Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=12.09.2006&Aktenzeichen=C-300%2F04
Timestamp: 2019-03-24 06:24:14+00:00

Document:
EuGH, 12.09.2006 - C-300/04 - dejure.org
Europäisches Parlament - Wahlen - Wahlrecht - Voraussetzungen des Wohnsitzes in den Niederlanden für die niederländischen Bürger von Aruba - Unionsbürgerschaft
Unionsbürgerschaft , Überseeische Länder und Hoheitsgebiete , Vorschriften über die Organe
Ablehnung der Eintragung der Bürger von Aruba in das Wählerverzeichnis für die Wahl der Mitglieder des Europäischen Parlaments wegen ihres Wohnsitzes; Einbeziehung der niederländischen Bürger von Aruba in den Schutzbereich der Unionsbürgerrechte; Ungleichbehandlung von Unionsbürgern durch den Erlass eines Wahlgesetzes; Bestimmung des aktiven und passiven Wahlrechts anhand des Wohnortes; Verpflichtung des Mitgliedsstaates zur Wiederherstellung der Rechte einer Person nach gemeinschaftsrechtswidriger Löschung aus dem Wählerverzeichnis; Schadensersatzanspruch eines zu Unrecht aus dem Wählerverzeichnis gelöschten Bürgers gegenüber dem Mitgliedsstaat
Ersuchen um Vorabentscheidung, vorgelegt mit Urteil des Raad van State vom 13. Juli 2004 in dem Rechtsstreit M. G. Eman und O. B. Sevinger gegen College van burgemeester en wethouders van Den Haag
Vorabentscheidungsersuchen des Raad van State (Niederlande) - Auslegung der Artikel 17 und 19 in Verbindung mit den Artikeln 189, 190 und 299 EG - Anwendung der Bestimmungen über die Unionsbürgerschaft auf Einwohner der überseeischen Länder und Gebiete - Wahlrecht der Einwohner der Niederländischen Antillen und Arubas bei den Wahlen zum Europäischen Recht, das einen mindestens zehnjährigen Aufenthalt in den Niederlanden voraussetzt
EuGH, 23.08.2004 - C-300/04
EuGH, 18.03.2005 - C-300/04
DVBl 2006, 1452
Emirates Airlines - Luftverkehr - Verordnung (EG) Nr. 261/2004 - Entschädigung …
Nach ständiger Rechtsprechung verlangt jedoch der Gleichbehandlungsgrundsatz bzw. das Diskriminierungsverbot, dass gleiche Sachverhalte nicht unterschiedlich und unterschiedliche Sachverhalte nicht gleich behandelt werden, sofern eine solche Behandlung nicht objektiv gerechtfertigt ist (vgl. Urteile IATA und ELFAA, Randnr. 95, vom 12. September 2006, Eman und Sevinger,C-300/04, Slg. 2006, I-8055, Randnr. 57, und vom 11. September 2007, Lindorfer/Rat, C-227/04 P, Slg. 2007, I-6767, Randnr. 63).
Die allgemeinen Vertragsbestimmungen und das sonstige Primär- und Sekundärrecht der Union sind auf sie nur dann anwendbar, wenn die entsprechenden Regelungen ausdrücklich auf sie verweisen (vgl. EuGH, Urteile vom 12. September 2006 - C-300/04, Slg. 2006, I-8055 Rn. 46 - Eman und Sevinger;… vom 21. September 1999 - C-106/97, Slg. 1999, I-5983 Rn. 42 - DADI und Douane-Agenten;… Schmalenbach in Calliess/Ruffert, EUV/AEUV, 5. Aufl., Art. 198 Rn. 5, Art. 355 Rn. 6;… Streinz/Kokott, EUV/AEUV, 2. Aufl., Art. 355 Rn. 5 f.).
Wie bereits ausgeführt gehören die Cayman-Inseln zu den im Anhang II des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) aufgeführten überseeischen Ländern und Hoheitsgebieten, für die gemäß Art. 355 Abs. 2 Satz 1 AEUV das im Vierten Teil des Vertrags (Artikel 198 bis 204 AEUV) festgelegte besondere Assoziierungssystem gilt und die damit grundsätzlich aus dem territorialen Anwendungsbereich der Verträge herausfallen; die allgemeinen Vertragsbestimmungen und das sonstige Primär- und Sekundärrecht der Union sind auf sie nur dann anwendbar, wenn die entsprechenden Regelungen ausdrücklich auf sie verweisen (vgl. EuGH, Urteile vom 12. September 2006 - C-300/04, Slg. 2006, I-8055, Rn. 46 - Eman und Sevinger;… vom 21. September 1999 - C-106/97, Slg. 1999, I-5983, Rn. 42 - DADI und Douane-Agenten;… Schmalenbach in Calliess/Ruffert, EUV/AEUV, 5. Aufl., Art. 198 Rn. 5, 355 Rn. 6;… Streinz/Kokott, EUV/AEUV, 2. Aufl., Art. 355 Rn. 5 f.).
Mangels einer unionsrechtlichen Regelung auf dem Gebiet der Änderung des Familiennamens ist nämlich die Ausgestaltung der vom nationalen Recht vorgesehenen Bedingungen, die den Schutz der den Einzelnen aus dem Unionsrecht erwachsenden Rechte gewährleisten sollen, Sache der nationalen Rechtsordnung jedes Mitgliedstaats; diese Bedingungen dürfen jedoch nicht weniger günstig sein als diejenigen, die Rechte betreffen, die ihren Ursprung in der innerstaatlichen Rechtsordnung haben (Äquivalenzgrundsatz), und sie dürfen die Ausübung der durch die Unionsrechtsordnung verliehenen Rechte nicht praktisch unmöglich machen oder übermäßig erschweren (Effektivitätsgrundsatz) (vgl. entsprechend u. a. Urteile vom 12. September 2006, Eman und Sevinger, C-300/04, EU:C:2006:545, Rn. 67…, vom 3. Juli 2014, Kamino International Logistics und Datema Hellmann Worldwide Logistics, C-129/13 und C-130/13, EU:C:2014:2041, Rn. 75, …sowie vom 8. März 2017, Euro Park Service, C-14/16, EU:C:2017:177, Rn. 36).
45 Insoweit sind mangels einer einschlägigen gemeinschaftsrechtlichen Regelung die Bestimmung der zuständigen Gerichte und die Ausgestaltung des Verfahrens für die Klagen, die den Schutz der dem Einzelnen aus dem Gemeinschaftsrecht erwachsenden Rechte gewährleisten sollen, Sache der nationalen Rechtsordnung der einzelnen Mitgliedstaaten; dabei dürfen freilich diese Bedingungen nicht weniger günstig sein als diejenigen, die Rechte betreffen, die ihren Ursprung in der innerstaatlichen Rechtsordnung haben (Äquivalenzgrundsatz), und sie dürfen die Ausübung der durch die Gemeinschaftsrechtsordnung verliehenen Rechte nicht praktisch unmöglich machen oder übermäßig erschweren (Effektivitätsgrundsatz) (vgl. Urteile vom 12. September 2006 in der Rechtssache C-300/04, Eman und Sevinger, Slg. 2006, I-0000, Randnr. 67, und vom 19. September 2006 in den verbundenen Rechtssachen C-392/04 und C-422/04, i-21 Germany und Arcor, Slg. 2006, I-0000, Randnr. 57).
Zwar hat der Gerichtshof zu den Personen, die das aktive Wahlrecht für die Wahlen zum Europäischen Parlament haben, in den Urteilen Spanien/Vereinigtes Königreich (…C-145/04, EU:C:2006:543, Rn. 70 und 78) sowie Eman und Sevinger (C-300/04, EU:C:2006:545, Rn. 43 und 45) entschieden, dass Art. 1 Abs. 3 und Art. 8 des Akts von 1976 nicht ausdrücklich und genau bestimmen, wer dieses Recht hat, so dass beim derzeitigen Stand des Unionsrechts die einzelnen Mitgliedstaaten dafür zuständig sind, unter Beachtung des Unionsrechts die Personen zu bestimmen, denen es zusteht.
Sinn macht dieses Evidenzerfordernis bei der Frage von Staatshaftungsansprüchen, die nach der Rechtsprechung hierzu EuGH, Urteile vom 12.9.2006 - C-300/04 -, Rn. 69, DVBl 2006 1452 f.; vom 13.6.2006 - C-173/03 - Rn. 42, 43, DVBl. 2006, 1105 ff.; vom 30.9.2003 - C-224/01 - Rn. 53 ff. nur im Falle hinreichend qualifizierter beziehungsweise offenkundiger Verstöße gegen Gemeinschaftsrecht oder willkürlichen Übergehens gegeben ist.
64 Vgl. Urteil vom 12. September 2006, Eman und Sevinger (C-300/04, EU:C:2006:545, Rn. 27 bis 29), wonach Personen, die die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats besitzen und in einem ÜLG ansässig sind, die Rechte aus der Unionsbürgerschaft zustehen.
60 - Urteile vom 20. Oktober 2005, Kommission/Portugal (C-334/03, Slg. 2005, I-8911, Randnr. 24), und vom 12. September 2006, Eman und Sevinger (C-300/04, Slg. 2006, I-8055, Randnr. 57); ähnlich bereits die Urteile vom 19. Oktober 1977, Ruckdeschel u. a. (117/76 und 16/77, Slg. 1977, 1753, Randnr. 7), vom 12. März 1987, Raiffeisen Hauptgenossenschaft (215/85, Slg. 1987, 1279, Randnr. 23), und vom 19. November 1998, SFI (C-85/97, Slg. 1998, I-7447, Randnr. 30).
83 - Siehe meine Schlussanträge vom 9. Januar 2008 in der Rechtssache C-268/06 (Impact, Slg. 2008, I-0000, Nr. 67); zum Grundsatz der Gleichbehandlung vgl. die ständige Rechtsprechung, nicht zuletzt Urteile vom 12. September 2006, Eman und Sevinger (C-300/04, Slg. 2006, I-8055, Randnr. 57), vom 3. Mai 2007, Advocaten voor de Wereld (C-303/05, Slg. 2007, I-3633, Randnr. 56), und vom 11. September 2007, Lindorfer/Rat (C-227/04 P, Slg. 2007, I-0000, Randnr. 63).
Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass der Grundsatz der Gleichbehandlung bzw. das Diskriminierungsverbot verlangt, dass gleiche Sachverhalte nicht unterschiedlich und unterschiedliche Sachverhalte nicht gleichbehandelt werden, sofern eine solche Behandlung nicht objektiv gerechtfertigt ist (Urteile vom 10. Januar 2006, 1ATA und ELFAA, C-344/04, Slg. 2006, I-403, Randnr. 95, vom 12. September 2006, Eman und Sevinger, C-300/04, Slg. 2006, I-8055, Randnr. 57, und Lindorfer/Rat, Randnr. 63).
EuGH, 11.09.2007 - C-227/04
Lindorfer / Rat - Rechtsmittel - Beamte - Übertragung von Ruhegehaltsansprüchen - …
EuG, 12.12.2018 - T-283/17
SH/ Kommission
X BV - Freier Kapitalverkehr - Beschränkungen - Ausschüttung von Dividenden aus …
Generalanwalt beim EuGH, 04.02.2016 - C-465/14
Wieland und Rothwangl - Soziale Sicherheit - Art. 18 AEUV und 45 AEUV - …
EGMR, 12.11.2013 - 14507/07
OCCHETTO c. ITALIE
EGMR, 12.02.2013 - 14507/07

References: Art. 198
 Art. 355
 Art. 355
 Art. 355
 Art. 198
 Art. 355
 Art. 1
 Art. 8
 Art. 18