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Timestamp: 2019-11-21 19:26:40+00:00

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Progressionsvorbehalt bei Bezügen aus der deutschen Rentenversicherung - Findok Internet
Bescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 09.03.2015, RV/6100166/2013
Progressionsvorbehalt bei Bezügen aus der deutschen Rentenversicherung
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter R in der Beschwerdesache Bf, Adresse, gegen den Bescheid des Finanzamtes St. Johann Tamsweg Zell am See vom 18.02.2013 betreffend Einkommensteuer 2011 zu Recht erkannt:
Die Beschwerdeführerin (kurz: Bf) ist in Österreich ansässig und bezieht seit 2005 eine Pension von der Pensionsversicherungsanstalt (kurz: PVA).
Im September 2011 ersuchte die Bf das Finanzamt um die Ausstellung von Bescheinigungen EU/EWR für 2005 bis 2010. Sie beziehe in ihrem Wohnsitzstaat Österreich eine Rente der Pensionsversicherung und eine geringfügige Rente der Deutschen Rentenversicherung. Aufgrund einer gesetzlichen Änderung im Jahre 2009 sei sie vom FA Neubrandenburg aufgefordert worden, rückwirkend Steuererklärungen für die Jahre 2005 - 2010 abzugeben.
Die Erklärung für das Streitjahr wurde am 24.09.2012 elektronisch eingereicht.
Darin wurden Sonderausgaben (Versicherungsprämien, Kirchenbeitrag, Spenden und Steuerberatungskosten) und außergewöhnliche Belastungen bei eigener Behinderung (Grad der Behinderung 70%, Freibetrag, Diätverpflegung sowie Kosten der Heilbehandlung) geltend gemacht und ausländische Einkünfte für den Progressionsvorbehalt in Höhe von € 1.939,22 erklärt.
Im Ergänzungsvorhalt vom 27.09.2012 wurden vom Finanzamt - unter Hinweis auf die Vorjahre - der ausländische Rentenbescheid und Rechnungen zu den geltend gemachten Krankheitskosten angefordert. Am 28.11.2012 wurden noch einmal der ausländische Rentenbescheid und eine vollständige Aufstellung der Medikamentenkosten urgiert.
Mit Schriftsatz vom 21.12.2012 wurde eine Mitteilung über die "Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2011" in Höhe von € 4.157,40 vorgelegt.
Zur Auslandsrente wird ausgeführt, dass die deutsche Rente für die Berechnung des Progressionssteuersatzes um einen Rentenfreibetrag (= 50%) zu kürzen oder gänzlich freizustellen sei. Weiters seien Kontoführungskosten für die deutsche Rente in Höhe von € 71,00 als abzuziehen. Dem Schreiben war ein "Antrag: Renten-Freibetrag gemäß BVerfG" beigelegt und zwar (auszugsweise) mit nachstehendem Inhalt:
"Der deutsche Bundesverfassungsgerichtshof hat in der Vergangenheit den deutschen Gesetzgeber aufgefordert, die Besteuerung der Renten neu zu regeln.
Mit dem Alterseinkünftegesetz (AltEinkG 2005) wurde dieser Auftrag vom deutschen Bundestag umgesetzt. Von der früheren Besteuerung der Ertragsanteile in der Rentenversicherung wurde umgestellt auf die nachgelagerte Besteuerung.
Da bis 2005 die Altersvorsorgeaufwendungen der Dienstnehmer bei der Steuerberechnung nicht voll abzugsfähig waren, habe sich der deutsche Gesetzgeber zu einem stufenartigen Übergang entschieden.
Einerseits wurden die Möglichkeiten des steuerlichen Abzuges für Vorsorgeleistung schrittweise erweitert und andererseits wurde in der nachgelagerten Besteuerung ein Teil der Rente pauschal steuerfrei gestellt, weil die Vorsorgeaufwendungen in der Aktivphase aus versteuertem Einkommen geleistet worden sind.
Für Rentenbezüge vor und im Jahr 2005 beträgt der steuerpflichtige Teil 50% der Rente. Dieser Prozentsatz sinkt je nach Rentenanfallsjahr bis 2040 auf 0%, weil andererseits bis dahin auch die Rentenvorsorgeleistungen in der aktiven Phase voll absetzbar sein werden.
Forderung nach Anerkennung auch im österreichischen Recht
Nach dem österreichischen Recht werden Pflichtbeiträge in der Sozialversicherung - anders als in Deutschland - als Werbungskosten behandelt und vor Ermittlung der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen. In Deutschland sind sie Sonderausgaben.
Für die Bezieher einer deutschen Sozialversicherungsrente müsste daher in Österreich gilt, dass bei der Ermittlung des neuen und höheren Progressionssatzes der von der deutschen Finanz festgesetzte steuerfreie Rentenanteil ebenfalls als Rentenfreibetrag gewertet wird, weil die deutsche Rente der österreichischen Rente gemäß § 25 EStG gleichwertig sein muss, damit sie steuerbar wird."
In einer beiliegenden Steuerberechnung wird in Abänderung der elektronisch eingereichten Erklärung ein Gewerkschaftsbetrag in Höhe von € 36,00 und "Portokoston FA" (€ 1,45) als Werbungskosten und weiters Sonderausgaben (Versicherungsbeiträge [€ 115,44] und Aufwendungen zur Wohnraumschaffung [€ 350,46]) geltend gemacht. Aus dem Titel Kosten der Heilbehandlung im Zusammenhang mit der eigenen Behinderung wird beantragt, Aufwendungen für Medikamente in Höhe von € 532,15 als außergewöhnliche Belastung ohne Selbstbehalt abzuziehen.
Am 18.02.2013 erging der angefochtene Einkommensteuerbescheid für 2011. Was die Sonderausgeben betrifft, sind Ausfertigungsfehler unterlaufen. Beim Topf-Sonderausgaben wurde nur der ursprüngliche in der Erklärung angeführte Betrag von € 365,92 berücksichtigt. Der Gewerkschaftsbetrag und die Portokosten FA wurden im Bescheid als Spenden und Steuerberatungskosten abgezogen.
Der Freibetrag wegen eigener Behinderung im Ausmaß von 70% (€ 363,00) und der Pauschbetrag gemäß § 2 der Verordnung über außergewöhnliche Belastungen (€ 504,00) wurden anerkannt. Die Kosten für Medikamente wurden um die Nahrungsergänzungsmittel gekürzt und in Höhe von € 419,95 im Zusammenhang mit der Behinderung steuermindernd berücksichtigt.
Innerhalb offener Frist wurde dagegen Berufung erhoben.
Die Finanzbehörde I. Instanz legte die Berufung ohne Erlassung einer Berufungsvorentscheidung und den entsprechenden Verwaltungsakt an den Unabhängigen Finanzsenat vor.
Die Bf hat ihren Wohnsitz im Inland und ist damit in Österreich unbeschränkt steuerpflichtig im Sinne des § 1 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (kurz: EStG) 1988.
Die ausländische Pension ist von der Besteuerung ausgenommen, da für Bezüge im Sinne des § 25 Abs. 1 Z 3 lit. c EStG 1988 eines in Österreich ansässigen Steuerpflichtigen gemäß Art. 18 Abs. 2 des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland, BGBl. III Nr. 182/2002, (kurz: DBA Ö/D) das Besteuerungsrecht der Bundesrepublik Deutschland zukommt.
Gemäß Art. 23 Abs. 2 lit. a DBA Ö/D nimmt Österreich als Ansässigkeitsstaat der Bf diese Einkünfte von der Besteuerung aus.
Die innerstaatliche Rechtsgrundlage für den Progressionsvorbehalt findet sich in § 2 EStG 1988, wonach das gesamte in- und ausländische Einkommen der Einkommensteuer unterliegt. Bei der Anwendung des Progressionsvorbehaltes wird das (Gesamt)Einkommen nach den Vorschriften des österreichischen EStG ermittelt (vgl. VwGH 24.05.2007, 2004/15/0051, mwN), die auf dieses Einkommen entfallende österreichische Einkommensteuer eruiert, und sodann der Durchschnittssteuersatz errechnet. Dieser wird auf jenen Einkommensteil angewandt, welcher von Österreich besteuert werden darf (vgl. UFS 06.06.2013, RV/0121-S/13, unter Hinweis auf: VwGH 14.12.2006, 2005/14/0099 unter Hinweis auf Hofstätter/Reichel, § 33 EStG 1988 Tz 18 und Lang/Schuch, Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland/Österreich, Art. 15 Rz 51).
Durch die Anwendung des Progressionsvorbehaltes wird somit die deutsche Pension in Österreich nicht besteuert, sondern es werden lediglich die steuerpflichtigen inländischen Einkünfte mit jenem Steuersatz erfasst, der zum Tragen käme, wenn alle Einkünfte aus inländischen Quellen stammten.
Wie oben festgehalten, ist das Gesamteinkommen nach österreichischem Steuerrecht zu ermitteln. Damit bleibt aber auch kein Platz für die Berücksichtigung von steuerfreien Beträgen nach deutschem Recht. Da das österreichische Gesetz nicht vorsieht, dass die ausländischen Einkünfte nach § 25 Abs. 1 Z 3 lit. c EStG 1988 nur mit einem bestimmten Anteil bei der Berechnung des progressiven Steuersatzes einzubeziehen sind, kann auch der Hinweis der Bf, dass die Rente in Deutschland zum Teil als steuerfrei behandelt wird, nicht dazu führen, dass dies bei der Steuersatzermittlung zu berücksichtigen ist (vgl. UFS 20.02.2013, RV/0549-S/12, und 29.10.2012, RV0122-G/12). Die beantragten Werbungskosten konnten bei dieser Berechnung ebenfalls nicht berücksichtigt werden, da die Bf ausschließlich Pensionseinkünfte bezieht (vgl. § 16 Abs. 1 und 3 EStG 1988).
Ergänzend wird festgehalten, dass gegen die Berechnung eines Progressionsvorbehalts auch aus unionsrechtlicher Sicht keine Bedenken bestehen (vgl. VwGH 14.12.2006, 2005/14/0099).
Die deutsche Rente ist daher für Zwecke der Ermittlung des Steuersatzes, der auf das inländische Einkommen anzuwenden ist, mit dem im Bescheid angeführten Betrag (€ 4.157,40) ungekürzt heranzuziehen.
Werbungskosten sind die Aufwendungen oder Ausgaben zur Erwerbung, Sicherung oder Erhaltung der Einnahmen (vgl. § 16 Abs. 1 erster Satz EStG 1988).
Die Bf macht den Gewerkschaftsbeitrag als Werbungskosten geltend. Aus dem Lohnzettel ist ersichtlich, dass der geltend gemachte Betrag bereits als die freiwilliger Beitrag zur Interessensvertretung gemäß § 16 Abs. 1 Z 3 lit. b EStG 1988 bei der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde (vgl. § 62 Z 3 EStG 1988). Ein nochmaliger Abzug im Rahmen der Veranlagung ist daher nicht möglich.
Die Portokosten können ebenfalls nicht abgezogen werden, da sie mit der Einkünfteerzielung nicht in Zusammenhang stehen.
Die Bf beantragt in der selbst erstellten Steuerberechnung, Aufwendungen gemäß § 18 Abs. 1 Z 2 und 3 EStG 1988 im Gesamtbetrag von € 465,90 im Topf-Sonderausgaben abzusetzen.
Der im Streitjahr bezahlte Kirchenbeitrag beträgt € 77,14.
Die Sonderausgaben sind antragsgemäß zu berücksichtigen.
§ 34 Abs. 1 EStG hat folgenden Wortlaut:
Nach § 34 Abs. 6 Teilstrich 5 EStG idF BGBl. I Nr. 71/2003 können Mehraufwendungen aus dem Titel der Behinderung, wenn die Voraussetzungen des § 35 Abs. 1 vorliegen, soweit sie die Summe pflegebedingter Geldleistungen (Pflegegeld, Pflegezulage, Blindengeld oder Blindenzulage) übersteigen, ohne Berücksichtigung des Selbstbehaltes abgezogen werden.
In § 35 Abs. 2 EStG wird bestimmt, dass die Tatsache der Behinderung und das Ausmaß der Minderung der Erwerbsfähigkeit (Grad der Behinderung) durch eine amtliche Bescheinigung der für diese Feststellung zuständigen Stelle nachzuweisen ist. Zuständige Stelle ist im konkreten Fall das Bundessozialamt.
Gemäß § 1 Abs. 2 der Verordnung des Bundesministers für Finanzen über außergewöhnliche Belastungen, BGBl. 1996/303, (in der Folge kurz: VO zu §§ 34 und 35) liegt eine Behinderung vor, wenn das Ausmaß der Minderung der Erwerbsfähigkeit (Grad der Behinderung) mindestens 25 % beträgt.
Gemäß § 1 Abs. 3 der VO zu §§ 34 und 35 sind Mehraufwendungen gemäß §§ 2 bis 4 dieser Verordnung nicht um pflegebedingte Geldleistung oder um einen Freibetrag nach § 35 Abs. 3 EStG 1988 zu kürzen.
Das Bundessozialamt hat bestätigt, dass ab 2010 eine Behinderung von 70 % besteht.
Im gegenständlichen Fall sind der Freibetrag gemäß § 35 Abs. 3 EStG (€ 363) und die Mehraufwendungen für Krankendiätverpflegung iSd § 2 der VO zu §§ 34 und 35 (€ 504) unstrittig.
Gemäß § 4 der VO zu §§ 34 und 35 sind nicht regelmäßig anfallende Aufwendungen für Hilfsmittel sowie Kosten der Heilbehandlung im nachgewiesenen Ausmaß zu berücksichtigen.
Im Einkommensteuerbescheid wurden Aufwendungen für Medikamente in Höhe von € 419,95 im Zusammenhang mit der Behinderung gemäß § 4 der VO zu §§ 34 und 35 berücksichtigt.
Die Ausgaben für Nahrungsergänzungsmittel in Höhe von € 112,20 wurden vom Finanzamt nicht anerkannt. Ein Nachweis für die ärztliche Notwendigkeit dieser Mittel wurde nicht vorgelegt. Kosten für Nahrungsergänzungsmittel stellen nach der Rechtsprechung des Unabhängigen Finanzsenates (vgl. Berufungsentscheidung vom 08.05.2008, RV/0956-G/07) keine außergewöhnliche Belastung dar. Für das Bundesfinanzgericht besteht keine Veranlassung von dieser Rechtsprechung abzugehen.
Es war daher spruchgemäß zu entscheiden. Die Bemessungsgrundlage und die Höhe der Abgabe ergeben sich aus dem angeschlossenen Berechnungsblatt.
Salzburg-Aigen, am 9. März 2015
ECLI:AT:BFG:2015:RV.6100166.2013
Findok-Nr: 103900.1, aufgenommen am: 17.03.2015 11:03:07, Dokument-ID: 6139ea09-c285-45c1-bd46-820c5ba03e54, Segment-ID: 2f4c0f05-6c5d-4292-a2c0-330665ada590

References: § 25
 § 2
 § 1
 § 25
 Art. 18
 Art. 23
 § 2
 § 33
 Art. 15
 § 25
 § 16
 § 16
 § 16
 § 62
 § 18

§ 34
 § 34
 § 35
 § 35
 § 1
 § 1
 § 35
 § 35
 § 2
 § 4
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