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Timestamp: 2017-06-25 05:19:04+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 9 Sa 146/11
AGB-Kontrolle, Gratifikation, Freiwilligkeitsvorbehalt, Zulässigkeit der Berufung
Arbeitsgericht Freiburg, Urteil vom 30.08.2011, 2 Ca 104/11
Aus­fer­ti­gungLan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg- Kam­mern Frei­burg -Ak­ten­zei­chen:9 Sa 146/112 Ca 104/11 ArbG Frei­burg(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes Ur­teil
- Be­klag­te/Be­ru­fungskläge­rin - Proz.-Bev.:
- Kläger/Be­ru­fungs­be­klag­ter - Proz.-Bev.:
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Frei­burg - 9. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Till­manns, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kirs­ten und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kopf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 01.12.2011
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg vom 30.08.2011, Az. 2 Ca 104/11 wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
2. Die Re­vi­si­on für die Be­klag­te wird zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fung darüber, ob der Kläger An­spruch auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des hat oder ob es sich da­bei um ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung der Be­klag­ten han­delt.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten seit 01.08.2004 beschäftigt. Er ver­dient seit dem Jahr 2009 mo­nat­lich 2.450,00 EUR brut­to.
Un­ter § 5 des von der Be­klag­ten für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­ten und ge­stell­ten Ar­beits­ver­trags der Par­tei­en vom 29./31.07.2004 (An­la­ge B1, AS 31 ff) heißt es:
§ 5 Ur­laub/Frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tun­gen... (Abs. 1 bis Abs. 4 be­fasst sich mit dem Ur­laubs­an­spruch)Abs. 5:„Frei­wil­li­ge So­zia­le Leis­tun­gen rich­ten sich nach dem be­triebsübli­chen Rah­men. Zur Zeit wer­den gewährt.- Ur­laubs­geld in Höhe von 18,40 € pro Ur­laubs­tag.- Weih­nachts­geld in Höhe von (zeit­an­tei­lig) 40% ei­nes Mo­nats­ge­hal­tes im ers­ten Ka­len­der­jahr der Beschäfti­gung. Es erhöht sich pro wei­te­rem Ka­len­der­jahr um je­weils 10% bis zu 100% ei­nes Mo­nats­ge­hal­tes.- Vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen in Höhe von 39,88 € pro Mo­nat nach Vor­la­ge ei­nes ent­spre­chen­den Ver­tra­ges.Die Zah­lung der be­trieb­li­chen Son­der­vergütun­gen (Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on, Ur­laubs­geld, Vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen) er­folgt in je­dem Ein­zel­fall frei­wil­lig und oh­ne Be­gründung ei­nes Rechts­an­spruchs für die Zu­kunft.“
In den Jah­ren 2004 bis 2008 zahl­te die Be­klag­te an den Kläger je­weils Weih­nachts­geld in der im Ver­trag an­ge­ge­be­nen Höhe mit der Vergütungs­ab­rech­nung für den Mo­nat No­vem­ber. Anläss­lich der Zah­lung er­hielt der Kläger je­weils ein Schrei­ben, in dem die Höhe der Zah­lung erläutert wird (AS 37 ff). Es heißt dort wei­ter:
„Bei die­ser Gra­ti­fi­ka­ti­on han­delt es sich um ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung, auf die kein Rechts­an­spruch be­steht und kein An­spruch in den fol­gen­den Jah­ren her­ge­lei­tet wer­den kann. (...)Wird das Ar­beits­verhält­nis durch Sie gekündigt oder er­folgt die Kündi­gung durch uns aus Gründen, die zu ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen, oder aber en­det das Ar­beits­verhält­nis durch Ar­beits-
ver­trags­bruch, so ist die Zu­wen­dung zurück­zu­zah­len, wenn sie mehr als EUR 100,00 beträgt und das Ar­beits­verhält­nis vor dem 31.03. des Fol­ge­jah­res be­en­det wird. Die Zah­lung gilt in­so­weit als Vor­schuss und kann bei der End­ab­rech­nung ver­rech­net wer­den.Durch die Ent­ge­gen­nah­me der Zu­wen­dung wird das Ein­verständ­nis mit den vor­ste­hen­den Be­din­gun­gen be­kun­det.“
Im Jahr 2009 wur­de den Mit­ar­bei­tern mit­ge­teilt, dass das Weih­nachts­geld aus wirt­schaft­li­chen Gründen nicht be­zahlt wer­den könne.
Im De­zem­ber 2010 er­hielt der Kläger eben­so wie an­de­re Kol­le­gen von der Be­klag­ten fol­gen­des Schrei­ben (AS 4):
„Sehr ge­ehr­ter Herr K.,der Vor­stand der N. AG hat auf der Vor­stands­sit­zung vom 20. De­zem­ber 2010 be­schlos­sen, den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern mit Weih­nachts­geld­an­spruch der H.-Grup­pe ei­ne Son­der­zah­lung zu­kom­men zu las­sen.
Die­se Son­der­zah­lung soll die Be­triebs­treue der Mit­ar­bei­ter be­loh­nen und ist ei­ne ein­ma­li­ge frei­wil­li­ge Leis­tung, auf die auch bei wie­der­hol­ter Gewährung kein Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­steht. Die Son­der­zah­lung er­folgt un­ter be­stimm­ten Vor­ga­ben der N. AG:
1. Beschäfti­gungs­grad
2. Ge­samt­fehl­ta­ge des Jah­res 2010
Wir freu­en uns Ih­nen hier­mit ei­nen Be­trag in Höhe von 880,00 EU­RO mit der De­zem­be­r­ab­rech­nung aus­zah­len zu können. ...“
Dem­ent­spre­chend zahl­te die Be­klag­te 880,00 EUR.Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge macht der Kläger Weih­nachts­geld für die Jah­re 2009 und 2010 in Höhe von 90 % (= 2.205,00 EUR) bzw. 100 % (= 2.450,00 EUR) der Mo­nats­vergütung gel­tend.Vor dem Ar­beits­ge­reicht hat er vor­ge­tra­gen, der An­spruch er­ge­be sich aus § 5 des Ar­beits­ver­trags. Weil die Son­der­zah­lun­gen im Ar­beits­ver­trag nach Vor­aus­set­zung und Höhe präzi­se for­mu­liert wer­den, sei es wi­dersprüchlich, die­se zu­gleich an ei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt zu bin­den. Die Klau­sel sei un­klar und des­halb gemäß § 307 Abs. 1 S. 2 BGB un­wirk­sam. Ein Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt könne ei­ne be­trieb­li­che Übung ver­hin­dern, schließe aber nicht ei­nen ar­beits­ver­trag­li­chen An­spruch aus.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 4.655,00 EUR nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 2.205,00 EUR seit 01.12.2009 und aus wei­te­ren 2.450,00 EUR seit 01.12.2010 zu be­zah­len.
Sie meint, der Kläger ha­be auf­grund des Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts im Ar­beits­ver­trag, auf den jähr­lich hin­ge­wie­sen wur­de, kei­nen An­spruch auf das Weih­nachts­geld.Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge durch Ur­teil vom 30.08.2011 voll­umfäng­lich ent­spro­chen und zur Be­gründung aus­geführt, der Kläger ha­be gemäß § 5 des Ar­beits­ver­trags An­spruch auf das Weih­nachts­geld für die Jah­re 2009 und 2010. Da ein For­mu­lar­ar­beits­ver­trag vor­lie­ge, gel­ten für die Aus­le­gung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­wi­ckel­ten Grundsätze. Der Kläger und an­de­re Mit­ar­bei­ter dürf­ten die frag­li­che Klau­sel so ver­ste­hen, dass die Be­klag­te das Weih­nachts­geld zwar frei­wil­lig - das heißt oh­ne ge­setz­li­che oder kol­lek­tiv­recht­li­che Grund­la­ge -, aber dau­er­haft zah­le. Wenn die Be­klag­te je­des Jahr neu über die Leis­tung ent­schei­den wol­le, wäre es sinn­los, zu­gleich ei­ne be­stimm­te Höhe der Zah­lung ver­trag­lich fest­zu­le­gen. Wenn die Be­klag­te stets er­neut ent­schei­den könn­te, ob sie ei­ne Zah­lung leis­tet, könn­te sie auch die Höhe jähr­lich neu re­geln bzw. ent­schei­den, nicht in der an­ge­ge­be­nen, wohl aber in ei­ner an­de­ren Höhe zu zah­len. Ge­ra­de die Staf­fe­lung nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit spricht dafür, dass der Kläger auf die Zah­lung in den Fol­ge­jah­ren ver­trau­en darf. Durch die Re­ge­lung im Ar­beits­ver­trag wer­de der Ein­druck er­weckt, die Zah­lung er­fol­ge jähr­lich. Auch die For­mu­lie­rung „zur Zeit wer­den gewährt“ sei ein Ar­gu­ment dafür, dass bis zu ei­ner Ände­rung der Rechts­la­ge ein An­spruch be­gründet wer­den sol­le. Sch­ließlich ha­be die Be­klag­te im Schrei­ben aus De­zem­ber 2010 selbst von „Mit­ar­bei­tern mit Weih­nachts­geld­an­spruch“ ge­spro­chen.Die For­mu­lie­rung, wo­nach die Zah­lung in je­dem Ein­zel­fall frei­wil­lig und oh­ne Be­gründung ei­nes Rechts­an­spruchs für die Zu­kunft er­folgt, hebt den An­spruch nicht auf. Zwar könne der Ar­beit­ge­ber kann außer bei lau­fen­dem Ar­beits­ent­gelt grundsätz­lich ei­nen Rechts­an­spruch des Ar­beit­neh­mers auf ei­ne in Aus­sicht ge­stell­te Son­der­zah­lung aus­sch­ließen und sich die Ent­schei­dung
vor­be­hal­ten, ob und in wel­cher Höhe er künf­tig Son­der­zah­lun­gen gewähre. Bei ei­nem klar und verständ­lich for­mu­lier­ten Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt, der je­den Rechts­an­spruch des Ar­beit­neh­mers auf die Son­der­zah­lung aus­sch­ließt, feh­le es be­reits an ei­ner ver­spro­che­nen Leis­tung. Al­ler­dings sei ei­ne Klau­sel wi­dersprüchlich, wenn sie ei­ner­seits - wie hier - ei­nen ver­trag­li­chen An­spruch be­gründe, der Ar­beit­ge­ber sich aber an­de­rer­seits die Frei­wil­lig­keit der Zah­lung vor­be­hal­te. Bei ei­ner der­ar­ti­gen Re­ge­lung bleibt es un­klar, ob nun ein An­spruch be­ste­he oder nicht. Die Klau­sel sei nach § 307 Abs. 1 S. 2 BGB un­wirk­sam. Der un­wirk­sa­me Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt fal­le er­satz­los weg.Mit der Son­der­zah­lung, die die Be­klag­te im De­zem­ber 2010 leis­te­te, ha­be die Be­klag­te nicht auf das Weih­nachts­geld ge­zahlt, denn sie ha­be die Zah­lung aus­drück­lich als Son­der­zah­lung und nicht als Weih­nachts­geld­be­zeich­net.
Das Ur­teil wur­de dem Be­klag­ten­ver­tre­ter am 17.09.2011 zu­ge­stellt. Die zu­gleich be­gründe­te Be­ru­fung ging am frist­ge­recht am 17.10.2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein.Zur Be­gründung der Be­ru­fung trägt die Be­klag­te, hier wört­lich und vollständig zi­tiert, fol­gen­des vor:Die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Frei­burg ist recht­lich nicht halt­bar. Der im Ar­beits­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en vor­ge­nom­me­ne Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt für Weih­nachts­geld­zah­lun­gen ist wirk­sam. Die Be­wer­tung des Ar­beits­ge­rich­tes Frei­burg wi­der­spricht auch der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes. Zu Un­recht nimmt das Ar­beits­ge­richt Frei­burg an, der Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt sei so zu ver­ste­hen, dass die Be­klag­te sich ver­pflich­te Weih­nachts­geld oh­ne ge­setz­li­che oder kol­lek­tiv­recht­li­che Grund­la­ge dau­er­haft zu zah­len. In der auch vom Ar­beits­ge­richt Frei­burg in Be­zug ge­nom­me­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes vom 30.07.2008 - 10 AZR 606/07 - ist aber ein Sach­ver­halt ent­schie­den wor­den, der ge­ra­de kei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt für die Zu­sa­ge von Leis­tun­gen enthält. Die zu­grun­de lie­gen­de Ver­trags­for­mu­lie­rung lau­te­te:
§ 5. Sons­ti­ge be­trieb­li­che Leis­tun­genDer/Die An­ge­stell­te erhält Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe des Brut­to­ge­hal­tes Ein Rechts­an­spruch auf ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on be­steht nicht. Wird ei­ne sol­che gewährt stellt sie ei­ne frei­wil­li­ge, stets wi­der­ruf­ba­re Leis­tung des Ar­beit­ge­bers dar.Bei der Zu­sa­ge ha­ben die Ver­trags­par­tei­en aus dem Recht­streit mit dem Ak­ten­zei­chen: 10 AZR
Vor­lie­gend ha­ben die Par­tei­en in § 5 be­reits in der Über­schrift fest­ge­legt, dass mit den nach­fol­gen­den Re­ge­lun­gen Ur­laub/frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tun­gen ge­re­gelt wer­den. Ne­ben den ers­ten 4 Absätzen des § 5, in dem der Ur­laub ge­re­gelt wird, ist in Ab­satz 5 aus­drück­lich von frei­wil­li­gen, so­zia­len Leis­tun­gen die Re­de. Die Be­klag­te hat so­mit kei­nes­wegs ei­nen vor­be­halt­lo­sen An­spruch ver­trag­lich zu­ge­si­chert, den sie nachträglich un­ter ei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt ge­stellt hat. Die Be­klag­te hat viel­mehr sämt­li­che Leis­tun­gen des § 5 Abs. 5 als frei­wil­li­ge Leis­tun­gen be­zeich­net und dem ent­spre­chend ge­re­gelt, dass für die Zu­kunft die­se frei­wil­li­gen Leis­tun­gen kei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­wir­ken. Kol­lek­tiv­recht­lich gibt es bei der Be­klag­ten ei­nen sol­chen An­spruch nicht und ge­setz­lich gibt es ihn schon gar nicht. Die Frei­wil­lig­keit kann sich al­so nicht auf außer­halb des Ver­tra­ges lie­gen­de Grund­la­gen be­zie­hen, son­dern be­zeich­net die Frei­wil­lig­keit als ver­trag­lich ge­re­gel­te frei­wil­li­ge Leis­tung. Es be­steht im Ge­gen­satz zu der Ent­schei­dung des BAG vom 30.07.2008 kei­ne Un­klar­heit, dass die zu­ge­sag­te Leis­tung ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung ist. Ei­ne Wi­dersprüchlich­keit zwi­schen der Zu­sa­ge und dem da­nach er­folg­ten Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt gibt es so­mit nicht. Ge­ra­de aus der oben zi­tier­ten Ent­schei­dung des BAG wird deut­lich, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen sol­chen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt auch durchführen kann. Vor­lie­gend hat der Ar­beit­ge­ber so­wohl den Zu­sa­ge­satz als auch den Fol­ge­satz, wo er auf die recht­li­chen Fol­ge­wir­kun­gen ver­weist, ord­nungs­gemäß und ein­deu­tig und nicht wi­dersprüchlich durch­geführt.
Die Be­klag­te be­an­tragt da­her:
Un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Frei­burg vom 30.08.2011 - 2Ca 104/11 wird die Kla­ge ab­ge­wei­sen.
die Be­ru­fung als un­zulässig zu ver­wer­fen, hilfs­wei­se sie zurück­zu­wei­sen.
Zur Be­gründung führt er aus, die Be­ru­fung sei un­zulässig, weil sie die Umstände, aus de­nen sich die an­geb­li­che Rechts­ver­let­zung und de­ren Er­heb­lich­keit für die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung er­gibt, nicht aus­rei­chend be­zeich­ne. Das Ar­beits­ge­richt stütze sei­ne Ent­schei­dung auf ei­ne (ausführ­lich be­gründe­te) Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges (un­ter 1. 1. a) der Gründe), der ei­ner­seits ei­nen ver­trag­li­chen An­spruch des Klägers auf die Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des in
be­stimm­ter Höhe be­gründe, an­de­rer­seits aber (durch ei­ne gem. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB un­wirk­sa­me Klau­sel) ei­nes nach der Recht­spre­chung des BAG un­zulässi­gen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts die­sen ver­trag­lich be­gründe­ten An­spruch wie­der aus­sch­ließen wol­le.
Die Be­ru­fung setz­te sich mit den Ar­gu­men­ten des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts auch nicht an­satz-wei­se aus­ein­an­der. Im Kern re­du­zie­re sich die Be­ru­fungs­be­gründung auf die Tau­to­lo­gie, dass, weil die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des im Ver­trag aus­drück­lich als „frei­wil­li­ge“ Leis­tung ge­kenn­zeich­net sei, ein Wi­der­spruch zu der Klau­sel, dass mit die­ser Zu­sa­ge ein zukünf­ti­ger Rechts­an­spruch nicht be­gründet wer­de, von vorn­her­ein nicht ent­ste­hen könne. Die Be­ru­fung set­ze sich da­bei auch nicht an­satz­wei­se mit dem ers­ten Erwägungs­grund aus­ein­an­der, mit dem das Ar­beits­ge­richt sei­ne Aus­le­gung der Ver­trags­klau­sel (un­ter 1. 1. a) der Ur­teils­gründe) be­gründet, wenn es dort ausführt, dass der Be­griff der „Frei­wil­lig­keit“ im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en nicht mehr be­deu­te, als dass eben ei­ne ge­setz­li­che oder kol­lek­tiv-recht­li­che Grund­la­ge für die Zah­lung des Weih­nachts­gelds feh­le.Die Be­ru­fung bestätigt zwar aus­drück­lich die ge­nann­te Aus­le­gung des Ar­beits­ge­richts der Be­deu­tung des Be­griffs der Frei­wil­lig­keit (oh­ne nor­ma­ti­ve Grund­la­ge), ei­ne ar­gu­men­ta­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit der Be­gründungs­ket­te des Ar­beits­ge­richts, dass da­mit ei­ne ver­trag­li­che An­spruchs­grund­la­ge ge­re­gelt sei (die in Wi­der­spruch zum „Fol­ge­satz“ ste­he, wo­nach ei­ner sol­cher An­spruch nicht be­ste­he), sei hier­in aber nicht zu er­ken­nen. Auch mit den wei­te­ren Ar­gu­men­ten set­ze sich die Be­ru­fung in kei­ner Wei­se aus­ein­an­der. Dies gel­te für den Hin­weis in der Entchei­dung des Ar­beits­ge­richts, dass auch die Fest­le­gung ei­ner be­stimm­ten (im Lau­fe der Jah­re stei­gen­den) Höhe der Zah­lung für ei­nen ver­trag­li­chen An­spruch strei­te, ge­nau­so wie für die Ver­trags­for­mu­lie­rung „zur Zeit wer­den gewährt...“ und die von der Be­klag­ten selbst gewähl­te For­mu­lie­rung in ih­rem Schrei­ben vom De­zem­ber 2010, in dem sie selbst von ei­nem „Weih­nachts­geld­an­spruch“ spricht.Auch mit der vom Ar­beits­ge­richt be­gründe­ten Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung des BAG vom 30.07.2008 (10 AZR 606/07), mit dem es die Un­klar­heit der von der Be­klag­ten ver­wand­ten Ver­trags­klau­sel be­legt (Wi­dersprüchlich­keit der Klau­sel, weil sie ei­ner­seits da­mit ei­nen ver­trag­li­chen An­spruch be­gründe, sich aber an­de­rer­seits die zukünf­ti­ge Zah­lung vor­be­hal­ten wol­le), setzt sich die Be­ru­fung nicht mit dem An­satz ei­nes Ar­gu­ments aus­ein­an­der, son­dern le­dig­lich mit der be­gründungs­lo­sen und apo­dik­ti­schen Be­haup­tung: je­ne Ent­schei­dung des BAG beträfe ge­ra­de kei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt. Zu ei­ner den An­for­de­run­gen von § 520 Abs. 3 Nr. 2 ZPO genügen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit den tra­gen­den Gründen der ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung gehöre aber zu­min­dest auch die Lektüre der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung, auf die sich
die­se Ent­schei­dung stütze. Zu ei­ner den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen des § 520 Abs. 2 Nr. 2 ZPO genügen­den Be­ru­fungs­be­gründung hätte aber die Be­klag­te ar­gu­men­ta­tiv dar­le­gen müssen, war­um in je­nem vom BAG ent­schie­de­nen Fall ei­ne mit der hier strei­ti­gen Ver­trags­klau­sel na­he­zu wort­glei­che Klau­sel ent­ge­gen der Auf­fas­sung des BAG nicht als Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt an­zu­se­hen sei.
We­gen des wei­te­ren Par­tei­vor­tra­ges wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.
Die zulässi­ge Be­ru­fung ist un­be­gründet und war da­her zurück­zu­wei­sen.
Die Be­ru­fung ist zulässig. sie ist nach § 64 Abs. 2 ArbGG an sich statt­haft und nach § 66 Abs. 1 ArbGG auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.Die Be­gründung genügt noch den An­for­de­run­gen des § 64 Abs. 6 ArbGG iVm. § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO.
1. Die Zulässig­keit der Be­ru­fung setzt vor­aus, dass sie die Umstände, aus de­nen sich die an­geb­li­che Rechts­ver­let­zung und de­ren Er­heb­lich­keit für die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung er­gibt, aus­rei­chend be­zeich­net.
Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Be­ru­fungs­be­gründung die Umstände be­zeich­nen, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung durch das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und de­ren Er­heb­lich­keit für das Er­geb­nis der Ent­schei­dung er­gibt. Er­for­der­lich ist ei­ne hin­rei­chen­de Dar­stel­lung der Gründe, aus de­nen sich die Rechts­feh­ler­haf­tig­keit der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung er­ge­ben soll. Die zi­vil­pro­zes­sua­le Re­ge­lung soll gewähr­leis­ten, dass der Rechts­streit für die Be­ru­fungs­in­stanz durch ei­ne Zu­sam­men­fas­sung und Be­schränkung des Rechts­stoffs aus­rei­chend vor­be­rei­tet wird. Des­halb hat der Be­ru­fungsführer die Be­ur­tei­lung
des Streit­fal­les durch den Er­strich­ter zu über­prüfen und dar­auf hin­zu­wei­sen, in wel­chen Punk­ten und mit wel­chem Grund er das an­ge­foch­te­ne Ur­teil für un­rich­tig hält (BAG Urt. v.06. 03. 2003 - 2 AZR 596/02). Al­ler­dings dürfen im Hin­blick auf die aus dem Recht­staats­prin­zip ab­zu­lei­ten­de Rechts­schutz­ga­ran­tie kei­ne un­zu­mut­ba­ren An­for­de­run­gen an den In­halt von Be­ru­fungs­be­gründun­gen ge­stellt wer­den. Hat der Ge­setz­ge­ber in ei­ner Ver­fah­rens­ord­nung meh­re­re In­stan­zen eröff­net, darf der Zu­gang zur je­wei­li­gen In­stanz nicht in un­zu­mut­ba­rer, aus Sach­gründen nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se er­schwert wer­den Des­halb muss der Rich­ter bei der An­wen­dung von Ver­fah­rens­vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re wenn sie ei­nen Aus­le­gungs­spiel­raum las­sen, die Trag­wei­te des Grund­rechts auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz be­ach­ten (BAG, Ur­teil v. 28.5.2009 - 2 AZR 223/08, Rn. 14).
2. Al­lein die Kürze der Be­ru­fungs­be­gründung stellt ih­re Zulässig­keit nicht in Fra­ge (Baum­bach/Hart­mann, ZPO 69.Aufl. § 520 ZPO Rn. 25 Stich­wort „Kürze“: Der maßgeb­li­che recht­li­che Ge­sichts­punkt lässt sich ggf. in ei­nem ein­zi­gen Satz dar­le­gen).
3. Den oben be­schrie­be­nen An­for­de­run­gen an ih­re Be­gründung genügt die Be­ru­fung noch.
a) Da­bei ist von Be­deu­tung, dass bei Strei­tig­kei­ten über die Aus­le­gung von Klau­seln und der Fra­ge der Un­wirk­sam­keit von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen das Er­geb­nis nicht im Sin­ne ei­ner bloßen lo­gi­schen Schluss­fol­ge­rung ge­fun­den wer­den kann, son­dern im­mer ei­ne abwägen­den und wer­ten­de Be­trach­tung ei­ner Sum­me von Ge­samt­umständen dar­stellt. Auch wenn ein zu ei­ner sol­chen Streit­fra­ge er­ge­hen­des Ur­teil auf meh­re­re Erwägun­gen gestützt wird, muss nicht je­de Erwägung mit der Be­ru­fung an­ge­grif­fen wer­den. Die Rechts­la­ge un­ter­schei­det sich in so fern von ei­nem Ur­teil, das auf meh­re­re von­ein­an­der un­abhängi­ge Gründe gestützt wird. Hier fehlt es nämlich an der Un­abhängig­keit der Aus­le­gungs- oder Wer­tungs­kri­te­ri­en von­ein­an­der.
Im zu ent­schei­den­den Fall genügt es da­her für die Zulässig­keit der Be­ru­fung, dass sie sich in ih­rer Be­gründung mit dem Er­geb­nis der wer­ten­den Be­ur­tei­lung des Ar­beits­ge­richts aus­ein­an­der­setzt. Das kann auf meh­re­re Ar­ten ge­sche­hen. So be­steht ein­mal die Möglich­keit, dass sich die Be­ru­fung mit den ein­zel­nen von Ar­beits­ge­richt in die Wer­tung ein­be­zo­ge­nen Ge­sichts­punk­te aus­ein­an­der­setzt und die­se in ih­rer Rich­tig­keit an sich oder aber auch in ih­rer Ge­wich­tung durch das Ar­beits­ge­richt aus­ein­an­der­setzt. Da­bei
muss nicht je­des Ar­gu­ment des Ar­beits­ge­richts auf­ge­grif­fen wer­den, son­dern die Be­ru­fung muss er­ken­nen las­sen, dass sie - und mit wel­chen Erwägun­gen - sie ei­ne an­de­re Be­wer­tung mit ei­nem an­de­ren Er­geb­nis vor­nimmt.
Die Be­ru­fung kann aber auch in zulässi­ger Wei­se dar­auf gestützt wer­den, dass sie ein vom Ar­beits­ge­richt nicht an­geführ­tes wer­ten­des Ar­gu­ment her­vor­hebt und deut­lich macht, dass al­lein des­we­gen das Ar­beits­ge­richt zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis hätte ge­lan­gen müssen. Ge­mein­sam ist den zulässi­gen Be­gründungs­ansätzen, dass sie dar­le­gen müssen, dass nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungsführers aus von ihm dar­zu­le­gen­den Gründen die wer­ten­de Be­ur­tei­lung der sei­ner Auf­fas­sung nach maßgeb­li­chen Ge­sichts­punk­te zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis geführt hätte.
b) Das Ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung auf zwei zen­tra­le Erwägun­gen gestützt:
Der Kläger durf­te die frag­li­che Klau­sel so ver­ste­hen, dass die Be­klag­te das Weih­nachts­geld zwar frei­wil­lig - das heißt oh­ne ge­setz­li­che oder kol­lek­tiv­recht­li­che Grund­la­ge -, aber dau­er­haft zah­le. Das fol­ge dar­aus, dass es sinn­los wäre, wenn die Be­klag­te je­des Jahr neu über die Leis­tung ent­schei­den wol­le, zu­gleich ei­ne be­stimm­te Höhe der Zah­lung ver­trag­lich fest­zu­le­gen.Der Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt hebt den An­spruch nicht auf, denn die Klau­sel sei wi­dersprüchlich, wenn sie ei­ner­seits ei­nen ver­trag­li­chen An­spruch be­gründe, der Ar­beit­ge­ber sich aber an­de­rer­seits die Frei­wil­lig­keit der Zah­lung vor­be­hal­te. Der un­wirk­sa­me Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt fal­le er­satz­los weg.Dem hat die Be­klag­te die nach­fol­gen­den Ar­gu­men­te ge­genüber ge­stellt:Die Be­klag­te ha­be kei­nes­wegs ei­nen vor­be­halt­lo­sen An­spruch ver­trag­lich zu­ge­si­chert, den sie nachträglich un­ter ei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt ge­stellt hat. Das fol­ge dar­aus,
- dass die Par­tei­en in § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges be­reits in der Über­schrift fest­ge­legthätten, dass mit den nach­fol­gen­den Re­ge­lun­gen Ur­laub/frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tun­genge­re­gelt wer­den.
- dass in Ab­satz 5 aus­drück­lich von frei­wil­li­gen, so­zia­len Leis­tun­gen die Re­de sei. Die Be­klag­te ha­be sämt­li­che Leis­tun­gen des § 5 Abs. 5 als frei­wil­li­ge Leis­tun­gen be­zeich­net und dem ent­spre­chend ge­re­gelt, dass für die Zu­kunft die­se frei­wil­li­gen Leis­tun­gen kei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­wir­ken.
- dass es kol­lek­tiv­recht­lich bei der Be­klag­ten ei­nen sol­chen An­spruch nicht gibt - und ge­setz­lich schon gar nicht. Die Frei­wil­lig­keit kann sich al­so nicht auf außer­halb des Ver­tra­ges lie­gen­de Grund­la­gen be­zie­hen, son­dern be­zeich­net die Frei­wil­lig­keit als ver­trag­lich ge­re­gel­te frei­wil­li­ge Leis­tung.
c) Das genügt für ei­ne zulässi­ge Be­ru­fungs­be­gründung im kon­kre­ten Fall. Die Be­klag­te hat in Ab­re­de ge­stellt, ei­nen An­spruch auf Weih­nachts­geld ge­schaf­fen zu ha­ben. Auf die mögli­che Wi­dersprüchlich­keit ei­nes nach­fol­gen­den Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­tes brauch­te sie da­her nicht mehr ein­zu­ge­hen. Da­bei setzt sie sich zwar nicht mit dem Ar­gu­ment des Ar­beits­ge­richts bezüglich der Staf­fe­lung des Weih­nachts­gel­des aus­ein­an­der. Statt des­sen nimmt die Be­klag­te aber ei­ne ei­ge­ne an­de­re - aus ih­rer Sicht maßgeb­li­che - Wer­tung vor, war­um durch die Ver­trags­ge­stal­tung gar nicht erst ein Rechts­an­spruch be­gründet wor­den ist (nämlich weil von vor­ne her­ein durch die Über­schrift und die kla­ren Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt erst gar kein An­schein ei­nes Rechts­an­spruch ha­be ent­ste­hen können). Ergänzend un­ter­zieht die Be­klag­te noch den Aus­le­gungs­an­satz des Ar­beits­ge­richt bezüglich des Verständ­nis­ses des Be­grif­fes „frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tung“ der Kri­tik, in dem sie dar­auf ver­weist, dass es kei­ne kol­lek­tiv­recht­li­chen Grund­la­gen man­gels Ta­rif­bin­dung ge­be und da­her der Be­zugs­punkt der Frei­wil­lig­keit nur der Rechts­an­spruch auf die Leis­tung selbst sein könne.Da­mit hat die Be­klag­te ei­ne zwar knap­pe, aber den An­for­de­run­gen des § 520 Abs. 3 S. 2 Nr. 2 ZPO genügen­de Be­gründung ver­fasst. Die Be­ru­fung ist zulässig.
Die Be­ru­fung ist je­doch un­be­gründet und war da­her zurück­zu­wei­sen. Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge mit zu­tref­fen­den Erwägun­gen statt ge­ge­ben. Auf die Gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils wird da­her zunächst Be­zug ge­nom­men. Im Übri­gen ist auf fol­gen­des hin­zu­wei­sen:An­spruchs­grund­la­ge für die Zah­lung des - der Höhe nach un­strei­ti­gen - be­gehr­ten Weih­nachts­gel­des ist § 5 Abs. 5 S. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 29.04.2004 (AV).Da­bei han­delt es sich nicht um ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung der Be­klag­ten, auf die der Kläger kei­nen Rechts­an­spruch hat. Zwar enthält § 5 Abs. 5 S. 3 AV ei­nen sol­chen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt. Die-
ser ist iso­liert be­trach­tet auch ein­deu­tig. Sei­ne grundsätz­li­che Zulässig­keit ist durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt geklärt (Urt. v. 30.07.2008, 10 AZR 606/07).Er ist je­doch, wor­auf das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat, hier un­wirk­sam, weil er im Zu­sam­men­hang des § 5 Abs. 5 AV ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB verstößt, da er im Wi­der­spruch zu den vor­ge­hen­den Re­ge­lun­gen des § 5 Abs. 5 S. 2 AV steht.
1. Die Be­klag­te hat dem Kläger zunächst ein Weih­nachts­geld im Sin­ne ei­ne Rechts­an­spru­ches zu­ge­sagt.Ei­ne For­mu­lie­rung, nach der vom Ar­beit­ge­ber ei­ne Son­der­leis­tung oder ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on ge­zahlt wird, ist ty­pisch für die Be­gründung ei­nes Ent­gelt­an­spruchs (BAG Urt. v. 30. Ju­li 2008 - 10 AZR 606/07; BAG Urt. v. 10.12.2008 -10 AZR 1/08). Ent­spre­chen­des gilt für die Re­ge­lung in § 5 Abs. 5 S. 2 AV, nach der dem Kläger zur Zeit „ein Weih­nachts­geld in Höhe von (zeit­an­tei­lig) 40 % ei­nes Mo­nats­ge­hal­tes im ers­ten Jahr der Beschäfti­gung gewährt wird“. Das Ar­beits­ge­richt hat die­se For­mu­lie­rung zu Recht un­ter An­wen­dung der Aus­le­gungs­grundsätze für - die hier un­strei­tig vor­lie­gen­den - All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen als Be­gründung ei­nes Rechts­an­spruchs aus­ge­legt. We­gen der Aus­le­gungs­grundsätze wird auf die Ent­schei­dung des BAG vom 30.07.2008 (10 AZR 606/07, Rn. 40-45) Be­zug ge­nom­men.
a) Zu­tref­fend weist das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin, dass vor al­lem durch die Staf­fe­lung des Weih­nachts­gel­des nach Be­triebs­zu­gehörig­keit der Ein­druck ei­nes Rechts­an­spruchs ent­steht, denn die­se Staf­fe­lung ist nur dann von Be­deu­tung, wenn die Be­klag­te nicht so­wie­so je­des Jahr un­ter Be­ach­tung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes über die Leis­tung neu und frei ent­schei­den kann. Da­bei könn­te er die gewünsch­te Staf­fe­lung des Weih­nachts­gel­des auch oh­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­neh­men, weil die Dif­fe­ren­zie­rung nach Be­triebs­zu­gehörig­keit oh­ne wei­te­res ein sach­li­cher Un­ter­schei­dungs­grund für die Höhe der Weih­nachts­geld­zah­lun­gen dar­stellt.
b) Der Ein­druck ei­nes Rechts­an­spruchs wird da­durch verstärkt, dass die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des kon­kret be­tragsmäßig de­fi­niert ist (im Un­ter­schied zur Ent­schei­dung des BAG Urt. v. 1012.2008, 10 AZR 15/08). Außer­dem ist - falls kein Rechts­an­spruch be­ste­hen soll­te eben­so überflüssig - ge­re­gelt, dass der An­spruch im ers­ten Jahr nur zeit­an­tei­lig be­steht.
c) Eben­so wird der Ein­druck verstärkt durch den Kon­text des § 5, denn die­ser re­gelt zum ei­nem die Rechts­an­spruch auf Ur­laub, und erst nach vier Absätzen im fünf­ten Ab­satz in des­sen drit­ten Un­ter­ab­satz erst­mals, dass es sich bei den dar­ge­stell­ten Ansprüchen auf ein­mal nicht mehr um ei­nen Rechts­an­spruch han­delt.
d) Zu­dem wird die Weih­nachts­geld­zah­lung im Kon­text des § 5 Abs. 5 S. 2 AV flan­kiert von wei­te­ren Zah­lun­gen, die eben­falls den Ein­druck ei­nes Rechts­an­spruch ver­mit­teln, nämlich dem be­tragsmäßig fest­ge­leg­ten Ur­laubs­geld und vor al­lem der vermögens­wirk­sa­men Leis­tung. Für die­se bin­det sich der Ar­beit­neh­mer re­gelmäßig durch ei­nen ent­spre­chen­den Spar­ver­trag, der mit ei­ge­nen Zah­lun­gen ge­speist wer­den muss. Un­ter die­sen Umständen kann er sich re­gelmäßig dar­auf ver­las­sen, dass der Ar­beit­ge­ber ihm die­se vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen nicht wie­der ent­zie­hen wird.
e) Die von der Be­klag­ten an­geführ­ten Erwägun­gen ste­hen dem nicht ent­ge­gen.
aa) Die Über­schrift des § 5 „Ur­laub / Frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tun­gen“ be­inhal­tet kei­ne Aus-sa­ge über die Be­gründung ei­nes Rechts­an­spruchs. Der bloße Hin­weis auf die Frei­wil­lig­keit ei­ner Leis­tung oh­ne den Hin­weis auf den Aus­schluss des Rechts­an­spruchs wird nicht als aus­rei­chend für die Ver­hin­de­rung ei­nes Rechts­an­spruchs an­ge­se­hen (BAG Urt. v. 23.10.2002 - 10 AZR 48/02). Die Be­zeich­nung als Frei­wil­li­ge So­zi­al­leis­tung bringt für die Ar­beit­neh­mer nicht un­miss­verständ­lich zum Aus-druck, dass sich der Ar­beit­ge­ber ei­ne grundsätz­lich freie Lösung von der ge­ge­be­nen Zu­sa­ge vor­behält, son­dern kann auch so ver­stan­den wer­den, dass sich der Ar­beit­ge­ber "frei­wil­lig" zur Er­brin­gung der Leis­tung ver­pflich­tet, oh­ne da­zu durch Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder Ge­setz ge­zwun­gen zu sein (BAG Urt. v. 11. April 2000 - 9 AZR 255/99). Es kommt dar­auf an, wie der Empfänger ei­ner Erklärung die­se ver­ste­hen muss (§§ 133, 157 BGB). Da­her muss der Ar­beit­ge­ber es in sei­ner Erklärung ge­genüber den Ar­beit­neh­mern un­miss­verständ­lich deut­lich ma­chen, wenn er sich den Wi­der­ruf ei­ner zu­ge­sag­ten So­zi­al­leis­tung vor­be­hal­ten, al­so ei­ne ver­trag­li­che Bin­dung ver­hin­dern will (BAG, Urt. v. 23.10.2002 - 10 AZR 48/02). Dass es bei der Be­klag­ten kei­ne Ta­rif­ver­trag gibt - wor­auf die Be­klag­te in die­sem Zu­sam­men­hang we­sent­lich ab­stellt - ist un­er­heb­lich. Ge­ra­de weil es kei­nen Ta­rif-
ver­trag gibt, der den Ar­beit­ge­ber zur Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des ver­pflich­tet, kann der Ar­beit­ge­ber ver­trag­lich zum Aus­druck brin­gen, dass er dem Ar­beit­neh­mer auf­grund sei­ner großmüti­gen Hal­tung (oder weil er sonst kei­ne qua­li­fi­zier­ten Kräfte fin­det) gleich­wohl ei­nen Rechts­an­spruch auf ein Weih­nachts­geld einräumt. Die Über­schrift des § 5 ist da­her für die Fra­ge, ob hier ein Rechts­an­spruch ein­geräumt wur­de, un­er­gie­big.
bb) Auch der Hin­weis der Be­klag­ten auf die For­mu­lie­rung „Zur Zeit wer­den gewährt.“ ist nicht ent­schei­dend, denn die­se For­mu­lie­rung bringt eben­falls nicht klar zum Aus­druck, dass ein Rechts­an­spruch nicht be­gründet wer­den soll. Die Klau­sel enthält wir den Hin­weis auf ei­ne Veränder­bar­keit der Zah­lun­gen. Da­mit ist je­doch noch nicht zum Aus­druck ge­bracht, dass da­mit die Be­klag­te oh­ne je­de wei­te­re Ein­schränkung die Möglich­keit hat, den An­spruch vollständig ent­fal­len zu las­sen. Statt des­sen liegt für den durch­schnitt­li­chen rechts­un­kun­di­gen Ar­beit­neh­mer die An­nah­me näher, dass die Be­klag­te in Aus­sicht stel­len will, dass es auch ein­mal mehr wer­den könn­te.Zu­dem ist die Klau­sel mit ei­nem Satz­punkt ab­ge­schlos­sen, so dass nicht ein­mal klar ist, ob sie sich gram­ma­ti­ka­lisch auf die nach­fol­gen­den drei Aufzählungs­zei­chen be­zieht.
cc) Auch der Hin­weis auf den „be­triebsübli­chen Rah­men“ in § 5 Abs. 1 S. 1 AV führt zu kei­nen an­de­ren Er­geb­nis. Da­mit ist nicht der An­spruch­s­cha­rak­ter der nach­fol­gen­den Zah­lun­gen aus­ge­schlos­sen, son­dern es wird nur klar­ge­stellt, dass der Kläger das erhält, was an­de­re Ar­beit­neh­mer auch er­hal­ten.
dd) Zu­letzt ver­kennt auch der Ein­wand der Be­klag­ten, § 5 Abs. 5 UAbs. 3 S. 1 AV sei doch ein un­miss­verständ­li­cher Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt die Struk­tur der Trans­pa­renz­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 S. 2 BGB. Dass es sich hier bei iso­lier­ter Be­trach­tung un­be­strit­te­ner­maßen um ei­nen kla­ren Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt han­delt, führt über­haupt erst zu Trans­pa­renz­kon­trol­le un­ter dem Ge­sichts­punkt der Wi­dersprüchlich­keit der ge­sam­ten Re­ge­lung in § 5 Abs. 5 AV. Das Ent­schei­den­de ist nicht die Klar­heit des Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­tes, son­dern der Um­stand, dass zu­vor durch die
Re­ge­lun­gen der Ein­druck er­weckt wor­den ist, es be­ste­he ein An­spruch auf die Weih­nachts­geld­zah­lung.
2. Die­ser zunächst zu­ge­sag­te Rechts­an­spruch steht im Wi­der­spruch zu dem nach­fol­gen­den Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt. Da­mit ste­hen die­se bei­den Re­ge­lun­gen in­ner­halb des § 5 Abs. 5 AV zu­ein­an­der in Wi­der­spruch. Die­se Re­ge­lung ist in­trans­pa­rent im Sin­ne des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB, weil für den Kläger sei­ne Rech­te aus der Klau­sel nicht klar er­kenn­bar sind. Der Kläger weiß nicht, ob der ein­geräum­te Rechts­an­spruch Gültig­keit hat oder ob er durch den Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt wie­der be­sei­tigt wird. Der Kläger wird durch die­se von der Be­klag­ten als Ver­wen­den der AGB zu ver­ant­wor­ten­de Un­klar­heit von der Gel­tend­ma­chung sei­nes Rechts­an­spru­ches ab­ge­hal­ten, weil er nicht einschätzen kann, ob der An­spruch be­steht oder nicht (BAG, Urt. v. 30.07.2008 - 10 AZR 606/07 Rn. 44). Da­mit fällt der Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt er­satz­los weg. Der An­spruch be­steht un­ein­ge­schränkt und ist be­gründet.
3. Von der Be­ru­fung wur­den die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richt zu der auch nicht nur teil­wei­sen Erfüllung der Ansprüche durch die Son­der­zah­lung nicht an­ge­grif­fen, so dass wei­te­re Ausführun­gen nicht er­for­der­lich sind.
Aus die­sem Gründen war die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.
Nach § 97 Abs. 1 ZPO hat die Be­klag­te die Kos­ten ih­res er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen.Die Re­vi­si­on war für die Be­klag­te we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung zu­zu­las­sen. Ei­ner­seits ha-ben bei der Be­klag­ten ei­ne Viel­zahl an­de­rer Ar­beit­neh­mer ver­gleich­ba­re Verträge. Des wei­te­ren er­scheint die Fra­ge der An­for­de­run­gen an ei­ne Be­ru­fungs­be­gründung im Rah­men der AGB Kon­trol­le wie auch die An­nah­me, bei der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung wer­de ei­ne Rechts­an­spruch zu­ge­sagt, von grundsätz­li­cher Be­deu­tung.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Bekl. nach Maßga­be ih­rer Zu­las­sung im Ur­teils­te­nor schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem
Till­manns Kopf Kirs­ten
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 § 307
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 § 520
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 § 64
 § 66
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 § 97