Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/vertraglich-vereinbarter-anfechtungsausschluss-335591
Timestamp: 2020-02-29 07:25:30+00:00

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Ver­trag­lich ver­ein­bar­ter Anfech­tungs­aus­schluss | Rechtslupe
Ein im Vor­aus ver­trag­lich ver­ein­bar­ter Aus­schluss der Anfech­tung wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung ist mit dem von § 123 BGB bezweck­ten Schutz der frei­en Selbst­be­stim­mung unver­ein­bar und des­halb unwirk­sam, wenn die Täu­schung von dem Geschäfts­part­ner selbst oder von einer Per­son ver­übt wird, die nicht Drit­ter i.S. des § 123 Abs. 2 BGB ist. Das gilt auch im Ver­hält­nis des Erklä­ren­den zu durch die Ver­trags­er­klä­rung begüns­tig­ten Drit­ten 1.
Ein im Vor­aus ver­ein­bar­ter Aus­schluss des Anfech­tungs­rechts aus § 123 Abs. 1 BGB ist nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung unwirk­sam, wenn die Täu­schung vom Geschäfts­part­ner selbst oder von einer Per­son ver­übt wird, die nicht Drit­ter i.S. des § 123 Abs. 2 BGB ist 2.
§ 123 BGB schützt die rechts­ge­schäft­li­che Ent­schlie­ßungs­frei­heit 3, indem die Vor­schrift gewähr­leis­tet, dass eine Wil­lens­er­klä­rung, die nicht als Aus­druck frei­er rechts­ge­schäft­li­cher Selbst­be­stim­mung ange­se­hen wer­den kann, weil die Wil­lens­bil­dung des Erklä­ren­den von Täu­schung oder Dro­hung beein­flusst ist, der Anfech­tung unter­liegt 4. Wird die­se im Vor­aus aus­ge­schlos­sen, lie­fert sich der Erklä­ren­de der Will­kür des Ver­trags­part­ners aus und gibt sei­ne freie Selbst­be­stim­mung voll­stän­dig auf. Dem Täu­schen­den wird ermög­licht, Vor­tei­le aus sei­ner Täu­schung zu zie­hen, ohne eine Rück­ab­wick­lung des Ver­tra­ges befürch­ten zu müs­sen. Dafür ver­dient der arg­lis­tig Täu­schen­de nicht den Schutz der Rechts­ord­nung 5.
Dabei macht es kei­nen Unter­schied, ob die Wil­lens­er­klä­rung einer juris­ti­schen oder natür­li­chen Per­son in Rede steht. Das aus Art. 2 Abs. 1 GG abge­lei­te­te Recht auf freie Wil­lens­bil­dung steht, da es kor­po­ra­tiv betä­tigt wer­den kann (Art.19 Abs. 3 GG 6), juris­ti­schen und pri­va­ten Per­so­nen glei­cher­ma­ßen zu 7.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2011 – IV ZR 38/​09 [HEROS II]
Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 17.01.2007 – VIII ZR 37/​06, VersR 2007, 1084[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 17.01.2007 – VIII ZR 37/​06, VersR 2007, 1084 Rn. 18[↩]
BGH, Urteil vom 24.10.1968 – II ZR 214/​66, BGHZ 51, 141, 147; RGZ 134, 43, 55[↩]
vgl. dazu nur Münch­Komm-BGB/Kra­mer, 5. Aufl. § 123 Rn. 1[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 17.01.2007 aaO[↩]
vgl. BVerfGE 106, 28, 42 ff.[↩]
vgl. Erman/​Palm, BGB 12. Aufl. § 123 Rn. 44[↩]
Anfechtungarglistige Täuschung

References: § 123
 § 123
 § 123
 § 123

§ 123
 Art. 2
 § 123
 § 123