Source: http://www.mkg-online.de/mkg-themen/kanzleipraxis
Timestamp: 2017-09-20 10:32:52+00:00

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Weiche Themen werden gerne unterschätzt. Gut so, denn jeder, der sich hier informiert und die MkG-Tipps zum Kanzleimanagement beherzigt, gewinnt einen Vorsprung im harten Wettbewerb des Anwaltsmarkts.
von Prof. Dr. jur. Dieter Müller, Institut für Verkehrsrecht und Verkehrsverhalten Bautzen
OLG Celle, Beschl. v. 24.11.2005 – 211 Ss 11/05 (OWiZ)– VRS 109, 449
OLG Hamm, Beschl. v. 24.10.2013 – III-3 RBs 256/13 – DAR 2014, 188
Gegebene Funktionalität
Marcus Hegelein ist Rechtsanwalt, tätig im Migrationsrecht, Sozialrecht und Arbeitsrecht und seit 2006 selbständig als Partner in der Kanzlei ABHR Rechtsanwälte Partnerschaft. Zudem ist er Mitglied der Deutsch-Spanischen Juristenvereinigung.
1.Unterschriftserfordernis nicht beachtet
2.Gericht ist noch nicht für den ERV eröffnet
3.Formelle Voraussetzungen werden mit materiell-rechtlichen gleichgesetzt
4.Fehlende Kenntnisnahme von Schriftsätzen und Ladungen zum Termin
Sabine Jungbauer ist geprüfte Rechtsfachwirtin. Ihre Schwerpunktesind: Zivilprozessrecht, Gebührenrecht, Zwangsvollstreckung sowie materielles Recht. Sie betreut die Gebühren-Hotline der RAK München. Neben zahlreichen Veröffentlichungen im Bereich des Gebührenrechts wie z.B. Die Reform der PKH doziert sie in etlichen Seminaren. Sie ist ferner seit rund 20 Jahren aktiv im Prüfungs- und Ausbildungswesen tätig.
-ein für die Bearbeitung durch das Gericht geeignetes Dateiformat, § 130a Abs. 1 S. 1 ZPO,
-eine qualifizierte elektronische Signatur (qeS), § 130a Abs. 1 S. 2 ZPO; das hier enthaltene „Soll“ ist ein „Muss“;[1] die qeS ist vom Anwalt persönlich anzubringen,[2]
-eine Rechtsverordnung, mit der die elektronische Einreichung bei dem adressierten Gericht zugelassen und geregelt wird, § 130a Abs. 2 ZPO.[3]
Dipl.-Psych. Katrin Volkmer-Jäger ist Organisationscoach und Kommunikationstrainerin. Die Tietje & Jäger oHG bietet Organisationsberatung für Rechtsanwaltskanzleien, Inhouse Schulungen un Seminare zu verschiedenen Soft Skill Themen, sowie Existenzgründungs- und Berufswegplanung.
Wie kannst du eigentlich jemanden verteidigen, von dem du genau weißt, dass er schuldig ist?
Die häufigste Frage, die ich gestellt bekomme, wenn ich mich als Strafverteidiger zu erkennen gebe, ist diese: „Wie kannst du jemanden verteidigen, von dem du genau weißt, dass er schuldig ist?“
Verbunden mit dieser Frage ist oft ein moralischer Vorhalt irgendwo zwischen den Vorwürfen „Für Geld machst du doch alles!“ und „So viel besser als deine Mandanten bist du doch auch nicht!“.
Dem liegt ein Bild von Strafverteidigung zugrunde, das ungefähr so aussieht: Der Mandant erscheint bei seinem Rechtsanwalt, erzählt ihm, „wie es wirklich war“, und der Rechtsanwalt versucht anschließend, mit „irgendwelchen Verfahrensfehlern“ und einem „zumindest kreativen Umgang mit der Wahrheit“ einen Freispruch vor Gericht zu erwirken.
Dieses Bild hat aber nichts mit der Realität zu tun.
Genaue Kenntnis von einem strafrechtlichen Geschehen hat der Verteidiger nicht, denn er war bei dem Geschehen nicht dabei. Es ist auch nur äußerst selten, dass ein Mandant vor seinem Verteidiger ein Geständnis ablegt. Und selbst in diesen wenigen Fällen weiß der Verteidiger immer noch nicht, ob das stimmt, was ihm erzählt wird, denn Geständnisse besitzen nicht den Stellenwert, der ihnen allgemein zugestanden wird. Vor ein paar Jahren ging der Fall „Bauer Rupp“ durch die Presse: Vier „absolut glaubhafte“ Geständnisse einer brutalen Tötung und einer spektakulären Beseitigung der Leiche lagen vor, wie Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte meinten. Später stellte sich heraus, dass das angebliche Opfer in der Donau ertrunken war und eben nicht – wie in den Geständnissen behauptet – die Familie den Vater mit dem Hammer erschlagen und anschließend an Hunde oder Schweine verfüttert hatte. Erst Jahre später – die zu Unrecht Verurteilten saßen schon lange in Haft – erfolgte ein Freispruch. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg entschied im Übrigen auch noch, dass die Angehörigen zwar zu Unrecht in Haft gesessen hätten, aber dass es in Ordnung sei, sie wegen der falschen Geständnisse dafür nicht zu entschädigen (EGMR v. 17.11.2015 – 60879/12).
In den Fällen, in denen die Schuld des Mandanten offensichtlich ist, geht es darum, eine möglichst milde Strafe für ihn zu erreichen. Strafmaßverteidigung nennen Verteidiger das und hier es geht darum, Verständnis bei der Staatsanwaltschaft und dem Gericht für das Verhalten des Mandanten zu wecken und auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass der Mandant nicht rechthaberisch, unbelehrbar und unverbesserlich auftritt.
Der Verteidiger sieht vor allem das Einzelschicksal seines Mandanten – das Gericht und die Staatsanwaltschaft die Funktionsfähigkeit der Rechtspflege. Der Verteidiger ist selbstständiger Berater und Beistand des Beschuldigten, er ist nicht Gehilfe des Gerichts. Wie wichtig unsere Rechtsordnung die Aufgabe des Verteidigers nimmt, sieht man auch an den Privilegien, die Strafverteidiger – auch vor anderen Organen der Rechtspflege – haben: Der Strafverteidiger hat eigene, von seinem Mandanten unabhängige Erklärungsrechte im Prozess, nur er kann mit dem inhaftierten Mandanten über die „Verteidigerpost“ kommunizieren, er darf nach § 297 StPO in eigenem Namen Rechtsmittel einlegen und noch einiges mehr; sitzungspolizeiliche Ordnungsmittel muss er (eigentlich) nicht befürchten.
Max Alsberg, einer der bekanntesten Strafverteidiger der Weimarer Republik und Autor zweier Theaterstücke, lässt seinen Dr. Bohlen in „Konflikt“ sagen: „Glauben Sie, ein Anwalt könnte das alles aushalten, wenn er nicht eine höhere Aufgabe in sich spürte? Die vom Gesetz selbst geheiligte Aufgabe, an der Seite des Bedrohten zu kämpfen, ihn zu verteidigen. Mein Beruf hat mich auf die eine Schale von Justitiens Waage gestellt. (...) Zu wägen hat der Richter.“ An anderer Stelle schreibt Alsberg: „Den hochgemuten, voreiligen Griff nach der Wahrheit hemmen will der Kritizismus des Verteidigers!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Seit einiger Zeit ist der Begriff „Legal Tech“ auch in Deutschland angekommen und jeden Monat werden hierzulande neue Legal-Tech-Start-ups gegründet. Unterscheiden lassen sich dabei Legal-Tech-Firmen mit Dienstleistungen, die sich an Klienten richten, und solche mit Produkten oder Dienstleistungen für Kanzleien. Hier ein kurzer Überblick über ein paar der interessantesten deutschen Legal-Tech-Firmen:
Legal-Tech-Firmen für Klienten
Legal-Tech-Firmen für Kanzleien
Legal-Tech-Firmen, die sich mit ihrem Angebot primär an Kanzleien richten, sind Leverton, LegalTrek, Richterscore oder Klientus.
LITERATURTIPPS/LINKTIPPS:
http://legal-tech-blog.de – Legal Tech Blog von Dr. Micha-Manuel Bues
http://legal-tech-association.eu – ELTA Europäischer Legal Tech Verband
Patrick Prior ist Jurist, IT-Unternehmer und ELTA-Mitglied. Über seine Firma Advotisement® bietet er Legal Tech-Beratung für mittelständische Kanzleien und Großkanzleien. www.advotisement.de
Vom Berufseinsteiger bis zur renommierten Großkanzlei – ohne passende Internetstrategie ist heute kein Erfolg mehr möglich. Seit 18 Jahren leisten wir in unserer Kanzlei Pionierarbeit und gehen innovative Wege. Eine Geschichte, die sich in sechs Meilensteinen wie folgt beschreiben lässt:
1) Die strategische Positionierung
Eine der schwierigsten strategischen Entscheidungen liegt in der klaren Positionierung. Seit knapp zwei Jahrzehnten verfolgen wir darum in unserer Kanzlei eine klare Spezialisierung. Mein Partner, Herr Rechtsanwalt Martin Quirmbach, und ich haben in dieser Zeit eine kleine Feld-, Wald- und Wiesenkanzlei zu einer hoch spezialisierten Kanzlei für Personengroßschäden nach Unfällen und Behandlungsfehlern umstrukturiert, die heute 11 Anwälte und knapp 40 Mitarbeiter beschäftigt. Erst durch das Internet konnte sich eine kleine provinzielle Kanzlei plötzlich bundesweit mit einer Nischenstrategie positionieren.
2) Digitales Diktieren
Effizientes Arbeiten durch Digitalisierung ist ein enormer Wettbewerbsvorteil. So spart allein das digitale Diktieren mit Spracherkennungssoftware ca. 50 % der Arbeitszeit. Die Sekretärin gewinnt dadurch Zeit, um produktiv zur Fallbearbeitung beizutragen, sei es etwa durch Nachtelefonieren, Beschaffung von Unterlagen etc. Hinzu kommt die räumliche Unabhängigkeit. Egal von wo aus ich arbeite – im Zug, im Auto, aus dem Urlaub –, mein Diktat wird online an meine Sekretärin gesendet und kann noch am selben Tag in die Post.
Digitale Diktate, die sich in Sekunden versenden lassen, machen auch eine neue Art der Arbeitsteilung möglich. Durch das digitale Diktieren (sogar inklusive Spracherkennung) können sogenannte Backoffice-Dienste Schriftsätze innerhalb von 24 Stunden komplett geschrieben und formatiert zurücksenden. Speziell für Berufseinsteiger ist dies nach meiner Auffassung eine unglaublich gute Sache, da gerade am Anfang hohe Personalkosten vermieden werden können.
Auch ein flexibler Erreichbarkeitsservice entlastet das eigene Personal. Hierbei handelt es sich um Unternehmen, die Telefonanrufe für Sie entgegennehmen und sich mit Ihrem Kanzleinamen melden. Der Anrufer bekommt dabei im Idealfall denselben Service wie von Ihrem eigenen Sekretariat. Es werden Termine vereinbart, Rückrufe eingetragen etc. Diese Dienste bieten oft noch weitere Dienstleistungen an, wie z.B. das Organisieren von Geschäftsreisen oder Besprechungsräumen.
4) Papierloses Arbeiten/E-Akte
Nur kurze Zeit nach der Einführung des digitalen Diktierens begannen wir auch auch mit der Digitalisierung der Handakten. Ganz einfache Scanner für wenige Euro wurden angeschafft und zunächst bei jeder Sekretärin auf die einzelnen Schreibtische gestellt. Nach einer kurzen Phase der doppelten Aktenführung haben wir uns dann bereits vor 12 Jahren dazu entschlossen, ganz auf die Handakte in Papierform zu verzichten.
Die Vorteile der digitalen Akte haben einen wahren Produktivitätsschub ausgelöst. Statt Handakten zu suchen, konnten nun Anwalt, Referendar und Sekretariat parallel an einer Akte arbeiten, von jedem Ort der Welt aus. Bei Anruf des Mandanten ist die Akte sofort auf dem Bildschirm aufrufbar. Fotografien, Filme (z.B. Mitschnitte einer Unfallkamera), Audiomitschnitte und sonstige Formate sind alle direkt in der Akte gespeichert.
Es ist verständlich, dass die Haptik insbesondere in der Situation vor Gericht bei einer digitalen Akte auf dem Laptop oder Tablet-PC fehlt.
Man hat eben keine Reiter und Marker, mit denen man schnell die gewünschten Schriftsätze findet. Dies ist allerdings nur eine Sache der Organisation und Umgewöhnung. Durch Volltextsuche und die richtige Verschlagwortung lässt sich mit der digitalen Akte mindestens genau so flexibel und effizient arbeiten.
5) Online-Akte
Von der Einführung der digitalen Akte war es nur noch ein kleiner Schritt, auch für Mandanten einen Zugang im Internet einzurichten, eine sogenannte Online-Akte. Per Cloudserver haben so auch die Mandanten rund um die Uhr Zugriff auf die Akte. Postein- und -ausgänge werden sofort hochgeladen und der Mandant wird per E-Mail informiert. Ein Nachteil dabei ist manchmal, dass der Mandant mitunter die Post schon vor dem Anwalt gelesen hat. Der Vorteil ist aber, dass der Mandant sich unglaublich gut unterstützt und informiert fühlt und alleine darin schon einen besonderen Mehrwert sieht.
6) Marketing 2.0
Hier schließt sich der Kreis zum erstgenannten Punkt: der Positionierung. Seit dem Web 2.0, in dem soziale Medien und Interaktion das Internet erobern, wird das Online-Marketing der Kanzlei flexibler und aktueller. Die notwendige Suchmaschinenoptimierung und die übliche Online-Werbung kann durch einen YouTube-Channel, durch Blogbeiträge, eine Facebook-Präsenz, durch Präsenz in Bewertungsportalen und vieles mehr ergänzt werden.
Auch der Akquiseprozess kann digital optimiert werden: Fast der gesamte Kontakt mit dem potenziellen Mandanten findet über Telefon und Internet, aber auch per Videokonferenzsoftware statt.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Kanzlei im Internet natürlich keine Fiktion, sondern bei uns schon lange Zeit zu großen Teilen Realität ist. Wir können auf 18 Jahre Pionierarbeit zurückblicken, aber Innovation ist immer eine Frage nach der Zukunft.
Es gibt täglich neue Erfindungen, die auch für die anwaltliche Tätigkeit hilfreich eingesetzt werden können. Es gilt sie nur zu sehen und kreativ in die tägliche Arbeit einzubinden.
Man muss nicht immer zu den Ersten gehören, die eine neue Technik umsetzen, aber die Erwartungen der Mandanten sind inzwischen voll auf die digitale Welt eingestellt. Hier sollte man nicht den Anschluss verpassen.
Wie Banken Rechtsanwälte unterstützen können
1. Aufgaben einer Bank
Zu den wesentlichen Aufgaben einer Bank zählen die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, das Kreditgeschäft und die Vermögensverwaltung. Alle drei Bereiche sind für die Angehörigen der rechts- und steuerberatenden Berufe von besonderer Bedeutung.
1.1 Zahlungsverkehr
Im Zeitalter der EDV muss die Kontoführung online angeboten werden. Onlinebanking findet seine besondere Bedeutung u.a. im Bereich der Buchführung, die heute ohne Kontoauszugsmanager kaum noch denkbar ist.
Ebenso sollte kostenlose Bargeldverfügbarkeit an möglichst vielen Automaten angeboten werden. Es gibt diverse Gruppenzusammenschlüsse, die dies ermöglichen, z.B. Sparkassenverbund, Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken, Cash Group: Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, Berliner Bank, Comdirect Bank, DAB Bank und Norisbank. Online-Banken wie ING Diba bieten Abhebungen (begrenzt auf Eurozone) oder DKB AG (weltweit) an jedem Geldautomaten kostenlos an.
Kontoführungsgebühren sollten von einer guten Bank gar nicht verlangt werden. Für die reine Kontoführung sollten sie wenigstens extrem günstig sein, insbesondere sollten keine weiteren versteckten Kosten, z.B. für Kredit- oder Girokarten, anfallen.
Entsprechende Anbieter finden Sie unter http://www.bestesgirokonto.net/girokonto-fuer-selbststandige/ oder http://www.firmenkonten24.de/geschaeftskonto-kostenlos.
1.2 Kreditgeschäft
Größere Investitionen und Forderungsverluste bis hin zu Forderungsausfällen zwingen Steuerberater und Rechtsanwälte immer wieder, Kredite in Anspruch zu nehmen, insbesondere für den Kauf einer Praxis und die Betriebskosten.
1.2.1 Kanzleikauf
Die wesentlichste Investition stellt der Kauf einer Kanzlei dar. Existenzgründer verfügen regelmäßig nicht über den vollen Kaufpreis und müssen ihn daher fremdfinanzieren. Insoweit kommt einer fundierten Beratung durch die Bank eine hohe Bedeutung zu. Dies schließt eine umfängliche Beratung über die Nutzung möglicher Fördermittel mit ein. Dabei sollte auch der Aspekt einer (vorübergehenden) Berufsunfähigkeit bedacht sein, denn anderenfalls könnte die Rückzahlung gewährter Kredite gefährdet werden. Auch die Lebenshaltungskosten müssen Gegenstand der Beratung sein.
Aber auch der Blick auf den Verkäufer einer Kanzlei ist für die Bank wichtig. Spätestens ab dem 55. Lebensjahr sollte sich der Kanzleiinhaber mit der Veräußerung beschäftigen, denn mit zunehmendem Lebensalter verringert sich der Kanzleiwert: Die Investitionsbereitschaft nimmt ab, junge Auftraggeber suchen junge Berater und werden einen „alten“ Berater nicht mehr beauftragen. So bilden mit zunehmendem Alter der Berater und seine Auftraggeber eine „Ablebensgemeinschaft“.
Hierzu kann die Bank Anregungen geben, indem sie zunächst auf die Sinnhaftigkeit eines Verkaufs aufmerksam macht, insbesondere auf folgende Aspekte:
Welcher potenzielle Nachfolger passt am besten zur Kanzlei und den Mandanten?
Gestaltung des eigentlichen Verkaufsprozesses, z.B. mithilfe von Kanzleivermittlungen, Nutzung von Vermittlungsplattformen, Hinzuziehung des Verbandes oder der Kammer.
Erfahrungsgemäß findet sich der/die geeignete Nachfolger/in nicht sofort, sodass für die Suche durchaus ein Zeitraum von mehreren Monaten, ggf. sogar Jahren zu veranschlagen sein dürfte.
1.2.2 Betriebskosten
Nach einer Erhebung der Bundessteuerberaterkammer sind dies die wesentlichen Kosten in Prozent des Umsatzes:
Personalkosten 38 %,
Raumkosten 6 %,
EDV-Kosten 6 %,
sonstige Kosten 16 %.
Diese Kosten müssen monatlich gedeckt sein. Es liegt auf der Hand, dass gerade bei kleineren Kanzleien Forderungsausfälle schnell zu Liquiditätskrisen führen können. Auch hier kann die Bank durch Beratung helfen, Liquiditätsengpässe möglichst zu vermeiden. Eine Übersicht der Banken bzgl. der Kreditkonditionen finden Sie hier: https://www.banken-auskunft.de/kredite/selbstaendige.
Es empfehlen sich aber auch z.B. Hinweise auf Forderungsausfallversicherungen und Factoring. Nach einer Umfrage des Deutschen Factoringverbandes aus 2011 haben 43 % der Hausbanken positiv bis sehr positiv, 48 % neutral und nur 9 % negativ auf das Factoring reagiert.
Der Aufbau einer soliden Altersversorgung gewinnt angesichts der demografischen Entwicklung immer mehr an Bedeutung. Der Anteil der über 60-Jährigen wird in 2040 bei 37,3 %, in 2050 bei 38,9 % und in 2060 bei 39,2 % liegen. Es liegt auf der Hand, dass insbesondere die gesetzliche Rente nicht für einen angemessenen Lebensabend ausreichen wird.
1.4 Seriöse Geldanlage
Hierzu gehört, nur solche Anlagen zu empfehlen, die dem Risikoprofil des Anlegers entsprechen. Insofern kommt einer intensiven Risikobeurteilung des Anlegers erhebliche Bedeutung zu, damit sich Fehlinvestitionen wie die bei Lehman Brothers nicht wiederholen.
Wenn ein Gewinn erwirtschaftet wird, der angespart und dafür verzinslich angelegt werden soll, dann kann ein Sparkonto eröffnet werden. Wichtig ist dabei meist, dass das Geld rasch verfügbar ist, damit auf unvorhergesehene Änderungen der eigenen Finanzlage reagiert werden kann. Allerdings stellen angesichts der gegenwärtigen Zinslage weder Sparbuch noch Lebensversicherungen eine zukunftsorientierte Geldanlage dar.
1.5 Private Finanzierung
Auch die private Seite der Rechtsanwälte muss seitens der Bank abgedeckt werden. Finanzierung der eigengenutzten Immobilie und von Kapitalanlagen sind hier beispielhaft zu nennen.
2. Beachtung berufsrechtlicher Pflichten
2.1 Verbot der Provisionsannahme
Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten ist es gleichermaßen verboten, Provisionen für die Vermittlung von Geschäften mit Auftraggebern anzunehmen. Grund: Gefährdung der Unabhängigkeit durch Verfolgung von monetären Eigeninteressen.
2.2 Verbot der Globalabtretung
Die Abtretung von Honorarforderungen an Nichtberufsangehörige ist Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten gleichermaßen gesetzlich verboten. Trotzdem scheint es immer noch gängige Praxis zu sein, dass Banken sich Honorarforderungen von Freiberuflern zur Sicherung von ausgereichten Krediten sicherheitshalber abtreten lassen. Solche Abtretungen sind nicht nur berufswidrig, sondern verstoßen auch gegen § 203 StGB; zugleich sind sie wegen Verstoßes gegen ein Verbotsgesetz (§ 134 BGB) auch nichtig.
Hinzu kommt, dass für die Bank das Risiko besteht, dass Forderungen im Verwertungsfall nicht oder nicht mehr bestehen oder Ansprüche des Drittschuldners vorhanden sind, welche mit der Forderung aufgerechnet werden. Außerdem ist der Aufwand der Verwertung in der Kanzlei meist enorm und führt zu hohen Verwertungskosten bei der Bank. Im Hinblick auf diese Ungewissheiten werden die global abgetretenen Forderungen natürlich deutlich unter dem Nennwert beliehen. Im Vergleich zum Factoring machen Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer unter Liquiditätsaspekten eher ein schlechtes Geschäft. Denn durch den Kredit kann die Eigenkapitalquote nicht in dem Maße verbessert werden wie durch das Factoring, wodurch 100 % Liquidität sofort zugeführt werden.
2.3 Fremde Vermögenswerte
Neben der Kontoführung ist auch die Fremdgeldverwaltung für Mandantengelder ein enorm wichtiges Thema. Hierzu muss eine Bank prozessual und preislich attraktive Angebote bieten können.
Darüber hinaus sollte die Bank ihren Kunden, die im Bereich des Insolvenzrechts tätig sind, bei der Abwicklung von Insolvenzen mit Insolvenzgeldvorfinanzierungen zur Verfügung stehen.
Den größten Gefallen tun sich Banken damit, wenn sie im Rahmen der Beratung die persönliche Lebenssituation des Freiberuflers berücksichtigen und intensiv auf seine Wünsche eingehen. Im Rahmen einer bedarfsgerechten Beratung sollten deshalb insbesondere die vorstehenden Aspekte besonders berücksichtigt werden.
So werden Kundenzufriedenheit und Kundenbindung erzeugt mit der Folge, dass die Bank gerne weiterempfohlen wird. Dabei helfen auch günstige Konditionen beim Zahlungsverkehr und Kreditgewährung.
Für Freiberufler geeignete Banken finden sich z.B. unter http://www.focus.de/finanzen/banken/die-fairsten-banken-selbststaendige_aid_952542.html.
Kanzlei to go – Apps für die anwaltliche Praxis
Das mobile Arbeiten macht auch vor der Anwaltschaft nicht halt. Aus diesem Grunde möchte ich Ihnen einige Apps näher vorstellen, die das Arbeiten unterwegs ermöglichen bzw. unterstützend zur Seite stehen. Beginnen möchte ich mit den Apps „Go RA“, „Go Kalender“ und Go Mandant“.
Diese drei Apps kommen von RA-MICRO und sind prinzipiell unabhängig von der eingesetzten Kanzleisoftware nutzbar, den vollen Leistungsumfang erhält der Nutzer aber nur in Verbindung mit einer Vollversion von RA-MICRO. Die „Go RA-MICRO“-App ist dabei das Herzstück. Geöffnet und korrekt eingerichtet bietet sie dem User vier Hauptbereiche:
- Posteingang,
- Werkzeuge und
Im Posteingang landen alle elektronischen Übermittlungen aus der Kanzlei. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen einfachen E-Mail-Client, da die Übertragung nur zwischen der Kanzleisoftware und der App stattfindet und hierbei eine 256-Bit-End-to-End-Verschlüsselung für abhörsichere Kommunikation sorgt. Im Bereich Akten kann man in elektronische Akten, die man sich zuvor vom Kanzleiserver auf das Tablet geschickt hat, einsehen. Insbesondere bei sehr umfangreichen Fällen ist dies sehr hilfreich, da man nicht mehr mit etlichen Aktenordnern unterwegs ist, sondern mit seinem Tablet. Dies setzt jedoch die Nutzung von RA-MICRO und die Vollständigkeit der E-Akten voraus.
Die Werkzeuge bieten zahlreiche Berechnungs- und Informationshilfen – angefangen von Basiszins über Bußgeldtabelle bis zu Online-Recherchen und Zinsberechnungen, um nur einige zu nennen. Der Bereich Recht gibt Ihnen eine komplette Bibliothek aller deutschen Bundes- und Landesgesetze, die auch offline verfügbar sind, sodass auch in Gebäuden, in denen eine Internetverbindung nicht zustande kommt, weiter gearbeitet werden kann.
Zudem sind bereits drei Kommentare (ZPO, BGB und OWiG) kostenlos freigeschaltet. Weitere können gegen Entgelt freigeschaltet werden. In der Mitte dieser vier Bereiche sitzt wie die Spinne im Netz ein Mikrofon, welches das Tablet oder Smartphone in ein Diktiergerät verwandelt und so auch unterwegs Schriftsätze erstellen lässt. Die Go Kalender-App bietet einen Kalender, der sich sowohl mit dem RA-MICRO-Kalender im Büro als auch mit allen anderen Go Kalendern der Mitarbeiter automatisch synchronisiert und so bei allen auf dem aktuellen Stand bleibt. Die Go Mandant-App ist zur Installation auf einem Mobilgerät des Mandanten gedacht und soll so die abhörsichere Versendung ein- und ausgehender Dokumente ermöglichen. Anders als bei der Versendung per E-Mail ist auch hier die Kommunikation end-zu-end-verschlüsselt.
Es gibt natürlich noch weitere kostenlose Apps, die nicht an eine Kanzleisoftware gebunden sind.
Sehr zu empfehlen ist die „DATEV Anwalt“-App, welche neun Funktionen beinhaltet, die im Folgenden skizziert werden:
Mit „Zivilprozess“ kann der Anwalt seinem Mandanten sofort umfassend Auskunft über die zu erwartenden Kosten geben. Zusätzlich berechnet die App, ab wann ein Vergleich für den Mandanten gewinnbringend ist. „Bußgeld“ (Verstöße im Straßenverkehr) ist selbsterklärend. „Kindesunterhalt“ bietet dem Anwalt eine Unterhaltsberechnung für bis zu drei Kinder nach der aktuellen Düsseldorfer Tabelle. „Scheidung“ dient der Berechnung der zu erwartenden Scheidungskosten anhand der Einkommen, des bereinigten Vermögens, der Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder und der vorhandenen Rentenanrechte. „Immobilien“ ermöglicht die Berechnung von Notar- und Grundbuchkosten. „Nachlass“ berechnet die Notar- und Gerichtskosten für die Erstellung von Testamenten und Erbverträgen. „Umsatzsteuer“ ermöglicht die Berechnung von Brutto- und Nettobeträgen mit 7 und 19 % Umsatzsteuer. „Promille“ ermöglicht die BAK-Berechnung nach der Widmark-Formel. „Empfängniszeit“ berechnet für ein Kind vom Geburtsdatum zurück den Empfängniszeitraum.
Summa summarum bieten die vorgestellten Apps Ihnen wertvolle Unterstützung sowohl im Büro als auch unterwegs. Ich nutze sie ständig und möchte sie nicht mehr missen.
1.Datei > Neues Dokument
2.Einfügen > Kopfzeile > Kopfzeile bearbeiten
3.PNG- bzw. PDF-Datei mit dem Briefpapier in die Kopfzeile fallenlassen
4.Rechter Mausklick auf das Briefpapier in der Kopfzeile > Größe und Position
a. Reiter „Größe“ > Originalgröße zurücksetzen
b. Reiter „Umbruch“ > Umbruchart > Hinter den Text
c. Reiter „Positionieren“
i. Horizontal > Ausrichtung „Links“, gemessen von „Seite“
ii. Vertikal > Ausrichtung „Oben“, gemessen von Seite
5.Datei > Als Vorlage sichern ...
Zu kompliziert? Dann hilft Ihnen vielleicht meine Video-Anleitung, die ich bei mir im Blog veröffentlicht habe: https://ralfzosel.de/blog/word-vorlage-digita­les-briefpapier-pdf. Dort wird auch erklärt, wie das mit unterschiedlichem Briefpapier für die 1. und 2. Seite funktioniert.
Um einen neuen Brief zu schreiben, gehen Sie jetzt auf „Datei > Neu aus Vorlage ...“ und wählen die Vorlage aus. Schreiben Sie Ihren Brief wie gewohnt. Am Ende speichern Sie den Brief als PDF über die entsprechende Funktion (z.B. Datei > Speichern unter ... > Dateiformat: PDF).
Ihre Unterschrift setzen Sie einfach als gescanntes Bild ein. Wenn Sie mit dem Mac von Apple arbeiten, können Sie die besonders komfortable Unterschriftenfunktion der PDFVorschau verwenden. Das Ergebnis lässt sich kaum von einer „echten“ Unterschrift unterscheiden.
Tipps zur Vorbereitung auf das Anbietergespräch
Mit zunehmender Professionalisierung der Kanzleiabläufe und ebenso zunehmendem Aktenaufkommen stellt sich früher oder später die Frage nach dem Einsatz einer Kanzleisoftware. Eine Differenzierung zu dem Begriff Anwaltssoftware scheint insoweit überflüssig, als heute längst nicht mehr die klassische Tätigkeitsverteilung in den Kanzleien besteht, die vormals zwischen rein administrativ-organisatorischen und den rein juristischen Tätigkeiten unterschieden hat. Zum einen verfügt längst nicht jede Kanzlei über eine Personaldecke von Fachangestellten, zum anderen erschöpft sich die Tätigkeit von qualifizierten Fachangestellten längst nicht mehr in reinen Verwaltungstätigkeiten. Insoweit bilden die gängigen Lösungen regelmäßig einen bunten Strauß von Funktionen, die von den administrativen Basisfunktionen der Akten- und Adressverwaltung bis hin zu Wissens- und Dokumentenmanagement-Systemen oder integrierten Fachinformationen reichen. Im Folgenden soll daher zunächst ein Überblick über die wesentlichen Grundfunktionen von Kanzleisoftware geliefert werden, die in ähnlicher Ausprägung in allen gängigen Programmen vorhanden sind. Die Grundmodule einer Kanzleisoftware umfassen im Wesentlichen folgende Komponenten:
• Kollisionskontrolle (Core Value)
• Termine, Fristen, Wiedervorlagen
Die Akte ist das zentrale Organisationselement der Kanzlei und wird daher auch in allen gängigen Softwarelösungen als solches digital abgebildet. Die Anlage einer neuen Akte ist oftmals der erste Arbeitsschritt beim Kennenlernen einer neuen Kanzleisoftware. Oftmals geben die Lösungen bereits durch eine Kategorisierung der Akten der Kanzleiorganisation eine bestimmte Richtung, etwa durch die Möglichkeit Fallakten, Vorgangsakten oder Vertragsakten anzulegen. Die Akte enthält neben den Stammdaten alle Dokumente zum Vorgang. Sie nennt die Adressdaten der beteiligten Personen, Gerichte und Institutionen, sie enthält zudem weitere wichtige Daten wie Fristen. Bei der Erstellung eines digitalen Pendants ging es nun zunächst darum, die Aktenführung mit Papierakten zu unterstützen. Sobald eine Person mit Ihren Adressdaten in einer Akte zum Beispiel als Mandant oder Gegner auftaucht, wird aus dieser Person ein „Beteiligter“. Diese an sich banale Funktion, die dem Datum in der Datenbank diese konkrete Eigenschaft zuweist, ist für die Software und auch für die anwaltliche Praxis von entscheidender Bedeutung. Denn wie sich aus § 43a Abs. 4 BRAO ergibt, gilt für den Anwalt das Verbot widerstreitender Interessen. Daher ist die Beteiligungsart einer Person in einer Akte sehr wichtig für die sogenannte Kollisionsprüfung. Hierbei prüft die Software, ob eine Person, die in einer Akte Mandant war, nunmehr Gegner ist oder umgekehrt und gibt eine entsprechende Warnmeldung bereits bei der Aktenanlage aus. Als Dokumentenmanagement wird heute von den Anbietern nicht nur die Organisation der Dokumente in der Aktenstruktur gesehen, sondern auch die Versionierung der Dokumente und sogenannte Workflow-Funktionalitäten. So lassen sich in den gängigen Lösungen einzelne Dokumente mit unterschiedlichen Berechtigungen versehen, oder auch beispielsweise für die Betrachtung durch den Mandanten über einen Online-Zugriff freigeben.
So bereiten Sie sich optimal auf ein Gespräch mit einem Kanzleisoftwareanbieter vor:
a) Fragen, die Sie selbst für den Termin vorbereiten sollten
• Größe der Kanzlei, Anzahl der Anwälte und Fachkräfte?
• Aktenbestand?
• Buchhaltungserforderlichkeit?
• Notariat erforderlich?
• Inhaltliche Ausrichtung, Spezialisierung?
b) Checkliste für Ihre Fragen an den Anbieter der Kanzleisoftware
• Welchen Eindruck macht die generelle Bedienbarkeit (Test: Anlegen einer neuen Akte, Erstellen einer Gebührenrechnung)?
• Wie sieht ein Datenimport, aber auch ein Datenexport beim Wechsel aus?
• Wie komfortabel ist das Dokumentenmanagement?
• Wie werden Fristen, Termine und Wiedervorlagen gehandhabt?
• Funktioniert die Synchronisationsstrecke mit einem Terminkalender und dem mobilen Endgerät?
• Wie sieht die Online-Strategie des Anbieters aus?
• Kann die Software mit Computer-Telefonie/CTI, Fax, Scanner und digitaler Frankierung interagieren?
• Können digitales Diktat und/oder Spracherkennung angebunden werden?
• Kann die Software automatisch Druck und Kopierkosten erfassen?
• Bietet die Software eine anpassbare Zeiterfassung?
• Bietet die Software Möglichkeiten zur betriebswirtschaftlichen Auswertung?
• Gibt es Strategien zur intelligenten Einbindung von juristischen Fachinhalten?
Effektivere Schriftsätze – der Königsweg zum Prozesserfolg
Anders als in den USA, wo Richter am Supreme Court Anleitungen für Anwaltsschriftsätze verfassen und mehr als 160.000 Anwälte bisher Seminare wie „The Winning Brief“ besucht haben (www.lawprose.org), ist in Deutschland eine entsprechende Fortbildungskultur unbekannt. Das ist eigentlich nicht zu verstehen. Jeder Zivilanwalt weiß, und ein ehemaliger vorsitzender Richter vom OLG München bestätigt ausdrücklich, dass die Entscheidung des Richters „vor allem durch Schriftsätze“ beeinflusst wird. Und: „Als Zivilrichter überlegt man immer auch, wer denn hier der Böse ist … Deshalb gehört zum guten Schriftsatz außer der scharfzüngigen Argumentation auch die Einwirkung auf den Bauch.“ Im Ergebnis gilt: „Kopf verliert gegen den Bauch“ (Seitz, NJW 2000,118).
Der Schriftsatz muss also einerseits gut verständlich und juristisch überzeugend formuliert sein, andererseits aber auch die außerrechtliche, „moralische“ Rechtfertigung für den Klageanspruch mitliefern. Nur dann wirkt der „Bauch“ bei der Entscheidung durch den „Kopf“ mit.
Grundlage ist ein Text, der in gut überschaubaren Sätzen klare Aussagen trifft. Die Länge der Sätze ist nicht das Problem (vgl. oben Satz 1: Dieser Einschub behindert das Verständnis ausnahmsweise nicht), sondern allein ihr Aufbau. Wesentlich ist eine Satzstruktur, die die Satzaussage früh und eindeutig erkennbar vermittelt. Die Abfolge von Aussagen innerhalb eines Satzes oder über die Sätze hinweg muss so gestaltet sein, dass Lesende sofort erkennen können, in welcher Weise die Gedanken aneinander anknüpfen.
Die Struktur des Schriftsatzes insgesamt sollte sich an der schulmäßigen Subsumtion orientieren, die gerade jungen Anwälten noch gut präsent sein dürfte. Sie hat nicht nur die größere Überzeugungskraft der juristischen Argumentation für sich. Ihr Aufbau entspricht genau den kognitionspsychologischen Anforderungen an Verstehen und Erinnern von Inhalten. Die Abfolge von Obersatz, seiner Ausfüllung im Einzelnen und abschließender Feststellung fügt sich in das Wirkungsmuster der neuronalen Abläufe.
Zentral für den Erfolg des Schriftsatzes ist ein Aufbau, der gleich am Anfang einen großen Rahmen setzt, in den sich die detaillierenden Ausführungen Mosaikteil für Mosaikteil einfügen. Hier liegt die gleiche Gesetzmäßigkeit für die Gesamtheit zugrunde, wie sie soeben für die Abfolge der juristischen Teilprüfungen beschrieben wurde. Dieser große Rahmen zu Beginn setzt sich zusammen aus einem Konzentrat der Sachlage, der komprimierten Rechtsargumentation und schließlich der „Perspektive“. Sie ersetzt das Schimpfen im Schriftsatz, indem sie mit einer deutlich interessenorientierten, aber dennoch möglichst sachlichen Bewertung der jeweiligen Parteisituationen das Verständnis des Gerichts für das verfolgte Rechtsschutzziel weckt.
Letztlich sollte nicht vergessen werden, dass auch die formale Gestaltung (Schriftgröße, Zeilenabstand, Hervorhebungen etc.) wesentlichen Einfluss auf den Komfort der Rezeption des Textes hat. Und dieser Komfort ist der erste Schritt zum Erfolg.
3 Tipps für effektivere Schriftsätze:
Tipp 1: Sichern Sie die Transparenz über den Gedankengang des Schriftsatzes für den Leser – zu Beginn und durchgängig im Text (Gliederung, Überschriften).
Tipp 2: Formulieren Sie nicht gekünstelt – gehobene Umgangssprache und gut verständliche Sätze wirken am besten.
Tipp 3: Erleichtern Sie dem Leser Lektüre und Verständnis – verwenden Sie ein übersichtliches Layout (Text, Hervorhebungen) und zusätzliche Hilfen (z.B. Grafiken).

References: § 130
 § 130
 § 130
 § 297
 § 203
 § 43