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Timestamp: 2019-11-18 23:40:57+00:00

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Abgeltungsteuer — trotz fehlendem Zufluss von Kapitalerträgen? | Steuerlupe
Abgeltungsteuer - trotz fehlendem Zufluss von Kapitalerträgen?
Abgeltungsteuer — trotz fehlendem Zufluss von Kapitalerträgen?
Das Wer­bungskosten­abzugsver­bot des § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG find­et auch dann Anwen­dung, wenn Aus­gaben, die nach dem 31.12 2008 getätigt wur­den, mit Kap­i­talerträ­gen zusam­men­hän­gen, die bere­its vor dem 1.01.2009 zuge­flossen sind; aus § 52a Abs. 10 Satz 10 EStG kann nicht geschlossen wer­den, dass Aufwen­dun­gen unab­hängig von der Regelung des § 20 Abs. 9 EStG stets dem vollen Wer­bungskosten­abzug unter­liegen, sofern aus der Kap­i­ta­lan­lage jeden­falls nach 2009 keine Erträge fließen1.
Wie der Bun­des­fi­nanzhof bere­its mit Urteil vom 01.07.20142 entsch­ieden hat, kön­nen Schuldzin­sen für die Finanzierung der Anschaf­fung ein­er im Pri­vatver­mö­gen gehal­te­nen wesentlichen Beteili­gung, die auf Zeiträume nach Beendi­gung ein­er Beteili­gung (durch Veräußerung wie im mit Urteil in BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975 entsch­iede­nen Fall oder wie im Stre­it­fall durch Auflö­sung der Gesellschaft) ent­fall­en, ab dem Ver­an­la­gungszeitraum 2009 nicht mehr als nachträgliche Wer­bungskosten bei den Einkün­ften aus Kap­i­talver­mö­gen abge­zo­gen wer­den, weil der Wer­bungskosten­abzug gemäß § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG i.d.F. des Unternehmen­steuer­refor­mge­set­zes 2008 vom 14.08.20073 aus­geschlossen ist.
Die vom Nieder­säch­sis­chen Finanzgerichts4 in der Vorin­stanz gegen diese Recht­sprechung unter Bezug­nahme auf einige finanzgerichtliche Urteile erhobe­nen Ein­wen­dun­gen geben keine Ver­an­las­sung, von dieser BFH-Recht­sprechung abzuge­hen, wie der Bun­des­fi­nanzhof mit Urteilen vom 02.12 20145; vom 28.01.20156; und vom 09.06.20157 erneut unter Hin­weis auf den Auss­chluss des Wer­bungskosten­abzugs durch § 52a Abs. 10 Satz 10 EStG für “nach dem 31.12 2008 zufließende Kap­i­talerträge” und nach diesem Zeit­punkt ange­fal­l­ene, d.h. abge­flossene Wer­bungskosten entsch­ieden hat.
Zu Unrecht stützt sich die gegen­teilige Auf­fas­sung der Vorin­stanz danach auf den Wort­laut des § 52a Abs. 10 Satz 10 EStG, weil die Regelung ausweis­lich seines Zwecks, den zeitlichen Anwen­dungs­bere­ich für das Wer­bungskosten­abzugsver­bot in § 20 Abs. 9 EStG zu bes­tim­men, nur darauf bezo­gen ist, die abziehbaren und die nicht abziehbaren abge­flosse­nen Wer­bungskosten über die Stich­tagsregelung voneinan­der abzu­gren­zen8. Denn der Geset­zge­ber hat in § 52a Abs. 10 Satz 10 EStG nicht geregelt, dass er ab 2009 ein­er­seits die Abgel­tung­s­teuer mit dem Abzugsver­bot des § 20 Abs. 9 EStG als Kernbe­standteil ein­führen und daneben ander­er­seits für Aufwen­dun­gen, die durch vor dem 1.01.2009 zuge­flossene Einkün­fte ver­an­lasst waren, zeitlich unbe­fris­tet (mit der Notwendigkeit ein­er Einzelfall­prü­fung) die Möglichkeit gewähren wollte, solche Aufwen­dun­gen als neg­a­tive Einkün­fte aus Kap­i­talver­mö­gen neben dem Spar­er-Pausch­be­trag abzuziehen. Auf dieser Grund­lage find­et das Wer­bungskosten­abzugsver­bot des § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG nach der BFH-Recht­sprechung ‑ent­ge­gen der Ansicht des Finanzgericht- auch dann Anwen­dung, wenn nach dem 31.12 2008 getätigte Aus­gaben mit Kap­i­talerträ­gen zusam­men­hän­gen, die bere­its ‑wie im Stre­it­fall- vor dem 1.01.2009 zuge­flossen sind9.
Nach der Recht­sprechung des BFH ist das Wer­bungskosten­abzugsver­bot des § 20 Abs. 9 EStG des Weit­eren ver­fas­sungs­gemäß10, auch soweit es den Abzug von Aufwen­dun­gen als Wer­bungskosten bei den Einkün­ften aus Kap­i­talver­mö­gen auss­chließt, die im Ver­an­la­gungszeitraum 2009 ‑nach Inkraft­treten der Regelun­gen über die Abgel­tung­s­teuer- ent­standen sind, aber mit vor dem 1.01.2009 erziel­ten Kap­i­talerträ­gen zusam­men­hän­gen11.
Dabei ist ‑wie der Bun­des­fi­nanzhof aus­führlich mit seinem Urteil in BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975 dargestellt hat- zu berück­sichti­gen, dass ins­beson­dere die Fremd­fi­nanzierung von Kap­i­ta­lan­la­gen, welche zu erhe­blichen Wer­bungskosten führen kann, wed­er im unteren noch im oberen Einkom­mens­bere­ich mit ein­er der­ar­ti­gen Häu­figkeit vorkommt, dass sie als ger­adezu typ­is­ch­er Fall betra­chtet wer­den müsste, der bei ein­er Typ­isierung der Wer­bungskosten stets in Rech­nung zu stellen wäre12. Abge­se­hen davon würde die von den Klägern und der Vorin­stanz vertretene Auf­fas­sung zu Ungle­ich­be­hand­lun­gen und Sys­tem­brüchen führen. Steuerpflichtige z.B., welche vor Ein­führung der Abgel­tung­s­teuer eine fremd­fi­nanzierte Kap­i­ta­lan­lage erwor­ben und behal­ten haben, müssen nach Ein­führung der Abgel­tung­s­teuer die Erträge in vollem Umfang ver­s­teuern und sind gemäß § 20 Abs. 9 EStG vom Abzug der tat­säch­lich ent­stande­nen Wer­bungskosten aus­geschlossen. Steuerpflichtige, welche die näm­liche Kap­i­ta­lan­lage vor Ein­führung der Abgel­tung­s­teuer mit Ver­lust veräußert haben und bei denen der Veräußerungser­lös nicht aus­gere­icht hat, die Finanzierungskosten abzulösen, kön­nten indes nach dem 31.12 2008 weit­er­hin den vollen Wer­bungskosten­abzug beanspruchen; entsprechen­des würde für den Anfang 2009 erfol­gten Verkauf ein­er fremd­fi­nanzierten Kap­i­ta­lan­lage gel­ten, sofern diese für 2009 keine Erträge mehr abge­wor­fen hätte. Der­ar­tige Verkom­plizierun­gen wären mit der mit Ein­führung der Abgel­tung­s­teuer bezweck­ten Vere­in­fachung indes unvere­in­bar13.
Dementsprechend hat auch das Bun­desver­fas­sungs­gericht die Ver­fas­sungs­beschw­erde gegen das Urteil des Bun­des­fi­nanzhofs in BFHE 248, 51, BSt­Bl II 2015, 387 ‑mit dem das von der Vorin­stanz für ihre abwe­ichende Auf­fas­sung in Bezug genommene Urteil des Finanzgerichts Köln vom 17.04.201314 aufge­hoben wurde- gemäß §§ 93a, 93b des Bun­desver­fas­sungs­gerichts­ge­set­zes nicht zur Entschei­dung angenom­men15.
Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 28. Feb­ru­ar 2018 — VIII R 41/15
Nachträgliche Wer­bungskosten bei den Einkün­ften aus…
Anschluss an BFH, Urteile vom 02.12 2014 — VIII R 34/13, BFHE 248, 51, BSt­Bl II 2015, 387; und vom 01.07.2014 — VIII R 53/12, BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975 [↩]
BFH, Urteil vom 01.07.2014 — VIII R 53/12, BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975 [↩]
BGBl I 2007, 1912, BSt­Bl I 2007, 630 [↩]
Nds. FG, Urteil vom 22.06.2015 — 7 K 19/13 [↩]
BFH, Urteil vom 02.12.2014 — VIII R 34/13, BFHE 248, 51, BSt­Bl II 2015, 387 [↩]
BFH, Urteil vom 28.01.2015 — VIII R 13/13, BFHE 249, 125, BSt­Bl II 2015, 393 [↩]
BFH, Urteil vom 09.06.2015 — VIII R 12/14, BFHE 251, 401, BSt­Bl II 2016, 199 [↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975, Rz 18; a.A. Mein­ert, Der Betrieb 2015, 890 [↩]
BFH, Urteil in BFHE 248, 51, BSt­Bl II 2015, 387; zur Berück­sich­ti­gung nachträglich­er Wer­bungskosten bei den Einkün­ften aus Kap­i­talver­mö­gen in Ver­an­la­gungszeiträu­men ab 2009 vgl. BFH, Urteile vom 16.03.2010 — VIII R 20/08, BFHE 229, 151, BSt­Bl II 2010, 787; — VIII R 36/07, BFH/NV 2010, 1795; vom 29.10.2013 — VIII R 13/11, BFHE 243, 346, BSt­Bl II 2014, 251 [↩]
BFH, Urteile in BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975; in BFHE 249, 125, BSt­Bl II 2015, 393 [↩]
vgl. BFH, Urteile in BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975; vom 21.10.2014 — VIII R 48/12, BFHE 247, 548, BSt­Bl II 2015, 270 [↩]
so auch Eck­hoff, Finanz-Rund­schau ‑FR- 2007, 989, 998; Englisch, Steuer und Wirtschaft 2007, 221, 227 f.; Musil, FR 2010, 149, 154; Moritz/Strohm in Frotsch­er, EStG, Freiburg 2011, § 20 n.F. Rz 45 [↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 246, 332, BSt­Bl II 2014, 975, m.w.N. [↩]
FG Köln, Urteil vom 17.04.2013 7 K 244/12, EFG 2013, 1328 [↩]
BVer­fG, Beschluss vom 24.03.2016 — 2 BvR 878/15 [↩]
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References: § 20
 § 52
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