Source: https://www.peterlang.com/view/9783631813478/html/ch10.xhtml
Timestamp: 2020-02-23 15:03:42+00:00

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Erster Teil: Einleitung : Die Haftung Dritter bei Erzeugung von kollusiven Marktergebnissen im europäischen Kartellrecht
Im europäischen Kartellrecht musste sich der EuGH in der jüngeren Vergangenheit mit der Frage beschäftigen, wann und unter welchen Kriterien sog. Kartellgehilfen,1 welche wettbewerbswidriges Verhalten anderer Unternehmen unterstützen, sanktioniert werden können.2 Der Entscheidung des EuGH und den diesem Urteil vorausgehenden Entscheidungen von EuG3 und Kommission4 lag jeweils ein Sachverhalt zugrunde, bei dem die Unternehmen unproblematisch einen Kartellverstoß nach Art. 101 Abs. 1 AEUV verwirklicht haben. Demzufolge war Kern der Diskussionen nur noch die Frage, ob den Kartellgehilfen selbst ein Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 AEUV zur Last gelegt werden kann.5
In diesem Kontext sind Fallkonstellationen denkbar, bei denen ohne die Handlung eines Externen, eines selbstständigen Dienstleisters oder eines Dritten6 ←19 | 20→kein Kartell vorliegen würde. Das kollusive7 Verhalten der Unternehmen wird in erster Linie durch Dritte selbst oder mit ihrer Hilfe vorgenommen. Die Handlungen der Unternehmen für sich genommen erfüllen nicht den Tatbestand des Art. 101 Abs. 1 AEUV. Die kartellrechtliche Behandlung derartiger Fälle ist schwieriger, als sie es in der zuvor beschriebenen Konstellation eines Kartellgehilfen ist.8 Auf diese Schwierigkeiten und die daraus resultierende Möglichkeit von „Haftungslücken“ hat die Monopolkommission in ihrem aktuellen Hauptgutachten aus 2018 hingewiesen.9 Das Fehlverhalten Dritter müsste nämlich konstitutiv für einen Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 AEUV sein, da sonst ihre Einbeziehung in das Kartell und damit verbunden ihre effektive Sanktionierung nicht möglich wären.10
Aus diesem Umstand ergibt sich, dass im ersten...

References: EuGH 
 EuGH 
 Art. 101
 Art. 101
 Art. 101
 Art. 101