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Timestamp: 2018-07-21 23:17:12+00:00

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ᐅ Privater Whatsapp Chatverlauf veröffentlicht - Medienrecht und Presserecht - JuraForum.de
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Privater Whatsapp Chatverlauf veröffentlicht
Dieses Thema "ᐅ Privater Whatsapp Chatverlauf veröffentlicht - Medienrecht und Presserecht" im Forum "Medienrecht und Presserecht" wurde erstellt von Ichhasseallemenschen95, 6. Februar 2018.
Ichhasseallemenschen95 Neues Mitglied 06.02.2018, 10:47
Folgendes fiktives Problem:
Eine fiktive Freundin hat einen Ex-Freund der meint ihre alten Chatverläufe anderen Leuten zu zeigen. In diesen Chatverläufen stehen intime und vertrauliche Sachen drin , die niemanden etwas angehen. Nun hat dieser besagte Ex-Freund Ausschnitte dieser Chatverläufe gegenüber ihrem aktuellen freund und einem weiteren Kollegen veröffentlicht. Teils gezeigt. Teils auf Anfrage rausgegeben. Die Freundin möchte das er das nie wieder macht , da es wie gesagt private , intime und vertrauliche Daten sind. Die freundliche Anfrage von ihrem aktuellen freund hin diese Chatverläufe bitte zu löschen hat er verneint. Dazu kann ihn auch meine ich nie jemand zwingen. Aber wie kriegen wir es hin, dass er nie wieder Dinge veröffentlicht ?
Welche Möglichkeiten hat diese Freundin dagegen vorzugehen ? Mit einer Unterlassenserklärung etwa? Hat sie überhaupt Möglichkeiten?
Was empfiehlt ihr ihr?
Zudem muss man erwähnen dass er schon vorher ohne ihre Erlaubnis private Geschichten in öffentlicher Runde über sie erzählt hat obwohl er wusste dass sie es nicht toleriert.
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 7. Februar 2018
Ichhasseallemenschen95
Rara.32 gefällt das.
Gammaflyer V.I.P. 06.02.2018, 17:26
AW: Privater Whatsapp Chatverlauf veröffentlicht
Solange die Persönlichkeitsrechte nicht empfindlich verletzt werden (und da müsste man sich den Einzelfall jeweils explizit ansehen), hat der Ex-Freund keine Schweigepflicht wie etwa ein Arzt, Pfarrer o.ä.
Weder bezüglich der konkreten Chatverläufe als auch der abstrakten Inhalte.
Ichhasseallemenschen95 Neues Mitglied 06.02.2018, 20:35
Was ist, sollte der Ex-Freund hypothetisch , über Phobien und psychologische Probleme der Freundin öffentlich geredet haben? Angenommen dies wurde damals in der Beziehung besprochen und da wurde auch in besagtem Chatverlauf drüber geschrieben. Zudem angenommen hat die Freundin noch eine entschuldugung des Ex-Freundes im Chatverlauf , mit der sie beweisen kann , dass
Er über diese Ängste und Probleme geredet hat.
Gammaflyer V.I.P. 06.02.2018, 20:36
Das wird man außenstehend nicht abschließend beurteilen können.
onkelotto V.I.P. 06.02.2018, 22:54
Ich habe da meine Zweifel ob im vorliegenden Fall "veröffentlichen" in rechtlichen Sinne korrekt verwendet wird.
Für meinen Geschmack liegt nach bisheriger Beschreibung keine Veröffentlichung vor.
Und wenn er Dinge aus der Erinnerung wahrheitsgemäß erzählt ( Straftatbestände wie Verleumdung oder Beleidigung liegen auch nicht vor ), kann ihm das wohl niemand verwehren.
Wäre ein Unterbinden der Kommunikation über Dritte pauschal möglich, dürfte man ohne vorherige Zustimmung nicht erzählen, was Mutti am Frühstückstisch, der Lehrer in der Schule der Arbeitskollege in der Mittagspause erzählt hat.
Es gibt Straftatbestände wie Verleumdung, Beleidigung oder für spezielle Gruppen wie Pfarrer oder Anwälte wo man eine ungehemmte Kommunikation nicht tolerieren muss - im Moment sehe ich aber noch keinen rechtlichen Ansatzpunkt.
Aber vielleicht bin ich ja morgen schon schlauer
Librarian und mayerei gefällt das.
TomRohwer V.I.P. 07.02.2018, 15:54
Zitat von Ichhasseallemenschen95: ↑
Eine fiktive Freundin hat einen Ex-Freund der meint ihre alten Chatverläufe anderen Leuten zu zeigen. In diesen Chatverläufen stehen intime und vertrauliche Sachen drin , die niemanden etwas angehen. Nun hat dieser besagte Ex-Freund Ausschnitte dieser Chatverläufe gegenüber ihrem aktuellen freund und einem weiteren Kollegen veröffentlicht. Teils gezeigt. Teils auf Anfrage rausgegeben.
Das ist keine Veröffentlichung, sondern maximal eine Verbreitung.
Die Freundin möchte das er das nie wieder macht , da es wie gesagt private , intime und vertrauliche Daten sind. Die freundliche Anfrage von ihrem aktuellen freund hin diese Chatverläufe bitte zu löschen hat er verneint. Dazu kann ihn auch meine ich nie jemand zwingen. Aber wie kriegen wir es hin, dass er nie wieder Dinge veröffentlicht ?
Es ist grundsätzlich nicht verboten, Dritten Dinge weiterzuerzählen, die man in einem "privaten Gespräch" erfahren hat. (Ausnahme: es gibt eine gesetzliche Schweigepflicht.)
Es können sich aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht zivilrechtliche Abwehransprüche ergeben. Aber: es gibt keine Rechtsgrundlage, mit der beispielswiese Frau A ihren Ex-Geliebten oder Ex-Ehemann B daran hindern könnte, daß der seiner neuen Freundin oder neuen Ehefrau C erzählt, welche Sexualpraktiken er mit seiner Ex ausgelebt hat oder daß seine Ex bestimmte Dinge erzählt hat.
Das in einem Roman so auszubreiten, daß Frau A wiedererkennbar ist, ist dagegen nicht zulässig.
"Private Geschichten erzählen" ist nicht strafbar. Ob es da zivilrechtliche Unterlassungsansprüche gibt, hängt von den Umständen eines konkreten Einzelfalles ab.
BackInBlack Senior Mitglied 14.02.2018, 07:01
Hier kommt man zu einer völlig anderen Einschätzung:
"Das Versenden privater Nachrichten darf nur mit Kenntnis und Einwilligung der betroffenen Chat-/Gesprächspartner erfolgen. Ausnahmen davon bestehen nur dann, wenn zuvor verfasste Nachrichten vom Verfasser/ den Verfassern bereits veröffentlicht wurden (beispielsweise das Schreiben einer Nachricht bei Facebook direkt auf ein öffentliches Profil). Dies ist bei WhatsApp jedoch nicht der Fall, da eine Kommunikation nur innerhalb einer geschlossenen Nutzergruppe von zwei oder mehr Teilnehmern erfolgt.
Datenschutzrechtlich und im Hinblick auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist zu beachten, dass personenbezogene Daten (z.B. Name, Anschrift eines Chat-Beteiligten) lediglich anonymisiert verarbeitet werden dürfen, es muss also eine vollständige Aufhebung des Personenbezugs erfolgen. Sofern also keine Einwilligung vorliegt und es allgemein um die beispielhafte Darstellung einer Situation geht, sollten Nachrichten so geschwärzt sein, dass sie nicht mehr individualisierbar sind oder ein abstraktes Beispiel gewählt werden, welches sich dem Originaltext nur annähert. Es dürfen sich keine Rückschlüsse auf die Person ergeben.
Für den Fall einer Einwilligung ist zunächst maßgeblich, ob die Versicherung eines Chat-Beteiligten genügt, dass der Kommunikationspartner in die Veröffentlichung eingewilligt hat, oder eine separate Einwilligung des Kommunikationspartners erforderlich ist. Falls eine vollständige Anonymisierung erfolgt und die beteiligten Personen weder bestimmt noch bestimmbar sind, könnte man auf eine Einwilligung verzichten. Jedoch ist das Risiko sehr hoch, dass eine vollständige Anonymisierung nicht in jedem Fall erfolgt und eine Bestimmtheit oder Bestimmbarkeit die Folge wäre. Daher ist zur Einholung der Einwilligung von beteiligten Personen zu raten."
Quelle: http://www.medienscouts-nrw.de/eins...-durch-medienscouts-und-beratungslehrkraefte/
onkelotto V.I.P. 14.02.2018, 08:44
Selbstredend - ist ja auch ein anderes Thema.
chancen Senior Mitglied 13.03.2018, 19:17
In diesen Chatverläufen stehen intime und vertrauliche Sachen drin , die niemanden etwas angehen. Nun hat dieser besagte Ex-Freund Ausschnitte dieser Chatverläufe gegenüber ihrem aktuellen freund und einem weiteren Kollegen veröffentlicht. Teils gezeigt. Teils auf Anfrage rausgegeben.
Ich vermute, es kommt drauf an in welchem Rahmen er darüber geredet hat. Hat er z.B. Arbeitskollegen der Ex-Freundin grundlos in Kenntnis gesetzt und ist dadurch ein Schaden zu erwarten, vermute ich, dass er dafür auch haftbar gemacht werden könnte.
Anwalt nehmen und probieren und für die Zukunft am besten eine Schweigepflichtvereinbarung mit Vertragsstrafen aufsetzen (ist natürlich nicht gerade romantisch ). Vielleicht könnte man auch konkludent von einer solchen Vereinbarung ausgehen.
Bein der Schweigepflicht ist schon die Weitergabe an jede nicht berechtigte Person nicht statthaft.
Nach §§ 169 - 183 GVG ist jeder Unbefugte öffentlich. Öffentlich dürfte jeder sein, mit dem man nicht befreundet, oder verwandtschaftlich verbunden ist. Letztlich aber eine Definitionsfrage auf die es wohl nicht ankommen dürfte. So ist z.B. nach § 186 StGB das „Verächtlich machen“ oder „In der öffentlichen Meinung herabwürdigen“ strafbar. Es sollte schlicht darauf ankommen, ob ein Schaden entsteht. Das ist z.B. unter Arbeitskollegen zu erwarten, da eine Beförderung nach Studien mehr vom Klatsch und Tratsch abhängt als von der Leistung.
TomRohwer V.I.P. 16.03.2018, 22:54
Nach §§ 169 - 183 GVG ist jeder Unbefugte öffentlich.
Warum sollte das GVG hier anwendbar sein?
Öffentlich dürfte jeder sein, mit dem man nicht befreundet, oder verwandtschaftlich verbunden ist.
"Die Wiedergabe ist öffentlich, wenn sie für eine Mehrzahl von Mitgliedern der Öffentlichkeit bestimmt ist. Zur Öffentlichkeit gehört jeder, der nicht mit demjenigen, der das Werk verwertet, oder mit den anderen Personen, denen das Werk in unkörperlicher Form wahrnehmbar oder zugänglich gemacht wird, durch persönliche Beziehungen verbunden ist."
(§15 Abs.3 UrhG)
Im EP vermag ich eine Veröffentlichung nicht zu erkennen, aber ggf. eine Verbreitung.
Letztlich aber eine Definitionsfrage auf die es wohl nicht ankommen dürfte. So ist z.B. nach § 186 StGB das „Verächtlich machen“ oder „In der öffentlichen Meinung herabwürdigen“ strafbar.
Auch davon ist im EP nichts zu erkennen.
Es sollte schlicht darauf ankommen, ob ein Schaden entsteht.
Nein. Eben nicht. Wenn ein Schaden durch die Verbreitung von zutreffenden Tatsachenbehauptungen entsteht, ist das durchaus nicht strafbar.
Und §186 StGB setzt immer voraus, daß die Tatsachenbehauptung unzutreffend ist.
Das ist z.B. unter Arbeitskollegen zu erwarten, da eine Beförderung nach Studien mehr vom Klatsch und Tratsch abhängt als von der Leistung.
Das ist unerheblich, wenn die Tatsachenbehauptung nicht unzutreffend ist.
chancen Senior Mitglied 17.03.2018, 09:53
Wir hatten jetzt gerade in einem Seminar über Presserecht den Fall Kachelmann. Er hatte wohl Schadenersatzansprüche wegen Veröffentlichung von intimen Details, also zwar zutreffenden Tatsachen, die aber dem Schutz des Persönlichkeitsrechts unterliegen. Bei einer Verletzung des Persönlichkeitsrechts besteht wohl ein Unterlassungsanspruch beziehungsweise Berichtigungsanspruch nach § 1004 BGB. Bei schwerwiegenden Verletzung des Persönlichkeitsrechts kann der Anspruch auf Schadensersatz bestehen, der sich aus § 823 I BGB „sonstiges Recht“ in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG, Art. 2 Abs. 1 GG ergibt. Es kommt wie gesagt nicht darauf an, ob eine strafbare Handlung vorliegt.
Meiner Meinung nach kommt es darauf an, ob eine Information das private Umfeld, also den engen Freundes- und Familienkreis verlässt. D.h. wenn des Ex-Freund seiner neuen Freundin Details aus dem Intimsleben mit seiner Ex-Freundin berichtet, denke ich, dass dies zulässig sein sollte, das Weitergeben von derartigen Informationen oder gar Chatverläufen im Kollegenkreis jedoch nicht. Ein Unterlassungsanspruch wird daher vermutlich bestehen. Sollte sich daraus ein nachweisbarer Schaden ergeben, ist der Ex-Freund vermutlich auch schadenersatzpflichtig. Sollte es sich um eine schwerwiegenden Verletzung des Persönlichkeitsrechts handeln, könnte der Ex-Freund auch ohne Nachweis eines konkreten weiteren Schadens haftbar sein.
chancen Senior Mitglied 17.03.2018, 14:39
Der Begriff der Verbreitung ist wohl der Oberbegriff, für Veröffentlichung und "in Verkehr bringen" (§17 I UrhG). Verbreitung schließt also Veröffentlichung mit ein. Wie du schreibst gehört nach §15 Abs.3 UrhG zur Öffentlichkeit jeder, der nicht mit demjenigen, der das Werk verwertet, oder mit den anderen Personen, denen das Werk in unkörperlicher Form wahrnehmbar oder zugänglich gemacht wird, durch persönliche Beziehungen verbunden ist. Öffentlich ist also alles außerhalb des Freundschafts- und Familienkreis.
onkelotto V.I.P. 19.03.2018, 20:08
Was wäre den in Zeiten von Facebook der Gradmesser für Freundschaft ?
Facebook sagt das sind alles Freunde .... und du ?
onkelotto V.I.P. 19.03.2018, 20:21
@chancen
Wie kommst du in diesem Kontext eigentlich zum Urheberrecht ?
Ging es im Eingang nicht um vertrauliche Informationen - oder wurden diese in einem Gedicht vorgetragen ?
chancen Senior Mitglied 19.03.2018, 21:48
Die meisten Facebookfreunde sollten wohl i.d.R. nicht den urheberrechtlich geforderten Grad der persönlichen Beziehung erfüllen. Das Urheberrecht diente aber nur dazu, zu schauen, wie die Weitergabe im Kollegenkreis bezeichnet werden könnte. Also nicht weil das Geschriebene nun urhebrrechtlich geschützt sei, sondern halt wegen des Verbreitsungskreises. Ob die Weitergabe für eine Unterlassungsverfügung oder eine Abmahnung ausreichend wäre sollte sich aus dem Presse- bzw. Persönlichkeitsrecht ergeben. Man darf halt nicht alles einfach weiter verbreiten.
Drohung per WhatsApp Aktuelle juristische Diskussionen und Themen 25. Mai 2017

References: § 186
 § 186
 §186
 § 1004
 § 823
 Art. 1
 Art. 2
 §15