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Timestamp: 2020-01-21 23:39:52+00:00

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Auto-Reimport – und das Aus­kunfts­ver­lan­gen an den Fahr­zeug­her­stel­ler | Rechtslupe
Auto-Reimport - und das Auskunftsverlangen an den Fahrzeughersteller
Auto-Reimport – und das Aus­kunfts­ver­lan­gen an den Fahr­zeug­her­stel­ler
Die Zoll­be­hör­de kann den Her­stel­ler aus­ge­führ­ter Kraft­fahr­zeu­ge nicht ver­pflich­ten, zuguns­ten des Reimpor­teurs der Fahr­zeu­ge, der die­se als Rück­wa­ren anmel­det, um von Ein­fuhr­ab­ga­ben befreit zu wer­den, an der Sach­auf­klä­rung mit­zu­wir­ken.
Wird eine aus der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­führ­te Ware spä­ter wie­der in die EU ein­ge­führt, kann sie auf Antrag des Ein­füh­rers unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen von den Ein­fuhr­ab­ga­ben befreit wer­den (sog. Rück­wa­re). Han­delt es sich dabei um (gemein­hin als Reimport bezeich­ne­te) Kraft­fahr­zeu­ge, die in der EU her­ge­stellt wur­den, wer­den in die­sen Fahr­zeu­gen aller­dings häu­fig Tei­le ein­ge­baut sein, bei denen es sich um zuvor in die EU impor­tier­te Dritt­lands­wa­re han­delt, die nicht zur EU-Ware gewor­den und spä­ter als Bestand­teil des Fahr­zeugs wie­der aus der EU aus­ge­führt wor­den sind. Die­se Tei­le kön­nen bei einem Reimport der Fahr­zeu­ge nicht als Rück­wa­ren abga­ben­frei in die EU ein­ge­führt wer­den, müs­sen also gleich­sam "her­aus­ge­rech­net" wer­den.
Der Bun­des­fi­nanz­hof sah hier aus­schließ­lich den Reimpor­teu­er in der Pflicht:
Ermitt­lungs­pflich­ten des Haupt­zoll­am­tes
Aus dem Amts­er­mitt­lungs­grund­satz folgt kei­ne Pflicht des beklag­ten Haupt­zoll­amt zur Beschaf­fung der von der Anmel­de­rin benö­tig­ten Daten. Nach Art. 185 Abs. 1 ZK wer­den Rück­wa­ren nur auf Antrag von den Ein­fuhr­ab­ga­ben befreit. Nach Art. 6 Abs. 1 ZK muss der Antrag­stel­ler alle Anga­ben und Unter­la­gen bei­brin­gen, wel­che die Zoll­be­hör­de für die Ent­schei­dung über die Abga­ben­be­frei­ung benö­tigt. Der Bei­brin­gungs­grund­satz des Art. 6 Abs. 1 ZK ver­drängt inso­weit den all­ge­mei­nen Amts­er­mitt­lungs­grund­satz (§ 88 der Abga­ben­ord­nung ‑AO-) und damit die Mit­wir­kungs­pflich­ten Drit­ter nach §§ 93 und 97 AO 1. Es ist des­halb vor­lie­gend nicht streit­ent­schei­dend, ob die nur beschränk­te Ein­grif­fe ermög­li­chen­den §§ 93 und 97 AO für an Drit­te ‑weder mit­tel­bar noch unmit­tel­bar Betei­lig­te- gerich­te­te Aus­kunfts­ver­lan­gen durch Art. 14 ZK über­la­gert wer­den 2 oder nicht, wie dies die AO-DV Zoll (VSF S 03 00) annimmt.
Auch der sog. Wirt­schafts­zoll­ge­dan­ke ‑wenn er über­haupt als das Uni­ons­recht prä­gen­der Leit­ge­dan­ke ange­se­hen wer­den könn­te- recht­fer­tigt die Erhe­bung von Ein­fuhr­ab­ga­ben bei der Anmel­de­rin, denn er besagt, dass der Zoll­an­spruch des Ein­fuhr­lands an den Ein­gang einer Ware in den Wirt­schafts­kreis­lauf die­ses Lands anknüp­fen soll 3. Das ist hin­sicht­lich reimpor­tier­ter Ware gege­ben, weil sie durch Aus­fuhr zu Nicht-Uni­ons­wa­re gewor­den ist.
Gemäß Art. 2 ZKDVO sind die Zoll­be­hör­den ver­pflich­tet, von Amts wegen die Unter­la­gen und Anga­ben zu lie­fern, die ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen, wenn eine Per­son, die eine Ent­schei­dung bean­tragt, nicht in der Lage ist, alle für die Ent­schei­dung erfor­der­li­chen Unter­la­gen vor­zu­le­gen. Dabei haben die Abfer­ti­gungs­zoll­stel­len das vor­ge­schrie­be­ne Ver­fah­ren der Zusam­men­ar­beit der Ver­wal­tun­gen anzu­wen­den, wenn der Anmel­der u.a. nach­ge­wie­sen hat, dass es sich bei den ein­ge­führ­ten Waren um Ver­ede­lungs­er­zeug­nis­se han­delt, auf die gemäß Art. 185, 187 ZK, Art. 848 ZKDVO die Rück­wa­ren­re­ge­lung Anwen­dung fin­den kann, es ihm aber nicht mög­lich ist, sämt­li­che Anga­ben zu lie­fern, die für die Berech­nung der Abga­ben erfor­der­lich sind 4. Wenn eine Behör­de ohne­hin über die erfor­der­li­chen Unter­la­gen oder Daten ver­fügt, ist es nicht erfor­der­lich und damit unver­hält­nis­mä­ßig, die­se Infor­ma­tio­nen vom Zollan­mel­der zu ver­lan­gen. Dabei soll es unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht von Zufäl­lig­kei­ten der Zoll­orga­ni­sa­ti­on abhän­gen, ob die Infor­ma­tio­nen gera­de bei der Behör­de ver­füg­bar sind, die für die Waren­ein­fuhr zustän­dig ist.
Eine Ver­pflich­tung, zuguns­ten eines Anmel­ders die für die Inan­spruch­nah­me der Ver­güns­ti­gun­gen für Rück­wa­ren erfor­der­li­chen Daten erst noch zu erhe­ben, folgt weder aus Art. 2 ZKDVO noch aus dem genann­ten EuGH, Urteil. Zwar mein­te der Gene­ral­an­walt in sei­ner Stel­lung­nah­me vom 13.02.2003 in der Sache – C‑56/​02 ‑Rebmann‑, auf die sich das Finanz­ge­richt beruft, u.a., dass sich die Ver­wal­tung die betref­fen­den Anga­ben, sofern sie ihr zugäng­lich sei­en, ggf. beschaf­fen müss­te ‑zumindest‑, wenn sie in einem Zoll­ar­chiv vor­han­den sei­en. Der Uni­ons­ge­richts­hof hat die­se ‑aus­le­gungs­be­dürf­ti­ge- For­mu­lie­rung nicht über­nom­men und sich auch im Übri­gen gegen­über umfang­rei­chen Ermitt­lungs­pflich­ten der Behör­den zurück­hal­tend gezeigt 5. Dem ist zuzu­stim­men. Lie­gen Daten nicht bei einer Zoll­be­hör­de vor, gilt Art. 6 ZK unein­ge­schränkt.
Aus­kunfts­pflicht des Kfz-Her­stel­lers
"Unmit­tel­bar oder mit­tel­bar an Vor­gän­gen im Rah­men des Waren­ver­kehrs betei­ligt" bedeu­tet, dass der Betref­fen­de an den kon­kre­ten Vor­gän­gen des Waren­ver­kehrs betei­ligt ist, auf die die Zoll­be­hör­de zoll­recht­li­che Vor­schrif­ten anwen­den will ("zur Anwen­dung des Zoll­rechts") 6.
Für die Son­der­vor­schrift zur nach­träg­li­chen Prü­fung (nach Über­las­sung der Waren) von Zollan­mel­dun­gen gemäß Art. 78 ZK hat der Bun­des­fi­nanz­hof mit Urteil vom 28.01.2014 7 den Erwer­ber einer Ein­fuhr­wa­re als geschäft­lich mit­tel­bar betei­lig­te Per­son ange­se­hen. Damit lässt sich der Streit­fall jedoch nicht ver­glei­chen, denn in jenem Fall ging es um für den Zoll­wert bedeut­sa­me Zah­lun­gen, die bei einem Ein­fuhr­vor­gang erfah­rungs­ge­mäß von ver­schie­de­nen Per­so­nen geleis­tet wer­den, wie dies z.B. in einer Käu­fer­ket­te der Fall sein kann. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits mehr­fach ent­schie­den 8, dass inso­weit der gesam­te wirt­schaft­li­che Ein­fuhr­vor­gang zu betrach­ten ist. Des­halb ist es in sol­chen Fäl­len auch gerecht­fer­tigt, einen spä­te­ren Käu­fer als mit­tel­bar am Ein­fuhr­ge­schäft betei­ligt anzu­se­hen.
Eine Berech­ti­gung des Haupt­zoll­amt, gegen­über der Auto­her­stel­le­rin die ange­for­der­ten Unter­la­gen und Aus­künf­te zu ver­lan­gen, folgt auch nicht aus dem Beschluss vom 06.06.2011 im Ver­fah­ren 7 K 337/​08, denn an die­sem Ver­fah­ren war die Auto­her­stel­le­rin nicht betei­ligt. Gericht­li­che Ent­schei­dun­gen sind ‑von im Streit­fall nicht vor­lie­gen­den Aus­nah­me­fäl­len abge­se­hen- für am Ver­fah­ren unbe­tei­lig­te Drit­te regel­mä­ßig nicht bin­dend 9. Dar­über hin­aus kann der Beschluss auch nicht zu einer Aus­wei­tung der Befug­nis­se der ersuch­ten Behör­de füh­ren (§ 114 Abs. 1 AO). Das Haupt­zoll­amt wird des­halb im Ver­fah­ren 7 K 337/​08 vor­tra­gen müs­sen, dass das ihm auf­ge­ge­be­ne Auf­klä­rungs­er­su­chen ergeb­nis­los blieb.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2014 – VII R 21/​12
vgl. auch Wey­mül­ler in Dorsch, Zoll­recht, Art. 6 ZK Rz 19 ff.; Wit­te, Zoll­ko­dex, 6. Aufl., Art. 6 Rz 26[↩]
vgl. Wey­mül­ler in Dorsch, a.a.O., Art. 14 ZK Rz 15; Fried­rich in Schwarz/​Wockenfoth, Zoll­recht, Art. 14 ZK Rz 2[↩]
vgl. Witte/​Alexander, a.a.O., Ein­füh­rung Rz 19[↩]
EuGH, Urteil in Slg. 2003, I‑5499, ZfZ 2003, 267[↩]
z.B. EuGH, Urteil vom 27.09.2007 – C‑184/​05 ‑Twoh International‑, Slg. 2007, I‑7897, BSt­Bl II 2009, 83[↩]
vgl. dazu die Bei­spie­le bei Wey­mül­ler in Dorsch, a.a.O., Art. 14 ZK Rz 14; so auch Fried­rich in Schwarz/​Wockenfoth, a.a.O., Art. 14 ZK Rz 4[↩]
BFH, Urteil vom 28.01.2014 – VII R 17/​12, BFHE 244, 178, ZfZ 2014, 225[↩]
BFH, Urtei­le vom 27.02.2007 – VII R 25/​06, BFHE 216, 459, ZfZ 2007, 124; vom 04.07.2013 – VII R 56/​11, BFHE 242, 472, ZfZ 2013, 271[↩]
Gräber/​von Groll, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 110 Rz 7[↩]

References: Art. 185
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 14
 Art. 2
 Art. 185
 Art. 848
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 78
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 14
 § 110