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Timestamp: 2018-09-19 07:04:28+00:00

Document:
BaFin - Referenzwerte
EU Referenzwerte-Verordnung
Administratoren von Referenzwerten
Verwender von Referenzwerten
Die Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2016 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden, und zur Änderung der Richtlinien 2008/48/EG und 2014/17/EU sowie der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 („Referenzwerte-VO“ oder „Benchmark Regulation“) wurde am 29.06.2016 im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht.
Sie betrifft Indizes, die
bei Finanzinstrumenten als Referenzwert
bei Finanzkontrakten als Referenzwert oder
zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden.
Ziele der Referenzwerte-VO sind insbesondere
die Schaffung eines präventiven Regulierungsrahmens
die Vermeidung von Interessenskonflikten sowie Manipulationsspielräumen bei der Bereitstellung von Referenzwerten
die transparente Ermittlung von Referenzwerten.
Am 01.01.2018 tritt die Referenzwerte-VO vollumfänglich in Kraft. Art. 51 BMR enthält Übergangsregelungen bis zum 01.01.2020.
Ein Referenzwert im Sinne der Referenzwerte-VO ist jeder Index, auf den Bezug genommen wird, um den für ein Finanzinstrument oder einen Finanzkontrakt zahlbaren Betrag oder den Wert eines Finanzinstruments zu bestimmen, oder einen Index, der verwendet wird, um die Wertentwicklung eines Investmentfonds zwecks Rückverfolgung der Rendite dieses Indexes oder der Bestimmung der Zusammensetzung eines Portfolios oder der Berechnung der Anlageerfolgsprämien (Performance Fees) zu messen (Art. 3 Abs. 1 Nr. 3 Referenzwert-VO).
Ein Index ist jede Zahl, die veröffentlicht oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, die regelmäßig, ganz oder teilweise durch Anwendung einer Formel oder einer anderen Berechnungsmethode oder durch Bewertung bestimmt wird und auf der Grundlage des Werts eines oder mehrerer Basisvermögenswerte oder Basispreise, einschließlich geschätzter Preise, tatsächlicher oder geschätzter Zinssätze, Quotierungen und verbindlicher Quotierungen oder sonstiger Werte oder Erhebungen erfolgt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 1 Referenzwert-VO).
Die Benchmark-VO unterscheidet zwischen kritischen, signifikanten und nicht-signifikanten Referenzwerten:
Kritischer Referenzwert Art. 20 BMR
Signifikanter Referenzwert Art. 24 BMR
Nicht-Signifikanter Referenzwert Art. 26 BMR
Referenzwert wird als Bezugsgrundlage in einem
Gesamtwert von >500 Mrd. EUR verwendet
ODER Referenzwert wird als Bezugsgrundlage in einem
Gesamtwert von >50 Mrd. EUR verwendet
ODER Referenzwert, der nicht die Voraussetzungen
der Art. 20 und Art. 24 BMR erfüllt
Gesamtwert von >400 Mrd. EUR verwendet und hat
keinen oder wenigen Ersatz und der Ausfall würde erheblichen
nachteiligen Auswirkungen haben
ODER Referenzwert hat keinen oder wenigen Ersatz und der
Ausfall würde erheblichen nachteiligen Auswirkungen haben.
Referenzwert beruht auf Beiträgen aus mehrheitlich
in einem Mitgliedsstaat angesiedelten Kontributoren
und ist als kritisch eingestuft.
Durchführungsbeschluss der Europäischen Kommission,
Aufsicht durch ein Kollegium nach Art. 46 Referenzwerte-VO
Besondere Bestimmungen gelten für Rohstoff-Referenzwerte (Art. 19, Annex II zur Referenzwerte-VO), Referenzzinssätze (Art. 18, Annex I zur Referenzwerte-VO) und Referenzwerte aus regulierten Daten (Art. 17 Referenzwerte-VO).
Die Referenzwerte-VO betrifft:
Ein Administrator ist eine natürliche oder juristische Person, die die Kontrolle über die Bereitstellung eines Referenzwertes ausübt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 6 Referenzwerte-VO).
Administratoren mit Sitz in der EU sind verpflichtet, bei der zuständigen nationalen Behörde ihre Zulassung, Registrierung gemäß Art. 34 Referenzwerte-VO zu beantragen. Bis zum 01.01.2020 können Administratoren die Übergangsbestimmungen des Art. 51 Abs. 1 und Abs. 3 Referenzwerte-VO unter den dort genannten Bedingungen nutzen.
Gemäß Art. 34 Abs. 4 Referenzwerte-VO liefert der Antragsteller alle notwendigen Informationen, um der zuständigen Behörde gegenüber nachzuweisen, dass er zum Zeitpunkt seiner Zulassung oder Registrierung alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen hat, um die Anforderungen der Referenzwerte-VO zu erfüllen.
Administratoren mit Sitz außerhalb der EU (sog. Drittstaatenadministratoren) sind verpflichtet, bei der zuständigen Behörde des Referenzmitgliedsstaats ihre Anerkennung gemäß Art. 32 Referenzwerte-VO zu beantragen. Eine Übergangsregelung bis zum 01.01.2020 für Drittstaatenadministratoren ist in Art. 51 Abs. 5 Referenzwerte-VO enthalten.
Ein Kontributor ist eine natürliche oder juristische Person, die Eingabedaten beiträgt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 9 Referenzwerte-VO). Eingabedaten sind die von einem Administrator zur Bestimmung eines Referenzwerts verwendeten Daten in Bezug auf den Wert eines oder mehrerer Basisvermögenswerte oder Preise, einschließlich geschätzter Preise, Quotierungen, verbindlicher Quotierungen oder anderer Werte (Art. 3 Abs. 1 Nr. 14 Referenzwerte-VO). Als Beitragen von Eingabedaten definiert die Referenzwerte-VO die Übermittlung von nicht ohne weiteres verfügbaren Eingabedaten an einen Administrator oder an eine andere Person zur Weiterleitung an einen Administrator, die im Zusammenhang mit der Bestimmung eines Referenzwerts erforderlich ist und zu diesem Zweck erfolgt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 8 Referenzwerte-VO).
Für Kontributoren gelten die Art. 15 und 16 der Referenzwerte-VO sowie spezielle Regelungen in den Anhängen zur Referenzwerte-VO.
Eine Verwendung eines Referenzwertes im Sinne des Art. 3 Abs. 1 Nr. 7 BMR ist bei den folgenden Aktivitäten gegeben:
die Ausgabe eines Finanzinstruments, für das ein Index oder eine Indexkombination als Bezugsgrundlage dient;
die Bestimmung des im Rahmen eines Finanzinstruments oder -kontrakts zahlbaren Betrags unter Bezugnahme auf einen Index oder eine Indexkombination;
den Umstand, Vertragspartei eines Finanzkontrakts zu sein, für den ein Index oder eine Indexkombination als Bezugsgrundlage dient;
die Bereitstellung eines Sollzinssatzes im Sinne von Artikel 3 Buchstabe j der Richtlinie 2008/48/EG, der als Spread oder Aufschlag auf einen Index oder eine Indexkombination berechnet wird und ausschließlich für einen Finanzkontrakt als Bezugsgrundlage verwendet wird, bei dem der Kreditgeber Vertragspartei ist;
die Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds anhand eines Indexes oder einer Indexkombination zwecks Rückverfolgung der Rendite dieses Indexes oder dieser Indexkombination, Bestimmung der Zusammensetzung eines Portfolios oder Berechnung der Anlageerfolgsprämien (Performance Fees);
Für beaufsichtigte Unternehmen im Sinne des Art. 3 Abs. 1 Nr. 17 BMR, die einen Referenzwert verwenden, gelten die Bestimmungen der Art. 28 und Art. 29 der Referenzwerte-VO. Diese Anforderungen sind ab dem 01.01.2018 anwendbar.
Vorbehaltlich der Übergangsregelungen darf ein beaufsichtigtes Unternehmen ab dem 01.01.2018 Referenzwerte in der EU nur verwenden, wenn der Referenzwert oder der Administrator des jeweiligen Referenzwertes in einem ESMA Register nach Art. 36 BMR eingetragen ist.
Die Eintragung in das ESMA Register setzt voraus:
EU Administratoren
Zulassung eines Administrators von kritischen oder signifikanten Referenzwerten gemäß Art. 34 Referenzwerte-VO
Registrierung eines Administrators von signifikanten oder nicht-signifikanten Referenzwerten gemäß Art. 34 Referenzwerte-VO
Drittstaatenadministratoren:
Gleichwertigkeitsbeschluss der Europäischen Kommission gemäß Art. 30 Referenzwerte-VO
Anerkennung durch die zuständige Behörde des Referenzmitgliedsstaates gemäß Art. 32 Referenzwerte-VO
Übernahme von in einem Drittstaat bereitgestellten Referenzwert durch einen EU Administrator gemäß Art. 33 Referenzwerte-VO
Die BaFin ist die zuständige deutsche Behörde für die Aufsicht nach der Referenzwerte-VO.
Kontakt: EU-Benchmark-Regulation@bafin.de.
Weitere Informationen zum Thema EU Referenzwerte-VO finden Sie auf der Website der European Securities and Markets Authority (ESMA).
Webcode https://www.bafin.de/dok/10331058

References: Art. 51
 Art. 20
 Art. 24
 Art. 26
 Art. 20
 Art. 24
 Art. 46
 Art. 34
 Art. 51
 Art. 34
 Art. 32
 Art. 51
 Art. 15
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 28
 Art. 29
 Art. 36
 Art. 34
 Art. 34
 Art. 30
 Art. 32
 Art. 33