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Timestamp: 2020-01-19 16:57:11+00:00

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Die Zukunft der Arbeit (2) - Chancen und Risiken der Automatisierung am Beispiel - Deliberation Daily
Die Zukunft der Arbeit (2) – Chancen und Risiken der Automatisierung am Beispiel
by Stefan Sasse on 21. Juli 2014
Eine deutlich stärkere Automatisierung als großen Trend in den nächsten Jahren vorherzusehen gehört nicht zu den Dingen, für die man besonders viel prophetisches Talent braucht. In einem zunehmenden Maß werden Jobs überflüssig, die bisher arbeitsintensiv und vor allem wenig komplex sind. Natürliche Kandidaten hierfür sind etwa Kassierer im Supermarkt, alle Arten von Lageristen, Putzkräfte, Pflegepersonal, Briefträger und Paketdienste, und vieles mehr. Ein Beispiel mit dem ich mich etwas näher beschäftigen will, weil ich seiner Einführung besonders aufgeregt entgegen sehe, ist die Automatisierung des Personenverkehrs, vulgo: selbstfahrende Autos. Google hat sich derzeit, einen Zukunftstrend witternd, massiv in die Entwicklung geworfen, und die Etablierung dieser Maschinen dürfte starke disruptive Wirkungen auf vielen Gebieten haben, die zur Verdeutlichung von sowohl Chancen als auch Risiken dieses Trends dienen können. Das selbstfahrende Auto bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich, die kaum von der Hand zu weisen sind. Die Sicherheit auf den Straßen wird dramatisch ansteigen (allein in Deutschland sterben Jahr für Jahr über 3000 Menschen). Der Benzinverbrauch wird, vermutlich, deutlich sinken. Das Pendeln zum Job, die wohl unangenehmste Art Auto zu fahren überhaupt, kann für andere Dinge genutzt werden (etwa Nachrichten konsumieren) und wird durch effizienteres Fahrverhalten auch deutlich kürzer. Denn, und das ist der nächste Punkt, die Rush Hours entspannen sich deutlich, da selbstfahrende Autos wesentlich effizienter anfahren und Geschwindigkeiten halten, so dass der Verkehr wesentlich fließender ist. Es wird vermutlich billiger sein. Mehr Menschen können fahren (Behinderte, Alte, Jugendliche, etc.). Weniger Menschen brauchen überhaupt ein eigenes Auto, weil personalisierter öffentlicher Nah- und Fernverkehr überhaupt kein Problem darstellt. Und so weiter und so fort.
Natürlich wird diese Entwicklung nicht von heute auf morgen ablaufen. Wahrscheinlich werden es zuerst Selbstfahrsysteme für Autobahnen sein, die in Lastwagen eingebaut werden – die einfachste vorstellbare Kombination. Ebenfalls gut möglich ist, dass das System anfangs für Konvoifahrten genutzt wird, wo im vordersten Fahrzeug noch ein Mensch sitzt und der Rest einfach automatisch folgt. Aber bald werden auch Systeme für den Stadtverkehr entwickelt werden. Und die dann in Pkw verbaut. Dies ist kein Science-Fiction, das allzuweit weg ist. Noch vor zehn Jahren waren die tragbaren Computer, die wir heute ständig dabei haben und aus blanker Gewohnheit noch „Telefone“ nennen, völlig unvorstellbar.
Diese beinhaltet auch eine ganze Menge Risiken. Wie bei jeder modernen Technologie wird der Konzern, dessen Produkt sich am Ende durchsetzen wird, Zugriff auf gigantische Datenmengen haben – und haben müssen, wenn das System funktionieren soll. Dieser Konzern greift im Zweifel auch lenkend ein. Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung Sicherheitsbehörden Schnittstellen für das schnelle Umleiten und Abschalten von Autos einrichten werden. Andererseits haben sie auch wesentlich weniger zu tun – Geschwindigkeitsüberschreitungen, Geisterfahrer und Ähnliches würden der Vergangenheit angehören.
Einer der disruptivsten Effekte für die Gesellschaft aber wird der Verlust von Arbeitsplätzen sein. Das Aufkommen selbstfahrender Autos zerstört komplette Gewerbe. Fernfahrer und Taxifahrer, Busfahrer und Lokführer werden alle überflüssig werden. Das sind zehntausende, vielleicht sogar hunderttausende Arbeitsplätze. Allein in den USA arbeiten über 1,7 Millionen Fernfahrer und 230.000 Taxifahrer. Weltweit dürfte die Zahl der Arbeitslosen viele Millionen betragen.
Und diese Arbeitslosen lassen sich auch nicht einfach umschulen und in anderen Zweigen unterbringen. Denn eine ähnliche Entwicklung betrifft Kassierer, Putzkräfte, Lageristen, und, und, und. Gleichzeitig müssen wir Menschen uns an den Anblick von wesentlich mehr Maschinen gewöhnen, die ohne menschliche Einwirkung ihre Arbeit verrichten. Diese beiden Faktoren, nicht die technische Umsetzung, dürften die größten Herausforderungen werden. Wie gehen wir mit den Menschen um, die in einer hochautomatisierten Wirtschaft schlicht nicht mehr gebraucht werden? Und wie verändert sich die Gesellschaft, wenn wir automatisch zur Arbeit gefahren, automatisch gepflegt werden, wenn unsere Wohnungen automatisch geputzt werden und die Bezahlung unseres Einkaufs automatisch beim Verlassen des Geschäfts abgebucht wird, falls wir dann überhaupt noch Geschäfte haben und das Zeug nicht automatisch per Drone zugeliefert bekommen? Ich teile die Oswald-Spengler-Dramatik des FAZ-Feuilletons nicht und freue mich tatsächlich auf viele dieser Entwicklungen, aber es die Fragen müssen gestellt und debattiert werden. Und bisher weichen die Apologeten der neuen Technologie vor einer positiven Beantwortung dieser Fragen aus und überlassen den Neo-Ludditen das Feld.
Vox, Vox, Vox, FAZ, Vox, Vox
Marc 21. Juli 2014, 20:16
Ich bin ebenfalls von der Innovationskraft Googles begeistert und das autonome fahrende Auto ist ein Geniestreich. Die Gefahren, wie riesige Datenberge zur Mobilität, gezielten Ausschluß von der Mobilität, etc, sehe ich ebenfalls. Es gibt jedoch eine einfache Lösung: würde die Mobilität mittels autonomer Systeme zur Grundversorgung zählen, dann müssten keine personenbezogene Daten, nicht einmal die einzelnen Fahrten aufgezeichnet werden. Sie stünde allen diskriminierungsfrei zur Verfügung und würde die gesellschaftliche Gesamtmobiliät steigern und somit einen Teil der Kosten, die ohnehin aufgrund der Kostensenkung nicht so hoch sein werden, wieder einspielen.
rainer 22. Juli 2014, 10:07
….da kann ich gut drauf verzichten…..
Hussenberger 22. Juli 2014, 10:09
dieser Themenkomplex ist in der Tat sehr interessant und die Debatte muss auf jeden Fall geführt werden. Ich kann nur sagen, dass jeder Technikoptimismus mit Vorsicht zu genießen ist oder gar abzulehnen ist. Obwohl die Technikfolgenabschätzung und Technikfolgenbewertung seit Jahren existiert, hat es der Mensch nicht geschafft, die größten Technologien des 20. und 21 Jhd. so einzusetzen, ohne dass hunderttausende wenn nicht gar Millionen von Menschen Nachteile daraus daraus ziehen mussten. Es profitieren zwar auch Millionen von Durchschnittsmenschen, aber nur wenige profitieren nur richtig davon, indem sie Millarden gewinne einfahren. So haben viele Menschen unvorstellbare Rechenkapazitäten in der Hosentasche mit denen sie auch noch auf ein weltweit aufgespanntes Netzwerk teilnehmen können. Manche Industrien haben ihre Effizienz dramatisch steigern können. Derweil werden diese auf Ausbeutung basierende Geräte im Vier-Jahres-Takt weggeworfen, was nicht gerade der Umwelt förderlich ist. Die Ausbeutung geschieht in zweifacher Weise: Zum einen werden Völker ihrer Rohstoffe „beraubt“, ohne dass diese wirklich davon profitieren. Dass habe ich schon mehrere Male gelesen und Belege müssten sich dafür leicht finden. Zum anderen werden Menschen im Stile des 19. Jhd bei der Fließbandarbeit u.A. in China klassisch ausgebeutet. Sie bekommen einen Hungerlohn. Währenddessen freuen sich und staunen junge und alte Gesichter über die Errungenschaften der Menschheit und werfen diese Geräte innerhalb von zwei Wochen auf den Boden, um diese Geräte kaputtzumachen. Die Automatisierung der Industrie hat zwar vielen etwas gebracht. Die ersetzten Arbeitskräfte waren wohl davon nicht so begeistert. Inwiefern haben denn diese davon profitiert? Profitiert haben in erster Linie Besitzer von Produktionsstätten. Die letzte „technologische Errugenschaft“ mit der wir zu kämpfen haben ist das Internet. Hunderte Millionen von Menschen werden überwacht, Daten aus denen sich (wirklich genaue!) Persönlichkeitsprofile erstellen lassen, liegen in wenigen Händen, und die Menschen finden das völlig harmlos, und wissen gar nicht was für eine politische Macht dahinter steckt (Hans M. Enzensberger). Die meisten Menschen verwenden etwas, von dem sie gar keine Ahnung haben und das Wissen über die Technologien geht qualitativ über das Wissen früher Technologien wie z.B. Mechanische.
Wieso werden technologische Errugenschaften nicht so genutzt, indem alle profitieren? Es ist doch der offensichtlichste und kühnste Traum der Menschen über Technologien, dass Technik uns die Arbeit abnimmt, und dass wir andere Arbeit machen müssen. Die Technologien könnten vielleicht auch die Nahrungsmittelproduktion (teilweise) übernehmen, sodass zu wirklich freien Menschen werden könnten. Dann wären wir so frei wie nie, selbst nach Nietzsche: „Wer nicht zwei Drittel seines Tages für sich hat, ist ein Sklave.“
Natürlich sind das gefährliche optimistische Ideen, aber es wird doch wohl möglich sein, die technologische Errugenschaften so zu nutzen, ohne irgendwelche Menschenexistenzen zu zerstören. Schlussendlich ist es unsere Pflicht dies zu tun, denn wir haben den Anspruch die Würde des Menschen zu achten. Und nicht von Errungenschaft zu Errungenschaft herumzuheucheln.
Ich kann mir für die Zukunft vorstellen, dass Menschen, deren Arbeit durch Technik ersetzt wird, einfach Ersatzeinkommen erhalten. Entweder explizit oder implizit durch ein bedingungslosen Grundeinkommen. Außerdem müsste langsam das Ausbeutertum abgeschafft werden, indem mit Dritte-Welt-Ländern wirklich zusammengearbeitet wird.
Hussenberger
In Dubio 22. Juli 2014, 10:18
Interessant, wie wieder ein Bild entworfen wird über Produkte, die die Menschheit brauchen könnte. Ein Liberaler hätte so etwas jetzt nicht geschrieben. Haben wir einen Bedarf an selbst steuernden Autos? Schön, man kann nebenher Zeitung lesen, aber das kann man in der U-Bahn oder dem Bus auch. Wenn nicht alles täuscht, geht die Entwicklung dahin, dass immer mehr Menschen in Ballungsräumen und nicht auf dem Land leben. Das bedeutet aber kürzere Fahrtwege bei mehr geballtem Verkehrsaufkommen. Da ist es nicht weit her mit Zeitungslesen, dafür ist ein Auto viel zu teuer, weshalb immer mehr Städter auf ein Auto komplett verzichten.
Der Liberale ist der Überzeugung, dass der Markt darüber entscheiden wird, ob eine Idee gut ist. Der Linke versucht die Durchsetzung einer von ihm als gut befundenen Idee zu erzwingen.
Noch vor zehn Jahren waren die tragbaren Computer, die wir heute ständig dabei haben und aus blanker Gewohnheit noch “Telefone” nennen, völlig unvorstellbar.
Das ist falsch. Vor über einem Jahrzehnt wurden die UMTS-Lizenzen für rund 50 Mrd. EUR in Deutschland versteigert. Das Ziel war, eben die Frequenzen dafür zu verteilen, dass Telefone als Computer genutzt werden können. Nur zum Durchbruch der Technologie dauerte es noch etwas. Zur Erklärung einfach bei Joseph Schumpeter nachlesen. 😉
Die gesamte Stoßrichtung ist falsch? Warum lernen wir bestimmte Berufe? Muss man Kassierer lernen oder nicht eher die Fähigkeit, Scanner im Allgemeinen zu bedienen? Wer Kassierer lernt, ist auf eine Branche angewiesen, wer eine Fähigkeit erlernt, kann diese überall nutzen, wo sie eben gefragt ist. Bei der universitären Ausbildung gehen wir seit vielen Jahren so vor. Wir erlernen keine Berufe, sondern die Fähigkeit zur Abstraktion, Theoriebildung und interdisziplinären Arbeiten. Warum nicht auch unterhalb dieses Niveaus?
Hussenberger 22. Juli 2014, 14:29
Es geht wohl in wichtigen Debatten nicht ohne Ideologienkampf, richtig? Wie kann man nur derart gesellschaftlich wichtige Angelegenheiten dem Markt überlassen? Die Entscheidung obliegt dem Menschen und nicht einem abstrakten Gebilde, in denen wenige Menschen in überlegener Position sind.
Die gesamte Stoßrichtung ist falsch? Warum lernen wir bestimmte Berufe? Muss man Kassierer lernen oder nicht eher die Fähigkeit, Scanner im Allgemeinen zu bedienen? Wer Kassierer lernt, ist auf eine Branche angewiesen, wer eine Fähigkeit erlernt, kann diese überall nutzen, wo sie eben gefragt ist.
Ist das nicht das Ergebnis des Marktes? Der Markt hat entschieden, dass manche Menschen keine höhere Bildung, also ein hohes Abstraktionsniveau brauchen, sondern gelernte Arbeit gebraucht wird, denn kurzfristig lässt sich mit schnell produzierten gelernten Arbeitskräften mehr verdienen. Menschen mit hohem Abstaktionsniveau sind teuerer, oder nicht?
Was lässt sich eigentlich mehr machen, wenn man lernt Scanner bedient als „nur“ kassieren kann?
Bei der universitären Ausbildung gehen wir seit vielen Jahren so vor. Wir erlernen keine Berufe, sondern die Fähigkeit zur Abstraktion, Theoriebildung und interdisziplinären Arbeiten. Warum nicht auch unterhalb dieses Niveaus?
So sollte es eigentlich sein. Aufgrund von Universitäten, die eng mit dem privaten Sektor verbunden sind, vermute ich, dass sich Universitäten zunehmend als Berufsausbildungsstätten entwickeln werden. Das würde natürlich auf Kosten des erwähnten Abstraktionsniveaus gehen.
techniknoergler 25. Juli 2014, 13:39
“ Die Entscheidung obliegt dem Menschen und nicht einem abstrakten Gebilde, in denen wenige Menschen in überlegener Position sind.“
Rhetorisch geschickt, bei näherem Hinblicken aber eine geistlose Phrase:
„Die Entscheidung obliegt dem Menschen“
ja welchem der 7 Milliarden Menschen denn?
Worum es geht ist die Frage, nach dem Prinzip nicht Nicht-Inizieerung von Gewalt und Übergriffen auf Leib, Leben und Eigentum ohne vorherige Zustimmung Menschen versuchen müssen sich zu einigen (Methode 1) oder ob eine mit dem Gewaltmonopol ausgestattete Institution die Entscheidung treffen soll(Methode 2). Das ist die große Frage.
Methode 1 gibt dem Individuum mehr flexibilität. Denn bei einem „abstrakten Gebilde, in denen wenige Menschen in überlegener Position sind“ denke ich zuerst einmal an den Staat.
In Dubio 22. Juli 2014, 14:54
Es geht wohl in wichtigen Debatten nicht ohne Ideologienkampf, richtig?
Stimmt, macht einfach Spaß! Es geht um Sichtweisen, natürlich.
Wie kann man nur derart gesellschaftlich wichtige Angelegenheiten dem Markt überlassen?
Schreeeeccckkkkkkliiiiichhhhhhh! Am besten, ein staatliches Expertengremium setzt sich hin und diskutiert die Frage, ob fliegende Autos gebaut werden sollen. Nehmen wir an, die Entscheidung fällt PRO aus und wir setzen viel Energie darein, so etwas zu produzieren. Nach 5 Jahren Fleiß und einer Investitionssumme von 50 Mrd. EUR können wir fliegende Autos anbieten. Nehmen wir dann an, die tollen Untertassen mit einem Kaufpreis von 400.000 EUR und Spritkosten von 200l auf 100 km werden nicht gekauft. Wäre das nicht eine Fehlkalkulation, weil wir die Entscheidung dem Intellekt überlassen haben? Ach sorry, wenn wir intelligent sind, treffen wir keine Entscheidung, die später nicht funktioniert. Is‘ klar.
Was jemand lernt, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Dafür kann Ihnen niemand die Verantwortung abnehmen. Verantwortung, böses Wort.
Klar, Menschen mit höherem Abstraktionsniveau sind teurer, und? Ich dachten, Sie wollten mehr verdienen, geht es nicht darum? Und nein, mit schnell angelernten Kräften lässt sich nicht mehr, sondern weniger verdienen. Weder Unternehmen des Wach- und Schließgewerbes noch Pflegedienste, noch Reinigungsunternehmen erwirtschaften eine Rendite, die beeindruckend erscheint. Die krebsen alle rum.
In der Privatwirtschaft machen Uni-Absolventen schneller Karriere zu höheren Gehältern als Leute von Berufsakademien und Fachhochschulen. Unternehmen sind also durchaus bereit, für Leistung zu bezahlen und Entwicklungsmöglichkeiten zu offerieren. Warum sollten sie sich das kaputt machen?
Am_Rande 22. Juli 2014, 16:50
Alexander von Humboldt wird ja oft folgendes Zitat zugeschrieben:
Daran sollte man denken, wenn man die vermeintlichen Kassandrarufe der modernen Maschinenstürmer liest.
Es gibt heute noch Weltgegenden wo die Dampflokomotive als zeitgemäße Technik und die Glühbirne als Luxusartikel gilt.
Wenn(!) sich die Robotik durchsetzen wird, dann wird sie es langsam und stetig tun.
Und von Weltgegenden ausgehend, wo man sich den Einsatz dieser neuen und damit teuren Technik wird leisten können.
Und wo man den technischen Wandel wird verkraften können.
Ja – Hundertausende Jobs würden verschwinden.
Aber doch nicht von heute auf morgen.
Stefan Sasse 22. Juli 2014, 19:46
@InDubio: Ich verstehe nicht, wie du immer auf das Zeug kommst. Ich will niemand irgendetwas vorschreiben. Tatsächlich gehe ich schlicht davon aus, dass es einen Markt geben wird und dass diese Entwicklung kommt, aus puren Marktkräften heraus. Wo du erkennen willst, dass ich diese Entwicklung irgendwo von oben dekretieren will, erschließt sich mir nicht.
In Dubio 22. Juli 2014, 20:21
Soweit Du überzeugt bist, dass eine wirtschaftliche Entwicklung ganz sicher so kommen wird, solltest Du unternehmerisch arbeiten. Denn dann kannst Du mit solchen Überzeugungen viel, viel Geld verdienen. Ich habe so gar kein Gespür für zukünftige Entwicklungen. Ich habe mich selten so oft geirrt wie bei Prognosen, die die Zukunft betreffen. 😉
Stefan Sasse 23. Juli 2014, 06:52
Ich bin kein Unternehmer. Ich habe nicht die geringste Ahnung von Programmieren, oder von Autos, oder von Verkehrsinfrastruktur. Und mit einer Garagenfabrik wird man wohl kaum den Selbstfahrende-Autos-Markt dominieren können. Lassen wir den Unsinn einfach, ok? ^^
Hussenberger 22. Juli 2014, 21:03
Schreeeeccckkkkkkliiiiichhhhhhh! Am besten, ein staatliches Expertengremium setzt sich hin und diskutiert die Frage, ob fliegende Autos gebaut werden sollen. […]
Strohmann-Argument. Die Ablehnung, dass der Markt die Sache übernimmt impliziert nicht derartiges wie ein staatliches Expertengremium. Indem Sinne sind deine weiteren Ausführungen dazu meiner Meinung nach wertlos.
Ein persönliche Entscheidung, wie wahr. Ist sie frei? Das darf bezweifelt werden. Es gibt Sachzwänge, die eine freie Entscheidung erschweren. Frei wäre in diesem Sinne der Markt, aber nicht der Mensch. Hat der Markt nicht direkten Einfluss auf die persönliche Entscheidung und bringt Menschen dazu Arbeit zu verrichten, die sie eigentlich gar nicht machen wollen?
Klar, Menschen mit höherem Abstraktionsniveau sind teurer, und? Ich dachten, Sie wollten mehr verdienen, geht es nicht darum?
Und nein, mit schnell angelernten Kräften lässt sich nicht mehr, sondern weniger verdienen. Weder Unternehmen des Wach- und Schließgewerbes noch Pflegedienste, noch Reinigungsunternehmen erwirtschaften eine Rendite, die beeindruckend erscheint. Die krebsen alle rum.
Das widerspricht sich nicht. Nur weil deine genannten Branchen nicht beeindruckende Rendite erwirtschaften, heißt dies nicht, dass sich mit kurzfristig angelernten Arbeitskräfte mehr verdienen lässt.
Ich meine, dass Zeitarbeitskräfte meine These unterstützen. Durch Zeitarbeiter muss sich ein Unternehmen nicht (zwingend) einmal um die Ausbildung kümmern. Ich glaube nicht, dass sich die Zeitarbeiter mit den heutigen Löhnen für Zeitarbeit eine Bildung mit höherem Abstraktionsniveau leisten können, aber das ist ein anderes Themenfeld.
Niemand hat behauptet, dass sich Unternehmen davon scheuen, Uniabsolventen einzustellen. Wenn es dem Profit dient, wieso nicht? Besteht aber die Möglichkeit, Arbeitskräfte für bestimmte Aufgaben anzulernen, dann scheint mir das die marktwirtschaftlichere Methode. Denn für eine angelernte Arbeitskraft wird schließlich weniger gezahlt.
Ich denke Uniabsolventen werden eingestellt, wenn das Unternehmen denkt, es geht nicht anders, oder besser ausgedrückt: dass Profit ohne große Risiken abfällt.
Dass Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten offerieren bleibt davon unangetastet, liest sich meiner Meinung nach ein wenig sozialromantisch.
Finde ich ziemlich einseitig. Daran sollte man immer denken.
Es mag heute noch Weltgegenden geben, indem Nahrungsmittel als Luxusartikel gelten, obwohl gerade die, die davon betroffen sind Luxusartikel produzieren, für Menschen, die Nahrungsmittel Tonnenweise wegwerfen.
Was heißt denn „langsam und stetig“? Technologie ist nicht gerade dafür bekannt, sich im Schneckentempo zu entwickeln. Damit meine ich auch die tatsächliche Durchsetzung von Technologie, oder was meinst du?
Das mag sein. Es geht aber nicht primär darum, ob die Jobs schnell oder langsam verschwinden, sondern, ob davon schlechte Entwicklungen zu erwarten sind.
In Dubio 23. Juli 2014, 07:53
Die Ablehnung, dass der Markt die Sache übernimmt impliziert nicht derartiges wie ein staatliches Expertengremium.
Wie soll den entschieden werden, wenn Sie die Entscheidung über wichtige Produkte nicht dem Markt überlassen wollen?
Ich kenne niemanden, der seinen Beruf nicht freiwillig gewählt hat. Abgesehen von jenen, die erst gar keinen Beruf gelernt haben und heute klagen, welche Arbeit sie tun müssten. Da gilt die Regel: wer keine Entscheidung trifft, trifft auch eine Entscheidung. Klar, warum wir etwas tun, dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Geld ist einer davon. Bei gering entlohnten Tätigkeiten ist das Motiv der Entlohnung hoch, bei höheren eher geringer. Ich verzichte z.B. nicht auf Urlaub, weil Geld mich antreibt.
In meinem Bereich verzichte ich völlig auf Zeitarbeiter. Das hat einen einfachen Grund: ihre Qualifikation ist schlechter, ihre Motivation oft lausig, ihre Bereitschaft zur Einarbeitung limitiert und die Kosten relativ hoch. Beim Interims Management, das ist auch Zeitarbeit, sieht die Sache diametral anders aus. Aber die werden auch ziemlich gut entlohnt.
Meine Beobachtung der letzten 10 Jahre ist eine ganz andere als Ihre: Die Lohnsumme steigt bei tendenziell schrumpfender Belegschaft. Unternehmen legen lieber 100.000 EUR für einen Leister hin als 40.000 EUR für jemanden, der permanent angeleitet und angetrieben werden muss. Überlegen Sie, wie Sie kaufen: nehmen Sie das Billigste und ärgern sich über kurze Lebenszeit, miese Qualität und Billigimage? Ich tue das jedenfalls nicht, das meiste, was ich kaufe, ist relativ teuer. Und nicht aus Imagegründen, sondern aus dem Verständnis, dass es keine Schnäppchen gibt und man nichts geschenkt bekommt.
techniknoergler 25. Juli 2014, 14:01
„Strohmann-Argument. Die Ablehnung, dass der Markt die Sache übernimmt impliziert nicht derartiges wie ein staatliches Expertengremium. Indem Sinne sind deine weiteren Ausführungen dazu meiner Meinung nach wertlos.“
Äh, wie soll den sonst entschieden werden?
Entweder mit und durch den Gewaltmonopolisten (Staat) oder unter seiner Zurückhaltung durch handelnde Individuuen, die keine Gewalt oder allgemein Übergriffe auf Leib, Leben und Eigentum initiieren dürfen und sich unter diese Umständen einigen oder auch nicht.
„Ein persönliche Entscheidung, wie wahr. Ist sie frei? Das darf bezweifelt werden. Es gibt Sachzwänge, die eine freie Entscheidung erschweren.“
Das wiederspricht nicht der Freiheit. Sachzwänge gibt es immer. Wenn Freiheit von Sachzwängen gemeint wäre, dann gäbe es keine Freiheit, aber auch mit keiner Alterantive zum Markt. Wie auch? Selbst wenn in bestimmten bereichen die Konsequenzen einer Entscheidung so abgefangen werden, dass sie auf andere Aspekte des Lebens keine Entscheidung haben, zum Beispiel „kostenlose“ Güter verteilt werden, die zu nutzen nicht die für andere Dinge verfügbaren Kaufkraft verändert, so muss dies doch irgendwie finanziert werden – und in der Regel jemandem etwas mit Gewalt genommen werden, der dann weniger von den Früchten seiner Arbeit und seines Kapitals behalten darf. Übrigens, so närrisch zum meinen man könne ja einfach alle Kapitaleinkünfte zu 90% besteuern ist nicht einmal Skandinavien – im Gegenteil, die besteuern für ihr „Volkshaus“ Arbeit viel höher als Kapital. Und zwar aus gutem Grund. Nicht weil Kapital ein scheues Reh in der globalisierten Welt wäre, sondern weil privat gesteuerte Investitionen (anstatt Konsum) den Kapitalismus gegenüber der Zentralverwaltungswirtschaft so überlegen machen. Und dazu muss es sich für private Investoren lohnen – das heißt, aus ihrer subjektiven Sicht reizvoll sein – zu Investieren, anstatt zu konsumieren. Ergebnis: 60% Einkommenssteuer auf Arbeitseinkommen, 25% Einkommenssteuer auf Kapitaleinkünfte. Das ist das skandinavische Modell, das Deutland mit der Abgeltungssteuer zu seinem bisherigen Vorteil partiell übernommen hat – nur ohne die hohe Einkommenssteuer auf Arbeitseinkommen (zu denen übrigens auch die Arbeitseinkommen Selbstständiger zählen).
Es gibt grundsätzlich 4 Möglichkeiten:
Hohe Steuern für alle -> siehe Frankreich
Hohe Steuern auf Kapital, niedrige auf Arbeit -> vermutlich ähnlich wie Frankreich
Niedrige Steuern auf Kapital, hohe auf Arbeit -> Skandinavien („Sozialismus innerhalb einer Klasse, effektivität des Kapitalismus mit den linken Träumen vom Volkshaus kombiniert)
Niedrige Steuern auf Kapital, niedrige Steuern auf Arbeit -> Schweiz
Deutschland hat niedrige Steuern auf Kapital und mittlere auf Arbeit. Damit geht es Deutschland im Vergleich recht gut. Das Skandinavische Modell würde als sozial ungerecht angeprangert werden, wenn es also höhere Steuern gegeben wird, dann auch auf Kapital. Dann viel Spaß mit dem französischen Weg.
Frei wäre in diesem Sinne der Markt, aber nicht der Mensch. Hat der Markt nicht direkten Einfluss auf die persönliche Entscheidung und bringt Menschen dazu Arbeit zu verrichten, die sie eigentlich gar nicht machen wollen?“
In Dubio 25. Juli 2014, 14:44
Deutschland hat keine niedrigen Steuern auf Kapital. Sowohl die Abgeltungsteuer mit gut 26% als auch die Belastung des körperschaftsteuerlichen Gewinns mit KöSt, GewErSt und Soli, insgesamt gut etwas über 30% sind im internationalen Mittel durchschnittlich, aber nicht niedrig. Deutschland ist keine Steueroase.
Dass die Einnahmen aus der Corporate Tax im internationalen Vergleich weit niedrig ausfällt, hat den einzigen Grund, dass Unternehmen in Deutschland weit überwiegend in der Rechtsform der Personengesellschaft betrieben werden, die Personal Taxes zahlen. Deutschland hat sich vor vielen Jahren entschieden, hohe Hürden für den Betrieb einer GmbH und AG aufzustellen, weshalb viele Kleinunternehmer eben lieber als GbR, OHG, Einzelunternehmer oder KG arbeiten. Das in die Argumentation einzubeziehen, ist allerdings vielen schlicht zu schwierig.
techniknoergler 22. Juli 2014, 21:14
Irgendwann wird es einen BGE in Höhe von 1500€ heutiger Kaufkraft Brutto geben. Zumindest wenn sich Deutschland als entwickelte Nation an der Spitze hält. Leider gibt es vor lauter Wohlstand immer häufiger politisch mit dem Gewaltmonopol des Staates durchgesetzte Schnappsideen, wie sich unsere Produktivität veringern lässt. Und es fällt nicht sofort jedem im Alltag auf, eben da der Wohlstand sehr hoch ist. Die emotionale Ablehnung oder Forderung bleibt heilig, gleichzeitig jammer man gleichzeitig über „Armut“ und stagnierende Reallöhne…
Da mit der Energiewende eine sehr nachhaltige Verlagerung der deutschen Industrie ins Ausland erfolgt, wird das daher wohl nichts. Diese Verlagerung geschieht freilich langsam. Es werden nicht gleich alle Stahlhütten geschlossen. Erst nach und nach werden Betriebe still gelegt, da sich bei einer Abwegung zwischen Neubau im Ausland und Instandhaltung in Deutschland keine Rentabilität mehr für den deutschen Standort zeigt, aber die Neuinvestition im Ausland unterm dem Strich auf lange Sicht rentabel zu sein verspricht. Folge dieser langsamen Entwicklung, ist die Verschonung der heutigen Entscheidungsträger vor der unmittelbaren Konsequenz und damit auch davor, dass der Zusammenhang von Ursache und Wirkung nicht allen offensichtlich klar wird. Man kann den Zusammenhang stattdessen verschleiern.
Aus dem gleichen Grund, aus dem die Werke nur langsam abwandern, werden sie auch nur sehr langsam wiederkommen, wenn überhaupt. Es ist halt eine sehr nachhaltige Deindustrialisierung.
Auch ein Problem sind dann die Leute, die behaupten werden, jede Tätigkeit, mit der nicht mind. 1500€ Brutto verdient wird, sei ohne staatliche Subventionen nicht möglich, da dies der Mindestlebensstandard sei („soziokulturelles Existenzminimum“). Was natürlich totaler Quatsch ist. Wird sich aber wohl letzendlich trotzdem durchsetzen.
Man muss sich mal klar machen, wohin diese Logik führt: Je höher das soziokultruelle Existenzminimum angesetzt wird, destso weniger Menschen dürfen Arbeiten um es für alle zu erwirtschaften!
(Siehe zu letzterem auch diese Artiel von mir: http://techniknoergler.wordpress.com/2014/07/20/ein-linker-teufelskreis/ )
Stefan Sasse 23. Juli 2014, 06:53
Könnte es sein dass der Comment in einen anderen Post sollte…?
techniknoergler 25. Juli 2014, 14:03
Äh, nein, der bezieht sich durchaus auf das Thema „Automatisierung“ und Entwicklung der Produktivität dadurch.
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