Source: https://www.hsp-steuerberater-berchtesgaden.de/2014/03/18/wie-wird-ein-steuerbescheid-geprueft/
Timestamp: 2020-07-02 13:17:03+00:00

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HSP STEUER Berchtesgaden › Wie wird ein Steuerbescheid geprüft? › Steuerberater aus Berchtesgaden
Dies ist ins­beson­dere deshalb wichtig, da der Ein­spruch inner­halb eines Monats nach Bekan­nt­gabe einzule­gen ist. Nach Ablauf dieser Frist ist eine Kor­rek­tur eines fehler­haften Beschei­ds nur sehr eingeschränkt möglich.
Prü­fung der for­malen Anforderun­gen Grund­sät­zlich sollte bei einem Steuerbescheid zunächst geprüft wer­den, ob die for­malen Anforderun­gen erfüllt sind. Im Rah­men der formellen Prü­fung­shand­lun­gen ist die Richtigkeit zu über­prüfen von:
Adres­sat (kor­rek­te Beze­ich­nung)
Empfänger (kor­rek­te Beze­ich­nung, richtige Bankverbindung)
Fest­set­zungs­frist (Ist der Bescheid inner­­-
halb der Fest­set­zungs­frist ergan­gen?)
Die Zuläs­sigkeit eines Änderungs­bescheids
Die Zuläs­sigkeit von Nebenbes­tim­mungen (z. B. Vor­läu­figkeitsver­merk, Vor­be­halt der Nach­prü­fung)
Materiell-rechtliche Prü­fung Im Rah­men der materiell-rechtlichen Prü­fung­shand­lun­gen ist zu unter­suchen, ob
1. eine Abwe­ichung von der Steuer­erk­lärung vor­liegt und
2. soweit Abwe­ichun­gen vor­liegen, ob diese gerecht­fer­tigt sind.
Bei dieser Prü­fung wird der zutr­e­f­fende Ansatz der Ein­nah­men und Abzugs­be­träge geprüft. Zu den Abzugs­be­trä­gen zählen die Wer­bungskosten wie Fahrten zwis­chen Woh­nung und Tätigkeitsstelle, Son­der­aus­gaben wie Spenden oder Kinder­be­treu­ungskosten und außergewöhn­liche Belas­tun­gen wie Krankheit­skosten. Zudem ist zu unter­suchen, ob die zutr­e­f­fend­en Frei­be­träge wie der Behin­derten­pausch­be­trag ange­set­zt und die geleis­tete Einkom­men­steuer­vo­rauszahlung bzw. die ein­be­hal­tene Lohn­s­teuer zutr­e­f­fend berück­sichtigt wur­den.
In einem weit­eren Schritt sind die Gün­stiger­prü­fun­gen zu kon­trol­lieren. Die Gün­stiger­prü­fun­gen sind vor allem beim Kindergeld/Kinderfreibetrag, bei den Vor­sorgeaufwen­dun­gen und bei den Kap­i­talerträ­gen (Abgel­tung­s­teuer) von Bedeu­tung.
Achtung Vor­läu­figkeitsver­merke In vie­len Punk­ten ist die Recht­slage nicht ein­deutig. Daher hal­ten die Finanzämter den Steuerbescheid in vie­len Fällen offen und set­zen ihn vor­läu­fig fest. Fest­set­zun­gen der Einkom­men­steuer beispiel­sweise sind nach aktuellem Stand hin­sichtlich fol­gen­der Punk­te vor­läu­fig vorzunehmen:
1. Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer und der darauf ent­fal­l­en­den Neben­leis­tun­gen als Betrieb­saus­gaben (§ 4 Absatz 5b EStG)
2. a) Beschränk­te Abziehbarkeit von Kinder­be­treu­ungskosten (§ 4f, § 9 Absatz 5 Satz 1, § 10 Absatz 1 Num­mern 5 und 8 EStG) – für die Ver­an­la­gungszeiträume 2006 bis 2008
b) Beschränk­te Abziehbarkeit von Kinder­be­treu­ungskosten (§ 9c, § 9 Absatz 5 Satz 1 EStG) – für die Ver­an­la­gungszeiträume 2009 bis 2011
3. a) Beschränk­te Abziehbarkeit von Vor­sorgeaufwen­dun­gen (§ 10 Absatz 3, 4, 4a EStG) – für die Ver­an­la­gungszeiträume 2005 bis 2009
b) Beschränk­te Abziehbarkeit von son­sti­gen Vor­sorgeaufwen­dun­gen im Sinne des § 10 Absatz 1 Num­mer 3a EStG – für Ver­an­la­gungszeiträume ab 2010
4. Nichtabziehbarkeit von Beiträ­gen zu Renten­ver­sicherun­gen als vor­weggenommene Wer­bungskosten bei den Einkün­ften im Sinne des § 22 Num­mer 1 Satz 3 Buch­stabe a EStG für Ver­an­la­gungszeiträume ab 2005
5. Besteuerung der Einkün­fte aus Leibrenten im Sinne des § 22 Num­mer 1 Satz 3 Buch­stabe a Dop­pel­buch­stabe aa EStG für Ver­an­la­gungszeiträume ab 2005
6. Höhe der kind­be­zo­ge­nen Frei­be­träge nach § 32 Absatz 6 Sätze 1 und 2 EStG
7. Höhe des Grund­frei­be­trags (§ 32a Absatz 1 Satz 2 Num­mer 1 EStG)
Erläuterun­gen Eine beson­dere Bedeu­tung haben die Erläuterun­gen. Diese fol­gen auf die Vor­läu­figkeitsver­merke. Hier soll das Finan­zamt den Steuerzahler darauf aufmerk­sam machen, in welchem Umfang von den Angaben der Steuer­erk­lärung abgewichen wurde. Häu­fig find­en sich in den Erläuterun­gen auch Hin­weise, dass noch Unter­la­gen beim Finan­zamt ein­gere­icht wer­den soll­ten. Soweit Abwe­ichun­gen nicht erläutert sind, ist beim Finan­zamt die Ursache der Abwe­ichun­gen zu erfra­gen.
Rechtsmit­tel Bei ein­er nicht berechtigten Abwe­ichung hat der Steuerzahler die Möglichkeit, inner­halb eines Monats nach Bekan­nt­gabe gegen den Steuerbescheid Ein­spruch einzule­gen.
Wichtig: Der Ein­spruch schützt nicht vor der Zahlung. Eventuelle Nachzahlun­gen müssen daher trotz eines laufend­en Ein­spruchs geleis­tet wer­den. Es beste­ht jedoch die Möglichkeit einen „Antrag auf Aus­set­zung der Vol­lziehung“ zu stellen.
Wichtig: Wer Ein­spruch ein­legt, muss damit rech­nen, dass das Finan­zamt die Steuer­erk­lärung voll­ständig prüft. Es ist auch berechtigt, den Steuerbescheid nach vorheriger Anhörung zu „ver­bösern“.

References: § 9
 § 10
 § 9
 § 10
 § 22
 § 22
 § 32