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Timestamp: 2018-03-23 16:36:19+00:00

Document:
Betreff: SpA 1-12/13
TTV Otterstadt // Verbandsspielleiter Bernhard Weber
In dem wegen Spielverlegung anhängigen Überprüfungsverfahren des TTV Otterstadt e.V., vertreten durch den 1. Vorsitzenden Andreas Kuhn, dieser hier vertreten durch Walfried Hutter – Einspruchsführer - gegen den Pfälzischen Tischtennisverband e.V., vertreten durch den Präsidenten Kurt Sturm, dieser hier vertreten durch den Verbandsspielleiter Bernhard Weber – Einspruchsgegner – hat der Spruchausschuss durch den Vorsitzenden Harz sowie die Beisitzer Gerlinger und Sigmund ohne mündliche Verhandlung vom 28.10. 2012 folgende Entscheidung getroffen:
Laut offiziellem Terminplan der 1. Pfalzliga der Herren, in welcher die erste Herrenmannschaft des Einspruchsführers (Ef.) aktuell spielt, stand am 26.08. 2012 dessen Heimspiel gegen den Ligakonkurrenten TTC Nünschweiler auf dem Programm. In dessen Mannschaft spielt der Jugendliche Henry Wiche, der sich für das PTTV-TOP 12 Turnier der Jugend qualifiziert hatte, welches für den gleichen Tag terminiert war.
Bereits am 08.08. 2012 wies der TTC Nünschweiler auf die Terminkollision hin und fragte beim Ef. nach, ob eine Vorverlegung möglich sei. Dies wurde per Email seitens des Ef.s abgelehnt, weshalb der TTC Nünschweiler die Verlegung über den Einspruchsgegner (Eg.) versuchte. Im weiteren Schriftwechsel einigten sich die beiden Vereine auf den 25.11. 2012, der im Rahmenterminplan als Ersatzspieltag ausgewiesen ist. Der Eg. stimmte dem jedoch nicht zu und terminierte das Spiel auf den 23.09. 2012. Für diesen Tag waren laut Rahmenterminplan das Pfalzranglistenturnier der Aktiven und ein Reservespieltag vorgesehen.
Gegen die Entscheidung des Eg.s erhob der Ef. mit Schreiben vom 10.09. 2012 (Poststempel) Einspruch beim Spruchausschuss. Zugleich wurde vorläufiger Rechtsschutz beantragt.
Die Einspruchsgebühr in Höhe von EUR 30 wurde überwiesen.
Nachdem sich der Spieler Ackermann des Ef.s für das PTTV-TOP 12 Turnier der Aktiven qualifiziert hatte und somit am 23.09. 2012 nicht für das Meisterschaftsspiel zur Verfügung stand, stimmte der Eg. der Verlegung auf den 25.11. 2012 zu und erklärte die Hauptsache für erledigt.
Der Einspruchsführer ist der Auffassung, dass sich aus der WO ergebe, dass der Klassenleiter bei Verlegungen nur einzugreifen habe, wenn die beteiligten Vereine sich nicht einigen könnten. Aufgrund der einvernehmlichen Regelung mit der gegnerischen Mannschaft habe dem Eg. nicht das Recht zugestanden eigenmächtig einen anderen Termin zu bestimmen. Schließlich sei der vom Ef. gewünschte Termin zudem ein offizieller Reservespieltag und liege noch vor Abschluss der Vorrunde.
Ferner beanstandet der Ef. einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot, da der Eg. alle auf den 01.09. 2012 datierten Spiele wegen dem zeitgleich anberaumten Bezirksranglistenturnier verlegt habe, wobei er keinen Termin vorgegeben habe, sondern den Vereinen die Festlegung der Austragungszeiten der nachzuverlegenden Partien freigestellt habe.
Der Einspruchsführer beantragt den Eg. zu verpflichten das Meisterschaftsspiel der 1. Pfalzliga der Herren TTV Otterstadt gegen TTC Nünschweiler auf den 25.11 2012 zu verlegen.
Der Einspruchsgegner erklärt die Sache für erledigt und beantragt unter Abweisung des Einspruchs die Feststellung, dass seine Entscheidung rechtmäßig war.
Er trägt vor, dass die seinerseits vorgenommene Festlegung auf den 23.09. 2012 sich aus dem Rahmenterminplan ergebe, weil für dieses Datum ein Reservespieltag vorgesehen war.
Nachdem in der Vergangenheit sich viele Mannschaften über Verlegungstermine beschwert hätten, die sechs Wochen oder länger nach dem ursprünglichen Termin gelegen haben, habe er nun eine eindämmende und einheitliche Regelung treffen wollen. Dies sei auch dem Ef. erklärt worden.
Werden Spiele nachträglich erst zu einem sehr späten Zeitpunkt ausgetragen, sei der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung zu befürchten.
Die Verlegung der Meisterschaftspiele, die am Tag der Austragung des Bezirksranglistenturniers hätten stattfinden sollen, habe er bewusst großzügig und entgegenkommend die Vereine selbst vornehmen lassen. Dies begründet er damit, dass dieses Turnier entgegen der Festlegung im Rahmenterminplan vom zuständigen Bezirkssportwart aus privaten Gründen vorverlegt worden sei. Dies sei nach seiner Auffassung eine nicht rechtmäßige, dem Verband zuzuordnende Maßnahme gewesen, weshalb hier gegenüber den Vereinen ausnahmsweise ein außerordentliches Entgegenkommen angezeigt gewesen sei.
Der gemäß § 1, Abs. 2 Rechtsordnung (RechtsO) statthafte Einspruch ist zulässig, denn der Ef. ist gemäß § 3, Ziffer 2 PTTV-Satzung Verbandsmitglied und demnach gemäß § 7 RechtsO anrufungsberechtigt. Auch das in § 8 RechtsO geforderte Rechtsschutzbedürfnis liegt vor, da die Ablehnung des Wunschtermins ein Erschwernis für die Aufstellung der stärksten Mannschaft für das betroffene Meisterschaftsspiel darstellt und damit die Erfolgschancen für ein optimales sportliches Abschneiden vermindert sind.
Der Einspruch erfolgte auch deutlich innerhalb der in § 9, Nr. 2 RechtsO genannten Frist. Ferner wurde die in § 11, Abs. 1 RechtsO, D. KostenO normierte Gebührenpflicht rechtzeitig (§ 11, Abs. 2, § 9, Nr. 2 RechtsO) erfüllt.
Die für den Ef. im Verfahren aufgetretene Person war gemäß § 14, Abs. 3 – 5 RechtsO legitimiert und mit schriftlicher Vollmacht ausgestattet.
Aufgrund der erfolgten Qualifikation eines Spielers des Ef.s für das PTTV-TOP 12 Turnier ist im Laufe des Verfahrens eine neue Situation eingetreten, auf die der Eg. von sich aus reagierte und eine weitere Verlegung des betroffenen Spiels vornahm. Gleichzeitig erklärte er demzufolge zurecht die Hauptsache für erledigt. Damit war auch der Antrag des Ef.s auf vorläufigen Rechtsschutz obsolet geworden. Diesem hätte aber auch ohnehin nicht entsprochen werden können, weil auch bei rechtswidriger Terminierung auf den 23.09. 2012 kein irreversibler Schaden drohte oder Rechte vereitelt worden wären (§ 27, Abs. 6 RechtsO). Schließlich hätte in diesem Fall das Spiel ja erneut angesetzt werden können.
Somit war nur noch über die Kosten zu entscheiden. Diese trägt gemäß § 36, Abs. 1 RechtsO der Ef., weil der Einspruch unbegründet war und er in der Hauptsache unterlegen wäre, wenn das erledigende Ereignis nicht eingetreten wäre.
Die vom Eg. zunächst vorgenommene Verlegung auf den 23.09. 2012 war ordnungsgemäß und nicht zu beanstanden gewesen.
Der Ef. irrt in seiner Beurteilung, dass der Spielleiter nicht einzugreifen habe, wenn sich die beteiligten Mannschaften untereinander einigen.
Die Rechtsgrundlage, dass überhaupt ein Meisterschaftsspiel auf einen nachträglichen Termin verlegt werden kann und bei ordnungsgemäßer Antragstellung auch verlegt werden muss, ergibt sich aus G. 12.3 Wettspielordnung (WO). Im vorliegenden Fall lagen die Voraussetzungen für die Verlegung vor und sind unstreitig.
Dabei steht die Verpflichtung des Spielleiters das Spiel nachzuverlegen unter dem Vorbehalt, dass eine Einigung zwischen den Vereinen nicht erzielt werden konnte. Diese Einigung bezieht sich indessen auf einen vorherigen Termin, also eine Verlegung nach G. 12.2 WO, weil eine unter den Vereinen vorgenommene einvernehmliche Nachverlegung die WO überhaupt nicht kennt (G. 12.1, 12.2, Satz 1 WO). Der Sinn dieser Vorschrift liegt darin klarzustellen, dass ein Spielleiter trotz vorsorglich gestellten Antrags das Spiel nicht nachverlegen darf, falls es den Vereinen gelingen sollte, sich noch auf eine Vorverlegung zu einigen.
Die Verlegung auf einen Termin, der zeitlich nach dem ursprünglich festgelegten offiziellen Datum liegt, ist somit ein allein vom Eg. vorzunehmender Verwaltungsakt. Bei der Auswahl des Termins hat der Eg. freilich ein Ermessen, welches er pflichtgemäß auszuüben hat. Das bedeutet, dass er die betroffenen Vereine soweit möglich schonen muss und deren Interessen zu berücksichtigen hat. Dies folgt aus der in § 2, Ziffer 3 PTTV-Satzung normierten Förderpflicht.
Eine Verletzung dieser Pflicht oder Ermessensfehler konnte der Spruchausschuss hier jedoch nicht feststellen. Die Festlegung auf den Termin 23.09. 2012 war nachvollziehbar und geboten.
Zunächst ist diesbezüglich festzuhalten, dass der gewählte Termin ein offizieller Ausweichtermin war, denn es handelte sich um einen im amtlich bekannt gemachten Rahmenterminplan ausgewiesenen Reservespieltag. Insoweit waren alle Vereine frühzeitig informiert, so dass es in deren Verantwortung fiel auch diesen Termin im Hinterkopf zu behalten und sich dafür zu wappnen eventuell an diesem Tag ein Spiel bestreiten zu müssen, das bei Bekanntgabe des konkreten Spielplans noch gar nicht feststand.
Der Eg. handelte auch richtig, indem er den zeitlich nächsten Reservespieltag bestimmte. Hierfür sprechen zwei Gründe: Wie vom Eg. eingewandt, wäre zu befürchten gewesen, dass von dritter Seite aus der Einwand der Wettbewerbsverzerrung erhoben würde, wenn Meisterschaftsspiele, die zu Beginn einer Halbserie angesetzt waren, dann erst am Ende ausgetragen werden. Diese Befürchtung ist auch realistisch. Die Wahrscheinlichkeit eine Begegnung nicht mit dem sonst gebotenen Ernst zu betreiben, nimmt am Ende einer Halbrunde zu, wenn sich in der Tabelle entsprechende Tendenzen abzeichnen.
Zweitens war vorliegend zu beachten, dass mit der Genehmigung des vom Ef. gewünschten 25.11. sehr früh der zweite und für die Vorrunde letzte Reservespieltag für die hier betroffenen Vereine verbraucht gewesen wäre. Sollte im Laufe dieser Halbrunde der Ef. oder der Verein TTC Nünschweiler ein weiteres Mal in die Situation kommen, dass ein Spiel nachverlegt werden muss, was keinesfalls ausgeschlossen werden kann, würde der Eg. noch erheblich größere Probleme bekommen können einen Ausweichtermin zu finden. Auch dieser Gefahr galt es durch Auswahl des ersten Reservespieltags zu begegnen.
Letztlich gilt es festzustellen, dass der Eg. auch nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen hat. Zunächst ist ihm beizupflichten, dass der vom Ef. aufgegriffene Sachverhalt wegen der Vielzahl der betroffenen Mannschaften und der ursprünglich abweichenden Angabe im Rahmenterminplan nicht mit dem hier zu beurteilenden Fall vergleichbar ist. Und selbst wenn die Handhabung dieser Verlegungen durch den Eg. als unrichtig zu qualifizieren wäre, muss sich der Ef. vergegenwärtigen, dass es keinen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht gibt.
H a r z - S i g m u n d - G e r l i n g e r

References: § 1
 § 3
 § 7
 § 8
 § 9
 § 11
 § 9
 § 14
 § 36
 § 2