Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F05-08-2010-9C_244-2010
Timestamp: 2016-10-28 12:24:43+00:00

Document:
9C_244/2010 (05.08.2010)
9C_244/2010
Die 1975 geborene K.________ absolvierte nach der obligatorischen Schulzeit das Lehrerinnenseminar, welches sie 1996 mit der Patentierung zur Primarlehrerin abschloss. Am 9. Dezember 2002 meldete sie sich zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (Invalidenrente). Die IV-Stelle Basel-Landschaft genehmigte in der Folge die Umschulung zur Arbeits- und Organisationspsychologin (Verf�gung vom 9. Januar 2006 sowie Kostengutsprachen w�hrend des Studiums) und am 14. M�rz 2008 auf Ersuchen der Versicherten hin den Studienwechsel zur klinischen Psychologie. Den Bachelor erlangte K.________ im Sommer 2009, worauf sie das Gesuch auf Kosten�bernahme f�r den Masterstudiengang in klinischer Psychologie stellte, welches Begehren die IV-Stelle Schwyz mit Verf�gung vom 2. Oktober 2009 abwies.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz wies die dagegen erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 5. Februar 2010).
K.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids sei die Invalidenversicherung zur Kostengutsprache f�r die Umschulung zum Master in klinischer Psychologie zu verpflichten.
Die IV-Stelle und das Bundesamt f�r Sozialversicherungen (BSV) verzichten auf eine Stellungnahme.
1.2 Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen.
Die Beschwerdef�hrerin beantragt die Durchf�hrung eines zweiten Schriftenwechsels (Art. 102 Abs. 3 BGG), welches Begehren sie mit dem Recht auf Replik begr�ndet. Indessen haben weder die Verwaltung noch das vorinstanzliche Gericht eine Stellungnahme eingereicht. Dem Verfahrensantrag ist schon deswegen nicht zu entsprechen.
3.1 Unter Umschulung im Sinne von Art. 17 IVG ist rechtsprechungsgem�ss grunds�tzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidit�t bereits erwerbst�tig gewesenen versicherten Person eine ihrer fr�heren ann�hernd gleichwertige Erwerbsm�glichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "ann�hernden Gleichwertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstm�glichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umst�nden bestm�glichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch gen�gend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 S. 489 f. mit Hinweisen; 124 V 108 E. 2a S. 109; Urteile I 210/05 vom 10. November 2005 E. 3.3.1 und I 73/04 vom 30. September 2004 E. 2.2). Das Erfordernis der Gleichwertigkeit als Ausdruck der Verh�ltnism�ssigkeit begrenzt den Umschulungsanspruch "nach oben". Hingegen steht dieser Gesichtspunkt Umschulungen nicht entgegen, die den Versicherten zu einem bescheideneren beruflichen Ziel f�hren, was in vielen F�llen - invalidit�tsbedingt - zutreffen d�rfte. Erforderlich ist einzig, dass sich der erwartete Teilerfolg noch als gen�gend eingliederungswirksam bezeichnen l�sst, was wiederum unter dem Gesichtspunkt des Verh�ltnism�ssigkeitsgrundsatzes von Bedeutung ist. Massgebend ist demnach, dass die beabsichtigte Umschulung in einen minderbezahlten Beruf zu einer dauerhaften und wesentlichen Verbesserung der Erwerbsf�higkeit f�hrt, wie es Art. 17 Abs. 1 IVG ausdr�cklich verlangt (BGE 122 V 77 E. 3b/bb S. 79).
3.2 Die Verh�ltnism�ssigkeit der Eingliederungsmassnahmen ist im Weiteren nicht mehr erf�llt, wenn ein krasses Missverh�ltnis zwischen den Kosten und dem voraussichtlichen Nutzen der Vorkehr besteht (ULRICH MEYER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2010, S. 102; vgl. BGE 115 V 191 E. 4e/cc S. 198). Dabei umfassen die Kosten einer Umschulung neben den Kurskosten auch die Taggeldleistungen (vgl. zu deren akzessorischem Charakter BGE 123 V 20 E. 3a S. 22 und AHI 2002 S. 110 E. 3a). F�r den Nutzen einer Eingliederungsmassnahme ist bei einem mit dem Bildungsstand vergleichbar hohen oder sogar h�heren angestrebten Ausbildungsniveau und bei ann�hernder Gleichwertigkeit der Erwerbsm�glichkeiten vor und nach deren Durchf�hrung neben der Erhaltung der Erwerbsf�higkeit in erster Linie die gesamte noch zu erwartende Arbeitsdauer nach Art. 8 Abs. 1bis IVG von Bedeutung. Darunter ist die verbleibende Zeitspanne bis zum ordentlichen Pensionierungsalter gem�ss Art. 21 Abs. 1 AHVG zu verstehen (Urteil I 761/05 vom 15. Februar 2006 E. 3.4).
Offenbleiben kann, ob es sich bei der Umschulung zum Bachelor in klinischer Psychologie um eine den Anforderungen von Art. 17 IVG entsprechende Eingliederungsmassnahme gehandelt hat. Selbst wenn die Beschwerdef�hrerin mit diesem Abschluss keine Berufschancen haben sollte - wie sie behauptet - und die Erwerbsf�higkeit durch die Umschulung weder erhalten noch verbessert werden konnte (Art. 17 Abs. 1 IVG), g�be ihr dies keinen zwangsl�ufigen Anspruch auf eine Umschulung zum Master. Die Kosten�bernahme f�r den Bachelor-Studiengang pr�judiziert jene des Masters nicht. Der Bachelor ist zwar Voraussetzung f�r die Zulassung zu den Master-Studieng�ngen (Art. 3 Abs. 1 Richtlinien der Schweizerischen Universit�tskonferenz f�r die koordinierte Erneuerung der Lehre an den universit�ren Hochschulen der Schweiz im Rahmen des Bologna-Prozesses [Bologna-Richtlinien; SR 414.205.1]), hingegen bilden anders als im einstufigen Lizentiatsstudium der Bachelor und der Master jeweils eine Ausbildungsstufe (Art. 1 Abs. 2 Bologna-Richtlinien). Es ist demzufolge unabh�ngig von der genehmigten und bereits abgeschlossenen Umschulung zum Bachelor der Anspruch auf das Masterstudium zu pr�fen.
5.1 Die Beschwerdef�hrerin tr�gt gest�tzt auf Angaben des Schweizerischen Berufsverbandes f�r Angewandte Psychologie vor, als klinische Psychologin mit dem Masterabschluss ein Einkommen von maximal Fr. 54'000.- erzielen zu k�nnen, wogegen sie als Lehrerin einen Lohn zwischen Fr. 79'576.- und Fr. 127'349.- erhielte. Aus den Lohnunterschieden kann die Versicherte indessen nichts f�r ihren Standpunkt herleiten; denn der mit dem Abschluss des Masters in klinischer Psychologie zu erwartende Lohn l�ge nach ihrer Darstellungsweise etwa um 30 % tiefer als das Einkommen im angestammten Beruf. Unter diesem Aspekt sind die zu vergleichenden Ausbildungen nicht gleichwertig. Es kommt dazu, dass ein Hochschulabschluss in klinischer Psychologie auf der Stufe des Masters deutlich �ber dem Ausbildungsniveau der Primarlehrerin steht: Zutreffend geht die Beschwerdef�hrerin davon aus, das Lehrerpatent entspreche der Maturit�t. Der Abschluss zur Primarlehrerin (Diplomierung im Jahr 1996) erm�chtigt sie zwar zum Besuch der Hochschule und ist als solches Voraussetzung f�r den Bachelor-Abschluss. Hingegen �ffnet erst dieser den Weg zur Masterausbildung (Art. 3 Abs. 1 Bologna-Richtlinien). Folglich �bertrifft schon der Bachelor das Niveau der urspr�nglichen Ausbildung; umso mehr der Master. Auch insofern ist die Gleichwertigkeit zwischen dem ins Auge gefassten Masterabschluss in klinischer Psychologie und der Primarlehrerinnen-Ausbildung nicht gegeben. Ferner kann mit Blick auf das Ausbildungsniveau trotz des nach der Umschulung erwarteten tieferen Lohnes nicht von einem bescheideneren beruflichen Ziel gesprochen werden, welches einem Anspruch grunds�tzlich nicht entgegenst�nde (vgl. E. 2.1 hievor).
5.2 Zu ber�cksichtigen ist sodann das Missverh�ltnis zwischen den Kosten und der vergleichsweise geringen Eingliederungswirksamkeit der Masterausbildung. Denn die Leistungen der Invalidenversicherung beinhalten neben den Schul- und Materialkosten (E. 2.2 hievor) auch ein Taggeld, welches w�hrend der Bachelor-Ausbildung von 2005 bis 2009 zwischen Fr. 218.80 und Fr. 263.- betragen hat. Die zus�tzlichen Kosten der Ausbildung zum Master sind erheblich. Im Lichte des Dargelegten verst�sst der angefochtene Entscheid nicht gegen Bundesrecht und die Beschwerde ist unbegr�ndet.
Die Beschwerdef�hrerin wird als unterliegende Partei kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz, der Ausgleichskasse des Kantons Solothurn und dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 17
 Art. 17
 BGE 
 BGE 
 Art. 8
 Art. 21
 Art. 17