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Timestamp: 2018-04-19 17:20:49+00:00

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PRIESTERTUM - Lexikon der christlichen Moral
LChM 1976, Sp. 1301-1325
I. Im Leben der Kirche spielt das P. eine wichtige Rolle.
1. Das christl. P. hängt wesentl. mit Jesus Christus zusammen.
a) Der Heilsgott, "der will, daß alle Menschen gerettet werden u. zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen" (1 Tim 2,4), hat seinen Sohn zum Werk der Versöhnung gesandt (vgl. Joh 3,17; 1 Joh 4,9 f.14) "Denn einer ist Gott u. einer ist Mittler zw. Gott u. den Menschen, näml. der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat" (1 Tim 2,5 f). Eben durch seinen Sühnedienst ist er Mittler u. Hoherpriester des Neuen Bundes (vgl. Hebr 2,17; 5,1-5; 8,6; 9,15; 12,24; 2. Vat. Konz., LG 10 18; PO 1).
b) Wer durch die Taufe in Schicksalsgemeinschaft mit Christus tritt, wird dadurch nicht nur zum passiven, sondern auch zum aktiven Teilhaber am Erlösungswerk. Er ist berufen, an der Geistesfülle Christi teilzunehmen u. in ihr sich u. die Welt zu weihen u. so Gott zu verherrlichen. Sein Leben gewinnt damit einen priesterl. Zug. "Tretet hin zu ihm, dem lebendigen Stein, der zwar von den Menschen verworfen worden, bei Gott aber auserlesen kostbar ist, u. laßt euch selbst als lebendige Steine aufbauen als geistiges Haus zu einer hl. Priesterschaft, um geistige Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind, durch Jesus Christus" (1 Petr 2,4 f). "Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königl. Priesterschaft, ein hl. Stamm, ein zu eigen erworbenes Volk, auf daß ihr die Großtaten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat in sein wunderbares Licht" (1 Petr 2,9; vgl. Offb 1,6; 5,9 f; 20,6). In allg. Form wird dieses gemeinsame P. durch die Verherrlichung Gottes in Gebet (vgl. Apg 2,42.47) u. umfassender Hingabe des Lebens an ihn (vgl. Röm 12,1) u. im Zeugnis für seinen Sohn Jesus Christus (vgl. 1 Petr 3,15) betätigt (vgl. D 3851-53; LG 10 f; PO 2).
c) Innerh. des gemeinsamen P.s gibt es eine vom allg. P. der Gläubigen nicht bloß gradmäßig, sondern wesentl. verschiedene Teilnahme am P. Christi: das Amts-P.
Beide sind "einander zugeordnet: das eine wie das andere näml. nimmt je auf besondere Weise am P. Christi teil". Aufgabe des Amtspriesters ist es, kraft seiner priesterl. Gewalt das priesterl. Volk Gottes heranzubilden u. zu leiten. Die Gläubigen aber wirken kraft ihres königl. P.s an dem mit, was der Amtspriester als solcher tut (LG 10 f; vgl. PO 1; GS 38; Paul VI., "Mysterium fidei" AAS 1965,761; D 1767 3849 f).
2. Das Amts-P. ist als besonderer Dienstauftrag (vgl. Apg 1,17.25; 21,19; Röm 11,13; 1 Tim 1,12; Mt 20,26-28) im Mystischen Leib Christi anzusehen, in dem "nicht alle Glieder den gleichen Dienst verrichten" (Röm 12,14; vgl. LG 24; PO 2). "Die Amtsträger, die mit hl. Vollmacht ausgestattet sind, stehen im Dienste ihrer Brüder" (LG 18).
a) Ihr Dienstauftrag geht auf Christus zurück. Er, der selbst vom Vater zum Dienst der Erlösung in die Welt gesandt (Mt 20,26; Joh 17,18; 20,21) u. dazu mit aller Gewalt im Himmel u. auf Erden ausgestattet ist (Mt 28,18), beruft die Apostel zur Teilnahme an seiner Sendung ("Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch", Joh 20,21) u. rüstet sie mit dem Hl. Geist aus (Joh 20,22 f; Apg 1,8; 2,4), in dessen Kraft sie seine Zeugen "in Jerusalem u. in ganz Judäa u. Samaria u. bis an das Ende der Erde" werden sollen (Apg 1,8; vgl. 9,15; 26,17 f; Mt 28,18; Mk 16,15 f). Ihnen fällt es zu, "Diener Christi u. Verwalter der Geheimnisse Gottes" zu sein (1 Kor 4,1), das Evangelium zu verkünden (Apg 6,2-4; 20,24; Röm 15,16), den Gottesdienst der christl. Gemeinde zu leiten (Apg 6,4; 13,1-3), das Opfer darzubringen (Lk 22,19 f; 1 Kor 11,25; Apg 2,42.46), Sünden nachzulassen (Mt 18,18; Joh 20,22 f), durch Handauflegung den Hl. Geist mitzuteilen (Apg 8,15-18; 19,6), Kranke unter Gebet zu salben (Jak 5,14), "die Heiligen heranzubilden zur Ausführung ihres Dienstes, zum Aufbau des Leibes Christi" (Eph 4,12; vgl. D 1740 1752 1771 1773 3449 f 3857; LG 18 21 24 28; CD 1; PO 2).
Die Apostel gewannen für die Teilhabe an der Sendung Christi neue Träger (vgl. Apg 1,15-25; 6,2-6; 11,30; 13,1; 14,23; 20,17; 21,18; Phil 1,1; Kol 4,11; 1 Thess 5,12 f; 1 Tim 3,1 f; Jak 5,14; 1 Petr 5,1 f), denen sie durch Handauflegung die Geisteszurüstung verliehen ("Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir, die dir verliehen worden ist durch Prophetenwort mit Handauflegung der Ältesten", 1 Tim 4,4; vgl. 2 Tim 1,6 f; Apg 6,6; 13,1). Sie waren darauf bedacht, in ihnen nicht nur Helfer, sondern, vor allem in ihren unmittelbaren Mitarbeitern, Fortsetzer ihres Werkes zu haben, die nach ihrem Scheiden ihr Dienstamt übernehmen konnten (vgl. Apg 20,25-28; 1 Tim 5,22; 2 Tim 2,2; 4,5 f; Tit 1,5). Amt u. Geistesgabe der Apostel können so durch alle Zeiten in der Kirche fortleben (vgl. D 718 1764; LG 20 f 28; CD 2; PO 2).
b) Die Betrauung mit dem Amts-P. umfaßt die Übertragung einer Sendung u. die ihr entsprechende Gnadenausrüstung.
aa) Die Sendung ist keine andere als die Sendung Christi selbst. Am Heilswirken Christi, des Lehrers, Priesters u. Königs, teilzuhaben wird der Priester berufen u. bevollmächtigt (D 1764; LG 10 18 20; PO 1 f; Cat. Rom. II 7,2.6-8.23.28).
Seine Aufgabe ist es, das Wort Gottes zu verkünden; in der Eucharistie das Opfer Christi zu vergegenwärtigen, das Bußsakrament u. die Krankensalbung zu spenden u. für die Gläubigen zu bitten; die Familie Gottes als Brüdergemeinde zu sammeln u. durch Christus im Geist zum Vater zu führen (D 1743 3755 3757 3850; LG 17 28).
Diese Bevollmächtigung zeichnet die Priester "mit einem besonderen Prägemal u. macht sie auf diese Weise dem Priester Christus gleichförmig, so daß sie in der Person des Hauptes Christus handeln können" (PO 2; LG 10 21; D 825 1609 1767 1774; CICc. 211 §1; c.732 §1).
bb) Die Teilhabe an der Sendung Christi setzt sinnvollerweise ein enges persönl. Verhältnis des Teilhabenden zu Christus voraus; eben durch die enge Gnadenverbindung mit Christus kann der Amtspriester seine Aufgabe gut erfüllen. "Aus diesem Grund ermahne ich dich: entfache zu lodernder Flamme die Gnadengabe Gottes, die dir durch meine Handauflegung innewohnt" (2 Tim 1,6; vgl. D 1326 3857).
Die Geistesausrüstung des Amts-P.s wird seit den Zeiten der Apostel durch Handauflegung übertragen (Apg 6,6; 13,1; 1 Tim 4,14; 2 Tim 1,6 f). Ein äußeres Zeichen, dem infolge göttlicher Zusage solche Wirkung zukommt, wird Sakrament genannt (D 860 1310 1326 1601 1764 1766 1771 1773 1864 2536 3857; PO 1; Cat. Rom. II 7,10).
c) Seit den ersten Jahrhunderten wird das Weihesakrament in mehreren Stufen gespendet. Am reichsten haben an Christi Weihe u. Sendung als Apostelnachfolger die Bischöfe teil; "diese wiederum haben die Aufgabe ihres Dienstamtes in mehrfacher Abstufung verschiedenen Trägern in der Kirche rechtmäßig weitergegeben. So wird das aus göttl. Einsetzung kommende kirchl. Dienstamt in verschiedenen Ordnungen ausgeübt von jenen, die schon seit alters Bischöfe, Priester, Diakone heißen" (LG 28; vgl. 20; CD 15; PO 2; AG 39; D 1765 1772 1776; CICc. 108 §3).
aa) Die Fülle des P.s verleiht die Bischofsweihe. "Die hl. Synode lehrt aber, daß durch die Bischofsweihe die Fülle des Weihesakramentes übertragen wird" (LG 21; vgl. 41; CD 15; D 1768 1777 f). Die Bischöfe sind bestellt, im Vollsinn "die Kirche Gottes zu weiden" (Apg 20,28). In hervorragender u. sichtbarer Weise vertreten sie die Stelle Christi, des Lehrers, Hirten u. Priesters (LG 21; vgl. 20). Sie als die hauptsächl. Ausspender der Geheimnisse Gottes (CD 15) werden mit Recht Hohepriester genannt (SC 41), wie auch ihr Dienst als höchstes P. u. als Summe des hl. Dienstes bezeichnet wird (LG 21).
bb) Den Bischöfen stehen als Teilhaber des P.s in untergeordneter Stufung die Priester als Mitarbeiter zur Seite (LG 21 28; PO 2; AG 39). Sie unterscheiden sich von den Bischöfen dadurch, daß sie nicht die Fülle des P.s besitzen (D 215 1777) u. in der Ausübung ihrer Gewalt von den Bischöfen abhängen. Dennoch sind sie kraft des Weihesakramentes (D 1763-78) wirkl. Priester des Neuen Bundes (D 215) nach dem Bild des Hohenpriesters Christus u. mit den Bischöfen in der priesterl. Würde verbunden (LG 28 41; CD 15 f; AG 38).
cc) Unterhalb der Weihestufe der Priester steht die der Diakone (vgl. 1 Tim 3,8-13). Auch sie gewinnen durch eine Weihe, die den Charakter des Sakramentes trägt (AG 16; D 1765 1776), Anteil an der Sendung u. der Gnade des Hohenpriesters Christus (LG 29). Sie werden zu bestimmtem Dienst geweiht (CD 15), näml. zum Dienst der Liturgie, des Wortes u. der Liebe in Gemeinschaft mit dem Bischof u. seinem Presbyterium. An Dienstleistungen kommen ihnen zu: Spendung der Taufe, Aufbewahrung u. Austeilung der Eucharistie (auch Überbringen der Wegzehrung), Assistenz beim Abschluß der Ehe; Schriftlesung, Unterricht, Predigt; Leitung von Wortgottesdiensten; Spendung von Sakramentalien; Leitung von Beerdigungen; karitative u. Verwaltungstätigkeit (LG 29; DV 25). Das 2. Vat. Konz. sieht den Diakonat als notwendiges Amt an (AG 15) u. wünscht nicht nur das längere Verbleiben der Priesterkandidaten auf dieser Stufe (OT 12), sondern wegen der Zeitnotwendigkeiten seine Erneuerung als Dauereinrichtung dort, wo er nicht mehr als solche besteht, überläßt aber die Entscheidung darüber den Bischofskonferenzen (LG 29; OE 17; AG 16).
dd) Diesen Stufen des Sakramentes hat die Kirche andere Weihestufen hinzugefügt, die den Charakter von Sakramentalien haben (Ostiarier, Lektor, Exorzist, Akolyth, Subdiakon; D 836 1765 1772; CICc. 108 §3). Sie dienten der würdigen Ausgestaltung des Gottesdienstes (D 1765) u. verliehen nach der Absicht der Kirche bestimmte geistl. Befugnisse u. die zu ihrer Ausübung notwendigen Gnaden. Da manche ihre Bedeutung verloren haben, läßt die Kirche jetzt nur die "Dienstämter" des Lektors u. des Akolythen weiterbestehen, die auch Laien übertragen werden können (Motuproprio "Ministeria quaedam", 15.8.1972, AAS 1972,529-534, II.-IV.).
Kirchenrechtl. wurden höhere Weihen (alle Weihen mit sakramentalem Charakter u. Subdiakonat) u. niedere (die übrigen) unterschieden (CICc. 949). Die Tonsur wurde gelegentl. zu den niederen Weihen gerechnet (c.950), obwohl sie nicht als Weihe, sondern nur als Aufnahme in den geistl. Stand (Klerus, mit besonderer Hinordnung auf den Gottesdienst; vgl. LG 31; Cat. Rom. II 7,13) gemeint war (c.108 §1). Nach der neuesten Regelung ist die Tonsur abgeschafft u. tritt der Kandidat erst durch die Diakonatsweihe in den Klerikerstand (Motupr. "Ad pascendum", 15.8.1972, AAS 1972,534-540).
II. Mit der Sendung u. Weihe des Amts-P.s kann u. darf sinnvollerweise nur betraut werden, wer die nötigen Voraussetzungen erfüllt.
1. Das Sakrament der Weihe kann gültig nur der Getaufte empfangen (CICc. 968 §1; P. ist ja Dienst in der Kirche, in die man durch die Taufe aufgenommen wird), der wenigstens die habituelle Absicht hat, sich weihen zu lassen.
Niemand ist befugt, sich die Teilnahme an der Sendung Christi, wie sie dieses Sakrament gewährt, selbst anzumaßen; nur wer zu ihr berufen wird, darf sie übernehmen (vgl. II 2). Ferner verlangt die Weihe ihrer Natur nach, daß ihr Empfänger im Leben der Gnade mit Christus verbunden sei ("Sakrament der Lebenden").
2. Daß man zum christl. Amts-P. nicht schon durch eigenes Angebot, sondern nur durch Berufung kommt, deutet sich darin an, daß die ersten Träger dieses P.s vom Herrn berufen werden: "Und er stieg auf den Berg hinauf u. rief die zu sich, die er selbst wollte, u. sie kamen zu ihm. Und er bestellte zwölf, daß sie mit ihm zusammen seien u. daß er sie aussende zu verkündigen u. Vollmacht zu haben, Dämonen auszutreiben" (Mk 3,13-15). "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt" (Joh 15,16). Die tiefere Begründung ergibt sich aus dem Hinweis, daß Christus sich die Ehre seines Hohenpriestertums nicht selbst genommen, sondern sie vom Vater empfangen hat (Hebr 5,4-6).
a) Das Wesen der notwendigen Berufung liegt nicht in einer Art Privatoffenbarung, einer ganz außerordentl. Anregung des Hl. Geistes, die im Berufenen eine starke gefühlsmäßige Neigung zum geistl. Stand schaffen u. die kirchl. Oberen verpflichten würde, ihn zum P. zuzulassen (L. Brancherau, De la vocation sacerdotale. Paris 1896, wollte es auf einen solchen "attrait" des Hl. Geistes ankommen lassen). Wie sollten denn die kirchl. Oberen eine solche Anregung u. Neigung zweifelsfrei feststellen? In der Urzeit der Kirche geschah die Berufung zum P. durch die kirchl. Autorität (Apg 1,15-21; 6,1-6; 13,1-3; 14,23; 2 Tim 2,2; Tit 1,5). Der Cat. Rom. (II 7,3) erklärt daher: "Berufen von Gott aber, sagt man, seien die, welche von den rechtmäßigen Dienern der Kirche berufen werden" (im Anschluß daran betont J. Lahitton, La vocation sacerdotale, Paris 1909, der Priesterberuf liege wesentl. in der Berufung u. Annahme des Kandidaten durch den Bischof u. nicht in einer unmittelbar von Gott her kommenden inneren Neigung; er sei äußere Gnade, die durch die befugten Organe der Kirche vermittelt werde; diese Auffassung wurde durch eine zur Untersuchung der Frage eingesetzte Kardinalskommission mit Zustimmung Pius' X. bestätigt, AAS 1912,485). Das 2. Vat. Konz. spricht von der Berufung durch die rechtmäßigen Amtsträger (OT 2), durch den Bischof (PO 11); dieser vollzieht die äußere od. kanonische Berufung.
Nach dem Kirchenrecht soll er keinen Weltkleriker weihen, den er nicht für den kirchl. Dienst in der Diözese als notwendig od. nützl. erachtet od. künftig einer anderen Diözese zur Verfügung stellen will (CICc. 969).
Die Kirche beruft gemäß den Berichten des NT u. ihrer ständigen Übung nur Männer zum P. (CICc. 968 §1). Daß sie auch Frauen berufen könnte, wie manche Theologen meinen, ist nicht gesichert.
b) Der Bischof darf niemanden zum P. berufen, von dem er sich nicht überzeugt hat, daß er gewisse Eigenschaften besitzt, die als innere Berufung bezeichnet werden (vgl. CICc. 973 §3; Sakramentenkongregation 27.12.1930, AAS 1931,120).
Die Apostel berufen niemanden unbeschaut, sondern prüfen sorgfältig die Eignung (Apg 1,24 f; 6,3; 1 Tim 3,10). Das 2. Vat. Konz. schärft ein: "Bei der Auslese u. Prüfung der Kandidaten soll man mit der nötigen geistigen Festigkeit vorgehen, auch dann, wenn Priestermangel zu beklagen ist. Gott läßt es ja seiner Kirche nicht an Dienern fehlen, wenn man die fähigen auswählt, die nicht geeigneten aber rechtzeitig in väterl. Weise anderen Berufen zuführt u. ihnen dazu verhilft, daß sie sich im Bewußtsein ihrer christl. Berufung mit Eifer dem Laienapostolat widmen" (OT 6; vgl. 2).
Vor einem Geeigneten soll der Bischof so viel Achtung haben, daß er ihn nicht abweist (vgl. CICc. 971). Die Förderung der Berufe muß sogar den Bischöfen u. ihren priesterl. Mitarbeitern sehr am Herzen liegen. Es geht dabei um die Schaffung der äußeren Voraussetzungen dafür, daß junge Menschen dem Ruf Gottes folgen können, mehr aber noch um ihre kluge Erziehung dazu, den Ruf Gottes zu hören u. in Freiheit hochherzig darauf einzugehen (PO 11; OT 2 f 8-12; "Ad pascendum" I 3). Größte Bedeutung hat dabei das Beispiel eifriger Priester (OT 2).
aa) Unbedingt notwendig ist der freie Entschluß des Kandidaten, sich für diesen Dienst anzubieten (PO 11; OT 2 6). Er reift heran vom ersten keimhaften Berufswunsch über die Erkenntnis der Berufung nicht so sehr aus außerordentl. Zeichen wie vielmehr aus der Sorge des Herrn für seine Herde u. den Erfordernissen der Kirche (PO 11) sowie aus der eigenen Befähigung bis zur Reife des rationalen u. freien Aktes. Wenn der Entschluß richtig motiviert ist, spricht man von der rechten Absicht (recta intentio; OT 2 6; AG 23).
bb) Ebenso wesentl. ist die Fähigkeit zur Erfüllung der priesterl. Aufgaben u. zur priesterl. Lebensform (PO 11; OT 2 6; AG 23). Der Weihebischof muß sich darüber (moralische) Gewißheit verschaffen (c.973 §§1.3). Auch diese Eignung wird dem Kandidaten allmähl. einsichtig; ihrer Feststellung u. Förderung dient das Priesterseminar (OT 4; vgl. c.972).
Als unerläßl. Voraussetzung des Priesterberufes ist die (körperl. u. seelische) Gesundheit anzusehen, die zur Erfüllung der priesterl. Aufgaben notwendig ist (OT 6; AG 23).
Die Lehrtätigkeit u. das übrige Wirken des Priesters macht für ihn ein entsprechendes Wissen notwendig (vgl. Cat. Rom. II 7,26). Das 2. Vat. Konz. ist auf eine zeitgemäße u. sinngerechte Erneuerung der kirchl. Studien bedacht (OT 13-21; DV 25; UR 10). Zur Aufnahme unter die Kandidaten für Diakonat u. Priesterweihe wird wenigstens der Beginn theol. Kurses gefordert ("Ad pascendum" I a), für den Diakonat als Durchgangsstufe zur Priesterweihe der Abschluß der vom Apost. Stuhl vorgeschriebenen Studien, für den Dauerdiakonat der Abschluß jener theol. Studien, die von der Bischofskonferenz vorgeschrieben u. von der Kongregation für die kath. Erziehung genehmigt wurden (ebd. VII), für die Priesterweihe die 2. Hälfte des 4. Jahres des theol. Studiums; dieses darf nicht privat, sondern muß in theol. Lehranstalten betrieben werden (CICc. 976). Die Kandidaten sollen vor der Weihe über ihr Wissen geprüft werden (cc. 996 f).
Zur geistl. u. sittl. Eignung (PO 11; OT 2 6; AG 23; "Ad pascendum" I b) gehört ein christl. Leben im allg. Wer dieses Erfordernis nicht erfüllt, läuft nicht nur Gefahr, die Weihe sakrilegisch zu empfangen, sondern erscheint auch als unfähig, anderen zum Vorbild der christl. Lebensformung zu werden, wie es Aufgabe des Priesters ist (vgl. PO 12; OT 8 f). Dem Bischof steht es zu, nötigenfalls darüber Erkundigungen einzuziehen (CICc. 993 n.3). Ferner muß der Weihekandidat den priesterl. Berufserfordernissen im besonderen gerecht werden (Dienstbereitschaft, Selbstlosigkeit usw.; vgl. OT 9). In der lat. Kirche sind die unverheirateten Diakone u. die Priester zu einem ehelosen Leben um des Himmelreiches willen verpflichtet; unverheiratete Kandidaten für den ständigen Diakonat u. Priesteramtskandidaten, die den Diakonat nur als Durchgangsstufe empfangen, übernehmen mit einem besonderen Ritus, der der Diakonatsweihe unmittelbar vorausgeht, die Verpflichtung zum Zölibat ("Ad pascendum" VI.X). Die Weihe darf ihnen nur erteilt werden, wenn sie dazu bereit sind u. sich im Vertrauen auf Gottes Hilfe dazu imstande sehen (vgl. OT 10; Sakramentenkongregation 27.12.1930; Religiosenkongregation 1.12.1931; AAS 1931,120; 1932,74).
Wer weiß, daß es ihm an der Eignung od. an der Bereitschaft zur priesterl. Lebensführung mangelt, daß er also in diesem Sinn zum P. nicht berufen ist, verfehlt sich in schwerer Weise, wenn er sich trotzdem zum Diakon od. zum Priester weihen läßt; er beschwört ja damit die Gefahr bedeutenden Schadens für sich u. andere herauf.
c) In der Sorge um geeignete Diakone u. Priester hat die Kirche genaue Bestimmungen über die kanonische Eignung getroffen, an die sich die Beteiligten halten müssen.
aa) Für die Aufnahme unter die Kandidaten zum Diakonat als Durchgangsstufe zum Priestertum verlangt sie das vollendete 20. Lebensjahr ("Ad pascendum" I 2), für die Weihe verheirateter Kandidaten zu Dauerdiakonen das vollendete 30. Lebensjahr, für die Priesterweihe das vollendete 24. (CICc. 975), für die Bischofsweihe das vollendete 30. (c.331 §1 n.2). Das 2. Vat. Konz. überläßt es den Bischöfen, das derzeit rechtl. geforderte Weihealter nach den regionalen Gegebenheiten zu erhöhen (OT 12).
bb) Notwendig ist der vorherige Empfang der Firmung (c.974 §1 n.1; c.993 n.1) u. der Dienstämter des Lektors u. des Akolythen (eine Dispens davon müßte vom Hl. Stuhl erteilt werden; "Ad pascendum" II).
dd) Der Kandidat soll von Irregularitäten u. anderen Hindernissen frei sein (c.968 §1).
d) Durch die von der Kirche aufgestellten Weihehindernisse soll alles Ungeziemende vom hl. Dienst ferngehalten werden; nicht jedes Hindernis ist eine Strafe. Das Kirchenrecht unterscheidet Irregularitäten u. einfache Hindernisse.
aa) Eine Irregularität ist ein durch Kirchengesetz aufgestelltes beständiges Hindernis (CICc. 983), das den Empfang od. die Ausübung einer Weihe unerlaubt macht (c.968). Unwissenheit verhindert nicht, daß Irregularitäten u. einfache Hindernisse eintreten (c.988).
bb) Eine Irregularität ex defectu wird durch den Mangel einer für Empfang u. Ausübung notwendigen Eigenschaft (der nicht aus einem Vergehen stammen muß) begründet (c.984). Solche Mängel sind: unehel. Geburt, wenn sie nicht durch nachfolgende kirchl. Legitimierung od. durch feierl. Ordensgelübde behoben ist (erweiterte Dispensvollmacht der Ortsordinarien in "Pastorale munus", 30.11.1963, I 31.35); Körperfehler, die an der sicheren od. geziemenden Verrichtung des Altardienstes behindern (z.B. Blindheit; Dispensvollmacht der Ortsordinarien, a.a.O., 5 f); Mängel in der Geistesverfassung (Epilepsie, Geisteskrankheit, Besessenheit); neue Eheschließung nach Auflösung der früheren Ehe (wegen Trübung der Ehe als des Bildes der unauflösl. Vereinigung Christi mit der Kirche, Eph 5,32); rechtl. Ehrverlust (c.2293 §§2.4); Mitwirkung an einer Hinrichtung (Fällen des Todesurteiles durch den Richter, Ausführung durch den Henker u. seine freiwilligen unmittelbaren Helfer).
cc) Irregularitäten ex delicto (c.985) können nur aus Vergehen entstehen, die nach der Taufe als schwere Sünden begangen werden (c.986): Abfall vom Glauben; die (außer der Todesgefahr) von Nichtkatholiken empfangene Taufe; Versuch einer (wenn auch nur zivilen) Eheschließung eines Mannes, der durch Eheband, höhere Weihe od. Ordensgelübde gebunden ist, od. mit einer Frau, die durch solche Gelübde od. das Eheband behindert ist; Mord od. erfolgreiche Abtreibung u. Mithilfe dabei; (Selbst-) Verstümmelung u. Selbstmordversuch; Ausübung der den Klerikern verbotenen medizinischen od. chirurgischen Praxis, wenn daraus der Tod eines Menschen folgt; Anmaßung eines Aktes der Diakonats-, Priester- od. Bischofsweihe durch solche, die die betreffende Weihe nicht empfangen haben od. denen ihre Ausübung verboten ist.
dd) Einfache Hindernisse können mit der Zeit von selbst aufhören. Einfach behindert sind (c.987): die Söhne nichtkath. Eltern, solange diese im nichtkath. Bekenntnis verharren; verheiratete Männer (mit Ausnahme der zum Diakonat zugelassenen); jene, die durch ein den Klerikern verbotenes Amt (c.139 §3) zur Rechnungslegung verpflichtet sind, solange sie nicht das Amt niedergelegt u. Entlastung erhalten haben; Personen, die nach den staatl. Gesetzen zum ordentl. Militärdienst verpflichtet sind u. ihn noch nicht geleistet haben; Neugetaufte, solange sie sich nach dem Urteil des Ordinarius noch nicht genügend bewährt haben (vgl. 1 Tim 3,6); jene, die an tatsächl. Ehrverlust leiden, solange dieser nach dem Urteil des Ordinarius andauert.
ee) Bestehende Irregularitäten u. einfache Hindernisse können durch Dispens behoben werden. Diese kann vom Papst u. in gewissem Ausmaß vom Ordinarius erteilt werden (CICcc. 15.81.990 §1; "Pastorale munus" I 16 f). Der Beichtvater kann innerh. der Beichte seine Pönitenten in geheimen u. dringenden Fällen von allen Irregularitäten aus Vergehen (ausgenommen Mord, Abtreibung u. alles, was vor Gericht gebracht wurde) zur Ausübung schon empfangener Weihen dispensieren (c.990 §2).
3) Wer das P. in freier Entscheidung übernommen hat, ist verpflichtet, an der Sendung Christi als Amtspriester mitzuwirken u. ein entsprechendes Leben zu führen.
a) Das P. verlangt seiner Natur nach ein Mittragen der Erlöseraufgabe Christi (OT 4). An ihr nehmen die Träger des P.s in verschiedener Stufung teil. Der Papst hat die "höchste, volle, unmittelbare u. universale Seelsorgsgewalt" (CD 2). Die Bischöfe als Apostelnachfolger sind gemeinsam mit dem Papst u. unter seiner Autorität Hirten, die als Kollegium für die Gesamtkirche u. einzeln für die ihnen zugewiesenen Teile der Kirche (Diözesen) Verantwortung tragen (CD 3 11). Die Priester arbeiten im pfarrl. Dienst u. in überpfarrl. Werken mit den Bischöfen mit (LG 28 41; CD 28-31; PO 2). Schließl. leisten die Diakone zusammen mit Bischöfen u. Priestern seelsorgl. Dienste (LG 28 f 41). Sie alle sind berufen, "nach dem Beispiel unseres Herrn Jesus Christus, des Lehrers, Priesters u. Hirten", wahre Seelenhirten zu sein (OT 4; PO 1), also in verschiedenen Grad das Lehramt, das Priesteramt (im engeren Sinn) u. das Hirtenamt auszuüben (Bischöfe LG 25-27; CD 12-16; Priester LG 28; CD 30; PO 4-6; Diakone LG 29). Richtiger Seelsorgseifer treibt sie dazu an, Laien zu verschiedenen Formen des Apostolates anzuregen u. mit ihnen zusammenzuarbeiten (CD 17-20; PO 9; AAS 21 25 30; AG 17).
Innerh. der Diözese ist der Bischof als Oberhirte für die Seelsorge verantwortl. Ihm kommt es zu, den Einsatz der geweihten Helfer u. der Mitarbeiter aus dem Laienstand zu planen u. anzuordnen (CD 11 17 28-32 35; die unbefugte Anmaßung eines kirchl. Amtes wurde mit der dem Apost. Stuhl specialissimo modo vorbehaltenen Exkommunikation bedroht, Konzilskongregation 29.6.1950; AAS 1950,601 f), freil. in brüderl. Verhalten gegenüber seinen Priestern (CD 28; PO 7). Alle Kleriker, bes. die Priester, sollen die Würde u. die Rechte des Bischofs in Ehrfurcht u. Gehorsam achten (LG 28; PO 7; CICc. 127). In dieser Einstellung übernehmen u. erfüllen sie willig die ihnen vom Bischof übertragenen Aufgaben, wenn nicht triftige Gründe dagegensprechen (CD 16; CICc. 128). In der Regel verlangt ihre Aufgabe von ihnen, daß sie ihren Dienstort nicht für längere Zeit ohne Erlaubnis des Ordinarius verlassen (c.143). Als Teilhaber an der weltweiten Sendung, die Christus den Aposteln übertrug, sollen sie sich aber über ihren engeren Tätigkeitsbereich hinaus für die Aufgaben der Kirche interessieren; z.B. sollen Priester aus Diözesen mit größerer Zahl von Berufungen auch zum Dienst in Missionsgebieten u. in priesterarmen Gegenden bereit sein (PO 10; CD 6 15; AG 38 f).
b) Jeder Christ ist schon durch die Taufe zum Vollkommenheitstreben verpflichtet (vgl. Mt 5,48). Für den Priester kommt als neuer Verpflichtungsgrund dazu, daß er dem ewigen Hohenpriester in der Erneuerung der Menschheit als lebendiges Werkzeug dienen u. diese Erneuerung zu allererst an sich selbst zur Wirklichkeit werden lassen soll. Gott ist in seinem Heilswirken zwar von der Heiligkeit des menschl. Werkzeuges unabhängig, wirkt aber in der Regel reicher durch einen heiligen Vermittler. Der Priester soll daher nach der Vollkommenheit dessen streben, an dessen Stelle er steht, u. soll mit Hilfe des Hl. Geistes darin zur Mannesreife gelangen. Am meisten hilft ihm darin gerade die Erfüllung seines Berufsauftrages. Der ganze Priesterdienst ist ja auf die Vervollkommnung des Menschen in Christus ausgerichtet. Je treuer er geleistet wird, umso mehr vermittelt er dem Priester die Gnade, die Vollkommenheit Christi zu verwirklichen u. dadurch die Schwächen der menschl. Natur zu heilen (PO 12; LG 28 41). Die priesterl. Heiligung steht also im Dienst der priesterl. Berufung u. wird durch sie geprägt. Wesentl. ist ihr die Bereitschaft des Menschen, nicht den eigenen Willen zu suchen, sondern den Willen des sendenden Gottes, u. ihm in Demut zu dienen. Der Auftrag Gottes tritt an den Priester durch die Kirche heran; so hat dieser in der Kirche Gott zu dienen, in geordneter Gemeinschaft mit dem eigenen Bischof u. mit dem Papst, wie sie sich im Memento der Messe u. in der Konzelebration mit dem Bischof ausdrückt (PO 7; SC 57). Auch beim verantwortungsbewußten Suchen neuer Wege darf er diese Einordnung nicht vernachlässigen. Gerade das demütige u. gehorsame Dienen läßt ihn in der Gleichgestaltung mit Christus reifen (Röm 5,19; Phil 2,7-9; PO 7). Die Treue zu Christus kann nicht von der Treue zur Kirche getrennt werden (PO 14). Die Bischöfe, die andere in der Heiligkeit fördern sollen, sind selbst gehalten, das Beispiel der Heiligkeit in Liebe, Demut u. Gehorsam zu geben (CD 15).
Der Auftrag Gottes an die Priester läßt sich in dem Wort zusammenfassen: in der Liebe Gottes dem Heil der Mensch dienen (PO 22), an der Erlöserliebe Christi teilnehmen (PO 14). Wenn die Berufung zum Amts-P. die Priester mit einem Dienst betraut u. wenn sie verpflichtet sind, ein anderes als das irdische Leben zu verkünden u. auszuspenden u. sich dieser Welt nicht gleichförmig zu machen, dürfen sie sich doch nicht von den Menschen trennen, müssen vielmehr ihre Aufgabe mitten unter den Menschen u. an ihnen erfüllen. Von besonderer Wichtigkeit sind daher für den Priester die Tugenden des menschl. Zusammenlebens, wie Herzensgüte, Aufrichtigkeit, Seelenstärke, Ausdauer, Gerechtigkeitssinn, Höflichkeit (PO 3). In dienender Liebe sollen sie jeden ernstnehmen u. zur Liebe Christi zu führen trachten (PO 9). Zu allernächst sollen sie die brüderl. Gemeinschaft untereinander verwirklichen (PO 8).
Im wesentl. wird der Priester durch die gute Erfüllung seiner Aufgaben geheiligt (PO 13). Zur Pflege der rechten inneren Haltung empfiehlt ihm die Kirche verschiedene Hilfsmittel (PO 13 18; CICc. 125) wie häufige Beichte, tägl. Zelebration (SC 26 f; PO 13; Paul VI., "Mysterium fidei", AAS 1965,761 f; Ritenkongregation 25.5.1967, AAS 1967,542), bestimmte Gebetsübungen, tägl. Gewissenserforschung, Lesung der Hl. Schrift, Exerzitien wenigstens jedes 3. Jahr (CICc. 126).
aa) Manche der Vorschriften, die die Kirche darüber getroffen hat, mögen einem rascheren Wandel unterworfen sein, z.B. die Vorschriften hinsichtl. der Kleidung. Andere betreffen dauernde Anliegen, etwa die Vermeidung alles dessen, was sich mit der priesterl. Sendung nicht gut vereinbaren läßt. Politische Ämter z.B. werden immer eine gewisse Gefahr für die eigentl. priesterl. Aufgabe bedeuten; Handelsgeschäfte verschieben die Beziehungen zw. dem Priester u. den Menschen, die er betreuen soll, auf ein Geleise, das der priesterl. Betätigung fremd ist (vgl. CICcc. 138-140.142; Konzilskongregation 22.3.1950, AAS 1950,330 f; PO 17).
bb) Im besonderen wünscht die Kirche, daß Priester mit den ihnen anvertrauten materiellen Gütern verantwortungsbewußt umgehen. Sie sollen diese Güter zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit u. zur Erfüllung ihrer Sendung dankbar benützen, aber innerh. des Rahmens, der ihnen durch die Lehre Christi u. die Weisungen der Kirche gezogen ist, u. sollen sich von ungeordneter Anhänglichkeit an sie freihalten (PO 17).
Die eigentl. Kirchengüter sollen sie entsprechend der Natur der Sache u. den kirchl. Gesetzen verwalten u. sich dabei nach Möglichkeit durch erfahrene Laien unterstützen lassen. Sie dürfen solche Güter nur für rechtmäßige kirchl. Zwecke (Gottesdienst, angemessener Unterhalt des Klerus, apostol. u. karitative Zwecke) einsetzen (PO 17).
Die Priester haben ein Recht, für ihren Dienst gerecht entlohnt zu werden ("Der Arbeiter ist seines Lohnes wert", Lk 10,7; "So hat der Herr auch verordnet, daß die, welche das Evangelium verkünden, vom Evangelium leben sollen", 1 Kor 9,14). Die dazu nötigen Mittel aufzubringen ist Sache der Gemeinde der Gläubigen; die Bischöfe haben die entsprechenden Anordnungen zu treffen (PO 20 f).
Das Einkommen, das die Träger des Amts-P.s für kirchl. Dienste erhalten, sollen sie zum standesgemäßen Unterhalt u. zur Erfüllung ihrer Standespflichten verwenden, soweit es dafür notwendig ist; das übrige sollen sie nicht zur Anhäufung von Vermögen benützen, sondern es dem Wohl der Kirche od. karitativen Zwecken widmen. Für den Priester geziemt es sich ja, alles zu meiden, was den Armen Anstoß geben kann. Vielmehr empfiehlt sich für ihn Anspruchslosigkeit in der Nachfolge Christi, etwa auch in der Form des mit anderen geteilten Eigentums an den notwendigen Dingen (PO 17; CICc. 1473).
d) Damit die Priester in der Hingabe an Gott u. im Heilsdienst an den Menschen ungeteilt seien, schreibt ihnen die Kirche im lat. Ritus die Ehelosigkeit vor u. läßt nur solche unverheiratete Männer zum Diakonat u. zum P. zu, die sich zum Zölibat frei bereiterklären (LG 29; PO 16; OT 10; "Ad pascendum" VI); die Übernahme der Verpflichtung drücken unverheiratete Kandidaten für den ständigen Diakonat u. Priesteramtskandidaten, die den Diakonat nur als Durchgangsstufe zur Priesterweihe empfangen, in einem Ritus aus, der der Diakonatsweihe unmittelbar vorangeht ("Ad pascendum" X).
Diakone u. Priester, die die Zölibatsverpflichtung ernstnehmen, meiden im Umgang mit Frauen alles, was unnötige Gefahren od. Verdächtigungen hervorrufen könnte (vgl. PO 16; CICc. 133). Zw. ihnen u. Frauen soll es Vertrauen, nie aber Vertraulichkeiten geben. Sehr erleichtert wird die sinnvolle Einhaltung des Zölibates durch das gemeinsame Leben der Geweihten, das aus diesem u. anderen Gründen wünschenswert ist (CICc. 134; PO 8 10; LG 28).
e) Damit der Priester für die gute Erfüllung seiner seelsorgl. Aufgaben geeignet bleibe u. noch geeigneter werde, muß er nach Abschluß seiner eigentl. Studienjahre auf Fortbildung bedacht sein (Theologie PO 19; CD 16; sonstiges Wissen im Dienst der Verkündigung PO 19; GS 43; neue Methoden der Evangelisation u. des Apostolates PO 19). Die Bischöfe haben die Pflicht, sich einerseits von der wissensmäßigen u. sonstigen Eignung der Priester für bestimmte Aufgaben zu überzeugen (Triennalprüfungen CICc. 130; Prüfungen für das Pfarramt c.459 §3; CD 31), anderseits zur Fortbildung anzuregen u. für Möglichkeiten dazu zu sorgen (OT 22; PO 19; CD 16; CICc. 131).
Das 2. Vat. Konz. kennzeichnet das Stundengebet als Fortsetzung der Priesteraufgabe Christi durch die Kirche; der menschgewordene Gottessohn wolle auf diese Art die Menschheit in das ewige Lob Gottes im Himmel einbeziehen; die Kirche lobe dadurch unablässig Gott u. trete bei ihm für das Heil der ganzen Welt ein (SC 83). Die Kirche versteht das Stundengebet auch so, daß dadurch sie als Braut zum Bräutigam Christus spricht u. daß sie mit ihm zusammen zum Vater betet (SC 84; OT 8). Das Stundengebet ist öffentl. Gebet der Kirche (vgl. CICc. 1256); alle, die daran teilnehmen, stehen im Namen der Mutter Kirche vor dem Thron Gottes (SC 85; PO 5). Die Kirche fördert das gemeinsame Verrichten des Studengebetes (SC 96 99-101).
Die Kirche will, daß neben den Ordensgemeinschaften u. den Kapiteln an Dom- u. Kollegiatskirchen alle Kleriker ab der Diakonatsweihe tägl. das Stundengebet verrichten (SC 95 f; Dauerdiakone in einem von der Bischofskonferenz festzulegenden Ausmaß, "Ad pascendum" VIII). Diakone u. Priester sollen dieses Gebet umso eifriger pflegen, als sie wissen, daß sie für ihre Arbeit den Segen des Herrn erbitten müssen (Joh 15,5; Apg 6,4; SC 86). Aus entsprechenden Gründen können die Ordinarien in Einzelfällen ihre Untergebenen von der Verpflichtung des Stundengebetes ganz od. teilweise dispensieren od. eine andere Verpflichtung an seine Stelle setzen (SC 97; im besonderen für Schlechtsehende, "Pastorale munus" I 26).
In der auf Anregung des 2. Vat. Konz. (SC 89) geschaffenen neuen Gestalt gehören zum Stundengebet tägl. das Officium lectionis, die Laudes matutinae, eine Hora media (Terz, Sext od. Non), die Vesperae u. das Completorium. Die näheren Einzelheiten sind durch das 2. Vat. Konz. (SC 83-101) u. die Rubriken des Breviers geregelt.
III. Die Teilnahme an der Sendung u. Weihe Christi im Amts-P. gewährt die Kirche durch ihre Vorsteher, die Bischöfe.
1. Diakonat u. Priesterweihe werden durch den konsekrierten Bischof als den Träger der Fülle des Weihesakramentes gespendet. Durch diese Weihegewalt steht der Bischof über dem Priester (D 128 1136 1178 1326 1768 1777; LG 26; Cat. Rom. II 7,25; CICc. 951; c.957 §1).
Wenn gelegentl. auch Priester ermächtigt wurden, Diakone u. Priester zu weihen (D 1145 f 1290 1435), scheint (ähnl. wie bei der Ermächtigung von Priestern zur Firmung) die Erklärung darin zu liegen, daß wohl das Sakrament der Weihe von Christus stammt, daß aber die Kirche mitbestimmen kann, in welchem Ausmaß die Weihestufen des Priesters u. des Diakons an der dem Bischof voll verliehenen Weihegewalt (vgl. I 2 c) Anteil haben sollen.
Daß die Kirche zur Spendung jener von ihr geschaffenen Weihestufen, die den Charakter von Sakramentalien haben, Priester ermächtigen konnte (D 1145 f 1435; CICc. 239 §1 n.22; c.957 §2; c.964 n.1; LG 29; SC 79), läßt sich unschwer verstehen. Die Dienstämter des Lektors u. des Akolythen kann heute der zuständige Ordinarius, also außer dem Ortsbischof auch der höhere Ordensobere, nach dem dafür geschaffenen Ritus erteilen ("Ministeria Quaedam" IX).
2. Wie jedes Sakrament kommt auch die Weihe nur zustande, wenn der Spender sie erteilen will (vgl. D 3318) u. wenn er dabei den wesentl. Ritus einhält (D 3315-17). Zur Erlaubtheit seines Handelns ist erforderl., daß er sich im Gnadenstand befindet u. die Vorschriften der Kirche hinsichtl. der Weihen beachtet.
a) Als bezeichnende u. bewirkende Handlung (Materie) wird bei den Weihen die Handauflegung verwendet (Apg 6,6; 13,1; 1 Tim 4,14; 2 Tim 1,6 f): bei der Weihe des Diakons die einzige Handauflegung des Bischofs, die im Weiheritus vorkommt; bei der des Priesters die erste Handauflegung des Bischofs unter Stillschweigen, nicht aber das darauf folgende Ausstrecken der Hände od. die Handauflegung nach der Kommunion; bei der Bischofsweihe die Handauflegung durch den Konsekrator (D 326-328 826 3315 3860).
b) Die Worte, durch die die Materie als Weihehandlung bestimmt wird (Form, D 1326 3316), finden sich jeweils in der Weihepräfation. Wesentl. u. zur Gültigkeit erforderl. sind für die Weihe des Diakons die Worte: "Emitte in eum, quaesumus, Domine, Spiritum Sanctum, quo in opus ministerii tui fideliter exsequendi septiformis gratiae tuae munere roboretur"; für die Priesterweihe: "Da, quaesumus, omnipotens Pater, in hunc famulum tuum Presbyterii dignitatem; innova in visceribus eius spiritum sanctitatis, ut acceptum a Te, Deus, secundi meriti munus obtineat censuramque morum exemplo suae conversationis insinuat"; für die Bischofsweihe: "Comple in Sacerdote tuo ministerii tui summam, et ornamentis totius glorificationis instructum coelestis unguenti rore sanctifica" (D 3860; vgl. 3316 f).
Die Bischofsweihe kann nur ein geweihter Bischof spenden. "Sache der Bischöfe ist es, durch das Weihesakrament neue Erwählte in die Körperschaft der Bischöfe aufzunehmen" (LG 21). Der Bischof darf jedoch seine Gewalt "ihrer Natur nach nur in der hierarchischen Gemeinschaft mit Haupt u. Gliedern des Kollegiums" ausüben (ebd.; vgl. CD 4). So darf er niemanden ohne päpstl. Auftrag zum Bischof weihen (CICc. 953; vgl. c.109). Niemand kann zur Ausübung des Bischofsamtes zugelassen werden, wenn der Papst Einspruch erhebt od. die apost. Gemeinschaft verweigert (LG 24; vgl. CD 20). Wenn jemand zum Bischof geweiht wird, der nicht vom Apost. Stuhl ernannt od. ausdrückl. bestätigt wurde, trifft ihn u. den weihenden Bischof die Exkommunikation, deren Lösung dem Apost. Stuhl specialissimo modo vorbehalten ist (Hl. Offizium 9.4.1951, AAS 1951,217 f).
Die anderen Weihen darf nur der eigene Bischof des Kandidaten od. ein fremder Bischof mit Erlaubnis des eigenen erteilen (CICc. 955). Für die Weltgeistlichen ist der eigene Bischof jener Bischof, in dessen Diözese sie ihren Wohnsitz (domicilium) haben od. in dessen Diözese sie inkardiniert wurden (c.956). Die Ordensgeistlichen dürfen von dem Bischof geweiht werden, zu dem ihre Oberen sie zu diesem Zweck mit entsprechender Vollmacht schicken (cc. 964-966).
b) Der Spender hat sich an die Vorschriften der Kirche über Zeit, Ort, Abstand u. Reihenfolge der Weihen zu halten.
für die Bischofsweihe die Sonntage u. die Apostelfeste;
für Diakonat u. Priesterweihe die Quatembersamstage u. der Samstag vor dem 5. Sonntag in der Fastenzeit, aus schwerwiegenden Gründen jedoch jeder Sonntag od. gebotene Feiertag (nach "Pastorale munus" I 18 aus seelsorgl. Gründen auch andere Tage).
die allg. Diakonats- od. Priesterweihen in der Kathedralkirche nach Einladung u. in Gegenwart der Kanoniker öffentl.; an einem anderen Ort der Diözese in der würdigeren Kirche u. in Anwesenheit des Ortsklerus (nach "Pastorale munus" I 18 steht es dem Residentialbischof frei, aus seelsorgl. Gründen die allg. Weihen auch außerh. der Kathedralkirche zu spenden); Einzelweihen aus triftigen Gründen auch in anderen Kirchen u. Oratorien.
cc) Zw. der Übertragung der einzelnen Dienstämter u. der Weihen zum Diakon u. zum Priester schreibt die Kirche jeweils einen passenden Zeitabstand vor, der die Einübung in die entsprechenden Aufgaben ermöglichen soll ("Ministeria quaedam" X; "Ad pascendum" IV; CICc. 978; OT 12).
dd) Die Weihen sind in der Reihenfolge ihres Ranges zu spenden: (nach den Dienstämtern, "Ad pascendum" II) Diakonat, Priester-, Bischofsweihe (CICc. 977).

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