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Timestamp: 2020-08-06 18:18:03+00:00

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BSE-Test für ausgeführtes Rindfleisch | Rechtslupe
BSE-Test für ausgeführtes Rindfleisch
BSE-Test für aus­ge­führ­tes Rind­fleisch
Der für den Nach­weis der gesun­den und han­dels­üb­li­chen Qua­li­tät aus­zu­füh­ren­den Rind­fleischs uni­ons­recht­lich vor­ge­schrie­be­ne BSE-Schnell­test in einem hier­für zuge­las­se­nen Labor ist eine erstat­tungs­recht­li­che Haupt­pflicht, deren Nicht­er­fül­lung auch dann zum Ver­lust des Erstat­tungs­an­spruchs führt, wenn den Aus­füh­rer hier­an kein Ver­schul­den trifft, weil der Amts­ve­te­ri­när die zu unter­su­chen­de Pro­be einem für BSE-Schnell­tests nicht zuge­las­se­nen Labor über­ge­ben hat.
Nach Art. 21 Abs. 1 Unter­abs. 1 und 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 800/​1999 der Kom­mis­si­on vom 15. April 1999 über gemein­sa­me Durch­füh­rungs­vor­schrif­ten für Aus­fuhr­er­stat­tun­gen bei land­wirt­schaft­li­chen Erzeug­nis­sen [1] wird Aus­fuhr­er­stat­tung nicht gewährt, wenn die Erzeug­nis­se am Tag der Annah­me der Aus­fuhr­an­mel­dung nicht von gesun­der und han­dels­üb­li­cher Qua­li­tät sind; die­ser Anfor­de­rung ent­spre­chen die Erzeug­nis­se nur, wenn sie im Gebiet der Gemein­schaft unter nor­ma­len Bedin­gun­gen und der im Erstat­tungs­an­trag auf­ge­führ­ten Bezeich­nung ver­mark­tet wer­den kön­nen und, falls die­se Erzeug­nis­se zur mensch­li­chen Ernäh­rung bestimmt sind, ihre Ver­wen­dung zu die­sem Zweck auf­grund ihrer Eigen­schaf­ten oder ihres Zustands nicht aus­ge­schlos­sen oder wesent­lich ein­ge­schränkt ist. Es han­delt sich hier­bei um eine mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung für die Gewäh­rung von Aus­fuhr­er­stat­tun­gen [2].
Gemäß § 1 Abs. 1 BSE­Un­tersV [3] waren Rin­der im Alter von über 24 Mona­ten im Rah­men der Fleisch­un­ter­su­chung mit einem der in Anhang IV Buchst. A der Ent­schei­dung 98/​272/​EG [4] aner­kann­ten Tests (Schnell­test) zu unter­su­chen. Die Labor­un­ter­su­chung muss­te nach § 2 Satz 1 BSE­Un­tersV den Rege­lun­gen des (u.a.) Anhangs IV Nr. 2.2 Ent­schei­dung 98/​272/​EG ent­spre­chen, d.h. in einem zuge­las­se­nen Labor erfol­gen.
Mit Wir­kung vom 1. Juli 2001 wur­de die Ent­schei­dung 98/​272/​EG durch Art. 2 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1248/​2001 der Kom­mis­si­on vom 22. Juni 2001 [5] auf­ge­ho­ben und in Art. 2 Abs. 2 VO Nr. 1248/​2001 bestimmt, dass Bezug­nah­men auf die auf­ge­ho­be­ne Ent­schei­dung als Bezug­nah­men auf die „Ent­schei­dung“ –rich­tig: Ver­ord­nung– (EG) Nr. 999/​2001 (VO Nr. 999/​2001) des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 22. Mai 2001 mit Vor­schrif­ten zur Ver­hü­tung, Kon­trol­le und Til­gung bestimm­ter trans­mis­si­bler spon­gi­for­mer Enze­pha­lo­pa­thien [6], ins­be­son­de­re Bezug­nah­men auf Anhang IV A der Ent­schei­dung 98/​272/​EG als Bezug­nah­men auf Anhang X Kapi­tel C Nr. 4 der VO Nr. 999/​2001 –in der Fas­sung gemäß Anhang III VO Nr. 1248/​2001 (vgl. Art. 1 Nr. 3 VO Nr. 1248/​2001)– gel­ten.
Wegen der in § 1 Abs. 1 BSE­Un­tersV ent­hal­te­nen dyna­mi­schen Ver­wei­sung auf die nach dem Uni­ons­recht „aner­kann­ten Tests“ waren somit bereits ab dem 1. Juli 2001 die BSE-Schnell­tests nach den Vor­schrif­ten des Anhangs X Kapi­tel C der VO Nr. 999/​2001 in der Fas­sung des Anhangs III der VO Nr. 1248/​2001 durch­zu­füh­ren, denn die in Anhang X Kapi­tel C Nr. 4 der VO Nr. 999/​2001 genann­ten Schnell­tests kön­nen nur dann als uni­ons­recht­lich aner­kannt ange­se­hen wer­den, wenn sie, wie Nr. 2 des Anhangs X Kapi­tel C der VO Nr. 999/​2001 vor­schreibt, in zuge­las­se­nen Labors durch­ge­führt wer­den.
Bestä­tigt wird dies durch § 1 Abs. 1 Satz 2 BSE­Un­tersV in der ab 1. Dezem­ber 2001 gel­ten­den Fas­sung, der auf die Vor­schrift in Anhang III Kapi­tel A Abschnitt I Nr. 1 der VO Nr. 999/​2001 ver­weist, der zufol­ge die Über­wa­chung von Rin­dern gemäß den in Anhang X Kapi­tel C Nr. 3.1 Buchst. b der VO Nr. 999/​2001 fest­ge­leg­ten Labor­me­tho­den (Schnell­tests) durch­zu­füh­ren ist. Für die­se Schnell­tests gilt die vor­an­ge­hen­de all­ge­mei­ne Vor­schrift der Nr. 2 des Anhangs X Kapi­tel C VO Nr. 999/​2001, wonach die Labor­un­ter­su­chun­gen auf TSE in hier­für zuge­las­se­nen Labors durch­ge­führt wer­den.
Die nach den vor­ge­nann­ten uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten in zuge­las­se­nen Labors durch­zu­füh­ren­den Schnell­tests sind „sons­ti­ge Unter­su­chun­gen“ i.S. des § 5 Abs. 3 Nr. 4 FlHV [7], deren Durch­füh­rung –ohne fest­ge­stell­te Bean­stan­dung– Vor­aus­set­zung für die Beur­tei­lung des Fleischs als taug­lich ist (§ 10 FlHG i.V.m. § 6 Abs. 1 FlHV), ohne die es nicht in Ver­kehr gebracht wer­den darf. Ein in nicht zuge­las­se­nen Labors durch­ge­führ­ter Schnell­test steht daher der Ver­kehrsfä­hig­keit des Fleischs und der Ertei­lung einer Genus­s­taug­lich­keits­be­schei­ni­gung ent­ge­gen [8].
In nicht zuge­las­se­nen Labors auf BSE getes­te­tes Fleisch über 24 Mona­te alter Rin­der kann daher nicht i.S. des Art. 21 Abs. 1 Unter­abs. 2 VO Nr. 800/​1999 unter nor­ma­len Bedin­gun­gen ver­mark­tet wer­den. Der EuGH hat bereits ent­schie­den, dass die uni­ons­recht­lich vor­ge­se­he­ne Unter­su­chung mehr als 30 Mona­te alter Rin­der durch natio­na­le Rege­lun­gen auf mehr als 24 Mona­te alte Rin­der erwei­tert wer­den durf­te [9] und dass auch Ver­kehrs­be­schrän­kun­gen auf­grund natio­na­ler Rechts­vor­schrif­ten der han­dels­üb­li­chen Qua­li­tät der Erzeug­nis­se ent­ge­gen­ste­hen [10].
Dass die Über­sen­dung der zu tes­ten­den Pro­ben an das für Schnell­tests nicht zuge­las­se­ne M‑Institut nicht von der Klä­ge­rin, son­dern vom Amts­ve­te­ri­när ver­an­lasst wur­de, führt zu kei­ner ande­ren Ent­schei­dung. Denn der Umstand, dass der Aus­füh­rer das Feh­len einer erstat­tungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zung nicht zu ver­tre­ten hat, son­dern die­ser Man­gel auf das Ver­hal­ten eines Drit­ten –hier einer Behör­de– zurück­zu­füh­ren ist, recht­fer­tigt es nicht, das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zung zu fin­gie­ren. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof für auf­grund fal­scher behörd­li­cher Aus­künf­te feh­len­de Erstat­tungs­vor­aus­set­zun­gen bereits ent­schie­den [11]. Des Wei­te­ren kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ein etwai­ges rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten einer für die Anwen­dung des Uni­ons­rechts zustän­di­gen Stel­le kein berech­tig­tes Ver­trau­en des Betrof­fe­nen auf eine uni­ons­rechts­wid­ri­ge Behand­lung begrün­den, was erst recht dann gel­ten muss, wenn die Aus­fuhr­er­stat­tung –wie im Streit­fall– noch gar nicht gewährt wor­den ist, son­dern erst dar­über zu ent­schei­den ist, ob der Aus­füh­rer, wie Art. 35 Abs. 1 Unter­abs. 1 VO Nr. 800/​1999 in der dama­li­gen Fas­sung vor­schreibt, sei­nen Erstat­tungs­an­spruch nach­ge­wie­sen hat [12]. Dar­über hin­aus kann für den Streit­fall ohne­hin nicht ange­nom­men wer­den, dass ein etwai­ges Ver­trau­en der Klä­ge­rin in die Recht­mä­ßig­keit der zunächst sei­tens der Vete­ri­när­be­hör­de erteil­ten Genus­s­taug­lich­keits­be­schei­ni­gung (bei der es sich im Übri­gen nicht um einen die Aus­fuhr­er­stat­tung betref­fen­den Grund­la­gen­be­scheid han­delt [13]) eine Anspruchs­vor­aus­set­zung gegen­über einer ande­ren Behör­de –dem HZA– zu begrün­den ver­mag.
Wird der dem Aus­füh­rer oblie­gen­de Nach­weis der Erstat­tungs­vor­aus­set­zun­gen durch das ihm nicht zuzu­rech­nen­de pflicht­wid­ri­ge Ver­hal­ten eines Drit­ten –auch einer Behör­de– ver­ei­telt, hat er ggf. einen Anspruch auf Scha­den­er­satz [14]. Die­se zivil­recht­li­chen Fra­gen dür­fen nicht in das Erstat­tungs­recht ver­la­gert wer­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. August 2010 – VII R 47/​09
ABlEG Nr. L 102/​11[↩]
EuGH, Urteil vom 01.12.2005 – C‑309/​04 [Fleisch-Win­ter], Slg. 2005, I‑10349, ZfZ 2006, 57[↩]
Ver­ord­nung zur fleisch­hy­gie­ne­recht­li­chen Unter­su­chung von geschlach­te­ten Rin­dern auf BSE vom 01.12.2000, BGBl I 2000, 1659, in der Fas­sung der ers­ten Ände­rungs­ver­ord­nung vom 25.01.2001, BGBl I 2001, 164[↩]
Ent­schei­dung 98/​272/​EG der Kom­mis­si­on vom 23.04.1998 über die epi­de­mio­lo­gi­sche Über­wa­chung der trans­mis­si­blen spon­gi­for­men Enze­pha­lo­pa­thien (TSE) und zur Ände­rung der Ent­schei­dung 94/​474/​EG, ABlEG Nr. L 122/​59[↩]
ABlEG Nr. L 173/​12[↩]
ABlEG Nr. L 147/​1[↩]
Fleisch­hy­gie­ne-Ver­ord­nung in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 29. Juni 2001, BGBl I 2001, 1366[↩]
eben­so: BayVGH, Urteil vom 28.04.2008 – 9 BV 04.2401, Samm­lung lebens­mit­tel­recht­li­cher Ent­schei­dun­gen 58, 283[↩]
EuGH, Urteil vom 25.02.2010 – C‑562/​08 [Mül­ler Fleisch], ZfZ 2010, 134[↩]
EuGH, Urteil vom 26.05.2005 – C‑409/​03 [SEPA], Slg. 2005, I‑4321, ZfZ 2005, 336[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 16.11.1982 – VII R 108/​77, BFHE 137, 207, BStBl II 1983, 226; und vom 13.04.1983 – VII R 110/​77[↩]
BFH, Urteil vom 07.11.2002 – VII R 49/​01, BFHE 200, 453, ZfZ 2003, 89; BFH, Beschluss vom 23.08.2000 – VII B 145, 146/​00, BFH/​NV 2001, 75, ZfZ 2001, 19, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. EuGH, Urteil [SEPA] in Slg. 2005, I‑4321, ZfZ 2005, 336, Rz 30[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 02.02.2006 – III ZR 131/​05, NVwZ 2006, 966; OLG Nürn­berg, Urteil vom 22.05.1996 – 4 U 733/​95, RiW 1998, 648, mit Anmer­kung Landry/​Harings[↩]
AusfuhrerstattungRinder

References: Art. 21
 § 1
 § 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 1
 § 1
 § 1
 § 5
 § 6
 Art. 21
 EuGH 
 Art. 35