Source: http://www.opusfrei.org/freiheitdergewissen.html
Timestamp: 2017-02-28 05:26:49+00:00

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Die Freiheit der Gewissen im Opus Dei allen Gläubigen der Personalprälatur gewidmet
© ORÁCULO Der Originaltext in spanischer Sprache ist verfügbar unter http://www.opuslibros.org/libros/oraculo/libertad.PDF
Zusammenfassung: 1. Opus Dei – ein Krebsschaden
3. Die Missbräuche in der geistlichen Leitung: a) Vermischung zwischen Hierarchie und geistlicher Leitung
b) Die Herrschaft der geistlichen Leitung über die unmittelbaren Untergebenen c) Die institutionelle Bürokratisierung der geistlichen Leitung
d) das ausdrückliche Verbot vertraulicher Mitteilungen e) die verpflichtende Offenlegung des Gewissens 4. Die Leitung als Herrschaft über die Gewissen
a) Deutsche Übersetzung des Dekrets “Quemadmodum”. b) Der lateinische Originaltext (ASS 23 (1890-1891), S. 505-508)
1. Von Beginn an hat das Opus Dei eine große Meinungsverschiedenheit und zahlreiche Diskussionen ausgelöst, die nicht nur von Sympathie oder Antipathie getragen waren, sondern über sein tatsächliches Wesen geführt wurden. Diese Tatsache ist natürlich eigenartig bei einer Vereinigung, die heute von der Kirche gesetzlich anerkannt ist und deren Statuten in ihren verschiedenen kanonischen Entwicklungsstufen immer öffentlich bekannt und anerkannt waren. Woher rühren also die Kontroversen? In den folgenden Zeilen wird der Leser ausreichende Gründe finden, um diese Frage zu beantworten. Heute verteidigt sich die Personalprälatur selbst offiziell gegen die Beurteilungen, die viele Christen über sie machen, indem sie sich auf die kanonischen Approbationen durch die Autorität der Kirche berufen. Das ist ihr Gütesiegel oder der Beweis für ihre angebliche Transparenz. In vielen kirchlichen Milieus betrachtet man sie sogar als Vorbild, die sich durch die Treue zur Lehre der Kirche, die zahlreichen Berufungen und das Fehlen von Skandalen kennzeichnet.
Dennoch möchte ich mit dieser Studie die innere Wirklichkeit des Opus Dei aufzeigen, die nicht diesem Image entspricht, das zum Großteil durch eine geschickte Politik von Beziehungen aufgebaut wurde, manchmal durch Lügen, denn nicht einmal seine interne Vorgangsweise kann durch eine Approbation des Heiligen Stuhles gerechtfertigt werden. Es ist wichtig, das in diesem Augenblick anzumerken, um der Unterscheidungsgabe der zentralen kirchlichen Autoritäten zu helfen, die die Pastoral des Opus Dei bereits tief beunruhigt, denn nach und nach bemerkt sie die Abweichungen von der Morallehre der Kirche oder seine schweren Verfehlungen gegen die Vorschriften des allgemeinen Lehramts. Sicher ist jedenfalls, dass dieses Phänomen wahrgenommen wird, und die tieferen Wurzeln der Streitigkeiten und Vorbehalte, die das Opus Dei in so vielen Milieus weckt, beruhen gerade auf diesen Fehlfunktionen. Wir, die wir diese “kirchliche Realität” von Grund auf, von innen her kennen, wissen, dass diese “Fehlfunktionen” mit dem Moment der Gründung beginnen. Und das macht die Klärung durch einen ehrlichen und aufrechten Dialog doppelt schwierig, vor allem aber die Korrektur dieser Fehler. Seit Beginn meiner Mitarbeit auf dieser Seite (www.opuslibros.org) habe ich versucht, die unglücklichen Aspekte dieser Realität aufzuzeigen, deren bessere Erkenntnis zu einer demütigen Korrektur und zu einer Anerkennung der Schuld führen, wenn man tatsächlich mit der Zustimmung Gottes rechnet, denn Gott gefällt diese Realität überhaupt nicht. Und seit meinen ersten Beiträgen habe ich von einer unangenehmen Angelegenheit gesprochen, die alles verstrahlt hat und von der ich schon als dem wirklichen “Krebsschaden des Opus Dei” gesprochen habe. Das ist kein Verrat von denen “drinnen” noch eine Verfolgung durch “Feinde von außen”, wie einige sich ausdrücken, zu denen sie, in Anbetracht ihrer Wirkung, auch diese Homepage rechnen. Wir haben keine Parteistellung in diesen Auseinandersetzungen, im Gegenteil: Wir suchen den Frieden mit allen und vor allem die Gemeinschaft mit allen Brüdern im Glauben.
Obwohl die Prälatur “Opus Dei” Statuten besitzt, die vom Heiligen Stuhl approbiert worden sind, nämlich ihren besonderer Codex iuris particularis, erscheint ihre Vorgehensweise als Institution in keiner Weise transparent, weder für ihre Gläubigen noch für die Hierarchie der Kirche. Der Grund liegt darin, dass sich die Prälatur in Wirklichkeit nach einem Gemenge geheimer interner Normen richtet, die von der Kirche niemals geprüft und auch nicht anerkannt wurden, die ebenso wenig öffentlich noch veröffentlicht sind und die generell niemals als kanonische Normen formuliert worden sind. Es ist so, weil die Personalprälatur tatsächlich Gewohnheiten contra legem in wesentlichen kirchlichen Aspekten produziert, deren Befolgung sie ihren Gläubige als Ausdruck eines “göttlichen Willens” einimpft. So spielt das Opus Dei ein doppeltes Spiel: Es zeigt hinsichtlich seiner Normen ein zweifaches Gesicht. Auf der einen Seite sind ihre internen “Normen” oder “Kriterien”, die in umfangreichen “Geheimschriften” festgehalten sind, die das wirkliche Leben ihrer Gläubigen formen, mit Vorschriften, die manchmal den allgemeinen kanonischen Bestimmungen der Kirche und den fundamentalen Rechten der Getauften heftig widersprechen; und auf der anderen Seite wird diese einzigartige “Disziplin” auf totalitäre und autoritäre Weise geltend gemacht, die der Vereinigung eine sektiererische Färbung verleihen, die dem Empfinden der kirchlichen Gemeinschaft fremd sind, denn diese Übergriffe werden namens der Institution verübt, als wären sie “göttliche Gebote” des Gründungscharismas.
Wenn man den Inhalt des Codex iuris particularis(den “Statuten des Opus Dei”) mit dem Catecismo de la Obra(“Katechismus des Werkes”) vergleicht, ist der Unterschied in so gewichtigen Dingen wie der geistlichen Leitung oder der Art, in der der Proselytismus ausgeübt wird, eklatant. Man kann also die Undurchsichtigkeit der Leitung dieser Prälatur gegenüber ihren eigenen Mitgliedern und gegenüber der Mutterkirche nicht leugnen. Da es hier nicht möglich sein kann, das Thema erschöpfend zu behandeln und da der Krebs viele Metastasen entwickelt hat, werde ich mich heute auf seinen Kern beschränken, auch wenn ich Gedanken oder Fakten wiederholen sollte, die bereits auf anderen Beiträgen dieser Seite kommentiert wurden. 3. DIE MISSBRÄUCHE IN DER GEISTLICHEN LEITUNG
b) Die Herrschaft der geistlichen Leitung über die unmittelbaren Untergebenen 7. Im Zusammenhang mit dem zuvor gesagten obliegt nach der im Opus Dei ausgeübten Praxis die Erteilung der geistlichen Leitung immer dem Direktor über seine ihm unmittelbar Untergebenen. Der Catecismo de la Obra (“Katechismus des Werkes”, 7. Aufl. 2003) sagt tatsächlich wörtlich: “In Übereinstimmung mit ihrer inneren Verfügbarkeit üben die Direktoren und Priester des Werkes die persönliche Geistliche Leitung aus.” (Nr. 215). Und im Vademécum del Gobierno Local (“Hinweise zu den örtlichen Räten”, 2002) werden diese Dinge beispielsweise wie folgt spezifiziert: Im Allgemeinen werden die brüderlichen Gespräche der Personen des örtliches Rates, so wie die der anderen Personen, die einem Zentrum zugeschrieben sind, im eigenen Zentrum abgehalten; in jedem Fall erwägt der örtliche Rat und trifft die Entscheidung, die ihm passender erscheint (S. 98). Das Prinzip der Freiheit im Gebiet der geistlichen Leitung und der sakramentalen Beichte, das von Kanon 630 des gültigen lateinischen Codex geschützt wird, wird durch diesen einzigartigen “besonderen Vorbehalt” ernsthaft gefährdet gefährdet, der das Gebiet der geistlichen Leitung den Direktoren über ihre unmittelbaren Untergebenen zuweist, und noch weiter, weil dieser Vorbehalt im Interesse des Leitungsaufrags geschieht.
Aber an dieser Stelle haben die neuen Erfahrungen der örtlichen Räte (datiert auf 2005), wie ein neues Schuldbekenntnis, beabsichtigt, einen so schweren Missbrauch zu verheimlichen. Auf der einen Seite hat man aufs Neue den ganzen Abschnitt über das “brüderliche Gespräch” redigiert, wie oben in Abschnitt b) angezeigt, man hat allerdings die Bezugnahme auf die Erfahrungen über die Art, brüderliche Gespräche zu führen ( 2001) unterdrückt. Auf der anderen Seite hat das Vademécum von 2002 auch die selbstständige Abteilung über die Amtsverschwiegenheit (S. 14 f.) unterdrückt, in der Weise, dass sein Inhalt verwässert in einer neuen, generischen Fassung über die notwendige Klugheit bei der Vorgangsweise der Mitglieder der örtlichen Räte (S. 15-17), allerdings ohne so unverhüllt die institutionalisierte Praxis der Verletzung der Vertraulichkeit zu enthüllen. Wie bekannt ist, hat sie Internetseite opuslibros.org unwiderlegbare Beweise dieses Faktums in seiner Veröffentlichung der internen Dokumente und Schriften der Institution geliefert, die dazu helfen, die Methodik ihrer Vorgangsweise zu verstehen. Das vorsätzliche Verhalten des Prälaten und seiner Direktoren in diesen Gebieten und ihre Beziehung zum Heiligen Stuhl leitet sich deutlich aus der Ratio institutionis („Studienordnung“, 1997) ab, die von der Prälatur des Heiligen Kreuzes und Opus Dei vorgelegt und von der römischen Kurie approbiert wurde, praktisch das einzige Dokument, das von Rom geprüft wurde, abgesehen von den Statuten der Prälatur. So liest man etwa in Nr. 100 dieser “Ratio institutionis”: “Es muss auch in jedem interregionalen Studienzentrum einen Geistlichen Leiter geben, der vom Prälaten für fünf Jahre ernannt wurde. Außerdem wird es in geeigneter Zahl andere, geeignete Priester geben, die für die Arbeit der geistlichen Leitung zur Verfügung stehen und die vom Prälaten bestimmt wurden. Alle werden mit der größtmöglichen Sorgfalt das gebührende Stillschweigen in allem bewahren, was sich auf das Forum internum bezieht.“ Man beachte auch die Nr. 47-53 über die Studienzentren im Allgemeinen. Das bedeutet, man ist sich vollkommen darüber im Klaren, welches die allgemeine kanonische Lehre und Disziplin ist, und man belässt den heiligen Stuhl in dem Glauben, dass dies die übliche Vorgangsweise innerhalb der Prälatur sei. Allerdings stehen die geheim gehaltenen internen Schriften — Schriften der „christlichen Bildung für das Apostolat“ nennt man sie jetzt — in einem schreienden Gegensatz zu diesem anderen öffentlichen Dokument, denn in ihnen beschreibt und lehrt man eine Praxis (das, was faktisch die Realität ist), die dem völlig entgegensteht: Es sind interne „Gewohnheiten“, die bindend sind, weil man sie als Ausdruck des „Geists“ des Opus Dei hält, wie er vom Gründer überliefert wurde. Man kann den Wert dieser (internen) Geheimschriften nicht bagatellisieren, die von allen, die Leitungsämter in der Institution erhalten haben, angewendet werden. Ebenso wie das Vademécum del Gobierno Local („Hinweise zu den örtlichen Räten, 2002), gehen die neuen Experiencias („Erfahrungen zu den örtlichen Räten” von 2005 — tatsächlich stammen sie aus dem Jahr 2006 und wurden im letzten Trimester dieses Jahres in den Zentren verteilt — besagen weiterhin folgendes: “Die Dokumente und Schriften, die sich auf die christliche Bildung beziehen, haben nicht nur das Ziel, den eigenen Direktoren zu helfen: Sie sind lebendige und klare Lehre für alle. Deshalb beschränken sich die Mitglieder des örtlichen Rates nicht darauf, sie zu lesen und eingehend zu betrachten, sondern sie berücksichtigen es auch, ihren Inhalt bei der Erteilung von Bildungsmitteln, in persönlichen Gesprächen etc. weiterzugeben, und das gleiche tun die Priester in ihrer Predigt. Mit dem beständigen Studium, das eine schwere Verantwortung der Direktoren auf jeder Ebene darstellt, wird es leichter gemacht, die grundlegenden Kriterien im Gedächtnis zu bewahren, um die eigene Aufgabe mit Sorgfalt zu erfüllen, Versäumnisse, Improvisationen und Zeitverlust zu vermeiden.” (S. 19) Gott sei Dank ist ein Gutteil dieser Schriften mit der Hilfe von Gläubigen der Prälatur durchgesickert, damit sie in opuslibros.org [Anm. des Übersetzers: Und nun eben auch in opuslibros.org] veröffentlicht werden können, nachdem keine andere Abhilfe gegen den Missbrauch gefunden werden konnte als die Kenntnis darüber zu verbreiten. d) Das ausdrückliche Verbot vertraulicher Mitteilungen 10. Damit sind wir aber noch nicht am Ende. Die Vorgangsweise des Opus Dei hinsichtlich der geistlichen Leitung konkretisiert sich außerdem durch das ausdrückliche Verbot an ihre Gläubigen, sich anderen Personen als dem unmittelbaren Direktor oder den übergeordneten Vorgesetzten gegenüber vertraulich zu äußern. Der Catecismo de la obra („Katechismus des Werkes“) sagt in der Tat: „Es wird niemals angebracht sein, dass die Gläubigen des Opus Dei untereinander vertraulich über ihr inneres Leben oder persönliche Sorgen sprechen, denn diejenigen, die mit der spezifischen Gnade rechnen, um sich um die Mitglieder des Werkes zu kümmern oder ihnen zu helfen, sind der Direktor oder die Direktorin oder die Person, die die Direktoren bestimmen, und der dazu bestimmte Priester.“ (Nr. 221) Deshalb schließt diese Praxis der Prälatur sogar das Verbot jedes freien Meinungsaustausches untereinander über alle Angelegenheiten oder „persönliche“ Sorgen ein, nicht nur wenn es sich um die Leitung des Werkes oder die spirituelle Intimität der Seele handelt. Welche Freundschaft kann es also unter solchen „Brüdern“ geben? Oder, anders gesagt, was ist das für eine Brüderlichkeit, wenn der normale, natürliche Austausch unter Personen einem Verbot unterworfen ist?
Es ist nicht schwer zu bemerken, dass diese Vorgangsweise direkt gegen die Freiheit des Meinungsaustausches unter den Gläubigen verstößt, wie sie in Kanon 212 §3 des geltenden Kirchenrechts garantiert ist. Außerdem bleibt der einzelne auf diese Weise isoliert und ganz denen ausgeliefert, denen von Amts wegen die Autorität dazu übertragen worden ist, und zwar so weit, dass sie sich in den persönlichsten, intimsten Dingen zum Despoten aufwerfen können, bis hin zur Zerstörung der Autonomie des eigenen Gewissens. Es scheint, man habe den klassischen Ausspruch vergessen, dass die Seele „nur Gott gehört“. Im Opus Dei kann man ausschließlich gegenüber den Direktoren äußern, was man über die eigene Institution denkt. Jeder, der im öffentlichen oder privaten Umfeld seine persönliche Meinung äußert, würde sofort als „Lästerer“ zensuriert und verunglimpft werden, auch wenn seine Äußerungen völlig in Übereinstimmung mit den moralischen Normen wären. Wenn man aus Liebe zur Wahrheit dieses Naturrecht ausübt, lassen die schlimmen Folgen nicht auf sich warten, und wir besitzen in ausreichendem Maße veröffentlichte Zeugnisse über diese Vorgangsweise. Auf der anderen Seite übt man eine totalitäre Kontrolle über die Meinung aus, indem man sehr sorgfältig diejenigen auswählt, die die Bildungsmittel erteilen, die doch nur Sprachrohr der offiziellen Position sind. Und dann erstreckt sich die Kontrolle bis auf die Bücher. Viele Autoren von großem theologischem Format, wie beispielsweise Hans Urs von Balthasar, sind verboten oder verdächtig. Und nicht wenige Bücher von Joseph Ratzinger waren als „nicht ratsam“ eingestuft; die Einschätzung änderte sich, als der zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt wurde. 11. In diesem Zusammenhang der Kontrolle und der Verbote stellt Nr. 215 des Catecismo de la obra („Katechismus des Werkes“) die Frage: Wer übt die persönliche geistliche Leitung hinsichtlich der inneren Verfügungen aus? Und die Antwort lautet: Die persönliche geistliche Leitung üben hinsichtlich der inneren Verfügungen die Direktoren und die Priester des Werkes aus, wie wir schon wissen. Aber wer erinnert sich da an die Freiheit bei der Wahl des Beichtvaters und des geistlichen Leiters, die durch die allgemein gültigen Kanones der Kirche garantiert sind?
Diese Paragraphen lassen in ihrer Formulierung kein Missverständnis zu. Schamlos verkündet man, dass die “persönliche geistliche Leitung” der Institution und nicht bestimmten Personen zukommt, die einen Menschen geistlich begleiten. Und wir finden auch den Appel an den “guten Geist”, um anzudeuten, welches die korrekte Vorgangsweise der Gläubigen der Prälatur sein soll. Deshalb lässt sich nach dem sensu contrario interpretieren, dass sich jemand, der sich nicht so verhält, wie in § 215 beschrieben ist, “schlechten Geist” besitzt, um so mehr, als er die Freiheit der Gewissen ausübt, von denen zu Beginn von § 215 gesagt ist, dass sie respektiert werden muss, und um so mehr, dass diese Freiheit in Übereinstimmung mit den universalen Gesetzen der Kirche stehe — die für die Prälatur gelten — und mit den Statute des Werkes, in denen sich keine einzige dieser konkreten Anweisungen findet, die der Katechismus trifft. 12. Mehr noch. Nr. 309 dieses Katechismus empfiehlt bei der Aufzählung der Mittel, die man jungen Berufungen anrät, um ihre Beharrlichkeit zu sichern: 1. Sich dem Herrn durch die Direktoren überlassen; 2. Eine große Aufrichtigkeit in der geistlichen Leitung mit den Direktoren und Priestern des Werkes haben. Alles das steht dort in Zusammenhang mit anderen, vernünftigen Ratschlägen. Kann man also folgern, dass man sich Gott nicht überlässt, wenn es nicht durch die Direktoren geschieht? Lebt man die Aufrichtigkeit denn nicht, wenn man sie nicht mit den und durch die Direktoren übt? Dieses „Monopol“ über die Seelen überrascht, die jeden beliebigen Priester der Kirche, der nicht vom Opus Dei ist, in einen schlechten Hirten verwandelt: Ist das die Einheit innerhalb der Kirche? Das bedeutet konsequenterweise, dass sich der Prälat und die Direktoren damit als exklusives Sprachrohr des Herrn präsentieren; für die ihnen unterstellten Gläubigen gelten Gott und die Kirche nichts mehr.
Welcher Art ist nun also die “geistliche Leitung”, wie sie im Opus Dei praktiziert wird? Hat es überhaupt etwas mit dem zu tun, was die Kirche traditionellerweise unter ¿Es acaso lo que tradicionalmente la Kirche ha entendido por “geistlicher Leitung” verstanden hat? Es sieht nicht so aus. Man braucht nur an einige Fakten zu denken. Das gibt es das Dekret Perfectae caritatis des II. Vatikanischen Konzils, das die Oberen daran erinnert, “ihre Untergebenen als Kinder Gottes und mit Respekt vor der menschlichen Person zu behandeln und ihre freiwillige Unterordnung zu fördern.“ Sie sollen ihnen deshalb besonders die gebührende Freiheit im Hinblick auf das Bußsakrament und die Leitung der Gewissen (Nr. 14) lassen. Eine direkte kanonische Konkretion dieses Hinweises des Konzils ist zweifellos Kanon 630 des Codex iuris canonici von 1983, dessen Existenz allein schon Beweis genug dafür ist, dass die Kirche niemals Abstriche in der Verteidigung dieser Freiheit zugelassen hat, die Intimität des Gewissens zu offenbaren. Viele andere gültige Kanones weisen in die gleiche Richtung, so etwa c. 220, c. 642, c. 239 §2 und c.985 über die Freiheit der geistlichen Leitung in den Seminaren, und c.1548 §2-2º bzw. mehr noch c. 1550 §2-2º. Deshalb ist auch der Versuch zu scheitern verurteilt, das zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist, und das in Einklang zu bringen, was nicht passt, indem man anführt, dass es sich hier um Vorschriften „für Ordensleute“ handle und nicht für gewöhnliche Christen, denn die Vermischung zwischen Vorgesetzten und geistlicher Leitung ist eine Praxis, die kanonisch undenkbar und unhaltbar ist, und es ist sinnlos anzuführen, dass etwas praktisch ist, um eine Gewohnheit zu rechtfertigen, die dem Kirchenrecht widerspricht. Die traditionelle Lehre von den Foren im Leben der Kirche und ihrer Vermischung, die Druck auf das Gewissen bedeutet, wurde von Leo XIII unmissverständlich in seinem Dekret Quemadmodum vom 17. Dezember 1890 festgelegt. Dort wird jede Gewohnheit, die dem entgegensteht, untersagt, und auch wenn es eine alte Vorschrift ist, so verbietet sie doch für alle Zeiten die Vermischung der beiden Foren.
15. Wie ist es also möglich, dass sich das Opus Dei straflos diesen Anordnungen widersetzt? Aus dem einfachen Grund, weil sein Gründer und dessen Nachfolger große Vorsicht walten ließen und bisher vor dem Heiligen Stuhl und den Bischöfen verheimlichen konnten, was sich tatsächlich in seinem Inneren abspielt. Der jüngste Beweis dafür, mit welchen Methoden gearbeitet wird, bietet die überstürzte Herausgabe der letzten, mit 2005 datierten Erfahrungen für die örtlichen Räte, die allerdings erst 2006 redigiert und im letzten Drittel des Jahres in den Zentren der Prälatur verteilt wurden. Dort wurden alle kompromittierenden Abschnitte des Vademécum für örtliche RäteVademécum für örtliche Räte von 2002 unterdrückt, die den Missbrauch, der in der Prälatur weiterhin praktiziert wird, noch deutlich zeigen. Mit einer ausgeklügelten, manchmal zweideutigen Terminologie wurden die entsprechenden Paragraphen neu redigiert, um die Wahrheit zu verschleiern, sodass man aus den Texten nicht mehr entnehmen kann, was in Wahrheit geschieht. Andererseits wurde bedauerlicherweise immer mit voller Härte gegen die vorgegangen, die für die Gerechtigkeit und gegen solche Täuschungen gekämpft haben und kämpfen. Darüber gibt es eine umfassende Dokumentation auf den Seiten von opuslibros.org im Internet.
Die Disziplin wird durch Mechanismen abgesichert, die jede Kritik unterdrücken; so ist es etwa nicht möglich, die Bildungsmittel zu kommentieren, niemand darf bei jemandem beichten oder die geistliche Leitung empfangen, der nicht vom Werk ist; niemand darf beitreten, der schon zu anderen kirchlichen Institutionen gehört hat etc. Die Isolierung der einzelnen Person wird weiters dadurch erreicht, dass die wesentliche Äußerung brüderlicher Fürsorge die „brüderliche Zurechtweisung“ ist, die zuallererst und wesentlich aus einer „Meldung“ beim Direktor besteht, auch wenn man es nicht so bezeichnet. Und so gelangt man schlussendlich zu einer effektive Kontrolle der Gewissen. 19. All das zeigt, dass diese „unfehlbare” Institution, die von Gott so offenkundig „mit so vielen Berufungen“ gesegnet worden ist, keine so gute Lehre hat wie sie behauptet, denn sie akzeptiert nicht die ganze Lehre der Kirche, auch einen Großteil des II. Vatikanischen Konzils nicht, noch achtet es die grundlegenden Rechte seiner Gläubigen, noch ist das Werk in voller Gemeinschaft mit der universalen Kirche. Und nach all dem, was ich hier dargelegt habe, ist wohl eine Folgerung klar: Das Opus Dei ist heute nicht das, was es zu sein behauptet.
20. Tatsächlich existiert eine ganze „offizielle Literatur“ über den Gründer und über die Geschichte des Werkes, über die nicht diskutiert werden konnte und die sich nach und nach in vielen Aspekten als falsch erweist. Es geht hier nicht darum, Beispiele anzuführen, die es gibt, sondern dass von den Direktoren eine wahre Beschlagnahme der historischen Quellen des Gründers und des Opus Dei veranstaltet wurde, mit einer völligen Kontrolle über die Information und darüber hinaus der Möglichkeit, die Produktion von Literatur zu steuern, denn das Schreiben darüber erfordert die ausdrückliche Genehmigung durch die Direktoren. Ein Großteil der zahl- und umfangreichen Gründungsbriefe sind aus dem Verkehr gezogen worden und sie stehen auch für den internen Gebrauch nicht zur Verfügung. Die „offiziellen“ Biographien über den Gründer und das Werk enthalten weiße Flecken, die wissenschaftlich inakzeptabel sind und die ziemlich umstritten sind, wo es nicht überhaupt vorgekommen ist, dass Fakten und Erklärungen beigesteuert wurden, die sich nachher als falsch erwiesen haben. Generell wird eine freie und unabhängige Forschung im Dienste der Wahrheit weder ermöglicht noch erleichtert, sondern man errichtet ein Gebäude von halben Lügen und falschem Augenschein, eine Propaganda, die von der Institution ausgeht. Dieser „Betrug“ am Heiligen Stuhl und an den eigenen Gläubigen, der durch die Verteidigung des Charismas gerechtfertigt wird, haben gewöhnlich ihren Ursprung in einer Bildung in Praxis und Recht des Opus Dei, die mit dem erwähnten Charisma wenig zu tun hat.
Es hat nicht den Anschein, als seien der jetzige Prälat und sein Mitarbeiterstab in der Lage, diese Aufgabe der Selbstkritik anzugehen, denn sie selbst sind die unmittelbaren Ursachen der augenblicklichen Situation, und es gibt Hinweise, dass sie mit vollem Bewusstsein handeln. Anstelle einer Erörterung der tiefer gehenden Themen reagiert man mit den passenden „Image-Kampagnen“ oder Public Relation. Und so wendet das Opus Dei im Augenblick enorme Energien für die Aufrechterhaltung seines äußeren Images auf: So sind beispielsweise in Spanien — und das betrifft jetzt ausschließlich diese Region — mehr als 50 Personen hauptberuflich mit der Betreuung der Medien beschäftigt, und zwar abgesehen von den Direktoren, die ebenfalls diese Aufgabe wahrnehmen, und jenen Gläubigen im Werk, die beruflich in den Massenmedien arbeiten.
Idque dolendum vel maxime est obtigisse quoad leges plurium Congregationum, Societatum aut Institutorum sive mulierum quae vota simplicia aut solemnia nuncupant, sive virorum professione ac regimine penitus laicorum; quandoquidem aliquoties in illorum Constitutionibus conscientiae manifestatio permissa fuerat, ut facilius alumni arduam perfectionis viam ab expertis Superioribus in dubiis addiscerent; e contra a nonnullis ex his intima conscientiae scrutatio, quae unice Sacramento Poenitentiae reservata est, inducta fuit. Itidem in Constitutionibus ad tramitem ss. Canonum praescriptum fuit, ut sacramentalis Confessio in huiusmodi Communitatibus fieret respectivis Confessariis ordinariis et extraordinariis; aliunde Superiorum arbitrium eo usque devenit, ut subditis aliquem extraordinarium Confessarium denegaverint, etiam in casu quo, ut propriae conscientiae consulerent, eo valde indigebant. Indita denique eis fuit discretionis ac prudentiae norma, ut suos subditos rite recteque quoad peculiares poenitentias ac alias pietatis opera dirigerent; sed et haec per abusionem extensa in id etiam extitit, ut eis ad Sacram Synaxim accedere vel pro lubitu <corrig. libitu> permiserint, vel omnino interdum prohibuerint. Hinc factum est, ut [506] huiusmodi dispositiones, quae ad spiritualem alumnorum profectum et ad unitatis pacem et concordiam in Communitatibus servandam fovendamque salutariter ac sapienter constitutae iam fuerat, haud raro in animarum discrimen, in conscientiarum anxietatem, ac insuper in externae pacis turbationem versae fuerint, ceu subditorum recursus et querimoniae passim ad S. Sedem interiectae evidentissime comprobant.
I. Sanctitas Sua irritat, abrogat, et nullius in posterum roboris declarat quascumque dispositiones Constitutionum, piarum Societatum, Institutorum mulierum sive votorum simplicium sive solemnium, nec non virorum omnimode laicorum, etsi dictae Constitutiones approbationem ab Apostolica Sede retulerint in forma quacumque, etiam quam aiunt specialissimam, in eo scilicet, quod cordis et conscientiae intimam manifestationem quovis modo ac nomine respiciunt. Ita propterea serio iniungi Moderatoribus ac Moderatricibus huiusmodi Institutorum, Congregationum ac Societatum ut ex propriis Constitutionibus, Direktoriis ac Manualibus praefatae dispositiones omnino deleantur penitusque expungantur <corrg. expurgantur>. Irritat pariter ac delet quoslibet ea de re usus et consuetudines etiam immemorabiles.

References: §3
 § 215
 § 215
 §2
 §2
 §2
in casu