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Timestamp: 2019-12-14 15:35:33+00:00

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Erziehung im Kontext der Genderproblematik.
Haben Schülerinnen und Schüler einen Anspruch auf Erziehung durch Lehrpersonen des jeweils eigenen Geschlechts?
von Johannes Zylka (Autor) T. Giesen (Autor)
Studienarbeit 2007 68 Seiten
4. Basisinformationen über die Geschlechterproblematik
4.1 Entwicklung der Genderproblematik (TG)
4.2 Das Thema ‚Gleichstellung’ im Lehramtsberuf (JZ)
5. Erziehung im Geschlechteraspekt (TG)
5.1 Erziehung im Geschlechteraspekt zu Hause
5.2 Erziehung im Geschlechteraspekt in Bildungseinrichtungen
6. Gleichberechtigung in der Rechtsprechung (JZ)
6.1 §9 SgB VIII (Sozialgesetzbuch VIII); Art. 3 Abs. 2 (Grundgesetz)
6.2 Art. 6 Abs. 4 GG
6.3 §42 HRG (Hochschulrahmengesetz)
6.4 §16 BgleiG (Bundesgleichstellungsgesetz)
6.5 §1 LGlG (Landesgleichberechtigungsgesetz); §4,5 ChancenG (Chancengleichheitsgesetz)
6.6 Verwaltungsvorschriften (VV)
6.7 Spezialfall: Schwimmaufsicht
6.8 Entschließung des Rates für das Bildungswesen vom 3.06.1985 (Abs. 1, Art. 7)
6.9 Schlussfolgerungen des Rates für das Bildungswesen (31.05.1990)
7. Erhebungen (TG)
7.1 Erläuterung der Fragebögen
8. Abschließende Worte (JZ)
Die Hauptseminararbeit „Erziehung im Kontext der Gender­problematik“ behandelt die Geschlechterproblematik im Bildungs­system, gibt einen Überblick über Beziehungen von Erziehung und Gleichberechtigung und beschreibt die aktuelle Situation von geschlechterspezifischen Problemen in den Schulen – eine Momentaufnahme der Situation an den Schulen und dem gegebenen Rahmen der Gesetzgebung.
Seit Anfang der 1980er Jahre existieren Frauenbewegungen, welche für die Rechte der Frauen eintreten und unter anderem die Eingliederung der Frauen in das Berufsleben fördern.
Der Fokus lag zunächst auf der generellen Erhöhung des Frauenanteils im Arbeitsleben, inzwischen zielt er allerdings auf die Erhöhung in spezifischen Bereichen, meist den klassischen Männerberufen. Durch Einbindung von Frauenbeauftragten bei Ein­stellungsentscheidungen hat sich im Öffentlichen Dienst die Geschlechterverteilung in den vergangenen Jahren weitestgehend gleichmäßig entwickelt – bis auf einen Bereich: die Schule.
„Jahrzehntelang erforschten Soziologen, Psychologen und Ethnologen die Frauen, und fast ausnahmslos kamen sie zum selben Ergebnis: Zeitlebens sei das so genannte schwache Geschlecht durch die Rollenmuster der Gesellschaft benachteiligt, seine Emanzipation müsse Ziel und gesetzlicher Auftrag sein. Auf diesem Weg gibt es Fortschritte - jetzt aber haben die Forscher eine neue Problemgruppe entdeckt: die Jungen.
Immer mehr Männer von morgen verlassen die Schulen mit miserablen Noten. Sie sind tief verunsichert, männliche Vorbilder fehlen. Forscher rufen bereits die ‚Jungenkatastrophe’ aus, die Leistungen der Mädchen werden unterdessen immer besser.“[1]
„Bis heute werden Geschlechterfragen unzulässig oft als reine Frauensache betrachtet und behandelt. Dass Männer ebenfalls geschlechtsspezifischen Benachteiligungen ausgesetzt sind, ist in der Gesellschaft nicht gleichermaßen bewusst.“[2]
‚Wie stellt sich die Geschlechterfrage im Geschichtlichem Kontext dar und wie hat sich infolgedessen der Begriff „Gender“ entwickelt?’
‚Haben Schülerinnen und Schüler einen Anspruch auf Erziehung durch Lehrpersonen des jeweils eigenen Geschlechts? Werden derzeitige unterrichtliche Praxis und Personalwirtschaft im Bereich der Lehrerberufe Art. 3 Grundgesetz gerecht?’
‚Wie wird die Gender-Situation von Schüler/innen und dem Lehrkörper wahrgenommen?’
4.1.1 ‚Erziehung und Bildung’ – ein geschichtlicher Abriss
Die Rollenverteilung bei Erziehung und Bildung war für viele Jahrhunderte festgelegt und gänzlich anders als sie sich heute darstellt. Die ‚Vorherrschaft’ des Bildungs-Patriarchats hat eine über Jahrhunderte gewachsene Tradition, die erst Anfang des 20. Jahrhunderts endgültig gebrochen wurde.
Sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern fand ein Großteil der Erziehung zu Hause durch die Mütter statt, die Bildung lag aber fast komplett in Männerhand. Deutlich wird das an den Schriften der Gelehrten und Philosophen, die fast ausnahmslos von Männern erstellt wurden.
Ein Zitat aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia über die Stellung der Frau im Stadtstaat Sparta zeigt ein interessantes, aber auch sehr spezielles Beispiel auf:
„In Sparta wurden die ersten bekannten Gesetze über die Stellung der Frau in der Gesellschaft verfasst. Sie hatte vor allem die Stellung der Gebärenden der neuen Krieger. […] In höherem Alter (ab etwa 20 Jahren) war der erwünschte Status einer Frau die Ehe, die meist bei großen Altersunterschieden mit älteren Männern eingegangen wurde. […] Da die Männer Militärdienst leisteten, übernahmen Frauen den Großteil der Wirtschaft und des Haushaltes sowie die Aufsicht über die Bediensteten und die Kindererziehung, bis diese zumindest bei den Jungen mit sieben Jahren der Staat übernahm. Trotzdem wurden Frauen keine aktiven Bürgerrechte zugestanden, also auch kein formaler politischer Einfluss. […] Auch wenn Sparta patriarchal hierarchisch war, wurden Frauen im Vergleich zur extremen Rechtlosigkeit in anderen Teilen des antiken Griechenlands, wie Athen oder Gortyn, zumindest durch ihre Rolle als regulierende Kraft im Haushalt eine gewisse Würde und Selbstbestimmung zugestanden.“[3]
Im Römischen Reich hatten die Frauen eine andere Stellung. Allerdings gibt es vor allem im Bereich Kindererziehung Parallelen:
„ Die Frauen hatten als mater familias eine angesehene Stellung in der römischen Gesellschaft. In der Politik hatten sie allerdings keinerlei Mitspracherecht; außerdem konnten sie kein öffentliches Amt bekleiden und nicht wählen. Zu ihren Aufgaben zählte man die Kindererziehung, Aufsicht über die Haussklaven, Wolle spinnen, das Weben von Stoffen und das Nähen von Kleidung für die Familie […]. Die Verlobung und Eheschließung erfolgte früh, bei Mädchen manchmal schon mit 12 Jahren […]“[4].
Circa ab dem 8 Jahrhundert gab es erste Bildungseinrichtungen für Frauen in Form von Nonnenschulen. Lerninhalte waren nicht nur die wichtigen hauswirtschaftliche Bereiche wie Nähen, Schneidern und Weben sonder auch Astronomie und Arithmetik sowie Lesen und Schreiben. Ab dem 11. und 12. Jahrhundert waren die Klosterschulen eine feste Institution bei der Frauenbildung. Mit dem 14. und 15. Jahrhundert kamen erste private Mädchenschulen auf, in denen der Unterricht von sog. „Lehrfrauen“[5] abgehalten wurde.
Der Trend hin zur Frauenbildung setzte sich dann weiter fort bis hin zur allgemeinen Schulpflicht für alle Kinder durch das Generallandschulregle­ment vom 12. August 1763 unter Friedrich dem Großen im Rahmen des preußischen Volksschulwesens.
Mit Anfang des 20. Jahrhundert kam die Wende hin zu dem Status der Bildung von Jungen und Mädchen wie wir ihn heute kennen. Durch diese Entwicklungen haben immer mehr Parameter an Einfluss auf Erziehung und Bildung gewonnen, die früher nur eine Rolle am Rand gespielt haben. Früher wie heute erfolgte die Erziehung von Kindern und Jugendlichen durch die Eltern und durch die verschiedenen Bildungseinrichtungen wie den Schulen und seit Mitte des 19. Jahrhunderts den Kindergärten. Ein weiterer Einfluss auf die Entwicklung ist die Sozialisation im persönlichen Umfeld, die sich mittlerweile als ein zentraler Faktor in der Entwicklung verankert hat.
Ein wichtiger Punkt für die Geschlechterproblematik war das Jahr 1955 als John Money zum ersten mal den Begriff „Gender“ im Geschlechterbezug benutzt hat:
„Der Begriff Geschlechtsrolle (gender role) wird benutzt, um all jene Dinge zu beschreiben, die eine Person sagt oder tut um sich selbst auszuweisen als jemand, der oder die den Status als Mann oder Junge, als Frau oder Mädchen hat.“[6]
Die Bedeutung des Begriffs ‚Gender’ als Geschlechtsidentität, wie er heute meist benutzt wird, stammt von Robert Stoller und Ralph Greenson aus dem Jahre 1963:
„Geschlechtsidentität (gender identity) beginnt mit dem Wissen und dem Bewusstsein, ob bewusst oder unbewusst, dass man einem Geschlecht (sex) angehört und nicht dem anderen. Geschlechtsrolle (gender role) ist das äußerliche Verhalten, welches man in der Gesellschaft zeigt, die Rolle, die man spielt, insbesondere mit anderen Menschen.“[7]
Er kann allerdings nicht direkt ins Deutsche übersetzt werden. Am ehesten trifft die Umschreibung ‚soziales Geschlecht’ zu, die den Begriff nicht nur auf das Physische und Psychische beschränkt sondern auch auf die gesellschaftlichen Hintergründe erweitert.
Hieraus resultierte schlussendlich auch die Bewegung des ‚Gender Mainstreamings’, die sich vor allem für Gleichberechtigung von Mann und Frau stark machte.
4.1.2 Aktuelle Aspekte
In der heutigen Gesellschaft steht die Erziehung von Kindern und Jugendlichen vor neuen Herausforderungen, die es in früheren Zeiten noch nicht gab. Früher waren die Rollen noch klar verteilt, der Vater als ‚Herr im Haus’ hatte vor allem die Vorbildfunktion für die Jungen, die Mutter, meist Hausfrau, hatte dieselbe Funktion für die Mädchen.
Der Vater als Vorbild brachte den Jungen viele Tugenden bei, die die Männer auszeichnet, sei es der Beschützerinstinkt und die Verantwortung für die Familie, Disziplin etc., ebenso wie Fertigkeiten wie z.B. das handwerkliche Geschick.
Es stellt sich auch hier die Frage, ob die Mutter die Rolle des Vaters zusätzlich erfüllen und ob es bei dieser Konstellation zu Problemen führen kann. Davon sind sowohl Mädchen als auch Jungen betroffen. Alleinerziehende Mütter erziehen ihre Kinder vor allem nach ihren Wertvorstellungen und der eigenen Weltanschauung, und da der männliche Gegenpart fehlt werden Jungen mehr nach femininen Grundsätzen erzogen als es noch früher der Fall war. Andererseits werden im späteren Leben von Männern bestimmte Verhaltensweisen und Fertigkeiten sowie Wesenszüge erwartet, die diese dann nicht erfüllen können. Alleinerzogenen Mädchen fehlt vor allem die Abgrenzung des eigenen Geschlechts gegenüber dem Anderen. Einerseits entspricht es der Vorstellung der Gleichstellung, andererseits widerspricht es der aktuellen Forschung die Männern und Frauen große Unterschiede der Denkstrukturen zuschreibt.
4.2.1 Entwicklung der Schülerzahlen
Abbildung 1: Schüler insgesamt 2003/04 - 2005/06 [http://statistik-bw.de/StatistikPortal/ de_jb04_jahrtab25sch.asp, Zugriff 14.02.2007; Statistisches Bundesamt 2006]
Die Schülerzahlen in Deutschland sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, gut zu erkennen an der nebenstehenden Abbildung. In den Schuljahren 2003/04 bis 2005/06 lag der Rück­gang durchschnittlich bei -1,2 %. Besonders stark ist der Schwund in den neuen Bundesländern (vor allem in Mecklenburg-Vorpommern mit einem jährlich Rückgang von 7,5%, was einer Halbierung der Schülerzahlen innerhalb von ca. 10 Jahren entspricht), der zum einen aufgrund der anthropogenen Entwick­lung nach dem ‚Demo­graphischen Schock’[8] nach der Wiedervereinigung ent­standen ist, zum anderen auch durch den enormen Bevölkerungsrückgang (Migration von Ost- nach Westdeutschland), welcher in weiten Teilen der neuen Bundesländer zwischen 5% und 20 % beträgt.[9] Durch die Migration nach Westdeutschland fiel der Rückgang der Schülerzahlen in der Mehrzahl der Bundesländer nicht so drastisch aus und wird beziffert zwischen +0,1% (Hamburg) und -1,9% (Saarland).
Aufgrund der Annahme, dass bis 2050 der Bevölkerungsrückgang in Deutschland zwischen 5 und 18,5 Millionen beträgt[10], ist in den nächsten Jahren von einem weiteren starken Rückgang der Schülerzahlen auszugehen.
Abbildung 2: Absolventen/Abgänger der allgemein bildenden Schulen [Statistisches Bundesamt (2006): Frauen in Deutschland 2006. Wiesbaden]
Jahrgangsstufenspezifische Entwicklung
Die geschlechterspe­zifische Verteilung der Schüler­zahlen im Schuljahr 2005/06 wird durch die Tabelle rechts (Abb. 3) veranschaulicht.
Abbildung 3: Schüler und Schüler¬innen 2005/06 [Statistisches Bundesamt (14.02.2007), Wiesbaden]
Während bis zur Jahrgangsstufe 9 die Jungen stets mehr als 50% der Schülergesamtzahl ausmachen, wan­delt sich diese Tendenz schon in der 10. Klasse: mit 46784 Schülerinnen im Vergleich zu 44128 Schülern beträgt der prozentuale Mehranteil der Schüler­innen in der für den Übergang in die gymnasiale Oberstufe grundlegenden Jahrgangs­stufe ca. 3%. In den Jahr­gangsstufen 11-13 liegt dieser bei ca. 9% (8,8 % in Klassenstufe 11; 8,7 % in Klassenstufe 12 sowie 9 % in Klassenstufe 13). Die neben­stehende Grafik aus dem Schul­jahr 2003/2004 stellt eine ähnliche Verteilung dar (Abb. 2). Verglichen mit den oben genannten Wer­ten aus dem Schuljahr 2005/06 lagen sie 2 Jahre zuvor ähnlich, womit sich die Ge­schlechter­verteilung offen­sichtlich stabili­siert hat. Deutlich zu er­kennen ist auch die Ver­teilung der Ge­schlechter nach Ab­schlüs­sen: Schüler beenden momentan vermehrt mit Haupt- oder Realschulabschlüssen ihre Schulzeit, während Schülerinnen eher mit einem Realschulab­schluss oder der allgemeinen Hochschulreife abgehen.
4.2.2 Entwicklung der Studierendenzahlen
Abbildung 4: Studierende und Studienanfänger [Statistisches Bundesamt (2006): Im Blickpunkt: Frauen in Deutschland. S.20]
Anknüpfend and die im Abschnitt 4.2.1 genannten Daten erkennt man in Abb. 4, dass die Anzahl der Studien­anfänger­innen zwischen 1998 und 2004 stetig zu­nahm - auch in den Jahren 1998/1999 und 1999/ 2000, als die Gesamtzahl der Studien­anfänger zurückging.
Im Jahr 2004/2005 ging die Gesamtzahl der Studieren­den um ca. 5 % zurück –
die geschlechter­spezifische Differ­en­­zierung dieser Durch­schnitts­zahl ergibt den folgenden Unter­schied: während die Zahl der Studien­anfänger­innen um 3,5 % zurück ging, belief sich der Rückgang der männlichen Studienanfänger auf um 6,5%.
Studienfachspezifische Entwicklung: Pädagogik
Das zweithäufigste Studienfach der Studentinnen ist Pädagogik.[11] Die Position spiegelt sich auch in der Geschlechterverteilung der Studierendenschaft der Fachrichtung Pädagogik wieder. Ca. 78 % sind weiblich und ca. 22 % männlich.[12]
Abbildung 5: Anzahl der Absolventen der Studienrichtung Pädagogik 2000 – 2005 [Statistisches Bundesamt (2007)]
Bei Aufschlüsselung des Studienfaches Pädagogik (in Baden-Württemberg) in Teilbereiche ist zu erkennen, dass vor allem im Primarstufenbereich der Anteil an Absolventinnen wesentlich höher ist: in den Jahren 2000 – 2005 betrug der Anteil männlicher Absolventen des Grundschul-/ und Primarstufenbereiches durchweg ca. 5% - 10 %. Insbesondere hervorzuheben ist die negative Entwicklungstendenz, denn der Maximalwert stammt aus dem Jahr 2000 – dem frühesten Zeitpunkt in der Grafik. Über einen längeren Zeitraum betrachtet ist eine vergleichbare Entwicklung zu beobachten: seit 1970 ging der prozentuelle Anteil der männlichen Studierenden an den Pädagogischen Hochschulen Baden-Württembergs von 40% auf ca. die Hälfte zurück (WS 06/07: ca. 21%).[13]
4.2.3 Geschlechterspezifische Verteilung der Lehrkräfte
Über alle Bildungsbereiche
Abbildung 6: Anteil der Frauen an den Lehrkräften [Statistisches Bundesamt (2006): Internationale Bildungsindikatoren im Vergleich. Wiesbaden. S.91]
Diese Grafik zeigt den Frauen­anteil an Lehr­kräften nach Bundes­ländern differen­ziert über alle Bildungs­bereiche. Zu entnehmen ist dem Schau­bild, dass dieser ca. 3% geringer als in den anderen Ländern der OECD ist und dass generell der Anteil der weiblichen Lehrkräfte in den Bundesländern der ehemaligen DDR signifikant höher als der Durchschnitt liegt. „Die in DDR-Zeiten übliche starke Integration von Frauen in das Berufsleben hat offensichtlich dazu geführt, dass Frauen über alle Bildungsbereiche hinweg im besonderen Umfang Lehrberufe ergriffen haben.“[14] Baden-Württemberg liegt knapp unter dem Median von 62,6 %.
Zu ergänzen ist allerdings in diesem Zusammenhang, dass innerhalb der Grafik keine Differenzierung zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung erfolgt. Da Lehrerinnen wesentlich häufiger in Teilzeit beschäftigt sind als ihre männlichen Kollegen (im Schuljahr 2005/2006 waren 84,3% der in Baden-Württemberg in Teilzeit beschäftigten Lehrkräfte weiblich),[15] sind die gefolgerten Schlüsse aus Abb.6 an dieser Stelle etwas zu relativieren.
Untergliedert in Primarbereich und Sekundarbereich
Abbildung 7: Geschlechterverteilung der Lehrkräfte [Statistisches Bundesamt (2006): Internationale Bildungsindikatoren im Vergleich. Wiesbaden. S.91]
Anhand dieser im Vergleich zum vorangegangenen Abschnitt wesentlich detailreicheren Grafik ergibt sich aber ein ganz anderes Bild, liegt doch der Anteil der weiblichen Be­schäftigten im Elementarbereich bei 98,5% in Baden-Württemberg und sogar bei 99,6% in Sachsen Anhalt. Da die kindliche Früherziehung seit jeher die Aufgabe der Frauen ist, kann grundlegend diese prozentuale Verteilung als üblich angesehen werden.
Der durchschnittliche Frauenanteil in der Primarstufe der deutschen Schulen liegt bei 82,9 %. Ca. 17 % der Grundschullehrer sind damit männlich. Bei einer kleineren Grundschule mit 10-15 Lehrern und Lehrerinnen sind also im Durchschnitt 2 Lehrer beschäftigt. Damit wird in der Grundschule der Unterricht meist von Lehrerinnen gegeben – und es wird sicherlich auch Klassen geben, die von keiner männlichen Lehrerkraft unterricht werden. Ein prägnanterer Unterschied ist bei Schulen zu erwarten, an denen lediglich weibliche Lehrkräfte beschäftigt sind. So schrieb uns während der Untersuchungsdurchführung zu Abschnitt 7 Frau XYZ (Rektorin) uns in ihrer Email vom 10.05.2007, dass sie aufgrund der Tatsache, dass in der Schule nur weibliche Lehrkräfte vorhanden seien, nicht an der Umfrage teilnehmen könne.
Welche psychologischen, physischen und erzieherischen Folgen das Fehlen männlicher Bezugspersonen unter Berücksichtigung der unausgewogenen Geschlechterverteilung unter den Erziehern im Kindergarten auch bei Betrachtung von konfliktbereiten und immigrierten Schülerinnen und Schülern haben kann, wurde in Abschnitt 4.1.2 angedeutet und wird im folgenden schul- und familiensituationsdifferenziert eruiert.
Da in den vergangenen 5 Jahren pro Jahr lediglich 5-10% der Absolventen der Grundschul- bzw. Primarstufenpädagogik männlich sind (vgl. Abb 5) ist nicht davon auszugehen, dass sich die Geschlechter­verteilung unter den Lehrkräften der Primarstufe in den nächsten Jahren angleicht.
[1] http://www.spiegel.de/sptv/thema/0,1518,300131,00.html (Zugriff 16.05.2007)
[2] Welpe I., Schmeck M. (2005): Kompaktwissen Gender in Organisationen. Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften. Frankfurt. S.91
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Sparta#Die_soziale_Rolle_der_Frau_im_antiken_Sparta
(Zugriff 06.05.2007)
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Frauen (Zugriff 06.05.2007)
[5] Vgl Formulierungen (»gelehrtes Frauenzimmer« und »gefällige Gattin«“) in Brokmann-Nooren, Ch. (2004): Weibliche Bildung im 18. Jahrhundert. Oldenburg : Bibliotheks- und Informationssystem der Universität.
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Sex_und_Gender (Zugriff 10.05.2007)
[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Sex_und_Gender; Zugriff 10.05.2007
[8] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2004): Bevölkerung. Fakten – Trends – Ursachen – Erwartungen, Die wichtigsten Fragen. S.22
[9] Vgl. Knox, P., Marston, S. (2001): Humangeographie. Spektrum-Verlag. Kapitel 3
[10] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2004): Bevölkerung. Fakten – Trends – Ursachen – Erwartungen, Die wichtigsten Fragen. S.63
[11] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006): Im Blickpunkt: Frauen in Deutschland. Wiesbaden. S. 21ff
[12] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006): Im Blickpunkt: Frauen in Deutschland. Wiesbaden. S. 22
[13] https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige. csp&ID=1019556 (Zugriff 17.05.07)
[14] Statistisches Bundesamt (2006): Internationale Bildungsindikatoren im Vergleich. Wiesbaden. S.90
[15] Vgl. http://statistik-bw.de/Veroeffentl/Faltblatt/803806006.pdf#search=%22lehrkr% C3%A4fte%22 (Zugriff 17.05.2007)
9783638868853
v79595
Erziehung Kontext Genderproblematik Haben Schülerinnen Schüler Anspruch Lehrpersonen Geschlechts Praxis Personalwirtschaft Bereich Lehrerberufe Schule Spiegel Rechtsprechung
Johannes Zylka (Autor)
T. Giesen (Autor)
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References: §9
 Art. 3
 Art. 6
 §42
 §16
 §1
 §4
 Art. 7
 Art. 3