Source: https://www.steuern.de/steuererklaerung-gestaltungshinweise-anlage-r.html
Timestamp: 2020-04-08 17:45:32+00:00

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Anlage R (Renten) in Ihrer Einkommensteuererklärung | Steuern.de
Gestaltungshinweise » Tipps zur Anlage R (Renten) in Ihrer Einkommensteuererklärung
Gestaltungshinweise für die Anlage R und §34 EStG
Hier finden Sie detaillierte Gestaltungshinweise für die Anlage R Ihrer Einkommensteuererklärung. Außerdem können Sie die Anlage R hier als pdf herunterladen.
Anlage R: Nach diesem Schema funktioniert die Rentenbesteuerung
Anlage R: Steuerfreie Renten, gesetzliche Rente und Rürup-Rente
Anlage R: Details zur Besteuerung geförderter Altersvorsorgeverträge in der Auszahlungsphase
Zusammenfassende Übersicht über die Besteuerung der wichtigsten Rentenarten in der Anlage R
Abzugsfähige Werbungskosten im Rahmen der Anlage R
In der Anlage R 2019 sind nicht mehr alle Daten zwingend einzutragen.
Renten und andere Leistungen gehören zu den wiederkehrenden Bezügen. Abhängig davon, wer sie zahlt und in welcher Form sie vorliegen, erfolgt eine unterschiedliche Besteuerung.
Werden Renten gezahlt, ist zu unterscheiden, ob sie vom früheren Arbeitgeber aufgrund eines früheren Dienstverhältnisses oder von einer anderen Person bzw. Einrichtung gezahlt werden.
Wiederkehrende Bezüge, die aufgrund eines früheren Dienstverhältnisses gezahlt werden, gehören zu den Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit i. S. d. § 19 EStG. Dazu gehören insbesondere die Betriebsrente oder die Beamtenpension. Dabei ist zu prüfen, ob es sich um Versorgungsbezüge handelt, für die ein Versorgungsfreibetrag in Betracht kommt.
Wiederkehrende Bezüge sind als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 1 EStG zu erfassen, wenn sie nicht Ausfluss eines früheren Dienstverhältnisses sind und nicht zu anderen Einkunftsarten gehören. Sie dürfen bei wirtschaftlicher Betrachtung keine Kapitalrückzahlungen, z. B. Kaufpreisraten (fest vereinbarter, aber gestundeter Kaufpreis), darstellen. Die Besteuerung hängt davon ab, wie die Beiträge ursprünglich in der sog. Ansparphase steuerlich behandelt wurden.
Anlage R und §34 EStG: Steuerfreie Renten, gesetzliche Rente und Rürup-Rente
Nicht alle Renten unterliegen der Besteuerung. So sind z. B. folgende Renten oder Rentenanteile steuerfrei:
Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrenten aus der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft; § 3 Nr. 1 Buchst. a EStG),
Sachleistungen und Kinderzuschüsse aus der gesetzlichen Rentenversicherung (§ 3 Nr. 1 Buchst. b EStG),
Abfindungsbetrag einer Witwen- oder Witwerrente wegen Wiederheirat des Berechtigten (§ 107 SGB VI, § 3 Nr. 3 Buchst. a EStG),
Renten, die an Wehrdienstbeschädigte oder Zivildienstbeschädigte oder deren Hinterbliebene gezahlt werden (Ausgleichszahlungen nach § 86 Bundesversorgungsgesetz; § 3 Nr. 6 EStG),
Renten, aufgrund der gesetzlichen Vorschrift zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts (§ 3 Nr. 8 EStG),Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die an Verfolgte i. S. d. § 1 Bundesentschädigungsgesetz oder deren Hinterbliebene gezahlt werden (§ 3 Nr. 8a EStG),
Renten, die wegen der Anrechnung von Kindererziehungszeiten an Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1921 gezahlt werden (§§ 294 bis 299 SGB VI, § 3 Nr. 67 EStG). Aus Billigkeitsgründen gehören dazu auch Leistungen nach § 294a Satz 2 SGB VI für Kinderziehung an Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1927, die am 18.5.1990 ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Beitrittsgebiet und am 31.12.1991 keinen eigenen Anspruch auf Rente aus eigener Versicherung hatten.
Schadensersatzrenten an unterhaltsberechtigte Personen nach § 844 Abs. 2 BGB wegen Tötung des Unterhaltsverpflichteten (BFH, Urteil v.26.11.2008, X R 31/07, BFH/NV 2009 S. 470).
Nicht steuerbar sind Schmerzensgeldrenten. Diese fallen unter keine der sieben Einkunftsarten des Einkommensteuerrechts (BMF, Schreiben v. 15.7.2009, IV C 3 – S 2255/08/10012, BStBl 2009 I S. 836).
Gesetzliche Renten und Rürup-Renten, § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG
[Leibrenten/Leistungen → Zeilen 4, 11–13 und 5-10]
Renten und andere Leistungen i. S. d. § 22 EStG
Renten sind wiederkehrende gleichmäßige Leistungen in Geld oder vertretbaren Sachen, die auf einem besonderen Verpflichtungsgrund oder einem Rentenstammrecht beruhen.
Nur Renten, die nicht vom früheren Arbeitgeber gezahlt werden, fallen unter die Einkunftsart «Sonstige Einkünfte» i. S. d. § 22 EStG.
Zu berücksichtigen sind Leibrenten, d. h. Renten, die auf Lebenszeit gezahlt werden, und abgekürzte Leibrenten mit einer Höchstlaufzeit. Reine Zeitrenten, die nicht auf die Lebenszeit, sondern auf eine festgelegte Dauer zu entrichten sind, werden nicht als sonstige Einkünfte besteuert. Sie sind Kaufpreisraten vergleichbar und sind mit dem Ertrag nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern.
Ab dem Jahr 2005 wurde die Besteuerung der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und vergleichbarer Renten neu geregelt. In einer Übergangszeit von 2005 bis 2040 werden die Renten in die sog. nachgelagerte Besteuerung überführt. In der Endphase werden die Versicherungsbeiträge in voller Höhe als Sonderausgaben abziehbar sein und die Renten gehören in voller Höhe zu den Einnahmen nach § 22 EStG.
Zu den Leistungen, die nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. aa) EStG zu versteuern sind, gehören unselbständige Bestandteile der Rente (wie z. B. Kinderzuschüsse) und insbesondere einmalige Leistungen wie z. B. (Teil-)Kapitalauszahlungen, Sterbegeld und die Abfindung von Kleinbetragsrenten.
[Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und vergleichbare Renten → Zeile 5]
Die Renten aus
der gesetzlichen Rentenversicherung (insbesondere Alters-, Witwen- oder Witwerrenten, Waisenrenten, Erziehungsrenten) und auch Erwerbsminderungs- und Berufsunfähigkeitsrenten (abgekürzte Leibrenten) werden seit 2005 wie die übrigen Renten aus der gesetzliche Rentenversicherung besteuert (BFH, Urteil v. 13.4.2011, X R 54/09, BFH/NV 2011 S. 1576). Beträge, die als einmalige Leistung (z. B. Sterbegeld oder Abfindung von Kleinbetragsrenten) ausgezahlt werden, gehören auch dazu;
den landwirtschaftlichen Alterskassen;
berufsständischen Versorgungseinrichtungen (z. B. Versorgungswerk der Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte, Zahnärzte usw.);
privaten zertifizierten Basisrentenverträgen (Rürup-Rente; Versicherungen, die nicht kapitalisierbar, nicht übertragbar (Ausnahmen: Scheidungsfolge; Übertragung auf andere Versicherung), nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht vererblich sind. Die Absicherung der Berufsunfähigkeit, der Erwerbsminderung oder von Hinterbliebenen ist möglich. Die angesparte Summe darf nicht im Rahmen einer Einmalzahlung ausgezahlt werden, sondern ausschließlich als lebenslange monatliche Rente. Die Auszahlung darf frühestens mit Vollendung des 62. Lebensjahres (bei Verträgen vor 2011 des 60. Lebensjahres) beginnen. Der elektronischen Datenübermittlung an die zentrale Stelle (BFA) muss zugestimmt werden.)
werden nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG besteuert.
Achtung: Kinderzuschüsse teilweise steuerpflichtig
Während Kinderzuschüsse aus der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG steuerfrei sind, stellen Kinderzuschüsse, die aus einer berufsständischen Versorgungseinrichtung gezahlt werden, unselbstständige Bestandteile der Rente dar. Sie werden zusammen mit der Rente nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG besteuert und sind nicht steuerfrei. Dies ist verfassungsgemäß (BFH, Urteil v.31.8.2011, X R 11/10, BFH/NV 2012 S. 620).
Diese Renten werden mit einem Besteuerungsanteil erfasst. Die Besteuerung erfolgt nach dem sog. Kohorten-Prinzip. Für alle Neurentner eines Jahres gilt derselbe Prozentsatz, d. h., die Höhe des Besteuerungsanteils richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns. Der Besteuerungsanteil beträgt für Renten, die spätestens im Jahr 2005 erstmals gezahlt wurden, 50 %. Für jeden neu hinzukommenden Rentenjahrgang (Kohorte) erhöht sich der Prozentsatz ab 2006 um jährlich 2 % und ab 2021 um jährlich 1 %. Bei Rentenbeginn im Jahr 2019 beträgt der Besteuerungsantneil 78 %.
Der BFH hat die Regelung nach dem Alterseinkünftegesetz als verfassungsrechtlich unbedenklich anerkannt (BFH, Urteil v. 26.11.2008, X R 15/07, BFH/NV 2009 S. 278). Die entsprechende Verfassungsbeschwerde wurde nicht angenommen (BVerfG, Beschluss v. 8.4.2011, 2 BVR 844/10).
Anhängig ist beim BVerfG noch das Verfahren 2 BvR 1066/10 (BFH, Urteil v. 4.2.2010, X R 52/08, BFH/NV 2010 S. 1253).
Unter «Beginn der Rente» ist der Zeitpunkt zu verstehen, ab dem die Rente (ggf. nach rückwirkender Zubilligung) tatsächlich bewilligt wird. Das Datum ergibt sich aus dem Rentenbescheid. Wird die bewilligte Rente zunächst bis auf 0 EUR gekürzt, z. B. weil eigene Einkünfte anzurechnen sind, steht dies dem Beginn der Rente nicht entgegen und unterbricht die Laufzeit der Rente nicht. Verzichtet der Rentenberechtigte in Kenntnis der Kürzung der Rente auf die Beantragung, beginnt die Rente jedoch nicht zu laufen, solange sie nicht dem Grunde nach bewilligt wird.
[Rentenbetrag und Zufluss → Zeile 5]
Einzutragen ist der aus der Renten(anpassungs)mitteilung zu errechnende Jahres(brutto)rentenbetrag inklusive Rentennachzahungen, Einmalzahlungen und Leistungen. Bemessungsgrundlage für die Berechnung des Besteuerungsanteils ist der Rentenbetrag. Darunter ist der Jahresbetrag der Rente, d. h. die Bruttorente (zugesagte Rente), auf die ein Rechtsanspruch besteht, und nicht die ausgezahlte Rente zu verstehen. Deshalb gehören auch die einbehaltenen und abgeführten Beiträge des Rentners für die Kranken- und Pflegeversicherung zur Bemessungsgrundlage. Sie sind aber auf der Anlage Vorsorgeaufwand zu berücksichtigen. Zuschüsse, die die gesetzliche Rentenversicherung zu den Krankenversicherungsbeiträgen beisteuert, sind nach § 3 Nr. 14 EStG steuerfrei und gehören weder zur Bemessungsgrundlage nach § 22 EStG noch sind die Zahlungen als Sonderausgaben abziehbar.
Renten sind in dem Kalenderjahr zu versteuern, in dem sie dem Rentner zugeflossen sind (§ 11 Abs. 1 EStG).
Bei Renten, die vor 2005 erstmals gezahlt wurden, beträgt der steuerfreie Teil 50 % der im Jahr 2005 gezahlten Rente. In allen anderen Fällen wird der steuerfreie Teil der Rente (Freibetrag) in dem Jahr ermittelt, das dem Jahr des Rentenbeginns folgt (zweites Jahr des Rentenbezugs) (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa, Sätze 4 und 5 EStG). Der steuerfreie Teil der Rente ergibt sich aus dem Unterschiedsbetrag zwischen dem Jahresbetrag der Rente im betreffenden Jahr und dem Besteuerungsanteil in diesem Jahr.Der steuerfreie Teil der Rente ist für die gesamte Laufzeit der Rente grundsätzlich unverändert zu beachten.
[Rentenanpassungsbeträge → Zeile 6]
Regelmäßige Anpassungen der Rente (Rentenanpassungsbeträge) ab dem dritten Jahr des Rentenbezugs (z. B. wegen allgemeiner Steigerung der Nettolöhne) führen nicht zu einer Neuberechnung des Freibetrags. Im Ergebnis wird somit jede Rentenerhöhung ab dem dritten Jahr zu 100 % besteuert.
Beispiel: Ermittlung des steuerfreien Teils der Rente
Anna Bauer erhält ab August 2010 eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung i. H. v. monatlich 1.000 EUR. Ab 01. Juli 2011 beträgt die Rente 1.020 EUR. Durch weitere Anpassungen des Rentenniveaus an die gestiegenen Nettolöhne erhöht sich die Rente in den Jahren 2012 bis 2018 zusätzlich. Ab 01. Juli 2018 wird ihr eine Rente von 1.265 EUR je Monat zugesagt. Ab 1.7.2019 wird ihr eine Rente von 1.290 EUR je Monat zugesagt. Im Jahr 2019 werden insgesamt 960 EUR Krankenversicherungs- und 220 EUR Pflegeversicherungsbeitrag der Rentnerin von ihrer Rente abgezogen.
zugeflossene Rente (5 × 1.000 EUR =)
60 % von 5.000 EUR =
zugeflossene Rente (6 × 1.000 EUR und 6 × 1.020 EUR =)
60 % von 12.120 EUR =
steuerfreier Teil (2. Jahr) (12.120 EUR ./. 7.272 EUR =)
zugeflossene Rente (6 × 1.265 EUR und 6 × 1.290 EUR =)
abzgl. steuerfreier Teil (aus dem 2. Jahr)
= Besteuerungsanteil
Der steuerfreie Teil beträgt auch in den folgenden Jahren 5.091 EUR.
Der steuerfreie Teil der Rente ist nur dann neu zu berechnen, wenn sich der Rentenbetrag grundsätzlich verändert. Dies ist z. B. der Fall, wenn eine Rente wegen Anrechnung anderer Einkünfte ermäßigt wird. Hier wird der steuerfreie Teil der Rente entsprechend anteilig gekürzt.
Muss der Rentner in den ersten Jahren des Rentenbezugs keine Einkommensteuererklärung abgeben, kann der steuerfreie Teil der Rente in einem späteren Jahr, für das wieder eine Einkommensteuererklärungspflicht gegeben ist, berechnet werden, ohne dass die Daten des zweiten Jahres bekannt sind. Möglich ist dies, weil in der Rentenbezugsmitteilung nach § 22a EStG der Gesamtbetrag der Rentenanpassungen ab dem dritten Jahr durch den Rententräger auszuweisen ist.
Beispiel: Ermittlung des steuerfreien Teils der Rente unter Berücksichtigung der Rentenanpassungsbeträge (Praxisanwendung)
Siehe vorheriges Beispiel; Variante: Anna Bauer erhält eine Rentenbezugsmitteilung, die folgende Angaben enthält:
zugeflossene Rente 2019 (Zeile 5 der Anlage R)
Rentenanpassungsbeträge (Zeile 6 der Anlage R)
Beginn der Rente (Zeile 7 der Anlage R): 1.08.2010
Die Berechnung im Jahr 2019 sieht wie folgt aus:
zugeflossene Rente
abzgl. Rentenanpassungsbeträge ab dem dritten Jahr
- 3.210 EUR
Diese werden zu 100 % besteuert;
verbleiben (entspricht Rentenbetrag des 2. Jahres)
davon Besteuerungsanteil 60% (Rentenbeginn 2010)
gesamter Besteuerungsanteil 2019
abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag (siehe unten)
[Vorhergehende Renten und Folgerenten → Zeilen 8 – 9]
Folgerenten (Renten nach einer vorhergehenden Rente) liegen vor, wenn die Renten vom selben Versicherungsträger gezahlt werden und auf demselben Rentenrecht beruhen. Das ist z. B. gegeben, wenn
eine Rente wegen voller Erwerbsminderung in eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (oder umgekehrt) umgewandelt wird,
eine Erwerbsminderungsrente in eine Altersrente umgewandelt wird oder
eine kleine Witwenrente in eine große Witwenrente (oder umgekehrt) umgewandelt wird bzw.
eine Altersrente bei Tod in eine nachfolgende Witwen- oder Witwerrente übergeht.
Diese Folgerenten sind versicherungsrechtlich eigenständige Renten. Bei der Ermittlung des Besteuerungsanteils wird nicht ihr tatsächlicher Rentenbeginn für die Ermittlung des Prozentsatzes herangezogen. Für diese Folgerenten wird ein fiktives (gedachtes) Jahr des Rentenbeginns ermittelt (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa, Satz 8 EStG). Der tatsächliche Beginn der Folgerente wird dabei um die Laufzeit der Vorgängerrente (berechnet aus Beginn und Ende der vorhergehenden Rente, Zeilen 8 und 9) in die Vergangenheit verschoben. Dadurch mindert sich der prozentuale Besteuerungsanteil. Dieser darf 50 % nicht unterschreiten.
Willi Weber bezieht vom 1.10.2012 bis 31.3.2015 eine Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung i. H. v. mtl. 1.000 EUR. Anschließend ist er wieder erwerbstätig. Ab 1. November 2019 erhält er eine Altersrente i. H. v. 1.800 EUR.
Besteuerungsanteil 64 % von 3.000 EUR =
Besteuerungsanteil 64 % von 12.000 EUR =
Der steuerfreie Teil dieser Rente beträgt
Die Altersrente ist eine Folgerente
tatsächlicher Rentenbeginn
Der Rentenbeginn der Altersrente wird um die Laufzeit der Vorgängerrente in die Vergangenheit verschoben:
– Laufzeit Vorgängerrente
1.10.2012–31.3.2015
- 30 Monate
= fiktiver Rentenbeginn der Altersrente
Daraus ergibt sich ein Besteuerungsanteil
für die Altersrente i. H. v. 74 % von 3.600 EUR =
Folgerenten werden für die Berechnung des steuerfreien Teils der Rente als eigenständige Renten behandelt. Das gilt nicht, wenn eine wegen Wiederheirat weggefallene Witwen- oder Witwerrente wiederauflebt. In diesem Fall berechnet sich der steuerfreie Teil der Rente nach der ursprünglichen Rente.
Wichtig: Vorgängerrenten, die vor 2005 geendet haben
Endet die Vorgängerrente vor 2005, wird diese für die Berechnung eines fiktiven Rentenbeginns bei einer Folgerente nicht mehr berücksichtigt.
[Nachzahlungen → Zeile 10]
Werden Renten für mehrere (mindestens zwei) vorangegangene Jahre im laufenden Jahr nachgezahlt, sind diese insgesamt im Jahr des Zuflusses zu erfassen. Das Finanzamt wird prüfen, ob für diese Nachzahlungen eine Tarifvergünstigung nach der sog. Fünftel-Regelung des § 34 EStG in Betracht kommt.
Erhält der Steuerpflichtige von der Deutschen Rentenversicherung neben einer Rentennachzahlung für Vorjahre auch Zinsen nach § 44 SGB I auf die Nachzahlung, so ist die Zinszahlung laut Urteil des Sächsischen FG keine Kapitaleinnahme, sondern wie die Rentenzahlung als sonstige Einkünfte zu versteuern (Sächsisches FG, Urteil v. 20.3.2012, 6 K 2143/07, Revision beim BFH, Az. VIII R 18/12).
Werden Rentenbeträge nur für das unmittelbar vorangehende Jahr im laufenden Jahr nachbezahlt, z. B. wegen verspäteter Rentenantragstellung, ist die gesamte zugeflossene Rente (einschl. der Nachzahlung) in Zeile 5 und nicht in Zeile 10 einzutragen.
Auf Antrag des Steuerpflichtigen werden Teile der Leibrenten, die eigentlich der nachgelagerten Besteuerung mit dem Besteuerungsanteil unterliegen würden, mit einem niedrigeren Ertragsanteil besteuert. Die Anwendung der Öffnungsklausel setzt voraus, dass bis zum 31.12.2004 für mindestens zehn Jahre Beiträge gezahlt wurden, die oberhalb des Höchstbetrags zur gesetzlichen Rentenversicherung lagen. Die Jahre müssen nicht unmittelbar aufeinanderfolgen. Beiträge sind grundsätzlich dem Jahr zuzurechnen, in dem sie gezahlt oder für das sie bescheinigt werden (BFH, Urteil v. 19.1.2010, X R 53/08, BFH/NV 2010 S. 986).
Kommt die Öffnungsklausel zur Anwendung, bedeutet dies:
Der Teil der Rente, der auf den entsprechenden Öffnungsklausel-Prozentsatz entfällt, wird mit dem Ertragsanteil nach § 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. bb, Satz 2 EStG besteuert.
Der verbleibende Teil der Rente wird mit dem Besteuerungsanteil erfasst (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG).
Die Besteuerung mit dem Ertragsanteil gilt per gesetzlicher Definition (§ 22 Nr. 1. Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. bb, Satz 1 EStG EStG) nur für Erträge des Rentenrechts und damit nicht für Einmalauszahlungen.
Für die Prüfung der Öffnungsklausel ist grundsätzlich der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung der Angestellten und Arbeiter (West) des Jahres heranzuziehen, dem die Beiträge zuzurechnen sind. Höchstbeitrag ist die Summe des Arbeitgeberanteils und des Arbeitnehmeranteils zur jeweiligen gesetzlichen Rentenversicherung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Pflichtbeiträge, freiwillige Beiträge oder Beiträge zur Höherversicherung handelt. Auch wenn nur für einen Teil des Jahres eine Versicherungspflicht bestand, ist der Höchstbetrag immer mit dem Jahresbetrag anzusetzen. Eine zeitanteilige Berücksichtigung ist nicht vorgesehen (BFH, Urteil v. 4.2.2010, X R 58/08, BFH/NV 2010 S. 1173).
Der Antrag ist beim zuständigen Finanzamt auf der Anlage R zu stellen. Die Öffnungsklausel wird nicht von Amts wegen angewandt.
Tipp: Nachweis der Versicherungsgesellschaft
Der Nachweis über das Vorliegen der oben genannten Voraussetzungen wird durch eine Bescheinigung des jeweiligen Versorgungsträgers, an den die Beiträge geleistet wurden, geführt. Aus der Bescheinigung müssen sich die vor dem 1.1.2005 geleisteten Beiträge und die jeweiligen Jahre ergeben. Der Teil der Rente, auf den die Öffnungsklausel Anwendung findet (Besteuerung mit dem Ertragsanteil), wird in der Bescheinigung durch einen entsprechenden Prozentsatz ausgewiesen.
Erhält der Steuerpflichtige oder dessen Hinterbliebene aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder einer berufsständischen Versorgungseinrichtung neben der laufenden Leibrente auch noch einen einmaligen Bezug, z. B. ein Sterbegeld, und ist die Öffnungsklausel anzuwenden, ist nur der Teil des einmaligen Bezugs zu versteuern, der der nachgelagerten Besteuerung nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG entspricht. Der Teil des einmaligen Bezugs, der von der Öffnungsklausel betroffen ist, wird nicht besteuert. Die endgültige Entscheidung darüber, ob die Öffnungsklausel zur Anwendung kommt, trifft das Finanzamt und nicht die auszahlende Stelle.
Weitere Einzelheiten zur Besteuerung von Renten aus der gesetzlichen oder einer vergleichbaren Rentenversicherung: BMF, Schreiben v. 19.8.2013, IV C 3 – S 2222/12/10010:004, BStBl 2013 I S. 1087.
Bis zu welchem Betrag Rentner keine Steuern zahlen müssen
Ob eine Steuererklärung abgegeben werden muss, hängt von der Höhe der steuerpflichtigen Einkünfte ab. Wird ausschließlich eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen, bleiben mindestens folgende Renten ohne Besteuerung:
(für verheiratete Rentner verdoppeln sich die Beträge)
z. v. E. (entspricht dem Grundfreibetrag) → Steuer 0 EUR
+ als Sonderausgabe abziehbare (Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge aus der Rente (unterstellt: durchschnittlicher Zusatzbeitrag zur KV; Kinder)
+ Sonderausgabenpauschbetrag
+ Werbungskostenpauschbetrag
= Besteuerungsanteil der Rente
Besteuerungsanteil (% aus der Monatsbruttorente)
steuerfreier Teil der Rente (in EUR festgeschrieben)
= Jahresbruttorente, die nicht besteuert wird
13.942 EUR
= Monatsbruttorente
Bezieht der Ehegatte auch eine gesetzliche Rente, ist zu beachten, dass für diese Rente eventuell ein anderer Besteuerungsanteil gilt.
Liegen noch andere abzugsfähige Ausgaben vor (z. B. Spenden, außergewöhnliche Belastungen, Steuerermäßigungen für haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen), bleibt eine höhere Rente ohne Besteuerung.
Wichtig: Rentner im Ausland
Hat der Steuerpflichtige seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, bleibt die Rente i. d. R. im Inland im Rahmen der beschränkten Einkommensteuerpflicht steuerpflichtig. Aus Deutschland stammende Renteneinkünfte gehören grundsätzlich zu den inländischen Einkünften im Sinne des § 49 EStG. Im Einzelnen regeln Doppelbesteuerungsabkommen, die die Bundesrepublik Deutschland mit anderen Ländern abgeschlossen hat, das Besteuerungsrecht der betreffenden Länder. Danach hat Deutschland kein Besteuerungsrecht für die deutschen Renteneinkünfte, wenn der Rentner seinen Wohnsitz z. B. in Bosnien-Herzegowina, Frankreich (ab 2016), Griechenland, Indien, Island, Serbien, der Slowakei, Tschechien oder den Vereinigten Staaten von Amerika hat. Weitere Länder finden Sie unter https://www.finanzamt-rente-im-ausland.de/de/wer-warum-wieviel/wer-muss-steuern-zahlen/warum-ist-der-wohnsitzstaat-entscheidend. Bei Wohnsitz in anderen Ländern erfolgt die Besteuerung grundsätzlich im Wohnsitzstaat. Die Bundesrepublik hat aber z. B. bei Wohnsitz in Spanien nach dem Doppelbesteuerungsabkommen mit diesem Land das Recht, für Renten, die erstmals ab 2015 gezahlt werden, eine 5%ige Steuer zu erheben. Diese wird im Gegenzug auf die spanische Steuer angerechnet. Ruhegehälter, die von der Bundesrepublik Deutschland, einem Bundesland, einer/einem Stadt/Gemeinde/Kreis oder anderen juristischen Person des öffentlichen Rechts gezahlt werden (z. B. Beamtenpension), werden nicht in Spanien, sondern nur in Deutschland besteuert.
Die Einkommensteuer auf Renteneinkünfte wird im Wege der Veranlagung erhoben. Dies bedeutet, dass für die Festsetzung der Einkommensteuer die Abgabe einer Steuererklärung erforderlich ist. Das Finanzamt Neubrandenburg ist zentral zuständig für die Veranlagung von Rentnern mit Wohnsitz im Ausland, die nicht aus anderen Gründen (andere inländische Einkünfte) bereits in Deutschland veranlagt werden. Aufgrund einer EU-Amtshilferichtlinie in Steuersachen, die einen automatischen Informationsaustausch zwischen EU-Mitgliedsstaaten zur Folge hat. Neben Zinseinnahmen werden auch Daten über Renten, Pensionen und Lebensversicherungen weitergegeben.
Zu beachten ist, dass bei einer Veranlagung zur beschränkten Steuerpflicht kein Grundfreibetrag (2019: 9.168 EUR) berücksichtigt wird und damit der steuerpflichtige Teil der Rente in vollem Umfang der Besteuerung mit dem Grundtarif unterliegt. In bestimmten Fällen (z. B. sind die Einkünfte zu mindestens 90 % in Deutschland zu versteuern oder es gibt nur geringe ausländische Einkünfte) kann der Rentner einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen und damit seine Steuerlast erheblich senken.
Renten aus der privaten Rentenversicherung, die mit einem Ertragsanteil besteuert werden
[Leibrenten → Zeilen 14, 17-18 und Zeilen 15-19 und 19– 20]
Lebenslange Leibrenten, die nicht unter § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG bzw. unter § 22 Nr. 5 EStG (siehe unten) fallen, werden nach § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. bb EStG mit dem Ertragsanteil besteuert.
Renten aus vor dem 1.1.2005 abgeschlossenen privaten Rentenversicherungen
Renten aus ab 2005 abgeschlossenen Lebensversicherungen, die nicht die Voraussetzungen der Rürup-Rente erfüllen sowie
Veräußerungsleibrenten.
Die Besteuerung erfolgt mit dem Ertragsanteil, weil die entsprechenden Rentenbeiträge entweder ganz aus versteuertem Einkommen (ohne Sonderausgabenabzug) gezahlt wurden oder es für die Beiträge nur einen geringen Sonderausgabenabzug gegeben hat. Der Ertragsanteil bestimmt sich nach dem bei Beginn der Rente vollendeten Lebensjahr des Rentenberechtigten.
Auszug aus der Tabelle § 22 Nr. 1 Satz 3, Buchst. a, Doppelbuchst. bb, Satz 4 EStG:
Werden Renten aus der privaten Rentenversicherung nur als abgekürzte Leibrenten (Renten mit zeitlich befristeter Laufzeit) gezahlt, wird der Ertragsanteil der Rente nicht nach dem vollendeten Lebensjahr bei Beginn der Rente, sondern nach der voraussichtlichen Laufzeit der Rente ermittelt (§ 55 Abs. 2 EStDV).
Private Berufsunfähigkeitsrente, die mit Erreichen einer bestimmten Altersgrenze in eine private Altersrente umgewandelt wird.
Veräußerung eines Grundstücks gegen Rentenzahlungen mit einer Beschränkung der Laufzeit auf höchstens eine bestimmte Anzahl von Jahren.
Ist bei Beginn der Rente die voraussichtliche restliche Lebenserwartung allerdings kürzer als die Laufzeit der abgekürzten Leibrente, erfolgt die Ermittlung des Ertragsanteils wie bei zeitlich nicht befristeten privaten Leibrenten (§ 55 Abs. 2 EStDV).
Weitere Einzelheiten zur Besteuerung von Renten aus der privaten Rentenversicherung, insbesondere zu nachträglich umgewandelten Verträgen, siehe BMF, Schreiben v. 19.8.2013, IV C 3 - S 2221/12/10010:004, BStBl 2013 I S. 1087.
Rentenbezugsmitteilungen und Veranlagung
Die Rentenversicherungsträger und Lebensversicherungsunternehmen müssen die Daten zur Besteuerung der Leibrenten durch amtlich vorgeschriebenen Datensatz an die zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) bei der Deutschen Rentenversicherung Bund melden. Von hier werden die Daten elektronisch an die Landesfinanzbehörden weitergeleitet und im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer durch die Finanzämter ausgewertet. Die Rentendaten sind an die steuerliche Identifikationsnummer gekoppelt und können so problemfrei der jeweiligen Steuerveranlagung zugeordnet werden.
Für jeden Vertrag und für jede Rente ist eine gesonderte Rentenbezugsmitteilung erforderlich. Nicht in das Rentenbezugsmitteilungsverfahren einbezogen werden Renten, Teile von Renten oder andere Leistungen, die steuerfrei sind oder nicht der Besteuerung unterliegen. Eine Rentenbezugsmitteilung ist nicht erforderlich, wenn die Rentenansprüche – z. B. wegen der Höhe der eigenen Einkünfte – ruhen und daher im gesamten Kalenderjahr keine Zahlungen erfolgt sind.
Wichtig: Vereinfachte Steuererklärung für Rentner
Die Länder Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen testen in einem Pilotprojekt mit Unterstützung des Bundesministeriums der Finanzen eine vereinfachte zweiseitige Steuererklärung für Rentner und Pensionäre. In der „Erklärung zur Veranlagung von Alterseinkünften“ können Aufwendungen für Unfall-, Haftpflicht und Risikolebensversicherungen sowie Spenden und Mitgliedsbeiträge, Kirchensteuer, außergewöhnliche Belastungen und Steuerermäßigungen für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen geltend gemacht werden. Renteneinkünfte, Pensionen und die Krankenversicherungs- und Pflegepflichtversicherungsbeiträge wurden der Finanzverwaltung bereits in elektronischer Form durch die jeweiligen Institutionen gemeldet. Liegen noch andere Einkünfte wie z. B. aus Vermietung oder Gewerbe vor, muss eine normale Steuererklärung eingereicht werden. Weitere Bundesländer werden sich dem vereinfachten Steuererklärungsverfahren bald anschließen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Finanzamt.
[Renten aus privaten Altersvorsorgeverträgen und aus der betrieblichen Altersversorgung → Zeilen 31–32, 36-53 und 33-35 und 44]
Die Vorschrift ist anzuwenden auf Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen (Riester-Rente) und aus der betrieblichen Altersversorgung. Zur betrieblichen Altersversorgung gehören:
umlagefinanzierten Versorgungseinrichtungen (z. B. VBL-Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder)
Altersvorsorgeverträge (Riester-Rente)
Bei Altersvorsorgeverträgen werden die Beiträge, Erträge und Wertsteigerungen in der Ansparphase durch Zulagen oder steuerliche Vergünstigungen gefördert.
Beispiel: Auszahlungen aus geförderten Altersvorsorgeverträgen
Der Steuerpflichtige hat vor Jahren einen Riester-Vertrag abgeschlossen und die Altersvorsorgezulage erhalten. Seine laufenden Beitragszahlungen waren höher als der Förderhöchstbetrag.
Bei Auszahlung der Rente ist der Teil der Rente, der mit geförderten Beiträgen in Zusammenhang steht, in voller Höhe zu versteuern. Soweit die Rente aus «überzahlten» (nicht geförderten) Beiträgen stammt, muss sie nur mit dem Ertragsanteil versteuert werden.
Die Steuerpflichtigen erhalten von ihrem Versicherungsunternehmen eine Leistungsmitteilung (Bescheinigung), aus der hervorgeht, welcher Teil der Rente voll zu versteuern ist und welcher Teil nur anteilig besteuert wird (Aufteilung). Die Besteuerungsvorschrift ist jeweils angegeben. Die Angaben aus der Bescheinigung können direkt in die Anlage R, Seite 2 übertragen werden.
Private Veräußerungsrenten
Wurden Grundstücke, Betriebsvermögen oder Firmenbeteiligungen gegen Zahlung einer Rente aus Veräußerungsgeschäften auf eine andere Person übertragen, ist diese nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a), Doppelbuchst. bb) EStG mit dem Ertragsanteil zu versteuern (Zeile 14). In Einzelfällen gehört die Veräußerungsrente aber noch zu den Betriebseinnahmen des Gewerbebetriebs oder der freiberuflichen Tätigkeit.
Wegen der Besteuerung weiterer Renten wird verwiesen auf:
Ausgleichszahlungen im Rahmen des schuldrechtlichen Versorgungsausgleichs bei Ehegatten, soweit bei der ausgleichsverpflichteten Person Sonderausgaben abgezogen werden (§ 22 Nr. 1c EStG).
Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten, soweit sie beim Zahlenden als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 22 Nr. 1a EStG).
Rentenzahlung vom Arbeitgeber aufgrund ­einer Pensionszusage (Direktzusage) oder aus Unterstützungskassen (Betriebsrente)
Arbeitslohn nach § 19 EStG; i. d. R. Versorgungsbezüge (Versorgungsfreibetrag und Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag)
Alle Renten aus der gesetzlichen Renten­versicherung, den landwirtschaftlichen Alterskassen, von berufs­ständischen Versorgungseinrichtungen,
Rürup-Renten, § 10 Abs. 1 Nr. 2, Buchst. b EStG
§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. aa) EStG
Besteuerungsanteil (nach dem Jahr des Rentenbeginns; z. B. bei Rentenbeginn 2019: 78 %)
Renten aus privaten Rentenversicherungen (ohne Riester- und ohne Rürup-Renten)
§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. bb) EStG
Ertragsanteil (nach dem Alter bei Rentenbeginn,
z. B. bei Rentenbeginn 65 Jahre: 18 %)
Rentenzahlung aus einer Pensionskasse, einem Pensionsfonds oder aus einer Direktversicherung
§ 22 Nr. 5 Satz 1 EStG oder § 22 Nr. 5 Satz 3 EStG i. V. m. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a) Doppelbuchst. bb) EStG
Soweit Beiträge des Arbeitgebers in der Ansparphase steuerfrei, volle Besteuerung.
Soweit Beiträge des Arbeitgebers in der Ansparphase steuer­pflichtiger Arbeitslohn, Besteuerung mit dem Ertragsanteil.
Renten aus Zusatzversorgungseinrichtungen oder der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) bzw. Renten aus Zusatzversorgungskassen der Kommunen (ZVK) bei Angestellten im öffentlichen Dienst
Riester-Rente (einschließlich "Wohnriesterrente")
§ 22 Nr. 5 Satz 1 EStG oder § 22 Nr. 5 Satz 3 EStG i. V. m.
Soweit Beiträge staatlich gefördert (Zulage und/oder Sonderausgabenabzug), volle Besteuerung.
Soweit keine Förderung (Beiträge aus versteuertem Einkommen), Besteuerung mit dem Ertragsanteil.
Kapitalauszahlung aus einer Lebensversicherung, die vor dem 1.1.2005 abgeschlossen wurde (Altvertrag)
I. d. R. steuerfrei; in Einzelfällen Besteuerung nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG a. F.
Kapitalauszahlung aus einer Lebensversicherung, im Erlebensfall aus einem Neuvertrag (Vertragsabschluss nach dem 31.12.2004)
Einnahmen aus Kapitalvermögen in Höhe des Unterschiedsbetrags zwischen Auszahlung und Beiträgen; bei Mindestlaufzeit von zwölf Jahren und 60./62. Lebensjahr vollendet, nur halber Unterschiedsbetrag.
[Werbungskosten → Zeilen 21, 22, 54–60]
Werbungskosten in tatsächlicher Höhe
Zu den als Werbungskosten im Zusammenhang mit Renteneinkünften abzugsfähigen Kosten gehören:
Rechts- und Rentenberatungskosten,
Prozesskosten im Zusammenhang mit Ansprüchen aus der Rentenversicherung,
Aufwendungen für (Steuer-)Literatur (z. B. Steuer- oder Rentenratgeber),
Fahrtkosten zur Rentenberatung und
Schuldzinsen für einen Kredit zur Nachentrichtung freiwilliger Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung (BFH, Urteil v. 21.7.1981, VIII R 32/80, BStBl 1982 II S. 41),
Gewerkschaftsbeiträge (sind bei Sozialversicherungsrentnern ebenfalls als Werbungskosten abziehbar, weil die Gewerkschaften auch deren Interessen vertreten),
Finanzierungskosten, die durch den Abschluss eines Vertrags über eine sofort beginnende Leibrentenversicherungsleistung gegen Zahlung eines Einmalbetrags veranlasst sind, können als Werbungskosten abziehbar sein, wenn damit zu rechnen ist (Überschussprognose), dass die Summe der Besteuerungsanteile den Finanzierungsaufwand übersteigt (BFH, Urteil v. 16.9.2004, X R 29/02, BFH/NV 2005 S. 599).
Tipp: Vorweggenommene Werbungskosten
Aufwendungen im Zusammenhang mit einer Rente, die Sie in einen Jahr bezahlt haben, sind auch dann schon als vorweggenommene Werbungskosten abziehbar, wenn mit der Rentenzahlung erst im nächsten Jahr zu rechnen ist. Die Werbungskosten führen zu negativen sonstigen Einkünften und können mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden.
Achtung: Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung sind keine Werbungskosten
Beiträge eines Arbeitnehmers zur gesetzlichen Rentenversicherung sind nicht als vorab entstandene Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben abziehbar (BVerfG Beschlüsse v. 14.06.2016, 2 BvR 290/10 und 2 BvR 323/10).
Werden keine höheren tatsächlichen Werbungskosten geltend gemacht, wird bei Renten i. S. d. § 22 Nr. 1, 1a, 1b, 1c und 5 EStG ein Pauschbetrag für Werbungskosten i. H. v. 102 EUR berücksichtigt (§ 9a Nr. 3 EStG).
Werden mehrere Renten oder Unterhaltsleistungen gezahlt, kann der Pauschbetrag insgesamt nur einmal berücksichtigt werden. Bei zusammen zur Einkommensteuer veranlagten Ehegatten erhält jeder Ehegatte mit entsprechenden Einkünften den Pauschbetrag.

References: §34
 § 19
 § 22
 §34
 § 3
 § 3
 § 86
 § 3
 § 1
 § 3
 § 294
 § 844
 § 22
 § 22
 § 22
 § 20
 § 22
 § 22
 § 22
 § 3
 § 22
 § 3
 § 22
 § 22
 § 34
 § 44
 § 22
 § 22
 § 49
 § 22
 § 22
 § 22
 § 22
 § 22
 § 19
 § 10

§ 22

§ 22

§ 22
 § 22
 § 22

§ 22
 § 22
 § 20
 § 22