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Timestamp: 2017-02-24 07:20:11+00:00

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BGH, 11.03.2015 - 1 StR 3/15 - Vorbehalt der Sicherungsverwahrung als Ermessensvorschrift i.R.d. Strafzumessung von Strafschärfungsgründen | Urteile auf anwalt24.de
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BGH, 11.03.2015 - 1 StR 3/15 - Vorbehalt der Sicherungsverwahrung als Ermessensvorschrift i.R.d. Strafzumessung von Strafschärfungsgründen
BundesgerichtshofBeschl. v. 11.03.2015, Az.: 1 StR 3/15Gericht: BGHEntscheidungsform: BeschlussDatum: 11.03.2015Referenz: JurionRS 2015, 13976Aktenzeichen: 1 StR 3/15 Verfahrensgang:vorgehend:LG Landshut - 01.10.2014Rechtsgrundlagen:§ 46 Abs. 3 StGB§ 66a Abs. 2 StGBFundstellen:BewHi 2015, 285NStZ-RR 2015, 171Verfahrensgegenstand:Versuchter Mord u.a.Redaktioneller Leitsatz:1.Dass es dem Angeklagten unbedingt darauf angekommen sei, sein Opfer zu töten, und er nicht nur mit bedingtem Vorsatz gehandelt habe, darf den Angeklagten nicht strafschärfend angelastet werden.2.Bei § 66a Abs. 2 StGB handelt es sich um eine Ermessensvorschrift; dem Revisionsgericht ist es verwehrt, insoweit eine eigene Ermessensentscheidung zu treffen.Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 11. März 2015 beschlossen:Tenor:1.Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Landshut vom 1. Oktober 2014 gemäß § 349 Abs. 4 StPO im Rechtsfolgenausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.2.Die weitergehende Revision wird gemäß § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.3.Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Schwurgerichtskammer des Landgerichts Landshut zurückverwiesen.Gründe1Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt und seine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung vorbehalten. Die mit der näher ausgeführten Sachrüge begründete Revision des Angeklagten führt zur Aufhebung des Rechtsfolgenausspruchs; im Übrigen ist sie im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO unbegründet.21. Im Rahmen der Strafzumessung hat das Landgericht ausdrücklich strafschärfend gewertet, dass es dem Angeklagten unbedingt darauf angekommen sei, seine Ehefrau zu töten, und er nicht nur mit bedingtem Vorsatz gehandelt habe. Dies verstößt gegen § 46 Abs. 3 StGB (vgl. BGH, Beschlüsse vom 3. Februar 2004 - 4 StR 403/03 und vom 19. März 2009 - 4 StR 53/09, NStZ 2009, 564). Der Senat kann nicht ausschließen, dass der Strafausspruch auf diesem Rechtsfehler beruht, der einen von drei bei der konkreten Strafzumessung ausdrücklich genannten Strafschärfungsgründe betrifft.32. Bei dem Vorbehalt der Sicherungsverwahrung ist das Landgericht davon ausgegangen, dass es diesen aussprechen muss, weil die Voraussetzungen des § 66a Abs. 2 StGB vorliegen. Dies ist rechtsfehlerhaft. Bei § 66a Abs. 2 StGB handelt es sich schon nach dem Wortlaut der Norm ("kann") um eine Ermessensvorschrift (vgl. Stree/Kinzig, in Schönke/Schröder, 29. Aufl., § 66a Rn. 20). Da das Landgericht den Ermessenscharakter der Vorschrift verkannt hat, hat es kein Ermessen ausgeübt. Dem Senat ist es verwehrt, insoweit eine eigene Ermessensentscheidung zu treffen (vgl. auch BGH, Beschluss vom 21. August 2003 - 3 StR 251/03, NStZ-RR 2004, 12). Dies führt zur Aufhebung der Vorbehaltsanordnung.4In diesem Zusammenhang nicht unbedenklich sind Formulierungen des Landgerichts, wonach bei dem die Tatumstände zum Teil bestreitenden Angeklagten eine "echte Reue" nicht ersichtlich sei, auch weil er sich in der Hauptverhandlung bei der Geschädigten mit der Begründung nicht entschuldigt habe, sie habe in der Hauptverhandlung gelogen. Rechtsfehlerhaft wäre es, mit einem zulässigen Verteidigungsverhalten des Angeklagten dessen Hang zur Begehung erheblicher Straftaten oder dessen hangbedingte Gefährlichkeit zu begründen (vgl. Senat, Beschluss vom 21. August 2014 - 1 StR 320/14, NStZ-RR 2015, 9 mwN).53. Um dem neuen Tatgericht insgesamt eine widerspruchsfreie neue Entscheidung über die Rechtsfolgen zu ermöglichen, hat der Senat die zugehörigen Feststellungen aufgehoben.Raum Graf RiBGH Prof. Dr. Jäger befindet sich in Urlaub und ist deshalb an der Unterschriftsleistung verhindert.RaumRiBGH Prof. Dr. Radtke befindet sich in Urlaub und ist deshalb an der Unterschriftsleistung verhindert.Raum MosbacherHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.
Zitierungen dieses DokumentsUrteileBGH, 14.06.2016 - 2 StR 120/15 - Verwerfung der Revision als unbegründet mit Anm. des Senats zur TötungsabsichtBGH, 01.06.2016 - 2 StR 150/15 - Strafschärfende Berücksichtigung der Feststellung von Tötungsabsicht zu Lasten des Angeklagten im Rahmen einer Verurteilung wegen TotschlagsBGH, 26.04.2016 - 4 StR 104/16 - Verwerfung der Revision als unbegründet mit Anm. des Senats zur Absicht hinsichtlich StrafzumessungBGH, 14.10.2015 - 5 StR 355/15 - Strafschärfende Wertung bei Überschreitung des Maßes an Gewalt bei Verwirklichung des Tötungsentschlusses des TätersBGH, 09.07.2015 - 1 StR 141/15 - Beweisantrag auf Einnahme des Augenscheins bzgl. Bedeutung der Bestätigung der Beweisbehauptung für die Glaubwürdigkeit der Zeugin (hier: i.R.d. besonders schweren…BGH, 25.06.2015 - 2 StR 83/15 - Voraussetzungen für das Vorliegen eines minder schweren Falls des TotschlagsBGH, 09.06.2015 - 2 StR 166/15 - Gesamtwürdigung bzgl. Annahme eines minder schweren Falls des Totschlags

References: § 179
 § 66
 § 349
 § 349
 § 349
 § 46
 § 66
 § 66
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