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Timestamp: 2017-04-25 00:53:25+00:00

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Orientierende Klimabeurteilung für Stadtteil Machtolsheim
(725 m NN) der Stadt Laichingen, Alb-Donau-Kreis. Deutscher Wetterdienst
Wetteramt Stuttgart, April 1978.
Bearbeiter: Dr. Manfred Wagner, Wetteramt Stuttgart,
1. Einleitung Die nachfolgende orientierende Klimabeurteilung stützt sich
auf eine eingehende Orts- und Geländebesichtigung am 10. März 1978 mit
Messungen u.a. der Luftreinheit und auf langjährige Beobachtungs- und
Meßergebnisse der Klimastation
Wesentliche Angaben wurden aus der Karte von F. Becker und
M. Wagner: "Das Bioklima in der Bundesrepublik" und den Arbeiten von
W. Caspar: "Die Schneedecke in der Bundesrepublik Deutschland",
herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst, und M. Wagner: "Die
Niederschlagsverhältnisse in Baden-Württemberg im Lichte der dynamischen
Klimatologie", entnommen.
2. Lagebeschreibung Machtolsheim liegt auf einer leicht gewellten Hochfläche der
mittleren Schwäbischen Alb in 725 m Seehöhe. Die Landschaft wird durch
aufgesetzte Kuppen und durch den Oberlauf zweier verhältnismäßig tief
eingeschnittenen Trockentäler, die nach Osten ziehen, reizvoll gegliedert. Das
Gelände weist im großen ganzen ein von Westen nach Osten gerichtetes schwaches
Gefälle auf. Typisch ist das völlige Fehlen oberirdischer Wasserläufe. Die
Entwässerung erfolgt wegen der starken Verkarstung unterirdisch zur Donau bzw.
zum Blautopf. Der höchste Punkt der Markung mit 785 m NN liegt ganz im Norden
auf einer bewaldeten Kuppe. Den tiefsten Punkt findet man an der Südostgrenze,
wo das Hänglestal in das Lange Tal einmündet. Hier befindet man sich 610 m über
Im Vegetationsbild überwiegen die Ackerfluren mit rund 50%
weitaus. Der Wald, der die Kuppen, Rücken und Talhänge bedeckt, hat einen
Flächenanteil von 25%. Der Rest ist Wiesen-, Weide- und Heideland. Das
umfangreiche Wanderwegenetz weist viele ebene Wegstrecken oder nur geringe
Steigungen auf.
3. Klimabeschreibung
3.1. Allgemeines Großraumklimatisch gehört der Ort dem gemäßigten, feuchten
Klima Mitteleuropas an. Die mesoklimatischen Eigenheiten des Klimas werden vor
allem durch die freie Höhenlage bestimmt. Staueffekte treten gegenüber den
Leewirkungen der Alb stark zurück. Nur bei einer Luftströmung aus
Westnordwesten kommt es an etwa 4O% der Wetterlagen zu schwachen
Stauerscheinungen, die sich im Wolkenfeld deutlicher abzeichnen als im
Bei den sehr häufigen Regenwetterlagen mit Winden um
Westsüdwesten bis Westen machen sich deutliche Lee-Effekte der Alb bemerkbar.
Nicht ganz unwesentlich für das Niederschlagsregime ist aber auch eine noch
erkennbare Fernwirkung von Leewirkungen des Schwarzwaldes bei
Warmluftadvektion. Die Winde sind das ganze Jahr über meist lebhaft. Das gilt
auch für östliche bis nordöstliche Winde, die im Winter bei Zufuhr von
kontinentaler Kaltluft sehr hohe Abkühlungsreize verursachen können.
Lokalklimatisch spielen außer den Rücken und Kuppen auch die Verteilung von
Wald und Ackerfluren, besonders im thermischen Milieu, aber auch für die
Luftreinheit eine Rolle. In den muldenförmigen Trockentälern besteht bei
winterlichem Hochdruckwetter eine Tendenz zur Bildung von seichten Kaltluftseen
und morgendlichen Nebelfeldern.
3.2. Mittelwerte der Klimaelemente des engeren Klimabezirkes
3.2.1. Temperaturverhältnisse Die Charakterzüge des thermischen Milieus mit großen
Schwankungen im Tages- und Jahresgang des Temperaturverlaufs sind deutlich
kontinental. Die Jahresmitteltemperatur ist um 3 Zehntel Grad zu kühl. In den
freien Hochflächenlagen des Ortes haben vor allem Kaltluftmassen aus Norden bis
Osten freien Zugang. Das Temperaturdefizit ist bei einer Abweichung von 8
Zehntel Grad vom höhenabhängigen Normalwert besonders im Winter recht hoch. Im
Sommer dagegen ist ein leichter Temperaturüberschuß von 0,1 Grad festzustellen.
Bemerkenswert ist ein recht früh einsetzender Temperaturrückgang im Herbst, der
ebenfalls wesentlich kühler ist als in anderen Orten Baden-Württembergs in
derselben Höhenlage.
Jahresmitteltemperatur 6,5 Grad
Im Jahresgang der langjährigen Monatsmitteltemperaturen niedrigstes langjähriges Monatsmittel: -2,8 Grad im Januar
mit Schwankungen zwischen: +3,0 Grad und -9,0 Grad,
je nach der Strenge des Winters.
Höchstes langjähriges Monatsmittel: 15,5 Grad im Juli.
Mittlere Jahresschwankung: 18,3 Grad.
Eine Tagesmitteltemperatur von 10 Grad beginnt im Mittel am 8. Mai und endet im Mittel am 29.
Daher sind es im Mittel 145 Tage mit einer
Tagesmitteltemperatur von mindestens 10 Grad.
Mittlere Zahl der Tage mit Temperaturmaximum von mindest. 30 Grad (Hitzetage): 1,2 im
Jahr Temperaturmaximum von mindest. 25 Grad (Sommertage): 16 im
Jahr Temperaturminimum unter 0 Grad (Frosttage): 127 im Jahr Temperaturmaximum unter 0 Grad (Eistage): 44 im Jahr.
Erster Frost im Mittel am 7. Oktober Letzter Frost im Mittel am 9. Mai.
Daher frostfreie Zeit im Mittel 150 Tage im Jahr.
3.2.2. Niederschlagsverhältnisse Jahressumme des Niederschlags: 880 mm.
Lokalbedingte Besonderheiten:
Im Niederschlagsfeld von Machtolsheim wirkt sich der
Regenschatten des Traufs der Schwäbischen Alb nachhaltig aus. Bei
Luftströmungen um Westsüdwest bis West verursachen die höheren Erhebungen im
Raum Laichingen gewisse zusätzliche Lee-Erscheinungen. Die Häufigkeit der
Lee-Effekte beträgt bei Wetterlagen mit Winden um Westsüdwest bis Nordwest rund
50%. Daher hat der Ort ein Niederschlagsdefizit von 180 mm im Jahr. Ein
schwacher Niederschlagsstau ist hin und wieder bei Ost- bis Nordostwetterlagen
Die Niederschlagssumme nimmt auf der Markung nach Nordwesten
sehr rasch auf eine Jahressumme von 930 mm zu. Im Jahresgang der langjährigen Mittelwerte der
Monatsniederschlagssummen größte mittlere Monatssumme: 106 mm im Juni kleinste mittlere Monatssumme: 55 mm im Oktober.
Mittlere Zahl der Tage mit einer Niederschlagsmenge von
mindestens 1 mm: 144 im Jahr.
Auftreten einer geschlossenen Schneedecke an: 86 Tagen im
Jahr in schneearmen Wintern an: 52 Tagen im Jahr in schneereichen Wintern an: 120 Tagen im Jahr.
3.2.3. Bewölkungsverhältnisse und Sonnenscheindauer
Langjähriges Bewölkungsmittel im Jahr 67 Prozent
Himmelsbedeckung Langjähriges Monatsmittel des sonnenscheinreichsten Monats
59 Prozent Himmelsbedeckung im Juli, sonnenscheinärmsten Monats 79 Prozent
Himmelsbedeckung im Dezember.
Mittlere Zahl der heiteren Tage (Tage mit weniger als 20
Prozent Himmelsbedeckung) 36 im Jahr trübe Tage (Tage mit mehr als 80 Prozent
Himmelsbedeckung) 152 im Jahr.
Der mittlere jährliche Bewölkungsgrad entspricht etwa dem
großräumigen Gebietsmittel. Das Strahlungsangebot mit hohem UV-Anteil ist nicht
nur im Sommer, sondern auch noch im Frühherbst recht hoch.
Jahressumme: 1665 Stunden. Im Mittel sonnenreichster Monat
mit 229 Stunden ist der Juli.
3.2.4. Windverhältnisse
Die Windbewegung ist das ganze Jahr überaus lebhaft.
Windstillen fehlen fast völlig. Die vorherrschende Windrichtung ist West, aber
auch Winde aus Osten sind bemerkenswert häufig. Örtliche Windsysteme bilden
sich bei Hochdruckwetterlagen nur relativ schwach aus.
3.2.5. Aerosolverhältnisse Bei der am 10. März 1978 durchgeführten Orts- und
Geländebesichtigung gelangte die tags zuvor eingeflossene polare Meeresluft
unter Hochdruckeinfluß. Obwohl der Himmel stark bewölkt war und lokale Winde
sich nicht ausbilden konnten, kam es zeitweise zu lebhafteren Luftbewegungen.
Bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von 1,3 m/sec erreichten die maximalen
Windstärken Werte von 3 m/sec. Die folgenden Meßergebnisse, die mit einem
Scholzlschen Kernzähler und einem Jenaer Konimeter gewonnen wurden, können
daher für antizyklonale Wetterlagen mit geringen Luftdruckgegensätzen als
Meßort Höhe Wind Kerne Staubpartikel
m NN m/sec pro cm3 pro cm3
Rathaus 725 0,6 18000 5,2
Wohngebiet Rappengasse 14 Haus Möschl 727 3,0 6500 5,0
Fa. Künemund 705 1,6 9500 4,8
Campingplatz 724 0,5 4000 2,0
Schützenhaus 695 0,8 3000 1,8Hochbuch Waldrand Richtung Suppingen 705 1,1 3500 2,4
Ponyhof 710 1,2 2500 1,4
Laichingen Bahnhofstraße Cafe Dolomiten 755 0,7 23000 9,4
Gosbach Ortseingang B 466 525 0,8 29500 10,8
Die Ergebnisse zeigen, daß die Luftreinheit in und um
Machtolsheim alles in allem recht gut ist, wenngleich die gemessene Kernzahl
von 18000 pro cm3 beim Rathaus darauf hinweist, daß Immissionen vom
Straßenverkehr und Hausbrand bei ungünstigen Wetterlagen zumindest zeitweise
einen nicht ganz unwesentlichen Belastungsfaktor darstellen können. Das Aerosol
wies einen relativ hohen Anteil an Rußpartikeln auf. Es ist mit großer
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Luftverunreinigung an diesem Tag vor
allem durch den Hausbrand verursacht wurde. Aus den Schornsteinen einiger
Häuser drang dicker Qualm.
Vergleicht man die Aerosolverhältnisse beim Rathaus mit
denen von Laichingen oder Gosbach, so erkennt man, daß die Luftqualität in der
Ortsmitte von Machtolsheim deutlich besser ist. Dies gilt ganz besonders für
den Staubanteil. Erfreulich ist auch die Tatsache, daß durch den kunststoffverarbeitenden
Betrieb der Fa. Künemund keine wesentliche Beeinträchtigung zu befürchten ist.
Die Luftreinheit auf der Markung ist gut. Die reinste Luft wurde beim Ponyhof
angetroffen. Kernzahlen von höchstens 3000 und Staubzahlen unter 2,0 Partikeln
pro cm3 lassen auf eine hohe Luftreinheit schließen.
4. Bioklimatische Hinweise mit Schlußbeurteilung
Das Bioklima von Machtolsheim ist durch relativ hohe
Reizgrößen fast während des ganzen Jahres gekennzeichnet. Im Jahresmittel
herrscht ein reizmildes Klima. Auch in den Übergangsmonaten sind die
bioklimatischen Reize mild. Im Sommer kommt der Urlaubsgast in ein schonendes
bis reizschwaches Klima. Der Winter hat einen schon deutlich reizkräftigen
Trotz eines leichten
Temperaturüberschusses im Sommer fehlen sommerliche Hitze- und
Schwülebelastungen nahezu ganz. Wenn sie doch einmal uorkommen, sind sie
regelmäßig nur von kurzer Dauer. Nachts ist stets mit einer kräftigen und meist
früh einsetzenden Albkühlung zu rechnen. Bei der recht vorteilhaften Palette
der bioklimatischen Reize stehen, außer einem angenehmen sommerlichen
thermischen Milieu mit ausgeprägtem Tagesgang, eine meist lebhafte Luftbewegung
und gute Strahlungsbedingungen im Vordergrund. Der Strahlungsgenuß ist wegen
der recht intensiuen UV-Strahlung und des freien Horizonts selbst in den
Wintermonaten erstaunlich hoch. Auf der Markung trifft man eine gute bis hohe
Luftreinheit an. Im Ortsinnern können die Aerosolverhältnisse als
"befriedigend" bezeichnet werden.
Nebel treten relativ selten auf vor allem die belastenden
Strahlungsnebel bleiben weit unter dem Limit, das selbst für Luftkurorte
gefordert wird. Bioklimatisch gesehen sind die Voraussetzungen für eine nahezu
ganzjährige Saison gegeben. Nur der November und die ersten Wochen des Winters
eignen sich für einen Erholungsurlaub nicht gut. Die Schneeverhältnisse
schaffen befriedigende bis gute Voraussetzungen für den Skisport. Die
Anerkennung des Stadtteils Machtolsheim der Stadt Laichingen als
"Erholungsort" kann in bioklimatischer Hinsicht durchaus befürwortet
Tübingen, 3. April 1978 Deutscher Wetterdienst Wetteramt Stuttgart (Dr. King) Leitender Regierungsdirektor Deutscher Wetterdienst Wetteramt Stuttgart - Außenstelle Tübingen -
Amtsdiener Christof Mändle war der letzte "Büttel"
der Gemeinde. Mit einer großen Messingglocke ging er fast 40 Jahre lang durch
den Ort und gab die Neuigkeiten bekannt. Einige Jahre lang begleitete ihn dabei
eine Gans. Während des Ausrufens der Bekanntmachungen verhielt sie sich ganz
still und watschelte dann hinter dem Amtsdiener zum nächsten Platz. Es durfte
ihr niemand zu nahe kommen und mehr als einmal stellte sie sich angriffslustig,
wenn sie sich bedroht fühlte oder wenn sich jemand dem Amtsdiener näherte.
Haupterwerbszweige im Jahre 1820 Um diese Zeit gab es im Ort 3 Schildwirtschaften a) zum Lamm mit einer gut eingerichteten Bierbrauerei b) zum Hirsch c) zum Ochsen 1 Bäcker mit einer Branntweinbrennerei 2 Hufschmiede 2 Wagner 6 Schuhmacher 3 Schneider 36 Weber 2 Hafner 1 Maurer 2 Zimmerleute 2 Schreiner 2 Küfer 35 Bauern 1 Sattler 2 Krämer 7 Taglöhner 2 Schäfer Der Viehbestand betrug 65 Pferde, die im Zuge stehen, 14
Ochsen, 240 Kühe, 300 Schafe 1979 waren es: 4 Pferde, 520 Kühe, 1050 Stück Jungvieh,
Kalbinnen und Mastbullen, 1870 Schweine, 400 Schafe
Im Jahre 1820 gab es 136 landwirtschaftliche Anwesen, heute
sind es noch 75 mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 1158 Hektar.
1602 430
1604 430
1606 400
1617 484
Einwohner Schulkinder
1649 147 20
1661 161 37
1664 175 45
1688 340 72
1690 370 83
1693 358 80
1702 343 78
1716 489 102
1724 537 132
1734 647 132
1738 515 103
1773 562 88
1800 559 95
1830 634 105
1892 689 112
1907 655 102
1933 695 95
1939 670 83
1950 928 103
1954 936 89
1961 938 135
1970 1099 153
1976 1154 185
1978 1204 191
Geistliche an der Kirche Machtolsheim
a) katholisch Kraus Hutter ab 1470 b) evangelisch seit 1539 Johannes Stengel 1539
Johannes Schmid 1539-1567
Israel Nestel 1567-1572
Laurent Friedrich 1572-1582
Michael Häberle 1582-1589
Michael Nüßle 1589-1598
Sebastian Keurleber 1598-1621
Matthäus Vogel 1621-1634
Christoph Maich 1635-1645
vacant von 1645-1649 Vikar Bartholomäus Eichenhöfer aus Ulm, Pfarrer in
Berghülen 1649-1662
Johann Ludwig Wagner 1662-1703
Johann Georg Kaufmann 1704-1708
Johannes Reuling 1708-1735
Johann Christoph Mann 1736-1745
Christian Hagmeier 1745-1758
Johann Heinrich Albrecht 1758-1790
Ernst Carl Friedrich Wintter 1790-1818
Herkules David Kröner 1818-1841
Friedrich Öffinger 1843-1862
Carl August Wilhelm Krauß 1863-1878
Albert Wetzel 1879-1887
Carl Schieber 1887-1903
Wilhelm Heller 1904-1925
Ernst Kürschner 1928-1949
Wilhelm Bracht 1949-1951
Jakob Rivinius 1951-1954
Helmut Bauer 1954-1964
Karl Poth 1964-1965
Dr. Helmut Lang 1965-1971
Hans Wörner 1971-heute
1581-1609 Hans Müller 1609-1623 Daniel Sommer 1623-1653 Hans Söll und Hans Glockher 1653-1684 Georg Söll 1684-1720 Paul Nüßle 1720-1734 Johann Kaspar Wagner
1734-1767 Hans Jörg Elbe 1767-1785 Johann Ludwig Wagner
1785-1843 Johann Jakob Nüßle
1843-1847 Christian
1847-1867 Jakob
1867-1880 Karl
1880-1886 Johann
Friedrich Kuppinger
1886-1900 Christian
Weiler 1900-1908 Ulrich
1909-1925 Karl Fritz
1926-1961 August
1962-1969 Fritz
Kilgus1970-1973 Peter Panteleit
1974 Margarete
Schwarzenbolz 1975-1977 Christiane
seit 1.1.1978 Nachbarschaftsschule Merklingen-Machtolsheim
ab 26.10.79 Lothar
1601-1605 Hans Müller 1605-1610 Hans Bückle 1610-1617 Georg Griesinger 1617-1654 Jerg Deinsinger 1654-1687 Jakob Harscher 1687-1706 Philipp Burkhard 1706-1726 Jörg Maier 1726-1750 Christoph Jacob Wagner 1750-1793 Johannes Kölle 1793-1825 Georg Hetzler 1825-1849 Philipp Jakob Kalteise 1849-1858 Ruprecht Nüßle 1858-1882 Johannes Jakob 1882-1912 Johann Jakob Fink 6.11.1912-3.6.1932 Johannes Nägele, ab 1930 mit dem Titel "Bürgermeister" 1.7.32-29.9.32 Ludwig Steeb 11.3.33-13.6.45 Christian Erz 14.6.45-17.3.54 Christian Mändle 18.3.54-heute Georg Schmid, ab 1.1.1975 Ortsvorsteher
Besoldung des Pfarrers, des Schulmeisters und des
Schultheißen um 1830 Pfarrer:
Geld vom Kameralamt 43 Gulden 22 Kreuzer
Naturalien vom Kameralamt: 51 Scheffel Dinkel 178 30
25 Scheffel Haber 68 45
Stroh 240 Stück und 6 Säcke Brühets 30 36
3/4 Klafter Holz und 75 Büscheln 3 49
Feste Bezüge 325 Gulden 2 Kreuzer
Veränderliche Teile des Einkommens:
Gärten: 1/4 Gras- und Baumgarten samt Küchengarten 1 Gulden
Zehenten und Gülten großer Fruchtzehnten von 5 Morgen 1 27
Heu-Zehenten aus 60 Morgen 60
Kleiner Zehenten:
Flachs 90
Rüben 30
Klee und Esparsette 30
Obst und Zwetschgen 3
1 Stück alte Gült-Henne 8
246 Gulden 35 Kreuzer
von der Gemeinde:
Viehweide:
4 Freischafe 3 Gulden
4 Pferchnächte 8
Gemeindeteile 2 12
für Registerführung und Visitationen 3 Gulden 45 Kreuzer
für Taufen, Hochzeiten, Leichen 30
Geldgeschenk an Neujahr 16
62 Gulden 57 Kreuzer
Gesamtvergütung jährlich 634 Gulden 34 Kreuzer (60 Kreuzer =
1 Gulden)
Schulmeister, zugleich Mesner und Organist
1. Geld vom Kameralamt Blaubeuren 10 G
vom Heiligen dahier 10
vom Heiligen für Sonntagsschule 35
von der Gemeindekasse für Sonntagsschule 1 20 Kr
vom Heiligen für Organistentätigkeit 6 30
von der Gemeindekasse als Organist 1 30
Schulgeld für 94 Kinder 18 48
von der Gemeindekasse als Entschädigung für Weihnachtsgesang 8 91 G
2. Naturalien 9 Scheffel Dinkel vom Heiligen 39 G
4 Scheffel Dinkel von der Gemeinde 18
4 Scheffel Haber von der Gemeinde 10 48 Kr
von den Ortsbürgern 77 Meßnerlaibe 19 15
Gütergenuß: Kirchhof bei der Kirche 1 24 Kr
Gemeindeacker auf Steinelau 36
Wiese im Hämpfertal 30
Krautland auf Warth 1
Holz und Reisigbüschel 2 92 G 33 Kr
3. Sonstige Einkünfte für 31 Taufen a) 1 Laib Brot 7 G 45 Kr
für 9 große Leichen 7 12
für 18 Kinderleichen 4 30
für das Läuten bei 27 Leichen 6 45
für 5 Hochzeiten 3 48 30 G
Gesamtbesoldung des Schulmeisters einschl. seiner Tätigkeit als Mesner und Organist 213 G 41 Kr
Daneben erhielt der Schulmeister für das Heizen der Schule 2
Klafter gewöhnliches Birkenholz und 200 Büschel Reisig. 117
Schultheißen Grundvergütung jährlich 50 Gulden
Zuschlag für Ratschreibertätigkeit 12
Zuschlag für sonstige Nebentätigkeiten 5
Gesamtvergütung jährlich 67 Gulden
Inventar bei einer Eheschließung um 1830
Vor einer Heirat wurde genau aufgenommen, was die Ehepartner
in die Ehe einbringen. Hier eine Aufstellung aus dem Jahre 1830: Manns Beibringen:
Bargeld 0 Gulden Silber:
1 silberne Sackuhr 4
1 silberbeschlagene Tabakspfeife 4
1 Bibel 1 1 Gesangbuch 1
Manns Kleider:
1 blau tuchenen Rock 8
1 blau tuchenes Wammes 4
1 rot tuchenes Leible 3
1 schwarzes Manchesterwammes 1 12
1 Paar hirschlederne Hosen 8
1 weiteres Paar, älter 4
1 Hut 1 12
1 Samtkappe 2
1 schwarze baumwollene Kappe 20
1 seidenes Halstuch 2
1 baumwollenes Halstuch 15
1 Unterleible 30
8 neue Hemden 8
8 gebrauchte Hemden 4
8 Paar Strümpfe 4
1 Paar Stiefel 3
1 Paar Schuhe 1 12
Bettgewand:
1 Pfulben 4
1 Pfulbenzieche 1 30
3 Säcke 3
Schreinerwerk:
1 Kleiderkasten 4
1 Truhe 3
Weibs Beibringen:
Silber: 1 silberner Anhänger 30 Kreuzer
1 silberner Ring 30
Weibs Kleider:
6 schwarze Röck 18
8 grüne Röck 32
2 Kutten 6
2 tuchene Mieder 4
2 zeugene Mieder 2 30
3 leinene Mieder 1
14 Schürzen 8 24
14 Hauben 8 24
6 seidene Halstücher 4 48
2 baumwollene Halstücher 30
14 neue Hemden 14
10 Strümpfe 15
1 Leible 40
8 Goller 1 4
8 Fürstecker 32
2 Paar neue Schuhe 2
1 Paar Schuhe 24
1 Oberbett 8
2 Unterbett 14
2 Kissen 4
1 Strohsack 1
5 neue Bettziechen 20
5 Pfulbenziechen 10
5 Paar Kissenziechen 10
5 Tischtücher 5
4 Säcke 4
1 Umhang 1
Weibs Beibringen Schreinerwerk:
1 Kleiderkasten 8 Gulden Kreuzer
1 gehimmelte Bettlade 5
1 Siedel 4
1 Küchenkasten 4
1 Lehnstuhl 30
1 Hechelstuhl samt Hecheln 2
1 Schwingstock 8
1 Brech 48
Insgemein:
1 Spinnrad 1 2 Häspel 48
1 Kunkel 45
1 alte Kunkel 8
6 Büscheln Flachs 6
1 Kuh 30
270 Gulden 23 Kreuzer
über die Eingliederung der Gemeinde Machtolsheim in die
Stadt Laichingen, beide Alb-Donau-Kreis
In Anbetracht der wachsenden nachbarschaftlichen
Verflechtungen und zur Verwirklichung der Ziele der Gemeindereform sowie im
Bewußtsein der Verantwortung gegenüber der Einwohnerschaft der Gemeinde
Machtolsheim und der Stadt Laichingen, wie auch in der Überzeugung, damit dem
öffentlichen Wohl beider Gemeinden am besten zu dienen, schliegen die Stadt
Laichingen vertreten durch Bürgermeister Wurz - und die Gemeinde Machtolsheim -
vertreten durch Bürgermeister Schmid - nach Anhörung der in der Gemeinde
Machtolsheim wohnhaften Bürger am 20. Januar 1974 sowie gemäß den Beschlüssen
des Gemeinderats der Stadt Laichingen vom 1. April 1974 und des Gemeinderats
der Gemeinde Machtolsheim vom 28. März 1974 auf Grund von §8 Abs. 2 und §9 Abs.
1 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg vom 25. Juli 1955 - Ges. Bl. S. 129
- folgende Vereinbarung:
§ 1 Eingliederung und Bezeichnung der eingegliederten
Gemeinde (1) Die Gemeinde Machtolsheim wird in die Stadt Laichingen
(2) Die eingegliederte Gemeinde bildet einen Stadtteil der
Stadt Laichingen.
Dieser führt die Bezeichnung "Laichingen, Stadtteil
Machtolsheim".
(3) Die Gemarkung Machtolsheim soll bestehen bleiben.
§ 2 Wahrung der Eigenart (1) Der bisherige Ortscharakter und das örtliche Brauchtum
der Gemeinde Machtolsheim sollen erhalten bleiben. Ihr kulturelles Eigenleben
soll sich auch weiterhin frei und ungehindert entfalten können.
(2) Die Stadt Laichingen wird alle im Stadtteil Machtolsheim
vorhandenen caritativen, kirchlichen, kulturellen, sozialen, sportlichen und
sonstigen Vereinigungen in gleicher Weise fördern und unterstützen, wie die
entsprechenden Vereinigungen im bisherigen Stadtgebiet Laichingen. Die
Zuschüsse dürfen jedoch nicht geringer sein als bisher.
§ 3 Rechtsnachfolge Die Stadt Laichingen tritt als Gesamtrechtsnachfolgerin in
alle privaten und öffentlichen Rechtsverhältnisse der Gemeinde Machtolsheim
§ 4 Rechte und Pflichten der Einwohner und Bürger (1) Die Bürger der Gemeinde Machtolsheim werden mit der
Eingliederung Bürger der Stadt Laichingen. Den Einwohnern, die am Tage der
Eingliederung das Bürgerrecht in der Gemeinde Machtolsheim noch nicht erworben
haben, wird die Dauer des Wohnens in der Gemeinde Machtolsheim auf die Dauer
des Wohnens in der Stadt Laichingen angerechnet.
(2) Die Bürger und die Einwohner der Gemeinde Machtolsheim
haben nach der Eingliederung die gleichen Rechte und Pflichten wie die in dem
vor der Eingliederung bestehenden Gebiet der Stadt Laichingen wohnenden Bürger
und Einwohner. § 9 bleibt unberührt.
§ 5 Übernahme der Bediensteten
(1) Für die Übernahme der Beamten gelten die gesetzlichen
Bestimmungen. § 7 Abs. 3 bleibt unberührt.
(2) Die Angestellten und Arbeiter der Gemeinde Machtolsheim
werden mit allen Rechten und Anwartschaften aus ihrem bisherigen
Dienstverhältnis in den Dienst der Stadt Laichingen übernommen. Die Verwendung
soll nach Möglichkeit weiterhin am bisherigen Arbeitsplatz im Stadtteil
Machtolsheim erfolgen.
§ 6 Ortschaftsverfassung (1) Die Stadt Laichingen verpflichtet sich, für den
Stadtteil Machtolsheim die Ortschaftsverfassung im Sinne der §§ 76a-76g der
Gemeindeordnung einzuführen.
(2) In der Hauptsatzung ist zu bestimmen, daß 1. die Zahl der Ortschaftsräte einschließlich des
Ortsvorstehers 11 beträgt, 2. erstmals nach Einrichtung der Ortschaft Machtolsheim die
bisherigen Gemeinderäte der Gemeinde Machtolsheim die Ortschaftsräte sind, 3. der Ortsvorsteher, sofern er nicht Gemeinderat ist, an
den Verhandlungen des Gemeinderats mit beratender Stimme teilnehmen kann, 4. eine örtliche Verwaltung eingerichtet wird.
§ 7 Örtliche Verwaltung
(1) Das bisherige Bürgermeisteramt in Machtolsheim bildet
künftig die örtliche Verwaltung der
Ortschaft Machtolsheim.
(2) Die örtliche Verwaltung ist zugleich eine
Geschäftsstelle der Stadtverwaltung Laichingen und erhält als solche alle
Zuständigkeiten, die für eine zweckmäßige und bürgernahe Betreuung der
Einwohner des Stadtteiles Machtolsheim notwendig sind. Diese Geschäftsstelle
ist ständig funktionsfähig zu besetzen.
(3) Das Amt des Ortsvorstehers wird dem bisherigen
Bürgermeister Schmid bis zum Ablauf
seiner Amtszeit übertragen. Wird er anschließend als Ortsvorsteher nicht
wiedergewählt oder tritt er nicht in den Ruhestand, so ist die Stadt Laichingen
bereit, ihn unter bestmöglicher Wahrung seines Besitzstandes in ihre Dienste zu
§ 8 Unechte Teilortswahl, Vertretung des Stadtteils im
Gemeinderat der Stadt Laichingen
(1) Die Stadt Laichingen wird durch entsprechende
Ausgestaltung ihrer Hauptsatzung der bisherigen Gemeinde Machtolsheim ab der
nächsten regelmäßigen Gemeinderatswahl im Wege der unechten Teilortswahl eine
dem Bevölkerungsanteil angemessene Vertretung im Gemeinderat gewährleisten. Die
Verteilung der Sitze im Gemeinderat auf die verschiedenen Wohnbezirke wird vor
jeder regelmäßigen Gemeinderatswahl geprüft und erforderlichenfalls berichtigt
(2) Die unechte Teilortswahl kann durch Änderung der
Hauptsatzung wieder aufgehoben werden, frühestens jedoch zu den regelmäßigen
Gemeinderatswahlen im Jahr 1989 und nach Anhörung des Ortschaftsrats.
(3) Dem Gemeinderat der Stadt Laichingen gehören bis zur
nächsten regelmäßigen Gemeinderatswahl 3 Mitglieder des Gemeinderats der
eingegliederten Gemeinde Machtolsheim an, die vor dem Eintritt der
Rechtswirksamkeit dieser Vereinbarung vom Gemeinderat Machtolsheim bestimmt
§ 9 Ortsrecht (1) Im Stadtteil Machtolsheim bleibt das bisherige Ortsrecht
der Gemeinde Machtolsheim aufrecht erhalten, soweit es nicht mit Inkrafttreten
dieser Vereinbarung oder später durch das Recht der Stadt Laichingen ersetzt
wird oder aus anderen Gründen außer Kraft tritt. Das Ortsrecht ist spätestens
innerhalb von 5 Jahren nach Inkrafttreten dieser Vereinbarung im gesamten
Stadtgebiet zu vereinheitlichen. Der Ortschaftsrat kann jederzeit beantragen,
daß im Stadtteil Machtolsheim schon vorher das Ortsrecht der Stadt Laichingen
eingeführt wird. (2) In Kraft bleiben vorläufig insbesondere folgende
Rechtsvorschriften der bisher selbständigen Gemeinde Machtolsheim:
a) Satzung über die Erhebung von Gebühren für die
Schlachttier- und Fleischbeschau, die Trichinenschau und die unschädliche
Beseitigung untauglichen Fleisches (Fleischbeschaugebührensatzung), b) Satzung über die Erhebung von Erschließungsbeiträgen, c) Satzung über die öffentliche Entwässerung, d) Satzung über die Gebührenerhebung für die
Vatertierhaltung (Deckgebührensatzung) und e) Satzung über den Anschluß an die öffentliche
Wasserversorgung und über die Abgabe von Wasser (Wasserabgabesatzung).
(3) Folgende Rechtsvorschriften der Stadt Laichingen werden
mit dem Inkrafttreten dieser Vereinbarung im Stadtteil Machtolsheim in Kraft
a) Hauptsatzung, b) Satzung über die Form der öffentlichen Bekanntmachung,
c) Satzung über die Entschädigung ehrenamtlich tätiger
Bürger, d) Satzung über die Erhebung von Verwaltungsgebühren
(Verwaltungsgebührenordnung), e) Satzung über die Erhebung einer Feuerwehrabgabe, f) Satzung über die öffentliche Müllabfuhr, g) Polizeiverordnung über die Verpflichtung der
Straßenanlieger zum Reinigen, Schneeräumen und Bestreuen der Gehwege.
(4) Die Realsteuerhebesätze der Stadt Laichingen gelten im
Stadtteil Machtolsheim mit Wirkung vom 1. Januar 1975 an.
(5) Die Bebauungspläne der Gemeinde Machtolsheim gelten
§ 10 Vergabe von Lieferungen und Leistungen Bei der Vergabe von Lieferungen und Leistungen werden die im
Stadtteil Machtolsheim wohnenden Gewerbetreibenden den Gewerbetreibenden im
bisherigen Gebiet der Stadt Laichingen gleichgestellt.
§ 11 Erfüllung örtlicher Aufgaben (1) Die Stadt Laichingen ist vom Tage des Inkrafttretens
dieser Vereinbarung an gesetzlich verpflichtet, alle im Stadtteil Machtolsheim
bereits bestehenden und neu anfallenden gemeindlichen Aufgaben zu erfüllen.
(2) Die Stadt Laichingen verpflichtet sich, zur Finanzierung
der nachstehend aufgeführten Vorhaben
die in der bisherigen Gemeinde Machtolsheim vorhandenen frei verfügbaren
Finanzmittel (Investitionsrate) mit ca. 250000 DM zu verwenden. Das gleiche
gilt für Beiträge und Zuschüsse, die von dritter Seite für diese Vorhaben
gewährt werden. Ändert sich nach dem Haushaltsjahr 1974 bei der Stadt
Laichingen der Betrag, welcher vom Verwaltungshaushalt dem Vermögenshaushalt
zugeführt wird, so ändert sich die Investitionsrate für den Stadtteil
Machtolsheim in demselben Verhältnis. Unberücksichtigt bleibt der Betrag, um
den sich der o.g. Zuführungsbetrag nach einer etwaigen weiteren Eingemeindung
im ersten Jahr erhöht.
Im Jahr 1975 wird als zusätzliche Investitionsrate die
staatliche Förderung gemäß § 36a Abs. 1 FAG in Höhe von ca. 90000 DM zur
Es handelt sich im einzelnen um folgende Vorhaben, wobei die
Reihenfolge der Verwirklichung vom Gemeinderat auf Vorschlag des
Ortschaftsrates bestimmt wird:
1. Erweiterung der Kläranlage - Restfinanzierung, 2. Ausbau der Maiergasse, des Birkenweges und der
Bergstraße, 3. Einrichtung eines Schlachthauses, 4. Ausbau Adlerstraße, Drosselweg, Steiglestraße,
Fasanenweg, 5. Restkanalisierung Lindenstraße und Schulstraße,
6. Erschließung von Baugelände, 7. Erneuerung der Straßenbeleuchtung in der Hauptstraße, 8. Neubau einer Turnhalle.
Die Grundsätze einer geordneten Wirtschaftsführung sind zu
(3) Die Stadt Laichingen verpflichtet sich, im Stadtteil
Machtolsheim entsprechend dem jeweiligen Bedarf Bauplätze für gewerbliche
Nutzung und für den Wohnungsbau auszuweisen und zu erschließen. (4) Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken, die am Tag der
Eingliederung Eigentum der Gemeinde Machtolsheim waren, werden für
Investitionen im Stadtteil Machtolsheim verwendet, soweit nach Anhörung des
Ortschaftsrates nichts anderes bestimmt wird. (5) Abs. 4 gilt entsprechend für Einnahmen, die aus der
Beteiligung an der Heidehof-Camping GmbH und der Verpachtung des Grundstücks
Flst. Nr. 2432 der Markung Machtolsheim (Campingplatz) resultieren. Verluste
gehen zu Lasten der allgemeinen Investitionsrate (Abs. 2).
§ 12 Laufendes (1) Die Stadt Laichingen wird die Grundschule im Stadtteil
Machtolsheim erhalten, a) solange dies gesetzlich möglich ist und b) soweit die Disposition hierüber kommunaler
Selbstverwaltung obliegt und c) solange es die Mehrheit der Erziehungsberechtigten
(2) Die Stadt Laichingen wird sich dafür verwenden, daß eine
Verbesserung der Verkehrsverbindungen
von und zum Stadtteil Machtolsheim beim Personenverkehr und bei der
Schülerbeförderung erreicht wird. Sollte eine Beförderung der Grundschüler in
Frage kommen, so ist sie mit Omnibussen von Schulhaus zu Schulhaus
(3) Die Regelung der Vertretungsbefugnis der Stadt
Laichingen in der Heidehof-Camping GmbH wird dem Ortschaftsrat übertragen.
(4) Der kirchlich geführte Kindergarten wird im bisherigen
(5) Der Fleischbeschaubezirk Machtolsheim bleibt erhalten,
soweit nicht veterinärpolizeiliche Gründe entgegenstehen.
(6) Die Freiwillige Feuerwehr Machtolsheim wird als
besondere Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Laichingen geführt.
(7) Der bisherige Friedhof im Stadtteil Machtolsheim bleibt
auch nach der Anlegung eines neuen Friedhofs erhalten.
(8) Den berechtigten Belangen der Landwirtschaft (z.B.
Vatertierhaltung, künstliche Besamung,
Ausbau und Unterhaltung der Feldwege, Verbesserung der Agrarstruktur) wird
weiterhin Rechnung getragen.
(9) Die Stadt Laichingen wird für das Weiterbestehen eines
selbständigen Jagdbezirks Machtolsheim im bisherigen Umfang eintreten und die
erforderliche Teilung des kraft Gesetzes entstehenden gemeinschaftlichen
Jagdbezirks betreiben. Die Jagdverpachtung wird dem Ortschaftsrat von
Machtolsheim übertragen.
(10) Das archivwürdige Schriftgut der Gemeinde Machtolsheim
wird in einer besonderen Abteilung des Archivs der Stadt Laichingen aufbewahrt.
§ 13 Abgrenzung der Vertragswirkungen
Unbeschadet der §§ 3 und 4 erwerben Dritte aus dieser
Vereinbarung kein unmittelbares Recht.
(1) Vorstehende Vereinbarung wird auf der Grundlage der
Gleichberechtigung und der Vertragstreue getroffen. Auftretende Fragen sollen
in diesem Geist gütlich geklärt werden.
(2) Bei Streitigkeiten über diese Vereinbarung wird die
bisherige Gemeinde Machtolsheim durch eine uom jeweiligen Ortschaftsrat zu
bestimmende Person vertreten. Besteht kein Ortschaftsrat mehr, so kommt die
Vertretungsbefugnis den zuletztgewählten Ortschaftsräten zu. Dieses
Vertretungsrecht endet am 31. Dezember 1990.
§ 15 Inkrafttreten Diese Vereinbarung tritt am 1. Januar 1975 in Kraft, sofern
nicht die obere Rechtsaufsichtsbehörde bei der Genehmigung einen anderen Tag
Laichingen, den 2. April 1974 Wurz Bürgermeister
Machtolsheim, den 2. April 1974 Schmid
Die im 17. Jahrhundert allmählich einsetzende Humanisierung
von Verwaltung und Justiz, die Pflege des Schul- und Unterrichtswesens und die
religiöse Toleranz vermittelten der Bevölkerung Württembergs ein neues
Selbstbewußtsein. Um so mehr ärgerten sich die Machtolsheimer über die Tatsache,
daß sie ihren Schultheiß nicht selbst wählen durften. Im Gegensatz zu den
umliegenden württembergischen Ortschaften wurde der Schultheiß in Machtolsheim
vom Kloster in Blaubeuren ausgewählt und eingesetzt. Das Kloster berief sich
dabei auf einen Vertrag, der 1430 abgeschlossen worden war.
Der 1687 vom Kloster eingesetzte Amtmann und Schultheiß
Philipp Burkhard geriet darüber mit dem Kloster in einen heftigen Streit, in
dessen Verlauf er vom Klosterverwalter als "verdorbener, abgelebter und
halb verstorbener Mann" beschimpft wurde. Gleichwohl verdanken ihm die
Machtolsheimer die freie Wahl ihres Schultheißen. Wie es damit zugegangen ist,
schildert der folgende Brief des Klosterverwalters vom Juli 1750, als die
Klosterverwaltung die Wahl des Maiers Johannes Kölle nicht mehr anerkennen
"Da der bisherige Schultheiß Johann Georg Wagner in dem
klösterlichen Flecken Machtolsheim vorgestern abend gestorben, und mit
Ersetzung dasigen Schultheißenamts eine besondere Beschaffenheit gegen denen
übrigen klösterlichen Amtsorten hat, so solle solches unterthänigst berichten:
Kraft anliegendem Extractus des Machtolsheimer Fleckengerechtigkeitsbuches de anno 1710, das nach dem älteren de anno
1501 renoviert worden, hat das Kloster vermög eines anno 1430 zwischen dem
Kloster und dem Flecken Machtolsheim errichteten Vertrages einen Amtmann zu
setzen und zu erwählen, welcher dem Kloster vorab und danach dem Gericht
schwören soll, gleich und gemein zu sein, als sich gebührt. Es mag sich auch
das Kloster seinen Amtmann nehmen innerhalb oder außerhalb des Gerichts, wo es
will. Jedoch sofern kein Richter zum Amtmann genommen wird, geschehe es mit der
Richter Willen.
In Nachschlagung der Akte habe ich gefunden, daß der letzte
verstorbene Schultheiß J. G. Wagner anno 1725, und dessen Vorgänger Georg Maier
anno 1709 vermög vorhandener Protocolle von der Bürgerschaft erwählt worden
sind. Laut hochfürstlichen Befehl ist die Wahl de anno 1709 gnädigst
ratifiziert worden, wegen der von anno 1725 ist aber von meinem Amtsvorgänger
keine Ratifikation eingeholt worden, sondern der per majora erwählte Schultheiß
J. G. Wagner ist von dem Klosterverwalter Eccard, wie in anderen klösterlichen
Orten gleichbalden confirmiert und beeidigt worden.
Wie wohl nur aus den
Akten zu ersehen ist, hat der Klosterverwalter erst anno 1730 in Erfahrung gebracht, daß die
Ersetzung eines Amtmanns zu Machtolsheim dem Kloster competire. Und so mag es
auch bei der Schultheißenwahl anno 1709 ergangen sein. Der damals zwischen
allhierigem Vogtamt und der Klosterverwaltung obgewaltete Streit, da nämlich
ein Vogt zu Blaubeuren der Schultheißenwahl zu Machtolsheim hat mit anwohnen
wollen, gleichbalden seinen Endschatt erreicht haben würde. Wie es aber vor der
Zeit mit Ersetzung eines Schultheißen zu Machtolsheim gehalten worden ist,
konnte wegen Mangel der Akten nicht in Erfahrung gebracht werden. Die wegen
Ersetzung eines Schultheißen anno 1703 vorgenommenen Verhör Protokolle des
damaligen Philipp Burkhard, welcher anno 1687 zum Schultheißenamt kommen ist,
wollte sich wegen "schwachen Verstandes" nicht mehr erinnern wie es
damit zugegangen, außer daß man den Richter befragt hat. Und von dem Burkhard bis auf den Maier wurde wegen
obgemeldetem Streit zwischen dem Vogt und dem Klosteramt keine Schultheißenwahl
vorgenommen. Ob nun Euer hochfürstlicher Durchlaucht das dem Kloster
competirende Ius wieder in Gang bringen
wollen, oder selbiger durch die Bürgerschaft wählen zu lassen, solle in
Untertänigkeit gewärtigen und schließlich untertänigst melden, daß ein
Schultheiß zu Machtolsheim von der Klosterverwaltung jährlich an Besoldung zu
empfangen hat: 6 fl. 40x und NeuJahrs Geld 1 fl. 36x von dem Flecken aber außer
dem reglementmäßigen Taglohn an Besoldung oder Warttgeld durchaus 0 In tiefster Ehrfurcht, der Klosterverwalter G. Kapff."
Zwar liegt die Antwort des Fürsten auf diesen Brief nicht
vor, doch die Gemeinde Machtolsheim und der um seine Wahlanerkennung bemühte
Johannes Kölle weisen einen Brief des Herzogs von 1710 vor, mit folgendem
"Von Gottes Gnaden, Eberhard Ludwig, Herzog zu
Unseren Gruß zuvor, würdiger Getreuer!
Wir haben aus Eurem
untertänigen Bericht und beigelegtem Protokoll, die Wahl eines neuen Schultheißen und Anwalds zu Machtolsheim den 22.
Februar 1709 betreffend, das Schultheißenamt für Georg Maier und den
Anwaldsdienst für Johann Georg Wagner, welche die Majora gehabt, auch gnädigste
Ratifikation zuerkannt worden, gnädigst ersehen.
Gleichwie wir nun
solche beide Dienst-Ersetzung hiermit gnädigst ratfizieren und obgemeldte beide in ihrem officius
confirmieren, zweifeln wir nicht daran, daß dieselben ihren Pflichten gemäß des
Klosters Interesse befördern und sich in ihrem Dienste treu und fleißig erweisen werden. Als solltest Du, der
Verwalter, ihnen diese unsere Resolution eröffnen.
Und nachdem wir vor unnötig halten, daß ein Prälat bei
dergleichen Actus fürohin beiwohnen, so habt ihr, der Prälat, falls ein solches
nicht von vielen Jahren her üblich gewesen, Euch in das künftige, bei
dergleichen allein den Staatsbeamten zukommende Verrichtung, nicht mehr
einzumischen. Diesen Actum aber Du, der Klosterverwalter allein verrichten und
das nötige dabei zu observieren. Daran besehet unsere Meinung und würde
obliegen Euch mit Gnaden gewogen."
Stuttgart, den 25.
Januar 1710 Mit der Anerkennung des von der Bürgerschaft gewählten
Johannes Kölle, hat das neue Recht noch eine letzte Bewährungsprobe zu
bestehen. Nach 40 jähriger Amtszeit bittet der Schultheiß Johannes Kölle im
Jahre 1792 den Herzog um einen Amtsgehilfen, den er auf Grund seines Alters und
aus Sorge um das Wohl der Gemeinde als würdigen Nachfolger einarbeiten will:
herzoglichen Durchlaucht habe ich meinem vom 16. November 1750 unterthänigst
eingesandten Exhibito untertänigst gebeten, mir die damals erledigt gewesene
Schultheißenstelle allhiergnädigst anzuvertrauen, und höchst dieselbe haben
gnädigst geruht, mir in meinem untertänigsten Gesuch huldreichst zu willfahren
und mich in dem hiesigen Flecken zum Schultheißen zu nehmen. Nun bin ich in einem
Alter von 73 Jahren und merke an mir eine weit größere Abnahme an Leibes- als
an Geisteskräften, welches eine natürliche Folge der großen Beschwerlichkeiten
ist, die mein Körper durch die beschwerliche Arbeit in meiner 32 Jahre lang
geführten starken Haushaltung, durch die fast alljährlichen Reisen an den Rhein
um Rheinwein aufzukaufen und durch die vielen Gänge, welche ich wegen meines um
über 41 Jahre lang führenden Amts machen mußte, ausgestanden hat, so daß es ein
Wunder ist, daß die Kräfte meines Körpers nicht längst aufgezehrt sind.
Meine Verstands- und Geisteskräfte haben weniger abgenommen,
indem ich hier noch von allem, was mir
vorkommt deutliche Berichte machen und darüber nachdenken kann, auch mich des
längst vergangenen noch wohl erinnern kann. Bei diesen Umständen wird mir meine
Amtsführung nur in solchen Verrichtungen beschwerlich, welche mehr Leibes- als
Seelenkräfte erfordern, hingegen würde es mir fast unerträglich sein, wenn ich
mein Amt ganz niederlegen, und mich auf einmal ohne alle Beschäftigung ganz
allein in meinem Haus aufhalten müßte.
Um hier einen Mittelweg zu haben, erkühne ich mich in
tiefster Ehrfurcht, Euer herzoglichen Durchlaucht ganz untertänigst zu bitten,
daß höchst dieselbe mir den Rathsverwandten Jacob Dußler als meinen
Amtsgehilfen und künftigen Nachfolger nach dem höchstdenselben Lagerbuchmäßig
zuständigen Recht zu adjunieren gnädigst geruhen möchten, damit derselbe mich
in beschwerlichen Amtsverrichtungen unterstützen, und ich auf diese Art als
Schultheiß absterben könnte. Ich würde mir dabei alle Mühe geben, den Jacob
Dußler in sein künftiges Amt einzuleiten und ihm die Rechte und Gerechtigkeiten
gnädigster Herrschaft in dem hiesigen Flecken selbst, und, was ich sonst in der
Absicht der Geschäfte aus meiner vieljährigen Erfahrung weiß, bekannt zu
Ich darf zugleich untertänigst versichern, daß weder
Eigennützigkeit, noch besondere Begünstigung aus Nebenabsichten der Grund ist,
warum ich den Jacob Dußler als meinen Gehilfen und Amtsnachfolger untertänigst
vorschlage, sondern ich kenne ihn als einen Mann, der ein gutes Christentum,
einen untadelhaften Lebenswandel hat. Der einen guten Verstand und Fertigkeit
im Lesen und Schreiben besitzt, der beredt und ohne Menschenfurcht ist und
besonders seitdem er im Rat gekommen, eine rühmliche Begierde gezeigt hat, von
dem was ihm zu Wissen nötig wär, Einsicht zu bekommen, so daß er in wenigen
Jahren die nötige Tüchtigkeit zu dem Schultheißenamt sich erwerben wird. Die gnädigste Willfahrung meiner untertänigsten Bitte werde
ich als die angesehenste Belohnung meiner vieljährigen Dienste mit
untertänigstem Dank erkennen, und in tiefster Erfurcht ersterben. Johannes Kölle"
Diesem Schreiben
fügte der Klosterverwalter einen Auszug aus dem Lagerbuch mit dem Vertrag von 1430 bei, der das Recht
des Klosters für die Ernennung eines Schultheißen enthält. Die Antwort des
Herzogs war eindeutig. Seine Weisung wurde der Gemeinde in einem Brief des Klosterverwalters
"Es erginge
aber hierauf am 31. Januar 1793 der gnädigste Befehl dahin, daß es der
herzogliche Kirchenrat nicht nützlich finde, auf die vorgeschlagene Adjunction
einzugehen, sondern man wolle gnädigst, daß ein wirklicher Veränderungsfall
abgewartet werden soll wo man dann zwar gnädigst gestatte, daß durch eine Wahl
der Bürgerschaft ein neuer Schultheiß auf gnädigste Ratification gewählt werde:
Es solle aber der Bürgerschaft bedeutet werden, daß solches unter Vorbehalt
gnädigster Herrschaft zustehendes Recht, mithin ohne Nachteil der in
Lagerbüchern vorhandener Rechte des Klosters geschehe." Die daraufhin
abgehaltene Wahl bringt eine große Enttäuschung für den Klosterverwalter und
den bisherigen Amtmann Johannes Kölle. Der bevorzugte Nachfolger Jacob Dußler unterliegt mit 2
Stimmen dem Kandidaten Georg Hetzler, der 46 Stimmen erhält. Der
Klosterverwalter versucht ein letztes Mal, seinen eigenen Favoriten ins Amt zu
setzen, indem er dem herzoglichen Kirchenrat vorschlägt, bei Georg Hetzler die
Stimmen der Neffen, der "geschwistrigen Kinder" und seine sich
selbstgegebene Stimme abzuziehen: "Damit verblieben für Georg Hetzler 37
Voti, für Jacob Dußler hingegen 43, womit die Majora bei Jacob Dußler
Mit der Anerkennung von Georg Hetzler als neuen Schultheiß
lehnt der Herzog dieses Ansinnen ab, und die freie Wahl eines Schultheißen
bleibt für die nächsten 175 Jahre unangetastet.
1974 entscheiden sich die Bürger von Machtolsheim für die
Eingemeindung nach Laichingen. Warum
sie nicht eine neue Selbständigkeit gemeinsam mit der Gemeinde Merklingen
gewagt haben, darüber könnte folgender Brief von 1609 einen Anhaltspunkt geben:
"Die löbliche Reichsstadt Ulm betreffend:
Es hat sich zwischen
Kloster Blaubeuren und dem Ehrsamen Rat der Stadt Ulm, der Obrigkeit halber, darunter der gemeine
Fleck Machtolsheim mit ihrer Wegsbestimmung durch Markung Zwing und Bänn,
interessiert. Dergestalt ein ohnerörterter Streit, in dem vor vielen Jahren
hero beide Flecken Machtolsheim, Kloster, und Merklingen der Herrschaft Ulm,
Item Hohenstadt und Gauspach, derem Grafen von Helfenstein zu Wiesensteig
zugehörig, mit Verkaufung und Veränderung liegender Güter, in der Waldung uff
dem Forst zu hostenland, uff dem haag, item im Gestriet zueinander um die
Markung gestritten. Also daß nach und nach, gleichwohl allens von alters her, die
Güter bemeldter Orte dermaßen durcheinander zerteilt und zerstreut worden, und
weil es ein weiter und großer Bezirk ist, etliche unterschiedliche Namen hat
und aneinander grenzen tut, ohne einen gewissen Unterschied, die Weide jeden
Ortes. Sonderlich aber, der bemeldten beiden Flecken Machtolsheim
und Merklingen Zwing und Bänn gehen, wie weit sich jedes Teil Obrigkeit
erstrecke. Denn obwohl die von Merklingen im Namen ihrer Herrschaft Ulm die
Obrigkeit etlicher Orte bestreiten wollen, können sie in keinen Akten ihre
Berechtigung mit beständigem Grund vorweisen. Hergegen aber haben die
Machtolsheimer über Menschengedenken der Einwohner bis zu vorgefallenem Streit
ihren Weidgang geführt durch solche Orte und die Wege und Straßen besteint.
Item beim Überfahren Ruegung eingezogen, jedoch weder die zu Merklingen noch
deren Herrschaften niemals behindert worden. Bis allererst vor etlich Jahren,
sich bei meinem Verwalters Vorgänger zugetragen, daß einer von Merklingen,
Georg Wegst, und einer von Machtolsheim, Bernhard Kegler, in obgemeldtem Ort,
dem Gestriet genannt, einander blutig geschlagen. Daher er, mein Vorgänger, den Vorgenannten von Merklingen
der verrichteten Frevel halb, nach Machtolsheim als dem Kloster angehörigen
Flecken gefordert. Aber von dem damals gewesenen Amtmann von Merklingen nit
gestellt werden wollen, sondern hingegen behauptet, daß die Stadt Ulm die
Obrigkeit allda hat. Deswegen gleichergestalt begehrt, im Gegenteil gebührenden
Vertrag, in seinen Bezirk nach Merklingen zu stellen. Welches aber er, mein
Vorgänger auch nit getan. Deswegen der ohnerörterte Streit anstehen solle.
Weil nun trotz
Erscheinen des Verwalters sich abermals ein solcher Cassus begeben, daß zwei
zudem, nämlich Hans Meyer und Georg Remler, beide von Merklingen, als sie eines
Tages von Wiesensteig der Heimat zugangen, an einem Ort, im Gestriet mit
Steinen aneinander gekommen, deshalben gefrevelt, habe ich durch den
Schultheißen zu Machtolsheim selbige zur Abtrag daselbsthin mahnen lassen, aber
der jetzige Amtmann von Merklingen hat sie zu stellen verweigert.
Haben dabei jedoch soviel vermerkt, vom Ehrwürdigen Kloster
Blaubeuren jemanden, ebenso Löblichen Rat zu Einnehmung durch Erscheinen gnädig
zu ersuchen, und hierzu einen Termin bestimmen möchten, daß der Ehrsame Rat der
Stadt Ulm, wie mit Helfenstein wegen Gauspach und Hohenstadt, ein solches nit
entgegen sein liegen, sondern zu Abhelfung ohngleichen Verstands, und
Fortpflanzung guter Nachbarschaft wohlgeneigt seien.
Kloster Blaubeuren. Der Abt
Bärbel Erz
Ein Pfarrer beklagte sich im Jahre 1827.
Die Einwohner zeichnen sich durch geistige und sittliche
Eigenschaften wenig aus. Wiss- und Lernbegierde sind seltene Tugenden. Fleiß
und Arbeitsamkeit sind bei vielen vorherrschend, aber ebenso auch Mißgunst,
Eigennutz, Aberglaube und dessen Folgen. Die Ursache ist hauptsächlich in der
häuslichen Erziehung sowie im Mangel an Aufsicht der Eltern zu suchen. Der
Pfarrer regte die Einrichtung einer Kinderschule an.
Ein langer Prozeß um Weidstetten
Daß das hochlöbliche Reichskammergericht in Wetzlar noch zu
den Zeiten, als Johann Wolfgang von Goethe wohlbestallter Assessor dort war,
unerledigte Prozeßkarten aus uralten Zeiten in Mengen vorweisen konnte, das ist
wohl bekannt. Längst waren die ersten Prozeßgegner samt Richtern, Schreibern
und Rechtsanwälten friedlich unter dem grünen Rasen versammelt; doch noch immer
schwebte oben der Prozeß unentschieden, wurden neue Akten gefüllt,
schwerwiegende Argumente vorgebracht. Augenscheine gehalten, Vergleiche
erstrebt, Termine anberaumt und - doch nicht erledigt! Die Kosten des
Verfahrens wuchsen zu märchenhaften Höhen, die alten und neuen Klienten
bluteten, die Advokaten jener Zeit freuten sich; aber der leidige Prozeß ging
nie aus, auch wenn die Kosten mehr als einmal den Streitwert beträchtlich
Daß auch in unserer Gegend solche Fälle vorkamen, das sei
heute dargelegt. Es ging dabei freilich um nicht weniger als um eine ganze
Markung, um die Felder nämlich, welche schon 861 im Wiesensteiger
Stiftungsbrief bei dem Ort Weihstetten genannt sind, das zwischen Hohenstadt
und Laichingen liegt. Diese Ortschaft wird später nur noch einmal erwähnt,
nämlich als die Brüder Burkard und Konrad "aus sehr vornehmer
Familie" 1088 an das Kloster St. Georgen im Schwarzwald 12 Güter auf
Markung Weihstetten schenken.
Aber damit erlöschen
auch alle sicheren Nachrichten über die Siedlung, bis dann 1653 im alten
Laichinger Kaufbuch 2 zu lesen ist: "Lorentz Finckh hat den hoff Auf
Weidstetten gleicher gestalten Angenommen für und Umb 49 fl. und solle an
solchem Khaufschilling Paar (bar) entrechten 9 fl. und hernachen järlich 10 fl.
bezahlen bis zue völliger bezahlung." Lorentz Finck war aus Merklingen
gebürtig, aber in Laichingen wohnhaft. Es handelt sich bei dem obgenannten Verkauf
um eines der zahllosen Gantverfahren nach dem 30jährigen Krieg. Leider wird der
vorhergehende Inhaber des Hofs nicht genannt; er ist wohl in den Kriegswirren
nach 1634 umgekommen. Einige dunkle Stellen in Laichinger Urkunden könnten sich
auf Weidstetter beziehen, so, wenn z.B. in einer Urkunde über eine
Pfründstiftung in St. Alban zu Laichingen 1412 berichtet wird, daß "des
Herren Sun" jährlich 7 1/2 Schilling Heller geben werde, oder, wenn 1545
in der Türkensteuerliste zu Laichingen ein Alban Schwenk "uff dem
Hof" genannt ist, der 4 fl. 1 Orth Steuer zahlt. - Leider haben sich
bisher in den alten Steuer und Lehensbüchern keine weiteren Anhaltspunkte über
Bewohner von Weihstetten ergeben außer dem obigen Eintrag im Kaufbuch 2 auf den
schon unser Laichinger Geschichtsschreiber Christoph Semle aufmerksam gemacht
hat. Die Schicksale der Siedlung Weihstetten werden also ohne weitere Urkunden
im dunkel bleiben.
Markungsmäßig
gehörte Weihstetten später ganz zu Laichingen, und es wird hier noch von der
"hinteren Gemeinde" gesprochen; doch war bisher nicht nachzuweisen,
daß dieser Flurname älter als etwa 1800 ist. Die Markung Weihstetten wurde
später einfach als "Unteres Oeschlin" der Laichinger Markung
angegliedert, und so spricht das Uracher Weidlagerbuch von 1718 von den zwei
Laichinger Markungen: "Hauptmarkung" und "Waidstetter
Markung". In der ältesten Schreibweise im Wiesensteiger Stiftungsbrief
lautet der Name "Weistetti" später Weihstetten oder auch Weidstetten.
Der Volksmund sagt kurzerhand "Woidstette". Sicher war Weihstetten
nur eine kleine Siedlung - es fehlte dort das Wasser, weil es nicht wie im
Mutterort Laichingen in einem Vulkanmaar gesammelt wurde; aber es ist ein Ort,
der noch heute im Denken der Laichinger Einwohner eine große Rolle spielt. Eine ganze Anzahl Sagen spielen um das Waldgelände dort. So
soll das Rathaus in Laichingen aus dem Material eines Helfensteinischen
Jagdschlosses auf Weihstetten erbaut worden sein, und die alte
Oberamtsbeschreibung des Oberamts Blaubeuren weiß gar zu melden, daß sich das
Helfensteinische Schloß auf einer späteren Mahd des Lammwirts von Machtolsheim
befunden habe. Einige schöne Marksteine mit dem Helfensteiner Wappen sind noch
Zwei Gedichte über Laichinger Sagen von dem sehr verdienten
Laichinger Chronisten und Weber Tobias Hilsenbeck beschäftigen sich mit dem
Edelmann von Weihstetten, der auf einem Schimmel reitend seine verlorenen
Schätze sucht, und mit einem schlimmen Vogt auf Weihstetten, den die Laichinger
Bürger im Zorn über seine Schandtaten erschlugen und in der
"Vogtsgrube" verscharrten, wie heute noch ein Flurstück östlich
Laichingen heißt. Der bekannte Weber und Dichter Daniel Mangold, Laichingen,
hat sogar ein kleines Schauspiel "Gertrud von Weistetti" geschrieben,
das hier schon aufgeführt wurde.
Um diese Markung
Weihstetten aber entspann sich ein langer kostspieliger Prozeß zwischen den
beiden Nachbargemeinden Laichingen und Machtolsheim, dessen Geschichte uns nun
beschäftigen soll. Die Rechtsgrundlage für diesen unheimlichen Prozeß war klar.
Wenn auch die Siedlung Weihstetten schon vor dem 30jährigen Krieg zu bestehen
fast aufgehört hatte, wie es wahrscheinlich ist, und nur noch der oben genannte
Hof übrigblieb, so hatte Laichingen doch unbestritten das Markungsrecht über
dieses ganze Gebiet, die Marklosung "Zwing und Bänn". Doch die
Menschen und ihre Not sind oft stärker als alle noch so klaren
Rechtsverhältnisse. In der Zeit vor dem 30jährigen Krieg, als bei wachsender
Bevölkerung und guten wirtschaftlichen Verhältnissen jeder Fleck Weide und
jedes Ackerstück wichtig waren, kamen die ersten Streitigkeiten "Spänn und
Irrungen" - zwischen den beiden Gemeinden Laichingen und Machtolsheim zu
offenem Austrag. Dieser Streit feierte heuer sogar ein Jubiläum: denn er begann
im Jahr 1458, wo sich die beiden Gemeinden das erstemal wegen ihrer Hölzer
(Wälder) verglichen. Unter diesen Vertrag setzten Abt Ulrich Kondig von
Blaubeuren und der Vogt Konrad von dort ihre Siegel.
Aber schon 1511
mußte erneut verhandelt werden, weil sich schon seit längerer Zeit Zwietracht
zwischen den Hirten von Laichingen und Machtolsheim über den Weidgang auf
Weihstetten erhoben hatte. Ursprünglich hatten beide Gemeinden auf ihrer ganzen
Markungsfläche die Weide gemeinsam, wie das bis 1526 auch zwischen Laichingen
und Hohenstadt der Fall war. Das weist auf uralte Wirtschafts- und
Rechtsverbundenheit dieser Gemeinden hin. Die vielen Unzuträglichkeiten aber
zwangen nun zur Aufhebung dieses Zustandes. Das ging noch verhältnismäßig
leicht, weil klare Markungsgrenzen vorhanden waren. Auf Weihstetten aber hatten
Machtolsheimer und Merklinger Bürger Grund und Boden erworben, der in
Laichinger "Zwing und Bänn" lag. Die Frage der rechtlichen
Verhältnisse dieser Ausmärker von Machtolsheim und Merklingen war schon damals
brennend, je mehr Laichingen auf seiner klaren Rechtslinie und Besteuerung der
Weihstetter Grundstücke bestand. Ein Schiedsgericht wurde berufen (von wem, wissen wir leider
nicht), dessen Vorsitz Herr Rudolf von Ehingen übernahm, eine bis in die Zeit
des Bauernkrieges viel genannte Persönlichkeit. Als Zusätzer der von
Machtolsheim nahmen teil Benedikt Vottel, Bürgermeister und des Gerichts von
Blaubeuren, und Ulrich Hennenperg, Bürger zu Geislingen. Als Zusätzer derer von
Laichingen erscheinen Ludwig Rentz der Alt, Bürger zu Wiesensteig, und Jakob
Ilsenbrand, Schultheiß zu Münsingen. Die Namen Hennenperg und Rentz sind ja aus
den "Geschichtlichen Mitteilungen von Geislingen" wohlbekannt. Die
Hennenperg waren in Geislingen und Ueberkingen ansässig, Ulrich Hennenperg wird
mehrmals genannt, aber ohne Angabe des Berufs. Ludwig Rentz ist wohl der
1478/79 genannte Wiesensteiger Student von Tübingen. Dieses 5 köpfige Schiedsgericht, das berufen war, daß
"beed Parteien ohne fernere Costen ab der sach Kämen und in guter
Nachbarschaft miteinander blieben" kam am 14. November 1511 zu einem
gütlichen Vergleich für beide Gemeinden, die dabei versprachen, "hinfüro
und in öwige Zeithen" sich nach dem Vertrag zu halten. Alle Deputierten
unterschrieben, für Laichingen Schultheiß Martin Schwer und 6 Männer, für
Machtolsheim Schultheiß Georg Schmid und 6 Bürger.
Aber Verträge haben es in sich. Da gibt's unvorhergesehene
Schwierigkeiten, Sonderfälle und
Härten, neue Tatbestände, die zu erneuter Meinungsverschiedenheit führen und
auch gute Nachbarn hintereinanderbringen können. Schon 1566 mußte erneut
verhandelt werden; aber die Machtolsheimer Ausmärker auf Laichinger Grund und
Boden wollten jetzt nicht bloß ihren Weidgang und Viehtrieb auf Weihstetten
sichergestellt wissen, sondern dort auch Mähder mit geeignetem Boden umbrechen
und anbauen dürfen, ein klares Zeugnis für die wachsende Bevölkerungszahl!
Ebenso mußte 1571 verhandelt werden, und ein neuer Vertrag wurde
unterschrieben, wahrscheinlich vor dem Stadtgericht in Blaubeuren. - 1577
entschied das Hofgericht in Stuttgart in einem weiteren Vergleich, der von dem
Landhofmeister Erasmus von Leiningen und dem Kanzler Johann Brastberger
unterschrieben wurde. Ein letzter Nachklang davon findet sich in der Laichinger
Gemeinderechnung von 1580, wo es heißt: "Matthes Albern Canzley-Advokaten
zu Stuttgart von des Machtolsheimischen Vertrags wegen geben 3 Pfund Heller 15
Schilling." Doch dürfte das nur ein kleiner Teil der Kosten gewesen sein,
Prozesse sind teurer. Im Jahre 1594 mußten sich die beiden Gemeinden wegen der
einzubauenden Güter auf Weihstetten und dem dort laufenden Weidebetrieb neu
vertragen. Am 18. November 1616 schlossen Vertreter beider Ortschaften in
Blaubeuren einen weiteren Vertrag, in dem es sich vor allem um die Frage der
Besteuerung und der Anerkenntnis durch Gerichte handelte. Bis dahin konnte
nämlich über Weihstetter Grundstücke nur in Laichingen erkannt werden; das
wurde nun teilweise geändert, wenn Käufer und Verkäufer beide von Machtolsheim
waren. Für Laichingen unterzeichneten die Richter Hans Kauder und
Hans Nieberlin sowie der Maierbauer Sebastian Mangold; für Machtolsheim
unterschrieben Schultheiß Georg Griesinger und Anwalt Reiber. Bei der Abfassung
dieses Vertrages halfen tätig mit der Fürstlich-Württembergische Rath Johann
Schopf und der Klosterverwalter von Blaubeuren Hans Jakob Stoltz sowie der
Herzogliche Amtmann von Laichingen Dieterich Drechsel.
Der 30jährige Krieg ließ zwangsläufig den Streit einige Zeit
einschlafen; doch um 1710 bis 1715 flackerte die Flamme der Zwietracht wieder
lustig aus der Asche. Neue Geschlechter und neue Advokaten probierten es. Es
scheint, daß man in Machtolsheim nun aufs Ganze ging und alle Rechte zum schon
gewonnenen Grund und Boden wollte. Ein Eintrag aus jener Zeit lautet:
"Diese 3 Verträge von 1511, 1571 und 1616 mit
Machtolsheim sind von der Zeit an, daß sie geschlossen worden, respektive über
200, 130 und 100 Jahre in ihrer Kraft und gehörigen Observanz gelassen, von
anno 1711 ab aber und bis hieher boshaft und mutwilligen Dingen von denen von
Machtolsheim nach und nach und einer um den andern zu entkräften und gar
abzutun, getrachtet worden, so daß die vernachteilte Kommune Laichingen
anfänglich zwar gütliche und nachbarliche Ermahnungen tun, endlich aber höherer
Orten und zuletzt bei fürstlicher Kanzlei zu klagen und sein sowohl hergebracht
und von so langen Jahren her ohnturbiert genossenes Recht zu suchen genötigt
worden, da es dann wiederum in Prozeß
erwachsen und von fürstlicher Regierung an das fürstliche Hofgericht Tübingen
zur Entscheidung remittiert wurde, woselbst die Sache nun schon 4 Jahre zum
offenbaren Schaden und Ruin beider considerablen Kommunen ohnausgemacht liegt
und an etzo noch nicht zu erwarten steht, wie und wann der Prozeß ausgehen
wird." 1755 schloß man am 22. Juli vor dem Fürstlichen Hofgericht
in Tübingen nochmals einen Vergleich. Ob er wohl lange nachwirkte? Wieder mögen
die großen Händel der Welt die kleinen überschattet haben, als Napoleon mit
gewalttätiger Hand in Deutschland alles änderte. Ab 1819 war man wieder bereit
zu frischem Streit. Diesmal kamen die Vertreter beider Gemeinden an einem
neutralen Ort (Feldstetten) zusammen, und im Beisein der zuständigen
Oberamtmänner von Blaubeuren und Münsingen beriet man über eine neu aufgetauchte
Frage. Die Machtolsheimer wollten nämlich ihre Mähder auf Weihstetten
zweimähdig machen (d.h. darauf auch öhmden), was man bisher nicht getan hatte.
Bei der Verzahnung der Grundstücke mußte das zu neuen Reibereien führen, denn
die Laichinger wollten dort weiden bis in den Spätherbst. Man muß lächeln, wenn man die Verhandlungsberichte liest. Da
bewiesen die Machtolsheimer haargenau, wie wertvoll der zweite Grasschnitt sei
und wie leicht man das bei gutem Willen der Laichinger auch auf Weihstetten tun
könne. Die Laichinger gaben die Nützlichkeit eines zweiten Grasschnittes im
allgemeinen auch zu, bewiesen dann aber im besonderen, daß das Oehmden auf
unserer Alb mit ihrem rauhen Klima nicht von Vorteil sei, sondern sogar
schädlich! Man ging umeinander herum wie die Katze um den heißen Brei. Hätten
die Machtolsheimer gleich gesagt, wieviel sie für die Ablösung des Weiderechts
auf Weihstetten an Laichingen bezahlen wollten, dann wäre der Streit nach
beinahe 400 Jahre schnell aus gewesen. Das taten sie aber nicht - die Albbauern haben harte Köpfe
und hatten sie auf beiden Seiten! - und so kam es zu einer so verklausulierten
Lösung, daß man heute Mühe hat, den Vertrag von Feldstetten vom 22. Juli 1819
zu verstehen. Erst 1826 drehte man der Haue den Stiel: Machtolsheim zahlte für
das Weiderecht auf Weihstetten 2150 fl. an Laichingen und hatte nun endlich
Der Laichinger Schultheiß Johannes Wörner war nicht
ungeschickt, sondern kaufte 1828 aus
dem Erlös dem geldhungrigen Staat für eine Summe von 1747 fl. einige Waldstücke
eben in der Gegend von Weihstetten ab, nämlich "Finkenhäule",
"Stockhau", "Kühhalden" und "Eselshalde" So war
das Geld gleich "wertsicher" angelegt und der Waldbesitz der Gemeinde
hübsch abgerundet. Außerdem blieb man in der strittigen Gegend und konnte
"luegen", was die Machtolsheimer Nachbarn dort trieben.
Es war jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis man die
letzten nun unabweisbaren Folgerungen zog. Machtolsheim hatte den Grund und
Boden, hatte auch das Besteuerungsrecht, warum sollte man nicht dem Streit ein
Ende machen und auch das Markungsrecht vollends förmlich abtreten? Dies geschah
in zwei Verträgen, 1855 und 1858, wo Laichingen nun zuerst das Markungsrecht
über 364 Morgen um 200 fl. abtrat und dann nochmals 71,5 Morgen aus seiner
Gemeindemarkung auf Weihstetten hergab. Warum auch nicht? Rechte auf Grund und
Boden, der einem nicht mehr gehört, sind fragwürdig, und wir sagen nicht
umsonst, daß "die Katze ruhig auch die Haut vollends haben könne, wenn sie
die Wurst schon vorher gefressen habe".
Ein 400 jähriger Streit war damit beendet. Die Kosten für
beide Gemeinden lassen sich heute nicht mehr überblicken, waren aber sicher
sehr hoch und übertrafen wahrscheinlich den Wert des Streitobjekts. In beiden
Gemeinden atmete man erleichtert auf; aber eine Unsumme von Arbeit,
Schreiberei, Ärger und Aufregung und nachbarliche Verstimmung waren der Preis,
der für die nun langsam sich anbahnende Versöhnung gezahlt worden war. Was
blieb davon? - Der Streit ist jetzt vergessen; die beiden Gemeinden sind
vereinigt; aber in den Archiven ruhen jetzt noch dicke Aktenbündel über diesen
400 jährigen Prozeß, und die Markungsgrenze auf Weihstetten zeigt heute einen
so tollen Verlauf, daß man schon einen "Lotsen" mitnehmen muß, wenn
man sich dort zurechtfinden will. - Übrig geblieben aber ist auch diese
Abhandlung, die allen zeigen kann, daß die besten Händel nichts nutz sind . . .
und wenn sie 400 Jahre dauern.
G. Oelhafen
Früher war die
Schulstube gleichzeitig das Wohnzimmer des Schulmeisters. Er beklagte sich eines Tages, daß die
Holzlieferung für die Heizung zu gering sei.
Sein Gesuch um mehr Brennmaterial wurde mit der Begründung
abgelehnt, daß die Kinder selbst genügend Wärme abgeben würden. Dadurch erspare
sich der Schulmeister das Heizen der Stube am Nachmittag.
Machtolsheimer Begebenheit aus dem 30jährigen Krieg
Abdruck aus dem Buch: Aus Deutschlands schwerer Zeit
Als Gustav Adolf Sieg auf Sieg erfocht und sich der Mob der
Evangelischen mehrte, traten einzelne Städte auf die Schwedenseite über. Auch
die Schwaben gingen zur Tat über, sie wählten Julius Friedrich von Württemberg
zum Heerführer und zogen dem kaiserlichen Feindesheer entgegen. Aber im Ulmer
Land hausten bereits die Kaiserlichen wie die Räuber und Mörder unter dem
General Egon von Fürstenberg. Nachdem Julius Friedrich von Württemberg eine
Niederlage erlitten hatte, überschwemmte das Fürstenbergische Heer die
württembergische Alb. Zügellos streiften sie durch die Gegenden, bald hierhin,
bald dorthin, und stahlen, mordeten, schändeten, zerstörten und verbrannten
So machte auch eine
Schar Fürstenberger von Blaubeuren kommend einen Streifzug nach Machtolsheim,
einem Dorf 11 km von der Klosterstadt entfernt.
Sie fanden das Tor der Umfassungshecke wohl verschlossen. Im
Dorf selbst herrschte Totenstille. Dies
kam ihnen verdächtig vor. Aber sie wußten sich zu helfen. Nach ein paar
kräftigen Axthieben splitterte das Tor und gab den Weg frei. Die Mannschaft
stieg von den Pferden und ließ diese vor dem Tor weiden. Ihr Anführer aber gab
ein paar besonders Mutigen den Auftrag, irgend eine Person des Dorfes vor ihn
zu bringen. Hatte er erst einmal ein menschliches Wesen in der Hand, so
brauchte ihm nicht mehr bange zu sein. Er hoffte fest darauf daß sich auch hier
alte, gebrechliche Leute noch aufhalten, die nicht mehr fliehen wollten, da
ihnen nichts mehr am Leben lag. So dachte der Führer, denn von solchen
gebrechlichen Zurückgebliebenen konnte er jede gewünschte Antwort erhalten,
weil ein Heerführer der damaligen Zeit mehr als genug Mittel und Wege dazu
hatte. Man schraubte z. B. kurzerhand den Feuerstein eines Feuerrohrs (Gewehr)
ab und zwängte dafür einen Daumen ein. Wer diese Daumenschraube verspürte, gab
willig jede gewünschte Auskunft, auch wenn er sonst nicht zu den Maulhelden
Eine gebrechliche Person ergatterten die furchtlosen
Rotmäntel nicht, dafür aber ein scheu dreinblickendes Mägdlein mit niederer
Stirne (= mit Dummheit beschlagen), mit schwarzem, unheimlich funkelndem
unruhigen Augenpaar und brennend rotem Lockenhaar. Im Dorf galt das merkwürdige
Geschöpf gemeinhin als Hexe, obwohl es völlig unschuldig war.
Unter Püffen und kräftigen Rippenstößen wurde das arme
verschüchterte Ding vor den Hauptmann gezerrt. Da aber der Hauptmann nicht schwäbisch
sprach und die Rote sein Kauderwelsch nicht verstand, war guter Rat teuer. Das
Mädchen gab auch lauter verkehrte Antworten und brachte so den Führer zur
Raserei. Mit derben Fäusten packte er die Erschrockene am Hals und schüttelte
sie so, daß ihr Hören und Sehen verging. In ihrer Not glaubte die Geängstigte
unter den kräftigen Fluchkanonaden das Wort "Hexe" zu hören und rief
darum beschwörend "Net Hex! Net Hex" (Nicht Hexe) und sprang
spornstreichs zum Kirchhoftor. Von Angst gepeinigt hämmerten ihre Fäuste gegen das schwere Tor und voller
Verzweiflung rief sie: "Liabe Leit, lasset mi nei, dia Kroata send
do!" (Liebe Leute, laßt mich rein, die Kroaten sind da). Von drinnen
erscholl hart die Antwort: "D'Hex
könnet mr et braucha, dui brengt nex als Unglück!" (Die Hexe wollen wir
hier nicht, sie bringt nur Unglück). Eine zweite Stimme rief barsch: "Hebe
dich weg, Satan!" (Entferne dich, Satan).
Den Kroaten, die der
die Dorfgasse hinabrennenden Roten gefolgt waren, ging, als sie das Schauspiel
sahen, ein Licht auf und es war ihnen sofort klar, daß sich die Bewohner im
ummauerten Kirchhof versteckt hielten. Nach kurzem Besinnen hatte der Führer
einen teuflischen Plan gefaßt. Er hatte nämlich bemerkt, daß vor den Häusern
haufenweise Reisigbüschel aufgeschichtet waren. Er ließ sie alle
herbeischaffen, denn sein Plan war, die Bauern durch Rauch zu ersticken, wie
man damals die Bienen im Korb durch Schwefeldämpfe erstickte, wenn man ihnen
den Honig wegnahm. Vorsichtig schlich der Führer um die Mauer, um zu erfahren,
ob nicht etwa ein Entkommen möglich wäre. Die Mauer wies einen tadellosen
Zustand auf. Auf dem Mauerkranz erblickte der Führer jedoch eine Menge noch nie
gesehener glockenförmiger Körbe. Was diese wohl zu bedeuten haben? Doch er
konnte sich nicht ins Denken und Grübeln versenken, hier galt es rasch zu
handeln. Er rief seine Männer heran und gab rasch Befehle, die Reisigbündel um
die Mauer zu legen und anzuzünden.
Augenblick hatten die Bauern gewartet, daß sich die feindliche Schar der
Rotmäntel der Kirchhofmauer nähere. Deshalb brachte man zuvor sämtliche
Bienenkörbe des Dorfes vorsichtig hierher. Als die Feinde nahe genug waren,
kommandierte der Pfarrer: "Im Namen des dreieinigen Gottes, werft die
Körbe hinab." Das geschah auch und lustig stachen die aufgebrachten Bienen
drauflos. Hei, war das ein Spaß, denn je mehr sich die Kroaten wehrten, desto
wütender kämpften die Honigvögelein (Bienen). In wilder Jagd ging es zu den
Weideplätzen der Pferde, die sich wild aufbäumten und ausschlugen, hin und her
rannten und vor Schmerz wieherten. Das von den Bauern vorausgesehene und
erwartete Tohuwabohu (Durcheinander) war eingetreten. Jetzt erst traten sie mit Dreschflegeln, Gabeln und Sensen
bewaffnet in Aktion und besorgten den Rest. Wie ein zweiter Bienenschtoarm
fielen sie über die Kroaten her und droschen wie toll auf den Schädeln der
zerstochenen Wilden herum. Dieses Schauspiel währte eine geraume Zeit, bis
nämlich jeder Kroate sein Pferd bestiegen hatte und in wilder Flucht sein Heil
suchte. Kaum waren die Kroaten abgezogen, so hielt der Pfarrer einen
Dankgottesdienst ab. Wohl selten hatten seine Schäflein mit solcher Freudigkeit
gesungen und solcher Inbrunst gebetet. Als die mutige Streifschar nach
Blaubeuren zurückkam, wurde sie gehörig gehänselt. Mit so vollen Backen und
leeren Taschen waren sie noch nie von einem Streifzug heimgekommen.
Die Ablieferung des Zehnten gab manchmal Schwierigkeiten, da
die Abgabepflichtigen sich drücken wollten. So wird 1683 in einem
Strafrechtsprotokoll berichtet:
Andreß Moll ist beim Aufbinden der Zehendgarben etwas
verdächtig erfunden worden, er wurde um einen kleinen Frevel amtlich gestraft
um 3 Gulden 15 Kreuzer oder um 1700: Jörg Pfüger zu Machtolsheim hat auf seinem
Acker auf Rainen nicht redlich ausgezehndet, sondern von 54 Garben, so er
geschnitten und aufgebunden, nur 4 Zehendgarben stehen lassen, weswegen ihm der
Zehendordnung gemäß zur Strafe angesetzt worden sind 10 Gulden!
Im Oktober 1879 fand ein "Gansschießen" bei der
Eselhüle statt. Die Preisgänse wurden durch das Schießen so erschreckt, daß sie
davonflogen und nur mit Mühe wieder eingefangen werden konnten.
Bräuche im Laichinger Raum
Wenn man eine bestimmte Landschaft auf Bräuche untersuchen
will, muß man, nach neueren Erkenntnissen, zuerst ihre historische und
kulturgeschichtliche Vergangenheit betrachten. Man muß z. B. wissen, welcher
Herrschaft die dortigen Gemeinden einst untertan waren; ein großer Teil aller
Bräuche läßt sich aus den Gesetzen und Verordnungen ableiten, die diese Obrigkeit
erlassen hat. Man muß wissen, welche Konfession eingeführt worden war, wie sich
infolgedessen die kirchliche Zugehörigkeit darstellt und außerdem interessieren
Klima, Bodenbeschaffenheit, davon abgeleitet Landwirtschaft und Gewerbe,
Armenwesen, die sozialen Verhältnisse, der Grad der Abgelegenheit und die
gelegentlichen Fremdeinflüsse, also Zugehörigkeiten zu Märkten und großen
Der Raum um Laichingen, von dem wir hier sprechen wollen,
teilt sich auf in altwürttembergische
(also schon vor der Bildung des Königreiches 1806 württembergisch gewesene),
grundherrschaftliche und einst kurbayrische Gebiete. Die ersteren sind heute
evangelisch, letztere katholisch (Westerheim, Hohenstadt, die Hälfte von
Ennabeuren und Magolsheim). Laichingen selbst mit Suppingen, Machtolsheim,
Feldstetten und Sontheim ist, als zum Kernland Württemberg gehörig, schon 1534
mit diesem Land reformiert worden. Wir sehen, schon die heutigen Konfessionen
der Dörfer sind mit den dazugehörigen Bräuchen abhängig vom einstigen
Landesherrn und seiner Einstellung zu Luther und seiner Reformbewegung. Rein äußerlich läßt sich dies bei einer kurzen Fahrt durch
die Gemeinde und ihre Markungen schon feststellen: In katholischen Gemeinden
ist der Brauch der Feldkreuze und Flurkapellen noch erhalten, während in
protestantischen Orten diese durch den württembergischen Herzog Christoph 1555
abgeschafft und verboten wurden. Sitten, die mit solchen Kreuzen und der ganzen
Heiligenverehrung der Katholiken zusammenhängen, müssen also in Alt-Württemberg
fehlen - und dies ist, wie man weiß, längst nicht der einzige brauchtümliche
Unterschied zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden.
Mit Ausnahme von Westerheim und Hohenstadt besteht der
engere Laichinger Raum also aus altwürttembergischen und evangelischen
Gemeinden. Außer der Konfession und der einstigen Herrschaftszugehörigkeit
verbindet sie noch einiges Gemeinsame: Zunächst das Klima auf der Alb, kalt und
rauh, wie wir alle wissen, viel Schnee und wenig Wasser, Karstgestein mit Erdfällen
und Höhlen und daher die große Abgelegenheit, weil niemand nach Schwäbisch
Sibirien hinauf wollte. Sie ist eigentlich erst durch den Autoverkehr nach dem
Zweiten Weltkrieg überwunden worden. Vorher waren die Dorfgemeinden stark isoliert und sehr auf
sich selbst angewiesen, wenn man bedenkt, daß sie winters manchmal wochenlang
eingeschneit und auch von dem wenigen Verkehr noch abgeschnitten waren, der sie
damals berührte. Im Falle Brauchtum hat dies den großen Vorteil, daß sich
vieles an alten Sitten und Gepflogenheiten erhalten und bewahrt hat, was
anderswo längst vergessen ist. Die Alb, und gerade die mittlere um Laichingen,
war und ist auch heute noch ein Eldorado für die Volkskundler und
Brauchforscher. Hier finden sie alte Restbestände an abstraktem und konkreten
Volksgut, Mundart, Redensarten, Sagen, Überlieferungen ebenso wie Bauernmöbel,
Geräte, Hausbau und vor allem die Tracht. Jeder weiß, daß die Laichinger und
die Ulmer Alb die letzten Trachtengebiete Württembergs sind, und jeder freut sich,
wenn er so ein Weible im Leiblesrock oder einen "Mannsnam" im
Blauhemd mit dem Weberkäpple sieht.
Damit ist eine weitere Gemeinsamkeit schon angesprochen: Die
Weberei, das Urhandwerk des Schwaben, ist hier oben überall beheimatet - seit
tausend Jahren, was vermutlich nicht zu hoch gegriffen ist - so lange spann,
webte, spulte, nähte und stickte man in dieser Gegend, und im frühen
Mittelalter schon brachte man die fertige Ware nach Ulm zum Weiterverkauf.
Später war man eine Weile nach Urach verpflichtet, aber die Verbindung nach Ulm
blieb doch stärker. Auch diese Verbindung zur Reichsstadt an der Donau ist den
Laichinger Älblern gemeinsam gewesen und hat sie verbunden. Das viele Sitzen
und Sinnieren am Webstuhl förderte die Religiosität; so kam es, daß sich das
Stundenwesen zu einem weiteren Merkmal für diese Gegend entwickelte, auch hat
es Bräuche mitgebracht und hinterlassen, wie wir noch sehen werden.
unserer Suche nach Gemeinsamkeiten noch etwas weiter zurück, so müssen wir an den Dreißigjährigen Krieg
denken und daran, wie ungeschützt die "Albweilerlein" sich fremdem
Kriegsvo1k dargeboten hatten und wie schwer sie zerstört wurden - hier oben
ganz besonders schlimm. Manche von ihnen sollen jahrelang ganz leer und
verwüstet gewesen sein. Es wird klar, daß dieser große Krieg eine Schwelle ist,
über die wir mit unserer Suche nach Bräuchen nicht hinauskommen. Die mündliche
Überlieferung ist abgebrochen, und zuverlässige Berichte aus der Zeit vorher
gibt es kaum; außerdem ist es ganz verschieden, welche Arten und Nationen von
Menschen diese leeren Stätten wieder aufgefüllt haben. Laichingen z. B. soll fast ganz von Schweizern, Suppingen
zum größeren Teil von Tirolern neu besiedelt worden sein; nach Feldstetten
kamen mehr Leute aus umliegenden Gemeinden und ehemalige Bewohner, die
geflüchtet waren. So war die Neuentwicklung der Dörfer von ganz verschiedenen
Einflüssen geprägt; es kann z. B. sein, daß die heute noch bekannte und
gepflegte Musikalität der Suppinger auf ihre tirolischen Vorfahren zurückgeht.
Kommen wir zu den Einzelbeispielen. Eine Hochzeit z. B.
scheint heutzutage, nach Absolvierung der behördlichen Vorschriften, doch ein
privates Fest zu sein - nicht so in der Vergangenheit. Württemberg hatte durch
Gesetze schon das Heiratsalter (mindestens 22 Jahre bei der Frau, 25 Jahre beim
Mann) geregelt; man mußte um Konsens einkommen, wenn es einmal nicht ganz
stimmte. Vorgeschrieben war der Wochentag der Eheschließung, nämlich der
Dienstag; vor einigen Jahren noch heirateten "rechte Leut" an diesem
Tag. Die Zahl der Gäste, der Wert der Geschenke, die auszutragenden Gaben, das
Tragen des Kranzes, das Bestellen der Tanzmusik, die Zahl der Tage, an denen
gefeiert werden durfte - alles war von obenher verordnet und dazuhin gab es noch
einen "Hochzeitsschauer", der die Einhaltung zu kontrollieren hatte. So sind die "Zechhochzeiten" entstanden, bei denen
es üblich ist, daß das Brautpaar lediglich die engeren Verwandten und die
Altersgenossen freihält, wogegen die anderen Gäste ihre Zeche selbst bezahlen;
die Obrigkeit hatte in langen, heute noch erhaltenen Listen den
Verwandtschaftsgrad der freizuhaltenden Gäste festgelegt. Im Unterland etwa
haben sich diese alten Vorschriften längst aufgelöst; auf der konservativen und
abgelegenen mittleren Alb hat man sich bis in unsere Tage herein noch daran
Aus freier
Initiative heraus geschah bei Hochzeiten vielleicht noch das
"Hochzeitsladen" durch den Büttel oder Mesner, das Beladen des
Brautwagens bei auswärtigen Brautleuten, das "Umziehen" (meist
montags) innerhalb des Fleckens (Ort) in einem bunten Zug, bei welchem die
Altersgenossen und Verwandten die ganze Aussteuer offen zum neuen Haus trugen
und fuhren. Die Braut trug meist die Kopfkissen auf dem Kopf, wurde an der
künftigen Haustür von der Schwiegermutter mit Brot und Salz empfangen und mußte
beim Hineingehen darauf achten, daß sie nicht am "Türag-richt"
streifte, weil das Unglück bringen sollte.
Manchmal wurde bei solchen Zügen und Fuhren auch
"aufgehalten", d.h. von Schulbuben oder Altersgenossen ein Seil über
die Straße gespannt, so daß man anhalten mußte, bis der Bräutigam sich mit
einer Geldsumme freigekauft hatte. Bei den Taufen war die Sachlage ähnlich, auch hier gibt es
eine Menge Anordnungen der Obrigkeit, die befolgt werden mußten. Wieviel Paten
man haben durfte, wann, wo und wie der feierliche Akt stattfinden sollte, daß
der Vater dabeisein und die Hebamme nicht schwanger sein solle, daß die ledige
Patin nicht zu jung und abergläubische Mittel nicht ins Taufkissen gesteckt werden
dürften, alles war festgelegt, auch das, daß der Mesner beobachtet werden
müsse, damit er den Rest des Taufwassers nicht zu abergläubischen Anwendungen
Durch diese Anordnungen sollten natürlich in erster Linie
eingerissene Unarten bekämpft werden, und wir heute sind dafür nicht undankbar,
denn auf diese Weise erfahren wir von alten und vergessenen Gepflogenheiten
mehr als durch den Mund der Leute.
hebt sich hier etwas ab. Sie ist ein verhältnismäßig junges Fest, erst 1722 in
Württemberg eingeführt und daher von alten und abergläubischen Dingen nicht so
schwer belastet. Es gibt einige junge Bräuche, so das Aufstellen von
Tannenbäumchen an der Kirchentür, die, mit weißen Papierrosen aufgeputzt, jedem
Vorbeifahrenden Freude machen. Die Konfirmanden gehen schon wochenlang vorher
"ins Tannenreis" um auch die Kirche von innen prächtig auszuschmücken
und es womöglich noch schöner zu machen als der Jahrgang vorher.
Dagegen ist ein so schwerwiegendes Ereignis wie der Tod
eines Dorfgenossen wieder reich von
Bräuchen aller Art umrahmt. Das Ende soll sich z.B. anmelden, wenn ein Käuzchen
über dem Hause schreit, jemand von schwarzen Kirschen träumt oder wenn, bei
einer Frau, sich beim Ausputzen des schwarzen Festtagsgewands Haken und Haften
"von selber" schließen. Ist der Tod eingetreten, soll man die
Bienenstöcke verrücken, die Frucht auf der Bühne umschaufeln und die Fässer im
Keller "nore toa" (verschieben). Der Tote wird bei Nacht bewacht, die
späteren Träger übernehmen diesen Dienst und bekommen Brot und Schnaps dafür;
Abrechnungen darüber sind in fast allen Gemeinderechnungen zu finden.
Die Leichenzüge durchs Dorf sind heute, seit Errichtung der
Leichenhallen, meist weggefallen, auch
die Läutebuben müssen nicht mehr mit dem Taschentuch winken, wann geläutet
werden soll, seit man ein elektrisches Geläute hat. Der Altarumgang nach dem
Trauergottesdienst ist ebenfalls schon im Aussterben; hierbei gingen die
Angehörigen und Nachbarn des Toten im Gänsemarsch um den Altar, um dort ihr Opfer
in eine Schale einzulegen, während die übrige Gemeinde stehend wartete, um dann
nach den Altargängern die Kirche zu verlassen. Die Trauerzeit, also die Zahl
der Wochen, in denen man schwarz gekleidet gehen mußte, war einst ebenfalls
behördlich geregelt und richtete sich streng nach dem Grad der Verwandtschaft. Auch dieser Brauch lockert sich in der Jetztzeit, es wird
selten noch ein ganzes Jahr schwarze Kleidung angelegt. Kam ein Leichenwagen
von auswärts, so sollten die Glocken geläutet werden, sobald der Wagen die
Markungsgrenze berührte - damit es nicht hagelt! Hagelschlag wurde einst auch
befürchtet, wenn ein Selbstmörder auf dem Friedhof begraben wurde. Es ist in
den Akten von manchem Fall berichtet, daß eine solche Leiche heimlich bei Nacht
ausgegraben und irgendwo draußen, möglichst außerhalb der Markung, verscharrt
wurde!! Natürlich gab es auch gegen solchen Aberglauben Gesetze und
Strafandrohungen von seiten der Behörde.
Der landesherrlichen
Initiative sind aber auch solche Lebensformen und Bräuche zu verdanken, die
nicht an den menschlichen Lebenslauf gebunden sind. Die Backhäuschen zum
Beispiel, die fast in jedem Albdorf noch zu finden sind, wurden laut einer
Verordnung vom 13.4.1808 erstellt, da das Backen in den Häusern zu feuergefährlich
geworden war. Botenwesen, Läuten, Mühlenwesen, Hausbau wurde ebenfalls stark
dirigiert. Das Bäumepflanzen auf Allmanden durch Neubürger und jung
verheiratete Ehemänner, heute manchmal als uralter Brauch erklärt, geht
ebenfalls auf eine Erkenntnis der Obrigkeit zurück, daß man auf der Alb für
Baumwuchs und bescheidenen Obstbau sorgen müsse. Die Tatsache, daß die Lehrer in einigen Orten noch Eier an
der Fasnet, Metzelsuppen etc. erhalten, geht auf die Tatsache zurück, daß die
"Schulmeister" ja einst zum größten Teil von den Dorfleuten
unterhalten wurden und daß es damals Pflicht war, zu bestimmten Terminen dem
Lehrer die pflichtigen Lebensmittel zukommen zu lassen. Als der alte
Schullehrer Ezechiel Pfrang in Feldstetten starb, hatte er bei den Leuten noch
67 Laibe Brot gut, die den Erben dann auch ausgehändigt werden mußten.
Aber auch die Weberei hat verschiedene Bräuche beeinflußt.
Da ist vor allem an die Lichtstuben zu denken, die ja in erster Linie dazu da
waren, auf "energiesparende" Weise die Dorfmädchen zum Garnspinnen
anzuspornen - nämlich daß nur ein oder zwei Häuser im Dorf "das Licht
hielten", während alle anderen dunkel hatten. Noch zu Anfang dieses
Jahrhunderts gab es viele Leute, die im Winter einfach kein Licht brannten und
mit Einbruch der Dunkelheit ins Bett gingen. Daß sich aus den Licht- oder
Kunkelstuben dann Geselligkeitshäuser entwickelten, in denen auch Buben
dazukamen und man viel erzählte, sang, lachte, tanzte und Unsinn trieb, hat
später viele Pfarrer erbost und zu energischen Gegenmaßnahmen veranlaßt. Manch einer hat es fertig gebracht, die Lichtstuben ganz zu
verbieten - worüber dann die Weber wieder schimpften, da sie nun teures Garn
einführen mußten! In Laichingen gab es einen "Schnellermarkt". Er
fand jeden Dienstag unter großem Zuspruch der Weberschaft statt. Ein
"Schneller" war ein gewisses Quantum an Garn, das gehaspelt und
aufgedreht worden war, ähnlich wie ein "Rick" Wolle, das Gebäck
"Flachswickel" erinnert daran. Auf diesem Markt wurde Garn eingekauft
oder losgeschlagen, je nachdem; 1820 wurde laut Rundschreiben der Oberämter
Blaubeuren und Münsingen auf diesen Markt hingewiesen. Die kleinen weißen
Bleicherhäuschen, die vor einigen Jahrzehnten noch die Albheiden an den
Ortsrändern schmückten, waren Unterstände für den Bleicher, der frischgewebtes
Leinen zum Bleichen entgegennahm, aufspannte, begoß und behütete, letzteres
besonders bei nächtlichem Sturm, wo er manchmal den abgetriebenen Stoffbahnen
kilometerweise nachrennen mußte - denn er hätte sie ersetzen müssen! Auch der Flurname Brechgrube erinnert an die Weberei: Hier
wurde der Flachs geröstet, gebrochen,
geschlagen und geschwungen, bis man ihn verspinnen konnte. Leider ist auch das
Wort "Dunke" schon im Aussterben, die Bezeichnung für den
Weberkeller, der einst unter der Wohnstube lag und durch eine Falltür zu
erreichen war. Dort in der Tiefe und in Gesellschaft von Hühnern, Rüben und
Kartoffeln saß der Weber und webte, webte und webte um ein bischen Lohn, der
kaum dazu ausreichte, um den Arzt für die Schwindsucht und den Rheumatismus zu
bezahlen, der leider nur zu oft die Folge dieser Arbeit war.
"Ageln" ist ein Begriff den heute keiner mehr kennt; das
"Agelschütteln" war einst ein fester Brauch. Ageln sind
Flachsabfälle, die leicht in den Kleidern der Mädchen haften blieben, wenn man
gesponnen hatte; vor dem Heimweg mußte man sie abschütteln, und natürlich
halfen die Burschen mehr als gern bei dieser Tätigkeit. Es durften aber nur die
"festen" Liebhaber Ageln abschütteln, die, mit denen eine Heirat so
gut als ausgemacht war, das war strenge Sitte!
Auch das Stundenwesen brachte seine Bräuche mit sich. Jeder
kennt das "Däumeln", Loszettel ziehen oder in eine Bibel stechen, um
ein Losungswort für den Tag oder auch, an Neujahr, für das ganze Jahr zu
erhaschen. Das man bei Gewitter nachts aufstand und bei einer Kerze aus
dem Andachtsbuch oder Stöltzlins Wetterbüchlein laut vorlas, daß man viel
schwarz trug, zum Beispiel an Karfreitag oder zu Beginn der geschlossenen Zeit
im Advent, daß man keinerlei Fasnetveranstaltungen hielt und besuchte, daß man
zum Abschluß von Hochzeitsfeierlichkeiten mit dem Choral "Auf Gott und
nicht auf meinen Rat" mit dem Brautpaar zur neuen Wohnung zog, entstammt
der tiefen Frömmigkeit der pietistischen Atmosphäre. Manche gingen so weit, daß sie jeglichen
Blutgenuß ablehnten, das Blut der Tiere beim Schlachten in die Erde laufen
ließen und auch nirgends eine Blutwurst aßen; sie glaubten, daß sie dieses mit
dem Bibeltext Apostelgeschichte 15, 28 und 29 nicht vereinbaren könnten. Darüber
hat es manche Streitigkeit gegeben, denn man war auf der Alb nicht wohlhabend
und verzichtete ungern auf eine nahrhafte Speise, die man zudem "selber
Endlich war es noch
das Klima, das manchen gemeinsamen Brauch hervor brachte, insbesondere der
Wassermangel. "Dachwasser" war, wie von Machtolsheim berichtet, im
Sommer wochenlang das einzige Naß, das die armen Älbler in der Küche hatten -
die halb ausgetrockneten Hülen waren für das Vieh schon zu schlecht. Was hätten
diese Leute "für ein vorbeilaufendes Bächlein" gegeben, wie Höslin
schreibt - und es ist kein Wunder, daß sich ihre Phantasie mit
Brunnenschmeckern, Wünschelrutengängern nur allzuviel beschäftigte. Betrüger
hatten hier leichtes Spiel, man hoffte und hoffte, es könne doch irgendwo noch eine
Wasserader sprudeln! Das Reinigen der vorhandenen Brunnen spielte ebenfalls eine
große Rolle, man glaubte, man könne mit Birkenholz oder einem eingeworfenen
Brotlaib die notwendige Sauberkeit erreichen. Auch Höhlen und vergrabene
Schätze beflügelten die Einbildungskraft - es gibt kaum in einer anderen Gegend
so viele Schatzgräbersagen. Einen Schatz zu finden - das war damals so etwas
wie ein Lottogewinn heutzutage - die Hauptsache ist, daß man auf etwas hoffen
kann! Und wenn es auch wenig war, aber diese Chance zur Hoffnung hat dem Älbler
sein steiniger Boden, seine Höhlen, Klüfte, Erdfälle und Bückel wenigstens
gegeben! Angelika Bischoff-Luithlen
Ein Totengräber verkaufte die in alten Gräbern gefundenen
Sargnägel an einen Schmied in Laichingen, der daraus "Krampfringe"
fertigte. Die Ringe wurden am Finger getragen und sollten gegen alle Krämpfe
wirken, ein Stück kostete 20 Kreuzer. Nachdem später Drahtstifte verwendet
wurden, befürchtete der Totengräber einen Rückgang des lukrativen Geschäfts, da
diese Nägel schneller rosteten.
Flur- und Personennamen
1. Flurnamen
Es ist zunächst vorauszuschicken, daß die Machtolsheimer
Markung eine ganz eigenartige Form hat. Sie erstreckt sich von Südosten nach
Nordwesten in einer Länge von 12 Kilometern. Die Breite beträgt maximal 6,5
Kilometer, an der engsten Stelle nur 800 Meter. Ihre höchste Stelle
(Weidstetten) mißt 785 Meter, die tiefste (Hübscher Stein) 610,2 Meter.
Interessant ist vor allem, daß die Gemeinde noch keine Flurbereinigung
durchgeführt hat. Die Landschaft ist somit noch vielgestaltig und nicht so
eintönig. Sie hat den ursprünglichen Albcharakter größtenteils bewahrt. Die
überlieferten Flurnamen sollen der Nachwelt erhalten bleiben. Entnommen wurden
die Flur- und Wegbezeichnungen dem Lagerbuch (Besitz- und Steuerbuch) von 1581,
der Heiligenrechnung 1661/67 und den Flurkarten. Viele sind längst
ausgestorben. Manche sind nicht mehr gebräuchlich, aber ältere Leute erinnern
sich noch an einige dieser Namen. Den Jüngeren sind sie weitgehend unbekannt,
da sie nicht in der Landwirtschaft tätig sind, sondern einer anderen
Beschäftigung nachgehen, vielfach auch auswärts.
Die Flurnamen könnte
man in verschiedene Gruppen einteilen: Ackerland, Egerten, Gras- und
Baumgärten, Krautländer, Wälder, Weiden, Wiesen usw.
Wir haben es jedoch vorgezogen, sie alphabetisch zu ordnen;
so findet man sich rascher zurecht. Die Schreibweise hat sich leider bei
manchen Namen im Laufe der Jahrhunderte stark verändert; darum ist die Deutung
nicht immer einfach, manchmal sogar unmöglich. Der Phantasie sind keine Grenzen
gesetzt. Sicher ist diese Zusammenstellung nicht vollständig. Wer weitere
Flurnamen findet, kann dieselben im
Heimatbüchlein eigenhändig nachtragen.
Bei dieser Gelegenheit wollen wir des "Vaters" der
Flurnamensammlungen, des Ehinger
Oberamtsarztes Michael Richard Buck (1832-1888), eines Ertinger Bauernsohnes,
in Hochachtung gedenken. Alle ernsthaften Forscher haben sich bislang auf ihn
Aalen, Ahlen,
Aalentrieb: Wald- und Weideland, vielleicht von alach = umzäunter/ geweihter
Ort. Auf Merklinger Markung findet sich ebenfalls der Flurname Alen.
Au, Aw, Aulen:
Tiefliegendes Weide- und Wiesenland.
Auchtweide, Vchtwayd
(v = u): Ursprünglich Morgenweide, später Nachtweide.
Banholz: Gebannter
Wald, d.h. dem öffentlichen Zutritt verbotener Wald. Lange, schmale Parzellen.
Baumgärten, hinter den Bombgärtten: Grasgärten in der Nähe
des Hofes oder Dorfes, mit Obstbäumen
Bettelhaus :
Armenhaus (Gemeindeeigentum).
Beurer Höhe,
Blaubeurer Grund, Blaubeurer Strage: in Richtung Blaubeuren gelegen.
Bild, bei dem Bild:
Heiligenbild, Bildstock (z. B. am Merklinger Weg).
Birkbühl: Bohl =
Hügel. Mit Birken bestanden.
Bohnacker.
Vielleicht Acker mit Saubohnen, auch Familienname.
Bonnenwies:
Vielleicht von einem Familiennamen (Wiese des B.).
Brand (1470 beim
"Bild" erwähnt): Deutet auf einen Brand hin. Waldbrände waren früher
Buchen, bei den
Buchen: Einzelstehende Buchen.
Buckenrain, auch
"Buchen" oder "Machtolsheimer Gemeind" genannt. Der
Familienname Buck kommt schon 1544 vor. Heute Campingplatz.
Bühl, im mittlen
Bühl: Bühl = Anhöhe.
Burghülen,
Burkhülen: Dort befand sich eine der 7 Hülen, davon 6 im oder am Ort.
Kappellgarten: Vielleicht gab es früher in Machtolsheim mehrere Kapellen.
Creutz-Äckerle: Bei
einem Holz- oder Wegkreuz gelegen.
Eichhölzle,
Aichholz: Nach der dort vorkommenden Eiche.
Eselhüle: Eseltränke
(jetzt aufgefüllt).
Eschle, Oschle:
Kleiner Flurteil (Osch).
Fachs, vff dem Fachs
(v = u), eggartten: Nach borstigem Gras?
Franckhental: Nach
Frawen-Äckher,
-güetter; stost oben vff die Höerstrag (ca. 100 Morgen): Einem Frauenkloster
Gangäcker,
Gännghüle: Nach den Hausgänsen benannt; jetzt Friedhof Gamperslau(h): Nach
dem Familiennamen Gamper. Lau = Gehölz.
Geigbühl:
Georgen Bäumblen,
Acker zum großen Stein: Rufname Georg.
Gewandäcker.
Unterabteilung der Feldflur.
Gestrieth : Nach
Sumpfgräsern benannt.
Grafenbaum, 1581
"zum Graffenbom", 1470 "Grauenstein". Markanter Punkt.
Grubenäcker:
Erdfalläcker.
Haderhülen:
Krautgärten mit Hüle. Familienname oder von Hader (Streit).
Hafnergasse: Hier
wohnten die Hafner (Hauptgewerbe). Hagen: Von Hagen =
Stier oder Hag = Hecke. Hämpfertal,
Himpfertal: Vielleicht von Himbeeren. Hängle, Hengle,
Hänglestal: Talhang.
Haßgässle, hinter Häßelhühlen: Vielleicht von Haselnuß.
Herstraß, 1470 Höweg: Befestigter Weg, wahrscheinlich schon von den Römern
angelegt. Helfensteinerstraße: Nach den
Grafen von Helfenstein genannt.
Hengstruck,
Hengstrücken, das kleine Hengstruck: Pferdeweide.
Hennenbühl: Nach den
(Feld-)Hühnern benannt.
Herrlinger Hau:
Wald, einst den Herren von Herrlingen gehörig. "Hau" bedeutet
Urbarmachung durch Aushauen, auch für eine Schonung. Hirschfelder: Nach
den Hirschen benannt.
Hofstetten : Acker-
und Weideland.
Hohbuch, Hochbuch,
(Haubuch), Hochbucher Steig: Buch = Buchenwald; 763 m hoch.
Hochholz: Holz = der
kleine, im Einzelbesitz befindliche Nutzwald. ("Wald" bezeichnet meist ausgedehnte Waldflächen.) Hübscher Stein:
Höfischer Stein, nach den früheren Herrschaftsgebieten Ulm, Helfenstein und
Württemberg. Trägt drei Wappen. Markungsgrenze Machtolsheim / Bermaringen /
Hülengärten: Bei der
Hüle gelegen. Hungerberg: Dort
mußte das Vieh ausruhen (hungern).
Ingenreiß,
Langenreis; eine schluchtartige Fortsetzung heißt "Langenreiser
Steig". Reis = Reisig. Vielleicht schnitt man dort Besenreis oder Wieden (Weiden).
Kastenhau (1539
erwähnt): Familienname. Kälblestrieb: Zur
Weide führend.
Kirchsteig: Alter
Viehtrieb nordwestlich des Ortes.
Klemmertsreute, auch
Lämmerts Reutten: Ausgestockter (gerodeter) Wald. Von Lamm?
Kochweg: Von einem
Familiennamen herrührend.
Kohlhalde: Hier
wurden Kohlen gebrannt.
Koppengäßle:
Familienname Kopp. Kuhberg, -stelle:
Weide- und Ruheplatz. Laiberteil: Gute
Äcker, von Laib = Schmerlaib oder Laub. Langenreis: Siehe
Ingenreis.
Langer Hau: Nach der
Ausdehnung benannt.
Langes Tal: Siehe
Talgang.
Lindenäcker: Dort
standen Linden.
Lindenkreben: Dort
wurde u.a. verpfändetes Vieh feilgehalten.
Maiergasse,
Mayergäßlin, Mayerhoff. Nach dem Dorfmaier benannt.
Mehldornen, Beym
Mehldornen: Vielleicht vom Weißdorn (Mehlbömbala).
Mortwinsthor: Tor
gegen Laichingen, nach dem Familiennamen Mortwin benannt. Machtolsheim hatte
Tore als Durchbrechung einer Umfriedung durch ein Hag.
Nonnenmähder: Alter
Klosterbesitz.
Rainbühl, Reinbühl:
Anhöhe mit Rainen.
Rehebühl, Raichbühl:
Vielleicht dasselbe wie Rainbühl.
Reisach, Reysach :
Hier wurde Reisig gewonnen.
Roggärttlin:
Eingezäunter Garten für die Füllen. Sandacker (Richtung
Berghülen): Hier wurde Sand gegraben. Sand Jacobs Cappell:
1582 erwähnt.
Schächterle:
Vielleicht von der Form einer Schachtel, (Gemeindewald).
Schallengassen,
Schellengaß: Familienname Schall.
Scheuenwies:
Vielleicht von einem Familiennamen. Schragengärten: Nach
einem Gestell zum Abstellen von Lasten. Sontheimer Weg: Weg
nach Sontheim, vorbei an Laichingen.
Spaltenwiesen (beim
Ort): Vielleicht hat man dort Dillspälten (Zaunlatten) gemacht.
Steebengaß,
Steibengasse, im Stöben, Steebenthor: Oben im Dorfgegen Treffensbuch. Nach dem
Familiennamen Steeb.
Steigle: Teilweise
steiler Weg in Richtung Merklingen.
Steinenlaw,
Steinenlauh: Steiniger Wald. Dort wurden 1953 erfolglos Probebohrungen nach
Hügelgräbern gemacht. Bis 1960 stand auf dem Gipfel eine Linde.
Stigel, Stiegele:
Leiterartige Vorrichtung zum Übersteigen z.B. eines Hags.
Stöckers (Mä(h)dle,
Deckers Mä(h)dle): Nach einem Familiennamen?
Talgang, Thalgang,
Langental, Langes Tal, im Tal: Weg, den die Regen- und Schmelzwässer nehmen.
Triangel, -weg:
Trieb: Viehtrieb.
Überzwerche
Heerstrag: Querlage, alte Heerstrage. Unter dem großen
Stein (1470 erwähnt): Felsstück.
Unteres Thor: Tor
gegen Hohenstadt.
Unter Warth,
Unterwerth, Wart, Wört: Ursprünglich Insel. Meist in Wassernähe gelegen; schon
1470 erwähnt.
Waichstetten,
Waydstetten, Weidstetten: Besonders vermarkter Bezirk zwischen Machtolsheim und
Laichingen. Auf diesem Feld hatte der Staat den Kleinen Zehnten. Mähder auf W.
schon 1581 erwähnt.
Wanne, Wannenweg:
Bodensenke östlich vom Dorf Wasserstein,
Waßerthal: Hinweis auf Felsen und Entwässerung.
Westerlauh : Wald im
Wippuch, Witbuch:
Witt = Holz.
Zankäckerle: Streit,
Hader. Hans Dreher
2. Älteste Geschlechts- und Rufnamen
Von den nachstehend aufgeführten Familiennamen sind nur
einige erhalten geblieben. Die Kinderzahl war zwar häufig sehr groß, aber
Seuchen und die übliche Kindersterblichkeit löschten manchmal ganze Familien
aus. Dennoch hatte fast jeder Hof und jede Söld einen männlichen Erben, der den
angestammten Namen weiterpflanzte. Anders war es aber, wenn eine Tochter in den
Besitz des Erbes kam. Auswärtige Burschen waren dann darauf bedacht,
einzuheiraten. Die Folge davon war dann ein neuer Familienname im Dorf. Oft
blieb es jedoch beim Hausnamen; amtlich aber galt der Name des neuen Bürgers.
Mitte des 15. Jahrhunderts lebten in Machtolsheim die
Baumann, Braitinger, Buder, Bürer, Bychel, Dürner, Eschay, Farin, Federlin,
Gramer, Hießlin, Hummel, Käm, Lutz, Meyer, Müller, Pflüger, Röscheisen, Schall,
Trutmann, Widmennin, Wortwin und Zimmermann. Die Dürner saßen auf den
Meierhöfen, die restlichen auf den übrigen Höfen.
Hans Reichlin, Haintz Such und Ulrich Wortwin hatten Lehen
inne, die Söldner und übrigen Einwohner hießen Aichhurn, Allgöwer, Barth,
Bäumler, Baur, Baumann, Beckh, Bender, Betz, Böbel, Bruder, Buckh, Bückhlin,
Cast, Cästlin, Claus, Dählin, Däschenhalm, Dentzlel, Feurer, Finckh, Fritz,
Füßlin, Glockher, Groß, Grüesinger, Häfner, Hagmeyer, Härbin, Harscher,
Hasenschencklin, Hauff, Haug, Hirschlin, Hurm, Kalgschmidt, Keßler, Köllin,
Kopp, Küffhaber, Leb, Littlin, Lob, Mayer, Moll, Neher, Nüßle, Ochsenwang,
Rayber, Rapp, Reichlin, Reiner, Reulin, Sautter, Schemel, Scheyblin, Scholz,
Schwenkh, Seindt, Siehler, Sigler, Söll, Sommer, Stammler, Steeb, Such,
Taiglin, Tefer, Teurer, Tod, Treher, Trutmann, Wagner, Wallter, Weeberruß,
Wegst, Weiss, Werner, Widenmann, Winner, Yselin und Zeifang.
Taufnamen :
Ambrosi, Andreß, Anthoni, Aubelin, Anna, Hell, Balthasar,
Bartholomä, Benz, Bernhardt, Bonifaci, Carlin, Caspar, Christian, Claus,
Conrad, Cuntz, Catharina, Daniel, David, Engel, Fritz, Georg, Greth, Hans, Hans
Gorg, Haintz, Heinrich, Jacob, Johann Ludwig, Jörg, Jos, Joseph, Leonhardt,
Ludwig, Luckburg, Martin, Marx, Matthäus, Melchior, Michel, Paulin, Peter,
Philipp, Rudolph, Sebatian, Simon, Steffen, Theus, Thoma, Ulrich, Ursula,
Walter und Wilhelm. Wir sehen, einige dieser Rufnamen haben sich aus der
katholischen Zeit herübergerettet. Die weiblichen sind in dieser
Zusammenstellung in der Minderzahl, weil die Lagerbücher in der Regel die Namen
der Männer verzeichnen.
anläßlich der Innenrenovierung der Kirche in den Jahren
1963/64 befaßte ich mich eingehend mit der Baugeschichte des Gotteshauses und
des Turms. Meine Beobachtungen und Erkenntnisse möchte ich hier wiedergeben.
Zuerst wurde der Plattenboden entfernt und der Bauschutt bis
zu einer Tiefe von 30 cm abgetragen, wo man auf einen alten Fußboden stieß, den
man bereits bei der Erneuerung von 1929 freigelegt hatte. Er bestand aus
quadratischen Tonplatten, deren Seitenlänge 14,5 cm beträgt. Sie sind zum Teil
auf der Oberfläche mit verschiedenen Ornamenten versehen, die
ansprechendgehalten sind.
Die Frage, wann dieser Boden in die Kirche eingebracht
worden ist, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Nach Aussagen des Ulmer
Museums wurden derartige Platten ab 1350 hergestellt und benützt. Es fiel aber
auf, daß diese Tonplatten nur im offensichtlich ältesten Teil der Kirche
Ferner war bemerkenswert, daß sie auf der Nordseite in
besonders großer Anzahl vorhanden waren, während auf der Südseite nur wenige
vorkamen. Es wäre also durchaus denkbar, daß jene Plättchen kurz nach 1350
gelegt worden sind. Es handelt sich bei ihnen um den ersten sicher nachweisbaren
Fußboden. Wenn aber die Kirche- was noch gezeigt werden wird - auf die Zeit von
etwa 1260-80 zurückgeht, dann muß vor dem Tonplattenboden noch ein anderer
Fußboden vorhanden gewesen sein. Um dieser Sache weiter nachzugehen, wurden an
verschiedenen Stellen des Kircheninneren Grabungen durchgeführt, um ein Bild zu
erhalten über die Schichtenfolge unterhalb des Tonplattenbodens. Dabei hat es
sich auf der Südseite, im Chor beim Eingang zur Sakristei, im Sakristeieingang
selber, sowie in der Sakristei gezeigt, daß in einer gewissen Tiefe Anzeichen
auftreten für das frühere Vorhandensein eines Holzfußbodens. Im Schiff fanden
sich Hinweise darauf in einer Tiefe von etwa 22 cm unter dem Tonplattenboden.
Vom früheren Sandsteinplattenboden, der 2-3 cm unter dem jetzigen lag, waren es
bis zum Holzfußboden gute 50 cm. Im Chor und im Sakristeieingang waren es
demgegenüber nur 23 cm im Schnitt bei den verschiedenen Messungen. Daraus ist wohl der Schluß zu ziehen, daß der Chorraum und
auch die Sakristei zunächst um eine gute Stufenhöhe über dem Schiffsraum lagen,
was durchaus verständlich wäre. Für das einstige Vorhandensein eines
Holzfußbodens spricht auch der Umstand, daß an mehreren Stellen zwischen
Tonplatten und Holzboden ein eigener Steinsatz festgestellt werden konnte. Im
Sakristeieingang und in der Sakristei selber wurden die Grabungen bis in eine
Tiefe von etwa 100 cm vorgetrieben. Der Steinsatz reichte bis in jene Tiefe,
doch wurden dort erstmals auch Lehmspuren angetroffen - Anzeichen dafür, daß
von hier ab der gewachsene Boden langsam beginnt. Grabungen am Südostpfeiler
auf der Außenseite der Kirche, sowie am Nordostpfeiler haben bei etwa 120 cm
stark lehmhaltige Erde zutage gefördert. Probegrabungen in der Nähe des
Südeingangs haben gezeigt, daß dort der Lehmboden schon in einer Tiefe von
105-110 cm unter dem Normalniveau des Friedhofs anhebt. Hier wurde nebenbei auch ein Grab; und zwar unmittelbar vor
dem Südeingang freigelegt, das
nur 90 cm unter dem jetzigen Friedhofniveau sich befindet.
Gewiß wäre hier der Tote tiefer gebettet worden, wenn nicht bei der
vorgenannten Tiefe der Lehmboden mit Steinen vermischt beginnen würde.
Nachfragen beim Totengräber haben ferner ergeben, daß die dunkle Humuserde im
Ostteil des Friedhofs 140-160 cm tief reicht. Erst auf diesem Niveau gewinnt
der Lehm die Oberherrschaft. Hieraus ist der Schluß zu ziehen, daß der
ursprüngliche Erdboden deutlich nach Osten, vielleicht auch nach Nordosten
einfiel. An der Nordostmauer des Kirchhofs ist ja die dunkle Erde mehr als 2 m
hochgewachsen. Dieses Resultat der Grabungen stimmt mit dem Ergebnis der
Vergleiche mit der näheren Umgebung des Kirchhofs überein. Auch wurde der Frage nachgegangen wie lange der Kirchhof
hier schon besteht. Aus der Differenz zwischen der bisherigen obersten
Sandsteinstufe am Südeingang und dem jetzigen Friedhofniveau könnte ein Wachsen
des Kirchhofs in 100 Jahren um etwa 10 cm angenommen werden. Damit kämen wir
für die 700 Jahre seitdem die Kirche besteht nur auf ca. 70 cm. Wenn aber im
Osten gegen 140 cm Erde dem ursprünglichen Boden aufliegen, könnte der Friedhof
auch noch älter sein, es sei denn man nimmt an, daß gerade dort zunächst Erde
aufgeschüttet wurde, um die Bestattungen besser durchführen zu können. Wenn man
die durchschnittliche Stärke der Humusschicht im Friedhof auf 40 cm
veranschlagt, dann ist die Differenz im Westen geklärt, während im Osten noch
ein gewisser Rest bleiben würde. Vielleicht hat eben der ursprüngliche Friedhof
hiergelegen. Bei den Böden der Kirche ergäbe sich hiermit folgendes Bild:
zuerst Holzfußboden (ungeklärt wann gelegt, aber spätestens 1260-80), dann
Tonplattenboden (nach 1.350), Schwarzjuraplattenboden (1750),
Sandsteinplattenboden (1860). Der Tonplattenboden umfaßt also einen relativ
großen Zeitraum. Es ist darum wahrscheinlich, daß die verschiedenen Ornamente
auf der Oberfläche zu verschiedenen Zeiten gehören und also der Boden
verschiedentlich ausgebessert wurde, wobei jeweils die neuen Platten verwendet
Alles Holzwerk wurde aus der Kirche entfernt, ausgenommen
die Kanzel. Sie blieb an der alten Stelle stehen. Diese Kanzel hat mehrere Male
in ihrer Geschichte ihren Platz gewechselt. Wann sie gefertigt worden ist, ist
nicht zu klären. Auf Grund ihres Stils schließt Dr. Graf Adelmann, daß sie
bereits 1599 ihre Aufstellung fand. Die Bauchronik weiß jedenfalls zu berichten,
daß sie 1686 von Peter Schwenk, Schulmeister aus Laichingen schwarz glänzend
angestrichen worden sei. Damals hat sie auch ihre Vergoldung und Versilberung
erhalten. In eben diesen Farben ist sie nun renoviert worden. 1737 erfolgte die
Anfertigung des Kanzeldeckels durch Johann Georg Straub, Maler und Bildhauer zu
Wiesensteig. Auf ihn gehen auch dessen Verzierungen zurück. Der Deckel verrät
Geschmack und Können.
Der Altar, der gründlich renoviert wurde, stammt vom Jahre
1700. Er wurde von Johannes Roschmann aus Ulm hergestellt. Die beiden Engel
über dem Altaraufbau rühren von dem augsburgischen Bildhauer Johannes Grüllen
her. Über das Kruzifix ist nichts Genaueres überliefert, doch gehört es sicher
nicht in die Barockzeit, sondern nach Meinung von Restaurator Eckert in die
Zeit von 1520-30, also in die auslaufende hohe Zeit der Holzschnitzkunst. Der
Steintisch wurde bereits in der vorreformatorischen Zeit aufgestellt, da er
einen kleinen Raum, zur Aufnahme der Reliquie bestimmt, enthält. Das Altargitter
ist im Jahre 1729 von Johann Conrad Kurz aus Blaubeuren angefertigt worden.
Zunächst war man wenig damit zufrieden, weil es "zu hoch ausgefallen
sei". Anstrich und Vergoldung des Gitters besorgte P. Schwenk in
Laichingen, der zuvor schon an der Kanzel tätig gewesen war. 1830 wurde der Altar abgeändert. An die Stelle der
bisherigen Seitenflügel traten die beiden Holzfiguren Christus und Mose.
Außerdem erhielt der Altar neue Farben. Das Altarbild in der Mitte wurde erst
1860 angebracht. Es stammt von dem Maler Mayer aus Wiesensteig. Der
Abendmahlsbericht auf der Predella darunter ist jedoch wesentlich älteren
Datums. Jene gehörte wohl schon zum ursprünglichen Altar.
Einst stand in unserer Kirche ein romanischer Taufstein, der
aber spurlos verschwunden ist. Der jetzige ist noch nicht alt. 1894 wurde er in
der Mitte des Platzes vor dem Altar aufgestellt. Die Orgel wurde 1807 von dem
Orgelmacher Andreas Goll aus Weilheim gefertigt. Auch an ihr hatte man zuerst
verschiedenes auszusetzen. Sie sei ein "schreiendes, grillendes
Werk", so heißt es von ihr.
Deshalb wurde 1822 ihr heller Cornet-Ton in einen Kammer-Ton
umgewandelt. Ihre Vorgängerin, die im Jahre 1716 aufgestellt worden war, hatte
bis 1752 ihren Platz neben der Kanzel. Wegen der Mauerdurchbrüche - um
einerseits einen guten Zugang zur Kanzel zu haben und um andererseits die Orgel
recht unterzubringen - trat um die Mitte des 18. Jahrhunderts dort eine
deutliche Senkung des Chorbogens ein, so daß auf der Außenseite ein Pfeiler
angebracht werden mußte, um die Gefahr eines Einsturzes des Kirchturmes zu
bannen. Aber bei der Renovierung von 1929 mußte aus demselben Grund eine neue
Chormauer, wenigstens bis zu einer gewissen Höhe, aufgeführt werden. Bei der
jetzigen Erneuerung zeigten sich auf der Nordseite der Chorwand starke Risse im
Mauerwerk, die mit Backsteinen ausgebessert werden mußten.
Die Empore und ihre Geschichte erwies sich interessanter als
zunächst abzusehen gewesen war. Sie datiert nicht aus dem Jahre 1617 sondern
1599. Die Gemälde auf der Emporenbrüstung im Westen und Osten führen mehrmals
die Jahreszahl 1599 auf und zu allem Überfluß ist auf einem der Bilder noch
angegeben, daß in diesem Jahre "das Bäulein" errichtet worden sei.
Dieser Bilderzyklus kam völlig überraschend unter den Apostelbildern hervor.
Man hatte bis jetzt noch nichts von seiner Existenz gewußt, da
eigenartigerweise hierüber auch nichts aufgeschrieben worden war. Die 14
Christus- und Apostelbilder sind vom Jahre 1779 und von dem Maler Joseph Baader
aus Bebenhausen gemalt worden. Sie hingen ursprünglich zwischen den Fenstern auf der
Südseite der Kirche. An der Emporenbrüstung war eine Anzahl von sogenannten
Katechismusbildern angebracht, die im 19. Jahrhundert von den Apostelbildern
verdrängt wurden. An der Brüstung unterhalb der Orgel hing bis zur Renovierung
ein wertvolles Bild, das 1842 von Pfarrer Kröner gestiftet worden war. Es wurde
nach Ausweis von Dr. Schahl, Stuttgart, in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts
gemalt und gehört der manieristischen Stilepoche zu. Jetzt hängt es an der
Südwand des Kirchenschiffs neben der Empore. Die vier Holzfiguren der
Kirchenväter haben nun ihren Platz an der Kanzel gefunden und deren Reiz damit
erhöht. Das Epitaph des Pfarrers Magister Johann Ludwig Wagner, das ihn, seine
Gattin und seine 17 Kinder darstellt und das bis jetzt am Emporenaufgang hing,
trägt die Jahreszahl 1651 . Es hat nun einen besseren Platz gegenüber der
Kanzel erhalten. Vor 1599 scheint keine Empore vorhanden gewesen zu sein.
1686 wurde sie erweitert. Das nordöstliche Stück, das jetzt auch wieder - um
des Aussehens der Empore willen - weggelassen worden ist, wurde erst nach 1752
angebaut, wahrscheinlich aber erst im 19. Jahrhundert als man in der Kirche
mehr Platz brauchte.
Die alten Fresken an der Nordwand der Kirche verdienen
besondere Erwähnung. Schon bei der Kirchenerneuerung um 1887 war man auf sie
gestoßen, fand sie aber durch den Emporeneinbau so verderbt vor, daß man nicht
mehr versuchte, sie zu restaurieren. Der Bilderzyklus wurde, soweit er unter
dem Verputz erhalten geblieben war, wieder hergestellt. Es handelt sich hierbei
um Bilder aus dem Marienleben, denn die Kirche war ja "Unserer lieben
Frauen" geweiht worden. Von Westen nach Osten sind abgebildet:
Christophorus, Verkündigung Mariä, durch Einbruch der neuen Emporentür vollends
zerstört: die Erscheinung der heiligen drei Könige, Flucht nach Ägypten und Tod
Mariä.
Letztere beiden
können noch als solche identifiziert werden. Die Bilder weisen auf ein
beachtliches Können bei dem unbekannten Meister hin. Sie sind wohl um das Jahr
1350 anzusetzen. Die riesige Gestalt des Christophorus reichte ehedem herunter
bis zum Boden der Kirche. Im übrigen scheint die östliche Hälfte der nördlichen
Schiffswand ganz bemalt gewesen zu sein, da sich Farbenreste auch links neben
dem nördlichen Kirchausgang vorfanden, und zwar über der Stelle, wo bis 1958
der Kohlenofen stand. Eine interessante Entdeckung wurde links vom
Emporenausgang gemacht, wo unter dem Verputz unmittelbar auf dem Steinwerk
romanische Malereien freigelegt wurden, die zum Teil auf der Innenseite eines
zweifelsohne romanischen Fensters und weiter links in Richtung auf das ovale
Fenster angebracht waren. Sie bestanden aus rötlichen Punkten, die felderartig
angeordnet waren. Jenes Fenster muß bereits sehr früh wieder zugemauert worden
sein, da die gotische Malerei von 1350 sich schon über dieses Fenster
hinwegzieht. Es ist anzunehmen, daß das Fenster aus eben dem Grunde beseitigt
wurde, um eine einheitliche Fläche für die Anbringung des Marienbilderzyklus zu
gewinnen. Somit befinden sich auf der Empore die verschiedenen Malereien in
unmittelbarer Nachbarschaft beieinander. Auf die romanische folgt die gotische,
von der ebenfalls bereits die Rede war. Hierauf eine ganz einfache aus der
Renaissance, von der ein kümmerlicher Rest rund um das Ovalfenster erneuert
worden ist. Weitere Reste der letzteren wurden, freilich stark zerstört,
beim südlichen Kirchausgang angetroffen, außerdem spurenhaft am Chorbogen und
auf dem östlichen Teil der südlichen Schiffswand. Hier ist auch noch auf die
einstige Bemalung des Chores einzugehen. Unter fünf Verputzschichten legten die
Restauratoren auch hier kleine Reste einer wohl romanischen Malerei frei. Sie
dürfte in die gleiche Zeit gehören wie die neben dem Ovalfenster aufgedeckte.
Auch die folgende Schicht wies Farben auf. In dem kleinen Chorfenster waren die
Kirchenmaler in der glücklichen Lage, ansehnliche Reste der gotischen
Darstellungen aufdecken zu können. Hier stoßen wir auf St. Katharina. Ihr
gegenüber steht auf gleicher Höhe eine zweite Frauengestalt, vielleicht St.
Barbara. Über beiden aber schwebt mit ausgebreiteten Flügeln der Heilige Geist.
Die vier Evangelisten in den Ecken des Chors sind gleichzeitig mit der
stuckierten Gipsdecke angebracht worden. Auch sie sind jetzt mit glücklicher
Hand in der Farbgebung erneuert worden.
unserer Kirchendecke, die ohne Zweifel den größten Schmuck unserer Kirche
darstellt. Über ihre Entstehung sind wir durch Aufschriebe gut unterrichtet,
ebenso ihre Geschichte. Angebracht wurde sie im Jahre 1712 durch den Degginger
Stukkateur und Bildhauer Johann Ulrich Schweizer. Er war Glied einer bekannten
Künstlerfamilie, die sich auch an anderen Orten nachweislich in
Reliefdarstellungen hervortat. Leider ist die Ausstattung des Kircheninneren
von Laichingen aus derselben Zeit und von demselben Meister schon lange
abgegangen (1851). Nur ein kleiner Rest des künstlerischen Schaffens Schweizers
ist dort in der Sakristei erhalten geblieben. Zwei Schilder, in denen die Namen der bisherigen Laichinger
Pfarrer aufgeschrieben sind, werden von je zwei Engeln flankiert, die schon auf
den ersten Blick ihre Ähnlichkeit mit den Engeln an unserer Kirchendecke zu
erkennen geben. Ein ähnliches Schild, wohl ebenso flankiert von Engeln befand
sich einst auch in unserer Sakristei. Nach Angaben von Stadtarchivar Oelhafen,
Laichingen, hing Schweizer mit keiner eigentlichen Kunstschule zusammen. Man
wird ihn als Autodidakten ansprechen müssen, der sich seine Kunst selber
angelernt hat. Weitere Arbeiten der Degginger Schweizer-Familie insgesamt sind
zu sehen: in der Reutlinger Marienkirche, wo eine Stuckkanzel von Johann Ulrich
Schweizer zu erblicken ist. Ferner die katholische Pfarrkirche von Deggingen,
die Stukkaturarbeit der Familie Schweizer, sowie die bekannte Barockkirche Ave
Maria bei Deggingen, die einen reichen Stuckaltar der Schweizer enthält. Schließlich ist noch auf Schloß Baldern bei Bopfingen
hinzuweisen, wo der sogenannte Kaisersaal ebenfalls von Jakob und Ulrich
Schweizer um 1730 mit Stuckdekoration versehen worden ist. Ich beziehe mich bei
diesen Angaben auf Archivar Oelhafen und Julius und Ruth Wais in ihrem
Albführer. Ursprünglich war die Decke weiß. 1737 gaben einige Bürger das Geld
her zum Bemalen der beiden Wappen und wohl auch der Kreuzigungsgruppe an der
Südwand. 1746 benützte man die Gelegenheit einer Ausbesserung der Gipsdecke
durch Johann Jakob Schweizer aus Deggingen und ließ durch diesen die ganze
Decke "illuminieren", wie man damals so schön sagte, also bemalen. Später scheint die Decke ordentlich gehalten zu haben, denn
die nächste Erneuerung daran wird erst aus dem Jahre 1804 berichtet, als man an
eine neuerliche Ausmalung derselben ging. Sie wurde von einem gewissen Jegg -
nomen est omen! - aus Deggingen besorgt, fiel aber nach allgemeiner Ansicht und
trotz hoher Bezahlung schlecht aus. Reste dieser Bemalung - oder Beklecksung! -
sind in den beiden Wappen und in der Kreuzigungsgruppe erhalten geblieben. Es
ist das Verdienst der Fa. Eckert, Mergentheim, die erste Bemalung in
monatelanger, mühseliger Arbeit wieder freigelegt zu haben und die neue
Bemalung im Geiste der Schweizer und in hervorragender Einfühlung in das
Ursprüngliche durchgeführt zu haben. Im Jahre 1860 wurde die Decke weiß
gestrichen, 1887 wurden ihre Farben leicht abgetönt, wobei nicht ganz klar ist,
was darunter zu verstehen ist. 1929 wurde auch die Stuckdecke stark
ausgebessert. Spuren davon waren jetzt deutlich zu erkennen, da die ergänzten
Stellen sich nicht sonderlich harmonisch in das Alte eingefügt hatten.
Zur Kirche gehört auch die Sakristei. Wann sie erbaut wurde,
kann nicht gesagt werden. Bei den Grabungen zeigte es sich aber, daß der
südliche, an den Chor angeschlossene Teil denselben Steinsatz aufwies wie die
Kirche selber. Daraus mag wohl geschlossen werden, daß sie zur selben Zeit wie
die älteste Kirche entstand. Im Kirchengrundbuch von 1827 findet sich der
Eintrag, daß die Sakristei im Jahre 1712 erweitert worden sei, also im gleichen
Jahre, da das Schiff seine Stuckdecke erhielt. Gleichzeitig wurde das nach
Westen anschließende Gewölbe, in dem von da ab der sogenannte
"Heiligenschatz" aufbewahrt wurde, aufgeführt. Wahrscheinlich wurde
1743 dann auch der Emporenaufgang von Norden her in der Form, wie er bis jetzt
erhalten geblieben ist, bald aber durch neue Aufgänge ersetzt werden soll,
angebaut. 1712 bekam die Sakristei eine ähnliche Stuckdecke wie die Kirche. Von
dem durch zwei Engel flankierten Schild, in dem die Namen der Machtolsheimer
Pfarrer seit der Reformation aufgeführt waren, war bereits die Rede.
Schließlich ist noch von der Kirche als Ganzes zu reden.
Hier ist vorauszuschicken, daß an diesem Punkte noch am meisten unklar ist,
obwohl die Kirchenerneuerung wichtige neue Erkenntnisse bezüglich ihrer
Geschichte erbracht hat. Früher nahm man an, daß die Kirche 1488 erbaut worden
sei, also in einer Zeit, da noch viele andere Dorfkirchen in unserem Lande
entstanden oder auch neu errichtet worden sind. Aufgrund der Beobachtungen, die
bei der Renovierung gemacht wurden, kann nun mit Sicherheit gesagt werden, daß
dies nur bedingt richtig ist. Schon früher war am Turm aufgefallen, daß er
romanische Bauelemente aufwies. Man hatte deshalb angenommen, daß jener schon
um die Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet worden sei. Nun hat aber der Bearbeiter
der berühmten Kunstgeschichte von Dehio daraufhingewiesen, daß seines Erachtens
die Bauzeit des Turmes in die Jahre zwischen 1260-80 gelegt werden müsse.
Hinsichtlich der Kirche selber tappte man bis dato im
Dunkeln. Beim Entfernen des Wandverputzes zeigte es sich aber, daß die östliche
Hälfte der nördlichen Schiffsmauer zweifellos weit älter ist, als bisher
angenommen wurde. Dafür spricht das romanische Fenster in dieser Wand samt den
zugehörigen Malereien aus dieser Zeit. Ferner sind die Fresken von 1350 auf ihr
angebracht, die genau an der Baufuge in der Mitte der Kirche abbrechen. Der
Tonplattenboden, wahrscheinlich aus derselben Zeit, hört ebenfalls auf dieser
Höhe auf. Im westlichen Teil der Kirche liegt unter dem jetzigen Boden sehr
viel Bauschutt. Er kam wohl 1750 hierher, als der Schwarzjuraplattenboden
gelegt wurde. Kurz vorher hatte im Orte eine große Feuersbrunst gewütet. Es ist
sehr wohl möglich, daß der hierbei angefallene Schutt beim Legen der neuen
Platten, die ca. 30 cm höher als der Tonplattenboden kamen, als Grundlage
Verwendung fand. An der südlichen Schiffsmauer hingegen konnten keine
sicheren Spuren festgestellt werden, die auf die Zeit vor 1488 verweisen
würden. Hier fehlte die Baufuge in der Mitte, obgleich auf der Außenseite ein
deutlicher Knick in den horizontal verlaufenden Kragensteinen festzustellen
ist. Es scheint, als sei die südliche Schiffsmauer 1488 ganz neu aufgebaut
worden. Dafür spricht auch der Umstand, daß diese Mauer in ihrer ganzen Länge
eben jene Kragensteine enthält, die an der nördlichen, älteren Mauer fehlen,
ebenso auch am Kirchturm. Dort sind sie nur an den östlichen, älteren Pfeilern
anzutreffen, deren einer übrigens kaum zufälligerweise die Jahreszahl 1488
trägt. Bei den Türen fiel folgendes auf: Früher waren im
Kirchenschiff zwei weitere Türen vorhanden, die Umrisse der einen fanden sich
etwa in der Mitte der Südwand auf der Außen- und Innenseite vor. Sie ist wohl
erst in jüngerer Zeit zugemauert worden. Dasselbe ist wohl auch von der Türe
auf der Nordseite, genau gegenüber dem Haupteingang, zu sagen. Sie wurde nur
halb zugemauert. Der obere Teil wurde zu einem Fenster umgestaltet.
Die Innenrenovierung konnte im März 1964 abgeschlossen
werden. Die Einwohner hatten sich durch Arbeitsleistung und Spenden im Wert von
über 40000,- DM beteiligt. Im Jahre 1969 wurden Pedal und Werk der Orgel auf
zwei Manuale ausgelegt. Sie hat jetzt 14 Register, der Aufwand betrug 60000 DM.
1971 konnte das Geläut durch eine vierte Glocke ergänzt werden. Abschluß der
umfangreichen Arbeiten war die Außenrenovierung, so daß sich heute Kirche und
Turm in einem guten Zustand befinden.
Neben den Gottesdienstbesuchern wissen auch viele
Kunstkenner die Schönheit des Bauwerks zu schätzen. Bedauert wird allgemein,
daß der in den letzten Kriegstagen abgebrannte Turm nicht in der ursprünglichen
Form wiederaufgebaut werden durfte. Eine statische Berechnung ergab, daß das
Fundament den Belastungen eines höheren Turms nicht gewachsen war. Bereits im
Jahre 1929 mußten Sicherungsarbeiten durchgeführt werden. So blieb nur die
Möglichkeit des Aufbaus in der heutigen Form.
Ein Pfarrer bemängelte, daß Kleinkinder von den Eltern in
die Christenlehre mitgenommen würden. Er mußte sich sagen lassen, daß die
Meinung bestehe, daß Kinder, die im ersten Lebensjahr in die Kirche gebracht
würden, später in der Schule besonders gut lernen würden.
Von 1714 bis 1849 gab es eine Kirchenmusik mit Posaunen und
Klarinetten. Dazu waren 8 Personen angestellt, 4 Musiker erhielten jährlich je
4 Gulden, die übrigen 2 Gulden. Dazu gab es noch einen Vorsänger, der vom
Schulmeister angelernt und mit 5 Gulden jährlich bezahlt werden mußte. Erst
1965 wurde wieder ein Posaunenchor gegründet.
Baugeschichtliche Übersicht
Nachdem die Römer aus Südwestdeutschland verdrängt waren,
schlugen unsere Vorfahren immer dort ihre Pfosten in den Boden, wo ihnen die
Umgebung die größte Chance bot zu überleben. Man nahm sogar kargen Boden in
Kauf und ein besonders rauhes Klima, wie die Besiedelung der Hochfläche der Schwäbischen
Alb beweist. Niemals wäre man auf die Idee gekommen, sich in einem der großen
Wälder niederzulassen, auch wenn er fruchtbarsten Boden geboten hätte. Es
fehlten noch die Geräte, den Wald in größerem Umfang zu roden. Die Versuche der
experimentellen Archäologie haben bewiesen, welche Sisyphusarbeit allein das
Fällen einer einzigen Eiche mit den damaligen Beilen bedeutete. In der weiten
Nachbarschaft war der Wald jedoch gern geduldet, als Lieferant für Bau- und
Brennholz, und als natürliche Grenzbarriere zwischen zwei Stämmen. Da die
Alemannen ihre Dörfer nicht befestigten, schützten sie ihr Gebiet auf diese
Weise. Die Bauernhöfe der ersten Siedler waren in sich abgeschlossene völlig
autarke Kleinbetriebe. Man produzierte vom Kochtopf bis zum Pflug alles selbst.
Erst nach und nach entwickelten sich gewisse Fertigkeiten zu Handwerksberufen.
Bis dahin baute jede Familie ihr Haus selbst.
War ein Haus errichtet, so kamen bald mehrere hinzu. Jeder
baute dort, wo es ihm am günstigsten erschien, umgab Hof und Garten mit einem
Zaun. Das Ganze bildete bald ein Netz von krummen und winkligen Gassen, einen
"wilden Haufen", und Haufendorf ist auch der Ausdruck für eine solche
Siedlung. Das einzig Planvolle bei der Anlage der Haufendörfer schien das Bestreben
zu sein, zwischen sich und dem Nachbarn Abstand zu wahren, man wollte
anscheinend schon damals "seine Ruhe" haben, ohne deswegen ganz auf
Kontakt verzichten zu müssen. Trotz allem lag so ein Dorf harmonisch
eingebettet in der Landschaft und wirkte wie ein Teil ihrer selbst, weil das
Material der Häuser dieser Landschaft entstammte. Holz, Lehm, Rinde und Reisig,
zum Teil auch Steine waren die ursprünglichen Baustoffe. In welcher
Zusammenstellung sie angewandt wurden, hing davon ab, in welchem Landstrich man
lebte. In unserer Gegend baute man Holzgerüste, deren Zwischenräume man mit
Reisig ausfüllte, um die Gerüststämme wand und mit Lehm bewarf.
Eine Technik, die sich als Fachwerk bis in die Neuzeit
erhalten hat. Das Dach hatte Sattelform und war mit Stroh gedeckt, in anderen
Gegenden auch mit Schilf oder Grasplagen. Die Häuser waren unterschiedlich
groß, je nachdem wie viel Vieh der Besitzer unterzubringen hatte, denn der
ganze Viehbestand wohnte mit den Menschen unter einem Dach. Der Typus der sich
bei Ausgrabungen am häufigsten fand, bestand aus einem Rechteck von 8-10 Meter
Länge und 4-6 Meter Breite. Die tragenden Pfostenreihen teilten das Innere in
drei Längsräume, die bis unters Dach keine Trennwände hatten. An den Wänden
entlang lief ein Podest, das mit Fellen bedeckt, als Sitzbank und
Schlafpritsche diente. In der Mitte des Hauses stand eine aus Feldsteinen
errichtete Feuerstelle, Herd und Ofen zugleich, deren Rauch durch eine Öffnung
am First abzog. Der Fußboden bestand im Wohnteil aus Steinpflaster oder
Holzbohlen, der im Stallteil aus festgestampftem Lehm. Die Kühe standen mit dem
Kopf zur Wand in einzelnen Boxen, an denen die Jaucherinnen entlang führten.
Zwei Türen an den beiden Längsseiten führten in das Innere, Fenster gab es
nicht, allenfalls Luken.
Alles in allem waren diese Langhäuser keine luxuriöse
Unterkunft. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus bemängelte, daß die
Erbauer auf ein gefälliges Äußeres überhaupt keine Rücksicht nähmen, Plinius
spricht sogar von elenden Hütten. In Wahrheit war das oberste Prinzip dieser
Hausbauer wohl die Zweckmäßigkeit. Es kam darauf an, eine Unterkunft zu haben,
die gegen Regen, Schnee und Kälte schützte. Erfüllte es diese Bedingungen, war
es auch ein gutes Haus. Auf Schönheit legte man erst viel später Wert, als man
daran ging die Giebelseiten mit Farbe und Schnitzereien zu verzieren. Die
einzelnen Höfe wurden von Familien bewohnt, zu denen nicht nur die Eltern und
Kinder gehörten, sondern auch Großeltern und Enkelkinder, so daß sich bis zu
drei Generationen unter einem Dach vereinten. Aus der Zahl der Gräber hat man
die ungefähre Zahl der Bewohner der Ur-Dörfer errechnen können. Sie dürfte im
Durchschnitt 80 bis 100 Köpfe betragen haben. Größere Siedlungen sind bis jetzt
nur an der Nordseeküste bekannt, die zum Teil 40 bis 50 Gehöfte umfaßten.
Bis ins frühe Mittelalter blieb der Hausbau mit großen
Problemen verbunden. Als Dach hatte sich eine flach geneigte
Pfettenkonstruktion herausgebildet, die ohne viel Holzbearbeitung mit rohen
Baumstämmen möglich ist. Den einfachen Fachwerkwänden konnte man unmöglich
zutrauen, das Dach allein zu tragen. So wurden alle Ständer der Pfetten bis zum
Boden durchgeführt. Eine Reihe von Ständern unter der Firstpfette und zwei
weitere Reihen unter den Seitenpfetten erschwerten die Erschließung von der
Giebelseite. Der Abstand der Reihen konnte ohne umfangreiche konstruktive
Veränderungen nicht vergrößert werden. Dagegen war von der Traufseite jede
Raumverteilung möglich, da man die Ständer in der Längsrichtung verschieben konnte.
Während man im Norden Deutschlands in den "Nur-Dach"-Häusern einen
freien Dachraum anstrebte und zur Kehlbalkenkonstruktion überging, blieb man im
Süden bei der Pfettenkonstruktion. Für die nötigen Räume der Vorratshaltung
brauchte man nicht den Dachraum, sondern verlängerte das Haus um ein
"Viertel".
Damit blieben in Süddeutschland die Ständerreihen der
Dachkonstruktion ausschlaggebend für die Anordnung der Räume im Innern des
Hauses. Zuerst bildete der Öhrn oder Ern mit dem Herd als Kochstelle und
Wärmespender den Mittelpunkt des Hauses. Später wurde aufgrund der verbesserten
Lebensgewohnheiten ein besonderer Raum als Küche abgetrennt. Die Räume zum
Giebel an der Hof- oder Straßenseite wurden zum Wohnen und Schlafen genutzt. Im
anderen Teil des Hauses waren der Stall und die Wirtschaftsräume untergebracht.
Diese Einteilung hat sich im wesentlichen bis ins 20. Jahrhundert bewährt und
erhalten. In den langen und kalten Wintern half die natürliche Wärme der Tiere
neben dem Wohnbereich, das Haus warmzuhalten und Brennholz einzusparen.
In besonders kalten Wintern füllte man die vorderen Stuben
bis unters Dach mit Stroh und die Familie verbrachte den Winter im Ern an der
warmen Feuerstelle. Die Ende des 15. und Mitte des 16. Jahrhunderts einsetzende
rege Bautätigkeit führte zu der ersten Bauordnung des "Fürstentums
Würrtemberg". Das "wilde" Bauen sollte in geordnete Bahnen
gelenkt werden, und zwar von Grund auf durch neu aufzustellende Bauordnungen.
Das Verbot der Strohdächer und der hölzernen Schindeln 1495 fand in den Dörfern
keine Beachtung, da es sich in erster Linie auf die eng aneinandergebauten
Stadthäuser bezog. Die übrigen Verordnungen jedoch wirkten sich auch auf die
Bauweise im ländlichen Bereich aus. Nach der Bauordnung von 1568 müssen das
Sockelgeschoß und die beiden Nebenseiten bis unters Dach in Stein gemauert
sein. Bei den Bauten unvermögender Leute war ein 3-4 Schuh hoher Steinsockel
über dem Erdboden als zulässig bezeichnet. Für die Fachwerkwände müssen die
Zwischenpfosten enger gestellt werden und die Balkenfache dürfen nicht mehr von
"stickstecken, gerten und levmen" (Lehm) gemacht werden. Die engeren
Gefache müssen mit "Schroppen" (Feldsteinen) oder Backsteinen
ausgemauert werden. Riegel und Bügel sind oben und unten einzuzapfen. Das vor dem
übliche Anblatten solcher Halbhölzer ist nach der neuen Bauordnung untersagt.
In der unter Herzog Ludwig erlassenen Zimmerordnung von 1590
werden auch die vom Zimmerhandwerk angestrebten neuartigen Holzverbindungen als
verbindlich vorgeschrieben. Mit diesen Bauvorschriften beginnt eine neue Ära
des Hausbaues. Die in der neuen Bauart ausgeführten Wände sind belastbarer
geworden. Dies ermöglicht eine andere Dachkonstruktion, bei der der Dachraum
nicht mehr von Ständern behindert ist. Gleichzeitig werden die Dächer steiler,
da das Kehlbalkendach zusammenbricht, wenn es nicht genügend steil aufgerichtet
wird. Die neue Bautechnik ermöglichte gleichzeitig den Bau zweigeschossiger
Das erste Gebäude in Machtolsheim mit einem zweiten
Stockwerk ist das Haus des Meierbauers. 1574 wird zum ersten Mal die
herrschaftliche Gerichtsstube im "Oberen Stock im Hause des
Meierbauers" erwähnt, die auf Kosten des Klosters dort eingerichtet worden
war. Die Gerichtsstube wurde vom Kloster unterhalten und diente den Richtern
des Vogtgerichts und dem Schultheiß als Amtsstube. Außer vom Hausinnern hatte
sie noch einen eigenen Zugang über eine Außentreppe. Als 1534 das Kloster den
großen Zehnten und den Kirchensatz erwirbt, wird in den folgenden Jahren die
Zehntscheuer gebaut. 1574 wird die Funktion dieser Scheuer wie folgt
beschrieben: "Der große Frucht Zehend von allen Äckern zu
Machtolsheim und in derselben Markung Zwing und Bänn gelegen, als ärmlich an
Roggen, Dinkel, Hafer, Gerste, emra, haidenkorn und allem andern, so der Halm
trägt und großer Zehend ist und gilt, gehört durchaus dem Kloster Blaubeyren
einzig und allein. Und wird die Zehende Garbe auf dem Markt zur Zehenden
gegeben, und solcher Zehend wo der nicht eine genannte Frucht verkauft, in des
Klosters eigenen Zehend Scheuern selbst und auf eigene Kosten gesammelt,
eingeführt und ausgetroschen. Der Erbsen, Linsen und Wicken Zehend zu
Machtolsheim, soweit sich derselben Markung Zwing und Bänn erstrecken und
vorgedacht den großen Zehend geben, gehört dem Kloster Blaubeyren einzig und
Und wird wo er nicht um eine frei genannte Summe verkauft
wird, in des Klosters Kosten eingesammelt und mit dem großen Zehenden in
derselben Zehend Scheuern eingeführt und ausgetroschen." Für den Fall, daß die Scheuer nicht ganz für die
klostereigenen Steuern gebraucht wurde, konnte die Ulmer Zollstätte gegen Zins
einen Teil ihrer Abgaben einlagern. Das Zollhaus, das 1442 zum ersten Mal als
"dorfhalb, an dem Wege nach Laichingen" beschrieben wird, war den
Machtolsheimern noch lange ein Dorn im Auge. Als ausländisches Territorium
zahlte es keine Steuern und Abgaben. Außerdem versuchten Reisende den Ort zu
umfahren, um dem Wegezoll zu entgehen. Dadurch entstanden vor allem den
Schildwirtschaften finanzielle Einbußen, da die Reisenden nach Möglichkeit in
anderen Orten übernachteten oder einkehrten.
Der wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung, der in
Machtolsheim gegen Ende des 16.Jahrhunderts deutlich spürbar war, wurde
unterbrochen durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges. In der Zeit
nach dem Krieg fanden in den verlassenen und menschenleeren Dörfern Flüchtlinge
aus der Steiermark, dem Salzburgerland und der Schweiz eine neue Heimat. Der
Name "Schweiz" der heute noch in Machtolsheim gebräuchlich ist,
könnte auf eine Siedlung von Schweizer Flüchtlingen hindeuten, die sich in der
heutigen Rosengasse niedergelassen haben. Die Nachkriegsjahre sind geprägt von
dem mühsamen Aufbau der zerstörten Häuser, der Neuordnung der Verwaltung und dem
Herrichten der verödeten Felder.
17.Jahrhunderts ist die schlimmste Not überstanden, und man denkt wieder ans
Bauen. Die Kirche und das Schulhaus sind von dem Heiligen toieder hergerichtet
worden. Mit Nachdruck wird 1621 vom Kloster die Renovierung des alten
Pfarrhauses gefordert, dessen Baufälligkeit bereits 1620 beklagt wurde und man
nun "des Einfallens nicht mehr sicher sei". Nachdem es 1692 mit einem
erheblichen Kostenaufwand wiederhergestellt ist, gibt sich die Gemeinde nicht zufrieden
und fordert anstelle des alten Hauses ein ansehnlicheres für ihren Pfarrer. Im
selben Jahr noch wird das alte Schulhaus erweitert und "fast ein ganzer
Stock aufgesetzt", da des Lehrers Stube für 83 Kinder viel zu eng geworden
Auch an den Bauernhäusern wurde gebaut. 1655 hatte das
Herzogtum Württemberg die alte Bauordnung überarbeitet und mit Ergänzungen neu
herausgegeben. Die Neue Bauvorschrift verbietet "höltzine, gestickte und
gekleibte Kemmeter und Rauchfäng" und ordnet an, daß "die Räuch nicht
mehr durch die offenen Zimmer oder Tächer uneingefaßt, sondern durch gemauerte
Kamin" aufgeführt werden. Die Feuergeschworenen überwachten die Anlage der
Rauchfänge und Kamine, die bis dahin meistens aus Holz hergestellt und nur
notdürftig mit Lehm überstrichen waren. Wollte man sich vor der unmittelbar
damit verbundenen Feuersgefahr schützen, dann wurde der Rauch anstatt in den
eigenen Dachraum, einfach in des Nachbars Dachboden oder in den gemeinsamen
Winkel geführt. Die unmittelbare Brandgefahr für die strohgedeckten Häuser
wurde damit nicht eingeschränkt. Die übers Dach geführten Schlote gefährdeten
mit ihrem Funkenflug in trockenen Sommern auch die Nachbargebäude. So kann es zu dem großen Brandunglück im Jahre 1740 gekommen
sein, als 52 Gebäude eingeäschert wurden. Unter den ausgebrannten Gebäuden
befand sich auch die Ratstube und der Gasthof zum Hirsch. Nach der Verlegung
des Vogtgerichts nach Blaubeuren, diente die Ratstube nur noch dem Schultheiß
und den Gemeinderäten als Amtsstube. Für die dort vor genommenen Amtshandlungen
mußten dem Kloster die dafür festgesetzten Gebühren entrichtet werden. Zugang
zur Ratstube hatte nur noch der Schultheiß selbst. 1750 beklagt der Maier
Johannes Kölle diesen Zustand, in seinem Schreiben an den Herzog bittet er um
die Anerkennung seiner Wahl zum Schultheiß:
"Es befindet sich nämlich in meiner Meierey Behausung
auch des Flecken Gerichts und Ratstube, welche auf herrschaftliche Kosten
erbaut worden, und auch solchergestalten muß erhalten werden. Zudem aber solche
beständig zugeschloßen und das ganze Jahr hindurch nicht viel gebraucht wird,
mithin sich sehr wenig ausgeputzt und gesäubert wird, so folgt hieraus, daß
Dinge an dem Getäfer und Mauerwerk nach und nach vieles
verdorben und in Abgang geraten muß, dahingegen wann ich von einer Zeit zur
andern in diese Stube gehen und mittels Eröffnung der Läden und Fenster solche
winder verlusten lasse - auch vornehmlich zur Winters Zeit vor Schnee und Regen
besser verwahren könnte, so würde es des baulosens an der ganzen Behausung
gereichen, dadurch aber gnädigster Herrschaft an Reparations und anderen Kosten
ein merkliches erspart werden: Hiernach könnte ich auch des Fleckens Mobilien
und schriftliche Sachen besser Aufsicht tragen, und solche auf einen Notfall am
allerbesten salviren und in Sicherheit bringen, dahingegen, wann ein Schultheiß
von dem Rathaus entfernt ist, leicht etwas negligirt werden - und dem Flecken
Schaden und Nachteil dadurch zugezogen werden kann, wie dann erst vor einigen
Jahren bei der entstandenen leidigen Feuersbrunst geschehen, daß viele Bücher
und andere Documenta publica von dem Feuer konsumiert und mit genauer Not nur
noch die Steuerbücher aus den Flammen gerettet wurden.
Und dieses wären
dann hauptsächlich diejenigen Beweggründe um derentwillen Euer hochfürstlich
Durchlaucht hiermit ganz untertänigst bitte, daß Höchst. Erleucht. dieselbe nur
vor einem andern diese erledigte Schultheißenstelle gnädigst conferiren und
dieserwegen hochfürstliche Befehl an jener Behörde abzulagen gnädigst geruhen
Auch der Zustand des Pfarrhauses macht der Gemeinde Sorgen.
1730 besichtigt der Abt aus Blaubeuren persönlich die unwürdige Behausung des
Pfarrers. In seinem Schreiben an den Herzog befürwortet er den dringenden
Neubau aus folgenden Gründen:
1. ist die Grundschwelle an 2 oder 3 Orten morsch und faul 2. hat das Haus den immedicablen Fehler, daß es zu schmal
und kaum 30 Schuh breit ist.
3. es fehlt ein Dachraum, und wenn der Pfarrer vorrätige
Frucht aufschütten wollte gezwungen ist sich des Kirchendachbodens zu bedienen.
Jedoch nicht ohne Murmeln der Gemeinde, wegen der darunter notleidenden
kostbaren Kirchengipsdecke. 4. Aufgrund der hier und da erscheinenden alten
Zapfenlöchlein, Einblattungen und verkohlten Balken könne angenommen werden,
daß "solch Häuslein von alten Abbruch- und Brandreliquien zusammengeflickt
worden ist, und auch ein sehr schwach Gebälk hat."
Noch in demselben
Jahr wird mit dem Neubau begonnen. Zwar dauert es einige Jahre bis zur
Fertigstellung, das Dach ist noch nach 8 Jahren "mangelhaft und hat keine
Schindeln, daher es hineinregnet und schneit", aber es ist das größte und
eindruckvollste Gebäude im Ort. Gleichzeitig wird auch die Zehntscheuer um eine
"Kornschüttin" erweitert, was darauf hindeutet, daß die
Landwirtschaft gute Erträge erzielte. Die reichen Jahre füllten auch die Kassen
des Heiligen, und der Kirchenrat genehmigte den Neubau eines Schulhauses. 1741
entsteht unmittelbar an der Nordseite der Kirche das neue Gebäude. Aus welchen
Gründen der Heilige diesen Platz für den Neubau gewählt hat, war nicht
herauszufinden. Die folgenden Jahre zeigten, daß das Schulhaus dort ungeeignet
und zu ständigem Ärger mit den Schulmeistern führte. Das "von Sonne und
Mond abgeschirmte Gebäude" war modrig und kalt. Um in den Räumen
unterrichten zu können, mußte bis weit ins Frühjahr geheizt werden. Dieser
unmäßige Verbrauch von teurem Brennholz und der allmähliche Verfall der Wände
in der dunklen Ecke, veranlasste 100 Jahre später den Abbruch dieses Ärgernisses.
Mitte des 18. Jahrhunderts kommt aus Stuttgart eine neue
Verordnung. Die alten und neuen Fachwerkhäuser sollen verblendet werden. In
erster Linie ist diese Vorschrift eine Geschmacksdiktatur, nebenbei verspricht
man sich davon eine Erhöhung der Feuersicherheit. Mit dem Verblenden und
Verputzen der alten Häuser ließen sich die Machtolsheimer Zeit. Bei den
Neubauten jedoch eröffnete sich eine Möglichkeit, das teure Eichenholz
einzusparen. Eichenbalken wurden nur noch für tragende Teile verwendet. Für das
Fachwerk nahm man in Zukunft Nadelholz, da die Verwitterung unter dem Verputz
keine Rolle mehr spielte. Außerdem ließ sich das weiche Holz der Tannen besser
verarbeiten. Die allgemein zögernde Bereitschaft der Bevölkerung, ihre schönen
Fachwerkbauten unter Putz zu verstecken, veranlaßte die Regierung im jahre 1811
zur nochmaligen nachdrücklichen Aufforderung, die Häuser zu verblenden.
Das von Napoleon zum Königreich erhobene Württemberg sollte
sich seiner neuen Würde würdig erweisen, und Fachwerk galt als ein Überbleibsel
der Armut und des Elends. Nach dem Krieg gegen die französische Vorherrschaft
und der überstandenen Hungersnot zeigt sich der Aufschwung in den
durchgeführten Bauvorhaben. Bereits 1833 wird ein neues Pfarrhaus nach
modernsten Erkenntnissen in massiver Bauweise ausgeführt. 1840 baut die Kirche
das bis heute erhaltene Schulhaus.
1852 begegnet uns
wieder die Ratstube. Die Baufälligkeit ist kaum mehr aufzuhalten. Der Dachstuhl
wurde mit Sprießen am Einfallen gehindert und der Dachboden war bereits um 6-8
Zoll "versunken". Obwohl ein Neubau erst in 20 Jahren vorgesehen war,
erteilte das Kloster seine Einwilligung zum Rathausneubau, weil dann "auf
200 Jahre nur 5 Ausbesserungsfälle vorkommen, wovon eine jede alle 33 Jahre 148
fl. betragen kann". 1855 wird das neue Rathaus gebaut, ebenso wie die
Schule und das Pfarrhaus aus behauenen Steinen und mit geräumigen Zimmern.
Der bereits zu Beginn des Jahrhunderts spürbar gewordene
Mangel an Bau- und Brennholz führte auch in Machtolsheim zu immer größeren Problemen.
Die ständig anwachsende Zahl der Einwohner verbrauchte mehr Holz, als im Wald
nachwachsen konnte. Um das Fachwerk zu ersetzen, fehlten den einfachen Leuten
die Mittel, um geeignetes Baumaterial zu kaufen. Als Ersatz für behauene Steine
dienten Feldsteine, die mit Mörtel aufeinander geschichtet nur ungenügend
tragfähige Wände ergaben. Den Mangel an Bauholz und seine Ursachen schildert
anschaulich Pfarrer Höslin in seiner 1798 erschienenen Broschüre
"Württembergische Alb".
"Auch in den Waldungen um Blaubeuren zeigt sich der
Mangel an tüchtigem (guten) Brennholz und Bauholz. Am schlimmsten ist noch die
Unart, daß hinter der Axt her Pferde und Ochsen in den Waldungen weiden. Von
Pferden und Ochsen, die Tag und Nacht in den jungen Wäldern angetroffen werden
können, werden sie entweder ganz hübsch weggefressen oder doch wenigstens zu
Krüppeln gemacht. Geißen sind auch nur zuviele vorhanden. Das verderblichste
aber ist das Mähen in den Wäldern. Unter dem Vorwand, man müsse im Winter Heu
haben, schleichen sich Mähder in die Mitte des Waldes hinein und richten
ungeheuren Schaden an. Es ist auch nicht zu leugnen, daß es auf der Alb von
Wildbrät wimmelt, so auf das weiche Holz losgehen und es abfressen. Bei Greueln
von der Art ist es kein Wunder, wenn der Holzmangel mit jedem Tag größer
Regierung angeordnete Ablösung der Wald- und Weideberechtigungen und die
Einführung der Stallfütterung konnte sich in Machtolsheim erst 1825
durchsetzen. Damit hatte der Wald eine kurze Verschnaufpause gewonnen, und
konnte vorerst in erster Linie wieder Holz erzeugen. Zunächst jedoch wurden die
Wälder auf andere Art von der Landwirtschaft in Anspruch genommen. Die durch
die Stallfütterung aufgekommene Streunot veranlaßte die Bauern, diejenigen
Waldteile, die seither nicht so stark ausgehauen und beweidet worden waren, zum
Laubbrechen heranzuziehen und rücksichtslos auszurechen. "Nur an Halden
und Hängen, wo das Streurechen mühsam und unbequem war, konnte sich einiges
Laub und etwas Humus sammeln."
Um die Holznot zu
steuern, und um das leichte, billige Nadelholz nicht mehr von Ulm herführen zu
müssen, begannen die Gemeinden mit dem Aufforsten der verödeten Wälder. Mit zum
Teil großen Kosten wurden alle schlecht bestockten Wälder, viele Mähder und
Holzwiesen mit Fichten und Forchen bepflanzt. Mit der Ablösung der
Dreifelderwirtschaft durch die Fruchtwechselwirtschaft beginnt für die
Landbevölkerung ein neues Zeitalter. Das neue Wirtschaftssystem mit dem
künstlichen Futteranbau und einer geregelten Tierfütterung zeigt sich dem alten
Ackerbausystem weit überlegen. Tieferes Pflügen, Pflege des Bodens mit
Stallmist und die Züchtung von leistungsfähigen Tierrassen haben im Laufe des
19. Jahrhunderts dazu geführt, daß sich die Erträge in ungeahnter Weise
gesteigert haben. Auch in dem Jahrtausend der Dreifelderwirtschaft gab es
Fortschritte, aber die Wirtschaftsverhältnisse blieben im ganzen doch konstant.
Diese Veränderungen führten auch zu einer Umgestaltung der
ländlichen Gebäude. Für die das ganze Jahr im Stall untergebrachten Tiere
benötigten die Bauern große Vorräte an Stroh zum Einstreuen und im Winter
ausreichende Heulager. In dieser Zeit entstanden in Machtolsheim die meisten
Scheuern. Je nach Lage der vorhandenen Gebäude wurden die Vorratsräume an die
bestehenden Häuser angebaut oder dem Wohn- und Stallhaus gegenüber angeordnet,
so daß erste Hofanlagen entstanden. Um die Jahrhundertwende verschwanden
allmählich die Strohdächer. Die Bauernhäuser und Scheuern wurden mit Ziegeln
eingedeckt und zum Teil auch mit neuen Dachstühlen versehen. Das auslaufende
19. Jahrhundert hat das Ortsbild von Machtolsheim so geprägt, wie es im
wesentlichen bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts erhalten blieb.
Erst der fortschreitende Einfluß der Technik, des
Verkehrswesens und die veränderte geistige Einstellung des modernen Menschen
haben in den letzten 30 Jahren einen tiefgreifenden Wandel im ländlichen
Hausbau geschaffen. Zwar blieben die ländlichen Bauten im Verlauf der
Jahrhunderte nie ganz unbeeinflußt von den Stilströmungen der Epochen, jedoch
war der bäuerliche Mensch früherer Tage ganz anders als heute darauf
angewiesen, beim Hausbau Material zu verwenden, das ihm in der engeren oder
weiteren Umgebung zur Verfügung stand. Dadurch blieb stets ein schöner Einklang
mit der landschaftlichen Umwelt gewahrt.
An die Stelle von Holz, Lehm und Stroh sind heute Eisen,
Zement, Asbest und Bleche getreten, und die Wege sind offen, alle nur denkbaren
Konstruktionen anzuwenden. Viele alte Häuser werden dem Verkehr geopfert, wenn
sie die oft allzu zügige Durchfahrt durch ein Dorf behindern. Damit wandelt
sich das Bild der Dörfer und der alten Landschaft von Jahr zu Jahr. Die
beschränkten Möglichkeiten früherer Tage zwangen zur sinnvollen Einordnung, die
erweiterten Möglichkeiten unserer Zeit führen zur Entfremdung von der
Landschaft und der Eindruck der großen Harmonie zwischen Natur und Architektur
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References: §8
 §9

§ 1

§ 2

§ 3

§ 4
 § 9

§ 5
 § 7

§ 6

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§ 8

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§ 10

§ 11
 § 36

§ 12

§ 13

§ 15