Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/keine-umsatzsteuer-auf-den-minderwertausgleich-beim-kfz-leasing-364571
Timestamp: 2019-09-19 08:55:40+00:00

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Kei­ne Umsatz­steu­er auf den Min­der­wert­aus­gleich beim Kfz-Lea­sing | Rechtslupe
Ver­pflich­tet sich der Lea­sing­neh­mer im Lea­sing­ver­trag, für am Lea­sing­fahr­zeug durch eine nicht ver­trags­ge­mä­ße Nut­zung ein­ge­tre­te­ne Schä­den nach­träg­lich einen Min­der­wert­aus­gleich zu zah­len, ist die­se Zah­lung beim Lea­sing­ge­ber nicht der Umsatz­steu­er zu unter­wer­fen.
Leis­tet der Lea­sing­neh­mer an den Lea­sing­ge­ber ver­ein­ba­rungs­ge­mäß nach der Rück­ga­be des Fahr­zeugs einen Aus­gleich für den durch nicht ver­trags­ge­mä­ße Nut­zung ent­stan­de­nen Min­der­wert des Fahr­zeugs, unter­liegt die Zah­lung beim Lea­sing­ge­ber nicht der Umsatz­steu­er.
In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall ver­least die Klä­ge­rin Geschäfts­fahr­zeu­ge. Ihre Kun­den ver­pflich­ten sich ver­trag­lich, das Fahr­zeug nach Ablauf des Ver­trags in einem dem Alter und der ver­trags­ge­mä­ßen Fahr­leis­tung ent­spre­chen­den Erhal­tungs­zu­stand, frei von Schä­den sowie ver­kehrs- und betriebs­si­cher zurück­zu­ge­ben, wobei nor­ma­le Ver­schleiß­spu­ren nicht als Schä­den gel­ten. Wenn das Fahr­zeug bei Rück­ga­be dem ver­ein­bar­ten Zustand nicht ent­spricht, muss der Lea­sing­neh­mer für den Min­der­wert einen ent­spre­chen­den Aus­gleich an die Klä­ge­rin leis­ten. Im Streit­fall wies das Fahr­zeug bei Rück­ga­be u.a. Lack­schä­den, eine feh­len­de Funk­ti­on der Lenk­hil­fe sowie eine Beschä­di­gung des Pan­zer­roh­res auf. Der Lea­sing­neh­mer leis­te­te den ver­ein­bar­ten Min­der­wert­aus­gleich an die Klä­ge­rin.
Die Klä­ge­rin war der Mei­nung, dass die­ser Betrag nicht der Umsatz­steu­er zu unter­wer­fen sei und teil­te dies dem Finanz­amt mit. Das Finanz­amt behan­del­te dem­ge­gen­über den sog. Min­der­wert­aus­gleich als eine lea­sing­ty­pi­sche ver­trag­li­che Gegen­leis­tung für die Über­las­sung des Lea­sing­ge­gen­stands durch den Lea­sing­ge­ber und erhöh­te die Umsatz­er­lö­se der Klä­ge­rin ent­spre­chend.
Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te, dass der lea­sing­ty­pi­sche Min­der­wert­aus­gleich nicht der Umsatz­steu­er zu unter­wer­fen ist. Es fehlt der für einen Leis­tungs­aus­tausch im umsatz­steu­er­recht­li­chen Sin­ne erfor­der­li­che unmit­tel­ba­re Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung bezo­gen auf den vom Lea­sing­neh­mer gezahl­ten Min­der­wert­aus­gleich, weil die­sem objek­tiv kei­ne eigen­stän­di­ge Leis­tung des Lea­sing­ge­bers gegen­über­steht. Der Lea­sing­neh­mer schul­det inso­fern kein Ent­gelt für eine ver­ein­bar­te Leis­tung, son­dern er leis­tet Ersatz für einen Scha­den, der sei­ne Ursa­che in einer nicht mehr ver­trags­ge­mä­ßen Nut­zung des Fahr­zeugs hat.
Der Bun­des­fi­nanz­hof folgt damit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, der bereits ent­schie­den hat, dass der Min­der­wert­aus­gleich ohne Umsatz­steu­er zu berech­nen ist1. Der ent­ge­gen­ge­setz­ten Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung ist der Bun­des­fi­nanz­hof nicht gefolgt.
Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG unter­lie­gen der Umsatz­steu­er die Lie­fe­run­gen und sons­ti­gen Leis­tun­gen, die ein Unter­neh­mer im Inland gegen Ent­gelt im Rah­men sei­nes Unter­neh­mens aus­führt. Ent­gelt ist gemäß § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG grund­sätz­lich alles, was der Leis­tungs­emp­fän­ger auf­wen­det, um die Leis­tung zu erhal­ten, jedoch abzüg­lich der Umsatz­steu­er.
Für das Vor­lie­gen einer ent­gelt­li­chen Leis­tung, die in Über­ein­stim­mung mit Art. 2 Nr. 1 der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG steu­er­bar ist, sind nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on im Wesent­li­chen fol­gen­de uni­ons­recht­lich geklär­ten Grund­sät­ze zu berück­sich­ti­gen:
Zwi­schen der Leis­tung und dem erhal­te­nen Gegen­wert muss ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang bestehen, wobei die gezahl­ten Beträ­ge die tat­säch­li­che Gegen­leis­tung für eine bestimm­ba­re Leis­tung dar­stel­len, die im Rah­men eines zwi­schen dem Leis­ten­den und dem Leis­tungs­emp­fän­ger bestehen­den Rechts­ver­hält­nis­ses, in dem gegen­sei­ti­ge Leis­tun­gen aus­ge­tauscht wer­den, erbracht wur­de2.
Dabei bestimmt sich in ers­ter Linie nach dem der Leis­tung zugrun­de lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis, ob die Leis­tung des Unter­neh­mers der­art mit der Zah­lung ver­knüpft ist, dass sie sich auf die Erlan­gung einer Gegen­leis­tung (Zah­lung) rich­tet3.
Ech­te Ent­schä­di­gungs- oder Scha­dens­er­satz­leis­tun­gen sind dem­ge­gen­über kein Ent­gelt im Sin­ne des Umsatz­steu­er­rechts, wenn die Zah­lung nicht für eine Lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung an den Zah­lungs­emp­fän­ger erfolgt, son­dern weil der Zah­len­de nach Gesetz oder Ver­trag für den Scha­den und sei­ne Fol­gen ein­zu­ste­hen hat4. In die­sen Fäl­len besteht kein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang zwi­schen der Zah­lung und der Leis­tung5.
Nach die­sen Rechts­grund­sät­zen stellt der im Streit­fall vom Lea­sing­neh­mer gezahl­te Min­der­wert­aus­gleich an den Lea­sing­ge­ber eine nicht steu­er­ba­re Ent­schä­di­gung dar und ist daher nicht als Ent­gelt i.S. von § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG zu behan­deln.
Bei dem zwi­schen dem Lea­sing­ge­ber und dem Lea­sing­neh­mer geschlos­se­nen Lea­sing­ver­trag ergibt sich die feh­len­de Steu­er­bar­keit des Min­der­wert­aus­gleichs indes nicht schon dar­aus, dass die Betei­lig­ten die Zah­lung des Lea­sing­neh­mers in Abschnitt XVI Zif­fer 3 der Lea­sing­be­din­gun­gen als "Scha­dens­er­satz" bezeich­net haben. Denn im Umsatz­steu­er­recht, das von uni­ons­recht­lich ein­heit­li­chen Begrif­fen aus­geht, ist die jewei­li­ge von den Betei­lig­ten ver­wen­de­te Bezeich­nung unmaß­geb­lich6.
Im Streit­fall ist der von der Recht­spre­chung gefor­der­te unmit­tel­ba­re Zusam­men­hang zwi­schen der Leis­tung und dem erhal­te­nen Gegen­wert inso­fern zu beja­hen, als der Lea­sing­neh­mer auf­grund der vom Lea­sing­ge­ber erbrach­ten Nut­zungs­über­las­sung des Fahr­zeugs im Rah­men des ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ver­wen­dungs­zwecks die Lea­sing­ra­ten ent­rich­tet hat.
Ein sol­cher unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung ist jedoch nicht gege­ben, soweit der Lea­sing­neh­mer gemäß Abschnitt XVI der Lea­sing­be­din­gun­gen den ver­ein­bar­ten Scha­dens­er­satz gera­de des­halb schul­de­te, weil der Erhal­tungs­zu­stand des Fahr­zeugs bei des­sen Rück­ga­be nicht sei­nem Alter und der ver­trags­ge­mä­ßen Fahr­leis­tung ent­sprach.
Danach hat der Lea­sing­ge­ber bezo­gen auf den vom Lea­sing­neh­mer gezahl­ten Min­der­wert­aus­gleich objek­tiv kei­ne eigen­stän­di­ge Leis­tung erbracht.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amt liegt auch kei­ne eigen­stän­di­ge Leis­tung der Lea­sing­ge­be­rin dar­in, dass sie die Nut­zung des Lea­sing­fahr­zeugs über den ver­trags­ge­mä­ßen Gebrauch hin­aus gedul­det habe7. Das Finanz­amt meint inso­weit, die Mög­lich­keit der Ent­schä­di­gung sei bereits gedank­lich wegen der geplan­ten "Voll­amor­ti­sa­ti­on" im Ver­trag ange­legt gewe­sen. Danach habe der Lea­sing­neh­mer dem Lea­sing­ge­ber zivil­recht­lich als Gegen­leis­tung für die Gebrauchs­über­las­sung und die ent­spre­chen­de Dul­dung der nicht ver­trags­ge­mä­ßen Nut­zung grund­sätz­lich nicht nur die ver­ein­bar­ten Lea­sing­ra­ten, son­dern auch einen Aus­gleich für den Ersatz des Min­der­werts des Lea­sing­fahr­zeugs bei Rück­ga­be in nicht ver­trags­ge­mä­ßem Zustand geschul­det.
Die­se Argu­men­ta­ti­on über­zeugt den Bun­des­fi­nanz­hof aus fol­gen­den Grün­den nicht:
Zwar kann ein "Dul­den" im Rah­men eines Ver­trags­ver­hält­nis­ses eine eigen­stän­di­ge sons­ti­ge Leis­tung i.S. von § 3 Abs. 9 UStG sein8. Hier hat die Lea­sing­ge­be­rin aber nach den getrof­fe­nen schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen den Lea­sing­neh­mer aus­drück­lich berech­tigt und ver­pflich­tet, das Fahr­zeug "im Rah­men des ver­trag­li­chen Ver­wen­dungs­zwecks" scho­nend zu behan­deln und "ver­trags­ge­mäß" zu nut­zen. Anhalts­punk­te für die vom Finanz­amt ange­nom­me­ne "Dul­dung" einer dar­über hin­aus­ge­hen­den nicht ver­trags­ge­mä­ßen Nut­zung durch die Lea­sing­ge­be­rin erge­ben sich dar­aus nicht.
Der dem Streit­fall zugrun­de lie­gen­de Sach­ver­halt unter­schei­det sich inso­weit maß­geb­lich von dem Fall, der dem Bun­des­fi­nanz­hof bei sei­nem Urteil in BFHE 207, 560, BSt­Bl II 2005, 802 zugrun­de lag. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te dar­in geklärt, dass die Aus­gleichs­zah­lung für beim Bau einer Über­land­lei­tung ent­ste­hen­de Flur­schä­den durch deren Betrei­ber an den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer kein Scha­dens­er­satz ist, son­dern Ent­gelt für die Dul­dung der Flur­schä­den durch den Eigen­tü­mer. Bestim­mend dafür war, dass wenn ein wirt­schaft­li­ches Vor­ha­ben, zu des­sen Ver­wirk­li­chung ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen geschlos­sen wer­den, zwangs­läu­fig zu Schä­den bei einem Ver­trags­part­ner führt und hier­für ein am Umfang der Schä­den ori­en­tier­ter Aus­gleich ver­ein­bart wird, der wirt­schaft­li­che Gehalt der Ver­ein­ba­rung dann dar­auf gerich­tet ist, dass der "Ersatz" in die Gegen­leis­tung ein­fließt.
Dem­ge­gen­über ziel­te die Ver­ein­ba­rung im Streit­fall nicht dar­auf ab, einen "zwangs­läu­fi­gen" Scha­den im Sin­ne der vor­ge­nann­ten BFH-Recht­spre­chung aus­zu­glei­chen. Die Abspra­che im Hin­blick auf eine etwai­ge nicht ver­trags­ge­mä­ße Nut­zung des Lea­sing­fahr­zeugs und den inso­weit zu bezah­len­den Min­der­wert­aus­gleich hat­ten die Betei­lig­ten vor die­sem Hin­ter­grund ledig­lich vor­sorg­lich getrof­fen, so dass eine ent­spre­chen­de "Dul­dungs­leis­tung" der Lea­sing­ge­be­rin nicht ange­nom­men wer­den kann. Der Bun­des­fi­nanz­hof folgt damit nicht der in der Lite­ra­tur ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, wonach in ver­gleich­ba­ren Fäl­len stets unab­hän­gig von einem etwai­gen Leis­tungs­wil­len von einer "Dul­dung" der über­ver­trag­li­chen Nut­zung aus­zu­ge­hen ist9, weil auch aus Sicht des Lea­sing­neh­mers ange­sichts der im Streit­fall getrof­fe­nen ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen eine sol­che "Dul­dung" nicht gege­ben war.
Soweit das Finanz­amt dar­über hin­aus maß­geb­lich die zitier­te Recht­spre­chung des BGH zur im Lea­sing­ver­trag ange­leg­ten "Voll­amor­ti­sa­ti­on" mit ent­spre­chen­den ver­trag­li­chen Erfül­lungs­pflich­ten anwen­det10, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Fra­ge, ob ein Leis­tungs­aus­tausch im umsatz­steu­er­recht­li­chen Sin­ne vor­liegt, nicht nach zivil­recht­li­chen, son­dern aus­schließ­lich nach den vom Uni­ons­recht gepräg­ten umsatz­steu­er­recht­li­chen Vor­ga­ben zu beant­wor­ten ist11.
Was die im Ver­trag bereits ange­leg­te Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung betrifft, war schließ­lich auch in dem vom EuGH ent­schie­de­nen Fall in der Rechts­sa­che –Socié­té ther­ma­le d'Eugénie-les-Bains–12 die Mög­lich­keit des Rück­tritts des Hotel­gas­tes von der Reser­vie­rung und die Ein­be­hal­tung eines ent­spre­chen­den Angel­des im Vor­hin­ein durch den Hotel­be­sit­zer vor­ge­se­hen. Gleich­wohl hat der EuGH inso­weit kei­ne eigen­stän­di­ge Leis­tung des Hotel­be­trei­bers bejaht. Viel­mehr hat der EuGH her­vor­ge­ho­ben, dass der Abschluss eines Ver­tra­ges und folg­lich das Bestehen einer recht­li­chen Bezie­hung zwi­schen den Par­tei­en nor­ma­ler­wei­se nicht von der Zah­lung eines Angel­des abhän­gig sei. Dies stel­le daher kein kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment eines Beher­ber­gungs­ver­tra­ges dar, son­dern ein rein fakul­ta­ti­ves Ele­ment, das in den Bereich der Ver­trags­frei­heit der Par­tei­en fal­le13.
Der Streit­fall ist inso­weit dem Sach­ver­halt des EuGH in der Rechts­sa­che –Socié­té ther­ma­le d'Eugénie-les-Bains–14 ver­gleich­bar, als hier die Durch­füh­rung des Lea­sing­ver­tra­ges selbst –näm­lich die Über­las­sung des Lea­sing­ge­gen­stan­des zur ver­trags­ge­mä­ßen Nut­zung gegen ent­spre­chen­de Lea­sing­ra­ten– unab­hän­gig von einem etwai­gen Min­der­wert­aus­gleich war, der ledig­lich fakul­ta­tiv –wie im Streit­fall gesche­hen– von den Par­tei­en im Rah­men der Ver­trags­frei­heit ver­ein­bart wer­den konn­te.
Auch in der Ent­schei­dung des BFH, wonach sog. Bereit­stel­lungs­ent­gel­te, die ein Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men bei kurz­fris­ti­ger Absa­ge einer Zwangs­räu­mung erhält, als pau­scha­lier­te Ent­schä­di­gung nicht steu­er­bar sind15, war für den Fall der Absa­ge der Zwangs­räu­mung eine ent­spre­chen­de pau­scha­lier­te Ent­schä­di­gung –ver­gleich­bar dem Streit­fall– bereits im Vor­hin­ein im Ver­trag ver­ein­bart. Die pau­scha­lier­te Ent­schä­di­gung hat­te auch im dort ent­schie­de­nen Fall des BFH den wirt­schaft­li­chen Zweck, etwai­ge außer­halb des Ver­tra­ges ent­stan­de­ne Schä­den –ver­gleich­bar dem Streit­fall– aus­zu­glei­chen.
Der BFH teilt des­halb nicht die in der Lite­ra­tur ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, wonach ein ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Unter­schied des Streit­falls zum EuGH, Urteil in der Rechts­sa­che –Socié­té ther­ma­le Eugé­nie-les-Bains–16 dar­in lie­ge, dass hier der Lea­sing­ver­trag als Dau­er­schuld­ver­hält­nis grund­sätz­lich durch­ge­führt wur­de, wäh­rend bei den in der Recht­spre­chung behan­del­ten Fäl­len die Ver­trä­ge letzt­lich nicht erfüllt wur­den17.
Die­ses Ergeb­nis setzt im Übri­gen die Recht­spre­chung des BFH fort, wonach der zu berich­ti­gen­de Vor­steu­er­be­trag durch einen Scha­dens­er­satz, den der Lea­sing­neh­mer für die vor­zei­ti­ge Been­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges zu leis­ten hat, nicht gemin­dert wird. Der BFH hat­te inso­weit bereits geklärt, dass der von der Lea­sing­ge­be­rin gel­tend gemach­te Scha­dens­er­satz kein Ent­gelt für eine umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Leis­tung der Lea­sing­ge­be­rin ist18. Die­se Grund­sät­ze müs­sen nach Auf­fas­sung des BFHs glei­cher­ma­ßen für eine Ent­schä­di­gung gel­ten, die der Lea­sing­neh­mer wegen einer nicht ver­trags­ge­mä­ßen Nut­zung des Lea­sing­fahr­zeu­ges nach­träg­lich zu leis­ten hat19.
Die hier­ge­gen vor­ge­brach­ten wei­te­ren Ein­wen­dun­gen des Finanz­amt grei­fen nicht durch.
Das Vor­brin­gen des Finanz­amt, bei einer Behand­lung des Min­der­wert­aus­gleichs als nicht steu­er­ba­re Ent­schä­di­gung kom­me es zu einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ßen­den Pri­vi­le­gie­rung der­je­ni­gen, die ver­trags­wid­rig han­del­ten, gegen­über ande­ren, die sich ver­trags­treu ver­hiel­ten20, ver­mag nicht zu über­zeu­gen. Denn die umsatz­steu­er­recht­li­che Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen nicht steu­er­ba­ren Scha­dens­er­satz- bzw. Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen und steu­er­ba­ren Ent­gel­ten ist wegen des inso­weit feh­len­den Leis­tungs­aus­tauschs i.S. von § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG sach­lich gerecht­fer­tigt und begeg­net daher kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.
Ent­schei­dend für die Annah­me eines Leis­tungs­aus­tauschs i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG sind die unter II.1.a dar­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen und nicht, ob einer Geld­zah­lung ein "Kon­sum­gut­trans­fer" zugrun­de liegt21 oder ob der Geschä­dig­te "ein Gut opfert oder des­sen Beein­träch­ti­gung hin­neh­men muss" und "der Schä­di­ger dafür einen Wert­aus­gleich zu zah­len hat"22.
Soweit das Finanz­amt über­dies aus­führt, es sei bei ent­spre­chen­den Lea­sing­ver­trä­gen davon aus­zu­ge­hen, dass es wohl sehr häu­fig zu Fäl­len der über­ver­trag­li­chen Abnut­zung des Lea­sing­fahr­zeugs und damit zu der Zah­lung eines lea­sing­ty­pi­schen Min­der­wert­aus­gleichs kom­me, hat dies kein ande­res Ergeb­nis zur Fol­ge. Etwas ande­res wür­de nur gel­ten, wenn es sich bei der nicht ver­trags­ge­mä­ßen Nut­zung des Lea­sing­fahr­zeugs um ein wirt­schaft­li­ches Vor­ha­ben han­deln wür­de, bei dem zwangs­läu­fig Schä­den beim Ver­trags­part­ner auf­tre­ten, wie dies z.B. beim Bau einer Über­land­lei­tung ent­ste­hen­den Flur­schä­den der Fall ist, so dass aus die­sem Grund der "Ersatz" in die Gegen­leis­tung ein­flie­ßen müss­te23. Wie bereits aus­ge­führt, kann im Streit­fall indes nicht von einer der­ar­ti­gen "Zwangs­läu­fig­keit" der Schä­den aus­ge­gan­gen wer­den.
Das gefun­de­ne Ergeb­nis steht schließ­lich auch im Ein­klang mit der Recht­spre­chung der Zivil­ge­rich­te, die gleich­falls unter Berück­sich­ti­gung der vom EuGH auf­ge­stell­ten Rechts­grund­sät­ze der Auf­fas­sung sind, der Min­der­wert­aus­gleich sei ohne Umsatz­steu­er zu berech­nen, weil eine eigen­stän­di­ge Leis­tung des Lea­sing­ge­bers inso­weit feh­le und die­ser des­halb dar­auf kei­ne Umsatz­steu­er zu ent­rich­ten habe24.
Die Lite­ra­tur teilt inso­weit ganz über­wie­gend die schon vom Bun­des­ge­richts­hof ver­tre­te­ne Mei­nung25.
Der BFH folgt damit nicht der von der Finanz­ver­wal­tung ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung26.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. März 2013 – XI R 6/​11
vgl. z.B. BGH, Urteil vom 18.05.2011 – VIII ZR 260/​10, HFR 2011, 1156 [↩]
vgl. z.B. EuGH, Urtei­le vom 21.03.2002 – C‑174/​00 –Ken­ne­mer Golf & Coun­try Club – , Slg. 2002, I‑3293, BFH/​NV Bei­la­ge 2002, 95, Rz 39; vom 18.07.2007 – C‑277/​05 –Socié­té ther­ma­le d'Eugénie-les-Bains – , Slg. 2007, I‑6415, BFH/​NV Bei­la­ge 2007, 424, Rz 19; BFH, Urtei­le vom 11.02.2010 – V R 2/​09, BFHE 228, 467, BSt­Bl II 2010, 765, Rz 20, und vom 30.06.2010 – XI R 22/​08, BFHE 231, 248, BSt­Bl II 2010, 1084, Rz 11 f., jeweils m.w.N. [↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 18.12.2008 – V R 38/​06, BFHE 225, 155, BSt­Bl II 2009, 749, unter II.3.a bb, und in BFHE 231, 248, BSt­Bl II 2010, 1084, Rz 13 [↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 10.12.1998 – V R 58/​97, BFH/​NV 1999, 987, und in BFHE 231, 248, BSt­Bl II 2010, 1084, Rz 14 [↩]
BFH, Urteil in BFHE 228, 467, BSt­Bl II 2010, 765, Rz 20 [↩]
z.B. BFH, Urteil vom 06.05.2004 – V R 40/​02, BFHE 205, 535, BSt­Bl II 2004, 854, unter II.3. [↩]
vgl. auch BMF-Schrei­ben in BSt­Bl I 2008, 632, unter 2. [↩]
vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 207, 560, BSt­Bl II 2005, 802, unter II.2.c; BGH, Urteil in HFR 2011, 1156, unter II.3.d, sowie all­ge­mein z.B. Lippross, Umsatz­steu­er, 23. Aufl., S. 217 [↩]
vgl. Hum­mel, UR 2006, 614; Sta­die, UR 2011, 801; kri­tisch dazu Jacobs, Neue Wirt­schafts-Brie­fe –NWB– 2011, 2700, unter VI. [↩]
vgl. z.B. BGH, Urtei­le in HFR 2011, 1156, unter II.2., und vom 14.11.2012 – VIII ZR 22/​12, Der Betrieb –DB– 2012, 2865, unter II.2.a [↩]
vgl. z.B. BFH-Ent­schei­dun­gen vom 17.12.2009 – V R 1/​09, BFH/​NV 2010, 1869, unter II.1.c; vom 18.11.2010 – XI B 28/​10, BFH/​NV 2011, 204, Rz 8; BGH, Urteil in HFR 2011, 1156, unter II.2. a.E.; vgl. auch Mar­tin, UR 2006, 56, unter I.3.; Klenk, DB 2006, 1180; de Weerth, Deut­sches Steu­er­recht –DStR– 2008, 392 [↩]
EuGH, , Urteil –Socié­té ther­ma­le d'Eugénie-les-Bains– in Slg. 2007, I‑6415, BFH/​NV Bei­la­ge 2007, 424 [↩]
EuGH, Urteil –Socié­té ther­ma­le d'Eugénie-les-Bains– in Slg. 2007, I‑6415, BFH/​NV Bei­la­ge 2007, 424, Rz 21 [↩]
BFH, Urteil in BFHE 231, 248, BSt­Bl II 2010, 1084, unter I. und II.2.a [↩]
so Klein, UR 2008, 133, 136, 137 [↩]
BFH, Urteil vom 24.08.1995 – V R 55/​94, BFHE 178, 485, BSt­Bl II 1995, 808, unter II.3.d; vgl. auch BMF-Schrei­ben in BSt­Bl I 2008, 632, unter 1. [↩]
so im Ergeb­nis z.B. auch Klenk, DB 2006, 1180; de Weerth, DStR 2008, 392 [↩]
vgl. Hum­mel, UR 2006, 614 [↩]
so Hum­mel, UR 2006, 614 [↩]
so Sta­die, UR 2011, 801 [↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 207, 560, BSt­Bl II 2005, 802, unter II.2.c [↩]
vgl. BGH, Urteil in HFR 2011, 1156 in Fort­set­zung des BGH, Urteils vom 14.03.2007 – VIII ZR 68/​06, UR 2007, 416; OLG Stutt­gart, Urtei­le vom 08.12.2009 – 6 U 99/​09, Jur­Bü­ro 2010, 209; und vom 05.10.2010 – 6 U 115/​10, DStR/​ED 2010, 1514 [↩]
vgl. z.B. de Weerth, DStR 2008, 392; Göckel, DStR 2011, 1305; Klenk, DB 2006, 1180; Jaster/​von Loef­fel­holz, Der Umsatz-Steu­er-Bera­ter 2006, 135; Mose­schus, Ent­schei­dun­gen zum Wirt­schafts­recht 2011, 663; Mül­ler, Lindenmaier/​Möhring Kom­men­tier­te BGH-Recht­spre­chung 2011, 321449; a.A. Hum­mel, UR 2006, 614; Klein, UR 2008, 133; Sta­die, UR 2011, 801 [↩]
BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2008, 632; s.a. Abschn. 3 Abs. 9 UStR 2008; Abschn.01.03. Abs. 17 Satz 2 USt-AE [↩]
Kfz-LeasingMinderwertausgleichRestwertleasing

References: § 1
 § 10
 Art. 2
 § 1
 § 10
 § 3
 BGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 3
 § 1
 § 1
 EuGH