Source: https://www.pflege-durch-angehoerige.de/pflegegeld/
Timestamp: 2017-08-19 05:26:16+00:00

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Pflegegeld – Was Sie wissen und beachten sollten › Pflege durch Angehörige
Die Pflege im häuslichen Umfeld kann sowohl von pflegenden Angehörigen als auch unterstützend von einem Pflegedienst erbracht werden. Wird die Pflege durch einen Angehörigen erbracht, kann der Pflegebedürftige ein Pflegegeld für die Bezahlung von selbst beschafften Hilfen beantragen.
Alles Sie bezüglich des Pflegegeldes wissen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Bitte beachten Sie, dass es zum Teil gravierende Unterschiede in den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und der privaten Pflegeversicherung gibt. Dieser Beitrag bezieht sich auf die gesetzliche Pflegeversicherung.
Was ist Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen
Wer erhält das Pflegegeld nach § 37 SGB XI
Erhalten Menschen mit einer Behinderung Pflegegeld
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um Pflegegeld zu erhalten
Für was darf das Pflegegeld verwendet werden
Wie viele Stunden muss gepflegt werden um Pflegegeld zu erhalten
Wie wird das Pflegegeld beantragt
Wer darf das Pflegegeld beantragen
Was tun, wenn das Pflegegeld abgelehnt wurde
Wer bezahlt das Pflegegeld
Warum ist das Pflegegeld geringer als Pflegesachleistung
Kann das Pflegegeld gekürzt oder gestrichen werden
Weiterzahlung Pflegegeld bei Krankenhausaufenthalt oder Rehabilitation
Weiterzahlung Pflegegeld bei Kurzzeitpflege
Weiterzahlung Pflegegeld bei Verhinderungspflege
Weitere Kürzungen oder Streichungen des Pflegegeldes
Pflegegeldzahlung bei Tages- und Nachtpflege
Pflegegeldzahlung bei stundenweiser Verhinderungspflege
Wann wird das Pflegegeld ausbezahlt
Wann erfolgt die erste Pflegegeldzahlung
Wann endet die Pflegegeldzahlung
Was ist der Unterschied zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistung
Was tun, wenn das Pflegegeld nicht reicht
Zählt das Pflegegeld als Einkommen
Ist Pflegegeld pfändbar
Weiterzahlung Pflegegeld bei Aufenthalt im Ausland
Warum bekommt man eigentlich Pflegegeld?
Das Pflegegeld gehört zu den Pflegekassenleistungen. Mit dem gesetzlichen Pflegegeld soll die häusliche Pflege sichergestellt werden. Gemäß dem Pflegeversicherungsgesetz soll das Pflegegeld dafür verwendet werden, dass die Pflegeperson damit alle erforderlichen körperbezogenen Pflegemaßnahmen und die pflegerische Betreuung sowie die Organisation und Hilfe im Haushalt sicherstellen kann.
Je nach Umfang der Pflegebedürftigkeit und Bezahlung der Pflegeperson, reicht das Pflegegeld oft nicht aus. So reicht das Pflegegeld zum Beispiel bei weitem nicht zur kompletten Bezahlung einer 24-Stunden-Pflegekraft aus Osteuropa. Das zeigt deutlich, dass die Pflegeversicherung nicht für alle Kosten der Pflege aufkommen kann, sondern nur für einen Teil. Je höher der Pflegebedarf, desto höher sind in der Regel die Eigenleistungen für die Pflege.
Pflegegeld ist eine Geldleistung zur freien Verfügung des Pflegebedürftigen. Das heißt, in erster Linie erhält der Pflegebedürftige das Pflegegeld ausbezahlt. Ein pflegebedürftiger Mensch ist nicht verpflichtet, das Pflegegeld an die Pflegeperson weiterzugeben. Es liegt in seinem eigenen Ermessen, was er mit dem Pflegegeld macht, wen er damit bezahlt und in welcher Höhe.
Es gibt jedoch die Möglichkeit, dass beim Pflegegeldantrag mit Zustimmung des Pflegebedürftigen bereits die Bankverbindung der pflegenden Person angegeben wird. Dann erfolgt die Zahlung des Pflegegeldes direkt an die Pflegeperson und nicht an den Pflegebedürftigen.
Ob jemand Pflegegeld erhält ist nicht vom Grad der Behinderung sondern von der Pflegebedürftigkeit und somit vom Pflegegrad abhängig. Wer einen Pflegegrad 2 bis 5 hat, kann Pflegegeld beantragen unabhängig davon, ob eine Behinderung vorliegt oder nicht.
Um Pflegegeld von der Pflegekasse zu erhalten, ist es notwendig,
dass ein Pflegegrad 2 bis 5 vorliegt UND
die Pflege zu Hause durchgeführt wird.
Wer die Pflegesachleistungen (z.B. erbracht durch einen ambulanten Pflegedienst) in vollem Umfang ausschöpft, erhält kein Pflegegeld.
Anmerkung 1: Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 1 erhalten kein Pflegegeld. Der Pflegegrad 1 enthält bei weitem weniger Leistungen als die Pflegegrade 2 bis 5.
Anmerkung 2: Wer nur Pflegegeld in Anspruch nimmt und keine Pflegesachleistungen (Pflegedienst), muss Beratungseinsätze in Anspruch nehmen. Das bedeutet, dass Sie bei den
Pflegegraden 2 und 3 jeweils halbjährlich und bei den
Pflegegraden 4 und 5 jeweils vierteljährlich
einen Beratungsbesuch durch eine anerkannte Pflegefachkraft akzeptieren und auch selbst organisieren müssen. Damit soll die Qualität der Pflege sichergestellt sein.
Mehr dazu in meinem Beitrag „Verpflichtender Beratungseinsatz für Pflegegeldempfänger“.
Das Pflegegeld ist dafür gedacht, um die häusliche Pflege sicherzustellen. Damit sollen selbst besorgte Pflegehilfen bezahlt werden.
Dabei ist es nicht relevant, wer die Pflege erbringt. Die Pflege kann zum Beispiel übernommen werden von:
polnischen 24-Stunden-Pflegekräften
Ehrenamtlich arbeitenden Personen
Erwerbsmäßig arbeitenden Personen usw.
Der Begriff „häuslicher Bereich“ ist jedoch nicht nur die eigene Wohnung. Er umfasst folgende „Orte“:
Pflege in der Wohnung der Pflegeperson (Angehörigen, Freund, Lebenspartner, Bekannter usw.)
Pflege in einer Einrichtung des betreuten Wohnens
Pflege in einem Mehrgenerationenhaus
Pflege in einer Senioren-WG
Für Personen, die dauerhaft in vollstationären Einrichtungen (Pflegeheim) leben, gibt es kein Pflegegeld.
Beispiel Pflegegeld im betreuten Wohnen
Variante 1: Wer im betreuten Wohnen lebt, erhält das volle Pflegegeld, wenn er keinen Pflegedienst in Anspruch nimmt.
Variante 2: Wer im betreuten Wohnen jedoch zusätzlich noch durch einen Pflegedienst betreut wird, erhält entweder anteiliges Pflegegeld (Kombipflege) oder gar kein Pflegegeld, wenn die Pflegesachleistungen voll ausgeschöpft wurden.
Das Pflegegeld bekommt jeder pflegebedürftige Mensch. Ihm ist es überlassen, wem er das Pflegegeld gibt.
Die Bezahlung des Pflegegeldes ist nicht davon abhängig, wie viele Stunden in der Woche oder im Monat eine Pflegeperson den Pflegebedürftigen pflegt. Ebenso wenig ist es ausschlaggebend, ob die Pflegeperson noch in Vollzeit, Teilzeit oder gar nicht arbeitet oder schon in Rente ist.
Diese Stunden-Regelung ist nur für die Rentenbeitragszahlung durch die Pflegekasse relevant, jedoch nicht beim Pflegegeld.
Die Zahlung eines Pflegegeldes durch die Pflegeversicherung setzt voraus, dass die Pflegebedürftigkeit und damit ein anerkannter Pflegegrad vorliegen. Ohne Pflegegrad also auch kein Pflegegeld.
Ist noch kein Pflegegrad erteilt worden, muss dieser mit einem „Antrag für Pflegeleistungen“ beantragt werden.
Bei der Antragstellung des Pflegegrades sollten Sie gleich mit angeben, ob Sie
nur Pflegegeld oder
Pflegegeld und Pflegesachleistungen (Pflegedienst) oder
nur Pflegesachleistungen
in Anspruch nehmen möchten. Damit weiß die Pflegekasse, welche Leistungen Sie in Anspruch nehmen möchten wenn der Pflegegrad genehmigt wurde.
Wurde der Pflegegrad genehmigt, erhalten Sie – wenn gewünscht – das Pflegegeld.
Pflegegeld beantragen bei vorhandenem Pflegegrad
Angenommen, es wurde seit dem ersten Tag der Pflegebedürftigkeit der volle Betrag für Pflegesachleistungen ausgeschöpft, dann besteht auch kein Anspruch auf Pflegegeld. Nun besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich in der häuslichen Pflegesituation eine Änderung ergeben hat und der ambulante Pflegedienst wird nicht mehr so häufig benötigt wie bisher. Vielleicht kann die Pflegeperson jetzt selbst mehr Pflegetätigkeiten übernehmen und kann somit die Zeiten des Pflegedienstes reduzieren. Dann muss dies der Pflegekasse mitgeteilt und ein Antrag auf Pflegegeld gestellt werden.
Erfolgt die Pflege mit Pflegedienst, muss eine Kombipflege beantragt werden.
Erfolgt die Pflege ohne Pflegedienst, bekommt der Pflegebedürftige das Pflegegeld in voller Höhe gemäß seinem Pflegegrad.
► Das Pflegegeld ist bei der Pflegekasse (also Ihrer Krankenversicherung) zu beantragen. Die meisten Pflegeversicherungen haben ihre eigenen Formulare. Setzen Sie sich deshalb mit Ihrer Pflegekasse in Verbindung und fragen Sie nach, wie Sie den Antrag einreichen sollen.
► Bei der Beantragung eines Pflegegrades ist einiges zu beachten. Mehr dazu lesen Sie bitte hier „Pflegegrad beantragen – So vermeiden Sie Fehler“.
► Wenn der Pflegegrad beantragt wurde, wird der MDK (Medizinische Dienst der Krankenkasse) eine Pflegebegutachtung durchführen. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag „Die neuen Pflegegrade: So erfolgt die MDK-Prüfung mit den neuen Modulen“
► Um gut vorbereitet zu sein auf die MDK-Prüfung, sollten Sie ein Pflegetagebuch führen. Mehr über die Wichtigkeit des Führens eines Pflegetagebuches lesen Sie hier.
Welche Kriterien bei der Anerkennung einer Pflegebedürftigkeit mit in die Begutachtung einfließen und ob diese Kriterien bei Ihnen vorhanden sind, können Sie ganz einfach mit meinem kostenlosen Pflegegradrechner nachsehen. Aber bitte beachten Sie: Die Begutachtung führt der MDK durch und die Zuweisung eines Pflegegrades entscheidet letztendlich die Pflegekasse. Der Rechner dient lediglich als grober Überblick.
Den Pflegegrad bzw. das Pflegegeld beantragt der Pflegebedürftige oder sein Vertreter/ Bevollmächtigter. Es ist eigentlich nicht möglich, dass ohne Zustimmung des pflegebedürftigen Menschen ein Pflegegrad/Pflegegeld beantragt wird. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag „Wer darf einen Pflegegrad beantragen?“
Es kommt gar nicht so selten vor, dass ein Antrag auf Pflegeleistungen abgelehnt wird. Dies kann mehrere Ursachen haben wie zum Beispiel, dass die physischen oder psychischen Einschränkungen noch nicht so gravierend sind, dass ein Pflegegrad erteilt wird.
Aber auch eine schlechte Vorbereitung auf die MDK-Begutachtung kann dazu beitragen, dass nicht alles vorgetragen wird, was das selbstständige Leben beeinflusst. Selbstverständlich gibt es noch einige weitere Gründe.
Wenn es so ist, dass Ihnen die berechtigte Anerkennung auf einen Pflegegrad verweigert wurde, können Sie Widerspruch einlegen.
Mehr dazu erfahren Sie hier „Pflegegrad abgelehnt – sofort Widerspruch einlegen“
Für die meisten Personen ist es sehr schwer zu beurteilen, ob eine Pflegebedürftigkeit tatsächlich vorliegt. Wenn Sie sich unsicher sind, erkundigen Sie sich bitte bei den Mitarbeitern des nächstgelegenen Pflegestützpunktes. Dort kann man Ihre persönliche Situation ganz gut einschätzen und bewerten.
Mit der neuen Pflegereform und dem Inkrafttreten des neuen Pflegegesetzes zum 01.01.2017 wurden aus den Pflegestufen nicht nur Pflegegrade. Es gab auch in der Regel mehr Pflegegeld. Die Höhe des gesetzlichen Pflegegeldes ergibt sich aus den Pflegegraden.
Pflegegeld in Pflegegrad 1
Pflegegeld in Pflegegrad 2
Pflegegeld in Pflegegrad 3
Pflegegeld in Pflegegrad 4
Pflegegeld in Pflegegrad 5
Das Pflegegeld bei gesetzlich krankenversicherten Personen wird von der Pflegeversicherung bezahlt. Die Pflegeversicherung ist jedoch identisch mit Ihrer Krankenversicherung (GKV – Gesetzlichen Krankenversicherung). Wer zum Beispiel bei der AOK krankenversichert ist, der ist auch automatisch bei der AOK pflegeversichert. Es gibt somit keine bundesweite, einheitliche, einzige Pflegeversicherung die für alle Versicherten aus allen Krankenkassen zuständig ist.
Wer bezahlt das Pflegegeld bei privat Krankenversicherten
Hier bezahlt die private Krankenversicherung (PKV).
Wer bezahlt das Pflegegeld bei einer Pflegezusatzversicherung
Es gibt unterschiedliche Arten von Pflegezusatzversicherungen. Hier kann unter anderem auch geregelt werden, dass Sie im Pflegefall ein zusätzliches Pflegegeld erhalten. Die Höhe der Pflegeleistungen ist vom Vertrag abhängig. Die private Pflegezusatzversicherung bezahlt dann den vertraglich vereinbarten Betrag.
Wer bezahlt das Pflegegeld bei Beamten und Angehörigen von Beamten
Beamte und deren Angehörige sind in der Regel nicht gesetzlich versichert sondern erhalten Beihilfe. Mehr Infos erhalten Sie bei Ihrer Beihilfestelle.
Die Höhe des Pflegegeldes und der Pflegeleistungen ist von Bundesland zu Bundesland und vom Bund selbst unterschiedlich.
Sonstige Pflegegeld-Leistungsträger
Außerdem sollten Sie prüfen, ob Ihnen Pflegegeld zusteht
über den Sozialhilfeträger nach § 64 SGB XII,
nach 26c Abs. 8 Bundesversorgungsgesetz ,
dem 1 Opferentschädigungsgsetz, OEG oder
dem § 44 SGB VII der Unfallversicherung
Dafür sind die jeweiligen Voraussetzungen zu erfüllen.
Wann gibt es eine Pflegegelderhöhung
Nur dann, wenn gesetzlich eine Neuregelung erfolgt oder wenn die pflegebedürftige Person in einen höheren Pflegegrad eingestuft wird.
Mit der neuen Pflegereform zum 01.01.2017 wurden die Pflegestufen in Pflegegrade umgewandelt. Gab es früher in den einzelnen Pflegestufen noch Untergruppen für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, also meist für Menschen mit Demenz, gibt es dies nicht mehr. Bis Ende 2016 erhielten demenziell veränderte Menschen dadurch ein „zusätzliche“ Leistungen (in Höhe von 104 bzw. 208 Euro) in der „gleichen“ Pflegestufe wie nicht demente Menschen.
Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz wird der Pflegebedürftige danach beurteilt, was er noch selbst erledigen kann und wo Hilfebedarf besteht. Mit diesem System werden auch Menschen mit Demenz gleich in den richtigen Pflegegrad eingestuft. Die oben genannten Sonderzahlungen für eingeschränkte Alltagskompetenz sind damit entfallen.
Wer Pflegesachleistungen in Anspruch nimmt, weiß, dass die Kosten für einen Pflegedienst sehr hoch sind und mit den Pflegesachleistungen auch nur ein kleiner Teil der Pflegeleistung abgedeckt werden kann. Selbst wenn der Pflegedienst morgens und abends kommt um bei der Körperpflege zu helfen, muss doch von den Angehörigen die restliche Zeit abgedeckt werden.
Die finanziellen Unterschiede zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistungen möchte ich Ihnen am Pflegegrad 3 beispielhaft zeigen.
► Beim Pflegegrad 3 erhalten die Pflegenden ein Pflegegeld für die häusliche Pflege von 545 Euro.
► Beim Pflegegrad 3 werden für einen ambulanten Pflegedienst Pflegesachleistungen für die häusliche Pflege von monatlich bis zu 1.298 Euro bezahlt.
Je höher der in Anspruch genommene Betrag aus den Pflegesachleistungen ist, umso geringer ist das Pflegegeld.
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Warum bekommt nun also der Pflegedienst für einen relativ geringen Zeiteinsatz so viel mehr an Geld im Gegensatz zu den pflegenden Angehörigen, die meist einen viel höheren Pflegeeinsatz haben?
Die Bundesverfassungsrichter haben entschieden, dass pflegenden Angehörigen nicht das gleiche Entgelt bezahlt werden muss wie professionellen Pflegekräften.
Das Gericht sieht es so:
► Professionelle Pflegekräfte (zum Beispiel von einem ambulanten Pflegedienst) erhalten ein Entgelt.
► Pflegende Angehörige hingegen hätten eine gegenseitige Beistandspflicht und erhalten deshalb kein Entgelt sondern nur einen kleineren finanziellen Betrag als Anerkennung und unterstützende Leistung für ihre Pflegetätigkeit. Das Gericht ist der Auffassung, dass nachbarschaftliche, familiäre oder ehrenamtliche Pflegetätigkeit keine finanzielle Gegenleistung braucht.
► Es stehe jedem Pflegebedürftigem frei, für die häusliche Pflege anstatt durch selbst ausgesuchte Pflegepersonen (also meist die pflegenden Angehörigen) einen entsprechenden Pflegedienst oder anderes Pflegefachpersonal zu engagieren. Allerdings würde der Einsatz eines Pflegedienstes voraussetzen, dass die professionellen Pflegekräfte eine „ordnungsgemäße Vergütung“ erhalten.
► Somit sieht das Gericht in seiner Entscheidung keinen Verstoß gegen den im Grundgesetz verankerten Gleichheitsgrundsatz und den Schutz von Ehe und Familie.
Mehr zu diesem Gerichtsurteil können Sie hier nachlesen
Das Pflegegeld wird für die Pflege bezahlt. Wird die Pflege nun längere Zeit unterbrochen, zum Beispiel aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes, dann wird entweder das Pflegegeld gekürzt oder gestrichen:
Wird die pflegebedürftige Person vollstationär im Krankenhaus oder in einer Rehaeinrichtung aufgenommen, wird das bisher bezogene Pflegegeld für maximal 4 Wochen (28 Tage) weiter bezahlt. Der Pflegebedürftige erhält damit eine Pflegegeldweiterzahlung ohne häusliche Pflege.
Ab dem 29. Tag ruht die Zahlung des Pflegegeldes für häusliche Pflege. Die Weiterzahlung des Pflegegeldes wird mit dem Tag der Rückkehr in das häusliche Umfeld wieder aufgenommen.
Voraussetzung für die Zahlung des Pflegegeldes ist natürlich, dass VOR der Einweisung ins Krankenhaus auch Pflegegeld bezahlt wurde.
Übrigens: Auch pflegende Angehörige können in eine Reha gehen. Mehr dazu erfahren Sie hier: Pflegende Angehörige haben das Recht auf eine medizinische Reha.
Auch hier hat sich mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz ab 2016 etwas verändert. Ist die pflegebedürftige Person in Kurzzeitpflege untergebracht, wird die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes für bis zu 8 Wochen pro Kalenderjahr weiterbezahlt.
Gut zu wissen: Der erste und der letzte Tag der Kurzzeitpflege wird noch voll bezahlt.
Bis 2015 war die Fortzahlung des hälftigen Pflegegeldes auf 4 Wochen (28 Tage) begrenzt. Ebenso bei der Verhinderungspflege.
Fazit: Kürzung des Pflegegeldes um 50 % bei Kurzzeitpflege.
Wird eine Verhinderungspflege in Anspruch genommen, wird die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes für bis zu 6 Wochen pro Kalenderjahr weiterbezahlt.
Fazit: Kürzung des Pflegegeldes um 50 % bei Verhinderungspflege.
Bitte beachten Sie, dass Sie die verpflichtenden Beratungseinsätze unbedingt durchführen müssen, wenn Sie nur Pflegegeld und keine Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen.
Nehmen Sie die verpflichtende Beratung nicht in Anspruch, hat die Pflegekasse das Recht, das Pflegegeld zu kürzen oder unter Umständen ganz zu streichen.
Ganz wichtig zu wissen ist, dass Ihnen das Pflegegeld nicht gestrichen oder gekürzt wird, wenn Sie Tages- oder Nachtpflege in Anspruch nehmen.
Das bedeutet im Vergleich Pflegesachleistungen zu Tages- und Nachtpflege:
► Wenn Sie Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen, wird Ihnen das Pflegegeld prozentual gekürzt!
► Wenn Sie Tages- oder Nachtpflege in Anspruch nehmen, erhalten Sie das Pflegegeld zusätzlich in vollem Umfang!
Mehr dazu lesen Sie bitte in meinem Beitrag „Was ist Tagespflege und welche Änderungen kommen“.
Wie bereits beschrieben, erhalten Sie bei Inanspruchnahme der Verhinderungspflege eine Kürzung des Pflegegeldes. Nehmen Sie jedoch die Verhinderungspflege nur stundenweise in Anspruch, wird Ihnen das Pflegegeld nicht gekürzt. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen, lesen Sie bitte in meinem Beitrag „Stundenweise Verhinderungspflege – so wird Ihnen das Pflegegeld nicht gekürzt“.
Bei gesetzlich Krankenversicherten wird das Pflegegeld in der Regel zum ersten des Monats ausbezahlt. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Pflegegeldauszahlung für den Monat Januar zum 1. Januar stattfindet und nicht rückwirkend am Ende des Monats. Die Pflegeversicherung ist nicht verpflichtet, dass das Geld auch am 1. des Monats auf dem Konto des Empfängers sein muss. Sie muss jedoch zum 1. des Monats überwiesen haben. Bei manchen Banken dauert es eben manchmal etwas länger.
Bei privat Krankenversicherten ist es möglich, dass das Pflegegeld erst rückwirkend am Monatsende ausbezahlt wird.
Wer einen Pflegegrad genehmigt bekommen hat, dem steht ab dem Tag der Antragstellung auf Pflegeleistungen das Pflegegeld zu, vorausgesetzt das Pflegegeld wurde beantragt. Dies trifft auch zu, wenn der Pflegegrad zuerst abgelehnt und dann erfolgreich ein Widerspruch eingelegt wurde.
Bei der ersten Pflegegeldzahlung wird das Pflegegeld anteilig für den laufenden Monat tagesgenau abgerechnet und ausbezahlt.
Beispiel: Sie haben zum 16.04.2017 die Pflegebedürftigkeit mit Pflegegrad 3 anerkannt bekommen und haben dazu auch gleich Pflegegeld (545 Euro) beantragt. Dann errechnet sich Ihr anteiliges Pflegegeld wie folgt:
Pflegezeit vom 16.04. bis 30.04. = 15 Tage
Berechnung Pflegegeld in Pflegegrad 3
Das Pflegegeld für die restlichen 15 Tage im April berechnet sich dann wie folgt:
Pflegegeld für 30 Tage = 545,00 Euro
Pflegegeld für 1 Tag = 18,16 Euro
Pflegegeld für 15 Tage = 272,50 Euro
Anmerkung: Die privaten Krankenkassen zahlen das Pflegegeld oft erst rückwirkend, d.h. Ende April wird die Pflegegeldleistung für den Monat April bezahlt.
Die Beendigung der Zahlung von Pflegegeld kann 2 verschiedene Gründe haben:
Der Pflegegrad wurde aberkannt
Es kommt zwar eher selten vor, aber es ist trotzdem möglich, dass so eine gesundheitliche Verbesserung eingetreten ist, dass ein Pflegegrad aberkannt wird. Dann werden natürlich keinerlei Pflegeleistungen und kein Pflegegeld mehr bezahlt.
Ende der Pflegegeldzahlung mit dem Tod
Stirbt der Versicherungsnehmer, endet die Pflegegeldzahlung mit dem letzten Tag des Sterbemonats. Auch wenn der Pflegebedürftige bereits zum Beispiel am 03.05. verstorben ist, wird das Pflegegeld nicht anteilig zurückgefordert sondern komplett für den ganzen Monat überlassen.
TIPP: Falls kurz vor dem Ableben des Pflegebedürftigen der Pflegegrad erhöht wurde, sollten Sie prüfen, ob die Pflegegeldabrechnung mit dem höheren Pflegegrad erfolgte.
Pflegegeld = Geldleistung
Pflegegeld erhält der Pflegebedürftige um damit selbst organisierte Pflegehilfen bezahlen zu können. Das Pflegegeld wird zur freien Verfügung ausbezahlt.
Pflegesachleistungen = Sachleistung
Pflegesachleistungen sind Dienstleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst. Der Pflegedienst rechnet seine Leistungen direkt mit der Pflegeversicherung ab.
Kombinationspflege = Kombileistung
Werden Pflegegeld und Pflegesachleistungen gemeinsam in Anspruch genommen, spricht man von Kombipflege.
Wenn Sie sowohl Pflegegeld als auch Pflegesachleistungen, also Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen, dann spricht man von Kombinationspflege.
Die Pflegeversicherung bezahlt somit die Leistungen für den Pflegedienst. Sie erhalten dann – nach Abzug der Pflegesachleistung – ein anteiliges Pflegegeld. Die Berechnung der Kombipflege ist etwas aufwändig.
Bei der Komibpflege ist die Basis, dass Pflegesachleistung und Pflegegeld gemeinsam immer 100 % ergeben.
► Nimmt jemand 100 % Pflegsachleistungen in Anspruch, erhält er 0 % Pflegegeld.
► Nimmt jemand 70 % Pflegesachleistung in Anspruch, erhält er nur noch 30 % aus seinem Pflegegeldanspruch.
Sie können sich diese Rechenprozedur jedoch ersparen und das Pflegegeld ganz leicht mit meinem kostenlosen Pflegegeldrechner ausrechnen lassen. ( LINK !!!)
Mehr über die Kombinationspflege erfahren Sie in meinem Beitrag „Kombinationspflege: Pflegegeld und Pflegesachleistung als Kombinationsleistung beantragen“.
Hier ein Beispiel für die Berechnung der Kombinationspflege:
Herr Müller hat Pflegegrad 3 und bekam für den März eine Pflegesachleistungs-Rechnung vom ambulanten Pflegedienst über 778,80 Euro. Daraus ergibt sich folgende Rechnung:
Herrn Müller stehen entweder
1.298 Euro Pflegesachleistungen oder
545 Euro Pflegegeld zu.
Bei der Kombinationsleistung wird errechnet, wieviel Prozent Herr Müller von der Pflegesachleistung in Anspruch genommen hat. In unserem Beispiel wären dies 60 %. Jetzt stehen ihm nur noch 40 % vom Pflegegeld zu.
► 40 % aus 545 Euro Pflegegeld wären damit noch 218 Euro.
Wichtig zu wissen: Sie müssen sich bei der Antragstellung auf einen Pflegegrad für eine Geldleistung, eine Sachleistung oder eine Kombinationsleistung entscheiden. Diese Entscheidung gilt für mindestens 6 Monate und kann nur unter gewissen Voraussetzungen geändert werden.
Pflege ist teuer und oft reichen Pflegegeld und/oder Pflegesachleistungen nicht aus, um die Kosten für die Pflege decken zu können. Bevor jedoch das Sozialamt Kosten für die Pflege übernimmt, müssen zuerst die Ersparnisse sowie Grund und Boden usw. dran glauben. Erst wenn kein nennenswertes Vermögen mehr vorhanden ist, greift der Staat ein.
Mehr über Sozialhilfe im Pflegefall lesen Sie in meinem Beitrag „Hilfe zur Pflege – Wann übernimmt das Sozialamt die Pflegekosten“.
Das Sozialamt versucht natürlich, die Kosten so weit möglich auf die Familie abzuwälzen. Denn Angehörige/Kinder können unterhaltspflichtig sein und müssen somit unter Umständen für die Pflegekosten der Eltern aufkommen. Deshalb empfehle ich, dass Sie sich gut informieren, ob die vom Sozialamt weitergegebenen Kosten an die nahen Angehörigen auch wirklich so stimmen. Bei der Berechnung können sich schnell Fehler einschleichen. Oftmals ist es günstiger, von einem auf Sozialrecht spezialisierten Anwalt die Forderungen des Sozialamtes überprüfen zu lassen, als ungeprüft zu bezahlen.
Näheres dazu finden Sie in diesem Beitrag „Kinder müssen nicht zwingend für Pflegeheimkosten der Eltern aufkommen“.
Mit meinem kostenlosen Pflegelückenrechner können Sie sich ausrechnen lassen, wie hoch Ihre Eigenleistungen im Falle einer Pflegebedürftigkeit ausfallen würden.
Sozialleistungen sind in der Regel von der Steuer befreit. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, wo das Pflegegeld als Einkommen versteuert werden muss. Mehr dazu finden Sie in meinem Beitrag „Wann muss das Pflegegeld versteuert werden“.
Hier sei auch noch erwähnt, dass bei Bezug von Pflegegeld die Rentenzahlungen nicht gekürzt werden.
Welche krankheits- und pflegebedingten Kosten Sie von der Steuer absetzen können, erfahren Sie in meinem Beitrag: „Diese Krankheitskosten und Pflegekosten können Sie von der Steuer absetzen“.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch darauf hinweisen, dass es nicht möglich ist, selbst erbrachte Pflegeleistungen steuerlich in Abzug zu bringen.
Pflegegeld ist eine Sozialleistung und ist nach überwiegender Meinung gemäß § 54 III Nr. 3 SGB I unpfändbar. Mehr dazu finden Sie in im Beitrag der Schuldnerberatung.
Wer pflegebedürftig ist, kann sich vorübergehend oder auch langfristig im Ausland aufhalten. Das kann mehrere Gründe haben:
Ein Urlaub im Ausland oder eine spezielle Therapie wie vielleicht eine Delphintherapie in Ägypten.
Zum Beispiel könnte eine in Österreich lebende Tochter die Pflege ihres Elternteils übernehmen. Der Pflegebedürftige würde zur Tochter ziehen und die Pflege würde dann in Österreich stattfinden.
Einige Senioren gehen aus finanziellen oder persönlichen Gründen in ein Pflegeheim nach Polen, Ungarn usw.
Viele ältere Menschen verbringen ihre restliche Lebenszeit lieber im sonnigen Süden.
Die Eltern eines pflegebedürftigen Kindes ziehen aus beruflichen Gründen ins Ausland.
Sie sehen, es gibt viele Gründe, warum man auch mit Pflegebedürftigkeit im Ausland sein kann.
Aber wie ist es nun mit den Pflegeleistungen während des Auslandaufenthaltes?
Generelle Regelung / Stand April 2017
Das Pflegegeld bzw. anteilige Pflegegeld bei Pflegesachleistungen wird bei einem Auslandsaufenthalt bis zu 6 Wochen pro Kalenderjahr weiterbezahlt. Danach ruht der Anspruch auf Pflegegeld bzw. Pflegesachleistung.
Ein Anspruch auf Pflegesachleistung ist im Ausland nur gegeben, wenn die Pflegekraft, die ansonsten die Pflegesachleistungen erbrachte, den Pflegebedürftigen während des Auslandsaufenthaltes begleitet.
Der Pflegegeldanspruch ruht ab dem 43. Tag. Sobald der Pflegebedürftige wieder in Deutschland ist, werden die Leistungen regulär weiterbezahlt.
Ausnahme für Aufenthalte in der EU usw. / Stand April 2017
Der Anspruch auf ein Pflegegeld bzw. anteiliges Pflegegeld ruht nicht, wenn sich der pflegebedürftig Versicherte in einem Mitgliedsstaat der EU, einem Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz aufhält (Siehe Absatz § 34 SGB XI Absatz 1a).
Das bedeutet: Wenn Herr Müller pflegebedürftig wird und von seinem jetzigen Wohnort in Deutschland zu seiner Tochter nach Österreich zieht, erhält er weiterhin Pflegegeld bezahlt, auch über die oben angeführten 6 Wochen hinaus.
Bei einem 8-wöchigen Urlaub in Miami erhält der pflegebedürftige Mensch für 6 Wochen Pflegegeld und für die restlichen 2 Wochen kein Pflegegeld. Die Weiterzahlung des Pflegegeldes wird wieder aufgenommen, sobald der Pflegebedürftige wieder in Deutschland ist.
Beim Ausfüllen des Antrags auf einen Pflegegrad helfen Ihnen zum Beispiel die Mitarbeiter eines Pflegestützpunktes weiter.
Ist der pflegebedürftige Mensch im Krankenhaus oder eine Rehaeinrichtung, kann der jeweilige Sozialdienst dieser Einrichtung den Antrag auf Pflegeleistungen ausfüllen.
Aber auch die Pflegekasse/Krankenkasse hilft Ihnen im Normalfall weiter.
Wo ist das Pflegegeld geregelt?
► Die gesetzliche Grundlage für das Pflegegeld finden Sie im Sozialgesetzbuch unter dem § 37 SGB XI „Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen“.
► Die Kombinationsleistung ist im § 38 SGB XI „Kombination von Geldleistung und Sachleistung (Kombinationsleistung)“ geregelt.
► Die gesetzliche Grundlage für Pflegeleistungen im europäischen und nicht-europäischen Ausland sind im Sozialgesetzbuch unter dem § 34 SGB XI „Ruhen der Leistungsansprüche“ geregelt.

References: § 37
 § 64
 § 44
 § 54
 § 34
 § 37
 § 38
 § 34