Source: http://m.hensche.de/Prozesskostenhilfe_und_Beiordnung_Rechtsanwalt_bei_Lohnklage_LAG_Schleswig-Holstein_5Ta17-11-u.html
Timestamp: 2018-02-24 12:06:01+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 5 Ta 17/11
Schlag­worte: Lohn und Gehalt, Prozesskostenhilfe
Gericht: Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein
Akten­zeichen: 5 Ta 17/11
Ent­scheid­ungs­datum: 02.02.2011
Leit­sätze: 1. Die Bei­ord­nung ei­nes Rechts­an­walts ist im Sin­ne von § 121 Abs. 2 ZPO dann nicht er­for­der­lich, wenn der Kläger ab­ge­rech­ne­te oder ein­fach zu be­rech­nen­de Vergütungs­ansprüche klag­wei­se gel­tend macht. 2. Et­was an­de­res gilt in­des­sen dann, wenn die Pa­ra­me­ter von noch nicht ab­ge­rech­ne­ten Zah­lungs­ansprüchen zwi­schen den Par­tei­en strei­tig sind, bei­spiels­wei­se die Höhe des Ta­rif­loh­nes oder die An­zahl der ge­leis­te­ten Über­stun­den.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Neumünster, Beschluss vom 12.01.2011, 4 Ca 1430 b/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein
Ak­ten­zei­chen: 5 Ta 17/11 4 Ca 1430 b/10 ArbG Ne­umüns­ter
Be­schluss
In dem Be­schwer­de­ver­fah­ren
be­tref­fend Pro­zess­kos­ten­hil­fe
in der Rechts­sa­che
hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein am 02.02.2011 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­de
be­schlos­sen:
Auf die so­for­ti­ge Be­schwer­de des Klägers wird der zurück­wei­sen­de Pro­zess­hil­fe­kos­ten­be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ne­umüns­ter vom 12.01.2011 ab­geändert und dem Kläger für sei­ne erst­in­stanz­li­chen Anträge aus der Klag­schrift vom 25.11.2010 Pro­zess­kos­ten­hil­fe be­wil­ligt und Rechts­an­walt Dr. S. bei­ge­ord­net.
Ei­ne Ra­ten­zah­lung fin­det der­zeit nicht statt.
Ge­gen die­sen Be­schluss ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
Der Kläger hat im Haupt­sa­che­ver­fah­ren fol­gen­de Anträge ge­stellt:
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len an den Kläger Lohn für Sep­tem­ber 2010 in Höhe von 1.401,84 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.10.2010 zu zah­len,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger Lohn für Ok­to­ber in Höhe von 838,39 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.11.2010 zu zah­len und zu­gleich be­tragt, ihm Pro­zess­kos­ten­hil­fe un­ter Bei­ord­nung sei­nes Pro­zess­ver­tre­ters zu be­wil­li­gen. Mit der La­dungs­verfügung hat das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei ein­fach zu be­rech­nen­den Zah­lungs­ansprüchen – wie vor­lie­gend – we­der die Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe noch ei­ne Rechts­an­walts­bei­ord­nung in Be­tracht kom­me. Der Kläger hat so­dann dar­auf hin­ge­wie­sen, dass be­reits außer­ge­richt­lich die Höhe des zu­grun­de zu le­gen­den St­un­den­loh­nes bzw. Ta­rif­loh­nes (Ge­sel­len- oder Hel­fer­lohn) strei­tig ge­we­sen sei.
Das Haupt­sa­che­ver­fah­ren wur­de durch ei­nen Pro­zess­ver­gleich vom 10.01.2011 gemäß § 278 Abs. 6 ZPO be­en­det. Hier­in ver­pflich­te­te sich die Be­klag­te an den Kläger für Sep­tem­ber € 1.366,40 brut­to und für Ok­to­ber € 667,88 brut­to zu zah­len.
Mit Be­schluss vom 12.01.2011 wies das Ar­beits­ge­richt den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag des Klägers zurück.
Ge­gen die­sen ihm am 19.01.2011 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat der Kläger am 27.01.2011 beim Ar­beits­ge­richt so­for­ti­ge Be­schwer­de ein­ge­legt. Das Ar­beits­ge­richt hat mit Be­schluss vom 28.01.2011 der so­for­ti­gen Be­schwer­de nicht ab­ge­hol­fen und die­se zur Ent­schei­dung dem Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­ge­legt.
Die so­for­ti­ge Be­schwer­de ist gemäß § 127 Abs. 2 ZPO an sich statt­haft, frist­ge­recht ein­ge­leg­te und auch im Übri­gen zulässig.
Auch in der Sa­che selbst hat die so­for­ti­ge Be­schwer­de Er­folg.
1. Aus­weis­lich der zum PKH-Heft ge­reich­ten und vollständig aus­gefüll­ten Erklärung über die persönli­chen und wirt­schaft­li­chen Verhält­nis­se nebst ent­spre­chen­den Be­le­gen ist der Kläger nicht in der La­ge, die Kos­ten des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens auch nur ra­ten­wei­se zu tra­gen.
2. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts war dem Kläger un­ter Zu­grun­de­le­gung des Vor­trags in der Klag­schrift für die Lohn­kla­ge Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu be­wil­li­gen. Im Rah­men der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­be­wil­li­gung nach § 114 ZPO kommt es nicht auf die Er­for­der­lich­keit, son­dern auf die Er­folgs­aus­sich­ten der Kla­ge an. Gemäß § 114 Satz 1 ZPO ist der bedürf­ti­gen Par­tei Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu be­wil­li­gen, wenn die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Er­folg bie­tet und nicht mut­wil­lig er­scheint. Die­se Vor­aus­set­zun­gen la­gen hier vor. Die Be­klag­te hat­te nach dem Vor­trag den Lohn für Sep­tem­ber und Ok­to­ber 2010 En­de No­vem­ber 2010 noch nicht ge­zahlt. Die Kla­ge war auch nicht mut­wil­lig. Der mit der La­dungs­verfügung vom 30.11.2010 er­teil­te Hin­weis und die dort zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein be­tref­fen nicht die Fra­ge der Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe gemäß § 114 ZPO, son­dern der Rechts­an­walts­bei­ord­nung nach § 121 Abs. 2 ZPO.
3. Es la­gen auch die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Bei­ord­nung nach § 121 Abs. 2 ZPO vor. Nach die­ser Vor­schrift wird der Par­tei ein be­rei­ter Rechts­an­walt ih­rer Wahl bei­ge­ord­net, wenn die Ver­tre­tung durch ei­nen Rechts­an­walt er­for­der­lich er­scheint oder der Geg­ner durch ei­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten ist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor.
Zwar hat das Ar­beits­ge­richt Recht, dass nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Be­schwer­de­ge­richts die Bei­ord­nung ei­nes An­walts nicht im Sin­ne von § 121 Abs. 2 ZPO er­for­der­lich ist, wenn ein Kläger ab­ge­rech­ne­te oder ein­fach zu be­rech­nen­de
Vergütungs­ansprüche gel­tend macht. Es ist ei­nem Kläger in die­sen Fällen grundsätz­lich zu­zu­mu­ten, die Rechts­an­trags­stel­le des Ar­beits­ge­richts in An­spruch zu neh­men und den Güte­ter­min ab­zu­war­ten, wenn der An­spruch von der Ar­beit­ge­ber­sei­te nicht be­reits außer­ge­richt­lich be­strit­ten wur­de (LAG Schles­wig-Hol­stein Be­schluss v. 16.02.2006, Az. 1 Ta 248/05, zit. nach Ju­ris; Be­schl. v. 30.11.2005, Az. 1 Ta 192/05, zit. nach Ju­ris; Be­schl. v. 13.03.2009, Az. 5 Ta 22/09, zit. N. Ju­ris; so auch LAG Hamm vom 23.01.2006, Az. 18 Ta 909/05, zit. nach Ju­ris).
Et­was an­de­res gilt in­des­sen dann, wenn die Pa­ra­me­ter von noch nicht ab­ge­rech­ne­ten Zah­lungs­ansprüchen zwi­schen den Par­tei­en strei­tig sind. Dies ist bei­spiels­wei­se dann der Fall, wenn die Höhe des Ta­rif­loh­nes und da­mit letzt­lich die Ein­grup­pie­rung des Klägers strei­tig ist oder die Par­tei­en über die An­zahl der ge­leis­te­ten Über­stun­den strei­ten. Dann ist zwar für den Kläger die rei­ne Re­chen­ope­ra­ti­on ein­fach und auch oh­ne an­walt­li­chen Bei­stand durch­zuführen (An­zahl der ge­leis­te­ten St­un­den x St­un­den­lohn = Zah­lungs­an­spruch), in­des­sen ist die Dar­le­gung und der Nach­weis der zu­grun­de zu le­gen­den Fak­to­ren die­ser Mul­ti­pli­ka­ti­on nicht mehr als ein­fach an­zu­se­hen, wenn die­se strei­tig sind.
Der Kläger hat be­reits mit Schrift­satz vom 07.12.2010 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass zwi­schen den Par­tei­en der maßgeb­li­che Ta­rif­lohn strei­tig ist. Nach dem Ar­beits­ver­trag be­stimmt sich die Vergütung nach den von der iGZ e.V. und dem DGB ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen. Zwar weist der Ar­beits­ver­trag ei­ne Ein­grup­pie­rung in EntgGr. 3 und ei­nen dem­ent­spre­chen­den ta­rif­li­chen St­un­den­lohn von € 9,25 brut­to aus, in­des­sen han­delt es sich hier­bei nur um ei­nen de­kla­ra­to­ri­schen Ver­weis. Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, dass die Be­klag­te außer­ge­richt­lich die Ein­grup­pie­rung nach VergGr. 3 be­strit­ten hat und nur den Hel­fer­lohn be­zah­len woll­te. Nicht an­ders ist der In­halt des Schrift­sat­zes vom 07.12.2010 zu ver­ste­hen. Vor die­sem Hin­ter­grund kann die vor­lie­gen­de Lohn­kla­ge nicht als ein­fach ge­la­ger­ter Fall be­zeich­net wer­den.
Für den Sach­vor­trag des Klägers spricht letzt­lich auch der ab­ge­schlos­se­ne Ver­gleich. Die Be­klag­te hat hier­in ge­ra­de nicht die vom Kläger er­rech­ne­ten Lohn­ansprüche an­er­kannt, son­dern sich nur zu ei­ner et­was ge­rin­ge­ren Lohn­zah­lung be­reit erklärt.
Ei­ner Kos­ten­ent­schei­dung über die ge­richt­li­chen Kos­ten des Be­schwer­de­ver­fah­rens be­durf­te es nicht (Zöller/Phil­ip­pi, ZPO 28. Aufl., Rn. 39). Außer­ge­richt­li­che Kos­ten sind nicht zu er­stat­ten, § 127 Abs. 4 ZPO.
gez. ...
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References: § 121
 § 278
 § 127
 § 114
 § 114
 § 114
 § 121
 § 121
 § 121
 § 127