Source: http://docplayer.org/930953-Unternehmenssteuerrecht-verrechnungssteuer.html
Timestamp: 2017-09-19 15:26:31+00:00

Document:
Unternehmenssteuerrecht / Verrechnungssteuer - PDF
Download "Unternehmenssteuerrecht / Verrechnungssteuer"
1 II Christoph Niederer, Rechtsanwalt und dipl. Steuerexperte Beatrice Klaesi, Rechtsanwältin und dipl. Steuerexpertin A Unternehmenssteuerreform III 1 Stand der Unternehmenssteuerreform III (UStR III) Der Bundesrat hat im September 2014 die Vernehmlassung zur UStR III eröffnet. Ziel der UStR III ist, der Kritik seitens der EU sowie der OECD Rechnung zu tragen, gleichzeitig aber die Attrak tivität des Schweizer Steuerstandortes beizube halten. Zur Vernehmlassung wurde ein umfangreicher Bericht publiziert, welcher unter admin.ch/nsbsubscriber/message/attachments/ pdf eingesehen werden kann. Die Vernehmlassungsvorlage enthält folgende steuerpolitische Massnahmen: Abschaffung kantonaler Steuerstati. Die Steuerstati Holdinggesellschaft, Domizil- und gemischte Gesellschaft sollen abgeschafft Ebenfalls sollen die Praxisregelungen zu Prinzipalgesellschaften sowie zur Swiss Finance Branch angepasst bzw. aufgehoben werden (da es sich bei diesen um blosse Praxisregelungen handelt, ist keine Gesetzesänderung nötig, und die Aufhebung bzw. Änderung bildet keinen Bestandteil der UStR III). Schaffung einer Lizenzbox für Erträge aus Immaterialgüterrechten. Es ist vorgesehen, dass Erträge aus Immaterialgüterrechten in eine Lizenzbox fliessen und getrennt vom übrigen Unternehmensgewinn sowie reduziert besteuert Möglich soll auch eine Spartenrechnung sein. Die Entlastung dafür soll auf der Stufe der Bemessungsgrundlage ansetzen. Es dürfen allerdings höchstens 80 % des Boxenerfolgs von der Bemessungsgrundlage ausgenommen Privilegiert werden nur Erträge aus registrierten Patenten. Die Lizenzbox soll auf kantonaler Ebene nicht jedoch auf Bundesebene obligatorisch eingeführt Mit der Beschränkung auf die Kantonsebene wird sichergestellt, dass die Steuerbelastung auf den Stufen Bund, Kanton und Gemeinde kumuliert mindestens ca. 10 % beträgt, was aus internationaler Sicht einer angemessenen Steuerbelastung entspricht. Einführung der zinsbereinigten Gewinnsteuer. Die zinsbereinigte Gewinnsteuer erweitert den Abzug von Finanzierungskosten über den bestehenden Abzug für Zinsen auf Fremdkapital hinaus, indem zusätzlich kalkulatorische Zinsen auf das Eigenkapital zum Abzug von der Bemessungsgrundlage zugelassen Es stehen zwei Modelle zur Diskussion. Beim Grundmodell gilt unter Berücksichtigung spezifischer Abzüge das gesamte Eigenkapital als schuldzinsabzugsberechtigtes Eigenkapital. Das andere Modell beschränkt den Schuldzinsabzug auf überdurchschnittlich hohes Eigenkapital, somit auf den Teil des Eigenkapitals, welcher die durchschnittliche Eigenfinanzierung (sog. Kerneigenkapital) überschreitet. Dieser überschiessende Teil wird «Sicherheitseigenkapital» genannt. Freiwillige Abschaffung der Kapitalsteuer auf kantonaler und kommunaler Ebene. Die Kantone sollen die Möglichkeit erhalten, die Kapitalsteuern gänzlich abzuschaffen. Alternativ um an die Kapitalsteuerlast der bisherigen Steuerstati anknüpfen zu können sollen sie den Kapitalsteuersatz auf Eigenkapital, das im Zusammenhang mit Beteiligungen, Immaterialgüterrechten und Darlehen an Konzerngesellschaften steht, reduzieren können. 3
2 Regelung der Aufdeckung stiller Reserven bei Wechsel des Steuerstatus sowie bei Zu- und Wegzug. Stille Reserven sollen beim Zuzug in die Schweiz steuerneutral offengelegt und in den Folgejahren gewinnsteuerwirksam abgeschrieben werden können. Beim Wegzug einer juristischen Person ins Ausland wird über die stillen Reserven abgerechnet. Die gleichen Grundsätze sollen beim Einoder Austritt in/aus eine(r) privilegierte(n) Besteuerung, bei Beginn und Ende einer subjektiven Steuerbefreiung und bei der Umwandlung einer Anstalt in eine juristische Person und umgekehrt zur Anwendung gelangen. Abschaffung der Emissionsabgabe auf Eigenkapital. Die Emissionsabgabe soll nun auch im Rahmen von Gründungen und bei Erhöhung von Eigenkapital abgeschafft Diese Massnahme erhöht die Attraktivität der Beteiligungsfinanzierung in der Schweiz, vor allem für inländische Unternehmen mit grossen Investitionsvorhaben sowie zuziehende Gesellschaften mit sehr hohem Kapital. Anpassungen bei der Verlustverrechnung. Die siebenjährige Verlustverrechnungsbegrenzung soll aufgehoben werden, Verluste sollen folglich zeitlich unbegrenzt mit Gewinnen verrechnet werden können. Damit wird dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit verstärkt Rechnung getragen. Gleichzeitig soll jedoch ein Unternehmen, das Verluste zur Verrechnung bringen will, jährlich jeweils 20 % des erzielten Reingewinns versteuern müssen. Anpassungen beim Beteiligungsabzug. Es soll vom System der indirekten zum System der direkten Freistellung von Beteiligungserträgen übergegangen Weiter soll auch Streubesitz zum Beteiligungsabzug qualifizieren. Bei der direkten Freistellung sind Beteiligungserträge und Kapitalgewinne aus Beteiligungen nicht mehr Teil der Bemessungsgrundlage. Die anteiligen Finanzierungs- und Verwaltungsaufwendungen bleiben als Konsequenz unberücksichtigt. Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Beteiligungen werden sich nicht mehr auf die Höhe des steuerbaren Gewinns auswirken. Auch Verluste aus Beteiligungen sind im neuen System steuerlich nicht mehr wirksam. Einführung der Kapitalgewinnsteuer auf Wertschriften im Privatvermögen natürlicher Personen. Neu sollen auch Kapitalgewinne auf Wertschriften natürlicher Personen, welche im Privatvermögen gehalten werden, der Einkommenssteuer unterliegen. Es wird dabei unterschieden zwischen Kapitalgewinnen aus Beteiligungsrechten und Kapitalgewinnen aus übrigen Wertschriften. Erstere sollen zu 70 %, Letztere zu 100 % der Einkommenssteuer unterworfen Spiegelbildlich sollen Kapitalverluste aus Wertschriften vom Einkommen in Abzug gebracht werden können. Anders als in anderen Ländern ist kein generell reduzierter Steuersatz vorgesehen. Mit Einführung dieser Massnahme werden vor allem die Tatbestände (in-)direkte Teilliquidation, Transponierung, Mantelhandel, Obligationen mit überwiegender Einmalverzinsung, Quasiwertschriftenhandel sowie der Rückkauf eigener Aktien über die 2. Handelslinie und die Veräusserungssperrfrist bei der Umwandlung einer Personenunternehmung in eine Kapitalgesellschaft obsolet. Anpassungen zum Teilbesteuerungsverfahren für Dividenden an natürliche Personen. Im geltenden Recht qualifizieren nur privat gehaltene Beteiligungen von mindestens 10 % am Grund- oder Stammkapital zur Privilegierung. Diese Mindestbeteiligungsquote soll wegfallen und das Teilbesteuerungsverfahren auf Genussscheine ausgeweitet Weiter soll die Entlastung auf den Stufen Bund und Kanton auf 30 % begrenzt 2 Auswirkungen von Base Erosion and Profit Shifting (BEPS) auf die UStR III Beobachtet man die Entwicklungen im Bereich BEPS (s. hinten, VI.C.), scheint wahrscheinlich, dass verschiedene in der UStR III vorgesehene Massnahmen nicht wie ursprünglich geplant umgesetzt werden können, sondern noch an die laufenden Entwicklungen von BEPS angepasst werden müssen: a) Lizenzbox Die UStR III-Vorlage sieht bei der Lizenzbox bereits erhöhte Substanzanforderungen vor. So muss eine Gesellschaft, die von der Box profitieren will, einen massgeblichen Beitrag zur Entwicklung oder Weiterentwicklung der dem Immaterialgüterrecht zugrunde liegenden Erfindung geleistet haben. Im Rahmen von BEPS werden die Anforderungen an 4
3 die Substanz jedoch zurzeit noch diskutiert, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Schweiz die Anforderungen der UStR III noch verschärfen muss. Ebenfalls noch nicht klar ist, ob die Berechnungsmethode zur Ermittlung des Boxengewinnes den Anforderungen von BEPS standhalten wird. Schliesslich wird auch der Lizenzbegriff diskutiert. Weiter müssten im Rahmen der Massnahmen von BEPS Informationen eines Rulings, welches im Hinblick auf die Gewährung der Vorteile einer Lizenzbox abgeschlossen wurde, voraussichtlich spontan ausgetauscht Schliesslich ist es im Falle einer Tochtergesellschaft mit Sitz und Lizenzbox in der Schweiz, die von einer ausländischen Gesellschaft gehalten wird, möglich, dass sich die Vorteile der Lizenzbox, eine Besteuerung der entsprechenden Gewinne in Höhe von rund 10 %, aufgrund verschärfter sogenannter CFC (Controlled Foreign Company)-Rules gar nicht auswirken, da die Lizenzgebühren im Sitzstaat der Muttergesellschaft besteuert b) Zinsbereinigte Gewinnsteuer Auch bei der zinsbereinigten Gewinnsteuer ist es im Falle der Tochtergesellschaft mit Sitz in der Schweiz, die von einer Gesellschaft im Ausland gehalten wird, möglich, dass die Tochter aufgrund ausländischer CFC-Rules nicht (gänzlich) von den Vorteilen der zinsbereinigten Gewinnsteuer profitieren kann, da der Gewinn der Schweizer Tochtergesellschaft im Ergebnis auf das ausländische Steuerniveau angehoben werden könnte. B Änderung der Verordnung über die pauschale Steueranrechnung Hat ein Unternehmen mit Sitz in einem Staat, mit welchem die Schweiz ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen hat, eine Betriebsstätte in der Schweiz und vereinnahmt diese Betriebsstätte aus einem Drittstaat, mit welchem die Schweiz ebenfalls ein DBA abgeschlossen hat, Dividenden, Zinsen oder Lizenzerträge, kann es unter aktuellem Recht noch bestehender DBA zu einer Doppelbesteuerung kommen, wenn der Drittstaat eine nicht rückforderbare Quellensteuer (sog. Residualsteuer) auf diese Erträge erhebt. Falls diese Erträge in der Schweiz nämlich der Betriebsstätte zugerechnet werden, werden sie in der Schweiz mit der Gewinnsteuer erfasst. Zusätzlich werden diese Erträge im Drittstaat mit der Residualsteuer belastet. Das Unternehmen kann die Residualsteuer aus dem Drittstaat nicht an die im Sitzstaat zu bezahlenden Steuern anrechnen, falls die Erträge der Betriebsstätte in der Schweiz zugewiesen und im Sitzstaat von der Bemessungsgrundlage ausgenommen werden (sog. Befreiungsmethode). Die Betriebsstätte in der Schweiz kann ihrerseits keine Steueranrechnung verlangen, weil sie gemäss DBA nicht als in der Schweiz ansässig gilt und folglich die Verordnung über die pauschale Steueranrechnung (PStAV) in der bisherigen Fassung keine Anrechnung zu ihren Gunsten vorsieht. Weiter kann BEPS die Höhe der geplanten kalkulatorischen Verzinsung auf das Sicherheitseigenkapital beeinflussen. Sollte die zinsbereinigte Gewinnsteuer als «Regime» im Sinne von BEPS qualifiziert werden, müssten Informationen aus diesbezüglichen Rulings voraussichtlich ausgetauscht c) Übrige Massnahmen der UStR III Die übrigen Massnahmen der UStR III stehen gemäss aktuellem Stand mit BEPS im Einklang. Allfälligen Änderungen im Rahmen des BEPS-Aktionsplanes vor allem im Rahmen der im Jahr 2015 stattfindenden öffentlichen Diskussionen der einzelnen BEPS-Massnahmen (s. hinten, VI.C.) wäre jedoch Rechnung zu tragen. Die sich in diesen Konstellationen ergebende Doppelbesteuerung soll durch eine Änderung der PStAV vermieden Der Entwurf der Änderung sieht vor, dass die Schweizer Betriebsstätte die pauschale Steueranrechnung beanspruchen kann, wenn 1) sie sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch bei den Kantons- und Gemeindesteuern der ordentlichen Gewinnsteuer unterliegt, 2) der Sitzstaat der Gesellschaft, welche die Betriebsstätte unterhält, keine Anrechnung der Residualsteuer gewährt und 3) zwischen allen drei Staaten DBA bestehen. Dabei gelten die normalen Regeln der PStAV. Als Besonderheit sieht der Entwurf der geänderten Verordnung jedoch vor, dass, falls das DBA zwischen der Schweiz und dem Drittstaat und das DBA zwischen dem Dritt- und dem Sitzstaat für die nicht rückforderbaren Steuern verschiedene Sätze vor- 5
4 sehen, nur der niedrigere Betrag geltend gemacht werden kann. Der Entwurf der geänderten Verordnung wurde am 19. September 2014 in die Vernehmlassung geschickt, welche bis zum 23. Dezember 2014 dauerte. Das Ergebnis der Vernehmlassung war im Zeitpunkt der Erstellung dieser Broschüre noch nicht publiziert. C Entscheide 1 Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen vs. Untersuchungsmaxime A. mit Wohnsitz im Kanton Aargau war zu 100 % an der X. AG und zu 30 % an der Y. AG, beide ebenfalls im Kanton Aargau domiziliert, beteiligt. Im Jahr 1999 erhöhte die X. AG ein der Y. AG gewährtes Darlehen von rund CHF um rund CHF und im Jahr 2000 ein weiteres Mal um rund CHF Weder für das ursprüngliche Darlehen noch für die Erhöhungen wurde eine Sicherheit gewährt. Die X. AG nahm in der Folge eine vollständige Wertberichtigung in Höhe der erfolgten Erhöhungen vor. Diese wurde vom kantonalen Steueramt Aargau im April 2002 als geldwerte Leistung an den Aktionär bei der X. AG aufgerechnet. Weiter teilte der zuständige Steuerkommissär der X. AG mit, dass die Aufrechnung aufgrund geldwerter Leistung der Verwaltungseinheit für natürliche Personen gemeldet werde. A. deklarierte in seiner Steuererklärung 2001 die geldwerte Leistung nicht. Da die angekündigte Meldung nicht vorgenommen wurde, rechnete das Steueramt die geldwerte Leistung nicht auf und die Veranlagung 2001 erwuchs in Rechtskraft. Im Jahr 2011 leitete das kantonale Steueramt Aargau diesbezüglich gegenüber A. ein Nachsteuerverfahren ein und nahm die Aufrechnung vor. Das Bundesgericht (BGer) 1 führte aus, dass eine neue Tatsache vorliege, für welche eine Nachsteuerpflicht bestehe. Die Steuerbehörde dürfe grundsätzlich davon ausgehen, dass die Steuererklärung wahrheitsgetreu und vollständig erstellt werde. Sie sei mangels entsprechender Indizien nicht verpflichtet, nach zusätzlichen Indizien zu forschen. Aufgrund der Untersuchungsmaxime müsse sie dann weitere Untersuchungen durchführen, wenn sich aus den Akten offensichtlich ergebe, dass der massgebliche Sachverhalt unvollständig oder unklar sei. Dies sei allerdings nur unter strengen Voraussetzungen anzunehmen, nämlich wenn seitens der Steuerbehörde grobe Fahrlässigkeit vorliege. Eine solche sei nicht gegeben, wenn einer anderen Verwaltungseinheit Informationen vorgelegen hätten und diese nicht übermittelt wurden. Grobe Fahrlässigkeit würde erst dann vorliegen, wenn die Informationen auch tatsächlich übermittelt worden wären. Die Aussage der Vorinstanz, dass sich die Steuerbehörde so organisieren müsse, dass innerhalb der Behörde alle Informationen betreffend juristische Personen sowie die an ihnen beteiligten Personen sämtlichen mit der Veranlagung befassten Personen zugänglich seien, überspanne die Anforderungen an die Untersuchungsmaxime. Dieser Entscheid zeigt, welche Bedeutung der Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen im Veranlagungsverfahren zukommt. Es ist folglich zu empfehlen, vor allem in Fällen von Aufrechnungen aufgrund einer verdeckten Gewinnausschüttung, sicherzustellen, dass die Steuererklärung des Aktionärs korrekt eingereicht wird. Dies bedingt selbstverständlich, dass der Aktionär vom Verwaltungsrat über die Aufrechnung auf Stufe der Gesellschaft informiert wird und seine Steuererklärung noch nicht eingereicht hat. 2 Steuerliche Behandlung von Bussen und Rückstellungen zu Buss- und Prozessrisiken Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich (VGer ZH) entschied am 9. Juli , dass die Bildung einer Rückstellung zur Absicherung von Buss- und Prozessrisiken aus einem Verfahren wegen wettbewerbsrechtlichen Verstössen als steuerlich abzugsfähiger Geschäftsaufwand qualifiziert. Dies selbst dann, wenn die Busse Strafcharakter haben und nicht der Gewinnabschöpfung dienen sollte. Abzugsfähige Aufwendungen seien nämlich solche, die im Zusammenhang mit der Unternehmenstätigkeit und damit im Interesse des Unternehmensziels getätigt Eine abweichende steuerliche Behandlung bedürfe einer erst noch zu schaffenden gesetzlichen Grundlage. 1 BGer 2C_1023/2013, 2C_1024/2013 vom 8. Juli VGer ZH SB vom 9. Juli
5 Der Entscheid des VGer ZH wurde vom Steueramt Zürich ans BGer weitergezogen. Die Frage der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Bussen wurde vor allem im Zusammenhang mit dem Steuerstreit der Schweizer Banken mit den Vereinigten Staaten thematisiert, bei welchem den Schweizer Banken Bussen in teils Milliardenhöhe drohen bzw. bereits auferlegt wurden. Der Bundesrat veröffentlichte sodann am 12. September 2014 seinen Standpunkt zur steuerlichen Abzugsfähigkeit von Bussen. Danach sollen gewinnabschöpfende Sanktionen zum Abzug zugelassen werden, nicht jedoch Bussen mit Strafcharakter. Diese Praxis wird überdies von den Steuerbehörden der Mehrheit der Kantone, darunter auch des Kantons Zürich, angewandt. Andere Kantone (z. B. der Kanton St. Gallen) lassen Bussen überhaupt nicht zum Abzug zu. Es bleibt nun abzuwarten, wie das BGer die Frage entscheiden und welche Auswirkungen das Bundesgerichtsurteil auf die Abzugsfähigkeit von Bussen allgemein sowie der im Rahmen des US-Steuerprogramms auferlegten Sanktionen haben wird, sofern es nicht zu einer expliziten gesetzlichen Regelung kommt. Verweigerung an, jedoch nur für die direkte Bundessteuer. Die Veranlagung der kantonalen und kommunalen Steuern erwuchs mit einem positiven Reingewinn in Rechtskraft. Das BGer wies entsprechend seiner Praxis die gegen die Verweigerung der im Folgejahr vorgenommenen Verlustverrechnung bei den kantonalen und kommunalen Steuern erhobene Beschwerde der A. AG ab. Es ist somit bei der Erstellung von Steuererklärungen von juristischen sowie von selbstständigerwerbenden Personen genau darauf zu achten, dass Verluste im nächstmöglichen Geschäftsjahr mit Gewinnen verrechnet Ebenfalls ist zu empfehlen, laufend eine sorgfältige Berechnung der noch verbleibenden Verluste vorzunehmen und die erfolgte Veranlagung der Steuerbehörden genau zu prüfen, da eine einmal vergessene Verlustverrechnung in den Folgejahren nicht nachgeholt werden kann. Verweigert die Steuerbehörde die Verlustverrechnung auf Ebene der direkten Bundessteuer sowie der kantonalen und kommunalen Steuern, müssen immer alle Veranlagungen angefochten 4 Verrechnung von Verlusten einer ausländischen Personengesellschaft 3 Verzicht auf Verlustverrechnung und Anfechtung der Höhe von Verlustvorträgen Das BGer hat in seinem Entscheid vom 29. April einmal mehr an seiner Rechtsprechung festgehalten, dass Verluste stets im nächstmöglichen Jahr mit Gewinnen zu verrechnen seien. Wird eine juristische Person in einer Steuerperiode mit einem positiven Reingewinn rechtskräftig veranlagt, können die Verlustvorträge in den nachfolgenden Steuerperioden nicht mehr zum Abzug gebracht Ergibt sich aufgrund von Verlustvorträgen eine Nullveranlagung, kann die Höhe der noch bestehenden Verlustvorträge nicht angefochten Dies ist erst in einer Folgeperiode, in der ein positiver Reingewinn resultiert, möglich. Zu beurteilen war der Fall der A. AG, die im Rahmen einer Fusion die Aktiven und Passiven der B. AG übernommen hatte und in der Folge deren Verlustvorträge in der Steuererklärung mit Gewinnen verrechnete. Nachdem die Verlustverrechnung vom Steueramt verweigert wurde, focht die A. AG die A. und B., wohnhaft im Kanton Graubünden, sind Inhaber zweier deutscher Personengesellschaften. Aus diesen Personengesellschaften resultierten im Jahr 2006 Verluste von insgesamt rund CHF Im Jahr 2007 verlegten A. und B. ihren Wohnsitz vom Kanton Graubünden in den Kanton Schwyz. Letzterer verweigerte im Rahmen der Veranlagung 2007 die Verrechnung der Vorjahresverluste mit Einkommen aus dem Jahr Das BGer 4 stellte fest, dass für die Möglichkeit der Verrechnung ausländischer Verluste die Rechtslage im interkantonalen Verhältnis massgebend sei. Art. 6 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) anerkenne explizit die satzbestimmende Verlustverrechnung im Verhältnis zum Ausland, ohne diese auf eine einzige Steuerperiode zu beschränken. In Anlehnung an die Rechtslage im interkantonalen Verhältnis könnten somit gemäss Art. 211 DBG grundsätzlich Verluste aus sieben der Steuerperiode vorangegangenen Jahren satzbestimmend berücksichtigt werden, sofern sie bis dahin noch nicht berücksichtigt worden sind. 3 BGer 2C_696/2013 vom 29. April BGer 2C_164/2013, 2C_165/2013 vom 28. März 2014, publiziert in BGE 140 II
6 A. und B. konnten somit die im Rahmen der Beteiligung an den deutschen Personengesellschaften im Jahr 2006 erlittenen Verluste, soweit sie noch nicht berücksichtigt worden waren, im Kanton Schwyz bei der Veranlagung 2007 satz bestimmend zur Verrechnung bringen. 5 Auswirkungen der zivilrechtlichen Nichtigkeit eines Generalversammlungsbeschlusses auf die Verrechnungssteuer, Stornopraxis der Steuerverwaltung Betreffend die von der A. AG angerufene Anwendung der Stornopraxis der ESTV führte das BVGer aus, dass diese auf die Verrechnungssteuer im Zusammenhang mit bereits fälligen Dividenden und nach ihrer Fälligkeit vorgenommenen Korrekturbuchungen nicht anwendbar sei. Gemäss der erwähnten Stornopraxis muss eine Korrekturbuchung bis spätestens ein Jahr nach Ende des betreffenden Geschäftsjahres erfolgt sein, damit keine Verrechnungssteuer geschuldet ist. Weiter würden Storni zugelassen, wenn bei bereits genehmigtem Jahresabschluss die steuerbare Leistung nicht bösgläubig erbracht worden ist und zudem bei ihrer Erbringung die Vorschriften ordnungsgemässer Buchführung nicht verletzt wurden. Da vorliegend nach Ende des Geschäftsjahres 2010 bereits mehr als ein Jahr vergangen war und nicht von Gutgläubigkeit ausgegangen werden konnte, lehnte das BVGer auch die Anwendung der Stornopraxis ab. Die A. AG deklarierte mit Formular 103, datierend vom 22. September 2011, eine Dividende für das Geschäftsjahr 2010 in Höhe von CHF Gemäss Formular 103 wurde die Jahresrechnung 2010 am 2. März 2011 genehmigt und die Dividende am 20. September 2011 fällig. Die A. AG überwies die Verrechnungssteuer von CHF mit Valuta vom 16. März 2012, was Verzugszinsen von rund CHF 700 zur Folge hatte. Mit Gesuch vom 3. Oktober 2012 forderte die A. AG den Betrag von CHF zurück, da der der Dividendenausschüttung zugrunde liegende Beschluss der Generalversammlung und damit auch die Ausschüttung nichtig sei. Tatsächlich lag der für den Generalversammlungsbeschluss erforderliche Revisionsbericht entgegen den Aussagen im Versammlungsprotokoll nicht vor und es mangelte der A. AG an für die Ausschüttung frei verfügbarem Eigenkapital. Gemäss Bundesverwaltungsgericht (BVGer) 5 führt aufgrund der wertungsfreien Betrachtungsweise des Steuerrechts die zivil rechtliche Nichtigkeit des Generalversammlungsbeschlusses und damit auch der Dividendenausschüttung nicht dazu, dass die Verrechnungssteuer zurückzuerstatten wäre. Ein anfechtbares oder nichtiges Rechtsgeschäft ziehe nur dann keine Verrechnungssteuer nach sich, wenn seine Folgen von den Beteiligten rückwirkend beseitigt würden und die Beteiligten gutgläubig handelten. Da im vorliegenden Fall nicht von Gutgläubigkeit ausgegangen werden konnte, musste die Verrechnungssteuer durch die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) nicht zurückerstattet 5 BVGer A-570/2014 vom 19. September

References: BGer 
 BGer 
 BGer 
 BGer 
 BGer 
 BGer 
 Art. 6
 Art. 211
 BGer 
 BGer 
 BGE