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Timestamp: 2019-08-20 20:23:45+00:00

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Gebrauchs­über­las­sung aus Gefäl­lig­keit | Rechtslupe
Gebrauchs­über­las­sung aus Gefäl­lig­keit
Im Rah­men einer Gebrauchs­über­las­sung aus Gefäl­lig­keit kann eine ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge Haf­tung des Begüns­tig­ten für die Beschä­di­gung des über­las­se­nen Gegen­stan­des durch einen Drit­ten, an den der Gegen­stand vom Begüns­tig­ten ohne Wis­sen des Gefäl­li­gen wei­ter­ge­ge­ben wor­den ist, nicht durch eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 603 Satz 2 BGB begrün­det wer­den.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs haf­tet der Ent­lei­her eines Fahr­zeugs aus posi­ti­ver Ver­trags­ver­let­zung für alle Schä­den haf­tet, die adäquat – kau­sal durch die uner­laub­te Über­las­sung des Fahr­zeugs an einen Drit­ten ent­stan­den sind1. Denn das Ver­schul­den des Ent­lei­hers muss sich bei der Ver­let­zung der Pflicht aus § 603 Satz 2 BGB nur auf das eige­ne ver­trags­wid­ri­ge Ver­hal­ten und nicht auf den dadurch ver­ur­sach­ten Scha­den bezie­hen2.
Die­ser zur ver­trag­li­chen Haf­tung bei der Lei­he ent­wi­ckel­te Rechts­satz kann jedoch nicht im Wege einer ana­lo­gen Anwen­dung des § 603 Satz 2 BGB auf die Haf­tung bei einer Gebrauchs­über­las­sung aus Gefäl­lig­keit über­tra­gen wer­den.
Vor­aus­set­zung für eine Ana­lo­gie ist, dass das Gesetz eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke ent­hält und der zu beur­tei­len­de Sach­ver­halt in recht­li­cher Hin­sicht so weit mit dem Tat­be­stand ver­gleich­bar ist, den der Gesetz­ge­ber gere­gelt hat, dass ange­nom­men wer­den kann, der Gesetz­ge­ber wäre bei einer Inter­es­sen­ab­wä­gung, bei der er sich von den­sel­ben Grund­sät­zen hät­te lei­ten las­sen wie bei dem Erlass der her­an­ge­zo­ge­nen Geset­zes­vor­schrift, zu dem glei­chen Abwä­gungs­er­geb­nis gekom­men3. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier nicht vor.
Zwar mag bei einer Gebrauchs­über­las­sung aus Gefäl­lig­keit, wie vom Beru­fungs­ge­richt ange­nom­men, die Inter­es­sen­la­ge der Betei­lig­ten mit der bei einer Lei­he ver­gleich­bar sein, weil der Gefäl­li­ge eben­so wie der Ver­lei­her ein Inter­es­se dar­an hat, dass der Begüns­tig­te mit der Sache sorg­fäl­tig umgeht und sie ohne ent­spre­chen­de Erlaub­nis nicht an Drit­te wei­ter­gibt. Dies allein recht­fer­tigt jedoch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 603 Satz 2 BGB nicht. Es fehlt an einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke.
Von der Recht­spre­chung4 und Tei­len des Schrift­tums5 wird eine ver­trags­ähn­lich aus­ge­stal­te­te Haf­tung inner­halb eines Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis­ses grund­sätz­lich abge­lehnt und der Geschä­dig­te mit sei­nen Ansprü­chen allein auf das Delikts­recht (§§ 823 ff. BGB) ver­wie­sen, weil ein ohne Rechts­bin­dungs­wil­len der Betei­lig­ten ein­ge­gan­ge­nes Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis eine an das Ver­trags­recht ange­lehn­te Haf­tung nicht begrün­den kön­ne.
Bei den Rege­lun­gen über die ver­trag­li­che Lei­he han­delt es sich um ein vom Gesetz­ge­ber beson­ders aus­ge­stal­te­tes Ver­trags­ver­hält­nis, das einen bei­der­sei­ti­gen Ver­pflich­tungs­wil­len der Betei­lig­ten vor­aus­setzt und für jeden Ver­trags­schlie­ßen­den Rech­te und Pflich­ten begrün­det und aus­formt (BGH Urteil vom 09.06.1992 – VI ZR 49/​91, NJW 1992, 2474, 2475 f.)). Ins­be­son­de­re ent­hal­ten die Vor­schrif­ten über die Lei­he umfas­sen­de Rege­lun­gen bezüg­lich der Haf­tung von Ver­lei­her und Ent­lei­her, die aus­ge­wo­gen die Beson­der­hei­ten der unent­gelt­li­chen Lei­he berück­sich­ti­gen (vgl. §§ 599, 600, 602, 603, 606 BGB). Bei der Über­las­sung eines Gegen­stan­des im Rah­men eines blo­ßen Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis­ses fehlt den Betei­lig­ten jedoch gera­de der Wil­le, sich recht­lich zu bin­den6. Die Betei­lig­ten ent­schei­den sich in die­sem Fall dafür, die Gebrauchs­über­las­sung nicht den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen über die Lei­he zu unter­stel­len. Folg­lich kön­nen ein­zel­ne Bestim­mun­gen, die zur Gestal­tung die­ses beson­de­ren Ver­trags­ver­hält­nis­ses bei­tra­gen, nicht auf ein dem Delikts­recht unter­fal­len­des Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis über­tra­gen wer­den7.
Eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke als Vor­aus­set­zung für eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 603 Satz 2 BGB besteht auch dann nicht, wenn man mit Tei­len des Schrift­tums8 annimmt, dass jeden­falls bei Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis­sen mit rechts­ge­schäfts­ähn­li­chem Cha­rak­ter9, gegen­sei­ti­ge Schutz- und Treue­pflich­ten bestehen, deren Ver­let­zung zu einer Haf­tung nach ver­trag­li­chen Grund­sät­zen (§§ 280 Abs. 1, 241 Abs. 2, 311 Abs. 2 Nr. 3 BGB) füh­ren kann10. Denn nach die­ser Ansicht haf­ten sowohl der Gefäl­li­ge als auch der Begüns­tig­te für das Ver­schul­den Drit­ter gemäß § 278 BGB11.
Für die Haf­tung des Begüns­tig­ten wegen der Beschä­di­gung eines im Rah­men eines Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis­ses über­las­se­nen und von die­sem an einen Drit­ten wei­ter­ge­ge­be­nen Gegen­stan­des besteht daher kei­ne plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke des Geset­zes, die durch die ana­lo­ge Anwen­dung ein­zel­ner Vor­schrif­ten aus dem Recht der Lei­he geschlos­sen wer­den kann.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. August 2010 – XII ZR 118/​08
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BGHZ 37, 306, 309 f.↩
Münch­Komm-BGB/Häub­lein 5. Aufl. § 603 Rdn. 4 m.w.N.↩
BGH, Urteil vom 27.01.2010 – XII ZR 22/​07, NJW 2010, 1065 Rdn. 21 m.w.N.↩
BGHZ 21, 102, 106 f.; BGH Urteil vom 09.06.1992 – VI ZR 49/​91, NJW 1992, 2474, 2475; OLG Stutt­gart NJW 1971, 660, 661; OLG Koblenz MDR 1999, 1509 und NJW-RR 2002, 595; OLG Karls­ru­he Urteil vom 26.02.2003 – 17 U 121/​02; OLG Frank­furt VersR 2006, 918 f.↩
Palandt/​Grüneberg BGB 69. Aufl. Einl. vor § 241 Rdn. 8; Erman/​Graf von West­pha­len BGB 12. Aufl. vor § 598 Rdn. 2; Jauernig/​Stadler BGB 13. Aufl. § 311 Rdn. 45; Jauernig/​Mansel aaO § 598 Rdn. 5↩
BGH Urteil vom 09.06.1992 – VI ZR 49/​91, NJW 1992, 2474, 2475↩
BGH Urteil vom 09.06.1992 – VI ZR 49/​91, NJW 1992, 2474, 2475 f.; OLG Frank­furt VersR 2006, 918 f.; OLG Karls­ru­he Urteil vom 26.02.2003 – 17 U 121/​02, jeweils zur Fra­ge der Über­tra­gung der kur­zen Ver­jäh­rungs­frist des § 606 BGB auf ein Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis; anders OLG Koblenz VRS 100, 85, 86 f. unter der Annah­me eines „lei­he­ähn­li­chen Gefäl­lig­keits­ver­hält­nis­ses”↩
vgl. Cana­ris JZ 2001, 499, 502; Staudinger/​Reuter (2005) Vor­bem. zu §§ 598 ff. Rdn. 11 f.; Münch­Komm-BGB/Kra­mer 5. Aufl. Einl. Rdn. 42; AnwK-BGB/Krebs § 311 Rdn. 92; Grüneberg/​Sutschat in Bamberger/​Roth BGB § 311 Rdn. 50; Soergel/​Kummer BGB (1997) vor § 598 Rdn. 5; Erman/​Kindl BGB 12. Aufl. § 311 Rdn. 22; Hop­penz in Prütting/​Wegen/​Weinreich BGB 4. Aufl. § 598 Rdn. 8; Gehr­lein VersR 2000, 415 ff.↩
vgl. zu die­sem Begriff Cana­ris JZ 2001, 499, 502↩
Münch­Komm-BGB/Kra­mer 5. Aufl. Einl. Rdn. 42 und aus­führ­lich dazu Kreb­ber VersR 2004, 150 ff.↩
Münch­Komm-BGB/Kra­mer 5. Aufl. Einl. Rdn. 42; Soergel/​Kummer BGB (1997) vor § 598 Rdn. 5↩
GefälligkeitsverhältnisLeihe

References: § 603
 § 603
 § 603
 § 603
 § 603
 § 278
 § 222
 Art. 10
 § 3
 § 14
 § 603
 BGH 
 § 241
 § 598
 § 311
 § 598

BGH 

BGH 
 § 606
 § 311
 § 311
 § 598
 § 311
 § 598
 § 598