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Timestamp: 2019-09-15 18:12:34+00:00

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Herleitung und Interpretation des Cash Flow als ... | Hausarbeiten publizieren
64 Seiten, Note: passed
ABKÜRKZUNGSVERZEICHNIS
1.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG UND VORGEHEN
1.3 UNTERNEHMEN ALS SYSTEM VON ZAHLUNGSSTRÖMEN
1.4 AUSSENFINANZIERUNG UND INNENFINANZIERUNG
2. CASH FLOW ALS INTERPRETATION DER INNENFINANZIERUNG
2.1 CASH FLOW ALS INNENFINANZIERUNGSKRAFT
2.1.1 Innenfinanzierung im engeren Sinne
2.1.2 Innenfinanzierung im weiteren Sinne
3. GRUNDKONZEPTION UND HERLEITUNG DES CASH FLOWS
3.1 GRUNDKONZEPTION DES CASH FLOWS
3.2 INDIREKTE HERLEITUNG DES CASH FLOWS
3.2.1 Basis-Cash Flow aus dem Jahresüberschuss
3.2.2 Cash Flow im engeren und im weiteren Sinne
3.2.3 Alternative Ermittlungsverfahren des Cash Flows
4. ANALYSE DES CASH FLOWS
4.1 CASH FLOW ALS ABSOLUTER WERT
4.2 PERMANENTER UND TRANSITORISCHER CASH FLOW
ANHANG 1: JAHRESABSCHLUSS
ANHANG 2: BEISPIELE ZU HERLEITUNG DER CASH FLOW-GRÖSSEN AUS DEM JAHRESABSCHLUSS
ABB. 1: UNTERNEHMEN ALS SYSTEM VON ZAHLUNGSSTRÖMEN
ABB. 2: MITTELHERKUNFT- UND MITTELVERWENDUNGSSCHEMA
ABB. 3: INNENFINANZIERUNG I. E. S. UND I. W. S
ABB. 4: ZUSAMMENHANG DER GRUNDBEGRIFFE DES BETRIEBLICHEN RECHNUNGSWESENS
ABB. 5: ZUSAMMENHANG ZWISCHEN INNENFINANZIERUNG, ZAHLUNGS- UND ERFOLGSWIRKSAMEN VORGÄNGEN
ABB. 6: GRUNDLEGENDE KORREKTURSCHRITTE ZUR HERLEITUNG DES CASH FLOWS AUS DEM JAHRESÜBERSCHUSS
ABB. 7: INDIREKTE CASH FLOW-ERMITTLUNG
ABB. 8: KORREKTURSCHRITTE ZUR HERLEITUNG DES CASH FLOWS
ABB. 9: ZUSAMMENFASSENDES KORREKTURSCHEMA DES CASH FLOWS AUS DEM JAHRESÜBERSCHUSS
ABB. 10: BASIS-CASH FLOW AUS DEM JAHRESÜBERSCHUSS
ABB. 11: ERFOLGS- UND ZAHLUNGSGRÖSSEN, DIE NICHT DER INNENFINANZIERUNG ZUZURECHNEN SIND
ABB. 12: ERWEITERUNG DER ABB. 8 UM ZAHLUNGS- UND ERFOLGSWIRKSAME, JEDOCH NICHT DER INNENFINANZIERUNG ZUZURECHNENDE VORGÄNGE
ABB. 13: KONSTELLATIONEN BEI LIQUIDATION DES ANLAGEVERMÖGENS
ABB. 14: CASH FLOW IM ENGEREN SINNE
ABB. 15: CASH FLOW IM WEITEREN SINNE
ABB. 16: KUMULIERTE ABSCHREIBUNG AUF ABGÄNGE
ABB. 17: PRAKTIKER-CASH FLOW
ABB. 18: ERMITTLUNG DES CASH FLOWS NACH DVFA/SG
ABB. 19: TRANSITORISCHES UND PERMANENTES INNENFINANZIERUNGSVOLUMEN
ABB. 20: KONKRETISIERUNG DES PERMANENTEN CASH FLOWS
ABB. 21: ERMITTLUNG DES PERMANENTEN CASH FLOWS AUS DEM JAHRESÜBERSCHUSS
Bei der Analyse des Jahresabschlusses spielt neben der statischen Analy­se, die sich auf einen bestimmten Zeitpunkt bezieht, die dynamische Ana­lyse, die sich auf einen Zeitraum bezieht, eine ebenso große Rolle.1 Jeder Kaufmann hat zum Schluss eines Geschäftsjahres eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung nach § 242 HGB zu erstellen. Kapitalgesell-schaften müssen den Jahresabschluss nach § 264 Abs. 1 HGB und § 5 Abs. 2 PublG um einen Anhang und einen Lagebericht erweitern.2 Anhand dieser veröffentlichten Daten soll nun der Analytiker im Rahmen der Jah-resabschlussanalyse Erkenntnisse über die wirtschaftliche Lage des Unter-nehmens gewinnen. Der Bilanzanalytiker bedient sich hierzu verschiedener Methoden. Neben den Liquiditäts- und Deckungskennzahlen soll nach ei-ner weiteren Alternative gesucht werden, um eine Aussage darüber zu ma-chen, wie die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens durch Erkenntnisse vergangener Zahlungsströme auch in Zukunft aussehen wird. Hierbei spielt vor allem die Ermittlung des Innenfinanzierungsvolumens eine bedeutende Rolle. Bei dieser Masterarbeit geht es darum, die finanzielle Stromgröße, die in einer Periode als Zahlungsüberschuss erwirtschaftet wurde und ein Indikator für die Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens ist,3 als einen Aspekt der Jahresabschlussanalyse herauszuarbeiten. Das Innenfinanzie-rungsvolumen das dabei zu bestimmen ist, ist in der betriebswirtschaftli-chen Literatur meist als Cash Flow bekannt.4 Die Ermittlung des Cash Flows ist eine finanzwirtschaftliche Analyse, die im Rahmen der Vermö-gens- und Investitionsanalyse die Informationen über die Kapitalverwen-dung und im Rahmen der Liquiditäts- und Finanzanalyse die Informationen über die Kapitalaufbringung zur Verfügung stellt. Hierzu wird zunächst ein-mal in Kapitel 2 auf die Interpretation des Cash Flows als Innenfinanzierung sowohl im engeren als auch im weiteren Sinne eingegangen. Kapitel 3 be-handelt die Grundkonzeption und die verschiedenen Methoden zur Herlei-tung des Cash Flows aus den vorhandenen Daten des Jahresabschlusses. Anschließend untersucht Kapitel 4 den Aussagegehalt der ermittelten Cash Flow-Kennzahlen. Schließlich wird in Kapitel 5 eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse aufgezeigt und auf die Praktikabilität des Cash Flows als Indikator des Innenfinanzierungsvolumens im Rahmen der Jah-resabschlussanalyse eingegangen.
Die Arbeit beschränkt sich auf die Analyse des Cash Flows aus der Sicht eines externen Jahresabschlussanalytikers, der eine Kapitalgesellschaft, die ihre Bilanz gem. § 266 ff. HGB und GuV gem. § 275 ff. HGB nach dem Gesamtkostenverfahren aufstellt, betrachtet. Konzerngesellschaften, die neben Bilanz, GuV, Lagebericht und Anhang noch eine Kapitalflussrech-nung im Sinne des § 297 Abs. 1 HGB erstellen,5 werden bei dieser Arbeit nicht behandelt. Bei der Analyse des Cash Flows werden finanzwirtschaftli-che Aspekte betrachtet, die sich auf den bilanzorientierten Ansatz beziehen und die sich auf die Interpretation des Cash Flows als Innenfinanzierungs-volumen beschränken.
Damit die Bedeutung der Cash Flow-Analyse verständlich wird, scheint es zweckmäßig, den Blick auf ein vereinfachtes Modell eines Unternehmens zu richten, das seine Aktivitäten nur auf Zahlungsströme reduziert hat und bei dem die wesentlichen Zahlungsflüsse betrachtet werden.6 Dies soll durch Abb. 1 verdeutlicht werden. Das Unternehmen wird dabei durch das Rechteck in der Mitte dargestellt; die Pfeile, die nach außen gerichtet sind, sollen die Auszahlungen und die, die nach innen gerichtet sind, die Einzah-lungen darstellen. Auszahlungen entstehen für: AB = Betriebsmittel, AW = Werkstoffe, AL = Löhne, AS = Steuern, AZ = Zinsen, AT = Tilgungen und AA = Ausschüttungen. Auf der anderen Seite fließen dem Unternehmen Ein-zahlungen für EU = Umsatztätigkeit, EE = Aufnahme von Eigenkapital und EF = Aufnahme von Fremdkapital zu. Einzahlungen erhöhen die LM = Li-quiden Mittel und Auszahlungen führen zu Verminderung.7 Die Innenfinan-zierung würde sich demnach aus der Differenz von Einzahlungen aus Um- satztätigkeit und Auszahlungen für die Erstellung betrieblicher Leistungen ergeben. Diese werden im Folgenden näher betrachtet.
Abb. 1: Unternehmen als System von Zahlungsströmen8
1.4 Außenfinanzierung und Innenfinanzierung
Betrachtet man ein Unternehmen im Kontext eines finanzwirtschaftlichen Kreislaufs der Zahlungsströme wie in Abb.1, kommt man zu der Erkenntnis, dass die Mittelherkunft entweder aus dem Leistungsbereich oder aus dem Finanzbereich resultieren kann.9 Im ersten Fall handelt es sich um Innenfi-nanzierungsmittel, im letzteren um Mittel aus der Außenfinanzierung.10 Die zentralen Fragen lauten dabei: Woher fließen einem Unternehmen Geldmit-tel zu (Mittelherkunft) und wozu werden diese genutzt (Mittelverwen-dung)?11 Abb. 2 zeigt hierzu die Finanzierungsarten, die in Form einer Fi-nanzierungsgleichung dargestellt wird.
Die Mittelherkunft setzt sich also aus folgenden Komponenten zusammen:
Der Innenfinanzierung, die sich als Saldo von
ergibt, der Außenfinanzierung, die sich durch die Addition von
Die Liquiditätsreserven LR werden bei Erhöhung (Lt > L0) als Mittelverwen-dung und bei Verminderung (L0 > Lt) als Mittelherkunft interpretiert.12
Abb. 2: Mittelherkunft- und Mittelverwendungsschema13
Kennzeichnend für die Außenfinanzierung ist, dass der Zahlungseingang mit einer korrespondierenden Gegenleistung in Form eines Versprechens künftiger Leistungen für Zins, Tilgung und Dividenden verpflichtend ver-knüpft ist. Demgegenüber ist für die Innenfinanzierung kennzeichnend, dass die Gegenleistung entweder beim Zahlungseingang bereits erfolgt ist (Verkauf auf Ziel, Geldanlage) oder Zug um Zug (Barverkauf) nahezu zeit-gleich erbracht wird.14
Nach dieser Modifikation der Finanzierungsarten wird versucht, durch Ana­lyse von Vorgängen des Jahresabschlusses die Innenfinanzierung, d. h. den Cash Flow, herzuleiten. Hierzu wird zunächst einmal die Innenfinanzie-rung näher beschrieben.
Die Innenfinanzierung wurde, wie in Kapitel 1, Abschnitt 1.4, gesehen, durch den betrieblichen Leistungsprozess im Unternehmen generiert. Die-ser drückt den Cash Flow als Indikator der Finanzkraft und somit – unter anderem – die nachhaltige Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens aus. Damit ist die Fähigkeit eines Unternehmens gemeint, sich aus eigener Kraft ohne Zahlungsmittel von außen, wie z. B. durch Aufnahme von Kredi-ten oder durch Aufnahme von neuen Gesellschaftern, selbst zu finanzie-ren.15 Die Innenfinanzierung ist identisch mit dem Cash Flow.16 Die Finan-zierung erfolgt durch unternehmerische Tätigkeit und wird für laufende Auszahlungen, die durch diesen Prozess anfallen, verwendet. Hat ein Un-ternehmen nach Abzug der laufenden Auszahlungen einen positiven Cash Flow erwirtschaftet, dann geht man hypothetisch davon aus, dass es dem Unternehmen wirtschaftlich gut geht, wobei man bei einem negativen Er-gebnis zu dem Urteil kommt, dass es dem Unternehmen schlecht geht.17
D. h., das Unternehmen kann sich nicht selbst finanzieren und benötigt Mittel von außen. Es handelt sich dabei nicht um die gesamten Einzahlun-gen aus Umsätzen, sondern um den finanziellen Überschuss, der übrig bleibt.18 Durch den positiven Überschuss generiert das Unternehmen sozu-sagen einen Innenfinanzierungsspielraum, der als Zahlungsmittelreservoir dient, um kurzfristige Finanzierungsaufgaben, wie z. B. Investitionen und Entschuldungen, wahrzunehmen.19 Die betriebswirtschaftliche Bedeutung des Cash Flows kann man sich am besten verdeutlichen, wenn man sich darüber bewusst ist, dass der Cash Flow ein wichtiger Bestandteil der Mit-telherkunft ist, da er aus eigener Kraft erwirtschaftet wurde und zur Erhal-tung der Liquidität und somit der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens dient.20 Die Innenfinanzierung zeigt darüber hinaus an, welche Expansionsmöglichkeiten und welches Investitions- und Liquiditätspotenzial das Unternehmen in Zukunft haben wird.21
Die Innenfinanzierung im engeren Sinne bezieht sich auf die laufende Ge-schäftstätigkeit. Demnach definiert sich die Innenfinanzierung im engeren Sinne als der Cash Flow, der durch den Überschuss der laufenden operati-ven Einzahlungen gegenüber den laufenden operativen Auszahlungen üb-rig bleibt. Als Ein- und Auszahlungen werden hierbei die zur Leistungser-stellung und -verwertung benötigten Zahlungsflüsse (Einzahlungen aus Umsatzerlösen, Beteiligungs- und Zinserträgen, sowie Auszahlungen für Löhne, Werkstoffe, Zinsen und Steuern) betrachtet.22 Demzufolge zeichnet sich dieser Indikator im engeren Sinne durch die Fähigkeit aus, durch Wirt-schaftstätigkeit Finanzmittel zu erwirtschaften, die nicht unmittelbar wieder in die Leistungsverwertung eingehen und somit bei kurzfristiger Betrach-tung frei verfügbar sind.23 Diese Art der Finanzierung wird in der betriebs-wirtschaftlichen Literatur meist auch als operativer Cash Flow, Finanzie-rung aus lfd. Geschäftstätigkeit24 oder Leistungssaldo25 bezeichnet. In der vorliegenden Arbeit soll dieser jedoch als Basis-Cash Flow bezeichnet wer-den.
Die Innenfinanzierung im weiteren Sinne beinhaltet neben Basis-Cash Flow zusätzlich die dispositiven Umsatzerlöse. Diese setzen sich aus der Ver-minderung des betriebsnotwendigen Vermögens und dem Verkauf des nicht betriebsnotwendigen Vermögens zusammen.26 Hierbei handelt es sich zumeist um den Verkauf von Anlagevermögen oder um den Verkauf von Finanzanlagen, die Einzahlungen aus singulären Transaktionen bewir-ken.27 Diese Verkäufe werden auch als Desinvestitionsvorgänge bezeich-net und deshalb nicht dem Basis-Cash Flow zugeordnet.28 Ergänzend zum Basis-Cash Flow, der in Kapitel 3, Abschnitt 3.2.1 näher erläutert wird, un-terscheidet man den Cash Flow im engeren Sinne, also bei Gewinnen und Verlusten aus dem Abgang von Anlagevermögen und Finanzanlagen, und den Cash Flow im weiteren Sinne, und zwar bei Einzahlungen durch den Verkauf von Anlagevermögen zu Restbuchwerten. In Abb. 3 ist die Ermitt-lung dieser beiden Innenfinanzierungsgrößen zu sehen, die in der ein-schlägigen Literatur als direkte oder progressive Cash Flow-Methode be-kannt ist,29 da sie von den Umsatzerlösen ausgeht und alle zahlungswirk-samen Bestandteile der abgelaufenen Periode berücksichtigt.30 Die hier vorgestellte Ermittlung kann nur durch Information über interne Daten er-stellt werden und ist für den externen Jahresabschlussanalytiker ohne die-se Informationen nicht möglich.
Einzahlungen aus Umsäzten
Abb. 3: Innenfinanzierung i. e. S. und i. w. S.31
Die Innenfinanzierung im engeren Sinne wird, wie oben gesehen, aus dem gewöhnlichen Leistungserstellungsprozess des Unternehmens und die Innenfinanzierung im weiteren Sinne aus dem Verkauf von singulären Ge-schäften generiert. D. h., die Innenfinanzierung im weiteren Sinne kann nicht als permanent betrachtet werden, da sie nicht zur gewöhnlichen Ge-schäftstätigkeit eines Unternehmens gehört. In Kapitel 4, Abschnitt 4.2 wird auf die Innenfinanzierung im engeren und im weiteren Sinne als permanen-ten und als transitorischen Cash Flow detailliert eingegangen. Vorher wird jedoch erst einmal die Grundkonzeption der Cash Flow-Herleitung darge- stellt, die aufzeigen soll, welche Komponenten zur Ermittlung berücksichtigt werden müssen, um zu einer aussagekräftigen Cash Flow-Größe zu ge-langen, in der sich das Innenfinanzierungsvolumen eines Unternehmens widerspiegelt.32
Um das Innenfinanzierungsvolumen aus Daten der Jahresabschlussanaly-se annähernd zu bestimmen, bieten sich verschiedene Ansatzpunkte an. Die bilanzorientierte Ermittlung des Cash Flows, um die es bei der folgen-den Betrachtung geht, zeichnet sich dadurch aus, dass Vorgänge der Bi-lanz- und Erfolgsrechnung sich in korrespondierenden Zahlungsvorgängen niederschlagen.33 In der gängigen Literatur sowie in der Praxis wird dabei auf den Jahresüberschuss, der den Saldo von Erträgen und Aufwendungen der abgelaufenen Periode darstellt,34 als Basisgröße zurückgegriffen.35 Um den Cash Flow aus den Daten des Jahresabschlusses herzuleiten, ist es zunächst zweckmäßig, auf Grundbegriffe des betrieblichen Rechnungswe-sens zurückzugreifen und zwischen Begriffspaaren zu differenzieren wie: Ein- und Auszahlungen, Ausgaben und Einnahmen sowie Aufwendungen und Erträge.36 Ein- und Auszahlungen kennzeichnen die Veränderung der liquiden Mittel, wie z. B. Bargeld und Bankguthaben. Ausgaben und Ein-nahmen beziehen sich hingegen auf die Veränderung des Geldvermögens. Diese bestehen aus den liquiden Mitteln und dem Saldo aus Forderungen und Verbindlichkeiten. Geschäftsvorfälle, die zu einer Mehrung des Vermö-gens führen, werden als Einnahmen und die, die zu einer Verminderung führen, als Ausgaben bezeichnet. Die Stellung einer Forderung an den Kunden wäre demnach eine Einnahme. Aufwendungen und Erträge bezie-hen sich auf das Reinvermögen. Der Ertrag stellt eine Erhöhung und der Aufwand eine Verminderung des Reinvermögens dar. Das Reinvermögen setzt sich aus Geld- und Sachvermögen zusammen, die ihren Niederschlag in der Gewinn- und Verlustrechnung finden. Aufwendungen sind z. B. Ab- schreibungen, die das Reinvermögen vermindern und weder zu einer Aus-gabe noch zu einer Auszahlung führen.37 In Abb. 4 wird nochmals der ge-samte Zusammenhang der einzelnen Begriffspaare dargestellt.
Abb. 4: Zusammenhang der Grundbegriffe des betrieblichen Rechnungswe- sens38
Bei der Ableitung des Cash Flows gibt es immer wieder Abgrenzungsprob-leme, die sich aufgrund des Unterschieds zwischen Auszahlungen und Aufwendungen sowie Einzahlungen und Erträgen begründen. Der Cash Flow ist die Differenz zwischen den betrieblichen Ein- und Auszahlungen. Der Jahresüberschuss wiederum ist die Differenz zwischen den Erträgen und den Aufwendungen.39 Deshalb ist es zunächst einmal zweckmäßig, die Zahlungsgrößen zu verdeutlichen, die die Innenfinanzierung betreffen und die außerhalb der Innenfinanzierung anfallen. Die Innenfinanzierung setzt sich aus zahlungswirksamen Erfolgsgrößen40 sowie aus nicht erfolgswirk-samen Zahlungen zusammen. D. h., dass die nicht zahlungswirksamen Erfolgsgrößen vom Jahresüberschuss eliminiert werden und die zahlungs-wirksamen Vorgänge, die nicht erfolgswirksam sind, jedoch zu Innenfinan-zierung gehören ergänzt werden müssen, um auf den Cash Flow zu gelan-gen. Dieser Umstand soll durch Abb. 5 verdeutlicht werden.
Abb. 5: Zusammenhang zwischen Innenfinanzierung, zahlungs- und erfolgs-wirksamen Vorgängen41
Dabei haben die Flächen folgende Bedeutung:
Fläche 1 charakterisiert alle erfolgs-, jedoch nicht zahlungswirksamen Vor- gänge.
Fläche 2 schließt sowohl erfolgs-, als auch zahlungswirksame Vorgänge,
die die Innenfinanzierung betreffen, ein.
Fläche 3 spiegelt zahlungswirksame Vorgänge wider, die jedoch nicht er- folgswirksam sind, aber zur Innenfinanzierung gehören.
Fläche 4 kennzeichnet zahlungswirksame Größen, die weder erfolgswirk- sam sind noch der Innenfinanzierung zugerechnet werden können.42
Wenn man nach den oben gemachten Feststellungen davon ausgeht, dass alle Zahlungsgrößen ohne Ausnahme der Innenfinanzierung zugerechnet werden können, dann ist nach dem Saldo der laufenden Ein- und Auszah-lungen in Abb. 5 zu suchen, die durch die Flächen 2 und 3 verkörpert wer-den. Der Jahresabschlussanalytiker hat zunächst jedoch nur die aus der GuV ermittelte Größe des Jahresüberschusses, d. h. den Saldo aus Erträ-gen und Aufwendungen, was durch die Flächen 1 und 2 dargestellt wird. Damit man nun auf das Innenfinanzierungsvolumen kommt, das durch die Flächen 2 und 3 dargestellt wird, bedarf es zwei wesentlicher Korrektu-ren:43
1 Vgl. Bonn (2006), S. 55.
2 Vgl. Behringer (2003), S. 21.
3 Vgl. Gabler (2005), Bd. 02, S. 583.
4 Vgl. Bitz (2003), S. 511.
5 Vgl. Ballwieser (2004), S. 37.
6 Vgl. Behringer (2003), S. 47.
7 Vgl. Bitz (2005), S. 4–5.
8 Vgl. Bitz (2005), S. 4.
9 Vgl. Franke (2004), S. 14.
10 Vgl. Heinrich (1984), S. 28–29.
11 Vgl. Prümer (2005), S. 14.
12 Vgl. Bitz (2005), S. 6–8.
13 Vgl. Bitz (2003b), S. 3.
14 Vgl. Bitz (1985), S. 551.
15 Vgl. Hohenstein (1990), S. 89.
16 Vgl. Vollmuth (2005), S. 212.
17 Vgl. Baetge (2004), S. 273.
18 Vgl. Braunschweig (1999), S. 83.
19 Vgl. Kerth (1993), S. 171.
20 Vgl. Groll (2004), S. 62.
21 Vgl. Hahn (2000), S. 405.
22 Vgl. Gräfer (2005), S. 134.
23 Vgl. Kerth. (1993), S. 171.
24 Vgl. Buchholz (2005), S. 257; Coenenberg (2005), S. 1011.
25 Vgl. Franke (2004), S. 15.
26 Vgl. Schwarzecker (1992), S. 33.
27 Vgl. Bitz (2003), S. 514.
28 Vgl. Schwarzecker (1992), S. 34.
29 Vgl. Behringer (2003), S. 57.
30 Vgl. Röhrich (2004), S. 1488.
31 Vgl. Bitz (2003), S. 514–515.
32 Vgl. Tytko (2001), S. 675.
33 Vgl. Bitz (1985), S. 552.
34 Vgl. Bitz (2003), S. 516; Wöhe (1997), S. 836.
35 Vgl. Bitz (2005b), S. 528.
36 Vgl. Koeder (2004), S. 33.
37 Vgl. Wöhe (2005), S. 814.
38 Vgl. Wöhe (1993), S. 1016.
39 Vgl. Kruschwitz (1998), S. 206–207.
40 Aufwendungen und Erträge werden vereinfacht unter dem Oberbegriff Erfolge zusam-mengefasst.
41 Vgl. Bitz (2003), S. 518.
42 Vgl. Bitz (2003), S. 518–519.
43 Vgl. Bitz (2003), S. 519.
Dogan Günes (Autor)
V129846
9783640352890
9783640353002
Herleitung Interpretation Cash Flow Innenfinanzierungsvolumen Rahmen Jahresabschlussanalyse
Dogan Günes (Autor), 2007, Herleitung und Interpretation des Cash Flow als Innenfinanzierungsvolumen im Rahmen der Jahresabschlussanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/129846
Bilanzanalyse und Cash Flow für Beck & Co. und Haake Beck Braue...
08.02.2010, MH: sehr gut strukturiert, man erhält sehr schnell und übersichtlich einen Gesamtüberblick über die Kapitalflussrechnung und deren bilanzanalytischen Zusammenhänge.

References: § 242
 § 264
 § 5
 § 266
 § 275
 § 297