Source: http://ra-lindinger.de/beschluss-des-olg-muenchen-zur-oertlichen-zustaendigkeit-im-urheberrecht-_165.html
Timestamp: 2017-03-25 11:32:22+00:00

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Rechtsanwalt u. Dipl. Phys. Lindinger - Beschluss des OLG München zur örtlichen Zuständigkeit im Urheberrecht
Rechtsgebiete » Urheberrecht » Beschluss des OLG München zur örtlichen Zuständigkeit im Urheberrecht
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Beschluss des OLG München zur örtlichen Zuständigkeit im Urheberrecht
Das OLG München hat einen Beschluss zur örtlichen Zuständigkeit des Gerichts bei Urheberrechtsverletzungen im Internet gefasst.	Nach Beschluss (31 AR 232/09) des OLG München vom 07.05.2009 kommt es bei der Beurteilung der örtlichen Zuständigkeit bei Verfahren wegen Urheberrechtsverletzung auf die bestimmungsgemäße Aufrufbarkeit der die Urheberrechtsverletzung enthaltenden Internetseite des Verletzers also Beklagten an.Der Beschluss lautet wie folgt:"
Aktenzeichen: 31 AR 232/09
Verkündet am: 07.05.2009
Zuständig ist das Amtsgericht Bochum.
Die Klägerin, ein kartographischer Verlag mit Sitz im Bezirk des
Amtsgerichts München, betreibt eine Internetseite, von der aus
Stadtpläne u. ä. unentgeltlich aufgerufen werden können, wobei darauf
hingewiesen wird, dass die Nutzung solcher Kartographien nur gegen
Entgelt gestattet ist. Sie begehrt von der Beklagten, die ihren Sitz im
Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Hagen hat, nach § 97 UrhGSchadensersatz in Höhe von 1.050 € wegen Urheberrechtsverletzung
infolge einer unberechtigten Verwendung einer Internet-Karthographie.
Unstreitig hat die Beklagte eine Karte ohne Abschluss der
entsprechenden Lizenzvereinbarung auf ihre eigene Internetseite
eingestellt. Im Mahnbescheidsantrag hat die Klägerin bestimmt, dass der
Rechtsstreit nach Widerspruch an das Amtsgericht München abzugeben sei.
Dieses wies die Parteien zunächst darauf hin, dass es an ausreichendem
Vortrag zur bestimmungsgemäßen Aufrufbarkeit der Internetseite der
Beklagten fehle. Nachdem hierauf kein Vortrag erfolgte, die Klägerin
vielmehr lediglich einen entsprechenden Verweisungsantrag stellte,
verwies es den Rechtsstreit an das für den Sitz der Beklagten für
Urheberrechtsverletzungen gem. § 2 NRWGeschmMRKonzVO örtlich zuständige
Amtsgericht Bochum. Dieses lehnte die Übernahme ab, weil es das
Amtsgericht München für zuständig und dessen Verweisungsbeschluss für
nicht bindend hält. Die Internetseite der Klägerin sei im gesamten
Bundesgebiet bestimmungsgemäß aufrufbar, sodass Tatort auch München
sei, den Vortrag der Klägerin hierzu habe das Amtsgericht München nicht
zur Kenntnis genommen und daher das rechtliche Gehör verletzt. Durch
die im Mahnverfahren erfolgte Wahl des Gerichtsstands München habe die
Klägerin zudem ihr nach § 35 ZPO bestehendes Wahlrecht unter verschiedenen Gerichtsständen bereits ausgeübt.
Das Oberlandesgericht München ist zur Entscheidung des negativen
Kompetenzkonflikts zwischen dem Amtsgericht München und dem Amtsgericht
Bochum berufen, da das zuerst mit der Sache befasste Gericht in seinem
Gerichtsbezirk liegt (§ 36 Abs.1 Nr. 6, Abs.2 ZPO)
Zuständig ist das Amtsgericht Bochum, da es an den Verweisungsbeschluss des Amtsgerichts München gebunden ist (§ 281 Abs. 2 Satz 4 ZPO)
Die Bindungswirkung tritt ausnahmsweise dann nicht ein, wenn die
Verweisung unter Verletzung des rechtlichen Gehörs zustande gekommen
ist oder sich so weit von der gesetzlichen Grundlage entfernt, dass sie
im Hinblick auf das Gebot des gesetzlichen Richters und das
Willkürverbot des Grundgesetzes nicht hingenommen werden kann (BGHZ
102, 338/341; BayObLGZ 2003, 187/190; Zöller/Greger ZPO 27. Aufl. § 281
Rn. 17, 17a). Dies ist hier nicht der Fall.
Bei Urheberrechtsverletzungen ist Ort der Verletzungshandlung nicht der
Ort, an dem die Lizenz einzuholen gewesen wäre, sondern der Ort, an dem
die nur entgeltlich gestattete Handlung vorgenommen wird (vgl.
Zöller/Vollkommer ZPO 27. Aufl. § 32 Rn. 17). Das Amtsgericht München
hat vor Verweisung durch rechtlichen Hinweis zu erkennen gegeben, dass
es den Tatsachenvortrag zu den seine Zuständigkeit nach § 32 ZPO begründenden Umständen für nicht ausreichend hält, und dabei zutreffend
nach der bestimmungsgemäßen Aufrufbarkeit der Internetseite der
Beklagten gefragt. Auf die bestimmungsgemäße Aufrufbarkeit der
Internetseite der Klägerin, zu der die Klägerin vorgetragen hatte,
kommt es im hier erörterten Zusammenhang nicht an. Das Amtsgericht
München hat das rechtliche Gehör der Parteien nicht verletzt.
Auch in der Sache ist die Auffassung des Amtsgerichts München, der –
auch auf Nachfrage nicht ergänzte – Sachvortrag der Klägerin sei nicht
ausreichend gewesen, um daraus eine Zuständigkeit in seinem
Gerichtsbezirk herzuleiten, gut vertretbar. In der neueren
Rechtsprechung ist ohnehin eine Tendenz zu beobachten, den „fliegenden
Gerichtsstand der bestimmungsgemäßen Verbreitung“, der als zu ausufernd
empfunden wird, einzuschränken und zusätzlich einen gewissen Ortsbezug
bzw. die bestimmungsgemäße Auswirkung des Verstoßes im betreffenden
Gerichtsbezirk zu fordern (vgl. für das Wettbewerbsrecht BGH GRUR 2006, 513;
OLG Bremen EWiR 2000, 651; zum Urheberrecht KG Berlin GRUR-RR 2002,
343; Danckwerts GRUR 2007, 104; vgl. jetzt auch Zöller/Vollkommer 27.
Aufl. § 32 Rn. 17, anders noch Vorauflage). Es wird die Meinung
vertreten, auf den konkreten Internetauftritt des
Urheberrechtsverletzers abzustellen und zu prüfen, ob sich daraus
Umstände ergeben, die für einen lokal begrenzten Auswirkungskreis der
Internetseite sprechen (vgl. Danckwerts a.a.O. S. 107 m.w.N.). Für all
das gab der Sachvortrag der Klägerin nichts her; es wurde nicht einmal
die bestimmungsgemäße Aufrufbarkeit der Internetseite der Beklagten im
Bezirk des Amtsgerichts München vorgetragen. Bei dieser Sachlage konnte
das Amtsgerichts München seine Zuständigkeit durchaus verneinen.
Hieran ändert auch der Umstand, dass die Klägerin im Mahnbescheid die
Abgabe an das Amtsgericht München beantragt hat, nichts. Denn das sich
aus § 35 ZPO ergebende Wahlrecht zwischen mehreren Gerichtsständen ist durch die
Angabe eines unzuständigen Gerichts im Mahnbescheid nicht verbraucht.
Wie ausgeführt, war es sehr wohl vertretbar, dass sich das Amtsgericht
München für unzuständig gehalten hat. Von diesem Standpunkt aus war die
Verweisung noch möglich und folgerichtig." Alle Neuigkeiten im Überblick
Letztes Update 09.07.2009 | Copyright© Rechtsanwalt Bernhard Lindinger 2017 | Neuigkeiten
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References: § 97
 § 2
 § 35
 § 281
 § 32
 § 32
 BGH 
 § 32
 § 35