Source: https://www.trennungsfaq.com/umgang.html
Timestamp: 2018-11-19 11:03:54+00:00

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Hälftige Kinderbetreuung, Wechselmodell: Phantasie oder durchführbar?
Im deutschen Familienrecht wird das Wechselmodell meistens als Phantasie weggewischt, aber es ist oft durchführbar. Studien und Fachartikel in deutscher Sprache waren lange nichtexistent, es existierte nur die Arbeit von Jan Piet H. de Man. Über ein Jahrzehnt später erschien von Prof. Sünderhauf ein grosses Werk dazu: "Wechselmodell: Psychologie - Recht - Praxis", das einiges der internationalen Erkenntnisse auf Deutsch bekannt machen will. In Ländern mit weniger rückständigem Familienrecht ist es explizit genannt und erwünscht, so zum Beispiel im französischen Code Civil, wo es ab 2002 sogar zur Rechtsnorm erhoben wird:
Art. 373-2-9: En application des deux articles précédents, la résidence de l'enfant peut être fixée en alternance au domicile de chacun des parents ou au domicile de l'un d'eux. (...Der Wohnsitz des Kindes kann im Wechsel auf den Wohnsitz von jedem der Elternteile oder auf den Wohnsitz eines von ihnen festgelegt werden).
Fördernd gesetzlich verankert ist Ähnliches auch in Kanada, Australien (Family Law Amendment, Shared Parental Responsibility, Bill 2006, Abschnitt 60B), Belgien (ab 2006, Code Civil Titel IX Art. 374, hier "hébergement égalitaire"), Italien (Gesetz vom 8. Februar 2006, Nr. 5) Tschechien (§26 Familiengesetz), diversen US-Bundesstaaten, wo überall erwiesen wurde, dass es für Kinder eine gute Nachtrennungssituation sein kann. Auch in der Resolution 2079 des Europarats wird die Einführung gefordert. Die deutschen Familienrechtler meinen jedoch, deutsche Kinder seinen ganz anders und halten an überkommenen Nachtrennungsschemas fest. Selbst deutsche Familientherapeuten wundern sich über dieses "neue" Modell. Da Anwälte und Helferindustrie weniger verdienen und es neben den Vorteilen für die Kinder auch den Eltern tatsächliche Gleichberechtigung und -verpflichtung bringt, versucht man in Deutschland -wo Mütter traditionell ein Alleinrecht am Kind zugesprochen wird- es nach Kräften unter der Decke zu halten. Die das Familienrecht beherrschenden radikalfeministischen Kreise haben sich tief in ihren Abwehrstellungen eingegraben, beispielhaft dafür ist der tatsachenverdrehende und höchst polemische Aufsatz der gerne öffentlich auftretenden Anwältin Ingeborg Rakete-Dombek im Forum Familienrecht 1/2002 S. 16. Auch andere deutsche Rechtspublikationen hetzen beinahe regelmässig gegen das Wechselmodell. Anwaltsvereine wie der DANSEF sahen sich veranlasst, angesichts der breiten Akzeptanz im Ausland für das Wechselmodell diffamierende Pressemeldungen herauszugeben, "Betreuungs-/Wechselmodelle sind unzulässig". Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass hier ein ganz wunder Punkt der milliardenschweren Scheidungsindustrie berührt wird. Kommentarloses tiefdunkles Schweigen herrscht seitens aller Justiz- und Frauen-/Familienministerinnen der letzten Jahre, ganz im Gegensatz zu ihren Amtskollegen in den meisten Nachbarländern. Sehen sie deutsche Kinder etwa als einzigartig in der Welt an?
Richtig ist, dass das Wechselmodell in keinem deutschen Rechtsgebiet existiert. Alle Regelungen gehen von einem Residenzmodell aus und sind nur schwer oder gar nicht auf andere Betreuungsmodelle übertragbar. Dies betont auch der Familiengerichtstag im Papier "Das Wechselmodell im deutschen Familienrecht": Sowohl das Leistungssystem der Jugendhilfe, Sozialleistungen, schulrechtliche, melderechtliche oder steuerrechtliche Vorschriften, orientieren sich am Leitbild des Residenzmodells. Die möglicherweise durchaus beabsichtigte mangelnde rechtliche Verbindlichkeit behindert die Wechselmodellidee in Deutschland schwer.
Ein jüngerer beliebter Trick der Gerichte und Mütter zielt darauf ab, dem Wechselmodell beantragenden Vater grosszügig eine "fast 50%" - Mitbetreuung zu genehmigen, mit dem Effekt, dass er trotzdem vollen Unterhalt zu zahlen hat, kein Vertretungsrecht für das Kind bekommt, die Mutterwohnung als der gewöhnliche Aufenthalt der Kinder gilt obwohl der Vater trotzdem fast genauso viel Betreuungsleistung für die Kinder wie die Mutter erbringt. Hauptverantwortlich für diesen Trick zugunsten des deutschen Unterhaltsmaximierungsprinzips sind wie so oft die Richterinnen des Bundesgerichtshofs, die nur bei exakt 50% Betreuungsanteil Auswirkungen auf den Unterhalt sehen. Die gleichzeitige volle finanzielle und fast halbe zeitliche Belastung für den Vater ist auf Dauer schwer zu tragen - die Mitbetreuung des Vaters soll damit ganz bewusst zugunsten Maximalunterhalt ausgebremst werden.
Der neueste Wechselmodellverhinderungtrick ist die Behauptung, ein Elternteil würde trotz gleicher Betreuungszeiten "mehr Verantwortung" tragen wie der Andere und deshalb sei ein Wechselmodell kein Wechselmodell (siehe DIJuF-Stellungnahme "Umgang und Wechselmodell" vom 23.10.2014). Auf diese Weise wird schon wie beim Kindeswohlbegriff der Nachweis messbarer Tatsachen durch beliebig dreh- und wendbare Privatdefinitionen ersetzt. Dem ist entschieden entgegenzutreten!
Genug Zeit beider Eltern, ihr Kind die Hälfte des Jahres zu betreuen. Das Wechselmodell ist kein Ausweg, um sonstige Belastungen -etwa unregelmässige Geschäftsreisen- mit Kindererziehung zu vereinbaren. Eltern, die Forderungen wie "ich muss nächste Woche weg, obwohl es meine Woche ist, nimm du doch das Kind in dieser Zeit" in Wechselmodellen machen, scheitern auf Dauer.
Die Eltern müssen zumindest über Kinderthemen minimal kommunizieren (lernen) können. Geht das nicht, muss eine erfolgreiche Mediation oder moderierte Gespräche probiert werden.
Der Hauptstreitpunkt "Unterhalt" verliert etwas von seiner Sprengkraft, weil weniger zu holen ist. Leider nur etwas. §1629 Abs. 2 Satz 2 BGB ist beim paritätischen Wechselmodell nicht anwendbar, ein Elternteil allein darf das Kind nicht mehr vertreten. Siehe OLG Frankfurt vom 25.02.2003, Aktenzeichen 1 WF 17/03: "Bei überwiegend gemeinsamer Betreuung ist kein Elternteil berechtigt, Unterhaltsansprüche des Kindes geltend zu machen, da der Lebensmittelpunkt des Kindes nicht feststellbar ist". Ebenso das OLG München vom 12.8.2002 (Az 26 UF 1103/02), in FamRZ 2003, Seite 248. Bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung muss erst ein Ergänzungspfleger bestellt werden, der das Kind vertritt. Folglich kann auch keiner der Elternteile einen Unterhaltsvorschuss beanspruchen (Bayer. Verwaltungsgericht München vom 27.02.2002 (Az M 6b K 01.5340). Da der Bedarf des Kindes definitionsgemäß aber die Naturalleistungen der Elternteile während der jeweiligen Betreuungszeit gedeckt ist, wie uns Unterhaltsrechtler immer erzählten um damit die Entpflichtung der (fast immer) Mutter für Unterhalt zu rechtfertigen, verbleibt korrekterweise auch kein offener Kindesunterhaltsanspruch. Sonderbedarf wird entsprechend der elterlichen Einkommenssituation aufgeteilt. Fehlende Streitmöglichkeiten durch gut bezahlte Anwälte um Unterhalt dürfen natürlich nicht sein, sonst würde die Rechtspflege eine ihrer fettesten Weiden verlieren. Also erfinden Anwälte und Richter komplizierte Ausgleiche aus dem Nichts heraus, eine spezielle Bedarfsermittlung fürs Wechselmodell wird erfunden, Abzüge für direkte Aufwendungen gemacht, komplexe Aufteilung von Kindergeldanteilen. Völlig durch die Decke schiesst alles im Mangelfall. Dann werden absurde Rechnungen gebastelt durch einen Berufsstand, der ohnehin noch nie rechnen konnte.
Jugendamtsbeistände und andere häufig konfliktschürende Dritte fallen weg: "Lebt das Kind bei beiden Elternteilen, hat kein Elternteil die Obhut" (FamRZ 2007, Seiten 421-508). Eine bestehende Beistandschaft ist damit nach §1715 BGB beendet.
Für die Kinder ist das Wechselmodell häufig "das kleinere Übel" und in vielen Fällen die beste aller Nachtrennungssituationen. Es erweitert das Spektrum der Möglichkeiten für die Kinder und Eltern nach einer Trennung. Wenn die Eltern es schon nicht mehr unter einem Dach miteinander aushalten, dann ist diese Lösung für die Kinder besser, auf jeden Fall häufig besser als die in Deutschland standardmässig verordneten Wochenendbesuche alle 14 Tage.
Kind braucht bei beiden Eltern seinen eigenen Bereich, am besten ein eigenes Zimmer - das macht das Wechselmodell insgesamt gesehen nicht automatisch billig. Die finanzielle Belastung durch die Kinderkosten ist trotzdem geringer wie sie es durch Unterhaltszahlungen und Umgangskosten wäre. Die deutlichsten Einbussen entstehen durch Wegfall von Überstunden oder Arbeitszeitreduktion zugunsten der Kinder beim früher allein arbeitenden Elternteil. Auf der anderen Seite ermöglicht es beiden Eltern Berufstätigkeit, anstatt einen Elternteil als Haupt-Kinderbetreuer von Berufstätigkeit ganz oder teilweise abzuhalten. Die meisten Wechselmodell-Väter stellen einerseits als Plus fest, dass Kinderkosten bei weitem nicht so hoch sind wie die vorgeschriebenen Unterhaltssätze, andererseits als Minus, dass Kinderbetreuung und Organisation mehr Zeit wie erwartet kosten.
Das grösste Problem ist das Risiko von Elternkonflikten, sobald ein Elternteil feststellt, dass er durch Geiselnahme des Kindes mit voller Macht und vollen Unterhaltszahlungen belohnt wird.
Wer das Wechselmodell praktiziert, muss sich ständig gegen Skeptiker, Bedenkenträger und den Staat zur Wehr setzen. Rationale Argumente, die Situation in den Nachbarländern und das Kindeswohl gelten in diesen emotional geleiteten Diskussionen nicht mehr, nirgendwo gibt es mehr unbelehrbare Ewiggestrige "Experten" wie im deutschen Familienrecht. Das kann Kraft kosten, Zweifel und geistige Erosion auslösen.
"Die Mutter will nicht, deswegen geht es nicht". Es gibt zunehmend einzelne Gerichtsentscheidungen, in denen Väter das Wechselmodell auf Amtsgerichtsebene gerichtlich gegen den Willen der blockierenden Mutter durchgesetzt haben und die Mutter damit leben gelernt hat. Falls die obengenannten Voraussetzungen gegeben sind, sollten Väter das Wechselmodell auf jeden Fall anstreben. Mütter und Gerichte sperren sich oft dagegen, denn ihre privilegierte Stellung weicht dadurch einer Gleichstellung. Ungleichgewicht zu Gunsten der Mutter wird zu Gleichgewicht. Gerade beim Wechselmodell offenbaren sich die wahren Beweggründe mancher Eltern, die Kinder für sich behalten wollen. Wäre wirklich das Kindeswohl (Definition siehe KiMiss-Studie) statt Macht- und Unterhaltsmaximierung zu eigenen Händen oberstes Gebot, könnten wesentlich mehr Trennungskinder im Wechselmodell leben, so wie viele Kinder in Nachbarnländern.
"Nur als Übergang". Mütter und Jugendamtsangestellte betrachten das Wechselmodell gerne als Übergangsstadium am Anfang einer Trennung, der Einstieg in den Ausstieg väterlicher Erziehungsverantwortung. Beim Wechselmodell entsteht jedoch genauso schnell oder langsam Kontinuität wie bei jedem anderen Betreuungsmodell und der Bruch dieser Kontinuität belastet die Kinder ganz besonders.
"Ein Kind braucht ein zu Hause, das ewige hin- und her ist schädlich" - der klassische spontane Einwand. Notwendig ist lediglich, dass die Eltern die Unterschiede akzeptieren können, dass sie den anderen Erziehungsstil und den anderen Elternteil respektieren und nicht schlecht reden. Solange die Eltern zusammen sind, wird die Abwechslung über eine andere Umgebung als erweiternd und förderlich für das Kind angesehen, trennen sich die Eltern wird der Stil des Anderen plötzlich abgewertet. Kinder kommen sehr gut mit verschiedenen Welten zurecht. Der gern bemühte Begriff "Lebensmittelpunkt" ist irreführend. Kinder haben immer mehrere Lebensmittelpunkte. Die längste Zeit verbringen sie in der Schule, sind aber auch bei der Mutter, beim Vater, bei Freunden, Grosseltern. Sie pendeln nicht zwischen Haushalten, sondern sie leben an diesen Orten. Auch bei Internatsaufenthalten, längeren Besuchen bei anderen Verwandten, in den Ferien, wechselnde Lebensorte gelten dort als normal, wieso nicht bei den eigenen Eltern? Kein Kind lebt immer nur in einer Umgebung, genauso wenig wie Erwachsene. Der vorhersehbare Wechsel bedeutet auch Konstanz, Brückenbausteine sorgen für leichte Übergänge.
"Kinder brauchen in erster Linie Ordnung und Regelmässigkeit" - Falsch. Wo gibt es die schon im Leben? Sie brauchen starke Eltern, die hinter ihnen stehen und Erziehung ernst nehmen, so entsteht innere Stärke und Ordnung.
Alles muss stimmen, dann kann man das Wechselmodell probieren. Würde ein solcher ultimativer Massstab an das Residenzmodell angelegt, würde es fast nie stattfinden. Richtig ist, um das Wechselmodell zu probieren: Die Vorteile müssen voraussichtlich überwiegen.
"Wechselmodell ist die Lösung". Falsch - es ist eine Möglichkeit unter vielen, die Schäden an den Kindern nach einer Trennung klein zu halten. Wenn es nicht funktioniert, muss man selbstverständlich auf andere Lösungen umschalten. Das Wechselmodell ist keine Wunderwaffe gegen Kindeswohlverlust, kein heiliger Altar, kein Fetisch. Manche Eltern vereinbaren zu Beginn eine Probezeit - für Eltern und Kinder. Wenn es scheitert, dann selten an den Kindern, die meist sehr gut mit dem Leben bei ihren zwei Eltern zurechtkommen. Es sind die Eltern, die der Versuchung von Machtspielen, Missgunst, Kinder-herüberziehen und damit Unterhalt-allein-bekommen nicht widerstehen können.
Die Grenzen zwischen "gutem Umgang" und "Wechselmodell" sind fliessend, wenn auch nicht im Unterhaltsrecht. Warum sollen sich die Kinder nicht noch an ein paar zusätzlichen Tagen als nur am Wochenende beim Papa wohlfühlen? Vorausgesetzt, dass Unterhalt kein Streitpunkt ist muss das gelebte Wechselmodell nicht halbe-halbe heissen. Eine exakte 50:50-Regelung ist ohnehin nicht immer einzuhalten. Verantwortlich handelnde Eltern vereinbaren eine Toleranzbreite, sehen Puffermöglichkeiten vor: Omas, Opas, Tanten, Onkels und eventuell Freunde als Betreuungsmöglichkeiten eingestreut.
Wie kommt man zum Wechselmodell? Vor Gericht hat man höchstens dann eine geringe Chance, wenn man nachweisen kann, das Kind schon vor der Trennung dauerhaft paritätisch betreut zu haben und vor allem, dass es keine grossen Konflikte zwischen den Eltern gibt. Dazu ist es günstig, frühere Gesprächsangebote nachzuweisen und Ereignisse, aus denen sich eine gewisse Einigkeit unter den Eltern ablesen lässt. Seit einem BGH-Beschluss (XII ZB 601/15 vom 1.2.2017) müssen Gerichte zumindest über das Wechselmodell entscheiden und können sich nicht für unzuständig erklären. In jenem Beschluss wird auch die Ansicht geäussert, das Wechselmodell könne ein bis zu gleichen Betreuungszeiten erweiterter Umgang sein, was aber nichts an seiner schlechten rechtlichen Durchsetzbarkeit ändert. Deshalb kann sich eine weiche Strategie als zielführender erweisen. Man sollte das Wort "Wechselmodell" ganz vermeiden, sondern von der eigenen Bereitschaft sprechen, Mitverantwortung zu übernehmen, die Mutter zu entlasten, kooperativ zu erziehen, dem Kind die Fortsetzung des Vorhandenseins seiner beiden Bezugspersonen zu bieten. Man stellt auch nicht den Wohnsitz des Kindes bei der Mutter in Frage. Ziel ist eine gute Umgangsregelung, in der die Tage unter der Woche eine wichtige Rolle spielen. An mindestens einem festen Wochentagsnachmittag das Kind in Schule/Kindergarten abholen und es am nächsten Tag wieder hinbringen. Dazu noch einen weiteren halben Tag, positiv vermittelt - zum Beispiel der Mutter anbieten, das Kind an ihrem wöchentlichen Jogaabend zu betreuen. In Kombination mit der üblichen 14-Tage und halbe - Ferien - Regelung ist das Kind somit bereits zu 40% beim anderen Elternteil. Funktioniert das eine Zeitlang, ist der Schritt zum echten Wechselmodell klein.
Es gibt im Gegensatz zu Ländern wie Norwegen keine allgemeine Verordnung über Umgangszeiten im Residenzmodell. Jeder Richter, jedes Urteil, jede Vereinbarung kann unterschiedlich ausfallen. Für kleine Stillkinder werden in der Regel kürzere, dafür öftere Kontakte zugelassen, ab ein bis drei Jahren lässt man manchmal auch Übernachtungen zu, ab Schulalter fast immer. Gerichte orientieren sich an den bisher praktizierten Umgangszeiten. Ein Kind, das von der Mutter mit einem Jahr Kontaktsperre zum Vater bestraft wurde, wird eine ganz andere gerichtliche Regelung erhalten wie ein Kind, das bisher schon jedes Wochenende beim Vater war. Eventuell wird erst eine lange Phase der Kontaktwiederaufnahme angeordnet, zum Beispiel durch betreute Umgangstermine. Deswegen ist es sehr wichtig, sofort zu reagieren, wenn der betreuende Elternteil beginnt, den Umgang des Kindes langsam zu drosseln oder zu sabotieren.
Weibliches Revierdenken, mütterliche Macht und Dominanz führen oft zu absurden Forderungen. Häufig wird gefordert, dass die neue Partnerin des Vaters nicht beim Umgang anwesend ist. Oder die Mutter legt Termine des Kindes in die Umgangszeit des Vaters und verplant damit seine Zeit. Was von diesen Forderungen ignoriert werden kann, sollte einfach ohne weitere Diskussion ignoriert werden. Ansonsten hilft nur eine gerichtliche und punktgenaue Regelung des Umgangs. Nicht damit drohen, sondern sofort vor Gericht gehen. Wer des lieben Frieden willens nachgibt, gibt unzulässigen Forderungen Raum, macht sich erpressbar, verliert den Respekt (auch vor den Kindern!), lässt das eigentliche Problem anwachsen und gewinnt höchstens etwas Zeit bis zu noch grösserem Ärger.
Umgangsverweigerung durch Mütter ist ein äusserst weites Feld. Bei zwei Drittel der Trennungen gibt es beim Umgang irgendwann Probleme und Differenzen. Nach gängiger Rechtspraxis ist das Umgangsrecht nur theoretisch, aber de facto nicht praktisch durchsetzbar, sondern steht in absoluter Abhängigkeit des Wohlwollens des betreuenden Elternteils. Laut der grossen Väterstudie von Prof. Amendt boykottieren die Ex-Partnerinnen den Umgang der Kinder im Verlauf der Nachtrennungsphase in 40% aller Fälle bei Paaren mit Trauschein, 55% wenn sie keinen hatten. "Boykott" findet oft nicht offen statt, in der Regel werden weniger sichtbare Methoden angewandt: Beeinflussung, Erschwerung, Ausstrocknung, klein halten, Kommunikation behindern. Mögliche Strategien dagegen:
Die erste Wahl. Zeitverlust unter allen Umständen vermeiden, nicht abwarten und aussitzen. Sofort eine Klage auf eine Umgangsregelung einreichen, Dringlichkeit wegen Entfremdungsgefahr anführen. Das muss alles sehr schnell erfolgen. Wer abwartet, dem wird später mangelndes Interesse am Kind vorgeworfen. Lässt man Zeit ungenutzt verstreichen, führt das zu Entfremdung und grossen Nachteilen vor Gericht.
Wer es sich leisten kann: Den Umgang kaufen. Viele Frauen sind käuflich. Durch handfeste finanzielle Vorteile (z.B. 1x jährlich einen Bonus für die "liebe Mutter", zusätzlich zum Unterhalt) wird Kooperationsbereitschaft angeregt. Wer mehr zahlt als er müsste, sollte das aber vorab an ganz konkrete Zugeständnisse knüpfen wie zum Beispiel eine schriftliche Elternvereinbarung. Pauschale Grosszügigkeiten in der Hoffnung auf "gute Stimmung" bei der Gegenseite wecken nur weitergehende Begehrlichkeiten ohne erhöhte Kompromissbereitschaft und sind deswegen grundfalsch. Trennungen in guten wirtschaftlichen Verhältnissen sind nachweislich weniger strittig, Umgangsprobleme seltener. Wer Geld hat, sieht seine Kinder häufiger, wie der einzige Väterforscher Deutschlands nachgewiesen hat.
Wer ruhig bleibt, sich nicht ärgern lässt, die Helferindustrie soweit möglich ablehnt, keine Kontakte erzwingt, keine Spielchen mitmacht, erreicht damit langfristig noch am meisten. Gar nicht selten fordert dann die Mutter irgendwann ein, was sie vorher verboten hat. Wenn das Kind Stress macht, dann kann die Mutter kein kinderfreies Wochenende geniessen und es erwacht in ihr der Neid auf den unbeeindruckten Vater, an dem ihre Machenschaften abprallen. Dann erinnern sich Mütter gelegentlich wieder an die Leistungen der Väter. Bei einfachen Frauen oder denen, den es um die Installation eines Ersatzvaters geht, nutzt diese Strategie allerdings nichts.
Die Statistiken über langfristig zerbrochene Kontakte zum eigenen Kind nach Trennungen sind speziell in Deutschland katastrophal. Gerade in strittigen Trennungen sehen Väter ihre Kinder häufig nie mehr. Viele Väter kapitulieren verständlicherweise von selbst, anstatt einen meist erfolglosen Dauerkampf gegen die mütterliche Allmacht aufzunehmen. Man muss sehr darauf achten, dass die Trennungskriegsverbrechen der Kindsmutter nicht das eigene Leben permanent vergiften und beeinflussen. Man sollte bei allen aktiven Aktionen um das Umgangsrecht immer die Energie für den eigenen Einsatz vorab deckeln und definierte Grenzen festlegen, sonst nimmt die eigene Psyche schweren Schaden. Vorsicht vor der Leidensfalle: Leiden ist leichter als loslassen. Vereine wie Trennungsväter e.V., die in der Väterberatung engagiert sind, raten dazu, gar nicht erst vor Gericht oder zum Jugendamt zu gehen, lieber schlechte direkte Kompromisse einzugehen wie etwas zu erzwingen zu versuchen. Die Mutter sitzt an allen Hebeln, Helferindustrie und Gerichte können das nicht ändern, sondern schicken nur ihrerseits fette Rechnungen.
Häufig werden von Müttern absichtlich Umgangsschwierigkeiten produziert, Umgangszeiten eingeschränkt, willkürlich verlegt, andere Termine des Kindes auf die Umgangstage gelegt, dem Kind der Aufenthalt beim Vater madig gemacht. Kindsmütter werden höchst kreativ, wenn es darum geht ein Sammelsurium an Gängelung und Einschränkung gegen fortbestehende Vater-Kind-Beziehungen des Kindes zum verhassten Expartner anzuwenden. Der Strategie, Stück für Stück hier etwas abzuknapsen und dort zu verkleinern, kann man nur entweder gar nicht begegnen oder, indem man sofort entschieden reagiert. Zuwarten, nicht durchsetzbare Forderungen, halbgare Drohungen sind absolute Eigentore.
Bei älteren Kindern ist es leichter, Kontakt zu halten. Da heute so gut wie jedes Kind ab einem gewissen Alter ein Smartphone hat, schafft die Technik einen von der Mutter schwer blockierbaren Kanal. Die Unkontrollierbarkeit macht es mittlerweile einfacher, Kontaktblockaden zu durchbrechen und weiter mit dem Kind zu kommunizieren. Dass Kinder damit ihr ureigenstes Recht umsetzen können, nämlich mit ihrem Vater zu sprechen ist allerdings für Mütter und auch die Helferindustrie ein Ärgernis. Das sollte man ignorieren, aber immer so kommunizieren wie wenn die Mutter im Hintergrund steht und alles mitliest oder -hört.
Auch für viele andere uralte Probleme bieten Smartphones Lösungen. Jahrelange Gerichtsklagen von Vätern, die die Schulzeugnisse ihrer Kinder sehen wollen und zähe, aber folgenlose Verweigerung werden mit einem Klick weggewischt, wenn das Kind das Zeugnis mit der Smartphonekamera knipst und dem Vater selbst schickt.
Generell darf man sich als Vater unter keinen Umständen emotionell oder finanziell versklaven oder erpressen lassen. Sklaven verlieren jeden Respekt, auch den von ihren Kindern und entwickeln irgendwann körperliche und psychische Krankheiten. Die Gratwanderung zwischen Stillhalten und blindem Aktivismus bleibt für Väter immer schwierig bis unmöglich. Gute Strategien bestehen aus einer Abfolge verschiedener Ansätze. Absolute Priorität haben zunächst Einigungen zwischen den Eltern, da sie haltbarer und konfliktärmer als fremdbestimmte Lösungen sind, die nur zu Siegern und Verlierern führen. Dabei kann eine Mediation oder systemische Beratung helfen, wozu aber beide Elternteile bereit sein müssen. Wenn bereits die Entstehung eines Parental Alienation Syndrome (PAS) beginnt, ist es der Einsatz eines Gerichts meist schon sinnlos gerworden.
Die Mutter höflich und knapp schriftlich auffordern, an einer gemeinsamen Umgangsregelung mitzuwirken. Fristsetzung 10 Tage. Nicht telefonieren, nur brieflich kommunizieren. Betonen, dass eine friedliche Regelung mit der Mutter erwünscht wird. Keine Angriffe oder Vorwürfe.
Anndernfalls klopft man mit einer Kopie des Briefs an die Mutter schriftlich beim Jugendamt an und fordert Vermittlung zwischen Vater und Mutter mit dem Ziel einer einvernehmlichen Umgangsregelung. Zuständiges Jugendamt ist das des Wohnorts der Kinder. Der Wohnort der Kinder ist grundsätzlich dort, wo sie melderechtlich eingetragen sind, nicht unbedingt dort wohin sie die Mutter mitgenommen hat. Im Vorfeld alle Argumente sammeln, die wichtig sind um aus Sicht der Kinder zu argumentieren - dass sie ihren Vater brauchen. Hinweise zur Gesprächsführung hier. Das Jugendamt macht sich wichtig, denn es spricht mit dem Richter und wird eine Stellungnahme vor Gericht abgeben. Trotz aller Vorsicht kann die Stellungnahme als ein harter Schlag ins Gesicht des Vaters ausfallen, weil Jugendämter häufig mit unqualifizierten, mütterfreundlichen aber vätertauben Mitarbeiterinnen besetzt sind. Kontrollorgane, Qualitätssicherung und Einspruchsmöglichkeiten sind im Jugendamt Fremdworte. Kommt die Stellungnahme des Jugendamtes oder eines gegnerischen Anwalts erst im oder kurz vor dem Gerichtstermin (beliebte Taktik, um den Vater damit zu überfahren), antwortet man mit "ich gehe davon aus, dass auch dieser Schriftsatz wie die seiner Vorgänger nichts juristisch Relevantes enthält, worauf es sich zu antworten lohnt. Ich bestreite daher ausdrücklich -im Falle meiner Unkenntnis mit Nichtwissen- seinen Inhalt und bitte das zu protokollieren." Dann eine Erwiderungsfrist ergänzend beantragen.
Allerspätestens wenn ein Jugendamt sagt, es könne bei fehlendem Willen der Mutter "auch nichts machen" oder eine Einigung nicht zustande kommt, Verzögerungstaktiken gefahren werden, muss man den nächsten Schritt gehen. Persönlich in die Rechtsantragsstelle des Amtsgerichts am Kindeswohnort treten, dort eine Klage auf eine Umgangsregelung formulieren und aufsetzen lassen, ggf. auch ein "Antrag auf Erlass einer vorläufigen Anordnung zum Umgangsrecht". Das Gericht solle nach § 49 Abs. 1 FamFG eine vorläufige Maßnahme im Wege der einstweiligen Anordnung treffen. Das ist der Fall, wenn mit dem Zuwarten einer Entscheidung in der Hauptsache ein erheblicher Nachteil verbunden ist (OLG Köln FamRZ 07, 658). Diesen Nachteil hat der Gesetzgeber in § 156 Abs. 3 FamFG ausdrücklich genannt. Sofern sich der Abschluss eines Umgangsverfahrens verzögert, hat das Gericht den Umgang im Wege einer einstweiligen Anordnung zu regeln, um der Gefahr einer Entfremdung entgegenzuwirken.
Man kann den Antrag samt Stellungnahmen selbst stellen (2 Kopien beilegen). Kein Anwalt nötig. Bei knappen finanziellen Mitteln gleichzeitig mit der Klage Verfahrenskostenhilfe ohne Ratenzahlung beantragen. Der Streitwert liegt bei 3000 EUR, die Gerichtskosten ohne Anwalt bei ca. 280 EUR. Beantragt die Mutter ihrerseits Verfahrenskostenhilfe, wollte aber nicht an Gesprächen im Jugendamt teilnehmen, so entgegnet man ihrem Verfahrenskostenhilfeantrag: "Hat ein Elternteil nicht an vom Jugendamt angebotenen Gesprächen teilgenommen, so ist ihm Verfahrenskostenhilfe zu versagen (OLG Brandenburg vom 22.3.05 - 9 WF 67/05, veröffentlicht in: Das Jugendamt, 5/2005, 261-262)". Ein guter Anwalt hilft vielleicht, muss aber eben bezahlt werden. Das Verfahren verläuft gemäss der Zivilprozessordnung (ZPO) ab § 253. Dauert es zu lange (ab 3 Monaten), ist erst Untätigkeitsbeschwerde, dann Verzögerungsrüge gem. §198 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) zu erheben. Vorher das Gericht entsprechend diesem Musterschreiben bitten, einen Termin für die mündliche Verhandlung festzulegen. Die Kinder werden je nach Alter vom Richter angehört und es kann sein, dass er ein teures Gutachten machen lässt (1500-4000 EUR). Gutachten verzögern zusätzlich und bringen häufig nichts. Letztlich liegt alles am Richter. Nie die Mutter schlecht machen - immer positiv reden - immer aus Sicht der Kinder. Wenn die Mutter schlecht redet, nicht darauf eingehen und wenn, dann kann man mit den Anwürfen nichts anfangen. Keinen Vergleich eingehen, sondern ein Richterurteil verlangen. Vergleiche besitzen verschiedene Nachteile, zum Beispiel schlechtere Vollstreckbarkeit oder Verzicht auf weitere Instanzen. Anwälte drängen gerne zu Vergleichen, weil sie über die Vergleichsgebühr mehr verdienen.
Klappt der Umgang trotz einer gerichtlichen Umgangsregelung nicht, gibt es eine riesige Spielwiese für juristische Betätigung, die man jahrelang beackern kann, ohne etwas zu erreichen. Im Gegensatz zu Unterhalt oder Wahrnehmung der Schulpflicht lässt sich Umgang für das Kind faktisch nicht vollstrecken. Erster Schritt ist immer der Versuch, Ordnungsgeld wegen Missachtung der Umgangsregelung zu vollstrecken. Typische Richterantwort: "Aufgrund der finanziellen Situation der Kindsmutter ist die Festsetzung eines Ordnungsgeldes zur Einhaltung des Umgangsrecht nicht angemessen". Indirekter, aber wesentlich durchsetzbarer und erfolgversprechender ist die Kostenrückforderung durch blockierte Umgangstermine über eine Zivilklage, siehe das BGH-Urteil vom 19.6.02 - XII ZR 173/00 "Der umgangsberechtigte Elternteil kann vom anderen Elternteil Schadensersatz verlangen, wenn ihm der andere Elternteil den Umgang nicht in der vorgesehenen Art und Weise gewährt wird und ihm daraus Mehraufwendungen entstehen." Das bezieht sich nicht nur auf bezahlten und dann ausgefallenen Urlaub mit dem Kind, sondern auch auf "normalen" Umgang: Hingefahren, Türe nicht geöffnet bekommen, Fahrtkosten eingeklagt. Jeden Termin von neuem, solange bis die gerichtliche Umgangsregelung von der Mutter eingehalten wird. Ebenfalls möglich und sinnvoll: Einen Antrag stellen, dass für die Dauer des festgelegten Umgangs das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Mutter ausgesetzt und auf einen Umgangspfleger übertragen wird, der dann dafür zu sorgen hat, dass die Übergabe funktioniert. Beispiel: OLG Ffm vom 03.02.2004 (Az. 1 UF 284/00).
Auch wenn der gerichtliche Weg nichts gebracht hat: Das Versagen des Rechtssystems wird dokumentiert, es wird belastet und auch das Engagement des Vaters für Kontakt zu seinem Kind ist später nicht mehr wegzuleugnen.
Jammernde Mütter bekommen von allen Seiten Unterstützung. Helfer, Freundinnen, Bekannte ernähren sich von ihren schlimmen Geschichten über den Vater und feuern die Mutter dafür an. Es gilt daher, auch vor allen Leuten stillzuhalten, die mit der Mutter Kontakt haben könnten. Keine Emotionen zeigen, das trocknet die Tratschgeschichten aus und damit auch die Opferpositionierung der Mutter. Nicht auf Nebenschauplätze wie Kindergarten, Schule, Jugendamt oder sonstige Helferindustriepersonen ausweichen.
Eventuelle Unterhaltsstreitigkeiten über einen Anwalt regeln lassen. Sich dabei nicht grosszügig und konziliant zeigen, sondern desinteressiert, sich abwendend, den Unterhalt minimierend.
An die Kinder zu Weihnachten, Ostern und Geburtstag gutgelaunte Karten ohne viel Text schicken. Wenn Geschenke, dann nur kleine.
Ein häufiger Fall. Wenn die Mutter den Vater ablehnt, übernimmt das Kind oft diese Haltung. Das läuft nicht auf bewusster Ebene ab. Loyalitätskonflikte, einzelne reale oder eingebildete schlechte Erfahrungen, mangelnde mütterliche Mitwirkungsbereitschaft bei den Umgangskontakten können andere Gründe sein. Die kindliche Entfremdung kann ein Leben lang anhalten und endgültig sein. Um das zu vermindern, muss man aktiv werden, "aussitzen" verschlimmert alles. Auf jeden Fall weiter Kontakt halten, z.B. per Telefon und Briefen. Am häufigsten versandet Umgang im Kindesalter 10-12 nach einer Auszehrungsphase. Spätere Probleme haben auch damit zu tun, dass dem erwachsen werdenden Kind Freunde statt Vater immer wichtiger werden, vor allem wenn der Kontakt schon vorher schwach war.
Sehr beliebt ist die Taktik, die Umgangszeiten des Vaters indirekt zu verplanen. Am Samstag könne das Kind nicht kommen, weil es jetzt Fussball spielt, Musikunterricht hat, bei der Jugendfeuerwehr mitmacht - mitgeteilt über das Kind selber. Fragt der Vater nach, wird er als Blockierer dargestellt, der seinem Kind den Spass nicht gönnt und erzieherisch sinnvolle Dinge ablehnt. Würde der Vater so die Zeiten des Kindes bei der Mutter verplanen, würde das als eine freche Einmischung in ihr Leben und Überlastung des Kindes gewertet. Möglichkeiten, damit zurechtzukommen hängen von vielen Faktoren ab, einfache Lösungen gibt es nicht.
Mütter äussern oft doppeldeutige Sätze, die ein Kind unsicher machen: Willst Du denn zum Papa? Das Kind merkt innerlich, dass es der Mutter nicht recht ist und lehnt den Besuch beim Vater ab. Die Mutter kann dann selbstverständlich erzählen, dass sie das Kind ermutigt, aber es wolle ja nicht. Alleinerziehenden- und Müttervereine sowie offen väterfeindliche politische Parteien wie DIE LINKE fordern für diesen Fall statt Ursachenforschung einen Umgangsausschluss oder vermuten eine Diffamierung des erziehenden Elternteils (fast immer die Mutter) und raten zur Einschaltung eines Anwalts. Eine ausgreifende Broschüre ("Allein erziehend - Tipps und Informationen") mit diesem Hinweis wird ganz offiziell vom Bundesministerium für alle ausser Väter verteilt. Broschüren für Väter, zur Massenkrankheit "Umgangsschwierigkeiten" oder dem Parental Alienation Syndrome existieren nicht.
Hilfreich ist es in jedem Fall, wenn jeder Elternteil das Kind zum jeweils anderen bringt, um den Kindern zu zeigen, dass der Umgang erwünscht ist. Stressbelastete Übergabesituationen sind zu umgehen. Ist die Mutter dazu nicht in der Lage oder sieht sie es nicht ein, sollte die Übergabe mit Hilfe von Dritten stattfinden. Vielleicht hilft ein gemeinsames Gespräch bei einer Erziehungsberatung oder dem Jugendamt. Ohne Mitwirkung beider Eltern geht das freilich nicht.
Auch das Scheitern muss man sich als Vater eingestehen, wenn die Verfolgung des Ziels unrealistisch oder Kindeswohl gefährdend (weil mit dauernden schweren Auseinandersetzungen verbunden) geworden ist. Dann wird es entscheidend, loslassen zu können. Loslassen können ist allerdings viel schwieriger als kämpfen. Psychologen raten dazu, sich einzugestehen, dass
Aufgeben können kann für den Vater zur zentralen Überlebensfrage werden. Abgetrennte Kinder sind lebendig gestorben, ihr Todesdunst zersetzt das eigene Leben. Trotzdem sollte die Tür vom Kind zum Vater offen bleiben. Kein Mensch kann seine biologischen Eltern negieren, nur der Weg zu ihnen kann blockiert werden. Eine eingetretene Volljährigkeit ändert nichts daran. Beziehungslosigkeit zum abgelehnten Elternteil dauert in mehr als 50 % aller Fälle länger als 22 Jahre an (Quelle: a qualitative study of adults who were alienated from a parent as a child, A. Baker, The American Journal of Family Therapy, 2006). Meldet sich ein Kind nach langen Jahren ohne Kontakt wieder beim Vater, führt das häufig zu neuen Enttäuschungen: Oft geht es nur darum, Geld aus dem Vater herauszuleiern. Neue Kontakte sollte man langsam angehen lassen, Materielles komplett aussen vor lassen, nicht zu viel von sich preisgeben.
Für Väter, die nach langen Anstrengungen aufgegeben haben bedeutet das fast immer eine anhaltende Erleichterung. Im Nachhinein wird meistens bedauert, nicht schon früher aufgegeben zu haben. "Aufgeben" bedeutet dabei nicht, Türen zu schliessen, sondern nicht mehr gegen Türen anzurennen, die andere geschlossen haben. Wer mag, kann weiterhin regelmässig Karten und kleine Geschenke zu schicken, dies mit Fotos zu dokumentieren bzw. die Rückläufer ungeöffnet aufbewahren. Post schickt man ohne echten Absender auf dem Umschlag, so dass nicht erkennbar ist, von wem die Sendung stammt. Bargeld und Dinge mit materiellem Wert vermeiden, die Gefahr steigt an, dass die Mutter abkassiert oder sich das Kind gekauft fühlt. Beherrschende Erinnerungen von Kindern ohne Vaterkontakt werden sonst "er versuchte nicht einmal, mir zu meinem Geburtstag zu gratulieren". Mütter, die den Umgang sabotieren, atmen innerlich auf, wenn der Vater nichts mehr von sich hören lässt. Nach aussen hin verdrehen sie es als "der Vater interessiert sich gar nicht für das Kind, er schreibt nicht einmal eine Postkarte". Eine knappe, strikt sachliche Dokumentation der Ereignisse hilft, den Faden nicht zu verlieren.
Auch ohne Sorgerecht und Umgang gibt es theoretisch wenige dünne Auskünfte über das Kind, die ein Trennungsvater nach § 1686 BGB einklagen kann: "Jeder Elternteil kann vom anderen Elternteil bei berechtigtem Interesse Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes verlangen, soweit dies dem Wohl des Kindes nicht widerspricht. Über Streitigkeiten entscheidet das Familiengericht". Die Kenntnis der "persönlichen Verhältnisse" des eigenen Kindes wird in der Realität so ausgelegt: Einmal jährlich ein Foto, das der Vater extra zu bezahlen hat (OLG Frankfurt 1 UF 103/00 402), Zeugniskopie (OLG Hamm vom 7.07.2000 8 UF 222/00), Auskunft über ärztlich behandelte schwere Krankheiten (AG Bremen 45 X 219/92 vom 26.9.1992). Genau wie Umgang ist eine Auskunft letztlich nicht durchsetzbar. Für die Mutter kann Blockade aber ein Eigentor sein: Weigert sie sich, Zeugnisse vorzulegen kann das Konsequenzen für den Unterhaltsbezug haben, denn wenn das Kind nicht mehr zur Schule geht, könnte er vermindert werden oder sogar wegfallen.

References: Art. 373
 Art. 374
 §1629
 §1715
 § 49
 § 156
 § 253
 §198
 § 1686