Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=1045
Timestamp: 2019-02-16 17:49:12+00:00

Document:
von den testamenten der soldaten.
cidia so wenig plaz, als weniger wider dasselbe
eine querela inofficiosi angestellet werden kan; man
sehe auch des Knorrens anleitung zum krigespro-
cesse cap. 4, § 7, s. 138 fg. Wie es aber des-
falls mit den versigelungen bei den krigesvölkern
zu halten sei? hat ebenderselbe in der vorrede zu
des Laurentii abh. § 5 gezeiget. Die compagnien
folgen nach den gemeinen rechten nicht mehr dem
one erben verstorbenen soldaten, oder officir; son-
dern der krigesbrauch hat ein anders eingefüret;
jedoch kan einer seinem regimente seine verlassen-
schaft, oder etwas davon vermachen, wie der von
Auerochs getan hat.
Von den testamenten der Johanniter-
und teutschen ordensruter.
Die Johanniter-ordensritter im Brandenbur-welche ordens-
ritter testiren,
und nicht testi-
ren mögen?
gischen, als evangelische, dürfen testiren (§ 2922
des 2ten th.); sonst aber nicht; immassen sie das
gelübde der armut abschwören müssen; vermittels
dessen sie des zeitigen vermögens enthoben werden.
Der großmeister, wie auch der Teutschmeister,
kan aber den catholischen rittern die erlaubniß hir-
zu erteilen. Als demnach der von Brandt, zu
Cassel, zum behufe seiner schwester, der witbe von
Einsidel, testirete; so fochte der teutsche orden so-
tanes testament an. Der von Neumann am a.
o. s. 464 glaubet: daß die teutsche evangelische or-
densritter an die gelübde der armut nicht gebunden
wären; in betracht eines teiles die evangelische von
den gelübden nichts hilten; mithin solche nicht ver-
bindlich wären; andern teiles sie auch solche nicht
ablegeten. Nun ist zwar dises bei den Johanni-
tern wahr; gestalt sie gedachtes gelübde nicht lei-
von den teſtamenten der ſoldaten.
cidia ſo wenig plaz, als weniger wider daſſelbe
eine querela inofficioſi angeſtellet werden kan; man
ſehe auch des Knorrens anleitung zum krigespro-
ceſſe cap. 4, § 7, ſ. 138 fg. Wie es aber des-
falls mit den verſigelungen bei den krigesvoͤlkern
zu halten ſei? hat ebenderſelbe in der vorrede zu
one erben verſtorbenen ſoldaten, oder officir; ſon-
dern der krigesbrauch hat ein anders eingefuͤret;
jedoch kan einer ſeinem regimente ſeine verlaſſen-
ſchaft, oder etwas davon vermachen, wie der von
Von den teſtamenten der Johanniter-
und teutſchen ordensruter.
ritter teſtiren,
und nicht teſti-
ren moͤgen?
giſchen, als evangeliſche, duͤrfen teſtiren (§ 2922
des 2ten th.); ſonſt aber nicht; immaſſen ſie das
geluͤbde der armut abſchwoͤren muͤſſen; vermittels
deſſen ſie des zeitigen vermoͤgens enthoben werden.
Der großmeiſter, wie auch der Teutſchmeiſter,
kan aber den catholiſchen rittern die erlaubniß hir-
Caſſel, zum behufe ſeiner ſchweſter, der witbe von
Einſidel, teſtirete; ſo fochte der teutſche orden ſo-
tanes teſtament an. Der von Neumann am a.
o. ſ. 464 glaubet: daß die teutſche evangeliſche or-
densritter an die geluͤbde der armut nicht gebunden
waͤren; in betracht eines teiles die evangeliſche von
den geluͤbden nichts hilten; mithin ſolche nicht ver-
bindlich waͤren; andern teiles ſie auch ſolche nicht
ablegeten. Nun iſt zwar diſes bei den Johanni-
tern wahr; geſtalt ſie gedachtes geluͤbde nicht lei-
ſten;
<p><pb facs="#f1045" n="1021"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von den te&#x017F;tamenten der &#x017F;oldaten.</hi></fw><lb/>
cidia &#x017F;o wenig plaz, als weniger wider da&#x017F;&#x017F;elbe<lb/>
eine querela inofficio&#x017F;i ange&#x017F;tellet werden kan; man<lb/>
&#x017F;ehe auch des <hi rendition="#fr">Knorrens</hi> anleitung zum krigespro-<lb/>
ce&#x017F;&#x017F;e cap. 4, § 7, &#x017F;. 138 fg. Wie es aber des-<lb/>
falls mit den ver&#x017F;igelungen bei den krigesvo&#x0364;lkern<lb/>
zu halten &#x017F;ei? hat <hi rendition="#fr">ebender&#x017F;elbe</hi> in der vorrede zu<lb/>
des <hi rendition="#fr">Laurentii</hi> abh. § 5 gezeiget. Die compagnien<lb/>
folgen nach den gemeinen rechten nicht mehr dem<lb/>
one erben ver&#x017F;torbenen &#x017F;oldaten, oder officir; &#x017F;on-<lb/>
dern der krigesbrauch hat ein anders eingefu&#x0364;ret;<lb/>
jedoch kan einer &#x017F;einem regimente &#x017F;eine verla&#x017F;&#x017F;en-<lb/>
&#x017F;chaft, oder etwas davon vermachen, wie der von<lb/>
Auerochs getan hat.</p>
<head> <hi rendition="#b">Von den te&#x017F;tamenten der Johanniter-<lb/>
und teut&#x017F;chen ordensruter.</hi> </head><lb/>
<head>§ 2921</head><lb/>
<p>Die Johanniter-ordensritter im Brandenbur-<note place="right">welche ordens-<lb/>
ritter te&#x017F;tiren,<lb/>
und nicht te&#x017F;ti-<lb/>
ren mo&#x0364;gen?</note><lb/>
gi&#x017F;chen, als evangeli&#x017F;che, du&#x0364;rfen te&#x017F;tiren (§ 2922<lb/>
des 2ten th.); &#x017F;on&#x017F;t aber nicht; imma&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie das<lb/>
gelu&#x0364;bde der armut ab&#x017F;chwo&#x0364;ren mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en; vermittels<lb/>
de&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie des zeitigen vermo&#x0364;gens enthoben werden.<lb/>
Der großmei&#x017F;ter, wie auch der Teut&#x017F;chmei&#x017F;ter,<lb/>
kan aber den catholi&#x017F;chen rittern die erlaubniß hir-<lb/>
zu erteilen. Als demnach der von Brandt, zu<lb/>
Ca&#x017F;&#x017F;el, zum behufe &#x017F;einer &#x017F;chwe&#x017F;ter, der witbe von<lb/>
Ein&#x017F;idel, te&#x017F;tirete; &#x017F;o fochte der teut&#x017F;che orden &#x017F;o-<lb/>
tanes te&#x017F;tament an. Der <hi rendition="#fr">von Neumann</hi> am a.<lb/>
o. &#x017F;. 464 glaubet: daß die teut&#x017F;che evangeli&#x017F;che or-<lb/>
densritter an die gelu&#x0364;bde der armut nicht gebunden<lb/>
wa&#x0364;ren; in betracht eines teiles die evangeli&#x017F;che von<lb/>
den gelu&#x0364;bden nichts hilten; mithin &#x017F;olche nicht ver-<lb/>
bindlich wa&#x0364;ren; andern teiles &#x017F;ie auch &#x017F;olche nicht<lb/>
ablegeten. Nun i&#x017F;t zwar di&#x017F;es bei den Johanni-<lb/>
tern wahr; ge&#x017F;talt &#x017F;ie gedachtes gelu&#x0364;bde nicht lei-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ten;</fw><lb/></p>
[1021/1045] von den teſtamenten der ſoldaten. cidia ſo wenig plaz, als weniger wider daſſelbe eine querela inofficioſi angeſtellet werden kan; man ſehe auch des Knorrens anleitung zum krigespro- ceſſe cap. 4, § 7, ſ. 138 fg. Wie es aber des- falls mit den verſigelungen bei den krigesvoͤlkern zu halten ſei? hat ebenderſelbe in der vorrede zu des Laurentii abh. § 5 gezeiget. Die compagnien folgen nach den gemeinen rechten nicht mehr dem one erben verſtorbenen ſoldaten, oder officir; ſon- dern der krigesbrauch hat ein anders eingefuͤret; jedoch kan einer ſeinem regimente ſeine verlaſſen- ſchaft, oder etwas davon vermachen, wie der von Auerochs getan hat. Von den teſtamenten der Johanniter- und teutſchen ordensruter. § 2921 Die Johanniter-ordensritter im Brandenbur- giſchen, als evangeliſche, duͤrfen teſtiren (§ 2922 des 2ten th.); ſonſt aber nicht; immaſſen ſie das geluͤbde der armut abſchwoͤren muͤſſen; vermittels deſſen ſie des zeitigen vermoͤgens enthoben werden. Der großmeiſter, wie auch der Teutſchmeiſter, kan aber den catholiſchen rittern die erlaubniß hir- zu erteilen. Als demnach der von Brandt, zu Caſſel, zum behufe ſeiner ſchweſter, der witbe von Einſidel, teſtirete; ſo fochte der teutſche orden ſo- tanes teſtament an. Der von Neumann am a. o. ſ. 464 glaubet: daß die teutſche evangeliſche or- densritter an die geluͤbde der armut nicht gebunden waͤren; in betracht eines teiles die evangeliſche von den geluͤbden nichts hilten; mithin ſolche nicht ver- bindlich waͤren; andern teiles ſie auch ſolche nicht ablegeten. Nun iſt zwar diſes bei den Johanni- tern wahr; geſtalt ſie gedachtes geluͤbde nicht lei- ſten; welche ordens- ritter teſtiren, und nicht teſti- ren moͤgen?
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1045
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 1021. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1045>, abgerufen am 16.02.2019.

References: § 7
 § 5
 § 7
 § 7
 § 5
 § 7
 § 5
 § 2921