Source: https://knife-blog.com/vergleichstest-42a-konforme-fixed-teil-2/
Timestamp: 2019-09-16 06:16:51+00:00

Document:
Vergleichstest §42a WaffG konforme Fixed Blades, Teil 2 | Knife-Blog
§42a WaffG konforme Fixed Blades sind in Deutschland sehr populär und die Auswahl für einen Vergleichstest ist riesengroß. Messer. Entsprechend schwierig ist die Auswahl. Neben einigen Dauerbrennern sollen auch im zweiten Teil ein paar bisher eher unbekannte Firmen und Messer zur Vorstellung kommen. „Vier Messer aus vier Ländern“ könnte die Überschrift für den zweiten Teil für WaffG konforme Fixed Blades lauten. Neben Deutschland und den USA sind auch Messer aus Schweden und Litauen am Start.
WaffG konforme Fixed Blades: Fällkniven F1 Pro
WaffG konforme Fixed Blades: Spartan Blades Phrike
WaffG konforme Fixed Blades: K-1 von TRC
WaffG konforme Fixed Blades – SK02
Im ersten Teil waren abgesehen von Bud Nealy mit Extrema Ratio, Bastinelli und Cold Steel drei sehr populäre Hersteller mit recht unterschiedlichen Ergebnissen am Start. Auch diesmal soll die Auswahl eine kreative Komponente besitzen wobei unmaßgeblich ist, ob die Klinge des Messers möglichst nah an die erlaubten 12 Zentimeter heranreicht oder nicht. Viele interessante Messer unterschreiten die gesetzliche Grenze, bringen aber spannende Philosophien und diesmal, soviel sei vorweggenommen, auch rundum gute Qualitäten mit.
Für alle Leser, die mit dem Ausdruck „§42a WaffG konform“ nichts anfangen können: Messer mit feststehender Klinge und einer Klingenlänge über 12 Zentimetern unterliegen einem Führverbot nach dem aktuellen Waffenrecht. Führverbot bedeutet, dass das Messer außerhalb umfriedeten Eigentums nur in einem verschlossenen Behältnis transportiert und nicht zugriffsbereit getragen oder gelagert werden darf (s. Links).
Genauso vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten für Messer mit feststehender Klinge sind die Wünsche und Anforderungen ihrer Benutzer. Die Palette reicht von Messern im militärisch-taktischen Stil über klassische EDC als Universalwerkzeug bis hin zu einfachen Brotzeitmessern für Wanderer. Einzig Jagdmesser habe ich außen vorgelassen, denn während der Jagd erzwingt das Waffengesetz keine Beschränkung der Klingenlänge. Daher sind Jäger eine der wenigen Personengruppen, die zumindest zeitweise halbwegs rechtssicher von den Beschränkungen des §42a WaffG befreit sind.
Die schwedische Firma Fällkniven ist vor allem für ihre Outdoor- und Jagdmesser bekannt, die sich in Form und Stil an traditionellen skandinavischen Formen orientieren. Zwar bestehen heutige Messer aus zeitgemäßen Materialien und das Design wurde in vielen Details modernisiert aber die typische Formensprache von Fällkniven ist über die Jahre erhalten geblieben. Das Modell F1 ist eines der ältesten und bekanntesten Messer der schwedischen Firma und liegt heute in der aufgewerteten Pro Version auf dem Tisch.
Das Modell F1 Pro lässt schon von seiner Optik her keine Fragen zu seiner Herkunft aufkommen und zählt bei Fällkniven zu den Survival-Messern. Bereits seit 1995 ist das F1 das offizielle Überlebensmesser der schwedischen Kampfpiloten. Das F1 als professionelles Survivaltool ist für viele Messerfreunde vermutlich überraschend, stellt man sich doch „echte“ Survival-Messer oft größer, stabiler und optisch „eindrucksvoller“ vor. Tatsächlich halten Fällkniven und die schwedische Luftwaffe eine Klingenlänge von 97 Millimeter für ausreichend. Das F1 Pro unterscheidet sich vom Modell F1 hinsichtlich des mitgelieferten Zubehörs und in einigen technischen Details; es besitzt zum Beispiel einen anderen Klingenstahl sowie eine stärkere und um drei Millimeter verlängerte Klinge.
Die technischen Daten des Fällkniven F1 Pro im Überblick:
Messertyp: Survival-Messer mit feststehender Klinge, in DE §42a WaffG konform
Klingenstärke: 5 mm an der Klingenwurzel
Klingenhöhe: 28 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl: Laminat aus CoS und 420J2
Herstellungsland: Japan (verm. Hattori), ohne offizielle Herstellerangabe
Auf den ersten Blick mag das Survival-Messer von Fällkniven wenig aufregend, vielleicht sogar ein etwas bieder und langweilig wirken. Seine Besonderheiten und Stärken offenbart das Messer aus der nordschwedischen Kleinstadt Boden erst auf den zweiten Blick. Beim genaueren Hinsehen wird klar, dass Fällkniven keinen Aufwand und keine Mühe spart, um ein möglichst optimales Messer zu realisieren.
Die Reise in die Gedankenwelt der Macher dieses Messers beginnt bereits mit dem Klingenstahl. Wie bei traditionellen japanischen Messern verwendet Fällkniven ein Laminat (von lateinisch lamina, Schicht) mit einem ultraharten Stahl in der Mitte und „Backen“ aus Stahl geringerer Härte und hoher Korrosionsträgheit an den Außenseiten.
Japanisch ist nicht nur die Machart, japanischer Herkunft sind auch die Klingenstähle. Die Abkürzung „CoS“ steht für „Cobalt Special Steel“. Die Kobalt-Stähle sind noch relativ neu in der Messerszene. Bei ihnen werden die Legierungselemente Mangan und Vanadium durch einen hohen Anteil (2,5 Prozent) von Kobalt und Molybdän (1,5 Prozent) ersetzt. Wolfram und Vanadium sind nur noch mit jeweils 0,3 Prozent beteiligt, 16 Prozent Chrom sorgen für gute Korrosionsträgheit.
Die Backen der laminierten Klinge bildet 420J2, ein extrem rostträger Stahl mit mittlerer Härte. Sowohl bei der Aufsicht auf den Klingenrücken wie auch entlang der Schneidkante ist das Laminat und der Übergang zwischen beiden Stählen gut erkennbar.
Der Griff ist mit gut zehn Zentimetern geringfügig länger als die Klinge und bietet einer Männerhand sogar mit Winterhandschuhen üppigen Platz. Auch beim Griffmaterial bleibt das schwedische Messer japanisch. Thermorun ist ein thermoplastisches Elastomer von Mitsubishi, das unter anderem in Airbags und in anderen hochwertigen Industriekomponenten eingesetzt wird. Thermorun erzeugt ein weiches, gummiähnliches Handgefühl und ist temperaturstabil, witterungsbeständig und widerstandsfähig gegen UV-Strahlung.
Die Griffoberfläche ist mit einem tiefen aber fein strukturierten Rautenmuster versehen, so dass das F1 Pro auch bei Nässe sicher in der Hand liegt. Handlage und Ergonomie sind untadelig, beim Arbeiten findet der Daumen üppigen Platz auf dem 5 Millimeter breiten Klingenrücken.
Zum Ausstattungspaket des Fällkniven F1 Pro gehören eine Scheide aus Zytel sowie das Schleifwerkzeug DC4, das in einer eigenen Lederhülle mitgeliefert wird. Das flache Schleifwerkzeug besteht aus einem keramischen Schleifstein und einem Diamantschleifstein mit einer Körnung von 25 Mikron. Eine ausführliche Anleitung zur Arbeit mit dem Schleifwerkzeug wird nicht mitgeliefert, sondern findet sich leider nur in Schwedisch und Englisch auf der Homepage von Fällkniven.
Die Zytel-Scheide ist passgenau, das Messer rastet hörbar ein, sitzt aber nicht bombenfest, so dass das F1 Pro leicht klappert. Dies ist gewollt und stört in der Praxis nicht. Der Griff des Messers kann mittels einem Gurt gesichert werden, damit ist auch das Klappern beseitigt. Die Scheide lässt sich auf zweierlei Weise am Gürtel befestigen. Entweder zieht man den Gürtel durch die Schlaufe oder man zieht den Gürtel durch die beiden Aussparungen links und rechts der Scheide um das Messer schräg zu tragen. Ein kleiner Wermutstropfen: Montagemöglichkeiten für ein Teklok bestehen nicht, wer das Messer Tip-Up am Gürtel tragen möchte, kommt um eine zusätzliche Kydex-Scheide nicht herum.
Das Fällkniven F1 Pro wird in einer stabilen Präsentbox geliefert, die später dazu dienen kann, bei Outdoor-Aktivitäten allerlei nützliche Dinge aufzubewahren. Wie Bastinelli ist Fällkniven ein Entwicklungs- und Vertriebsunternehmen, alle Messer werden von Dienstleistern hergestellt. Dabei bedient sich der schwedische Familienbetrieb für fast alle Fixed Blades der renommierten japanischen Firma Hattori aus Seki City. Über das Internet kann man das F1 in der Pro Version etwa ab 275,- Euro bestellen. Das schwedische Survial-Messer gehört damit zur mittleren Preisklasse besitzt ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis.
Erst in der Praxis offenbaren sich die inneren Werte des F1 Pro; es ist robust, liegt hervorragend in der Hand und ist universell einsetzbar. Obwohl der ballige Anschliff garantiert nicht jedermanns Sache ist, in der täglichen Arbeit kann die Klinge überzeugen. Trotz der 5 Millimeter starken Klinge ist das Fällkniven F1 Pro ein richtiger Schneidteufel. Von filigranen Schnitten bis zu gröberen Arbeiten bringt das Messer gute Ergebnisse.
Fazit: Die Verarbeitungsqualität des F1 Pro von Fällkniven liegt in allen Bereichen auf sehr hohem Niveau. Egal ob man Schliff oder Oberfläche der Klinge, die Verarbeitung der Scheide oder das mitgelieferte Schleifwerkzeug betrachtet, bei Material und Verarbeitung sammelt das Messer des schwedischen Familienunternehmens reihenweise Bestnoten.
Eine Schwäche in Design, Handhabung oder Qualität konnte ich nicht ausmachen. Durch seine Vielseitigkeit gibt das Fällkniven F1 Pro ein exzellentes EDC ab! Technisch ragt das Messer durch den verwendeten Kobalt-Stahl und die Laminat-Klinge hervor. Dass die Klinge des Fällkniven F1 nicht nur zum Rasieren taugt, sondern in diesem Testfeld mit den schärfsten Schliff (9/10) aufweist, überrascht daher keineswegs.
Der amerikanische Hersteller Spartan Blades LLC darf noch als Newcomer in der Messerszene gelten, kann aber bereits auf einen nahezu kometenhaften Aufstieg zurückblicken. Anfänglich nur mit seinen Fixed Blades aber seit drei Jahren auch mit verschiedenen Foldern hat sich Spartan Blades einen Ruf als Hersteller praxistauglicher Messer mit hoher Qualität erarbeitet. Vorläufiger Höhepunkt der Unternehmensgeschichte war der Gewinn des Titels „Bestes Messer aus amerikanischer Produktion“ auf der Blade Show im Juni 2016.
Der allergrößte Teil der Messer mit feststehender Klinge von Spartan Blades entfällt auf große Kampf- und Outdoor-Messer. Abgesehen von einem Neck Knife ist das Modell Phrike das kleinste Fixed im Produktkatalog der Firma aus Ft. Bragg. Der Firmenslogan „Knives with intent“ also frei übersetzt „Messer mit Sinn“ ist die Messlatte, die sich der Hersteller selbst auferlegt. Wir werden sehen, ob das Phrike strauchelt oder die Latte lässig nehmen kann …
Die technischen Daten des Spartan Blades Phrike im Überblick:
Messertyp: Backup-Messer mit feststehender Klinge, in DE §42a WaffG konform
Klingenform: Drop Point mit Fehlschärfe auf dem Klingenrücken
Beschichtung: SpartaCoat – PVD – Wolfram DLC (Schwarz) oder ZrN (Dunkelbraun)
Klingenhöhe: 25 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl: S35VN, 59-60 HRC
Gewicht: 118 Gramm, 211 Gramm mit Scheide
Scheide: MOLLE kompatible Scheide aus Nylon (schwarz, braun oder Camouflage)
Herstellungsland: USA (Herstellerangabe)
Durch Größe und Bauart ist das Phrike zwischen einem Neck Knife und ausgewachsenen Fixed Blade angesiedelt. Spartan Blades gibt als Verwendungszweck „self-defense utility“ an und positioniert das Phrike damit als Backup-Messer. Viele Messerfans tragen das Phrike aber als EDC und setzen es für leichte Schneidaufgaben ein. Beide Aufgaben erfüllt das Phrike ausgezeichnet, es ist im Alltag ein nützlicher Begleiter und eine gute Ergänzung, wenn es als „Zweitmesser“ getragen wird.
Der Klingenstahl S35VN ist derzeit der Star der Messerszene und wird von Spartan Blades inzwischen für (fast) alle Modelle eingesetzt. Er besitzt hervorragende Allround-Eigenschaften, ohne dass man irgendeine Schwäche in Kauf nehmen muss. Mit einer Härte von 59-60 Rockwell besitzt S35VN hohe Schnitthaltigkeit und bringt außerdem gute Bruchsicherheit und Nachschärfbarkeit mit. Der Klingenschliff ist winkelstabil und symmetrisch, die Klinge über die gesamte Länge sehr scharf (8/10).
Die Nylon Scheide ist praktisch, wenn man das Messer an der Ausrüstung befestigen möchte, für das Tragen als EDC bevorzuge ich eine kleine Kydex-Scheide mit der Möglichkeit, ein Teklok anzubringen. Die Nylon Scheide ist von sehr guter Qualität mit doppelten Nähten und einem Plastikeinsatz. Alle Messer und sämtliches Zubehör von Spartan Blades werden ausschließlich in den USA gefertigt, die Scheiden werden zu einem großen Teil von Veteranen hergestellt, die nach ihrer aktiven Laufbahn einen Zuverdienst suchen.
Als Griff ist auf beiden Seiten des Messers eine jeweils zwei Millimeter starke Griffschale aus G-10 montiert, die den Umriss des Griffstücks verkleinert nachformen. So ergibt sich eine Gesamtbreite des Griffs von nur wenig mehr als acht Millimetern. Dieser Wert ermöglicht, das Phrike nahezu unsichtbar zu tragen ist aber nahe dem unteren Grenzwert für eine brauchbare Handlage.
Das Griffstück ist ausreichend lang und ergonomisch sinnvoll geformt. Alle Finger finden bequem Platz, wobei das Messer sicherer und rutschfester in der Hand liegt als der Griff nach Augenschein vermuten lässt. Dennoch liegt das Einsatzgebiet des Phrike nicht bei Arbeiten, die lange dauern oder einen hohen Kraftaufwand erfordern. Das Phrike ist das ideale Messer für den „quick cut“, den schnellen Schnitt zwischendurch.
Bei Materialien und Verarbeitung sichert sich das Phrike die volle Punktzahl. Die Verarbeitung ist blitzsauber, der Klingenschliff ausgezeichnet. Spartan Blades gibt einen Preis von 250 US-Dollar an, was angesichts der Qualität von Messer und Scheide ein faires Angebot darstellt.
Was bedeutet eigentlich „Phrike“? Der Name „Phrike“ geht nicht auf eine griechische Göttin zurück, sondern auf eine Erzählung Senecas, wobei Phrike für die unpersonifizierte Verkörperung von Angst und Horror „inmitten der ewigen Schatten“ steht. Das Phrike als Backup-Messer oder leichtes EDC ist ein stimmiges Konzept. Am Körper lässt sich das Phrike durch seine Größe und die schmale Bauweise bequem und unauffällig tragen. Eine zusätzliche, maßgefertigte Kydex-Scheide ist – wie bereits erwähnt – meines Erachtens eine sinnvolle Ergänzung für dieses Messer (s. unter Links).
Fazit: Das Spartan Blades Phrike schließt durch Bauart und seinen Abmessungen die Lücke zwischen Neck Knives und Fixed Blades. Es besitzt Elemente beider Kategorien und lässt sich weder der einen noch der anderen Gruppe eindeutig zuordnen.
Im Alltag ist das Phrike ein praktischer und zuverlässiger Begleiter mit weitem Einsatzbereich, zum Beispiel, wenn man neben einem großen Fixed ein Messer für leichte Schneidaufgaben mitnehmen möchte.
Eine der schönsten und spannendsten Facetten des Hobbys Messer ist, dass man immer dann mit etwas Neuem überrascht wird, wenn man glaubt alles zu kennen. So ein Fall könnte für viele Messerfreunde die litauische Firma TRC sein. In einem kleinen Betrieb mit fünf oder sechs Mitarbeitern werden in familiärer Atmosphäre Fixed Blades hergestellt, die den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz nicht mehr fürchten müssen.
Im Test ist mit dem Modell K-1 ein Messer, dass in viele Schubladen passt: Outdoor-Messer, EDC, Alltagsmesser mit taktischer Note oder kleines Jagdmesser, das K-1 könnte jede dieser Rollen spielen. Interessant und entscheidend ist nicht, dass das Messer in diese Rollen schlüpfen möchte, entscheidend ist, dass es in allen Fällen eine gute Figur abgeben würde. Das mag einerseits an einer tendenziell konservativen Form und andererseits an der Kombination aus ordentlichen Materialien und guter Verarbeitung liegen.
Die technischen Daten des K-1 von TRC im Überblick:
Messertyp: Allrounder mit feststehender Klinge, in DE §42a WaffG konform
Klingenform: Drop Point mit Flachschliff bis an die sehr hohe Gratlinie
Beschichtung: keine, gebürstet
Klingenstärke: 4,8 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl: Elmax, 59-60 HRC
Gewicht: 194 Gramm,
Scheide: wahlweise gegen Aufpreis Leder oder Kydex
Herstellungsland: Litauen (Herstellerangabe)
Der Mann hinter dem Messer ist Andrius Tricius und der Firmenname TRC ist eine marketingtaugliche Abkürzung seines Nachnamens. Gemeinsam mit einer Handvoll Mitarbeitern stellt Andrius inzwischen gut ein halbes Dutzend Messermodelle her, die sich überwiegend als Outdoor- oder Survival-Messer kategorisieren lassen. Neben einem Messer mit eindeutig taktischer Ausrichtung zeigen alle Modelle von TRC dezente optische Anleihen bei Einsatzmessern.
Als Klingenstahl kommt der PM-Stahl Elmax zum Einsatz, der bei TRC eisgehärtet auf 59-60 Rockwell eingestellt wird. Elmax gehört zur Klingenstahloberklasse und verfügt über gute Allroundeigenschaften. Die Metallbearbeitung ist aufwändig und in allen Details perfekt. Der Klingenrücken ist leicht gerundet und steht oben und unten einen Millimeter aus den Griffschalen hervor. Das Klingenblatt ist in Querrichtung fein gebürstet. Etwa drei Zentimeter hinter der Klingenspitze setzt eine Fehlschärfe an, die gleichzeitig als Gratlinie für den Flachschliff fungiert. Optisch wird diese Konstruktion dadurch aufgewertet, dass der Bereich oberhalb der Gratlinie fein sandgestrahlt ist und dadurch einen Kontrast zum gebürsteten Stahl der Klinge bildet. So zeigt die Klinge des K-1 eine Art „Two-Tone“ Finish, was dem Messer eine noble Optik beschert.
Der Griff wird durch zwei Halbschalen aus Canvas Micarta gebildet und er ist so bemessen, dass er eine Männerhand gut ausfüllt. Die tiefe Griffmulde für den Zeigefinger, die Wölbung für die Finger an der Griffunterseite und der leicht abfallende Klingenrücken bewirken eine ausgezeichnete Handlage des Messers. Der Daumen findet Platz auf dem Jimping des Klingenrückens, das ohne scharfe Kanten auskommt. So ergibt sich eine insgesamt ausgezeichnete Ergonomie des Messers, was sowohl sichere Handlage wie auch hohe Kraftübertragung ermöglicht.
Das Micarta der Griffschalen ist an den Seiten mit einem Rautenmuster versehen und die umlaufenden Kanten sind griffig aufgeraut. Dadurch ergibt sich eine hohe Rutschfestigkeit. In Sachen Handlage und Ergonomie gehört das Messer von TRC zu den Top Drei in diesem Testfeld.
Der Anschliff der Klinge ist symmetrisch und winkelstabil, im geraden Teil der Klinge sogar absolut perfekt und auch in der Biegung noch sehr präzise. Die Schneide ist auf der gesamten Länge gleichmäßig scharf (8/10). Die Griffschalen sind sauber angepasst und mit großen Zierschrauben fixiert. Der Preis für das TRC K-1 beträgt laut Hersteller 245,- Euro ohne Scheide; in Deutschland kann man das Messer im Internet für 255,- Euro inklusive einer hochwertigen Kydex-Scheide mit Gürtelschlaufenadapter bestellen (s. unter Links).
Schon höre ich einige Messerfans stöhnen: „zweihundertfuffzich Mücken für ein Messer aus Litauen?!?“ Abregen Leute, das Messer ist sein Geld wert und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hervorragend. Das gilt um so mehr, da in diesem Messer sehr viel Handarbeit steckt.
Fazit: TRC hat mit dem K-1 positiv überrascht! Topklasse beim Material und dazu erstklassige Verarbeitung sind in dieser Preiskategorie eine Ansage an die Konkurrenz. Das Messer ist universell einsetzbar und gibt ein leistungsfähiges EDC ab. Schwächen: keine!
Nach sieben Messern aus verschiedenen Ländern gerät fast in Vergessenheit, dass wir in Deutschland in einem Land mit hoher Messermacherdichte leben. Trotzdem dominieren ausländische Hersteller und für Produkte aus den USA werden hierzulande Preise bezahlt, die man einem einheimischen Messermacher oft nicht zubilligen will. Egal ob Jürgen Schanz, Steffen Bender, Eckhard Schmoll oder Thomas Hauschild – in Deutschland wird jeder Messerfreund ein für ihn passenden Messer in höchster Qualität finden. Neben den bekannten Namen gibt es auch Newcomer, dazu gehört Sven Kinast, der Messer entwirft und in der Werkstatt von Jürgen Schanz in Stutensee herstellen lässt.
Das Modell SK02 macht mit dem an der Scheide baumelnden Fire Starter auf den ersten Blick klar, welcher Verwendungszweck diesem Messer zugedacht ist. In einer dicken und sehr soliden Lederscheide steckt ein typisches Outdoor- bzw. Survival-Messer mit 11,4 Zentimeter langer Klinge. Markant ist die kurze obere Fehlschärfe vom Klingenrücken zu Spitze, was der Klinge eine typische Clip Point Silhouette verleiht.
Messertyp: Outdoor- und Survivalmesser mit feststehender Klinge, in DE §42a WaffG konform
Klingenform: mod. Clip Point mit Hohlschliff und sehr hoher Gratlinie
Beschichtung: keine, satiniert / gebürstet
Klingenstärke: 4,2 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl: SB1, 60 HRC
Griffmaterial: G-10, poliert
Gewicht: 236 Gramm, 434 Gramm mit Scheide
Scheide: Lederscheide mit Fire Starter
Herstellungsland: Deutschland (Jürgen Schanz)
Der Klingenstahl SB1 ist unter vielen verschiedenen Bezeichnungen bekannt: seine Werkstoffnummer lautet 1.4153.03, X80CrVMo13-2 ist international gebräuchlich und informell hört man oft den Klarnamen Niolox. Entgegen der meisten weltweit bekannten Stähle wird SB1 hauptsächlich von Messermachern aus Deutschland und angrenzenden Ländern verwendet.
Obwohl SB1 kein pulvermetallurgischer Stahl ist, besitzt er durch die Zugabe von Niob sehr kleine Chromkarbide und steht daher pulvermetallurgischen Allroundstählen in nichts nach. Mit 60 bis 61 Rockwell ist der Stahl nicht nur sehr hart, er ist außerdem zäh, besitzt hohe Schnitthaltigkeit und lässt sich noch gut ohne Profi-Equipment schärfen. SB1 gehört zu den Stählen, die durch extremes Kühlen auf etwa minus 80° Grad Celsius um drei bis vier Rockwell Grade härter werden als beim Abkühlen in Eiswasser. SB1 enthält 0,8% Kohlenstoff, 0,9% Vanadium, 12,7% Chrom, 1,1% Molybdän und 0,7% Niob.
Die Eigenschaften des Stahls machen ihn für viele Einsatzgebiete von Messern geeignet aber für ein Outdoor- oder Survivalmesser ist SB1 erste Wahl. Wie das Messer von TRC besitzt auch das SK02 ein „Two-Tone“ Finish, während die Klinge fein satiniert und in Querrichtung gebürstet ist befindet sich oberhalb der Gratlinie eine Walzhaut. Alle Metallarbeiten entsprechen höchstem Niveau, der Klingenschliff ist perfekt und das Messer sehr scharf (9/10). Auf der rechten Messerseite findet man das Logo von Jürgen Schanz, auf der linken Seite prangt das Signet von Sven Kinast. Die Typbezeichnung SK02 ist oben auf den Klingenrücken graviert.
Der Griff auf glatt poliertem G-10 ist voluminös und das Messer liegt satt in der Hand. Der Griff bietet ausreichend Platz für Männerhände mit Handschuhen und der Daumen stützt sich auf einem kurzen, nicht scharfkantigen Jimping ab. Ergonomie und Handlage sind untadelig. Der Griff ist so geformt, dass das Messer auch im Reverse Grip gut in der Hand liegt und sicher gehalten werden kann. In der Längsachse des Griffs sind drei durch Stahlhülsen verstärkte Bohrungen angebracht. Sie können der Befestigung des Messers an einem Stock dienen, um das Messer als Klinge einer Lanze oder eines Wurfspeers einzusetzen.
Die Lederscheide glänzt nicht nur optisch, sie glänzt auch mit exzellenter Verarbeitung. Das Gewicht der Scheide von fast 200 Gramm sagt alles über die verbauten Materialstärken, die Scheide wirkt unverwüstlich und das Messer sitzt passgenau aber keineswegs zu fest. Mittels einer Schlaufe kann die Scheide am Gürtel befestigt werden und hängt frei beweglich herab. Alternativ lässt sich der Gürtel durch eine breite Lasche der Scheide ziehen, so dass das Messer auch quer getragen werden kann.
Die Verarbeitung des SK02 von Sven Kinast ist in jeder Hinsicht hervorragend, es gibt noch nicht einmal eine Kleinigkeit zu bemängeln. Das Messer ist äußerlich schlicht aber funktional und verzichtet auf optischen Zierrat. Dafür gehört es qualitativ in die Topklasse und braucht sich auf vor Produkten mit klangvollen Namen nicht zu verstecken. Der Preis von rund 340 Euro entspricht dem gelieferten Gegenwert. Der Käufer erhält ein technisch perfektes, langlebiges Werkzeug von einem der besten Messermacher Deutschlands.
Fazit: Material stimmt, Qualität stimmt, Preis stimmt. Dem Anspruch ein taugliches Outdoor-Messer auf die Beine zu stellen ist gelungen und Jürgen Schanz hat den Entwurf technisch perfekt umgesetzt.
Acht Messer waren beim Knife-Blog Vergleichstest 2016 am Start und haben mehrheitlich gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt. Am meisten haben mich das Fällkniven F1 Pro und das TRC überzeugt.
Messer von TRC : Tools for Gents
Messer von Fällkniven sowie Kydex-Scheiden: Com2you Biwak

References: §42

§42
 §42
 §42
 §42
 §42
 §42