Source: https://bgb.kommentar.de/Buch-2/Abschnitt-8/Titel-8/Untertitel-1/Fristlose-Kuendigung-bei-Vertrauensstellung/Allgemeines
Timestamp: 2020-06-07 05:33:03+00:00

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3§ 627 BGB ist systematische Ausnahme zu der grundsätzlichen Aufteilung zwischen ordentlicher fristgerechter Kündigung eines Dauerschuldverhältnisses ohne Kündigungsgrund (Ausnahme: Kündigungsschutzgesetz) sowie außerordentlicher Kündigung ohne Frist bei Vorliegen eines wichtigen Grundes. Das Recht zur fristlosen Kündigung ohne wichtigen Grund nach § 627 BGB liegt im dem erforderlichen besonderen Vertrauensverhältnis, das notwendige Grundlage für die übertragene Dienstleistung ist, begründet. Eine Kündigung nach § 627 BGB kann grundsätzlich auch mit Auslauffrist erklärt werden. § 627 Abs. 1 BGB normiert für beide Teile eines Dienstverhältnisses mit Vertrauensstellung ein fristloses Kündigungsrecht ohne Grund. Da § 627 BGB keine Arbeitsverhältnisse erfasst, bedarf die Kündigungserklärung nicht der Schriftform des § 623 BGB.
a) Abdingbarkeit
4Das Recht zur fristlosen Kündigung kann grundsätzlich eingeschränkt (beispielsweise mit kurzer Kündigungsfrist) oder abbedungen werden, da den Vertragsparteien die Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung nach § 626 BGB verbleibt. Dies gilt allerdings in der Regel nicht, wenn die Abbedingung durch AGB oder in Formularverträgen erfolgt.BGH, Urteil vom 11.2.2010 - IX ZR 114/09
Ferner kann nach der Rechtsprechung eine formularmäßige mittelbare, ebenfalls unzulässige Abbedingung oder Einschränkung des Kündigungsrechts nach § 627 BGB vorliegen, wenn der Verwender seinen Anspruch auf Teilvergütung gem. § 628 Abs. S. 1 BGB zulasten des Kündigungsberechtigten über die gesetzlichen Grenzen ausdehnt. Hierzu im Einzelnen § 628 BGB – Abdingbarkeit.
Keine unzulässige Einschränkung/Abbedingung des jederzeitigen Kündigungsrechts nach § 627 BGB liegt nach Auffassung der Rechtsprechung in der Vereinbarung einer bestimmten (längeren) Vertragsdauer (z.B. bei einem Spielerberatervertrag für eine Vertragslaufzeit von fünf Jahren).LG Mönchengladbach, Urteil vom 1.10.2014 - 6 O 18/13
b) Rechtsfolgen der berechtigten Kündigung (§ 627 Abs. 1 BGB)
5Das Dienstverhältnis wird mit sofortiger Wirkung für die Zukunft beendet. Die Kündigung ist nach allgemeinen Grundsätzen gegenüber dem Vertragspartner zu erklären, sodass eine Mandatsniederlegung, die nur gegenüber dem Prozessgericht erklärt wird, keine Wirkung entfaltet. Mit Beendigung des Dienstverhältnisses erlöschen die an den Dienstverpflichteten erteilten Vollmachten, § 168 S. 1 BGB. Prozessvollmachten erlöschen allerdings erst mit Anzeige des Erlöschens gegenüber dem Prozessgegner bzw. in Prozessen mit Anwaltszwang erst durch die Anzeige der Neubestellung eines anderen Anwalts.BeckOGK/Günther, Stand: 1.5.2019, § 627 BGB Rn. 56
Die Kündigung kann auch dann erfolgen, wenn ein Vertrauensverlust bei Kündigenden gar nicht oder jedenfalls nicht aufgrund eines vertragswidrigen Verhaltens des Vertragspartners eingetreten ist. Allerdings kann der Kündigende in diesen Fällen unter Umständen zum Schadensersatz verpflichtet sein und der Dienstverpflichtete seinen Anspruch auf Teilvergütung seiner bisher erbrachten Leistung verlieren. Etwaige Teilvergütungsansprüche für erbrachte Teilleistungen und Schadensersatzansprüche beurteilen sich insoweit nach § 628 BGB und insbesondere danach, ob der Kündigende durch ein vertragswidriges Verhalten des anderen Teils zur Kündigung veranlasst wurde.
c) Rechtsfolgen einer Kündigung zur Unzeit (§ 627 Abs. 2 BGB)
aa) Kündigung zur Unzeit
6Auch bei einer Kündigung zur Unzeit endet das Dienstverhältnis gleichwohl wird mit sofortiger Wirkung. § 627 Abs. 2 BGB sanktioniert allerdings die Kündigung zur Unzeit seitens des Dienstverpflichteten, indem dieser dem Dienstberechtigten den hieraus entstehenden Schaden zu ersetzen hat, sofern nicht ein wichtiger Grund für die unzeitige Kündigung gegeben ist. Der wichtige Grund ist nicht identisch mit dem des § 626 Abs. 1 BGB, andernfalls entfiele der eigenständige Anwendungsbereich des § 627 Abs. 1 BGB neben § 626 BGB. Ein wichtiger Grund ist insbesondere gegeben, wenn das Berufsrecht eine Pflicht zur unverzüglichen Mandatsbeendigung statuiert. Nicht ausreichend ist die alleinige Behauptung des Dienstverpflichteten, die erforderliche Vertrauensbasis sei nicht mehr gegeben, um eine Kündigung zur Unzeit rechtfertigen zu können.BeckOGK/Günther, Stand: 1.5.2019, § 627 BGB Rn. 62
Eine Kündigung zur Unzeit liegt vor, wenn der Dienstberechtigte nicht mehr in der Lage ist, sich die Dienstleistung sobald und soweit er sich benötigt, nach der Kündigung rechtzeitig zu verschaffen. Je zeitnaher die Dienstleistung nach der Kündigung geschuldet wäre, desto eher wird eine Kündigung zur Unzeit vorliegen, so beispielsweise, wenn das anwaltliche Mandat unmittelbar vor einem gerichtlichen Termin niedergelegt würde.BGH, Urteil vom 7.2.2013 - IX ZR 138/11
Der Dienstberechtigte kann das Dienstverhältnis grundsätzlich auch zur Unzeit kündigen. Wurde mit der Dienstleistung noch nicht begonnen, hat der Dienstverpflichtete damit in der Regel weder einen Honorar- noch einen Schadensersatzanspruch, wenn ein vereinbarter Termin nicht wahrgenommen wird. Ein Schadensersatzanspruch kann allerdings aus § 280 Abs. 1 BGB gegeben sein, wenn die Pflichtverletzung darin begründet ist, dass der Dienstberechtigte nicht rechtzeitig darauf hinweist, dass er den Termin nicht wahrnehmen kann. Bei unentschuldigtem Fernbleiben fehlt es bereits an einer Kündigung des Dienstverhältnisses, sodass sich die Vergütungsansprüche des Dienstberechtigten nach § 615 S. 1 BGB richten.
bb) Ersatz des Vertrauensschadens
Liegt für die Kündigung des Dienstverpflichteten zur Unzeit kein wichtiger Grund vor, so hat dieser dem Dienstberechtigten seinen Vertrauensschaden zu ersetzen. Der Dienstberechtigte wird durch § 627 Abs. 2 BGB allein vor der Auflösung zur Unzeit geschützt wird, nicht aber vor der Beendigung des Dienstverhältnisses an sich.ErfK/Müller-Glöge, 19. Auflage 2019, § 627 BGB Rn. 8
7Die Darlegungs- und Beweislast trägt derjenige, der nach § 627 Abs. 1 BGB das Dienstverhältnis fristlos beendet. Nicht erforderlich ist der Nachweis einer tatsächlichen Störung des Vertrauens, da dieser Umstand nicht für die Wirksamkeit der Kündigung, sondern nur im Rahmen von Vergütungs- und Schadensersatzpflichten relevant wird. Macht der Dienstberechtigte den Ersatz seines Vertrauensschadens aufgrund etwaiger Kündigung zur Unzeit nach § 627 Abs. 2 BGB geltend, so muss dieser die tatsächlichen Umstände, die eine Kündigung zur Unzeit stützen, darlegen und beweisen, der Dienstverpflichtete ist für das Vorliegen eines wichtigen Grundes für die Kündigung zur Unzeit darlegungs- und beweispflichtig.MüKoBGB/Henssler, 7. Auflage 2016, § 627 BGB Rn. 44
LG Mönchengladbach, Urteil vom 1.

References: § 627
 § 627
 § 627
 § 627
 § 623
 § 626
 § 627
 § 628
 § 628
 § 627
 § 168
 § 627
 § 628
 § 627
 § 626
 § 627
 § 626
 § 627
 § 280
 § 615
 § 627
 § 627
 § 627
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