Source: http://repertorium.at/qu/steirlandlauf.html
Timestamp: 2017-11-21 15:41:26+00:00

Document:
Steiermark Landlauf Ende 14. Jh. :: Transkription Speer 2017
Das ist der lanndlauf von Steyr der gewondlichen recht, die man täglichen wanndelt. Das sünd die hofftading von Grätz.
Art. 1. Des ersten vmb gewalt.
Art. 2. Item von fürpot.
Art. 3. Item von gwalt.
Art. 4. Gewalt.
Art. 5. Auf drit tag (clagen).
Art. 6. Wann man ainem ain gelt anbehabt mit recht.
Art. 7. Von gemainen vrtail.
Art. 8. Von brüeff, die dy schrann zu Grätz geit.
Art. 9. Von gemainen brüeffen.
Art. 10. Vrtail tragen für das recht.
Art. 11. Weysung.
Art. 12. Vrtail.
Art. 13. Von gwalt.
Art. 14. So man ainem an recht nimbt.
Art. 15. Von vrtail.
Art. 16. Von gelub.
Art. 17. Von vrtail.
Art. 18. Von gwalt.
Art. 19. Von gemain vrtail.
Art. 20. Von clag aufgeben.
Art. 21. Von geding.
Art. 22. Von vrtail.
Art. 23. Von vrtail.
Art. 24. Von gwalt.
Art. 25. Von gewalt oder an recht.
Art. 26. Von prüef laden.
Art. 27. Vmb gewalt.
Art. 28. Von zeugen.
Art. 29. Von zeugen sag.
Art. 30. Von dingnus.
Art. 31. Von weisung.
Art. 32. Von schaden.
Art. 33. Vmb schaden.
Art. 34. Juden bewärung.
Art. 35. Von steurern.
Art 36. Von erbschaft.
Art. 37. Aysch haben.
Art. 38. Zewgbrief furbot.
Art. 39. Von füboten.
Art. 40. Von furgeboten.
Art. 41. Den mittern tag auf ze geben.
Art. 42. Vrtail.
Art. 43. Vrtail.
Art. 44. Zewgbrief.
Art. 45. Von zwain zewgen.
Art. 46. Von gewalt.
Art. 47. Von ehaft not.
Art. 48. Ansprach vmb erb.
Art. 49. Das niemant sol stewrn auf dez andern scheden.
Art. 50. Bewärung.
Art. 51. Von geding.
Art. 52. Von geding.
Art. 53. Von ainem vorsprechen.
Art. 54. Ehaft not.
Art. 55. Ain mensch antwurt auf den driten tag.
Art. 56. Raitung.
Art. 57. Wer chlait.
Art. 58. Wer chlait.
Art. 59. Von zewgbrief.
Art. 60. Furbot vnd zewgbrief.
Art. 61. Chaim waisen.
Art. 62. Waisen.
Art. 63. Haimsuchen.
Art. 64. Haimsuchen.
Art. 65. Daz ainer nimpt.
Art. 66. Bewärn.
Art. 67. Vrtail.
Art. 68. Der antwurter mag den chlager nicht ansprechen.
Art. 69 Vmb scheden.
Art. 70. Man schol mit furbot laden.
Art. 71. Man bewärt mit briefen.
Art. 72. Aigen oder lehen.
Art. 73. Bewärn.
Art. 74. Gewalt.
Art. 75. Gewalt.
Art. 76. Vrtail.
Art. 77. Von gedingen.
Art. 78. Vmb anerstorbens erb.
Art. 79. Erbtail.
Art. 80. Daz sich veriert.
Art. 81. Vmb vnuerzogen teg.
Art. 82. Mit furbot laden.
Art. 83. Das ist frag vnd antwurt.
Art. 84. Frag vnd antwurt.
Art. 85. Das sind der herren recht; die erst vrtail vmb varund gut oder gült.
Art. 86. Von furbot.
Art. 87. Von (vron)gewalt.
Art. 88. Von lehen.
Art. 89. Chriegung vmb veld oder vber holcz.
Art. 90. Von aygen.
Art. 91. Von werung.
Art. 92. Von dez herczogen strassen.
Art. 93. Daz dhain pawr.
Art. 114. Leib aigen oder er.
Art. 95. Von inwert aigen.
Art. 96. Von aigen man.
Art. 97. Von aigen.
Art. 98. Von phannten.
Art. 99. Bestetigung.
Art. 100. Von lehen.
Art. 101. Von muldinst.
Art. 102. Von perkchrecht.
Transkribiert wurde der reine text aus der Ausgabe von Bischoff. Auf die Übertragung der inhaltlich wertvollen Anmerkungen wurde verzichtet, um einen leicht lesbaren Text herzustellen. Im Interesse der Volltextrecherche über Suchmaschinen wurden Vokale mit übergeschriebenem Circumflex ohne das diakritische Zeichen transkribiert, vor allem, da Bischoff die unterschiedlich verwendeten diakritischen Vokale auch um der besseren Lesbarkeit willen vereinheitlicht hat (Bischoff S. 67).
Wan ainer fürpot gesambt hat vmb ain gwalt und zeucht er den gwalt enen selber, der den gwalt than hat, so muess der fürpot sagen, das der clager vm den gwalt an den antwurter zeucht. Vergäss der clager des, das er im das fürpot nit schrib, das er den gwalt an den antwurter zug, so mocht der clager den antwurter nicht geaidingen. [Seite: 76] [Seite: 77]
Es antwurt ainer nuer als sein fürpot sagt.
Wer also nicht lat vmb gwalt, so muess der clager hinz dem antwurter bewären, vnd der clager ist selbdritt. Die muessen iedlicher ainen aydt schwören vnd nach dem aydt sein gewissen sagen. Empfelt der dreyer ainer, so mag der clager nit verrer ziechen vnd ist der antwurter entbrosten. [Seite: 78] [Seite: 79]
Wann der antwurter engegen ist, so zeucht der clager wol an im selb vmb ain gwalt. Ist er nit entgegen, so mag er in nit geaydingen, es sag dann sein fürpot, so aydigt er in wol, er sei entgegen oder nicht.
Wann ainer clagt sein driten tag in hofftäding vnd ist der antwurter entgegen, so muess der clager den zeugbrief haissen lössen, der im des andern hoftaidings gegeben ist, das der antwurter hört, was man hinz im spricht. vnd antwurt der antwurter doch nuer als sein fürpot fordert, vnd muess der clager alle tag zeugbrief nemen. [Seite: 80]
Wann der clager dem antwurter ain gelt anbehabt mit recht, so geit der richter dem clager prüef oder poten, die dem clager benennent, auf wew der clager weist, des in des gerichts pot gewaltig macht. So das ist, das der clager pfand hat, so muess der clager dieselben pfand für gericht tragen vnd muess fragen, wie er mit dem pfand farn soll. Was dem clager dann ertailt wird, da muess der clager aber des gerichts brief vber nemen vnd muess der prüef sagen, was ime des tages ertailt wurd. Dieselben prüef die haissen prüef, die man geit vber die gueter, die für gericht getragen seindt.
Wann ainer fragt vmb ain gemain vrtail, was nun dem ertailt wird, da niembt er auch des gerichts prüef vmb; dieselben prüef haissen prüef, die man vber gemain vrtail geitt.
Vierlay. Die ersten prüef haissen fürpotbrief, die andern brüef haissen zeugbrüef, die dritten haissen [Seite: 81] prüef vber furgetragene gueter, die vierten haissen prüef vber gemain vrtail. Die vierlai prüef geit die schrann zu Grätz von dem hofftäding.
Darzue gehören auch ander prüef, geschäftbrief, spruchbrief, vrtailbrüef von landvolckh. Wer die brüef recht fertigen kann, vnd wol in nimbt vnd recht versteet, der füegt wol der schrann da zu Grätz; wann sy geit die prüef vnd hat ieder brüef sein sonder recht.
Wann ainer ainem andern ain vrtail für das recht traid, so muess der dy vrtail fürtraid des andern prüef haben, der die vrtail bei im gesambt hat, vnd muess der prüef sagen, das der man dy vrtail fürtrag mit vollem gewaldt in allem dem rechten, sam ener selbs da wär. Ist die vrtail ienem geuallen, der [Seite: 82] ir gedingt hat, oder ist sy verlorn, des ist er vnentgolten, der dy vrtail enem für hat getragen, wiewol der prüef sagt, er ste zu uerlust vnd zu gewin; es get alles auf enen, der ir gedingt hat zu schaden oder zu frum.
Wann ain man weisen soll da zu Grätz, so muess er des gerichts potten haben, der do weissen soll. Das ist vberall recht.
Wann man vrtail dingt vnd wann dy vrtail hin vnd herwider kombt, so soll man nach der vrtail richten, vnd sünd die ersten rechten alle ab.
Ain gwalt ist hart zu wern, wann der clager sagt selbs. [Seite: 83]
Was ainer dem andern nimbt an recht, das zeucht der clager wol an den antwurter selbs dritt. Empfellt der dreier ainer, so ist der antwurter emprosten. Vordert der clager den antwurter nit mit dem fürpott mit recht, so mag er in nicht aidingen.
Wer ainer vrtail dingt, der sols ienem khundt machen vnd empieten, wan er schreiben will.
Wann ainer den andern anspricht vmb ain gelub, vnd das der clager hinz dem antwurter bewärn will, so mag vmb die gelub niemant zeug sein, denn die dabei gewessen sein. [Seite: 84]
Wann paid vorsprechen ertaillent, so mag man woll vrtail gedingen ee man vber den dritten khombt. [Seite: 85]
Vmb ain gwalt mag ainer nicht dingen.
Wann ainer fragt vmb gemain vrtail da zu Grätz, des geit man nicht ain zeugbrief, es sei dan ener hingegen.
Es mag niemant sein clag aufgeben, es sei dan der antwurter entgegen. [Seite: 86]
Es mag niemant gedingen, es haben paid ee ertailt, der antwurter vnd der clager.
Ain vorsprech soll ain vrtail fürlegen vnd nicht zway.
Es soll niemant zway vrtail miteinander dalegen.
Behabt man zwaen ain gwalt an, die muessen baidt puessen. [Seite: 87]
Wenn ainer spricht, er hat mir das genomen mit gewalt oder an recht, so muess der antwurter wissen, wo das geschechen sei.
Wer mit brieuen latt, der muess mit zeugpüefen war machen vmb sein täg.
Vmb ain gewalt muess man antwurten auf den andern tag.
Auf ain nicht mag niemant ainen zeugen stellen. [Seite: 88]
Wess sich der man vermisst zu bereden, das muessen die zeugen sagen, als es der vorsprech dargelegt hat. Sagens ains worts minder, so sind sy des nicht gestandten.
Wer ain vrtail gedingt, all die weil sich dy vrtail nicht verganngen hat zu verlust oder zu gewin, so mag der man, der dy vrtail gedingt, kainer andern gedingen vnd ledig sein.
Wer auf ain weissung tädingt, da soll der clager albeg weisen lassen; wann der antwurter begert der weissung vnd nicht der klager. Davon muess der clager weissen. [Seite: 89] [Seite: 90]
Nimbt ain mensch ain schaden, den im ain ander mensch widerkehren soll, ist es ain iudenschaden, den er genomen hat, so muess er bewären, der denselben schaden genomen hat, mit ainem iuden vnd mit ainem kristen, ob man sein sonst nicht gelauben will.
Nimbt ainer schaden mit laissten oder mit zehrung oder wie der schad genannt ist, das nicht iudenschaden ist, das bewärt ain kristen hinz dem andern mit zwain khristen.
Was ain iud hinz ainem kristen bewären soll, da muessen auch vmb sagen iuden vnd khrissten. [Seite: 91]
Wittiben vnd khinder hinder zwelf iahrn, vnd narren, wie alt die sünd, vnd pfaffen vnd all geistlich leuth, es sein frauen oder man, der soll ain iegklichs ainen steurer haben vor dem gericht zu seinem vorsprechen, es clag oder antwurt.
Was ainem menschen anerstirbt, ez sei aigen oder lehen, perkchrecht oder varund gut, das schol der mensch, dem ez anerstarben ist, nachsprechen ynner iars vrist, oder ez verieret sich.[Seite: 92][Seite: 93]
Ez schullen alle wittiben aysch haben nach irs manns tod vmb wew mans anspricht. Hat si aber selben icht gelobt pey des mannes lebentigem leib, oder hat si hernach icht gelubt, vmb wew si gelobt hat selben, da mag si nicht aysch vmb haben.
Ez schullen all zewgbrief sagen als die furbot. [Seite: 94]
Wer sich fürbots ausreden wil vnd gicht, im sey nicht fürgeboten, der schol dez ainen aid schweren, daz im daz fürbot ze haws vnd ze hof nicht komen sey.
Man gepewt oft den lewten für, das sew dahaim nicht sind.
Ez mag ain mensch, daz drey tag chlait, den mitterntag wol aufgeben; den ersten vnd den lesten mus ez selb chlagen.
Ez sullen all vrtail, vmb welleich sach man dingt, in achtagen werden furgelegt; in virczechen tagen schol mans verantwurten. Dingt man ir aber aus dem land, so schol mans in [Seite: 95] virczechen tagen furlegen, in sechs wochen verantwurten.
Ez sullen all vrtail ze rechten tegen hin vnd herwider chomen.
Man schol ze allen tegen zewgbrief nemen, die schullen geleich sagen.
Wann sich zwen zewgen vermessent, so leit in der pilleicher, der die gwer hat. Daz muz mit ainem anlangen zewgen geschechen. [Seite: 96]
Ez mag vmb gewalt nymant gerichten, den der hawbtman in Steyr. [Seite: 97]
Wer antwurten sol auf ainen tag vnd mag er nicht geantwurten vor ehafter not, den muz man ehaft not ausreden, oder er nympt scheden.
Spricht ain man den andern an vmb ain erb vnd enprist der antwurter dem chlager mit recht, der antwurter mag dem chlager nicht zugesprechen vmb den schaden, den der antwurter genomen hat mit zerung.
Wann man ruft vor der schrann, das nymant stewr auf dez andern schaden, wer aftendez aufhabt oder dirtailt vngefragt, der schol dem richter püzzen vnd ainem seinen schaden ablegen. [Seite: 98]
Wer ainem zewgen pewt, da er mit bewären wil, den chan nymant vertreiben, an allein mit ainem anlangen vertreibt man dem chlager seinen zewgen vnd stelt der antwurter seinen zewgen dar, oder er zewcht ez an in selber.
Nement zwen ain vnuerczogen tag, der mag dhainer gedingt werden, ez muz sich vergen dez ain tags.
Wider brif mag nymant gedingen; waz man an ainen man selber zewcht, da mag er auch nicht vmb gedingen.[Seite: 99]
Nimpt ain mensch ain vorsprechen vnd sawmpt der vorsprech das mensch, ez nympt im mit recht ainen andern. Waz der erst vorsprech vertaidingt hat, das mag der lest herwider nicht pringen.
Wer den andern ehaft not ausredet, der schol melden, was die ehaft not sey; so schol man fragen, ob ez ehaft not möcht gesein oder nicht.
Ez mus ain jgleich mensch antwurten auf den dritten tag; so soll der antwurter fragen, ob man in pilleich weisen sull in daz erb. Daz muz man tun; damit lengt man die täg.[Seite: 100]
Wann man raittung ertailt vor der schrann, so schol man in achtagen raitten, in vîrczechen tagen wern.
Wer zwen tag chlait vnd chumbt er nicht auf den dritten tag, so hat er die teg verloren.
Wann ainer chlait dacz Grecz den ersten tag, so nympt er sein fürbot vnd ain zewgbrief, die sullen geleich sagen, vnd ladet ainen zeuerantwurten vber vîrczechen tag; so hat der antwurter zeit genug vber vir wochen, ob er wil. [Seite: 101]
Wann der chlager seinen andern tag chlait, so pitet er newr gerichts, als sein zewgbrief sait; also tut er auch auf den dritten tag. Sagent die zewgbrief nicht geleich, so hat der chlager sein teg verlorn; der antwurter ist darumb nicht gar ledig.
Ez let der vorsprech den ersten tag mit worten für dez chlager recht; wie die ligent, so wirt dem chlager sein furbot vnd sein zewgbrief ertailt vnd gegeben. Aftendez den andern tag vnd den dritten pit der chlager newr gerichts, als sein zewgbrief sagent, vnd muz doch zu allen tagen zewgbrief nemen.
Man ertailt chaim waisen nicht ainen weiser, er sey dann hinder zwelf iarn. [Seite: 102]
Ez haissent all lewt waisen, wie alt sew sind, die nicht vater vnd muter habent; darumb mugen sew nicht weiser gehaben, sie wären dann hinder zwelf iarn.
Wer ainem lawft an sein haws vnd vodert in heraus mit posen worten, oder ob er im aufstôsset ain tür oder ain tor, das haisset allez haimsuchen.
Ain haimsuchen mus ain man pussen mit fünf phunden.[Seite: 103]
Waz ain man dem andern an recht nympt, daz mus er im selb anders wider geben.
Ez mus ain ygleich man, der nicht zewgbrief hat, sein teg enfollen bewärn.
Wann man vrtail dingt, die schol man schreiben aus payder vorsprechen mund. Helnt die nicht geleich, so sol der richter, da der vrtail vor gedingt ist, drey oder fünf zu der vrtail schaffen, die dez tags vor gericht gewesen sind. Wem die merer volig gicht von den funffen, also sol man die vrtail schreibn. [Seite: 104]
Der antwurter mag den chlager nicht angesprechn, er enprest im ee mit recht.
Ez mag nyemant gesprechen vmb den schaden, er hab das erkchen ee behabt. [Seite: 105]
Man mag nyemant sein gut mit frag anbehaben, man mus in mit furbot laden.
Wann ain man sein teg envollen bewärt mit briefen oder mit lewten, vnd ist der antwurter nicht enkegen, so geit der richter dem chlagen brief oder poten, daz der antwurter [Seite: 106] weren sol; ist aber der antwurter enkegen, so gert er wol weisung oder er dingt ainer vrtail.
Wann ain man ain aigen oder ain lehen verantwurt, mag der antwurter bewären, das ers jar vnd tag ynne hab gehabt vnuersprochen, so verantwurt es der antwurter nyndert dann im lanttayding, an der dienstherrn aigen, daz mag nicht in das lanttaiding, ob der chlager im jare im land gewesen ist.
Ez ist selten ain mensch ez reit oder get aus aim land in das ander. Wolt der chlager darumb sprechen, er wär ausserthalb dez lannds gewesen, ez muzz der chlager bewärn, daz er in der zeit in das land nye chômen sei. [Seite: 107]
Wann man ainem ainen gewalt anbehabt, der chumpt vmb zechen markch: die mus er dem hawbtman geben vnd enem wird sein gut selbanders hin wider ertailt.
Man mag vmb gewalt wol an ainen selben ziechen.
Wann man ainer vrtail dingt, die schol man schreiben fur den tag, vnd man ir gedingt hat, vnd sullen payd vorsprechen den tag nennen vnd auch nemen. Man möchtz auch dez tags wol tun, ob ez des chlager vnd dez antwurter wil war. Ist aber der ain vorsprech ain gast, daz er pey der schrann nicht gesessen ist, so schol man die vrtail dez tags schreiben; wann der gast leg vnpylleich da und zeret darauf. [Seite: 108]
Wann man vber den dritten fragt, so mag man nicht gedingen.
Wann ainer ain wittiben anspricht vmb anerstorbens erb, daz si in irer gewalt hat, da mag die wittib nicht aisch vmb haben.
Ain junkchfraw verczeicht sich irs erbtails mit recht nyndert alswo dann, wann si chumpt zu irm aigen prot; sey möcht der vater nötten oder der pruder, wez er wolt, dieweil si ir gewaltig sind. Recht also ist vmb ainen chnaben, dieweil er sein selbs vngewaltig ist; in möcht vater vnd muter nötten, wez sew wolten, dieweil er junkch vnd chrankch ist.
Wann ain mensch dem andern zuspricht vmb wew daz ist, hat sich daz verieret in des [Seite: 109] antwurter gewalt, so verantwurt ers im lanttayding, an der dinstherrn aigen; das mag nicht in das lanttaiding.
Darumb haissent ez vnuerzogen teg, daz man nicht verer gedingen mag.
Wann ainer dem andern enprist mit recht, so mag der antwurter dem chlager nicht zusprechen desselben tags, noch der chlager dem antwurter, er mus in ee mit furbot laden.
Spricht ain mensch das ander an vmb ain anerstorbens erb, ez sey purkchrecht lehen oder aygen, vnd spricht der antwurter, ich han das erb ynne gehabt, ist ez ain aigen dreissig jar vnd ain tag, ist ez ain lehen zwelf jar vnd ain tag, ist ez ain purkchrecht ain jar vnd ain tag, spricht der antwurter, ich hab daz erb ynne gehabt, als dauor geschriben stet vnd wil das bewären mit guter gewissen als recht ist; so spricht der chlager, ich waz dannoch zu der [Seite: 110] zeit zu meinen tegen nicht chomen, daz ich recht gesuchen mocht, das wil ich bewären als recht ist; oder der chlager spricht, ich hab gut brief vber daz erb, nach welhem erib er spricht vnder den drein, vnd haisset die brief lesen die sind gut genug; so spricht der antwurter, dez chlagers brief wären gut genug, hiet er sew zu rechter zeit furgetragen; so spricht der chlager, ich pin meiner brief vngewaltig gewesen, daz wil ich bewären; daz hilft dem chlager als nicht. Do er ain chind waz, da solten in sein frewnd oder sein nachtpawrn für gericht haben gefürt vnd solten den antwurter geladen haben mit furbot, vnd solten dem chind ain vorsprechen geuodert haben: so hiet das chind darnach gesprochen mit recht, so mocht der antwurter nicht bewären, daz er ez vnuersprochen hiet ynne gehabt. Hat dem chlager sein brief ymant vor gehabt, da sprech dem zu, der im sein brief vor hab gehabt; dez ist der antwurter gar vnengolten. Mag der antwurter bewärn, daz er die güter hab ynnegehabt vnuersprochen, als vor geschriben stet, dez genewst er an seinen rechten, ob die weil der chlager im land ist gewesen. [Seite: 111]
Spricht ain man den andern an vnd enprist der antwurter dem chlager vnd spricht der [Seite: 112]> chlager zu dem andern mal vmb die ersten recht, da der antwurter ee vmb enprosten ist, so spricht der antwurter, ich pin vmb die chlag ee mit recht enprosten, daz wil ich bewären: so spricht der chlager, dez pin ich an lawgen; er ist mir ee mit recht enprosten, vnd hat mich der taiding begeben, vnd hat mich von erst haissen chlagen; daz wil ich bewärn. Das mag nicht gesein. Mag der antwurter bewärn, daz er ee mit recht enprosten ist, der genewst dez an seinen rechten.
Ain jsleich her tut wol das recht hincz sinen diener vmb varund gut oder vmb gült.
Wann ainem ain fürpot chumpt von aim dienstherrn, wann daz furbot zwelf wochen alt wirdet, an dem tag (so) schol der mit recht antwurten, dem daz fürbot chomen ist; wann dann der dritte tag ist. Er mag auch wol antwurten, wann daz furbot sechs wochen alt ist, ob er wil antwurten. Chumpt er aber nicht auf den dritten tag, so ertailt man daz gut in vron gewalt dem herrn, da ez von ze lehen ist; so sol ez der antwurter losen aus vrongewalt als recht ist. [Seite: 114]
Ez mag dhain dinstherr dhain gut behalten, daz von im ze lehen ist, ez chom ee mit recht in vrongewalt.
Chain dinstherr mag nyemant angesprechen vmb das gut, das von im ze lehen ist, er leich ims ee.
Wann man chriegt vmb veld oder vmb holz, ist sein fünf tagwerch oder min, so sagent wol pawrn darumb mit recht; ist sein aber mer, so müzzen edel lewt darumb sagen. Ist ez lehen, so sagent lehenmessig darumb.
Ez mag dhainis dinstherrn aigenman sagen vmb ain aigen vom lant, ob ez von dem herczogen ze lehen ist, da sullen dez herczogen [Seite: 115] lantlewt vmb sagen. Vnd vmb allez das, das vonn fursten ze lehen ist, ez sey pischof abt oder abtessynn, da sullen die der fursten vmb sagen.
Ez sol ain herr gewert werden von seinen holden vor allen geltern.
All strassen sind dez herczogen, wo man reit geet oder vert in seinen lannden.
Ez mag dhain pawer ainem edeln mann, der ain erbar mann ist, gesagen vber sein leib vber sein er oder vber sain aigen. [Seite: 116]
Ez mag nyemant dem andern gesagen vmb seinen leib, vmb sein aigen, vmb sein er, er sey dann hausgenozz.
Ain inwert aigen, daz zu ains dinstherren herschaft gehört, daz mag seiner aigen man ainer dem andern wol geben, daz sew dez herren hant nicht bedurffen, der ez da chawft vnd der ez da hin geit, die in der herschaft siczent. Chawft daz aigen ain man, der zu dem land gehort, der muzz ez emphachen von dem dinstherren. [Seite: 117]
Spricht ains herrn aigen man ainer den andern an, ez mus der antwurter bewären, daz er daz aigen hab gehabt dreissig jar vnd ain tag vnuersprochcn. Ist ez aber ain lantman, der ain soleich aigen verantwurten sol, der bewärt, daz er ez zwelf jar vnd ain tag vnuersprochen hab gehabt.
Ain jsleich dinstherr der soleich aigen hat, der richt wol darumb; aber vmb ain aigen vom lant mag nymant gerichten, denn der herczog oder der hawbtman von dem land. [Seite: 118]
Ez sullen alle phant verseczt werden mit herren hant, oder mit richter oder mit pergmaister hant. Man sol auch alle chawfte lehen machen mit der herren hant. Man sol alle aigen machen mit der erben hant, oder ez hat nicht chraft. [Seite: 119]
Ez mag ain man seinen holden wol hestetigen, der an recht von im geuarn ist.
Vnd stirbt ain mensch an erben, wnz da verlehents guts let, daz wirt dem herrn ledig, da ez von ze lehen ist; hat ez aigen oder varund gut, daz geuelt auf seinen rechten herren, wer der ist. [Seite: 120]
Wer ain mul mit getraid dint, der wert wol mit getraid, daz im ze mawt wirt auf der mul an geuerd also, daz der mullner gut getrayd vnd pözz in ayn mautschrein schut vnd geit daz seinem herrn. Wolt der mullner daz pest sunder schüten vnd wolt seinem herrn mit dem posen weren, daz wär nicht recht. Also ist vmb pergrecht. Wer ain weingarten dint, der schol seinem herren den vorlas geben; er schol in nicht aus den tresten weren, vnd schol den most nicht in ain smekchnts assech giessen, vnd schol den most gen hof antwurten also süssen, so er aller schirist mag. Er sol auch seinen herren weren aus dem weingarten, den er im dint; wurd ez aber in dem weingart nicht, so mus er alswo chawfen.[Seite: 121]
Ez gewert ain ysleich man auf sand Gorgen tag mit gutem wein seinen pergmaister. Richtet er aber nicht auf sand Gorgen tag, spricht im der herr zu in achtagen, so chumpt der pawr vmb sechczig phennig, den andern tag aber vmb sechczig phennig, den dritten tag auch vmb sechczig; das ist sechs Schilling. So mag das jar nymmer darauf gen. Als vil wandel get auf ain pergphennig, oder auf ain perghelbling, vnd zu denselben tegen in allen den rechten, sam auf den wein.
Repertorium digitaler österreichischer Rechtsquellen der Frühen Neuzeit | Google-Suche | Rückmeldung

References: Art. 1

Art. 2

Art. 3

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 9

Art. 10

Art. 11

Art. 12

Art. 13

Art. 14

Art. 15

Art. 16

Art. 17

Art. 18

Art. 19

Art. 20

Art. 21

Art. 22

Art. 23

Art. 24

Art. 25

Art. 26

Art. 27

Art. 28

Art. 29

Art. 30

Art. 31

Art. 32

Art. 33

Art. 34

Art. 35

Art. 37

Art. 38

Art. 39

Art. 40

Art. 41

Art. 42

Art. 43

Art. 44

Art. 45

Art. 46

Art. 47

Art. 48

Art. 49

Art. 50

Art. 51

Art. 52

Art. 53

Art. 54

Art. 55

Art. 56

Art. 57

Art. 58

Art. 59

Art. 60

Art. 61

Art. 62

Art. 63

Art. 64

Art. 65

Art. 66

Art. 67

Art. 68

Art. 69

Art. 70

Art. 71

Art. 72

Art. 73

Art. 74

Art. 75

Art. 76

Art. 77

Art. 78

Art. 79

Art. 80

Art. 81

Art. 82

Art. 83

Art. 84

Art. 85

Art. 86

Art. 87

Art. 88

Art. 89

Art. 90

Art. 91

Art. 92

Art. 93

Art. 114

Art. 95

Art. 96

Art. 97

Art. 98

Art. 99

Art. 100

Art. 101

Art. 102