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Timestamp: 2018-04-22 02:30:55+00:00

Document:
Akten­zeichen: 1 TaBV 5/12
Ent­scheid­ungs­datum: 11.09.2012
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg - 29 BV 26/10
(29 BV 26/10 ArbG Ham­burg)
Verkündet am: 11. Sep­tem­ber 2012
In der Be­triebs­ver­fas­sungs­sa­che
be­tref­fend:
auf­grund der münd­li­chen Anhörung vom 13. Sep­tem­ber 2011
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schmidt
Auf die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 24. Fe­bru­ar 2011 (29 BV 26/10) ab­geändert und fest­ge­stellt, dass die Über­tra­gung der Auf­ga­ben nach den §§ 3 bis 14 Ar­bSchG durch Schrei­ben der Be­tei­lig­ten zu 2 vom 16. Sep­tem­ber 2010 auf die Grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG un­ter­liegt.
Der Be­triebs­rat be­gehrt die Fest­stel­lung, dass die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten gemäß §§ 3 bis 14 des Ar­beits­schutz­ge­set­zes auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats gemäß § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG un­ter­liegt.
Mit Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 (An­la­ge A 1 zur An­trags­schrift) teil­te die Be­tei­lig­te zu 2, in de­ren H. Be­trieb der an­trag­stel­len­de Be­triebs­rat ge­bil­det wor­den ist, den bei ihr täti­gen sechs Meis­tern mit, dass ih­nen die Un­ter­neh­mer­pflich­ten hin­sicht­lich des Ar­beits- und Um­welt­schut­zes über­tra­gen würden. Un­ter an­de­rem wur­den da­bei die Auf­ga­ben nach §§ 3 bis 14 Ar­beits­schutz­ge­setz ge­nannt. Der Be­triebs­rat wur­de zu­vor nicht be­tei­ligt.
Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Be­tei­lig­te zu 2 mit der Über­tra­gung der Pflich­ten auf die Meis­ter ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me nach § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG ge­trof­fen ha­be, an der er zu be­tei­li­gen ge­we­sen wäre.
fest­zu­stel­len, dass die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten gem. §§ 3 bis 14 des Ar­beits­schutz­ge­set­zes auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats gem. § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG un­ter­liegt.
Die Be­tei­lig­te zu 2 hat be­an­tragt,
Die Be­tei­lig­te zu 2 hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass dem Be­triebs­rat bei der Auf­ga­benüber­tra­gung kein Mit­be­stim­mungs­recht zu­ste­he.
Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat durch Be­schluss vom 24. Fe­bru­ar 2011 den An­trag des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­schlus­ses wird auf Bl. 21 bis 30 d.A. ver­wie­sen. Ge­gen die­sen Be­schluss, der dem Be­triebs­rat am 21. März 2011 zu­ge­stellt wur­de, hat er mit Schrift­satz vom 18. April 2011, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, Be­schwer­de ein­ge­legt und zu­gleich die Verlänge­rung der Frist zur Be­gründung der Be­schwer­de bis
zum 21. Ju­ni 2011 be­an­tragt. Durch Be­schluss vom 28. April 2011 hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die­sem An­trag statt­ge­ge­ben. Der Be­triebs­rat hat die Be­schwer­de mit Schrift­satz vom 21. Ju­ni 2011, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, be­gründet.
Der Be­triebs­rat meint, dass ihm ein Mit­be­stim­mungs­recht zu­ste­he. Die­ses fol­ge so­wohl dar­aus, dass es sich bei der Über­tra­gung der Auf­ga­ben auf die Meis­ter­grup­pe um ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me han­de­le, die nach § 3 Abs. 2 Ar­bSchG ge­trof­fen wer­de und nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG der Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats bedürfe. Des­sen Zu­stim­mung sei außer­dem er­for­der­lich, weil die Meis­ter selbst der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats un­ter­lie­gen­de Maßnah­men vor­neh­men soll­ten. Da­bei sei Ge­gen­stand der Mit­be­stim­mung auch die Präzi­sie­rung der Auf­ga­ben, die von den Meis­tern erfüllt wer­den soll­ten.
un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 24. Fe­bru­ar 2011 – 29 BV 26/10 – fest­zu­stel­len, dass die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten gem. §§ 3 – 14 Ar­bSchG mit An­schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG un­ter­liegt.
Die Be­tei­lig­te zu 2 be­an­tragt,
Sie meint, dass kein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­ste­he.
Die Be­schwer­de ist zulässig und be­gründet.
1) Die Be­schwer­de ist zulässig. Gemäß §§ 87 Abs. 1 ArbGG ist sie statt­haft. Sie ist im Sin­ne der §§ 87 Abs. 2, 64 Abs. 6, 66 Abs. 1, 89 Abs. 1 ArbGG, 519, 520 ZPO form- und frist­gemäß ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
2) Die Be­schwer­de ist be­gründet, weil der An­trag zulässig und be­gründet ist.
Die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Fest­stel­lun­g­an­tra­ges sind ge­ge­ben. Ein Fest­stel­lungs­an­trag ist möglich beim Streit um das Be­ste­hen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses oder ein­zel­ner Be­rech­ti­gun­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis. Die­ses um­fasst den Streit um das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts (Schwab/Weth-Weth, § 81 Rn 27, 29). Es be­steht das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Der Be­triebs­rat kann ei­nen all­ge­mei­nen An­trag auf Fest­stel­lung sei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts stel­len, wenn er ei­ne Klärung für künf­tig zu er­war­ten­de, ver­gleich­ba­re Fälle be­gehrt (BAG, Be­schluss vom 30. Au­gust 1994, 1 ABR 3/94, Rn 18). Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend erfüllt. Han­del­te es sich bei der Über­tra­gung der Un­ter­neh­mer­pflich­ten um ei­ne der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats un­ter­lie­gen­de Maßnah­me, könn­te der Be­triebs­rat ver­lan­gen, an der noch fort­gel­ten­den Über­tra­gung be­tei­ligt zu wer­den und ge­mein­sam mit der Be­tei­lig­ten zu 2 ei­ne - even­tu­ell ab­wei­chen­de – Re­ge­lung zu ver­ein­ba­ren oder durch ei­nen Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le her­bei­zuführen. Da­mit er­langt der Streit über das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts nicht erst für mögli­che zukünf­ti­ge Fälle Be­deu­tung, son­dern be­reits für die mit dem Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin vom 16. Sep­tem­ber 2010 an­ge­ord­ne­te Über­tra­gung.
Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt. Der be­trieb­li­che Vor­gang, für den das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats strei­tig ist, muss in dem An­trag so ge­nau be­zeich­net wer­den, dass mit der Ent­schei­dung über den An­trag fest­steht, für wel­che Maßnah­men oder Vorgänge das Mit­be­stim­mungs­recht be­jaht oder ver­neint wor­den ist. Das ver­langt ei­ne so kon­kre­te Be­schrei­bung des Streit­ge­gen­stan­des, dass die Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (BAG, Be­schluss vom 18. Au­gust 2009, 1 ABR 43/08, Rn 9). Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend erfüllt. Der Be­triebs­rat be­schreibt mit der Be­zug­nah­me auf das Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2009 und die dar­in ge­nann­te Über­tra­gung der Un­ter­neh­mer­pflich­ten nach §§ 3 bis 14 Ar­bSchG kon­kret, um wel­che in­halt­li­che Maßnah­me es geht, für die er ein Mit­be­stim­mungs­recht re­kla­miert.
Darüber hin­aus soll in der Re­gel ein kon­kre­tes Re­ge­lungs­ver­lan­gen des Be­triebs­rats er­for­der­lich sein, wenn es um das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG geht. Die ge­stell­ten Anträge sol­len er­ken­nen las­sen, wel­che Re­ge­lun­gen zur be­trieb­li­chen Um­set­zung ei­ner sich aus den Nor­men des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes er­ge­ben­den kon­kre­ten Hand­lungs­pflicht der Ar­beit­ge­be­rin aus Sicht des Be­triebs­rats in Be­tracht kom­men, an de­ren Aus­ge­stal­tung er mit­zu­wir­ken be­ab­sich­tigt (BAG, Be­schluss vom 18. Au­gust 2009, 1 ABR 43/08, Rn 9). Ein sol­ches
Re­ge­lungs­ver­lan­gen des Be­triebs­rats fehlt hier, weil er nicht an­gibt, wel­che Re­ge­lung er beim Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts an­streb­te. Für die Be­stimmt­heit des An­tra­ges kann bei ei­ner Fall­kon­stel­la­ti­on wie der vor­lie­gen­den für die Be­stimmt­heit des Fest­stel­lungs­an­tra­ges kein kon­kre­tes Re­ge­lungs­ver­lan­gen des Be­triebs­rats ge­for­dert wer­den. Wäre es zu­tref­fend, dass es sich bei der in dem Schrei­ben an­ge­ord­ne­ten Über­tra­gung um ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Maßnah­me han­del­te, hätte die Ar­beit­ge­be­rin die­se oh­ne die er­for­der­li­che Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats vor­ge­nom­men. Sie hätte für sich ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Re­ge­lung vor­ge­nom­men, oh­ne den Be­triebs­rat dar­an zu be­tei­li­gen. Zur ge­richt­li­chen Fest­stel­lung sei­nes Mit­be­stim­mungs­rech­tes muss der Be­triebs­rat nicht ei­ne Re­ge­lung mit ei­nem be­stimm­ten In­halt an­stre­ben. Es reicht aus, dass er ver­langt, dass die Ar­beit­ge­be­rin ihn an der Maßnah­me be­tei­ligt, den Be­triebs­rat al­so un­ter­rich­tet und in ei­ne Ver­hand­lung mit dem Be­triebs­rat ein­tritt. Vom Be­triebs­rat gleich­wohl zu ver­lan­gen, dass er be­stimm­te Re­ge­lun­gen durch­set­zen möch­te, wird dem Um­stand nicht ge­recht, dass der Be­triebs­rat sich in die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on in ei­ner pas­si­ven Rol­le be­fin­det, al­so ei­ner ein­sei­ti­gen Re­ge­lung der Ar­beit­ge­be­rin aus­ge­setzt ist, von der er an­nimmt, dass er an ihr zu be­tei­li­gen ge­we­sen wäre. Die Ar­beit­ge­be­rin muss den Be­triebs­rat nicht nur be­tei­li­gen, wenn die­ser ab­wei­chen­de Re­ge­lungswünsche geäußert hat. Dem­gemäß kann sich der Be­triebs­rat ge­gen ei­ne ein­sei­ti­ge Re­ge­lung be­reits dann weh­ren, wenn sie von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­nom­men wor­den ist.
b) Der An­trag ist be­gründet. Die Über­tra­gung der Un­ter­neh­mer­pflich­ten gemäß dem Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin vom 16. Sep­tem­ber 2010 ist nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­tig.
Nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG hat der Be­triebs­rat bei be­trieb­li­chen Re­ge­lun­gen über den Ge­sund­heits­schutz mit­zu­be­stim­men, wenn die Ar­beit­ge­be­rin die­se auf­grund ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Rah­men­vor­schrift zu tref­fen hat und ihr bei der Ge­stal­tung Hand­lungs­spielräume ver­blei­ben. Das Mit­be­stim­mungs­recht setzt ein, wenn ei­ne ge­setz­li­che Hand­lungs­pflicht ob­jek­tiv be­steht und we­gen Feh­lens ei­ner zwin­gen­den Vor­ga­be be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen ver­langt, um das vom Ge­setz vor­ge­ge­be­ne Ziel des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes zu er­rei­chen. Ob die Rah­men­vor­schrift dem Ge­sund­heits­schutz un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar dient, ist un­er­heb­lich. Kei­ne Rol­le spielt auch, wel­chen Weg oder wel­che Mit­tel die dem Ge­sund­heits­schutz die­nen­de Rah­men­vor­schrift vor­sieht. Eben­so we­nig kommt es auf ei­ne sub­jek­ti­ve Re­ge­lungs­be­reit­schaft der Ar­beit­ge­be­rin an. Der Be­griff des Ge­sund­heits­schut­zes in § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG stimmt mit dem­je­ni­gen des Ar­beits­schutz­ge­set­zes übe­rein. Be­trof­fen sind Maßnah­men, die da­zu die­nen, die psy­chi­sche und phy­si­sche In­te­grität der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer zu er­hal­ten, der ar­beits­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen aus­ge­setzt ist, die zu me­di­zi­nisch fest­stell­ba­ren Ver­let­zun­gen
oder Er­kran­kun­gen führen oder führen können, wo­bei auch vor­beu­gen­de Maßnah­men er­fasst wer­den. Die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten über den Ge­sund­heits­schutz, die das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG auslösen, müssen als Rah­men­vor­schrift aus­ge­stal­tet sein. Dies ist der Fall, wenn sie Maßnah­men zur Gewähr­leis­tung des Ge­sund­heits­schut­zes ver­lan­gen, die zu tref­fen­den Maßnah­men aber nicht selbst de­tail­liert be­schrei­ben, son­dern der Ar­beit­ge­be­rin ein zu er­rei­chen­des Schutz­ziel vor­ge­ben. Vor­aus­set­zung des Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG ist fer­ner, dass die An­wen­dung der Rah­men­vor­schrift ei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung not­wen­dig macht, in der Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ge­mein­sam fest­le­gen, in wel­cher Wei­se das vor­ge­ge­be­ne Schutz­ziel er­reicht wer­den soll. Ei­ne sol­che Re­ge­lung muss sich auf ei­nen kol­lek­ti­ven Tat­be­stand be­zie­hen, für den ei­ne abs­trakt-ge­ne­rel­le Lösung er­for­der­lich ist. Kei­ne Re­ge­lung soll not­wen­dig sein, wenn der Ar­beit­ge­ber nach der ge­setz­li­chen Rah­men­re­ge­lung Ein­zel­maßnah­men zu tref­fen hat. Per­so­nel­le Ein­zel­maßnah­men sol­len da­her vom Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG nicht er­fasst wer­den (BAG, Be­schluss vom 18. Au­gust 2009, 1 ABR 43/08, Rn 16 bis 19, Ju­ris).
Nach die­sen Grundsätzen ist ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG ge­ge­ben. Die öffent­lich-recht­li­che Rah­men­vor­schrift, die der Ar­beit­ge­be­rin Hand­lungs­spielräume eröff­net, ist § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG. Die Re­ge­lung gehört zum öffent­lich-recht­li­chen Ar­beits­schutz, weil sie den Ar­beit­ge­be­rin­nen und Ar­beit­ge­bern Hand­lungs­pflich­ten auf­er­legt, die al­len­falls mit­tel­bar in die Ar­beits­verhält­nis­se ein­wir­ken und ih­ren Gel­tungs­grund dar­in ha­ben, dass der Staat von den Ar­beit­ge­be­rin­nen und Ar­beit­ge­bern als Nor­mun­ter­wor­fe­nen ein Ver­hal­ten ver­langt. Da die von den Ar­beit­ge­be­rin­nen und Ar­beit­ge­bern ver­lang­te „ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on“ nicht näher fest­ge­legt ist, be­steht ei­ne Viel­zahl von Hand­lungsmöglich­kei­ten. Ziel der Re­ge­lung ist, im In­ter­es­se der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer ei­ne möglichst ef­fi­zi­en­te Um­set­zung des ge­setz­li­chen Ar­beits­schut­zes im Be­trieb zu er­rei­chen. Die­ses folgt aus dem Wort „ge­eig­net“ in Ver­bin­dung mit den in § 3 Abs. 1 Ar­bSchG ge­re­gel­ten Grund­pflich­ten. Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Ar­bSchG geht es nämlich um die er­for­der­li­chen Maßnah­men des Ar­beits­schut­zes un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände, die die Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Beschäftig­ten bei der Ar­beit be­ein­flus­sen. Maßstab für die Eig­nung im Sin­ne des § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG sind die in § 3 Abs. 1 Ar­bSchG ge­re­gel­ten Grund­pflich­ten, die un­mit­tel­bar den Ar­beits­schutz zum Ge­gen­stand ha­ben. Das Mit­be­stim­mungs­recht be­steht, weil die Ar­beit­ge­be­rin die ge­setz­li­che Hand­lungs­pflicht des § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG zu erfüllen ver­pflich­tet ist. Sie „hat“ für ei­ne ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on zu sor­gen. Das be­deu­tet, dass von ihr be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen ver­langt wer­den, um das vom Ge­setz vor­ge­ge­be­ne Ziel des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes zu er­rei­chen. Es geht da­bei um ei­ne Maßnah­me, die da­zu dient, die psy­chi­sche
und phy­si­sche In­te­grität der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer zu er­hal­ten, der ar­beits­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen aus­ge­setzt ist, die zu me­di­zi­nisch fest­stell­ba­ren Ver­let­zun­gen oder Er­kran­kun­gen führen oder führen können, wo­bei auch vor­beu­gen­de Maßnah­men er­fasst wer­den. Die „ge­eig­ne­te“ Or­ga­ni­sa­ti­on ist ein Mit­tel zur Er­rei­chung der in § 3 Abs. 1 Ar­bSchG ge­nann­ten Zie­le, bei de­nen es er­sicht­lich um den Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit geht. Die von § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG ge­for­der­te Maßnah­me be­zieht sich auf ei­nen kol­lek­ti­ven Tat­be­stand. Mit „Or­ga­ni­sa­ti­on“ im Sin­ne die­ser Re­ge­lung ist die Ab­lauf- und Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on des be­trieb­li­chen Ge­sund­heits­schut­zes ge­meint (Kitt­ner/Pie­per, § 3 Ar­bSchG Rn 6). Das be­deu­tet, dass es um die Re­ge­lung von Zuständig­kei­ten und Ar­beits­abläufen geht. Mit un­ko­or­di­nier­ten Ein­zel­maßnah­men lässt sich ei­ne der­ar­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­on nicht ver­wirk­li­chen, viel­mehr muss es ein Kon­zept für die Um­set­zung der Auf­ga­ben durch Per­so­nen und in ge­re­gel­ten Ab­lauf­bah­nen ge­ben. In die­sem Sin­ne ist die Über­tra­gung der ge­sam­ten Auf­ga­ben nach den §§ 3 bis 14 Ar­bSchG kein Bündel von Ein­zel­maßnah­men, son­dern ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me im Sin­ne des § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG. Die Ar­beit­ge­be­rin bringt da­mit die Ent­schei­dung zum Aus­druck, dass die Meis­ter um­fas­send für al­le Auf­ga­ben nach den §§ 3 bis 14 Ar­bSchG zuständig sein und zu­gleich die er­for­der­li­chen Maßnah­men des Ar­beits­schut­zes nach §§ 3 bis 14 Ar­bSchG er­grei­fen sol­len. Die Grup­pe der Meis­ter ist so­wohl zuständig als auch in der Um­set­zung und da­mit dem Ar­beits­ab­lauf un­ter an­de­rem al­lein ver­ant­wort­lich dafür, dass die Ar­beits­be­din­gun­gen be­ur­teilt wer­den, die Er­geb­nis­se der Be­ur­tei­lun­gen do­ku­men­tiert wer­den, der Ar­beits- und Ge­sund­heits­schutz bei der Zu­sam­men­ar­beit meh­re­rer Un­ter­neh­men be­ach­tet wird, ei­ne ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge er­folgt und die Beschäftig­ten un­ter­wie­sen wer­den. Da­mit wird um­fas­send die Ab­lauf- und Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on des Ge­sund­heits­schut­zes im Be­trieb ge­re­gelt. Die Über­tra­gung geht über ei­ne Ein­zelüber­tra­gung nach § 13 Ar­bSchG hin­aus. Ei­ne sol­che Ein­zelüber­tra­gung ist kei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me, weil sie vor­aus­setzt, dass es ei­ne da­von un­abhängi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on des be­trieb­li­chen Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes gibt. Im Ge­gen­satz da­zu wird durch das Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Auf­bau- und Ab­lauf­or­ga­ni­sa­ti­on zum Ge­sund­heits­schutz ge­schaf­fen, weil es Zuständig­kei­ten schafft und Ar­beits­aufträge ver­teilt.
Der Fest­stel­lungs­an­trag geht nicht über den Be­reich hin­aus, für den das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­steht, so dass es sich bei ihm nicht um ei­nen un­be­gründe­ten Glo­balan­trag han­delt.
3) Ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung ist nicht ver­an­lasst, § 2 Abs. 2 GKG.
Die Rechts­be­schwer­de ist nach §§ 92 Abs. 1 Satz 2, 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG zu­zu­las­sen.
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References: § 87
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 § 81
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 § 2