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Timestamp: 2019-02-16 01:07:42+00:00

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Solvabilität 2016 der PKV-Versicherer
1. SFCR-Berichte PKV
2a. Solvenzkapitalanforderung (SCR)
2b. Mindestkapitalanforderung (MCR)
3. Markwertbasierte Bewertung
4. Auswirkungen
5. Tabelle
Mit der Einführung der Solvency II-Richtlinie gilt ein neues, einheitliches Aufsichtssystem in Europa mit der das europäische Versicherungsaufsichts­recht grundlegend reformiert wurde. Schwerpunkte der Richtlinie sind erweiterte Publikationspflichten sowie verfeinerte Solvabilitäts­vorschriften für die Eigenmittelausstattung der Versicherungsunternehmen.
Mit Solvency II sollen Risiken der Versicherer frühzeitig sichtbar gemacht werden und gleichzeitig wird von den Versicherern eine angemessene Vorsorge verlangt. Das erklärte Ziel ist es, Vermögen und Leistungsansprüche der Versicherungsnehmer zu schützen – auch unter extremen Bedingungen.
Nachdem das erste Geschäftsjahr unter Solvency II abgeschlossen ist sind die unter Solvency II fallenden Versicherer nun erstmals ihren jährlichen Berichtspflichten nachgekommen. Bis zum 22. Mai 2017 mussten die deutschen Versicherer der BaFin neben den quantitativen Formularen den Bericht über Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report – SFCR) vorlegen und die SFCR-Berichte auf ihrer Homepage veröffentlichen.
Die erstmalige Veröffentlichung der SFCR-Berichte stellt einen wichtigen Schritt zu mehr Transparenz dar. Die Versicherer berichten darin über alle Aspekte, die für ihre Geschäftstätigkeit und Risikolage relevant sind:
Die Solvency Capital Requirement (SCR) beschreibt die regulatorische Solvenzkapitalanforderung und kann unter Verwendung einer Standardformel oder durch ein vom jeweiligen Versicherungsunternehmen entwickeltes internes Modell berechnet werden, sofern die BaFin dieses Modell genehmigt.
Die Solvenzkapitalanforderung (SCR) im Standardmodell entspricht dabei dem Kapital, sodass die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz des Unternehmens für das Folgejahr maximal 0,5 % beträgt:
Die Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,05 Prozent entspricht einem 200-Jahresereignis
eine SCR-Bedeckungsquote von 100 % bedeutet, dass bei Eintritt eines 200-Jahresereignisses die Unternehmensfortführung sichergestellt ist
d.h. im Umkehrschluss:
es wird Versicherungsnehmern zu 99,5 % garantiert, dass alle im Folgejahr anfallenden Zahlungsverpflichtungen inklusive der Folgeverpflichtungen durch das Unternehmen bedient werden können.
Jedes Versicherungsunternehmen hat ab dem 01.01.2016 sicherzustellen, all seine vertraglich eingegangenen Verpflichtungen für das kommende Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5% erfüllen zu können.
Die sog. SCR-Bedeckungsquote (SCR-Quote) entspricht dabei dem Verhältnis der anrechnungsfähigen Eigenmittel zur Solvenzkapitalanforderung. Die maßgebliche Zielgröße beträgt 100 % oder ein Vielfaches davon.
Versicherer mit einer SCR-Bedeckungsquote von weniger als 100 % sind keines Falls als insolvent anzusehen, sondern deren Eigenmittel reichen lediglich nicht aus, um die Solvenzkapitalanforderung (SCR) zu erfüllen. Diese Unternehmen verfügen also nicht über ausreichend Kapital, um bei Eintritt eines 200-Jahresereignisses (bei einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent) die Unternehmensfortführung zu garantieren.
Allerdings können Versicherer die SCR-Quote durch genehmigungspflichtige Instrumente (BaFin) beeinflusst werden. Dabei werden u.a. die folgenden Instrumente unterschieden:
Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen gemäß § 352 VAG
Übergangsmaßnahmen für risikofreie Zinssätze nach § 351 VAG
Volatilitätsanpassungen gemäß § 82 VAG
Das Minimum Capital Requirement (MCR) beschreibt die regulatorische Untergrenze der Solvenzkapitalanforderung (SCR).
Das MCR ist das Eigenmittelniveau, unterhalb dessen die Interessen der Versicherungsnehmer gefährdet wären
Wenn die anrechenbaren Eigenmittel diese Grenze unterschreiten, kann das den Verlust der Geschäftsbetrieberlaubnis zur Folge haben
Es stellt somit die letzte aufsichtsrechtliche Eingriffsschwelle dar, bevor dem Unternehmen die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb entzogen wird
Die sog. MCR-Bedeckungsquote entspricht dabei dem Verhältnis der anrechnungsfähigen Eigenmittel zur Mindestkapitalanforderung.
Mit der Einführung von Solvency II fand eine erhebliche Umstellung des Bewertungssystems statt – weg von einer buchwertbasierten und hin zu einer marktwertbasierten Bewertung. Damit bleibt festzuhalten, dass die Beurteilung eines Unternehmens nicht an einer einzelnen Kennzahl festgemacht werden kann - wie bereits die Erläuterung des Drei-Säulen-Modells gezeigt hat.
Die nachfolgende Grafik verdeutlicht die Kapitalanforderungen und die Zusammenhänge unter Solvency II:
Die Solidität eines Versicherungsunternehmens wird von einer Vielzahl von Kennzahlen und Merkmalen beinflusst:
der finanziellen Ausstattung
der Qualität seiner Geschäftsorganisation und
seines internen Risikokontrollsystems
Es bleibt festzuhalten, dass unterschiedliche Geschäftsmodelle zu unterschiedlichen Ergebnissen bei den Kennzahlen führen. So ist neben der Größe des Unternehmens und der Marktlage im jeweiligen Segment auch das individuelle Risikoprofil zu berücksichtigen. Die Individualisierungsmöglichkeiten wie die Nutzung von unternehmensspezifischen Parametern oder internen Modellen beeinflussen die Höhe der Bedeckung ebenfalls.
Auf dem deutschen Markt wird neben der Volatilitätsanpassung insbesondere die Übergangsmaßnahme zur Bewertung versicherungstechnischer Rückstellungen angewendet. Die SFCR-Berichte sorgen für mehr Transparenz, indem die Unternehmen verpflichtet sind, die Wirkung der Maßnahmen auf die Finanzlage offenzulegen.
Zitat Dr. Marc Surminski, Zeitschrift für Versicherungswesen 10/2017:
" ... bei dem ganzen Hype um die Quoten (ist) noch nicht klar, was denn eigentlich eine optimale Quote für die Solvabilität ist. Wer weniger hat als der Marktdurchschnitt, wird sich fragen lassen müssen, ob das für die langfristige Bindung des Kunden an ein Lebensversicherungsunternehmen ausreicht. Wer viel mehr hat als der Durchschnitt, wird sich fragen lassen müssen, woher denn dieser Reichtum kommt – und ob er nicht womöglich in unterdurchschnittlichen Leistungen für die Kunden seinen Ursprung hat. Sehr hohe SCR-Quoten können auch als Warnsignal angesehen werden, dass die Versicherungsnehmer hier in der Vergangenheit zu wenig am Unternehmenserfolg (Anm. PKV-Wiki: Gewinn) beteiligt wurden."
Aufgrund der zuvor genannten Instrumente, die die SCR-Quote beinflussen können, wird in der nachfolgenden, sortierbaren (!) Tabelle die bereinigte Netto-Quote verwendet, d.h. um eine Vergleichbarkeit der Kennzahlen zu gewährleisten wurde der Einfluss möglicher Instrumente herausgerechnet.
Solvabilität: SCR-Quoten 2016 der PKV-Versicherer
SCR-Quote netto
SCR-Quote brutto
nach § 352 VAG
Vola-Anpassung
nach § 82 VAG
Advigon 210,1 % 210,1 % Nein Nein Standardmodell
Allianz 316,8 % 345,2 % Nein Ja eigenes, internes Modell
Alte Oldenburger 743,1 % 743,1 % Nein Nein Standardmodell
Arag 789,4 % 828,1 % Ja Nein Standardmodell
Axa 206,8 % 220,9 % Nein Ja eigenes, internes Modell
Barmenia 462,4 % 462,4 % Nein Nein Standardmodell
BBKK 510,3 % 510,3 % Nein Nein Standardmodell
Central 421,9 % 472,3 % Nein Ja partiell, internes Modell
Concordia 439,5 % 439,5 % Nein Nein Standardmodell
Continentale 500,2 % 500,2 % Nein Nein Standardmodell
Debeka 449,0 % 449,0 % Nein Nein Standardmodell
Deutscher Ring 507,1 % 507,1 % Nein Nein Standardmodell
Devk 476,5 % 476,5 % Nein Nein Standardmodell
DFV 190,4 % 190,4 % Nein Nein Standardmodell
Die Bayerische 196,9 % 196,9 % Nein Nein Standardmodell
Dkv 360,5 % 360,5 % Nein Nein eigenes, internes Modell
Envivas 209,0 % 206,5 % Nein Ja Standardmodell
Ergo Direkt 176,5 % 176,5 % Nein Nein Standardmodell
FAMK 962,3 % 962,3 % Nein Nein Standardmodell
Markt 474,9 % 502,3 %
Gothaer 380,0 % 777,2 % Ja Ja Standardmodell
Hallesche 676,8 % 676,8 % Nein Nein Standardmodell
HanseMerkur 429,2 % 429,2 % Nein Nein Standardmodell
Huk-Coburg 534,2 % 907,4 % Ja Ja Standardmodell
Inter 691,6 % 691,6 % Nein Nein Standardmodell
Janitos 201,6 % 201,6 % Nein Ja Standardmodell
Liga 116,9 % 116,9 % Nein Nein Standardmodell
Lkh 918,8 % 918,8 % Nein Nein Standardmodell
Lvm 453,6 % 453,6 % Nein Nein Standardmodell
Mecklenburgische 360,3 % 360,3 % Nein Nein Standardmodell
Münchener Verein 934,9 % 934,9 % Nein Nein Standardmodell
Nürnberger 526,0 % 526,0 % Nein Nein Standardmodell
Pax 552,6 % 678,2 % Ja Ja Standardmodell
Provinzial (VGH) 707,9 % 707,9 % Nein Nein Standardmodell
R+V 398,1 % 398,1 % Nein Nein Standardmodell
Sdk 673,6 % 673,6 % Nein Nein Standardmodell
Signal 509,3 % 509,3 % Nein Nein Standardmodell
Ukv 494,2 % 494,2 % Nein Nein Standardmodell
Universa 834,6 % 834,6 % Nein Nein Standardmodell
Vigo 194,9 % 264,9 % Ja Nein Standardmodell
Württembergische 277,6 % 277,6 % Nein Nein Standardmodell
Mit der Einführung der Solvency-II-Richtlinie ergeben sich folgende Neuerungen:
40 private Krankenversicherer sind nach Solvency II berichtspflichtig
alle obigen Versicherer weisen eine SCR-Bedeckungsquote von 100% oder mehr auf
36 Versicherer verwenden das Standardmodell
4 Versicherer (Allianz, AXA, Central und DKV) verwenden ein partielles oder vollständiges internes Modell
5 Versicherer (Arag, Gothaer, HUK, PAX und vigo) nutzen Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen nach § 352 VAG
9 Unternehmen nutzen die Möglichkeit der Volatilitätsanpassung nach § 82 VAG
Die Übersicht der Solvenzquoten der Lebensversicherer finden Sie auf dieser Seite.
(1) BaFin: Solvency II
(2) BaFin: Erste Jahreszahlen nach Einführung von Solvency II
(3) Gabler Wirtschaftslexikon: Solvency Capital Requirement (SCR)
(4) ISS Software GmbH: Solvency II kompakt - Solvenzkapital
(5) Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG): Solvabilitätsübersicht § 74 ff.
(6) Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG): § 82 Volatilitätsanpassung
(7) Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG): § 351 Risikofreie Zinssätze
(8) Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG): § 352 Versicherungstechnische Rückstellungen

References: § 352
 § 351
 § 82
 § 352
 § 82
 § 352
 § 82
 § 74
 § 82
 § 351
 § 352