Source: http://m.hensche.de/Abwicklungsvertrag_vorzeitiges_Ausscheiden_Kuendigung_Schriftform_BAG_6AZR709-14_u.html
Timestamp: 2017-01-17 04:48:38+00:00

Document:
Ein Ab­wick­lungs­ver­trag kann für den Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit vor­se­hen, sein vor­zei­ti­ges Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis zu erklären. Ei­ne sol­che Erklärung be­darf je­doch gemäß § 623 BGB zwin­gend der Schrift­form.
6 AZR 709/14 9 Sa 40/14Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg Im Na­men des Vol­kes!
Verkündet am 17. De­zem­ber 2015
hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. De­zem­ber 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krum­bie­gel so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Lo­renz und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lauth für Recht er­kannt: - 2 - Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Frei­burg - vom 20. Au­gust 2014 - 9 Sa 40/14 - auf­ge­ho­ben.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg vom 1. April 2014 - 11 Ca 1/14 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten noch darüber, ob das zwi­schen ih­nen be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis auf­grund or­dent­li­cher Kündi­gung der Be­klag­ten zum 28. Fe­bru­ar 2014 en­de­te oder be­reits zum 30. No­vem­ber 2013 durch ei­ne Erklärung der Kläge­rin auf­gelöst wur­de.
Die Be­klag­te be­treibt ei­nen am­bu­lan­ten Pfle­ge­dienst. Die Kläge­rin war dort seit dem 13. Mai 1997 beschäftigt. Mit Schrei­ben vom 26. Au­gust 2013 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis zum 28. Fe­bru­ar 2014. Hier­ge­gen wand­te sich die Kläge­rin mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge. In die­sem Ver­fah­ren schlos­sen die Par­tei­en am 2. Ok­to­ber 2013 ei­nen Ver­gleich, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung mit Ab­lauf des 28. Fe­bru­ar 2014 en­den soll­te. Mit Wir­kung ab dem 1. No­vem­ber 2013 wur­de die Kläge­rin von ih­rer Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung un­ter Fort­zah­lung des Ge­halts frei­ge­stellt. § 4 des Ver­gleichs lau­tet wie folgt:
„Die Be­klag­te räumt der Kläge­rin das Recht zum vor­zei­ti­gen Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis ein. Die Kläge­rin wird ihr vor­zei­ti­ges Aus­schei­den mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von drei Ta­gen, schrift­lich, ge­genüber der Be­klag­ten an­zei­gen. Für den Fall des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens
- 3 - aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­pflich­tet sich die Be­klag­te, für je­den Ka­len­der­tag vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens ei­ne So­zi­al­ab­fin­dung ent­spre­chend den §§ 9, 10 KSchG in Höhe von 70,00 Eu­ro brut­to je Ka­len­der­tag an die Kläge­rin zu be­zah­len.“
Mit Schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 teil­te der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten mit, dass die Kläge­rin zum 1. De­zem­ber 2013 ei­ne an­de­re Ar­beits­stel­le ge­fun­den ha­be. Gemäß § 4 des ge­richt­li­chen Ver­gleichs zei­ge er da­her das Aus­schei­den der Kläge­rin aus dem Ar­beits­verhält­nis zum 30. No­vem­ber 2013 an. Das Schrei­ben wur­de per Te­le­fax über­mit­telt. Ein Ori­gi­nal wur­de nicht über­sandt.
Mit Schrei­ben vom 30. De­zem­ber 2013 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis frist­los. Hier­ge­gen hat sich die Kläge­rin wie­der­um mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­wandt. Zu­dem hat sie be­gehrt fest­zu­stel­len, dass sie durch die mit Te­le­fax­schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 er­folg­te Ankündi­gung be­reits zum 30. No­vem­ber 2013 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den ist.
Das Ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 30. De­zem­ber 2013 un­wirk­sam ist. Hin­sicht­lich des wei­te­ren Fest­stel­lungs­an­trags hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Bei dem Schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 hand­le es sich um ei­ne Kündi­gung der Kläge­rin, wel­che das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 623 BGB miss­ach­tet ha­be. Die Be­klag­te hat ge­gen die­ses Ur­teil kei­ne Be­ru­fung ein­ge­legt. Die Kläge­rin hat hin­ge­gen mit ih­rer Be­ru­fung die Abände­rung der Ent­schei­dung ver­langt, so­weit die Kla­ge hin­sicht­lich des wei­te­ren Fest­stel­lungs­an­trags ab­ge­wie­sen wur­de.
Nach ih­rer Auf­fas­sung wur­de die gemäß § 127 Abs. 2 BGB ver­gleichs­wei­se ver­ein­bar­te Schrift­form durch die Über­mitt­lung des Schrei­bens vom 26. No­vem­ber 2013 per Te­le­fax ge­wahrt. § 623 BGB kom­me nicht zur An­wen­dung. Bei der An­zei­ge des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens hand­le es sich ent­spre­chend dem Wort­laut des Ver­gleichs nicht um ei­ne Wil­lens­erklärung, son­dern um die Ausübung ei­nes Op­ti­ons­rechts, wel­ches in ei­nem Grund­geschäft, das heißt hier in dem ge­richt­li­chen Ver­gleich, ver­ein­bart wor­den sei. In die­sem Grund­geschäft sei die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­reits form­wirk­sam ge­re­gelt wor­den. Mit der An­zei­ge sei le­dig­lich die Ab­wick­lung der Rest­lauf-
- 4 - zeit des Ver­trags­verhält­nis­ses mo­di­fi­ziert wor­den. Statt Lohn schul­de die Be­klag­te nun­mehr die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung. Es sei kein Ar­beits­verhält­nis be­en­det wor­den, son­dern nur noch ein „Frei­stel­lungs­verhält­nis“, denn die Er­brin­gung von Ar­beits­leis­tung sei nicht mehr vor­ge­se­hen ge­we­sen.
Selbst bei an­ge­nom­me­ner Gel­tung des § 623 BGB wäre die Schrift­form durch die er­folg­te Zu­stel­lung der An­zei­ge von An­walt zu An­walt ge­wahrt wor­den. Die Be­klag­te ver­hal­te sich zu­dem treu­wid­rig, wenn sie sich trotz des Er­halts der An­zei­ge per Te­le­fax auf die Form­vor­schrift des § 623 BGB be­ru­fe.
Die Kläge­rin hat da­her vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt be­an­tragt, un­ter teil­wei­ser Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung
fest­zu­stel­len, dass die Kläge­rin durch die mit Te­le­fax­schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 er­folg­te Ankündi­gung vor­zei­tig zum 30. No­vem­ber 2013 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den ist.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Der An­trag sei be­reits un­zulässig, da die Kläge­rin ih­re al­len­falls noch be­ste­hen­den Zah­lungs­ansprüche im We­ge ei­ner Leis­tungs­kla­ge gel­tend ma­chen könne. Die Kla­ge sei zu­dem un­be­gründet. Das Te­le­fax­schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 genüge nicht dem nach § 623 BGB zu wah­ren­den Schrift­for­mer­for­der­nis. Die sog. An­zei­ge des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens sei ei­ne Kündi­gung, da durch die­se Wil­lens­erklärung das Ar­beits­verhält­nis be­en­det wer­den soll­te.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und dem Fest­stel­lungs­an­trag statt­ge­ge­ben. Mit ih­rer vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Ziel der Zurück­wei­sung der Be­ru­fung wei­ter. Die Re­vi­si­on wur­de un­ter Ver­wen­dung des Brief­kop­fes der So­zietät D & Part­ner ein­ge­legt und be­gründet. Bei die­ser han­delt es sich um ei­ne Part­ner­schafts­ge­sell­schaft von Rechts­anwälten. Die Schriftsätze wur­den von Frau Rechts­anwältin A un­ter­zeich­net, wel­che da­mals nicht auf dem Brief­kopf als in der Kanz­lei beschäftig­te Rechts­anwältin an­geführt war. Die Kläge­rin sieht die Re­vi­si­on des­halb als un­zulässig an. Es wer­de nicht deut­lich, ob die­se - 5 -
Rechts­anwältin die Be­klag­te persönlich ver­tre­te oder be­vollmäch­tigt sei. Ein Hin­weis auf ein Ver­tre­tungs­verhält­nis („i.V.“) lie­ge nicht vor.
Die Re­vi­si­on ist zulässig und be­gründet. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­zu­wei­sen. Das Ar­beits­verhält­nis wur­de nicht durch die sog. Ankündi­gung in dem Te­le­fax­schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 zum 30. No­vem­ber 2013 be­en­det. Bei dem Schrei­ben han­delt es sich um ei­ne Kündi­gung, wel­che gemäß § 623 BGB der Schrift­form des § 126 BGB be­darf. Die­se wur­de durch die Über­mitt­lung per Te­le­fax nicht ge­wahrt. Die Kündi­gung ist da­her gemäß § 125 Satz 1 BGB nich­tig.
A. Die Re­vi­si­on ist zulässig. Die Schriftsätze, mit de­nen sie ein­ge­legt und be­gründet wur­de, sind von ei­ner pos­tu­la­ti­onsfähi­gen Rechts­anwältin un­ter­zeich­net (§ 11 Abs. 4 Satz 1, Satz 2 ArbGG). Die­se han­del­te of­fen­sicht­lich gemäß § 7 Abs. 4 Satz 2 PartGG als Ver­tre­te­rin der nach § 7 Abs. 4 Satz 1 PartGG pro­zess­be­vollmäch­tig­ten Part­ner­schafts­ge­sell­schaft.
I. Ein Man­gel der Voll­macht der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft D & Part­ner ist nicht er­kenn­bar. Die Kläge­rin hat nicht gemäß § 88 Abs. 1 ZPO gerügt, die Kanz­lei D & Part­ner sei nicht pro­zess­be­vollmäch­tigt. In der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung geht sie viel­mehr da­von aus, dass die Be­klag­te von die­ser Kanz­lei ver­tre­ten wird. Die Kläge­rin rügt le­dig­lich, es sei nicht er­kenn­bar, ob die un­ter­zeich­nen­de Rechts­anwältin die­ser Kanz­lei an­gehört und die Ver­ant­wor­tung für den In­halt der Schriftsätze über­nom­men ha­be.
II. Sol­che Be­den­ken sind nicht be­rech­tigt.
1. Das Ge­samt­bild der ein­ge­reich­ten Schriftsätze lässt auch oh­ne die Ver­wen­dung des Zu­sat­zes „i.V.“ zwei­fels­frei er­ken­nen, dass die un­ter­zeich­nen­de Rechts­anwältin als Ver­tre­te­rin der So­zietät ge­han­delt hat. Dies er­gibt sich - 6 - aus der An­ga­be des Ak­ten­zei­chens der Kanz­lei, der Aus­wei­sung der Rechts­anwältin als Sach­be­ar­bei­te­rin und der Ver­wen­dung des Plu­rals bei den Erklärun­gen (vgl. BGH 28. Ju­li 2005 - III ZB 56/05 - zu II 2 b aa der Gründe).
2. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die un­ter­zeich­nen­de Rechts­anwältin mit ih­rer Un­ter­schrift die in­halt­li­che Ver­ant­wor­tung für die Schriftsätze über­neh­men will. Dies ent­spricht auch bei der Ver­tre­tung ei­ner Part­ner­schafts­ge­sell­schaft dem Re­gel­fall (vgl. zu ei­ner Be­ru­fungs­schrift BAG 23. Ju­li 2009 - 8 AZR 357/08 - Rn. 25).
3. Aus der von der Kläge­rin an­geführ­ten Recht­spre­chung er­gibt sich nichts an­de­res. Die be­nann­ten Ent­schei­dun­gen be­zie­hen sich auf an­de­re Sach­ver­hal­te.
a) Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat­te mit sei­ner Ent­schei­dung vom 10. Mai 2011 (- 19 U 116/10 -) ei­nen Fall zu be­ur­tei­len, in dem der un­ter­zeich­nen­de Rechts­an­walt er­kenn­bar nicht der Kanz­lei des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten an­gehörte und un­klar blieb, ob er den In­halt der Be­ru­fungs­schrift ver­ant­wor­ten will oder bloßer Erklärungs­bo­te ist. Die­se Un­klar­hei­ten be­ste­hen vor­lie­gend nicht.
b) Glei­ches gilt hin­sicht­lich des Ur­teils des Ober­lan­des­ge­richts Hamm vom 26. Sep­tem­ber 2014 (- III-3 RVs 72/14 -). Die feh­len­de Klar­heit der Ver­ant­wor­tung er­gab sich dort aus der For­mu­lie­rung „für RA S, nach Dik­tat ver­reist“.
c) Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 13. Au­gust 2014 (- 2 StR 573/13 - BGHSt 59, 284) hat­te ei­ne Un­ter­zeich­nung mit dem Zu­satz „für Rechts­anwältin …“ zu be­ur­tei­len. Die­se Pro­ble­ma­tik liegt hier nicht vor. Zu­dem kann die­ser Zu­satz nach An­sicht des Bun­des­ge­richts­hofs da­hin ver­stan­den wer­den, dass der Un­ter­zeich­nen­de le­dig­lich sei­ne Un­ter­voll­macht zum Aus­druck brin­gen woll­te (Rn. 19).
B. Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Un­recht ab­geändert. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zurück­zu­wei­sen. - 7 - I. Die Kla­ge ist zulässig.
1. Der auf die Fest­stel­lung der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30. No­vem­ber 2013 ge­rich­te­te An­trag ist al­lei­ni­ger Ge­gen­stand so­wohl des Be­ru­fungs- als auch des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens. Über die ge­gen die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 30. De­zem­ber 2013 ge­rich­te­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat das Ar­beits­ge­richt rechts­kräftig ent­schie­den, da die in­so­weit un­ter­le­ge­ne Be­klag­te kei­ne Be­ru­fung ein­ge­legt hat. Die Be­ru­fung der Kläge­rin hat gemäß § 528 ZPO al­lein den auf die Fest­stel­lung der Be­en­di­gung zum 30. No­vem­ber 2013 ge­rich­te­ten An­trag zum Ge­gen­stand, da die Kläge­rin nur durch des­sen Ab­wei­sung be­schwert wur­de und in­so­weit ei­ne Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung be­gehrt hat.
2. Der Zulässig­keit des noch anhängi­gen Fest­stel­lungs­an­trags steht die Rechts­kraft der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung über die Kündi­gungs­schutz­kla­ge nicht ent­ge­gen. Mit der Statt­ga­be der Kündi­gungs­schutz­kla­ge wur­de nicht zu­gleich ent­schie­den, dass das Ar­beits­verhält­nis zum Zeit­punkt des Zu­gangs der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 30. De­zem­ber 2013 noch be­stan­den hat (zum sog. er­wei­ter­ten punk­tu­el­len Streit­ge­gen­stands­be­griff der Kündi­gungs­schutz­kla­ge vgl.: BAG 18. De­zem­ber 2014 - 2 AZR 163/14 - Rn. 22; 20. März 2014 - 2 AZR 1071/12 - Rn. 17, BA­GE 147, 358). Spätes­tens durch die Ein­le­gung der nur auf den wei­te­ren Fest­stel­lungs­an­trag be­zo­ge­nen Be­ru­fung hat die Kläge­rin den Ge­gen­stand der Kündi­gungs­schutz­kla­ge punk­tu­ell auf die Wirk­sam­keit der an­ge­grif­fe­nen außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­grenzt (zur sog. „Aus­klam­me­rung“ vgl.: BAG 23. Mai 2013 - 2 AZR 102/12 - Rn. 14; 22. No­vem­ber 2012 - 2 AZR 732/11 - Rn. 20; 26. März 2009 - 2 AZR 633/07 - Rn. 16, BA­GE 130, 166). Die Fra­ge der vor­he­ri­gen Be­en­di­gung zum 30. No­vem­ber 2013 ist Ge­gen­stand des wei­te­ren Fest­stel­lungs­an­trags.
3. Der Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge steht dem Fest­stel­lungs­in­ter­es­se die­ses noch anhängi­gen An­trags nicht ent­ge­gen. Zwar strebt die Kläge­rin in­fol­ge der von ihr an­ge­nom­me­nen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30. No­vem­ber 2013 auf­grund der ver­gleichs­wei­se ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung die - 8 - Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung für das vor­zei­ti­ge Aus­schei­den an. Hier­bei han­delt es sich je­doch nur um ei­ne mögli­che Fol­ge der Be­en­di­gung. Die Fra­ge des Be­stands des Ar­beits­verhält­nis­ses be­trifft auch die An­wend­bar­keit wei­te­rer ar­beits- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Re­ge­lun­gen. Zu­dem kann der Streit der Par­tei­en auch be­zo­gen auf den et­wai­gen Ab­fin­dungs­an­spruch durch die be­gehr­te Fest­stel­lung be­sei­tigt wer­den. Hin­sicht­lich sons­ti­ger Vor­aus­set­zun­gen und der Höhe des mögli­chen An­spruchs be­steht zwi­schen den Par­tei­en kei­ne Dif­fe­renz. Ei­ne wei­te­re ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung über die Ab­fin­dung ist nicht zu er­war­ten. Dies ist aus­rei­chend für die Be­ja­hung des Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses (vgl. BAG 23. Ju­li 2015 - 6 AZR 687/14 - Rn. 16; 27. Au­gust 2014 - 4 AZR 518/12 - Rn. 15).
II. Die Kla­ge ist je­doch un­be­gründet. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts konn­te das Schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 das Ar­beits­verhält­nis nicht be­en­den. Es fehlt an der nach § 623 BGB er­for­der­li­chen Wah­rung der Schrift­form des § 126 BGB.
1. Gemäß § 623 BGB be­darf die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen durch Kündi­gung oder Auflösungs­ver­trag zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form. Dies soll Rechts­si­cher­heit für die Ver­trags­par­tei­en und ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung im Rechts­streit be­wir­ken (BAG 6. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 858/11 - Rn. 16, BA­GE 143, 84; 24. Ja­nu­ar 2008 - 6 AZR 519/07 - Rn. 11, BA­GE 125, 325). Die Schrift­form wird nach § 126 Abs. 1 BGB da­durch erfüllt, dass die Ur­kun­de von dem Aus­stel­ler ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift oder mit­tels no­ta­ri­ell be­glau­big­ten Hand­zei­chens un­ter­zeich­net wird. Durch die Un­ter­zeich­nung wird der Aus­stel­ler der Ur­kun­de er­kenn­bar. Sie stellt ei­ne un­zwei­deu­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen der Ur­kun­de und dem Aus­stel­ler her (Iden­titäts­funk­ti­on). Außer­dem wird durch die Ver­bin­dung zwi­schen Un­ter­schrift und Erklärungs­text gewähr­leis­tet, dass die Erklärung in­halt­lich vom Un­ter­zeich­ner herrührt (Echt­heits­funk­ti­on). Sch­ließlich erhält der Empfänger der Erklärung die Möglich­keit zu über­prüfen, wer die Erklärung ab­ge­ge­ben hat und ob die Erklärung echt ist (Ve­ri­fi­ka­ti­ons­funk­ti­on). Die Schrift­form des § 623 iVm. § 126 BGB schützt da­mit vor al­lem den Kündi­gungs­empfänger (BAG 20. Sep­tem­ber 2006 - 9 - - 6 AZR 82/06 - Rn. 72, BA­GE 119, 311). Darüber hin­aus ent­fal­tet das Schrift­for­mer­for­der­nis für den Erklären­den ei­ne Warn­funk­ti­on (BAG 23. No­vem­ber 2006 - 6 AZR 394/06 - Rn. 21 mwN, BA­GE 120, 251).
2. § 623 BGB er­fasst je­des Ar­beits­verhält­nis (BAG 19. Ja­nu­ar 2006 - 6 AZR 638/04 - Rn. 24, BA­GE 117, 20). Der Ge­setz­ge­ber hat das Schrift­for­mer­for­der­nis als kon­sti­tu­tiv an­ge­se­hen (BT-Drs. 14/626 S. 11). Es han­delt sich des­halb um zwin­gen­des Recht, wel­ches we­der durch ver­trag­li­che noch ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen ab­be­dun­gen wer­den kann (HWK/Bitt­ner 6. Aufl. § 623 BGB Rn. 39; AR/Fi­scher­mei­er 7. Aufl. § 623 BGB Rn. 1; APS/Grei­ner 4. Aufl. § 623 BGB Rn. 11; MüKoBGB/Hens­s­ler 6. Aufl. § 623 Rn. 26; ErfK/Müller-Glöge 16. Aufl. § 623 BGB Rn. 10a; KR/Spil­ger 10. Aufl. § 623 BGB Rn. 30).
3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts un­terfällt hier die An­zei­ge des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens nach § 4 des Ver­gleichs dem Form­zwang des § 623 BGB. Die sog. An­zei­ge ist ei­ne ein­sei­ti­ge Wil­lens­erklärung, wel­che auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ei­nem be­stimm­ten Ter­min ge­rich­tet ist. Mit Ab­ga­be die­ser Wil­lens­erklärung wird ei­ne Kündi­gung erklärt und kei­ne „Mo­di­fi­ka­ti­on“ oder „Um­ge­stal­tung“ der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen vor­ge­nom­men.
a) § 623 BGB be­trifft Kündi­gun­gen und Auflösungs­verträge.
aa) Die Kündi­gung ist ei­ne ein­sei­ti­ge emp­fangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung, durch die das Ar­beits­verhält­nis nach dem Wil­len des Kündi­gen­den so­fort oder nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist un­mit­tel­bar be­en­det wer­den soll (BAG 28. Ju­ni 2005 - 1 ABR 25/04 - Rn. 18, BA­GE 115, 165; Stahl­ha­cke/Preis 11. Aufl. Rn. 1). Vor­aus­set­zung für ei­ne Kündi­gung ist nicht, dass der Be­griff der Kündi­gung selbst ge­braucht wird. Ent­schei­dend ist, dass der Kündi­gen­de ein­deu­tig sei­nen Wil­len kund­gibt, das Ar­beits­verhält­nis ein­sei­tig lösen zu wol­len (BAG 20. Sep­tem­ber 2006 - 6 AZR 82/06 - Rn. 28, BA­GE 119, 311). - 10 - bb) Ein Auflösungs- oder Auf­he­bungs­ver­trag ist da­ge­gen ei­ne Ver­ein­ba­rung über das vor­zei­ti­ge Aus­schei­den ei­nes Ar­beit­neh­mers aus ei­nem Ar­beits­verhält­nis. Von dem Auf­he­bungs­ver­trag zu un­ter­schei­den ist der Ab­wick­lungs­ver­trag, wel­cher nicht der Schrift­form nach § 623 BGB be­darf. Mit ei­nem Ab­wick­lungs­ver­trag ver­ein­ba­ren die Par­tei­en nach Erklärung ei­ner Kündi­gung die Be­din­gun­gen, zu de­nen der Ar­beit­neh­mer aus­schei­det. Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses wird nicht durch den Ab­wick­lungs­ver­trag, son­dern durch die Kündi­gung be­wirkt (vgl. BAG 25. April 2007 - 6 AZR 622/06 - Rn. 21, BA­GE 122, 197; vgl. aber zur Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­rung BAG 19. April 2007 - 2 AZR 208/06 - Rn. 25 f., BA­GE 122, 111). Ver­ein­ba­ren die Par­tei­en ei­nes Kündi­gungs­rechts­streits, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die an­ge­grif­fe­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung en­det, genügt die ei­nem sol­chen Ab­wick­lungs­ver­trag zu­grun­de lie­gen­de form­ge­recht erklärte Kündi­gung dem Schrift­for­mer­for­der­nis (BAG 23. No­vem­ber 2006 - 6 AZR 394/06 - Rn. 19, BA­GE 120, 251).
b) Der hier vor­lie­gen­de ge­richt­li­che Ver­gleich ist be­zo­gen auf die Be­en­di­gung zum 28. Fe­bru­ar 2014 ein Ab­wick­lungs­ver­trag. Zur vor­he­ri­gen Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­durf­te es ei­ner Kündi­gungs­erklärung. Auf die­se fin­det § 623 BGB zwin­gend An­wen­dung, selbst wenn die Par­tei­en gemäß § 127 Abs. 2 BGB für die sog. An­zei­ge des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens der Kläge­rin die schrift­li­che Form rechts­geschäft­lich be­stim­men woll­ten.
aa) Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts soll­te die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 28. Fe­bru­ar 2014 durch die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 26. Au­gust 2013 und nicht auf­grund ei­ner ver­trag­li­chen Re­ge­lung er­fol­gen. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten be­zo­gen auf die Rest­lauf­zeit Ab­wick­lungs­mo­da­litäten (zB Frei­stel­lung). Dies ändert ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin aber nichts dar­an, dass es sich wei­ter­hin bis zur Be­en­di­gung um ein Ar­beits­verhält­nis han­del­te.
bb) Die Möglich­keit der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung ist in § 4 des Ver­gleichs vor­ge­se­hen. Die Par­tei­en tra­fen in­so­weit aber kei­ne vollständi­ge und ab­sch­ließen­de Re­ge­lung im Sin­ne ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags, da sie kei­ne Ver­ein­ba-
- 11 - ung der Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ei­nem be­stimm­ten Ter­min vor­nah­men, son­dern der Kläge­rin das Recht einräum­ten, mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von drei Ta­gen „vor­zei­tig aus­zu­schei­den“. Dies stellt ein § 12 Satz 1 KSchG ver­gleich­ba­res Son­derkündi­gungs­recht dar. Ein sol­ches kann in ei­nem Ab­wick­lungs­ver­trag ein­geräumt wer­den. Sei­ne Ausübung un­terfällt aber dem Schrift­for­mer­for­der­nis des § 623 BGB.
(1) Der Ver­ein­ba­rung ei­nes Rechts des Ar­beit­neh­mers zur vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in ei­nem Ab­wick­lungs­ver­trag mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von drei Ta­gen ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung steht § 622 Abs. 1 iVm. Abs. 5 BGB nicht zwin­gend ent­ge­gen.
(a) Die ge­setz­li­che Grundkündi­gungs­frist von vier Wo­chen gemäß § 622 Abs. 1 BGB stellt ei­ne grundsätz­lich nicht in­di­vi­du­al­ver­trag­lich ab­ding­ba­re Min­destkündi­gungs­frist dar (Stau­din­ger/Preis [2012] § 622 Rn. 28). Die­se Frist kann auch nicht zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers bzw. zum Vor­teil des Ar­beit­neh­mers ein­zel­ver­trag­lich verkürzt wer­den (Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger/Zwan­zi­ger KSchR 9. Aufl. § 622 BGB Rn. 45; KR/Spil­ger 10. Aufl. § 622 BGB Rn. 144). Nach dem Wort­laut des Ge­set­zes sind Aus­nah­men nur während ei­ner ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit (§ 622 Abs. 3 BGB) so­wie nach § 622 Abs. 5 Satz 1 BGB zulässig. An­sons­ten können ein­zel­ver­trag­lich nur länge­re Kündi­gungs­fris­ten nach § 622 Abs. 5 Satz 3 BGB ver­ein­bart wer­den (vgl. BT-Drs. 12/4902 S. 8, 9).
(b) Bei ei­ner Re­ge­lung der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung ge­gen Ab­fin­dungs­zah­lung in ei­nem Ab­wick­lungs­ver­trag ist die Be­schränkung des § 622 Abs. 5 Satz 1 BGB auf die dort ge­nann­ten Aus­nah­men je­doch te­leo­lo­gisch zu re­du­zie­ren (vgl. hier­zu BAG 21. Mai 2015 - 6 AZR 254/14 - Rn. 29 mwN). Die Ein­hal­tung der Grundkündi­gungs­frist dient dem Schutz bei­der Ver­trags­par­tei­en (vgl. Kra­mer BB 1997, 731, 732). Bei der hier vor­lie­gen­den Re­ge­lung ei­nes Ab­wick­lungs­ver­trags bedürfen je­doch bei­de Par­tei­en die­ses Schut­zes nicht. Der Ar­beit­neh­mer hat in die­ser Si­tua­ti­on, ty­pi­scher­wei­se we­gen ei­ner neu­en Beschäfti­gungsmöglich­keit, kein In­ter­es­se an der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses auch nur bis zum vor­ge­se­he­nen Be­en­di­gungs­ter­min und be­vor­zugt statt­des­sen ei­ne Ab­fin-
- 12 - dung. Die vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung ist in sei­nem Sin­ne. Glei­ches gilt für den Ar­beit­ge­ber, der ei­ne möglichst schnel­le Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­strebt und hierfür ei­ne erhöhte Ab­fin­dung zu zah­len be­reit ist.
Hin­zu kommt, dass der Ge­setz­ge­ber in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on dem Ar­beit­neh­mer ein außer­or­dent­li­ches Son­derkündi­gungs­recht aus­drück­lich ein­geräumt hat. Gemäß § 12 Satz 1 KSchG hat der Ar­beit­neh­mer das Recht zur Ver­wei­ge­rung der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses im Fal­le der ge­richt­li­chen Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung, wenn er in­zwi­schen ein neu­es Ar­beits­verhält­nis ein­ge­gan­gen ist. Das bis­he­ri­ge Ar­beits­verhält­nis er­lischt dann be­reits mit dem Zu­gang der ent­spre­chen­den Erklärung (§ 12 Satz 3 KSchG). Vor die­sem Hin­ter­grund ist die zwin­gen­de Wah­rung der Grundkündi­gungs­frist im Rah­men ei­ner Ab­wick­lungs­ver­ein­ba­rung wie der vor­lie­gen­den mit Sinn und Zweck der Frist­set­zung nicht ver­ein­bar.
(2) Die Ausübung des ver­trag­li­chen Rechts zur vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung un­terfällt eben­so wie das Son­derkündi­gungs­recht nach § 12 Satz 1 KSchG dem Schrift­for­mer­for­der­nis des § 623 BGB.
(a) Die sog. Los­sa­gung nach § 12 Satz 1 KSchG führt als Ausübung ei­nes Son­derkündi­gungs­rechts zu ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, so dass § 623 BGB an­zu­wen­den ist (vgl. HWK/Bitt­ner 6. Aufl. § 623 BGB Rn. 20; AR/Fi­scher­mei­er 7. Aufl. § 623 BGB Rn. 2; MüKoBGB/Hens­s­ler 6. Aufl. § 623 Rn. 17; ErfK/Kiel 16. Aufl. § 12 KSchG Rn. 6; Linck in vHH/L 15. Aufl. § 12 Rn. 9; ErfK/Müller-Glöge § 623 BGB Rn. 3b; Stahl­ha­cke/Preis 11. Aufl. Rn. 23; Ram­bach in Thüsing/Laux/Lembke KSchG 3. Aufl. § 12 Rn. 19; Spin­ner in Löwisch/Spin­ner/Wert­hei­mer KSchG 10. Aufl. § 12 Rn. 7; Ha­Ko/Speng­ler 5. Aufl. § 623 BGB Rn. 8; aA HK-KSchG/Dorn­dorf 4. Aufl. § 12 Rn. 11; Ba­der/Bram/Suckow Stand Ju­li 2014 § 12 Rn. 17). Dies gilt auch an­ge­sichts des Um­stands, dass die Warn­funk­ti­on für den Ar­beit­neh­mer im Fal­le des § 12 Satz 1 KSchG prak­tisch entfällt, weil er be­reits ein an­de­res Ar­beits­verhält­nis ein­ge­gan­gen sein muss. Es ver­blei­ben aber die Klar­stel­lungs- und die Be­weis­funk­ti­on des § 623 BGB, die auch den Ar­beit­ge­ber schützen (APS/Grei­ner 4. Aufl. § 623 BGB Rn. 6).
- 13 - (b) Glei­ches gilt bzgl. der hier vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on. Die ver­gleichs­wei­se ver­ein­bar­te „An­zei­ge“ des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens stellt nicht nur ei­ne geschäftsähn­li­che Hand­lung oder ei­ne Wis­sens­erklärung dar, mit wel­cher der Ver­trags­part­ner über die Be­en­di­gung in­for­miert wird. Das Ar­beits­verhält­nis konn­te viel­mehr erst durch die Ge­stal­tungs­wir­kung die­ser Erklärung zu ei­nem kon­kre­ten Ter­min be­en­det wer­den. Des­halb han­del­te es sich bei der Erklärung um ei­ne Kündi­gung, wel­che zwin­gend § 623 BGB un­terfällt, auch wenn die Par­tei­en die Erklärung als „An­zei­ge“ be­zeich­ne­ten. Es be­steht kein An­lass, in­so­weit ei­ne te­leo­lo­gi­sche Re­duk­ti­on des § 623 BGB in Erwägung zu zie­hen. § 623 BGB be­inhal­tet kei­ne Ein­schränkun­gen, so dass al­le auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­rich­te­ten For­men der Kündi­gung er­fasst wer­den (Schaub/Linck ArbR-HdB 16. Aufl. § 123 Rn. 51; ErfK/Müller-Glöge 16. Aufl. § 623 BGB Rn. 3). Der Zweck des § 623 BGB um­fasst folg­lich auch die Erklärung der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses im Rah­men ei­ner Ab­wick­lungs­ver­ein­ba­rung wie der vor­lie­gen­den. Das Ziel der Rechts­si­cher­heit und der Be­wei­ser­leich­te­rung im Rechts­streit ist hier eben­falls von Be­deu­tung, da an­de­ren­falls ein Kon­flikt bezüglich des Zeit­punkts der (vor­zei­ti­gen) Be­en­di­gung leich­ter ent­ste­hen könn­te. Das Er­for­der­nis der ei­genhändi­gen Un­ter­schrift (§ 126 Abs. 1 BGB) mit der da­mit ver­bun­de­nen Iden­titäts-, Echt­heits- und Ve­ri­fi­ka­ti­ons­funk­ti­on ist eben­falls von un­ein­ge­schränk­ter Re­le­vanz. Es gilt nichts an­de­res als bei der Kündi­gung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Auch bei die­sem steht die Be­en­di­gung auf­grund der Be­fris­tungs­ab­re­de fest, wenn die­se nicht mit ei­ner Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge frist­gemäß an­ge­grif­fen wur­de. Kündigt ei­ne Par­tei das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis vor­her außer­or­dent­lich gemäß § 626 BGB oder auf­grund ei­nes nach § 15 Abs. 3 Tz­B­fG ein­geräum­ten Rechts zur or­dent­li­chen Kündi­gung, gilt für die­se Kündi­gung un­zwei­fel­haft § 623 BGB.
c) Die Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, wo­nach es sich bei dem Schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 nicht um ei­ne Kündi­gung, son­dern um ei­ne Um­ge­stal­tung der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen bzw. um ei­ne Ände­rung der ver­ein­bar­ten Mo­da­litäten des Aus­schei­dens hand­le, ist un­zu­tref­fend. Mit der „An­zei­ge“ des Aus­schei­dens woll­te die Kläge­rin das ihr mit dem Ver­gleich ein-
- 14 - geräum­te Recht der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung wahr­neh­men. Die Ausübung die­ses Ge­stal­tungs­rechts ändert die ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen nicht ab, son­dern be­ruht auf ih­nen.
d) Aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 12. Mai 2006 (- V ZR 97/05 -) kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin und des Lan­des­ar­beits­ge­richts kein Rück­schluss auf § 623 BGB ge­zo­gen wer­den. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in die­sem Ver­fah­ren zu dem Er­for­der­nis der no­ta­ri­el­len Be­ur­kun­dung nach § 313 Satz 1 BGB aF ent­schie­den, dass bei Ab­schluss ei­nes durch ei­ne Op­ti­ons­ausübung auf­schie­bend be­ding­ten Grundstücks­kauf­ver­trags die Erklärung, die den Be­din­gungs­ein­tritt be­wirkt, nicht mehr be­ur­kun­det wer­den muss, weil der Schutz der Form­vor­schrift durch die Be­ur­kun­dung des be­ding­ten Kauf­ver­trags ge­wahrt sei. So­wohl die sach­kun­di­ge Be­ra­tung als auch der Schutz der Be­tei­lig­ten vor Übe­rei­lung sei gewähr­leis­tet, weil der No­tar über die recht­li­che Be­deu­tung und die grundsätz­li­che Form­frei­heit der Op­ti­ons­ausübung zu be­leh­ren ha­be (BGH 12. Mai 2006 - V ZR 97/05 - Rn. 20). Die Über­tra­gung die­ser Recht­spre­chung auf die Ausübung ei­nes Kündi­gungs­rechts zur Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses schei­tert schon dar­an, dass der Ge­setz­ge­ber mit § 623 BGB dies­bezüglich ei­ne Spe­zi­al­vor­schrift er­las­sen hat, de­ren An­wend­bar­keit nicht durch die Über­tra­gung des Verständ­nis­ses von an­de­ren Form­vor­schrif­ten un­ter­lau­fen wer­den darf. Zu­dem fehlt es an ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on, da ei­ne no­ta­ri­el­le Be­leh­rung vor der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht zu er­fol­gen hat.
e) Es be­steht auch die sei­tens des Lan­des­ar­beits­ge­richts an­ge­nom­me­ne Ver­gleich­bar­keit mit der Un­ter­zeich­nung ei­ner Blan­ko­ab­re­de nicht. Zwar kann ei­ne Blank­oun­ter­schrift die Schrift­form des § 126 BGB wah­ren, al­ler­dings wird bei Form­vor­schrif­ten mit Warn­funk­ti­on die Form­bedürf­tig­keit der Ermäch­ti­gung zur Ausfüllung des Blan­ketts ge­for­dert (vgl. MüKoBGB/Ein­se­le 7. Aufl. § 126 Rn. 11; Pa­landt/El­len­ber­ger 74. Aufl. § 126 Rn. 7). Es ist un­klar, ob der Schutz­zweck des § 623 BGB es ge­bie­tet, die Ermäch­ti­gung zur Ausfüllung des Blan­ketts dem Form­zwang zu un­ter­wer­fen (vgl. Be­ckOK ArbR/Gott­hardt Stand 1. Sep­tem­ber 2015 BGB § 623 Rn. 20; KR/Spil­ger 10. Aufl. § 623 BGB - 15 - Rn. 101). Dies kann hier of­fen­blei­ben. Zu prüfen ist die Wah­rung der Schrift­form bei ei­ner Erklärung der Kläge­rin. Die­se hat kei­ne Blank­oun­ter­schrift ge­leis­tet. Die in dem Ver­gleich mit der Be­klag­ten ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen ent­hal­ten kei­ne Ermäch­ti­gung zur Ausfüllung ei­nes Blan­ketts und sind mit ei­ner sol­chen auch nicht ver­gleich­bar, da sie - wie dar­ge­stellt - der Kläge­rin nur das Recht einräum­en, vor­zei­tig aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­zu­schei­den. Die (form­ge­rech­te) Ab­ga­be der ent­spre­chen­den Wil­lens­erklärung ist al­lein Sa­che der Kläge­rin.
4. Die mit Te­le­fax­schrei­ben vom 26. No­vem­ber 2013 über­mit­tel­te Kündi­gungs­erklärung ent­spricht nicht den An­for­de­run­gen des § 623 iVm. § 126 BGB. Die Kündi­gung ist da­her gemäß § 125 Satz 1 BGB nich­tig.
a) Ei­ne per Te­le­fax über­mit­tel­te schrift­li­che Erklärung genügt § 126 Abs. 1 BGB nicht, da die vom Emp­fangs­gerät her­ge­stell­te Te­le­ko­pie le­dig­lich die Ab­lich­tung der Ori­gi­nal­un­ter­schrift wie­der­gibt (BAG 11. Ju­ni 2002 - 1 ABR 43/01 - zu B IV 1 b der Gründe, BA­GE 101, 298; 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 1023/08 - Rn. 14; BGH 14. März 2006 - VI ZR 335/04 - Rn. 13).
b) Im Pro­zess­recht ist al­ler­dings auf der Grund­la­ge be­son­de­rer ge­setz­li­cher Re­ge­lun­gen die Über­mitt­lung per Te­le­fax aus­rei­chend (vgl. zB § 130 Nr. 6, § 174 Abs. 2 Satz 1, § 174 Abs. 4 Satz 2 ZPO). Für die zi­vil­recht­li­chen An­for­de­run­gen des § 126 BGB ist dies aber un­be­acht­lich (in die­sem Sin­ne auch KR/Spil­ger 10. Aufl. § 623 BGB Rn. 121: „nach­ge­las­sen nur im Pro­zess­recht“). Die Form­vor­schrif­ten des bürger­li­chen Rechts sind von de­nen des Pro­zess­rechts strikt zu un­ter­schei­den. So können Form­vor­schrif­ten des bürger­li­chen Rechts we­gen der Ei­genständig­keit des Pro­zess­rechts we­der un­mit­tel­bar noch ent­spre­chend auf Pro­zess­hand­lun­gen an­ge­wen­det wer­den (GmS-OGB 30. April 1979 - GmS-OGB 1/78 - zu V 1 der Gründe, BGHZ 75, 340). Um­ge­kehrt ist es für § 126 BGB oh­ne Be­lang, dass von An­walt zu An­walt gemäß § 195 Abs. 1 Satz 5 iVm. § 174 Abs. 2 Satz 1 ZPO durch Te­le­ko­pie zu­ge­stellt wer­den kann. Hierfür spricht auch der kon­kre­te Ge­set­zes­zweck. § 195 ZPO dient der Ver­ein­fa­chung und Be­schleu­ni­gung des Ver­fah­rens (Tho­mas/Putzo/Hüßte­ge ZPO 36. Aufl. § 195 Rn. 1). Dem­ge­genüber ist die dar­ge­stell­te Ziel­set-
- 16 - zung von § 623 iVm. § 126 BGB we­sent­lich wei­ter ge­fasst. Die sog. Warn­funk­ti­on des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses soll ge­ra­de ei­ne ge­wis­se Hürde für die Wil­lens­erklärung schaf­fen und nicht de­ren ver­ein­fach­te und be­schleu­nig­te Ab­ga­be ermögli­chen.
c) Die von der Kläge­rin im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren her­an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 11. Ok­to­ber 2000 - 5 AZR 313/99 - (BA­GE 96, 28) ist nicht ein­schlägig. Dort wur­de be­zo­gen auf die Gel­tend­ma­chung ei­ner For­de­rung zur Wah­rung ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist an­geführt, dass die­se kei­ne Wil­lens­erklärung, son­dern ei­ne rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung dar­stel­le und § 126 BGB des­halb kei­ne un­mit­tel­ba­re An­wen­dung fin­de. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung wur­de man­gels Ver­gleich­bar­keit des Norm­zwecks und der In­ter­es­sen­la­ge ab­ge­lehnt. In die­sem Zu­sam­men­hang wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ei­ne Erklärungsüber­mitt­lung per Te­le­fax im Geschäfts­le­ben üblich sei (vgl. zu II 2 c der Gründe). Dar­aus lässt sich kein Rück­schluss auf die Vor­aus­set­zun­gen des § 126 BGB bei Wil­lens­erklärun­gen zie­hen. De­ren Wirk­sam­keit hängt von der Erfüllung der ge­setz­li­chen Vor­ga­ben und nicht von der Üblich­keit des Geschäfts­le­bens ab.
5. Der Be­klag­ten ist die Be­ru­fung auf den Form­m­an­gel nicht nach den Grundsätzen von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) ver­wehrt.
a) Ein Be­ru­fen auf ei­nen Form­m­an­gel kann nur aus­nahms­wei­se das Ge­bot von Treu und Glau­ben ver­let­zen. Die Form­vor­schrift des § 623 BGB darf im Hin­blick auf ih­ren Sinn und Zweck nicht aus­gehöhlt wer­den. Ein Form­m­an­gel kann des­halb nach § 242 BGB nur ganz aus­nahms­wei­se als un­be­acht­lich qua­li­fi­ziert wer­den. Das Er­geb­nis muss für ei­nen Ver­trags­teil schlecht­hin un­trag­bar sein (BAG 22. April 2010 - 6 AZR 828/08 - Rn. 38 f.). Hierfür reicht die Erfüllung der Vor­aus­set­zun­gen der Ver­wir­kung nicht aus. Es müssen viel­mehr Umstände hin­zu­kom­men, die das Ver­hal­ten des Be­rech­tig­ten in ho­hem Maße als wi­dersprüchlich er­schei­nen las­sen (BAG 15. März 2011 - 10 AZB 32/10 - Rn. 18 mwN).
- 17 - b) Dies ist hier nicht der Fall. Die Be­klag­te hat schon durch die Erklärung der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 30. De­zem­ber 2013 zeit­nah deut­lich ge­macht, dass sie das Ar­beits­verhält­nis nicht zum 30. No­vem­ber 2013 als be­en­det an­sieht. Ein wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten ist nicht er­kenn­bar.
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References: § 623
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 § 127
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 § 126
 § 125
 § 7
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 BGH 
 § 528
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 § 623
 § 12
 § 12
 § 623
 § 12
 § 12
 § 623
 § 12
 § 12
 § 12
 § 623
 § 623
 § 623
 § 623
 § 623
 § 123
 § 623
 § 623
 § 626
 § 15
 § 623
 § 623
 § 313
 § 623
 § 126
 § 126
 § 126
 § 623
 § 623
 § 623
 § 623
 § 126
 § 125
 § 126
 BGH 
 § 130
 § 174
 § 174
 § 126
 § 623
 § 126
 § 195
 § 174
 § 195
 § 195
 § 623
 § 126
 § 126
 § 126
 § 623
 § 242