Source: http://u-ks.heimat.de/home/hiphopsommerschule/frequenzantrag.htm
Timestamp: 2019-03-23 12:20:06+00:00

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Gekürzter Frequenzantrag von Pi
Gekürzter Frequenzantrag von Pi-Radio e.V. auf die Frequenz 94,8 MHz
1. Medienpädagogischer Auftrag
3. Organisation von Pi-Radio e.V.
4.1 Sendeschema
4.2 Erläuterungen zum Sendeschema von Pi-Radio
4.3 Verhältnis von Musik und Sprache
5. Vielfaltsbeitrag, Bereicherung durch Freies Radio
6.2.1 Erstinvestitionen
6.2.2 Laufende Ausgaben
8.1 Satzung von Pi-Radio e.V
8.2 Charta des Landesverbandes Freier Radios
Rundfunk kann mehr sein als die Jagd nach Einschaltquoten, das Abstecken von Marktsegmenten und die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Informationsauftrages. Rundfunk kann auch ein Kommunikationsmittel von Bürger zu Bürger sein. Er ermöglicht Einblicke in vielfältige Lebenswelten und kann einen wichtigen Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft leisten. Diesem medienpädagogischen Auftrag hat sich Pi-Radio verschrieben. Als dritte Säule eines Trialen Rundfunksystems bieten Freie Radios eine Reihe von Möglichkeit, die in den herkömmlichen Funkmedien nicht geboten werden. Pi-Radio versteht sich als Freies Radio und ist im Bundes- und im Landesverband Freier Radios organisiert. Die Grundsätze Freier Radios sind in der Charta des Landesverbandes Freier Radios Berlin/Brandenburg im Anhang dokumentiert.
Bei Pi-Radio herrscht eine enge Bindung zu den Hörerinnen und Hörern, die sich so gestaltet, daß Hörerinnen und Hörer jederzeit zu Macherinnen und Machern werden können. Es ist jederzeit möglich, sich Redaktionen anzuschließen und eigene Beiträge zu senden. Um die Bürgerinnen und Bürger hierzu zu qualifizieren bietet Pi-Radio Radio-Fortbildungsseminare an, die sowohl in die redaktionelle als auch in die technische Arbeit einführen.
Durch eine Vielzahl von Redaktionen und Themenschwerpunkten werden unterschiedlichste Ziel- und Randgruppen angesprochen. Mit ihrer maßgeblichen Teilnahme an der Programmgestaltung wird zu einer Integration dieser Zielgruppen beigetragen. Dadurch ist es möglich z.B. gewaltbereiten und frustrierten Jugendlichen neue Perspektiven zu geben. Durch die Zusammenarbeit mit ausländischen Mitbürgern kann zu einer allgemeinen Verständigung beigetragen werden. Durch ein z.B. von Senioren gestaltetes Programm kann der Isolation älterer Mitbürger entgegengewirkt werden. Diese Aufzählung der gesellschaftlich wichtigen Nebeneffekte des Freien Radiobetriebs läßt sich beliebig fortsetzen. Insgesamt trägt Freies Radio zu einer Erhöhung des gegenseitigen Verständnisses bei.
Das Kulturprogramm bei Pi-Radio zeichnet sich durch einen besonderen Lokalbezug und eine unüberhörbare Extravaganz aus. Berlin als multikulturelle Metropole und als Hauptstadt der Subkultur besitzt ein enormes Potential an Künstlern, Musikgruppen, Theatern, Autoren und Exhibitionisten, die ein geeignetes Medium brauchen. In Pi-Radio wird man also in Zukunft Erstaufführungen von Theaterstücken, nie gespielte Musik, Autorenlesungen und Experimente mit dem Medium Radio hören, auf die man in anderen Sendern erfolglos wartet. Neben der Bereicherung des Programms durch diese innovativen Kulturdarbietungen wird für den Kulturstandort Berlin eine größere Transparenz der Kunstszene geschaffen.
Auf die ausgeschriebene UKW-Rundfunkfrequenz bewirbt sich Pi-Radio e.V. mit dem Ziel, nichtkommerziellen Lokalfunk zu veranstalten. Pi-Radio ist ein seit 1996 beim Amtsgericht Charlottenburg unter der Nummer 16665 Nz registrierter Verein mit Sitz im Kulturhaus Pfefferberg, Schönhauser Allee 176, 10119 Berlin. Die Satzung von Pi-Radio e.V. ist im Anhang angefügt.
Pi-Radio e.V. geht aus einem Projekt des Landesverbandes Freier Radios Berlin/Brandenburg hervor, der die Dachorganisation der Freien-Radio-Initiativen in den beiden Ländern Berlin und Brandenburg darstellt. Mitglieder von Pi-Radio e.V. sind Vertreter der Berliner Initiativen Radio Kabelbrand, Radio P., Radio 100.000, Radio SextoSol sowie interessierte Einzelpersonen aus den Bereichen Kultur und Medien.
Die Mitglieder von Pi-Radio e.V. haben hinreichende Erfahrungen mit dem Medium Radio gesammelt und werden diese in den zu veranstaltenden Rundfunk sowie die geplanten medienpädagogischen Maßnahmen einbringen. So veranstaltete Pi-Radio mit großer Resonanz im Oktober 1995 einen 48stündigen Veranstaltungsfunk auf der Frequenz 94,8 MHz und betreibt ein im Internet abrufbares Radioprogramm.
Es stehen uns zum heutigen Zeitpunkt ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung, andere haben ihre Beteiligung zugesagt und werden mit der Erteilung der Sendelizenz aktiv, weitere werden angeworben sowie eingearbeitet.
Die Organisationsstruktur von Pi-Radio ergibt sich aus der Vereinssatzung (siehe Anhang). Diese weist als höchstes beschlußfassendes Organ die Mitgliederversammlung aus. Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand, der bei Bedarf eine Geschäftsführung einsetzen kann. Weiterhin setzt die Mitgliederversammlung Arbeitsgruppen zu den Themen Öffentlichkeitsarbeit (Aus- und Fortbildung, Mitgliederwerbung, Programmzeitschrift), technische Koordination und Finanzen ein. Weitere Arbeitsgruppen können nach Bedarf geschaffen werden. Die Mitgliederversammlung entscheidet weiterhin über den Redaktionsstatus der jeweiligen Einzelredaktionen. Die Einzelredaktionen setzen sich aus interessierten Hörerinnen und Hörern sowie qualifizierten Redakteuren zusammen und gestalten in der Regel eine Sendestunde in der Woche. Auf der Gesamtredaktionskonferenz koordinieren Delegierte der Einzelredaktionen ihre Arbeit und beraten über nicht unmittelbar redaktionelle Betätigungen des Radios, wie Veranstaltungen, Konzerte aber auch über die Sendezeitverteilung.
Die Arbeitsgruppen erhalten auf Antrag den Status von Einzelredaktionen, und sind damit auf der Gesamtredaktionskonferenz mitspracheberechtigt. Die redaktionelle Arbeit und Programmgestaltung liegt ausschließlich in der Hand der Einzelredaktionen. Alle redaktionellen Arbeiten werden ehrenamtlich ausgeführt.
Abb. 3.1 Organisationsstruktur von Pi-Radio e.V.
Das Programm eines Freien nichtkommerziellen Radios zeichnet sich dadurch aus, daß es vielfältig, unkonventionell, engagiert aber auch zielgruppenspezifisch ist. In dem Programm reihen sich Ökologie-, Arbeitslosen- und Homosexuellensendungen an Musiksendungen mit Schwerpunkten wie Reggae, Punk und deutschen Schlagern. Dadurch eignet sich das Programm keinesfalls zum 24stündigen Durchhören oder gar als Hintergrundgeräusch im Büro. Vielmehr ist das Programm so angelegt, daß interessierte Hörerinnen und Hörer gezielt zu bestimmten Sendestunden zuschalten und danach wieder abschalten sollen. Durch die Existenz eines Sendeschemas, das die Sendungsinhalte ankündigt, wird dies gewährleistet.
00:00 Musiksendungen zu Schwerpunkten Konzert- Mitschnitte Dub Internationale Musik HipHop Techno Blues Konzert- Mitschnitte
01:00 Rap Wave Soul
02:00 Crossover Ragga Salsa
03:00 Samba Drum'n Bass Gothic Funk Heavy Metal
04:00 Pop Rock Steady Tango IDM Easy Listening Dark Metal
05.00 Kuschelrock Ambient Jungle
06:00 Morgenmagazin Biedermann und die Morgenröte - Das Morgenmagazin auf Pi-Radio mit Informationen und Musik - Presseschau, Veranstaltungshinweisen, Studiogästen aus den Bereichen Politik und Kultur Chill-Out Musik für Durchzecher
08:00 Frühsport und Jazzmusik Kinder- Sendung
10:00 Stadtteilradio Mitte und Tiergarten Neukölln und Tempelhof Charlottenburg und Wedding Wilmersdorf und Schöneberg Reinickendorf und Spandau Jazz- Frühstück Klassik- Frühstück
11:00 Prenzlauer Berg Kreuzberg und Friedrichshain Lichtenberg und Treptow und Köpenick Pankow und Weissensee und Nordost Steglitz und Zehlendorf
12:00 Infomagazin Politik, Nachrichten, Hintergründe Sendungen von offenen Kanälen Hörspiel Werkstatt
14:00 Politische Gruppen Menschenrechts Gruppen Asylrechts Gruppen Antifa Gruppen Gewerkschaften Umwelt Initiativen
15:00 Ratgebersendungen Existenz Gründer Flüchtlings Beratung Technik Ratgeber Sexual Magazin Mieter Beratung Alltags Ratgeber Kreativ Workshop
16:00 Schwerpunkte Behinderte Ausländer Redaktion Frauen Arbeitslose Schwule Schüler Kinder
17:00 Drogen Lesben Outlaws Obdachlose Studenten Senioren
18:00 Magazin- Sendungen Umweltmagazin Internationales Stadtentwicklung Pazifisten Sendung Wohnprojekte Transzendentales Medien Magazin
19:00 Kultursendung Literatur und Geschichte Fremde Kulturen Theater Mitschnitte Bands im Studio Satire und Kabarett Klang Experimente Hörspiel
21:00 Musikmagazin Politisches Lied Internationale Musik Frauenbands DJs unter sich Klassik Sendung Synthetische Musik Deutscher Schlager
23:00 Schwerpunkt Musik Reggae Internationale Musik Hip-Hop Techno Blues Konzert Mitschnitte
Abb. 4.1 Sendeschema von Pi-Radio e.V. mit Kennzeichnung der horizontalen Schienen
4.2.1 Morgenmagazin (6-10 Uhr)
4.2.2 Stadteilradios (10-12 Uhr)
4.2.3 Infomagazin (12-14 Uhr)
4.2.4 Politische Gruppen (14-15 Uhr)
Eine Vielzahl von politischen Gruppen und Initiativen arbeitet in Berlin, ohne daß eine größere Öffentlichkeit je von ihren Aktivitäten erfährt. Um dem abzuhelfen, haben politische Gruppen in dieser Sendeschiene die Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen. Die Gruppen werden von Pi-Radio befähigt, radiotaugliche Sendungen zu gestalten (siehe Medienpädagogischer Auftrag).In dem Sendeschema wurde eine Einteilung vorgenommen, die täglich wechselnde politische Schwerpunkte erkennen läßt. Innerhalb eines Schwerpunktes wechseln sich jedoch unterschiedliche politische Gruppierungen ab: Menschenrechtsgruppen (z.B. Amnesty International, Humanistische Union, terre des hommes), Asylrechtsgruppen (z.B. Flüchtlingsrat Berlin, Pax Christi, Pro Asyl, Haus der internationalen Begegnung, Psychotherapeutische Beratungsstelle für politisch Verfolgte), Antifaschisten (z.B. A-Laden, Graswurzelrevolution, KØPY, Antirassistisches Telefon), Gewerkschaften (...), Umweltinitiativen (z.B. ADFC, BUND, Robin Wood, Grüne Liga, Ökodorf, StattAuto, Lokale Agenda 21).
4.2.5 Ratgebersendungen (15-16 Uhr)
4.2.6 Schwerpunktsendungen (16-18 Uhr)
4.2.7 Magazinsendungen (18-19 Uhr)
4.2.8 Kultursendungen (19-21 Uhr)
4.2.9 Musik-Magazin (21-23 Uhr)
4.2.10 Musikschwerpunkte (23-6 Uhr)
4.2.11 Wochenendprogramm (Sa./So. 6-15 Uhr)
Die Sendepraxis von Freien Radios in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, daß die für sich selbstständigen Redaktionen zu einer deutlichen Übergewichtung des Wortes neigen. In Hinblick auf die Aufnahmefähigkeit der Hörerinnen und Hörer ist Pi-Radio jedoch grundsätzlich an einer Ausgewogenheit zwischen Musik und Sprache interessiert. Unsere Vorgaben für das Musik-Wort-Verhältnis sind daher für die werktäglichen Sendungen zwischen 6 und 21 Uhr mindestens 30% Musik zu 70% Sprache und maximal 50% Musik zu 50 % Sprache. Die Spannweite ergibt sich durch den Gestaltungsspielraum der jeweiligen Redaktionen. Ab 21 Uhr bis 6 Uhr steigt das Musikverhältnis auf mindestens 90% Musik zu 10% Sprache und kann (insbesondere nach Mitternacht) auf bis zu 100% Musik steigen. An Wochenenden unterscheidet sich das oben genannte Verhältnis von 6 bis 15 Uhr in der Weise, daß vermehrt Musik gespielt wird und sich damit ein Verhältnis von mindestens 50% Musik zu 50% Sprache zu maximal 80% Musik und 20% Sprache einstellt.
06:00 - 15:00 15:00 - 21:00 21:00 - 06:00
Montags - Freitag mindestens 30%/70% mindestens 30%/70% mindestens 90%/10%
maximal 50%/50% maximal 50%/50% maximal 100%/0%
Samstag - Sonntag mindestens 50%/50% mindestens 30%/70% mindestens 90%/10%
maximal 80%/20% maximal 50%/50% maximal 100%/0%
Abb. 4.2 Verhältnis Musikanteil/Sprachanteil
5. Vielfaltbeitrag, Bereicherung durch Freies Radio
Als Auswahlkriterium für die Frequenzvergabe wird in der Regel auch der zu erwartende Vielfaltbeitrag eines Anbieters berücksichtigt. Dieser ist bei Pi-Radio in geradezu archetypischer Weise gegeben. Das Programm von Pi-Radio zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es jene Bürgerinnen und Bürger anspricht und integriert, die in anderen Funkmedien vernachlässigt werden. Diese Bereicherung der Medienlandschaft wird durch den nichtkommerziellen Charakter von Pi-Radio gewährleistet, denn nicht die Einschaltquoten und die Kaufkraft der erreichten Hörer entscheiden über die Sendeinhalte, sondern deren aktive Teilnahme bei der Gestaltung des Programms.
Einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt leistet Pi-Radio durch die enge Kooperation mit der lokalen Kulturszene. Lokale Bands und Musikgruppen werden in Pi-Radio ebenso zu hören sein, wie Darbietungen von Literaten und Theatergruppen. Auch Hörspielwerkstätten und Klang-Performer finden mit Pi-Radio endlich das geeignete Medium zur Aufführung.
Auf gesellschaftlicher Ebene leistet Pi-Radio einen unübersehbaren Beitrag zur Meinungsvielfalt. Durch das Einbinden von vielerlei Zielgruppen bzw. gesellschaftlicher Randgruppen wird nicht nur zu einer gruppeninternen Intensivierung der Kommunikation beigetragen sondern auch das gegenseitige Verständnis gefördert, Vorbehalte abgebaut und dem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegengewirkt. Beispielsweise ist das Ziel der Sendungen politischer Gruppen, etwa der Antifaschisten, keinesfalls das Ausrufen der Revolution, sondern das Vermitteln deren Motivation für ihr politisches Handeln. Die Gruppen treten durch das Medium Radio aus ihrer konspirativen Organisationsform heraus und helfen dadurch, subjektive Ängste abzubauen. Die Schwerpunktsendungen mit Behinderten, Drogenkonsumenten, Ausländern, Homosexuellen, Obdachlosen usw. stellen zielgruppenspezifische Sendefenster dar, deren Inhalt nicht durch den journalistischen Blick von außen geprägt ist, sondern von den Betroffenen selbst gefüllt wird. Dies verleiht den Sendungen mehr Authentizität als es Reality-TV jemals bieten kann, ohne jedoch den Tatbestand des Voyeurismus zu erfüllen.
Die Veranstaltung von Freiem Radio ist die konsequente Umsetzung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung im Äther und ist im Zeitalter elektronischer Verbreitungsmöglichkeiten, wie dem Internet, die logische Konsequenz aus der steigenden Medienkompetenz und Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger.
Nichtkommerzieller Lokalfunk muß ohne Einnahmen aus Werbung oder Sponsoring auskommen, denn nur dies gewährleistet seine politische Unabhängigkeit. Dieser Umstand bedeutet zugleich, daß Freie Radios subventioniert werden müssen oder andere Einnahmequellen erschlossen werden können. Ersteres wird durch die Anpassung des Medienstaatsvertrages zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg an den bundesweit gültigen Rundfunkstaatsvertrag in seiner geänderten Fassung vom 19. August 1996 ermöglicht. Dort heißt es in § 40 Absatz (1), daß nichtkommerzieller Lokal- und Regionalfunk aus einem 2%-Anteil der Rundfunkgebühren auf Ermächtigung des Landesgesetzgebers finanziell gefördert werden kann. Nachfolgend ist dieser Paragraph dokumentiert.
Bundesweiter Rundfunkstaatsvertrag §40
In Bundesländern, in denen §40 Absatz (1) umgesetzt wurde, wird nichtkommerzieller Lokalfunk in mehr oder weniger angemessener Weise aus den Rundfunkgebühren gefördert. So erhält in Baden-Württemberg jeder Radio-Standort pro Jahr 87.000,- DM, in Hessen 120.000,- DM plus Investitionskosten, und in Niedersachsen erhält jedes Freie Radio bis zu 640.000,- DM im Jahr.
Weitere Einnahmequellen für den laufenden Radiobetrieb sind Mitgliedsbeiträge und Spenden an den Verein Pi-Radio, die Einführung einer freiwilligen, alternativen Rundfunksteuer (Radio-Abo), Fördergelder von öffentlichen Stellen und Stiftungen (Kulturförderung, Förderung der Jugendarbeit, Demokratieförderung), Solidaritätsveranstaltungen (Konzerte, Tanzveranstaltungen) sowie Solidaritätsabgaben (z.B. auf Getränke in Pi-Radio-freundlichen Gastronomiebetrieben).
Die genannten Einnahmequellen können jedoch erst nach der Aufnahme des Sendebetriebes aufgeschlossen werden, da hierfür ein hoher Präsentheitsgrad von Pi-Radio erforderlich ist.
Wir erwarten daher vom Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, daß er seinen politischen Einfluß geltend macht, die erstgenannte Finanzierungsmöglichkeit durch die Änderung des Medienstaatsvertrages zuermöglichen.
Die Ausgaben eines Freien Radios können beliebig gesenkt werden, da die redaktionelle Arbeit ehrenamtlich geleistet wird und die organisatorische Arbeit weit hinuntergeschraubt werden kann. Prinzipiell kann Pi-Radio jederzeit zu senden beginnen, sobald die Medienanstalt für den Sockelbetrag der Sendermiete (50.000,- DM/Jahr), der Standleitungsmiete (30.000,- DM/Jahr) und der Lizenzgebühren für Musik und Wort (25.000,- DM/Jahr) aufkommt. Das bedeutet, daß Freies Radio schon ab 105.000,- DM im Jahr zu realisieren ist. Im Vergleich dazu sei der jährliche Etat des Kabelpilotprojektes Offener Kanal Berlin mit 2 Mio DM/Jahr genannt.
Von dieser Minimalausstattung an Finanzmitteln (105.000,- DM/Jahr) ausgehend, kann die nötige Hörerbindung hergestellt und über den Sender Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Hierdurch können weitere Finanzquellen aufgeschlossen werden (siehe Einnahmen). Durch den erhöhten Etat kann sich Pi-Radio nach einer Anlaufphase von etwa einem Jahr den Luxus von bezahlten Verwaltungsstellen, weiteren Räumlichkeiten und mehr Fortbildungsseminaren leisten.
Dieses Szenarios ungeachtet ist nachfolgend eine üppigere Kalkulation der zu erwartenden Ausgaben von Pi-Radio angestellt worden. Die unten aufgeführten Ausgaben stellen die Variante mit den bestmöglichen Rahmenbedingungen dar (Luxus-Szenario).
Erstinvestitionen fallen nur für die technische Ausstattung an. Pi-Radio besitzt bereits ein einsatzfähiges Sendestudio im Kulturhaus Pfefferberg, das für einen 24stündigen Sendebetrieb durch weitere Schnittplätze erweitert werden muß.
... sind hier (in dieser gekürzten Version) weggelassen. Die jährlichen prognostizierten Ausgaben belaufen sich im Luxusszenario auf rund 400.000 DM.
Ziel des Vereins ist die Förderung von Kunst und Kultur, Bildung und Umweltschutz, Völkerverständigung und Jugendhilfe.
Mittel des Vereins dürfen ausschließlich für satzungsgemäße Zwecke verwendet werden. Zuwendungen an die Mitglieder sind ausgeschlossen.
Mitglied des Vereins kann jede natürliche Person werden, die die Ziele §2 des Vereins unterstützt.
Die Aufnahme ist schriftlich zu beantragen. Über jeden Antrag entscheidet die Mitgliederversammlung.
Die Kündigung der Mitgliedschaft muß schriftlich beim Vorstand erfolgen. Die Mitgliedschaft erlischt, sobald das Schreiben dem Vorstand zugegangen ist.
Den Ausschluß von Mitgliedern kann die Mitgliederversammlung durch 3/4 Mehrheit beschließen, wenn dazu in der Einladung hingewiesen wurde und das betroffene Mitglied schriftlich eingeladen wurde. Ein Ausschluß in Abwesenheit ist nur möglich, wenn das betreffende Mitglied zweimal unentschuldigt nicht anwesend war.
Die Mitgliederversammlung muß zweimal im Jahr vom Vorstand einberufen werden. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung kann von 10 % der Mitglieder schriftlich beim Vorstand beantragt werden. Der Vorstand ist dann verpflichtet eine innerhalb eines Monates zu einer Mitgliederversammlung einzuladen.
Hierzu muß mindestens zwei Wochen vorher schriftlich mit Bekanntgabe der Tagesordnung eingeladen werden.
Jedes Mitglied hat eine Stimme. Beschlüsse werden mit 3/4 Mehrheit der anwesenden Mitglieder gefaßt. Ausnahmen § 7 f; § 9 a, b.
Die Mitgliederversammlung beschließt insbesondere über die Aufnahme von neuen Mitgliedern, die Wahl des Vorstands, seine Entlastung, die Richtlinien für die Tätigkeit des Vereins, über Satzungsänderungen und Redaktionen.
Bei Satzungsänderungen ist eine Mehrheit von 3/4 der Vereinsmitglieder erforderlich. Die Beschlußfassung über Satzungsänderungen ist nur zulässig, wenn dies in der Einladung ausdrücklich angekündigt wurde.
Über die Mitgliederversammlung ist ein Protokoll zu führen. Dies ist von dem/der ProtokollantIn und von dem/der VersammlungsleiterIn zu unterschreiben.
Der Vorstand besteht aus der/dem Vorsitzenden und zwei StellvertreterInnen und zwei SchatzmeisterInnen.
Der Vorstand faßt seine Beschlüsse mit 4/5 Mehrheit in regelmäßig stattfindenden Vorstandssitzungen, zu denen der/die Vorsitzende oder StellvertreterIn mindestens eine Woche vorher einzuladen hat.
Der Vorstand ist der Mitgliederversammlung über seine Arbeit rechenschaftspflichtig.
Die Vorstandsmitglieder können durch 2/3 Mehrheit in der Mitgliederversammlung abgewählt werden.
Personen können nur für eine weitere, direkt anschließende Amtszeit in den Vorstand gewählt werden.
Die Redaktionskonferenz setzt sich aus Vertretern der einzelnen Redaktionen zusammen. Eine Redaktion besteht aus einer oder mehreren natürlichen Personen, die ein eigenes Sendegefäß regelmäßig füllen. (Der technische und organisatorische Bereich des Vereins erhält Redaktionsstatus). Über den Status einer Redaktion entscheidet die Mitgliederversammlung.
Die Aufgabe der Redaktionskonferenz ist die Koordinierung und Abstimmung zwischen den einzelnen Redaktionen.
Jede Redaktion hat ein Stimmrecht. Redaktionen mit mehr als fünf Personen haben zwei Stimmen. Die Redaktionskonferenz faßt ihre Beschlüsse mit 3/4 Mehrheit.
Die Redaktionskonferenz gibt sich ein Redaktionsstatut.
Die Auflösung des Vereins erfolgt auf Beschluß von 90 % aller Mitglieder.
Kommt ein solcher Beschluß nicht zustande, so genügen auf der nächsten Mitgliederversammlung 90 % der anwesenden Mitglieder.
Voraussetzung für die Auflösung ist, daß in der Einladung darauf verwiesen wurde.
Mitglieder dürfen in ihrer Eigenschaft als solche keine Zuwendungen aus den Mitteln des Vereins erhalten.
Der Verein darf keine Personen durch Verwaltungsausgaben, die dem Gemeinschaftszweck fremd sind oder durch unverhältnismäßig hohe Aufwandsentschädigung begünstigen.
Bei der Auflösung des Vereins oder bei Wegfall seines bisherigen Zweckes fällt das gesamte Vereinsvermögen ausschließlich an Vereine, die ähnliche Ziele verfolgen und im Zeitpunkt des Vermögensanfalls als gemeinnützig im Sinne der Abgabenordnung anerkannt sind. Die Mitgliederversammlung, die den Verein auflöst, benennt solche Vereine. Diese Vereine dürfen die ihnen übertragenen Mittel ausschließlich und unmittelbar für gemeinnützige Zwecke verwenden. Der entsprechende Beschluß über die Verwendung des Vereinsvermögens darf erst nach Einwilligung des Finanzamts für Körperschaften ausgeführt werden.
8.2.1 Grundsätze der Freien Radios
8.2.1.1 Offenheit
Die Freien Radios geben allen Personen und Gruppen die Möglichkeit zur unzensierten Meinungsäußerung und Informationsvermittlung, die mit den Grundsätzen und Forderungen dieser Charta übereinstimmen. Vorrang haben dabei solche Personen und Gruppen, die wegen ihrer gesellschaftlichen Marginalisierung oder sexistischen und rassistischen Diskriminierung in den Medien kaum oder nicht zu Wort kommen.
8.2.1.2 Gemeinnützigkeit
Freie Radios sind kein Privateigentum, sondern unterliegen der Verfügung aller aktiven HörerInnen. Das Prinzip der Gemeinnützigkeit muß gewährleistet sein. Parteien können kein Freies Radio betreiben.
8.2.1.3 Transparenz
8.2.1.4 Nichtkommerzialität
Freie Radios sind nicht gewinnorientiert. Sie lehnen kommerzielle Werbung ab. Die redaktionelle Arbeit ist ehrenamtlich. Die programmliche Unabhängigkeit und der freie Zugang zum Radio muß gewährleistet sein.
8.2.1.5 Lokalbezug
8.2.1.6 Wirkung
Freie Radios fordern eine selbstbestimmte, solidarische Gesellschaft. Sie treten für Gleichberechtigung, Menschenwürde, Ökologie und Demokratie ein.
8.2.2 Forderungen der Freien Radios
1. Jedes Freie Radio hat das Recht auf eine eigene lokale Frequenz. Dies ist in der Mediengesetzgebung der einzelnen Bundesländer zu berücksichtigen.
2. Da Freie Radios öffentliche Aufgaben erfüllen, haben sie einen Rechtsanspruch auf öffentliche Förderung. Dies betrifft vor allem die technischen Übertragungsmöglichkeiten, bezüglich der Urheberrechte genießen die Freien Radios einen Sonderstatus, der ihrem nichtkommerziellen Charakter entspricht.
3. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Freier Radios haben das Recht auf Zugang zu allen Informationen und genießen rechtlichen Schutz im Sinne des Presserechts.
4. Bei Erarbeitung von Gesetzen, Gesetzesänderungen und internationalen Verträgen, die Medien und die das Fernmeldewesen betreffen, haben die VertreterInnen der Freien Radios das Recht auf Mitsprache und Mitbestimmung.

References: § 40
 §40
 §40
 §2
 § 7
 § 9