Source: http://mao-projekt.de/BRD/NRW/ARN/Luedenscheid.shtml
Timestamp: 2017-07-22 02:38:41+00:00

Document:
Lüdenscheid - Materialien zur Analyse von Opposition
Diese Darstellung beruht vor allem auf bundesweiten Berichten der KPD/ML-ZB und ihres KJVD, landesweit verbreiteten Berichten der DKP und regionalen Internas der Kommunistischen Jugendorganisation (KJO) Spartacus bzw. deren Vorläufern und ihrer Mutterorganisation, den Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD).
Die Darstellung beginnt mit einem Bericht über Polizeibrutalität, wie sie Ende der 1960er Jahre wohl nicht nur in der sauerländischen Provinz häufig vorkam (vgl. 21.4.1969). Die dort misshandelten, gegen den Vietnamkrieg protestierenden Jugendlichen sind vermutlich nicht unbedingt identisch mit der Aktion Demokratischer Fortschritt (ADF), die damals auch in Lüdenscheid von der DKP kurzzeitig protegiert wird (vgl. 8.5.1969, 14.8.1969), wobei die DKP schon bald darauf selbstständig zum Landtag von NRW kandidiert, dabei auch Lüdenscheider aufstellt (vgl. 12.2.1970).
In Berlin brüstet sich die Bochumer Betriebsgruppe 1 (B1) der Lüdenscheider Gruppe (vgl. 7.3.1970), von deren angeblichen betrieblichen Aktivitäten wir bisher nichts in Erfahrung bringen konnten. Die sauerländischen Spartacisten müssen nicht an Berliner Konferenzen teilnehmen, bereiten lieber zur selben zeit (vgl. 7.3.1970), die Sauerland-Konferenz vor, wobei sie sich offenbar von Lennestadt nach Lüdenscheid auszudehnen vermögen (vgl. 16.3.1970), sich aber offenbar der regionalen Umarmungsversuche der Roten Garde zu erwehren haben, nicht mehr am gemeinsamen 'Sauerland-Info', welches uns leider bisher nicht vorlag, mitarbeiten mögen (vgl. 14.3.1970). Offenbar wird hier die eher regionale Orientierung der linken Lüdenscheider Gruppen, die damals über doch grundlegende Differenzen, wie zwischen 'Stalinisten' und 'Trotzkisten', hinweg, gemeinsame Publikationen erstellen. Die trotzkistischen IKD schildern dabei die offensive Ablehnung aller Forderungen, die trotzkistisch seien, durch die Betriebsgruppe 1 (vgl. Apr. 1970). Die Spartacisten bauen fortan ihre eigene Lüdenscheider Gruppe auf (vgl. 25.3.1970), aus dem Dortmunder Rombergpark erfahren wir von der Ermordung Lüdenscheider Antifaschisten durch die Nazis (vgl. 27.3.1970). Anlässlich der Metalltarifrunde (MTR) 1970 weist ein Lüdenscheider Metaller auf die, zumindest für die ausländischen Kollegen, immer noch akute Bedrohung durch den Faschismus hin (vgl. 18.4.1970).
Die radikale Linke Lüdenscheids fraktioniert sich nun manifest in KJO Spartacus (vgl. 26.4.1970), aus derem ausgeschlossenen 'Haschklüngel' sich der KJVD Lüdenscheid der KPD/ML-ZB zu rekrutieren scheint (vgl. 24.5.1970) sowie als dritte Gruppe die Rote Garde (RG) der KPD/ML-ZK. Auffällig ist, dass immer noch gemeinsame Sitzungen der Gruppen stattfinden, die sich nach den von ihnen jeweils erhobenen ideologischen Ansprüchen eigentlich spinnefeind sein müssten, nicht umsonst reden die Spartacisten denn auch von 'Waffen' im 'politischen Kampf'.
Bei Spartacus Lüdenscheid scheinen die proletarischen Mitglieder benachteiligt (vgl. 20.6.1970), eine praktische Arbeit ist auch nach mehreren Monaten noch nicht aufgenommen worden (vgl. 8.7.1970), der KJVD der KPD/ML-ZB scheint auch immer noch in Lüdenscheid präsent (vgl. 12.7.1970), ohne dass allerdings allzu viele Berichte in der Presse der KPD/ML-ZB und ihres KJVD davon künden würden (vgl. 17.1.1971), immerhin aber verdanken wir dem KJVD Lüdenscheid den ersten hier dokumentierten Streikbericht aus Lüdenscheid (vgl. 26.11.1970). Auch das Sozialistische Zentrum Lüdenscheid gibt es immer noch (vgl. Sept. 1970), die örtlichen Spartacisten machen sich erst einmal unabhängig (vgl. 25.12.1970).
Die NPD kann in Lüdenscheid-Brügge offenbar ohne nennenswerte Proteste ihren Parteitag abhalten (vgl. 8.5.1971).
Die KJO Spartacus scheint in Lüdenscheidihre Präsenz zu wahren (vgl. 4.3.1972, Jan. 1973), engagiert sich gegen den § 218 (vgl. 29.5.1972, 5.6.1972, 12.6.1972) und zu en Bundestagswahlen (vgl. Sept. 1972, Okt. 1972), kann vermutlich neue Mitglieder gewinnen (vgl. 23.6.1973). In den weiteren zahlreichen Spaltungen der Spartacist-Gruppen aber scheinen sich die Lüdenscheider Jungtrotzkisten zumindest keiner der zahlreichen Fraktionen angeschlossen zu haben, deren Presse und Internas wir bisher ausgewertet haben (vgl. 15.12.1973), bzw. wurden ihnen dies offenbar verwehrt (vgl. 12.4.1974). Daher schließt diese Darstellung derzeit mit einem Bericht der KPD aus der ÖTV Lüdenscheid ab (vgl. 21.1.1976).
Die DKP berichtet vermutlich aus dieser Woche: "
ERFOLG TROTZ KNÜPPELNDER POLIZEI
Der US-Durchhalteschinken 'Die grünen Teufel' überdauerte im Lüdenscheider Stern-Kino nur eine Vorstellung. Lüdenscheider Jugendliche protestierten - obwohl die Polizei mit Gummiknüppeln vorging - so nachdrücklich, daß es dem Besitzer geraten erschien, den Film abzusetzen. Nun läuft dort: 'Denn sie wissen nicht, was sie tun'.
Die jungen Leute von Lüdenscheid wußten genau, was sie taten. In dem Film 'Die grünen Teufel' verherrlichen John WAYNE, David JANSSEN u.a. die scheußliche Kriegsführung der an ihren grünen Baretten erkenntlichen 'Special-Forces-Einheiten' in Vietnam: (in der Buchvorlage des Films schildert der Autor MOORE z.B. mit fast genüßlicher Detailschilderung , wie einem gefangenen Vietnamesen eine Nadel mit rotem Kopf unter den Fingernagel getrieben wird, um ihm militärische Geheimnisse zu entreißen.)
Daß die Lüdenscheider Jugendlichen gegen einen solchen Kriegsfilm protestierten, ist mehr als verständlich. Etwa 80 Jungen und Mädchen hatten sich vor dem Kino versammelt. Sie begehrten Einlaß, um dem Kinobesitzer ihre Forderungen auf Absetzung des Films vorzutragen. Kripo-Beamte und Polizisten wollten die Jugendlichen nicht ins Kino lassen. Sie versuchten, die jungen Leute zurückzudrängen. Diese ließen sich nicht abweisen und drückten zurück. Plötzlich zückten die Polizisten ihre Gummiknüppel und schlugen los. Hauptkommissar GRUNER erklärte: 'Wir fühlten uns bedroht. Wir mußten den Widerstand brechen.' Nach späteren Aussagen von Straßenpassanten, die die Aktion der Jugendlichen beobachtet hatten, bestand für die Polizisten kein Grund, mit ihren Gummiknüppeln vorzugehen. Sie wurden von den Jugendlichen nicht tätlich angegriffen und nicht bedroht. Erst als die Beamten drauflosschlugen, wehrten sich die Jungen und viele Demonstrationsteilnehmer beschimpften die Beamten als 'Faschisten'.
Die Polizei nahm sechs Jugendliche vorübergehend fest.
In der Nacht vor der Demonstration hatten unbekannte Bürger der Stadt bereits einen Schaukasten des Kinos zertrümmert, die Scheiben der anderen Schaukästen mit brauner Farbe bestrichen und auf die Eingangstüren 'USA - SS' und 'USA - SA' geschrieben."
Quelle: Unsere Zeit NRW Nr. 5, Essen 1.5.1969, S.12
Die DKP gibt die Nr. 6 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 1.5.1969, 15.5.1969). Berichtet wird u.a. über die ADF in Lüdenscheid.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 6, Essen 8.5.1969
Die DKP gibt die Nr. 20 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 7.8.1969, 21.8.1969). Berichtet wird u.a. über die ADF in Lüdenscheid.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 20, Essen 14.8.1969
Die DKP gibt die Nr. 7 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 5.2.1970, 19.2.1970). Veröffentlicht wird auf S.11 die Reserveliste zu den Landtagswahlen (LTW - vgl. 14.6.1970). Diese KandidatInnen kommen u.a. aus Lüdenscheid.
In Berlin beginnt eine zweitägige Arbeitskonferenz zur Gewerkschaftsfrage und Betriebsarbeit, von der es protokollarische Notizen gibt: "
Innerhalb der IKD werden "Thesen zur Arbeit im Sauerland" (vgl. 19.1.1970, 14.3.1970) verfaßt, in denen es heißt: "
Das Sozialistische Zentrum (SZ) Lüdenscheid führt, laut Spartacus – IAfeKJO Berlin und IKD, eine Arbeitskonferenz aller Gruppen im Sauerland durch, auf der sich wesentlich die Rote Garde (RG) der KPD/ML und die Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD), die einen Spartacus Regionalausschuß NRW aufbauen wollen, gegenüberstehen.
Die IKD berichten intern (vgl. 7.3.1970, 16.3.1970): "
In einem Brief der IKD-Gruppe Köln an die Leitung der IKD heißt es über das Sauerland bzw. das Sozialistische Zentrum Lüdenscheid (vgl. 14.3.1970, 25.3.1970): "
Bitte beachtet die beiliegenden Broschüren, besonders die letzten Artikel im 'Sauerland Info'. Wir haben den Verfasser sowie einige andere Genossen aus seiner Gruppe zum Seminar (vgl. 21.3.1970, d.Vf.) eingelanden."
Q: IKD-Gruppe Köln: An die Genossen der Leitung, Köln 16.3.1970
Heute verfaßt die Gruppe Köln der IKD einen Bericht, in dem es u.a. heißt: "
Außerdem haben wir zu einer Gruppe in Lüdenscheid Kontakt, deren theoretische Autoritäten auf unserer KJO-Linie liegen. … Wir wollen sehr bald darauf hinarbeiten, daß sich die Genossen in Lennestadt und Lüdenscheid, die auf unserer Linie liegen, in einer eigenen Gruppe zusammenschließen."
Berichtet wird auch von der Sauerland-Konferenz (vgl. 14.3.1970, 16.3.1970).
Sowohl mit der Gruppe in Lennestadt (vgl. 24.5.1970) als auch mit der in Lüdenscheid (vgl. 24.5.1970) geht die Arbeit der IKD (vgl. 26.4.1970) weiter.
Zur heutigen Dortmunder Antifa-Mahnkundgebung im Rombergpark und zur Internationalen Veranstaltung wurde u.a. aufgerufen durch ein Faltblatt unter Verantwortung von Gisa Marschefski, Generalsekretär des Internationalen Rombergpark-Komitees: "
Zum 25. Male jährt sich der Tag, an dem fast 300 Widerstandskämpfer gegen den Nazifaschismus im Rombergpark bestialisch ermordet wurden. Zu den Opfern gehören Antifaschisten aus Belgien, Holland (Niederlande, d.Vf.), Frankreich, Jugoslawien, Polen, der Sowjetunion (SU, d.Vf.) und aus Deutschland. Unter den Deutschen waren es vor allem Arbeiterfunktionäre - Kommunisten, Sozialdemokraten, Freidenker -, die als aktive Gewerkschafter illegal den Widerstand in Dortmund, Hagen, Bochum, Lüdenscheid, Lünen und anderen Orten organisierten."
Q: Internationales Rombergparkkomitee bzw. N.N.: Rombergpark mahnt 1945 - 1970 Nie wieder Faschismus, Dortmund o.J. (1970)
Die IKD-Gruppe NRW verfaßt ein Papier "Beginnen wir mit dem Aufbau der Kommunistischen Jugendorganisation!", in dem auf sieben Seiten DIN A4 Brennmatrize mit Kontaktanschrift in Köln u.a. auf die Sauerlandkonferenz vom 14.3.1970 eingegangen wird: "
Am 14.März 1970 fand in Lüdenscheid eine Konferenz aller Sauerlandgruppen statt, die über das Sauerland hinaus für die gesamte 'Bewegung' in Nordrhein-Westfalen von einiger Bedeutung ist.
Obwohl angesichts der bislang bereits vollzogenen Schwankungen der Bochumer Betriebsgruppe 1 eigentlich kein Grund vorlag, erstaunt zu sein: die meisten anwesenden Genossen wunderten sich doch, dass dieselben Leute, die einen Monat zuvor noch die KPD/ML mit dem Unternehmen 'Proletarische Linie' spalten wollten, plötzlich – in die Rote Garde eingetreten waren. Begründen konnten die frischgebackenen Rotgardisten ihren Schritt nur mit dem Hinweis, man sei bislang über die KPD/ML falsch unterrichtet gewesen und man habe sich inzwischen besser informiert. Nun, 'falsch unterrichtet' ist die Rote Garde noch über so manches, und es wäre angebracht, sie würde sich, bevor sie sich so grosspurig mit dem Titel 'Marxisten-Leninisten' schmückt, zunächst einmal über den Marxismus-Leninismus 'informieren'.
Was die Genossen von der Roten Garde den anwesenden Genossen als Marxismus-Leninismus verkaufen wollten, war nämlich bestenfalls Vulgär-Leninismus. Aus der Tatsache, dass der Imperialismus nur durch die revolutionäre Partei des Proletariats bekämpft werden kann (was unbestreitbar ist) folgerte man nicht, dass es notwendig ist, die Voraussetzungen für den Aufbau einer solchen Partei zu schaffen, sondern man zog vielmehr den Schluss, dass sich die erste beste Sekte, mag sie nun durch Abspaltung von der alten KPD oder durch den Willensakt einiger 'fortgeschrittener Genossen' entstanden sein, in 'Partei' umtaufen müsse; früher oder später (natürlich nur, wenn sie die richtige Politik betreibe), werde sie schon in den Massen Verwurzelung finden. Die Parolen, unter denen sie diese Massen zu finden gedenke, enthielten einmal sämtliche Tagesforderungen des Proletariats, und zum anderen natürlich die Forderung nach der Diktatur des Proletariats. Den Gedanken, Teilforderungen, die den Kampf vorantreiben, und (in Zeiten verschärften Klassenkampfes) Übergangsforderungen aufzustellen, wies man – da er trotzkistischen Ursprungs sei – weit von sich. Damit verzichtet die Rote Garde darauf, eine praktische Verbindung zwischen Tageskampf und Diktatur des Proletariats herzustellen.
Die Mehrheit der auf der Arbeitskonferenz anwesenden Genossen fand diese 'Konzeption' nun doch zu abenteuerlich, als dass sie ihre Arbeit hierauf hätte ausrichten wollen. Diese Ablehnung allerdings erfolgte aus den verschiedensten Motiven, und manche Diskussionsbeiträge enthielten noch Elemente der anti-autoritären Ideologie aus den besten Zeiten der kleinbürgerlichen Jugendrevolte. Wenn aber das Nein zu den sektiererischen Vorstellungen der Roten Garde kein Plädoyer für die Fortsetzung der bislang geleisteten perspektivlosen 'Arbeit' gewesen sein soll, müssen wir die Fehler dieser Ideologie in der gleichen Weise bekämpfen die die Konzeption der KPD/ML. Dieser Beitrag soll diesen doppelten Zweck erfüllen.
TUN WIR DEN ERSTENS CHRITT FÜR DIE SCHAFFUNG EIENR PROLETARSICHEN AVANTGARDE –
BAUEN WIR DIE KOMMUNISTISCHE JUGENDORGANISATION AUF
April 1970, IKD NRW"
Q: IKD-Gruppe NRW: Beginnen wir mit dem Aufbau der Kommunistischen Jugendorganisation!, Köln Apr. 1970
Für die DKP berichtet W. S.: "
Hans Müller, Lüdenscheid: 'Unsere spanischen und griechischen Kollegen haben Angst vor der Politischen Polizei (K14, d.Vf.) der Bundesrepublik und vor den Spitzeln Francos und der griechischen Obristen. Wenn sie gewerkschaftlich tätig sind, werden sie bespitzelt und es droht ihnen die Ausweisung. Wir müssen ihre Freiheit und Menschenwürde schützen'."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 18, Essen 2.5.1970, S.17
Q: IKD-Leitung: Erklärung, o.O. 21.5.1970; KJO Spartacus: Nationales Internes Bulletin 1, o.O. 8.7.1970;KJG Wuppertal: Arbeit im Gewerkschaftsjugendmilieu, o.O. o.J. (1970);IKD-RK Rhein/Main-1 Mitglied: An die Genossen der Leitung, Frankfurt 28.4.1970
Die KPD/ML-ZB und ihr KJVD geben erstmals ihren 'Kommunistischen Nachrichtendienst der KPD/ML und des KJVD' (KND) (vgl. 18.5.1970) heraus. Auch in Lüdenscheid wurde eine KJVD-Gruppe gegründet, die überwiegend aus Lehrlingen bestehe und sich im Kreisverband Sauerland organisieren werde. Dieser habe die Aufgabe die Jungproletarier der schon entlegeneren Industriegebiete zu organisieren.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 1, Bochum 15.5.1970
Auf der heutigen Leitungssitzung des Spartacus - Regionalausschuß (RA) NRW wird auch über die Gruppe in Lüdenscheid (vgl. 25.3.1970, 20.6.1970) diskutiert: "
In Lüdenscheid ist eine Gruppe des maoistischen 'Kommunistischer Jugendverband Deutschlands' (KJVD) (später Jugendorganisation der KPD/ML-ZB, d.Vf.) entstanden. Diese Gruppe hat ein Maoist aufgebaut, indem er in dem Haschisch-Klüngel agitierte, der vor einiger Zeit aus unserer Gruppe herausgefeuert wurde. Ein anderer Genosse von der maoistischen 'Roten Garde' (Jugendorganisation der KPD/ML-ZK, d.Vf.) versucht nun im Hintergrund die beiden Gruppen zur 'Roten Garde Lüdenscheid' zu vereinigen. Im Moment ist geplant, Diskussionspapiere beider Gruppen (KJVD und wir) auszutauschen, die auf einer gemeinsamen Sitzung diskutiert werden sollen. Die Rote Garde (sogenannte 'Ezristen') bereitet mehrere Papiere zur Spartacus-Strategie vor (Gewerkschaftsfrage, Organisationsfrage), die auch in Lüdenscheid anrollen werden. Unsere Gruppe sei dagegen (so L1) relativ ungefestigt. Er selber sei bei seinem Beitrag zur Bestimmung der gegenwärtigen Etappe im Aufbau der KJO ins Schleudern gekommen. Wird die Forderung nach staatlichen Lehrwerkstätten durchgesetzt, dann werde das Kapital versuchen, einen Ausgleich zu schaffen, d.h. mehr aus dem Gesamtproletariat herausquetschen. Außerdem sei der Lehrling dann aus dem Produktionsprozeß heraus. Dem wurde entgegengehalten, daß das Kapital immer versucht, so hohen Profit wie möglich zu machen. Ob es mit diesem Versuch Erfolg hat, liegt an dem Verhältnis der Klassenkräfte. Die Argumentation von L1 liefe darauf hinaus, auf den Kampf gegen jegliche Unterprivilegierung zu verzichten. Man müßte sich also auf den Kampf der gesamten Arbeiterklasse 'beschränken' - doch die Interessen der Gesamtklasse liegen ja gerade darin, die Spaltung der Klasse zu überwinden (also Aufhebung der Unterprivilegierung). Gerade die dann entstehende Verschärfung der Klassenkämpfe (bei Durchsetzung unserer Forderung) könnte der Zeitpunkt für die 'Umbruchphase' sein, d.h. für den direkten Aufbau der Partei. Dem zweiten Argument wurde entgegengehalten, daß es den Klassenkampf auf die Ebene der Produktion beschränkt. Wir können und müssen aber auch bei den zukünftigen Produzenten arbeiten (Haupt- und Realschule und - wenn vorhanden - staatliche Lehrwerkstätten). Wir werden versuchen, das Problem, (daß die Lüdenscheider Gruppe unbewaffnet in einen politischen Kampf geht) durch eine ausführliche Diskussion in der Lüdenscheider Gruppe, zu der ein weiterer Leitungsgenosse hinzugezogen wird, zu lösen."
Q: Spartacus-RA-NRW: Protokoll der Leitungssitzung vom 24.5.70, o.O. o.J. (1970)
Auf der heutigen Leitungssitzung des Spartacus RA NRW heißt es über die eigene Gruppe in Lüdenscheid (vgl. 24.5.1970): "
Die Leitung hat mit Befremden feststellen müssen, daß die Gruppe Lüdenscheid ihre Sitzungen nachmittags um 4 Uhr macht, so daß die proletarischen Mitglieder der Gruppe nicht an ihnen teilnehmen können."
Q: Spartacus-RA NRW: Protokoll der Leitungssitzung vom 20.6.70, o.O. o.J. (1970)
Innerhalb der Vorläufergruppen der KJO Spartacus erscheint erstmals ein Nationales Internes Bulletin.
Bei einigen Gruppen (Köln, Bonn, Bochum und mit Einschränkung auch Lüdenscheid) sei die Hauptbasis der propagandistische Kampf, während andere schon die Praxis entfaltet hätten.
Es findet das 3. Plenum des Spartacus Regionalausschusses (RA) NRW statt, auf dem u.a. die Leitung des RA Bericht erstattet. Die Lüdenscheider Gruppe sei auf den KJVD gestoßen.
Die KJO Spartacus bzw. deren Vorläufer geben die Nr. 16 des 'Spartacus' (vgl. Juni 1970, Okt. 1970) heraus, in der u.a. auf das Sozialistische Zentrum Sauerland in Lüdenscheid eingegangen wird.
Q: Spartacus Nr. 16, Berlin Sept. 1970
Nach einem Bericht des KJVD Lüdenscheid der KPD/ML-ZB kommt es dort bei der Firma Paulmann und Crone zu einem spontanen, 45minütigen Streik von 120 Arbeitern gegen die Vorenthaltung der tariflichen Lohnerhöhung, die schließlich doch noch am selben Tag gewährt werden mußte. In der Presse hätten die Kapitalisten das Ganze als 'Irrtum' dargestellt.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 56, Bochum 5.12.1970, S.4
Es beginnt die zweitägige 2.Bundes DK der Vorläufer der KJO Spartacus, der Spartacus-Gruppen. Die Ortsgruppe Lüdenscheid sei zwar vor einiger Zeit ausgetreten, erwäge aber einen eventuellen Neueintritt.
In Dortmund führt die KPD/ML-ZB eine nationale Demonstration unter dem Motto 'Sozialdemokraten und Kommunisten - Eine Front gegen die Faschisten!" durch. Laut einem internen Bericht der KPD/ML-ZK Ortsgruppe Bochum demonstrieren KPD/ML-ZB und KJVD gegen "das Aufkommen des erstarkenden Faschismus". Die Demonstration habe ca. 620 - 650 Teilnehmer gehabt, die anreisten u.a. aus Lüdenscheid.
Q: Der Parteiarbeiter Nr. 2, Bochum 1971, S.27
Der UB Dortmund der Jusos der SPD (vgl. 17.2.1971) berichtet aus dem Bezirk Westliches Westfalen der Jusos: "
Der Bezirksvorstand schlägt vor, je Unterbezirk einen Delegierten zu benennen, wobei sich die Unterbezirke Siegen und Lüdenscheid auf einen Delegierten einigen."
Q: SPD-LV NRW-Bezirk Westliches Westfalen-UB Dortmund-Jusos: Juso Information
Nr. 1/2, Dortmund Jan./Feb. 1971, S.6f
Das Innenministerium NRW berichtet von der NPD NRW (vgl. 5.6.1971): "
Die innere Uneinigkeit und Zerrissenheit des rechtsradikalen Lagers in Nordrhein-Westfalen hatte zur Flügelbildung geführt. Auf der einen Seite standen die politisch gemäßigten nationalistischen Kräfte unter dem NPD-Landesvorsitzenden, auf der anderen Seite vor allem jugendliche Gruppen innerhalb und ausserhalb der NPD, die einen nationalrevolutionären Kurs unter dem Motto 'AKTIONEN STATT PROPAGANDA' befürworteten. …
ÜBERRASCHENDE WAHL EINES NEUEN NPD-LANDESVORSITZENDEN
Die erwartete Konfrontation zwischen den rivalisierenden Gruppen erfolgte auf dem NPD-Landesparteitag, der am 8. Mai 1971 in Lüdenscheid-Brügge stattfand. Er endete mit der überraschenden Wahl eines neuen Landesvorsitzenden (68 Stimmen). Dieser galt von vornherein als Anhänger des radikalen Flügels in der NPD. Die Wiederwahl des bisherigen Landesvorsitzenden (54 Stimmen) scheiterte, nachdem er zuvor im Saal zusammengeschlagen worden war. Der Parteivorsitzende verließ grußlos den Landesparteitag."
Q: Innenministerium NRW: Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landtagsbehörden 1971, o.O. o.J., S.2
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt vermutlich im Februar das Flugblatt "Kampf dem 'Hamburger Erlaß'" zu den Berufsverboten heraus.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Kampf dem 'Hamburger Erlaß', Lüdenscheid o. J. (1972)
Mit Mandaten für je 6 Mitglieder war u.a. die Ortsgruppe Lüdenscheid (1) vertreten. Die Spaltung vom 12.12.1971 habe einen Mitgliederverlust von 50% bedeutet. Erhalten geblieben sei u.a. Lüdenscheid.
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt vermutlich in dieser Woche ihr erstes Flugblatt zum § 218, "Kampf dem Abtreibungsverbot!", heraus.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Kampf dem Abtreibungsverbot!, Lüdenscheid o. J. (1972)
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt vermutlich in dieser Woche ihr zweites Flugblatt zum § 218, "Information über den § 218", heraus.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Information über den § 218, Lüdenscheid o. J. (1972)
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt in dieser Woche ihr Informationsflugblatt Nr. 3 zum § 218 heraus, mit dem sie zur Veranstaltung am 19.6.1972 in der Gaststätte Streppel in der Kölnerstraße einlädt.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Informationsflugblatt Nr. 3, Lüdenscheid o. J. (1972)
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt vermutlich im September das Flugblatt "CDU &equals; SPD. Interessenvertreter des Kapitals" zu den Bundestagswahlen heraus.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: CDU &equals; SPD. Interessenvertreter des Kapitals, Lüdenscheid o. J. (1972)
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt vermutlich im September das Flugblatt "Reformen a la SPD" zu den Bundestagswahlen heraus.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Reformen a la SPD, Lüdenscheid o. J. (1972)
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt vermutlich im September das Flugblatt "Arbeiterkandidaten ins Parlament!" zu den Bundestagswahlen heraus.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Arbeiterkandidaten ins Parlament!, Lüdenscheid o. J. (1972)
Die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus gibt vermutlich im Oktober das Flugblatt "Die Vorstellung, die Unternehmer sollen geschurigelt werden, ist doch absurd" zu den Bundestagswahlen bzw. den Jusos der SPD heraus, wobei auch auf die Ausländergesetze verwiesen wird.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Die Vorstellung, die Unternehmer sollen geschurigelt werden, ist doch absurd, Lüdenscheid o. J. (1972)
Die Grundeinheit Ruhrgebiet-Ost der KJO Spartacus verfaßt einen Dreimonatsbericht an die Zentrale Leitung der KJO. Von den 4 Mitgliedern seien 3 Studenten und ein Praktikant. Seit der letzten Bundeskonferenz am 4./5.3.1972 habe man 4 Mitglieder verloren, 2 durch Umzug, ein Kandidat aus persönlichen Gründen und ein Mitglied aus politischen Gründen. Man verfüge über 4 Mitglieder aus Wuppertal, Bochum, Essen und Lüdenscheid, arbeite in Wuppertal, Bochum, Essen und Hagen.
Q: KJO Spartacus-GE Ruhrgebiet-Ost: 3-Monatsbericht, o.O. Jan. 1973
Vermutlich im Januar 1973 verfaßt die Ortsgruppe Lüdenscheid der KJO Spartacus einen Generalbericht an die Zentrale Leitung. Von den 4 Mitgliedern seien je eines arbeitslos bzw. am Aufbaugymnasium bzw. an einer Wirtschaftsfachschule bzw. im kaufmännischen Bereich der Metallindustrie. Die Gewerkschaftszelle habe 2 Mitglieder. Man betreibe Entrismus in der SDAJ, arbeite in der Berufsschul-SV, im IGM OJA, im IGM-Handwerksausschuß und stelle einen IGM-Jugendvertreter. Ein Leserzirkel habe 10, ein Marxistischer Arbeitskreis (MAK) Wahl 3, ein MAK Arbeiterjugend 5 Teilnehmer.
Q: KJO Spartacus-OG Lüdenscheid: Generalbericht, Lüdenscheid o.J.
Es beginnt die zweitägige fünfte Bundeskonferenz der KJO Spartacus. Es gibt momentan u.a. folgende Ortsgruppen (in Klammern die Anzahl der Delegierten): Lüdenscheid (2). Der Delegiertenschlüssel beträgt 1 zu 7.
Innerhalb von Spartacus (KO) und Spartacus-BL, die bald gemeinsam den Spartacusbund (SpB) bilden, findet eine gemeinsame ZK/ZL-Sitzung (vgl. 8.12.1973, 12.1.1974) statt. Zur Fusionskonferenz heißt es u.a.: "
Um die ex-KJO OG Lüdenscheid soll sich das BL-RK kümmern".
Innerhalb des Spartacusbundes beginnt die zweitägige ZK-Sitzung (vgl. 13.7.1974), die u.a. die Bundeskonferenz vom 19.6.1974 vorbereitet. Hierzu heißt es im Protokoll zu den nationalen Gästen u.a.: "
X.: Die beiden Gruppen Gruppe Lüdenscheider Kommunisten und Kommunistische Arbeiter Lüdenscheid (letztere haben Kontakt zur Y.-Gruppe in Berlin) sollen nicht eingeladen werden.
Z.: stimmt dem zu. Allerdings sollen wir ihnen gegenüber politisch in der Offensive bleiben. (RK NRW!)
ZK-Beschluß: Das RK NRW schreibt einen knallharten Brief an die Lüdenscheider, wie wir sie einschätzen usw."
Q: Spartacusbund: Internes Bulletin Nr. 9, o.O. 30.8.1974
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 3 (vgl. 14.1.1976, 28.1.1976) heraus und berichtet von der Tarifrunde im öffentlichen Dienst (ÖDTR) u.a. aus der ÖTV-Ortsverwaltung Lüdenscheid.
Letzte Änderungen: 30.10.2013

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