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Timestamp: 2020-02-28 16:49:06+00:00

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Das Menschenbild der Federalist Papers von Alexander Hamilton, ... | Hausarbeiten publizieren
Sind Menschen in der Lage einen Staat zu regieren?
2. Historischer Hintergrund: Das Zeitalter der Aufklärung und die einflussreichsten Vordenker der Federalists
3. Das Menschenbild der Federalists
3.1. Legislative
3.2. Exekutive
3.3. Judikative
3.4. Gewaltenteilung
4. Die Projektion des Menschenbildes der Federalists auf ihre Argumentationsweise
„Wenn die Menschen Engel wären, wäre keine Regierung notwendig. Wenn Engel die Menschen regierten, wären weder äußere noch innere Kontrollen der Regierung notwendig.“ Dieses wohl bekannteste Zitat im Zusammenhang mit den Federalist Papers, entnommen aus dem von James Madison verfassten Artikel 51, impliziert durch die Verwendung des Konditionals bereits, dass die Aussage, zumindest nach Auffassung des Autors, nicht den Tatsachen entspricht. Vielmehr spiegelt sich darin allerdings eine anthropologische Überzeugung, eine Skepsis an der menschlichen Vollkommenheit, und die damit verbundene Rechtfertigung für die Notwendigkeit der Ausarbeitung einer derartigen Verfassung. Zum einen verdeutlicht diese These, wie eng das Menschenbild der Verfasser und die ausgearbeitete Verfassung miteinander in Relation stehen. Zum anderen weist sie aber auch darauf hin, dass ein Regierungssystem immer aus zwei korrelierenden Fraktionen besteht, den Regierenden und den Regierten, welche jeweils gleichermaßen den anthropologischen Annahmen unterworfen sind. Die anthropologische Ideologie der Federalists zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Verfassungskommentar und bildet dabei Ausgangspunkt und Resultat des ausgearbeiteten Verfassungsentwurfs. Doch widerspricht die von Alexander Hamilton, James Madison und John Jay unter dem gemeinsamen Pseudonym „Publius“ ausgearbeitete Verfassung nicht den grundlegenden anthropologischen Überzeugungen der Autoren? Sind Menschen tatsächlich in der Lage einen Staat zu regieren?
Obwohl bis heute eine Vielzahl an Literatur zu den Federalist Papers veröffentlicht wurde, scheint eine intensive Auseinandersetzung mit dem zugrundeliegenden Menschenbild der Verfasser, ganz besonders innerhalb der deutschsprachigen Literatur, rar. In der vorliegenden Arbeit soll dem Abhilfe geschaffen werden, indem die anthropologischen Überzeugungen der drei Autoren anhand zentraler Textstellen herausgearbeitet und analysiert werden. Dabei soll zunächst knapp auf den historischen Hintergrund, das Zeitalter der Aufklärung, sowie auf die einflussreichsten Vordenker der Federalists und deren essenzielle Standpunkte eingegangen werden. Anschließend werden die wesentlichen Textstellen innerhalb der Federalist Papers, aus welchen sich Aussagen über das Menschenbild der Autoren ableiten lassen, herangezogen und den dargelegten Anforderungen an eine jeweilige Institution innerhalb des Regierungssystems gegenübergestellt. In einem dritten Schritt soll untersucht werden, wie sich das Menschenbild der Verfasser auf ihre Argumentationsweise auswirkt und ob sich Zusammenhänge erkennen lassen. Abschließend werden die herausgearbeiteten Erkenntnisse zu einem Gesamtbild zusammengefügt und unter Berücksichtigung des einleitenden Zitats resümiert. Als Textgrundlage der Arbeit dient die vollständig übersetzte und eingeleitete Ausgabe der Federalist Papers, welche 2007 von Barbara Zehnpfennig herausgegeben wurde.
Die Zeit um die Entstehung der Federalist Papers, welche zwischen den Jahren 1787 und 1788 verfasst und in verschiedenen New Yorker Zeitungen veröffentlicht wurden, ist geprägt durch einen elementaren Wandel des anthropologischen Weltbildes, welcher die Denkweise der Autoren, ebenso wie jene ihrer Leser, fundamental beeinflusst hat, gemeinhin bekannt als Zeitalter der Aufklärung. Anstelle der Sichtweise des Menschen als passives, triebgesteuertes Wesen, etablierte sich die Überzeugung des Menschen als selbstständig denkendes, vernunftbegabtes und aktiv handelndes Individuum, sowie die Grundvoraussetzung der Gleichheit aller Menschen. Aufgrund ihrer hervorragenden Bildung wird Hamilton, Madison und Jay zumindest die grundlegende Kenntnis der Werke und Überzeugungen einiger der bedeutungsvollsten Vertreter der Aufklärung, wie beispielsweise Locke, Hume, Hobbes und Montesquieu (vgl. Zehnpfennig 2007: 1), sowie antiker griechischer und römischer Vordenker, wie zum Beispiel Homer, Plato, und Aristoteles (vgl. Lambright 2015: 1488 ff.), zugeschrieben, zu welchen sich in einzelnen Essays des Federalists auch immer wieder direkte Verweise finden lassen. Besonders häufig lassen sich Bezüge zum Skeptizismus, Empirismus, der Moralphilosophie, sowie den beiden Standardthemen der „Stärke der Gefühle (passions) und [der] Schwäche der Vernunft (reason)“ (Adams/Adams 1994: xxix) der schottischen Aufklärung feststellen.
Die Argumentation über Vernunft, sowie die eher pessimistische Annahme, dass keinem Menschen uneingeschränkte Macht anvertraut werden sollte, scheinen die Federalists von David Hume übernommen zu haben (vgl. White 1987: 16). Letztere Auffassung wird gestützt durch Thomas Hobbes Machtkonzept und seine Hypothese, nach welcher im Naturzustand des Menschen ein Krieg aller gegen alle herrsche (vgl. Zehnpfennig 2007: 39), was nach dem Standpunkt der Federalists nur durch ein republikanisches Regierungssystem und einem damit einhergehenden Abtreten individueller Rechte zugunsten des Gemeinwohls bzw. einer Ausbalancierung pluralistischer Interessen kompensiert werden kann (vgl. Zehnpfennig 2007: 41 ff.). Diese Art Gesellschaftsvertrag erinnert an die Vertragstheorie Lockes, welche davon ausgeht, dass Menschen zwar hauptsächlich von Ängsten und Wünschen gesteuert sind, durch die Fähigkeit zur Vernunft allerdings dem prekären Naturzustand entfliehen können, indem sie sich zu einem Staat zusammenschließen, in welchem ein Mindestmaß an Ordnung, Freiheit und Sicherheit herrscht (vgl. Glendon 1993: 23). Nicht abstreiten lässt sich schließlich der weitreichende Einfluss von Montesquieus Konzept der Gewaltenteilung (vgl. Sheehan 2002: 925), welches die Federalists weiterentwickelten zu einem ihrer Meinung nach noch sichereren System der checks and balances, bei welchem alle drei Gewalten Gegengewichte zueinander darstellen, sich gegenseitig kontrollieren und beschränken, simultan jedoch voneinander abhängig sind und sich dadurch ausbalancieren.
Diese grundlegenden Annahmen über das Wesen des Menschen finden sich immer wieder in verschiedener Form in den Federalist Papers. Doch wie verknüpfen die Verfasser ihr Menschenbild konkret mit den Anforderungen an die Vertreter des jeweiligen Regierungszweiges? Und wie wird versucht, der Fehlbarkeit des Menschen entgegenzuwirken? Diese Fragen sollen im folgenden Kapitel genauer betrachtet werden.
Obwohl in der Literatur teilweise darüber diskutiert wird, ob die Überzeugungen und Forderungen von Publius nun homogen und aufeinander aufbauend sind, oder ob Diskrepanzen unter den Federalists bestehen (vgl. Carey 1984: 5 ff.), sind sich die Skeptiker dieser Diskussion immerhin im Hinblick auf ein konformes Menschenbild der Verfasser weitgehend einig (vgl. Beavers 2012: 4). Da genau in dieser Hinsicht eine Einigkeit unter den drei Verfassern für eine Zusammenarbeit unabdingbar erscheint, soll auch im Folgenden davon ausgegangen werden, dass die Federalists ihre grundlegenden anthropologischen Überzeugungen miteinander teilen.
Insgesamt zeigt sich bereits im ersten Essay eine skeptische Einstellung gegenüber den Fähigkeiten des Menschen, indem die Frage aufgeworfen wird, ob menschliche Gesellschaften überhaupt dazu fähig sind, „eine gute politische Ordnung auf der Grundlage vernünftiger Überlegung und freier Entscheidung einzurichten“ (Art. 1: 53). Scanlan merkt an, dass das Menschenbild zudem relativ realitätsnah sei und keine Illusionen über eine inhärente Gutherzigkeit oder Rationalität erweckt, sondern von einem Konzept menschlicher Bestechlichkeit ausgeht (vgl. 1959: 657). Rosano fasst das Menschenbild zusammen als leidenschaftlich und egoistisch und merkt an, dass konstitutionelle Beschränkungen zwar die Auswirkungen kontrollieren, die Konfliktursachen jedoch nicht auslöschen können, da diese in der Natur des Menschen verwurzelt sind (vgl. 2003: 69). Er sieht die ausgearbeitete Verfassung als Beweis dafür, dass Menschen ein gutes Regierungssystem basierend auf Reflexion und Wahl erarbeiten können (vgl. 2003: 72). Carey definiert den Menschen nach Ansicht von Publius ebenfalls als selbstsüchtig und kurzsichtig in Bezug auf individuelle Interessen und das Gemeinwohl (vgl. 1984: 18) während beispielsweise Beavers zwar ebenfalls anmerkt, dass der Mensch, nach Auffassung der Verfasser, zwar voller moralischer Defekte sei, diesen allerdings wichtige Stärken gegenüberstehen, welche eben dieses Regierungssystem überhaupt ermöglichen (vgl. 2012: 4). Während Beavers argumentiert, dass diese Eigenschaften für die Verfasser unveränderlich und universal seien (vgl. ibd.), entgegnen Kobylka/Carter, dass, zumindest für Madison, das Wesen des Menschen weder universal noch konstant, sondern veränderlich und verformbar, vor allem aber auch vielfältig sei (vgl. 1987: 195 f.).
Auch über die Auseinandersetzung von Publius mit den Verfassungsgegnern kann man zu interessanten Auffassungen über deren Menschenbild gelangen. So wird den Anti-Federalists beispielsweise eine bewusste Verdrehung von Tatsachen unterstellt (vgl. Art. 68) und der Schluss gezogen, dass Menschen sich oftmals einer Sache bloß deshalb widersetzen, „weil sie bei ihrer Planung nicht dabei waren oder weil sie von denen geplant wurde, die sie nicht leiden können“ (Art. 70: 418).
In den folgenden Unterpunkten soll nun genauer untersucht werden, wie sich das zugrundeliegende Menschenbild der Federalists auf ihre Anforderungen für die jeweiligen Gewaltenzweige des Regierungssystems auswirkt.
Die Legislative Gewalt hat laut Publius in einer republikanischen Regierung „notwendig die Vorherrschaft“ (Art. 51: 320), ist also die stärkste der drei Gewalten, gleichzeitig jedoch die gefährlichste für die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit (vgl. Carey 1989: 57), was die Qualifikationen der ihr unterstehenden Glieder sowie deren Kontrolle umso wichtiger macht. Aus diesem Grund wurde die Legislative im Verfassungsentwurf in zwei verschiedene Zweige, das Repräsentantenhaus und den Senat, unterteilt, welche sich durch verschiedene Wahlmodi und Regeln für ihre Tätigkeit so stark voneinander abgrenzen sollen, wie nur möglich (Art. 51: 320). Diese Vorkehrung wird untermauert durch die Aussage der Verfasser, dass die Macht von umso kürzerer Dauer sein sollte, je größer sie ist, und umgekehrt (vgl. Art. 52: 327), basiert also auf der Annahme, dass der Mensch von Natur aus nach größtmöglicher Macht strebt und dabei zum Machtmissbrauch neigt.
Daher soll durch regelmäßige Wahlen und einer in einem angemessenen Verhältnis zum Umfang an praktischen Kenntnissen stehende Amtsdauer die korrekte und gewissenhafte Amtsausübung gefördert werden (vgl. Art. 53: 330). Die Amtsdauer muss daher so befristet werden, ,,da[ss] die entsprechende Verantwortlichkeit dem Volk gegenüber erhalten bleibt“ (Art. 57: 347). Zudem zeigt sich, dass die Verfasser bei der Frage, wer wählen darf, sowohl die Reichen, als auch die Armen, die Gebildeten, als auch die Unwissenden und die vornehmeren Bürger wie auch die schlichteren miteinbeziehen und allen gleiche Rechte zuweisen (vgl. ibd.), abgesehen davon, dass Frauen und Sklaven dabei nicht miteinbezogen werden. Bei der Debatte um die Anzahl an Repräsentanten in Relation zur Bevölkerungszahl wird deutlich, dass die Federalists die gerade erwähnten Sklaven nicht als vollwertige Menschen, sondern wie zu dieser Zeit üblich, als Besitz bzw. gar fortschrittlich als eine „Mischform“ daraus betrachten (vgl. Art. 54: 334). Dies weißt wiederum auf ein differenziertes Menschenbild hin und scheint aus heutiger Perspektive im Widerspruch zur aufgeklärten Denkweise, dass alle Menschen gleich sind, zu stehen. Andererseits symbolisiert die Beschäftigung mit der Problematik durchaus ein aufgeklärtes Menschenbild der Verfasser.
Die Delegation von Rechten des Volkes an Abgeordnete zeigt ganz deutlich, dass nicht alle Menschen in der Lage sind, das Beste für das Gemeinwohl zu erkennen und schließlich zu viele verschiedene Meinungen zu keiner Lösung gelangen (vgl. Art. 52: 323). Doch ,,[e]benso, wie es ein Maß an Verderbtheit in den Menschen gibt, das ein gewisses Maß an Vorsicht und Misstrauen erforderlich macht, gibt es andere Eigenschaften in der menschlichen Natur, die einen gewissen Grad an Achtung und Vertrauen rechtfertigen“ (Art. 55: 342), Eigenschaften, welche folglich die Repräsentanten des Volkes besitzen (müssen), denn nach Publius herrscht unter der Masse des Volkes nicht genug Tugend für eine Selbstregierung (vgl. ibd.), was diese republikanische Regierungsform wiederum als einzig richtige für die Eigenschaften der menschlichen Natur darstellen soll. Vertreter des Volkes zeichnen sich daher durch ein hohes Maß an Autorität und Fürsorge aus und sind vertraut mit den Interessen und Lebensverhältnissen ihrer Wähler (vgl. Art. 56: 343). Die Autoren sehen kein Problem darin, geeignete Männer für diese Aufgabe zu finden (vgl. Art. 56: 345), was darauf schließen lässt, dass es in der Gesellschaft genügend Menschen geben muss, die in der Lage sind, Vernunft über ihre Leidenschaften walten zu lassen und ihre individuellen Interessen im Sinne des Gemeinwohles auszublenden, Männer, „die genügend Weisheit besitzen um das gemeinsame Wohl für die Gesellschaft zu erkennen, und genügend Tugend, um es zu verfolgen“ (Art. 57: 347). Im Gegenzug besteht vonseiten der Repräsentanten „zumindest eine zeitweilige Zuneigung zu ihren Wählern“ (Art. 57: 348), denn laut Publius gibt es
im Herzen jedes Menschen eine Empfänglichkeit für Zeichen der Ehrerbietung, der Gunst, der Achtung und des Vertrauens, die, jenseits aller interessengeleiteten Überlegungen, ein gewisses Pfand für eine dankbare und wohlwollende Vergeltung des Erwiesenen darstellt. Undankbarkeit ist [dagegen] ein gängiges Thema für Anklagen gegen die menschliche Natur [...] (ibd.).
Im Hinblick auf die Legislative Gewalt äußern die Federalists zwar durchaus Risiken, die es aufgrund der menschlichen Natur zu bedenken bedarf, zeigen sich jedoch optimistisch, dass sowohl ein Großteil des Volkes durchaus in der Lage sei, qualifizierte Vertreter zu delegieren und umgekehrt genügend taugliche Männer für diese Aufgabe vorhanden seien.
Die Exekutive stellt den Part der Gewaltenteilung dar, bei dem das Menschenbild der Federalists am deutlichsten zum Ausdruck kommt und die Ängste vor einem möglichen Machtmissbrauch am größten sind (vgl. Art. 67). So soll beispielsweise der Wille des Volkes bei der Wahl des Präsidenten durchaus miteinbezogen werden, die ausschlaggebende Entscheidungsbefugnis jedoch an eine repräsentative Körperschaft delegiert werden, deren Mitglieder „am besten dazu befähigt sind, die dem Amt entsprechenden Eigenschaften zu beurteilen“ und „am ehesten die Kenntnisse und das Urteilsvermögen besitzen, die für eine so komplizierte Untersuchung erforderlich sind“ (Art. 68: 405). Hier zeigt sich deutlich eine Differenzierung des Menschenbildes. Obwohl nach Annahmen dieser Zeit theoretisch alle Menschen gleich sind, sehen die Federalists nur eine kleine Anzahl von Personen, eine gewählte Elite, als geeignet für eine so wichtige Entscheidung an. Zudem soll durch diese Maßnahme „Kabalen, Intrigen und Korruption jedes nur mögliche Hindernis“ (ibd.) entgegengesetzt werden, was im Umkehrschluss der menschlichen Natur zugeschrieben wird.
Ferner wird untermauert, wie wichtig es sei, Vorurteilen und Korruption, vor allem durch Abhängigkeit des Präsidenten, vorzubeugen (vgl. Art. 68: 406). Dem soll dadurch vorgebeugt werden, dass „man die Wiederwahl des Präsidenten von einer speziellen Körperschaft von Repräsentanten abhängig macht, die von der Gemeinschaft zu dem einzigen Zweck abgeordnet werden, diese wichtige Wahl vorzunehmen“ (ibd.) um zu garantieren, dass sich der Präsident bei der Erfüllung seiner Pflichten lediglich am Willen und Wohl des Volkes orientiert. Bedenkt man allerdings die heutige Situation, so scheinen sich die Federalists dahingehend getäuscht zu haben, dass „[djieser Wahlvorgang [...] die moralische Gewi[ss]heit [bietet], da[ss] das Amt des Präsidenten kaum jemals auf einen Mann entfällt, der nicht in hervorragendem Maß mit den erforderlichen Qualitäten ausgestattet ist“ (Art. 68: 407). Sollte sich ein Präsident dennoch als ungeeignet erweisen „kann er unter Amtsanklage gestellt, einer Verhandlung unterzogen und, wenn er des Verrats, der Bestechung oder anderer schwerer Verbrechen oder Vergehen überführt wurde, des Amtes enthoben werden“ (Art. 69: 409). Die Federalists demonstrieren auch hier erneut, dass das System zwar so sicher wie nur möglich ist, eine Fehlbarkeit jedoch nie vollständig ausgeschlossen werden kann. Eine besondere Sicherheitsmaßnahme bilden hier vor allem zeitliche Begrenzungen der Machtausübung, doch auch die Zuweisung von Zuständigkeitsbereichen zielt darauf ab, einem Menschen nie die vollständige und alleinige Macht zu überlassen.
Dennoch spricht, nach Überzeugung der Federalists, vieles für eine Exekutivgewalt bestehend aus einer Person, beispielsweise „Entschlossenheit, Rührigkeit, Verschwiegenheit und rasche Erledigung anstehender Aufgaben“ (Art. 70: 416). Dies deutet das Problem der Vielfalt von Interessen und die damit verbundene Gefahr von Meinungsverschiedenheiten an, sobald mehrere Individuen aufeinandertreffen. Hinzu kommt die Gefahr, dass der Mensch, nach Ansicht der Federalists, in einer solchen Situation dazu neigt, einen persönlichen Wettkampf oder Feindseligkeiten auszutragen (vgl. Art. 70: 418), oder aber eigene Fehler zu verbergen und das Verantwortungsbewusstsein zu zerstören (vgl. Art. 70: 419). Wenn dagegen die Macht in den Händen eines Mannes liegt, kann dieser in seinem Ehrgeiz, zu welchem der Mensch nach Publius neigt, viel besser beobachtet und beargwöhnt werden, was wiederum die Gefahr eines Machtmissbrauchs minimiert (vgl. Art. 70: 422) und das Pflichtgefühl und die Sorgfalt der Person begünstigt (Art. 76: 446).
Diese Auszüge der Anforderungen an die Exekutivgewalt verdeutlichen, dass in dieser Position, trotz der menschlichen Prädestinierung zu Selbstsucht, Ehrgeiz und Machtmissbrauch eine Machtvergabe in die Hände eines Einzelnen am Ende besser kontrolliert werden kann, als würde man die Exekutivgewalt unter mehreren Vertretern aufteilen. Die Tatsache, dass dieser Mensch aber durch ein elitäres Gremium gewählt wird, stellt ihn in seinen Charaktereigenschaften noch weiter über das gemeine Volk und verdeutlicht die differenzierte Wahrnehmung der Federalists, nach welcher nur sehr wenige Menschen einer so anspruchsvollen Aufgabe gewachsen sind.
Im Hinblick auf die Judikative des Regierungssystems zeigt sich vor allem, dass dieser von Natur aus schwächste Zweig der drei Gewalten (vgl. Art. 78: 455) dementsprechend weniger kontrolliert und eingeschränkt werden muss, die Richter jedoch besonders durch herausragendes Wissen und Kenntnis in ihrem Bereich glänzen müssen. In diesem Zweig spiegelt sich die Vernunftbegabung des Menschen unübertroffen wieder, denn die Judikative besitzt „weder Macht noch Willen“ (Art. 78: 456), sondern urteilt über Vergehen, weshalb eine „völlige Unabhängigkeit der Gerichtshöfe“ (ibd.) besonders wichtig ist.
Die Federalist Papers und das politische System der USA
Julia C. Hartenbach (Autor)
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Federalist Papers Madison Hamilton Jay USA politisches System Menschenbild
Julia C. Hartenbach (Autor), 2017, Das Menschenbild der Federalist Papers von Alexander Hamilton, James Madison und John Jay, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/511776
Der Militärputsch in Chile. Wie lässt sich das Wirken der USA mit d...

References: Art. 68
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 Art. 53
 Art. 54
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 Art. 56
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 Art. 67
 Art. 68
 Art. 70
 Art. 70
 Art. 70
 Art. 78