Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/der-beitritt-zur-grundbesitzenden-bauherren-kg-und-die-grunderwerbsteuer-377718
Timestamp: 2020-01-21 23:13:14+00:00

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Der Bei­tritt zur grund­be­sit­zen­den Bau­her­ren-KG – und die Grund­er­werb­steu­er | Rechtslupe
Dem Steu­er­pflich­ti­gen steht es im Grund­satz frei, sei­ne Ver­hält­nis­se im Rah­men des recht­lich Zuläs­si­gen so ein­zu­rich­ten, dass sich für ihn eine mög­lichst gerin­ge Steu­er­be­las­tung ergibt. Er kann des­halb von meh­re­ren zur Ver­fü­gung ste­hen­den recht­li­chen Gestal­tungs­for­men regel­mä­ßig die für ihn steu­er­lich güns­tigs­te wäh­len 1. Miss­bräuch­lich i. S. des § 42 Abs. 2 Satz 1 AO kann eine Gestal­tung nur dann sein, wenn das Gesetz für das Errei­chen eines bestimm­ten Ziels erkenn­bar eine ande­re Gestal­tung als typisch vor­aus­setzt und die Ver­mei­dung die­ser ande­ren Gestal­tung der Steu­er­um­ge­hung dient 2. Der rechts­ge­schäft­li­che Wil­le der Par­tei­en ent­spricht dabei der im Steu­er­ge­setz umschrie­be­nen typi­schen zivil­recht­li­chen Gestal­tung 3. Nach § 42 Abs. 1 Satz 3 AO ent­steht der Steu­er­an­spruch im Fal­le des Miss­brauchs von Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten so, wie er bei einer den wirt­schaft­li­chen Vor­gän­gen ange­mes­se­nen Gestal­tung ent­steht.
Gesell­schafts­ver­trag­lich kann ein Gesell­schafts­an­teil an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH so aus­ge­stal­tet sein, dass des­sen Erwerb im recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis dem Erwerb des Eigen­tums an einem Grund­stück – ggf. in Gestalt einer Eigen­tums­woh­nung gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 3 GrEStG – gleich­kommt. Die Über­tra­gung eines so aus­ge­stal­te­ten Mit­glied­schafts­rechts an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft kann als Gestal­tungs­miss­brauch ange­se­hen wer­den mit der Fol­ge, dass der Vor­gang nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 GrEStG i. V. m. § 42 Abs. 1 Satz 1 AO der Grund­er­werb­steu­er unter­liegt 4.
Dies ist dann der Fall, wenn die Betei­li­gung an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft mit einer beson­de­ren Berech­ti­gung an einem der Gesell­schaft gehö­ren­den Grund­stück ver­bun­den ist und der Gesell­schaf­ter ggf. durch ein­sei­ti­ge Erklä­rung (z. B. Kün­di­gung oder Auf­lö­sung der Gesell­schaft) sei­ne Gesell­schaf­ter­stel­lung ohne Wei­te­res in einen Anspruch auf Über­tra­gung des Eigen­tums an die­sem Grund­stück "umwan­deln" kann. Dann ergibt sich bereits im Zeit­punkt des Erwerbs des Gesell­schafts­an­teils für den Fall des Aus­schei­dens oder der Auf­lö­sung der Gesell­schaft aus dem Gesell­schafts­ver­trag ein kon­kre­ter Über­eig­nungs­an­spruch. Wird ein der­art aus­ge­stal­te­ter Gesell­schafts­an­teil erwor­ben, ersetzt der Anteils­er­werb die Über­tra­gung des Grund­stücks­ei­gen­tums, des­sen Aus­wahl den Gesell­schafts­an­teil bestimmt hat 5. Anstel­le des grund­sätz­lich mög­li­chen und den wirt­schaft­li­chen Umstän­den ange­mes­se­nen Erwerbs eines unbe­ding­ten und unbe­fris­te­ten Anspruchs auf Über­eig­nung des Grund­stücks durch die Per­so­nen­ge­sell­schaft wird der Weg des Anteils­er­werbs gewählt 6.
In einem sol­chen Fall ist die gewähl­te Kon­struk­ti­on der Über­tra­gung eines der­art aus­ge­stal­te­ten Gesell­schafts­rechts nur ver­ständ­lich unter dem Gesichts­punkt erhoff­ter Steu­er­be­frei­ung wegen des grund­sätz­lich steu­er­frei­en Wech­sels im Gesell­schaf­ter­be­stand einer Gesamt­hand sowie der Steu­er­be­frei­ung nach § 6 Abs. 2 bzw. § 7 Abs. 2 GrEStG 7.
Kein Gestal­tungs­miss­brauch liegt vor, wenn dem Gesell­schaf­ter zwar bei Auf­lö­sung der Gesell­schaft ein Anspruch auf Eigen­tums­über­tra­gung des ihm bis­her nur schuld­recht­lich zuge­ord­ne­ten Grund­stücks zusteht, er allein die Auf­lö­sung der auf unbe­stimm­te Zeit gegrün­de­ten Gesell­schaft aber nicht her­bei­füh­ren und auch ansons­ten (z. B. durch Kün­di­gung) sei­ne Betei­li­gung nicht unmit­tel­bar selbst in einen Anspruch auf Eigen­tums­über­tra­gung umwan­deln kann 8.
Zwar war bereits beim Bei­tritt der Klä­ge­rin zur KG vor­ge­se­hen, dass sie bei Liqui­da­ti­on der KG ein genau bezeich­ne­tes Woh­nungs- und Teil­ei­gen­tums­recht erhal­ten soll­te. Die Klä­ge­rin konn­te wegen des ver­ein­bar­ten Gesell­schafts­zwecks, der Bebau­ung und Auf­tei­lung des Grund­stücks, bei plan­mä­ßi­gem Ver­lauf damit rech­nen, das Woh­nungs­ei­gen­tum nach Errei­chung des Gesell­schafts­zwecks ohne wei­te­res Zutun ihrer­seits zu erwer­ben. Dass die ordent­li­che Kün­di­gung der Gesell­schaft durch die Klä­ge­rin oder ihr Aus­schluss aus der Gesell­schaft nach § 17 des Gesell­schafts­ver­tra­ges ihr Aus­schei­den aus der Gesell­schaft und einen Anspruch auf Abfin­dung statt auf Über­tra­gung des Woh­nungs­ei­gen­tums zur Fol­ge gehabt hät­ten, fällt mög­li­cher­wei­se nicht maß­geb­lich ins Gewicht, weil es sich hier­bei um aty­pi­sche Gesche­hens­ab­läu­fe han­delt 9.
Zum ande­ren und vor allem aber steht ent­spre­chend den zum sog. ein­heit­li­chen Ver­trags­werk ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen eine – selbst umfang­rei­che – Vor­pla­nung eines Bau­pro­jek­tes der Ver­pflich­tung zur Bau­er­rich­tung auf eige­nes wirt­schaft­li­ches Risi­ko nicht gleich 10. Eine der­ar­ti­ge Ver­pflich­tung hat aber nie­mand gegen­über der Klä­ge­rin über­nom­men. Dies hät­te dem rechts­ge­schäft­li­chen Wil­len der Ver­trags­par­tei­en auch nicht ent­spro­chen.
Zum einen kann in Anbe­tracht des Umstan­des, dass der BFH bereits mit Beschluss vom 27.05.2009 11 Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der in § 8 Abs. 2 GrEStG ange­ord­ne­ten Her­an­zie­hung der Grund­be­sitz­wer­te i. S. der §§ 138 ff. BewG geäu­ßert und die­se Fra­ge anschlie­ßend dem BVerfG vor­ge­legt hat 12 und die Ent­schei­dung des BVerfG 13 sowie eine ggf. rück­wir­ken­de Neu­re­ge­lung durch den Gesetz­ge­ber noch aus­steht, der­zeit und konn­te auch z. Z. des Anteils­er­werbs durch die Klä­ge­rin nicht beur­teilt wer­den, wie hoch die auf die Über­tra­gung des Woh­nungs­ei­gen­tums durch die KG ent­fal­len­de Grund­er­werb­steu­er sein wür­de.
Grund­sätz­lich ver­mit­telt ein Anteil am Ver­mö­gen einer Gesamt­hand kei­ne wirt­schaft­li­che Ver­wer­tungs­be­fug­nis i. S. des § 1 Abs. 2 GrEStG an einem der Gesell­schaft gehö­ren­den Grund­stück. Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten eines Gesell­schaf­ters auf Gesell­schafts­ebe­ne rei­chen für eine Ver­wer­tungs­be­fug­nis i. S. des § 1 Abs. 2 GrEStG nicht aus. Das folgt aus der Sys­te­ma­tik des Grund­er­werb­steu­er­rechts, das Gesamt­hands­ge­mein­schaf­ten und Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten als eige­ne Rechts­sub­jek­te behan­delt und Gesell­schaf­tern die im Eigen­tum der Gesell­schaft ste­hen­den Grund­stü­cke grund­er­werb­steu­er­recht­lich nur aus­nahms­wei­se zuord­net, wenn min­des­tens 95 % der Antei­le an der Gesell­schaft in einer Hand ver­ei­nigt sind (§ 1 Abs. 3 GrEStG; BFH, Urtei­le vom 24.04.2013 – II R 32/​11, BFHE 242, 165, BFH/​NV 2013, 1884; vom 27.03.1991 – II R 82/​87, BFHE 164, 473, BSt­Bl II 1991, 731).
Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BFH stellt auch eine gesell­schafts­ver­trag­li­che Gestal­tung, die dem jewei­li­gen Gesell­schafts­an­teil eine bestimm­te Woh­nungs- bzw. Teil­ei­gen­tums­ein­heit von vorn­her­ein zuord­net, kei­ne Über­tra­gung der wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tungs­be­fug­nis dar 14.
BFH, Urteil vom 06.03.1996 – II R 38/​93, BFHE 179, 443, BSt­Bl II 1996, 377[↩]
BFH, Urteil vom 23.11.2011 – II R 64/​09, BFHE 235, 185, BSt­Bl II 2012, 355[↩]
BFH, Urtei­le vom 01.12.2004 – II R 23/​02, BFH/​NV 2005, 721; vom 06.03.1996 – II R 38/​93, BFHE 179, 443, BSt­Bl II 1996, 377; vom 02.02.1994 – II R 84/​90, BFH/​NV 1994, 824; Vis­korf, DStR 1994, 6[↩]
BFH, Beschluss vom 29.05.2011 – II B 133/​10, BFH/​NV 2011, 1539; BFH, Urtei­le vom 23.11.2011 – II R 64/​09, BFHE 235, 185, BSt­Bl II 2012, 355; 02.02.1994 – II R 84/​90, BFH/​NV 1994, 824; vom 04.12.1991 – II R 131/​88, juris; vom 10.05.1989 – II R 86/​86, BFHE 156, 523, BSt­Bl II 1989, 628[↩]
BFH, Urtei­le vom 07.02.2001 – II R 35/​99, BFH/​NV 2001, 1144; vom 27.03.1991 – II R 82/​87, BFHE 164, 473, BSt­Bl II 1991, 731[↩]
BFH, Urtei­le vom 23.11.2011 – II R 64/​09, BFHE 235, 185, BSt­Bl II 2012, 355; vom 07.02.2001 – II R 35/​99, BFH/​NV 2001, 1144; a. A. Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 30.09.2004 – III 599/​01, EFG 2005, 383; Fischer, juris­PR-Steu­erR 22/​2012 Anm. 4; der­sel­be in Borut­tau, GrEStG, 17. Aufl., § 1 Rz. 777 ff.; Pahl­ke in Pahlke/​Franz, GrEStG, 4. Aufl., § 1 Rz. 70[↩]

References: § 42
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 § 2
 § 1
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 § 6
 § 7
 § 17
 § 8
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