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Timestamp: 2016-12-04 16:10:54+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 4 AZR 320/10
Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt, Urteil vom 10.03.2010 - 4 Sa 215/09Arbeitsgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 13.05.2009 - 1 Ca 73/09
4 AZR 320/10 4 Sa 215/09Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt Im Na­men des Vol­kes!
Verkündet am 16. Mai 2012
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. Mai 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die - 2 - Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Plautz und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Weßel­kock für Recht er­kannt:
3. Die Kläge­rin hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen. Von Rechts we­gen!
Im Ar­beits­ver­trag vom 15. Mai 2001 heißt es ua.: „8. Die Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge, ... sind in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung In­halt die­ses Ver­tra­ges. ...
Bei der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten wur­den auf das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin die Ta­rif­verträge des Ein­zel­han­dels in Sach­sen-An­halt an­ge­wandt. - 3 -
Der TV Sa­nie­rung wur­de im Jah­re 2005 auf das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin an­ge­wen­det. Sie er­hielt in die­sem Jahr we­der ein ta­rif­li­ches Ur­laubs­geld noch ei­ne ta­rif­li­che Son­der­zu­wen­dung. Mit Wir­kung ab dem 1. Ja­nu­ar - 4 - 2006 wur­de der Be­trieb, in dem die Kläge­rin beschäftigt war, von der nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Be­klag­ten im We­ge des Be­triebsüber­gangs über­nom­men.
- 5 - Die Kläge­rin hat be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.230,73 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ju­li 2008 zu zah­len.
1. Die Kla­ge­for­de­rung steht der Kläge­rin nicht auf der Grund­la­ge bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit zu. Die Be­klag­te ist nicht selbst Par­tei des TV Zu­satz­zah­lung. - 6 - 2. Ein Zah­lungs­an­spruch folgt auch nicht aus § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB iVm. den Nor­men des TV Zu­satz­zah­lung. Be­steht im Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs kei­ne bei­der­sei­ti­ge nor­ma­ti­ve Ta­rif­ge­bun­den­heit, weil auf Ar­beit­neh­mer­sei­te der Ge­werk­schafts­bei­tritt erst da­nach er­folgt, gehört der ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lungs­be­stand nicht zu den Rech­ten und Pflich­ten aus dem im Zeit­punkt ei­nes Be­triebsüber­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis nach § 613a Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BGB.
aa) Maßge­bend bei der Klärung, ob Ansprüche aus dem dort nicht kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­ten­den TV Zu­satz­zah­lung im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en be­ste­hen, sind die Vor­ga­ben des § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB. Da­nach wer­den die­je­ni­gen Rech­te und Pflich­ten, die durch Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­re­gelt sind, In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen dem neu­en In­ha­ber und dem Ar­beit­neh­mer. Die­se Vor­ga­ben sind im Ein­klang mit Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 (ABl. EG L 82 vom 22. März 2001 S. 16) aus­zu­le­gen. Da­nach erhält der Er­wer­ber nach dem Über­gang die in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bis zur Kündi­gung oder zum Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­tra­ges - 7 - bzw. bis zum In­kraft­tre­ten oder bis zur An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­tra­ges in dem glei­chen Maße auf­recht, wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren.
Dies ent­spricht den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2001/23/EG, de­ren Ziel dar­in be­steht zu ver­hin­dern, dass sich die La­ge der über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer al­lein auf­grund die­ses Über­gangs ver­schlech­tert (EuGH 6. Sep­tem­ber 2011 - C-108/10 - [Scat­to­lon] Rn. 75, AP Richt­li­nie 2001/23/EG Nr. 9 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/23 Nr. 7; 15. Sep­tem­ber 2010 - C-386/09 - [Bri­ot] - 8 - Rn. 26, Slg. 2010, I-8471; 26. Mai 2005 - C-478/03 - [Cel­tec] Rn. 26 mwN, Slg. 2005, I-4389).
- 9 - ent­schei­den und auch un­ter die­sem recht­li­chen Ge­sichts­punkt die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
- 10 - Rn. 22 f., AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 72; wei­ter­hin 27. No­vem­ber 2002 - 4 AZR 661/01 - zu II 2 b bb (1) der Gründe, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 28; 26. Sep­tem­ber 2001 - 4 AZR 544/00 - zu II 1 c aa der Gründe, BA­GE 99, 120; 4. Sep­tem­ber 1996 - 4 AZR 135/95 - zu II a bb der Gründe, BA­GE 84, 97). Kon­se­quenz die­ser Vor­aus­set­zung ist, dass bei ei­ner Ver­wei­sung auf ei­nen „fach­frem­den“ oder „orts­frem­den“ Ta­rif­ver­trag die An­nah­me ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de oh­ne be­son­de­re An­halts­punk­te grundsätz­lich aus­schei­det (BAG 21. Ok­to­ber 2009 - 4 AZR 396/08 - Rn. 23, aaO; 25. Ok­to­ber 2000 - 4 AZR 506/99 - zu II 3 b cc der Gründe, BA­GE 96, 177). Da­mit zu­sam­men hängt die Fest­le­gung der frühe­ren Recht­spre­chung, wo­nach ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de nur in Be­tracht kam, wenn der Ar­beit­ge­ber bei Ver­ein­ba­rung der Be­zug­nah­me an den in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag gemäß § 3 Abs. 1 TVG ta­rif­ge­bun­den war.
aa) Die Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Punkt 8 des Ar­beits­ver­tra­ges auf die „Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge“ ist vom Wort­laut her nicht fest­ge­legt auf ein be­stimm­tes Be­zug­nah­me­ob­jekt. Es wird we­der auf ei­nen kon­kret be­zeich­ne­ten Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen, noch ist ei­ne Be­stim­mung nach Bran­che, Fläche oder Re­gi­on dar­in be­nannt. Auch an­de­re Klau­seln im Ar­beits­ver­trag mit Be­zug­nah­men auf Ta­rif­verträge ge­ben kei­nen nähe­ren Auf­schluss. - 11 - So wird un­ter Punkt 10 des Ar­beits­ver­tra­ges bezüglich des Ur­laubs­an­spruchs auf ei­nen „zu­tref­fen­den“ Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen, was eben­falls of­fen for­mu­liert ist.
Plautz Weßel­kock	m.hensche.de
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References: § 613
 § 613
 § 613
 Art. 3
 § 1
 § 1
 § 3