Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.11.2016&Aktenzeichen=VI%20ZR%20208%2F15
Timestamp: 2019-11-19 04:42:34+00:00

Document:
BGH, 29.11.2016 - VI ZR 208/15 - dejure.org
https://dejure.org/2016,48750
BGH, 29.11.2016 - VI ZR 208/15 (https://dejure.org/2016,48750)
BGH, Entscheidung vom 29.11.2016 - VI ZR 208/15 (https://dejure.org/2016,48750)
BGH, Entscheidung vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15 (https://dejure.org/2016,48750)
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SGB VII § 34 Abs. 1, 3; GG Art. 34; BGB § 839
Art. 34 GG, § 839 BGB, Art. 34 Satz 1 GG, § 34 Abs. 3 SGB VII, § 34 Abs. 1 Satz 1 SGB VII, § 27 Abs. 1 SGB VII, § 27 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII
§ 34 Abs 1 SGB 7, § 34 Abs 3 SGB 7, Art 34 GG, § 839 BGB
Haftung des Unfallversicherungsträgers bei Fehlern des Durchgangsarztes im Bereich der Befunderhebung und Diagnose sowie bei Fehlern bei der Erstversorgung; Bestimmung der Passivlegitimation
Arbeitsunfall: Klage wegen fehlerhafter Behandlung durch den Durchgangsarzt ist gegen Träger der Unfallversicherung zu richten
Regelmäßig gegebenen inneren Zusammenhangs der Diagnosestellung und der sie vorbereitenden Maßnahmen mit der Entscheidung über die richtige Heilbehandlung
Klage wegen fehlerhafter Behandlung durch den Durchgangsarzt ist gegen Träger der Unfallversicherung zu richten
Fehlerhafte Diagnosestellung und fehlerhafte Anordnung einer "allgemeinen Heilbehandlung" nach Arbeitsunfall - Entscheidung durch Vertreterin des D-Arztes, die selbst keine D-Ärztin ist - Schadensersatzklage des Verunfallten gegen den D-Arzt - D-Arzt nicht ...
SGB VII § 34 Abs. 1, 3; GG Art. 34; BGB § 839 (Fc)
Der Fehler des Durchgangsarztes - und die Haftung der Berufsgenossenschaft
Umfang der Ausübung eines öffentlichen Amtes durch den Durchgangsarzt
Haftung des Durchgangsarztes
SGB VII § 34 Abs. 1 und 3; GG Art. 34; BGB § 839
Rechtsprechungsänderung zum Umfang der der öffentlich-rechtlichen Aufgabe des Durchgangsarztes zuzuordnenden Maßnahmen
Haftung von D-Ärzten
Durchgangsärzte haften nicht mehr für Erstversorgungen
Deutsche Gesellschaft für Kassenarztrecht , S. 79 (Leitsatz und Kurzinformation)
Arzthaftung | Öffentlich-rechtliche Aufgabe des Durchgangsarztes | Behandlung zur Entscheidung über die richtige Heilbehandlung/Erstversorgung
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 29. 11.2016 - VI ZR 208/15 - Rechtsprechungsänderung zum Umfang der der öffentlich-rechtlichen Aufgabe des Durchgangsarztes zuzuordnenden Maßnahmen" von VorsRiLG Karl Nußstein, original erschienen in: VersR 2017, 490 - 494. ...
Kurznachricht zu "Erstversorgung durch den D-Arzt erfolgt in Ausübung eines öffentlichen Amts" von RA Dr. Wolfgang Bruns, original erschienen in: ArztR 2017, 124 - 128.
LG Limburg, 13.06.2014 - 4 O 418/13
OLG Frankfurt, 01.12.2014 - 8 U 129/14
OLG Frankfurt, 05.03.2015 - 8 U 129/14
BGHZ 213, 120
NJW 2017, 1742
MDR 2017, 335
VersR 2017, 490
Gleiches gilt für die vom Durchgangsarzt im Rahmen der Eingangsuntersuchung vorgenommenen Untersuchungen zur Diagnosestellung und die anschließende Diagnosestellung (Anschluss an BGH, Urteil vom 29. November 2016, VI ZR 208/15, vorgesehen für BGHZ).
Der Arzt, der die ärztliche Behandlung durchführt, übt deshalb kein öffentliches Amt aus und haftet für Fehler persönlich (vgl. Senatsurteile vom 28. Juni 1994 - VI ZR 153/93, BGHZ 126, 297, 301;… vom 9. Dezember 2008 - VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115 Rn. 14;… vom 9. März 2010 - VI ZR 131/09, VersR 2010, 768 Rn. 8; vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15, z.V.b. in BGHZ Rn. 8; BGH, Urteil vom 9. Dezember 1974 - III ZR 131/72, BGHZ 63, 265, 270 f.).
Deshalb ist diese Entscheidung als Ausübung eines öffentlichen Amtes zu betrachten (vgl. Senatsurteile vom 9. Dezember 2008 - VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115, 120; vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15, z.V.b. Rn. 9).
Ist seine Entscheidung über die Art der Heilbehandlung fehlerhaft und wird der Verletzte dadurch geschädigt, haftet für Schäden nicht der Durchgangsarzt persönlich, sondern die Berufsgenossenschaft nach Art. 34 Satz 1 GG i.V.m. § 839 BGB (…vgl. Senatsurteile vom 9. Dezember 2008 - VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115 Rn. 17;… vom 9. März 2010 - VI ZR 131/09, VersR 2010, 768 Rn. 9; vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15, z.V.b. in BGHZ Rn. 9).
Gleiches gilt für die Überwachung des Heilungsverlaufs im Rahmen einer Nachschau, sofern sich der Durchgangsarzt dabei auf die Prüfung der Frage beschränkt, ob die bei der Erstvorstellung des Verletzten getroffene Entscheidung zugunsten einer allgemeinen Heilbehandlung aufrechtzuerhalten oder der Verletzte in die besondere Heilbehandlung zu überweisen ist (vgl. § 27 Abs. 1 Satz 3, § 29 Abs. 1 des Vertrags gemäß § 34 Abs. 3 SGB VII über die Durchführung der Heilbehandlung, die Vergütung der Ärzte sowie die Art und Weise der ärztlichen Leistungen in der - hier maßgeblichen - ab 1. Mai 2001 gültigen Fassung (künftig: Vertrag 2001);… Senatsurteile vom 9. März 2010 - VI ZR 131/09, VersR 2010, 768 Rn. 12; vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15, z.V.b. Rn. 9).
Wie der Senat nach dem Erlass des Berufungsurteils entschieden hat, sind darüber hinaus auch die vom Durchgangsarzt im Rahmen der Eingangsuntersuchung vorgenommenen Untersuchungen zur Diagnosestellung und die anschließende Diagnosestellung als hoheitlich im Sinne von Art. 34 Satz 1 GG, § 839 BGB zu qualifizieren (Senatsurteil vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15, z.V.b. Rn. 18 ff.).
Gleiches gilt für die - in § 27 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII gesondert neben der ärztlichen und zahnärztlichen Behandlung aufgeführte - Erstversorgung durch den Durchgangsarzt (Senatsurteil vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15, z.V.b. Rn. 24 ff.).
Denn der Beklagte zu 3 ließ den Beklagten zu 1 - sei es in zulässiger Weise, sei es amtspflichtwidrig unter Verstoß gegen seine Verpflichtung aus § 24 Abs. 3 des Vertrags 2001, die durchgangsärztliche Tätigkeit persönlich auszuüben - im Rahmen des ihm von der Berufsgenossenschaft anvertrauten öffentlichen Amtes tätig werden und die damit verbundenen, der Berufsgenossenschaft obliegenden hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen (vgl. Senatsurteil vom 29. November 2016 - VI ZR 208/15, z.V.b. Rn. 30).
Dem D-Arzt kommt damit an dieser Stelle die Funktion eines Amtswalters des Unfallversicherungsträgers zu, der für den Versicherungsträger verbindlich den Behandlungs- und Untersuchungsanspruch des Versicherten konkretisiert und für dessen Fehler der Versicherungsträger ggf zu haften hat (vgl BGH vom 29.11.2016 - VI ZR 208/15 - BGHZ 213, 120).
Bei den Zurechnungstatbeständen des § 11 SGB VII muss sich der Unfallversicherungsträger daher das Handeln des D-Arztes grundsätzlich zurechnen lassen (…vgl BSG vom 5.7.2011 - B 2 U 17/10 R - BSGE 108, 274 = SozR 4-2700 § 11 Nr. 1; vgl zur Einordnung des Handelns des Durchgangsarztes als Wahrnehmung einer öffentlich-rechtlichen Aufgabe mit der Folge, dass die Unfallversicherungsträger für etwaige Fehler in diesem Bereich haften, BGH vom 29.11.2016 - VI ZR 208/15 - BGHZ 213, 120).
OLG Dresden, 27.08.2019 - 4 W 497/19
Folgeentscheidung zu OLG Dresden 4 W 497/19 v. 22.07.2019
Die ärztliche Behandlung ist regelmäßig nicht Ausübung eines öffentlichen Amtes im Sinne von Art. 34 GG (vgl. BGH, Urteil vom 29.11.2016 - VI ZR 208/15 - juris).
OLG Dresden, 22.07.2019 - 4 W 497/19
Trennung eines Rechtsstreits
OLG Köln, 19.07.2017 - 5 U 143/14
Haftung des Durchgangsarztes der Berufsgenossenschaft für Diagnosefehler bei …
Bei dieser Beurteilung geht der Senat in Anwendung der neuesten höchstrichterlichen Rechtsprechung zu der rechtlichen Einordnung des Handelns eines Durchgangsarztes [BGH, Urteil vom 29. November 2016, VI ZR 208/15, VersR 2017, 490; BGH, Urteil vom 20. Dezember 2016, VI ZR 395/15, VersR 2017, 495] davon aus, dass der Streithelfer ausschließlich bei seinen Behandlungs- und Untersuchungsmaßnahmen am 9. Dezember 2009 sowie bei der an diesem Tage getroffenen Entscheidung über die Art der Heilbehandlung in Ausübung des ihm von der Beklagten übertragenen öffentlichen Amtes gehandelt hat mit der Folge, dass eine Haftung der Beklagten ausschließlich dann in Betracht käme, wenn dem Streithelfer im Rahmen seiner Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen sowie Entscheidung über die Art der Heilbehandlung am 9. Dezember 2009 schadensursächliche Fehler unterlaufen wären.
Denn nach der neuesten höchstrichterlichen Rechtsprechung zählen zu den öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Durchgangsarztes neben der der Berufsgenossenschaft obliegenden und in Ausübung eines öffentlichen Amtes erfolgenden Entscheidung, ob eine allgemeine Heilbehandlung ausreicht oder ob wegen der Schwere der Verletzung eine besondere Heilbehandlung erforderlich ist, zum einen die Befunderhebungen und die Diagnosestellung, auf deren Grundlage die durchgangsärztliche Entscheidung für die allgemeine bzw. besondere Heilbehandlung getroffen wird, und zum anderen die Erstversorgung des Betroffenen [BGH, Urteil vom 29. November 2016, VI ZR 208/15, VersR 2017, 490, Juris-Rn. 17 ff., 19, 24; BGH, Urteil vom 20. Dezember 2016, VI ZR 395/15, VersR 2017, 495, Juris-Rn. 11 u. 12].
OLG Karlsruhe, 04.07.2019 - 7 U 159/16
Schadensersatz und Schmerzensgeldansprüche aus Arzthaftung
Der Arzt, der die Heilbehandlung durchführt, übt deshalb kein öffentliches Amt aus und haftet für Fehler persönlich (BGH, Urteil vom 29.11.2016, VI ZR 208/15, bei juris Rn. 8).
LSG Thüringen, 14.02.2019 - L 1 U 945/17
Anerkennung einer weiteren Folge eines Arbeitsunfalls
Dem D-Arzt kommt damit an dieser Stelle die Funktion eines Amtswalters des Unfallversicherungsträgers zu, der für den Versicherungsträger verbindlich den Behandlungs- und Untersuchungsanspruch des Versicherten konkretisiert und für dessen Fehler der Versicherungsträger ggf. zu haften hat (vgl. BGH vom 29.11.2016 - VI ZR 208/15 - BGHZ 213, 120).
Dass der Beklagte über keine Anerkennung als Belegarzt verfügt hat, ist letztlich nur im Innenverhältnis des Beklagten zu den kassenärztlichen Vereinigungen für die Abrechnung und im Innenverhältnis zu der stationären Einrichtung (Belegarztvertrag) von Bedeutung (ähnlich zur Funktion des D-Arztes: BGH, Urteil vom 29.11.2016 - VI ZR 208/15 -, zitiert nach juris).
LG Dortmund, 07.02.2019 - 4 O 316/17
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung; Durchgangsarzt
Die Kammer hat bei ihrer Recherche keine vergleichbaren Fälle finden können, da sich die vorliegende Problematik nach der klarstellenden Rechtsprechung des BGH (vgl. BGH, Urteil vom 29.11.2016 - VI ZR 208/15 sowie BGH, Urteil vom 20.12.2016 - VI ZR 395/15) zur fehlenden persönlichen Haftung des Durchgangsarztes gegenüber dem Patienten erst jetzt vermehrt stellen dürfte.

References: § 34
 Art. 34
 § 839

Art. 34
 § 839
 Art. 34
 § 34
 § 34
 § 27
 § 27

§ 34
 § 34
 § 839
 § 34
 Art. 34
 § 839
 § 34
 Art. 34
 § 839
 BGH 
 Art. 34
 § 839
 § 27
 § 29
 § 34
 Art. 34
 § 839
 § 27
 § 24
 BGH 
 § 11
 § 11
 BGH 
 Art. 34
 BGH 
 BGH