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Timestamp: 2020-08-13 12:39:34+00:00

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Abtretung einer Gegenforderung und der Verspätungseinwand | Rechtslupe
Abtre­tung einer Gegen­for­de­rung und der Ver­spä­tungs­ein­wand
Nach­läs­sig­keit im Sin­ne von § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO ist grund­sätz­lich zu ver­nei­nen, wenn ein neu­es Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel erst nach Schluss der erst­in­stanz­li­chen münd­li­chen Ver­hand­lung ent­stan­den ist.
Stützt der Beklag­te eine Ein­wen­dung gegen den Kla­ge­an­spruch auf eine Rechts­po­si­ti­on, die er im Wege der Abtre­tung erwor­ben hat, so ist das ent­spre­chen­de Ver­tei­di­gungs­mit­tel erst mit dem Erwerb der Rechts­po­si­ti­on ent­stan­den.
Nach­läs­sig­keit im Sin­ne von § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO ist grund­sätz­lich zu ver­nei­nen, wenn ein neu­es Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel erst nach Schluss der erst­in­stanz­li­chen münd­li­chen Ver­hand­lung ent­stan­den ist [1].
Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen im Streit­fall vor. Die Beklag­ten waren erst auf­grund der in zwei­ter Instanz erfolg­ten Abtre­tung recht­lich in der Lage, aus der von ihnen behaup­te­ten wider­recht­li­chen Ent­nah­me Ein­wen­dun­gen gegen die Kla­ge­an­sprü­che abzu­lei­ten.
Aller­dings spricht viel dafür, von die­sem Grund­satz eine Aus­nah­me zu machen, wenn ein Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel auf einen abge­schlos­se­nen Lebens­sach­ver­halt gestützt wird und die Mög­lich­keit, es mit Aus­sicht auf Erfolg gel­tend zu machen, nur noch davon abhängt, dass die Par­tei ein ihr zuste­hen­des mate­ri­el­les Gestal­tungs­recht aus­übt [2]. Wenn der Ein­tritt einer bestimm­ten Rechts­fol­ge nur noch vom Wil­len des Schuld­ners abhängt, erschie­ne es ver­fehlt, die Recht­zei­tig­keit eines auf den Ein­tritt die­ser Rechts­fol­ge gestütz­ten Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tels anhand des Zeit­punk­tes zu bestim­men, zu dem die Par­tei von dem ihr zuste­hen­den Gestal­tungs­recht Gebrauch gemacht hat. Aus dem­sel­ben Grund ist es einem Schuld­ner, der nach dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in den Tat­sa­chen­in­stan­zen die Auf­rech­nung erklärt hat, ver­wehrt, ein rechts­kräf­ti­ges Urteil mit der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge anzu­grei­fen, wenn schon vor dem genann­ten Zeit­punkt eine Auf­rech­nungs­la­ge bestan­den hat [3]. Ent­spre­chen­des gilt für eine Anfech­tung [4] und für eine Kün­di­gungs­er­klä­rung [5]. Etwas ande­res gilt nur dann, wenn es gera­de zum Zweck des Gestal­tungs­rechts gehört, dem Berech­tig­ten die Ent­schei­dung zu über­las­sen, zu wel­chem Zeit­punkt er von sei­nem Recht Gebrauch macht. Der Beklag­te ist des­halb nicht gehal­ten, vor­zei­tig von einem ihm für einen bestimm­ten Zeit­raum ein­ge­räum­ten Opti­ons­recht Gebrauch zu machen [6] oder ein Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht auf­zu­ge­ben, um eine Auf­rech­nungs­la­ge her­bei­zu­füh­ren [7].
Ob bei Gestal­tungs­rech­ten auf den Zeit­punkt ihrer Ent­ste­hung abzu­stel­len ist, kann im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang jedoch dahin­ge­stellt blei­ben [8]. Im Streit­fall hing die Mög­lich­keit zur Gel­tend­ma­chung des Ein­wan­des nicht allein vom Wil­len der Beklag­ten ab. Zur Abtre­tung der gel­tend gemach­ten Rech­te am Gegen­stand des Kla­ge­pa­tents bedurf­te es viel­mehr der Mit­wir­kung des Ehe­man­nes der Beklag­ten zu 2. In der­ar­ti­gen Kon­stel­la­tio­nen erschie­ne es ver­fehlt, Nach­läs­sig­keit schon des­halb zu beja­hen, weil sich eine Par­tei nicht recht­zei­tig um den Erwerb einer bestimm­ten Rechts­po­si­ti­on im Wege der Abtre­tung bemüht hat [9]. Der Umstand, dass die pro­zess­recht­li­chen Prä­k­lu­si­ons­vor­schrif­ten nicht den Zweck ver­fol­gen, auf eine beschleu­nig­te Schaf­fung der mate­ri­ell­recht­li­chen Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen hin­zu­wir­ken [10], mag zwar nicht aus­schlie­ßen, die Aus­übung eines der Par­tei bereits zuste­hen­den mate­ri­ell­recht­li­chem Gestal­tungs­rechts im Rechts­streit der Pflicht zur Pro­zess­för­de­rung zu unter­wer­fen. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Pflicht zur beschleu­nig­ten Schaf­fung mate­ri­ell­recht­li­cher Vor­aus­set­zun­gen kann den pro­zess­recht­li­chen Prä­k­lu­si­ons­vor­schrif­ten jedoch nicht ent­nom­men wer­den. Fol­ge­rich­tig hat der Bun­des­ge­richts­hof die Prä­k­lu­si­on eines Ver­tei­di­gungs­mit­tels abge­lehnt, das der Beklag­te erst auf­grund eines von ihm wäh­rend des Rechts­streits erwirk­ten Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses gel­tend machen konn­te [11]. Für einen Rechts­er­werb im Wege der Abtre­tung kann nichts ande­res gel­ten. Ange­sichts des­sen kann es grund­sätz­lich nicht als nach­läs­sig im Sin­ne von § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO ange­se­hen wer­den, wenn eine Par­tei von der Mög­lich­keit, eine zur erfolg­ver­spre­chen­den Gel­tend­ma­chung eines Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tels erfor­der­li­che Rechts­po­si­ti­on durch Abtre­tung zu erwer­ben, nicht unver­züg­lich Gebrauch gemacht hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Mai 2011 – X ZR 77/​10 – Trep­pen­lift
BTDrucks. 14/​4722, S. 101; Münch­Komm-ZPO/Rim­mels­pa­cher, 3. Auf­la­ge, § 531 Rn. 24; Musielak/​Ball, ZPO, 8. Auf­la­ge, § 531 Rn. 19; Prütting/​Oberheim, ZPO, § 531 Rn. 11; Zöller/​Heßler, ZPO, 28. Auf­la­ge, § 531 Rn. 30[↩]
vgl. dazu BAG, Urteil vom 09.11.1983 – 5 AZR 355/​81, NZA 1985, 130, 131; sowie Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO, 22. Auf­la­ge, § 296 Rn. 44[↩]
BGH, Urteil vom 07.07.2005 – VII ZR 351/​03, BGHZ 163, 339, 342 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 19.11.2003 – VIII ZR 60/​03, NJW 2004, 1252, 1253 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 16.11.2005 – VIII ZR 218/​04, NJW-RR 2006, 229 Rn. 14[↩]
BGH, Urteil vom 25.02.1985 – VIII ZR 116/​84, BGHZ 94, 29, 35[↩]
BGHZ 163, 339, 343[↩]
eben­falls offen gelas­sen in BGH, Beschluss vom 30.06.2010 – IV ZR 229/​07, r+s 2010, 420 Rn. 10; obiter bejaht in BGH, Urteil vom 10.03.2011 – IX ZR 82/​10, MDR 2011, 754 Rn. 18[↩]
vgl. dazu Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO, 22. Auf­la­ge, § 296 Rn. 45[↩]
BGH, Urteil vom 06.10.2005 – VII ZR 229/​03, NJW-RR 2005, 1687; eben­so Musielak/​Ball, 8. Auf­la­ge, § 531 ZPO Rn. 19; Zöller/​Heßler, ZPO, 28. Auf­la­ge, § 531 Rn. 30[↩]
BGH, Urteil vom 10.03.2011 – IX ZR 82/​10; MDR 2011, 754 Rn. 18[↩]
Land­wirts­e­he­gat­ten – und die kon­klu­den­te… Ehe­gat­ten kön­nen in der Land- und Forst­wirt­schaft ohne aus­drück­li­chen Gesell­schafts­ver­trag eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft bil­den, wenn jeder der Ehe­gat­ten einen erheb­li­chen Teil der selbst bewirt­schaf­te­ten land- und…
ForderungsabtretungVerspätung

References: § 531
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 § 296
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 § 531
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