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Timestamp: 2017-08-21 21:43:06+00:00

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Hundehalter-/Sitter-Haftpflichtversicherung
Admin am So 13 Sep - 21:38
Wer haftet bei einer Hundebetreuung?
In Deutschland gibt es rund fünf Millionen Hunde, aber weniger als die Hälfte verfügt über eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung. Dabei ist jeder Hundebesitzer gesetzlich dazu verpflichtet, für alle Schäden einzustehen, die sein Hund verursacht. Diese können selbst bei gut erzogenen Hunden und größter Vorsicht vorkommen - z.B. dann, wenn der Hund sich unerwartet losreißt, in Panik gerät, einen Passanten anspringt oder gar beißt. Dabei kann der Schaden u.U. in die Millionen gehen. Denken wir nur an die Folgeschäden, wenn ein Hund jemanden beißt oder einen Verkehrsunfall verursacht. Vor allem Schadensersatzforderungen können Hundebesitzer, die keinen Versicherungsschutz haben, finanziell ruinieren.
Laut BGB ist der Hundehalter für alle Schäden haftbar, die sein Hund anrichtet - auch dann, wenn er keine Schuld an dem Ereignis/Unfall hat.
Privathaftpflichtversicherungen schließen nur Schäden durch Kleintiere (z.B. Kaninchen, Vögel, Hamster, Katzen) ein. Deshalb sollten grössere Tiere, wie Hunde oder Pferde, mit einer eigenen Haftpflicht versichert werden.
In Deutschland ist diese bisher nur für "gefährliche Hunde" bundesweit gesetzlich vorgeschrieben. Für alle anderen Hunde ist sie z.Zt. nur in folgenden Ländern Pflicht:
- Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Bis zu 10.000 Euro Strafe drohen dort, wenn eine entsprechende Police fehlt.
Eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung bewahrt den Halter dann also vor hohen Folgekosten....oder?
Deckung nur unter Aufsicht des Halters
In der Regel deckt eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung nur solche Schäden, die unter der Aufsicht des Versicherungsnehmers (Hundehalters) entstehen.
Der Einfluss des Halters auf das Verhalten seines Hundes ist allerdings hin und wieder begrenzt; immer dann nämlich, wenn sich der Hund nicht in seiner Reichweite befindet. Doch ob er die Möglichkeit zur Einflussnahme hatte oder nicht, spielt bei Haftungsfragen keine Rolle. Der Halter haftet in jedem Fall für mögliche Schäden. Ob seine Versicherung diese übernimmt, hängt von folgenden Faktoren ab:
Unentgeltliche Fremdbetreuung
"Gefälligkeit"
Wenn der Hund z.B. zeitweise von einer anderen Person betreut wird, sollten Hundehalter darauf achten, dass das sog. "Fremdhüterrisiko" in den Versicherungsvertrag mit aufgenommen wird/wurde. Das ist bei den meisten Versicherungen als Zusatzleistung möglich. Damit werden zumindest die Schäden durch die Versicherung finanziell abgedeckt, die bei unentgeltlicher Beaufsichtigung in Abwesenheit des Versicherungsnehmers entstehen.
Wenn unter Freunden und Bekannten eine Fremdbetreuung vereinbart wird, dafür aber kein schriftlicher Vertrag geschlossen wurde, in dem die Betreuung des Hundes schriftlich fixiert ist, handelt es sich in der Regel um eine Gefälligkeitsleistung, wie sie bei Bekannten, Freunden oder Verwandten angenommen werden kann. Unter dem Stichwort "unentgeltliche Verwahrung" werden in § 690 BGB die Haftungsregelungen dazu bestimmt.
Wurde die Inanspruchnahme eines Hundebetreuers bei einem möglichen Schaden im voraus nicht (mündlich oder schriftlich) ausdrücklich vereinbart, gilt die Haftungsfreistellung im Innenverhältnis zwischen der unentgeltlich betreuenden Person und dem Hundehalter. D.h. auch hier haftet der Halter des Hundes nach § 833 BGB im Fall des Schadenseintritts, unabhängig von seinem Verschulden.
Aber nicht in jedem Fall:
Wer ein Tier für einen bestimmten Zeitraum pflegt, vereinbart stillschweigend einen sog. "Verwahrungsvertrag" mit dem Halter. Hierin sollen vor allem die Haftungsfragen im Vorfeld ausführlich mit dem Halter festgelegt oder zumindest besprochen werden... "Gefälligkeit" bedeutet nämlich nicht, dass der Gefällige von jeglicher Haftung befreit wird. Es gilt grundsätzlich für ihn wie für alle anderen, in einem Betreuungsfall die notwendigen Vorkehrungen zum Schutze Dritter vor etwaigen Gefahren zu treffen.
"Hundetypische Beschädigungen", wie z.B. ruinierte Teppiche, Möbel usw., muss der Fremdbetreuer ebenfalls in Kauf nehmen, da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass er sich und sein Eigentum mit dem Abschluss eines "Verwahrungsvertrages" (auch in nicht schriftlicher Form) freiwillig dem Risiko von Beschädigungen aussetzt.
Das also sollte gut überlegt werden.
Wer dennoch unentgeltlich auf einen Hunde aus dem Bekannten- oder Freundeskreis aufpassen möchte, sollte die Haftungsfragen im Vorfeld ausführlich mit dem Halter besprechen. Dringend zu klären ist, wie gesagt, ob der Hundehalter eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung besitzt.
Wer als Halter schon bei Abschluss einer Haftpflichtversicherung weiß, dass er seinen Hund des Öfteren in die Obhut von Verwandten, Freunden, Nachbarn usw. geben wird, sollte bei der Wahl der Haftpflichtversicherung unbedingt darauf achten, einen Versicherungstarif inklusive Fremdhüterrisiko zu wählen.
--> Aber Achtung! Diese Zusatzleistung gilt NUR FÜR UNENTGELTLICHE Betreuung. Die Risiken entgeltlicher Fremdbetreuung sind durch eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung (auch mit der Zusatzleistung "Fremdhüterrisiko") NICHT gedeckt (s. unten).
Entgeltliche Fremdbetreuung
Haftung des Hundesitters
Hundesitter haften laut BGB üblicherweise für alle Schäden, die ein Hund verursacht, während er in ihrer Obhut ist, sofern diese nicht durch die Hundehalter-Haftpflichtversicherung des Halters und die darin enthaltene "Fremdhüterrisiko-Klausel" gedeckt wird.
Nach § 834 S.2 BGB allerdings nur dann, wenn er während der Beaufsichtigung des Hundes die erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat „... hat der Verwahrer... nur für diejenige Sorgfalt einzustehen, welche er in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt.“
Er trägt im Zweifel die Beweislast, dass ihn kein Verschulden am Schadensereignis trifft. Kann er den Entlastungsbeweis erbringen, kommt nur noch die verschuldensunabhängige Gefährdungshaftung nach § 833 BGB auf den tatsächlichen Hundehalter zu.
Auch hier ist der Hundehalter also von der Haftung nicht befreit, denn § 833 BGB besagt, dass der Hundehalter auch für alle Schäden haftet, die sein Hund in seiner Abwesenheit anrichtet.
Eine Haftung kommt demnach sowohl für den Hundesitter, als auch für den Hundehalter in Betracht. Sie haften gemäß § 421 BGB nebeneinander als sog. "Gesamtschuldner". Der Geschädigte kann somit sowohl vom Hundehalter, als auch vom Hundesitter Schadensersatz verlangen, jedoch wird dieser nur einmal bezahlt. Der Geschädigte hat also mit Hilfe des § 421 BGB zwei Schuldner und kann sich an den wenden, der finanziell besser gestellt ist. Ihm bleibt es selbstverständlich überlassen, wen von den beiden er in Anspruch nimmt. Die Schuldner werden nach erfolgter Bezahlung einen internen Ausgleich aushandeln.
Wenn der Schaden allerdings bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt so oder so entstanden wäre, entfällt die Haftung des Sitters.
Wer gewerbsmässig (wiederholt, entgeltlich) Hunde sitten will, braucht also eine eigene Hundesitter-Haftpflichtversicherung, welche die Risiken des Hütens fremder Hunde versichert. Kann er nämlich den entstandenen Schaden und evtl. Schadenersatz nicht zahlen, wird er privat haftbar gemacht, sofern die Versicherung des Hundehalters die "Forderungsausfalldeckung" nicht als Zusatzleistung enthält.
Hundepensionen und professionelle Hundetagesbetreuer besitzen daher in der Regel eine Sitter-Haftpflichtversicherung, die solche Schäden reguliert, damit sie und auch der Hundehalter im Zweifel nicht in Anspruch genommen werden.
Ein Restrisiko bleibt allerdings trotz aller Versicherungen in beiden Fällen: die Haftung bei Fahrlässigkeit und Vorsatz. Dieses ist nur durch entsprechende Sachkenntnis und Aufmerksamkeit zu minimieren, nicht jedoch auszuschließen.
Lesen Sie also
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Re: Hundehalter-/Sitter-Haftpflichtversicherung
Marlene am Mo 4 Jan - 22:09
das mit dem Fremdhüterrisiko wußte ich lange Zeit nicht bis es zu einem Schadensfall kam! Mein Hund war mit meiner besten Freundin unterwegs und ist vor ein Auto gelaufen. Der Autofahrer wich aus und fuhr gegen einen Hydranten. Die Versicherung kam NICHT auf, da der Hund eben nicht mit mir unterwegs war. Ich kann daher aus Erfahrung nur dazuraten, diese Zusatzleistung abzuschließen! Alles andere macht irgendwie keinen Sinn für mich. Ich zahle heute noch den Schaden ab!!!! Ein guter Vergleichsrechner ist auch https://www.versicherung-online.net/. Finde dich persönlich ein bissl übersichtlicher. Wovon ich abrate ist eine Tierkrankenversicherung. Die hat sich bei mir nicht gerechnet!
Admin am Di 5 Jan - 10:33
vielen Dank für Dein Interesse an dem Thema. Tut mir leid, dass du solche Erfahrungen machen musstest.
Natürlich reden die meisten Versicherungen nicht unbedingt darüber, was wann NICHT gedeckt ist, und der Vergleich der einzelnen Versicherungen wird dadurch auch schwierig, denn die Höhe des Beitrags muss man ja im Verhältnis zur Leistung beurteilen. So kann eine vordergründig "billige" Versicherung unterm Strich dann sehr teuer werden...
Vor allem wenn jemand seinen Hund Familie, Freunden oder Nachbarn unentgeltlich überlässt, aber auch einem entgeltlich arbeitenden Sitter ohne eigene Versicherung, sollte er darauf achten, dass die eigene Hundehalterhaftpflicht das Fremdhüterrisiko mit einschließt.
Bei Verivox kann man auch ganz gut vergleichen, welche Versicherer das beinhalten. Allerdings gibt es einige Anbieter, bei denen Schäden, die am Fremdhüter selbst oder beispielsweise seiner Wohnung entstehen, nicht abgedeckt werden. Dieser wichtige Punkt sollte bei Abschluss des Versicherungsvertrags ebenfalls überprüft werden.
Tier-KV ist in der Tat teuer. Ausser evtl. man hat einen chronisch kranken Hund (Epileptiker oder Diabetiker z.B.). Da mag sich das rechnen. Sonst würde ich davon auch abraten.
» Bochum Hundehalter sind in großer Sorge
» Neue Steuer: Was Hundehalter wissen müssen
» Tierhalter-Haftpflichtversicherung

References: § 690
 § 833
 § 834
 § 833
 § 833
 § 421
 § 421