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Timestamp: 2018-02-23 20:36:19+00:00

Document:
Tourniquet und Co - Ausrüstung - WACHSCHUTZFORUM - Forum für Security und Wachschutz
Tourniquet und Co
Securitymedic
Einsatzgebiet ÖPNV
RSG 2000 IDC Pava 0,67%
Erstehilfe-Kit
ASP Gelenkhandfessel in Kydex Holster
2x Flexcuffs
Trauma Kit (Tourniquet, Olaes Bandage,Latexhandschuhe, Beatmungsmaske)
Einsatzhandschuhe Bonowi Quantum 100
Tourniquet.... höre ich jetzt das erste mal bei Ausrüstung.... im ÖPNV nicht mal doof...
Aber auch scheiß gefährlich, wenn man mit der Anwendung nicht vertraut ist. Der kleinste Fehler kann hier dafür sorgen, dass du deinen Job und evtl. deine Freiheit los bist.
31. Januar 2015, 16:36
ist eine Frage der Ausbildung, wie vieles andere auch...
1. Februar 2015, 06:58
Hinsichtlich der Gefahren, denke ich dass der Kollege „Securitymedic“ sich mit den selbigen schon befasst hat!
Wir wissen ja woher dieses „Abbindesystem“ kommt und bei der militärischen Verwundetenversorgung im Gefecht, ist der Einsatz des „Tourniquets“ von großer Bedeutung.
Obwohl dieses „Abbindesystem“ in der Notfall und Rettungsmedizin oft umstritten ist kann es beispielweise bei: tiefen Weichteilverletzungen oder offenen Frakturen, eine große Hilfe sein.
Und in der Bundesrepublik Deutschland kommt der RTW und oder NAW schon nach wenigen Minuten und nicht erst nach Stunden! Zudem hat der Kollege seinen „Druckverband“ (Olaes) ebenfalls dabei!
Ich sage:„Es ist besser etwas dabei zu haben und es nicht gebrauchen zu müssen, als etwas nicht dabei zu haben und es dann gebrauchen zu wollen“!
2. Februar 2015, 00:09
zum Thema Tourniquet. Kann ich nur sagen das ich Rettungssanitäter bin und dazu passend ausgebildet bin.Sicherlich sollte man in Verwendung eines Tourniquet geschult sein. Das Ziel des Trauma-Kits ist das wenn mir oder ein Kollegen was passiert (starke unkontrollierte Blutung), das leben zu retten.
Es wird in Deutschland nie ein Ersthelfer verklagt werden, weil dieser Qualifiziert Erste Hilfe leistet. In dem Fall die Anlegung des Tourniquet.
Vielleicht überlegt sich der ein oder andere Kollege sich mal mit diesem Thema zu befassen. Fakt ist, die Gewalt gegen uns nimmt zu. Damit auch die Verletzungsgefahr.
Euch noch ein schönen Sonntagabend
2. Februar 2015, 05:51
Dass in Deutschland NIE ein Ersthelfer verklagt würde, kann man so nicht stehen lassen. Das Abbinden eines Körperteils ist eine ziemlich krasse Maßnahme, eine ultima Ratio, die unter Inkaufnahme des Verlusts des entsprechenden Körperteils verhindert, dass entstehende Giftstoffe in den Körper gelangen.
Wenn ich zufällig einen Tubus zur Hand habe, kann ich nicht anfangen, in erster Hilfe jemanden zu intubieren. Wenn ich da was falsch mache, bin ich aber sowas von dran und sei es wegen fahrl. KV.
Mir ist ein Fall bekannt, wo ein ausgebildeter Sanitäter jemandem Desinfektionsmittel über eine Zecke kippte und das dann anzündete. Seine Verteidigung: Diese Maßnahme der ersten Hilfe hätte er beim Bund gelernt. Ende des Liedes: 3500€ Schmerzensgeld
Zwickau - Um Zecke zu entfernen: Sanitäter zündet Arm von Patienten an - Internationale Hilfs- und Rettungsorganisationen - retter.tv
Wie das ganze wohl läuft, wenn ich jemandem den Arm abbinde und der den nie wieder nutzen kann, obwohl andere Maßnahmen auch zum Ziel geführt hätten? Es hat seinen Grund, warum ein normaler RettSan keine Infusionen zu legen hat. Es hat auch einen Grund, warum der normale RettSan keine Gliedmaßen abzubinden hat. Dafür ist der RettSan mit seinen 3 Monaten Ausbildung einfach nicht qualifiziert und der normale Sicherheitsmitarbeiter schon gar nicht. Oder was meint ihr, weshalb die Ausbildung zum Rettungsassistenten 2 Jahre dauert?
Wenn man wirklich medizinisches Zubehör braucht, dann nimmt man sich eine Atemmaske mit Beutel, Verbände zum Anlegen eines Druckverbandes und Aidshandschuhe mit. Und natürlich ein Handy. Erstversorgung durch Druckverband, dann Anruf zum Notruf, der wird weiter instruieren. Sollte das Abbinden wirklich nötig sein, dann haben wir meistens einen Gürtel um, mit dem wir behelfsmäßig so lange auf Anweisung der Leitstelle abbinden können, bis die Profis da sind.
2. Februar 2015, 07:50
Es gibt in diesem Beispiel keine Gemeinsamkeiten! Außer Frage steht, dass der Kollege „Securitymedic“ diese Maßnahme zur Versorgung nur in einem Notfall einsetzen würde. Es bestände also Lebensgefahr und eine dringliche Behandlungsbedürftigkeit und man braucht auch im Regelfall keine Amputation zu befürchten, wenn z.B. der Arm, 15 Minuten lang, mit dem „Abbindesystem“ abgebunden wird. Und der Kollege wird dieses Mittel auch nicht anwenden, wenn keine akute Lebensgefahr bestehen würde! Bei diesem Sanitäter kann ich allerdings keine „leichte Fahrlässigkeit“ erkennen und deshalb wurde er zivilrechtlich für den verursachten Schaden haftbar gemacht.
2. Februar 2015, 15:53
Hallo Doph_Zügota,
einen Arm mal eben 15 Minuten abzubinden ist nicht möglich. Wenn der Arm erstmal abgebunden ist, darf die Abbindung auf keinen Fall vor einer Not-OP gelöst werden, weil du damit die Giftstoffe, die sich gebildet haben in den Körper entlassen würdest. Wie lange es dauert vom Abbinden bis in den Not-OP kannst du dir sicher gut vorstellen. Bis dahin ist der Arm verloren.
Daher nochmal in Frageform: Traust du einem einfachen Sicherheitsmitarbeiter oder einem Sanitäter mit lediglich 3-Monatiger Ausbildung zu, eine von der Wunde ausgehende Lebensgefahr einzuschätzen, wenn es sich nicht um eine Amputation handelt? Okay, der User "Securitymedic" mag im Umgang mit dem Gerät geschult sein, aber das sind die wenigsten, weshalb eine allgemeine Empfehlung für den Tourniquet eben nicht ausgesprochen werden sollte, diese Maßnahme ist einfach zu invasiv.
Diese Zeitangabe von 15 Min war nur beispielhaft und sollte nur aufzeigen, dass dann schon ein Notarzt vor Ort sein kann und somit dann die weitere qualifizierte Versorgung sicherstellt.
Um auf deine Frage zurückzukommen: Nein, ich traue nicht jedem Menschen (einschl. Sanitäter) zu, dahingehend auch eine richtige Entscheidung treffen zu können und auch ein Notarzt kann Fehler machen! Nur was ist die richtige Entscheidung?
Und ich fordere auch nicht dazu auf, dass alle Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe sich ein „Tourniquet“ besorgen sollen. Wir sollten wissen: Abbinden kann nur das allerletzte Mittel sein! Davor kommt immer das Hochhalten (falls möglich), Abdrücken und der Druckverband!
Aber ich war mal direkt bei einem Unfall vor Ort und dort kam es zu einem Teilabriss, oberhalb des Knies und an diesem Tag, hätte ich keinen Moment gezögert und das „Tourniquet“ benutzt.
Wir haben im Übrigen auch abgebunden und jeder Kamerad hat an diesem Tag, sein Verbandpäckchen gegeben! Du kannst ja mal versuchen einen Druckverband anzulegen wenn das halbe Bein abgetrennt ist und die Arterie rumspritzt. Und bei so einem Fall und „nur“ für solche Notfälle würde ich Abbinden!
Bemerkung: Da ich gerade das Wort „abtrennen“ benutzt habe! Ja wir müssen diese Thematik bald abtrennen, weil die Inhalte nicht mehr zum Thema „Ausrüstung“ passen.
Das Abbinden eines Körperteils ist eine ziemlich krasse Maßnahme, eine ultima Ratio, die unter Inkaufnahme des Verlusts des entsprechenden Körperteils verhindert, dass entstehende Giftstoffe in den Körper gelangen.
Ich habe keine Lust, auf die fachlich falschen Inhalte Deiner Beiträge im Detail einzugehen weil das den Rahmen sprengen würde und es dafür entsprechende Lehrgänge gibt, empfehle aber dringend, dass Du Dich mal bezüglich der aktuellesten Erkenntnisse zum Thema Abbinden auffrischst und vielleicht auch mal mit einem versierten Rettungsarzt darüber sprichst.
Mit dem letzten Absatz, in dem Du den Gürtel zum Abbinden anpreist und dabei dann doch einräumst, dass es ggf. Situationen geben kann, wo dies notwendig wird, widersprichst Du Dir letztendlich aber schon selbst.
Ja, ein Tourniquet ist eine absolute Notmaßnahme und in Deutschland hoffentlich nur selten notwendig, wird im Rettungsdienst aber in den letzten Jahren tatsächlich immer häufiger eingesetzt, wobei dabei die Art des Einsatzes (Stoppen des Volumenverlustes vs. Reduktion des Volumenverlustes) natürlich noch differenziert werden muss.
Wenn man aber von vorneherein kategorisch ausschliesst, ein TQ mitzuführen, ist das evtl. fahrlässig (zwar nicht im rechtlichen Sinne aber evtl. im Moralischen).
Ein Gürtel ist in 90% der Fälle nicht geeignet, um richtig und effektiv abzubinden. Die meisten Gürtel, die ich tagtäglich an Leuten sehe sind gar nicht stark genug, die entstehenden Kräfte auszuhalten. Insofern sollte man auch nicht von einer üblichen Üb-Lage mit einem angedeuteten Abbinden ausgehen - ich glaube kaum, dass Du Dir bewusst bist, was dazu eigentlich nötig ist. Richtiges Abbinden üben tut weh. Sehr sogar.
Das primäre Problem sind beim Abbinden nicht eventuelle Giftstoffe (die in den letzten 10 Jahren im militärischen Bereich leider recht umfangreich gesammelten Erfahrungen widerlegen das recht eindeutig) sondern primär die massiven Gewebeverletzungen und -zerstörungen, die bei einem richtigen Anlegen entstehen können - bis hin zu lebenslangen Phantomschmerzen.
In Ausbildungen zu taktischer Verwundetenversorgung (da stammt die Vermittlung des Gebrauchs von TQs letztendlich her) sollten daher auch geeignete Algorithmen vermittelt werden, die eine realistische Einschätzung zum benötigten Hilfsmittel erlauben.
Wenn der Einsatz in Deutschland erfolgt, geht man dabei natürlich grundsätzlich erstmal von anderen Rahmenbedingungen aus als irgendwo am Hindukusch. Aber selbst in Deutschland gibt es Funklöcher, abgelegene oder schwer zu erreichende Gegenden und ebenso Situationen, in denen unübliche Verletzungsmuster auftreten können. Grade der hier angeführte ÖPNV kann schnell mal ein abgetrenntes Körperteil mit entsprechend massivem Volumenverlust bedeuten - und das im dümmsten Fall irgendwo auf der Strecke wo kein Rettungsdienst schnell zur Stelle ist.
Dass dennoch eine geeignete Bandage (OALES, Israeli,... - da bietet der Markt mittlerweile einiges, man muss halt damit umgehen lernen) in den meisten Fällen das geeignetere Verbandsmittel ist, tut diesen Feststellungen ja keinen Abbruch.
Ich kann meinen Gürtel aufgrund der mitgeführten Einsatzmittel z.B. nicht "einfach mal so" in ein paar Sekunden zum Abbinden missbrauchen - das setzt schon einen etwas aufwändigeren Striptease vorraus. Zum anderen ist er evtl. sogar zu breit und ggf. nicht richtig fixierbar. Da ist das Mitführen eines TQ definitiv zweckmässiger. Das muss ich ja nicht jedem und sofort beim kleinsten Papercut am Zeigefinger um den Hals schlingen...
Grundsätzlich gilt (wie bei allem):
- Das Ganze (tun/nichttun, dürfen/nichtdürfen) ist abhängig von den Umständen der Situation.
- Meine Ausrüstung sollte ich dabei auf eine qualifizierte Gefährdungsbeurteilung ausrichten, wobei ich dabei den Ansatz vertrete, dass ich lieber habe als brauche. Ganz wie Doph_Zügota schon angemerkt hat.
- Ausrüstung ohne Ausbildung taugt nichts. Egal was.
7. Februar 2015, 14:04
Dazu gibt es auch einige Veröffentlichungen, leider finde ich z.B. von diesem Artikel hier nur eine Zusammenfassung frei zugänglich:
Blutstillung mittels Tourniquet in der präklinischen Notfallmedizin
Hier ausführlicher und sogar recht deutlich in der Formulierung:
kulla2014o.pdf
Im Rahmen von Analysen zur Frühletalität von Traumpatienten ist bekannt, dass die meisten Patienten innerhalb der ersten 24h an den Folgen des primären
Schädel-Hirn-Traumas oder an Exsanguination versterben. Unter Berücksichtigung der Erkenntnis, dass es im Rahmen der Schwerstverletztenversorgung in Deutschland bisher nicht gelun-
gen ist, die Zeiten bis zum Eintreffen am Einsatzort bzw. das Zeitintervall der Prähospitalphase relevant zu verkürzen [68], hat die Entwicklung von Algorithmen zur zielgerichteten Anwendung von prähospitalen Blutstillungsmaßnahmen bei kritischen Blutungen eine wesentliche Bedeutung. Unabdingbar ist neben der Vorhaltung von geeignetem Material auch ein regelmäßiges Training aller an der Rettungskette beteiligten Personen.
Kritische Blutungen sind lebensbedrohlich und müssen umgehend gestoppt werden.
Im Weiteren geht's auf Seite 4 und 5 des .pdf-Dokuments (bzw. den Seiten 576 und 577) im Absatz "Mechanische Möglichkeiten der Blutstillung".
Da findet sich dann auch:
Dementsprechend hat die Anwendung von Tourniquets mit einem hohen Empfehlungsgrad (GoR B) Eingang sowohl in die S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerstverletzten-Behandlung [16] als auch in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung schwerer Blutungen nach Trauma gefunden [62].
Kurzum: Die Rettungsmedizin hat ihr Dogma hinsichtlich des Abbindens in den letzten Jahren fast um 180° gedreht.
Muss zu meiner Schande gestehen, dass ich vor diesem Threat noch nie etwas von einem Tourniquet gehört habe.
Einem Laien ist es doch sicher unmöglich mit diesem Utensil in einer entsprechenden Situation umzugehen, denn in den üblichen Lehrgängen für unser Gewerbe wird es doch nicht gelehrt, und ich kenne sich niemanden der es besitzt.
Ich geht davon aus, dass es zwingend notwendig ist unterwiesen zu sein bevor man mit einem Tourniquet arbeitet?
Und da wir hier im Thema sind, in welcher Sparte unseren Berufes haben wir so ein Teil bei uns?
So unterscheidet sich das Sicherheitsgewerbe eben in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen und daher sind pauschale Aussagen grundsätzlich eigentlich immer irgendwo zu irgendeinem Grad falsch und man muss eben differenzieren.
Ich will Deine Fragen gerne mal (aus meiner Sicht, wohlgemerkt) abarbeiten:
Die von mir betrachtete Sparte des Berufs führt Mittel mit sich, die dazu geeignet sind, Personen schwer zu verletzen. Insofern gehört es für mich/uns zum Selbstverständnis, dass wir auch Mittel dabei haben, solche Verletzungen zumindest so lange zu versorgen (wenn es die Lage erlaubt, ich mit meinen Fähigkeiten noch dazu in der Lage bin, yadda yadda yadda - das hat natürlich auch irgendwo eine natürliche Grenze), bis jemand kommt, der das besser kann als ich.
Der Zeitraum bis zum Eintreffen professioneller Hilfe ist in Deutschland natürlich aufgrund der deutlich besser organisierten und professionelleren Rettungskette deutlich kürzer als er anderswo sein kann.
Dennoch kann es immer mal vorkommen, dass aufgrund Örtlichkeit, Infrastruktur oder durch vorbereitende bzw. anhaltende Handlungen der Gegenseite eben keine schnelle Anfahrt oder gar Alarmierung der Rettungskräfte möglich ist. Dementsprechend würde und werde ich mich hier auch nicht auf irgendwelche Minutenzeiten festlegen, denn das kann im dümmsten Fall schief gehen.
Aber selbst ohne Bewaffnung kann ein TQ auch bei einem schweren VU oder bei einem Unfall im ÖPNV hilfreich sein, da es dort unter Umständen ebenfalls zu extremen Verletzungsbildern kommen kann, wo ein massiver Volumenverlust schnell unterbunden werden muss (im wortwörtlichen Sinne).
Es gibt allerdings auch Bereiche im Geschäftsfeld Sicherheitsdienstleistungen, in denen ein TQ auf Basis gesetzlicher Vorgaben zum Quasi-Standard gehört. Auch wenn die zugegebenermaßen sehr überschaubar sind.
Und ja, Du hast natürlich vollkommen Recht, dass man an einem Einsatz- bzw. Hilfsmittel ausgebildet sein muss. Der Gegenstand alleine hilft niemandem, das kann er nur im Zusammenwirken mit dem Benutzer. Diese Binsenweisheit gilt allerdings letztendlich für alles, was man mitführt - was auch schon Taschenlampe und/oder Handschuhe umfasst. Dort ist der Unterweisungsumfang naturgemäß natürlich geringer als bei medizinischem Material zur Ersten Hilfe.
Grade beim TQ aber auch bei anderen Blutstillungsmaßnahmen sollte man eine gewisse Routine im Umgang mit dem Hilfsmittel (gilt auch und besonders für die modernen Druckverbände) haben. Und man muss eine Handlungssicherheit bei den Anwendungsalgorithmen haben, um in der Lage zu sein, bei einer gegebenen Verletzung das richtige Hilfsmittel zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.
Und um abschliessend den Unterschied der Tätigkeitsbereiche deutlich zu machen:
In meinem Umfeld führt - natürlich abhängig vom jeweiligen Auftrag - eigentlich fast jeder ein TQ mit. Evtl. nicht immer am Mann, falls nicht dann aber häufig im Notfallrucksack/-tasche im Fahrzeug und damit in halbwegs erreichbarer Nähe. Ausgebildet sind alle daran. Eingesetzt hat es meines Wissens nach noch nie jemand im Rahmen der beruflichen Tätigkeit (wohl aber mal bei einem Motorradunfall mit abgetrenntem Gliedmaß als Ersthelfer irgendwo in der Pampa).
Es gibt aber auch Einsätze in gut mit professionelle(re)n Rettungskräften durchsetzter Umgebung, wo man auf sowas komplett verzichten kann, weil die Profis auf die man sonst ggf. warten muss schon direkt vor Ort sind. Das erfordert IMHO aber auch wieder gut abgestimmte und sicher funktionierende Kommunikation im Fall der Fälle.
11. Februar 2015, 12:55
Ich habe die Beiträge gelesen , bei uns in AT haben wir einen Grund Erstehilfekurs besucht von der Firma , sind angewiesen Grund Erste Hilfe zu leisten , ansonsten hoffen das die Sanitäter gleich da sind .
Meine Frage an den deutschen Kollegen : Habt Ihr eine Spezial Ausbildung in Erste Hilfe ??
Eine Spezialausbildung werden die wenigsten habe denke ich mal, Ersthelfer ist die gängige Ausbildung, wenn überhaupt.
Ist aber mehr geworden, ist in vielen Ausschreibungen schon gefordert.
Ok , dann ist es bei euch (Nachbarn ) schon schärfer verankert als bei uns !!
Mich würde es sowieso interessieren wie es in De ausschaut mit den Gesetzen und Voraussetzungen , den Dokus aus dem Tv kann man ja nichts entnehmen
Aus den wenigsten Dokus unseren Bereich betreffend, wenn es denn überhaupt welche gibt, lässt sich etwas vernünftiges entnehmen.
waltherp88 schrieb:
Mich würde es sowieso interessieren wie es in De ausschaut mit den Gesetzen und Voraussetzungen
Meines Wissens nach - und hier kann ich durchaus falsch liegen und bitte dementsprechend bei Bedarf um Korrektur - findet sich weder in der Gewerbeordnung im für das Bewachungsgewerbe einschlägigen §34a noch in der Unfallverhütungsvorschrift des gesetzlichen Unfallversicherers VBG eine Pflicht zu einer Mindestausbildungshöhe im Bereich Erste Hilfe etc..
Manche (Aufbau-)Ausbildungen verlangen ihrerseits ggf. einen entsprechenden Nachweis, wobei da nicht zwangsläufig eine gesetzliche Regelung dahintersteht.
Und über den Umweg Fahrerlaubnis haben die Meisten sowieso irgendwann mal einen Erste Hilfe Kurs besucht - ob dieses Wissen noch präsent ist, sei mal dahingestellt.
Der einzige, einen winzigen Ausschnitt der Sicherheitsbranche betreffende Paragraph ist §31 GewO, wo für jeden Mitarbeiter mindestens einen 12-stündigen Erste Hilfe Kurs besucht haben muss und mindestens 25% einen 32-stündigen "Sanitätshelferlehrgang" absolviert haben müssen - aus praktischen Gründen hat da aber erfahrungsgemäß mehr oder minder jeder die 32-stündige Unterrichtung.
Was die Zukunft bringt, weiss man natürlich noch nicht, aber bei der Innenministerkonferenz gibt es eine Arbeitsgruppe zum Thema "Zertifizierung privater Sicherheitsunternehmen" und dort wiederum den einen oder anderen Gedanken zum Thema "Spezielle Sicherheitsdienstleistungen", dort kam auch schon der Gedanke auf, sich hinsichtlich Anforderungen an eine eventuelle Zertifizierung sich an ebenjenem §31 GewO zu orientieren, für 'nen §32 ist schliesslich noch Platz.
Aber da ist noch eine Menge Politik und Lobbyarbeit von Interessenverbänden und vor allem der großen Sicherheitsunternehmen am Werk, die damit die kleinen Unternehmen an den Rand ihrer Möglichkeiten drängen können. Ob das unter'm Strich gut oder schlecht wäre, kann man vermutlich erst im Nachgang bewerten.
Ich persönlich ja. Mehrere. Und die frische ich regelmäßig auf, sei es durch interne Workshops oder durch weitere Lehrgänge.
Ob es sich ein Sicherheitsunternehmen leisten kann, Qualifikationen im Ersthelferbereich zu schaffen und aufrecht zu erhalten hängt halt - wie bei allem - immer davon ab, was der Kunde bereit ist, für diese Dienstleistung zu bezahlen und was im Detail nach entsprechender Beurteilung als notwendig erachtet wird und im gegebenen Rahmen realisierbar ist.
Für den für eine qualitativ hochwertige Qualifikation notwendigen Aufwand steht meist weder Geld noch Zeit zur Verfügung oder die Anforderung danach besteht gar nicht.
Insofern kann man mit sowas nur eine kleine Nische bedienen und es ist immer eine Gratwanderung zwischen Investition und Rendite/ROI.
Das kann explizit in der Sicherheitsbranche schnell schiefgehen - da ist es zweckmässig, wenn diese Fähigkeiten auch ausserhalb des reinen Sicherheitsdienstleistungsumfeldes monetär verwertet werden können.
12. Februar 2015, 07:28
Der Kurs für die Lebensrettenden Sofortmaßnahmen (Mofa, Moped + Auto) nach §19 FeV gilt, genau wie der "große Kurs" Erste Hilfe (für Bus + LKW) gemäß §19FeV ein Leben lang, ABER nur wenn es darum geht den Führerschein zu beantragen oder neu zu beantragen.
Sprich, einmal gemacht oder im Rahmen der Ausbildung zum Rettungssanitäter, Krankenpfleger oder im Medizinstudium o.ä. muss man dem zum Zweck der Führerscheinbeantragung nicht erneut besuchen.
Legt man den Kurs der Ersten Hilfe (16 UE) im Rahmen der betrieblichen Ausbildung ab gilt dieser für zwei Jahre. Es kann durch eine Weiterbildung (8UE) immer wieder verlängert werden. Einmal die Frist überschritten, muss dieser erneut abgelegt werden.
Letztendlich ist in Deutschland Jeder verpflichtet bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not Hilfe zu leisten. Geregelt ist dies im §323c des StGB (unterlassene Hilfeleistung). Allerdings schweigt sich dieser Paragraph über den Umfang und die Art und Weise dieser Hilfe aus. Es steht auch nichts von "Erster Hilfe" drin, sondern nur von Hilfe. Sprich, es reicht theoretisch aus den Rettungsdienst oder einen Arzt zu informieren. Inwieweit das sinnvoll ist soll jetzt nicht Bestandteil dieses Threads sein.
Letztendlich ist so wie MartinL und Siegfried es formuliert haben: Es kommt immer darauf an was ein Unternehmen bereit ist zu investieren. Wenn es die Ausschreibung erfordert wird es gemacht. Auf freiwilliger Basis machen es die wenigsten. Leider. Da ist viel Eigeninitiative gefragt.

References: §34
 §31
 §31
 §32
 §19
 §19
 §323