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Timestamp: 2019-02-22 21:45:56+00:00

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BGH, 01.02.2008 - V ZR 47/07 - dejure.org
Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch (bürgerrechtlicher Aufopferungsanspruch) bei Brand
Ersatz von Vermögenseinbußen infolge einer Beschädigung sich auf dem Grundstück befindlicher beweglicher Sachen i.R.e. nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs entsprechend § 906 Abs. 2 S. 2 BGB; Bestehen eines nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs in analoger Anwendung von § 906 Abs. 2 BGB bei Übergreifen eines Brandes auf ein fremdes Grundstück ohne Abwehrmöglichkeit des Nachbarn ; Ausgleich von vermögenswerten Betriebsnachteilen bei Übergreifen eines Brandes auf einen benachbarten Gewerbebetrieb
Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch umfasst Schäden an beweglichen Sachen (hier Warenlager eines Mieters des Nachbargrundstücks)
Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch für Schäden an Waren und Ertragseinbußen eines Mieters; Vermögensnachteile; Brandschaden; Störerhaftung; rechtswidrige Einwirkungen auf ein anderes Grundstück; Besitzstörung
(Verschuldensunabhängiger) Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch analog § 906 II 2 BGB bei "faktischer Duldungspflicht": Reichweite des Ersatzanspruchs
Reichweite des nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs
Defektes Küchengerät löst Brand aus - Warenvorräte eines Lederwarenhändlers durch Ruß beschädigt
Haftung für Brandschäden in der Wohnung // Wer haftet für Schäden, die in der Wohnung durch Rauch eines nahen Brandes verursacht werden?
Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch auch bei Schäden an beweglichen Sachen! (IMR 2008, 133)
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 1.2.2008, Az.:V ZR 47/07 (Umfang des nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruch)" von AkR Dr. iur. Markus Würdinger, original erschienen in: ZfIR 2008, 571 - 574.
LG Ulm, 18.09.2006 - 4 O 151/06
NJW 2008, 992
MDR 2008, 446
NZM 2008, 256
VersR 2008, 648
BauR 2008, 726
Hiervon ist auszugehen, wenn ein Brand auf ein fremdes Grundstück übergreift, da der Nachbar die Gefahr in aller Regel nicht erkennen und die Einwirkungen auf sein Grundstück daher nicht rechtzeitig abwehren kann (Senat, Urteil vom 1. Februar 2008 - V ZR 47/07, NJW 2008, 992 Rn. 7).
Weitere Voraussetzung des nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs ist, dass der Anspruchsgegner als Störer im Sinne des § 1004 Abs. 1 BGB zu qualifizieren ist (Senat, Urteil vom 1. Februar 2008 - V ZR 47/07, NJW 2008, 992 Rn. 8 mwN).
a) Das ergibt sich entgegen der Auffassung der Revision jedoch nicht schon daraus, dass nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB nicht Schadensersatz, sondern lediglich ein nach den Grundsätzen der Enteignungsentschädigung zu bestimmender Ausgleich verlangt werden kann (Senat, Urteil vom 1. Februar 2008 - V ZR 47/07, NJW 2008, 992, 993 Rn. 9 ff.), wonach nur der unzumutbare Teil der Beeinträchtigung auszugleichen ist (Senat…, Urteil vom 19. September 2008 - V ZR 28/08, NJW 2009, 762, 765 Rn. 32 ff.;… PWW/Lemke, aaO, § 906 Rn. 43 i.V.m. Rn. 36 f. mwN).
Der nachbarrechtliche Ausgleichsanspruch ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gegeben, wenn von einem Grundstück im Rahmen privatwirtschaftlicher Benutzung rechtswidrige Einwirkungen auf ein anderes Grundstück ausgehen, die der Eigentümer oder Besitzer des betroffenen Grundstücks nicht dulden muss, aus besonderen Gründen jedoch nicht gemäß §§ 1004 Abs. 1, 862 Abs. 1 BGB unterbinden kann, sofern er hierdurch Nachteile erleidet, die das zumutbare Maß einer entschädigungslos hinzunehmenden Beeinträchtigung übersteigen (s. nur Senat, BGHZ 155, 99, 102 f. m.w.N.; Urt. v. 1. Februar 2008, V ZR 47/07, NJW 2008, 992, 993).
Zutreffend hat das Berufungsgericht angenommen, dass sich der nachbarrechtliche Ausgleichsanspruch lediglich gegen einen Störer im Sinne des § 1004 Abs. 1 BGB richten kann (Senat , Urt. v. 1. Februar 2008, V ZR 47/07, a.a.O.).
Zwar dient die Vorschrift als Kompensation für den Ausschluss primärer Abwehransprüche nach §§ 1004 Abs. 1, 862 Abs. 1 BGB (Senat, BGHZ 155, 99, 101 f. m.w.N.; Urt. v. 1. Februar 2008, V ZR 47/07, NJW 2008, 992, 993).
Hieraus wird - entgegen einigen Stimmen im Schrifttum, die eine Ausweitung des Ausgleichsanspruchs auf die Verletzung sonstiger Rechtsgüter (Sacheigentum, Leben, Gesundheit) fordern, ohne dass es eines Bezugs zu einem Grundstück bedarf (…vgl. z.B. Staudinger/Kohler, BGB [2002], Einl. UmweltHR, Rdn. 120;… Larenz/Canaris, Lehrbuch des Schuldrechts II/2, 13. Aufl., § 85 II 5, S. 662 f.; Neuner, JuS 2005, 487, 491; Salje, DAR 1988, 302, 304) - gefolgert, dass die Gewährung einer Entschädigung stets eine Störung des Eigentums oder Besitzes des Anspruchstellers an einem Grundstück voraussetzt (Senat , Urt. v. 1. Februar 2008, V ZR 47/07, NJW 2008, 992, 993; ebenso BGHZ 92, 143, 145 ; BAG NJW 2000, 3369, 3371;… aus dem Schrifttum etwa MünchKomm-BGB/Säcker, 4. Aufl., § 906 Rdn. 139;… Staudinger/Roth, BGB [2002], § 906 Rdn. 108; Karsten, Der nachbarrechtliche Ausgleichsanspruch gemäß § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB analog im System der Ausgleichsansprüche, S. 135 ff.; Schmidt, Der nachbarliche Ausgleichsanspruch, S. 183).
Durch § 906 BGB soll der bei der Nutzung eines Grundstücks im Verhältnis zu den benachbarten Grundstücken möglicherweise auftretende Konflikt in einen vernünftigen Ausgleich gebracht werden (Senat, BGHZ 38, 61, 63 f. ; Urt. v. 1. Februar 2008, V ZR 47/07, NJW 2008, 992, 993).
(1) Der Senat hat bereits entschieden, dass der Eigentümer eines Hauses, welches infolge eines technischen Defekts seiner elektrischen Geräte in Brand gerät, Störer ist (Urteil vom 1. Februar 2008 - V ZR 47/07, NJW 2008, 992, 993 mwN).
a) Richtig sind zwar die Ausgangsüberlegungen des Berufungsgerichts, dass die Klägerin die ihr Gebäude schädigenden Einwirkungen nach § 1004 Abs. 1 BGB auch gegenüber der Beklagten, die insoweit Handlungsstörerin war, hätte abwehren können, wenn sie die Gefährlichkeit dieser Arbeiten rechtzeitig erkannt hätte (…vgl. Senat, Urt. v. 19. Oktober 1965, V ZR 171/63, WM 1966, 33, 35; OLG Oldenburg OLGR 2001, 49) und dass ein nachbarlicher Ausgleichsanspruch analog § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB als Kompensation für den Ausschluss des Abwehranspruchs nach § 1004 Abs. 1 BGB anerkannt ist (Senat, BGHZ 111, 158, 163; 155, 99, 106; 160, 232, 239; Urt. v. 1. Februar 2008, V ZR 47/07, NJW 2008, 992, 993).
Deshalb gebietet die Wertung des Art. 2 Abs. 2 GG nunmehr eine entsprechende Anpassung der allgemeinen Aufopferungsgrundsätze (…dazu, dass der Bundesgerichtshof selbst bei Eigentumsverletzungen Aufopferungsentschädigung in Form vollen Schadensersatzes gewährt, wenn der Eingriff zu Substanzeinbußen geführt hat, vgl. Urteil vom 4. Juli 1997, NJW-RR 1997, S. 1374 f.;… Urteil vom 11. Juni 1999, BGHZ 142, S. 66 ff. = NJW 1999, S. 2896, 2897; Urteil vom 1. Februar 2008, NJW 2008, S. 992 f., juris Rn. 9).
Deshalb gebietet die Wertung des Art. 2 Abs. 2 GG nunmehr eine entsprechende Anpassung der allgemeinen Aufopferungsgrundsätze (…dazu, dass der Bundesgerichtshof selbst bei Eigentumsverletzungen Aufopferungsentschädigung in Form vollen Schadensersatzes gewährt, wenn der Eingriff zu Substanzeinbußen geführt hat, vgl. Urteil vom 4. Juli 1997, NJW-RR 1997, S. 1374 f. [BGH 04.07.1997 - V ZR 48/96] ;… Urteil vom 11. Juni 1999, BGHZ 142, S. 66 ff. = NJW 1999, S. 2896, 2897; Urteil vom 1. Februar 2008, NJW 2008, S. 992 f., [BGH 01.02.2008 - V ZR 47/07] juris Rn. 9).
Besteht die Einwirkung in einer Substanzschädigung, kann der Entschädigungsanspruch auf vollen Schadensersatz gehen und den Ausgleich der Folgen umfassen, die sich aus der Beeinträchtigung der Nutzung des betroffenen Grundstücks, wie zum Beispiel eine Ertragseinbuße, entwickeln (BGHZ 155, 99, Juris RN 25; BGH, Urteil v. 1.2.2008, Az. V ZR 47/07, unter Ziff. II 2.).
Der Anspruch ist nicht auf feinstoffliche Einwirkungen beschränkt, sondern erfasst auch Grobimmissionen (vgl. Urteil des BGH v. 18.09.2009, Az.: V ZR 75/08, NJW 2009, 3787; Urteil des BGH v. 01.02.2008, Az.: V ZR 47/07, NJW 2008, 992).
Hiervon ist auszugehen, wenn ein Brand auf ein fremdes Grundstück übergreift, da der Nachbar die Gefahr in aller Regel - und so auch hier - nicht erkennen und die Einwirkungen auf sein Grundstück daher nicht rechtzeitig abwehren kann (BGH NJW 2008, 992 ).
Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 11. Juni 1999 (NJW 1999, 2896 "bestätigt" durch BGH NJW 2008, 992 ) begründet der bloße Umstand des Eigentums an dem Grundstück, von dem die Einwirkung ausgeht, nicht die Störereigenschaft.

References: § 906
 § 906
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 BGH 
 § 1004
 § 906
 § 906
 § 1004
 § 85
 § 906
 § 906
 § 906
 § 906
 § 1004
 § 906
 § 1004
 Art. 2
 Art. 2
 BGH 
 BGH 
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