Source: http://magazin.quayou.de/workshops-management-controlling/bilanz-aufbau-passiva/
Timestamp: 2018-05-21 02:49:27+00:00

Document:
So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 2: Aufbau Passiva | quayou Magazin
Home Controlling Bilanzen erstellen So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 2: Aufbau Passiva
quayou Redaktion12.10.2017Kommentare deaktiviert für So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 2: Aufbau Passiva0758
In wenigen Stunden die Bilanz erstellen – davon träumen Sie? Erfüllen Sie sich diesen Traum! Denn, wenn Sie den Aufbau der Bilanz verstanden haben und den einzelnen Positionen Werte zuordnen können, haben Sie den schwierigen Teil schon geschafft.
Wir wollen Sie auf Ihrem Weg unterstützen. Da die Bilanz sich in eine Aktivseite (die Aktiva) und eine Passivseite (die Passiva) aufteilt, gibt es bei uns zwei Workshops zum Erstellen der Bilanz.
Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie daher erst den Workshop „So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 1: Aufbau Aktiva“ lesen. Dort lernen Sie die Positionen der Aktivseite kennen. In diesem Artikel bekommen Sie dann eine detaillierte Erklärung zum Aufbau der Passivseite – und können so Schritt für Schritt Ihre Bilanz erstellen.
Sie werden merken, wie Sie einen besseren Überblick über die finanzielle Situation Ihres Unternehmens bekommen.
Sie sind noch unsicher, ob sich der Aufwand lohnt? Der Artikel „Bilanz selbst erstellen: Geben Sie Ihre Finanzen nicht aus der Hand!“ wird Ihnen weitere Argumente dafür nennen, warum Sie die Bilanz selbst erstellen sollten.
Sind Sie bereit, Ihre erste selbst erstellte Bilanz zu vervollständigen? Dann lassen Sie uns loslegen!
Aufbau der Passiva
Mit der Passivseite in der Bilanz wird das verfügbare Kapital, das ein Unternehmen besitzt, ausgewiesen.
Auf der Passivseite werden das in das Unternehmen geflossene Geld und seine Quellen sichtbar. Das heißt, es wird ersichtlich, mit welchen Mitteln die Werte auf der Aktivseite angeschafft wurden. Die Passivseite beschreibt somit die Finanzierungsseite der Bilanz bzw. der Aktivseite.
Im Folgenden lernen Sie den Aufbau der Passivseite der Bilanz kennen, indem alle in § 266 Abs. 3 HGB definierten und auszuweisenden Positionen beschrieben und erläutert werden. Ermitteln Sie parallel Ihre eigenen Werte zu jeder Position und halten Sie diese in einer Tabelle (z. B. in Excel) fest.
Die Passivseite strukturieren
Grundsätzlich werden auf der Passivseite der Bilanz die Kategorien Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten, Rechnungsabgrenzungsposten und passive latente Steuern unterschieden. Der Aufbau sieht folgendermaßen aus:
Anleihen; davon konvertibel
Erfahren Sie nun, was sich hinter den einzelnen Positionen verbirgt:
Das Eigenkapital stellt das Reinvermögen des Unternehmens dar. Es ist jene Größe, die nach Verkauf sämtlicher Vermögensgegenstände und Tilgung sämtlicher Schulden jeweils zu den bilanzierten Werten dem oder den Anteilseigner(n) verbleibt bzw. verbleiben würde.
Bei Einzelunternehmen stammt es vom Unternehmer, bei Personengesellschaften von den Gesellschaftern und bei Kapitalgesellschaften von den Anteilseignern. Rücklagen bzw. Reserven sind stets Eigenkapital.
Das Eigenkapital ist ein Risikopolster, gehört dauerhaft dem Inhaber, ist zinslos und sichert auch die Unabhängigkeit gegenüber Kreditinstituten.
Die bilanzielle Darstellung des Eigenkapitals ist maßgeblich von der Rechtsform des Unternehmens abhängig.
Beim Einzelunternehmer und bei den unbeschränkt haftenden Mitgliedern einer Personengesellschaft ergibt sich insoweit wenig Regelungsbedarf, da im Falle der Insolvenz auch auf das nicht in der Bilanz ausgewiesene Vermögen zugegriffen werden kann.
Umso kritischer ist die Unterscheidung der einzelnen Eigenkapitalpositionen bei Kapitalgesellschaften, da hier mit einer Verringerung eine Reduktion des Haftungsvermögens einhergeht.
Hinsichtlich der Aufgliederung des Eigenkapitals des Einzelunternehmers gibt es keine gesetzlichen Vorschriften. Lediglich für das negative Eigenkapital ist ein Ausweis auf der Aktivseite unzulässig. Die Darstellung muss auf der Passivseite unter der Gliederungsüberschrift „Negatives Eigenkapital“ vorgenommen werden.
Die Rechnungslegungsvorschriften treffen für die Bilanzierung des Eigenkapitals von Personengesellschaften ebenfalls keine Aussage. Im Unterschied zur Bilanzierung eines Einzelunternehmens ist die Frage nach der Gliederung insoweit schwieriger, als mehrere Personen davon betroffen sind.
Da die Gesellschafter sich auch gegenseitig über ihr Entnahmeverhalten informieren, ist demnach zumindest für jeden Gesellschafter ein eigenes Kapitalkonto zu führen. Des Weiteren kann ein Aufteilen in fixe und variable Kapitalkonten sinnvoll sein. Dabei geben die fixen Konten Auskunft über das Beteiligungsverhältnis und die variablen Konten bilden das Einlage- und Entnahmeverhalten sowie die Erfolgsbeteiligung ab.
Eine Veränderung des Eigenkapitals erfolgt einerseits durch Gewinne und Verluste des Unternehmens und andererseits durch Einlagen und Entnahmen des Unternehmers bzw. der Gesellschafter.
Als Eigenkapital werden in der Bilanz die folgenden Positionen separat ausgewiesen:
Das gezeichnete Kapital ist das Grundkapital bei einer Aktiengesellschaft (Mindestbetrag 50.000 Euro) sowie das Stammkapital bei einer GmbH (Mindestbetrag 25.000 Euro).
Die Unterarten der Kapitalrücklage sind in § 272 Abs. 2 HGB abschließend aufgezählt. Diese sind Agiobeträge aus der Emission von Anteilen (insbesondere Aktien), Vorzugsaktien, Bezugsrechten und Wandel- und Optionsanleihen, Beträge von Zuzahlungen durch Gesellschafter für die Gewährung von Vorzügen oder Beträge von anderen Zuzahlungen der Gesellschafter in das Eigenkapital.
Eine Gewinnrücklage ist im Rechnungswesen die Folge von nicht ausgeschütteten Jahresüberschüssen einer Kapitalgesellschaft und gehört zum Eigenkapital. Sie wird aus einbehaltenen Gewinnen gebildet.
Zuzuführen sind der gesetzlichen Rücklage 5 Prozent des um einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr geminderten Jahresüberschusses, bis die gesetzliche Rücklage und die Kapitalrücklagen nach § 272 II Nr. 1-3 HGB zusammen 10 Prozent oder den in der Satzung bestimmten höheren Teil des Grundkapitals erreichen.
Die gesetzliche Rücklage kann unter bestimmten Voraussetzungen zum Ausgleich eines Jahresfehlbetrages, eines Verlustvortrags sowie zur Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln verwendet werden.
Eine solche Rücklage ist zwingend zu bilden, wenn die bilanzierende Gesellschaft Anteile von einem Unternehmen hält, von dem es beherrscht wird oder das mehrheitlich am bilanzierenden Unternehmen beteiligt ist.
In diesem Zusammenhang sind vom bilanzierenden Unternehmen erworbene Anteile grundsätzlich im Umlaufvermögen auszuweisen; liegen die Voraussetzungen gem. § 271 Abs. 2 HGB vor, erfolgt die Aktivierung unter dem Posten „Anteile an verbundenen Unternehmen“ im Sinne von § 266 Abs. 2. B. III. 1 HGB – andernfalls als sonstige Wertpapiere des Umlaufvermögens.
Wirtschaftlich erklärt sich dieser Ausweis dadurch, dass der Erwerb solcher Anteile durch das bilanzierende Unternehmen faktisch den Erwerb eigener Anteile darstellt und deshalb ein entsprechender Korrekturposten zu bilden ist.
Auf diese Weise wird eine Kapitalerhaltung erreicht, da unter wirtschaftlicher Betrachtung die Ausschüttung von effektiv nicht aufgebrachten Einlagen verhindert wird.
Die anderen Gewinnrücklagen umfassen als Restgröße die nicht gesondert auszuweisenden Gewinnrücklagen.
In diese anderen Rücklagen sind bei Aktiengesellschaften gemäß § 58 AktG höchstens 50 Prozent des Jahresüberschusses einzustellen.
Sie werden auch als freie Gewinnrücklagen bezeichnet.
Ein Gewinnvortrag ist Teil des Eigenkapitals einer Kapitalgesellschaft (§ 266 Abs. 3 A. IV. HGB).
Ein Gewinnvortrag entsteht, wenn nicht der gesamte Bilanzgewinn ausgeschüttet wird, sondern ein Teil auf neue Rechnung (d. h. in das nächste Geschäftsjahr) vorgetragen wird. Aus einem Jahresfehlbetrag, der vorgetragen wird, wird im darauffolgenden Geschäftsjahr ein Verlustvortrag.
Der Jahresüberschuss ist die Ergebnisgröße in der handelsbilanziellen Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), die nach Berücksichtigung aller Erträge und aller Aufwendungen verbleibt.
Ein Jahresüberschuss, d. h. ein Überschuss der Erträge gegenüber den Aufwendungen, kann grundsätzlich entweder in die Rücklagen eingestellt – und damit im Unternehmen als Eigenkapital gebunden –, oder aber an die Anteilseigner ausgeschüttet werden (Gewinnverwendung).
Ein Jahresfehlbetrag, d. h. ein Mehrbetrag der Aufwendungen über die Erträge, führt zu einer Eigenkapitalminderung.
In Abgrenzung zum Eigenkapital wird auf der Passivseite als zweiter großer Block das Fremdkapital bilanziert.
Fremdkapital hat gegenüber Eigenkapital den Nachteil, dass es dem Unternehmen nicht dauerhaft zur Verfügung steht, dass es rückzahlbar ist, normalerweise Zinsen verursacht und oft auch Eingriffsrechte von Kreditinstituten mit sich bringt.
Der Vorteil: Die Kreditzinsen sind als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar. Nach dem Grad der Wahrscheinlichkeit der Zahlungsverpflichtung unterscheidet man Rückstellungen und Verbindlichkeiten.
Rückstellungen sind Zahlungsverpflichtungen, die hinsichtlich ihres Grundes, der Höhe und/oder dem Zeitpunkt nach ungewiss sind. Rückstellungen sind Fremdkapital und sind für ungewisse Verbindlichkeiten und für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu bilden.
Es handelt sich dabei um wirtschaftliche Verpflichtungen, die im aktuellen oder einem früheren Geschäftsjahr entstanden sind. Am Bilanzierungszeitpunkt ist jedoch noch unsicher, ob (dem Grunde nach), wann (dem Zahlungszeitpunkt nach) und/oder in welcher Höhe die Verpflichtung zu Ausgaben führen wird. Die künftige Zahlungsverpflichtung ist aber bei Bilanzaufstellung bereits wahrscheinlich oder sogar sicher.
Beispiele dafür sind Rückstellungen für Pensionen, Gewährleistungen oder für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften.
Pensionsrückstellungen sind im Rechnungswesen Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten aus betrieblicher Altersversorgung für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen zugunsten anspruchsberechtigter Arbeitnehmer.
Hier müssen die Steuern und Abgaben ausgewiesen werden, die bis zum Ende des Geschäftsjahres wirtschaftlich entstanden sind, jedoch in ihrer Höhe noch nicht feststehen.
Drohverlustrückstellungen nach § 249 Abs. 1 HGB: Ein Verlust aus einem schwebenden Geschäft droht immer dann, wenn Erträge und Aufwendungen aus demselben noch nicht abgewickelten Geschäft sich nicht ausgleichen, sondern per saldo ein Verpflichtungsüberschuss besteht.
Kulanzrückstellungen: Sie zielen auf die Behebung von Mängeln an eigenen Lieferungen und Leistungen vor dem Bilanzstichtag ab, wobei sich das Unternehmen auch ohne rechtliche Verpflichtung nicht entziehen kann oder will.
Rückstellungen für Garantieverpflichtungen: Mit Garantierückstellungen soll das Risiko künftigen Aufwands durch kostenlose Nacharbeiten oder durch Ersatzlieferungen oder aus Minderungen oder Schadenersatzleistungen wegen Nichterfüllung aufgrund gesetzlicher oder vertraglicher Gewährleistungen erfasst werden.
Verbindlichkeiten sind Zahlungsverpflichtungen des Unternehmens, die hinsichtlich Grund und Höhe feststehen, auch wenn noch ungewiss ist, wann sie zu begleichen sind. Darunter sind insbesondere Lieferverbindlichkeiten, Bankkredite und sonstige Verbindlichkeiten (beispielsweise gegenüber Abgabenbehörden) zu verstehen.
1. Anleihen; davon konvertibel
Unter Anleihen versteht man langfristige, am öffentlichen Kapitalmarkt aufgenommene Verbindlichkeiten, vor allem Schuldverschreibungen, Wandelschuldverschreibungen, Gewinnschuldverschreibungen und Genussscheine, soweit das Genussscheinkapital nicht dem Eigenkapital zuzuordnen ist.
Schuldscheindarlehen werden nicht am öffentlichen Kapitalmarkt aufgenommen. Sie sind daher als sonstige Verbindlichkeiten auszuweisen. Die Prüfung der sachgerechten Zuordnung erfolgt durch Einsicht der Sachkonten, Saldenlisten und Emissionsunterlagen.
§ 266 II C. 1 HGB verlangt die Angabe der konvertiblen Beträge, die bei Wandelschuldverschreibungen in Aktien umgetauscht werden können.
Weiterhin müssen bei mit Aktienerwerbsoptionen ausgestatteten Schuldverschreibungen die Beträge angegeben werden, für die auf Aktienerwerb optiert werden kann.
Hier sind alle Verbindlichkeiten gegenüber in- und ausländischen Banken auszuweisen. Was ein Kreditinstitut ist, wird in § 1 KWG definiert. Auch Verbindlichkeiten gegenüber Bausparkassen sind unter diesem Posten auszuweisen. Kredite der AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft mbH sind auch hier oder gesondert auszuweisen.
Der ausgewiesene Betrag muss die Zinsen enthalten, die auf die abgelaufene Periode entfallen. Bei der Prüfung werden die gebuchten Salden mit den Kontoauszügen der Kreditinstitute oder mit gesonderten Bestätigungen (sogenannte Bankbestätigungen) verglichen.
Erhält das Unternehmen Anzahlungen für Leistungen, die noch nicht erfüllt oder nur teilweise erfüllt sind, so hat es diese grundsätzlich als erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen auszuweisen.
Die Verpflichtungsgeschäfte müssen grundsätzlich bereits abgeschlossen sein. Ausnahmen hiervon sind jedoch denkbar, wenn Zahlungen geleistet werden und der förmliche Geschäftsabschluss mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet wird, z. B. wenn die Zahlung der Bestellung kurzfristig vorauseilt.
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen dürfen auch offen in einer Vorspalte von den Vorräten abgesetzt werden (§ 268 V Satz 2 HGB). Die Absetzung darf auch insoweit erfolgen, als Anzahlungen mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten für bestimmte Aufträge nicht korrespondieren; nur darf der Posten Vorräte nicht insgesamt negativ werden.
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen sind mit dem Betrag zu bewerten, der dem Unternehmen zugeflossen ist. Erhaltene Anzahlungen in fremder Währung sind im Zeitpunkt der Einbuchung mit dem Geldkurs umzurechnen.
Der Begriff ist mit dem Recht der Schuldverhältnisse – soweit es gegenseitige Verträge (z. B. Dienstverträge, Kaufverträge, Mietverträge, Pachtverträge, Werkverträge) betrifft – eng verbunden.
Rechtlich entstehen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen als Verpflichtung zur Gegenleistung (Kaufpreise, Vergütungen) mit Abschluss der entsprechenden Verträge (§§ 433 II, 535, 581 I, 611 I, 631 I BGB).
Bilanzrelevant werden solche Verpflichtungen zur Gegenleistung erst, wenn die nach dem Vertrag geschuldete Leistung in der Weise erfüllt worden ist, dass der Leistende alle wesentlichen Erfüllungshandlungen vollzogen hat und wirtschaftlich wesentliche Teile der rechtlichen Gefahr nicht mehr trägt.
Unter diesem Posten sind Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel (Tratten) und der Ausstellung eigener Wechsel (Solawechsel) auszuweisen; das gilt nicht nur für Warenwechsel, sondern auch für Finanzwechsel, die einem Auftraggeber Kredit verschaffen sollten. Im letzteren Fall hat die Gesellschaft einen Ausgleichsanspruch unter die sonstigen Vermögensgegenstände aufzunehmen.
Kautions- bzw. Sicherungswechsel, die nur in den Verkehr gebracht werden können, wenn die Gesellschaft ihren Verpflichtungen nicht nachkommt, werden nicht als Wechselverbindlichkeit passiviert.
Hier wird auf die Ausführungen zu den Forderungen verwiesen.
Zu den sonstigen Verbindlichkeiten zählen vor allem Steuerverbindlichkeiten, die der Gesellschaft als Steuerschuldner zuzurechnen sind, rückständige Löhne und Gehälter, einbehaltene Sozialversicherungsbeiträge, einbehaltene Quellensteuer, Darlehensverbindlichkeiten, die nicht gegenüber Kreditinstituten bestehen, sowie Provisionsverpflichtungen u. Ä.
Das Gliederungsschema des § 266 HGB sieht vor, dass die Steuerverbindlichkeiten gesondert angegeben werden, also unter „Davon aus Steuern“. Es ist unbestimmt, ob hier nur Beträge anzugeben sind, welche die Gesellschaft selbst als Steuerschuldner schuldet.
Sinnvoll erscheint hier die zusätzliche Einbeziehung der einbehaltenen, von der Gesellschaft abzuführenden Steuern, um die Gesamtverpflichtungen gegenüber der öffentlichen Hand darzulegen. Der Inhalt des Postens sollte im Anhang klargestellt werden.
Des Weiteren sind die Beträge gesondert unter „Davon im Rahmen der sozialen Sicherheit“ anzugeben, die im Rahmen der sozialen Sicherheit unter den sonstigen Verbindlichkeiten enthalten sind. Auch diese Begriffsbildung ist nicht eindeutig. Der Vermerk sollte aber zumindest folgende Posten umfassen: Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile der Beiträge zur Sozialversicherung und Verbindlichkeiten gegenüber rechtlich selbstständigen Unterstützungseinrichtungen, soweit es sich nicht um verbundene Unternehmen handelt.
Nach § 250 Abs. 2 HGB sind als Rechnungsabgrenzungsposten auf der Passivseite der Bilanz Einnahmen vor dem Abschlussstichtag auszuweisen, soweit sie Erträge für eine bestimmte Zeit nach diesem Tag darstellen.
Ein IT-Unternehmen erhält beispielsweise am 1. Oktober von einem Kunden als Vorauszahlung für einen Wartungsvertrag einen Betrag in Höhe von netto (d. h. ohne Umsatzsteuer) 12.000 Euro überwiesen. Der Wartungsvertrag deckt den Zeitraum 1. Oktober bis 30. September ab; die monatlichen Wartungsgebühren betragen 1.000 Euro.
Davon betreffen – aus Sicht des Bilanzstichtags 31.12. – 9.000 Euro das nächste Geschäftsjahr (Januar bis September) sowie 3.000 Euro das aktuelle Geschäftsjahr (Oktober bis Dezember). Die 9.000 Euro werden als passiver Rechnungsabgrenzungsposten (§ 266 Abs. 3 D. HGB) passiviert, während die 3.000 Euro als Umsatzerlös im alten Jahr verbucht werden.
Im Falle eines positiven Differenzbetrages, also falls das Handelsbilanzergebnis vor Steuern höher ist als der steuerliche Gewinn, kann eine passive latente Steuerposition gebildet werden.
Entstehungsursachen dafür können höher angesetzte Werte für Vermögensgegenstände bzw. niedriger angesetzte Werte für Schulden in der Handelsbilanz im Vergleich zur Steuerbilanz sein oder Vermögensgegenstände, die nur in der Handelsbilanz bzw. Verbindlichkeiten, die nur in der Steuerbilanz angesetzt wurden.
Angaben unterhalb der Bilanz
Darüber hinaus sind unterhalb der Bilanz (unter dem Bilanzstrich) Haftungsverhältnisse (Eventualverbindlichkeiten) anzugeben. Sie stellen unwahrscheinliche Zahlungsverpflichtungen dar und ergeben sich beispielsweise aus der Übernahme von Bürgschaften und Garantien.
Bestimmte Ausgaben des Unternehmens dürfen nicht aktiviert, d. h. nicht in die Bilanz aufgenommen werden; das gilt für sämtliche Aufwendungen für die Gründung des Unternehmens und für die Beschaffung von Eigenkapital. Davon sind beispielsweise Beratungshonorare, Notariatsgebühren und sämtliche Gebühren anlässlich der Gründung sowie die Kapitalverkehrssteuer betroffen.
Ebenso darf kein Aktivposten für nicht entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände angesetzt werden. Darunter fällt beispielsweise der originäre Firmenwert des Unternehmens, also jene Werte, die im Unternehmen selbst durch den Aufbau einer Marke, eines Kundenstockes und dergleichen geschaffen wurden. Auch Aufwendungen für selbst erstellte Software unterliegen dem Aktivierungsverbot.
Grundsätzlich werden in der Bilanz nur tatsächlich realisierte Geschäftsfälle oder solche, mit deren Eintritt ernsthaft zu rechnen ist, abgebildet.
Als besonderen Ausfluss des Vorsichtsprinzips sieht das HGB darüber hinaus eine verpflichtende Angabe von Haftungsverhältnissen (auch: Eventualverbindlichkeiten) vor. Als solche gelten sämtliche potenziellen Verpflichtungen des Unternehmens, auch wenn mit einer Inanspruchnahme nicht ernsthaft gerechnet werden kann. Ihr Ausweis erfolgt nicht in der Bilanz, sondern als Vermerk unter der Bilanz.
Folgende Haftungsverhältnisse sind anzugeben, sofern sie nicht bereits als Verbindlichkeit oder Rückstellung in der Bilanz ausgewiesen wurden:
Haftungsverhältnisse aus Wechseln
Darunter ist die Gesamtsumme der zum Bilanzstichtag in Umlauf befindlichen Wechsel auszuweisen, für die das Unternehmen aufgrund der Ausstellung oder innerhalb der Wechselkette haftet.
Die Bürgschaft ist ein einseitig verpflichtendes Rechtsgeschäft, wodurch sich ein Bürge gegenüber dem Gläubiger eines Dritten verpflichtet, für die Erfüllung der Verbindlichkeiten des Dritten einzustehen.
Üblicherweise werden Bürgschaften in Zusammenhang mit Krediten und Darlehen eingegangen. Dann handelt es sich bei dem Dritten um einen Kreditnehmer (z. B. Tochterunternehmen) und bei dem Gläubiger um ein Kreditinstitut, welches ein Darlehen gewährt.
Als Haftungsverhältnisse sind sämtliche eingegangene Bürgschaften des Unternehmens anzugeben. Als Betrag ist die Summe aller Hauptschulden anzugeben.
Als Garantie ist in diesem Fall eine Zusicherung eines bestimmten Handelns in einem bestimmten Fall zu verstehen. Sie führt nur dann zu einer Eventualverbindlichkeit, wenn dadurch eine zusätzliche, über das normale branchenübliche Ausmaß hinausgehende Verpflichtung übernommen wird.
Sonstige vertragliche Haftungsverhältnisse
Darunter fallen alle übrigen Haftungsverhältnisse, wie sie sich beispielsweise aus der Bestellung von Sicherheiten für fremde Verbindlichkeiten ergeben.
Ebenfalls auszuweisen sind hier weiche Patronatserklärungen. Dabei gibt das Mutterunternehmen einem Gläubiger seines Tochterunternehmens eine Erklärung ab, wodurch sich die Kreditwürdigkeit verbessern soll.
Halten Sie die Werte Ihres Unternehmens übersichtlich und schriftlich auf der Haben-Seite der Bilanz fest. Beachten Sie dabei den hier vorgegebenen Aufbau. Verwenden Sie am besten wieder MS-Excel, damit Sie gleich Nebenrechnungen erstellen und mit unterschiedlichen Bilanzbewertungen Szenarien durchspielen können.
Und vergessen Sie die Angaben unter dem Bilanzstrich nicht!
Zusammen mit dem ersten Workshop zur Aktivseite („So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 1: Aufbau Aktiva“) haben Sie Ihre Bilanz nun erfolgreich erstellt. Gratulation! Ihre erste Fahrradfahrt mit Stützrädern haben Sie nun gemeistert – und bald gelingt es Ihnen auch ohne Hilfe.
Nicht zu vergessen: Eine gute Buchführung ist das A und O, um sich auf die Bilanzierung vorzubereiten. Denn nur so stehen Ihnen alle Zahlen sofort zur Verfügung und das Thema lässt sich tatsächlich in wenigen Stunden abhaken.
Die Buchführung können Sie demnächst mit unserem dazugehörigen Artikel meistern. So sind Sie optimal vorbereitet und schütteln die nächste Bilanz quasi aus dem Handgelenk.

References: § 266
 § 272
 § 272
 § 271
 § 266
 § 58
 § 249

§ 266
 § 1
 § 266
 § 250