Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=3%20StR%20226/07
Timestamp: 2019-07-22 19:35:29+00:00

Document:
BGH, 18.10.2007 - 3 StR 226/07 - dejure.org
https://dejure.org/2007,1862
BGH, 18.10.2007 - 3 StR 226/07 (https://dejure.org/2007,1862)
BGH, Entscheidung vom 18.10.2007 - 3 StR 226/07 (https://dejure.org/2007,1862)
BGH, Entscheidung vom 18. Januar 2007 - 3 StR 226/07 (https://dejure.org/2007,1862)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2007,1862) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 212 StGB; § 211 StGB; § 15 StGB
Totschlag (bedingter Vorsatz; bewusste Fahrlässigkeit; vage Hoffnung); Mord (Heimtücke); Arg- und Wehrlosigkeit (Herbeiführen; Ausnutzen; Bewusstlosigkeit; schutzbereiter Dritter; Euthanasie; Mitleidstötung; feindselige Willensrichtung)
Fünfjähriges Berufsverbot für einen Krankenpfleger aufgrund einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung - Vorliegen des Willenselements des bedingten Vorsatzes - Bewußtes Ausnutzen der vom Täter erkannten Arglosigkeit eines schutzbereiten Dritten als Voraussetzung für das Ausnutzen der Arglosigkeit und Wehrlosigkeit des Opfers
Heimtückische Tötung eines Komapatienten
beck.de , S. 35 (Fallmäßige Aufbereitung - für Studienzwecke)
§§ 15, 211 StGB
Heimtückische Tötung eines bewusstlosen Patienten
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BGH vom 18.10.2007, Az.: 3 StR 226/07 (Zu den Anforderungen an die Heimtücke bei der Tötung eines Komapatienten auf der Intensivstation)" von RA Sascha Lübbersmann, original erschienen in: StRR 2008, 29 - 30.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 18.10.2007, Az.: 3 StR 226/07 (Heimtückische Tötung eines bewusstlosen Patienten im Krankenhaus)" von Prof. Dr. Wolfgang Mitsch, original erschienen in: NStZ 2008, 422 - 423.
Kurznachricht zu "Heimtücke bei Tötung Besinnungsloser" von Prof. Dr. Nikolaus Bosch, original erschienen in: JA 2008, 389 - 391.
weser-kurier.de (Pressebericht mit Bezug zur Entscheidung)
Der Fall Niels Högel - Eine Chronik
LG Oldenburg, 22.12.2006 - 5 Ks 7/06
LG Oldenburg, 23.06.2008 - 4 Ks 1/07
NStZ 2008, 421 (Ls.)
NStZ 2008, 93
StV 2008, 353
bb) Die Annahme einer Billigung liegt nahe, wenn der Täter sein Vorhaben trotz erkannter Lebensgefährlichkeit durchführt (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 28. Juli 2005 - 4 StR 109/05, NStZ-RR 2005, 372; Urteil vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, NStZ 2008, 93 f.).
Bewusste Fahrlässigkeit liegt hingegen dann vor, wenn er mit der als möglich erkannten Tatbestandsverwirklichung nicht einverstanden ist und ernsthaft - nicht nur vage - darauf vertraut, der Tod werde nicht eintreten (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, NStZ 2008, 93 mwN).
Fehlen der feindseligen Willensrichtung einer heimtückischen Tötung bei …
a) Ein solcher Ausnahmefall kann vorliegen, wenn die Tötung in einer Situation geschieht, in der das Opfer zu einer autonomen Willensbildung selbst nicht in der Lage ist und der Täter zu seinem vermeintlich Besten zu handeln glaubt (unmündige Kinder: BGH…, Urteil vom 7. Juni 1989 - 2 StR 217/89, BGHR StGB § 211 Abs. 2 Heimtücke 10; vgl. auch Urteil vom 10. März 2006 - 2 StR 561/05, NStZ 2006, 338; Todkranke oder Sterbende: BGH, Urteil vom 8. Mai 1991 - 3 StR 467/90, BGHSt 37, 376, 377; vgl. auch BGH, Beschluss vom 3. April 2008 - 5 StR 525/07, StV 2009, 524 m. Anm. Neumann; Urteile vom 15. November 1996 - 3 StR 79/96, BGHSt 42, 301, 305; vom 31. Juli 1996 - 1 StR 247/96, NStZ-RR 1997, 42; vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, NStZ 2008, 93).
Gerade bei Tötungshandlungen aus vermeintlichem Mitleid hat der Bundesgerichtshof wiederholt darauf hingewiesen, dass sich darin auch Feindseligkeit gegenüber dem Lebensrecht offenbaren kann (…vgl. für schwerkranke Opfer BGH, aaO; Urteil vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, aaO), etwa weil es darum geht, die eigenen Vorstellungen über Würde und Wert des Lebens eines anderen Menschen durchzusetzen (vgl. BGH, Beschluss vom 3. April 2008 - 5 StR 525/07; aaO, vgl. ferner Neumann/Saliger aaO.
Bewusste Fahrlässigkeit liegt hingegen dann vor, wenn er mit der als möglich erkannten Tatbestandsverwirklichung nicht einverstanden ist und ernsthaft - nicht nur vage - darauf vertraut, der Tod werde nicht eintreten (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, NStZ 2008, 93 mwN; BGH, Urteil vom 27. Januar 2011 - 4 StR 502/10).
BGH, 21.11.2012 - 2 StR 309/12
Mord; Heimtücke (Arg- und Wehrlosigkeit eines schutzbereiten Dritten bei Mord an …
Der schutzbereite Dritte muss auf Grund der Umstände des Einzelfalls den Schutz allerdings auch wirksam erbringen können, wofür eine gewisse räumliche Nähe erforderlich ist (BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, NStZ 2008, 93, 94).
Für das Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit eines schutzbereiten Dritten ist es - wie bei der Heimtücke gegenüber dem Tatopfer selbst, bei der es nicht darauf ankommt, ob der Täter die Arglosigkeit herbeiführte oder bestärkte (vgl. BGH, Urteil vom 10. März 2006 - 2 StR 561/05, NStZ 2006, 338, 339) - vielmehr ausreichend, dass der Täter die von ihm erkannte Arglosigkeit des Dritten bewusst zur Tatbegehung ausnutzt, und zwar unabhängig davon, worauf diese beruht (vgl. BGH, Beschluss vom 13. Oktober 2005 - 5 StR 401/05, NStZ-RR 2006, 43; BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, NStZ 2008, 93, 94).
Die Prüfung, ob Vorsatz oder (bewusste) Fahrlässigkeit vorliegt, erfordert bei Körperverletzungs- und Tötungsdelikten insbesondere dann, wenn das Tatgericht allein oder im Wesentlichen aus äußeren Umständen auf die innere Einstellung eines Angeklagten zur Tat schließen muss, eine Gesamtschau aller objektiven und subjektiven Tatumstände (vgl. insbesondere zur Würdigung des voluntativen Vorsatzelements BGH, Urteile vom 14. Januar 2016 - 4 StR 84/15, NStZ-RR 2016, 79, 80; vom 13. Januar 2015 - 5 StR 435/14, NStZ 2015, 216 f.;… vom 22. März 2012 - 4 StR 558/11, juris Rn. 29, BGHSt 57, 183, 188;… vom 27. Januar 2011 - 4 StR 502/10, juris Rn. 34, NStZ 2011, 699, 701 f.; vom 18. Oktober 2007 - 3 StR 226/07, NStZ 2008, 93 f. jeweils mwN), wobei schon eine Gleichgültigkeit gegenüber dem zwar nicht erstrebten, wohl aber hingenommenen Tod des Opfers die Annahme bedingten Tötungsvorsatzes rechtfertigt (vgl. BGH, Urteil vom 19. April 2016 - 5 StR 498/15, NStZ-RR 2016, 204 mwN).

References: § 212
 § 211
 § 15
 BGH 
 BGH 
 § 211