Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/mietrueckstaende-anfaengliche-mietmaengel-und-der-urkundsprozess-364532
Timestamp: 2020-08-15 08:01:38+00:00

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Mietrückstände, anfängliche Mietmängel - und der Urkundsprozess | Rechtslupe
Behält sich der Mie­ter bei der Annah­me der Miet­sa­che sei­ne Rech­te wegen eines Man­gels vor, ist eine spä­te­re Kla­ge auf Zah­lung von rück­stän­di­ger Mie­te im Urkun­den­pro­zess nur dann statt­haft, wenn unstrei­tig ist oder der Ver­mie­ter urkund­lich bewei­sen kann, dass der Mie­ter trotz des erklär­ten Vor­be­halts die Miet­sa­che als Erfül­lung ange­nom­men hat.
Ansprü­che auf rück­stän­di­ge Mie­te oder auf Nut­zungs­ent­schä­di­gung nach § 546 a Abs. 1 BGB kön­nen grund­sätz­lich im Urkun­den­pro­zess gel­tend gemacht wer­den. Dabei steht der Statt­haf­tig­keit des Urkun­den­pro­zes­ses nicht ent­ge­gen, dass der beklag­te Mie­ter wegen behaup­te­ter Män­gel der Miet­sa­che Min­de­rung gel­tend macht oder die Ein­re­de des nicht­er­füll­ten Ver­tra­ges nach § 320 BGB erhebt [1]. Denn nach den auch im Urkun­den­pro­zess gel­ten­den all­ge­mei­nen Beweis­last­grund­sät­zen muss der Ver­mie­ter zur Begrün­dung des Anspruchs auf Miet­zah­lung neben der Vor­la­ge eines wirk­sa­men Miet­ver­tra­ges, aus dem sich die Höhe der geschul­de­ten Mie­te ergibt, nur mit den im Urkun­den­pro­zess zuläs­si­gen Beweis­mit­teln (§ 592 Satz 1 ZPO) nach­wei­sen, dass er sei­ne ver­trag­li­che Pflicht, dem Mie­ter die Miet­sa­che in ver­trags­ge­mä­ßem Zustand zu über­las­sen, erfüllt hat [2], sofern dies nicht unstrei­tig ist [3]. Nach der Über­las­sung der Miet­sa­che trägt dage­gen der Mie­ter die Beweis­last dafür, dass die Miet­sa­che zum Zeit­punkt der Über­ga­be man­gel­haft war, wenn er die ihm über­las­se­ne Sache als Erfül­lung ange­nom­men hat [4].
Stützt der Mie­ter die Min­de­rung oder die Ein­re­de des nicht­er­füll­ten Ver­tra­ges jedoch auf die Behaup­tung, die Miet­sa­che sei schon bei der Über­ga­be feh­ler­haft gewe­sen, folgt aus die­ser Beweis­last­ver­tei­lung, dass eine Kla­ge auf Zah­lung von Mie­te oder Nut­zungs­ent­schä­di­gung nach § 546 a Abs. 1 BGB im Urkun­den­pro­zess nur dann statt­haft ist, wenn ent­we­der unstrei­tig ist, dass der Mie­ter die Miet­sa­che als Erfül­lung ange­nom­men hat, ohne die spä­ter behaup­te­ten Män­gel zu rügen, oder wenn der Ver­mie­ter ein sol­ches Ver­hal­ten des Mie­ters durch Urkun­den bewei­sen kann [5].
Eine Annah­me als Erfül­lung liegt vor, wenn der Mie­ter durch sein Ver­hal­ten bei und nach Ent­ge­gen­nah­me der Leis­tung zum Aus­druck bringt, dass er die Miet­sa­che als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­mäß ansieht [6]. Einer aus­drück­li­chen Erklä­rung des Gläu­bi­gers bedarf es hier­zu nicht. Ob eine Annah­me als Erfül­lung vor­liegt, ist viel­mehr auf­grund der jewei­li­gen Umstän­de des Ein­zel­falls zu beur­tei­len [7]. Dabei schließt ein all­ge­mei­ner Vor­be­halt, dass die Ver­trags­mä­ßig­keit der Leis­tung nicht aner­kannt wer­de, die Annah­me als Erfül­lung nicht aus [8]. Anders ist es jedoch, wenn der Mie­ter wegen eines kon­kre­ten Man­gels der Miet­sa­che einen Vor­be­halt erklärt. Denn damit bringt er zum Aus­druck, dass er die ihm über­las­se­ne Miet­sa­che nicht als ver­trags­ge­mä­ße Leis­tung ansieht. Auf eine Annah­me der vom Schuld­ner erbrach­ten Leis­tung als Erfül­lung i.S.v. § 363 BGB kann dann aus dem Ver­hal­ten des Gläu­bi­gers nicht geschlos­sen wer­den [9].
Ohne Erfolg bleibt hier­bei für den Bun­des­ge­richts­hof auch der Ein­wand der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) wegen des ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen Auf­wan­des für die Besei­ti­gung der mög­li­chen Män­gel ver­sagt:
Für die Beur­tei­lung, ob ein Man­gel so unwe­sent­lich ist, dass der Gläu­bi­ger sich treu­wid­rig ver­hält, wenn er die Annah­me der Leis­tung ver­wei­gert, kann jedoch nicht allein auf die vor­aus­sicht­li­chen Kos­ten der Man­gel­be­sei­ti­gung abge­stellt wer­den. Eben­so wie bei der Prü­fung des § 640 Abs. 1 Satz 2 BGB, wonach der Bestel­ler die Abnah­me des Werks wegen unwe­sent­li­cher Män­gel nicht ver­wei­gern kann [10], ist viel­mehr ent­schei­dend, ob es dem Gläu­bi­ger zumut­bar ist, trotz des Man­gels die Leis­tung als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­mä­ße Erfül­lung anzu­neh­men und sich mit den Män­gel­rech­ten zu begnü­gen [11]. Ob ein Man­gel „wesent­lich“ ist und des­halb zur Ver­wei­ge­rung der Abnah­me nach § 640 Abs. 1 Satz 2 berech­tigt, bestimmt sich nach der Art des Man­gels, sei­nem Umfang und vor allem sei­nen Aus­wir­kun­gen, wobei dies unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les zu ent­schei­den ist [12].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juni 2013 – XII ZR 50/​12
vgl. BGH, Beschluss vom 10.03.1999 – XII ZR 321/​97, NJW 1999, 1408[↩]
vgl. SchmidtFutterer/​Eisenschmid Miet­recht 11. Aufl. § 535 Rdn. 48; Palandt/​Weidenkaff BGB 72. Aufl. § 535 Rn. 33[↩]
vgl. Thomas/​Putzo/​Reichold ZPO 34. Aufl. § 592 Rn. 6[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2006 – XII ZR 120/​04, NJW 2007, 2394 Rn. 24 mwN und BGH Urteil vom 08.07.2009 – VIII ZR 200/​08, NJW 2009, 3099 Rn. 9[↩]
vgl. BGH Urtei­le vom 20.10.2010 – VIII ZR 111/​09 – ZMR 2011, 204 Rn. 10 und vom 08.07.2009 – VIII ZR 200/​08, NJW 2009, 3099 Rn. 10[↩]
vgl. Münch­Komm-BGB/­Fet­zer 6. Aufl. § 363 Rn. 3; Palandt/​Grüneberg BGB 72. Aufl. § 363 Rn. 2[↩]
Münch­Komm-BGB/­Fet­zer 6. Aufl. § 363 Rn. 3[↩]
BGH, Urteil vom 15.11.2006 – XII ZR 120/​04, NJW 2007, 2394 Rn. 25[↩]
vgl. BGH Urteil vom 23.10.2008 – VII ZR 64/​07, NJW 2009, 360 Rn. 15[↩]
zur Ver­gleich­bar­keit der Annah­me als Erfül­lung i.S.v. § 363 BGB und der Abnah­me nach § 640 BGB vgl. BGHZ 33, 236 = NJW 1961, 115, 116[↩]
Palandt/​Sprau BGB 72. Aufl. § 640 Rn. 9[↩]
vgl. BGH Urteil vom 30.04.1992 – VII ZR 185/​90, NJW 1992, 2481 zu § 12 Nr. 3 VOB/​B[↩]
Ver­let­zung der rich­ter­li­chen Hin­weis­pflicht – und ihre Rüge Nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO müs­sen Ver­fah­rens­rü­gen die genaue Bezeich­nung der Tat­sa­chen ent­hal­ten, die den Man­gel erge­ben, auf…
Eigen­tü­­mer-Besi­t­­zer-Ver­­häl­t­­nis – und der Scha­dens­er­satz… Ver­wei­gert der Besit­zer die Her­aus­ga­be der Sache an den Eigen­tü­mer ohne dass ihm ein Recht zum Besitz zusteht, steht die­sem kein Scha­dens­er­satz wegen ent­gan­ge­nen Gewinns…
MietmängelMietzahlungMietzinsUrkundsprozess

References: § 546
 § 320
 § 546
 § 363
 § 640
 § 640
 § 535
 § 535
 § 592
 BGH 
 BGH 
 § 363
 § 363
 § 363
 BGH 
 § 363
 § 640
 § 640
 BGH 
 § 12
 § 551