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Timestamp: 2016-10-25 01:37:10+00:00

Document:
8C_264/2014 � � Urteil vom 5. November 2014
Invalidenversicherung (Neuanmeldung; Revision; Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit; Invalidit�t; Invalidenrente),
Der 1968 geborene A.________ meldete sich am 3. Dezember 2004 wegen der Folgen eines Unfalles vom 16. M�rz 2004 (Riss der rechten Schultergelenkskapsel, komplexes regionales Schmerzsyndrom I) zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Die IV-Stelle Luzern zog die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) bei und holte das Gutachten des Dr. med. B.________, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Dezember 2007 ein. Mit Verf�gung vom 8. Januar 2010 verneinte sie einen Anspruch auf Invalidenrente mangels leistungsbegr�ndenden Invalidit�tsgrades.
Am 25. Oktober 2011 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. Er brachte u.a. den Bericht der psychiatrischen Tagesklinik C.________ vom 16. November 2011 ins Verwaltungsverfahren ein, worauf die IV-Stelle eine Begutachtung bei Dr. med. D.________, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, veranlasste (Expertise vom 6. Mai 2012). Nach durchgef�hrtem Vorbescheidverfahren hielt sie mit Verf�gung vom 25. Juni 2012 fest, der Einkommensvergleich ergebe einen unter der Erheblichkeitsschwelle von 40 % liegenden Invalidit�tsgrad, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe.
Hiegegen liess A.________ Beschwerde einreichen und im Hauptpunkt beantragen, er sei gest�tzt auf einen Invalidit�tsgrad von 55 % zu berenten. Im Laufe des Verfahrens am Kantonsgericht Luzern liess er unter Auflage des vom Bezirksgericht Willisau in Auftrag gegebenen Gutachtens der medizinischen Gutachterstelle E.________ vom 3. Dezember 2012 in Ab�nderung des Beschwerdebegehrens beantragen, ihm sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Mit Entscheid vom 20. Februar 2014 sprach das kantonale Gericht dem Versicherten ab 1. August 2012 eine ganze Invalidenrente zu.
Die IV-Stelle f�hrt Beschwerde und beantragt, der kantonale Entscheid sei aufzuheben; eventualiter sei die Sache zu weiteren Abkl�rungen an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Mit Verf�gung vom 22. Mai 2014 erteilt die Instruktionsrichterin des Bundesgerichts der Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
2.1.�Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber die Erwerbsunf�higkeit (Art. 7 ATSG), die Invalidit�t (Art. 8 Abs. 1 ATSG; Art. 4 Abs. 1 IVG), die Rentenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG; BGE 134 V 131 E. 3 S. 132), die Invalidit�t bei psychischen Gesundheitssch�den (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50; 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353) und den Beweiswert von Arztberichten richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
2.2.�Zu erg�nzen ist Folgendes: Den von den Versicherungstr�gern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial�rzte darf das Gericht vollen Beweiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl�ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2 S. 232; 135 V 465 E. 4.4 S. 470). Ein Parteigutachten besitzt nicht den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder vom Versicherungstr�ger nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten. Es verpflichtet indessen das Gericht, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien f�r die Beweisw�rdigung folgend, zu pr�fen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassung und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder vom Versicherungstr�ger f�rmlich bestellten Gutachters derart zu ersch�ttern vermag, dass davon abzuweichen ist (vgl. BGE 125 V 351).
Prozessthema bildet die Frage, ob sich der Invalidit�tsgrad seit der letzten rechtskr�ftigen Rentenablehnung (Verf�gung der IV-Stelle Luzern vom 8. Januar 2010) bis zur verf�gungsweisen Neupr�fung vom 25. Juni 2012 in revisionsrechtlich erheblicher Weise ver�ndert hat (Art. 87 Abs. 4 in Verbindung mit Abs. 3 IVV; Art 17 Abs. 1 ATSG). Dabei ist zu beachten, dass Anlass zur Rentenrevision jede wesentliche �nderung in den tats�chlichen Verh�ltnissen gibt, die geeignet ist, den Invalidit�tsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Allerdings stellt eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine revisionsbegr�ndende Tatsachen�nderung dar (BGE 112 V 371 E. 2b S. 372). Praxisgem�ss ist die Invalidenrente aber auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich ver�ndert haben (BGE 133 V 545 E. 6.1 S. 546; 130 V 343 E. 3.5 S. 349 f. mit Hinweisen). Diese Grunds�tze gelten sinngem�ss auch im Neuanmeldeverfahren nach Art. 87 Abs. 4 IVV (BGE 117 V 198).
4.1.1.�Das kantonale Gericht hat zutreffend erkannt, dass der Ablehnungsverf�gung vom 8. Januar 2010 das Gutachten des Dr. med. B.________ vom 5. Dezember 2007 zugrunde lag. Danach litt der Versicherte seit dem Unfall vom 16. M�rz 2004 an therapieresistenten Schmerzen im Bereich des rechten Armes, des rechten Knies und des rechten Sprunggelenks, deren Ausmass durch somatische Befunde nicht hinreichend objektiviert werden konnten. Angesichts der Schwierigkeiten, mit den k�rperlichen Beschwerden und den damit zusammenh�ngenden Einschr�nkungen in Bezug auf eine Arbeitst�tigkeit umzugehen, war entgegen dem konsiliarischen Befund der Rehaklinik F.________ eine psychiatrisch relevante anhaltende somatoforme Schmerzst�rung (ICD-10 F45.4) zu diagnostizieren, die sich allerdings im Alltags- und Berufsleben bei zumutbarer ad�quater Behandlung nicht beeintr�chtigend auswirken sollte.
4.1.2.�Im Hinblick auf die nach der Neuanmeldung vom 25. Oktober 2011 erlassene Ablehnungsverf�gung vom 25. Juni 2012 hat das kantonale Gericht erwogen, dass sich der Gesundheitszustand gem�ss den in allen wesentlichen Teilen �bereinstimmenden psychiatrischen Beurteilungen der Tagesklinik C.________ vom 16. November 2011, des Dr. med. D.________ vom 6. Mai 2012 sowie der medizinischen Gutachterstelle E.________ vom 3. Dezember 2012 zumindest ab August 2011 (Eintritt in die Tagesklinik C.________) in revisionsrechtlich erheblicher Weise verschlechtert hatte und der Versicherte auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr, im gesch�tzten Rahmen allenfalls noch teilweise einsetzbar war. Nach den weiteren Erw�gungen der Vorinstanz hatten die begutachtenden und Auskunft gebenden Fachpersonen differenziert dargelegt, dass die Arbeitsunf�higkeit nicht allein aufgrund der chronischen Schmerzst�rung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), sondern auch wegen der pers�nlichen Eigenschaften, der k�rperlichen Begleiterkrankungen, der langj�hrigen Beschwerden, der mangelnden Therapieerfolge sowie der zus�tzlich bestehenden psychischen Begleiterkrankungen anzunehmen war, die diagnostisch als mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), Panikst�rung (ICD-10 F.41.0) bzw. Agoraphobie mit Panikst�rung (ICD-10 F.40.01) sowie (Verdacht auf eine) kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung mit narzisstischen und paranoiden Anteilen (ICD-10 F60.1 bzw. F61) erfasst wurden. Wohl war Dr. med. D.________ bez�glich der mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) von einer Besserung ausgegangen, er hatte aber an der von der Tagesklinik C.________ eingesch�tzten Arbeitsf�higkeit festgehalten.
4.2.�Die IV-Stelle macht zum einen geltend, die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung sei teilweise offensichtlich unrichtig und unvollst�ndig, zum anderen habe das kantonale Gericht die Rechtsfrage, ob eine psychische Komorbidit�t von hinreichender Erheblichkeit die willentliche Schmerz�berwindung ausnahmsweise als unzumutbar erscheinen lasse, nicht begr�ndet.
4.3.1.�Das Bundesgericht hat sich in BGE 139 V 547 mit dem Begriff des pathogenetisch-�tiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildes ohne organische Grundlage (im Folgenden: unklares Beschwerdebild) einl�sslich auseinandergesetzt und hat die Praxis best�tigt (grundlegend: BGE 130 V 352), wonach die allein darauf gest�tzte medizinische Einsch�tzung der Arbeitsunf�higkeit in der Regel nicht zum Nachweis einer rentenbegr�ndenden Invalidit�t gen�gt. Diese setzt zusammengefasst (E. 9.4 S. 568 in Verbindung mit E. 7.1.1 ff. und 7.2 S. 560 ff.) eine gesundheitlich bedingte, erhebliche und evidente, dauerhafte sowie objektivierbare Beeintr�chtigung des Gesundheitszustandes voraus. Den unklaren Beschwerdebildern ist eigen, dass mittels klinischer Untersuchungen weder Pathologie noch �tiologie nachweis- oder erkl�rbar sind. Sie verm�gen daher aus rechtlicher Sicht f�r sich allein den Nachweis einer gesundheitlichen Einschr�nkung mangels Objektivierbarkeit nicht zu erbringen. Insofern unterscheiden sich die Diagnosen unklarer Beschwerdebilder von den "klassischen", beispielsweise affektiven St�rungen sachlich entscheidend, und es rechtfertigt sich, sie namentlich mit Blick auf die Beweislast gesondert zu beurteilen. Die gest�tzt auf diese Erkenntnisse und �berlegungen ergangene Rechtsprechung ist vom Gesetzgeber unter anderem im Zuge der 5. IV-Revision (Art. 7 Abs. 2 ATSG, in Kraft gesetzt am 1. Januar 2008) in das Bundesrecht �bernommen worden. Die Anwendung dieser Vorschrift setzt allerdings nach wie vor eine fachgerechte und umfassende Begutachtung der betroffenen Versicherten voraus.
4.3.2.�Weiter k�nnen gem�ss BGE 139 V 547 die psychiatrisch festgestellten einzelnen St�rungsbilder Gemeinsamkeiten haben und sie k�nnen sich �berschneiden (E. 9.2 Ingress S. 566 f. mit Hinweis auf BGE 137 V 210), weshalb die versicherte Person in der Regel fachmedizinisch nach dem verfahrensrechtlich vorgeschriebenen Prozedere zu begutachten ist. Selbst wenn rechtlich betrachtet ein unklares Beschwerdebild vorliegt, muss fach�rztlich gepr�ft werden, ob nicht ein anderes St�rungsbild gegeben ist, das anhand klinischer und/oder anderweitiger Untersuchungen zuverl�ssig nachgewiesen werden kann (E. 9.4 S. 568 in Verbindung mit E. 9.2.1 S. 567).
4.3.3.�Allerdings kann, wie die IV-Stelle insoweit zu Recht geltend macht, ein unklares Beschwerdebild auch vorliegen, wenn eine depressive Erkrankung und/oder eine Agoraphobie mit Panikst�rung bloss als Begleiterscheinung eines psychogenen Schmerzgeschehens und nicht als ein selbstst�ndiges, davon losgel�stes Leiden anzusehen ist (SVR 2012 IV Nr. 22 S. 95, 8C_302/2011 E. 2.4; Urteile 9C_521/2012 vom 17. Januar 2013 E. 3.1.2 und 4.1 sowie 9C_246/ 2012 vom 16. Juli 2012 E. 3.5.2 f.). Das Bundesgericht ist beim Zusammentreffen einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung ohne hinreichendes organisches Korrelat mit einer leicht- bis mittelgradigen depressiven Episode auch schon davon ausgegangen, dass letzte in erster aufgeht (vgl. neben dem von der IV-Stelle zitierten Urteil z.B. auch 9C_414/2012 vom 10. August 2012 E. 3.2.2 mit Hinweis). Jedoch f�hren auch derartige Konstellationen nicht ohne Weiteres dazu, dass von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunf�higkeit abzuweichen ist (vgl. z.B. Urteil 9C_1041/2010 vom 30. M�rz 2011 E. 5).
4.4.�Im Hinblick auf die Beurteilung, ob eine anhaltende somatoforme Schmerzst�rung - oder ein vergleichbarer �tiologisch-pathogenetisch unklarer syndromaler Zustand (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 399) - mit invalidisierender Wirkung vorliegt, gilt kognitionsrechtlich Folgendes: Zu den vom Bundesgericht nur eingeschr�nkt �berpr�fbaren�
4.5.1.1.�Die Tagesklinik C.________ hielt im Bericht vom 16. November 2011 fest, dass den psychischen Faktoren eine wichtige Rolle f�r Schweregrad, Exazerbation und Aufrechterhaltung der Schmerzen beizumessen war, sie jedoch nicht urs�chlich f�r deren Beginn waren. Der Schmerz wurde nicht absichtlich hervorgerufen oder vorget�uscht und erzeugte hohes Leiden. Es handelte sich um eine Schmerzst�rung, wie sie im Zusammenhang mit einer affektiven Angst oder Somatisierungsst�rung beschrieben wird und die durch W�rme getriggert wurde, weshalb sich der Patient h�ufig in den Keller zur�ckzog. Durch F�hren eines Schmerz- und Gef�hlsprotokolls konnte ein Zusammenhang starker Emotionen mit Zunahme der Schmerzen erstellt werden. Der Versicherte bedurfte nach wie vor intensiver psychiatrisch/psychotherapeutischer Behandlung im ambulanten Setting, gegebenenfalls sp�ter erneut im tagesklinischen Rahmen. Er neigte dazu, sich bei reduziertem Schmerzempfinden zu �berfordern, was jeweils in einer Schmerzexazerbation endete. Aufgrund der psychopathologischen Beurteilung und der anamnestischen Angaben war eine depressive Episode mittelgradiger Auspr�gung zu diagnostizieren. Dabei waren wichtige Kriterien die gedr�ckte Stimmung, der Interessenverlust, die Freudlosigkeit, die Verminderung des Antriebs aber auch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsst�rungen, vermindertes Selbstwertgef�hl, Gef�hle der Wertlosigkeit, negative, pessimistische Zukunftsperspektiven als auch Suizidgedanken. Zudem hatten die auch in der Tagesklinik beobachtbaren Existenz- und Zukunfts�ngste, die sich in deutlichen Depersonalisations- und Dissoziationsph�nomenen �usserten, ein Ausmass angenommen, das die Annahme einer psychiatrisch relevanten Panikst�rung rechtfertigte.
4.5.1.2.�Dr. med. D.________ (Gutachten vom 6. Mai 2012) best�tigte im Wesentlichen die psychiatrisch relevanten Befunde der Tagesklinik C.________. Er hielt fest, dass die kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung gem�ss ICD-10 F60.1 den Versicherten dazu disponierte, den Unfall vom 16. M�rz 2004 und dessen Folgen nicht angemessen verarbeiten zu k�nnen, weshalb er l�ngerfristig mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung (ICD-10 F45.4) reagierte. Der Versicherte imponierte als leistungsorientierte Pers�nlichkeit, was trotz der Hinweise auf eine relevante Pers�nlichkeitsst�rung auch als Ressource zu verstehen war. Dementsprechend erzielte er in der Tagesklinik C.________ therapeutisch betrachtet g�nstige Ergebnisse. Aktuell konnte die Panikst�rung nicht mehr festgestellt werden und das Ausmass der Depression war - bei deutlich gebessertem Zustand - unter ad�quater Behandlung weiter remissionsf�hig.
4.5.1.3.�Der psychiatrische Sachverst�ndige der medizinischen Gutachterstelle E.________ (Teilgutachten vom 6. September 2012) hielt unter dem Titel "Diagnosekriterien nach ICD-10" fest, seit acht Jahren bestehe ein kontinuierlich anhaltender Schmerz des rechten Unterarmes sowie der rechten Hand und teilweise auch des rechten Beines, der nicht ausreichend durch ein k�rperliches Korrelat erkl�rt werden konnte, der aber anhaltend den Hauptfokus der Aufmerksamkeit des Exploranden bildete. Der Schmerz trat auf, nachdem R�hren auf ihn gefallen waren und ihn umrissen, die depressive sowie die Angstsymptomatik entwickelten sich erst im sp�teren Verlauf, sodass die Diagnosekriterien nach ICD-10 f�r eine chronische Schmerzst�rung mit somatischen und psychischen Faktoren erf�llt waren. Die aktenanamnestisch beschriebene situationsabh�ngige Bewegungseinschr�nkung des rechten Armes liess auch an eine dissoziative Bewegungsst�rung denken. Da aber nach ICD-10 Schmerzst�rungen erstrangig unter F45 zu erfassen waren, sollte die Schmerzsymptomatik - auch wenn sie �ber eine reine Schmerzsymptomatik hinausging - trotzdem als somatoforme Schmerzst�rung kodiert werden. Daneben hatte sich eine depressive Symptomatik entwickelt, mit authentisch geschilderter depressiver Stimmung, Interessen- und Freudverlust an Aktivit�ten, Verlust des Selbstwertgef�hls, Schuldgef�hlen und massiven Schlafst�rungen, die in den letzten Jahren nicht dauernd remittent war, weshalb auch k�nftig von einer anhaltend mittelschweren depressiven Episode auszugehen war. Sodann bestand seit mindestens einem Jahr eine Agoraphobie mit rezidivierenden Panikattacken; der Versicherte mied Menschenmengen und vermochte alleine keine l�ngeren Strecken ausser Haus mehr zur�ckzulegen. Schliesslich ergab sich der starke Verdacht auf eine St�rung der Pers�nlichkeit und des Verhaltens; die inneren Erfahrungs- und Verhaltensmuster des Exploranden wichen deutlich von den kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben ab, was sich auf den Umgang mit anderen Menschen auswirkte. Neben diesen allgemeinen Merkmalen einer Pers�nlichkeitsst�rung waren auch Hinweise f�r eine kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung im Sinne einer massiven Selbstwertproblematik zu erkennen, zumal der Versicherte �bertrieben empfindlich auf R�ckschl�ge und Zur�cksetzungen zu reagieren schien. Insgesamt bestanden befundm�ssig keine Diskrepanzen zum Bericht der Tagesklinik C.________ sowie dem Gutachten des Dr. med. D.________; entgegen dessen Auffassung wirkten sich allerdings die anhaltende somatoforme Schmerz- sowie die kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung relevant auf die Arbeitsf�higkeit aus.
4.5.2.�Wie das kantonale Gericht richtig festgehalten hat, leidet der Versicherte an einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung. Bei diesem Beschwerdebild besteht die Vermutung, es sei mit zumutbarer Willensanstrengung �berwindbar, das heisst mit der Aus�bung einer leidensangepassten T�tigkeit vereinbar; sie kann denn auch nur unter spezifischen Voraussetzungen Rentenleistungen ausl�sen (BGE 131 V 49; 130 V 352 E. 2.2.2 S. 353). Hinsichtlich der einzelnen Kriterien, deren Anwendung einer Rechtsfrage entspricht, ist Folgendes festzuhalten:
4.5.2.1.�Aus den in E. 4.5.1 hievor zitierten medizinischen Akten ergibt sich unstrittig, dass anamnestisch und klinisch auff�llige Pers�nlichkeitsmerkmale festzustellen waren, die nicht auf Aggravation oder gar Simulation von Symptomen beruhten. Anamnestisch lag eine seit Jugend bestehende Pers�nlichkeitsst�rung vor, die sich im Erwachsenenalter zu einer (verdachtsweise) kombinierten Pers�nlichkeitsst�rung ausweitete. Zudem war eine Agoraphobie mit Panikst�rung zu diagnostizieren, die zu Depersonalisations- und Dissoziationsph�nomenen f�hrte (vgl. E. 4.5.1.3 in fine und 4.5.1.1 in fine hievor). In Zusammenhang mit diesen Befunden diagnostizierten die �rzte, wie die Vorinstanz zumindest implizit richtig festgestellt hat, eine anhaltende depressive Episode, die als ein von der anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung verselbstst�ndigtes Leiden anzusehen war. Daher ist davon auszugehen, dass der Beschwerdef�hrer an einem relevanten, zur anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung hinzu getretenen (komorbiden) Gesundheitsschaden litt. Zu dessen Schwere, Intensit�t, Auspr�gung und Dauer (vgl. BGE 131 V 49; 130 V 352 E. 2.2.2 S. 354) ist aufgrund der psychiatrischen Ausk�nfte davon auszugehen, dass der Versicherte jedenfalls vorl�ufig nur einer Arbeit nachzugehen in der Lage war, die er im gesch�tzten Rahmen werde erf�llen k�nnen.
4.5.2.2.�Die medizinischen Akten weisen einen mehrj�hrigen, chronifizierten Krankheitsverlauf mit zun�chst unver�nderter, sp�ter aber progredienter Symptomatik ohne l�nger dauernde R�ckbildung aus. Es trifft zwar zu, wie die IV-Stelle vorbringt, dass Dr. med. D.________ hinsichtlich der depressiven St�rung von einer Remission ausgegangen war, indessen hat die Vorinstanz verbindlich festgestellt, dass er an der von der Tagesklinik C.________ angegebenen Arbeitsf�higkeit festhielt. Zudem ging auch der psychiatrische Gutachter der medizinischen Gutachterstelle E.________ davon aus, dass zumindest seit der von ihm durchgef�hrten Exploration keine nennenswerte Arbeitsf�higkeit ausserhalb eines gesch�tzten Rahmens bestand.
4.5.2.3.�Was das Kriterium des sozialen R�ckzugs anbelangt, wurden bereits im Bericht der Tagesklinik C.________ deutlich feststellbare Depersonalisations- und Dissoziationsph�nomene festgestellt (E. 4.5.1.1 hievor). Der psychiatrische Gutachter der medizinischen Gutachterstelle E.________ hielt in diesem Zusammenhang fest, der Explorand sei seit Jahren impotent, die Kollegen des Sportvereins h�tten sich von ihm abgewendet, auch der Kontakt zu seinen Schwestern sei abgebrochen. Diese Umst�nde weisen auf ein erheblich gest�rtes Sozialleben hin. Daran �ndert nichts, dass der Versicherte gem�ss den weiteren Ausk�nften des psychiatrischen Sachverst�ndigen der medizinischen Gutachterstelle E.________ auch fortan mit der Ehefrau und deren Tochter zusammenlebte und die Eltern sowie vor allem sein Chef in der Behindertenwerkstatt Bezugspersonen waren, auf deren Anteilnahme und Wertsch�tzung er Wert legte. Entscheidend ist, dass der Beschwerdef�hrer nicht mehr in der Lage war, aus eigener Kraft soziale Kontakte zu pflegen oder aufrecht zu erhalten.
4.5.2.4.�Ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missgl�ckten, psychisch aber entlastenden Konfliktbew�ltigung (prim�rer Krankheitsgewinn) ist insoweit anzunehmen, als der Versicherte laut psychiatrischem Teilgutachten der medizinischen Gutachterstelle E.________ einem m�glichen schwierigen beruflichen Umfeld, in dem unter Zeitdruck gearbeitet werden muss, ausgewichen war. Dieser Zusammenhang war ihm nicht bewusst. Allerdings stand der Versicherte einer psychotherapeutischen Behandlung mittlerweile insoweit offen gegen�ber, dass er f�r sich selber eine Zukunftsperspektive und eine berufliche Entwicklungsm�glichkeit im Rahmen eines gesch�tzten Arbeitsplatzes sah.
4.5.2.5.�Das Kriterium, ob eine konsequent durchgef�hrte ambulante oder station�re Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person gescheitert sei, ist angesichts der von mehreren Gutachtern und Therapeuten wiederholt ge�usserten Auffassung, das psychopathologische Beschwerdebild lasse sich nur schwer beeinflussen, ohne Weiteres zu bejahen. Es ist unter anderem nicht zu �bersehen, dass aufgrund aller station�r durchgef�hrten Rehabilitationsaufenthalte keine wesentliche und dauerhafte Verbesserung des Gesundheitszustands erzielt werden konnte.
4.5.2.6.�Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdef�hrer an chronischen Bewegungseinschr�nkungen des rechten dominanten Armes litt, die ihm die Wiederaufnahme einer Arbeitst�tigkeit in den vor Eintreten des Gesundheitsschadens ausge�bten Berufen erheblich erschwerten oder gar unm�glich machten.
4.5.3.�Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschwerdef�hrer ausweislich der Akten an psychiatrisch ausgewiesenen Gesundheitsbeeintr�chtigungen litt, die sich nicht allein in einer anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung ersch�pften. Vielmehr ist mit dem kantonalen Gericht davon auszugehen, dass die anhaltende Schmerzsymptomatik den Beschwerdef�hrer daran hinderte, eine Arbeitst�tigkeit ausserhalb eines gesch�tzten Rahmens aufzunehmen. Unter diesen Umst�nden ist der vorinstanzliche Entscheid nicht zu beanstanden.
5.1.�Die Gerichtskosten sind der unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).
5.2.�Sie hat den Beschwerdegegner dem Aufwand gem�ss zu entsch�digen (Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG).

References: Art. 4
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 Art. 44
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 Art. 87
 BGE 
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