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Timestamp: 2017-08-18 20:17:30+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 8 AZR 1116/06
Schlag­worte: Betriebsübergang: Informationspflichten
Akten­zeichen: 8 AZR 1116/06
Ent­scheid­ungs­datum: 31.01.2008
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Darmstadt
8 AZR 1116/06
16 Sa 2222/05
31. Ja­nu­ar 2008
Di­ede­rich, Ur­kunds­be­am­tin
hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 31. Ja­nu­ar 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Morsch und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter von Schuck­mann für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 31. Ju­li 2006 - 16 Sa 2222/05 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch des Klägers.
Der Kläger war seit 2. März 1992 als Spe­zi­al­fach­ar­bei­ter bei der Be­klag­ten und de­ren Rechts­vorgänge­rin­nen beschäftigt. Die Be­klag­te un­ter­hielt in S ei­nen Be­trieb zur Her­stel­lung von Fer­tig­bau­tei­len. Ab dem Jah­re 2003 be­trieb sie we­gen de­fi­zitärer Ent­wick­lung der Fer­tigteil­her­stel­lung die Veräußerung des S Be­trie­bes. Nach­dem Über­nah­me­ver­hand­lun­gen mit der M G GmbH (im Fol­gen­den: M G) und der fin­ni­schen Un­ter­neh­mens­grup­pe C er­folg­los ge­blie­ben wa­ren, führ­te die Be­klag­te im Mai 2004 Gespräche mit dem Be­triebs­rat über ei­ne Sch­ließung des Wer­kes in S. Im Zu­ge die­ser Ver­hand­lun­gen lei­te­te die Be­klag­te dem Be­triebs­rat den Ent­wurf ei­nes So­zi­al­pla­nes zu, der auch die Gründung ei­ner Beschäfti­gungs­ge­sell­schaft vor­sah. Nach die­sem So­zi­al­plan hätte dem Kläger im Fal­le ei­ner be­triebs­be­ding­ten Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ab­fin­dung iHv. 10.042,20 Eu­ro zu­ge­stan­den. Gleich­zei­tig schal­te­te die Be­klag­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit ein.
Am 17. Mai 2004 fand ei­ne Be­spre­chung zwi­schen Mit­glie­dern des Be­triebs­ra­tes, der Bun­des­agen­tur für Ar­beit und der Beschäfti­gungs­ge­sell­schaft statt. Ge­gen Mit­tag die­ses Ta­ges erklärten Ver­tre­ter der Be­klag­ten dem Be­triebs­rat, dass ein Käufer für das S Werk ge­fun­den wor­den sei, wel­cher die Ar­beitsplätze er­hal­ten wer­de. Ver­hand­lun­gen über ei­nen So­zi­al­plan und In­ter­es­sen­aus­gleich sei­en da­her nicht mehr er­for­der­lich. Am sel­ben Ta­ge teil­te die Be­klag­te in ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung ih­ren Mit­ar­bei­tern mit, die M G ha­be die Ab­sicht, den Be­trieb in S schnellstmöglich, vor­aus-sicht­lich zum 1. Ju­li 2004 zu über­neh­men.
Am 13. Mai 2004 hat­te die Credit­re­form der Be­klag­ten ei­ne Bo­nitätsaus­kunft bezüglich der M G er­teilt. Die­se be­inhal­te­te ei­nen Bo­nitätsin­dex von 208.
In ei­ner wei­te­ren Be­triebs­ver­samm­lung am 3. Ju­ni 2004 stell­ten Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten zu­sam­men mit dem Haupt­ge­sell­schaf­ter und dem Geschäftsführer der
M G die­ses Un­ter­neh­men vor und teil­ten da­bei mit, dass der Auf­trags­be­stand der M G zur Zeit gut sei und der Be­triebsüber­gang zum 1. Ju­li 2004 er­fol­gen sol­le.
Die Be­klag­te, die H C AG, die M G und die F GmbH & Co. KG (im Fol­gen­den: F KG) schlos­sen am 9. Ju­ni 2004 ei­nen no­ta­ri­el­len Ver­trag, in wel­chem die Veräußerung des der Be­klag­ten gehören­den Grundstücks, auf dem sich das S Werk be­fin­det, nebst An­la­ge­vermögen für 1,5 Mio. Eu­ro an die F KG ver­ein­bart wur­de. Die übri­gen An­la­ge­tei­le des Wer­kes, wie Ma­schi­nen und Scha­lun­gen so­wie die Vorräte an Roh-, Hilfs- und Be­triebs­stof­fen und Halb­fer­tig­pro­duk­te wur­den von der Be­klag­ten zum Preis von 1,00 Eu­ro an die M G über­las­sen. Als Aus­gleich für die in­fol­ge des Be­triebsüber­g­an­ges ent­ste­hen­den Kos­ten ver­pflich­te­te sich die Be­klag­te zur Zah­lung von 500.000,00 Eu­ro an die M G.
Mit gleich­lau­ten­dem Schrei­ben vom 16. Ju­ni 2004 un­ter­rich­te­te die Be­klag­te die Beschäftig­ten, dar­un­ter auch den Kläger, über den be­vor­ste­hen­den Be­triebsüber­gang. Die­ses Schrei­ben ist auch im Na­men der M G un­ter­zeich­net und lau­tet - so­weit hier von In­ter­es­se -:
„wie Ih­nen be­reits mit­ge­teilt wur­de, ha­ben sich die Un­ter­neh­mens­lei­tun­gen der H C AG und der M G GmbH ent­schlos­sen, den Be­trieb Nie­der­las­sung Lo­gis­tik/S an die M G GmbH zu über­tra­gen. Die Über­tra­gung er­folgt im Rah­men ei­nes Be­triebsüber­gangs gemäß § 613a BGB.
Der Be­triebsüber­gang fin­det am 01.07.2004 statt. Die M G GmbH wird al­le vom Be­triebsüber­gang be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­se über­neh­men. Da­zu gehört auch das mit Ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis.
Die M G GmbH tritt in die sich dar­aus er­ge­ben­den Rech­te und Pflich­ten ein. Ih­re ar­beits­ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten gel­ten da­her grundsätz­lich un­verändert fort. Im Ein­zel­nen gilt Fol­gen­des:
Die M G GmbH ist nicht ta­rif­ge­bun­den. Die bis­lang gel­ten­den ta­rif­ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten wer­den über­nom­men so wie sie zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs be­ste­hen und gel­ten wie ar­beits­ver­trag­li­che Vor­schrif­ten wei­ter. Für die Dau­er von ei­nem Jahr, ge­rech­net ab dem Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs, können die­se nicht zu Ih­rem Nach­teil geändert wer­den. Auch nach Ab­lauf die­ses Jah­res gel­ten die ar­beits­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen wei­ter. Ei­ne Ände­rung die­ser Be­stim­mun­gen ist nur un­ter den­sel­ben ar­beits­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen möglich, die auch für Ihr Ar­beits­verhält­nis mit der H C AG gel­ten.
Die bis­lang gel­ten­den Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen fin­den eben­falls wei­ter An­wen­dung, es sei denn es sind re­ge­lungs­glei­che Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen bei der M G GmbH vor­han­den. Da­nach
wer­den Sie durch die Per­so­nal­or­ga­ni­sa­ti­on der M G GmbH be­treut.
So wie der Be­triebs­rat im Werk S be­steht, bleibt er nach dem Be­triebsüber­gang bis zum En­de der Wahl­pe­ri­ode (April 2006) als An­sprech­part­ner be­ste­hen, je­doch oh­ne die ge­setz­li­chen Rech­te und Pflich­ten ei­nes Be­triebs­ra­tes.
Die M G GmbH haf­tet ge­genüber den über­ge­hen­den Mit­ar­bei­tern ab dem Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs un­ein­ge­schränkt für al­le, auch rückständi­ge Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis. Die H C AG haf­tet ne­ben der M G GmbH wei­ter für sol­che Ver­pflich­tun­gen, die vor dem Be­triebsüber­gang ent­stan­den und fällig ge­wor­den sind oder vor Ab­lauf ei­nes Jah­res da­nach fällig wer­den; so­weit die­se Ansprüche nach dem Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs fällig wer­den, haf­tet die H C AG je­doch nur zeit­an­tei­lig.
Die bei der H C AG un­un­ter­bro­chen ver­brach­ten bzw. an-er­kann­ten Dienst­zei­ten gel­ten als Dienst­zeit der M G GmbH. Aus den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben zum Be­triebsüber­gang folgt des Wei­te­ren, dass die M G GmbH an­stel­le der H C AG in die be­ste­hen­den Al­ters­ver­sor­gungs­zu­sa­gen ein­tritt. Die H C AG und die M G GmbH wer­den Ih­nen hier­zu je­doch ei­ne an­de­re be­son­de­re Re­ge­lung an­bie­ten.
Kündi­gun­gen we­gen des Be­triebsüber­gangs sind un­zulässig. Kündi­gun­gen aus an­de­ren Gründen blei­ben da­ge­gen un­berührt.
Sie können dem Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses in­ner­halb von ei­nem Mo­nat nach Zu­gang die­ses Schrei­bens bei Ih­rer bis­her zuständi­gen Per­so­nal­ab­tei­lung schrift­lich wi­der­spre­chen. Bit­te tei­len Sie uns in die­sem Fall die für Ih­ren Wi­der­spruch maßgeb­li­chen Gründe mit. Äußern Sie sich in­ner­halb die­ser Frist nicht, gilt Ih­re Zu­stim­mung zum Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses als er­teilt.
Sei­tens der H C AG wer­den Sie vor­sorg­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se im Fal­le ei­nes Wi­der­spruchs ge­zwun­gen wäre, Ih­nen nach Maßga­be des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ggf. be­triebs­be­dingt zu kündi­gen. Wir bit­ten Sie, dies bei Ih­ren Über­le­gun­gen zu berück­sich­ti­gen.“
Der Kläger wi­der­sprach eben­so wie die übri­gen Ar­beit­neh­mer dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht.
Ab 1. Ju­li 2004 über­nahm die M G die Lei­tung des Be­trie­bes in S. Mit Be­schluss vom 30. März 2005 eröff­ne­te das Amts­ge­richt Mar­burg das In­sol­venz­ver­fah­ren über das Vermögen der M G.
Der In­sol­venz­ver­wal­ter kündig­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit Schrei­ben vom 30. März 2005 zum 30. Ju­ni 2005. Ge­gen die­se Kündi­gung er­hob der Kläger
Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt Darm­stadt. Die­ser Rechts­streit wur­de durch ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich vom 17. Au­gust 2005 be­en­det. In die­sem Ver­gleich ei­nig­ten sich der Kläger und der In­sol­venz­ver­wal­ter auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf Grund or­dent­li­cher be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung zum 30. Ju­ni 2005 und auf die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung iHv. 2.306,00 Eu­ro. Die­se Ab­fin­dung soll­te auf et­wai­ge zukünf­ti­ge So­zi­al­plan­ansprüche des Klägers an­ge­rech­net wer­den.
Der Kläger ver­langt von der Be­klag­ten Scha­dens­er­satz we­gen der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses. Er macht gel­tend, die Be­klag­te ha­be ihn im Vor­feld des Be­triebsüber­g­an­ges nicht hin­rei­chend über die Bo­nität der M G un­ter­rich­tet. Sie hätte über die Auskünf­te durch die Credit­re­form hin­aus wei­te­re In­for­ma­tio­nen über die fi­nan­zi­el­le und wirt­schaft­li­che La­ge die­ses Un­ter­neh­mens ein­ho­len müssen. Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der M G im Jah­re 2004 ha­be ge­zeigt, dass die Zah­len im Jah­res­ab­schluss 2003 nicht zu­tref­fend ge­we­sen sei­en. Außer­dem sei­en durch die von der Be­klag­ten mit der M G und der F KG ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung die Im­mo­bi­li­en und die Ma­schi­nen des S Wer­kes der Ver­wer­tung ent­zo­gen wor­den. Bei Kennt­nis der tatsächli­chen wirt­schaft­li­chen La­ge der M G und der ver­ein­bar­ten Über­tra­gung des Grund­vermögens auf die F KG hätte er dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die M G wi­der­spro­chen.
Der Kläger ver­langt von der Be­klag­ten die Zah­lung von 10.042,20 Eu­ro als Scha­dens­er­satz. Er macht gel­tend, dass ihm die­ser Be­trag als Ab­fin­dung zu­ge­stan­den hätte, wenn der vor­be­rei­te­te So­zi­al­plan we­gen Sch­ließung des Be­trie­bes in S zu­stan­de ge­kom­men wäre.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 10.042,20 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 23. Au­gust 2005 zu zah­len.
Sie be­haup­tet, ih­ren In­for­ma­ti­ons­ver­pflich­tun­gen ge­genüber dem Kläger nach­ge­kom­men zu sein. Die M G ha­be sich vor dem Be­triebsüber­gang nicht in in­sol­venz­recht­lich re­le­van­ten wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten be­fun­den. Dies er­ge­be sich be­reits aus der Bo­nitätsaus­kunft der Credit­re­form vom 13. Mai 2004. Auch ha­be sich ihr zuständi­ger Be­reichs­lei­ter im Rah­men ei­ner Werks­be­sich­ti­gung bei der M G von der sehr gu­ten Beschäfti­gungs­la­ge und der Aus­las­tung der Fer­ti­gung über­zeu­gen können. Außer­dem müsse sich der Kläger auf ei­ne et­wai­ge Scha­dens­er­satz­for­de­rung
die Vergütung an­rech­nen las­sen, die er von der M G er­hal­ten ha­be so­wie die auf Grund des ge­richt­li­chen Ver­glei­ches ge­zahl­te Ab­fin­dung.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ge­wie­sen und die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen. Mit die­ser ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren wei­ter, während die Be­klag­te die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.
Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Ihm steht der gel­tend ge­mach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht zu.
Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist der Kläger aber über den be­vor­ste­hen­den Be­triebsüber­gang nicht ord­nungs­gemäß iSd. § 613a Abs. 5 BGB un­ter­rich­tet wor­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge da­her mit ei­ner un­zu­tref­fen­den Be­gründung ab­ge­wie­sen.
I. Dem Kläger ste­he kein Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen die Be­klag­te gem. §§ 280, 613a Abs. 5 BGB we­gen der Ver­let­zung der Un­ter­rich­tungs­pflicht zu.
Die­se sei ih­rer In­for­ma­ti­ons­pflicht nach § 613a Abs. 5 BGB ge­genüber ih­ren Beschäftig­ten nach­ge­kom­men. We­der der Be­triebs­veräußerer noch der Be­triebs­er­wer­ber sei­en ver­pflich­tet, die Ar­beit­neh­mer um­fas­send über die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on des Be­triebs­er­wer­bers ein­sch­ließlich der Einschätzun­gen der zukünf­ti­gen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung zu un­ter­rich­ten. Die Be­klag­te ha­be eben­so we­nig wie die M G zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­g­an­ges Kennt­nis über Li­qui­ditäts­schwie­rig­kei­ten oder ei­ne be­vor­ste­hen­de In­sol­venz der M G be­ses­sen. Es ha­be auch kei­ne Ver­pflich­tung be­stan­den, die Beschäftig­ten darüber zu in­for­mie­ren, dass das Be­triebs­grundstück und das An­la­ge­vermögen an die F KG und nicht an die M G veräußert wor­den sei­en.
Die Be­klag­te ha­be den Kläger auch nicht vorsätz­lich sit­ten­wid­rig geschädigt oder durch die Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen zum Un­ter­las­sen ei­nes Wi­der­spru­ches ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die M G ver­an­lasst.
Auch wenn man annähme, die Be­klag­te ha­be ih­rer In­for­ma­ti­ons­pflicht nach § 613a Abs. 5 BGB nicht in vol­lem Um­fan­ge Genüge ge­tan, stel­le der vom Kläger gel­tend ge­mach­te Scha­den kei­nen Vermögens­nach­teil dar, den die Ein­hal­tung der In­for­ma­ti­ons­ver­pflich­tung des § 613a Abs. 5 BGB ver­hin­dern sol­le.
II. Man­gels Vor­lie­gens ei­ner Be­triebsände­rung schei­de ein An­spruch des Klägers auf ei­nen Nach­teils­aus­gleich nach § 113 Abs. 3 Be­trVG we­gen des feh­len­den Ver­su­ches ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs mit dem Be­triebs­rat aus. Bei dem Be­triebsüber­gang ha­be es sich um kei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG ge­han­delt. Der Wech­sel des Be­triebs­in­ha­bers stel­le nur dann ei­ne Be­triebsände­rung dar, wenn er mit ei­ner Ände­rung der be­trieb­li­chen Struk­tu­ren oder er­heb­li­chen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ände­run­gen ver­bun­den sei. Dies sei vor­lie­gend je­doch nicht der Fall ge­we­sen. Auch die Veräußerung des Be­triebs­grundstückes und des An­la­ge­vermögens nicht an die M G, son­dern an die F KG ha­be nicht zu ei­ner Verände­rung der be­trieb­li­chen Struk­tur oder zu ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ände­rung des Be­trie­bes geführt.
Die Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len führe nicht da­zu, dass bei eu­ro­pa­rechts­kon­for­mer Aus­le­gung des § 111 Be­trVG ein Be­triebsüber­gang stets als Be­triebsände­rung an­zu­se­hen sei.
B. Die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts er­weist sich zwar im Er­geb­nis, nicht je­doch in der Be­gründung als zu­tref­fend.
I. Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts ent­sprach die Un­ter­rich­tung des Klägers im Schrei­ben der Be­klag­ten und der M G vom 16. Ju­ni 2004 über den ge­plan­ten Be­triebsüber­gang am 1. Ju­li 2004 nicht den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB. Dem Kläger ist durch die­se un­zu­rei­chen­de Un­ter­rich­tung je­doch der gel­tend ge­mach­te Scha­den nicht ent­stan­den.
1. Im Fal­le ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges ist der Ar­beit­neh­mer so zu in­for­mie­ren, dass die­ser sich über die Per­son des Über­neh­mers und über die in § 613a Abs. 5 BGB ge­nann­ten Umstände ein Bild ma­chen kann. Er soll durch die Un­ter­rich­tung ei­ne aus­rei­chen­de Wis­sens­grund­la­ge für die Ausübung oder Nicht­ausübung sei­nes Wi­der­rufs­rech­tes er­hal­ten (BT-Drucks. 14/7760 S. 19). So soll ins­be­son­de­re dem Ar­beit­neh­mer auch die Möglich­keit eröff­net wer­den, sich wei­ter­ge­hend zu er­kun­di­gen und
ge­ge­be­nen­falls be­ra­ten zu las­sen und dann auf die­ser Grund­la­ge über ei­nen Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu ent­schei­den (vgl. Se­nat 24. Mai 2005 - 8 AZR 398/04 - BA­GE 114, 374 = AP BGB § 613a Nr. 284 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 35; AnwK-ArbR/Hauck BGB § 613a Rn. 181; Worz­al­la NZA 2002, 353, 356).
Da­bei hat sich der In­halt der Un­ter­rich­tung nach dem Kennt­nis­stand des Veräußerers und des Er­wer­bers zum Zeit­punkt der Un­ter­rich­tung zu rich­ten (st. Rspr.; vgl. Se­nat 14. De­zem­ber 2006 - 8 AZR 763/05 - AP BGB § 613a Nr. 318 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 63 mwN). Ob ei­ne er­folg­te Un­ter­rich­tung den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB ent­spro­chen hat, un­ter­liegt der ge­richt­li­chen Über­prüfung. Genügt die Un­ter­rich­tung zunächst for­mal den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB und ist sie nicht of­fen­sicht­lich feh­ler­haft, ist es Sa­che des Ar­beit­neh­mers, ei­nen be­haup­te­ten Man­gel näher dar­zu­le­gen. Hier­zu ist er im Rah­men ei­ner ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs­last nach § 138 Abs. 3 ZPO ver­pflich­tet. Dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber und/oder dem neu­en In­ha­ber - je nach­dem, wer die Un­ter­rich­tung vor­ge­nom­men hat - ob­liegt dann die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Un­ter­rich­tungs­pflicht, in­dem mit ent­spre­chen­den Dar­le­gun­gen und Be­weis­an­ge­bo­ten die Einwände des Ar­beit­neh­mers ent­kräftet wer­den (Se­nat 14. De­zem­ber 2006 - 8 AZR 763/05 - aaO).
2. Der Kläger rügt, die durch die Be­klag­te und die M G er­folg­te Un­ter­rich­tung ent­spre­che des­halb nicht den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB, weil sie kei­ne aus­rei­chen­den An­ga­ben zur wirt­schaft­li­chen La­ge der Be­triebsüber­neh­me­rin, der M G, ent­hal­te und kei­nen Hin­weis auf die ge­plan­te Auf­spal­tung des Be­triebs­vermögens.
Un­strei­tig ha­ben die Be­klag­te und die M G in ih­rem ge­mein­sa­men Un­ter­rich­tungs­schrei­ben vom 16. Ju­ni 2004 nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Be­klag­te mit Ver­trag vom 9. Ju­ni 2004 mit der M G und der F KG ver­ein­bart hat­te, das der Be­klag­ten gehören­de Grundstück, auf dem sich das S Werk be­fin­det, nebst dem An­la­ge-vermögen an die F KG zu veräußern. Da­mit fehlt es an ei­ner hin­rei­chen­den Un­ter­rich­tung über die wirt­schaft­li­chen Fol­gen des Be­triebsüber­g­an­ges für den Kläger (§ 613a Abs. 5 Nr. 3 BGB).
Aus­ge­hend vom Sinn und Zweck der Un­ter­rich­tung, die dem Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit ver­schaf­fen soll, sach­ge­recht über die Ausübung sei­nes Wi­der­spruchs­rech­tes nach § 613a Abs. 6 BGB zu be­fin­den, hätte die Be­klag­te den Kläger darüber un­ter­rich­ten müssen, dass die M G als Be­triebsüber­neh­me­rin nicht auch die im Ei­gen-
tum der Be­klag­ten ste­hen­den Im­mo­bi­li­en mit über­nimmt, son­dern die­se nur im Rah­men ei­ner Ver­ein­ba­rung mit ei­nem Drit­ten nutzt, nämlich der F KG, an wel­che die Be­klag­te das un­be­weg­li­che Be­triebs­vermögen veräußert hat­te. Durch die­se im Zu­sam­men­hang mit dem Be­triebsüber­gang er­folg­te Um­ge­stal­tung der Ei­gen­tums- und Be­sitz­verhält­nis­se bezüglich des S Be­trie­bes wer­den zwar die Rech­te und Pflich­ten aus dem nach § 613a Abs. 1 BGB auf den neu­en Be­triebs­in­ha­ber, die M G, über­ge­hen­den Ar­beits­verhält­nis des Klägers nicht un­mit­tel­bar berührt. § 613a Abs. 5 BGB ge­bie­tet je­doch ei­ne In­for­ma­ti­on des Ar­beit­neh­mers auch über die mit­tel­ba­ren Fol­gen ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges, wenn durch die­sen die Rechts­po­si­tio­nen des Ar­beit­neh­mers zwar nicht un­mit­tel­bar be­trof­fen sind, die öko­no­mi­schen Rah­men­be­din­gun­gen des Be­triebsüber­g­an­ges je­doch zu ei­ner so gra­vie­ren­den Gefähr­dung der wirt­schaft­li­chen Ab­si­che­rung der Ar­beit­neh­mer beim neu­en Be­triebs­in­ha­ber führen, dass die­se Gefähr­dung als ein we­sent­li­ches Kri­te­ri­um für ei­nen mögli­chen Wi­der­spruch der Ar­beit­neh­mer ge­gen den Über­gang der Ar­beits­verhält­nis­se an­zu­se­hen ist. Dies ist vor al­lem dann der Fall, wenn die Ar­beits­platz­si­cher­heit beim Be­triebs­er­wer­ber maßgeb­lich be­trof­fen ist (Ka­nia/Jop­pich Per­so­nal­recht im Wan­del - FS für Wolf­die­ter Kütt­ner S. 383).
Grundsätz­lich ist der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber nicht ver­pflich­tet, den Ar­beit­neh­mer über die wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le La­ge des Be­triebsüber­neh­mers im Ein­zel­nen zu un­ter­rich­ten, da de­ren Be­ur­tei­lung grundsätz­lich nicht ein­deu­tig an­hand ob­jek­ti­ver Tat­sa­chen er­fol­gen kann, son­dern je­weils im Ein­zel­fal­le ei­ner re­gelmäßig nicht jus­ti­zia­blen Einschätzung der wirt­schaft­li­chen und recht­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten so­wie der künf­ti­gen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung un­ter­liegt. Dies be­deu­tet, dass das wirt­schaft­li­che Po­ten­ti­al des Be­triebs­er­wer­bers im All­ge­mei­nen nicht Ge­gen­stand der In­for­ma­ti­ons­pflicht ist. Ei­ne Un­ter­rich­tung über die wirt­schaft­li­che La­ge des Be­triebs­er­wer­bers kann aber für die Ent­schei­dung des Ar­beit­neh­mers, ob er Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ein­le­gen soll, von Be­deu­tung sein, wenn die wirt­schaft­li­che Not­la­ge des Be­triebs­er­wer­bers of­fen­sicht­lich ist, wie zB bei ei­nem be­reits ein­ge­lei­te­ten In­sol­venz­ver­fah­ren (ErfK/Preis 8. Aufl. § 613a BGB Rn. 88; Grau Un­ter­rich­tung und Wi­der­spruchs­recht der Ar­beit­neh­mer bei Be­triebsüber­gang S. 180; Her­genröder RdA 2007, 218, 227; Lin­de­mann/Wol­ter-Roßteut­scher BB 2007, 938, 942).
Im Streit­fal­le führt die im Zu­sam­men­hang mit dem Be­triebsüber­gang ge­trof­fe­ne Ver­trags­ge­stal­tung da­zu, dass der Be­triebsüber­neh­mer nicht mehr Ei­gentümer des un­be­weg­li­chen An­la­ge­vermögens ist und die­ses dem­zu­fol­ge im Fal­le von
wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten des Be­triebs­er­wer­bers nicht mehr als Si­che­rungs­mit­tel für er­for­der­li­che Kre­di­te und im Fal­le ei­ner In­sol­venz nicht mehr als Be­stand­teil der In­sol­venz­mas­se zur Be­frie­di­gung der Gläubi­ger, zu de­nen auch der Kläger zählt, zur Verfügung steht. Da­mit ver­rin­gert sich in­fol­ge des Be­triebsüber­g­an­ges die für die For­de­run­gen des Klägers aus sei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Verfügung ste­hen­de Haf­tungs­mas­se in er­heb­li­chem Um­fan­ge. Die­se Tat­sa­che der nicht un­er­heb­li­chen Ver­rin­ge­rung der ver­blei­ben­den Haf­tungs­grund­la­ge stellt ei­nen Um­stand dar, auf des­sen Kennt­nis der Kläger An­spruch hat­te (so auch: Men­ze Das Wi­der­spruchs­recht der Ar­beit­neh­mer beim Be­triebsüber­gang S. 59). Zur Ent­schei­dungs­fin­dung, ob ein Ar­beit­neh­mer ei­nen Wi­der­spruch nach § 613a Abs. 6 BGB er­hebt, ist re­gelmäßig auch die Kennt­nis er­for­der­lich, ob bis­her dem über­ge­hen­den Be­trieb zu­zu­rech­nen­de Vermögens­ge­genstände von er­heb­li­chem Wert, zu de­nen das Grund­vermögen zählt, auf den Be­triebs­er­wer­ber mit über­ge­hen.
Ge­gen ei­ne ent­spre­chen­de Un­ter­rich­tungs­pflicht spricht nicht ein be­rech­tig­tes Ge­heim­hal­tungs­in­ter­es­se des Veräußerers oder Er­wer­bers, weil die neu­en Ei­gen­tums­verhält­nis­se auch durch das Grund­buch pu­bli­ziert wer­den.
Auch der Ge­setz­ge­ber hat die Auf­spal­tung des Be­triebs­vermögens in ei­ne An­la­ge­ge­sell­schaft, wel­che sich im We­sent­li­chen auf die Ver­wal­tung der für die Führung des Be­trie­bes not­wen­di­gen Vermögens­tei­le be­schränkt, und ei­ne Be­triebs­ge­sell­schaft, wel­cher die Vermögens­tei­le bei der Führung des Be­trie­bes zur Nut­zung über­las­sen wer­den, grundsätz­lich als ei­ne Gefähr­dung der Ansprüche der Ar­beit­neh­mer ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber an­ge­se­hen. So be­gründet § 134 Um­wG für den Fall ei­ner Un­ter­neh­mens­auf­spal­tung in ei­ne An­la­ge- und ei­ne Be­triebs­ge­sell­schaft für be­stimm­te For­de­run­gen der Ar­beit­neh­mer der Be­triebs­ge­sell­schaft ei­ne ge­samt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung der Be­triebs- und der An­la­ge­ge­sell­schaft, wenn an den an der Spal­tung be­tei­lig­ten Recht­strägern im We­sent­li­chen die­sel­ben Per­so­nen be­tei­ligt sind. Durch die­se Re­ge­lung soll dem Ar­beit­neh­mer hin­sicht­lich ei­ge­ner Ansprüche ein zusätz­li­cher Schutz ein­geräumt wer­den. Sie be­zweckt, den be­son­de­ren Ge­fah­ren ei­ner Be­triebs­auf­spal­tung zu be­geg­nen (vgl. Re­gE­Be­gr. BR-Drucks. 75/94 zu § 134 Um­wG).
Da­mit hält es der Ge­setz­ge­ber für er­for­der­lich, im Fal­le ei­ner Un­ter­neh­mens­auf­spal­tung in ei­ne An­la­ge- und ei­ne Be­triebs­ge­sell­schaft un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen bzgl. be­stimm­ter For­de­run­gen ei­nen be­son­de­ren Schutz für die Ar­beit­neh­mer der Be­triebs­ge­sell­schaft durch die An­ord­nung ei­ner ge­samt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung bei­der Ge­sell­schaf­ten zu schaf­fen. In Kennt­nis, dass der Ge­setz­ge­ber Be-
triebs­auf­spal­tun­gen als Ge­fahr für die Durch­setz­bar­keit von Ar­beit­neh­mer­for­de­run­gen an­sieht, ist es fol­ge­rich­tig, dass dann, wenn es zu ei­ner sol­chen Auf­spal­tung im Zu­sam­men­hang mit der Ver­ein­ba­rung über ei­nen Be­triebsüber­gang kommt und ei­ne ge­samt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung des neu­en Be­triebs­in­ha­bers und des neu­en Ei­gentümers we­sent­li­cher für die Be­triebsführung not­wen­di­ger Vermögens­tei­le aus­schei­det, der Ar­beit­neh­mer auf die­se, künf­ti­ge For­de­run­gen gefähr­den­de Ver­trags­ge­stal­tung gemäß § 613a Abs. 5 BGB hin­zu­wei­sen ist.
3. Die Be­klag­te hat durch die den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 Nr. 3 BGB nicht genügen­de In­for­ma­ti­on des Klägers ih­re Un­ter­rich­tungs­pflicht, wel­che ei­ne Rechts­pflicht dar­stellt (Se­nat 13. Ju­li 2006 - 8 AZR 382/05 - AP BGB § 613a Wi­der­spruch Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 57 mwN), ver­letzt. Da­mit ist die Be­klag­te dem Kläger ge­genüber nach § 280 Abs. 1 BGB zum Er­satz des Scha­dens, den die­ser durch die un­zuläng­li­che Un­ter­rich­tung er­lit­ten hat, ver­pflich­tet. Gem. § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB wird ihr Ver­schul­den ver­mu­tet (Se­nat 13. Ju­li 2006 - 8 AZR 382/05 - aaO).
Der Kläger, der sich auf die nicht vollständi­ge Un­ter­rich­tung be­ruft, kann ver­lan­gen, so ge­stellt zu wer­den, wie er ge­stan­den hätte, wenn er rich­tig und vollständig in­for­miert wor­den wäre. Dafür muss er vor­tra­gen und be­wei­sen, dass ihm in­fol­ge der man­gel­haf­ten Un­ter­rich­tung der gel­tend ge­mach­te Scha­den ent­stan­den ist.
4. Das Vor­brin­gen des Klägers be­gründet den gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht. Er macht gel­tend, er hätte, wenn ihn die Be­klag­te ord­nungs­gemäß nach § 613a Abs. 5 BGB un­ter­rich­tet hätte, von sei­nem Wi­der­spruchs­recht nach § 613a Abs. 6 BGB Ge­brauch ge­macht. Sein Ar­beits­verhält­nis wäre dann nicht gem. § 613a Abs. 1 BGB auf die M G über­ge­gan­gen, so dass er wei­ter­hin Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten ge­blie­ben wäre. Wei­ter meint der Kläger, ihm hätte dann ei­ne Ab­fin­dung aus dem vor­be­rei­te­ten, aber letzt­lich nicht zu­stan­de ge­kom­me­nen So­zi­al­plan zu­ge­stan­den. Die­se ent­gan­ge­ne Ab­fin­dung müsse ihm die Be­klag­te im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes gewähren.
Die­ses Vor­brin­gen des Klägers ist nicht schlüssig. Hätte die Be­klag­te den Kläger ord­nungs­gemäß nach § 613a Abs. 5 BGB un­ter­rich­tet und hätte er dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die M G wi­der­spro­chen, so hätte ihm kein An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung aus dem ge­plan­ten, aber nicht zu­stan­de ge­kom­me­nen So­zi­al­plan zu­ge­stan­den. Auch bei ei­ner ord­nungs­gemäßen Un­ter­rich­tung durch die Be­klag­te wäre es nicht zum Ab­schluss des So­zi­al­pla­nes zwi­schen der Be­klag­ten und
ih­rem Be­triebs­rat ge­kom­men. Die un­genügen­de Un­ter­rich­tung des Klägers war folg­lich nicht ursächlich für das Nicht­zu­stan­de­kom­men des So­zi­al­pla­nes. Oh­ne ei­nen wirk­sa­men So­zi­al­plan hätte kein An­spruch des Klägers auf ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung ent­ste­hen können. Dass die Be­klag­te dem Kläger im Fal­le ei­nes Wi­der­spru­ches ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die M G ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung aus­ge­spro­chen und ihm dann ei­ne Ab­fin­dung ent­spre­chend den Re­ge­lun­gen im ge­plan­ten, aber nicht ver­ein­bar­ten So­zi­al­plan gewährt hätte, hat der Kläger we­der dar­ge­legt noch un­ter Be­weis ge­stellt. Eben­so we­nig hat der Kläger vor­ge­tra­gen, dass bei ei­ner ord­nungs­gemäßen Un­ter­rich­tung so vie­le Ar­beit­neh­mer dem Über­gang ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se wi­der­spro­chen hätten, dass die Be­klag­te, wenn sie die­sen al­len be­triebs­be­dingt hätte kündi­gen wol­len, ei­nen So­zi­al­plan ver­ein­bart hätte, wel­cher die vom Kläger gel­tend ge­mach­te Ab­fin­dung vor­ge­se­hen hätte.
II. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt geht zu Recht da­von aus, dass dem Kläger der gel­tend ge­mach­te An­spruch nicht als Nach­teils­aus­gleich gem. § 113 Abs. 3 iVm. § 113 Abs. 1 Be­trVG zu­ste­hen kann.
Vor­aus­set­zung für ei­nen sol­chen An­spruch wäre, dass sich der Be­triebsüber­gang von der Be­klag­ten auf die M G als ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG dar­ge­stellt hätte. Dies war je­doch nicht der Fall.
1. Ein Be­triebsüber­gang als sol­cher ist nach ständi­ger Recht­spre­chung kei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG (BAG 25. Ja­nu­ar 2000 - 1 ABR 1/99 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 137 = EzA Be­trVG 1972 § 112 Nr. 106 mwN). Ein Be­triebsüber­gang kann al­ler­dings dann ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG sein, wenn er sich nicht al­lein in dem Wech­sel des Be­triebs­in­ha­bers erschöpft, son­dern wenn gleich­zei­tig Maßnah­men er­grif­fen wer­den, wel­che ei­nen oder meh­re­re der Tat­bestände des § 111 Be­trVG erfüllen.
2. Dass die Be­klag­te das Grundstück, auf wel­chem sich der Be­trieb in S be­fin­det, so­wie das An­la­ge­vermögen nicht an die M G, son­dern an die F KG veräußert hat, erfüllt kei­nen der Tat­bestände des § 111 Be­trVG.
a) Nach der zwi­schen der Be­klag­ten, der M G und der F KG ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung soll­ten der M G als Be­triebsüber­neh­me­rin die zur Fortführung des Be­trie­bes er­for­der­li­chen Sach­mit­tel durch die F KG über­las­sen wer­den. Da­mit wur­de die M G zwar nicht Ei­gentüme­rin sämt­li­cher mo­bi­ler und im­mo­bi­ler Be­triebs­mit­tel; die­se blie­ben
je­doch auf Grund der ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung un­verändert der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on zur Er­rei­chung des Be­triebs­zwe­ckes zu­ge­ord­net. Ih­re sa­chen­recht­li­che Zu­ord­nung zum Be­triebs­in­ha­ber ist oh­ne Be­deu­tung. Mit der Be­schränkung der Verfügungs­macht des neu­en Be­triebs­in­ha­bers über die Be­triebs­mit­tel tritt zwar ei­ne „funk­tio­na­le Ände­rung in der Po­si­ti­on des Un­ter­neh­mers“ ein, die­se be­dingt aber eben­so we­nig die Ände­rung des Be­trie­bes wie et­wa der Über­gang von Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen auf ei­nen In­sol­venz­ver­wal­ter, der hin­sicht­lich der Führung des Be­trie­bes im Ver­gleich zum In­sol­venz­schuld­ner vor der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens Be­schränkun­gen und Bin­dun­gen un­ter­liegt, die eben­falls ei­ne „funk­tio­na­le Ände­rung in der Po­si­ti­on des Un­ter­neh­mers“ be­din­gen (vgl. BAG 17. Fe­bru­ar 1981 - 1 ABR 101/78 - AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 9 = EzA Be­trVG 1972 § 111 Nr. 13).
b) Zwar hat sich die Haf­tungs­mas­se der Be­triebsüber­neh­me­rin ge­genüber der­je­ni­gen der Be­klag­ten da­durch ver­rin­gert, dass sie nicht Ei­gentüme­rin des Be­triebs­grundstückes und des An­la­ge­vermögens ge­wor­den ist. Die­se Ver­rin­ge­rung stellt für sich al­lein be­trach­tet je­doch eben­falls kei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG dar.
Sie kann zwar zu ei­nem wirt­schaft­li­chen Nach­teil für die vom Be­triebsüber­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer führen. Sol­che wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le aus Vorgängen, die - wie der Be­triebsüber­gang - selbst kei­ne Be­triebsände­run­gen dar­stel­len, sind je­doch ih­rer­seits eben­falls kei­ne Be­triebsände­rung. Es ist nicht Ge­gen­stand und Ziel der §§ 111 ff. Be­trVG, Nach­tei­len zu be­geg­nen, die mit dem Be­triebs­in­ha­ber­wech­sel ver­bun­den sind, al­so al­lein auf dem Be­triebsüber­gang be­ru­hen. Die Ver­rin­ge­rung der Haf­tungs­mas­se er­gibt sich al­lein aus den im Zu­sam­men­hang mit dem Be­triebsüber­gang ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen dem Be­triebs­veräußerer und dem Be­triebs­er­wer­ber. Sie sind da­mit Fol­gen des Be­triebs­in­ha­ber­wech­sels (vgl. BAG 25. Ja­nu­ar 2000 - 1 ABR 1/99 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 137 = EzA Be­trVG 1972 § 112 Nr. 106).
3. Ent­ge­gen der Mei­nung der Re­vi­si­on stellt auch der Um­stand, dass die maßgeb­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im ver­wal­tungs­tech­ni­schen Be­reich bezüglich des über­ge­gan­ge­nen Be­trie­bes von S zum Haupt­werk der M G in A ver­la­gert wor­den sind, kei­ne Be­triebsände­rung dar.
Dies führ­te ins­be­son­de­re zu kei­ner grund­le­gen­den Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on iSd. § 111 Satz 3 Nr. 4 Be­trVG. Ei­ne sol­che liegt vor, wenn der Be­triebs­ab­lauf ins­be­son­de­re hin­sicht­lich Zuständig­keit und Ver­ant­wor­tung um­ge­wan­delt wird. Grund­le­gend ist die Ände­rung, wenn sie sich auf den Be­triebs­ab­lauf in er­heb­li­cher Wei­se aus­wirkt; maßgeb­lich ist dafür der Grad der Verände­rung (BAG 26. Ok­to­ber 2004 - 1 AZR 493/03 - BA­GE 112, 260 = AP Be­trVG 1972 § 113 Nr. 49 = EzA Be­trVG 2001 § 113 Nr. 5 mwN). Dass und vor al­lem wie sich die Ver­la­ge­rung der „Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im ver­wal­tungs­tech­ni­schen Be­reich“ nach A auf den Be­triebs­ab­lauf im S Be­trieb aus­ge­wirkt ha­ben soll, hat der Kläger nicht dar­ge­legt. Da­zu wäre er nach den pro­zes­sua­len Dar­le­gungs- und Be­weis­last­re­geln ver­pflich­tet ge­we­sen, weil er ua. ei­nen Nach­teils­aus­gleich nach § 113 Abs. 3 Be­trVG gel­tend macht und ein sol­cher An­spruch die Durchführung ei­ner Be­triebsände­rung iSd. § 111 Be­trVG vor­aus­setzt.
4. Dem steht auch nicht die Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (RL 2001/23/EG) ent­ge­gen.
So be­stimmt Art. 7 Abs. 3 der RL 2001/23/EG, dass Mit­glied­staa­ten, de­ren Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten vor­se­hen, dass die Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer ei­ne Schieds­stel­le an­ru­fen können, um ei­ne Ent­schei­dung über hin­sicht­lich der Ar­beit­neh­mer zu tref­fen­de Maßnah­men zu er­hal­ten, die Un­ter­rich­tungs­pflich­ten gem. Art. 7 Abs. 1 und Abs. 2 der Richt­li­nie ge­genüber den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern auf den Fall be­schränken können, in dem der voll­zo­ge­ne Be­triebsüber­gang ei­ne Be­triebsände­rung her­vor­ruft, die we­sent­li­che Nach­tei­le für ei­nen er­heb­li­chen Teil der Ar­beit­neh­mer zur Fol­ge ha­ben kann. Die­se Re­ge­lung zeigt, dass die RL 2001/23/EG da­von aus­geht, dass nicht je­der Be­triebsüber­gang gleich­zei­tig auch ei­ne Be­triebsände­rung, ins­be­son­de­re in Form der Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on dar­stellt, wel­che we­sent­li­che Nach­tei­le für er­heb­li­che Tei­le der Be­leg­schaft zur Fol­ge ha­ben kann.
5. Da ein An­spruch des Klägers auf Nach­teils­aus­gleich (§ 113 Be­trVG) be­reits dem Grun­de nach aus­schei­det, brauch­te der Se­nat nicht zu ent­schei­den, ob der Kläger ei­nen sol­chen über­haupt kla­ge­wei­se gel­tend ge­macht hat­te und ob das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­nen sol­chen hätte zu­spre­chen dürfen.
III. Der Kläger hat nach § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen.
Schuck­mann
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References: § 613
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 § 113
 § 111
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 § 613
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 § 138
 § 613
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 § 613
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 § 134
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 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 280
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 § 613
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 § 113
 § 113
 § 111
 § 111
 § 112
 § 112
 § 111
 § 111
 § 111
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 § 112
 § 112
 § 111
 § 113
 § 113
 § 113
 § 111
 Art. 7
 Art. 7
 § 97