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Timestamp: 2019-02-21 00:52:19+00:00

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Remmaraweng Boarisch - Abriss der bairischen Grammatik, Teil 1: Lautlehre - Konsonanten
~ Konsonanten ~
14.1 Verschlusslaute (Plosive)
„b, bb“
„p, pp“
im An­laut
Der Unterschied zwischen b und p ist im Anlaut neutralisiert, d.h. es tritt für beide gleichermaßen der stimmlose und unbehauchte „Halb­fortis“-Konsonant (s. dazu § 5) ein; dies gilt auch für Ver­bindungen wie bl/pl, br/pr, sp, spl, spr.
blòsn
brenă
backă
Bädă
dăblèckă
Blòòz
Šbiiz
šbreechă
Preuß(e)
Spitz (*Spitze)
(Sprüche machen)
in Lenis-Silben (Typ I
in § 5):
Abhängig vom „Silbenschnitt“ (s. dazu § 6) tritt Schwächung (beim Silben­typ I) oder Schärfung (beim Silben­typ II) ein.
(siehe § 6)
Liegt Silbentyp I (langer Vokal) vor, werden b und p zum Reibelaut w (Spirantisierung im Rahmen der Konsonanten­schwächung).
Lewă
Howĕ
Schnòwĕ
ă gèiwă
lewĕ
Làwă
schäwăn
grawĕn
gràwĕn
Laub (Plural)
(schimmeln)
Folgt ein n, tritt Lautangleichung ein, das b ist nicht mehr zu hören:
bn > m (Totalassimilation; siehe
auch § 13.3). Bair. šbeim, schneim liegt speiben, schneiben zugrunde
(mhd. spîwen, snîen).
fà(r)m
šteam
gšbiim
*gespien
in Fortis-Silben (Typ II in § 6):
im In- und Aus­laut
Liegt Silbentyp II (kurzer Vokal) vor, wird der un­behauchte Stark­laut p (= bb) gesprochen.
Ein folgendes n wird assimiliert:
-pn > -pm.
rumpĕn
bumpăn
Kàmpĕ
Grippĕ
Bàpp, Bàppa
Dèpp
Štempm
pumpern (klopfen)
(Unrat)
(Pfahl, Pfosten)
„d, dd“
„t, th, tt“
Die Konsonanten d und t werden im Anlaut und in den Verbindungen st, str gleichermaßen als stimmlose und unbehauchte „Halbfortes“ (s. dazu § 5) gesprochen.
Dorf, Doaf
Deifĕ
dròng
deia, deirig
Drummĕ
Strizzi, Šdriizĕ
(drüben)
(Gauner)
in § 6)
Liegt Silbentyp I (langer Vokal) vor, erscheinen d und t gleicher­maßen als d (Konsonanten­schwächung).
rod, roud
ă rodă, roudă
Hòdăn
weidă
Wedă
Hadern (Lappen)
Wetter, (Gewitter)
Folgt ein n, tritt meist Laut­angle­ichung ein, das d oder t ist nicht mehr zu hören: dn, tn > n (Total­assimilation), ländlich teil­weise fină, gfună „finden, ge­fun­den“. – Auch an ein folgendes l kann angeglichen werden: dl, tl > l, ll.
gschniin
schòòn, Schòòn
bèlln
Bellmô
schaden, Schatten
(Jauche)
in Fortis-Silben (Typ II
Liegt Silbentyp II (kurzer Vokal) vor, wird der un­behauchte Stark­laut t (= dd) gesprochen.
Loattă
bàttn
unt, untn
Hände (auch Hand)
gl, gel
kn, gen
kw „qu“
ks „x“
Der Unterschied zwischen g und k ist im gedeckten Anlaut, also bei
g + Konsonant und k + Konsonant, neutrali­siert, d.h. es tritt für beide gleichermaßen der stimmlose und unbehauchte „Halb­fortis“-Konso­nant (s. dazu § 5) ein; vor Vokal gilt diese Regel nicht.
Hochsprachlich geh- wird zu gh- und klingt damit genau so wie k in der Normaussprache.
Zu qu = gw siehe unten bei Nr. 61.
Gleidl
glôâ
graislĕ
gnau, gnâû
gnàrzn
Gwèin
Xarĕ
gfuntn
Kleid (Dim.)
(Häcksel)
Vor Vokal wird zwischen an­lautendem g und k unterschieden; letzteres tritt als behauchter Stark­laut (aspirierter Fortis-Plosiv).
Phonetisch gleich ist das Ergebnis
aus geh- nach Ausfall des unbe­tonten -e-.
Kirch, Kiachă
er kimmt
Kuchl, Kich
ghoassn
kaum; (er) käme
Koch; (Mus)
In Süddeutschland und in der Schweiz wird anlautendes ch in bestimmten Wörtern wie k
gesprochen – nicht als ch.
Keam-/Kiimsee
ck = gg
Im Silbeninneren erscheint k, ck als
unbehauchte Halbfortes (s. § 5). Der Unterschied zur Hochsprache besteht in der fehlenden Behau­chung: nicht Zuckher, zurückh , son­dern Zuckă, zruckh = Zuggă, zrugg.
Dies gilt auch für die Lautverbin­dung nk in Fortissilben (s. dazu § 6).
Zuckă
druckă
Gockl, Gickăl
Štickl
Hàckl, Hàckĕ
Hàckăl
Bàckăl, Bàckl
(*drücken)
Hacke (Dim., Axt)
(*Häkchen)
(*Päckchen)
nk = ngg
(Geländestufe)
In Lenissilben unterliegt nk der Kon­sonantenschwächung; es resultiert der Laut ng, für welchen es keinen eigenen Buchstaben gibt. Basisdialektal fallen „gesunken“ und „gesungen“ in der Lautform gsunga zusammen.
wingă
gwungă
gsungă
dringă
drungă
Bàngĕ, Bàng-gl
gewunken (*-winkt)
Bank (Dim.)
Im Konsonanten ng fallen hoch­sprachlich ng und -gen zusammen.
– Zu beachten ist, dass auslautendes ng niemals als ngk gesprochen wird („Wohnung, Ding“ – nicht aber „Wohnungk, Dingk“).
singă
(*reichen)
Bengel (Prügel)
Folgt einem ng ein l, so kann, mehr oder weniger deutlich, ein -g- als Sprosskonsonant auf treten:
ng + g + l > ng٠gl (vgl. -nl > -ndl, § 13.4.3)
Ang٠gl
Šding٠gl
Eng٠gl
Beng٠gl
14.2 Reibelaute (Frikative, Spiranten)
Im Silbenanlaut sind die s-Laute nicht nur in den Dialekten, sondern auch in der regionalen Hoch­sprache grund­sätzlich stimmlos – im Gegensatz zur hochsprach­lichen (norddeut­schen) Norm: „singen, sagen, Son­ne, lesen, Amsel“ = ßingen, ßagen, ßonne, leeßen, Pinßl – im Dialekt: ßinga, ßòòng, ßonn/­ßunn(a), leeßn, Bemsl. (Das Zei­chen ß wird hier gesetzt, um den Unterschied zur Bühnenaus­sprache zu verdeutlichen.) – Gespannte oder unge­spannte Arti­ku­lation hängt vom Silbenschnitt ab (s. dazu § 6). –
Eine Besonderheit ist der in fast ganz Altbayern übliche Ersatz von s durch h in mia hàn/hànd, ees heits/ hàts, sie mia hànd/hàn „wir sind, ihr seid, sie sind“. Auf diese Weise ent­steht das Minimalpaar mia håmmă – mia hàmmă „wir haben – wir sind“.
i siich, sèg, … Siach
Fuas (Fous)
Fiass (Fäiss)
Ressă
miassn (mäissn)
Wiis, Wiisn
reisn/roasn
blòòsn
Gschloos
Gschlessl
Guus-eisn
(Tölpel)
(*tünchen)
weisen (führen)
(*Schlösschen)
(= ds)
(= ts)
Die Affrikata z = ts kann ge­spannt oder ungespannt auftreten: als tz = ts = zz (Fortis) bzw. z = ds (Lenis).
Sie kommt auch durch Assimilation der Artikelform die > d zustande. – Siehe dazu auch in § 15.
Greizzl
zààch
Zàmperl
dSockă
dSèi
Kreuz (Dim.)
(Ohrfeige; Mund)
rs, rst
Bei Verbindung mit anderen Kon­sonanten neigt das südliche Deutsch dazu, statt s den Laut sch = š zu sprechen – in Fortführung einer Entwicklung, die sich in der Hoch­sprache nur bei anlautendem sp (= šp), st (= št), schl, schm, schn, schr, schw durchgesetzt hat (mhd. spiln, stein, slange, smit, snîden, swimmen > špielen, Štein, Schlange, Schmied, schneiden, schwimmen), im Ober­deutschen jedoch viel weiter reicht: Im Schwäbischen heißt es fescht, du bisch „fest, du bist“; auch in Alt­bayern wird sp, st häufig zu šp, št, auch über die Silbengrenze hinweg (s-b, s-d). In der Verbindung mit r tritt fast durchgängig š auf: rs, rst > rsch, rscht.
raišpăn
Rašpĕ
dHuaštn
Kašpă
Kàšpăl
erštns
Ferštă
Gerštn
Ferštn, Feršn
Augšburg
Rengšburg
Mošburg
Òmšberg
Àrnšdorf
*der Husten
Kasperl (*Kasperle)
(= tš)
Die Affrikata tsch ist im Bairischen viel häufiger als in der Hoch­sprache. Sie kann ge­spannt oder ungespannt auftreten: als tsch = tš (Fortis) bzw. dsch = dš (Lenis).
Sie kommt auch durch Assimilation der Artikelform die > d zustande. (Anlauten­des tsch wird niemals verein­facht zu sch). – Siehe dazu auch in § 15.
Tschinelln
dSchua
dSchachtl
dScheissn
Bidschn
Lädschn
Drudschăl
Tschinelle (Becken)
(Vulva; böse Frau)
(Mildkanne)
(Mund; Gesicht)
(einfältiges Kind)
Vielfach wird geschriebenes v auch in Fremdwörtern als stimmloses f gesprochen. In Namen wie „Eva“ oder der Kurzform „Vroni (für Vero­nika)“ ein stimmhaftes labiodentales v zu artikulieren, wirkt affektiert. Karl Valentin legte großen Wert darauf, dass sein Name mit „F“ gesprochen wurde.
In „Klavier, Vase“ steht meist w (s. u. Nr. 60).
Ofă
offă
Froni, Vroni
Efa, Ef, Eva
Falĕ, Valentin
Nofembă
Sil-, Sui-, Säi- festă
Festl, Feštl
(dgl. als Vorname)
Die Affrikata pf kommt auch durch Assimilation der Artikelform die > d zustande (dFrau > pFrau). – Siehe dazu auch in § 15. Im In- und Aus­laut kann pf ge­spannt oder unge­spannt auftreten: als pf (Fortis) bzw. bf (Lenis).
Schluubf
schlupfă
Groobf
pFingă
pFotzn
pFeiăweă
(*schlüpfen)
(Mund, Gesicht)
In Lenissilben neigt ch zur ge­schwächten Aussprache, fast wie der Hauchlaut h, z.B. „lachen, kochen“ = laaha, kooha. – Zum Lautwechse h statt s siehe oben bei Nr. 49.
Wenn es sich bei einem sogenannten Dehnungs-h um ein etymologisch begründetes h handelt, wird ch gesprochen.
gààch
Dààchĕ
zechă
Zechăn
seichă
leichă
gliicha
rau (rauh)
(Dohle)
Schuhe (Plural)
In bestimmten festen Zusammen­setzungen ist h verstummt: aussi, eini, fiari, owi; aussa, eina, fiara, owa usw. (< aus-, ein-, für-, ab-hin; aus-, ein-, für-, ab-her) „hin-aus,
-ein, (nach vorn hin), hinab; her-aus, -ein, (nach vorn her), herab“.
14.3 Nasale, Liquiden, Halbvokale
Zur Nasalierung bei n und m siehe oben § 12, zu m, n, ng als Ergebnis von Silbenschwund und Assimi­lation siehe oben § 4 und § 14.1 (Nr. 40, 43, 48).
Zur postvokalischen Vokalisierung siehe oben in § 11 (Nr. 18 – 23),
auch § 13.4.
Silbenanlautendes r wird über­wiegend als schwach gerolltes Zungen-r gesprochen. Daneben gilt auch Zäpfchen-r, nicht jedoch eine dem „ach-Laut“ angenäherte Artikulation.
Zur postvokalischen Vokalisierung siehe oben in § 11 (Nr. 24 – 27),
auch § 13.2.
Abweichend von der Hochlautung, die stimmhafte und labiodentale Aus­sprache vorsieht, wird das w im Bairischen als stimmloser bilabialer
Reibelaut artikuliert. Dies gilt auch für qu = gw, siehe oben Nr. 46. –
Zur Aussprache von v in Fremd- und Lehnwörtern siehe oben bei
Abweichend von der Hochlautung, wo j als stimmhafter Reibelaut gesprochen wird, ist es im Bairischen ein nicht-silbisches ĭ, also eher ein Halbvokal als ein
Reibelaut. „Jäger, Jagd, Josef“ =
Ĭàgă, Ĭakt, Ĭosèf. Basismundartlich liegt bei „jeder, jemal(s)“ der Di­phthong ia (nordbair. äi) auf: ăn iadă, (ă) diamòi (ăn äidă, äiămòl); mhd. liegt der Zwielaut ie zugrunde, nicht aber je (ieder, iemal).
Konsonantenverbindungen, Cluster, unbetontes -e
Über die aus der Hochsprache vertrauten Konsonantenverbindungen hinaus kennt das Bair­i­sche viele weitere, die auf den ersten Blick recht kurios anmuten (und irgendwie ans Tsche­chische er­­innern, wo es z.B. vokallose Wörter wie čvrtek „Donnerstag“ gibt, oder den Satz: Strč prst skrz krk.). Eine besonders reizvolle Häufung im Bairischen liegt mit „-chzggschpr-“ vor – in dieser volkstümlichen Verschriftung 10 Konsonanten-Buch­staben umfas­send, die im­mer­­hin 8 Phonemen entsprechen: [ç]+[t]+­[s]+[g]+[g]+[š]+[p]+[r]. Die­­ses „Clus­ter“ kommt vor in „60 gesprenkelte Eier“, bairisch sèchzg gschprenklde Oar. Die Ur­sache für das Zu­sam­mentreffen so vieler Konsonanten liegt im lautgesetzlichen Ausfall von Vo­­ka­len in un­beton­ten Silben (Elision, vor allem e-Synkope; siehe dazu auch in § 4).
Die unbetonte Form des bestimmten Artikels „die“ ist ein bloßes d, das sich an den folgenden Kon­sonanten angleicht (Assimilation). Daraus resultieren Lautungen wie pf, ts (= z), tsch, z.B. pFrau, pFinga, pFeiawea, tSau, tSchui usw. („die Frau, Finger, Feuerwehr, Sau, Schule“, s.o. in § 14.2, Nr. 50, 52, 54).
ge- > g-
mhd. ze/ze-
> z (= ts)
Gfui, Gfèi
Gsèischaft
Gsuach
Gschiiß
gschlòng
Gschlooß
gschmàckig
Gschmoass
Gšpàss
gšpinnăd
Gšpusi
gšpreizt
gštantn
gštrààd
gštriichă
(Schererei)
(wohlschmeckend)
(*Spaß)
(Geliebte/r)
zBassau
zdeiă
zdruckă
zvui, zvèi
zFreising
zfriidn, pfrim
zgroß, zgrous
znòs
zreissn
zsauă
zschòd
zgscheid
zšpäd
zgschlampăd
zzààch
zŠtraubing
(in) Passau
(in) Freising
zu müd(e)
zu schad(e)
zu gescheit
(in) Straubing
(in) Zolling
Bei den Vorsilben ge- und z- (< mhd. ze, in der heutigen Schriftsprache: zer-) sowie bei z in präpositionaler Verwendung (< mhd. ze, in der heutigen Schriftsprache: zu) fällt das e grund­sätzlich weg, es resultieren – über die in der Hochsprache gängigen Verbindungen gl, gn, gr, qu = gw, x = gs, zw hinaus – die anlautenden Laut­ver­bin­dun­gen gf, gfl, gfr, gs, gsch, gschl, gschm, gschn, gschr, gschw, gšp, gšpl, gšpr, gšt, gštr sowie zb/zp, zbl/zpl, zbr/zpr, zd/zt, zf, zfl, zfr, zg/zk, zgl, zgr, zl, zm, zn, zs (=ts), zsch (= tsch), zgsch, zgschl, zgschm, zgschn, zgschr, zšp (= tschp), zšt (= tscht), zštr (= tštr), zz (= tsts).
Bei der Vorsilbe be- liegt der merkwürdige Fall vor, dass in dialektnaher Sprache die erwar­te­te Kürzung zu b- nur vor einem folgenden Zischlaut (s, sch) belegbar ist, und auch nur in be­stimm­ten Wörtern (Liste 15.3.1).
Ansonsten sind Wör­ter mit dem Präfix be- in der Mundart nicht üblich (sie sind mit einem * ver­sehen). Lautungen wie *bmeaka, *voabreitn für „be­merken, vorbereiten“ sind undenkbar; da­für stehen andere Ausdrücke zur Verfügung (in der mit ► be­zeich­neten Spal­te in Liste 15.3.2).
be-s… > bs…
be-sch…> bsch…
bsondăs
bsuachă
bsorng, bsoang
bsină
bsuffă
bsetzn
bschòng
beschlagen (Hufe)
Bšteck
bštèin
bšteh
bestehen (= angesehen sein)
sich *beeilen
anschaffen, schaffen
*befeuchten
kapieren, gneißen
spannen, gneißen
vor-, zu-bereiten
*berichtigen
*berühren
sich *besaufen
*beschneiden
zuschneiden, stutzen
*besiegen
*besohlen
doppeln (Schuhe)
reden über, diskrieren
*besteigen
*bestreichen
*betasten
anlangen, antappen
sich *betrinken
*betrügen
bescheißen, übers Ohr hauen
sich *bewegen
*beziehen
einziehen in (Wohnung)
überziehen (Sofa)
Das Adjektiv bsuffa ist geläufig, nicht jedoch das Verb *bsauffa; ähn­lich ist es bei Bschoad, wo­­zu weder das Verb noch das Adjektiv Dialektdeckung aufweisen. – Das häufige Verb „be­halten“ wird verkehrssprachlich bhòitn, bhoitn ausgesprochen. In den nord­bairischen Mund­arten ist Assimilation (bh > pf) eingetreten: pfoltn, in vielen mittel­bairischen Regionen er­scheint Präfixwechels (be- ersetzt durch ge-): ghòitn.
Werden hochsprachliche Wortbildungen mit be- in dialektnahe Rede übernommen, so gilt, was unten in § 15.5 ausgeführt wird.
Durch Wegfall von unbetontem -i- im Wortausgang der Zehner-Zahlwörter entstehen die Kon­sonanten-Cluster ssg, zg (= tsg), chzg (= chtsg):
dreissg „dreißig“
zwanzg, viazg, siwazg/sipzg, neinzg „zwanzig, vierzig, siebenzig/siebzig, neunzig“
fuchzg, sechzg, achzg „fünfzig, sechzig, achtzig“
Bei Wörtern, die aus der Hochsprache übernommen sind (quasi Entlehnungen), werden un­betonte e-Laute als relativ langes (geschlossenes oder offenes) e artikuliert (hier mit dem Zei­chen ē wieder­gegeben), nicht als reduziertes ö, wie in der Hoch­­­lautung vorgesehen. Demnach weisen Wör­ter wie „Gelegenheit, Beschwerde“ in der bai­rischen Verkehrssprache zwei bzw. drei in etwa glei­che e-Laute auf: Gēlēgnheid, Bēschwēadē. Weitere Beispiele: Bē­höadē, bēlēgdē Brodē, alles Gudē, bēstimmd, bēreits, bēfriedignd, bēschreibm („Behörde, be­legte Brote, alles Gute, be­stimmt, bereits, be­frie­digend, beschreiben“), ebenso alle Wörter in der mit * markierten Spal­te (Ta­bel­le 15.3) sowie viele andere mehr.
Während die Verbformen „ich bitte, ich danke“ im Bairischen lautgesetzlich als i bitt, i dank auftreten, fällt das aus­lautende -e bei formelhaft verwendetem Bitte oder Danke nicht weg. Auch diese Formen sind Entlehnungen aus der Hochsprache und werden meist bittē, dankē aus­­gespro­chen. Im Dia­lekt heißt es dafür: bittschee, biggò(r)schee, dankdăschee, dang­schee „bittschön, bittgarschön, dankdirschön, dank­­­schön“ usw.
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Seite zuletzt aktualisiert am 11. April 2006

References: § 5
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 § 13
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 § 12
 § 4
 § 14
 § 11
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