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Timestamp: 2017-11-23 05:42:58+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 9 AZR 631/09
Schlag­worte: Lohn und Gehalt, Dienstwagen, Entgeltfortzahlung
Akten­zeichen: 9 AZR 631/09
Ent­scheid­ungs­datum: 14.12.2010
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart - Kammern Ludwigsburg, Urteil vom 25.2.2009 - 20 Ca 1933/08
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 27.7.2009 - 15 Sa 25/09
15 Sa 25/09
14. De­zem­ber 2010
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 14. De­zem­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Düwell, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt
Krasshöfer und Dr. Suckow so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Ben­rath und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Neu­mann für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 27. Ju­li 2009 - 15 Sa 25/09 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­ne Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung we­gen der vor­ent­hal­te­nen pri­va­ten Nut­zung ei­nes Dienst­fahr­zeugs.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten - ei­nem vor­wie­gend mit Straßen- und Tief­bau be­fass­ten Bau­un­ter­neh­men - seit dem 1. Au­gust 1990 als Bau­lei­ter an­ge­stellt. Er ist mit ei­nem Grad von 100 be­hin­dert. Die Be­klag­te stellt dem Kläger ei­nen Dienst­wa­gen auch zur pri­va­ten Nut­zung zur Verfügung.
In der An­la­ge 3 vom 24. Ok­to­ber 1994 zum Ar­beits­ver­trag vom 24. Ok­to­ber 1994 heißt es hier­zu:
„Die Fir­ma L. GmbH & Co. ... stellt Herrn B. ei­nen Pkw auch zur pri­va­ten Nut­zung in an­ge­mes­se­nem Um­fang zur Verfügung.
Die durch den geld­wer­ten Vor­teil und sons­ti­ge steu­er-recht­li­che Be­stim­mun­gen an­fal­len­den Steu­ern über­nimmt Herr B. Die Ben­zin­kos­ten für Pri­vat­fahr­ten außer­halb von Ba­den-Würt­tem­berg sind von Herrn B. zu tra­gen.
Die Fir­ma L. GmbH und Co. behält sich vor, den Ge­gen-wert des geld­wer­ten Vor­teils nach Ab­stim­mung mit Herrn B. an ihn zu be­rech­nen.
Herr B. wird das Fahr­zeug im Fal­le ei­ner Frei­stel­lung an die Fir­ma L. zurück­ge­ben.“
Der Ar­beits­ver­trag vom 24. Ok­to­ber 1994 sieht ua. fol­gen­de Re­ge­lun­gen vor:
„§ 6 - Ge­halt und sons­ti­ge Zu­wen­dun­gen
Das auf­ge­schlüssel­te Ge­halt mit al­len Leis­tun­gen und Son­der­leis­tun­gen wird ge­son­dert schrift­lich be­kannt ge­ge­ben.
Die Gewährung al­ler Son­der­leis­tun­gen außer­halb des Ta­rif­ge­hal­tes, so­weit die­se nicht durch Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ge­re­gelt sind, liegt im frei­en Er­mes­sen der Fir­ma und be­gründet kei­nen Rechts­an­spruch, auch wenn die Zah­lung wie­der­holt oh­ne aus­drück­li­chen Vor­be­halt der Frei­wil­lig­keit er­folg­te; ein Wi­der­ruf ist al­so je­der­zeit möglich.“
In der ab 1. Sep­tem­ber 1994 gel­ten­den An­la­ge 2 heißt es aus­zugs­wei­se:
„Fest­set­zung des Ge­halts für An­ge­stell­te
Ihr Ge­halt ... be­rech­net sich wie folgt:
1. Ta­rif­ge­halt ...
2. Über­ta­rif­li­che frei­wil­li­ge Zu­la­ge ...
Ver­ein­bar­tes Mo­nats­ge­halt ...
13. Mo­nats­ein­kom­men ...
(Weih­nachts­geld)
Ur­laubs­geld ...
Die zu­vor ver­ein­bar­te, ab 1. Ju­ni 1994 gel­ten­de An­la­ge 1 ist bis auf die Beträge iden­tisch.
Der Kläger war vom 3. März bis zum 14. De­zem­ber 2008 ar­beits­unfähig er­krankt. Nach Ab­lauf der ge­setz­li­chen Ent­gelt­fort­zah­lung am 13. April 2008 er­hielt er Kran­ken­ta­ge­geld auf der Grund­la­ge ei­nes pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­verhält­nis­ses. Die Be­klag­te ver­lang­te vom Kläger mit Schrei­ben vom 7. No­vem­ber 2008, den ihm zur Verfügung ge­stell­ten Fir­men-Pkw zum
13. No­vem­ber 2008 her­aus­zu­ge­ben. Der Kläger kam der Auf­for­de­rung nach, be­hielt sich aber die Gel­tend­ma­chung von Nut­zungs­aus­fall­ansprüchen vor. Am 18. De­zem­ber 2008 er­hielt der Kläger wie­der­um ei­nen Fir­men-Pkw.
Der Kläger, der selbst kei­nen Pri­vat-Pkw vorhält, hat ge­meint, die ver­ein­bar­te Pri­vat­nut­zung sei Vergütungs­be­stand­teil zum Zweck sei­ner pri­va­ten Le­bensführung. Sie sei des­halb un­abhängig von der Ent­gelt­fort­zah­lungs­gren­ze bis zum Aus­lau­fen des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­schul­det.
Nach­dem die Be­klag­te ihm ei­ne Aus­fall­entschädi­gung für den 16. und 17. De­zem­ber 2008 (teil-)ver­gleichs­wei­se zu­ge­stan­den hat, be­an­trag­te der Kläger zu­letzt,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 308,88 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 168,48 Eu­ro seit dem 1. De­zem­ber 2008 so­wie aus 140,40 Eu­ro seit dem 1. Ja­nu­ar 2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Über­las­sung des Dienst­wa­gens sei Ar­beits­ent­gelt in Form ei­nes Sach­be­zugs. Die­se en­de oh­ne Wei­te­res mit dem Ab­lauf des Zeit­raums, für den ein An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung be­ste­he.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die vom Ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­ne Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen An­spruch wei­ter.
A. Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz we­gen ent­gan­ge­ner pri­va­ter Nut­zung des ihm zu über­las­sen­den Fahr­zeugs gemäß § 275 Abs. 1 iVm. § 280 Abs. 1 Satz 1, § 283 Satz 1 BGB. Für die Zeit ab dem
13. No­vem­ber bis zum 15. De­zem­ber 2008 stand dem Kläger kein An­spruch auf Über­las­sung ei­nes Pkw zur Pri­vat­nut­zung zu.
I. Ein sol­cher An­spruch folgt nicht aus der in der An­la­ge 3 zum Ar­beits­ver­trag vom 24. Ok­to­ber 1994 ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung. Nach ihr hat die Be­klag­te dem Kläger ei­nen Pkw auch zur pri­va­ten Nut­zung zur Verfügung zu stel­len. Da­mit wird kein An­spruch zur Pri­vat­nut­zung für Zei­ten der Ar­beits­unfähig­keit nach Ab­lauf des Ent­gelt­fort­zah­lungs­zeit­raums be­gründet.
1. Die Über­las­sung ei­nes Fir­men­wa­gens auch zur pri­va­ten Nut­zung stellt ei­nen geld­wer­ten Vor­teil und Sach­be­zug dar. Sie ist steu­er- und ab­ga­ben­pflich­ti­ger Teil des ge­schul­de­ten Ar­beits­ent­gelts und da­mit Teil der Ar­beits­vergütung. Die Ge­brauchsüber­las­sung ist re­gelmäßig zusätz­li­che Ge­gen­leis­tung für die ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung (Se­nat 24. März 2009 - 9 AZR 733/07 - Rn. 15, BA­GE 130, 101; vgl. 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - Rn. 24, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17; BAG 21. Au­gust 2001 - 3 AZR 746/00 - zu II 2 a der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 77 Aus­le­gung Nr. 10 = EzA Be­trAVG § 1 Nr. 78). Da­mit ist sie nur so lan­ge ge­schul­det, wie der Ar­beit­ge­ber über­haupt Ar­beits­ent­gelt leis­ten muss, und sei es - wie im Fall von Krank­heit - oh­ne Er­halt ei­ner Ge­gen­leis­tung (BAG 11. Ok­to­ber 2000 - 5 AZR 240/99 - zu A II 1 b der Gründe, BA­GE 96, 34).
2. Von die­sen Grundsätzen sind die Par­tei­en nicht durch ei­ne be­son­de­re Ver­ein­ba­rung zu­guns­ten des Klägers ab­ge­wi­chen.
Nach dem Wort­laut der An­la­ge 3 stellt die Be­klag­te ei­nen Pkw „auch zur pri­va­ten Nut­zung“ zur Verfügung. Die Pri­vat­nut­zung ist da­nach nur An­nex zur hauptsächli­chen dienst­li­chen Nut­zung und von der Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung abhängig.
Auch aus § 6 des Ar­beits­ver­trags iVm. sei­nen An­la­gen 1 und 2 folgt nicht, dass der An­spruch auf Pri­vat­nut­zung des Pkw ei­ne von der Ar­beits­leis­tung un­abhängi­ge Son­der­zu­wen­dung sein soll­te. § 6 des Ar­beits­ver­trags dif­fe­ren­ziert schon nicht zwi­schen im Ge­gen­sei­tig­keits­verhält­nis ste­hen­dem Ge­halt und da­von un­abhängi­gen sons­ti­gen Zu­wen­dun­gen. Al­lein die Dif­fe­ren­zie­rung in der Über­schrift (Ge­halt „und“ sons­ti­ge Zu­wen­dun­gen) kann für die­se
Aus­le­gung nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Denn nach § 6 Abs. 1 des Ar­beits­ver­trags wird das auf­ge­schlüssel­te Ge­halt „mit“ al­len Leis­tun­gen und Son­der­leis­tun­gen ge­son­dert schrift­lich be­kannt ge­ge­ben. Selbst bei ei­ner im Ar­beits-ver­trag ge­woll­ten Tren­nung zwi­schen Ge­halt und sons­ti­gen Zu­wen­dun­gen be­deu­tet dies oh­ne­hin nicht zwangsläufig, dass al­le Zu­wen­dun­gen, die nicht Be­stand­teil des mo­nat­li­chen Ta­rif­ge­halts sind, un­abhängig von der Ar­beits­leis­tung und un­abhängig vom Be­ste­hen ei­nes Ent­gelt- oder Ent­gelt­fort­zah­lungs­an­spruchs wei­ter­zu­zah­len sein soll­ten. Die­se Rechts­fol­ge lässt sich nicht aus § 6 des Ar­beits­ver­trags ent­neh­men. Wie § 6 Abs. 2 zeigt, soll­ten Son­der­leis­tun­gen le­dig­lich frei wi­der­ruf­lich sein. Nur des­we­gen wird in § 6 zwi­schen Ta­rif­ge­halt und Son­der­leis­tun­gen außer­halb des Ta­rif­ver­trags dif­fe­ren­ziert. In den An­la­gen 1 und 2 zum Ar­beits­ver­trag ist nur das 13. Mo­nats­ein­kom­men und das Ur­laubs­geld re­dak­tio­nell ab­ge­trennt vom ver­ein­bar­ten Mo­nats­ent­gelt ge­nannt. Rück­schlüsse für die Aus­le­gung des Rechtscha­rak­ters der Pri­vat­nut­zung ei­nes Pkw las­sen sich des­halb hier­aus nicht her­lei­ten.
3. Auch wenn der Nut­zungs­an­spruch den Zeit­raum der Ent­gelt­fort­zah­lung ein­sch­ließt, so kann er den­noch nicht für den streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum vom 13. No­vem­ber bis zum 15. De­zem­ber 2008 be­ste­hen. Denn die Ent­gelt­fort­zah­lungs­pflicht en­de­te gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG iVm. § 187 Abs. 2, § 188 Abs. 2 BGB sechs Wo­chen nach dem 3. März 2008, das war am 13. April 2008.
II. Die Par­tei­en ha­ben auch nicht durch die Über­las­sung des Pkw über den 13. April 2008 hin­aus kon­klu­dent ei­ne Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen, die ge­eig­net ist, den gel­tend ge­mach­ten An­spruch auf Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung für die Zeit vom 13. No­vem­ber bis zum 15. De­zem­ber 2008 zu be­gründen.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die Be­klag­te ha­be nicht al­lein des­halb ein kon­klu­den­tes An­ge­bot auf Wei­ter­gewährung der Pri­vat­nut­zung des Dienst­wa­gens ge­genüber dem Kläger erklärt, weil sie den Pkw erst meh­re­re Mo­na­te nach Ab­lauf des Ent­gelt­fort­zah­lungs­zeit­raums zurück­for­der­te. Das hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Prüfung stand.
2. Die Aus­le­gung ei­ner nicht­ty­pi­schen Wil­lens­erklärung ob­liegt grundsätz­lich den Tat­sa­chen­ge­rich­ten und ist in der Re­vi­si­ons­in­stanz nur be­schränkt nach­prüfbar. Da­bei ist die Fra­ge, ob ei­ne Erklärung als Wil­lens­erklärung an­zu­se­hen ist, nach dem Maßstab des § 133 BGB zu be­ur­tei­len. Die Über­prüfung die­ser Fra­ge und die Aus­le­gung ei­ner Wil­lens­erklärung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt sind dar­auf be­schränkt, ob die Rechts­vor­schrif­ten über die Aus­le­gung von Wil­lens­erklärun­gen und Verträgen (§§ 133, 157 BGB) rich­tig an­ge­wandt so­wie Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze ein­ge­hal­ten sind und ob das tatsächli­che Vor­brin­gen der Par­tei­en vollständig ver­wer­tet oder die ge­bo­te­ne Aus­le­gung et­wa völlig un­ter­las­sen wor­den ist (vgl. Se­nat 14. März 2006 - 9 AZR 312/05 - Rn. 26, BA­GE 117, 231).
3. Die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hält die­sem ein­ge­schränk­ten Prüfungs­maßstab stand. Es wi­der­spricht nicht Denk- und Er­fah­rungssätzen, wenn das Lan­des­ar­beits­ge­richt für das Vor­lie­gen ei­ner rechts­ver­bind­li­chen Wil­lens­erklärung der Be­klag­ten den Um­stand nicht aus­rei­chen lässt, dass die­se den Pkw nicht recht­zei­tig zurück­for­der­te.
a) Hier­aus al­lein lässt sich schon nicht der Wil­le der Be­klag­ten her­lei­ten, der Kläger sol­le ne­ben dem Be­sitz­recht auch darüber hin­aus be­rech­tigt sein, den Pkw pri­vat zu nut­zen. Zur Einräum­ung ei­nes fort­dau­ern­den Nut­zungs­rechts hätte zu­dem die steu­er­li­che Be­hand­lung geklärt wer­den müssen. Denn nach § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG gehören zum Ar­beits­lohn ne­ben Gehältern, Löhnen, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Tan­tie­men und an­de­ren Bezügen auch Vor­tei­le, die für ei­ne Beschäfti­gung im öffent­li­chen oder pri­va­ten Dienst gewährt wer­den. Hier­zu gehören nach § 8 Abs. 1 EStG al­le in Geld oder Geld­wert be­ste­hen­den Güter, die dem Steu­er­pflich­ti­gen im Rah­men der Ein­kunfts­art des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG zu­fließen und da­mit auch die Pri­vat­nut­zung des vom Ar­beit­ge­ber über­las­se­nen Dienst-Pkw (vgl. BFH 24. Fe­bru­ar 2000 - III R 59/98 - BFHE 191, 286).
b) Aus der Tat­sa­che, dass die Be­klag­te das Aus­lau­fen der Ent­gelt­fort­zah­lung nicht zum An­lass ge­nom­men hat, den über­las­se­nen Pkw zurück­zu­for­dern, kann noch nicht auf ein ent­spre­chen­des An­ge­bot zur Ver­tragsände­rung
ge­schlos­sen wer­den. Da­zu hätte es für den Kläger ei­nes An­halts be­durft, dass sich die Be­klag­te auch rechts­geschäft­lich zur Über­las­sung des Pkw für die Dau­er der ent­gelt­fort­zah­lungs­frei­en Zei­ten ver­pflich­ten woll­te. Das Un­ter­las­sen der zeit­ge­rech­ten Rück­for­de­rung stellt noch kein An­ge­bot, die be­ste­hen­den ver­trag­li­chen Ab­spra­chen zu ändern, dar.
c) Zu­guns­ten des Klägers greift auch kei­ne be­trieb­li­che Übung ein. Un­ter ei­ner be­trieb­li­chen Übung ist die re­gelmäßige Wie­der­ho­lung be­stimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers zu ver­ste­hen, aus de­nen die Ar­beit­neh­mer schließen dürfen, ih­nen sol­le ei­ne Leis­tung oder Vergüns­ti­gung auf Dau­er gewährt wer­den (Se­nat 17. No­vem­ber 2009 - 9 AZR 765/08 - Rn. 23, AP BGB § 242 Be­trieb­li­che Übung Nr. 88 = EzA BGB 2002 § 242 Be­trieb­li­che Übung Nr. 12). Es fehlt so­wohl an ei­nem wie­der­hol­ten, gleichmäßigen Ver­hal­ten ge­genüber dem Kläger als auch an ei­ner über­ob­li­ga­to­ri­schen Leis­tung, die die Be­klag­te ge­genüber der Be­leg­schaft (sog. kol­lek­ti­ver Be­zug) er­bracht hat.
III. Der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung (§ 241 Abs. 2, § 280 Abs. 1 Satz 1 BGB) kann auch nicht dar­auf gestützt wer­den, dass die Be­klag­te den Kläger erst mit Schrei­ben vom 7. No­vem­ber 2008 zur Her­aus­ga­be des Fir­men-Pkw zum 13. No­vem­ber 2008 auf­for­der­te. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob die Be­klag­te ei­ne länge­re Ankündi­gungs­frist hätte ein­hal­ten müssen (vgl. zur Wi­der­rufs­frist bei in For­mu­lar­ar­beits­verträgen ein­geräum­tem Wi­der­rufs­recht: LAG Nie­der­sach­sen 14. Sep­tem­ber 2010 - 13 Sa 462/10 - zu 6 der Gründe).
1. Je­der Ver­trags­part­ner hat die Pflicht, auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des an­de­ren Teils Rück­sicht zu neh­men (§ 241 Abs. 2 BGB). Die Ver­let­zung ei­ner sol­chen Pflicht zur In­ter­es­sen­wah­rung, ar­beits­recht­lich ge­mein­hin als Ver­let­zung der „Fürsor­ge­pflicht“ be­zeich­net, kann Scha­dens­er­satz­ansprüche der Ar­beit­neh­mer gemäß § 280 Abs. 1 Satz 1 BGB auslösen (BAG 24. Sep­tem­ber 2009 - 8 AZR 444/08 - Rn. 14, AP BGB § 241 Nr. 5).
2. Die streit­ge­genständ­li­che Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung lässt sich hier­aus nicht her­lei­ten. Nach § 280 Abs. 1 Satz 1 BGB hat der Schuld­ner den
durch die Pflicht­ver­let­zung her­bei­geführ­ten Scha­den („hier­durch ent­ste­hen­den Scha­den“) zu er­set­zen. Die­ser be­steht bei Nicht­ein­hal­tung der Ankündi­gungs­frist dar­in, dass der Ar­beit­neh­mer sich nicht recht­zei­tig auf den Nut­zungs­ent­zug hat ein­stel­len können. Dies können bei­spiels­wei­se Mehr­kos­ten für die späte­re Bu­chung ei­nes Miet­wa­gens oder für not­wen­dig wer­den­de Ta­xi­fahr­ten sein. Ei­nen der­ar­ti­gen Ver­frühungs­scha­den hat der Kläger nicht gel­tend ge­macht.
B. Der Kläger hat die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Re­vi­si­on nach § 97 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.
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References: § 275
 § 280
 § 283
 § 611
 § 307
 § 77
 § 1
 § 6
 § 6
 § 6
 § 6
 § 6
 § 6
 § 3
 § 187
 § 188
 § 133
 § 19
 § 8
 § 2
 § 242
 § 242
 § 280
 § 280
 § 241
 § 280
 § 97