Source: https://reiserechtfuehrich.com/2018/01/21/bgh-verbotene-stadt-gestrichen-reisepreis-zurueck/?shared=email&msg=fail
Timestamp: 2019-05-23 04:06:35+00:00

Document:
BGH: Verbotene Stadt gestrichen – Reisepreis zurück – Reiserecht Prof. Dr. Führich
Datum: 21. Januar 2018Autor: Prof. Dr. Ernst Führich 0 Kommentare
BGH, 16. Januar 2018 – X ZR 44/17
Anm. Führich: Der Entscheidung des BGH ist zuzustimmen. Sie bestätigt meine bisherigen Rechtsauffassung (Führich, Reiserecht, 7. Aufl. 2015, § 5 Rn. 162, 170. Der Reiseveranstalter darf eine vertraglich vereinbarte Reiseleistung wie eine Rundreise nur dann nach Vertragsschluss und vor Reiseantritt ändern, wenn er sich diese Möglichkeit konkret bei Vertragsschluss vorbehalten hat[1]. Ein Leistungsänderungsvorbehalt muss sich hierbei an § 308 Nr. 4 BGB orientieren, wonach nur für den Reisenden zumutbare Änderungen möglich sind. Ob eine Änderung für den Reisenden zumutbar ist, ist aufgrund einer Abwägung der Interessen der Vertragsparteien zu beurteilen. Dieser Abwägung ist wegen der Geltung der AGB für eine Vielzahl von Fällen eine für den Reisevertrag typische Betrachtungsweise zugrunde zu legen. Daher richtet die Klausel sich nicht nach den Umständen eines konkreten Einzelfalls, sondern nach einem objektiven Maßstab eines rechtlich nicht vorgebildeten Durchschnittsreisenden[2]. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Vorbehalt in den AGB konkret gefasst ist. Ein pauschaler Änderungsvorbehalt wie ,,Änderungen vorbehalten” oder ,,Änderungen aus zwingenden Gründen”, ist daher unzulässig[3].
Der Wechsel des Reiseziellandes immer eine unzumutbare Abweichung. Änderung des Programmablaufs, also der Abfolge eines Reiseprogramms unter Wegfall eines Highlights einer Rundreise ist ebenfalls als unzumutbar anzusehen.
[1] BGH, 10.12.2013, X ZR 24/13 – Flugzeitänderung, Rn. 31, 39, NJW 2014, 1168 m. Anm. Führich; OLG Düsseldorf, 2.5.2013, I-6 U 123/12, NJW-RR 2013, 1391, 1392 unter Hinweis auf BGHZ 158, 149 = NJW 2004, 1588; BGH NJW-RR 2009, 1641; KG MDR 2013, 19 = BeckRS 2012, 21950. AG Bad Homburg RRa 2008, 130 (Änderungsvorbehalt auf nachträglich übersandter Hotelliste unbeachtlich); LG Nürnberg-Fürth RRa 2008, 245 (Änderung des Programmablaufs einer Reise); Palandt/Sprau, § 651a Rn. 20; Tempel, RRa 1999, 107.
[2] Vgl. BGH, 10.12.2013, X ZR 24/13 – Flugzeitänderung, Rn. 39, NJW 2014, 1168 m. Anm. Führich; MK/Wurmnest, § 308 Rn. 7; BGHZ 161, 389 = NJW 2005, 1047 = RRa 2005, 57; MK/Tonner, § 651a Rn. 118; Staudinger/Staudinger, § 651a Rn. 182; Palandt/Grüneberg, § 305c Rn. 16; Vgl. zur Änderung der Flugzeiten § 22 Rn. 8.
[3] OLG Celle, 7.2.2013, 11 U 82/12, RRa 2013, 93, 94; LG Nürnberg-Fürth RRa 2008, 245 (,,Änderung des Programmablauf vorbehalten” ist im Werbeprospekt unzulässig); LG Bamberg RRa 1998, 192; Palandt/Grüneberg, § 308 Rn. 23.
LeistungsänderungReiserücktritt
Vorheriger Vorheriger Beitrag: Anmerkung Führich zu BGH: 40 % Anzahlung nur bei X-Reisen
Weiter Nächster Beitrag: Neues Reiserecht §§ 651a-y BGB und EGBGB

References: BGH 
 § 5
 § 308
 BGH 
 § 651
 § 308
 § 651
 § 651
 § 305
 § 22
 § 308