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Timestamp: 2018-01-23 12:07:36+00:00

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Finanzlexikon - C
Abkürzung für consumer-to-business. Gemeint sind Zahlungen der Privathaushalte an Unternehmen für den Bezug von Waren und Dienstleistungen.
Abkürzung für consumer-to-government. Gemeint sind Zahlungen der Privathaushalte an öffentliche Stellen (public sector entities), in erster Linie Steuern.
Cable (so auch im Deutschen):
An der Börse der Wechselkurs zwischen GBP und USD (exchange rate between British pound sterling and the U.S. dollar). - Das Wort rührt vom Transatlantischen Kabel her, das man nach Versuchen um 1860 in den 1940er Jahren zwischen England und den USA verlegte, und durch das ab da die Kurse gesendet (cabled: transmitted by cable; "gekabelt") wurden.
Call (call):
1 Eine Aufforderung zur Zahlung (a claim or demand for payment of money).
2 Kaufoption: der Käufer eines Calls erwirbt das Recht, jedoch nicht die Verpflichtung, innert eines festgelegten Zeitraums eine bestimmte Anzahl eines Gutes - Devisen, Effekten, Waren - zu einem im Voraus festgelegten Kurs, dem Ausübungspreis, zu kaufen (an option contract giving the owner the right but not the obligation to buy a specified amount of an underlying at a specified price within a specified time).
3 Der Aufruf eines Emittenten, ein von ihm begebenes Papier - in der Regel eine mit hohem Zinssatz ausgestattete Anleihe - vor dem Fälligkeitstermin einzulösen (a demand for redeemable financial instruments to be presented to the issuer for repayment prior to its maturity; this feature often is used in the case of bonds when interest rates fall, so that the bonds can be repurchased and a new, lower-rate issue sold). Entsprechende, den Emittenten zur Auszahlung oder zum Umtausch in ein anderes Papier berechtigende Bestimmungen sind zumeist in dem Emissionsprospekt enthalten.
4 Darlehn-Kündigung, nämlich die Aufforderung der Bank an einen Kreditnehmer, den geliehenen Betrag samt Zinsen und angefallenen Gebühren zurückzubezahlen, wenn der Kunde den Verpflichtungen aus dem Darlehnsvertrag nicht nachkommt oder dies sich offensichtlich abzeichnet (demand by a bank to a borrower to repay the entire loan balance - principal plus interest plus other charges, if any - where a default has occurred or is deemed imminent). Einen solchen Call sehen die Kreditverträge standardmässig vor.
5 Ein telephonischer Anruf bei einem (möglichen) Kunden, ein Telephonat.
6 Zuzahlungs-Aufforderung, nämlich das Ansuchen einer Gesellschaft an die Aktionäre, je Aktie eine bestimmte Umlage in Geld zu entrichten (the demand by a corporation that a shareholder pay an assessment on shares already owned). Eine solche Nachschusspflicht ist nach deutschem Recht für Aktionäre ausgeschlossen; für andere Rechtsformen kann eine Nachschusspflicht durch Gesetz oder Satzung (bylaws) begründet werden.
7 Der Zeitraum vor der Markteröffnung und nach Marktschlusses im Terminhandel an Börsen (the period of time between the opening and closing of some future markets, an important time in which to match and execute a large number of orders before opening and closing).
8 In der Versicherung gesagt von dem persönlichen Besuch eines Mitarbeiters (insurance agent, hat dieser auch Abschlussvollmacht: underwriting agent) bei einem (möglichen) Kunden (client).
9 Pflicht zur Verfügbarkeit am Arbeitsplatz auch nach der normalen Dienstzeit bei besonderen Anlässen (period of time after an entire day's work when one has to remain on the job), wie beispielsweise bei der Beratung wichtiger Kunden nach Geschäftsschluss oder bei der Beschaffung von Unterlagen für die in der Bank anwesenden Beamten der Aufsichtsbehörde.
– Siehe Cold Calling, Canvassing, Derivat, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Halter, Kaltaquise, Long Call, Nachschuss-Aufforderung, Option, Put, Rohstoff-Terminvertrag, Rückzahlung, vorzeitige, Short Call, Strip, Straddle.
Callagent, seltener auch Telephonansprechpartner (call-centre agent):
Mitarbeiter im Call Centre eines Instituts, der vornehmlich die telephonischen Anrufe zu dem jeweils fachlich zuständigen Angestellten (competent person) im Hause weiterleitet. - Der Call-Agent vertritt Stimme und Gesicht der Bank gegenüber dem Anrufer, sei es ein Kunde des Hauses oder ein "Erstkontakter" (caller who comes in first contact with the institute). Eine entscheidende Weichenstellung (pivotal decision, decisive turning point) wird durch ihn in jedem Fall vorgenommen. Daher setzten die Institute in diese Stellung heutzutage in der Regel gut ausgebildete und laufend weiter geschulte Mitarbeiter ein.
– Siehe Callback, Hotliner, Intensivstation, Kundenpfleger.
Callback (so auch zumeist im Deutschen gesagt; seltener Rückmeldung und Rückruf):
Bei einer Bank die Kontaktaufnahme mit einem Kunden, der eine Mitteilung - brieflich, telephonisch, einschliesslich einer Nachricht auf den Anrufbeantworter (answering machine), per E-Mail oder durch Kontakt mit dem Callagenten - an das Institut gerichtet hat. In der Regel wird dann mit dem Kunden durch einen Bankmitarbeiter aus der entsprechenden Abteilung Verbindung aufgenommen, der den Sachverhalt bereits zuvor durchgearbeitet hat (a qualified and informed bank employee), also nicht durch einen Callagenten (call-centre agent).
Call Centre, Call-Center, Callcentre und Callcenter (so auch im Deutschen und meist in der zweiten, im Amerikanischen üblichen Rechtschreibeform):
1 In Banken die organisatorisch zusammengefassten Dienste für die Kundschaft im Back-Office-Bereich, vor allem Telephon-Banking, fernmündliche Beratung durch Fachleute und Hotline (hotline; zentrale Anlaufstelle für eingehende Anfragen per Telephon oder E-Mail rund um die Produkte der Bank; einen dort Beschäftigten nennt man auch Callagent). - Für das Image der Bank ist ein gut eingerichtetes Call Centre von zunehmender Wichtigkeit. Daher versucht man, die den Kunden verärgernden langen Wartezeiten beim Wunsch auf persönlichen Kontakt zu minimieren. Da jedoch gerade in den Call Centres zwangsläufig breit und tief ausgebildete Mitarbeiter (Callagenten; call centre agents) eingesetzt werden müssen, so belastet dieser Dienst die Kostenrechnung der Institute unverhältnismässig stark. Der Einsatz eines Gatekeepers ist in manchen Fällen die kostengünstigere Lösung.
2 Selbständiger Dienstleister, der bei Banken - und bei Unternehmen überhaupt - in eigener Verantwortung und gemäss besonderem Vertrag Aufgaben wie vor allem
1. den Telephonüberlauf (telephonic overrun),
2. die Bedienung der Internethotline nach Geschäftsschluss sowie
3. auch andere Obliegenheiten der Kundenbetreuung (after-sales service, client management) übernimmt. Entsprechende Auslagerungsverträge der Institute bedürfen in Deutschland der Zustimmung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.
– Siehe Abwanderungsquote, Advance Letter, Aktivitätsanalyse, Akzessibilität, Auslagerung, Behördenmanagement, bankliches, Beziehungspflege, Call, Canvassing, Downsizing, Fernzugang, Intensivstation, Kundenabwehrdienst, Kundenbindung, Kundenpfleger, Outsourcing-Risiken, Scoring, Service Line, Verfügbarkeit.
Callgeld (call money):
Wenn nicht anders definiert, die Ausleihungen zwischen Instituten mit dem Recht, den Betrag jederzeit auf kurze Zeit - in der Regel 24 oder 48 Stunden - zu kündigen. Der Zinssatz wird in der Regel laufend den aktuellen Marktverhältnissen angepasst.
– Siehe Tagesgeld.
Call-Option seltener Bezugsoption (call option):
Die vertraglich Verpflichtung des Verkäufers, des Schreibers einer Option, den Basiswert an den Käufer bis zum Verfalltag zum Ausübungspreis zu verkaufen, unabhängig vom aktuellen Kurs des Basiswertes.
– Siehe Butterfly Spread, Call, Covered Call, Rohstoff-Terminvertrag, Option, digitale, Put-Option, Rohstoff-Terminvertrag.
Call-Option, gedeckte (covered call option):
Der Schreiber einer Call-Option verfügt über genügend frei verfügbare Basiswerte. Übersteigt der aktuelle Kurs des Basiswertes den Ausübungspreis, dann entgeht dem Schreiber die Gewinnmöglichkeit; denn er muss die Basiswerte dem Käufer zum Ausübungspreis liefern, und kann nicht zum höheren Marktwert verkaufen.
– Siehe Covered Call, Rohstoff-Terminvertrag, Unterwasser.
Call-Option, ungedeckte (uncovered call option):
Der Schreiber einer Call-Option verfügt nicht über die nötigen Basiswerte.
1 Bei Optionen mit physischer Lieferung entspricht das Verlustrisiko in diesem Fall der Preisdifferenz zwischen dem Ausübungspreis - den der Käufer der Option bezahlt - und dem Preis, den der Schreiber für die Beschaffung des Basiswertes bezahlen muss.
2 Bei Optionen mit Barabgeltung besteht das Verlustrisiko in der Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem Kurs des Basiswertes. - Weil der Kurs des Basiswertes den Ausübungspreis erheblich übersteigen kann, so ist bei ungedeckten Call-Optionen das Verlustrisiko nicht bestimmbar und theoretisch unbegrenzt. Besonders bei amerikanischen Optionen kann die Ausübung für den Schreiber zu einer sehr ungünstigen, verlustreichen Situation führen. Wenn dazu gar noch physische Lieferung geleistet werden muss, dann kann es ausserordentlich teuer oder gar unmöglich werden, den Basiswert zu beschaffen.
– Siehe Butterfly Spread, Rohstoff-Terminvertrag.
Call-Regel seltener Schlusspreis-Grundsatz (call rule):
An Warenbörsen die Vorschrift, dass der amtliche Angebotspreis für sofort lieferbare Gütern (Actuals, Kassenware) in der Höhe festgestellt wird, so wie er sich am Börsenende durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage herausstellt. Dieser Preis gilt dann bis zur Eröffnung einer neuen Börsensitzung (exchange regulation under which an official bid price for a cash commodity is established at the close of each day's trading; it holds until the next opening of the exchange).
– Siehe Actuals, Börse, Call, Commodity Fund, Rohstoff-Terminvertrag, Sentiment, Vertretbarkeit, Wertpapierbörse.
Calls for Advice (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Aufruf zur Hinweisgabe):
Wenn nicht anders definiert die von der Aufsichtsbehörde ausgesprochene Einladung an die zu Beaufsichtigten - Banken, Versicherungen - zur Mithilfe bei der Erarbeitung neuer prudentieller Bestimmungen. Durch entsprechende Auswirkungsstudien wird erreicht, dass
1. aufsichtsrechtliche Vorschriften praxisnahe (practice oriented) sind und
2. Vorschriften von den Betroffenen als sinnvoll, weil letztlich dem eigenen Geschäftsinteresse förderlich auch anerkannt werden; dazu
3. spart die Aufsichtsbehörde personelle Ressourcen (personnel resources), insofern die Beteiligten aus den Instituten Vorarbeiten (preliminary work) leisten.
– Siehe Aufsichtsgespräche, Capture-Theorie, Lamfalussy-Verfahren, Regelersteller, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.
Akronym (= Kurzwort aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter) für capital (Eigenkapitalausstattung), asset quality (Aktiva-Qualität), management soundness (Qualität des Managements), earnings and profitability (Ertragslage), liquidity (Liquidität) und sensitivity to markte risk (Marktrisiko). In Zusammenhang mit dem Gramm-Leach-Bliley-Gesetz (GLB Act) aus dem Jahre 2000 häufig gebrachte Abkürzung. - Von den Aufsichtsbehörden der USA werden Ratings von 1 bis 5 festgelegt. Gutgeführte Bankholdings müssen Ratings der Klasse 1 oder 2 für ihre CAMELS in der Konzernbilanz nachweisen.
– Siehe Community Reinvestment Act, Gutgeführt, Gutkapitalisiert, Sarbanes-Oxley Act.
Akronym (= Kurzwort aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter) als Bezeichnung für eine Anlagepolitik, die zumindest auf dem Aktienmarkt in der Vergangenheit den höchsten Gewinn gebracht haben soll. Dabei bedeutet: c = current earnings growth (Anstieg der Periodengewinne), a = annual earnings growth (Anstieg des Jahresgewinns), n = new products, new services, new management, new price highs (Neuerungen auf allen Gebieten), s = supply and demand (die aktuellen Verhältnisse auf dem Markt, in dem die Gesellschaft als Käufer und Verkäufer tätig ist), l = leader and laggard (ist das Unternehmen Pionier, Nachzügler oder gar Schlusslicht in seiner Branche), i = institutional sponsorship (bezieht das Unternehmen Aufträge seitens des Staates oder fliessen ihm Fördergelder irgend einer Form zu) sowie m = market (wie sind die langfristigen Aussichten auf dem Markt, in dem das Unternehmen tätig ist). - Mehrere der genannten Merkmale können selbst erfahrene Anleger nur schwer zu einschätzen. So sind beispielsweise die langfristigen Marktaussichten für ein Produkt (Substitute!) in der Regel kaum verlässlich zu ergründen.
Canvassing (so auch zumeist im Deutschen, sonst Kundenwerbung):
Bei einem Institut und einer Versicherung die methodisch zumeist äusserst genau ausgearbeiteten Massnahmen, um mit bis anhin noch nicht bekannten Privathaushalten oder Unternehmen in Geschäftsbeziehung zu treten.
– Siehe Advance Letter, Anruf-Ankündigung, Beziehungspflege, Blind Pool, Call, Call Centre, Cold Calling, Dampfstube, Frontrunning, Geheimtip, Internet-Angebote, Kaltaquise, Kundenmitnahme, Kundenpfleger, Mail Shot, Regenmacher, Schanghaiengeld.
Cap (so auch im Deutschen; seltener Deckel[ung]):
1 Allgemein die vertragliche Vereinbarung einer Zinsobergrenze beim Einsatz von Kapital. Wenn der Zinssatz diese Obergrenze überschreitet, so verharrt die Verzinsung auf dieser Grenzlinie (an option-like contract for which the buyer pays a fee or premium, to obtain protection against a rise in a particular interest rate above a certain level). Auf diese Weise kann sich der Emittent gegen das Risiko eines unerwartet ansteigenden Marktzinsatzes absichern.
2 Höchstzinssatz (interest cap; Zinsdeckel) bei einer Anleihe mit variablem Zinssatz, einem Floater (the upper limit on the interest rate on a floating-rate note).
3 Bei Zertifikaten der festgelegte Höchstbetrag, bis zu welchem der Anleger von einem Kursanstieg des Basiswertes (der Bezugsbasis; reference base) gewinnen kann.
4 Zinsausgleichsvereinbarungen (forward interest-rate agreements), die als eigenständiges Recht gehandelt werden. Der Käufer eines Cap ist bereit, eine Prämie dafür zu zahlen,
1. dass ihm der Verkäufer den Unterschied zwischen einem vereinbarten Zinssatz und
2. einem - näher beschriebenen, etwa: LIBOR) - Marktzins vergütet,
3. sobald der Marktzins den vereinbarten Zinssatz überschreitet. Damit kann sich der Käufer der Option gegenüber Zinssteigerungen absichern. Seine variabel verzinslichen Verpflichtungen werden bei Erreichen des vereinbarten Zinssatzes, des sog. Cap-Satzes, auf diese Weise zu einem Festzins.
– Der Verkäufer des Caps erhält für die Zinsausgleichsvereinbarung eine Prämie, die sog. Cap-Prämie. Wenn der Marktzins den Cap-Satz überschreitet, so kommt auf ihn eine Zahlungsverpflichtung zu (he buyer of a cap agreement pays a fee to the seller. In return, the seller will pay the buyer if a designated floating index rate is higher than a specified fixed rate on designated days. The seller pays nothing if the floating rate is below the fixed rate. - Buyers of cap agreements use them to hedge against rising interest rates, because payments to the buyer increase as rates rise). - Für Caps hat sich ein eigenständiges Segment auf dem Finanzmarkt herausgebildet.
– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Chooser Cap, Contingent Swap, Floor, Inflationsoptionen, Limit, Option, Sicherheitssperre, Spekulation, Stop-Auftrag, Zertifikat, Zinsderivate, Zinsoption, Zinsswap.
Capellengold (melting furnace gold):
In alten Dokumenten das in einem Schmelztiegel (crucible: a heat-resistant vessel used to melt ores, metals, and other materials.; früher im Deutschen auch Capelle und Chapelle genannt) gereinigtes, feines Gold.
– Siehe Edelmetalle, Feinheit, Wardein, Schmelzofen.
Cap-Hypothek und Zinsangleichhypothek (cap mortgage):
Vertrag, bei dem eine Hypothek zu veränderlichen Zinsen aufgenommen wird. In der Regel geschieht die Zinsanpassung vierteljährlich und richtet sich nach einem vereinbarten Referenzzinssatz, wie etwa dem EURIBOR. Im Jahr 2010 entfielen knapp fünfzehn Prozent der Hypothekarkredite in Deutschland auf Verträge mit variablen Zinsen, in den USA im gleichen Jahr zu etwa sechzig Prozent.
– Siehe Langfristkultur, Zinsoption.
Capital-Asset Pricing Model, CAPM (so auch im Deutschen gesagt):
Eine der Methoden, um die Beziehung zwischen Risiko und erwartetem Ertrag aus einer Anlage genauer vorauszuberechnen.
– Siehe Formeln, finanzmathematische, Modigliani-Miller-Theorem.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 57 f. (Erklärung).
Capital Group (so auch im Deutschen gesagt):
Wichtige Arbeitsgruppe des Basler Ausschusses. Sie ist vor allem mit dem engeren Anwendungsbereich von Basel-II befasst und hat zu diesem Zweck mehrere Untergruppen gebildet.
Capital Requirements Directive Transposition Group, CRD TG):
Von der EU-Kom¬mission im Sommer 2006 eingerichtete Auskunftsstelle mit Sitz in Brüssel. Ihr können Fragen in Bezug auf die praktische Umsetzung der im Zuge von Basel-II neu gefassten Bankenrichtlinie und der Kapital-Adäquanzrichtlinie vorgelegt werden.
– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 44 (Mitwirkung der nationalen Aufsichtsbehörden), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 123 ff. (Umsetzung der CRD; Auswirkungen auf die einzelnen Bereiche), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 98 f. (neue Capital Requirements Directive auf den Weg gebracht), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 63 ff., S. 137 f. (ausführlicher Bericht über die Fortschritte der CRD), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 99 f. (weitere gesetzgeberische Schritte), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 133 (Eigenkapitalrichtlinie und -Verordnung [CRD IV/CRR] der Europäischen Kommission), Jahresbericht 2012 der Bafin, S. 58 (laufende Arbeiten an CRD IV), S. 119 f. (Umsetzungsfragen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 57 ff. (allgemein zu Umsetzungsfragen), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 103 ff. (Inkrafttreten der neuen Anforderungen ab 1. Januar 2014; Vorstellung der einzelnen Bestimmungen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 69 ff. (Darlegung; Rechtliches).
Capped Note (so auch im Deutschen gesagt; seltener zinsoberbegrenzter Titel):
Ein Geldmarktpapier mit flexiblem, jedoch nach oben begrenztem Zinssatz. - Der Titel sichert dem Erwerber grundsätzlich eine hohe Verzinsung, schützt jedoch andererseits auch den Emittenten vor einem aussergewöhnlichen Zinsanstieg.
– Siehe Cap.
Captive Fund (so auch oft im Deutschen gesagt; seltener Fonds als Teil einer Finanzinstitution):
Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, deren Eigentümer eine Bank bzw. ein Finanzintermediär ist, oder die gar als Betriebseinheit einer monetären Finanzinstituts firmiert. - Im Gegensatz dazu steht der Independent Fund, der oft von einem unabhängigen Fondsmanager (promotor; Promoter) betreut wird.
– Siehe Auftragsfonds.
Captives (so auch im Deutschen gesagt; seltener unselbständige Versicherer):
Versicherungs-Unternehmen, die einem anderen Unternehmen oder zu einem Konzern gehören. Ihre Geschäftstätigkeit besteht diesfalls vorwiegend oder ausschliesslich darin, Risiken der beherrschenden Einheit (dominant entity) zu versichern.
– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 37 f. (Einspruch der BaFin gegen aufsichtsrechtliche Erleichterungen).
– Siehe Versicherung.
Capture-Theorie (so auch im Deutschen gesagt; seltener Vereinnahmungs-These):
Die Behauptung, dass jede marktregulierende Behörde (market regulation authority) früher oder später von der zu beaufsichtigenden Branche eingefangen werde und schliesslich mehr oder weniger deren besondere Interessen vertrete. In Bezug auf die Aufsicht über Finanzmärkte in entwickelten Volkswirtschaften ist diese Mutmassung kaum begründet, weil hier auch ein Heer von Finanzjournalisten in allen Medien sowie staatlich üppig geförderte Verbraucherverbände (state-subsidised and richly founded consumers' associations) das Marktgeschehen sehr aufmerksam verfolgen.
– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht, Ausschuss-Wahn, Banana Skins Survey, Beaufsichtigung, vollständige, Calls for Advice, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Moral Suasion, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Transparenzgrad.
Card Validation [daneben auch: Verification] Code, CVC2 [CVV2] (so auch im Deutschen gesagt; seltener Kartengültigkeitsprüfung):
Eine auf Kreditkarten aufgedruckte oder eingeprägte Prüfnummer. Sie hat den Zweck, die Nutzung gefälschter und gestohlener Kreditkarten einzuschränken. Das kann man dadurch, weil sich anhand der Prüfnummer durch den Ausgeber der Karte im Regelfall feststellen lässt, ob die Kreditkarte nachgemacht oder gesperrt ist.
– Siehe Ablehnung, Card Validation Code, Chipkarte, Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Geldautomaten-Sperre, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor.
Carl-Menger-Forschungspreis (Carl Menger research prize):
Im Januar 2014 von den Zentralbanken Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ausgesetztes Preisgeld von 20'000 EUR für hervorragende Arbeiten aus dem Gebiet der monetären Makroökonomie (monetary macro-economics: science wich is concerned with the effects of monetary institutions and policy actions on economic variables such as commodity prices, wages, interest rates, and quantities of employment, consumption, and production. As an area of research and teaching monetary economics often is merged with the related field of macro-finance and is then referred to as financial economics) oder der Finanzmarktstabilität. Die Preisträger dürfen zum Zeitpunkt der Verleihung das 45. Altersjahr noch nicht vollendet haben.
– Siehe ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Forschungsnetzwerk zur Inflationspersistenz und Preissetzungsverhalten, Geldverbrennung, Research Coordination Committee.
Carried Interest (so auch im Deutschen gesagt, seltener ausgeschütteter Gewinnanteil):
Die Gewinnausschüttung an das Management - als einzelne Personen oder als eine übergeordnete, oft bankbestimmte Vermögensverwaltung - bei einer Kapitalverwaltungsgesellschaft. In der Regel wird eine entsprechende Vergütung erst dann ausgeschüttet, wenn die Hurdle Rate, nämlich die vertraglich festgelegte Zahlung an die Fonds-Investoren, überschritten ist. Dadurch wird ein starker Anreiz auf das Management ausgelöst, Gewinne möglichst weit über der Hurdle Rate zu erwirtschaften.
– Siehe Basisvergütung, Bonus.
Carrying Amount (so auch im Deutschen gesagt; seltener Restbuchwert):
Gemäss IAS (16.6, 36.5) der Zeitwert eines Vermögensgegenstandes nach Berücksichtigung der Ab¬schreibungen, also der Bilanzwert.
– Siehe Bewertung, Buchwert, Fair Value, Marktwert, Option, Verkehrswert, Wertminderungsaufwand.
Carry Trades (so auch im Deutschen gesagt; manchmal Arbitrage-Strategen):
1 Kunden nehmen bei einem Institut - etwa einer Werksparkasse - zu niedrigem Zins ein Darlehn auf und legen den Betrag zu höherem Zins bei einer anderen Bank an; allgemein ein Zinsdifferenzgeschäft.
2 Im Besonderen: Anleger nehmen in einem Land mit niedrigen Zinsen auf die dortige Währung - etwa JPY - lautende Kredite auf, um mit diesem Geld hochverzinsliche (high interest bearing) Produkte in Fremdwährungen - etwa USD - zu kaufen. Solche Carry Trades setzten der Niedrigzinspolitik einer Zentralbank Grenzen. - Als im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise die US-Notenbank gleichsam zum Nullzins Liquidität in den Wirtschaftskreislauf scheuste, verschuldeten sich viele Marktteilnehmer und legten das aufgenommene Geld in höher rentierliche Anlagen (more profitable assets) in aller Welt an, auch in Unternehmensanleihen und in Aktien. Der auf diese Weise entstandene Verkaufsdruck auf den USD liess diesen schwächer werden und machte damit solche Spekulationsgeschäfte jetzt noch anziehender. - Grundsätzlich legen Carry Traders billig aufgenommenes Geld spekulativ an, vorzugsweise in Aktien, Waren und Immobilien. Sie stossen diese Anlagen aber erfahrungsgemäss sofort ab, wenn sich anderswo auf der Welt die Möglichkeit einer besseren Rendite zeigt. Es wird also Kapital nicht dauerhaft zum besten Wirt (most favourable allocation of scarce resources) gelenkt, sondern es sucht auf die kurze Frist eine hohe Rendite. Daher fordern manche, den Zinsdifferenzgeschäften durch entsprechende Mittel - wie vor allem Kapitalverkehrskontrollen - entgegenzuwirken. - Gefährlich wird es, wenn das durch den Aufbau von währungsbezogenen Carry-Trade-Positionen aufgestaute Rückschlagspotential (flyback potential) sich plötzlich entlädt; die Carry Traders also hastig von einer Währung in die andere umsteigen. Das vermag heftige Wechselkursschwankungen (extreme exchange-rate fluctuations) mit weitreichenden Folgen für den Aussenhandel und damit auf die Volkswirtschaft gesamthaft auszulösen.
– Siehe Arbitrage, Bardepot, Chasing Winners, Dreijahrestender, Geld, billiges, Geldtransformation, räumliche, Geldüberversorgung, Geld, heisses, Kapitalverkehrskontrolle, MSCI-Index, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Quantitative Easing, Renditejagd, Repression, finanzielle, Tarnkappen-Politik, Zinsanreiz, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 43 ff. (Erläuterung der Strategien; Schaubild über sieben Jahre; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2007, S. 32 f. (Renditenvergleich von Carry Trading und Currency Futures), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 101 ff. (Carry Trades-Aktivitäten seit 2004 durchleuchtet; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 41: Übersicht zu währungsbezogenen Carry Trades), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 18 f. (wechselkursbestimmte Transaktionen: Literaturhinweise).
Cash Accounting (ebenso im Deutschen; manchmal auch Actual Receipts Method):
Die Erfassung aller Geschäftsvorfälle (commercial transactions) geschieht zum Zeitpunkt der Zahlung, und die Gutschrift bzw. Belastung erfolgt in der Rechnungsperiode, in welcher die Zahlung einging (method of accounting in which income and expense items are recorded and recognised when cash is received or disbursed).
– Siehe Accrual-Prinzip, Ausschüttungs-Prinzip, Bewertbarkeit, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, Erfassung, Zinsänderungsvorbehalt.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 34 f. (S. 35 Übersicht der Auswirkung der jeweiligen Berechnungsart auf die Zahlungsbilanz).
Cash and Carry (so auch im Deutschen gesagt; seltener Barkauf-Terminverkauf-Geschäft):
Auf dem Finanzmarkt der Kauf eines Wertpapiers jetzt, und gleichzeitig der Verkauf eines entsprechenden Titels per Termin. Der nötige Ausgleich wird durch einen Kredit finanziert (purchase of a security and simultaneous sale of a future, with the balance being financed with a loan).
Cash-Back-Verfahren (cash-back process; seltener [unschön] ausserbankliche Bargeldabgabe):
Wenn nicht anders definiert (Vorsicht: mit "cash back" werden leider vielerlei unterschiedliche Dinge benannt!) die Möglichkeit, dass man an der Kasse eines Unternehmens - etwa am Kassentisch des Supermarktes (cash desk of the supermarket) oder der Tankstelle, aber auch am Fahrkartenschalter der Bahn (CH: Billettschalter; ticket counter, booking office, ticket window) oder an der Theaterkasse (theatre box office) - gegen Scheck oder Karte auch Bargeld erhalten kann. In Deutschland war dies zu Jahresbeginn 2010 nach Erhebungen der Deutschen Bundesbank noch selten. Fachleute räumen aber dieser Art der Bargeldversorgung (cash supply) eine wachsende Bedeutung für die Zukunft ein.
– Siehe Bargeldmanagement.
Cash crop (so auch im Deutschen gesagt, seltener Handelspflanzen):
1 Landwirtschaftliche Ernten, welche dem Markt zum Verkauf zugeführt werden; im Unterschied zur Erzeugung, die im Agrarbetrieb selbst zum Eigenbedarf verbraucht oder zur Fütterung der Tiere verwendet wird (crop which is sold for money; the term is used to differentiate from crops that are not sold, such as fed to livestock or appropriated as nourishment for the producer's family and workforce).
2 Massenweise und zum Verkauf - in der Regel zum Export - bestimmte landwirtschaftliche Waren, wie beispielsweise Getreide, Kaffee, Kakao oder Bananen. - Weil nun aber der Konsum letztlich das Ziel aller wirtschaftlichen Tätigkeit ist - denn alle Menschen sind ständig und wiederholt auf Nahrungsaufnahme zur Erhaltung des Lebens angewiesen -, so nehmen die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse eine bedeutende Rolle in jeder Volkswirtschaft ein.
– Siehe Agrarpolitik, Agrarrohstoffe, Biotreibstoffe, Inflationserwartungen, Kerninflation, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Milchprodukte, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Stabilisierungsfonds, Zweitrunden-Effekt.
Cash Electronic Data Interchange, CashEDI:
Ein von der Deutschen Bundesbank 2007 eingeführtes Verfahren zum elektronischen Austausch von Daten im Rahmen des Bargeldverkehrs. Es umfasst die Einreichung von Einzahlungs-Avisen und die Bargeldbestellung bei der Bundesbank.
– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 107 (Vorstellung des Verfahrens).
Cashflow und Cash Flow (so zumeist auch im Deutschen gesagt; mitunter auch Geldfluss, Kapitalfluss und Zahlungsstrom):
Wenn nicht ausdrücklich anders definiert
1. der Netto-Zufluss an Geld, näherhin Einnahmen aus Umsatz und sonstigen laufenden Aktivitäten abzüglich aller Kosten,
2. in ein Unternehmen
3. innert einer bestimmten Wirtschaftsperiode.
– Der Cash Flow gilt als eine wichtige Kennziffer zur Beurteilung der finanziellen Situation eines Unternehmens, vor allem im Rahmen des Ratings. Seine genaue Berechnung wirft freilich eine Reihe von Schwierigkeiten auf, wie beispielsweise Periodenabgrenzung oder allfällige Änderung der Lagerbestände. - Andererseits wird der Cashflow im Normalfall - das heisst: unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten bei dem Unternehmen, in der Branche oder auf dem Markt - als zuverlässigerer Masstab für die Ertragskraft eines Unternehmens angesehen als der Gewinn. Denn die Gewinnermittlung ist bewertungsabhängig (valuation-dependent), etwa durch übervorsichtige Abschreibungen, Rückstellungen usw. Der Cashflow hingegen knüpft an Zahlungen und nicht an Bewertungen an. - Unterschieden wird oft zwischen
1. Operating Cashflow: Zufluss aus dem operativen Geschäft,
2. Investing Cashflow: Zufluss aus dem Beteiligungsbereich und
3. Financing Cashflow: Zufluss aus dem Finanzierungsbereich.
– Siehe EBITDA, Free Cash flow, Finanzstrom, Geldkuh, Gewinn, operativer, Kapitalflussrechnung, Kernerträge, Kosteneffizienz, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Timeline, Zinsrisiko.
Cash-Flow-Effekt und Zins-Konsum-Wirkung (cashflow effect):
Erhöhen sich die Zinsen, dann steigen auch die Zinseinnahmen der Gläubiger. Sinken andererseits die Zinsen, so werden Kreditnehmer mehr Geld für Konsumzwecke zur Verfügung haben. Weil aber empirisch nachweisbar die Ausgabeneigung (propensity to buy) der Gläubiger geringer ist als jene der Schuldner, so wird bei einer Zinserhöhung eine dämpfende Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ausgehen. Bei einer Senkung der Zinsen entsteht jedoch eine für die Nachfrage belebende Wirkung (demand-stimulating effect).
– Siehe Kapitalkosten-Effekt, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Zinssatz, realer.
Cash Flow Hedge (so auch im Deutschen gesagt, seltener Zahlungsströme-Absicherung):
Hedge-Geschäfte, die auf die Sicherung künftiger Zahlungsströme aus einem Grundgeschäft abzielen. Von den Aufsichtsbehörden wurden für solche Verträge besondere Vorschriften hinsichtlich der Rechnungslegung erlassen.
– Siehe Hedge-Geschäft, Fair Value Hedge.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2002, S. 47 ff. .
Cash-Flow-Variable (cash flow ratio):
Wenn nicht anders definiert das Verhältnis der Mittelzuflüsse aus laufender Geschäftstätigkeit, der Operating Cashflow, zu den Gesamtaktiva eines Unternehmens.
– Siehe Cashflow.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 71 (Übersicht der Cash-Flow-Variablen; Beziehung zur Investition).
Cash-Management (so auch im Deutschen gesagt; seltener Zahlungsorganisation):
1 Die planvolle Sicherung der Liquidität in einem Unternehmen als Teil der Finanzplanung.
2 Die durch Vertrag geregelte Abwicklung des Zahlungsverkehrs eines Unternehmens durch eine Bank. Ziel eines entsprechenden Abkommens ist in erster Linie,
1. die Liquiditätshaltung der Firma genau vorauszuberechnen,
2. den Zinsertrag zu maximieren und
3. das Kursrisiko bei Geschäften mit Fremdwährung (xeno currency) zu minimieren.
– Siehe Balance Reporting, Bargeld lacht, Barmittelquote, Cash Pooling, Controlling, finanzielles, Finanzplanung, Liquidität, optimale, Liquiditätsmanagement, Pooling, Unterliquidität.
Cash Pooling (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Bargeldzusammenlegung):
Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Ausgleich der Bargeldbestände innert eines Konzerns. Diese werden am Tagesende von den Konten der Konzernunternehmen in ein gemeinsames Konto, in einen Pool (pool: a fund containing all the money in the boxes of the group-affiliated firms) bei der Konzernleitung überführt. Aus diesem Pool deckt man zunächst Liquiditätslücken von Konzernunternehmen. Der verbleibende Betrag an Bargeld wird kurzfristig bestmöglich angelegt. - Cash Pools grosser, weltweit tätiger Konzerne sind bedeutende Nachfrager von Geldmarktfonds und anderer Einrichtungen im Schattenbankbereich. - Cash Pooling ermöglicht eine gewisse Unabhängigkeit von Banken und mindert damit die Gefahr von Beschränkungen beim Zugang zu Kapital für einzelne Konzernunternehmen.
– Siehe Bonitätsverschlechterung, konzernbedingte, Finanzplanung, Liquidität, optimale, Selbstfinanzierung.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 23 (Cash Pools als konzerninterne Finanzzentren; Anm. 31: Cash Pools und Schattenbanken).
Cash-Sweep-Vereinbarung und Schuldentilgungsklausel (cash-sweep agreement):
Die vertragliche Verpflichtung eines Unternehmens - in der Regel bezogen auf eine Zielgesellschaft im Rahmen eines Leveraged Buy-out -, dass jeder Nettozufluss an Geld, der Cashflow, zunächst dazu verwendet werden muss, um bestehende Verbindlichkeiten abzutragen.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 21 f. (Auswirkungen auf das Risikoprofil).
Cassis-de-Dijon-Urteil (Cassis-de-Dijon decision):
Grundsätzliches Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaften (EuGH) in Luxemburg vom 20. Februar 1979, wonach der Vertrag über die Europäische Gemeinschaft (EGV; mit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags am 1. Dezember 2009 umbenannt in "Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, AEUV") implizit die gegenseitige Anerkennung der nationalen Gesetze enthält. Die vollständige Harmonisierung ist somit keine Vorbedingung für die Errichtung des Europäischen Binnenmarktes. - Daraus ist zu folgern, dass eine Vollharmonisierung der einzelstaatlichen Regelungen auch auf den Finanzmärkten, einschliesslich des Aufsichtsrechts, keine unerlässliche Voraussetzung für einen einheitlichen europäischen Finanzmarkt sein muss. Dies führte in der Folge dazu, dass es in Bezug auf die Finanzmärkte und Aufsicht zu immer engerer Kooperation zwischen den beteiligten Behörden kam, die sich in vielen Ausschüssen niederschlägt. - Auslöser des Cassis-de-Dijon Urteils war die Einfuhr eines Johannisbeer-Likörs (Cassis) durch die deutsche Handelsgruppe Rewe. Die deutsche Bundesmonopolverwaltung für Branntwein mit Sitz in Frankfurt am Main verbot Rewe den weiteren Import und Verkauf, weil der Alkoholgehalt von 16 bis 22 Volumenprozent nicht dem vom deutschen Branntweinmonopolgesetz geforderten Alkoholgehalt für Liköre von 25 Prozent entspreche. Dagegen klagte die Handelskette Rewe; und der EuGH stellte in seinem wegweisenden Urteil klar,
1. dass dieses Verbot nicht mit der Warenverkehrsfreiheit (free movement of goods) nach Artikel 23 EGV (jetzt Artikel 28 AEUV) vereinbar sei und
2. dass überhaupt "jede einzelstaatliche Regelung, die geeignet ist, den Handel in der Gemeinschaft unmittelbar oder mittelbar, gegenwärtig oder potentiell zu behindern" unzulässig ist (sog. "Dassonville-Formel", aus einem Urteil des EuGH vom Jahr 1974).
– Siehe Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges, Spill-over-Effekt.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 43.
Cavage (cellar storage fee, cellerage):
In älteren Dokumenten die Gebühr für die Einlagerung von Handelswaren in einen Vorratsraum allgemein und in ein Kellergewölbe im Besonderen (charge for storage in a cellar).
Cavata und Cavate (return on sale of a bill, amount realised by selling a bill of exchange):
In älteren Dokumenten der Betrag, der mit einem Wechsel beim Verkauf bzw. bei Einreichung zum Diskont - im Falle von Fremdwährung (xeno currency) zum geltenden Kurs - zu erzielen ist.
CDO-Krise (CDO crisis):
Im Wirtschaftsjournalismus verbreitete Bezeichnung für die im Sommer 2007 ausgebrochene Subprime-Krise, weil Collateralised Debt Obligations (CDOs) zumindest die auslösende Ursache dieser Turbulenzen auf dem Finanzmarkt waren.
– Siehe Finanzkrise, Verbriefung.
CRD-IV-Paket (CRD-IV package):
Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Kapitaladäquanz-Richtlinie (CRD) und die Vorschriften über die Eigenkapitalanforderungen (CRR) im Zuge von Basel-III.
– Siehe Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Capital Requirements Directive Transposition Group, Regelwerk, einheitliches, Trilog-Verfahren.
– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S: 58 (Erläuterung des kombinierten EU-Richtlinien- und Verordnungsvorschlags; Harmonisierungsbemühungen; Zeitplan), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 58 f. (neben den Mitgliedsstaaten der EU wollen auch die USA, Brasilien,, Indonesien, Korea und Russland das Paket übernehmen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 69 ff. (Darlegung; Rechtliches).
CEBS-Untergruppe zur operationalen Netzwerken für grenzüberschreitend tätige Bankengruppen (CEBS-Subgroup on Operational Networks, SON):
Gremium des Ausschusses der Europäischen Bankenaufsichtsbehörden (CEBS) mit der Hauptaufgabe, eine möglichst einheitliche Anwendung aufsichtlicher Bestimmungen bei europaweit tätigen Banken zu erreichen. Das Gremium versteht sich als Schnittstelle zwischen den Aufsichtsbehörden und den Banken.
– Siehe Analyserahmen, gemeinsamer, Bankenaufsicht, europäische, Three Level three Committees.
– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 68 f. (Aufgabenbeschreibung; Supervisory Colleges), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 103 ff. (Fortschritte in der internationalen Zusammenarbeit), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 114 f. (weitere Schritte).
Central Application for Registered Shares Online, CARGO:
In Deutschland ein System zur zentralen Verwahrung von Wertpapieren mittels einer variablen Globalurkunde pro Emission, die bei der Deutsche Börse AG fortlaufend an den verwahrten Bestand angepasst wird. Dividendenzahlungen und allfällige Kapitalveränderungen können somit vereinfacht durchgeführt werden.
Centre of Excellence, CoE (so auch im Deutschen; hier zumeist statt "centre", dem Amerikanischen folgend, "center" geschrieben; manchmal auch Kompetenzzentrum):
1 Allgemein eine Stätte besonderer Leistungserbringung, wie eine Eliteschule (elite school) oder ein Spitzenforschungs-Institut; wobei es keine Regeln gibt, wer sich so nennen darf.
2 Auf dem Finanzsektor wenn nicht anders definiert eine Bankfiliale, meistens im Ausland, in welcher
1. die Geschäftsbereiche (business areas) des betreffenden Instituts gesamthaft vertreten sind, und
2. jeder der eigens dafür ausgebildeten Mitarbeiter über die bestehenden - und bei grösseren Banken faktisch oft stark voneinander getrennten - organisatorischen Geschäftsbereiche wie etwa: Kontoführung, Kredite, Wertpapiere, Vermögensverwaltung hinweg denken und handeln kann.
– Solche Filialen sind oft der Ausgangspunkt für die Durchdringung eines Landes mit einem Filialnetz der betreffenden Bank.
– Siehe Absorptionsfähigkeit, Algorithmic Trading, Diversity and Inclusion, One-Bank-Delivery, Kompetenz-Zentrum.
Centre Policy und Center Policy (so auch im Deutschen; seltener Grundsatzrichtlinien):
Bei einem Institut - weniger auch von einer Zentralbank gesagt - die Leitlinien der Geschäftsführung für das Institut gesamthaft oder für einzelne Bereiche, wie etwa Regelungen für das Wertpapiergeschäft oder Richtlinien über den Umgang mit faulen Kunden.
Cerozensual (person liable to candle wax):
In alten Dokumenten eine Person, welche der Fron (soccage, duty) unterliegt, an den Altar einer Kirche eine jährliche Menge an (Bienen)Wachs zu liefern bzw. nach Ablösung der Fron eine entsprechende Summe zu bezahlen.
– Siehe Befreiungsgeld, Dispensationsgeld, Detz, Ehrenfahrtgeld, Erlösung, Frongeld, Jagdgeld, Hundegeld, Kalbgeld, Küchengeld, Kuhgeld, Kurmutgeld, Naturalabgabe, Roggengeld.
Champion, nationaler (national champion):
In Bezug auf den Finanzmarkt entweder
1. die grösste Bank oder
2. die umsatzstärkste Börse in einem Land.
– Dabei gilt es in Bezug auf Banken zu berücksichtigen, dass in Zeiten der finanziellen Globalisierung ein nationaler Champion nicht unbedingt im Inland bleiben muss. Die Zuwendung auf ausländische Finanzmärkte kann durch Rentabilitätsüberlegungen ratsam oder durch die Zusammensetzung der Aktionäre erzwungen werden.
– Siehe Bankfusionen, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Entlassungs-Produktivität, Outsourcing, Staatsfonds.
Charadsch (charadsch):
Ursprünglich eine im islamischen Herrschaftsbereich von nicht-muslimischen Untertanen zu entrichtende Steuer; dann in der älteren Literatur oft allgemein für eine Abgabe gesagt.
– Siehe Bewachungsgeld, Detz, Harai, Schutzgeld, Toleranzgeld.
Charisterium (offering in an emergency):
In der alten Kirche eine Abgabe, die Bischöfe in Fällen besonderer Not von den Ortsgemeinden erbaten.
– Siehe Dispensationsgeld, Kirch¬geld, Klingelmeister, Obvention, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Platzgeld, Prokurationsgeld, Seminargeld.
Charts (so auch im Deutschen gesagt; seltener Kursdiagramme):
Schaubilder in Kurvenform zur Verdeutlichung der Kursentwicklung eines Wertes - Währung, Wertpapiere, Waren, Terminkontrakte - an der Börse. Manche Analysten (chartists; "Chartisten") leiten aus solchen Diagrammen und zumeist unter Berücksichtigung auch anderer Faktoren Kursprognosen (price forecasts) ab.
– Siehe Analyse, technische, Astro-Prognose, Bollinger Bänder, Fibonacci-Folge, Fortschritt-Rückschritt-Zahl, Histogramm, Kartierung, Investment Research, Modellunsicherheit, Random-Walk-Hypothese, Sparsamkeitsregel, Strichdiagramm, Vorhersagetauglichkeit.
Charts Topper (so auch im Deutschen gesagt; seltener Spitzenreiter):
Ein in anhaltendem Kursanstieg (long-term upturn) befindliches Papier oder Vermögenswert.
Chasing Winners (so auch im Deutschen gesagt, seltener Gewinnjäger):
Anleger auf Finanzmärkten - und hier wieder besonders an Aktienbörsen -, die
1. gerade im Aufwind liegende Papiere kaufen und
2. zwecks Gewinnmitnahme (profit-taking) bei günstiger Gelegenheit wieder verkaufen,
3. ohne die jeweiligen Grunddaten ("fundamentals" wie Vermögen, Gewinn, Stellung im Markt, künftige Absatzaussichten) zu kennen bzw. ohne diese zu berücksichtigen.
– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Carry Trades, Daytrading, Devisenhandel, computerisierter, Milchmädchen-Hausse, Scalper.
Chausseegeld auch Wegegeld und in älteren Dokumenten Barrage und Péage (turnpike toll):
In früherer Zeit eine von Fuhrwerken in Bargeld sofort zu entrichtende Abgabe für die Nutzung bestimmter Strassen, der heutigen Maut vergleichbar. Das Chausseegeld floss in der Regel der Landeskasse zum Zweck des Neubaus und der Unterhaltung der Strassen zu. An den gebührenpflichtigen Strassen (chargeable streets) waren zur Einkassierung dieser Abgabe Schlagbäume (turnpikes: movable barriers set across a road to prevent passage until a toll had been paid) und Einnehmer-Häuschen (toll houses, also known as toll booths) angelegt. Die Postkutschen rechneten das jeweils zu entrichtende Chausseegeld, zusammen mit dem Brückengeld, Furtgeld, Schmiergeld und Torgeld, in die Taxe ein. - Manchmal wird zwischen Chausseegeld einerseits und Wegegeld andererseits unterschieden. Danach ist
1. das Wegegeld eine Abgabe für die Erlaubnis, eine Strasse zu nutzen; Inhaber eines Freibriefs (carte blanche: eine landesherrliche Urkunde, durch die in früherer Zeit einer Person bestimmte Vorrechte verliehen wurden, und der Inhaber des Freibriefs daher eine Ausnahmestellung genoss) blieben daher von dieser Gebühr ausgenommen, sie war mit dem bezahlten Permissionsgeld abgegolten. Demgegenüber ist
2. das Chausseegeld einen Zahlung zum Unterhalt der Strasse (fee to help recuperate road maintenance).
– Siehe Baumgeld, Citymaut, Dammzoll, Dieselgeld, Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld, Geleitgeld, Krangeld, Maut, Mautgeld, Permissionsgeld, Schirmgeld, Schutzgeld, Transitgeld, Ungeld, Vignette, Wägegeld, Wartegeld.
Chicago-Plan (Chicago Plan):
Der in den dreissiger Jahren des 20. Jht. an der Universität von Chicago (Bundesstaat Illinois, USA) erörterte Vorschlag, die Geldschöpfung der Banken zu verbannen und ausschliesslich Vollgeld zuzulassen. Man glaubte, dass durch Banken vergebene Darlehn leicht zu krisenhaften Entwicklungen in der Volkswirtschaft gesamthaft führen und diese in eine Depression leiten könnten. - Bis heute wird der Chicago-Plan von den Einen als die Lösung aller ökonomischen Probleme schlechthin empfohlen. Andere sehen in der vollständigen Umgestaltung (radical alteration) der jetzigen Zustände eher Nachteile. Im Grunde dreht sich der Streit um die Frage, wie die knappen Mittel - und hier das Geld als Anspruch auf diese - dem besten Wirt zugeführt werden können (could find the way to the most effective production).
– Siehe Free Banking, Geld, privates.
Chief Copying Officer, CCO (so auch im Deutschen, daneben Kopienhamster):
Im Jargon der Institute ein Kollege, der von allem, was auf seinem Schreibtisch landet, eine Ablichtung anfertigt und diese schubladisiert (a colleague who duplicates whichever document coming on his work desk and retains it in his drawer).
– Siehe Airbag, Aktenschänder, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Behavioural Branding, Druckbelegschaft, Käserei, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.
Chief Risk Officer, CRO (so auch im Deutschen):
Dem Aktuar bei einer Versicherung vergleichbare Person, die für die Umsetzung der risikopolitischen Leitlinien einer Bank verantwortlich ist. Der CRO unterrichtet laufend den Vorstand des Instituts sowie den heute bei den meisten Banken innert des Aufsichtsrats eingerichteten Risikoausschuss über die Gesamtrisikolage.
– Siehe Steuerung, institutsinterne.
– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 98 (aufsichtliche Leitlinien für die Aufgaben des CRO).
China-Euphorie (China euphoria):
Das sehr starke Engagement von Banken und Fonds auf dem chinesischen Binnenmarkt seit etwa 1995. Viele Kredite werden als rein spekulativ und daher mit hohem Risiko behaftet eingeschätzt, zumal der längerfristige Altersquotient in China - im Gegensatz etwa zu Indien - jenem in Europa gleichzusetzen ist.
– Siehe Chinesisierung.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 37 ff. (detaillierte Darstellung aller ökonomischen Beziehungen Deutschland/China; Aussichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Aussenhandel der EWU; Übersichten; S. 16 f.: aktuelle Lage in China), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 20 ff. (Lage der chinesischen Wirtschaft; Übersichten, Prognose), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2013, S. 50 ff. (Analyse der deutschen Warenexporte nach China; Entwicklungslinien), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 17 ff. (Potentialwachstum in China; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 91 ff. (Internationalisierung der chinesischen Währung; ausführlich Darstellung; viele Übersichten).
China-Währung (China monetary system):
Die chinesische Währung Renminbi Yuan wird seit Juli 2005 in ihrem Aussenwert innert bestimmter Bandbreiten an einen Währungskorb angepasst.
– Siehe Wechselkurs.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 21 (dort Einzelheiten der Berechnung), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 78 f. (hier auch Angaben zu anderen asiatischen Staaten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 91 ff. (Internationalisierung der chinesischen Währung; ausführlich Darstellung; viele Übersichten).
Chinese Wall (so auch meistens im Deutschen; die Übersetzung Informationsbarriere ist seltener geworden):
Die von den Aufsichtsbehörden vorgeschriebene funktionale und/oder räumliche Trennung von Vertraulichkeitsbereichen in Wertpapier-Dienstleis¬tungs-Unternehmen. Die bereichsüberschreitende Weitergabe von Informationen (Wall Crossing) und die Einschaltung von Mitarbeitern aus anderen Bereichen ist nur statthaft, wenn sich die Informationsweitergabe auf das erforderliche Mass beschränkt (Need-to-know-Prinzip).
– Siehe Abschottung, Bankenaufsicht, europäische, Banker-Stammtisch, Banking, begrenztes, Compliance, Corporate Governance, Flurfunk, Insider, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Nominee, Offenlegungspflicht, Organkredite, System Securities Watch Application (SWAP), Silodenken, Verhaltenskodex, Wall Crossing.
– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 (hier: Trennung von hauseigenen Analysten und Emissionsgeschäft bei Börseneinführungen) und der jeweilige Jahresbericht der BaFin.
Chinesisierung (chinesisation):
Nach 2005 aufgekommene Bezeichnung für den Sachverhalt, dass die deutsche (Export)Wirtschaft
1. immer mehr vom Handel mit China abhängt,
2. in Zukunft China auch zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands werde und
3. dies vielfältige Auswirkungen auch auf den Finanzmarkt habe.
– Ob dies tatsächlich eintrifft, ist bestritten. Jedenfalls waren im Jahr 2013 Frankreich, die Niederlande und die USA immer noch die wichtigsten Handelspartner Deutschlands; erst dann folgt China.
– Siehe China-Euphorie.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Aussenhandel der EWU; Übersichten; S. 16 f.: aktuelle Lage in China), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 17 ff. (Potentialwachstum in China; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 91 ff. (Internationalisierung der chinesischen Währung; ausführlich Darstellung; viele Übersichten).
Chinn-Ito-Index (Chinn-Ito index, Chinn-Ito financial openness variable):
Weitläufige Formel zur Errechnung der Liberalisierung des Kapitalverkehrs (deregulation of capital transactions) auf dem Finanzmarkt.
– Siehe Offenheitsgrad.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 18 ff. (Verlauf des Chinn-Ito-Index; Übersicht).
Chipkarte (chip card, IC [= integrated circuit] card, smart card):
1. Einen Chip (chip: dünnes Halbleiterplättchen, meist aus einer Silizium-Kristallscheibe [Wafer] bestehend, auf dem sich eine integrierte Schaltung oder ein System integrierter Schaltkreise [integrated circuits] mit mikroelektronischen Bau- und Schaltelementen befinden) enthaltende und damit
2. programmierbare Kunststoffkarte für den E-Geld-Verkehr sowie auch für die Bedienung von Zugangskontrollsystemen oder als Versichertenkarte. - Als Substitut für Bargeld von Bedeutung, da die Chipkarte
3. aufgeladen (reloaded) und
4. durch Kartenleser (card reader) zur Bezahlung verwendet werden kann. Eine den Verkehr mit Chipkarten belastende Schwierigkeit bleibt das Einschleusen gefälschter und verfälschter Stücke.
– Siehe Ablehnung, Card Validation Code, Computerzahlung, Counterfeit Card, EMV-Richtschnur, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Fälschungssicherung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Geldpassage, Interoptabilität, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Rahmenwerk für das Europäische Kartengeschäft, Skimming, Smartkarte, Ticketing, elektronisches, Zahlungskarte.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (derzeitiger Stand bei Chipkarten; künftige Entwicklung; wichtige Übersichten).
Chooser Cap (so auch im Deutschen gesagt; seltener Wahldeckel[ung]):
Vertragliche Vereinbarung einer Zinsobergrenze, in Europa meistens bezogen auf den Sechsmonats-EURIBOR. Im Unterschied zum normalen Cap wird aber nur ein Teil der zukünftigen Zinsperioden in Form von einzelnen Caplets (= Teilperioden eines Cap) abgesichert. Der Käufer entscheidet während der Laufzeit, ob in der jeweiligen Zinsperiode die Sicherung in Anspruch nehmen möchte oder nicht. - Die Absicherungskosten sind hier deutlich geringer, da nicht alle zukünftigen Zinsperioden abgesichert sind. Der Käufer ist über die Laufzeit flexibel abgesichert, d.h. er kann an jedem Rollover-Termin über die Ausübung der Option entscheiden. Dies ist günstig vor allem im Falle einer knappen Überschreitung der Zinsobergrenze.
– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Bundeswertpapiere, Contingent Swap, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Floor, Option, Sicherheitssperre, Spekulation, Zinsderivate, Zinsoption.
Chorgeld auch Kantoreigeld (church choir fee):
Im kirchlichen Bereich eine teilweise bis heute übliche Zahlung an die Mitglieder einer Gesangsgruppe (Kirchenchor; church choir, Kantorei; chauntry), die
1. Musikstücke wie Choräle, Kantaten und Oratorien aufführt,
2. im Gottesdienst Lieder abwechselnd mit der Gemeinde singt und
3. vor allem in katholischen und lutherischen Gemeinden Teile des liturgischen Wechselgesangs (Antiphon; antiphon: a verse, prayer, or song to be vocalised or sung in response) übernimmt.
– Siehe Instrumentengeld, Musikgeld.
Chremagogik (chremagogics):
Die Kunst der planmässigen, zielgerichteten Belehrung darüber, wie mit Geld bzw. Reichtum zum persönlichen Nutzen einer Person umzugehen ist; mit anderen Worten die praktische, angewandte Chrematonomie. - Es wurde behauptet, der Chremagogik bedürfe es nicht. Denn jeder Mensch lerne im gesellschaftlichen Verband von kleinauf (in his earliest socialisation; "Primärsozialisation" in highbrow German), wie man sich dem Geld gegenüber zu verhalten habe. Indessen zeigt die Erfahrung mit Glücksspiel-Millionären (individuals hitting a jackpot and such turned into abundance overnight) nachdrücklich, dass auch viele Erwachsene solcher Anweisungen dringend bedürfen. In auffallend vielen Fällen (in remarkable many cases) waren die plötzlich Reichgewordenen nach kurzer Zeit wieder in Armut versunken; ja nicht wenige häuften sogar Schulden an. - Auch die Finanzpsychologie betont die Notwendigkeit der Chremagogik und weist sie in der Regel der Wirtschaftspädagogik (Business and Economics Education) als Teilgebiet zu. Diese lehrt, wie Menschen in Bezug auf die Anforderungen in den ökonomischen Gestaltungsräumen sowie in den dort anstehenden Entscheidungsfragen herangebildet und befähigt werden können.
– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Allmacht-Doktrin, Argyromanie, Geiz, Geldethik, Geldeuropäer, Geldfunktionen, Geldhai, Chrysokratie, Geiz, Geldglaube, Geldraffer, Geldstolz, Geldtheologie, Geldverkettung, Geldversessenheit, Habsucht, Harpax, Mammon, Pantheismus, monetärer, Plutokratie, Polyplusius, Reichtum, Sparsamkeit.
Chremaphobie (chremaphobia):
Die einem Menschen anhaftende Furcht vor Geld. Dieses wird als gefahrvoll, bedrohlich und unheilbringend für die eigene Person eingeschätzt. Erklärt findet sich diese Haltung
1. von der Geldpsychologie durch fehlende oder falsche Anleitung zum Geldgebrauch in der Früherziehung (Primärsozialisation; earliest education) oder durch spätere Erlebnisse, bei denen bittere schicksalhafte Eingriffe in das eigene Leben mit dem Geld in Zusammenhang gebracht bzw. diesem ursächlich zugeschrieben werden
2. von der Religionspsychologie (psychology of religion) in der Gleichsetzung von Geld mit dem Bösen schlechthin, als Verteufelung (demonisation) des Geldes und
3. von psychoanalytischen Schulen (pschoanalytic groups) allgemein durch Verschiebung einer inneren Triebgefahr auf einen Ersatzgegenstand (Triebabwehr; diversion of urges), hier auf das Geld.
– Siehe Argyromanie, Chrematonomie, Europhobie, Finanzasophie, Geldangst, Geldabschaffung, Geldbewusstsein, Geldethik, Geldeuropäer, Geldnutzen, Geldsoziologie.
Chrematologie auch Chrematistik (chrematistics):
1 In älteren Dokumenten die Geldlehre (griechisch: chrema = das Geld); heute teilweise noch in Literatenkreisen (literature circles: people with little or even no connection with the economic reality, believing they know everything best of all and belonging to the Teutonic elite) abschätzig so genannt.
2 Früher hin und wieder auch gesagt von der damaligen Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft, wie man Wohlstand für alle Einwohner bewirken kann.
– Siehe Bankenmacht, Bankokratie, Chremagogik, Finanzkapital, Geldleute, Geldzweck, Hochfinanz, Kapital, Misochrematie, Reichtum, Wohlstand.
Chrematonomie (chrematonomy):
In der älteren Literatur die Wissenschaft vom sachgemässen Umgang mit dem Geld auf allen Stufen.
– Siehe Argyromanie, Chremagogik, Chremaphobie, Chrematologie, Geiz, Geldethik, Geldeuropäer, Geldphilosophie, Geldpsychologie, Geldstolz, Geldversessenheit, Habsucht, Misochrematie, Sparsamkeit.
Chrisamgeld (godfather present):
Früher in katholischen Gegenden vielfach
1. bei der Taufe eines Kindes oder
2. bei der Firmung (chrismation. confirmation: a Christian rite administered to baptised persons, regarded as a sacrament endowing gifts of the Holy Spirit and/or as a ceremony of admission to full communion with a church) des jungen Erwachsenen vom Paten (godfather; Götti, Göd, Gotel, Gevatter) geleistete Spende, oft eine Goldmünze.
– Sowohl der Täufling (baptisand) als auch der Firmling (confirmee) wird bis heute in der Katholischen Kirche mit geweihtem Öl (Chrisam; chrism) gesalbt: von daher der Name.
– Siehe Bettgeld, Gevattergeld.
Chrysokratie (chrysocracy):
Die Lehre, dass die beherrschende Kraft in der Wirtschaft und Gesellschaft das Gold (in weiterem Sinne auch Edelmetall) sei.
– Siehe Chrysomanie, Finanzkapital, Geldherrschaft, Plutokratie, Reichtum.
Chrysomanie (chrysomania):
1 Allgemein eine übermässige Hinneigung (excessively intense enthusiasm; addiction) zum Edelmetall Gold; die Goldgier.
2 In älteren Dokumenten das eindringliche Verlangen eines Geschäftspartners, ausschliesslich mit Münzen aus Gold befriedigt zu werden.
3 In der Geldlehre gesagt in Bezug auf die Vertreter der Forderung, dass
1. Gold zumindest der Kernpunkt allen Geldes sein sollte;
2. im Extremfall sogar, dass alles Geld hundertprozentig durch Gold - vielleicht auch durch andere Edelmetalle wie Platin - gedeckt sein müsse.
– Siehe Anti-Greshamsches Gesetz, Argyromanie, Banking-Theorie, Bimetallismus, Currency-Theorie, Dritteldeckung, Geldmenge, Geldschöpfung, Goldopfer, Peelsche Bankakte, Währung, gebundene.
Chrysopöie (chrysopoeia und chrysopoia):
Die in früheren Zeiten hoch geachtete Kunst, unedle Metalle auf chemischem Wege in Gold verwandeln zu können (the art of transmutation of a common metal into gold: the alchemical gold-making). Freilich ist kein einziger Fall bekannt, wo dies auch wirklich gelang. Dessen ungeachtet wurden durch die Jahrhunderte immer wieder hohe Summen ausgegeben, um entsprechende Künstler (Alchemisten; alchemists = here: persons who can allegedly convert basic metals as iron into gold) zu bezahlen. Tatsächlich jedoch lassen sich unedle Metalle nur auf physikalischem Wege in Atomreaktoren unter sehr hohem Aufwand in Gold verwandeln.
– Siehe Finanzalchemie, Goldmacher, Stein der Weisen.
Churning (so auch im Deutschen gesagt, seltener Provisionsschinderei):
Ein den Interessen des Kunden zuwiderlaufender häufiger Umschlag eines Anlagekontos durch einen Broker mit der Absicht, sich hohe Provisions-Einnahmen zu verschaffen (an unethical practice used by some stockbrokers in an effort to gain a maximum of commissions, by frequently and excessively trading a clients account).
– Siehe Klientenüberweisung, Spesenreiterei.
Citigroup-Bonussystem (Citigroup benefit scheme):
Der Generalstaatsanwalt der USA veröffentlichte im Sommer 2009 eine Aufstellung, wonach die weltweit tätige Citigroup Inc. mit Hauptsitz in Neuyork an direkten Staatshilfen 45 Mia USD erhielt; dazu übernahm der Staat noch verschiedene Bürgschaften, um die bei der Bank von Kunden getätigten Einlagen von knapp über 300 Mia USD zu sichern. - Im Jahr 2008 fuhr das Institut einen Verlust von 27,7 Mia USD ein. Zugleich jedoch wurden 5,3 Mia USD an Boni ausbezahlt. Es kamen
1. 124 Mitarbeiter in den Genuss von Prämien, die den Betrag von 3 Mio USD überstiegen.
2. Bei 176 Mitarbeitern lag der Bonus immerhin noch über 2 Mio USD und
3. 738 Mitarbeiter vereinnahmten wenigstens 1 Mio USD an Bonuszahlungen.
4. Die vier Spitzenverdiener der Citigroup brachten es zusammen auf 44 Mio USD Prämien,
5. die nächsten zehn Spitzenverdiener der Bank auf gesamthaft 87 Mio USD.
– Der Generalstaatsanwalt wies darauf hin, dass die anderen von seiner Behörde untersuchten acht Institute nur wenig besser dastünden. - Der Bericht löste in den USA wohl zurecht Empörung aus, weil das Geld der Steuerzahler so zu einem Teil direkt in das Portemonnaie der Banker floss; und weil Bonusse auch bezahlt wurden, wenn es nichts zu belohnen gab, ja sogar Prämien unabhängig von persönlichen Leistungsmerkmalen vertraglich garantiert wurden. Man sah darin eine Abartigkeit nicht nur der Begriffe - Bonus bedeutet letztlich eine hervorragende Leistung -, sondern auch der geistigen Einstellung bei den führenden Banken.
– Siehe Banker, Bonus, Finanzsodomit, Schlafgeld, Vorstandsbezüge.
Citigroup-Manipulation (Citigroup manipulation):
Eine Gruppe von Händlern des zu jener Zeit weltgrössten Finanzdienstleisters, der Citigroup Corporation (im Jargon "Citi" genannt), warfen am 2. August 2004 innert weniger Sekunden Staatsanleihen im Wert von rund 12 Mia EUR über ein elektronisches Handelssystem (Mercato Telematico all'Ingrosso dei Titoli di Stato mit Hauptsitz in Mailand, MTS: über diese Plattform wurden deutsche, französische und italienische Staatsanleihen zwischen [damals 22] Grossbanken gehandelt) auf den Markt und setzten damit die Kurse sehr stark unter Druck. Kurz danach kauften die Citigroup-Händler die Papiere billiger zurück und realisierten einen geschätzten Gewinn von 17 Mio EUR. Diese Transaktion löste Diskussionen um eine zentrale europaweite Aufsichtsbehörde aus.
– Siehe Agiotage, Aufsicht, europäische, Aufsichtsbehörden, Bear Raid, Bull Raid, Citigroup-Bonussystem, Corner, Finanzsodomit, Geschäfte, abgesprochene, Kerviel-Skandal, Kursmanipulation, Marktmanipulation.
Citybanken (city banks):
In Börsenberichten ursprünglich
1 nur auf die Banken am Platz London,
2 seit etwa 1995 in innerdeutschen Berichten statt dessen zumeist auf den Platz Frankfurt am Main bezogen.
– Siehe Bankfurt.
Citygeld und Citymaut (inner city toll):
Eine Abgabe für Motorfahrzeuge, die in den inneren Stadtbereich (inner-city area, city centre) einfahren.
– Siehe Baumgeld, Brückengeld, Chausseegeld, Dammzoll, Eintrittsgeld, Fährgeld, Furtgeld, Maut, Schmiergeld, Taxe, Torgeld, Transitgeld, Ungeld, Verladegeld, Vignette.
Claw-back-Klausel (claw-back clause; seltener Rückforderungsvorbehalt):
1 Ausgeschüttete Boni und Prämien an Mitarbeiter (Kaderleute, "key men") eines Instituts können vertragsgemäss zurückgefordert werden, falls sich herausstellt, dass die getätigten Engagements einen nur kurz betrachtet Gewinn, auf mehrere Jahre gesehen hingegen einen Verlust für das Unternehmen bringen.
2 Bei einem Fonds wird der erzielte Gewinn gesamthaft den Anlegern ausgeschüttet, nachdem das Fondsmanagement die vertraglich vorgesehene Vergütung erhielt. Eine Anhäufung und Wiederanlage der Gewinne zur Stärkung des Fondsvermögens ist damit ausgeschlossen.
3 Bei einer Begebung von Aktien das Recht des Emittenten, den Umfang der Zuteilung zugunsten bestimmter Anleger zu verschieben (allows the shares allocated to one class of investors to be reallocated to the other class of investors). Dies hat hier häufig den Zweck, bei stark überzeichneter Emission den Anteil im Streubesitz zu verbreitern. Eine Claw-back-Klausel in dieser Bedeutung muss im Emissionsprospekt unmissverständlich und deutlich (unmistakably and distinctly) genannt sein.
4 Die Pflicht zur Nachzahlung missbräuchlich beanspruchter Steuererleichterungen an den Fiskus.
5 Vorbehalt des Verkäufers, dass er im Falle eines ungewöhnlich hohen (abnormal high) Gewinns des Käufers an diesem Profit angemessen beteiligt wird. Solche Vorbehalte sind besonders beim Unternehmensverkauf üblich, dort auch Anti-Embarrassment-Klausel genannt.
6 Ein Originator verpflichtet sich, bei Verlust in einer Zweckgesellschaft die notleidenden Wertpapiere in bestimmten Fällen in die eigene Bilanz zurückzunehmen.
– Siehe Back-to-Originator-Call, Postulat.
Clean Price (so auch im Deutschen gesagt; seltener Nettotransaktionspreis):
Bei einem Finanzinstrument allgemein und bei einer Anleihe im Besonderen der aktuelle Kurs ohne Zinsabgrenzung, also ohne Berechnung der zwischenzeitlich aufgelaufenen Zinsen (transaction price excluding any rebate/accrued interest, but including transaction costs). Werden die Zinsen mitberechnet, so spricht man von Dirty Price.
Cleaning up after (so auch zumeist im Deutschen gesagt) zuweilen boshaft Scherbenkehren (sweeping the shards):
In Zusammenhang mit einer spekulativen Blase das Bemühen der Zentralbank, Schäden nach dem Platzen einer Blase in Grenzen zu halten, etwa durch eine grosszügige Bereitstellung von Liquidität. - Es kann aber nicht Aufgabe der Zentralbank sein, Blasen zu verhindern. Denn mit den Instrumenten, die einer Zentralbank zur Verfügung stehen, vermag sie schwerlich Geldwertstabilität und dazu auch noch Finanzstabilität in einem zu erreichen. Es ist eher Sache der Aufsichtsbehörden, durch entsprechende Massnahmen ein Runup auf den Märkten für Vermögenswerte zu bremsen, etwa durch Vorschriften über eine hohe - und nach verschiedenen Gesichtspunkten veränderliche, bei Anzeichen einer Blase auch stark progressiv steigende - Unterlegung bei kreditfinanzierten Geschäften. - Bei rauschhaften Erwartungen (euphoric expectations) auf Gewinn und Reichtum lassen sich gerade die eine Blase vornehmlich aufpumpenden Kleinanleger von nichts und niemanden aufhalten: das kann die Finanzgeschichte an vielen Beispielen belegen. Es wird wohl auch in Zukunft immer wieder zu Blasen kommen.
– Siehe Blase, spekulative, Dotcom-Blase, Immobilienblase, Jackson Hole-Konsens, Leaning against the wind, Martin-Prinzip, Milchmädchen-Hausse, Quantitative Easing, Tulpencrash, Überschwang, unvernünftiger, Vollzuteilung.
Clearing (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Verrechnungsverkehr):
Bei Instituten die gegenseitige Aufrechnung (Saldierung; balancing, netting out; in älteren Dokumenten für Saldierung auch Exäquation; exequation) der Interbank-Verbindlichkeiten mit den Interbank-Forderungen; der verbleibende Saldo wird in Zentralbankgeld beglichen. Den Saldenausgleich zwischen konzernmässig verbundenen Unternehmen bezeichnet man demgegenüber in der Regel als Netting. - In Deutschland stellt sich die Deutsche Bundesbank und ihre Filialen zur Abwicklung des Clearing-Verkehrs zur Verfügung.
– Siehe Euroclear, Kompensation, Netting, Zahlungsausgleich.
– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 145 f. .
Clearing-Haus, automatisches (Automated Clearing-House, ACH):
Abwicklungssystem für das Interbankenclearing (= a set of procedures whereby financial institutions present and exchange data and/or documents relating to funds or securities transfers to other financial institutions at a single location), von der Euro Banking Association (EBA) eingerichtet.
– Siehe Abwicklung, vollautomatische, Business Continuity Programme, Close-out, EURO1, European Payments Council, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 130 ff. .
Clearstream Banking Frankfurt (so auch im Deutschen):
Wertpapierabwickler der Gruppe Deutsche Börse und der Deutschen Bundesbank mit Sitz in Eschborn.
– Siehe Abwicklungssystem, Scheckeinzugssystem, imagegestütztes.
CLO-Fonds (so auch im Deutschen gesagt):
Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, die ausschliesslich oder hauptsächlich in Collateralised Debt Obligations investiert. Es werden Kredite angekauft, um auf dieser Grundlage strukturierte Anleihen zu begeben. Die Rückzahlung der gewährten Darlehn wird über die Bedienung der Kredite sichergestellt.
– Siehe Vulture Fonds.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 46 (Gefahren der Fonds sowie steigender Leveraged Buy-outs überhaupt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 22 (Tätigkeit der Fonds im Rahmen von Leveraged Buy-out).
Close-and-Reprice (so auch im Deutschen gesagt; auch Kündigung unter Neubedingungen):
Die vorzeitige Beendigung eines Vertrags
1. unter Ausgleichszahlung des Marktwertes und
2. gleichzeitigem Abschluss eines neuen Geschäftes
3. auf die Dauer der verbleibenden Laufzeit des ursprünglichen Geschäftes,
4. jetzt aber zu aktuellen Marktgegebenheiten.
– Close-and-Reprice erfüllt den gleichen Zweck wie die Schwankungsmarge (variation margin), nämlich die Anpassung der Sicherheitsleistung um angelaufene Gewinne oder Verluste. Es wird vor allem dort eingesetzt, wo eine Nachschuss-Aufforderung (margin call) rechtlich nicht möglich ist.
– Siehe Barausgleich, European Master Agreement, Kredit, kurzfristiger, Margenausgleich, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung, Schwankungsmarge.
Close-out und Closeout (so auch im Deutschen gesagt; seltener Vertragsausbuchung):
1 Das Ausbuchen laufender Kontrakte (the process of offsetting existing contracts) eine juristische Sekunde vor der Insolvenz eines Partners seitens des Clearing-Hauses (to prevent further losses from positions carried by the entity that has defaulted).
2 Bei einem Swapgeschäft - und besonders bei einem Zinsswap - versteht man darunter die vorzeitige Beendigung eines entsprechenden Vertrags. Beide Partner vereinbaren, den Vertrag aus ihren Büchern zu entfernen und den Unterschiedsbetrag zum aktuellen Marktpreis am Datum der Vertragsauflösung für die Gesamtlaufzeit des Swaps am selben Tag zu bezahlen. Die Zahlung, die von einem der beiden Partner zu leisten ist, wird dann in Anlehnung an den Mark-to-Market-Ansatz nach finanzmathematischen Formeln berechnet.
– Siehe Assignment, Clearing-Haus, automatisches, Reversal.
Close-to-Balance (so auch im Deutschen gesagt; seltener Nahezuausgleich):
1 Eine annähernd ausgeglichene Haushaltsrechnung, auch - missverständlich (mistakable) - Negativbilanz (negative balance) genannt.
2 Nach Abwicklung eines Geschäftes zeigt sich kein Gewinn, aber die Aufwendungen für das Engagement sind grösstenteils gedeckt.
Closing (so auch oft im Deutschen gesagt, seltener Endübereinkunft):
Der rechtliche Abschluss und das juristische Inkrafttreten eines Vertrags auf dem Finanzmarkt (the process of signing all the legal documents allowing the coming into force of an arrangement, such as an equity or bond issue, a loan or the sale of an asset).
– Siehe Abwicklungsbestätigung, Buchgewinn, European Master Agreement, Schlusschein, Settlement.
Clubbing (so auch im Deutschen gesagt; seltener Zielgruppenangebot):
In Bezug auf Finanzdienstleistungen besondere Offerten an sog. Peer Groups, nämlich an Personenkreise mit gleichem oder ähnlichem Lebenskreis bzw. Interessenslage.
– Siehe Abwanderungsquote, Bank, kirchliche, Beziehungsbankgeschäft, Dinks-Geschäft, Geomarketing, bankliches, Kreditgenossenschaft, Kundenbindung, Kundenpfleger, Networking, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Private Banking, Regenmacher, Silver Economy, Woopee-Geschäft, Zielgruppe.
Club Deal (so auch im Deutschen gesagt; seltener Gemeinschaftsoperation):
1 Ein Mittelding zwischen der herkömmlichen zweiseitigen Finanzierung nach dem Schema Firmenkunde/Bank und einem Konsortialkredit. Meistens beteiligen sich zwei bis höchstens fünf Banken, in der Regel unter Führung der Hausbank, an einem grösseren Finanzierungsvorhaben eines Unternehmens. Eine der beteiligten Institute - üblicherweise die Hausbank - übernimmt dabei die Aufgabe des Arrangers, und hier vor allem die Gliederung und rechtliche Gestaltung des Darlehns, die Erstellung eines Tilgungsplans, die Bewertung der Sicherheiten und die Verwaltung des Vertrags nach Unterzeichnung. Dies ist sowohl für den Club - also die beteiligten Institute - als auch für den Kreditnehmer von Vorteil und spart Kosten (commitment to provide project finance by a small number of banks that split up between themselves the tasks of structuring and managing the finance, e.g. who should act as agent, documentation bank, financial modelling bank).
2 Zwei oder mehrere, auch international tätige Fonds betreiben zusammen (konsortial; associated) die Finanzierung einer grösseren Investition eines Unternehmens oder eines Staates.
– Siehe Arranger, Bought Deal, Darlehn, Drittphase-Finanzierung, European Master Agreement, Familien- und Freundes-kapital, Inkubator, Investition, Konsortialkredit, Kredit, Private Equity-Finanzierung, Finanzplanung, Qard al-Hasan, Seed Capital, Selbstfinanzierung, Sweat Equity, Verlustteilungsregelung.
ClubMed (so auch im Deutschen), in einem boshaften Akronym [= aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes neues Wort] auch Pigs (nämlich Portugal, Irland, Griechenland und Spanien):
In der Sprache der Finanzjournalisten die genannten vier Mitglieder der Eurozone, wobei manche auch noch Italien beizählten. Diese weisen derzeit noch ähnliche volkswirtschaftliche Gegebenheiten auf, nämlich vor allem niedrigeres Produktivitätswachstums bei höheren Lohnstückkosten wie der Durchschnitt der Eurozone und daher geringere Wettbewerbsfähigkeit. - Griechenland hat den Beitritt zur Währungsunion im Jahr 2001 erschlichen, indem die damalige sozialistische Regierung falsche Zahlen an die Kommission in Brüssel meldete. Versäumte Strukturreformen und sorglose Ausgabenpolitik haben das Staatsdefizit in Griechenland zum Jahresende 2008 auf über neunzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen lassen. Als Folge setze ab Herbst 2008 eine Massenflucht aus griechischen Staatspapieren ein, was die Bonität des Landes immer weiter untergrub. - Hätte es die Währungsunion nicht gegeben, dann wäre es nach Berechnungen der EZB zu einer Abwertung der Währungen in Spanien, Portugal und Griechenland um bis zu fünfzehn Prozent gekommen; gleichzeitig aber hätte die DEM in ähnlicher Höhe aufwerten müssen. Es wäre also eine Währungsanpassung von bis zu dreissig Prozent notwendig gewesen, um die Unterschiede in den europäischen Produktionskosten auszugleichen. - Im Frühjahr 2010 hielten europäische Banken 140 Mia EUR griechische und 120 Mia EUR iberische Staatsanleihen in ihrem Portefeuille. Eine allfällige Zahlungsunfähigkeit der Emittenten hätte zahlreiche Institute in der EU der Insolvenz nahegebracht.
– Siehe Abwertung, fiskalische, Angst, perverse, Anleihe-Spread, Anpassung, symmetrische, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Währungsfonds, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Fiskalpakt, Government Spreads, Hellenoschwärmerei, Lohnpolitik, koordinierte, Plan C, Rückkehr-Ideologie, Siebenprozent-Grenze, TARGET-Missbrauch, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Ungleichgewichte, EWU-interne, Vertragstreue, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne, Wechselkurs-Effekt, realer, Wettbewerbs-Status, Überwachung.
– Vgl. Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 131 f. (Investitionen der Lebensversicherer in den Pigs-Staaten).
Cobranding-Karte (cobranding card; seltener Marktkombinationskarte):
Von einer Bank gemeinsam mit einem oder mehreren Unternehmen aus dem Nichtbankenbereich herausgegebene Karte, um das Kundenpotential der Partner auszuschöpfen (cobranding generally means an arrangement whereby a product or service is associated with more than one brand).
– Siehe Branding, Community-Card, Concession Shop, Deliverables, Cross-Selling-Potential, Kreditkarten-Fiasko, Pay-Green-Initiative, Kundenkarte, zentrale, Sponsor.
Cocooning (so auch im Deutschen gesagt, seltener Einkapslung; cocoon = Gehäuse der Seidenraupe, in weiterem Sinne eine schützende Hülle, ein Gehäuse):
Wenn nicht anders definiert, so meint man damit in der Finanzsprache
1. die Rückkehr einer Bank in ihr Heimatland, nachdem sie im Ausland tätig war oder
2. den Rückzug in den ursprünglichen, angestammten Geschäftsbereich (line of business), nachdem das Institut in anderen Tätigkeitsfeldern wenig erfolgreich tätig war.
Codewörter (code words):
In Zusammenhang mit der Geldpolitik gesagt von
1. Verlautbarungen der Zentralbank,
2. in denen für Fachleute erkennbare Wörter oder Redewendungen - etwa: "wir sehen mit grosser Sorge…" - eingeflochten sind,
3. aus denen man die bevorstehenden Massnahmen der Zentralbank herauslesen kann.
– Der Vorteil solcher Codewörter ist, dass sie nachweislich über Finanzjournalisten die Öffentlichkeit auf entsprechende Schritte der Geldpolitik vorbereiten können. Man spricht hier auch von Erwartungs-Management (influence on expectations) seitens der Zentralbank. - Der Nachteil liegt darin, dass die Aufmerksamkeit allzu sehr auf Codewörter gerichtet ist. Die für das Verständnis der Geldpolitik wichtige tiefergehende Darlegung der gesamtwirtschaftlichen und monetären Entwicklung tritt dann leicht in den Hintergrund. - Die EZB meidet solches Erwartungs-Management und überhaupt eine verschlüsselte Sprache. Im Rahmen der von ihr betriebenen Politik des offenen Mundes werden im Regelfall alle Umstände verständlich und durchsichtig dargelegt.
– Siehe Auskünfte, marktsensible, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Forward Guidance, Führung, verbale, Forward Guidance, Greenspeak, Handlungsbereitschaft, Politik des offenen Mundes, Unschärfe, konstruktive.
Co-Investment auch Co-Venturing (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):
1 Allgemein die Beteiligung an einer Investition mit Minderheitsanteil. Die Überwachung des Engagements gesamthaft wird dabei von einem Hauptinvestor (Lead Investor) übernommen, so dass der Betreuungsaufwand für den Co-Investor minim wird; er dafür aber im Vergleich zum Lead Investor auch in geringerem Masse am Ertrag beteiligt ist. Einige Fonds haben sich ganz auf das Co-Investment verlegt (specialised) und damit das Risiko von Verlusten gesenkt.
2 Die gemeinschaftliche Bereitstellung von Kapital durch private Geldgeber einerseits und den Staat andererseits: Public Private Partnerships.
– Siehe Cornerstone Investor, Innova¬tionsfonds, Landmark Building-Darlehn, Multisourcing, Roadshow.
Colbertismus (colbertism):
In Bezug auf den Finanzmarkt eine (Wirtschafts)Politik, die im Inland den Banken und Börsen weitgehend freie Hand lässt, und die staatlicherseits auch zu ihrer Entfaltung beiträgt. Jedoch bleibt jederlei Verbindung mit ausländischen Finanzmärkten untersagt. Man glaubt so, sich von Krisen im internationalen Umfeld abkapseln zu können. - Diese, auch heute noch in manchen Foren im Internet vertretene Forderung hat ihre Bezeichnung von dem französischen Minister Jean Baptiste Colbert (1619-1683), der den Leitsatz (liberté et protection, Freiheit und Abschirmung) für die Wirtschaftspolitik allgemein als Grundsatz zu seiner Zeit prägte. - Verkannt wird hier, dass auch auf einem abgeschotteten Inlandsmarkt es aus verschiedenen Gründen - etwa: Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hochwässer oder aussergewöhnliche Witterungsverhältnisse, durch Seuchen, durch soziale Unruhen bis hin zum Bürgerkrieg - sehr wohl zu Verwerfungen auf den (Finanz)Märkten kommt, die aber durch internationalen Verbund der Finanzmärkte risikoausgleichend zum Nutzen des Landes und seiner Bewohner abgefedert werden könnten.
– Siehe Abschottung, Devisenzwangswirtschaft, Kapital-Abschottung.
Cold Calling (so auch im Deutschen gesagt; von der Branche selbst Telephon-Aquise beschönigend genannt):
Die in Deutschland verbotene Geschäftsanbahnung durch unaufgeforderten telephonischen Anruf (telephone call) oder Anschreiben über Fax und Internet (wie E-Mail; electronic mail oder SMS; short message: an electronic memo sent over a cellular network from one cell phone to another), hier besonders im Wertpapierhandel; vgl. § 36b WpHG. - Cold Calling stellt in jedem Fall ein Eindringen in die geschützte Privatsphäre (intrusion into privacy) des Angerufenen dar, das ihm zu einem ausschliesslich durch den Werbenden bestimmten Zeitpunkt die Anpreisung von Waren und Dienstleistungen aufdrängt. Der Angerufene kann sich meist bloss unter Verletzung der allgemeinen Regeln der Höflichkeit (rules of common courtesy) dem entziehen. - Darüber hinaus stellt Cold Calling eine Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit (freedom of choice) des Kunden dar. Denn es wird im Regelfall genutzt, um bei dem Angerufenen einen Überraschungseffekt (surprise effect) zu erzielen und diese Situation zum sofortigen Vertragsabschluss auszunutzen. Bei den Anrufenden handelt es sich zumeist um auf hoher Provisionsbasis arbeitende, in der Telephonverkaufskunst (phonemanship) besonders ausgebildete Personen. Sie sind auch eigens darin geschult, kritischen Fragen des möglichen Kunden auszuweichen. Durch Testanrufe (mystery calls) wird bei wenigen Versuchspersonen die Wirkung, also die Erfolgsaussichten einer späteren massenweisen Anrufaktion im Voraus abgeschätzt. - Übrigens sind auch unaufgeforderte Anrufe untersagt, die keine bestimmten Geschäfte zum Inhalt haben, sondern nur der allgemeinen Vorstellung des Unternehmens dienen sollen. Die Aufsichtsbehörden ahnden entsprechende Verstösse durch hohes Bussgeld. Freilich sind nationale Aufsichtsbehörden bis anhin machtlos gegenüber entsprechenden Anrufen aus Offshore Finanzplätzen.
– Siehe Abzocker, Advance Letter, Anruf-Ankündigung, Beschwerdestelle, Beziehungspflege, Blind Pool, Blue-sky laws, Call-Centre, Canvassing, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Deuteroskopie, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, Geldsauger, Gründungsschwindel, Inkasso-Stelle, Internet-Angebote, Kaltaquise, Mail Shot, Schanghaiengeld, Werbebeschränkungen, Remittance Services.
– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 75 (Werbeschreiben an Kinder), S. 123 (Hinweis auf Allgemeinverfügung der BaFin in Anlehnung an § 36b WpHG; Sanktionen durch Sonderprüfung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 132 f. (Bussgeldverfahren), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 135, S. 137 (Fälle aufgedeckt), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 142 (Erlaubnisaufhebung), S. 145 f. (Klarstellung der Allgemeinverfügung aus dem Jahr 1999 in Bezug auf Cold Calling; Schwerpunktprüfungen), S. 147 (Bussgeldverfahren), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 177 f. (vertraglich gebundene Vermittler betrieben Cold Calling, die BaFin erlässt Erlaubnisaufhebungsbescheid), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 167 (BaFin verhängt Bussgeld gegen ein Institut, weil es gegen das Verbot des Cold Calling verstossen hat) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".
Collateral Central Bank Management, CCBM2 (so auch im Deutschen gesagt):
Gemeinsame Plattform zur Verwaltung der von Geschäftspartnern beim Eurosystem eingereichten nationalen und grenzüberschreitend genutzten Sicherheiten, in das System TARGET2-Securities eingebettet.
– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S 113 (Stand der Arbeiten), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 113 (hohe Akzeptanz des Systems).
Collateralised Bond Obligations, CBOs (so auch im Deutschen gesagt):
Wenn nicht anders definiert, so meint man damit besicherte Schuldverschreibungen (Collateralised Debt Obligations), bei denen der Forderungspool aus Anleihen besteht, die vor allem Unternehmen begeben haben.
– Siehe Collateralised Loan Obligations, Verbriefung.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 92 f. (Erklärungen: Übersichten).
Collateralised Debt Obligations, CDOs (so auch meistens im Deutschen gesagt; seltener auch: forderungsbesicherte Schuldverschreibungen):
Ein besonderes Geschäft des Verbriefungsmarktes. Banken
1. führen dabei Hunderte oder gar Tausende vergebener Darlehn
2. in einen Pool als Korb von Einzelrisiken zusammen und
3. bringen sie in eine Zweckgesellschaft ein.
4. Diese zerlegt die Portfolios in mehrere Tranchen und
5. verkauft sie als CDO-Wertpapiere an Anleger (a structured finance product that typically securitises a diversified pool of debt assets; these assets, corporate loans for instance, are split into different classes of bonds. Investors in CDO senior and mezzanine bonds can earn high returns relative to similarly rated Asset-Backed Securities).
– Die einzelnen Tranchen sind dabei, je nach der Risikobeteiligung, mit verschieden hohen Zinssätzen ausgestattet. Der Cashflow eines jeden dieser Papiere ist an die Leistung der jeweiligen Verschuldungsinstrumente geknüpft. - CDOs wurden 1987 von der - inzwischen erloschenen - Investmentbank Drexel Burnham Lambert in Neuyork ausgedacht und eingeführt.
– Siehe Ansteckungswirkungen, Asset-Backed Securities, CLO-Fonds, Equity Kicker, Erstraten-Verzugsklausel, Erstverlust-Tranche, Giftpapiere, Kreditrisiko-Transfer, Krise der Sicherheiten, Mezzanine-Tranche, Originate-to-distribute-Strategie, Portfolio-Versicherung, Residential Mortgage Backed Securities, Ninja-Loans, Single Master Liquidity Conduit, Subprime-Krise, Subprime Lending, Verbriefungsstruktur, True-Sale-Verbriefung, Zinseinfrierung, Zweckgesellschaft.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 21 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 30 f. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 40 (Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 92 ff. (Erklärung der CDOs; Einteilung; Übersicht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 155 (etwa ein Viertel der Verbriefungspositionen deutscher Banken zum Jahresende 2009 waren CDOs, davon die Hälfte verbriefte Unternehmensfinanzierungen [collateralised loan obligations]).
Collateralised Debt Obligations, synthetische (so auch im Deutschen gesagt):
Verbriefte Schuldtitel, deren Sicherungspool durch Credit Default Swaps (CDS) erzeugt wird.
– Siehe Pfandpoolverfahren.
Collateralised Loan Obligations, CLOs (so auch im Deutschen gesagt):
Wenn nicht anders definiert, meint man damit besicherte Schuldverschreibungen (Collateralised Debt Obligations), bei denen der Forderungspool aus Darlehn in Zusammenhang mit fremdfinanzierten Unternehmens-Übernahmen steht. Die Risiken in allen Tranchen sind hier in der Regel höher als bei gewöhnlichen Collateralised Debt Obligations.
– Siehe Collateralised Bond Obligations, Fusionen und Übernahmen, Verbriefung.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 92 f. (Erklärungen; Übersichten).
Collateralised Synthetic Obligations, CSOs (so auch im Deutschen gesagt; seltener derivatebezogene Schuldverschreibungen):
Wenn nicht anders definiert, besicherte Schuldverschreibungen, die sich auf Derivate als Vermögenswerte gründen.
– Siehe Collateralised Debt Obligations, synthetische.
Colombo (so auch im Deutschen; manchmal grossgeschrieben, also COLOMBO):
In der Finanzsprache Bezeichnung für ein überteuertes Management Buyout-Geschäft. Der Begriff leitet sich ab aus der Wortkombination Colossally Overpriced MBO.
Comfort Letter (so auch im Deutschen; manchmal Letter of Comfort):
1 Nach ISRS (4400) und Anweisungen der Aufsichtsbehörden die bis ins Einzelne weitläufig vorgeschriebene Erklärung des Wirtschaftsprüfers eines Emittenten im Rahmen einer Begebung, dass die im Verkaufsprospekt enthaltenen Informationen richtig und vollständig sind.
2 In Zusammenhang mit einem (Finanz)Vertrag die schriftliche Erklärung einer Partei, bestimmte, im Vertragstext nicht eigens genannte Details als in den Vertrag eingeschlossen zu betrachten.
3 Schriftliche Erklärung eines Unternehmens, dass es im Notfall für die Verbindlichkeiten eines verbundenen Unternehmens eintritt (document in which the parent company commits to repay on behalf of its subsidiary if the latter is in default), eine Patronatserklärung.
– Siehe Amtsprüfung, European Master Agreement, Enforcer, Plausibilitäts-Beurteilung.
Commercial Mortgage Backed Securities, CMBS (so auch im Deutschen gesagt):
Wertpapiere, gedeckt durch einen Pool von Hypothekarkrediten, die zur Finanzierung gewerblicher Immobilien gewährt wurden. - In Krisenzeiten, so beispielsweise weltweit stark ausgeprägt in der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise, brechen die Mieteinnahmen bei gewerblich genutzten Objekten wie Werkshallen, Bureaux oder Einkaufszentren wegen steigender Insolvenzen stark ein. Aufgrund dessen gelten CBMS als stark konjunkturabhängig (dependent on cyclical movements) und mit entsprechendem Risiko behaftet.
– Siehe Hypothekenschulden, Mortgage Backed Securities, Paritätsvorbehalt, Residential Mortgage Backed Securities, Verbriefung.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 40 (Übersicht der Verbriefungs-Arten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 102 (zur Notenbankfähigkeit).
Commercial Papers, CPs (so auch im Deutschen gesagt; seltener abgezinste Geldmarktitel):
Allgemein alle Geldmarktpapiere in Form abgezinster Schuldverschreibungen mit Laufzeiten von einem Tag bis unter einem Jahr. Die Rendite berechnet sich dabei über den entstandenen Kursgewinn, es gibt bei Commercial Papers grundsätzlich keine Kuponzahlungen (short-term unsecured promissory notes issued by corporations in need of short-term loans. Typically commercial paper is sold in multiples of 100'000 EUR and maturities range from a few days up to 270 days). - Emittenten sind in der Regel hochbonitäre Unternehmen, die auf diese Weise einen kurzfristigen Finanzbedarf decken (commercial paper is usually issued by corporations with very high credit standings). Banken treten bei der Emission von Commercial Papers als Vermittler (Plazeure) auf, indem sie die Commercial Papers an potentielle Anleger weiterleiten. Auf diese Weise fliessen die Mittel direkt vom Investor zum Einlagennehmer bzw. Darlehnsnehmer, ohne dass ein Depotgeschäft mit der Bank abgeschlossen wird.
– Siehe Abzinsungspapiere, Asset Backed Commercial Papers, Bankschuldverschreibung, Einlagezertifikate, Euro Commercial Paper, Euronotes, Notes, Privatplazierungen.
– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Begebungen und in den Erläuterungen wichtige Definitionen und Einteilungen, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 1993, S. 59 ff. (breite Darstellung; Vergleiche CPs mit kurzfristigen Bankkrediten).
Commercials (so auch im Deutschen gesagt; seltener Berufsabsicherer):
An Warenbörsen Marktteilnehmer, die geschäftsmässig und fortwährend ihre Kassaposition im Terminmarkt absichern, wie Ölmühlen, Kaffeeröster, Confiseure, Gerbereien, Joghurthersteller (yogurt maker: sie müssen das ganze Kalenderjahr hindurch weltweit Obst einkaufen) oder Getreidelagerhausbetriebe; aber auch viele Exporteure.
– Siehe Absicherung, Börsianer, Commodity Fund, Differenzgeschäft, Hedging, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Terminspekulation, Wagen.
Diese 1870 gegründete zweitgrösste deutsche Grossbank - nach der Deutschen Bank - kam im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise ins Schlittern. Sie musste im Januar 2009 vom Staat gerettet werden.
– Siehe Bailout, Bank, systemische, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, First-Mover-Bonus, G-Sifi, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Too big to fail-Grundsatz.
– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 18 (Einzelheiten der Teilverstaatlichung).
Commitment (so auch zumeist im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):
1 Die vertragliche Zusage eines Anlegers zu einem Engagement, nämlich zu einer Investition bzw. in einen Fonds einen bestimmten Betrag zu einer festgesetzten Zeit einzuzahlen (Einzahlungsobligo; obligation to invest).
2 Die Hingabe an den Beruf; genauer das innerliches Sichgleichsetzen mit dem Unternehmen (der Bank), seinen Zielen und Werten sowie mit der eigenen Arbeit. Nur solcherart engagierte Mitarbeiter sind im Front-Office-Bereich einer Bank zur eigenen Zufriedenheit und zum Nutzen der Kundschaft einsetzbar. Es werden in der Fachliteratur verschiedene Methoden vorgestellt, das Commitment zu messen. - Aufgabe der Personaleinsatzplanung (staff scheduling) bei einer Bank ist es auch,
1. unzufriedene und auf Kunden abschreckend wirkende Mitarbeiter aus dem Front-Office-Bereich herauszuhalten bzw.
2. der Gruppe faule Kunden abschreckenden Mitarbeiter und Low Performer zuzuordnen.
– Siehe Airbag, Back-off-Bereich, Banker, Call Centre, Druckbelegschaft, Empowerment, Intangibles, Underperformer.
Committee of European Banking Supervisors, CEBS:
Im Jahre 2004 errichtetes Gremium mit Vertretern aus den nationalen Aufsichtsbehörden der EU; das Sekretariat war in London angesiedelt. Ziel des Ausschusses war es festzustellen, was regulierungsbedürftig ist und allfällige Massnahmen anzugleichen. Dabei stand die Ordnung auf dem Finanzmarkt und der Schutz des Kunden im Vordergrund. Der Ausschuss beriet auch die EU-Kommission in allen regulatorischen Fragen und beförderte eine widerspruchsfreie Umsetzung von EU-Richtlinien sowie die Annäherung der Aufsichtspraxis in den Mitgliedsstaaten. Aus dem CEBS ging dann 2011 die Europäische Bankenaufsichtsbehörde hervor.
– Siehe Aufsicht, mikroprudentielle, Aufsicht, europäische, Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Banking Supervisory Committee, Consolidated Financial Reporting Framework, Stress-Test.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 53 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 47 f. (Gründung der Arbeitsgruppe "Common Reporting"; Problem nationaler Wahlrechte), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 11 (geplante Umwandlung des CEBS), S. 40 (Übersicht der europäischen Gremien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.
Committee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors (Ceiops):
Europäisches Gremium zum Austausch von Erfahrungen und zur Erarbeitung gemeinsamer Grundsätze bei der Versicherungs- und Betriebsrententräger-Aufsicht mit Sitz (general secretariat; Generalsekretariat) in Frankfurt am Main. Es bestehen mehrere Arbeitsgruppen. Eine dieser ist das Insurance Group Supervision Committee (IGSC), die sich vor allem mit dem Risikoprofil grenzüberschreitend tätiger Versicherungen beschäftigt.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 52 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 48 (Errichtung der "Occupational Pensions Working Group"), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 51 ff. (aktuelle Berichte der Arbeitsgruppen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 49 ff. (Aufgaben der Arbeitsgruppen in Zusammenhang mit Solvency-II), S. 59 f. (Empfehlung eines Lead Supervisors von der IGSC einstimmig gefordert) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.
Committee on Admission:
Gremium aus Börsenmitgliedern der für den weltweiten Finanzmarkt bis anhin wichtigsten Börse in Neuyork, das über die Zulassung und den Ausschluss von Mitgliedern entscheidet.
– Siehe Big Board, Kotierung, NYSE, Wall Street.
Commodity Fund (so auch im Deutschen gesagt, seltener Warenfonds):
Kapitalverwaltungsgesellschaft, deren Vermögen zur Gänze oder doch hauptsächlich in Waren bzw. Warenterminverträgen angelegt ist. Das Management des Fonds hegt die Erwartung, diese Gegenstände zeitnah oder zum Zeitpunkt des Kontraktablaufs wieder mit Gewinn zu verkaufen.
– Siehe Aufsaugphase, Event-Driven Fund, Hedge-Fonds-Strategien, Option, Risikoüberwachung, gegliederte, Rohstoff-Terminvertrag, Spekulation, Time-Spread, Wagen, Waldfonds, Warenbörse.
– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 42 ff. (Zunahme der Finanzialisierung; damit verbundene Risiken; Literaturhinweise).
Commodity Futures (so auch im Deutschen gesagt, seltener Warentermingeschäfte):
Standardisierte, juristisch verbindliche Verträge (Terminkontrakte) über den Kauf oder Verkauf von an einer Börse notierten Waren. Die Abwicklung erfolgt dabei nicht unbedingt dinghaft, sondern oft durch Barausgleich.
– Siehe Financial Futures, Option.
In den USA eine 1974 errichtete Aufsichtsbehörde, die Produktbörsen überwacht und vor allem die Einhaltung der im Terminbörsengesetz (Commodity Exchange Act) niedergelegten Vorschriften sowie den dazu ergangenen Durchführungsbestimmungen und Richtlinien für den Börsenhandel kontrolliert.
– Siehe Aggregation, Positionen, meldepflichtige.
Common Framework (so auch im Deutschen gesagt):
Den Bestimmungen von Basel-II vergleichbares Regelwerk für Versicherungen, erarbeitet von der Internationalen Vereinigung von Versicherungsaufsehern. Es ist beabsichtigt, dass bis zum Jahr 2014 die entsprechenden Vorschriften allgemein verbindlich werden.
– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S, 39 f. (Einzelheiten; sprachlich grauenvoll: "Konzeptpapier").
Common Reporting, COREP (so auch im Deutschen gesagt; genauer: Common Framework for Reporting of Solvency Ratio):
Vom Committee of European Banking Supervisors eingeleitete Massnahme, das - teilweise ausgeuferte und stark aufgeblähte - Meldewesen aller Banken innert des Euroraums zu vereinheitlichen und zugleich auch zu vereinfachen. Der Meldeinhalt an Aufsichtsbehörden und Zentralbanken wurde dadurch ab Dezember 2007 wesentlich verringert und formularmässig verbessert. Gleichzeitig werden die durch Basel-II erforderlichen Anpassungen bei Eigenmitteln, Kreditrisiken sowie operationellen Risiken und Marktrisiken in den Solvenzmeldungen der Institute erfasst und entsprechend abgebildet.
– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 44 f. (Erläuterung der Arbeit der Arbeitsgruppe), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 89 (EU-weite Übernahme des Meldesystems; nationale Spielräume).
Community Card (so auch im Deutschen gesagt, seltener gemeinschaftliche Warenverkehrskarte):
Im Handel eine zentrale Kundenkarte, die von mehreren Partnern sich ergänzender Konsumbereiche herausgegeben wird, und die in der Regel verschiedene Funktionen, wie z. B. Bonus- und Kreditfunktion, bündelt. Durch Erweiterung ihrer Gebrauchsmöglichkeiten, etwa als Telephonkarte oder Karte für das Electronic Ticketing versucht man, die Anziehungskraft der in Deutschland bis anhin noch wenig verbreiteten Community Cards schrittweise zu erhöhen. Ein Problem (an unresolved issue) bleibt dabei das Einschleusen von gefälschten Karten.
– Siehe Auszahlung, Cobranding-Karte, Computerzahlung, Counterfeit Card, Chipkarte, Cobranding, Geld, elektronisches, Geldpassage, Karte, multifunktionale, Kreditkarten-Fiasko, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Skimming, Sparbuch, Zahlungskarte.
Community Reinvestment Act, CRA:
Durch dieses Gesetz aus dem Jahr 1977 werden Banken in den USA verpflichtet, Bankdienstleistungen vor Ort in befriedigendem Masse anzubieten. Eine weitere Vorschrift legt fest, dass die Institute einen Teil ihrer Darlehn an Sozialschwache (socially weaker persons) und an Minderheiten vergeben müssen, auch wenn diese die banküblichen nötigen Sicherheiten nicht aufbringen können, also nicht kreditwürdig sind. Ziel der letzteren Bestimmung war es, auch unteren Einkommensbeziehern erschwingliches Wohneigentum (affordable housing) zu verschaffen. - Dieser Eingriff der Gesetzgebung in die Vertragsfreiheit der Banken gilt unbestritten als ein wesentlicher Auslöser der Subprime-Krise.
– Siehe Abzahlungshilfen, Darlehnhaftung, beschränkte, Home Mortgage Disclosure Act, Gutgeführt, Jingle Mail, Kreditvergabe-Grundregel, Kreditkarten-Fiasko, Lemon-Problem, Luftpapiere, Ninja-Loans, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Subprime Lending, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.
Complacency (so auch zumeist im Deutschen gesagt; seltener mit Nachlässigkeit übersetzt):
1. die meisten Marktteilnehmer auf Stabilität in den Finanzmärkten bauen und
2. allfällige Risiken aus (gar weltweiten; even worldwide) Turbulenzen bei ihren Erwartungen ausschliessen
3. mit der Gefahr, solchen Verwerfungen gegenüber beim Eintritt nicht ausreichend gewappnet zu sein.
– Ursächlich dafür ist auch oft auch das Vorherrschen unkritischer Modellgläubigkeit. Ein scheinbar beruhigendes Ergebnis aus einem Risikomodell kann bisweilen ein verzerrtes Signal darstellen; so etwa bei Marktrisiko-Modellen in Zeiten ungewöhnlich niedriger Volatilitäten oder von Kreditrisikomodellen im Umfeld eines Immobilienblase.
– Siehe Abschmelzrisko, Finanzmathematik, Liquiditätsmanagement, Risikomodelle, Stress-Test.
Completed Contract-Methode (completed contract approach):
Gewinne bzw. Verluste kommen erst bei Fertigstellung der Investition zur Verrechnung; im Gegensatz zur Percentage-of-Completion-Methode, bei der Ergebnisbeiträge je Rechnungslegungsperiode verbucht werden.
– Siehe Accrual-Prinzip.
Complex Financial History (so auch im Deutschen gesagt; seltener auch übersetzt in komplexe finanztechnische Vorgeschichte):
Vor allem bei Fusionen und Übernahmen tritt der Fall ein, dass ein Unternehmen allfällige finanzielle Verpflichtungen - etwa aus Garantiefällen - übernimmt, die sich in der Bilanz überhaupt nicht oder nicht angemessen (inappropriate: not conforming with regular principles of accounting) widerspiegeln. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verlangt beim Börsengang solcher Unternehmen, im Emissionsprospekt darauf ausdrücklich hinzuweisen.
– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 33 f. (bezügliche Verordnung der Europäischen Kommission), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 196 (Workshop zu diesem Thema) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.
Complex Group (so oft auch im Deutschen gesagt; seltener weltweit tätiges verschachteltes Institut):
In der Terminologie der Aufsichtsbehörden global ein operierender Bankkonzern.
– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Europa-AG, Finanzkonglomerate, Haftungsverbund, Holding, Lead Supervisor, Mischkonzern.
– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 62, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 90, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 109 f. (Einführung eines Management-Informationssystems für Comlpex Groups) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.
Complex Option (so auch im Deutschen gesagt; seltener anpassungsmögliche Option):
Eine Option, welche die Möglichkeit einschliesst, innert der Vertragsdauer zwei wichtige Merkmale, nämlich
1. den Ausübungspreis und/oder
2. die Menge des dem Vertrag zugrunde liegenden Basiswertes gemäss vereinbarter Bedingungen zu ändern.
– Siehe European Master Agreement, Option, Kontrahentenrisiko, Wiedereindeckungs-Risiko.
Compliance (so auch zumeist im Deutschen gesagt, daneben Regeltreue; aufsichtsrechtlich übersetzt: Handeln in Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften):
1 Der Umstand, dass man sich im bankgeschäftlichen Handeln nach den Regeln des Unternehmens richtet (the fact of being in compliance with the applicable regulations governing one's firm activities).
2 Bankinternes Überwachungsorgan mit dem Ziel, die Einhaltung der Gesetze, Vorschriften, Verhaltensmassregeln und Weisungen sicherzustellen, um dadurch operationelle Risiken zu vermeiden.
3 Im Sprachgebrauch der Aufsichtsbehörden alle Massnahmen, mit denen Unternehmen Verstössen gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen entgegenwirken müssen.
– Siehe Abschottung, Banker-Stammtisch, Beobachtungsliste, Chinese Wall, Corporate Governance, Due Diligence, Insider, Kerviel-Skandal, Kundenberatung, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Nominee, Organkredite, Regel 404, Sperrlisten, System Securities Watch Application (SWAP), Transaktionsüberwachung, Untertunnelung, Verhaltenskodex, Wall Crossing, Whistleblower, Wall Crossing, Wohlverhaltensregeln.
– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 79 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 123 (interne ex-post-Transaktionsüberwachung, um das Kundeninteresse zu wahren), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 130 f. (Compliance-Organisation wird geprüft), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 136 (Auslagerung der Compliance-Tätigkeit; Assistenz-Lösungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 140 (Anforderungen an die Complicance-Organisation; Workshops mit der BaFin), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 162 f. (Compliance als Schwerpunkt der Aufsicht; Rundschreiben der BaFin zu Fragen der Compliance), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 138 f. (neue Mindest-Anforderungen an die Compliance), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 143 f. (Mindestanforderungen an die Compliance; präzisierendes Rundschreiben der BaFin), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 127 f. (Neufassung: Vorstellung einzelner Regelungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute"), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 43 ff. (Compliance von Geschäftsleitern), S. 116 (Prüfung der Auslagerung von Compliance-Aufgaben auf fremde Dienstleister ergab Beanstandungen).
Composite (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):
1 Ein aus verschiedenen börsentäglich notierten Werten gebildeter Aktienindex, wie etwa der Shanghai Stock Exchange Composite (Index) oder der Nasdaq Composite (Index); das Wort "Index" wird oft weggelassen.
2 Bei einem strukturierten Finanzprodukt ist die Handelswährung eine andere als die Währung des Basiswertes (der Bezugsbasis; underlying asset). Damit ist das Produkt mit dem Risiko eines ungünstigen Wechselkurses bei Vertragsfälligkeit behaftet.
– Siehe Quanto, Tracker-Zertifikat.
Comprehensive Assessment, CA (so auch zumeist im Deutschen; seltener mit Startprüfung und im Jargon auch mit Bankengesundheitscheck übersetzt):
Zu Beginn der europäischen Bankenaufsicht vorgenommene Bestandsaufnahme der 124 Banken - 24 davon deutsche - im Eurogebiet; dies entspricht etwa 85 Prozent der Bilanzsumme aller Banken im Eurogebiet. Die Prüfung besteht aus
1. einer umfassenden Risikoinventur; dabei sollen wesentliche Risiken wie Liquidität und Verschuldungsgrad aufgedeckt werden;
2. einer eingehenden Bewertung der Aktiva, der Asset Quality Review sowie
3. einem Stress-Test.
– Siehe Allfinanzaufsicht, Asset Quality Review, Aufsichtsmechanismus, einheitlicher, Aufsichtskollegium, Bankenunion, Banking Supervisory Committee, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Makrostress-Test, Regelwerk, einheitliches, Simulationstest.
– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 83 ff. (Vorstellung des CA; Mitwirkung der BaFin).
Computerbörse (screen-based trading; computerised trading):
Markt, bei welchem der Handel von Titeln über elektronische Systeme vorgenommen wird.
– Siehe Börse, elektronische, Devisenhandel, computerisierter, Eurex, Flash Crash, Geisterstunde, Geldmarkt-Segmente, Handelssystem alternativer, Parkett.
Computergeld (e-money):
Besondere Art von Buchgeld, über das allein mittels Rechenanlagen verfügt wird.
– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Geld, elektronisches, Giropay, Netzwerkgeld, PayDirect, Payez Mobile, Spielgeld.
Computerzahlung (electronic payment):
Begleichen von Rechnungen mittels programm-gesteuerter elektronsicher Rechenanlage über das Internet, besonders im C2B-Bereich. Trotz anderslautender Vorhersagen bis anhin - ausser im Bereich der Internet-Verstei¬gerungen, wo Auktionsfirmen teilweise eigene Systeme bereitstellen - noch von geringer Bedeutung, weil
1. Barzahlung, Geldkarte und Überweisung beim Publikum tief verwurzelt sind, gut funktionieren und im Alltag - Einkauf im Supermarkt, Rechnung im Restaurant - das Naheliegende sind,
2. bei Bezahlung über den Computer Gebühren anfallen bzw. man bei einem Provider ein Konto unterhalten muss,
3. es international noch verschiedene Software-Systeme gibt,
4. das Sicherheitsvertrauen in diese Zahlungsart minim ist, und
5. nicht alle Privathaushalte und kleinere Läden einen Internetanschluss besitzen bzw. diesen nicht laufend nutzen (möchten).
– Siehe Billpoint, Bitcoins, Chipkarte, Geld, elektronisches, Geldkarte, Netzgeld, Netzgeldgeschäft, PayDirect, Unbanked, Zahlung, schriftliche, Zahlungsbetrugs-Risiko.
Concession Shop (so auch im Deutschen gesagt; seltener Lizenzpartner und im Jargon auch Lichtbringer):
Im Falle von Banken Verkaufsniederlassungen von Partnern, die sich in der Schalterhalle oder in den Vorräumen (foyers; Foyers) befinden, und die ihre Geschäfte dort mit eigenem Personal und auf eigene Rechnung betreiben. - Man glaubt, dadurch die Anziehungskraft der - häufig schon durch ihre architektonische Gestaltung abweisenden) Bankgebäude sowie der nicht selten eintönigen Schalterhallen für die breite Kundschaft zu erhöhen. Aus dem Warenhaus-Bereich kommend, hat sich diese Form des Zusammengehens bei den Banken in Deutschland - im Gegensatz etwa zur Schweiz - bis anhin nur spärlich durchgesetzt. In den Vorstandsebenen deutscher Institute ist man weithin der Meinung, Concession Shops seinen für ein Geldhaus imageschädigend und seien ein Störfaktor für die Corporate Fashion.
– Siehe Branding, Cobranding-Karte, Cross-Selling-Potential, Kultursponsoring, Sponsor.
Condor-Anleihe (so auch im Deutschen gesagt):
Besondere Form einer indexgebundenen Anleihe. Sie bietet bei der Emission eine im Verhältnis zu vergleichbaren Titeln höhere Verzinsung. Die Höhe des Tilgungsbetrags jedoch ist mit einen - jeweils vertraglich vereinbarten - Index verkettet. Sobald sich dieser Index über eine abgesprochene Schwankungsbreite hinaus bewegt, so mindert sich der Tilgungsbetrag, welcher dem Inhaber der Anleihe ausbezahlt wird. In der Regel wird aber ein bestimmter, vom Indexstand unabhängiger Mindest-Rückzahlungsbetrag (minimum repayment sum) vereinbart.
– Siehe Anleihe, indexgebundene, Break-Even-Inflationsrate, Emission, indexierte, Hafen, sicherer, Indexanleihe, Indexfonds, Notzeit-Anlagen, Swap, inflationsindexierter, Zinsswap.
Conduit-Gesellschaft, oft nur Conduit und teils sächlichen, teils männlichen Geschlechts (conduit):
1. eine insolvenzferne Zweckgesellschaft (bankruptcy-remote special purpose entity: a subsidiary or affiliate institution whose asset-liability-structure and legal status makes its obligations secure even if its parent company or guarantor goes bankrupt),
2. die auf Dauer angelegt ist (conduit = a stable tube or duct for carrying and shielding electrical wires or cables; Isolierrohr, Kabelummantelung) und
3. dazu dient, die von einer originierenden Bank oder mehreren Originatoren
4. in einen Pool gebrachten Asset-Backed Securities
5. zu tranchieren und
6. am Markt als Verbriefungspapiere unterzubringen. In der Regel werden aber Zweckgesellschaft und Conduit gleichgesetzt.
– Sind in einem Conduit Forderungen mehrerer Forderungsverkäufer gebündelt, so spricht man manchmal auch von einem Multi-Seller Conduit. - Conduits werden regelmässig im Ausland gegründet und gehalten, um der deutschen Gewerbesteuer (trade tax) zu entgehen.
– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anlagevehikel, Back-to-Originator-Postulat, Bankenregulierungs-Paradoxon, Credit Enhancement Einzel-Originator-Verbriefung, Kreditzusagen, unwiderrufliche, Originate-to-distribute-Strategie, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Schachtelgesellschaft, Schattenbankbereich, Stimmrecht-Kriterium, Subprime-Krise, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.
Consensus Economics (so auch im Deutschen gesagt):
Von der Europäischen Kommission in Brüssel gesammelte und veröffentliche Prognosen aus Verbraucher-Umfragen in verschiedenen Ländern der EU. Für die Zentralbank in Hinblick auf die Inflationserwartungen von Bedeutung.
– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Einkaufsmanager-Umfrage, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Inflation, gefühlte, Inflation Targeting, Realzinsargument, Swap, inflationsindexierter, Theilscher Ungleichgewichtskoeffizient, Warenhorte.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 16 ff. (S. 18: Übersicht der Umfragen und der Erhebungsmerkmale), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S: 28 f. (Grundsätzliches zu den Unsicherheiten bei der Vorausschätzung), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise).
Consolidating Supervisor (auch im Deutschen gesagt, seltener konsolidierte Aufsichtsbehörde):
Begriff aus dem Aufsichtsrecht und bezogen auf Institute, die in mehreren Ländern oder gar weltweit tätig sind. Die für die Muttergesellschaft (Konzernleitung) zuständige nationale Aufsichtsbehörde muss hier mit den jeweiligen Aufsichtsbehörden in den Ländern zusammenarbeiten, in denen das Institut Filialen unterhält, um eine Aufsichtsvermeidung auszuschliessen. Bei unterschiedlichen Einschätzungen der Aufsicht vor Ort und dem Consolidating Supervisor hat der Letztere nach Art. 129, Abs. 2 der Bankenrichtlinie das Letztentscheidungsrecht.
– Siehe Bankenaufsicht, europäische, International Business Company, Managed Bank, Memorandum of Understanding, Models Task Force, Supervisory Review and Evaluation Process, Teilgruppen-Aufsicht.
– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 45 ff. (entsprechende Regelungen nach Basel-II; über Europa hinausgehende Zusammenarbeit).
Consumer Financial Protection Agency, CFPA:
In den USA im Gefolge der durch die Subprime-Krise ausgelösten Finanzkrise 2009 eingerichtete Behörde mit der Aufgabe, vor allem das Geschäft für Hypothekenkredite und Karten zu regeln.
Consulting (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Beratung):
1 Allgemein jederart Beratung, auch der Kunden durch ein Institut.
2 Wer hauptberuflich Unternehmen über die Kapitalgliederung, hinsichtlich der Geschäftsstrategie sowie bei Fusionen und Übernahmen berät, wird in Deutschland nach § 10, Abs. 3 den Finanzunternehmen beigezählt. Er bedarf einer Erlaubnis nach § 32 KWG und unterliegt der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.
– Siehe Controlling.
Container-Banking (so auch im Deutschen gesagt; seltener Bauwagen-Bankgeschäft):
1 Vorübergehendes Angebot (provisional offer) von Bankdienstleistungen in einem zu diesem Zweck aufgestellten und entsprechend umgearbeiteten Metallbehälter (Massengutbehälter; container), besonders in Verfolg der Vor-Ort-Präsenz bei Grossveranstaltungen wie Feste, Kirchentage, Sportereignisse, Konzerte, Jahrmärkte und Messen.
2 Abfällige Bezeichnung für die in Flachbauweise errichteten und als abstossend empfundenen, dazu oft auch räumlich engen Bankgebäude, vor allem innert der Hochhaus-Siedlungen in den Aussenbezirken grosser Städte (suburbs: outlying quarters of large cities; outskirts).
– Siehe Bank, Banking, Customasing, Geld(ausgabe)automat, McDonaldisation, Verlagerungskosten.
Contango (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):
1 Prolongationsgebühr, im Handel mit Effekten gewöhnlich vom Verkäufer getragen.
2 Im Warenterminhandel die gewöhnliche Marktnotierung, bei welcher der Kassapreis niedriger ist als der Terminpreis (regular market situation in which prices in subsequent delivery months are progressively higher than in the nearest delivery month).
3 Der Unterschied zwischen dem Kassakurs und dem Terminpreis einer Ware. Diese Differenz gilt im Wesentlichen als Ausdruck der Finanzierungskosten; jedoch spielen auch entsprechende Erwartungen eine Rolle.
– Siehe Backwardation, Call, Markt, inverser, Option, Put, Rohstoff-Terminvertrag, Terminspekulant, Warentermin-Kontrakt.
Contango-Makler (contango broker):
Ein Börsenmakler, der einem anderen Makler kurzfristig, in der Regel bis zum nächsten Börsentag, Geld zum Ausgleich von dessen Konten leiht, und zur Besicherung des Darlehns von diesem Effekten in Verwahr nimmt.
Contant auch comptant:
In alten Dokumenten bedeutet dieses Eigenschaftswort Zahlung in Bargeld. Die Klausel "in contanti" in Verträgen besagt: Begleichung einer fälligen Schuld durch Münzen oder Banknoten.
– Siehe Barzahlung, Spores Raffel.
Contingent Credit Line (so auch im Deutschen gesagt):
Vom Internationalen Währungsfonds 1999 geschaffene Möglichkeit, im Falle einer besonderen Krisenlage in einem Land sehr rasch Darlehn zu erhalten.
– Vgl. Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 103.
Contingent Swap (contingent interest rate swap):
Vertrag, bei welchem die Bedingungen für einen künftigen Zinsswap im Voraus festgelegt sind. Gegen
1. Zahlung einer Prämie erwirbt
2. der Käufer des Optionsvertrags
3. das Recht aber nicht die Verpflichtung,
4. innert eines vertraglich festgelegten Zeitraums oder
5. zu einem genau festgelegten Datum den Abschluss des Zinsswaps zu fordern.
– Vor allem in Zeiten - erwarteter - stark schwankender Zinsbewegungen bietet ein solcher Optionsvertrag die Möglichkeit, sich gegen Zinsrisiken abzusichern (to hedge against interest-rate risks).
– Siehe Cap, Chooser Cap, Derivate, European Master Agreement, Futures-Märkte, Langfristkultur, Laufzeitprämie, Tagesgeldsatz-Swap, Zinsoption, Zinsswap.
Continuous Linked Settlement System, CLS (so auch im Deutschen gesagt):
International von global tätigen privaten Banken im Jahr 2002 eingerichtete Stelle mit dem Zweck des Austauschs von Währungen Zug um Zug (payment versus payment, abgekürzt oft PvP). Damit entfällt das Ausfallrisiko, wenn eine Partei zahlungsunfähig wird. Darüber hinaus gestattet das System eine zeitliche und kostenmässige Verbesserung der Abwicklung. Schätzungen gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren weltweit mehr als neunzig Prozent aller Devisengeschäfte über CLS mit Sitz in Neuyork abgewickelt werden; im Jahr 2006 waren es bereits 43 Prozent.
– Siehe Abwicklung, vollautomatisierte, Clearing-Haus, automatisches, Fernzugang, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Überweisungssystem.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2002, S. 60, Jahresbericht 2001 der EZB, S. 143, Jahresbericht 2003 der EZB, S. 131 f., Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 136 f. sowie sehr ausführlich darstellend Monatsbericht der EZB vom Januar 2003, S. 59 ff., Jahresbericht 2007 der EZB, S, 170 (kooperative Überwachung des Systems; Erweiterung der Geschäfte auf Non-deliverable Forwards; Zahlen zum Geschäftsumfang), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 142 f. (CLS wird in den USA als systemrelevantes Finanzmarktunternehmen eingestuft; Überwachungsfragen) und den jeweiligen Geschäftsbericht der EZB, Kapitel "Überwachung der Zahlungssysteme und Marktinfrastrukturen).
Contractual Trust Arrangement, CTA (so auch im Deutschen gesagt; seltener Pensions-Treuhandtrust):
Vertrag, bei dem ein Unternehmen alle Aktiva, die für die betriebliche Altersversorgung der Mitarbeiter bestimmt sind, auf ein Treuhandunternehmen (trust company) auslagert, welches diese Beträge dann in verschiedene Finanzinstrumente anlegt.
– Siehe European Master Agreement, Outsourcing, Pensionsverpflichtungen.
– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 85 (Fragen der Erlaubnis), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 188 (Treuhänder unterliegen der Erlaubnispflicht, wenn diese nicht Mutter-, Tochter- oder Schwesterunternehmen [Konzernprivileg] sind), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 53 f. (IOPS-Leitlinien zur Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung; Bericht über Outsourcing-Probleme), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 67 ff. (Katalog zur Messung aufsichtlichen Erfolgs; Leitlinien der IOPS zu den Interventionsrechten der Aufsichtsbehörden; Regeln zum Risiko-Management), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 66 f. (einheitliche Regeln für die Beaufsichtigung vorgestellt) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (demographische Entwicklung birgt Gefahren für Einrichtungen der Altersvorsorge).
Controlling (managerial accounting):
Allgemein bei einer Bank die Abteilung, welche alle für die Steuerung geschäftlicher Abläufe wichtige Angaben zusammenträgt und aufbereitet, um damit die Entscheidungen der Geschäftsleitung unterstützen zu können. Im Einzelnen ist der Aufgabenkreis der entsprechenden Abteilungen in der Praxis ziemlich unterschiedlich festgelegt, und aus diesem Grund der Begriff "Controlling" auch sehr schwer genau zu definieren.
– Siehe Consulting.
Controlling, finanzielles (financial controlling):
1 Die mittelfristige Finanzplanung (Budgetierung) und das Liquiditätsmanagement allgemein bzw. in einer Bank.
2 Bankdienstleistung, bei der von Fachkräften der Bank selbst oder ihr nahestehender Dienstleistungszentren die Finanzplanung und das Liquiditätsmanagement für kleinere und mittlere Unternehmen gegen Bezahlung übernommen wird.
– Siehe Cash-Management, Consulting.
Control Premium (so auch im Deutschen gesagt):
Betrag, den ein Investor zu zahlen bereit ist, wenn er eine kontrollierende Beteiligung
1. allgemein an einem Engagement und
2. im Besonderen an einem Unternehmen erlangt (the amount paid to gain adequate ownership interest to control a corporation or other entity. This would usually be an amount in excess of the simple fair market value of the shares sought to be purchased).
– Anleger, die nur eine Minderheitsbeteiligung (minority holding) kaufen, verlangen oft einen entsprechenden Abschlag (minority interest discount). Denn der Mehrheits-Aktionär entscheidet unter anderem darüber, wie die Vermögenswerte des Unternehmens eingesetzt werden, wer die Unternehmung führt, wie das Kapitalgefüge gestaltet und sogar auch, ob das Unternehmen verkauft werden soll (nominating the company directors and appointing its officers, declaring and distributing dividends, entering into contractual relationships with customers and suppliers, raising debt or equity capital for the company, hiring and dismissing employees, selling or acquiring assets or even vending the company). Das rechtfertigt eine Control Premium bzw. einen Minority Interest Discount.
Convertible Arbitrage (so auch im Deutschen gesagt; seltener Anleihe-Aktien-Arbitrage):
Die Ausnutzung von Bewertungsunterschieden zwischen Wandelanleihen und Aktien eine (an investing strategy that involves the long position on a convertible security and a short position in its converting common stock). In grösserem Stil widmen sich Hedge-Fonds diesem besonderen Geschäftsfeld. Sie sorgen damit für einen börsentäglichen Gleichlauf (synchronous run) der Kurse von Aktien und Wandelanleihen des betreffenden Unternehmens.
– Siehe Hedge-Fonds-Arten, Index-Arbitrage, Long-Short-Arbitrage.
Cook Ratio und Cook-Ratio (so auch im Deutschen gesagt):
Im Zuge von Basel-II eine Messzahl für die Mindestkapitalanforderung. Danach muss, wie bereits bei Basel-I, die Eigenkapitalquote, nämlich das Verhältnis zwischen Eigenkapital und risikogewichteten Aktiva, mindestens acht Prozent betragen.
– Siehe Deckungsquote, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Leverage-Ratio, Risikokapitalquote, Verlustabsorptionsfähigkeit.
– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 38 f. (die Aktiva-Produktivität deutscher Institute seit 2002; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 59 ff. (bankaufsichtliches Eigenkapital im Zuge von Basel-III).
Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS):
Vom Internationalen Währungsfonds seit 1997 jährlich durchgeführte Erhebung über grenzüberschreitende Wertpapieranlagen, aus welcher die Zentralbanken wichtige Informationen gewinnen können.
– Siehe Zwei-Säulen-Prinzip, Zahlungsbilanz.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 80.
Core Money (so auch im Deutschen gesagt):
In der Sprache der Zentralbanken der Zuwachs an Liquidität, der über den zur Finanzierung des gesamtwirtschaftlichen Potentialwachstums nötigen Teil hinausgeht.
– Siehe Wachstum.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 24 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 51 ff. (Entwicklung des Potentialwachstums in der Eurozone; Tabellen).
Core Principles for Effective Banking Supervision (so zumeist auch im Deutschen):
Grundsätze einer wirksamen Bankenaufsicht, wie diese vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht aufgestellt wurden. Sie sollen sicherstellen, dass
1. Lücken im internationalen Aufsichtssystem verhindert werden, und
2. es weltweit zu einer ausreichenden Überwachung und Regulierung der Finanzmärkte kommt.
– Siehe Bankenaufsicht, europäische.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 17, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 83 ff. (zu der internationalen Koordinierung der Aufsicht).
Corner (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):
1 An der Börse allgemein der Versuch eines einzelnen grossen Marktteilnehmers oder einer sich zu diesem Zweck zusammenschliessenden Gruppe von Marktteilnehmern, alle verfügbaren Stücke einer Gattung - vor allem: Ware, Aktie - aufzukaufen. Ziel ist es, den Kurs in die Höhe zu treiben, um den Käufern den Preis diktieren zu können (acquiring such relative control of a commodity or share that its price can be manipulated.
2 Im Besonderen die Bezeichnung für eine Lage an der Börse, bei der die Leerverkäufe von Aktien - seltener auch von Waren und Edelmetallen gesagt - durch Baissiers erheblich über den Bestand des am Markt verfügbaren Angebots hinausgehen. Die Baissiers müssen unter Umständen die zur Erfüllung ihrer Kontrakte benötigten Titel zu überhöhten Kursen kaufen.
– Siehe Agiotage, Aufsicht, europäische, Aufsichtsbehörden, Bear Raid, Bull Raid, Citigroup-Manipulation, Geschäfte, abgesprochene, Hockeyschläger-Angebot, Kursmanipulation, Leerverkauf, Marktmanipulation, Spekulation.
Cornerstone Investor (so auch im Deutschen gesagt; seltener Basisanleger):
Eine namhafte Person, eine Firma oder eine öffentliche Stelle - einschliesslich verschiedener Fonds der EU -, die sich an einem Engagement beteiligt und in der Regel ausser Kapital auch Intangibels wie Marktkenntnisse, Kontakte zu ausländischen Kunden, Geschäftsverbindungen oder - wie besonders bei Public Private Partnerships- ihr Ansehen, ihr gutes Image, ihre Reputation einbringt.
– Siehe Co-Investment, Endanleger, Finanzinvestition, Landmark Building-Darlehn, Multisourcing, Vermögen, immaterielles.
Corporate Bonds (so auch oft im Deutschen gesagt; daneben Unternehmensanleihen und Firmenanleihen):
Anleihen, die von einem Unternehmen zwecks Beschaffung von Fremdkapital (borrowed capital) begeben werden.
– Siehe Gewinnbesteuerung, Unternehmensanleihen.
– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 26 (Vergleich Renditen mit denen von Staatsanleihen seit 2006), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 29 (Corporate Bond-Spreads 2007 bis 2011, nach Ratingklassen aufgeschlüsselt).
Corporate Centre (so auch häufig im Deutschen):
Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Konzernleitung (group management, central management) einer Unternehmensgruppe.
– Siehe Octopus.
Corporate Fashion (so auch im Deutschen gesagt):
In Bezug auf eine Bank eine einheitliche oder doch gleichförmige (uniform) Kleidung der Mitarbeiter (a style of clothing worn by members of an institute while participating in the bank's activity). - Im Zuge der Bemühungen um eine Corporate Identity, nämlich ein einheitliches Erscheinungsbild gegenüber den Kunden und der Öffentlichkeit, sind Fragen zur Corporate Fashion wieder an eine der vordersten Stellen gerückt.
– Siehe Banker-Stammtisch, Behavioural Branding, Concession Shop, Corporate Governance, Dress Code, Leitbildfestlegung, McDonaldisation, Silodenken, Tenu-Schlamper.
Corporate Finance (so auch oft im Deutschen):
1 Jedwelche Geschäfte einer Bank mit den Firmenkunden.
2 Lehre und Praxis, die sich auf die Finanzierung eines Unternehmens bezieht (specific area of finance dealing with the financial decisions corporations make, inclusive of the tools and analysis used to make the decisions).
– Siehe Later Stage Finanzierung, Privatkredit.
Corporate Governance (so auch im Deutschen; manchmal mit Grundsätze der Unternehmensführung übersetzt):
1 Allgemein eine Verfahrensweise mit dem Ziel, ein Unternehmen zu führen, zu verwalten und/oder zu überwachen (the method by which a corporation is directed, administered and/or controlled).
2 Richtlinien und Vorschriften zur Leitung und Überwachung von börsennotierten Gesellschaften. Entsprechende Bestimmungen sind
1. in erster Linie gesellschaftsrechtliche, in Deutschland grösstenteils im HGB (German Code of Commerce) kodifizierte Regelungen, wie vor allem interne Kontrolle, Rechte und Pflichten der Verwaltungsorgane und der Hauptversammlung sowie deren Verhältnis zueinander. Daneben sind
2. kapitalmarktrechtliche Vorschriften wie vor allem Transparenz wichtiger Bestandteil der Corporate Governance. Neben diesen gesetzlichen Vorschriften (legal requirements) haben auch viele Unternehmen teilweise umfangreiche
3. firmeninterne (in-house) Grundsätze eingeführt, die eine besondere Firmenkultur (company culture, corporate culture) prägen, wie beispielsweise hinsichtlich der Beziehungen der Mitarbeiter untereinander und das Verhalten in Bezug auf den Umgang mit Kunden und Lieferanten. Die Wirkweise solcher Grundsätze versucht hier die Organisationstheorie (organisational theory) als Wissenschaft über die Funktionsweise von gesellschaftlichen Gebilden zu erklären.
– Siehe Abschottung, Banker-Stammtisch, Chinese Wall, Compliance, Corporate Fashion, Insider-Meldepflicht, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Nominee, Offenlegungspflicht, Organkredite, Prospekt-Rechtssetzung der EU, System Securities Watch Application (SWAP), Untertunnelung, Verhaltenskodex, Wall Crossing.
– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 43, Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 93 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darlegung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 89 ff. (hier auch Konfliktsituationen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 53 f. (Weiterentwicklung aufsichtlicher Massnahmen; Bericht der IOSCO zum Thema Unabhängigkeit von Verwaltungsorganen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 83 ff. (Corporate Governance bei grenzüberschreitende Bankfusionen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 63 ff. (Studie über Mängel bei Corporate Governance, verschiedene Leitlinien), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 96 ff. (weitere Tätigkeiten und Vorschläge des Committee on Corporate Governance) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales"; Jahresbericht 2010 der EZB, S. 212 ff. (Corporate Governance bei der EZB), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 72 ff. (verschiedene Schritte zur Stärkung der Corporate Governance.
Corporate Governance Forum (so auch im Deutschen):
Im Jahr 2004 von der EU-Kommission gegründetes Gremium aus fünfzehn Fachleuten mit dem Ziel, die besten Verfahren der Corporate Governance in allen Mitgliedsstaaten zu ermitteln und die Kommission zu beraten.
– Siehe Anlegerschutz, Ausschuss-Wahn, Geldverbrennung, Regulierungswut.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 100.
Corporate Venture Capital-Gesellschaft (auch abgekürzt CVC-Gesellschaft):
Tochterfirma eins Grossunternehmens, das eine schöpferische Idee (innovative idea) verwirklicht, die im - schwerfälligen - Mutterkonzern kaum zur Reife gelangen könnte. - Häufig entspriesst dabei die Innovation den Reihen der Konzernmitarbeiter, die dann zu einem Start-up ausgegliedert und zunächst von der Konzernmutter (parent company) mit Wagniskapital ausgestattet werden. Inhaltlich ist das von der CVC-Gesellschaft hergestellte Gut als Ware oder Dienstleistung dabei in der Regel auf das Kerngeschäft des Konzerns bezogen, so dass sich ein für beide Seiten nützliches Zusammenspiel ergibt (Synergieeffekte; synergy effects: supportive interaction among groups, here among the parent company and the start-up, that creates an enhanced combined effect). - Einige Grossunternehmen - wie etwa die Novartis AG, Basel - werben auch in der breiten Öffentlichkeit um Innovatoren und bieten diesen eine entsprechende Betreuung an.
– Siehe Antiverwässerungsklausel, Bonitätsverschlechterung, konzernbedingte, Gründungsgeld, Konzernbank, Todesspirale, Wagniskapital.
Corporate Volunteering (so auch im Deutschen; seltener Freiwilligenarbeit):
1 Allgemein die freiwillige und unbezahlte Arbeit einer Gruppe, um gemeinnützige Vorhaben (charitable projects) auszurichten.
2 Im Besonderen der unentgeltliche Einsatz von Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen einer Bank, um einem in eine Schieflage geratenen Kunden - im Regelfall eine karitative Organisation, also eine wohltätige Vereinigung wie etwa einen Waisenfonds (orphans fund) - wieder auf die Beine zu helfen.
Corrigan-Gruppe (so auch im Deutschen gesagt):
Häufige Abkürzung für die Counterparty Risk Management Policy Group.
Cost-Average-Effekt (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch Durchschnittsverfahren genannt):
Bei Kapitalverwaltungsgesellschaften kann ein vertraglich ausgemachter starrer Einzahlungsplan dafür sorgen, dass der Anleger innert bestimmter Zeitabschnitte (Monat, Vierteljahr) jeweils eine feststehende Summe für den Erwerb von Fondsanteilen ausgibt. Der Vorteil hierbei ist, dass der Anleger bei niedrigem Fondspreis viele Anteile, bei hohem Fondspreis hingegen nur wenige Anteile kauft. Im Durchschnitt beschafft er aber auf diese Weise die Anteile günstig.
– Siehe Staffelung.
Cost-Income Ratio (so auch meistens im Deutschen gesagt; seltener Aufwand-Ertrags-Verhältnis):
Gemäss IFRS der Verwaltungsaufwand (administrative costs) einer Bank im Verhältnis zum Ertrag, grob: Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss und Handelsergebnis. Die Kennzahl gilt als wesentlich bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit (cost effectiveness: das Verhältnis von Kosten zu Leistung) eines Instituts.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung; Gliederung der Zinserträge und Zinsaufwendungen, Übersichten, S. 23: Aufwand/Ertrag-Verhältnis der letzten Jahre) sowie den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank.
Cost-of-Capital-Ansatz, CoC:
Im Zuge von Solvency-II vorgeschriebene Berechnung der Risikomarge bei Versicherungen. Danach ist der Zeitwert der Kosten für das in Zukunft benötigte Kapital zu ermitteln.
– Siehe Kapital, verfügbares, Solvenzbilanz, Unternehmensfinanzierung.
– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 49 f. (Berechnung nach Solvency-II).
Cost-Push-Inflation (so auch im Deutschen gesagt, seltener kosteninduzierte Inflation):
Die Erhöhung der Verkaufspreise durch die Unternehmen aufgrund der Tatsache, dass deren Kosten - wie Löhne, Zinsen, Steuern, Rohstoffkäufe - gestiegen sind.
– Siehe Demand-Pull-Inflation, Geldwertstabilität, Inflation, Lohn-Preis-Spirale, Sparquote.
– Vgl. Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 64 ff. (Auswirkung indirekter Steuern auf die Inflation; Übersichten).
Cottagegeld (cottage deduction):
Kürzungsbetrag des ausbezahlten Lohns durch den (frühindustriellen) Arbeitgeber in Verrechnung für die Überlassung eines Häuschens (Cottage; cottage: kleines Eigenheim ohne Unterkellerung und zumeist lediglich aus einem Erdgeschoss bestehend) an den Beschäftigten.
– Siehe Frings Benefits, Haus(geld)abzug.
Counterfeit Card (so auch im Deutschen gesagt; seltener manipulierte Karte):
1 Eine unechte Geldkarte, die nicht von der Karten ausgebenden Bank in Umlauf gebracht, sondern von Fälscherwerkstätten - derzeit vor allem in Asien - hergestellt wurde. - Die Falsifikate sind seit etwa 2000 so ausgereift, dass sie selbst von Experten erst nach aufwendiger Prüfung als nachgemachte Karte sicher zu erkennen sind, und im täglichen Verkehr als Fälschung nur selten auffallen.
2 Eine zwar von einem rechtmässigen Ausgeber in Verkehr gebrachte Geldkarte, die aber durch Umcodierung (code conversion) verfälscht wurde.
– Siehe Ablehnung, Blind Pool, Brücke-Abneysches Phänomen, Card Validation Code, Computerzahlung, Einziehung, Enabler, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Geld, böses, Konto, falsches, Phishing, Prozessor, Racheengel, Schattenbankbereich, Skimming, Underground Banking, Winkelmakler.
Counterparty Risk Management Policy Group (Corrigan Group):
Nach dem Kollaps des Hedge-Fonds Long-Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1999 von führenden Vertretern international tätiger Banken gegründete Arbeitsgruppe mit dem Ziel, Risiken bei Hedge-Fonds aufzufächern und im Gespräch mit den Aufsichtsbehörden geeignete Vorsorge gegen Schieflagen (financial difficulties) zu erörtern. Der Arbeitskreis organisierte sich 2005 neu und erarbeitete vor allem Empfehlungen zum besseren Risikomanagement bei neuen Finanzinstrumenten.
– Siehe Aufsichtsgespräche, Hedge-Fonds-Gefahren.
Courant normal und Normalgeschäft (normal workflow, day-today-business operations):
Die in einem Institut arbeitstäglich anfallenden Geschäfte, die an einem Werktag üblicherweise zu verrichtenden Arbeitsgänge, Der Ausdruck wird im Schweizerdeutschen häufig gebraucht, im Binnendeutschen nur selten.
Courtage und neuerdings manchmal auch Kurtage (brokerage, procuration money, broker's commission):
1 Allgemein das Entgelt, welches ein Makler für seine Dienste bei einer (erfolgreichen) Geschäftsvermittlung (business mediation) enthält.
2 Im Besonderen die Vermittlungsgebühr beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Waren oder Devisen an der Börse. - Nach deutscher Rechtsprechung müssen vor allem bei Geschäften auf dem Finanzmarkt sämtliche Modalitäten in Zusammenhang mit der Courtage, wie Berechnungsrat, Betrag, und Fälligkeiten, unmissverständlich klargelegt werden (have to be described unmistakably).
– Siehe Abschlussprovision, All-in-Fee, Bankgebühren, Billing, Deduktion, Disagio, Geschäfte, provisionsabhängige, Gebühr, Maklergebühr, Marge, Pauschaltarif, Provision, Proxenetikum, Vergütung.
Covenant (so auch im Deutschen gesagt; seltener Verpflichtungserklärung):
In Bezug auf den Finanzmarkt eine schriftliche Darlegung, die ein Unternehmen der kreditgebenden Bank abgibt (an agreement in a loan document to do or not do something specified). In ihr werden im Einzelnen Dinge wie
1. Verschuldungsverbot bei anderen Banken, Gestellung von Sicherheiten, Informationspflichten oder Veräusserungsverbote (Legal Covenants) festgelegt. Darüber hinaus
2. verspricht das Unternehmen, bestimmte Bilanzrelationen einzuhalten, gewisse Bilanzposten in vereinbartem Mindest- bzw. Höchststand zu belassen (sog. Cover Ratios), Ergebniskennzahlen der Bank laufend mitzuteilen usw. (Maintenance Covenants, Financial Covenants) und
3. die fälligen Zahlungen für Versicherungen und Steuern aufrechtzuerhalten (Affirmative Covenants).
– Im Falle der Nichteinhaltung hat das Unternehmen in der Regel vorher vertraglich festgelegte Konventionalstrafen - hier meistens Pönale [contractual penalty] genannt - an die Bank zu zahlen. In manchen Verträgen gibt die Nichteinhaltung eines Covenants der Bank auch das Recht, das Darlehn sofort fällig zu stellen (kassatorische Klausel; forfeit clause).
– Siehe Anlagemut, Bankkunden-Profil, Basel-II, Corporate Finance, Darlehn, widerrufenes, Drittverzugs-Klausel, Downgrade-Trigger-Klausel, Emerging Markets, Event of Default, Financial Covenants, Gesamtfälligkeit, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditverbriefung, Kunden, faule, Leveraged Loans, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Schock-Bewältigung, monetäre, Szenarien, aussergewöhnliche, Übermut, Verwirkungsklausel.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 102 (Covenants bei Leveraged Buy-outs).
Covenant Cure (so auch im Deutschen gesagt):
Die Zuführung von Liquidität in eine Zielgesellschaft, wenn diese im Rahmen eines Leveraged Buy-outs von dem Investor neue Mittel benötigt. - Weil aber das Finanzierungsgefüge bei einem Leveraged Buy-out in der Regel so gestaltet ist, dass mehrere vorrangige und nachrangige Gläubiger beteiligt sind, so werden durch eine Covenant Cure vielerlei Interessen berührt.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 (Modell des Finanzierungsgefüges bei einem Leveraged Buy-out), S. 22 (Nachteile bei der Covenant Cure für die Fremdkapitalgeber), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 102 (bei Leverages Buy-outs übliche Covenants), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).
Covered Bonds (so auch im Deutschen gesagt, seltener auch gedeckte Schuldverschreibungen):
Vor allem in Grossbritannien, Spanien, Irland und den USA ausgegebene Anleihen, die
1. durch Haftung des ausgebenden Instituts sowie
2. Deckung durch einen besonderen Pool von Sicherheiten, bestehend aus Hypotheken oder Staatsanleihen, besichert sind. Sie entsprechen im grossen und ganzen dem deutschen Pfandbrief. Covered Bonds gründen sich rechtlich auf die jeweiligen nationalen Gesetze. Eine EU-weiter gesetzlicher Mindeststandard gibt es bis anhin (Herbst 2011) aber noch nicht.
– Im Zuge ihrer Politik des Quantitative Easing kaufte die EZB im Frühjahr 2009 erstmals Pfandbriefe und Covered Bonds im Umfang von 60 Mia Euro an. Daraufhin erholte sich dieser, infolge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise nahezu am Austrocknen befindliche Teilmarkt (sub-market) merklich. Die Risikoaufschläge verminderten sich, und die Emissionstätigkeit am Primärmarkt nahm wieder deutlich zu. Diese ausserordentliche zentralbankliche Massnahme ([euro-denominated] Covered Bond Purchase Programme, CBPP) fand dann zum 30. Juni 2010 mit dem Erreichen des angekündigten Ankaufvolumens von 60 Mia EUR seinen vorläufigen Abschluss.
– Siehe Anleihe, forderungsbesicherte, Bausparkassen, Bodenkreditinstitut, Deckungsprüfung, Dreijahrestender, Hypothekenbank, Kliff-Effekt, Quantitative Easing, Real Estate Investment Trust, Sozialpfandbrief, Subprime-Krise, Wohneigentum.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 89 ff. (Covered Bonds im Sog der Subprime-Krise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S, 25 (Ankaufvolumen von 60 Mia EUR war Ende Juni 2010 erreicht), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 89 (Covered Bond Purchase Programme vom Oktober 2011).
Covered Call und Buy-Write-Strategie (so auch zumeist im Deutschen, seltener gedeckte Bezugsoption):
Eine besondere Optionsstrategie als Kombination von Wertpapierkauf mit einer Option. Man erwirbt gegenständlich Wertpapiere, etwa eine bestimmte Anzahl von Aktien, und verkauft eine Call-Option auf diesen Basiswert (the selling of a call option while simultaneously holding an equivalent position in the underlying. If the option expires unexercised, the writer keeps the premium. If the holder exercises the option, the stock must be delivered, but, because the writer already owns the stock, risk is limited).
– Siehe Call-Option, gedeckte.
Cover Ratio (so auch im Deutschen gesagt; seltener Deckungsquote):
Bei einem Offenmarktgeschäft das Verhältnis des Volumens der Gesamtangebote der Banken zum Zuteilungsvolumen der Zentralbank.
– Siehe Tender, Unterbietung, Zinstenderverfahren, Zuteilungsbetrag, Zuteilungssatz, marginaler, Zuteilungsverfahren, amerikanisches, Zuteilungsverfahren, holländisches.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 29 (Cover Ratio während der Finanzkrise).
Crack Spread (so auch im Deutschen gesagt):
Wenn nicht anders definiert, an der Warenbörse der Kauf von Erdöl-Futures und der gleichzeitige Verkauf von Benzin-Futures bzw. Heizöl-Futures (in energy futures, the simultaneous purchase of crude oil futures and the sale of petroleum product futures to establish a refining margin: the profit margin that an oil refinery can expect to make by "cracking" crude oil, that means breaking its long-chain hydrocarbons into useful shorter-chain petroleum products).
– Siehe Absicherung, Erdölpreis, Futures-Märkte, Rohstoff-Terminvertrag, Terminkontrakt.
Crash (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung; nach dem britischen Englischen manchmal auch Collapse):
1 Unerwarteter Kurseinbruch auf einem Markt - und zwar im Gleichlauf zwischen den einzelnen Gegenständen auf diesem Teilmarkt -, besonders im Finanzmarkt und hier wiederum auf dem Aktienmarkt. - So verloren im Frühjahr 2000 (Herbst 1987) deutsche Aktien innert weniger Monate fast 50 (35) Prozent ihres Wertes.
2 Der Zusammenbruch eines einzelnen (grossen) Unternehmens auf dem Finanzmarkt.
3 Die (plötzlich und gleichzeitig auftretende) Insolvenz mehrerer bedeutender Unternehmen in einem Land.
4 Der - weltweite - Unterbruch des Waren- und Zahlungsverkehrs aufgrund besonderer Vorkommnisse wie Terror-Akte, Krieg oder Natur-Katastrophen.
– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Aktie, strudelnde, Aktienblase, Baisse, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenrettungsgesetz, Banken-Triage, Bankrott, Bazooka, Börsenkrach, Crisis Management Groups, Dotcom-Blase, Finanzmarkt-Stress, Friedhof-Markt, Fünfhunderteuro-Schein, Gigabank, Grossbankenbonus, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Landung, weiche, Londoner Verfahren, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Montag, schwarzer, Murphy's Gesetz, Northern Rock-Debakel, Poseidon-Blase, Preisänderungen, gleichlaufende, Risikokapital, Risikotragfähigkeit, Rückschlag-Effekt, Seelenmassage, Spekulationsblase, Schock-Bewältigung, monetäre, Freitag, schwarzer, Subprime-Krise, Szenarien, aussergewöhnliche, Stress-Test, Terror-Schock, Tulpencrash, Überschwang, unvernünftiger.
Credit Crunch (so auch im Deutschen gesagt; seltener Kreditausschluss):
Die Tatsache, dass bestimmte Unternehmen oder Branchen von der Kreditversorgung durch die Banken abgeschnitten werden. Der Begriff fand in Zusammenhang mit Basel-II Ver¬breitung, und hier vor allem bezogen auf den Mittelstand.
– Siehe Kreditklemme.
Credit Default Swap, CDS (so auch im Deutschen gesagt, manchmal auch: Kreditausfall-Swap oder Kreditausfall-Versicherung):
Ein seit 1994 eingeführtes Finanzprodukt, mit dem Ausfallrisiken von Anleihen oder Darlehn vermarktet werden können (a bilateral over-the-counter contract in which the seller agrees to make a payment to the buyer in the event of a specified credit event in exchange for a fixed payment or a series of fixed payments).- Die Grundlage - den Basiswert - bilden handelbare Schulden. Der CDS ist damit ein vom Basiswert abgeleitetes Produkt: ein Derivat und praktisch eine Versicherungsprämie für das Ausfallrisiko, ein Kreditrisiko-Transfer. Das heisst genauer: nur das Risiko wird gehandelt, aber nicht auch - wie sogar in Lehrbüchern zu lesen ist! - der Kredit gesamthaft. - Mit dem Abschluss eines CDS verpflichtet sich der Sicherungsgeber (fixed rate payer), bei Eintritt eines vorab genau bezeichneten - in der Regel durch Bezugnahme auf die Rahmenverträge der International Swaps and Derivates Association, ISDA - Kreditereignisses (credit event) eine Ausgleichszahlung an den Sicherungsnehmer (floating rate payer) zu leisten. Im Gegenzug erhält er vom Sicherungsnehmer eine Prämie. Deren Höhe hängt hauptsächlich ab von
1. der Bonität des Übertragenden, also des Referenzschuldners (reference debtor),
2. der Laufzeit des Kontrakts,
3. der genauen Festlegung des Kreditereignisses, wie etwa: Verzug, Teilausfall, vollständige Zahlungsunfähigkeit, und
4. der Bonität des Sicherungsgebers (Risk Takers).
– Die Prämie für CDS hat sich mittlerweile zu einem weithin beachteten Indikator für die Kreditqualität von Unternehmen, Banken und im Falle von Staatsanleihen auch ganzer Länder entwickelt. CDSs werden bis anhin noch ausserbörslich gehandelt; dadurch kann man auf ganz besondere, nicht standardisierte Wünsche beider Kontrahenten eingehen. Der CDS-Markt nimmt häufig Rating-Abstufungen vorweg. - Das Volumen der CDS stiegt von 1'000 Mia USD im Jahre 2002 steil an auf 17'000 Mia USD Ende 2005 und ist bis Herbst 2008 auf 62'000 Mia USD angestiegen: das ist ungefähr so gross wie das Bruttosozialprodukt der gesamten Welt. Teilnehmer an diesen Märkten für den Kreditrisiko-Transfer sind neben Banken vor allem auch Hedge-Fonds und Pensionskassen. - Zentralbanken und Aufsichtsbehörden bemühten sich seit der Subprime-Krise verstärkt darum, den CDS-Markt durchsichtiger werden zu lassen. Die Berichtspflichten (reporting requirements) waren gering und der Handel nicht reguliert. Gegenparteien, wie vor allem schwach regulierte Versicherungen in den USA, kamen im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise in Schwierigkeiten. Banken erlitten dadurch erhebliche Verluste von Kreditposten im Handelsbuch; und dies zu einer Zeit, als die Institute durch die Zurücknahme weitgehend illiquider Aktiva aus Zweckgesellschaften belastet wurden. Erst die auf Drängen der EU-Kommission errichtete Eurex Credit Clear brachte etwas mehr Festigkeit in diesen Markt.
– Siehe Collateralised Debt Obligation, synthetische, Credit Default Swap-Indizes, Euronet, Knotenpunkt, Kreditderivat, Pfandpoolverfahren, Portfolio-Versicherung, Rating, Spekulation, destruktive, Trade Assignment.
– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 22, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 43 ff. (dort auch Darlegung vieler Einzelheiten des Marktes und Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 87 (CDSs als Ausdruck der Marktmeinung über die Bonität einer Bank; S. 88: Prämien 2003-2005 deutscher Banken im Vergleich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 37 ff. (Informationen auch zum aufsichtsrechtlichen Umfeld), Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 31 f. (abrupter Umschwung bei den CDSs im Zuge der Subprime-Krise; Übersicht), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 46 (Anforderungen an die Nachhandelstransparenz), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 164 ff. (Beschwerden in Bezug auf Lehman-Zertifikate), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 91 (Prämien 2007 bis 2011), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 29 (CDS für deutsche Grossbanken 2009 und 2010 Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 45 (Kreditausfallswap-Prämien seit 2007), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 34 (Prämien seit 2009) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld".
Credit Default Swap im Quadrat auch Quadrat-CDO (squared credit default swap, CDS2):
Ein Credit Default Swap, das durch ein Bündel anderer Credit Default Swaps gedeckt ist. - Oft ist dem Käufer solcher Papiere über die ursprünglichen Sicherungsnehmer und Sicherungsgeber (Risk Taker) kaum etwas bekannt; das Verlustrisiko bemisst sich entsprechend hoch. Vor der Subprime-Krise wurden sogar Kubik-CDSs angeboten. Gängige Quadrat-CDSs enthielten bis zu Beginn der Subprime-Krise oft bis zu 200 Verbriefungspapiere, die zu einem neuen Wertpapier zusammengefasst wurden. Üblich waren bis dahin Mischungen aus etwa sechzig Prozent verbriefte Eigenheimkredite minderer Qualität (Home Equity Loans), zwanzig Prozent Gewerbe-Immobilien und zehn Prozent Unternehmenskredite; der Rest entfiel auf verschiedene Kategorien wie Fahrzeugkredite. - Entsprechende Beschreibungen der Quadrat-CDSs, in feinstem Juristenenglisch (formulated in subtlest English legalese and, therefore, very difficult to understand or perceive) abgefasst, umfassten manchmal bis zu 300 Seiten und enthielten viele Klauseln (clauses), die von den meisten Käufern der Papiere - darunter auch viele deutsche Institute - nicht gelesen, nicht verstanden oder nicht ernstgeommen wurden. Fast immer vertraute man ausschliesslich der Benotung seitens einer Rating-Agentur.
– Siehe Absenzkapitalismus, Finanzarchitektur, Krise der Sicherheiten, Lottchen, doppeltes, Monoliner, Option, zusammengesetzte, Papiere, toxische, Produktregistrierung, Reintermediation, Repackaging, Verbriefung, Verpackungskunst, Verständlichkeit.
Credit Default Swap, single name (so auch im Deutschen gesagt):
Ein Credit Default Swap, der sich auf die Kreditbeziehung mit lediglich einem einzigen Schuldner bezieht. - Hier überträgt der Sicherungsnehmer dem Sicherungsgeber (fixed rate payer) im Gegenzug das Referenzaktivum, wie etwa Anleihen oder Buchkredite. Erfolgt die Abwicklung durch eine Lieferung von Wertpapieren (physical settlement: der Marktstandard), dann hat der Sicherungsnehmer in der Regel die Wahl zwischen gleichartigen Wertpapieren (cheapest-to-deliver option). Möglich ist aber auch die Vereinbarung einer Ausgleichszahlung in Höhe der Differenz zwischen dem Nominalwert des Referenzaktivums und dem Marktwert nach Eintritt des Kreditereignisses (cash settlement). Das findet vor allem dann statt, wenn der CDS ein Kreditportfolio absichert, aus dem einzelne Darlehn nur schwer auszusondern sind. Anfang 2005 machten die Single-name-CDS knapp über fünfzig Prozent des weltweiten Marktes für Kreditderivate aus.
– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Kreditderivat.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 44 f. .
Credit Default Swap, nacktes (nacked credit default swap):
Transaktionen mit einem Credit Default Swap unter Partnern, welche den zugrunde liegenden Basiswert nicht besitzen. Solche Geschäfte sind seit Juli 2010 weithin verboten.
– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 185.
Credit Default Swap-Indizes (so auch im Deutschen gesagt):
Statistischer Messwert als Abbild der tatsächlich auf dem Markt vereinbarten Prämien bei CDS, untergliedert nach einzelnen Marktsegmenten. Seit Mitte 2004 gewann die Indexfamilie Dow Jones iTraxx an Bedeutung. Sie umfasst regionale und sektorale Subindizes. - Das US-Clearinghaus Depositary Trust & Clearing Corporation (DTCC) veröffentlicht regelmässig Zahlen zu etwa 1'000 CDSs. Dabei beziffert DTCC nicht nur das Volumen der offenen Kontrakte, sondern den tatsächlichen Saldo und damit das Risiko. - Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Prämien bei Credit Default Swaps (CDSs) die Rating-Einschätzungen der Agenturen oftmals vorwegnehmen.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 46 f. (dort auch Übersicht der Indexwerte), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 36 f. (Einfluss des Ratings auf CDS-Spreads), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 26 f. (Schwankungen in den Prämien seit 2007), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 45 (Kreditausfallswap-Prämien seit 2007), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 33 (Kreditausfallswap-Prämien für deutsche Grossbanken seit 2008) sowie die Fortschreibung im jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld".
Credit Default Swap-Markttransparenz (CDS market transparency):
CDSs schrieb man zumindest eine Mitschuld (contributory fault) beim Entstehen der Subprime-Krise und der ihr folgen Finanzkrise zu.
1. Der Internationale Derivatenhändler-Verband International Swaps and Derivates Association veröffentlichte daher im Frühjahr 2009 genaue Umschreibungen für den Eintritt eines Kreditereignisses. Bei Streitfragen entscheidet ein Ausschuss, ob ein Kreditereignis bei Insolvenz, Zahlungsverzug oder Umschuldung gegeben ist.
2. Ein den Marktteilnehmern von dem weltweit führenden CDS-Händler J.P. Morgan zur Verfügung gestelltes Preismodell hat dazu beigetragen, die Bewertung von CDSs weitgehend vereinheitlichen.
3. Mehrere Börsen haben den Handel mit CDSs aufgenommen. Damit können CDS-Kontrakte über eine zentrale Gegenpartei abgewickelt werden. Das verhindert, dass bei Zahlungsunfähigkeit eines CDS-Handelspartners die Gegenpartei in Mitleidenschaft gezogen wird und sich die Zahlungsschwierigkeiten (financial difficulties) dann weltweit auf den CDS-Markt gesamthaft ausweiten.
– Nicht gelöst ist bis anhin aber das Problem der Credit Default-Spekulation. Nach wie vor kann jemand eine Kreditversicherung auf ein Unternehmen oder ein Land kaufen, obschon er kein Gläubiger des Unternehmens oder dieses Landes ist, er eine "nackte Position" hält, wie man auch sagt. Weil bei einer Insolvenz bzw. einem Staatsbankrott die Zahlung der Kreditversicherung fällig wird, so haben die Besitzer des CDS wenig Grund, für eine Sanierung bzw. Umschuldung einzutreten. Ihre Interessen stehen daher denen der tatsächlichen Gläubiger grundsätzlich entgegen.
– Siehe Credit Default Swap, nacktes. Credit Default Swap-Spekulation, Knotenpunkt.
– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 185 f. (neue Rechtslage; Transparenzvorschriften) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".
Credit Default Swap-Spekulation (CDS speculation):
Verschlechtert sich die Bonität eines Schuldners, dann steigt der Wert eines CDS. Für Marktteilnehmer, die mit CDSs auf steigende Preise setzen, besteht daher ein Anreiz, durch die Verbreitung nachteiliger Gerüchte den Schuldner schlechtzureden (to badmouth the debtor). Den höchsten Gewinn erzielt ein Spekulant, wenn der Schuldner ausfällt und der Basiswert nicht zurückbezahlt wird. - Man verglich diese Interessenslage mit einem Brandstifter, der eine Feuerversicherung auf sein Haus erwerbe, das er anschliessend rechtmässig anzünden dürfe. Daher wird gefordert, Absicherungsgeschäfte mit CDSs zu erlauben, reine Spekulationsgeschäfte jedoch aufsichtsrechtlich zu untersagen.
– Siehe Credit Default Swap, Credit Default Swap-Markttransparenz, Dissemination, Markttransparenz.
Credit Default Swap-Verflechtungen (CDS interrelation):
Zu Jahresende 2011 hatten Banken in der EWU Kreditausfall-Versicherungen in Höhe vom 178 Mia EUR auf Staatsanleihen der fünf schwachen EWU-Mitglieder Portugal, Italien, Irland Griechenland und Spanien ausgegeben. Die einzelnen Institute sicherten sich indessen gegen diese Risiken ab, indem sie ihrerseits Kreditausfall-Versicherungen im Wert von 169 Mia EUR kauften, und zwar grösstenteils bei anderen Banken in der EWU. Als Folge entstand ein kaum durchschaubares Netz von Forderungen und Gegenforderungen, das die tatsächliche Risikoposition der einzelnen Institute verschleiert. - Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde stellte bei der Deutschen Bank verkaufte CDSs in Höhe von 37,4 Mia EUR und gekauften Kreditausfall-Versicherungen von 34,5 Mia EUR fest; bei der Landesbank Baden-Württemberg standen 5,4 Mia EUR gegen 4,1 Mia EUR. Die Zahlen der EBA geben freilich keinen Aufschluss darüber, welche Banken untereinander Verpflichtungen eingegangen sind. Käme es zum Ausfall zunächst nur griechischer Staatsanleihen, so würde dies eine Kettenreaktion auslösen mit unabsehbaren Folgen für die Finanzstabilität in der EWU. Diese Befürchtung wurde als mitentscheidend dafür angesehen, dass alle europäischen Institutionen einschliesslich der EZB alles unternahmen, um einen Staatsbankrott in Griechenland zu verhindern.
– Siehe Europäischer Stabilisierungsmechanismus, EZB-Sündenfall.
Credit Default Swap-Spreads (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Kreditausfall-swap-Prämienunterschiede):
Die Rendite-Abstände von nominell gleich ausgestatteten Wertpapieren, in den Berichten der Zentralbank in der Regel auf Staatsanleihen bezogen. CDS-Spreads von Staatsanleihen werden in Ländervergleichen - auch innert des Eurogebiets) - als Messgrösse für das mit der Haltung des entsprechenden Wertpapiers verbundenen Kreditrisiko betrachtet.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 36 f. (mit Übersichten), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 19 (Prämien-Entwicklung 2004 bis 2006).
– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 164 ff. (Prüfungen der BaFin), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 44 f. (Zusammenhang von Rendite-Aufschlägen und CDS-Prämien bei Staatsanleihen im Euroraum; Übersicht; Erklärungsansätze), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 45 (Kreditausfallswap-Prämien seit 2007).
Credit Enhancement (so auch im Deutschen; hier und da auch mit Bonitätsverbesserung übersetzt):
Die Bereitstellung zusätzlicher Sicherheiten für
1. ein Darlehn allgemein und im Besonderen
2. für eine Zweckgesellschaft mit dem hauptsächlichen Ziel, deren Rating zu verbessern und dadurch die Zinszahlung an die Anleger - vor allem an die Käufer von Tranchen, die eine Zweckgesellschaft begibt - zu verringern. Solche Sicherheiten können auch eine Versicherung für allfällige Kreditausfälle oder eine Garantieerklärung sein.
– Im Zuge der Subprime-Krise 2007 stockte plötzlich der Absatz von Verbriefungspapieren. Die Conduits mussten jetzt die ihnen die auf dem Wege des Credit Enhancements seitens der originierenden Banken eingeräumten Fazilitäten in Anspruch nehmen. Gemäss dem geltenden Stimmrecht-Kriterium (voting control rule) hatten die Banken aber ihre Zweckgesellschaften nicht konsolidiert, also in der Bilanz nicht berücksichtigt. Da viele Institute nunmehr unerwartet ihre Conduits vor der Insolvenz bewahren mussten, entstand ein sehr hoher Liquiditätsbedarf. Einige Banken kamen in Turbulenzen, und die Zentralbanken mussten das Austrocknen des Marktes für kurzfristige Kredite durch die Bereitstellung von Liquidität verhindern.
– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Aval, Back-to-Originator-Postulat, Defeasance, Garantie, Kreditzusage, unwiderrufliche, Portfolio-Versicherung, Rückzahlung, vorzeitige, Stimmerecht-Kriterium, Subprime-Krise, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.
– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 32 ff. (Liquiditätssteuerung durch die Mindestreservepolitik während der Subprime-Krise), S. 45 ff. (Umfrage zum Kreditgeschäft in Zusammenhang der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Liquiditätshilfen der EZB), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 26 f. (Fragen der Rechnungslegung nach IAS 39; Übersichten).
Credit Linked Notes, CLN (so auch im Deutschen gesagt):
Besondere Art des Kreditderivats. Es sind vom Sicherungsnehmer (floating rate payer; üblicherweise von einer eigens dafür gegründeten Zweckgesellschaft - auch Special Purpose Vehicle [SVP] und Conduit [conduit] genannt) - emittierte Schuldverschreibungen, bei denen aber nur dann am Ende der Laufzeit der volle Nennbetrag ausbezahlt wird, wenn bis dahin das vereinbarte - in der Regel durch Bezugnahme auf die Rahmenverträge der International Swaps and Derivates Association - Kreditereignis ausgeblieben ist. - Der Sicherungsgeber (fixed rate payer) übernimmt dabei neben dem Kreditrisiko des Referenzaktivums auch das Kreditrisiko des Emittenten. Meistens werden die CLN in verschiedenen Tranchen begeben, die von Rating-Agenturen entsprechend bewertet werden.
– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Erstverlust-Tranche, Kreditderivat, Kreditverbriefung, Originate-to-distribute-Strategie, Senior-Tranche, Single Master Liquidity Conduit, Verbriefung, Verbriefungsstruktur.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 31 (dort auch erklärende Übersicht), Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 21 f., S. 126, Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 80 (CLNs sind in die neue Anlageverordnung für Versicherungen aufgenommen) und den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 21 (erklärende Übersicht; Definitionen).
Credit-Spread-Risiko (so auch im Deutschen gesagt; seltener Bonitätsabschlagsrisiko):
Als Teil des Marktrisikos der Zinsaufschlag, der für bestimmte Bonitätsklassen gegenüber dem risikolosen Zins, etwa bei durch Rating-Agenturen sehr hoch eingestuften Staatsanleihen gewährt werden muss (credit spread risk arises from the possibility that changes in credit spreads (Bonitätsverschlechterungen] will affect the value of financial instruments; thus credit spreads represent the credit risk premiums required by market participants for a given credit quality).
– Siehe Ausfallrisiko, Bonitätsrisiko.
Crisis Management Groups, CMGs (so auch im Deutschen; seltener Krisenmanagementgruppen):
Auf Anregung des Finanzstabilitätsrats für jedes Land einzurichtendes Gremium aus Aufsichtsbehörden, Zentralbank und Finanzministerium. Hauptaufgabe einer CMG ist es, einen Sanierungs- und Abwicklungsplan (recovery and resolution plan) für systemische Banken zu verabschieden. Weiterhin sollten Abwicklungspläne hinsichtlich ihrer Ausgestaltung und Abwickelbarkeit geprüft und beurteilt werden (resolvability assessments).
– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bankenkrankenhaus, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Finanzrat, G-Sifi, Konkursverfahren für Banken, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Pflichtwandelanleihe, Provinzbanker, Rettungspaket, Risiko, systemisches, Tina.
– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 122 (Vorstellung der CMG; Aufgaben).
CROCI (so auch im Deutschen gesagt):
Abkürzung für Cash Return On Capital Invested. Von Aktienanalysten als Massstab für die von einem Unternehmen auf das gesamte investierte Kapital erwirtschaftete Rendite herangezogen. - Über den Vergleich des CROCI mit den Kapitalkosten des Unternehmens glaubt man, den Unternehmenswert ermitteln zu können.
– Siehe Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Cross-Border-Geschäft (so auch im Deutschen gesagt; seltener grenzüberschreitende Angebote):
Ein Finanzdienstleister mit Sitz im Ausland, der im Inland über keine Niederlassung verfügt, wendet sich
1. zielgerichtet über das Internet oder
2. durch inländische Vermittler an Kunden im inländischen Markt.
– Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht betrachtet solche Tätigkeiten als erlaubnispflichtig und hat dazu auch ein Merkblatt herausgegeben.
– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 209 f. (Rechtsstreit in dieser Sache), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 233 (Grundsatzentscheidung).
Crossover Fund (so auch im Deutschen gesagt, seltener gekreuzter Fonds):
Das von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft verwaltete Sondervermögen (Fonds) wird nach einem bestimmten Mischungsverhältnis in öffentlichen und privaten Papieren gehalten (a fund that invests both in public stocks and private equity).
Cross Rate (so auch im Deutschen gesagt; seltener Kreuzkurs):
Der errechnete Wechselkurs, der sich aus der Verkettung zweier anderer Wechselkurse ableiten lässt. In der Regel werden Cross Rates über den USD ermittelt. So lässt sich beispielsweise aus einem Kurs EUR/USD und GBP/USD das Verhältnis von EUR/GBP bzw. GBP/EUR ermitteln. - In der Praxis werden Cross Rates dort benötigt, wo es keinen amtlichen Wechselkurs zwischen zwei Währungen gibt.
– Siehe Devisenmarkt, Devisenzwangswirtschaft, Wechselkurs.
Cross-Selling-Potential (so auch im Deutschen gesagt; seltener Verbundverkaufs-chancen):
Die Möglichkeit, eine bestehende Kundenbeziehung einer Bank für andere Anbieter - in erster Linie Bausparkassen, Versicherungen und Reiseveranstalter) zu nutzen.
– Siehe Branding, Cobranding-Karte, Concession Shop, Deliverables, Geldkarte, Gigabank, Kundenkarte, zentrale, Sponsor.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 46 f. .
Crowdfunding (so auch im Deutschen gesagt; seltener Publikumsfinanzierung):
Die Beschaffung von Geld zur Finanzierung von Investitionen jeder Art - besonders aber zur Erstellung neuer Produkte und zur Verwirklichung anderer aussergewöhnlicher Markttätigkeiten - bei sehr vielen kleinen Anlegern. Über Plattformen im Internet finden sich Anbieter und Nachfrager zusammen. Im Einzelnen unterscheidet man
1. spendenbasiertes Crowdfunding: das Publikum spendet hier innert eines bestimmten Zeitraums für ein bestimmtes Vorhaben Geld, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten,
2. gegenleistungsbasiertes Crowdfunding: die Geldgeber erhalten eine nicht-monetäre Anerkennung, wie etwas die Nennung ihres Namens im Abspann eines Filmes oder ein persönliches Geschenk des Künstlers, dessen Werk mitfinanziert wurde,
3. kreditbasiertes Crowdfunding: die Spender erhalten das Versprechen, dass der Betrag mit oder ohne Verzinsung zurückbezahlt wird und
4. Crowdinvesting: der Geldgeber erhält eine Beteiligung am zukünftigen Gewinn des finanzierten Vorhabens bzw. wenn der Einschuss mit Wertpapierkäufen verbunden ist, Anteile oder eine Schuldurkunde. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat am 14. Mai 2007 ein Merkblatt "Hinweise zur Erlaubnispflicht der Betreiber und Nutzer einer internetbasierten Kreditvermittlungsplattform nach dem KWG" veröffentlicht.
– Siehe eLolly, Investment-Club, Kreditgenossenschaft, Kreditvermittlungsplattform, Peer-To-Peer-Lending, Social Lending Platform.
Crowding-out (so auch im Deutschen gesagt, seltener übersetzt mit Verdrängungseffekt):
Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Tatsache, dass der Staat auf dem Finanzmarkt durch bessere Konditionen - vor allem: höhere Zinsen und in der Regel auch bessere Bonität - das Angebot aufsaugt und die private Nachfrage dadurch verdrängt (crowding-out happens if the government is borrowing heavily while businesses and individuals also would like to borrow. The government can always pay a higher interest rate, but the private sector cannot, and is thus crowded out).
– Siehe Daueremission, Fiscal Drag, Fiskalquote, Verschuldungsquote, öffentliche.
Crush Spread (so auch im Deutschen gesagt; seltener Sojaprodukt-Arbitrage):
An der Warenbörse der Kauf von Sojabohnen-Futures bei gleichzeitigem Verkauf von Sojaschrot- und Sojaöl-Futures (the simultaneous purchase of soybean futures and the sale of soybean meal and soybean oil futures to establish a processing margin).
– Siehe Ersatz-Sicherungsgeschäft, Futures-Märkte, Rohstoff-Terminvertrag, Spreizung, warenbezogene, Terminkontrakt.
Cum (cum [rights]):
Wenn nicht anders definiert, in der Börsensprache ein Wertpapier mit Zinsschein, Dividendenschein oder sonstigen an das Papier gebundene Bezugsrechten. Fehlen diese, dann spricht man von ex (ex). So unterscheidet man etwa bei Optionsanleihen nach Papieren mit Optionsscheinen (cum-Warrant) und nach solchen, bei denen die Scheine bereits abgetrennt wurden (ex-Warrant).
Currency Futures (so auch meistens im Deutschen gesagt; seltener: Devisen-Future):
Handelbare Verträge in fremder Währung auf Termin.
– Siehe Carry Trades, Feedback-Trading, Success Rate.
– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2007, S. 32 f. (Darstellung der bezüglichen Terminkontrakte; Bezug zum Carry Trading; Vorlaufeigenschaften zur tatsächlichen Wechselkursentwicklung; Übersichten).
Currency-Swing (so auch im Deutschen gesagt; seltener Währungseilumstieg):
In grossem Masse getätigter und plötzlich eintretender Umtausch einer Währung (etwa EUR) in eine andere (etwa USD oder INR). Auslöser sind entsprechende Erwartungen auf den internationalen Finanzmärkten; in Bezug auf den EUR vor allem die Abschätzung der Gefahren, die von dem ungünstigen Altersquotienten oder der hohen Staatsverschuldung ausgehen.
– Siehe Altersquotient, Defizitneigung, Dominostein-Effekt, Griechenland-Krise, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Krise, systemische, Minhas-Gerais-Problem, Staatsschuld(en), Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldung, Verschuldungsanreiz, Vorschatten-Effekte.
Currency-Theorie (currency theory):
Die bis etwa 1900 auch von führenden Ökonomen aufgestellte Forderung, dass eine Zentralbank grundsätzlich nur soviel Zahlungsmittel in Verkehr bringen darf, wie sich ihr Bestand an Edelmetallen bemisst. Eine Anpassung der Geldmenge etwa an Änderungen der Wirtschaftslage (business cycles; Konjunkturen) oder ausserökonomische Einflüsse - etwa Naturkatastrophen) durch eine entsprechende Zentralbankpolitik ist damit ausgeschlossen. - Die Currency-Theorie gründet sich auf die Auffassung, dass der Geldwert in erster Linie von der Menge bzw. dem Wert der Edelmetalle im Besitz einer Zentralbank abhängt.
– Siehe Anti-Greshamsches Gesetz, Banking-Theorie, Chrysokratie, Chrysomanie, Dritteldeckung, Geld, privates, Peelsche Bankakte, Währung, gebundene, Zettelbank, Zyklik.
Customasing (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch Kundenanpassung):
Hinordnung der Dienstleistungen einer Bank an die besonderen Erfordernisse des Kunden.
– Siehe Abwanderungsquote, Bankkunden-Profil, Behördenmanagement, bankliches, Container-Banking, Divergenz, Fact Sheet, Kundenbindung, Kundenzentrierung, McDonaldisation, Prosumer, Scoring.
Cutting-off-the-tail-principle (so auch meistens im Deutschen; seltener[unschön] Erfassungsgrad-Beschränkungs-Erlaubnis):
Statistischer Grundsatz innert der EZB, wonach sich bei Datenerhebungen die Zentralbanken auf die wichtigsten Banken beschränken können. Es müssen aber fünfundneunzig Prozent der Branche - gemessen an der Bilanzsumme - erfasst werden. Im Einzelnen gibt es hierzu genaue Anweisungen in den "Leitlinien der EZB über die monetäre Statistik".

References: EuGH 
 EuGH 
 § 36
 § 36
 Art. 129
 § 10
 § 32