Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Hoechstaltersgrenze_fuer_Betriebsrente_LAG_Duesseldorf_12Sa1430-11_u.html
Timestamp: 2020-02-16 21:43:54+00:00

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Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt, fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihr mit Wir­kung ab dem 01.07.2010 30
ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ren­te in Höhe von 12% des mo­nat­li­chen Durch­schnitts ih­res Brut­to­ar­beits­ein­kom­mens, das sie in den letz­ten 5 Dienst­jah­ren von der E. SE be­zo­gen hat, zu zah­len und zwar nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit und dann je­wei­li­ger Fällig­keit.
Sie ist der An­sicht, das Ar­beits­ge­richt ha­be zu Un­recht die zeit­li­che An­wend­bar­keit des AGG ver­neint, denn bis zum Zeit­punkt des Leis­tungs­falls am 30.06.2010 ha­be das Ar­beits­verhält­nis im zeit­li­chen An­wen­dungs­be­reich des AGG noch be­stan­den. Durch den Aus­schluss aus dem Ver­sor­gungs­plan wer­de sie we­gen ih­res Al­ters dis­kri­mi­niert. Es ge­be auch kein le­gi­ti­mes Ziel, wes­halb Zei­ten nach dem 60.
Le­bens­jahr nicht mehr an­rech­nungsfähig sein soll­ten.
b) Die Un­wirk­sam­keit des in § 3 Abs. 1 ent­hal­te­nen Leis­tungs­aus­schlus­ses gemäß § 7 Abs. 2, Abs. 1 1. Halbs. AGG i.V.m. § 1 AGG we­gen un­zulässi­ger Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung wirkt nur für die Zu­kunft. Die er­ken­nen­de Kam­mer schließt sich der Auf­fas­sung der 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf (Ur­teil vom 09.04.2010 a.a.O. Rn. 80 ff.) an. Letzt­lich han­delt es sich bei den ge­nann­ten Vor­schrif­ten des AGG um ein Ver­bots­ge­setz, das wie aus­geführt, die strei­ti­ge Re­ge­lung in § 3 Abs. 1 LP er­fasst. Dies führt zur Über­zeu­gung der Kam­mer je­doch
le­dig­lich da­zu, dass der Aus­schluss von Ar­beit­neh­mern, wel­che das 50. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, im kon­kre­ten Fall für die Zu­kunft nich­tig wird. Das Ver­bots­ge­setz er­streckt sich auf al­le Sach­ver­hal­te, die sich seit sei­nem In-Kraft-Tre­ten in sei­nem Gel­tungs­be­reich ver­wirk­li­chen (BAG 16.12.2008 - 9 AZR 985/07, NZA-RR 2010, 32 Rn. 38). Bei der hier strei­ti­gen Al­ters­gren­ze ist die lau­fend in dem Ar­beits­verhält­nis
aus­geübte Beschäfti­gung die­je­ni­ge Tat­sa­che, wel­che die Be­nach­tei­li­gung auslöst (vgl. BAG 17.06.2009 a.a.O. Rn. 38). Dann ist es fol­ge­rich­tig, wenn je­den­falls in dem kon­kret zur Ent­schei­dung an­ste­hen­den Fall le­dig­lich die­se Zei­ten für die War­te­zeit berück­sich­tigt wer­den. Rich­tig ist zwar, dass die Be­klag­te nicht vor­ge­tra­gen hat, dass das fi­nan­zi­el­le Gleich­ge­wicht ih­rer Al­ters­ver­sor­gung durch ei­ne zeit­lich rück­wir­ken­de Berück­sich­ti­gung der Beschäfti­gungs­zei­ten erschüttert würde. Ein ge­mein­schafts­recht­li­cher Ver­trau­ens­schutz ist des­halb nicht an­ge­zeigt
(vgl. EuGH 01.04.2008 - C-267/06, Ma­ru­ko, AP Nr. 9 zu Richt­li­nie 2000/78/EG Rn. 7 f.; BAG 14.01.2009 a.a.O. Rn. 57). Dar­um geht es je­doch nicht. Letzt­lich wird die on der Be­klag­ten bzw. von der Ar­beit­ge­be­rin zu­ge­sag­te Ver­sor­gung durch den Weg­fall der Al­ters­gren­ze in § 3 Abs. 1 LP lücken­haft. Die in § 2 Abs. 1 lit. a) ent­hal­te­ne War­te­zeit bleibt be­ste­hen. Stellt man al­lei­ne auf den Wort­laut ab, hätte die Kläge­rin die­se War­te­zeit al­ler­dings - berück­sich­tig­te man die Zei­ten seit dem 26.02.1996 und auch sol­che nach dem voll­ende­ten 60. Le­bens­jahr- erfüllt. Ein sol­cher Wil­le kann aber we­der der ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­be­rin der Kläge­rin noch der Be­klag­ten un­ter­stellt wer­den. Es soll­te ge­ra­de durch die Kom­bi­na­ti­on von War­te­zeit und Al­tershöchst­gren­ze das wirt­schaft­li­che Ri­si­ko in der zu­ge­sag­ten be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­grenzt wer­den. Wird nun­mehr ei­ner die­ser Pa­ra­me­ter un­wirk­sam, konn­te die Kläge­rin nach Treu und Glau­ben nicht er­war­ten, dass nun­mehr auch die War­te­zeit rück­wir­kend be­ginnt (vgl. LAG Düssel­dorf 09.04.2010 a.a.O. Rn. 83), zu­mal sie an­ge­sichts der zi­tier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts und des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zunächst nicht da­von aus­ge­hen konn­te, über­haupt ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung zu er­hal­ten. Änder­te sich dies auf­grund der Un­wirk­sam­keit der Al­tershöchst­gren­ze durch das In-Kraft-Tre­ten des AGG, hätte sie sich dar­auf ein­las­sen müssen, dass auch die War­te­zeit erst ab die­sem Zeit­punkt zu lau­fen be­ginnt. Ob ganz ge­ne­rell auf­grund der lang­fris­tig an­ge­leg­ten Struk­tur der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung in die­ser in Fällen der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung im­mer nur Beschäfti­gungs­zei­ten seit dem In-Kraft-Tre­ten des AGG zu berück­sich­ti­gen sind (so Bau­er/Ar­nold, NJW 2008, 3377, 3881, 3882; allg. Mei­nel/Heyn/Herms, AGG 2007, § 33 Rn. 8 ("ge­spal­te­ne Rechts­an­wen­dung"); abl. BAG 14.01.2009 a.a.O. Rn. 57 und allg. Hey, AGG 2009, § 33 Rn. 4; Suckow in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt, AGG 3. Aufl. 2011, § 33 Rn. 4), lässt die Kam­mer of­fen. Je­den­falls dann, wenn bei ei­ner Kom­bi­na­ti­on von War­te­zeit und Höchst­al­ters­gren­ze ei­ner der Pa­ra­me­ter un­wirk­sam wird und die bis­lang ver­wand­te Re­ge­lung na­tio­nal ver­fas­sungs­recht­lich ab­ge­si­chert war, ist die­se Rechts­fol­ge aus den oben ge­nann­ten Gründen zu be­ja­hen. Wäre die Kläge­rin vor In-Kraft-Tre­ten des AGG aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den, hätte sie an­ge­sichts des bis da­hin wirk­sa­men Aus­schlus­ses in § 3 Abs. 1 LP kei­ne un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft er­wer­ben können. Mit­hin hätte sie bei Er­rei­chen des 65. Le­bens­jah­res nach In-Kraft-Tre­ten des AGG über­haupt kei­ne Leis­tun­gen be­an­spru­chen können (vgl. da­zu, dass es für die An­wend­bar­keit des AGG aus­reicht, dass der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner un­ver­fall­ba­ren An­wart­schaft aus­ge­schie­den ist BAG 20.04.2010 a.a.O. Rn. 63). Auch dies be­legt zur Über­zeu­gung der Kam­mer, dass die nach dem 18.08.2006 er­brach­te Ar­beits­leis­tung für wei­te­re vier Jah­re die War­te­zeit nicht ob­so­let macht, son­dern die­se erst mit In-Kraft-Tre­ten des AGG zu lau­fen be­gann.
C. Die Re­vi­si­on ist gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen wor­den.
zur Übersicht 12 Sa 1430/11

References: § 3
 § 7
 § 1
 § 3
 EuGH 
 § 3
 § 2
 § 33
 § 33
 § 33
 § 3
 § 72