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Timestamp: 2017-05-29 20:46:02+00:00

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Beratung für die öffentliche Hand und NPOs Vierteljährlich finden Sie hier einen Newsletter mit Beiträgen zu aktuellen Entwicklungen im Bereich Public Services. Newsletter Ausgabe 122 (Dezember 2015)PDF - 744.12 KB, 47 SeitenEY Public Services
Ausgabe 122 | Dezember 2015
Flüchtlinge: Kommunen müssen massiv in Wohnimmobilien investieren –
Stiftungen und Immobilieninvestments: Anlagefokus Deutschland, zunehmend
EY unterstützt das BMVI bei der Studie „Wasserstoffinfrastruktur für die Schiene“
Strategisches Gebührenmanagement am Beispiel der hoheitlichen
Abfallentsorgung in Hessen
Neue OECD Corporate Governance-Leitsätze für staatseigene Unternehmen
Binnenmarktrelevanz oder „rein lokale Bedeutung“: Trendwende im
Beihilfenrecht?
Flüchtlinge: Was tun, wenn die Preise für Container und
Flüchtlingsunterkünfte explodieren?
Rechtsprechung aktuell: Pooling von Entnahmestellen Strom
Sind Geschäftsführer und Prokuristen eines Versorgungsunternehmens
Breitbandausbau im kommunalen Bereich – Herausforderungen zur
wirtschaftlichen Gestaltung des Breitbandausbaus im ländlichen Raum
Strategien zum Umgang mit der E-Bilanz bei Betrieben gewerblicher Art
Reichweite des Vorsteuerausschlusses im Rahmen der 10%igen
unternehmerischen Mindestnutzung
Steuerliche Aspekte der Flüchtlingshilfe
Finanzgericht Rheinland-Pfalz: Herstellerrabatte an PKV mindern die
EY Public Services Newsletter, Ausgabe 122 | Dezember 2015
Integrated Reporting: Mehrwert für öffentliche Unternehmen
Österreich – Änderungen im Finanzstrafrecht
„Neuregelungen der Umsatzbesteuerung der öffentlichen Hand (§ 2b UStG)“ am
20. Januar 2016 in Eschborn/Frankfurt am Main
EY Public Services Newsletter, Ausgabe 122 Dezember 2015
Bernhard Lorentz übernimmt bei EY die Verantwortung für das
Geschäft mit dem öffentlichen Sektor
Prof. Dr. Bernhard Lorentz hat am 1. Dezember 2015 als Partner bei EY in Berlin die
Verantwortung für das Geschäft mit dem öffentlichen Sektor in der Region Deutschland,
Schweiz und Österreich übernommen. Der gebürtige Berliner leitete bis 2014 die Stiftung
Mercator, eine der größten privaten Stiftungen des Landes, die er erfolgreich an der
Schnittstelle zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor positionierte. Seit 2014 war
Lorentz im Auswärtigen Amt Sonderberater für Stiftungen und Zivilgesellschaft, während
er gleichzeitig eine Gastprofessur an der Stanford University in den USA innehatte.
Hans-Peter Busson neuer Global ECA Coordination Leader bei EY
Am 1. Dezember 2015 hat Hans-Peter Busson, bisher Government & Public Sector Leader
für Deutschland, die Schweiz und Österreich, die Verantwortung als Global ECA
Coordination Leader bei EY übernommen. Mit diesem Schritt spiegelt EY die globale Aufstellung der Exportkreditagenturen (ECAs) der bedeutendsten Industrienationen. Busson
leitet ein Team von Experten in Deutschland, das bei Bedarf durch Fachkollegen aus dem
weltweiten EY-Netzwerk ergänzt werden kann. Mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in der
Zusammenarbeit mit den ECAs der wichtigsten Exportländer in sehr großen Projekten (u. a.
Raffinerien, Aluminiumschmelzen, Windparks) kann EY nun globale Lösungen für Exportkreditagenturen sowie Banken, Exporteure und Investoren, die Exportkreditgarantien im
Rahmen von Projektfinanzierungen anstreben, anbieten.
Thomas Müller-Marqués Berger zum ersten Vorsitzenden der
neuen Consultative Advisory Group (CAG) des IPSASB gewählt
Nach sechsjähriger Mitgliedschaft als deutscher Vertreter im International Public Sector
Accounting Standards Board (IPSASB) wurde Thomas Müller-Marqués Berger, Global
Leader International Public Sector Accounting bei EY, durch das Public Interest Committee
(PIC) zum ersten Vorsitzenden der neuen Consultative Advisory Group (CAG) des IPSASB
gewählt. Die CAG berät das IPSASB sowohl in Fragen der Strategie, des langfristigen
Arbeitsprogramms und der Tagesordnungen der einzelnen Board-Meetings als auch
unmittelbar in technischen Fragen im Zusammenhang mit der Erarbeitung von Rechnungslegungsstandards. Als Vorsitzender ist es die Aufgabe von Thomas Müller Marqués Berger,
die CAG in den kommenden Monaten aufzubauen und sicherzustellen, dass das IPSASB den
Input der Stakeholder rechtzeitig und zielgerichtet bekommt. Ziel ist es, dadurch die
Entwicklung von qualitativ hochwertigen Rechnungslegungsstandards zu unterstützen, die
weltweit breite Akzeptanz finden. g
Flüchtlinge: Kommunen müssen
massiv in Wohnimmobilien investieren
– 370.000 Plätze fehlen
Deutschlands Kommunen rechnen damit, im laufenden Jahr insgesamt
knapp 870.000 Flüchtlinge aufzunehmen – allein im Zeitraum Oktober bis
Dezember werden gut 380.000 Personen erwartet.1 Die damit verbundenen Herausforderungen sind enorm: Derzeit stehen nur Kapazitäten für
die Unterbringung von knapp 500.000 Menschen zur Verfügung – etwa
370.000 Plätze fehlen also.
Mangel an Wohnraum größte Hauptsorge der befragten Kommunen ist derzeit der Mangel an geeigneten RäumlichHerausforderung keiten, den 76 Prozent als besonders großes Problem bezeichnen. Das Fehlen belastbarer
Zahlen zu den noch zu erwartenden Personen, die untergebracht werden müssen, wird an
zweiter Stelle genannt (62 Prozent). Mit fehlenden Personalressourcen in der Verwaltung
kämpfen aktuell 40 Prozent der Kommunen. Fest steht, dass in den kommenden Monaten
erheblich in die Bereitstellung zusätzlichen Wohnraums investiert werden muss – trotz des
vielerorts hohen Leerstandes. Der Zustrom nach Deutschland wird auch im kommenden
Jahr aller Voraussicht nach anhalten – darauf ist der deutsche Wohnungsmarkt nicht
vorbereitet. Gerade in den Großstädten ist der Wohnungsmarkt vielfach schon angespannt
– dort wird es zukünftig noch schwerer, auf die steigende Nachfrage nach bezahlbarem
Wohnraum mit einem entsprechenden Angebot reagieren zu können.
Insgesamt sind derzeit hochgerechnet 185.000 Flüchtlinge in Wohngebäuden untergebracht – die Zahl soll bis Jahresende auf etwa 340.000 steigen. In zuletzt ungenutzten
Liegenschaften wie ehemaligen Schulen oder Kasernen finden derzeit gut 100.000
Personen eine vorläufige Bleibe (bis Jahresende: 150.000), in Wohncontainern und in
bislang leer stehenden Wohngebäuden sind derzeit 56.000 bzw. 60.000 Menschen untergebracht (bis Jahresende 106.000 bzw. 100.000).
Auch in den kommenden Jahren wird die Mehrheit der Kommunen (73 Prozent) vor allem
darauf setzen, Flüchtlinge in bereits vorhandenen Wohngebäuden unterzubringen. Immerhin gut jede dritte Kommune (36 Prozent) plant aber auch den Neubau von Wohngebäuden
zur Flüchtlingsunterbringung.
Schuldenstand soll 2015 zusätzlich
um 1,1 Milliarden Euro, 2016 um
1,2 Milliarden Euro steigen
Auf die hohen Kosten, die durch die Aufnahme, Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge entstehen, reagieren die Verantwortlichen in den Kommunen unter anderem mit
Einsparungen an anderer Stelle (35 Prozent der Kommunen) und der Verschiebung von
Investitionen (31 Prozent). Unmittelbar zu spüren bekommen aber wohl nur wenige Bürger
den gestiegenen Finanzbedarf ihrer Kommune: 85 Prozent der Kommunen planen keinerlei
Steuer- oder Gebührenerhöhungen, um die Kosten der Flüchtlingsunterbringung zu finanzieren.
Einwohnern) auf der Basis der Einschätzungen der Befragten zu den für 2015 bereits eingetretenen bzw. noch erwarteten Flüchtlingszahlen
Die Verschuldung der deutschen Städte und Gemeinden dürfte vor dem Hintergrund dieser
Herausforderungen steigen. Gut jede vierte Kommune rechnet damit, im laufenden Jahr
zusätzliche Schulden machen zu müssen – in den westdeutschen Ländern sogar fast jede
dritte. Hochgerechnet gehen die Städte und Gemeinden von zusätzlichen Schulden noch in
diesem Jahr in Höhe von 1,1 Milliarden Euro aus – bei einem Schuldenstand aller Kommunen (zum 30. Dezember 2014) von 139,4 Milliarden Euro.
Für das kommende Jahr rechnen sogar 40 Prozent der Städte und Gemeinden mit zusätzlichen Schulden – hochgerechnet soll die Verschuldung um weitere 1,2 Milliarden Euro
Langfristige Folgekosten – Neben der Bereitstellung zusätzlichen Wohnraums muss zudem vielerorts relativ zügig
und Chancen auch die kommunale Infrastruktur angepasst werden – etwa im Bereich Kitas und Schulen.
Was in der Gesamtbetrachtung aber auch zu berücksichtigen ist: Regional wird durch den
Zuzug zahlreicher Neubürger die Nachfrage spürbar gestärkt, und gerade für das Handwerk und die regionale Bauwirtschaft wird es kräftige Impulse geben. Insofern wird den
erheblichen Kosten, die die Kommunen – gemeinsam mit dem Bund – zu tragen haben, auch
ein volkswirtschaftlicher Nutzen gegenüberstehen.
Die Mehrheit der Bürger begleitet die Anstrengungen der Kommunen, Wohnraum für die
zahlreichen Neubürger zu finden, offenbar konstruktiv, zeigt die Befragung: Einwände
betroffener Bürger stellen nur in 13 Prozent der Städte ein Problem dar.
Fazit Derzeit wird in vielen Kommunen in erster Linie improvisiert. Da niemand auf die hohen
Zahlen an eintreffenden Flüchtlingen vorbereitet war, geht es zunächst einmal nur darum,
möglichst vielen Menschen eine winterfeste Unterkunft bereitzustellen. Eine mittel- oder
gar langfristige Planung findet in den Kommunen lediglich in Einzelfällen statt – schon allein
deshalb, weil unklar ist, wie sich die Flüchtlingszahlen in den kommenden Monaten für die
einzelnen Kommunen entwickeln werden. Der Wohnraumangel stellt derzeit die größte
Herausforderung dar. Die Finanzierung über Steuererhöhung ist nur in Ausnahmefällen
geplant, eine zusätzliche Verschuldung der Kommunen scheint jedoch unabdingbar. Gleichzeitig werden aber durch den Zuzug der neuen Bürger auch deutlich positive Impulse für
Volkswirtschaft erwartet.g
StB/WP Hans-Peter Busson
Immobilieninvestments: Anlagefokus
Deutschland, zunehmend diversifiziert
Eine aktuelle Umfrage von EY Real Estate zeigt: Deutsche Stiftungen
setzen auf Immobilien. Deutlich wird zudem, wo der räumliche Schwerpunkt liegen soll, wie das gewünschte Risikoprofil ist – und dass Rendite
Am liebsten in Deutschland, mit
steigender Diversifizierung in
B Städte
Deutschlands Stiftungen bevorzugen unserer Umfrage zufolge klar den heimischen Immobilienmarkt. Rund 90 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Fokus auf Immobilien in
Deutschland liegt. Dabei zeigen die befragten Stiftungen eine klare Präferenz für direkt
gehaltene Immobilien. Hier dürfte es entsprechende Zukäufe geben. Denn 75 Prozent der
Umfrageteilnehmer geben an, dass Immobilien die Anlageklasse sind, die sie perspektivisch
am stärksten ausbauen wollen. Rund 60 Prozent investieren dabei bevorzugt in
Core-Immobilien – meist in den Metropolen.
Das erscheint zunächst wenig verwunderlich. Stiftungen investieren grundsätzlich konservativer als viele andere Investoren, um das Risiko gering zu halten. Und wenn in Zeiten des
anhaltenden Niedrigzinsniveaus verstärkt auf vergleichsweise sichere Anlageklassen wie
Immobilien gesetzt wird, dann liegt auch innerhalb der Anlageklasse der Fokus auf den
sichersten Teilsegmenten, also Core-Immobilien. Jedoch diversifizieren auch Stiftungen
inzwischen mehr nach Risikoprofilen. Aufgrund eines begrenzten Angebots in Metropolregionen und attraktiver Renditen außerhalb wird bei 37 Prozent der Befragten die Nachfrage nach Immobilien in B-Städten weiter steigen.
Immobilien-Strategien trotz hoher
Preise umgesetzt, Investitionen
auch in Non-Core
Bemerkenswert ist: So begehrt und knapp eben jene Core-Immobilien in Deutschland längst
geworden sind, so sehr scheint zumindest im vergangenen Jahr die jeweilige Ankaufsstrategie doch umgesetzt worden zu sein. Die geplanten Käufe des Vorjahres konnten rund
90 Prozent der befragten Stiftungen weitgehend umsetzen. Der Fokus auf Core-Immobilien
bedeutet allerdings auch, höhere Preise in Kauf nehmen zu müssen – beziehungsweise
umgekehrt niedrigere Renditen.
Vor diesem Hintergrund sind inzwischen 50 Prozent der Stiftungen bereit, auch in Immobilien mit Potenzial zu investieren, beispielsweise mit Leerstand, kurzen Mietvertragsrestlaufzeiten oder mit Sanierungsbedarf. Dies geht zwar oftmals mit einem erhöhten Managementaufwand und dem Bedarf für externe Unterstützung einher, wird von vielen Stiftungen
jedoch als attraktiv betrachtet. Letztlich gilt, dass für 60 Prozent der befragten Stiftungen
der Bestandsschutz und die Sicherung von Erträgen die primären Immobilienanlageziele
„Gute“ Gebäude rechtfertigen Rund die Hälfte der Stiftungen ist bereit, höhere Preise zu zahlen, sofern die Immobilie eine
Renditeeinbußen Nachhaltigkeitszertifizierung ausweist. Ein weiteres Beispiel ist das so genannte Mission
Investing, die zweckbezogene Investition des Stiftungsvermögens, um damit den Stiftungszweck zu erfüllen. 60 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, bereits heute Wert auf
Mission Investing zu legen. Die Immobilienanlage muss folglich dem Stiftungszweck entsprechen – beziehungsweise darf diesem zumindest nicht widersprechen. So stimmen die
befragten Stiftungen, die sich mit dem Thema Mission Investing beschäftigen, uneingeschränkt überein: Immobilien werden nur in Ländern erworben, die die Menschenrechte
achten. Bei Gewerbeimmobilienanlagen legen die Befragten Wert darauf, dass die Mieter
jeweils für angemessene Arbeitsbedingungen in den Objekten sorgen. 80 Prozent der
Befragten geben an, Immobilien zu erwerben, die einen besonderen Nutzen für die Gesellschaft haben.
Unsere Beobachtung ist: Stiftungen, die grundsätzlich Wert auf Mission Investing legen,
investieren deutlich differenzierter. Eine Anlageentscheidung hängt dann nicht mehr nur
von Lage, Qualität und Mieterstruktur ab, sondern insbesondere auch vom Nutzen und
Gebrauch der Immobilie. Dabei spielt dann auch die Rendite eine untergeordnete Rolle.
43 Prozent der Befragten gaben an, zugunsten von Mission Investing auf höherrentierliche
Immobiliennutzungsarten zu verzichten.
Fazit Deutsche Stiftungen planen Immobilienkäufe. Der Fokus liegt vor allem auf Deutschland,
und hier insbesondere auf Immobilien in den Metropolen. Jedoch ist deutlich zu beobachten, dass Non-Core-Immobilien eine gute Alternative darstellen, um in Zeiten steigender
Preise im Core-Segment und anhaltendem Anlagedruck die geplante Immobilienstrategie
umzusetzen. Die Immobilie ist dabei ein Anlagegut, das nicht immer nur einer reinen
Renditebetrachtung unterliegt: Nachhaltigkeit des Objekts, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, ein besonderer Wert des Objekts für die Gesellschaft – ein Teil der befragten
Stiftungen verzichtet bewusst auf höhere Renditen für „gute“ Immobilien, die den
Stiftungszweck unterstützen.
EY Real Estate hatte über 30 ausgewählte deutsche Stiftungen zu ihrem aktuellen Immobilienanlageverhalten befragt. Der Teilnehmerkreis umfasst Stiftungen unterschiedlicher
Größe und unterschiedlicher Stiftungszwecke. So verfügt etwa ein Drittel der Umfrageteilnehmer über ein Stiftungsvermögen von mehr als 500 Millionen Euro, rund die Hälfte
verfügt über ein Vermögen von unter 50 Millionen Euro. Jede dritte befragte Stiftung hält
ein Immobilienvermögen, das jeweils mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens ausmacht.
Gerne stellen wir Ihnen auf Anfrage die Ergebnisse unserer Umfrage zur Verfügung.g
Magdalena Weitkamp
Telefon +49 6196 996 10906
magdalena.weitkamp@de.ey.com
EY unterstützt das BMVI bei der
Studie „Wasserstoffinfrastruktur für
die Schiene“
Für die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
(BMVI) in Auftrag gegebene Studie „Wasserstoffinfrastruktur für die
Schiene“ wird EY gemeinsam mit weiteren Partnern analysieren, welche
Voraussetzungen erforderlich sind, um eine betriebsgerechte Wasserstoffversorgung brennstoffzellenbasierter Triebzüge auf bisher nicht
elektrifizierten Bahnstrecken in Deutschland zu gewährleisten.
Ausgangslage Etwa 50% des deutschen Streckennetzes sind nicht elektrifiziert. Der Oberleitungsbau ist
kostenintensiv, vor allem in landschaftlich reizvollen Gebieten oftmals nicht gewollt und auf
Streckenabschnitten mit geringer Auslastung unwirtschaftlich. Trotzdem haben Betreiber
und Öffentlichkeit auch auf solchen Strecken ein hohes Interesse daran, den Schienenverkehr von den mit dem Dieselbetrieb verbundenen Emissionen zu befreien. Ein Einsatz
von elektrischen Triebzügen mit wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen stellt hier eine
interessante und erfolgversprechende Alternative dar.
Der Industriekonzern Alstom entwickelt brennstoffzellenbasierte Triebzüge basierend auf
dem Modell 54 der weitverbreiteten Coradia LINT Nahverkehrstriebwagen. Diese sollen in
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen erprobt werden.
Nach Tests mit ersten Prototypen ab Ende 2016 sollen bis zum Jahr 2021 insgesamt
50 Fahrzeuge im Regelbetrieb eingesetzt werden und dabei ihre Alltags- und Einsatztauglichkeit nachweisen.
Derzeit wird die Antriebstechnik gemeinsam von Alstom und dem Deutschen Zentrum für
Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Salzgitter im Rahmen des Projekts Bethy
(Brennstoffzellenbetriebener Hybridzug) entwickelt, das vom BMVI im Rahmen des
Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie (NIP)
Dabei verbraucht ein Zug im Regelbetrieb bei einer Fahrleistung von 600 bis 800 km pro
Tag eine Wasserstoffmenge von ca. 200 kg Wasserstoff. Dies erfordert eine entsprechend
leistungsfähige Infrastruktur, deren Untersuchung Schwerpunkt der Leistungsbeschreibung
dieses Verfahrens ist.
Projektziel Ziel des Projektes ist es zu untersuchen, welche technischen, rechtlichen und ökonomischen Voraussetzungen erforderlich sind, um eine betriebsgerechte Wasserstoffversorgung in die vorhandene Infrastruktur zu integrieren. Dies geschieht vor dem Hintergrund des bestehenden Schienennetzes und dessen relevanten, nicht elektrifizierten
Strecken wie auch bestehender Verfügbarkeiten von Wasserstoff. Dabei sind neben
technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Aspekten auch die rechtlichen und
regulatorischen Rahmenbedingungen zu beachten. Folgende Abbildung zeigt das
Zusammenwirken der Bearbeitungsziele.
Technische Anforderungen, rechtliche Rahmenbedingungen, betriebliche Anforderungen
und mögliche Finanzierungs- und Betreiberstrukturen werden im engen Austausch jeweils
separat analysiert und zielgerichtet erarbeitet. Auf dieser Basis werden dann Standortplanungen und Wirtschaftlichkeitsanalysen durchgeführt, flankiert von Untersuchungen zu
möglichen Maßnahmen für die Erhöhung der Akzeptanz in der Bevölkerung und zu potenziellen Synergien mit dem Stromsystem und der Wasserstoffnutzung im Straßenverkehr.
Am konkreten Beispiel des geplanten Probebetriebs im Raum Bremervörde werden die
Ergebnisse im Rahmen einer Fallstudie umgesetzt.
Fazit Aus dem tieferen Verständnis von Anforderungen wie auch den verbleibenden Heraus-
forderungen bei der Errichtung und des Betriebs von Infrastruktur und dem Einsatz der
Fahrzeuge resultieren Schwerpunkte und Perspektiven für weitere mögliche Modellprojekte. Durch die vertiefte Analyse aller relevanten Aspekte entsteht eine solide Grundlage für Anforderungen sowie Randbedingungen und erforderliche Maßnahmen für die
Integration von Wasserstoff als Kraftstoff in den Schienenverkehr.g
Telefon +49 40 36132 17056
rainer.scholz@de.ey.com
Christoph Graf von Krockow
Telefon +49 211 9352 27653
christoph.graf.von.krockow@de.ey.com
Strategisches Gebührenmanagement
am Beispiel der hoheitlichen Abfallentsorgung in Hessen
Im Zusammenhang mit der Konsolidierung der kommunalen Haushalte
werden die Potenziale auf der Einnahmen- und Ertragsseite und hier
besonders im Bereich des Gebührenmanagements vielerorts noch nicht
umfänglich ausgeschöpft. Dabei kann ein strategisches Gebührenmanagement ein wichtiges Steuerungsinstrument zur Entlastung der
kommunalen Haushalte darstellen und einen wertvollen Beitrag zur
Transparenz und Stabilität der kommunalen Gebührensätze liefern. Am
Beispiel der Abfallwirtschaft in Hessen wollen wir aufzeigen, wie Einfluss
auf die Abfallgebühren genommen werden kann und wie wir Sie bei der
Optimierung der Abfallgebühren unterstützen können.
Hintergrund zur Rechtsgrundlage für die Erhebung von Gebühren für die Abfallentsorgung sind das
Gebührenermittlung Kommunalabgabengesetz (KAG) und das hessische Ausführungsgesetz zum Kreislauf-
wirtschaftsgesetz (HAKrWG). Nach den beiden Gesetzen sind definierte gebührenrelevante
Bestandteile in den Vor- und Nachkalkulationen der Abfallgebühren anzusetzen. Es handelt
sich im Wesentlichen um folgende Kostenbestandteile sowie davon abzusetzende Erlöse:
► Aufwendungen für die laufende Verwaltung und Unterhaltung der Einrichtung
► Entgelte für in Anspruch genommene Fremdleistungen
► angemessene Abschreibungen
► angemessene Verzinsung des Anlagekapitals
► Kosten für die Errichtung und den Betrieb der Deponie (mit Zuführung von Rücklagen
für die vorhersehbaren späteren Kosten der Stilllegung und der Nachsorge für einen
Zeitraum von mindestens 30 Jahren)
► Ausgleich von Gebührenüberdeckungen/-unterdeckungen
► Erlöse/Erträge (Verwertungserlöse, Zinserträge)
Für die Gebührenermittlung gelten folgende grundsätzlichen Prinzipien nach dem KAG:
Kostendeckungsgebot, d. h. Gebühren sind kostendeckend zu bemessen (§ 19 (1) KAG)
Das Kostendeckungsprinzip findet man im Gebührenrecht in seiner doppelten Ausprägung
als Kostendeckungsgebot und als Kostenüberschreitungsverbot. Der Ermittlung der Kosten
kann ein mehrjähriger Kalkulationszeitraum zugrunde gelegt werden, der fünf Jahre nicht
überschreiten soll. Kostenüberdeckungen, die sich am Ende dieses Zeitraumes ergeben,
sind innerhalb der folgenden fünf Jahre auszugleichen; Kostenunterdeckungen sollen in
diesem Zeitraum ausgeglichen werden.
Äquivalenzprinzip (angemessenes Verhältnis zwischen Leistung und Gebühr)
In der Gebührenkalkulation sind alle im Zusammenhang mit der Entsorgung der der
Abfallsatzung unterfallenden Abfälle entstehenden Kosten zu erfassen (§ 10 Abs. 1 KAG).
Soweit möglich, sollen diese den einzelnen Nutzern direkt zugeordnet werden, um damit
die verursachungsgerechte Kostenermittlung zu ermöglichen (Äquivalenzprinzip).
Wirklichkeitsmaßstab, d. h. Bemessung der Gebühr nach Art und Umfang der
Inanspruchnahme (§ 10 (3) KAG)
Danach ist die Gebühr nach der Inanspruchnahme der Anlage zu bemessen und grundsätzlich ein Wirklichkeitsmaßstab zugrunde zu legen. Wenn dies besonders schwierig oder
wirtschaftlich nicht vertretbar ist, kann ein Wahrscheinlichkeitsmaßstab gewählt werden.
Die Gebührenfestsetzung verlangt eine leistungsgerechte Differenzierung unter Zugrundelegung des Gleichheitssatzes und des Äquivalenzprinzips.
Gebührenermittlung in der Praxis Unsere Erfahrungen aus der Prüfungs- und Beratungstätigkeit in der hoheitlichen Abfall-
entsorgung zeigen, dass viele Kommunen die Lebensrealität, d. h. die bestehende Kostenund Erlösstruktur als gegeben betrachten und auf Veränderungen nur reagieren. Gestalterische Maßnahmen mit dem Ziel einer pro-aktiven Steuerung der Gebührenkalkulation sind
nur selten vorzufinden.
Insbesondere werden Spielräume, die das Gebührenrecht bietet, nicht genutzt, um Einfluss
auf die Höhe der Gebühren zu nehmen. Folgende „Stellschrauben“ seien hier exemplarisch
Aufwendungen für die laufende Verwaltung und Unterhaltung der Einrichtung:
► Aufwendungen, die dem Gebührenzahler auferlegt werden können/müssen
Entgelte für in Anspruch genommene Fremdleistungen:
► Vertragsmanagement (flexible Vertragsgestaltung), Interkommunale Zusammenarbeit
Angemessene Abschreibungen:
► Schätzung der Nutzungsdauer des eingesetzten Anlagevermögens,
Ermittlungsmethode (Anschaffungs- und Herstellungskosten oder
Wiederbeschaffungszeitwert)
Angemessene Verzinsung des Anlagekapitals:
► Kalkulationszinsfuß für die Ermittlung der Verzinsung
► Kosten für die Errichtung und den Betrieb einer Deponie (einschließlich Zuführung zu
den Rückstellungen für die vorhersehbaren späteren Kosten der Stilllegung und der
Nachsorge für einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren)
► Ausübung des Beibehaltungswahlrechts nach Art. 67 Abs. 1 S. 2 EGHGB,
Berechnungsmethodik der Rückstellungen
► Regelmäßige Nachkalkulation, Frage der Bilanzierung der Gebührenüberdeckung als
Sonderposten für den Gebührenausgleich, Berücksichtigung in Vorauskalkulation, Wahl
der Länge des Kalkulationszeitraums
► Frage, ob Zinserträge oder Gewinne des gewerblichen Bereichs in die Gebührenkalkulation einbezogen werden
Eigene Ziele als Grundlage
des strategischen
Gebührenmanagements
Die Abfallentsorgung kann nicht ausschließlich unter Aspekten der Kostendeckung
betrachtet werden, sondern es sind auch übergeordnete, z. B. umweltpolitische Ziele zu
berücksichtigen. Es ist nicht nur Aufgabe der kommunalen Einrichtungen, den Abfall zu
entsorgen, sondern auch Anreize zur Vermeidung oder Weiterverarbeitung von Abfällen zu
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz formuliert das Ziel, die Kreislaufwirtschaft zur Schonung
der natürlichen Ressourcen zu fördern und den Schutz von Mensch und Umwelt bei der
Erzeugung und Bewirtschaftung von Abfällen sicherzustellen. Daneben spielen die Aspekte
Entsorgungssicherheit, Kundennähe, Flexibilität, demografische Entwicklung sowie eventuelle Sachzwänge der Kommunen (Haushaltskonsolidierung, kommunaler Schutzschirm)
Im Zusammenhang mit den Benutzungsgebühren (§ 10 KAG) bieten die rechtlichen
Vorschriften vor allem seit der Novellierung im Jahr 2013 Spielräume und Hilfestellungen,
die Möglichkeiten zur Steuerung für die Kommunen bieten.
Ein strategisches Gebührenmanagement umfasst folgende Bausteine:
► Festlegung von Zielen in der Abfallentsorgung
► Ableitung einer Strategie zur Erreichung der Ziele
► Anpassung der Organisation der Abfallentsorgung (Rechtsform, Vertragsgestaltung,
Leistungsportfolio, Organisation der Aufgabenerfüllung, Interkommunale
Zusammenarbeit u. a.)
► Eindeutige Abgrenzung der ansatzfähigen gebührenrelevanten Aufwands- und Erlösposten (Kosten- und Leistungsrechnung)
► Regelmäßige Voraus- und Nachkalkulationen (mindestens jährlich) mit Ermittlung des
gebührenrelevanten Ergebnisses mit Veröffentlichung (Gebührenausgleichsrücklage)
Unterstützungsleistungen bei der Wir können Sie bei folgenden Aspekten im Zusammenhang mit der Gebührenkalkulation
Umsetzung eines strategischen unterstützen:
Gebührenmanagements ► Beratung bei der Definition von Zielen und der Formulierung einer Strategie
► Gutachten zu Rückstellungsbedarf für Stilllegung und Nachsorge der Deponien
► Beratung bei der Ausschöpfung von Spielräumen in der Vor- und Nachkalkulation
► Rechtliche Beratung zur Konformität der Gebührenkalkulation mit geltendem Recht
► Prüfung der Vor- und Nachkalkulation auf rechnerische Richtigkeit, zutreffende
Ermittlung der ansatzfähigen gebührenrelevanten Kosten und Berechnung der
Gebührenausgleichsrücklage.g
Wolfram Gierer
Telefon +49 6196 996 27741
wolfram.gierer@de.ey.com
Neue OECD Corporate
Governance-Leitsätze für staatseigene Unternehmen
Zehn Jahre nach der ersten Auflage hat die OECD eine Neufassung der
„Guidelines on Corporate Governance of State-Owned Enterprises“
Hintergrund Im Jahr 1999 hat die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD)
erstmals Corporate Governance-Grundsätze veröffentlicht, um international Mindeststandards für eine “Good Governance” zu setzen. Die Finanzkrise gab Anstoß für die
jüngste Überarbeitung der „G20/OECD Principles of Corporate Governance“ für börsennotierte Unternehmen und die „Guidelines on Corporate Governance of State-Owned
Enterprises“. Letztere sind speziell auf die Besonderheiten staatseigener Unternehmen
(SOEs) zugeschnitten und sollen die allgemeinen Grundsätze ergänzen. Die Leitsätze
richten sich nicht an die Unternehmen selbst, sondern an die beteiligungsführenden Stellen
SOEs haben zumeist eine enorme Bedeutung für das alltägliche Leben und die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft. Eine passive Eigentümerschaft, staatliche
Eingriffe sowie mangelnde Marktkontrolle (Schutz vor feindlichen Übernahmen und
Insolvenz) können zu Governance-Divergenzen führen. Die Etablierung von Best Practice
Standards soll die Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz der SOEs stärken.
Obwohl sämtliche Grundsätze der OECD nicht verbindlich sind, waren sie in der Vergangenheit Referenz für die Etablierung oder Überarbeitung nationaler Kodizes sowie Gesetzgebungsverfahren.
Wesentliche Veränderungen Im Fokus der Überarbeitung der Leitsätze stehen Unabhängigkeit und Transparenz der
im Überblick SOEs. Der Grundtenor bleibt unverändert: Staatsunternehmen bzw. deren Boards – die
Leitsätze unterscheiden nicht zwischen monistischen und dualistischen GovernanceSystemen – sollen frei agieren können, ohne den fortwährenden Einfluss des Staates. Um
einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, sollen SOEs keine Sonderstellung erhalten.
Gesetze und Rechtsvorschriften sollen wie bei privaten Unternehmen Anwendung finden.
Ausnahmen sollen wohlbegründet und für die Öffentlichkeit transparent sein. Transaktionen sollen grundsätzlich zu marktüblichen Konditionen ablaufen. Die Board-Mitglieder
sollen integer sein und sich einem Verhaltenskodex unterwerfen.
Die Änderungen ergeben sich vor allem aus der deutlichen Präzisierung der Leit- und
Unterleitsätze der Vorversion. Im Rahmen des Leitsatzes zur Verantwortung gegenüber
den Stakeholdern wurde etwa mit Blick auf die Unabhängigkeit ergänzt, dass SOEs nicht zur
Finanzierung von politischen Aktivitäten oder Unterstützung politischer Kampagnen
In Deutschland ist gemäß § 25 Abs. 2 Nr. 5 Parteiengesetz nach aktueller
Gesetzeslage die Annahme von Spenden von Unternehmen mit einer direkten
Beteiligung der öffentlichen Hand über 25 % ausgeschlossen. Unterhalb dieses
Schwellenwertes sind jedoch nur Spenden ab 50.000 € offenzulegen.
Grundlegende Neuerungen gibt es wenige:
► So wird z. B. erstmals der Begriff des SOE definiert. Als SOE gilt jede juristische Person,
die nach nationalem Recht ein Unternehmen darstellt und eine staatliche Beteiligung
aufweist. Darunter fallen Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter
Haftung und Körperschaften des öffentlichen Rechts. Auch Minderheitsbeteiligungen
werden subsumiert, sofern der Staat laufenden Einfluss auf das Unternehmen oder das
Board ausüben kann.
► Ein neuer Leitsatz betont, dass der Staat seine Eigentumsrechte am Unternehmen im
Interesse der Allgemeinheit führen soll. Zu diesem Zweck soll er eine Eigentümerpolitik
entwickeln, die u. a. die Zielsetzung und Gründe der staatlichen Eigentümerschaft
enthält. Die Eigentümerpolitik soll regelmäßig überprüft und offengelegt werden.
In Deutschland soll sich gemäß § 65 Abs. 1 Nr. 1 Bundeshaushaltsordnung
der Bund nur an einem Unternehmen beteiligen, wenn ein wichtiges
Interesse des Bundes vorliegt und sich der angestrebte Zweck
nicht auf andere Weiseerreichen lässt.
Neue Empfehlungen für die SOEs? Obwohl sich die Leitsätze vorrangig an die beteiligungsführenden Stellen des Staates
richten, enthalten sie Best Practice Standards, an denen sich die SOEs unmittelbar orientieren können. Neu ist u. a. der explizite Verweis, dass nationale Corporate Governance
Kodizes von allen (nicht- und börsennotierten) SOEs befolgt werden sollen – unabhängig
vom Verbindlichkeitsgrad des Kodex.
Bei den Leitsätzen zu Offenlegung und Transparenz sowie der Verantwortlichkeit des
Boards haben die jüngsten Governance-Trends Eingang gefunden. Alle SOEs sollen nicht
nur finanzielle, sondern auch relevante nicht-finanzielle Informationen entsprechend
international anerkannter Standards veröffentlichen. Als Referenzmaßstab dienen die
Transparenzanforderungen an börsennotierte Unternehmen. Zur Offenlegung werden nun
auch ausdrücklich folgende Informationen empfohlen:
► Vergütung der Board-Mitglieder und wesentlicher Führungskräfte;
► Qualifikation der Board-Mitglieder und Auswahlprozesses, inkl. Diversity-Politik, weitere
Mandate und Einschätzung der Unabhängigkeit.
Unverändert sind die OECD-Empfehlungen – aber in Deutschland nicht unbedingt gängige
Praxis –, dass SOE-Boards für die Ernennung und Abberufung des CEOs verantwortlich sein
und jährlich eine Effizienzprüfung durchführen sollen.
Deutlich stärker wird in der Neufassung auch die Qualifikation und Unabhängigkeit bei der
Auswahl der Board-Mitglieder (inkl. der Staatsvertreter) und bei der Ausschussbildung
Konsequenzen für die Die überarbeiteten Leitsätze der OECD für staatseigene Unternehmen liefern ein wesentlich
Unternehmenspraxis konkreteres Rahmenwerk für eine erfolgreiche Beteiligungsverwaltung. Von den SOEs
können die Empfehlungen zur Professionalisierung ihrer Corporate Governance herangezogen werden.
Da die Leitsätze nicht verbindlich sind, bleibt abzuwarten, inwiefern sie in der Praxis freiwillig Berücksichtigung finden. So könnte etwa der Bund die neuen OECD-Leitsätze zum
Anlass nehmen, den Public Corporate Governance Kodex des Bundes (PCGK, Stand 2009)
zu überarbeiten. Dies würde den Grad der Verbindlichkeit der Empfehlungen erhöhen und
über eine mögliche Ausstrahlungswirkung auf Länder- und Städtekodizes zudem den Kreis
der betroffenen Unternehmen deutlich steigern.g
Sie finden die „Guidelines on Corporate Governance of State-Owned Enterprises sowie
die Grundsätze für börsennotierte Unternehmen auf der Website der OECD unter
„Topics > Corporate Governance“:
governancematters@de.ey.com
Dr. Anja Pissarczyk
Telefon +49 211 9352 19756
anja.pissarczyk@de.ey.com
Binnenmarktrelevanz oder „rein lokale
Bedeutung“: Trendwende im
Staatliche Förderungen, die zu einer Verfälschung des Wettbewerbs im Binnenmarkt führen können, sind nach Art. 107 Abs. 1
AEUV grundsätzlich verboten. Dieses Verbot gilt jedoch nur für
Maßnahmen, die den Handel zwischen den Mitgliedsstaaten
beeinträchtigen können. Angesichts der hohen wirtschaftlichen
Integration innerhalb der Europäischen Union wurde dieses
Tatbestandsmerkmal in der bisherigen Rechtspraxis routinemäßig
Die Europäische Kommission hat nun in jüngerer Vergangenheit bei insgesamt sieben
verschiedenen staatlichen Maßnahmen zur Förderung lokaler Vorhaben eine staatliche
Beihilfe nach Art. 107 Abs. 1 AEUV abgelehnt. Mit diesen Beschlüssen gibt die Europäische
Kommission eine Orientierungshilfe an die Hand, wann aufgrund einer „rein lokalen
Bedeutung“ eine beihilfenfreie staatliche Fördermaßnahme angenommen werden kann. Die
Kommission verfolgt damit das Ziel, den Verwaltungsaufwand für Behörden und
Unternehmen zu verringern und die Ressourcen der Kommission auf die Durchsetzung der
Beihilfenvorschriften in den Fällen mit den größten Auswirkungen auf den Binnenmarkt zu
Die Beschlüsse betrafen die Bereiche medizinische Versorgungseinrichtungen, Hafen,
Sport- und Wirtschaftsförderung.
Vorteil dieser Entwicklung ist, dass bei einer beihilfenrechtlichen Prüfung das Tatbestandmerkmal der Handelsbeeinträchtigung künftig wieder genauer untersucht und nicht
routinemäßig bejaht werden wird. Bei einigen Sachverhalten kann aufgrund der rein lokalen
Bedeutung der staatlichen Maßnahme eine Beihilfe bereits tatbestandlich ausgeschlossen
werden. Somit ist auch eine Betrauung des Unternehmens oder gar eine Notifizierung der
Maßnahme entbehrlich. Risiko ist aber zugleich, dass bei einer fälschlichen Einordnung der
Maßnahme als „rein lokal“ auf eine rechtfertigende Betrauung zumeist verzichtet worden
ist. Daher kommt der Prüfung und Einordnung eine hohe Bedeutung zu.
Unterscheidung von Grundsätzlich wird bei der Beurteilung der rein lokalen Bedeutung zwischen den drei reledrei relevanten Ebenen vanten Ebenen unterschieden, der Nutzerebene und der Eigentümer- bzw. Betreiberebene.
Relevant ist, ob es in der entsprechenden Branche Hinweise auf grenzüberschreitende
Investoren (Eigentümerebene) oder Dienstleister (Betreiberebene) gibt. Hinzu kommt die
räumliche Lage (Grenznähe) und die hiermit zusammenhängende Nutzerstruktur. Sprechen
die aus diesen Umständen abgeleiteten Indizien für eine Beeinträchtigung des grenzüberschreitenden Handels (Wettbewerbs), kann eine Beihilfe vorliegen. Liegen die oben genannten Indizien nicht vor, kann eine rein lokale Bedeutung angenommen werden.
Indizien sind neben der Grenznähe u. a. die Größe und Erreichbarkeit der bezuschussten
Einrichtung und ob durch Werbemaßnahmen – beispielsweise in englischer Sprache – auch
eine ausländische Nutzerstruktur angesprochen wird.
Fazit Obgleich die neuere Entscheidungspraxis der Europäischen Kommission zum Ausschluss
einer tatbestandlichen Beihilfe aufgrund einer „rein lokalen Bedeutung“ durchaus zu
begrüßen ist, bleibt Vorsicht geboten. Ob eine Investitionsmaßnahme eine rein lokale
Bedeutung hat, ist stets sorgfältig zu prüfen, da gewisse Indizien zur Annahme einer
potenziell grenzüberschreitenden Wettbewerbsverfälschung oder Handelsbeeinträchtigung
führen können. Wurde dann „fälschlicherweise“ keine Betrauung oder Notifizierung
vorgenommen, kann eine rechtswidrige Beihilfe mit den entsprechenden Konsequenzen
vorliegen.g
Flüchtlinge: Was tun, wenn die Preise
für Container und Flüchtlingsunterkünfte explodieren?
Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland, um hier Asyl
zu beantragen. Die vor Ort mit der Aufnahme der Flüchtlinge
beschäftigten Kommunen stehen zunehmend vor Kapazitätsproblemen. Wohnraum ist knapp und Container und alternative
Unterbringungsmöglichkeiten wie Hotelzimmer werden den
Kommunen zu ständig steigenden Preisen angeboten. Die
Preispolitik so mancher Containerhersteller und Hoteliers wird
von den Kommunen mittlerweile scharf kritisiert, andererseits
sehen sich die Kommunen aufgrund des nicht nachlassenden
Flüchtlingsstroms gezwungen, auch eindeutig überhöhte Preise
zu vereinbaren, um überhaupt Unterkünfte bereitstellen zu
können. Vor dem Hintergrund der knappen öffentlichen Kassen
stellt sich die Frage, welche rechtlichen Instrumente den Städten
und Kommunen zur Verfügung stehen, um der Preistreiberei ein
Lockerung der „vergaberechtlichen Bei der Vergabe von Leistungen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise sehen sich
Fesseln“ Städte, Kommunen und Landkreise der Herausforderung gegenüber, schnell auf sich
ändernde Bedingungen reagieren zu müssen, ohne dabei das geltende Recht zu
verletzen. Bei Beschaffungen der öffentlichen Hand ist grundsätzlich das Vergaberecht
anzuwenden. Auch Sondersituationen wie die Flüchtlingskrise verschaffen den
Kommunen nicht per se einen zeitlich begrenzten Dispens vom Vergaberecht. Und
auch wenn die Europäische Kommission verschiedentlich deutlich gemacht hat, dass
sie wohl „ein Auge zudrücken“ wird, bedeutet dies nicht, dass damit das Vergaberecht
gänzlich außer Kraft gesetzt wird. Allenfalls ist davon auszugehen, dass die für eine
Direktvergabe erforderliche „besondere Dringlichkeit“ vor dem Hintergrund des unerwarteten und nicht abreißenden Flüchtlingsstroms in der Regel gegeben sein wird. Im
Hinblick auf das Risiko von Nachprüfungsanträgen und für den Fall der Prüfung durch
das Rechnungsprüfungsamt sind die Vergabestellen allerdings gut beraten, sorgsam zu
dokumentieren, dass und warum die „besondere Dringlichkeit“ und damit ein
Ausnahmegrund für die Direktvergabe vorlag. Denn nur die Ausnahmegründe, die der
Auftraggeber unter Aufzeigen der Besonderheiten des Einzelfalls zu Papier bringt,
können ihm vor der Vergabekammer tatsächlich weiterhelfen. Das völlige Fehlen einer
Dokumentation hingegen ist bereits als solches ein Vergabefehler.
Das öffentliche Preisrecht als
Abwehrinstrument gegen
Nachteiliger Nebeneffekt jeder Direktvergabe ist, dass auf das sonst übliche förmliche
Vergabeverfahren, in dem Angebote von allen potenziellen Anbietern zugelassen sind,
verzichtet wird. Die Gefahr, dass die öffentliche Hand überhöhte Preise zahlen muss,
ist der Direktvergabe somit immanent. Tatsächlich haben vor dem Hintergrund der
rasanten öffentlichen Nachfrage nach Flüchtlingsunterkünften Containerhersteller
mancherorts ihre Preise binnen kurzer Zeit verzehnfacht.
Schließt die Kommune notgedrungen derartig ungünstige Verträge ab, steht sie aber
nicht völlig schutzlos da. So könnte das öffentliche Preisrecht nach der VO PR.
Nr. 30/53, was bislang – von Ausnahmen wie dem Rüstungssektor einmal abgesehen –
ein Schattendasein gefristet hat, bald unerwartet eine Renaissance erleben.
Nach den Vorgaben des öffentlichen Preisrechts sind für Leistungen aufgrund öffentlicher Aufträge grundsätzlich Marktpreise zu vereinbaren. Der Auftraggeber muss sich
somit immer zuerst fragen, ob es einen Marktpreis gibt. Wenn es sich bei der zu
vergebenen Leistung um eine marktgängige Leistung handelt, darf der im Verkehr
übliche preisrechtlich zulässige Preis nicht überschritten werden.
Anders ist die Situation beispielsweise dann, wenn der Marktpreis nicht festgestellt
werden kann oder eine Mangellage bezüglich der betreffenden Leistung vorliegt. Im
Hinblick auf Leistungen für die Flüchtlingsunterbringung dürfte inzwischen in vielen
Bereichen von einer Mangellage ausgegangen werden. Eine Mangellage ist die objektiv
feststellbare Verknappung von Gütern, die dazu führt, dass die Leistung in einem für
die Bedarfsdeckung ausreichenden Maß nicht mehr zur Verfügung steht. Liegt eine
derartige Situation vor, sind Selbstkostenpreise zu vereinbaren.
Natürlich werden Containerhersteller ihre Preise als Marktpreise klassifizieren und
argumentieren, dass der Preis für Container aufgrund der hohen Nachfrage der öffentlichen Hand eben den Gesetzen des Marktes folgend stark angestiegen wäre. Der
öffentlichen Hand ist es aber durch das öffentliche Preisrecht verwehrt, preisrechtlich
unzulässige Preise zu vereinbaren. Dieses Verbot gilt für Markt- und für Selbstkostenpreise. Die Verzehnfachung von Containerpreisen in sehr kurzer Zeit wirft zumindest
den Verdacht einer preisrechtlich unzulässigen Preisstellung auf.
Einschaltung der Preisprüfbehörde Hat die Kommune sich notgedrungen auf einen solchen Vertrag eingelassen, kann es
sich empfehlen, eine Preisprüfung bei der zuständigen Preisprüfbehörde zu beantragen. Stellt der Preisprüfer einen preisrechtlich unzulässigen Preis fest, wird der
Vertrag keineswegs in Gänze nichtig. Es wird vielmehr nur der preisrechtlich unzulässige Bestandteil des Preises „abgeschöpft“, so dass der Vertrag mit zulässigen
Konditionen weitergeführt wird.
Erstellung eines Kostengutachtens Auch ohne Einschaltung der Preisbehörden kann die betroffene Kommune sich schnell
und effektiv helfen. Hat sie z. B. durch die Einholung eines Kostengutachtens festgestellt, dass ein preisrechtlich unzulässiger Preis vereinbart wurde, kann sie sofort
dazu übergehen, nur noch den Preis zu entrichten, den sie – z. B. aufgrund eines zu
diesem Zweck von ihr eingeholten Preisgutachtens – für preisrechtlich zulässig hält.
Das Preisrecht gibt der Kommune somit ein Druckmittel gegen den Unternehmer in die
Hand, ohne das zugrundeliegende Vertragsverhältnis gänzlich zu zerstören. Es findet
lediglich eine Reduktion auf den preisrechtlich zulässigen Preis statt. Der Weg über das
Kostengutachten hat für die Verantwortlichen bei der Kommune zudem den Vorteil,
dass sie sogar das in der Praxis sehr geringe Risiko, aufgrund des Abschlusses eines
preisrechtlich unzulässigen Preises wegen einer Ordnungswidrigkeit nach der Preisverordnung und dem Wirtschaftsstrafgesetz belangt zu werden, ausschließt.
Die Städte, Kommunen und Landkreise stehen den „Wucherpreisen“ der Auftragnehmer also keineswegs völlig wehrlos gegenüber, sie haben vielmehr mit dem öffentlichen Preisrecht ein gutes Instrument gegen überhöhte Forderungen in der Hand.
Sofern Sie Rückfragen haben oder Unterstützung suchen bei der preisrechtlichen
Beurteilung von konkreten Vertragsverhältnissen bzw. bei der Erstellung von Kostengutachten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. g
RAin Susanne Müller-Kabisch
Telefon +49 6196 996 29517
susanne.mueller-kabisch@de.ey.com
Rechtsprechung aktuell: Pooling von
Entnahmestellen Strom – Einander
führen zu unklarer Rechtslage mit
hoher wirtschaftlicher Bedeutung
LG Offenburg, Urteil vom 22. Juli 2015 - Az.: 5 O 10/15 KfH
BNetzA, Beschlusskammer 8, Beschluss vom 14. Oktober 2015 Az.: BK8-15/M0843-01
Hintergrund Pooling Die Zusammenfassung verschiedener Entnahmestellen eines Netzkunden für Zwecke
der Berechnung der Strom-Netzentgelte ist seit Jahren geübte und bewährte Praxis. Um
die Umsetzung zu vereinheitlichen, hatte die BNetzA 2011 eine Festlegung zu Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Poolings1 erlassen. Diese Festlegung aber war durch den
Beschluss des OLG Düsseldorf2 im Jahr 2013 stark in Frage gestellt worden und anschließend von der BNetzA wieder aufgehoben worden. Daraufhin hat der Gesetzgeber für
das Pooling die rechtliche Grundlage, § 17 Abs. 2a StromNEV, zum 1. Januar 2014 neu
gefasst. Als Auslegungshilfe für Streitfragen haben die Bundesnetzagentur und die Landesregulierungsbehörden 2014 ein gemeinsames Positionspapier zur Auslegung veröffentlicht.3 Durch die neuen Entscheidungen ist fraglich, ob die Gerichte Pooling überhaupt
anerkennen werden.
Wirtschaftliche Bedeutung und Das Pooling hat in vielen Fällen enorme wirtschaftliche Bedeutung. So besteht das
Voraussetzungen Netzentgelt aus dem Jahresleistungspreis und dem Arbeitspreis. Zum Zweck der Er-
mittlung des einheitlichen Jahresleistungsentgeltes können mehrere Entnahmestellen
zu einer Entnahmestelle zusammengefasst werden (sogenanntes Pooling), wenn
► diese Entnahmestellen durch denselben Netznutzer genutzt werden,
► mit dem Elektrizitätsversorgungsnetz desselben Netzbetreibers verbunden sind,
► sich auf der gleichen Netz- oder Umspannebene befinden und
► entweder Bestandteil desselben Netzknotens oder bei Vorliegen einer kundenseitigen
galvanischen Verbindung an das Elektrizitätsversorgungsnetz angeschlossen sind.
Indem nur eine Entnahmestelle berücksichtigt wird, führt Pooling zu deutlich geringeren abrechnungsrelevanten Jahresleistungswerten und dementsprechend zu
geringeren Netzentgelten. Pooling ist besonders relevant für große Industriekunden
sowie für Netzbetreiber – und damit für sämtliche Netzkunden in den entsprechenden
Wie sich anhand der jüngsten Entscheidungen zeigt, führen die neuen Regelungen aber
nicht nur zu Auseinandersetzungen um die Auslegung von Einzelfragen (insbesondere die
Voraussetzung der „galvanischen Verbindung“), sondern es wird die Zulässigkeit des
Pooling insgesamt in Frage gestellt, soweit es um netzknotenübergreifendes Pooling geht.
Diese zentrale Frage wurde am 22. Juli 2015 von LG Offenburg4und am 14. Oktober 2015
von der BNetzA5 unterschiedlich entschieden.
Festlegung der BNetzA, BK 8-11/015 vom 26.09.2011.
OLG Düsseldorf, Beschluss v. 05.06.2013, VI-3 Kart 61/11(V).
Gemeinsames Positionspapier der Landesregulierungsbehörden und der Bundesnetzagentur zur
Auslegung von § 2 Nr. 11 und § 17 Abs.2a StromNEV (Pooling), Version 2.0., Stand:
Neuere Rechtsprechung Die gegenwärtigen Streitfragen in der Praxis entzünden sich am Begriff der „galvanischen
Verbindung“ zwischen zwei Entnahmestellen und der Frage, ob nicht auch eine funktional
gleichwertige induktive Verbindung (z. B. über einen Transformator) ebenfalls für ein
Pooling ausreicht. Nach dem Positionspapier der BNetzA und den Landesregulierungsbehörden genügt jede Verbindung, nach der die Lastabnahme zwischen zwei Entnahmestellen verschiebbar ist.
Die gegenwärtige Praxis eines südwestdeutschen überregionalen Stromnetzbetreibers folgt
dagegen strikt dem Wortlaut der Verordnung, so dass jede Entnahmestelle separat mit
eigenem Leistungsentgelt abgerechnet wird, wenn zwischen den Entnahmestellen keine
galvanische Verbindung besteht. Dies hat zu mehreren Verfahren geführt, von denen zwei
Verfahren jetzt entschieden worden sind.
Das LG Offenburg hat in einem vielbeachteten Urteil entschieden, dass das Pooling insgesamt unzulässig ist, wenn die Entnahmestellen nicht innerhalb desselben Netzknotens
liegen. Nach dem Wortlaut des § 17 Abs. 2a StromNEV ist ein netzknotenübergreifendes
Pooling nur bei galvanischen Verbindungen möglich, nicht bei induktiven Verbindungen.
Diese Definition sei rechtlich eindeutig, so dass eine ermächtigungskonforme oder verfassungskonforme Auslegung entgegen dem Positionspapier der Behörden nicht möglich
sei. Eine solche Ungleichbehandlung könne aber nicht gerechtfertigt werden. Das Gericht
hat folgend entschieden, dass § 17 Abs. 2a StromNEV im Ganzen gegen das Diskriminierungsverbot des § 21 Abs. 1 EnWG verstoße und dementsprechend unwirksam sei.
In dem anderen Fall hat die BNetzA ein Missbrauchsverfahren nach § 31 EnWG durchgeführt. Ein nachgelagerter Netzbetreiber hatte beantragt, den vorgelagerten Netzbetreiber dazu zu verpflichten, mehrere Entnahmestellen, die außerhalb eines Netzknotens
liegen und induktiv verbunden sind, als zusammengefasst abzurechnen. Die BNetzA teilt
diese Auffassung nicht. Sie hat vielmehr dem vorgelagerten Netzbetreiber aufgegeben,
auch die bloß induktive Verbindung als für das Pooling von Entnahmestellen ausreichend zu
behandeln. Dies entspricht den Vorgaben des Positionspapiers. Das relevante Kriterium sei
die Möglichkeit zur Lastverlagerung.
Fazit Es ist damit zu rechnen, dass es in beiden Fällen zu Entscheidungen der zuständigen
Oberlandesgerichte kommt (OLG Karlsruhe und OLG Düsseldorf), gegebenenfalls auch zu
einer Entscheidung durch den BGH. Sollte sich die Auffassung des LG Offenburg durchsetzen, hätte dies zur Folge, dass Pooling – jedenfalls netzknotenübergreifend - nicht
zulässig wäre. Auch ein erneutes Eingreifen des Gesetzgebers durch Änderung des § 17
StromNEV dürfte erst mit Wirkung für die Zukunft Klarheit herbeiführen.
In jedem Fall sind die Unternehmen gehalten, ihre Praxis zu überprüfen und unter Umständen Rückstellungen zu bilden. Auch drohen Rechtsstreitigkeiten zwischen Netzbetreibern und Netzkunden – selbst dann, wenn die Ursache für die höheren Netzentgelte
nicht im betreffenden Verteilernetz, sondern in einem vorgelagerten Netz liegt.g
RA Dr. Nils Graßmann
Telefon + 49 30 25471 20995
nils.grassmann@de.ey.com
RA Dr. Christian Hampel
Telefon +49 30 25471 20050
nils.hampel@de.ey.com
Sind Geschäftsführer und Prokuristen
eines Versorgungsunternehmens
Mit dem Begriff des Amtsträgers verbindet man in erster Linie Beamte,
Bürgermeister oder Notare. Der strafrechtliche Amtsträgerbegriff ist jedoch weiter, als es allgemeines Verständnis und herkömmlicher Sprachgebrauch vermuten lassen. Das Gesetz definiert, dass Amtsträger auch
Personen sein können, die in einem sonstigen öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis stehen oder sonst dazu bestellt sind, bei einer Behörde
oder einer sonstigen Stelle oder in deren Auftrag Aufgaben der öffentlichen Verwaltung unbeschadet der zur Aufgabenerfüllung gewählten Organisationsform wahrzunehmen (§ 11 Absatz 1 Nr. 2 lit. b) und lit. c) StGB).
Die gesetzliche Definition kann folglich auch Einrichtungen, die in privatrechtlicher Form
organisiert sind, umfassen. Erfasst sind beispielsweise als GmbH oder AG organisierte
kommunale Energieversorgungs- oder Abfallentsorgungsunternehmen sowie städtische
oder kommunale Krankenhäuser.
Bedeutung gewinnt die Frage der Amtsträgereigenschaft vor allem vor dem Hintergrund
einer möglichen Strafbarkeit des Geschäftsführers bzw. des Prokuristen eines privatrechtlich organisierten Versorgungsunternehmens. Erfüllen Geschäftsführer oder Prokurist die
Voraussetzungen der Amtsträgereigenschaft, kann dies zu erweiterten strafrechtlichen
Risiken führen. Dies zeigt sich insbesondere bei den sog. Vermögensdelikten, bei denen die
Amtsträgereigenschaft regelmäßig höhere Strafrahmen nach sich zieht.
► Betrug in einem besonders schweren Fall, § 263 Absatz 3 Nr. 4 StGB,
► Subventionsbetrug in einem besonders schweren Fall, § 264 Absatz 2 Nr. 2 StGB und
► Untreue in einem besonders schweren Fall, §§ 266 Absatz 2, 263 Absatz 3 Nr. 4 StGB
oder den sogenannten „Straftaten im Amt“ wie
► Vorteilsannahme, § 331 StGB,
► Bestechlichkeit, §§ 332, 335 StGB sowie
► Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht,
Geschäftsführer und Führungskräfte eines solchen privatrechtlich organisierten Versorgungsunternehmens können die Amtsträgereigenschaft erfüllen. Die erforderliche
Bestellung ist meist in der Gesellschaftssatzung geregelt und im Handelsregisterauszug
vermerkt. Das Versorgungsunternehmen ist einer Behörde gleichgestellt, sofern es als
„verlängerter Arm des Staates“ erscheint. Aspekte, die für die Gleichstellung einer
sonstigen Stelle mit einer Behörde sprechen, sind u. a.:
► Das Unternehmen verfügt über besondere oder ausschließliche Rechte, die ihm seitens
der öffentlichen Hand verliehen worden sind.
► Die private Hand ist nicht mit mehr als 25 Prozent am Unternehmen beteiligt.
► Es gibt Geschäftsentscheidungen, die gemäß Satzung bzw. Gesellschaftsvertrag nur mit
Zustimmung der Vertreter der öffentlichen Hand im Aufsichtsrat vorgenommen werden
► Das Unternehmen erhält Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln.
► Das Unternehmen verfolgt ausschließlich Zwecke des Allgemeinwohls.
Schließlich müssen Geschäftsführer bzw. Prokurist Aufgaben wahrnehmen, die zum
Aufgabenkreis der öffentlichen Verwaltung gehören. Davon sind alle Tätigkeiten erfasst,
die sich unmittelbar oder mittelbar auf die Ausübung von Staatsgewalt stützen, der
Erreichung staatlicher Ziele dienen und nicht der Rechtsprechung oder der Gesetzgebung
zuzurechnen sind. Eine öffentliche Aufgabe scheidet dann aus, wenn der Hoheitsträger die
Aufgabe gänzlich aus der Hand gibt und ihre Erledigung einem privaten, marktwirtschaftlich agierenden Unternehmen überlässt ohne Rücksicht auf die Anordnung einer staatlichen
Praxishinweis Ob Geschäftsführer und Prokuristen eines Versorgungsunternehmens, das als juristische
Person des Privatrechts organisiert ist, die Voraussetzungen eines Amtsträgers erfüllen,
hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Eine allgemeingültige Aussage lässt
sich dabei nicht treffen. Entscheidend ist, ob das Versorgungsunternehmen als sonstige
Stelle mit einer Behörde gleichgestellt werden kann. Auch die Frage, ob das Versorgungsunternehmen eine Aufgabe der öffentlichen Verwaltung wahrnimmt, lässt sich nicht abstrakt mit Ja oder Nein beantworten, sondern stellt eine einzelfallabhängige Entscheidung
dar. Es gilt dabei stets, die bereits ergangene Rechtsprechung auf diesem Gebiet sorgfältig
zu prüfen und mögliche Parallelen zu der eigenen Situation zu erkennen. Besondere Bedeutung erlangt die Amtsträgereigenschaft für Geschäftsführer und Prokuristen aufgrund
der möglichen Strafbarkeit, die durch die Eigenschaft als Amtsträger teils erst begründet,
teils aber auch erschwert wird.g
RAin Dr. Sonja C. Müller
Telefon +49 89 14331 23499
sonja.c.mueller@de.ey.com
Breitbandausbau im kommunalen
Bereich – Herausforderungen zur
wirtschaftlichen Gestaltung des
Breitbandausbaus im ländlichen Raum
Das Breitbandnetz ist spätestens seit Verabschiedung der Breitbandstrategie des Bundes sowie der durchaus prominenten Berücksichtigung
im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und der SPD in den Fokus der
Öffentlichkeit gerückt.
Längst wird die flächendeckende Versorgung des Landes mit hochleistungsfähigen Breitbandanschlüssen als wichtige Voraussetzung für ein wirtschaftliches Wachstum und
steigenden Wohlstand verstanden.
Bis zum Jahr 2018 soll es in Deutschland eine flächendeckende Grundversorgung mit
mindestens 50 Mbit/s geben. Nach Aussage des BMVI verfügen heute bereits zwei Drittel
aller Haushalte über einen Zugang zu besonders schnellem Internet.
Das Ziel scheint also in greifbarer Nähe. Wie so oft steckt der Teufel allerdings im Detail. So
wird die Versorgung mit schnellem Internet heute insbesondere im städtischen Bereich
sichergestellt, wo „der Markt“ die Netze aufgrund einer entsprechend hohen Zahl der
Endabnehmer unter den Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit ausbauen und langfristig
In ländlichen Gebieten, in denen deutlich weniger Endkunden erreicht werden können und
„Wirtschaftlichkeitslücken“ entstehen, bilden sich sogenannte „weiße Flecken“, deren
Ausbau sich deutlich schwieriger gestaltet als in städtischen Gebieten.
Fördermöglichkeiten durch Ende Oktober hat das Bundeskabinett die von Bundesminister Alexander Dobrindt
Bund und Länder vorgelegte Förderrichtlinie für den Breitbandausbau beschlossen. Demnach werden für die
Förderung 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Der Fördersatz des Bundes beträgt
im Regelfall 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Der Höchstbetrag an Bundesförderung pro Projekt liegt bei 15 Millionen Euro, wobei diese mit ergänzenden Förderungen auf Landesebene kombiniert werden können.
Neben dem eigentlichen Ausbau werden darüber hinaus auch Planungs- und Beratungskosten mit bis zu 100 Prozent und einem Maximalbetrag von 50.000 Euro gefördert.
Auf Ebene der Bundesländer gibt es ebenfalls verschiedene Fördertöpfe, die durch
Kommunen und Landkreise in Anspruch genommen werden können. Erst vor kurzem hat
beispielsweise Nordrhein Westfalen ein rund 500 Millionen Euro schweres Förderprogramm
bis 2018 aufgelegt.
Fördermittel scheinen also ausreichend vorhanden zu sein. Es kommt nun darauf an, diese
auf kommunaler Ebene auch möglichst optimal einzusetzen.
Die NGA-Rahmenregelung Wie eingangs erläutert, stellt der Netzausbau insbesondere die ländlichen Gebiete vor
Herausforderungen, da der Ausbau hier in der Regel nicht wirtschaftlich abgebildet werden
kann und das Eingreifen der Städte und Kreise erforderlich macht.
Hierbei handelt es sich um Beihilfen. Rechtlicher Umsetzungsmaßstab sind dabei die Leitlinien der EU für die Anwendung der Vorschriften über staatliche Beihilfen im Zusammenhang mit dem schnellen Breitbandausbau (Breitbandleitlinien).
Um den Ausbau auf kommunaler Ebene zu vereinfachen und eine Notifizierung jeder
einzelnen Maßnahme zu vermeiden, hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern
und kommunalen Spitzenverbänden die NGA-Rahmenregelung („Rahmenregelung der
Bundesrepublik Deutschland zur Unterstützung des Aufbaus einer flächendeckenden Next
Generation Access (NGA)-Breitbandversorgung“) erarbeitet. Diese Rahmenregelung wurde
von der Europäischen Kommission am 15. Juni 2015 erstmalig genehmigt, ist bis zum 31.
Dezember 2021 befristet und bundesweit für alle Akteure der öffentlichen Hand
Alle Projekte, die im Einklang mit den Bedingungen der NGA-Rahmenregelung stehen,
können somit unmittelbar gefördert werden. Die Regelung bildet den Rahmen für eine
notifizierungsfreie Förderung des Breitbandausbaus, stellt selbst jedoch keine Mittel zur
Eigen- vs. Fremdrealisierung Wird im Sinne der NGA-Rahmenregelung ein sogenannter „weißer NGA-Fleck“ identifiziert,
ist zunächst im Rahmen eines sogenannten „Markterkundungsverfahrens“ zu prüfen, ob
innerhalb der nächsten drei Jahre keine Versorgung durch ein Telekommunikationsunternehmen zu erwarten ist.
Nur für den Fall, dass kein bzw. kein berücksichtigungsfähiges Angebot durch einen
privaten Anbieter abgegeben wird, kann die öffentliche Hand den Bau einer passiven
Netzinfrastruktur (einschließlich Kabel, wie unbeschaltete Glasfaser) selbst vornehmen mit
dem Ziel, diese Infrastruktur Telekommunikationsnetzbetreibern zum Betrieb zur
Hierbei sind grundlegend zwei Modelle denkbar: die Eigenrealisierung, auch „Betreibermodell“ genannt, oder die Fremdrealisierung, auch „Zuschuss- oder Deckungslückenmodell“ genannt.
Bei der Eigenrealisierung übernimmt die öffentliche Hand die Errichtung des Netzes und
vermietet dieses anschließend. Vorteilhaft erweist sich hierbei, dass die öffentliche Hand
den Ausbau selbst in der Hand hat und sich das Netz in ihrem Eigentum befindet. Gleichwohl ist die Eigenrealisierung mit einem gewissen Risikotransfer, d. h. insbesondere mit
einer Übernahme des Auslastungsrisikos, sowie einer höheren finanziellen Belastung und
einer operativen Verantwortung verbunden.
Im Rahmen der Fremdrealisierung erfolgt der Netzausbau durch einen privaten Betreiber.
Die Rolle der öffentlichen Hand beschränkt sich im Wesentlichen auf die Deckung der
„Wirtschaftlichkeitslücke“, die sich im Aufbau oder Betrieb des Netzes für den Privaten
einstellt. Typischerweise trägt in einem solchen Modell der Betreiber das Auslastungsrisiko
für das Netz. Die öffentliche Hand übernimmt keine operative Verantwortung und wird
finanziell geringer belastet als bei der Eigenrealisierung. Als Nachteil kann hingegen gesehen werden, dass die öffentliche Hand ohne das Eigentum keine wesentlichen Einflussmöglichkeiten hat und die gezahlten Zuschüsse „verloren“ gehen.
Entwicklung eines tragfähigen
Business Case unter
Die Frage nach der wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit der verschiedenen Realisierungsvarianten lässt sich nicht pauschal beantworten. Erhöht wird die Komplexität durch die
dreistufige Wertschöpfungskette bei der Vermarktung von Glasfaserinfrastrukturen
(1. Errichtung und Wartung der passiven Infrastruktur, 2. Betrieb und Wartung der aktiven
Infrastruktur und Vorleistungsprodukte, 3. Vertrieb von Endkundenprodukten) sowie den
verschiedenen Anbietervarianten, die von vollständig vorwärts integrierten Dienstleistern
über integrierte Dienstanbieter und Netzbetreiber bis hin zu einer vollständigen
Entkoppelung der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette reichen kann.
In jedem Falle sollte vor der eigentlichen Realisierung neben der technischen auch die
finanzielle Machbarkeit des Vorhabens untersucht werden und gleichzeitig ein tragfähiger
Business Case entwickelt werden. Hierzu gehört neben der Prüfung der Berücksichtigung
von Fördermitteln auch die Untersuchung von Einbindungsformen potenzieller
Finanzierungs- und Ausbaupartner wie Stadtwerke oder Betreibergesellschaften.
Hierbei kommt es auch darauf an, den Business Case „bis zum Ende“, d. h. bis zum Endkunden, zu durchdenken. Schließlich sind es die Nutzer, die das Breitbandnetz mit ihren
Gebühren und Entgelten finanzieren. Abschließend sei angemerkt, dass der Endkunde für
die beziehbaren Produkte bezahlt, nicht für die Qualität der Kabel. Ein solider Business
Case kommt also nicht umher, bereits mögliche Endprodukte mit in die Betrachtung einzubeziehen.
Bündelung von Projekten zur Wie eingangs erläutert, erfordert der Breitbandausbau insbesondere im ländlichen Raum
Ausnutzung von Synergieeffekten den Eingriff bzw. die Beihilfe der öffentlichen Hand. Projekte im ländlichen Raum zeichnen
sich nicht nur durch ein potenzielles „Marktversagen“ und „Wirtschaftlichkeitslücken“ aus.
Gleichzeitig gehen mit diesen Projekten auch vergleichsweise geringe Bau- und Investitionskosten einher.
Dies ist nicht per se problematisch, führt aber dazu, dass bei einer reinen Einzelbetrachtung
die jeweiligen Transaktionskosten verhältnismäßig hoch werden und zudem das Interesse
potenzieller privater Partner im Bereich Ausbau, Unterhalt, Vertrieb oder Finanzierung
nicht geweckt werden.
Aus diesem Grund sollte beim Breitbandausbau über kommunale Grenzen hinweg gedacht
werden. Durch die Zusammenlegung von mehreren (Teil-)Projekten lässt sich so eine
„kritische Größe“ erreichen, die den Ausbau effizienter machen kann.
Fazit Der Breitbandausbau ist heute in aller Munde. Während insbesondere im städtischen
Bereich bereits weite Teile Deutschlands über schnelles Internet verfügen, gestaltet sich
der Ausbau im ländlichen Bereich etwas schwieriger.
Hier existieren diverse Fördermöglichkeiten, die es im Rahmen der NGA-Rahmenregelung
sinnvoll und wirtschaftlich einzusetzen gilt. Ein gut durchdachter und ganzheitlicher
Business Case stellt in diesem Zusammenhang einen entscheidenden Erfolgsfaktor dar.
Durch eine Bündelung von Projekten können zudem die Attraktivität für private Dienstleister erhöht und gleichzeitig Transaktionskosten gesenkt werden.
Beim Ausbau des Breitbandnetzes in Deutschland wird den Kommunen, Städten und Landkreisen eine besondere Bedeutung zukommen. Mit einer sorgfältigen Projektvorbereitung
und –strukturierung können die Herausforderungen allerdings gemeistert werden.g
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Strategien zum Umgang mit der
E-Bilanz bei Betrieben gewerblicher
Für private Unternehmen gibt es bereits seit einiger Zeit die Verpflichtung
zur Abgabe einer E-Bilanz. Für Betriebe gewerblicher Art (BgA) wurde
jedoch eine Übergangsfrist geschaffen, die nun aber ausläuft. Deswegen
besteht für die öffentlichen Einrichtungen jetzt ein dringender
Hintergrund Laut BMF Schreiben vom 28. September 2011 ist die elektronische Übermittlung der
E-Bilanz für BgA verbindlich für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2014
beginnen. Damit besteht die Verpflichtung zur Abgabe einer E-Bilanz für BgA erstmals im
Jahr 2016 für das (kalendergleiche) Wirtschaftsjahr 2015.
Übermittelt werden müssen gemäß § 5b Satz 1 EStG die Inhalte der Bilanz und der Gewinnund Verlustrechnung sowie eine steuerliche Überleitungsrechnung (§ 5b Satz 2 EStG),
sofern keine Steuerbilanz erstellt worden ist. Die Finanzverwaltung hat ein Datenschema
für Jahresabschlussdaten (Taxonomie) festgelegt, das eine Vielzahl von Einzelpositionen
enthält, die an die Finanzverwaltung übermittelt werden müssen. Aufgrund des hohen
Ausmaßes an Formalisierung und Standardisierung des E-Bilanz-Konzeptes wird es für viele
BgA zukünftig eine große Herausforderung sein, den Anforderungen der Finanzverwaltung
Besonderheiten des Viele Unternehmen sind im Rahmen der Einführung der E-Bilanz dazu übergegangen, den
Rechnungswesens von der Finanzverwaltung durch die Taxonomie vorgegebenen Kontenrahmen als eigenen
HGB Kontenrahmen einzuführen. Alternativ wurde zumindest von der Taxonomie
ausgehend analysiert, welche Sachverhalte im Unternehmen vorliegen, so dass
entsprechende Konten eingerichtet werden konnten. Dies erscheint jedoch für die
öffentlichen Einrichtungen nicht sinnvoll, da in der Regel nur wenige Teilbereiche
überhaupt einem BgA zugeordnet werden. Es stellt sich aber die Frage, ob nicht
Möglichkeiten bestehen, von der Verpflichtung zur Abgabe einer E-Bilanz befreit zu
Härtefallregelung Nach § 5b Abs. 2 EStG kann die Finanzverwaltung einen Steuerpflichtigen auf dessen
Antrag hin von der Abgabe einer elektronischen Übermittlung befreien. Dies gilt jedoch nur
zur Vermeidung unbilliger Härten, d. h. wenn es für den Steuerpflichtigen wirtschaftlich
oder persönlich unzumutbar ist, eine E-Bilanz zu übermitteln. Dies ist insbesondere der Fall,
wenn der Steuerpflichtige die technischen Möglichkeiten für die Datenfernübertragung nur
mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand schaffen könnte oder er nach seinen
individuellen Kenntnissen und Fähigkeiten nicht oder nur eingeschränkt in der Lage ist, die
Möglichkeiten der Datenfernübertragung zu nutzen. Daher wird einem BgA die Anwendung
der Härtefallregelung regelmäßig verwehrt bleiben.
Gewinnermittlung nach EüR Die Abgabe der E-Bilanz ist für alle Steuerpflichtigen, die Ihren Gewinn freiwillig oder verpflichtend durch Bestandsvergleich gemäß § 4 Abs. 1 oder § 5 Abs. 1 EStG ermitteln,
verpflichtend. Bei Ermittlung des Gewinns durch Einnahmen-Überschussrechnung (EüR)
besteht hingegeben keine Pflicht zur Abgabe einer E-Bilanz.
Daher wäre zu überlegen, ob die Gewinnermittlungsmethode bei bisher bilanzierenden BgA
auf eine EüR umgestellt werden kann. Eine Umstellung ist jedoch nur möglich, wenn der
BgA nicht buchführungspflichtig ist.
Buchführungspflicht aus anderen Eine Buchführungspflicht kann sich nach anderen Gesetzen (z. B. dem Handelsgesetzbuch)
Gesetzen (§ 140 AO) ergeben. Eine Buchführungspflicht aus dem Handelsgesetzbuch kann für BgA jedoch in der
Regel ausgeschlossen werden, da dieses den Betrieb eines Handelsgewerbes (§ 1 HGB)
fordert. Ein Handelsgewerbe erfordert wiederum eine Gewinnerzielungsabsicht, diese ist
jedoch bei den meisten BgA nicht vorhanden.
In der Vergangenheit wurde häufig die Diskussion geführt, ob sich aus einer Buchführungspflicht der Trägerkörperschaft (z. B. aufgrund der Einführung der Doppik oder aufgrund
von Eigenbetriebsverordnungen) die Buchführungspflicht für die BgA ergibt. Dies hat die
Finanzverwaltung mit Schreiben vom 9. Februar 2012 jedoch verneint. Eine Ausnahme gilt
nur dann, wenn außersteuerliche Buchführungspflichten unmittelbar für einen einzelnen
BgA bestehen, d. h. der BgA deckungsgleich mit der Einheit ist, für die eine Buchführungspflicht besteht (Beispiel: ein Eigenbetrieb besteht nur aus einem BgA und hat keinen hoheitlichen Bereich).
Buchführungspflicht aus dem Die Vorschrift des § 141 AO ordnet eine Buchführungspflicht an, wenn bestimmte GewinnSteuerrecht (§ 141 AO) und Umsatzgrenzen überschritten werden. Aber auch bei Überschreiten der Grenzen
kommt es nicht zu einer Buchführungspflicht, wenn es sich um einen dauerverlustigen BgA
handelt, da ein dauerverlustiger BgA kein gewerbliches Unternehmen ist. Darüber hinaus
greift § 141 AO auch erst dann, wenn das Finanzamt auf eine Buchführungspflicht
Möglichkeit zur Umstellung auf EüR Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass bei dauerverlustigen BgA die Möglichkeit
besteht, den Gewinn mittels einer EüR ermitteln. Eine Ausnahme gilt nur, wenn der BgA
deckungsgleich zur Einheit ist, für die eine Buchführungspflicht aufgrund anderer Gesetze
Aber auch für Gewinn-BgA ist dies in einigen Fällen möglich, dies muss jedoch für den
Einzelfall geprüft werden. Bei der Umstellung muss jedoch beachtet werden, dass ein
Wechsel zur EüR zu einem Übergangsgewinn führen kann, der voll steuerpflichtig ist.
Schlussfolgerung Um den in der Praxis bestehenden Problemen bei der Einführung der E-Bilanz aus dem Weg
zu gehen, könnte überlegt werden, die Gewinnermittlungsmethode von der Bilanzierung hin
zur EüR umzustellen. Dies ist grundsätzlich für die meisten BgA möglich. Da die E-Bilanz
erstmals für das Jahr 2015 abgegeben werden muss, ist es nun spätestens an der Zeit, sich
mit dieser Vorschrift zu befassen und ggf. entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Ist die
Abgabe einer E-Bilanz für den BgA aufgrund einer Buchführungspflicht unumgänglich,
können gegebenenfalls (nach Absprache mit dem Finanzamt) Erleichterungen analog den
Regelungen des BMF-Schreibens vom 19. Dezember 2013 erreicht werden.g
im Rahmen der 10%igen unternehmerischen Mindestnutzung
Der BFH hat dem EuGH die Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt, wie
das Erfordernis der unternehmerischen Mindestnutzung im Sinne des § 15
Abs. 1 Satz 2 UStG zu verstehen ist (Vorlagebeschluss des BFH vom
16. Juli 2015, XI R 15/13). Die Beantwortung dieser Frage könnte weitreichende Auswirkungen auf alle Steuerpflichtigen haben, die Gegenstände zu einem großen Anteil im hoheitlichen Bereich nutzen und denen
dadurch bisher der Vorsteuerabzug versagt blieb.
Beabsichtigt ein Unternehmer einen erworbenen Gegenstand oder eine erworbene
Leistung nur teilweise für umsatzsteuerpflichtige Ausgangsleistungen zu verwenden, kann
er die Vorsteuer auch nur teilweise abziehen. § 15 Abs. 1 Satz 2 des deutschen UStG
bestimmt in diesem Zusammenhang, dass die Lieferung, die Einfuhr oder der innergemeinschaftliche Erwerb eines Gegenstands, den der Unternehmer zu weniger als 10 Prozent für
sein Unternehmen nutzt, nicht als für das Unternehmen ausgeführt gilt – und schließt
insoweit den Vorsteuerabzug gänzlich aus.
Die Regelung beruht auf Art. 1 der Entscheidung des Rates vom 19. November 2004
(2004/817/EG), der Deutschland ermächtigt, abweichend von Art. 17 Abs. 2 der Richtlinie
77/388/EWG Ausgaben für solche Gegenstände und Dienstleistungen vom Abzug der
Mehrwertsteuer auszuschließen, die zu mehr als 90 Prozent für private Zwecke des Steuerpflichtigen oder seines Personals oder allgemein für unternehmensfremde Zwecke genutzt
Vorlagefrage Grund für die Vorlage beim EuGH durch den BFH ist die Unklarheit über das Erfordernis der
unternehmerischen Nutzung im Sinne des § 15 Abs. 1 Satz 2 UStG. Fraglich ist, ob nur
private und unternehmensfremde Zwecke im engeren Sinne als nicht unternehmerisch und
damit als ausschlaggebend für die 10 Prozent-Hürde anzusehen sind, oder ob darüber
hinaus auch jene Tätigkeiten im weiteren Sinne als nicht-unternehmerisch angesehen
werden, die als nicht-wirtschaftliche Tätigkeiten zu bezeichnen sind. Dies sind typischerweise auch alle hoheitlichen Tätigkeiten.
Die Vorlagefrage lässt sich schematisch wie folgt darstellen:
Sachlage des Ausgangsverfahrens Der Kläger ist ein Landkreis, welchem unter anderem als hoheitliche Aufgaben der Bau, die
Unterhaltung und die Erhaltung der Verkehrssicherheit der Straßen in seinem Gebiet obliegen. Diese Aufgaben erfüllte der Kläger durch einen Eigenbetrieb ohne Rechtspersönlichkeit. Gemäß der Betriebssatzung war der Betrieb neben der Ausübung hoheitlicher
Aufgaben auch dazu befugt, Leistungen an Dritte zu erbringen, die in gleicher Weise von
privaten Unternehmen erbracht wurden. Insoweit war der Kläger im Rahmen eines Betriebes gewerblicher Art wirtschaftlich (unternehmerisch) tätig und erbrachte steuerbare
und steuerpflichtige Leistungen.
Im Streitjahr hat der Kläger diverse Eingangsleistungen bezogen. Diese verwendete er im
Wesentlichen für Tätigkeiten im Straßenbau, d. h. für hoheitliche Zwecke, und nur zu 2,65
Prozent für die Erbringung von steuerpflichtigen Leistungen gegenüber Dritten, d. h. im
Rahmen des Betriebes gewerblicher Art.
Das Finanzamt ließ die geltend gemachten Vorsteuerabzüge nicht zu, da die angeschafften
Gegenstände nicht gemäß § 15 Abs. 1 Satz 2 UStG zu mindestens 10 Prozent für das
Unternehmen des Klägers genutzt worden seien. Im Rahmen des Einspruchsverfahrens
gewährte das Finanzamt aus anderen Gründen einen Teil des begehrten Vorsteuerabzugs.
Im Übrigen blieb der Einspruch erfolglos. Das Finanzgericht wies die Klage ab (EFG 2013,
Gegenteilige Auslegung der Mit der Revision macht der Kläger geltend, die Versagung des Vorsteuerabzugs verstoße
Ermächtigung gegen Unionsrecht. Die BRD sei durch die Entscheidung des Rates vom 19. November
2004 zur Ermächtigung Deutschlands, eine von Art. 17 der Sechsten Richtlinie
77/388/EWG zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
Umsatzsteuern abweichenden Regelung anzuwenden (2004/817/EG - Entscheidung
2004/817/EG -), nicht ermächtigt worden, den Vorsteuerabzug auch für den Fall auszuschließen, dass – wie im Streitfall – ein Gegenstand zu mehr als 90 Prozent für nichtwirtschaftliche Tätigkeiten verwendet werde, die nicht vom Anwendungsbereich der
Mehrwertsteuer erfasst werden, aber nicht als unternehmensfremd angesehen werden
könnten. Ihm stehe daher – unter Berufung auf das günstigere Unionsrecht – ein anteiliger
Vorsteuerabzug von 2, 65 Prozent aus den mit Vorsteuer belasteten Kosten zu.
Die Versagung des Vorsteuerabzugs verstoße außerdem gegen den Grundsatz der Wettbewerbsneutralität. Der Ausschluss führe dazu, dass die nichtabziehbaren Vorsteuerbeträge als direkter Aufwand in die Preiskalkulation eingingen, obwohl die von ihm in
Konkurrenz zu privaten Unternehmern ausgeführten Ausgangsumsätze (in vollem Umfang)
besteuert würden. Damit liege ein struktureller Wettbewerbsnachteil für ihn vor.
Der BFH hat Zweifel, ob Art. 1 der Entscheidung des Rates vom 19. November 2004
(2004/817/EG) nicht nur dann zum Vorsteuerausschluss ermächtigt, wenn ein Gegenstand
für private Zwecke oder allgemein für unternehmensfremde Zwecke genutzt wird, sondern
auch in den Fällen gilt, in denen ein Gegenstand – wie im Ausgangsverfahren – zu mehr als
90 Prozent für nichtwirtschaftliche Tätigkeiten, die nicht in den Anwendungsbereich der
Mehrwertsteuer fallen, verwendet wird. Für die Ansicht des Klägers spricht laut BFH neben
dem Wortlaut und der Entstehungsgeschichte der Ermächtigung auch das EuGH-Urteil
VNLTO, in dem der Begriff des Unternehmens wirtschaftliche und nicht wirtschaftliche
Tätigkeiten umfasst und nur die tatsächlich unternehmensfremden Tätigkeiten ausgeklammert werden.
Das Revisionsverfahren wird bis zur Entscheidung des EuGH ausgesetzt.
Empfehlung Sollte der EuGH im Sinne des Klägers entscheiden, dürften sich im Bereich der öffentlichen
Hand deutlich erweiterte Möglichkeiten zum Vorsteuerabzug ergeben. Dies sollte im Blick
behalten und entsprechende Fälle gegebenenfalls offen gehalten werden.
Für Rückfragen stehen Ihnen Gabriele Kirchhof und Nicole Kuhn jederzeit gerne zur
Verfügung.g
StB/RAin Nicole Kuhn
Telefon +49 221 2779 25553
nicole.kuhn@de.ey.com
Steuerliche Aspekte der
BMF-Schreiben vom 22. September 2015 (IV C 4 – S 2223/07/0015:015)
Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat mit Schreiben vom 22. September 2015
steuerliche Erleichterungen zur Förderung des gesamtgesellschaftlichen Engagements bei
der Hilfe für Flüchtlinge geschaffen. Im Wesentlichen wurden hierzu folgende Regelungen
Vereinfachter Für alle Sonderkonten, die durch die öffentliche Hand oder von den amtlich anerkannten
Zuwendungsnachweis Verbänden der freien Wohlfahrtspflege einschließlich ihrer Mitgliedsorganisationen zur
Förderung der Hilfe für Flüchtlinge eingerichtet wurden, gilt der vereinfachte Zuwendungsnachweis ohne die betragsmäßige Beschränkung auf Zuwendungen bis zu EUR 200. Es
genügt in diesen Fällen als Nachweis der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung (z. B. Kontoauszug) eines Kreditinstituts oder der PC-Ausdruck bei OnlineBanking. Dieser vereinfachte Zuwendungsnachweis gilt auch für Einzahlungen auf ein
anderes Konto der oben genannten Einrichtungen bis zur Einrichtung eines entsprechenden Sonderkontos.
Dieser vereinfachte Zuwendungsnachweis ist auch bei Spendensammlungen von Privatpersonen oder gewerblichen Unternehmen möglich, wenn diese Spendensammler ein
Treuhandkonto einrichten und die gesammelten Spenden dann auf ein Sonderkonto der
oben genannten Einrichtungen überwiesen werden. Es genügt in diesen Fällen als Nachweis
der Bareinzahlungsbeleg, die Buchungsbestätigung des Kreditinstituts oder der PC-Ausdruck bei Online-Banking des Spenders zusammen mit einer Kopie des Barzahlungsbelegs,
der Buchungsbestätigung des Kreditinstituts oder des PC-Ausdrucks bei Online-Banking des
nicht steuerbegünstigten Spendensammlers (Privatperson, gewerbliches Unternehmen).
Spendenaktionen von
gemeinnützigen Körperschaften zur
Laut BMF-Schreiben ist es unschädlich für die Steuerbegünstigung einer Körperschaft, die
in ihrer Satzung die Förderung mildtätiger Zwecke oder die Förderung der Hilfe für Flüchtlinge nicht verankert hat, wenn sie Spenden, die sie im Rahmen einer Sonderaktion für die
Flüchtlingshilfe erhalten hat, ohne entsprechende Änderung ihrer Satzung für den angegebenen Zweck verwendet. Dabei kann bei Flüchtlingen auf den Nachweis der Hilfebedürftigkeit verzichtet werden. Es reicht aus, wenn die eingeworbenen Spenden entweder an
eine andere steuerbegünstigte Körperschaft oder an eine juristische Person des öffentlichen Rechts (z. B. Kommunen, Kirchen) zur Förderung der Hilfe für Flüchtlinge weitergeleitet werden. In den Zuwendungsbestätigungen für die Spenden, die die steuerbegünstigte Körperschaft gesammelt hat, ist auf die Sonderaktion hinzuweisen.
Maßnahmen begünstigter
Körperschaften zur Unterstützung
Neben der oben dargestellten Verwendung der eingeworbenen Spendenmittel ist es
ausnahmsweise auch unschädlich für die Steuerbegünstigung einer Körperschaft, wenn sie
sonstige bei ihr vorhandene Mittel, die keiner anderweitigen Bindungswirkung (z. B.
anderweitige Verwendungsauflage eines Spenders oder Mittel, für die das stiftungsrechtliche Kapitalerhaltungsgebot gilt) unterliegen, ohne Änderung der Satzung zur
unmittelbaren Unterstützung von Flüchtlingen einsetzt. Dabei kann bei Flüchtlingen auf den
Nachweis der Hilfebedürftigkeit verzichtet werden. Eine Weiterleitung vorhandener Mittel
an andere steuerbegünstigte Körperschaften, die mildtätige Zwecke oder die Hilfe für
Flüchtlinge fördern, oder an juristische Personen des öffentlichen Rechts zur Verwendung
für diese Zwecke ist gemäß § 58 Nr. 2 AO ebenfalls unschädlich für die
Steuerbegünstigung der Körperschaft.
Arbeitslohnspende Verzichten Arbeitnehmer auf die Auszahlung von Teilen des Arbeitslohns zugunsten einer
Zahlung des Arbeitgebers auf ein Spendenkonto einer spendenempfangsberechtigten
Einrichtung (gemeinnützige Körperschaft, juristische Person des öffentlichen Rechts),
bleiben diese Lohnteile bei der Feststellung des steuerpflichtigen Arbeitslohns außer
Ansatz, wenn der Arbeitgeber die Verwendungsauflage erfüllt und dies dokumentiert. Der
außer Ansatz bleibende Arbeitslohn ist nicht in der Lohnsteuerbescheinigung anzugeben.
Die steuerfrei belassenen Lohnteile dürfen im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung
aber nicht als Spende berücksichtigt werden.
Geltungsdauer Das BMF-Schreiben gilt für die oben dargestellten Maßnahmen, wenn sie vom 1. August
2015 bis 31. Dezember 2016 durchgeführt werden.
Umsatzsteuerrechtliche Behandlung der Unterbringung von Flüchtlingen
Verfügung des Bayerischen Landesamts für Steuern (BayLfSt) vom 11. Februar 2015 (S
7168.1.1-7/9 St33)
Das BayLfSt stellt in einem Überblick verschiedene Sachverhaltsgestaltungen bezüglich der
Unterbringung von Bürgerkriegsflüchtlingen und Asylbewerbern und deren umsatzsteuerrechtliche Behandlung bei der öffentlichen Hand dar. Die Unterbringung erfolgt im
Rahmen unterschiedlichster Vertragsvarianten (z. B. Mietverträge, Beherbergungsverträge, Belegungsvereinbarungen, Rahmenverträge usw.).
Unterbringung in angemieteten Langfristige Mietverhältnisse (über 6 Monate)
Räumen Langfristig (über 6 Monate) geschlossene Mietverhältnisse unterliegen der Steuerbefreiung
nach § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG. Die Möglichkeit zur Option gemäß § 9 Abs. 1 UStG
besteht für die öffentliche Hand regelmäßig nicht, da die Verwendung als Flüchtlings- bzw.
Asylbewerberunterkünfte dem hoheitlichen (nichtunternehmerischen) Bereich zuzuordnen
Eventuelle zusätzlich erbrachte Dienstleistungen können als Nebenleistungen zur Vermietungsleistung oder als eigenständige, gesondert zu beurteilende Leistungen (z. B.
Mitvermietung von Einrichtungsgegenständen) angesehen werden. Eine einfache
Standardmöblierung (z. B. je Person 1 Bett, 1 Stuhl, 1 Schrank/Schrankfach, 1 Tisch je
Zimmer, ggf. Gemeinschaftsküche) kann dabei noch als Nebenleistung zur Vermietung
angesehen werden. An die untergebrachten Personen erbrachte Verpflegungsleistungen
unterliegen dagegen als eigenständige Leistung stets dem Regelsteuersatz.
Werden in nicht unerheblichem Umfang Dienstleistungen zusätzlich zur Vermietung
erbracht (z. B. Einteilung der Zimmer, Bereitstellung der Einrichtungsgegenstände sowie
der Wäsche, Verpflegung der Flüchtlinge, Waschdienst, Raumpflege, ggf.
Sicherheitsdienst/Anwesenheitskontrolle), könnte ein Vertrag besonderer Art
(Abschn. 4.12.6 UStAE) gegeben sein. Dabei wird die Gebrauchsüberlassung des
Grundstücks von den anderen wesentlicheren Leistungen überlagert und der gesamte
Leistungsaustausch unterliegt dem Regelsteuersatz.
Kurzfristige Mietverhältnisse (unter 6 Monate)
Werden Unterkünfte zur Beherbergung von Flüchtlingen und Asylbewerbern nur kurzfristig
– bis zu 6 Monate – an die öffentliche Hand vermietet, handelt es sich regelmäßig um eine
ermäßigt zu besteuernde Beherbergungsleistung nach § 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG.
Eventuell erbrachte zusätzliche Dienstleistungen, die nicht unmittelbar der Vermietung
dienen, unterliegen dem Regelsteuersatz. Soweit diese zusätzlichen Dienstleistungen im
pauschalen Entgelt enthalten sind, besteht ein Aufteilungsgebot. Verpflegungsleistungen
unterliegen auch hier als eigenständige Leistungen regelmäßig dem Regelsteuersatz.
Rahmenverträge Sonderfall Rahmenverträge/Belegungsvereinbarungen
Der Abschluss eines Rahmenvertrags begründet für sich genommen noch kein umsatzsteuerliches Leistungsverhältnis, sondern legt zwischen Betreiber und der öffentlichen
Hand nur die einheitlichen Bedingungen für später abzuschließende Einzelmietverhältnisse
fest. Das jeweilige Einzelmietverhältnis wird erst begründet, wenn die unterzubringende
Person durch Einweisung tatsächlich untergebracht wird.
Bei den jeweiligen Einzelmietverhältnissen ist umsatzsteuerlich wieder zwischen der kurzund langfristigen Vermietung zu differenzieren sowie etwaig erbrachte zusätzliche
Billigkeitsmaßnahmen Billigkeitsmaßnahmen bei vorübergehender Unterbringung von Bürgerkriegsflüchtlingen
in Einrichtungen steuerbegünstigter Körperschaften sowie der öffentlichen Hand
BMF Schreiben vom 20. November 2014 (BMF IV C 2 – S 2730/0–01)
Die vorübergehende Unterbringung von Bürgerkriegsflüchtlingen in Einrichtungen
steuerbegünstigter Körperschaften, die ausschließlich dem satzungsmäßigen Zweck der
Körperschaft dienen (einschließlich Zweckbetriebe und Vermögensverwaltung) wird bei
diesen als Zweckbetrieb (§ 65 AO bzw. § 66 AO) behandelt.
Unterliegen die Leistungen dieser Einrichtungen besonderen umsatzsteuerlichen
Ermäßigungs- oder Befreiungsvorschriften (z. B. Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 Nrn. 18,
23 bzw. 24 UStG oder Umsatzsteuerermäßigung nach § 12 Abs. 2 Nr. 8 UStG), geltend
diese auch für die Leistungen im Zusammenhang mit der vorübergehenden Unterbringung
von Bürgerkriegsflüchtlingen.
Erfolgt die Unterbringung in Einrichtungen, die dem hoheitlichen Bereich zugeordnet sind,
sind die dafür erhaltenen Entgelte ohne Prüfung, ob ein Betrieb gewerblicher Art vorliegt,
dem hoheitlichen Bereich zuzuordnen.
Bei Unterbringung in Einrichtungen eines Betriebs gewerblicher Art einer juristischen
Person des öffentlichen Rechts gelten für die steuerliche Behandlung grundsätzlich die
allgemeinen steuerlichen Vorschriften.g
RA/StB Christiane Freund
Ernst & Young Eschborn
Telefon +49 6196 996 14896
christiane.freund@de.ey.com
RA Thilo Scharfenecker
Telefon +49 711 9881 18877
thilo.scharfenecker@de.ey.com
Herstellerrabatte an PKV mindern die
Das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz entscheidet zugunsten des
klagenden Arzneimittelherstellers und erkennt die Herstellerrabatte an die
Privaten Krankenkassen nach dem AMRabG als Minderung der
Umsatzsteuer an. Das FG Rheinland-Pfalz stellt sich damit gegen das FG
Berlin-Brandenburg, das die Herstellerrabatte nicht als mindernd
Gemäß § 1 Arzneimittelrabattgesetz (AMRabG) müssen Arzneimittelhersteller den Privaten
Krankenversicherungen (PKV) Rabatte auf jedes Medikament gewähren, das ein Versicherter bei der Apotheke rezeptpflichtig erworben und dessen Kosten die PKV ihm ganz
oder teilweise erstattet hat. Einen solchen Herstellerrabatt muss der Arzneimittelhersteller
auch an die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gemäß § 130a SGB V leisten. Zwar erkennt
die Finanzverwaltung die an die GKV entrichteten Herstellerrabatte als Minderung der
Bemessungsgrundlage im Sinne des § 17 UStG und damit als Minderung der Umsatzsteuer
auf den Verkauf des Medikaments an. Bei einem an die PKV gezahlten Herstellerrabatt
jedoch verneint die Finanzverwaltung eine solche umsatzsteuerliche Minderung. Der
Arzneimittelhersteller darf also nach Auffassung der Finanzverwaltung die Umsatzsteuer
nicht mindern, sondern muss sie weiterhin auf den unrabattierten Nettopreis berechnen
und entrichten. Hat der Pharmahersteller beispielsweise ein Medikament zu einem
Nettopreis in Höhe von EUR 100,00, zuzüglich EUR 19,00 USt veräußert, muss er nun
neben dem Herstellerrabatt an die PKV von z. B. 7 % (EUR 7,00) weiterhin dennoch
ungemindert EUR 19,00 (19% auf EUR 100,00) Umsatzsteuer tragen anstatt einer
verminderten Umsatzsteuer auf den rabattierten Preis.
Das FG Berlin-Brandenburg teilt in einem (ersten) Urteil (vom 13. Mai 2015,
Az. 7 K 7323/13) die Ansicht der Finanzverwaltung. Es beruft sich dabei maßgeblich auch
auf jüngste Urteile des EuGH und des BFH, die es für anwendbar hält.
Dem widerspricht aber nun das FG Rheinland-Pfalz in seinem Urteil vom 24. September
2015 (Az. 6 K 1251/14). Entgegen A 10.3. Abs. 7 UStAE und dem FG Berlin-Brandenburg
erkennt das FG Rheinland-Pfalz die gemäß § 1 AMRabG an die PKV abgeführten Herstellerrabatte als Minderung der Bemessungsgrundlage und damit der Umsatzsteuer an. Die
Umsatzsteuer ist somit auf den rabattierten Nettopreis des Arzneimittels zu berechnen und
die ursprünglich abgeführte Umsatzsteuer entsprechend zu mindern. In seiner Begründung
stellt das FG Rheinland-Pfalz unter anderem darauf ab, dass Art. 73 der MehrwertsteuerSystemrichtlinie (MwStSystRL) – entgegen der Formulierung in S 10 Abs. 1 Satz 2 UStG –
als Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer den Betrag definiert, den der Leistende
erhält. Das ist aber eben nur das um den Herstellerrabatt verminderte Entgelt.
Die Finanzverwaltung hat gegen das Urteil des FG Rheinland-Pfalz Revision beim
Bundesfinanzhof eingelegt. Auch gegen das Urteil des FG Berlin-Brandenburg ist dort eine
Revision anhängig.g
StB Peter Schilling
Telefon +49 6196 996 21262
RA/StB Hans-Hinrich von Cölln
Telefon +49 30 25471 21745
hans.von.coelln@de.ey.com
Integrated Reporting: Mehrwert für
Bei Unternehmen im deutschsprachigen Raum ist im Laufe der letzten
Jahre ein zunehmendes Interesse an integrierter Berichterstattung, die
auf finanzielle und nichtfinanzielle Wertschöpfung im Kontext von
Geschäftsmodell und -strategie fokussiert, festzustellen. Vor diesem
Hintergrund möchten wir für den öffentlichen Sektor die Chancen von
Integrated Reporting aufzeigen, um die erbrachte Leistung im Gegensatz
zur traditionellen Gewinn- und Verlustrechnung umfassender darstellen zu
Traditionelle Berichterstattung Finanzielle Kennzahlen allein reichen heute nicht mehr aus, um die Situation und den Wert
greift zu kurz eines Unternehmens umfassend aufzuzeigen. Ein großer Teil des Unternehmenswerts ist
immateriellen und nichtfinanziellen Treibern zuzuschreiben. Die Anspruchsgruppen fordern
daher von Unternehmen, die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Elementen der
herkömmlichen Geschäftsberichterstattung (wie z. B. Geschäftsbericht, Nachhaltigkeitsbericht, etc.) in einem einzigen integrierten Bericht zusammenzufassen, indem die Leistung
des Unternehmens umfassend dargestellt wird.
Aus diesen Überlegungen heraus gründeten 2010 die wichtigsten Standardsetter, verschiedene Großunternehmen sowie Investoren, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und
Regulatoren das International Integrated Reporting Council (IIRC). Dieses veröffentlichte im
Dezember 2013 das Integrated Reporting Framework, das Leitlinien zur Erstellung
eines integrierten Berichts enthält. Das Framework fußt auf einem prinzipienbasierten
Ansatz und schreibt keine spezifischen Indikatoren oder Messmethoden vor. Ein
integrierter Bericht erläutert durch die Verknüpfung des Geschäftsmodells und der
Strategie mit finanziellen und nichtfinanziellen Informationen die wesentlichen Elemente
der Wertschöpfung. Dabei sollen die relevanten Zusammenhänge sowie Wertveränderungen zwischen sechs verschiedenen Kapitalarten wie dem finanziellen Kapital, Produktionskapital, Humankapital sowie dem intellektuellen, natürlichen und sozialen Kapital
aufgezeigt werden. Ziel ist es, ein grundlegendes und breites Verständnis der materiellen
und immateriellen Werttreiber aufzuzeigen, um etwaige Risiken und Chancen sowie zukünftige Erfolgsaussichten besser einschätzen und dadurch auch besser steuern zu
Weltweit haben sich bereits über 300 Unternehmen zum -Berichtsstandard
verpflichtet. Der Trend zur Veröffentlichung von integrierten Berichten verläuft dabei auf
globaler Ebene branchenübergreifend steigend, wobei auch bereits zahlreiche öffentliche
Unternehmen diese Form der Berichterstattung anwenden.
Umstellung auf Integrated Dazu, wie Unternehmen eine integrierte Berichterstattung und Denkweise umsetzen sollen,
Reporting macht das Framework keine Vorgaben. Um eine gemeinsame Sicht zu erarbeiten,
beginnen die Unternehmen in den meisten Fällen mit einer Ist-Analyse der aktuellen
Berichterstattung im Vergleich zum Framework. Während eine solche Analyse innerhalb einiger Wochen erstellt werden kann, bedarf der folgende Transformationsprozess
erfahrungsgemäß mehrere Jahre.
Die einzelnen Arbeitsschritte sind zeitintensiv und erfordern die Einbindung zahlreicher
Entscheidungsträger aus den unterschiedlichsten Funktionsbereichen. Zudem sind möglicherweise neue Systeme zur Erhebung nichtfinanzieller Kennzahlen gefordert, um die
Verfügbarkeit und Aufbereitung relevanter Daten zu ermöglichen. Dieser Prozess führt hin
zu einer integrierten Denkweise im Unternehmen, die das Management befähigt, die ganze
Komplexität des Wertschöpfungsprozesses besser zu verstehen. Erst als zweiter Schritt
kann – basierend auf diesem umfassenderen Verständnis des Unternehmens – als Resultat
ein integrierter Bericht erstellt werden, der diese Erkenntnisse für die Stakeholder aufbereitet. So zeigt auch der Nutzen von Integrated Reporting, dass das integrierte Management neben dem Eingehen auf Stakeholderbedürfnisse primär umfassendere Informationsgrundlagen für das Unternehmen schafft, die Managemententscheidungen fördern, welche
auf den langfristigen Unternehmenserfolg ausgerichtet sind.
Integrated Reporting im Kontext des Ein öffentlicher Auftrag ist im Gegensatz zum kurzfristigen Shareholder Value-Denken
öffentlichen Sektors grundsätzlich bereits auf eine breiter ausgelegte und langfristige Wertschöpfung aus-
gerichtet. Da im Gegensatz zur traditionellen Berichterstattung auf eine umfassendere Erfassung, Kommunikation und Optimierung der Wertschöpfung abzielt, ist dieser
Berichterstattungsstandard von Grund auf mit öffentlichen Aufträgen kompatibel. So
tauschen unter der Leitung des IIRC auch verschiedene öffentliche Unternehmen Ansichten
und Erfahrung darüber aus, wie für ihre Bedürfnisse am geeignetsten umgesetzt
werden kann, mit dem Ziel, zusätzliche Transparenz und Vertrauen zu schaffen.1
„Integriertes Denken“ führt dabei zu einem holistischeren Bild des Unternehmens im
Kontext seiner Umfelds und genutzten Ressourcen, der verschiedenen Stakeholder
(Regulator, Mitarbeiter, NPOs, breite Öffentlichkeit, etc.) sowie den Werten, die für diese
Stakeholdergruppen geschaffen oder vernichtet werden. Dementsprechend trägt Integrated Reporting bei öffentlichen Unternehmen dazu bei, die Wertschöpfung über finanzielle Aspekte hinaus umfassender erfassen, steuern und im Rahmen der Berichterstattung
Anwendung von IR durch öffentliche Will man einen Eindruck gewinnen, wie denn ein guter integrierter Bericht aussieht, wird
Unternehmen international und industrieübergreifend häufig auf The Crown Estate , ein Unternehmen,
das die Besitztümer der englischen Krone verwaltet, als eines der besten Beispiele verwiesen. Deren integrierte Berichte beschreiben die wichtigsten internen und externen
Ressourcen und Stakeholderbeziehungen, die zur Wertschöpfung des Unternehmens
beitragen. Weiter wird gezeigt, wie die sechs finanziellen und nichtfinanziellen Kapitalarten
in den strategischen Entscheidungsprozess der Organisation eingebunden sind und wie auf
deren Basis die positiven und auch negativen finanziellen, ökologischen und sozialen
Auswirkungen ihrer Tätigkeiten auf die Wertschöpfung für das Unternehmen sowie deren
Stakeholder gemessen und analysiert werden können.
Es finden sich mit EnBW, dem Flughafen München, der Deutschen Bahn oder Swisscom
aber auch Beispiele in Deutschland und der Schweiz von öffentlichen Unternehmen, die den
-Berichtsstandard in unterschiedlichem Umfang bereits umsetzen. So setzt beispielsweise die Deutsche Bahn im Rahmen ihrer Berichterstattung die Anforderungen des Frameworks bezüglich strategischem Fokus, Zukunftsorientierung sowie Konsistenz und
Vergleichbarkeit so um, dass ihre drei strategischen Zielsetzungen (Profitabler Marktführer, Top-Arbeitgeber sowie Umweltvorreiter) in zwölf Unterziele in den drei Dimensionen Ökonomie, Umwelt und Gesellschaft heruntergebrochen werden. Für jede der zwölf
Unterziele werden spezifische Kennzahlen, deren Entwicklung über die Zeit sowie auch der
bisherige Zielerreichungsgrad ausgewiesen.3 Dies erlaubt eine konsistente Erfassung des
Zielfortschritts gegenüber den strategischen Zielsetzungen und fördert die Glaubwürdigkeit
und das Vertrauen gegenüber den Kunden und der Öffentlichkeit.
Um weitere Eindrücke zu bekommen, wie das Framework in anderen Sektoren umgesetzt wird, kann sich auch ein Blick auf SAP lohnen, das ebenfalls als Vorreiter in der
integrierten Berichterstattung gilt. Seit 2012 hat SAP ein unternehmensspezifisches
Framework aufgebaut, welches die Wechselwirkungen zwischen nichtfinanziellen und
finanziellen Leistungsindikatoren aufzeigt. 2014 ist SAP noch einen Schritt weitergegangen und hat begonnen, diese Wechselwirkungen zu quantifizieren, respektive zu monetarisieren. Z. B. wird gezeigt, dass eine ein-prozentige Abweichung des Mitarbeiterengagements sich mit 35-45 Mio. EUR auf SAPs Betriebsergebnis auswirken
würde.4 Dies fördert den Einbezug nichtfinanzieller Aspekte in Entscheidungsfindungsprozesse des Managements und der Stakeholder.
Fazit Die Erwartungshaltungen und regulatorischen Anforderungen, nichtfinanzielle Aspekte
verstärkt ins tägliche Unternehmensgeschäft einzubetten und transparent offen zu legen,
nehmen weiter zu. Dies betrifft auch den öffentlichen Sektor. Integrated Reporting mit dem
zugrundeliegenden „integrierten Denken“ bietet gegenüber der traditionellen Gewinn- und
Verlustrechnung nicht nur die Möglichkeit, diese Erwartungshaltungen passend zu adressieren, sondern auch den erbrachten Mehrwert für verschiedene Stakeholdergruppen
besser zu verstehen, zu optimieren und umfassender kommunizieren zu können.g
Dr. Mark Veser
Telefon +41 58 286 36 79
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Telefon +41 58 286 42 31
chiara.rinaldi@ch.ey.com
Telefon +49 89 14331 19332
nicole.richter@de.ey.com
Österreich – Änderungen im
Die Steuerreform 2015/16 hat unter anderem Neuregelungen im Finanzstrafrecht gebracht, die ab 1. Januar 2016 in Kraft treten. Das im Entwurf
vorliegende Abgabenänderungsgesetz 2015 dürfte zu weiteren
Änderungen in diesem Bereich führen.
Änderungen bei Bestimmte Finanzvergehen können sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werFahrlässigkeitsdelikten den. Die in der Praxis wohl größte Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Abgaben-
verkürzung. Bei Vorsatz liegt eine „Abgabenhinterziehung“, bei Fahrlässigkeit eine „fahrlässige Abgabenverkürzung“ vor. Ob der Täter leicht oder grob sorgfaltswidrig handelt,
spielt nach geltender Rechtslage für die Frage der Fahrlässigkeitsstrafbarkeit grundsätzlich
Durch das StRefG 2015/2016 werden ab 1. Januar 2016 bestimmte Finanzvergehen bei
fahrlässiger Begehung nur noch dann strafbar sein, wenn „grobe Fahrlässigkeit“ gegeben
ist. Die leicht fahrlässige Begehung wird in diesen Fällen somit entkriminalisiert. „Grobe
Fahrlässigkeit“ liegt vor, wenn „ungewöhnlich und auffallend sorgfaltswidrig“ gehandelt
wurde, sodass die Deliktsverwirklichung „geradezu wahrscheinlich vorhersehbar“ ist. Diese
Anhebung der Strafbarkeitsschwelle betrifft insbesondere die „grob fahrlässige
Abgabenverkürzung“ sowie bestimmte Zollvergehen.
Nach bisheriger Rechtslage konnten bereits geringe Sorgfaltsverstöße Anlass zu strafrechtlicher Verfolgung geben, was in der Praxis nicht selten zu Verunsicherungen geführt
hat. Die Situation wurde dadurch verschärft, dass seit 1. Oktober 2014 „wiederholte“
Selbstanzeigen nicht mehr möglich sind (d. h. für einen Abgabenanspruch ist nur mehr eine
strafbefreiende Selbstanzeige möglich). Dieses Problem wird künftig dadurch relativiert,
dass Abgabenverkürzungen bei leichter Fahrlässigkeit nicht mehr strafbar sind und dementsprechend auch keine Selbstanzeige erforderlich ist. Eine Korrektur nachträglich entdeckter Fehler wird in diesen Fällen in der Regel durch eine einfache Berichtigung erfolgen
Verschärfung beim Abgabenbetrug Im Rahmen der FinStrG-Novelle 2010 wurde mit dem „Abgabenbetrug“ (§ 39 FinStrG) ein
neuer Straftatbestand eingeführt, der besonders schwere, mit hoher krimineller Energie
begangene Finanzvergehen erfassen soll. Das Delikt ist dadurch gekennzeichnet, dass
primäre Freiheitsstrafen (und nicht bloß Geldstrafen) vorgesehen sind. Übersteigt der
strafbestimmende Wertbetrag EUR 250.000, qualifiziert der Abgabenbetrug als Verbrechen und stellt damit verbunden eine Vortat zur Geldwäscherei dar.
Eines Abgabenbetrugs macht sich schuldig, wer bestimmte, ausschließlich durch das
Gericht zu ahnende Finanzvergehen (insbesondere Abgabenhinterziehung und Schmuggel)
auf „betrügerische“ Weise begeht. Eine solche betrügerische Begehung liegt vor, wenn das
Finanzvergehen unter Verwendung
► falscher oder verfälschter Urkunden oder Beweismittel (ausgenommen Abgabenerklärungen und Grundaufzeichnungen, etc.) oder von
► Scheingeschäften und Scheinhandlungen (§ 23 BAO) begangen wird.
Darüber hinaus sieht § 39 Abs. 2 FinStrG einen speziellen Tatbestand im Zusammenhang
mit der gerichtlich zu ahnenden Abgabenhinterziehung im Bereich der Umsatzsteuer vor.
Durch das StRefG 2015/2016 wird der Abgabenbetrug um eine zusätzliche „Betrugskomponente“ ergänzt. Das Delikt wird – bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen – künftig
auch dann verwirklicht, wenn das betreffende Finanzvergehen
► „unter Verwendung automatisationsunterstützt erstellter,
► aufgrund abgaben- oder monopolrechtlicher Vorschriften zu führender Bücher oder
► welche durch Gestaltung oder Einsatz eines Programms,
► mit dessen Hilfe Daten verändert, gelöscht oder unterdrückt werden können,
► beeinflusst wurden“, begangen wird.
Der Anwendungsbereich der neuen Strafbestimmung dürfte sehr weit sein und umfasst
auch die Manipulation von (elektronisch geführten) Grundaufzeichnungen, wodurch nach
bisheriger Rechtslage kein Abgabenbetrug begründet wurde. Die Ausdehnung der Bestimmung dürfte somit zu einer deutlichen Verschärfung der Rechtslage führen, wobei die
Auslegung der Bestimmung im Einzelnen noch zahlreiche Auslegungsfragen aufwirft.
Neue Finanzordnungswidrigkeiten ► Im Rahmen des StRefG 2015/2016 wurde eine allgemeine Registrierkassenpflicht
eingeführt. Betriebe, die in überwiegender Anzahl Barumsätze tätigen, sind ab einem
Jahresumsatz von EUR 15.000 pro Jahr grundsätzlich verpflichtet, die Einzelaufzeichnung der Barumsätze mittels elektronischer Registrierkasse vorzunehmen.
Insbesondere zur Durchsetzung dieser Aufzeichnungspflicht wurde ein eigener
Straftatbestand geschaffen. Bei Verstößen ist eine Geldstrafe von bis zu EUR 25.000
► Künftig macht sich einer Finanzordnungswidrigkeit schuldig, wer vorsätzlich „ein
abgabenrechtliches Verbot zur Leistung oder Entgegennahme von Barzahlungen
verletzt.“ Diese Ergänzung ist dem durch das StRefG 2015/16 eingeführten Barzahlungsverbot von Arbeitslohn in der Bauwirtschaft geschuldet. Verstöße können eine
Geldstrafe von bis zu EUR 5.000 nach sich ziehen.
► Die vorsätzliche Verletzung der Pflicht zur Führung oder Aufbewahrung von Büchern
oder sonstigen Aufzeichnungen stellt bereits nach geltender Rechtslage eine Finanzordnungswidrigkeit dar. Im Zuge des StRefG 2015/2016 wurde diese Bestimmung um
Verletzungen der Pflicht zur „Einrichtung technischer Sicherheitsvorkehrungen“
ergänzt. Auch hier beträgt die maximale Strafdrohung EUR 5.000.
Verfahrensrechtliche Änderungen ► Im verwaltungsgerichtlichen Finanzstrafverfahren wird die Beauskunftung über
IP-Adressen möglich sein. Bei bloßen Finanzordnungswidrigkeiten und anderen
geringfügigen Delikten steht dieses Instrumentarium allerdings nicht zur Verfügung. Im
Gegenzug wurde die Funktion eines unabhängigen und weisungsfreien Rechtsschutzbeauftragten geschaffen, um dem erhöhten Rechtschutzbedürfnis Rechnung zu tragen.
► Zollämter haben künftig in bestimmten Fällen das Recht zur Abnahme von Papillarlinienabdrücken (Fingerabdrücken). Dies war im verwaltungsbehördlichen Finanzstrafverfahren bislang nicht möglich.
Mögliche Änderungen durch das Gewerbsmäßige Begehung von Finanzvergehen
Abgabenänderungsgesetz 2015 Bei bestimmten vorsätzlichen Finanzvergehen führt die gewerbsmäßige Begehung zu einer
Strafverschärfung (§ 38 FinStrG). Diese ist insbesondere für die Abgabenhinterziehung und
den Schmuggel von Bedeutung. Mit dem Strafrechtsänderungsgesetz 2015 hat der Gesetzgeber die Definition der Gewerbsmäßigkeit im allgemeinen (Wirtschafts-)Strafrecht tiefgreifend geändert. Nunmehr soll auch § 38 FinStrG entsprechend angepasst werden, wobei
auf die Besonderheiten des Finanzstrafrechts Rücksicht genommen werden soll. Gewerbsmäßige Begehung liegt nach dem Entwurf des AbgÄG 2015 vor, wenn eine Tat mit der
Absicht ausgeführt wird, „sich durch ihre wiederkehrende Begehung einen nicht bloß
geringfügigen fortlaufenden abgabenrechtlichen Vorteil zu verschaffen“. Zusätzlich muss
einer der drei folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:
► Die Tat wurde unter Einsatz besonderer Fähigkeiten oder Mittel begangen, die eine
wiederkehrende Begehung nahelegen, oder
► es wurden zwei weitere Taten schon im Einzelnen geplant, oder
► der Täter hat bereits zwei Taten begangen oder wurde einmal wegen einer solchen Tat
Ein nicht bloß geringfügiger abgabenrechtlicher Vorteil soll ein solcher sein, der nach einer
jährlichen Durchschnittsbetrachtung monatlich den Betrag von EUR 400 übersteigt.
Verhältnis von Finanzstrafrecht Begeht ein Steuerpflichtiger eine Abgabenhinterziehung, wird vielfach gleichzeitig ein Biund Bilanzstrafrecht lanzdelikt verwirklicht. In diesem Fall ist er sowohl nach Finanzstrafrecht als auch nach den
bilanzstrafrechtlichen Bestimmungen zu bestrafen. Letztere wurden erst kürzlich durch das
Strafrechtsänderungsgesetz 2015 vereinheitlicht und im Strafgesetzbuch zusammengeführt (§ 163a und § 163b StGB). Gleichzeitig wurden die Strafdrohungen verschärft.
Nach dem Begutachtungsentwurf zum AbgÄG 2015 soll nunmehr eine Regelung in das
Finanzstrafgesetz eingeführt werden, wonach jemand, der eine strafbare Handlung nach
§§ 163a oder 163b StGB begeht, „indem er eine wesentliche Information wirtschaftlich
nachteilig falsch oder unvollständig darstellt“, nur für das Finanzvergehen zu bestrafen ist.
Das setzt allerdings voraus, dass die Tat „ausschließlich im Zusammenhang mit einer Abgabenhinterziehung“ begangen worden ist. Eine ähnliche Bestimmung kennt das Finanzstrafgesetz schon jetzt: werden durch ein Finanzvergehen gleichzeitig bestimmte Urkunden
oder Beweismitteldelikte begangen, ist der Täter nur wegen des Finanzvergehens zu bestrafen.
Diese „Vorrangwirkung“ des Finanzstrafgesetzes verhindert eine Doppelbestrafung und hat
insbesondere für die Selbstanzeige Bedeutung. Selbstanzeigen gemäß § 29 FinStrG können
nur die finanzstrafrechtlichen Folgen einer Tat abwenden. Um auch die bilanzstrafrechtlichen Konsequenzen zu beseitigen, ist eine Schadensgutmachung im Wege der
sogenannten „tätigen Reue“ erforderlich. Eine solche „tätige Reue“ ist aber an strenge
Voraussetzungen gebunden und daher in vielen Fällen nicht möglich. Dieses Problem würde
durch die geplante Gesetzesänderung entschärft.
Ob und inwieweit die genannten Regelungen tatsächlich in Kraft treten werden oder ob es
noch zu Änderungen kommt, bleibt abzuwarten.g
Telefon +43 1 21170 1023
alexander.stieglitz@at.ey.com
Telefon +43 1 21170 1198
ottla.kronig@at.ey.com
„Neuregelungen der Umsatzbesteuerung der öffentlichen Hand
(§ 2b UStG)“
EY Eschborn/Frankfurt am Main, 20. Januar 2016
In Kooperation mit dem Hessischen Städtetag bietet EY im Januar nächsten Jahres eine
Veranstaltung zur Neuregelung der Umsatzbesteuerung der öffentlichen Hand an, auf die
wir Sie gerne aufmerksam machen möchten.
Das vom Bundestag am 24. September 2015 beschlossene Steueränderungsgesetz 2015
(StÄndG 2015) zum § 2b UStG wird die bisherige Umsatzbesteuerung von Leistungen der
öffentlichen Hand wesentlich verändern und stellt die handelnden Personen vor große
Herausforderungen. Derzeit besteht eine große Unsicherheit, welche Sachverhalte von den
Änderungen betroffen sein werden und inwieweit bereits schon jetzt Vorkehrungen getroffen werden können und sollten.
Ziel unserer Veranstaltung ist es, Sie für die neue Vorschrift zu sensibilisieren und anhand
von praxisnahen Beispielsfällen Handlungsempfehlungen sowie Gestaltungsspielräume
aufzuzeigen. Im Anschluss an die Vorträge haben Sie die Möglichkeit, das Thema bei einem
Imbiss im Gespräch mit unseren Experten zu diskutieren.
Wir würden uns freuen, Sie am Mittwoch, den 20. Januar 2016 von 16.00 Uhr – 18.00 Uhr
in der Ernst & Young Niederlassung in Eschborn/Frankfurt am Main begrüßen zu dürfen!

References: Art. 67
 § 25
 § 65
 Art. 107
 Art. 107
 § 17
 § 2
 § 17
 § 17
 § 17
 § 21
 § 31
 § 17
 § 263
 § 264
 § 331
 § 5
 § 5
 § 4
 § 5
 § 141
 § 141
 EuGH 
 § 15
 § 15
 Art. 1
 Art. 17
 EuGH 
 § 15
 § 15
 Art. 17
 Art. 1
 EuGH 
 EuGH 
 § 58
 § 4
 § 9
 § 12
 § 66
 § 4
 § 12
 § 1
 § 130
 § 17
 EuGH 
 § 1
 Art. 73
 § 39
 § 38
 § 163
 § 29
 § 2