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Timestamp: 2020-06-01 09:08:35+00:00

Document:
Aktenzeichen: 8 C 5.19
Normen: § 13 VwVfG, Art 4 GG, Art 140 GG, Art 139 WRV
Das BVerwG hat entschieden, dass die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens an Verwaltungsverfahren zur Bewilligung von Sonntagsarbeit in Callcentern zu beteiligen ist.
Das Verwaltungsgericht hatte der nach erfolglosem Widerspruchsverfahren erhobenen Klage stattgegeben und festgestellt, dass der Beklagte verpflichtet gewesen ist, die Landeskirche an Verwaltungsverfahren zur Bewilligung von Sonntagsarbeit in Callcentern zu beteiligen. Das Oberverwaltungsgericht hatte die Berufung des Beklagten zurückgewiesen.
Nach Auffassung des BVerwG ist die Klägerin nach § 13 Abs. 2 Satz 2 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) an Verfahren zur Bewilligung von Sonntagsarbeit in Callcentern zu beteiligen. Dem Ausgang der Bewilligungsverfahren komme der Klägerin gegenüber rechtsgestaltende Wirkung zu. Die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes, die im Einzelfall Ausnahmen vom grundsätzlichen Beschäftigungsverbot an Sonn- und Feiertagen zuließen, seien gegenüber Religionsgemeinschaften drittschützend. Diese könnten sich auf das Grundrecht der Religionsfreiheit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG berufen, das durch die Sonn- und Feiertagsgarantie nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 Weimarer Reichsverfassung (WRV) konkretisiert werde. Nach Art. 139 WRV blieben der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt. Der darin liegende verfassungsrechtliche Schutzauftrag richte sich nicht nur an den Gesetzgeber, sondern sei auch von den Behörden bei der Entscheidung über Ausnahmebewilligungen zu beachten. Solche Entscheidungen habe der Beklagte der Klägerin bekanntzugeben.
VG Dresden, Urt. v. 12.04.2017 - 4 K 1278/16
OVG Bautzen, Urt. v. 11.04.2019 - 3 A 505/17
Quelle: Pressemitteilung des BVerwG Nr. 21/2020 v. 06.05.2020

References: § 13
 § 13
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 139
 Art. 139