Source: http://archiv-heinze.de/rhaude/schuleRh/schulerh.html
Timestamp: 2017-03-27 12:36:23+00:00

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schuleRh
Kurt Engel wurde in Botterode, Thüringen, geboren. Er studierte Mitte der 30er Jahre an der Pädagogischen Hochschule Frankfurt, die später nach Weilbaurg an der Lahn ausgelagert wurde. - Um 1937/38 war Engel Junglehrer in Strackholt und kam dann nach Ostrhauderfehn oben. Über seine Soldatenzeit ist nichts bekannt. Nach dem Kriege begann er in Holthusen und kam von dort nach Rhaude.
Kurt Engel war 40 Jahre lang Organist in Rhaude.
Mit Kurt Engel und Wilhelm Luikenga studierten ebenfalls an der damals preußischen Frankfurter Hochschule für Pädagogik, die später nach Weilburg an der Lahn ausgelagert wurde: Ait Aits, Völlenerfehn; Gebhard Löning; Gerhard Dirksen, Jhrhove und nach dem Krieg: Helmut Sanders, Wiesmoor. (Anmerkung: Wer im ehemaligen Preußen Lehrer werden wollte, mußte an einer preußischen Hochschule studieren, und da die Auricher PräparandenAnstalt nicht mehr existierte und die Oldenburger PH nicht in Frage kam, wichen viele Ostfriesen in den Süden aus.)
Kurt Engel betätigte sich z.T. in leitenden Funktionen in der Lehrerkonferenz Overledingerland und in der GEW auf Orts-, Kreis und Landesebende.
Hauptlehrer Kurt Engel (70) aus Rhaudermoor, ein weit über das Overledingerland hinaus bekannter Pädagoge, hat 14 Jahre - von 1951-1965 - an dieser seit über 200 Jahren bestehenden einklassigen Schule unterrichtet und sie bis zu ihrer im Zuge der Schulreform vollzogenen Auflösung im Jahre 1965 geleitet. Seit 1978 im Ruhestand, hat er sich eingehend mit der Geschichte des Schulwesens in dieser alten Gemeinde am Rande der Overledinger Geest befaßt, recherchiert und geforscht und stellt uns nun das Ergebnis seiner umfangreichen Arbeit vor.
Neun Folgen 1984
Die eigentliche Geschichte des Dorfes Rhaude wird dabei leider nur am Rande berührt. Dabei wissen wir recht wenig über diesen Ort, der schon im frühen Mittelalter Sitz einer Parochie war. Ihr Ursprung wird auf die Zeit Karls des Großen zurückgeführt. Zeitgenössische Geschichtsschreiber bezeichnen das Kirchspiel als Weihgut, dessen Name Raweck, Roude oder auch Raude nach der Darstellung von Heimatforschern sowohl von der nahe vorbei- fließenden Roten Riede, als auch von einer Rodung im Walde abgeleitet wird. Urkundlich erwähnt wird der Ort erstmals 1439. Daß es in Rhaude schon frühzeitig eine Schule gegeben hat, ist in 0. G. Houtrouw "Ostfriesland - Eine geschichtlich ortskundige Wanderung gegen Ende der Fürstenzeit" nachzulesen. Dort heißt es u. a. “... so bemerken wir nur noch, daß hier an diesem Ort die erste Schule der Parochie erwähnt wird, wie denn unser Land vielleicht die älteste Volksschule in ganz Deutschland hat, indem bereits um 1550 auch die kleineren Ortschaften fast überall Schulen besaßen. Doch stand die Schule zu Raude zuerst an einer anderen Stelle und ward erst 1688 nach der jetzigen verlegt.” -e
Generationen von Kindern des schon seit dem frühen Mittelalter bekannten Dorfes Rhaude haben die alte, im Schatten der Kirche stehende Dorfschule besucht, und tüchtige Lehrer haben jungen Menschen hier oft unter widrigsten Umständen das geistige Rüstzeug für ein ganzes Leben vermittelt. Bis immer neue Reformen und Zentralisierungsbestrebungen in der niedersächsischen Schulpolitik schließlich zum Massensterben der gern als “Zwergschulen” abgewerteten dörflichen Bildungseinrichtungen führten. Gegen diesen Trend der Zeit konnte sich auch die Rhauder Dorfschule nicht behaupten. 1965 schloß sie für immer ihre Tore. Foto: Bruno Ewen
Frühsommer 1965. Ein grauer Morgen zog auf über dem kleinen Bauerndorf Rhaude auf dem Geestrücken vor dem Moorgürtel im Süden, der in früheren Zeiten Ostfriesland zum Emsland hin abgrenzte.
Das alte Schulhaus aus dem 18. Jahrhundert mit Schulstube, Lehrerwohnung und Stall unter einem Dach, angelehnt an die Kirche mit dem wuchtigen Glockenturm und dem Friedhof, war an diesem Tag nicht vom fröhlichen Lärm der Kinder erfüllt. Würdige Herren betraten das Backsteingebäude mit den kleinen Fenstern, Bauern aus dem Dorf, und aus der Kreisstadt der "Herr Schulrat". Es galt, Abschied zu nehmen von einer mehrhundertjährigen Tradition: der Schule im Dorf! Die Schule wurde aufgelöst!
Die unaufhaltsame industrielle und gesellschaftliche Weiterentwicklung in der Mitte unseres Jahrhunderts brachte neben anderen Umwälzungen in Stadt und Land auch das Ende der kleinen Dorfschule. Diskussionen über die Bildungsreform und über Begriffe wie Chancengleichheit und Zentralisierung hatten den Boden schon lange vorbereitet.
Als "Dütsder", der freilich schon Jahrzehnte in Ostfriesland wohnt, interessierte mich das Schicksal dieser Dorfschule, an der ich ein Dutzend Jahre gewirkt hatte, ganz besonders. So versuchte ich nun, an die geschichtlichen Quellen heranzukommen, was im ländlichen Raum nicht einfach ist.
Mittelpunkt des Overledingerlandes
Die alte Parochie Rhaude bildete in alten Zeiten den Mittelpunkt des Overledingerlandes, außer einigen "Inseln" wie die "Moorhäuser" (Alt-Rhaudermoor), Burlage und Langholt im Süden.
Sehr viel Brauchbares fand ich im Staatsarchiv zu Aurich und besonders in den Inspektionsberichten im Archiv der Superintendentur, deren Amtsinhaber bis zum Ende des ersten Weltkrieges die Aufsicht über das Schulwesen wahrzunehmen hatten.
Im Frühjahr und Herbst fanden regelmäßige Inspektionen durch den Ortsschulinspektor statt. Der Sonntag Judika spielte dabei eine besondere Rolle als Prüfungstag der Schulkinder in der Dorfkirche; zum Repertoire gehörten Bibelverse, Stücke aus dem Katechismus und Lieder aus dem Gesangbuch. Am Nachmittag besuchte man dann die Schule und ließ die kleineren Kinder buchstabieren oder etwas einzeln und im Chor "aufsagen".
Der Preußenkönig Friedrich, der im 18. Jahrhundert das "Generalschulreglement" erließ, hat eine gewisse Ordnung in das Schulwesen auf dem Lande gebracht. Diese Richtlinien werden immer wieder erwähnt.
Die oberste staatliche Behörde war das Amt Stickhausen und in der geistlichen Hierarchie das Konsistorium in Aurich. Es ist davon auszugehen, daß in Rhaude schon im 17. Jahrhundert Schule gehalten wurde, von Männern, die sich bei erfahrenen Schulmeistern oder Geistlichen ein Minimum an Rüstzeug, vor allem Bibel- und Gesangbuchkunde, erworben hatten.
.Lehrer und Handwerker
Oft betrieben diese zusätzlich ein Handwerk, da der Ertrag des Schulgeldes, das die Eltern zahlten, nicht ausreichte, die Familie zu ernähren. Die Klagen über die mangelnde Existenzgrundlage zieht sich durch alle Berichte. So schreibt beispielsweise ein Schulmeister folgendes Versetzungsgesuch:
Hochzuverehrender Herr Consistorialrath! Ew. Hochwürden ist aus dem Verzeichniß der Güter, besonders der Kirchen- , Pfarr- und Schulgüter, welches sich bei jedem Consistorio befinden muß, bekannt, daß der hiesige Schuldienst kaum 40 rth (Reichsthaler) jährlich einbringt, und ich versichere, daß dies, auch die Wohnung eingeschlossen, nicht zu niedrig geschätzt ist. Von dieser Einnahme kann kein Schulmeister leben, wenn er nicht durch seiner Hände Arbeit, besonders durch ein anständiges Handwerk, seinen Unterhalt erwerben kann.
Glücklicherweise habe ich bisher durch Schneiderei, indem ich für die hiesigen Einwohner Kleidungsstücke verfertigt, für mich und meine Familie das nöthige Brod kümmerlich verschaffen können. Da aber jetzt zwei fremde Schneidergesellen gegen eine jährliche Taxe oder Abgabe von 50 Thaler an den Fiskus die Consession auf dieses Dorf erhalten und sich hier besetzt haben, so ist mir dadurch mein bisheriger Nahrungsweg versperrt und das Mittel, mich hier erhalten zu können.
Ich sehe mich daher genöthigt, hohes Consistorium zu bitten, mich von diesem Orte nach einem ändern, wo ich als Schullehrer anständig leben kann, zu versetzen. Meine Vorgesetzten werden mir das Zeugnis geben, daß ich in den 30 Jahren, da ich hier als Schullehrer stehe, unter den drückendsten Umständen und Mühseligkeiten stets meine Pflicht erfüllt und mich als ein rechtschaffener Schullehrer betragen habe. Ich habe nicht nur täglich 5-6 Std. einige dreißig Kinder in den erforderlichen Kenntnissen unterrichtet, sondern auch die anderen Obliegenheiten jederzeit nach der Vorschrift erfüllt.
Ich hoffe, daß Ew. Hochwürden mein Gesuch geneigtest unterstützen werden und verharre mit der größten Ehrfurcht Ew. Hochwürden gehorsamster Diener (Name unleserlich)
Schule in Rhaude zu eng
In den Kirchdörfern fand man die Hauptschulen, während in den dazugehörigen Ortschaften Nebenschulen existierten. Da bei den zum Teil - besonders im Winter - katastrophalen Wegeverhältnissen die Eltern ihre Kinder nicht zur Hauptschule schicken konnten, nahmen diese einen "Nebenlehrer" an, der in einer Stube unterrichtete, bis man daran denken konnte, ein eigenes Gebäude zu errichten. Oft wurden die Einnahmen des Hauptschullehrers durch das ausbleibende Schulgeld der Eltern derart geschmälert, daß ein erbitterter Kampf um das tägliche Brot entstand.
In einem Gesuch an den "Durchlauchtigsten Hochgebohrnen Fürstl. Herrn" schreibt ein Rhauder Schulmeister etwa im Jahre 1705:
"Ich bin im Jahre 1691 von der Gemeinde zu Hesel zu ihrem Küster und Schuldiener berufen worden und habe solchen Dienst 13 Jahre treu und fleißig gewartet. Im Jahre 1704 bin ich von der Gemeinde zu Raude und Holte wiederum zu solchem Dienste berufen. Weil nun Raude, woselbst die Kirche und die Schule ist, ein kleines Dorf von 20 Hauß, hergegen Holte über 60 Hauß, darzu die Cüsterey ganz schlecht und geringe, so haben sich deswegen die zu Holte einhellig verschrieben, die großen Kinder, die nach Raude gehen können, mir in die Schule zu schicken. Die gar kleinen aber haben bißher einen alten Mann gehabt, welcher alters halber solches nicht mehr abwarten kann. Auf Begehren des Herr Pastoris habe ich auch sie über zwey Jahre gelehret.
Nun hat sich im vergangnen Winter einer angegeben, in Holte zu lehren die großen mit den kleinen, über die 50 Kinder, da ich nicht über 20 gehabt. Zu Ostern haben die Vornehmsten ihm wieder 15 zugewonnen und für jedes einen Reichsthaler zugesagt. Mich aber wollen sie fast zwingen, die gantz wenigen übrigen bey Wochen zu unterrichten, die Woche für einen Stüver. Solches kann ich unmöglich ausstehen, denn ich muß alle meine Haußmannarbeit durch Taglöhner verrichten lassen.
Ich bitte, sie wollen, gnädigster Herr, mich hierinnen beschützen, daß dieser neue Schulmeister, Nahmens Johan Jeremias Neuling, möge abgewiesen werden, der mir das liebe Brod von dem Munde wegnimbt." Die Unterschrift ist unleserlich.
Auszug aus einem Einzelprotokoll aus dem Jahre 1737:
"Am 20. Juni 1737 ist allhie Visitation gehalten, nachdem ich am 19. Abends von Potshausen mit 4 Pferden aus der Rauder Gemeine abgeholet."
Nach der Katechisation über den 2. Artikel durch den Ortspastor Weitz ging man in die Schule, um "daselbst zu hören, wie die Kinder buchstabiren, lesen und beten."
"Darauf meldeten sich verschiedene aus Holte bey der Commission, welche, als sie vorgelaßen worden, wegen ihrer Schule erklärt haben: Weil ihnen ein neues Schulhaus mit der Bedingung, dem Schulmeister Specht zu Raude jährl. 10 Gulden abzutragen, durch Verfügung des Consistorium verstattet worden, sie aber dergleichen Pflicht nicht auf sich nehmen könnten, so wollen sie es bey der alten Regelung lassen."
Zum Gebäude wurde gesagt: "Die Schule zu Raude ist offenbar zu enge, wenn alle Kinder von Holte, die zur Schule gehen, mit denen in Raude dahinein gehen sollen, dieselben, die gerne eine Zahl von 100 ausmachen, zu faßen, nachdem in der Cammer, darin zu Raude Schule gehalten wird, nicht mehr als höchstens 40 Kinder bequem sitzen können."
Zum Bereich der Inspektion gehörten die beiden "Haupt-Schulen" Rhaude und Holte, letztere nur etwa einen Kilometer entfernt, die immer wieder angestrebte Vereinigung wurde jedesmal strikt abgelehnt. In Burlage, Langholt und Rhauderwieke existierten sogenannte Nebenschulen. Erst nach dem Beginn der Fehnkolonisierung entstanden auf dem Rhauder Westfehn, dem Rhauder Ostfehn sowie in Holterfehn Schulen, die sich im 19. Jahrhundert, gleichlaufend mit den beispiellosen Pionierleistungen der Kolonisten und der wachsenden Siedlertätigkeit, vergrößerten und allmählich die Bedeutung des Mutterdorfes Rhaude und seiner Schule in den Hintergrund drängten.
Auszüge aus dem preußischen General-Landschul-Reglement vom 12. August 1763
So ist Unser so wohlbedachter als ernster Wille, daß das Schul-Wesen auf dem Lande in allen Unsern Provinzen auf einen bessern Fuß als bishero gesetzet und verfasset werden soll.
Diesemnach befehlen Wir hierdurch und kraft diese aus Höchsteigener Bewegung, Vorsorge und Landes-Väterlicher Gesinnung zum Besten Unserer gesamten Unterthanen, allen Regierungen Consistoriis und übrigen Collegiis Unsers Landes, auf nachstehendes General-Land-Schul-Reglement feste zu halten und alles ins künftige darnach einzurichten, damit der so höchstschädlichen und dem Christenthum unanständigen Unwissenheit vorgebeuget und abgeholfen werde.
§ 1: Zufoerderst wollen Wir, daß alle Unsere Unterthanen, es moegen Eltern seyn, Vormuender oder Herrschaften, denen die Erziehung der Jugend oblieget, ihre eigene sowohl als ihrer Pflege anvertraute Kinder, Knaben oder Maedchen, wo nicht eher doch hoechstens vom fuenften Jahre ihres Alters in die Schule schicken, auch damit ordentlich bis ins Dreyzehente und Vierzehente Jahr continuiren und sie so lange zur Schule halten sollen, bis sie nicht nur das Noetigste vom Christenthum gefasset haben und fertig lesen und schreiben, sondern auch von demjenigen Red und Antwort geben können, was ihnen nach den von Unsern Consistoriis verordneten und approbirten Lehr-Buechern beygebracht werden soll.
§ 7: Was das Schul-Geld betrifft, so soll fuer jedes Kind, bis es zum Lesen gebracht wird, im Winter Sechs Pfennige, wenn es aber zum Lesen gekommen. Neun Pfennige, und wenn es schreibet und rechnet. Ein Groschen woechentlich gegeben werden. In den Sommermonaten dagegen wird nur Zwey Drittheil von diesem angesetzten Schul-Gelde gereichet, so daß diejenige, welche Sechs Pfennige im Winter gegeben. Vier und welche sonst Einen Groschen gegeben, nunmehro Acht Pfennige geben sollten.
§ 8 Wenn aber einige Eltern notorisch so arm waeren, daß sie für ihre Kinder das erforderliche und gesetzte Schul-Geld nicht bezahlen könnten, oder die Kinder, welche keine Eltern mehr haben, waeren nicht im Stande, das Schul-Geld zu entrichten, so muessen sie sich deshalb bey den Beamten, Patronen, Predigern und Kirchen-Vorsteher, in so ferne dieselbe über die Kirchenmittel zu disponieren haben, melden: da denn, wenn kein anderer Weg vorhanden, entweder aus dem Klingel-Beutel oder aus einer Armen- oder Dorf-Casse die Zahlung geschehen soll, damit den Schulmeistern an ihrem Unterhalte nichts abgehe, folglich dieselbe auch beydes armer und reicher Leute Kinder mit gleichem Fleiß und Treue unterrichten moegen.
§ 11: Zu solchem Ende und hierauf desto genauer zu achten, sollen die Schulmeister sich nicht nur eine Designation von allen Kindern des Districts oder Dorfes, worinnen sie den Unterricht besorgen sollen, von den Predigern aus dem Kirchen-Register geben lassen; damit sie wissen, welche Kinder von dem Alter sind, daß sie zur Schule muessen geschicket werden: sondern sie haben auch dahin zu sehen, daß sie sich, nebst dem monatlichen Verzeichniß der vorhandenen Schul-Kinder einen ordentlichen Schul-Catalogum halten.
§ 12: Da es aber bey einer guten Schulverfassung vornehmlich auf einen rechtschaffenen Schulmeister ankoemmt, so ist hiernechst Unser sowohl allergnädigster als ernstlicher Wille, daß von allen und jeden, welche Schulmeister und Kuester zu bestellen haben, darauf mit allem Fleiß gesehen werde, daß zu den Schulaemtern auf dem Lande ins kuenftige recht tuechtige Leute gelangen moegen. Es muß aber ein Schulmeister nicht nur hinlängliche Geschicklichkeit haben, Kinder in den noethigen Stücken zu unterrichten; sondern auch dahin trachten, daß er in seinem gantzen Verhalten ein Vorbild der Heerde sey und mit seinem Wandel nicht wiederum niederreisse, was er durch seine Lehre gebauet hat.
§ 22: Die Disciplin muß weislich geschehen: so daß den Kindern die Eigenliebe als die Quelle aller Suenden entdecket und ihre Abscheulichkeit gewiesen, der Eigensinn oder Eigenwille mit Fleiß gebrochen, auch das Luegen, Schimpfen, Ungehorsam, Zorn, Zanck, ec. ernstlich, jedoch mit Unterscheid und nach vorhergegangener gnugsamer Ueberzeugung des geschehenen Verbrechens bestrafet werden. Wobey die Schulmeister in Zuechtigung der Jugend sich aller ungeziemenden Heftigkeit, suendlichen Eifers und Scheltens enthalten und dergestalt gebrauchen sollen, daß die Kinder wegen schaedlicher Lindigkeit nicht verzaertelt, noch durch die uebermaeßige Strenge scheu gemacht werden."
Im Jahre 1766 zweite Schul-Inspektion
Aus dem "Protocollum Speciale für das Kirchspiel Rhaude zu der zweyten geistlichen Inspection in den Ämtern Leer und Stickhausen gehöret auf Allerhöchsten Königlichen Special Befehl. Angefangen Anno 1766."
"In diesem Kirchspiel (Rhaude) hat Inspector am 28. April 1767 des Nachmittags die Schule zu Rhaude und am 29. April vormittags die zu Holte visitieret. Den Schulhaltern dieser beiden Örter wurde aufgegeben, sie sollten die Kinder, welche den Anfang in dem sonst gewöhnlichen Bremer-ABC-Buche zum Buchstabieren gemacht, hernach in das Berlinische Lesebuch bringen, und dadurch im Buchstabieren perfectionieren, ja gar ans Lesen bringen. Sodann sollten sie ihnen, das Evangeliumbuch, darauf den Psalter, und weiter die Gebet-Übung und zuletzt die Hallesche Bibel geben. In dem Rhauderschen Kirchspiel sind bekanntermaßen zwei Haupt-Schulen. Die eine ist in dem Kirchdorfe selber, die andere aber in dem dazugehörigen und nicht über eine Viertelstunde abgelegenen Ort Holte. In jener erteilet der ordentlich bestellte Küster, in dieser aber derzeitige Organista vicarius den Unterricht. Die Anzahl der Schüler, so die Schule zu Rhaude besuchen, ist geringe, gegen die, welche in die Schule zu Holte gehen.
In der Schule zu Rhaude wurden die zu derselben gehörigen Schüler nach dem monatlichen Catalogo übersehen und Jetzo beinahe alle gegenwärtig befunden. Hierauf wurde dem Schulhalter befohlen, die Schüler nach den drei Haupt-Klassen aufsagen zu lassen. Die Leser und unter denselben sonderlich diejenigen, welche ihre Lection in der Bibel hatten, ließ er ihr aufgegebenes Pensum alle und auf einmal herlesen. Die übrigen Leser aber, wie auch die Buchstabier- und ABC-Schüler sagten nicht miteinander, sondern einzeln und Mann für Mann auf.
Zugleich wurde nach der biblischen Historie gefragt und herausgebracht, daß Schulmeister dieselbe bis hierher nur allzu sparsam tractiret hätte. Ihm wurde solches auf eine schimpfliche Weise verwiesen, und, wie er einwandte, daß er des Sonnabends zuweilen nicht mehr als vier oder fünf kleine Kinder in der Schule hätte und für selbige die Historie nicht wohl nehmen könnte. Es wurde geantwortet: Er müßte und könnte sie dem allen ohngeachtet nehmen. Die kleinsten Kinder in der Schule könnten schon aus der Historie etwas behalten und wieder nacherzählen. Um aber künftig auch die größeren des Sonnabends in die Schule zu kriegen, wollte man ihm folgenden Rat geben. Er möchte freitags vorher in diejenigen Häuser gehen, wo die größeren Kinder wohneten, sie liebreich anreden und ermuntern, den folgenden Tag in die Schule zu kommen. Er könnte zu ihnen etwa folgendergestalt sagen:
"Liebe Kinder, morgen werdet ihr doch nicht aus der Schule bleiben, sondern in dieselbe kommen. Ich werde euch neue und überaus schöne biblische Historie alsdann zu erzählen und beizubringen haben. Ich weiß, es wird euch reuen, wenn ihr versäumet, dieselbe mit anzuhören und zu fassen."
Das sollte die Kinder schon anlocken. Überhaupt würde Schulhalter wohltun, wenn er künftig wider sein natürlich hartes und rauhes Wesen mit ernstlichem Gebet zu Gott kämpfete und dasselbige mehr und mehr ablegete; hingegen sich durch Gnade ein freundliches, lindes und liebreiches Wesen angewöhnete, und mit denselben seinen Schülern allenthalben, in der Schule sowohl als außerhalb derselben begegnete.
Prüfung in Holte
Hierauf ging man in die Schule zu Holte. Der monatliche Catalogus wurde vom Schulhalter zuerst vorgewiesen und ganz ordentlich befunden.
(Anmerkung des Verfassers: Der Schulkatalog enthielt Angaben über den Schulbesuch der Kinder, und damit war es nicht immer zum besten bestellt! Das nimmt nicht wunder, wenn man an die oft drängenden landwirtschaftlichen Arbeiten und die große Armut denkt!)
Nachdem die anwesenden Schüler danach waren übersehen worden, so wurde das Inventarium von den Büchern für armer Leute Kinder zu sehen verlanget. Schulhalter bekannte: Er habe keins, und zwar deswegen, weil er nicht gewußt, wie er es anfertigen sollte. Der Inspector gab ihm daraufhin genaue Anweisung, wie ein solches Büchlein anzufertigen sei. Sodann wurde mit Vergnügen festgestellt, daß er seine Art zu informieren überhaupt viel besser nach dem Königlichen Schulreglement einrichtete, als er vorher getan.
Die Schule hatte keinen Schreib-Tisch und Bänke. Herr Pastor Taute aber versprach, dahin zu sorgen, daß dergleichen aus den Kirchen-Mitteln gemachet, und hernach in das Inventarium unter denen zur Schule gehörigen Geräten gesetzet würden.
Klage der Interessenten
Einige Interessenten hatten unter der Hand über den Schulhalter geklaget, als gäbe er nicht genugsam auf die bestimmte Zeit Acht, wann der Schulunterricht an einem jeglichen Tage sowohl des Vor- als des Nachmittags anheben müßte. So wurde selbiger darüber anjetzo zur Rede gestellt und befraget, inwieweit diese eingebrachte Beschwerde Grund habe.
Worauf er erwiderte: Es gründe sich dieselbe in nichts als in dem Mangel einer öffentlichen Schlaguhr in Holte. Denn die besonderen Hausuhren, so manche Eingesessene hätten, könnten die Richtigkeit dieses Anbringens keineswegs verweisen. Allermaßen dieselben so verschieden gestellet werden, daß einige eine Stunde zu früh, andere eine Stunde zu spät, und die wenigsten accurat nach der Sonne gingen. Was seine Verkläger mehr wollten, als er täte? Er informiere nach einer richtigen Sand-Uhr des Vormittags 3 Stunden und des Nachmittags 3 Stunden. Das wäre vorschriftsmäßig.
Zugleich wurde Schulmeister sondieret: Was ihm von dem Vorschlag dünke, den bei dieser Visitation einige Interessenten insgeheim dahin getan hatten, daß er den Betrieb seines Ackerbaues gänzlich abstellen und, wie im Winter als auch im Sommer, seine Schul-Arbeit alleine und ganze Tage warten sollte.
Schulhalter antwortete: Er wäre von Herzen erbötig, diesem Anverlangen ein Genüge zu tun, jedoch mit der Einschränkung und unter der Bedingung, daß ihm vorher ein gehöriges salarium (Vergütung) ausgemachet würde, von welchem er samt seiner Familie, die aus sechs bis sieben Personen bestünde, hinlänglich leben könnte. Denn er gäbe zu bedenken, ob er mit einer solchen starken Haushaltung vermögen wäre, von dem bloßen Einkommen des Schul-Geldes zu subsistiren (leben)? Zumalen, da ihm solches noch nicht einmal richtig bezahlet würde, sondern einige es drei Jahre auflaufen ließen, und andere es ewig schuldig blieben. Er wäre bei diesen Umständen gezwungen, den Betrieb des Ackerbaues beizubehalten und davon für sich und die seinigen LebensUnterhalt zu nehmen.
Befragung der Schulhalter
Bei jeder Inspection wurde eine Befragung der Schulhalter durchgeführt. Hier einige Kostproben:
Zunächst Rhaude:
Hayko Sp., am 30.11.1702 als Sohn des Pastors vicario Johann Sp. und dessen Ehegenossin Talcke H. zu Filsum geboren ... 1728 von der Rhauderschen Gemeinde zum Schulhalter erwählet und von der Hohen Landes-Obrigkeit bestätiget.
Außer dem Rechnen, als welches er selber nicht erlernet hätte, unterweise er seine Schüler in allen jetzo abgefragten Stücken nach seinem besten Vermögen. Das Einkommen des Schulgeldes sei schlecht genug und könne er darüber nicht hoch rühmen.
Noch eine Haupt-Schule sei zu Holte und in derselben ein continuirlicher Schulmeister. Zugleichen wären zu Burlage, Langholt und den Moorhäusern permittirte (erlaubte) Neben-Schulen, die aber keine bestellten, sondern abwechselnde Lehrmeister hätten.
Er gewöhne seine Schul-Kinder zu denjenigen guten Sitten, die er selber wüßte und verstünde, und er hoffe nicht, daß jemand sich beschweren könne, darinnen nicht soviel zu tun, als in seinem Vermögen wäre.
Meinung der Kirchenvorsteher:
"Sie achteten nötig, daß derselbe seinen Ackerbau stehenließe, als der ihn an der gehörigen Wahrnehmung seiner Schul-Arbeit zu hindern schiene. Wenn die Gemeinde ihm eine neue Schule in loco (am Ort) erbaue, alle Woche das verdiente Schulgeld richtig abführe, und bei der vorzunehmenden Teilung der gemeinen Weide-Länder bei Holte ein Stück aussetzete und ihm davon so lange, als er der Schule an diesem Ort diene, den usum fructus (Ertrag an Früchten) ziehen ließe, so dünke ihnen, er könne billigerweise in dieses Anverlangen einwilligen.
Befragung in Holte (Organistendienst):
Johann Sp. Organista vicarius und continuierlicher Schulhalter in Holte sei zu Rhaude am 30. Okt. 1739 von dem noch lebenden Küster Hayko Sp. und dessen verstorbener Ehefrau Wobcke B. geboren.
Die Organistenbedienung verwalte er für seinen Vater, der nicht spielen könne; zu einigem equivalent (Entgelt) für diese Bemühung sei ihm aber anno 1752 von der Gemeinde die Schule in Holte zu bedienen übertragen worden. Er unterweise die Kinder in allen Dingen, so wie im Schul-Reglement vorgeschrieben worden. Sagte dieser oder jener es ihm anders nach, so ließe er es Gott richten.
Anbei melde er, daß er außer den abgefragten Lectionen sich um einiger un- und eigenwilligen Eltern genötigt fände, seinen größeren Schülern auch Anweisung zur Lesung von allerlei Schriften zu geben.
Er gewöhne die Kinder zu guten Sitten, soviel er teils selber könne und wisse, teils seine Schüler ihm folgen wollten. Letztere ließen es daran öfters allzu viel fehlen und würden darinnen von ihren Eltern gestützt und dermaßen sie die Alten in Holte samt den Jungen die Pastores und Schulmeisters blutwenig estimirten (achteten). Später heißt es:
Am 27. November traf der Catalogus von der zu Rhaude im heurigen Sommer gehaltenen Schule ein und zugleich ein Schreiben, worin Pastor Taute klagte, daß der Holter Schulhalter ohnlängst nicht nur einmal am Sonntage aus der Kirche geblieben und Buchweizen eingefahren. sondern daß er dieselbe seit Michaelis allemahl des Mittwochs nachmittags auch versäumet, und damit gemacht hätte, daß seine Schüler zugleich ausgeblieben wären. Wegen dieses üblen Verhaltens und gegebenen schlechten Exempels soll der Schulhalter bei erster Gelegenheit mündlich ernstiglich beschämet werden.
Die Beschämung ist nachgeblieben, weil mündlichen Berichten des Pastors zufolge sich Schulhalter gebessert hat.
Zuerst Saat und Ernte, dann die Schule
Im diesjährigen Bericht 1768 klagen die Schulhalter besonders über den schlechten Besuch der Schule, in Holte fehlten während des ganzen Sommer 58 Kinder. Es wurden "monitorien" (Ermahnungen) verschickt, die aber kaum etwas halfen. "Armut" und "Arbeitsüberlastung" führten die Väter als Begründung für das Fernbleiben an. In diesem Jahre wurde als Nachfolger von Pastor Taute der neugewählte Pastor Hagius eingeführt.
Mit dem Anfang des Sommers 1769 untersuchte der Inspector, ob die Haupt-Schulen in diesem Kirchspiele wieder angehoben waren und fand, daß sie aus wichtigen Ursachen am 5. April noch nicht wieder "in Gang" waren, kriegte aber von beiden Schulmeistern, dem zu Rhaude sowohl als dem zu Holte zur Versicherung, daß sie mit Montag, dem 10. April, ihren Anfang nehmen sollten. welches, soviel man weiß, auch hernach wirklich geschehen ist.
Von den zustandegekommenen drei Nebenschulen auf den Moorhäusem (Alt-Rhaudermoor), zu Langholt und Burlage war man nicht informieret, ob für dieselben auch wieder Schulhalter angenommen worden. Deswegen wurde der alte Schulmeister um Bericht gebeten. Seine Antwort:
Burlage wollte, weil Rolf Harms seine Kinder selber zu informieren gedächte, außer denselben aber nicht mehr als drei Schulpflichtige vorhanden wären, keinen Neben-Schulhalter diesen Sommer halten.
Langholt hätte Johann Janssen, welcher daselbst verwichenen Winter Schule gehalten, von neuem angenommen, und von demselben würde, sobald er nur sein Buchweizenland in die Saat gebracht hätte, die Schule eröffnet werden.
Auf dem neuen Fehn und auf den Moorhäusern gab es in diesem Sommer keinen Schulhalter und die Colonisten wurden angewiesen, nach der erfolgten landesherrlichen Conzession einen Schulhalter anzunehmen oder ihre Kinder zur Hauptschule nach Rhaude zu schicken.
Im Herbstbericht wird ausgeführt, daß in den Schulen Rhaude und auf den Moorhäusern alles in Ordnung war.
In Burlage werden die Schüler wöchentlich dreimal von Rolf Harms im Lesen, Schreiben und Auswendiglernen geübet; in Langholt grassieren die Blattern so schlimm, daß nur drei Kinder davon verschont blieben.
Vom neuen Fehn gehen zwar einige wenige in die Moorhäuser-Schule, doch wäre den Colonisten ein vor allemal auf eine ernstliche Weise zu bedeuten, daß sie sich keinesweges, wie sie zu glauben scheinen, den Vorschriften des Königlichen Schulreglements entziehen können, sondern eben sowohl als andere Einwohner verpflichtet wären, entweder selbst auf vorher ersuchte Erlaubnis einen Schulhalter anzusetzen oder bis dahin ihre Kinder zur Haupt-Schule in Rhaude oder in die auf den Moorhäusern zu schicken.
Über die beiden Hauptschulen zu Holte und Rhaude wird berichtet:
Dem Rhauderschen Schulhalter fehle das Gesicht und Gehör und verliere dadurch vieles von seiner ohnehin mäßigen Tüchtigkeit.
Über den in Holte klage man, daß er im Sommer nur halbe Tage informiere und die Information noch dazu wegen seiner häuslichen Affairen und Ackerbaues öftermalen unterbräche.
Der Vorschlag des Ortspastors, daß der Vater nach Holte zöge, um dort den Unterricht der kleinen Kinder zu übernehmen und der Sohn dafür, bei Niederlegung aller Hausmannsgeschäfte, die Haupt-Schule in Rhaude übernähme, wird vom Inspector abgelehnt. Im Mai 1771 liest man im Bericht über den Zustand der Gebäude:
Die sämtlichen Kirchen-Gebäude sind übrigens in gutem Stande, bis auf die Schul-Stube in Rhaude, deren Wände überall sehr löcherich waren, und worin der Ofen nur von Dach-Ziegeln schlecht zusammengefügt ist.
Auf Wunsch: Unterricht im Rechnen
Der Schulmeister Heyko Specht bestätigt noch einmal auf Anfrage, "daß er Rechnen zwar selbst nicht verstehe, wenn sich aber jemand darin unterrichten lassen wolle, geschehe es durch seinen Sohn Berend, der bei ihm im Hause wohne und ihm bei seiner Schularbeit assistiere."
Dem Vorschlag der Gemeinde, die Schulgeschäfte in Rhaude in Zukunft ganz durch den Sohn wahrnehmen zu lassen, wird entsprochen "wenn sein Vater dann und wann, bei eiliger Feld-Arbeit, jedoch bloß des Nachmittags auch noch Schule halten dürfte."
In einem beigefügten Schreiben heißt es:
"Obgleich die Einwohner in Burlage und Langholt noch so ziemlich für den Unterricht ihrer Kinder sorgen, und selbige, wenn sie Meister haben aus Interesse, weil ihnen die Meister teuer werden, fleißig in die Schule gehen lassen, auch selbst darauf sehen, daß die Schulhalter und Kinder Fleiß anwenden; so ist es mir doch unangenehm,
1. daß sie, um des geringen Preises willen. gemeiniglich nur schlechte Meister, ohne meinen Beirat, und ohne selbige nur einmal zu präsentieren, annehmen.
2. daß sie mit der Bestellung eines Meisters nicht nur solange zaudern, daß keine andere als Stümper mehr zu haben sind, sondern daß sie auch sogar, wenn sie auch schon Meister bestellet haben, doch mit dem wirklichen Anfang der Schule öfters bis nach Weihnachten warten, um teils mit den Kindern alle ihre Feld-Arbeit erst zu verrichten, teils die Meister alle ihre Aussen-Arbeit erst zu Ende bringen zu lassen, teils gar, wie diesen Herbst die Burlager sich unterfangen, die Meister selbst, solange es nicht frieret, im Buchweizen-Lande zu gebrauchen."
ABC-Buchstabier- und Lesebüchlein
In einem Rundschreiben des Inspektors werden sämtliche Schulhalter noch einmal angewiesen, das General-Schul-Reglement genau zu beachten und außerdem das Berlinische ABC-Buchstabier- und Lesebüchlein einzuführen.
Bei der Besichtigung der Gebäude im Jahre 1773 wird festgestellt:
Des Schulmeisters alte Wohnung ist verfallen und schlecht, so daß man auf eine neue bedacht wird sein müssen.
Der Schulmeister ließ durch seinen Sohn Berend eine Aufstellung derjenigen Kosten überreichen, die er wegen einiger ihm von der Gemeinheit zugeteilten Stücke Land anwenden müsse, und die sich auf 60 Gulden beliefen. Wobei nicht nur dieser sondern auch die gegenwärtigen Interessenten bezeugten, daß der Schuldienst durch die Verteilung der gemeinen Weide nicht gewonnen, sondern wirklich verloren habe, indem der Schulmeister soviel Vieh, wie ihm sonst erlaubt gewesen, jetzo nicht mehr weiden könne.
Bei dieser Gelegenheit verpflichtet sich sein Sohn, seinen Ackerbau abzuschaffen, wenn ihm die Gemeinde seinen Torf und Heu unentgeldlich einfahren werde.
Kirchen- und Armenvorsteher
Die Namen der Kirchen- und Armenvorsteher, die oft mit Kirchen- und Schulangelegenheiten zu tun hatten, lauten in diesem Jahr <1773?>:
Garrelt Weiers, erbgesessen auf der Grypenburg in Holte,
Janssen Steenblock, Roggenmüller und Erbgesessener in Rhaude, Jan Wessels, Erbgesessener in Holte, Lambartus Wessels, ein Bäcker und Erbgesessener zu Holte,
Coord Wilm Gerdes, erbgesessen in Rhaude, Jan Wilken, Grypenburg.
Bei der Befragung zum Küsterdienst erklärte der Schulmeister:
Er halte Kirche, Altar und Taufstein rein, das bisherige unordentliche Läuten der Jugend an hohen Festtagen habe er abgeschafft. Er verwahre den Kirchhof und sey dem Pastori gehorsam und begleite ihn, wenn er Kranke mit dem Abendmahle bediene.
Um Martini kam jemand von dem neuen Rhauder Fehn mit einem Jüngling von etwa 17 Jahren, aus Quakenbrück gebürtig, und bat, daß Inspector selbigen erlauben möchte, bei den dortigen Kindern diesen Winter über Schule zu halten. Man gab ihm einen Verweis, daß sie sich nicht zeitiger nach einem guten Schulhalter umgesehen und die Kinder nun solange ohne Unterricht hätten herumlaufen lassen. Worauf er versicherte, sie hätten sich viel Mühe gegeben, aber bisher keinen erlangen können, zudem hätten es die dortigen Einwohner nicht im Vermögen, viel Geld anzuwenden.
Dieser Jüngling namens Johann Gerhard Diederich Schenke, der die Schuhmacher-Profession erlernet, aber keine Gelegenheit gefunden, sein Handwerk fortzusetzen, diente jetzt bei ihnen und würde vermutlich im Stande sein, ihre Kinder zu unterrichten.
Nun konnte derselbe zwar ziemlich lesen, auch wohl soviel schreiben, wie manch anderer Neben-Schulmeister, auf die leichtesten Fragen aus dem Catechismus aber wußte er nicht zu antworten. Der Inspector gab ihm die Erlaubnis, bis Ostern, so gut er könne, Schule zu halten.
Kein Geld für Lehrer
Pastor Hagius berichtet, daß die Dörfer Burlage und Moorhausen sogleich nach der Ermahnung Schulhalter angenommen hätten. Von den Einwohnern des Fehns, die schon mit dem Schulmeister Collmann in Unterhaltung gestanden, hätte er zwar ein Gleiches vermutet, es wäre aber nichts daraus geworden, und die Leute hätten sich mit ihrem kundbaren Unvermögen entschuldigt.
Pastor Hagius nahm einen Ruf nach Arle an. Zur Unterstützung in der Vakanzzeit waren die Nachbar-Amtsbrüder im Winter kaum in der Lage, teils wegen des hohen Wassers, teils wegen des unsicheren Eises, zu Amts-Verrichtungen zu kommen.
Pastor Stopfels, Pastoris adjuncti zu Bookhorst und Rectoris zu Versmold, in der Grafschaft Ravensberg - gebürtig aus Cahla in Sachsen-Altenburg - wird neuer Gemeindehirt in Rhaude.
Der Commune Holte stellt der Prediger vor, "daß sie einiges Gehalt für ihren Schulmeister ausmachen müßten, indem der Mann von dem wenigen Schulgelde unmöglich leben könnte. Ich tat einige Vorschläge. Sie versprachen, die Sache näher zu überlegen. Damit ich einigermaßen meinen Endzweck künftighin erreichen möchte, so machte ich ihnen deutlich, daß die schlechte Verfassung der Schüler von ihren schlechten Schulhaltern herrührte. Sie müßten immer wegen des schlechten Gehalts einen ungeschickten Meister nehmen."
Danach entstanden viele Debatten, teils wegen des neuen Baues der Küsterei zu Rhaude, teils wegen einiger Ausgaben für die Pastoren. Letzteres wurde in der Güte beigeleget, ersteres beschlossen, gerichtlich auszumachen.
Brückengeld zur Aufbesserung des Schuletat
Im Hinblick auf das geringe Einkommen des Schulhalters schlägt Pastor Stopfel vor, "daß die Commune wegen der Holter Brücke, so die Commune unterhalten mußte, von den anderen Communen Brücken-Geld wegen der Überfahrt fordern könnte. Dieses möchten sie vorerst dem Schulhalter zufließen lassen".
Nach langen Debatten entschlossen die Interessenten sich dazu und wurde also ein Instrument davor errichtet. Weil noch die Sache mit einigen Communen im Streit steht, so ist vorerst beschlossen, daß man mit sämtlichen Communen einen Vergleich zu treffen suchen wollte. Zu dem Ende ist die Sache dem Herrn Pastor Stopfel und den Baurichtern zu übergeben.
Bei der Schulvisitation 1786 wird für Holte der Meister J. A. Ahden als Schulhalter genannt.
Im Monat März 1795 wurde die Gemeinde bei Gelegenheit des französischen Krieges auch mit Einquartierungen beschwert. Erst kamen englische Dragoner, die aber nur einige Tage blieben; hernach aber kam ein Korps Emigranten zu 200 bis 300 Mann, die über sechs Wochen in Holte lagen. In Rhaude, auf dem Fehn, Langholt und in Moorhausen lag eine Einheit des Hannoverschen Dragoner-Regiments, dessen Chef, der General-Major Prinz Ernst August von England, die Pastorei hierselbst zu seinem Quartier nahm und die drei Zimmer fünf Wochen innehatte.
Am 8. März 1797 wurde von Rhaude berichtet, daß der alte Schulmeister Johan J. Specht daselbst am 7. März verstorben sei.
Am 18. April meldete der 1790 gewählte Prediger Fischer - Kaufmannssohn aus Norden - schriftlich, daß an dem Tage der bisherige Schulmeister Ahden in Logabirum zum Organisten und Schulmeister in Rhaude per maiorem vota (mit Stimmenmehrheit) erwählet worden. Ahden selbst bat am 26. April, daß ihm ein Terminus zum Examen festgesetzt werden möchte.
Ahden, zugleich Schulmeister, Küster und Organist, wurde 1764 als Sohn des Albert Janssen Ahden zu Timmel geboren.
Der Prediger Fischer hält seine Abschiedspredigt 1801 und ist darauf als Prediger nach Osteel abgegangen. Am 28. Oktober ist die Wahl in Rhaude gehalten worden, und die Gemeinde hat den Theologiekandidaten Enno Christ. Wilh. Stellwagen aus Norden zu ihrem Prediger erwählt.
Schule im Fehn
Anno 1790 fingen die Einwohner des Fehns an, sich eine geräumige Schule zu bauen, welcher Bau im October des Jahres vollendet und die Schule den 29. Oktober mit einer Rede über Gen. 28, 17 eingeweihet wurde. Der derzeitige Prediger übernahm es aus freiem Antriebe, dann und wann, wenn es ihn belieben würde, in der Schule zu predigen, ist aber nicht dazu gezwungen.
Im März 1794 errichteten die Einwohner des Westerfehns einen neuen Kirchhof, der bei Gelegenheit der ersten Leiche eingeweihet wurde. Der Prediger verpflichtete sich nicht, daselbst jedesmal Leichenpredigten zu halten, um sich keine Lasten zu machen, sondern behielt sich das Predigen vor.
Im Jahre 1819 wird von einen Nebenschullehrer Hinrich Ulrich Eckhoff berichtet, der auf dem Fehn angestellt werden soll, gegen dessen Anstellung aber ein Teil der Einwohner des Fehns protestierte.
Im Visitationsbericht 1829 wird dann über die Gründung eines eigenständigen Kirchspiels auf dem Fehn berichtet.
Bericht des Predigers Oepke in Backemoor 1834:
"Als ich in Rhaude angekommen war, sagte man mir, daß der Herr Ob.-Amtmann Gerdes die dortige Gemeinde schon benachrichtigt habe, "er sei durch die Geschäfte, welche die in Barßel und nun auch in Potshausen ausgebrochene Cholera-Krankheit plötzlich herbeigeführt hätte, verhindert, dem Gottesdienst beizuwohnen".
Demzufolge begab ich mich um 10 Uhr in die Kirche, wo die Gemeinde sich sehr zahlreich versammelte... Nach Beendigung der Predigt stellte sich die Jugend in dem geräumigen Gang der Kirche auf. Es catechisierten erst der Pastor Stellwagen, dann der Schullehrer Focken... Wir gingen in die Schule. Der Schullehrer ließ die Kinder singen, lesen, zeigte ihnen Schriften von ihrer Rechentafel, ließ sie beten. Hierbei fand ich mich veranlaßt, zu erinnern, daß man die Jugend schon in der Schule gewöhnen müsse, für die Obrigkeit zu beten."
Es wurde Elias Kaufmann, geb. 24. November 1804 zu Hattersum im Amte Wittmund, als Nebenschullehrer zu Burlage introduiret. Bericht von Pastor Oepke im Jahre 1837:
"Aus der Kirche begab ich mich in die Schule, wo der Schullehrer Fokken alle die Übungen mit den daselbst versammelten Kindern vornehmen ließ, die in einer Elementarschule an ihrer Stelle sind. Es waren viele erwachsene Zuhörer gegenwärtig, in deren Gegenwart ich den Schullehrer und die Kinder in jeder Hinsicht zu meiner Freude loben müßte.
... Nur muß ich bemerken, daß hierbei auch die klägliche Diensteinnahme des Nebenschullehrers van Dyken zu Holte zur Sprache kam. Weil jedoch eine nur gar zu kleine Anzahl von Interessenten gegenwärtig war, konnte nichts recht überlegt werden."
Schullehrer Jhmels, geb. 13. Januar 1820 zu Loquard, wurde vom Königl. Konsistorium am 7. Mai 1840 in Langholt bestätigt.
Schlechte Ernten und Hungerjahre
Einen Einblick in die sozialen Verhältnisse der Jahre 1846/47 vermittelt uns ein Bericht des Ortsschulinspektors an seine vorgesetzte Behörde:
Zum Armenverband Rhaude gehören die Ortschaften Rhaude, Holte, Rhaudermoor, Rhauderwieke, Holtermoor, Holterfehn und Langholt Das ist eine Einwohnerzahl von rund 2400 Menschen, wovon 1800 auf erst zum geringen Teil kultivierten Moorboden wohnen. Die Zahl derer, die zur Armenkasse beitragen, ist sehr gering; die der Empfangenden recht groß, besonders in Zeiten, wo Buchweizen, Kartoffeln und Torfernte nicht gerieten. Viele Grundbesitzer der beiden alten Dörfer Rhaude und Holte sind stark verschuldet.
Mein Vorschlag, im Jahre 1845 vorgelegt, bestand darin, einen Armenunterstützungsverein zu gründen. Er fand aber kein Echo.
Viele Einwohner erklärten einesteils, daß sie keine Ausgaben und Kostgänger übernehmen könnten, da sie kein Geld und keine Nahrungsmittel übrig hätten, welches auch von den meisten als wahr angenommen werden mußte, da der hiesige Sandbauer, der 1/4 Platz hat, außer Butter selten von seinen Früchten etwas verkaufen kann; andernteils, daß sie keine Arbeit anweisen könnten, weil die Zeit und ihr Betrieb es nicht duldeten. Einen anderen Arbeitsverdienst wie z. B. durch Spinnen, Stricken oder Weben könnten sie nicht geben.
So kam der Frühling. Ich ermahnte die Menschen zu Arbeit und Sparsamkeit und erinnerte daran, daß es Sünde sei, von Vermächtnissen zu zehren, die nur für die wirklich Armen da seien. Aber es lehrte die Erfahrung, daß, wenn auch in dieser Gegend wegen der Torfgräbereien und Torfversendungen durch Schiffe kein Arbeitsfähiger von April bis Juli ohne Arbeitsverdienst zu sein braucht, und daß von Juli bis Oktober gute Arbeiter in Kleigegenden West- und Ostfrieslands Arbeit finden können, diese nicht die Zeit haben, ihr eigenes Gärtchen und ihr unkultiviertes Land rechtzeitig zu bestellen und dann im Winter um Unterstützung nachsuchen. Auch dieses Jahr wurde es nicht besser. Im Sommer gerieten nur vier Produkte: Buchweizen, Gartenbohnen, Honig und Torf.
Buchweizen hatten die Ärmsten aber der Teuerung wegen nicht aussäen können, Roggen und Kartoffeln schlugen fehl. Die übrigen Produkte konnten diesen Mangel nicht ersetzen. Die Preise für Eßwaren stiegen immer mehr.
Viele Arbeiter kamen wegen des heißen Sommers krank aus den Kleigegenden zurück. So ist es denn hier im Winter dahin gekommen, daß Scharen von arbeitsfähigen Bettlern herumliefen, ja, daß selbst kommunistische Ideen zur Tat übergehen wollten. Es wurde mir oft versichert, daß an einem Tage an einer Tür über 200 Personen gesehen wurden. So erlaubt mir die Bitte, Euer Königlicher Hochpreislicher Landesvater wolle gnädigst jetzt mit allem Ernst derder Bettelei in hiesiger Provinz ein Ende machen. Da
1. die Gebelust fast gänzlich geschwunden ist,
2. der diesjährige reiche Erntesegen günstigen Zeitpunkt gibt, einen Mißbrauch im Keime zu ersticken,
3. der reiche Erntesegen und die daraus fließende größere Mildtätigkeit manchem Anfänger im Betteln das Bettelhandwerk gar zu süß machen könnte.
Besonders wünsche ich, daß Almosenspenden deshalb stark beschränkt oder abgeschafft würden, weil eine so große Zahl von Kindern täglich aus der Schule ferngehalten werden und damit der Verwilderung anheim gegeben werden. Manche sind wochenlang auf den Heerstraßen des Overledingerlandes, in der Jümmegegend, im Hammrich und im Saterland. Viele übernachten in Scheunen, Heuhaufen und unter Bäumen. Zuweilen begegnen sie einem noch zu später Abendzeit, weinend oder schandbare Lieder singend.
Nicht selten aber werden sie ertappt als Flucher, Raucher, Spieler, Betrüger, Lügner oder Diebe, und das auf Antrieb der Eltern oder Begleiter.
Das Resultat des Bettelns ist frühzeitige Heirat und der Schlußsatz: Vater und Mutter ein Bettler!
Darum schlage ich dem Königlichen Landesvater vor, alle Einwohner über die Gefahr und Schädlichkeit des Gebens an Bettler aufzuklären und andererseits dafür zu sorgen, daß die Armenkasse aufgefüllt wird. Auch die wohlhabenderen Nachbargemeinden Potshausen, Neuburg, Amdorf, Backemoor und Collinghorst sollten um Mithilfe gebeten werden, wird ihnen doch dadurch auch eine Last abgenommen. Bericht von Pastor Bünting im Jahre 1852:
Rhauder Kinder besonders gut in Lesen und Schreiben Nach dem Gottesdienst besuchten Commisarii in Begleitung des Ortsgeistlichen und vieler benachbarter Pastoren und Schullehrer die Schule zu Rhaude.
Das Gebäude ist sehr niedrig und klein. In einer Mauer fand sich ein Loch, durch welches die Deichsel des Wagens hindurchgelegt werden muß, wenn Getreide oder dergleichen eingescheuert wird. Über eine fällige Abänderung wird schon verhandelt. Schullehrer und Kinder zeigten sich bei den angestellten Prüfungen nicht unfähig, besonders gut waren Lesen und Schreiben.
Um anderen Tages die sechs Nebenschulen visitieren zu können, übernachtete ich in der Pastorei. Früh morgens fuhr ich mit dem Pastor Stellwagen hinaus zu der kleinen drei Stunden entfernten Burlager Schule.
Von hier nach Langholt zurück, wo Schullehrer Jhmels wirkt. Es ist eine Lust, diesen Schullehrer zu hören und seine Kinder. Die Schule ist den ganzen Sommer hindurch stark besetzt. Aller Unterricht ist hier praktisch und dürfte dieser Jhmels sicher zu den bedeutendsten Schullehrern dieser Inspection gehören. Bei weitem nicht so gut stehts in der Rhauderwieke, wo Löning Schullehrer, fähig genug, obwohl nicht regsam genug, nicht genug Disziplin anwendet.
Leider waren bei dem schon herangekommenen Mittag die Kinder zu Rhaudermoor entlassen. Doch eilte der alte ehrwürdige Rahmeyer daselbst herbei, über seine schon im letzten Herbst visitierte Schule Auskunft zu geben. Die Schule war damals in sehr gutem Zustande, bei der Energie und guten Disziplin des Schullehrers wird Tüchtiges geleistet.
Des Nachmittags fuhren wir nach Holte zu Schullehrer Gerdes. Nur kurze Zeit konnte ich dieser Zeit widmen, um so eher, als dieselbe schon einige Male bei Gelegenheit der Holter Conferenz von mir, und zwar zu meiner Zufriedenheit, besucht worden ist.
Nun weiter nach Holtermoor, wo Schullehrer Specht in Segen zu wirken scheint, vielleicht nicht mit genug Energie. Allenthalben in den Schulen suchte ich mit gut gemeinten Worten zu mahnen und privatim die Schullehrer.
In diesem Jahre wurde auch verhandelt über Neubau oder Umbau der Pastorei, des Confirmandensaals und der Rhauder Schule, jedoch, da die Gemeinde deshalb in Parteien zerrissen, ist es nicht zum Abschluß gekommen.
Lehrer Jhmels, ein fähiger Mann
An die Meisterei zu Rhauderwieke wurde 1854 ein kleiner Anbau gemacht, damit der Schullehrer sein Vieh und seine Früchte bergen kann.
Nach dem Gottesdienste wurde die Schule visitiert, es ist dieselbe noch immer im bisherigen schlechten Zustand, doch werden über einen etwaigen Neubau schon Verhandlungen gefuhrt. Schullehrer und Kirche bestanden recht gut bei solcher Visitation.
Die Witterung blieb für den Besuch der übrigen sechs Nebenschulen zu ungünstig, unmöglich konnten alle visitiert werden.
So beschloß ich, wenigstens die Langholter und Burlager Schulen, und ob sie auch am weitesten entfernt sind, zu besuchen.
Der Langholter Schullehrer Jhmels zeigte sich wieder als ein durchaus tüchtiger und fähiger Mann, seine Schule war voll besetzt.
Allerdings nicht so gut siehts in der Burlager Schule aus, doch auch hier konnte man zufrieden sein.
Die Witterung wurde des Nachmittags so regnerisch, daß keine der anderen Schulen besucht werden konnte. Die Holter Schule wird jedoch nächstens wohl bei Gelegenheit der Holter Conferenz visitiert werden, und ist solches in diesem Frühjahr schon einmal geschehen, für die Visitation der anderen muß ich eine günstige Gelegenheit abwarten.
Holtermoorer Schule Abschaffung des Reihetisches
Im Jahre 1853 ist der Holtermoorer Schule noch ein Colonat Nr. 101, 6 Diemath groß, verliehen, von welchem nach Ablauf von zwölf Freijahren jährlich 6 Reichstaler bezahlt werden sollen.
Da die Meisterei, die Privatwohnung und Eigentum des jetzigen Schullehrers Specht, zu weit von der Schule entfernt liegt, und der Weg dorthin auf unwegsamen Pfade zu beschwerlich und die Kinder ohne Aufsicht, so wurde von der Behörde genehmigt, das Colonat für 535 Rth Gold zu verkaufen, zumal noch ebensoviel Land bei der Schulstelle verbleibt. Für den Erlös wurde in diesem Jahre eine neue Meisterei unmittelbar bei der Schule gebaut. Die Gemeinde muß indes - oder die Behörde - noch wenigstens 100 Rth hinzugeben.
Die Holtermoorer bezahlen seit 1831 an den Schullehrer ein Fixum von 30 Rth für plusminus 50 Kinder, für die plusminus 100 Kinder von Holterfehn wird nach der Schulregulative bezahlt.
Die Holtermoorer müßten indes dem Schullehrer auch Reihetisch geben. Da dieser Reihetisch gerade dort mit vielen Beschwerden verbunden ist, so ist die Holtermoorer Gemeinde darauf eingegangen, gegen Abschaffung des Reihetisches das volle Schulgeld nach dem Regulative zu bezahlen, gewiß keine Verschlechterung für den Schullehrer.
Die Meisterei ist in diesem Jahre zu Holtermoor gebaut, aber mangelhaft.
Der Schullehrer Johannes Wilh. Gerdes zu Holte, Sohn des früheren Holter Schullehrers, hatte sich in diesem Sommer zu einem gemeinen Diebstahl im Hause des Kaufmanns Leipder (?) zu Detern hinreißen lassen. Er hatte ein Portemonnaie und eine Brosche zu einem Werte von nur etwa 10 gGr aber unter erschwerenden Umständen, zu sich genommen. (Aus dem OSB Detern: Georg Gottlieb Friedrich Leiner, (Eltern s. Nr. 2791), Kaufmann zu Detern, * 15.2.1837 Detern, oo 4.10.1858 Detern, Gesina Helene Henriette Rathe (Eltern s. Nr. 3605), * 20.3.1836 Rhauderfehn; + 7.5.1894 Detern
Vom Schöffengericht zu Aurich wurde er deshalb zu einer Gefängnisstrafe von 10 Tagen verurteilt, geschärft durch Speisung mit Wasser und Brot am 1., 3., 8. und 10. Tag. Bestehenden Gesetzes gemäß mußte der Amtsgehilfe dem Consistorial davon Mitteilung machen und Bericht an die Kirchenmeisterei, wo nach Gerdes vor Entlassung aus dem Dienst erst in eine Disziplinaruntersuchung zu ziehen sei.
Ich ging nach Verabredung mit meinem Commisarius am 2. Oktober selbst nach Holte und erteilte dem Gerdes eindringlich den Rat, schleunigst um seine Dienstentlassung beim Consistorium nachzusuchen. Dieses Gesuch werde auf Bericht der Kirchenmeisterei genehmigt. Schade um den sonst in seiner Sache so tüchtigen Schullehrer.
Es erhebt sich die Frage, ob nicht die Rhauder und Holter Schule combiniert werden könne, an welcher Combination schon etwa 10 Jahre aber vergeblich gearbeitet werde.
Gründe sind: Die Einnahmen der Holter Schulstelle müssen bedeutend verbessert werden; die Rhauder Schule muß demnächst neu gebaut werden.
Zu der Zeit wurde die provisorische Wahrnehmung des Schuldienstes beschlossen und genehmigt und der Schulgehilfe Nihser vom Schulvorstand gewählt. Die Belassung des Gerdes in diesem Provisorium wurde vom Consistorium trotz aller Bitten der Schulgemeinde abgeschlagen.
Die Verhandlung wegen der Combination zeigte sich im April als vergeblich, und wurde der Holter Gemeinde aufgelegt, hinfort 50 Rth mehr zur Einnahme des Schullehrers aufzubringen. Die Gemeinde ist vermögend genug.
Ungünstiges Urteil über zwei Lehrer
Über den Schullehrer Focken zu Rhaude und Loening zu Rhauderwieke war 1856 ungünstig geurteilt. Ich erhielt deshalb den Auftrag, auf dieselben einzuwirken und von Zeit zu Zeit zu berichten.
Focken verpachtete seine Ziegelei zu 77 (Louisdor?), und es fiel so manche Veranlassung zum Trunk und unordentlichen Leben hinweg; nicht so für Loening.
Eine gezielte Anklage wegen Trunksucht und unordentlichen Schulehaltens brachte das Gemeindeglied Tebbens wider denselben vor. Ich sandte das betreffende Protocoll ans Consistorium. Eine amtliche Untersuchung brachte jedoch nur soviel zu Tage, als er ernstlich vermahnet und der Schulvorstand zu größerer Beaufsichtigung angehalten wurde. Der Schulvorstand berichtet meistens günstiger, so mag der Bericht von Vermehrung der Armenlast im Falle einer Amtsentsetzung wohl zu dem günstigen Urteile mitwirken.
Neuwahl in Holte
Endlich mußte die Schulstelle zu Holte, welche durch Gerdes Dienstentlassung erledigt war, wieder besetzt werden. Es konnte in dieser Gemeinde, welche durch das Jahr 1848 bedeutend gelitten, nicht ohne Streitigkeiten abgehen. Es fielen 35 Stimmen auf den früheren Seminaristen Rud. Harm Valentin zu Osteel, 28½ auf den Privatlehrer Brems zu Petkum und 2 Stimmen auf von Dieken zu Ockenhausen. Noch bevor ich über diese Wahl berichten konnte, gelangten viele Proteste vom Königlichen Consistorium an, mit der Aufforderung an mich, gutachtlich mich darüber zu äußern.
Ich tat dies schon am 21. Juni und entschied mich zu Gunsten der Majorität. Das Consistorium genehmigte die Wahl am 25. Juni und Abweisung der Protestanden.
Rud. Harm Valentin ist geboren den 2. August 1834 zu Osteel; Eltern: Schullehrer Joh. Valentin zu Osteel und Maria, geb. Hicken. Derselbe hat nach seinem Abgang vom Seminar zu Aurich an der Höheren Bürgerschule zu Weener vom Sommer 1856 bis Michaelis unterrichtet, von Michaelis 1856 bis Ostern 1857 an der Töchterschule zu Otterndorf und von Ostern an sich bei seinem Vater in Osteel aufgehalten.
Der Lebenswandel und die Schultätigkeit des Schullehrer Focken zu Rhaude ließ auch im Jahre 1857 zu wünschen übrig. Er wurde vom Consistorium ernstlich ermahnt, seiner Pflicht nachzukommen. Ich hielt den Kindern eine Ansprache nach 1. Tim. 4,8 und suchte für die Gottseligkeit zu erwärmen im Gegensatz gegen die Weltseligkeit, die allerdings in einem Teile der Gemeinde durch Schützenfeste und dergleichen cultiviert wird. Das Schullocal ist noch immer dasselbe traurige Local, soll jedoch im nächsten Frühjahr mit einem Kostenaufwand von etwa 800 Rth verändert werden.
Sieben Lehrer im Kirchspiel
Die Schulkinder zeigten sich recht gut, überhaupt ist der Schullehrer fähig genug, nur bisher bei Gelegenheiten etwas leicht gewesen im Genuße von Spirituosen.
Am anderen Morgen halb 7 Uhr in Begleitung des Pastors Stellwagen, des Schullehrers Focken und des Schullehrers Sundermann auf der Rundreise zu sämtlichen Schulen, zuerst nach Burlage.
Kaufmann, der Lehrer, im Ganzen doch nur schwach, was gerade in der katholischen Umgebung zu bedauern; doch bei seiner Schulgemeinde beliebt. Die Kinder leisteten auch nicht viel.
Dann zur Hahnentange, zum Kirchspiel Rhauderfehn gehörend, wo der tüchtige und willige Oltmanns. Auf ödem Hochmoor steht die Schule, wird fast zu klein für die Kinderzahl, 80. Das Wohnhaus hat noch keine Scheune, es dürften die beiden kleinen Wohnräume bald mit zur Schule benutzt und eine neue Meisterei dabei gebaut werden müssen.
Ein Viertelstündchen östlich davon das neue Schrödersche Photogen-Etablissement. Von da wieder teils zu Fuß, teils zu Wagen an der Langholter katholischen Kirche vorbei, welche, als ich sie auf einen Augenblick besah, mich doch zu dem Geständnis vor mir selber nötigte, daß die kathol. Kirchen in ihrer kirchlichen Schönheit unsere armen lutherischen Kirchen weit übertreffen, zu der Langholter Schule, zu Schullehrer Jhmels, unstreitig der bedeutenste aller 7 Schullehrer dieses Kirchspiels. Seine Schule ist immer übervoll, mit Lust verweilte ich fast eine Stunde in dieser Schule.
Dann nach Rhauderwieke. Loening hat sich gebessert, wenigstens äußerlich, das Zittern der Hände bezeugte seine frühere Unmäßigkeit; nach Rhaudermoor, wo der alte Rahmeyer, wenn auch nicht überaus fähig, doch brav und treu.
Nach gemeinsamem Mittagbrot fuhren wir zur Holter Schule; die Kinder waren indes nicht mehr da. Der Schullehrer Valentin gedenkt einem Rufe nach Bremerhaven zu folgen. Zu Holtermoor fanden wir um 5 Uhr die Kinder noch vor. Schullehrer Specht, auch nicht bedeutend an Fähigkeit, treibt sein Amt doch nach Kräften.
Nach der Entlassung des Schullehrers Valentin nach Bremerhaven nominierte die Gemeinde den G. H. Uphoff, Schulhalter zu Lütetsburg, Boelsen zu Leerort, Heinrici zu Süderfehn. Die Wahl fiel auf Gerd Harms Uphoff, geb. zu Upgant 13. August 1837. Er wurde den 27. November in seiner Wohnung pflichtbar gemacht und am 28. November feierlich in der Rhauder Kirche introduirt.
Streitigkeiten um Anbau
Der Anbau der Schule zu Rhaude im Jahre 1861 und der dortigen Meisterei im Jahre 1860 gab wieder zu Streitigkeiten Anlaß, die sich durch das Jahr 1861 hindurchzogen. Durch Urteil und Disziplinaruntersuchung wurde der Schulleiter Loening zu Rhauderwieke wegen Trunksucht seines Amtes entsetzt. Nachfolger wurde Herm. Jacobi Harms, geb. 1838 zu Warsingsfehn.
Am 9. Mai starb der alte Schull. Friedr. M. Rahmeyer von Rhaudermoor. Er hinterläßt eine alte wassersüchtige Witwe, eine Petition um Unterstützung wurde nicht genehmigt. Nachfolger wurde Nebenschullehrer Reiner Lucas Bruns, geb. 1835 zu Rhaude.
Der Hauptschullehrer Focken zu Rhaude hatte sich mehrere Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen lassen. Es sollte deshalb nach einem Rescript vom 8. September 1859 halbjährlich im März und September der Schulvorstand über ihn berichten. Die Berichte lauteten immer besser, und so trug ich mit dem letzten Bericht vom April auf Aufhebung dieser Aufsicht an. Das Consistorium genehmigte, ebenso wurde ich beauftragt, den Pastor Stellwagen zu weiterer sorgsamer Beaufsichtigung anzuhalten.
Endlich ein geräumiges Schullokal
Am 19. September 1862 Kirchen- und Schulvisitation zu Rhaude. Das neuerbaute Schullokal ist groß und geräumig, von 83 schulpflichtigen Kindern waren reichlich dreißig da. Die Übungen fielen recht gut aus. Ich ermunterte zu einem besseren Schulbesuch.
Des Abends habe ich den Schullehrer Focken noch ernstlich vermahnet zu größter Vorsicht. Da dessen Familie und finanziellen Verhältnisse sich consolidiert, so zweifle ich nicht, daß der Mann sich fortan besser in Acht nehmen wird; er ist keineswegs trunksüchtig, hat früher nur einen leichten Sinn bewiesen. Andren Tages geschah die wohl beschwerliche, doch fast notwendige Rundreise zu den Nebenschulen. Um 8 Uhr war ich in Begleitung von Pastor und Schullehrer zu Rhaude schon in der Langholter Schule. Über 46 Kinder sind schulpflichtig, und es waren 56 versammelt, freilich auch einige unterschuljährige.
Jhmels ist ein in vieler Hinsicht tüchtiger Schullehrer, seine Catechisation sprach sehr an.
Zu Burlage, wo Kaufmann genesen von längerer Kränklichkeit. Von 22 schulpflichtigen Kindern waren nur 12 da; in dieser Schule ist es nicht weit her. In Hahnentange und Ostrhauderfehn Protocoll. In Rhauderwieke Schullehrer Harms seit vier Monaten hier. Von 107 Schulpflichtigen 74 da, und wird dieser junge Lehrer hoffentlich die verwilderte Schule bald wieder emporbringen. In Rhaudermoor Schullehrer Bruns, seit zwei Monaten hier, von 56 schulpflichtigen Kindern 48 da, der Schullehrer recht tüchtig.
Des Nachmittags noch zu Holte; von 56 Kindern 54 da.
Letztere drei jungen Schullehrer scheinen alle tüchtige Männer zu sein und mit Lust in ihrem Amte zu wirken. Bei den schlechten Wegen war die Zeit schon zu sehr vorgerückt, als daß ich noch nach Holtermoor und Ostrhauderfehn hätte hinkommen können. Die durch die Fuhre des 2. Tages erwachsenen Kosten wollte Pastor Stellwagen über die einzelnen Schulen verteilen. In den Schulen wird der rhythmische Gesang ganz nach Wunsch cultivirt, so daß die Zeit nicht mehr fern, wo diese Weise auch in der Kirche aufsteigen wird. Veränderungen: Der tüchtige Schullehrer Uphoff zu Holte hatte im September einen Ruf nach Großefehn angenommen. Die Gemeinde wählte einhellig einen Schulgehilfen Willms zu Aurich, der aber ablehnte. Die Verhandlungen in der Gemeinde, freiwillig auf die nächsten fünf Jahre jedes Jahr 50 oder 100 Rth zuzulegen, zerschlugen sich. Es wurde aber der Schullehrer Reiner Lucas Bruns zu Rhaudermoor einhellig erwählt, mittels Rescripts vom 21. November bestallt, am 30. pflichtbar gemacht. am 1. Dezember feierlich introduirt. Zu Rhaudermoor gewählt: Brechter Christoph Rust, geb. in Norden, gebildet auf dem Seminar zu Aurich.
Meisterei in Rhaudermoor
Zu Holtermoor begann schon Ende 1861 die Agitation für einen dem Schullehrer Specht wegen dessen geringer schulmännischer Befähigung zur Seite zu setzenden Gehülfen. Allerdings mehrt sich auch bedeutend die Schulkinderzahl und ist das Schulgebäude, obwohl noch nicht alt, doch nicht gut gebaut. Es wird wohl neu gebaut werden müssen.
Am 29. April 1863 feierliches 25jähriges Amtsjubiläum des Pastors Enno Gerhard Stellwagen, geb. 1812 zu Rhaude, Sohn des alten Pastors Stellwagen zu Rhaude, zunächst tätig in Dornum, dann ab 1844 in Rhaude.
In Holtermoor soll eine stattliche Schule, Kostenanschlag 1600 Rth erbaut werden, aus Landesmitteln dazu 600 Rth bewilligt. Gegen Ende des Jahres petitionierte jedoch die Gemeinde, daß im Jahre 1864 noch die Moor- und Erdarbeiten beschafft würden und erst 1865 der Neubau, und wurde solche Petition bewilligt; auch wurden 1000 Rth aus dem Klosterfonds ausgeliehen.
In Rhaudermoor wurde in diesem Jahre 1863 eine bisher nicht vorhandene neue Meisterei gebaut, dazu 200 Rth bewilligt und außerdem ein allmählich zu tilgendes Capital von 300 Rth angeliehen; Schullehrer Rust verzichtete dabei auf die 15 Rth, welche ihm bisher als Wohnungsvergütung gezahlt wurde.
Neue Schule in Holtermoor
Schullehrer Bruns in Holte nahm 1863 einen Ruf nach Ayenwolde an. Der dafür gewählte Gehülfe Janssen aus Aurich lehnte ab. Es wurde nun der Gehülfe Dirks aus Bunde, früher 5 Jahre zu Detern, als Gehülfe gewählt. Einige hartnäckig gegen die Wahl aber ohne Grund protestierenden wurden wiederholt vom Königlichen Consistorium abgewiesen.
31. August 1864 Schulvisitation:
In der Schule etwa 30 Kinder pflichtig, davon 12 Holter Kinder, vom 11. Jahr an hier pflichtig. Beim Gesang den Wert der Noten, die Seele des Gesangs, nicht genugsam beachtet.
22. Oktober 1867 Visitation:
Die Schule zu Rhaude ist jetzt schön und gut, der Neubau der Schule sowie die bedeutende Reparatur der Meisterei, die doch immer nur ein schwaches Gebäude und niedrig unter dem Boden geblieben, hat nach der Rechnung vom 27. August 1864 doch 1270 Rth gekostet.
Michaelis 1864 wurde endlich beschlossen vom Schulvorstand, daß ein Gehilfe zu Holtermoor sein sollte. Durch eine persönliche Reise dorthin und durch Anerbieten einer jährlichen Unterstützung von 40 Rth für den Gehilfen gelang es. Es wurde auch eine Gehilfenstube in der Meisterei bewilligt; Consistorium gab dazu 20 Rth, sie kam jedoch auf 73 Rth.
Im Jahre 1865 wurde eine neue luftige Schule zu Holtermor gebaut, dieselbe auch mit einem Turm versehen. Die Gemeinde lieh dazu 1000 Rth aus der Klosterkasse und erhielt als Geschenk 600 Rth. Einweihung war am 20. November 1865. Die Erdarbeiten auf dem Moor hatten viel gekostet.
Lesen besonders gut
Die Schulgehilfen wechselten schnell, zuerst Jacobs, dann Meyerhoff, Stockmann und zuletzt Hicken, welcher 1867 nach Flensburg ging.
Der Schullehrer Focken zu Rhaude hatte wieder Anfang 1867 sich einige Ausschreitungen zu Schulden kommen lassen. Auf eine abfällige Bemerkung über Pastor Stellwagen im Schulcatalog wurden Erläuterungen vom Pastor angefordert und Consistorium stellte den Schullehrer wieder wie früher unter spezielle Aufsicht, so daß demnächst über ihn berichtet werden muß, auch vom Oberschulinspector demnächst seine Schule näher untersucht werden wird.
Am 19. September 1867 Kirchen- und Schulvisitation in Rhaude:
Um 9 Uhr in der Schule: Gesang nicht ohne Schleifen und schien der Wert der Noten nicht besonders beachtet zu werden; Gebet gut, Lesen besonders gut; nur Karte von Ostfriesland und wurde von mir beantragt, daß Karte vom judischen Lande und von Deutschland für die Schule angeschafft werden möchten. Dem Schullehrer fehlt Energie. Anschließend um halb elf Uhr Kirche.
Auch Schullehrer Dirks in Holte hatte sich seit einiger Zeit einer unregelmäßigen Lebensweise ergeben, eine abfällige Notiz in dem Schulcatalog veranlaßte das Consistorium, Erläuterungen anzufordern und wurde in Folge derselbe Schullehrer unter spezielle Aufsicht des Pastors gestellt. Derselbe machte es sogar hier zu Detern in einem Wirtshause zu arg, so daß ich selbst mich tüchtiger Zeugen vergewisserte und es dem Consistorium zur Anzeige bringen mußte.
Es wurde eine dringliche Untersuchung angeordnet, in welcher Schullehrer auf mein Anraten bekannte und Besserung angelobte. Durch Erkenntnis vom 19. Oktober 1868 wurde er in die Strafe scharfen Verweises verurteilt nebst Androhung strengerer Strafe im Wiederholungsfalle.
Der sonst tüchtige Schullehrer setzte seinen desolaten Lebenswandel fort und wurde nun auf eine geschehne Anzeige in eine Geldstrafe von 5 Rth verurteilt und unter strenge Aufsicht gestellt.
Er nahm deshalb seine Entlassung, welche am 23. Dezember 1868 ihm gern gegeben wurde, wanderte nach Amerika aus und soll es ihm dort gut gehen, so daß er auch Frau und Kinder nachkommen ließ.
Die Schule wurde eine Zeitlang durch den Gehülfen Lüpke Hündling verwaltet. Die Wahl fiel am 16. Februar 1869 auf den Seminaristen Schulgehilfen Ewald Bohlen Buschmann zu Aurich. Da derselbe erst seinen 6wöchigen Militärdienst abhalten wollte und mußte, wurde er erst am 22. Mai 1869 pflichtbar gemacht.
Mit Juni 1867 begannen die Verhandlungen über Neubau der Schule zu Holte, ein abermaliger Antrag auf Combinierung der Schulen zu Holte und Rhaude schlug fehl. Da auch ein Turnplatz hergerichtet werden mußte, wurde ein Stück Gartengrund zu 150 Rth gekauft und darauf im Jahre 1869 eine stattliche Schule mit einem Türmlein drauf erbaut, 1000 Rth von der Klosterkasse angeliehen mit 4 Prozent und 6 Prozent Tilgung.
Ende 1868 erkrankte schwer der Schullehrer Rust zu Rhaudermoor, es wurden ihm 10 Rth Unterstützung bewilligt.
Aus der Vereinigung der Schulen Rhaudermoor und Rhauderwieke wurde nichts
Da die Schule zu Rhauderwieke zu klein, so wurde mit September 1869 beginnend Verhandlungen zugelegt über die Vereinigung der Schulen zu Rhauderwieke und der zu Rhaudermoor, zumal die letztere recht groß. Beide Lehrer bleiben und sollen gleichberechtigt am Schulvorstande teilnehmen. Natürlich muß ein tüchtiger Gehilfe eintreten. Es ist aus diesem Plan nichts geworden.
In Holtermoor war wieder der Wechsel der Hilfslehrer in diesen drei Jahren stark: Saathoff, Groenewold, Lehmann, Jhmels, auch letzterer verließ jetzt die Schule. Der Schullehrer Specht unterrichtet jetzt nur die kleine Schule auf Nachsuchen des Schulvorstandes, weil er allerdings nicht fähig ist, mehr zu leisten. Jhmels hat vom Senat von Bremen eine Lehrerstelle zu Bremerhaven erhalten.
Der Schule zu Langholt sowie zu Rhaudermoor wurden im Jahre 1868 zur Kultivierung von Schulländereien je 20 Rth bewilligt. Es fanden viele Versuche statt, teils um der ärmeren Gemeinde Rhaudermoor die Schullasten zu erleichtern, teils um durch zuverlässigen Unterricht eine höhere Befähigung zu erlangen, die Schulen von Rhaude und Holte zu combinieren, woran schon wiederholt gearbeitet worden früher, von Rhaude und Rhaudermoor, von Rhaudermoor und Rhauderwieke, aber alle Versuche scheiterten an der geringen Opferwilligkeit der Gemeinde.
Die Bemühungen, etwa zu Holte eine Fortbildungsschule in Verbindung mit einer Präparandenanstalt zu errichten, konnten als unklar gehalten noch nicht befürwortet werden.
Eine Schulbibliothek
Da nach den Consistorium-Ausschreiben vom 22. September 1872 die Schulversäumnisse streng mit Geldstrafen geahndet werden, so beschlossen die sämtlichen Schulvorstände, aus diesen Strafmitteln eine Schulbibliothek anzulegen. Ich habe diesen Beschluß genehmigt.
Am 10. Mai 1872 starb der Schullehrer, Organist und Küster Albert Focken zu Rhaude, 64 Jahre alt nach 43jähriger Amtsführung, die allerdings nicht fehlerfrei war.
Am 15. Juli wurde der bisherige Nebenschullehrer zu Holte, Ewald B. Buschmann, mit großer Majorität wiedergewählt, am 21. August eingeführt.
Nach Weggang des E. B. Buschmann von Holte strebte diese Schulgemeinde dahin, ihre Schule zu einer selbständigen zu erheben und die Verflechtung in Wegfall zu bringen, ihre über 10jährigen Kinder an der Rhauder Schule teilnehmen zu lassen. Aber da diese sonst allerdings wünschenswerte Erhebung auf Kosten der Einnahme des Rhauder Schullehrers geschehen sollte, so mußten diese Bestrebungen verunglücken.
Die Wiederbesetzung verzögerte sich deshalb. Am 24. März 73 wurde der bisherige Gehilfe zu Backemoor, vormaliger Seminarist Wübbe Goudschal aus Steenfelde, gewählt und bis zu seiner bestandenen Wiederholungsprüfung provisorisch eingeführt.
Nach vielen Streitigkeiten des Lehrers Specht mit seinem Gehülfen wurde endlich die beantragte Emeritierung desselben mittels Rescript vom 22. Februar 1872 ausgesprochen; Schullehrer Specht erhält ein Dritteil der Einnahme 105 Rth und 45 Rth aus der Gemeinde.
An seiner Statt wurde der Joh. R. Meinen zu Völlenerfehn, im Jahre 1868 zu Schatteburg entlassen, gewählt, am 1. Mai 1872 nur provisorisch eingeführt. Da er sich gut machte, wurde er auf Antrag des Schulvorstandes mit Genehmigung des Königlichen Consistoriums pflichtbar gemacht. Wenn auch hier wegen der großen Schülerzahl ein seminaristisch gebildeter Gehilfe fungieren soll, so war bisher doch keiner zu haben, und hat der tüchtige Gehülfe Jürgen Heinr. van Dieken aus Ockenhausen den Dienst wahrgenommen..
Neue Schule in Rhauderwieke
Schullehrer Harms zu Rhauderwieke hatte sich in die Verhandlungen über die so wünschenswerte Combinierung der Schulen von Rhauderwieke und Rhaudermoor zu sehr wider die der Combinierung günstigen Intentionen der Kirche und des Consistoriums verwickelt, doch konnte keine Disziplinuntersuchung verfügt werden.
Das dortige Schullokal zeigte sich zu klein, eine Reparatur konnte nicht leicht beschafft werden. So wurde ein Neubau veranlaßt und stattlich im Jahre 1872 ausgeführt. Auch die Meisterei wurde durch Benutzung des bisherigen Schullokals ordentlich ausgebaut.
Der bisherige Lehrer Rust zu Rhaudermoor wurde am 3. Oktober 1872, nachdem in diesem Jahre ihm an der Diphteritis noch zwei Kinder verstarben, zum Küster, Vorsänger und Hauptschullehrer auf der Insel Juist ernannt. Teils wegen der Verhandlungen über die Combinierung mit Rhauderwieke, teils wegen Armut der Schulkasse, verzögerte sich die Wiederbesetzung. Auch die Drohung des Consistoriums auf Anwendung des Einsetzungsrechts verfing nicht. Einige Gewählte lehnten ab: Memmen zu Hüllenerfehn, Tjarks zu Aurich. Endlich erklärte sich der vormalige Seminarist Friedrich A. Rahmeyer, ein Enkel des früheren alten Rahmeyers, dort bereit, die Wahl anzunehmen.
Zu Langholt und Burlage wurden im März 1873 die Einnahmen der Schulstellen etwas erhöht, beide im September 1873 auf 225 Rth gebracht, ebenso Rhaudermoor, Rhauderwieke 240 Rth.
Im Jahre 1873 wurde das Lesebuch von Ed. Bock in allen Schulen eingeführt. Lehrer Buschmann von Rhaude nach Westerende berufen, verzog Mitte Juni 1875; Lehrer Lichtsinn aus Plaggenburg wurde wiedergewählt.
Holtermoor /Holterfehn: 1874 etwa 200 Schüler
Die Schulstelle zu Holte wurde gegen Ende des Jahres durch den Wegzug des Lehrers Goudschal nach Rhauderwieke vacant. Auch jetzt verunglückte der Versuch, Holte und Rhaude zu combinieren, Die Schulkinder wurden zunächst nach Rhaude verwiesen. Dann unterrichtete Zu Holte ein Frl. Holzenkaempfer und ein Schulgehilfe Redenius. Die Holter knausern mächtig und wollen die Einnahme der Schulstelle nicht erhöhen.
In der Schulgemeinde Holtermoor/ Holterfehn wuchs die Zahl der Schulkinder sehr, jetzt etwa 200. So begannen schon im Jahre 1874 Verhandlungen über Anstellung eines zweiten und dritten Lehrers und einer mehrklassigen Schule. Doch wegen Mangels an Lehrern und an Geld ist man noch nicht zum Schluß gelangt.
Zu Rhaudermoor verzog Schullehrer Rahmeyer nach Völlenerfehn. März 1875 glückte es, den Lehrer Lüppo Fr. Bohlen von Langefeld, geboren in Extum, zu gewinnen.
Zu Rhauderwieke verzog der Lehrer Harms nach Attendorf in Westfalen, Nachfolger wurde Goudschal von Holte. Seit einigen Jahren besteht zu Holtermoor eine Privat-Präparanden-Bildungsanstalt und wird diese begünstigt. Die Lehrer waren: Meinen daselbst, Oltmanns von Hahnentange.
Visitation September 1876:
Die größeren Kinder aller sieben Schulen, etwa 120, auch alle Lehrer und mehrere Schulvorsteher, nur der betagte Kaufmann von Burlage fehlte. Lehr- und Lernmittel: Karte von Europa, Deutschland und Palästina. Die Anzeigen der Schulversäumnisse hat bedeutend geholfen.
Schule zu Holte selbständig
Die langwierigen Verhandlungen über die Gründung einer zweiten Lehrerstelle zu Holtermoor und Besetzung derselben wurden endlich damit erledigt, daß der bisherige Lehrer zu Deternerlehe, Hinrich Specht, Sohn des emeritierten Lehrer Specht zu Holtermoor (geb. Oktober 1854) erwählt und im Mai 1879 eingeführt wurde. Derselbe erhält 750 Mark und 75 Mark Wohnungsentschädigung. Jetzt werden die drei Klassen von zwei Lehrern unterrichtet.
Nach langen Verhandlungen wurde endlich die Schule zu Holte eine selbständige am 6. Januar 1875. Die Schulcasse zu Holte zahlt jährlich an den zeitigen Lehrer Lichtsinn zu Rhaude 210 M. Der neugewählte Lehrer Harm Ammen, bisher Extum, wurde im Januar 1878 eingeführt. Er erhält jährlich 1050 M aus der Schulcasse.
Da die 10jährigen Kinder bisher nach Rhaude gingen, so ist das Schullokal hier jetzt zu groß. Es soll eine Sperrmauer hindurch gezogen werden, so daß für 50 Kinder Raum bleibt, die Fenster versetzt und der abgeschnittene Raum zu einer Stube für den Lehrer verwendet werden.
Auch in der Kirchengemeinde Rhaude, wie zu Potshausen, Filsum und Detern wurden Verhandlungen geführt über das Stimmrecht im Gebiet des Kirchenvorstand und der Synodalordnung. Das Ergebnis war, daß allen den vielen Colonisten das Recht einer halben Stimme beigelegt wurde. Die bisherigen 84 alten Interessenten behielten jeder ihre ganze Stimme und das Recht zur Wahl des Pastors und Hauptlehrers.
11. September 1879 Schulvisitation:
120 Schulkinder aller Schulen, nur die von Burlage mit ihren Lehrern fehlten wegen der Entfernung, zwei Stunden reichlich und wegen des hohen Alters der letzteren. Ammen Holte catechisierte über das 2. Gebot, Lichtsinn über Hiob. Die Kinder zeigten sich bekannt mit den Himmelsgegenden nach der Karte.
Die beiden Lehrer zu Holtermoor, Meinen und Specht, konnten im Herbst 1880 sich über die Unterrichtsstunden und Fächer in der dreiklassigen Schule mit zwei Lehrern nicht einigen. Königliches Consistorium gab auf ein Gesuch eine Directive oder Instruction.
Zwei Lehrer, drei Klassen
Vom 4. Januar 1881 ist danach gehandelt worden. Die Schulgemeinde erbaute indes im Jahre 1881 mit einem Erweiterungsbau noch das Lokal für eine dritte Classe, doch sind bis jetzt die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen worden, woher das Geld für eine dritte Lehrkraft zu nehmen und ist diese dritte Lehrkraft noch nicht vorhanden.
Schlimme Folgen einer Feier
Am 16. Februar 1880 starb der altersschwache Lehrer zu Burlage, geb. am 24. Nov. 1804 zu Hattersum. Schon als über seine Emeritierung verhandelt wurde, hatte ein junger Schulamtsaspirant Zimmermann eine Zeitlang den Dienst wahrgenommen und setzte dieser nun mit konsistorialer Genehmigung den Dienst fort.
Die Gemeinde verzichtete für diesmal auf das Wahlrecht und bestellte den bisherigen Seminaristen J. 0. Oltmanns, geb. 9. Mai 1859 zu Hahnentange zum Lehrer. Es wurde dieser am 30. April 1881 dort eingeführt. Leider wurden am Abend dieses Tages Branntwein-Orgien gehalten. Ein Betrunkener wurde aus der Schule geworfen und fand man ihn nachher tot.
Der Schulvorsteher Cordes, sonst ein ordentlicher Mensch, wurde zu schwerer Strafe verurteilt.
Sieben Schulen werden visitiert
Am 27. September 1882 Kirchen- und Schulvisitation zu Rhaude. Die seit drei Jahren verkleinerte Schulstube zu Rhaude konnte die große Zahl der größeren Kinder aus allen 7 Schulen nicht fassen, zumal alle Lehrer bis auf Ammen und mehrere Erwachsene und Schulvorsteher teilnahmen; sie war übervoll schon von den 130 Kindern. Die einzelnen Schulen sangen je einen Vers, meist ohne Hilfe des Lehrers, ziemlich gut, Gebete überall anständig, Lesen gut.
30. September 1885 Kirchen- und Schul Visitation:
Sämtliche Lehrer der Gemeinde waren versammelt. Da die sämtlichen Schulkinder der Gemeinde in dem kleinen Schullocal nicht Platz finden, hatte ich angeordnet, daß diesmal nur die Schulen von Rhaude und Langholt geprüft werden sollten. Der Lehrer von Rhaude, Goudschal, katechisierte über die Gesetzgebung und das erste Gebot.
In der anschließenden Besprechung wurde festgestellt, daß den Lehrern betreffs der kirchlichen Katechisation alle Anerkennung gezollt werden müsse, und daß die Kinder der ersten Classe aller Schulen sonntäglich zur Kirche kommen im Gegensatz zum Kirchenbesuch der Erwachsenen, über den bitter geklagt wird.
Außerdem beriet man über den Branntweingenuß und die mangelnde Sonntagsheiligung der Schiffscapitaine. Bemerkt wurde am Schluß, daß der Lehrer von Holte, gegen den auf Dienstentlassung erkannt ist, im Termin nicht zugegen war, auch nicht seine Artic. visit. (Bericht über den Zustand der Schule) abzugeben versucht hat, obwohl er, wie ich hörte, zu Holte weiter unterrichtet.
Patriotische Gesinnung in Rhaude
1888: 50jähriges Dienstjubiläum von Pastor Stellwagen. Lehrer Meinen spricht im Namen der Lehrer.
18. Oktober 1888 Schulvisitation:
Ich fand nur den Lehrer von Rhaude mit seiner Schuljugend versammelt. Die übrigen Lehrer - mit Ausnahme zweier, die zum Militärdienst einberufen waren - entschuldigten sich damit, daß sie zuvor die vorgeschriebene Gedächtsnisfeier für S. Majestät, den hochsel. Kaiser Friedrich III. in ihren Schulen hätten halten müssen. Der Lehrer Goudschal ist einer der wenigen Lehrer, die ihren Küster-Verpflichtungen in jeder Hinsicht sorgfältig entsprechen; ebenfalls ist er, wenn auch nicht besonders begabter, doch ein treuer Lehrer und da er einen ziemlich regelmäßigen Schulbesuch erzielt hat, ist der Kenntnisstand der Schule ein normaler.
Aus einer Eintragung im Jahre 1891: "Im Hinblick auf das bekannte Vorkommnis, daß Soldaten in Aurich nicht den Namen des Kaisers angeben konnten, und im Hinblick auf die Weisungen, die deshalb einigen Schul-Inspectoren zugegangen sind, möge es gestattet sein, eine Episode mitzuteilen, lediglich als Beweis, wie leicht derartiges ohne Schuld des Lehrers oder Pastors vorkommen kann.
Die Gemeinde Rhaude rühmt sich vorzugsweise ihrer patriotischen Gesinnung, sie feiert die patriotischen Feste in Kirche und Schule, mit Aufzügen in den Wirtshäusern.
Der Pastor ist von jeher ein rühriges Mitglied der nationalliberalen Partei. So ist es erklärlich, daß letzterer in seiner Katechisation von dem deutschen Reiche ausging und auch die Frage stellte: Wie heißt unser Kaiser? Aber es klang wie Hohn auf den forcierten Patriotismus, als einer der ältesten Knaben mit lauter unsicherer Stimme antwortete: "Wilhelm, der Dritte!"
Lehrerkonferenzen und Auflösungen
Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts hatten sich die Verhältnisse der Lehrerausbildung erheblich gebessert und stabilisiert. Das Königliche Seminar in Aurich sowie auch die anderen Anstalten des Landes entließen nach Präparanden- und Seminarzeit Männer mit gutem Rüstzeug für die Erziehung und Unterweisung der Kinder. Das hatte zur Folge, daß sich auch ein Standesbewußtsein - in gutem Sinne - entwickelte, und in den sehr aktiven Lehrerkonferenzen seinen Ausdruck fand.
Die nächsten Jahrzehnte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges waren zunehmend von gewissen Spannungen zwischen Kirche und Schule gekennzeichnet. Das geht auch aus dem Bericht hervor. Gemildert wurden sie da, wo liberale Menschen miteinander zu tun hatten.
Mit der Gründung der Weimarer Republik wurde die endgültige Trennung zwischen Kirche und Staat durchgeführt. Die einklassige evangelische Volksschule Rhaude wurde nach Goudschals Pensionierung von Dieterich Andreesen übernommen, der sie - nachdem sie durch den Zustrom der Flüchtlinge 1945/46 zweiklassig geworden war - bis zu seinem Tod im Jahre 1954 betreute. 1965 wurde die Schule aufgelöst.
Der lange Weg des ostfriesischen Schulwesens
Es war ein langer Weg, den das ostfriesische Schulwesen seit dem Mittelalter zurückgelegt hat, ein Weg, der von kriegerischen Unruhen, Einquartierungen, Mißernten und Teuerung begleitet wurde. Geprägt von bäuerlichen Lebensformen und kirchlichen Grundsätzen haben sich die ostfriesichen Landschulen weiterentwickelt bis zur gegenwärtigen Form der weitgehenden Zentralisierung. Viele uralt-Probleme sind geblieben: etwa die Verhältnisse Schüler-Lehrstoff oder Schüler-Lehrer und schließlich Eltern-Schüler. Sie werden in zahlreichen wissenschaftichen Abhandlungen, Konferenzen, Vorträgen und Diskussionen immer wieder erörtert. Dieser Bericht sollte nur ein Mosaikstein zum großen Bild des ostfriesischen Schulwesens sein.
Fragen an den Schulhalter bei der Inspektion
Als Kernstück jeder Schulinspektion galt die Vorlage des Schulkatalogs. Er wurde vom Schulhalter angefertigt, vom Ortsgeistlichen durchgesehen und vom Inspektor eingesandt.
Im ersten Teil enthielt er Bemerkungen über die Schulverfassung mit folgenden Einzelfragen:
I. Wer der Schulhalter und dessen Gehülfe?
II. Was der Schulhalter und dessen Gehülfe zum Salario (Vergütung) habe, es sey an fixierten oder zufälligen Einkünften, und aus welcher Hand ihnen das fixierte Salariom bezahlt wird, wie hoch das Schulgeld dort üblich?
III. Ob und wann, auch wie lange er im Küster Seminario, als ordentlicher oder ausserordentlicher Praeparandegewesen?
IV. Ob der Schulhalter und dessen Gehülfe neben ihrem Schuldienste eine andere Beschäftigung und Verdienst habe, und wie hoch diese zu rechnen, auch ob daher bey Abwartung der Schulen ein Hinderniß entstehe?
V. An wievielen Orten daselbst Schule gehalten wird?
VI. Um welche Zeit angefangen und geschlossen wird?
VII. Wie vielmahl des Tages Schule gehalten wird, wenn nur einmahl, warum nicht mehrmahl?
VIII. Was für Lectiones an jedem Tage in der Woche getrieben werden, publice und privatim?
IX. Ob Schul-Aufseher am Orte sind?
X. Wer Kirchen-Patronus, und Gerichts-Obrigkeit des Orts sey?
XI. Ob es Mater, Filia, und wovon? Unicum oder Vagans? (Hier wird wohl nach dem Status der Schule gefragt, ob sie Haupt- oder Nebenschule ist.)
XII. Ob und welche Oerter dahin zur Schule gewiesen.
Der mittlere Teil des Schulkataloges ist als eine Art Lehrplan anzusehen, für den die Kinder, je nach Alter, in drei Gruppen eingeteilt wurden, wobei die Älteren zur "Ersten Ordnung" gehörten, die Kleinsten zu "dritten Ordnung". Das sah für den Unterricht am Montag etwa so aus:
1. Ordnung: Wird mit den Größeren über ein Stück des Catechismus catechisiert; ein Hauptstück des kleinen Catechismus Lutheri und Haupt-Sätze der Predigt vom vorigen Sonntag wiederholt.
2. Ordnung: Mit den Mittleren auch.
3. Ordnung: Mit den Kleineren auch.
Die zweyte Lektion
1. Ordnung: Die Größeren lesen, und üben sich hernach im Aufschlagen der Bibel usw.
2. Ordnung: Die Mittleren buchstabieren.
3. Ordnung: Die Kleineren lernen ihre vorgegebenen zwey Buchstaben.
Die dritte Lektion
1. Ordnung: Die Größeren schreiben, und wird ihnen ihr Schreiben corrigiert.
2. Ordnung: Die Mittleren buchstabieren und werden ihnen Lese-Regeln gegeben.
3. Ordnung: Den Kleineren wird der Unterschied der Buchstaben beygebracht, und Sprüche vorgesagt.
Die vierte Lektion
1. Ordnung: Mit den Größeren wird die christliche Lehre im Zusammenhang abgehandelt, auch der Bücher wie sie in der Bibel aufeinander folgen und ihnen Inhalt der biblischen Bücher, Glaubens-Lehre und Lebens-Pflichten Klarheit beygebracht.
2. Ordnung: Die Mittleren hören zu und sagen ihren Wochen-Spruch auf.
3. Ordnung: Die Kleinen wie die Mittleren.
Die fünfte Lektion
1. Ordnung: Die Größeren müssen theils schreiben, theils rechnen.
2. Ordnung: Die Mittleren werden geübt im Buchstabieren.
3. Ordnung: Die Kleinen werden geübt im ABC.
Dieser Plan wiederholt sich an allen Wochentagen, nur am Sonnabend findet sich folgender Zusatz:
"Die Größeren müssen Worte schreiben, die nach der Orthographie corrigiert werden. Darauf werden Ermahnungen auf den Sonntag hin gethan."
Im nächsten Teil folgt eine Namensliste der Schüler mit Angaben über Vater oder Vormund, Schulbesuch und "Wohlverhalten", wobei die Bemerkung "gehorsam, still und fleißig" überwiegt. Der letzte Teil enthält Stellungnahmen des Inspectors.
De Mesterwahl
Uns Ollste in Rhaude is Reiner Harms. In Kamphusen sitt he, un eben vor Wienachten hebt wi sienen 94. Geburtstag fiert.
Olt is he, uns Unkel Reiner. Man he is noch lange nich off. Anner Winters hett he Körben makt, dat deiht he nu ja nich mehr. Man he sitt noch immer tack un munter in sien Hörn achtern Oben. Doar bewarmt he sück ant Füer, un sien Piep liggt tägen hum upt Fensterbrett. Un uns Oll is bedeligt bi all, wat in sien Köken gebört, un gern vertellt he ut olle Tieden.
Letzt vertell he van de Kösterwahl, so as de um 1880 ofholln wär. de Mester in Rhaude is van olt her ock Köster west un muss de Orgel spälen. Dorum muss he van de Interessenten ut dat ganze Karkspiel wählt wordn.
In dat lütje Rhaude wahnen man hel minn Interessenten. Völ mehr Stimmen legen in Holte. Nu kunnen sick de beide Dörpen nich immer goot verdragen. Un wenn de Holter en Piek up Rhaude harrn, denn heet dat, wi sollt ja woll en Köster bringen. So sullt ock gahn vör 70 Joar. Man do kunnen in Rhaude mit de Interessenten de 1000 Daler-Stimmen wählen. Un do krägen se de Överhand. Dorvan het Reiner Harms en Riemels makt un het das noch immer goot in Kopp. He seggt die dat vandag noch up un let nix ut, un hier steiht dat nu:
Nu is ´t in Rhaud mal wär so wiet, Dat wi en nee Mester kriegen. Uns olle Mester sün wi kwiet De mugg wi heel gern lieden. Nu frein sück de Holter recht, Se willt uns wär en bring'n:
Den n Holtermoorker Mester Specht,
Doar willt se all up stimmen.
Man dat ging nu doch nich so gau,
As se dat ock woll meenen.
De Rhauder sünd hör völst to slau.
Se lat sück nich bedeenen.
Doar leg noch vör en olt Gesetz
Ut Olle Fritz sin Tieden:
De dusend Daler bonis hett,
De kann en Stimm ofkregen. Dat dürde man so'n Ogenblick, Dor har wi n heel bült Stimm'n. Dat was de Rhauders en Glück, Un de Holters kunnt nich winn'n.
Se schreben hin nach hoger Hand Ut Nied un ock ut Hader:
Doar wassen hör ock bi bekannt,
De harn kien dusend Daler.
Man as dat wär van Auerk kam,
So stunn doarup to läsen,
De Wählers sünd uns unbekannt,
Ji moet de Nam angeben.
Dat hebt de Holters do nich dahn,
Dat was för hör ock bäter,
Denn dat Gesetz dat kun bestahn,
Wat Fritz makt, dat is säker.
Un't dürde goar nich lange mehr,
Do harn se nix to melln,
Do kam dat van Barlin wär her,
De Stimm'n, de sulln gelln.
Un fut doarup do was de Wahl,
Do de wi Dreetal wählen:
Specht, Oltmanns nahm wi un Goudschal,
Doar sullt nu en van wäsen.

References: § 1

§ 7

§ 8

§ 11

§ 12

§ 22