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Timestamp: 2016-07-01 02:43:42+00:00

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Lange , Gloria - Titelseite
Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol. Christian Kirchner, LL:M.
- Ansatzpunkte und Überlegungen zum § 249 HGB -
zur Erlangung des akademischen Grades Doktor iur.
vorgelegt der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlinvon Diplom-Kaufmann Gloria Lange , geb. am 17.12.1961 in Berlin
Dekanin: Prof. Dr. Christine Windbichler
eingereicht am 19. Oktober 1998
Datum der Promotion: 2. Juni 1999
With the world turning into a global village it is generally considered necessary for German companies to abandon German accounting rules in favor of international standards in order to access money markets. But is German accounting law as laid down in the Handelsgesetzbuch (HGB) really inferior to international standards and should it consequently be adjusted to international rules? To answer these questions it is attempted to apply economic theory of law to accounting rules, using § 249 HGB as a typical example. To this purpose a simple business model in a in a neo-institutional world is introduced where the emphasis is put on different kinds of financial relations. A distinction is made between the financial relations between the shareholders that founded the company, the financial relations between new shareholders and the founders of the company and finally the relationship between the company and banks financing the business. Whereas traditional accounting theories or approaches even fail to fully explain the set of rules put down in § 249 HGB, newer approaches combining agency theory and/or the theory of market failure with accounting theory are able to explain the function of § 249 HGB in one financial relation at a time. However, none of these approaches is applicable to all financial relations as depicted in the model.
Using new institutional economics, a recently developed theory combining different other approaches in economics, and putting the emphasis on (economic) contract theory, it is possible to understand all financial relations within a company as well as the financial relations between a company and the money markets as contracts. This way legal thinking and newer accounting theories have a common denominator. Different approaches can be combined to form a comprehensive system. Within this system the functions of § 249 HGB in the model´s different financial relations can be positively analyzed. However, positive analysis does not provide the answer to the question of how German accounting rules should be. This is where constitutional economics may provide the missing link. Constitutional economics interpret all kinds of relationships as individual contracts between human beings. Then any given rule can be normatively analyzed by simply asking the people if they would have voted for or against the rule if they had been asked in advance. If they had voted for the rule then the rule is made the way it serves peoples´ interests best. However, if more knowledge is available the questioning can be repeated and the outcome may change in favor of better rules. It is considered sufficient that people voluntarily agree to a rule on a very abstract level, e.g. to the constitution. If the contract the founders of a company have to agree to is compared to the constitution, it can be shown that the founders of the company might under certain circumstances voluntarily agree to the rules as they are laid down in § 249 HGB. If agreement can be reached depends on the financial plans they have for the company. Therefore it can be concluded that specifics of German accounting law as represented in § 249 HGB should not simply be given up to follow the demands of the international money markets. For certain classes of companies German accounting rules serve their purpose and should at least be kept as an option for these companies.
Economic theory of law, accounting theory, New Institutional economics, Constitutional economicsZusammenfassung
Mit zunehmender Globalisierung wird es für deutsche Unternehmen als notwendig angesehen, deutsches Bilanzrecht zu Gunsten internationaler Regeln aufzugeben, um Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu erhalten. Aber ist das deutsche Bilanzrecht tatsächlich schlechter als internationale Bilanzierungsstandards und sollte es demzufolge an diese angepaßt werden? Zur Beantwortung dieser Fragen wird versucht, die Ökonomische Theorie des Rechts auf Bilanzierungsregeln anzuwenden, wobei § 249 HGB als typisches Beispiel dient. Es wird ein einfaches Unternehmensmodell in einer neo-institutionalistischen Welt eingeführt, dessen Schwerpunkt auf den Finanzierungsbeziehungen der Unternehmung liegt. Es wird unterschieden zwischen den finanziellen Beziehungen der Anteilseigner, die das Unternehmen gegründet haben, den Beziehungen zwischen gegenwärtigen und potentiellen Anteilseignern und schließlich der Beziehung von Unternehmung und Banken. Während traditionelle Bilanztheorien oder -ansätze nicht einmal geeignet sind, den § 249 HGB in seiner Gesamtheit zu erklären, gelingt es den neueren Ansätze, die Agency Theorie bzw. die Theorie des Marktversagens mit Bilanztheorien verbinden, die Funktionen des § 249 HGB in einzelnen finanziellen Beziehungen zu erklären. Jedoch ist keiner dieser Ansätze in der Lage, die Funktionen des § 249 HGB in allen Beziehungen des Modells auf einmal zu erklären. Durch Anwendung der jüngst entwickelten Neuen Institutionenökonomie, die verschiedene Ansätze miteinander verbindet, gelingt es unter besonderer Berücksichtigung der Ökonomischen Vertragstheorie alle finanziellen Beziehungen in der Unternehmung und zwischen der Unternehmung und den Finanzmärkten als Verträge zu interpretieren. Dadurch erhalten juristisches Denken und Bilanztheorien einen gemeinsamen Nenner. Verschiedene Ansätze können zu einem umfassenden System verknüpft werden, in welchem die Funktionen des § 249 HGB in den verschiedenen finanziellen Beziehungen positiv analysiert werden können.
Die positive Analyse beantwortet jedoch nicht die Frage wie Bilanzierungsregeln ausgestaltet sein sollten. An dieser Stelle kann die Konstitutionenökonomie das fehlende Bindeglied darstellen. Sie faßt sämtliche Beziehungen als Ergebnis individueller Verträge zwischen Individuen auf. Alle Regeln können dann normativ analysiert werden, indem gefragt wird, ob sich die Betroffenen für oder gegen die Regel ausgesprochen hätten, wenn sie vorher gefragt worden wären. Hätten sie sich für eine Regel entschieden, dann dient diese Regel ihren Interessen. Ist mehr Wissen verfügbar, kann die Befragung wiederholt werden, und das Ergebnis kann sich zugunsten einer besseren Regel ändern. Es wird als ausreichend angesehen, wenn sich die Betroffenen freiwillig auf abstrakte Regeln einigen, wie die Verfassung. Vergleicht man den Gesellschaftsvertrag, den die Unternehmensgründer schließen, mit der Verfassung, läßt sich zeigen, daß Unternehmensgründer unter bestimmten Umständen freiwillig bereit wären, sich auf Regeln wie den § 249 HGB zu einigen. Ob die Einigung zustande kommt, hängt davon ab, wie die Unternehmung finanziert werden soll. Daraus kann geschlossen werden, daß die Besonderheiten des deutschen Bilanzrechts, die der § 249 HGB repräsentiert, nicht einfach aufgegeben werden sollten, nur um Forderungen internationaler Märkte zu folgen. Für bestimmte Unternehmen erfüllen deutsche Bilanzierungsstandards ihren Zweck und sollten für diese als Option erhalten bleiben.
konomische Theorie des Rechts, Bilanztheorien, Neue Institutionenökonomie, Konstitutionenökonomie
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1.1.Bisherige Ansätze aus Wirtschafts- und Rechtswissenschaft im Überblick
1.2.Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2.1.Aktueller Bezug des Themas 1.2.2.Dilemma zwischen Ausschüttungsbemessungs- und Informationsfunktion des Bilanzrechts
1.2.3.Normative Fundierung bilanzrechtlicher Regelungen als Ziel der Arbeit
1.4.Exkurs: Zulässigkeit der Verbindung von positiver und normativer Theorie 2
Das Modell, die Interessen der Beteiligten und das Bilanzrecht
2.1.Das Modell und seine Annahmen 2.2.Die Bedeutung von Ausschüttungsbemessungs- und Informationsfunktion in den verschiedenen Beziehungen zwischen den Akteuren
2.2.1.Die Funktionen des Bilanzrechts in der Beziehung der Anteilseigner zueinander
2.2.1.1.Bilanzfunktionen und Gewinnaneignungsrechte der Anteilseigner
2.2.1.2.Bilanzfunktionen und Veräußerungsrechte der Anteilseigner
2.2.1.3.Zwischenergebnis
2.2.2.Die Funktionen des Bilanzrechts in der Beziehung zwischen der Unternehmung und potentiellen Anteilseignern
2.2.2.1.Die Interessenlage des potentiellen Anteilseigners
2.2.2.2.Die Interessenlage der bereits im Unternehmen involvierten Akteure
2.2.2.3.Zwischenergebnis
2.2.3.Die Funktionen des Bilanzrechts in der Beziehung zwischen Unternehmung und Kreditgebern 2.2.3.1.Die Interessenlage der Akteure
2.2.3.2.Die Bedeutung der Informationsfunktion für das Kreditverhältnis
2.2.3.3.Die Bedeutung der Ausschüttungsbemessungsfunktion für das Kreditverhältnis
2.2.3.4.Zwischenergebnis
2.2.4.Beurteilung der Funktionen des Bilanzrechts in den verschiedenen Beziehungen
2.3.Wirkung des Bilanzrechts auf die Beziehungen zwischen den Akteuren
2.3.1.Das Verhältnis zwischen Ausschüttungsbemessungsfunktion und Informationsfunktion im Normengefüge des Bilanzrechts
2.3.1.1.Informationsgewährung und Ausschüttungsbemessung als gesetzliche Ziele des Bilanzrechts
2.3.1.2.Zusammenwirken von Bilanzierungswahlrechten und zwingendem Bilanzrecht 2.3.1.3.Zuordnung einzelner Normen zu den beiden Funktionen der Bilanz
2.3.1.4.Zusammenhang zwischen der Ausgestaltung der bilanzrechtlichen Normen und den Funktionen der Bilanz
2.3.2.Die Behandlung von Rückstellungen nach bilanzrechtlichen Vorschriften
2.3.2.1.Darstellung der Regelungsmaterie
2.3.2.2.Restriktions- und Verhaltenswirkungen von Rückstellungen in den unterschiedlichen Beziehungen zwischen den Akteuren des Modells
Die Eignung der traditionellen betriebswirtschaftlichen und juristischen Ansätze zur normativen Rechtfertigung bilanzieller Regelungen
3.1.Die statische Bilanzauffassung
3.1.1.Darstellung des Ansatzes 3.1.2.Betrachtung der Rückstellungen unter dem statischen Blickwinkel
3.1.3.Beurteilung der statischen Bilanzauffassung als Instrument zur Rechtfertigung bilanzrechtlicher Normen
3.2.Die dynamische Bilanzauffassung
3.2.1.Darstellung der dynamischen Bilanzauffassung
3.2.1.1.Die dynamische Bilanzauffassung von Schmalenbach
3.2.1.2.Die finanzwirtschaftliche Bilanzauffassung von Walb
3.2.1.3.Die pagatorische Bilanzauffassung von Kosiol
3.2.1.4.Die eudynamische Bilanzauffassung von Sommerfeld
3.2.2.Rückstellungen aus der Sicht der dynamischen Bilanzauffassung
3.2.3.Beurteilung der dynamischen Bilanzauffassung als Instrument zur Rechtfertigung bilanzrechtlicher Normen
3.3.Organische Bilanzauffassung von F. Schmidt als dualistisches Konzept
3.3.1.Rückstellungen und organische Bilanzauffassung
3.3.2.Eignung der organischen Bilanzauffassung zur Rechtfertigung bilanzrechtlicher Normen
3.4.Kapitaltheoretische Ansätze in der Bilanztheorie
3.4.1.Ältere Ansätze und Problemlösungsvorschläge
3.4.2.Der neoinstitutionalistische Ansatz von Ordelheide
3.4.3.Kapitaltheoretisch orientierte Ansätze und Rückstellungen
3.4.4.Eignung der zukunftsbezogenen kapitaltheoretisch orientierten Ansätze zur Rechtfertigung bilanzrechtlicher Normen
3.5.Totale Bilanzauffassung von Le Coutre als Abkehr von monistischen Ansätzen
3.5.1.Rückstellungen und totale Bilanzauffassung
3.5.2.Rechtfertigung bilanzrechtlicher Normen mit Hilfe der totalen Bilanzauffassung
3.6.Die Bilanzrechtstheorie als juristischer Ansatz
3.6.1.Darstellung der Bilanzrechtstheorie
3.6.1.1.Der bilanzrechtstheoretische Ansatz von Stützel 3.6.1.2.Der bilanzrechtstheoretische Ansatz von Moxter
3.6.1.3.Der bilanzrechtstheoretische Ansatz von Baetge
3.6.2.Bilanzrechtstheorie und Rückstellungen
3.6.3.Eignung der Bilanzrechtstheorie zur normativen Rechtfertigung bilanzrechtlicher Normen
3.7.Gründe für das Scheitern der traditionellen betriebswirtschaftlichen und juristischen Ansätze
Die Eignung der neueren (interdisziplinären) Ansätze zur Rechtfertigung bilanzieller Regelungen
4.1.Entscheidungsorientierte Ansätze 4.1.1.Ansätze zur Ergänzung oder zum Ersatz der Bilanz
4.1.1.1.Der Ansatz von Moxter
4.1.1.2.Der Ansatz von Busse von Colbe
4.1.1.3.Die ergänzte Mehrzweckbilanz von Heinen und die disaggregierte Informationsübertragung
4.1.2.Informationsökonomische Arbeiten zur Ordnung von Informationssystemen 4.1.3.Informationsökonomische Arbeiten zur Informationsverarbeitung auf den Kapitalmärkten
4.1.3.1.Arbeiten zur Kursbildung auf Kapitalmärkten
4.1.3.2.Arbeiten über die Notwendigkeit von Bilanzierungsvorschriften zur Verhinderung von Marktversagen und zur Herstellung der Allokationseffizienz
4.1.3.3.Weiterführende Arbeiten zur Informationsfunktion auf unvollkommenen Märkten
4.1.4.Beurteilung entscheidungsorientierter Ansätze in bezug auf die normative Rechtfertigung des Bilanzrechts
4.2.Der Agency-Ansatz
4.2.1.Übersicht über bisherige Forschungsergebnisse im Bereich des externen Rechnungswesens
4.2.1.1.Ansätze zu den fremdfinanzierungsbedingten Agency-Problemen
4.2.1.2.Eigenfinanzierungsbedingte Agency-Probleme 4.2.1.3.Agency-Ansatz und Markttheorie
4.2.2.Beurteilung des Agency-Ansatzes als Instrument zur normativen Rechtfertigung einzelner Regelungen des Bilanzrechts
4.3.Beurteilung des Ansatzes von Ordelheide als Instrument zur normativen Rechtfertigung bilanzrechtlicher Regelungen
4.4.Kritische Würdigung bisheriger interdisziplinärer Ansätze hinsichtlich der normativen Fragestellung
Normative Rechtfertigung bilanzrechtlicher Regelungen durch die Neue Institutionenökonomie in Verbindung mit der Konstitutionenökonomie
5.1.Die Neue Institutionenökonomie als integrierter Ansatz zur Erklärung bilanzrechtlicher Regelungen
5.1.1.Die wichtigsten Teilbereiche der Neuen Institutionenökonomie
5.1.1.1.Ökonomische Vertragstheorie
5.1.1.2.Der Transaktionskostenansatz 5.1.1.3.Der Agency-Ansatz
5.1.1.4.Der Property Rights Ansatz 5.1.2.Das Potential der Neuen Institutionenökonomie zur Integration der neueren bilanztheoretischen Ansätze 5.1.2.1.Bilanzrecht als Institution zur Füllung von Lücken in unvollständigen Verträgen 5.1.2.1.1.Die Lückenfüllungsfunktion im Gesellschaftsvertrag zwischen den Anteilseignern
5.1.2.1.2.Die Lückenfüllungsfunktion im Kreditvertrag zwischen Unternehmung und Gläubigern
5.1.2.1.3.Die Lückenfüllungsfunktion im unvollständigen Vertrag zwischen Unternehmung und potentiellen Anteilseignern
5.1.2.2.Zwischenergebnis zum Integrationspotential der Neuen Institutionenökonomie
5.2.Normative Fundierung des Bilanzrechts mit Hilfe der Konstitutionenökonomie
5.2.1.Parallelität der historischen Entwicklung und der Prämissen zur Neuen Institutionenökonomie
5.2.2.Buchanans Ansatz: Der Konsens der Beteiligten als Legitimationskriterium
5.2.3.Anwendung des Legitimationskriteriums auf das Bilanzrecht am Beispiel des § 249 HGB
5.2.3.1.Einigung der Gründungsgesellschafter auf die Regelungen zur Bildung von Rückstellungen unter Berücksichtigung des Gesellschaftsvertrags
5.2.3.1.1.Die Einigung der Gründungsgesellschafter im Hinblick auf die Informationsfunktion
5.2.3.1.2.Die Einigung der Gründungsgesellschafter im Hinblick auf die Ausschüttungsbemessungsfunktion
5.2.3.1.3.Die Einigung der Gründungsgesellschafter durch Rekurs auf bilanzielle Gewinnermittlungsregeln
5.2.3.1.4.Zwischenergebnis
5.2.3.2.Die Einigung auf die Regelungen zur Bildung von Rückstellungen im Hinblick auf das Verhältnis zu den Gläubigern 5.2.3.2.1.Ausschüttungsbemessungsfunktion und Einigung der Gründungsgesellschafter und Gläubiger
5.2.3.2.2.Informationsfunktion und Einigung der Gründungsgesellschafter und Gläubiger
5.2.3.2.3.Zwischenergebnis
5.2.3.3.Die Einigung auf die Regelungen zur Bildung von Rückstellungen unter Berücksichtigung des Zugangs zum (internationalen) Kapitalmarkt
5.2.3.3.1.Ausschüttungsbemessungsfunktion und Zustimmung der potentiellen Anteilseigner
5.2.3.3.2.Informationsfunktion und Zustimmung der potentiellen Anteilseigner
5.2.3.3.3.Zwischenergebnis

References: § 249
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