Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_verhaltensbedingte_Kuendigung_LAG_Hannover_1Sa832-09.html
Timestamp: 2016-12-07 18:17:20+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 1 Sa 832/09
Kündigung: Verhaltensbedingt, Versetzung, Abmahnung, AGG, Sexuelle Belästigung
Nach den in § 12 Abs. 3 AGG über­nom­me­nen Verhält­nismäßig­keits­grund­satz hat bei se­xu­el­len Belästi­gun­gen der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses - von Ex­tremfällen ab­ge­se­hen - re­gelmäßig ei­ne Ab­mah­nung vor­aus­zu­ge­hen. Sind meh­re­re Maßnah­men ge­eig­net und möglich, die Be­nach­tei­li­gung in­fol­ge se­xu­el­ler Belästi­gung für ei­ne Ar­beit­neh­me­rin ab­zu­stel­len, so hat der Ar­beit­ge­ber die­je­ni­ge zu wählen, die den Täter am we­nigs­ten be­las­tet. Dies gilt um­so mehr, wenn in der Dienst­stel­le ei­ne Dienst­ver­ein­ba­rung gilt, die ge­stuf­te Ge­gen­maßnah­men des Ar­beit­ge­bers für den Fall se­xu­el­ler Belästi­gun­gen vor­sieht.
7 CA 399/07
Ge­richts­an­ge­stell­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le IM NA­MEN DES VOL­KES UR­TEIL
hat die 1. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 13. Ok­to­ber 2009 durchden Präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Prof. Dr. Lip­ke, die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Czu­cka, die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Sen­ger
Tat­be­stand: Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die ge­genüber dem Kläger mit Schrei­ben vom 24. Ju­li 2007 zum 31. März 2008 aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che frist­gemäße Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist. Hin­ter­grund der Kündi­gung ist die dem
1.Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver – 7 Ca 399/07 Ö – vom 25. Ja­nu­ar 2008 wird ab­geändert:
2.a) Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 24. Ju­li 2007 mit Ab­lauf des 31. März 2008 nicht be­en­det wor­den ist.
b) Falls der Kläger mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu 2a) ob­siegt wird be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen wei­ter zu beschäfti­gen.
3.Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.135,00 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,00 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Mai 2008 zu zah­len.
4.Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.135,00 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,00 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ju­ni 2008 zu zah­len.
5.Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.135,00 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to an Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ju­li 2008 zu zah­len.
6.Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.135,00 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Au­gust 2008 zu zah­len.
8. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.135,00 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ok­to­ber 2008 zu zah­len.
9. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.135,00 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. No­vem­ber 2008 zu zah­len.
10. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.252,74 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 1.099,77 € net­to an­der­wei­ti­gen Ver­dienst/Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. De­zem­ber 2008 zu zah­len.
11. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.252,74 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 837,11 € net­to an­der­wei­ti­gen Ver­dienst zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ja­nu­ar 2009 zu zah­len.
12. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.315,82 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Fe­bru­ar 2009 zu zah­len.
13. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.315,82 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. März 2009 zu zah­len.
14. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.315,82 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. April 2009 zu zah­len.
15. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.315,82 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Mai 2009 zu zah­len.
16. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.315,82 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to an Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ju­ni 2009 zu zah­len.
17. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 2.315,82 € brut­to abzüglich ge­zahl­ter 928,20 € net­to an Ar­beits­lo­sen­geld zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ju­li 2009 zu zah­len.
Ent­schei­dungs­gründe: Auf die Be­ru­fung des Klägers war die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung ab­zuändern. Nach dem im Kündi­gungs­schutz­recht herr­schen­den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit hätte die be­klag­te Stadt den Kläger vor Aus­spruch ei­ner Kündi­gung we­gen se­xu­el­ler Belästi­gung nach 14jähri­gem be­an­stan­dungs­frei­en Ar­beits­verhält­nis zunächst ab­mah­nen müssen. Ih­re Kündi­gung zum 31. März 2008 hat das Ar­beits­verhält­nis des­halb nicht auf­gelöst. Die Be­klag­te ist zur Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers als Gärt­ner bis zur Rechts­kraft der Ent­schei­dung ver­pflich­tet; für die Mo­na­te April 2008 bis Ju­ni 2009 ste­hen dem Kläger aus An­nah­me­ver­zug die Mo­nats­gehälter nebst Zin­sen abzüglich der emp­fan­gen­den Leis­tun­gen der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) oder an­der­wei­ti­gen Ver­diens­tes zu.
1.Das Be­ru­fungs­ge­richt tritt der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts bei, so­weit dort an­ge­nom­men wird, dass ei­ne se­xu­el­le Belästi­gung un­ter Ar­beit­neh­mern in je­dem Fall ab­mah­nungswürdig ist. So­weit das Ar­beits­ge­richt in der Be­mer­kung des Klägers „er würde mit der Schau­fel von hin­ten in die Knie­keh­le schla­gen. Es könne ihm dann nie­mand et­was be­wei­sen“ ei­ne er­heb­li­che Be­dro­hung der Zeu­gin A. er­kennt und hier­aus ei­nen tra­gen­den Kündi­gungs­grund ab­lei­tet, kann das Be­ru­fungs­ge­richt dem nicht fol­gen. Dies hat die er­neu­te Ver­neh­mung der Zeu­gin A. bestätigt.
a)Das in den se­xu­ell anzügli­chen Äußerun­gen, die der Kläger in­halt­lich letzt­lich nicht be­strei­tet, ein vorsätz­li­ches, die Würde der Zeu­gin A. am Ar­beits­platz ver­let­zen­des se­xu­ell be­stimm­tes Ver­hal­ten liegt, be­darf hier kei­ner nähe­ren Erörte­rung. Die Zeu­gin A. hat dem
Die vom Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­me­ne Be­dro­hung der Zeu­gin A. durch den vom Kläger in Aus­sicht ge­stell­ten „Schau­fel­schlag“ steht im un­mit­tel­ba­ren Zu­sam­men­hang mit den se­xu­el­len Anzüglich­kei­ten des Klägers. Die­ser fühl­te sich er­kenn­bar er­tappt, nach­dem die Zeu­gin A. sich beim Vor­ar­bei­ter H. über ihn be­schwert hat­te. Nach der erst­in­stanz­lich pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­ge der Zeu­gin A. hat die­se ihn auf das mit sei­ner Ehe­frau laut geführ­te Te­le­fo­nat an­ge­spro­chen und er ha­be da­nach auf der Rück­fahrt zum Be­triebs­hof ge­sagt „Nor­ma­ler­wei­se müss­te ich Dir ei­nen mit der Schau­fel zie­hen“. Auf wei­te­re Nach­fra­ge ha­be er dann dies kon­kre­ti­siert. Die Zeu­gin hat al­ler­dings auch aus­geführt, dass er nach dem Gespräch, in dem er noch sehr er­regt ge­we­sen sei, bei An­kunft auf dem Be­triebs­hof wie­der sehr nett und freund­lich zu ihr ge­we­sen sei und zum Ab­schluss ge­sagt „Ich hof­fe, dass dann al­les o.k. ist“.In ih­rer wie­der­hol­ten Ver­neh­mung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie die Ge­sche­hens­abläufe im We­sent­li­chen wie­der­holt dar­ge­stellt, wenn auch mit teil­wei­se an­de­ren Wor­ten. Die Zeu­gin ver­mit­tel­te der Kam­mer nach über­wun­de­ner anfäng­li­cher Ner­vo­sität den Ein­druck ei­nen si­che­ren und selbst­be­wuss­ten Frau. Sie fühl­te sich zwar durch die Be­mer­kung des Klägers auf der Rück­fahrt zum Bau­hof: „Wenn ich dir mit der Schau­fel ei­ne in die Knie­keh­le ge­ge­ben hätte, könn­te mir das kei­ner be­wei­sen“ sub­jek­tiv be­droht, be­ton­te aber gleich­zei­tig, dass sie we­gen sei­ner körper­li­chen Über­le­gen­heit und sei­nes großen Körper­wuch­ses kei­ne Angst vor ihm ge­habt ha­be. Die Stim­mungs­schwan­kun­gen des Klägers, der mal hoch­ge­hen konn­te, dann aber wie­der sehr nett ge­we­sen sei, hätten es
ihr schwer ge­macht, die­sen rich­tig ein­zuschätzen. So ha­be er sich bei An­kunft auf dem Be­triebs­hof nach der vor­ran­ge­gan­ge­nen Er­re­gung et­was be­ru­higt und sinn­gemäß ge­sagt: „Na jetzt ist ja wie­der al­les in Ord­nung“ und sie ge­be­ten über den In­halt des Gesprächs an­de­ren ge­genüber nichts mit­zu­tei­len.Die­se letz­ten Be­mer­kun­gen las­sen ei­ne ernst­haf­te Be­dro­hung ge­genüber der Zeu­gin A. nicht mehr er­ken­nen. Die vor­an­ge­hen­den Äußerun­gen des Klägers sind sei­nem – in­so­weit un­strei­tig – er­reg­ten Zu­stand zu­zu­schrei­ben, der auf die Zu­recht­wei­sung durch den Vor­ar­bei­ter H. zurück­zuführen ist. Die un­si­che­re Persönlich­keit des Klägers ist auch der Zeu­gin A. nicht ver­bor­gen ge­blie­ben. Sie selbst hat­te den Anzüglich­kei­ten des Klägers in der Ver­gan­gen­heit stand­ge­hal­ten und sich erst auf Nach­fra­ge des Vor­ar­bei­ters zu den ver­ba­len Ent­glei­sun­gen und dem schlech­ten Ar­beits­kli­ma geäußert. Ei­ne ob­jek­ti­ve Be­dro­hung auf der Rück­fahrt zum Be­triebs­hof schei­tert schon dar­an, das der Kläger – im er­kenn­ba­ren Er­re­gungs­zu­stand – nur ein Be­dro­hungs­sze­na­rio im Kon­junk­tiv be­schrieb (hätte, könn­te), die Zeu­gin sei­ne wech­seln­den Stim­mun­gen kann­te und sich nicht vor sei­ner körper­li­chen Über­le­gen­heit fürch­te­te. Hin­zu kommt, dass die Zeu­gin die Ar­beit in der Ko­lon­ne des Klägers aus phy­si­schen Gründen oh­ne­hin auf­ge­ben woll­te, dem Kläger mit­hin in der kur­zen Zeit ih­res rest­li­chen Ar­beits­ein­sat­zes nicht mehr be­geg­nen konn­te. Dass der Kläger in der Ver­gan­gen­heit sei­nen Stim­mun­gen Tätlich­kei­ten fol­gen ließ, wird we­der von der Zeu­gin noch von der be­klag­ten Stadt vor­ge­tra­gen.
b)(aa).Se­xu­el­le Belästi­gun­gen können auch oh­ne Ab­mah­nung ei­ne außer­or­dent­li­che oder or­dent­li­che Kündi­gung recht­fer­ti­gen. Dies setzt al­ler­dings mas­si­ve se­xu­el­le Belästi­gung in Wort und Tat oder ein zum Bei­spiel aus der Vor­ge­setz­ten­stel­lung her­aus er­zwun­ge­nes se­xu­el­les Ent­ge­gen­kom­men ei­nen der un­ter­ge­ben­den Per­so­nen vor­aus (vgl. BAG vom 25. März 2004 – 2 AZR 341/03 – aaO mwN; Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land Pfalz vom 28. Ok­to­ber 2001 – 9 Sa 853/01 –). Hier be­schränk­te sich der Kläger auf ei­ne Viel­zahl wört­li­cher se­xu­el­ler Anzüglich­kei­ten, die in je­dem Fall ei­nen Ver­s­toß ge­gen sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ge­genüber sei­nen Ar­beits­kol­le­gin­nen und -kol­le­gen dar­stel­len. Der Ar­beit­ge­ber war des­halb ge­hal­ten, an­ge­mes­se­ne ar­beits­recht­li­che Maßnah­men zu er­grei­fen, um wei­te­re se­xu­el­le Belästi­gun­gen zu un­ter­bin­den.
(bb).Das Be­ru­fungs­ge­richt kann nicht er­ken­nen, dass die Ar­beit­ge­be­rin an­ge­mes­sen im Sin­ne des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes auf das Ver­hal­ten des Klägers re­agiert hat. Die Möglich­keit ei­ner Um­set­zung in an­de­ren Be­reich des Bau­ho­fes hat die be­klag­te Stadt über­haupt nicht ge­prüft. Ei­ne Ab­mah­nung ist nicht in Erwägung ge­zo­gen wor­den, da die be­klag­te Stadt ih­re weib­li­chen Beschäftig­ten auf dem Bau­hof schützen woll­te.
c)Die­ses Er­geb­nis bestätigt sich durch die ab­sch­ließen­de In­ter­es­sen­abwägung. Da­nach ist ei­ne Kündi­gung nur ge­recht­fer­tigt, wenn ein Tat­be­stand vor­liegt, der bei ge­wis­sen­haf­ter Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen ei­nen verständig ur­tei­len­den Ar­beit­ge­ber zur Kündi­gung ver­an­las­sen würde. Die­se so­ge­nann­te In­ter­es­sen­abwägung dient im Er­geb­nis nur der Kor­rek­tur ei­ner zu­vor nicht vollständig er­folg­ten Er­fas­sung des Tat­be­stan­des.
2. Der vom Kläger als un­ei­gent­li­chen Hilfs­an­trag ne­ben dem Kündi­gungs­schutz­an­trag ge­stell­te An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung ist be­gründet. Da hier man­gels wirk­sa­mer Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis wei­ter­be­steht, ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, den Ar­beit­neh­mer bis zu ei­ner ab­sch­ließen­den rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung zu den bis­he­ri­gen Ar­beits­be­din­gun­gen wei­ter zu beschäfti­gen. Die­se Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers ist als all­ge­mei­ner Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch seit der Ent­schei­dung des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vom 27. Fe­bru­ar 1985, GS 1/84 = NZA 1985, 702 = EzA § 611 BGB Beschäfti­gungs­pflicht Nr. 9) an­er­kannt. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch wird wie der all­ge­mei­ne Beschäfti­gungs­an­spruch aus §§ 611, 613 BGB in Ver­bin­dung mit 242 BGB her­ge­lei­tet, wo­bei die Ge­ne­ral­klau­sel durch die ver­fas­sungs­recht­li­che Wer­tent­schei­dung der Ar­ti­kel 1 und 2 GG aus­gefüllt wird. Die Beschäfti­gung des Klägers als Gärt­ner im Be­reich des Bau­hofs be­ein­träch­tigt in­des­sen nicht das Di­rek­ti­ons­recht der be­klag­ten Stadt, ihn an­ders als bis­her ein­zu­set­zen.
3. Dem Kläger steht wei­ter aus An­nah­me­ver­zug (§§ 611, 615 BGB) die Mo­nats­vergütung für die in zwei­ter In­stanz im We­ge der Kla­ge­er­wei­te­rung gel­tend ge­mach­ten Mo­nats­vergütun­gen April 2008 bis Ju­ni 2009 zu. Ände­run­gen des Kla­ge­an­trags nach § 264 Nr. 2 und 3 ZPO sind in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht als Kla­geände­rung an­zu­se­hen, so­dass § 533 ZPO auf sie kei­ne An­wen­dung fin­det (BGH, vom 19. März 2004 BZR 104/03 = NJW 2004, 2152).
4. Die be­klag­te Stadt hat als un­ter­lie­gen­de Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen. Die­se Ver­pflich­tung er­gibt sich aus § 91 ZPO.
5. Ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on war nicht ver­an­lasst, da das Be­ru­fungs­ge­richt sich an der Lei­tent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 25. März 2004 – 2 AZR 341/03 = EzA § 626 BGB 2002 Nr. 6) ori­en­tiert hat. Es han­delt sich über­dies um ei­nen Ein­zel­fall, der kei­ne wei­ter­ge­hen­de grundsätz­li­che Be­deu­tung er­ken­nen lässt.
Rechts­mit­tel­be­leh­rung Ge­gen die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on fin­det die Be­schwer­de statt. Die Be­schwer­de kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass
Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet: Hu­go-Preuß-Platz 1,
99084 Er­furt. Te­le­fax-Nr.: (0361) 26 36 – 20 00
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References: § 12
 § 611
 § 264
 § 533
 § 91
 § 626