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Timestamp: 2018-01-16 19:29:16+00:00

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Entscheidungen: Andere Gerichte: Flugreise, Erfrischungstuch, allergische Reaktion, Schadensersatz / OLG Frankfurt am Main, Urt. v. 16.04.2014 - 16 U 170/13 - Burhoff online ;
Flugreise, Erfrischungstuch, allergische Reaktion, Schadensersatz
Gericht / Entscheidungsdatum: OLG Frankfurt am Main, Urt. v. 16.04.2014 - 16 U 170/13
Leitsatz: 1. Eine allergische Reaktion auf Ausdünstungen von während eines Fluges verteilten Erfrischungstüchern stellt eine typische, dem Luftverkehr eigentümliche Gefahr dar, so dass ein Schadensersatzanspruch auf der Grundlage von Art. 17 Abs. 1 MÜ i.V. mit § 253 Abs. 2 BGB besteht.
2. Dieser ist jedoch wegen Mitverschuldens der Geschädigten um 1/4 zu kürzen, wenn diese um das Risiko wusste und der Verteilung der Tücher nicht lautstark Einhalt geboten hat.
Auf die Berufung der Beklagten wird das am 30. August 2013 verkündete Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main - 2-24 O 93/12 - teilweise abgeändert und wie folgt neu gefasst:
Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500,-- € zu zahlen.
Die Klägerin verfolgt Schmerzensgeldansprüche wegen einer Gesundheitsbeeinträchtigung durch das Einatmen der Ausdünstungen von dampfenden Erfrischungstüchern, die auf dem Rückflug X ihres bei der Beklagten gebuchten Fluges von O1 nach O2 und zurück am .... Oktober 2010 verteilt wurden.
Das Landgericht hat der Schmerzensgeldklage, die auf ein angemessenes Schmerzensgeld gerichtet war, wobei 15.000,-- € als angemessen erachtet worden sind, in Höhe von 2.000,-- € entsprochen und im Übrigen die Klage abgewiesen. Zur Begründung hat das Landgericht im Wesentlichen ausgeführt, dass es sich bei der von der Klägerin erlittenen allergischen Reaktion um eine körperliche Verletzung handele, die durch eine typische, dem Luftverkehr eigentümliche Gefahr verursacht worden sei. Dafür hafte die Beklagte gemäß Art. 17 Abs. 1 MÜ i. V. m. § 253 Abs. 2 BGB, da nach dem Ergebnis der Zeugenvernehmungen davon auszugehen sei, dass die für die Durchführung des Fluges verantwortlichen Mitarbeiter der Beklagten von der Allergie der Klägerin und der von ihr befürchteten allergischen Reaktion wussten.
Gegen das ihr am 3. September 2013 zugestellte Urteil hat die Beklagte mit einer am 20. September 2013 bei Gericht eingegangenen Schrift Berufung eingelegt, die - nach entsprechender Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist - mit einer am 3. Dezember 2013 bei Gericht eingegangenen Schrift begründet worden ist.
Die Klägerin muss sich jedoch gemäß Art. 20 MÜ, § 254 Abs. 1 BGB ein Mitverschulen anrechnen lassen, das der Senat mit 1/4 berücksichtigt. Sie hätte, als sie auf ihrem Sitz Platz genommen hat, mit noch mehr Nachdruck auf ihre Situation aufmerksam machen müssen, um sicher zu gehen, dass die an Bord Verantwortlichen dieser auch entsprechen würden. Denn gerade weil eine Vielzahl von an Bord befindlicher Personen in einem Großraumflugzeug Dienste verrichtet und dabei in kurzer Zeit vielen Einzelbedürfnissen Rechnung getragen werden muss, müssen besonders wichtige Anliegen besonders nachdrücklich und lautstark vorgebracht werden. In dem Moment, wo die Verteilung der Tücher begann, hätte die Klägerin aufstehen und laut "Halt" rufen müssen; zur Not hätte sie laut um Hilfe schreien können und müssen angesichts der Dringlichkeit ihres Begehrens.
Die Kostenentscheidung der landgerichtlichen Entscheidung war abzuändern; die Kosten waren gemäß § 92 Abs. 1 ZPO zu quoteln. Ein Fall des § 92 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ist nicht gegeben, weil die Klägerin die Höhe des Schmerzensgeldes zwar in das Ermessen des Gerichts gestellt hat, aber mit ausgiebiger Begründung ihre Vorstellung mit "nicht unter 15.000,-- €" angegeben hat.

References: Art. 17
 § 253
 Art. 17
 § 253
 Art. 20
 § 254
 § 92
 § 92