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Timestamp: 2016-10-21 20:16:05+00:00

Document:
U 469/06 (26.07.2007)
U 469/06
Progr�s Versicherungen AG, Versicherungsrecht,
8081 Z�rich, Beschwerdef�hrerin,
"Z�rich" Versicherungs-Gesellschaft, Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz, 8085 Z�rich, Beschwerdegegnerin,
betreffend S.________, 1980.
vom 21. August 2006.
S.________, geboren 1980, war als �bersetzer angestellt und bei der "Z�rich" Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: "Z�rich" oder Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert, als er sich am 29. Mai 2005 anl�sslich des individuellen Fussballtrainings bei einer Schussbewegung eine Adduktorzerrung links zuzog. Die "Z�rich" verneinte hief�r die Leistungspflicht, da weder ein Unfall vorliege, noch eine Verletzung im Sinne der Aufz�hlung unfall�hnlicher K�rpersch�digungen erkennbar sei, weshalb sich S.________ an die Krankenversicherung wenden solle (Verf�gung vom 26. Oktober 2005). Auf die hiegegen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung - der Progr�s Versicherungen AG (nachfolgend: Progr�s oder Beschwerdef�hrerin) - erhobene Einsprache hin hielt die "Z�rich" an der Ablehnung der Leistungspflicht fest (Einspracheentscheid vom 22. M�rz 2006).
Dagegen beantragte die Progr�s beschwerdeweise, die "Z�rich" habe unter Aufhebung des Einspracheentscheides vom 22. M�rz 2006 die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern wies die Beschwerde mit Entscheid vom 21. August 2006 ab.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde h�lt die Progr�s am vorinstanzlichen Rechtsbegehren fest und beantragt die Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheids.
Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz �ber das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG; SR 173.110) in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Damit wurden das Eidgen�ssische Versicherungsgericht und das Bundesgericht in Lausanne zu einem einheitlichen Bundesgericht (an zwei Standorten) zusammengef�gt (Seiler/von Werdt/G�ngerich, Bundesgerichtsgesetz [BGG], Bern 2007, S. 10 Rz 75) und es wurde die Organisation und das Verfahren des obersten Gerichts umfassend neu geregelt. Dieses Gesetz ist auf die nach seinem Inkrafttreten eingeleiteten Verfahren des Bundesgerichts anwendbar, auf ein Beschwerdeverfahren jedoch nur dann, wenn auch der angefochtene Entscheid nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ergangen ist (Art. 132 Abs. 1 BGG). Da der kantonale Gerichtsentscheid am 21. August 2006 und somit vor dem 1. Januar 2007 erlassen wurde, richtet sich das Verfahren nach dem bis 31. Dezember 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetz �ber die Organisation der Bundesrechtspflege (OG) vom 16. Dezember 1943 (vgl. BGE 132 V 393 E. 1.2 S. 395).
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen �ber den Unfall (Art. 4 ATSG) und den Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung im Allgemeinen (Art. 6 Abs. 1 und 2 UVG) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt bez�glich des Begriffs der K�rpersch�digungen, die auch ohne ungew�hnliche �ussere Einwirkung Unf�llen gleichgestellt sind (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV), sowie der zuletzt in BGE 129 V 466 best�tigten Rechtsprechung, wonach dabei am Erfordernis des �usseren Faktors festzuhalten ist. Darauf wird verwiesen.
Strittig ist, ob die "Z�rich" f�r die Folgen der am 29. Mai 2005 zugezogenen linksseitigen Adduktorenzerrung des Versicherten leistungspflichtig ist. Fest steht und unbestritten ist, dass er am 29. Mai 2005 keinen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat, da es am hief�r erforderlichen Merkmal des ungew�hnlichen �usseren Faktors fehlte (vgl. Urteil U 611/06 vom 12. M�rz 2007 E. 4.2 mit Hinweisen). Zu pr�fen bleibt daher einzig, ob die Beschwerdegegnerin f�r die genannte Verletzung im Sinne einer unfall�hnlichen K�rperverletzung nach Art. 9 Abs. 2 UVV die gesetzlichen Leistungen zu erbringen hat.
3.1 Die Vorinstanz vertrat die Auffassung, sowohl eine gesteigerte Gefahrenlage als auch das Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der in Frage stehenden Lebensverrichtung f�hrenden Moments seien zu verneinen. Der Eintritt der Verletzung w�hrend einer normalen Schussbewegung im Fussballtraining k�nne nicht als Verwirklichung einer gesteigerten Gefahrenlage des Fussballs gewertet werden. Der Versicherte sei nach eigenen Angaben auch nicht durch etwas beeinflusst worden, das zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der Schussbewegung gef�hrt h�tte. F�r die Begr�ndung einer Leistungspflicht gest�tzt auf Art. 9 Abs. 2 UVV fehle es somit an der Voraussetzung eines �usseren Faktors.
3.2 Demgegen�ber argumentiert die Progr�s, ein seri�ses Fussballtraining beinhalte beim Bewegungsablauf im Rahmen der Schussabgabe Krafteinwirkungen auf Beinmuskulatur, Sehnen und Gelenke des Spielers, welche massgeblich h�her seien, als bei Verrichtungen des allt�glichen Lebens, weshalb die gesteigerte Gefahrenlage hier mit Blick auf die einschl�gige Rechtsprechung, insbesondere das Urteil des Eidgen�ssischen Versicherungsgerichts U 20/00 vom 10. Dezember 2001, bejaht werden m�sse. Mit Ausnahme der Ungew�hnlichkeit des �usseren Faktors seien s�mtliche Voraussetzungen des Unfallbegriffs im Sinne von Art. 4 ATSG erf�llt. Da die fragliche Adduktorenzerrung eine Listenverletzung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV darstelle, liege eine unfall�hnliche K�rperverletzung vor, f�r welche die "Z�rich" die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen habe.
In BGE 129 V 466 hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht seine Rechtsprechung zu den unfall�hnlichen K�rpersch�digungen dahingehend pr�zisiert, dass tatbestandsm�ssig ein ausserhalb des K�rpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnf�lliger, eben unfall�hnlicher Vorfall erforderlich ist. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den K�rper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Ausl�ser eines in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV aufgez�hlten Gesundheitsschadens, ist eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitssch�digung gegeben. Kein unfall�hnliches Ereignis liegt in all jenen F�llen vor, in denen der �ussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der f�r eine der in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV enthaltenen Gesundheitssch�den typischen Schmerzen gleichgesetzt wird. Auch nicht erf�llt ist das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn f�r die Bejahung eines �usseren, auf den menschlichen K�rper sch�digend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gef�hrdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz f�hrende T�tigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa f�r viele sportliche Bet�tigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Sch�digung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung berufen. Erf�llt ist demgegen�ber das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors bei �nderungen der K�rperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung h�ufig zu k�rpereigenen Traumen f�hren k�nnen, wie das pl�tzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch �ussere Einfl�sse unkontrollierbare �nderung der K�rperlage. Erforderlich und hinreichend f�r die Bejahung eines �usseren Faktors ist, dass diesem ein gesteigertes Sch�digungspotenzial zukommt, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der allt�glichen Lebensverrichtung f�hrenden Faktors (vgl. auch Urteil des Eidgen�ssischen Versicherungsgerichts U 137/06 vom 17. Oktober 2006, E. 2).
Der Ausl�sungsfaktor kann dabei allt�glich und diskret sein. Es muss sich indessen um ein pl�tzliches Ereignis handeln. Dabei kommt es beim Begriffsmerkmal der Pl�tzlichkeit im Rahmen der unfall�hnlichen K�rpersch�digungen nicht in erster Linie auf die Dauer der sch�digenden Einwirkung an als vielmehr auf deren Einmaligkeit. Keine unfall�hnliche K�rpersch�digung liegt demgem�ss vor, wenn eine Verletzung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV ausschliesslich auf wiederholte, im t�glichen Leben laufend auftretende Mikrotraumata zur�ckzuf�hren ist, welche eine allm�hliche Abn�tzung bewirken und schliesslich zu einem behandlungsbed�rftigen Gesundheitsschaden f�hren (BGE 116 V 145 E. 2c S. 148; erw�hntes Urteil U 137/06, E. 2; Alfred B�hler, Die unfall�hnliche K�rpersch�digung, in: SZS 1996 S. 88).
5.1 Mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) steht fest, dass die Zerrung am linken Adduktor durch eine Schussbewegung anl�sslich des individuellen Fussballtrainings vom 29. Mai 2005 hervorgerufen wurde.
5.2 In Erw�gung Ziffer 5.1 des Urteils U 611/06 vom 12. M�rz 2007 (best�tigt mit Urteil U 71/07 vom 15. Juni 2007, E. 6.2) hat das Bundesgericht erkannt:
Das Fussballspiel ist ein Geschehen mit einem gesteigerten Gef�hrdungspotenzial, indem eine Vielzahl von nicht allt�glichen Bewegungen (wie abruptes Beschleunigen und Stoppen, seit- und r�ckw�rts Laufen, Drehen, Strecken, Schiessen des Balls, Hochspringen beim Kopfball etc.), die den gesamten K�rper mannigfach belasten, ausgef�hrt werden. Es stellt auch f�r einen ge�bten Fussballer nicht eine allt�gliche Lebensverrichtung wie etwa das blosse Bewegen im Raum dar. Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht hat denn auch das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung bejaht bei einem Fussballspieler, der im Kampf um den Ball ins Leere schlug und sich dabei ein Hyperextensionstrauma des rechten Kniegelenkes zuzog (RKUV 1990 Nr. U 112 S. 373, U 86/89). Gleich hat es entschieden bei einem Fussballer, der im Rahmen eines Trainings eine Zerrung der Adduktorenmuskeln erlitt (Urteil des Eidgen�ssischen Versicherungsgerichts U 20/00 vom 10. Dezember 2001, E. 2; vgl. auch BGE 129 V 466 E. 4.1 S. 468 f.).
5.3 Mit Vorinstanz und Beschwerdef�hrerin ist festzuhalten, dass die am 29. Mai 2005 erlittene Adduktorenzerrung links eine Listenverletzung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV (Muskelzerrungen) darstellt, was von der "Z�rich" zu Recht nicht bestritten wird. Nach dem Gesagten ist diese Adduktorenzerrung auf eine pl�tzliche sowie heftige k�rpereigene Bewegung (Ballschuss; vgl. E. 5.1 hievor) und somit auf ein objektiv feststellbares, sinnf�lliges Ereignis anl�sslich der Aus�bung einer erh�ht risikogeneigten Sportart (Urteil U 611/06 vom 12. M�rz 2007 E. 5.1) zur�ckzuf�hren. Das gesteigerte Gef�hrdungspotenzial hat sich realisiert. Nach dem Gesagten ist vorliegend das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors bei �nderungen der K�rperlage (vgl. E. 4 hievor) erf�llt, weshalb mit der Vorinstanz auf ein unfall�hnliches Ereignis zu erkennen ist.
5.4 Entgegen der "Z�rich" besteht das gesteigerte Gefahrenpotenzial beim Fussballspiel und Fussballtraining - wie dargelegt (E. 5.2 hievor) - nicht im blossen Bewegen im Raum, sondern in nicht allt�glichen, den gesamten K�rper mannigfaltig belastenden Bewegungen (wie abruptes Beschleunigen und Stoppen, seit- und r�ckw�rts Laufen, Hochspringen beim Kopfball, Schiessen des Balls etc.). Soweit das Eidgen�ssische Versicherungsgericht mit Urteil U 20/00 vom 10. Dezember 2001 best�tigte, dass es sich beim anl�sslich eines Fussballtrainings pl�tzlich versp�rten Schmerz in der Leistengegend und der anschliessend diagnostizierten Adduktorenzerrung eines Berufsfussballspielers um eine unfall�hnliche K�rpersch�digung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV handelt, vermag die Beschwerdegegnerin daraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Steht fest, dass sich der Versicherte die Adduktorenzerrung bei der Schussabgabe im Fussballtraining zugezogen hat (E. 5.1 hievor), bedarf es zur Bejahung der Leistungspflicht gest�tzt auf Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV keiner weiteren besonderen Umst�nde (vgl. Urteil U 611/06 vom 12. M�rz 2007 E. 5.2 mit Hinweis). Abweichend von der mit angefochtenem Entscheid sinngem�ss vertretenen Auffassung des kantonalen Gerichts kann sich die gesteigerte Gefahrenlage praxisgem�ss (Urteil U 20/00 vom 10. Dezember 2000) nicht nur in der konkreten Spielsituation oder einem Kampf mit Gegenspielern verwirklichen, sondern auch im Fussballtraining, welches dieselben nicht allt�glichen k�rperbelastenden Bewegungen umfasst, die sp�ter im Einsatz beim Spiel zwischen zwei gegnerischen Mannschaften abverlangt werden. Der Vorinstanz ist auch nicht zu folgen, soweit sie aus den Angaben des Versicherten, wonach bei der Schussabgabe nichts Besonderes passiert sei, schloss, es fehle am �usseren Faktor. Der Umstand, dass der Versicherte beim Ballschuss keinen eigentlichen Fehltritt beging, f�hrt lediglich zum Ausschluss eines Unfalls im Rechtssinne (Urteil U 611/06 vom 12. M�rz 2007 E. 5.2 mit Hinweis).
5.5 Demnach ist am angefochtenen Entscheid nicht festzuhalten. Die "Z�rich" hat f�r die Folgen der am 29. Mai 2005 erlittenen unfall�hnlichen K�rpersch�digung (Adduktorenzerrung links) des Versicherten die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen.
Streitigkeiten zwischen Versicherungstr�gern �ber Leistungen aus Unfallfolgen f�r einen gemeinsamen Versicherten sind kostenpflichtig (BGE 126 V 183 E. 6 S. 192 mit Hinweisen). Die "Z�rich" hat deshalb als unterliegende Partei die Gerichtskosten zu tragen (Art. 156 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 135 OG).
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. August 2006 und der Einspracheentscheid der "Z�rich" Versicherungs-Gesellschaft vom 22. M�rz 2006 werden aufgehoben. Es wird festgestellt, dass der Versicherte am 29. Mai 2005 eine unfall�hnliche K�rpersch�digung erlitten hat und daraus im Grundsatz gegen�ber der "Z�rich" Versicherungs-Gesellschaft leistungsberechtigt ist.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, dem Bundesamt f�r Gesundheit und S.________ zugestellt.

References: BGE 
 Art. 9
 BGE 
 Art. 4
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 4
 Art. 9
 BGE 
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 BGE 
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 135