Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NStZ%201993,%20389
Timestamp: 2017-09-20 11:07:01+00:00

Document:
OLG Karlsruhe, 12.02.1993 - 3 Ss 99/92 - dejure.org
OLG Karlsruhe, 12.02.1993 - 3 Ss 99/92
Aufforderung; Straftat; Wehrdienst; Verweigerung; Desertieren
MDR 1993, 668
NStZ 1993, 389
Hingegen genügt es nicht, wenn sich die Adressaten des Aufrufs erst in der Zukunft - gegebenenfalls nach Vorliegen weiterer Voraussetzungen - zu der ihnen angesonnenen Straftat entschließen sollen (OLG Karlsruhe NStZ 1993, 389 (390);… LK-von Bubnoff, StGB, 11. Auflage, § 111 Rdnr. 8, 8 d;… Schönke-Schröder-Eser, StGB, 27. Auflage, § 111 Rdnr. 3).
aa) Unter einer Aufforderung i. S. des § 111 Abs. 1 StGB ist jede - auch konkludente - Kundgebung zu verstehen, die erkennbar darauf abzielt, die Aufgeforderten unmittelbar zur Begehung bestimmter rechtswidriger Straftaten zu motivieren (…vgl. hierzu RGSt 4, 106, 108; BGHSt 32, 310, 311; OLG Karlsruhe NStZ 1993, 389 ff.;… Bosch in MüKo-StGB, 2. Aufl., § 111 Rdnr. 6;… LK-Rosenau, StGB, 12. Aufl., § 111 Rdnr. 17;… Fischer, StGB, 60. Aufl. § 111 Rdnr. 2 a ff.).
In der Aufforderung muss daher der Wunsch nach Realisierung des angesonnenen kriminellen Verhaltens deutlich werden, sie muss Appellcharakter haben (OLG Karlsruhe NStZ 1993, 389, 390).
Aus dem Sinn und Zweck des § 111 StGB, nur besonders gefährliche Arten des Aufforderns zu erfassen, folgt zugleich die Notwendigkeit einer diesem Schutzzweck entsprechenden restriktiven Interpretation der Vorschrift (OLG Karlsruhe NStZ 93, 389): Die Äußerung muss angesichts des Schutzzwecks der Norm erkennbar darauf abzielen, die Adressaten unmittelbar zur Begehung der rechtswidrigen Tat zu motivieren (…Eser aa0., § 111 Rdnr. 3; OLG Karlsruhe aa0.,390).
Sobald der Aufruf getätigt ist, ist das Geschehen - auch und gerade für den Täter - nicht mehr steuerbar (vgl. OLG Karlsruhe NStZ 1993, 389, 390; BeckOK StGB/ Dallmeyer, § 111 Rn 1).
Aufhebung eines strafgerichtlichen Urteils; Verletzung sachlichen Rechts
In der Aufforderung muss daher der Wunsch nach Realisierung des angesonnenen kriminellen Verhaltens deutlich werden, sie muss Appellcharakter haben [vgl. OLG Karlsruhe NStZ 1993, 389, 390].

References: § 111
 § 111
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