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Timestamp: 2018-11-14 11:29:01+00:00

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Clemens Esser
1 usic news N o 02/13 Juli 2013 «Cargo Sous Terrain, CST» von der Vision zum Projekt Interview mityvette Körber,Projektmanagerin CST, RVBS Partner in Aarau
2 Sabine Wyss,Rechtsanwältin Kellerhals Anwälte,Bern Weiterbildung der stetige technologische Wandel und die wirtschaftlichen Entwicklungen erfordern, dass jede und jeder sein Wissen auffrischt und sich persönlich weiterentwickelt, um nicht das risiko einzugehen, aus dem arbeitsprozess zu fallen. in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage,ob der einzelne oder die einzelne arbeitnehmende einen anspruch auf Weiterbildung im rahmen des arbeitsverhältnisses geltend machen kann. 18
3 «Massgebend bei der Beurteilung, ob die Weiterbildung als arbeitszeit oder als Freizeit zu qualifizieren ist, ist der Zweck, dem die Weiterbildung dienen soll.» 1. rechtsgrundlagen Nach Art. 64a der Bundesverfassung hat der Bund die Grundsätze über die Weiterbildung festzulegen und die Weiterbildung zu fördern.auf Bundesebene sind in verschiedenen Gesetzen Normen zur Weiterbildung enthalten. Das Arbeitsvertragsrecht enthält jedoch keine allgemeine Bestimmung, welche die berufliche Weiterbildung regelt. Auf Bundesebene verfügt das Arbeitsrecht mit Art. 328 OR nämlich einzig über eine offene und flexible Bestimmung, welche der Regelung der Weiterbildung dienen kann.art. 328 OR normiert grundsätzlich die allgemeine Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Arbeitnehmenden. Der Arbeitgeber hat danach die Persönlichkeit des Arbeitnehmenden zu achten und zu schützen, auf dessen Gesundheit gebührend Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung der Sittlichkeit zu sorgen. Gestützt darauf hat der Arbeitgeber jene Massnahmen zu treffen, die nach den allgemeinen Erfahrungen notwendig und nach dem Stand der Technik anwendbar und denverhältnissen des Arbeitsbetriebes angemessen und zudem dem Arbeitgeber auch zumutbar sind. Zu den geschützten Persönlichkeitsrechten nach Art. 328 OR zählt u.a. auch das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmenden. Da die Norm von Art. 328 OR, wie schon erwähnt, offen resp.sehr allgemein und damit zu wenig konkret formuliert ist, kann gestützt darauf m.e. der Anspruch auf berufliches Fortkommen resp.der Anspruch auf Weiterbildung nicht wirksam durchgesetzt werden. Folglich ist somit geklärt, dass gestützt auf die heute bestehenden Normen zum Arbeitsvertragsrecht ein Anspruch auf berufliches Fortkommen resp.ein Anspruch auf Weiterbildung nicht wirksam durchgesetzt werden kann. Es bleiben jedoch die Fragen zu klären, ob der Arbeitgeber dennoch die Kosten einer Weiterbildung zu tragen und/oder den Lohn während der Abwesenheit infolge Weiterbildung zu zahlen hat. Diese Fragen beurteilen sich nämlich nicht nach Art. 328 OR, sondern vielmehr u.a. nach Art. 327a OR. AlsVorfrage muss jedoch zuerst geklärt werden, ob die Zeit, welche für die Weiterbildung aufgewendet wird,arbeitszeit oder Freizeit darstellt. 19
4 2. arbeitszeit oder Freizeit? Massgebend bei der Beurteilung, ob die Weiterbildung als Arbeitszeit oder als Freizeit zu qualifizieren ist, ist der Zweck, dem die Weiterbildung dienen soll. Weder im Obligationenrecht noch im Arbeitsgesetz ist der Begriff der Arbeitszeit definiert. Einzig in der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz, Art. 13 Abs. 1 ArGV 1, wird der Begriff «Arbeitszeit» wie folgt definiert: «Als Arbeitszeit im Sinne des Gesetzes gilt die Zeit, während der sich der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin zur Verfügung des Arbeitgebers zu halten hat;...». Demgemäss gilt einerseits jene Zeit als Arbeitszeit, während der ein Arbeitnehmender unter Weisungsgewalt des Arbeitgebers steht (Art. 321d OR), sich also im engen Wortsinn «zurverfügung des Arbeitgebers hält».andererseits gilt jedoch jede Zeitspanne,die der Arbeitnehmende mit Willen des Arbeitgebers in dessen hauptsächlichem Interesse verbringt, als Arbeitszeit, denn er hält sich und seine Zeit während dieser Periode zu dessen wirtschaftlicher Verfügung.Als Arbeitszeit gilt auch jene Zeit, die der Arbeitnehmende z.b. zuhause mitwillen und im hauptsächlichen Interesse des Arbeitgebers, aber ausserhalb von dessen unmittelbarer Weisungsgewalt, verbringt. Gemäss Art. 13 Abs. 1ArGV 1ist die Arbeitszeit keine örtlich oder durch die eingesetzten Mittel bestimmte Grösse und als im Betrieb oder unterverwendung von Betriebsmitteln des Arbeitgebers verbrachte Zeit zu definieren. Dies u.a. auch deshalb,weil die Leistung von Arbeitszeit kein Tätigsein voraussetzt, denn der Arbeitnehmende hält sich auch z.b.ineinem Bereitschaftsdienst oder durch untätige Präsenz im Betrieb zurverfügung des Arbeitgebers (vgl. auchvon KAENEL, Stämpflis Handkommentar Arbeitsgesetz, N 5 ff. zu Art. 9 ArG). Gestützt auf die Definition in Art. 13 Abs. 1ArGV 1stellt somit Fort- und Weiterbildungszeit nur dann Arbeitszeit dar, wenn sich der Arbeitnehmer auf Anordnung des Arbeitgebers oder aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit bestehender,gesetzlicher Pflicht weiter- oder fortbildet. Insofern ist grundsätzlich auch die berufliche Ausbildungszeit im Betrieb Arbeitszeit, obwohl dies in Art. 13 Abs. 4ArGV 1nicht explizit erwähnt wird (vgl. auch VON KAENEL, Stämpflis Handkommentar Arbeitsgesetz, N 16 f. zu Art. 9 ArG; betreffend Lernende ist dies explizit vorgesehen, vgl. dazu Art. 31 Abs. 1 ArG). Im Gesamtarbeitsvertrag oder im Einzelarbeitsvertrag können davon jedoch abweichende Vereinbarungen getroffen werden, insbesondere auch bezüglich der Frage der Entlöhnung (vgl. RUDOLPH/ VON KAENEL, Aktuelle Fragen zur Arbeitszeit, in: AJP 2012, S. 197 ff., S. 199). Vorbehältlich anderer privatrechtlicher Regelung ist die Frage der Kostenübernahme und der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber einzig bei Qualifikation der Fort- oder Weiterbildungszeit als Arbeitszeit zu klären. 3. Kostentragung und lohnfortzahlung? Gemäss Art. 327a Abs. 1ORhat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmenden sämtliche Auslagen zu ersetzen, die durch die Ausführung der Arbeit notwendigerweise entstehen. Diese Pflicht zum Auslagenersatz stellt einen Aspekt der allgemeinen Fürsorgepflicht (Art. 328 OR) des Arbeitgebers dar (vgl. BSK- OR I, 5. Aufl., PORTMANN, N 1 zu Art. 327a). Notwendig können Auslagen aus drei Gründen sein: Die Weiterbildung ist dann notwendig, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben ist, etwa inbereichen, in denen der Gesetzgeber zum Schutze von Dritten oder der Öffentlichkeit eine dauernde Weiterbildung vorschreibt. Zu denken ist hierbei etwa an den Bereich der Luftfahrt und die Medizinalberufe.Die Weiterbildung ist jedoch auch dann notwendig, wenn der Arbeitgeber sie für die Ausübung der konkreten Tätigkeit vorschreibt oder verlangt. Notwendigkeit besteht auch dann, wenn die Verbände gewisser Berufe Standards festlegen, diese sodann als allgemein anerkannt betrachtet werden und diese Standards eine stete Weiterbildung erfordern. In all diesen Fällen besteht Notwendigkeit resp.die im Zusammenhang mit der Weiterbildung anfallenden Kosten sind sog. notwendige Auslagen im Sinne vonart.327a Abs. 1ORund die Kosten sind durch den Arbeitgeber zu ersetzen. Im Weiteren ist auch zu beachten, dass Art. 328 Abs. 2ORden Arbeitgeber ausdrücklich auch zu jenenvorkehren verpflichtet, «die nach der Erfahrung notwendig» sind, und nicht nur zu den gesetzlich vorgeschriebenen; d.h. auch die in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten sind zu decken. 20
5 Basierend auf dieser Pflicht zum Auslagenersatz des Arbeitgebers ist bei Ausbildungskosten bezüglich der Frage der Ersatzpflicht zu unterscheiden, ob es sich um eine Ausbildung zu Einarbeitungszwecken oder um eine eigentliche Weiterbildung handelt. Kosten für die Einarbeitung hat der Arbeitgeber zu tragen;weiterbildungskosten gehen grundsätzlich jedoch zulasten des Arbeitnehmenden, es sei denn, der Arbeitgeber habe diese angeordnet (vgl. oben). Im letzteren Fall hat nämlich wiederum der Arbeitgeber die Kosten zu tragen, da diese als sog. notwendige Auslagen zu qualifizieren wären. Dient die Weiterbildung oder Ausbildung primär den Interessen des Arbeitgebers und ist das Erlernte nur teilweise resp. kaum bei einem anderen Arbeitgeber verwertbar,so sind die damit zusammenhängenden Kosten wiederum als notwendige Auslagen im Sinne von Art. 327a OR durch den Arbeitgeber zu ersetzen. Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmenden sämtliche Auslagen zu ersetzen, die durch die Ausführung der Arbeit notwendigerweise entstehen. Handelt es sich hingegen um eine Weiterbildung, welche auch bei einem anderenarbeitgeber verwertbar ist, so kann sich der Arbeitgeber beispielsweise weil er sich aufgrund der erlernten Kenntnisse einen Nutzen verspricht an den Kosten beteiligen. Im Fall der späteren Auflösung des Arbeitsverhältnisses kann der Arbeitgeber je nachdem die bezahlten Kosten zurückverlangen. Der Arbeitnehmende muss aus einer Weiterbildung, deren Kosten zurückgefordert werden können, jedoch einen dauerhaften Nutzen erlangen können, der losgelöst vom konkreten Arbeitsverhältnis besteht. Dies ist erfüllt, wenn der Arbeitnehmende ein Ausbildungsziel erreichen kann, das er auf dem Arbeitsmarkt entsprechend verwerten kann. Will der Arbeitgeber sich die Rückzahlung der Weiterbildungskosten vorbehalten, so muss er hierfür eine entsprechende Vereinbarung mit dem Arbeitnehmenden treffen. DieseVereinbarung muss der Arbeitgeber vor Beginn derweiterbildung mit dem Arbeitnehmenden abschliessen; die Vereinbarung hat neben dem zurückzuvergütenden Betrag auch den Zeitraum festzulegen, innert welchem eine Kündigung die Rückzahlungspflicht auslösen würde.die Rückzahlungsverpflichtung pro rata temporis ist längstens auf drei Jahre zubegrenzen (vgl. auch Art. 340a Abs. 1OR). Diese Begrenzung ist deshalb notwendig, weil die Kündigungsfreiheit des Arbeitnehmenden nicht übermässig eingeschränkt werden darf und der Arbeitnehmende infolge der Sonderleistung einen bleibenden Vorteil erhalten muss. Bei der Kündigung durch den Arbeitgeber muss unter Berücksichtigung von Art. 340c Abs. 2 OR ein begründeter Anlass bestehen; kündigt der Arbeitnehmende, so darf insofern kein vom Arbeitgeber zu vertretender Anlass vorliegen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen (Entscheid des Kantonsgerichts Graubünden, II. Zivilkammer,vom 24. Februar 2012 [KZ 2122,Erw.3.b.]). Hat ein Arbeitnehmender während des Anstellungsverhältnisses eine Fort- oder Weiterbildung zu besuchen und wird diese Fort- oder Weiterbildungszeit als Arbeitszeit qualifiziert (vgl. dazu oben), so ist zu beachten, dass einerseits die Zeit, innert der die Fort- oder Weiterbildung stattfindet, und andererseits auch die notwendigevor- und Nachbereitungszeit als Arbeitszeit zu qualifizieren und zu entschädigen sind. D.h. für diese gesamte Zeit wird neben dem Auslagenersatz (Kosten der Weiterbildung) auch der Lohn zu zahlen sein. Dabei ist unerheblich, ob diese Zeit innerhalb der normalen Arbeitszeit liegt oder aber ausserhalb; die Arbeitsleistung im Arbeitsvertrag ist immer entgeltlich. Umfangmässig kann es sich um Überstunden handeln, die mit einem entsprechenden Zuschlag (vorbehältlich einer anderen Regelung) zu entschädigen sind, sofern kein Ausgleich durch Freizeit stattfindet. Ist hingegen die Weiterbildung weder gesetzlich vorgeschrieben noch vom Arbeitgeber angeordnet und dient sie somit nicht primär den Interessen des Arbeitgebers, so wird deshalb die dafür aufzuwendende Zeit nicht als Arbeitszeit, sondern als Freizeit qualifiziert. Der Arbeitnehmende hält nämlich in dieser Zeit seine Arbeitskraft dem Arbeitgeber nicht zur Verfügung und steht ebenfalls nicht unter dessen Weisungsmacht. Diese Zeit ist somit grundsätzlich nicht zu entschädigen, es sei denn, privatrechtlich wäre etwas anderes zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmenden vereinbart. Die obigen Ausführungen zum Thema Weiterbildung erheben keinesfalls den Anspruch, eine abschliessende und umfassende Zusammenstellung wiederzugeben. Bei konkreten Fragen bietet die Rechtsberatungsstelle der usic ihren Mitgliedsunternehmungen ihre kostenlose Unterstützung an. Foto: bauzaun/photocase.com 21
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 Art. 328
 Art. 328
 Art. 328
 Art. 328
 Art. 327
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 9
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 9
 Art. 31
 Art. 327
 Art. 327
 Art. 328
 Art. 327
 Art. 340
 Art. 340
 Art. 1
 Art. 13
 Art. 14