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⭐Wettbewerbsrechtliche Grenzen des Einsatzes von Direktmarketing
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1 Arbeitsdokument 002 Wettbewerbsrechtliche Grenzen des Einsatzes von Direktmarketing Februar 2008 René Schindler2 II3 Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis Darstellungsverzeichnis V VI 1 Zielsetzung und Abgrenzung der Arbeit 1 2 Das Direktmarketing Der Begriff des Direktmarketing Die Aufgaben des Direktmarketing Direktmarketing im Wandel der Zeit 4 3 Die Teilgebiete des Wettbewerbsrechtes Wettbewerbsrecht im engeren Sinn Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb Zusätzliche rechtliche Vorschriften Nebengesetze im Wettbewerbsrecht Das Bundesdatenschutzgesetz 7 4 Das Recht des Direktmarketing in ausgewählten Feldern Printwerbung Briefwerbung Briefkastenwerbung Persönliche Ansprache Ansprechen in der Öffentlichkeit Direktvertrieb an der Haustür 11 III4 4.3 Werbung mittels elektronischer Kommunikationsmittel Telefonmarketing Telefonmarketing B-2-C Telefonmarketing B-2-B Telefaxwerbung Neuere digitale Werbeformen Werbung s als Erstkontakt Newsletter SMS und MMS-Marketing Werbung im Internet Rechtliche Aspekte des CRM 20 5 Resümee und Perspektiven des Direktmarketing unter 22 dem Gesichtspunkt des Wettbewerbsrechts Anhang Verzeichnis Literaturverzeichnis Über den Verfasser VII XIX XXV IV5 Abkürzungsverzeichnis B-2-B B-2-C BDSG BGB BGH CRM DDV DRTV EU EuGH Fax GG GWB HaustürWG HGB LG MLM MMR MMS OLG Opt-Out Opt-In RA RR SMS Spam TMG UKlaG UWG Business to Business Business to Consumer Bundesdatenschutzgesetz Bürgerliches Gesetzbuch Bundesgerichtshof Customer Relationship Management Deutscher Direktmarketing Verband e.v. Direct-Response-Television Electronic Mail Europäische Union Europäischer Gerichtshof Telefax Grundgesetz Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen Haustürwiderrufsgesetz Handelsgesetzbuch Landgericht Multi Level Marketing Multi Media und Recht Multimedia Messaging System Oberlandesgericht Option to get out of the list Option to get into the list Rechtsanwalt RechtsprechungsReport Short Message Service Sending Personally Annoying Mail Telemediengesetz Unterlassungsklagegesetz Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb V6 Darstellungsverzeichnis Darstellung 1: Unterschiede Massenmarketing - Direktmarketing 3 Darstellung 2: Umsätze der Mitgliedsunternehmen des 11 Bundesverband Direktvertrieb Deutschland Darstellung 3: Beschwerde- und Widerrufsrate 12 Darstellung 4: Unterschiede aktives und passives Telefonmarketing 14 VI7 1 Zielsetzung und Abgrenzung der Arbeit Im 20. Jahrhundert erfolgte durch die Beschleunigung der technologischen Entwicklung der Kommunikationsmittel ein immenser Fortschritt, speziell für Direktwerbemedien. Es ist theoretisch möglich, an jedem Ort der Erde zu jeder Zeit Werbebotschaften zu erhalten und auf diese unverzüglich zu reagieren. Ein Traum eines jeden Marketers wird Realität: Die allgegenwärtige, sofortige und direkte Erreichbarkeit der Kunden mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel. Doch auch in der Printwerbung ist es durch technologische Veränderungsprozesse, wie beispielsweise der Optimierung der Layout- und Drucktechnik zu Veränderungen gekommen. Die Medien des Direktmarketing sind ein entscheidender Wettbewerbsfaktor geworden um Neukunden zu gewinnen und Bestandskunden intensiver zu betreuen, sowohl im Business to Consumer als auch im Business to Business. Mit der vorliegenden Studienarbeit soll aufgezeigt werden, in wie weit dem erfolgreichen Tool des Direktmarketing von Seiten des Wettbewerbsrechts und zusätzlicher zivilrechtlicher Vorschriften Restriktionen auferlegt werden. Der Fokus liegt hier bei den Direktwerbemedien und der öffentlichen Ansprache. Das einzige Massenmedium, welches Gegenstand dieser Arbeit ist, stellt die Online Werbung dar. Zunächst erfolgt eine Klärung des komplexen Terminus Direktmarketing mit seinen Aufgaben und den verschiedenen Erscheinungsformen. Anschließend wird das deutsche Wettbewerbsrecht kurz erläutert und anhand von ausgewählten Beispielen im Direktmarketing aufgezeigt, an welcher Stelle dem individuellen Gewinnstreben der Unternehmen ein wettbewerbsrechtlicher Rahmen aufgelegt wird, um Fair Play im Wettbewerb einzuhalten. Erläutert wird aufgrund des Umfanges lediglich die deutsche Jurisprudenz, und nicht europäische wettbewerbsrechtliche Vorschriften. Diese sind in einer EU mit 27 Mitgliedsstaaten mittlerweile angeglichen. 2 Das Direktmarketing 2.1 Der Begriff des Direktmarketing Der Terminus Direktmarketing, welcher erstmals in der Bundesrepublik von dem Verleger und Versandhändler Alfred Gerardi im Jahr 1967 benutzt wurde, ist in der Literatur nicht einheitlich definiert. 1 Für dieses sehr junge Feld der Marketingaktivitäten existieren zudem die folgenden Schreibweisen: Direct-Marketing, Direkt-Marketing und Direktmarketing. 2 In 1 Vgl. Löffler, H., Scherfke A.: Direktmarketing aus erster Hand, Gabler Verlag Wiesbaden, S Vgl. Holland, H.: Direktmarketing, 2. Aufl., Vahlen-Verlag München 2004, S. 5. 18 dieser Arbeit wird der zuletzt erwähnte Begriff verwendet, welcher auch von dem Deutschen Direktmarketing Verband e.v., einer Organisation von Vertretern der Direktmarketingbranche, für offiziell deklariert wird. 3 Ebenso wie der Begriff divergiert auch seine Definition. Je nach Autor wird Direktmarketing definiert als Kommunikationsprozess, interaktiven Einsatz von Werbemedien, als Bündel von Kommunikationsmaßnahmen sowie als spezifische Ausprägung des Marketingkonzeptes. 4 Allen genannten Definitionen haben jedoch die Tatsache gemein, dass mit Direktmarketing im Gegensatz zu dem Massenmarketing eine kommunizierte, isolierte Werbebotschaft an einen kleinen, exakt ausgewählten Personenkreis gerichtet wird. Die so angeworbene Zielgruppe ist in der Lage, direkt auf die Ansprache zu reagieren und kann mit dem Unternehmen in einen individuellen Dialog treten. 5 Wichtig hierfür ist das sog. Responseelement. Dieses besteht je nach eingesetztem Medium aus einer Telefonnummer, einer Internet- oder adresse sowie aus einer Rückantwortmöglichkeit in Form von Coupons und Karten. 6 Der Begriff des Direktmarketing entwickelte sich folgendermaßen: Direct-Mail Direktwerbung Direktmarketing. Nach den Werbebriefen und den Werbekatalogen folgte der Einsatz des Telefons. Als neben dem Telefon weitere Medien zum Einsatz kamen, wurde der Begriff Direktwerbung erweitert zu dem des Direktmarketing. 7 Nach Kotler umfasst das Direktmarketing folgende Medien: 8 Kataloge Fax-Sendungen Voice Mail Mailings Telemarketing Electronic Shopping DRTV Eine Tabelle über die Vor- und Nachteile jedes Mediums befindet sich in Anhang 1. In den letzten Jahren ist durch den Gebrauch von Mobiltelefonen verstärkt der Einsatz von SMS und MMS hinzugekommen. Im Internet sind es bedingt durch Breitbandanschlüsse neue direkte 3 Vgl. Homepage des DDV, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. Wirtz, B.: Integriertes Direktmarketing, Gabler Verlag Wiesbaden 2005, S Vgl. Schotthöfer, P.: Rechtspraxis im Direktmarketing, Gabler Verlag Wiesbaden 2005, S Vgl. Meffert, H.; Burmann, C.; Kirchgeorg, M.: Marketing, 10. Aufl., Gabler Verlag, Wiesbaden, 2008, S Vgl. Holland, H.: a. a. O. S Vgl. Kotler, P.: Marketing-Märkte schaffen, erobern und beherrschen, Econ Verlag, München, 1999, S9 Werbeformen mit einem Response-Element. Die prägnantesten Unterschiede zwischen dem Massenmarketing und dem Direktmarketing sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst: Massenmarketing: Direktmarketing: Ziel: Bekanntheit, Image Reaktion Zielgruppe: Einseitige Transaktion (Kunde kauft Leistung) Langfristige Kundenbeziehung (Kundenbindung) Medien: Massenmarkt Individuell bekannte Zielperson, Einzelpersonen Kommunikationsfluss: Personengruppe Direktwerbemedien Kommunikationswirkung: Massenmedien ohne Responsemöglichkeit Klassische Medien als Direktwerbemedien genutzt mit Responsemöglichkeiten Paradigma: Einseitig Zweiseitig, Dialog Philosophie: Hohe Streuverluste Geringe Streuverluste Kundenverständnis: Aufbau von Markenimages und präferenzen Darstellung 1: Unterschiede Massenmarketing - Direktmarketing 9 Individuelle Kundenbetreuung Ein Differenzierungsmerkmal hinsichtlich des direkten Marketings ist der seit einigen Jahren in der Literatur auftretende Begriff des Dialogmarketings. Dieser Terminus und seine Ausprägung bezeichnet eine Weiterentwicklung des klassischen Direktmarketing mit Hilfe digitaler Medien, bei welchem ein interaktiver Dialog mit dem potenziellen Kunden stattfinden soll. Besonders hierbei ist, dass der User ohne zeitliche Versetzung unmittelbar auf die Werbeansprache reagieren kann. 10 Mitarbeiter welche im Dialogmarketing tätig sind, sollen aufgrund der Gestaltungs- und Umsetzungsbeeinflussung über besondere Qualifikationen verfügen. Krummenerl führt Kreativität und Sozialkompetenz an. 11 Bekannte Unternehmen einer Direktmarketingstrategie sind der amerikanische PC Hersteller Dell 12 und das deutsche Unternehmen Vorwerk, welches für den Vertrieb von Staubsaugern bekannt ist. 13 Tabellen und Statistiken des DDV über die Aufwendungen und die den Einsatzgrad von Direktmarketing in bestimmten Branchen liegen dem Anhang 2 & 3 an. 2.2 Die Aufgaben des Direktmarketing Dem Direktmarketing wird innerhalb der Marketingkonzeption eine Vielfalt an Aufgaben zuteil, welche sich primär auf kommunikative und distributive Elemente beziehen. Wichtig ist 9 Eigene Darstellung, Daten: Holland, H.: a. a. O. S Vgl. Buljan, S.: Besonderheiten der Kundenbindung über digitale Medien, in: Dallmer, H. (Hrsg.): Das Handbuch Direct Marketing & More, 8. Aufl. Gabler Verlag, Wiesbaden, 2002, S Vgl. Krummenerl, M.: Erfolgsfaktoren im Dialogmarketing, Diss., Münster, 2005, S Vgl. Wirtz, B.: a. a. O. S10 hierbei zunächst die Interessentengewinnung. Dieser Terminus ist im Versandhandel gebräuchlich und umschließt Personen, welche noch nicht als Kunden des Unternehmens geführt sind, aber mit diesem bereits in einer Form in Kontakt getreten sind. Diese Interessenten werden oft mit Mailings aus gemieteten Adressen gewonnen, über den Response. 14 Diese Adressen werden mit Hilfe von Listbrokern oder Listcompilern den Unternehmen zur einmaligen Verfügung gestellt. Im B-2-B- ist es darüberhinaus möglich, Adressen zu kaufen. 15 Die Interessentengewinnung wird als eine der bedeutendsten Aufgabe des direkten Marketings angesehen. 16 Das Modell der Listbroker wird im Anhang 4 erläutert. Tätigt ein Interessent das erste Mal eine Transaktion bei einem Unternehmen, so wird der Nachfrager durch die sog. Umwandlung als Neukunde bezeichnet. Als wichtige Kennzahl gilt hier die Umwandlungsquote, die Prozentzahl aller umgewandelten interessierten Personen im Vergleich zu allen in einem Zeitraum beworbenen Interessenten. 17 Als weitere große Aufgabe mit einem breiten Einsatzgebiet kommt dem Direktmarketing eine unterstützende Wirkung bei der seit einigen Jahren verstärkten Kundenbindung hinzu. Hierbei ist es besonders hilfreich, dass dem Unternehmen sowohl die Kundendaten, als auch die individuellen Kaufgewohnheiten bekannt sind. Durch verbraucherindividuelle Ansprachen soll erreicht werden, dass inaktive Kunden wieder die Güter und Dienstleistungen des Unternehmens konsumieren. 18 Ein Instrument, welches hierbei besondere Anwendung findet, ist das Customer Relationship Management (CRM), auf welches in dieser Arbeit noch näher eingegangen wird. Während in der Literatur die erwähnten Aspekte einen gleichwertigen Stellenwert bekommen, so sollen weitere Aktion, welche zu dem Direktmarketing zählen, ebenfalls erwähnt werden, obgleich diese einen untergeordneten Aspekt aufweisen. Hierzu zählt der Verkauf über Kataloge und Prospekte, PR-Aufgaben wie Einladungen zu Fachmessen, Produktvorstellungen und der klassische Tag der offenen Tür runden die Einsatzmöglichkeiten des Direktmarketing ab Direktmarketing im Wandel der Zeit Die Aktivitäten des Direktmarketing unterliegen hinsichtlich der Ausprägung als auch der Wirkungsweise einem Wandel. Durch die Erfindung des Buchdruckes wurde der Printwerbung der Weg zu einem erfolgreichen Marketingtool geebnet. Der früheste katalogbasierte Verkauf 13 Vgl. Meffert, H.; Burmann, C.; Kirchgeorg, M.: Marketing a.a.o. S Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S. 25f. 15 Vgl. Bruns. J.: Direktmarketing; 2. Auflage, Kiehl Verlag, Ludwigshafen, 2007, S Vgl. Holland, H.: a. a. O. S. 20f. 17 Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S Vgl. Holland, H.: a. a. O. S11 erfolgte im Jahr 1498 in Venedig durch den Kaufmann Aldus Manutius. Es handelte sich hierbei um Bücher. 20 In den Vereinigten Staaten wird als Pionier der Direktwerbung Benjamin Franklin angesehen, welcher 1744 einen Bücherkatalog mit 600 Angeboten herausgab. Die Innovation hierbei war, dass den Versandkunden die gleiche Leistung wie den Präsenzkunden im Geschäft garantiert wurde. 21 Die Erfindung der Schreibmaschinen im 18. Jahrhundert, die logistische Etablierung eines Postwesens und spezielle Firmen, welche sich auf den Verkauf von Adressdaten konzentrierten forcierten den Postverkauf. 22 In Deutschland gelang der Durchbruch des Direktmarketing mit der Etablierung der Versandhändler, wie z.b. Eduscho (1924), Quelle (1927), Neckermann (1950) und Schwab (1955). Diese Unternehmen boten Kataloge an, aus denen die Kunden bestellen konnten. 23 Die steigende Akzeptanz von Kreditkarten, gekoppelt mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit der Warenlogistik sowie die Veränderungsprozesse in der Kommunikations- und Informationsbranche stellen weitere Umgestaltungen dar. Der Mobilfunk, das Internet und Datenbanksysteme sind beispielhafte Resultate dieser Entwicklung. 24 Im Direktmarketing ist der für die heutige Zeit typische Wandel von haptischen zu virtuellen Ressourcen feststellbar. 3 Die Teilgebiete des Wettbewerbsrecht 3.1 Wettbewerbsrecht im engeren Sinn Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen Das sogenannte Wettbewerbsrecht, ist ein vielseitiges und äußerst facettenreiches Gebiet von Rechtsvorschriften, welches sich mit der Konkurrenz zwischen Teilnehmern im Wirtschaftsprozess beschäftigt. Es umfasst zwei Hauptgebiete, zum einen den makroökonomischen Teil, welcher im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) geregelt ist und auf die Verhinderung von Kartellen abzielt. Dieses Gesetz strebt die Aufrechterhaltung des Polypols als reguläre Marktform an. 25 Das GWB ist somit ein regulierender Faktor im Wirtschaftssystem. Ludwig Erhard, der erste Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland und der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, verglich hierbei den Staat mit einem Schiedsrichter in einem Fußballspiel: Bei früherer Gelegenheit habe ich 19 Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S Vgl. Holland, H.: a. a. O. S Vgl. ebenda, S Vgl. Wirtz, B.: a. a. O. S Vgl. Holland, H.: a. a. O. S Vgl. ebenda, S Vgl. Zingel, H.: Wettbewerbsrecht, in: "Lexikon für Rechnungswesen und Controlling", Version 11.43, in: "BWL CD", Erfurt 2007, S. W-51. 512 [ ] einmal auf die Rolle des Staates als des obersten Schiedsrichters verwiesen. Mit der Begründung, wie [ ] ebenso [ ] der Schiedsrichter nicht mitspielen darf, [hat] auch der Staat nicht mitzuspielen [ ]. In den Wettbewerb soll, ebenso wie im Spiel, nur bei Ordnungswidrigkeiten eingegriffen werden. 26 Die Rechtsprechung zum Kartellrecht wird in dieser Arbeit nicht näher betrachtet, da sie den Wirkungsbereich des Direktmarketings nicht tangiert Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb Das zweite Hauptgebiet, welches im Fokus dieser Studienarbeit eingehender betrachtet wird, ist mikroökonomischer Ausprägung und überwiegend im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt. Es zielt auf die Seriosität aller Wettbewerbsteilnehmer im Rechtsverkehr ab. Dieses als Lauterkeitsrecht bekannte Gesetz stammt ursprünglich aus dem Jahr 1909 und trat am reformiert und auf die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts angepasst, in Kraft. 27 Das als Sonderprivatrecht benannte Gesetz überlagert die Normen des Bürgerlichen Rechts. Bei keiner abschließenden Regelung seitens des UWG greift ergänzend und konkurrierend das bürgerliche Recht mit ein. 28 Insofern ist dieses Gesetz eine Konkretisierung und Vertiefung der 138, 823 BGB. 29 Die Generalklausel in 3 besagt: Unlautere Wettbewerbshandlungen, die geeignet sind, den Wettbewerb zum Nachteil der Mitbewerber, der Verbraucher oder der sonstigen Marktteilnehmer nicht nur unerheblich zu beeinträchtigen, sind unzulässig. 30 Auffällig am neuen UWG ist die Tatsache, dass das Gesetz von einem Allgemeininteresse des Wettbewerbs ausgeht, was neben den Mitbewerbern auch Verbraucher und die Öffentlichkeit einschließt. Hier ist der Einfluss der EU sichtbar, was auch am Leitbild des informierten, aufmerksamen und verständigen Verbrauchers erkennbar ist, den der EuGH zugrundelegt. 31 Eine Besonderheit des UWG ist, dass bei einem Verstoß eines Unternehmens kein Verbraucher klageberechtigt ist, sondern lediglich die miteinander im Wettbewerb stehende Firmen. 32 Des Weiteren sind rechtsfähige Verbände, qualifizierte Einrichtungen nach 4 des UKlaG sowie die Industrie- und Handelskammern ( 8 III UWG) klageberechtigt. 33 Liegt ein 26 Vgl. Erhard, L.: Wohlstand für alle, 8. Auflage, Econ Verlag, Düsseldorf/Wien, 1965, S. 134f. 27 Vgl. Zingel, H.: a. a. O. S. W Vgl. Hefermehl, W.; Köhler, H.; Bornkamm, J.: Wettbewerbsrecht, Beck sche Kurzkommentare, Band 13a, 25. Auflage, Verlag C.H. Beck, München, S. 833ff. 29 Vgl. Hansen, G.: RA, Private Mitteilung, Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. Hefermehl, W.; Köhler, H.; Bornkamm, J.: a.a.o. S Vgl. Heurung, S.: Recht im Direktmarketing, in Direkt Marketing 11/07, S Vgl. UWG, a.a.o. Abfrage vom13 Wettbewerbsverstoß vor, so kann mit Hilfe des UWG ohne die Einschaltung einer Verwaltungsbehörde effektiv und schnell unlauteres Verhalten von Mitbewerbern vorgegangen werden. Das wetbewersrechtliche Vorgehen gegen einen Mitbewerber umfasst drei Zielrichtungen: das zukünftige Unterlassen des angegriffenen Verhaltens, die Beseitigung der Folgen durch den Angriff und Schadensersatz für erlittene Schäden durch das unlautere Verhalten des Wettbewerbers Zusätzliche rechtliche Vorschriften Nebengesetze im Wettbewerbsrecht Neben dem UWG gibt es eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen, welche als Wettbewerbsrecht im weiteren Sinne gelten. Im Einzelnen sind dies: 35 das Ladenschlussgesetz die Preisangabe-Verordnung (PAngV) div. Einzelgesetze, wie das Fernabsatzgesetz, das Haustürwiderrufsgesetz und das Verbraucherkreditgesetz. welche im Zuge der Schuldrechtsreform im Jahr 2002 in das Bürgerliche Gesetzbuch mit übernommen wurden Die hier vorgestellten Gesetze finden eine eher untergeordnete Rolle in dieser Arbeit. Zu den erwähnten Nebengesetzen findet noch das Telemediengesetz Einzug in diese Arbeit, da diese Rechtsvorschrift der Anwendung des Direktmarketing im Umgang mit Kundendaten einen restriktiven Rahmen setzt und dem Verbraucherschutz dient Das Bundesdatenschutzgesetz Neben den bereits erwähnten gesetzlichen Vorschriften kommt eine weitere zum tragen, das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Das BDSG zählt nicht explizit zum Wettbewerbsrecht, aber deren Richtlinien können bei einer Nichteinhaltung eines Unternehmens zu einem Informationsvorteil führen, welcher sich auf die Wettbewerbssituation auswirkt. 36 Das am novellierte BDSG fordert neue Informationspflichten. Diese gelten für die Erhebung, Verarbeitung und die Nutzung personenbezogener Daten über Betroffene. 37 Bei allen erhobenen Daten ist im Rahmen einer Kundenbindung eine Einverständniserklärung des Kunden nötig, welche auch elektronisch erhoben werden kann. Personenbezogene Daten dürfen lediglich bei einer ausdrücklichen Zustimmung verwendet werden. Eine Ausnahme hiervon 34 Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S. 179f. 35 Vgl. Zingel, H.: a. a. O. S. W Vgl. Hansen, G.: RA, Private Mitteilung, Vgl. o.v.: Das neue BDSG 2001, Best Practice Guide Nr.3, DDV, Wiesbaden, 2007, S.5f. 714 existiert, wenn ohne diese Daten kein Angebot unterbreitet werden könnte. Die Kunden können diese Zustimmung allerdings jederzeit wieder zurückziehen Das Recht des Direktmarketing in ausgewählten Feldern 4.1 Printwerbung Diese Form des Direktmarketings lässt sich unterteilen in Briefwerbung und Briefkastenwerbung. 39 Briefwerbung sind Adressierte Werb s und werden von einem Absender an selektierte Zielpersonen gesendet, die zweite Werbeform an selektierte Zielgruppen. Die dafür benötigten Adressen werden bei adressierten Werb s über gemietete Daten von Listbrokern gewonnen 40. Dieses Verfahren wird im Anhang 4 erläutert Briefwerbung Die Briefwerbung, auch Mailings genannt, bildete im Jahr 2006 ein Volumen von 11,5 Mrd. Euro und ist damit innerhalb des Direktmarketing der größte Block. 41 Mailings zählen zu den klassischen Formen des Direktmarketing. Häufig sind die Werbebriefe aufwendig layoutet und individuell auf den Kunden abgestimmt. Diese bestehen aus den Elementen Kuvert, Werbebrief, Broschüre, Flyer und dem Responsemittel, was häufig ein Gewinnspiel ist. 42 Um die Aufmerksamkeit zu verstärken und den Response zu erhöhen, liegen dem Mailing sogenannte Responseverstärker bei. Hierzu zählen typischerweise: 43 Duftdruck Thermofarbe Gimmicks und Rubbelfarbe Ein Muster einer typischen Direct-Mail liegt Anhang 5 bei. Wettbewerbsrechtlich ist die Printwerbung in der Neufassung des UWG geregelt. Der 3 des UWG verbietet hierbei eine unlautere Wettbewerbshandlung. Der 4 II UWG definiert als unlauter, wer den Werbecharakter von Wettbewerbshandlungen verschleiert. 44 Das bedeutet, dass ein Werbebrief 38 Vgl. Süme, O.: Den Datenschutz als Wettbewerbschance verstehen, in CRM Hörbuch, Track 5, o.o. SAP Hörbuch Edition Vgl. Hefermehl, W.; Köhler, H.; Bornkamm, J.: a. a. O. S. 833ff. 40 Vgl. Holland, H.: a. a. O. S Vgl. Nachtsheim, P.: Dienstleister sind Werbungstreibende Nr. 1, in Jahrbuch Dialogmarketing 2008, o.o. S Vgl. Bruns. J.: a. a. O. S Vgl. Eickmeyer, A.: Überraschen, erleben, entdecken, in Jahrbuch Dialogmarketing 2008 des DDV, 2008, o.o. S. 30f. 44 Vgl. Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb, a.a.o. Abfrage vom15 spätestens nach dem Öffnen als solcher erkennbar sein muss. 45 Bei Werbebriefen ist in 7 II Nr.1 UWG festgehalten, dass eine Zusendung unzulässig ist, wenn ein Verbraucher vorher ausdrücklich dagegen widersprochen hat. 46 Ein solcher Widerspruch liegt vor, wenn sich der Empfänger: 47 in die Robinsonliste des DDV eingetragen hat, gezielt an Unternehmen wendet, mit der Aufforderung, keine Werbung mehr an ihn zusenden. Die Robinsonliste wird vom DDV geführt. Seit dem zeichnet diese Liste eine Neuerung aus. Der Verbraucher kann eintragen, dass er keinen Empfang jeglicher Printwerbung möchte, oder er wählt aus 13 Angebotsbereichen diejenigen aus, welche er nicht wünscht. Die Auswahl reicht von Assekuranz-Produkten bis zu Zeitschriftenabonnements. Der Eintrag ist 5 Jahre lang gültig und entspricht dem Ehrenkodex der angeschlossenen Mitglieder des DDV. 48 Die Robinsonliste liegt den Anhängen 6a und 6b bei. Es wird mit der für den Endverbraucher geführten Robinsonliste des DDV eine Win-Win Situation erzeugt: Verbraucher erhalten die Werbung, für die sich interessieren und die werbenden Unternehmen können mit einem Abgleich der Robinsonliste einen höheren Response erzielen und somit ihre Kundenkontaktquote optimieren und Kosten einsparen. In der Robinsonliste befanden sich Mitte des Jahres 2006 ca Einträge. Es werden ca % aller Werbebriefsendungen mit der Robinsonliste abgeglichen. 49 Zivilrechtlich greift der Einwurf von Briefwerbung bei vorliegender Widerrechtlichkeit durch Widerspruch stets in das Eigentums- und Besitzrecht ( 903, 862 BGB) sowie das allgemeine Persönlichkeitsrecht ( 823 BGB) des Empfängers ein. 50 Neben dem Bürgerlichen Gesetzbuch gibt es noch eine hierarchisch höhere Rechtsprechung, welche die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen schützt: Das Grundgesetz (Art 2. I GG) Briefkastenwerbung Darunter ist der Einwurf von nicht adressierten Werbematerial, häufig von lokalen Anbietern in 45 Vgl. Bruns. J.: a. a. O. S Vgl. Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb, a.a.o. Abfrage vom Vgl. Bruns. J.: a. a. O. S Vgl. Robinsonliste des DDV, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. Bruns. J.: a. a. O. S Vgl. Bürgerliches Gesetzbuch, Online im Internet, Abfrage vom16 den Briefkasten des Empfängers zu verstehen. 52 Im Jahr 2006 betrug das Aufwandsvolumen dieser Werbeform 2,24 Mrd. Euro, das entspricht 7% der Gesamtaufwendungen im Direktmarketing. 53 Der Bundesgerichtshof entschied am zur Printwerbung, dass nicht von vornherein angenommen werden kann, dass der Umworbene diese Werbung ablehnt. Diese Ablehnung muss explizit geäußert werden. 54 Ein anderer Sachverhalt ergibt sich aus Anzeigenblättern, welche neben dem werbenden Charakter ebenfalls einen redaktionellen Teil beinhalten. Diese sind trotz eines Hinweises am Briefkasten, dass keine Werbung gewünscht wird, zulässig. 55 Dies urteilte das Oberlandesgericht Stuttgart am Im Umkehrschluss ist allerdings auch der Einwurf solcher Anzeigenblätter mit redaktionellem Inhalt unzulässig, wenn explizit am Briefkasten vermerkt ist, dass auch solche Publikationen unerwünscht sind. 57 Sowohl bei Adressierter als auch bei unadressierter Werbepost muss die Entscheidung vom Verbraucher ausgehen, ob und in welchem Umfang diese gewünscht wird. 4.2 Persönliche Ansprache Der Bundesverband des Deutschen Direktmarketingverbandes führt hier den klassischen Vertreterverkauf, Heimdienste in der Wohnung des Kunden und Heimvorführungen auf. 58 Aber auch Ansprachen in der Öffentlichkeit zählen dazu. Die Vorteile für den Anbieter sind die Gewinnung zielgruppenspezifischer Informationen, die Erzielung von Kostenvorteilen und die Erschließung neuer Käuferschichten. 59 Die Sonderform des Strukturvertriebs, in der Literatur auch MLM genannt, ist nicht Gegenstand der Betrachtung dieser Arbeit Ansprechen in der Öffentlichkeit Die gezielte individuelle Ansprache in der Öffentlichkeit durch Verkaufspersonal wurde ehemals als unlauter angesehen. In der heutigen Zeit geht die Rechtsprechung nicht mehr von einem uninformierten und unaufmerksamen Verbraucher aus, welcher sich durch Überrumpelung zu einem unerwünschten Vertragsabschluss verleiten lässt. 60 Die 51 Vgl. Grundgesetz, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. Hefermehl, W.; Köhler, H.; Bornkamm, J.: a. a. O. S. 833ff. 53 Vgl. Nachtsheim, P.: a. a. O. S Vgl. Bundesgerichtshof Urteil vom , VI ZR 182/88, NJW 1989, Heft 14, S Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S Vgl. Oberlandesgericht Stuttgart Urteil vom , 2 U 117/93, NJW-RR 1994, Heft 8, S Vgl. Oberlandesgericht Bremen Urteil vom ,, 6 U 1/90, NJW 1990 Heft 34 S Vgl. Homepage des Bundesverband Direktvertrieb Deutschland, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S Vgl. Hefermehl, W.; Köhler, H.; Bornkamm, J.: a. a. O. S17 Unlauterbarkeit ergibt sich aus dem Gesichtspunkt der unzumutbaren Belästigung, wenn der Verkäufer sich nicht als solcher zu erkennen gibt. Bei dieser überraschenden Ansprache in der Öffentlichkeit hat der Verbraucher ein Widerrufsrecht, sofern das einkalkulierte überraschende Moment ursächlich für den Vertragsabschluss war. 61 Die Rechtsprechung sieht das Ansprechen von potenziellen Kunden jedoch als wettbewerbswidrig an, wenn der Werbende sich als solcher nicht zu erkennen gibt. 62 Dieser Sachverhalt wurde in einem Urteil des BGH im Jahr 2004 zuletzt bestätigt (Aktenzeichen: I ZR 227/01) Direktvertrieb an der Haustür Der Direktvertrieb, ein Teilbereich des distributiven Direktmarketings, umfasst den persönlichen Verkauf von Waren und Dienstleistungen an Verbraucher in deren Wohnung oder Arbeitsplatz. Hierunter zählen neben dem klassischen Vertreterbesuch von Außendienstmitarbeitern oder Handelsvertretern ( 84 HGB) 64 auch Heimdienste wie Eismann oder Bofrost, Zeitschriftenwerber, aber auch Kaffeefahrten. 65 Die Umsätze sind in den letzten Jahren in diesem Segment bei Mitgliedsunternehmen des Deutschen Direktvertriebs zurückgegangen, auf zuletzt 2,22 Mrd. Euro im Jahr Im gesamten Markt sind die Umsätze allerdings stark gestiegen. Eine Abbildung hierzu befindet sich im Anhang 7. Darstellung 2: Umsätze der Mitgliedsunternehmen des Bundesverband Direktvertrieb Deutschland Vgl. ebenda. S Vgl. Bundesgerichtshof Urteile vom , I ZR 24/59, NJW 1960, Heft 29, S. 1294; vom , I ZR 23/74, NJW 1975 Heft 15, S. 689; vom , I ZR 118/97, NJW 2000, Heft 8, S Vgl. Bundesgerichtshof, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. Handelsgesetzbuch, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S. 88f. 66 Vgl. Homepage des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschlands, a.a.o. Abfrage vom Vgl. Homepage des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschlands Online im Internet, Abfrage vom Abfrage vom18 Der Direktvertrieb wird als unlauter nach 4, Nr. 1-3 und 11 UWG angesehen. 68 Dies stellen folgende Sachverhalte dar: 69 der unerbetene Hausbesuch zu Werbezwecken, wenn dieser einer unangemessen unsachlichen Einflussnahme dient wenn der Werber besondere Umstände des Umworbenen ausnutzt oder den werblichen Zweck des Besuches verschleiert wenn der Werber gegen gesetzliche Verbote von Hausbesuchen verstößt Eine unzumutbare Belästigung im Sinne des UWG ( 7 II Nr. 1) liegt vor, wenn eine werbende Person ein ausdrückliches Verbot des Wohnungsinhabers missachtet. 70 Hat ein Verbraucher ein Haustürgeschäft abgeschlossen, so ist dies noch nicht rechtskräftig, er hat das Recht zum Widerruf. Laut Aussage des Deutschen Direktvertrieb Verbandes betrug die Anzahl widerrufener Verträge im Jahr 2004 bei 198 abgeschlossenen Kontrakten leidglich einen widerrufenen Vertrag. 71 Darstellung 3: Beschwerde- und Widerrufsrate 72 Der Widerruf ist zivilrechtlich in den 312, 312a BGB geregelt. Diese Regelungen des HaustürWG sind seit der Schuldrechtsreform 2002 in das BGB integriert. 73 Das zweiwöchige Widerrufsrecht soll im B-2-C, nicht allerdings im B-2-B, die Gelegenheit geben, einem Kunden die Entscheidung rational zu überdenken und sich so gegebenenfalls von dem Vertrag zu lösen. Die Mitgliedsunternehmen des Bundesverband Direktvertrieb Deutschland bieten ein Widerrufsrecht, welches über die Regelungen des 312 BGB hinausgeht. 68 Vgl. Hefermehl, W.; Köhler, H.; Bornkamm, J.: a. a. O. S Vgl. ebenda. 70 Vgl. ebenda. 71 Vgl. Homepage des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschlands, Online im Internet, Abfrage vom Vgl. ebenda. 73 Vgl. Schötthofer, P.: a.a.o. S19 So hat der Kunde auch ein Widerrufsrecht wenn 74 er den Vertreter ins Haus bestellt hat, die erbrachte und bezahlte Leistung unter einem Gesamtwert von 40 Euro liegt. Die Rechtssprechung sieht diese Vertriebsform aufgrund der langen Tradition als zulässig an, so in einem Urteil des BGH vom Hier wird in der juristischen Literatur die Frage aufgeworfen, weshalb der Einsatz weniger intensiverer Direktwerbemedien eine unzumutbare Belästigung darstellen, der intensivere direkte Kontakt bei einem Vertreterbesuch dagegen wettbewerbsrechtlich zulässig ist. 76 Einem Unternehmen ist es dagegen wettbewerbsrechtlich nicht untersagt, bei einem widerrufenen Haustürvertrag, den Kunden aufzusuchen und nach den Gründen für die Widerrufserklärung zu befragen, so urteilte der BGH am (I ZR 285/91) Werbung mittels elektronischer Medien Telefonmarketing Telefonmarketing stellt mit 16% am Gesamtaufwand des Direktmarketings die drittgrößte Gruppe nach dem Aufwand für das Internet und der Printwerbung dar (5,1 Mrd. Euro). 78 Diese Form des Direktmarketings wird häufig eingesetzt zur Kundengewinnung, Kundenbearbeitung und Auftragseinholung. In Deutschland ist das Telefonmarketing strengen rechtlichen Restriktionen unterworfen. 79 Im B-2-C ist das aktive Telefonmarketing lediglich erlaubt, wenn ein ausdrückliches Einverständnis des Angerufenen vorliegt. Im B-2-B Segment ist es hingegen auf Grund des Geschäftsverkehrs ausreichend, wenn dieses Einverständnis vermutet werden kann. 80 Telefonmarketing unterscheidet sich zwischen aktivem, d.h. eine Person wird angerufen und dem passivem, wenn eine Person selbst bei einem Unternehmen anruft. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen aktiven und passiven Telefonmarketing auf. 74 Vgl. o.v.: Verhaltensstandards des Direktvertriebs, Bundesverband Direktvertrieb Deutschland, Berlin, 2007, S Vgl. Bundesgerichtshof Urteil vom , I ZR 285/91, NJW 1994, Heft 16, S Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S Vgl. Bundesgerichtshof Urteil in NJW 1994, Heft 16, S Vgl. Nachtsheim, P.: a. a. O.S Vgl. Kotler, P.; Bliemel, F.: Marketing-Management, 10. Aufl., Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 2001, S Vgl. Bruns. J.: a. a. O20 Aktives Telefonmarketing Passives Telefonmarketing Initiative -Geht vom Unternehmen aus -Geht vom Kunden aus Rechtliche Aspekte -Erstanrufe verboten -bei B-2-C ausdrückliche oder stillschweigende Einwilligung -bei B-2-B vermutetes Einverständnis -Keine, da Initiative vom Kunden ausgeht Anwendungsbereiche -Neukundengewinnnung -Informationsgewinnung -Vertriebsunterstützung -Telefonverkauf Darstellung 4: Unterschiede aktives und passives Telefonmarketing 81 -Information -Bestellannahme -Service Telefonmarketing B-2-C Während die Jurisprudenz dem traditionellen Mailing aufgeschlossener gegenübersteht, so ist hinsichtlich des Telefonmarketings eine strengere Haltung erkennbar. Ein unaufgeforderter Werbeanruf bei Privatleuten, Cold Calling genannt, stellt hierbei aus zivilrechtlicher Sicht aufgrund des unkontrollierten Eindringens in die Sphäre des Angerufenen einen Eingriff in dessen Persönlichkeitsrecht dar. 82 Diese Eingriffe können Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gemäß 823, 1004 BGB auslösen, wenn eine nicht rechtfertigende Einwilligung vorliegt. 83 Das Wettbewerbsrecht sieht in 7 I, II Nr.2 UWG zum Telefonmarketing eine Regelung vor, welche der bisherigen Rechtsprechung durch den BGH entspricht. 84 Beim Telefonmarketing im B-2-C Bereich ist aktives Telefonmarketing erlaubt, wenn ein ausdrückliches Einverständnis vorliegt. Ferner ist es ebenso erlaubt, bei einem konkludenten Handeln. Dies schließt z.b. ein, wenn auf einer Antwortkarte die Telefonnummer angegeben wird mit dem Vermerk, dass in einen Telefonanruf eingewilligt wird. 85 Der BGH urteilte bei folgenden Sachverhalten mit keiner Zustimmung eines Verbrauchers: bei der Angabe der Telefonnummer auf einem Briefkopf, 86 bei der Bitte um Informationsmaterial, 87 bei der Tatsache, dass bereits mit der betreffenden Person Geschäftsbeziehungen bestehen Eigene Darstellung, Daten: Wirtz, B.: a. a. O. S Vgl. Schotthöfer, P.: a. a. O. S Vgl. Bürgerliches Gesetzbuch, a.a.o. Abfrage vom Vgl. Bundesgerichtshof Urteil vom , I ZR 115/68, NJW 1970 Heft 39, S Vgl. Bruns. J.: a. a. O. S Vgl. Bundesgerichtshof Urteil vom , I ZR 189/92, NJW-RR 1995, Heft 10, S Vgl. Bundesgerichtshof Urteil vom , I ZR 55/88, NJW-RR 1990, Heft 6, S Mehr anzeigen
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