Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=26.07.2007&Aktenzeichen=B%2013%20R%204/06%20R
Timestamp: 2019-05-20 07:58:06+00:00

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BSG, 26.07.2007 - B 13 R 4/06 R - dejure.org
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BSG, 26.07.2007 - B 13 R 4/06 R (https://dejure.org/2007,1410)
BSG, Entscheidung vom 26.07.2007 - B 13 R 4/06 R (https://dejure.org/2007,1410)
BSG, Entscheidung vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R (https://dejure.org/2007,1410)
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Regelaltersrente - Hinweispflicht des Rentenversicherungsträgers auf eine mögliche Antragstellung - Zugangsvermutung - Anscheinsbeweis - sozialrechtlicher Herstellungsanspruch
Regelaltersrente; Hinweispflicht des Rentenversicherungsträgers auf eine mögliche Antragstellung; Zugang des Hinweisschreibens; Zugangsvermutung; Anscheinsbeweis; sozialrechtlicher Herstellungsanspruch
Zahlung einer Regelaltersrente ab dem 01.01.2001 trotz einer Rentenantragstellung im April 2002 nach dem sozialrechtlichen Herstellungsanspruch; Kausalität zwischen unterlassener Hinweispflicht und dem eingetretenen sozialrechtlichen Schaden
Hinweispflicht der Rentenversicherungsträger auf Möglichkeit des Leistungsbezugs nicht erfüllt, wenn Hinweisschreiben nicht zugegangen
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des 13. Senats des BSG vom 26.07.2007 -B 13 R 4/C6 R - (Antragstellung/Hinweispflicht)" von Prof. Dr. Heike Pohl, original erschienen in: SGb 2008, 561 - 563.
LSG Baden-Württemberg - L 11 R 4538/07
SG Konstanz, 22.04.2004 - S 7 RJ 511/03
LSG Baden-Württemberg, 23.11.2004 - L 11 RJ 2585/04
BSG, 28.10.2008 - B 13 R 47/07 BH
Der Kläger hat den Zugang des von dem Beklagten willentlich an ihn gerichteten Widerspruchsbescheides vom 18.7.2005 bestritten (zum so genannten "einfachen Bestreiten" vgl BSG Urteil vom 26.7.2007 - B 13 R 4/06 R, SozR 4-2600 § 115 Nr. 2 RdNr 20 ff).
Denn ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch setzt - wie oben schon dargelegt - die Kausalität der Pflichtverletzung zum eingetretenen sozialrechtlichen Schaden voraus (…vgl zB BSG Urteil vom 23.5.1996 - 13 RJ 17/95, SozR 3-5750 Art. 2 § 6 Nr. 15 S 52) , konkret also, dass der Kläger dann, wenn er den Hinweis - entsprechend den obigen Anforderungen - erhalten hätte, den Antrag rechtzeitig gestellt hätte (BSG Urteil vom 26.7.2007 - B 13 RJ 4/06 R, SozR 4-2600 § 115 Nr. 2).
Der BFH hat in seiner Entscheidung auf die von der finanzgerichtlichen Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an die Erschütterung der Zugangsvermutung abgestellt (vgl für das Sozialverwaltungsverfahren BSG SozR 4-2600 § 115 Nr. 2 RdNr 20 ff;… Engelmann aaO RdNr 13) sowie auf die besondere Situation im Steuerrecht mit der dort üblichen Vertretung durch Bevollmächtigte steuerberatender Berufe, die ihre Postfächer an Sonnabenden generell nicht leerten.
3) Der Kläger trägt die Beweislast für den Zugang des Antrags, d. h. der abrufbaren Speicherung der E-Mail im elektronischen Postfach (E-Mail Server) des Beklagten (vgl. BSG, Urteil vom 26.07.2007 - B 13 R 4/06 R;… Aubel, a.a.O., § 37, Rn. 31).
Der betroffenen Person dürfte regelmäßig eine Substantiierung überhaupt nicht möglich sein, sie ist daher auch nicht erforderlich (vgl. BSG vom 26.07.2007, Az.: B 13 R 4/06 R; LSG Baden-Württemberg vom 14.03.2008, Az.: L 8 AS 5579/07).
Der Anscheinsbeweis ist aber nicht schon dann geführt, wenn zwei verschiedene Möglichkeiten eines Geschehensablaufs in Betracht zu ziehen sind, von denen die eine (nur) wahrscheinlicher ist als die andere (…BFH a.a.O, BSG, Urteil vom 26.07.2007 - B 13 R 4/06 -, juris Rdnr. 19; SächsOVG…, Beschluss vom 12.01.2016 - 3 B 273/15 -, NVwZ-RR 2016, 571, juris Rdnr. 10, wohl auch OVG des Saarlandes…, Beschluss vom 07.11.2011 - 3 B 371/11 -, NVwZ-RR 2012, 131, juris Rdnr. 5; HessVGH…, Beschluss vom 05.01.2016 - 10 B 2411/15 -, juris Rdnr. 12;… OVG Meckl.-Vorp., Beschluss vom 19.05.2016 - 2 M 31/16 -, juris Rdnr. 9; BayVGH…, Beschluss vom 06.07.2007 - 7 CE 07.1151 -, juris Rdnr. 8).
Den Berechtigten steht nach § 115 Abs. 6 Satz 1 SGB VI ein subjektives Recht (Anspruch) auf Erteilung des Hinweises zu (vgl. hierzu das Urteil des BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - a. a. O., m. w. N.).
Denn die volle Überzeugung des Gerichts vom Zugang lässt sich auf eine - wenn auch große - Wahrscheinlichkeit nicht gründen (vgl. Urteil des BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - a. a. O., m. w. N.).
In diesem Sinne aber bestehen schon dann "Zweifel", wenn der Adressat den Zugang - schlicht - bestreitet (vgl. Urteil des BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - a. a. O., m. w. N.).
Verlangte man mehr als ein schlichtes Bestreiten, das Schreiben nicht erhalten zu haben, würde dies eine Überspannung der an den Adressaten zu stellenden Anforderungen bedeuten, denn es ist dem Versicherten im Regelfall schon aus logischen Gründen nicht möglich, näher darzulegen, ihm sei ein per einfachem Brief übersandtes Schreiben nicht zugegangen (vgl. Urteil des BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - a. a. O., m. w. N.).
Insoweit trägt sie die negative Feststellungslast (vgl. das Urteil des BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - a. a. O.).
Es existiert kein allgemeiner Grundsatz, wonach ein Verwaltungsakt am Tag seiner Erstellung (oder an einem bestimmten anderen nachfolgenden Tag) auch die Behörde verlässt, so dass die Grundsätzen des Anscheinsbeweises (vgl. dazu auch BSG, Urteil vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R, Rdnr. 19, zitiert nach juris, abgedruckt in SozR 4-2600 § 115 Nr. 2) nicht gelten, zumal der Behörde die Möglichkeit der förmlichen Zustellung offensteht.
Die Rechtsprechung hat bereits geklärt, dass ohne eine nähere Regelung weder eine Vermutung für den Zugang eines mit einfachem Brief übersandten Schreibens besteht (Bundesverfassungsgericht, Kammerbeschluss vom 15.5.1991 - 1 BvR 1441/90, NJW 1991, 2757; ebenso bereits Bundesfinanzhof vom 23.9.1966, BFHE 87, 203) noch insoweit die Grundsätze des Anscheinsbeweises gelten (BFH vom 14.3.1989, BFHE 156, 66 unter Aufgabe früherer Rechtsprechung: S 73; Bundesgerichtshof vom 5.4.1978 - IV ZB 20/78, VersR 1978, 671; BGH vom 24.4.1996 - VIII ZR 150/95, NJW 1996, 2033, 2035 aE; ebenso BSG, Urteil vom 26.07.2007, B 13 R 4/06 R, zit. nach juris).
Einen Anscheinsbeweis für einen fehlerfreien Postlauf gibt es nicht (vgl. BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - Juris-Rn. 19 = SGb 2008, 559;… BGH vom 27. Mai 1957 - II ZR 132/56 - Juris-Rn. 7 = BGHZ 24, 308 ff).
Für den Zugang eines Schreibens der Beklagten oder eines anderen Versicherungsträgers trägt die Beklagte immer die materielle Beweislast (vgl. BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - Juris-Rn. 18 ff = SGb 2008, 559).
Aus diesem Grund war der Kläger auch nicht - wie etwa bei der Behauptung des späteren Zugangs eines Schreibens - zu einem qualifizierten Bestreiten verpflichtet (vgl. BSG vom 26. Juli 2007 - B 13 R 4/06 R - Juris-Rn. 22 = SGb 2008, 559).
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References: § 115
 Art. 2
 § 6
 § 115
 § 115
 § 37
 § 115
 § 115
 BGH 
 BGH