Source: https://www.haccp.de/hygiene-haccp/item/mosh-moah-viel-neues-fragezeichen-bleiben-weitere-studien-erwartet
Timestamp: 2020-08-13 23:34:51+00:00

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Geltende und zukünftige Rechtsvorschriften: Rechtssicher handeln, Schaden vermeiden
Es gibt bereits Rechtsrahmen für Mineralöleinträge in Lebensmittel für die beabsichtigte Verwendung, insbesondere bei Zusatzstoffen (Zulassungen beispielsweise nach VO (EG) Nr. 1333/2008). Als Lebensmittelzusatzstoff (E 905) ist mikrokristallines Wachs zur Oberflächenbehandlung bestimmter Obstsorten (Mangos) und als Überzugsmittel (Kaugummi) zugelassen. Ebenso als Trennmittel von Backwaren oder Staubbinder bei Getreide.
Für unbeabsichtigte Einträge von Mineralölbestandteilen in Lebensmittel gibt es weiterhin keine spezifische rechtliche Regelung: Keine spezifischen Verkehrsverbote, keine spezifischen Höchstgehalte. Eine Ausnahme mit beschränktem Umfang bildet die VO (EG) Nr. 2023/2006. Es gelten daher die allgemeinen Vorschriften: in Bezug auf Lebensmittel u. a. Art. 14 Basis-VO (EG) Nr. 178/2002 (LM-Sicherheit), Art. 19 Basis-VO (EG) Nr. 178/2002 (Rücknahmepflicht), Art. 7 Basis-VO (EG) Nr. 178/2002 (Vorsorgeprinzip) und Art. 2 VO (EWG) Nr. 315/93 (Kontaminanten). Somit sind bereits jetzt behördliche Beanstandungen möglich und diese sind auch in der Vergangenheit mit steigender Tendenz erfolgt. Ebenfalls kann es die Verpflichtung zur Rücknahme bzw. zum Rückruf geben und Informationspflichten. Erläutert wurde auf dem Premium-Seminar im Februar hierzu die rechtliche Grundlage mit den entsprechenden Auslegungen. Auch Verkehrsverbote, Bußgeld- und Strafverfahren sind auf der Basis der o. g. Rechtsvorschriften möglich.
Die Grenzwerte aus dem aktuellen Entwurf der MineralölVO sind allenfalls Orientierungspunkte und Minimierungsziele. Diese sind keine rechtlichen Grenzwerte und keine gesundheitlichen Höchstwerte und haben keine Relevanz für die Sicherheitsbewertung nach Art. 14 Basis-VO. Es wurde aufgezeigt, wie die Teilnehmer auch bei Überschreitungen dieser Werte Beanstandungen erfolgreich entgegentreten können.
Es gilt die differenzierte Stufenverantwortung, nach der jeder Beteiligte in der Lebensmittelkette für das Inverkehrbringen gesetzmäßiger Lebensmittel verantwortlich ist. Insbesondere beim Gesundheitsschutz gilt ein hoher Anforderungsmaßstab („Gesundheit vor Kommerz“). Im Einzelnen ist v. a. die subjektive Verantwortung aber differenziert ausgeprägt: Dem Hersteller werden höhere Anforderungen an die Beschaffenheit des Lebensmittels zugemutet als dem Händler.
Der Inhalt lebensmittelrechtlicher Sorgfaltspflichten besteht in der Kenntnis aller relevanten Rechtsvorschriften, der Erkundigungspflicht bei relevanten Sachverhalten, Weiterbildung, umfassende Verantwortung für den eigenen Bereich in der Lebensmittelkette und der Betriebsorganisationspflicht (§ 130 OWiG).
Für Verpackungen werden u. a. folgende Vorschriften hinzugezogen: Art. 3 VO (EG) Nr. 1935/2004 (Stoffmigration) sowie VO (EG) Nr. 2023/2006 (Good Manufacturing Practice). Dieses bedeutet, Verpackungen sind nach GHP herzustellen. Bei normaler und vorhersehbarer Verwendung darf kein stofflicher Übergang (Migration) erfolgen, der die Gesundheit gefährdet, zu organoleptischen Beeinträchtigungen und zu unvertretbarer Zusammensetzung führt. Somit sind auch mit diesem Ansatz behördliche Beanstandungen und Verwendungsverbote möglich. Die Verwendung von mineralölhaltigen Verpackungen ohne geeignete Barriere ist mit Blick auf die gute Herstellungspraxis kritisch, wenn Mineralöle – insbesondere MOAH – auf das Lebensmittel übergehen. Auch MOSH-Übergänge sind zu berücksichtigen.
Die Eintrittswege sind äußerst vielfältig, neben Verpackungen beispielsweise Trägermittel, Kontaminanten aus der Atmosphäre, Erntemaschinen, Trennmittel auf Förderbändern, Schmierstoffe, über die Druckluft, Klebstoffe sowie die o. g. Lebensmittelzusatzstoffe (Trennmittel, Überzugsmittel).
Neben Audits verbunden mit regelmäßigem Monitoring geben auch die Ergebnisse der Analytik Rückschlüsse auf die Eintrittswege. Werden MOH mit <C24 nachgewiesen, so fand die Kontamination ausschließlich über die Gasphase statt. Bei MOH mit >C24 wurde zumindest ein Teil der Kontamination durch direkten Kontakt eingetragen (beispielsweise über Schmierstoffe). Datenbanken mit Analyseergebnissen von Referenzproben können die Vermutung zur Eintrittsquelle festigen. Anhand vieler Kontaminationsquellen mit den entsprechenden Analyseergebnissen wurden die Möglichkeiten der Unterscheidung ausführlich beschrieben – und dieses für unterschiedliche Fraktionen der Mineralölbestandteile und auch die vielfältigen mineralölähnlichen Substanzen. Die Grenzen der Interpretation liegen vor, wenn sich verschiedene Kontaminationsquellen überlagern.
Das passende Barriere- bzw. Adsorbersystem: So können Sie vorbeugen
Im Entscheidungshilfeprojekt des BMELV „Ausmaß der Migration unerwünschter Stoffe aus Verpackungsmaterialien aus Altpapier in Lebensmittel“ (2010 bis 2012) wurden die Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH) als Hauptkontaminanten von trockenen Lebensmitteln durch Verpackungen aus Altpapierfaser erkannt. Der Median für 119 aus dem Handel im Jahr 2010 entnommene trockene Lebensmittel lag für MOSH bei 10 mg/kg Lebensmittel mit einem Maximalbefund von 100 mg/kg. Als Reaktion auf diese Ergebnisse wurden weitgehend keine mineralölhaltigen Druckfarben mehr verwendet sowie viele der auf Altpapierfaser basierenden Faltschachteln auf Frischfaser umgestellt oder – sofern ein Innenbeutel im Verpackungssystem vorhanden war – in den Innenbeutel eine Barrierefolie (PES, PA, EVOH etc.) eingefügt oder Barrierebeschichtung (PMMA-, PVDC-Lackierung) aufgebracht. Kaschierungen dieser Barrierefolien auf der Faltschachtelinnenseite setzten sich am Markt kaum durch, Barrieren im Karton oder im Strich waren bis 2013 noch nicht marktreif.
Seit 2012 wurden auch der Wellpappentransportkarton und die Kreuzkontamination durch diese in Lagerhäusern als MOH-Kontaminationsquelle von Lebensmitteln erkannt. Die niedrigen Eingreifwerte für MOH seitens der NGOs und Retailer (2 mg/kg Lebensmittel MOSH (C16 bis C35)) konnten aufgrund dieser Kontamination bei bestimmten Lebensmitteln allein durch den Einsatz von Frischfaserfaltschachteln nicht eingehalten werden.
Seit 2013 finden sich zunehmend Faltschachteln mit Barrieren im Markt, wobei folgende Barrieretypen unterschieden werden können: Extrusionsbeschichtungen oder ein Barrierestrich auf der Faltschachtelinnenseite oder ein Adsorber im Inneren der Faltschachtel.
In einem Lagerungsversuch einer Frühstückscerealie wurden Produkte dieser verschiedenen Karton-Barriere-Systeme miteinander verglichen. Beim eingesetzten Adsorberkarton konnten bis zum Ende der Lagerungszeit (zwölf Monate) keine MOH im Lebensmittel nachgewiesen werden. Bei den Extrusionsbeschichtungen und dem Barrierestrich begann mit dem Lagerbeginn auch die im Lebensmittel messbare Migration von MOH, die auch auf das Faltsystem mit Ausgießer (zusammen mit Schnittkanten und Klappen wird der Barrierestrich unterbrochen) zurückzuführen waren. Nach zwölf Monaten Lagerung in einem Transportkarton wurden bei zwei dieser Varianten sowie einer Frischfaserfaltschachtel 2 mg/kg MOSH (C16 bis C35) im Lebensmittel knapp unterschritten bzw. erreicht. Eine Variante überschritt diesen Wert deutlich.
Letztendlich muss eine funktionelle Barriere in der Verpackung mit dem Lebensmittel (sensorische Eigenschaften) und der existierenden Verpackungstechnologie kompatibel sein.

References: Art. 14
 Art. 19
 Art. 7
 Art. 2
 Art. 14
 Art. 3