Source: http://www.hensche.de/Stuttgart_Abmahnung_eines_Arbeitnehmers_Zulaessigkeit_einer_Abmahnung_bei_religioeser_Bekundung_BAG_2AZR593-09-u.html
Timestamp: 2018-01-16 09:30:45+00:00

Document:
BAG, Urteil vom 12.08.2010, 2 AZR 593/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 12.08.2010, 2 AZR 593/09
Aktenzeichen: 2 AZR 593/09
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 19. Ju­ni 2009 - 7 Sa 84/08 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tritt. Die Wahr­neh­mung des Auf­trags nach Ar­ti­kel 12 Abs. 1 der Ver­fas­sung des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg zur Er­zie­hung der Ju­gend im Geis­te der christ­li­chen Nächs­ten­lie­be und zur Brüder­lich­keit al­ler Men­schen und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung der­ar­ti­ger Tra­di­tio­nen wi­der­spricht nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1.
I. Ar­beit­neh­mer können in ent­spre­chen­der An­wen­dung der §§ 242, 1004
BGB die Ent­fer­nung ei­ner zu Un­recht er­teil­ten Ab­mah­nung aus ih­rer Per­so­nal­ak­te ver­lan­gen. Der Ent­fer­nungs­an­spruch be­steht, wenn die Ab­mah­nung ent­we­der in­halt­lich un­be­stimmt ist, un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält, auf ei­ner un­zu­tref­fen­den recht­li­chen Be­wer­tung des Ver­hal­tens des Ar­beit­neh­mers be­ruht, den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ver­letzt oder kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers am Ver­bleib der Ab­mah­nung in der Per­so­nal­ak­te mehr be­steht (vgl. Se­nat 27. No­vem­ber 2008 - 2 AZR 675/07 - Rn. 13 - 17 mwN, AP BGB § 611 Ab­mah­nung Nr. 33 = EzA BGB 2002 § 314 Nr. 4).
1. Die Ab­mah­nung vom 8. Au­gust 2007 ist hin­rei­chend be­stimmt. Mit der
Ab­mah­nung wird die der Kläge­rin vor­ge­wor­fe­ne Ver­trags­pflicht­ver­let­zung und das von ihr er­war­te­te zukünf­ti­ge Ver­hal­ten hin­rei­chend präzi­se be­schrie­ben. Der Kläge­rin wird das Tra­gen ei­nes „is­la­mi­schen Kopf­tuchs“ vor­ge­wor­fen. Sie wird wei­ter auf­ge­for­dert, künf­tig auf das Tra­gen ei­nes sol­chen Kopf­tuchs zu ver­zich­ten.
2. Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, dass die Kläge­rin
mit dem Kopf­tuch­t­ra­gen das Be­kun­dungs­ver­bot gemäß § 7 Abs. 6 Satz 1
a) Die Kläge­rin hat be­wusst ih­re Be­klei­dung gewählt. Sie will auf­grund
ih­rer re­li­giösen Mo­ti­ve nicht oh­ne die­ses Be­klei­dungsstück in der Öffent­lich­keit ar­bei­ten. Von ei­nem ihr zu­re­chen­ba­ren und steu­er­ba­ren Ver­hal­ten, das grundsätz­lich ei­ner Ab­mah­nung zugäng­lich ist, kann des­halb oh­ne Wei­te­res aus­ge­gan­gen wer­den.
b) Nach § 7 Abs. 6 Satz 1 Ki­TaG BW dürfen Fach­kräfte kei­ne po­li­ti­schen,
re­li­giösen, welt­an­schau­li­chen oder ähn­li­chen äußeren Be­kun­dun­gen ab­ge­ben, die ge­eig­net sind, die Neu­tra­lität des Trägers ge­genüber Kin­dern und El­tern oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Frie­den in Ein­rich­tun­gen zu gefähr­den oder zu stören.
Gründe, BVerfGE 108, 282). Ob ei­ner be­stimm­ten Be­klei­dung ein re­li­giöser Aus­sa­ge­ge­halt nach Art ei­nes Sym­bols zu­kommt, hängt von der Wir­kung des ver­wen­de­ten Aus­drucks­mit­tels ab, wo­bei al­le sons­ti­gen in Be­tracht kom­men­den Deu­tungsmöglich­kei­ten eben­falls zu berück­sich­ti­gen sind. Der Sym­bol­cha­rak­ter muss sich nicht aus dem Klei­dungsstück als sol­chem er­ge­ben. Ei­ne re­li­giöse Be­kun­dung kann auch dar­in lie­gen, dass dem Klei­dungsstück in der be­son­de­ren Art und Wei­se sei­nes Tra­gens of­fen­sicht­lich ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung zu­kommt, et­wa weil es er­kenn­bar aus dem Rah­men der in der Ein­rich­tung übli­chen Be­klei­dung fällt und aus­nahms­los zu je­der Zeit ge­tra­gen wird. Ein solch weit­ge­hen­des Verständ­nis ent­spricht dem Zweck des ge­setz­li­chen Be­kun­dungs­ver­bots. Die­ses will re­li­giös-welt­an­schau­li­che Kon­flik­te in Kin­der­ta­ges­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen schon im An­satz ver­hin­dern und die Neu­tra­lität der Ein­rich­tung und des Trägers auch nach außen wah­ren. Das ver­bie­tet ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Klei­dungsstücken, de­ren re­li­giöse oder welt­an­schau­li­che Mo­ti­va­ti­on of­fen zu­ta­ge tritt, und sol­chen, de­ren Tra­gen in der Ein­rich­tung ei­nen ent­spre­chen­den Erklärungs­be­darf auslöst (zu gleich-lau­ten­den schul­ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen: Se­nat 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 - aaO; 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 14 f., aaO; BVerwG 24. Ju­ni 2004 - 2 C 45.03 - Rn. 21 f., aaO; 16. De­zem­ber 2008 - 2 B 46.08 - Rn. 3 - 8, aaO).
(2) Ihr wei­te­rer Hin­weis, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hätte bei der Be­wer­tung
- 2 AZR 499/08 - Rn. 18, AP GG Art. 4 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 611 Ab­mah­nung Nr. 4). Der Lan­des­ge­setz­ge­ber woll­te er­sicht­lich dar­auf Be­dacht neh­men, dass auch Kin­der­ta­ges­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen Or­te sind, an de­nen un­ter­schied­li­che re­li­giöse und po­li­ti­sche Auf­fas­sun­gen un­aus­weich­lich auf­ein­an­der­tref­fen, de­ren fried­li­ches Ne­ben­ein­an­der der Staat aber zu ga­ran­tie­ren hat (vgl. Se­nat in den Ent­schei­dun­gen vom 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 - aaO und vom 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 - aaO, zu den weit­ge­hend in­halts­glei­chen Nor­men des Schul­ge­set­zes NRW). Er hat ein sol­ches Kon­flikt­po­ten­ti­al er­kenn­bar nicht nur für den Schul­be­reich (vgl. § 38 Abs. 2 SchulG BW) ge­se­hen, son­dern ist da­von aus­ge­gan­gen, dass es durch ei­ne größere re­li­giöse Viel­falt in der Ge­sell­schaft auch in Ki­Tas zu ei­nem ver­mehr­ten Po­ten­ti­al von Kon­flik­ten - auch un­ter den El­tern ver­schie­de­ner Glau­bens­rich­tun­gen oder mit Athe­is­ten - kom­men kann. In die­ser La­ge kann der re­li­giöse/welt­an­schau­li­che Frie­den in ei­ner Ein­rich­tung schon durch die be­rech­tig­te Sor­ge der El­tern vor ei­ner un­ge­woll­ten re­li­giösen Be­ein­flus­sung ih­res Kin­des gefähr­det wer­den. Hier­zu kann das re­li­giös be­deu­tungs­vol­le Er­schei­nungs­bild des pädago­gi­schen Per­so­nals An­lass ge­ben (so Se­nat 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 - aaO und 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 - Rn. 18, aaO; BVerwG 24. Ju­ni 2004 - 2 C 45.03 - Rn. 25, BVerw­GE 121, 140). Die be­rech­tig­te Sor­ge von El­tern kann sich in Ki­Tas so­gar noch verstärken, da Kin­der im Kin­der­gar­ten­al­ter re­gelmäßig noch stärker be­ein­fluss­bar sein wer­den als Schüler. Ei­ne Er­zie­he­rin nimmt eben­so wie ein Leh­rer als Be­zugs- und Au­to­ritäts­per­son ei­ne star­ke Mit­tel­punkt­funk­ti­on ein (so auch Wit­tin­ger VBl. BW 2006, 169, 171). Sie wird ins­be­son­de­re bei ei­ner Ganz­tags­be­treu­ung bei den zu be­treu­en­den Kin­dern im Al­ter bis zu sechs Jah­ren im Ver­gleich zu ei­nem Leh­rer, der nur ein­zel­ne Fächer un­ter­rich­tet, so­gar noch ei­nen höhe­ren Ein­fluss ha­ben. Für das späte­re So­zi­al­ver­hal­ten der Kin­der wirkt sie als zu­meist ers­te Be­zugs­per­son außer­halb des El­tern­hau­ses in ho­hem Maße prägend (BVerfG 10. März 1998 - 1 BvR 178/97 - zu B II 1 b aa der Gründe, BVerfGE 97, 332). Ge­ra­de in die­sem Al­ter ori­en­tie­ren sich Kin­der am Ver­hal­ten der Be­zugs­per­son und sind oft leich­ter be­ein­fluss­bar als Schul­kin­der. Je­de be­keh­ren­de Wir­kung aus­zu­sch­ließen, die das Tra­gen des is­la­mi­schen Kopf­tuchs ha­ben könn­te,
dürf­te des­halb kaum möglich sein (so auch EGMR 15. Fe­bru­ar 2001 - 42393/98 - NJW 2001, 2871). In die­sem Al­ter dürf­te es zu­meist noch schwie­ri­ger sein, die Wir­kung des Kopf­tuchs durch ent­spre­chen­de Erklärun­gen ab­zu­schwächen (vgl. Wit­tin­ger VBl. BW 2006, 169, 171).
Gründe, BVerfGE 108, 282 für den Be­reich der Schu­le; sie­he auch Se­nat 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 - Rn. 21, AP GG Art. 4 Nr. 7 = EzTöD 100 TVöD-AT § 2 Dis­kri­mi­nie­rung Re­li­gi­on Nr. 2; 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 21, AP GG Art. 4 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 611 Ab­mah­nung Nr. 4).
Ge­setz ge­nann­ten „Dar­stel­lung“ geht es nicht um die Gel­tend­ma­chung ei­ner persönli­chen, in­ne­ren Über­zeu­gung (BVerwG 24. Ju­ni 2004 - 2 C 45.03 - zu 4 a der Gründe, BVerw­GE 121, 140 zur in­halts­glei­chen Re­ge­lung des § 38 Abs. 2 Satz 1 SchulG BW).
Ge­mein­sam mit Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG, der den El­tern die Pfle­ge und Er­zie­hung ih­rer Kin­der als natürli­ches Recht ga­ran­tiert, um­fasst Art. 4 Abs. 1 GG auch das Recht zur Kin­der­er­zie­hung in re­li­giöser und welt­an­schau­li­cher Hin­sicht. Es ist Sa­che der El­tern, ih­ren Kin­dern die­je­ni­gen Über­zeu­gun­gen in Glau­bens- und Welt­an­schau­ungs­fra­gen zu ver­mit­teln, die sie für rich­tig hal­ten. Dem ent­spricht das Recht, die Kin­der von Glau­bensüber­zeu­gun­gen fern­zu­hal­ten, die den El­tern falsch oder schädlich er­schei­nen (BVerfG 16. Mai 1995 - 1 BvR 1087/91 - aaO).
(2) Die Ver­mei­dung re­li­giöser/welt­an­schau­li­cher Kon­flik­te in öffent­li­chen
Ki­tas stellt ein ge­wich­ti­ges Ge­mein­gut dar. Zu die­sem Zweck sind ge­setz­li­che Ein­schränkun­gen der Glau­bens­frei­heit recht­lich zulässig. Da­bei ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn die lan­des­ge­setz­li­che Re­ge­lung re­li­giöse Be­kun­dun­gen von Er­zie­hern in Ki­Tas oh­ne Rück­sicht auf die Umstände des Ein­zel­falls un­ter­sagt. Der Ge­setz­ge­ber darf Gefähr­dun­gen des Ki­Ta-Frie­dens auch da­durch vor­beu­gen, dass er Er­zie­hungs­kräften be­reits das Tra­gen re­li­giös be­deut­sa­mer Klei­dungsstücke oder Sym­bo­le ver­bie­tet und Kon­flikt ver­mei­den­de Re­ge­lun­gen nicht an die kon­kre­te Ge­fahr ei­ner dro­hen­den Aus­ein­an­der­set­zung knüpft (Se­nat 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 - Rn. 28, AP GG Art. 4 Nr. 7 = EzTöD 100 TVöD-AT § 2 Dis­kri­mi­nie­rung Re­li­gi­on Nr. 2; 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 22, AP GG Art. 4 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 611 Ab­mah­nung Nr. 4; BVerwG 26. Ju­ni 2008 - 2 C 22.07 - BVerw­GE 131, 242; 16. De­zem­ber 2008 - 2 B 46.08 - ZTR 2009, 167, zum Schul­be­reich).
(3) Die­se von der Recht­spre­chung zu den Schul­ge­set­zen ent­wi­ckel­ten
Grundsätze gel­ten auch für Er­zie­her ei­ner Ki­Ta in öffent­li­cher Träger­schaft.
Glau­bens­be­kennt­nis­ses oh­ne Aus­weichmöglich­kei­ten aus­ge­setzt ist. Gleich­wohl ist das lan­des­recht­li­che Be­kun­dungs­ver­bot nicht un­verhält­nismäßig (an­ders ArbG Dort­mund 16. Ja­nu­ar 2003 - 6 Ca 5736/02 - zu I 3 c der Gründe; En­gel­ken VBI. BW 2006, 209 f.). Nach § 24 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII ha­ben El­tern ei­nen An­spruch auf Be­such ei­ner Ta­ges­ein­rich­tung zur Kin­der­be­treu­ung. Ver­wie­se man sie auf an­de­re Ki­Tas des kom­mu­na­le oder gar ei­nes an­de­ren Trägers, so wäre dies - un­ge­ach­tet der Fra­ge der Zu­mut­bar­keit ei­nes Wech­sels - spätes­tens dann pro­ble­ma­tisch, wenn der kom­mu­na­le Träger kei­ne Ki­Tas an­bie­ten könn­te, in der kei­ne kopf­tuch­t­ra­gen­den oder an­de­re re­li­giöse Be­kun­dun­gen ab­ge­ben­den Er­zie­he­rin­nen beschäftigt wer­den. Ei­ne Ver­wei­sung der El­tern auf an­de­re Ki­Tas ei­nes frei­en Trägers wäre hin­ge­gen mit dem An­spruch aus § 24 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII schwer­lich ver­ein­bar. Hin­zu kommt, dass zahl­rei­che fak­ti­sche Zwänge ei­nem Be­such ei­ner an­de­ren Ki­Ta ent­ge­gen­ste­hen können, wie bei­spiels­wei­se die nur ge­rin­ge An­zahl von Ki­Tas im länd­li­chen Raum oder die Nähe ei­ner Ein­rich­tung zum Wohn- oder Ar­beits­ort der El­tern (sie­he Wit­tin­ger VBl. BW 2006, 169, 170).
7. Ok­to­ber 1980 - 2 BvR 584/76, 2 BvR 598/76, 2 BvR 599/76, 2 BvR 604/76 - zu C II 3 a der Gründe, BVerfGE 56, 298).
(2) Zum ge­meind­li­chen Selbst­ver­wal­tungs­recht gehört auch die Per­so­nal-
ho­heit. Die­se um­fasst vor al­lem die Be­fug­nis, das Ge­mein­de­per­so­nal aus­zuwählen, an­zu­stel­len, zu befördern und zu ent­las­sen. Al­ler­dings sind auch hier Be­schränkun­gen mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, wenn der Kern­be­reich un­an­ge­tas­tet bleibt (BVerfG 26. No­vem­ber 1963 - 2 BvL 12/62 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGE 17, 172).
(3) § 7 Abs. 6 Satz 1 Ki­TaG BW be­schränkt zwar die Per­so­nal­ho­heit der
Ge­mein­den, wenn vom Ge­mein­de­per­so­nal be­stimm­te Ver­hal­tens­wei­sen und von der Ge­mein­de als Ar­beit­ge­ber die Um­set­zung die­ser Pflich­ten ver­langt wer­den. Dar­in liegt aber ei­ne zulässi­ge Be­schränkung der nicht ab­so­lut geschütz­ten ge­meind­li­chen Per­so­nal­ho­heit. Sie un­ter­liegt der Aus­for­mung durch den Ge­setz­ge­ber, der da­bei sei­ner­seits durch die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie ge­setz­lich ge­bun­den ist (BVerfG 26. Ok­to­ber 1994 - 2 BvR 445/91 - zu C III 2 der Gründe, BVerfGE 91, 228). Nur der We­sens­ge­halt der ge­meind­li­chen Selbst­ver­wal­tung darf nicht aus­gehöhlt wer­den (BVerfG 26. Ok­to­ber 1994 - 2 BvR 445/91 - zu C I 2 a der Gründe, aaO). Im Streit­fall hat der Lan­des-ge­setz­ge­ber die Per­so­nal­ent­schei­dungs­be­fug­nis der Kom­mu­nen nicht über­mäßig be­grenzt. Er hat le­dig­lich ei­nen Teil­as­pekt der Ver­hal­tens­pflich­ten des Ge­mein­de­per­so­nals ge­re­gelt. Ei­ne rechts­wid­ri­ge „Aushöhlung“ der Per­so­nal­ho­heit ist dar­in nicht zu se­hen. Auch in an­de­rer Hin­sicht sind Be­schränkun­gen der Aus­wahl­be­fug­nis der Ge­mein­den an­er­kannt, bei­spiels­wei­se bei der Ein­stel­lung von Frau­en­be­auf­trag­ten (BVerfG 26. Ok­to­ber 1994 - 2 BvR 445/91 - zu C III 2 der Gründe, aaO; Wit­tin­ger VBl. BW 2006, 169, 173).
fas­sung Ba­den-Würt­tem­berg und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher Tra­di­tio­nen nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot des § 7 Abs. 6 Satz 1 Ki­TaG BW. Ge­gen­stand der Re­ge­lung in Satz 3 der Vor­schrift ist die Dar­stel­lung, nicht die Be­kun­dung christ­li­cher Wer­te. Be­stimm­te Wer­te dar­zu­stel­len heißt, sie zu erörtern und zum Ge­gen­stand ei­ner Dis­kus­si­on zu ma­chen. Das schließt die Möglich­keit der Rück­fra­ge und Kri­tik ein. Die Dar­stel­lung christ­li­cher Tra­di­tio­nen ist nicht gleich­zu­set­zen mit der Be­kun­dung ei­nes in­di­vi­du­el­len Be­kennt­nis­ses. Bei ihr geht es nicht um die Kund­ga­be in­ne­rer Ver­bind­lich­kei­ten, die der Dar­stel­len­de für sich an­er­kannt hätte. Außer­dem be­zeich­net der Be­griff des „Christ­li­chen“ - un­ge­ach­tet sei­ner Her­kunft aus dem re­li­giösen Be­reich - ei­ne von Glau­bens­in­hal­ten los­gelöste, aus der Tra­di­ti­on der christ­lich-abendländi­schen Kul­tur her­vor­ge­gan­ge­ne Wer­te­welt, die er­kenn­bar auch dem Grund­ge­setz zu­grun­de liegt und un­abhängig von ih­rer re­li­giösen Fun­die­rung Gel­tung be­an­sprucht. Der Auf­trag zur Wei­ter­ga­be christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te ver­pflich­tet und be­rech­tigt die Ein­rich­tung des­halb nicht zur Ver­mitt­lung be­stimm­ter Glau­bens­in­hal­te, son­dern be­trifft Wer­te, de­nen je­der Beschäftig­te des öffent­li­chen Diens­tes un­abhängig von sei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung vor­be­halt­los zu­stim­men kann (Se­nat 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 - Rn. 24, AP GG Art. 4 Nr. 7 = EzTöD 100 TVöD-AT § 2 Dis­kri­mi­nie­rung Re­li­gi­on Nr. 2; 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 - Rn. 23, AP GG Art. 4 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 611 Ab­mah­nung Nr. 4).
Der Eu­ropäische Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te hat ent­schie­den,
b) Die ge­setz­li­che An­for­de­rung, re­li­giöse Be­kun­dun­gen in der Ein­rich­tung
IV. Die Kläge­rin hat die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen (§ 97 50
Cla­es Nie­b­ler
zur Übersicht 2 AZR 593/09

References: § 611
 § 314
 § 7
 § 7
 Art. 4
 § 611
 § 38
 EGMR 
 Art. 4
 § 2
 Art. 4
 § 611
 § 38
 Art. 6
 Art. 4
 Art. 4
 § 2
 Art. 4
 § 611
 § 24
 § 24
 § 7
 § 7
 Art. 4
 § 2
 Art. 4
 § 611