Source: https://www.geisecke-lichtendorf.de/vom-wellenbad/
Timestamp: 2019-11-20 22:10:27+00:00

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Zum Wellenbad in Geisecke - Horst Eichmann - Ortsgeschichte Geisecke-Lichtendorf
Zum Wellenbad in Geisecke
In früheren Jahrhunderten hatte die Ruhr kein festes Bett so wie wir es heute kennen. Sie verzweigte sich in mehrere Arme die ihren Weg durch das Ruhrtal im Laufe der Jahre immer wieder änderten. Flurnamen wie „alte Ruhr“, der zwischen Langschede und Westhofen mehrfach auf alten Karten nachgewiesen ist, und „zwischen den Ruhren“ zeugen davon. Der Hauptarm verlief offensichtlich lange Jahre an Haus Lappenhausen (Gräfte) vorbei durch den späteren Hengsener Stausee, dem Spick und dem Mühlenstrang.
Anfang des 18. Jahrhunderts änderte die Ruhr nach einem Uferbruch oberhalb Geiseckes, östlich vom Wellenbad, seinen Lauf radikal, seitdem verläuft der Fluss, von kleineren Abweichungen abgesehen, in seinem heutigen Bett. Seit dieser Zeit wurden die Ufersicherungen durch die Anlieger immer mehr zur Pflicht und überwacht, bei Vernachlässigungen wurden die Säumigen bestraft.
Bei einem Besuch im „Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz“ in Berlin Dahlem konnte ich eine Akte zur Situation der „Kurfürstlichen Mühle zu Schwerte“ aus den Jahren 1695-1724 einsehen. In dieser Akte habe ich auch das Original der seit dem 2. Weltkrieg verschollenen Karte von 1719 wieder gefunden. Aus der Akte und der Karte geht hervor, dass die Ruhr zum Zeitpunkt des Uferbruchs schon nicht mehr durch den späteren Stausee floss, sondern unterhalb von Exsternbrink scharf nach Norden auf den Spiek abbog. An dieser Stelle hat die Ruhr das Ufer durchbrochen und sich ihr heutiges Flussbett gesucht. Dieses Ereignis lag 1719, der Zeitpunkt der Erstellung der Karte, schon einige Jahre zurück, das genaue Datum geht aus der Akte leider nicht hervor.
Ausschnitt aus der Originalkarte von 1719 aus der Berliner Akte
Die Akte ist sehr umfangreich (190 Seiten und die Karte) und enthält viele für die Schwerter Stadtgeschichte interessante Informationen über die Mühle. Im zweiten Teil der Akte geht es um die Schwierigkeiten der Mühle durch das fehlende Wasser. Erbpächter der Mühle war zu dieser Zeit Friedrich Lapp von der Mark, seine Klagen wurden, stark vereinfacht, mit dem Bemerken beschieden: Die Ruhr sei während seiner Pachtzeit abgewichen, als solle er zusehen, dass sie wieder in ihr altes Bett zurückkäme.
Von der Provinzregierung in Kleve wurde im Jahre 1719 eine Überprüfung der Situation vor Ort angeordnet. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Karte angefertigt. Ein geplanter Durchstich von der Ruhr zum Strang, dem alten Ruhrbett, unterhalb von Geisecke, lehnte die Kommission ab. Dies war zwar die kürzeste Strecke, aber an dieser Stelle lag der Strang höher als die Ruhr, sodass diese zusätzlich hätte gestaut werden müssen. Es wurde ein Kanal knapp oberhalb des heutigen Wellenbads vorgeschlagen wo noch ein ausreichendes Gefälle vorhanden war. Offensichtlich wurde dieser Kanal, der Mühlengraben, dann angelegt, jedenfalls hatte die Mühle 1723 wieder genügend Wasser. In einer weiteren Karte von 1778 aus dem GStA Berlin, zur Schiffbarmachung der Ruhr, ist dieser Kanal verzeichnet.
Der Erbpächter bekam zwar das Recht ein Wehr anzulegen, welches aber zunächst nicht benötigt wurde und zur Zeit der Ruhrschifffahrt ruhte. Im Laufe der Jahre verlandete der Strang immer mehr, ausschachten und begradigen genügten irgendwann nicht mehr, so wurde in der Ruhr, am Mühlengraben, zuerst ein Fangzaun, dann ein hölzernes Wehr und zuletzt ein steinernes Wehr errichtet. Unterhalb dieses Wehres in dem herab stürzenden Wasser legte Schulte-Nölle seine Badekabinen an.
Nachbau einer Ruhraak (Zeche Nachtigall Witten)
Konzession zur Anlegung einer Bördfahrt auf der Ruhr zwischen Langschede und Herdecke
Konzession zur Anlegung eines Frachtschi
Akten über die Auseinanderstzungen wegen der durch den Fangzaun verursachten Schäden
Munkenbeck ckontra Schulte-Nölle.docx
Aus der Geschichte des Wellenbades in Geisecke
Am 23. November heiratet der Schankwirt Johann Diedrich Peter Hermann Nölle von Rheinen die Karoline Christine Henriette Phillipine Kühl, Tochter des verstorbenen Colonen Johann Heinrich Kühl zu Geisecke. Durch diese Heirat kommt er in den Besitz des Grundstücks wo an einer seichten Stelle der Weg von Geisecke nach Rheinen durch eine Furt die Ruhr überquert.
Am 18. Juli richtet Johann Diedrich Schulte genannt Nölle ein Gesuch an den Landrat Pilgrim zu Dortmund mit der Bitte um Genehmigung an dieser Stelle die Anlage einer „Fähranstalt“ für Personen und Vieh anzulegen.
Der Landrat schickt das Gesuch um 20. Juli zurück an den Amtmann von Basse zu Westhofen mit der Aufforderung nach Aufklärung der näheren Umstände wie Verkehrsverhältnisse, Eignung der vorgesehen Stelle, Fährgeld, Zulässigkeit des Gesuchs so wie über die „Persönlichkeit des Bittstellers“.
In einem Lokaltermin am 10. August werden in Anwesenheit des Amtmannes, des Bauamtes und des Schulte-Nölle die von dem Landrat aufgeworfenen Fragen geklärt.
Am 10. August erteilt die Gemeindeversammlung in Geisecke dem Johann Diedrich Schulte-Nölle die Genehmigung zum Bau des „Fährhauses“ und befürwortet die Anlage der Fähranstalt.
In einem Schreiben vom 16. August an den Landrat befürwortet der Amtmann das Gesuch des Johann Diedrich Schulte-Nölle.
Der Landrat des Pilgrim leitet den Antrag am 21. August weiter an die Königliche Regierung zu Arnsberg.
Die Königliche Regierung in Arnsberg legt am 21. September in einem Schreiben an den Landrat in Dortmund Bedingungen fest die erfüllt sein müssen bevor das Gesuch nach Berlin weitergeleitet wird.
Auf Vorladung kommt Johann Diedrich Schulte-Nölle am 3. Oktober nach Westhofen und erklärt sich mit den Bedingungen der Königlichen Regierung in Arnsberg einverstanden.
Der Landrat reicht am 5. Oktober die Erklärung des Schulte-Nölle an die Königliche Regierung in Arnsberg weiter.
Die Regierung in Arnsberg verlangt am 6. November nochmals vor der Weiterleitung nach Berlin die Erklärung des Schulte-Nölle, des Nachts auf das doppelte Fährgeld zu verzichten.
Am 15. November erklärt Johann Diedrich Schulte-Nölle ausdrücklich seinen Verzicht auf das doppelte Fährgeld zur Nachtzeit.
Nachdem der Landrat am 5. Dezember die Erklärung nach Arnsberg geschickt hat reicht die Königliche Regierung das Gesuch am 12. Dezember weiter nach Berlin.
In Berlin wird das Gesuch von dem Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten und dem Finanzministerium bearbeitet. Am 9. Februar ergeht der Bescheid mit dem Einverständnis an Arnsberg mit der Anordnung keine Fährgerechtigkeit zu vergeben sondern das Fährrecht nur auf pachtweise zu erteilen.
Am 17. März erklärt sich Johann Diedrich Schulte-Nölle mit dem Tarif und mit einer Pacht auf 30 Jahre zu einem Taler pro Jahr einverstanden.
Auf dieser Basis fordert das Ministerium in Berlin am 11. August den Provinzial Steuerdirektor in Münster auf, den Vertrag mit Johan Diedrich Schulte-Nölle abzuschließen.
Am 29. August ordnet das Ministerium in Berlin die Veröffentlichung der Fährtarife im Amtsblatt und das Aufstellen einer Tafel mit den Fährpreisen an der Fährstelle an.
Die Fährtarife von 1850:
Für Personen 4 Pfennig
Für ein Pferd oder Maultier 1 Silbergroschen
Für jedes Stück Rindvieh und Esel 6 Pfennig
Für Fohlen, Kälber, Schweine, Schafe, Ziegen pro Stück 3 Pfennig
Für vorgetriebenes Weidevieh pro 10 Stück 4 Pfennig
Für das Übersetzen von Personen und Vieh schafft Schulte-Nölle einen „Nachen“ an, Fuhrwerke müssen weiterhin die danebenliegende Furt benutzen.
Die Akten von 1849-1850.docx
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Kribbenbau an der Ruhr
Arbeiter beim Kribbenbau zur Uferbefestigung an der Ruhr, könnte so ähnlich auch die Fähre (der „Nachen“) ausgesehen haben?
Das Amt Westhofen erteilt dem Schulte-Nölle in Rheinen am 23. Juli die Konzession zum Betrieb einer Schankwirtschaft. Das Fährhaus wird auf einem Grundstück seiner Schwiegereltern errichtet.
Das Fährhaus wird bezogen und die Fähre in Betrieb genommen. Im Herbst dieses Jahres wird 26cm unter der Türschwelle eine Hochwassermarke angebracht.
In der Grundsteuermutterrolle wird statt Heinrich Kühl jetzt Schulte-Nölle aufgeführt.
Die Gebäude in Geisecke im Jahre 1830 nach der Grundsteuermutterrolle
Art. 2 Bocks, Albert gen. Spaemann
Art. 3 Freiherr von Elverfeldt, Ludwig
Art. 4 Exsternbrink, Konrad
Art. 5 Fund, Friedrich Flur II Parzelle 6
Art. 6 Fund, Friedrich, Schuster
Art. 7 von Fürstenberg zu Herdringen Haus Rutenborn
Art. 9 Gockel, Christian
Art. 10 Fund, Friedrich gen. Hahne
Art. 12 Kranefeld, Caspar Diedrich
Art. 14 Kühl, Heinrich ab 1853 Schulte-Nölle
Art. 17 Rutenborn, Heinrich
Art. 18 Schule zu Geisecke
Art. 19 Schulte, Friedrich
Art. 20 Spaemann, Albert dann Caspar Friedrich Spaemann
Art. 21 Becker, Wilhelm gen Spieckmann
Art. 22 Steinweg, Caspar Diedrich
Art. 23 Tutt, Friedrich
Art. 24 Stricker, Caspar, Schäfer Flur II Parzelle 57
Das Fährhaus kommt hier noch nicht vor, auch nicht als Nachtrag.
1854 – 58
Streit des Schulte-Nölle und Genossen aus Geisecke mit dem Müller Munkenbeck von Schwerte über die nicht vorschriftsmäßige Anlage des Wehrs in der Ruhr. Das Wehr besteht noch immer aus einem in die Ruhr hin nein ragenden Fangzaun, ein Wehr quer durch die Ruhr wird erst im Jahr 1858 angelegt.
In diesen beiden Jahren verursacht das Wehr dem Schulte-Nölle nach eigener Angabe einen Schaden von 300 Talern.
„Namentlicher Nachweis der in der Bürgermeisterei Westhofen
concessionierten Gast- und Schankwirtschaften, angelegt im April 1856“
Datum der Konzession
Villigst /Rheinen/
Noelle, Diedrich
Es ist davon auszugehen das der noch in Rheinen wohnende Schulte-Nölle die Konzession für das Fährhaus in Geisecke beantragt hat. Im Schwerter Kirchenbuch wird er bereits 1848 als Schankwirt in Rheinen genannt. Wo er in Rheinen eine Schankwirtschaft betrieben hat ist noch unbekannt.
Der Sockel des Fährhauses dient als Bezugspunkt für das Setzen der „Markpfähle“ zur Bestimmung des Niveaus des Wehrs.
Das Wehr wird angelegt.
1859 und 1860/61
Nachweise über abgegebene Wirtschaftskonzessionen führen Diedrich Nölle in Geisecke auf.
Spätestens in diesem Jahr errichtet Schulte-Nölle das Badehaus.
Das Badehaus hat wohl da gestanden und auch in etwa so ausgesehen und wie es auf der Zeichnung von Otto Exsternbrink zu sehen ist. Die zeitgenössische Darstellung auf der Ansichtskarte und auch die Fundamentpfähle, die noch auf Fotos aus den 30er Jahren zu sehen sind, bestätigen die Zeichnung.
Das Badehaus war unterteilt in zwei Kabinen die zweigeschossig waren. Der obere war der Aus- und Ankleideraum, von hier stieg man über eine Treppe in den unteren, den eigentlichen Baderaum. Durch diesen Raum strömte das überschießende Wasser mit großer Kraft. Hier saß der Badegast und ließ sich in der Hauptsache die Lenden peitschen, bis diese nach ca. 10 Minuten heftig gerötet waren. Die Heilwirkung dieser Kur wurde von dem „Bäderarzt“ Dr. Tüttel in einem Attest bestätigt. Ein Besuch kostete einschließlich Handtuch 50 Pfennig, das war in dieser Zeit ein stolzer Preis. Dieses „Heilbad“ war über die Grenzen von Schwerte hinaus bekannt und wurde gut besucht. Auf der gegenüberliegenden Seite der Ruhr gab es einen Unterstand für die Kutschen aus dem Iserlohner Raum. Das Badehaus wurde im Herbst, aber auch bei Hochwasser, abgebaut und im Frühjahr wieder aufgebaut.
Um das Jahr 1900setzte sich das freie Baden immer mehr durch und so hatte nach fast 40 Jahren das Badehaus ausgedient und das Wellenbad wurde nun eine Flussbadeanstalt.
Das Badehaus (mit zwei Kabinen) nach einer Zeichnung von Otto Exsternbrink
„In diesem Sommer wurde der Wasserstand in der Ruhr sehr klein, und erlaubte dann der Müller Munkenbeck dem Schulte gt. Nölle zur besseren Benutzung der Bäder auf einem Teil des Wehres einen Bretteraufsatz so anzubringen, dass das Wasser an der rechten Seite des Wehres floss.“
Ein Verzeichnis der Gebäude in Geisecke vergibt die Hausnummern neu, das Fährhaus (Schulte-Nölle, Diedrich, an der Fähre) erhält die Hausnummer 7, diese Hausnummer ist auch nach der Einführung bzw. Änderung von Straßennamen bis heute genlieben.
Schulte-Nölle, Diedrich, an der Fähre 7 [heute „Zum Wellenbad“ 7]
Die nächsten Nachbaren waren:
Exsternbrink 6 (heute „Zum Kellerbach“ 10)
Leckinghaus 8 (heute „Zum Wellenbad“ 8)
Sichtermann 9 (zwischen 1930 und 34 abgerissen)
Schulte-Nölle, Diedrich 11 (liegt 1880 wüst)
Erste Erwähnung der durch Schulte-Nölle errichteten Badekabinen in der Ruhr. Nach dieser Quelle bestanden die Badekabinen schon seit mindestens 1863.
Dem Herrn Landwirt Schulte Nölle zu Geisecke bescheinige ich hierdurch, dass seine in der Ruhr angelegten Wellenbäder von der vortrefflichsten Wirkung alle Diejenigen sind die chronische Hautauschläge (Flechte etc.) an Hämorhoidalbeschwerden, Unterleibs-Pletoria, schlechter Verdauung, rheumatische Affektionen, und Krankheiten der Sozial Sphäre, Samenflüssen, chronischer Tripper, Rückenmarksschwäche, weißen Flüssen, Uterin Infarkten etc. leiden.
Die Wellen durchströmen mit starker Gewalt die Badekästen und peitschen die Körper der Badenden. Das Bad wird vielfach von mir angewandt, und ist wegen seiner Vortrefflichkeit nur zu bedauern, dass es noch allzu wenig der leidenden Menschheit bekannt ist.
Schwerte, den 12. Juni 1865
Dr. Tütel, praktischer Arzt
zur Errichtung einer Badeanstalt für Schulte genannt Nölle zu Geisecke.
Auf Grund des § 40 der Allgemeinen Gewerbe-Ordnung vom 17. Januar 1845 wird hiermit die Erlaubnis zum Betriebe einer Badeanstalt resp. zur Anlegung von Wellenbädern in der Ruhr an der Fähre zu Geisecke, vorbehaltlich des Wiederrufs und unter der ausdrücklichen Bedingung erteilt, dass die Badevorrichtungen seitens des Schulte-Nölle sofort aus der Ruhr fortgeschafft werden müssen, wenn solches polizeilich als nothwendig erachtet werden sollte.
Dortmund, 10. Januar 1866
gez. von Rynsch
Nota für die Schützen Gesellschaft Lichtendorf etc. Genossen von D. Schulte gen. Nölle in Geisecke, 1867 Mai 30. ½ Ohm Bier erhalten zu 4 ½ Taler.
Obigen Betrag durch den Rendanten Stricker erhalten.
J.D. Schulte Nölle
Ein Nachweis ausgegebener Wirtschaftskonzessionen führt Diedrich Nölle in Geisecke auf.
Auszug aus dem Antrag der Gemeinde Geisecke auf die Anlage einer Haltestelle an der im Bau befindlichen Eisenbahnlinie.
Ungefähr 5 Minuten von der Stelle wo eventuell die Station angelegt werden würde, ist die Nöllesche /Geisecker/ Bade-Anstalt mit stark besuchtem Wellenbade, im Laufe des letzten Sommers besuchten täglich circa 150 Personen seine Anlagen, und einer sehr frequentierten Wirtschaft, deren Besuch sich später verdoppeln und verdreifachen würde.
Erneuter Antrag auf Errichtung einer Eisenbahnhaltestelle durch den Amtmann.
Die Gründe womit das Gesuch vom 25. Sebtember v. Js. unterstützt worden, kann ich im Allgemeinen nur bestätigen und würde eine Haltestelle bei Geisecke das sehr besuchte Badeanstalt Wellenbad des Schulte gt. Nölle daselbst noch einer stärkeren Frequenz entgegenführen, überhaupt für das Verkehrsleben der Gegend von Wichtigkeit sein.
Verhandelt im Fährhaus Geisecke 1871.doc
Am 15. Dezember richten 21 Ärzte aus Schwerte und Umgebung eine Eingabe an die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft auf einen Haltepunkt an „Bude V“ zwischen Schwerte und Langschede.
Wo sich dieses Schreiben heute befindet und die Antwort der Eisenbahndirektion ist unbekannt, Erfolg hatte es ebenso wenig wie die Anträge durch die Gemeinde und dem Amtmann. Die ersten Züge hielten in Geisecke nachweislich erst 1890. (Auch wenn immer wieder zu lesen ist Geisecke würde diesem Schreiben schon 1974 seine Haltestelle verdanken.)
Der Brief der Ärzte.docx
Um 1874 (nicht vor dem 27.01.1874)
Johann Diedrich Schulte-Nölle verkauft das Wellenbad an Ludwig Freiherr von Elverfeldt auf Haus Villigst und geht nach dessen Tod an seinen Schwiegersohn Victor Freiherr von Rheinbaben über.
Der erste Pächter ist Carl Böcker, 1876 gefolgt von Heinrich Scheidt.
Zeitungsanzeigen zum Wellenbad.
Heinrich Scheidt, Wirt an der Fähre in Geisecke, ist am 09.November beim Übersetzen aus dem Schiff gefallen und ertrunken.
Am 22. September wird zu Ehren des 25jährigen Amtsjubiläums des Lehrers Zimmermann eine Feier ausgerichtet.
In diesem Jahr sind gleich zwei Unglücksfälle zu verzeichnen:
Geisecke, 12. Mai. Ein Unglücksfall der traurigsten Art setzte gestern Abend unseren Ort in höchste Aufregung und größte Betrübnis. Der Landwirt Spieckmann und dessen Schwager Rehfeuter von hier versuchten mit einem mit zwei Pferden bespannten Wagen durch die angeschwollene, starktreibende Ruhr zu fahren, als plötzlich eins der Pferde im Wasser scheute und fiel, wonach der Wagen umschlug und beide im Wasser begrub. Auch eins der Pferde ist mit ertrunken. Das Unglück ist umso mehr zu beklagen, als Spieckmann verheiratet und Vater von zwei Kindern ist. Rehfeuter war unverheiratet. Die beiden Leichen sind, trotz aller Anstrengung bis heute noch nicht aufgefunden.
Ob der Spieckmann die Furt am Wellenbad benutzt hat oder eine seichte Stelle in der Nähe seines Hofes ist nicht überliefert, allerdings gab es nur am Wellenbad die Weganschlüsse.
Westhofen, den 23. September 1878
Dem königlichen Standesamt zeige ich ergebenst an, daß der Knabe Alfred Oxee, geboren zu Dortmund am 16. November 1876, Sohn des Musiklehrers Albert Qxee und Caroline Scheidt zu Geisecke, gestern Nachmittag zwei Uhr nahe bei der elterlichen Wohnung zu Geisecke in den Mühlengraben gefallen und ertrunken ist.
Albert Oxee, der Schwiegersohn des Heinrich Scheidt, wird als Pächter genannt. Im Dezember steht das Hochwasser, 54 cm unter der Türschwelle.
Volkszählung vom 1. Dezember 1880:
Albert Oxee, gemeldet: 3 männliche und 2 weibliche Personen.
Aktenstücke zum Hochwasser.docx
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Nach der Familienchronik Exsternbrink erwirbt Heinrich Exsternbrink das Wellenbad von J. D. Schulte-Nölle. Das Wellenbad befindet sich jedoch sei 1874 im Besitz des Freiherrn von Elverfeldt. Nach dem Antrag auf eine Haltestelle von 1889 und der Gebäudesteuerrolle von 1992 ist das Wellenbad aber noch im Besitz des Freiherrn Ludwig von Elverveldt (1827-1889) und fällt nach seinem Tod an den Neffen seiner Frau Victor von Rheinbaben. Heinrich Exsternbrink ist demnach also in den ersten 12-13 Jahren Pächter.
Gebäudesteuerrolle des Gemeindebezirks Geisecke 1880/81mit den Fortschreibungen bis 1894/95 [nach Hausnummern]:
7 1880/81 von Elverfeldt, Ludwig, an der Fähre
7 1891/92 von Rheinbaben, Victor, Freiherr, Major a.D., auf Haus Ruhr
7 1894/95 Exsternbrink, Heinrich
Nach der Viehzählung vom 10. Januar waren am Wellenbad 2 Rinder und 2 Scheine, Heinrich Exsternbrink betreibt also keine Landwirtschaft mehr.
26.05.1884
Auszug aus einem erneuten Antrag der Gemeinde auf eine Eisenbahnhaltestell.
Die Bade-Anstalt an der Ruhrfähre bei Geisecke mit ihren stärkenden Wellenbädern, wird im Sommer von den Bewohnern der benachbarten Orte und Städte vielfach benutzt und würde diese Frequenz, wenn Bahnverbindung vorhanden wäre, gewiss bedeutend gesteigert werden.
Volkszählung vom 1. Dezember 1885:
Heinrich Exsternbrink, gemeldet: 3 männliche und 3 weibliche Personen.
Im Februar des Jahres beantragt der Freiherr Ludwig von Elverfeldt eine Erhöhung einzelner Fährtarife die auch genehmigt wird. Heinrich Exsternbrink wird als Pächter und Betreiber der Fähre genannt.
Der Tarif von 1886.docx
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Das „Wellenbadargument“ (eins von vielen) in dem Antrag der schließlich zum Erfolg führte.
Die Bade-Anstalt an der dem Freiherrn von Elverfeldt gehörigen Ruhrfähre bei Geisecke mit ihren stärkenden und von den Ärzten sehr empfohlenen, Wellenbädern wird zur Sommerzeit von den Bewohnern der benachbarten Orte und Städte, namentlich von Schwerte aus, vielfach besucht, und würde eine Bahnverbindung unstreitig diesen Verkehr bedeutend haben.
Der Gemeinderat beschließt von der Eisenbahnhaltestelle zur Fähre einen neuen Fußpfad anzulegen. (Von Cordes längs dem Hausbruch nach Lecking und durch die Weiden.)
Am 24. November bisher schlimmstes Hochwasser, die unteren Räume standen 10,5 cm unter Wasser. Der Wasserstand wird noch 1928 bei den Berechnungen für die neue Kreisstraße als höchster anzunehmender Wasserstand angesehen.
Volkszählung vom 1. Dezember 1890:
Heinrich Exsternbrink, gemeldet: 3 männliche und 6 weibliche Personen.
Das Fährhaus ist zu dieser Zeit Eigentum des Freiherrn von Rheinbaben, Heinrich Exsternbrink ist Pächter.
Schwerter Zeitung, 14. 05. 1891
Schwerte, 11. 05. […] Ebenso laden uns die romantischen Gartenanlagen des Herrn Exsternbrink zu Wellenbad Geisecke am 1. Pfingsttage zum Konzert ein. Der Eintrittspreis beträgt nur 50 Pfg. und ist bei nur etwas günstigem Wetter ein reger Besuch zu erwarten, zumal es jetzt möglich ist, dass die Auswärtigen den Hin- und Heimweg per Bahn zurücklegen können.
Heinrich Exsternbrink lässt die Drahtseilhängebrücke über die Ruhr bauen, damit hat nach 40 Jahren die Fähre ausgedient.
In diesem Jahr erwirbt Heinrich Exsternbrink wohl das Fährhaus.
Schwerter Zeitung, 17. 08. 1898
Geisecke, 17. Aug. Der Wirt Heinrich Exsternbrink an der Ruhrfähre hat aus Anlass der großen Hitze und des dadurch hervorgerufenen allgemeinen Verlangens die Badehäuschen, welche er wegen der Hochflut wiederholt hatte wegnehmen lassen, wieder eigerichtet, sodass wieder nach Herzenslust gebadet werden kann. Es herrscht darüber bei allen Badelustigen und Badebedürftigen große Freude; gibt es doch wohl nichts, was Körper und Geist so erquickt, als ein Wellenbad an der Ruhrfähre in Geisecke.
Postkarte vom Wellenbad mit Hängebrücke und Badehaus
Das „freie“ Baden setzte sich zu dieser Zeit immer mehr durch sodass die Badekabinen verschwanden und nun eine „Flussbadeanstalt“ für das Badevergnügen sorgte.
Baden in der Ruhr ober- und unterhalb des Wehres
Nach dem Tod von Heinrich Exsternbrink führt zunächst die Witwe das Wellenbad weiter.
Ein Nachweis ausgegebener Wirtschaftskonzessionen führt noch Heinrich Exsternbrink in Geisecke auf.
Das Wasserwerk legt auf Hengsener Gebiet an der Grenze zu Geisecke 24 Brunnen an, bereits nach dem Anschluss von 6 Brunnen soll der Wasser im Spiek innerhalb von 14 Tagen um einen Meter gesunken und der Brunnen vom Wellenbad trocken gefallen sein.
Verhandlungen zwischen der Witwe Exsternbrink und der Stadt Dortmund über den Verkauf des Wellenbades scheitern an den zu hohen Forderungen der Witwe Exsternbrink.
Auseinandersetzung mit dem Wasserwerk 19
Adressbuch des Amtes Westhofen von 1909/10:
Humpert, Franz, Wirt, Restaurant zum Wellenbad Geisecke 7
Der Gemeinderat fordert die Wasserwerke auf den wichtigen, öffentlichen Fußpfad zum Wellenbad in Stand zu halten, der durch vom Wasserwerk verursachte Überschwemmungen oft unpassierbar ist.
(nach der Familienchronik Exsternbrink?)
Die Familie Exsternbrink verkauft das Wellenbad an den Kaufmann Franz Pflug aus Dotmund-Sölde.
Das Adressbuch des Amtes Westhofen von 1913/14:
Exsternbrink, Heinrich, Witwe, Wirtin Geisecke 7
Der Wirt Franz Pflug vom Wellenbad beantragt die Ausbesserung des Weges, längs seines Grundstückes, nach Geisecke auszubessern. Dem Gesuch wird stattgegeben.
Die Dortmunder Stadtwerke erwerben das Wellenbad von Franz Pflug und verpachten es an Hugo Stamm.
Hugo Stamm, Pächter der Gaststätte „Zum Wellenbad“ wird Schützenkönig, er wählt seine Ehefrau Mathilde zur Königin.
Das Königspaar Hugo und Mathilde Stamm (unten rechts).
Die Stadtwerke bauen das Wellenbad zu dem heutigen Gutshof aus.
Am 8. Mai 1926 wurde in der Gründungsversammlung der „Geisecker Sportverein 1926“ ins Leben gerufen. Als erstes Vereins- und Umkleidelokal wurde das Restaurant „Zum Wellenbad“ gewählt. Der Pächter des Wellenbads, Hugo Stamm stellte seine Wiese an der Ruhr als Sportplatz zur Verfügung und stiftete 16,00 Mark für den ersten Fußball.
1927 – 1970
Am 1. April übernimmt Karl Rohling als neuer Pächter das Wellenbad, die Familie Rohling betreibt das Restaurant und die Landwirtschaft bis 1970.
Mit dem Bau der Kreisstraße wird auch die Hängebrücke durch eine neue Betonbrücke ersetzt.
Die Bauzeichnung der Ruhrbrücke von 1928
Wegeprojekt.docx
Die Wasserführung 1928
Das Wasserführungsvermögen der einzelnen Abschnitte berechnet sich wie folgt:
[folgen die Berechnungen]Q1: Brücke des Anreicherungsgrabens
1. Q2: Anreicherungsgraben bis Hering
2. Q3: Hering bis Ruhrbrücke
3. Q4-Q7: Ruhrbrücke
4. Q8: Wellenbad bis Leckinghaus
5. Q9: Mühlengraben
6. Q10: Durchfluss im Spieck
Genehmigung der Wasserführung.docx
Die neue Ruhrbrücke mit dem Wellenbad, rechts der Tanzpavillon.
Im Garten zwischen dem Wellenbad und der Ruhr wird ein Tanzpavillon errichtet.
Laut Adressbuch sind im Wellenbad sieben Bedienstete fest angemeldet. Unter ihnen Alfred Böhme als landwirtschaftlicher Gehilfe, er bleibt der Familie Rohling über 40 Jahre treu.
Wellenbad mit Tankstelle
Luftaufnahme aus den 30er Jahren vom Wellenbad mit neuer Brücke und Tanzpavillion
Zeitzeugen berichten davon, dass an den Wochenenden in den Sommermonaten Sonderzüge mit sechs bis sieben Wagen von Dortmund nach Geisecke verkehrten um die Badegäste in das Freibad am Wellenbad zu bringen.
Die Ruhr am Wellenbad, unterhalb des Wehrs sind noch die Fundamente des Steges zum Badehaus zu sehen.
Pioniere aus Höxter sprengen das Wehr (1935/36)
In den Kriegsjahren bis zur Möhne-Katastrophe, so berichten Zeitzeugen, fanden in dem Saal im Obergeschoss Filmvorführungen statt.
Bei der Möhne-Katastrophe am 17. Mai erleidet das Wellenbad große Schäden. Das Wasser steigt bis auf 10 cm unter die Erdgeschossdecke. Nachdem man das Großvieh nach Exsternbrink getrieben hatte kam das Wasser so schnell, dass man sich nur noch in das Obergeschoss retten konnte.
Bei den Rettungsarbeiten kam ein Feuerwehr ums Leben, er wurde Tage später hinter Haus Rutenborn im Ufergebüsch gefunden, ein weiterer konnte sich an einen vorbeitreibenden Baumstamm klammern und wurde bei der Villigster Ruhrbrücke aus der Ruhr gezogen.
Der Wintergarten und der Tanzpavillon wurden total zerstört.
Verlust an Vieh:
3 Kälber, 6 Schweine, 1 Mutterschwein mit 6 Ferkel ,55 Federvieh
Die Terasse des Wellenbades nach der Möhnekatastrophe
Die Wehrmacht sprengt am 13. April wird vor den heranrückenden Amerikanern die Ruhrbrücke.
Mit Hilfe der Dortmunder Stadtwerke wird die Ruhrbrücke wieder aufgebaut.
Nach dem Adressbuch haben am Wellenbad neben der Familie Rohling und dem Schiegersohn Grosse-Börding noch 12 Bedienstete ihren festen Wohnsitz.
Adressbuch von 1961:
Rohling, Karl, Kreisstraße 7
Grosse-Börding Bernhard Friedrich, Landwirt Kreisstraße 7
Bechtel, Helga, Kinderpflegerin Kreisstraße 7
Blomberger, Gertrud, Lehrköchin Kreisstraße 7
Böhme, Alfred, landwirtschaftlicher Gehilfe Kreisstraße 7
Eichholz, Ingrid, Serviererin Kreisstraße 7
Fiedler, Horst, Melker Kreisstraße 7
Höche, Horst, Landarbeiter Kreisstraße 7
Kümhof, Karin, Kindergärtnerin Kreisstraße 7
Marcher, Albert, Bergmann Kreisstraße 7
Nienhaber, Ursula, Serviererin Kreisstraße 7
Niermann, Monika Kreisstraße 7
Quadt, Fritz, Melker Kreisstraße 7
Reul, Margot, Serviererin Kreisstraße 7
Für die nächsten 36 Jahre übernimmt die Familie Voll als Pächter das Wellenbad.
Die Familie Weinhold übernimmt das Wellenbad und erwirbt es später.

References: Art. 2

Art. 3

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 9

Art. 10

Art. 12

Art. 14

Art. 17

Art. 18

Art. 19

Art. 20

Art. 21

Art. 22

Art. 23

Art. 24
 § 40