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Timestamp: 2019-12-15 10:37:48+00:00

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Gras­an­kauf in Hol­land | Rechtslupe
Gras­an­kauf in Hol­land
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist es nicht erfor­der­lich, dass der Täter der Ein­fuhr die Betäu­bungs­mit­tel eigen­hän­dig ins Inland ver­bringt, viel­mehr kann auch der­je­ni­ge, der die Betäu­bungs­mit­tel nicht selbst nach Deutsch­land trans­por­tiert, (Mit)Täter der Ein­fuhr des unmit­tel­bar han­deln­den Täters sein.
Vor­aus­set­zung ist aber, dass er dabei einen Tat­bei­trag erbringt, der sich bei wer­ten­der Betrach­tung nicht bloß als För­de­rung frem­den Tuns, son­dern als Teil der zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung füh­ren­den Tätig­keit aller Mit­wir­ken­den dar­stellt, und die Tat­hand­lun­gen der ande­ren als Ergän­zung sei­nes eige­nen Tat­an­teils erschei­nen lässt.
Wesent­li­che Anhalts­punk­te für die Täter­schaft sind dabei der Grad sei­nes Tat­in­ter­es­ses, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung, die Tat­herr­schaft und der Wil­le dazu, die in eine wer­ten­de Gesamt­be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen sind. Ent­schei­den­der Bezugs­punkt bei allen die­sen Merk­ma­len ist der Ein­fuhr­vor­gang selbst 1.
Dass der Täter beim Erwerb des für ihn bestimm­ten Mari­hua­nas des­sen Ein­fuhr ver­ein­bart hat­te 2 und zur Ent­ge­gen­nah­me der ein­ge­führ­ten Betäu­bungs­mit­tel bereit war, reicht für die Annah­me von Mit­tä­ter­schaft nicht aus 3.
Dem Umstand, dass er mit der für ihn bestimm­ten Betäu­bungs­mit­tel­men­ge Han­del trei­ben woll­te und des­halb ein Inter­es­se am Gelin­gen des Ein­fuhr­vor­gangs hat­te, kommt unter den gege­be­nen Umstän­den kei­ne wesent­li­che Bedeu­tung zu 4.
Es ver­bleibt in einem sol­chen Fall aber eine Straf­bar­keit wegen Anstif­tung zur uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge (§ 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG, § 26 StGB).
Eine täter­gleich zu bestra­fen­de Anstif­tung (§ 26 StGB) zur uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln begeht, wer einen ande­ren durch Ein­wir­kung auf des­sen Ent­schluss­bil­dung dazu ver­an­lasst, Betäu­bungs­mit­tel in nicht gerin­ger Men­ge auf das Bun­des­ge­biet zu ver­brin­gen 5. Die Wil­lens­be­ein­flus­sung muss dabei nicht die allei­ni­ge Ursa­che für das Ver­hal­ten des ande­ren sein; blo­ße Mit­ur­säch­lich­keit reicht aus 6.
Vor­lie­gend hat der Ange­klag­te einen Drit­ten vor­sätz­lich dazu ver­an­lasst, ein (wei­te­res) Kilo­gramm Mari­hua­na mit einem Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol-Anteil von 5 % und damit – schon für sich genom­men – Betäu­bungs­mit­tel in nicht gerin­ger Men­ge über die nie­der­län­disch­deut­sche Gren­ze zu ver­brin­gen. Dass die­ser Trans­port abspra­che­ge­mäß anläss­lich einer bereits ins Auge gefass­ten Ein­fuhr­fahrt mit ande­ren Betäu­bungs­mit­teln statt­fin­den soll­te und statt­ge­fun­den hat, stellt die Annah­me einer Anstif­tung zur uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge nicht in Fra­ge. Im Hin­blick auf die zu dem Ange­klag­ten trans­por­tier­te Rausch­gift­men­ge war der Drit­te vor­ab noch nicht zur Tat­be­ge­hung ent­schlos­sen (sog. omni­mo­do fac­turus 7). Auch wur­de der gesam­te Tat­ab­lauf durch die Ein­fluss­nah­me des Ange­klag­ten erheb­lich ver­än­dert (geson­dert ver­wahr­te zwei­te Rausch­gift­men­ge im Trans­port­fahr­zeug, Fahrt nach H.) und der Unrechts­ge­halt der Tat deut­lich erhöht (zusätz­li­che Über­schrei­tung der Grenz­men­ge um mehr als das Sechs­fa­che), sodass nicht ledig­lich eine (psy­chi­sche) Bei­hil­fe zu der bereits geplan­ten Ein­fuhr­fahrt vor­liegt 8.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Juni 2015 – 4 StR 144/​15
BGH, Beschluss vom 25.02.2015 – 4 StR 16/​15, NStZ 2015, 346; Beschluss vom 31.03.2015 – 3 StR 630/​14, Stra­Fo 2015, 259, 260; Beschluss vom 27.05.2014 – 3 StR 137/​14, Rn. 3; Beschluss vom 11.07.1991 – 1 StR 357/​91, BGHSt 38, 32, 33 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 27.05.2014 – 3 StR 137/​14, Rn. 3; anders für den Fall eines Gesamt­kon­zepts, BGH, Urteil vom 25.08.1987 – 1 StR 268/​87, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Ein­fuhr 6[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 31.03.2015 – 3 StR 630/​14, Stra­Fo 2015, 259, 260[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 27.05.2014 – 3 StR 137/​14, Rn. 3[↩]
BGH, Beschluss vom 10.04.2013 – 4 StR 90/​13, NStZ-RR 2013, 281; Beschluss vom 06.12 2011 – 4 StR 554/​11[↩]
BGH, Urteil vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374; Urteil vom 08.01.1985 – 1 StR 686/​84, NJW 1985, 924[↩]
vgl. dazu BGH, Beschluss vom 30.05.2013 – 5 StR 309/​12, Rn. 21 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 08.08.1995 – 1 StR 377/​95, NStZ-RR 1996, 1; Urteil vom 03.06.1964 – 2 StR 14/​64, BGHSt 19, 339, 341; SSW-StG­B/­Mur­mann, 2. Aufl., § 26 Rn. 6; Schü­ne­mann in: Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., § 26 Rn. 34 ff. mit aus­führ­li­cher Dar­stel­lung des Mei­nungs­stan­des; unter Beschrän­kung auf das Mehr an Unrecht, sofern dies – wie hier in Bezug auf § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG der Fall – selbst­stän­dig einen Tat­be­stand erfüllt, Joer­den in Fest­schrift Pup­pe, 2011, S. 563, 578 Fn. 39; Hard­tung in Fest­schrift Herz­berg, 2008, S. 411, 423 ff.; a.A. Fischer, StGB, 62. Aufl., § 26 Rn. 5; Roxin in: Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 10. Aufl., § 26 Rn. 6 mwN[↩]

References: § 26
 § 29
 § 26
 § 26
 § 30
 § 26
 § 26