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Timestamp: 2016-10-28 02:52:08+00:00

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101 V 438. Urteil vom 10. M�rz 1975 i.S. St�ssel gegen Ausgleichskasse schweizerischer Transportunternehmungen und Rekursbeh�rde f�r die Sozialversicherung des Kantons Schwyz
Mesures m�dicales suivant l'art. 12 al. 1 LAI en cas d'arthropathies, notamment de l'appareil locomoteur. Faits � partir de page 43
A.- Der 1909 geborene Josef St�ssel ist Wagenf�hrer bei der SOB. Die Invalidenversicherung �bernahm eine 1964 vorgenommene Coxarthrose-Operation (Arthrodese) am rechten H�ftgelenk und gew�hrte in diesem Zusammenhang weitere Leistungen. Diese Massnahmen erm�glichten dem Versicherten die Fortsetzung seiner beruflichen T�tigkeit.
Am 17. Januar 1972 meldete sich Josef St�ssel erneut bei der Invalidenversicherung an und ersuchte um medizinische Massnahmen. Laut dem Bericht von Dr. med. H. vom 7. Februar 1972 traten seit Fr�hjahr 1970 zunehmende schmerzhafte Kniegelenkerg�sse rechts auf sowie eine rasch progrediente schmerzhafte Bewegungseinschr�nkung des linken H�ftgelenkes mit zunehmender Gehbehinderung und �berbelastung des rechten Beines. Der Arzt diagnostizierte "Gonarthrose rechts, zunehmende schmerzhafte Coxarthrose links, Status nach Arthrodese des rechten H�ftgelenks, chronischer Kniegelenkerguss rechts als Folge der �berbelastung". Um den Patienten weiterhin gehf�hig zu erhalten, sei das Einsetzen einer Totalprothese in das linke H�ftgelenk unerl�sslich; nur so k�nne die chronische �berbelastung des rechten Knies mit den dadurch ausgel�sten Kniegelenkerg�ssen verhindert werden.
Die Ausgleichskasse lehnte mit Verf�gung vom 22. M�rz 1972 das Gesuch ab mit der Begr�ndung, die gesetzlichen Voraussetzungen zur �bernahme von medizinischen Massnahmen durch die Invalidenversicherung seien nicht erf�llt, weil ausser der Coxarthrose ein weiteres invalidierendes Leiden (eine schwere Gonarthrose rechts) festgestellt worden sei, das den Eingliederungserfolg einer Coxarthrose-Operation beeintr�chtigen k�nne.
B.- Josef St�ssel erhob Beschwerde mit dem Antrag, die Invalidenversicherung habe die H�ftgelenkoperation nebst Nachbehandlung zu �bernehmen. Zur Begr�ndung verwies er auf ein Zeugnis des Dr. H. vom 30. M�rz 1972, worin der Arzt ausf�hrte, die Gonarthrose rechts sei an sich wenig schmerzhaft; die derzeitigen Reaktionen im rechten Knie seien weitgehend verursacht durch die �berbelastung wegen des H�ftleidens links; durch die vorgeschlagene Operation der linken H�fte sollten die Verh�ltnisse an den Beinen soweit saniert werden k�nnen, dass der Versicherte in der Lage sei, bis auf weiteres seinen Beruf voll auszu�ben. Am 12. September 1972 teilte Dr. H. der Invalidenversicherungs-Kommission noch folgendes mit:
"Zur besseren Beurteilung des Rekurses von obigem Patienten teile ich ihnen mit, dass die am 5. April 1972 durchgef�hrte H�ftgelenkoperation rechts (Einsetzen einer Totalprothese) die Gehf�higkeit so stark gebessert hat, dass mit Aufnahme der Arbeit auf 1. Oktober 1972 gerechnet werden kann. Die drohende Invalidit�t konnte damit vorl�ufig verh�tet werden."
Die Kantonale Rekursbeh�rde f�r die Sozialversicherung Schwyz wies mit Urteil vom 20. November 1972 die Beschwerde ab. Abgesehen davon, dass die Frage, ob ein Anspruch laut Art. 12 Abs. 1 IVG bestehe, nach der medizinischen Prognose vor der Durchf�hrung des operativen Eingriffs zu beurteilen sei, stehe trotz der erfolgreich verlaufenen Operation nach dem Urteil von Dr. H. keineswegs fest, dass mit einer dauerhaften Verbesserung der Erwerbsf�higkeit zu rechnen sei; denn der Arzt vertrete nur die Auffassung, dass eine Invalidit�t vorl�ufig habe verhindert werden k�nnen, was gem�ss den nach der Praxis anzulegenden strengen Anforderungen nicht gen�ge. Im �brigen sei der Versicherte im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verf�gung beinahe 63j�hrig gewesen. Auch wenn angenommen w�rde, bei einem BGE 101 V 43 S. 4563 Jahre alten m�nnlichen Versicherten sei noch mit einer verbleibenden Arbeitsdauer zu rechnen, die im Sinne des Art. 8 Abs. 1 IVG einen Eingliederungsanspruch rechtfertige, so sei im konkreten Fall zu ber�cksichtigen, dass der Versicherte als Angestellter der SOB mit dem erreichten 65. Altersjahr eine Pension beziehen und seine bisherige berufliche T�tigkeit aufgeben werde. Es sei nicht anzunehmen, dass er sich nach der Pensionierung noch beruflich bet�tigen werde; anders w�rde es sich nach den in ZAK 1970 S. 618 entwickelten Grunds�tzen allenfalls bei einem Selbst�ndigerwerbenden verhalten.
C.- Mit der vorliegenden Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst Josef St�ssel beantragen, die Invalidenversicherung habe die Kosten der am 5. April 1972 vorgenommenen Coxarthrose-Operation links (Totalprothese) und der Nachbehandlung vollumf�nglich zu �bernehmen. Zur Begr�ndung wird vorerst auf eine Best�tigung des Dr. H. vom 22. Dezember 1972 verwiesen, wonach die durchgef�hrte Operation mit grosser Wahrscheinlichkeit erwarten lasse, dass der Versicherte bis zum Erreichen der regul�ren Pensionierung auf seinem jetzt ausge�bten Beruf als Wagenf�hrer arbeitsf�hig bleiben werde. Damit sei die Auffassung des kantonalen Richters widerlegt, es fehle an der Glaubhaftmachung der dauernden Verbesserung der Erwerbsf�higkeit. In den Akten finde sich ferner keine medizinische Prognose, welche den Erfolg der Operation als Eingliederungsmassnahme im Sinne des IVG negativ beurteilen w�rde. Die einzige prognostische Beurteilung des Eingliederungserfolges sei im Bericht des Dr. H. vom 7. Februar 1972 enthalten; danach k�nne der Versicherte durch das Einsetzen der Totalprothese gehf�hig erhalten und die chronische �berbelastung des rechten Knies mit den dadurch ausgel�sten Gelenkerg�ssen verhindert werden. Die Prognose sei also nicht ung�nstiger gewesen als der effektiv eingetretene Erfolg; andernfalls w�re sie falsch gewesen, was indessen unbeachtlich sei. Was die Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolges bei �lteren Versicherten anbelange, sei der Schlussatz von Art. 8 Abs. 1 IVG als Ausnahmebestimmung im Sozialrecht einschr�nkend zu interpretieren. Es m�sse den Versicherten soweit immer m�glich die Gelegenheit gegeben werden, bis zu ihrer ordentlichen Pensionierung arbeiten zu k�nnen. Nur in F�llen. wo die verbleibende Aktivit�t g�nzlich BGE 101 V 43 S. 46geringf�gig sei, d�rfe diese Bestimmung herangezogen werden, um wirtschaftlich unsinnige Eingliederungsmassnahmen versagen zu k�nnen; sonst aber h�tten die menschlichen Aspekte den Vorrang. Josef St�ssel k�nne dank der Operation mit grosser Wahrscheinlichkeit noch nahezu 2 Jahre arbeiten, was ins Gewicht falle. Im �brigen rechtfertige sich die von der kantonalen Rekursbeh�rde vorgenommene Diskriminierung pensionsberechtigter Angestellter gegen�ber Selbst�ndigerwerbenden nicht. Die Vorinstanz scheine den Umstand, dass eine Gonarthrose als weiteres invalidierendes Leiden bestehe, nicht mehr als wesentlich zu erachten. Dr. H. habe denn auch festgestellt, dass die Gonarthrose an sich wenig schmerzhaft sei und dass die �berbelastung des Knies durch die H�ftoperation habe behoben werden k�nnen. Wenn schliesslich das kantonale Gericht feststelle, es fehle der Nachweis der Glaubhaftmachung einer dauernden Verbesserung der Erwerbsf�higkeit, so h�tte es von Amtes wegen einen fehlenden Beweis erg�nzen m�ssen.
1. a) Unter den allgemeinen Voraussetzungen des Art. 8 Abs. 1 IVG hat der Versicherte nach Art. 12 Abs. 1 IVG Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Eingliederung gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsf�higkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeintr�chtigung zu bewahren. Diese Bestimmung bezweckt namentlich, die Aufgabenbereiche der Invalidenversicherung einerseits und der sozialen Kranken- und Unfallversicherung anderseits gegeneinander abzugrenzen. Die Abgrenzung "beruht auf dem Grundsatz, dass die Behandlung einer Krankheit oder einer Verletzung ohne R�cksicht auf die Dauer des Leidens prim�r in den Aufgabenbereich der Kranken- und Unfallversicherung geh�rt" (Bericht der eidgen�ssischen Expertenkommission f�r die Revision der Invalidenversicherung vom 1. Juli 1966, S. 31).
Das Gesetz umschreibt die Vorkehren medizinischer Art. BGE 101 V 43 S. 47welche von der Invalidenversicherung nicht zu �bernehmen sind, mit dem Rechtsbegriff "Behandlung des Leidens an sich". Wo und solange labiles pathologisches Geschehen besteht und mit medizinischen Vorkehren angegangen wird, seien sie kausal oder symptomatisch, auf das Grundleiden oder dessen Folgeerscheinungen gerichtet, stellen solche Heilmassnahmen, sozialversicherungsrechtlich betrachtet, Behandlung des Leidens an sich dar. Dem labilen pathologischen Geschehen hat die Rechtsprechung seit jeher im Prinzip alle nicht stabilisierten Gesundheitssch�den gleichgestellt, die Krankheitswert haben. Demnach geh�ren jene Vorkehren, welche auf die Heilung oder Linderung pathologischen oder sonstwie Krankheitswert aufweisenden Geschehens labiler Art gerichtet sind, nicht ins Gebiet der Invalidenversicherung. Erst wenn die Phase des (prim�ren oder sekund�ren) pathologischen Geschehens insgesamt abgeschlossen und ein stabiler bzw. relativ stabilisierter Zustand eingetreten ist, kann sich - beim vollj�hrigen Versicherten - �berhaupt die Frage stellen, ob eine Vorkehr Eingliederungsmassnahme sei. Die Invalidenversicherung �bernimmt in der Regel nur unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrektur stabiler Defektzust�nde oder Funktionsausf�lle gerichtete Vorkehren, sofern sie die Wesentlichkeit und Best�ndigkeit des angestrebten Erfolges im Sinne des Art. 12 Abs. 1 IVG voraussehen lassen. Dagegen hat die Invalidenversicherung eine Vorkehr, die der Behandlung des Leidens an sich zuzuz�hlen ist, auch dann nicht zu �bernehmen, wenn ein erheblicher Eingliederungserfolg vorauszusehen ist. Der Eingliederungserfolg, f�r sich allein betrachtet, ist im Rahmen des Art. 12 IVG kein taugliches Abgrenzungskriterium, zumal praktisch jede �rztliche Vorkehr, die medizinisch erfolgreich ist, auch im erwerblichen Leben eine entsprechende Verbesserung bewirkt (BGE 100 V 101 Erw. 1a, BGE 98 V 208 Erw. 2).
b) Nach der Praxis gelten im Hinblick auf Coxarthrose-Operationen (insbesondere Osteotomien, Arthrodesen, Total-Endoprothesen) die Gesundheitsverh�ltnisse vor dem Eingriff nicht mehr als labil, wenn im mehr oder weniger zerst�rten H�ftgelenk ein relativ stabilisierter Enddefekt erblickt werden kann, obschon, genau genommen, nicht immer bereits ein stabiler Defektzustand vorliegt. Solche Operationen sind daher gem�ss der Rechtsprechung des Eidg. Versicherungsgerichts BGE 101 V 43 S. 48durch die Invalidenversicherung als medizinische Eingliederungsmassnahmen zu �bernehmen, sofern sie den pathologisch-anatomischen Zustand des Skelettes als Ursache der unphysiologischen Beanspruchung und die sekund�ren Symptome dauerhaft sanieren. In diesen F�llen sind aber strenge Anforderungen an die �brigen Voraussetzungen - die Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des angestrebten Eingliederungserfolges - zu stellen. Ob diese Voraussetzungen gegeben seien, ist - der Rechtsgleichheit wegen - im massgebenden Zeitpunkt medizinisch-prognostisch zu beurteilen (BGE 98 V 34 Erw. 2). F�r diese Prognose ist der vor der fraglichen Operation vorhandene medizinische Sachverhalt in seiner Gesamtheit massgebend. Das bedeutet namentlich, dass die im Hinblick auf die Coxarthrose angezeigte H�ftoperation im Einzelfall f�r sich allein m�glicherweise den Eingliederungserfolg nicht dauernd und wesentlich zu bewirken vermag, wenn neben der Coxarthrose weitere erhebliche, d.h. die Erwerbsf�higkeit (bzw. die F�higkeit der Bet�tigung im bisherigen Aufgabenbereich) beeintr�chtigende, krankhafte Nebenbefunde vorliegen (ZAK 1972 S. 179 f., EVGE 1969 S. 100 ff., 1968 S. 112 ff., ZAK 1968 S. 464 ff.).
Diese grunds�tzliche Betrachtungsweise ist sinngem�ss auch dort anwendbar, wo als Streitgegenstand eine Gonarthrose-Operation in Frage steht.
- ob es allgemeing�ltige Regeln f�r die prognostische Beurteilung von Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges bestimmter Arten von Coxarthrose- bzw. Gonarthrose-Operationen gebe und auf welche zeitliche Dauer sich gegebenenfalls erfahrungsgem�ss eine zuverl�ssige Prognose stellen lasse;
- ob es spezielle Regeln f�r die erw�hnte Beurteilung gebe im Hinblick auf die h�ufigsten Nebenbefunde (andere Gelenksch�den, Wirbels�ulesch�den, Zirkulationsst�rungen, Adipositas), welche die Sanierung des Gehapparates erschweren k�nnen;
Prof. T. verneinte in seinem ausf�hrlichen Gutachten die Anwendbarkeit genereller Regeln zur Beantwortung dieser BGE 101 V 43 S. 49Fragen. Er erkl�rte namentlich, allgemeing�ltige Kriterien sowohl f�r die Beurteilung von Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges als auch f�r den Entscheid hinsichtlich Nebenbefunde seien nur im Hinblick auf den konkreten Einzelfall m�glich und abh�ngig von zahlreichen physischen, psychischen und sozialen Faktoren, so dass eine generelle, auf eine grosse Zahl von Versicherten anwendbare Regel nicht mit der geringsten Aussicht auf Objektivit�t umschrieben werden k�nne. Zusammenfassend hielt der Experte folgendes fest:
- "L'�tat actuel de nos connaissances et l'exp�rience acquise dans l'usage des proth�ses articulaires ne permettent pas encore de d�finir des r�gles g�n�rales pour �tablir un pronostic de la dur�e et de l'importance de l'am�lioration de la capacit� de travail � la suite de ces interventions. Chaque cas devrait faire l'objet d'un bilan tenant compte de tous les facteurs locaux et g�n�raux, somatiques et psychiques et s'il le faut sociaux et professionnels pour �tablir un pronostic dont le degr� de certitude restera de toute fa�on m�diocre. Le seul argument tout � fait objectif reste la capacit� de travail obtenue apr�s l'intervention."
- "Une aide efficace dans l'�tablissement du pronostic est la distinction entre les l�sions secondaires � l'arthropathie, c'est-�-dire provoqu�es par elle et capables de r�agir favorablement � l'intervention et les l�sions ind�pendantes de la l�sion articulaire elle-m�me et assombrissant certainement son pronostic. Mais leur r�le ne peut faire l'objet d'une r�gle g�n�rale et ne peut �tre appr�ci� que pour chaque cas isol�ment."
- "Les indications des diff�rentes op�rations r�paratrices d'une arthropathie d�pendent de l'�ge, de l'importance de la l�sion articulaire, de sa cause, de l'�tat g�n�ral du patient et de ses conditions de travail futures. S'il est d�j� possible de d�finir des directives g�n�rales, celles-ci ne peuvent �tre appliqu�es qu'avec de tr�s nombreuses exceptions."
3. An der bisherigen, in Erw�gung 1b dargestellten Rechtsprechung ist daher grunds�tzlich festzuhalten. Unter Ber�cksichtigung der Ausf�hrungen des Experten und der Stellungnahme des Bundesamtes f�r Sozialversicherung ist zur Beantwortung der Frage, ob die Arthrosebehandlung durch die Invalidenversicherung als medizinische Eingliederungsmassnahme nach Art. 12 IVG zu �bernehmen sei, ausserdem von folgenden Grunds�tzen auszugehen:
a) Bei der Arthrose fehlen allgemeing�ltige Regeln zur Abgrenzung des pathologischen oder sonstwie Krankheitswert aufweisenden Geschehens labiler Art von relativ stabilisierten Verh�ltnissen. Im Einzelfall kommt somit zur Beurteilung der BGE 101 V 43 S. 50Rechtsfrage, ob eine medizinische Vorkehr ins Gebiet der sozialen Krankenversicherung oder der Invalidenversicherung geh�rt, dem konkreten medizinischen Sachverhalt erh�hte Bedeutung zu. Um die rechtsgleiche Behandlung zu gew�hrleisten, ist es daher unerl�sslich, dass die Verwaltung den medizinischen Tatbestand m�glichst genau und nach einheitlichem Frageschema abkl�rt.
Bestehen trotz zuverl�ssiger Abkl�rung Zweifel, ob ein Gesundheitsschaden ein medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung grunds�tzlich zug�ngliches Leiden darstellt, so ist die Annahme relativ stabilisierter Verh�ltnisse desto eher gerechtfertigt, je eindeutiger im konkreten Fall die effektiven Auswirkungen des Gesundheitsschadens zu einer (unmittelbar drohenden) Invalidit�t erheblichen Ausmasses gef�hrt haben. Anderseits kann das Bestehen einer (unmittelbar drohenden) Invalidit�t die Voraussetzung des stabilisierten Zustandes nicht ersetzen, weil sonst praktisch jede Operation einer Arthrose, die einem Versicherten schon in einem relativ fr�hen Stadium erhebliche Beschwerden verursacht, von der Invalidenversicherung zu �bernehmen w�re.
b) Dauernd im Sinne von Art. 12 Abs. 1 IVG ist der von einer medizinischen Eingliederungsmassnahme zu erwartende Eingliederungserfolg, wenn die konkrete Aktivit�tserwartung gegen�ber dem statistischen Durchschnitt nicht wesentlich herabgesetzt ist (BGE 98 V 212 lit. c; vgl. auch Art. 8 Abs. 1 letzter Satz IVG). Diesbez�glich kann derzeit auf die Angaben in der 3. Auflage der Barwerttafeln STAUFFER/SCHAETZLE (Z�rich 1970) abgestellt werden, welche auf den tats�chlichen Erfahrungen der Invalidenversicherung beruhen (vgl. auch das in ZAK 1971 S. 273 publizierte Urteil vom 7. Januar 1971 i.S. Lampert).
Demgegen�ber w�re es bei j�ngeren Versicherten unbillig und wirklichkeitsfremd, die erforderliche Dauerhaftigkeit des prognostischen Eingliederungserfolges eng an die Aktivit�tsperiode, mit welcher der Versicherte nach der statistischen Wahrscheinlichkeit rechnen kann, binden zu wollen. Denn es geht nicht an, einer medizinischen Massnahme die vom Gesetz verlangte Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolges nur deshalb abzusprechen, weil die statistische Aktivit�tserwartung des Versicherten weit �ber die Zeitspanne hinausgeht, f�r die sich aus medizinischer Sicht selbst bei g�nstigen Voraussetzungen ein Dauererfolg �berhaupt prognostizieren l�sst. Daher ist bei j�ngeren Versicherten im Gegensatz zu kurz vor dem AHV-Rentenalter stehenden Versicherten der Eingliederungserfolg voraussichtlich dauernd, wenn er Wahrscheinlich w�hrend eines bedeutenden Teils der Aktivit�tserwartung erhalten bleiben wird.
In diesem Zusammenhang ist ferner zu beachten, dass laut den Darlegungen des Experten bei H�ftgelenksprothesen nach den bisherigen Erfahrungen mit einem medizinischen Erfolg f�r die Dauer von 5-10 Jahren gerechnet werden kann. Weil der invalidenversicherungsrechtliche Eingliederungserfolg nach den zutreffenden Ausf�hrungen des Bundesamtes f�r Sozialversicherung in der Regel ung�nstiger sein wird, darf selbst bei sonst g�nstigen Voraussetzungen ein unter dem Gesichtspunkt von Art. 12 IVG relevanter Eingliederungserfolg kaum auf eine 5 Jahre wesentlich �bersteigende Dauer prognostiziert werden. - Bez�glich der intertrochanteren Osteotomien erlaubt die von Prof. T. in seinem Gutachten wiedergegebene Erfolgsstatistik keine allgemeing�ltigen Schl�sse. - Die Auswirkungen einer Arthrodese hinsichtlich Dauerhaftigkeit k�nnen dagegen laut einem vom Bundesamt f�r Sozialversicherung zu den Akten gegebenen Gutachten von Prof. Dr. med. S. vom 9. Oktober 1974 besonders f�r j�ngere Versicherte als g�nstig bezeichnet werden.
Bei der prognostischen Beurteilung der Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolges medizinischer Massnahmen ist schliesslich den Besonderheiten erwerblicher und gesundheitlicher Art des jeweiligen Einzelfalles nur insoweit Rechnung zu tragen, als sich ihretwegen ein Abgehen von der statistischen Wahrscheinlichkeit deutlich aufdr�ngt (ZAK 1971 S. 273, 1970 S. 114 und 618; EVGE 1969 S. 152). Dieser Grundsatz ist in BGE 101 V 43 S. 52zweifacher Hinsicht weiter einzuschr�nken. Erstens darf den im Zeitpunkt der Beurteilung bestehenden subjektiven Absichten des Versicherten bez�glich seiner zuk�nftigen Aktivit�t keine Bedeutung zugemessen werden; denn diese Vorhaben lassen sich in der Regel nicht zuverl�ssig feststellen und sind zudem in hohem Masse der M�glichkeit bzw. der Wahrscheinlichkeit einer sp�teren Gesinnungs�nderung aus wirtschaftlichen, gesundheitlichen oder sonstigen pers�nlichen oder famili�ren Gr�nden ausgesetzt. Zweitens l�sst es sich - schon aus Gr�nden der Rechtsgleichheit - entgegen der bisherigen Rechtsprechung (vgl. ZAK 1971 S. 276, 1970 S. 618) nicht rechtfertigen, einen Unterschied zwischen Unselbst�ndigerwerbenden (mit oder ohne Pensionsanspruch) und Selbst�ndigerwerbenden zu machen. Es muss jedem Versicherten freigestellt sein, die ihm verbleibende Aktivit�tsdauer so lange als m�glich auszun�tzen bzw. von einem beliebigen Zeitpunkt an auf eine weitere Erwerbst�tigkeit ganz oder teilweise zu verzichten. Insbesondere kann auch bei Unselbst�ndigerwerbenden mit Pensionsberechtigung nicht zum vorneherein ausgeschlossen werden, dass sie sich nach der Pensionierung auf eine andere Erwerbst�tigkeit - eventuell auch eine nichterwerbliche Bet�tigung in einem anderen angemessenen Aufgabenbereich - umstellen werden.
c) Wesentlich im Sinne von Art. 12 Abs. 1 IVG ist der durch eine Behandlung erzielte Nutzeffekt nur dann, wenn er in einer bestimmten Zeiteinheit einen erheblichen absoluten Grad erreicht (BGE 98 V 211 Erw. 4b). Durch die medizinischen Massnahmen soll in der Regel innerhalb einer gewissen Mindestdauer eine gewisse Mindesth�he an erwerblichem Erfolg erwartet werden k�nnen. Inwieweit der voraussichtliche Eingliederungserfolg noch als wesentlich bezeichnet werden kann, l�sst sich nicht generell sagen, sondern ist auf Grund der Besonderheiten des Einzelfalles zu entscheiden. Dabei werden Massnahmen, die nur eine geringf�gige Verbesserung der Erwerbsf�higkeit bewirken, von der Invalidenversicherung nicht �bernommen. Es muss vorausgesetzt werden, dass eine noch bedeutende Erwerbsf�higkeit vor wesentlicher Beeintr�chtigung bewahrt wird, denn das Gesetz sieht keine Massnahmen vor, um einen kleinen und unsicheren Rest von Erwerbsf�higkeit zu erhalten. Die Frage nach der Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges h�ngt ferner ab von der Schwere BGE 101 V 43 S. 53des Gebrechens einerseits sowie von der Art der vom Versicherten ausge�bten bzw. im Sinne bestm�glicher Eingliederung in Frage kommenden Erwerbst�tigkeit anderseits; pers�nliche Verh�ltnisse des Versicherten, die mit seiner Erwerbst�tigkeit nicht zusammenh�ngen, sind dabei nicht zu ber�cksichtigen (nachstehendes Urteil vom 31. Januar 1975 i.S. Schweizer).
d) Nach st�ndiger Rechtsprechung muss der voraussichtliche Erfolg der Massnahme in einem vern�nftigen Verh�ltnis zu ihren Kosten stehen (BGE 97 V 165 oben; ZAK 1972 S. 58 Erw. 2, 1970 S. 229; EVGE 1968 S. 273, 1966 S. 38, 1964 S. 238, 1962 S. 235). Dieser Grundsatz der Verh�ltnism�ssigkeit zwischen den Kosten des Aufwandes und dem voraussichtlichen Nutzen erh�lt erh�hte praktische Bedeutung namentlich in Grenzf�llen, d.h. wenn die Beurteilung der Frage der Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges medizinischer Massnahmen kritisch ist.
4. a) Im vorliegenden Fall war laut dem Bericht des Dr. H. vom 7. Februar 1972 das Einsetzen einer Totalprothese in das linke H�ftgelenk unerl�sslich zur Erhaltung der Gehf�higkeit, welche eine notwendige Teilvoraussetzung der Erwerbsf�higkeit des Beschwerdef�hrers darstellt. Es darf daher davon ausgegangen werden, dass das H�ftgelenk mehr oder weniger zerst�rt war, was nach der Praxis die Annahme relativ stabilisierter Verh�ltnisse erlaubt. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang ferner die im Jahre 1964 vorgenommene Arthrodese am rechten H�ftgelenk. Den Akten kann nichts entnommen werden, was den Schluss zuliesse, jene H�fte sei seit der Operation nicht beschwerdefrei geblieben und es liege kein g�nzlich stabiler Zustand vor. Allerdings vermag, wie das Bundesamt f�r Sozialversicherung mit Recht erkl�rt, diese Gelenkversteifung zu einer Beeintr�chtigung der Erwerbsf�higkeit beizutragen. Weil der Versicherte bisher trotz des versteiften rechten H�ftgelenks seinen Beruf weiterhin voll aus�ben konnte, darf indessen davon ausgegangen werden, dass - jedenfalls bei ausreichendem Eingliederungserfolg der nunmehr streitigen Operation - der Arthrodese der rechten H�fte keine erhebliche Bedeutung zukommt.
b) Es fragt sich somit, ob - prognostisch beurteilt - von der Einsetzung einer H�ftgelenksprothese links, welche beim 63j�hrigen Beschwerdef�hrer indiziert ist, unter Ber�cksichtigung BGE 101 V 43 S. 54der bestehenden Gonarthrose rechts ein dauernder und wesentlicher Eingliederungserfolg zu erwarten war.
Dr. H. diagnostizierte am 7. Februar 1972 eine klinisch und r�ntgenologisch schwerere Gonarthrose rechts und einen chronischen Kniegelenkerguss rechts als Folge der �berbelastung. Der Hinweis des Arztes, dass das Einsetzen der Totalprothese und die damit verbundene Beseitigung der chronischen �berbelastung des rechten Knies zur Erhaltung der Gehf�higkeit unerl�sslich sei, beinhaltet die Prognose, dass mit dem Eingriff die durch die Coxarthrose sowie durch die Gonarthrose verursachte Beeintr�chtigung der Erwerbsf�higkeit behoben werden k�nne. Noch vor der Operation teilte Dr. H. am 30. M�rz 1972 mit, dass durch die Totalprothese der Zustand der Beine so gebessert werde, dass der Versicherte bis auf weiteres seinen Beruf voll aus�ben k�nne. Am 22. Dezember 1972 pr�zisierte der Arzt, es sei durch die im April 1972 vorgenommene Operation mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass Josef St�ssel bis zur Erreichung des Pensionierungsalters auf seinem jetzt ausge�bten Beruf als Wagenf�hrer arbeitsf�hig bleiben werde. Obschon dieser Bericht nach der Operation erstattet wurde, l�sst der Sachzusammenhang darauf schliessen, dass diese Aussage praeoperativ-prognostisch gemeint war. Im �brigen besteht kein Anlass, an dieser Prognose zu zweifeln. Der allein ins Gewicht fallende Nebenbefund der Gonarthrose vermag somit den zu erwartenden Eingliederungserfolg der H�ftoperation nicht in wesentlichem Masse in Frage zu stellen. Denn es kann nicht gesagt werden, dass die Arbeitsf�higkeit des Beschwerdef�hrers trotz erfolgreicher H�ftoperation durch die sekund�re Gonarthrose weiterhin erheblich beeintr�chtigt w�rde. Aus den Angaben von STAUFFER/SCHAETZLE (Barwerttafeln, 3. Aufl., 1970, S. 193), wonach die mittlere Aktivit�tsdauer bei einem 60j�hrigen Mann 10,7 und bei einem 65j�hrigen Mann noch 7,39 Jahre betr�gt, geht hervor, dass der 63j�hrige Beschwerdef�hrer mit einer statistischen Aktivit�tserwartung bis gegen das 72. Altersjahr rechnen kann. Hinsichtlich der konkreten Arbeitsdauer des Beschwerdef�hrers steht fest, dass er laut �rztlicher Prognose mindestens bis zur Pensionierung als Wagenf�hrer der SOB voll arbeitsf�hig sein wird. In jenem Zeitpunkt wird seine Arbeitsf�higkeit nicht unvermittelt zu Ende gehen. Werden die beruflichen Anpassungs- und Umstellungsm�glichkeiten BGE 101 V 43 S. 55des Versicherten nach seiner Pensionierung in Betracht gezogen, so darf eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Erwerbst�tigkeit oder eine nichterwerbliche Bet�tigung in einem andern angemessenen Aufgabenbereich noch etliche Jahre �ber das 65. Altersjahr hinaus angenommen werden. Es rechtfertigt sich daher, in diesem Grenzfall den voraussichtlichen Eingliederungserfolg als dauernd im Sinne des Art. 12 Abs. 1 IVG zu bezeichnen.
Unter Ber�cksichtigung des Umstandes, dass der Beschwerdef�hrer dank der Operation w�hrend zwei Jahren auf seinem angestammten Beruf weiterhin voll t�tig sein und wahrscheinlich mit einer weiteren Erwerbsf�higkeit in erheblichem Umfange f�r eine l�ngere Zeitspanne rechnen kann, ist auch die Wesentlichkeit des Eingliederungserfolgs zu bejahen.
c) Bei diesen Gegebenheiten hat der Beschwerdef�hrer darauf Anspruch, dass die Invalidenversicherung die Kosten der Coxarthroseoperation samt Nachbehandlung �bernimmt...
In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden die angefochtene Kassenverf�gung vom 22. M�rz 1972 und der Entscheid der Kantonalen Rekursbeh�rde f�r die Sozialversicherung Schwyz vom 20. November 1972 aufgehoben. Die Invalidenversicherung wird verpflichtet, die am 5. April 1972 vorgenommene Coxarthrose-Operation samt Nachbehandlung als medizinische Massnahme zu �bernehmen.
98 V 212 suite... ,
97 V 165

References: Art. 12
 BGE 
 Art. 8
 Art. 8
 BGE 
 Art. 8
 Art. 12
 BGE 
 Art. 12
 Art. 12
 BGE 
 BGE 
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 Art. 12
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 Art. 8
 Art. 12
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 Art. 12
 BGE 
 BGE 
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 Art. 12