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Timestamp: 2019-09-17 10:43:33+00:00

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Die Gasmaschinenzentrale in Heinitz (1)
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Die Gasmaschinenzentrale in Heinitz
Nationales Denkmal oder Katastrophe des Denkmalschutzes 1. Teil
Bericht von Dr. Herbert Müller
Die alte Jugenstilhalle in Neunkirchern-Heinitz beherbergte das ehemalige Kokereigas-Großkraftwerk des Königlichen Steinkohlebergwerks Heinitz. Der 160 m lange Ost – West ausgerichtete Monumentalbau hat 20 Gebäudeachsen, die mitmassiven, gegossenen Eisentürmchen markiert sind. Die geschickt angeordneten Längs- und Querbauten zeigen einen besonderen Rhythmus. Das Monumentalbauwerk steht auf der Geländestufe, die den ehemaligen Grubenbahnhof nach Norden begrenzt. Die richtungsweisende Stahlskelett – Architektur (Delf Slotta) wurde konstruiert von dem Professor für Brückenbau an der TH Aachen, Reinhold Krohn (1852 – 1932), der ab 1886 auch Direktor der Brückenbau-Anstalt der Gutehoffnungshütte in Oberhausen war. Einer der ersten und weit bekannt gewordenen Jugenstil – Architekten Bruno Möhring (1863 – 1929) gab dem konstruktiven Gerüst der Halle den auffallend eleganten Jugenstil-Charakter. Besonders bewundernswert ist auch, dass diese elegante Gerüstkonstruktion im Inneren der Halle über Laufkräne verfügt, die zig Tonnen schwere Lasten tragen können.
Die Stahlskelett – Konstruktion wurde von mehreren Spitzenfachleuten als das Nationale Denkmal der Region bezeichnet.
Das Schwestergebäude auf Zollern 2/4 in Dortmund-Bövinghausen, das heutige Industriemuseum wurde ebenfalls von Reinhold Krohn und Bruno Möhring entworfen und von der Gutehoffnungshütte Oberhausen gebaut. Auch hier wird zum ersten Mal und gleichzeitig die Energie-Erzeugung in einem einzigen Gebäude zusammengefasst. Der ehemalige Innenminister von Nordrhein-Westfalen hat dieses Bauwerk zum „Nationalen Denkmal” erklärt. Nach Delf Slotta u.a. steht einer ähnlichen Bewertung der Gasmaschinenzentrale nichts entgegen. Das monumentale Bauwerk besteht aus einem Längsbau mit vier Querbauten.
Die besondere baugeschichtliche Bedeutung der Gasmaschinenzentrale in Heinitz wurde im Laufe der Jahre von mehreren Spitzenfachleuten hervorgehoben:
Prof. Dr. Boris Klein: Die Erhaltung der ­Halle ist eine nationale Aufgabe
Armin Schmidt, 1989, Staatlicher Konservator Saarbrücken: Die Gasmaschinenzentrale gilt als eine der eindrucksvollsten Stahlskelettbauten an der Saar.
Prof. Dr. Rainer Slotta: Die Heinitzer Gas­zentrale ist ein Denkmal von nationaler· Bedeutung.
Oberregierungsrat Delf Slotta: Die Heinitzer Gaszentrale in Neunkirchen zeigt· richtungsweisende Bauweise, ein
technisches Denkmal, Stahlskelettbau von großer Qualität. Die Maschinenhalle in Dortmund-­Bövinghausen ist zum nationalen Denkmal erklärt worden, einer ähnlichen Bewertung in Heinitz steht nichts entgegen.
Das Landesdenkmalamt Saarbrücken unter der Leitung von Prof. Dr Baulig setzt die Gasmaschinenzentrale Heinitz auf Platz 1 der im Saarland zu unterhaltenden Denkmäler.
2003 hat die Initiative den Antrag gestellt und gebeten, die Halle zum Nationalen Denkmal zu erklären.
Die Frage ist hier eigentlich: was muss man noch tun, um das Gebäude tatsächlich zum nationalen Denkmal zu erklären oder er­klären zu lassen?
1992 wurde die Halle unter das Saarländische Denkmalschutzgesetz (SdschG) gestellt. Einige Punkte des Gesetzes in der Fassung vom 19.5.2004 sollen hier in Kurzform angeführt werden.
Dabei wird die Frage gestellt: „Was schreibt das Denkmalschutzgesetz vor und was bewirkt es tatsächlich?”.
§1 (1) Kulturdenkmäler sind als Zeugnisse menschlicher Geschichte und örtlicher Eigenart zu schützen, zu pflegen, sinnvoll zu nutzen und wissenschaftlich zu erforschen.
§1 (2) Bei öffentlichen Planungen sind die Belange des Denkmalschutzes so einzubeziehen, dass das Kulturdenkmal erhalten und seine Umgebung angemessen gestaltet wird
§1 (3) Den juristischen Personen des öffentlichen Rechts obliegt in besonderem Maße, die ihnen gehörenden Kulturdenkmäler zu pflegen
§1(4) Das Land trägt zu den Kosten der Erhaltung und Instandsetzung von Kulturdenkmälern nach Maßgabe der im Haushaltplan bereitgestellten Mittel bei.
Eine Rechtsverordnung kann von der Landes­denkmalbehörde erlassen werden.
Ordnungswidrigkeit kann festgestellt und verfolgt werden, wenn die unter §1 aufgeführten Forderungen nicht erfüllt werden.
Die Strafen, die bei einer Ordnungswidrigkeit verhängt werden, schwanken in den Bundesländern ja neben der Wiedergut­machung durchschnittlich etwa zwischen 250.000 und 500.000 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern werden z. Zt. 1,5 Mio Euro angesetzt.
Welche bautechnischen Kennzeichen des ehemaligen Großkraftwerks fordern nun den Schutz des Gesetzes und veranlassten außerdem die Spitzenfachleute, es zum „Na­tionalen Denkmal” zu erklären?
Die wichtigsten bautechnischen Kennzeichen sind:
Das einmalig sauber durchdachte, mathematisch begründete, elegante und daher richtungsweisende Stahlskelett – Gerüst, auf das die hervorragend passenden Formen des damals modernen Jugendstils meisterhaft angepasst sind.
Die rhythmische Anordnung der korb­bogigen Fenster, jeweils die dritte Fenster­achse ist wesentlich breiter als die beiden seitlichen.
Die korbbogig abgeschlossenen Fenster sind von einer Korbbogenblende überfangen.
Jedes Fenster ist in der Mitte durch einen Stahlträger geteilt.
Sprossenartige, leiterartige Zierrahmen untergliedern die Fenster im westlichen Gebäudeteil.
Oberhalb der Fensterbögen ist das Dachgesims in der Art einer Attika Geschwungen an der Trauflinie weitergeführt.
Gegossene Pfeilerchen aus massivem Eisen markieren die Gebäudeachsen.
Die Höhendimension ist beträchtlich, Querbauten sind höher als die Längsbauten, der 2. Querbau (Zentraler Querbau) überragt die anderen Dächer.
Das Satteldach ist von einer Fenster-­Kuppel-Reihe gekrönt.
Diese typischen bautechnischen Kennzeichen sind klar, deutlich und unübersehbar. Sie wurden auch immer wieder in der Literatur besonders hervorgehoben und betont. Bei der 100-Jahrfeier trug Delf Slotta vor allen Verantwortlichen, nochmals die Begründung für eine Erklärung zum nationalen Denkmal vor und brachte auch die Erläuterungen dazu. Soweit die anerkannte Baukunst, die im §1 , Abs.1 des Denkmalschutzes geschützt ist.
Zur Geschichte der Entstehung des Denkmals:
Neben den bautechnischen Kennzeichen des wichtigen Gebäudes gehört nach dem Denkmalschutz-Gesetz auch seine Geschichte. Diese „Industrie-Kathedrale” hat die Landschaft, das Dorf, die Region und die Menschen, die den Grundstein zum Bau dieses Denkmals gelegt haben, grundlegend geformt und geprägt. Der notwendige und nützliche Einsatz der Elektrizität im Bergbau und in vielen anderen Betrieben hat umfangreiche Entwicklungen erfordert. Man hat hier zur richtigen Zeit die richtige Mannschaft gefunden, die diesen kreativen Arbeiten gewachsen war und die diese Arbeiten mit größtem Einsatz auch gemeistert hat. Die Elektrizität hat über viele Jahrhunderte die Menschen beschäftigt.
An der Entwicklung der Stromerzeugung ­haben sehr viele Wissenschaftler aus mehreren Ländern seit mehr als 400 Jahren gearbeitet.(Volta, Ampère, Ohm usw.). Im Jahre 1831 entdeckt dann Michael Faraday die elektromagnetische Induktion. Dabei entsteht Gleichstrom, wenn ein elektrischer Leiter durch ein Magnetfeld bewegt wird.
1868 erfindet Werner von Siemens die Dynamos zur Stromerzeugung. Diese Erfindung hat bereits die besondere Nützlichkeit der Elektrizität aufgezeigt. Der erzeugte Gleichstrom konnte allerdings nur über kurze Entfernung transportiert werden. Deswegen musste praktisch neben oder nur in geringer Entfernung der stromverbrauchenden Arbeitsmaschine ein Generator mit Motor betrieben werden. Dadurch bestanden große Schwierigkeiten bei der Einführung der Elektrizität in die praktische Arbeitswelt. Die vielseitigen Möglichkeiten des Elektrizitäts-Einsatzes im Zustand der Entwicklung hat nun das königliche Steinkohlebergwerk durch die Anpassung, den Einsatz der verschiedensten Geräte und ihre technische Entwicklung in die Hand genommen, um den Sprung von der Erfindung zum praktisch-technischen Einsatz zu ermöglichen. Nur deshalb war die beschleunigte technische Entwicklung auf der Grube Heinitz möglich geworden. Kleine Stromzentralen, wie sie in Heinitz z.B. im Schacht 3 im Malakoffturm betrieben wurden, waren aber nur ein Schritt zur Elektrifizierung eines Betriebes oder des weiteren Gebrauches. Außerdem waren bei diesem Verfahren die Stromkosten noch recht hoch. Es wurde konzentriert und zielstrebig an mehreren Fronten der technischen Entwicklung in Zusammenarbeit mit speziellen Fachfirmen gearbeitet:
1879 Einsatz von elektrischem Licht auf der Siebanlage Dechen, wobei jede Lampe von einer Siemens-Lichtmaschine gespeist wurde
1884 Erste Telefonanlage auf einer Grube an der Saar
1890 Im Malakoffturm des Schachtes 3 entsteht eine zentrale elektrische Anlage mit 15 Bogenlampen von je 9 Ampère
1897 39 Bogenlampen, 189 Glühlampen auf Heinitz in Betrieb. Der Strom kommt aus der zentralen Anlage des Schachtgebäudes und wird von 4 Dampfmaschinen mit zusammen 40 PS, 1 Gasmotor mit 12 PS, 1 Turbinenmotor mit 2,5 PS erzeugt.
Betrieb einer Wasserpumpe in 800 Meter Entfernung
1897 Betrieb einer Elektrolok zum Material­transport zum Schacht 3
Betrieb einer Koksausdrückmaschine
Betrieb einer Mörtelmaschine
Betrieb einer Heupresse
Wie man sieht, hat sich das Steinkohlebergwerk mit sehr vielen Möglichkeiten des ­Einsatzes von Elektrizität und Arbeitsmaschinen beschäftigt. Das besondere Engagement der Beschäftigten wird an vielen Stellen überaus deutlich.
Als es 1891 Oskar von Miller aber gelang Drehstrom (dreiphasiger Wechselstrom) von Lauffen am Neckar nach dem 180 km entfernten Frankfurt zur internationalen Elektrizitätsausstellung zu transportieren, beschloss man in Heinitz, den elektrischen Strom, der an verschiedenen Stellen des Betriebes zum Antrieb der Motore gebraucht wurde, in einer einzigen Elektrozentrale konzentriert zu gewinnen. Mit großen und starken Motoren war der Strom wesentlich kostengünstiger herzustellen. Man beschloss den Bau eines größeren Kraftwerks, das zunächst die beiden Gruben Heinitz und Dechen mit Strom versorgen sollte. Als Betriebsmittel für den Antrieb der Motore der Dynamos setzte man d as sonst frei in die Luft entweichende Koksgas ein.
Diese hervorragende und Erfolg versprechende technische Entwicklungsarbeit sollte auch durch ein Bauwerk mit modernster Technik unterstrichen und herausgestellt werden.
Mit der Planung des Gebäudes beauftragte man die bereits weithin bekannten Baufachleute, den Konstrukteur Prof. Dr. Reinhold Krohn und den Jugendstil-Architekten Bruno Möhring. 1904 begannen die Arbeiten mit dem Bau der Halle und des dazu notwendigen 1000 cbm Gasometers. Zunächst montierte man einen Gasmotor mit 700 PS.
1905 folgte dann ein Motor mit 1200 PS. 1906 kam eine Erweiterung mit drei weiteren Gasmotoren von je 1500 PS. Die Erweiterung 1907 bestand aus zwei Gasmotoren mit je 3000 PS. Auch das damalige Dorf Neunkirchen sollte laut Vertrag vom 17.9.1906 ebenfalls aus diesem damaligen Großkraftwerk mit Strom versorgt werden. Ein zügiger und zielstrebiger Ausbau kennzeichnet also diese Stromzentrale.
Eine enge Zusammenarbeit mit der Lieferfirma der Gasmotore, Erhard und Sehmer, sorgte für die ständige Verbesserung der Motore und ihre Anpassung an die Konzentration des Koksgases, das einer ständigen Bearbeitung bedarf. So mussten die verschiedensten Verunreinigungen herausgenommen, d.h. das Gas musste mit entsprechend zu entwickelnden Reinigungsverfahren gereinigt und seine Konzentration gesteuert werden. Koksöfen waren zu spezialisieren.
Es gab kaum Betriebsausfälle. Die mit dem Strom belieferten Betriebspunkte konnten reibungslos und ohne Störungen arbeiten. Dies wurde überall mit Lob zur Kenntnis genommen und als besondere Leistung herausgestellt. Als Beispiel wird eine Kolonne der Dynamos von 1910 gezeigt.
Gasmaschinenzentrale,
das nationale Denkmal der Region, 2004
Querbau 1 Südwest 2004
Zentraler Querbau 2 (2004)
Querbauten 3 + 2 von Südosten 2004
Querbauten 3 + 4 (2004)
Südwestlicher Innenraum
mit Krananlage 2004
Südansicht mit den typischen Kennzeichen
der Jugendstilhalle 2004
Dynamos in der Gasmaschinenzentrale um 1910,
Archiv Debold

References: §1

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