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Timestamp: 2020-08-09 03:33:44+00:00

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Nachfristsetzung ohne Termin | Rechtslupe
Erbringt ein Schuld­ner die fäl­li­ge Leis­tung nicht oder nicht in der geschul­det Form, so kann der Gläu­bi­ger unter bestimm­ten wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen gemäß § 281 Abs. 1 BGB Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung ver­lan­gen, wenn er dem Schuld­ner erfolg­los eine ange­mes­se­ne Frist zur Leis­tung oder Nach­er­fül­lung bestimmt hat.
Für eine Frist­set­zung gemäß § 281 Abs. 1 BGB genügt es nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs, wenn der Gläu­bi­ger durch das Ver­lan­gen nach sofor­ti­ger, unver­züg­li­cher oder umge­hen­der Leis­tung oder ver­gleich­ba­re For­mu­lie­run­gen deut­lich macht, dass dem Schuld­ner für die Erfül­lung nur ein begrenz­ter, bestimm­ba­rer Zeit­raum zur Ver­fü­gung steht; der Anga­be eines bestimm­ten Zeit­raums oder eines bestimm­ten (End-)Termins bedarf es nicht.
In dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Rechts­streit nahm der Klä­ger die Beklag­te aus abge­tre­te­nem Recht auf Scha­dens­er­satz in Anspruch: Im Dezem­ber 2005 erwarb der Käu­fer B. von der Beklag­ten einen gebrauch­ten Pkw Mer­ce­des SL 230 Pago­de, Bau­jahr 1966, zum Kauf­preis von 34.900,00 €. Im Früh­jahr 2006 bean­stan­de­te der Käu­fer gegen­über der Beklag­ten Män­gel am Motor des Fahr­zeugs. Er for­der­te die Beklag­te auf, die­se Män­gel „umge­hend“ zu besei­ti­gen, sonst wer­de er eine ande­re Werk­statt mit der Behe­bung der Män­gel beauf­tra­gen. Dar­auf erklär­te ein Mit­ar­bei­ter der Beklag­ten, dass er sich um die Ange­le­gen­heit küm­mern und umge­hend Mit­tei­lung machen wer­de. Nach­dem sich die Beklag­te in der Fol­ge­zeit nicht wie­der bei dem Käu­fer gemel­det und er anschlie­ßend ver­geb­lich ver­sucht hat­te, die Beklag­te tele­fo­nisch zu errei­chen, beauf­trag­te er am 7. April 2006 ein ande­res Unter­neh­men mit der Besei­ti­gung der behaup­te­ten Män­gel am Motor des Fahr­zeugs. Nach Durch­füh­rung der Arbei­ten zahlt er den Rech­nungs­be­trag in Höhe von 2.194,09 € und for­der­te die Beklag­te zur Erstat­tung des Betra­ges auf. Eine Zah­lung erfolg­te nicht.
Der Klä­ger, an den der Käu­fer sei­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che abge­tre­ten hat, macht die­se mit der Kla­ge gel­tend. Das Amts­ge­richt Bochum hat die Kla­ge abge­wie­sen [1]. Das Land­ge­richt Bochum hat die dage­gen gerich­te­te Beru­fung des Klä­gers zurück­ge­wie­sen [2]: Der Klä­ger kön­ne, so das Land­ge­richt Bochum, kei­nen Scha­dens­er­satz aus abge­tre­te­nem Recht bean­spru­chen, weil der Käu­fer der Beklag­ten kei­ne ange­mes­se­ne Frist zur Nach­er­fül­lung gemäß § 281 Abs. 1 BGB gesetzt habe. Die Auf­for­de­rung des Käu­fers, die Män­gel „umge­hend“ zu besei­ti­gen, stel­le kei­ne Frist­set­zung im Sin­ne die­ser Vor­schrift dar, weil es dazu der Benen­nung eines kon­kre­ten Zeit­raums bedür­fe. Es lägen auch kei­ne beson­de­ren Umstän­de vor, die unter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen die sofor­ti­ge Gel­tend­ma­chung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs nach § 281 Abs. 2 BGB recht­fer­ti­gen könn­ten. Die von dem Klä­ger vor­ge­tra­ge­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung hin­sicht­lich des Feh­lens der lan­gen Hin­ter­achs­über­set­zung füh­re nicht zur Ent­behr­lich­keit der Nach­er­fül­lung. Denn der Käu­fer habe trotz der Kennt­nis von die­sem behaup­te­ten Man­gel am Ver­trag fest­hal­ten wol­len, so dass ein Inter­es­se an der Nach­er­fül­lung durch die Beklag­te nicht weg­ge­fal­len sein kön­ne.
Dage­gen rich­tet sich die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des Klä­gers, die der Bun­des­ge­richts­hof jetzt für begrün­det erach­te­te:
Mit der vom Land­ge­richt Bochum in sei­nem Beru­fungs­ur­teil gege­be­nen Begrün­dung, der Käu­fer habe der Beklag­ten mit der Auf­for­de­rung zur umge­hen­den Man­gel­be­sei­ti­gung kei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung im Sin­ne des § 281 Abs. 1 BGB gesetzt, kann nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs ein Scha­dens­er­satz­an­spruch des Klä­gers nicht ver­neint wer­den. Zwar ver­langt die über­wie­gen­de Mei­nung in der Lite­ra­tur – eben­so wie das Beru­fungs­ge­richt – für eine Frist­set­zung gemäß § 281 Abs. 1 BGB die Bestim­mung eines kon­kre­ten Zeit­raums, ent­we­der durch Mit­tei­lung eines bestimm­ten Ter­mins, zu dem die Frist abläuft, oder durch die Anga­be bestimm­ter Zeit­ein­hei­ten, die dem Schuld­ner für die Leis­tung ein­ge­räumt wer­den [3]. Nach die­ser Auf­fas­sung genügt die Auf­for­de­rung zur „sofor­ti­gen“ bzw. „unver­züg­li­chen“ oder – wie hier – „umge­hen­den“ Leis­tung nicht. Teil­wei­se wird dies damit begrün­det, dass nach dem Weg­fall der nach frü­he­rem Recht vor­ge­se­he­nen Ableh­nungs­an­dro­hung allein die Frist­set­zung die Warn­funk­ti­on gegen­über dem Schuld­ner erfül­le und an sie des­halb stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len sei­en [4].
Dem­ge­gen­über ver­tritt ein wei­te­rer Teil der Lite­ra­tur die Auf­fas­sung, auch eine Auf­for­de­rung zur unver­züg­li­chen Leis­tung kön­ne aus­rei­chen [5], zumin­dest in Fäl­len beson­de­rer Dring­lich­keit [6].
Aus­zu­ge­hen ist vom Wort­laut des Geset­zes. Dem Begriff der Frist­set­zung lässt sich nicht ent­neh­men, dass die maß­geb­li­che Zeit­span­ne nach dem Kalen­der bestimmt sein muss oder in kon­kre­ten Zeit­ein­hei­ten anzu­ge­ben ist. Eine in die­ser Wei­se bestimm­te Frist ver­langt § 281 Abs. 1 BGB – anders als § 286 Abs. 2 Nr. 1, 2 BGB für den Ver­zugs­ein­tritt ohne Mah­nung – nicht. Viel­mehr kann die Dau­er einer Frist grund­sätz­lich auch durch einen unbe­stimm­ten Rechts­be­griff bezeich­net wer­den; dies ist ins­be­son­de­re bei rechts­ge­schäft­li­chen Fris­ten häu­fig der Fall [7]. Nach all­ge­mei­ner Mei­nung ist eine Frist ein Zeit­raum, der bestimmt oder bestimm­bar ist [8]. Mit der Auf­for­de­rung, die Leis­tung oder die Nach­er­fül­lung „in ange­mes­se­ner Zeit“, „umge­hend“ oder „so schnell wie mög­lich“ zu bewir­ken, wird eine zeit­li­che Gren­ze gesetzt, die auf­grund der jewei­li­gen Umstän­de des Ein­zel­falls bestimm­bar ist.
Auch der Zweck der Frist­set­zung gemäß § 281 Abs. 1 BGB erfor­dert es nicht, dass der Gläu­bi­ger für die Nach­er­fül­lung einen bestimm­ten Zeit­raum oder einen genau­en (End-)Termin angibt. Dem Schuld­ner soll mit der Frist­set­zung vor Augen geführt wer­den, dass er die Leis­tung nicht zu einem belie­bi­gen Zeit­punkt bewir­ken kann, son­dern dass ihm hier­für eine zeit­li­che Gren­ze gesetzt ist. Die­ser Zweck wird bereits durch die Auf­for­de­rung, inner­halb „ange­mes­se­ner Frist“, „unver­züg­lich“ oder – wie hier – „umge­hend“ zu leis­ten, hin­rei­chend erfüllt. Zwar besteht für den Schuld­ner dann die Unge­wiss­heit, wel­cher genaue Zeit­raum ihm für die Leis­tung bzw. Nach­er­fül­lung zur Ver­fü­gung steht. Die­se Unge­wiss­heit besteht aber in vie­len Fäl­len auch bei Anga­be einer bestimm­ten Frist, näm­lich immer dann, wenn die vom Gläu­bi­ger gesetz­te Frist zu kurz ist. Eine sol­che Frist­set­zung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht unwirk­sam, son­dern setzt eine ange­mes­se­ne Frist in Gang, die gege­be­nen­falls vom Gericht in einem spä­te­ren Pro­zess fest­ge­stellt wird [9]. Die­se – zu § 326 BGB aF ergan­ge­ne – Recht­spre­chung woll­te der Gesetz­ge­ber bei der Schuld­rechts­re­form aus­drück­lich unbe­rührt las­sen [10]. Nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en soll­te die Frist­set­zung im Übri­gen auch nicht zu einer Hür­de wer­den, an der der Käu­fer aus for­ma­len Grün­den schei­te­re [11]. Für eine Frist­set­zung nach § 281 Abs. 1 BGB genügt es des­halb, wenn der Gläu­bi­ger durch das Ver­lan­gen nach sofor­ti­ger, unver­züg­li­cher oder umge­hen­der Leis­tung oder ver­gleich­ba­re For­mu­lie­run­gen deut­lich macht, dass dem Schuld­ner für die Erfül­lung nur ein begrenz­ter Zeit­raum zur Ver­fü­gung steht.
Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 12. August 2009 – VIII ZR 254/​08
AG Bochum, Urteil vom 19.02.2008 – 63 C 491/​07[↩]
LG Bochum, Urteil vom 27.08.2008 – I‑9 S 73/​08 [↩]
Münch-KommBGB/Ernst, 5. Aufl., § 323 Rdnr. 68; Palandt/​Grüneberg, BGB, 68. Aufl., § 281 Rdnr. 9; Soergel/​Gsell, BGB, 13. Aufl., § 323 Rdnr. 80[↩]
Münch-KommBGB/Ernst, aaO[↩]
Staudinger/​Otto, BGB (2004), § 281 Rdnr. B 62 und § 323 Rdnr. B 59; Bam­ber-ger/Ro­th/Un­be­rath, BGB, 2. Aufl., § 281 Rdnr. 16[↩]
Jauernig/​Stadler, BGB, 12. Aufl., § 281 Rdnr. 6; vgl. auch MünchKommBGB/​Ernst, aaO, Rdnr. 74[↩]
MünchKommBGB/​Grothe, aaO, § 186 Rdnr. 4[↩]
RGZ 120, 355, 362; Palandt/​Heinrichs, aaO, § 186 Rdnr. 3; Er-man/­Palm, BGB, 12. Aufl., vor § 186, Rdnr. 1; Bamberger/​Roth/​Henrich, aaO, § 186 Rdnr. 2; Kes­se­ler in: Prütting/​Wegen/​Weinreich, BGB, 4. Aufl., § 186 Rdnr. 3[↩]
BGH, Urteil vom 21.06.1985 – V ZR 134/​84, NJW 1985, 2640, unter II 1 a m.w.N.[↩]
BT-Drs. 14/​6040, S. 138[↩]
BT-Drs. 14/​6040, S. 185[↩]
NachfristSchadenersatzVerzug

References: § 281
 § 281
 BGH 
 § 281
 § 281
 § 281
 § 281
 § 281
 § 286
 § 281
 § 326
 § 281
 § 323
 § 281
 § 323
 § 281
 § 323
 § 281
 § 281
 § 186
 § 186
 § 186
 § 186
 § 186