Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F25-09-2012-8C_482-2012
Timestamp: 2016-10-25 13:46:48+00:00

Document:
8C_482/2012 (25.09.2012)
8C_482/2012 {T 0/2}
Urteil vom 25. September 2012
Bundesrichterin Leuzinger,
Bundesrichter Fr�sard,
Gerichtsschreiber Grunder.
Kyburgerstrasse 15, 5000 Aarau,
Beschwerde gegen den Entscheid der Versicherungsgericht des Kantons Aargau
vom 17. April 2012.
Am 28. Februar 2005 meldete sich der 1962 geborene R.________ wegen R�ckenschmerzen zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Die IV-Stelle t�tigte berufliche und medizinische Abkl�rungen und sprach dem Versicherten, nach durchgef�hrtem Vorbescheidverfahren, mit Verf�gung vom 25. November 2010 aufgrund eines ermittelten Invalidit�tsgrades von 48 % eine Viertelsrente mit Beginn ab 1. M�rz 2005 zu.
Hiegegen reichte R.________ Beschwerde ein und beantragte, ihm sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau setzte ihm (Beschluss vom 16. November 2011) eine Frist von zehn Tagen an, um zu der in Aussicht genommenen �nderung der angefochtenen Verf�gung ("Ausrichtung einer halben Rente ab 1. Januar 2008 und einer Viertelsrente ab 1. Juni 2009 und nicht Ausrichtung einer Viertelsrente ab 1. M�rz 2005") Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zur�ckzuziehen. Mit Entscheid vom 17. April 2012 sprach das Versicherungsgericht des Kantons Aargau R.________ in Abweisung des eingelegten Rechtsmittels ab 1. Januar 2008 eine halbe und ab 1. Juni 2009 eine Viertelsrente zu.
Mit Beschwerde stellt R.________ die Rechtsbegehren, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei die Angelegenheit zur weiteren medizinischen Abkl�rung an die IV-Stelle zur�ckzuweisen; eventuell sei ihm ab 1. M�rz 2005 eine Viertels-, ab 1. Januar 2008 eine Dreiviertels- und ab 1. Juni 2009 eine Viertelsrente zuzusprechen. Ferner ersucht er um unentgeltliche Rechtspflege f�r das bundesgerichtliche Verfahren.
Die IV-Stelle und das Bundesamt f�r Sozialversicherungen verzichten auf Vernehmlassungen.
1.1 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG), und kann deren Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen nur berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG). Offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willk�rlich ist (BGE 134 IV 36 E. 1.4.1 S. 39). Zu den Rechtsverletzungen im Sinne von Art. 95 lit. a BGG geh�ren die unvollst�ndige Feststellung der rechtserheblichen Tatsachen, die Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes bzw. der Beweisw�rdigungsregeln nach Art. 61 lit. c ATSG sowie die Missachtung der Anforderungen an den Beweiswert �rztlicher Ausk�nfte (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232). Das Bundesgericht pr�ft grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
1.2 Gem�ss Art. 99 Abs. 1 BGG d�rfen neue Tatsachen und Beweismittel nur so weit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt. Der Beschwerdef�hrer legt nicht dar, inwiefern diese Voraussetzungen in Bezug auf den neu vorgelegten Bericht des Dr. med. K.________, Spezialarzt FMH f�r Innere Medizin, vom 13. Juni 2012 erf�llt w�ren. Letzterer hat daher bei der Pr�fung der streitigen Frage, ob das kantonale Gericht die Arbeits- (Art. 6 ATSG) und Erwerbsunf�higkeit (Art. 7 ATSG) als wesentliche Vorausset-zungen f�r die Bestimmung des Invalideneinkommens und damit des Invalidit�tsgrades (vgl. Art. 16 ATSG) zutreffend beurteilt hat, ausser Acht zu bleiben.
2.1 Die Vorinstanz ist in einl�sslicher W�rdigung der medizinischen Unterlagen zum Schluss gelangt, dass zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeits(un)f�higkeit und deren Ver�nderungen seit 2004/2005 auf das bidisziplin�re Gutachten der Dres. med. P.________, Facharzt f�r Rheumatologie und Innere Medizin, und W.________, Facharzt f�r Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Juli 2010 abzustellen war. Danach litt der Versicherte an chronifizierten lumbospondylogenen (rechtsbetont) und zervikozephalen Schmerzsyndromen, chronisch rezidivierenden Kopfschmerzen, arterieller Hypertonie, leichtgradig depressiver Episode ohne somatisches Syndrom (im Rahmen einer rezidivierend depressiven St�rung; ICD-10 F33.0) sowie chronischer Schmerzst�rung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41). K�rperlich mittel- bis schwer belastende T�tigkeiten, wozu m�glicherweise auch der zuletzt ausge�bte Beruf bei der Firma A.________ als Logistikmitarbeiter (Ein- und Ausladen sowie Sortieren von Paketen; Briefpost) geh�rte, waren nicht mehr m�glich; hiegegen waren leichtere, den somatischen Befunden ideal angepasste, wechselbelastende Arbeiten (Gewichtslimite unter 10 kg) ab M�rz 2004 leistungsm�ssig und zeitlich zun�chst uneingeschr�nkt aus�bbar; vermieden werden sollten T�tigkeiten, die mit einer Zwangshaltung in der Wirbels�ule, Verrichtungen �ber dem Kopf, h�ufigem Treppensteigen, l�ngeren Gehstrecken sowie mit hoher Kreislaufbelastung und l�nger dauernden Anforderungen an die Konzentrationsf�higkeit verbunden waren. Ab Dezember 2007 bis Juni 2009 war dem Versicherten eine dem beschriebenen Anforderungsprofil angepasste Arbeitst�tigkeit infolge der (zun�chst nicht behandelten) psychiatrischen Probleme im Umfang von zun�chst 50 %, danach (ab Juli 2009) insgesamt aber um 20 % eingeschr�nkt im Rahmen vollzeitlicher Arbeitst�tigkeit zumutbar.
2.2.1 Der Beschwerdef�hrer r�gt, die Beweisw�rdigung der Vorinstanz beruhe auf unvollst�ndigen Akten. Deren Annahme, er sei ab November 2004 in einer leidensangepassten Arbeitsgelegenheit vollst�ndig arbeitsf�hig gewesen, st�tze sich allein auf die rheumatologische Einsch�tzung der Klinik X.________ (vgl. Austrittsbericht vom 29. November 2004).
2.2.2 Das von der Verwaltung eingeholte Gutachten des Dr. med. E.________, Facharzt f�r Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und des lic. phil. H.________, Fachpsychologe f�r Psychotherapie FSP, vom 12. Dezember 2007, gest�tzt auf eine dreimalige dolmetschergest�tzte Befragung des Versicherten ergab, dass sich dieser erstmals im November 2007 in psychiatrische Behandlung begab, und die Frage, ob davor eine wesentliche Einschr�nkung der psychischen Gesundheit bestand, sich aufgrund des wenig aussagekr�ftigen, im Rahmen der von der Taggeldversicherung veranlassten "funktionsorientierten Abkl�rung" beim Zentrum Y.________ (Bericht vom 4. April 2005) veranlassten "Evaluation des neuropsychischen Funktionspotentials: Arbeits- und Erwerbsunf�higkeitsgrade aus neuropsychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht" des Dr. med., Dr. phil. B.________, Facharzt FMH f�r Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Juni 2005 nicht zuverl�ssig eruieren liess. Dieser Auffassung schloss sich der psychiatrische Sachverst�ndige, Dr. med. W.________, gem�ss bidisziplin�ren Gutachten vom 2. Juli 2010 an, worauf die Vorinstanz zutreffend hinwies.
Der Beschwerdef�hrer beanstandet die vom kantonalen Gericht ermittelten, gem�ss Art. 16 ATSG bei der Bestimmung des Invalidit�tsgrades in die Vergleichsrechnung einzusetzenden hypothetischen Einkommen nicht, auch nicht hinsichtlich der revisionsrechtlich in zeitlicher Hinsicht zu beachtenden Grunds�tze bei r�ckwirkend abgestufter Rentenzusprechung (Art. 88a und 88bis IVV). Er macht aber, wie das kantonale Gericht vernehmlassungsweise einr�umt, zutreffend geltend, dass der gem�ss E. 3.5.2 des vorinstanzlichen Entscheids f�r den Zeitraum vom 1. Januar 2008 bis 30. Juni 2009 ermittelte Invalidit�tsgrad von 63 %, entgegen der Dispositiv-Ziffer 1, nach Art. 28 Abs. 2 IVG zum Bezug einer Dreiviertelsrente berechtigt. Insoweit ist der vorinstanzliche Entscheid abzu�ndern.
4.1 Auf die Erhebung von Gerichtskosten wird verzichtet (Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG).
4.2 Soweit der Beschwerdef�hrer um Bestellung eines unentgeltlichen Anwalts f�r das bundesgerichtliche Verfahren ersucht, ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mangels Notwendigkeit abzuweisen (Art. 64 Abs. 2 Satz 1 BGG).
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird Dispositiv-Ziffer 1 des Entscheids des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 17. April 2012 insoweit abge�ndert, als der Beschwerdef�hrer vom 1. Januar 2008 bis 30. Juni 2009 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung hat. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Dieses Urteil wird den Parteien, der Versicherungsgericht des Kantons Aargau, 4. Kammer, und dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 25. September 2012
Der Gerichtsschreiber: Grunder

References: Art. 95
 Art. 97
 Art. 95
 Art. 61
 Art. 99
 Art. 16
 Art. 16
 Art. 28