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Timestamp: 2018-01-20 03:18:26+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 4 Sa 48/12
Schlag­worte: Mindestlohn, Bereitschaftsdienst, Arbeitsbereitschaft
Akten­zeichen: 4 Sa 48/12
Ent­scheid­ungs­datum: 28.11.2012
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 13.03.2012 - 6 Ca 8962/10
4 Sa 48/12
6 Ca 8962/10 ArbG Stutt­gart
Verkündet am 28.11.2012
- Be­klag­te/Be­ru­fungskläge­rin/Be­ru­fungs­be­klag­te -
- Kläge­rin/Be­ru­fungskläge­rin/Be­ru­fungs­be­klag­te -
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 4. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Stöbe, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ge­cke­ler und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Grein auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 07.11.2012
I. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 13. März 2012 (6 Ca 8962/10) wird auf die Be­ru-fung der Kläge­rin ab­geändert.
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, auf das Ent­gelt der Kläge­rin für den Mo­nat Ju­li 2010 noch 22,71 € brut­to zu zah­len nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 16. Au­gust 2010.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin auf das Ent­gelt für den Mo­nat Au­gust 2010 zu zah­len wei­te­re 670,53 € brut­to, so­wie 69,20 € net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus die­sen Beträgen seit 16. Sep­tem­ber 2010.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin auf das Ent­gelt für den Mo­nat Sep­tem­ber 2010 wei­te­re 696,03 € brut­to zu zah­len nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus die­sem Be­trag seit 16. Ok­to­ber 2010.
4. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin auf das Ent­gelt für den Mo­nat Ok­to­ber 2010 wei­te­re 1.414,56 € brut­to zu zah­len nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus die­sem Be­trag seit 16. No­vem­ber 2010.
5. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
II. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird als un­zulässig ver­wor­fen, so­weit sie sich rich­te­te ge­gen die Ver­ur­tei­lung in Höhe von 22,71 € brut­to für den Mo­nat Ju­li 2010. Im Übri­gen wird die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.
III. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu 74 %, die Kläge­rin zu 26 % zu tra­gen.
IV. Die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über Ar­beits­ent­gelt.
Die in R. woh­nen­de Kläge­rin war bei der Be­klag­ten, die ei­nen pri­va­ten Pfle­ge­dienst be­treibt, be-schäftigt vom 1. Ju­li 2010 bis 29. Ok­to­ber 2010 als Pfle­ge­hel­fe­rin. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te auf­grund ei­ner or­dent­li­chen Pro­be­zeitkündi­gung der Be­klag­ten vom 15. Ok­to­ber 2010. Die Kläge­rin wur­de ein­ge­setzt im S.haus der S. V. in S., ei­ner Ein­rich­tung der Ka­tho­li­schen Kir­che. Die Ka-tho­li­sche Kir­che war Auf­trag­ge­be­rin der Be­klag­ten. Die Kläge­rin war ursprüng­lich zuständig für drei pfle­ge­bedürf­ti­ge Schwes­tern, nach dem Tod ei­ner Schwes­ter (Schwes­ter C.) nur noch für zwei Schwes­tern (Schwes­ter E. und Schwes­ter U.). Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses war der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag vom 30. Ju­ni 2010 (Bl. 7 bis 9 der ar­beits­ge­richt­li­chen Ak­te). Dar­in heißt es aus­zugs­wei­se wie folgt:
Der Ar­beit­neh­mer wird mit der Wir­kung vom 01.07.2010 als Pfle­ge­hel­fe­rin für die Ru­du Pfle­ge und Be­treu­ung an der Pfle­ge­stel­le VS für Sr. E., Sr. U. und Sr. C. un­be­fris­tet ein-ge­stellt.
Er ist nach je­wei­li­ger nähe­rer Wei­sung des Ar­beit­ge­bers ver­pflich­tet, Pfle­ge- und sons­ti­ge Dienst­leis­tun­gen für die pfle­ge­bedürf­ti­gen Per­so­nen zu er­brin­gen. Die Dienst­leis­tun­gen er­fol­gen in der Re­gel in dem Haus der Pfle­ge­bedürf­ti­gen.
Der Ar­beit­neh­mer kann in drin­gen­den Fällen auch mit an­de­ren Pfle­ge­aufträgen/Ar­bei­ten be­traut wer­den.
1. Der Ar­beit­neh­mer erhält ein Fest­lohn von € 1.885,85 Brut­to mo­nat­lich. (nur gültig für die o.b.a. Per­so­nen).
2. Es ist wird ei­ne Ar­beits­zeit von 204 Ru­du-Einsätzen abzüglich der 24 Ur­laubs­ta­ge sind 180 Ru­du-Einsätzen/Ar­beits­ta­gen p/Jahr der ver­ein­bart..
3. Der Ar­beit­neh­mer ist je­doch auf An­wei­sung des Ar­beit­ge­bers ver­pflich­tet, Mehr- und Übe­r­ar­beit zu leis­ten.
4. Ru­du wird be­rech­net nach Pfle­ge­mo­du­len/Pfle­ge­zei­ten da­bei wird der Min­des­lohn an­zu­wen­den, Haus­wirt­schaft­li­che Tätig­keit, Be­reit­schaft und An­we­sen­heit ge­son­dert Ru­he­zei­ten und Pau­sen wer­den nicht vergütet. (sie­he Stel­len­be­schrei­bung)
Fahrt­zei­ten und Fahrt­kos­ten wer­den nicht vergütet
Die Kläge­rin er­brach­te im Mo­nat Ju­li 2010 ih­re Diens­te vom 08. Ju­li 2010, 21.00 Uhr bis 23. Ju­li 2010, 12.00 Uhr durch­ge­hend im so­ge­nann­ten Ru­du (Rund um die Uhr)-Dienst. Die Be­klag­te zahl­te an die Kläge­rin hierfür 1.863,14 € brut­to.
Im Mo­nat Au­gust 2010 hat­te die Kläge­rin Dienst vom 06. Au­gust 2010, 21.00 Uhr bis 20. Au­gust 2010, 12.00 Uhr, wie­der­um im so­ge­nann­ten Ru­du-Dienst. Die Be­klag­te rech­ne­te hie-rauf 1.885,85 € brut­to ab (Bl. 12 der ar­beits­ge­richt­li­chen Ak­te), be­hielt aber vom sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­ent­gelt in Höhe von 1.294,42 € ei­nen Be­trag in Höhe von 69,20 € ein.
Im Mo­nat Sep­tem­ber 2010 er­brach­te die Kläge­rin Leis­tun­gen im so­ge­nann­ten Ru­du-Dienst vom 02. Sep­tem­ber 2010, 21.00 Uhr bis 16. Sep­tem­ber 2010, 12.00 Uhr und am 30. Sep­tem­ber 2010 von 21.00 Uhr bis 24.00 Uhr. Die Be­klag­te zahl­te hierfür 1.885,85 € brut­to.
Im Mo­nat Ok­to­ber 2010 er­brach­te die Kläge­rin Leis­tun­gen im Ru­du-Dienst vom 01. Ok­to­ber 2010, 00.00 Uhr bis 15. Ok­to­ber 2010, 12.00 Uhr. Wei­te­re Ru­du-Leis­tun­gen wa­ren im Ok­to­ber 2010 für die Kläge­rin dienst­planmäßig nicht vor­ge­se­hen. Die Be­klag­te rech­ne­te hierfür 1.303,32 € brut­to ab (Bl. 14 der ar­beits­ge­richt­li­chen Ak­te), die sie auch be­zahl­te.
Während der ge­sam­ten Ru­du-Einsätze hat­te die Kläge­rin ein Zim­mer in der Schwes­tern­schaft in un­mit­tel­ba­rer Nähe zu den bei­den be­treu­ten Schwes­tern.
Schwes­ter E. wur­de von der Pfle­ge­kas­se in die Pfle­ge­stu­fe I ein­ge­stuft, Schwes­ter U. in die Pfle-ge­stu­fe II. Der Me­di­zi­ni­sche Dienst der Kran­ken­kas­se ver­an­schlag­te den Pfle­ge­be­darf im Ein­stu­fungs­ver­fah­ren wie folgt:
Schwes­ter E.:
- grund­pfle­ge­ri­scher Hil­fe­be­darf: 68 Mi­nu­ten pro Tag
- haus­wirt­schaft­li­cher Hil­fe­be­darf: 60 Mi­nu­ten pro Tag
Schwes­ter U.:
- grund­pfle­ge­ri­scher Hil­fe­darf: 180 Mi­nu­ten pro Tag
- haus­wirt­schaft­li­cher Hil­fe­be­darf: 60 Mi­nu­ten pro Tag.
Bei­de Schwes­tern sind de­ment und an den Roll­stuhl ge­bun­den.
In­ner­halb der Ru­du-Zei­ten er­brach­te die Kläge­rin so­wohl „klas­si­sche“ Pfle­ge­leis­tun­gen an den Pfle­ge­bedürf­ti­gen selbst als auch haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten je­der Art (Es­sen zu­be­rei­ten außer Mit­tag­es­sen, Wäsche wa­schen, Ge­schirr spülen ...). Sie hat­te Pfle­ge­do­ku­men­ta­tio­nen zu schrei­ben. Ge­le­gent­lich beschäftig­te sie sich mit den Pfle­ge­bedürf­ti­gen, z. B. durch zu­wen­den­de Gespräche. Auf den In­halt der bei­spiel­haft vor­ge­leg­ten Pfle­ge­be­rich­te (Bl. 53 bis 54 und 102 bis 117 der ar­beits­ge­richt­li­chen Ak­te) wird Be­zug ge­nom­men. Vor al­lem bei nächt­li­chem Be­darf an pfle­ge­ri­schen Leis­tun­gen (be­ru­hi­gen, um­la­gern, Win­deln wech­seln, Bet­ten frisch be­zie­hen, Ver-band­wech­sel ...) hat­te die Kläge­rin so­fort ein­zu­sprin­gen.
Die pfle­ge­bedürf­ti­gen Schwes­tern nah­men ihr Mit­tag­es­sen ein im Haus der Schwes­tern­schaft täglich von 11.45 Uhr bis 12.45 Uhr. Sie wur­den von der Kläge­rin im Roll­stuhl hin­ge­fah­ren und nach dem Es­sen wie­der ab­ge­holt. Das Es­sen wur­de von an­de­ren Schwes­tern ver­ab­reicht.
In der Zeit von 17.50 Uhr bis 18.50 Uhr war täglich Got­tes­dienst. Die Kläge­rin brach­te die pfle­ge­bedürf­ti­gen Schwes­tern hin und hol­te sie wie­der ab.
Mit Wir­kung ab 1. Au­gust 2010 trat ei­ne vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les auf der Grund­la­ge von § 11 Abs. 1 AEntG er­las­se­ne Ver­ord­nung über die zwin­gen­den Ar­beits­be­din­gun­gen für die Pfle­ge­bran­che (Pfle­ge­ArbbV) in Kraft. In die­ser heißt es aus­zugs­wei­se:
„§ 1 Gel­tungs­be­reich
(2) Die­se Ver­ord­nung gilt für Pfle­ge­be­trie­be. Dies sind Be­trie­be und selbstständi­ge Be­triebs­ab­tei­lun­gen, die über­wie­gend am­bu­lan­te, teil­sta­ti­onäre oder sta­ti­onäre Pfle­ge­leis­tun­gen für Pfle­ge­bedürf­ti­ge er­brin­gen. Die­se Ver­ord­nung gilt nicht für Be­trie­be und selbstständi­ge Be­triebs­ab­tei­lun­gen, die über­wie­gend am­bu­lan­te Kran­ken­pfle­ge­leis­tun­gen für Pfle­ge­bedürf­ti­ge er­brin­gen. Kei­ne Pfle­ge­be­trie­be im Sin­ne des Sat­zes 2 sind Ein­rich­tun­gen, in de­nen die Leis­tun­gen zu me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge, zur me­di­zi­ni­schen Re­ha­bi­li­ta­ti­on, zur Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben oder am Le­ben in der Ge­mein­schaft, die schu­li­sche Aus­bil­dung oder die Er­zie­hung kran­ker oder be­hin­der­ter Men­schen im Vor­der­grund des Zwe­ckes der Ein­rich­tung ste­hen, so­wie Kran­kenhäuser.
(3) Die­se Ver­ord­nung gilt für al­le Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die über­wie­gend pfle­ge­ri­sche Tätig­kei­ten in der Grund­pfle­ge nach § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 des 11. Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch er­brin­gen. ...
§ 2 Min­des­tent­gelt
(1) Das Min­des­tent­gelt beträgt im Ge­biet der Länder Ba­den-Würt­tem­berg, Bay­ern, Ber­lin, Bre­men, Ham­burg, Hes­sen, Nie­der­sach­sen, Nord­rhein-West­fa­len, Rhein­land-Pfalz, Saar­land und Schles­wig-Hol­stein
- ab 01. Au­gust 2010: 8,50 € je St­un­de,
§ 3 Fällig­keit
(1) Das in § 2 fest­ge­leg­te Min­des­tent­gelt wird für die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit zum 15. des Mo­nats fällig, der auf den Mo­nat folgt, für den das Min­des­tent­gelt zu zah­len ist. So­weit die für das Ar­beits­verhält­nis maßgeb­li­che Ar­beits­zeit über­schrit­ten wird, darf ei­ne Ober­gren­ze von 300 Ar­beits­stun­den nicht über­schrit­ten wer­den. Der Aus­gleich kann durch Aus­zah­lung des auf die über die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit hin­aus­ge­hen­den Ar­beits­stun­den ent­fal­len­den Ent­gel­tes oder durch be­zahl­te Frei­stel­lung er­fol­gen.
(3) Die Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes blei­ben un­berührt.“
Die Kläge­rin be­gehr­te für den Mo­nat Ju­li 2010 die Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen dem ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Mo­nats­ent­gelt in Höhe von 1.885,85 € brut­to und be­zah­len 1.863,14 € brut­to, so­mit 22,71 € brut­to.
Für den Mo­nat Au­gust 2010 be­gehr­te sie den vom Ab­rech­nungs­be­trag ab­ge­zo­ge­nen Net­to­be­trag in Höhe von 69,20 €.
Im Übri­gen be­gehr­te sie für den Zeit­raum Au­gust bis Ok­to­ber 2010 ei­ne Vergütung auf der Grund-la­ge des Min­des­tent­gelts gem. § 2 Abs. 1 Pfle­ge­ArbbV mit der Be­haup­tung, während der Ru­du-Diens­te durch­ge­hend 24 St­un­den pro Tag ge­ar­bei­tet zu ha­ben. Sie be­haup­te­te, so­wohl während der Mit­tag­es­sens­zeit als auch während der Got­tes­dienst­zei­ten haus­wirt­schaft­li­che Dienst­leis­tun­gen er­bracht zu ha­ben und Pfle­ge­be­rich­te ge­schrie­ben zu ha­ben. So­wohl während der Mit­tags­schlaf­zei­ten der Pfle­ge­bedürf­ti­gen als auch nachts ha­be sie täglich mehr­mals grund­pfle­ge­ri­sche Leis­tun­gen er­brin­gen müssen. Ins­be­son­de­re Schwes­ter E. sei we­gen ih­rer hoch­gra­di­gen De­menz be­son­ders schwie­rig ge­we­sen und ha­be vor al­lem nachts re­gelmäßig ran­da­liert. Sie ha­be nachts al­len­falls zwei bis vier St­un­den im Ses­sel bei of­fe­ner Tür ru­hen können. An er­hol­sa­men Schlaf sei nicht zu den­ken ge­we­sen. Sie und ih­re Kol­le­gin hätten die Be­klag­te um Ge­stel­lung von Nacht­wa­chen ge­be­ten, was die Be­klag­te aber ver­wehrt ha­be. Die nächt­li­chen Zei­ten der Ru­he sei­en al­len-falls zu vergüten­de Be­reit­schafts­dienst­zei­ten. Sie be­gehr­te des­halb für 375 St­un­den im Au­gust
2010 3.187,50 € brut­to, für 330 St­un­den im Sep­tem­ber 2010 2.805,00 € brut­to und für 348 St­un­den im Ok­to­ber 2010 2.958,00 € brut­to, je­weils abzüglich der ge­leis­te­ten Brut­to­beträge.
Die Kläge­rin be­an­trag­te:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3.898,19 € brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz auf 22,71 € seit 16.08.2010, auf wei­te­re 1.301,65 € seit 16.09.2010, auf wei­te­re 919,15 € seit 16.10.2010 und auf wei­te­re 1.654,68 € seit 16.11.2010 so­wie 69,20 € net­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit dem 16.09.2010 zu zah­len.
Die Be­klag­te be­an­trag­te,
Sie mein­te, die Kläge­rin ha­be kei­ne 24 St­un­den Ar­beits­leis­tung am Tag ge­schul­det. Dies sei schließlich schon bio­lo­gisch nicht möglich. Aus­ge­hend von ei­nem bei­spiel­haf­tem Pfle­ge­be­richt (Bl. 53 bis 54 der ar­beits­ge­richt­li­chen Ak­te) der in der Wech­sel­schaft täti­gen Frau R. er­ge­be sich, dass auch die Kläge­rin max. von 6.30 Uhr bis 21.00 Uhr ge­ar­bei­tet ha­be. Da­von sei­en noch die Mit­tag­es­sens­zei­ten und die Got­tes­dienst­zei­ten von je ei­ner St­un­de ab­zu­zie­hen, so­wie die Zeit der Mit­tags­ru­he der pfle­ge­bedürf­ti­gen Schwes­tern von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr. So­weit darüber hin­aus Pfle­ge­leis­tun­gen an­ge­fal­len sind, ha­be es sich nur um Ruf­be­reit­schaft ge­han­delt. Dar­aus er­ge­be sich, dass die Kläge­rin max. 170 St­un­den pro Mo­nat tatsächlich ge­ar­bei­tet ha­be, der ver­trag­li­che Ent­gelt­an­spruch so­mit höher lie­ge als ein et­wai­ger nach dem Min­des­tent­gelt be­rech­ne­ter Ent­gelt­an­spruch.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Ent­gelt­kla­ge für den Mo­nat Ju­li 2010 in Höhe von 22,71 € brut­to statt-ge­ge­ben, ge­nau­so wie der Ent­gelt­kla­ge für Au­gust 2010 in Höhe von 69,20 € net­to. Die Be­klag­te ha­be in­so­weit kei­nen Vor­trag zur Be­rech­ti­gung der Abzüge ge­hal­ten. Eben­so zu­ge­spro­chen hat das Ar­beits­ge­richt auf das Ent­gelt für den Mo­nat Ok­to­ber 2010 die Dif­fe­renz zwi­schen dem ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Mo­nats­ent­gelt in Höhe von 1.885,85 € brut­to und den be­zahl­ten 1.303,32 € brut­to, so­mit 582,53 € brut­to. Im Übri­gen hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be-gründung führ­te es aus, ei­ne 24-St­un­den-Ar­beits­leis­tung pro Tag im Block von 15 auf­ein­an­der­fol-
gen­den Ta­gen sei schlicht unmöglich. Es ge­he an­ge­sichts des Vor­trags der Par­tei­en da­von aus, dass Vol­l­ar­beits­leis­tun­gen nur von 06.00 Uhr bis 21.00 Uhr ha­ben er­bracht wer­den müssen. Da­von sei­en als Pau­sen­zei­ten in Ab­zug zu brin­gen je ei­ne St­un­de für die Zei­ten des Mit­tag­es­sens der be­treu­ten Schwes­tern und der Got­tes­diens­te. Während der so­ge­nann­ten Mit­tags­ru­he ha­ben da­ge­gen nach plau­si­bler Dar­stel­lung der Kläge­rin haus­wirt­schaft­li­che Dienst­leis­tun­gen er­bracht wer­den müssen. Die Zeit von 21.00 Uhr bis 06.00 Uhr sei Be­reit­schafts­zeit ge­we­sen. Die nächt­li-che In­an­spruch­nah­me ha­be geschätzt 25 % be­tra­gen, wes­halb die Vergütung auch nur mit 25 % des St­un­den­lohns an­zu­set­zen sei. Un­ter Berück­sich­ti­gung von nur 13 St­un­den Vol­l­ar­beit pro Ru­du-Dienst nebst 25-%-Vergütung für Be­reit­schafts­zei­ten er­ge­be sich un­ter Zu­grun­de­le­gung des Min­des­tent­gelts je­doch ein ge­rin­ges Mo­nats­ent­gelt als das ver­trag­lich ver­ein­bar­te.
Die­ses Ur­teil wur­de der Kläge­rin am 27. April 2012 und der Be­klag­ten am 30. April 2012 zu­ge­stellt. Ge­gen die­ses Ur­teil leg­te die Kläge­rin am 29. Mai 2012 (Diens­tag nach dem Fei­er­tag Pfingst­mon­tag) Be­ru­fung ein, die am 21. Ju­ni 2012 be­gründet wur­de. Die Be­klag­te leg­te ge­gen die­ses Ur­teil am 25. Mai 2012 eben­falls Be­ru­fung ein, wel­che in­ner­halb der bis 30. Ju­li 2012 verlänger­ten Be­gründungs­frist am 27. Ju­li 2012 aus­geführt wur­de.
Die Kläge­rin meint, das Ar­beits­ge­richt hätte kei­nen Pau­sen­ab­zug vor­neh­men dürfen. Sie ha­be schließlich vor­ge­tra­gen, oh­ne Pau­se 24 St­un­den täglich am Stück ge­ar­bei­tet zu ha­ben. Das Ar-beits­ge­richt hätte hierüber Be­weis er­he­ben müssen.
Sie meint, die An­nah­me ei­ner (Voll-)Ar­beits­zeit von 06.00 Uhr bis 21.00 Uhr sei willkürlich. Auch die An­nah­me von Be­reit­schafts­zeit zwi­schen 21.00 Uhr bis 06.00 Uhr sei willkürlich. Ei­ne Vergü-tung für Be­reit­schaft sei nicht ver­ein­bart wor­den, so dass von ei­ner voll zu vergüten­den Ar­beits­zeit aus­zu­ge­hen sei. Sie ha­be zu­dem den ty­pi­schen Ta­ges­ab­lauf un­ter Be­weis ge­stellt. Hierüber hätte ge­ge­be­nen­falls Be­weis er­ho­ben wer­den müssen. Die ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lung in § 3 Abs. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges be­ste­he al­len­falls aus Frag­men­ten, er­ge­be kei­nen Sinn, sei des­halb un­klar und in­trans­pa­rent.
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart, Geschäfts­num­mer 6 Ca 8962/10, wird da­hin­ge­hend ab­geändert, dass die Be­klag­te ver­ur­teilt wird, an die Kläge­rin
3.898,19 € brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz auf 22,71 € seit 16.08.2010, auf wei­te­re 1.301,65 € seit dem 16.09.2010, auf wei­te­re 919,15 € seit 16.10.2010 und auf wei­te­re 1.654,68 € seit 16.11.2010 so­wie 69,20 € net­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 16.09.2010 zu zah­len.
Im Rah­men ih­rer ei­ge­nen Be­ru­fung be­an­tragt die Be­klag­te:
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 13.03.2012, Az. 6 Ca 8962/10, wird ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Die Be­klag­te be­haup­tet, die Kläge­rin ha­be die für den Mo­nat Au­gust 2010 gel­tend ge­mach­ten 69,20 € er­hal­ten.
Sie meint eben­falls, dass die An­nah­me von 13 St­un­den (Voll-)Ar­beit zwi­schen 06.00 Uhr bis 21.00 Uhr täglich willkürlich gewählt sei. Sie ha­be schließlich vor­ge­tra­gen, dass die Kläge­rin max. von 06.30 Uhr bis 21.00 Uhr täglich ge­ar­bei­tet ha­be. Un­ter Berück­sich­ti­gung von 4 St­un­den Pau­se er­ge­be dies al­len­falls ei­ne tägli­che Ar­beits­zeit von 10 St­un­den. Hierüber hätte das Ar­beits­ge­richt ge­ge­be­nen­falls Be­weis er­he­ben müssen. Die In­an­spruch­nah­me der Kläge­rin außer­halb die­ser Zei­ten sei al­len­falls Ruf­be­reit­schaft ge­we­sen. § 3 Abs. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges sei ein­deu­tig, dass haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten, Be­reit­schafts­zei­ten, An­we­sen­heits­zei­ten, Ru­he­zei­ten und Pau­sen­zei­ten nicht zu be­zah­len sei­en. Sie meint, die Kläge­rin tra­ge die Be­weis­last für die von ihr be­haup­te­ten Ar­beits­zei­ten, vor al­lem für die Zei­ten der nächt­li­chen In­an­spruch­nah­me.
Die Be­klag­te meint, für Ok­to­ber 2010 über die ab­ge­rech­ne­ten 1.303,32 € brut­to hin­aus nichts zu schul­den. Die Kläge­rin ha­be nicht zu vergüten­de Fehl­zei­ten ge­habt.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird gem. § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf das Pro­to­koll über die münd­li­che Ver­hand­lung ver­wie­sen.
Die statt­haf­te und zulässi­ge Be­ru­fung der Kläge­rin ist zu ei­nem großen Teil be­gründet, im Übri­gen un­be­gründet. Die statt­haf­te Be­ru­fung der Be­klag­ten ist be­reits zu ei­nem klei­nen Teil un­zulässig. So­weit sie zulässig ist, ist sie un­be­gründet.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist statt­haft und zulässig, die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist statt­haft, aber nur zum Teil zulässig.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist gem. § 64 Abs. 1, 2 Buch­sta­be b) ArbGG statt­haft. Sie wur­de form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet (§§ 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG; §§ 519, 520 ZPO). Sie ist auch im Übri­gen zulässig.
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist eben­falls statt­haft. Der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des über­steigt 600,00 € gem. § 64 Abs. 1, 2 Buch­sta­be b) ArbGG.
Die Be­klag­te hat zu ih­rer Ver­ur­tei­lung in Höhe von 22,17 € (Ent­gelt Ju­li 2010) zwar kei­ner­lei Ausführun­gen ge­macht. In­so­fern könn­te zwei­fel­haft sein, ob über die­sen Streit­ge­gen­stand
über­haupt ein Be­ru­fungs­an­griff ge­wollt war. Von der An­trag­stel­lung (Ab­wei­sung der Kla­ge ins­ge­samt) war je­doch auch die­ser Streit­ge­gen­stand um­fasst.
Je­den­falls ver­blieb der An­griff ge­gen die Ver­ur­tei­lung in Höhe von 69,20 € und in Höhe von 582,53 €, die ad­diert ei­ne Be­schwer über 600,00 € be­gründen.
2. Die Be­ru­fung ist je­doch nur zum Teil zulässig.
Die Zulässig­keit ist für je­den An­spruch ge­trennt zu prüfen (Schwab in Schwab/Weth 3. Aufl. § 64 ArbGG Rn. 69).
a) Die Be­ru­fung ge­gen die Ver­ur­tei­lung in Höhe von 22,17 € brut­to (Ent­gelt Ju­li 2010) ist un­zulässig. Sie wur­de in­so­weit nämlich über­haupt nicht be­gründet. Die Vor­aus­set­zun­gen der Be­ru­fungs­be­gründung gem. § 64 Abs. 6 ArbGG iVm. § 520 Abs. 1, 3 ZPO lie­gen so­mit nicht vor.
b) Die Be­ru­fung ist, so­weit sie sich ge­gen die Ver­ur­tei­lung in Höhe von 62,20 € (Ent­gelt Au­gust 2010) rich­tet, da­ge­gen zulässig.
Das Ar­beits­ge­richt führ­te hier­zu aus, da die Be­klag­te den Vor­trag der Kläge­rin nicht be­strit­ten ha­be, dass die­se kei­nen Vor­schuss er­hal­ten ha­be, gel­te die­ser Vor­trag als zu­ge­stan­den. In der Be­ru­fung führ­te die Be­klag­te da­ge­gen aus, die Kläge­rin ha­be ei­nen Vor­schuss er­hal­ten. Hier­mit han­delt es sich so­mit um ein neu­es Ver­tei­di­gungs­vor­brin­gen, wel­ches die Be­klag­te nach § 67 Abs. 3 ArbGG berück­sich­tigt wis­sen will. Auf die Schlüssig­keit die­ses Vor­brin­gens kommt es im Rah­men der Zulässig­keit nicht an.
c) Die Be­ru­fung ge­gen die Ver­ur­tei­lung in Höhe von 582,53 € ist un­pro­ble­ma­tisch zulässig. Die Be­klag­te stützt sich auf ein neu­es Ver­tei­di­gungs­vor­brin­gen, dass es nicht zu vergü-ten­de Fehl­zei­ten ge­ge­ben ha­be.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zu ei­nem großen Teil be­gründet. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist, so­weit sie zulässig ist, da­ge­gen un­be­gründet.
Der Kläge­rin ste­hen nämlich für die Mo­na­te Au­gust 2010 die ein­be­hal­te­nen 62,20 € net­to zu, so­wie für den Zeit­raum Au­gust 2010 bis Ok­to­ber 2010 die te­n­o­rier­ten Brut­to­vergütungs­dif­fe­ren­zen.
Die Kläge­rin hat ei­nen An­spruch ge­gen die Be­klag­te auf Zah­lung der in der Ab­rech­nung für den Mo­nat Au­gust 2010 ein­be­hal­te­nen 62,20 € net­to.
Die Kläge­rin hat un­be­strit­ten ih­re vol­le ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung er­bracht. Des­halb steht ihr min­des­tens das vol­le ver­trag­lich ver­ein­bar­te Brut­to­ent­gelt zu. Die­ses wur­de auch in vol­ler Höhe ab­ge­rech­net. Die Be­klag­te ver­moch­te nicht zu erläutern, für was sie den Ab­zug vor­ge­nom­men hat. Die bloße Be­haup­tung, die Kläge­rin ha­be das Geld er­hal­ten, ist zu un­sub­stan­zi­iert. Es fehlt jeg­li­cher Vor­trag, wer wann wel­chen Be­trag in wel­cher Form mit wel­cher Zweck­be­stim­mung an die Kläge­rin ge­zahlt ha­ben will.
Die Kläge­rin hat aber für den Mo­nat Au­gust 2010 über den ab­ge­rech­ne­ten Brut­to­be­trag von 1.885,85 € hin­aus ei­nen An­spruch in Höhe von wei­te­ren 670,53 € brut­to. Der An­spruch be­ruht auf § 611 Abs. 1 BGB iVm. § 2 Pfle­ge­ArbbV.
Die Kläge­rin schul­de­te nämlich vol­le 24-St­un­den-Diens­te. In­ner­halb die­ser Diens­te hat­te sie vor al­lem grund­pfle­ge­ri­sche Tätig­kei­ten als auch Tätig­kei­ten der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung zu er­brin­gen, so­wohl in Vol­l­ar­beits­zeit, als auch in Form von Be­reit­schafts­diens­ten. Der ge­sam­te Zeit­raum der Schich­ten war mit dem Min­des­tent­gelt von 8,50 € pro St­un­de zu vergüten mit Aus­nah­me von 2 St­un­den Pau­se pro Tag.
1. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten für die ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung in § 3 Nr. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges ein mo­nat­li­ches Fes­tent­gelt in Höhe von 1.885,85 € brut­to. Die­ses Ent­gelt hat die Kläge-
rin auch er­hal­ten (mit Aus­nah­me oben be­nann­ter 62,20 € net­to) und steht zwi­schen den Par­tei­en nicht im Streit.
2. Wel­che Ar­beits­zeit ge­schul­det war, er­gibt sich ein­deu­tig aus § 3 Nr. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges. Ver­ein­bart wa­ren 204 Ru­du-Einsätze im Jahr. Un­ter Berück­sich­ti­gung von Ur­laubs­zei­ten hat­te sie 180 Ru­du-Einsätze pro Jahr zu er­brin­gen. „Ru­du“ be­deu­tet nach übe­rein­stim­men­den Ausführun­gen der Par­tei­en „rund-um-die-Uhr“. Die Kläge­rin schul­de­te so­mit ver­trag­lich an 180 Ta­gen im Jahr ei­nen 24-St­un­den-Ein­satz.
3. Strei­tig ist zwi­schen den Par­tei­en nur, ob in­ner­halb der ver­trag­lich ge­schul­de­ten An­we­sen­heit von 24 St­un­den pro Tag durch­ge­hend vergütungs­pflich­ti­ge Ar­beits­leis­tun­gen ha­ben er­bracht wer­den müssen.
Wel­che Ar­ten von Tätig­kei­ten in­ner­halb ei­nes Ru­du-Ein­sat­zes zu er­brin­gen wa­ren, ist in § 3 Abs. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges ge­re­gelt. Die­se Ver­trags­klau­sel ist aus­zu­le­gen.
a) Der In­halt ei­ner ver­trag­li­chen Re­ge­lung ist nach §§ 133, 157 BGB durch Aus­le­gung zu er­mit­teln. Aus­ge­hend vom Wort­laut der Klau­sel ist de­ren ob­jek­ti­ver Be­deu­tungs­ge­halt zu er­mit­teln. Maßge­bend ist da­bei der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch un­ter Berück­sich­ti­gung des ver­trag­li­chen Re­ge­lungs­zu­sam­men­hangs. Ein übe­rein­stim­men­der Wil­le der Par­tei­en geht dem Wort­laut des Ver­tra­ges und je­der an­der­wei­ti­gen In­ter­pre­ta­ti­on vor. Von Be­deu­tung für das Aus­le­gungs­er­geb­nis sind auch der von den Ver­trags­par­tei­en ver­folg­te Re­ge­lungs­zweck und die In­ter­es­sen­la­ge der Be­tei­lig­ten so­wie die Be­gleit­umstände der Erklärung, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen. Die tat-sächli­che Hand­ha­bung des Ver­trags­verhält­nis­ses kann eben­falls Rück­schlüsse auf den In­halt ermögli­chen (BAG 13. Ju­ni 2012 - 10 AZR 313/11 - ju­ris).
b) Vor­lie­gend wird der Ru­du-Dienst in § 3 Nr. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges in Be­zie­hung ge­setzt zu § 3 Nr. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges. De­fi­niert wird in § 3 Nr. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges nämlich, wie Ru­du „be­rech­net“ wird. In­so­weit ist aber da­von aus­zu­ge­hen, dass die Tätig­kei­ten, die in die Be­rech­nung ein­ge­stellt wur­den, auch in­ner­halb des Ru­du-Diens­tes ge­schul­det sein soll­ten.
Zu­erst wer­den „Pfle­ge­mo­du­le/Pfle­ge­zei­ten“ erwähnt, für die der Min­dest­lohn an­zu­wen-den ge­we­sen sein soll in­ner­halb der Ru­du-Be­rech­nung. Dies in Ab­gren­zung vor al­lem auch zur „haus­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit“. Dies hat ei­nen er­kenn­ba­ren Be­zug zu den bei Pfle­ge­bedürf­tig­keit an­fal­len­den gewöhn­li­chen und re­gelmäßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich-tun­gen im Sin­ne von § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 SGB XI (grund­pfle­ge­ri­sche Tätig­kei­ten) in Ab­gren­zung zu den bei Pfle­ge­bedürf­tig­keit eben­falls an­fal­len­den Ver­rich­tun­gen der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung im Sin­ne von § 14 Abs. 4 Nr. 4 SGB XI. Hier­bei kann so­gar ei­ne Ver­bin­dung zum persönli­chen Gel­tungs­be­reich des § 1 Abs. 3 Pfle­ge­ArbbV ge­zo­gen wer­den. Auch nach die­ser Re­ge­lung sind von der Ver­ord­nung nur sol­che Ar-beit­neh­mer er­fasst, die über­wie­gend pfle­ge­ri­sche Tätig­kei­ten in der Grund­pfle­ge nach § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 Pfle­ge­ArbbV er­brin­gen. Als „Pfle­ge­mo­du­le/Pfle­ge­zei­ten“ sol­len so-mit Ver­rich­tun­gen der Grund­pfle­ge im Sin­ne von § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 SGB XI ge-schul­det sein. Nur die­se Zei­ten hat die Be­klag­te (mögli­cher­wei­se in ei­ner Pau­schal­be-rech­nung) un­ter Berück­sich­ti­gung des Min­des­tent­gelts in die Be­rech­nung des Ver­trags-ent­gelts ein­ge­stellt.
Ru­he­zei­ten und Pau­sen­zei­ten sind aus­weis­lich der Ver­trags­re­ge­lung nicht zu vergüten. Dies ist im Übri­gen ei­ne Selbst­verständ­lich­keit.
Ob haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten, Be­reit­schaft und An­we­sen­hei­ten ge­schul­det wa­ren, ist durch Aus­le­gung zu er­mit­teln. Die ver­trag­li­che Re­ge­lung weist je­den­falls er­heb­li­che gram­ma­ti­ka­li­sche Un­zuläng­lich­kei­ten auf. Ins­be­son­de­re ist nicht ein­deu­tig, ob das Ad­jek­tiv „ge­son­dert“ le­dig­lich in Be­zug zur „An­we­sen­heit“ ste­hen soll oder in Be­zug zu den „haus­wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten, der Be­reit­schaft und der An­we­sen­heit“. Es sind zwei Aus­le­gungs­va­ri­an­ten denk­bar. Ent­we­der der Satz soll­te rich­tig heißen: „…, haus­wirt­schaft­li­che Tätig­keit, Be­reit­schaft, An­we­sen­heit ge­son­dert (in Form ei­ner ge­son­der­ten An­we­sen­heit) , Ru­he­zei­ten und Pau­sen wer­den nicht ge­son­dert vergütet.“ Dies scheint die Aus­le­gung zu sein, der die Be­klag­te zu­neigt. Oder aber: „…, haus­wirt­schaft­li­che Tätig­keit, Be­reit­schaft und An­we­sen­heit wer­den ge­son­dert be­rech­net/(oder) vergütet….“ Wie be­reits oben dar­ge­stellt, han­delt es sich in § 3 Nr. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges um ei­ne Vergütungs­be­rech­nungs­re­ge­lung. Des­halb wur­den die „Pfle­ge­mo­du­le/Pfle­ge­zei­ten“ in der Zeit­form Pas­siv Präsens ver­bun­den mit der For­mu­lie­rung „wird be­rech­net“. Auch die Pau­sen und Ru­he­zei­ten „wer­den nicht vergütet“. Sel­bi­ges gilt in die­sem Zu­sam­men­hang auch für die haus­wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten, Be­reit­schafts­zei­ten und An­we­sen­heits­zei-
ten. Auch für die­se soll­te ei­ne Vergütungs­re­ge­lung ge­trof­fen wer­den. Das Ad­jek­tiv „ge­son­dert“ steht so­mit in Be­zug auf ein ver­ges­se­nes Verb „vergütet“ oder „be­rech­net“. Da-raus folgt, dass die­se Tätig­kei­ten „ge­son­dert“ zu vergüten oder zu be­rech­nen sind und so­mit auch ge­son­dert und eben nicht un­ter An­wen­dung des Min­dest­lohns in die Fest­lohn­be­rech­nung ein­ge­flos­sen sind. Ent­ge­gen der An­nah­me der Be­klag­ten kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass selbst tatsächli­che Ar­bei­ten wie haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten (in Vol­l­ar­beit) oh­ne Vergütung blei­ben soll­ten. Es kann kaum un­ter­stellt wer­den, dass die Par­tei­en ei­ne so of­fen­kun­dig rechts­un­wirk­sa­me Re­ge­lung ha­ben tref­fen wol­len, dass die Kläge­rin haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten und Be­reit­schafts­diens­te oh­ne jeg­li­che Vergütung zu er­brin­gen hat­te. Gestützt wird die­se Aus­le­gung auch durch § 1 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags, wo­nach ne­ben Pfle­ge­dienst­leis­tun­gen auch „sons­ti­ge Dienst-leis­tun­gen“ zu er­brin­gen wa­ren. Dar­aus er­gibt sich nun­mehr, dass in den Ru­du-Ein­satz auch haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten im Sin­ne von § 14 Abs. 4 Nr. 4 SGB XI, Be­reit-schafts­zei­ten und (sons­ti­ge) An­we­sen­heits­zei­ten ge­fal­len sind und ge­schul­det wa­ren.
4. Mit wel­chem zeit­li­chen Um­fang die ein­zel­nen ge­schul­de­ten Tätig­kei­ten gem. § 3 Nr. 4 des Ar­beits­ver­tra­ges in die Ent­gelt­be­rech­nung gem. § 3 Nr. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges ein­ge­flos­sen sind, ob die nicht der Grund­pfle­ge zu­gehöri­gen Tätig­kei­ten und Zei­ten über­haupt in die Pau­scha­lie­rungs­be­rech­nung ein­ge­flos­sen sind und mit wel­chem Vergütungs­satz die nicht der Grund­pfle­ge zu­gehöri­gen Tätig­kei­ten und Zei­ten in­ner­halb ei­ner sol­chen Pau­scha­lie­rung be-wer­tet wur­den, mag da­hin­ste­hen, ge­nau­so wie die Fra­ge, ob ei­ne sol­che Pau­scha­lie­rungs­re­ge­lung über­haupt ei­ner Trans­pa­renz­kon­trol­le stand­hal­ten würde. Die Kläge­rin macht wie be­reits dar­ge­stellt schließlich kei­ne ver­trag­li­chen Vergütungs­ansprüche gel­tend, son­dern das Min­des­tent­gelt gem. § 2 Pfle­ge­ArbbV.
5. Die Re­ge­lun­gen über das Min­des­tent­gelt in § 2 Pfle­ge­ArbbV sind auf das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin an­wend­bar.
a) Die Be­klag­te be­treibt ei­nen Pfle­ge­be­trieb in Sin­ne von § 1 Abs. 2 Pfle­ge­ArbbV. Sie führt nämlich ei­nen Be­trieb, in dem über­wie­gend am­bu­lan­te Pfle­ge­leis­tun­gen für Pfle­ge­bedürf­ti­ge er­bracht wer­den, wo­bei es sich nicht um am­bu­lan­te Kran­ken­pfle­ge­leis­tun­gen für Pfle­ge­bedürf­ti­ge han­delt. Auch wer­den im Be­trieb der Be­klag­ten kei­ne Leis­tun­gen zur me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge, zur me­di­zi­ni­schen Re­ha­bi­li­ta­ti­on, zu Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben oder am Le­ben in der Ge­mein­schaft, er­bracht. Schu­li­sche Aus­bil­dun­gen oder die Er­zieh-
ung kran­ker oder be­hin­der­ter Men­schen steht nicht im Vor­der­grund des Zwecks der Ein­rich­tung. Auch be­treibt die Be­klag­te kein Kran­ken­haus.
b) Die Kläge­rin un­terfällt dem persönli­chen An­wen­dungs­be­reich des § 1 Abs. 3 Pfle­ge­Ar-bbV.
Wie be­reits oben dar­ge­stellt, hat­te die Kläge­rin aus­weis­lich ih­res Ar­beits­ver­tra­ges pfle­ge­ri­sche Tätig­kei­ten in der Grund­pfle­ge gem. § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 SGB XI zu er­brin­gen. Die­se Tätig­kei­ten über­wo­gen auch ge­genüber den an­de­ren Tätig­kei­ten, ins­be­son­de­re den Tätig­kei­ten der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung gem. § 14 Abs. 4 Nr. 4 SGB XI.
Wie die Be­klag­te selbst dar­stell­te, wur­de im Rah­men der Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Pfle­ge­stu­fen vom Me­di­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­se er­mit­telt, dass bei Schwes­ter E. ein grund­pfle­ge­ri­scher Hil­fe­be­darf von 68 Mi­nu­ten und ein haus­wirt­schaft­li­cher Hil­fe­be­darf von 60 Mi­nu­ten pro Tag be­stand. Bei Schwes­ter U. be­stand ein grund­pfle­ge­ri­scher Be­darf von 180 Mi­nu­ten und ein haus­wirt­schaft­li­cher Hil­fe­be­darf von 60 Mi­nu­ten pro Tag. Der grund­pfle­ge­ri­sche Be­darf über­wog so­mit den haus­wirt­schaft­li­chen Hil­fe­be­darf deut­lich, so dass es nicht auf die Be­haup­tung der Kläge­rin an­kommt, ob der grund-pfle­ge­ri­sche Be­darf vom Me­di­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­se deut­lich zu nied­rig er­mit­telt wur­de.
Die Be­reit­schafts­zei­ten ändern hier­an nichts, da die­se eben­falls nur der Er­brin­gung von Tätig­kei­ten nach § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 oder § 14 Abs. 4 Nr. 4 SGB XI zu die­nen be­stimmt wa­ren.
6. Mit dem Min­des­tent­gelt gem. § 2 Abs. 1 Pfle­ge­ArbbV sind sämt­li­che Tätig­kei­ten der Kläge­rin zu vergüten, un­abhängig da­von, ob sie in Vol­l­ar­beit er­bracht wur­den oder ob die Kläge­rin Be­reit­schafts­dienst hat­te und un­abhängig da­von, ob sie Tätig­kei­ten in der Grund­pfle­ge im Sin­ne von § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 SGB XI er­brach­te oder aber Tätig­kei­ten der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung im Sin­ne von § 14 Abs. 4 Nr. 4 SGB XI.
a) So­wohl Vol­l­ar­beits­zei­ten als auch Be­reit­schafts­dienst­zei­ten sind mit dem Min­des­tent­gelt von 8,50 € pro St­un­de zu vergüten.
aa) Be­reit­schafts­dienst, den ein Ar­beit­neh­mer in Form persönli­cher An­we­sen­heit im Be­trieb des Ar­beit­ge­bers leis­tet, ist je­den­falls seit der so­ge­nann­ten SI­MAP-Ent­schei­dung des EuGH ar­beits­zeit­recht­lich als Ar­beits­zeit im Sin­ne von Art. 2 RL 2003/88/EG an­zu­se­hen (EuGH 03. Ok­to­ber 2000 - C-303/98 - NZA 2000, 1227, SI­MAP; EuGH 01. De­zem­ber 2005 - C-14/04 - NZA 2006, 89, Del­las; BAG 23. Ju­ni 2010 - 10 AZR 543/09 - BA­GE 135, 34). Dies wird nun­mehr auch durch § 7 Abs. 1 Nr. 1a Arb­ZG klar­ge­stellt.
Da es sich um Ar­beits­zeit han­delt, ist die­se auch zu vergüten. Le­dig­lich ist es auf der Ent­gelt­sei­te zulässig, dass für Be­reit­schafts­zei­ten durch Ta­rif­ver­trag oder Ar-beits­ver­trag ein ge­rin­ge­res Ent­gelt ver­ein­bart wird als für Tätig­kei­ten in Vol­l­ar­beits-zeit (BAG 28. Ja­nu­ar 2004 - 5 AZR 530/02 - BA­GE 109, 254; BAG 05. Ju­ni 2003 - 6 AZR 114/02 - BA­GE 106, 252), wo­bei ei­ne Pau­scha­lie­rung des Ent­gelts für Be­reit­schafts­zei­ten üblich und grundsätz­lich zulässig ist (BAG 28. Ja­nu­ar 2004 aaO). Be­steht je­doch kei­ne Re­ge­lung, ist der Be­reit­schafts­dienst wie Vol­l­ar­beit zu be­zah-len.
bb) Ob in der Min­des­tent­gelt­re­ge­lung des § 2 Pfle­ge­ArbbV zwi­schen nor­ma­ler Vol­lar-beit und Tätig­keit im Be­reit­schafts­dienst dif­fe­ren­ziert wird, ist durch Aus­le­gung zu er­mit­teln.
Bei der Aus­le­gung von Ver­ord­nun­gen ist, ge­nau­so wie bei der Aus­le­gung von Ge-set­zen, der Wort­laut der Vor­schrift, der sys­te­ma­ti­sche Ge­samt­zu­sam­men­hang, die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und der Zweck, so­weit er im Ge­setz er­kenn­bar Aus­druck ge­fun­den hat, zu­grun­de zu le­gen (BAG 15. No­vem­ber 2011 - 9 AZR 348/10 - AP Pfle­geZG § 3 Nr. 1).
Je­den­falls der Wort­laut des § 2 Pfle­ge­ArbbV dif­fe­ren­ziert nicht nach der Art der er-brach­ten Ar­beit.
Die Pfle­ge­ArbbV wur­de er­las­sen auf der Grund­la­ge der Ermäch­ti­gung in § 11 Abs. 1 AEntG. Ge­gen­stand ei­ner sol­che Rechts­ver­ord­nung über die Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge­bran­che können die in § 5 Nr. 1 und 2 AEntG ge­re­gel­ten
Ar­beits­be­din­gun­gen sein, die auch Ge­gen­stand ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges gem. § 3 A-EntG sein können. Hier­un­ter gehören gem. § 5 Nr. 1 AEntG die Min­des­tent­geltsätze, die nach Art der Tätig­keit, Qua­li­fi­ka­ti­on der Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen und Re­gio­nen dif­fe­rie­ren können, ein­sch­ließlich der Über­stun­densätze. Dar­aus ist zu er­ken­nen, dass der Ge­setz­ge­ber Dif­fe­ren­zie­run­gen vor al­lem nach der Art der Tätig­keit hat zu­las­sen wol­len. Un­ter „Art der Tätig­keit“ mein­te der Ge­setz­ge­ber zwar hauptsächlich un­ter­schied­li­che Ent­geltsätze in Be­zug auf die aus­geübte Tätig­keit (zB In­nen- oder Un­ter­halts­rei­ni­gung/Glas- und Fas­sa­den­rei­ni­gung; Dach­de­cker/Ma­ler und La­ckie­rer) (BT-Drs. 16/10486 S. 12). Hier­un­ter las­sen sich aber auch Dif­fe­ren­zie­run­gen zwi­schen Vol­l­ar­beit und Be­reit­schafts­dienst fas­sen. Denn in § 5 Nr. 1 AEntG ist ei­gent­lich (oh­ne die Ver­wei­sung über § 11 AEntG) ge­re­gelt, was Ge­gen­stand ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges gem. § 3 AEntG sein kann. Ge­ra­de in Ta­rif­verträgen wird im Rah­men der Vergütung aber häufig da­nach un­ter­schie­den, ob Ar­beit als Vol­l­ar­beit er­bracht wur­de oder im Rah­men ei­nes Be­reit­schafts­diens­tes (zB § 46 TVöD-BT-K). Dies war dem Ge­setz­ge­ber be­wusst. Wenn dann, trotz be­ste­hen­der Dif­fe­ren­zie­rungsmöglich­keit und trotz grundsätz­li­cher Zulässig­keit, Be­reit­schafts­diens­te ge­rin­ger zu vergüten als Vol­l­ar­beit (BAG 28. Ja­nu­ar 2004 aaO), das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les als zuständi­ges Fach­mi­nis­te-ri­um, dem die Be­son­der­hei­ten in der Pfle­ge­bran­che be­kannt sind, ei­ne Re­ge­lung oh­ne aus­drück­li­che Dif­fe­ren­zie­rung trifft, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­reit-schafts­dienst dann im Rah­men des Min­des­tent­gelts ge­nau­so zu be­han­deln sein soll wie die Vol­l­ar­beit.
Die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis wird noch durch ein wei­te­res Ar­gu­ment gestützt: In § 3 Abs. 1 Pfle­ge­ArbbV ist nämlich ge­re­gelt, dass die Ar­beits­zeit ei­ne Ober­gren­ze von 300 St­un­den pro Mo­nat nicht über­schrei­ten darf. Un­abhängig da­von, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber da­mit sei­ne Re­ge­lungs­kom­pe­tenz über­schrit­ten hat, da § 11 Abs. 1 AEntG, an­ders als zB. § 7 AEntG, nur auf die Re­ge­lungs­ge­genstände des § 5 Nr. 1 und 2 AEntG ver­weist und ge­ra­de nicht auf § 5 Nr. 4 AEntG iVm. § 2 Nr. 3 AEntG (Höchst­ar­beits­zeit), ist er­kenn­bar, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber ei­ne mo­nat­li­che Ar­beits­zeit von 300 St­un­den pro Mo­nat für möglich hielt. Ei­ne sol­che Ar­beits­zeit könn­te nach den Re­ge­lun­gen des Ar­beits­zeit­ge­set­zes zulässig aber nie er­reicht wer­den, wenn sich dar­in nicht auch in er­heb­li­chen Maße Be­reit­schafts­zei­ten
befänden, vgl. § 7 Abs. 1 Nr. 1a Arb­ZG. Es ist nicht an­zu­neh­men, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber ei­ne Höchst­ar­beits­zeit fest­le­gen woll­te, die be­reits deut­lich über der des Ar­beits­zeit­ge­set­zes liegt. Viel­mehr soll­ten die Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes gem. § 3 Abs. 3 Pfle­ge­ArbbV un­berührt blei­ben. Der Ver­ord­nungs­ge­ber gab so­mit zu er­ken­nen, dass er Vol­l­ar­beits­zei­ten und Be­reit­schafts­dienst­zei­ten gleich be­wer­tet, des­halb die­se Ar­bei­ten auch im Rah­men des Min­des­tent­gelts gleich zu vergüten sind.
b) Auch sind grund­pfle­ge­ri­sche Tätig­kei­ten und Tätig­kei­ten zur haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung gleich zu vergüten.
Zwar eröff­net § 1 Abs. 3 Pfle­ge­ArbbV den persönli­chen Gel­tungs­be­reich erst, wenn die grund­pfle­ge­ri­schen Tätig­kei­ten gem. § 14 Abs. 4 Nr. 1 bis 3 SGB XI über­wie­gen, sie­he oben. Ist aber der Gel­tungs­be­reich eröff­net, fin­det sich vor al­lem in § 2 Pfle­ge­ArbbV kei­ne wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung mehr. Dies ob­wohl der Ver­ord­nungs­ge­ber nach der Art der Tätig­keit hätte dif­fe­ren­zie­ren können, sie­he oben. Es ist auch nicht er­sicht­lich, wes­halb der Ver­ord­nungs­ge­ber aus­ge­rech­net ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung für ei­ne Art der Vol­l­ar­beit (Haus­wirt­schaft) hätte an­ord­nen sol­len im Ver­gleich zu ei­ner an­de­ren Art der Vol­l­ar­beit (Grund­pfle­ge), wenn er schon zwi­schen Vol­l­ar­beit und Be­reit­schafts­dienst, in wel­chem tatsächlich ge­rin­ge­re Ar­beits­leis­tun­gen an­fal­len, nicht dif­fe­ren­zie­ren woll­te.
7. So­weit die Kläge­rin kei­ne Vol­l­ar­beit er­brach­te, hat sie Be­reit­schafts­dienst er­bracht und nicht bloße Ruf­be­reit­schaft, wie die Be­klag­te mein­te.
Zum Ei­nen war, wie oben be­reits dar­ge­legt, schon ver­trag­lich ein Be­reit­schafts­dienst ver­ein-bart und nicht bloße Ruf­be­reit­schaft.
Be­reit­schafts­dienst ist zu­dem der Dienst, den der Ar­beit­neh­mer in Form persönli­cher An­we-sen­heit im Be­trieb des Ar­beit­ge­bers leis­tet oh­ne Rück­sicht dar­auf, wel­che Ar­beits­leis­tung der Be­trof­fe­ne während die­ses Be­reit­schaft­diens­tes tatsächlich er­bringt. Ei­ne an­de­re Be­wer­tung er­gibt sich nur dann, wenn der Dienst in der Wei­se ge­leis­tet wird, dass der Ar­beit­neh­mer ständig er­reich­bar ist, oh­ne je­doch zur An­we­sen­heit an ei­nem vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ort ver­pflich­tet zu sein (Ruf­be­reit­schaft). Für die ar­beits­schutz­recht­li­che Be­wer­tung (und vor­lie­gend auch für die ent­gelt­recht­li­che Be­wer­tung) ist es oh­ne Be­deu­tung, ob der Ar­beit­ge­ber
den Ar­beit­neh­mern ein Ru­he­raum zur Verfügung stellt, in dem sie sich auf­hal­ten können. Es kommt nicht auf An­zahl und Um­fang der tatsächli­chen Ar­beitseinsätze während des Be­reit-schafts­diens­tes an. Für die Ab­gren­zung von Ar­beits- und Ru­hens­zeit (Ruf­be­reit­schaft wäre ei­ne sol­che Ru­hens­zeit) im Sin­ne des Ar­beits­zeit­ge­set­zes ist dar­auf ab­zu­stel­len, ob sich die Ar­beit­neh­mer an ei­nem vom Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ort auf­hal­ten müssen, um ge­ge­be­nen-falls so­fort ih­re Leis­tung er­brin­gen zu können (BAG 23. Ju­ni 2010 aaO).
Vor­lie­gend ist aber un­be­strit­ten, dass die Kläge­rin sich im Ru­du-Dienst rund um die Uhr, dh. 24 St­un­den am Tag, in den von der Be­klag­ten be­stimm­ten Räum­lich­kei­ten auf­zu­hal­ten hat­te, um im Be­darfs­fall so­fort die ge­bo­te­nen Pfle­ge­leis­tun­gen er­brin­gen zu können. Dass die Klä-ge­rin ei­nen ei­ge­nen Raum in un­mit­tel­ba­rer Nähe zu den be­treu­ten Pfle­gedürf­ti­gen hat­te, ist hier­bei un­er­heb­lich. Eben­so un­er­heb­lich ist, dass die Kläge­rin in S. und Um­ge­bung über gar kei­ne Woh­nung verfügte, so­mit auf die Ge­stel­lung des Rau­mes an­ge­wie­sen war. Die Kläge­rin hielt sich nämlich nur während der Ru­du-Diens­te in die­sem Raum auf und fuhr nach Be-en­di­gung der Diens­te nach Hau­se nach R.. Frei­zeitmöglich­kei­ten (zB Gaststätten, Ki­no- oder Thea­ter­be­su­che) hat­te die Kläge­rin während der Ru­du-Diens­te je­den­falls nicht.
8. Dif­fe­ren­ziert die Pfle­ge­ArbbV aber nicht nach der Art der Tätig­keit, muss auch die Kläge­rin in ih­rem Vor­trag ih­re Ar­beits­zei­ten nicht ei­ner Art der Tätig­keit zu­ord­nen. Es ist dann aus­rei-chend, wenn die Kläge­rin dar­stellt, was vor­lie­gend auch nicht be­strit­ten ist, dass sie zur rech-ten Zeit am rech­ten Ort war, um Ar­beits­an­wei­sun­gen der Be­klag­ten zu be­fol­gen (BAG 18. April 2012 - 5 AZR 248/11 - NZA 2012, 998).
9. Le­dig­lich Pau­sen­zei­ten sind von den gel­tend ge­mach­ten Ar­beits­zei­ten ab­zu­zie­hen.
a) Die Kläge­rin hat­te un­strei­tig die bei­den pfle­ge­bedürf­ti­gen Schwes­tern täglich im Zeit­raum von 11:45 Uhr bis 12:45 Uhr während des Mit­tag­es­sens und von 17:50 Uhr bis 18:50 Uhr während des Got­tes­diens­tes nicht zu be­treu­en. Die­se 2 St­un­den wa­ren als fes­te Pau­sen­zei­ten ab­zu­zie­hen.
So­weit die Kläge­rin ein­wen­de­te, sie ha­be zu die­sen Zei­ten haus­wirt­schaft­li­che Ver­rich-tun­gen getätigt, ist nicht er­kenn­bar, dass dies auf An­wei­sung der Be­klag­ten er­folg­te, und wes­halb die­se Ver­rich­tun­gen nicht auch in­ner­halb der ver­blie­be­nen 22 St­un­den am Tag hätten er­le­digt wer­den können. Ei­ne Be­weis­auf­nah­me war des­halb nicht ge­bo­ten.
b) So­weit die Be­klag­te auch noch Pau­sen­zei­ten von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr in Ab­zug brin­gen möch­te, konn­te sie nicht durch­drin­gen. Zwar war zu die­ser Zeit Mit­tags­ru­he der pfle­ge­bedürf­ti­gen Schwes­tern. Je­doch wur­de von der Kläge­rin un­be­strit­ten er­war­tet, dass die­se im Be­darfs­fall ins­be­son­de­re wenn die Pa­ti­en­ten sich nicht an die Mit­tags­ru­he hiel­ten, so­fort wie­der tätig wur­den. Dann aber han­del­te es sich um Be­reit­schafts­dienst und nicht um ei­ne Ru­he­zeit.
10. Es er­gibt sich so­mit für den Mo­nat Au­gust 2010 fol­gen­de Be­rech­nung:
06.08.2010, 21:00 bis 24:00 Uhr: 3 St­un­den
07.08.2010, 0:00 Uhr bis 19.08.2010, 24:00 Uhr (13 x 22 St­un­den): 286 St­un­den
20.08.2010, 0:00 Uhr bis 11:45 Uhr: 11,75 St­un­den
Ge­samt: 300,75 St­un­den
300,75 St­un­den x 8,50 € = 2.556,38 €
abzüglich be­zahl­ter: 1.885,85 €
Dif­fe­renz: 670,53 € brut­to
Die Kläge­rin hat ei­nen Vergütungs­an­spruch für Sep­tem­ber 2010 in Höhe von wei­te­ren 696,03 € brut­to aus § 611 Abs. 1 BGB iVm. § 2 Abs. 1 Pfle­ge­ArbbV.
1. Hin­sicht­lich des An­spruchs­grun­des wird auf obi­ge Ausführun­gen ver­wie­sen.
2. Der An­spruch er­rech­net sich wie folgt:
02.09.2010, 21:00 bis 24:00 Uhr: 3 St­un­den
03.09.2010, 0:00 Uhr bis 15.09.2010, 24:00 Uhr (13 x 22 St­un­den): 286 St­un­den
04.09.2010, 0:00 Uhr bis 11:45 Uhr: 11,75 St­un­den
30.09.2010, 21:00 bis 24:00 Uhr: 3 St­un­den
Ge­samt: 303,75 St­un­den
303,75 St­un­den x 8,50 € = 2.581,88 €
Dif­fe­renz: 696,03 € brut­to
Die Kläge­rin hat ei­nen Vergütungs­an­spruch für Ok­to­ber 2010 in Höhe von wei­te­ren 1.380,56 € brut­to aus § 611 Abs. 1 BGB iVm. § 2 Pfle­ge­ArbbV.
2. Die­ser An­spruch er­rech­net sich wie folgt:
01.10.2010, 0:00 Uhr bis 14.10.2010, 24:00 Uhr (14 x 22 St­un­den): 308 St­un­den
15.10.2010, 0:00 Uhr bis 11:45 Uhr: 11,75 St­un­den
Ge­samt: 319,75 St­un­den
319,75 St­un­den x 8,50 € = 2.717,88 €
abzüglich be­zahl­ter: 1.303,32 €
Dif­fe­renz: 1.414,56 € brut­to
3. Da im Rah­men der Ent­gelt­be­rech­nung nach dem Min­des­tent­gelt le­dig­lich die tatsächlich er-brach­ten Leis­tun­gen zu­grun­de ge­legt wur­den, ist es un­er­heb­lich, ob die Kläge­rin nach Aus-spruch der Kündi­gung noch ge­ar­bei­tet hat oder nicht.
Ne­ben­ent­schei­dun­gen:
1. Die Ent­schei­dung über die Ver­zin­sung be­ruht auf dem Ge­sichts­punkt des Ver­zugs. Die Zins-höhe er­gibt sich aus § 288 Abs. 1 BGB.
2. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 92 Abs. 1 ZPO. Die Kläge­rin hat letzt­lich mit ei­nem Ge-samt­be­trag von 2.838,49 € ge­won­nen bei ein­ge­klag­ten 3.898,19 €. Dies ent­spricht ei­nem Ob­sie­gens­an­teil von 74 %.
3. Die Re­vi­si­on war we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung gem. § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG für die Be­klag­te zu­zu­las­sen.
1. Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Be­klag­te schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in-ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem
2. Für die Kläge­rin ist ge­gen die­ses Ur­teil ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf § 72a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.
Ge­cke­ler
zur Übersicht 4 Sa 48/12

References: § 11
 § 14

§ 2

§ 3
 § 2
 § 2
 § 3
 § 3
 § 313
 § 64
 § 64
 § 64
 § 64
 § 520
 § 67
 § 611
 § 2
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 14
 § 14
 § 1
 § 14
 § 14
 § 3
 § 1
 § 14
 § 3
 § 3
 § 2
 § 2
 § 1
 § 1
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 2
 § 14
 § 14
 EuGH 
 Art. 2
 EuGH 
 § 7
 § 2
 § 3
 § 2
 § 11
 § 5
 § 3
 § 5
 § 5
 § 11
 § 3
 § 46
 § 3
 § 11
 § 7
 § 5
 § 5
 § 2
 § 7
 § 3
 § 1
 § 14
 § 2
 § 611
 § 2
 § 611
 § 2
 § 288
 § 92
 § 72
 § 72