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Gesetz zum Schutz des Bürgers bei der Verarbeitung seiner Daten (Landesdatenschutzgesetz DSG M-V) - PDF
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1 Gesetz zum Schutz des Bürgers bei der Verarbeitung seiner Daten (Landesdatenschutzgesetz DSG M-V) m i t E r l ä u t e r u n g e n Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern2 Herausgeber: Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern Postanschrift: Lennéstraße 1, Schloss Schwerin Dienststelle: Johannes-Stelling-Straße Schwerin Telefon: Telefax: Internet: Umschlag: designmuth Neubrandenburg Druck: altstadt-druck GmbH Rostock ISBN:3 V o r w o r t Datenschutz und Informationsfreiheit haben in den vergangenen Jahren für viele Bürgerinnen und Bürger an Bedeutung gewonnen. Die Nutzung von Internet, Mobiltelefonen, Navigationssystemen oder elektronischen Zahlungssystemen gehört inzwischen zum Alltag vieler Menschen. Insbesondere die junge Generation kann sich ein Leben ohne Smartphone und ohne ständige Erreichbarkeit in sozialen Netzen nicht mehr vorstellen. Die moderne Technik birgt jedoch in zunehmendem Maße Gefahren für die Privatsphäre der Menschen. Für den Einzelnen wird es immer schwieriger, den Überblick über die eigenen Daten zu behalten. Entwickler und Betreiber von Informations- und Kommunikationstechnik sind mehr denn je gefordert, datenschutzfreundliche Produkte anzubieten. Aber auch der Gesetzgeber ist in der Pflicht, mit modernen Gesetzen auf die schnelle technische Entwicklung zu reagieren, um einen zeitgemäßen Rahmen für den vertrauenswürdigen und transparenten Umgang mit personenbezogenen Daten bereitzustellen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es seit 1992 ein Landesdatenschutzgesetz. Das Gesetz wurde mehrmals novelliert. Mit den letzten Änderungen im Jahr 2011 reagierte der Landtag unter anderem auf zahlreiche Datenskandale in den zurückliegenden Jahren und auf die Anforderungen der Europäischen Kommission zur Unabhängigkeit der Datenschutzaufsicht. Auch das Informationsfreiheitsgesetz aus dem Jahr 2006 wurde novelliert. Wichtige Erkenntnisse aus der Evaluation des Gesetzes wurden berücksichtigt. Diese Broschüre enthält neben den Texten der beiden Gesetze kurze und leicht verständliche Hinweise und Erläuterungen. Damit möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung ein Hilfsmittel zur Anwendung der Rechtsvorschriften in der Praxis an die Hand geben. Die Texte sollen aber auch interessierten Bürgerinnen und Bürgern zum besseren Verständnis des Datenschutz- und des Informationsfreiheitsrechtes dienen. R e i n h a r d D a n k e r t Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 34 Gesetz zum Schutz des Bürgers bei der Verarbeitung seiner Daten (Landesdatenschutzgesetz DSG M-V) vom 28. März 2002 (GVOBl. M-V S. 154) letzte berücksichtigte Änderung: mehrfach geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 20. Mai 2011 (GVOBl. M-V S. 277, 278) mit Erläuterungen Inhaltsübersicht Abschnitt 1 Allgemeine Vorschriften ( 1-6) Abschnitt 2 Verarbeitung personenbezogener Daten ( 7 23) Abschnitt 3 Rechte des Betroffenen ( 24 28) Abschnitt 4 Der Landesbeauftragte für den Datenschutz ( 29 33b) Abschnitt 5 Besondere Regelungen ( 34 39) Abschnitt 6 Personenbezogene Daten ehemaliger Einrichtungen ( 40, 41) Abschnitt 7 Bußgeld-, Straf-, Übergangs- und Schlussvorschriften ( 42 45) Allgemeines zum Gesetz 7 1 Zweck 13 2 Anwendungsbereich 14 3 Begriffsbestimmungen 20 4 Verarbeitung von personenbezogenen Daten im Auftrag 42 5 Datenvermeidung, Datenschutzaudit, Systemdatenschutz 48 6 Datengeheimnis 52 4 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern5 7 Grundsatz 54 8 Einwilligung 61 9 Erheben Nutzen Speichern, Verändern Automatisierte Einzelentscheidung Berichtigen, Sperren und Löschen Übermittlung an Stellen innerhalb des öffentlichen Bereichs Übermittlung an inländische nicht-öffentliche Stellen Übermittlung an europäische nicht-öffentliche Stellen und Drittstaaten Verbund-, Abruf- und gemeinsame Verfahren Verfahrensverzeichnis Freigabe, Vorabkontrolle Behördlicher Datenschutzbeauftragter Allgemeine Maßnahmen zur Datensicherheit Besondere Maßnahmen zur Datensicherheit beim Einsatz automatisierter Verfahren Pflicht zur Benachrichtigung Betroffener Auskunft, Akteneinsicht Sperrung und Widerspruch durch den Betroffenen Anrufung des Landesbeauftragten für den Datenschutz Schadensersatz 167 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 56 28 Unabdingbarkeit der Rechte Betroffener Berufung und Rechtsstellung Kontrolle Unterstützung Beanstandungen Weitere Aufgaben und Befugnisse a Aufsichtsbehörde für den nicht-öffentlichen Bereich b Datenschutzbeirat Wissenschaftliche Forschung Datenverarbeitung bei Dienst- und Arbeitsverhältnissen Mobile Datenverarbeitungssysteme Videoüberwachung und -aufzeichnung Fernmess- und Fernwirkdienste Öffentliche Auszeichnungen Zuständigkeit für personenbezogene Daten ehemaliger Einrichtungen Zulässige Nutzung und Zweckbestimmung der Speicherung personenbezogener Daten ehemaliger Einrichtungen Ordnungswidrigkeiten Straftaten Übergangsvorschrift Außer-Kraft-Treten 215 Stichwortverzeichnis Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern7 DSG M-V Allgemeines Allgemeines zum Gesetz I. Ausgangslage und Zielsetzung Das in Art. 2 Abs. 1 GG normierte Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit umfasst in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG auch den Schutz des Einzelnen vor einer missbräuchlichen Verarbeitung seiner persönlichen Daten. Datenschutz hat damit als Teil des Persönlichkeitsrechtes Verfassungsrang. In Mecklenburg-Vorpommern ist in die Verfassung des Landes auch ausdrücklich dieses Recht auf Datenschutz aufgenommen worden; in Art. 6 Abs. 1 Satz 1 Verf M-V heißt es: Jeder hat das Recht auf Schutz seiner personenbezogenen Daten. Die Wahrnehmung dieses Rechtes setzt jedoch das Wissen des Einzelnen über die Art und den Umfang einer Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten voraus sowie auch seine Befugnis, grundsätzlich selbst über Preisgabe und Verwendung seiner Daten zu bestimmen (Recht auf informationelle Selbstbestimmung). Im Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Dezember 1983, dem so genannten Volkszählungsurteil, heißt es dazu: Wer nicht mit hinreichender Sicherheit überschauen kann, welche ihn betreffenden Informationen in bestimmten Bereichen seiner sozialen Umwelt bekannt sind, und wer das Wissen möglicher Kommunikationspartner nicht einigermaßen abzuschätzen vermag, kann in seiner Freiheit wesentlich gehemmt werden, aus eigener Selbstbestimmung zu planen und zu entscheiden. Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wäre eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. Wer damit rechnet, dass etwa die Teilnahme an einer Versammlung oder einer Bürgerinitiative behördlich registriert wird und dass ihm dadurch Risiken entstehen können, wird möglicherweise auf eine Ausübung seiner entsprechenden Grundrechte (Art. 8, 9 GG) Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 78 Allgemeines DSG M-V verzichten. Dies würde nicht nur die individuellen Entfaltungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemeinwohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungs- und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist. Hieraus folgt: Freie Entfaltung der Persönlichkeit setzt unter den modernen Bedingungen der Datenverarbeitung den Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten voraus. Dieser Schutz ist daher von dem Grundrecht des Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG umfasst. Das Grundrecht gewährleistet insofern die Befugnis des Einzelnen, selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. (Aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Dezember 1983 zum Volkszählungsgesetz [ Volkszählungsurteil ], BVerfGE 65, 43.) Vor diesem Hintergrund kann Datenschutz jedoch nicht als ein Recht des Einzelnen auf absolute Herrschaft über seine Daten interpretiert werden. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gibt dem Einzelnen einen Anspruch darauf, dass öffentliche und nicht-öffentliche Stellen mit seinen personenbezogenen Daten sorgsam umgehen. Die Datenschutzgesetze bestimmen daher, dass Daten nur im erforderlichen Umfang erhoben, verarbeitet und genutzt und dass schutzwürdige Belange der Betroffenen dadurch nicht beeinträchtigt werden dürfen. Ziel informationeller Selbstbestimmung ist es, die für eine demokratische Gesellschaft unerlässliche Kommunikation zu ermöglichen, indem sie einen Umgang mit personenbezogenen Daten ohne Wissen des Betroffenen verhindert beziehungsweise auf wenige unerlässliche Ausnahmen begrenzt und damit dessen Handlungsfähigkeit sichert. Der Einzelne hat nicht ein Recht im Sinne einer absoluten, uneingeschränkten Herrschaft über seine Daten; er ist vielmehr eine sich innerhalb der sozialen Gemeinschaft entfaltende, auf Kommunikation angewiesene Persönlichkeit. Information, auch soweit sie personenbezogen ist, stellt ein Abbild sozialer Realität dar, das nicht ausschließlich dem Betroffenen allein zugeordnet werden kann... Grundsätzlich muss daher der Einzelne Einschränkungen seines Rechts auf informationelle Selbstbestimmung im überwiegenden Allgemeininteresse hinnehmen. (BVerfGE 65, 43 f.). Dementsprechend gewährt auch Art. 6 8 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern9 DSG M-V Allgemeines Abs. 1 Verf M-V keinen unbeschränkten Datenschutz; Satz 2 bestimmt: Dieses Recht findet seine Grenzen in den Rechten Dritter und in den überwiegenden Interessen der Allgemeinheit. In diesem Spannungsfeld zwischen den Rechten des Einzelnen und denen der Allgemeinheit nimmt das Landesdatenschutzgesetz von Mecklenburg-Vorpommern die durch Art. 6 Abs. 4 Verf M-V ( Das Nähere regelt das Gesetz. ) vorgesehene Mittlerrolle ein. Seine Aufgabe ist es, das Recht des Einzelnen, grundsätzlich selbst über Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen, zu schützen und gleichzeitig die Voraussetzungen und den Umfang für eine notwendige, von diesem Grundsatz abweichende Verarbeitung personenbezogener Daten hinreichend normenklar und dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechend festzulegen. Normenklarheit und Verhältnismäßigkeit bedürfen jedoch eines bereichsspezifischen Kontextes. Regelungen der Verarbeitung personenbezogener Daten werden um so konkreter und dem Einzelnen vermittelbarer, je genauer ihr Regelungsbereich, das heißt eine spezielle Verwaltungsaufgabe, bestimmt ist. Dem Datenschutzgesetz, das gleichermaßen in allen Verwaltungsbereichen Anwendung findet, sind hier Grenzen gesetzt. Es wird sich im Sinne eines allgemeinen Verfahrensgesetzes darauf beschränken müssen, generelle Prinzipien der Verarbeitung personenbezogener Daten zu bestimmen, an denen sich konkrete Informationsprozesse, aber auch bereichsspezifische Datenschutzregelungen anderer Gesetze zu orientieren haben. Solcherart grundlegende Prinzipien wie Erforderlichkeit oder Zweckbindung bilden somit den Maßstab für die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung personenbezogener Daten. Dem Schutz des Betroffenen vor einer rechtswidrigen Verarbeitung seiner Daten dienen die im Datenschutzgesetz festgeschriebene Rechte (das Recht auf Auskunft wird schon auf der Ebene der Verfassung durch Art. 6 Abs. 2 Verf M-V gewährleistet), die Forderung nach Transparenz beim Umgang mit personenbezogenen Daten und die in Art. 37 Verf M-V verfassungsrechtlich verankerte unabhängige Datenschutzkontrolle. II. Grundzüge des Gesetzes Das Landesdatenschutzgesetz von Mecklenburg-Vorpommern (DSG M-V) regelt die Verarbeitung personenbezogener Daten durch öffentliche Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 910 Allgemeines DSG M-V Stellen umfassend; es gilt unabhängig davon, ob die Daten in Form von Dateien oder in Form von Akten gespeichert sind, und unabhängig davon, ob es sich bei der Verarbeitung der Daten um automatisierte oder um nicht-automatisierte Verfahren handelt. Das Landesdatenschutzgesetz ist ein so genanntes Auffanggesetz, das heißt, seine Vorschriften kommen immer dann zur Anwendung, wenn und soweit die Verarbeitung personenbezogener Daten nicht durch spezielle bereichsspezifische Rechtsvorschriften, die dem verfassungsrechtlichen Gebot der Verhältnismäßigkeit entsprechen müssen, normenklar geregelt ist. Jede darüber hinausgehende Verarbeitung personenbezogener Daten ist unzulässig, es sei denn, dass der Betroffene darin eingewilligt hat. Die Einwilligung setzt voraus, dass der Betroffene den Zweck und den Umfang der beabsichtigten Verarbeitung der Daten kennt. Deshalb hat die öffentliche Stelle ihn darüber umfassend aufzuklären. Um die Einhaltung der Datenschutzvorschriften sicherzustellen und die Datenschutzkontrolle zu gewährleisten, sind die Daten verarbeitenden Stellen verpflichtet, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen. Die Kontrolle über die Einhaltung der Vorschriften dieses Gesetzes und anderer Datenschutzvorschriften in den öffentlichen Stellen übt der durch den Landtag gewählte Landesbeauftragte für den Datenschutz aus. Sein Amt ist beim Präsidenten des Landtages eingerichtet; in Ausübung seines Amtes ist er weisungsfrei und nur dem Gesetz unterworfen. Die öffentlichen Stellen sind verpflichtet, ihn bei seiner Aufgabenerfüllung zu unterstützen. Die öffentlichen Stellen haben dem Betroffenen auf Antrag Auskunft über die zu seiner Person gespeicherten Daten zu geben. Darüber hinaus hat der Betroffene das Recht auf Anrufung des Landesbeauftragten für den Datenschutz sowie in besonderen Fällen auf Sperrung seiner Daten. Er hat gegebenenfalls auch Anspruch auf Schadensersatz. Das Landesdatenschutzgesetz enthält auch Sonderregelungen über die Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten zu wissenschaftlichen Zwecken, über die Verarbeitung personenbezogener Daten bei Dienst- und Arbeitsverhältnissen und bei der Vorbereitung öffentlicher Auszeichnungen sowie Vorschriften zu Ordnungswidrigkeiten und zu Straftaten bei Verstößen bzw. erheblichen Zuwiderhandlungen gegen die Gebote und Verbote innerhalb des Gesetzes. In den Übergangsvorschriften werden die Zuständigkeit für personenbezogene Daten aus ehemaligen Einrichtungen der DDR, die Voraussetzungen für die Zulässigkeit ihrer weiteren Verarbeitung in den öffentlichen Stellen sowie die Umstände, die zu einer Sperrung von Daten ehemaliger Einrichtungen führen, geregelt. 10 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern11 DSG M-V Allgemeines Darüber hinaus enthält das Gesetz Regelungen zum (neu eingerichteten) Datenschutzbeirat, der gegenüber dem Landesbeauftragten für den Datenschutz eine Beratungsfunktion ausübt. III. Die Novellierung 2002 Die Novellierung des Landesdatenschutzgesetzes im Jahre 2002 diente in erster Linie der Anpassung des Gesetzes an die Richtlinie 95/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Oktober 1995 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr (ABl. EG Nr. L 281/31 vom 23. November 1995, S. 31 ff.), nachfolgend Richtlinie genannt. Die Richtlinie konkretisiert und ergänzt die Grundsätze der Datenschutzkonvention des Europarates von 1981 (BGBl II, S. 538 ff.) und schafft ein einheitliches Datenschutzniveau für die Ausführung und die Anwendung des Gemeinschaftsrechtes durch die Mitgliedsstaaten. Innergemeinschaftlicher Datenverkehr im Anwendungsbereich der Richtlinie ist daher künftig inländischem gleichzustellen. Zugleich wurden mit der Novelle die Weichen gestellt für eine Modernisierung des Datenschutzrechts im Lande, die der Entstehung neuartiger Datenverarbeitungstechniken und der mengenmäßigen Zunahme personenbezogener Daten seit dem Erlass des Landesdatenschutzgesetzes am 24. Juli 1992 Rechnung tragen sollte. Sowohl die Umsetzung der Richtlinie als auch die Modernisierung des Landesdatenschutzrechts führten zu einer Reihe von neuen gesetzlichen Regelungen, Gestaltungen, Detaillierungen und Vereinheitlichungen. IV. Die Novellierung 2011 Nach der Richtlinie 95/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Oktober 1995 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr ist vorgesehen, dass die entsprechenden Kontrollstellen (hier also der Landesbeauftragte für den Datenschutz) die ihnen zugewiesenen Aufgaben in völliger Unabhängigkeit wahrzunehmen haben. Mit Urteil vom 9. März 2010 hat der Gerichtshof der Europäischen Union in der Rechtssache C- 518/07 im Rahmen eines gegen die Bundesrepublik Deutschland angestrengten Vertragsverletzungsverfahrens entschieden, dass die Bundesrepublik Deutschland gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 28 Absatz 1 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 1112 Allgemeines DSG M-V Unterabsatz 2 der o. g. Richtlinie verstoßen hat, indem sie die für die Überwachung zuständigen Kontrollstellen in den Bundesländern staatlicher Aufsicht unterstellt hat. Dies galt auch zum Beispiel für den bisherigen 33 a Satz 2 des Landesdatenschutzgesetzes, der somit zu streichen war. Darüber hinaus wurde das Landesdatenschutzgesetz im Hinblick auf einen effektiven Datenschutz an rechtliche und technische Entwicklungen angepasst: So sieht die Novelle nunmehr in Anlehnung an die Datenschutzgesetze anderer Bundesländer Bußgeldtatbestände vor, wenn Verstöße gegen Datenschutzvorschriften vorliegen. Zudem wird die bestehende Obergrenze von Euro für Schadensersatzansprüche bei Verletzung der Rechte von Betroffenen entsprechend der Regelung im Bundesdatenschutzgesetz auf Euro angehoben. Ferner wird beim Landesbeauftragten für den Datenschutz ein Datenschutzbeirat als Beratungsgremium eingerichtet. Letztlich wird in der Novelle nunmehr geregelt, dass der Landesbeauftragte für den Datenschutz der Dienstaufsicht des Präsidenten des Landtages untersteht, soweit seine Unabhängigkeit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Hierdurch wird seitens des Gesetzgebers der Versuch unternommen, den diesbezüglichen Vorgaben durch europäisches Recht bzw. durch die europäische Rechtsprechung zu entsprechen, die eine völlige Unabhängigkeit der Kontrollstellen fordern. Inwieweit die vorgenommene Einschränkung der nach wie vor verbleibenden Dienstaufsicht nunmehr den europäischen Vorgaben entspricht, wird sich ggf. im Rahmen weiterer Prüfungen seitens der Europäischen Union erweisen. 12 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern13 DSG M-V Zu 1 1 Zweck Zweck dieses Gesetzes ist es, das Recht des Einzelnen zu schützen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner Daten zu bestimmen (Recht auf informationelle Selbstbestimmung). Zu 1 Der Schutz des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung wird in Anlehnung an den Wortlaut des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum Volkszählungsgesetz 1983, das so genannte Volkszählungsurteil (siehe Allgemeines), als Ziel des Gesetzes bestimmt. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung umfasst nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts vor allem die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. Die Regelungen des DSG M-V setzen diese Vorgabe um, indem sie definieren, unter welchen Voraussetzungen ein Betroffener die Verarbeitung seiner Daten dulden muss. Damit enthalten sie zugleich eine Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung durch die öffentlichen Stellen. Eine Konsequenz des Gesetzeszwecks ist die Verpflichtung auf Maßnahmen zur Datensparsamkeit und zur Datensicherheit. Diese dienen dem Schutz der Daten vor Verfälschung, Verlust und unberechtigten Zugriffen und damit letztendlich dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Der Grundrechtsschutz als Ziel des Gesetzes ist Auslegungsmaßstab für die Bestimmungen des DSG M-V selbst, aber auch für datenschutzrechtliche Bestimmungen in anderen Rechtsvorschriften. Er führt im Zweifel zu einer für das informationelle Selbstbestimmungsrecht günstigen Auslegung. Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 1314 Zu 2 DSG M-V 2 Anwendungsbereich (1) Dieses Gesetz gilt für Behörden und öffentlich-rechtliche Einrichtungen und Stellen des Landes, der Gemeinden, der Ämter, der Landkreise sowie für sonstige der Aufsicht des Landes unterstehende juristische Personen des öffentlichen Rechts (öffentliche Stellen). (2) Als öffentliche Stellen gelten auch juristische Personen und sonstige Vereinigungen des privaten Rechts, die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrnehmen und an denen eine oder mehrere der in Absatz 1 genannten juristischen Personen des öffentlichen Rechts mit absoluter Mehrheit der Anteile oder Stimmen beteiligt sind. Beteiligt sich eine juristische Person oder sonstige Vereinigung des privaten Rechts, auf die dieses Gesetz nach Satz 1 Anwendung findet, an einer weiteren Vereinigung des privaten Rechts, so findet Satz 1 entsprechende Anwendung. Nehmen nicht-öffentliche Stellen hoheitliche Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahr, sind sie insoweit öffentliche Stellen im Sinne dieses Gesetzes. (3) Für automatisierte Dateien, die ausschließlich aus verarbeitungstechnischen Gründen vorübergehend erstellt und nach ihrer verarbeitungstechnischen Verwendung gelöscht werden, sowie für Vorentwürfe und Notizen, die nicht Bestandteil eines Vorgangs werden sollen und alsbald vernichtet werden, gelten nur die 6, 21 und 22 sowie die 29 bis 33. Diese Daten sind vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen. (4) Soweit besondere Rechtsvorschriften den Umgang mit personenbezogenen Daten regeln, gehen sie den Vorschriften dieses Gesetzes vor. Für die Gerichte sowie für die Behörden der Staatsanwaltschaft gilt dieses Gesetz nur, soweit sie Verwaltungsaufgaben wahrnehmen. Darüber hinaus gelten für die Behörden der Staatsanwaltschaft, soweit sie keine Verwaltungsaufgaben wahrnehmen, die 18, 26, 29 bis 33 und 35 sowie die 39 bis 41; die 24 und 25 finden keine Anwendung. (5) Soweit öffentlich-rechtliche Unternehmen am Wettbewerb teilnehmen, gelten für sie nur die 18, 26, 29 bis 33 und 35 sowie die 38 bis 41. Mit Ausnahme der Vorschriften über die Meldepflichten und die 14 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern15 DSG M-V Zu 2 Aufsichtsbehörde ( 4d, 4e und 38) sind im Übrigen die für nichtöffentliche Stellen geltenden Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes einschließlich der 43 und 44 anwendbar. (6) Für Gnadenverfahren findet dieses Gesetz keine Anwendung. Zu Abs. 1 Die Vorschrift bestimmt die Normadressaten dieses Gesetzes und führt den umfassenden Begriff der öffentlichen Stelle ein. Behörde ist jede Stelle, die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrnimmt ( 1 Abs. 4 VwVfG M-V). Sie erledigt ihre Aufgaben selbständig, ist vom Wechsel des Amtsinhabers unabhängig und nimmt unter eigenem Namen eigenständige Aufgaben der öffentlichen Verwaltung war. Unselbständige Arbeitseinheiten einer Behörde sind demnach im Regelfall keine Behörden (Referate in den Ministerien, Dezernate in nachgeordneten Behörden, Ämter oder Ausschüsse in Kommunen, es sei denn, einem Amt ist eine selbständige, abgeschottete Aufgabe zugewiesen worden). Jede Behörde sowie auch jede unselbständige Arbeitseinheit einer Behörde hat unterschiedliche Funktionen, das heißt, es werden unterschiedliche Aufgaben erfüllt und personenbezogene Daten für einen bestimmten Zweck verarbeitet. Da im Datenschutzrecht der funktionale Behördenbegriff gilt, sind nicht nur die Behörden, sondern auch ihre funktionalen Einheiten im Verhältnis zueinander als Dritte nach 3 Abs. 6 zu behandeln. Bei einer Datenweitergabe ist daher 14 anzuwenden. Somit ist gewährleistet, dass personenbezogene Daten, die innerhalb einer Behörde oder Kommune zu unterschiedlichen Zwecken verarbeitet werden, ausreichend geschützt sind. Öffentlich-rechtlich organisierte Einrichtungen und Stellen üben im Gegensatz zu den Behörden keine oder nur zum Teil Verwaltungstätigkeit im Sinne des Gesetzesvollzugs aus. Dazu gehören beispielsweise die Gerichte und die Landtagsverwaltung. Hierzu zählen aber auch die Personalräte im Verhältnis zu ihrer Dienststelle, da sie bei der Wahrnehmung der ihnen durch das Mitbestimmungsgesetz zugewiesenen Aufgaben selbständig und vor allem gleichberechtigt neben ihrer Dienststelle tätig werden und keinerlei Weisungen unterliegen. Anders verhält es sich bei den Gleichstellungsbeauftragten, die nur in fachlicher Hinsicht unabhängig sind. Ihnen werden zwar im Gleichstellungsgesetz eigene Aufgaben und Datenverarbeitungsbefugnisse eingeräumt, allerdings sollen sie aufgrund der bestehenden Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 1516 Zu 2 DSG M-V Dienstaufsicht nicht die alleinige und unabhängige Verantwortung für die Datenverarbeitung tragen. Sonstige der Aufsicht des Landes unterstehende juristische Personen des öffentlichen Rechts sind Körperschaften, Stiftungen und Anstalten des öffentlichen Rechts, zum Beispiel die Sparkassen oder die Industrie- und Handelskammern. Im Bereich der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (NDR und ZDF) gilt im Grundsatz nach wie vor das Sitzlandprinzip (mithin hamburgisches bzw. rheinland-pfälzisches Datenschutzrecht). Mittlerweile ist der Datenschutz aber größtenteils bereichsspezifisch durch die Rundfunk-Staatsverträge geregelt. Die Anstalten haben eigene Datenschutzbeauftragte, die die Einhaltung der Vorschriften über den Datenschutz bei der Tätigkeit des NDR bzw. des ZDF überwachen. Diese Überwachungspflicht bezieht sich auch auf Dritte, die im Auftrag einer Rundfunkanstalt tätig werden. So sind die jeweiligen Datenschutzbeauftragten der Rundfunkanstalten auch für die Kontrolle der GEZ zuständig. Zu Abs. 2 Die Regelung stellt klar, unter welchen Voraussetzungen juristische Personen und sonstige Vereinigungen des privaten Rechts nach Landesrecht zu behandeln sind, und regelt damit auch die Kontrollzuständigkeit. Als öffentliche Stellen im Sinne des Abs. 2 S. 1, 2 kommen juristische Personen des Privatrechts wie GmbH oder AG und privatrechtliche Vereinigungen wie eingetragener Verein oder BGB-Gesellschaft in Betracht. Der Begriff Aufgaben der öffentlichen Verwaltung umfasst Handlungen, die unmittelbar der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe dienen, an der ein zentrales öffentliches Interesse besteht. Unerheblich ist, ob es sich um gesetzliche oder um freiwillige Aufgaben handelt und ob die Aufgaben durch privat- oder öffentlich-rechtliches Handeln erfüllt werden. Eine solche Aufgabe ist beispielsweise das weite Feld der Daseinsvorsorge, welche unter anderem neben der Energie- und Wasserversorgung auch den öffentlichen Personennahverkehr, die Abfall- und Wohnungswirtschaft und das Vorhalten von öffentlichen Einrichtungen wie Sportstätten, Theater, Krankenhäuser und Kindergärten beinhaltet. Keine Aufgaben der öffentlichen Verwaltung sind reine Finanzbeteiligungen. Typische Anwendungs- 16 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern17 DSG M-V Zu 2 fälle sind privatrechtlich organisierte Nahverkehrs-, Energie- oder Wohnungsverwaltungsunternehmen in überwiegend öffentlicher Trägerschaft. Sie sind somit öffentliche Stellen und unterliegen dadurch der Kontrollzuständigkeit des Landesbeauftragten für den Datenschutz. Typischer Anwendungsfall des Abs. 2 S. 3 sind die so genannten beliehenen Unternehmen oder Personen wie der TÜV-Sachverständige oder der Bezirksschornsteinfegermeister. Zu Abs. 3 Auch die in Abs. 3 beschriebenen Dateien fallen seit der Anpassung des Landesdatenschutzgesetzes im Jahr 2002 an die Richtlinie 95/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Oktober 1995 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr in den Anwendungsbereich dieses Gesetzes. Zu Abs. 4 Absatz 4 Satz 1 macht deutlich, dass es sich bei dem allgemeinen Datenschutzgesetz um ein Auffanggesetz handelt, das gegenüber spezialgesetzlichen Regelungen subsidiär ist. Rechtsvorschriften sind auch Tarifvertragsnormen, die für allgemein verbindlich erklärt werden. Die Nachrangigkeit des Landesdatenschutzgesetzes gilt nicht nur für Bereiche, die in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes fallen (z. B. Teil X des Sozialgesetzbuchs für den gesamten Bereich des Sozialrechts), sondern auch für die einzelnen Fachgesetze des Landes, wie etwa das Meldegesetz. Nur soweit diese zum Umgang mit personenbezogenen Daten keine Regelungen enthalten, gilt das allgemeine Datenschutzgesetz. Enthalten sie lediglich unvollständige Regelungen, dann ist zu prüfen, ob deren Sinn und Zweck eine Ergänzung durch die Anwendung der allgemeinen Vorschriften zulässt. Dies entspricht der Auslegung bereits bestehender Subsidiaritätsregelungen in den Verwaltungsverfahrensgesetzen. Die bereichsspezifischen Vorschriften bauen allerdings auf dem Regelungssystem der Datenschutzgesetze auf. So gelten die Begriffsbestimmungen des 3 in allen Verwaltungsbereichen des Landes, wenn nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist. Das Landesdatenschutzgesetz definiert im Übrigen den datenschutzrechtlichen Mindeststandard, von dem nur bei Vorliegen ausdrücklicher Sonderregelungen abgewichen werden darf. Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 1718 Zu 2 DSG M-V Soweit Gerichte und Staatsanwaltschaften Aufgaben der Rechtspflege wahrnehmen, unterfallen sie nicht diesem Gesetz; für sie gelten das Bundesdatenschutzgesetz beziehungsweise besondere Vorschriften über das Verfahren der Rechtspflege, zum Beispiel EGGVG, StPO. Die Tätigkeit der Staatsanwaltschaften unterliegt jedoch auch in diesem Fall der Aufsicht des Landesbeauftragten für den Datenschutz; die damit in Zusammenhang stehende Pflicht zur Führung des Verfahrensverzeichnisses sowie das Recht Betroffener zur Anrufung des Landesbeauftragten für den Datenschutz gelten für sie ebenfalls. Darüber hinaus sind auf Staatsanwaltschaften generell die Vorschriften über die Verarbeitung der Daten ihrer Beschäftigten, über die Verarbeitung personenbezogener Daten bei öffentlichen Auszeichnungen sowie die Übergangsvorschriften dieses Gesetzes anzuwenden. Zu Abs. 5 Soweit öffentlich-rechtliche Unternehmen in Wettbewerb mit privaten Unternehmen treten, sollen für sie die gleichen Bedingungen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten gelten. Aufgrund der bezweckten Gleichbehandlung mit Privatunternehmen sind unter dem Begriff öffentlichrechtliche Unternehmen alle Unternehmen zu verstehen, die öffentliche Stellen nach Absatz 1 oder Absatz 2 sind. Dies können sowohl Unternehmen öffentlichen Rechts (z. B. Sparkassen) als auch Unternehmen als Teile der Verwaltung (z. B. Eigenbetriebe) und Unternehmen des Privatrechts (z. B. Eigengesellschaften) sein. Das Unternehmen muss am Wettbewerb teilnehmen. Dies setzt zunächst eine wirtschaftliche, aber nicht zwingend gewinnorientierte Betätigung voraus. Weiter bedeutet es, dass das Angebot des Unternehmens mit dem anderer Unternehmen in Konkurrenz steht. Dies ist bei einem eingeräumten Monopol, z. B. einem Anschluss- und Benutzungszwang, nicht der Fall. Allerdings schließt ein lokales faktisches Monopol die Teilnahme am Wettbewerb nicht aus, solange eine solche Leistung prinzipiell auch von anderen Unternehmen angeboten werden kann und deren Angebot vor Ort rechtlich möglich ist. Beispielsweise nehmen kommunale Nahverkehrsunternehmen auch dann am Wettbewerb teil, wenn sie allein Straßenbahn- und Busverbindungen innerhalb der Kommune anbieten. Auf diese Unternehmen sind grundsätzlich die Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes für nichtöffentliche Stellen und öffentlich-rechtliche Wettbewerbsunternehmen anzuwenden. Sie unterliegen jedoch der Kontrolle des Landesbeauftragten für den Datenschutz; das Recht Betroffener auf Anrufung des Lan- 18 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern19 DSG M-V Zu 2 desbeauftragten für den Datenschutz sowie die Pflicht zur Führung des Verfahrensverzeichnisses regeln sich ebenfalls nach den Vorschriften des Landesdatenschutzgesetzes. Ebenso finden die besonderen Datenschutzregelungen zur Verarbeitung personenbezogener Daten bei öffentlichen Auszeichnungen, beim Einsatz von Fernmess- und Fernwirkdiensten und die Übergangsvorschriften dieses Gesetzes Anwendung. Zu Abs. 6 Die Ausübung des Begnadigungsrechts ist wegen dessen besonderer Rechtsnatur aus dem Anwendungsbereich des Gesetzes herausgenommen worden. Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern 1920 Zu 3 DSG M-V 3 Begriffsbestimmungen (1) Personenbezogene Daten sind Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person (Betroffener). (2) Eine Datei ist 1. eine Sammlung personenbezogener Daten, die durch automatisierte Verfahren verarbeitet und ausgewertet werden kann (automatisierte Datei) oder 2. jede sonstige strukturierte Sammlung personenbezogener Daten, die nach bestimmten Kriterien zugänglich ist (nichtautomatisierte Datei). (3) Eine Akte ist jede sonstige amtlichen oder dienstlichen Zwecken dienende Unterlage einschließlich Bild- und Tonträgern, soweit sie nicht eine Datei im Sinne von Absatz 2 ist. Nicht hierunter fallen Vorentwürfe oder Notizen, die nicht Bestandteil eines Vorgangs werden sollen. (4) Datenverarbeitung ist jede Verwendung personenbezogener Daten im Sinne der nachfolgenden Vorschriften. Dabei ist 1. Erheben das Beschaffen von Daten, 2. Speichern das Erfassen, Aufnehmen oder Aufbewahren von Daten auf einem Datenträger; dazu zählt auch das Vervielfältigen, 3. Verändern das inhaltliche Umgestalten gespeicherter Daten, 4. Übermitteln das Bekanntgeben erhobener, gespeicherter oder durch sonstige Verarbeitung gewonnener Daten an Dritte in der Weise, dass die Daten durch die Daten verarbeitende Stelle weitergegeben werden oder dass Dritte von der Daten verarbeitenden Stelle zur Einsicht oder zum Abruf bereit gehaltene Daten einsehen oder abrufen, 20 Landesdatenschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern Mehr anzeigen
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