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Timestamp: 2017-04-28 14:03:30+00:00

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Startseite | Archiv | Impressum Sendung vom 13.04.2006 Nachruf Stanislaw Lem – Österreichische Patientenverfügung - Ärztestreik Diesmal haben wir im Dissidentenfunk drei aktuelle Themen:
0:54 02 Remix aus der Filmmusik von „Blade Runner“
3:45 03 Nachruf auf Stanislaw Lem
6:14 04 Musik von Marillion: Fantastic Place
1:23 05 Lesung aus “Das Hospital der Verklärung“
13:39 06 Gregorianischer Choral
0:54 07 Erklärung und Kommentar zur österreichischen Patientenerklärung
7:31 08 Musik von Queen: Who wants to live for ever
4:50 09 Hurra – die Ärzte streiken
9:33 10 Musik von Geier Sturzflug: „Bruttosozialprodukt“
1:20 Remix aus der Filmmusik von „Blade Runner“
Philip K. Dick schrieb das Buch "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?", das dem Film "Blade Runner" zugrunde liegt. Zum Anfang der Seite
Der Titel des Buches ist "Das Hospital der Verklärung". Aber Lem konnte den Roman wegen der polnisch-kommunistischen Zensur nicht veröffentlichen, sondern mußte den Text über Jahre hinweg umschreiben und ergänzen. Erst 1955 unter gelockerten Zensurbestimmungen wurde das Werk in Polen veröffentlicht. Es ist 1959 in der DDR erstmals auf Deutsch erschienen und wurde 1982 und 1998 im Suhrkamp Verlag als Taschenbuch wieder herausgebracht. In ihm tritt ein junger Arzt namens Stefan seine Stellung in einer Psychiatrie an, und schon bald wird ihm die besondere Atmosphäre an diesem Ort bewußt. Er beobachtet diese seltsame Umwelt mit Verwirrung und hat mehr und mehr das Gefühl, Mitverantwortung zu tragen. Der Einbruch der Brutalität durch SS-Truppen, die das Krankenhaus besetzen und die Insassen liquidieren, läßt alle Fassaden der Konventionalität zwischen den Kollegen zusammenstürzen. In den Nachrufen auf Stanislav Lem wird dieses Werk oft unterschlagen, obwohl es unserer Ansicht nach der wesentliche Schlüssel zu Lems Lebenswerk ist, da es in Lems eigenen Worten "meine Erfahrungen aus der Zeit des Krieges und der Okkupation enthielt, allerdings nicht autobiographische Elemente, sondern nur den Versuch, meinem damaligen Verhältnis zur erkannten Welt Ausdruck zu verleihen." Als Polen von Deutschland besetzt war, konnte Lem als verfolgter Jude mit falschen Papiere als Automechaniker überleben und er gehörte dem polnischen Widerstand an. Sein Vater war Hals-Nasen-Ohrenarzt und Lem studierte mit zweimaliger Unterbrechung Medizin. Er erhielt auch das Zertifikat für die vollständige Absolvierung seines Studiums, aber das letzte Examen zum Doktorat verweigerte er, um einer Karriere als Militärarzt zu entgehen. Danach wollte Lem nie mehr als Mediziner arbeiten. Stanislaw Lem wurde einem internationalen Publikum danach durch seine "Science Fiction" Romane bekannt. Dabei spielte "Solaris" durch zwei Verfilmungen eine besondere Rolle, obwohl er beide für mißraten hielt. Dadurch das er eben keine technischen Phantasien affirmativ als Utopien darstellte, sondern eher düstere soziale Projektionen der Zukunft entwickelte, hat er - ähnlich wie auch Philip K. Dick - überhaupt erst literararische Qualität in das Genre Science Fiction gebracht. So schreibt die Süddeutsche in ihrem Nachruf: Lem verfügte über fundierte naturwissenschaftliche Kenntnisse, die er in seinen Romanen und Erzählungen eindrucksvoll mit philosophischen und moralischen Problemstellungen zu einer zeitkritischen Utopie verknüpfte. Dabei wich eine anfängliche Technik-Faszination immer mehr einem skeptischen Menschheits-Pessimismus. Zu Weltruhm aber gelangte er als Meister der seriösen und intelligenten Science-fiction-Literatur, in der er die Einflußnahme der Technik auf die geistige Welt schilderte.
Wie er da hin ging und sagte: Euch zeige ich, dass bestimmte Erfahrungen und Konstellationen unseres Zeitalters überhaupt nur im Rahmen der Science Fiction verhandelbar sind, und nirgendwo sonst. Euch zeige ich, wie das absolut Fremde in der Literatur benannt und beschworen werden kann, ohne dass man zu billigen Kostüm- und Theatertricks greifen muss. Ich stelle dar, wie es Menschen in einer Welt geht, die nicht für Menschen gemacht ist, die uns zwar auf höchst unklare und manchmal tief verstörende Weise entgegen kommt, aber von der nicht zu sagen ist, ob sie uns auf Dauer auch nur toleriert. Dass Lem die Kühnheit besass, all dies in einem repressiven Gesellschaftssystem zu sagen, das dann doch flexibel und vernünftig genug war, ihn an diesem Punkt gewähren zu lassen, lernte ich erst später zu schätzen. Und das war Lems Lebensprogramm: unter einengenden Umständen für seine Leserschaft die Moderne in all ihren erschreckenden Facetten einzuholen und in Literatur zu übersetzen, ob diese Leserschaft das nun unbedingt zu schätzen wusste oder nicht.
Dieses Lebensprogramm hatte, sozusagen logischerweise, seinen Ausgangpunkt in dem Wissen um systematischen medizinischen Massenmord. Die Utopie der Moderne, die medizinische Utopie vom gesunden Körper, und - noch viel wichtiger - dem darin angeblich wohnenden gesunden, weil vernünftigen, Geist, ist tatsächlich eine Utopie, deren politische Dimension die Ärzte-Nazis mit ihrem Phantasma eines gesunden Volkskörper mörderisch verwirklicht haben. Die Kenntnis dieses Grauens, das er in seinem depüt Roman verarbeitete, hat Lem befähigt die Abgründe moderner Fiction hinter mögicherweise mit guten Absichten entwickelten technisch/wissenschaftlichen Phantasien zu sehen und zu beschreiben. Zum Anfang der Seite
"Sie ... sie werden solche Angst haben. ..", murmelte er fast ohne Atem. In dieser Nacht kam niemand zum Schlafen. Die Selektion erbrachte ein recht zweifelhaftes Ergebnis: etwa zwanzig Kranke; und auch da konnte sich keiner verbürgen, daß ihre Nerven standhalten würden. Die inoffizielle Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer über den gesamten Komplex. Jözef der jüngere lief mit wehenden Kittelschößen umher, bemüht, dem Adjunkten keinen Schritt von der Seite zu weichen, und stammelte unausgesetzt etwas von Frau und Kindern.
Lange Lakenfetzen wirbelten um die wenigen Lampen, die noch heil waren. Gellende Pfiffe und ein vielstimmiges Hähnekrähen übertönten das allgemeine Tosen. Und etwa alle zehn Sekunden der schrille Schrei, von einer schier berstenden Kehle ausgestoßen: "Der Punische Krieg findet im Schrank statt! " Durch Wolken übelriechender Federn watend, versuchte Stefan, sich an den Wänden entlang durchzuschlagen. Zweimal wurde er umgestoßen und stolperte Pascikowiak vor die Füße, der in unvorstellbar großen Sätzen über die Diele fegte, als wollte er die Schwerkraft überwinden. Blind in ihrer Wut, vollführten die Wahnsinnigen diabolische Verrenkungen, prallten mit knirschenden Knochen gegen die Wände, krochen unter die Betten, unter denen dann ihre zappelnden Beine hervorragten. Nur weil Stefan ab und zu in der Ecke oder vor der Tür verharrte, gelang es ihm, den Saal zu erreichen, in dem der junge schlief. Als er ihn gefunden hatte, mußte er von seinen Fäusten Gebrauch machen, um sich Ausgang zu verschaffen. Doch plötzlich sperrte sich der junge weiterzugehen und zerrte Stefan zurück in die Ecke. Hier holte er unter dem Strohsack ein Paket hervor, das in ein grobes Tuch gehüllt war. Dann aber ließ er sich widerspruchslos zur Tür führen.
Zwar steht ein ganz merkwürdiger § 13 im Gesetz: § 13. Der Patient kann durch eine Patientenverfügung die ihm allenfalls aufgrund besonderer Rechtsvorschriften auferlegten Pflichten, sich einer Behandlung zu unterziehen, nicht einschränken. aber dabei handelt es sich laut glaubwürdiger Auskunft aus Österreich nur um Krankheiten, entsprechend § 2 Tuberkulose-Gesetz, § 2 Geschlechtskrankheiten-Gesetz und § 11 Abs 1 Suchtmittel-Gesetz. Demzufolge kann man in Österreich nunmehr per rechtsverbindlicher Patientenverfügung JEDE psychiatrische Diagnose ohne ausdrückliches, schriftliches eigenes Einverständnis verunmöglichen (siehe z.B.: www.vo-vo.de/vovo/muster.htm#1 ) und schon gibt es keine psychiatrische Verleumdung mehr durch eine legale Zwangsdiagnose und damit keine legale Zwangseinweisung und Zwangsbehandlung. Denn das österreichische Unterbringungsgesetz, ermöglicht Zwangsbehandlung nur, wenn alle drei folgenden Bedingungen erfüllt sind: 1) eine diagnostizierte "psychische Erkrankung" UND 2) akute Selbst- oder Femdgefährdung UND 3) fehlende anderer Behandlungsmöglichkeit (Subsidiarität) Weil die erste Bedingung dann nicht mehr erfüllt werden kann, wird psychiatrische Zwangseinweisung und Zwangsbehandlung automatisch zu schwerkrimineller Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Die Strafandrohung wegen "unerlaubter Heilbehandlung" beträgt gemäß § 110 Strafgesetzbuch 6 Monate oder 360 Tagesätze - Felix Austria! Zitat §110 Strafgesetzbuch:
Leider ist noch ein bischen viel Wasser im Wein: a) Schlimmstenfalls kann man nach § 46. (1) Sicherheitspolizeigesetz zwar von der Polizei den Ärzten vorgeführt werden, aber die dürfen dann wegen der existierenden, rechtswirksamen Patientenverfügung nicht diagnostizieren. Dies muß man durch absolut eisernes Schweigen bei Ärzten, die sich nicht ans Gesetz halten und widerrechtlich diagnostizieren wollen, zusätzlich unterbinden. Für Zwangsbehandlung bietet das Sicherheitspolizeigesetz allerdings sowieso keine Rechtsgrundlage. b) Wenn man schon einen gesetzlichen Vertreter hat, ist man bevormundet und kann keine wirksame Patientenverfügung mehr errichten. Anders sieht es aus, wenn man - zumindest gilt das in der BRD - stattdessen eine Vorsorgevollmacht hat. Das ist hier bisher das einzige Schlupfloch gegen die psychiatrische Gewalt, siehe: www.vo-vo.de/index2.htm . c) Dass so eine Patientenverfügung alle 5 Jahre erneuert werden muß und das dann jeweils 300.- Euro kostet, wie es der Humanistischen Verband auf dessen Website behauptet, hat sich teilweise als falsch herausgestellt: Die Frist von jeweils 5 Jahren Gültigkeit steht im Gesetz und eine Patientenverfügung ist vor einem Rechtsanwalt oder Notar zu errichten (wofür Rechtsanwalt /Notar selbstverständlich Gebühren verlangen dürfen), aber es ist auch möglich, eine Patientenverfügung vor einem rechtskundigen Mitarbeiter der sog. "Patientenvertretungen" zu errichten. Diese sind sicherlich wesentlich billiger, wenn nicht ohnehin kostenlos. Zusätzlich muß auch noch ein Arzt bestätigen, dass man sich von ihm hat "beraten" lassen, aber die 1/4 Stunde dummes Gesülze kann man schließlich alle 5 Jahre mit Kopfnicken (und sich dabei andere Gedanken machen) hinter sich bringen. Denn die Beratung kann ja nicht verhindern, dass man das in die Patientenverfügung reinschreibt, was da eben reingehört: www.vo-vo.de/vovo/muster.htm#1 Das wird relativ kurzfristig der ganzen Psychiatrie die Beine wegziehen. Denn auch, wenn nur eine kleine Minderheit solche Patientenverfügungen verfasst, wie wir sie vorschlagen, wird völlig offensichtlich, dass es gar keine "psychische Krankheit" gibt, weil ihr JEDES Objektivitätskritierium fehlt: Es ist hinreichend, dass man nicht "psychisch krank" sein will, und schon kann man auch nicht mehr "psychisch krank" sein, bzw. zum angebl. "Psychisch Kranken" gemacht werden. Nur die Verleumdungs-"Diagnose" ist eben die Krankheit! Wir gratulieren unseren österreichischen Mitmenschen von ganzem Herzen und bitten Sie, diese gute Nachricht in eigenen E-Mail Verteilern und Listen weiterzuleiten. Zum Anfang der Seite
Es gibt zweierlei Reaktionen: Wir freuen uns darüber, denn typischerweise gehen bei Ärztestreiks die Todesfälle rapide zurück. Diese Vorhersage, dass die Sterberate deutlich zurückgehen wird, stützt sich auf die Erfahrung in anderen Ländern, in denen die Sterblichkeitsrate sogar bis zu 50% während Ärztestreiks zurückgegangen ist. Dazu Zitate aus dem Buch: "Trau keinem Doktor" von Dr. med. Robert Mendelssohn.
Ganz besonders freut uns selbstverständlich, dass durch den Streik keine psychiatrischen Verleumdungs-Gutachten mehr entstehen können, denn so eine Verleumdung kann doch wohl kein "Notfall" sein. Dadurch wird die willkürliche Einsperrung und zwangsweise Misshandlung mit irreführend "Medikamenten" genannten bewußtseinverändernden Drogen zumindest während der Streiktage unmöglich, denn ohne diese Verleumdungs-Gutachten kann kein Vormundschaftsgericht einen die psychiatrischen Foltermaßnahmen legalisierenden Beschluss fassen. Deshalb rufen wir den Ärzten zu:
Das berühmte Lied der Gruppe "Geier Sturzflug" mit diesem Text, Zitat: "Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt! Die Krankenschwester kriegt nen Riesenschreck, schon wieder ist ein Kranker weg...." Zum Anfang der Seite

References: § 13
 § 13
 § 2
 § 2
 § 11
 § 110
 §110
 § 46