Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-lag-koeln-4-sa-109-17-13.10.2017-betriebsbedingte-kuendigung-u.html
Timestamp: 2018-06-21 23:57:36+00:00

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Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 4 Sa 109/17
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 24.11.2016 (11 Ca 5658/16) wird zurück­ge­wie­sen.
2 Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung und Wei­ter­beschäfti­gung.
3 Die Be­klag­te bie­tet bun­des­weit an meh­re­ren Stand­or­ten mit et­wa 200 Mit­ar­bei­tern Dienst­leis­tun­gen für in­ter­ak­ti­ve Mes­se- und Markt­auf­trit­te an. Der am 1960 ge­bo­re­ne Kläger ist seit dem 22.02.1999 am Stand­ort Ker­pen als Lei­ter der Schrei­ne­rei zu ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­ein­kom­men von € 5.334,92 in ei­ner 40-St­un­den-Wo­che beschäftigt. Als Lei­tungs­auf­ga­ben ob­la­gen dem Kläger nach übe­rein­stim­men­dem Vor­trag der Par­tei­en je­den­falls die Ma­te­ri­al­be­stel­lung, die Ver­wal­tung der Fun­dus­tei­le aus der Schrei­ne­rei, die Steue­rung des Ma­schi­nen­parks, die Ar­beits­ein­tei­lung so­wie die Ur­laubs- und Ab­we­sen­heits­pla­nung nebst Lei­tung des ihm un­ter­stell­ten Teams aus 20 Mit­ar­bei­tern. Der Kläger ist ver­hei­ra­tet und ei­nem Kind zum Un­ter­halt ver­pflich­tet.
4 Mit Schrei­ben vom 21.07.2016 lei­te­te die Be­klag­te dem un­ter­neh­mens­ein­heit­lich ge­bil­de­ten Be­triebs­rat ein Anhörungs­schrei­ben über ei­ne be­ab­sich­tig­te be­triebs­be­ding­te Kündi­gung des Klägers zu. Dort heißt es aus­zugs­wei­se wie folgt:
5 „(…) ist die Ent­wick­lung im Be­reich Mes­se ge­ne­rell rückläufig und ein deut­li­cher Preisrück­gang ist zu ver­zeich­nen (Um­satz­vo­lu­men: ge­rin­ge­re Bud­gets, we­ni­ger Fläche wird be­baut) plus Vo­lu­menrück­gang. (…) Mo­men­tan rech­nen wir mit ei­nem Um­satzrück­gang im Bud­get für das lau­fen­de Geschäfts­jahr in Höhe von 10 Mil­lio­nen (Mio.) Eu­ro. Im ak­tu­el­len Ver­triebs­re­port ist zu Be­ginn des Geschäfts­jah­res (Au­gust 2016) be­reits ei­ne Lücke von 9 Mio. Eu­ro er­kenn­bar. Die Er­geb­nis­er­war­tung vor Maßnah­men liegt bei EUR - 1.8 Mio. (…). Die Geschäftsführung hat aus Kos­ten- und Ef­fi­zi­enz­gründen vor dem Hin­ter­grund der Geschäfts­ent­wick­lung im Rah­men der Bud­get­pla­nung 2016/17 An­fang Ju­ni die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen, dass Stel­len ab­ge­baut wer­den müssen. Ge­plant ist, dass in den Be­rei­chen der Schrei­ne­rei, im Pro­ject Ma­nage­ment Kö und in der Ar­chi­tek­tur Stel­len ab­ge­baut wer­den, da in die­sen Be­rei­chen der Beschäfti­gungs­be­darf durch mas­si­ve Re­du­zie­rung des Pro­jekt­geschäftes entfällt. Die Um­set­zung der An­pas­sun­gen soll mit Wir­kung zum Be­ginn des Geschäfts­jah­res 2016/17 er­fol­gen.
6 Im Be­reich der Schrei­ne­rei ha­ben wir uns ent­schie­den, ei­ne Führungs­ebe­ne her­aus­zu­neh­men, da heu­te be­reits die Ka­pa­zitäts- und Mit­ar­bei­ter­pla­nung und die The­men Ar­beits­si­cher­heit, Pro­zess­ver­bes­se­rung wei­test­ge­hend vom Plant Ma­na­ger am Stand­ort K mit­be­ar­bei­tet wer­den. Der Kom­ple­xitäts­grad in der Schrei­ne­rei hat sich, ins­be­son­de­re durch zu­neh­men­de Ver­la­ge­run­gen von Vor­mon­ta­gen von der Schrei­ne­rei zu un­se­rem On-Si­te-Bau­stel­len deut­lich re­du­ziert und da­durch ist auch der Ko­or­di­na­ti­ons­auf­wand für die Führung der Schrei­ne­rei er­heb­lich ver­rin­gert und kann vom heu­ti­gen Plant Ma­na­ger vollständig mit über­nom­men wer­den. Zu­dem wird im Be­reich der Schrei­ne­rei ei­ne Schrei­ner­stel­le ent­fal­len. (…)“
7 We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens vom 21.07.2016 wird auf Blatt. 63 bis 65 der Ak­te Be­zug ge­nom­men. Der Be­triebs­rat wi­der­sprach der Kündi­gung mit Schrei­ben vom 27.07.2016 (Blatt 17 der Ak­te).
8 Mit Schrei­ben vom 24.07.2015 stell­te die Be­klag­te den Kläger von der Ar­beits­pflicht frei. Mit Schrei­ben vom 28.07.2016 kündig­te sie das Ar­beits­verhält­nis or­dent­lich zum 31.01.2017.
9 Mit am 05.08.2016 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­ner Kla­ge hat der Kläger die feh­len­de so­zia­le Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung gel­tend ge­macht und die nicht ord­nungs­gemäße Anhörung des Be­triebs­rats gerügt. Er hat ge­meint, dass we­der außer­be­trieb­li­che noch in­ner­be­trieb­li­che Umstände die Kündi­gung recht­fer­ti­gen könn­ten, denn je­den­falls ha­be der be­haup­te­te Um­satzrück­gang nicht zu ei­nem Auf­tragsrück­gang geführt. Die Be­klag­te ha­be darüber hin­aus nicht schlüssig vor­ge­tra­gen, dass der Plant Ma­na­ger die Lei­tung der Schrei­ne­rei über­neh­men könne und in der La­ge sei, die dort an­fal­len­den Ar­bei­ten zusätz­lich zu sei­nen ei­ge­nen Auf­ga­ben zu er­le­di­gen, oh­ne über­ob­li­ga­to­ri­sche Mehr­ar­beit zu leis­ten. Tatsächlich han­de­le es sich um ei­ne un­zulässi­ge Aus­tauschkündi­gung, da der Plant Ma­na­ger von sei­nen bis­he­ri­gen Auf­ga­ben ent­bun­den wer­den sol­le, um die Lei­tung der Schrei­ne­rei zu über­neh­men. Nach der Recht­spre­chung des Großen Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts sei die Be­klag­te ver­pflich­tet, ihn bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits wei­ter zu beschäfti­gen.
10 Der Kläger hat be­an­tragt,
11 1. fest­zu­stel­len , dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28.07.2016 nicht zum 31.01.2017 sein En­de fin­den wird, son­dern über die­sen Tag hin­aus un­gekündigt fort­be­steht;
12 2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger vorläufig bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens als Lei­ter der Schrei­ne­rei am Stand­ort K wei­ter zu beschäfti­gen.
15 Die Be­klag­te hat be­haup­tet, dass ihr Auf­trags- und Um­satz­vo­lu­men auf­grund Verände­run­gen des Markt­um­fel­des in den letz­ten ein­ein­halb Jah­ren deut­lich zurück­ge­gan­gen sei und dies sich auch in ei­nem Rück­gang des Ar­beits­vo­lu­mens nie­der­ge­schla­gen ha­be. An­fang Ju­ni 2016 ha­be die Geschäftsführung ent­schie­den, die Mit­ar­bei­ter­ka­pa­zität an den veränder­ten Be­darf an­zu­pas­sen und an den Stand­or­ten Kö und K mit Be­ginn des Geschäfts­jah­res 2016/2017 ins­ge­samt 15 Stel­len ab­zu­bau­en. Die Be­klag­te hat be­haup­tet, in der Schrei­ne­rei in Ker­pen ha­be der Rück­gang des Mes­se­bau­geschäftes zu ei­nem Weg­fall von zwei Ar­beitsplätzen geführt. Weil die Auf­träge we­ni­ger kom­plex sei­en, sei­en auch die Ko­or­di­na­ti­on- und Über­wa­chungs­auf­ga­ben ge­rin­ger ge­wor­den. Von den Lei­tungs­auf­ga­ben des Klägers, so hat die Be­klag­te wei­ter be­haup­tet, er­le­dig­ten die Mit­ar­bei­ter der Ar­beits­vor­be­rei­tung künf­tig die Ma­te­ri­al­be­schaf­fung, die Ver­wal­tung der Fun­dus­tei­le etc. mit, wofür auf­grund des re­du­zier­ten Ar­beits­vo­lu­mens freie Ka­pa­zitäten vor­han­den sei­en. Die (wei­te­ren) Führungs­auf­ga­ben er­le­di­ge in Zu­kunft der Plant Ma­na­ger, der be­reits in der Ver­gan­gen­heit – dies hat der Kläger be­strit­ten – ein­zel­ne Auf­ga­ben der Schrei­ne­rei­lei­tung wie z.B. die Ka­pa­zitäts­pla­nung über­nom­men ha­be. Ab dem 01.10.2016 sei der Plan Ma­na­ger nicht mehr für den Be­reich Lo­gis­tik zuständig und können ne­ben sei­ner – wei­ter­hin be­ste­hen­den – Zuständig­keit für die klei­ne­ren Ab­tei­lun­gen Gra­fik und Elek­tro mit nur we­ni­gen Mit­ar­bei­tern die Lei­tung der Schrei­ne­rei schwer­punktmäßig über­neh­men. Nach­dem der Plant Ma­na­ger während des Rechts­streits je­doch ei­ne Ei­genkündi­gung aus­ge­spro­chen ha­be und auf­grund die­ser zum 31.01.2017 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­de, ha­be die Be­klag­te ent­schie­den, des­sen Stel­le nicht mehr zu be­set­zen.
16 Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 24.11.2016 dem Kündi­gungs­schutz­an­trag statt­ge­ge­ben und die Be­klag­te zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits ver­ur­teilt. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, dass die Be­klag­te die Kündi­gung nicht auf außer­be­trieb­li­che Umstände stützen könne, da we­der er­sicht­lich sei, auf­grund wel­cher Auf­trags- und Per­so­nal­pla­nun­gen sie von ei­nem dau­er­haf­ten Auf­tragsrück­gang aus­ge­he, noch, in­wie­weit ein Um­satzrück­gang den Weg­fall von Beschäfti­gungs­bedürf­nis­sen zur Fol­ge ha­be. Die Be­klag­te ha­be auch nicht dar­stel­len können, dass der Beschäfti­gungs­be­darf für den Kläger durch ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung weg­ge­fal­len sei. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Stel­le des Plant Ma­na­gers nach des­sen Ei­genkündi­gung nicht wie­der be­setzt wer­den sol­le, sei nicht nach­voll­zieh­bar, wie ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, de­ren Um­set­zung be­reits während des Lau­fens der Kündi­gungs­frist ob­so­let ge­wor­den sei, auf Dau­er an­ge­legt sein sol­le.
17 Ge­gen das ihr am 03.01.2017 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 02.02.2017 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 03.04.2017 am 03.04.2017 be­gründet.
18 Die Be­klag­te rügt, dass das Ar­beits­ge­richt ha­be die An­for­de­run­gen an die Dar­le­gungs­last des Ar­beit­ge­bers für ei­ne durch Auf­tragsrück­gang be­ding­te Kündi­gung über­zo­gen hoch an­ge­setzt und es da­bei versäumt ha­be, die Be­klag­te auf ei­ne er­for­der­li­che wei­te­re Präzi­sie­rung des Auf­tragsrück­gan­ges hin­zu­wei­sen. Die Be­klag­te hätte zu ein­zel­nen Punk­ten um­fas­sen­der und de­tail­rei­cher vor­ge­tra­gen. Letzt­lich sei der Auf­tragsrück­gang je­doch nicht ent­schei­dend, da die Kündi­gung das Re­sul­tat der ge­stal­te­ri­schen un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung der Be­klag­ten ge­we­sen sei, die Schrei­ne­rei künf­tig nicht mehr ei­ner ei­genständi­gen Lei­tung zu un­ter­stel­len. Die Be­klag­te meint so­dann, dass das Ar­beits­ge­richt aus der Ei­genkündi­gung und der feh­len­den Nach­be­set­zung der Stel­le des Plant Ma­na­gers nicht ha­be schließen dürfen, dass ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung nicht auf Dau­er an­ge­legt sei. Die Kündi­gung des Plant Ma­na­gers sei erst nach Aus­spruch der Kündi­gung des Klägers er­folgt und da­her für die Fra­ge der Wirk­sam­keit der Kündi­gung oh­ne Be­deu­tung. Ei­nen al­len­falls in Be­tracht kom­men­den Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch ha­be der Kläger nicht gel­tend ge­macht.
19 Un­abhängig da­von sei die Nach­be­set­zung der Stel­le des Plant Ma­na­gers aber auch nicht er­for­der­lich ge­we­sen, da der sich Ar­beits­kräfte­be­darf am Stand­ort Ker­pen nach Aus­spruch der Kündi­gung ge­genüber dem Kläger in­fol­ge der Ver­la­ge­rung der Be­plan­kung von Wänden wei­ter re­du­ziert ha­be.
20 Mit Schrift­satz vom 05.10.2017 trägt die Be­klag­te vor, dass die für Führung und Ko­or­di­na­ti­on ursprüng­lich er­for­der­li­chen 40 St­un­den pro Wo­che sich auf zehn bis 20 St­un­den pro Wo­che re­du­ziert hätten und durch ei­nen Mit­ar­bei­ter in der Ar­beits­vor­be­rei­tung ab­ge­deckt würden.
21 Die Be­klag­te be­an­tragt,
22 das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 24. No­vem­ber 2016, Az.: 11 Ca 5658/16, ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
24 die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.
25 Der Kläger ver­tei­digt die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts. Nach­dem die Be­klag­te die Kündi­gung des Klägers aus­weis­lich ih­res Be­ru­fungs­vor­brin­gens of­fen­bar nicht (mehr) auf außer­be­trieb­li­che Fak­to­ren stütze, genüge das Vor­brin­gen der Be­klag­ten zum Weg­fall ei­ner Hier­ar­chie­ebe­ne auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht den An­for­de­run­gen an die Dar­le­gungs- und Be­weis­last des Ar­beit­ge­bers.
26 We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf den wech­sel­sei­tig aus­ge­tausch­ten Schriftsätze der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren, das erst­in­stanz­li­che Ur­teil so­wie das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung Be­zug ge­nom­men.
27 E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e
28 Die Be­ru­fung ist zulässig und be­gründet.
29 A. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet, §§ 66 Abs. 1 S. 1 und 2, 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG i.V.m. §§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO.
30 B. Die Be­ru­fung ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass die Kündi­gung vom 28.07.2016 nicht so­zi­al ge­recht­fer­tigt im Sin­ne des § 1 Abs. 2 KSchG ist und das Ar­beits­verhält­nis nicht zum 31.01.2017 auf­gelöst hat (da­zu un­ter 1.). Das Ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te zu Recht zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens ver­ur­teilt (da­zu un­ter 2.).
31 1. Die or­dent­li­che Kündi­gung vom 28.07.2016 ist so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt. Sie ist nicht durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se im Sin­ne des § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG be­dingt.
32 Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se für ei­ne Kündi­gung im Sin­ne des § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG können aus in­ner­be­trieb­li­chen oder außer­be­trieb­li­chen Gründen fol­gen (BAG, Ur­teil vom 24.05.2012 – 2 AZR 124/11 –, Rn. 21, ju­ris; BAG, Ur­teil vom 16.12.2010 – 2 AZR 770/09 – Rn. 13, ju­ris). Ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Er­for­der­nis für die Kündi­gung vom 28.07.2016 be­steht we­der aus außer­be­trieb­li­chen (da­zu un­ter a.) noch aus in­ner­be­trieb­li­chen Gründen (da­zu un­ter b.)
33 a. Zunächst hat die Be­klag­te selbst in der Be­ru­fungs­in­stanz klar­ge­stellt, dass sie die Kündi­gung vom 28.07.2016 nicht außer­be­trieb­li­che Umstände stützt und dass ih­re Ausführun­gen zu Um­satz- und Auf­tragsrück­gang ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung erläutern soll­ten. So­weit die Be­klag­te die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts zu die­sem Punkt gleich­wohl an­ge­grif­fen hat, ist Fol­gen­des fest­zu­hal­ten:
34 Die von der Be­klag­ten er­ho­be­ne Ver­fah­rensrüge we­gen ei­nes feh­len­den Hin­wei­ses auf die man­geln­de Präzi­sie­rung ih­res Vor­trags zum Auf­tragsrück­gang ist un­zulässig. Wird ei­ne Ver­fah­rensrüge er­ho­ben, müssen in der Rechts­mit­tel­be­gründung gemäß § 66 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO die Tat­sa­chen be­zeich­net wer­den, die den Man­gel er­ge­ben. Be­zieht sich die Rüge auf die ver­fah­rens­rechts­wid­ri­ge Un­ter­las­sung ei­nes ge­bo­te­nen rich­ter­li­chen Hin­wei­ses, muss der un­ter­las­se­ne Hin­weis be­zeich­net und an­ge­ge­ben wer­den, was auf ei­nen ent­spre­chen­den Hin­weis hin vor­ge­tra­gen wor­den wäre (BAG, Ur­teil vom 24.02.2016 – 4 AZR 89/13 –, Rn. 25, BeckRs 70257; BGH, Ur­teil vom 27.01.2015 – VI ZB 40/14 –, NJW-RR 2015, Sei­te 511; Zöller/Gre­ger, 31. Aufl. 2016, § 139 ZPO Rn. 20). Hier­an fehlt es im vor­lie­gen­den Fall. Zwar hat die Be­klag­te in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung vom 03.04.2017 aus­geführt, dass das Ar­beits­ge­richt sie nicht dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, dass ihr bis­he­ri­ger Sach­vor­trag zum Auf­tragsrück­gang nicht hin­rei­chend sei. Ih­re wei­te­ren Ausführun­gen, sie hätte bei er­teil­tem Hin­weis zu den ein­zel­nen Punk­ten „um­fas­sen­der und de­tail­rei­cher vor­ge­tra­gen“, stel­len je­doch nicht den im Rah­men ei­ner zulässi­gen Ver­fah­rensrüge er­for­der­li­chen Vor­trag dar. Die Be­klag­te hätte hier­zu tatsächlich die „ein­zel­nen Punk­te“ auch be­nen­nen müssen, zu de­nen sie um­fas­sen­der und de­tail­rei­cher hätte vor­tra­gen wol­len und den Vor­trag auch ausführen. Der all­ge­mei­ne Hin­weis, zu ein­zel­nen Punk­ten de­tail­rei­cher vor­tra­gen zu wol­len, ist nicht aus­rei­chend.
35 Das Ar­beits­ge­richt hat im Übri­gen zu­tref­fend dar­auf ab­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen dau­er­haf­ten Auf­tragsrück­gang in Ab­gren­zung zu kurz­fris­ti­gen Auf­trags­schwan­kun­gen dar­le­gen muss, wenn er sich auf den außer­be­trieb­li­chen Grund des Auf­tragsrück­gangs be­ruft. Das Ar­beits­ge­richt hat – an­ders als die Be­klag­te meint – auch kei­ne über­zo­gen ho­hen An­for­de­run­gen an die Dar­le­gungs­last ge­stellt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat mit Ent­schei­dun­gen vom 18.05.2006 (2 AZR 412/05 –, Rn. 17, ju­ris) und 23.02.2012 (2 AZR 548/10 –, Rn. 20, ju­ris) zum er­for­der­li­chen Sach­vor­trag des Ar­beits­ge­bers fest­ge­hal­ten, dass die Dau­er­haf­tig­keit des Rück­gangs des Auf­trags­vo­lu­mens an­hand ei­nes Ver­gleichs ein­schlägi­ger Da­ten aus re­präsen­ta­ti­ven Re­fe­renz­pe­ri­oden nach­voll­zieh­bar sein müsse. Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass ent­spre­chen­der Vor­trag der Be­klag­ten fehlt. Auch in der Be­ru­fungs­in­stanz hat die Be­klag­te ih­ren Vor­trag zum Auf­tragsrück­gang nicht ergänzt.
36 b. Ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Er­for­der­nis be­steht auch nicht aus In­ner­be­trieb­li­chen Gründen.
37 In­ner­be­trieb­li­che Gründe lie­gen vor, wenn sich der Ar­beit­ge­ber zu ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­me ent­schließt, bei de­ren Um­set­zung das Bedürf­nis für die Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes oder meh­re­rer Ar­beit­neh­mer entfällt. Ei­ne sol­che un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ist ge­richt­lich nicht auf ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung oder ih­re Zweckmäßig­keit hin zu prüfen, son­dern nur dar­auf, ob sie of­fen­sicht­lich un­sach­lich, un­vernünf­tig oder willkürlich ist. Nach­zu­prüfen ist je­doch, ob die frag­li­che Ent­schei­dung tatsächlich um­ge­setzt wur­de und da­durch das Beschäfti­gungs­bedürf­nis für ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer ent­fal­len ist (BAG, Ur­teil vom 24.05.2012 – 2 AZR 124/11 –, Rn. 21, ju­ris; BAG, Ur­teil vom 16.12.2010 – 2 AZR 770/09 –, Rn. 13, ju­ris). Läuft die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung auf den Ab­bau ei­ner Hier­ar­chie­ebe­ne oder die Strei­chung ei­nes ein­zel­nen Ar­beits­plat­zes hin­aus ver­bun­den mit der Um­ver­tei­lung der dem be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer bis zu­letzt zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­ben, ist die Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers mit sei­nem Kündi­gungs­ent­schluss prak­tisch de­ckungs­gleich. Die an­sons­ten be­rech­tig­te Ver­mu­tung, die Ent­schei­dung sei aus sach­li­chen Gründen er­folgt, die außer­halb ih­rer selbst lie­gen, muss der Ar­beit­ge­ber in sol­chen Fällen sei­ne Ent­schei­dung hin­sicht­lich ih­rer or­ga­ni­sa­to­ri­schen Durchführ­bar­keit und zeit­li­chen Nach­hal­tig­keit ver­deut­li­chen. Er muss kon­kret erläutern, in wel­chem Um­fang und auf­grund wel­cher Maßnah­men die bis­her vom gekündig­ten Ar­beit­neh­mer aus­geübten Tätig­kei­ten zukünf­tig ent­fal­len und er muss an­hand ei­ner schlüssi­ge Pro­gno­se im Ein­zel­nen dar­stel­len, wie die an­fal­len­den Ar­bei­ten vom ver­blie­be­nen Per­so­nal oh­ne über­ob­li­ga­ti­onsmäßige Leis­tun­gen – al­so im Rah­men ih­rer ver­trag­lich ge­schul­de­ten re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit – er­le­digt wer­den können (BAG, Ur­teil vom 24.05.2012 – 2 AZR 124/11 –, Rn. 23, ju­ris; BAG, Ur­teil vom 16.12.2010 – 2 AZR 770/09 –, Rn. 15, ju­ris; BAG, Ur­teil vpm 13.02.2008 – 2 AZR 1041/06 –, Rn. 16, ju­ris)
38 In wel­cher Wei­se ein Ar­beit­ge­ber dar­legt, dass die Um­ver­tei­lung von Ar­beits­auf­ga­ben nicht zu ei­ner über­ob­li­ga­to­ri­schen Be­an­spru­chung im Be­trieb ver­blie­be­ner Ar­beit­neh­mer führt, bleibt ihm über­las­sen. Han­delt es sich um nicht takt­ge­bun­de­ne Ar­bei­ten, muss nicht mi­nu­tiös dar­ge­legt wer­den, wel­che ein­zel­nen Tätig­kei­ten die frag­li­chen Mit­ar­bei­ter künf­tig mit wel­chen Zeit­an­tei­len täglich zu ver­rich­ten ha­ben. Es kann – je nach Ein­las­sung des Ar­beit­neh­mers – aus­rei­chend sein, wenn der Ar­beit­ge­ber die ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen zu Um­fang und Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit dar­stellt und An­halts­punk­te dafür dar­legt, dass Freiräume für die Über­nah­me zusätz­li­cher Auf­ga­ben vor­han­den sind (BAG, Ur­teil vom 24.05.2012 – 2 AZR 124/11 –, Rn. 31, ju­ris).
39 Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen hat die Be­klag­te nicht dar­ge­legt, dass ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, die Hier­ar­chie­ebe­ne der Lei­tung der Schrei­ne­rei ab­zu­bau­en, or­ga­ni­sa­to­risch durchführ­bar und zeit­lich nach­hal­tig ist. An­ders als das Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men hat, folgt die feh­len­de Nach­hal­tig­keit der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung aber nicht be­reits aus der Tat­sa­che, dass der Plant Ma­na­ger, der die Lei­tungs­auf­ga­ben des Klägers nach dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten über­neh­men soll­te, nach der Kündi­gung des Klägers sein Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten selbst gekündigt und die Be­klag­te in der Fol­ge ent­schie­den hat, die Stel­le nicht neu zu be­set­zen. Zu Recht hat die Be­klag­te dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der maßgeb­li­che Zeit­punkt für die Be­ur­tei­lung der so­zia­len Recht­fer­ti­gung ei­ner Kündi­gung der Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 09.11.2006 – 2 AZR 812/05 –, Rn.20, ju­ris; KR-Grie­be­ling/Ra­chor, 11. Aufl. 2016, § 1 KSchG Rn. 235 mwN). Das Aus­schei­den des Plant Ma­na­gers nach Zu­gang der Kündi­gung des Klägers ist bei der Prüfung der so­zia­len Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung nicht zu berück­sich­ti­gen. Es kommt viel­mehr auf die ursprüng­li­chen Pla­nun­gen an.
40 Die Be­klag­te hat die Durchführ­bar­keit und zeit­li­che Nach­hal­tig­keit des Weg­falls der Lei­tung der Schrei­ne­rei aber auch nicht auf Grund­la­ge ih­rer ursprüng­li­chen Pla­nun­gen nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt. Nach übe­rein­stim­men­dem Vor­trag der Par­tei­en be­stan­den die Lei­tungs­auf­ga­ben des Klägers je­den­falls in der Ma­te­ri­al­be­stel­lung, der Ver­wal­tung der Fun­dus­tei­le aus der Schrei­ne­rei, der Steue­rung des Ma­schi­nen­parks, der Ar­beits­ein­tei­lung so­wie der Ur­laubs- und Ab­we­sen­heits­pla­nung und Lei­tung des Teams aus 20 ihm un­ter­stell­ten Mit­ar­bei­tern. Ob der Kläger darüber hin­aus – wie von ihm vor­ge­tra­gen – noch wei­te­re Auf­ga­ben, wie die Ka­pa­zitäts­pla­nung, er­le­dig­te, konn­te of­fen­blei­ben. Die Be­klag­te hat be­reits für die vor­ge­nann­ten, dem übe­rein­stim­men­den Par­tei­vor­trag ent­spre­chen­den Auf­ga­ben des Klägers nicht dar­ge­legt, dass de­ren Ver­tei­lung or­ga­ni­sa­to­risch durchführ­bar ist.
41 Die Be­klag­te hat be­reits nicht vor­ge­tra­gen, wel­chen An­teil an der ver­ein­bar­ten, 40 St­un­den in der Wo­che um­fas­sen­den Ar­beits­zeit des Klägers die ein­zel­nen Tätig­kei­ten je­weils ha­ben. Nach ih­rem ei­ge­nen Vor­brin­gen hat die Be­klag­te die­se Tätig­kei­ten, de­ren zeit­li­cher Um­fang of­fen ist, so­dann im Rah­men der ursprüng­li­chen Pla­nun­gen auf meh­re­re Ar­beit­neh­mer ver­teilt. Da­bei soll­ten zunächst die „übri­gen Fach­auf­ga­ben wie Ma­te­ri­al­be­schaf­fung, Ver­wal­tung der Fun­dus­tei­le etc.“ von den Mit­ar­bei­tern in der Ar­beits­vor­be­rei­tung mit­er­le­digt wer­den. Hier­zu hat die Be­klag­te erläutert, dass die Mit­ar­bei­ter die Auf­ga­ben des­halb er­le­di­gen könn­ten, weil sich das Ar­beits­vo­lu­men in­fol­ge des Auf­tragsrück­gangs re­du­ziert ha­be. Zwar mag ein Auf­tragsrück­gang grundsätz­lich Freiräume für die Über­nah­me zusätz­li­cher Auf­ga­ben eröff­nen. Ob die­se Freiräume aber aus­rei­chend sind, kann das Ge­richt nur dann über­prüfen, wenn es so­wohl den zeit­li­chen Um­fang der zu über­neh­men­den Auf­ga­ben als auch den zeit­li­chen Um­fang des ent­stan­de­nen Frei­raums kennt, ge­ra­de wenn die­ser sich auf meh­re­re Mit­ar­bei­ter ver­teilt. Auch wenn ei­ne mi­nu­tiöse Dar­le­gung der Tätig­kei­ten nicht er­for­der­lich ist, so be­darf es doch ir­gend­wel­cher An­halts­punk­te, die es dem Ge­richt ermögli­chen, das Kon­zept der Um­ver­tei­lung in zeit­li­cher Hin­sicht auf sei­ne Durchführ­bar­keit nach­zu­voll­zie­hen. Be­schränkt sich der Ar­beit­ge­ber – wie vor­lie­gend die Be­klag­te – dar­auf, le­dig­lich die zu ver­tei­len­den Ar­beits­auf­ga­ben zu be­nen­nen, fehlt es je­den­falls an An­halts­punk­ten.
42 Ent­spre­chen­des gilt für das Vor­brin­gen der Be­klag­ten im Zu­sam­men­hang mit ih­ren ursprüng­li­chen Pla­nun­gen, die wei­te­ren Lei­tungs­auf­ga­ben dem Plant Ma­na­ger zu über­tra­gen. Zwar hat die Be­klag­te auch hier An­halts­punk­te dafür vor­ge­tra­gen, dass Freiräume für die Über­nah­me zusätz­li­cher Auf­ga­ben da­durch ent­stan­den sein können, dass der Plant Ma­na­ger nicht mehr für die Lei­tung der Lo­gis­tik zuständig ist. Je­doch kann das Ge­richt oh­ne wei­te­re An­ga­ben nicht da­von aus­ge­hen, dass der Um­fang der Tätig­keit der Lei­tung der Schrei­ne­rei dem Um­fang der Tätig­keit der Lei­tung der Ab­tei­lung Lo­gis­tik ent­spricht.
43 Auf die Ausführun­gen der Be­klag­ten in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung, nach de­nen nach der Ei­genkündi­gung des Plant Ma­na­gers zum 31.01.2017 die Über­nah­me der Tätig­kei­ten des Klägers durch an­de­re Mit­ar­bei­ter in­fol­ge wei­te­ren Beschäfti­gungs­weg­falls möglich ge­we­sen sei, kommt es nicht an. Der maßgeb­li­che Zeit­punkt für die Be­ur­tei­lung der so­zia­len Recht­fer­ti­gung ei­ner Kündi­gung der Zeit­punkt ih­res Zu­gangs. Nachträgli­che Ent­wick­lun­gen führen nicht in Nach­hin­ein zur Wirk­sam­keit der Kündi­gung.
44 Ent­spre­chen­des gilt für die Ausführun­gen der Be­klag­ten in ih­rem Schrift­satz vom 05.10.2017, nach de­nen die Führungs- und Ko­or­di­na­ti­ons­auf­ga­ben des Klägers sich auf zehn bis 20 St­un­den in der Wo­che re­du­ziert und nun­mehr von ei­nem Mit­ar­bei­ter in der Ar­beits­vor­be­rei­tung über­nom­men wor­den sei­en, führen zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Auch hier be­ruft sich die Be­klag­te auf Ent­wick­lun­gen nach Zu­gang der strei­ti­gen Kündi­gung. Darüber hin­aus kann das Ge­richt nicht man­gels ent­spre­chen­der An­ga­ben nicht über­prüfen, ob und auf­grund wel­cher Tat­sa­chen ein Mit­ar­bei­ter Freiräume für „zehn bis 20 St­un­den pro Wo­che“ hat.
45 2. Das Ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te zu­recht zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens ver­ur­teilt. Da­bei hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend auf den all­ge­mei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch des Klägers nach ge­richt­li­cher Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung aus §§ 611, 242 BGB er­kannt (BAG GS 27.02.1985 – GS 1/84 – ju­ris). Auch wenn der bei der Be­klag­ten ge­bil­de­te Be­triebs­rat der Kündi­gung des Klägers wi­der­spro­chen hat, stand ein Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag nach § 102 Abs. 5 Be­trVG nicht zur Ent­schei­dung an. Der Kläger hat sei­nen An­trag aus­sch­ließlich auf den all­ge­mei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch nach den Grundsätzen des Großen Se­nats gestützt und da­durch den Streit­ge­gen­stand be­stimmt (vgl. Zöller/Voll­kom­mer, 31. Aufl. 2016, Ein­lei­tung zur ZPO Rn. 72 ff). Umstände, aus de­nen sich ein be­son­de­res In­ter­es­se der Be­klag­ten an der Nicht­beschäfti­gung des Klägers er­ge­ben könne, hat die Be­klag­te in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht vor­ge­tra­gen.
46 C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Kos­ten ei­nes er­folg­los ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels hat die Par­tei zu tra­gen, die es ein­ge­legt hat.
47 D. Die Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on folgt aus § 72 Abs. 2 ArbGG. Die ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen sind von der Recht­spre­chung geklärt.
zur Übersicht 4 Sa 109/17

References: § 1
 § 1
 § 1
 § 66
 § 520
 § 139
 § 1
 § 102
 § 97
 § 72