Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kopftuch_Arbeitsplatz_Kopftuch_am_Arbeitsplatz_BAG_5AZR611-12.html
Timestamp: 2019-08-25 13:57:31+00:00

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24. Sep­tem­ber 2014
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Sep­tem­ber 2014 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Biebl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt We­ber so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dittrich und Dr. Dom­brow­sky für Recht er­kannt:
Die Be­klag­te, ei­ne ge­meinnützi­ge Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung, be­treibt ein Kran­ken­haus. Die 1978 ge­bo­re­ne Kläge­rin gehört dem is­la­mi­schen Glau­ben an. Sie wur­de von der Be­klag­ten, bei der sie zunächst seit 1996 ei­ne Aus­bil­dung ab­sol­viert hat­te, in ein Ar­beits­verhält­nis über­nom­men.
Im Ar­beits­ver­trag vom 22. De­zem­ber 2000 heißt es ua.:
wie sie auf­grund des Kir­chen­ge­set­zes über das Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst (Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz - ARRG) und sei­nen Ände­run­gen ge­re­gelt sind.“
Die Präam­bel des Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trags in kirch­li­cher Fas­sung (im Fol­gen­den: BAT-KF) lau­tet:
(1) Der Dienst der Kir­che ist durch den Auf­trag be­stimmt, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu be­zeu­gen. Al­le Frau­en und Männer, die in An­stel­lungs­verhält­nis­sen in Kir­che und Dia­ko­nie tätig sind, tra­gen in un­ter­schied­li­cher Wei­se da­zu bei, dass die­ser Auf­trag erfüllt wer­den kann. Die­ser Auf­trag ist Grund­la­ge der Rech­te und Pflich­ten von An­stel­lungs­trägern so­wie Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern.
Be­ruf­li­che An­for­de­run­gen während des Ar­beits­verhält­nis­ses
l In den Ab­tei­lun­gen und Be­rei­chen des Kran­ken­hau­ses, in de­nen Be­rufs- und Schutz­klei­dung zu tra­gen ist, ist das Tra­gen von sons­ti­ger Pri­vat­klei­dung (z.B. Jeans, Pull­over, Hals­tuch, Kopf­tuch) un­ter­sagt. Bei Dienst­we­gen außer-
halb des Kran­ken­hau­ses (Per­so­nal­ab­tei­lung) kann ei­ne Strick­ja­cke, Pull­over über der Be­rufs­klei­dung ge­tra­gen wer­den, eben­so bei Zei­ten außer­halb der di­rek­ten Pa­ti­en­ten­be­treu­ung kann ei­ne Strick­ja­cke, Pull­over über der Be­rufs­klei­dung ge­tra­gen wer­den.
Mit die­sem Schrei­ben bie­ten wir of­fi­zi­ell die Ar­beits­kraft un­se­res Mit­glie­des an und wer­den, soll­te ei­ne Re­ak­ti­on Ih­rer­seits nicht er­fol­gen, ar­beits­recht­li­che Schrit­te zur Durch­set­zung des Beschäfti­gungs­an­spruchs ein­lei­ten.
Die Be­klag­te ant­wor­te­te hier­auf mit Schrei­ben ih­rer Be­vollmäch­tig­ten vom 25. Mai 2010, in dem ua. aus­geführt wird:
Mit Schrei­ben ih­rer jet­zi­gen Be­vollmäch­tig­ten vom 25. Au­gust 2010 wand­te sich die Kläge­rin wie folgt er­neut an die Be­klag­te:
Un­se­re Man­dan­tin be­fin­det sich seit Be­ginn ih­rer Aus­bil­dung im Ka­len­der­jahr 1996 bis heu­te bei Ih­nen in ei­nem Ar­beits­verhält­nis als Kran­ken­schwes­ter. Auf­grund ei­ner länge­ren Er­kran­kung nach Be­en­di­gung ih­rer El­tern­zeit im Ja­nu­ar 2009 soll­te sie ab dem 23.08.2010 ih­re Tätig­keit wie­der auf­neh­men. In Ab­spra­che mit Ih­nen und ih­rem Haus­arzt wur­de ein Wie­der­ein­glie­de­rungs­plan er­ar­bei­tet.
Als un­se­re Man­dan­tin Ih­nen am 23.08.2010 Ih­re Ar­beits­leis­tung an­bot, erklärten Sie un­se­rer Man­dan­tin, dass sie ihr Kopf­tuch während der Ar­beits­zeit ab­le­gen müsse. Mit
Die Be­klag­te erklärte hier­auf mit Schrei­ben vom 30. Au­gust 2010 ua.:
Auf das in Ko­pie bei­gefügte Schrei­ben der Ge­werk­schaft ver.di vom 18.5.2010 ha­ben wir be­reits am 25.5.2010 ge­ant­wor­tet. Auch von die­sem Schrei­ben fügen wir ei­ne Ko­pie bei, auf das wir voll­in­halt­lich Be­zug neh­men. Da­her ist das ‚An­ge­bot‘ Ih­rer Man­dan­tin zur Ar­beits­auf­nah­me nicht ord­nungs­gemäß er­folgt.
Mit ih­rer am 4. No­vem­ber 2010 ein­ge­reich­ten, mehr­fach er­wei­ter­ten Kla­ge hat die Kläge­rin Vergütungs­ansprüche für den Zeit­raum 23. Au­gust 2010 bis 31. Ja­nu­ar 2011 gel­tend ge­macht. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, die Be­klag­te sei mit der An­nah­me ih­rer Ar­beits­leis­tung in Ver­zug ge­ra­ten. Durch ein klei­nes, farb­lich an die Dienst­klei­dung an­ge­pass­tes, im Na­cken ge­bun­de­nes Kopf­tuch, wie sie es schon zwi­schen dem 19. Sep­tem­ber und En­de De­zem­ber 2005 ge­tra­gen ha­be, wer­de sie nicht dar­an ge­hin­dert, ih­re Ar­beits­leis­tung als Kran­ken­schwes­ter zu er­brin­gen. Der Be­triebs­ab­lauf wer­de hier­durch nicht be­ein­träch­tigt. Das Ver­bot, ein Kopf­tuch, das ih­re weib­li­chen Rei­ze ver­de­cke, oder ei­ne - wie von der Be­klag­ten in Gesprächen eben­falls un­ter­sagt - ver­gleich­ba­re Kopf­be­de­ckung zu tra­gen, schränke sie un­zulässig in ih­rer Glau­bens­frei­heit und
in ih­rem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht ein. Sie wer­de da­durch we­gen ih­rer Re­li­gi­on be­nach­tei­ligt. Im Ko­ran fänden sich Aus­sa­gen zur Be­de­ckungs­pflicht der Frau. Ihr gan­zer Körper, aus­ge­nom­men das Ge­sicht und die Hände, sei Au­ra. Die­se Aus­sa­gen würden zwar von den is­la­mi­schen Re­li­gi­ons­leh­rern nicht ein­heit­lich aus­ge­legt, es blei­be aber zu­min­dest die Auf­for­de­rung zu anständi­ger Be­klei­dung, Be­de­ckung der Haa­re oder Verhüllung be­stimm­ter Tei­le des Körpers aus Gründen der Scham. Das in der Dienst­ver­ein­ba­rung zur Per­so­nal­hy­gie­ne ge­re­gel­te Ver­bot sei nicht wirk­sam. Das Kopf­tuch wer­de als re­li­giöses Sym­bol ge­tra­gen und könne nicht wie ein nor­ma­les Klei­dungsstück be­han­delt wer­den. Die Re­ge­lun­gen in der Präam­bel des BAT-KF und der Richt­li­nie des Ra­tes der EKD sei­en un­be­stimmt. Aus dem Ge­bot ei­nes loya­len Ver­hal­tens könne al­len­falls ei­ne Neu­tra­litäts­pflicht ab­ge­lei­tet wer­den, die sie durch das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs nicht ver­let­ze. Das Sicht­bar­ma­chen der ei­ge­nen Re­li­gi­on stel­le kei­nen Loya­litäts­ver­s­toß iSv. § 4 RL-EKD dar. Das Kopf­tuch wer­de von der All­ge­mein­heit nicht mehr nur als Zei­chen is­la­mi­scher Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit, son­dern auch als mo­di­sches Ac­ces­soire ver­stan­den. Sie ge­nieße zu­dem Ver­trau­ens­schutz, weil die Be­klag­te sie in Kennt­nis ih­rer is­la­mi­schen Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit ein­ge­stellt und die Pfle­ge­dienst­lei­tung früher das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs nicht be­an­stan­det ha­be. Die Re­ak­tio­nen von Kol­le­gen und Pa­ti­en­ten, von de­nen vie­le zu­vor kei­nen Kon­takt zum Is­lam ge­habt hätten, sei­en da­mals po­si­tiv ge­we­sen.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 15.313,54 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen nach be­stimm­ter be­tragsmäßiger und zeit­li­cher Staf­fe­lung zu zah­len.
kirch­li­chen Auf­trag, wie er sich aus § 2 RL-EKD er­ge­be, zu be­ach­ten und ih­re Auf­ga­ben im Sin­ne der Kir­che zu erfüllen. Hier­aus re­sul­tie­re - auch oh­ne kon­kre­ti­sie­ren­de Wei­sung oder Dienst­ver­ein­ba­rung - ei­ne Neu­tra­litäts­pflicht. Die Kläge­rin müsse dem­zu­fol­ge al­les un­ter­las­sen, was als ge­gen die Evan­ge­li­sche Kir­che ge­rich­te­te Mei­nungs­be­kun­dung an­ge­se­hen wer­den könne und die Glaubwürdig­keit der Kir­che in Fra­ge stel­le. Es dürfe nicht der Ein­druck er­weckt wer­den, die Kir­che las­se ei­ne Re­la­ti­vie­rung ih­rer Glau­bensüber­zeu­gun­gen zu und hal­te ih­re Glau­bens­wahr­hei­ten für be­lie­big aus­tausch­bar. Die un­ter­schied­li­chen Re­li­gio­nen stünden sich als „Kon­kur­ren­ten“ ge­genüber, auch wenn sie sich ge­gen­sei­tig re­spek­tie­ren und an­er­ken­nen würden. Als kon­fes­sio­nel­les Kran­ken­haus könne sie sich auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht nach Art. 140 GG iVm. Art. 137 WRV be­ru­fen. Die Glau­bens­frei­heit der Kläge­rin, der die kon­fes­sio­nel­le Bin­dung der Ein­rich­tung bei Ein­ge­hung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­kannt ge­we­sen sei, müsse dem­ge­genüber zurück­tre­ten. Das Kopf­tuch­ver­bot ent­spre­che bil­li­gem Er­mes­sen. Außer­dem sei das Tra­gen von Pri­vat­klei­dung nach der be­ste­hen­den Klei­der­ord­nung un­ter­sagt.
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist be­gründet. Auf Grund­la­ge des bis­her fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts kann der Se­nat nicht ent­schei­den, ob und ggf. in wel­chem Um­fang die Kla­ge be­gründet ist. Da­zu be­darf es wei­te­rer Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts. Das führt zur Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung der Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt, § 562 Abs. 1, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO.
A. Die Kläge­rin hat ei­nen An­spruch auf An­nah­me­ver­zugs­lohn aus § 611 Abs. 1, § 615 Satz 1 BGB bis­her nicht dar­ge­legt. Die Kla­ge ist un­schlüssig, auch wenn zu­guns­ten der Kläge­rin un­ter­stellt wird, sie sei nicht ver­pflich­tet ge­we­sen, ihr Kopf­tuch während der Ar­beits­zeit ab­zu­le­gen. Aus dem Vor­brin­gen der Kläge­rin selbst er­ge­ben sich ge­wich­ti­ge In­di­zi­en, die dafür spre­chen, dass sie im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum nicht leis­tungsfähig war, § 297 BGB.
II. Die von der Kläge­rin zur Be­gründung ih­res An­spruchs vor­ge­leg­ten Schrei­ben vom 18. Mai und 25. Au­gust 2010 be­zie­hen sich auf ei­ne Ar­beits­auf­nah­me im Rah­men ei­nes Wie­der­ein­glie­de­rungs­verhält­nis­ses. Nach § 74 SGB V kommt ei­ne stu­fen­wei­se Wie­der­ein­glie­de­rung in Be­tracht, wenn ar­beits­unfähi­ge Ver­si­cher­te nach ärzt­li­cher Fest­stel­lung ih­re bis­he­ri­ge Tätig­keit teil­wei­se ver­rich­ten können und sie durch ei­ne stu­fen­wei­se Wie­der­auf­nah­me ih­rer Tätig­keit vor­aus­sicht­lich wie­der bes­ser in das Er­werbs­le­ben ein­ge­glie­dert wer­den können. Die Er­stel­lung ei­nes Wie­der­ein­glie­de­rungs­plans mit ei­nem zum 23. Au­gust 2010 vor­ge­se­he­nen Be­ginn der Wie­der­ein­glie­de­rung ist ein ge­wich­ti­ges In­diz
dafür, dass der be­han­deln­de Arzt von ei­ner über den 23. Au­gust 2010 hin­aus fort­be­ste­hen­den Ar­beits­unfähig­keit der Kläge­rin aus­ging. Die Kläge­rin hätte vor die­sem Hin­ter­grund erläutern müssen, auf­grund wel­cher Tat­sa­chen sie den­noch für die ver­trag­lich ge­schul­de­te Tätig­keit ar­beitsfähig ge­we­sen oder im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum ar­beitsfähig ge­wor­den sei und dies der Be­klag­ten - ver­bun­den mit ei­nem An­ge­bot der Ar­beits­leis­tung - mit­ge­teilt hätte. Dies ist nicht ge­sche­hen.
1. Gemäß § 293 BGB kommt der Gläubi­ger in Ver­zug, wenn er die ihm an­ge­bo­te­ne Leis­tung nicht an­nimmt. Im un­strei­tig be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis muss der Ar­beit­neh­mer die Ar­beits­leis­tung tatsächlich an­bie­ten, § 294 BGB. Ein wört­li­ches An­ge­bot des Schuld­ners genügt, wenn der Gläubi­ger ihm erklärt hat, er wer­de die Leis­tung nicht an­neh­men, § 295 BGB. Le­dig­lich für den Fall ei­ner un­wirk­sa­men Ar­beit­ge­berkündi­gung geht die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts da­von aus, ein An­ge­bot der Ar­beits­leis­tung sei re­gelmäßig nach § 296 BGB ent­behr­lich (zu­letzt BAG 22. Fe­bru­ar 2012 - 5 AZR 249/11 - Rn. 14, BA­GE 141, 34; 19. Sep­tem­ber 2012 - 5 AZR 627/11 - Rn. 28, BA­GE 143, 119; 15. Mai 2013 - 5 AZR 130/12 - Rn. 22). Ein An­ge­bot der Ar-
beits­leis­tung kann aus­nahms­wei­se auch dann ent­behr­lich sein, wenn of­fen­kun­dig ist, dass der Gläubi­ger auf sei­ner Wei­ge­rung, die ge­schul­de­te Leis­tung an­zu­neh­men, be­harrt (BAG 16. April 2013 - 9 AZR 554/11 - Rn. 17; BGH 9. Ok­to­ber 2000 - II ZR 75/99 - zu 1 der Gründe).
bb) Die Schrei­ben der Par­tei­en ent­hal­ten nicht­ty­pi­sche Erklärun­gen. Die Aus­le­gung aty­pi­scher Verträge und Wil­lens­erklärun­gen ist grundsätz­lich den Tat­sa­chen­ge­rich­ten vor­be­hal­ten. Sie kann in der Re­vi­si­on nur dar­auf über­prüft wer­den, ob das Be­ru­fungs­ge­richt Aus­le­gungs­re­geln ver­letzt hat oder ge­gen Denk- und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen, we­sent­li­che Tat­sa­chen un­berück­sich­tigt ge­las­sen oder ei­ne ge­bo­te­ne Aus­le­gung un­ter­las­sen hat (st. Rspr., vgl. BAG 25. April 2013 - 8 AZR 453/12 - Rn. 23; 15. April 2014 - 3 AZR 435/12 - Rn. 18).
(1) Verträge und Wil­lens­erklärun­gen sind nach dem Empfänger­ho­ri­zont aus­zu­le­gen (§§ 133, 157 BGB). Aus­le­gungs­ziel ist bei emp­fangs­bedürf­ti­gen Wil­lens­erklärun­gen nicht der in­ne­re Wil­le des Erklären­den, son­dern das, was der Adres­sat nach sei­nem Empfänger­ho­ri­zont als Wil­len des Erklären­den ver­ste­hen konn­te (BAG 11. Ju­li 2007 - 7 AZR 501/06 - Rn. 36). Zu würdi­gen sind ne­ben dem Wort­laut der Erklärung auch al­le Be­gleit­umstände, die dem Erklärungs­empfänger be­kannt wa­ren und die für die Fra­ge er­heb­lich sein können, wel­chen Wil­len der Erklären­de bei Ab­ga­be der Erklärung hat­te (BAG 20. Ju­ni 2013 - 6 AZR 805/11 - Rn. 14, BA­GE 145, 249).
14. Mai 2013 - 9 AZR 844/11 - Rn. 11, BA­GE 145, 107). Da­nach kann der Se­nat die ge­bo­te­ne Aus­le­gung nicht selbst vor­neh­men. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat kei­ne Fest­stel­lun­gen zu den Be­gleit­umständen des Schrift­wech­sels der Par­tei­en und zum In­halt des vom be­han­deln­den Arzt er­stell­ten Wie­der­ein­glie­de­rungs­plans ge­trof­fen.
cher An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Zah­lung ei­ner an­ge­mes­se­nen Vergütung nach § 612 Abs. 1 BGB be­steht nicht.
müss­te die durch Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG geschütz­te Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit der Kläge­rin ge­genüber dem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht zurück­tre­ten. Könn­te sich die Be­klag­te nicht auf Art. 140 GG, Art. 137 WRV be­ru­fen, wäre der Glau­bens­frei­heit der Kläge­rin ge­genüber den In­ter­es­sen der Be­klag­ten der Vor­rang ein­zuräum­en.
b) Die Kläge­rin wäre - die Zu­ord­nung der Be­klag­ten zur Evan­ge­li­schen Kir­che un­ter­stellt - ge­hal­ten ge­we­sen, während der Ar­beits­zeit das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs zu un­ter­las­sen. Dies er­gibt sich un­mit­tel­bar, oh­ne dass es ei­ner kon­kre­ti­sie­ren­den Wei­sung oder Dienst­ver­ein­ba­rung be­durft hätte, aus dem
zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag. Da­bei kann of­fen­blei­ben, ob als Be­stand­teil der ar­beits­ver­trag­li­chen Haupt­leis­tungs­pflicht oder als ar­beits­leis­tungs­be­zo­ge­ne Ne­ben­pflicht.
(1) Die den Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen im kirch­li­chen Dienst in § 4 Abs. 1 Satz 2 RL-EKD auf­er­leg­te Pflicht, sich ge­genüber der Evan­ge­li­schen Kir­che loy­al zu ver­hal­ten, ist zunächst Aus­druck sich be­reits aus § 241 Abs. 2 BGB er­ge­ben­der all­ge­mei­ner ver­trag­li­cher Rück­sicht­nah­me­pflich­ten. Nach § 241 Abs. 2 BGB erwächst ei­ner Ver­trags­par­tei aus ei­nem Schuld­verhält­nis auch die Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des an­de­ren Ver­trags­teils. Dies dient dem Schutz und der Förde­rung des Ver­trags­zwecks. Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en sind da­nach ver­pflich­tet, den Ver­trag so zu erfüllen, ih­re Rech­te so aus­zuüben und die im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den In­ter­es­sen des Ver­trags­part­ners so zu wah­ren, wie dies un­ter Berück­sich­ti­gung der wech­sel­sei­ti­gen Be­lan­ge ver­langt wer­den kann. Wel­che kon­kre­ten Fol­gen sich aus der Rück­sicht­nah­me­pflicht er­ge­ben, hängt von der Art des Schuld­verhält­nis­ses und den Umständen des Ein-
zel­falls ab (BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 6 AZR 553/10 - Rn. 11, 12 mwN, BA­GE 141, 1).
(3) Die­se Ver­knüpfung wird durch § 4 Abs. 4 RL-EKD verstärkt, wo­nach - als Be­stand­teil ab­ge­stuf­ter Loya­litäts­pflich­ten kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer - auch die nicht­christ­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter den kirch­li­chen Auf­trag zu be­ach­ten und die ih­nen über­tra­ge­nen Auf­ga­ben im Sin­ne der Kir­che zu erfüllen ha­ben. Nach § 2 Abs. 1 Satz 1 RL-EKD ist der Dienst der Kir­che durch den Auf­trag be­stimmt, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu be­zeu­gen. Dies ent­spricht dem Leit­bild ei­ner christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft, die al­le am kirch­li­chen Auf­trag Teil­neh­men­den ver­bin­det, un­abhängig da­von, auf wel­cher ver­trag­li­chen Grund­la­ge und in wel­cher Ein­rich­tung sie tätig sind (Jous­sen RdA 2007, 328, 333). Nach die­sem theo­lo­gisch ge­prägten Selbst­verständ­nis ver­wirk­licht die Ar­beits­leis­tung in der Kir­che und den ihr zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen ein Stück kirch­li­chen Auf­trags in der Welt (BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 - Rn. 98 mwN, BA­GE 143, 354). Hier­an wir­ken al­le Beschäftig­ten durch ih­re Tätig­keit und un­ge­ach­tet ih­res in­di­vi­du­el­len Glau­bens oder ih­rer welt­an­schau­li­chen Über­zeu­gun­gen mit (BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 - Rn. 99 mwN, aaO). Die in ei­nem An­stel­lungs­verhält­nis in Kir­che und Dia­ko­nie ste­hen­den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter tra­gen nach § 2 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 RL-EKD in un­ter­schied­li­cher Wei­se zur Erfüllung die­ses Auf­trags bei. Er ist die Grund­la­ge der Rech­te und Pflich­ten von kirch­li­chen An­stel­lungs­trägern so­wie Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern.
Die durch die Rück­sicht­nah­me auf kol­li­die­ren­de Ver­fas­sungs­wer­te not­wen­dig wer­den­de Annäherung kann nicht ge­ne­rell, son­dern nur im Ein­zel­fall durch Güter­abwägung vor­ge­nom­men wer­den. Ei­ne da­mit ein­her­ge­hen­de Be­gren­zung ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter In­ter­es­sen darf da­bei nicht wei­ter ge­hen, als es not­wen­dig ist, um die Kon­kor­danz wi­der­strei­ten­der Rechtsgüter her­zu­stel­len. Das Zurück­wei­chen ei­ner grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung muss zum Schutz der an­de­ren ge­bo­ten sein. Für die er­for­der­li­che Abwägung gibt die Ver­fas­sung kein be­stimm­tes Er­geb­nis vor. Die hier­nach vor­zu­neh­men­de Güter-
abwägung be­trifft nicht den ge­sam­ten Be­reich der je­wei­li­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen, son­dern ist auf den Aus­gleich der kon­kre­ten Kol­li­si­ons­la­ge be­schränkt (BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 - Rn. 114, 115 mwN, BA­GE 143, 354).
aa) Die Kläge­rin be­trach­tet nach den in der Re­vi­si­on nicht an­ge­grif­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs als für sich ver­bind­lich von den Re­geln ih­rer Re­li­gi­on vor­ge­ge­ben. Das Be­fol­gen die­ser Be­klei­dungs­re­gel ist für sie Aus­druck ih­res re­li­giösen Be­kennt­nis­ses. Die der Kläge­rin auf­er­leg­te Pflicht, das Be­kennt­nis zu ih­rem Glau­ben nicht durch das Be­fol­gen von re­li­giös be­gründe­ten Be­klei­dungs­re­geln sicht­bar wer­den zu las­sen, greift in ih­re durch Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG verbürg­te in­di­vi­du­el­le Glau­bens­frei­heit ein (vgl. BVerfG 24. Sep­tem­ber 2003 - 2 BvR 1436/02 - zu B II 2 der Gründe, BVerfGE 108, 282). Art. 4 GG ga­ran­tiert in Abs. 1 die Frei­heit des Glau­bens, des Ge­wis­sens und des re­li­giösen und welt­an­schau­li­chen Be­kennt­nis­ses, in Abs. 2 das Recht der un­gestörten Re­li­gi­ons­ausübung. Bei­de Absätze des Art. 4 GG ent­hal­ten ein um­fas­send zu ver­ste­hen­des ein­heit­li­ches Grund­recht. Es er­streckt sich nicht nur auf die in­ne­re Frei-
heit, zu glau­ben oder nicht zu glau­ben, son­dern auch auf die äußere Frei­heit, den Glau­ben zu be­kun­den und zu ver­brei­ten. Da­zu gehört auch das Recht des Ein­zel­nen, sein ge­sam­tes Ver­hal­ten an den Leh­ren sei­nes Glau­bens aus­zu­rich­ten und sei­ner in­ne­ren Glau­bensüber­zeu­gung gemäß zu han­deln (BVerfG 24. Sep­tem­ber 2003 - 2 BvR 1436/02 - zu B II 2 der Gründe, aaO). Ei­ne Ver­pflich­tung, während der Ar­beits­zeit auf das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs oder ei­ner die­sem ent­spre­chen­den Kopf­be­de­ckung zu ver­zich­ten, führt für die Kläge­rin zu ei­nem ernst­haf­ten Glau­bens­kon­flikt, in­dem sie die Kläge­rin vor die Wahl stellt, ent­we­der ih­re Tätig­keit bei der Be­klag­ten aus­zuüben oder dem von ihr als ver­bind­lich an­ge­se­he­nen re­li­giösen Be­klei­dungs­ge­bot Fol­ge zu leis­ten.
(1) Der Schutz­be­reich des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts er­fasst die in­di­vi­du­al­recht­li­che wie die kol­lek­tiv­recht­li­che Aus­ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen der in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer. Nach Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV ord­net und ver­wal­tet je­de Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken der für al­le gel­ten­den Ge­set­ze. Hier­zu gehören al­le Maßnah­men, die in Ver­fol­gung der vom kirch­li­chen Grund­auf­trag her be­stimm­ten Auf­ga­ben un­ter Berück­sich­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses zu tref­fen sind (BAG 20. No­vem­ber 2012
- 1 AZR 179/11 - Rn. 94, 95 mwN, BA­GE 143, 354). Zu den ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten der Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten gehört, dass die­se der Ge­stal­tung des kirch­li­chen Diens­tes auch dann, wenn sie ihn auf der Grund­la­ge von Ar­beits­verträgen re­geln, das Leit­bild ei­ner christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft ih­rer Mit­ar­bei­ter zu­grun­de le­gen können (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - zu B II 1 d der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt de­ren Zu­gehörig­keit zu den „ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten“ der Kir­che nicht auf. Sie darf des­halb die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ei­gen­art des kirch­li­chen Diens­tes nicht in Fra­ge stel¬len. Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­be­stim­mungs­rechts bleibt da­her für die Ge­stal­tung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se we­sent­lich (BAG 20. No­vem­ber 2012 - 1 AZR 179/11 - Rn. 94, 95 mwN, BA­GE 143, 354).
4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die staat­li­chen Ge­rich­te sind an die kirch­li­che Einschätzung ar­beits­ver­trag­li­cher Loya­litäts­pflich­ten ge­bun­den, es sei denn, sie begäben sich da­durch in Wi­der­spruch zu Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung, wie sie im all­ge­mei­nen Willkürver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG), im Be­griff der „gu­ten Sit­ten“ (§ 138 Abs. 1 BGB) und im ord­re pu­blic (Art. 30 EGBGB) ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Die Ge­rich­te ha­ben je­doch si­cher­zu­stel­len, dass die kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen nicht in Ein­z­elfällen un­an­nehm­ba­re An­for­de­run­gen an die Loya­lität ih­rer Ar­beit­neh­mer stel­len (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138; BAG 25. April 2013 - 2 AZR 579/12 - Rn. 25, BA­GE 145, 90).
in die­sem Sin­ne frei­wil­lig un­ter­wor­fen. Zwar liegt dar­in kein Ver­zicht auf ei­ne zukünf­tig an­de­re Ausübung ih­rer Glau­bens­frei­heit. Re­li­giöse Über­zeu­gun­gen und Ge­wis­sens­ein­stel­lun­gen können sich ändern. Auch dies ist von der ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Glau­bens­frei­heit um­fasst. Die ar­beits­ver­trag­li­che An­er­ken­nung der Loya­litäts- und Neu­tra­litätser­war­tun­gen der Be­klag­ten durch die Kläge­rin, führt aber da­zu, dass der nun­mehr an­de­ren Ausübung ih­rer Glau­bens­frei­heit in Ge­stalt des jetzt - an­ders als zu Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses - von ihr als ver­bind­lich an­ge­se­he­nen re­li­giösen Ge­bots, ein Kopf­tuch zu tra­gen, zu­min­dest kein höhe­res Ge­wicht als dem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht zu­kommt (vgl. BAG 25. April 2013 - 2 AZR 579/12 - Rn. 32, BA­GE 145, 90). Während die Loya­litätser­war­tun­gen der Be­klag­ten un­verändert ge­blie­ben sind, hat sich die Be­reit­schaft der Kläge­rin, ih­nen zu ent­spre­chen, ge­wan­delt. Der Kon­flikt zwi­schen den ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen ist des­halb in ih­rer Sphäre be­gründet.
(2) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht zu­guns­ten der Kläge­rin berück­sich­tigt, dass sie durch den ihr ab­ver­lang­ten Ver­zicht auf ei­ne ih­ren Glau­bens-re­geln ent­spre­chen­de Kopf­be­de­ckung in ei­nen erns­ten Glau­bens­kon­flikt ge­bracht wird. An­de­rer­seits ist zu be­ach­ten, wird der Kern­be­reich der Glau­bens­frei­heit der Kläge­rin hier­durch nicht be­trof­fen: Ih­re Glau­bens­frei­heit ist nur funk­tio­nal, zeit­lich und räum­lich, nämlich bei der Ausübung ih­rer be­ruf­li­chen Auf­ga­ben ein­ge­schränkt. Die Kläge­rin wird während ih­rer Ar­beits­zeit als ei­ne Mus­li­ma, die kein Kopf­tuch trägt, nur von ei­nem ein­ge­schränk­ten Per­so­nen­kreis wahr­ge­nom­men. Sie ver­rich­tet ih­re Tätig­keit als Kran­ken­schwes­ter nicht vor den Au­gen ei­ner brei­ten Öffent­lich­keit und muss sich oh­ne Kopf­tuch nur den Ar­beits­kol­le­gen und Pa­ti­en­ten und ggf. auch Be­su­chern zei­gen. Sie kann außer­halb der Ar­beits­zeit in ih­rem pri­va­ten Um­feld und auch auf dem Hin- und Rück­weg zur Ar­beits­stel­le un­ein­ge­schränkt den Be­klei­dungs­ge­bo­ten ih­res Glau­bens fol­gen und ein Kopf­tuch tra­gen. In­dem ihr dies nur während der Ar­beits­zeit un­ter­sagt ist, wer­den ihr kei­ne un­an­nehm­ba­ren Loya­litäts­pflich­ten auf­er­legt.
(3) Un­ter­stellt, das von der Be­klag­ten be­trie­be­ne Kran­ken­haus sei der Evan­ge­li­schen Kir­che zu­ge­ord­net, ist zu­guns­ten der Be­klag­ten zu berück­sich­ti­gen, dass sie, dürf­te die Kläge­rin bei der Ar­beit ei­ne re­li­giös mo­ti­vier­te Kopf­be­de­ckung tra­gen, in­ner­halb ih­rer Ein­rich­tung Glau­bensäußerun­gen zu­guns­ten ei­ner an­de­rer Re­li­gi­on hin­neh­men müss­te. Zu­gleich hätte sie ei­ne Ver­let­zung der Pflicht zu ei­nem neu­tra­len Ver­hal­ten ge­genüber der Evan­ge­li­schen Kir­che, als sich aus § 4 Abs. 1 und Abs. 4 RL-EKD er­ge­ben­der Min­dest­an­for­de­rung an die Auf­ga­ben­erfüllung durch nicht­christ­li­che Ar­beit­neh­mer im kirch­li­chen Dienst, zu ak­zep­tie­ren.
(c) Die Be­klag­te muss sich nicht ent­ge­gen­hal­ten las­sen, ein kirch­li­cher Ar­beit­ge­ber ha­be sich mit der Ent­schei­dung, auch nicht­christ­li­che Mit­ar­bei­ter ein-zu­stel­len, be­reits für ei­ne Form von re­li­giösem Plu­ra­lis­mus geöff­net. Durch die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me auf die Präam­bel des BAT-KF und die RL-EKD hat die Be­klag­te viel­mehr deut­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass auch von nicht­christ­li­chen Mit­ar­bei­tern er­war­tet wer­de, den kirch­li­chen Auf­trag zu beach-
ten und die ih­nen über­tra­ge­nen Auf­ga­ben im Sin­ne der Kir­che zu erfüllen, wie es § 4 Abs. 1 und Abs. 4 RL-EKD ent­spricht.
3. Dem Abwägungs­er­geb­nis stünden die Vor­schrif­ten des AGG (§ 7 Abs. 1, §§ 1, 3 Abs. 1 und Abs. 2) nicht ent­ge­gen.
Nach § 7 Abs. 2 AGG führt ein Ver­s­toß von Be­stim­mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 iVm. § 1 AGG
ver­s­toßen, zur Un­wirk­sam­keit der be­tref­fen­den Re­ge­lung. Die Kläge­rin hat be­reits nicht dar­ge­legt, dass es an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Be­klag­ten ge­stat­tet sei, Kopf­be­de­ckun­gen während der Ar­beits­zeit zu tra­gen, so­weit dies nicht in be­son­de­ren Be­rei­chen aus Gründen des Ar­beits­schut­zes und der Kran­ken­haus­hy­gie­ne ge­bo­ten ist. Es kann je­doch da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Kläge­rin durch die aus dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en re­sul­tie­ren­de Ver­pflich­tung, das Kopf­tuch während der Ar­beits­zeit ab­zu­le­gen und auch kei­ne ent­spre­chen­de an­de­re Kopf­be­de­ckung zu tra­gen, we­gen ih­rer Re­li­gi­on be­nach­tei­ligt würde, denn ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot schie­de nach § 9 Abs. 2 AGG aus. Nach die­ser Vor­schrift berührt das Ver­bot un­ter­schied­li­cher Be­hand­lung we­gen der Re­li­gi­on nicht das Recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, von ih­ren Beschäftig­ten ein loya­les Ver­hal­ten im Sin­ne ih­res je­wei­li­gen Selbst­verständ­nis­ses ver­lan­gen zu können. Wei­ter­ge­hen­de Ver­pflich­tun­gen wer­den der Kläge­rin mit dem aus § 4 Abs. 1 und Abs. 4 RL-EKD re­sul­tie­ren­den Neu­tra­litäts­ge­bot nicht auf­er­legt.
a) Art. 9 EM­RK gewähr­leis­tet die Re­li­gi­ons­frei­heit nicht schran­ken­los, viel­mehr sind aus­drück­lich Ein­schränkun­gen in Abs. 2 der Vor­schrift vor­ge­se­hen. Ei­ne Ein­schränkung der Re­li­gi­ons­frei­heit kommt ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer in Be­tracht (EGMR 3. Fe­bru­ar 2011 - 18136/02 - [Sie­ben­haar] Rn. 38 f.). In­so­weit hat ei­ne Abwägung zwi­schen den Rech­ten des Ar­beit­neh­mers und de­nen des kirch­li­chen Ar­beit­ge­bers un­ter Berück­sich­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts statt­zu­fin­den (EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 425/03 - [Obst] Rn. 43). Nach der Recht­spre­chung des EGMR, de­ren Be­ach­tung ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­ten ist, so­weit dies me­tho­disch ver­tret­bar und mit den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes ver­ein­bar ist (BVerfG 14. Ok­to­ber 2004 - 2 BvR 1481/04 - BVerfGE 111, 307; 4. Mai 2011 - 2 BvR 2333/08 ua. - Rn. 93 f. mwN, BVerfGE 128, 326; BAG 25. April 2013 - 2 AZR 579/12 - Rn. 27, BA­GE 145, 90), ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten tra­di­tio­nell und welt­weit in Form or­ga­ni­sier­ter Struk­tu­ren
exis­tie­ren (EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 425/03 - [Obst] Rn. 44 und - 1620/03 - [Schüth] Rn. 58; 3. Fe­bru­ar 2011 - 18136/02 - [Sie­ben­haar] Rn. 41). Vor die­sem Hin­ter­grund ist, wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on ei­ner sol­chen Ge­mein­schaft in Re­de steht, Art. 9 EM­RK im Lich­te von Art. 11 EM­RK aus­zu­le­gen, der die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit vor jeg­li­chem un­ge­recht­fer­tig­ten staat­li­chen Ein­griff schützt. Ih­re für den Plu­ra­lis­mus in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft un­ver­zicht­ba­re Au­to­no­mie gehört zum Kern­be­stand des Schut­zes, den Art. 9 EM­RK ver­mit­telt. Das Recht auf Re­li­gi­ons­frei­heit im Sin­ne der Kon­ven­ti­on ist - außer in ex­tre­men Aus­nah­mefällen - jeg­li­cher Be­ur­tei­lung sei­tens des Staa­tes im Hin­blick auf die Rechtmäßig­keit des re­li­giösen Be­kennt­nis­ses oder der Art und Wei­se, in der es zum Aus­druck ge­bracht wird, ent­zo­gen (EGMR 3. Fe­bru­ar 2011 - 18136/02 - [Sie­ben­haar] Rn. 41). Nach der Recht­spre­chung des EGMR ist es nicht zu be­an­stan­den, wenn der Kir­che das Recht zu­er­kannt wird, ih­ren Beschäfti­gen Loya­litäts­pflich­ten auf­zu­er­le­gen, so­fern die­se nicht un­an­nehm­bar sind (EGMR 23. Sep­tem­ber 2010 - 425/03 - [Obst] Rn. 49; 23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - [Schüth] Rn. 69).
könn­te sich dann ge­genüber der durch Art. 4 GG gewähr­leis­te­ten Glau­bens­frei­heit der Kläge­rin, trotz der Ver­wei­sung auf die RL-EKD im Ar­beits­ver­trag, nur auf Art. 12 GG stützen (vgl. BAG 10. Ok­to­ber 2002 - 2 AZR 472/01 - BA­GE 103, 111; 24. Fe­bru­ar 2011 - 2 AZR 636/09 - BA­GE 137, 164; vgl. hier­zu auch den Nicht­an­nah­me­be­schluss des BVerfG vom 30. Ju­li 2003 - 1 BvR 792/03 - Rn. 17, 18, 24). Das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs wäre in die­sem Fall von der Be­klag­ten hin­zu­neh­men, denn sie hat nicht dar­ge­legt, dass ein Ver­zicht auf ei­ne Kopf­be­de­ckung, wie sie von der Kläge­rin gewünscht wird, aus be­trieb­li­chen - zB hy­gie­ni­schen - Gründen ge­bo­ten wäre und an­dern­falls be­trieb­li­che Störun­gen zu befürch­ten sei­en. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne wirk­sa­me Dienst­ver­ein­ba­rung lägen nicht vor, han­del­te es sich bei der Be­klag­ten nicht um ei­ne kirch­li­che Ein­rich­tung. Es kann des­halb da­hin­ge­stellt blei­ben, ob mit der Dienst­ver­ein­ba­rung, so­weit sie das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs un­ter­sagt, Ar­beits­ver­hal­ten oder Ord­nungs­ver­hal­ten der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter iSv. § 40k MVG.EKD ge­re­gelt wird (zur Ab­gren­zung im Be­reich des Be­trVG, vgl. BAG 13. Fe­bru­ar 2007 - 1 ABR 18/06 - Rn. 9, 11, BA­GE 121, 147; 17. Ja­nu­ar 2012 - 1 ABR 45/10 - Rn. 22, BA­GE 140, 223) und, ob die Dienst­ver­ein­ba­rung über­haupt ge­genüber der Kläge­rin zwin­gen­de Wir­kung ent­fal­ten kann (vgl. hier¬zu BAG 29. Sep­tem­ber 2011 - 2 AZR 523/10 - Rn. 19; Schaub/Linck Ar­beits­rechts­hand­buch 15. Aufl. § 185 Rn. 17).
aa) Der An­wen­dungs­be­reich von Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV er­streckt sich auf al­le der Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun-
gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn die Ein­rich­tung nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­ren Auf­ga­ben ent­spre­chend be­ru­fen ist, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen. Die ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te Frei­heit der Kir­che im Staat er­laubt es ihr, sich zur Erfüllung ih­res Auf­trags auch der Or­ga­ni­sa­ti­ons­for­men des staat­li­chen Rechts zu be­die­nen. Die Zu­gehörig­keit der auf die­ser Rechts­grund­la­ge be­gründe­ten Ein­rich­tun­gen zur Kir­che wird hier­durch nicht auf­ge­ho­ben (BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 30, BA­GE 125, 100).
(2) Die den Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV ver­lie­he­ne Selbst­ord­nungs- und Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie hat nicht zur Fol­ge, dass die Zu­ord­nung ei­ner Ein­rich­tung zu ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft ei­ner Kon­trol­le durch die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen ent­zo­gen ist. Die­se ha­ben in ei­ner zwei­stu­fi­gen Prüfung darüber zu be­fin­den, ob über­haupt ei­ne ver­wal­tungsmäßige Ver­flech­tung zwi­schen der Kir­che und der Ein­rich­tung be­steht und ob die Kir­che auf­grund die­ser Ver­bin­dung über ein Min­dest­maß an Ein­flussmöglich­kei­ten verfügt, um auf Dau­er ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit ih­ren Vor­stel­lun­gen gewähr­leis­ten zu können. Grund­la­ge für die Be­ur­tei­lung der Zu­ord­nung ist die in den Sta­tu­ten fest-
ge­schrie­be­ne Zweck­be­stim­mung und die Struk­tur der Ein­rich­tung (vgl. BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 33 f., BA­GE 125, 100).
zur Übersicht 5 AZR 611/12

References: § 4
 § 2
 Art. 140
 Art. 137
 § 562
 § 563
 § 611
 § 615
 § 297
 § 74
 § 293
 § 294
 § 295
 § 296
 BGH 
 § 612
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 137
 § 4
 § 241
 § 241
 § 4
 § 2
 § 2
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 137
 § 4
 § 4
 § 7
 § 7
 § 1
 § 9
 § 4
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 11
 Art. 9
 EGMR 
 Art. 4
 Art. 12
 § 40
 § 185
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 137