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Timestamp: 2018-07-19 21:36:09+00:00

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Raphael Kühner, Friedrich Blass, Ausführliche Grammatik der Griechischen Sprache, chapter 15
[*] 15. D. Spirans s, Halbvokale v, j. a) Spirans s.Vgl. besonders Kuhn in Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. II, S. 128 ff.
Wesentlich unterscheidend ist für das Griechische im Verhältnis zu den verwandten Sprachen die Behandlung des Spirans ς und der Halbvokale v und j. Jene ist in starkem Masse beseitigt, und zwar schon in vorhistorischer Zeit; das j völlig in der gleichen Zeit; das v ϝ sehen wir auch aus den Dialekten, die es länger als das Attische und Ionische hatten, sichtlich mehr und mehr verschwinden.
Das ς hat sich hauptsächlich in zwei Fällen regelmässig verwandelt oder verflüchtigt: im Anlaut vor Vokal und im Inlaut zwischen Vokalen.
a) Anlautendes ς vor Vokal hat sich fast nie erhalten: σῦς neben ὗς, Σάλμων u. Ἄλμων, Σάλμος u. Ἄλμος (St. in Böotien), σοφός σαφής, l. sapiens; in der Regel ist es in den Spiritus asper übergegangen, als: ἅμα, sk. samas (ähnlich), goth. sama (derselbe), d. samt; ἥμι-συς, sk. sâmi-, l. sēmi-, ahd. sâmi-(halb); ὁδός [root ] ἑδ, σεδ, sk. sād-ajâmi gehe hinzu; ἑζόμην ἵζω [root ] ἑδ, σεδ, sk. sîdâmi, l. sedeo, d. sitzen; ὕπνος, sk. svapnas (also gr. entspr, mit sva zunächst συ), l. somnus; ἅλλομαι, l. salio; ἅλς, sk. saras, l. sal, d. Salz; ὕλη, l. silva; ὕραξ (υ^), lat. sōrex (auch hier sva = συ); ὗς neben σῦς, l. sus, d. Sau; ἕρπω, sk. sarpâmi, l. serpo; ἑπτά, sk. saptan, l. septem; ἕβδομος, sk. saptamas, l. septimus; ἕπομαι, sk. sisa[kacute]mi, l. sequor; ἵστημι, l. sisto; desgleichen zum Teil ς mit folgendem ϝ: ἱδρώς, sk. svidâmi, schwitze, l. sūdor (aus svoidōs od. sveidōs, L. Meyer), d. Schweiss; ἁνδάνω, ἥδομαι, sk. svad-âmi, koste, gefalle, Med. svâdê, gefalle, ἡδύς, sk. svâdus, l. suāvis a. svadv-is; οὗ, οἷ, ἕ (σϝοῦ, σϝοῖ, σϝέ), ὅς, ἑός (σϝός, σεϝός), sk. sva- (selbst), svas (eigen), l. sui, sibi, se, suus (aus sevos sovos), ἑκυρός, sk. çvaçuras, l. sŏcer a. svocer, goth. svaihra; ἕξ dor. ϝέξ, sk. [sbreve]a[sbreve], sex, sechs; ἕκτος, sk. šaš[tnull ]has, l. sextus. In anderen Fällen ist indes von σϝ das ς geblieben: σιγᾶν, ahd. swîgên; man sucht die meisten mit ς und Vokal anlautenden Wörter auf den Anlaut σϝ zurückzuführen, als: σάττω, σήπω, σίδηρος, σίνομαι (G. Meyer, Gr.^{2} 220 f.). Das Kyprische ging nach dem Zeugnis der Glossen in der Verwandlung des anlaut. ς in h noch über die Gemeinsprache hinaus.2) — Verflüchtigung auch des Spir. asper ist in einer Reihe von Wörtern, die z. T. dialektisch sind, eingetreten: ὀπός, sucus, ahd. saf, nhd. Saft, οὖλος, e p. st. ὅλος, sk. sarvas, altl. sollus, ganz; ὀρός, ὁ, die Molken, l. serum, ἐτεός kypr. ἐτεϝός, vgl. ἔτυμος, ἐτήτυμος, sk. satjas, wahr; εἴρω, knüpfe, neben εἱρμός, ὅρμος, σειρά ([root ] σϝερ? Curtius, Et.^{5} 353 f.) über das kopul. ἀ oder ὀ st ἁ oder ὁ (sk. sa, sam) s. § 44.
b) Inlautendes ς zwischen Vokalen ist meist innerhalb des Griechischen aus τ neu entwickelt, als πόσις (§ 10, 3), τίθησι dor. τίθητι, oder aus σς vereinfacht, als γένες（ς）ι ἴς（ς）ος μές（ς）ος τός（ς）ος; unklarer Herkunft sind νόσος, νῆσος, μισεῖν. Doch behauptet sich ς in der Deklination (Dat. Plur. τῇσι τοῖσι) und besonders in der Konjugation: 2 sg. Med. σαι bei den Verba auf μι und in den Perfecta; desgl. 2 sg. act. σι im Dorischen bei den Verba auf μι: τίθησι 2. Person; ferner σο im Impf. Plusqu. analog dem σαι; σα im Aorist auch nach Vokal, als ἐνίκησα ἐμίσθωσα; desgl. σω im Futurum: νικήσω, μισθώσω. (Eine einheimische Nebenform Ὑσάμπολις für Ὑάμπολις wird Hdn. II, 35 angeführt.) In der grossen Masse der Fälle aber hat es sich verflüchtigt, worauf vielfach Kontraktion der nun zusammenstossenden Vokale eingetreten ist: Konjugation λέγῃ aus λέγε（ς）αι, ἐλέγου aus ἐλέγε（ς）ο, so in der Masse der (barytonen und perispomenierten) Verba; auch im Futur ohne ς νεμῶ, μενῶ aus νεμέ（ς）ω, μενέ（ς）ω, κομιῶ, τελῶ, σκεδῶ § 228; Deklin. Gen. ἀγροῖο st. ἀγρόςjο, sk. aǵrasja; μῦς μυός. l. mus, muris st. musis; γένος, G. γένεος, sk. manas, G. manasas, l. generis, st. genesis; ἀληθής, ἀληθέος, dazu ἀλήθεια aus ἀληθεςjα; ferner (ς）ἕρπω, Impf. ἔἑρπον, εἷρπον, (ς）ἕπομαι, Impf. ἐἑπόμην, εἱπὀμην; ἦα, ἦ, sk. âsam, l. eram, εἴην st. ἔςjην; ἠώς, ἕως, äol. αὔως, sk. ušas, l. aurora; ἰός Gift, l. virus, ἔαρ Frühling, sk. vasantas; νυός Schwiegertochter, l. nurus, d. Schnur u. s. w. Die Massenhaftigkeit dieser Verflüchtigung des inlautenden ς beweist, wie sehr die Scheu vor dem σὰν κίβδαλον (Pindar fr. 79 A Byk.) den Griechen im Gefühle lag; es haben also auch die Musiker nicht aus blosser Willkür das ς gescholten und gemieden, in dem Grade, dass einige Dichter (Lasos) lyrische Gedichte ohne ein einziges ς verfertigten (Athen. X. 455,b—d; Eustath. Il. 1335, 52; Dionys. Comp. verb. p. 80 sq. R.), und dass Dionysios nach musischen Quellen über den euphonischen Charakter des ς so urteilt: ἄχαρι δὲ καὶ ἀηδὲς τὸ ς, καὶ εἰ πλεονάσειε, σφόδρα λυπεῖ. θηριώδους γὰρ καὶ ἀλόγου μᾶλλον ἢ λογικῆς ἐφάπτεσθαι δοκεῖ φωνῆς ὁ συριγμός. So sind denn auch, wie wir § 23, 2 sehen werden, einzelne Dialekte noch weiter als die Gemeinsprache in der Tilgung des intervokalischen ς gegangen.
Auch anlautendes ς vor Konsonant hat wenigsens starke Einbusse erlitten. Stets fällt es ab vor ρ und ν,3) als: ῥέω (ῥέϝω), sk. sravâmi; ῥεῦμα vgl. sk. srôtas, d. Strom (ahd. stroum); ῥοφέω, vgl. sorbeo; νέω, νήχομαι, schwimme, sk. snaûmi fliesse, νίφα (Akkus.) νείφει Schneegestöber, es schneit, goth. snaiv-s, a h d. sneo sniwit; νυός, sk. snušâ, ahd. snŭr, jetzt Schnur; νευρά [root ] σνυρ, vgl. ahd. snuor, Schnur. Auch σλ kommt als Anlaut nirgends vor. Aus der homerischen Prosodie, welche anlautendem ρ λ ν (auch μ) vielfach Positionskraft verleiht, haben Viele wohl nicht mit Recht gefolgert, dass die vor der Liquida verschwundenen Konsonanten wie ς hier noch eine Wirkung ausübten, vgl. § 75, 12. — Der Anlaut σμ (gespr. zm, mit französ. z) kann bleiben, schwankt aber sehr. Die Form mit und die ohne ς bestehen nebeneinander in: σμικρός u. μικρός (σμικρ. Hom. Il. ρ, 757, dazu h. Ven. 115, sonst ep. μικρός, neuionisch gew. σμικρός,4) oft auch bei den älteren Attikern, als den Tragg. u. Plato;5) auf att. Inschriften erst einmal gefunden6); σμήρινθος Pl. Leg. 1, 644, e (ubi v. Stallb.) u. μήρινθος; σμῖλαξ u. μῖλαξ (s. Schneider ad Pl. Civ. 2, 372, b); σμάραγδος die gewöhnl. Form, auch bei Herodot, seltener μάραγδος; ἐπισμυγερῶς Hom., σμυγερός Ap. Rh., σμογ. Gramm., gew. μογερός; σμύραινα u. μύραινα; σμῦς Hesych. = μῦς; ἀπομύσσω μυκτήρ u. Hesych. σμυκτήρ σμύσσεται, so auch σμύξων (Fischart) nb. μύξων; μύρον u. ἐσμυρισμένας Archil. (ἐσμυριγμέναι Hesych.), σμύρνα u. μύρρα.7） Dauernd geblieben ist σμ in σμῆν, σμῆνος, σμίλη σμινύη u. s. w. — Vor den Tenues und Aspiraten kann ς bleiben, ist aber wiederum nicht selten abgefallen. Vgl. bei Homer σκίδνασθαι u. κίδνασθαι Il. π, 375 u. ψ 226 , σκέδασεν ρ, 749 u. κεδασθέντες b, 398; Σκάμανδρος u. Κάμανδρος (davon äol. Namen wie Κάμων u. Καμμῦς zu Σκαμανδρώνυμος); ferner nebeneinander σκάπτω u. σκάπετος κάπετος; σκερβόλλω Aristoph., σκερβολέω κερβολέω Hesych.; σκαφώρη u. καφώρη (Fuchs), σκάρῖφος u. κάρφος; σκίμπτειν, stützen, u. κίμψαντες = ἐρείσαντες, Hesych.; σκνίψ (σκίψ) u. κνίψ (eine Ameisenart); σκαρδαμύσσειν u. καρδαμύσσειν b. Hesych.; — σχ u. χ, σχελυνάζειν u. χελυνάζειν Hesych. (spotten); — σπ u. π, σπάνις u. πένομαι, πένης, πενία; σπέλεθος u. πέλεθος, Kot; σπύραθος u. πύραθος, Mist; Πολυπέρχων äol. Inschr. D.-I. 304 A = Πολυσπέρχων; σπυρός syrakusan. (u. Inschr. Kos Bullet. de corresp. hell. V, 217) = πυρός, Weizen; Hesych. σπυρρούς = πυρρούς; — σφ und φ, Σφίγξ u. böol. Φίξ (auch Hes. th. 326, s. Göttling ad h. l.; daher Φίκιον ὄρος, vgl. Lobeck Paralip. p. 104); σφίν, lakon. φίν, ebenf. wohl lakon. φαιρίδδειν = σφαιρίζειν u. φαιρωτήρ (Hes.); — στ und τ, στέγω (decke). στέγος, στέγη (Dach), στεγανός (bedeckt), στεγνός (dicht), sk. sthagâmi (decke), u. τέγος, τέγη (tego, d. decke); στυρβάζειν u. τυρβάζειν (turbare); στρύχνος u. τρύχνος; στρύζειν u. τρύζειν; στριγμός u. τρίζειν.8) — Über das mit σπ π wechselnde ψ πτ und das analog mit σκ κ wechselnde ξ κτ s. § 33. — Mit δ verschmilzt ς zu ζ = σδ, wofür dialektisch vielfach δ δδ (§ 33); σβ findet sich nur in σβέννυμι anlautend, σγ lautet überhaupt nicht an.
Über die Schicksale von ς mit Konsonant im Inlaut s. §§ 64, 5. 66, 3. Auslautendes ς ist im allgemeinen geblieben; Ausnahmen s. § 29.
1 Vgl. besonders Kuhn in Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. II, S. 128 ff.
2 Meister, gr. Dial. II, 246 ff. (so ἵγα = σίγα, σιώπα).
3 Curtius, Et.^{5}, 692; Hoffmann, Qu. Hom. l, § 81 ff.; Ahrens, Rh. Mus. II, 167 ff.
4 Bredov. Dial. Her. p. 121 sq.
5 Über σμικρός b. att. Prosaikern s. Kühner ad Xenoph. Comment. 3, 11, 12. Bei den Tragikern ist σμικρός ungleich häufiger als μικρός, auch ohne Zwang des Metrums. S. Ellendt, Lex. Soph. p. 687^{2}.
6 Meisterhans, Gr. d. att. Inschr. 68^{2}.
7 Nicht stets ist das ς vor μ urspr., sondern zuw. auch Zusatz, so in den Lehnwörtern σμύρνα, σμάραγδος. Solmsen K. Z. 29, 84 ff. Kretschmer das. 440 f.
8 Curtius, Et.^{5}, S. 695; L. Meyer V. Gr. I^{2}, S. 96 ff.

References: § 44
 § 228
 § 23
 § 75
 § 33
 § 29
 § 81