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Timestamp: 2018-03-19 18:14:04+00:00

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Muss Fluggesellschaft zusätzlich zur Entschädigung für die Flugverspätung Anwaltskosten zahlen? - FLUGGASTRECHTE
Hab mal ne Frage zu Anwaltskosten:
Unser Flug nach Varadero war 8 Stunden verspätet. Eigentlich müssten wir ja jetzt 1800 euro von der Fluggesellschaft bekommen. Condor sagt aber, dass sie die Entschädigung nicht zahlen müssten. Ich habe schon gelesen, dass die uns dann als nächstes einen Fluggutschein von 600 euro pro Person anbieten (aber auch erst wenn wir da richtig Ärger machen und immer wieder uns beschweren).
Ich habe ehrlich gesagt keine Lust auf den ganzen Trabbel mit Condor und einen Fluggutschein werde ich von Condor auf keinen Fall akzeptieren. Ich verstehe sowieso nicht wieso die sowas sagen dürfen. Es steht doch klipp und klar im Gesetz, dass Condor uns 600 euro pro Kopf zahlen muss. Wieso kommen die dann, von wegen nee müssen wir nicht zahlen?
Ich hab schon gelesen, dass man nur mit Anwalt gegen Condor erfolgreich ist. Wenn wir jetzt einen Anwalt einschalten, wer muss dann die Anwaltskosten zahlen? Muss Condor die Anwaltskosten zahlen? Muss Condor die Anwaltskosten auch zahlen, wenn die nur einen Gutschein anbieten?
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Gefragt 26, Mai 2015 in Rechtsanwälte für Fluggastrechte von Anonym
Anwaltskosten müssen dann vom Gegner übernommen werden, wenn Sie erstens einen Anspruch auf die Leistung haben, die Sie fordern und es zweitens notwendig war, einen Anwalt einzuschalten, um Ihr Recht durchzusetzen.
Wie Sie bereits richtig festgestellt haben, besteht die Möglichkeit, bei großer Verspätung eine Entschädigung von bis zu 600 € pro Person zu erhalten. Dies ist jedoch dann nicht der Fall, wenn sich die Airline erfolgreich auf „außergewöhnliche Umstände“ berufen kann, die den Flugausfall unumgänglich herbeigeführt haben. Umstände sind dann außergewöhnlich, wenn sie von der Airline nicht beeinflusst werden können und es keine zumutbare Option gab, den Flug dennoch pünktlich stattfinden zu lassen. Dies ist beispielsweise meistens bei fluguntauglichen Wetterbedingungen der Fall.
Airlines berufen sich fast immer auf außergewöhnliche Umstände, wenn sie eine Zahlung verweigern. Eine Airline muss jedoch genau begründen, warum ein außergewöhnlicher Umstand vorgelegen haben soll, es reicht nicht, diesen einfach zu behaupten. Häufig wird etwa „ins Blaue hinein“ behauptet, es habe ein „unerwarteter Flugsicherheitsmangel“ vorgelegen, dies reicht als Entlastung für eine Airline definitiv nicht aus. Sollte eine derartig unbestimmte Formulierung von Condor verwendet worden sein, so liegt ziemlich sicher kein außergewöhnlicher Umstand vor, Sie haben daher den Anspruch auf 600 € pro Person.
Dieser kann in Form eines Fluggutscheines ausgezahlt werden, Art. 7 der EU-Fluggastrechteverordnung gewährt den Airlines mehrere Möglichkeiten, die Ausgleichszahlung zu erbringen. Einem Fluggutschein müssen Sie jedoch ausdrücklich und schriftlich zustimmen, Sie können genauso gut sagen, dass Sie die 600 € per Überweisung ausgezahlt bekommen möchten. Condor darf nicht für Sie festlegen, wie die Summe ausgezahlt wird.
Häufig ist es so, dass Airlines erst dann einlenken, wenn Sie einen Anwalt eingeschaltet haben. Die Ihnen entstandenen Kosten für den Anwalt muss Condor ebenfalls ersetzen, wenn es eindeutig notwendig gewesen ist, den Anwalt hinzuzuziehen. Dies ist immer dann der Fall, wenn klar ist, dass Condor auf andere Weise kein Geld auszahlen wird. Weigert sich Condor also ausdrücklich und endgültig, Ihnen Geld zu zahlen, dann können Sie auf Kosten von Condor einen Anwalt einschalten – also gerade auch dann, wenn Condor nur einen Fluggutschein anbietet. Häufig empfiehlt es sich, vorab ein Schreiben mit einer kurzen Frist aufzusetzen, in dem anwaltliche Hilfe für den Fall angekündigt wird, dass Condor nicht reagiert oder sich weiterhin weigert, die Ausgleichszahlung zu erbringen.
AG Frankfurt a.M., Urteil vom 10.05.2010, Az 31 C 2339/10(74)
(zu finden über die Google-Suche „31 C 2339/10 (74) reise-recht-wiki“)
Die Anwaltskosten eines Passagiers müssen im Streit mit einer Airline dann ersetzt werden, wenn klar wird, dass der Passagier sein Recht andernfalls nicht durchsetzen kann. Dies ist etwa dann der Fall, wenn eine Airline eine Zahlung entweder endgültig verweigert oder sich nur auf einen Fluggutschein einlassen will.
LG Stuttgart, Urteil vom 20.04.2011, Az 13 S 227/10
(zu finden über die Google-Suche „13 S 227/10 reise-recht-wiki“)
Bei einer großen Verspätung haben Airlines eine Ausgleichszahlung an die betroffenen Passagiere zu erbringen. Zwar können sich Airlines dann von dieser Pflicht befreien, wenn „außergewöhnliche Umstände“ zur Verspätung geführt haben, diese muss eine Airline jedoch belegen können. Die bloße Behauptung, diese außergewöhnlichen Umstände hätten vorgelegen, genügt nicht.
Beantwortet 28, Mai 2015 von Haller (4,570 Punkte)
Bearbeitet 27, Mai 2015 von Haller
Ich kann ja meine Erfahrungen Schildern, ich hatte viele Themen hier durchgelesen und habe mir auch einen Anwalt genommen der Experte in dem Bereich ist.
Die Sache war eigentlich ganz klar, es gab einen Technischen Defekt und Condor musste zahlen. Leider hat die Angelegenheit viel zu lange gedauert und Condor wollte am Anfang nichts bezahlen und mit jedem weiteren Brief von dem Anwalt stieg das Angebot von Condor. Wir wollten aber die 800 € + Anwaltskosten, Condor hat sich natürlich geweigert. Wir mussten eine Klage einreichen, was uns am Ende klar gemacht wurde, dass wir den Fall gewinnen können und die Anwaltskosten z.B. 4000 € betragen aber der Richter uns einen Vergleich macht mit nur 2500 €. Und wird am Ende trotzdem im Minus sind, das Risiko war uns zu hoch deshalb haben wir das letzte Angebot von Condor angenommen und damit die Anwaltsgebühren bezahlt und etwas noch draufgelegt. Am sichersten ist es natürlich wenn man eine Rechtsschutzversicherung hat.
@admin warum war nur die Häfte meines Textes da?
Beantwortet 28, Mai 2015 von klitschko777 (140 Punkte)
Bearbeitet 28, Mai 2015 von klitschko777
Sie möchten verständlicherweise gegen Condor vorgehen und sehen sich aus der Lage heraus gezwungen einen Anwalt einzuschalten. Dies ist meist der richtige Weg, vile Fluggesellschaften versuchen Anspruchszahlungen abzuwimmeln und nicht zu zahlen. Mit einem erfahrenen Anwalt können Sie daher mehr erreichen und ersparren sich ein langes hin und her mit der Fluggesellschaft.
Berechtigterweise stellt sich dieFrage, ob die Anwlatskosten von Condor übernehmen werden muss. In Ihrem Fall ist hizuweisen, dass eine Ausgleichszahlung nach Art.7 EG (VO) je nach Flugstrecke zwischen 250€-600€ in Betracht kommt oder ein Fluggutschein, dem ist jedoch hizuzufügen, dass Sie al´s betroffener dem FLuggutschein ausdrücklich zustimmen müssen. Was in Ihrem Fall nicht vorliegt.
Allein, dass Anbieten eines Fluggutscheines reicht nicht aus, nach AG Hannover Urteil vom 31.07.2013 Az. 517 C 13641/11 besteht ein Hinweispflicht der Fluggesellschaften bei Verspätung und bestehenden Ausgleichansprüchen, demnach unterliegt die Fluggesellschaft gem. Art. 14 EG (VO) Nr.261/2004 der Verplichtung die Passagiere über Ihre Ansprüche auf Ausgleichzahlung gegenüber der Fluggesellschaft aufzuklären. Unterlässt die Fluggesellschaft diese Aufklärungspflicht, so kann nach dem Urteil der Fluggast einen Rechtsanwalt beauftagen seine Interessen gegen die Fluggesellschaft zu vertreten. Nach dem Urteil steht, dann dem Fluggast neben dem Ausgleichszahlungsanspruch aus Art.7 EG Vo Nr. 261/2004 auch ein Schadensersatzanspruch gem. § 280 I BGB bezüglich den von Ihm beauftragten Rechtsanwaltsgebühren zu.
Soweit ich es lesen kann, wurde Seitens Condor auch keine Informationspflicht unternommen, sonder Ihnen ohne Erklärung ein Fluggutschein als einzigste Alternative angeboten. Daher könnte auch Ihnen auf Grund unterlassen von Informationspflicht über Ihre Ansprüche auf Ausgleichzahlung (Art.14 EG (VO)), ein chadensersatzanspruch gem. § 280 I BGB bezogen auf die Rechtsanwaltskosten zustehen, wenn sie zur durchsetzung Ihrer Interessen einen Rechtsanwalt brauchen.
[ Zu beachten ist, dass eine Ausgleichszahlungspflicht Seitens der Fluggesellschaft ausgeschlossen werden kann, wenn ein außergewöhnlicher, trotz ergreifen aller mutmaßlicher Maßnahmen, Umstand liegt nach der EG VO Nr.261/2004, allerdings haben Sie nichts des gleichen geschrieben, dass sich Condor auf soch einen Umstand beruft.Zudem ist die bejahung solch eines Umstandes meist Umstritten und Einzelfallabhängig.]
Beantwortet 5, Jun 2015 von BOener (1,010 Punkte)
Steht dem Reisenden die Ausgleichszahlung zu, so gewinnt er den Prozess. Die Gegenseite trägt in solch einem Fall die Kosten für den Rechtsstreit, also auch die Anwaltskosten des Reisenden. Fraglich ist nur, ob dazu auch schon die Kosten zählen, die bereits vor der gerichtlichen Auseinandersetzung angefallen sind.
Das Amtsgericht in Frankfurt am Main hat dazu geurteilt, dass der Reisende auch seine außergerichtlichen Anwaltskosten geltend machen kann. Die Beauftragung eines Rechtsanwalts mit der außergerichtlichen Geltendmachung der Ansprüche stellt auch nach Ablehnung der Forderung durch die Fluggesellschaft eine angemessene Form der Rechtsverfolgung dar. Kommt die Airline seiner Pflichten nicht termingerecht nach, so entstehen dem Reisenden zusätzliche Kosten, diese Kosten werden als Verzugsschaden bezeichnet. Die außergerichtlichen Anwaltskosten sind als Verzugsschaden zu werten (§§ 280 Abs. 1 und 2, 286 Abs. 1, 2 Nr. 3, 257 BGB; vgl. AG Hamburg, Urt. v. 05.12.2006, 14 C 248/06; einfach mal bei Google eingeben: "14 C 248/06 Reise-Recht-Wiki.de"). Da die Fluggesellschaft nicht nach ihrer ersten Aufforderung zahlte, obwohl sie dazu verpflichtet gewesen wäre, gerät sie in den Verzug. Um die Ausgleichszahlung trotzdem noch zu erlangen, hat der Reisende einen Anwalt einzuschalten (vgl. AG Frankfurt a. M., Urt. v. 16.05.2013, 31 C 3349/12 (78)).
Kurz darauf urteilten die Richter nochmals, dass die Einschaltung eines Prozessbevollmächtigten insbesondere bei der Spezialmaterie im Bereich des Reiserechts geeignet und erforderlich sei, um die Ausgleichsansprüche gegen das Luftfahrtunternehmen gerichtlich durchzusetzen. Wenn die Hauptforderung (die Ausgleichszahlung) Erfolg hat, sind auch die Kosten der außergerichtlichen Rechtsverfolgung erstattungsfähig. Sie sind eine zweckentsprechende Maßnahme der Rechtsverfolgung und der Reisende trägt kein Mitverschulden im Sinne, dass er den Schaden hätte verhindern können (§ 254 Abs. 2 BGB). Die Beauftragung eines Anwalts ist auch dann nicht schlechterdings aussichtslos, da vorgerichtliche Beauftragung auch dann erfolgsversprechende ist, wenn die Fluggesellschaft die Ansprüche abgelehnt hat (vgl. AG Frankfurt a.M. Urt. v. 12.06.2013, 32 C 1268/13 (41)).
Allerdings besteht der Anspruch auf Erstattung der Rechtsanwaltskosten nicht, wenn die Hauptforderung nicht besteht (vgl. LG Darmstadt, Urt. v. 18.12.2013, 7 S 120/13). Außerdem muss der Anspruch geltend gemacht werden. Die geltend gemachten Kosten müssen einen Schaden darstellen, für den der Zahlungsverzug der Airline ursächlich war. Dieses setzt voraus, dass der Zahlungsverzug bereits vor der Einschaltung des Rechtsanwalts eingetreten war (vgl. AG Düsseldorf, Urt. v. 11.03.2011, 23 C 15835/10).
zunächst einmal ist es richtig, dass Sie bei einer Flugverspätung Ansprüche aus der EG-Verordnung 261/2004 haben. Wie hoch die Ausgleichszahlung am Ende ausfällt, hängt von der Flugdistanz ab.
- bei einer Flugstrecke bis zu 1500 km – 250 €
- bei einer Flugstrecke von 1500 km bis zu 3500 km innerhalb der EU – 400€
- bei einer Flugstrecke über 3500 km auch außerhalb der EU – 600€
Sie sollten allerdings beachten, dass die Fluggesellschaft keine Ausgleichszahlungen leisten muss, wenn sie außergewöhnliche Umstände gelten machen kann. Solche stellen einen Zuspruch für die jeweilige Airline dar, da mit diesen in der Regel nicht gerechnet werden kann und diese auch mit Ergreifen aller möglichen Maßnahmen nicht zu verhindern waren. Die Airline trägt allerdings auch die Beweispflicht für diese Umstände, Sie als Passagiere müssen dies nicht darlegen.
Sie haben für sich selbst einen Anspruch von 600 Euro p.P. Errechnet. Die Airline kann Ihnen dies auch als Gutschein in Aussicht stellen, dazu benötigt sie allerdings Ihrer schriftlichen Einwilligung.
Wenn Sie nun vorhaben einen Fachanwalt für Flug- und Passagierrechte einzuschalten und gegen Condor vor Gericht zu ziehen, müssen die Kosten von der gegnerischen Seite übernommen werden, wenn ein wirksamer Anspruch besteht und eine außergerichtliche Einigung nicht absehbar war. Diese müssen gezahlt werden, egal in welcher Form die Ausgleichsleistungen getilgt wurden.
(einfach über Google-Suche „31 C 2339/10 (74) reise-recht-wiki“)
Beantwortet 11, Nov 2015 von NatalieS (8,030 Punkte)

References: Art. 7
 Art.7
 Art. 14
 Art.7
 § 280
 § 280