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Timestamp: 2019-08-21 20:51:29+00:00

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LAG Hessen, 8 Sa 2097/09: LAG Frankfurt: versorgung, feststellungsklage, sekretär, verbindlichkeit, arbeitsgericht, leiter, unverzüglich, dokumentation, quelle, zivilprozessrecht
Urteil des LAG Hessen vom 03.11.2010, 8 Sa 2097/09
8 Sa 2097/09
LAG Frankfurt: versorgung, feststellungsklage, sekretär, verbindlichkeit, arbeitsgericht, leiter, unverzüglich, dokumentation, quelle, zivilprozessrecht
Versorgung, Feststellungsklage, Sekretär, Verbindlichkeit, Arbeitsgericht, Leiter, Unverzüglich, Dokumentation, Quelle, Zivilprozessrecht
Aktenzeichen: 8 Sa 2097/09
Betriebliche Altersversorgung - Rechtsstandswahrung
Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Arbeitsgerichts in Frankfurt am Main vom 04. November 2009 – 6 Ca 5494/09 – wird auf ihre Kosten zurückgewiesen.
1Die Parteien streiten darüber, ob für den Kläger mit Vollendung des 60. Lebensjahres der Versorgungsfall nach § 26 Abs. 1 Ziff. d) Anhang 2 der Tarifregelung für die Beschäftigten der ehemaligen XXX eintritt.
2Der am XXX geborene Kläger war seit dem 1. November 1990 als Abteilungssekretär der Hauptverwaltung der XXX angestellt. Nach dem zugrunde liegenden Arbeitsvertrag sollte die Tarifregelung für die Beschäftigten der XXX in ihrer jeweils geltenden Fassung Anwendung finden.
3§ 26 der Tarifregelung für die Beschäftigten der XXX in ihrer letzten Fassung (Anlage K3, Bl. 15-37 d.A.) bestimmt unter anderem:
4§ 26 Versorgung der Beschäftigten 1. Zu den Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung treten Versorgungsbezüge nach den Bestimmungen der Unterstützungskasse des XXX; für Einstellungen bis 31.12.1982 im Rahmen der Unterstützungsrichtlinien 1988, für Einstellungen ab 01.01.1983 im Rahmen der Unterstützungsrichtlinien 1983, für Einstellungen ab 01.01.2000 im Rahmen der Versorgungsordnung 1995. 2. … 3. … Hinweis für Gewerkschaftssekretäre/innen: Rechtsstandswahrungen siehe Anhang II
5Im Anhang nach II heißt es unter der Überschrift "Rechtsstandswahrungen" unter anderem:
6§ 26 Versorgung der Beschäftigten Die nachfolgende Regelung gilt für die bis 31.08.1995 eingestellten Beschäftigten.
Die nachfolgende Regelung gilt für die bis 31.08.1995 eingestellten Beschäftigten. I. Gewerkschaftssekretäre/innen 1. Der Versorgungsfall tritt ein, wenn die/der Beschäftigte a) berufsunfähig im Sinne der Vorschriften der gesetzlichen Rentenversicherung oder b) erwerbsunfähig im Sinne der Vorschriften der gesetzlichen Rentenversicherung wird oder c) Altersruhegeld aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhält; d) ferner tritt der Versorgungsfall für Wahlangestellte sowie Sekretäre/innen des Hauptvorstandes und der Bezirksvorstände ein, wenn sie unkündbar sind und das 60. Lebensjahr vollendet haben, jedoch nur auf eigenen Antrag. 2. … 3. … 4. Im Falle der Ziffer 1.d) ist die/der Beschäftigte verpflichtet, die 6 Monate vor ihrem/seinem beabsichtigten Ausscheiden dem Hauptvorstand anzuzeigen und unverzüglich den Rentenantrag zu stellen. Wird der Antrag rechtskräftig abgelehnt, so ist die Antragstellung zum nächstmöglichen Zeitpunkt erneut vorzunehmen. Nach Eintritt des Versorgungsfalles werden die Bezüge so lange weitergezahlt, bis einer der Fälle der Ziffer 1.a) – c) eintritt. Ab dem Monat, in dem der Rentenfall eingetreten ist, wird die Vergütung als Vorschuss auf die Rentenansprüche gezahlt. …
7Diese, in dem Anhang II § 26 unter I enthaltenen Bestimmungen, die im Weiteren eine Gesamtversorgung regeln, entsprechen § 26 Abs. I der bis zum 31. August 1995 bei der XXX geltenden Regelung der Versorgung der Beschäftigten. Der dortige Absatz "II. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" (siehe Bl. 286, 287 d.A.) ist in § 26 der Rechtsstandswahrung der Anlage II nicht enthalten.
8Mit Wirkung ab dem 1. April 2001 wurde dem Kläger die Stelle eines Sekretärs des Bezirksvorstandes XXX der XXX übertragen. Am 2. Juli 2001 ging die XXX in die Beklagte auf. Der Kläger arbeitet für die Beklagte als Gewerkschaftssekretär und ist Leiter eines Landesfachbereichs. Die Beklagte hat aufgrund ihres größeren Organisationsbereiches eine andere Organisationsstruktur. Landesfachbereichsleiter/innen von der XXX wurden von der Beklagten bezüglich ihrer Eingruppierung wie Sekretäre/innen des Bezirksvorstandes behandelt. Der Fachbereich 10, dessen Landesfachbereichsleiter der Kläger ist, ist zuständig für Unternehmen der Postdienste- und Logistikbranche und seine Tätigkeit entspricht damit im Wesentlichen einem Sekretär des Bezirksvorstandes.
9Der Kläger ist zwischenzeitlich ordentlich unkündbar nach den für ihn geltenden tariflichen Vorschriften. Der Kläger hat im Januar 2009 (vgl. Anlage K11 zur Klageschrift) "hilfsweise" den Antrag gestellt, ab seinem 60. Lebensjahr in die Versorgung gemäß § 26 der Tarifregelung der XXX zu gehen und in der Berufungserwiderung und im Termin vom 3. November 2010 klargestellt, dass er den Antrag gem. § 26 I 1. d) des Anhangs II stellt.
10 Der Kläger hat die Auffassung vertreten, die Rechtsstandswahrung des § 26 des Anhangs II gelte für ihn. Es komme nicht darauf an, ob er bereits am 31. August 1995 Sekretär des Bezirksvorstandes gewesen sei.
12 festzustellen, dass für ihn bei Erreichen des 60. Lebensjahres der Versorgungsfall nach § 26 Abs. 1 Ziffer d) Anhang II der Tarifregelung für die Beschäftigten der ehemaligen XXXgewerkschaft XXX eintritt.
13 Di Beklagte hat beantragt,
15 Die Regelung der Ziffer d) sei nur auf solche Gewerkschaftssekretäre anzuwenden, die die dort aufgeführten Voraussetzungen am 31. August 1995 erfüllt hätten.
16 Das Arbeitsgericht hat der Klage stattgeben mit Urteil vom 4. November 2009, auf das Bezug genommen wird.
17 Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung der Beklagten. Wegen der für die Zulässigkeit der Berufung erheblichen Daten wird auf das Protokoll der Sitzung vom 3. November 2010 verwiesen.
18 Die Beklagte wiederholt und vertieft ihr erstinstanzliches Vorbringen. Sie ist der Auffassung, der 31. August 1995 sei ein Stichtag, zu dem die Voraussetzung Gewerkschaftssekretär und für die Ziffer d) entsprechend die Voraussetzung Wahlangestellter sowie Sekretäre/innen des Bezirksvorstandes und der Bezirksvorstände vorgelegen haben müsse.
20 auf die Berufung der Beklagten wird das Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt vom 4. November 2009 – 6 Ca 5494/09 – abgeändert. Die Klage wird abgewiesen.
23 Er verteidigt das erstinstanzliche Urteil. Die XXX habe mit der Regelung in Anhang II erreichen wollen, dass kein bereits eingestellter Arbeitnehmer mit der Einführung des neuen § 26 schlechter gestellt wird, als bei weiterer Anwendung des bisherigen § 26 der Tarifregelung der XXX XXXgewerkschaft. Das habe sie ihren Beschäftigten auch so mitgeteilt.
24 Wegen des weiteren Vorbringens der Parteien wird auf die gewechselten Schriftsätze verwiesen.
25 Die zulässige Berufung ist unbegründet. Das Arbeitsgericht hat der Klage zu Recht stattgegeben. Das Berufungsgericht folgt den Gründen des Arbeitsgerichts.
26 Auf die Berufung ist zu ergänzen:
27 I. Der Zulässigkeit der Klage steht nicht entgegen, dass der Kläger möglicherweise vor Erreichen des 60. Lebensjahres berufs- oder erwerbsunfähig wird oder seine gegenwärtige Position als Landesfachbereichsleiter im Landesbezirk nicht mehr innehat. Gegenstand der Feststellungsklage des Klägers ist, ob für ihn bei Erreichen des 60. Lebensjahres der Versorgungsfall nach einer bestimmten Regelung eintritt. Er macht damit eine einzelne Pflicht aus dem unstreitig bestehenden Versorgungsversprechen der Beklagten geltend. Diese kann Gegenstand einer Feststellungsklage sein ( st. Rspr. des 3. Senats des BAG: vgl. nur: BAG vom 24.04.2001 – 3 AZR 355/00 – EzA § 1 BetrAVG Nr. 73 ). Der Kläger muss sich auch nicht auf eine Klage auf zukünftige Leistungen nach § 259 ZPO verweisen lassen ( vgl. nur: BAG vom 22.02.2000 – 3 AZR 39/99 – NZA 2001, 541 ). Schließlich macht der Kläger auch kein zukünftiges Rechtsverhältnis geltend, sondern ein gegenwärtiges. Unter einem Rechtsverhältnis iSd § 256 Abs. 1 ZPO ist nicht nur die bereits bestehende rechtlich geregelte Beziehung einer Person zu einer anderen oder zu einem Gegenstand zu verstehen, sondern auch solche Beziehungen, die als Rechtsfolge künftig hieraus erwachsen. Deshalb könnten auch bedingte Beziehungen dieser Art die Grundlage einer Feststellungsklage bilden. Ein Rechtsverhältnis liegt auch dann vor, wenn eine Verbindlichkeit noch nicht entstanden, aber für ihren späteren Eintritt der Grund in der Art gelegt ist, dass die Entstehung der Verbindlichkeit nur von dem Eintritt weiterer Umstände oder dem Zeitablauf abhängt ( BGH vom 25.10.2004 – II ZR 413/02 – NJW RR- 2005, 637 zu II. 1. der Gründe ). Hier besteht ein Rechtsverhältnis zwischen den Parteien in diesem Sinne. Die Umstände, von denen der Eintritt des Versorgungsfalles im 60. Lebensjahr noch abhängt, sind allein, dass kein anderer Versorgungsfall früher eintritt, die Stellung des Klägers sich nicht verändert und er das 60. Lebensjahr erreicht.
28 II. Die Regelung des § 26 I. 1. d) des Anhangs II der Tarifregelung gilt für den Kläger, da er bei der XXX vor dem 31. August 1995 eingestellt wurde, unkündbar ist und er seit dem 1. April 2001 eine entsprechende Stellung als Sekretär des Bezirksvorstandes bzw. als Landesfachbereichsleiter innehat. Entgegen der Ansicht der Beklagten musste diese Voraussetzung noch nicht am 31. August 1995 vorliegen.
29 § 26 des Anhangs II bestimmt für die Regelung der folgenden Ziffer I. allein, dass diese für die bis 31. August 1995 eingestellten Beschäftigten gilt. Es ist gerade nicht bestimmt, dass die Regelung nur für die bis 31. August 1995 eingestellten Beschäftigten gelten soll, die bereits zu diesem Zeitpunkt eine bestimmte Position
Beschäftigten gelten soll, die bereits zu diesem Zeitpunkt eine bestimmte Position innehatten. Vielmehr wird für die "bis 31. August 1995 eingestellten Beschäftigten" die in der früheren Versorgungsregelung enthaltene Regelung des § 26 Abs. I wiederholt.
30 Der Geltungsbereich des § 26 des Anhangs II ist allein eingeschränkt auf die bis zum 31. August 1995 eingestellten Beschäftigten. Für die Anwendung des § 26 I. des Anhangs II kommt es damit allein darauf an, ob ein Beschäftigter vor dem 31. August 1995 eingestellt wurde. Für diese Beschäftigten gelten die alten Bestimmungen des § 26 Abs.I der früheren Versorgungsordnung weiter. I. enthält für Gewerkschaftssekretäre/innen besondere Regelungen und für Wahlangestellte sowie Sekretäre/inne des Hauptvorstandes und der Bezirksvorstände besondere Regelungen über den Eintritt des Versorgungsfalles.
31 Mit dieser Regelung wird für die bis zum 31. August 1995 eingestellten Beschäftigten ein Teil der früheren Versorgungsregelung, nämlich § 26 I aufrecht erhalten. Das kommt auch in der Bezeichnung als "Rechtsstandswahrung" zum Ausdruck. Es wird nämlich nicht nur der erreichte Besitzstand gewahrt – dieser bestände darin, dass die Anwartschaften, die zum 31. August 1995 bereits bestanden, erhalten blieben, während diejenigen, für die die günstigeren Regeln noch nicht galten, weil sie zum Stichtag die Voraussetzungen noch nicht erfüllten, einen Besitzstand noch nicht erreicht hatten. Hier wurde hingegen der "Rechtsstand" gewahrt, das heißt, für diejenigen, die vor dem Stichtag als Beschäftigte eingestellt waren, blieb die Rechtslage hinsichtlich § 26 I. unverändert. Das heißt, für sie gelten diese Bestimmungen weiter. Ob sie daraus Ansprüche herleiten können, hängt allein davon ab, ob sie die Voraussetzungen erfüllen, wenn sie den Anspruch erheben.
32 III. Die Beklagte hat die Kosten der Berufung zu tragen, da sie erfolglos blieb.
33 Die Revision ist wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassen.

References: § 26
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 § 26
 § 26
 § 26
 § 1
 § 259
 § 256
 BGH 
 § 26
 § 26
 § 26
 § 26
 § 26
 § 26
 § 26
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