Source: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bvwg/BVWGT_20170227_W201_2005490_1_00/BVWGT_20170227_W201_2005490_1_00.html
Timestamp: 2020-07-10 16:57:25+00:00

Document:
W201 2005490-1
W201 2005490-1/12E
Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin Mag. Angela SCHIDLOF als Einzelrichterin über die Beschwerde von XXXX, vertreten durch Appellator Steuerberatungsgesellschaft mbH, Schenkenstraße 4/6.Stock, 1010 Wien, gegen den Bescheid der Wiener Gebietskrankenkasse vom 20.08.2013, Zl.: 11-2013-BE-VER10-000AQ, beschlossen:
Die Revision ist gemäß Art 133 Abs. 4 B-VG unzulässig.
I. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
1. Mit der als Bescheid bezeichneten Erledigung der Wiener Gebietskrankenkasse (im Folgenden: belangte Behörde) vom 20.08.2013 wurde Herr XXXX (im Folgenden: Beschwerdeführer) als Geschäftsführer der Firma XXXX von der belangten Behörde gemäß § 67 Abs.10 ASVG iVm §83 ASVG zur Zahlung der vom genannten Unternehmen zu entrichtenden Beiträge samt Nebengebühren aus der Vorschreibung für den Zeitraum September 2006 von Euro 92.796,60 zuzüglich Verzugszinsen ab 01.08.2013 8,38 % p.a. aus Euro 53.177,77 verpflichtet.
2. Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer im Wege seiner ausgewiesenen Vertretung fristgerecht einlangend am 18.09.2013 Einspruch. Es sei kein Tatbestand der Pflichtversicherung erfüllt und der Beschwerdeführer habe keine Pflichten verletzt. Selbst bei Vorliegen einer Pflichtverletzung, stelle sich die Frage, ob der Beschwerdeführer schuldhaft gehandelt habe. Zudem sei ein mögliches Verhalten des Beschwerdeführers nicht kausal gewesen. Es werde daher beantragt, den Bescheid ersatzlos aufzuheben sowie dem Einspruch die aufschiebenden Wirkung zuzuerkennen.
3. Mit Stellungnahme vom 24.02.2014 legte die WGKK den Beschwerdeakt dem Bundesverwaltungsgericht vor.
4. Am 01.12.2014 forderte das Bundesverwaltungsgericht die belangte Behörde zur Abgabe einer Stellungnahme auf, da das als Bescheid bezeichnete Schriftstück nicht dem von der belangten Behörde dem BVwG vorgelegten Akteninhalt entspreche.
Der dem Beschwerdeführer zugestellte Bescheid trage keinerlei Unterschrift, die im Akt übermittelte Ausfertigung sehr wohl.
5. Mit Schreiben vom 11.12.2014 gab die belangte Behörde eine Stellungnahme ab. Es sei rechtlich nicht geboten gewesen, die Bescheidausfertigung zu unterschreiben. Es werde darauf hingewiesen, dass – im Gegensatz zu Bescheiden gemäß § 113 ASVG – ein Bescheid der Abteilung Beitragseinhebung im EDV-Programm immer einem konkret approbationsbefugten Genehmigenden zugeordnet sei. Darüber hinaus sei auf der Seite 1 immer der Name des genehmigenden Organs ersichtlich. Die elektronische Signatur liege daher vor. Die dem Beschwerdeführer zugestellte Ausfertigung sei daher nicht unterschrieben worden. Es werde auch darauf hingewiesen, dass das BVwG bisher die Bescheidausfertigungen ohne Unterschrift als Bescheide behandelt habe. Den Unterschied zu § 113 ASVG-Bescheiden zeige auch das Erkenntnis des VwGH vom 15.10.2014, Ra 2014/08/009-5.
Das mit Beschwerde angefochtene Schriftstück ist das Produkt eines von der belangten Behörde zum Einsatz gebrachten EDV-Systems.
Festgestellt wird, dass das Schriftstück die Bezeichnung "Bescheid" den Spruch, eine Zusammenfassung der gesetzlichen Grundlagen für die Vorschreibungen, eine Begründung und eine Rechtsmittelbelehrung enthält. Das Schriftstück endet mit dem Beilagenverzeichnis. Der einzige Hinweis auf eine namentliche Zuordnung befindet sich auf Seite 1 des Schriftstückes oberhalb des Spruches unter dem Betreff "Auskunft".
Das als Bescheid bezeichnete Schriftstück ist nicht persönlich unterschrieben worden. Auf dem Schriftstück befindet sich auf der ersten Seite rechts oben das Logo der Wiener Gebietskrankenkasse und ebenso auf der ersten Seite in der Seitenmitte im Hochformat der Passus "Amtssigniert. Information zur Prüfung des Ausdrucks:
http://www.sozialversicherung.at/amtssignatur" .
Die im von der WGKK parallel geführten Papierakt erliegende Kopie des Schriftstücks enthält eine Unterschrift des Genehmigers.
Die Wiener Gebietskrankenkasse hat mit Verlautbarung Nr. 17 aus dem Jahr 2008 die Bildmarke für eine Amtssignatur im Sinne des § 19 Abs. 3 E-GovG verlautbart. Diese Verlautbarung enthält eine einzige Grafik, die eine kreisrunde Bildmarke darstellt, die im oberen Bereich den Schriftzug "Wiener Gebietskrankenkasse" enthält, in der Mitte den Bundesadler und im unteren Bereich den Schriftzug "@Amtssignatur".
Auf dem angefochtenen Schriftstück ist keine gültige elektronische Amtssignatur vorhanden.
Der festgestellte und spruchtragende Sachverhalt ergibt sich aus der vorliegenden Aktenlage, insbesondere aus der Stellungnahmen der belangten Behörde. Es ist davon auszugehen, dass die Behörde den Akt in vollem Umfang vorgelegt hat.
Gemäß § 414 Abs. 2 ASVG entscheidet in Angelegenheiten nach § 410 Abs. 1 Z 1, 2 und 6 bis 9 das Bundesverwaltungsgericht auf Antrag einer Partei durch einen Senat; dies gilt auch für Verfahren, in denen die zitierten Angelegenheiten als Vorfragen zu beurteilen sind. Da über eine Sache nach § 410 Abs. 1 Z 5 entschieden wird, liegt Einzelrichterzuständigkeit vor.
Gemäß § 31 Abs. 1 VwGVG erfolgen, soweit nicht ein Erkenntnis zu fällen ist, die Entscheidungen und Anordnungen durch Beschluss.
Gemäß § 2 Z 1 und Z 5 E-Government-Gesetz, BGBL I Nr. 10/2004 bedeuten:
"Identität": die Bezeichnung der Nämlichkeit von Betroffenen (Z 7) durch Merkmale, die in besonderer Weise geeignet sind, ihre Unterscheidbarkeit von anderen zu ermöglichen; solche Merkmale sind insbesondere der Name, das Geburtsdatum und der Geburtsort, aber auch etwa die Firma oder (alpha)nummerische Bezeichnungen;
"Authentizität": die Echtheit einer Willenserklärung oder Handlung in dem Sinn, dass der vorgebliche Urheber auch ihr tatsächlicher Urheber ist;
§ 2 Signaturgesetz, BGBl. I Nr. 190/1999 definiert die elektronische Signatur wie folgt: "Elektronische Daten, die anderen elektronischen Daten beigefügt oder mit diesen logisch verknüpft werden und die der Authentifizierung dienen".
§ 19 E-GovG lautet:
Zu A) Zurückweisung der Beschwerde
Obwohl im Rahmen der Beschwerde das Nichtvorliegen eines Bescheides nicht moniert wurde, ist diese Frage amtswegig zu prüfen, da das Rechtsschutzsystem der österreichischen Verfassung typengebunden ist.
Der Verwaltungsgerichtshof führt in seinem Erkenntnis vom 15.10.2014, Zl. 2014/08/0009, aus, dass die Darstellung der Amtssignatur (§ 19 Abs 3 E-GovG) nicht die Genehmigung ersetzt, sondern darin vielmehr lediglich die Urheberschaft der Behörde dokumentiert wird. Somit muss eine Erledigung selbst von jedem Organwalter, der die Behördenfunktion inne hat oder von einem approbationsbefugten Organwalter genehmigt worden sein. Fehlt es an einer solchen Genehmigung, liegt kein Bescheid vor (vgl. VwGH, 22.10.2012, 2010/03/0024). Wurden Erledigungen elektronisch erstellt, so kann an die Stelle der Unterschrift ein Verfahren zum Nachweis der Identität (§ 2 Z 1 E-GovG) des Genehmigenden und der Authentizität (§ 2 Z 5 E-GovG) der Erledigung treten.
Die belangte Behörde beruft sich in ihren Stellungnahmen darauf, dass das Schriftstück elektronisch amtssigniert worden sei.
§ 2 Z 5 E-GovG sieht vor, dass ein Verfahren existieren muss, dass die Authentizität der bescheiderlassenden Stelle nachweist, somit die Urheberschaft der Behörde dokumentiert.
Zweck einer (elektronischen) Signatur (Unterschrift) besteht darin, ein Dokument dem Signator (Unterzeichner) zuzuordnen. Dazu werden dem elektronischen Dokument elektronische Daten beigefügt, die die Identität des Signierenden und die Integrität des signierten Dokuments feststellen.
Was nun das beschwerdegegenständlichen Schriftstück betrifft, so scheint keine Unterschrift und keine elektronische Signatur im Sinne des § 2 Z 5 E-GovG auf.
In einem Revisionsverfahren hat der VwGH mit Erkenntnis vom 17.12.2015 (Ra 2015/08/0079) in einem dem gegenständlichen Beschwerdeverfahren nicht unähnlichen Fall festgestellt, dass eine dem E-GovG entsprechende Amtssignatur schon dann vorhanden ist, wenn der Bescheid (in seinem Kopfteil) eine Bildmarke iSd § 19 Abs. 3 E-GovG enthält, welche die belangte Behörde als Auftraggeberin des öffentlichen Bereiches im Internet als die ihre gesichert veröffentlicht hat und am Seitenrand der ersten Seite eine Hinweis auf die Amtssignatur vorhanden ist.
Der gegenständliche Beschwerdefall unterscheidet sich an dieser Stelle jedoch wesentlich von dem im oa zitierten Erkenntnis des VwGH:
Die Wiener Gebietskrankenkasse hat mit Verlautbarung Nr. 17 aus dem Jahr 2008 die Bildmarke für eine Amtssignatur im Sinne des § 19 Abs. 3 E-GovG verlautbart.
Diese Verlautbarung enthält eine einzige Grafik, die eine kreisrunde Bildmarke darstellt, welche im oberen Bereich den Schriftzug "Wiener Gebietskrankenkasse" enthält, in der Mitte den Bundesadler und im unteren Bereich den Schriftzug "@Amtssignatur".
Am 29.05.2015 verlautbarte die Wiener Gebietskrankenkasse unter der Verlautbarung Nr. 175 aus dem Jahr 2015 zusätzliche Bildmarken, so auch das im ggst Bescheid verwendete Logo mit dem Schriftzug "Wiener Gebietskrankenkasse WGKK". Diese Kundmachung gilt für Amtssignaturen, die nach dem Tag der Kundmachung erfolgen.
Für das am 20.08.2013 erstellte Schriftstück der Wiener Gebietskrankenkasse wäre daher jene Bildmarke der Verlautbarung Nr. 17 aus dem Jahr 2008 anzuwenden gewesen, um eine rechtsgültige Amtssignatur zu bewirken.
Da die belangte Behörde keine Bildmarke für eine Amtssignatur verwendet hat, welche sie – zum Zeitpunkt der Ausfertigung des Schriftstückes - im Sinne des § 19 Abs. 3 E-GovG verlautbart hatte, liegt keine gültige Amtssignatur vor. Da die der Beschwerdeführerin zugestellte Bescheidausfertigung auch keine (andere) Unterschrift enthält, ist die Erledigung absolut nichtig.
Es war daher mangels Vorliegen eines Bescheides spruchgemäß zu entscheiden und die Beschwerde als unzulässig zurückzuweisen.
Verzicht auf eine mündliche Verhandlung:
Gemäß § 24 Abs. 3 VwGVG hat der Beschwerdeführer die Durchführung einer Verhandlung in der Beschwerde oder im Vorlageantrag zu beantragen. Den sonstigen Parteien ist Gelegenheit zu geben, binnen angemessener, zwei Wochen nicht übersteigender Frist einen Antrag auf Durchführung einer Verhandlung zu stellen. Ein Antrag auf Durchführung einer Verhandlung kann nur mit Zustimmung der anderen Partei zurückgezogen werden.
Gemäß § 24 Abs. 4 VwGVG kann, soweit durch Bundes- oder Landesgesetz nicht anderes bestimmt ist, das Verwaltungsgericht ungeachtet eines Parteiantrages von einer Verhandlung absehen, wenn die Akten erkennen lassen, dass die mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten lässt, und einem Entfall der Verhandlung weder Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, BGBl. Nr. 210/1958, noch Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, ABl. Nr. C 83 vom 30.03.2010 S. 389 entgegenstehen.
Der Sachverhalt war gemäß § 24 Abs. 4 VwGVG und Art 6. Abs 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten entscheidungsreif, da gegenständlich ausschließlich eine Rechtsfrage, nämlich die Frage der Bescheidqualität des in Beschwerde gezogenen Schriftstücks zu klären war, weshalb von der Durchführung einer mündlichen Verhandlung abgesehen werden konnte.
Der hg. Beschluss hält sich vielmehr an die darin zitierte Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes.
ECLI:AT:BVWG:2017:W201.2005490.1.00

References: § 67
 §83
 § 113
 § 113
 § 19
 § 414
 § 410
 § 410
 § 31
 § 2

§ 2

§ 19

§ 2
 § 2
 § 19
 § 19
 § 19
 § 24
 § 24
 Art. 6
 Art. 47
 § 24