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Timestamp: 2017-08-17 19:18:50+00:00

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Schlag­worte: Ausgleichsklausel: Gerichtlicher Vergleich, Gerichtlicher Vergleich: Ausgleichsklausel
Akten­zeichen: 6 Sa 1722/10
Ent­scheid­ungs­datum: 12.11.2010
Leit­sätze: Re­gelt ein Pro­zess­ver­gleich zur Bei­le­gung ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses noch Ansprüche des Ar­beit­neh­mers auf Ar­beits­vergütung für die Dau­er der Kündi­gungs­frist, wird ein in die­ser Zeit fällig wer­den­der An­spruch auf ei­ne jähr­li­che Son­der­zah­lung mit Misch­cha­rak­ter von ei­ner Aus­gleichs­klau­sel als ne­ga­ti­vem Schuld­an­er­kennt­nis er­fasst.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 25.06.2010, 10 Ca 8178/10
am 12. No­vem­ber 2010
10 Ca 8178/10
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. No­vem­ber 2010
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 25.06.2010 – 10 Ca 8178/10 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Der Kläger stand seit dem 1. März 1999 als Tisch­ler in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten, auf das kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me die Ta­rif­verträge für die Ber­li­ner Holz­in­dus­trie An­wen­dung fan­den. Das Ar­beits­verhält­nis wur­de im An­schluss an ei­ne frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten vom 3. Sep­tem­ber 2009 durch Pro­zess­ver­gleich vom 10. Fe­bru­ar 2010 zum 31. Ja­nu­ar 2010 be­en­det. Dar­in heißt es aus­zugs­wei­se:
„3. Die Be­klag­te wird – so­weit noch nicht ge­sche­hen – die Ar­beits­vergütung des Klägers für den Zeit­raum 04.09.2009 bis 31. Ja­nu­ar 2010 ord­nungs­gemäß ab­rech­nen un­ter Berück­sich­ti­gung der Vor­schrif­ten des Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­set­zes so­wie un­ter Berück­sich­ti­gung et­wai­ger An­spruchsübergänge auf Drit­te gemäß § 115 SGB X und dem­ent­spre­chend Zah­lung an den Kläger leis­ten.
8. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht Ei­nig­keit, dass im übri­gen bei­der­seits kei­ner­lei Ansprüche aus dem be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis und im Zu­sam­men­hang mit die­sem gleich aus wel­chem Rechts­grund mehr be­ste­hen oder gel­tend ge­macht wer­den.“
Der Kläger nimmt die Be­klag­te jetzt noch auf Zah­lung von 1.532,02 € gemäß dem Ta­rif­ver­trag über die stu­fen­wei­se Einführung ei­nes 13. Mo­nats­ein­kom­mens vom 2. Sep­tem­ber 2008 (Abl. Bl. 16-21 d.A.) in An­spruch.
Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat die Kla­ge mit der Be­gründung ab­ge­wie­sen, ein et­wai­ger An­spruch des Klägers sei je­den­falls auf Grund der Aus­gleichs­klau­sel im Pro­zess­ver­gleich vom 10. Fe­bru­ar 2010 aus­ge­schlos­sen. Sol­che Aus­gleichs­klau­seln sei­en grundsätz­lich weit aus­zu­le­gen, weil da­mit das Ar­beits­verhält­nis ab­sch­ließend be­rei­nigt und al­le Ansprüche er­le­digt wer­den soll­ten. Während die Par­tei­en un­ter Nr. 3 ih­res Pro­zess­ver­gleichs le­dig­lich die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Ab­rech­nung und Zah­lung der Ar­beits­vergütung des Klägers ge­re­gelt hätten, han­de­le es sich bei dem ta­rif­ver­trag­li­chen 13. Mo­nats­ein­kom­men um ei­ne Son­der­zu­wen­dung mit Misch­cha­rak­ter, mit der auch künf­ti­ge Be­triebs­treue ho­no­riert wer­de. Außer­dem hätten die Par­tei­en den An­spruch des Klägers al­lein auf den Zeit­raum vom 4. Sep­tem­ber 2009 bis 31. Ja­nu­ar 2010 be­zo­gen, während der ta­rif­ver­trag­li­che An­spruch auf das 13. Mo­nats­ein­kom­men an das ge­sam­te Beschäfti­gungs­jahr an­knüpfe.
Ge­gen die­ses ihm am 19. Ju­li 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 11. Au­gust 2010 ein­ge­leg­te und am 17. Sep­tem­ber 2010 be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers. Er ist der An­sicht, das ta­rif­ver­trag­li­che 13. Mo­nats­ein­kom­men ha­be aus­sch­ließlich Ent­gelt­cha­rak­ter wie sich aus des­sen Be­zeich­nung und der Er­mitt­lung sei­ner Höhe er­ge­be. Auch un­ter­schei­de der Ta­rif­ver­trag selbst zwi­schen Ent­gel­ten (für Ar­beits­leis­tung) ei­ner­seits und Gra­ti­fi­ka­tio­nen oder ein­ma­li­gen Zu­wen­dun­gen (für Be­triebs­treue) an­de­rer­seits. Sein An­spruch sei von der Aus­gleichs­klau­sel im Pro­zess­ver­gleich nicht er­fasst wor­den. Die Re­ge­lung in des­sen Nr. 3
erkläre sich dar­aus, dass sei­ne Ansprüche bis zur zunächst erklärten frist­lo­sen Kündi­gung be­reits ab­ge­rech­net und erfüllt wor­den sei­en.
die Be­klag­te un­ter Ände­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.532,02 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank seit dem 1. Fe­bru­ar 2010 zu zah­len.
Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und ver­weist dar­auf, dass es in den Ver­hand­lun­gen über den Pro­zess­ver­gleich ne­ben dem An­spruch des Klägers auf Ur­laubs­ab­gel­tung al­lein um Ent­gelt­fort­zah­lung und nicht um „Ar­beits­vergütung“ ge­gan­gen sei. Der Kläger sei vom 4. Sep­tem­ber 2009 bis 31. Ja­nu­ar 2010 bis auf zwei Ta­ge ar­beits­unfähig krank ge­schrie­ben ge­we­sen sei, wes­halb ihr Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter auch nur von ei­ner fi­nan­zi­el­len Be­las­tung durch ei­nen Lohn­fort­zah­lungs­zeit­raum von sechs bzw. zwölf Wo­chen aus­ge­gan­gen sei.
1. Die Be­ru­fung ist un­be­gründet.
Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes sog. 13. Mo­nats­ein­kom­mens auf­grund des ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­nen ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trags. Ein sol­cher An­spruch ist durch die Aus­gleichs­klau­sel im Pro­zess­ver­gleich der Par­tei­en vom 10. Fe­bru­ar 2010 im We­ge ei­nes ne­ga­ti­ven Schuld­an­er­kennt­nis­ses i.S.v. § 397 Abs. 2 BGB zum Erlöschen ge­bracht wor­den.
Wie das Ar­beits­ge­richt un­ter Be­zug­nah­me auf die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zu­tref­fend dar­ge­legt hat, ist ei­ne sol­che Aus­gleichs­klau­sel im In­ter­es­se ei­ner ab­sch­ließen­den Be­rei­ni­gung des be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis­ses weit aus­zu­le­gen. Dies hat­te im vor­lie­gen­den Fall zur Fol­ge, dass da­von nur die in Nr. 3 des Pro­zess­ver­gleichs zur Ab­rech­nung und Zah­lung vor­ge­se­he­ne „Ar­beits­vergütung des Klägers für den Zeit­raum 04.09.2009 bis 31. Ja­nu­ar 2010“ nicht er­fasst wur­de, wohl aber Vergütungs­ansprüche im wei­te­ren Sin­ne für ei­nen darüber hin­aus­ge­hen­den Zeit­raum, die le­dig­lich in die­ser Zeit fällig ge­wor­den sind, wie der An­spruch gemäß dem ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag auf Zah­lung ei­nes 13. Mo­nats­ein­kom­mens.
Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers kommt es auf die Be­zeich­nung als 13. Mo­nats­ein­kom­men und die Be­rech­nung sei­ner Höhe nicht an. Ent­schei­dend sind viel­mehr die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen die­se Leis­tung zu er­brin­gen ist. Während rei­nes Ar­beits­ent­gelt al­lein für die Er­brin­gung ei­ner Ar­beits­leis­tung in ei­nem be­stimm­ten Zeit­raum als des­sen Ge­gen­leis­tung ge­schul­det wird und des­halb auch bei Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers vor dem Fällig­keits­ter­min an­tei­lig zu zah­len ist, sieht § 2 TV 13. ME in sei­nem Ein­lei­tungs­satz ei­ne sechs­mo­na­ti­ge War­te­zeit vor und re­gelt in Nr. 8 ei­ne an­tei­li­ge Zah­lung bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers nur für den Fall ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers oder we­gen Be­zugs ei­ner Ren­te. Dass nach § 2 Nr. 3 TV 13. ME an­de­re Leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers auf den ta­rif­ver­trag­li­chen An­spruch an­ge­rech­net wer­den können, be­sagt nichts über des­sen recht­li­chen Cha­rak­ter, son­dern be­trifft al­lein sei­ne Höhe.
So­weit der Kläger die Be­schränkung der Zah­lungs­pflicht der Be­klag­ten auf den Zeit­raum vom 4. Sep­tem­ber 2009 bis zum 31. Ja­nu­ar 2010 in Nr. 3 des Pro­zess­ver­gleichs da­mit zu erklären ver­sucht hat, dass sei­ne Ansprüche bis zur zunächst erklärten frist­lo­sen Kündi­gung ja be­reits ab­ge­rech­net und erfüllt wor­den sei­en, hat er außer Acht ge­las­sen, dass dies hin­sicht­lich ei­nes nach sei­ner Auf­fas­sung ge­schul­de­ten 13. Mo­nats­ein­kom­mens ge­ra­de nicht ein­mal an­tei­lig ge­sche­hen war.
Ob sich dar­aus, dass nach un­wi­der­spro­che­ner Dar­stel­lung der Be­klag­ten Ge­gen­stand der Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen al­lein Ansprüche des Klägers auf Ur­laubs­ab­gel­tung und Ent­gelt­fort­zah­lung ge­we­sen wa­ren, et­was zu ih­ren Guns­ten hätte her­lei­ten las­sen, konn­te da­hin­ste­hen. Des­halb kam es auch nicht wei­ter dar­auf an, dass die da­ma­li­ge An­nah­me des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten, de­ren fi­nan­zi­el­le Be­las­tung würde sich auf ei­nen Zeit­raum von sechs bzw. zwölf Wo­chen be­schränken, gar nicht ein­mal un­zu­tref­fend ist, führen doch nach dem Grund­satz der Ein­heit des Ver­hin­de­rungs­fal­les sich über­schnei­den­de Krank­hei­ten auch bei un­ter­schied­li­chen Dia­gno­sen zu kei­ner Verlänge­rung des sechs-wöchi­gen Be­zugs­zeit­raums des § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG (da­zu BAG, Ur­teil vom 14.03.1983 – 5 AZR 70/81 – BA­GE 43, 291 = AP LohnFG § 1 Nr. 55 zu 1 der Gründe).
2. Der Kläger hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen.
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References: § 115
 § 397
 § 2
 § 2
 § 3
 § 1
 § 97