Source: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccatheduc/documents/rc_con_ccatheduc_doc_20180428_istruzione-diritto-canonico_ge.html
Timestamp: 2019-05-26 21:48:56+00:00

Document:
Instruktion "Die Studien des Kirchenrechts im Lichte der Reform des Eheprozesses" (28. April 2018)
(der Studieneinrichtungen)
Diese Institutionen leisten seit langem einen wertvollen kirchlichen Dienst[3] und antworten auf diese Weise vielfachen Anfragen, die in letzter Zeit vermehrt an sie gerichtet werden. Um die konkreten Vorschläge, welche die beiden oben genannten Motu proprio enthalten, aufzunehmen, haben wir eine gründliche Analyse vorgenommen, im Hinblick auf Anzahl, akademischer Beschaffenheit sowie der tatsächlichen Fähigkeit genannter kirchlicher Einrichtungen, auf die neuen Herausforderungen zu antworten[4].
Im Hinblick auf die Studierenden wird im Allgemeinen ein Rückgang der Inskribierten wahrgenommen, was in einigen Einrichtungen dazu führt, dass kein angemessenes akademisches Leben mehr möglich ist. Die wachsende Anzahl an Laienstudierenden ist sicher ein wertvolles und stimulierendes Element; jedoch erhöht dieser Faktor, im Vergleich zu früher, die Komplexität von Aufbau und Leitung – insbesondere aufgrund der Studierenden, die keine vorhergehenden theologischen Studien vorweisen können – und bedarf deshalb einer vertieften Betrachtung.
Auch die Studienpläne (Dauer, Auferlegung von Vorbereitungskursen, um die Zugangskriterien zu den kanonistischen Studien sowie derer des zweiten Studienabschnitts zu erfüllen) sollten überdacht werden, insbesondere im Hinblick auf diejenigen, die keine angemessene philosophisch-theologische Ausbildung vorweisen können. In diesem Kontext sollten auch die Kurse, die als Fernstudien konzipiert sind, reglementiert werden.
Die Kongregation für das Katholische Bildungswesen begleitet und unterstützt die Institutionen in ihrer primären Aufgabe, die Qualität kanonistischer Studien zu gewährleisten, indem sie die künftigen Dozenten ausbilden, indem sie vermehrt in die wissenschaftliche Forschung investieren, Veröffentlichungen vorlegen und Tagungen sowie Seminare, auch mit auswärtiger Beteiligung, fördern. Es ist in der Tat eine vermehrte Öffentlichkeitsarbeit wünschenswert, um auch nach Außen die Arbeit kirchlicher Institutionen bekannt zu machen und um mit den eigenen Themen des kanonischen Rechts einen Beitrag an der kulturellen Debatte zu leisten.
Um diese Ziele zu erreichen, ist es unverzichtbar, die vorhandenen normativen Instrumente zu benutzen: Die Apostolische Konstitution Veritatis gaudium[5] und die dazugehörigen Ordinationes[6] sowie das Dekret Novo Codice[7], in dem die Bedingungen aufgezeigt sind, die die Qualität der Lehre des kanonischen Rechts garantieren, sei es in den kanonistischen Fakultäten und Instituten, sei es in den Theologischen Fakultäten. Diese normativen Instrumentarien werden nun ergänzt durch die Bestimmungen, die mit dieser Instruktion erlassen werden.
Die neuen Bestimmungen der beiden Motu proprio erfordern eine differenzierte Vorbereitung der diversen Figuren, die für die Tätigkeit in den kirchlichen Gerichten gerufen sind; bezüglich der Ämter, die schon im Codex des kanonischen Rechts vorgesehen sind, zeigt die von Papst Franziskus eingeführte Reform, dass es weiterer personeller Ressourcen bedarf, um einen angemessen Dienst der Kirchengerichte garantieren zu können.
Dabei können Personen genannt werden, die entweder direkt oder indirekt im Bereich des kirchlichen Prozesswesens, in den verschiedenen Ebenen, die mit der Aktivität von kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahren in Verbindung stehen, beteiligt sind:
- der Bischof, für den can. 378, § 1, n. 5 verlangt, dass er «den Doktorgrad oder wenigstens den Grad des Lizentiaten in der Heiligen Schrift, in der Theologie oder im kanonischen Recht an einer vom Apostolischen Stuhl anerkannten Hochschuleinrichtung erworben hat oder wenigstens in diesen Disziplinen wirklich erfahren ist» [8]. Jene Kenntnis der mit der Offenbarung verbundenen wissenschaftlichen Disziplinen (auch ohne akademische Grade), ist zusammen mit der sakramentalen Gnade der Bischofsweihe ausreichend, damit jeder Bischof, seiner Natur nach, vollständig befähigt ist, jeden Eheprozess einzuleiten, auch jenen kürzeren [9]. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Klugheit empfiehlt, dass sich der Bischof der Mitarbeiter bedient, die erfahrenere Experten des kanonischen Rechts sind; das allerdings ist immer seinem völligen Ermessen, je nach den Umständen der einzelnen Fälle, überlassen;
- der Moderator der Gerichtskanzlei, der «unbescholten und über jeden Verdacht erhaben» sein muss (cf. can. 483, § 2 CIC; can. 253, § 2 CCEO und Art. 63 DC[10]);
- die Anwälte (Art. 4 RP): diese letzte Phase des Beratungsprozesses schließt, wenn sie positiv ausgeht, mit der Einreichung der Klageschrift beim Gericht. Hier hilft der Anwalt, um die substantiellen Elemente und nützliche Beweise herauszufinden, um die bereits vorhandenen Beweise zu sammeln, um, wenn es der Fall ist, die Stellungnahme der anderen Partei zu hören und um dies alles so vorzubereiten, damit die Klageschrift eingereicht werden kann; dies sind die Berater dritten Grades.
Das Verzeichnis der Ämter gleicht nicht das Maß der erforderlichen Ausbildung für die verschiedenen Personen, die sie besetzen müssen, auf den gleichen Grad an, sondern die Verschiedenheit der Rollen erfordert ein differenziertes Ausbildungscurriculum für die unterschiedlichen genannten Kategorien. Ihr pastorales und professionelles Profil wird vor allem durch eine angemessene akademische Ausbildung, im Hinblick auf die verschiedenen Aufgaben, die sie auszuüben haben, garantiert.
Diese Instruktion bestätigt die geltenden kanonischen Normen (cf. Art. 6 VG e Art. 8 OrdVG), wonach der akademische Grad eines Lizentiaten im kanonischen Recht, der an einer vom Heiligen Stuhl errichteten oder approbierten kanonistischen Institution erworben wurde, zur Übernahme folgender Ämter befähigt: Gerichtsvikar (can. 1420, § 4 CIC; can. 1086, § 4 CCEO), beigeordneter Gerichtsvikar (can. 1420, § 4 CIC; can. 1086, § 4 CCEO), Richter (can. 1421, § 3 CIC; can. 1087, § 3 CCEO), Kirchenanwalt (can. 1435 CIC; can. 1099, § 2 CCEO) und Bandverteidiger (can. 1435 CIC; can. 1099, § 2 CCEO)[11]. Nichts erneuert deshalb diesbezüglich diese Instruktion.
Das kirchliche Gesetz verlangt nicht für alle Ämter verpflichtend den akademischen Grad, aber das heißt nicht, dass es verboten sei, einen akademischen Grad zu haben und dass es nicht doch in einigen Fällen notwendig oder angebracht ist.
- die neuen Ausbildungsmöglichkeiten mit den Kursen für den akademischen Grad so miteinander zu verbinden, dass die ersten bestimmt sind, nicht um die anderen zu schwächen, sondern sie zu fördern und zu unterstützen.
Die Aufgabe, die Ausbildung des kirchlichen Gerichtspersonals zu gewährleisten, kommt in erster Linie denen zu, die die Zuständigkeit haben, die entsprechenden akademischen Grade, die das Recht für die diversen Ämter oder Aufgaben (Gerichtsvikar, beigeordneter Gerichtsvikar, Richter, Bandverteidiger, Kirchenanwalt) vorsieht, zu verleihen. Dabei ist es kein Luxus, wenn die kirchlichen Gerichte mit ausreichendem und gut ausgebildetem Personal ausgestattet sind. Das Seelenheil erfordert eine gründliche Ausbildung, was die ursprünglichste Aufgabe der akademischen Institutionen ist.
Die Kongregation für das Katholische Bildungswesen hält es für notwendig, dass sich die akademischen kirchlichen Institutionen des Kirchenrechts den neuen Herausforderungen anpassen, um eine professionelle Qualität und Seriosität derjenigen zu gewährleisten, die in den kirchlichen Gerichten arbeiten. Es ist deshalb ein angemessenes Niveau juridischer Formation in der Kirche sicherzustellen. Die Notwendigkeit, gut ausgebildetes Personal in den verschiedenen Bereichen kanonistischer Wissenschaft zu haben, muss die Bischöfe ermutigen, in diesen kirchlichen Dienst zu investieren und Kleriker und, wenn möglich, auch Laien zum Studium des Kirchenrechts zu senden.
Die von Papst Franziskus gewollte Prozessreform lenkt die Aufmerksamkeit insbesondere auf eine gute Arbeitsweise der Gerichte in den Teilkirchen und auf einen qualitätsvollen Dienst derer, denen die Feststellung eines der kostbarsten Güter anvertraut ist, nämlich die Feststellung, was die Verwirklichung der ehelichen Berufung betrifft.
Allerdings soll auch unterstrichen werden, dass es nicht nur äußerst dringend ist, gut ausgebildete Kanonisten im Bereich des Eherechts zu haben, sondern auch für viele andere Bereiche des kirchlichen Lebens, unter denen der Dienst in der Verwaltung an der Diözesankurie zu zählen ist.
Ganz allgemein darf erinnert werden, dass es, um das Ziel zu erreichen, «die Studenten [in den kirchenrechtlichen Disziplinen] gründlich zu unterrichten, damit sie für Forschung und Lehrtätigkeit ausgebildet und auch für die Übernahme besonderer kirchlicher Aufgaben vorbereitet werden»[12], angemessene Optionen entwickelt werden müssen, die auf die neuen und dringenden Herausforderungen antworten. In dieser Hinsicht werden die im Folgenden angeführten Normen erlassen.
1° bestimmte Zugangsvoraussetzungen, wie: der Studientitel, um zur Einschreibung an eine nichtkirchliche Universität der eigenen Nation oder der Region, in der sich die Fakultät befindet, zugelassen zu werden; möglicherweise andere akademische Titel sowie andere verpflichtende Voraussetzungen, um das eigene Studienprogramm beginnen zu können; auch welche Sprachkenntnisse, seien es antike oder seien es moderne, notwendig sind[13].
Eine akademische Institution, die ein Studienprogramm anbietet, das dem Niveau von Hochschulstudien entspricht, muss von der zuständigen kirchlichen Autorität autorisiert sein (cf. die folgenden Artikel 29-32).
Einzelne Kurse, die von einer nicht-akademischen Institution angeboten wurden, können anerkannt werden, wenn die entsprechende akademische Institution das überprüfte Hochschulniveau garantiert und zertifiziert.
§ 3. Wer in Fachbereichen unterrichtet, die Glaube oder Moral betreffen, muss nach Ablegung der Professio Fidei (cf. can. 833, n. 7 CIC) vom Großkanzler oder seinem Beauftragten die Missio canonica erhalten; sie unterrichten ja nicht in eigener Autorität, sondern kraft der von der Kirche empfangenen Sendung[14].
§ 4. Bevor ein Dozent entweder fest angestellt wird oder zur obersten Stufe der Lehrbefähigung befördert wird – oder auch in jedem dieser beiden Fälle je nach den Bestimmungen der Statuten –, muss das Nihil obstat des Heiligen Stuhls eingeholt werden[15].
Ein Teil der Lehrveranstaltungen kann auch als Fernstudium vorgesehen werden, wenn die von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen approbierte Studienordnung dies vorsieht und darüber hinaus hierfür die Voraussetzungen bestimmt, insbesondere was die Prüfungsmodalitäten betrifft[17].
Ein Teil der Lehrveranstaltungen kann auch als Fernstudium vorgesehen werden, wenn die von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen approbierte Studienordnung dies vorsieht und darüber hinaus hierfür die Voraussetzungen bestimmt, insbesondere was die Prüfungsmodalitäten betrifft[18].
§ 7. Ein Teil der Lehrveranstaltungen kann auch als Fernstudium vorgesehen werden, wenn die von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen approbierte Studienordnung dies vorsieht und darüber hinaus hierfür die Voraussetzungen bestimmt, insbesondere was die Prüfungsmodalitäten betrifft[19].
An den kanonisch errichteten oder anerkannten kirchlichen Universitäten oder Fakultäten werden die akademischen Grade in der Autorität des Heiligen Stuhls verliehen[20].
Die Studienordnung der Fakultät muss die besonderen Anforderungen für die Erlangung der einzelnen akademischen Grade festsetzen, wobei den Vorschriften der Kongregation für das Katholische Bildungswesen Rechnung zu tragen ist[21].
Die Fakultäten für Kanonisches Recht und die ihnen gleichgestellten Einrichtungen, die Kirchenrechtsdepartments und die Lehrstühle für Kanonisches Recht an den Theologischen Fakultäten und in den Katholischen Universitäten, die einen Lehrstuhl für Kirchenrecht an den Juristischen Fakultäten einrichten wollen, müssen sich an diese Instruktion bis zu Beginn des akademischen Jahres 2019-2020 angleichen.
Papst FRANZISKUS hat im Verlauf der am 27. April 2018 gewährten Audienz, diese Instruktion approbiert und ihre Veröffentlichung angeordnet.
Orientierungshilfen für mögliche Inhalte eines Ausbildungscurriculum von Beratern der zweiten Ebene
* Das Paradigma menschlicher Natur
* Das Paradigma von Beziehungsfähigkeit: Andersartigkeit, Gegenseitigkeit und Anerkennung
* Modelle von Familie und Gesellschaft
* Emanzipation der Frau
* Transformation ehelicher, genitorialer und familiärer Beziehungen
· Biblische Theologie
· Eheliche Symbole in der Heiligen Schrift
· Dogmatische Theologie
* Theologische Anthropologie: Geschöpflichkeit im Dialog
* Das Sakrament der Ehe
* Die Familie als Hauskirche und die Kirche als Familie der Familien
· Moraltheologie und Spiritualität
* Person, Beziehung und Berufung
* Primat der Gabe: die Logik des Unentgeltlichen
* Sexualethik und affektive Beziehung
* Empfang neuen Lebens
* Geistliche und moralische Unterscheidung
* Krankheiten heilen und in Krankheiten begleiten
* Sterben und Tod
· Kanonisches Recht (mindestens 12 ECTS)
* Materielles Eherecht
* Eheprozessrecht
· Theologie der Familienpastoral
* Verlöbnis
* Ehevorbereitung
* Eheliches und familiäres Leben
* Andere Formen der Vereinigung und “verwundete Familien”
* Psychodynamik familiärer Beziehungen
* Psychotherapie von Paaren und Familien
* Psychologie und Sexualmoral
1. Ausbildung zur Erlangung des Lizentiats oder des Doktorats in Kirchenrecht
2. Ausbildung zum Erwerb eine Diploms (Zertifikats) in Eherecht und Prozessrecht
3. Ausbildung für einige Dienste in der Gerichtspraxis
[1] Franciscus PP., Litterae Apostolicae Motu proprio datae Mitis Iudex Dominus Iesus, 15 augusti 2015, in Acta Apostolicae Sedis 107 (2015) 958-967. Die Ratio procedendi [=RP] befindet sich auf den Seiten 967-970.
[2] Franciscus PP., Litterae Apostolicae Motu proprio datae Mitis et misericors Iesus, 15 augusti 2015, in Acta Apostolicae Sedis 107 (2015) 946-954. Die Ratio procedendi [=RP] befindet sich auf den Seiten 954-957.
[4] Cf. Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Begegnung mit den Dekanen und Direktoren aller weltweit bestehenden Institutionen des Kirchenrechts, Rom 20. – 21. Oktober 2016, in Educatio Catholica 2-3/4 (2016) 9-94.
[9] Wenn dies auch auf der Ebene des formalen Rechts sicher ist, soll nicht vergessen werden, dass der Bischof, insofern er von Gott gesandt ist, Hirte seiner Herde zu sein, mehr als jeder andere die Gnade und das Amt besitzt, das wahre Heil der Seelen zu beabsichtigen und zu verwirklichen und er deshalb fähig ist, Gerechtigkeit und Liebe, Wahrheit und Barmherzigkeit auch in diesem Feld der Ehe zu vermitteln, in dem viele die Brüchigkeit menschlicher Verfasstheit erleben.
[10] Pontificium Consilium de Legum Textibus, Instructio servanda a tribunalibus dioecesanis et interdioecesanis in pertractandis causis nullitatis matrimonii Dignitas connubii, 25 ianuarii 2005, in Communicationes 37 (2005) 11-92 [= DC].
[11] Normalerweise sollte auch der Anwalt im Besitz des akademischen Grades sein (cf. can. 1483 CIC; 1141 CCEO).
[12] Art. 77 VG.
[13] Cf. Art. 32 VG.
[14] Art. 4, § 3 Cost. Apost. Ex corde Ecclesiae; Art. 27, § 1 VG.
[15] Art. 4, § 3 Cost. Apost. Ex corde Ecclesiae; Art. 27, § 2 VG.
[16] Art. 78 VG.
[19] Art. 33, § 2 OrdVG.
[20] Art. 35 OrdVG.
[21] Art. 79, § 3 VG.

References: § 1
 § 2
 § 2
 Art. 63
 Art. 6
 Art. 8
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 3
 § 3
 § 2
 § 2

§ 3

§ 4

§ 7
 Art. 77
 Art. 32
 Art. 4
 § 3
 Art. 27
 § 1
 Art. 4
 § 3
 Art. 27
 § 2
 Art. 78
 Art. 33
 § 2
 Art. 35
 Art. 79
 § 3