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Timestamp: 2016-10-26 07:45:01+00:00

Document:
5A_75/2007 (25.05.2007)
5A_75/2007 /blb
vertreten durch Rechtsanwalt Beat Gachnang.
des Kantons Luzern, II. Kammer, als Rekursinstanz
nach ZPO, vom 26. Januar 2007.
X.________, Jahrgang 1956, aus dem Entlebuch, und Y.________, Jahrgang 1952, deutsche Staatsangeh�rige, lernten sich w�hrend eines Studienaufenthalts in S.________ kennen. Sie heirateten am 9. Juli 1999 und nahmen in T.________ Wohnsitz. Ihre Ehe blieb kinderlos. Die Ehefrau ist Mutter einer erwachsenen Tochter, Jahrgang 1981. Sie verf�gt �ber Diplome als Sozialp�dagogin (Fachhochschule) und als P�dagogin (Universit�t) und hat Weiter- und Zusatzausbildungen absolviert. Seit Oktober 2004 ist sie im Bereich Familienberatung und Sozialtherapie selbstst�ndig erwerbst�tig. Daneben schliesst sie ihre Doktorarbeit ab. Der Ehemann hat in Philosophie promoviert und ist als Gymnasiallehrer an der Schule U.________ in V.________ mit einem Pensum von 90 % angestellt.
Am 19. Juli 2006 stellte die Ehefrau ein Gesuch um Aufhebung des gemeinsamen Haushalts und um Regelung des Getrenntlebens. �ber die Ben�tzung der ehelichen Liegenschaft und des Hausrats sowie �ber die G�tertrennung (mit Wirkung ab 20. Juli 2006) konnten sich die Ehegatten einigen. Ihr gemeinsamer Haushalt wurde gerichtlich ab 1. Dezember 2006 f�r unbestimmte Zeit aufgehoben. Strittig blieb, ob und in welchem Umfang der Ehemann seiner Ehefrau Geldbeitr�ge schulde. Das Amtsgericht Luzern-Land verpflichtete den Ehemann, seiner Ehefrau monatlich Fr. 2'500.-- bis 30. Juni 2007 und danach Fr. 1'800.-- zu bezahlen (Entscheid vom 24. November 2006). Der Ehemann legte dagegen Rekurs ein und beantragte, Vormerk zu nehmen, dass sich die Ehegatten gegenseitig keine Unterhaltsbeitr�ge schuldeten. Die Ehefrau schloss auf Abweisung des Rekurses und Best�tigung des amtsgerichtlichen Entscheids. Das Obergericht des Kantons Luzern setzte die monatlichen Unterhaltsbeitr�ge auf Fr. 2'500.-- bis 30. Juni 2007 und danach neu auf Fr. 1'000.-- fest (Entscheid vom 26. Januar 2007).
Der Ehemann beantragt dem Bundesgericht, den Rekursentscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das Obergericht zur�ckzuweisen. Er erneuert eventualiter seinen im kantonalen Rekursverfahren gestellten Antrag in der Sache. Es sind die Akten, aber keine Vernehmlassungen eingeholt worden.
Der obergerichtliche Rekursentscheid ist nach dem 1. Januar 2007 ergangen, so dass das Bundesgesetz �ber das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110) anwendbar ist (Art. 132 Abs. 1 BGG). Er betrifft gerichtliche Massnahmen im Sinne der Art. 172 ff. ZGB und dabei ausschliesslich die Festsetzung der Geldbeitr�ge, die der eine Ehegatte dem andern w�hrend des Getrenntlebens schuldet (Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Es liegt damit eine Zivilsache (Art. 72 Abs. 1 BGG) und eine verm�gensrechtliche Angelegenheit vor, wobei der Streitwert von mindestens Fr. 30'000.-- offenkundig �berschritten wird (Art. 74 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 51 Abs. 1 und 4 BGG). Entschieden hat das Obergericht als letzte kantonale Instanz (Art. 75 Abs. 1 BGG) gegen den Beschwerdef�hrer, der mit seinem Antrag, von jeglicher Unterhaltsbeitragspflicht abzusehen, unterlegen und deshalb zur Beschwerde berechtigt ist (Art. 76 Abs. 1 BGG).
Die Eheschutzmassnahme, die den Unterhalt f�r die Dauer des Getrenntlebens festlegt, ist ein Endentscheid (Art. 90 BGG) und eine vorsorgliche Massnahme im Sinne von Art. 98 BGG, so dass die Beschwerdegr�nde auf die Verletzung verfassungsm�ssiger Rechte beschr�nkt sind (BGE 5A_52/2007 vom 22. Mai 2007, E. 4 und 5). Das Bundesgericht wendet dabei das Recht nicht von Amtes wegen an, sondern pr�ft die Verletzung von Grundrechten nur insofern, als eine solche R�ge in der Beschwerde vorgebracht und begr�ndet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG). Es gilt das R�geprinzip entsprechend der bisherigen Praxis zur staatsrechtlichen Beschwerde. In der Beschwerdeschrift ist deshalb zumindest in erkennbarer Weise anzuf�hren, welches Grundrecht verletzt sein soll, und kurz darzulegen, worin die behauptete Verletzung besteht (vgl. Botschaft zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl. 2001 4202, S. 4344 f.).
Auf die - im Weiteren fristgerecht (Art. 100 Abs. 1 BGG) - erhobene Beschwerde kann grunds�tzlich eingetreten werden.
Seit Oktober 2004 ist die Beschwerdegegnerin im Bereich der sog. aufsuchenden Familienberatung und Sozialtherapie selbstst�ndig erwerbst�tig. Streitig war im kantonalen Verfahren der Umfang der Erwerbst�tigkeit. In tats�chlicher Hinsicht steht unangefochten fest, dass die Beschwerdegegnerin in den ersten acht Monaten des Jahres 2006 207.4 Beratungsstunden ausgewiesen hat, was rund 25.9 Beratungsstunden im Monat ergibt. Das Monatseinkommen hat Fr. 2'900.-- betragen. Das Amtsgericht ist davon ausgegangen, unter Ber�cksichtigung der Vor- und Nachbereitung der Beratungsarbeit belaufe sich die monatliche Arbeitszeit auf 52 Stunden (S. 9). Das Obergericht hat zus�tzlich die Reisezeit, die Administration sowie den Weiterbildungs- und Supervisionsaufwand miteinbezogen und angenommen, das Arbeitspensum d�rfte schon heute bei rund 50 % liegen (E. 3.3.2 S. 5 des angefochtenen Entscheids). Der Beschwerdef�hrer r�gt Willk�r in der Beweisw�rdigung (S. 6 ff. Ziff. 7 der Beschwerdeschrift).
2.1 Seine Willk�rr�ge begr�ndet der Beschwerdef�hrer damit, die Beschwerdegegnerin selber habe an der Parteibefragung erkl�rt, sie sei im Jahr 2005 zu rund 30 % erwerbst�tig gewesen. Da die Beschwerdegegnerin ihr Arbeitspensum im Jahr 2006 aber nur minim - von 22.6 auf 25.9 Beratungsstunden - erh�ht habe, erscheine es als willk�rlich, wenn das Obergericht statt der erkl�rten rund 30 % eine Erwerbst�tigkeit von rund 50 % annehme.
Es trifft zu, dass die Beschwerdegegnerin an der Parteibefragung erkl�rt hat, im Jahre 2005 sei sie zu rund 30 % erwerbst�tig gewesen. Wie der Beschwerdef�hrer indessen zu Recht hervorhebt, hat die Beschwerdegegnerin ihre Aussage vor Obergericht relativiert und dargelegt, sie habe in ihrer verst�ndlichen Nervosit�t ob des ganzen Gerichtsverfahrens f�lschlicherweise nur diejenigen Stunden in Betracht gezogen, f�r die sie auch effektiv habe Rechnung stellen k�nnen. Sie habe vergessen, den Aufwand f�r die Vor- und Nachbereitung der in Rechnung gestellten Therapiesitzungen, die Reisezeit, den zeitlichen Aufwand f�r die Erledigung der B�roadministration, f�r Weiterbildungen, Supervisionen usw. sowie die Ferienzeit miteinzubeziehen. Effektiv habe sie bereits damals ein Arbeitspensum erf�llt, das bei einer unselbstst�ndigen Erwerbst�tigkeit mindestens mit einem 60 %-Pensum zu vergleichen w�re (S. 12 der Vernehmlassung zum Rekurs, amtl.Bel. 5).
Dass das Obergericht auf die Parteibefragung als Beweismittel (�� 156 ff. i.V.m. � 234 Abs. 1 ZPO/LU) nicht unbesehen abgestellt hat, erscheint nicht als willk�rlich. Einerseits finden sich Widerspr�che in der Aussage, hat doch die Beschwerdegegnerin f�r das Jahr 2006 eine bessere Auslastung - wenn auch nicht zu 80 % oder 100 % - als im Jahr 2005 behauptet, in Wirklichkeit aber ihr anrechenbares Einkommen lediglich von Fr. 2'753.-- auf Fr. 2'900.-- gesteigert und die Beratungsstunden von 22.6 auf 25.9 erh�ht. Andererseits bestehen Indizien f�r die behauptete angespannte Situation an der Parteibefragung, zumal auch der Beschwerdef�hrer "in der Hitze des Gefechts irrt�mlich" falsche Angaben gemacht und sich beim Amtsgerichtspr�sidenten daf�r nachtr�glich entschuldigt hat (Schreiben vom 11. Oktober 2006, A Beleg Nr. 9 des Amtsgerichts). Bestehen sachliche Gr�nde, auf ein Beweismittel nicht abzustellen, kann von Willk�r keine Rede sein.
2.2 Der Beschwerdef�hrer bestreitet nicht, dass zus�tzlich zu den Beratungsstunden, die in Rechnung gestellt werden, der Zeitaufwand f�r die Vor- und Nachbereitung zu ber�cksichtigen sei und dass das Verh�ltnis - im schlechtesten Fall - eins zu eins betragen d�rfte, d.h. 25.9 Beratungsstunden einem tats�chlichen Arbeitsaufwand von 52 Stunden entspr�chen. Als willk�rlich r�gt der Beschwerdef�hrer, dass das Obergericht zus�tzlich die Reisezeit, die Administration sowie den Weiterbildungs- und Supervisionsaufwand ber�cksichtigt habe und damit ein tats�chlich geleistetes Arbeitspensum der Beschwerdegegnerin von rund 50 % - auf das erzielte bzw. erzielbare Einkommen umgerechnet: 45 % - ermittelt habe.
Die obergerichtliche Unterscheidung kann sich auf sachliche Gr�nde st�tzen. Die Beschwerdegegnerin ist im Bereich der sog. aufsuchenden Familienberatung und Sozialtherapie t�tig. Gem�ss ihrer Gesch�ftsdokumentation erfolgt die Beratung im h�uslichen Umfeld der Familie (S. 7). Es fallen damit Fahrzeiten, f�r die - wie f�r die ebenfalls genannte Vor- und Nachbereitung der Beratungsarbeit - keine Kosten verrechnet werden (S. 9 der Gesch�ftsdokumentation, pet.Bel. Nr. 7 des Amtsgerichts). Dass Reisezeiten nicht zur Vor- und Nachbereitung geh�ren und davon zu unterscheiden sind, durfte damit unter Willk�rgesichtspunkten als urkundlich erwiesen angesehen werden. Dass das Obergericht f�r die Vor- und Nachbereitung einer Beratungsstunde eine Arbeitsstunde eingesetzt hat, kann ebenso wenig beanstandet werden, hat doch der Beschwerdef�hrer im kantonalen Verfahren geltend gemacht, es sei gerichtsnotorisch, dass jede Schullektion mit demselben Zeitumfang vor- oder nachbereitet werden m�sse (S. 6 der Vernehmlassung zum Gesuch vor Amtsgericht).
Wie sich Reisezeiten, Administration sowie Weiterbildungs- und Supervisionsaufwand auf das Einkommen eines selbstst�ndig Erwerbenden auswirken, d�rfte ohne verl�ssliche Buchhaltung und Belege in einem bloss summarischen Verfahren schwierig einzusch�tzen sein. Dass die Beschwerdegegnerin knapp zwei Jahre nach Aufnahme ihrer selbstst�ndigen Erwerbst�tigkeit ein monatliches Nettoeinkommen von rund Fr. 9'500.-- erzielen k�nnte, wie der Beschwerdef�hrer das behauptet (Fr. 2'900.-- = 30 %), erscheint nun aber mit Blick auf statistische Erhebungen zu vergleichbaren Berufst�tigkeiten weit weniger wahrscheinlich als die Annahme des Obergerichts, das monatliche Nettoeinkommen d�rfte f�r das Jahr 2006 rund Fr. 6'500.-- betragen haben (Fr. 2'900.-- = 45 %). Willk�r vermag der Beschwerdef�hrer mit seinen Berechnungen somit nicht darzutun (vgl. Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2007, hrsg. Bundesamt f�r Statistik, 114. Jahrgang, Z�rich 2007, S. 105 f. T 3.4.1.1 und T 3.4.2.1).
2.3 Aus den dargelegten Gr�nden durfte das Obergericht willk�rfrei davon ausgehen, das Nettoeinkommen der Beschwerdegegnerin von Fr. 2'900.-- entspreche einer Erwerbst�tigkeit von aufgerundet 50 % (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff der Willk�r in der Beweisw�rdigung: BGE 129 I 8 E. 2.1 Abs. 2 S. 9 und 173 E. 3.1 S. 178).
Das Obergericht hat der Beschwerdegegnerin ein monatliches Einkommen von Fr. 4'500.-- ab 1. Juli 2007 angerechnet und damit eine Erh�hung des Pensums auf 70 % ab diesem Zeitpunkt als m�glich und zumutbar erachtet (E. 3.3.2 S. 5 des angefochtenen Entscheids). Der Beschwerdef�hrer erhebt dagegen mehrere Verfassungsr�gen.
3.1 Ausgegangen ist das Obergericht mit einl�sslicher Begr�ndung davon, nur die Ausdehnung der bisherigen selbstst�ndigen Erwerbst�tigkeit sei zumutbar. Unter den gezeigten Umst�nden erscheine es als richtig und werde auch vom Beschwerdef�hrer nicht bestritten, dass das Amtsgericht der Beschwerdegegnerin nicht zugemutet habe, sich um eine Anstellung in einem Arbeitsverh�ltnis zu bem�hen (E. 3.3.2 Abs. 1 S. 5 des angefochtenen Entscheids). Die Bejahung der Unzumutbarkeit, eine unselbstst�ndige Erwerbst�tigkeit aufzunehmen, beruht somit auf zwei voneinander unabh�ngigen Begr�ndungen (materiell "richtig" und formell "nicht bestritten"), die - wie bis anhin (BGE 132 I 13 E. 3 S. 17) - unter Nichteintretensfolge beide angefochten werden m�ssen (Art. 42 Abs. 2 BGG; BGE 1B_9/2007 vom 19. M�rz 2007, E. 6.3). Die Aktenwidrigkeitsr�ge betreffend die angeblich fehlende Bestreitung (S. 13 f. Ziff. 10 der Beschwerdeschrift) erweist sich als unzul�ssig, zumal der Beschwerdef�hrer die Begr�ndung nicht anficht, weshalb es auch materiell "richtig" sei, der Beschwerdegegnerin eine unselbstst�ndige Erwerbst�tigkeit, z.B. als angestellte Familienarbeiterin ("Super-Nanny"), nicht zuzumuten. In Frage steht somit einzig, ob es der Beschwerdegegnerin tats�chlich m�glich und zumutbar ist, ihre bisherige Erwerbst�tigkeit als selbstst�ndige Beraterin und Therapeutin ab 1. Juli 2007 auszudehnen.
3.2 Der Beschwerdef�hrer macht geltend, bei korrekter Anwendung der Unterhaltsgrunds�tze sei der Beschwerdegegnerin bereits ab 1. Dezember 2006, also ab der faktischen Trennung und nicht erst nach einer �bergangsfrist ab 1. Juli 2007, eine 70 %-ige Erwerbst�tigkeit anzurechnen. Der Beschwerdef�hrer wendet sich ausdr�cklich nicht gegen die zumutbare Erh�hung des Arbeitspensums auf 70 %, sondern einzig gegen die Einr�umung der �bergangsfrist bis zum 1. Juli 2007. Darin erblickt er eine Verletzung von Art. 8 Abs. 3 BV und von Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB (S. 9 ff. Ziff. 8 der Beschwerdeschrift). Die Frage nach der angemessenen �bergangsfrist hat das Obergericht allein unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung beantwortet. Alle weiter angef�hrten Gr�nde - zeitliche Reserve f�r den Abschluss der Dissertation, Auftragslage, gute wirtschaftliche Verh�ltnisse der Ehegatten und Arbeitspensum des Beschwerdef�hrers - betreffen unmittelbar nur die Frage, ob eine Ausdehnung der selbstst�ndigen Erwerbst�tigkeit auf 70 % oder 100 % als zumutbar erscheine (E. 3.3.2 Abs. 2 S. 5 f. des angefochtenen Entscheids).
Wo die Pflicht zur Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbst�tigkeit bejaht wird, ist eine angemessene Frist zur Umstellung einzur�umen. Der betroffene Ehegatte muss hinreichend Zeit daf�r haben, die rechtlichen Vorgaben in die Wirklichkeit umzusetzen. Was "angemessen" ist, beurteilt sich auf Grund s�mtlicher Umst�nde des konkreten Einzelfalls (vgl. BGE 114 II 13 E. 5 S. 17; 129 III 417 E. 2.2 S. 420). Bei selbstst�ndiger Erwerbst�tigkeit d�rfte erfahrungsgem�ss mit einer "Durststrecke" von zwei bis drei Jahren zu rechnen sein, bis ein volles Einkommen erzielt werden kann. In diesem Sinne hat es das Bundesgericht als willk�rlich bezeichnet, einem Ehegatten in den ersten zwei Gesch�ftsjahren seiner selbstst�ndigen Erwerbst�tigkeit - ohne n�here Abkl�rungen - zus�tzlich einen hypothetischen Nebenverdienst anzurechnen (Urteil 5P.35/2002 vom 6. Juni 2002, E. 2.2.3, in: FamPra.ch 2002 S. 808). Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin ihre Erwerbst�tigkeit im Oktober 2004 aufgenommen und bis Ende 2006 auf rund 50 % ausgebaut. Dass das Obergericht ihr f�r die weitere Erh�hung der Erwerbst�tigkeit auf 70 % rund sechs Monate bis Ende Juni 2007 zugestanden hat, erscheint mit R�cksicht auf die erw�hnten Erfahrungstatsachen nicht als willk�rlich.
Inwiefern die obergerichtliche Regelung die Gleichberechtigung der Geschlechter (Art. 8 Abs. 3 BV) verletzen k�nnte, wird in der Beschwerdeschrift nicht ausreichend klar begr�ndet (Art. 42 Abs. 2 BGG). Der Beschwerdef�hrer weist selber darauf hin, dass der Gesetzgeber die Gleichberechtigung in der Leitbestimmung des Unterhaltsrechts verwirklicht hat, wonach beide Ehegatten gemeinsam, ein jeder nach seinen Kr�ften, f�r den geb�hrenden Unterhalt der Familie sorgen (Art. 163 Abs. 1 ZGB). In Frage st�nde damit die verfassungskonforme Auslegung von Bundesgesetzesrecht (vgl. Art. 35 Abs. 3 BV), zumal die verfassungsm�ssige Garantie der allgemeinen Gleichstellung von Mann und Frau (Art. 8 Abs. 3 BV) im Verh�ltnis zwischen Privaten nicht direkt angerufen werden kann (BGE 114 Ia 329 E. 2b S. 331; f�r den Eheschutz: Urteil 5P.103/2004 vom 7. Juli 2004, E. 2.1, in: SJ 2005 I S. 30). Genau besehen richten sich die R�gen des Beschwerdef�hrers indes nicht gegen die Gesetzesanwendung, sondern gegen die Beurteilung der M�glichkeit, die Erwerbst�tigkeit ab 1. Dezember 2006 statt erst ab 1. Juli 2007 zu erh�hen, und damit gegen die W�rdigung tats�chlicher Verh�ltnisse (BGE 126 III 10 E. 2b S. 12; 128 III 4 E. 4c/bb S. 7), die das Bundesgericht selbst bei schweren Grundrechtseingriffen nur auf Willk�r hin �berpr�fen k�nnte (BGE 132 I 21 E. 3.2.3 S. 24). Dem hiervor Gesagten ist deshalb nichts beizuf�gen.
3.3 Die obergerichtliche Beurteilung des hypothetischen Einkommens kann aus den dargelegten Gr�nden nicht beanstandet werden (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff der Willk�r in der Ermessensaus�bung: BGE 109 Ia 107 E. 2c S. 109; 128 III 4 E. 4b S. 7).
Gegen die konkrete Bemessung des Unterhaltsbeitrags wendet der Beschwerdef�hrer Willk�r in der Rechtsanwendung ein. Das Obergericht habe die Verhandlungsmaxime verletzt (S. 11 ff. Ziff. 9) und sich aus Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB ergebende Grunds�tze missachtet (S. 14 ff. Ziff. 11 der Beschwerdeschrift).
4.1 Eine willk�rliche Anwendung des Verhandlungsgrundsatzes (� 60 Abs. 1 ZPO/LU) erblickt der Beschwerdef�hrer darin, dass das Obergericht im Bedarf der Beschwerdegegnerin Fr. 82.-- f�r eine Erwerbsausfallversicherung und einen Steuermehrbetrag von Fr. 150.-- (insgesamt Fr. 700.-- ab 1. Juli 2007) ber�cksichtigt habe, obwohl die Beschwerdegegnerin diese beiden Positionen weder in erster Instanz noch in der Rekursvernehmlassung geltend gemacht und die Bedarfsrechnung auch nicht beanstandet habe. Entgegen dieser Darstellung hat die Beschwerdegegnerin vor erster Instanz die Ber�cksichtigung von Fr. 979.-- (= Fr. 82.-- pro Monat) f�r die Erwerbsausfallversicherung (Protokollerkl�rung an der Verhandlung vom 10. Oktober 2006) und von Fr. 900.-- an Steuern (S. 11 und S. 13 des Gesuchs) verlangt. Beide Betr�ge werden somit durch Tatsachenbehauptungen der Beschwerdegegnerin gedeckt. Es geht deshalb nicht um die Verhandlungsmaxime, sondern um den Prozessgrundsatz, dass die Rechtsmittelinstanz bei vollkommenen Rechtsmitteln von allen Parteierkl�rungen, m�gen sie in der ersten Instanz oder im Rechtsmittelverfahren aufgestellt worden sein, Kenntnis zu nehmen hat, d.h. dass bei vollkommenen Rechtsmitteln die in erster Instanz aufgestellten Tatsachenbehauptungen und Beweisantretungen im Rechtsmittelverfahren nicht im Einzelnen wiederholt zu werden brauchen (vgl. Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3.A. Z�rich 1979, S. 503). Da es sich beim Rekurs um ein vollkommenes Rechtsmittel handelt (Studer/R�egg/Eiholzer, Der Luzerner Zivilprozess, Kriens 1994, N. 3 der Vorbem. zu den �� 245-290 und N. 1 zu � 258 ZPO/LU), erscheint es nicht als willk�rlich, in erster Instanz aufgestellte Tatsachenbehauptungen zu ber�cksichtigen, obwohl die Beschwerdegegnerin diese in ihrer Rekursvernehmlassung nicht eigens wiederholt hat.
4.2 Im Zusammenhang mit den R�ckstellungen f�r die laufende Steuerlast r�gt der Beschwerdef�hrer, dass er bei g�nzlichem oder teilweisem Wegfall der Unterhaltspflicht nicht bloss Fr. 850.-- zu versteuern habe, wovon das Obergericht ausgegangen sei, sondern auf Grund der h�heren Progression ca. Fr. 1'500.-- pro Monat. Die Behauptung d�rfte allgemein zutreffen, doch legt der Beschwerdef�hrer nicht dar, welche Tatsachen und Beweismittel er zur Frage der ihm anrechenbaren Steuern im kantonalen Verfahren vorgebracht hat. Die Beschwerdebegr�ndung gestattet die Beurteilung insoweit nicht, ob und inwiefern das Obergericht hier massgebende Prozessgrunds�tze (E. 4.1 soeben) verletzt haben k�nnte. Im Geltungsbereich des R�geprinzips (E. 1 hiervor) ist es auch nicht Sache des Bundesgerichts, in den kantonalen Akten nach der Begr�ndung der behaupteten Verfassungsverletzung zu suchen.
4.3 Der Beschwerdef�hrer macht weiter geltend, die vom Obergericht zus�tzlich ber�cksichtigte Pr�mie f�r die Erwerbsausfallversicherung sei in der erstinstanzlichen Ertragsberechnung auf Seiten der Beschwerdegegnerin bereits enthalten gewesen, so dass sie nunmehr doppelt angerechnet werde. Die Darstellung erfolgt wider besseres Wissen. Das Amtsgericht hat festgehalten, die Pr�mien f�r die Krankentaggeld- und die Erwerbsausfallversicherung seien - wie die in der Ertragsrechnung aufgef�hrte Pr�mie f�r die Berufshaftpflicht - �ber die Firma abzurechnen (S. 11 mit Hinweis auf pet.Bel. 8). Die Formulierung, aber auch der verwiesene Beleg machen deutlich, dass die Pr�mie f�r die Erwerbsausfallversicherung anders als die Pr�mie f�r die Berufshaftpflichtversicherung nicht im Gesch�ftsabschluss (pet.Bel. Nr. 8) enthalten und deshalb zus�tzlich vom ausgewiesenen Ertrag abzuziehen gewesen ist. Eine doppelte Ber�cksichtigung, die Willk�r bedeutete, liegt nicht vor.
4.4 Schliesslich wendet sich der Beschwerdef�hrer gegen die Aufteilung der im kantonalen Verfahren festgestellten Sparquote auf beide Ehegatten (vgl. E. 3.4.2 S. 8 des angefochtenen Entscheids). Seinen gesamten Darlegungen liegen unzutreffende Annahmen zugrunde. Es geht nicht um den Anteil der Beschwerdegegnerin "an der vom Beschwerdef�hrer erarbeiteten unstrittigen Sparquote von Fr. 1'600.--" (S. 14 Ziff. 11 der Beschwerdeschrift), sondern um die von beiden Ehegatten erarbeitete Sparquote, zumal auch die Beschwerdegegnerin vor der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts am 1. Dezember 2006 erwerbst�tig gewesen ist und seit Oktober 2004 ein monatliches Erwerbseinkommen von Fr. 2'750.-- (2004/05) bzw. Fr. 2'900.-- (2006) erzielt hat. Weder die Annahme, bis zum Beweis des Gegenteils h�tten beide erwerbst�tigen Ehegatten zur Sparquote anteilsm�ssig beigetragen, noch die Aufteilung der in diesem Sinne gemeinsamen Sparquote unter den Ehegatten erscheint nach der Praxis als willk�rlich (z.B. Urteil 5P.6/2004 vom 12. M�rz 2004, E. 3.2.2, in: FamPra.ch 2004 S. 666 f.). Gegen die obergerichtliche Methode wendet der Beschwerdef�hrer nichts ein, so dass letztlich dahingestellt bleiben kann, ob die ganze w�hrend des ehelichen Zusammenlebens ge�ufnete Sparquote aufzuteilen ist (so z.B. Br�m, Z�rcher Kommentar, 1998, N. 112 zu Art. 163 ZGB) oder nur die nach Abzug der trennungsbedingten Mehrkosten verbleibende Sparquote (so z.B. Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, Bern 1997, N. 02.65 und N. 02.66 S. 89, und Spycher, Unterhaltsleistungen bei Scheidung, Diss. Bern 1996, S. 173 f., mit Hinweisen). Inwiefern durch die Aufteilung der Sparquote hier die g�terrechtliche Auseinandersetzung vorweggenommen werden k�nnte, wird vom Beschwerdef�hrer zudem nicht n�her erl�utert und ist auch schwer nachvollziehbar, gilt doch unter den Ehegatten mit Wirkung ab 20. Juli 2006 die G�tertrennung. Insgesamt bringt der Beschwerdef�hrer nichts vor, was die Behandlung der gemeinsamen Sparquote der Ehegatten durch das Obergericht als geradezu verfassungswidrig erscheinen lassen k�nnte.
4.5 Nach dem Gesagten bleibt die Beschwerde auch erfolglos, was die R�gen gegen die Bemessung des Unterhaltsbeitrags angeht (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff der Willk�r in der Rechtsanwendung: BGE 132 I 13 E. 5.1 S. 17 und 175 E. 1.2 S. 177).

References: Art. 172
 Art. 51
 Art. 98
 BGE 
 BGE 
 Art. 8
 Art. 176
 BGE 
 Art. 35
 BGE 
 Art. 176
 Art. 163
 BGE