Source: http://www.hensche.de/Kuendigung_wegen_Wiederverheiratung_als_Diskriminierung_BAG_2AZR746-14-A_28.07.2016.html
Timestamp: 2017-04-27 20:31:31+00:00

Document:
ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/249
Um die­se Fra­ge geht es in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG), der des­halb den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) an­ge­ru­fen hat: BAG, Be­schluss vom 28.07.2016, 2 AZR 746/14 (A). Erhöhte Loya­litäts­pflich­ten ka­tho­li­scher lei­ten­der Kir­chen­mit­ar­bei­ter auf­grund der Zu­gehörig­keit zur ka­tho­li­schen Kir­che?
Im­mer noch im Streit: Kündi­gung ei­nes ka­tho­li­schen Chef­arz­tes ei­nes ka­tho­li­schen Kran­ken­hau­ses an­no 2009 we­gen Wie­der­ver­hei­ra­tung un­ter Ver­s­toß ge­gen das Kir­chen­recht
BAG bit­tet den EuGH um ei­ne Stel­lung­nah­me zu Art.4 Abs.2 der Richt­li­nie 2000/78/EG
Erhöhte Loya­litäts­pflich­ten ka­tho­li­scher lei­ten­der Kir­chen­mit­ar­bei­ter auf­grund der Zu­gehörig­keit zur ka­tho­li­schen Kir­che? In kirch­li­chen und in kirch­lich ge­bun­de­nen ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen rich­ten sich die Ar­beits­verhält­nis­se ei­ner­seits nach kirch­li­chen Grundsätzen der Le­bensführung, an­de­rer­seits nach dem "nor­ma­len" bzw. welt­li­chen Ar­beits­recht. Zu den kirch­li­chen Grundsätzen gehören vor al­lem sog. Loya­litäts­pflich­ten, d.h. die Pflicht zur Be­ach­tung kirch­li­cher Mo­ral­vor­schrif­ten. Sie sind nicht nur während des Diens­tes, son­dern auch im Pri­vat­le­ben zu be­ach­ten. Da­bei gilt die Re­gel, dass die Loya­litätsan­for­de­run­gen um­so höher sind, je mehr der Ar­beit­neh­mer als Führungs­kraft sei­nen kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber re­präsen­tiert und/oder je mehr er in die Verkündi­gung des Glau­bens ei­ge­bun­den ist ("Verkündi­gungsnähe"). Der Ver­wal­tungs­lei­ter ei­nes größeren dia­ko­ni­schen Wer­kes hat da­her christ­li­che Glau­bens- und Mo­ral­vor­stel­lun­gen strik­ter zu be­ach­ten als ei­ne Se­kre­ta­ri­ats­kraft.
Im­mer noch im Streit: Kündi­gung ei­nes ka­tho­li­schen Chef­arz­tes ei­nes ka­tho­li­schen Kran­ken­hau­ses an­no 2009 we­gen Wie­der­ver­hei­ra­tung un­ter Ver­s­toß ge­gen das Kir­chen­recht So man­che Ehe hätte man im Nach­hin­ein be­trach­tet bes­ser nicht ge­schlos­sen, und das gilt auch für Ar­beits­verhält­nis­se. Denn mitt­ler­wei­le strei­ten die Par­tei­en die­ses Pro­zes­ses seit mehr als sie­ben Jah­ren über ei­ne Kündi­gung aus dem Jah­re 2009. Ein En­de ist nicht ab­zu­se­hen. Be­gon­nen hat­te al­les im Jah­re 2000 mit dem Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags über die Tätig­keit als Chef­arzt für die Ab­tei­lung In­ne­re Me­di­zin ei­nes ka­tho­li­schen Kran­ken­hau­ses. Der Chef­arzt, selbst Ka­tho­lik, bestätig­te da­mals per Ar­beits­ver­trag, dass ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung un­ter an­de­rem ein Le­ben "in kirch­lich ungülti­ger Ehe oder eheähn­li­cher Ge­mein­schaft“ wäre. Außer­dem ent­hielt der Ver­trag ei­nen Ver­weis auf die Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes vom 22.09.1993, die ein sol­ches Ver­hal­ten eben­falls als schwer­wie­gen­den Loya­litäts­ver­s­toß be­wer­te­te und außer­dem ei­ne Kündi­gung als Re­gel­rechts­fol­ge an­ord­ne­te, wenn ein lei­tend täti­ger Mit­ar­bei­ter ei­nen sol­chen Loya­litäts­ver­s­toß be­ge­hen soll­te.
BAG bit­tet den EuGH um ei­ne Stel­lung­nah­me zu Art.4 Abs.2 der Richt­li­nie 2000/78/EG An­statt den Fall nun­mehr ab­sch­ließend für oder ge­gen den Chef­arzt zu ent­schei­den, setz­te das BAG das Ver­fah­ren aus und leg­te dem EuGH ei­ni­ge Aus­le­gungs­fra­gen zu Art.4 Abs.2, 2. Halb­satz Richt­li­nie 2000/78/EG vor. In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mel­dung des BAG heißt es da­zu:
Bewertung: Kuendigung_wegen_Wiederverheiratung_als_Diskriminierung_BAG_2AZR746-14-A_28.07.2016.html

References: EuGH 
 Art.4
 EuGH 
 Art.4
 EuGH 
 Art.4