Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=14.08.1991&Aktenzeichen=X%20R%2086/88
Timestamp: 2019-07-16 19:51:22+00:00

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BFH, 14.08.1991 - X R 86/88 - dejure.org
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BFH, 14.08.1991 - X R 86/88 (https://dejure.org/1991,176)
BFH, Entscheidung vom 14.08.1991 - X R 86/88 (https://dejure.org/1991,176)
BFH, Entscheidung vom 14. August 1991 - X R 86/88 (https://dejure.org/1991,176)
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AO § 144 Abs. 1, § 392; StSäumG § 4 a; AO 1977 § 162, § 169 Abs. 2 Satz 2, § 235, § 370; FGO § 96
Festsetzungsverfahren - Schätzung der Steuer - Hinterziehungszinsen - Steuerverkürzung - In dubio pro reo
§§ 162, 235, 370 AO
Abgabenordnung; Beachtung des Grundsatzes in dubio pro reo bei der Anforderung von Hinterziehungszinsen
BFHE 165, 458
BB 1992, 333
BStBl II 1992, 128
BStBl II 1992, 129
Es ist ausschließlich § 96 Abs. 1 Satz 1 1. Halbsatz FGO anwendbar, der, der Sache nach mit § 261 StPO übereinstimmend, regelt, dass das FG nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen Überzeugung zu entscheiden hat (vgl. BFH-Urteil in BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128).
Es ist kein höherer Grad von Gewissheit erforderlich als für die Feststellung anderer Tatsachen, für die die Finanzbehörde die Feststellungslast trägt (BFH-Urteile vom 14. August 1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128, m.w.N., und vom 7. November 2006 VIII R 81/04, BFHE 215, 66, BStBl II 2007, 364;… BFH-Beschluss vom 18. Juni 2013 VIII B 92/11, BFH/NV 2013, 1448).
Allerdings darf es sich für die Feststellung einer Steuerhinterziehung nicht auf die Anwendung eines reduzierten Beweismaßes oder eine Schätzung beschränken; verbleibende Zweifel gehen nach den Regeln der Feststellungslast zu Lasten des Finanzamts (vgl. BFH-Urteil vom 14. August 1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128; Boeker in Hübschmann/Hepp/ Spitaler, § 71 AO Rz 19).
Im Rahmen der Schätzung können Tatsachenfeststellungen auch mit einem geringeren Grad an Überzeugung getroffen werden, als dies in der Regel geboten ist (Reduzierung des Beweismaßes; vgl. BFH-Urteile vom 15. Februar 1989 X R 16/86, BFHE 156, 38, BStBl II 1989, 462; vom 14. August 1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128).
Nicht behebbare tatsächliche Zweifel dürfen deshalb selbst dann nicht im Rahmen der --grundsätzlich zulässigen-- Schätzung des Hinterziehungsbetrags zu Lasten des Steuerpflichtigen gewürdigt werden, wenn die Unsicherheit hinsichtlich der tatsächlichen Gegebenheiten auf der unterbliebenen Mitwirkung des Steuerpflichtigen beruht (ständige Rechtsprechung; BFH-Urteile in BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128;… vom 12. Mai 1992 VIII R 33/88, BFH/NV 1992, 793).
Dasselbe gilt für die Beteiligung von Mitunternehmern an einer Organgesellschaft, wenn zwischen dieser und der Personengesellschaft ein Organschaftsverhältnis vorliegt (BFH-Beschluß vom 24. April 1991 II B 99/90, BFHE 165, 458, BStBl II 1991, 623).
Die Vorschriften über die Schätzung erlauben es, Tatsachenfeststellungen mit einem geringeren Grad an Überzeugung zu treffen, als dies in der Regel (nach § 88 AO 1977) geboten ist (sog. Reduzierung des Beweismaßes; vgl. Senatsurteile vom 15. Februar 1989 X R 16/86, BFHE 156, 38, BStBl II 1989, 462; vom 14. August 1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128).
Danach sind nicht die Grundsätze des Strafverfahrensrechts zu übernehmen, sondern die Voraussetzungen der Steuerhinterziehung sind nach den Vorschriften der AO 1977 und FGO, wonach der Steuergläubiger (FA) die Feststellungslast für steueranspruchsbegründende Tatsachen trägt, festzustellen (vgl. das vom FG zitierte Urteil des BFH vom 14. August 1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128).
Der Ag. verkenne im Übrigen auch, dass im Besteuerungsverfahren ebenfalls der Grundsatz "in dubio pro reo" gelte (BFH-Urteil vom 10.10.1972 VII R 117/69, BFHE 107, 168, 173 und BFH-Urteil vom 14.08.1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, 463 ff.).
Das Gericht darf sich für die Frage, ob eine Steuerhinterziehung vorliegt, nicht mit dem gemäß § 96 Abs. 1 Satz 1 1. Halbs. FGO i. V. mit § 162 Abs. 2 Satz 2 AO geminderten Beweismaß bei Schätzungen - die ja stets auf Wahrscheinlichkeitserwägungen beruhen - begnügen, sondern muss denjenigen hohen Grad an Gewissheit haben, der auch sonst für die Feststellung von Tatsachen, für die die Finanzbehörde die Feststellungslast trägt, erforderlich ist (vgl. BFH-Urteil vom 14.08.1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128, m. w. N.; BFH-Urteil vom 02.07.1998 IV R 39/97, BFHE 186, 299 , BStBl II 1999, 28).
Im vorliegenden Fall hat das Gericht jedoch keine Zweifel am Vorliegen von Steuerhinterziehungen für die einzelnen Jahre des Prüfungszeitraums, so dass eine Entscheidung nach der Beweis- bzw. Feststellungslast - bei der dann der Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung käme (vgl. BFH-Urteil vom 14.08.1991 X R 86/88, a. a. O.) -, nicht getroffen zu werden braucht.
Eine Minderung dieses Beweismaßes verbunden mit einer Schätzungsbefugnis (§ 96 Abs. 1 Satz 1, 2. Halbsatz FGO) trete in diesem Fall nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 14. August 1991 X R 86/88 (BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128, 131), das im Einklang mit dem Beschluß des Großen Senats vom 5. März 1979 GrS 5/77 (BFHE 127, 140, BStBl II 1979, 570) stehe, nicht ein.
BFH, 11.08.2005 - XI B 207/04
BFH, 25.10.2005 - VIII B 175/04
FG Sachsen-Anhalt, 19.05.2014 - 5 K 1165/10
Hinzuschätzungen bei im Wesentlichen ohne Beanstandung gebliebener …
FG Düsseldorf, 26.03.1999 - 18 K 2662/95
FG Hamburg, 21.01.1998 - VII 72/97
Voraussetzungen für eine Schätzung der Besteuerungsgrundlagen; Ernstliche Zweifel …

References: § 144
 § 392
 § 4
 § 162
 § 169
 § 235
 § 370
 § 96
In dubio
in dubio
 § 96
 § 261
 § 71
 § 88
in dubio
 § 96
 § 162
in dubio