Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=28.05.1997&Aktenzeichen=VIII%20R%2025/96
Timestamp: 2019-11-19 23:28:11+00:00

Document:
BFH, 28.05.1997 - VIII R 25/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,444
BFH, 28.05.1997 - VIII R 25/96 (https://dejure.org/1997,444)
BFH, Entscheidung vom 28.05.1997 - VIII R 25/96 (https://dejure.org/1997,444)
BFH, Entscheidung vom 28. Mai 1997 - VIII R 25/96 (https://dejure.org/1997,444)
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Stiller Gesellschafter - Einlage - Kapitalersetzung - Werbungskosten - Schätzung des Verlustanteils
§§ 17, 9, 20 EStG
Einkommensteuer; Verlustanteile bei stiller Beteiligung an einer GmbH
EStG § 9 Abs 1 S 3 Nr 1, EStG § 17 Abs 1, EStG § 17 Abs 2, EStG § 20 Abs 1 Nr 1, EStG § 20 Abs 1 Nr 4
Kapitaleinkünfte; Schuldzinsen; Stille Beteiligung; Werbungskosten; Wesentliche Beteiligung
Denn die Berücksichtigung eines auf den typischen stillen Gesellschafter entfallenden Verlustanteils als Werbungskosten setzt voraus, dass der Verlustanteil im Jahresabschluss des Unternehmens festgestellt oder vom FA geschätzt worden und im Streitjahr von der Kapitaleinlage des stillen Gesellschafters abgebucht worden ist (vgl. Senatsurteile in BFHE 184, 21, BStBl II 1997, 755; vom 28. Mai 1997 VIII R 25/96, BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724).
Die Berücksichtigung eines auf den typischen stillen Gesellschafter entfallenden Verlustanteils als Werbungskosten setzt voraus, daß der Verlustanteil im Jahresabschluß des Unternehmens festgestellt oder vom FA geschätzt worden und im Streitjahr von der Kapitaleinlage des stillen Gesellschafters abgebucht worden ist (Anschluß an das zur Veröffentlichung bestimmte Senatsurteil vom 28. Mai 1997 VIII R 25/96).
Deshalb hält die höchstrichterliche Rechtsprechung weder kapitalersetzende Maßnahmen (…BFH-Urt. v. 19.05.1992 VIII R 16/88 BStBl II 1992, 902 m.w.N.) noch stille Beteiligungen an einer GmbH (BFH-Urt. v. 28.05.1997 VIII R 25/96, BStBl II 1997, 724 ) noch das über einem 1/4 liegende Stimmrecht bei einer knapp 24 %igen Beteiligung (…BFH-Urt. v. 25.11.1997 VIII R 29/94, BStBl II 1998, 257 ) für geeignet, eine wesentliche Beteiligung zu begründen.
Denn sie vermittelt dem Gesellschafter einer GmbH ebenfalls keine erweiterten Gesellschafterbefugnisse (BFH-Urt. v. 28.05.1997 VIII R 25/96, BStBl II 1997, 724 ).
Aus dem Zweck des § 17 EStG ergibt sich darüber hinaus, dass eine "ähnliche Beteiligung" nur dann vorliegen kann, wenn sie dem Anteil des Mitunternehmers einer Personengesellschaft und damit dessen Einflussmöglichkeit auf die Betriebsführung der Gesellschaft vergleichbar ist (BFH-Urt. v. 28.05.1997 VIII R 25/96, BStBl II 1997, 724 m.w.N.).
Eine solche Nachrangvereinbarung in Verbindung mit einer Verlustteilnahme macht die Genussrechte nicht zu einer GmbH-Anteilen ähnlichen Beteiligung; insoweit gilt nichts anderes als für andere Finanzierungsmaßnahmen mit Rangrücktritt, wie etwa für Eigenkapital ersetzende Darlehen (zu diesen u.a. BFH-Urteil vom 28. Mai 1997 VIII R 25/96, BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724).
Die typisch stille Gesellschaft ist selbst dann keine "ähnliche Beteiligung" i.S. von § 17 Abs. 1 Satz 2 EStG, wenn sie kapitalersetzenden Charakter haben sollte (BFH-Urteil in BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724).
Demgemäß kann regelmäßig auch die in ihrer Höhe begrenzte Bürgenhaftung des Stillen für sich betrachtet --d.h. ohne Rücksicht auf die Ausprägung seiner Initiativrechte-- nicht dessen Stellung als Mitunternehmer begründen (vgl. BFH-Urteile vom 19. März 1981 IV R 167/80, BFHE 133, 54, BStBl II 1981, 527, betreffend eigenkapitalersetzende Darlehen; vom 28. Mai 1997 VIII R 25/96, BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724, betreffend eigenkapitalersetzende typisch stille Beteiligung in Verbindung mit selbstschuldnerischer Bürgschaft;… Schmidt, Einkommensteuergesetz, Kommentar, 21. Aufl., § 15 Rz. 356).
Ausnahmsweise kann die vom FA vorgenommene Schätzung des laufenden Verlustes ausreichen, wenn der Inhaber des Handelsgewerbes keinen Jahresabschluss mehr erstellt oder erstellen kann (BFH-Urteil in BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724).
Auf diese Voraussetzungen ist auch dann nicht zu verzichten, wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet wird (vgl. § 236 Abs. 1 HGB) oder die Eröffnung mangels Masse abgelehnt wird (BFH-Urteile in BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724;… in BFH/NV 1998, 300).
Die verbleibende Einlage ist im Insolvenzverfahren nach § 236 Abs. 1 HGB als Insolvenzforderung anzumelden (BFH-Urteil in BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724;… ferner zum Ganzen auch Weber-Grellet in Schmidt, EStG, 25. Aufl., § 20 Rz 143, m.w.N.).
Der wirtschaftliche Zusammenhang entfällt, wenn die Kapitalanlage veräußert wird oder die stille Beteiligung z.B. infolge Eröffnung des Insolvenzverfahrens zwangsweise endet; denn die für den anschließenden Zeitraum anfallenden Schuldzinsen stellen dann keine Gegenleistung mehr für die Überlassung eines Kapitals dar, das der Erzielung von Einnahmen aus Kapitalvermögen dient (BFH-Urteile in BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724;… vom 10. November 1992 VIII R 98/90, BFH/NV 1993, 468;… vom 5. Oktober 2004 VIII R 64/02, BFH/NV 2005, 54;… vom 19. April 2005 VIII R 45/04, BFH/NV 2005, 1545;… BFH-Beschluss vom 18. Mai 2005 VIII B 141/04, BFH/NV 2005, 1783).
Im Regelfall muss der Verlustanteil außerdem noch von der Einlage des stillen Gesellschafters abgebucht worden sein (BFH-Urteile vom 28. Mai 1997 VIII R 25/96, BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724;… bestätigt durch BFH-Urteil vom 22. Juli 1997 VIII R 73/95, BFH/NV 1998, 300, sowie in BFHE 199, 477, BStBl II 2002, 858, dort auch zur Ausnahme, wenn durch den Verlustanteil ein negatives Einlagenkonto entsteht).
Sie entfallen nicht auf die Zeit vor der Auflösung der GmbH (…zu dieser Voraussetzung vgl. z.B. BFH-Urteile vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33, und in BFH/NV 1996, 406, unter 2. c der Gründe, m.w.N.; vom 28. Mai 1997 VIII R 25/96, BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724, unter II. A. 3. der Gründe, m.w.N.).
Berücksichtigung eines im Verlustentstehungsjahr unzutreffend angesetzten …
FG Münster, 14.05.1998 - 14 K 1520/95

References: § 9
 § 17
 § 17
 § 20
 § 20
 § 17
 § 17
 § 15
 § 236
 § 236
 § 20