Source: https://bayrvr.de/2016/09/06/stmbw-uebertrittsverfahren-verfassungskonform-spd-gutachten-laesst-viele-fragen-offen-und-bayverfgh-entscheidung-aussen-vor/
Timestamp: 2019-05-24 01:17:51+00:00

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Im Frühjahr 2016 hatte die mittlerweile sechste Onlinebefragung des Kultusministeriums bei Schulleitungen, Klassenlehrkräften der Jahrgangsstufen 3 und 4 sowie Klassenelternsprechern der Jahrgangsstufe 4 an insgesamt rund 700 Grundschulen bestätigt: die kind- und begabungsrechte Übertrittsphase findet überwiegend die Zustimmung durch Klassenlehrkräfte und Klassenelternsprecher. Dabei wurde z. B. von knapp 78 Prozent der Elternsprecher die Ausstellung eines Übertrittszeugnisses für alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 4 als positiv betrachtet. Sehr positiv werden auch die umfassenden Informationsangebote für die Eltern ab der 3. Jahrgangsstufe bezeichnet.
Die Wahl der Schulart nach der 4. Jahrgangsstufe ist vorläufig. Im durchlässigen bayerischen Bildungswesen stehen den Kindern viele Wege offen: Sie können die Schulart wechseln oder später auf erworbenen Abschlüssen aufbauen. Über entsprechende Schullaufbahnmöglichkeiten werden die Eltern bereits in der 3. und 4. Jahrgangsstufe der Grundschule informiert. Die Übertrittsempfehlung ist aber gerade für viele Eltern, die keine eigenen Erfahrungen mit Gymnasien und Hochschulen gemacht haben, auch mit Blick auf die Leistungsfähigkeit ihrer Kinder eine zusätzliche positive Stütze bei einer Entscheidung zugunsten der Realschule oder des Gymnasiums.
Bayerns Schulwesen deutlich durchlässiger
Bayern hat die Durchlässigkeit des Schulwesens in den vergangenen Jahren spürbar ausgeweitet. Dazu gehören Möglichkeiten, an einer Schulart mehrere Abschlüsse zu erlangen, etwa an der Mittelschule den erfolgreichen und den qualifizierenden Mittelschulabschluss sowie einen mittleren Bildungsabschluss. Zudem gibt es vielfältige Anschlussmöglichkeiten nach dem ersten schulischen Abschluss. Bayern hat auch die Möglichkeiten der beruflichen Bildung massiv erweitert, die Anzahl der Fachoberschulen deutlich erhöht und auch Brückenangebote eingerichtet, z.B. Vorklassen für Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss, die nach der Mittel- und Wirtschaftsschule die Fachoberschule besuchen wollen. Über 40 Prozent aller Hochschulzugangsberechtigungen in Bayern werden inzwischen über den Weg der beruflichen Bildung erworben.
Schulpsychologe hält Noten in Leistungsgesellschaft für normal
Am Wochenende erst hatte der Münchner Schulpsychologe Sebastian Pichlmeier Noten in einer Leistungsgesellschaft für normal und unverzichtbar erklärt – gerade auch mit Blick auf den Übertritt nach der 4. Jahrgangsstufe.
StMBW, Pressemitteilung v. 06.09.2016
Das erwähnte Gutachten wurde von Prof. Dr. Wolfgang Cremer aus Bochum erstellt. Die Kurzfassung des Gutachtens (PDF) geht nicht auf die Entscheidung des BayVerfGH ein, die Langfassung (PDF) sehr wohl.
Der BayVerfGH hatte in seiner Entscheidung v. 21.05.2014 (Vf. 7-VII-13) folgenden Leitsatz formuliert:
„Die Regelungen in §§ 25, 37 GrSO zur Eignung für den Übertritt von der Grundschule an ein Gymnasium oder eine Realschule sowie zur Erhebung der hierfür maßgeblichen schriftlichen Leistungsnachweise sind mit der Bayerischen Verfassung vereinbar.“
Die vormals in § 25 bzw. § 37 GrSO enthaltenen Regelungen finden sich nunmehr in § 6 bzw. § 10 GrSO.
Die für die Entscheidung des BayVerfGH maßgeblichen Vorschriften der §§ 25, 37 GrSO lauteten:
(3) Das Übertrittszeugnis enthält die Jahresfortgangsnoten in allen Fächern, in den Fächern Deutsch und Mathematik mit zusätzlichen Erläuterungen, die Gesamtdurchschnittsnote aus den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht, eine zusammenfassende Beurteilung zur Übertrittseignung, eine Bewertung des Sozial- sowie des Lern-und Arbeitsverhaltens gemäß § 43 Abs. 1 Satz 2 und – soweit erforderlich – einen Hinweis entsprechend § 43 Abs. 8 Satz 3.
§ 37 Probearbeiten
(1) 1Die Lehrerkonferenz trifft vor Unterrichtsbeginn des Schuljahres grundsätzliche Festlegungen zur Erhebung von Leistungsnachweisen einschließlich prüfungsfreier Lernphasen; die Festlegungen sind den Schülerinnen und Schülern sowie ihren Erziehungsberechtigten bekannt zu geben. 2In der Jahrgangsstufe 4 sollen in der Zeit vom Unterrichtsbeginn bis zum Erhalt des Übertrittszeugnisses jeweils in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht rhythmisiert mindestens vier Unterrichtswochen von bewerteten Probearbeiten freigehalten werden.
(2) 1Schriftliche Leistungsnachweise werden durch Probearbeiten erbracht. 2Sie müssen sich aus dem unmittelbaren Unterrichtsablauf ergeben und in der Jahrgangsstufe 4 angekündigt werden. 3Der Termin einer angekündigten Probearbeit muss spätestens eine Woche vorher bekannt gegeben werden. 4An einem Tag darf nur eine Probearbeit, in der Woche sollen nicht mehr als zwei Probearbeiten abgehalten werden. 5Kann der Leistungsstand einer Schülerin oder eines Schülers wegen nicht zu vertretender Versäumnisse nicht hinreichend beurteilt werden, so kann die Lehrkraft das Nachholen von Probearbeiten anordnen.
(3) 1In der Jahrgangsstufe 1 werden keine Probearbeiten geschrieben. 2Die Probearbeiten im ersten Halbjahr der Jahrgangsstufe 2 werden nicht benotet, jedoch mit Bemerkungen versehen, die den Leistungsstand der Schülerin oder des Schülers beschreiben. 3In der Jahrgangsstufe 4 soll bis zum Erhalt des Übertrittszeugnisses in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht eine angemessene Zahl von Probearbeiten abgehalten werden; als Richtwerte gelten im Fach Deutsch zwölf, im Fach Mathematik und im Fach Heimat- und Sachunterricht je Fach fünf bewertete Probearbeiten.
Filed Under: Bayern, Bildung/ Forschung/ Kultur, Gesetzgebung, Im Fokus, Schulen, Verwaltung

References: § 25
 § 37
 § 6
 § 10
 § 43
 § 43

§ 37