Source: http://palikanon.com/khuddaka/jataka/j432.htm
Timestamp: 2017-05-25 16:16:31+00:00

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Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 432. Die Erzählung von dem der Fußspuren kundigen jungen Brahmanen (Padakusalamanava-Jātaka)
Darauf sprach der Bodhisattva: „Darum werde ich Euch, o Großkönig, nicht sagen: ‘Dies da sind die Diebe’, sondern ich werde Euch eine alte Begebenheit aus der Vergangenheit erzählen; wenn Ihr verständig seid, so merkt Ihr die Sache.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit: „O Großkönig, ehedem wohnte unweit von Benares in einem Dorfe am Flussufer ein Tänzer namens Patala. Eines Tages zog dieser mit seiner Gattin nach Benares, wo er durch sein Tanzen und Singen sich Geld verdiente. Nach Beendigung des Festes ließ er sie viel Branntwein und Reisbrei mitnehmen und kehrte nach seinem Dorfe zurück. Als er nun an das Flussufer kam und die neuen Wasserfluten daherfließen sah, setzte er sich nieder und trank Branntwein. In seinem Rausche rief er, da er sich über seine eigene Kraft nicht im Klaren war: ‘Ich werde, meine große Laute am Halse befestigt, zu Fuß den Fluss überschreiten.’ Und er nahm seine Gattin bei der Hand und stieg in den Fluss hinein. Durch die Löcher der Laute aber drang das Wasser, so dass ihn seine Laute in das Wasser herunterdrückte. Als nun seine Gattin bemerkte, dass er hinuntersank, ließ sie ihn los, stieg aus dem Wasser heraus und stellte sich an das Ufer. — Der Tänzer Patala tauchte einmal auf und einmal wieder unter, und weil er Wasser schluckte, schwoll ihm sein Bauch auf. Da dachte seine Gattin: ‘Mein Gatte wird hier sterben; ich will ihn bitten, mir ein Lied zu sagen, dass ich es inmitten des Volkes singe und mir dadurch den Unterhalt erwerbe.’ Daher sagte sie zu ihm: ‘Gebieter, du gehst im Wasser unter; lehre mich ein Lied, mit dem ich meinen Unterhalt erwerben kann.’ Und sie sprach folgende Strophe:
§1. ‘Den hochgeschickten, süßen Sänger, den Patala entführt der Ganges. Der du dahintreibst, Heil sei dir; o sing mir noch ein kleines Lied!’ Doch der Tänzer Patala erwiderte ihr: ‘Liebe, wie soll ich dir ein Lied sagen? Jetzt bringt mich ja das Wasser um, das viel Volks zum Heile gereicht.’ Und er sprach folgende Strophe:
§2. ‘Womit den Unglücklichen man, womit den Kranken man besprengt, in dessen Mitte muss ich sterben; statt Hilfe bringt es mir Gefahr.’“ Nachdem der Bodhisattva diese Strophe vorgetragen, fügte er hinzu: „O Großkönig, wie das Wasser für viele Leute eine Hilfe ist, so auch die Könige; doch wenn von ihnen eine Gefahr kommt, wer wird diese Not dann abwehren können?“ Und er schloss mit den Worten: „O Großkönig, diese Sache ist verborgen; ich aber habe sie so erzählt, dass sie die Weisen verstehen können. Merke es, o Großkönig!“
§3. ‘Was alle Samen aufgehn lässt, worauf der Menschen Wohl beruht, das drückt mir jetzt den Schädel ein; statt Hilfe bringt es mir Gefahr.’“ Der Bodhisattva fuhr fort: „O Fürst, wie die Mutter Erde, die allen Menschen Nutzen bringt, dem Töpfer das Haupt zerschmetterte, ebenso ist es mit einem Völkerfürsten, der wie die Mutter Erde für die ganze Welt das Heil bedeutet. Wenn er eine Räuberei begeht, wer wird ihn da abwehren können? Du wirst doch im Stande sein, o Großkönig, den in dieser Verhüllung genannten Dieb zu erkennen!“ Der König aber antwortete: „Lieber, ich will keine Verhüllung; liefere mir den Dieb aus mit den Worten: ‘Dies ist der Dieb’, und gib ihn mir!“
§4. ‘Womit man alle Speisen kocht, womit die Kälte man vertreibt, das brennt mir jetzt die Glieder mein; statt Hilfe bringt es mir Gefahr.’“ Der Bodhisattva fügte hinzu: „Dem Feuer gleich, das vielen Leuten eine Hilfe ist, hat ein Mann den Juwelenschatz weggenommen; frage mich nicht nach dem Diebe.“ Doch der König blieb dabei, er solle ihm den Dieb nennen. Aber noch immer sagte jener nicht: „Du bist der Dieb“, sondern er erzählte eine weitere Geschichte.
§5. ‘Die Speise da, mit der sich nähren der Krieger und Brahmanen viel, die Speise hat mich krank gemacht; statt Hilfe bringt sie mir Gefahr.’“ Dann fuhr er fort: „O Großkönig, der Speise vergleichbar hat ein Mann, der viel Volks eine Hilfe ist, den Schatz gestohlen. Nachdem du ihn wiedererhalten, was fragst du noch nach dem Diebe?“ Doch der König antwortete: „Lieber, wenn du es kannst, so liefere mir den Dieb aus.“ Um den König aber zu belehren, erzählte der Bodhisattva noch eine andere Geschichte.
§6. ‘Im letzten Monate des Sommers, da sehnen sich nach Sturm die Weisen und jetzt zerschlägt er mir die Glieder; statt Hilfe bringt er mir Gefahr.’“ Der Bodhisattva schloss mit den Worten: „So, o Großkönig, entstand aus etwas, das Hilfe bringt, eine Gefahr; verstehe doch den Zusammenhang!“ Der König aber blieb bei seinem Verlangen, er solle ihm den Dieb nennen. Um ihn zu belehren, erzählte darauf der Bodhisattva noch eine Geschichte.
§7. ‘Der Baum, in dem wir Vögel wohnten, er selber zündet Feuer an. Ihr Vögel, fliegt anderswohin; statt Hilfe bringt er uns Gefahr.’“ Der Bodhisattva fügte hinzu: „Wie nämlich, o Fürst, der Baum für die Vögel eine Zuflucht war, so ist es der König für viele Leute. Wenn er Räubereien begeht, wer wird ihn da abwehren können? Verstehe, o Fürst!“ Doch der König sagte immer wieder: „Lieber, nenne mir den Dieb.“ Jener aber erzählte ihm noch folgende Geschichte:
§8. ‘Die ich voll Freude hierher führte, geschmückt mit Kränzen, sandelduftend, die treibt mich aus dem Haus heraus; statt Hilfe bringt sie mir Gefahr.’“
§9. ‘Bei dem ich der Geburt mich freute, nach dessen Dasein ich verlangte, der treibt mich aus dem Haus heraus; statt Hilfe bringt er mir Gefahr.’“ Der Bodhisattva fügte hinzu: „O Großkönig, wie ein Vater, der alt geworden ist, von seinem kräftigen Sohne behütet werden muss, so ist auch ein ganzes Land von seinem Könige zu beschirmen. Wenn hier eine Gefahr entsteht, so ist sie von dem alle Wesen behütenden Könige entstanden. Aus diesem Grunde erkenne doch, dass der und der der Dieb ist, o Fürst.“ Der König aber erwiderte: „Lieber, ich weiß nicht den Grund oder den Nichtgrund. Nenne mir den Dieb oder du wirst selbst als Dieb behandelt.“ So drängte der König immer wieder den jungen Brahmanen.
§10. „Anhören mögen mich die Städter und die vom Land sich hier versammelt: Was Wasser war, das ward zum Feuer; was Frieden brachte, bringt Gefahr. §11. Der König plündert aus sein Reich, ihm hilft der Hauspriester-Brahmane. Seid für euch selbst wohl auf der Hut; statt Hilfe bringt er uns Gefahr!“ Als aber die Leute seine Worte hörten, dachten sie bei sich: „Dieser König, der doch ein Schirmer sein soll, hat auf einen andern die Schuld kommen lassen; er hat selbst seinen Schatz in dem Lotosteiche verborgen und lässt nun nach dem Diebe suchen. Damit er von nun an nicht noch einmal seine Räubereien begehen kann, wollen wir diesen bösen König töten!“ Sie nahmen Stöcke, Keulen u. dgl. in die Hand und schlugen dortselbst den König und seinen Hauspriester, bis sie tot waren. Dann erteilten sie dem Bodhisattva die Weihe und setzten ihn auf den Thron.
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „Nicht wunderbar, o Laienbruder, ist es, wenn man auf der Erde die Fußspuren findet; die Weisen der Vorzeit fanden selbst in der Luft die Spuren.“ Nachdem er sodann die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten (am Ende der Verkündigung der Wahrheiten aber gelangten der Laienbruder sowohl wie sein Sohn zur Frucht der Bekehrung): „Damals war der Vater Kassapa, der der Fußspuren kundige junge Brahmane aber war ich.“
[1] Eine Handschrift hat „assamukhi“ statt „assumukhi“; dies bedeutet: „mit einem Pferdegesicht“ [1a]. Neil hat diese Lesart akzeptiert. [1a] Für diese Lesart spricht die weiter unten folgende Aussage ihres Sohnes, dass sie ein anderes Antlitz als sein menschlicher Vater hat. [2] Der Fürst der Dämonen.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10
 §11