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Timestamp: 2018-04-26 03:42:15+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 6 Sa 361/08
Schlag­worte: Krankheit, Entgeltfortzahlung
Akten­zeichen: 6 Sa 361/08
Ent­scheid­ungs­datum: 20.03.2009
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Mainz, Urteil vom 24.04.2008, 6 Ca 157/08
6 Ca 157/08
Ur­teil vom 20.03.2009
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz - Auswärti­ge Kam­mern Bad Kreuz­nach - vom 24.4.2008 - 6 Ca 157/08 - wird auf Kos­ten des Klägers zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz noch über Ent­gelt­fort­zah­lungs­ansprüche im Krank­heits­fall für die Mo­na­te Sep­tem­ber 2007 und No­vem­ber 2007.
Der Kläger war seit 01.04.2004 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Am 18.09.2007 kam es zwi­schen den Par­tei­en zu ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung. Nach die­sem Zeit­punkt hat der Kläger kei­ne Ar­beits­leis­tung für die Be­klag­te mehr er­bracht.
Zum wei­te­ren Sach­ver­halt und den erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Anträgen wird auf das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz - Auswärti­ge Kam­mern Bad Kreuz­nach - vom 24.04.2008 - 6 Ca 157/08 - gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug ge­nom­men.
Im vor­erwähn­ten Teil­ur­teil vom 24.04.2008 hat das Ar­beits­ge­richt - so­weit für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren von In­ter­es­se - die Ansprüche auf Zah­lung von 1.111,11 € brut­to und 2.412,87 € brut­to an Ent­gelt­fort­zah­lung für die Mo­na­te Sep­tem­ber und Ok­to­ber 2007 nebst den ver­folg­ten Zins­ansprüchen ab­ge­wie­sen, da beim Kläger ein feh­len­der Leis­tungs­wil­le zur Über­zeu­gung des Ge­richts vor­ge­le­gen hätte. Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me stünde fest, dass die­ser ab 18.09.2007 die Ab­sicht ge­habt ha­be, kei­ner­lei Ar­beits­leis­tung mehr für die Be­klag­te zu er­brin­gen. Der Kläger ha­be - so die Aus­sa­ge der Zeu­gin W. - erst am Mon­tag nach dem 18.09.2007, wo sie - die Zeu­gin - le­dig­lich die Schil­de­rung der bei­den Chefs mit­be­kom­men ha­be, die Krank­mel­dung über­reicht. Die Chefs hätten den Kläger zum Blei­ben über­re­den wol­len. Die­ser ha­be je­doch be­harr­lich nein ge­sagt. Über die Krank­heit sei in die­sem Gespräch nicht ge­spro­chen wor­den. Aus dem In­halt der Aus­sa­ge der Zeu­gin ergäbe sich, dass der Kläger un­ge­ach­tet sei­nes ge­sund­heit­li­chen Zu­stan­des ent­schlos­sen ge­we­sen sei, für die Be­klag­te kei­ner­lei Ar­beits­leis­tung mehr zu er­brin­gen.
Ge­gen das dem Kläger am 03.06.2008 zu­ge­stell­te Teil­ur­teil rich­tet sich des­sen am 30.06.2008 ein­ge­leg­te und am 29.07.2008 be­gründe­te Be­ru­fung.
Der Kläger bringt z w e i t i n s t a n z l i c h wei­ter vor, das Ar­beits­ge­richt ha­be den Sach­ver­halt ei­ner un­zu­tref­fen­den Würdi­gung un­ter­zo­gen. Es sei Sa­che des Ar­beit­ge­bers Umstände dar­zu­tun, die ge­gen ei­nen Ar­beits­wil­len des Ar­beit­neh­mers sprächen. Die Zeu­gin W. sei bei dem Gespräch am 18.09.2007 nicht an­we­send ge­we­sen. Er - der Kläger - ha­be an die­sem Tag den bei­den Geschäftsführern erklärt, dass er auf­grund ei­ner schwe­ren Er­kran­kung ar­beits­unfähig sei und nicht mehr zur Ar­beit er­schei­nen könne (Be­weis: Anhörung des Klägers als Par­tei). Den Ver­lauf des Gespräches ei­ne Wo­che später ha­be die Zeu­gin wahr­heits­wid­rig ge­schil­dert. Die Geschäftsführer hätten dem Kläger des­sen Er­kran­kung nicht ab­ge­nom­men, ihn für ei­ne Si­mu­lan­ten ge­hal­ten und ihn da­zu über­re­den wol­len, wei­ter­zu­ar­bei­ten. Das Ar­beits­ge­richt hätte ihm - dem Kläger - im Rah­men der Par­tei­anhörung Ge­le­gen­heit ge­ben müssen, sich zum Ver­lauf des Gespräches am 18.09.2007 zu äußern. Durch das An­walt­schrei­ben vom 11.10.2007 und die Kla­ge­schrift vom glei­chen Ta­ge ha­be er - der Kläger - deut­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass er zur Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­reit sei, so­bald sei­ne Ar­beitsfähig­keit wie­der her­ge­stellt sei. Im Übri­gen sei er un­mit­tel­bar nach dem Gespräch am 18.09.2007 bei der So­zi­al­ver­si­che­rung ab­ge­mel­det wor­den. Der Be­weis­wert der vor­ge­leg­ten Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung sei nicht erschüttert. Es bestünde die Be­reit­schaft, die be­han­deln­den Ärz­te von ih­rer Schwei­ge­pflicht zu ent­bin­den.
Zur den wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Be­ru­fungs­be­gründung wird auf die Schriftsätze des Klägers vom 28.07.2008 (Bl. 113 - 116 d. ), vom 18.08.2008 (Bl. 140 - 141 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts vom 24.04.2008 ab­zuändern, so­weit es die Zah­lungs­anträge zurück­weist und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,
1. an den Kläger 1.111,11 € brut­to zu zah­len und die­sen Be­trag mit 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz zu ver­zin­sen seit dem 16.10.2007;
2. an den Kläger 2.412,87 € brut­to zu zah­len und die­sen Be­trag mit 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz zu ver­zin­sen seit dem 16.11.2007.
Zurück­wei­sung der Be­ru­fung und Auf­he­bung des Versäum­nis­ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts von 09.01.2009 - 6 Sa 361/08 -
be­an­tragt und er­wi­dert, der Kläger ha­be am 18.09.2007 nach sei­ner Tag­schicht erklärt, er wol­le für die Be­klag­te nicht mehr wei­ter tätig sein. Er ha­be nicht be­strit­ten, dass er sein ei­ge­nes in der Fir­ma be­find­li­ches Werk­zeug zu­sam­men­geräumt und in ein Fahr­zeug ver­packt ha­be. Der Kläger ha­be auch ver­spätet ei­ne Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung vor­bei­ge­bracht. Den Ausführun­gen zum Hin­weis auf ei­ne Er­kran­kung wer­de wi­der­spro­chen. Die Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung stel­le nicht fest, wel­che Schwe­re ei­ne Band­schei­ben­vor­fall ge­habt ha­be. Der Kläger ha­be ein Dro­gen­pro­blem. Des­sen Ein­stel­lung sei nur we­gen ei­ner Förde­rung aus ei­nem Son­der­pro­gramm er­folgt.
Zur Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung wird auf die Schriftsätze der Be­klag­ten vom 04.08.2008 (Bl. 137 - 138 d. A.) so­wie vom 21.11.2008 (Bl. 173 - 174 d. A.) nebst sämt­li­chen vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen Be­zug ge­nom­men. Ge­gen das am 09.01.2009 ge­genüber der Be­klag­ten er­las­se­ne Versäum­nis­ur­teil hat die­se in­ner­halb der Ein­spruchs­frist am 13.01.2009 Ein­spruch ein­ge­legt. Auf die Fest­stel­lun­gen in der Sit­zungs­nie­der­schrift des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 20.03.2009 (Bl. 199 - 202 d. A.) wird ver­wie­sen.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ist statt­haft. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt so­wie be­gründet wor­den und da­mit zulässig (§§ 64 Abs. 6, 66 Abs. 1 ArbGG, 519, 520 ZPO.).
II. Die Be­ru­fung des Klägers ist je­doch n i c h t be­gründet.
In Übe­rein­stim­mung mit der Vor­in­stanz ste­hen dem Kläger ge­gen die Be­klag­te kei­ne Ent­gelt­fort­zah­lungs­ansprüche für Sep­tem­ber 2007 - an­tei­lig - und Ok­to­ber 2007 zu. Das Ar­beits­ge­richt sieht im An­satz­punkt zu­tref­fend, dass die Ar­beits­unfähig­keit eben­so wie bei dem ent­spre­chend lau­ten­den § 3 S. 1 EFZG die al­lei­ni­ge Ur­sa­che für den Aus­fall der Ar­beits­leis­tung sein muss. Der An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt darf nicht be­reits auf­grund an­de­rer Ur­sa­chen ent­fal­len; denn der Ar­beit­neh­mer soll den Ent­gelt­an­spruch nicht we­gen sei­ner krank­heits­be­ding­ten Ar­beits­unfähig­keit ver­lie­ren. Die­ser An­spruch setzt mit­hin vor­aus, dass der Er­krank­te Ar­beit­neh­mer oh­ne die Ar­beits­unfähig­keit ei­nen Vergütungs­an­spruch ge­habt hätte. Dies be­deu­tet al­ler­dings nicht, dass al­le hy­po­the­ti­schen Ge­sche­hens­abläufe zu berück­sich­ti­gen sind. Viel­mehr muss es sich um rea­le Ur­sa­chen han­deln, die im kon­kre­ten Fall für den Aus­fall der Ar­beit auch wirk­sam ge­wor­den sind (vgl. BAG Ur­teil vom 25.05.1983 - 5 AZR 230/08 - = BA­GE 43, 1, 2 f.; Ur­teil vom 20.03.1985 - 5 AZR 229/83 = EzA LohnFG § 1 Nr. 77; Ur­teil vom 17.10.1999 - 5 AZR 10/90 = BA­GE 66, 126, 132 f und Ur­teil vom 01.10.1991 - 1 AZR 147/91 = BA­GE 68, 299, 300 f.). In­so­weit hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt ei­ne Ar­beits­un­wil­lig­keit des Ar­beit­neh­mers als rea­le Ur­sa­che in dem Sinn an­ge­se­hen, die den An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung ent­fal­len lässt. Ein Ar­beit­neh­mer, der nicht be­reit ist zu ar­bei­ten, erhält da­nach auch im Fal­le ei­ner mit Ar­beits­unfähig­keit ver­bun­de­nen Er­kran­kung kei­ne Vergütung (vgl. BAG Ur­teil vom 04.12.2002 - 5 AZR 494/01 -).
In der Be­wer­tung des Fal­les selbst folgt die Kam­mer zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG dem dies­bezüglich be­gründen­den Teil des an­ge­foch­te­nen Ur­teils, stellt dies aus­drück­lich fest und sieht hier un­ter Über­nah­me der Ent­schei­dungs­gründe von ei­ner wei­te­ren Dar­stel­lung ab.
III. Le­dig­lich we­gen der An­grif­fe der Be­ru­fung be­steht zu fol­gen­den Ergänzun­gen An­lass:
1. So­weit die Be­ru­fung ins­be­son­de­re be­an­stan­det, dass die Zeu­gin W. bei dem Gespräch des Klägers mit den Geschäftsführern am 18.09.2007 nicht an­we­send ge­we­sen sei, ver­mag dies an den aus der Aus­sa­ge der Zeu­gin ge­won­ne­nen Fest­stel­lung nichts zu ändern. Auch ei­ne Zeu­gin vom Hören­sa­gen be­kun­det un­mit­tel­bar aus ei­ge­ner Wahr­neh­mung, mag auch der Be­weis­wert ge­rin­ger sein als die Be­kun­dung un­mit­tel­bar ei­ge­ner Wahr­neh­mun­gen (vgl. Zöller ZPO 26. Aufl., § 286 ZPO Rz. 9 a.).
Die Zeu­gin hat klar aus­ge­sagt, die bei­den Chefs hätten am 18.09.2007 mit­ge­teilt, dass der Kläger sei­ne Ar­beit nie­der­ge­legt und al­les zu­sam­men­ge­packt ha­be so­wie dass ei­ne Krank­mel­dung erst ei­ne Wo­che später nach dem Vor­fall er­folgt sei.
So­weit die Be­ru­fung in die­sem Zu­sam­men­hang vor­bringt, der Kläger ha­be am Tag der Aus­ein­an­der­set­zung den bei­den Geschäftsführern erklärt, dass er auf­grund ei­ner schwe­ren Er­kran­kung ar­beits­unfähig sei und nicht mehr zur Ar­beit er­schei­nen könne, reicht die­ser Sach­vor­trag an­ge­sichts des Be­strei­tens der Be­klag­ten nach Auf­fas­sung der Kam­mer auch un­ter Berück­sich­ti­gung, dass in die­sem Vor­trag kei­ne no­ven­recht­lich neu­en Tat­sa­chen ent­hal­ten sind, nicht aus, um zu ei­ner an­de­ren Be­wer­tung des vor­lie­gen­den Fal­les zu ge­lan­gen. Die Dar­stel­lung vom Ab­lauf und den in­halt­li­chen Ein­zel­hei­ten des Gespräches fehlt un­ter zi­vil­pro­zes­sua­len As­pek­ten. Da­her be­darf es kei­ner Be­fas­sung mit der Fra­ge, ob auch an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass min­des­tens drei Per­so­nen bei der Aus­ein­an­der­set­zung am 18.09.2007 be­tei­ligt wa­ren, ei­ne Pflicht zur Par­tei­ver­neh­mung oder Par­tei­anhörung ent­spre­chend den Grundsätzen des BAG in der Ent­schei­dung vom 22.05.2007 - 3 AZN 1155/06 be­stan­den hat.
2. So­weit der Kläger wei­ter vor­bringt, durch An­walt­schrei­ben vom 11.10.2007 und in der Kla­ge­schrift sei deut­lich zum Aus­druck ge­bracht wor­den, dass er - der Kläger - zur Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­reit sei, so­bald die Ar­beitsfähig­keit wie­der her­ge­stellt sei, ver­mag dies an der vom Ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­ten an­hal­ten­den Leis­tungs­un­wil­lig­keit nichts zu ändern. In § 294 BGB ist der Grund­satz auf­ge­stellt, dass ein tatsächli­ches An­ge­bot der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Leis­tung er­for­der­lich ist (vgl. ErfK-Preis Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 9. Aufl. 230 BGB § 615 Rz. 17). Hier­aus wird deut­lich, dass in dem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten und der im Übri­gen erst am 10.12.2007 kla­ge­er­wei­ternd gel­tend ge­mach­ten Ansprüchen kein den feh­len­den Leis­tungs­wil­len auf­he­ben­des tatsächli­ches An­ge­bot liegt. Nicht aus­geräumt ist auch der Sach­vor­trag der Be­klag­ten, wo­nach der Kläger am Tag der Aus­ein­an­der­set­zung sein ei­ge­nes in der Fir­ma be­find­li­ches Werk­zeug zu­sam­men­geräumt und in sein Fahr­zeug ver­packt ha­be. Auch dies lässt den Schluss auf ei­ne man­geln­de Ar­beits­be­reit­schaft zu.
3. Aus vor­ge­nann­ten Gründen kommt es we­der auf den Be­weis­wert der vor­ge­leg­ten Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen, noch auf die Be­reit­schaft, die be­han­deln­den Ärz­te von der Schwei­ge­pflicht zu ent­bin­den, an.
4. Da­mit war das kla­ge­ab­wei­sen­de Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz - Auswärti­ge Kam­mern Bad Kreuz­nach - auf­recht zu er­hal­ten. In der Zurück­wei­sung der Be­ru­fung liegt zu­gleich die Auf­he­bung des am 09.01.2009 verkünde­ten und zu Las­ten der Be­klag­ten er­gan­ge­nen Versäum­nis­ur­teils, ge­gen wel­ches recht­zei­tig Ein­spruch ein­ge­legt war.
Gründe für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on lie­gen nicht vor.
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References: § 69
 § 3
 § 1
 § 69
 § 286
 § 294
 § 615