Source: https://www.rechnungswesen-info.de/inventur.html
Timestamp: 2019-09-15 08:20:21+00:00

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Inventur - Vorbereitung und Durchführung
Nach § 240 HGB hat jeder Kaufmann ein Inventar aufzustellen. Der § 141 AO verpflichtet auch bei Überschreiten bestimmter Grenzen zur Aufstellung. Damit muss jeder Buchführungspflichtige ein Inventar aufstellen. Die dazu notwendige Tätigkeit nennt man Inventur.
Durch die Inventur werden die Vermögenswerte (Anlage- und Umlaufvermögen) und die Schulden eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag ermittelt und schriftlich festgehalten.
Der Begriff Inventur kommt vom lateinischen invenire (etwas vorfinden, entdecken, erfahren).
R 5.3 Abs. 4 Einkommensteuer-Richtlinien 2012:
Fehlt eine körperliche Bestandsaufnahme, oder enthält das Inventar in formeller oder materieller Hinsicht nicht nur unwesentliche Mängel, ist die Buchführung nicht als ordnungsmäßig anzusehen.
Inventuranlässe
Eine Inventur ist durchzuführen
bei Gründung oder Übernahme eines Unternehmens,
am Schluss eines jeden Geschäftsjahres
in der Regel der 31.12.
nach HGB darf die Dauer des Geschäftsjahrs zwölf Monate nicht überschreiten
bei einem vom Kalenderjahr abweichenden Geschäftsjahr ist die Inventur also an dessen Ende durchzuführen
bei einem Geschäftsjahr von September bis August wäre das der 31.08
bei der Auflösung oder Veräußerung des Unternehmens.
Mengenmäßige Aufnahme aller körperlichen Vermögensgegenstände. Betrifft die nicht körperlichen Vermögensteile und die Schulden.
Betrifft das materielle Anlagevermögen (z.B. Immobilien, Maschinen, Fahrzeuge, Betriebs- und Geschäftsausstattung), Vorräte, Wertpapiere in Eigenverwaltung sowie Bargeld, Besitzwechsel und Schecks. Betrifft die Forderungen, Verbindlichkeiten, Wertpapiere in Depotverwaltung, Finanzanlagen, Patente, Lizenzen und Bankguthaben.
Mengen- und wertmäßige Bestandsaufnahme. Nur wertmäßige Bestandsaufnahme.
Geschieht durch Zählen, Messen und Wiegen.
Eine Schätzung mit anschließender Bewertung ist ebenfalls möglich, wenn eine exakte Aufnahme wirtschaftlich unzumutbar oder unmöglich ist (Kleinteile wie Schrauben und Nägel oder Schüttgüter wie Sand und Kohle). Anhand folgender Aufzeichnungen und Belege:
Auszüge aus dem Grundbuch, Hypotheken- und Grundschuldbriefe, Depotbestätigungen, Vertragsunterlagen, Kontoauszüge von Kreditinstituten, Schuldwechselbuch.
Forderungen und Verbindlichkeiten werden in Saldenlisten erfasst (besser ist es zusätzlich Saldenbestätigungen einzuholen).
Dem steuerlichen Begriff des Wirtschaftsgutes entsprechen im Handelsrecht die Begriffe Vermögensgegenstand und Schulden.
Der § 241 Abs. 1 HGB sagt zum Umfang der Inventur:
Dazu erfolgt eine Präzisierung in den Einkommensteuerrichtlinien für die Gegenstände des beweglichen Anlagevermögens (R 5.4 Bestandsmäßige Erfassung des beweglichen Anlagevermögens).
Der Absatz 4 verlangt keine Inventur bei fortlaufendem Bestandsverzeichnis. Das Bestandsverzeichnis kann auch in der Form einer Anlagekartei geführt werden.
Inventurzeitpunkt
Die Inventur ist eigentlich am Bilanzstichtag durchzuführen.
Der §241 HGB lässt aber folgende Inventurvereinfachungsverfahren zu:
Verlegte Inventur (Zeitverschobene Inventur)
Innerhalb einer Frist von zehn Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag. Innerhalb der letzten drei Monate vor dem Bilanzstichtag oder der ersten zwei Monate nach dem Bilanzstichtag. Buchmäßige Erfassung der Veränderungen der Bestände aller Artikel. In jedem Geschäftsjahr muss mindestens einmal durch körperliche Bestandsaufnahmen geprüft werden, ob der Buchbestand mit den tatsächlichen Beständen übereinstimmt (Jeder Gegenstand zu einem beliebigen Zeitraum innerhalb eines Jahres).
Der am Tag der Inventur ermittelte Bestand muss mengen- und wertmäßig auf den Stichtag fortgeschrieben oder zurückgerechnet werden. Der am Tag der Inventur ermittelte Bestand muss nur wertmäßig auf den Stichtag fortgeschrieben oder zurückgerechnet werden. Wird bei der körperlichen Bestandsaufnahme eine Differenz festgestellt, ist der Bestand zu berichtigen.
Der Bestand wird dann aus den Büchern entnommen.
R 5.3 Abs. 3 Einkommensteuer-Richtlinien:
Eine permanente oder eine zeitverschobene Inventur ist nicht zulässig
für Wirtschaftsgüter, die - abgestellt auf die Verhältnisse des jeweiligen Betriebs - besonders wertvoll sind.
Wenn der Stichtag der 31.12. ist, kann man sich den Sachverhalt grafisch so darstellen:
R 5.3 Abs. 1 Einkommensteuer-Richtlinien 2012:
Die Inventur für den Bilanzstichtag braucht nicht am Bilanzstichtag vorgenommen zu werden. Sie muss aber zeitnah - in der Regel innerhalb einer Frist von zehn Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag - durchgeführt werden. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Bestandsveränderungen zwischen dem Bilanzstichtag und dem Tag der Bestandsaufnahme anhand von Belegen oder Aufzeichnungen ordnungsgemäß berücksichtigt werden. Können die Bestände aus besonderen, insbesondere klimatischen Gründen nicht zeitnah, sondern erst in einem größeren Zeitabstand vom Bilanzstichtag aufgenommen werden, sind an die Belege und Aufzeichnungen über die zwischenzeitlichen Bestandsveränderungen strenge Anforderungen zu stellen.
R 5.3 Abs. 2 Einkommensteuer-Richtlinien 2012:
Nach § 241 Abs. 3 HGB kann die jährliche körperliche Bestandsaufnahme ganz oder teilweise innerhalb der letzten drei Monate vor oder der ersten zwei Monate nach dem Bilanzstichtag durchgeführt werden. Der dabei festgestellte Bestand ist nach Art und Menge in einem besonderen Inventar zu verzeichnen, das auch auf Grund einer permanenten Inventur erstellt werden kann. Der in dem besonderen Inventar erfasste Bestand ist auf den Tag der Bestandsaufnahme (Inventurstichtag) nach allgemeinen Grundsätzen zu bewerten. Der sich danach ergebende Gesamtwert des Bestands ist dann wertmäßig auf den Bilanzstichtag fortzuschreiben oder zurückzurechnen. Der Bestand braucht in diesem Fall auf den Bilanzstichtag nicht nach Art und Menge festgestellt zu werden; es genügt die Feststellung des Gesamtwerts des Bestands auf den Bilanzstichtag. Die Bestandsveränderungen zwischen dem Inventurstichtag und dem Bilanzstichtag brauchen ebenfalls nicht nach Art und Menge aufgezeichnet zu werden. Sie müssen nur wertmäßig erfasst werden. Das Verfahren zur wertmäßigen Fortschreibung oder Rückrechnung des Gesamtwerts des Bestands am Inventurstichtag auf den Bilanzstichtag muss den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen. Die Fortschreibung des Warenbestands kann dabei nach der folgenden Formel vorgenommen werden, wenn die Zusammensetzung des Warenbestands am Bilanzstichtag von der des Warenbestands am Inventurstichtag nicht wesentlich abweicht: Wert des Warenbestands am Bilanzstichtag = Wert des Warenbestands am Inventurstichtag zuzüglich Wareneingang abzüglich Wareneinsatz (Umsatz abzüglich des durchschnittlichen Rohgewinns). Voraussetzung für die Inanspruchnahme von steuerlichen Vergünstigungen, für die es auf die Zusammensetzung der Bestände am Bilanzstichtag ankommt, wie z. B. bei der Bewertung nach § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG, ist jedoch, dass die tatsächlichen Bestände dieser Wirtschaftsgüter am Bilanzstichtag durch körperliche Bestandsaufnahme oder durch permanente Inventur nachgewiesen werden.
Die Bewertung der Vermögensgegenstände und Schulden wird im Kapitel Jahresabschluss behandelt.
Die mit Hilfe der Inventur ermittelten Bestände werden im Inventar (Bestandsverzeichnis) zusammengefasst.

References: § 240
 § 141
 § 241
 §241
 § 241
 § 6