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Timestamp: 2018-03-23 05:21:11+00:00

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John Stuart Mill - System der deduktiven und induktiven Logik [2/2]
B. Erdmann Riehl Cohen Drobisch Driesch Lotze E. Wentscher
"Die Scholastik hat in der Logik wie in der Moral und in einem Teil der Metaphysik eine Feinheit und Bestimmtheit der Begriffe erzeugt, welche den Alten fremd war und die mehr, als man denkt, die Entwicklung einer gesunden Philosophie gefördert hat." - Condorcet, Vie de Turgot
"Den Schulgelehrten (Scholastikern) verdanken die Vulgärsprachen hauptsächlich was sie an Präzision und analytischer Schärfe besitzen." - Sir William Hamilton, Discussions in Philosophy
Analyse der Sprache zu beginnen.
§ 1. Es ist bei den über Logik Schreibenden so sehr der allgemeine Gebrauch, ihre Abhandlungen mit einigen allgemeinen (obschon meistens etwas mageren) Bemerkungen über die verschiedenen Arten von Wörtern zu beginnen, daß es bei der bloßen Befolgung des allgemeinen Gebrauchs für mich kaum nötig sein dürfte, für dieses Verfahren so weitläufige Gründe anzugeben, als man gewöhnlich von denjenigen erwartet, welche in anderer Weise verfahren.
Der Gebrauch empfiehlt sich in der Tat durch so einleuchtende Gründe, daß er keiner förmlichen Rechtfertigung bedarf. Die Logik ist ein Teil der Kunst des Denkens. Die Sprache ist offenbar und nach dem Eingeständnis aller Philosophen das Hauptwerkzeug oder Hilfsmittel des Denkens und irgendeine Unvollkommenheit in diesem Instrument und der Art seines Gebrauchs kann hier unleugbar den Gedankenprozeß eher verwirren und verhindern und einen jeden Grund von Vertrauen in dessen Resultat eher zerstören, als in fast einer jeden anderen Kunst. Denn wenn ein mit der Bedeutung und dem richtigen Gebrauch der verschiedenen Arten von Wörtern noch nicht vertrauter Geist die Methoden des Philosophierens zu studieren versucht, so heißt das gerade so viel, als wenn irgendjemand, der nie gelernt hat, optische Instrumente richtig einzustellen, versuchen wollte, astronomische Beobachtungen zu machen.
Da Schließen oder Folgern, der Hauptgegenstand der Logik, eine Operation ist, welche gewöhnlich mittels der Wörter stattfindet und in verwickelten Fällen in keiner anderen Weise stattfinden kann, so wird die Gefahr, unrichtig zu schließen oder zu folgern, bei denjenigen, welche keine gründliche Kenntnis von der Bedeutung und dem Zweck der Wörter haben, sich fast zur Gewißheit erheben. Auch haben die Logiker allgemein gefühlt, daß, wenn sie nicht von vornherein diese reiche Quelle des Irrtums entfernten, daß wenn sie ihre Schüler nicht lehrten, die die Gegenstände verzerrenden Gläser hinwegzuräumen und Gläser zu gebrauchen, welche dem Zweck so angepaßt sind, daß sie das Sehen unterstützen und nicht verwirren: sie niemals imstande sein würden, den übrigen Teil ihrer Lehre mit einer Aussicht auf Erfolg anzuwenden. Eine Untersuchung der Sprache, so weit sie nötig ist, um gegen die Irrtümer zu schützen, zu denen dieselbe Veranlassung gibt, ist deshalb zu allen Zeiten als eine notwendige Einleitung in das Studium der Logik betrachtet worden.
Es gibt aber noch einen anderen, fundamentaleren Grund, warum die Bedeutung der Wörter der erste Gegenstand der Betrachtung des Logikers sein sollte: ohne dieselbe nämlich kann er die Bedeutung der Urteile nicht untersuchen. Dieser Gegenstand steht aber an der Schwelle der Wissenschaft der Logik.
Nach der Definition des einleitenden Kapitels ist der Gegenstand der Logik, zu bestimmen, auf welche Weise wir zu demjenigen Teil unserer Erkenntnis (bei weitem der größte Teil) gelangen, welcher nicht intuitiv ist; und durch welches Kennzeichen man bei nicht von selbst einleuchtenden Gegenständen unterscheiden kann zwischen bewiesenen und nicht bewiesenen Dingen, zwischen dem, was glaubwürdig und dem, was nicht glaubwürdig ist. Manche der verschiedenen Fragen, welche sich unserem Forschungsvermögen darbieten, empfangen eine Antwort vom direkten Bewußtsein, andere, wenn sie überhaupt zu beantworten sind, können nur mittels eines Beweises gelöst werden. Die letzteren sind Gegenstand der Logik. Aber ehe wir die Art und Weise untersuchen, wie Fragen gelöst werden, ist es nötig, zu untersuchen, welche Fragen sich anbieten? welche Fragen sind denkbar? welche Fragen gibt es, auf welche die Menschen entweder eine Antwort erhalten haben oder von denen sie denken konnten, daß es möglich wäre, eine Antwort darauf zu erhalten? Dieser Punkt wird am besten durch eine Untersuchung und Analyse der Urteile aufgeklärt.
§ 2. Die Antwort auf eine jede Frage, die möglicherweise gestellt werden kann, ist in einem Urteil (Proposition) oder einer Behauptung (Assertion) enthalten. Alles, was ein Gegenstand des Glaubens oder Unglaubens sein kann, muß, wenn es in Worte gefaßt wird, die Form eines Urteils annehmen. Alle Wahrheit und aller Irrtum liegen in Urteilen. Was wir dem bequemen Mißbrauch des abstrakten Wortes nach eine Wahrheit nennen, heißt einfach ein wahres Urteil; die Irrtümer sind falsche Urteile. Den Inhalt und die Bedeutung aller möglichen Urteile wissen, hieße alle Fragen wissen, welche gestellt werden können, alle Gegenstände wissen, welche fähig sind, geglaubt oder nicht geglaubt zu werden.
Wie viele Arten von Fragen gestellt, wie viele Arten von Urteilen gefällt werden können, wie viele Arten von, eine Bedeutung einschließenden, Urteilen es möglich ist aufzustellen, all das sind nur verschiedene Formen einer und derselben Frage. Da also alle Gegenstände des Glaubens und Forschens durch Urteile ausgedrückt werden, so wird uns eine genügende Untersuchung der Urteile und ihrer Arten lehren, welche Fragen sich die Menschen wirklich gestellt habe und was sie in der Natur der Antworten auf diese Fragen für glaubwürdig hielten.
Der erste Blick auf ein Urteil zeigt nun, daß es dadurch gebildet wird, daß man zwei Wörter aneinander fügt. Nach der gewöhnlichen einfachen und für unseren Zweck hinreichenden Definition ist ein Urteil eine Aussage, in welcher etwas von einem Ding behauptet, bejaht (affirmiert) oder verneint (negiert) wird. So wird in dem Urteil "Gold ist gelb" die Eigenschaft von gelb von der Substanz Gold behauptet. Im Urteil "Franklin war nicht in England geboren" wird die durch die Worte in England geboren ausgedrückte Tatsache von dem Menschen FRANKLIN verneint.
Ein jedes Urteil besteht aus drei Teilen, dem Subjekt, dem Prädikat und der Kopula. Das Prädikat ist der name, welcher angibt, was behauptet oder verneint wird. Das Subjekt ist der Name, welcher die Person oder das Ding bezeichnet, wovon etwas behauptet oder verneint wird. Die Kopula ist das Zeichen, welches anzeigt, daß eine Behauptung oder eine Verneinung stattfindet und dadurch den Hörer oder Leser in den Stand setzt, ein Urteil von irgendeiner anderen Redeform zu unterscheiden. So ist in dem Urteil "die Erde ist rund" das Wort rund das Prädikat, welches die behauptete Eigenschaft bezeichnet oder, wie der Ausdruck ist, aussagt (prädiziert); die Erde, zwei Wörter, die den Gegenstand bezeichnen, von welchem diese Eigenschaft behauptet wird, bilden das Subjekt; das Wort ist, welches als Verbindungszeichen von Subjekt und Prädikat dient, um zu zeigen, daß das eine vom anderen behauptet wird, heißt die Kopula.
Indem wir einstweilen die Kopula, von welcher später mehr gesagt werden wird, beiseite lassen, besteht also ein jedes Urteil aus wenigstens zwei Namen, bringt zwei Namen in einer besonderen Weise zusammen. Es geht hieraus hervor, daß für den Akt des Glaubens ein Gegenstand nicht hinreichend ist; der einfachste Glaubensakt setzt voraus und hat etwas zu tun mit zwei Gegenständen, zumindest mit zwei Namen und (da die Namen Namen von etwas sein müssen) mit zwei benennbaren Dingen. Viele Denker würden das kurz fassen und sagen, zwei Ideen. Sie würden sagen, daß beide Subjekt und Prädikat, Namen von Ideen sind, z. B. die Idee von Gold und die Idee von gelb und daß das, was im Glaubensakt stattfindet (oder ein Teil von dem, was stattfindet), darin besteht, daß (wie es oft ausgedrückt wird) die eine dieser Ideen der anderen untergeordnet wird. Wir sind jedoch noch nicht imstande, das zu sagen, und ob es überhaupt die richtige Art ist, das Phänomen zu beschreiben, bleibt einer späteren Betrachtung vorbehalten. Das Resultat, womit wir uns für jetzt begnügen müssen, ist, daß in einem jeden Glaubensakt zwei Gegenstände auf irgendeine Weise in Betracht gezogen werden; daß kein Glaube verlangt oder keine Frage gestellt werden kann, welche nicht zwei unterschiedene Gedankenobjekt (materielle oder intellektuelle) umfassen; jedes von diesen mag für sich vorgestellt werden können oder auch nicht, aber es kann jedenfalls nicht für sich geglaubt werden.
Wenn ich nun von allen möglichen Behauptungen in Bezug auf die Sonne diejenigen aufstelle, welche am wenigsten irgendeinen anderen Gegenstand berücksichtigt, z. B. die, "die Sonne existiert", so hat man hier sogleich etwas, wovon jemand sagen kann, daß er es glaube. Wir haben aber hier, statt nur eines, zwei verschiedene Gegenstäne der Vorstellung, wovon der eine die Sonne, der andere die Existenz ist. Es kann nicht gesagt werden, daß diese zweite Vorstellung, Existenz, in der ersten eingeschlossen liege, denn man kann sich die Sonne als nicht mehr existierend vorstellen. "Die Sonne" teilt nicht dieselbe Bedeutung mit, wie "die Sonne existiert"; "mein Vater" schließt nicht dieselbe Meinung ein, wie "mein Vater existiert", denn er kann gestorben sein; "ein rundes Viereck" schließt nicht die Bedeutung ein, "ein rundes Viereck existiert", denn es existiert nicht und kann nicht existieren. Wenn ich sage, "die Sonne", "mein Vater" oder "ein rundes Viereck", so fordere ich vom Hörer weder Glauben noch Unglauben, auch kann mir der eine oder der andere nicht geschenkt werden; wenn ich aber sage, "die Sonne existiert", "mein Vater existiert", oder "ein rundes Viereck existiert", so fordere ich Glauben; auch würde mir dieser im ersten der drei Fälle geschenkt werden, im zweiten würde ich, je nach den Umständen, Glauben oder Unglauben finden, im dritten nur Unglauben.
§ 3. Dieser erste Schritt in der Analyse vom Gegenstand des Glaubens, welchen man, obgleich an und für sich sehr einleuchtend, nicht für unwichtig halten wird, ist der einzige, den wir ohne eine vorläufige Untersuchung der Sprache für ausführbar erachten. Wenn wir auf demselben Weg weiter zu gehen, d. h. die Bedeutung der Urteile weiter zu analysieren versuchen, so drängt sich uns als ein Gegenstand vorläufiger Betrachtung die Bedeutung der Namen auf, denn ein jedes Urteil besteht aus zwei Namen und ein jedes Urteil behauptet oder verneint den einen oder den anderen dieser Namen. Es muß nun aber das, was wir tun, was in unserem Geist vorgeht, wenn wir zwei Namen voneinander behaupten oder verneinen, von dem abhängen, von was sie die Namen sind; denn in Beziehung auf das und nicht auf die bloßen Namen selbst affirmieren oder negieren wir. Wir finden also hier einen neuen Grund, warum die Bedeutung der Namen und die Beziehungen zwischen den Namen und den durch sie bezeichneten Dingen den ersten Platz in der Untersuchung einnehmen müssen, mit welcher wir beschäftigt sind.
Man könnte einwerfen, daß die Bedeutung der Namen uns höchstens nur zu den Meinungen, zu den möglicherweise törichten und grundlosen Meinungen führen könne, welche sich die Menschen in Beziehung auf die Dinge gebildet haben und daß, da der Gegenstand der Philosophie Wahrheit und nicht Meinung ist, der Philosoph die Namen fallen lassen und auf die Dinge selbst sehen sollte, um zu bestimmen, welche Fragen in Bezug auf sie gestellt und beantwortet werden können. Dieser Rat (welchen niemand in seiner Gewalt hat zu befolgen) heißt in Wirklichkeit, jemanden ermahnen, die ganze Frucht der Arbeiten seiner Vorgänger beiseite zu setzen und sich selbst so zu benehmen, als wenn er der Erste wäre, der jemals ein forschendes Auge auf die Natur gerichtet hätte. Wie hoch beläuft sich denn unsere eigene Kenntnis der Dinge, wenn wir alles abziehen, was wir von anderen mittels der Wörter erlangt haben? Wenn jemand so viel gelernt hat, als man gewöhnlich von anderen lernt, werden dann die in seinem individuellen Geist enthaltenen Vorstellungen von den Dingen eine ebenso hinlängliche Basis für einen catalogue raisonné darbieten, als die Vorstellungen im Geist aller Menschen?
In einer nicht von den Namen ausgehenden Aufzählung (Enumeration) und Klassifikation der Dinge werden natürlich nur solche Arten von Dingen enthalten sein, welche durch den speziellen Forscher erkannt sind und es ist noch durch eine darauf folgende Prüfung darzutun, daß die Aufzählung nichts ausgelassen hat, was hätte eingeschlossen werden sollen. Wenn wir aber mit den Namen beginnen und sie als ein Führer zu den Dingen gebrauchen, so überblicken wir auf einmal alle Unterscheidungen, welche nicht von einem einzelnen Forscher, sondern alle Forscher zusammen anerkannt haben. Es ist allerdings möglich und es wird sich, wie ich denke, in der Tat ergeben, daß die Menschen die Unterscheidungen über Gebühr vervielfältigt und dort Unterschiede unter den Dingen angenommen haben, wo nur Verschiedenheiten ihrer Benennung stattfinden. Wir sind aber nicht berechtigt, dies gleich zu Beginn anzunehmen; wir müssen mit der Anerkennung der Unterscheidungen beginnen, welche die gewöhnliche Sprache gemacht hat. Wenn sich einige von diesen bei genauer Prüfung als nicht fundamental erweisen, so wird die Aufzählung der verschiedenen Arten von Realitäten demgemäß abgekürzt werden können. Aber den Tatsachen von vornherein das Joch einer Theorie aufzuerlegen, während die Fundamente der Theorie einer späteren Diskussion überlassen bleiben, ist kein Verfahren, das ein Logiker vernünftigerweise befolgen kann.
§ 1. "Ein Name", sagt HOBBES (1), "ist ein Wort, das willkürlich als ein Zeichen gewählt worden ist, welches in unserem Geist einen Gedanken erwecken kann, der einem früher gehabten Gedanken gleicht und der, wenn er vor anderen ausgesprochen wird, ihnen ein Zeichen sein kann, welchen Gedanken der Sprechende vorher in seinem Geist hatte." (2) Diese einfache Definition eines Namens als eines Wortes (oder einer Reihe von Wörtern), welches dem doppelten Zweck dient, uns selbst die Ähnlichkeit früherer Gedanken zurückzurufen und ein Zeichen zu sein, sie anderen kundzugeben, scheint untadelhaft. Die Namen tun in der Tat viel mehr als dieses; aber was sie auch immer sonst noch tun mögen, so ist es ein aus diesem hervorgehendes Resultat, wie man am geeigneten Ort sehen wird.
Ist es besser zu sagen, die Namen seien Namen der Dinge oder sie seien Namen unserer Ideen von den Dingen? das erstere ist der Ausdruck des gewöhnlichen Sprachgebrauchs; das letztere der Ausdruck einiger Metaphysiker, welche durch dessen Annahme eine höchst wichtige Unterscheidung zu machen glaubten. Auch der eben angeführte hervorragende Denker scheint dieser Meinung zu sein. "Da die in der Sprache aneinander gereihten Wörter", fährt er fort, "Zeichen unserer Vorstellungen sind, so ist es offenbar, daß sie nicht Zeichen der Dinge selbst sind; denn daß der Laut des Wortes Stein das Zeichen des Steins sein solle, kann nur in dem Sinne verstanden werden, daß, wer den Laut hört, daraus entnimmt, daß jener der ihn ausspricht, an einen Stein denkt."
Soll damit bloß gesagt werden, daß nur an die Vorstellung und nicht die Sache selbst durch den Namen zurückgerufen oder dem Hörer mitgeteilt wird, so kann das natürlich nicht geleugnet werden. Nichtsdestoweniger sind gute Gründe vorhanden, um beim gewöhnlichen Gebrauch zu bleiben und das Wort Sonne den Namen der Sonne und nicht den Namen unserer Idee von der Sonne zu nennen; denn die Namen sollen nicht allein bezwecken, beim Hörer dieselbe Vorstellung zu erwecken, die wir haben, sondern auch ihm mitzuteilen, was wir glauben. Wenn ich nun aber einen Namen gebrauche, um einen Glauben auszudrücken, so ist es ein Glaube in Bezug auf das Ding selbst und nicht in Bezug auf meine Idee von demselben. Wenn ich sage, "die Sonne ist die Ursache des Tages", so meine ich nicht, daß meine Idee von der Sonne die Idee des Tages in mir verursacht oder erregt oder mit anderen Worten, daß mich das Denken an die Sonne an den Tag denken macht. Ich meine aber, daß eine gewisse physische Tatsache, welche die Gegenwart der Sonne genannt wird (und welche bei der weiteren Analyse in Sensationen und nicht in Ideen aufgelöst wird), eine andere physische Tatsache verursacht, welche man den Tag nennt. Es scheint geeignet, ein Wort als den Namen von dem zu betrachten, was wir verstanden haben wollen, wenn wir das Wort gebrauchen; von dem, was unter einer Tatsache, die wir von ihm behaupten, verstanden werden soll; kurz von dem, was wir mitteilen wollen, wenn wir das Wort gebrauchen. In diesem Werk wird daher immer von den Namen gesprochen werden als von Namen der Dinge selbst und nicht bloß von unseren Ideen der Dinge.
Es entsteht nun aber die Frage, von welchen Dingen? für die Beantwortung dieser Frage ist es nötig, die verschiedenen Arten von Namen in Betracht zu ziehen.
§ 2. Es ist gebräuchlich, vor der Prüfung der verschiedenen Klassen, in welche die Namen gewöhnlich eingeteilt werden, von den Namen jeder Art diejenigen Wörter zu unterscheiden, welche nicht Namen, sondern nur Teile von Namen sind. Unter diese rechnet man die Partikel wie von, zu, wahrlich, oft; die Beugefälle von Substantiven wie mich, ihm, Johanns und sogar Adjektive wie breit, schwer usw. Diese Wörter drücken nicht Dinge aus, von denen etwas behauptet oder verneint werden kann; wir können nicht sagen: Schwer fiel oder ein Schwer fiel; Wahrhaft oder ein Wahrhaft wurde behauptet oder von war oder ein von war im Zimmer, es sei denn, daß wir von den Wörtern selbst sprechen indem wir z. B. sagen: Wahrhaft ist ein deutsches Wort oder Schwer ist ein Adjektiv. Im letzten Fall sind es vollständige Name, nämlich Namen jener besonderen Laute oder jener besonderen Reihen von geschriebenen Charakteren. Dieser Gebrauch eines Wortes, bloß um die Buchstaben und Silben zu bezeichnen, aus denen es besteht, wurde von den Scholastikern suppositio materialis des Wortes genannt. In keinem anderen Sinne können wir eins dieser Wörter in das Subjekt eines Urteils einführen, als in der Verbindung mit anderen Wörtern wie "Ein schwerer Körper fiel; - Eine wahrhaft wichtige Tatsache wurde behauptet; - Ein Mitglied des Parlaments war im Zimmer."
Ein Adjektiv kann indessen als das Prädikat eines Satzes stehen, wie wenn wir sagen: der Schnee ist weiß; gelegentlich kann es sogar als Subjekt stehen, denn wir können sagen: Weiß ist eine angenehme Farbe. Vom Adjektiv sagt man oft, daß es als eine grammatikalische Ellipse gebraucht wird: der Schnee ist weiß, anstatt: der Schnee ist ein weißer Gegenstand. Weiß ist eine angenehme Farbe, anstatt; eine weiße Farbe oder die weiße Farbe ist angenehm. Die Regeln der Sprache erlaubten den Griechen und Römern diese Ellipse allgemein sowohl im Subjekt als im Prädikat eines Urteils zu gebrauchen. Im Englischen kann das im Allgemeinen nicht geschehen, wir können im Englischen sagen: die Erde ist rund, wir können aber nicht sagen: Rund ist leicht zu bewegen, (3) wir müssen sagen: Ein runder Gegenstand. Diese Unterscheidung ist indessen mehr grammatikalisch als logisch. Da in der Bedeutung von rund und ein runder Gegenstand kein Unterschied ist, so ist es nur der Gebrauch, welcher vorschreibt, daß in einem gegebenen Fall das eine und nicht das andere anzuwenden ist. Wir werden daher ohne Skrupel Adjektive als Namen betrachten. Die anderen Klassen von subsidiären Worten haben auf diese Bezeichnung keiner Anspruch. Ein Adverb oder ein Akkusativ kann unter keinerlei Umständen (ausgenommen wenn man von ihren Buchstaben und Silben spricht) als ein Teil eines Satzes figurieren.
Wörter, welche nicht als Namen, sondern nur als Teile von Namen gebraucht werden können, wurden von einigen Scholastikern synkategorematische Ausdrücke genannt, von syn mit und kategoreo aussagen, da sie nur mit einem anderen Wort ausgesagt werden konnten. Ein Wort, welches sowohl als Subjekt als auch als Prädikat eines Satzes allein gebraucht werden konnte, wurde von denselben Autoritäten ein kategorematischer Ausdruck genannt. Eine Verbindung von einem oder mehreren kategorematischen Ausdrücken und einem oder mehreren synkategorematischen Wörtern, wie: "Ein schwerer Körper" oder "Eine Stätte der Gerechtigkeit" wurden zuweilen ein gemischter Ausdruck genannt; dies scheint aber eine unnötige Vermehrung der technischen Ausdrücke. Ein gemischter Ausdruck ist in dem allein nützlichen Sinn des Wortes kategorematisch, er gehört der Klasse von dem an, was man vielwörtrige Namen genannt hat.
Denn so wie ein Wort häufig nicht ein Name, sondern nur ein Teil eines Namens ist, so setzt eine Anzahl von Wörtern nur einen einzigen Namen und nicht mehr zusammen. Die Worte: "der Ort, den die Klugheit oder die Staatskunst des Altertums für die Residenz des abyssinischen Prinzen bestimmt hatte", bilden in der Meinung des Logikers nur einen einzigen Namen, einen kategorematischen Ausdruck. Die Art und Weise, zu bestimmen, ob eine Reihe von Wörtern nur einen Namen oder mehrere Namen ausmacht, besteht darin, daß man etwas von ihr aussagt und zusieht, ob man durch diese Aussage nur eine Behauptung gemacht hat oder mehrere. Wenn wir sagen, JOHN NOKES, welcher Major der Stadt war, starb gestern, - so enthält diese Aussage nur eine Bemerkung, woraus hervorgeht, daß "John Nokes, welcher Major der Stadt war", nur ein Name ist und nicht mehr. Es ist wahr, daß in diesem Satz außer der Behauptung, JOHN NOKES starb gestern, noch eine andere Behauptung eingeschlossen liegt, die nämlich, daß JOHN NOKES Major der Stadt war. Die letztere Behauptung war aber schon gemacht, wir machten sie nicht, indem wir das Prädikat "starb gestern" hinzufügten. Wir wollen indessen annehmen, die Worte hätten gelautet: "John Nokes und der Major der Stadt", so hätten sie statt eines zwei Namen gebildet. Denn wenn wir sagen, JOHN NOKES und der Major der Stadt starben gestern, so stellen wir zwei Behauptungen auf; die eine, daß JOHN NOKES gestern starb, die andere, daß der Major der Stadt gestern starb.
Da es unnötig ist, den Gegenstand der vielwörtrigen Namen noch weiter zu erklären, so gehen wir zu den Unterscheidungen über, welche zwischen Namen gemacht worden sind, nicht nach den Wörtern, aus denen sie zusammengesetzt sind, sondern nach ihrer Bedeutung.
§ 3. Alle Namen sind Namen von etwas, sei dieses etwas wirklich oder eingebildet, reell oder imaginär; aber nicht alle Dinge haben Namen, welche ihnen individuell zukommen. Für einige individuelle Gegenstände bedürfen wir und haben wir folglich besondere unterscheidende Namen; es gibt einen Namen für eine jede Person, für einen jeden merkwürdigen Ort. Andere Gegenstände, von denen wir nich so häufig zu sprechen Gelegenheit haben, bezeichnen wir nicht mit ihnen eigens zugehörigen Namen; wenn sich aber die Notwendigkeit, sie zu bezeichnen, einstellt, so tun wir das, indem wir mehrere Wörter, von denen jedes allein für eine unbestimmte Anzahl von anderen Gegenständen gebraucht werden kann und gebraucht wird, zusammenstellen; so wenn ich sage "dieser Stein" indem dies und Stein Namen sind, welche außer den speziell gemeinten von vielen anderen Gegenständen gebraucht werden können, obgleich der einzige Gegenstand, von dem sie beide in einem gegebenen Augenblick gebraucht werden können, in Übereinstimmung mit ihrer Bedeutung derjenige ist, von welchem ich zu sprechen wünsche.
Wenn dies der einzige Zweck wäre, für welchen Namen, die mehreren Dingen gemeinsam sind, gebraucht werden können; wenn sie nur dazu dienten, um durch eine gegenseitige Beschränkung eine Bezeichnung für solche individuellen Gegenstände anzubieten, welche keine eigenen Namen haben: so könnte sie nur unter die Erfindungen gerechnet werden, welche den Gebrauch der Sprache sparsamer machen. Es ist aber klar, daß das nicht ihre einzige Funktion ist. Wir sind durch sie in den Stand gesetzt, allgemeine Urteile zu behaupten; auf einmal von einer unbestimmten Anzahl von Dingen irgendein Prädikat zu behaupten oder zu verneinen. Die Unterscheidung zwischen allgemeinen Namen und zwischen individuellen oder einzelnen Namen ist daher fundamental und kann als die erste große Abteilung der Namen betrachtet werden.
Ein allgemeiner Name (Gemeinname) wird gewöhnlich definiert als ein Name, welcher in demselben Sinne von jedem einer unbestimmten Anzahl von Dingen wahrheitsgemäß behauptet werden kann. Ein individueller oder einzelner Name (Eigenname) ist ein Name, welcher in demselben Sinne nur von einem Ding wahrhaftig behauptet werden kann.
In solcher Weise kann Mensch wahrheitsgemäß von JOHANN, PETER, GEORG, MARIE und ohne angebbare Grenze von anderen Personen behauptet werden und wird von allen in demselben Sinne behauptet, denn das Wort "Mensch" drückt gewisse Eigenschaften aus und wenn wie es von diesen Personen aussagen, so behaupten wir, daß alle diese Eigenschaften besitzen. Aber Johann kann, wenigstens in demselben Sinne, nur von einer einzelnen Person wahrheitsgemäß behauptet werden. Denn wenn es auch viele Personen gibt, welche diesen Namen führen, so wird er ihnen nicht gegeben, um irgendwelche Eigenschaften oder etwas anzuzeigen, was ihnen gemeinsam ist; man kann nicht sagen, daß er von ihnen in irgendeinem Sinne überhaupt und folglich auch nicht, daß er in demselben Sinne behauptet wir. "Der König, welcher auf Wilhelm den Eroberer folgte" ist also ein individueller Name, denn daß es jedesmal nur eine Person geben kann, von dem er wahrheitsgemäß behauptet werden kann, liegt in der Bedeutung dieser Worte eingeschlossen. Sogar "der König", wenn das darunter verstandene Individuum durch die Umstände oder durch den Kontext bezeichnet wird, darf ganz gerecht als ein individueller Name betrachtet werden.
Es ist nicht ungewöhnlich, daß man als eine Erklärung der Bedeutung eines allgemeinen Namens sagt, daß es der Name einer Klasse sei. Wenn auch für manche Zwecke eine bequeme Ausdrucksweise, so ist diese Definition doch mangelhaft, da sie das klarere von zwei Dingen durch das unklarere erklärt. Es wäre logischer, den Satz umzukehren und ihn in eine Definition des Wortes Klasse zu verwandeln: "Eine Klasse ist die durch einen allgemeinen Namen ausgedrückte unbestimmte Menge von Individuen".
Es ist nötig, zwischen allgemeinen und kollektiven Namen, zwischen Gemeinnamen und Kollektivnamen, zu unterscheiden. Ein Gemeinname ist ein solcher, der von einem jeden Individuum einer Menge von Individuen ausgesagt wird; ein Kollektivname kann nicht von jedem einzelnen, sondern nur von allen zusammengenommen ausgesagt werden. "Das 76st Regiment Infanterie", was ein Kollektivname ist, ist nicht ein Gemeinname, sondern ein individueller Name, ein Eigenname; denn obgleich er von einer Menge Soldaten zusammengenommen ausgesagt werden kann, so kann er doch nicht vom einzelnen ausgesagt werden. Wir können sagen, JOHANN ist ein Soldat und THOMAS ist ein Soldat; wir können aber nicht sagen, JOHANN ist das 76ste Regiment, THOMAS ist das 76ste Regiment und SCHMITT ist das 76ste Regiment. Wir können nur sagen, JOHANN, THOMAS und SCHMITT usw. (indem wir alle Soldaten anführen) sind das 76ste Regiment.
"Das 76ste Regiment" ist ein Kollektivname, aber kein Gemeinname; "ein Regiment" ist zugleich ein Kollektivname und ein Gemeinname; Gemeinname in Bezug auf alle einzelnen Regimenter und kann von jedem separat behauptet werden; Kollektivname in Bezug auf die einzelnen Soldaten aus denen ein Regiment zusammengesetzt ist.
§ 4. Die zweite allgemeine Einteilung der Namen ist die in konkrete und in abstrakte. Ein konkreter Name ist ein Name, der für ein Ding, ein abstrakter Name ist ein Name, der für ein Attribut steht. Johann, das Meer, dieser Tisch' sind Namen von Dingen. Weiß ist der Name eines Dings oder vielmehr von Dingen; Weiße ist der Name einer Eigenschaft oder eines Attributs dieser Dinge. Mensch ist der Name vieler Dinge, Menschlichkeit ist ein Name eines Attributs dieser Dinge. Alt ist ein Name von Dingen; Alter ist der Name eines ihrer Attribute.
Ich habe die Wörter "konkret" und "abstrakt" in dem Sinne gebraucht, der ihnen von den Scholastikern beigelegt wurde, welche ungeachtet der Unvollkommenheit ihrer Philosophie im Aufbau einer technischen Sprache unerreicht blieben und deren Definitionen in der Logik zumindest, obgleich sie nie tief in den Gegenstand eindrangen, bei ihrer Änderung nur verdorben wurden. In neuerer Zeit ist indessen ein Gebrauch entstanden, der zwar nicht von LOCKE selbst eingeführt wurde, der aber durch dessen Beispiel doch sehr an Verbreitung gewann, der Gebrauch nämlich, den Ausdruck "abstrakte Namen" auf alle Namen anzuwenden, welche das Resultat der Abstraktion und Generalisation sind, anstatt ihn auf die Namen von Attributen zu beschränken. Die Metaphysiker aus der Schule von CONDILLAC - deren Bewunderung für LOCKE über die tiefsinnigsten Spekulationen dieses wahrhaft originellen Geistes hinweggeht und mit besonderem Eifer auf den schwächsten Punkten verweilt - haben diesen Mißbrauch der Sprache so lange fortgeübt, daß es nun einige Schwierigkeit hat, das Wort auf seine ursprüngliche Bedeutung zurückzubringen. Eine mutwilligere Veränderung der Bedeutung eines Wortes ist selten vorgekommen; denn der Ausdruck Gemeinname, dessen genaues Äquivalent sich in allen mir bekannten Sprachen wiederfindet, konnte schon für den Zweck gelten, wofür man abstrakt mißbrauchte, während dieser Mißbrauch jene wichtige Klasse von Wörtern, die Namen von Attributen, ohne eine bündige unterscheidende Benennung läßt. Die alte Bedeutung kam indessen nicht so vollständig aus dem Gebrauch, daß diejenigen, welche ihr noch anhängen, ganz und gar nicht mehr verstanden werden sollten. Unter abstrakt verstehe ich darum immer das Entgegengesetzte von konkret; unter einem abstrakten Namen den Namen eines Attributs; unter einem konkreten Namen den Namen eines Gegenstandes.
Gehören abstrakte Namen zur Klasse der Gemeinnamen oder zu derjenigen der Einzelnamen? Einige von ihnen sind gewiß Gemeinnamen, diejenigen nämlich, welche nicht Namen eines einzelnen und bestimmten Attributes, sondern einer Klasse von Attributen sind. Derart ist das Wort Farbe, welches ein der Weiße, der Röte etc. gemeinsamer Name ist. Derart ist auch das Wort Weiße, auf die es gewöhnlich angewendet wird; das Wort Größe, in Beziehung auf die verschiedenen Grade von Größe und die verschiedenen Dimensionen des Raumes; das Wort Gewicht, in Bezug auf die verschiedenen Abstufungen von Gewicht. Derart ist sogar das Wort Attribut selbst, als der gemeinsame Name aller besonderen Attribute. Wenn aber nur ein einziges, weder der Art noch dem Grad nach veränderliches Attribut durch den Namen bezeichnet wird, wie Sichtbarkeit, Berührbarkeit, Gleichheit, Viereckigkeit, Milchweiße etc., so kann der Name kaum als ein Gemeinname betrachtet werden, denn obgleich er ein Attribut vieler verschiedener Gegenstände bezeichnet, so ist das Attribut selbst doch immer als eines, nicht aber als viele verstanden. Die Frage ist indessen ohne Wichtigkeit und es wäre vielleicht die beste Art sie zu entscheiden, wenn man diese Namen weder als Gemeinnamen noch als Einzelnamen betrachten, sondern sie zu einer besonderen Klasse vereinigen würde.
Unserer Definition des Ausdrucks "ein abstrakter Name" kann man entgegenhalten, daß nicht allein die Namen, welche wir abstrakt genannt haben, sondern auch die Adjektive, welche wir in die konkrete Klasse gesetzt haben, Namen von Attributen sind; daß z. B. weiß so gut wie Weiße der Name der Farbe ist. Aber wie oben bemerkt muß ein Wort als der Name von dem betrachtet werden, was wir verstanden haben wollen, wenn wir es in seiner hauptsächlichen Anwendung gebrauchen, d. h. wenn wir es in der Prädikation gebrauchen. Wenn wir sagen: Schnee ist weiß, Milch ist weiß, Leinwand ist weiß; so wolen wir nicht damit verstanden haben, daß Schnee, Milch oder Leinwand eine Farbe sei; wir meinen, daß die Dinge sind, welche die Farbe besitzen. Das Umgekehrte ist der Fall bei dem Wort "Weiße"; was wir behaupten Weiße zu sein, ist nicht Schnee, sondern die Farbe des Schnees. Weiße ist daher ausschließlich der Name der Farbe; weiß ist ein Name aller Dinge, welche die Farbe haben, ein Name, nicht der Eigenschaft Weiße, sondern eines jeden weißen Gegenstandes. Dieser Name wurde zwar allen diesen verschiedenen Gegenständen der Eigenschaft wegen gegeben und wir können daher ganz geeignet sagen, daß die Eigenschaft einen Teil seiner Bedeutung bildet; man kann aber von einem Namen nur sagen, er stehe für das Ding oder sei ein Name des Dings, von welchem er ausgesagt (prädiziert) werden kann. Wir werden sogleich sehen, daß man von allen Namen, von denen man sagen kann, sie hätten eine Bedeutung, von allen Namen, durch deren Anwendung auf ein Individuum wir eine Information in Bezug auf das Individuum geben, sagen kann, daß sie irgendein Attribut einschließen; sie sind aber nicht Namen des Attributes, letzteres hat seinen eigenen abstrakten Namen.
§ 5. Dieses führt zu der Betrachtung einer dritten großen Klasse von Namen, der mitbezeichnenden (konnotativen) und nicht-mitbezeichnenden (non-konnotativen) oder, wie die letzteren zuweilen unrichtigerweise genannt werden, absoluten. Dies ist eine der wichtigsten Unterscheidungen, welche wir Gelegenheit haben werden hervorzuheben, eine von denjenigen, welche am tiefsten in die Natur der Sprache eindringen.
Ein nichtmitbezeichnender Ausdruck ist ein solcher, der nur einen Gegenstand oder ein Attribut bezeichnet. Ein mitbezeichnender Ausdruck ist ein solcher, der einen Gegenstand bezeichnet und ein Attribut einschließt. Unter einem Gegenstand wird hier etwas verstanden, was Attribute besitzt. So sind Johann, London oder England Namen, welche nur einen Gegenstand bedeuten. "Weiße", "Länge", "Tugend" bedeuten ein Attribut. Keiner dieser Namen ist daher mitbezeichnend. Das Wort weiß bezeichnet alle weißen Dinge, wie Schnee, Papier, Meeresschaum etc. und schließt ein, oder wie es die Scholastiker nannten, mitbezeichnet (konnotiert) (4), das Attribut Weiße. Das Wort "weiß" wird nicht vom Attribut, sondern von den Gegenständen "Schnee" etc. ausgesagt; wenn wir es aber von ihnen aussagen, so schließen wir ein oder mitbezeichnen, daß das Attribut Weiße ihnen zukommt. Dasselbe kann von den anderen oben angeführten Wörtern gesagt werden. "Tugendhaft" z. B. ist der Name einer Klasse, welche SOKRATES, HOWARD, den Mann von ROSS und eine unbestimmte Anzahl anderer, vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Individuen einschließt. Von diesen Individuen allein, zusammengenommen und einzeln, kann man passenderweise sagen, daß sie durch das Wort bezeichnet werden; von ihnen allein kann man geeigneterweise sagen, daß es der Name sei. Aber es ist ein Name, der auf alle angewendet wird infolge eines Attributes, welches ihnen der Voraussetzung nach gemeinsam ist; eines Attributes, welches den Namen "Tugend" erhalten hat. Er wird auf alle Wesen angewendet, von denen man glaubt, daß sie dieses Attribut besiten und auf keine, von welchen man das nicht glaubt.
Alle konkreten Namen sind mitbezeichnend. Das Wort Mensch z. B. bezeichnet PETER, HANS, CHRISTOPH und eine unbestimmte Anzahl anderer Individuen, von welchen es, als von einer Klasse, ein Name ist. Aber es wird auf sie angewendet, weil sie gewisse Attribute besitzen und soll bezeichnen, daß sie dieselben besitzen. Diese scheinen zu sein, Körperlichkeit, tierisches Leben, Vernunft und eine gewisse äußerliche Form, welche wir der Unterscheidung wegen menschlich nennen. Ein jedes existierende Ding, das diese Attribute besitzt, würde ein Mensch genannt werden; und was keines oder nur eines oder zwei oder sogar drei dieser Attribute besäße, ohne das vierte zu besitzen, würde nicht so genannt werden. Wenn z. B. im Innern von Afrika eine Tierklasse entdeckt würde, welche so viel Vernunft als menschliche Wesen, aber die Form eines Elefanten besitzt, so würde man sie nicht Menschen nennen. SWIFTs Houyhnhnms wurden nicht so genannt; oder wenn solche neuentdeckten Wesen die menschliche Form ohne eine Spur Vernunft besäßen, wo würde wahrscheinlich für sie ein anderer Name, als der "Mensch" erfunden werden. Warum hierüber überhaupt irgendein Zweifel bestehen kann, wird später klar werden. Das Wort Mensch bedeutet demnach alle diese Attribute und alle Gegenstände, welche diese Attribute besitzen; aber es kann nur von den Gegenständen ausgesagt werden. Was wir Menschen nennen, sind die Gegenstände, die Individuen, NOKEs und STILEs, nicht die Eigenschaften, welche ihre Menschlichkeit ausmachen. Man sagt daher von den Namen, daß er den Gegenstand direkt, die Attribute indirekt bedeute; er bedeutet die Gegenstände und schließt ein oder umfaßt oder zeigt an oder wie wir künftig sagen werden, mitbezeichnet die Attribute. Er ist ein mitbezeichneter Name. Johann, Marie und andere erhalten den Namen "Mensch", weil sie die die Menschlichkeit ausmachenden Attribute besitzen. Man kann daher sagen, daß die Attribute diese Gegenstände benennen oder ihnen einen gemeinsamen Namen geben. (5)
Wie wir sagen, so sind alle konkreten Gemeinnamen mitbezeichnend. Obgleich nur Namen von Attributen, so können doch auch abstrakte Namen in manchen Fällen mit allem Recht als mitbezeichnend betrachtet werden; denn Attribute selbst können Attribute besitzen, die ihnen beigelegt werden und ein Wort, welches Attribute bezeichnet, kann ein Attribut dieser Attribute mitbezeichnend. Es ist dies z. B. der Fall mit dem Wort Fehler, gleichbedeutend mit böse oder schädliche Eigenschaft. Dieses Wort ist ein vielen Attributen gemeinsamer Name und mitbezeichnet Schädlichkeit, ein Attribut dieser verschiedenen Attribute. Wenn wir z. B. sagen, bei einem Pferd ist Langsamkeit ein Fehler, so wollen wir damit nicht sagen, daß die langsame Bewegung, die Ortsveränderung des langsamen Pferdes ein zu vermeidendes Ding ist, sondern daß die Eigenschaft und Eigentümlichkeit des Pferdes, welche ihm diesen Namen verschaffen, die Eigenschaft, sich langsam zu bewegen, eine nicht wünschenswerte Eigentümlichkeit ist.
In Bezug auf jene konkreten Namen, welche nicht allgemein, sondern individuell sind, ist eine Unterscheidung zu machen.
Eigennamen sind nicht konnotativ; sie bezeichnen die mit diesem Namen benannten Individuen, sie zeigen aber nicht jenen Individuen zugehörige Attribute an, schließen sie nicht ein. Wenn wir einen Knaben PAUL oder einen Hund CÄSAR nennen, so sind diese Namen bloße Zeichen, mittels deren man jene Gegenstände zum Gegenstand der Rede machen kann. Es mögen Gründe vorhanden sein, daß wir ihnen diese Namen eher geben als andere, aber wenn der Name einmal gegeben ist, so ist er unabhängig von diesen Gründen. Ein Mensch wurde Johann genannt, weil sein Vater so hieß; eine Stadt wurde Dortmund genannt, weil sie an der Mündung der Dort liegt. Es ist kein Teil der Bedeutung des Wortes "Johann", daß der Vater der so genannten Person ebenso hieß; noch ist es Teil der Bedeutung des Wortes "Dortmund", daß es an der Mündung der Dort liegt. Wenn die Mündung des Flusses durch Sand verstopft oder der Lauf desselben durch ein Erdbeben verändert würde, so müßte der Name der Stadt nicht notwendigerweise geändert werden. Diese Tatsache kann daher nicht einen Teil der Bedeutung des Namens ausmachen, denn sonst würde man beim Aufhören der Tatsachen den Namen nicht mehr verwenden. Eigennamen werden den Gegenständen selbst angehängt und sind unabhängig von der Dauer der Attribute der Gegenstände.
Es gibt indessen eine andere Art von Namen, welche, obgleich sie individuelle, d. h. von einem einzigen Gegenstand aussagbare Namen, wirklich mitbezeichnend sind. Denn obgleich wir einem Individuum einen höchst bedeutungslosen Namen, einen sogenannten Eigennamen, beilegen können, ein Wort, welches den Zweck erfüllt, zu zeigen, von welchem Ding wir sprechen, ohne etwas anderes von ihm auszusagen: so ist doch nicht ein jeder einem Individuum eigene Name notwendig von dieser Art; er kann ein Attribut oder eine Reihe von Attributen andeuten, welche nur im Besitz eines einzigen Gegenstandes sind und daher den Namen des Individuums ausschließlich bestimmen. Die "Sonne" ist ein solcher Name, ebenso "Gott" in einem monotheistischen Sinn. Dies sind indessen kaum Beispiele von dem, was wir erörtern wollen, da sie in strenger Sprache allgemeine und nicht individuelle Namen sind; denn obgleich sie faktisch nur von einem Gegenstand aussagbar sind, so liegt letzteres doch nicht in der Bedeutung der Wörter eingeschlossen und wenn wir nur erdichten und nicht affirmieren [etwas Wirkliches aussagen - wp] wollen, so können wir von vielen Sonnen sprechen; ebenso hat die Mehrzahl der Menschen geglaubt und glaubt noch jetzt, daß es viele Götter gibt. Aber es lassen sich leicht Worte beibringen, die wirkliche Beispiele von mitbezeichnenden individuellen Namen sind. Es kann ein Teil der Bedeutung des mitbezeichnenden Namens selbst sein, daß es nur ein Individuum geben, welches das mitbezeichnete Attribut besitzt. "Der Vater des Sokrates" ist ein Beispiel der ersten Art (denn SOKRATES konnte nicht zwei Väter haben); "der Sänger der Jlias", "der Mörder von Heinrich dem Vierten" sind Beispiele der zweiten Art. Denn obgleich es denkbar ist, daß bei der Verfassung der Jlias oder beim Mord HEINRICHs IV. mehrere Personen beteiligt waren, so schließt doch der Gebrauch des Artikels der ein, daß dies nicht der Fall war. Was hier durch den Artikel der, geschieht in anderen Fällen durch den Kontext; so ist "Cäsars Armee" ein individueller Name, wenn aus dem Kontext ersichtlich wird, daß die gemeinte Armee diejenige ist, welche von CÄSAR in einer besonderen Schlacht befehligt wurde. Die noch allgemeineren Ausdrücke "die römische Armee" oder "die christliche Armee" können in einer ähnlichen Weise individualisiert werden. Ein anderer, häufig vorkommender Fall wurde bereits angeführt, nämlich der folgende. Der vielwörtrige Name kann erstens ein Gemeinname sein, der an und für sich von vielen Dingen behauptet werden kann, der aber zweitens durch so viele hinzugefügte Wörter so beschränkt wird, daß in Übereinstimmung mit der Bedeutung der allgemeinen Namen der ganze Ausdruck nur von einem Gegenstand ausgesagt werden kann, z. B. "der gegenwärtige erste Minister von England". Erster Minister von England ist ein Gemeinname; die von ihm mitbezeichneten Attribute können im Besitz einer unbestimmten Anzahl von Individuen sein, wenn sie auch nicht gleichzeitig, sondern nacheinander erste Minister sind, da die Bedeutung des Wortes einschließt, daß es in einer bestimmten Zeit nur eine derartige Person geben kann. Da dies also der Fall ist und die Anwendung des Namens hernach durch das Wort gegenwärtig auf solche Individuen beschränkt wird, welche in einem unteilbaren Zeitraum diese Attribute besitzen, so kann es nur für ein Individuum gebraucht werden. Da dies aus der Bedeutung des Namens ersichtlich ist, so ist es im strengsten Sinne ein individueller Name, ein Einzelname.
Aus den vorhergehenden Bemerkungen wird man leicht ersehen, daß immer, wenn die den Gegenständen beigelegten Namen eine Information, eine Auskunft übermitteln, d. h. wenn sie eigentlich eine Bedeutung haben, die Bedeutung nicht in dem liegt, was sie bezeichnen, sondern in dem was sie mitbezeichnen. Die Eigennamen sind die einzigen nicht mitbezeichnenden Namen von Gegenständen und diese haben, streng genommen, keine Bedeutung.
Wenn wir ähnlich dem Räuber in Tausend und einer Nacht mit Kreide einen Strich an ein Haus machen, damit wir es wiedererkennen können, so hat der Strich einen Zweck, er hat aber eigentlich keine Bedeutung. Der Kreidestrich erklärt nichts in Bezug auf das Haus; er bedeutet nicht: dies ist das Haus von diesem oder jenem oder das ist das Haus, welches Beute enthält. Der Zweck des Zeichens ist einfach Unterscheidung. Ich sage mir, alle diese Häuser sind einander so ähnlich, daß, wenn ich sie einmal aus dem Gesicht verliere, ich dasjenige, welches ich suche, nicht mehr erkennen werde, ich muß daher suchen, das Äußere dieses Hauses dem der anderen unähnlich zu machen, damit, wenn ich später das Zeichen - nicht ein Attribut des Hauses - erblicke, ich einfach nur erkenne, daß das gesuchte Haus das ist, welches ich ansehe. MORGIANA strich alle anderen Häuser auch mit Kreide an und vereitelte so den Plan des Räubers: und wie? einfach, indem er den Unterschied im Äußeren der Häuser beseitigte. Die Kreidestriche waren noch alle da, aber sie entsprachen nicht dem Zweck, ein unterscheidendes Zeichen zu sein.
Wenn wir einen Eigennamen beilegen, so gleich das Verfahren gewissermaßen dem des Räubers, als er das Haus mit einem Kreidestrich bezeichnete. Wir machen in der Tat ein Zeichen, nicht auf den Gegenstand selbst, sondern auf unsere Idee vom Gegenstand. Ein Eigenname ist ein bedeutungsloses Zeichen, welches wir in unserem Geist mit der Idee des Gegenstandes in Verbindung bringen, damit wir an den besonderen Gegenstand denken, wenn wir das Zeichen erblicken oder wenn es in unseren Gedanken auftaucht. Da es dem Ding nicht selbst angehängt ist, so setzt es uns nicht ähnlich dem Kreidestrich in den Stand, den Gegenstand zu unterscheiden, wenn wir es sehen; aber es setzt uns in den Stand, ihn im Verzeichnis unseres eigenen Gedächtnisses oder in der Rede anderer zu unterscheiden, wenn von ihm gesprochen wird, zu wissen, daß das, was in einem Satz, von welchem es der Gegenstand ist, behauptet wird, vo dem besonderen Ding behauptet wird, mit dem wir vorher schon bekannt waren.
Wenn wir den Eigennamen von etwas aussagen; wenn wir auf einen Menschen deutend sagen, das ist Herr BRAUN oder Frau SCHMIDT oder auf eine Stadt deutend, das ist York, so teilen wir damit dem Hörer keine weitere Auskunft, keine Information mit, als daß das deren Name ist. Indem wir ihn in den Stand setzen, die einzelnen Dinge zu identifizieren, können wir sie mit der Auskunft in Verbindung bringen, die er schon früher von ihnen besaß; indem wir sagen, das ist York, können wir ihm sagen, daß es das Münster enthält, aber nur kraft dessen, was er früher schon von York gehört hat, nicht durch das, was im Namen eingeschlossen liegt. Anders verhält es sich, wenn man von Gegenständen mittels mitbezeichnender Namen spricht. Wenn wir sagen, die Stadt ist aus Marmor gebaut, so geben wir dem Leser eine möglicherweise ganz neue Auskunft und das einfach durch die Bedeutung des vielwörtrigen mitbezeichnenden Namens "aus Marmor gebaut". Derartige Namen sind nicht Zeichen der bloßen Gegenstände, erfunden, weil wir Gelegenheit haben, an die einzelnen Gegenstände zu denken und von ihnen zu sprechen, sondern Zeichen, welche ein Attribut begleiten, eine Art Livrée, in welche das Attribut alle Gegenstände kleidet, von denen erkannt ist, daß sie es besitzen. Sie sind nicht bloße Zeichen, sondern mehr, d. h. bedeutsame Zeichen und die Mitbezeichnung, die Konnotation, macht ihre Bedeutung aus.
Da ein Eigenname der Name des einen Individuums heißt, von welchem er prädiziert wird, so sollte (sowohl der Analogie als der früher angeführten Gründe wegen) ein mitbezeichnender Name als ein Name all der verschiedenen Individuen angesehen werden, von denen er ausgesagt werden kann oder mit anderen Worten, die er bezeichnet und nich als ein Name von dem, was er mitbezeichnet. Aber indem wir lernen, von welchen Dingen er ein Name ist, lernen wir nicht die Bedeutung des Names; denn wir gebrauchen für dasselbe Ding ebenso schicklich viele andere nicht gleichbedeutende, nicht in der Bedeutung äquivalente Namen. So nenne ich einen gewissen Menschen mit dem Namen SOPHRONISCUS, dann nenne ich ihn Vater des SOKRATES. Beides sind Namen desselben Individuums, aber ihre Bedeutung ist völlig verschiede; sie werden auf dasselbe Individuum zu zwei ganz verschiedenen Zwecken angewendet; der erste, um das Individuum von anderen zu unterscheiden, von denen geredet wird, der zweite, um eine Tatsache in Bezug auf dasselbe anzugeben, die Tatsache, daß SOKRATES sein Sohn war. Ich wende ferner die folgenden anderen Ausdrücke auf ihn an: ein Mensch, ein Grieche, ein Athener, ein Bildhauer, ein alter Mann, ein ehrlicher Mann, ein braver Mann. Es sind dies alles Namen von SOPHRONISCUS, aber in der Tat nicht von ihm allein, sondern von ihm und einer unbestimmten Anzahl anderer menschlicher Wesen. Ein jeder von diesen Namen wird auf den SOPHRONISCUS aus einem anderen Grund angewendet und jeder, der die Bedeutung des Namens versteht, erfährt eine bestimmte Tatsache oder eine Reihe von Tatsachen in Bezug auf ihn; diejenigen hingegen, welche von den Namen nichts mehr wissen sollten, als daß sie auf SOPHRONISCUS anwendbar sind, würden ihrer Bedeutung völlig unkundig sein. Es ist sogar denkbar, daß ich ein jedes Individuum kenne, von dem ein gegebener Name mit Wahrheit ausgesagt werden könnte, ohne daß man behaupten könne, daß ich die Bedeutung des Namens kenne. Ein Kind weiß, welches seine Brüder und Schwestern sind, lange bevor es eine deutliche Vorstellung von der Natur der Tatsachen hat, die in der Bedeutung jener Worte eingeschlossen sind.
In einigen Fällen ist es nicht leicht, genau zu bestimmen, wieviel ein gewisses Wort mitbezeichnet oder nicht mitbezeichnet, d. h. wir wissen nicht genau (da der Fall noch nicht eingetreten ist), welcher Grad von Verschiedenheit im Gegenstand eine Verschiedenheit in der Bezeichnung veranlassen würde. So ist es klar, daß das Wort Mensch außer animalischem Leben und Vernunft eine gewisse äußere Form mitbezeichnet, es wäre aber nicht möglich, genau zu sagen, welche Form, d. h. zu entscheiden, wie groß die Abweichung von der Form, die wir gemeinhin bei Wesen finden, welche wir gewohnt sind, Menschen zu nennen, sein müßte, damit wir einer etwa neuentdeckten Rasse den Namen "Mensch" versagen. Da also Vernunft eine Eigenschaft ist, welche eine Abstufung zuläßt, so ist es nicht ausgemacht, welches der niedrigste Grad dieser Eigenschaft ist, der einem Geschöpf den Anspruch verschafft, als ein menschliches Wesen angesehen zu werden. In allen solchen Fällen ist die Bedeutung des Gemeinnamens unbestimmt und schwankend; das Menschengeschlecht ist in dieser Sache nicht zu einer positigen Übereinkunft gelangt. Wenn wir von der Klassifikation handeln, werden wir Gelegenheit haben, zu zeigen, unter welchen Bedingungen diese Undeutlichkeit ohne praktische Nachteile stattfinden kann und es werden sich Fälle zeigen, in denen der Zweck der Sprache dadurch besser erreicht wird, als durch Vollständigkeit und Genauigkeit; in der Naturgeschichte z. B. wenn Individuen oder Spezies von nicht besonders hervortretendem Charakter besser charakterisierten, denen sie, alle Fähigkeiten zusammengenommen, noch am nächsten stehen, angereiht werden müssen.
Aber diese teilweise Ungewißheit in der Mitbezeichnung der Namen kann nur dadurch unschädlich gemacht werden, daß man sich streng dagegen vorsieht. Die Gewohnheit mitbezeichnende Wörter ohne eine deutlich festgestellte Mitbezeichung zu gebrauchen und ohne ein genaueres Verständnis ihrer Bedeutung, als sich in einer laxen Weise und in der Art ableiten läßt, daß man beobachtet, welche Gegenstände man mit diesen Wörtern zu bezeichnen pflegt, ist in der Tat eine der hauptsächlichsten Quellen nachlässiger Denkgewohnheiten. Ohne es vermeiden zu können, erlangen wir gerade in dieser Weise die erste Kenntnis unserer Muttersprache. Ein Kind lernt die Bedeutung der Wörter Mensch oder weiß, indem es dieselben auf eine Menge von Gegenständen angewendet hört und durch einen ihm nur unvollkommen bewußten Prozeß der Verallgemeinerung und der Analyse ausfindig macht, was diesen verschiedenen Gegenständen gemeinsam ist. In Bezug auf diese zwei Wörter ist der Prozeß so leicht, daß er von der Kultur keine Hilfe verlangt, indem sich die, "menschliche Wesen" genannten und die "weiß" genannten Gegenstände von allen anderen Gegenständen durch Eigenschaften von besonders bestimmtem und deutlichem Charakter unterscheiden. Aber in anderen Fällen haben die Gegenstände eine allgemeine Ähnlichkeit miteinander - was zu ihrer Klassifikation unter einem gemeinsamen Namen führt - während es bei den gewöhnlichen analytischen Gewohnheiten der Mehrzahl der Menschen nicht unmittelbar ersichtlich ist, welches die besonderen Attribute sind, von deren gemeinsamem Besitz die allgemeine Ähnlichkeit abhängig ist. Wenn das der Fall ist, so gebrauchen die Menschen den Namen ohne eine anerkannte Mitbezeichnung, d. h. ohne eine genaue Bedeutung; sie sprechen und folglich denken sie auch ganz vage und sind damit zufrieden, mit ihren eigenen Worten denselben Grad von Bedeutsamkeit zu verbinden, welche ein Kind von drei Jahren mit den Worten Bruder und Schwester verbindet. Beim Auftreten neuer Individuen, von denen es noch nicht weiß, ob es ihnen diesen Titel geben soll, wird das Kind wenigstens nicht in Verlegenheit gebracht, da gewöhnlich eine Autorität in der Nähe ist, welche seine Zweifel zu lösen vermag. Aber für die Allgemeinheit der Fälle ist ein solcher Rückhalt nicht vorhanden und Männern, Frauen und Kindern bieten sich beständig neue Gegenstände dar, die sie proprio motu [aus eigenem Beweggrund - wp] zu klassifizieren aufgefordert werden. Sie tun dies nur nach dem Prinzp einer oberflächlichen Ähnlichkeit, indem sie jedem neuen Gegenstand den Namen jenes familiären Gegenstandes geben, dessen Vorstellung er am leichtesten zurückruft oder dem er bei einer oberflächlichen Besichtigung am meisten zu gleichen scheint, sowie eine im Boden gefundene unbekannte Substanz je nach ihrer Textur Erde, Sand oder ein Stein genannt wird. Auf diese Weise kriechen Namen von Gegenstand zu Gegenstand, bis zuweilen eine jede Spur einer gemeinsamen Bedeutung mitunter verschwinden und das Wort dazu gelangt, eine Anzahl von Dingen zu bezeichnen, nicht nur unabhängig von jedem gemeinsamen Attribut, sondern tatsächlich ohne irgendein gemeinsames Attribut oder wenigstens ohne irgendeines, das nicht auch anderen Dingen zukäme, denen der Name willkürlich versagt wird. Selbst wissenschaftliche Schriftsteller haben dazu beigetragen, die allgemeinen Ausdrücke in dieser Weise ihrer eigentlichen Bestimmung zu entfremden, weil sie es gleich dem großen Haufen nicht besser verstanden und zuweilen aus Nachgiebigkeit gegen jene Abneidung, neue Wörter zuzulassen, eine Abneigung, welche die Menschen zu dem Bestreben veranlaßt, bei allen Gegenständen, die nicht als technische betrachtet werden, den ursprünglich nur geringen Vorrat von Namen möglichst wenig zu vermehren und durch ihn eine fortwährend zunehmende Anzahl von Gegenständen und Unterscheidungen auszudrücken und dies folglich in einer mehr und mehr unvollkommenen Weise. (6)
Bis zu welchem Grad diese nachlässige Weise, die Gegenstände zu klassifizieren und zu benennen, das Wörterbuch der spekulativen und der Moralphilosophie unbrauchbar für die Zwecke eines genauen Denkens gemacht haben, ist einem jeden bekannt, der über den Zustand dieser Zweige des Wissens nachgedacht hat. Da indessen die Einführung einer neuen technischen Sprache als des Vehikels von Betrachtungen über Gegenstände der täglichen Erörterung äußerst schwierig auszuführen ist und wenn ausgeführt sogar nicht frei von Nachteilen sein würde: so ist es die Aufgabe des Philosophen - und es ist dies eine der schwierigsten, welche er zu lösen hat - die Unvollkommenheiten der bestehenden Ausdrucksweise bei deren Beibehaltung unschädlich zu machen. Dies kann er nur dadurch erreichen, daß er einem jeden allgemeinen konkreten Namen, den er häufig auszusagen Gelegenheit hat, eine bestimmte und feststehende Mitbezeichnung gibt, damit, wenn wir einen Gegenstand mit dem Namen nennen, man wisse, welche Attribute wir wirklich vom Gegenstand aussagen wollen. Die schwierigste Aufgabe hierbei ist, einem Namen diese feststehende Mitbezeichnung mit der möglichst geringen Änderung in den Gegenständen zu geben, für deren Bezeichnung der Name gewöhnlich gebraucht wird; mit der möglichst geringen Störung der Gruppe von Gegenständen, welche er, wenn auch noch so unvollkommen zu umschreiben und zusammenzuhalten dient und mit dem geringsten Ungültigmachen von Sätzen, welche gemeiniglich als wahr angenommen werden.
Eine festgesetzte Mitbezeichnung zu geben, wo sie erfordert wird, ist das Ziel, wonach jeder strebt, wenn er eine Definition eines bereits gebräuchlichen Gemeinnamens gibt, indem eine jede Definition eines mitbezeichnenden Namens ein Versuch ist, die Mitbezeichnung des Namens bloß anzuzeigen oder anzugeben und zu analysieren. Die Tatsache, daß in den moralischen Wissenschaften keine Fragen mehr zum Gegenstand eifriger Kontroversen gemacht worden sind, als die Definitionen fast all der leitenden Ausdrücke, ist ein Beweis, bis zu welcher Ausdehnung das angeführte Übel gediehen ist.
Namen mit unbestimmter Mitbezeichnung sind nicht zu verwechseln mit Namen, welche mehr als eine Mitbezeichnung haben, d. h. mit zweideutigen Wörtern. Ein Wort kann mehrere Bedeutungen haben, die aber alle festgesetzt und anerkannt sind; wie z. B. das Wort Kammer, dessen verschiedene Bedeutungen kaum aufzuzählen sind. Sie Spärlichkeit der bestehenden Namen im Vergleich mit dem Bedarf macht es oft ratsam und sogar notwendig, einen Namen mit dieser Mannigfaltigkeit von Bedeutungen beizubehalten, indem man die letzteren so deutlich und klar unterscheidet, daß einer Verwechslung derselben miteinander vorgebeugt wird. Ein solches Wort kann als zwei oder mehr Namen betrachtet werden, welche zufällig gleich geschrieben und gesprochen werden. (7)
§ 6. Die vierte Abteilung der Namen ist die der positiven und negativen. Positiv wie "Mensch", "Baum", "Gut"; negativ wie Nicht-Mensch, Nicht-Baum, nicht-gut. Für jeden positiven konkreten Namen könnte ein entsprechender negativer hergestellt werden. Nachem wir irgendeinem Ding oder einer Anzahl von Dingen einen Namen gegeben haben, könnten wir einen zweiten Namen bilden, der ein Name aller Dinge, nur nicht jenes besonderen Dinges oder Dinge ist. Diese negativen Namen werden immer gebraucht, wenn wir Gelegenheit haben, kollektiv von allen anderen Dingen zu sprechen, die von irgendeinem Ding oder einer Klasse von Dingen verschieden sind. Wenn der positive Name mitbezeichnend, aber in einer besonderen Weise, indem er nicht die Gegenwart, sondern die Abwesenheit eines Attributs mitbezeichnet. So bezeichnet nicht-weiß alle Dinge, ausgenommen weiße Dinge und mitbezeichnet das Attribut keine Weiße zu besitzen. Denn der Nichtbesitz eines gegebenen Attributes ist auch ein Attribut und kann als solches einen Namen erhalten und auf diese Weise können negative konkrete Namen ihnen entsprechende negative abstrakte Namen erhalten.
Namen, welche der Form nach positiv sind, sind in Wirklichkeit häufig negativ und andere sind wirklich positiv, obgleich ihre Form negativ ist. Das Wort unbequem z. B. drückt nicht die bloße Abwesenheit der Bequemlichkeit aus, es drückt ein positives Attribut aus, das, die Ursache von Betrübnis oder Belästigung zu sein. So mitbezeichnet das Wort unbequem, ungeachtet seiner negativen Form, nicht die bloße Abwesenheit von Annehmlichkeit, sondern einen geringeren Grad von dem, was durch das Wort schmerzhaft ausgedrückt wird, ein Wort, das, wie kaum nötig zu sagen, positiv. Auf der anderen Seite ist träge ein Wort, welches, obgleich der Form nach positiv, nichts ausdrückt, als was entweder durch die Redensart nicht-arbeitend oder durch nicht aufgelegt zu arbeiten gemeint ist; ebenso ist nüchtern gleichbedeutend mit nicht trunken oder mit nicht betrunken.
Es gibt eine Klasse von Namen, die man die privativen nennt. Ein privativer Name kommt in seiner Bedeutung einem positiven und einem negativen Namen zusammengenommen gleich; indem es ein Name von etwas, das einst ein bestimmtes Attribut hatte oder von dem wenigstens aus einem anderen Grund zu erwarten war, daß es dasselbe habe, das es aber jetzt nicht hat. Derart ist das Wort blind, welches nicht gleichbedeutend ist mit nicht sehen oder mit nicht fähig zu sehen, denn man würde es nicht, ausgenommen als poetische oder rhetorische Figur, auf Stöcke und Steine anwenden. Ein Ding wird gewöhnlich nicht "blind" genannt, wenn nicht die Klasse, welcher es gemeinhin oder welcher es bei einer besonderen Gelegenheit zugezählt wird, hauptsächlich aus Dingen zusammengesetzt ist, welche sehen können, wie es der Fall ist bei einem blinden Mann oder bei einem blinden Pferd; oder wenn nicht aus einem besonderen Grund vorausgesetzt wird, daß es sehen sollte, z. B. wenn man von jemand sagt, er eile blindlings dem Abgrund zu oder wenn man von Philosophen oder von der Geistlichkeit sagt, sie seien größtenteils blinde Führer. Die privativ genannten Namen mitbezeichnen daher zwei Dinge: die Abwesenheit gewisser Attribute und die Gegenwart anderer, wonach die Abwesenheit auch der ersteren naturgemäß hätte erwartet werden dürfen.
§ 7. Die fünfte Hauptabteilung der Namen zerfällt in relative und absolute oder sagen wir in relative und nicht-relative, denn das Wort absolut hat in der Metaphysik zu harte Pflichten zu erfüllen, als daß wir es nicht schonen sollten, wenn wir seiner Dienste nicht bedürfen. Es gleicht dem Wort zivil in der Sprache der Jurisprudenz, welches als das Entgegengesetzt von kriminal, von kirchlich, von militär, von politisch, kurz als das Entgegengesetzte eines jeden positiven Wortes steht, das eines negativen bedürftig ist.
Relative Namen sind die folgenden: Vater - Sohn; Herrscher - Untertan; ähnlich - gleich; unähnlich - ungleich; länger - kürzer; Ursache - Wirkung. Ihre charakteristische Eigenschaft ist, daß sie immer paarweise gegeben werden. Ein jeder relative Namen, der von einem Gegenstand ausgesagt wird, setzt einen anderen Gegenstand (oder Gegenstände) voraus, von dem wir entweder denselben Namen oder einen anderen relativen Namen aussagen, welcher der korrelative, der mitbeziehliche des ersteren heißt. Wenn wir z. B. jemanden einen Sohn nennen, so setzen wir andere Personen voraus, welche Eltern genannt werden müssen. Wenn wir irgendein Ereignis eine Ursache nennen, so setzen wir ein anderes Ereignis voraus, welches eine Wirkung ist. Wenn wir von einer Entfernung sagen, sie sei länger, so setzen wir eine andere Entfernung voraus, welche kürzer ist. Wenn wir von einem Gegenstand sagen, er sei ähnlich, so meinen wir, daß er einem anderen Gegenstand ähnlich ist, von dem es ebenfalls heißt, er sei dem ersteren ähnlich. Im letzteren Fall erhalten beide Gegenstände denselben Namen, das relative Wort ist sein eigenes korrelatives.
Es ist klar, daß wenn diese Worte konkret sind, sie wie andere konkrete Gemeinnamen mitbezeichnend sind; sie bezeichnen ein Subjekt und mitbezeichnen ein Attribut und ein jedes von ihnen hat oder könnte einen entsprechenden abstrakten Namen haben, um das durch den konkreten Namen mitbezeichnete Attribut zu bezeichnen. So hat das konkrete ähnlich das abstrakte Ähnlichkeit; die konkreten Vater und Sohn haben oder könnten haben, Vaterschaft und Kindschaft oder Sohnschaft. Der konkrete Name mitbezeichnet ein Attribut und der ihm entsprechende abstrakte bezeichnet dieses Attribut. Aber welcher Natur ist das Attribut? Worin besteht die Eigentümlichkeit in der Mitbezeichnung eines relativen Namens?
Das durch einen relativen Namen angezeigte Attribut, sagen einige, ist eine Beziehung, eine Relatioin und geben dies, wenn auch nicht als eine genügende, so doch wenigstens als die einzige mögliche Erklärung. Wenn sie gefragt werden, was ist aber eine Relation? so gestehen sie, dies nicht sagen zu können. Sie wird allgemein als etwas besonders Verborgenes und Mysteriöses betrachtet. Ich kann indessen nicht wahrnehmen, in welcher Beziehung sie dies mehr sein sollte, als ein jedes andere Attribut, sie scheint es mir im Gegenteil weniger zu sein. Ich stelle mir eher vor, daß wir durch die Untersuchung der Bedeutung relativer Namen oder mit anderen Worten der Natur des Attributs, das sie mitbezeichnen, am besten eine klare Einsicht in das Wesen aller Attribute erhalten können, all dessen, was man unter einem Attribut versteht.
Es liegt in der Tat sehr nahe, daß, wenn wir irgendein Paar korrelativer Namen nehmen, z. B. Vater und Sohn, so mitbezeichnen sie beide in einem gewissen Sinn dasselbe Ding, obgleich sie durch die Namen bezeichneten Gegenstände verschieden sind. Man kann in Wahrheit nicht sagen, daß sie dasselbe Attribut mitbezeichnen, ein Vater sein ist etwas anderes, als ein Sohn sein. Wenn wir aber jemanden einen Vater, einen anderen seinen Sohn nennen, so wollen wir eine Reihe von Tatsachen behaupten, welche in beiden Fällen genau dieselben sind. Von A aussagen, er sei der Vater von B, und von B aussagen, er sei der Sohn von A, heißt eine und dieselbe Tatsache durch verschiedene Worte behaupten. Die zwei Sätze sind genau gleichbedeutend (äquivalent), keiner derselben behauptet mehr oder weniger als der andere. Die Vaterschaft von A und die Sohnschaft von B sind nicht zwei verschiedene Tatsachen, sondern zwei verschiedene Ausdrucksweisen für dieselbe Tatsache. Wenn diese Tatsache analysiert wird, so besteht sie aus einer Reihe von physikalischen Vorgängen oder Erscheinungen, von denen beide Teile, A und B, betroffen werden und von denen sie beide ihre Namen erhalten. Was durch diese Namen wirklich mitbezeichnet wird, besteht in dieser Reihe von Vorgängen; dies ist die Bedeutung und zwar die ganze Bedeutung, welche in jeder der beiden Namen ausdrücken soll. Von der Reihe von Vorgängen kann man sagen, daß sie die Beziehung ausmacht (konstituiert); die Scholastiker nannten sie die Grundlage der Beziehung (fundamentum relationis).
Auf diese Weise kann eine Tatsache (oder eine Reihe von Tatsachen), mit welcher zwei verschiedene Gegenstände in Verbindung stehen und welche daher von beiden aussagbar ist, sowohl als ein Attribut des einen, als auch als ein Attribut des anderen konstituierend angesehen werden. Je nachdem wir sie in der ersteren oder in der letzteren Beziehung betrachten, wird sie von dem einen oder dem anderen der zwei korrelativen Namen mitbezeichnet. Vater mitbezeichnet die ein Attribut von A konstituierende Tatsache; Sohn mitbezeichnet dieselbe Tatsache, aber als ein Attribut von B ausmachend. Sie kann offenbar ebensogut im einen wie im anderen Licht betrachtet werden und alles, was nötig scheint, um die Existenz von beziehlichen oder relativen Namen zu erklären, ist, daß wenn es eine Tatsache gibt, welche zwei Individuen angeht, so kann ein auf diese Tatsache gegründetes Attribut dem einen oder dem anderen dieser Individuen zugeschrieben werden.
Man sagt daher, ein Name sei relativ, wenn er außer dem Gegenstand, welchen er bezeichnet, in seine Bedeutung die Existenz eines anderen Gegenstandes einschließt, der seine Benennung ebenfalls von derselben Tatsache, welche der Grund des ersten Namens ist, ableitet; oder mit anderen Worten ausgedrückt, ein Name ist relativ, wenn, da es der name eines Dings ist, seine Bedeutung nicht erklärt werden kann ohne ein anderes Ding zu erwähnen. Wir können es auch so ausdrücken: wenn der Name in der Rede als ein eine Bedeutung habender name nicht gebraucht werden kann, ohne daß der Name noch eines anderen Dinges als desjenigen, wovon er selbst der Name ist, entweder ausgedrückt oder verstanden wird. Diese Definitionen sind im Grunde alle gleichbedeutend, indem sie verschiedene Ausdrucksweisen des einen unterscheidenden Umstandes sind - daß jedes andere Attribut eines Gegenstandes ohne einen Widerspruch als noch existierend betrachtet werden könnte (8), wenn mit Ausnahme des einen auch niemals ein anderer Gegenstand existiert hätte; aber diejenigen seiner Attribute, welche durch relative Namen ausgedrückt werden, würden bei einer solchen Voraussetzung wegfallen.
§ 8. Die Namen sind ferner unterschieden worden in eindeutige und zweideutige (univoke und äquivoke); dies sind indessen nicht zwei Arten von Namen, sondern verschiedene Arten, Namen zu gebrauchen. Ein Name ist eindeutig oder eindeutig angewendet in Bezug auf alle Dinge, von denen er in demselben Sinn ausgesagt werden kann; er ist aber zweideutig oder zweideutig angewendet in Bezug auf jene Dinge, von denen er in verschiedenem Sinn ausgesagt wird. Es ist kaum nötig, Beispiele von einer so bekannten Tatsache zu geben wie die Zweideutigkeit eines Wortes. Schloss in der Bedeutung einer Burg und Schloss in der Bedeutung eines Verschlusses haben nicht mehr Recht auf Grund der gleichen Schreibart als ein Wort zu gelten als Rain und Rhein aufgrund der gleichen Aussprache. Es ist ein und derselbe Schall, aus dem man zwei verschiedene Worte bildet.
Ein dazwischenliegender, ein intermediärer Fall entsteht, wenn ein Name analog oder metaphorisch gebraucht wird, d. h. wenn ein Name von zwei Dingen nicht eindeutig oder genau mit derselben Bedeutung, sondern mit einer einigermaßen ähnlichen Bedeutung ausgesagt wird. Da hier die eine aus der anderen abgeleitet wird, so kann die eine Bedeutung als die ursprüngliche (primäre), die andere als die untergeordnete (sekundäre) betrachtet werden. So wenn wir von einem glänzenden Licht und von einer glänzenden Tat sprechen. Das Wort glänzend wird auf Licht und Tat sprechen. Das Wort glänzend wird auf "Licht" und "Tat" wohl in demselben Sinn angewendet; da es aber in seiner ursprünglichen Bedeutung auf das Licht angewendet wurde, in der nämlich von Helligkeit für das Auge, so wird es auf die Tat in einer abgeleiteten Bedeutung, von der vorausgesetzt wird, daß sie der ursprünglichen einigermaßen ähnlich sei, übertragen. Das Wort vertritt indessen in diesem Fall sogut, wie im vollkommensten Fall von Zweideutigkeit, zwei Namen und eine der gewöhnlichsten Formen von aus Zweideutigkeit hervorgehenden Trugschlüssen ist diejenige, wo aus einem metaphorischen Ausdruck so geschlossen wird, als wenn es der buchstäblich Ausdruck wäre, d. h. als wenn ein figürlich gebrauchtes Wort derselbe Name wäre, wie der Name in der ursprünglichen Bedeutung. Hiervon mehr am geeigneten Ort. LITERATUR - John Stuart Mill, System der deduktiven und induktiven Logik, Braunschweig 1977
1) THOMAS HOBBES, Computation or Logic, Kapitel 2
2) "Hatte oder nicht hatte" heißt es im Original. Die letzteren Worte sind für unseren Zweck belanglos und wurden darum weggelassen.
3) Das Gleiche gilt vom Deutschen; wir können nicht nur sagen: die Erde ist rund, sondern ebensowohl: Rundes wird leicht bewegt.
4) Notare, bezeichnen; connotare, zugleich bezeichnen, mitbezeichnen, ein Ding mit einem andern bezeichnen.
5) Der von WHATELY vorgeschlagene Ausdruck "Attributiv" anstatt konnotativ ist an und für sich ganz geeignet, hängt jedoch nicht mit einem so wohl unterschiedenen Zeitwort wie connotare zusammen, es kann daher den Ausdruck konnotativ nicht wohl ersetzen.
6) Es wäre gut, wenn diese Sprachverderbnis nur bei dem ungebildeten großen Haufen stattfände; es finden sich aber unter den Kunstausdrücken oder bei Personen, welche besonders für ein Fach erzogen wurden, wie die Juristen, merkwürdige Beispiele dieser Art. Felonie z. B. ist ein juristischer Ausdruck, mit dessen Klang jeder vertraut ist; es würde aber kein Jurist auf keine Weise sagen können, was Felonie ist, als indem er die verschiedenen so genannten Verbrechen aufzählt. Ursprünglich hatte das Wort Felonie eine Bedeutung; es bezeichnete alle Vergehen, deren Strafe den Verlust von Land und Güter einschloß; aber spätere Parlamentsakte erklärten verschiedene Verbrechen für Felonie ohne diese Strafe darauf zu setzen und haben diese Strafe in Bezug auf andere abgeschafft, welche nichts desto weniger noch immer als Felonie bezeichnet werden, so daß die mit diesem Namen bezeichneten Handlungen keine andere Eigenschaft gemein haben, als daß sie gesetzwidrig und strafbar sind.
7) Bevor ich das Thema der mitbezeichnenden Namen verlasse, ist noch die Bemerkung am Platze, daß der erste Schriftsteller, der in neuerer Zeit das Wort mitbezeichnen (to connote) den Scholastikern entlehnt hat, JAMES MILL in seiner Analysis of the phenomenon of the human mind, dasselbe in einem anderen Sinn gebraucht, als es hier erscheint. Er bedient sich des Wortes in einem Sinn, welcher der Etymologie desselben genau entspricht, indem er es auf jeden Fall anwendet, in welchem ein Name, während er auf ein Ding direkt hinweist (welches folglich die Bedeutung desselben genannt wird, auch eine stillschweigende Beziehung auf irgendein anderes Ding in sich schließt. In dem oben betrachteten Fall von konkreten Namen ist seine Sprechweise das Gegenteil von der meinigen. Indem er (mit Recht) die Bedeutung des Namens als im Attribut liegend betrachtet, spricht er vom Wort, als wenn es das Attribut bezeichnete (notierte) und die das Attribut besitzenden Dinge mitbezeichnete (konnotierte) und er beschreibt die abstrakten Namen so, als wären sie eigentlich konkrete Namen mit aufgegebener Mitbezeichnung; während man nach meiner Ansicht von der Bezeichnung sagen würde, sie sei aufgegeben, indem aus dem, was früher mitbezeichnet war, nun die ganze Bedeutung ensteht. - - - Wenn ich eine Phraseologie gebrauche, die verschieden von derjenigen ist, welche von einer so hohen und von mir am allerwenigsten unterschätzten Autorität sanktioniert worden ist, so bin ich hierzu durch das dringende Bedürfnis nach einem Namen veranlaß worden, der ausschließlich dazu bestimmt ist, die Art auszudrücken, in welcher ein konkreter Gemeinname die in seiner Bedeutung eingeschlossenen Attribute zu bezeichnen dient. Nur wer aus Erfahrung weiß, wie vergeblich der Versuch ist, ohne ein solches Wort über die Philosophie der Sprache klare Ideen mitzuteilen, kann dieses Bedürfnis in seiner ganzen Stärke empfinden. Es ist kaum eine Übertreibung zu nennen, wenn man sagt, daß einige der vorherrschenden Irrtümer, womit die Logik infiziert worden ist und viel von der sie umgebenden Dunkelheit und Verworrenheit der Ideen wahrscheinlich vermieden worden wäre, wenn im allgemeinen Gebrauch ein Wort gestanden hätte, das genau ausdrückt, was ich mit dem Wort mitbezeichnen ausgedrückt habe. Ganz im letzteren Sinne gabe es uns die Scholastiker, denen wir unsere logische Sprache größtenteils verdanken; denn obgleich einige ihrer allgemeinen Ausdrücke dem Gebrauch des Wortes in der weiteren ihrer allgemeinen Ausdrücke dem Gebrauch des Wortes in der weiteren und unbestimmteren Bedeutung, wie sie Herr MILL nimmt, zur Stütze dienen, so steht dem doch entgegen, daß wenn sie es als einen technischen Audruck zu definieren und seine Bedeutung als die eines solchen Ausdrucks festzustellen hatten, sie mit jener bewunderungswürdigen, ihre Definitionen stets charakterisierenden Präzision in klarer Weise erklärten, daß man von nichts anderem sagt, es sei mit bezeichnet, als von Formen, ein Wort, das in ihren Schriften allgemein als synonym mit Attribute zu verstehen ist. - - - Wenn nun das dem Zweck, zu dem sie es verwendeten, sowohl angepaßte Wort mitbezeichnen für einen anderen Zweck, der seiner am Ende gar nicht bedarf, gebraucht wird: so vermag ich es nur durch solche Ausdrücke zu ersetzen, welche gewöhnlich in einem so sehr allgemeinen Sinn gebraucht werden, daß der Versuch, diese genaue Idee speziell mit ihnen zu verbinden, ganz nutzlos wäre. Der Art sind die Wörter: enthalten, einschließen etc. Beim Gebrauch derselben würde der Zweck cerfehlt, zudem allein der Name vonnöten ist, nämlich um diese besondere Art des Einschließens und Insichbegreifens von allen anderen Arten zu unterscheiden und ihm jenen Grad gewohnheitsmäßiger Aufmerksamkeit zu sichern, den seine Wichtigkeit erfordert.
8) Oder richtiger: alle Gegenstände außer diesem einen und dem wahrnehmenden Bewußtsein; denn wie wir später sehen werden, heißt einem Gegenstand ein Attribut zuschreiben notwendig auch ein Bewußtsein voraussetzen, welches das Attribut wahrnimmt. - Die einfache und deutliche Erklärung, die unser Text von Relation und relativen Namen bietet, durch so lange Zeit die Achillesferse der Metaphysik, ist (so viel ich weiß) zum erstenmal von JAMES MILL in seiner "Analysis of the phenomena of the human mind" gegeben worden.

References: § 1

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§ 7

§ 8