Source: http://baurecht-haera100.blogspot.de/2011/
Timestamp: 2018-02-24 19:31:39+00:00

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Baurecht: 2011
Stellungnahme des DIBt zum SPIEGEL-online-Artikel "Styropor-Platten in Fassaden – Wärmedämmung kann Hausbrände verschlimmern" und zum Beitrag des NDR in der Sendung "45 Minuten" am 28.11.2011
Der im NDR-Fernsehen gezeigte Filmbericht und der darauf Bezug nehmende Artikel auf SPIEGELonline beschreiben ein vermeintlich hohes Brandrisiko bei der Verwendung von Wärmedämmverbundsystemen mit Polystyroldämmstoff (EPS-Hartschaumplatten), obgleich diese Systeme bauaufsichtlich zugelassen sind.
Stellungnahme DIBt:
Nach den Landesbauordnungen müssen Außenwandbekleidungen von Gebäuden über 7 m einschließlich der Dämmstoffe und Unterkonstruktionen schwerentflammbar sein. Für kleinere Gebäude genügen bauordnungsrechtlich normalentflammbare Außenwandbekleidungen.
Bei den vom DIBt zugelassenen WDV-Systemen mit Polystyroldämmstoffplatten (EPSHartschaumplatten) muss zum einen der Nachweis der Baustoffklasse B1 (schwerentflammbar) nach DIN 4102-1 für die "Komponente" EPS-Hartschaumplatten erbracht werden und zum anderen ist für das komplette WDV-System der Nachweis, dass die Anforderungen an schwerentflammbare Baustoffe erfüllt werden, durch Brandprüfungen nach nationalen (DIN 4102-1) oder europäischen Prüfverfahren (DIN EN 13823) sowie ggf. durch zusätzliche Großversuche im Maßstab 1:1 zu führen.
Die Einstufung "schwerentflammbar" bedeutet dabei, dass unter den Bedingungen eines beginnenden Zimmerbrandes bzw. bei Beanspruchung einer Außenwandbekleidung durch Flammen aus einem im Vollbrand stehenden Raum der energetische Beitrag des betreffenden Baustoffs (hier WDV-System) zum Brand sowie die daraus resultierende Brandausbreitung über den Primärbrandbereich hinaus gering sind.
WDV-Systeme mit o. g. Dämmstoffplatten, insbesondere bei großen Dämmstoffdicken (> 100 mm), sind bei Brandbeanspruchungen im Sturzbereich von Öffnungen kritisch und können sich unter bestimmten Bedingungen wie normalentflammbare Baustoffe verhalten, d. h. eine ungehinderte Brandausbreitung ist möglich.
Insofern liefert der Filmbericht keine neuen Erkenntnisse.
Dass WDV-Systeme mit Polystyroldämmstoffplatten brennen, ist in der Fachwelt eine allseits bekannte Tatsache. Dieses seit Mitte der 1990er Jahre bekannte Brandverhalten führte dazu, dass durch Hersteller und den Fachverband WDVS in Abstimmung mit dem DIBt unter Einbeziehung des zuständigen Sachverständigenausschusses (SVA) des DIBt und der Bauaufsicht konstruktive Brandschutzmaßnahmen gegen eine Brandausbreitung und Brandweiterleitung bei WDV-Systemen mit EPS-Dämmstoffen entwickelt und in umfangreichen Testserien geprüft wurden. Die verbindliche Festschreibung dieser Maßnahmen erfolgte dann in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen für diese WDV-Systeme.
Im Einzelnen wird dazu in den Zulassungen für o. g. WDV-Systeme als konstruktive Maßnahme die Sturzbekleidung und eine seitliche Verkleidung von Außenwandöffnungen mit nichtbrennbaren Mineralwolledämmstoffen oder alternativ die Anordnung von Brandsperren aus nichtbrennbaren Mineralwolledämmstoffen über jedem zweiten Geschoss festgelegt.
Die Anordnung von Brandsperren in mindestens jedem 2. Geschoss ist mit der Fachwelt (Sachverständige, Bauaufsicht) im Hinblick auf die Begrenzung einer möglichen Brandausbreitung bei Gebäuden über 7 m bis 22 m abgestimmt.
Diese Lösung berücksichtigt, dass bei Außenwänden mit Öffnungen (Fenster) und ohne brennbare Außenwandbekleidungen, im Falle eines Raumbrandes Flammen aus den Fenstern schlagen werden.
An die im darüber liegenden Geschoss befindlichen Fenster (und deren Gläser) werden keine Anforderungen an eine Feuerwiderstandsfähigkeit gestellt; die Anforderung an eine Feuerwiderstandsfähigkeit besteht grundsätzlich nur für die Geschosstrenndecken (mit Ausnahme bei Gebäudeklasse 1), d. h. die aus den Fenstern schlagenden Flammen können das darüber befindliche Geschoss (und die Fenster) erreichen. Das mögliche Versagen der Fenster (Glasbruch) durch die thermische Einwirkung von Flammen wird hingenommen.
Insofern ist die Anordnung von Brandriegeln in jedem 2. Geschoss im Einklang mit den Bestimmungen der Landesbauordnungen und sie begrenzt wirksam eine Brandausbreitung/Brandweiterleitung auf Außenwänden.
Dies wurde durch umfangreiche Prüfungen an originalmaßstäblichen Versuchsaufbauten von WDV-Systemen nachgewiesen.
Zu dem bei der MPA Braunschweig durchgeführten Brandversuch ist Folgendes anzumerken:
Der Versuchsaufbau entsprach nicht dem für Zulassungsprüfungen geforderten Aufbau, wie er auch im Arbeitsentwurf von DIN 4102-20 beschrieben wird. Anstelle eines L-förmigen Versuchsstandes wurde nur eine rückwärtige Versuchsstandswand mit dem WDV-System bekleidet und geprüft und die Wand war links und rechts durch massive Wände aus mineralischen Baustoffen begrenzt (U-förmiger Versuchsstand).
Durch diese schachtförmige Versuchsanordnung wird die thermische Exposition des WDV-Systems deutlich erhöht und entspricht nicht mehr einer Brandbeanspruchung unter Realbrandbedingungen.
Zu dem im Fernsehbericht des NDR zitierten Feuerwehreinsatz in Berlin im Jahr 2005 ist festzustellen, dass es sich hierbei nicht um ein vom DIBt zugelassenes WDV-System handelte.
Das DIBt hatte dieses Brandereignis – obwohl es nicht direkt betroffen war – zum Anlass genommen im Frühjahr 2005 in seinem SVA "Brandverhalten von Baustoffen B1/B2" über ggf. erforderliche Konsequenzen für das Zulassungsverfahren bei WDV-Systemen zu beraten. Im Ergebnis wurde von den Sachverständigen festgestellt, dass Zulassungsverfahren des DIBt nicht betroffen seien, die bisher zugelassenen WDV-Systeme seien hinreichend sicher.
Hierzu merke ich an: „Ein Geschoss wird geopfert!“
Wenn die Einstufung "schwerentflammbar" bedeutet, dass unter den Bedingungen eines beginnenden Zimmerbrandes bzw. bei Beanspruchung einer Außenwandbekleidung durch Flammen aus einem im Vollbrand stehenden Raum der energetische Beitrag des betreffenden Baustoffs (hier WDV-System) zum Brand sowie die daraus resultierende Brandausbreitung über den Primärbrandbereich hinaus gering ist, wirkt die Aussage, dass die Anordnung von Brandriegeln in jedem 2. Geschoss im Einklang mit den Bestimmungen der Landesbauordnungen steht, weil sie wirksam eine Brandausbreitung/ Brandweiterleitung auf Außenwänden begrenzt, wenig überzeugend.
Gerade die Anordnung des umlaufenden Brandriegels in nur jedem zweiten Geschoss verstärkt doch die Brandausweitung auf Aussenwänden und begrenzt diese doch nicht generell, sondern bestenfalls auf die übernächste Etage. Ausserdem hinkt die Argumentation mit der Heranziehung nicht brennbarer Fassadenteile, denn wenn bei Aussenwänden mit Öffnungen (Fenstern) und ohne brennbare Außenwandbekleidungen im Falle eines Raumbrandes Flammen aus den Fenstern schlagen, können diese das darüber liegende Geschoss erreichen, müssen es aber nicht. Im Falle ungeschützter brennbarer Fassadenteile ist aber das Überschlagen des Brandes auf das nächste Geschoss sicher!
Für mich stellt der umlaufende Brandriegel in jeder zweiten Etage eine deutliche Qualitätsverschlechterung dar im Verhältnis zu einer ordnungsgemäß ausgeführten Brandbarriere im Sturzbereich über Gebäudeöffnungen. Eine echte Alternative wäre auch, den umlaufenden Brandriegel nach jeder Etage einzubauen, aber das wäre ja schon eine unerwünschte deutliche Qualitätsverbesserung, weil die Messlatte der bauordnungsrechtlichen Mindestanforderungen übersprungen würde, ohne sie zu berühren.
Ob der Versuchsstand hätte L-förmig aufgebaut sein sollen statt U-förmig, scheint mir für die praktische Darstellung unbedeutend, zumal Rücksprünge in polystyrolgedämmten Mauerwerken nicht gerade selten sind. Auch hier wird versucht, uns ein X für ein U vorzumachen! Man spricht von deutlich erhöhter thermischer Exposition, ohne diese näher zu präzisieren.
Die Scheinheiligkeit gipfelt aber darin, dass im Brandfall „Berlin“ festgestellt wurde, dass es ja gar kein zugelassenes WDVS war, welches abgebrannt ist. Es mag schon sein, dass – wie so oft in der Baupraxis – halt nicht alle Komponenten von einem Systemhersteller stammten und daher keine gültige abZ vorlag, aber offensichtlich hatte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren eingestellt, weil der Mix von Systemkomponenten nicht ursächlich war für die eingetretenen Folgen; mit anderen Worten: wenn strikt nach der Zulassung gebaut worden wäre, wäre das auch passiert!
Eingestellt von Baurecht um 10:17 Keine Kommentare:
Zum besseren Verständnis der Blogeinträge zum Thema
Leider wurde das Video von youtube wegen angeblicher Urheberrechtsansprüche des NDR gelöscht Sie finden das Video aber neu verlinkt direkt auf der Seite des NDR. Klicken Sie auf das Bild und sehen sich das Video in aller Ruhe an!
Eingestellt von Baurecht um 01:35 Keine Kommentare:
Presseerklärung der DeutscheEnergie-Agentur GmbH (DENA)
Berlin, 2. Dezember 2011. Aktuelle Medienberichte stellen die Wärmedämmung von Gebäuden als Mittel zur Energieeinsparung und CO2-Reduzierung in Frage. Aus Sicht der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) sind diese Darstellungen haltlos und weisen überwiegend auf eine unsachgemäße Verarbeitung der Materialien oder eine falsche Planung hin. „Die Gebäudedämmung ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, Heizenergie zu sparen und klimaschädliche CO2-Emissionen zu reduzieren“, betont Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung.
Zur Presseerklärung der dena vom 02.12.2011 merke ich an:
Sich allerdings bei offen zutage tretenden Unzulänglichkeiten hinter falscher Planung und Verarbeitung zu verstecken, ist auch nicht der richtige Weg.
Zum Thema „Brandschutz“ ist zu sagen, dass gerade im privaten Wohnungsbau der vorbeugende Brandschutz eher niedrig angesiedelt ist. Immerhin sind – bauordnungsrechtlich - brennbare Fassaden bis zur Hochhausgrenze erlaubt. Welche Folgen das haben kann, haben jüngste Berichterstattungen deutlich gezeigt.
Die Problematik der Algenbildung an gedämmten Fassaden ist nicht nur vor allem eine optische Beeinträchtigung, sondern sie stellt nach der Rechtsprechung diverser Obergerichte (zuletzt OLGFrankfurt, Beschluss vom 07.07.2010 – 7 U 76/09) in Deutschland auch einen Mangel dar.
Der Zusatz von Bioziden* (Algizide bzw. Fungizide) im Außenputz oder der Farbe kann nicht das Mittel erster Wahl sein, die Folgen sind nicht zu bagatellisieren.
Das Auftreten von Spechtlöchern an gedämmten Fassaden ist auch kein Randthema mehr, denn sonst kämen nicht in anderen Fernsehsendungen – z. B. „quer“ am 1.12.2011 in BR3 entsprechende Beiträge zu Ehren.
Eingestellt von Baurecht um 01:11 Keine Kommentare:
Eingestellt von Baurecht um 01:08 Keine Kommentare:
Pressemitteilung der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land (Stand 11.06.11):
Delmenhorst (ots) - Großbrand von Mehrfamilienhäusern / Ergänzungsmeldung: Gleich fünf baulich miteinander verbundene Mehrfamilienhäuser gerieten am 11.06.2011 gegen 01.30 Uhr an der Bremer Straße in Delmenhorst aus bislang ungeklärter Ursache in Brand. Anwohner bemerkten vor der Häuserreihe gleich zwei brennende Unterstände für Müllcontainer und informierten Polizei und Feuerwehr. Bei Eintreffen der Rettungskräfte brannten die beiden massiven im Flachdachbau errichteten Müllcontainerstationen in voller Ausdehnung. Die Flammengriffen bereits schon auf die angrenzenden Wohnhäuser über . Sofort suchten sämtliche Rettungskräfte der Polizei und Feuerwehr die Mehrfamilienhäuser auf und alarmierten die Bewohner. Nach ersten Meldungen mußten über 100 Bewohner aus ihren Wohnungen evakuiert werden. Alle Bewohner sammelten sich auf einem gegenüberliegenden Parkplatz eines Verbrauchermarktes . Die Feuerwehr schlug dort Zelte auf, in denen sich die evakuierten Bewohner aufhalten und versorgt werden konnten. Entgegen erster Meldungen mußte während des Einsatzes glücklicherweise nur eine Person, die eine Fraktur erlitten hatte, zur ambulanten Versorgung in ein Krankenhaus gebracht werden. Vor Ort waren Rettungssanitäter eingesetzt, die sich vorsorglich um die zum Teil geschockten Hausbewohner kümmerten. Ein paar Kleinkinder wurden zur Betreuung und zwecks warmer Unterkunft mit einem Bus in die Kinderklinik gebracht. Die Nachlöscharbeiten dauern derzeit noch an. Insgesamt sind ca. 50 Wohnungen brandbetroffen, die größtenteils nicht mehr bewohnbar sind. Das genaue Schadensausmaß ist noch nicht genau zu beziffern, dürfte aber mehrere 100-Tausend- Euro umfassen. Die Brandursache ist noch unklar. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse, kann aber eine Brandlegung nicht ausgeschlossen werden. Die Wohngebäude werden von der Polizei gesichert und beschlagnahmt. Nach Beendigung der Löscharbeiten werden die Brandermittler der Polizei den Brandort in Augenschein nehmen, um die Brandursache klären zu können. Die Hausbewohner kamen zum größten Teil bei Angehörigen unter. Vertreter der Stadt Delmenhorst organisierten für ca. 20 - 30 Personen Hotelzimmer in den umliegenden Hotels. Für die betroffenen Bewohner oder deren Angehörige, die Hilfe benötigen oder sich über den weiteren Verlauf erkundigen möchten, wurde seitens des DRK ab 07.00 Uhr eine Notfallhotline eingerichtet. Es waren u.a. ca. 170 Einsätzkräfte der Feuerwehren aus den umliegenden Orten , ca. 20 Polizeibeamte sowie Vertreter der Stadt im Einsatz.
http://www.youtube.com/watch?v=jHNEUdkF9l0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=gl2WQOJnct4&feature=related
http://youtu.be/gl2WQOJnct4
Ich glaube nicht, dass die Folgen so verheerend gewesen wären, wäre die Fassade nicht mit einem WDVS aus Polystyrol-Partikelschaum versehen gewesen!
Erinnerungen werden wach an einen Fassadenbrand in Adliswil Pfingsten 1992, ausgelöst durch brennende Müllcontainer
http://www.haera.de/WDVS/Adliswil/Fassadenbrand.html
Eingestellt von Baurecht um 12:32 Keine Kommentare:
I. Schadensbilder
• Risse im Außenputz
• Putzablösungen
• schichtenweises Lösen der Armierung
• Durchfeuchtung des Dämmstoffes
• Verformungen des Dämmstoffs – Aufschüsseln oder Aufwölben
• Fleckenbildung
II. Häufige Fehler
• Klebeflächenanteil zu gering
• fehlerhafter Kleberauftrag – kein Wulst-Punkt-Auftrag oder mittels Zahnspachtel
• Hinterlüftung der Dämmstoffplatten
• Polystyrol durch UV-Strahlung geschädigt
• Dämmstoffplatten nicht im Verband verlegt
• Dämmstoffplatten mit klaffender Fuge verlegt
• Verwendung des falschen Fugenschaumes
• Glasfasergewebe nicht genügend überlappt
• fehlende Diagonalbewehrung im Bereich von Öffnungsixeln (Ecken der Gebäudeöffnungen)
• Putz- bzw. Klebeschichten zu dünn aufgetragen
• Glasfasergewebe nicht genügend eingebettet (scharf abgezogen)
• Kleber ungleichmäßig aufgetragen
• fehlender Haftverbund zwischen Unter- und Oberputz
• kein Schlagregenschutz bei Fenstern und Türen sowie bei Durchdringungen
• fehlerhafter unterer Abschluß – kein Abschlußprofil
• fehlende Abtropfkanten
• fehlende oder fehlerhafte Sockelausbildung (Spritzwasserbereich)
• Systemkomponenten von verschiedenen Herstellern
• bei Polystyroldämmung Dämmstoffdicke > 100 mm: fehlender Mineralwolle-Lamellendämmstreifen über jeder Gebäudeöffnung im Sturzbereich, mindestens 200 mm hoch und links und rechts mindestens 300 mm überstehend, vollflächig verklebt
III. Grundsätzlich gilt:
• Es gibt eine Ausführungsnorm DIN 55699.
• Wärmedämm-Verbundsysteme sind allgemein bauaufsichtlich zugelassen. Auf der Basis von EPS (expandiertes Polystyrol) sind WDVS in richtig eingebautem Zustand schwerentflammbar (Baustoffklasse B 1 nach DIN 4102-1).
• Es gibt keine allgemein bauaufsichtlich zugelassenen Wärmedämm-Verbundsysteme der Baustoffklasse B 2 (normalentflammbar nach DIN 4102-1)
• Die Zulassungsbestimmungen sind strikt einzuhalten – unabhängig von der Gebäudehöhe!
• Die Verarbeitungsrichtlinien der Systemanbieter sind einzuhalten!
Eingestellt von Baurecht um 13:08 Keine Kommentare:
Eingestellt von Baurecht um 13:06 Keine Kommentare:
Kann ein Erwerber vom Bauträger bzw. ein Bauherr vom Generalübernehmer die Herausgabe von Plänen und Unterlagen verlangen?
Ob und wenn ja, welche Unterlagen ein Bauträger oder Generalübernehmer an den Erwerber/Bauherrn herausgeben muss, ist in der Vergangenheit höchst unterschiedlich von den Instanzgerichten entschieden worden. Höchstrichterliche Rechtssprechung dazu ist – soweit ersichtlich – noch nicht ergangen.
Nach bis 31.12.2001 geltendem Schuldrecht wurde ein Anspruch auf Herausgabe von Unterlagen teilweise aus § 444 BGB abgeleitet – so AG Traunstein, NJW RR 1989,598 und OLG Hamm, IBR 2000, 191, dagegen OLG Karlsruhe, NJW 1975, 694 und OLG München, IBR 1992, 51.
Teilweise wird die Auffassung vertreten, ein Anspruch auf Herausgabe ergebe sich unmittelbar aus der Übernahme von Architektenleistungen im Rahmen des Bauträger-/Generalübernehmervertrages bzw. aus einer aus Treu und Glauben (§ 242 BGB) abzuleitenden Nebenpflicht des Bauträgers (Basty, Der Bauträgervertrag, 5. A. S., 207; OLG Köln, IBR 2000, 13). Nach anderer Ansicht besteht kein genereller Anspruch auf Herausgabe von Bau- und Planungsunterlagen; Herausgabe könne nur verlangt werden, wenn entweder eine entsprechende Abrede in den Vertrag aufgenommen wurde oder wenn ein besonderes, konkret begründetes rechtliches Interesse des Erwerbers/Bauherrn besteht (OLG München, IBR 1992, 261; LG Krefeld BauR 2009, 860, IBR 2009, 276 mit Anmerkung Heiliger).
Fazit: Was man schwarz auf weiss besitzt, kann man auch hier getrost nach Hause tragen
Eingestellt von Baurecht um 13:05 Keine Kommentare:
Dampfdichte Dämmstoffe oder Dampfsperren können das Tauwasserproblem verringern, müssen jedoch überaus sorgfältig ausgeführt werden, damit kleine Lücken oder Undichtigkeiten nicht zu Feuchteschäden führen. Trotz der genannten Problematiken ist eine Innendämmung in vielen Fällen nicht zu umgehen. Wenn aus Denkmalschutzgründen keine Außendämmung möglich ist oder wenn ein Mehrfamilienhaus z. B. wohnungsweise saniert werden soll, bietet sich bei einer angestrebten energetischen Verbesserung keine andere Möglichkeit an. Diffusionsoffene Innendämmsysteme mit einem hohen ph-Wert (10) können hier Abhilfe schaffen, da sie Schimmelwachstum gar nicht erst entstehen lassen.
Calciumsilikatplatten beispielsweise werden aus Kalk, Sand, Zellulose und Wasser hergestellt. Aufgrund ihrer Beschaffenheit und ihres hohen ph-Wertes können sie große Mengen an Wasserdampf aufnehmen, ohne dass Feuchteschäden entstehen. Die Platten werden beim Einbau vollflächig auf die Innenwand geklebt. Durch die Diffusionsoffenheit des Materials trocknet die Feuchtigkeit nach kurzer Zeit wieder aus. Der Nachteil von Calciumsilikatplatten ist ihre vergleichsweise hohe Wärmeleitfähigkeit von 0,065 W/m²K.
Eingestellt von Baurecht um 13:03 Keine Kommentare:
Ein Beitrag aus dem Baunetzwissen
Bestimmte Maßnahmen der nachträglichen Wärmedämmung haben sich in der Altbaumodernisierung als besonders praktikabel und wirtschaftlich herausgestellt. An zahlreichen ausgeführten Projekten haben sie sich bewährt.
Im folgenden wird eine Auswahl typischer Fälle mit einer entsprechenden Empfehlung für die sinnvollste Maßnahme vorgestellt.
• Sparrendach mit Ziegeldeckung – Ziegel oder Unterspannbahn müssen ohnehin erneuert werden.
Sinnvolle Maßnahme: Dämmung zwischen den Sparren oder Dämmung zwischen und auf den Sparren.
• Sparrendach mit Ziegel-, Schiefer- oder Metalldeckung – Dacheindeckung und Unterspannbahn sind in Ordnung und müssen nicht erneuert werden.
Sinnvolle Maßnahme: Dämmung zwischen den Sparren oder Dämmung zwischen und unter den Sparren.
• Oberste Geschossdecke – Dachraum nicht genutzt.
Sinnvolle Maßnahme: Wärmedämmung von oben, gegebenenfalls mit begehbarer Abdeckung aus Holzbohlen oder Spanplatte.
• Putzfassade – Fassade ist renovierungsbedürftig
Sinnvolle Maßnahme: Wärmedämm-Verbundsystem.
• Fassade mit Holz-, Schiefer- oder Metallbekleidung – Bekleidung ist schadhaft
Sinnvolle Maßnahme: Neue Vorhangfassade mit Wärmedämmung, Hinterlüftung und Bekleidung, gegebenenfalls unter Wiederverwendung des ursprünglichen Bekleidungsmaterials.
• Fassade mit Sichtmauerwerk – Vorhandene Fassade erfüllt Mindestwärmeschutz nach DIN 4108.
Sinnvolle Maßnahme: Ersatzmaßnahmen durch erhöhte Wärmedämmung an anderen Bauteilen (hofseitige Wand, Dach), evtl. Innendämmung.
• Fassade mit aufwendiger Ornamentik (Gründerzeit) – Vorhandene Fassade erfüllt Mindestwärmeschutz nach DIN 4108.
Sinnvolle Maßnahme: Ersatzmaßnahmen durch erhöhte Wärmedämmung an anderen Bauteilen (hofseitige Wand, Dach).
• Sichtfachwerkfassade – Fassade ist schadhaft oder erfüllt nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108.
Sinnvolle Maßnahme: Neue Vorhangfassade mit Wärmedämmung und Hinterlüftung, Vorsatzschale aus regionaltypischer Holz- oder Schieferbekleidung.
• Sichtfachwerk das unbedingt erhalten bleiben soll – z.B. denkmalgeschützte Schauseite des Gebäudes.
Sinnvolle Maßnahme: Zusätzliche Leichtlehmwand auf der Innenseite der Fassade, evtl. Ausmauern der Gefache mit hoch wärmedämmenden Steinen.
• Einfache Holzfenster – Fenster sind schadhaft und/oder erfüllen nicht den Mindestwärmeschutz.
Sinnvolle Maßnahme: Ersatz durch neue Fenster mit hoch wärmedämmender Verglasung.
• Kasten- oder Verbundfenster mit Einfachverglasung – Rahmen befinden sich in gutem Zustand.
Sinnvolle Maßnahme: Aufarbeiten der Fenster, nachträglicher Einbau von Gummidichtungen, Ersatz der Verglasung durch neues Wärmeschutzglas.
• Ungedämmte Kellerdecke – Keller wird nicht beheizt.
Sinnvolle Maßnahme: Anbringen eines Wärmedämmstoffes an der Deckenunterseite, gegebenenfalls zum mechanischen Schutz des Dämmstoffes als Verbundplatte Gipskarton/Dämmstoff.
Eine Innendämmung ist hier nicht erwähnt!
Eingestellt von Baurecht um 13:01 Keine Kommentare:
Eingestellt von Baurecht um 12:59 Keine Kommentare:
Eingestellt von Baurecht um 12:49 Keine Kommentare:
Eine Wärmedämmung ist nur so gut wie ihre Verarbeitung!
Ein eklatantes Beispiel für eine schlecht angebrachte Wärmedämmung.
Geschuldet war im Rahmen der energetischen Gebäudesanierung ein Wärmedämm-Verbundsystem aus 15 cm starken Mineralfaser-Lamellendämmplatten. Mineralfaser-Lamellendämmplatten sind dadurch gekennzeichnet, dass die Mineralfasern senkrecht zur Plattenebene ausgerichtet sind und dadurch eine sehr hohe Querzugfestigkeit gegeben ist, so dass eine reine Verklebung am Wandbildner zur Aufnahme der Windsogkräfte ausreichend ist. Dabei wird eine vollflächige (100 %) Verklebung gefordert.
In der entsprechenden abZ ist aufgeführt: „Bei Verwendung vorbeschichteter Mineralfaser-Lamellendämmplatten … darf der Klebemörtel auch vollflächig oder teilflächig auf den Untergrund aufgetragen werden. Bei vollflächigem Auftragen ist der Klebemörtel unmittelbar vor dem Ansetzen der Dämmstoffplatten mit einer Zahntraufel aufzukämmen. Bei teilflächigem Auftragen muss der Klebemörtel so auf die Wand gespritzt werden, dass mindestens 50 % der Fläche durch Mörtelstreifen bedeckt sind. Die Kleberwülste müssen ca. 5 cm breit und in Wulstmitte mindestens 10 mm dick sein; der Achsabstand darf 10 cm nicht überschreiten (siehe Anlage 1). Die Dämmstoffplatten sind unverzüglich, spätestens nach 10 Minuten, mit der beschichteten Seite in das frische Klebemörtelbett einzudrücken, einzuschwimmen und anzupressen.“
Dadurch werden die Kleberwülste zusammengepresst, der Kleber verteilt sich in die Zwischenräume, die sich dabei weitgehend schliessen, wodurch wiederum eine nahezu vollflächige Verklebung erreicht wird.
Der Unternehmer, dem der Auftrag erteilt wurde, hatte offensichtlich keine Ahnung davon, wie ein derartiges System ordnungsgemäß zu verarbeiten ist.
Bilder vom „Objekt“ finden Sie unter dem folgenden Link:
http://www.haera.de/WDVS/SPH/abbruch.html
Eingestellt von Baurecht um 12:43 Keine Kommentare:
Kommt es zum Brand eines Hauses, hat der Eigentümer des durch den Brand geschädigten Nachbarhauses in analoger Anwendung des § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB einen Ausgleichsanspruch.
BGH Urteil vom 1. April 2011 (V ZR 193/10)
Die Beklagte bewohnte mit ihrem Ehemann ein Reihenhaus, welches letzterem gehört. Im Schlafzimmer des Hauses kommt es zu einem Brand, der sowohl das Reihenhaus als auch die Nachbarhäuser beschädigt. Es lässt sich nicht feststellen, ob der Brand auf einem fahrlässigen Verhalten oder auf einem unabwendbaren technischen Defekt beruht. Die Klägerin zahlte als Gebäudeversicherer den Eigentümern der Nachbarhäuser eine Entschädigung und verlangt diesen von der Beklagten zurück.
Der BGH stellt fest, daß ein Anspruch der Klägerin aus übergegangenem Recht der Nachbarn besteht. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Beklagte ein Verschulden trifft oder nicht. Denn auch im letzteren Fall ist sie Störerin gem. § 1004 Abs. 1, 862 Abs. 1 BGB. Damit haben die geschädigten Nachbarn einen verschuldensunabhängigen Ausgleichsanspruch gegen die Beklagte aus § 906 Abs. 2, Satz 2 BGB analog. Daß die Beklagte nicht Eigentümerin des abgebrannten Hauses ist, ändert daran nichts.
Der nachbarrechtliche Entschädigungsanspruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB spielt auch im Baurecht eine erhebliche Rolle, wenn es zu Schäden an Nachbargebäuden kommt.
Dies ist insbesondere auch dann von Bedeutung, wenn bei Reihenhäusern die Fassaden mit brennbarem Material – z. B. Polystyrol – gedämmt sind und im Brandfalle eine Brandausweitung auf das angrenzende Nachbargebäude erfolgen kann, weil eine vertikale Brandbarriere aus nicht brennbarem Material, wie es die Landesbauordnungen vorschreiben, nicht ausgeführt ist.
Eingestellt von Baurecht um 11:46 Keine Kommentare:
OLG Frankfurt, Beschluss vom 07.07.2010 - 7 U 76/09 – IBR 2010, 560
Die Werkleistung der Beklagten, die aufgrund des abgeschlossenen Bauträgervertrages hinsichtlich des zu errichtenden Gebäudes nach werkvertraglichen Grundsätzen Gewähr für die Mangelfreiheit zu bieten hat, ist mangelhaft. Der Mangel besteht darin, dass die Fassade bereits nach 2-3 Jahren großflächig Pilz- und Algenbewuchs aufweist, der eine Reinigung erfordern würde. Die allmähliche Verfärbung einer Fassade infolge von Umwelteinflüssen ist für sich genommen zwar kein Mangel, sondern eine zwangsläufige Folge des ,,Gebrauchs" bzw. der Alterung des Gebäudes. Der Bewuchs mit Algen und Pilzen beruht darauf, dass sich organische Substanzen, z.B. Blütenstaub, an der Fassade ablagern und im Zusammenwirken mit Feuchtigkeit, die aus Regen oder Tau resultiert, dem Bewuchs Nahrung bieten. Es ist aber nicht üblich und entspricht deshalb auch nicht der Beschaffenheit, die der Erwerber eines Gebäudes erwarten kann (§ 633 Abs. 2 Nr. 2 BGB), dass die Verschmutzung der Fassade ohne besondere, den Bewuchs fördernde Umgebungsbedingungen so schnell voranschreitet, dass bereits nach 2 - 3 Jahren eine großflächige Reinigung der Fassade erforderlich wird. Ein solcher in kurzen Abständen wiederkehrender Unterhaltungsaufwand entspricht nicht der üblichen Beschaffenheit. Es stellt auch einen optischen Mangel dar, dass das hell gestrichene Gebäude schon nach kurzer Zeit ein unschönes Erscheinungsbild bietet. Diese Erscheinung beruht nicht auf besonderen Umweltbedingungen, sondern darauf, dass das streitige Gebäude eine wärmegedämmte Fassade hat. Der Sachverständige hat festgestellt, dass die gleichfalls hellen Fassaden mehrerer Häuser in der unmittelbaren Umgebung keine derartigen Spuren aufweisen. Der Sachverständige führt das ungewöhnlich rasche Entstehen der Verfärbung vielmehr darauf zurück - und dieser Zusammenhang ist zwischen den Parteien an sich auch unstreitig -, dass eine wärmegedämmte Fassade außen erheblich kälter bleibt als eine nicht gedämmte Fassade, deshalb auch regelmäßig über längere Zeit feuchter ist und das Wachstum von Pilzen und Algen deshalb mehr begünstigt als eine nicht gedämmte Fassade. Dieser Unterschied zeigt sich augenfällig im unterschiedlichen Erscheinungsbild des Gebäudes der Klägerin und der in der Nähe befindlichen Gebäude.
siehe auch: Beispielbilder
Eingestellt von Baurecht um 03:07 Keine Kommentare:

References: § 444
 § 906

BGH 
 BGH 
 § 1004
 § 906
 § 906