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Timestamp: 2019-07-17 09:47:53+00:00

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Besuchskontakte zwischen Pflegekindern und Herkunftsfamilie. ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
3. Gestaltung der Umgangskontakte
3.1 Der Ort des Umgangskontaktes
3.2 Schutzfaktoren für gelingende Kontakte
4. Mögliche Wirkungen der Umgangskontakte auf die Pflegekinder
Im Jahr 2005 befanden sich in Deutschland rund 50.000 Kinder in Pflegeverhältnissen (laut Jugendhilfestatistik). Da nicht alle Pflegeverhältnisse statistisch erfasst sind, schätzen ExpertInnen die Gesamtzahl auf ca. 135.000. Das sind 0,9% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In den meisten Fällen handelt es sich um signifikante Fälle von Kindesvernachlässigung, die zu einer Fremdunterbringung in einer Pflegefamilie oder in einem Heim führen.
In den meisten Fällen haben die Kinder in unterschiedlichen Formen und zu unterschiedlichen Personen der Herkunftsfamilie Kontakte. Aus rechtlicher Sicht besteht für die leiblichen Eltern des Kindes grundsätzlich sowohl das Recht als auch die Pflicht zu Besuchskontakten mit ihren Kindern. Eine Einschränkung dieser Kontakte ist rechtlich nur dann erlaubt, wenn das Wohl des Kindes in Gefahr ist.
In dieser Hausarbeit sollen Umgangskontakte der Pflegekinder mit ihrer Herkunftsfamilie thematisiert werden. Dabei wird der erste Schwerpunkt auf die gesetzlichen Grundlagen der Besuchskontakte gelegt, da diese den Ausgangspunkt für alle folgenden Aspekte darstellen. Im folgenden Teil werden Möglichkeiten der Gestaltung von Umgangskontakten in der Praxis kurz erläutert und abschließend wird der Fokus auf mögliche Auswirkungen dieser Umgangskontakte auf die Pflegekinder erörtert.
Kinder, die in einer Fremdunterbringung leben, können weiter in Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie (Eltern, Geschwistern, Großeltern, Onkel, Tanten) bleiben. Diese Umgangskontakte können die Beteiligten untereinander oder mit dem Vormund regeln. Auch eine Zuhilfenahme von RechtsanwältInnen oder des Jugendamtes ist hier denkbar. Häufig ist es möglich, eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten einverstanden sind. Treten jedoch Streitigkeiten unter den Beteiligten auf, so ist das geltende Recht zu beachten. Dieses sieht jedoch keine besonderen Regelungen für Kinder in Pflegefamilien vor. Aus diesem Grunde muss auf die allgemeinen Umgangsregelungen (die in erster Linie für Trennungs- und Scheidungskinder gelten) zurückgegriffen werden. Diese sind in den §§ 1684, 1685 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelt. § 1684 regelt den Umgang des Kindes mit seinen Eltern. Laut Absatz 1 hat das Kind ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil. Des Weiteren ist jeder Elternteil zum Umgang mit dem Kind sowohl berechtigt als auch verpflichtet. Laut Abs. 2 haben die Eltern alles zu unterlassen, was die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigt. Entsprechendes gilt auch für Kinder, die sich in der Obhut von anderen Personen befinden. Abs. 3 besagt, dass das Familiengericht berechtigt ist, über den Umfang des Umgangsrechts und seine Ausübung zu entscheiden. Das Gericht hat außerdem die Möglichkeit, die Beteiligten zur Erfüllung dieser Pflicht im Rahmen von Anordnungen anzuhalten. Bei dauerhaften oder erheblichen Pflichtverletzungen kann das Familiengericht auch eine Pflegschaft für die Durchführung des Umgangs anordnen (Umgangspflegschaft).1
„Die Umgangspflegschaft umfasst das Recht, die Herausgabe des Kindes zur Durchführung des Umgangs zu verlangen und für die Dauer des Umgangs dessen Aufenthalt zu bestimmen.“2
„Das Familiengericht kann das Umgangsrecht oder den Vollzug früherer Entscheidungen über das Umgangsrecht einschränken oder ausschließen, soweit dies zum Wohl des Kindes erforderlich ist (...) Das Familiengericht kann insbesondere anordnen, dass der Umgang nur stattfinden darf, wenn ein mitwirkungsbereiter Dritter anwesend ist.“3
Diese Zitate aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch verdeutlichen die Befugnisse und Möglichkeiten, die dem Familiengericht im Rahmen von Umgangsstreitigkeiten zukommen. Des Weiteren ist hier anzumerken, dass keine andere Instanz außer der des Familiengerichtes das Recht besitzt, Umgangsrechte aufgrund bestimmter Fakten einzuschränken.
§ 1685 BGB regelt den Umgang des Kindes mit anderen Bezugspersonen. Nach Abs. 1 haben auch Großeltern und Geschwister des Kindes ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient. Laut Abs. 2 gilt dies auch für andere enge Bezugspersonen des Kindes, wenn diese für das Kind Verantwortung tragen oder getragen haben (sozialfamiliäre Beziehung). Dieser Fall liegt dann vor, wenn das Kind mit der Person längere Zeit in einer häuslichen Gemeinschaft zusammengelebt hat.4
Grundsätzlich geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Umgang mit den Eltern sowohl dem Kindeswohl dienlich als auch entwicklungsförderlich für das Kind ist.
Dies verdeutlicht § 1626 Abs. 3 BGB, der die elterliche Sorge regelt:
„Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist.“5
Jedoch ist es an dieser Stelle schwierig, diese gesetzliche Annahme bedingungslos auf die Situation von Pflegekindern zu übertragen. Stattdessen ist es wichtig in der Umsetzung von Umgangsregelungen von Pflegekindern die jeweilige Beziehungssituation des Kindes und seine Sicherheit im Fall von Umgang mit einzubeziehen. Das geltende Recht lässt hier den Raum, im Einzelfall andere Regelungen zu treffen. Im Falle von Kindeswohlgefährdung kann der Umgang vorübergehend bzw. auf Dauer eingeschränkt oder ausgeschlossen werden. In der Praxis ist dies oft der Fall bei Misshandlungen oder sexuellem Missbrauch in der Vorgeschichte. Auch andere traumatisierende Erfahrungen, die bei erneutem Umgang mit den Eltern beim Kind eine große Belastung darstellen, können ein Grund für den Ausschluss der Umgangskontakte sein.6
„Für traumatisierte Kinder kann jeder Kontakt mit den Herkunftseltern die Reaktualisierung des Traumas und so das Gefangenbleiben in pathologischen EItern-Kind-Bindungen bedeuten. Dies gefährdet die psychische Integrität der Kinder auch nach der Fremdunterbringung sowie ihre Integration in die Pflegefamilie.“7
Neben den Eltern haben auch Großeltern, Geschwister und andere Bezugspersonen ein Recht auf Umgang mit dem Kind, jedoch ohne dazu verpflichtet zu sein. Im Gegensatz zu den Eltern haben sie aber nur ein Umgangsrecht unter der Voraussetzung, dass dies dem Kindeswohl dient. Somit muss dieser Personenkreis nachweisen können, dass der Umgang dem Wohl des Kindes dient.
Bei der Umsetzung von Umgangskontakten existieren in der Praxis große Unterschiede (bezüglich Umgangsperson, Gestaltung, Ort, Dauer und Häufigkeit). In den meisten Fällen nehmen die Mütter die Kontaktmöglichkeiten mit ihren Kindern wahr. Es gibt jedoch auch Geschwisterkinder, Großeltern, Onkel und Tanten, die Pflegekinder besuchen bzw. kontaktieren. Abhängig sind die Faktoren der Umgangsgestaltung in erster Linie von Absprachen zwischen Jugendhilfe, Pflegeeltern, Herkunftseltern und den betroffenen Kindern. Bei strittigen Fällen kann die Aushandlung auch durch das Familiengericht erfolgen.
1Vgl. Kindler, H., Helmig, E., Meysen, T., Jurczyk, K., S. 563 f.
2BGB § 1684 Abs. 3
3BGB § 1684 Abs. 4
4Vgl. BGB § 1685 Abs. 1 bis 3
5BGB § 1626 Abs. 3
6Vgl. Kindler, H., Helmig, E., Meysen, T., Jurczyk, K., S. 565
7http://www.agsp.de/html/a38.html, Datum der Entnahme: 05.08.2012 5
Einführung in das Pflegekinderwesen
V302025
besuchskontakte, pflegekindern, herkunftsfamilie, gesetzliche, grundlagen, umsetzung, wirkung, pflegekinder
Isabel Seibel (Autor), 2012, Besuchskontakte zwischen Pflegekindern und Herkunftsfamilie. Gesetzliche Grundlagen, Umsetzung und Wirkung auf die Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302025
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References: § 1684

§ 1685
 § 1626
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 § 1684
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