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Timestamp: 2019-12-12 22:22:16+00:00

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Die evtl. feh­ler­haf­te Zuord­nung im Fest­stel­lungs­be­scheid – und die Anfech­tung des Fol­ge­be­scheids | Rechtslupe
Die evtl. fehlerhafte Zuordnung im Feststellungsbescheid - und die Anfechtung des Folgebescheids
Die evtl. feh­ler­haf­te Zuord­nung im Fest­stel­lungs­be­scheid – und die Anfech­tung des Fol­ge­be­scheids
Ein Ver­wal­tungs­akt ist nich­tig, wenn er an einem beson­ders schwer­wie­gen­den Feh­ler lei­det und dies bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung aller in Betracht kom­men­der Umstän­de offen­kun­dig ist (§ 125 Abs. 1 AO). Ein beson­ders schwer­wie­gen­der Feh­ler die­ser Art kann vor­lie­gen, wenn der Ver­wal­tungs­akt inhalt­lich nicht hin­rei­chend bestimmt ist (§ 119 Abs. 1 AO).
Zur inhalt­li­chen Bestimmt­heit gehört auch, dass der Ver­wal­tungs­akt klar erken­nen lässt, gegen wen er sich rich­tet. Sind Steu­er­schuld­ner und Bekannt­ga­be­adres­sat ein­deu­tig bezeich­net, so ist der Steu­er­be­scheid auch dann rechts­wirk­sam, wenn die ange­ge­be­ne Per­son tat­säch­lich nicht der mate­ri­ell-recht­lich rich­ti­ge Steu­er­schuld­ner sein soll­te. In die­sem Fall ist der Bescheid zwar rechts­wid­rig, aber nicht nich­tig 1.
Im hier ent­schie­de­nen Fall hat das Fest­stel­lungs­fi­nanz­amt den Klä­ger als Kom­man­di­tis­ten der vier Gesell­schaf­ten und damit zwei­fels­frei als den Inhalts­adres­sa­ten der Fest­stel­lungs­be­schei­de ange­se­hen, dem es die Beschei­de bekannt geben woll­te.
Es sind weder Anhalts­punk­te erkenn­bar noch vom Klä­ger vor­ge­tra­gen wor­den, dass die Fest­stel­lungs­be­schei­de ihm gegen­über nicht wirk­sam bekannt gege­ben wor­den sind. Ins­be­son­de­re hat der Klä­ger selbst mit Schrift­satz vom 26.09.2007 an das Finanz­amt vor­ge­tra­gen, er befin­de sich "bei die­sen Beschei­den" im Ein­spruchs­ver­fah­ren.
Damit sind die Fest­stel­lungs­be­schei­de dem Klä­ger gegen­über wirk­sam gewor­den 2. Ob die­se auch den ande­ren Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten gegen­über wirk­sam bekannt­ge­ge­ben wor­den sind, ist uner­heb­lich. Das Gebot der Ein­heit­lich­keit der Ent­schei­dung, so wie es in § 179 Abs. 2 Satz 2 AO ent­hal­ten ist, betrifft den Ent­schei­dungs­in­halt, nicht sei­ne Bekannt­ga­be. Die­se gegen­über einem Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten ein­tre­ten­de Wirk­sam­keit hat aller­dings im Hin­blick auf das Gebot der Ein­heit­lich­keit der Ent­schei­dung zur Fol­ge, dass er nur noch nach Maß­ga­be der Vor­schrif­ten der AO abge­än­dert wer­den kann, folg­lich den ande­ren Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten mit unver­än­der­tem Inhalt bekannt­zu­ge­ben ist, um die vol­le Wirk­sam­keit zu erlan­gen 3.
Da die Recht­mä­ßig­keit der Fest­stel­lungs­be­schei­de im vor­lie­gen­den Fol­ge­be­scheids­ver­fah­ren nicht erheb­lich ist, hat das Finanz­ge­richt zu Recht kei­nen Beweis dar­über erho­ben, ob der A‑Spe­zi­al-Fonds eine über­ge­ord­ne­te Dach­ge­sell­schaft und statt des Klä­gers Mit­un­ter­neh­mer der Gesell­schaf­ten war.
Die Fest­stel­lungs­be­schei­de sind gemäß § 182 Abs. 1 Satz 1 AO Grund­la­gen­be­schei­de für die Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung des Klä­gers. Gegen­stand des Fest­stel­lungs­ver­fah­rens und damit für das Ein­kom­men­steu­er­ver­fah­ren bin­dend sind die sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, ob ein Ver­äu­ße­rungs­ge­winn in bestimm­ter Höhe ent­stan­den und wem die­ser Ver­äu­ße­rungs­ge­winn zuzu­rech­nen ist. Das gilt nicht nur für die Fra­ge, ob ein Ver­äu­ße­rungs­ge­winn bei einem bestimm­ten Steu­er­pflich­ti­gen über­haupt anzu­set­zen ist, son­dern auch im Rah­men der Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des Frei­be­trags nach § 16 Abs. 4 EStG. Hin­ge­gen sind die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Frei­be­trags (Alter, Berufs­un­fä­hig­keit, Objekt­be­schrän­kung) nicht Bestand­teil der geson­der­ten Fest­stel­lung. Hier­über ist im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fol­ge­ver­fah­ren zu befin­den 4.
Fest­stel­lun­gen im Grund­la­gen­be­scheid – und ihre… Gemäß § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO ist ein Steu­er­be­scheid zu ändern, soweit ein Grund­la­gen­be­scheid i.S. von § 171 Abs. 10 AO,…
vgl. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 16.12 1997 – VIII R 32/​90, BFHE 185, 190, BSt­Bl II 1998, 480; vom 22.05.2001 – V B 204/​00, BFH/​NV 2001, 1522; s.a. von Wedel­städt in Beermann/​Gosch, AO § 125 Rz 35; Mül­ler-Fran­ken in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 122 AO Rz 118; vgl. auch Söhn in HHSp, § 179 AO Rz 148b[↩]
vgl. auch BFH, Urteil vom 20.12 2000 – I R 50/​00, BFHE 194, 1, BSt­Bl II 2001, 381, unter II. 2.a[↩]
s. BFH, Urteil vom 25.11.1987 – II R 227/​84, BFHE 152, 10, BSt­Bl II 1988, 410, unter 1.c[↩]
stän­di­ge BFH-Recht­spre­chung, s. z.B. BFH, Urteil vom 09.06.2015 – X R 6/​13, BFHE 251, 140, BSt­Bl II 2016, 216, Rz 16, m.w.N.[↩]
FeststellungsbescheidFinanzgerichtsverfahrenGrundlagenbescheidKörperschaftsteuerbescheidNichtigkeit

References: § 179
 § 182
 § 16
 § 175
 § 171
 § 125
 § 122
 § 179