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Timestamp: 2018-11-13 00:20:58+00:00

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OVG Nordrhein-Westfalen, 7 A 3557/02: OVG NRW: bautiefe, vorbescheid, anbau, grundstück, garage, form, gebäude, einheit, abgrenzung, ermessen
Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 04.06.2003, 7 A 3557/02
7 A 3557/02
OVG NRW: bautiefe, vorbescheid, anbau, grundstück, garage, form, gebäude, einheit, abgrenzung, ermessen
Bautiefe, Vorbescheid, Anbau, Grundstück, Garage, Form, Gebäude, Einheit, Abgrenzung, Ermessen
Oberverwaltungsgericht NRW, 7 A 3557/02
Aktenzeichen: 7 A 3557/02
Vorinstanz: Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, 10 K 4792/99
Der Streitwert wird auch für das Berufungsverfahren auf 40.903,35 EUR festgesetzt.
1G r ü n d e: I. Die Klägerin begehrt die Erteilung eines planungsrechtlichen Bauvorbescheids für die Errichtung eines 8-Familien-Wohnhauses auf dem in ihrem Eigentum stehenden, westlich der Q. straße in E. gelegenen Grundstück Gemarkung M. Flur 1 Flurstück 673.
2Die tatsächlich vorhandene, nicht von Geltungsbereich eines Bebauungsplans erfasste Bebauung an der Westseite der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Q. straße stellt sich wie folgt dar:
3Rd. 400 m südlich bzw. rd. 100 m nördlich der Zufahrt zum Grundstück der Klägerin führen von der Q. straße die Straße In den C. bzw. der M. I. weg nach Westen. Zwischen diesen Straßen verläuft westlich der Q. straße die Straße X. , die wegen ihres geschwungenen Verlaufs unterschiedliche Abstände zu der gradlinigen Q. straße aufweist. Im südlichen Bereich bis zu den bogenförmig aneinander gebauten Häusern X. 30-34 beträgt der Abstand zwischen 80 und gut 110 m, während sich die Straße X. im weiteren Verlauf nach Norden ab dem Doppelhaus X. 26/28 - hier beträgt der Abstand zwischen den Straßen gut 90 m - immer weiter von der Q. straße entfernt; bei der Einmündung in den M. I. weg erreicht sie einen Abstand von rd. 190 m zur Q. straße .
Dieses in Nord-Süd-Richtung insgesamt 500 m langen Geviert ist rundum praktisch lückenlos straßennah bebaut, wobei die Bebauung unterschiedlich weit in das Hintergelände hinein reicht. Im südlichen Teil des Gevierts bis zu der Bebauung X. 30- 34 reicht die der Straße X. zugeordnete Bebauung mit Wohnhäusern stellenweise (X. 30-34, 36-44 und 46-50) bis 40 bzw. 50 m und die der Q. straße zugeordnete Bebauung mit Wohnhäusern stellenweise (Q. straße 28-28b) gleichfalls bis 50 m in den inneren Bereich des Gevierts hinein. In dem auch das Grundstück der Klägerin erfassenden nördlichen Teil des Gevierts ab der Bebauung X. 30-34 reicht die Straßenrandbebauung mit Wohnhäusern nebst Anbauten an allen Straßen (X. , M. Hellweg, Q. straße ) mit wenigen Ausnahmen zumeist nur 20 bis 25 m in das Hintergelände hinein, in dem sich einzelne Gartenhäuser und andere Nebenanlagen (z.B. Garagen oder Lagerschuppen) befinden.
4Unter dem 23. Februar 1996 war der Klägerin vom Beklagten ein planungsrechtlicher Vorbescheid für die Errichtung eines größeren Wohnhauses auf dem rückwärtigen, mit einer rd. 3 m breiten und gut 40 m langen Zufahrt an die Westseite der Q. straße angebundenen Teil des heutigen Flurstücks 673 erteilt worden. Eine Verlängerung dieses von der Klägerin nicht ausgenutzten Vorbescheids lehnte der Beklagte mit Bescheid vom 29. April 1998 ab, gegen den die Klägerin erfolglos Widerspruch erhob. Ihre Verpflichtungsklage auf Erteilung einer Verlängerung des Vorbescheids (10 K 1780/99 VG Gelsenkirchen) hat die Klägerin am 21. Februar 2002 zurückgenommen.
5Mit weiterer Bauvoranfrage 12. September 1998 reichte die Klägerin beim Beklagten Pläne und eine Berechnung zum Maß der baulichen Nutzung für ein geändertes Vorhaben ein und beantragte einen entsprechenden planungsrechtlichen Vorbescheid. Dieses im vorliegenden Verfahren strittige Objekt soll bei einer Grundfläche von 27,32 x 10,12 m insgesamt 3-4 Vollgeschosse aufweisen und mit einer maximalen Bautiefe von gut 50 m etwas weniger weit von der Q. straße enden als das früher vorgesehene Wohnhaus. Der Beklagte lehnte den Antrag mit Bescheid vom 7. Dezember 1998 ab, weil sich das strittige Vorhaben wegen seines Standorts nicht in die Eigenart der näheren Umgebung einfüge. Den hiergegen erhobenen Widerspruch der Klägerin wies die Bezirksregierung Arnsberg mit Widerspruchsbescheid vom 23. August 1999 als unbegründet zurück.
6Die Klägerin hat am 27. September 1999 Klage erhoben, zu deren Begründung sie sich insbesondere auf das weiter südlich gelegene Gebäude Q. straße 28- 28b berief, das für den Vorbescheid vom 23. Februar 1996 noch als Vergleichsobjekt herangezogen worden war.
Die Klägerin hat im Verfahren I. Instanz folgende Anträge gestellt: 7
81. Der Beklagte wird verpflichtet, den Ablehnungsbescheid vom 07.12.1998 in der Bauakte 63/2-3-23873 des Bauordnungsamtes E. in der Fassung des Widerspruchsbescheides vom 23.08.1999 der Bezirksregierung Arnsberg aufzuheben.
92. Der Beklagte wird verpflichtet, den Antrag auf Erlass eines Bauvorbescheids vom 18.09.1998 in der Bauakte 63/2-3-23873 durch den Dipl.-Ing. Architekt L. -G. X. zu bewilligen.
103. Hilfsweise: Der Beklagte wird verpflichtet, den Bescheid des Bauordnungsamtes E. vom 7.12.1998 zur Bauakte 63/2-3-23873 in der Form des Widerspruchsbescheides
vom 23.08.1999 ermessensfehlerfrei zu erlassen.
Der Beklagte hat unter Bezugnahme auf die angefochtenen Bescheide beantragt, 11
13Mit dem angefochtenen Urteil hat das Verwaltungsgericht der Klage stattgegeben und den Beklagten zur Erteilung des beantragten Vorbescheids verpflichtet, weil seiner Auffassung nach der Baukomplex Q. straße 28-28b mit einer Bautiefe von 53 m die maßgebliche Umgebung mitpräge und Vorbild für das von der Klägerin geplante Mehrfamilienhaus sei.
14Auf den Zulassungsantrag des Beklagten hat der Senat mit Beschluss vom 14. Januar 2003, dem Beklagten zugestellt am 22. Januar 2003, die Berufung zugelassen. Der Beklagte hat fristgerecht einen Berufungsantrag gestellt und die Berufung begründet. Er trägt insbesondere vor, die maßgebliche Umgebung für das strittige Vorhaben erstrecke sich nur auf den nördlichen Bereich des Gevierts, der im Süden mit den Häusern X. 28 und - diesem schräg gegenüber - Q. straße 48 ende. In diesem Bereich seien die Hauptgebäude ausschließlich als Straßenrandbebauung errichtet. Ein Vorbild für die von der Klägerin geplante Hinterlandbebauung sei nicht vorhanden.
19Sie meint insbesondere, der Baukomplex Q. straße 28-28b präge den vorgesehenen Standort ihres Mehrfamilienhauses mit, weil keine trennenden Elemente zwischen diesen Gebäudestandorten vorhanden seien.
20Der Berichterstatter des Senats hat am 8. April 2003 eine Ortsbesichtigung durchgeführt. Auf die hierüber gefertigte Niederschrift wird verwiesen.
21Hinsichtlich der weiteren Einzelheiten des Sachverhalts und des Vorbringens der Beteiligten wird auf den Inhalt der Gerichtsakte, der Akte 10 K 1780/99 VG Gelsenkirchen, der vom Beklagten vorgelegten Verwaltungsvorgänge, Lichtbilder und Pläne sowie den Widerspruchsvorgang der Bezirksregierung Arnsberg ergänzend Bezug genommen.
Der Senat entscheidet nach Anhörung der Beteiligten gemäß § 130a VwGO durch Beschluss, weil er die Berufung einstimmig für begründet und eine mündliche Verhandlung nicht für erforderlich hält. Die Sach- und Rechtslage ist im Ortstermin des Berichterstatters des Senats mit den Beteiligten eingehend erörtert worden, namentlich auch im Hinblick auf die hier entscheidungserhebliche Frage des Einfügens hinsichtlich des Tatbestandsmerkmals "Grundstücksfläche, die überbaut werden soll". Die Beteiligten haben hinreichend Gelegenheit gehabt, ihre Standpunkte hierzu darzulegen, 23
und die Klägerin hat dies mit ihrem Vorbringen im Schriftsatz vom 26. Mai 2003 auch genutzt.
24Das Verwaltungsgericht hat der Klage mit dem Haupt-(Verpflichtungs-)begehren, das der Sache nach darauf abzielt, den Beklagten unter Aufhebung der angefochtenen Bescheide zur Erteilung des beantragten Vorbescheids zu verpflichten, zu Unrecht stattgegeben. Die Klägerin hat keinen Anspruch auf Erteilung des begehrten planungsrechtlichen Vorbescheids, weil das zur Genehmigung gestellte Vorhaben bauplanungsrechtlich unzulässig ist.
25Die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit des Vorhabens richtet sich unstreitig nach § 34 BauGB, weil es nicht im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans, wohl aber innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils errichtet werden soll. Unproblematisch ist auch das Einfügen in die Eigenart der näheren Umgebung hinsichtlich der Tatbestandsmerkmale "Art und Maß der baulichen Nutzung" sowie "Bauweise". Strittig ist lediglich, ob sich das Vorhaben auch hinsichtlich des Tatbestandsmerkmals "Grundstücksfläche, die überbaut werden soll", in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt. Diese Frage ist - mit dem Beklagten und entgegen der Wertung des Verwaltungsgerichts - zu verneinen.
26Entscheidend für die Frage des Einfügens nach dem genannten Tatbestandsmerkmal ist hier die räumliche Abgrenzung der maßgeblichen Umgebung, in deren Eigenart sich das strittige Vorhaben einfügen muss. Dabei ist die maßgebliche Umgebung nicht für alle Tatbestandsmerkmale des § 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB identisch, vielmehr kann die maßgebliche Umgebung je nach dem betrachteten Tatbestandsmerkmal des § 34 BauGB durchaus unterschiedlich sein.
Vgl.: Kuschnerus, Das zulässige Bauvorhaben, RdNr. 249. 27
Ferner kann gerade auch die Einheitlichkeit bzw. Unterschiedlichkeit der Bebauung ein Kriterium für die Abgrenzung der näheren Umgebung sein. 28
Vgl.: BVerwG, Beschluss vom 29. April 1997 - 4 B 67.97 - BRS 59 Nr. 80. 29
Maßgeblich ist dabei insbesondere, inwieweit die Umgebung ihrerseits den bodenrechtlichen Charakter des Baugrundstücks prägt oder doch beeinflusst. 30
Vgl. grundlegend: BVerwG, Urteil vom 26. Mai 1978 - 4 C 9.77 - BRS 33 Nr. 36. 31
32Nach Maßgabe dieser Kriterien erfasst die maßgebliche Umgebung des Standorts des strittigen Vorhabens nicht - wie das Verwaltungsgericht meint - den gesamten Bereich des Gevierts, das von der Q. straße sowie den Straßen In den C. , X. und M. I. weg umschlossen wird. Dieses ist hinsichtlich der näheren Umgebung für das Merkmal der überbaubaren Grundstücksfläche vielmehr in zwei gesondert zu beurteilende Bereiche aufzuteilen.
33Diese Aufteilung folgt allerdings nicht aus den im Schriftsatz der Klägerin vom 26. Mai 2003 angeführten topografischen Gegebenheiten. Diese lassen in der Tat keine städtebaulich relevante Zäsur erkennen, die einen Bereich der maßgeblichen Umgebung von einem rechtlich anders zu wertenden Bereich trennt.
34Zu den hierfür einschlägigen Aspekten vgl. etwa: BVerwG, Beschluss vom 20. August 1998 - 4 B 79.98 - BRS 60 Nr. 176.
35Entscheidend ist hier jedoch das bereits angesprochene Kriterium der Einheitlichkeit bzw. Unterschiedlichkeit der Bebauung. Aus dessen Anwendung folgt nach dem Eindruck in der Örtlichkeit, den der Berichterstatter des Senats vor Ort gewonnen und dem Senat vermittelt hat und der durch das umfangreiche dem Senat vorliegende Lichtbild- und Kartenmaterial verdeutlicht wird, dass die Bebauung des genannten Gevierts in einen südlichen und einen nördlichen Bereich aufzuteilen ist, die jeweils einheitliche Strukturen aufweisen, die die beiden Bereiche eindeutig unterschiedlich prägen.
36Der südliche Bereich von der Straße In den C. bis zu der gedachten Linie vom Baukomplex X. 30-34 zu den Gebäuden Q. straße 46 bzw. 48, der in etwa die Form eines länglichen Rechtecks aufweist und auch den von der Klägerin sowie dem Verwaltungsgericht als "Vergleichsobjekt" gewerteten Baukomplex Q. straße 28-28b umfaßt, ist geprägt durch eine praktisch flächendeckend erscheinende Bebauung mit - dem äußeren Anschein nach nahezu ausschließlich - Wohnhäusern nebst zugehörigen Nebenanlagen. Sowohl die der Straße X. als auch die der Q. straße zugeordneten Wohnhäuser reichen dabei teilweise bis gut 50 m in das Hintergelände hinein und damit jeweils bis zur Mitte dieses Rechtecks bzw. sogar darüber hinaus. Die den beiden Straßen zugeordneten Wohnhäuser sind praktisch ineinander verzahnt und lassen damit den gesamten Bereich die Rechtecks als mit Hauptgebäuden bebaut erscheinen mit der Folge, dass nahezu jeder Standort dieses Bereichs als nach § 34 BauGB überbaubar zu werten ist.
37Demgegenüber öffnet sich von der gedachten Linie vom Baukomplex X. 30-34 zu den Gebäuden Q. straße 46 bzw. 48 in Richtung Norden ein sich bis zur Straßenrandbebauung des M. Hellwegs kontinuierlich verbreiternder, etwa dreieckförmiger unbebauter Freiraum, der von weniger weit in das Hintergelände hinein reichender Straßenrandbebauung umschlossen ist. In diesen als Einheit erscheinenden Freiraum, der in Nord-Süd-Richtung auf rund 200 m Länge eine Breite von 50 bis weit über 100 m aufweist, sind lediglich einige wenige kleinere, eindeutig als Nebenanlagen zu qualifizierende bauliche Anlagen eingestreut. Diese lassen den gesamten Freiraum in seiner Einheit als nicht mit Hauptgebäuden bebaubares Hintergelände erscheinen, denn eine rückwärtige Bebauung mit einem Hauptgebäude fügt sich nach der bebaubaren Grundstücksfläche nicht in die Eigenart der näheren Umgebung ein, wenn im hinteren Bereich der umliegenden Grundstücke nur Nebenanlagen vorhanden sind.
38So ausdrücklich: BVerwG, Beschluss vom 6. November 1997 - 4 B 172.97 - BRS 59 Nr. 79.
39Als Nebenanlagen in diesem Sinne sind insbesondere auch die Baukörper auf dem dem Antragsgrundstück benachbarten Flurstück 356 zu qualifizieren, bei denen es sich nach den örtlichen Feststellungen des Berichterstatters des Senats um einen eingeschossigen, derzeit zu Lagerzwecken genutzten Schuppen (vergleichbar einer größeren Garage) sowie eine Garage handelt.
40Der Umstand, dass in dem etwa dreieckförmigen nördlichen Bereich des Gevierts die Straßenrandbebauung mit Wohnhäusern unterschiedliche Bautiefen aufweist, steht der Qualifizierung des Hintergeländes, zu dem auch das von der Klägerin zur Bebauung
vorgesehene Flurstück 673 - abgesehen von der schmalen Zufahrt zur Q. straße - gehört, als nicht nach § 34 BauGB mit Hauptnutzungen bebaubares Hintergelände nicht entgegen. Dabei kann letztlich dahinstehen, ob auch der schmale rückwärtige Anbau an das Gebäude Q. straße 64, der zu Wohnzwecken genutzt wird, noch zu dem als überbaubar zu qualifizierenden Bereich der Straßenrandbebauung gehört oder ob er wegen seiner gleichsam als einzelner Finger in das Hintergelände vordringenden Singularität als nicht-prägender Fremdkörper zu werten ist.
41Zu den Kriterien für die Annahme eines nicht- prägenden Fremdkörpers vgl. grundlegend: BVerwG, Urteil vom 15. Februar 1990 - 4 C 23.86 - BRS 50 Nr. 75.
42Selbst wenn man diesen Anbau als mitprägend werten würde, ließe sich daraus zu Gunsten des Vorhabens der Klägerin nichts herleiten. Der Anbau weist von der Q. straße aus gesehen lediglich eine maximale Bautiefe von rd. 35 m auf und endet damit noch deutlich vor dem Standort des strittigen Vorhabens, das erst in einer Tiefe von deutlich über 40 m beginnen und mit einer Bautiefe von deutlich über 50 m enden soll.
43Hat das strittige Vorhaben nach alledem kein Vorbild in der maßgeblichen Umgebung, erweist es sich auch nicht deshalb trotz Überschreitung des aus der maßgeblichen Umgebung abzuleitenden Rahmens - ausnahmsweise - als zulässig, weil es keine bodenrechtlich relevanten Spannungen hervorrufen würde.
44Zu diesem Kriterium vgl. grundlegend: BVerwG, Urteil vom 26. Mai 1978 - 4 C 9.77 - BRS 33 Nr. 36.
45Solche bodenrechtlichen Spannungen sind hier vielmehr zu bejahen, weil das den Rahmen überschreitende Vorhaben wegen der von ihm ausgehenden Vorbildwirkung für weitere Hinterlandbebauung die gegebene Situation in negativer Hinsicht in Bewegung und damit in Unordnung bringt.
Vgl.: BVerwG, Urteil vom 15. Dezember 1994 - 4 C 13.93 - BRS 56 Nr. 61. 46
47Es liegt auf der Hand, dass bei Zulassung des strittigen Vorhabens die konkrete Gefahr weiteren Vordringens von Hauptgebäuden in das hier maßgebliche Freigelände besteht, indem vergleichbare Bauwünsche für das bereits mit Nebenanlagen bebaute Flurstück 356, aber auch für weitere Hinterlandbebauung etwa auf den tief in das Hintergelände hineinreichenden, nördlich des strittigen Grundstücks gelegenen Flurstücken 603 bis 425 zu erwarten sind und schwerlich verhindert werden können.
48Erweist sich nach alledem die Klage mit dem Haupt-(Verpflichtungs-)begehren als unbegründet, ist auch für die mit dem Hilfsantrag begehrte Neubescheidung kein Raum. Dieser Antrag geht von der - unzutreffenden - rechtlichen Einschätzung aus, die planungsrechtliche Beurteilung von Vorhaben nach § 34 BauGB stehe im Ermessen der Bauaufsichtsbehörde. Dies trifft nicht zu. Liegen für ein bestimmtes Vorhaben die Tatbestandsvoraussetzungen des § 34 Abs. 1 bzw. Abs. 2 BauGB vor, besteht - vorbehaltlich der bauordnungsrechtlichen Prüfung - ein Rechtsanspruch auf planungsrechtliche Zulassung des Vorhabens. Ist - wie hier - eines der Tatbestandsmerkmale der genannten Vorschrift hingegen zu verneinen, so ist der Bauantrag bzw. die Bauvoranfrage abzulehnen. Ein Ermessen ist der Bauaufsichtsbehörde insoweit nicht eröffnet.
49Der Berufung des Beklagten war nach alledem mit der Kostenfolge aus § 154 Abs. 1 VwGO stattzugeben.
50Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit beruht auf § 167 VwGO iVm §§ 708 Nr. 10, 711, 713 ZPO.
51Die Revision war nicht zuzulassen, weil die Voraussetzungen des § 132 Abs. 2 VwGO nicht gegeben sind.
Die Festsetzung des Streitwerts beruht auf § 13 Abs. 1 Satz 1 GKG. 52

References: § 130
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 § 154
 § 167
 § 132
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