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Timestamp: 2018-03-20 15:47:55+00:00

Document:
EuGH, Urteil vom 15.09.2011, C-155/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 15.09.2011, C-155/10
Schlagworte: Arbeitszeit, Urlaub, Urlaubsentgelt
Aktenzeichen: C-155/10
15. Sep­tem­ber 2011(*)
„Ar­beits­be­din­gun­gen – Richt­li­nie 2003/88/EG – Ar­beits­zeit­ge­stal­tung – Recht auf Jah­res­ur­laub – Li­ni­en­pi­lo­ten“
In der Rechts­sa­che C-155/10
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Su­pre­me Court of the United King­dom, vor­mals Hou­se of Lords (Ver­ei­nig­tes König­reich), mit Ent­schei­dung vom 24. März 2010, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 2. April 2010, in dem Ver­fah­ren
Wil­liams u. a.
Bri­tish Air­ways plc
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten A. Tiz­za­no, der Rich­ter J.-J. Ka­sel, A. Borg Bart­het, E. Le­vits (Be­richt­er­stat­ter) und der Rich­te­rin M. Ber­ger,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. April 2011,
– von Wil­liams u. a., ver­tre­ten durch J. McN­eill, QC, und M. Ford, Bar­ris­ter,
– der Bri­tish Air­ways plc, ver­tre­ten durch C. Jeans und A. Short, QC,
– der däni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch V. Pas­ternak Jørgen­sen und C. Vang als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin in der Sit­zung vom 16. Ju­ni 2011
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 299, S. 9) so­wie Klau­sel 3 der Ver­ein­ba­rung, die der Richt­li­nie 2000/79/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 über die Durchführung der von der Ver­ei­ni­gung Eu­ropäischer Flug­ge­sell­schaf­ten (AEA), der Eu­ropäischen Trans­port­ar­bei­ter-Föde­ra­ti­on (ETF), der Eu­ro­pean Cock­pit As­so­cia­ti­on (ECA), der Eu­ro­pean Re­gi­ons Air­line As­so­cia­ti­on (ERA) und der In­ter­na­tio­nal Air Car­ri­er As­so­cia­ti­on (IA­CA) ge­schlos­se­nen Eu­ropäischen Ver­ein­ba­rung über die Ar­beits­zei­t­or­ga­ni­sa­ti­on für das flie­gen­de Per­so­nal der Zi­vil­luft­fahrt (ABl. L 302, S. 57) als An­hang bei­gefügt ist (im Fol­gen­den: Eu­ropäische Ver­ein­ba­rung).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Wil­liams u. a. und ih­rem Ar­beit­ge­ber, der Bri­tish Air­ways plc (im Fol­gen­den: Bri­tish Air­ways), über das während ih­res be­zahl­ten Jah­res­ur­laubs be­zo­ge­ne Ent­gelt.
Art. 7 („Jah­res­ur­laub“) der Richt­li­nie 2003/88 sieht vor:
Klau­sel 3 der Eu­ropäischen Ver­ein­ba­rung be­stimmt:
„(1) Das flie­gen­de Per­so­nal der Zi­vil­luft­fahrt hat An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub von min­des­tens vier Wo­chen; die Vor­aus­set­zun­gen für die­sen An­spruch und für die Gewährung des Jah­res­ur­laubs sind durch die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten ge­re­gelt.
Die Ci­vil Avia­ti­on (Working Ti­me) Re­gu­la­ti­ons 2004 (Sta­tu­to­ry In­stru­ments 2004 Nr. 756, Ar­beits­zeit­ver­ord­nung für die Zi­vil­luft­fahrt 2004) be­stimmt:
„4. (1) Mit­glie­der ei­ner Flug­be­sat­zung ha­ben An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub von min­des­tens vier Wo­chen oder bei ei­ner Beschäfti­gungs­dau­er von we­ni­ger als ei­nem Jahr auf ei­nen ent­spre­chen­den An­teil der vier Wo­chen.
(2) Der Ur­laub, auf den die Mit­glie­der ei­ner Flug­be­sat­zung nach die­ser Re­gu­la­ti­on An­spruch ha­ben,
(a) kann in Ab­schnit­ten ge­nom­men wer­den;
(b) darf außer bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Mit­glieds der Flug­be­sat­zung nicht durch ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung er­setzt wer­den.“
Nach Re­gu­la­ti­on 9 die­ser Ver­ord­nung hat der Ar­beit­ge­ber si­cher­zu­stel­len, dass
„… pro Mo­nat
a) kei­ne von ihm an­ge­stell­te Per­son während ih­rer Ar­beits­zeit als Mit­glied ei­ner Flug­be­sat­zung ar­bei­ten darf, wenn die Ge­samt­heit der Flug­zei­ten des Be­tref­fen­den in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 12 Mo­na­ten, der mit En­de des Mo­nats en­det, der dem zu be­ur­tei­len­den Mo­nat vor­aus­geht, mehr als 900 St­un­den beträgt; und
b) kein von ihm an­ge­stell­tes Mit­glied ei­ner Flug­be­sat­zung in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 12 Mo­na­ten, der mit dem En­de des Mo­nats en­det, der dem zu be­ur­tei­len­den Mo­nat vor­aus­geht, ei­ne jähr­li­che Ge­samt­ar­beits­zeit von mehr als 2 000 St­un­den hat.“
Die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens sind Pi­lo­ten, die bei Bri­tish Air­ways an­ge­stellt sind (im Fol­gen­den: Pi­lo­ten). Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen wer­den von der Bri­tish Air Li­ne Pi­lots As­so­cia­ti­on mit Bri­tish Air­ways aus­ge­han­delt. Die­se Be­din­gun­gen sind in dem Me­mo­ran­dum of Agree­ment vom 1. April 2005 (im Fol­gen­den: MOA) ent­hal­ten.
Nach dem MOA be­steht das Ent­gelt der Pi­lo­ten aus drei Be­stand­tei­len. Der ers­te Be­stand­teil ist ein fes­ter Jah­res­be­trag. Der zwei­te und der drit­te Be­stand­teil sind Zu­la­gen, de­ren Höhe sich zum ei­nen nach den ge­flo­ge­nen Zei­ten rich­tet, wo­bei die­se Zu­la­ge auf der Grund­la­ge von 10 GBP je planmäßiger Flug­stun­de be­rech­net wird, und zum an­de­ren nach der Dau­er der Ab­we­sen­heit vom Stütz­punkt, wo­bei die Zu­la­ge in die­sem Fall 2,73 GBP je St­un­de beträgt. Die flug­zeit­abhängi­ge Zu­la­ge ist in vol­lem Um­fang Ent­gelt und zu ver­steu­ern, während bei der Zu­la­ge für die Ab­we­sen­heit vom Stütz­punkt 82 % als Auf­wands­entschädi­gung und le­dig­lich 18 % als Ent­gelt gel­ten und zu ver­steu­ern sind.
Die Flug­zei­ten ei­nes Pi­lo­ten hängen von den ihm zu­ge­wie­se­nen Flug­stre­cken und den Flugplänen ab. Sie be­tra­gen gemäß den An­ga­ben des Su­pre­me Court of the United King­dom in der Re­gel un­gefähr 15 Ta­ge pro Mo­nat.
Nach dem MOA be­ruht der für den be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ent­rich­te­te Be­trag aus­sch­ließlich auf dem ers­ten Be­stand­teil des Ent­gelts, d. h. dem fes­ten Jah­res­be­trag.
Die Pi­lo­ten ma­chen gel­tend, dass gemäß dem Uni­ons­recht die Grund­la­ge des für den Jah­res­ur­laub zu zah­len­den Be­trags ihr ge­sam­tes Ent­gelt ein­sch­ließlich der Zu­la­gen sein müsse.
Das Em­ploy­ment Tri­bu­nal und das Em­ploy­ment Ap­peal Tri­bu­nal ha­ben die­sem An­trag statt­ge­ge­ben. Der Court of Ap­peal (Eng­land & Wa­les) schloss sich der ge­gensätz­li­chen Auf­fas­sung von Bri­tish Air­ways an und ent­schied, dass das Ent­gelt le­dig­lich im fes­ten Jah­res­be­trag be­ste­he.
Das vor­le­gen­de Ge­richt hat Zwei­fel hin­sicht­lich der Be­deu­tung des Aus­drucks „be­zahl­ter Jah­res­ur­laub“ und des Um­fangs des Spiel­raums für die na­tio­na­le Ge­setz­ge­bung und/oder Pra­xis, „Be­din­gun­gen für den An­spruch auf sol­chen Ur­laub und des­sen Gewährung“ fest­zu­le­gen.
Un­ter die­sen Umständen hat der Su­pre­me Court of the United King­dom be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Im Hin­blick auf a) Art. 7 der Richt­li­nie 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 307, S. 18) in der durch die Richt­li­nie 2000/34/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 22. Ju­ni 2000 (ABl. L 195, S. 41) geänder­ten Fas­sung und Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88 und b) Klau­sel 3 der Eu­ropäischen Ver­ein­ba­rung:
a) In­wie­weit wer­den ge­ge­be­nen­falls Vor­aus­set­zun­gen in Be­zug auf Na­tur und/oder Höhe des Ent­gelts, das für Zei­ten des be­zahl­ten Jah­res­ur­laubs zu zah­len ist, eu­ro­pa­recht­lich be­stimmt oder ge­re­gelt, und
b) in­wie­weit können die Mit­glied­staa­ten ge­ge­be­nen­falls fest­le­gen, wie die­ses Ent­gelt zu be­rech­nen ist?
2. Genügt es ins­be­son­de­re, dass das Ent­gelt, das nach in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten und/oder Ta­rif­verträgen und/oder in­di­vi­du­el­len Verträgen zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern ge­zahlt wird, so be­mes­sen ist, dass es den Ar­beit­neh­mer in die La­ge ver­setzt und ihn da­zu mo­ti­viert, den Jah­res­ur­laub zu neh­men und im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes zu ge­nießen; dass es al­so so be­mes­sen ist, dass kei­ne ernst­haf­te Ge­fahr be­steht, dass der Ar­beit­neh­mer sei­nen Jah­res­ur­laub nicht an­tritt?
3. Oder ist es er­for­der­lich, dass das Ent­gelt ent­we­der
a) ge­nau mit dem „gewöhn­li­chen“ Ent­gelt des Ar­beit­neh­mers übe­rein­stimmt oder
b) im We­sent­li­chen mit dem „gewöhn­li­chen“ Ent­gelt des Ar­beit­neh­mers ver­gleich­bar ist?
4. So­fern die Fra­gen 3 a) oder 3 b) be­jaht wer­den: Han­delt es sich bei der Zah­lung, die Ge­gen­stand der ein­schlägi­gen Maßnah­me oder des ein­schlägi­gen Ver­gleichs ist,
a) um das Ent­gelt, das der Ar­beit­neh­mer während des je­wei­li­gen Ur­laubs ver­dient hätte, wenn er an­stel­le des Ur­laubs ge­ar­bei­tet hätte, oder
b) um das Ent­gelt, das er während ei­nes an­de­ren Zeit­raums – und wenn ja, wel­chen Zeit­raums – ver­dient hat, in dem er ge­ar­bei­tet hat?
5. Wie ist ein sol­ches „gewöhn­li­ches“ oder „ver­gleich­ba­res“ Ent­gelt zu be­rech­nen,
a) wenn auf das Ent­gelt, das der Ar­beit­neh­mer für ei­nen Zeit­raum erhält, in dem er ar­bei­tet, ei­ne Zu­la­ge ge­zahlt wird, wenn und so­weit er ei­ner be­son­de­ren Tätig­keit nach­geht?
b) wenn ei­ne jähr­li­che oder sons­ti­ge Höchst­gren­ze für den Um­fang oder den Zeit­raum be­steht, in dem der Ar­beit­neh­mer ei­ner sol­chen Tätig­keit nach­ge­hen kann, und die­se Höchst­gren­ze be­reits ganz oder bei­na­he über­schrit­ten ist, wenn der Jah­res­ur­laub an­ge­tre­ten wird, so dass es dem Ar­beit­neh­mer tatsächlich nicht ge­stat­tet ge­we­sen wäre, die­ser Tätig­keit nach­zu­ge­hen, wenn er an­stel­le des Ur­laubs ge­ar­bei­tet hätte?
Mit sei­nen Fra­gen, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob Art. 7 der Richt­li­nie Nr. 2003/88 und Klau­sel 3 der Eu­ropäischen Ver­ein­ba­rung Hin­wei­se bezüglich des Ent­gelts, auf das ein Flug­li­ni­en­pi­lot während sei­nes Jah­res­ur­laubs An­spruch hat, zu ent­neh­men sind und, falls ja, wel­che.
Ein­lei­tend ist zum ei­nen fest­zu­stel­len, dass die Richt­li­ni­en Nrn. 2000/79 und 2003/88 den­sel­ben Zweck ha­ben, nämlich die Ar­beits­zeit zum Wohl der Si­cher­heit und der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer zu ge­stal­ten, und zum an­de­ren, dass der Wort­laut von Klau­sel 3 im We­sent­li­chen iden­tisch mit dem des Art. 7 der Richt­li­nie Nr. 2003/88 ist. Dar­aus folgt, wie die Ge­ne­ral­anwältin in Nr. 43 ih­rer Schluss­anträge aus­geführt hat, dass die Recht­spre­chungs­grundsätze, die der Ge­richts­hof im Zu­ge der Aus­le­gung der letzt­ge­nann­ten Be­stim­mung ent­wi­ckelt hat, auf Klau­sel 3 der Eu­ropäischen Ver­ein­ba­rung über­trag­bar sind. Art. 7 der Richt­li­nie Nr. 2003/88 ist aber mit Blick auf sei­nen Wort­laut und die Zie­le die­ser Richt­li­nie aus­zu­le­gen.
Der Wort­laut von Art. 7 der Richt­li­nie Nr. 2003/88 enthält kei­nen aus­drück­li­chen Hin­weis bezüglich des Ent­gelts, auf das der Ar­beit­neh­mer während sei­nes Jah­res­ur­laubs An­spruch hat. In der Recht­spre­chung wur­de je­doch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich be­reits aus dem Wort­laut von Abs. 1 die­ses Ar­ti­kels – ei­ner Be­stim­mung, von der die­se Richt­li­nie kei­ne Ab­wei­chung zulässt –, er­gibt, dass je­der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf ei­nen be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen hat und dass die­ser An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub als ein be­son­ders be­deut­sa­mer Grund­satz des So­zi­al­rechts der Ge­mein­schaft an­zu­se­hen ist (vgl. Ur­teil vom 20. Ja­nu­ar 2009, Schultz-Hoff u. a., C-350/06 und C-520/06, Slg. 2009, I-179, Rand­nrn. 22 und 54 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Der An­spruch auf ei­nen sol­chen be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ist im Übri­gen in Art. 31 Abs. 2 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on aus­drück­lich ver­an­kert, der Art. 6 Abs. 1 EUV recht­li­che Gleich­ran­gig­keit mit den Verträgen zu­er­kennt.
In die­sem Zu­sam­men­hang hat der Ge­richts­hof be­reits klar­ge­stellt, dass der Aus­druck „be­zahl­ter [Jah­res­ur­laub]“ in Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88 be­deu­tet, dass das Ar­beits­ent­gelt für die Dau­er des „Jah­res­ur­laub[s]“ im Sin­ne die­ser Richt­li­nie wei­ter­zu­gewähren ist und dass der Ar­beit­neh­mer mit an­de­ren Wor­ten für die­se Ru­he­zeit das gewöhn­li­che Ar­beits­ent­gelt er­hal­ten muss (vgl. Ur­tei­le vom 16. März 2006, Ro­bin­son-Stee­le u. a., C-131/04 und C-257/04, Slg. 2006, I-2531, Rand­nr. 50, und Schultz-Hoff u. a., Rand­nr. 58).
Durch das Er­for­der­nis der Zah­lung die­ses Ur­laubs­ent­gelts soll der Ar­beit­neh­mer nämlich während des Jah­res­ur­laubs in ei­ne La­ge ver­setzt wer­den, die in Be­zug auf das Ent­gelt mit den Zei­ten ge­leis­te­ter Ar­beit ver­gleich­bar ist (vgl. Ur­tei­le Ro­bin­son-Stee­le u. a., Rand­nr. 58, und Schultz-Hoff u. a., Rand­nr. 60).
Wie die Ge­ne­ral­anwältin in Nr. 90 ih­rer Schluss­anträge ausführt, er­gibt sich aus dem Vor­ste­hen­den, dass das Ur­laubs­ent­gelt grundsätz­lich so be­mes­sen sein muss, dass es mit dem gewöhn­li­chen Ent­gelt des Ar­beit­neh­mers übe­rein­stimmt. Dar­aus er­gibt sich auch, dass ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht genügt, wenn sie ge­ra­de noch so be­mes­sen ist, dass kei­ne ernst­haf­te Ge­fahr be­steht, dass der Ar­beit­neh­mer sei­nen Jah­res­ur­laub nicht an­tritt.
Be­steht das vom Ar­beit­neh­mer be­zo­ge­ne Ent­gelt je­doch aus meh­re­ren Be­stand­tei­len, er­for­dert die Be­stim­mung die­ses gewöhn­li­chen Ent­gelts und folg­lich des Be­trags, auf den die­ser Ar­beit­neh­mer während sei­nes Jah­res­ur­laubs An­spruch hat, ei­ne spe­zi­fi­sche Prüfung. So verhält es sich bei dem von ei­nem Li­ni­en­pi­lo­ten als An­gehöri­gem des flie­gen­den Per­so­nals ei­ner Flug­ge­sell­schaft be­zo­ge­nen Ent­gelt, das aus ei­nem fes­ten Jah­res­be­trag und aus va­ria­blen, von den ge­flo­ge­nen Zei­ten und der Dau­er der Ab­we­sen­heit vom Stütz­punkt abhängi­gen Zu­la­gen be­steht.
Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass die Struk­tur des gewöhn­li­chen Ent­gelts ei­nes Ar­beit­neh­mers als sol­che zwar den Vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten nach dem Recht der Mit­glied­staa­ten un­ter­liegt, sie je­doch kei­nen Ein­fluss auf den in Rand­nr. 19 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten An­spruch des Ar­beit­neh­mers ha­ben kann, während des ihm für Er­ho­lung und Ent­span­nung zur Verfügung ste­hen­den Zeit­raums in den Ge­nuss wirt­schaft­li­cher Be­din­gun­gen zu kom­men, die mit de­nen ver­gleich­bar sind, die die Ausübung sei­ner Ar­beit be­tref­fen.
Da­her muss je­de Un­an­nehm­lich­keit, die un­trenn­bar mit der Erfüllung der dem Ar­beit­neh­mer nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­den Auf­ga­ben ver­bun­den ist und durch ei­nen in die Be­rech­nung des Ge­sam­tent­gelts des Ar­beit­neh­mers ein­ge­hen­den Geld­be­trag ab­ge­gol­ten wird, wie bei Li­ni­en­pi­lo­ten die ge­flo­ge­nen Zei­ten, zwin­gend Teil des Be­trags sein, auf den der Ar­beit­neh­mer während sei­nes Jah­res­ur­laubs An­spruch hat.
Da­ge­gen müssen Be­stand­tei­le des Ge­sam­tent­gelts des Ar­beit­neh­mers, die aus­sch­ließlich ge­le­gent­lich an­fal­len­de Kos­ten oder Ne­ben­kos­ten de­cken sol­len, wel­che bei der Erfüllung der dem Ar­beit­neh­mer nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­den Auf­ga­ben ent­ste­hen, wie Kos­ten, die mit dem Zeit­raum ver­bun­den sind, in dem sich die Pi­lo­ten ge­zwun­ge­ner­maßen nicht am Stütz­punkt auf­hal­ten, bei der Be­rech­nung der für den Jah­res­ur­laub zu ent­rich­ten­den Zah­lung nicht berück­sich­tigt wer­den.
In­so­weit ist es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, den in­ne­ren Zu­sam­men­hang zwi­schen den ver­schie­de­nen Be­stand­tei­len des Ge­sam­tent­gelts des Ar­beit­neh­mers und der Erfüllung der ihm nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­den Auf­ga­ben zu be­ur­tei­len. Die­se Be­ur­tei­lung muss auf der Ba­sis ei­nes Durch­schnitts­werts über ei­nen hin­rei­chend re­präsen­ta­ti­ven Re­fe­renz­zeit­raum und im Licht des von der ge­nann­ten Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grund­sat­zes vor­ge­nom­men wer­den, wo­nach der An­spruch auf Jah­res­ur­laub und der auf Zah­lung des Ur­laubs­ent­gelts in der Richt­li­nie 2003/88 als zwei As­pek­te ei­nes ein­zi­gen An­spruchs be­han­delt wer­den (vgl. Ur­tei­le Ro­bin­son-Stee­le u. a., Rand­nr. 58, und Schultz-Hoff u. a., Rand­nr. 60).
Hier­nach ist noch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat, dass ei­ne Ar­beit­neh­me­rin, die bei ei­ner Flug­ge­sell­schaft als Ka­bi­nen­che­fin an­ge­stellt war und der für die Dau­er ih­rer Schwan­ger­schaft vorüber­ge­hend ei­ne Tätig­keit am Bo­den zu­ge­wie­sen wor­den war, nicht nur An­spruch auf Fort­zah­lung ih­res Grund­ge­halts, son­dern auch auf die Ent­gelt­be­stand­tei­le oder Zu­la­gen hat, die an ih­re be­ruf­li­che Stel­lung an­knüpfen. Da­her wa­ren die Zu­la­gen, die an ih­re lei­ten­de Po­si­ti­on, die Dau­er ih­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit und an ih­re be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen an­knüpfen, fort­zu­zah­len (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 1. Ju­li 2010, Par­viai­nen, C-471/08, Slg. 2010, I-0000, Rand­nr. 73). Die­se Recht­spre­chung gilt auch für ei­ne schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin, die be­ur­laubt ist (Ur­teil vom 1. Ju­li 2010, Gas­s­mayr, C-194/08, Slg. 2010, I-0000, Rand­nr. 65).
Dar­aus folgt, dass über die in Rand­nr. 24 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Be­stand­tei­le des Ge­sam­tent­gelts hin­aus al­le die­je­ni­gen Be­stand­tei­le, die an die persönli­che und be­ruf­li­che Stel­lung des Li­ni­en­pi­lo­ten an­knüpfen, während sei­nes be­zahl­ten Jah­res­ur­laubs fort­zu­zah­len sind.
Sch­ließlich bleibt noch klar­zu­stel­len, dass so­wohl die Richt­li­nie 2003/88 als auch die Eu­ropäische Ver­ein­ba­rung nur ei­nen Min­dest­schutz in Be­zug auf den Ent­gelt­an­spruch der sich im Jah­res­ur­laub be­fin­den­den Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer vor­sieht.
Da­her hin­dert kei­ne Be­stim­mung des Uni­ons­rechts die Mit­glied­staa­ten oder ge­ge­be­nen­falls die So­zi­al­part­ner dar­an, über den von der Uni­ons­re­ge­lung ga­ran­tier­ten Min­dest­schutz des Ar­beit­neh­mers hin­aus­zu­ge­hen und die Fort­zah­lung sämt­li­cher Be­stand­tei­le des Ge­sam­tent­gelts vor­zu­se­hen, auf die der Ar­beit­neh­mer während sei­ner Ar­beits­zeit An­spruch hat (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Par­viai­nen, Rand­nr. 63).
Nach al­le­dem ist auf die Vor­la­ge­fra­gen zu ant­wor­ten, dass Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88 und Klau­sel 3 der Eu­ropäischen Ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen sind, dass ein Li­ni­en­pi­lot während sei­nes Jah­res­ur­laubs nicht nur An­spruch auf die Fort­zah­lung sei­nes Grund­ge­halts hat, son­dern zum ei­nen auch auf al­le Be­stand­tei­le, die un­trenn­bar mit der Erfüllung der ihm nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­den Auf­ga­ben ver­bun­den sind und durch ei­nen in die Be­rech­nung sei­nes Ge­sam­tent­gelts ein­ge­hen­den Geld­be­trag ab­ge­gol­ten wer­den, und zum an­de­ren auch auf al­le Be­stand­tei­le, die an sei­ne persönli­che und be­ruf­li­che Stel­lung an­knüpfen. Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu be­ur­tei­len, ob die ver­schie­de­nen Be­stand­tei­le des Ge­sam­tent­gelts die­ses Ar­beit­neh­mers die­se Kri­te­ri­en erfüllen.
Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung und Klau­sel 3 der Ver­ein­ba­rung, die der Richt­li­nie 2000/79/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 über die Durchführung der von der Ver­ei­ni­gung Eu­ropäischer Flug­ge­sell­schaf­ten (AEA), der Eu­ropäischen Trans­port­ar­bei­ter-Föde­ra­ti­on (ETF), der Eu­ro­pean Cock­pit As­so­cia­ti­on (ECA), der Eu­ro­pean Re­gi­ons Air­line As­so­cia­ti­on (ERA) und der In­ter­na­tio­nal Air Car­ri­er As­so­cia­ti­on (IA­CA) ge­schlos­se­nen Eu­ropäischen Ver­ein­ba­rung über die Ar­beits­zei­t­or­ga­ni­sa­ti­on für das flie­gen­de Per­so­nal der Zi­vil­luft­fahrt als An­hang bei­gefügt ist, sind da­hin aus­zu­le­gen, dass ein Li­ni­en­pi­lot während sei­nes Jah­res­ur­laubs nicht nur An­spruch auf die Fort­zah­lung sei­nes Grund­ge­halts hat, son­dern zum ei­nen auch auf al­le Be­stand­tei­le, die un­trenn­bar mit der Erfüllung der ihm nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­den Auf­ga­ben ver­bun­den sind und durch ei­nen in die Be­rech­nung sei­nes Ge­sam­tent­gelts ein­ge­hen­den Geld­be­trag ab­ge­gol­ten wer­den, und zum an­de­ren auch auf al­le Be­stand­tei­le, die an sei­ne persönli­che und be­ruf­li­che Stel­lung an­knüpfen.
Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu be­ur­tei­len, ob die ver­schie­de­nen Be­stand­tei­le des Ge­sam­tent­gelts die­ses Ar­beit­neh­mers die­se Kri­te­ri­en erfüllen.
*Ver­fah­rens­spra­che: Eng­lisch.
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References: Art. 267
 Art. 7

Art. 7
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 Art. 7
 Art. 31
 Art. 6
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