines "Erst-Recht"-Schlusses erweiternd ausgelegt werden.
In seiner Revision rügt der Beklagte die Verletzung des § 7 Abs 1 Satz 2 SGB II. Nach Auf­fassung des LSG würden Personen, die Arbeit suchen und damit vom Leistungsausschluss umfasst seien, schlechter stehen als Personen, die keine Arbeit suchen und für die nach Auf­fassung des LSG der Leistungsausschluss nicht gelte.
2) 10.30 Uhr - B 14 AS 18/14 R - A.H. ./. Jobcenter Wiesbaden
Umstritten sind Leistungen nach dem SGB II vom 30.1.2012 bis zum 27.11.2013. Der am 27.7.1993 geborene Kläger ist bulgarischer Staatsangehöriger. Nach seinen Angaben reiste er im Oktober 2011 nach Deutsch­land. Am 2.3.2012 meldete er ein Gewerbe an und am 20.5.2012 wieder ab, ohne in diesem tätig geworden zu sein; im April 2012 war er fünf bis sechs Tage nicht-sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wegen Aussichtslosigkeit aufgrund mangeln­der Sprachkenntnisse habe er sich nicht auf Stellenangebote beworben. Den Antrag des Klägers vom 30.1.2012 auf Leistungen nach dem SGB II lehnte das beklagte Jobcenter unter Hinweis auf § 8 Abs 2, § 7 Abs 1 Satz 2 SGB II ab, ebenso den für die Zeit ab 1.5.2012 gestellten Antrag.
Das SG hat die beiden Klagen verbunden und abgewiesen. Das LSG hat den Beklagten verurteilt, dem Kläger vom 30.1.2012 bis zum 27.11.2013 "Leistungen nach dem SGB II zu gewähren", weil dieser die Leistungsvoraussetzungen nach § 7 Abs 1 Satz 1 SGB II erfülle und der Leistungsausschluss des § 7 Abs 1 Satz 2 Nr 2 SGB II nicht greife. Der Kläger habe kein Aufenthaltsrecht zur Arbeitsuche nach § 2 Abs 2 Nr 1 Alt 2 FreizügG/EU gehabt, denn er habe nicht mit begründeter Aussicht auf Erfolg Arbeit gesucht, zumal er keine dahingehenden "Ambitionen" entfaltet habe. Er könne sich auch nicht auf ein anderes Aufenthaltsrecht berufen. § 7 Abs 1 Satz 2 SGB II könne nicht im Wege eines "Erst-Recht"-Schlusses erweiternd ausgelegt werden.
In seiner Revision rügt der Beklagte unter Hinweis auf das zwischenzeitlich ergangene Urteil des EuGH vom 11.11.2014 (C‑333/13 ‑ Dano) die Verletzung des § 7 Abs 1 Satz 2 SGB II. Nach diesem Urteil hätten wirtschaftlich inaktive EU-Ausländer wie der Kläger keinen Anspruch auf Sozialleistungen im Aufnahmestaat.
3) 11.30 Uhr - B 14 AS 33/14 R - 1. L.D.I., 2. M.L.I. ./. Jobcenter Köln
Umstritten sind Leistungen nach dem SGB II vom 25.9.2010 bis zum 30.11.2011. Die am 2.8.1977 geborene Klägerin zu 1 ist die Mutter der am 24.3.1998 geborenen Klägerin zu 2. Zusammen mit weiteren Familienangehörigen reisten sie in 2004 unter Angabe falscher Namen und Staatsangehörigkeit in Deutschland ein. Sie erhielten bis Anfang 2010 Duldungen und Leistungen nach dem AsylbLG. Dann wurden dem Ausländeramt ihre zutref­fende Identität und ihre bulgarische Staatsangehörigkeit bekannt. Den von den Klägerinnen am 25.9.2010 gestellten Leistungsantrag lehnte das beklagte Jobcenter ab, weil die Klägerinnen nach § 7 Abs 1 Satz 2 Nr 2 SGB II von Leistungen nach dem SGB II ausgeschlossen seien, ebenso einen weiteren Antrag vom 5.8.2011. Mitte September 2011 wurden auf dem Konto der Mutter 1656 Euro und am 6.12.2011 weitere 7972 Euro Nachzahlungen an Kindergeld für die Tochter, die in der strittigen Zeit Schülerin war, gutgeschrieben.
Das SG hat den Beklagten verurteilt, den Klägerinnen vom 25.9.2010 bis zum 30.11.2011 Leistungen nach dem SGB II zu gewähren. Das LSG hat die Berufung des Beklagten zurückgewiesen, weil die Mutter in der strittigen Zeit die Voraussetzungen des § 7 Abs 1 Satz 1 SGB II erfüllt habe und der Leistungsausschluss des § 7 Abs 1 Satz 2 Nr 2 SGB II nicht greife, da sie sich nicht auf ein solches Aufenthaltsrecht zur Arbeitsuche habe berufen können. Dieser Leistungsausschluss finde auf EU-Bürger ohne materielles Aufenthaltsrecht keine Anwen­dung.
In seiner Revision rügt der Beklagte eine Verletzung des § 7 Abs 1 Satz 2 SGB II. Dessen Auslegung im Sinne des LSG führe zu dem vom Gesetzgeber nicht beabsichtigten Ergebnis, dass Personen, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht integrierbar seien, nicht vom Leistungsausschluss betroffen seien.

References: § 8
 § 7
 § 7
 § 7
 § 2
 § 7
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 § 8
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 EuGH 
 § 7
 § 7
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