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Timestamp: 2019-12-07 01:01:02+00:00

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BGH, 18.06.2013 - II ZR 86/11 - dejure.org
https://dejure.org/2013,21163
BGH, 18.06.2013 - II ZR 86/11 (https://dejure.org/2013,21163)
BGH, Entscheidung vom 18.06.2013 - II ZR 86/11 (https://dejure.org/2013,21163)
BGH, Entscheidung vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11 (https://dejure.org/2013,21163)
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GmbH & Co. KG: Haftung des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH für sorgfaltswidrige Führung der Geschäfte der Kommanditgesellschaft
Reichweite der Geschäftsführerhaftung bei GmbH & Co. KG
Schutzbereich der durch die Bestellung begründeten organschaftlichen Sonderrechtsbeziehung zwischen der Komplementär-GmbH und ihrem Geschäftsführer im Hinblick auf seine Haftung
Einbeziehung der KG in den Schutzbereich des Anstellungs- bzw. Organverhältnisses zwischen der Komplementär-GmbH und deren Geschäftsführer
Zur Haftung des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH aus § 43 Abs. 2 GmbHG für den Schaden der Kommanditgesellschaft, wenn die wesentliche Aufgabe der GmbH in der Führung der Geschäfte dieser KG bestand
Erstreckung der Haftung des Geschäftsführers einer Komplementär-GmbH auf die Kommanditgesellschaft
Komplementär-GmbH: Wie weit geht der Haftungsschutz?
BGB § 278, § 280, § 311 Abs. 2
Einverständnis aller Gesellschafter, Haftung nach § 43 GmbHG, Kommanditgesellschaft, Komplementär-GmbH, Pflichtverletzung nach § 43 Abs. 2 GmbHG
Sorgfaltspflicht des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH
Haftung des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH gegenüber der KG
KG hat direkten Anspruch gegen den Geschäftsführer einer GmbH
Zur Haftung eines Geschäftsführers wegen eines (zu hohen) Anwaltshonorars
KG hat direkten Anspruch gegen den Geschäftsführer einer GmbH & Co. KG
Haftung des Geschäftsführers der Komplementär GmbH gegenüber der GmbH & Co. KG
Haftung des Geschäftsführers einer Komplementär-GmbH
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 18.06.2013, Az.: 11 ZR 86/11 (Haftung bzw. Enthaftung des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH gegenüber den Gesellschaftern der KG wegen Sorgfaltspflichtverletzung)" von RA/FAStR Dr. Rüdiger Werner, original ...
Kurznachricht zu "Organstellung und Haftung des GmbH-Geschäftsführers in der GmbH & Co. KG - Insbesondere vor dem Hintergrund des BGH-Urteils vom 18.6.2013 (II ZR 86/11)" von RA/FAStR Dr. Gunter Mühlhaus und RA Peter Wenzel, original erschienen in: GmbH-StB 2014, 87 - ...
BGHZ 197, 304
NJW 2013, 3636
ZIP 2013, 1712
MDR 2013, 1291
DNotZ 2014, 138
NJ 2014, 30
BB 2013, 2257
NZG 2013, 1021
Denn § 93 Abs. 2 AktG sanktioniert nicht den Kompetenzverstoß des Vorstands an sich, sondern setzt einen dadurch verursachten Schaden voraus (vgl. BGH…, Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 67/07, WM 2008, 1453 Rn. 8;… Urteil vom 11. Dezember 2006 - II ZR 166/05, ZIP 2007, 268 Rn. 10, 12;… Urteil vom 21. Juli 2008 - II ZR 39/07, ZIP 2008, 1818 Rn. 19;… Urteil vom 13. März 2012 - II ZR 50/09, ZIP 2012, 1197 Rn. 27; Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 44).
Der Senat hat bei der GmbH und bei der GmbH & Co. KG den Einwand pflichtgemäßen Alternativverhaltens bei Verstößen gegen die gesellschaftsrechtliche Kompetenzordnung zugelassen (vgl. BGH…, Urteil vom 11. Dezember 2006 - II ZR 166/05, ZIP 2007, 268 Rn. 12;… Urteil vom 21. Juli 2008 - II ZR 39/07, ZIP 2008, 1818 Rn. 19; Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 32 f.).
Der Aufsichtsrat handelt nicht pflichtwidrig, wenn er vernünftigerweise annehmen durfte, mit seiner Zustimmungsentscheidung auf der Grundlage angemessener Information zum Wohle der Gesellschaft zu handeln (vgl. BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 27 mwN).
Im Einzelfall kann es vom unternehmerischen Ermessen des Aufsichtsrats gedeckt sein, Geschäften zuzustimmen, die für die Gesellschaft wirtschaftlich nachteilig sind (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 29).
aa) Ausnahmsweise stehen einer GmbH & Co. KG nach den Grundsätzen des Vertrages mit Schutzwirkung zugunsten Dritter aus § 43 Abs. 2 GmbHG bei sorgfaltswidriger Geschäftsführung unmittelbar eigene Schadensersatzansprüche gegen den Geschäftsführer ihrer Komplementär-GmbH zu, wenn die alleinige oder wesentliche Aufgabe der Komplementär-GmbH in der Führung der Geschäfte der Kommanditgesellschaft besteht (vgl. BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 15 mwN).
Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass bei vernünftiger, Treu und Glauben und der Interessenlage entsprechender Betrachtung davon auszugehen ist, dass das wohlverstandene Interesse der ausschließlich oder vorwiegend zur Geschäftsführung der KG eingesetzten Komplementär-GmbH ebenfalls auf eine ordnungsgemäße Leitung der KG gerichtet ist, weil sie auf eine günstige wirtschaftliche Entwicklung ihrer Beteiligung bedacht sein muss und als persönlich haftende Gesellschafterin selbst aus dem Gesellschaftsverhältnis zu einer sorgfältigen Geschäftsführung verpflichtet ist, und dass sie ferner darauf muss vertrauen können, dass ihr Geschäftsführer den Angelegenheiten der KG die gleiche Sorgfalt widmet wie ihrer eigenen (BGH, Urteil vom 17. März 1987 - VI ZR 282/85, BGHZ 100, 190, 193 f; vom 18. Juni 2013, aaO Rn. 18).
Zudem sind die Gläubiger einer GmbH anders als eine GmbH & Co. KG nicht schutzlos der Geschäftsführung des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH ausgeliefert (vgl. BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 18), weil sie im Rahmen der Vertragsgestaltung - sei es durch Vereinbarung von Vorkasse oder Sicherheiten - ihre Belange wahren können.
Auch insoweit erstreckt sich der Schutzbereich des zwischen der Komplementär-GmbH und ihrem Geschäftsführer bestehenden Organverhältnisses auf die Kommanditgesellschaft (vgl. zu § 43 Abs. 2 GmbHG BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 15).
Bei der GmbH & Co. KG kann eine pflichtwidrige haftungsbegründende Handlung im Hinblick auf das für die Haftungserstreckung nach § 43 Abs. 2 GmbHG notwendige Schutzbedürfnis der Kommanditgesellschaft regelmäßig auch dann nicht angenommen werden, wenn sämtliche Gesellschafter der Kommanditgesellschaft als potentiell Geschädigte nach zutreffender Information über den Sachverhalt mit dem Handeln des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH einverstanden waren (BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 33).
Zwar erstreckt sich der Schutzbereich der durch die Bestellung begründeten organschaftlichen Sonderrechtsbeziehung zwischen der Komplementär-GmbH und ihrem Geschäftsführer im Hinblick auf seine Haftung aus § 43 Abs. 2 GmbHG im Falle einer sorgfaltswidrigen Geschäftsführung auf die Kommanditgesellschaft, jedenfalls wenn die alleinige oder wesentliche Aufgabe einer Komplementär-GmbH in der Führung der Geschäfte der Kommanditgesellschaft besteht (BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, BGHZ 197, 304 Rn. 15 m.w.N.).
Nach der für den normativen Schadensbegriff maßgebenden negativen Differenzhypothese, vgl. zu dieser etwa BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11 -, BGHZ 197, 304 = NJW 2013, 3636 = juris Rn. 39, ist ein Schaden auch eben darin zu erblicken, dass - wie hier - Rücklagen abgeschmolzen werden müssen, um Haushaltslöcher zu stopfen.
Dass der Beklagte bei sorgfältiger Vorbereitung der Entscheidung alle verfügbaren Informationsquellen tatsächlicher und rechtlicher Art ausgeschöpft, auf dieser Grundlage die Vor- und Nachteile der Handlungsoptionen sorgfältig abgeschätzt und den erkennbaren Risiken Rechnung getragen hat (vgl. BGH Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11 -), ist nicht im Ansatz erkennbar, so dass schon aus diesem Grund die Zubilligung unternehmerischen Ermessens ausscheidet.
f) Da der Senat einen Fall der Existenzvernichtung annimmt, folgt die Ersatzpflicht des Beklagten - wie das Landgericht im Ergebnis zu Recht angenommen und worauf der Senat im Termin vom 01.09.2016 unter ausdrücklicher Aufgabe seiner mit Beschluss vom 04.07.2016 (Bl. 477 GA) geäußerten gegenteiligen Rechtsauffassung hingewiesen hat - auch aus § 43 Abs. 2 GmbHG (vgl. BGH, Urteil vom 18.03.2013 - II ZR 86/11, zitiert nach juris, Rn. 33 mit weiteren Nachweisen).
Dies zeigt sich auch darin, dass sich nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs der Schutzbereich des zwischen der Komplementär-GmbH und ihrem Geschäftsführer bestehenden Organ- und Anstellungsverhältnisses im Hinblick auf seine Haftung gemäß § 43 Abs. 2 GmbHG im Falle einer sorgfaltswidrigen Geschäftsführung auf die Kommanditgesellschaft erstreckt, wenn - wie hier - die alleinige oder wesentliche Aufgabe einer Komplementär-GmbH in der Führung der Geschäfte einer Kommanditgesellschaft besteht (BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11 -, BGHZ 197, 304-316, Rn. 15, m.w.N.).
Der Geschäftsführer hat darzulegen und erforderlichenfalls zu beweisen, dass er seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen ist und ihn kein Verschulden trifft (vgl. BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - II ZR 86/11, juris, BGHZ 197, 304 und ZIP 2013, 1712 sowie Baumbach/Hueck-Zöllner/Noack GmbHG, 19. Aufl. § 43 Rn. 36 - 38 m.w.N.).
Die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass eine Entscheidung vom unternehmerischen Ermessen gedeckt war, trägt der beklagte Geschäftsführer (vgl. BGH, Urteil vom 18. Juni 2013, a.a.O.).
Es obliegt sodann dem Geschäftsführer darzulegen und zu beweisen, dass er seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen ist oder ihn kein Verschulden an dem Verhalten trifft (BGH, Urteil vom 18.6.2013, II ZR 86/11, BGHZ 197, 304; Urteil vom 156.1.2013, II ZR 90/11, ZIP 2013, 455; Urteil vom 4.11.2002, II ZR 224/00, BGHZ 152, 280; jeweils m.w.N.).
Ausgehend von der Prämisse, dass die Anforderungen an die Darlegung der Pflichtwidrigkeit unternehmerischer Entscheidungen oder Handlungen immer die gleichen sein müssen unabhängig von der Frage, ob sie sich im Kontext von § 43 Abs. 2 GmbHG oder von § 626 Abs. 1 BGB stellen, kommt das Gericht aber nicht an der Einschätzung vorbei, dass die genannten Entscheidungen des BGH ihrerseits jedenfalls teilweise in Widerspruch zur Rechtsprechung des BGH betreffend § 43 Abs. 2 GmbH stehen (vgl. etwa Urteil vom 18.6.2013, II ZR 86/11, BGHZ 197, 304, Rz 22 mit Urteil vom 20.2.1995, II ZR 9/94, NJW-RR 1995, 669, Rz 14).
Solange der Kläger nicht darlegt, dass er seinen Sorgfaltspflichten gegenüber der Beklagten nachgekommen ist, ihn kein Verschulden trifft oder ein etwaiger Schaden auch bei pflichtgemäßem Alternativverhalten eingetreten wäre (BGH, Urteil vom 18.6.2013, II ZR 86/11, BGHZ 197, 304) wäre dann von einem wichtigen Grund für eine außerordentliche Kündigung der Beklagten auszugehen.

References: § 43
 § 278
 § 280
 § 311
 § 43
 § 43
 BGH 
 § 93
 § 43
 § 43
 § 43
 § 43
 BGH 
 § 43
 § 43
 § 43
 § 43
 § 626
 BGH 
 BGH 
 § 43