Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-EuGH-C-174-16-07.09.2017-u.html
Timestamp: 2019-08-25 19:08:23+00:00

Document:
7. Sep­tem­ber 2017(1)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 2010/18/EU - Übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub - Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 - Rück­kehr aus dem El­tern­ur­laub - Recht, an sei­nen frühe­ren Ar­beits­platz zurück­zu­keh­ren oder ei­ne gleich­wer­ti­ge oder ähn­li­che Ar­beit zu­ge­wie­sen zu be­kom­men - Be­ste­hen­blei­ben der er­wor­be­nen Rech­te oder An­wart­schaf­ten - Be­am­ter ei­nes Bun­des­lands, der im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be in ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on befördert wur­de - Re­ge­lung die­ses Bun­des­lands, nach der die Pro­be­zeit auch dann kraft Ge­set­zes und un­ter Aus­schluss der Möglich­keit ei­ner Verlänge­rung nach zwei Jah­ren en­det, wenn die Ab­we­sen­heit auf ei­nem El­tern­ur­laub be­ruht - Un­ver­ein­bar­keit - Fol­gen“
In der Rechts­sa­che C-174/16
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 2. Ju­li 2015, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 24. März 2016, in dem Ver­fah­ren
Land Ber­lin
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten M. Ilešič, der Rich­te­rin A. Prechal (Be­richt­er­stat­te­rin), des Rich­ters A. Ro­sas, der Rich­te­rin C. Toa­der und des Rich­ters E. Ja­rašiūnas,
- von Frau H.,
- des Lan­des Ber­lin, ver­tre­ten durch M. Theis, E.-N. Voigt, K.-P. Nießner und A. Holl­mann als Be­vollmäch­tig­te,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch C. Va­le­ro und M. Kel­ler­bau­er als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 26. April 2017
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der am 18. Ju­ni 2009 ge­schlos­se­nen übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub (im Fol­gen­den: übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung), die im An­hang der Richt­li­nie 2010/18/EU des Ra­tes vom 8. März 2010 zur Durchführung der von BUSI­NESS­EU­RO­PE, UE­AP­ME, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 96/34/EG (ABl. 2010, L 68, S. 13) wie­der­ge­ge­ben ist, so­wie der Art. 14 Abs. 1 Buchst. a und c, 15 und 16 der Richt­li­nie 2006/54/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. Ju­li 2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen (ABl. 2006, L 204, S. 23).
Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau H. und dem Land Ber­lin (Deutsch­land) we­gen ei­nes Be­scheids die­ses Lan­des, der Frau H. während ih­res El­tern­ur­laubs über­mit­telt wur­de und mit dem sie da­von in Kennt­nis ge­setzt wur­de, dass sie die zweijähri­ge Pro­be­zeit in dem ihr vor dem El­tern­ur­laub über­tra­ge­nen Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on we­gen ih­rer durch den El­tern­ur­laub be­ding­ten Ab­we­sen­heit nicht er­folg­reich ab­ge­schlos­sen ha­be. Da­her sei ihr Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be be­en­det, so dass ihr wie­der ihr frühe­res, nied­ri­ger ein­ge­stuf­tes Amt über­tra­gen wer­de.
Richt­li­nie 2010/18 und übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung
3 Mit der Richt­li­nie 2010/18 wur­de die Richt­li­nie 96/34/EG des Ra­tes vom 3. Ju­ni 1996 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB [am 14. De­zem­ber 1995] ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub (ABl. 1996, L 145, S. 4) (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung von 1995) mit Wir­kung zum 8. März 2012 auf­ge­ho­ben.
4 In den Erwägungs­gründen 8 und 11 der Richt­li­nie 2010/18 heißt es:
„(8) Da die Zie­le der Richt­li­nie, nämlich die uni­ons­wei­te Ver­bes­se­rung der Ver­ein­bar­keit von Be­ruf, Fa­mi­lie und Pri­vat­le­ben für er­werbstäti­ge El­tern so­wie der Chan­cen­gleich­heit von Männern und Frau­en auf dem Ar­beits­markt und der Gleich­be­hand­lung am Ar­beits­platz, auf Ebe­ne der Mit­glied­staa­ten nicht aus­rei­chend ver­wirk­licht wer­den können und da­her bes­ser auf Uni­ons­ebe­ne zu ver­wirk­li­chen sind, kann die Uni­on im Ein­klang mit dem in Ar­ti­kel 5 des Ver­trags über die Eu­ropäische Uni­on nie­der­ge­leg­ten Sub­si­dia­ritätsprin­zip tätig wer­den. …
(11) Nach Pa­ra­graf 1 Ab­satz 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung wer­den im Ein­klang mit den all­ge­mei­nen Grundsätzen des Uni­ons­rechts im Be­reich der So­zi­al­po­li­tik in der Ver­ein­ba­rung Min­dest­vor­schrif­ten fest[ge]legt.“
„Die Mit­glied­staa­ten er­las­sen bis spätes­tens 8. März 2012 die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, um die­ser Richt­li­nie nach­zu­kom­men, oder sie gewähr­leis­ten, dass die So­zi­al­part­ner die not­wen­di­gen Maßnah­men bis zu die­sem Zeit­punkt durch Ver­ein­ba­rung ein­geführt ha­ben. …“
6 In der Präam­bel der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung heißt es u. a.:
„Die­se Rah­men­ver­ein­ba­rung … ist ei­ne übe­r­ar­bei­te­te Fas­sung der [Rah­men­ver­ein­ba­rung von 1995], die Min­dest­vor­schrif­ten für den El­tern­ur­laub als wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für die Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie, die Förde­rung der Chan­cen­gleich­heit und die Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en fest­legt.
I. All­ge­mei­ne Erwägun­gen
3. gestützt auf die Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on vom 7. De­zem­ber 2000 und de­ren Ar­ti­kel 23 und 33 über die Gleich­heit von Männern und Frau­en bzw. die Ver­ein­bar­keit von Be­rufs-, Pri­vat- und Fa­mi­li­en­le­ben;
22. El­tern­ur­laubs­re­ge­lun­gen stel­len dar­auf ab, er­werbstäti­ge El­tern während ei­ner be­stimm­ten Zeit­dau­er zu un­terstützen, da­mit sie kon­ti­nu­ier­lich am Ar­beits­markt teil­neh­men; …
7 Pa­ra­graf 1 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung lau­tet:
„1. Un­ter Berück­sich­ti­gung der zu­neh­men­den Viel­falt der Fa­mi­li­en­struk­tu­ren und un­ter Ein­hal­tung der na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten, Ta­rif­verträge und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten wer­den in die­ser Ver­ein­ba­rung Min­dest­vor­schrif­ten fest­ge­legt, da­mit er­werbstäti­ge El­tern ih­re be­ruf­li­chen und el­ter­li­chen Pflich­ten bes­ser mit­ein­an­der in Ein­klang brin­gen können.
2. Die­se Ver­ein­ba­rung gilt für al­le Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die gemäß den Rechts­vor­schrif­ten, Ta­rif­verträgen und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten in dem je­wei­li­gen Mit­glied­staat ei­nen Ar­beits­ver­trag ha­ben oder in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen.“
8 Pa­ra­graf 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt:
„1. Nach die­ser Ver­ein­ba­rung ha­ben Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer im Fall der Ge­burt oder Ad­op­ti­on ei­nes Kin­des ein in­di­vi­du­el­les Recht auf El­tern­ur­laub zur Be­treu­ung des Kin­des bis zu ei­nem von den Mit­glied­staa­ten und/oder So­zi­al­part­nern fest­zu­le­gen­den Al­ter des Kin­des von bis zu acht Jah­ren.
2. Der El­tern­ur­laub wird für ei­ne Dau­er von min­des­tens vier Mo­na­ten gewährt …“
9 Pa­ra­graf 3 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung sieht vor:
„Die Vor­aus­set­zun­gen und die Mo­da­litäten für die In­an­spruch­nah­me des El­tern­ur­laubs wer­den in den Mit­glied­staa­ten ge­setz­lich und/oder ta­rif­ver­trag­lich un­ter Ein­hal­tung der Min­dest­vor­schrif­ten die­ser Ver­ein­ba­rung ge­re­gelt. Die Mit­glied­staa­ten und/oder die So­zi­al­part­ner können ins­be­son­de­re
a) ent­schei­den, ob der El­tern­ur­laub als Voll­zeit- oder Teil­zei­t­ur­laub, in Tei­len oder in Form von Zeit­gut­ha­ben gewährt wird; hier­bei sind die Bedürf­nis­se der Ar­beit­ge­ber und der Ar­beit­neh­mer zu berück­sich­ti­gen;
b) das Recht auf El­tern­ur­laub von ei­ner Beschäfti­gungs- und/oder Be­triebs­zu­gehörig­keits­dau­er bis zu ei­ner Gren­ze von höchs­tens ei­nem Jahr abhängig ma­chen; …
c) die Be­din­gun­gen fest­le­gen, in de­nen der Ar­beit­ge­ber - nach Kon­sul­ta­ti­on gemäß den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten, Ta­rif­verträgen und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten - aus be­rech­tig­ten be­trieb­li­chen Gründen die Gewährung des El­tern­ur­laubs ver­schie­ben darf. …
d) in Ergänzung zu Buch­sta­be c die Ge­neh­mi­gung er­tei­len, dass be­son­de­re Vor­keh­run­gen ge­trof­fen wer­den, um den Bedürf­nis­sen klei­ner Un­ter­neh­men im Blick auf Ar­beits­wei­se und Or­ga­ni­sa­ti­on ge­recht zu wer­den.“
10 Pa­ra­graf 5 („Ar­beit­neh­mer­rech­te und Nicht­dis­kri­mi­nie­rung“) der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung be­stimmt:
„1. Im An­schluss an den El­tern­ur­laub hat der Ar­beit­neh­mer das Recht, an sei­nen frühe­ren Ar­beits­platz zurück­zu­keh­ren oder, wenn das nicht möglich ist, ei­ne ent­spre­chend sei­nem Ar­beits­ver­trag oder Beschäfti­gungs­verhält­nis gleich­wer­ti­ge oder ähn­li­che Ar­beit zu­ge­wie­sen zu be­kom­men.
2. Die Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, blei­ben bis zum En­de des El­tern­ur­laubs be­ste­hen. Im An­schluss an den El­tern­ur­laub fin­den die­se Rech­te mit den Ände­run­gen An­wen­dung, die sich aus den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten, Ta­rif­verträgen und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten er­ge­ben.
3. Die Mit­glied­staa­ten und/oder die So­zi­al­part­ner be­stim­men den Sta­tus des Ar­beits­ver­trags oder Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses für den Zeit­raum des El­tern­ur­laubs.
11 Art. 14 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/54 be­stimmt:
a) die Be­din­gun­gen … für den Zu­gang zur Beschäfti­gung … ein­sch­ließlich des be­ruf­li­chen Auf­stiegs;
c) die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen …;
12 Art. 15 der Richt­li­nie sieht vor:
„Frau­en im Mut­ter­schafts­ur­laub ha­ben nach Ab­lauf des Mut­ter­schafts­ur­laubs An­spruch dar­auf, an ih­ren frühe­ren Ar­beits­platz oder ei­nen gleich­wer­ti­gen Ar­beits­platz un­ter Be­din­gun­gen, die für sie nicht we­ni­ger güns­tig sind, zurück­zu­keh­ren …“
13 In Art. 16 der Richt­li­nie heißt es:
„Die­se Richt­li­nie lässt das Recht der Mit­glied­staa­ten un­berührt, ei­ge­ne Rech­te auf Va­ter­schafts­ur­laub und/oder Ad­op­ti­ons­ur­laub an­zu­er­ken­nen. Die Mit­glied­staa­ten, die der­ar­ti­ge Rech­te an­er­ken­nen, tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um … zu … gewähr­leis­ten, dass [Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen] nach Ab­lauf des Ur­laubs An­spruch dar­auf ha­ben, an ih­ren frühe­ren Ar­beits­platz oder ei­nen gleich­wer­ti­gen Ar­beits­platz un­ter Be­din­gun­gen, die für sie nicht we­ni­ger güns­tig sind, zurück­zu­keh­ren …“
14 Im Land Ber­lin ist das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zur Über­tra­gung ei­nes Amts mit lei­ten­der Funk­ti­on in § 97 des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes (im Fol­gen­den: LBG) vom 19. März 2009 ge­re­gelt.
15 § 97 Abs. 1 LBG sieht u. a. vor, dass die Pro­be­zeit für ein sol­ches Amt zwei Jah­re beträgt und nicht verlängert wer­den kann.
16 § 97 Abs. 2 Satz 2 LBG be­stimmt:
„Vom Ta­ge der Er­nen­nung an ru­hen für die Dau­er der Pro­be­zeit die Rech­te und Pflich­ten aus dem Amt, das der Be­am­tin oder dem Be­am­ten zu­letzt im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit … über­tra­gen wor­den ist …“
17 In § 97 Abs. 4 LBG heißt es in der durch das Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz vom 22. Ju­ni 2011 geänder­ten Fas­sung:
„Mit er­folg­rei­chem Ab­schluss der Pro­be­zeit ist der Be­am­tin oder dem Be­am­ten das Amt … auf Dau­er im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit zu über­tra­gen. … Wird das Amt nicht auf Dau­er über­tra­gen, so en­det der An­spruch auf Be­sol­dung aus die­sem Amt. Wei­ter ge­hen­de Ansprüche be­ste­hen nicht. Ei­ne er­neu­te Be­ru­fung der Be­am­tin oder des Be­am­ten in ein Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zur Über­tra­gung die­ses Amts in­ner­halb ei­nes Jah­res ist nicht zulässig. Die obers­te Dienst­behörde kann in Fällen, in de­nen die Pro­be­zeit erst­ma­lig nur des­halb nicht er­folg­reich ab­ge­schlos­sen wor­den ist, weil das Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on während ei­nes lang­fris­ti­gen Zeit­raums nicht wahr­ge­nom­men wur­de, Aus­nah­men von Satz 7 zu­las­sen.“
18 Frau H. trat 1999 in den Dienst des Lan­des Ber­lin und ist in des­sen Ver­wal­tung als Be­am­tin auf Le­bens­zeit tätig. Ab dem 23. Sep­tem­ber 2008 be­klei­de­te sie das Amt ei­ner Se­natsrätin der Be­sol­dungs­grup­pe A 16. Nach Durchführung ei­nes Aus­wahl­ver­fah­rens wur­de sie am 20. Sep­tem­ber 2011 gemäß § 97 Abs. 1 LBG un­ter Be­ru­fung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zur Se­natsrätin der Be­sol­dungs­grup­pe B 2 befördert. Sie wur­de in­fol­ge­des­sen am 18. Ok­to­ber 2011 in ei­ne freie Plan­stel­le der Be­sol­dungs­grup­pe B 2 ein­ge­wie­sen, die Lei­tungs­auf­ga­ben um­fass­te.
19 Frau H. trat ih­ren Dienst auf die­sem neu­en Dienst­pos­ten je­doch nicht an. Sie war nämlich vom 25. Ju­li 2011 bis 19. Ja­nu­ar 2012 schwan­ger­schafts­be­dingt dienst­unfähig er­krankt und be­fand sich an­sch­ließend vom 20. Ja­nu­ar bis 27. April 2012 im Mut­ter­schafts­ur­laub. Da­nach nahm sie bis 29. Mai 2012 Er­ho­lungs­ur­laub so­wie im An­schluss El­tern­ur­laub in An­spruch, der am 30. Mai 2012 be­gann und mehr­fach verlängert wur­de, bis er am 20. Fe­bru­ar 2015 en­de­te.
20 In der Zwi­schen­zeit wur­de das Auf­ga­ben­ge­biet, das Frau H. im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be über­tra­gen wor­den war, in der zwei­ten Jah­reshälf­te 2012 er­neut aus­ge­schrie­ben und an­sch­ließend be­setzt.
21 Am 4. Sep­tem­ber 2014 teil­te das Lan­des­ver­wal­tungs­amt Ber­lin Frau H. mit, dass ein er­folg­rei­cher Ab­schluss der zweijähri­gen Pro­be­zeit im über­tra­ge­nen Amt nicht fest­stell­bar sei, da sie die­ses Amt nicht wahr­ge­nom­men ha­be, und dass ihr Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be so­mit nach § 97 Abs. 4 LBG mit Ab­lauf des 19. Sep­tem­ber 2013 ge­en­det ha­be. Ihr wer­de wie­der das frühe­re Amt ei­ner Se­natsrätin der Be­sol­dungs­grup­pe A 16 über­tra­gen.
22 Da der von Frau H. ein­ge­leg­te Wi­der­spruch mit Be­scheid des Lan­des­ver­wal­tungs­amts Ber­lin vom 10. No­vem­ber 2014 zurück­ge­wie­sen wur­de, er­hob sie beim Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin Kla­ge auf Auf­he­bung die­ses Be­scheids und auf Fest­stel­lung, dass sie sich über den 19. Sep­tem­ber 2013 hin­aus im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be als Se­natsrätin der Be­sol­dungs­grup­pe B 2 be­fin­de. Zur Stützung ih­rer Kla­ge macht sie u. a. gel­tend, der an­ge­foch­te­ne Be­scheid ver­s­toße ge­gen die Richt­li­ni­en 2006/54 und 2010/18.
23 Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hegt im Hin­blick auf die Richt­li­nie 2010/18 und die übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung ins­be­son­de­re Zwei­fel hin­sicht­lich der Ver­ein­bar­keit von § 97 LBG mit Pa­ra­graf 5 Nr. 1 die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung, da Frau H. nach ih­rem El­tern­ur­laub nicht an den Ar­beits­platz, den sie vor ih­rem El­tern­ur­laub in­ne­ge­habt ha­be, oder an ei­nen gleich­wer­ti­gen Ar­beits­platz ha­be zurück­keh­ren können, son­dern ihr ein nied­ri­ge­res Sta­tu­s­amt über­tra­gen wor­den sei. Es wirft auch die Fra­ge nach der Ver­ein­bar­keit von § 97 LBG mit Pa­ra­graf 5 Nr. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung auf, wo­nach die Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer er­wor­ben ha­be oder da­bei ge­we­sen sei zu er­wer­ben, be­ste­hen blie­ben, denn die Über­tra­gung des nied­ri­ge­ren Sta­tu­samts ha­be ei­ne nied­ri­ge­re Be­sol­dung zur Fol­ge. Es sei je­doch nicht aus­zu­sch­ließen, dass die Be­stim­mun­gen in § 97 LBG, wie das Land Ber­lin vor­tra­ge, Rechts­vor­schrif­ten im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung dar­stell­ten, aus de­nen sich nach dem El­tern­ur­laub in zulässi­ger Wei­se Ände­run­gen der Rech­te des Ar­beit­neh­mers er­ge­ben könn­ten.
24 Soll­te § 97 LBG tatsächlich ge­gen die übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung und/oder die Richt­li­nie 2006/54 ver­s­toßen, sei ei­ne mit die­sen uni­ons­recht­li­chen Nor­men im Ein­klang ste­hen­de Aus­le­gung der Be­stim­mung nicht möglich, so dass sie dann un­an­ge­wen­det zu las­sen sei.
25 Die ge­eig­nets­te Lösung wäre die Fort­set­zung der Pro­be­zeit für die Dau­er des zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs noch nicht ver­stri­che­nen Zeit­raums, und zwar ent­we­der auf dem ursprüng­li­chen Dienst­pos­ten oder, wenn die­ser wie im vor­lie­gen­den Fall zwi­schen­zeit­lich mit ei­nem an­de­ren Be­am­ten be­setzt wor­den sei, auf ei­nem ver­gleich­ba­ren Dienst­pos­ten mit Lei­tungs­funk­ti­on. Es sei je­doch frag­lich, wie zu ver­fah­ren sei, wenn kein ver­gleich­ba­rer Dienst­pos­ten zur Verfügung ste­he. Da nach dem na­tio­na­len Recht für die Zu­wei­sung ei­nes neu­en Dienst­pos­tens die Durchführung ei­nes neu­en Aus­wahl­ver­fah­rens er­for­der­lich sei, wo­bei die Ge­fahr be­ste­he, dass ein an­de­rer Be­wer­ber als der aus dem El­tern­ur­laub zurück­keh­ren­de Be­am­te zu berück­sich­ti­gen sei, stel­le sich schließlich die Fra­ge, ob das Uni­ons­recht ver­lan­ge, von ei­nem sol­chen Ver­fah­ren ab­zu­se­hen.
26 Un­ter die­sen Umständen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Sind die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2010/18 und die Be­stim­mun­gen der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts ent­ge­gen­ste­hen, nach der die Pro­be­zeit, in der ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be über­tra­gen ist, auch dann kraft Ge­set­zes und un­ter Aus­schluss der Möglich­keit ei­ner Verlänge­rung en­det, wenn der Be­am­te oder die Be­am­tin sich im über­wie­gen­den Teil die­ser Pro­be­zeit im El­tern­ur­laub be­fand und wei­ter­hin be­fin­det?
2. Sind die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2006/54, ins­be­son­de­re Art. 14 Abs. 1 Buchst. a oder Buchst. c, Art. 15 oder Art. 16 der Richt­li­nie, da­hin aus­zu­le­gen, dass ei­ne Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts mit dem un­ter der ers­ten Fra­ge ge­nann­ten In­halt ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts dar­stellt, wenn von ihr ei­ne sehr viel höhe­re Zahl an Frau­en als an Männern be­trof­fen ist oder po­ten­zi­ell be­trof­fen sein kann?
3. Falls die ers­te oder die zwei­te Fra­ge be­jaht wird: Steht die Aus­le­gung der ge­nann­ten Be­stim­mun­gen des eu­ropäischen Rechts ei­ner sol­chen Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts auch dann ent­ge­gen, wenn die­se mit der Ziel­set­zung ge­recht­fer­tigt wird, in der Pro­be­zeit die Bewährung für ein auf Dau­er zu über­tra­gen­des Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on nur im Fall ei­ner tatsächli­chen, über ei­nen lang­fris­ti­gen Zeit­raum an­dau­ern­den Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben fest­stel­len zu können?
4. Falls auch die drit­te Fra­ge be­jaht wird: Lässt die Aus­le­gung des eu­ropäischen Rechts ei­ne an­de­re Rechts­fol­ge zu als die Fort­set­zung der Pro­be­zeit im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an das En­de des El­tern­ur­laubs - für die Dau­er des zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs noch nicht ver­stri­che­nen Zeit­raums - auf dem­sel­ben oder ei­nem ver­gleich­ba­ren Dienst­pos­ten, et­wa dann, wenn ein sol­cher Dienst­pos­ten oder ei­ne ent­spre­chen­de Plan­stel­le nicht mehr zur Verfügung steht?
5. Er­for­dert es die Aus­le­gung des eu­ropäischen Rechts, in die­sem Fall zur Be­set­zung ei­nes an­de­ren Dienst­pos­tens oder ei­nes an­de­ren Amts mit lei­ten­der Funk­ti­on von ei­nem neu­en Aus­wahl­ver­fah­ren un­ter Ein­be­zie­hung an­de­rer Be­wer­ber nach den Vor­schrif­ten des na­tio­na­len Rechts ab­zu­se­hen?
Zur ers­ten Fra­ge und zum ers­ten Teil der drit­ten Fra­ge
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, wo­nach die endgülti­ge Beförde­rung in ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on im öffent­li­chen Dienst vor­aus­setzt, dass der aus­gewähl­te Be­wer­ber zu­vor ei­ne zweijähri­ge Pro­be­zeit im über­tra­ge­nen Amt er­folg­reich ab­sol­viert, und wo­nach die Pro­be­zeit, wenn sich ein sol­cher Be­wer­ber während des über­wie­gen­den Teils da­von im El­tern­ur­laub be­fand und wei­ter­hin be­fin­det, kraft Ge­set­zes und un­ter Aus­schluss der Möglich­keit ei­ner Verlänge­rung nach die­sen zwei Jah­ren en­det, so dass dem Be­wer­ber bei der Rück­kehr aus sei­nem El­tern­ur­laub wie­der das sta­tus- und be­sol­dungs­recht­lich nied­ri­ger ein­ge­stuf­te Amt über­tra­gen wird, das er vor sei­ner Be­ru­fung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be in­ne­hat­te. Falls die ers­te Fra­ge be­jaht wird, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt mit dem ers­ten Teil sei­ner drit­ten Fra­ge wis­sen, ob Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass ei­ne sol­che na­tio­na­le Re­ge­lung gleich­wohl mit der Ziel­set­zung der Pro­be­zeit ge­recht­fer­tigt wer­den kann, die dar­in be­steht, die Bewährung für das zu über­tra­gen­de Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on fest­stel­len zu können, was vor­aus­setzt, dass sich die Pro­be­zeit über ei­nen lang­fris­ti­gen Zeit­raum er­streckt.
28 Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che na­tio­na­le Re­ge­lung nur im Licht der Richt­li­nie 2010/18 und der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung zu prüfen ist, da Frau H. während des über­wie­gen­den Teils der für die Über­tra­gung des be­tref­fen­den Amts mit lei­ten­der Funk­ti­on er­for­der­li­chen Pro­be­zeit we­gen ih­res El­tern­ur­laubs ab­we­send war und sich noch im El­tern­ur­laub be­fand, als das Lan­des­ver­wal­tungs­amt Ber­lin ihr mit­teil­te, dass ihr wie­der ihr frühe­res Amt über­tra­gen wer­de.
29 Wie sich aus dem ers­ten Ab­satz der Präam­bel der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung er­gibt, ver­pflich­ten sich die von den all­ge­mei­nen bran­chenüberg­rei­fen­den Or­ga­ni­sa­tio­nen re­präsen­tier­ten So­zi­al­part­ner mit ihr, durch Min­dest­vor­schrif­ten über den El­tern­ur­laub Maßnah­men zu schaf­fen, um die Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie so­wie die Förde­rung der Chan­cen­gleich­heit und der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en zu ermögli­chen.
30 Des­glei­chen wird im ach­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2010/18 zur Durchführung der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung her­vor­ge­ho­ben, dass die Zie­le der Richt­li­nie in der uni­ons­wei­ten Ver­bes­se­rung der Ver­ein­bar­keit von Be­ruf, Fa­mi­lie und Pri­vat­le­ben für er­werbstäti­ge El­tern so­wie der Chan­cen­gleich­heit von Männern und Frau­en auf dem Ar­beits­markt und der Gleich­be­hand­lung am Ar­beits­platz be­ste­hen.
31 Fer­ner sind in den Art. 23 und 33 Abs. 2 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (im Fol­gen­den: Char­ta), auf die in Nr. 3 der All­ge­mei­nen Erwägun­gen der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­wie­sen wird, der Grund­satz der Gleich­heit von Frau­en und Männern ins­be­son­de­re im Be­reich der Beschäfti­gung, der Ar­beit und des Ar­beits­ent­gelts so­wie der An­spruch auf El­tern­ur­laub, um Fa­mi­li­en- und Be­rufs­le­ben mit­ein­an­der in Ein­klang brin­gen zu können, ver­an­kert.
32 Der An­spruch auf El­tern­ur­laub wur­de nämlich in Art. 33 Abs. 2 der Char­ta in die so­zia­len Grund­rech­te auf­ge­nom­men, die in Ti­tel IV („So­li­da­rität“) der Char­ta zu­sam­men­ge­fasst wer­den. Nach die­ser Be­stim­mung hat je­der Mensch, um Fa­mi­li­en- und Be­rufs­le­ben mit­ein­an­der in Ein­klang brin­gen zu können, u. a. An­spruch auf El­tern­ur­laub nach der Ge­burt oder Ad­op­ti­on ei­nes Kin­des.
33 Darüber hin­aus ste­hen die mit der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­folg­ten Zie­le im Zu­sam­men­hang mit der Ver­bes­se­rung der Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen so­wie dem Vor­han­den­sein ei­nes an­ge­mes­se­nen so­zia­len Schut­zes der Ar­beit­neh­mer, die, wie sich aus Art. 151 AEUV er­gibt, zu den mit der So­zi­al­po­li­tik der Uni­on ver­folg­ten Zie­len gehören (vgl. in die­sem Sin­ne, zur Rah­men­ver­ein­ba­rung von 1995, Ur­teil vom 22. Ok­to­ber 2009, Meerts, C-116/08, EU:C:2009:645, Rn. 37).
Sch­ließlich ist fest­zu­stel­len, dass die übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung wie die Rah­men­ver­ein­ba­rung von 1995 auch auf be­am­te­te Ar­beit­neh­mer wie die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens An­wen­dung fin­det. Nach ih­rem Pa­ra­graf 1 Nr. 2 gilt sie nämlich all­ge­mein für „al­le Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die gemäß den Rechts­vor­schrif­ten, Ta­rif­verträgen und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten in dem je­wei­li­gen Mit­glied­staat ei­nen Ar­beits­ver­trag ha­ben oder in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen“, und nach Pa­ra­graf 2 Nr. 1 für „Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer“, oh­ne da­nach zu un­ter­schei­den, ob ihr Ar­beit­ge­ber pri­vat oder öffent­lich ist. Sie schließt so­mit al­le Ar­beit­neh­mer ein (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 16. Sep­tem­ber 2010, Chat­zi, C-149/10, EU:C:2010:534, Rn. 28 bis 30).
Zu Pa­ra­graf 5 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung
35 Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Nrn. 1 bis 3 von Pa­ra­graf 5 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung na­he­zu den­sel­ben Wort­laut wie die Nrn. 5 bis 7 von Pa­ra­graf 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung von 1995 ha­ben, so dass die Aus­le­gung der letzt­ge­nann­ten Be­stim­mun­gen durch den Ge­richts­hof auch für die erst­ge­nann­ten Be­stim­mun­gen gilt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 16. Ju­ni 2016, Ro­dríguez Sánchez, C-351/14, EU:C:2016:447, Rn. 47).
36 Mit dem Ziel, es Per­so­nen, die ge­ra­de El­tern ge­wor­den sind, zu ermögli­chen, ih­re Be­rufstätig­keit zu un­ter­bre­chen, um sich ih­ren fa­mi­liären Ver­pflich­tun­gen zu wid­men, wird ih­nen in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung zu­ge­si­chert, dass sie im An­schluss an den El­tern­ur­laub an ih­ren frühe­ren Ar­beits­platz zurück­keh­ren können oder, wenn das nicht möglich ist, ei­ne ent­spre­chend ih­rem Ar­beits­ver­trag oder Beschäfti­gungs­verhält­nis gleich­wer­ti­ge oder ähn­li­che Ar­beit zu­ge­wie­sen be­kom­men. Mit die­ser Be­stim­mung wird folg­lich si­cher­ge­stellt, dass die Rück­kehr an den Ar­beits­platz im An­schluss an den El­tern­ur­laub zu den Be­din­gun­gen er­folgt, die be­stan­den, als der El­tern­ur­laub an­ge­tre­ten wur­de (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 13. Fe­bru­ar 2014, TSN und YTN, C-512/11 und C-513/11, EU:C:2014:73, Rn. 39 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
37 Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung soll un­ter dem­sel­ben Blick­win­kel ver­hin­dern, dass aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis ab­ge­lei­te­te Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, ver­lo­ren ge­hen oder be­schnit­ten wer­den, und gewähr­leis­ten, dass er sich im An­schluss an den El­tern­ur­laub hin­sicht­lich die­ser Rech­te in der­sel­ben Si­tua­ti­on be­fin­det wie zu Be­ginn des Ur­laubs (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 16. Ju­li 2009, Gómez-Limón Sánchez-Ca­ma­cho, C-537/07, EU:C:2009:462, Rn. 39, und vom 22. Ok­to­ber 2009, Meerts, C-116/08, EU:C:2009:645, Rn. 39 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
38 Zwar re­gelt Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung nicht die Rech­te und Pflich­ten aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis während der Dau­er des El­tern­ur­laubs; die­se wer­den nach Pa­ra­graf 5 Nr. 3 der Rah­men­ver­ein­ba­rung von den Mit­glied­staa­ten und/oder den So­zi­al­part­nern fest­ge­legt. Wie der Ge­richts­hof ent­schie­den hat, lässt je­doch ein sol­cher Ver­weis auf die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten und Ta­rif­verträge die Min­dest­an­for­de­run­gen der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung, zu de­nen auch die in Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 ge­nann­ten gehören, un­berührt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 16. Ju­li 2009, Gómez-Limón Sánchez-Ca­ma­cho, C-537/07, EU:C:2009:462, Rn. 46, und vom 22. Ok­to­ber 2009, Meerts, C-116/08, EU:C:2009:645, Rn. 45).
39 Zum Vor­brin­gen des Lan­des Ber­lin ist ers­tens dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ent­ge­gen des­sen Auf­fas­sung das Recht aus Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung, an den frühe­ren Ar­beits­platz zurück­zu­keh­ren, und das nach Pa­ra­graf 5 Nr. 2 gewähr­leis­te­te Be­ste­hen­blei­ben der Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, dem Ar­beit­neh­mer auch dann zu­gu­te­kom­men müssen, wenn der gemäß den an­wend­ba­ren na­tio­na­len Be­stim­mun­gen in An­spruch ge­nom­me­ne El­tern­ur­laub die in Pa­ra­graf 2 Nr. 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­ne Min­dest­dau­er von vier Mo­na­ten über­schrei­tet.
40 Ab­ge­se­hen da­von, dass sich die­ses Er­geb­nis, wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 20 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, be­reits im­pli­zit aus der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs er­gibt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 20. Ju­ni 2013, Riežnie­ce, C-7/12, EU:C:2013:410, Rn. 12, 17, 32, 50 und 51), fin­det die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung des Lan­des Ber­lin nämlich kei­ne Stütze im Wort­laut der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung, in de­ren Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 vom Recht auf Rück­kehr an den frühe­ren Ar­beits­platz „[i]m An­schluss an den El­tern­ur­laub“ und vom Be­ste­hen­blei­ben der Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, „bis zum En­de des El­tern­ur­laubs“ die Re­de ist.
41 Nähme man dem be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer im Fall ei­nes über die Min­dest­dau­er von vier Mo­na­ten hin­aus­ge­hen­den El­tern­ur­laubs die Gewähr, an den frühe­ren Ar­beits­platz zurück­keh­ren und die Rech­te, die er er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, wei­ter­hin in An­spruch neh­men zu können, hätte dies außer­dem zur Fol­ge, dass der Ar­beit­neh­mer da­von ab­ge­hal­ten würde, sich für ei­ne In­an­spruch­nah­me des ihm zu­ste­hen­den El­tern­ur­laubs zu ent­schei­den, wo­durch die Wirk­sam­keit die­ses Rechts so­wie die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Richt­li­nie 2010/18 und der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung be­ein­träch­tigt würden (Ur­teil vom 13. Fe­bru­ar 2014, TSN und YTN, C-512/11 und C-513/11, EU:C:2014:73, Rn. 51) und da­mit dem Ziel der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung, Be­ruf und Fa­mi­lie mit­ein­an­der in Ein­klang zu brin­gen, ent­ge­gen­ge­wirkt würde (Ur­teil vom 27. Fe­bru­ar 2014, Ly­re­co Bel­gi­um, C-588/12, EU:C:2014:99, Rn. 40).
Zwei­tens kann auch dem Vor­brin­gen des Lan­des Ber­lin, Frau H. stünden nach Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung nach ih­rem El­tern­ur­laub kei­ne Rech­te auf Rück­kehr in ihr Amt im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be und auf Wah­rung der u. a. mit die­sem Amt ver­bun­de­nen Rech­te, die sie zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, zu, weil sie die­ses Amt nicht tatsächlich wahr­ge­nom­men ha­be, nicht ge­folgt wer­den.
43 Die Be­grif­fe „Ar­beits­platz“ und „Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer … er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben“ in Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung müssen, da dar­in für die Er­mitt­lung ih­res Sin­nes und ih­rer Be­deu­tung nicht aus­drück­lich auf das Recht der Mit­glied­staa­ten ver­wie­sen wird, in der Re­gel in der ge­sam­ten Uni­on ei­ne au­to­no­me und ein­heit­li­che Aus­le­gung er­hal­ten, die un­ter Berück­sich­ti­gung des Zu­sam­men­hangs die­ser Be­stim­mun­gen und des mit der be­tref­fen­den Re­ge­lung ver­folg­ten Ziels ge­fun­den wer­den muss (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 22. Ok­to­ber 2009, Meerts, C-116/08, EU:C:2009:645, Rn. 41).
44 In An­be­tracht der in den Rn. 29 und 30 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Zie­le der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung und der Richt­li­nie 2010/18 so­wie des Um­stands, dass Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 Satz 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ei­nen Grund­satz des So­zi­al­rechts der Uni­on zum Aus­druck bringt, dem be­son­de­re Be­deu­tung zu­kommt, und außer­dem den An­spruch auf El­tern­ur­laub kon­kre­ti­siert, der im Übri­gen in Art. 33 Abs. 2 der Char­ta als Grund­recht ver­an­kert ist, darf die­se Be­stim­mung nicht re­strik­tiv aus­ge­legt wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 22. Ok­to­ber 2009, Meerts, C-116/08, EU:C:2009:645, Rn. 42, und vom 27. Fe­bru­ar 2014, Ly­re­co Bel­gi­um, C-588/12, EU:C:2014:99, Rn. 36).
45 Dar­um reicht es für die An­wen­dung von Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung aus, dass Frau H., als sie ih­ren El­tern­ur­laub an­trat, im An­schluss an ein Aus­wahl­ver­fah­ren und ih­re Beförde­rung be­reits das be­tref­fen­de Amt im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be über­tra­gen wor­den war, so dass sie auch die Be­sol­dung der höhe­ren Be­sol­dungs­grup­pe er­hielt, die die­sem Amt ent­spricht. Dass sie sich zum Zeit­punkt der Über­tra­gung die­ses Amts im schwan­ger­schafts­be­ding­ten Krank­heits­ur­laub be­fand, ändert hin­ge­gen nichts dar­an, dass sie ihr neu­es Amt ab die­sem Zeit­punkt in­ne­hat­te, so dass sie es, als sie später ih­ren El­tern­ur­laub an­trat, be­reits be­klei­de­te und et­wai­ge da­mit ver­bun­de­ne Rech­te oder An­wart­schaf­ten be­saß.
46 Die vom Land Ber­lin ver­tre­te­ne Aus­le­gung würde zu­dem da­zu führen, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer da­von ab­ge­hal­ten würden, El­tern­ur­laub in An­spruch zu neh­men, und dass den mit der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­folg­ten Zie­len ent­ge­gen­ge­wirkt würde.
47 Drit­tens ist zu klären, ob ei­ne Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che ge­gen Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung verstößt, weil sie kei­ne Verlänge­rung der Pro­be­zeit vor­sieht, wenn sich der Be­am­te auf Pro­be, dem ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on über­tra­gen wur­de, im El­tern­ur­laub be­fin­det.
48 Zunächst ist in Be­zug auf die dem im El­tern­ur­laub be­find­li­chen Ar­beit­neh­mer in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ein­geräum­ten Rech­te - im An­schluss an den El­tern­ur­laub an sei­nen frühe­ren Ar­beits­platz zurück­zu­keh­ren oder, wenn das nicht möglich ist, ei­ne ent­spre­chend sei­nem Ar­beits­ver­trag oder Beschäfti­gungs­verhält­nis gleich­wer­ti­ge oder ähn­li­che Ar­beit zu­ge­wie­sen zu be­kom­men - der Vor­la­ge­ent­schei­dung zu ent­neh­men, dass § 97 LBG zum ei­nen au­to­ma­tisch da­zu führt, dass ein Be­am­ter, der sich in der La­ge der Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens be­fin­det, im An­schluss an sei­nen El­tern­ur­laub nicht in das Amt im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be zurück­keh­ren kann, das er in­ne­hat­te, be­vor er den El­tern­ur­laub an­trat. Da sich die Be­trof­fe­ne während der zulässi­gen Dau­er der Pro­be­zeit im El­tern­ur­laub be­fand und da­her die mit die­sem Amt ver­bun­de­nen Auf­ga­ben nicht wahr­nahm, so dass sie auch nicht den Nach­weis ih­rer Eig­nung für ih­re endgülti­ge Er­nen­nung er­brin­gen konn­te, steht nämlich fest, dass sie bei ih­rer Rück­kehr aus dem El­tern­ur­laub nicht in die­ses Amt zurück­keh­ren konn­te.
49 Zum an­de­ren führt die na­tio­na­le Re­ge­lung nach den An­ga­ben in der Vor­la­ge­ent­schei­dung auch au­to­ma­tisch da­zu, dass der Be­trof­fe­nen im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub kein gleich­wer­ti­ges oder ähn­li­ches Amt im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be wie das, das sie vor dem El­tern­ur­laub in­ne­hat­te, an­ge­bo­ten wer­den kann, da der Zeit­raum von zwei Jah­ren, in dem die Ab­leis­tung ei­ner Pro­be­zeit zum Nach­weis ih­rer Befähi­gung zur Wahr­neh­mung ei­nes Amts mit lei­ten­der Funk­ti­on zulässig war, ver­stri­chen war und nicht verlängert wer­den konn­te.
50 So­mit steht Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ei­ner Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen.
51 So­dann ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung mit der Wen­dung, dass die „Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer … er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben“, be­ste­hen blei­ben, al­le un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis ab­ge­lei­te­ten Rech­te und Vor­tei­le in Form von Bar- oder Sach­leis­tun­gen er­fasst, auf die der Ar­beit­neh­mer ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs An­spruch hat (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 22. Ok­to­ber 2009, Meerts, C-116/08, EU:C:2009:645, Rn. 43).
52 Zu die­sen Rech­ten und Vor­tei­len gehören auch sol­che, die sich aus Be­stim­mun­gen er­ge­ben, in de­nen die Be­din­gun­gen für den Zu­gang zu ei­ner höhe­ren Stu­fe der be­ruf­li­chen Rang­ord­nung fest­ge­legt wer­den, denn sie sind aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis ab­ge­lei­tet (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 18. No­vem­ber 2004, Sass, C-284/02, EU:C:2004:722, Rn. 31). Das trifft im vor­lie­gen­den Fall auf das in § 97 LBG ge­re­gel­te Recht ei­nes Be­am­ten zu, endgültig in ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on befördert zu wer­den, wenn er im Rah­men der Wahr­neh­mung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses im Dienst des Lan­des Ber­lin im An­schluss an ein vor­he­ri­ges Aus­wahl­ver­fah­ren ei­ne Pro­be­zeit von be­stimm­ter Dau­er ab­sol­viert.
53 In­so­weit ist fest­zu­stel­len, dass § 97 LBG im vor­lie­gen­den Fall da­zu führ­te, dass Frau H. auf­grund des von ihr in An­spruch ge­nom­me­nen El­tern­ur­laubs kei­ne Möglich­keit hat­te, ih­re Befähi­gung zur Wahr­neh­mung des von ihr an­ge­streb­ten Amts mit lei­ten­der Funk­ti­on nach­zu­wei­sen und die­ses Amt ge­ge­be­nen­falls im An­schluss an die Pro­be­zeit, für die sie vor ih­rem El­tern­ur­laub aus­gewählt wor­den war, endgültig über­tra­gen zu be­kom­men.
54 So­mit steht auch Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ei­ner Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen. Da die­se Re­ge­lung ge­eig­net ist, ei­nen Ar­beit­neh­mer, der sich in der La­ge von Frau H. be­fin­det, da­von ab­zu­hal­ten, sich für ei­ne In­an­spruch­nah­me des ihm zu­ste­hen­den El­tern­ur­laubs zu ent­schei­den, be­ein­träch­tigt sie über­dies die Wirk­sam­keit die­ses durch die übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung gewähr­leis­te­ten Rechts.
55 Zu der vom vor­le­gen­den Ge­richt an­geführ­ten Ar­gu­men­ta­ti­on, die Re­ge­lun­gen in § 97 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 2 LBG könn­ten als „na­tio­na­le Rechts­vor­schrif­ten“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung zu be­trach­ten sein, aus de­nen sich im An­schluss an den El­tern­ur­laub in zulässi­ger Wei­se Ände­run­gen von Ar­beit­neh­mer­rech­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen er­ge­ben könn­ten, ist zunächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es zwi­schen den ver­schie­de­nen Sprach­fas­sun­gen die­ser Be­stim­mung Un­ter­schie­de gibt. Während nämlich ei­ni­ge Sprach­fas­sun­gen, u. a. die deut­sche Fas­sung, be­stim­men, dass die Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, im An­schluss an den El­tern­ur­laub mit den Ände­run­gen An­wen­dung fin­den, die sich u. a. aus den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten er­ge­ben, sieht die französi­sche Fas­sung vor, dass im An­schluss an den El­tern­ur­laub die in Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Rech­te so­wie die Ände­run­gen An­wen­dung fin­den, die u. a. „an den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten“ vor­ge­nom­men wur­den.
56 Wei­chen die Sprach­fas­sun­gen ei­nes Uni­ons­tex­tes von­ein­an­der ab, muss die frag­li­che Vor­schrift nach ständi­ger Recht­spre­chung an­hand der all­ge­mei­nen Sys­te­ma­tik und des Zwecks der Re­ge­lung aus­ge­legt wer­den, zu der sie gehört (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 4. Sep­tem­ber 2014, Vnuk, C-162/13, EU:C:2014:2146, Rn. 46, und vom 26. April 2017, Po­pes­cu, C-632/15, EU:C:2017:303, Rn. 35).
57 Im vor­lie­gen­den Fall darf Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung in An­be­tracht ih­rer in den Rn. 29 und 30 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Zie­le und der in Rn. 44 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­ge­ho­be­nen Be­deu­tung des den Ar­beit­neh­mern durch Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 gewähr­ten Schut­zes nicht so aus­ge­legt wer­den, dass die prak­ti­sche Wirk­sam­keit des den Ar­beit­neh­mern durch Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 gewähr­ten Schut­zes be­ein­träch­tigt wird. Das wäre aber der Fall, wenn es un­ter Umständen wie de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens als zulässig an­ge­se­hen würde, dass das Erlöschen ei­nes Rechts, das ein Ar­beit­neh­mer er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, nach Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung da­mit ge­recht­fer­tigt wer­den kann, dass sol­che Rech­te gemäß den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten nach Ab­lauf ei­ner nicht verlänger­ba­ren Frist, die während der durch ei­nen El­tern­ur­laub be­ding­ten Ab­we­sen­heit des be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mers wei­terläuft, kraft Ge­set­zes en­den.
58 Vier­tens schließlich ist die vom vor­le­gen­den Ge­richt auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge zu prüfen, ob die sich so­mit aus der An­wen­dung von § 97 LBG er­ge­ben­den Be­ein­träch­ti­gun­gen der in Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung gewähr­leis­te­ten Rech­te ge­ge­be­nen­falls mit der Ziel­set­zung der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Pro­be­zeit ge­recht­fer­tigt wer­den können, die dar­in be­steht, die Bewährung für das zu über­tra­gen­de Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on fest­stel­len zu können, was ei­ne tatsächli­che, über ei­nen lang­fris­ti­gen Zeit­raum an­dau­ern­de Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben vor­aus­setzt.
59 In­so­weit ist den Ausführun­gen des Ge­ne­ral­an­walts in Nr. 30 sei­ner Schluss­anträge bei­zu­pflich­ten, dass die übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung kei­ne Be­stim­mung enthält, die Aus­nah­men von den dar­in gewähr­leis­te­ten Rech­ten zulässt. Je­den­falls sind die Be­ein­träch­ti­gun­gen die­ser Rech­te im vor­lie­gen­den Fall nicht zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels er­for­der­lich. Ein Ziel wie das vom vor­le­gen­den Ge­richt an­geführ­te könn­te nämlich durch be­stimm­te An­pas­sun­gen ver­wirk­licht wer­den, die da­zu die­nen, dass das lau­fen­de Beförde­rungs­ver­fah­ren - wie in Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­for­dert - in vol­lem Um­fang er­hal­ten bleibt und die Pro­be­zeit in der er­for­der­li­chen Dau­er im An­schluss an den El­tern­ur­laub fort­ge­setzt wird, ent­we­der in dem zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs über­tra­ge­nen Amt oder - bei er­wie­se­ner Unmöglich­keit - in ei­nem gleich­wer­ti­gen oder ähn­li­chen Amt, wie es Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­langt.
60 Auch dem Vor­brin­gen des Lan­des Ber­lin, wenn der Ar­beit­ge­ber die Rück­kehr des Ar­beit­neh­mers auf den zu­vor von ihm be­setz­ten Ar­beits­platz während ei­nes Zeit­raums von bis zu drei Jah­ren, der zulässi­gen Höchst­dau­er des El­tern­ur­laubs in Deutsch­land, gewähr­leis­ten müss­te, wo­bei er un­ter Umständen ge­zwun­gen sei, den Ar­beits­platz während die­ses Zeit­raums un­be­setzt zu las­sen, könn­te dies den ord­nungs­gemäßen Dienst­be­trieb des Lan­des gefähr­den und im pri­va­ten Sek­tor so­gar die Exis­tenz ei­nes Un­ter­neh­mens be­dro­hen, kann nicht ge­folgt wer­den.
61 Nach Pa­ra­graf 3 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ist es Sa­che der Mit­glied­staa­ten, un­ter Ein­hal­tung ih­rer Min­dest­vor­schrif­ten die Mo­da­litäten für die In­an­spruch­nah­me des El­tern­ur­laubs und ins­be­son­de­re des­sen zulässi­ge Dau­er fest­zu­le­gen. Wie sich schon aus dem Wort­laut von Pa­ra­graf 3 Nr. 1 er­gibt, gehören die Bedürf­nis­se der Ar­beit­ge­ber, na­ment­lich die­je­ni­gen, die mit der Ar­beits­wei­se und der Or­ga­ni­sa­ti­on der Un­ter­neh­men, spe­zi­ell klei­ner Un­ter­neh­men, im Zu­sam­men­hang ste­hen, eben­so wie die Bedürf­nis­se der Ar­beit­neh­mer zu den Kri­te­ri­en, an­hand de­ren die Mit­glied­staa­ten und/oder die So­zi­al­part­ner ge­ge­be­nen­falls die Vor­aus­set­zun­gen und die Mo­da­litäten für die In­an­spruch­nah­me des El­tern­ur­laubs zu re­geln ha­ben.
62 Des­halb ist es, nach­dem die zulässi­ge Dau­er des El­tern­ur­laubs in An­wen­dung die­ser Be­stim­mung fest­ge­legt wur­de, nicht statt­haft, dass die ge­nann­ten Bedürf­nis­se her­an­ge­zo­gen wer­den, um Ar­beit­neh­mer, die sich für ei­nen El­tern­ur­laub mit der dem­nach zulässi­gen Dau­er ent­schie­den ha­ben, von den durch die übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung gewähr­leis­te­ten Min­dest­vor­schrif­ten, wie sie ins­be­son­de­re in de­ren Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 ver­an­kert sind, aus­zu­sch­ließen.
Nach al­le­dem ist auf die ers­te Fra­ge und auf den ers­ten Teil der drit­ten Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, wo­nach die endgülti­ge Beförde­rung in ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on im öffent­li­chen Dienst vor­aus­setzt, dass der aus­gewähl­te Be­wer­ber zu­vor ei­ne zweijähri­ge Pro­be­zeit im über­tra­ge­nen Amt er­folg­reich ab­sol­viert, und wo­nach die Pro­be­zeit, wenn sich ein sol­cher Be­wer­ber während des über­wie­gen­den Teils da­von im El­tern­ur­laub be­fand und wei­ter­hin be­fin­det, kraft Ge­set­zes und un­ter Aus­schluss der Möglich­keit ei­ner Verlänge­rung nach die­sen zwei Jah­ren en­det, so dass dem Be­wer­ber bei der Rück­kehr aus sei­nem El­tern­ur­laub wie­der das sta­tus- und be­sol­dungs­recht­lich nied­ri­ger ein­ge­stuf­te Amt über­tra­gen wird, das er vor sei­ner Be­ru­fung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be in­ne­hat­te. Die da­mit ver­bun­de­ne Ver­let­zung die­ses Pa­ra­gra­fen kann nicht mit der Ziel­set­zung der Pro­be­zeit ge­recht­fer­tigt wer­den, die dar­in be­steht, die Bewährung für das zu über­tra­gen­de Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on fest­stel­len zu können.
Zur zwei­ten Fra­ge und zum zwei­ten Teil der drit­ten Fra­ge
In An­be­tracht der Ant­wort auf die ers­te Fra­ge und auf den ers­ten Teil der drit­ten Fra­ge sind die zwei­te Fra­ge und der zwei­te Teil der drit­ten Fra­ge nicht zu be­ant­wor­ten.
65 Mit sei­ner vier­ten und sei­ner fünf­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, wel­che uni­ons­recht­li­chen Fol­gen sich un­ter Umständen wie de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens aus der Un­ver­ein­bar­keit ei­ner Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen mit Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung er­ge­ben.
66 Vor­ab ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die na­tio­na­len Ge­rich­te nach ständi­ger Recht­spre­chung das in­ner­staat­li­che Recht bei sei­ner An­wen­dung so weit wie möglich an­hand des Wort­lauts und des Zwecks der frag­li­chen Richt­li­nie aus­le­gen müssen, um das dar­in fest­ge­leg­te Ziel zu er­rei­chen und da­mit Art. 288 Abs. 3 AEUV nach­zu­kom­men (vgl. u. a. Ur­teil vom 24. Ja­nu­ar 2012, Do­m­in­guez, C-282/10, EU:C:2012:33, Rn. 24 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung). Das gilt auch für Ver­ein­ba­run­gen, die wie die übe­r­ar­bei­te­te Rah­men­ver­ein­ba­rung mit ei­ner Richt­li­nie des Ra­tes durch­geführt und da­durch in­te­gra­ler Be­stand­teil die­ser Richt­li­nie wer­den (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 16. Sep­tem­ber 2010, Chat­zi, C-149/10, EU:C:2010:534, Rn. 43 und 44).
67 Im vor­lie­gen­den Fall hebt das vor­le­gen­de Ge­richt in sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen je­doch aus­drück­lich her­vor, dass ei­ne sol­che kon­for­me Aus­le­gung der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Re­ge­lung nicht möglich sei.
68 Un­ter die­sen Umständen ist fer­ner dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich nach ständi­ger Recht­spre­chung Ein­zel­ne vor na­tio­na­len Ge­rich­ten ge­genüber dem Mit­glied­staat, ins­be­son­de­re in des­sen Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber, im­mer dann auf die Be­stim­mun­gen ei­ner Richt­li­nie be­ru­fen können, wenn sich die­se als in­halt­lich un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau er­wei­sen. Der Ge­richts­hof hat über­dies be­reits ent­schie­den, dass sich die­se Recht­spre­chung auf Ver­ein­ba­run­gen über­tra­gen lässt, die wie die Rah­men­ver­ein­ba­run­gen über den El­tern­ur­laub aus ei­nem zwi­schen So­zi­al­part­nern auf Uni­ons­ebe­ne geführ­ten Dia­log her­vor­ge­gan­gen und gemäß ih­rer je­wei­li­gen Rechts­grund­la­ge mit ei­ner Richt­li­nie des Ra­tes durch­geführt und da­durch in­te­gra­ler Be­stand­teil die­ser Richt­li­nie wur­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 22. April 2010, Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols, C-486/08, EU:C:2010:215, Rn. 22 und 23).
69 In Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 Satz 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ist all­ge­mein und un­miss­verständ­lich vor­ge­se­hen, dass der Ar­beit­neh­mer das Recht hat, im An­schluss an sei­nen El­tern­ur­laub an sei­nen frühe­ren Ar­beits­platz zurück­zu­keh­ren oder, wenn das nicht möglich ist, ei­ne gleich­wer­ti­ge oder ähn­li­che Ar­beit zu­ge­wie­sen zu be­kom­men, und dass er die Rech­te behält, die er zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs be­reits er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben. Sol­che Be­stim­mun­gen sind so­mit in­halt­lich un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau, um von ei­nem Ein­zel­nen gel­tend ge­macht und vom Ge­richt an­ge­wandt wer­den zu können (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 16. Ju­li 2009, Gómez-Limón Sánchez-Ca­ma­cho, C-537/07, EU:C:2009:462, Rn. 36).
70 Dar­aus folgt nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, dass die na­tio­na­len Ge­rich­te und die Ver­wal­tungs­or­ga­ne, so­fern ei­ne mit den An­for­de­run­gen des Uni­ons­rechts übe­rein­stim­men­de Aus­le­gung und An­wen­dung der na­tio­na­len Re­ge­lung nicht möglich ist, das Uni­ons­recht in vol­lem Um­fang an­zu­wen­den und die Rech­te, die es dem Ein­zel­nen einräumt, zu schützen ha­ben, in­dem sie ent­ge­gen­ste­hen­de Vor­schrif­ten des in­ner­staat­li­chen Rechts ge­ge­be­nen­falls un­an­ge­wen­det las­sen (Ur­teil vom 25. No­vem­ber 2010, Fuß, C-429/09, EU:C:2010:717, Rn. 40 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
71 Das vor­le­gen­de Ge­richt wird folg­lich ins­be­son­de­re zu prüfen ha­ben, ob es dem Land Ber­lin in sei­ner Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber un­ter Umständen wie de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens tatsächlich unmöglich war, zu gewähr­leis­ten, dass Frau H. im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub an ih­ren frühe­ren Ar­beits­platz zurück­keh­ren kann, und, falls dies zu be­ja­hen ist, darüber zu wa­chen ha­ben, dass ihr, wie in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­for­dert, ein ent­spre­chend ih­rem Ar­beits­ver­trag oder Beschäfti­gungs­verhält­nis gleich­wer­ti­ger oder ähn­li­cher Ar­beits­platz zu­ge­wie­sen wird, da­mit sie dort ei­ne Pro­be­zeit un­ter Be­din­gun­gen fort­set­zen kann, die auch den An­for­de­run­gen von Pa­ra­graf 5 Nr. 2 die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung ent­spre­chen (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 20. Ju­ni 2013, Riežnie­ce, C-7/12, EU:C:2013:410, Rn. 51).
72 In Be­zug auf den Um­stand, dass das Frau H. am 18. Ok­to­ber 2011 im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be über­tra­ge­ne Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on, nach­dem sie am 30. Mai 2012 ih­ren El­tern­ur­laub an­ge­tre­ten hat­te, in der zwei­ten Jah­reshälf­te 2012 er­neut aus­ge­schrie­ben und an­sch­ließend endgültig mit ei­nem an­de­ren Be­am­ten be­setzt wur­de, ist fest­zu­stel­len, dass das Land Ber­lin vor dem Ge­richts­hof nicht erläutert hat, in­wie­fern es ihm ob­jek­tiv unmöglich war, dafür zu sor­gen, dass Frau H. im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub ih­ren Sta­tus als Be­am­tin auf Pro­be für das be­tref­fen­de Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on zurücker­lan­gen konn­te. Es hat ins­be­son­de­re nicht erläutert, aus wel­chen ob­jek­ti­ven Gründen es ihm unmöglich war, die­ses Amt ent­we­der vorläufig un­be­setzt zu las­sen oder, wenn nötig, bis zur Rück­kehr von Frau H. vorüber­ge­hend mit ei­nem an­de­ren Be­am­ten zu be­set­zen.
73 Der Ge­richts­hof hat zwar be­reits an­er­kannt, dass es ei­nem Ar­beit­ge­ber frei­steht, für die Zwe­cke ei­ner ra­tio­nel­len Be­wirt­schaf­tung sei­nes Be­triebs sei­ne Dienst­stel­len um­zu­struk­tu­rie­ren, doch hat er klar­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber da­bei die an­wend­ba­ren Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts ein­hal­ten muss (vgl. ent­spre­chend, zur Rah­men­ver­ein­ba­rung von 1995, Ur­teil vom 20. Ju­ni 2013, Riežnie­ce, C-7/12, EU:C:2013:410, Rn. 36).
74 Da­her hat der Ar­beit­ge­ber vor dem vor­le­gen­den Ge­richt den Nach­weis zu er­brin­gen, dass es ihm aus ob­jek­ti­ven Gründen unmöglich war, dafür zu sor­gen, dass die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub in das Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on zurück­keh­ren konn­te, das ihr vor An­tritt des El­tern­ur­laubs im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be über­tra­gen wor­den war.
75 Soll­te das vor­le­gen­de Ge­richt zu dem Schluss kom­men, dass dies im vor­lie­gen­den Fall unmöglich war, könn­te je­den­falls der Ar­beits­platz, den das Land Ber­lin Frau H. nach ih­rer Rück­kehr aus dem El­tern­ur­laub zu­ge­wie­sen hat, nicht als dem Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on, das sie bei An­tritt ih­res El­tern­ur­laubs in­ne­hat­te, „gleich­wer­tig oder ähn­lich“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung an­ge­se­hen wer­den, da ihr un­strei­tig wie­der das Amt über­tra­gen wur­de, das sie vor ih­rer Beförde­rung in das Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on in­ne­hat­te und das so­wohl sta­tus- als auch be­sol­dungs­recht­lich nied­ri­ger ein­ge­stuft ist.
76 Zur Ein­hal­tung von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 war es nämlich er­for­der­lich, dass das Land Ber­lin Frau H. im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on überträgt, das zu­min­dest hin­sicht­lich des Sta­tus, der Be­sol­dung und der Lei­tungs­auf­ga­ben dem Amt ent­spricht, für das sie ursprüng­lich aus­gewählt wor­den war.
77 Das vor­le­gen­de Ge­richt wird sich außer­dem zu ver­ge­wis­sern ha­ben, dass bei der Fort­set­zung der Pro­be­zeit im ursprüng­lich über­tra­ge­nen Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on oder, bei ob­jek­tiv nach­ge­wie­se­ner Unmöglich­keit, in ei­nem gleich­wer­ti­gen oder ähn­li­chen Amt die An­for­de­run­gen ein­ge­hal­ten wer­den, die sich aus Pa­ra­graf 5 Nr. 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung hin­sicht­lich der Dau­er der Pro­be­zeit er­ge­ben.
78 Ih­re Ein­hal­tung im­pli­ziert, dass Frau H. im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub die Möglich­keit behält, ih­re Pro­be­zeit in dem ei­nen oder an­de­ren Amt so fort­zu­set­zen, dass ih­re ge­sam­te tatsächli­che Pro­be­zeit eben­so lang ist, wie wenn sie kei­nen El­tern­ur­laub in An­spruch ge­nom­men hätte. Ihr müssen nämlich nach dem En­de ih­res El­tern­ur­laubs wei­ter­hin die glei­chen Möglich­kei­ten of­fen­ste­hen, ih­re Befähi­gung zur Wahr­neh­mung der ihr über­tra­ge­nen Lei­tungs­funk­ti­on nach­zu­wei­sen, und sie muss da­her die glei­chen Aus­sich­ten auf de­ren et­wai­ge endgülti­ge Über­tra­gung nach dem En­de der Pro­be­zeit ha­ben.
79 Sch­ließlich ist zu der Fra­ge, ob die Über­tra­gung ei­nes gleich­wer­ti­gen oder ähn­li­chen Amts mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be von der vor­he­ri­gen Durchführung ei­nes neu­en Aus­wahl­ver­fah­rens abhängig ge­macht wer­den darf, fest­zu­stel­len, dass ein sol­ches Er­for­der­nis ge­eig­net wäre, das ei­ner Ar­beit­neh­me­rin wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens, die El­tern­ur­laub in An­spruch ge­nom­men hat, zu­ste­hen­de Recht aus­zuhöhlen, das dar­in be­steht, un­ter den in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nen Vor­aus­set­zun­gen ei­nen ähn­li­chen oder gleich­wer­ti­gen Ar­beits­platz zu­ge­wie­sen zu be­kom­men, um dort ei­ne Pro­be­zeit un­ter Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen, die auch den An­for­de­run­gen von Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Satz 1 die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung ent­spre­chen (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 20. Ju­ni 2013, Riežnie­ce, C-7/12, EU:C:2013:410, Rn. 54).
80 Ab­ge­se­hen da­von, dass die Be­trof­fe­ne be­reits an ei­nem sol­chen Aus­wahl­ver­fah­ren teil­ge­nom­men hat, wor­auf­hin ihr im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be das Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on über­tra­gen wur­de, das sie in­ne­hat­te, als sie ih­ren El­tern­ur­laub an­trat, hätte ein sol­ches Aus­wahl­ver­fah­ren zur Fol­ge, dass sich ih­re Er­nen­nung zum neu­en Amt und so­mit ih­re Möglich­keit, ih­re Eig­nung für die endgülti­ge Er­nen­nung nach­zu­wei­sen, verzögern würden. Die wei­te­re, noch we­sent­li­che­re Fol­ge wäre, dass ei­ne sol­che Er­nen­nung un­ge­wiss wäre, da sie von den Er­geb­nis­sen des Aus­wahl­ver­fah­rens ab­hin­ge.
81 Ein Er­for­der­nis wie das in Rn. 79 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­ge­spro­che­ne ist da­her nicht statt­haft, so dass das vor­le­gen­de Ge­richt ver­pflich­tet ist, es gemäß der in Rn. 70 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung un­an­ge­wen­det zu las­sen.
Nach al­le­dem ist auf die vier­te und die fünf­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass es Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist, er­for­der­li­chen­falls un­ter Außer­acht­las­sung der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen na­tio­na­len Re­ge­lung auf­grund des in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung auf­ge­stell­ten Er­for­der­nis­ses zu prüfen, ob es dem be­tref­fen­den Land in sei­ner Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber un­ter Umständen wie de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens ob­jek­tiv unmöglich war, der Be­trof­fe­nen im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub die Rück­kehr an ih­ren frühe­ren Ar­beits­platz zu ermögli­chen, und, wenn ja, darüber zu wa­chen, dass ihr ent­spre­chend ih­rem Ar­beits­ver­trag oder Beschäfti­gungs­verhält­nis ein gleich­wer­ti­ger oder ähn­li­cher Ar­beits­platz zu­ge­wie­sen wird, oh­ne dass des­sen Zu­wei­sung von der Durchführung ei­nes neu­en Aus­wahl­ver­fah­rens abhängig ge­macht wer­den darf. Es ist fer­ner Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, darüber zu wa­chen, dass die Be­trof­fe­ne im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub an dem Ar­beits­platz, an den sie zurück­kehrt, oder an dem ihr neu zu­ge­wie­se­nen Ar­beits­platz ei­ne Pro­be­zeit un­ter Be­din­gun­gen fort­set­zen kann, die den An­for­de­run­gen von Pa­ra­graf 5 Nr. 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ent­spre­chen.
83 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
1. Pa­ra­graf 5 Nrn. 1 und 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub, die im An­hang der Richt­li­nie 2010/18/EU des Ra­tes vom 8. März 2010 zur Durchführung der von BUSI­NESS­EU­RO­PE, UE­AP­ME, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 96/34/EG wie­der­ge­ge­ben ist, ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, wo­nach die endgülti­ge Beförde­rung in ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on im öffent­li­chen Dienst vor­aus­setzt, dass der aus­gewähl­te Be­wer­ber zu­vor ei­ne zweijähri­ge Pro­be­zeit im über­tra­ge­nen Amt er­folg­reich ab­sol­viert, und wo­nach die Pro­be­zeit, wenn sich ein sol­cher Be­wer­ber während des über­wie­gen­den Teils da­von im El­tern­ur­laub be­fand und wei­ter­hin be­fin­det, kraft Ge­set­zes und un­ter Aus­schluss der Möglich­keit ei­ner Verlänge­rung nach die­sen zwei Jah­ren en­det, so dass dem Be­wer­ber bei der Rück­kehr aus sei­nem El­tern­ur­laub wie­der das sta­tus- und be­sol­dungs­recht­lich nied­ri­ger ein­ge­stuf­te Amt über­tra­gen wird, das er vor sei­ner Be­ru­fung in das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be in­ne­hat­te. Die da­mit ver­bun­de­ne Ver­let­zung die­ses Pa­ra­gra­fen kann nicht mit der Ziel­set­zung der Pro­be­zeit ge­recht­fer­tigt wer­den, die dar­in be­steht, die Bewährung für das zu über­tra­gen­de Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on fest­stel­len zu können.
2. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, er­for­der­li­chen­falls un­ter Außer­acht­las­sung der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen na­tio­na­len Re­ge­lung auf­grund des in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der im An­hang der Richt­li­nie 2010/18 wie­der­ge­ge­be­nen übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung auf­ge­stell­ten Er­for­der­nis­ses zu prüfen, ob es dem be­tref­fen­den Land in sei­ner Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber un­ter Umständen wie de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens ob­jek­tiv unmöglich war, der Be­trof­fe­nen im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub die Rück­kehr an ih­ren frühe­ren Ar­beits­platz zu ermögli­chen, und, wenn ja, darüber zu wa­chen, dass ihr ent­spre­chend ih­rem Ar­beits­ver­trag oder Beschäfti­gungs­verhält­nis ein gleich­wer­ti­ger oder ähn­li­cher Ar­beits­platz zu­ge­wie­sen wird, oh­ne dass des­sen Zu­wei­sung von der Durchführung ei­nes neu­en Aus­wahl­ver­fah­rens abhängig ge­macht wer­den darf. Es ist fer­ner Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, darüber zu wa­chen, dass die Be­trof­fe­ne im An­schluss an ih­ren El­tern­ur­laub an dem Ar­beits­platz, an den sie zurück­kehrt, oder an dem ihr neu zu­ge­wie­se­nen Ar­beits­platz ei­ne Pro­be­zeit un­ter Be­din­gun­gen fort­set­zen kann, die den An­for­de­run­gen von Pa­ra­graf 5 Nr. 2 der übe­r­ar­bei­te­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ent­spre­chen.
Toa­der
Ja­rašiūnas
Verkündet in öffent­li­cher Sit­zung in Lu­xem­burg am 7. Sep­tem­ber 2017.
Ver­fah­rens­spra­che_ Deutsch
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References: Art. 267
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 15
 Art. 16
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 Art. 14
 Art. 15
 Art. 16
 Art. 23
 Art. 33
 Art. 151
 Art. 33
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 § 97
 Art. 288