Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/abbruch-eines-auswahlverfahrens-wegen-der-umorganisation-der-inneren-behoerdenstruktur-3137140?pk_campaign=feed&pk_kwd=abbruch-eines-auswahlverfahrens-wegen-der-umorganisation-der-inneren-behoerdenstruktur
Timestamp: 2020-01-19 06:01:12+00:00

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Für die Fra­ge, ob eine Aus­wahl­ent­schei­dung die Rech­te eines Bewer­bers aus Art. 33 Abs. 2 GG ver­letzt, kommt es allein auf die Sach- und Rechts­la­ge zum Zeit­punkt der Aus­gangs­ent­schei­dung an. Eine erst nach dem Zeit­punkt der Aus­wahl­ent­schei­dung, etwa im Ver­lauf des Wider­spruchs­ver­fah­rens ein­ge­tre­te­ne tat­säch­li­che Ver­än­de­rung ist für die Recht­mä­ßig­keit der Ent­schei­dung über die Ver­ga­be des höher­wer­ti­gen Dienst­pos­tens nach Maß­ga­be von Art. 33 Abs. 2 GG nicht von Bedeu­tung 1.
Wegen sei­nes Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens kann der Dienst­herr ein ein­ge­lei­te­tes Bewer­bungs- und Aus­wahl­ver­fah­ren aus sach­li­chen Grün­den jeder­zeit been­den 2. Liegt kein sol­cher Grund für den Abbruch vor, so darf von Ver­fas­sungs wegen kei­ne Neu­aus­schrei­bung erfol­gen. Durch eine Aus­wahl­ent­schei­dung in einem neu­en Aus­wahl­ver­fah­ren wer­den die Bewer­ber des ursprüng­li­chen Aus­wahl­ver­fah­rens in ihrem Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch ver­letzt 3.
Der Dienst­herr kann ein Aus­wahl­ver­fah­ren abbre­chen, wenn er zu der Ein­schät­zung gelangt, der kon­kre­te Dienst­pos­ten sol­le mit dem ursprüng­lich fest­ge­leg­ten Zuschnitt und der ursprüng­li­chen besol­dungs­recht­li­chen Ein­stu­fung nicht mehr besetzt wer­den. Die Ent­schei­dung über den Zuschnitt von Dienst­pos­ten unter­fällt dem wei­ten, dem Anwen­dungs­be­reich des Art. 33 Abs. 2 GG vor­ge­la­ger­ten Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen des Dienst­herrn. Sub­jek­ti­ve Rech­te des Beam­ten gegen den neu­en Zuschnitt eines Dienst­pos­tens bestehen nicht. Die Schaf­fung und Bewirt­schaf­tung von Plan­stel­len und der Zuschnitt von Dienst­pos­ten die­nen allein dem öffent­li­chen Inter­es­se an der best­mög­li­chen Erfül­lung der öffent­li­chen Auf­ga­ben 4.
Das Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen des Dienst­herrn wird durch den blo­ßen Umstand der Eröff­nung eines Aus­wahl­ver­fah­rens nicht ein­ge­schränkt. Denn die Aus­schrei­bung begrün­det nicht das schutz­wür­di­ge Ver­trau­en der Betrof­fe­nen, dass sich der Dienst­herr mit der Aus­schrei­bung hin­sicht­lich sei­ner Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt unwi­der­ruf­lich bin­det 5.
Der Dienst­herr kann das Aus­wahl­ver­fah­ren auch dann abbre­chen, wenn er den unver­än­dert blei­ben­den Dienst­pos­ten wei­ter­hin ver­ge­ben will, aber den Aus­gang des ers­ten Aus­wahl­ver­fah­rens als unbe­frie­di­gend emp­fin­det oder das bis­he­ri­ge Ver­fah­ren nach sei­ner Ein­schät­zung an nicht beheb­ba­ren Män­geln mit der Fol­ge lei­det, dass eine den Anfor­de­run­gen des Art. 33 Abs. 2 GG gerecht wer­den­de Aus­wahl­ent­schei­dung allein in einem wei­te­ren Aus­wahl­ver­fah­ren denk­bar erscheint. Inso­weit geht es nicht um das dem Art. 33 Abs. 2 GG vor­ge­la­ger­te Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen des Dienst­herrn, son­dern bereits um das Aus­wahl­ver­fah­ren, für das die aus Art. 33 Abs. 2 GG fol­gen­den Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­sprü­che maß­ge­bend sind. Der vom Dienst­herrn für den Abbruch vor­ge­brach­te Grund muss in die­sem Fall den Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 2 GG genü­gen 6. Die Recht­mä­ßig­keit des Abbruchs setzt dann fer­ner vor­aus, dass die Bewer­ber hier­von recht­zei­tig und in geeig­ne­ter Form Kennt­nis erlan­gen und der wesent­li­che Abbruch­grund schrift­lich doku­men­tiert wird 7.
Dass bereits im Som­mer 2016 im Anschluss an eine Unter­su­chung der betref­fen­den Abtei­lung des BND durch einen exter­nen Bera­ter Über­le­gun­gen zur Umor­ga­ni­sa­ti­on ange­stellt wur­den, schließt den Abbruch des im Juli 2017 begon­nen Aus­wahl­ver­fah­rens nicht aus. Auch im Zuge sei­ner wei­te­ren Über­le­gun­gen – hier im Zusam­men­hang mit den Schluss­fol­ge­run­gen aus der Arbeit des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges 8 – kann der Dienst­herr zu dem Schluss kom­men, dass die Beset­zung des Dienst­pos­tens mit dem bis­he­ri­gen Zuschnitt wegen einer gene­rel­len Vor­ga­be – hier die Ein­füh­rung einer flä­chen­de­cken­den ein­heit­li­chen Nach­rich­ten­be­ar­bei­tung am Stand­ort P. – per­so­nal­wirt­schaft­lich nicht mehr in Betracht kommt. Die Aus­schrei­bung des Dienst­pos­tens bewirkt gera­de kei­ne unwi­der­ruf­li­che Bin­dung des Dienst­herrn hin­sicht­lich der Aus­ge­stal­tung des Dienst­pos­tens, sei­ner besol­dungs­recht­li­chen Bewer­tung und sei­ner Ört­lich­keit.
BVerwG, Beschluss vom 12.12 2017 – 2 VR 2.16, NVwZ-RR 2018, 395 Rn. 32[↩]
BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 12.07.2011 – 1 BvR 1616/​11 – RiA 2012, 29 Rn. 24; BVerwG, Urteil vom 03.12 2014 – 2 A 3.13, BVerw­GE 151, 14 Rn. 16 ff.[↩]
BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 28.11.2011 – 2 BvR 1181/​11, NVwZ 2012, 366 Rn. 22 f.[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 22.07.1999 – 2 C 14.98, Buch­holz 237.2 § 12 Bln­LBG Nr. 3 S. 5; und vom 03.12 2014 – 2 A 3.13, BVerw­GE 151, 14 Rn. 26[↩]
BVerwG, Beschluss vom 15.07.1977 – 2 B 36.76, Buch­holz 232 § 79 BBG Nr. 66 S. 11[↩]
BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 28.02.2007 – 2 BvR 2494/​06 – BVerfGK 10, 355, 358; BVerwG, Urtei­le vom 29.11.2012 – 2 C 6.11, BVerw­GE 145, 185 Rn. 17; und vom 03.12 2014 – 2 A 3.13, BVerw­GE 151, 14 Rn.19[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 26.01.2012 – 2 A 7.09, BVerw­GE 141, 361 Rn. 27 f.; und vom 03.12 2014 – 2 A 3.13, BVerw­GE 151, 14 Rn.20[↩]
BT-Drs. 18/​12850[↩]

References: Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 Art. 33
 § 12
 § 79