Source: https://pagelsheilkundetexte.blogspot.de/2015/01/
Timestamp: 2017-04-24 11:23:24+00:00

Document:
Infos zur Heilkunde a la Pagel: Januar 2015
Die Fallaufnahme in der
Homöopathie – Teil 1
In den vorherigen Blogbeiträgen habe
ich dargestellt, wie die Homöopathie die Symptome betrachtet: Als
Zeichen dessen, wie die innere Selbstregulation die Funktionen
(Strukturen) des Organismus an innere und äußere Anforderungen
anpasst. Krankheitssymptome werden gesehen als Versuche, einen
gestörte Regulation über Kompensationsmechanismen so weit wie
möglich auszugleichen, zu ersetzen.
Es wurde in einem anderen Beitrag der
Unterschied verschiedener „Krankheitsarten“ am Beispiel der
Akutkrankheiten zu zeigen versucht. Es wurde auch hervorgehoben, dass
selbstverständlich zu suchen ist, ob etwas besteht, das die
Krankheitssymptome erforderlich macht, auslöst. Das ist, schon weil
es die Heilung behindern kann, selbstverständlich zu entfernen. -
Wenn das geht -
Hier geht es um die chronischen
Krankheiten und den Weg die dazu gehörenden Symptome zu erkennen und
dann später daraus einen passende Arznei zu finden. Dass dabei,
durch die Fallaufnahme, überhaupt erst möglich wird, zu erkennen,
was denn zu heilen ist, auch ob akute und chronische, scheinbar
chronische oder iatrogene Krankheit vorliegt und ob es
Heilungshindernisse gibt, ist Voraussetzung für jede Therapiewahl.
In seinem § 6 des Organon (z.B.
http://www.homeoint.org/books4/organon/org000.htm)
schreibt Hahnemann:
vorurtheillose Beobachter, - die Nichtigkeit übersinnlicher
Ergrübelungen kennend, die sich in der Erfahrung nicht nachweisen
lassen, - nimmt, auch wenn er der scharfsinnigste ist, an jeder
einzelnen Krankheit nichts, als äußerlich durch die Sinne
erkennbare Veränderungen im Befinden des Leibes und der
Seele, Krankheitszeichen,
Zufälle, Symptome wahr,
das ist, Abweichungen vom gesunden, ehemaligen Zustande des jetzt
Kranken, die dieser selbst fühlt, die die Umstehenden an ihm
wahrnehmen, und die der Arzt an ihm beobachtet. Alle diese
wahrnehmbaren Zeichen repräsentiren die Krankheit in ihrem ganzen
Umfange, das ist, sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare
Gestalt der Krankheit. Hier soll auf zwei Aussagen hingewiesen
werden. Zum Einen, dass der Beobachter, Heilkundler, vorurteilsfrei
an die Fallaufnahme gehen soll und dass es Hahnemann zum Anderen eben
nicht darum geht, „Übersinnliches“, höhere „geistige“
Bereiche, einen, über das Greifbare, Biologische hinausgehenden Sinn
zu suchen, zu „Ergrübeln“. Das ist der Boden, auf dem die
Homöopathie steht.
Fast hundert Jahre, nachdem Hahnemann
in seinem Organon beschrieben hat, wie der individuelle
Krankheitsfall „aufgenommen“ werden soll, welche (auch im
Heilkundler liegenden) Fehler vermieden werden müssen, wurde Carl
(http://www.carlrogers.de/sites/rogers-weg-zur-psychologie.html)
geboren, der die „personenzentrierte Gesprächstherapie“
entwickelte. Man findet bereits bei Hahnemann vieles von dem, was
Rogers vom Therapeuten verlangt.
Ab dem § 83 des Organon, 6. Auflage,
wird das vorgehen beschrieben. Kernsatz:
individualisirende Untersuchung
verlangt von dem Heilkünstler nichts als Unbefangenheit und gesunde
Sinne, Aufmerksamkeit im Beobachten und Treue im Aufzeichnen des
Bildes der Krankheit. Unbefangenheit bedeutet, dass der
Heilkundler keinerlei vorgefasste Meinung haben soll. Sich davon frei
machen muss, irgendwelchen Vorlieben, Theorien zu folgen. Auch darf
er nicht auf irgendwelche Erfahrungen mit anderen Patienten/ Personen
zurückgreifen, von denen er vermutet, dass sie ähnliches oder das
gleiche gehabt haben könnten.
So bestehen „Vorurteile“, die -
Hahnemann hat recht gut verstanden, wie Kommunikation abläuft -,
bestimmen können, was der „Zuhörer“ tatsächlich zu hören
„wähnt“. Aufmerksamkeit wird so gelenkt, Worte in ihrem
Verständnis geändert (passend zur „Erwartung“), manches wird so
gar überhört. Der Heilkundler wird so in die Gefahr kommen,
gelenkt/lenkend nachzufragen, entsprechend seiner Voreingenommenheit.
So kann am Ende der Patient die
Krankheit, die Ursachen dafür usw. angedichtet bekommen, die dem
Sinne des Heilkundlers entsprechen. Aus dessen „Weltverständnis“
werden „Auffälligkeiten“ beim Patienten gesehen und ggf. durch
Nachfragen besonders herausgearbeitet. Sucht er die Ursachen für die
Krankheit in einer „geistigen“ Welt, wird er sie dort finden
können, sieht er „unlösbare innere Konflikte“ als Grund, so
„hört und sieht“ er alles, was dazu passen könnte, und so wie
es dann passt. Wenn in „früheren Leben“ oder bei „verstorbenen“,
„gekränkten“ Familienmitgliedern der Auslöser gesehen wird, so
engt dieses „Fernglas“ den Blick ein.
Das sind die großen Gefahren vor denen
Rogers seine „Therapeuten“ warnte.
Es ist für einen Heilkundler sehr
schwer, insbesondere, wenn er selbst bestimmten Interessen anhängt
(seine Welt auf seinen Patienten übertragen möchte – auch
unbewusst) sich selbst immer wieder von solchen „Lenkungen,
Vorurteilen“ zurückzuziehen und entsprechend wieder
„unvoreingenommen“ zu machen.
Es war in den vielen Jahren, in denen
ich Homöopathie unterrichtete, für die Teilnehmer immer wieder
überraschend, wie schnell ins „Falschwahrnehmen“, Überstülpen
von fremden Beobachtungen oder Einfließen lassen eigener Ideen
abgeglitten werden konnte. Die praktische Fallaufnahme war wichtiger
Kursbestandteil. Insbesondere in der Gruppe, die gemeinsam einen Fall
aufgenommen hatte, wurde bei der Nachbesprechung sichtbar, wie oft
Aussagen des Patienten völlig unterschiedlich gehört und verstanden
wurden, wie oft eigene Erfahrungen („meine Tante hatte das auch“)
das Verstehen und Nachfragen lenkten und wie oft die Idee „aus
Sicht der ...“ eine irreleitende Rolle spielte.
Es ging auch, Hahnemann lehrt das,
darum, schon durch die Einwirkung des Heilkundlers verursachte
Lenkungen des Patienten zu erkennen und zu vermeiden. So wie Carl
Rogers solches zu vermeiden trachtet. So gehörte – ohne es so zu
nennen – eine „Ausbildung“ in der Roger'schen Technik zum
praktischen Kurs.
Dazu gehört das, was man heute in der
Heilkunde, zumindest als Kassenpatient, kaum noch findet. Man kann
einfach mal alles ansprechen, muss sich nicht kurz fassen und möglich
gleich nur die Fakten nennen, die der Behandler hören will, weil der
so besonders rasch zum Ziele kommen will. Man kann nicht „lösungszentriert“
auf eine Ziel zugehen, wenn man die Zusammenhänge und möglichen
Ursachen gar nicht kennt. Die kennt man aber erst, nachdem man alles
gehört hat. Erst danach kann man erkennen, was miteinander zu tun
haben könnte und in diesem individuellen Falle letztlich von
Bedeutung ist. Erst, wenn man alles kennt, was zu erfahren ist, erst
dann ist das Wichtige zu erkennen. Heilkundler sind keine Hellseher
und wer vorher schon meint, zu wissen, was wichtig sein könnte ist
eben durch Vorurteile blind.
§84: Der
Kranke klagt den Vorgang seiner Beschwerden; die Angehörigen
erzählen seine Klagen, sein Benehmen, und was sie an ihm
wahrgenommen; der Arzt sieht, hört und bemerkt durch die übrigen
Sinne, was verändert und ungewöhnlich an demselben ist. Er schreibt
alles genau mit den nämlichen Ausdrücken auf, deren der Kranke und
die Angehörigen sich bedienen. Wo möglich läßt er sie
stillschweigend ausreden, und wenn sie nicht auf Nebendinge
abschweifen, ohne Unterbrechung Ausreden lassen. Der Patient erzählt,
wenn nötig und möglich Angehörige anhören, die vielleicht etwas,
was der Patient nicht bemerkt, erleben. Dann alles, was er
Heilkundler durch die übrigen Sinne – dazu gehören allen mögliche
Diagnoseverfahren, auch die die Hahnemann noch gar nicht kannte –
Und wichtig, nicht unterbrechen (ob
etwas nebensächlich ist, ergibt sich vielleicht erst, wenn man es
kennt!), denn Jede
Unterbrechung stört die Gedankenreihe der Erzählenden und es fällt
ihnen hinterdrein nicht alles genau so wieder ein, wie sie es Anfangs
sagen wollten. Und ganz wichtig: Es ist so zu
notieren, wie es der Patient gesagt hat, mit dessen Worten. Der
Heilkundler soll die Ausdrucksweise, die Sprache, des Patienten
lernen. Nicht umgekehrt. Das ist das Manko eines jeden Fragebogens.
Der Heilkundler hat mit seinen Worten etwas vorformuliert, was der
Patient dann vielleicht ganz anders versteht, als gemeint. Fragebögen
für Patienten wären nicht in Hahnemanns Sinne
Dann erst, wenn der ungelenkte (!)
Vortrag es Patienten tatsächlich beendet ist, wird ergänzend zu den
einzelnen vorgetragenen Punkten nachgefragt.
Und das ohne, dem Patienten etwas in
den Mund zu legen (suggestive Fragen). Fragen, die nur einfach mit ja
und nein zu beantworten wären, sind nicht gewünscht. Denn aus der
Antwort, im zusammenhängenden Text, die der Patient gibt, können
nicht selten zusätzliche Informationen gewonnen werden. Über den
präzisen Text der Frage hinaus. Hier wieder die Empfehlungen von
Rogers: Halbe Sätze, die der Patient nach seinem Verständnis, gemäß
dem, was er damit assoziiert, beantworten kann.
nun bei diesen freiwilligen Angaben von mehren Theilen oder
Functionen des Körpers oder von seiner Gemüths-Stimmung nichts
erwähnt worden, so fragt der Arzt, was in Rücksicht dieser Theile
und dieser Functionen, so wie wegen des Geistes oder
Gemüths-Zustandes des Kranken noch zu erinnern sei, aber in
allgemeinen Ausdrücken, damit der Berichtgeber genöthigt werde sich
speciell darüber zu äußern.
nun der Kranke - denn diesem ist in Absicht seiner Empfindungen
(außer in verstellten Krankheiten) der meiste Glaube beizumessen -
auch durch diese freiwilligen und bloß veranlaßten Aeußerungen dem
Arzte gehörige Auskunft gegeben und das Bild der Krankheit ziemlich
vervollständigt, so ist es diesem erlaubt, ja nöthig (wenn er
fühlt, daß er noch nicht gehörig unterrichtet sei), nähere,
speciellere Fragen zu thun Wichtig, Hahnemann weist darauf hin,
ist es, dass die Lebensumstände des Kranken zu betrachten sind (auch
wegen Heilungshindernissen):
Erkundigung des Zustandes chronischer Krankheiten, müssen die
besondern Verhältnisse des Kranken in Absicht seiner gewöhnlichen
Beschäftigungen, seiner gewohnten Lebensordnung und Diät, seiner
häuslichen Lage u.s.w. wohl erwogen und geprüft werden, was sich in
ihnen Krankheit Erregendes oder Unterhaltendes befindet, um durch
dessen Entfernung die Genesung befördern zu können Doch
da lauern die nächsten Gefahren. Gerade darüber, wie ein Mensch
sich verhalten soll, wie er sein tägliches Leben ausrichten soll,
wie er sich ernähren sollte usw. gibt es ideologische Vorgaben, rein
statistisch pauschale „Erkenntnisse“, die nichts mit dem
individuellen Patienten zu tun haben. Gerade dieser Patient mit
seinen Besonderheiten ist eben zum Vegetarier völlig ungeeignet. Er
kommt am besten zurecht, wenn er sich Termine setzt, aber darunter
keinen zur meditativen Einkehr.
schnell ist man mit Empfehlungen dabei: Man sollte...., man
müsste..., es wäre gut …? Es geht nicht um „man“, um
statistische Aussagen, um Weltanschauung. Es geht um diesen einem
Menschen. Und es ist egal, welche der Heilkundler hat und für sich
am Besten findet. Er soll doch nicht sich heilen.
Haltung kann sehr schwer sein. Wie oft kann es vorkommen, dass ein
Patient etwas zum Ausdruck bringt, was dem Heilkundigen total zuwider
ist. Es geht aber nicht darum, den anderen so zu machen, wie es der
Heilkundler wünscht. Er muss neutral bleiben und darf – siehe
Rogers – mit keiner Wimper strafend oder lobend zucken.
kann das. Ein großen Hindernis dabei kann eben die eigene gemachte
Erfahrung sein. Wer in die Heilkunde geht, weil er selbst bestimmte
Krankheiten hatte, die er gemäß seinen ganz persönlichen
Erfahrungen heilen will, läuft Gefahr, in einer Sackgasse zu landen.
Wer in die Heilkunde geht, weil er bestimmte Ideen fördern will,
sich gar berufen sieht, diese zu verbreiten, sollte sich der
Verantwortung für das Individuum, das ihm vertraut, bewusst sein.
der Autor hat sich in den über 30 Jahren Heilkundetätigkeit, auf
der Basis der Ideen von Hahnemann, immer wieder gefragt, ob er nicht
selbst lenkt. Ja er tut es, aber in die Richtung einer fast schon
anarchisch individuellen Heilkunde, in der er immer wieder sich
selbst hinterfragt. Ganz im Sinne von C. Rogers.
diesem Zitat möchte ich diese grundsätzlichen Ausführungen zur
Fallaufnahme schließen: §98
gewiß man nun auch, vorzüglich den Kranken selbst über seine
Beschwerden und Empfindungen zu hören und besonders den eignen
Ausdrücken, mit denen er seine Leiden zu verstehen geben kann,
Glauben beizumessen hat, - weil sie im Munde der Angehörigen und
Krankenwärter verändert und verfälscht zu werden pflegen, - so
gewiß erfordert doch auf der andern Seite, bei allen Krankheiten,
vorzüglich aber bei den langwierigen, die Erforschung des wahren,
vollständigen Bildes derselben und seiner Einzelheiten besondere
Umsicht, Bedenklichkeit, Menschenkenntniß, Behutsamkeit im
Erkundigen und Geduld, in hohem Grade
der Fortsetzung gehe ich auf die Vorgehensweise und Hintergründe
dazu bei der Fallaufnahme ein. Auch im Blick auf die Erstellung von
Arzneiwirkbildern am Gesunden. Aus denen man dann die passende Arznei
wählt, mit Hilfe von Symptomenverzeichnissen (Repertorien).
Klaus-Uwe Pagel 01.2015 Eingestellt von
Die Psyche in der
Homöopathie – Bestandteil des Organismus
Fortsetzung der Reihe über die
Grundlagen der Homöopathie nach Hahnemann
Die „alte“ Heilkunde (humorale
Pathologie, Säftelehre) trennte die Psyche (Geist, Gemüt,
Temperament) nicht vom Organismus ab. Stellte sie nicht neben den
Körper. Es gehörte alles zusammen, die (körperliche)
Säftezusammensetzung und das „Temperament“ des jeweiligen
Menschen. Stammend aus der 4- (5) Elementenlehre. Das Verhalten des
Menschen, sein Empfinden, sein Temperament war wie körperliche
Besonderheiten Ausdruck des Mischungsverhältnisses der 4 Säfte Blut
(Sanguis – Saguiniker), Schleim (Phlegma – Phlegmatiker), gelbe
Galle (Chol – Choleriker) und schwarze Galle (melanos = schwarz, -
Melancholiker). Das Vorherrschen eines der Säfte bestimmte seine
körperlichen Symptome, so bei zuviel gelber Galle (gelbliche Haut,
Gallenkrankheit z.B.) oder „psychischen“ Symptome bei zuviel
Schleim (Beharrlichkeit, Trägheit, Unentschlossenheit z.B.).
Dazu ein Link zu einer der vielen
Seiten, die zu den psychologischen Aspekten einen Überblick geben:
Hilmar Benecke: Psychologie und Persönlichkeit
Ein Link zu einer der vielen Seiten,
die die humorale Pathologie umreißen, hier zugeordnet zur
„Hildegardmedizin“:
http://www.cam-tm.com/de/heilmethoden/hildegardmedizin.htm
Die Heilkunde, auch zu Hahnemanns
Zeiten trennte nicht voneinander ab. Körper – Geist – Gemüt
-Temperament gehörten zusammen, waren Bestandteile des Organismus
Mensch. Auf philosophischer Seite begann (I. Kant) etwa zu der Zeit,
als Hahnemann in der Medizin neue Wege aufzeigte – immer noch mit
einer Einheit aus Körper und „Psyche“ - ein isolierterer Blick
auf Verhalten, Denken und Empfinden des Menschen zu werfen. Daraus
entstand die Pädagogik und etwa ab 1880 das universitäre Fachgebiet
Das waren Gebiete, außerhalb der
Medizin, Heilkunde.
Hahnemann kehrte der Säftelehre,
Humoralpathologe als Lehrmeinung in der Medizin den Rücken und
stellte dieser eine physiologisch – funktionelle Idee entgegen. Die
Säfte kamen von Außen in den Menschen, woher auch immer – aus
Erde, Kosmos. Der Mensch war hier eine Art Spielball irgendwelcher
„Mächte“. Hahnemann sah die Krankheiten aus einer dem Menschen
zugehörigen inneren Regulation, einem (auch) ererbtem Steuerprogramm
(Lebenskraft genannt) entstehen. Nicht nur Krankheiten, alle
Lebensfunktionen und Lebensäußerungen (auch Temperamente, Verhalten
usw.) entstammten deren Tätigkeit. Diese Lebenskraft ist im Menschen
und solange existent, wie es einen funktionsfähigen Organismus gab.
Ist dieser tot, wirkt auch seine Lebenskraft nicht. Eben abgeleitet
aus der Newtonschen Physik: Es muss, wenn Kräfte wirken sollen,
irgendeinen „Träger“, Ausgangspunkt der Kraftwirkung geben.
War in der Humorallehre der Mensch eben
den Folgen der von außen bewirkten Säfteungleichgewichtigkeit
ausgesetzt, so gab Hahnemann dem Menschen im Grunde seine Autonomie,
seine Selbstbestimmung, indem eine diesem im inneren zugehörige
(individuelle) Lebenskraft ihn steuerte (erahnte er die Existenz von
Genen?). Interessant ist, dass eben in der Philosophie etwa parallel
mit der „Selbststeuerungsidee“ des Menschen in der Heilkunde auch
eine geistige Autonomie gesehen wurde.
Die alte Medizin, Säftelehre, sorgte
dafür, dass der Überschuss an hineingekommenen Säften wieder
entzogen wurde (Ausleitung) oder eine Verteilungsungleichgewicht im
Körper durch Umverteilung (Ableitung) behoben wurde – Schröpfen,
Aderlass, Abführen usw. Dadurch wurde auch versucht, auf die
Temperamente einzuwirken und den Aufbrausenden ruhiger, den Trägen
aktiver zu machen.
Hahnemann sah z.B. Gelbfärbung der
Haut, oder depressives Gemüt als Zeichen einer „Fehlfunktion“
(Verstimmung, nannte er das) der Lebenskraft (Dynamik der inneren
Steuerung) an. Waren Säfte verändert, das Blut z.B. besonders
dunkel, schwarze Galle vermehrt – nach alter Ansicht (Melancholie)
- so hat das der Organismus selbst gemacht. Ist das aus seiner
inneren Regulation entstanden. Hahnemanns Medizin (Homöopathie)
leitete nicht aus. Sie zog keine krankmachenden Säfte heraus. Denn
es war ja nicht hinweg zu nehmen, was krank macht, sondern nur die
gestörte Regulation (Lebenskraft) zu korrigieren. Aber Achtung. Natürlich, und darauf
wies er in seinem Regelwerk, dem Organon der Heilkunst im § 7 klar
hin (ich habe im Beitrag über die akuten Krankheiten auf die
scheinbar chronischen und die chirurgischen hingewiesen), sah er
offenbar veranlassende oder unterhaltende Ursachen, die hinweg zu
nehmen, zu beheben sind. So z.B. den Stachel im Fleisch, die blutende
Arterie, die unterbunden werden muss, auch die stark duftende,
Ohnmacht erzeugende Blume im Zimmer, die raus muss. Auch Umstände im
Lebensverhalten, Bewegungsmangel an frischer Luft, falsche
(einseitige) Ernährung, die zu beheben sei. In einem seiner
Zeitschriftenbeiträge machte er das am Beispiel einer
Heimarbeiterfamilie in Hamburg plastisch deutlich. (Eine Sammlung der
kleinen Schriften Hahnemanns ist im Haug-Verlag erschienen, z.B. über
Amazon zu beziehen:
http://www.amazon.de/hahnemann-samuel-gesammelte-kleine-schriften-Ratgeber/s?ie=UTF8&page=1&rh=n%3A536302%2Ck%3Ahahnemann%20samuel%20gesammelte%20kleine%20schriften
Die Regel, die er aufstellte für die
Erfassung des jeweiligen Krankheitsfalles am individuellen Menschen
macht deutlich, welche Bezüge er sah – die man heute noch immer
sehen sollte. (Das wird ein weiteres Thema hier werden).
Hahnemann sah die Psyche: Geist, Gemüt
(Temperamente) als Regelglieder, untrennbar mit Körperfunktionen,
des Organismus an. Symptome dort, die Geistes- und Gemütskrankheiten,
waren/sind Vikariationen (Stellvertretersymptone) für „Verstimmungen
der Lebenskraft“ mit denen schlimmere Folgen (mit dem Weiterleben
nicht zu vereinbaren) kompensiert werden sollten. Diese Krankheiten,
scheinbar einseitige, werden ein eigenes Thema sein.
Wie Hahnemann die Rolle der Psyche (mit
ihren Elemente wie Empfindungen Antriebe etc.) sieht, wird im § 210
des Organon deutlich.
Zitat: „die
sogenannten Gemüths- und Geistes-Krankheiten. Sie machen jedoch
keine von den übrigen scharf getrennte Classe von Krankheiten aus,
indem auch in jeder der übrigen sogenannten Körperkrankheiten, die
Gemüths- und Geistes-Verfassung allemal geändert ist.“
Jeder Körperfunktion, gesund wie krank, gehört die passende Gemüts-
und Geistesverfassung zu. Geänderte Körperfunktionen bringen auch
geänderte Stimmungen etc. mit sich. Jede bestehende Körperfunktion
hat ihre eigenen Stimmungen etc. Eben passend zur „Selbstregulation“,
zur „Wirkung der Lebenskraft“, gestört oder ungestört. (siehe
auch mein Beitrag über Symptome in der Homöopathie). Zitat:
„Wie oft trifft man nicht, z. B. in den schmerzhaftesten,
mehrjährigen Krankheiten, ein mildes, sanftes Gemüth an, so daß
der Heilkünstler Achtung und Mitleid gegen den Kranken zu hegen sich
gedrungen fühlt. Besiegt er aber die Krankheit und stellt den
Kranken wieder her - wie nach homöopathischer Art nicht selten
möglich ist - da erstaunt und erschrickt der Arzt oft über die
schauderhafte Veränderung des Gemüths, da sieht er oft
Undankbarkeit, Hartherzigkeit, ausgesuchte Bosheit und die, die
Menschheit entehrendsten und empörendsten Launen hervortreten,
welche gerade diesem Kranken in seinen ehemaligen gesunden Tagen
eigen gewesen waren.“
Zur Psyche des
Menschen – des Gesunden in seiner Individualität – gehören
durchaus auch Eigenschaften, die manche als „unschön“
(vielleicht, weil er selbst damit nicht zurecht kommt) ansehen: „
… die Menschheit entehrendsten und empörendsten Launen
hervortreten, welche gerade diesem Kranken in seinen ehemaligen
GESUNDEN Tagen eigen gewesen waren.“
psychische Funktionen untrennbar in Gesundheit und Krankheit, aber
wieder, dass man mit Homöopathie die Psyche, Verhaltensweisen,
Wesenszüge des Menschen verändern will. Die Psyche als Quelle
(aller) Leiden. Manchmal will man den Menschen über „homöopathische
Kügelchen“ gar in eine „andere geistige“ Welt bringen. Das war
nie das Ziel
der Hahnemannchen
Homöopathie. Dazu bieten die Arzneiprüfungen am Gesunden, auf denen
die Arzneiwahl für den Kranken fußen soll, auch gar kein Material.
Hier sind dann im Regelfalle rein philosophisch – geistige –
manchmal scheinreligiöse Sichtweisen des Menschen der recht
einseitige Hintergrund. Aus dieser Sicht erfolgte Uminterpretation
von Arzneiprüfbildern oder gar freien „Erfindungen“,
„Inspirationen“ betreffend Arzneistoffen verschiedener Herkunft.
Auch manches Ekel
unter den Menschen kann, so wie er ist, gesund sein. Keiner Therapie
ist die Wirkung der Arzneien auf die Körper untrennbar mit der
Wirkung auf die Psyche verbunden. Jedes Arzneiprüfbild schildert
körperliche wie psychische Symptome. Wer homöopathische Arzneien
wegen psychischer „Beschwerden“ einsetzt, der muss auch in der
Lage sein, die entsprechenden Körperwirkungen zu erkennen und bei
der Arzneiwahl einzubeziehen.
Psychosomatik –
Somatopsychik – untrennbar.
Hahnemann aber streng trennte – und worauf er nicht einging, weil
nicht Heilkundegegenstand – war Metaphysisches, Einwirken von Seele
und einem höheren Weltensinn, Einwirken von einem „vernünftigen
Geist, der – unabhängig von der Lebenskraft, er ist diese nicht! -
in uns wohnt. Er geht darauf (§9 Organon) in einem Satz ein – dann
ist Schluss mit diesem Thema.
gesunden Zustande des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis
den materiellen Körper (Organism) belebende Lebenskraft (Autokratie)
unumschränkt und hält alle seine Theile in bewundernswürdig
harmonischem Lebensgange in Gefühlen und Thätigkeiten, so daß
unser inwohnende, vernünftige Geist sich dieses lebendigen, gesunden
Werkzeugs frei zu dem höhern Zwecke unsers Daseins bedienen kann.“
Mensch steht unter einer höheren Gewalt. Aber das ist nicht
Gegenstand der Heilkunde. Hier sieht Hahnemann weder für sich –
(noch für irgendeinen anderen!) Eingriffsrecht und -Möglichkeit.
Der Homöopath hat zu erkennen, wenn und dann wie die Lebenskraft
verstimmt ist, und damit vielleicht dem vernünftigen Geist nur
„eingeschränkt“ zu Verfügung steht. Lebenskraft ist mit dem Tod
des Organismus nicht mehr existent.
materielle Organism, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung,
keiner Thätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig. Er ist todt und,
nun bloß der Macht der physischen Außenwelt unterworfen, fault er
und wird wieder in seine chemischen Bestandtheile aufgelöst.Nur
das immaterielle, den materiellen Organism im gesunden und kranken
Zustande belebende Wesen (das Lebensprincip, die Lebenskraft)
verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtungen."
einmal zum Verständnis: Hahnemann leitet diese Kraft nach dem
Vorstellungen der Physik ab. Eine Kraft konnte niemand sehen, sie war
eben immateriell. Jedoch war sie existent, beschriebbar und
berechenbar über ihre Wirkungen. Kraft war Wirkung. So z.B. des
materiellen Magneten auf Eisenteilchen. So die der Erde
(Anziehungskraft) auf den Apfel am Baum, vom Baum fallend.
Kraft braucht von daher den MATERIELLEN Träger. Der Organismus ist
der Träger der Lebenskraft. Eine Heilpflanze ist Träger der
Arzneikraft. Und die Lebenskraft ist individuell zum Organismus
gehörig. Ist dieser funktionsunfähig geworden, funktioniert die
Lebenskraft nicht mehr. Sie hat keinen Träger mehr. Ohne Magneten
keinen Magnetkraft. Dazu gehört auch: Ohne funktionsfähigen
Organismus keine Psyche als Lebenskraftsymptom.
Die Lebenskraft kann nur mit den Teilen des Körpers „arbeiten“
die vorhanden und funktionstüchtig sind. Die Struktur bestimmt die
Funktion. Anhaltende oder (zu) häufige Funktionsanforderungen einer
Art führen zur Anpassung der Struktur. Das ist auch für die Psyche
zu sagen. Schon Lernen durch Wiederholung verändert die
Verhaltensweise, passt sie möglichen bestehenden Notwendigkeiten an. Doch
dass das gehen kann, hat als Voraussetzung die ungestörte
„Anpassungs-/Regulationsfähigkeit der Lebenskraft und
entsprechende Programme dieser (Gene). Es
mag zum Problem geworden sein, dass seine zweite, viele Jahre jüngere
Frau, die in Paris in den damals populären spiritistischen Zirkeln
verkehrte, im Organon „Veränderungen“ einfließen lies. Welche
zum einen verhinderten, dass die letzte „Version“ des Organons in
den Druck kam. Zum anderen mögliche Quelle von Fehlinterpretationen
wurde. Mehrere Jahrzehnte wurde von Homöopathen, so Konstantin
Hering, gerade wegen dieser Interpretationsgefahr die Drucklegung
In der Homöopathie ist Körper und Psyche untrennbar verbunden. Die
Psyche in diesem Verständnis hat nichts mit einer metaphysischen
Seele zu tun, nichts mit einem individuellen Geist in Sinne einer
Seele. Hahnemann hatte nie die Absicht, etwas außerhalb des
(sterblichen) Organismus zum Gegenstand der Heilkunde zu machen. Nachtrag 14.01.2015: Dénizard-Hippolyte-Léon Rivail - Allan Kardec, so der "Künstlername" - war in Paris, noch zu Lebzeiten Hahnemanns als "Pädagoge" tätig (ab ca. 1828). Ein Schüler Pestalozzis. Er begann dort ein eigenes Bild des Menschen zu entwerfen, Spiritismus. 1857 erschien sein erstes "spiritistisches" Werk. Er hatte, zu seiner Medizinstudienzeit (abgebrochen) von den Ideen des Franz Anton Mesmer zum "Animalischen Magnetismus" gehört. Auch die Ideen von Hahnemann, der in Paris lebte und wirkte zur Lebenskraft erreichten ihn. Seine Idee davon, wie der Mensch geschaffen sein soll, mag hier helfen, zu verstehen, auf welcher Ebene sich Hahnemanns Lebenskraft-Modell bewegte. In seinem "Buch der Geister" beschrieb er: Zitat:
"Der Mensch besteht aus drei Dingen:1. dem Körper oder dem materiellen Wesen, analog zu den Tieren, und wird durch dasselbeLebensprinzip belebt;2. der Seele oder dem immateriellen Wesen, dem im Körper inkarnierten Geist;3. dem Band, das Seele und Körper vereint, dem zwischen Materie und Geist vermittelndenPrinzip.Folglich hat der Mensch zwei Naturen: durch seinen Körper trägt er Merkmale der Natur der Tiere,deren Instinkte er besitzt; durch seine Seele trägt er Merkmale der Natur der Geistwesen."
Die Lebenskraft mit dem "Regelbereich" Psyche ist in diesem Modell dem Punkt 1. zuzuordnen. Sie ist quasi das dort genannte Lebensprinzip. Hahnemann beschäftigte sich in seiner Heilkunde nicht mit den Bereichen 2 und 3. Das gehört zu ganz anderen Bereichen der Philosophie des Menschen. Siehe Zitat oben: Der vernunftige Geiste bedient sich der Lebenskraft. Er ist diese aber nicht.
Wenn Steiner u.a. Hahnemanns Idee über das "materielle Wesen" hinaus in ein philosophisches "Gesamtkonzept" gestellt hat, wenn man mit Homöopathie heute Aspekte des Geistes, höheren Lebens- und Weltsinns verbinden möchte, dann war das nicht Sinn der Homöopathie und basiert auch nicht auf deren Grundlagen.
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Akute Krankheiten aus
Sicht der Homöopathie – Antibiotika und Impfungen nicht verboten
Der Arzt Samuel Hahnemann kannte zu
seiner Zeit (1755 – 1843) keinerlei Bakterien oder Viren. Auch Gene
waren ihm unbekannt. Man vermutetet zwar aus der Beobachtung, dass
Krankheiten vom Kranken auf Gesunde übertragen werden können und
kannte so den Begriff der Ansteckung, doch waren die Wege nur aus der
Erfahrung abzuleiten, aber die „Krankmacher“ waren nicht bekannt
und demnach auch nicht nachweisbar. Man kannte der Begriff der
„Miasmen“, nicht näher definierte Ansteckungsstoffe.
Man handelte entsprechend, indem man
Kranke, von denen Ansteckung ausgehen konnte, separierte bzw. sich
die Gesunden von diesen gezielt fernhielten. Schon die Bibel kennt
das, das (sich) Fernhalten von „Übertragung von Krankheiten“.
Die „Aussetzigen“ (Lepra) sind so ein Beispiel der „Quarantäne“.
Aber auch das sich Fernhalten der (unreinen) Frau während der
Hahnemann hat in seinem Grundlagenwerk
zur homöopathischen Heilweise, dem „Organon der Heilkunst“
(Begonnen 1810 als „Organon der Heilkunde und über 6 Auflagen
ergänzt und überarbeitet bis 1843), klare Unterscheidungen zwischen
chronischen Krankheiten und akuten Krankheiten (typisch die
Infektionen) getroffen. Die noch immer im Prinzip zutreffen, durch
heutige Kenntnisse untermauert werden.
Zu den chronischen Krankheiten hat er
darüber hinaus ein ganzes Buch geschrieben. Auch zur Bedeutung der
Symptome im Zusammenhang mit seiner Vikariationstheorie. Dazu habe
ich vorher schon ausgeführt.
Seine (zutreffenden) Beobachtungen
ließen ihn unterscheiden:
Echte chronischen Krankheiten:
Hierbei ist die innere Regulation und die Anpassung an Einflüsse
von außen vom Programmablauf her gestört (Lebenskraft nennt er
diese/dieses). Mit Symptomen (Funktionszeichen,
Strukturveränderungen) körperlich wie psychisch. Krankheiten durch
Störung der Selbsterhaltungskräfte. „Selbstheilung“ unmöglich.
- Die Psychologie wurde erst ab ca. 1880 zu einen eigenen
(philosophischen) Wissenschaftsgebiet. Hahnemann spricht in diesem
Zusammenhang von Geistes- und Gemütssymptomen, untrennbar mit
körperlichen Funktionen verbunden. Er beschreibt darüber hinaus
auch Krankheiten von Gemüt und Geist, die er als „Vikariationen“
körperlicher Störungen verstand.
Unechte chronische Krankheiten:
Das sind anhaltende Anpassungssymptome an fortbestehende oder
ständig wieder auftretende Einflüsse von außen.So ständige
Fehlernährung oder ständig kalte Wohnungen.Auch ständige
„einseitig beanspruchende Einflüsse“ der Gesellschaft, in der
der Betroffene lebt. Bis hin zu ideologischen Verhaltenszwängen.
Sie sind deswegen unecht, weil sie nicht primär auf einer Störung
(Verstimmung nennt er das) der Lebenskraft beruhen. Jedoch kann auf
Dauer daraus ein solche manifestieren. Demnach müssen solche
Umstände entfernt werden, und das reicht dann (nicht immer, siehe
Manifestationen) oft bereits aus, um die Verstimmungen sich wieder
über die Selbsterhaltungskräfte ausgleichen zu lassen. Da ja keine
echte Krankheit bestand, hat auch keine „SelbstHEILUNG“
Die Iatrogenen Krankheiten: Iater
ist der Arzt. Es handelt sich um Störungen (auch anhaltend) der
Inneren Regulation (Lebenskraft) infolge falscher Therapien.
Hahnemann hat diese sicher auch deswegen so hervorgehoben, um zu
unterstreichen, wie nötig es war (heute noch ist?), Krankheiten in
anderen Zusammenhängen zu sehen und von daher zu behandeln. Ein
wenig boshaft nennt er diese iatrogenen Krankheiten unheilbare.
Akute Krankheiten: Diese sind
Folge der (akuten) Einwirkung „krankmachender“ Einflüsse. Mit
der Unterabteilung der im weiten Sinne mechanischen Einflüsse, wie
das Messer im Bauch oder die Verbrennung, die mechanische Behandlung
(Chirurgie) benötigen. Der Unterabteilung der toxikologischen
Einflüsse: Vergiftungen, die entsprechende Entgiftung/Gegengifte
verlangt. Der großen Unterabteilung der durch „Ansteckung“
verursachten „Krankheiten“. Zu letzteren nun Ausführungen:
Bei akuten Krankheiten liegt nicht für
die Symptomentstehung eine primär gestörte innere Regulation vor.
Sie sind in diesem Sinne nicht wirklich Krankheiten. Vielmehr treffen
die „symptomenbewirkenden“ Einflüsse auf eine im Prinzip funktionierende/funktionstüchtige Selbsterhaltung. Als Antwort auf
die „Angriffe“ von außen. Eine in der Selbstregulation
vorgesehenen Reaktionsweise, Anpassung. Also keine Krankheit sondern
eine für den Organismus gesunde Reaktion, die Schädigungen
abwehren, beheben soll.
Zu Recht stellt Hahnemann fest, dass
nicht jeder zu jeder Zeit darauf mit Symptomen reagieren muss, die
man bemerkt und die den Betroffenen beeinträchtigen, sein Befinden
stören. Er stellt fest, dass diese üblicherweise recht schnell sich
entwickeln und in relativ kurzer Zeit entweder zur Gesundheit, gutem
Befinden, zurückführen oder mit dem Tode enden. Auch die
Möglichkeit, dass die akute „Krankheit“ bisher nicht erkannte
„Verstimmungen der Lebenskraft“, Regulationsschwächen sichtbar
machen und anhalten lassen können, hat er gesehen.
Interessant auch, dass er damals schon
herausstellte, was Gründe dafür sein können, dass jemand von
diesen Einflüssen „krank“ wird, mit sichtbaren, belastenden,
Symptomen reagieren muss. Ich liste aus dem Organon (6. Auflage, §
73) auf:
solche, die den einzelnen Menschen
befallen wegen Schädlichkeiten, denen er ausgesetzt war und die
„leichteres Spiel“ hatten, wegen vorbestehender Belastungen der
Selbsterhaltungskräfte aus anderen Gründen. Bei:
a .Ausschweifungen in Genüssen oder
Entbehrungen, heftige physische Eindrücke, Erkältungen,
Erhitzungen, Entbehrungen usw.
b. psychischen Erregungen, Affekten
solche, die nur besonders dafür
empfängliche Menschen ähnlich betreffen, sporadisch und nur wenige
Solche, die viele Menschen in
gleicher Weise betreffen, epidemisch und viele in gleicher Zeit und
über Kontakte (Menschenmassen) ansteckend sind.
Wir wissen, dass solche Faktoren oft
mit unterschiedlichem Gewicht gemeinsam auftreten. Übertragen auf
Infektionskrankheiten sehen wir heute, dass es einmal an der
„allgemeinen körperlichen Schwäche“ liegen kann, dass Erreger
mehr oder minder gut in den Organismus eindringen und in ihnen wie
„kriegerische Okkupanten“ wirken können. Es kann daran liegen,
wie gut der Einzelne mit seiner Selbstregulation auf solche Angriffe
überhaupt vorbereitet ist. Wieweit er besonders gefährlich
Angreifer bereits studiert hat und mit schnellen und einfachen Mittel
ohne große Symptome die Angriffe abwehren kann (Immunität gehört
dazu). Auch, ob er „genetisch“ oder infolge von Vorschädigungen
besonders zum Opfer des besonderen Angreifers werden kann, die andere
nicht krank machen. Aber auch, welche Angriffsfähigkeiten, Waffen
und Taktiken die Erreger besitzen, die zunächst auch den Stärksten
überrennen können und dann zur Überwindung heftige
Gegenwehr-Symptome benötigen. Noch mal: Solche Symptome sind nicht
krankhaft. Sie sind gesunde Antworten auf Angriffe von außen. Keine
innere Störung.
Ihre heilkundliche Unterstützung setzt
deswegen nicht dort an, wie bei chronischen Erkrankungen, wo einen
RegulationsSTÖRUNG zu beheben ist. Ein von Grund auf gesunder
Organismus, einen gut funktionierende Selbstregulation,
Selbsterhaltung genügt meist aus, um die „Akute Krankheit“ zu
Doch wo das scheinbar nichtausreicht,
wo vielleicht auch durch die Heftigkeit der Abwehrreaktionen neue
Schäden zu erwarten sein könnten (zu hohes Fieber, Austrocknung
usw.) kann heilkundlich unterstützt werden. Mit Mitteln, die genau
dort ansetzen wo die nun sichtbaren „Schwächen“ liegen, der an
sich richtigen Reaktion.
Trinken und Nahrungszufuhr angepasst
optimieren, erkennbare bestehende Schädlichkeiten wegnehmen
(Hemmungen der Abwehr z.B., ggf. auch durch andere Therapien bedingt
), wenn man sie greifen kann, auf den Verlauf der
Selbsterhaltungsreaktionen einwirken, wenn diese (vielleicht infolge
Störungen der inneren Regulation) überschießen, unangemessen sind
und so den Abwehrverlauf negativ beeinflussen können. Dazu kann auch
das Fiebersenken, z.B. durch Wärmeentzug gehören, wenn man diesen
nicht einsetzt, wenn der Organismus gerade Fieber zur Abwehr bilden
Das aber erfordert die Einschätzung
des heilkundlichen Fachmannes (auch Frau). Der diese Abläufe
versteht und „lesen“ kann.
Unterdrückung der Symptomentstehung
(weil diese lästig sind, man die im Moment gerade nicht brauchen
kann) und eine falsche Entlastung der selbsterhaltenden
Abwehrmaßnahmen sind auf Dauer/bei Wiederholung kontraproduktiv. Der
Organismus hat als Merkmal der Selbsterhaltungsfähigkeiten ein
Lernprogramm, welches sich merkt, wie heftig oder mild eigene
Anstrengungen zu Abwehr sein müssen, um einen Erfolg zu erzielen.
Falsche Unterstützung von Außen führt zu erlernter
Leistungsverminderung. So wie ein Sportler, der nicht mehr trainiert,
Leistung verliert. In der Biologie gilt: nur was angemessen benutzt
wird, wird (unverändert) erhalten.
So kann von der Homöopathie eine
Impfung vom Grunde her nicht völlig abgelehnt werden. Die Impfung
(abgesehen von der Diskussion über Schadstoffe darin) will ja
helfen, dass der Organismus Angreifer kennen lernt und Vorbereitungen
treffen kann, bei erneutem Auftreten sofort und damit mit im Grunde
wenig Aufwand den Angriff zu verhindern oder abzuwehren.
Doch soll eben das nur erfolgen, wenn
andere Mittel nicht genügen, vor allem die Selbsterhaltungskräfte
nicht ausreichen, vielleicht „Verstimmungen“ der
Selbsterhaltungskräfte (chronische Krankheiten) daraus resultieren
können. Das ist aber oft nur der Fall (außer bei bestimmten
höchstpathogenen Erregern), wenn bereits genetisch oder erworben
entsprechende individuelle Schwächen vorliegen, die nicht anders
auszugleichen sind. Unterernährung, Hygienemängel u.ä. Vermeidbare
Gründe (vor allen in der sogenannten 3. Welt) müssen beseitigt
werden und dürfen nicht durch Impfkampagnen oder besondere
Medikamente „unwichtig“ und tolerierbar gemacht werden.
Es muss wirklich gute Gründe für
Impfungen geben.
Auch Antibiotika und Chemotherapeutika
zur Bekämpfung von Bakterien können sinnvoll sein. Aber nur da, wo
tatsächlich die größtmögliche eigene Anstrengung des Organismus
nicht ausreicht. Vielleicht auch wegen der besonderen „Waffen“
der Angreifer und der wahrscheinlich hinterlassenen Schäden (wenn
eben die eigene Abwehr/Selbsterhaltung dagegen nicht reicht).
Unnötige „Entlastung“ der eigenen Anstrengungen führt eben
dazu, dass für die Zukunft falsch gelernt wird. Dann nur, wenn
tatsächlich der Erreger bekannt ist und die Wirkung gegen diesen
hochwahrscheinlich ist.
Auch das muss der Heilkundige aus
seinem Wissen heraus beurteilen. Wissen um die Pharmakologie und
Giftigkeit der eingesetzten Mittel. Es ist immer zu beachten, ob
nicht das Mittel selbst akute (toxikologische iatrogene) Krankheiten
machen kann, die schwerer wiegen können.
Schon Hahnemann bemängelte bei
einigen, die bei ihm die neue Heilweise gelernt haben, dass diese
dazu neigen, schnell anzunehmen, dass die homöopathischen – auch
bei akuten Krankheiten – Heilweisen nicht reichen und wegen
scheinbar ganz rasch eintretender Beschwerdefreiheit beim Patienten
doch unterdrückende oder zu entlastende Mittel einsetzten. Er sah dahinter eine gewissen
Ruhmsucht, besonders erfolgreich erscheinen zu wollen. Mit dann aber
zukunftig nachteiligen Folgen.
Nun leben wir heute in einer Zeit, in
der man trotz akuter, ansteckender Krankheiten zur Arbeit gehen will,
sein ansteckendes Kind in den Kindergarten oder die Schule schicken
will. Weswegen man gerne zur Mitteln greift, die die lästigen aber
vom Grunde her gesunden Abwehranstrengungen unterdrücken oder
(„schwächend“) entlasten. Und ins Bett, zur Ruhe kommen, um alle
Kräfte für die Abwehr einzusetzen? Heute kaum denkbar.
Ansteckungsunterbrechung durch selbst gewählte „Absonderung“?
Kontakte meiden?
Aus dem unterschiedlichen Wesen von
chronischen und akuten Krankheiten resultiert ein unterschiedlicher
Therapieansatz. Individuell angepasst die homöopathische Arznei an
die ganz eigene „verstimmte Lebenskraft“ bei den chronischen
Krankheiten. Bei akuten „Krankheiten“ bestimmt
die, für die (vielen zur gleichen Zeit) Betroffenen gleiche
auslösende Schädlichkeit, die bei den Betroffenen ähnlichen
Abwehrsymptome. Anhand dieser wenigen Symptome zeigt sich die
Zielrichtung, in die die Arznei wirken soll, um die
Abwehranstrengungen, wenn nötig zu unterstützen. Sie muss nicht so
umfassend wirken und auf so viele Symptome passend sein, wie die
Arznei bei den individuell ausgeprägten chronischen Krankheiten.
(Auch wenn da scheinbar manchmal eine einseitige Symptomatik zu
bestehen scheint).
Bei Epidemien genügt, so Hahnemann und
die Erfahrung bestätigt das, einige ähnlich verlaufende Fälle zu
betrachten, um das Mittel zu finden, das auch bei weiteren
Betroffenen passen kann. Da ja bei der Epidemie die gleiche
Schädlichkeit auslösend war, ist die Antwort der Lebenskraft, die
zu unterstützen sein kann, darauf ähnlich.
Auch bei der Wahl der Potenzen und der
Dosierung ist die bei auf wenigen (quasi oberflächliche) Symptome
aufbauende Arzneigabe unterschiedlich. Hier besteht eine Ähnlichkeit
zur rein auf Teilbereiche der inneren Regulation gerichteten
sogenannten „klinischen Homöopathie“. Niederpotenzen mit kurzer
Wirkdauer in täglich mehrfachen Gaben als Tropflösungen sind hier
geht hier um die Darstellung miteinander verwobener, nicht trennbarer
Vorgänge. Um ein inneres System von Zusammenhängen, Zusammenhänge
in einem inneren System. Da wäre es unlogisch, einen Schreibstil zu
wählen, der zwar leichter lesbar wäre, aber in sich geschlossene
Zusammenhänge in kurze Einzelsätze/Einzelfakten zerlegt. Genau das
was ausgedrückt werden soll, das untrennbar mit einander Verbundene
sehen zu lernen, würde dann wieder in genau die andere Aussage
verwandelt, sich jeden einzelnen Punkt kurz und knapp zu betrachten.
Daran scheiterte es immer wieder, die Schriften Hahnemanns, vor allem
sein Grundsatzwerk, das Organon der Heilkunst, aus der
Verschachtelung in die knappe Einzelfaktensprache einer
Nachrichtensendung umzusetzen.Form und Inhalt sollten
deckungsgleich sein. So schwierig wie für manchen das Folgen dieses
Schreibstils erscheinen mag (es wird heute nicht mehr gelehrt), genau
so schwierig ist es, diese Zusammenhänge körperlicher und
psychischer Vorgänge (auch untrennbar) in der Praxis zu erfassen und
umzusetzen. Das ist häufig der Grund, sich auf Einzelfakten
zurückzuziehen, was letztlich dem Ganzen nicht mehr gerecht werden
kann.Der Schreibstil entspricht der Aussage. Wer sich darauf
einlässt, kann vielleicht so besser den untrennbaren Zusammenhang
(allen mit jedem in Organismus und Psyche) spüren.
Bei diesem Text hier, akute Krankheiten, ist der Stil deutlich weniger verschachtelt, weil weniger breite Zusammenhänge dargestellt werden. Klaus-Uwe Pagel, 01.2015
Was Symptome uns sagen wollen - Symptome sind Stellvertreter
Vorwort in Anhang
haben wir für eine (vorherrschende) Heilkunde? Die Heilkunde, die Symptome als
die Krankheit sieht und diese Symptome kuriert. Und meint, damit die Krankheit,
die zugrunde liegende Störung der inneren Regulation und der
Anpassungsfähigkeit auf äußere Umstände (das ist Krankheit) heilen zu können.
Und sie gibt der Krankheit oft den Namen eines Symptoms, welches sie als
besonders vordergründig sieht. So den „erhöhten Blutdruck“ - Hypertonie. Oder
des im Blut erhöht scheinenden und zu lange erhöht scheinbar zu bleibenden
Zuckerspiegels - Diabetes mellitus. Nach der Folge, dass der vermehrte
(Diabetes) Harn bei Zuckerausscheidung über diesen Zucker süß (mellis) schmeckt.
haben wird nach der Beschreibung der Symptome die „multiple Sklerose“ oder die
erkennbare Funktions“störungen“ und deren Folgen.
nannte so etwas in Kritik an der Medizin seiner Zeit: „Krankheiten des Namens“
und er bezichtigte seine ärztlichen Kollegen, durchaus abwertend gemeint, als
Symptomenkurierer, die mit ihrem Ausleiten usw. nur an den Symptomen, die bei
den Krankheiten sichtbar sind, herumdoktern.
heute, wo es Zielvorgaben für Blutdruckwerte und Zuckerwerte gibt, in die hinein
sich die Regulation des Organismus bitte wieder einfügen solle. Und es werden
Mittel gegeben, die genau darauf wirken, wie ein Organismus seinen Blutdruck
erhöht, um genau das zu verhindern. So wie man zu Hahnemanns Zeiten eben die
Säfte, die zu viel waren, herausholte. Reine
Symptomenkuriererei. Es mag deswegen verblüffen, wenn Kritiker das genau der
von Hahnemann durch Beobachten gefundenen Heilweise der Homöopathie vorwerfen.
Verblüffen, eben weil es nicht wissenschaftlich logisch ist. Und es kann nicht
wirklich heilen. Hahnemann verzweifelte daran, dass er als ausgebildeter Arzt
solche Verfahren immer wieder scheinbar erfolgreich bei chronischen Krankheiten
einsetzte. Dabei konnten akute Symptome (z.B. Schmerzen) gelindert werden. Aber
auf Dauer betrachtet eben nur vorübergehend. Die Krankheit verschwand nicht.
Vielleicht traten dann scheinbar neue auf. Vielleicht auch, weil die
ursprüngliche „Grundstörung der Regulation“ sich zeigte, nun über andere Wege.
er, als wissenschaftlich denkender Mensch, erkannte: die Symptome einer
Krankheit sind im Grunde genommen nur Zeichen eines Versuchs des Organismus,
eine „schlimmere“ Störung der inneren Regulation, der physiologischen
Lebensabläufe, durch Kompensationsvorgänge mit weniger gravierenden „Symptomen“
auszugleichen. Die Krankheitssymptome werden zum Stellvertreter (Vikar) der
eigentlichen, schlimmeren Störung. Sie ermöglichen so, wenn auch unter
Inkaufnahme möglicher Beeinträchtigungen das weitere Überleben. Das ist im
Grund genommen eine sehr „systemische“ Sichtweise.
war nicht nur Arzt, er war (wie damals meist üblich) in Chemie, Physik, Religion, Philosophie im
Studium ausgebildet worden. Und er musste - es gab keine Krankenkassen - um als
Arzt überleben zu können, auch nebenher anderes machen (so wie heute viele
Heilpraktiker). Er nutzte seine Fremdsprachenkenntnisse, um wissenschaftliche
Texte zu übersetzen. So war er, was die Fülle des Wissens betrifft, welches ihm
so begegnete, weit mehr „angefüllt“, als viele Kollegen damals.
war, als er diese „Vikariationstheorie“ aus den Erfahrungen als praktizierender
Arzt ableitete, kein esoterischer Phantast. Es ist verwunderlich, wie oft diese
tiefgehende und umfängliche wissenschaftliche Bildung bei Ihm übersehen wird.
Vielleicht wurde dieser umfangreiche Wissensschatz zu wenig beachtet und darüber zu wenig nachgedacht?
lag es sehr ferne, irgendwelche Mächte, Geister oder was auch immer hinter den
inneren Regulationsprinzipien des Organismus zu sehen. Auch wenn er eine
Lebenskraft als den Motor dieser inneren Regulation benannte - er kannte die
Gene nicht als Programme, die die Abläufe fein abgestimmt steuern - so meint er
nichts Spirituelles. Er kam aus der Newton'chen Physik und ihrer populär
gewordenen Kräftelehre (etwas Körperliches, Materielles). Hinter allem, was man
physikalisch beobachten kann, was sich verändert, steckt eine berechenbare
Kraft. Diese selbst ist unsichtbar („geistartig“ nennt das Hahnemann im
Sprachgebrauch seiner Zeit), aber real vorhanden.
übertrug er auf die Biologie des Organismus.Er nannte das „physiologische
innere Selbsterhaltungs- und Anpassungsprinzip“ analog der Kraft in der Physik,
die Kraft des Lebendigseins, Lebenskraft. Ohne ist der Organismus tot und
zerfällt, ohne Organismus aber auch keine Lebenkraft. Logisch. Biologisch.
Diese Lebenskraft sorgt für alle erkennbaren Zeichen des Lebens, Symptome.
Symptome sind also alle beobachtbaren, feststellbaren Lebensäußerungen, sind
Funktionen des Organismus („gesunde“ wie „kranke“). Symptome, in ihrer Gesamtheit,
nie sind nur eines oder einige zu betrachten. Sie gehören zusammen, sind jedoch
nicht die Lebenskraft selbst. Sie zeigen nur deren Wirkung. So sind dann
Symptome nie die Krankheit, sondern das, was man als Zeichen der (Kompensation
von) Fehlfunktionen beobachten kann.
er erkannte - im Grund nahm er die Erkenntnisse über Gene rein aus der
Beobachtung des Lebens vorweg -, dass diese Lebenskraft
(Dynamis=Potentia=Kraft), diese innere Dynamis, an irgend etwas „gebunden“
sein muss, was sich auch über Generationen vererbt. In dem - woher auch immer erworben oder wodurch
(Mutationen) entstanden (Miasmen) - die Tendenzen zu „besonderen
Ablaufstörungen“ gespeichert sein können. Auch bei den Nachkommen dazu Anlass
geben können, dass die innere Selbsterhaltung und Anpassungsfähigkeit an äußere
Bedingungen unter entsprechenden Umständen „versagen“ kann. Und es zu
Vikariationen durch Kompensationssymptome kommen muss, sofern das geht, um das
Leben insgesamt (wenn auch beeinträchtigt) so lange wie möglich zu erhalten.
kann sagen: Eine Komponente der Lebenskraft ist der „Selbsterhaltungstrieb“.
Wir kennen das auch aus den aktuellen Diskussion um die Sterbehilfe: Egal,
wie es dem Betroffenen geht, immer soll nach Möglichkeiten gesucht werden,
trotz aussichtslos erscheinender Beschwerden diese ertragbar zu machen. Statt
den frei gewählten Tod zu schnell zu ermöglichen.
anderen Begriffen: Hahnemann kennt bei chronischen Krankheiten (akute
beschreibt er in anderer Weise, dazu später) keine Selbstheilungskräfte. Mit
diesen, würde eben die Selbstregulation jede „Störung“ beseitigen. Gäbe es also
keine chronischen Krankheiten. Er erkennt nur die gestörten
Selbsterhaltungskräfte als Krankheitsursache und den Selbsterhaltungstrieb, der
Vikariationen zum Überleben einsetzen kann. Vikariation ist aber nicht das
Beheben der Störung, nur eine mehr oder minder gelungene Kompensation. Keine
Heilkunde zielte darauf ab, möglichst viele der Zeichen (Symptome) der
gestörten Regulation zu erfassen (Störungen der Lebenskraftwirkung). Und er
wusste, dass diese von den individuellen Bedingungen des „Kranken“ abhängen. Da
musste etwas gefunden werden, was beim gesunden Menschen (denn der ist es, der
krank wurde!) die Lebenskraft in ähnlicher Weise „verändert“, ähnliche Symptome
macht. Denn das scheint in der gleichen Weise die Lebenskraft zu „verstimmen“
(wie er das nannte), wie es die „krankmachende Kraft, das Fehlprogramm, tut,
welches eben (Kräfte wirken auf Kräfte) die Lebenskraft störte. Grund für seine
Arzneiprüfungen.
man dieses Gefundene dann dem Kranken gibt - in feinster Dosierung, denn das
gestörte System ist entsprechend empfindlich! - so wird das wahrscheinlich
genau dort angreifen, wo die Störung „sitzt“. Und kann ein Korrekturreiz sein.
behandelte also nicht die Symptome (als Kompensationsmechanismus der
schlimmeren Störung!), sondern er versuchte das gestörte „Programm“ selbst (soweit möglich) zu korrigieren. Ein Programm
anzuschalten oder ein ausgeschaltetes wieder zu aktivieren. Je nachdem, was am
Gesunden die beobachteten „Ablaufveränderungen“ bewirkte.
Genanalysen,
die Diagnostik von irgendwie „schwachen“ Genen und gestörtem Wechselspiel
dieser, waren ihm völlig unbekannt. Heute wird mit diesem Forschungsfeld in
objektivierbarer Weise das versucht, was er über die „Fallaufnahme“ der
Symptome ansatzweise anstrebte. Und man hat erkannt, dass es eben ein System
von Zusammenspiel der Gene ist, was die „Anpassungsstörung“ der inneren
Regulation (Lebenskraft) macht.
(„systemische“) Heilkundeidee Hahnemanns, die streng auf den individuellen
kranken Menschen, nicht die Krankheit, gerichtet war und ist. Zumindest so, wie
sie „klassisch“ zum Einsatz kommt/kommen sollte.
seine Vision war: Je mehr Stoffe, egal welchen Ursprungs“ darauf hin am
Gesunden geprüft wurden, welche besonderen Symptome sich zeigen (am gesunden
vorübergehende Verstimmungen der Lebenskraft) und um so genauer die Summe (der
„Inbegriff“) der Symptome erfasst werden können, um so sicherer (mit
mathematischer Genauigkeit) lässt sich das individuell passende Mittel finden.
Vision ist Utopie geblieben. Allein schon weil auch die Gesunden individuelle
Reaktionsbesonderheiten zeigen. Jeder Kranke und Heilkundige sehr subjektiv
erlebt und beobachtet und das auch noch sehr subjektiv, teilweise mit Worten
beschreibt, die ganz anderes meinen. Daran scheitert auch der utopische § 153
des Organon, der auf das Erkennen der ganz besonderen, eigentümlichen Symptome
als sicheres Mittel zum Finden der richtigen Arznei setzt.
kommt man mit einer (wenn auch zeitaufwendigen) individuellen „Fallaufnahme“
bei den bereits bekannten „Mittelwirkbildern“ einer Heilung näher, wenn man
nicht das Symptom, sondern die Grundstörung „behandeln“ will, die der jeweilige
kranke Mensch haben könnte.
einer Behandlung, die nur die Symptomenentstehung verhindern soll („unterdrücken“),
erreicht man nie die Ursache. Beispiel: Verhindert man mit einer Arznei, die
die Blutgefäße erweitert, den Anstieg des Blutdruckes, hat man aber den Grund,
warum der Organismus den erhöhten Blutdruck braucht, nicht beseitigt. Er, der
Organismus, kann nur nicht mehr damit
Organismus ist gezwungen, andere Vikariationswege zu suchen. Im Regelfall zeigt
sich diese Verschiebung nur langsam und schleichend. Sie wird dadurch meist gar
nicht als solche erkannt.
K.-U.Pagel 01.2015

References: § 6
 § 83

§84
 §98
 § 7
 § 210
 §
73
 § 153