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Timestamp: 2017-09-25 09:44:08+00:00

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530 Samkicca-Jataka
530. Die Erzählung von Samkicca (Samkicca-Jataka)
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Mangowalde des Jivaka von Savatthi verweilte, mit Beziehung auf den Vatermord des Ajatasattu. Als dieser nämlich auf Veranlassung des Devadatta auf sein Wort hin seinen Vater getötet hatte, hörte er, wie Devadatta am Ende der Spaltung der Gemeinde [1], als seine Gefolgschaft verloren gegangen war, von einer Krankheit befallen wurde und sich, um den Vollendeten um Verzeihung zu bitten, auf einer Sänfte nach Savatthi begab, aber am Tore des Jetavana in die Erde versunken war. Da dachte er: „Weil Devadatta ein Feind des völlig Erleuchteten geworden, ist er in die Erde versunken und in die Hölle gekommen. Auch durch mich wurde mein Vater, ein Recht liebender König der Gerechtigkeit, getötet; vielleicht werde auch ich in die Erde versinken.“ Voll Furcht fand er keine Befriedigung mehr über seine königliche Pracht. Sobald er dachte: „Ich will ein wenig schlafen“, und kaum in Schlaf versunken war, stand er wieder auf, indem er Schreckenstöne ausstieß, als würde er auf eine neun Meilen dicke Erzfläche geworfen und mit eisernen Pfählen zerstoßen oder als würde er von Hunden gebissen und aufgefressen.
Eines Tages, in der Vollmondsnacht am vierzehnten des Monats [2], betrachtete er, von der Schar der Minister umgeben, seine Ehrung; da dachte er: „Die Ehrung meines Vaters war noch größer als diese; und einen solchen Tugendkönig habe ich auf Veranlassung Devadattas getötet!“ Während er so dachte, entstand in seinem Körper ein Brennen; sein ganzer Leib war von Schweiß benetzt. Darauf dachte er: „Wer befreit mich von dieser Furcht?“ Da kam ihm der Gedanke: „Außer dem mit den zehn Kräften Ausgestatteten gibt es keinen anderen“, und er dachte: „Ich habe mich schwer gegen den Vollendeten versündigt; wer wird mich zu ihm führen und mich ihm zeigen?“ Da merkte er: „Niemand anderer außer Jivaka [3].“
Indem er eine List gebrauchte, damit dieser hingehe und ihn mitnehme, stieß er den begeisterten Ausruf aus: „Entzückend fürwahr ist die klare Nacht!“, und fügte hinzu: „Welchen Asketen oder Brahmanen werden wir heute noch ehren?“ Als nun die Schüler der früheren Sekten [4] die Vorzüge ihrer Sektenhäupter aufzählten, nahm er ihre Worte nicht an, sondern fragte Jivaka. Da dieser die Tugenden des Vollendeten pries und hinzufügte: „Ihn, den Erhabenen, möge der Fürst ehren“, ließ er Elefantengespanne herrichten und begab sich nach dem Mangowalde des Jivaka. Hier ging er zu dem Vollendeten hin und begrüßte ihn ehrfurchtsvoll.
Nachdem er mit dem Vollendeten ein liebenswürdiges Gespräch begonnen, fragte er nach der Frucht des Asketenlebens in dieser Welt und hörte darauf die süße Predigt des Vollendeten von den Früchten des Asketenlebens. Am Ende des Lehrstücks verkündete er, dass er Laienbruder sein wolle, bat den Vollendeten um Verleihung und entfernte sich hierauf. — Von da an spendete er Almosen, hielt die Gebote, verkehrte in Eintracht mit dem Vollendeten und hörte der süßen Verkündigung der Lehre zu. Durch die Eintracht mit seinem tugendhaften Freunde aber verlor er seine Furcht; das Haarsträuben hörte auf und er erhielt die Beruhigung wieder. Mit Glück betätigte er die vier edlen Pfade.
Darauf begannen eines Tages die Mönche in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, Ajatasattu war, weil er seinen Vater ermordet hatte, in Furcht geraten. In seinem königlichen Glanz fand er keine Befriedigung und war unglücklich bei allen edlen Betätigungen. Jetzt aber ist er durch den Vollendeten infolge seiner Eintracht mit einem tugendhaften Freunde von Furcht befreit worden und genießt wieder das Glück der Herrschaft.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch schon früher verübte dieser einen Vatermord und kam durch mich wieder zu Ruhe und Glück.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem erhielt zu Benares der König Brahmadatta einen Sohn, namens Prinz Brahmadatta. Damals nahm der Bodhisattva im Hause des Hauspriesters seine Wiedergeburt; als er geboren war, gab man ihm den Namen Prinz Samkicca. Die beiden wuchsen im Palaste des Königs zusammen auf und wurden gegenseitig Freunde. Als sie herangewachsen waren, gingen sie nach Takkasila, erlernten dort alle Künste und kehrten dann nach Hause zurück. Darauf übertrug der König seinem Sohne die Stelle des Vizekönigs; der Bodhisattva aber weilte immer bei dem Vizekönig.
Nachdem aber der König seinen Vater getötet und eine kurze Zeit hindurch das Glück der Königsherrschaft genossen hatte, bekam er von da an Furcht, empfand keine Befriedigung mehr und war wie einer, der in der Hölle Mühen erdulden muss. Da erinnerte er sich an den Bodhisattva und er dachte: „Mein Freund hielt mich zurück mit den Worten: ‘Der Vatermord ist eine schwere Last’; als er es aber nicht fertig brachte, dass ich seine Worte annahm, machte er sich selbst frei von Schuld und entfloh. Wenn er hier gewesen wäre, hätte er mich den Vatermord nicht ausführen lassen. Auch diese meine Furcht würde er mir nehmen. Wo weilt er wohl jetzt? Wenn ich seinen Aufenthaltsort kennte, würde ich ihn zu mir rufen lassen. Wer könnte mir seinen Aufenthaltsort verkündigen?“ Von da an sprach er in seinem Harem wie in der Königsversammlung immer von dem Ruhme des Bodhisattva.
§1. Da er den König sitzen sah,
§2. „Jener Samkicca ist gekommen,
§3. Darauf bestieg der König eilig
§4. Es legt' ab die fünf Auszeichnungen
das Schwert, den Sonnenschirm, die Schuhe [5].
§5. Der König stieg herab vom Wagen
§6. Nachdem der König ihn getroffen,
§7. Als er ihm nun zur Seite saß
§8. „Samkicca frage ich, den Weisen,
§9. Wohin gelangen nach dem Tode
§10. Und Samkicca der Weise sprach
§11. Wenn dem, der in der Irre geht,
§12. Wenn dem, der Unrecht hat getan,
§13. „Das Recht, Großkönig, ist der Weg,
§14. Die Männer, die Unrecht begehen,
§15. Sanjiva sowie Kalasutta,
Tapana und Patapana:
§16. Dies sind die acht bekannten Höllen,
jede enthält noch sechzehn Höllen [6],
§17. wo Geizige gequält sind, schrecklich,
§18. mit vier Abteilen und vier Toren,
§19. Ihr Boden ist aus Erz gefertigt,
§20. Und jene stürzen in die Hölle,
§21. Gewunden werden sie gebraten,
§22. Mit ihrem Körper, der verbrannt wird,
§23. Zum Osttor laufen sie zuerst,
§24. Und viele tausend Jahre lang
§25. Wie eine Giftschlange voll Zorn
§26. Der riesige, weit herrschende
§27. Den fleckenlosen Vaccha Kisa [7]
§28. Den Stolz verlor der Mejjha-König [8]
das Reich von Mejjha war gewesen [9].
§29. Kanhadipayana den Weisen [10]
und kamen drauf zu Yamas Reich [11].
§30. Von einem Weisen ward verflucht
nachdem sein Ende war gekommen [12].
§31. Darum auch preisen nicht die Weisen,
§32. Wenn mit verräterischem Sinne
§33. Die Leute, die Ehrwürd'ge schelten,
§34. Wer einen Weltflüchtling ermordet,
§35. Und wenn ein König ungerecht
und wie ein Tier sein Reich zerstört [13],
später in der Tapana-Hölle [14].
§36. Und hunderttausend Götterjahre [15]
§37. Aus seinem Körper gehn hervor
§38. Mit seinem so verbrannten Körper
wie ein gestochner Elefant [16].
§39. Wer aus Habsucht den Vater tötet
§40. Ein solcher wird gekocht in einem Eisenkessel,
§41. Eine erhitzte runde Eisenkugel
§42. Auch schwarze Hunde sowie starke Geier [17]
§43. Die Brust verbrannt, die Glieder ganz zerbrochen,
§44. Und wenn ein Sohn die Mutter tötet,
§45. Denn übermächtige Dämonen
§46. Vom eignen Körper den Urin,
§47. Er steht in einen Teich getaucht
§48. Und Würmer dort mit eh'rnem Maule [17a]
§49. Wenn er in diese Hölle kommt,
§50. Auch der, der Augen hat, verliert
gelangt, wer seine Mutter tötet. —
§51. Und nach der Khuradhara-Hölle [18],
in die grause [18a] Vetarani [19].
§52. Dort gibt es Seidenbäum' [20] aus Eisen
§53. Gewaltig flammend stehn sie da
§54. So haften diese in der Hölle,
§55. Den Kopf nach unten fallen viele
§56. Wenn dann die Nacht zu Ende ist,
§57. Also bei Tage wie bei Nacht
§58. Und welche Frau, um Geld erkauft,
§59. Sie muss die Zunge voll von Würmern
§60. Die Metzger und die Schweineschlächter,
§61. mit Speeren mit eisernen Spitzen,
§62. Wer früh und abends übt Betrug,
§63. Krähen, Schakale sowie Geier,
§64. Wer mit dem Tier tötet ein Tier [21]
§65. „Die Guten kommen in den Himmel
§66. Drum sag ich dir, du großer König:
§C. Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon wurde dieser von mir getröstet“, und verband hierauf das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war der König Ajatasattu, die Asketenschar war die Buddhagemeinde, der weise Samkicca aber war ich.“
[1] Vgl. dazu „Leben des Buddha“, S. 185 ff. Die andere Erzählung von dem Mordversuch des Ajatasattu und dem Tode des Devadatta steht nur in jüngeren Texten.
[2] Wahrscheinlich ist das Vollmondsfest im Frühlingsmonat Kattika gemeint.
[3] Der Leibbarbier des Königs, ein treuer Anhänger Buddhas.
[4] Francis schlägt vor „purana“ groß zu schreiben und dies auf den auch im Jataka 528 genannten Purana-Kassapa zu beziehen.
[5] Dies sind die fünf Abzeichen des Königtums; die Schuhe waren aus Gold.
[6] Man nimmt auch sonst in den indischen Quellen meist acht große und 128 kleine Höllen an.
[7] Dieser Weise heißt sonst Kisavaccha; vgl. Jataka 423 vor Strophe 1 und besonders Jataka 522 vor Strophe 1, wo auch einige andere der hier genannten Könige angeführt sind.
[8] Vgl. Jataka 497.
[9] D. h. das Reich wurde in eine Wildnis verwandelt und war kein Reich mehr.
[10] Vgl. Jataka 454.
[11] Yama ist der Todesgott; sein Reich ist die Hölle.
[12] Cecca ist derselbe Name wie Cetiya; vgl. Jataka 422.
[13] Der Ausdruck ist mir nicht klar. Francis fasst „mago“ als Eigenname. Vielleicht heißt es: wie das Wild den Acker zerstört.
[14] „tapana“ heißt „Qual, Plage“.
[15] Diese sind jedenfalls länger gedacht als die der Menschen.
[16] Wörtlich: „der von dem Stachel (des Lenkers) gepeinigte Elefant“.
[17] Ich lese mit der einen Handschrift „sabala“ statt des sonst überlieferten „ca bala“.
[17a] Mit einem Gebiss aus Erz, d. h. Eisen.
[18] Auf Deutsch: „die Rasiermesserhölle“; vgl. dazu Jataka 439.
[18a] Veraltet für „grausig“.
[19] Der Höllenfluss.
[20] Der oft als Parkbaum genannte Baum Bombax heptaphyllum.
[21] Diese Art der Jagd mit Lockvögeln oder auch mit Hetzhunden scheint als die grausamste gegolten zu haben.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17

§18

§19

§20

§21

§22

§23

§24

§25

§26

§27

§28

§29

§30

§31

§32

§33

§34

§35

§36

§37

§38

§39

§40

§41

§42

§43

§44

§45

§46

§47

§48

§49

§50

§51

§52

§53

§54

§55

§56

§57

§58

§59

§60

§61

§62

§63

§64

§65

§66