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Timestamp: 2019-07-16 18:27:56+00:00

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SBVdirekt Ausgabe 2 2019
SBVdirekt Ausgabe 02/2019
17.VdK-Landesschulung in HeilbronnThema 2019:BEM – Gute Arbeit trotz Behinderung!
Wir müssen Menschen nehmen, wie sie sind!ˮ
VdK-Stellungnahme zur Änderung der Versorgungsmedizin-Verordnung
Schlichter statt Richter – Schlichtungsstelle BGG legt zweiten Jahresbericht vor
Flugreisen und Barrierefreiheit
Im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen können Menschen mit Behinderung barrierefrei die Steinzeit besuchen
VdK-Webinare 2019:Kompakte Schulungen ohne Anreise
direkt 02 19 BEM – Gute Arbeit trotz Behinderung 06 17. VdK-Landesschulung in Heilbronn Mehr 16 VdK-Stellungnahme zur Änderung der Versorgungsmedizin-Verordnung Mehr 20 Inklusionspreis für die Wirtschaft 2019 verliehen Mehr 36 Im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen barrierefrei die Steinzeit besuchen Mehr
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Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, wie schon in der Vergangenheit steht traditionell die zweite Jahresausgabe unseres SBVdirekt eMagazins wieder ganz im Mittelpunkt unserer jährlich stattfindenden Schulung der Schwer- behindertenvertrauensleute, Betriebs- und Personalräte. Diese findet bereits seit 2008 in der Heilbronner Harmonie statt. Unser Veranstaltungsmotto lautet in diesem Jahr: BEM – Gute Arbeit trotz Behinderung! Ich denke man muss nicht mehr betonen, dass ein gut funktionierendes BEM nicht nur ein Gewinn für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist, sondern vor allem auch Betrieben, Behörden oder Unternehmen einen Vorteil bietet.
04 Mitglied werden und Vorteile nutzen! Es gibt viele gute Gründe für eine Mitgliedschaft im VdK – dem mit bundesweit fast 1,9 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband Deutschlands. Für uns sprechen die kompetente Beratung, eine konsequente Interessenvertretung sowie die Hilfe zur Selbsthilfe. Lassen Sie sich überzeugen! Unsere Serviceleistungen beinhalten u.a.: ¤ effektive Sozialrechtsberatung in den VdK-Servicestellen ¤ Durchsetzung von Rechtsansprüchen und Vertretung in Antrags- und Widerspruchsverfahren bei den Behörden und Klagen bis zum Bundessozialgericht ¤ keine Mindestwartezeit für Neumitglieder ¤ VdK-Patienten- und -Wohnberatung ¤ Engagement im Ehrenamt und aktives Vereinsleben ¤ Fachinformationen, z.B. in der VdK-Zeitung oder auf VdK-TV (www.vdktv.de) ¤ Reisen in alle Welt über das VdK-Reisebüro ¤ Versicherungsservice mit speziellen Mitgliedertarifen ¤ attraktive Serviceleistungen und Rabatte durch Kooperationspartner ¤ und vieles mehr … … für einen Jahresbeitrag von nur 72 Euro! Interessiert? Weitere Infos finden Sie unter www.vdk.de/bawue BADEN-WÜRTTEMBERG Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V. Johannesstraße 22 70176 Stuttgart Telefon 07 11/6 19 56-0 Telefax E-Mail: baden-wuerttemberg@vdk.de 07 11/6 19 56-99 Hier fi nden Sie unsere Beitrittserklärung
Der Gesetzgeber hat den Ablauf des BEM bewusst offengelassen, damit auf betrieblicher Ebene Lösungen gefunden werden, die durch betriebliche Inklusionsvereinbarungen ausgestaltet werden können. Das BEM soll dabei dazu dienen, krankheitsbedingte Kündigung zu vermeiden, ist aber letztlich für Mitarbeiter freiwillig. Klar ist aber auch, dass ein erfolgreiches BEM nur dann gewährleistet werden kann, wenn beide Akteure, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Vorteile des BEM erkennen und sich danach ausrichten. Auf der Arbeitgeberseite ist es deshalb notwendig, für das BEM offen zu sein; auf der Seite der Schwerbehindertenvertrauensleute ist Kompetenz erforder lich und notwendig, um auf Augenhöhe agieren zu können. Der Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V. will mit seiner Schulung einen Beitrag dazu leisten, damit BEM auf betrieblicher Ebene mit Leben erfüllt und Lösungen erarbeitet werden können, die beiden Seiten, Arbeit- nehmern und Arbeitgebern, gerecht werden. Für alle, die an unserer diesjährigen Schulung in der Heilbronner Harmonie nicht teilnehmen können, haben wir deshalb die Inhalte unserer Schulungs- veranstaltung in dieser zweiten Jahresausgabe des SBVdirekt eMagazins mit aufgearbeitet. So finden Sie in dieser Ausgabe unter anderem aktuelle Informationen zum Stand der 6. Änderungsverordnung der Versorgungs- medizin-Verordnung, welche Grundlage für die Beurteilung des Grades der Behinderung und damit einer eventuellen Feststellung einer Schwerbehin derteneigenschaft ist. Bei der Lektüre wünsche ich Ihnen wichtige Erkenntnisse, die Sie auch in Ihrer täglichen Arbeit nutzen können. Falls wir Ihr Interesse geweckt haben, kommen Sie doch einfach auch einmal zu einer unserer Schulungsveranstaltungen in die Heilbronner Harmonie. Die nächste Gelegenheit dazu besteht am Mittwoch, den 1. Juli 2020. Ihr Joachim Steck VdK-Landesobmann der Schwerbehinderten-Vertrauenspersonen beim Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V.
06 g n i t e k r a M n n o r b l i e H © Die Harmonie Heilbronn – seit 2008 der bewährte VdK-Veranstaltungsort. Am Mittwoch, 3. Juli 2019, ist es wieder so weit 17. VdK-Landesschulung in Heilbronn Thema 2019: BEM – Gute Arbeit trotz Behinderung! Schon seit 2008 ﬁndet die VdK-Landesschulung für Behinder- ten- und Personalvertreter jährlich in der Harmonie Heilbronn statt. Dieses Jahr dreht sich die Großveranstaltung um das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM). Nach der Begrüßung durch Landesgeschäftsführer Hans-Josef Hotz und der thematischen Einführung durch VdK-Landes- obmann Joachim Steck, der auch als Moderator fungiert, widmet sich der Landesverbandsvorsitzende Roland Sing dem Themenkomplex „Teilhabe von Menschen mit Behinderung“. Dorothee Czennia, die Behindertenexpertin des VdK Deutsch- land in Berlin, hält gleich zwei Fachvorträge: „Grad der Be- hinderung: Von der militärärztlichen Begutachtung der Dienstbeschädigung zur ICF – Die versorgungsmedizinische Begutachtung im Wandel der Zeit“ und „Der Entwurf der 6. Änderungs-Verordnung: Kritik und aktuelle Entwicklungen“.
Impressionen K d V © Seit 2001 eine feste Größe in Baden-Württemberg in der Fort- und Weiterbildung von Behinderten- und Arbeitnehmervertretern, Obleuten sowie Arbeitgeberbeauftragten. „Behindert und trotzdem leistungsfähig! – Rehabilitation und Leistungen zur Teil- habe am Arbeitsleben der Deutschen Rentenversicherung (DRV)“ lautet der Vortrag des stellvertretenden Leiters des DRV-Regionalzentrums Stuttgart/Böblingen, Thilo Präger. Nach der eineinhalb-stündigen Mittagspause, die auch zum Besuch der Messe genutzt werden kann, sprechen Melanie Domke und Erwin Muth von der Firma Alfred Kärcher über „BEM-Praxis: Lösungen und Erfahrungen, die nicht im Lehr- buch stehen!“ Anschließend hält Andreas Gailus von der Stuttgarter Firma Gailus ORG den Vortrag „BEM – alternativer Werkzeugkasten, damit es noch besser läuft!“ Programm-Highlight am Nachmittag ist die Präsentation „Packen wir es an!“ von Sina Trinkwalder. Die bekannte und preisgekrönte Sozialunternehmerin und Wirt- schaftsquerdenkerin, die insbesondere langzeitarbeitslose Menschen, Menschen mit Behinderung und Alleinerziehende beschäftigt, gibt uns einen Einblick in ihr Augsburger Unternehmen. Auch 2018 erhielt die renommierte Fortbildungsveranstaltung wieder eine Zertiﬁ - zierung durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Sie wird daher mit sie- ben Stunden für die Weiterbildung für zertiﬁ zierte Disability Manager anerkannt. Hier ﬁ nden Sie das Verzeichnis der Aussteller mit zusätzlichen Informationen
17. Landesweite VdK-Schulung für Behindertenvertreter, Betriebs- und Personalräte 08 Ab 8:30 Uhr Einlass, Anmeldung, Begrüßungskaffee und Be- ginn der Ausstellung im Foyer (Ausstellungsende: 14:30 Uhr) 9:30 Beginn des Seminars 9:30 – 9:40 Uhr Begrüßung Hans-Josef Hotz, Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V., Landesverbandsgeschäftsführer 9:40 – 10:10 Uhr Teilhabe von Menschen mit Behinderung Referent: Roland Sing, Landesverbandsvor- sitzender, Sozialverband VdK Baden-Würt- temberg e.V. Mehr Infos 10:10 – 10:45 Uhr Grad der Behinderung: Von der „militärärztlichen Begutachtung der Dienstbeschädigung“ zur ICF – die versor- gungsmedizinische Begutachtung im Wandel der Zeit Referentin: Dorothee Czennia, Referen- tin Abt. Sozialpolitik, Sozialverband VdK Deutschland e.V. Mehr Infos
BEM – Gute Arbeit trotz Behinderung! 3. Juli 2019 in der Harmonie Heilbronn Einleitung und Moderation Joachim Steck, Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V., Landesobmann der Schwerbehinderten-Vertrauenspersonen 10:45 – 10:55 Uhr Aktivpause 10:55 – 11:40 Uhr Der Entwurf der 6. Änderungs- Verordnung: Kritik und aktuelle Entwicklungen Referentin: Dorothee Czennia, Referentin Abt. Sozialpolitik, Sozialverband VdK Deutschland e.V. 11:40 – 12:30 Uhr Behindert und trotzdem leistungsfähig! – Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Arbeits- leben der Deutschen Rentenversicherung Referent: Thilo Präger, Stv. Leiter des Regionalzentrums S/BB, Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg Mehr Infos Kurze Zusammenfassung des Vormittags Joachim Steck 12:30 – 14:00 Uhr Mittagspause gemeinsames Mittagessen / Besuch der Ausstellung
10 3. Juli 2019 in der Harmonie Heilbronn 14:00 – 14:30 Uhr BEM-Praxis: Lösungen und Erfahrungen, die nicht im Lehrbuch stehen! Referent*in: Melanie Domke & Erwin Muth, Alfred Kärcher SE & Co. KG Mehr Infos 14:30 – 15:00 Uhr BEM – alternativer Werk- zeugkasten, damit es noch besser läuft! Referent: Andreas Gailus, gailus.ORG, Pro- jektberatung für BGM und Betriebskultur Mehr Infos 15:30 – 15:45 Uhr Packen wir es an! Referentin: Sina Trinkwalder, preisgekrönte Unternehmerin und Wirtschaftsquerden- kerin Mehr Infos 15:45 Uhr Resümee und Ausblick Tagungsende
Rückblick: Interessante Vorträge und vielfältige Angebote auf der VdK-Reha- und Gesundheitsmesse
Wir müssen Menschen nehmen, wie s Für Sina Trinkwalder ist es eine Selbstverständlichkeit, Men mit Handicap in ihrem Augsburger Unternehmen einzu 12 © Barbara Gandenheimer Sina Trinkwalder (41) ist eine Unternehmerin, die für ihre in Augsburg gegründete ökosoziale Textilfirma MANOMAMA (www.manomama.de) mehrfach ausgezeichnet wurde. Sie beschäftigt sehr erfolgreich sozial benachteiligte Men- schen. Über ihr viertes Buch „Die Zukunft ist ein guter Ort“ sagt Trinkwalder: „Ich stelle meine Gesellschaftsvision vor, wo wir hinmüssen, um die Leistungsgesellschaft abzu- lösen oder auch die Digitalisierung zu meistern. Der beste Return on Investment ist, in Menschen zu investieren!“ VdK-Zeitung: Frau Trinkwalder, Sie beschäftigen Menschen in Ihrem Unternehmen, die mit Hemmnissen auf dem Ar- beitsmarkt kämpfen. Das sind Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung oder auch Alleinerziehende. Sie werden
schen nehmen, wie sie sind! ständlichkeit, Menschen ger Unternehmen einzustellen. daher oft als Sozialunternehmerin bezeichnet. Was genau machen Sie mit Ihrem Betrieb MANOMAMA? Sina Trinkwalder: Ich bin eine stinknormale Unternehmerin. Denn wir Unter- nehmer haben die Pﬂicht, jedem Menschen die Möglichkeit zur Erwerbsarbeit zu geben, ihn an der Leistungsgesellschaft teilhaben zu lassen. Darum fühle ich mich nicht als Sozialunternehmer. Mein Unternehmen stellt Öko-Textilien her. Ich be- schäftige vor allem sogenannte „Unqualiﬁzierte", die wir zu Näher*innen ausbilden. VdK-Zeitung: Warum hakt es bei anderen Unternehmen, so normal wie Sie zu sein? Trinkwalder: (lacht) In den Augen vieler traditioneller Unternehmer bin ich nicht normal. Im Ernst: Entweder haben Unternehmen Vorurteile oder sie haben es noch nie probiert, einen Menschen mit Behinderung einzustellen oder eine Langzeiter- werbslose zu beschäftigen. Die wissen also gar nicht, wovon sie reden, oder die, die gescheitert sind, sagen: ‚Ach … alles ist kompliziert.‘ Das ist der bequeme Weg. Aber wir müssen Menschen nehmen, wie sie sind, und zwar jeden einzelnen. Für mich ist das meine Lebensaufgabe. Ich habe mehr Kraft als ich brauche, und die bringe ich für unsere Gemeinschaft ein. VdK-Zeitung: Was sind Erfolgsfaktoren Ihres Unternehmenskonzepts? Trinkwalder: Ich mache die angeblichen Hemmnisse der Menschen zu Vorteilen für uns alle. Eine meiner Kolleginnen zum Beispiel hat ein Metallknie. Das ist für das Nähen wunderbar, ihr tut nie das Knie weh. Oder Gino, er ist kleinwüchsig. Er kann am besten die Reißverschlüsse in die Jeans frickeln, wo so manch‘ anderer verzwei- felt. Sie sehen – nichts muss ein Problem sein, wenn wir es nicht zu einem machen! VdK-Zeitung: Sie sprechen von „meiner Kollegin“, „meinem Gino“. Wie ist der Füh- rungsstil in Ihrem Unternehmen?
14 „Ich mache die angeblichen Hemmnisse der Menschen zu Vorteilen für uns alle. Eine meiner Kolleginnen zum Beispiel hat ein Metallknie. Das ist für das Nähen wunderbar, ihr tut nie das Knie weh." Trinkwalder: Ich bin keine Arbeitgeberin, sondern Arbeits- KRAFTnehmerin. Ich nenne meine Mitarbeiterinnen Ladies. Und wissen Sie was? Ich habe von ihnen den Namen First Lady bekommen. Das zeugt von Respekt. Denn wenn zum Beispiel mal Not am Mann oder der Frau ist, setze ich mich auch selbst hinter die Nähmaschine. Durch starre Hierar- chien trauen sich viele Menschen nicht, etwas zu sagen. Bei mir haben die Mitarbeiter Mitsprachepﬂ icht! Das einzige, was meine Aufgabe ist, ist, einen Rahmen vorzugeben, der das ökonomische Überleben sichert. Aber: Die schwarze Null reicht. VdK-Zeitung: Sie sprechen es an, Frau Trinkwalder. Ein Un- ternehmen will ja auch ökonomisch erfolgreich sein. Sind Sie das? Trinkwalder: Betriebswirtschaftlich schreiben wir monatlich eine schwarze Null, das reicht. Volkswirtschaftlich gesehen sind wir eines der proﬁ tabelsten Unternehmen. Denn wir sparen der Kommune im Jahr über eine Million Euro, denn Hartz IV sind kommunale Ausgaben. Holt man Menschen aus diesem Bezug in die Erwerbstätigkeit, gewinnt die Gesell- schaft doppelt. Darüber hinaus geben unbefristete Beschäf- tigungsverhältnisse meinen Kollegen Sicherheit für ihre Zukunft.
„Volkswirtschaftlich gesehen sind wir eines der profi tabelsten Unternehmen. Denn wir sparen der Kommune im Jahr über eine Million Euro, denn Hartz IV sind kommunale Ausgaben.“ VdK-Zeitung: So richtig eine Cheﬁ n gibt es also nicht? Trinkwalder: Wenn ich mal was entscheide, was meinen Ladies nicht schmeckt, dann sind die auch knatschig. Zum Beispiel ist der Biobaumwollfaden nicht so ein- fach zu verarbeiten, einige wünschen sich einen Kunststofffaden aus China. Aber da sage ich nein, denn unser Kernunternehmen ist ökologisch und regional. Wir gehen nicht den bequemsten Weg. Fördern und fordern ist meine Devise. VdK-Zeitung: Wie kann ich mir so eine beruﬂ iche Eingliederung bei Ihnen vorstel- len? Trinkwalder: Wir sind ﬂ exibel mit den Stunden. Meine Ladies können aufstocken oder Stunden reduzieren, wie sie es möchten. Wir haben von 6 bis 22 Uhr geöff- net. Wann sie arbeiten, entscheiden alleinerziehende Frauen zum Beispiel mit ihren Kindern. Wenn sie morgens drei Stunden machen und drei während des Fußball- trainings des Juniors am Abend, ist das fein. Bei Wiedereingliederungen geben wir den Leuten länger Zeit, als wir das gesetzlich kriegen. Wir haben auch einen Kran- kenstand, der weit über dem Durchschnitt liegt. Aber manche Menschen können nicht länger als vier Tage die Woche arbeiten. So ist das nun mal und kein Hemmnis für uns, solange wir es tragen können. VdK-Zeitung: Frau Trinkwalder, über Ihre Unternehmensphilosophie werden Sie auch auf unserer SBV-Schulung am 3. Juli 2019 in Heilbronn sprechen. Wir freuen uns auf Sie und danke für das Interview! Trinkwalder: Danke, ich freu mich auch!
VdK-Stellungnahme zur Änderung der Versorgungsmedizin-Verordnung Neue Kriterien für die Festlegung des Grades der Behinderung? 16 Versorgungsmedizin-Verordnung: So heißt das Regelwerk, das festlegt, welche Kriterien Betroffene erfüllen müssen, damit sie einen Grad der Behinderung zuerkannt bekom- men. Seit einiger Zeit liegt ein Referentenentwurf vor, der neue Verordnungsregeln vorsieht. Diesen Entwurf kritisiert der Sozialverband VdK scharf, denn mit den dort vorge- schlagenen Änderungen könnten Verschlechterungen auf Betroffene zukommen. Behinderte Menschen: Wann haben sie Anspruch auf einen GdB? Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat im September 2018 einen Referentenentwurf zur Aktualisie- rung der Versorgungsmedizin-Verordnung vorgelegt, gegen den sich der Sozialverband VdK wendet. Derzeit läuft die Debatte um diesen Entwurf, dieser ist aber noch nicht um- gesetzt. Das heißt: Für Menschen, die jetzt einen GdB haben oder einen Antrag darauf stellen wollen, ändert sich nichts, für sie gelten die bisherigen Regeln. Versorgungsmedizin-Verordnung: Welche Änderungen sieht der Referentenentwurf vor? Die Regeln, mit denen die Versorgungsverwaltung oder Gutachter den GdB eines Menschen festlegen, werden in der Anlage „Versorgungsmedizinische Grundsätze" der Versor- gungsmedizin-Verordnung deﬁniert.
VdK-Stellungnahme zur Änderung der erordnung ades der Behinderung? Seit einigen Monaten liegt ein Referentenentwurf des BMAS vor, der die „Versor- gungsmedizinischen Grundsätze" fortentwickeln will. Diese Fortentwicklung ist nicht unüblich, sondern ein laufender Prozess, in dem die Vorgaben immer mal wieder geändert und an den Stand der medizinischen Wissenschaft angepasst wer- den. Dem Entwurf nach soll in Zukunft bei der Festlegung des GdB etwa der Einsatz medizinischer Hilfsmittel oder alltäglicher Gebrauchsgegenstände berücksichtigt werden. Ebenfalls geplant ist zum Beispiel die Überarbeitung der „Heilungsbewährung“. Bis- her wurde bei bestimmten Erkrankungen, etwa bei einer Krebsdiagnose, pauschal der Schwerbehindertenstatus für mindestens fünf Jahre zuerkannt. Das könnte sich künftig ändern. Bei der Bildung eines Gesamt-GdB, wenn also mehrere Beeinträchtigungen zusam- menkommen, sollen dem Entwurf nach nur noch Einzel-GdB über 20 berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollen viele Beeinträchtigungen nur mit geringem GdB von 10 oder 20 bewertet werden. Versorgungsmedizin-Verordnung: Wie werden die Änderungen begründet? Begründet werden die geplanten Änderungen etwa mit dem medizinischen Fort- schritt auch bei schweren und chronischen Erkrankungen, mit der besseren Hilfs- mittelversorgung und dem Abbau von Mobilitätsbarrieren im öffentlichen Raum. All dies, so wird im Referentenentwurf argumentiert, würde dazu führen, dass die Einschränkungen in der Teilhabe von Betroffenen reduziert würden. Ein weiterer Grund für die geplante Überarbeitung der Regeln ist, dass in die Ver-
18 ordnung auch die internationale ICF-Klassiﬁzierung imple- mentiert werden soll. ICF ist die Abkürzung der englischen Begriffe Internatio- nal Classiﬁcation of Functioning, Disability and Health, auf Deutsch: Internationale Klassiﬁkation der Funktionsfähig- keit, Behinderung und Gesundheit. Mit Hilfe der ICF-Klassi- ﬁkation kann man gesundheitliche Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Teilhabe in verschiedensten Lebensbereichen und Aktivitäten geordnet erfassen und beschreiben. Kritik des Sozialverbands VdK an den geplanten Ände- rungen der Versorgungsmedizin-Verordnung Wenn der Referentenentwurf geltendes Recht würde, dann, so befürchtet der VdK, könnte es künftig zu niedrigeren GdB-Feststellungen in den Versorgungsämtern kommen. Auch bei Anträgen von Betroffenen, die bereits einen GdB und eventuell bestimmte Merkzeichen haben. Es könnte sein, dass in Zukunft weniger Menschen über- haupt den Schwerbehindertenstatus mit mindestens GdB 50 erreichen. Zudem droht die Gefahr, dass viele Betroffene ihren Schwerbehindertenstatus oder ihre Merkzeichen und damit auch Nachteilsausgleiche verlieren. Die angedachten Regeln zu Hilfsmitteln sind wenig ziel- führend, da Hilfsmittel Beeinträchtigungen beim Einzelnen unterschiedlich gut ausgleichen können. Eine pauschale Festlegung würde viele Betroffene benachteiligen.
Hier fi nden Sie die Stellungnahme des Sozialverbands VdK Deutschland e.V. Der VdK wehrt sich entschieden gegen weitere vorgeschlagene Änderungen und fordert zum Beispiel einen unbeschränkten Bestandsschutz für vorhandene GdB und Merkzeichen, damit heute Betroffene nicht zu Verlierern werden. Versorgungsmedizin-Verordnung: Der aktuelle Stand der Debatte Der VdK und andere Verbände, die etwa im Deutschen Behindertenrat (DBR) orga- nisiert sind, sind inzwischen in einem ständigen Dialog mit dem auf Bundesebene für das Thema zuständigen BMAS. Ebenso wie mit den Ländern, die mit ihren Ver- sorgungsämtern für die Durchführung der GdB-Feststellungsverfahren zuständig sind. Durch das große Engagement und den Einsatz des VdK und anderer Verbände hat die Politik nun grundsätzlich Entgegenkommen signalisiert: So soll die Regelung zum Bestandsschutz überarbeitet und verbessert werden. Und von der ursprüng- lichen Planung, einen Einzel-GdB von 20 regelhaft nicht mehr im Gesamt-GdB zu berücksichtigen, wurde Abstand genommen. Der VdK und die im DBR organisierten Verbände haben also einige Erfolge vorzu- weisen. Auch in Zukunft werden sie sich dafür einsetzen, dass die Feststellung ei- ner Behinderung auch künftig unter Berücksichtigung einer Hilfsmittelversorgung erfolgen wird und dass die Feststellungsbescheide in bestimmten Fällen nicht von vornherein befristet werden. Das BMAS wird den Entwurf zur Versorgungsmedizin-Verordnung nun überarbei- ten und dann erneut den Verbänden zur Stellungnahme und Anhörung vorlegen. Einen konkreten Zeitplan dafür gibt es bisher noch nicht. Bereits im vergangenen Herbst hatte der VdK an einer Verbändeanhörung zum Thema teilgenommen und dort seine Position deutlich gemacht. Zuvor hat der VdK eine Stellungnahme zum Referentenentwurf verfasst.
20 Inklusionspreis für die Wirtschaft 2019 verliehen Auszeichnung für Daimler, Deutsche Telekom, Zalando Logi Quick Line Transportdienstleister und Schär Werkzeughandel © zeichensetzen / Petz Inklusion bedeutet, die Vielfalt der Beschäftigten als Gewinn zu schätzen. Das erkennen immer mehr Arbeitgeber, wie der Inklusionspreis für die Wirtschaft zeigt. Fünf Unternehmen erhielten jetzt in Berlin den renommierten Preis: Der Auto- mobilkonzern Daimler, die Deutsche Telekom, der Online- händler Zalando Logistics, der Transportdienstleister Quick Line und der Werkzeughandel Schär. „Unternehmen können heute nur zukunftsfähig sein, wenn sie auf Vielfalt setzen und Diversity als Teil ihrer Unternehmenskultur leben”, erklärt die Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt Aletta Gräﬁn von Hardenberg für den Initiierendenkreis. „Nur so kann ein vorurteilsfreies und chancengleiches Arbeitsum- feld geschaffen werden, das alle Menschen und ihre Talente wertschätzt.“ Das zeigen die Preisträger und Preisträgerin- nen 2019 eindrücklich quer durch alle Betriebsgrößen.
© zeichensetzen/Petz 19 verliehen elekom, Zalando Logistics, erkzeughandel Die Preisträger im Überblick Daimler: Barrieren umfassend abbauen In der Kategorie „Konzern“ erhielt Daimler die namhafte Auszeichnung. Der Kon- zern zeigt nachhaltig und ganzheitlich, wie Inklusion als Teil der Unternehmens- kultur gelebt werden kann. Besonders beeindruckend aus Sicht der Jury: Barriere- freiheit wird von Daimler nicht nur auf baulicher Ebene umgesetzt, sondern gilt auch für digitale Anwendungen wie die Mitarbeiter-App „Daimler4You“ mit Vor- lesefunktion, Zoom und Sprachassistenten. Zudem hat sich das Unternehmen dem Abbau unbewusster Vorurteile in den Köpfen der Führungskräfte verschrieben. Dazu trägt das Projekt „BUDDY@Daim- ler“ bei, bei dem Menschen mit und ohne Behinderungen einen Tag zusam- men verbringen. Großes Engagement zeichnet das Unternehmen zudem in der Ausbildung junger Menschen mit Behinderungen aus: 317 Jugendliche konnten bei Daimler ihren Weg in das Berufsleben beginnen. © zeichensetzen / Harms Deutsche Telekom: Experten-Abteilung für Inklusion Ebenfalls in der Kategorie „Konzern“ wurde die Deutsche Telekom ausgezeichnet. Auch sie überzeugte die Jury mit einem ganzheitlichen und strategischen Vorge- hen beim Abbau von Barrieren und bei der Umsetzung von Inklusion. Der Konzern hat nicht nur einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonven- tion erstellt, sondern auch eine eigene Experten-Abteilung geschaffen: Als interne Beratungsstelle unterstützt sie standortübergreifend bei Fragen rund um inklusive
22 © zeichensetzen / Harms © zeichensetzen / Harms Beschäftigung und Beantragung von Hilfsmitteln. Besondere Expertise hat die Telekom bei der Beschäftigung von Mitar- beitenden mit Hörbehinderung: Ein speziell geschulter IT- „VIP-Service“ und Beratungsleistungen in Gebärdensprache stellen hier innovative Maßnahmen dar. Zalando Logistics: Standorteigene Inklusionsvereinbarung Eine Mitarbeiterschaft so vielfältig wie ein Kleiderschrank – das ist das Ziel von Zalando Logistics am Standort Erfurt. Das zielgerichtete Vorgehen des Unternehmens überzeugte die Jury in der Kategorie „Großes Unternehmen“. Mit einer eige- nen Inklusionsvereinbarung konnte der Online-Logistiker die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderungen in kurzer Zeit steigern: Ein interdisziplinäres Team aus Arbeit- geber- und Arbeitnehmervertretern setzt dazu strategische Maßnahmen um, wie ein Pagersystem für gehörlose Mitar-
© zeichensetzen / Harms beitende, Kennenlerntage für Bewerbende mit Handicap oder soziale Zielvereinba- rungen für Führungskräfte. Quick Line: Anpassung von Arbeitsplätzen und -prozessen Als „Kleines Unternehmen“ erhielt Quick Line aus Köln den Inklusionspreis. Bei dem Kurier- und Transportdienst wird Inklusion im Arbeitsalltag gelebt, 20 % der Mit- arbeitenden haben eine Behinderung. Unternehmer Hans Jürgen Mosbach hat sich dazu mit kompetenten Partnern vernetzt und seine Arbeitsplätze und -prozesse individuell an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst: So wurde die Auf- tragsbearbeitung in einzelne Segmente gegliedert, damit Mitarbeitende stärken- orientiert arbeiten können. Schär: Inklusion als Weg aus dem Fachkräftemangel In der Kategorie „Nicht beschäftigungspﬂ ichtiges Unternehmen“ gewann der Werkzeug-Maschinenhandel Schär aus dem sächsischen Crimmitschau. Dank in- klusiver Beschäftigung ist dem Kleinstunternehmen der Weg aus dem Fachkräfte- mangel gelungen: Mit einem neuen Bewerbungs- und Einstellungsverfahren, das individuelle Stärken in den Vordergrund rückt, gewann Schär talentierte Mitarbei- tende mit Handicap – darunter einen Auszubildenden mit Autismus und Tourette- Syndrom sowie einen ehemaligen Logistiker mit Körperbehinderung, der heute den Onlinehandel des Unternehmens leitet. Weitere Informationen
24 Sozialverband VdK Baden-Württember sich auf der Bundesgartenschau in Heilbr Mit einem Musterapartment zum Thema barrierefreies und technikgestütztes Wohnen präsentiert sich der So- zialverband VdK Baden-Württemberg e.V. auf der Bun- desgartenschau in Heilbronn. Dabei soll älteren und behinderten Menschen gezeigt werden, wie man sein Wohnumfeld einrichten kann, um möglichst lange zu Hause Wohnen zu können. Der VdK Kreisverband Heilbronn, auf dessen Anregung dieses Apartment eingerichtet wurde, betreut mit über 40 Ehren- amtlichen das Projekt über die Laufzeit der BUGA jede Wo- che von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 16:00 Uhr. Das Apartment ist mit AAL-Lösungen ausgestattet. AAL steht – in deutscher Übersetzung – für alltagsunterstützen- de Assistenzlösungen. Wohnungen, die mit solch innovativer © VdK
Sozialverband VdK Baden-Württemberg präsentiert ich auf der Bundesgartenschau in Heilbronn © VdK Technik ausgestattet sind, können sowohl hochbetagten und pﬂegebedürftigen als auch schwer- und schwerstbehinderten Menschen das selbstbestimmte Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen oder zumindest noch längere Zeit möglich machen. Zu sehen gibt es eine behindertengerechte Küchenzeile der Firma KIMOCON, bei der das Kochfeld höhenverstellbar ist und die mit einem absenkbaren Hängeschrank ausgestattet ist. Die Firma Hofmeister hat das Apartment mit senioren- und behindertengerechten Möbeln ausgestattet. Dazu gehören höhenverstellbare Tische, ein Sessel mit Auf- stehhilfen sowie ein elektrisch verstellbares Bett.
26 © VdK © VdK
© VdK © VdK Der Reha-Ausstatter Verosana zeigt kleine Helfer, die Senioren und behinderten Menschen das Leben einfacher machen, und die Kreishandwerkerschaft Heil- bronn-Öhringen zeigt Technische Hilfsmittel, die ohne großen baulichen Aufwand in einer Wohnung nachgerüstet werden können. Das Apartment ist im Geländeplan der BUGA bei der Stadtausstellung mit der Nummer 79 gekennzeichnet. Der Zugang ist auf der Rückseite im Innenhof. Der Sozialverband VdK Baden-Württemberg freut sich auf Ihren Besuch. Öffnungszeiten des Muster-Apartments: Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 16:00 Uhr Öffnungszeiten BUGA 2019: Täglich bis 6. Oktober 2019, auch an Sonn- und Feiertagen, von 9:00 bis 19:00 Uhr. Bei Abendveranstaltungen sind die Kassen bis Veranstaltungsbeginn besetzt. Einlass ist bis 30 Minuten nach Beginn der Veranstaltung. Weitere Informationen zur BUGA 2019 in Heilbronn © VdK
28 Schlichter statt Richter – Schlichtung BGG legt zweiten Jahresbericht vor Ergebnis: Schlichtungsstelle fest etabliert – Schlichtungen auf Augenhöhe statt langwieriger Gerichtsverfahren Die Schlichtungsstelle nach dem Behindertengleichstellungs- gesetz (BGG) – kurz Schlichtungsstelle BGG – hat ihren zwei- ten Jahresbericht veröffentlicht. Angesiedelt ist die Schlich- tungsstelle BGG beim Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel. Sie hilft seit 2016 dabei, Konﬂikte zwischen Menschen mit Behinderungen und Bundesbehörden zu lösen, wenn es um das Recht auf Barrierefreiheit und Gleichbehandlung geht. „Öffentliche Verwaltungen sind zwar durch das BGG zur Barrierefreiheit verpﬂichtet und sie tragen eine besondere Verantwortung, wenn es um gleichberechtigte Zugänglich- keit und Teilhabe für alle Menschen geht", so Jürgen Dusel. „Bei der Umsetzung hapert es jedoch noch an vielen Stellen. Dabei geht es nicht nur um bauliche Barrierefreiheit, sondern auch um barrierefreie Informationen auf Internetseiten für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen oder auch Bescheide in leichter und verständlicher Sprache“, erläu- tert Dusel. „Ich fordere die öffentlichen Verwaltungen auf, diese Verpﬂichtung aus dem BGG ernst zu nehmen und die Bemühungen zu umfassender Barrierefreiheit deutlich zu verstärken. Auch um dies voranzubringen, gibt es die Schlich- tungsstelle. Sie ist ein ganz konkretes Angebot für Menschen mit Behinderungen, ihre Rechte auf Barrierefreiheit und Gleichbehandlung kostenfrei und außergerichtlich geltend zu machen.“
Schlichter statt Richter – Schlichtungsstelle bericht vor Der für den Berichtszeitraum 2018 veröffentlichte Tätigkeitsbericht zeigt, dass sich die Schlichtungsstelle inzwischen fest etabliert hat. Sie wurde bereits mehr als 300 Mal in Anspruch genommen. In der überwiegenden Zahl der Verfahren konnte eine gütliche Einigung zwischen den Beteiligten erzielt werden. Damit konnten – mit- unter langwierige – Gerichtsverfahren vermieden werden. Erfreulich ist auch, dass die Schlichtungsstelle im Berichtszeitraum erstmals eine vollständige Übersetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes in die Deutsche Gebärdensprache vorge- nommen hat. Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland zudem die Richtlinie (EU) 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendun- gen öffentlicher Stellen umgesetzt. Dadurch übernimmt die Schlichtungsstelle die Aufgabe der „Ombudsstelle digitale Barrierefreiheit“. Das Besondere daran ist, dass in diesem Bereich nun auch Schlichtungsverfahren durchgeführt werden können, wenn privatrechtlich organisierte Einrichtungen, die jedoch überwiegend aus Bundesmitteln ﬁ nanziert werden, sich nicht an die Vorgaben zur Barrierefreiheit halten. Den kompletten Jahresbericht 2018 der Schlichtungsstelle BGG können Sie hier abrufen
30 Flugreisen und Barrierefreiheit © TUIﬂy Es ist gesetzlich geregelt, dass für Menschen mit Behin- derung oder eingeschränkter Mobilität grundsätzlich eine Beförderungspflicht besteht. Die entsprechende EU-Ver- ordnung gilt für Flüge mit Start, Landung oder Transit auf einem EU-Flughafen. Ausnahmen sind nur möglich bei Sicherheitsproblemen oder wenn es physisch unmög- lich ist, den Passagier an Bord zu befördern (z.B. extremes Übergewicht). Die durchgehende Betreuung mobilitätseingeschränkter Flug- reisender ist von der Ankunft am Flughafen bis zum Abﬂug ohne zusätzliche Kosten für den Betroffenen sicherzustellen. In der Regel sind fast alle internationalen Flughäfen so ausgestattet, dass sie den Bedürfnissen gehbehinderter, aber auch seh- und hörbehinderter Passagiere entsprechen. Wichtig ist, dass der Fluggast bereits bei der Buchung seine
efreiheit Einschränkungen und Bedürfnisse mitteilt. Tipp: Versuchen Sie den Flug möglichst früh zu buchen. Es ist wichtig, dass Sie sich rechtzeitig vor Abﬂug (spätestens 48h vorher) mit der Fluggesellschaft in Verbin- dung setzen und Ihre speziellen Bedürfnisse besprechen. Informieren Sie sich auch auf der Webseite des Flughafens über die Einrichtungen, Serviceangebote sowie die Kontaktstellen. Es werden folgende Dienste angeboten: •฀ Behindertengerechte Schalter am Check-in •฀ Sonderbetreuungsräume für Passagiere mit Behinderungen •฀ Rollstuhlservice: Bodenpersonal begleitet den Menschen mit Behinderung vom Abﬂugbereich zum Flugzeug, von Flugzeug zu Flugzeug (Umsteiger) oder vom Flugzeug zum Ankunftsbereich. Flughafeneigene Rollstühle werden zur Verfü- gung gestellt. Wenn Sie an Bord kommen, erwartet Sie bereits das Bordpersonal, um Ihnen behilflich zu sein: •฀ Es unterstützt Sie beim Ein- und Aussteigen •฀ Es hilft Ihnen beim Verstauen des Handgepäcks •฀ Hilfestellung auf dem Weg zur oder von der Toilette Bei Fluggästen mit eingeschränkter Sinneswahrnehmung wird unterschieden zwi- schen Sehbehinderung, Hörbehinderung und geistiger Beeinträchtigung. Folgende Hilfeleistungen werden in der Regel angeboten: •฀ Separate Einweisung bei Verspätungen und anderen Reiseangelegenheiten •฀ Weitere Hilfeleistungen wie Begleitung am Flughafen •฀ Separate, persönliche Sicherheitseinweisungen
32 © 2019 Eurowings GmbH • Erklärung der Anordnung des Essens auf dem Tablett (bei Sehbehinderung) • Hilfestellung am Zielort oder beim Umsteigen Laut den IATA-Bestimmungen müssen Sie selbst vor der Reise einschätzen, ob Sie eigenständig reisen können oder nicht. Um selbstständig reisen zu können, sollten Sie sich an Bord um Ihre körperlichen Bedürfnisse kümmern können. Die folgenden Aufgaben müssen Sie während des Fluges selbst- ständig erledigen. Wenn Sie dies nicht können, sollten Sie mit einem Begleiter reisen. • Selbstständig essen und trinken • Sich ohne Hilfe vom Sitzplatz auf den Bordrollstuhl und vom Rollstuhl auf die Toilette bewegen • Selbstständig an- und abschnallen • Die Sauerstoffmaske selbstständig aufsetzen • Die Schwimmweste selbstständig anziehen • Die eigenen Medikamente ohne Hilfe einnehmen Begleitpersonen Die meisten deutschen Linienﬂuggesellschaften befördern notwendige Begleitpersonen von Menschen mit Behinde- rung mit dem Merkzeichen B im innerdeutschen Flugverkehr kostenlos. Steuern und Gebühren müssen aber auch von der
© 2019 Eurowings GmbH Begleitperson bezahlt werden. Eine Begleitperson ist aus Sicherheitsgründen notwendig: •฀ wenn der Fluggast sich bei seiner eigenen Evakuierung nicht unterstützen kann •฀ wenn der Fluggast bei Sicherheitsanweisungen mit den Flugbegleitern nicht kommunizieren kann •฀ wenn der Fluggast Sicherheitsanweisungen nicht verstehen/nicht befolgen kann •฀ wenn sich der Fluggast nicht selbstständig orientieren kann Rollstuhl-Service bis zum Flugzeugsitz Wenn Sie nicht selbstständig laufen können, gibt es einen kostenlosen Roll- stuhl-Service, der Sie bis zu Ihrem Flugzeugsitz bringt. Sie können auch Ihre eigene Mobilitätshilfe zusammen mit dem Rollstuhlservice an Bord buchen. Wie Sie an Bord gebracht werden, hängt von dem jeweiligen Flughafen ab. Im Folgenden ﬁnden Sie ein paar Möglichkeiten, wie der Transport an Flughäfen gehandhabt wird: Fluggastbrücke: Diese ausfahrbare Brücke verbindet das Flugzeug mit dem Termi- nalgebäude und ist an den meisten Flughäfen vorhanden. Hubwagen: Ein Hebelift, der Sie bequem an die Flugzeugtür bringt. Rollstuhl: Einige Flughäfen verfügen über spezielle Rollstühle, die auch bei Trep- pen eingesetzt werden können. Fliegen mit Rollstühlen und anderen Mobilitätshilfen •฀ Gehstöcke und Krücken können an Bord des Flugzeugs transportiert werden. Gehstöcke und Krücken gelten nicht als Handgepäck und können somit unab- hängig von Ihrem erlaubten Handgepäck transportiert werden. •฀ Die Bereitstellung eines Rollstuhls ist kostenlos. Auch wenn Sie einen eigenen,
34 faltbaren Rollstuhl mitnehmen, entstehen keine Kosten für seinen Transport. Ihr Rollstuhl wird im Frachtraum transportiert. • Bei Mitnahme eines eigenen Rollstuhls benötigt die Flug- gesellschaft die Maße, das Gewicht sowie Besonderheiten (faltbar/nicht faltbar, Sportrollstuhl). • Falls Ihr Rollstuhl batteriebetrieben ist, informieren Sie sich bitte über den eingesetzten Batterietyp und geben Sie ihn bereits bei der Flugbuchung an. Je nach Batterie- typ unterliegen Rollstühle bestimmten Transportbedin- gungen. Flugreisen mit Assistenzhund Es besteht die Möglichkeit, Begleithunde kostenlos in der Kabine mitzuführen. Dabei wird unterschieden zwischen: • Anerkannten Assistenzhunden (SVAN), wie z.B. Blinden- führhunden • Psychotherapeutischen Assistenzhunden (ESAN) Voraussetzung ist eine ärztliche Bescheinigung, dass der Assistenzhund während des Fluges benötigt wird und ein Sachkundenachweis vorliegt, dass der Assistenzhund zweckmäßig ausgebildet wurde. Für die Mitnahme von Assistenzhunden in der Kabine gelten auch die grundsätzlichen Hinweise für die Beförderung von Tieren im Flugzeug. Mitnahme von Medikamenten Wenn Sie Medikamente mit an Bord nehmen möchten, be- achten Sie bitte Folgendes: • Nehmen Sie eine ausreichende Menge Ihres Medikaments mit an Bord. Die Menge sollte auch für 2-3 Tage nach An-
© Jens Görlich / Mo CGI kunft ausreichen. Der Rest sollte im aufzugebenden Gepäck verstaut werden. Gerne transportieren wir Ihre Medikamente kostenlos, die Menge sollte aber nicht größer als für einen regulären Urlaub von 2 bis 3 Wochen sein. •฀ Führen Sie einen Brief Ihres behandelnden Arztes mit, der den Namen und die Art des Medikaments mit der vorgeschriebenen Dosierung bestätigt. In dem Schreiben sollte angegeben werden, wofür das Medikament und andere medizi- nische Artikel benötigt werden. Dies betrifft zum Beispiel Spritzen oder EpiPens, die ansonsten von lokalen Sicherheitsbehörden oder Zollbehörden beanstandet werden könnten. •฀ Das Medikament sollte in der Originalverpackung verpackt und eindeutig phar- mazeutisch gekennzeichnet sein. •฀ Es wird empfohlen, ein zusätzliches Rezept vom Hausarzt mitzuführen, damit Sie Ihre Medikamente bei Verlust, Beschädigung oder unzureichender Versorgung ersetzen können. Genaue Informationen ﬁ nden Sie bei den jeweiligen Fluggesellschaften: Lufthansa Eurowings Eurowings Eurowings Eurowings Eurowings s s Condor Tuifl y T T Tuifl y Tuifl y Tuifl y Tuifl y
Im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen können Men Behinderung barrierefrei die Steinzeit besuchen 36 © Pfahlbaumuseum Unteruhldingen
seum Unte ruhldingen können Menschen mit die Steinzeit besuchen © 2019 Internationale Bodensee Tourismus GmbH
38 © Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bild oben Mitte: © 2019 Internationale Bodensee Tourismus GmbH Fotograf: Achim Mende Das Museum ist weitgehend barrierefrei. Auf dem Außen- gelände ermöglichen ausreichend breite Stege und Häuser- türen den Zugang zu den Dörfern; über Rampen und Fahr- stuhl erreichen Sie alle Ausstellungsbereiche innerhalb des Museumsgebäudes. Gruppen mit Sehbehinderten, Blinden oder Gehörlosen so- wie Lernbehinderten empfehlen wir, mit uns einen Besuchs- termin abzustimmen. Die Zeit von 9:00 bis etwa 10:30 Uhr und ab 15:00 Uhr eignet sich besonders für einen Besuch im Rahmen Ihrer Bodensee-Fahrt, da dann eine individuellere Betreuung durch unsere Mitarbeiter gewährleistet ist.
Weitere Infos © Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Zur Anmeldung NEU: An der Kasse können Sie sich den Museumsführer in Braille-Schrift für Ihren Be- such in den Pfahlbauten ausleihen! Parken: Behindertenparkplätze sind direkt neben dem Museum vorhanden. Taxis, PKWS oder Kleinbusse dürfen zum Be- und Entladen bis zum Museumsein- gang vorfahren. Ein „Kurbähnle“ verbindet während der Saison den Ortsrandpark- platz mit dem Hafen. Kurz sind die Wege vom Schiffsanleger. Die Pfahlbauten liegen unmittelbar am Bodenseerundweg für Fahrräder.
40 VdK-Webinare 2019: Kompakte Schulungen ohne Anreise Webinare bieten Ihnen die Möglichkeit, innerhalb einer Stunde viele hilfreiche Informationen zu erhalten, ohne weite Wege auf sich zu nehmen. Sie brauchen lediglich einen PC oder Laptop mit aktuellem Browser (z.B. Chrome) und Internetverbindung sowie Laut- sprecher. Über eine Chatfunktion haben Sie auch die Mög- lichkeit, konkrete Fragen zum Thema zu stellen. Die nächsten Webinare sind: Unfallversicherung III – Berufskrankheiten Termin: 16.07.2019, 11:00 bis 12:00 Uhr Beschreibung: Dieser Vortrag ist der dritte Teil einer Vor- tragsreihe über die gesetzliche Unfallversicherung, in der die wesentlichen Streitpunkte – Wegeunfälle, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten – behandelt werden. Referent: Ronny Hübsch, Sozialrechtsreferent der VdK Sozial- rechtsschutz gGmbH Baden-Württemberg. Hier können Sie sich zu diesem kostenlosen Webinar anmelden Weitere Infos zu den Webinaren fi nden Sie auch auf www.sbvdirekt.de
Referent: Ronny Hübsch, Sozialrechtsreferent der VdK Sozialrechtsschutz gGmbH Baden-Württemberg Pfl egeversicherung – Eine Einführung Termin: 26.08.2019, 11:00 bis 12:00 Uhr Beschreibung: Die gesetzliche Pﬂ egeversicherung hilft Pﬂ egebedürftigen und ihren Angehörigen, die persönlichen und ﬁ nanziellen Belastungen im Pﬂ egefall zu tragen. Das Webinar gibt einen ersten Überblick über die Gewährungsvorausset- zungen und Leistungen der Pﬂ egeversicherung. Referent: Ronny Hübsch, Sozialrechtsreferent der VdK Sozialrechtsschutz gGmbH Baden-Württemberg. Hier können Sie sich zu diesem kostenlosen Webinar anmelden Weitere Themen und Termine: ALG I und ALG II – Anspruchsvoraussetzungen Termin: 10.09.2019, 11:00 bis 12:00 Uhr Hier geht´s zur Anmeldung Patientenrechte Termin: 18.09.2019, 10:00 bis 11:00 Uhr Hier geht´s zur Anmeldung Voraussetzungen der Erwerbsminderungsrente Termin: 08.10.2019, 11:00 bis 12:00 Uhr Hier geht´s zur Anmeldung
0842 Bündnis-Fachtag Armut „Wohnen im Alter – gut und bezahlbar?“ „Wohnen im Alter – gut und bezahlbar?“, darüber disku- tierten Vertreter aus Politik, Architektur, Mieterbund und Sozialverbänden auf dem Fachtag Armut von „Bündnis gegen Altersarmut in Baden-Württemberg“ Anfang April in Stuttgart. „Wohnen ist ein Grundrecht und eine zentrale soziale Fragestellung!“, sagte der VdK-Landeschef Roland Sing bei seiner Eröffnung der Tagung des Bündnisses, dem über 30 Sozialverbände, Gewerkschaften, kirchliche sowie zivilge- sellschaftliche Organisationen angehören. Er verwies auf die steigenden ﬁnanziellen Belastungen mit Wohnkosten und Wohnnebenkosten und betonte: „Wohnkosten sind ein zentrales Anliegen“. Dies gelte sowohl für junge als auch für ältere Menschen in Haushalten mit geringem oder mitt- lerem Einkommen. Außerdem gab Sing zu bedenken, dass wegen dieser Kostenentwicklung immer mehr ältere Men- schen von Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt bedroht seien. „Würdiges Wohnen im Alter hat mit Chancen zu tun“, hob der Landesverbandsvorsitzende hervor. Er lenkte den Blick darauf, dass fast 50 Prozent der Wohnungen, in denen ältere Menschen leben, nicht wirklich altersgerecht sind. Roland Sing unterstrich denn auch die hohe Relevanz von Beratungsangeboten zu Barrierefreiheit und zu AAL-Tech- nologien – den Alltagsunterstützenden Assistenzlösungen.
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44 WWWW Links VdK Baden-Württemberg VdK Sozialrechtsschutz Unsere Referenten unterstützen Sie bei den Sozial- und Verwaltungsbehörden, stellen Anträge, legen für Sie Widerspruch ein, wenn Rechte verwehrt werden, und vertreten Sie vor Sozialgerichten in allen Instanzen. VdK Patienten- und Wohnberatung Baden-Württemberg Der Sozialverband VdK Baden-Württemberg bietet eine neutrale und unabhängige Patienten- und Wohnberatung für Ratsuchende an. Unsere erfahrenen Beraterinnen geben Auskunft in gesundheitsrechtlichen, medizinischen und psychosozialen Fragestellungen und zur Wohnraumanpassung. Für den Inhalt der folgenden gelinkten Seiten ist der VdK Baden-Württemberg nicht verantwortlich. Insbesondere macht er sich den Inhalt dieser Seiten nicht zu eigen.
Behörden / Organisationen / Institutionen Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen in Baden-Württemberg (Landes-Behindertenbeauftragte) Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) – Barrierefreie Arbeitsplatzgestaltung Bundesagentur für Arbeit – Menschen mit Behinderung Deutscher Behindertenrat (DBR) einfach teilhaben - Arbeiten/Schwerbehinderung BEM-Netzwerk – Betriebliches Eingliederungs- Management in Baden-Württemberg Freizeit-Tipp VdK Reisen
46 Gerichtsentscheidungen Verhältnis des Beschäftigungsanspruchs schwerbehinderter Menschen zur unternehmerischen Organisationsfreiheit Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 16. Mai 2019 Aktenzeichen: 6 AZR 329/18 Im bestehenden Arbeitsverhältnis können Schwerbehin- derte nach § 164 Abs. 4 SGB IX (bis 31. Dezember 2017: § 81 Abs. 4 SGB IX aF) von ihrem Arbeitgeber bis zur Gren- ze der Zumutbarkeit die Durchführung des Arbeitsver- hältnisses entsprechend ihrer gesundheitlichen Situation verlangen. Dies gibt schwerbehinderten Menschen jedoch keine Beschäftigungsgarantie. Der Arbeitgeber kann eine unternehmerische Entscheidung treffen, welche den bis- herigen Arbeitsplatz des Schwerbehinderten durch eine Organisationsänderung entfallen lässt. Dessen besonderer Beschäftigungsanspruch ist dann erst bei der Prüfung et- waiger Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten auf einem an- deren freien Arbeitsplatz zu berücksichtigen.
Der schwerbehinderte Kläger war langjährig bei der insolventen Arbeitgebe- rin beschäftigt. Das Arbeitsverhältnis unterﬁ el einem tariﬂ ichen Sonderkündi- gungsschutz. Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis betriebsbedingt im Rahmen des zunächst in Eigenverwaltung betriebenen Insolvenzverfahrens, nachdem sie mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich mit Namensliste iSd. § 125 Abs. 1 InsO geschlossen hatte. Die Namensliste enthält den Namen des Klägers, dessen Arbeitsplatz wegen Umverteilung der noch verbliebenen Auf- gaben nicht mehr besetzt werden muss. Die Hilfstätigkeiten, die er verrichtete, werden nunmehr von den verbliebenen Fachkräften miterledigt. Andere Tätig- keiten kann der Kläger nicht ausüben. Er hält die Kündigung dennoch für un- wirksam und beruft sich auf den tariﬂ ichen Sonderkündigungsschutz sowie den Beschäftigungsanspruch aus § 81 Abs. 4 SGB IX aF. Die Vorinstanzen haben seine Kündigungsschutzklage abgewiesen. Die Revisi- on des Klägers hatte vor dem Sechsten Senat des Bundesarbeitsgerichts kei- nen Erfolg. Die streitgegenständliche Kündigung hat das Arbeitsverhältnis be- endet. Der tariﬂ iche Sonderkündigungsschutz zeigt gemäß § 113 Satz 1 InsO keine Wirkung. Hiergegen bestehen keine verfassungsrechtlichen Bedenken. Der Beschäftigungsanspruch aus § 81 Abs. 4 SGB IX aF kommt mangels geeigneter Weiterbeschäftigungsmöglichkeit nicht zum Tragen. Die Arbeitgeberin war nicht verpﬂ ichtet, für den Kläger einen Arbeitsplatz zu schaffen oder zu erhalten, den sie nach ihrem Organisationskonzept nicht mehr benötigt. Quelle: Pressemitteilung des Bundesarbeitsgerichts vom 16.05.2019 Die vollständige Entscheidung wurde zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht veröffentlicht.

References: § 164
 § 81
 § 125
 § 81
 § 113
 § 81