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Timestamp: 2020-07-02 22:56:02+00:00

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1888 / 146 p. 20 (Deutscher Reichsanzeiger)
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mäßig erachtet wurde, behufs Verhütung rechtsverleßender Erfolge dem Suldigen, fo lange er den Erfolg noch hindern kann, den Rüweg zur Straflosigkeit nicht abzuschneiden, ibn vielmehr zur Abwendung des Erfolges anzuregen. Auf denselben Gründen beruht die Vorschrift in §. 209 bezüglih der Kartellträger; die nach §8. 203 verwirkte Strafe wird erlassen, wenn dieselben ih ernftlich bemühen, den Zweikampf zu hindern, ohne Unterschied in diesem Falle, ob die Bemühungen von Erfolg begleitet waren oder niht. Immer aber muß die Strafthat, das Kartelltragen, den Bemühungen zeitlich vorangehen. Mit Ret hat daher die Strafkammer die Änwendung des §. 209 Strafgeseßbuchs abgelehnt. __ In Anbetracht dcs Umstandes, daß der Bes{werdeführer im an- gefohtenen Urtheil als Second-Lieutenant der Reserve bezeichnet wird, sieht man sich noch zur Prüfung der Frage genöthigt, ob das
Civilgeriht und niht das Militärgeri{t zur Entscheidung des Falles für zuständig zu erachten ist. Eine solche Frage ift in jeder Lage des Prozesses von Amtswegen zu prüfen, Die Zuständigkeit des Civil- gerichts erscheint aber begründet.
Nach §. 6 der Militär-Strafgeribtsordnung vom 3. April 1845 (preußishe Geseßsammlung Seite 329) find alle zum Beurlgubten- stande gehörenden Personen des Soldatenstandes, während der Beur- laubung, in Strafsachen den Civilgerichten unterworfen, auênahms- weise gehören aber nach Nr. 5 des §. 6 vor die Militärgerite : Herausforderungen und Zweikämpfe beurlaubter Landwehroffiziere und der mit Vorbehalt der Dienstverpflihßtung aus dem stehenden Heere auêgeschiedenen Offiziere. Daß unter die „beurlaubten Landwehroffi- ziere“ jeßt auch die Offiziere der Reserve fallen, kann nach 88.-11, 12 des Gesezes, betreffend die Verpflichtung zum Kriegsdienst, vom 9. No- vemter 1867 (Bundes-Gesetblatt Seite 131) und S. 56 des Reichs- Militärgeseßes vom 2. Mai 1874 (Reihs-Geseßblatt Seite 45), keinem Zweifel unterliegen. Handelte es sich daher um eine Herausforderung zum Zweikampfe Seitens des Beschwerdeführers, so würde der Militär- gerich1sstand begründet sein, und es tritt die Frage entgegen, ob das Kartelltragen, weil es sachlich cine Beihülfe zur Herausforderung dar- stellt, nit auf dieselbe Linie mit der Herausforderung zu stellen \ei. Allein das Kartelltragen ift {on im §. 676 Theil I1 Titel 20 preußi- hen Allgemeinen Landrechts als ein neben dem Duell und der Heraus- forderung zum Duell bestehendes selbständiges Delikt erwähnt. Diese Selbständigkeit ist dem Kartelltragen au) nah S. 166 des preußischen Strafgeseßbuhs und §8. 203 des Reichs-Strafgeseßbuchs verblieben. In der Geseßessprahe bedeutet also die „Herausforderung“ nur die Aufforderung zum eigenen Zweikampf und umfaßt das Kartelltragen-nicht mit. In diesem technishen Sinne muß das Wort „Herausforderung“ au in Nr. 5 des §8. 6 der Militär-Strafgerihts8ordnung aufgefaßt werden (vergl. Entscheidungen des vreußishen Ober-Tribunals vom 1, Juni 1875 in Oppenhoff's Rechtsprehung Band 16 Seite 406), woraus si die Zuständigkeit des Civilgerichts ergiebt.
Da die dur den materiellen Angriff gebotene sonstige Prüfung des angefohtenen Urtheils eine Gesetesverlezung nicht ergiebt, war die Revision, unter Anwendung der Kostenvor})chrift des §, 505 Straf- prozeßordnung, zu verwerfen.
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Zurückbehaltung bezw. Untershlagung rechtswidrig zuviel erhobeneröffentliherAbgabenSeitens eines Beamten.
Strafgeseßbuch W. 350, 353.
In der Strafsache wider den früheren Gemeinde-Einnehmer Fuhrmann H. M. in W., wegen Amtsunterschlagung,
S Reichsgericht, Dritter Strafsenat, n m 12. April 188
daß auf die Revision des Angeklagten das Urtheil des H. Land- gerihts zu H. vom 14. Februar 1888 nebst den demselben zu Grunde liegenden Fesistellungen aufzuheben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an die vorige Jn-
stanz zurückzuverroeisen.
Der Angéklagte ift wegen Vergehens gegen die 8. 350 und 353 des Strafgesetbuchs zu eincr Gesammtstrafe verurtbeilt worden. Im Urtbeil werden unter den Nummern Ia, Ib und II verschiedene Arten von Handlungen des Angeklagten gesondert, und zwar bestehen die Handlungen
unter Ia darin, daß der Angeklagte als Gemeinde-Einnebmer
Steuern von den Steuerpflicßtigen richtig erboben, aber in den Erhebungslisten niht in Ansa gebracht und an die Kas!e nicht abgeliefert,
unter Ib darin, daß er höhere Beträge an Steuern, als von
den Steuerpflichtigen ges{uldet wurden, erboben und das Mebr in den Erbebungslisten richt in Ansatz gebracht und an die Kasse nit abgeliefert,
unter 11 darin, daß er Beträge, die von Käufern des Straßen-
abraums und der Grä'erei von Geméèeindegrundstücken der Ge- meindewegebaukasse ge\{uldet wurden, echoben, aber niht ver- rechnet und nicht abgeliefert hat.
Die Fälle unter Ta und Il sind vom Instanzri&ter dem S 350, die Fâlle unter Ib dem §, 353 des Strafgesegbuchs unterstellt, in allen Handlungen des Angeklagten gegen den §8. 350 und ebenso in allen Handlungen desselben gegen den 8. 353 ist je ein fortgeseßtes Vergehen erblickt, und zwischen diesen beiden fortgeseßten Vergehen Realkonkurenz (S. 74 des Strafgeseßbuchs) angenommen worden. — — — — — — Der Instanzrihter fagt nit, daß der Angeklagte in Beziehung
auf irgend einen der in den Urtheilsgründen aufgeführten einzelnen
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weder für diesen Fall noch für den der Beendigung der Vormundschaft durch die Großjährigkeit oder den Tod des Mündels anzunehmen. Die von dem Senat in seinem Urtheil vom 10. Dezember 1880 (Rechtspre{ung Band 2 Seite 622) für leßteren Fall ausgesprochene gegentheilige Auffassung ift bei erneuter Prüfung nicht aufrecht erhalten, Das in den Händen des Vormunds befindliche Vermögen des Mündels ist eine seiner Aufsicht anvertraute Sache im Sinne des S. 266 des Strafgeseßbus bis zur Rückgabe an den Mündel. Im vorliegenden Falle war das Sparfkassenbuh mit dem Außerkursseßungsvermerk in den Händen des Angeklagten als Vormund. Er hatte es na §. 67 a. a. O. dem Mündel nah Beendigung der Vormund!chaft heraus- zugeben. Diese feine Pflibt wurde dadurch nit erfüllt, daß er das Buch tem Vormundschaftsgeriht zur Wiederinkurssezung behufs Erhebung und Uebersendung des Betrages an den bisherigen Mündel vorlegte und zu diesem Behufe von dem Vormundschaftsgeriht mit dem Vermerk der Wiederinkurssetzung zurückerhielt._ Es fommt deshalb darauf nicht an, ob das Bormundschaftsgericht befugt war, dem Angeklagten das Bu mit dem Vermerk, der ihm die Disposition über den Betrag eröffnete, wieder aus8zuhändigen, und ob es dem S. 67 a. a. D. entsprach, vor Aushändigung des Sparkassenbuchs an den bisherigen Mündel von demselben die abgegebene Quittungs- und Entlastungserklärung zu erfordern. Der Angeklagte wurde dadur von seiner gesezlihen Pflicht nicht entlastet. 2 :
Was das angegriffene Urtheil feststellt, enthält den Thatbestand au der Unterschlagung, aber in idealem_ Zusammentreffen mit der Untreue; die Strafe war nah §. 73 Strafgeseßbuchs immer aus S. 266 Strafgeseßbuchs, wie gesehen, zu bemessen; daß nicht zuglei, wie hâtte geschehen sollen, die Verurtheilung au wegen Unterschlagung in der Formel ausgesprochen, beschwert den Angeklagten niht._
Aus diesen Gründen ist die Revision verworfen, deren Kosten der Angeklagte nah §. 505 der Strafvrozeßordnung zu tragen hat.
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lungen führten zu keinem Bes{luß, au eine weitere Generalver- jammlung am 50, Dezember war beschlußunfähig. Es wurde deébalb auf den 31. Januar 1887 zu einer neuen außerordentlichen General- versammlung mit folgender Tageëordnung eingeladen:
1. Beschlußfassung über die Annahme des staats\citigen Angebo zum Ankauf der Bahn mit der Akänderung, daß die baare Zuzahlung von 12 beziehungsweise 24 M auf die Stammaktien niht gezahlt, sondern ftatt dessen 44 ( baare Zuzahlung auf jede Stamm-Prioritätéaktie geleistet werde.
Im Falle der Ablehnung dieses Antrages: Besblu unveränderte Annahme des staatlichen Angebots u t
Fallen über die Liquidation der Gefellschaft.
Bei diescr Generalversammlung maren erschienen be:tebuncäweise vertreten 3652 Stammaktien mit einem Kapital von 2 749 200 und 2440 Stammpricritäten mit einem Kapital von 1 464000 Der Kläger vertrat drei Stammaktien mit zusammen 18/0 M
Zunächst wurde über den ersten Gegenstand der Tagesordrung berathen und atgestimmt; der Antrag wurde abgelehnt. “Als zum zweiten Gegenstande überzegangen wurde, stellten zwei Aktionäre ein Amendement auf Erhöhung der baaren Zuzahlung für die Stamm- prioritätsaktien auf 28 4 Gegen die Zulässigkeit \pruch nit erboben, es ist aber abgelehnt wor der Aktionär S. den Antrag ein, das Angebot
bezügl er Baar- zuzahlung dahin zu modifiziren, daß auf jede Stamm-Prioritätsafktie anstatt 12 36 und auf jede Stammaktie von 610 e anstatt 12 nur 3 Æ und auf jede von 1200 MÆ anstatt 24 nur 6 M ertfaller1 sollen. Ueber die Zulässigkeit dieses Amerdements wurde ni&t abgestimmt. Die Abstimmung Über dessen Annahme ergab, daß von den Vertretern der Stamm-Prioritätsaktien 1777 mit einem Grundkapital von 1 066 200 Æ dafür und 587 mit einem Grundkavital von 3520 O M dagegen gestimmt hatten, von den Stammaftien 3413 mit 2 593 200 Æ Kapital dafür und 169 mit 102 600 4 dagegen. Der Vorsitzende
proflamirte hierauf, daß, da na Vorstebendem drei Viertheile des vertretenen Grundkavitals, und zwar sowobl der Stamm-Prioritäts- wie der Stammaktien für Annabme des Antra7es gestimmt hätten, so sei der Antrag angenommen und 2um Bes{luß eron
Sodann ift im Protokoll beurkundet: „Der Aktionär Herr L. M,, Rentner zu A,, hatte vor der Abstimmung sowohl übcr das erste wie über das zweite Amendement erklärt, daß er gegen die Abstimmung respektive die Beschlußfaffung über dieselben Protest erhebe; diesen Protest wiederbolte Herr M. und erklärte denselben zu Protokoll.“
Am 3./4. Februar 1887 ift sodann zwischen der Staatsregierung und der Direktion der Aacen-Jülicher Eisenbahngesellschaft der Ver- trag, betreffend den Uebergang des Eisenbabnunternebmens, abgeschloîsen und die Staatsregierung durch Gese vom 28. März 1887 unter Ge- nehmigung des Vertrages“ zur käuflihen Uebernahme der Babn er- mächtigt worden.
Vi Klagsch{rift vom 12. Februar 1887 hat Kläger den Beschluß der Generalversammlung vom 31. Januar 1887 angefochten; er be- gehrte Urtheil dahin, daß der Beschluß dieser Generalversammlung, gemäß welcem der Vorstand beauftragt wurde, das Aacben-Jülicher Eisenbahnunternehmen dem Staat zum Kaufe anzubieten und den

References: §20
 § 618
 §99
 §8
 §8
 §8
 §29
 §20
 §2
 §0
 §8
 §24
 §212
 §2
 §29
 §24
 §20
 §29
 §394
 §24