Source: https://www.bizim-kiez.de/reichenberger-55-retten/
Timestamp: 2018-05-25 22:46:01+00:00

Document:
Chronik der Reichenberger Straße 55 in Kreuzberg - Bizim Kiez – Unter Kiez
Mit R55 ist lang noch nicht Schluss…
Offiziell wissen wir bislang: Unser Haus wurde von der BOW 3 GmbH aus Pfarrkirchen gekauft, die sich bei uns nicht vorstellte und lediglich die Hausverwaltung Hachmann damit beauftragte, uns die neue Kontonummer mitzuteilen.
Doch wir sind vorbereitet. Als vernetzte und wachsame Hausgemeinschaft sind wir gewarnt vor unserem neuen EntVermieter, gründeten den “Reichenberger 55 e.V.” mit dem Zweck: Erhalt als Mietshaus. Wir sind Teil eines Netzwerks von etwa 40 Häusern dieser ALW Immobiliengruppe, das auf Bizim Kiez über die Entmietungsstrategie informiert.
Menschen im Kiez: Seid wachsam – auch andere Häuser sind gefährdet.
Kontakt: r55 (æ) posteo.de // Eingetragen beim AG Charlottenburg: VR 36345 B
Auf dieser Seite teilt der Verein “Reichenberger 55” seine vielfältige Vernetzung mit Ämtern, Banken, Bezirk, Senat und Bund sowie die neuesten Geschehnisse im Haus. Die Zahlen sprechen klar dafür, dass die BOW 3 GmbH andere Pläne mit unserem zu Hause hat. Diese Pläne gehen nur auf, wenn man uns verdrängt. Doch wir werden bleiben.
Laut B.Z./BILD betrug der Kaufpreis 3,35 Millionen Euro für unsere 21 Wohnungen und die Kita “Lausebande” (die glücklicherweise seit 32 Jahren einen Privat-Mietvertrag hat). Gemeinsam haben wir die Daten aus unseren Mietverträgen zusammengetragen und kommen so auf etwa 1.500 Quadratmeter mit einer jährlichen Mieteinnahme von ca. 90.000 Euro.
Erklären kann man den Kaufpreis wahlweise mit überhitztem Markt, Gier und/oder einem ganz anderen Plan
Die BOW zahlte demnach 2.233 Euro pro Quadratmeter im Einkauf. Nebenan in der Lausitzer Straße 34 wurden kürzlich 4.650 Euro pro (renovierungsbedürftigem) Quadratmeter verlangt.
Wir malen keineswegs den Teufel an die Hauswand, denn viele andere Beispiele zeigen, dass genau dies das Geschäftsmodell der Familien Bahe und Oswald ist, die (etwaige) Steuern im niederbayerischen Pfarrkirchen zahlen und hier die gewachsenen Sozialstrukturen zerstören.
In der Reichenberger 55 leben Familien, Rentner*innen, Sozialhilfeempfänger*innen genauso wie Berufstätige aus den Bereichen Altenpflege, Architektur, Bibliothekswesen, Film, Foto, Grafik, Handwerk, Kommunikation, IT, Musik und Tanz. Teils seit 26, 32, 38 oder gar 44 Jahren – eine Nachbarin wuchs in der Wohnung auf und übernahm diese von den Eltern. Wir kümmern uns umeinander, wir mögen unseren Kiez – und falls wir doch irgendwann ausziehen, dann aus eigener Entscheidung und mit der Perspektive, dass jemand anders hier eine bezahlbare Mietwohnung findet.
6. Mai 2018 – Bewegender Nachruf im Tagesspiegel am Sonntag
26. April 2018 – Da kommt ganz schön was zusammen…
…wenn der heutige Newsletter der Tagespresse unsere Unterstützer*innen auflistet – das Ziel: Die R55 bleibt Mietshaus! Und die Rubrik “Nachbarschaft” widmet sich dem Abschied von Willi.
19. April 2018: “Our house, in the middle of the street…”
Nachlese zur “Mietenwahnsinn”-Demo am 14.4. mit 15.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten: Das Netzwerk mit 40 anderen Häusern der ALW/BOW-Gruppe war Aufmacher in der rbb Abendschau und im Bericht der Agentur AFP, unser Haus brachte zudem eigene kreative Ideen auf die Straße – mehr im Album.
17. April 2018: Tschüss, Willi!
Am 16. März verstarb unser Nachbar Willi Hoffmann im Alter von 103 Jahren, heute erfolgte die Beisetzung unter Anteilnahme der Hausgemeinschaft. Warum der Besuch von Nina Hagen nicht mehr klappte und wo man ihn noch mal auf Spiegel TV erleben kann, steht auf dieser Seite.
12. April 2018: Auf die Straße gesetzt
Wir setzten uns selbst auf die Straße. Genauer gesagt mitsamt einiger Möbel vor’s Haus, wo wir vor dem “Schlupfkrater” im Bundesbaugesetz warnten, der trotz Milieuschutz die Umwandlung der Reichenberger 55 (und anderer Häuser) in Eigentumswohnungen ermöglicht:
Anlass waren die stadtweiten Aktionstage vor der großen Demo zum “Mietenwahnsinn”, doch derlei kann man öfters machen: Wir kamen mit vielen Menschen aus dem Kiez ins Gespräch, und auch die örtlichen Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser und Canan Bayram informierten sich über den aktuellen (Wider)Stand in unserem Haus.
21. März 2018: R55 in der Rathausstr. 15
Heute brachte der Reichenberger 55 e.V. auch Michael Müller auf den neuesten Stand, was den Vereinszweck anbelangt: Erhalt als Mietshaus.
Neben dem Regierenden Bürgermeister unterstützen uns auch weitere Politiker*innen dabei, zudem gibt es eine Art “Rotes Telefon”, sollte die BOW 3 GmbH versuchen unser Haus in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Die uns gegenüber geäußerte Idee von Michael Müller “einfach mal nicht genehmigen und die notwendige Eskalation gehen” funktioniert zwar nicht, aber wir wären eh froh, wenn sich eine Eskalation vermeiden ließe.
21. Februar 2018: Verspekuliert?
Vom „Rückgang der Kaufpreise insbesondere in München und Berlin um real ein Viertel bis ein Drittel innerhalb der kommenden vier Jahre” spricht ein Gutachten der Immobilienweisen, das im Auftrag für den Spitzenverband der Immobilienwirtschaft erstellt wurde.
Siehe oben auf dieser Seite: Für unser Haus wurde die 37,2fache Jahresnettokaltmiete bezahlt, Mieterhöhungen waren in der Vergangenheit nicht durchzusetzen, eine Abwendungserklärung wurde unterzeichnet, der Regierende Bürgermeister unterstützt die Mieter*innen:
12. Februar 2018: Post aus der Senatskanzlei
…kann ich Ihnen mitteilen, dass Herr Müller die Gründung und Eintragung des Vereins „Reichenberger 55 e.V.“ in das Vereinsregister sehr begrüßt. Damit ist sichergestellt, dass der „Reichenberger 55 e.V.“ als juristische Person vollrechtsfähig ist und er selbst Träger von Rechten und Pflichten ist. Zudem ist damit die Mieterschaft klagefähig, was gegenüber dem Eigentümer des Hauses Reichenberger Straße 55 auch signalisiert, dass er Ihre Forderungen ernst nehmen muss.
Dank an den Regierenden Bürgermeister für diese Unterstützung, hervorgegangen aus unserem Besuch im Roten Rathaus am 18. Oktober – die Antwort zu möglichen Änderungen der Milieuschutzregelungen steht noch aus.
8. Februar 2018: Stand der Dinge
Schöner als Robert Klages vom Tagesspiegel hätten wir es wahrlich nicht zusammenfassen können – und erlauben uns daher, ihn zu zitieren (Quelle)
Reichenberger Straße lädt Michael Müller ein. Die dortigen Bewohner*innen fühlen sich immer noch bedroht, fürchten weiterhin ihre Verdrängung. Konkret passiert ist immer noch nichts, außer, dass das Haus verkauft wurde, aber die Schlinge scheint sich trotzdem enger zu ziehen, bis der Miethai dann doch zuschnappt. Besser vorher was unternehmen! Doch der Investor sagt, er sei kein Miethai und niemand müsse ausziehen. Wir nehmen den Herrn Investor da weiterhin beim Wort und erinnern ihn an diese Neuigkeiten plus Altigkeiten: berliner-zeitung.de
6. Februar 2018: Wir wurden verkauft: Dank Herrn Schill von der CDU
Kein Wunder, dass die GroKo-Verhandlungen zum Mietrecht abgebrochen wurden: Für die Union verhandelte Jan-Marko Luczak, der gestern in der Berliner Zeitung erneut zu Protokoll gab, nichts vom Milieuschutz zu halten.
Und was lasen wir da noch? Die Abwendungserklärung zum bezirklichen Vorkaufsrecht wurde von Michael Schill verhandelt. Er dealte als “Asset Manager” der ALW Immobiliengruppe mit dem Bezirksamt aus, dass die verbundene BOW 3 GmbH unser Haus kaufen darf – anstatt dass wir vor etwa einem Jahr vom Bezirk gerettet wurden (siehe Eintrag vom Februar 2017 unten auf dieser Seite). Zwei Dinge haben ein Geschmäckle:
Michael Schill ist in unserem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in der CDU aktiv…
…und grinst von der gleichen Seite wie Jan-Marko Luczak, einem der Gräber des “Schlupfkraters“, ohne den unser Haus kaum zum Spekulationsobjekt geworden wäre.
5. Februar 2018: “Trotz Milieuschutz müssen Mieter um ihre Wohnungen bangen” – Berliner Zeitung über unser Haus
### CDU/CSU verhinderte besseren Mieterschutz – Brisant ist im vorliegenden Fall die Nähe von Politik und Immobilienwirtschaft. – SPD-Bundestagsabgeordneter erinnert daran, dass die Sparkassen „soziale Verantwortung in diesem Land tragen“ – denn die Sparkasse Rottal-Inn finanziert 85% unseres Hauses ### Man könnte es auch die „Entmietungsklausel“ im Milieuschutz-Paragrafen nennen, so der Stadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg.
Quelle / vollständiger Artikel
18. Januar 2018: Wir sind Verein!
Post vom Landgericht war zuletzt unerfreulich: Der Besitzer unseres Hauses verklagte die für “bizim-kiez.de” haftende Person u.a. wegen Ungenauigkeiten bei der Auflistung von etwa 40 (bislang bekannten) ALW/BOW-Häusern. Doch der Widerspruch war so überzeugend, dass die bereits angesetzten Verhandlungstermine gar nicht erst zustande kamen.
Unsere heutige Post vom Amtsgericht hat einen großartigen Anlass:
Der Verein “Reichenberger 55 e.V.” mit dem Zweck, dass unser Haus als Mietshaus erhalten bleibt, wurde anerkannt und in das Register eingetragen.
5. Januar 2018: Wir im Leitartikel der WELT
“Es ist die direkte, unverhohlene Art, die schockiert: ‘Ich möchte mehr Geld verdienen, also gehen Sie endlich weg.’
Innerhalb von gerade mal fünf Jahren ist die immer noch etwas schrammelig wirkende Reichenberger Straße in Kreuzberg zu einem Hotspot geworden. Die Gründerzeithäuser dort sind begehrt, bei Investoren, aber auch bei zugewanderten Mietern oder Käufern, die mehr Geld mitbringen oder einfach mehr Geld fürs Wohnen ausgeben möchten als die Alteingesessenen. (…)
Erst recht kann es keinen generellen Anspruch auf Rendite bei Wohnungen geben, die im Unterschied zu Aktien weitaus mehr Funktionen haben als die reine Kapitalbeschaffung.
Wer eine Summe von 30 oder gar 40 Jahresmieten für den Immobilienkauf zahlt – so wie übrigens der genannte bayerische Investor in der Reichenberger Straße –, geht das Risiko ein, auf Rendite verzichten zu müssen.” // von Michael Fabricius (C) Die Welt
31. Dezember 2017: Knaller zum Jahreswechsel
12. Dezember 2017: Mit der R55 funktioniert die Zerstückelung nicht
Auch Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, verfolgt die Verdrängung durch ALW/BOW. Im heutigen Newsletter an über 90.000 Abonnenten verlinkt er diese Seite:
„Ich teile Ihnen mit, dass Sie als Mieter massiv unerwünscht sind, da wir Ihre Wohnung anderweitig nutzen wollen“, heißt es in einem Brief von Andreas Bahe, Repressionist der ALW Immobiliengruppe, Spezialität: Zerstückelung von Wohnhäusern in Eigentumswohnungen. Wie das funktioniert (oder eben auch nicht, wenn sich die Betroffenen wehren), zeigt diese Reportage von Spiegel TV.
10. Dezember 2017: “RTL55” – Wir im Spiegel TV Magazin
Die Methoden des “Bahe-Imperiums”, und die Reichenberger 55 im Fokus: hier anschauen.
“Das Geschäftsmodell ist so lukrativ wie zynisch: Mietshäuser kaufen, Bewohner verdrängen und die Wohnungen dann zum Verkauf anbieten. Besonders erfolgreich betreibt das eine süddeutsche Firmengruppe in Berlin. Doch der Widerstand wächst.
Willi Hoffmann lebt seit fast 40 Jahren in der Reichenberger Straße 55 in Berlin-Kreuzberg. Noch zumindest – denn der neue Hausbesitzer, die ALW-Immobiliengruppe, will die Altmieter loswerden und gegen zahlungskräftige Wohnungskäufer austauschen. Doch der 102-Jährige und die anderen 21 Mieter des Hauses wollen sich nicht kampflos vertreiben lassen. Ein Film von SPIEGEL TV-Autor Felix Kasten.”
7. Dezember 2017: Die Super-Senioren
Uns geht es nicht nur um das Haus als solches, sondern um den Erhalt der sozialen Wohnstruktur. In der Reichenberger 55 helfen sich selbst die “Super-Senioren” gegenseitig: Der Nachbar (80) links hatte sich ausgesperrt, unser Willi (102) suchte das passende Werkzeug. Darauf einen Eierlikör.
13. November 2017: #R55 #TV #Baustadtrat #Cliffhanger
10. November 2017: Besuch beim Notar
Urkunde, Satzung und Gründungsprotokoll sind nun auf dem Weg ins Amtsgericht, nachdem wir bereits am 11. Oktober den Verein “Reichenberger 55” gründeten. Vorteile:
Handlungsfähigkeit: Der Verein ist eine juristische Person
Repräsentanz: Der Verein vertritt uns als Mitglieder, niemand steht allein an der Front
9. November 2017: Presseschau – Wir im Spiegel im Tagesspiegel
7. November 2017: “Die Entmieter” – SPIEGEL Online über unser Haus
Gestern waren wir auf der Startseite von spiegel.de und freuen uns daher besonders, heute von den hohen Klickzahlen zu hören – das Thema bewegt die Menschen bundesweit.
Bislang ließ uns der neue Besitzer lediglich durch die Hausverwaltung Hachmann seine Bankverbindung mitteilen. Unsere Mieten überweisen wir seitdem an die im Artikel vorkommende Sparkasse Rottal-Inn:
Auch die Sparkasse Rottal-Inn, die der BOW 3 GmbH einen Kredit über 2,85 Millionen Euro für den Kauf der Reichenberger Straße 55 bewilligt hat, wollte sich nicht äußern. Das Geldinstitut finanziert als Hausbank der Bahes schon seit Jahren Häuserkäufe in Berlin. Dass eine bayerische Sparkasse, die dem Gemeinwohl und vor allem dem Regionalitätsprinzip verpflichtet ist, als Geldgeberin für Mieterverdrängung und Immobilienspekulation in Berlin auftritt, ist mindestens ungewöhnlich. Mit Verweis auf das Bankgeheimnis lehnte die Sparkasse aber jede Auskunft ab.
Wie der Spiegel auch schreibt: Der Widerstand wächst.
22. Oktober 2017: Die “Gute Bank” über gierige Spekulanten
Im B.Z.-Artikel wurde der Niederlassungsleiter der GLS Bank zitiert. Werner Landwehr zeigt auf, was die BOW 3 GmbH (auch lt. Aussage von Geschäftsführer Andreas Bahe in der B.Z.) plant:
Liebe Hausgemeinschaft der Reichenberger Straße 55,
die aktuellen Probleme von Häusern wie dem von Ihnen bewohnten lassen sich am Unterschied zwischen Verkehrswert und Ertragswert sehr gut verdeutlichen.
Verkehrswert ist der Wert, zu dem aktuell ein Haus am Markt verkauft wird, in Ihrem Fall ist von 3.350.000 € die Rede. Wer ein Haus zu diesem Preis kauft, in dem die aktuelle Netto-Kaltmiete abzüglich Haus-Bewirtschaftung pro Jahr ca. 75.000 € einbringt, müsste entweder 45 Jahre ohne einen Cent Rendite auf den Rückfluss seiner Investition warten oder er hat etwas anderes vor. Dieses andere ist in aller Regel Spekulation!
Der kaufmännisch sinnvolle Preis kommt eher im Ertragswert zum Ausdruck und beläuft sich bei ansonsten gleichen Verhältnissen eher auf 1.500.000 €, was bei Ihnen in etwa der 16,5-fachen Jahres-Netto-Kaltmiete entspricht.
Kauft also jemand in einem Gebiet, wo die Mieten im wesentlich festgeschrieben sind (und wenn überhaupt nur sehr moderat steigen können) Häuser zu deutlich über dem Ertragswert liegenden Preisen, dann „rentiert“ sich dieses Investment finanziell nur dann, wenn er davon ausgeht, dass die Häuser bei Aufteilung und Umwandlung in Eigentumswohnungen trotz hohem Ankaufspreis immer noch mit Gewinn weiter veräußert werden können.
Solange die Politik diese Gesetzeslücke im Baugesetzbuch, wo die Bedingungen für Milieuschutzgebiete geregelt sind, nicht schließt und die Umwandlung in Eigentumswohnungen grundsätzlich untersagt, schützt niemand die dort lebende Bevölkerung vor Verdrängung.
Mietpreisbremse und Mietspiegel sind für Eigentumswohnungen weitgehend belanglos.
Gerne dürfen Sie mich in dieser Form zitieren.
Prokurist, Regionalleiter GLS Bank Berlin
19. Oktober 2017: Dreimal 3,35 Millionen bleiben 3,35 Millionen
Der schöne B.Z.-Artikel über uns wird nicht nur Springer-Verlags-intern auf bild.de verbreitet, sondern freundlicherweise auch vom Tagesspiegel. Noch mehr Menschen erfahren von der Spekulation mit der unseren Wohnungen, samt der Message: Wir lassen uns nicht verdrängen.
18. Oktober 2017: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller
“Es war mir nicht bewusst, dass die ALW in der ganzen Stadt aktiv ist”
10 bis 15 Minuten waren veranschlagt, am Ende dauerte das Gespräch über eine halbe Stunde: In der Senatskanzlei empfing der Regierende Bürgermeister zwei der drei Vorsitzenden des Vereins “Reichenberger 55” zum Gespräch über die Zukunft unseres Hauses. Michael Müller lobte den B.Z.-Artikel “Wir lassen uns nicht verdrängen” und war sehr interessiert, das Geschäftsmodell der BOW 3 GmbH zu verstehen. Hier eine Wiedergabe seiner Rettungsidee:
→ Die Frage ist: Wenn das Umwandlungsgesuch gestellt wird – ist der Bezirk bereit, in diesen Konflikt zu gehen?
→ Das ist nötig, um weitere Eskalationsschritte gehen zu können.
→ Es wird niemand von der Senatsebene in den Bezirk reinregieren, das ist dessen Aufgabe.
→ Ich vermute, das wird im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg kein großer Konflikt sein, die werden dem auch widersprechen.
Leider war dies Schnapsidee – mit einem Widerspruch würde man dem Investor nur die Karten spielen. Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister, wir werden Sie (und die gesamte Öffentlichkeit) über diese Chronik weiter informiert halten – den von Ihnen nahegelegten “Lästigkeitsfaktor” beherzigen wir ja bereits.
17. Oktober 2017: #willibleibt – und passt auf
Unser 102jähr iger Nachbar Willi teilt mit, dass es beim Zitat einen Übermittlungsfehler im gestrigen Artikel gab. Richtig ist:
“Ja, in der Wohnung waren sie, aber gemessen haben sie draußen. Den Garten vollbauen, die Lumpen! Und das Dach über mir wolln’se auch ausbauen. Seitdem ruft regelmäßig einer an und legt wieder auf. Die wollen doch prüfen, ob ich noch lebe, damit sie anfangen können!
Nichts haben sie uns gesagt vom Verkauf! Im Brief stand, dass es am 11.11. (2016) verkauft wurde, ja waren die denn besoffen wegen Karneval? Keiner hat uns Bescheid gesagt!”
16. Oktober 2017: “Wir lassen uns nicht verdrängen” – R55 in der B.Z.
Online als Aufmacher, in der gedruckten Ausgabe eine ganze Seite – Berlins größte Zeitung (verkaufte Auflage: 100.000 Exemplare) berichtet heute über unsere Hausgemeinschaft im Alter von 1 bis 102, zitiert die GLS Bank bzw. Baustadtrat Florian Schmidt:
Wer zu dem Preis kauft, der will entweder 45 Jahre keinen Gewinn machen – „oder er hat etwas anderes vor.” bzw.
Ich höre bei diesem Firmengeflecht immer wieder von Geschäftspraktiken, die einer informellen Entmietungsstrategie gleichen”
Ein großartiger Artikel, mit zwei kleinen Korrekturen: “Der Investor hat schon mehrere Häuser in der Berliner Innenstadt aufgekauft” – es sind Dutzende. Und: Wir haben keine Angst.
11. Oktober 2017: Wir gründen den Verein “Reichenberger 55”
Sieben Mitglieder braucht es für einen Verein, zur Gründung waren es bereits doppelt so viele – und die übrigen Mieter*innen ziehen nach: Heute war die erste Versammlung unseres Vereins, den wir nun offiziell eintragen lassen. Zu dessen Gründung hatte uns uns u.a. Manuel Ehlers geraten, er ist “Relationship Manager Nachhaltige Immobilien” bei der Triodos Bank.
In §2 unserer Satzung heißt es: “Der Zweck des Vereins ist die Erhaltung des Wohnhauses Reichenberger Str. 55 als Mietshaus zu fairen Mieten. Der Satzungszweck soll durch Dialog und Zusammenarbeit der Mitglieder und interessierter Dritter erreicht werden.”
9. Oktober 2017: Antwort der Senatorin Katrin Lompscher
Aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen erreichen uns folgende Zeilen:
Im offenen Brief wurde auf den sogenannten „Schlupfkrater“ der Regelung im § 172 Abs. 4 Satz 3 Nummer 6 Baugesetzbuch verwiesen. Demnach muss eine Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen genehmigt werden, wenn sich der Eigentümer verpflichtet, innerhalb von sieben Jahren ab der Begründung von Wohnungseigentum Wohnungen nur an Mieter zu veräußern. Das Land Berlin brachte im Januar 2017 den Vorschlag im Bundesrat ein, diese Regelung im Zuge der Novellierung des Baugesetzbuches im Jahr 2017 ersatzlos zu streichen. Vom Bundesrat wurde dieser Vorschlag nicht unterstützt.
Daher dokumentieren wir auf dieser Seite jegliche Aktivität der BOW 3 GmbH bezogen auf unser Haus Reichenberger Straße 55 und halten auch die Senatorin informiert.
27. September 2017: “Perverses Geschäftsmodell”
Neu im Club der Unterstützer ist Klaus Mindrup, den wir bei der Vernetzung mit der (ebenfalls betroffenen) Gleimstraße 58 kennenlernten. Er sitzt für die SPD im Bundestag und war einer der Adressaten des Offenen Briefes zu Entmietungen durch die ALW-Gruppe, zu dem die Netzwerkgruppe erste Reaktionen und Presseberichte sammelte – inklusive deutlicher Worte von Herrn Mindrup, der sich wahrlich auskennt in der Thematik. Aus seiner Bundestagsrede:
…die Angst der Menschen, ihre eigene Wohnung zu verlieren, sei es durch starke Mietsteigerungen, sei es durch Modernisierungen, sei es durch Umwandlung in Eigentumswohnungen oder sei es durch Eigenbedarfskündigungen.
All diese Praktiken finden sich in den 100 persönlichen Statements von Menschen, deren Häuser ebenfalls in die Fänge der ALW-Gruppe gerieten. Herrscht bei uns in der Reichenberger Straße 55 die Ruhe vor dem Sturm?
Alte Kreuzberger Bauernregel: Wer Sturm sät, erntet einstweilen einen Orkan.
24. September 2017: #williwählt
Unser Nachbar ist 102, wohnt ganz oben und ging heute wählen. Im Gegensatz zu 14,6 Millionen anderen Wahlberechtigten. Aber die sind vielleicht nicht so fit im Kopf wie unser Willi.
22. September 2017: Senatorin Lompscher ♥ Kotti & R55
Von der Reichenberger 55 sind es drei Blöcke zum Kottbusser Tor, wo sich heute bei der Initiative Kotti & Co. ein ausführliches Gespräch mit der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen ergab. Katrin Lompscher ist auch Hauptadressatin eines von 123 ALW/BOW-Mietern namentlich unterzeichneten Offenen Briefes, den sie noch beantworten wird. Heute ging es konkret um unser Haus, dessen weitere Zukunft sie nun auf dem Radar hat. Danke dafür!
19. September 2017: Wir teilen gerne. Nur nicht unsere Wohnungen.
Die gestern erwähnte Aufteilung in Eigentumswohnungen ist laut Umwandlungsverordnung eigentlich nicht möglich. Um diese doch zu erreichen, nutzt die ALW Gruppe/BOW einen “Schlupfkrater”, der uns bereits am 2. Juni (siehe unten) erklärt und auch im Offenen Brief thematisiert wurde.
Heute haben wir uns mal wieder nach dem Stand der Dinge erkundigt – Verwunderung auf allen Seiten, dass die BOW 3 GmbH die Aufteilung der Reichenberger 55 in 22 einzelne Wohnungen noch immer nicht beantragt hat, denn in anderen Häusern erfolgte dies viel schneller. Das darf gern so bleiben – falls sich doch etwas tut, vermelden wir es auf dieser Seite.
18. September 2017: #willibleibt: Baumkuchen für Canan Bayram
Die Hausgemeinschaft traf sich heute erneut mit Canan Bayram, der grünen Bundestagskandidatin im Bezirk. Sie brachte eine Kalkulation mit, die unsere Vermutung bestätigt: Selbst wenn die BOW 3 GmbH keinerlei Gewinn erzielen wollen würde, müssten wir – angesichts des antizipierten Kaufpreises plus Kosten notwendiger Sanierung – einen Quadratmeterpreis von 13,72 Euro zahlen.
Aus den Mieten ist die Reichenberger 55 demnach nicht finanzierbar, angesichts des spekulativen Kaufpreises der BOW 3 GmbH. Es droht das Schicksal anderer Häuser – Aufteilung in Eigentumswohnungen und Verkauf mit sattem Gewinn.
Doch diese Rechnung geht nur auf, wenn man uns verdrängt. Das #wirbleibenalle schließt bei uns #willibleibt mit ein: Unser 102jähriger Nachbar hatte die Kaffeetafel in der 4. Etage gedeckt, um Canan Bayram zu erklären, dass Herr Steinmeier ein sehr guter Außenminister war und Cem Özdemir einer von denen sei, denen er glaube.
15. September 2017: Bow der Baumeister, II
Soso. Ein neuer Bauantrag für unseren Garten wurde kürzlich eingereicht, immerhin kein Dachgeschossausbau im Seitenflügel. Wir sind in der Tat äußerst neugierig, da es bei der Informationspolitik der BOW im Rahmen des Möglichen ist, dass man morgens zur Arbeit geht und abends überraschend einen Balkon vorm Fenster hat – samt dicker Mieterhöhung.
14. September 2017: Weitere Häuser der ALW-Gruppe im Kiez
Lausitzer Straße 8 (ALW), Wiener Straße 54 (BM Immobilien), mindestens fünf Häuser im Wrangelkiez (ALW, BOW 2, BOW 3). Und auch die Mariannenstr. 31/32 gehört der BOW 1 GmbH. Wie wir beim heutigen Nachbarschaftsbesuch hören, wurde dort den Mieter*innen Geld für den Auszug angeboten, damit die Wohnungen (Zitat) “wirtschaftlich verwertet” werden können. Dem Hörensagen nach bekam man für die spontane Zustimmung 2.000 Euro, wer gut verhandelte gar bis zu 30.000 Euro.
Wer verdrängt wird, braucht aber eine neue Wohnung – und wenn man heute bei Immoscout nachschaut, finden sich im Kiez einige wenige, unrenovierte Wohnungen mit einer Miete von 12€/qm/kalt. Möge ein jeder selbst durchrechnen, wie lange die Entmietungsprämie vorhält.
14. September 2017: “Hunderte Mieter haben Angst vor Praktiken von Immobilienfirmen der Bahe-Familie”
…titelt eine weitere Zeitung und recherchiert für ein anderes Haus genau das, was wir in der Reichenberger 55 verhindern wollen:
Im Februar 2015 stellte die BOW 2 beim Bezirksamt einen Antrag auf Umwandlung in Eigentumswohnungen – eine Woche, bevor eine neue Verordnung griff, die solche Ansinnen deutlich erschwerte.
9. September 2017: Spontane Demo für unser Haus
Das 7. Reichenberger Kiezfest fand direkt vor unserer Haustür statt. Motto: “Gegen Verdrängung und Aufwertung” – und so machte es die Runde, dass ein Beispiel dafür nur weniger Meter neben der Hauptbühne steht: Unsere Reichenberger 55.
Vielen herzlichen Dank für die spontane Solidarität direkt vor der Haustür…
…samt der Ankündigung “Wir kommen wieder, wenn ihr uns braucht!”.
Eine Anmerkung unserseits: In der Reichenberger kämpft man mit offenem Visier, bei der BOW 3 GmbH mit geschlossenem – die Menschen unten rechts im Bild mögen dies bitte beachten und bei Bedarf in der BOW-Niederlassung am Hausvogteiplatz protestieren. Das goldene “BOW” hingegen finden wir sehr passend. #R55bleibt
8. September 2017: Öffentlicher Aufstand gegen ALW und BOW
“Das hat es so noch nicht gegeben” schreibt der Tagesspiegel. Auch unser Haus ist beteiligt am Offenen Brief von 123 Mieter*innen der ALW Gruppe:
Wir stellen uns daher die Frage: Ist der Firmenzweck seit mindestens sieben Jahren die Überlassung von Wohnraum oder unsere Verdrängung zur Profitmaximierung?
Unsere Bitte: Setzen Sie sich über Ihre Parteien dafür ein, dass besagtes Schlupfloch geschlossen wird, und unterstützen Sie uns beim Verbleib in unseren Wohnungen.
29. August 2017: Bayram statt Bayern!
Die BOW 3 GmbH hat ihren Firmensitz im niederbayerischen Pfarrkirchen und hat uns seit dem Kauf noch nie besucht. Das ist prinzipiell gut. Wir treffen uns lieber mit Canan Bayram: Sie kandidiert in unserem Wahlkreis als Nachfolgerin von Hans-Christian Ströbele im Bundestag und interessiert sich für den Erhalt der Reichenberger 55 als Mietshaus. Optimalerweise haben wir also in vier Wochen einen direkten Draht ins Parlament.
25. August 2017: Erfolgreicher “Probealarm” per Hausverteiler:
Eben liefen 3 Latzenhosenträger durch den Garten, die sich das “mal angucken wollten”, weil sie da vielleicht “was machen sollen”. Angeblich vom Hausservice…
Ansonsten wollten die mir nichts sagen…
Da die BOW GmbHs dafür bekannt sind, Bauarbeiten ohne Information der Mieter*innen durchzuführen, sind wir hier besonders wachsam.
7. August 2017: 100% Hausgemeinschaft
In der Reichenberger 55 lebt die typische “Kreuzberger Mischung” – demnach gibt es auch sozial schwächere Personen im Haus. Wir haben die Sorge, dass es jemand davon trotz Erinnerung nicht schafft, die Bankverbindung auf die BOW 3 GmbH umzustellen. Dies führte in den anderen Häusern der Gruppe bereits zu fristlosen Kündigungen. Daher wandten wir uns an den sozial-psychiatrischen Dienst und erhielten folgende Antwort:
Vielen Dank für das Engagement für Ihre Nachbarin und für den Hinweis an unseren Dienst bzw. den SpD.
Ihrer Schilderung nach würde ich denken, dass möglicherweise der Sozialpsychiatrische Dienst in diesem Fall erstmal der richtigere Ansprechpartner ist, da *** anscheinend nicht ohne weiteres Hilfe annehmen will oder kann. Insofern werden die KollegInnen von dort sich sicher einen eigenen Eindruck verschaffen.
Den Kontakt vermittelte uns Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission Zoo. Er wird oft mit der Frage konfrontiert, wie man denn in Deutschland obdachlos werden könne. Der hier beschriebene Fall wäre ein Musterbeispiel. Konsequenterweise müsste sich die betreffenden Person dann allerdings an die Bahnhofsmission München wenden:
Herr Wolfgang Oswald ist einer der Geschäftsführer der BOW 3 GmbH, die unser Haus besitzt. Die Großzügigkeit der Spende seiner Oswald Stiftung relativiert sich dadurch, dass sie dem geschätzten Bruttogewinn aus 2,5m2 Entmietung entspricht. Unser Haus hat gut 1.500m2.
25. Juli 2017: Nachbarschaftshilfe
Beim gestrigen Treffen ging die Frage durch die Runde: “Was macht ihr eigentlich beruflich?” – so erfuhren wir, dass auch ein Tischler im Haus wohnt. Dieser half beim dringend nötigen Einbau eines neuen Wohnungstürschlosses – sehr aufwendig, und eigentlich Sache der Hausverwaltung. Aber da BOW-Geschäftsführer Andreas Bahe folgendes schon einmal wörtlich schrieb, haben wir es selbst in die Hand genommen:
Sie haben eine abschließbare Haustür mit Briefkästen dahinter u. einer Klingel. Was wollen Sie noch?
24. Juli 2017: Eines unserer Treffen im Garten
Im Hof der Reichenberger 55 ist ein kleiner Garten, der von der Kindertagesstätte “Lausebande” genutzt wird. Bauanfragen der BOW 3 GmbH zur Nachverdichtung wurden bereits abgelehnt.
Die Hausgemeinschaft traf sich hier zum Strategiegespräch, wie wir unser Haus vor den Investoren retten. Denn: Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg – unser ältester Nachbar zeigte, wie er hier vor fast 40 Jahren die Außenwände verputzte, damit nichts herunterkommt.
13. Juli 2017: Gespräch mit Ströbele
Donnerstags ist Sprechstunde bei Hans-Christian Ströbele, dem aktuellen Bundestagsabgeordneten für unseren Wahlkreis. Wir besprachen die Situation der Reichenberger 55 und bedanken uns für das Hilfsangebot, “wenn mal was sein sollte”.
9. Juni 2017: Es grünt so grün…
…und das soll auch so bleiben: Heute waren wir selbst im Vermessungswesen tätig und halten den Umfang der fünf Bäume in unserem Hof fest: 60/260/270/95/230cm.
Laut Grünflächenamt darf ab 80cm Umfang nicht einfach gefällt werden. Also gute Nachrichten für 80 Prozent unserer Bäume.
2. Juni 2017 – Anfrage an das Bezirksamt samt prompter Antwort
Wir ahnen, dass der Wind aus einer ganz anderen Richtung weht, man uns Mieter*innen loswerden will und fragen nach:
„Teilen Sie uns doch bitte mit, in welchem Umfang BOW hier in Eigentum umwandeln kann. Greift da nicht generell der Milieuschutz?
Falls nein, wie kann aufgeteilt werden, alle Wohnungen zu jeder Zeit? Nur nach Auszug? Vorkaufsrecht für jetzige Mieter? Wie lang? Zum beliebigen Preis?
Es klingt ja ganz nach dem bisherigen Modell: Es wurde für ca. 2500€/m2 eingekauft, dann folgen ein paar optische Verbesserungen, und dann wird über 5000/m2 weiterverkauft. Wo bleibt da der ‘Erhalt der sozialen Wohnstruktur’?“
die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen ist (gem. § 172 Abs. BauGB in Erhaltungsgebieten möglich, wenn
– sich der Eigentümer verpflichtet, innerhalb von sieben Jahren ab der Begründung von Wohnungseigentum Wohnungen nur an die Mieter zu veräußern; eine Frist nach § 577a Abs. 2 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verkürzt sich um fünf Jahre; die Frist nach § 577a Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs entfällt.
Der letzte Punkt wird als Umgehungstatbestand häufig angewandt; nach Umwandlung darf der Eigentümer sieben Jahre lang die Wohnungen nur den Mietern zum Kauf anbieten (er kann aber auch einfach sieben Jahre warten). Danach kann er die Wohnungen frei veräußern. Die Frist für die Kündigung wegen Eigenbedarfs beträgt danach weitere fünf Jahre.
Die bestehenden Regelungen können den Erhalt der Bevölkerungsstruktur leider nicht gewährleisten. Da es sich beim BauGB um ein Bundesgesetz handelt, wäre auf Bundesebene Handlungsbedarf. Das Land Berlin hat dies durch Bundesratsinitiativen anzuregen versucht, bisher jedoch ohne Erfolg.
Leider kann ich Ihnen keine erfreulichere Nachricht ausrichten.
1. Juni 2017 – „Ich kenne die BOW, sind berüchtigt“
So das Statement des Tages aus der Politik.
18. Mai 2017 – Ab ist die BOW 3 GmbH offizielle Eigentümerin
Anständige Vermieter*innen würden sich freundlich vorstellen. Aber besser Schweigen als schlechte Nachrichten – wir werden berichten, wann wir erstmals vom neuen Besitzer hören.
31. Mai 2017 – Wir sind nicht allein
Eine Demo in der Oppelner Straße gegen Entmietung der BOW 2 GmbH entwickelte sich zum Treffpunkt für Betroffene, folgendes wurde dort von Mietern*innen berichtet: Renovierungen/Sanierungen ohne Ankündigung, Gerüste werden Freitagabend oder am Wochenende aufgestellt, Anbau von Balkonen ohne Rücksprache & dafür dicke Mieterhöhung, Umzüge innerhalb eines Hauses sind nicht erwünscht, lieber lässt man eine Wohnung sehr lange leer stehen und verkauft sie dann teuer. Jemand hatte einen Zahlendreher bei der Miet-Überweisung, statt Mahnung kam die Kündigung. Zur “Begrüßung” erhielt jemand einen Brief der Hausverwaltung Hachmann mit der Aufforderung, innerhalb vom 14 Tagen nachzuweisen, dass man (vor 30 Jahren) seine Kaution gezahlt habe. Wir sind gewarnt.
17. Mai 2017: Vermessen!
Unsere Hausgemeinschaft ist wachsam. Aus dem internen Verteiler der Reichenberger 55:
Jetzt scheinen sie das Bauvorhaben tatsächlich anzugehen: Heute morgen waren die Vermesser im Hof um das Grundstück mit Bestandsbauten und Bäumen aufzumessen. Das ist meist der erste Schritt zur Erstellung eines Lageplans, der wiederum Grundlage für die Genehmigungsplanung ist. Vermutlich wurde vor Abschluss des Kaufvertrags vom neuen Eigentümer eine sogenannte Bauvoranfrage bei der Bauaufsicht bzw. dem Stadtplanungsamt eingereicht. Diese dient dazu, sich vor dem Kauf seitens der genehmigenden Behörden zu bestätigen lassen, ob und wie das Grundstück oder hier das Restgrundstück bebaut werden darf. Konkret geht es dabei um das maximal mögliche Bauvolumen bzw. die einzuhaltenden Abstandsflächen.
16. Mai 2017: Man wird ja mal nachfragen dürfen…
…ohne des Fachchinesisch mächtig zu sein:
Ein Bauantrag ist hier nach wie vor nicht eingegangen. Im übrigen ist mir der Begriff „Baufähigkeitsprüfung“ unbekannt.
April 2017: Bow der Baumeister?
Unsere Hausgemeinschaft formiert sich langsam aber stetig. Die Frage, ob die BOW 3 GmbH etwa die Baulücke im Hof schließen will, uns damit Licht/Luftzirkulation und auch die großen Bäume nimmt, wird uns wie folgt beantwortet:
Ein Neubau scheint tatsächlich geplant zu sein. Dafür ist jedoch ein Genehmigungsverfahren nötig, in dem geprüft wird, ob das Grundstück die Nachverdichtung „verträgt“. Die Vorgaben der Bauordnung und des Baugesetzbuchs müssen eingehalten werden.
Einschätzungen zu möglichen, derzeit noch unbekannten Bauvorhaben sind unsererseits nicht möglich, da prinzipiell jedes Bauvorhaben einer bauordnungs- und bauplanungsrechtlichen Prüfung im Einzelfall unterliegt.
Mitte Februar 2017: Wir erfahren erstmals offiziell vom Verkauf…
…weil der Bezirk sein Vorkaufsrecht im Milieuschutzgebiet angedroht hat und das Bezirksamt uns mitteilt, dass die Käuferin BOW 3 GmbH eine Abwendungserklärung unterschrieben hat.
Einziger, aber wichtiger Punkt: Sanierungen nach §559 BGB dürfen nicht umgelegt werden – also keine höheren Mieten für Balkone, Aufzüge, Dämmung oder einen schicken neuen Herd.
Der Verkauf des Hauses erfolgte bislang völlig hinter unserem Rücken und wir hätten uns gewünscht, dass die Menschen, die hier leben, in das weitere Schicksal ihrer Wohnungen mit einbezogen werden.
11.11.2016: Verkauf des Hauses Reichenberger Straße 55…
…von dem wir als Mieter*innen erst später erfahren werden. Unser Rat: Erhöhte Wachsamkeit bei Herrschaften in Lackschuhen im Haus. Ohren auf und beim aktuellen Besitzer nachfragen, ob ein Verkauf im Gang ist. Bestenfalls lässt sich noch etwas retten, wenn der aktuelle Besitzer erfährt, was dem Haus droht:
Alles über die Entmietungspraktiken der BOW/ALW lesen …
Schlagworte: ALW-Immobiliengruppe, Aufteilung, BOW/ALW Immobilien, Mieter/innen in BOW/AWL Häusern, Presse, Reichenberger Str 55, Umwandlung

References: §2
 § 172
 § 172
 § 577
 § 577
 §559