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Timestamp: 2018-02-24 13:30:11+00:00

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BFH, Urteil vom 30.04.2009, VI R 54/07 - HENSCHE Arbeitsrecht
BFH, Ur­teil vom 30.04.2009, VI R 54/07
Schlagworte: Sozialversicherungsrecht, Scheinselbstständigkeit, Lohnsteuer
2. Die Vorschrift des § 42e EStG gibt dem Arbeitgeber nicht nur ein Recht auf förmliche Bescheidung seines Antrags. Sie berechtigt ihn auch, eine ihm erteilte Anrufungsauskunft erforderlichenfalls im Klagewege inhaltlich überprüfen zu lassen. ´
Vorinstanzen: Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 14.10.2005, 11 K 626/02
Die Kläge­rin be­an­tragt, die Vor­ent­schei­dung und den Ver­wal­tungs­akt des FA vom 18. März 2002 (Wi­der­ruf der An­ru­fungs­aus­kunft) in Ge­stalt des Ver­wal­tungs­akts vom 13. Mai 2002 und der Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 27. No­vem­ber 2002 auf­zu­he­ben, hilfs­wei­se (un­ter Auf­he­bung der Vor­ent­schei­dung) fest­zu­stel­len, dass die vor­be­zeich­ne­ten Ver­wal­tungs­ak­te rechts­wid­rig ge­we­sen sind.
Be­stritt der Ar­beit­ge­ber die in­halt­li­che Rich­tig­keit der er­teil­ten An­ru­fungs­aus­kunft, so war ein Rechts­be­helf hier­ge­gen nicht ge­ge­ben. Ei­ne ge­richt­li­che Ent­schei­dung über die in der An­ru­fungs­aus­kunft ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung des FA konn­te nur im nach­fol­gen­den Steu­er­fest­set­zungs- oder im Haf­tungs­ver­fah­ren her­bei­geführt wer­den (vgl. auch Schmidt/Drens­eck, EStG, 28. Aufl., § 42e Rz 13).
b) Die­se Recht­spre­chung hat zu­neh­mend Kri­tik er­fah­ren. Un­ge­ach­tet un­ter­schied­li­cher Be­gründun­gen im Ein­zel­nen wird die An­ru­fungs­aus­kunft im Schrift­tum über­wie­gend als
EStG (so schon BFH-Ur­teil in BFHE 169, 202, BSt­Bl II 1993, 166, un­ter II. 3. c; eben­so Bar­ein in Litt­mann/Bitz/Pust, a.a.O., § 42e Rz 12, m.w.N.; vgl. auch Trz­as­ka­lik, in: Kirch­hof/Söhn/Mel­ling­hoff, EStG, § 42e Rz B 11 ff.).
Bei der ver­bind­li­chen Aus­kunft nach § 89 Abs. 2 AO han­delt es sich nach zu­tref­fen­der und un­be­strit­te­ner Auf­fas­sung um ei­nen Ver­wal­tungs­akt nach § 118 Satz 1 AO mit al­len Kon­se­quen­zen der Form der Be­kannt­ga­be (§ 122 AO), der Abänder­bar­keit (§§ 129 bis 131 AO, § 2 Abs. 3 der Steu­er-Aus­kunfts­ver­ord­nung) und der Ein­spruchs- und Kla­gemöglich­keit (vgl. auch die amt­li­che Be­gründung der Steu­er-Aus­kunfts­ver­ord­nung, BRDrucks 725/07 S. 5 und An­wen­dungs­er­lass zur Ab­ga­ben­ord­nung --AEAO-- zu § 89 Tz. 3.5.5; s.a. Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Fi­nan­zen vom 11. De­zem­ber 2007 IV A 4 - S 0062/07/0003, DStR 2008, 99 ff.). Dies Bun­des­fi­nanz­hof, Ur­teil vom 30.04.2009 VI R 54/07
ihm die Vor­schrift des § 42e EStG das Recht ein, nicht nur die Auf­fas­sung des FA zu er­fah­ren, son­dern auch Si­cher­heit über die zu­tref­fen­de Rechts­la­ge zu er­lan­gen und sei­ne --des Ar­beit­ge­bers-- Rech­te und Pflich­ten in ei­nem be­son­de­ren Ver­fah­ren im Vor­aus (ggf. ge­richt­lich) ver­bind­lich fest­stel­len zu las­sen (zur Ab­si­che­rung zukünf­ti­ger Dis­po­si­tio­nen durch Vor­we­gent­schei­dun­gen, vgl. auch Hey, Steu­er­pla­nungs­si­cher­heit als Rechts­pro­blem, 2002, S. 697 ff.). Nur auf die­se Wei­se wird dem Zweck der An­ru­fungs­aus­kunft hin­rei­chend ent­spro­chen, präven­tiv Kon­flik­te zwi­schen dem Be­triebsstätten-FA und dem Ar­beit­ge­ber zu ver­mei­den und auf­tre­ten­de lohn­steu­er­li­che Fra­gen, die häufig auch die Kos­ten­kal­ku­la­ti­on des Ar­beit­ge­bers und --wie hier-- die zi­vil­recht­li­che Aus­ge­stal­tung von Verträgen mit Mit­ar­bei­tern berühren, zeit­nah ei­ner Klärung zu­zuführen. Die Kläge­rin weist in­so­weit zu Recht auch dar­auf hin, dass es mit den Grundsätzen ei­nes fai­ren Ver­fah­rens schwer­lich ver­ein­bar er­scheint, dem vom Fis­kus in die Pflicht ge­nom­me­nen Ar­beit­ge­ber, der mit dem In­halt ei­ner An­ru­fungs­aus­kunft nicht ein­ver­stan­den ist, an­heim zu stel­len, die Lohn­steu­er zunächst (rechts­wid­rig) ein­zu­be­hal­ten und ab­zuführen, den ein­schlägi­gen Rechts­schutz je­doch erst später durch An­fech­tung ent­spre­chen­der Lohn­steu­er- bzw. Haf­tungs­be­schei­de zu su­chen.
Der Se­nat kann of­fen las­sen, ob sich die Auf­he­bung (Rück­nah­me, Wi­der­ruf) der An­ru­fungs­aus­kunft nach den §§ 130 ff. AO rich­tet oder --wie das FG meint-- ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung der Vor­schrift des § 207 Abs. 2 AO zu­tref­fend ist. In bei­den Fällen hat­te das FA je­den­falls ei­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen und hier­in die für und ge­gen ei­ne Auf­he­bung spre­chen­den Umstände sorgfältig ab­zuwägen. Dies ist nicht ge­sche­hen. Schon des­halb können die an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen kei­nen Be­stand ha­ben. Im Übri­gen hat sich das FA in sei­ner Auf­he­bungs­verfügung in der Fra­ge der Be­ur­tei­lung der Mit­ar­bei­ter der Kläge­rin le­dig­lich auf das vor­be­zeich­ne­te --zum Zeit­punkt der Er­tei­lung der An­ru­fungs­aus­kunft über­dies be­reits veröffent­lich­te-- Ur­teil des Nie­dersäch­si­schen FG in EFG 1999, 1015 be­ru­fen (zur ein­schlägi­gen Recht­spre­chung des Se­nats vgl. auch Be­schluss vom 9. Sep­tem­ber 2003 VI B 53/03, BFH/NV 2004, 42). Auch dies reicht nicht aus. Ei­ne neu­er­li­che, an­ders­ar­ti­ge Ge­wich­tung und Abwägung der Umstände, die die ursprüng­li­che (nun­mehr fort­wir­ken­de) An­ru­fungs­aus­kunft als nicht rechtmäßig hätten er­schei­nen las­sen können, hat das FA nicht vor­ge­nom­men.
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References: § 42
 § 42
 § 42
 § 42
 § 89
 § 118
 § 2
 § 89
 § 42
 § 207