Source: https://www.agdd.de/de/danach/unsere-angebote-fuer-rueckkehrer/innen/fortbildungsfoerderung
Timestamp: 2019-12-09 20:51:25+00:00

Document:
Mit dem Ziel, die berufliche Wiedereingliederung von (nach EhfG) entsandten Fachkräften in den deutschen oder europäischen Arbeitsmarkt bestmöglich zu unterstützen, stellt das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) jährlich einen Betrag für die finanzielle Fortbildungsförderung von Rückkehrer/innen zur Verfügung. Die gesetzliche Grundlage ist das Entwicklungshelfergesetz, insbesondere §12 EhfG:
"Wer nach Beendigung des Entwicklungsdienstes einen neuen Arbeitsplatz sucht, soll unter Berücksichtigung der besonderen Erfahrungen und Kenntnisse, die er sich während des Entwicklungsdienstes und des Vorbereitungsdienstes angeeignet hat, vermittelt und beruflich gefördert werden."
Das Förderungswerk der AGdD verwaltet die Mittel. Die Bedingungen für eine Förderung orientieren sich am Ausbildungsförderungsgesetz (BAföG) §§18ff. und sind in den vom BMZ formulierten Auflagen festgeschrieben.
Wer Was Wie Verlauf
Eine Fortbildungsförderung kann gewährt werden bei:
Befristetem Arbeitsvertrag von weniger als einem Jahr
Beschäftigung unterhalb des Qualifikationsniveaus
Fehlender Möglichkeit wieder zum vorherigen Arbeitgeber/Dienstherren zurückzukehren
Fehlen anderer Finanzierungsmöglichkeiten (nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), Sozialgesetzbuch oder andere)
Ende des (letzten) EH-Vertrages liegt max. 24 Monate zurück.
Bei mehrfacher Entsendung besteht prinzipiell auch die Möglichkeit, mehr als einmal einen Antrag zu stellen.
Es können Informations-, Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen, die die berufliche Wiedereingliederung verbessern beziehungsweise erleichtern, gefördert werden. Dies sind:
Nur Weiterbildungen an folgenden Aus- und Fortbildungsinstitutionen sind förderungsfähig:
Fortbildungsmaßnahmen im eigenen Berufsbereich (das heißt im erlernten beziehungsweise vor der Ausreise zuletzt ausgeübten Beruf) zum Erlangen des beruflichen Anschlusses
Kurzzeitfortbildungen von bis zu sechs Monaten zur Erlangung von Zusatzqualifikationen
Aus- und Fortbildungen im eigenen Berufsbereich bei einer befristeten Tätigkeit im berufsfremden Gebiet
Neue Berufsausbildungen, wenn im eigenen Berufsbereich nur schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestehen
Fernstudiengänge, solange der Empfänger dem deutschen/europäischen Arbeitsmarkt uneingeschränkt zur Verfügung steht
berufsbegleitende Aufbaustudiengänge in Teilzeit (in Ausnahmefällen)
Aus- und Fortbildungen an staatlichen oder staatlich anerkannten deutschen/europäischen Aus- und Fortbildungsinstitutionen
Aus- und Fortbildungen an deutschen sowie europäischen nicht staatlich anerkannten Aus- und Fortbildungsinstitutionen, wenn der Antragsteller die Gleichwertigkeit mit staatlich anerkannten Abschlüssen nachweist
Aus- und Fortbildungen im außereuropäischen Ausland nur, wenn die Gleichwertigkeit über die Kultusministerkonferenz anerkannt wird
Betriebliche Mitarbeit/Hospitation für längstens sechs Monate, zur Erlangung berufsspezifischer Praxis oder Aktualisierung des vorhandenen Fachwissens
Als zinsfreies Darlehen werden gewährt:
Kurskosten und Studiengebühren (auch spezifische Kosten bei elektronisch gestützten Lernverfahren (eLearning))
Kosten für Verpflegung/Unterkunft für die Teilnahme an Kurz-, Teilzeit- und modularen Kursen außerhalb des Wohnortes
Fahrtkosten (ggbfs. auch Flugkosten) für die einmalige Hin-/Rückreise vom Wohn-/Arbeitsort zum Aus- bzw. Fortbildungsort
Zuschuss zu den Kosten des Lebensunterhalts der geförderten Person
Kosten von vorgeschriebenen Auslandsaufenthalten in Drittländern, wenn diese durch die Studien-/Prüfungsordnung der Aus- bzw. Fortbildungsinstitution vorgeschrieben sind
Der Zuschuss zu den Kosten des Lebensunterhaltes der geförderten Person ist gesetzlich festgelegt. Er ergibt sich (bei Vollzeitmaßnahmen von mindestens 30-tägiger Dauer) analog zu §§ 150 bis 153 SGB III (ALG I) bis zu maximal dem Betrag, der bei der fiktiven Bemessung nach § 152 Abs. 2 Nr. 2SGB III errechnet wird. Die maximalen Werte unterscheiden sich nach Ost und West und werden jährlich angepasst. Das Förderungswerk aktualisiert die Daten und stellt sie auf der Website zur Verfügung.
Als nicht-rückzahlbarer Zuschlag zu den Lebenshaltungskosten der Familienangehörigen wird gewährt:
Zuschlag für im Haushalt der geförderten Person lebende/r Ehepartner/in in Höhe von 30% des Zuschusses zu den Kosten des Lebensunterhaltes für die geförderte Person. Hier wird das Bruttoeinkommen des/der Partners/in zu Zweidritteln angerechnet. Auch Ansprüche aus anderen gesetzlichen Vorschriften werden dabei in voller Höhe als fiktives Einkommen angerechnet.
Zuschlag für jedes im Haushalt lebende Kind der geförderten Person in Höhe von 25% des Zuschusses zu den Kosten des Lebensunterhaltes für die geförderte Person bis zum Abschluss der allgemeinen Schulbildung. Dies kann auch eine Fachoberschule sein. Ansprüche aus anderen gesetzlichen Vorschriften (z.B. BAföG) werden dabei in voller Höhe als fiktives Einkommen angerechnet.
Sind Sie an einer finanziellen Förderung interessiert?
Die Fortbildungsförderung muss beim Förderungswerk der AGdD schriftlich beantragt werden. Dem sollte grundsätzlich ein Beratungsgespräch bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter des Förderungswerks vorausgehen. Die weiteren Schritte sind klar definiert und im Folgenden zusammengefasst.
Über die eingereichten Anträge entscheidet zwei Mal im Jahr der Förderungsausschuss. Stichtage sind der 31. Januar und der 31. Juli. In Ausnahmefällen kann die Fortbildungsförderung auch rückwirkend genehmigt werden.
Der Antrag auf Fortbildungsförderung besteht aus folgenden Komponenten:
Antragsformular; ausgefüllt und unterschrieben (das Original muss auf dem Postweg eingereicht werden). Bitte fordern Sie das Formular persönlich bei uns an
Tabellarischer Lebenslauf (vollständige Auflistung des Ausbildungsweges und beruflichen Werdegangs)
Abschlusszeugnisse (Ausbildung und/oder Studium)
Arbeitszeugnis aus dem Entwicklungsdienst (mindestens Zwischenzeugnis)
Informationen zur geplanten Aus- und Fortbildung; z.B. Broschüre des Bildungsträgers inklusive Kosten und Kontaktdaten
Kopie der Zusage des Bildungsträgers (kann gegebenenfalls auch nachgereicht werden)
Falls ein Zuschlag für Familienangehörige beantragt wird:
Steuerbescheid vom letzten Jahr für Ehepartner/in beziehungsweise Lebenspartner/in
Antrag auf Familienzuschuss
Eine Förderung kann auch bereits während des Entwicklungsdienstes beginnen (z.B. in Form eines Fernstudiums). In diesem Fall muss eine schriftliche Zustimmung des Arbeitgebers vorgelegt werden, dass er der geplanten Aufnahme der Fortbildung noch während der Dienstzeit zustimmt.
Als Ruhephase wird der Zeitraum zwischen der letzten Auszahlung von Förderungsmitteln (Kosten für den Lebensunterhalt) und dem Beginn der Darlehenstilgung bezeichnet. Wurde kein Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten finanziert, so gilt das Datum des in der Vereinbarung festgeschriebenen Ausbildungsendes.
Die Ruhephase dauert
drei (3) Jahre, wenn die geförderte Fortbildung weniger als insgesamt sechs (6) Monate dauerte
fünf (5) Jahre, wenn die geförderte Fortbildung sechs (6) Monate und mehr dauerte
Die Tilgung ist nach §18 Abs. 3 in gleichbleibenden monatlichen Raten in Höhe von mindestens 105€ zu leisten. In der Regel sind die Raten für drei Monate in einer Summe zu entrichten. Dies sollte per Einzugsermächtigung geschehen. Die Rückzahlung ist längstens innerhalb von 20 Jahren, spätestens jedoch zum errechneten Renteneintrittsdatum zu erfüllen.
Das Ausbildungsförderungsgesetz regelt in §18 Abs. 5b: Bei vorzeitiger Tilgung vor Beginn der regulären Tilgungsphase ist ein Nachlass von der Darlehensschuld zu gewähren. Der prozentuale Nachlass ergibt sich aus der Tabelle des Bundesamtes für Bundesausbildungsförderung. Darüber hinaus kann die Darlehensrestschuld auch früher als vereinbart getilgt werden, z.B. indem höhere Raten vereinbart werden. Dies ist jederzeit möglich, führt aber zu keinem Darlehensnachlass.
Zinszahlung bei Zahlungsverzug
Das Darlehen an sich ist nach §18 Abs. 2 zinslos. Allerdings fallen in der Tilgungsphase Zinsen in Höhe von 6% an, sobald ein Zahlungstermin um mehr als 45 Tage überschritten wird. Fällige Zinsen sind nach §18 Abs. 5 sofort fällig. Mit Zahlung der letzten Darlehensrate erhält der/die Fortbildungsförderungsnehmer/in ein abschließendes Schreiben. Der Prozess der Fortbildungsförderung ist damit abgeschlossen.

References: §12
 § 152
 §18
 §18
 §18
 §18