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Timestamp: 2017-03-29 17:08:46+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 9 AZR 72/09
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 18.12.2008, 11 Sa 299/08
9 AZR 72/09 11 Sa 299/08
- 2 - den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Rein­fel­der so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Fal­tyn und Dr. Star­ke für Recht er­kannt:
- 3 - Die Kläge­rin ge­bar am 21. De­zem­ber 2006 ei­nen Sohn. Sie wand­te sich nach der Ge­burt mit Schrei­ben vom 5. Ja­nu­ar 2007 an die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten. Der Brief ging die­ser am 31. Ja­nu­ar 2007 zu. Das Schrei­ben vom 5. Ja­nu­ar 2007 lau­tet aus­zugs­wei­se:
- 4 - b) Teil­zeittätig­keit während Ih­rer El­tern­zeit
- 5 - Darüber hin­aus er­folgt im Zeit­raum 2006 bis 2008 ei­ne kon­zern­wei­te Um­stel­lung/An­pas­sung der EDV-Sys­te­me von SAP auf das von der Kon­zern­mut­ter vor­ge­ge­be­ne Axap­ta Sys­tem. Auch im Rah­men die­ser lang­fris­ti­gen Um­stel­lung ist es er­for­der­lich, dass die Lei­tung des Be­rei­ches Con­trol­ling den je­wei­li­gen in­ter­nen und ex­ter­nen An­sprech­part­nern je­der­zeit zur Verfügung steht, um den Sys­temüber­gang rei­bungs­los zu be­glei­ten und si­cher­zu­stel­len. Dies gilt selbst­verständ­lich auch für die durch­zuführen­den Schu­lungs­maßnah­men etc. Die von Ih­nen in­ne­ge­hal­te­ne Po­si­ti­on gilt im Zu­sam­men­hang mit der Um­stel­lung als Schlüssel­po­si­ti­on.
- 6 - Die Kläge­rin hat das El­tern­zeit­ver­lan­gen vom 5. Ja­nu­ar 2007 in der Kla­ge­schrift vom 23. Mai 2007 we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung an­ge­foch­ten und sei­ne Geschäfts­grund­la­ge für ent­fal­len ge­hal­ten. Sie meint, die Be­klag­te ha­be kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe dar­ge­legt, die ih­rem Teil­zeit­an­spruch ent­ge­genstünden. Ihr Ar­beits­platz sei teil­bar. Zu­sam­menkünf­te und Be­spre­chun­gen könn­ten auch bei ei­ner Teil­zeittätig­keit so ab­ge­stimmt wer­den, dass ih­re An­we­sen­heit si­cher­ge­stellt sei. Dienst­rei­sen hätten in der Ver­gan­gen­heit nur 15 % ih­rer Tätig­keit aus­ge­macht. 85 % ih­rer Auf­ga­ben ha­be sie am Schreib­tisch er­le­digt. Vie­le or­ga­ni­sa­to­ri­sche An­ge­le­gen­hei­ten könn­ten über Da­ten­ver­bin­dun­gen oder per E-Mail von zu Hau­se aus be­ar­bei­tet wer­den. An der Ver­tre­tung durch den Lei­ter des Rech­nungs­we­sens von No­vem­ber 2006 bis Au­gust 2007 zei­ge sich, dass Teil­zeit­ar­beit in der Funk­ti­on der Lei­tung des Con­trol­lings möglich sei. Die nöti­gen Ent­schei­dun­gen müss­ten nicht un­ter großem Zeit­druck ge­trof­fen wer­den.
- 7 - vier Wo­chen­stun­den zu Hau­se (Ho­me-Of­fice);
- 8 - Im Kopf der Re­vi­si­ons­schrift sind die Da­ten der Kläge­rin und der Be­klag­ten so­wie ih­re Par­tei­rol­len be­zeich­net. Die Re­vi­si­on ist na­mens der Kläge­rin ge­gen ein Ur­teil des Land­ge­richts Düssel­dorf vom 18. De­zem­ber 2008 (- 11 Sa 299/08 -, Vor­in­stanz: Ar­beits­ge­richt Es­sen - 6 Ca 1828/07 -) ge­rich­tet. Die am 30. Ja­nu­ar 2009 per Te­le­fax ein­ge­reich­te Re­vi­si­ons­schrift ver­weist auf ei­ne bei­gefügte Ab­schrift des Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 18. De­zem­ber 2008 (- 11 Sa 299/08 -).
- 9 - II. Die Re­vi­si­on ist aus­rei­chend be­gründet. Sie ent­spricht den Er­for­der­nis­sen des § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO.
- 10 - O Ger­ma­ny und O Lu­xem­burg so­wie den Mit­ar­bei­tern der Kläge­rin. Hin­zu kämen die nöti­gen Dienst­rei­sen im In- und Aus­land und die stu­fen­wei­se Ver­la­ge­rung des Con­trol­lings von E nach B bis spätes­tens 30. Ju­ni 2008. Die Kläge­rin räume die­sen Vor­trag der Be­klag­ten in­di­rekt ein, wenn sie an­bie­te, not­falls auch außer­halb der bei­den An­we­sen­heits­ta­ge in den Be­trieb zu kom­men.
- 11 - 1. Der Teil des An­trags zu 4, über den noch zu ent­schei­den ist, ist hin rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.
- 12 - ge­bo­te­nen Ver­tragsände­rung durch El­tern­teil­zeit nach § 894 Satz 1 ZPO als er­teilt.
- 13 - erst nach dem En­de der Mut­ter­schutz­frist im Jahr 2007 be­gin­nen. Die Zeit der Mut­ter­schutz­frist nach § 6 Abs. 1 MuSchG wird le­dig­lich auf die Be­gren­zung der El­tern­zeit bis zur Voll­endung des drit­ten Le­bens­jah­res des Kin­des an­ge­rech­net (§ 15 Abs. 2 Satz 2 iVm. Satz 1 BEEG). Für die Fra­ge ent­ge­gen­ste­hen­der drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe sind die Verhält­nis­se im Zeit­punkt der Ab­leh­nung des An­trags durch den Ar­beit­ge­ber maßgeb­lich. Der dem An­trag auf El­tern­teil­zeit zu­grun­de lie­gen­de Sach­ver­halt war dem­nach am 1. Ja­nu­ar 2007 noch nicht ab­ge­schlos­sen. Im Übri­gen be­steht kein in­halt­li­cher Un­ter­schied zwi­schen § 15 f. BErzGG und § 15 f. BEEG idF vom 5. De­zem­ber 2006 (vgl. nur Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 19, BA­GE 126, 276).
- 14 - lässt kei­nen Rechts­feh­ler er­ken­nen. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat die Aus­le­gungs­vor­schrif­ten der §§ 133, 157 BGB nicht ver­letzt. Es hat auch nicht ge­gen Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungssätze ver­s­toßen oder Umstände, die für die Aus­le­gung von Be­deu­tung sein können, außer Acht ge­las­sen. Der Ar­beit­neh­mer darf den An­trag auf Ver­rin­ge­rung und Neu­ver­tei­lung sei­ner Ar­beits­zeit gleich­zei­tig mit dem El­tern­zeit­ver­lan­gen stel­len (ausführ­lich Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 21 f., BA­GE 126, 276; 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 28 ff. und 31 ff., BA­GE 123, 30).
- 15 - a) Ein Ver­rin­ge­rungs­an­trag nach § 15 Abs. 6 BEEG muss so for­mu­liert sein, dass er durch ein schlich­tes „Ja“ an­ge­nom­men wer­den kann. Dem An­trags­empfänger kann das Recht ein­geräumt wer­den, die Ein­zel­hei­ten fest­zu­le­gen (vgl. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 23, BA­GE 126, 276; 19. April 2005 - 9 AZR 233/04 - zu II 1 der Gründe, BA­GE 114, 206).
- 16 - Hin­zu kom­me die stu­fen­wei­se Ver­la­ge­rung des Con­trol­lings von E nach B bis spätes­tens 30. Ju­ni 2008.
- 17 - genügt sei­ner Dar­le­gungs­last schon dann, wenn er be­haup­tet, sol­che Gründe bestünden nicht.
- 18 - 20. Fe­bru­ar 2007 ab­lehn­te. Das Vor­brin­gen der Be­klag­ten ist des­halb mit­hil­fe des für § 8 Tz­B­fG ent­wi­ckel­ten drei­stu­fi­gen Prüfungs­sche­mas zu über­prüfen.
- 19 - (aa) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts wird noch kein Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept dar­ge­legt, wenn der Ar­beit­ge­ber vor­bringt, die Auf­ga­ben soll­ten nach sei­ner un­ter­neh­me­ri­schen Ziel­set­zung von ei­ner Voll­zeit­kraft, hier ei­ner voll­zeit­beschäftig­ten Lei­te­rin Con­trol­ling, er­le­digt wer­den. Das gilt auch für Lei­tungs­funk­tio­nen. Sonst könn­te der Ar­beit­ge­ber je­dem Teil­zeit­ver­lan­gen mit dem Ar­gu­ment be­geg­nen, er wol­le nur Voll­zeit­ar­beit­neh­mer beschäfti­gen (vgl. Se­nat 8. Mai 2007 - 9 AZR 1112/06 - Rn. 30, AP Tz­B­fG § 8 Nr. 21 = EzA Tz­B­fG § 8 Nr. 18).
- 20 - ab­ge­lehnt wer­den kann. An das Ge­wicht der Ab­leh­nungs­gründe sind da­her er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len (Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 37 und 48, BA­GE 123, 30).
- 21 - Tat­sa­chen sind zu be­zeich­nen (vgl. im Ein­zel­nen Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 53 f., BA­GE 123, 30).
- 22 - D. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1, § 92 Abs. 1 Satz 1 2. Alt. ZPO.
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References: § 72
 § 551
 § 253
 § 894
 § 6
 § 15
 § 15
 § 15
 § 8
 § 8
 § 8
 § 97
 § 92