Source: https://www.digitalearbeitswelt.de/blog/article/2019/08/26/der-gencode-der-personalarbeit-40-oder-vom-dornroeschenschlaf-in-der-digitalen-arbeitswelt/
Timestamp: 2020-07-12 08:37:12+00:00

Document:
Der Gencode der Personalarbeit 4.0 oder vom Dornröschenschlaf in der digitalen Arbeitswelt - Der Blog zur Digitalen Arbeitswelt | DAS Schack
Dr. Wieland Holfelder, Google Germany GmbH[1]
"Die Geschwindigkeit des technischen Fortschrittes im digitalen Zeitalter trifft auf eine Gesellschaft im Dornröschenschlaf. Mit Wieland können wir davon ausgehen, dass in den nächsten 10 Jahren mehr passieren wird, als wir uns heute vorstellen können! Tilo, ein humanoider Roboter aus dem Wissenschaftsroman „Surfen auf dem digitalen Tsunami“, erlebt die vierte industrielle Revolution und deren disruptiven Geschäftsmodelle alltäglich. Sein „Body of laws for digitalisation“ holt uns 2030 aus dem Dornröschenschlaf."
Abb. 1. DESI-Index 2019 (Quelle: statista).
Die Exportnation Deutschland ist 2019 im Vergleich der EU-Staaten in Sachen "Digitale Transformation" nur Mittelmaß, lebt allzu oft in Funklöchern. Die Statista-Grafik, die auf Basis des Digital Economy and Society Index (DESI) der EU-Kommission entstand, erzwingt einen realistischen Blick. Seit 2014 wird der Index jährlich veröffentlicht. Der Grad der Digitalisierung variiert in den Mitgliedstaaten und es ist ein Nord-Süd-Gefälle festzustellen. Wie die Grafik zeigt, liegt Finnland (69,9%), gefolgt von Schweden (69,5%), den Niederlanden (68,9%) und Dänemark (68,8%) an der Spitze. Das mittelmäßige Ergebnis Deutschlands (54,4%) kommt u.a. durch das schlechte Abschneiden in der Dimension "Öffentliche Dienste" zustande. Die Entwicklung der Länder in dem Bereich E-Government und E-Health wird hierfür ermittelt. Deutschland ist in diesem Bereich auf dem fünftletzten Platz und erreicht bei den weiteren Dimensionen (Ausbau des Breitbandinternets, der Internetnutzung, dem Digitalisierungsgrad der Wirtschaft) jeweils nur mittelmäßige Ergebnisse.
Die digitale Arbeitswelt in der Cloud
Die Arbeit 4.0 kann als Grundlage der digitalisierten Wirtschaft mit der „Digitalen Arbeitswelt in der Cloud“ und deren Icons symbolisiert[2] werden (Abb. 2).
Abb. 2. Digitale Arbeitswelt in der Cloud.
Die Icons verraten als solche wenig über den Arbeitsalltag in der digitalen Arbeitswelt. Der Blick in die Personalarbeit 4.0 soll dies auf digitalearbeitswelt.de ändern.
Personalarbeit 4.0 im Jahre 2030
In dieser WISSENSCHAFTSGESCHICHTE muss die Personalleiterin Soliana Huber Personalkosten senken. Die Lösung kann aber nicht, wie in Deutschland im Sommer 2019 diskutiert, die Kurzarbeit bieten. Vielmehr soll die digital Workforce die Reduzierung der Arbeitskosten ermöglichen.Eine sechsköpfige Verhandlungskommission stellt sich dieser Aufgabe. Sechs Personas symbolisieren die Teilnehmer und geben als SchIcons gestaltet, auch deren Profession wieder. Die ersten drei SchIcons stammen, wie das von Tilo Power Cotton, aus dem Wissenschaftsroman „Surfen auf dem digitalen Tsunami“.
Diese drei Schicons wurden für diese „Wissenschafts-Geschichte“ entwickelt:
Soliana Huber betreut seit 2019 als Personalleiterin die Smart Factory und stammt aus Kulmbach. Verheiratet mit Alfons Huber wohnt sie seit 3 Jahren in Mainz, studierte in Berlin Betriebswirtschaft und Informatik. Ihre tägliche Arbeit wird auf der einen Seite von BIG DATA, dem Einsatz von Algorithmen und der Mensch-Maschine-Interaktion sowie den Mensch-Maschine-Teams bestimmt. Auf der anderen Seite ist sie Expertin für den Einsatz ausländischer Mitarbeiter im Rahmen von Internet-Arbeitsverhältnissen.
Nach seiner Ausbildung als Mechatroniker in Stuttgart arbeitete Kevin im Maschinenbau und als Betriebsrat ehrenamtlich bei der Gewerkschaft. Seit 2025 ist er als Sekretär bei der Gewerkschaft beschäftigt und lebt seitdem in Frankfurt am Main. Er gilt nach verschiedenen Fortbildungen als Fachmann für machine learning und für digitalbezogene Restrukturierungsmaßnahmen.
Adil Salameh war als gebürtiger Syrer vor 15 Jahren vor dem Krieg geflohen und nach Deutschland gekommen. Im Zuge der Digitalisierung war ihm als Verwaltungsangestellter bei einem Zulieferer der Automobilindustrie digitalbezogen gekündigt worden. Anschließend nutzte er als Crowdworker die Plattform von Xanadu. Seit 2028 wirkt er beim Verband der Crowdworker als Sekretär und gilt als spiritus rector des zwischen dem Verband der Crowdworking-Plattformen und des Verbandes der Gig- und Crowdworker abgeschlossenen Tarifvertrages.
Die Personalkosten müssen, wie immer, runter
Am 19. September 2030 betritt die Betriebsrätin Kara Fröhlich um 9.00 Uhr den Besprechungsraum Willy Brandt zum Vorgespräch mit Kevin Meier, dem zuständigen Gewerkschaftssekretär (Industriegewerkschaft Deutschland). Der Raum befindet sich in einer Smart Factory für e-Mobile bei Frankfurt am Main und das Außenthermometer zeigt wie immer im Sommer 44 Grad Außentemperatur. Kara will den Gewerkschaftler persönlich über die finanziellen Probleme des Unternehmens informieren und ihm die Sicht des Betriebsrates vermitteln. Die chinesische Konkurrenz sitzt der Smart Factory im Nacken. Darüber hinaus kann der Bedarf an (Seltenen Erden) für die Batterieproduktion nicht mehr kostengünstig in China gedeckt werden und die hohen Energiekosten in Deutschland tun ihr übriges. Eine Investition in eine neue Generation der Künstlichen Intelligenz für die Systeme des autonomen Fahrens soll verlorene Marktanteile zurückbringen. China ist bereits seit 2029 Technologieführer im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Das Unternehmen ist auch aus Sicht des Betriebsrates zu nachhaltigen Kostenreduzierungen gezwungen. Während Kara dem Gewerkschaftler noch schnell die schriftliche Stellungnahme der Arbeitnehmervertretung zur Reduzierung der Arbeitskosten übergibt, betritt die Personalleiterin Huber den Raum und begrüßt Kara und Kevin.
Soliana soll auf Wunsch des Unternehmens Xanadu, Kara, Kevin und Adil im Beisein von Ray über eine notwendige Reduzierung der Arbeitskosten informieren und sich deren Unterstützung für die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern sichern. Ray befürchtet auch Flash Mobs der Gewerkschaft in den regionalen Reparaturbetrieben des Unternehmens. Der Vorstand der Smart Factory bat Ray im Vorfeld eindringlich, alle Unternehmensaktivitäten und die Personalzusammensetzung zu checken. Die Hausbank macht eine weitere Kreditzusage zur Finanzierung der gestiegenen Rohstoffkosten (Seltene Erden) und der Entwicklung bzw. Anschaffung der Künstlichen Intelligenz 3.0 für das autonome Fahren von einer nachhaltigen Senkung der Arbeitskosten abhängig.
Schnelligkeit bestimmt das Geschäft
Als Chief Digital Officer und Mitglied des Vorstandes der Smart Factory treibt Ray die angespannte Situation im Unternehmen und in der Gesellschaft an. Im September 2030 gilt § 1 des „Body of laws for digitalisation“[3] uneingeschränkt (Abb. 3, 6 und 7):„Jeder Bereich des privaten, wirtschaftlichen, politischen oder öffentlichen Lebens wird durch die Digitale Transformation und die Vierte industrielle Revolution erfasst“. Ray und die anderen Teilnehmer orientieren sich an dessen Regeln, die bei ihrer Veröffentlichung im Sommer 2030 für Furore gesorgt hatten. Mittlerweile gelten die Regeln in Diskussionen zur Digitalen Transformation als Gencode der digitalen Arbeitswelt und der „Body“ wird nur noch als der Code bezeichnet. Ein Exemplar des Codes liegt vor jedem Sitzungsteilnehmer auf dem Tisch.
Abb. 3. §§ 1-7 des Body of laws for digitalisation (Quelle, Schack, Surfen auf dem digitalen Tsunami, S. 400).
Eindringlich verdeutlicht der Code das immense, disruptive Potential der Elemente der Digitalisierung. Diese haben alle ein „Merkmal gemeinsam: Sie machen sich die alles durchdringende Macht der Digitalisierung und Informationstechnologie zunutze“[4].
Ray eröffnet die Zusammenkunft: „Hallo, herzlichen Dank, dass Sie alle so kurzfristig unserer Einladung nachgekommen sind. Aus Zeitgründen haben wir auf eine Tagesordnung verzichtet. Dafür finden Sie aber ein Exemplar des Codes auf dem Tisch vor Ihnen. Lassen Sie uns schnell die anstehenden Probleme und Lösungsmöglichkeiten identifizieren. Wie Sie alle wissen, entscheiden Schnelligkeit und Transparenz über den wirtschaftlichen Erfolg eines digitalen Business.“ Er beruft sich dabei auf § 2 des Codes. „Schnelligkeit[5], Reichweite, Transparenz und systemische Wirkungen[6] unterscheidet diese Revolution von der ‚Dritten Industriellen Revolution‘. “Der Chief Digital Officer wartet das zustimmende Nicken der Sitzungsteilnehmer nicht ab, ruft Abbildung 4 auf den Videoscreen auf und fährt fort: „Unsere Smart Factory hat es mit einer besonders starken und innovativen chinesischen Wirtschaft im Bereich des „Internets der Autos“ zu tun. Das darf uns nicht verwundern, denn bereits 2016 hatte China, wie dieses historische Chart zeigt, seine weitreichenden Ambitionen deutlich gemacht. Mit Made in China 2025 wurden auch die angestrebten Marktanteile chinesischer Technologien für das Internet der Autos 2030 publiziert.“
Abbildung 4. Made in China 2025, angestrebte Marktanteile (2030) chinesischer Technologien für das Internet der Autos (Quelle, Schack, Surfen auf dem digitalen Tsunami, 2017, S. 98, nach Merics China Monitor, Nr. 31, 01.03.2016).
Die „digital Workforce“ trifft sich in der Cloud
Soliana hat als Personalleiterin die ehrenvolle Aufgabe, die Pläne des Unternehmens zu präsentieren: „Sehr geehrte Damen und Herren. Wie wir alle heute wissen, haben die Chinesen ihre Ziele erreicht. Im Frühjahr galt noch der alte § 3. ‚Alle Geschäftsmodelle, die durch disruptive Modelle ersetzt werden können, werden ersetzt (Palo Alto is everywhere)‘. Heute gilt dies so nicht mehr, sondern ‚Shenzen is everywhere‘. Unser Unternehmen leidet natürlich unter diesem starken Wettbewerber und wir müssen dringend die Arbeitskosten senken und unsere Innovationskraft unternehmens- und branchenübergreifend stärken. Nach Vorschlägen unserer Unternehmensberater sollen die wirtschaftlichen Vorteile der digital Workforce voll ausgereizt werden. Wie Sie wissen, haben wir schon in der Vergangenheit Crowdworker in unsere Wertschöpfungsaktivitäten eingebunden. In Zukunft will das Unternehmen dem Trend in der deutschen Wirtschaft zur Crowdisierung und Cloudisierung umfassend entsprechen und alle möglichen Arbeitskosten- und Kostenvorteile ausschöpfen. Dies soll geschehen durch:
eine zahlenmäßige Verstärkung unserer cloudbasierten Internet-Arbeitsverhältnisse und unserer internationalen Crowdworker-Aktivitäten,
die Schließung unserer Marketing- und Entwicklungsabteilungen und die
Stärkung unserer Innovationsfähigkeit im Bereich des autonomen Fahrens und der künstlichen Intelligenz durch Einbindung eines chinesischen Unternehmens und chinesischer KI-Experten in virtuellen Teams auf unserer Crowdworking-Plattform.“
Kevin Maier hatte geahnt, was kommen würde, denn dieses China-Chart muss regelmäßig als Begründung für Einschnitte zu Lasten der Beschäftigten herhalten. Kevin weist, wie üblich, zunächst auf die Gefahren für die Datensicherheit und § 4 hin. „CyberCrime tritt als weltumfassendes ‚Geschäftsmodell‘ neben Drogen-, Waffen- und Menschenhandel und prägt die ‚Digitale Transformation‘.“
Er wendet sich dann direkt an die Personalleiterin:
„Sehr geehrte Frau Huber, ich habe aus Ihrem Unternehmen hören müssen, dass auch hausgemachte Probleme die finanzielle Misere ausgelöst haben. Auf der einen Seite haben sie zu spät auf den doch schon länger bekannten Rohstoffmangel und die marktbeherrschende Stellung von China reagiert. Auf der anderen Seite leiden Sie, wie wir alle, unter zu hohen Stromkosten und können diese nicht auf die Gewerkschaftsmitglieder abwälzen, denn in einem solchen Fall würden unsere Mitglieder gleich zweimal für das energiepolitische Versagen der Bundesregierung bestraft werden.“
Soliana: „Aber Herr Maier, bitte. Sie wissen so gut wie ich, dass erst der jüngste Handelskonflikt zwischen Europa und China die Rohstoffkosten explodieren ließ. Der Strompreis ist im internationalen Vergleich nun mal in Deutschland 22% höher als in anderen Staaten. Das trifft unser Unternehmen besonders aufgrund der exorbitanten Energiekosten für das eigene Rechenzentrum. Das Rechenzentrum wiederum ist u.a. die Grundlage des autonomen Fahrens und der Cyber-Physischen-Produktion, nutzt dabei das energieintensive Blockchain zur Sicherung der Wertschöpfungsketten und der Finanztransaktionen. Wir wälzen auch nicht die die Energiekosten auf Ihre Mitglieder ab. Mit den Einsparungen, die aus der Auflösung der Marketing- und Entwicklungsabteilung resultieren, finanzieren wir nicht unsere Stromrechnung.“
Soliana bat jetzt Xanadu um ihre Stellungnahme. Als Crowdsourcing-Unternehmerin ist Xanadu auch Vorsitzende des „Verbandes der Crowdworking-Plattformen“, in dem sich die europäischen Crowdsourcing-Unternehmen mit ihren Plattformen zusammengeschlossen haben. Kevin ist ihr aus unzähligen Verhandlungen bekannt. Das Geschäftsmodell von Xanadu beruht auf und nutzt § 5 des Codes. „Das Plattformmodell als dominantes, digitales Wettbewerbsmodell wird klassische Modelle nach dem Motto ‚Plattformen schlagen Produkte immer‘ verdrängen. Die Plattformisierung und die entsprechende Bedeutung der Netzwerke führen zum ‚The Winner takes it all-Effekt‘, denn in der digitalen Wirtschaft besetzt der Gewinner oft 70 oder 80% des Marktes.“ Xanadu ergreift das Wort und präsentiert das folgende Chart. „Wie Sie alle wissen, können wir die Wettbewerbsprobleme in der „Globalen Fabrikhalle“ effektiv und effizient lösen. In der digitalen Welt arbeiten deutsche und internationale Mitarbeiter, interne und externe Spezialisten, Cloud- und Crowdworker zusammen. Dabei gilt:
‚Im Inneren der Fabrikhalle wirkt die interne Arbeitsorganisation.
Mit der Einbindung der Crowdwork über externe und interne Plattformen in den unternehmerischen Leistungserstellungsprozess werden die komplementären Formen der Arbeitsorganisationen zwangsläufig wie in einer globalen Fabrikhalle mit einander verbunden‘.[7]"
Abbildung 5. Die Globale Fabrikhalle (Quelle, Schack, Surfen auf dem digitalen Tsunami, 2017, S. 329).
Kevin kennt auch dieses Chart aus seiner täglichen Arbeit in der digitalen Arbeitswelt. Und so zeigt der routinierte Gewerkschaftler, wie so oft, die übliche Tabelle zum Crowdworking und ergreift das Wort bevor Ray diese kommentieren kann. Ray wiederum bekommt von der Tabelle gar nichts mit, weil seine Smart Watch einen Hackerangriff auf sein Smart Mobil meldet.
„Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kara. Ich will an dieser Stelle nicht auf die chinesische Bedrohung eingehen. Das hat meine Gewerkschaft schon oft, auch in den üblichen Talkshows, getan. Für mich ist wichtig, was mit der Belegschaft tatsächlich geschieht!
Die „digital Workforce“ bietet für Ihr Unternehmen eine Möglichkeit die Arbeitskosten zu senken und Gewinnmaximierung zu betreiben, weil der einfache Zugriff auf überregionale Arbeiter mit potenziell niedrigeren Lohnerwartungen Kostenvorteile bringen kann.[8]
Mit dieser Tabelle zeige ich Ihnen die wesentlichen Unterschiede zwischen Crowdsourcing und dem Einsatz der Stammbelegschaft. Die Organisation von Arbeit über digitale Plattformen erlaubt es Ihrem Unternehmen, externe Innovationspotentiale und Arbeitskraftressourcen zu erschließen und in Wertschöpfungsprozesse zu integrieren, ohne feste Arbeitsverhältnisse zu begründen.[9]
Mein Resümee ist deshalb so schlüssig, wie simpel: Kein Abbau zulasten der Beschäftigten und zugunsten des Crowdworkings.“
Tabelle 1. Crowdworking versus Stammbelegschaft.
Nun sah das ungeschriebene Drehbuch den Auftritt von Adil Salameh vor. Der Sekretär stand mit Kevin Maier schon seit geraumer Zeit in beruflichem Kontakt. Nach der Kündigung durch den Automobilzulieferer arbeitete Adil als Crowdworker und bewarb sich bei der Gewerkschaft von Kevin als Sekretär für Crowdworking. Allerdings traf die Bewerbung eines selbständigen Crowdworkers bei der Industriegewerkschaft Deutschland aus verschiedenen Gründen auf kein großes Interesse. Der Verband der Gig- und Crowdworker war demgegenüber froh über die Bewerbung von Adil. Dieser ergriff das Wort: „Meine sehr verehrten Damen und Herren. An Crowdworking führt in der globalen, digitalen Arbeitswelt kein Weg vorbei und deshalb sind die Vorschläge zur Ausweitung der digital Workforce grundsätzlich zu begrüßen. Letztendlich gilt § 7 des Codes auch für die Arbeit 4.0. ‚Alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt (Gesetz der Konnektivität). Durch die gegenseitige Vernetzung wird das Verhalten der Systeme wechselseitig voneinander abhängig und führt zu einer größeren Dynamik mit sich selbst antreibendem Wandel‘. [10]
Hierbei erscheint die Konnektivität als wesentlicher Treiber der Arbeitswelt 4.0, weil digitale Kommunikationstechnologien in der Arbeitswelt alles und jeden auf drei Ebenen: Mensch zu Mensch, Maschine zu Mensch und Maschine zu Maschine in Echtzeit permanent verbinden. Das besondere Merkmal der Vierten Revolution ist dabei die Verschmelzung von unterschiedlichen Technologien, das heißt, die Grenzen zwischen physikalischen und biologischen Sphären verschwimmen.[11] Diese Hyperkonnektivität erfasst alle Bereiche und erzeugt andere Spielregeln, die ich mit einem Zitat von Christoph Meinel, Leiter des Hasso-Plattner-Instituts, verdeutlicht möchte:
‚Digitalisierung ist in der Menschheitsgeschichte etwas ganz Neues. Als das Rad erfunden, die Pyramide erbaut, die Landmaschine geschaffen wurde, fand das immer im Rahmen unserer physikalischen Welt statt. Unter den Gesetzen der Schwerkraft und der Mechanik. So wie wir das kannten. Wir waren vorbereitet. Die Erfahrung lehrte uns, dass die Überwindung von Entfernungen Anstrengung bedeutete, Kraft erforderte und Zeit. Die Menschen wussten, dass sie nicht gleichzeitig an verschiedenen Orten Wirkungen erzielen können. Durch die Digitalisierung ändert sich das, es kommt eine zweite Ebene mit ganz anderen Gesetzmäßigkeiten ins Spiel. Wir können über virtuelle Verbindungen Wirkungen am anderen Ende der Welt erzielen..... Und keiner kann uns den Weg weisen, wie wir damit umgehen‘[12].
Diese neuen Spielregeln zwingen uns zur Akzeptanz virtueller Arbeitsformen. Das globale Crowdworking gehört dazu. Sie verstehen sicher, dass ich dem Gedanken des Crowdworkings positiv gegenüberstehe. Allerdings muss ich an dieser Stelle für faire Arbeitsbedingungen, Sozialschutz und für die Einhaltung entsprechender Vereinbarungen eintreten. Ihr Unternehmen senkt die Kosten, wenn Arbeitnehmer durch selbständige Crowdworker ersetzt werden und diese ‚digital worker‘ weniger Kosten verursachen als festangestellte Arbeitnehmer. Darüber hinaus kann das Unternehmen die Kostensenkung ausweiten, wenn nicht etwa deutsche, sondern zum Beispiel günstigere Crowdworker aus Indien verpflichtet werden. Das Unternehmen kann auf diese Weise die Einkommensungleichheit bei Crowdworkern unterschiedlicher Nationalitäten und Wohnsitze auch aufgrund unterschiedlich hoher Kosten der Lebenshaltung (Miete, Strom, Lebensmittel) zur Gewinnmaximierung nutzen. Dies ist inakzeptabel! Ich fordere das Unternehmen deshalb ausdrücklich auf, nur Crowdworker aus Deutschland in die Wertschöpfung zu integrieren!“
Flexibilität ist der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit
Soliana Huber stimmt Adil im Stillen zu, bemerkt, dass Ray urplötzlich den Raum verlässt und ergreift nun selbst das Wort: „Mit § 7 des Codes wird nicht nur die Konnektivität angesprochen, sondern auch die Verbindung von allem mit allen und alles im Internet der Dinge. § 8 des Codes bedeutet auch für unser Unternehmen: ‚Alles was zur Vernetzung eingesetzt werden kann, wird zur Vernetzung eingesetzt und das Zusammenbringen von Dingen, die vorher getrennt und voneinander isoliert waren, wird zur Quelle von (steigender) Komplexität‘.“
Soliana wendet sich dabei pathetisch an Kara und Kevin:
„Die richtige Strategie ist nach § 9 des Codes das Nutzen von Komplexität[13] und das Entwickeln von komplexen Systemen. ‚Only variety destroys variety‘. Anders ausgedrückt: ‚Vielfalt kann nur beherrscht werden, wenn man ebenfalls über eine Vielzahl von Instrumenten verfügt‘.[14] Unser Unternehmen im Allgemeinen und unsere Personalabteilung im Speziellen müssen dementsprechend über eine Vielzahl von Instrumenten verfügen, um eine Digitale Flexibilität erreichen zu können. Der Begriff Flexibilisierungbezeichnet in der Organisationstheorie, wie Sie sicher alle wissen, den Prozess zur Erreichung einer erhöhten Agilität von Organisationen und Personen. Diese wird durch die Reduzierung fester Regeln und festgefügter Strukturen erreicht.[15] Der flexible Einsatz von nationalen und internationalen Beschäftigten ist, wie der Einsatz von internationalen Crowdworkern, dringend geboten, um dem aus der Digitalisierung herrührenden Wettbewerbsdruck, mit einer Vielzahl von Personalinstrumenten gerecht werden zu können. Mit dem Internet-Arbeitsverhältnis können wir die Arbeitskosten verringern, denn die Arbeitskosten[16] sind nicht nur in Europa unterschiedlich hoch, sondern auch in anderen Nationalstaaten. Zum Beispiel sind die Arbeitskosten in Indien, Nigeria oder Bulgarien niedriger als in Deutschland. Diese Arbeitskostenunterschiede oder Lohngefälle zwischen Staaten kann das Unternehmen zur Senkung der Arbeitskosten und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit nutzen, wenn es Arbeitnehmer aus den jeweiligen Staaten in die Wertschöpfung einbindet.“
Abb. 6. §§ 8-15 des Body of laws for digilisation (Quelle, Schack, a.a.O., S. 400 f.).
Für Kevin Maier verläuft die Diskussion zu schnell und die Position vom Verband der Crowdworker zur selbstständigen Arbeit in der Cloud und deren Tarifvertrag zur Crowdworking in Deutschland steht im diametralen Gegensatz zur Position seiner Gewerkschaft und deren Mitgliedern. „Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kara. Für mich gilt auch § 10 des Codes. ‚Alles, was an Informationen der gesunden und kranken, jungen und alten Bürger und Bürgerinnen, der Unternehmen, Institutionen, Vereine, Glaubensgemeinschaften und beweglichen sowie unbeweglichen Sachen gesammelt werden kann, wird weitgehend kostenlos von (amerikanischen und chinesischen) Unternehmen gesammelt‘. Diese Sammelleidenschaft ist aber nicht uneigennützig. Vielmehr werden die Informationen von Unternehmen zur Gewinnerzielung verarbeitet. Die Unternehmen wollen ihre Kunden, bzw. ihre potentiellen Kunden, durch die gesammelten Daten immer besser kennenlernen. China zum Beispiel nutzt gezielt die Datensammlung auch für das Internet der Autos.“
Adil stimmte ihm zu und rief das folgende Zitat aus dem Weissbuch „Arbeiten 4.0“ auf: „Je mehr Wirtschaft und Verwaltung digitalisiert werden, desto mehr Daten werden auch gesammelt und gespeichert, die sich unmittelbar auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beziehen oder auf diese bezogen werden können“.[17]
Ray hatte den Raum gerade wieder leise betreten, die Worte von Adil vernommen und ergänzt: „Diese Vielfalt wird von der immensen Datenflut, die von Individuen, Gesellschaft, Wirtschaft sowie Maschinen tagtäglich wissentlich oder unwissentlich, vor Datenmissbrauch geschützt oder ungeschützt, erzeugt. China nutzt diese Datenflut zum Wohle der eigenen Wirtschaft vielfältig. Zu den Kunden der Datensammler zählen natürlich auch Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen, die täglich Tonnen von Daten produzieren aber derzeit nur etwa fünf Prozent nutzen.[18] In dieser Arbeitswelt der Netzwerke wird Big Data und die Datenanalyse in den Auswirkungen auf die Bedeutung der menschlichen Arbeit mit der Erfindung der Dampfmaschine zu vergleichen sein. Vergessen Sie bitte nicht: Unter Big Data wird die Sammlung und Auswertung immer größerer Datenmengen verstanden, die durch technischen Fortschritt sowohl bei Prozessoren, in der Sensorik, aber auch in den Analysemethoden erzielt werden können. Wie § 11 des Codes sagt. ‚Alles, was digitalisiert und in Information verwandelt werden kann, wird digitalisiert und in Informationen verwandelt‘.“
Xanadu spontan: „Die wirkliche Basis der digitalen Arbeitswelt bilden eben nicht Maschinen, sondern vielmehr die Daten als neuer Produktionsfaktor, die Hyper-Konnektivität und die Software.“
Kara Fröhlich hat als Betriebsrätin bei der Smart Factory das Auf und Ab des Unternehmens von Anfang an erlebt; auch die Einführung der Cyber-Physischen-Produktions-Systeme (CPPS). Kara: „Diese Systeme leben von den Daten, die im Vorfeld, während und nach dem Produktionsprozess beim Zulieferer, in der Smart Factory und bei dem Kunden erzeugt werden. Die Mensch-Maschine Teams und die Mensch-Maschine-Interaktion produzieren auch einen Berg von Daten, der gleichfalls erfasst, ausgewertet und im Produktionsprozess in Echtzeit verwendet wird. Allerdings erschöpft sich die Digitalisierung der Arbeitswelten nicht in der allumfassenden Datenerfassung und -übermittlung. Vielmehr können die gewonnen Daten mit Hilfe der digitalen Infrastruktur und dem Internet der Dinge und Dienste für vielfältige Zwecke verwendet werden.“ Zum Abschluss verweist die Betriebsrätin auf § 12 des Codes. „Jede Technologie, die zum Zwecke der Überwachung und Kontrolle kolonisiert werden kann, wird, was immer auch ihr ursprünglicher Zweck war, zum Zwecke der Überwachung und Kontrolle kolonisiert“.[19]
Kevin stimmt Kara insgeheim zu und erinnert sich an die unzähligen Sitzungen des Betriebsrates zu der Datenerfassung während der Arbeitsprozesse. Die Digitalisierung erzeugt eben auf der einen Seite eine große Transparenz der Arbeit auch zugunsten der Beschäftigten. Auf der anderen Seite aber konnten die gewonnenen Daten auch zur Kontrolle der Beschäftigten dienen. Alle Unternehmensangehörigen haben sich nach einer Analyse der Daten und nach dem Abschluss einer Betriebsvereinbarung mit großen Bauchschmerzen für die umfassende Datenerfassung zugunsten einer reibungslosen Produktion ausgesprochen.
Abb. 7. §§ 16-20 des Body of laws for digitalisation (Quelle, Schack, a.a.O., S. 400 f.).
Kevin hat durch seine tägliche Arbeit tiefe Einblicke in die digitale Zukunft gewonnen und steht der Verhandlung mit gemischten Gefühlen gegenüber, weil ein Ende der Personalmaßnahmen vor dem Hintergrund der Digitalen Transformation nicht abzusehen ist. Der Gewerkschaftsvertreter: „Ein Ende der disruptiven Entwicklung ist vor dem Hintergrund der amerikanischen und chinesischen Internet-Giganten nicht in Sicht. Vielleicht befinden wir uns noch am Anfang der Entwicklung. Nach der folgenden Regel von Marc Andreessen, einem der einflussreichsten Männer im Silicon Valley nach dem ‚Knigge für Softwarearchitekten‘[20], wächst die Rate, mit der immer mehr Arten von Software das gesamte Leben auf immer mehr Arten bestimmen, immer schneller an. Dies geschieht schneller als einerseits die meisten Menschen es wahrhaben wollen und andererseits schneller als sich die meisten Organisationen daran anpassen können.
Es gilt § 13 des Codes. ‚Alles, was durch neue Software oder Software-Architekturen erfasst werden kann, wird erfasst (software eats the word[21])‘.“
Soliana greift den Gedanken auf: „Unser Unternehmen ist gerade deshalb auf die Verwendung Künstlicher Intelligenz der neuesten Generation angewiesen, denn die physische Welt verschmilzt mit der virtuellen Welt und die maschinengestützte Umsetzung digitaler Impulse, vor allem durch die Robotik verbindet die bisher getrennten virtuellen und realen Vorgänge. Flexible Ausführungen komplexer Tätigkeiten auf einer vernetzten Datengrundlage werden dadurch ermöglicht und die zunehmenden Übertragungskapazitäten und –geschwindigkeiten erlauben ein faktisches Zusammenrücken über jede Distanz[22]. Letztendlich gilt § 14 des Codes ‚Was automatisiert werden kann, wird automatisiert‘. D.h. auch: Alles was roboterisiert werden kann, wird roboterisiert.“
Kevin gereizt: „Allerdings verlassen in der Smart Factory nicht nur die beschäftigten Menschen die Unternehmen, sondern vielmehr kann auch die additive Fertigung mit 3D Druckern die Maschinen aus den Fabrikhallen herauslösen. Die Produktion wird durch den Einsatz von 3D Druck dezentralisiert. Skateboards, Blutgefäße, Prothesen, Auto- und Flugzeugteile, ganze Häuser können mit 3D Druck hergestellt werden.[23]Wie § 15 des Codes zutreffen sagt: ‚Alles was durch 3D Druck hergestellt werden kann, wird durch 3D Druck hergestellt‘.“
Der Schwitzkasten der digitalen Transformation
Ray kann Kevin nicht widersprechen. Kevin hat mit seiner Aussage recht. Allerdings ist die Factory auf 3D Druck und besonders auf die unternehmens- und branchenübergreifende Zusammenarbeit unter dem Aspekt der Open Innovation angewiesen. Das muss nun auch gesagt werden. Er zeigt folgendes Chart.
Abb. 8. Analoge Welt im Schwitzkasten (Quelle: Schack, Surfen auf dem digitalen Tsunami, S. 94).
Ray: „Wir müssen durch das grenzüberschreitende Crowdworking in die Lage versetzt werden, unternehmens- und branchenübergreifend Innovationen schnell an den Markt zu bringen. Unser Unternehmen befindet sich, wie viele andere auch, im Schwitzkasten der Digitalen Transformation und damit gilt für uns auch § 16 des Codes. ‚Die digitale Arbeitswelt erfordert Kontextführung, Leader, Intrapreneurship, Mensch-Maschine-Teams, angemessene Vergütungs- und schnelle Mitbestimmungssysteme und branchenübergreifende Zusammenarbeit; insbesondere Hinsichtlich der Forschung und Entwicklung‘.“
Kara ist mit der Antwort von Ray nicht besonders glücklich. Er unterschlägt einfach die großen Erfolge der Mensch-Maschine-Teams und die Bedeutung der betrieblichen Mitbestimmung der teilautonomen Arbeitsgruppen, um deren Zukunft es ja heute und hier auch ging. Dabei hatte die Smart Factory mit den Betriebsräten viel für die erfolgreiche Mitbestimmung getan. Deshalb zeigt sie das folgende Chart aus ihrer täglichen Arbeit.
Abb. 9. Mensch-Maschine-Teams in der Smart Factory (Quelle: eigene Gestaltung).
„Ray hat eben auch die betriebliche Mitbestimmung und Mensch-Maschine-Teams angesprochen. Unser Unternehmen nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein, wie dieses Betriebsrats-Chart aus unserem Schulungsbaukasten zeigt. Unsere teilautonome Gruppenarbeit räumt den Teammitgliedern aufgrund unserer Gruppenvereinbarungen und Gruppenverfassungen Mitbestimmungsrechte ein, sichert den Arbeits- und Datenschutz und sorgt für einen angemessene Qualifizierung unserer Kollegen. Die Mensch-Maschine-Interaktion wird durch die Qualifikations-Matrix sichergestellt.“
Soliana nutzt die Vorlagen von Ray und Kara und bringt Cloud Computing ins Spiel, um die Bedeutung und die Möglichkeiten des Unternehmenskonzeptes herauszustellen. „Eine Grundlage des internationalen Daten- und Informationsaustausches und der Mensch-Maschine-Interaktion findet sich im Cloud Computing. Für die Arbeit 4.0 gilt eben § 17. ‚Alle Tätigkeiten, die in die Cloud - vielleicht weltweit - vergeben werden können, werden in die Cloud verlagert‘.“ Die Personalleiterin: „Angebot und Nutzung der Cloud Computing Dienstleistungen erfolgen dabei ausschließlich durch technische Schnittstellen oder Protokolle. Natürlich dienen auch Webbrowser dem Cloud Computing. Nach wikipedia[24] umfasst die Spannweite der im Rahmen der Rechnerwolke angebotenen Dienstleistungen das gesamte Spektrum der Informationstechnik und beinhaltet unter anderem Infrastruktur, Software und Plattformen. Die unterschiedlichen Elemente des Cloud Computing werden sehr gut von dieser Abbildung dargestellt.“
Die Personalleiterin zeigt das folgende Chart.
Abb. 10. Elemente des Cloud Computing (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cloud_computing.svg#/media/File:Cloud_computing.svg)
Ray greift Solianas Beitrag auf: „Unabhängig von Arbeitsleistung, Branche oder Standort des Unternehmens können die am Arbeitsprozess beteiligten Menschen oder Arbeitsmittel bzw. Werkstoffe weltweit miteinander vernetzt werden und die unternehmerische Wertschöpfung kann die Grenzen des Nationalstaates überwinden.“ Er ruft die Website digitalearbeitswelt.de auf und clickte auf das Icon: Cloud. Dieser Text erscheint:
„Die technische Grundlage der Digitalisierung wird auch von Cloud-Technologie erzeugt. Diese erlaubt im Internet von jedem Ort auf unserer Welt auf zentral gespeicherte Daten zuzugreifen und mittels bereitgestellter Verarbeitungs- und Analysesoftware zu bearbeiten. Auf den Plattformen findet im Internet, in der Cloud, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Dienstleistern und Kunden bzw. Konsumenten statt. Das vernetzte Arbeiten von Menschen und vor allem unternehmensübergreifende Kollaborationen stehen ebenso wie das mobile Arbeiten und soziale Netzwerke im Mittelpunkt. Mit der Cloud und dem Cloud Computing (deutsch Rechnerwolke) wird durch die Digitalisierung die Arbeitswelt weltumspannend, weil das Netz mittlerweile überall ist. Von Unternehmen wird global beispielsweise Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Dienstleistung über das Internet für Arbeitnehmer und Selbständige verfügbar gemacht.“ (Quelle: Icossar/Cloud).
Alles was crowdisiert werden kann, wird crowdisiert
Xanadu: „Soliana und Ray, herzlichen Dank für diese Hinweise auf die Cloud-Technologie. Die digitale Arbeit ist ohne die Cloud und weltumspannendes Crowdsourcing nicht denkbar. Cloudworker, externe wie interne Crowdworker nutzen selbstbestimmt und ohne jegliche Grenzen die Cloud. Der digitale Arbeitsplatz ist dort, wo ein vernetzter Computer steht. Und das kann mittlerweile überall auf der Welt sein.
Mit der Konnektivität und auch dem Cloud Computing sind die Grundlagen der digitalen Infrastruktur benannt, die auch das globale, grenzüberschreitende Crowdworking ermöglichen. Wir können überall auf der Welt Menschen mit digitaler Arbeit versorgen und deren Lebensstandard sichern.“ Sie verweist auf § 18 des Codes. „Alle Tätigkeiten, die durch Crowdworker weltweit (günstiger) wahrgenommen werden können, werden crowdisiert“.
Kevin greift den Gedanken von Xanadu, aber anders als von ihr erwartet, auf: „Ich habe in einer Studie von Kantar/Bertelsmann zur Plattformarbeit[25] folgenden wichtigen Hinweis zum Crowdworking gefunden:
‚Der Einsatz digital vernetzter Arbeitsmittel ermöglicht eine digital unterstützte Zerlegung (engl. „decomposition“) von Arbeitsprozessen.[26] Neue Formen der Arbeitsteilung zwischen Menschen auf der ganzen Welt, aber auch zwischen Menschen und Maschinen (Mensch-Maschine-Interaktion) können dabei die Folge sein. Diese Zerlegung wird erst die Verdrängung herkömmlicher Arbeitsverhältnisse von Facharbeitern durch ungelernte Arbeitskräfte durch Crowdsourcing ermöglichen, da Aufgaben in immer kleinere Arbeitsschritte zerlegt werden.[27] Die Zerlegung des Arbeitsprozesses in Teilaufgaben kann dazu führen, dass das für die Ausführung der Teilaufgaben benötigte Know-how geringer ist. Die Arbeitsproduktivität wird durch die Standardisierung und Zerlegung verbessert, weil komplexe Arbeitsvorgänge in kleinere Einzeltätigkeiten zerlegt werden und der Grad der Arbeitsteilung entsprechend steigt (Taylorismus). Weniger qualifizierte und schneller anlernbare Arbeitskräfte können in der Folge in der Cloud oder Crowd die kleineren und häufig auftretenden Einzeltätigkeiten unter Ausnutzung von Lern-, Größen- und Verbundeffekten effektiver bzw. effizienter bearbeiten und die Geschwindigkeit der Gesamtleistungserstellung erhöhen.[28] Die Zerlegung in Teilaufgaben, die Spezialisierung der digitalen Worker auf bestimmte Aufgaben und der aufgabenspezifische Zukauf von Leistungen in der Crowd erlaubt eine schnellere Abwicklung der Aufgaben mit qualitativ guten Ergebnissen und eine Erhöhung der Unternehmensflexibilität[29]‘.“
Alle Mitglieder der Verhandlungskommission wissen um die Richtigkeit dieses Zitats und dessen Bedeutung für die Normalarbeitnehmer der analogen Belegschaft. Kevin will das Unmögliche versuchen, eine weitere Crowdisierung der Belegschaft zu verhindern oder zumindest aufzuschieben: „Sehr geehrte Frau Huber, sehr geehrter Herr Spencer Kennedy. Ich muss als Gewerkschaftsvertreter konstatieren, dass die von Frau Huber geforderte Flexibilität auch im Interesse der Arbeitsplätze unserer Mitglieder sein kann. Allerdings kann ich den Gedanken der Schließung der beiden Abteilungen nicht nachvollziehen.
Gehe ich Recht in der Annahme, dass Ihr unternehmerisches Konzept neben der Crowdisierung und Virtualisierung der Entwicklungs- und Marketingabteilung sowie einer Ausweitung der Internet-Arbeitsverhältnisse, eine weitere, digital unterstützte Zerlegung von Arbeitsprozessen und Arbeitsaufgaben zur Senkung der Arbeitskosten umfasst?“
Soliana: „Nein, Herr Maier. Unsere Arbeitsaufgaben und Arbeitsprozesse in der Smart Factory wurden bereits mit der Implementierung der Cyber-Physischen-Produktionssysteme (CPPS) und der vertikalen als auch der horizontalen Integration im Rahmen der dezentralen Steuerung wie Intelligenz digitalisiert. Die Mensch-Maschine-Interaktion - vor allem in Mensch-Maschine-Teams - bestimmt die Arbeitsorganisation 4.0, wie uns die Betriebsrätin Fröhlich schon gezeigt hat.
Ray, jetzt ohne die notwendige Zurückhaltung: „Wir sind aber trotzdem gezwungen durch strategische Kooperationen mit anderen Internet-Unternehmen, deren digitales Know How in unsere Entwicklungsarbeit zu integrieren.“
Ray spielt damit auf die strategische Zusammenarbeit von VW mit Amazon Web Services im Jahre 2019 an.[30] Er setzt eindringlich fort: „Wir werden eine strategische Allianz mit einem chinesischen Unternehmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz eingehen müssen, sonst sind wir von dem technologischen Fortschritt abgeschnitten. Unsere Mitarbeiter, externe Spezialisten - auch Crowdworker - werden in virtuellen Teams mit Spezialisten des chinesischen Unternehmens an einer neuen Generation von Künstlicher Intelligenz für unsere Smart Cars arbeiten. Gleichzeitig werden unsere Zulieferer zu dieser Form der unternehmens- und branchenübergreifenden Kooperation eingeladen.“
Adil: „Ray, für unsere Crowdworker, wie für einen Großteil der deutschen Bevölkerung, bedingt die neue Architektur der digitalen Arbeit eine Anpassung der Aus- und Weiterbildung. Sieht Ihr Unternehmen Aus- und Weiterbildungsaktivitäten für die deutschen Mitglieder der digital Workforce vor?“ Er bezieht sich auf § 19 des Codes. „Aus- und Weiterbildung und alle Rechtsgebiete sowie die Systeme der ‚Sozialen Sicherung‘ müssen digitalisiert werden“.
Ray: „Natürlich Adil. In Kooperation mit der Plattform von Xanadu bieten wir echte Superkurse für alle Crowd- und Cloudworker an.“ Ray will die Bedeutung von § 19 aber wegen des Verweises auf die ‚Soziale Sicherung‘ nicht weiter diskutieren, eher die Abschlussdiskussion einleiten und startet impulsiv mit einem Hinweis auf § 20 des Codes. „Meine sehr verehrten Damen und Herren, nur wer dies alles beherzigt, hat eine Chance in der Transformation.“ Allerdings geht der Hinweis nach hinten los. Kevin, Kara und Adil hören diesen Spruch nicht zum ersten Mal und waren der Hinweise auf die Bedeutung der Digitalen Transformation überdrüssig.
Kevin: „Herr Spencer Kennedy, ab wann wollen Sie das Unternehmenskonzept umsetzen?“ Ray wendet sich der Personalleiterin zu: „Soliana, wir starten am 1. Oktober oder?“ Die Angesprochene: „Speed is money, Ray. Wenn bis zum 1. Oktober alle notwendigen Zusagen – auch die der Bank – vorliegen, können wir starten.“
Für Adil kam diese Aussage von Soliana überraschend: „Ray, herzlichen Dank für die Information. In meinem Verband sind einige deutsche Marketingfachleute Mitglied, die Sie über die Plattform von Xanadu verpflichten können. Ich darf doch davon ausgehen, dass Ihr Unternehmen nicht auf die kostengünstigere Konkurrenz aus dem Ausland zurückgreift.“
Kara und Kevin wiederum waren sich zwar der Dringlichkeit bewusst, ob des ambitionierten Zeitplanes aber auch überrascht.
Kevin: „Sehr geehrte Frau Huber, sehr geehrter Herr Spencer Kennedy, ich schlage vor, dass Sie uns noch eine detaillierte Darstellung Ihrer Konzeption vorstellen.“
Ray gehetzt: „Herr Maier, dann müssen wir uns noch in der nächsten Woche treffen, denn für uns alle gilt § 6 des Codes. ‚Die Plattformökonomie gepaart mit der exponentiellen Dynamik der digitalen Transformation bedeuten für die Unternehmen eine digitale Zeitfalle, die in einer komplexen Welt agile Unternehmen bedingen. Nicht nur Qualität und Kosten prägen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Staaten. Vielmehr wird für das Überleben die Geschwindigkeit der Anpassung an den digitalen Wandel entscheidend und die Zeit zu einem neuen Wettbewerbs-Parameter[31]‘.“
Soliana, nach einem Blick auf Ray und ihre Smart Watch: „Meine Damen und Herren, herzlichen Dank für das konstruktive Gespräch. Wir kommen dem Wunsch von Herrn Maier gerne nach und werden Ihnen noch heute Terminvorschläge für ein neues Treffen zukommen lassen“. Die Teilnehmer verlassen den Tagungsraum.
[1] Zitiert nach Frauenhofer Institut für Arbeitswissenschaft, Produktionsarbeit der Zukunft - Industrie 4.0, Spath (Hrsg.), S. 20.
[2] Vgl. etwa Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Weissbuch Arbeiten 4.0, Stand 3/2017; Keese, Silicon Germany, 2016; Krause, Verhandlungen des Deutschen Juristentages, Band 1. Gutachten B, B 11 ff. mit zahlreichen Nachweisen, München 2016; Giesen/Junker/Rieble (Herausgeber), Industrie 4.0 als Herausforderung des Arbeitsrechts, ZAAR Schriftenreihe Band 39, 7. ZAAR-Tagung, Wiesbaden, 30.10.2015 mit Beiträgen; Giesen/Kersten, Arbeit 4.0, 2017; Hackl/Wagner/Attmer/Baumann, New Work: Auf dem Weg zur neuen Arbeit, Wiesbaden 2017; Jeske, Digitalisierung und Industrie 4.0, Leistung & Entgelt Nr. 2 vom Juni 2016; Obermaier (Hrsg.), Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe, Wiesbaden 2016; Werther/Bruckner (Hrsg.), Arbeit 4.0 aktiv gestalten, Berlin 2017; Roth, Einführung und Umsetzung von Industrie 4.0, Berlin 2016; Schwab, Die vierte industrielle Revolution, 4. Auflage 2016, S. 28 ff. u. 171 ff.; Zölch/Oertig/Calabro, Flexible Workforce – Fit für die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt?, Bern 2017.
[3] Drei dieser Regeln nutzen die Aussagen von Soshana Zuboff, eine weitere einen Vorschlag von Robert 0bermaier und eine Regel eine Aussage von Marc Andreessen.Die Regeln Nr. 11, 12 und 14 nach Zuboff, In the Age oft he Smart Machine, 1988, nach: Obermaier, Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe: Strategische und operative Handlungsfelder für Industriebetriebe, in: Obermaier (Hrsg.), Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe, Wiesbaden 2016, Seite 10 und Obermaier, Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe: Strategische und operative Handlungsfelder für Industriebetriebe, in: Obermaier (Hrsg.), a.a.O., Seite 10, der ein viertes Gesetz zur Vernetzung anregt.
[4]Schwab, Die Vierte Industrielle Revolution, 2016, S. 28.
[5]IBM, Unternehmensführung in einer komplexen Welt, Global CEO Study 2010, S. 27.
[6]Klaus Schwab auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2016 zitiert nach: http://www.handelsblatt.com/politik,international/davos/davos-2016-die-vierte-industrielle-revolution/12836622.html, zuletzt zugegriffen am 02.03.2016.
[7]Schack, Surfen auf dem digitalen Tsunami, S. 329.
[8]Kantar/Bertelsmann-Stiftung, Plattformarbeit in Deutschland, 2019, S. 53.
[9]Vogl, Expertenmeinung, in: Kantar/Bertelsmann-Stiftung, Plattformarbeit in Deutschland, 2019, S. 21.
[10]Malik, Navigieren in Zeiten des Umbruchs, 2015, S. 76.
[11] Klaus Schwab auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2016 zitiert nach: http://www.handelsblatt.com/politik,international/davos/davos-2016-die-vierte-industrielle-revolution/12836622.html. Zuletzt zugegriffen am 02.03.2016.
[12]https://www.sueddeutsche.de/digital/digitalisierungin-deutschland-als-wuerde-man-einen-neuen-kontinent-entdecken-1.4067321, zuletzt zugegriffen am 31.08.2018.
[13]Malik, Navigieren in Zeiten des Umbruchs, 2015, S. 12.
[14]Wicher, Managementkompetenzen, Herausgeber Klaus Olfert, 2015, S. 17. Malik, Navigieren in Zeiten des Umbruchs, 2015, S. 77.
[15]https://de.wikipedia.org/wiki/Flexibilisierung, zuletzt zugegriffen am 06.06.2018.
[16] Die Arbeitskosten umfassen das Arbeitsentgelt (Löhne für Arbeiter bzw. Gehälter der Angestellten) sowie die gesetzlich, tariflich oder arbeitsvertraglich festgelegten Personalzusatzkosten wie Sozialversicherungsaufwendungen des Arbeitgebers, Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
[17]Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Weissbuch Arbeiten 4.0, Stand 3/2017, S. 43.
[18]Curtis, Focus Money, 24/2019, S. 8.
[19] Die Regeln Nr. 11, 12 und 14 nach Zuboff, In the Age oft he Smart Machine, 1988, nach: Obermaier, Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe: Strategische und operative Handlungsfelder für Industriebetriebe, in: Obermaier (Hrsg.), Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe, Wiesbaden 2016, Seite 10.
[20]https://jaxenter.de/knigge-fuer-softwarearchitekten-software-is-eating-the-world-43104, zuletzt zugegriffen am 07.06.2019.
[21]Scheer, Industrie 4.0: Von der Vision zur Implementierung, in: Obermaier (Hrsg.), Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe, Wiesbaden 2016, Seite 40.
[22]Giesen/Kersten, Arbeit 4.0, 2017, S. 30.
[23]Masuhr, Focus Money 24/2019, S. 18-19.
[24]de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing, zuletzt zugegriffen am 27.02.2019.
[25]Schack, Expertenmeinung, in: Kantar/Bertelsmann-Stiftung, Plattformarbeit in Deutschland, 2019, S. 49 f.
[26]Schack, ebenda, S. 274 ff.
[27]Kittur/Nickerson/Bernstein et. al., Die Zukunft der Crowdarbeit, in: Benner (H.g.), Crowdwork – zurück in die Zukunft, S. 179.
[28]Leimeister/Zogaj, Neue Arbeitsorganisation durch Crowdsourcing, Arbeitspapier Nr. 287 der Hans Böckler Stiftung, Literaturstudie, S. 6.
[29]BMAS, Foresight-Studie „Digitale Arbeitswelt“, Institut für Innovationen und Technik, S. 22.
[30]https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/vw-verbindet-sich-mit-amazon-bei-industrial-cloud-16110894, zuletzt zugegriffen am 16.05.2019.
[31] Die Dynamik zwingt auf der einen Seite zum schnellen Handeln, aber auf der anderen Seite braucht der Anpassungs- bzw. Änderungsprozess aufgrund der Komplexität mehr Zeit, https://hsimmwt.com/2016/02/07/mit-der-digitalsierung-schritt-halten-und-der zeitfalle-entkommen/ zuletzt zugegriffen am 01.10.2016.
Das Schack 26. August 2019
Buchbesprechungen 26. August 2019 - Das Schack

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