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Timestamp: 2017-02-28 07:54:27+00:00

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Friedrich Miede, 01.04.1827 (Göttingen) - 08.05.1906 (Rostock), von 1858 - 1897 Fotograf in Rostock
Friedrich Philipp Georg Miede entstammte laut Rostocker Nikolai-Kirchenbuch einer Pastorenfamilie in Göttingen. Seinen Eltern Carl Miede (1788-1851, 31 Jahre Pastor an St. Marien) und Johanne Miede wurde dort am 22.4.1848 das Ehrenbürgerrecht verliehen.
Ein Eintrag Friedrich Miedes im Rostocker Bürgerbuch scheint nicht zu existieren, sein erstes „Atelier“ in der Koßfelderstr. 28 eröffnete er im August 1858 (siehe Anzeige). Zuletzt war Miede im Adressbuch als „Landschafts-Photograph“ verzeichnet und von 1898 - 1906 als „Rentier“ im Burgwall 13. Die Traueranzeige in der RZ vom 10.5.1906 (... im 80. Lebensjahre der frühere Photograph Fritz Miede ...) wurde von namenlosen „Hinterbliebenen“ aufgesetzt.
Dazu passend findet man in seiner Sterbeurkunde den Familienstand „ledig“.
Friedrich Miede (beerdigt am 11.5.1906) ruht ebenso wie „Franz Dethleff, Lithograph“ irgendwo auf dem Alten Friedhof (= Lindenpark).
Ein herzliches Dankeschön an die hilfsbereite Dame im ev.-luth. Kirchenkreisarchiv in Göttingen für das Herraussuchen des Geburtsdatums. Damit sind Friedrich Miedes Lebensdaten, die bis vor kurzem in Rostock ganz unbekannt waren, vollständig.
Friedrich Miede haben wir grob geschätzt die Hälfte der frühen Fotos des Rostocker Stadtbildes vor 1885 (als Raphael Peters nach Rostock kam) zu verdanken und die Stadtansichten dürften ein wesentlicher Teil des Geschäfts gewesen sein. Friedrich Miedes Negative und unbenutzte Cabinet-Kartons (auf denen die dünnen Abzüge aufgeklebt wurden) waren nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit von der Buch- und Kunsthandlung Hermann Koch, zu der auch gleichnamiger Verlag gehörte, übernommen worden.
Elisabeth Schmidt (1898-1987) war von 1929-1969 Inhaberin dieser Buchhandlung Koch in der Blutstr. 26 (Kröpeliner Str. 96) und erinnerte sich an die Negativ-Kästen, die auf dem Dachboden gelagert waren. Bei den Bombenangriffen im April 1942 brannte das Haus bis auf die Ladendecke runter. Die Negative waren damit verloren, während einige leere Miede- und Hermann-Koch-Kartons im Keller unbeschadet blieben ...
Eröffnungsanzeige in der RZ vom 15. Aug. 1858
+ + + + + I N H A L T S V E R Z E I C H N I S + + + + + links mit Druckschrift-Prägung„H.Koch 1898“
1858, 15.8.: Eröffnung Atelier Koßfelderstr. 28
1859 kein Adressbuch
1860 auch Koßfelderstr. 28
1861 - 1864 Glatter Aal 1
1865 - 1870 Am Schilde 6
1871 - 1879 Eselföterstr. 11
1880 - 1884 Lange Str. 64
1885 - 1887 Gr. Wasserstr. 28
1888 - 1893 Koßfelder Str. 7
1894 - 1897 Burgwall 13
links mit Schreibschrift-
Prägung „Hermann Koch 1905“
1860er, verschieden große CDVs (carte-de-visite), einzeln gestempelt
Eine Situation mit mehreren Fragezeichen bietet hier die Dreierkombination Klaunig/Miede/Koch 1898.
Der Fotograf O. Klaunig erscheint im Rostocker Adressbuch nur 1888 und 1889 unter Große Mönchenstr. 9, auf dem einen Foto links aber 9 Jahre später in Kombination mit dem Verlag Hermann Koch. Die Angabe „O.Klaunig früher F.Miede“ lässt sich im Rostocker Adressbuch nicht aufklären, und auch in denen von Warnemünde 1892, 1896 und 1899 nicht. Es bleibt vorläufig rätselhaft, worauf sich das „früher“ bezieht.
Abb. 62 in Lorenz mit „unbekannter Herkunft“
Adressbuch 1906 und hier mit dem seltenen Nachweis über „Friedrich“ statt nur „F.“
Zur Datierung der Aufnahme: Der Ausschnitt 2c. zeigt hervorgehoben das Dach des bis 1874 im Adressbuch verz. Schnickmannstores (S). Weit wichtiger jedoch sind die im Ausschnitt 2d. erkennbaren Fundamentreste der noch nicht ganz abgebrochenen Stadtmauer, welche auf die linke Ecke vom Giebel des „Spritzenhauses“ (Bezeichnung v. 1888) zulief. Am 20. Febr. 1870 berichtet die RZ über den „seit einiger Zeit“ laufenden Abbruch des Fischertores und der Stadtmauer bis zum Großherzogl. Schuppen. Es ist kaum anzunehmen, das der bescheidene weitergehende Rest der Mauer bis zum Spritzenhaus Höhe Grapengießerstraße dann verschont wurde und das Jahr 1870 noch überlebt hat. Es ist eher zu vermuten, dass man sich beeilte, die Fläche gänzlich zu beräumen. Dank der präzisen Listen in Rabbel, Windjammer, sowie der Leiter am Schiff als Maßstab (Breite ca. 40 cm) kommt man nun dem Schiff selbst näher: Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte es die 1870 bei Möller gebaute Bark „Dora Ahrens“ sein (Länge 39,29 m /
Stapellauf ... / 1890 verschollen).
Das Jahr 1883 kann nur den Erwerb des Fotos betreffen.
Stereo (1.) und CDV (2.) wurden vermutlich 1870 innerhalb weniger Tage aufgenommen
Blick von der Fischerbastion Richtung Osten / 8,7 x 17,7 cm
CDV, Rs. mit Stempel F. Miede, vermutlich spätestens 1867 - es gibt eine Aufnahme mit etwa umgekehrter Blickrichtung vom Balkon und einem Baustellenloch an Stelle des „Neustädter Borns“, datiert mit 1868. Das neue „Wasserröhren-System“ wurde
zwischen 1865 und 1867 verlegt und die alte Pumpe ist hier noch in Benutzung. Handschrift F. Miede ?, eher nicht
Gleiche Aufnahmesituation wie oben, jedoch einige Minuten später, wie sich an der Entwicklung der Schattenlängen auf den Fassaden zeigt - einer der neugierigen Passanten (x) ist auf beiden Aufnahmen zu sehen. Fotografen in Aktion waren zu jener Zeit noch ein Ereignis, wie man an den Leuten sehen kann - schade dass keiner Herrn Miede fotografieren konnte, der von gleicher
Stelle aus die Kamera nur etwas nach links gedreht hat.
CDV, Rücks. 5. mit „Eselpförter-Strasse 11“ (1871-1879) - Blick in die Breite Str. und auf Hopfenmarkt 16 - 18.
Neben einer Ansicht vom Eckhaus N.Markt 15 ist diese die beste bekannte Außenaufnahme einer Kellerwohnung in Rostock. Der „Kasten“ links bei Nr. 16 hat Gardinen und 4 Fensterläden sowie eine Dacheindeckung, die eher nach Brettern als Blech aussieht. Zugehörig dürfte der seitlich am Giebel klebende Schornstein sein. 4.
<< auf diesen beiden Grundstücken steht jetzt der >>
Neubau von 1979 / 80 mit Fastfood - Adresse
Die gleiche Straßenecke etwas früher aus anderer Perspektive. Die Kellerwohnung, deren Dach hier ausgebessert scheint, könnte eventuell vor dem Abriss noch eine Neueindeckung (wie oben zu sehen) bekommen haben.
Die Beischläge (terrassenförmige Erhöhungen vor den Häusern) wurden nach Lorenz in den 1870er Jahren als verkehrsstörend beseitigt.
Die „kreuzotterartigen“ Fliesengänge zwischen Katzenkopfpflaster vor den
Häusern sind vermutlich ebenso wie die Beischläge auch in den 1870ern aus dem Stadtbild verschwunden.
1780 / 90
Der schlichte und wohlproportionierte Giebel aus den 1590er Jahren (x59x) mit seinen 5 Blenden dürfte ursprünglich durchgehende Achsen gehabt haben ? Ca. 1884 erfolgte der Abbruch des Hauses, das jedoch um 1980 eine späte Wiedergeburt erlebte in der Kulisse der Wokrenterstr. als Nr. 27 („Zur Kogge“).
ca. 1870/71, Rs. noch mit Stempel
ca. 1871/72, Rs. mit Aufdruck
CDV-Abb. in Originalgröße
altes Repro von Eggers, Blutstr. 24 - nach eigener Notiz von F. Miede, im Museum als Cabinet-Karton von Hermann Koch, was auch für Miede spricht
Ein krasser Gegensatz zum „CDV-Kleinkram“ ist Bild 10. (1871-1879): Die Plattengröße betrug mindestens 25x35 cm, der Ausschnitt hier zeigt knapp doppelte Originalgröße.
Im Original ca. 2,5 x 5,0 cm groß, etwas nachbearbeitet
Bei dieser Aufnahme aus den 1870er Jahren hat Friedrich Miede sicherlich seine beste Technik angeschleppt - immerhin war das Atelier „Eselpförter-Strasse 11“ nicht weit entfernt. Die Qualität der Aufnahme ist in jeder Weise bestechend.
Aus dem zeitnahen „Reglement für das Droschkenfuhrwesen in Rostock“ vom 29. Juli 1873 sei hier auszugsweise zitiert:
§ 2. Es werden nur viersitzige zweispännige Droschken zugelassen. ...
§ 3. Alle Wagen müssen dauerhaft, von gefälligem Äußern, gehörig hoch, breit und bequem sein und auf Druckfedern ruhen. Jeder Wagen muß mit einem Vorder-Verdeck und dieses mit Vor- und Seitenfenstern versehen sein. ...
Ist der Wagen nicht ganz neu, so muß er doch durchgängig fest und neu lackirt, auch stets mit gutem Lederzeuge und im Innern mit reinem Ausschlag und guter Polsterung versehen sein. ... weiße Nummern auf schwarzem Felde ... Die Pferde müssen kräftig und das Geschirr dauerhaft sein.
§ 7. Unerwachsene, Gebrechliche, notorische Trunkenbolde, Personen, welche nicht lesen können, des Fahrens Unkundige werden ebensowenig zu Droschken-
kutschern zugelassen, wie Personen, welche wegen Verbrechen oder Vergehen bestraft sind. ...
§ 8. Die Standplätze der Droschken werden vom Polizei-Amte angewiesen, welches die Plätze nach Ermessen überhaupt und bei einzelnen Vorkommenheiten und zu den verschiedenen Tageszeiten verändern ... kann. Der Wechsel der Standplätze geschieht nach Bestimmung des Polizei-Amtes allwöchentlich. § 11. Die Fuhrwerksbesitzer sind dafür verantwortlich, daß ihre Droschken 1) während der Monate April bis September einschließlich um 7 Uhr Vormittags, 2) während der Monate October bis März einschließlich um 8 Uhr Vormittags auf den Standplätzen auffahren und bis 10 Uhr Abends ununterbrochen zur Benutzung des Publicums in Fahrt bleiben.
§ 14. Jeder Kutscher muss sich zur vorgeschriebenen Zeit auf den ihm angewiesenen Standplatz begeben. ... Kurz vor Ankunft der Eisenbahnzüge, der Posten und der Dampfschiffe, sowie kurz vor Schluß der Theatervorstellungen dürfen die Droschken ihre Standplätze verlassen und sich dort zur Aufnahme von Fahrgästen aufstellen.
§ 15. Die Kutscher dürfen den Wagen nicht verlassen und müssen in der Regel auf dem Bocke sitzen. ... Auf den Trottoirs und den Fliesengängen vor den Häusern dürfen die Kutscher sich nicht aufhalten. ...
§ 18. Zu bloßen Transportfuhren und zum Fahren von Leichen nach dem Friedhofe dürfen die Droschken nicht gebraucht werden.
§ 19. Das Anreden der Fahrlustigen, um sie zur Annahme eines Wagens zu bewegen, ist verboten.
§ 20. Gegen die Fahrgäste haben die Kutscher die größte Bescheidenheit zu beobachten.
§ 21. Bei Annahme des Wagens auf Zeit muß der Kutscher dem Fahrgaste die Uhr vor der Abfahrt vorzeigen. § 32. Das Polizei-Amt wird den Droschkenbetrieb unausgesetzt überwachen, die Gespanne und Fuhrwerke revidiren und vorgefundene Mängel zur Abhülfe rügen; auch kann vom Polizei-Amte das Fuhrwerk nach Umständen augenblicklich außer Fahrt gesetzt werden. Alle drei Monate wird eine Generalrevision aller Droschken vorgenommen. ...
Das 1866 abgebrochene „Weiße Collegium“
Seitlich am Kutschbock ist deutlich die Zahl 7 zu lesen. Damit könnte der Mann auf dem Bock der Droschkenbesitzer Chr. Eckhardt, Kl. Bäckerstr. 4 (heute Nordende der Kl. Wasserstr.) sein. Nach Adressbuch 1880 (42 Wagen) besaß Eckhardt weiterhin die Nr. 31. Sein Name scheint auch in kleiner Schrift unterhalb des Türfensters zu stehen.
Hopfenmarkt 22 / 23 (Kröp. Str. 76/77), Aufn. 1883 o. 1884,
Rückseite mit Notiz (H.Krause) von 1891: „Ecke Hopfenmarkt - Eselpföterstr. Beide Häuser sind schon seit Jahren weggebrochen.“
Kleiner Unterschied: Die Neg.- Nummern von Raph. Peters enden mit einem Punkt.
Hopfenmarkt 22 ist 1885 „z.Zt. im Bau“ und im linken Schaufenster der Nr. 23 erkennt man den ab 1883 hier befindlichen Kaufmann Ernst Oderich.
In Lorenz: Baukunst als Abb. 62 mit „unbek. Herkunft“ ausgewiesen.
CDV, 1870er Jahre,
Ausschnitt z. Vgl. Hopfenmarkt 26 - 29
(Kröpeliner Str. 80 - 83)
Kübelbäumchen sind keine Erfindung der Neuzeit - hier wurden sie sicherlich als Schattenspender für die Bank vor dem Haus in Reihe aufgestellt.
CDV, Rücks. mit „Eselpförter Strasse 11“, also 1871 - 1879.
Zu klären ist, wann das rechte Haus ähnlich wie der
Neue Markt 12 (1874) im Stil der Neorenaissance umgebaut wurde. Blass, aber sichtbar: Die alte Variante
der Fliesengänge („Kreuzotter“) vor den Häusern.
CDV, Rücks. mit Stempel, 1860er Jahre,
Heute steht man hier in der Ernst-Barlach-Str. bergauf in den Spuren vor der Ampel.
Damals hatte man rechts diesen Blick in die Friedrich-Franz-Str. (August-Bebel-Str.) und links auf die Alexandrinenstr. (Richard-Wagner-Str.) sowie den davor am abtauchenden Geländer kenntlichen Weg Crumbiegel, welcher im Bogen zum Friedrich-Franz-Bahnhof führte. Die Beschriftung soll < Socièté > heißen. 14.
CDV, Rücks. mit Stempel, vor 1866,
Der Abbruch des Zwingers vor dem Steintor (stand etwa links auf der hellen Fläche) erfolgte 1849,
1842 - 43 waren bereits die Wallanlagen bis hinunter zum Mühlentor eingeebnet worden, während die Strecke im Bereich des heutigen Rosengartens ca. 1866 zugeschüttet wurde. Auf diesem Foto hier (links am Rand) steigt die Böschung noch auf Originalhöhe an, unten rechts ist die Böschung des Crumbiegels im Bild und die Neue Wallstr. (Ernst-Barlach-Str.) präsentiert sich mit einigen sehr jungen Bäumen. Die mittlere der 3 Villen zeigt noch eine säulengeschmückte Eingangssituation.
Es ist die Zeit, als die Stadt anfing, über ihre jahrhundertealten Grenzen hinauszuwachsen.
Die Gebäude links vom Steintor gehörten zur Straße Am Kuhberg: Nr. 1 Polizei-Bureau, Nr. 5 Friedrich-Franz-Knabenschule und (nur mit seinem in der Mitte erhöhten Dach sichtbar) Nr. 6 das Stadt-Theater oder Ball- und Comödienhaus von 1786, welches am 20. Febr. 1880 abbrannte.
1889 - 93 wurde dann in diesem Bereich das Ständehaus errichtet.
Danke: Stadtauswärts fahrend eine Droschke mit Schimmeln (1A-Taxi ?),
welche auf eine Belichtungszeit von vielleicht 2 - 4 Sekunden (x) schließen lässt.
Abzug 15,8 x 20,2 cm (der unter 15. folgende 15,5 x 19,7 cm) auf gleichgroßem Karton 23,8 x 32,0 cm, rs. gelber Aufkleber v. Miede,
das „Siegesthor“ anlässlich der „Siegesfeier“ 1871, am 15. Juni vormittags.
Dieses Foto ist ein gutes Gegenbeispiel zu Dethleffs Blick auf Rostock von der Fähre: Miede hat weder bei der dunklen Friedenseiche rechts, noch sonst irgendwo hier den Retuschepinsel angesetzt. Das unglaublichste Detail der Aufnahme ist die an der Spitze des Steintores befestigte und im Wind nicht abbrechende Riesenfahne von ca. 4 m Höhe. Im Ausschnitt
erkennt man links an der Turmspitze den Ansatz der girlandengeschmückten Fahnenstange ! Wo mag der oberste Leiterhaken gewesen sein ? Denn nur über den ist der Kletterer hochgekommen !!!!!
Der Mann mit 2 (?) Tragegurten (?) und Gürteltasche gehört zu ...
Anpflanzung der Friedenseiche ?, 2 - 3 Damen und 3 - 5 Herren vor und hinter dem Geländer, einer hockend hinter dem Pfosten mit Schaufel ?
Detail des pompösen „Siegesthores“, unten Dach des Ball- und Comödienhauses
Während der „Siegesfeier“ am 15. Juni 1871, ca. 16:19 Uhr, wie sich an der Rathausuhr ablesen lässt.
Andere Fotografen sind in den Fenstern nicht auszumachen (vermutlich wegen der Gegenlichtbedingungen), obwohl Miede garantiert nicht der einzige am Platze war. Dank relativ guter Auflösung und Erhaltung ist dieses Foto ein Fest für die Lupe. Rost.Ztg.: „... die Hitze de Nachmittags bedeutend und die Erschöpfung groß war. Auf dem fast schattenlosen Markt gab sich denn auch die Erschöpfung in einer Menge von Ohnmachten kund, die, ..., alle auf das sogenannte ‚starke‘ Geschlecht fallen.“
Freie Plätze mit guter Sicht von oben sind Mangelware.
Dem Ereignis zu verdanken ist diese seltene Sicht auf Fenstergitter im
Ratsstubenanbau, in dem sich bis 1906 auch das Ratsarchiv befand.
Mehrere Soldaten verfolgen mit Interesse die Kletterpartie des Regimentskommandeurs
auf dem Schimmel. Die Belichtungszeit könnte wie auch beim Steintorfoto (15.)
hier ca. 2 - 4 Sek. betragen haben. Die Aufn. erfolgte vermutlich zwischen 1873 und 1877
(letzter Vermerk der Kellerwohnung im Adressbuch).
Eine besondere Sortierung der Fotos nach Alter, Größe oder Rundgang wird hier nicht verfolgt - da, wo es sich anbietet, werden sie jedoch nach Motiven zusammengefasst.
Das vielleicht stärkste und klarste alte Foto dessen, was Rostock in früheren Jahrhunderten wirtschaftlich ausmachte: Handel, Schiffahrt und Schiffbau.
< Visitenkartenformat >
Entweder war Friedrich Miede mit der ersten Aufnahme unzufrieden oder vom Motiv fasziniert: Einige Planken und wenige Tage später nimmt er sich die gleiche Szenerie erneut vor - etwas später am Nachmittag und den Schiffsneubau in voller Länge: Zu sehen ist vermutlich 1870 die Bark „Dora Ahrens“ (39,29 m).
Aufn. spätestens Sommer 1869 z. Vgl.,
Ausschnitt aus Dethleff 3.
Bei Annahme einer gleichen Entstehungszeit
wie der vorigen Karte (17.)
könnte das Foto aus der
Zeit zwischen 1870 (Blick aus der neuen Universität)
und 1873 sein.
Vermutlich 1871 - 1873.
französich bedruckte Rückseiten nach der Reichsgründung 1871
bei der Herstellung erster Bildpostkarten nicht noch sehr lange verwendet wurden. Gemäß baulicher Situation und lesbaren
Firmennamen dürfte dieses Foto wie auch das folgende (18.) zwischen
Herbst 1871 (Hauseingang Nr. 22 im Juni noch links statt mittig wie hier) und 1873 entstanden sein.
hier ca. 2 cm breiter als im Original
An anderer Stelle existiert diese Aufnahme als CDV mit dem
rückseitigen Aufdruck „F. Miede, Eselpförter-Strasse 11“, stammt also aus den Jahren 1871 - 1879. 19c.
gerupfte (x) Gänse, die am Geländer der Wasserkunst bammeln; lebende auch ? (>)
Baustelle 1871 ?
^Handschuh-Fabrik,
ein Tisch voller
< Waldglas
RZ, 10.04.1870
Die Aufnahmen 17. (CDV/Postkarte) und 18. (Cabinet-Format) hat Miede im Abstand von ca. 60 Min. angefertigt.
Abgesehen von der Frage, ob Vergrößerungen techn. überhaupt schon möglich waren, scheint auch die bessere Auflösung des Cabinet-Fotos für die Verwendung unterschiedlicher Platten- formate zu sprechen. Bei Nr. 22 (das 4. Haus der Nordseite v.l.) ist zu erkennen, dass der vorher links liegende Hauseingang gerade durch ein Fenster ersetzt wurde. Vielleicht gibt es noch Akten mit Genehmigungsdatum.
Hier verdeckt durch die beiden Frauen, unten gut zu erkennen: die Beischlagwange rechts neben dem Tisch vor N.M. 14.
Aufn. Herbst 1871 - ca. 1873, im Gegensatz zum gleichartigen Bild 11. (Hopfenmarkt 1883/84), welches die Neg.Nr. 28 zeigt, ist der Abzug hier ohne Nummer. Merkwürdig ist weiterhin die Schreibweise „Fotografie“ statt Ph... /1883.
Dieser abschließende Ausschnitt verdeutlicht Friedrich Miedes Verstand für hohe Qualität:
Aufnahmestandpunkt, Jahreszeit und Tageszeit wurden perfekt kombiniert. Einen Ansatz zur genaueren Datierung auf wahrscheinlich 1871 liefert noch die einsame, „vergessene“ große Fahnenstange (<) auf dem First der Nr. 19: Auf einem Foto von der
Siegesfeier im Juni 1871 hatten die meisten der Häuser hier Ähnliches auf dem Dach. Die Sonne steht hier auf 161° SSE, um ca. 10:50 Uhr, vermutlich am 11., 12. oder 13. Okt.,
die Fassaden der Eckhäuser (Nr.14 und teilweise 15) eignen sich noch für einen Vergleich - eine tageweise Unterscheidung des Schattenbildes könnte evt. möglich sein.
Foto 16.04.09, vorläufig reingeklemmt, um die Position des Schiffes zu
verdeutlichen: Speicher
Strandstr. und Wokr. 28
stehen im etwa gleichen
Maßstab senkrecht über-
einander(-----). Das „Spritzenhaus“ (Bez. von
1888,<__>) stand vor der
Grapengießerstr., deren
Flucht 2009 mit der als
Fischerstr. beschilderten
Ausfahrt übereinstimmt.
Schuppenecke, Dach ___l
Die „Wanderschaft“
des Kranes (k) nach Nord
u.West ist auch sichtbar.
139 Jahre Unterschied.
Eckhaus Lagerstr. 13 mit Blick in die Pläterstraße. Foto vermutlich zwischen 1893 (Bäckerei Wilh. Marowsky) und 1897 (Miedes Berufsende). Neubau 1908.
Dieses bislang unbekannte Foto zeigt einen eher durchschnittlichen gotischen Giebel mit barocker Abrundung, der jedoch einen erstaunlichen Maßstab für den „Kleinkram“ in der Pläterstraße liefert, insbesondere für die fast nur halb so hohen Räume der angebauten Bude. Zwei Welten. Die Stützpfeiler hier (wie auch am südlichen Eckhaus der Wokrenter Str. zur Pläterstr.) lassen vermuten, dass man ursprünglich die Qualität des Baugrundes evt. überschätzt hat. Vielleicht gibt es zum Vergleich auch Befunde aus den 1970er Jahren, an welcher Stelle zum Hafen hin die alten Pfahlgründungen im Morast begonnen haben. Möglicherweise hatte die Statik außerdem unter einer schweren Mönch-Nonnen-Last gelitten (geringe Reste am Giebel unten rechts).
Der Tarnow-Plan zeigt mit einer glatten Grundstückgrenze auf der
Ecke mal keine Besonderheiten,
jedoch den interessanten Eintrag
„Frau Bürgermeisterin Westphahl“.
Das Foto ist vorderseitig mit „Das Rümbersche? Haus ...“ beschriftet und von Miede mit
starkem Weitwinkelobjektiv
aufgenommen worden. 1899
Wilh. Marowsky ist zwar nicht direkt lesbar,
jedoch erkennbar (ab 1893 als Nachfolger
für Bäcker Russow im Adrb. verzeichnet).
Rüstung + Fassadenarbeiten
an der Lagerstr.10
Lorenz Abb.131, Wokrenter 36 mit Budenanbau zur Pläterstr.
Es ist anzunehmen, dass es sich bei der angebauten Bude und dem Flachbau dahinter
um die beiden im Adressbuch genannten „Kellerwohnungen“ handelt. Der Flachbau scheint, soweit erkennbar, 4 Fenster mit Läden zu besitzen und der Zugang erfolgte vermutlich über die rechte Tür in der Bude. Interessant wäre hier ein Aufmaß der Räumlichkeiten, wo bei ca. 2,5 m Raumtiefe, Feuerstellen und durchgehenden Stützpfeilern kaum noch Platz für mehr als Bett, Tisch, Stuhl und Schrank gewesen sein kann. Jedenfalls würde einem wohl die Luft wegbleiben, wenn
man diese elenden „Löcher“ mit heutigen Vorstellungen von Wohnkomfort besichtigen könnte. Die beiden aufstehenden Bleirutenfenster (ca. 18.Jh.)
mit gemischter Verglasung aus Waldglas und weißen Ersatzscheiben werden trotz Windeisen schön geklappert haben. Das rechte kann ca.
70 x 100 cm groß gewesen sein, d.h. die Raumhöhe betrug ca. 2 m oder nur knapp darüber. Das Torhaus Pläterstr. 4 (Lorenz Abb. 137)
ist gut zu erkennen. Das unten angebrachte Schild mit „Fabrik“?
und Kxxh? ist noch unaufgeklärt. Auch die Pläterstr. 2 hatte, wie zu sehen, eine Einfahrt, evt. in Verbindung mit dem Backhaus der Lagerstr. 13, das sich in dem Hof-
gebäude mit den
breiteren Schorn-
steinen befunden
haben könnte (vgl. weiter unten
mit der 1899er
Turmaussicht).
enden noch
Die Dachrinne an der Bude gleicht schon fast einer Karikatur. Etwas unerklärlich ist noch der enge Leistenabstand beim Dach des Flachbaus.
Fraglich ist auch, ob dessen Räume im Keller
oder ebenerdig lagen.
Der Wagen eines Gemüsehändlers ?
Eckpfosten aus Stein.
Bei „a l t -“ vermutlich das Backhaus zur Lagerstr. 13.
Weiterhin hat es den Anschein, dass ein gezogener Schornstein im hinteren Teil des Eckhauses auf der
Dachfläche aufliegt. Oben links Häuser der Wokrenter
und die Schnickmannsbrücke.
Gr. Wasserstr.28: Adresse v. Friedrich Miede 1885-87 (Aufn.: Raphael Peters, April 1886) Ein Atelier sieht zweifellos ganz anders aus, doch die ca. 2 x 4 m große Hütte eignet sich bestens als imaginäres „Minilab“ v. Miede, der zum Aufnahmezeitpunkt im Hause wohnte. Schließlich könnte man sich gut vorstellen, dass der „Landschafts-Photograph“ im Gegensatz zu den Porträtfotografen weit weniger Platzbedarf hatte. Schöne Knobelaufgabe: Welchen Zweck kann der Anbau gehabt haben? Arbeitsraum mit Verbindung zur Wohnung? Oder hatte es auch gar nichts mit ihm zu tun? Details: Scheinbar wird gerade gelüftet (offene Seitentür + Dachluke in der Ecke) und für kalte Tage wäre ein Schornstein (Holzscheite rechts davor?) in Reichweite eines Ofens? Außerdem scheint eine Teilfläche des Daches verglast zu sein. Sonstige Funktionen des Raumes scheiden wohl aus: Wohnraum (zu primitiv), Ausgang (unnötig), Tierhaltung (abwegig). Wäscheboden kaum (eher zu klein dafür), obwohl der ehemalige Trockenplatz (Stangen am Geländer) vermutlich der Hütte zum Opfer fiel. Bauantrag?
Nach Durchsicht der anderen 7 Adressen von Miedes „1b-Lagen“ auf den beiden Turmaussichten könnte es evt. der einzige Beleg für die Arbeitsbedingungen dieses hervorragenden Fotografen sein.
+ + + + + I N H A L T S V E R Z E I C H N I S + + + + + 1860er Jahre (cdv), Rücks. mit einfachem Stempel 1870er Jahre (cdv), Rücks. bedruckt
Cabinetformat, frühestens Sommer 1889, das Gleis der Hafenbahn links erkennbar, Friedr. Miede nur kenntlich an der Nr. 49 ohne Punkt dahinter, dasselbe Motiv mit einer 49 gibt es auch als Variante mit Pferdebahn. Teile der südlichen Brückenwand sind im Mai 2012 bei den Bauarbeiten sichtbar, so auch der knapp erkennbare Stützpfeiler am Rondell hinter den Büschen hier. .
Anbauten am Kröpeliner Tor ...,
hier die 1847 fertiggestellten ...,
die damalige Begründung oder Auseinandersetzung
wäre auch interessant ...
Ausschnitt v. linken Bildrand mit zunehmender Unschärfe: Im Vgl. zur übernächsten Aufnahme von ca. 1890 zeigt sich der nach Norden führende Wall noch erhöht, erkennbar an den 3 rechten Linden, deren Stämme unterschiedlich verdeckt sind. Die Abtragung erfolgte wohl 1869 oder 1870. So heißt es
in der RZ v. 19.02.1870: „Durch die Abtragung des Walles zwischen dem Kröpeliner und grünen Thor und die Anlage eines Weges durch den Wallgraben ist ein lange gehegter Wunsch erfüllt . . . Schon macht sich aber das Bedürfniß fühlbar, die Abtragung des Wallberges bis zur Fischerbastion fortzusetzen,
wodurch ja nicht nur die daneben belegene, zuweilen schwimmende Wiese in Gartenland verwandelt und im Zusammenhange mit der entstehenden breiteren Promenade in eine hübsche Anlage umgeschaffen werden könnte, die in geschickter Verbindung mit der Fischerbastion der Stadt zu nicht geringer Verschönerung gereichen dürfte, besonders wenn die Ausführung denselben geschickten Händen anvertraut werden sollte, welche die Dreiwall-
Bastion in so gelungener Weise umgestaltet haben. In seinem jetzigen >>>
>>> Zustande erscheint der fragliche Theil des Walles dadurch als eine um so auffallendere Deformität, als die angepflanzten jungen Linden etwa 12 Fuß höher stehen, als die alten am Fuße des Wallberges befindlichen, mit denen sie ja eine regelrechte Allee nicht bilden können. Wir überlassen uns daher der Hoffnung, daß man die Abtragung baldmöglichst vornehmen und damit unseren Wall-Anlagen einen Abschluß geben werde, wie wir uns ihn besonders wegen des durch die Fischerbastion gebildeten hübschen Hintergrundes nicht angenehmer vorzustellen vermögen.“
28.05.2012, die Ecke zw. Brücke und Rondell
mit Stützpfeiler

References: § 2

§ 3

§ 7

§ 8
 § 11

§ 14

§ 15

§ 18

§ 19

§ 20

§ 21
 § 32