Source: https://www.springerprofessional.de/bilanzen/2566332
Timestamp: 2020-02-27 05:34:41+00:00

Document:
Bilanzen | springerprofessional.de
Autoren: Prof. Dr. Volker Drosse, Bernd Stier
Print ISBN: 978-3-409-12619-9
Electronic ISBN: 978-3-322-86722-3
Gegenstand der vorliegenden Folge „Bilanzen“ des Repetitoriums der Wirtschaftswissenschaften ist die Darlegung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses eines Unternehmens. Hierbei erfolgt eine Beschränkung auf den handelsrechtlichen Einzelabschluss — der Konzernabschluss ist nicht Gegenstand dieses Buches. Steuerrechtliche Bestimmungen erfahren nur insoweit Erwähnung, als dass steuerrechtliche Vorschriften bei der Erstellung des handelsrechtlichen Abschlusses zu beachten sind. Insofern handelt es sich um eine Einfuhrung in die externe Rechnungslegung deutscher Unternehmen, gemäß des üblichen (Vorlesungs-)Aufbaus der Thematik:
(Handelsrechtlicher) Jahresabschluss = „Bilanzen“
Handelsrechtliche Konzernrechnungslegung und Sonderbilanzen
Konzernrechnungslegung nach internationalen Standards
Volker Drosse, Bernd Stier
2. Wesen und Grundlagen des Jahresabschlusses
Das Rechnungswesen eines Unternehmens wird klassisch in die Bereiche des externen und des internen Rechnungswesens differenziert. Grundsätzliche Aufgabe des betrieblichen Rechnungswesens ist die Erfassung, Speicherung und Verarbeitung aller ökonomisch relevanten, quantitativen Informationen.
3. Allgemeine Ansatz- und Bewertungsregeln
§ 242 Abs. 1 HGB bestimmt, dass der Kaufmann „… zu Beginn seines Handelsgewerbes und fur den Schluss eines jeden Geschäftsjahres einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss (Eröffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen“hat. Nähere Konkretisierungen in Form von Aufzählungen erfolgen in § 247 Abs. 1 und in § 266 Abs. 2 und 3 HGB — eine allgemeingültige Begriffsklärung der Termini „Vermögen“ und „Schulden“ erfolgt im Gesetzestext jedoch nicht. Es ist daher im weiteren Verlauf zunächst zu klären, was hierunter zu verstehen ist. Dies ist auch von Bedeutung für die GuV und somit für die Erfolgsermittlung, so werden hier lediglich jene Wertänderungen einer Periode als gewinnerhöhend oder -reduzierend erfasst, die das dem Unternehmen zuzurechnende Vermögen betreffen.
Grundlegende Fragestellungen im Rahmen der Bilanzierung sind:
Ansatzfragen: Welche Objekte sind bilanzierungsfähig, d.h. welche Güter können oder müssen in der Bilanz aufgenommen werden (= Bilanzierung dem Grunde nach)?
Bewertungsfragen: Mit welchen Werten sind diese Posten in der Bilanz zu erfassen (= Bilanzierung der Höhe nach)?
Die Auseinandersetzung mit diesen beiden Fragen ist Gegenstand der nun folgenden Gliederungspunkte.
4. Bilanzierung des Anlagevermögens
Das auf der Bilanzseite der Aktiva auszuweisende Vermögen ist gemäß § 247 Abs. 1 und § 266 Abs. 2 HGB in die Posten des Anlage- und des Umlaufvermögens zu differenzieren. Dies ist nicht nur relevant für den korrekten Bilanzausweis, sondern, wie im Rahmen der Kapitel 4.2 und 5.2 noch ausfuhrlicher darzulegen, auch wesentlich für die Bewertung des Vermögensgegenstandes, so sind lediglich die abnutzbaren Gegenstände des Anlagevermögens planmäßig abzuschreiben.
5. Bilanzierung des Umlaufvermögens
Im Unterschied zum Anlagevermögen existiert im HGB keine Legaldefinition zum Umlaufvermögen. Grundsätzlich sind unter dieser Position jene Vermögensgegenstände auszuweisen, die dem Geschäftsbetrieb nicht dauerhaft dienen.
6. Bilanzierung des Eigenkapitals
Das Eigenkapital repräsentiert das von den Eigentümern des Unternehmens diesem, grundsätzlich unbefristet, bereitgestellte Kapital. Rechnerisch resultiert es als Differenz zwischen dem Wert der Vermögensgegenstände und der Schulden. Variable Eigenkapitalbestandteile schwanken im Unterschied zu konstanten Bestandteilen aufgrund noch darzustellender Geschäftsvorfälle.
7. Bilanzierung des Fremdkapitals
Zum Fremdkapital oder den Schulden des Unternehmens zählen:
die Rückstellungen und die
passiven Rechnungsabgrenzungsposten
8. Besondere Posten und Schuldverhältnisse
Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) stellen Korrekturposten der in der Bilanz angesetzten Vermögensgegenstände und Schulden dar. Sie dienen dazu, bestimmte Zahlungsvorgänge zu periodisieren und tragen als Umsetzung des Realisationsprinzips und des Prinzips der Abgrenzung der Sache und der Zeit nach zur periodengerechten Gewinnermittlung bei.
9. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
Dass die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) gemeinsam den Jahresabschluss eines Unternehmens bilden, bestimmt § 242 Abs. 3 HGB. Die GuV war in den vorangegangenen Kapiteln bereits häufiger Gegenstand der Erläuterungen, so wurde ihre grundsätzliche Aufgabe im Kapitel 2.1 dargelegt. Hierbei wurde auch daraufhingewiesen, dass sie dieser Aufgaben durch die Gegenüberstellung der zeitraumorientierten Größen „Aufwand“und „Ertrag“ — im Unterschied zur zeitpunkt-orientierten Bilanz — nachkommt. Erträge sind die auf eine Abrechnungsperiode bezogenen, also periodisierten Einnahmen, die zu einer Erhöhung des Reinvermögens eines Unternehmens führen. Aufwendungen stellen auf die Abrechnungsperiode bezogene Ausgaben dar, die zu einer Verringerung des Reinvermögens (Sach- und Geldvermögen) führen.
Die bislang behandelten Elemente des Jahresabschlusses, Bilanz und GuV, sind Basiselemente der Berichterstattung und Rechenschaftslegung von Unternehmen. Sie sind jedoch in ihrer Fähigkeit zur Vermittlung von Informationen begrenzt. Vor dem Hintergrund dieser Begrenzung und dem Bedürfnis der Abschlussadressaten sind für bestimmte Gesellschaftsformen zusätzliche Informationsmedien, der Anhang und der Lagebericht vorgeschrieben.
978-3-409-12619-9
978-3-322-86722-3
https://doi.org/10.1007/978-3-322-86722-3
Prof. Dr. Volker Drosse

References: § 242
 § 247
 § 266
 § 247
 § 266
 § 242