Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Bamberg&Datum=27.09.2004&Aktenzeichen=4%20U%20148/04
Timestamp: 2019-07-21 16:18:21+00:00

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OLG Bamberg, 27.09.2004 - 4 U 148/04 - dejure.org
https://dejure.org/2004,3501
OLG Bamberg, 27.09.2004 - 4 U 148/04 (https://dejure.org/2004,3501)
OLG Bamberg, Entscheidung vom 27.09.2004 - 4 U 148/04 (https://dejure.org/2004,3501)
OLG Bamberg, Entscheidung vom 27. September 2004 - 4 U 148/04 (https://dejure.org/2004,3501)
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Keine Ermittlungspflicht eines Kreditinstituts hinsichtlich des Vorliegens einer Haustürsituation nur aufgrund von Anbahnung der Finanzierung einer Kapitalanlage durch Anlagevermittler
Zur Frage des Widerrufs einer Darlehensvereinbarung gem. § 1 Abs. 1 Nr. 1 HWiG sowie zu der Frage, ob sich die Beklagte (Bank) eine vom Vermittler geschaffene Haustürsituation zurechnen lassen muss
Unterzeichnung eines Darlehensvertrages in einer Haustürsituation; Widerruf eines Haustürgeschäftes wegen "Überrumpelung"; Berücksichtigung eines verspäteten Berufungsvorbringens; Häusliche Unterzeichnung eines Vertrags als Indiz für ein Haustürgeschäft; Auswirkungen eines Haustürgeschäftes bezüglich eines Darlehens auf eine Anlagenvermittlung
BGB §§ 123, 312, 358; HWiG § 1 Abs. 1; VerbrKrG § 9 Abs. 1
Haustürsituation; Anbahnung der Finanzierung einer Kapitalanlage durch Anlagevermittler
LG Würzburg, 27.07.2004 - 11 O 1634/03
OLG Bamberg, 04.11.2004 - 4 U 148/04
WM 2005, 593
Diese können etwa in Form einer Vertriebsvereinbarung, eines Rahmenvertrages oder konkreter Vertriebsabsprachen bestanden haben (vgl. BGH, Urteil vom 20. März 1980 - III ZR 172/78, WM 1980, 620, 622 und Senatsurteil vom 5. Mai 1992 - XI ZR 242/91, WM 1992, 1355, 1358;… vgl. Erman/Saenger, BGB 11. Aufl. § 358 Rdn. 7;… MünchKommBGB/Habersack 4. Aufl. § 358 Rdn. 38;… Staudinger/Kessal-Wulf BGB Neubearb. 2004 § 358 Rdn. 30), oder sich daraus ergeben, dass den vom Verkäufer oder Fondsinitiator eingeschalteten Vermittlern von der Bank Büroräume überlassen oder von ihnen - von der Bank unbeanstandet - Formulare des Kreditgebers benutzt wurden (vgl. BGHZ 91, 9, 12; 159, 294, 301; BGH, Urteile vom 9. Februar 1978 - III ZR 31/76, WM 1978, 459, 460, vom 7. Februar 1980 - III ZR 141/78, WM 1980, 327, 328 f., vom 25. Oktober 2004 - II ZR 373/01, BKR 2005, 73, 74, vom 15. November 2004 - II ZR 375/02, WM 2005, 124, 126 und vom 6. Dezember 2005 - II ZR 394/02, WM 2005, 295, 297; Senatsurteile vom 23. September 2003 - XI ZR 135/02, WM 2003, 2232, 2234 und vom 25. April 2006 - XI ZR 193/04, Umdruck S. 8) oder etwa daraus, dass der Verkäufer oder die Vermittler dem finanzierenden Institut wiederholt Finanzierungen von Eigentumswohnungen oder Fondsbeteiligungen desselben Objektes vermittelt haben (vgl. BGHZ 91, 9, 12; OLG Bamberg WM 2005, 593, 596).
Eine gefestigte Zusammenarbeit wird darüber hinaus indiziert, wenn der Verkäufer oder der Vermittler "dem finanzierenden Institut wiederholt Finanzierungen von Eigentumswohnungen oder Fondsbeteiligungen desselben Objektes vermittelt" hat (Zitat: BGH, WM 2006, 1194 [BGH 16.05.2006 - XI ZR 6/04] ; siehe auch BGH, WM 1984, 649 [BGH 29.03.1984 - III ZR 24/83] und OLG Bamberg, WM 2005, 593).
Zu diesen Indizien gehören die Zweckbindung des Darlehens zur Finanzierung eines bestimmten Geschäfts, durch die dem Darlehensnehmer die freie Verfügbarkeit über die Darlehensvaluta genommen wird, der zeitgleiche Abschluss beider Verträge, das Verwenden einheitlicher Formulare mit konkreten wechselseitigen Hinweisen auf den jeweils anderen Vertrag (vgl. BGH, NJW 2003, 2703 (2704)), die Einschaltung derselben Vertriebsorganisation durch Kreditgeber und Verkäufer, (wobei es nicht ausreicht, dass der Anlagevermittler zugleich den Kreditvertrag einfädelt und sich dabei der Abschlussformulare des Kreditinstituts bedient, vgl. OLG Bamberg, WM 2005, 593 (596)) und das Abhängigmachen des Wirksamwerdens des Erwerbsvertrages vom Zustandekommen des Finanzierungsvertrages mit einer vom Unternehmer vorgegebenen Bank (…Staudinger/Kessal-Wulf, BGB Bearb. 2004 § 358 Rz. 32 m.w.N.;… Ott, in: Bruchner/Ott/Wagner-Wieduwilt, VerbrKrG 2. Aufl., § 9 Rz. 51).
Diese können etwa in Form einer Vertriebsvereinbarung, eines Rahmenvertrages oder konkreter Vertriebsabsprachen bestanden haben (vgl. BGH WM 1980, 620, 622 und WM 1992, 1355, 1358;… vgl. Erman/Saenger, BGB 11. Aufl. § 358 Rdn. 7;… MünchKommBGB/Habersack 4. Aufl. § 358 Rdn. 38;… Staudinger/Kessal-Wulf BGB Neubearb. 2004 § 358 Rdn. 30), oder sich daraus ergeben, dass den vom Verkäufer oder Fondsinitiator eingeschalteten Vermittlern von der Bank Büroräume überlassen oder von ihnen - von der Bank unbeanstandet - Formulare des Kreditgebers benutzt wurden (vgl. BGHZ 91, 9, 12; 159, 294, 301; BGH WM 1978, 459, 460 und WM 1980, 327, 328 f., sowie BKR 2005, 73, 74, WM 2005, 124, 126, WM 2005, 295, 297; WM 2003, 2232, 2234 und Urteil vom 25. April 2006 - XI ZR 193/04) oder etwa daraus, dass die Verkäufer oder die Vermittler dem finanzierenden Institut wiederholt Finanzierungen von Eigentumswohnungen oder Fondsbeteiligungen desselben Objektes vermittelt haben (vgl. BGHZ 91, 9, 12; OLG Bamberg WM 2005, 593, 596).
Denn zwischen dem vom Fondsinitiator beauftragten Vermittler (Beklagte zu 2) und der finanzierenden Bank bestanden ständige Geschäftsbeziehungen, die sich darin manifestierten, der Vermittler dem finanzierenden Institut wiederholt Finanzierungen von Fondsbeteiligungen desselben Objekte vermittelt hatte (…vgl. BGH, a.a.O., Rdnr. 53; BGHZ 91, 9, 12; OLG Bamberg, Urteil vom 27. September 2004, 4 U 148/04, WM 2005, 593, 596).
Sie ergibt sich bereits daraus, dass die Beklagtenseite über ihre X. Filialbank nicht nur mit der globalen Finanzierung des 98 Wohneinheiten umfassenden Bauträgerprojekts befasst gewesen war, sondern im nahtlosen Übergang dann auch den jeweiligen Erwerb der - im Strukturvertrieb vermittelten - Einzelobjekte finanziert hat (vgl. nur BGHZ 168 a.a.O., dort Tz. 53 mit Hinweis auf Senat WM 2005, 593, 596).
LG Dortmund, 06.01.2006 - 3 O 176/05

References: § 1
 § 1
 § 9
 § 358
 § 358
 § 358
 § 358
 § 9
 BGH 
 § 358
 § 358
 § 358
 BGH