Source: https://www.eilbote-online.com/artikel/strassenverkehr-gefahr-erkannt-6882/
Timestamp: 2019-01-24 11:44:51+00:00

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Straßenverkehr: Gefahr erkannt?
Land- oder forstwirtschaftliche (lof) Arbeitsgeräte kenntlichmachen – Für Anbau- und Anhängemaschinen gelten teilweise unterschiedliche Vorschriften
Fehlende Warntafeln oder Beleuchtung können für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich werden.
Landmaschinen und Arbeitsgeräte werden in der Regel am Traktor angebaut oder angehängt zum Feld gebracht. Im Rahmen der StVZO sind die selbstfahrenden Arbeitsmaschinen eine Unterart dieser Arbeitsgeräte. Selbstfahrende Arbeitsmaschinen transportieren die bestimmten Anbaugeräte angebaut oder mittels Gerätewagen zu den Einsatzorten. Im Gegensatz zu den Anbaugeräten am Traktor, werden angebaute Geräte der selbstfahrenden Arbeitsmaschine in der Regel im Rahmen eines Gutachtens erfasst und in der Genehmigung für Fahrten auf öffentlichen Straßen erwähnt. Gemäß § 2 der Fahrzeugzulassung VO (FZV) sind land- und forstwirtschaftlich (lof) Arbeitsgeräte wie folgt definiert: „Geräte zum Einsatz in der Land- und Forstwirtschaft, die dazu bestimmt sind, von einer Zugmaschine gezogen zu werden und die die Funktion der Zugmaschine verändern oder erweitern; sie können auch mit einer Ladeplattform ausgestattet sein, die für die Aufnahme der zur Ausführung der Arbeiten erforderlichen Geräte und Vorrichtungen oder die für die zeitweilige Lagerung der bei der Arbeit erzeugten und benötigten Materialien konstruiert und gebaut ist.“ Also dürfen Bestellkombinationen am Traktor angebaut oder gezogen auch mit einem Saatbehälter ausgestattet sein, der auch beim Transport zum Feld mit Saatgut gefüllt sein darf.
Vorgaben für Anbaugeräte sind im Merkblatt für Anbaugeräte (Verkehrsblatt vom 27. 11. 2009) enthalten. Sie sind auswechselbare Zubehörteile für Kfz und Anhänger, die u. a. der Straßenunterhaltung, zur Grünflächenpflege oder zu lof Arbeiten eingesetzt werden. Bei Verwendung von Anbaugeräten ändert sich die Einstufung der Trägerfahrzeuge nicht. Traktoren und Anhänger können mit vorübergehend angebrachten, auswechselbaren Anbaugeräten verwendet werden. Solche Anbaugeräte unterliegen nicht den Vorschriften über die Zulassungs- und Typ- oder Einzelgenehmigungspflicht. Das Merkblatt soll den Benutzern solcher Geräte Hinweise darüber geben, wie Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer durch Anbaugeräte weitestgehend vermieden werden können.
Anbaugeräte sind dazu bestimmt, mit Hilfe des Fahrzeugs Arbeiten auszuführen. Ein Austausch der Anbaugeräte für verschiedenartige Arbeiten ist möglich. Ihr Gewicht wird während des Transports auf der Straße (im Wesentlichen) vom Traktor getragen. Anbaugeräte können Front-, Zwischenachs-, Aufbau-, Heck- oder Seitengeräte sein. Da sie auswechselbares Zubehör sind, ist bei ihrem Anbau keine erneute Genehmigung für das Fahrzeug erforderlich.
Die am Traktor angebauten Arbeitsgeräte dürfen die gesetzliche Breite von 3 Metern gemäß § 32 StVZO nicht überschreiten. Desgleichen ist die Gesamtlänge mit Front- und Heckanbaugerät von 12 m einzuhalten. Bei Fahrt auf öffentlichen Straßen sind die zulässigen Achslasten und die zulässige Gesamtmasse gemäß § 34 StVZO einzuhalten. Wegen der etwaig hohen Gewichte der Anbaugeräte werden für das Mitführen Aufsatteleinrichtungen oder entsprechende Gerätewagen genutzt. Damit greift dann auch das Merkblatt für angehängte Arbeitsgeräte (Verkehrsblatt vom 27.11.2009). Beim Überschreiten dieser gesetzlichen Abmessungen und Gewichte des Traktors mit Anbaugeräten wäre ein Genehmigungsverfahren gemäß § 70 StVZO und § 29 StVO einzuplanen.
Desgleichen darf das Sichtfeld für den Fahrzeugführer mit Frontgeräten nicht eingeschränkt sein. Ansonsten gelten die gleichen vorgenannten Maßnahmen. In beiden Fällen ist in der Regel keine Genehmigung gemäß § 70 StVZO und § 29 StVO erforderlich. Mit Anbaugeräten kann die höchste Geschwindigkeit des Traktors genutzt werden. Es sei denn, der Gerätehersteller schreibt gemäß der Betriebsanleitung eine niedrigere Geschwindigkeit vor. Das kann bei schweren Anbaugeräten (u. a. Pflug) möglich sein, die beispielsweise auf einem Rad aufgesattelt hinterm Traktor mitlaufen. Mit Anbaugeräten darf nur so eine Geschwindigkeit gefahren werden, die ein sicheres Fahr-, Brems- und Lenkverhalten zulässt. Vorgaben für lof angehängte Arbeitsgeräte sind im entsprechenden Merkblatt (Verkehrsblatt vom 27. 11. 2009) enthalten. Die vom Traktor mitgeführten angehängten lof Arbeitsgeräte dürfen die gesetzliche Breite von 3 m gemäß § 32 StVZO nicht überschreiten.
Angehängte lof Arbeitsgeräte
Desgleichen ist die Gesamtlänge von 18 m einzuhalten. Das ist insbesondere beim Mitführen von zwei angehängten Arbeitsgeräten zu beachten. Eine dafür am ersten Arbeitsgerät benötigte Anhängekupplung ist bauartgenehmigungspflichtig. Ansonsten dürfen angehängte Arbeitsgeräte jeweils in der Anhängekupplung, der Untenanhängung, im Zugpendel und den Unterlenkern des Traktors mitgeführt werden.
Bei einer Achslast von mehr als 3 t ist eine Betriebsbremse erforderlich.
Gemäß § 41 StVZO benötigen ungefederte, angehängte lof Arbeitsmaschinen – oft in Verbindung mit Bodenbearbeitungsmaschinen oder Bestellkombinationen, deren Leergewicht das Leergewicht des ziehenden Fahrzeugs nicht übersteigt, aber insgesamt nicht mehr als 3,0 t beträgt, keine eigene Bremse. Übersteigt ihr Gesamtgewicht infolge zusätzlich aufgenommener Ladung 3,0 t, müssen sie eine eigene Bremse haben.
Gemäß § 4 FZV erhalten angehängte lof Arbeitsgeräte mit einer zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3 t eine Typ- oder Einzelgenehmigung bzw. Betriebserlaubnis. Oft wird nur ein Gutachten zur Erlangung der Fahrgenehmigung mitgeliefert. Der Halter hat diese von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde bestätigen zu lassen.
Lof angehängte Arbeitsgeräte sind zulassungsfrei und benötigen damit nach § 10 FZV auch kein eigenes Kennzeichen, wenn sie mit einer Geschwindigkeit von mehr als 25 km/h gezogen werden dürfen. Für angehängte Arbeitsgeräte gibt es keine Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung. Es sei denn, der Hersteller schreibt dies, insbesondere bezüglich der Bremsen und des Fahrwerks vor. Dann ist meistens auch ein entsprechendes Geschwindigkeitsschild am Arbeitsgerät vorhanden.
Kenntlichmachung von Fahrzeugen und Geräten
Die Kenntlichmachung von land- oder forstwirtschaftlichen (lof) Fahrzeugen und Arbeitsgeräten ist in verschiedenen Vorschriften und Merkblättern des Straßenverkehrsrechts verankert. Der Halter, also der Landwirt oder der Lohnunternehmer, ist dafür verantwortlich, dass die entsprechende Beleuchtung und Kenntlichmachung am Arbeitsgerät vorhanden sind. Der Halter sollte sich bei der Anschaffung eines Fahrzeuges oder Arbeitsgerätes vom Verkäufer die ordnungsgemäße Beleuchtung und Kenntlichmachung bestätigen lassen. Dabei ist es wichtig diese Sicherungsmittel so zu platzieren, dass sie beim Einsatz möglichst mitgeführt werden können. Seit dem 01.01.1976 müssen alle am Traktor angehängten Arbeitsgeräte auch bei Tag mit elektrischer Beleuchtung versehen sein. Sie werden nach den Vorschriften, wie sie für landwirtschaftliche Transportanhänger gültig sind, behandelt. Das gilt auch für aufgesattelte Einheiten.
Anbaugeräte müssen auch dann mit einer Beleuchtung versehen sein, wenn sie die lichttechnischen Einrichtungen des Traktors verdecken oder wenn es die wetterbedingten Sichtverhältnisse erfordern. Das gilt dann auch bei Tage. Bei Benutzung der im Kabinendach eingebauten Scheinwerfer ist eine Betriebsgeschwindigkeit von 30 km/h einzuhalten.
• Ragt das Anbaugerät mehr als 1000 mm über die Schlussleuchten des Traktors hinaus, sind sie zu wiederholen (rote Schlussleuchte und Rückstrahler).
• Ragt das Anbau- bzw. Anhängegerät seitlich um mehr als 400 mm über die Begrenzungsleuchten des Schleppers hinaus, sind diese zu wiederholen (nach vorn weiß/nach hinten rot und zusätzlich ein Rückstrahler). Sie sind im Bereich von 400 mm, ausgehend von der äußersten Begrenzung des Gerätes anzubringen.
• Die Anbauhöhe für Begrenzungs- und Schlussleuchten max. 1900 mm (Ausnahmen bis 2100 mm). Der Rückstrahler soll eine Höhe von 900 mm einhalten.
• Die Beleuchtungseinrichtungen dürfen abnehmbar sein.
Zusätzliche Kenntlichmachung mit Warntafeln:
• Bei lof Arbeitsgeräten auch bei Tage, wenn sie mehr als 1 m oder seitlich mehr als 400 mm über die Schlussleuchten des Traktors hinausragen,
• bei Fahrzeugen und Arbeitsgeräten, die die Transportbreite von 2,75 m überschreiten.
• Zur Absicherung verkehrsgefährdender Bauteile an Fahrzeugen oder Arbeitsgeräten, die auch unter 2,75 m Breite liegen.
Es können rot-weiß gestreifte, retroreflektierende Warntafeln (DIN 11030) oder Folien verwendet werden. Die Sicherungsmittel müssen mit dem Umriss des Fahrzeuges oder den verkehrsgefährdenden Teilen abschließen, aber spätestens nach 100 mm von der Außenkante des Fahrzeuges bzw. Arbeitsgerätes entfernt angebracht sein.￼
Bei Arbeitsgeräten mit einer Breite über 1200 bis 1700 mm sind zwei Warntafeln der Form K 1 bzw. K 2 ausreichend.
Für Geräte mit einer Breite bis 1200 mm ist eine Warntafel der Form A ausreichend.
Die Warntafeln bzw. Warnfolien müssen so angebracht sein, dass die Streifen auf den Warntafeln oder Warnfolien nach außen und nach unten verlaufen. Die jeweils längere Seite darf wahlweise horizontal oder vertikal angeordnet sein.
Die Warntafeln und Beleuchtungseinrichtungen können eine Einheit darstellen. D.h. die Leuchten dürfen auf die Warntafel aufgebracht sein. Allerdings gilt dies in der Regel ab einer Warntafelgröße von 423 x 423 mm. Im Angebot gibt es so genannte Leuchtenträger komplett mit Warntafeln ausgerüstet.
Verdeckte Kennzeichen des Traktors sollten am Arbeitsgerät wiederholt werden.
Bodenbearbeitung & Aussaat Straßenverkehr
Ausgabe 20/2013, Seite 16

References: § 2
 § 32
 § 34
 § 70
 § 29
 § 70
 § 29
 § 32
 § 41
 § 4
 § 10