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Timestamp: 2020-04-06 00:29:39+00:00

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BAG, Urteil vom 26.10.2016, 7 AZR 135/15 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 26.10.2016, 7 AZR 135/15
Schlagworte: Befristung: Sachgrund
Aktenzeichen: 7 AZR 135/15
Leitsätze: 1. Besteht ein Sachgrund für die Befristung eines Arbeitsvertrags nach § 14 Abs. 1 TzBfG, ist eine umfassende Kontrolle nach den Grundsätzen eines institutionellen Rechtsmissbrauchs (§ 242 BGB) idR geboten, wenn die Gesamtdauer des befristeten Arbeitsverhältnisses acht Jahre überschreitet oder mehr als zwölf Verlängerungen des befristeten Arbeitsvertrags vereinbart wurden oder wenn die Gesamtdauer des befristeten Arbeitsverhältnisses sechs Jahre überschreitet und mehr als neun Vertragsverlängerungen vereinbart wurden. Unter diesen Voraussetzungen hängt es von weiteren, zunächst vom Kläger vorzutragenden Umständen ab, ob ein Missbrauch der Befristungsmöglichkeit anzunehmen ist.
2. Von einem indizierten Rechtsmissbrauch ist idR auszugehen, wenn die Gesamtdauer des Arbeitsverhältnisses zehn Jahre überschreitet oder mehr als 15 Vertragsverlängerungen vereinbart wurden oder wenn mehr als zwölf Vertragsverlängerungen bei einer Gesamtdauer von mehr als acht Jahren vorliegen. In einem solchen Fall hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, die Annahme des indizierten Gestaltungsmissbrauchs durch den Vortrag besonderer Umstände zu entkräften.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bonn, Urteil vom 07.05.2014, 4 Ca 2979/13
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 05.12.2014, 9 Sa 486/14
7 AZR 135/15
9 Sa 486/14
26. Ok­to­ber 2016
be­klag­tes, be­ru­fungs­kla­gen­des und re­vi­si­ons­kla­gen­des Land,
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 26. Ok­to­ber 2016 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Kiel und
Was­kow so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Zwis­ler und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Holz­hau­sen für Recht er­kannt:
Auf die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 5. De­zem­ber 2014 - 9 Sa 486/14 - auf­ge­ho­ben.
Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 7. Mai 2014 - 4 Ca 2979/13 - ab­geändert.
Der Kläger hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses.
Der Kläger stu­dier­te an der Sport­hoch­schu­le K bis zum Vor­di­plom. Er ist Di­plom-Trai­ner (Trai­ner-Aka­de­mie) und war in der Zeit von 1988 bis 2007 als Trai­ner von ver­schie­de­nen Vol­ley­ball-Mann­schaf­ten bzw. Beach-Vol­ley­ball-Teams im Ama­teur- und Pro­fi­be­reich tätig. Über ei­ne Lehr­amts­befähi­gung verfügt er nicht. In der Zeit vom 15. Ok­to­ber 2007 bis zum 7. Fe­bru­ar 2014 wur­de der Kläger am städti­schen Gym­na­si­um in R als Ver­tre­tungs­leh­rer im Fach Sport beschäftigt. Dem Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en lie­gen die fol­gen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verträge zu­grun­de:
vom Ver­tre­tungs­grund Pflicht­stun­den-
zahl Be­fris­tungs­dau­er
12./23.10.2007 Er­kran­kung des
Leh­rers 19,00/25,50 15.10.2007 bis
16.11.2007 Aus­schei­den des
Leh­rers S 19,00/25,50 16.11.2007 bis
29./30.01.2008 Aus­schei­den des
Leh­rers S 22,00/25,50 01.02.2008 bis
Vergütung der
Som­mer­fe­ri­en aus
frei­en Mit­teln 26.06.2008 bis
13.06.2008 Mut­ter­schutz­ver-
tre­tung Frau H 01.08.2008 bis
24.10.2008 Mut­ter­schutz­ver-
tre­tung Frau H 25,00/25,50 Verlänge­rung bis
10.11.2008 El­tern­zeit der
Leh­re­rin H 25,00/25,50 19.11.2008 bis
02.02.2009 El­tern­zeit der
Leh­re­rin H 25,00/25,50 01.02.2009 bis
13./14.08.2009 El­tern­zeit der
Leh­re­rin R 25,00/25,50 02.07.2009 bis
14./25.06.2010 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin Ho 25,00/25,50 15.07.2010 bis
28.02./
01.03.2011 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin H 15,50/25,50 01.06.2011 bis
Leh­re­rin J 10,00/25,50 01.06.2011 bis
14./20.07.2011 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin D 15,50/25,50
25,00/25,50 07.09.2011 bis
30.08./
06.09.2011 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin D 9,50/25,50 07.09.2011 bis
04./16.01.2012 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin D 25,00/25,50 25.01.2012 bis
02.02.2012 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin D 25,00/25,50
25,50/25,50 11.02.2012 bis
25.06.2012 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin D 25,50/25,50 22.08.2012 bis
23./24.01.2013 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin Ho 10,00/25,50 02.02.2013 bis
Leh­re­rin D 15,50/25,50 02.02.2013 bis
25.07.2013 Ver­tre­tung der
Leh­re­rin W 25,50/25,50 04.09.2013 bis
Die Leh­re­rin W, die während der Dau­er des letz­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags des Klägers we­gen In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit ab­we­send war, un­ter­rich­te­te die Fächer Eng­lisch und Ge­schich­te.
Mit der am 22. No­vem­ber 2013 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­reich­ten Kla­ge hat sich der Kläger ge­gen die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der im Ar­beits­ver­trag vom 25. Ju­li 2013 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 7. Fe­bru­ar 2014 ge­wandt. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Sach­grund der Ver­tre­tung lie­ge nicht vor. Außer­dem könne sich das be­klag­te Land auf­grund der ge­sam­ten Dau­er der Ver­trags­lauf­zeit und der ho­hen Zahl be­fris­te­ter Ar­beits­verträge nicht auf den Sach­grund der Ver­tre­tung be­ru­fen. Es sei von ei­nem in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch aus­zu­ge­hen. Dafür sprächen auch die wei­te­ren Umstände. Die St­un­den­zahl ha­be während des ge­sam­ten Ar­beits­verhält­nis­ses nicht we­sent­lich ge­schwankt. Die Be­fris­tungs­dau­er sei bei ei­nem er­heb­li­chen Teil der Ar­beits­verträge zeit­lich deut­lich hin­ter der zu er­war­ten­den Dau­er des Ver­tre­tungs­be­darfs zurück­ge­blie­ben. Es ge­be kei­nen nach­voll­zieh­ba­ren Grund, bei El­tern­zeit von Lehr­kräften Ver­tre­tungs­verträge ab­zu­sch­ließen, de­ren Dau­er nicht dem zu er­war­ten­den Ver­tre­tungs­be­darf entsprächen, son­dern die statt­des­sen zum Schul­halb­jahr en­de­ten. Die Schüler­zah­len für das Schul­jahr stünden zu Be­ginn des ers­ten Halb­jahrs fest und änder­ten sich da­nach nicht we­sent­lich. Nach ei­ner Beschäfti­gungs­dau­er von sechs Jah­ren und knapp vier Mo­na­ten könne das be­klag­te Land dem Rechts­miss­brauchs­ein­wand nicht mehr mit der feh­len­den Lehr­amts­befähi­gung be­geg­nen.
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht auf­grund der Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 25. Ju­li 2013 zum 7. Fe­bru­ar 2014 ge­en­det hat, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 7. Fe­bru­ar 2014 hin­aus fort­be­steht.
Das be­klag­te Land hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Es hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die zu­letzt ver­ein­bar­te Be­fris­tung sei durch den Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tigt. Die Grundsätze des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs stünden der Wirk­sam­keit der Be­fris­tung nicht ent­ge­gen. Die Ge-
samt­lauf­zeit der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge be­we­ge sich mit sechs Jah­ren und knapp vier Mo­na­ten nicht in dem Be­reich, der An­lass für ei­ne Rechts­miss­brauchs­kon­trol­le bie­te. Auch die An­zahl der mit dem Kläger ge­trof­fe­nen Be­fris­tungs­ab­re­den las­se die Be­fris­tung nicht als rechts­miss­bräuch­lich er­schei­nen. Hier­bei müsse berück­sich­tigt wer­den, dass für die Be­ur­tei­lung des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs von ins­ge­samt 16 und nicht von 20 be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen aus­zu­ge­hen sei. Außer Be­tracht blei­ben müsse der Ar­beits­ver­trag vom 26. Ju­ni 2008 bis zum 31. Ju­li 2008. In die­ser Zeit ha­be dem Kläger le­dig­lich die Vergütung für die Som­mer­fe­ri­en ge­zahlt wer­den sol­len. Auch die Ar­beits­verträge vom 28. Fe­bru­ar/1. März 2011 zur Ver­tre­tung der Leh­re­rin­nen H und J so­wie der Ar­beits­ver­trag vom 30. Au­gust/6. Sep­tem­ber 2011 zur Ver­tre­tung der Leh­re­rin D sei­en nicht zu berück­sich­ti­gen, weil sie ver­ein­ba­rungs­gemäß le­dig­lich der Auf­sto­ckung des St­un­den­vo­lu­mens des Klägers ge­dient hätten. Glei­ches gel­te für den Ver­trag vom 23./24. Ja­nu­ar 2013 zur Ver­tre­tung der Leh­re­rin D.
Zu­min­dest sei ei­ne nach der Ge­samt­dau­er und der An­zahl der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge mögli­cher­wei­se zu ver­mu­ten­de miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der Be­fris­tungsmöglich­keit bei ei­ner Würdi­gung der ge­sam­ten Umstände wi­der­legt. Da­bei sei­en Be­son­der­hei­ten der Un­ter­richts­pla­nung an Schu­len zu berück­sich­ti­gen. Der wech­seln­de Ver­tre­tungs­be­darf un­ter Berück­sich­ti­gung schwan­ken­der Schüler­zah­len, die Ein­stel­lung neu­er Lehr­kräfte, der selbständi­ge Un­ter­richt von Re­fe­ren­da­ren so­wie ein „Epo­chal“-Un­ter­richt ließen nur ei­ne auf das Schul­halb­jahr be­zo­ge­ne Pro­gno­se zu. Außer­dem be­ste­he ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se der Schul­ver­wal­tung, nur sol­che Lehr­kräfte un­be­fris­tet ein­zu­stel­len, die über ei­ne Lehr­amts­befähi­gung verfügen und zwei Fächer un­ter­rich­ten können. Ei­ne un­be­fris­te­te Ein­stel­lung des Klägers, der die Vor­aus­set­zun­gen zur Er­tei­lung von Un­ter­richt an Gym­na­si­en nicht auf­wei­se, die sons­ti­gen Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen nicht erfülle und zu­dem nur das Fach Sport un­ter­rich­ten könne, sei nicht in Be­tracht ge­kom­men.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on
ver­folgt das be­klag­te Land den An­trag auf Ab­wei­sung der Kla­ge wei­ter. Der Kläger be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.
Die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des ist be­gründet. Sie führt zur Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils, zur Abände­rung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils und zur Ab­wei­sung der Kla­ge. Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge zu Un­recht statt­ge­ge­ben. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat auf­grund der im Ar­beits­ver­trag vom 25. Ju­li 2013 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 7. Fe­bru­ar 2014 ge­en­det.
I. Der Sach­an­trag ist aus­sch­ließlich als Be­fris­tungs­kon­troll­an­trag nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG zu ver­ste­hen. Dafür be­darf es kei­nes be­son­de­ren Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses (BAG 24. Ju­ni 2015 - 7 AZR 541/13 - Rn. 18; 15. Mai 2012 - 7 AZR 6/11 - Rn. 9). Der letz­te Halb­satz des Kla­ge­an­trags, mit dem fest­ge­stellt wer­den soll, dass das Ar­beits­verhält­nis „als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 7. Fe­bru­ar 2014 hin­aus fort­be­steht“, hat kei­ne ei­genständi­ge Be­deu­tung im Sin­ne ei­ner all­ge­mei­nen Fest­stel­lung­kla­ge iSv. § 256 Abs. 1 ZPO, die ein be­son­de­res Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor­aus­setz­te. Dar­an fehl­te es, da kei­ne wei­te­ren Be­en­di­gungs­tat­bestände im Streit sind. Der Kläger ver­folgt da­her mit dem letz­ten Halb­satz des Kla­ge­an­trags kein von der Be­fris­tungs­kon­trol­le ge­trenn­tes Kla­ge­be­geh­ren, son­dern be­zeich­net le­dig­lich die Rechts­fol­ge, die sich bei ei­ner un­wirk­sa­men Be­fris­tung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses er­gibt.
II. Der Be­fris­tungs­kon­troll­an­trag ist nicht be­gründet. Die im Ar­beits­ver­trag 11 vom 25. Ju­li 2013 ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 7. Fe­bru­ar 2014 ist durch den Sach­grund der Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG, § 21 Abs. 1 BEEG ge­recht­fer­tigt. Das be­klag­te Land ist auch nicht nach den Grundsätzen des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs (§ 242 BGB) ge­hin­dert, sich auf den Sach­grund der Ver­tre­tung zu be­ru­fen.
1. Die Be­fris­tung zum 7. Fe­bru­ar 2014 gilt nicht be­reits nach § 17 Satz 2 Tz­B­fG iVm. § 7 Halbs. 1 KSchG als wirk­sam. Mit der am 22. No­vem­ber 2013 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen, dem be­klag­ten Land am 3. De­zem­ber 2013 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat der Kläger die Frist des § 17 Satz 1 Tz­B­fG für die Gel­tend­ma­chung der Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung ge­wahrt. Die Kla­ge kann schon vor dem Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Frist er­ho­ben wer­den (BAG 24. Fe­bru­ar 2016 - 7 AZR 182/14 - Rn. 24; 21. Sep­tem­ber 2011 - 7 AZR 375/10 - Rn. 8, BA­GE 139, 213; 10. März 2004 - 7 AZR 402/03 - zu I der Gründe, BA­GE 110, 38).
2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht er­kannt, dass die im Ar­beits­ver­trag vom 25. Ju­li 2013 ver­ein­bar­te Be­fris­tung durch den Sach­grund der Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG iVm. § 21 Abs. 1 BEEG ge­recht­fer­tigt ist.
a) Ein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags liegt nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG vor, wenn der Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers beschäftigt wird. Der Sach­grund der Ver­tre­tung wird durch § 21 Abs. 1 BEEG kon­kre­ti­siert (BAG 29. April 2015 - 7 AZR 310/13 - Rn. 16; vgl. zur Vorgänger­re­ge­lung in § 21 BErzGG: BAG 19. Fe­bru­ar 2014 - 7 AZR 260/12 - Rn. 27; 12. Ja­nu­ar 2011 - 7 AZR 194/09 - Rn. 13). Da­nach be­steht ein sach­li­cher Grund, der die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses recht­fer­tigt, ua. dann, wenn ein Ar­beit­neh­mer oder ei­ne Ar­beit­neh­me­rin zur Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers oder ei­ner an­de­ren Ar­beit­neh­me­rin für die Dau­er ei­nes Beschäfti­gungs­ver­bots nach dem Mut­ter­schutz­ge­setz, ei­ner El­tern­zeit oder ei­ner auf Ta­rif­ver­trag oder ein­zel­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung be­ru­hen­den Ar­beits­frei­stel­lung zur Be­treu­ung ei­nes Kin­des ein­ge­stellt wird. Der Grund für die Be­fris­tung liegt in Ver­tre­tungsfällen dar­in, dass der Ar­beit­ge­ber be­reits zu ei­nem vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Mit­ar­bei­ter in ei­nem Rechts­verhält­nis steht und mit der Rück­kehr die­ses Mit­ar­bei­ters rech­net. Da­mit be­steht für die Wahr­neh­mung der an sich dem aus­fal­len­den Mit­ar­bei­ter ob­lie­gen­den Ar­beits­auf­ga­ben durch ei­ne Ver­tre­tungs­kraft von vorn­her­ein nur ein zeit­lich be­grenz­tes Bedürf­nis (st. Rspr., vgl. et­wa BAG 24. Au­gust 2016 - 7 AZR 41/15 -
Rn. 17; 11. Fe­bru­ar 2015 - 7 AZR 113/13 - Rn. 15; 16. Ja­nu­ar 2013 - 7 AZR 661/11 - Rn. 13, BA­GE 144, 193).
Der Sach­grund der Ver­tre­tung setzt ei­nen Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen dem zeit­wei­li­gen Aus­fall des Ver­tre­te­nen und der Ein­stel­lung der Ver­tre­tungs­kraft vor­aus. Es muss si­cher­ge­stellt sein, dass die Ver­tre­tungs­kraft ge­ra­de we­gen des durch den zeit­wei­li­gen Aus­fall des zu ver­tre­ten­den Mit­ar­bei­ters ent­stan­de­nen vorüber­ge­hen­den Beschäfti­gungs­be­darfs ein­ge­stellt wor­den ist. Es ist des­halb auf­grund der Umstände bei Ver­trags­schluss zu be­ur­tei­len, ob der Be­darf für die Beschäfti­gung des Ver­tre­ters auf die Ab­we­sen­heit des zeit­wei­lig aus­ge­fal­le­nen Ar­beit­neh­mers zurück­zuführen ist. Die An­for­de­run­gen an die Dar­le­gung des Kau­sal­zu­sam­men­hangs durch den Ar­beit­ge­ber rich­ten sich da­bei nach der Form der Ver­tre­tung (BAG 24. Au­gust 2016 - 7 AZR 41/15 - Rn. 19; 11. Fe­bru­ar 2015 - 7 AZR 113/13 - Rn. 17; 6. No­vem­ber 2013 - 7 AZR 96/12 - Rn. 21; 10. Ok­to­ber 2012 - 7 AZR 462/11 - Rn. 16; 6. Ok­to­ber 2010 - 7 AZR 397/09 - Rn. 20 mwN, BA­GE 136, 17; 10. März 2004 - 7 AZR 402/03 - zu III 2 der Gründe, BA­GE 110, 38). Der Kau­sal­zu­sam­men­hang be­steht nicht nur, wenn der be­fris­tet zur Ver­tre­tung ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter die vorüber­ge­hend aus­fal­len­de Stamm­kraft un­mit­tel­bar ver­tritt und die von ihr bis­lang aus­geübten Tätig­kei­ten er­le­digt (un­mit­tel­ba­re Ver­tre­tung). Der Kau­sal­zu­sam­men­hang kann auch ge­ge­ben sein, wenn der Ver­tre­ter nicht un­mit­tel­bar die Auf­ga­ben des ver­tre­te­nen Mit­ar­bei­ters über­nimmt. Die be­fris­te­te Beschäfti­gung zur Ver­tre­tung lässt die Ver­set­zungs- und Um­set­zungs­be­fug­nis­se des Ar­beit­ge­bers un­berührt. Wird die Tätig­keit des zeit­wei­se aus­ge­fal­le­nen Mit­ar­bei­ters nicht von dem Ver­tre­ter, son­dern von ei­nem an­de­ren Ar­beit­neh­mer oder von meh­re­ren an­de­ren Ar­beit­neh­mern aus­geübt (mit­tel­ba­re Ver­tre­tung) und de­ren Tätig­keit dem Ver­tre­ter über­tra­gen, hat der Ar­beit­ge­ber zur Dar­stel­lung des Kau­sal­zu­sam­men­hangs grundsätz­lich die Ver­tre­tungs­ket­te zwi­schen dem Ver­tre­te­nen und dem Ver­tre­ter dar­zu­le­gen (BAG 24. Au­gust 2016 - 7 AZR 41/15 - Rn. 20; 11. Fe­bru­ar 2015 - 7 AZR 113/13 - Rn. 19 mwN).
b) Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts be­ruht die im Ar­beits­ver­trag vom 25. Ju­li 2013 ver­ein­bar­te Be­fris­tung auf der mit­tel­ba­ren Vert­re-
tung der Leh­re­rin W, die sich während der Dau­er die­ses Ar­beits­ver­trags in El­tern­zeit be­fand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Ein­zel­nen fest­ge­stellt, wie die Un­ter­richts­stun­den von Frau W um­ver­teilt wur­den, so dass der Kläger den von ihm zu leis­ten­den Un­ter­richt im Fach Sport er­tei­len konn­te.
aa) Da­nach er­gibt sich der Ver­tre­tungs­be­darf für sie­ben St­un­den Sport­un­ter­richt durch die mit­tel­ba­re Ver­tre­tung der Leh­re­rin W im Fach Eng­lisch. Im Fall ih­rer An­we­sen­heit hätte Frau W in die­sem Fach vier St­un­den in der Klas­se 6c und drei St­un­den in der Klas­se 9c un­ter­rich­ten können. Während ih­rer Ab­we­sen­heit wur­de der Eng­lisch­un­ter­richt von der Leh­re­rin F (Fächer Eng­lisch und Bio­lo­gie) über­nom­men, de­ren Un­ter­richt im Fach Bio­lo­gie in der Jahr­gangs­stu­fe 11 und der Klas­se 9e wie­der­um von dem Leh­rer Sa (Fächer Bio­lo­gie und Sport) wahr­ge­nom­men wur­de. Da­durch konn­te der Kläger den Sport­un­ter­richt von Herrn Sa mit je­weils drei St­un­den in der Jahr­gangs­stu­fe 11 so­wie mit je­weils zwei St­un­den in den Klas­sen 7b und 9a über­neh­men.
bb) Der Ver­tre­tungs­be­darf für wei­te­re 18 St­un­den Sport­un­ter­richt er­gibt sich durch die mit­tel­ba­re Ver­tre­tung der Leh­re­rin W im Fach Ge­schich­te.
(1) Frau W hätte im Fall ih­rer An­we­sen­heit das Fach Ge­schich­te im Um­fang von drei St­un­den in der Jahr­gangs­stu­fe 11 so­wie im Um­fang von je­weils zwei St­un­den in den Klas­sen 6c, 6d und 9a un­ter­rich­ten können. Die­ses Un­ter­richts­de­pu­tat über­nahm der Leh­rer M (Fächer Ge­schich­te und La­tein). Für Herrn M un­ter­rich­te­te Frau J (Fächer La­tein und evan­ge­li­sche Re­li­gi­on) je­weils drei St­un­den La­tein in den Jahr­gangs­stu­fen 10, 11 und der Klas­se 8a. Den evan­ge­li­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt von Frau J über­nahm Frau Wi mit je­weils zwei St­un­den in den Klas­sen 5a und 9a so­wie mit drei St­un­den in der Jahr­gangs­stu­fe 12. Im Um­fang von zwei St­un­den er­teil­te den evan­ge­li­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt von Frau J der Leh­rer L (Fächer Deutsch und evan­ge­li­sche Re­li­gi­on) in der Klas­se 6a. Frau Wi wur­de dafür von der Leh­re­rin Sc (Fächer Deutsch und Sport) mit drei St­un­den Deutsch in der Jahr­gangs­stu­fe 10 ver­tre­ten. Die ver­blei­ben­den sechs St­un­den Deutsch­un­ter­richt von Frau Wi und Herrn L wur­den von Herrn Wir (Fächer Deutsch und Sport) in der Jahr­gangs­stu­fe 10 er­teilt. Der Kläger konn­te da­durch die Sport­stun­den von Frau Sc in der Jahr-
gangs­stu­fe 11 mit drei St­un­den und von Herrn Wir in der Jahr­gangs­stu­fe 12 mit sechs St­un­den über­neh­men.
(2) Zu­dem wären der Leh­re­rin W wei­te­re neun St­un­den Ge­schich­te in der Nach­fol­ge des Leh­rers G (Fächer Ge­schich­te und ka­tho­li­sche Re­li­gi­on) zu­ge­wie­sen wor­den, der fünf St­un­den Ge­schich­te in der Jahr­gangs­stu­fe 11 und je zwei St­un­den in den Klas­sen 6a und 8c un­ter­rich­te­te. Des­sen Re­li­gi­ons­un­ter­richt über­nahm statt­des­sen der Leh­rer C (Fächer ka­tho­li­sche Re­li­gi­on und Ma­the­ma­tik) mit je zwei St­un­den in den Klas­sen 5a, 7a und 8a so­wie mit drei St­un­den in der Jahr­gangs­stu­fe 12. Herr C wie­der­um wur­de von Herrn Kö (Fächer Ma­the­ma­tik und Sport) im Fach Ma­the­ma­tik in der Jahr­gangs­stu­fe 12 mit fünf St­un­den und in der Klas­se 5c mit vier St­un­den ver­tre­ten. Der Sport­un­ter­richt von Herrn Kö konn­te da­mit dem Kläger mit je­weils drei St­un­den in den Klas­sen 5d und 6d und mit zwei St­un­den in der Klas­se 9b so­wie mit ei­ner St­un­de Vol­ley­ball-AG über­tra­gen wer­den.
c) Der Kläger hat ge­gen die­se Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts kei­ne Ge­genrügen er­ho­ben (vgl. da­zu BAG 23. März 2016 - 5 AZR 758/13 - Rn. 38 f.; 19. No­vem­ber 2015 - 6 AZR 560/14 - Rn. 20; BGH 6. Ok­to­ber 2015 - KZR 87/13 - Rn. 39). Sie sind da­her für den Se­nat bin­dend. Da­nach be­steht der er­for­der­li­che ursächli­che Zu­sam­men­hang zwi­schen dem zeit­wei­li­gen Aus­fall der Lehr­kraft W und der be­fris­te­ten Ein­stel­lung des Klägers.
3. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Un­recht an­ge­nom­men, das be­klag­te Land sei nach den Grundsätzen des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs dar­an ge­hin­dert, sich auf den Sach­grund der Ver­tre­tung zu be­ru­fen.
a) Die Ge­rich­te dürfen sich bei der Be­fris­tungs­kon­trol­le nicht auf die Prüfung des gel­tend ge­mach­ten Sach­grunds be­schränken. Sie sind viel­mehr aus uni­ons­recht­li­chen Gründen ver­pflich­tet, durch Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls aus­zu­sch­ließen, dass Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge zurück­grei­fen (vgl. EuGH 21. Sep­tem­ber 2016 - C-614/15 - [Po­pes­cu] Rn. 44; 14. Sep­tem­ber 2016 - C-16/15 - [Pérez López] Rn. 31; 26. No­vem­ber 2014 - C-22/13 ua. - [Mas­co­lo] Rn. 77; 3. Ju­li 2014 - C-362/13
ua. - [Fia­min­go ua.] Rn. 62; 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 40). Die Be­ach­tung von § 5 Nr. 1 Buchst. a der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 ver­langt, dass kon­kret ge­prüft wird, ob die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se der De­ckung ei­nes zeit­wei­li­gen Be­darfs dient und ob ei­ne na­tio­na­le Vor­schrift nicht in Wirk­lich­keit ein­ge­setzt wird, um ei­nen ständi­gen und dau­er­haf­ten Ar­beits­kräfte­be­darf des Ar­beit­ge­bers zu de­cken. Hier­zu sind stets al­le Umstände des je­wei­li­gen Ein­zel­falls zu prüfen und da­bei na­ment­lich die Zahl der mit der­sel­ben Per­son oder zur Ver­rich­tung der glei­chen Ar­beit ge­schlos­se­nen auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Verträge zu berück­sich­ti­gen, um aus­zu­sch­ließen, dass Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zurück­grei­fen, mögen die­se auch an­geb­lich zur De­ckung ei­nes Ver­tre­tungs­be­darfs ge­schlos­sen wor­den sein (EuGH 21. Sep­tem­ber 2016 - C-614/15 - [Po­pes­cu] Rn. 65 f.; 26. No­vem­ber 2014 - C-22/13 ua. - [Mas­co­lo] Rn. 101 f.; 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 39 f., 43, 51, 55). Die da­zu ge­bo­te­ne zusätz­li­che Prüfung ist im deut­schen Recht nach den Grundsätzen des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs (§ 242 BGB) vor­zu­neh­men (vgl. BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 14; 29. April 2015 - 7 AZR 310/13 - Rn. 24; 12. No­vem­ber 2014 - 7 AZR 891/12 - Rn. 27, BA­GE 150, 8; grund­le­gend: BAG 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 38, BA­GE 142, 308 und - 7 AZR 783/10 - Rn. 33).
aa) Die Be­stim­mung der Schwel­le ei­nes in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs hängt maßgeb­lich von der Ge­samt­dau­er der be­fris­te­ten Verträge so­wie der An­zahl der Ver­trags­verlänge­run­gen ab. Ist da­nach die Prüfung ei­nes in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs ver­an­lasst, sind wei­te­re Umstände zu berück­sich­ti­gen. Da­bei kann von Be­deu­tung sein, ob der Ar­beit­neh­mer stets auf dem­sel­ben Ar­beits­platz mit den­sel­ben Auf­ga­ben beschäftigt wur­de oder ob es sich um wech­seln­de, ganz un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben han­delt. Bei zu­neh­men­der An­zahl be­fris­te­ter Verträge und Dau­er der be­fris­te­ten Beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers kann es zu­dem für ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der dem Ar­beit­ge­ber an sich recht­lich eröff­ne­ten Be­fris­tungsmöglich­keit spre­chen, wenn er ge­genüber
ei­nem be­reits langjährig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer trotz der tatsächlich vor­han­de­nen Möglich­keit ei­ner dau­er­haf­ten Ein­stel­lung im­mer wie­der auf be­fris­te­te Verträge zurück­greift (BAG 19. Fe­bru­ar 2014 - 7 AZR 260/12 - Rn. 36 mwN). Die An­nah­me ei­nes Ge­stal­tungs­miss­brauchs bei an­ein­an­der­ge­reih­ten be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen zur Ver­tre­tung liegt näher, wenn die Lauf­zeit der Verträge wie­der­holt hin­ter der pro­gnos­ti­zier­ten Dau­er des Ver­tre­tungs­be­darfs zurück­bleibt, oh­ne dass dafür ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers er­kenn­bar ist (vgl. grundsätz­lich BAG 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 46, BA­GE 142, 308). An­halts­punk­te für und ge­gen ei­nen Rechts­miss­brauch können sich auch aus der Art der Ver­tre­tung er­ge­ben; re­gelmäßig er­weist sich et­wa ei­ne Be­fris­tung zur un­mit­tel­ba­ren Ver­tre­tung ge­genüber ei­ner mit­tel­ba­ren Ver­tre­tung oder ei­ner Ver­tre­tung nach dem Mo­dell der sog. ge­dank­li­chen Zu­ord­nung als we­ni­ger miss­brauchs­anfällig (vgl. da­zu BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 22; 11. Fe­bru­ar 2015 - 7 AZR 113/13 - Rn. 20 f.). Die An­zahl und Dau­er et­wai­ger Un­ter­bre­chun­gen zwi­schen den be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen können ge­gen ei­nen Rechts­miss­brauch spre­chen (vgl. BAG 10. Ju­li 2013 - 7 AZR 761/11 - Rn. 27). Bei der Ge­samtwürdi­gung können da­ne­ben wei­te­re Ge­sichts­punk­te ei­ne Rol­le spie­len. Grund­recht­lich gewähr­leis­te­te Frei­hei­ten können eben­so von Be­deu­tung sein (BAG 29. April 2015 - 7 AZR 310/13 - Rn. 25; 24. Sep­tem­ber 2014 - 7 AZR 987/12 - Rn. 38; 19. Fe­bru­ar 2014 - 7 AZR 260/12 - Rn. 36; 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 47, aaO) wie be­son­de­re An­for­de­run­gen der in Re­de ste­hen­den Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en zu berück­sich­ti­gen sind, so­fern dies ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt ist (EuGH 26. Fe­bru­ar 2015 - C-238/14 - Rn. 40; BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 15).
bb) Der Se­nat hat sich in der Ver­gan­gen­heit nähe­rer quan­ti­ta­ti­ver An­ga­ben da­zu ent­hal­ten, wo die zeit­li­chen und/oder zah­lenmäßigen Gren­zen für ei­nen Miss­brauch ge­nau lie­gen. Er hat in den bei­den grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen vom 18. Ju­li 2012 (- 7 AZR 443/09 - Rn. 43, 48, BA­GE 142, 308 und - 7 AZR 783/10 - Rn. 43) gro­be Ori­en­tie­rungs­hil­fen ge­ge­ben (kri­tisch we­gen der da­mit ver­bun­de­nen Rechts­un­si­cher­heit: APS/Back­haus 5. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 61n ff.; Bay­reu­ther NZA 2013, 23, 25; Dros­deck/Bitsch NJW 2013, 1345,
1347; Grei­ner ZESAR 2014, 357, 362; Loth Pro­gno­se­prin­zip und Ver­trags­kon­trol­le im be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis S. 298 ff.; KR/Lip­ke 11. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 181; Sie­vers Tz­B­fG 5. Aufl. § 14 Rn. 146; Schmid BB 2013, 192; Stau­din­ger/Preis (2016) § 620 Rn. 54d f.; vom St­ein NJW 2015, 369, 374). Be­reits in den Aus­gangs­ent­schei­dun­gen ist ein drei­stu­fi­ges Sys­tem an­ge­legt, das sich in der wei­te­ren Recht­spre­chung des Se­nats kon­kre­ti­siert hat.
(1) Zur Be­stim­mung der Schwel­le ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Ge­stal­tung von Sach­grund­be­fris­tun­gen hat der Se­nat an die ge­setz­li­chen Wer­tun­gen in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG an­ge­knüpft. Die Vor­schrift macht ei­ne Aus­nah­me von dem Er­for­der­nis der Sach­grund­be­fris­tung und er­leich­tert da­mit den Ab­schluss von be­fris­te­ten Verträgen bis zu der fest­ge­leg­ten Höchst­dau­er von zwei Jah­ren bei ma­xi­mal drei­ma­li­ger Verlänge­rungsmöglich­keit. Sie kenn­zeich­net den nach Auf­fas­sung des Ge­setz­ge­bers un­ter al­len Umständen un­pro­ble­ma­ti­schen Be­reich. Ist ein Sach­grund nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ge­ge­ben, lässt erst das er­heb­li­che Über­schrei­ten die­ser Grenz­wer­te den Schluss auf ei­ne miss­bräuch­li­che Ge­stal­tung zu. Bei Vor­lie­gen ei­nes die Be­fris­tung an sich recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds be­steht kein ge­stei­ger­ter An­lass zur Miss­brauchs­kon­trol­le, wenn die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG für die sach­grund­lo­se Be­fris­tung be­zeich­ne­ten Gren­zen nicht um ein Mehr­fa­ches über­schrit­ten sind (vgl. hier­zu et­wa BAG 24. Au­gust 2016 - 7 AZR 41/15 - Rn. 31 f.; 11. Fe­bru­ar 2015 - 7 AZR 113/13 - Rn. 31; 11. Fe­bru­ar 2015 - 7 AZR 17/13 - Rn. 46, BA­GE 150, 366; 14. Ja­nu­ar 2015 - 7 AZR 2/14 - Rn. 47; 6. No­vem­ber 2013 - 7 AZR 96/12 - Rn. 35; 10. Ju­li 2013 - 7 AZR 833/11 - Rn. 25; 16. Ja­nu­ar 2013 - 7 AZR 661/11 - Rn. 25, BA­GE 144, 193; 10. Ok­to­ber 2012 - 7 AZR 462/11 - Rn. 31; 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 783/10 - Rn. 44). Da­von ist aus­zu­ge­hen, wenn nicht min­des­tens das Vier­fa­che ei­nes der in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­ten Wer­te oder das Drei­fa­che bei­der Wer­te über­schrit­ten ist. Liegt ein Sach­grund vor, kann al­so von der Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses Ge­brauch ge­macht wer­den, so­lan­ge das Ar­beits­verhält­nis nicht die Ge­samt­dau­er von sechs Jah­ren über­schrei­tet und zu­dem nicht mehr als neun Ver­trags­verlänge­run­gen ver­ein­bart wur­den, es sei denn, die Ge­samt­dau­er über­steigt be­reits acht Jah­re oder es wur­den mehr als zwölf Ver­trags­verlänge­run­gen ver­ein­bart.
(2) Wer­den die Gren­zen des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG al­ter­na­tiv oder ku­mu­la­tiv mehr­fach über­schrit­ten, ist ei­ne um­fas­sen­de Miss­brauchs­kon­trol­le ge­bo­ten (vgl. hier­zu et­wa BAG 18. März 2015 - 7 AZR 115/13 -; 13. Fe­bru­ar 2013 - 7 AZR 225/11 -). Hier­von ist idR aus­zu­ge­hen, wenn ei­ner der Wer­te des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG mehr als das Vier­fa­che beträgt oder bei­de Wer­te das Drei­fa­che über­stei­gen. Über­schrei­tet al­so die Ge­samt­dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses acht Jah­re oder wur­den mehr als zwölf Verlänge­run­gen des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ver­ein­bart, hängt es von den wei­te­ren, zunächst vom Kläger vor­zu­tra­gen­den Umständen ab, ob ein Rechts­miss­brauch an­zu­neh­men ist. Glei­ches gilt, wenn die Ge­samt­dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses sechs Jah­re über­schrei­tet und mehr als neun Ver­trags­verlänge­run­gen ver­ein­bart wur­den.
(3) Wer­den die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ge­nann­ten Gren­zen al­ter­na­tiv oder ku­mu­la­tiv in be­son­ders gra­vie­ren­dem Aus­maß über­schrit­ten, kann ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der an sich eröff­ne­ten Möglich­keit zur Sach­grund­be­fris­tung in­di­ziert sein (vgl. et­wa BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 16; 29. April 2015 - 7 AZR 310/13 - Rn. 26; 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 48, BA­GE 142, 308). Von ei­nem in­di­zier­ten Rechts­miss­brauch ist idR aus­zu­ge­hen, wenn durch die be­fris­te­ten Verträge ei­ner der Wer­te des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG um mehr als das Fünf­fa­che über­schrit­ten wird oder bei­de Wer­te mehr als das je­weils Vier­fa­che be­tra­gen. Das be­deu­tet, dass ein Rechts­miss­brauch in­di­ziert ist, wenn die Ge­samt­dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses zehn Jah­re über­schrei­tet oder mehr als 15 Ver­trags­verlänge­run­gen ver­ein­bart wur­den oder wenn mehr als zwölf Ver­trags­verlänge­run­gen bei ei­ner Ge­samt­dau­er von mehr als acht Jah­ren vor­lie­gen. In ei­nem sol­chen Fall hat al­ler­dings der Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit, die An­nah­me des in­di­zier­ten Ge­stal­tungs­miss­brauchs durch den Vor­trag be­son­de­rer Umstände zu ent­kräften.
b) Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze kann sich das be­klag­te Land ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf den Sach­grund der Ver­tre­tung be­ru­fen.
aa) Ein Rechts­miss­brauch ist nicht in­di­ziert. Die Ge­samt­dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en beläuft sich auf sechs Jah­re und (knapp) vier Mo­na­te. Der Prüfung des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs sind 15 Verlänge­run­gen, al­so ins­ge­samt 16 be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu­grun­de zu le­gen. Die Par­tei­en ha­ben zwar (min­des­tens) 19 be­fris­te­te Ar­beits­verträge ab­ge­schlos­sen. Al­ler­dings wur­den für drei Zeiträume je­weils zwei Verträge ge­schlos­sen. Für die An­zahl der Ver­trags­verlänge­run­gen zählen Verträge für par­al­le­le Zeiträume nur „ein­fach“, da der je­wei­li­ge Par­al­lel­ver­trag das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nicht verlängert. Des­halb sind drei der zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge nicht als Ver­trags­verlänge­run­gen zu wer­ten. Nicht ge­son­dert zu berück­sich­ti­gen ist fer­ner der Zeit­raum vom 26. Ju­ni 2008 bis zum 31. Ju­li 2008, in dem le­dig­lich die Som­mer­fe­ri­en des Klägers vergütet wur­den, oh­ne dass dem ein ge­son­der­ter be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag zu­grun­de ge­le­gen hätte. Da­mit ist die Schwel­le von mehr als 16 be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen, ab de­ren Vor­lie­gen ein Rechts­miss­brauch als in­di­ziert gilt, nicht er­reicht.
bb) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist al­ler­dings zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass ei­ne Rechts­miss­brauchsprüfung ver­an­lasst ist, da die Ge­samt­dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en sechs Jah­re über­schrei­tet und 15 Ver­trags­verlänge­run­gen vor­lie­gen. Ent­ge­gen der An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat der Kläger je­doch kei­ne hin­rei­chen­den wei­te­ren Ge­sichts­punk­te vor­ge­tra­gen, die für ei­nen Miss­brauch spre­chen.
(1) Die durchgängi­ge Beschäfti­gung des Klägers als Leh­rer in na­he­zu un­veränder­tem St­un­den­um­fang an der­sel­ben Schu­le im Fach Sport be­gründet kei­nen Rechts­miss­brauch.
(a) Zwar kann der Um­stand, dass ein Ar­beit­neh­mer wie­der­holt be­fris­tet über ei­nen länge­ren Zeit­raum in der­sel­ben Dienst­stel­le mit ei­nem im We­sent­li­chen glei­chen zeit­li­chen Um­fang mit den­sel­ben Auf­ga­ben beschäftigt wur­de, als
In­diz für den Be­darf an ei­ner un­be­fris­te­ten Beschäfti­gung auf die­sem Ar­beits­platz an­zu­se­hen sein. Auch wenn der Ar­beit­ge­ber nicht ver­pflich­tet ist, ei­ne Per­so­nal­re­ser­ve in Form un­be­fris­tet beschäftig­ter Ver­tre­tungs­kräfte vor­zu­hal­ten, um Ver­tre­tungsfälle ab­zu­de­cken (EuGH 14. Sep­tem­ber 2016 - C-16/15 - [Pérez López] Rn. 55 f.; 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 54; BAG 24. Au­gust 2016 - 7 AZR 41/15 - Rn. 26; 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 15; 13. Fe­bru­ar 2013 - 7 AZR 225/11 - Rn. 33; 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 15, BA­GE 142, 308), darf die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se nicht ein­ge­setzt wer­den, um in Wirk­lich­keit ei­nen ständi­gen und dau­er­haf­ten Ar­beits­kräfte­be­darf des Ar­beit­ge­bers zu de­cken. Mit der zusätz­li­chen Miss­brauchs­kon­trol­le soll ver­hin­dert wer­den, dass der Ar­beit­neh­mer, an des­sen Beschäfti­gung ein dau­er­haf­ter Be­darf be­steht, von ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis, das den Nor­mall­fall der Beschäfti­gung bil­det, durch an­ein­an­der­ge­reih­te, je­weils für sich be­trach­tet zulässi­ge Sach­grund­be­fris­tun­gen aus­ge­schlos­sen wird.
(b) Die un­veränder­te Beschäfti­gung des Klägers als im We­sent­li­chen voll­zeit­beschäftig­ter Sport­leh­rer an der­sel­ben Schu­le lässt hier je­doch nicht auf ei­nen dau­er­haf­ten Beschäfti­gungs­be­darf und da­mit auf ei­nen Rechts­miss­brauch schließen. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass im Zeit­punkt des zu­letzt ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags am Gym­na­si­um in R ein dau­er­haf­ter Be­darf an der Beschäfti­gung des Klägers als Sport­leh­rer be­stand. Da­ge­gen spricht der Um­stand, dass ei­ne Beschäfti­gung des Klägers als Voll­zeit­kraft im Fach Sport um­fang­rei­che Um­ver­tei­lun­gen von Un­ter­richts­stun­den in­ner­halb der Schu­le vor­aus­setz­te. Es kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass hierfür auch in Zu­kunft ein dau­er­haf­ter Be­darf be­ste­hen wird. Die be­schränk­te fach­li­che Fle­xi­bi­lität des Klägers, die ei­nen erhöhten Or­ga­ni­sa­ti­ons­auf­wand nach sich zieht, spricht ge­gen die An­nah­me ei­nes Rechts­miss­brauchs (vgl. auch BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 24).
(2) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Un­recht an­ge­nom­men, es spre­che für ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der Be­fris­tungsmöglich­keit, dass die ver­ein-
bar­ten Lauf­zei­ten der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge ver­schie­dent­lich auf das En­de des Schul­halb­jahrs be­fris­tet wor­den sind, ob­wohl bei Ver­trags­schluss fest­stand, dass ein Ver­tre­tungs­be­darf über die­sen Zeit­punkt hin­aus ge­ge­ben war.
(a) Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat das be­klag­te Land we­gen des zeit­wei­sen Aus­falls der Lehr­kräfte S, D, H und Ho be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit dem Kläger ab­ge­schlos­sen, oh­ne dass sich die je­wei­li­ge Lauf­zeit des Ar­beits­ver­trags an der pro­gnos­ti­zier­ten Dau­er des Ver­tre­tungs­be­darfs ori­en­tiert hätte. Die Ar­beits­verträge en­de­ten teil­wei­se mit dem Schul­jahr, Schul­halb­jahr bzw. mit den an­sch­ließen­den Fe­ri­en und nicht mit der pro­gnos­ti­zier­ten vorüber­ge­hen­den Ab­we­sen­heit der Lehr­kräfte, mit der das be­klag­te Land den Ver­tre­tungs­be­darf ge­recht­fer­tigt hat.
(b) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die „schlich­te An­knüpfung an das Schul­halb­jahr“ be­sa­ge nichts über die tatsächli­che Dau­er des Ver­tre­tungs­be­darfs und könne des­halb nicht als ei­ne die Be­fris­tungs­pra­xis recht­fer­ti­gen­de Be­son­der­heit des Schul­be­triebs an­er­kannt wer­den. Dass für die Schul­lei­tung mögli­cher­wei­se nicht ab­seh­bar ge­we­sen sei, ob ei­ne an­de­re Lehr­kraft zur Über­nah­me des vom Kläger er­teil­ten Un­ter­richts zur Verfügung ste­hen würde, be­le­ge nur die An­nah­me, dass das Land kein hin­rei­chend tragfähi­ges, auf die Er­for­der­nis­se des Schul­be­triebs ab­ge­stell­tes und die An­nah­me ei­nes in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs aus­sch­ließen­des Ver­tre­tungs­kon­zept ent­wi­ckelt ha­be.
(c) Die­se Be­ur­tei­lung ist nicht frei von Rechts­feh­lern. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat da­mit die Be­son­der­heit ei­ner auf das Schul­halb­jahr be­zo­ge­nen Per­so­nal­pla­nung der Lehr­kräfte, auf die sich das be­klag­te Land be­ru­fen hat, un­zu­tref­fend gewürdigt.
(aa) Zwar hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Grund­satz zu­tref­fend an­ge­nom­men, die wie­der­hol­te In­kon­gru­enz von Be­fris­tungs­grund und Be­fris­tungs­dau­er könne den Schluss dar­auf zu­las­sen, dass das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis ge­nutzt wer­de, um in Wahr­heit ei­nen dau­er­haf­ten Beschäfti­gungs­be­darf ab­zu­de­cken. Die­ser Um­stand ist bei ei­ner Ge­samtwürdi­gung an­ein­an­der­ge­reih­ter be-
fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se re­gelmäßig von Be­deu­tung, selbst wenn die ver­ein­bar­te Ver­trags­lauf­zeit für sich be­trach­tet nicht mit dem pro­gnos­ti­zier­ten Beschäfti­gungs­be­darf für den be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer übe­rein­stim­men, son­dern sich dar­an le­dig­lich ori­en­tie­ren muss (vgl. BAG 21. Ja­nu­ar 2016 - 7 AZR 340/14 - Rn. 17; 21. Ja­nu­ar 2009 - 7 AZR 630/07 - Rn. 10 mwN).
(bb) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat je­doch nicht hin­rei­chend gewürdigt, dass die Per­so­nal­pla­nung im Schul­be­reich ei­ne kom­ple­xe Un­ter­richts­pla­nung vor­aus­setzt, die sich nach den An­for­de­run­gen des je­wei­li­gen Jahr­gangs und Lehr­plans rich­tet. Das be­klag­te Land hat sich zu Recht auf die schul­ty­pi­sche Be­son­der­heit be­ru­fen, dass der Ver­tre­tungs­be­darf an Schu­len von ver­schie­de­nen, sich ständig verändern­den tatsächli­chen Umständen abhängt, die ei­ne schul­halb­jah­res­be­zo­ge­ne Per­so­nal­pla­nung für den Un­ter­richt durch die Be­zirks­re­gie­run­gen und Schu­len recht­fer­ti­gen. Nicht nur das Schul­jahr, son­dern auch das Schul­halb­jahr stellt ei­ne „bran­chen­ty­pi­sche“ or­ga­ni­sa­to­ri­sche Zäsur dar, um für das fol­gen­de Halb­jahr ei­ne vol­le und möglichst fach­be­zo­ge­ne Un­ter­richts­ver­sor­gung zu gewähr­leis­ten. Je­weils zum Schul­halb­jahr müssen die verfügba­ren Lehr­kräfte un­ter Berück­sich­ti­gung von Ein­stel­lun­gen, selbständig un­ter­rich­ten­den Lehr­amts­anwärtern und Ab­we­sen­hei­ten ein­ge­plant wer­den. Für die Per­so­nal­pla­nung ist da­bei nicht nur ent­schei­dend, in wel­chem Um­fang Lehr­kräfte zur Verfügung ste­hen. Maßgeb­lich ist außer­dem, wel­che Fächer durch die verfügba­ren Lehr­kräfte ab­ge­deckt wer­den. Die­se kom­ple­xen Pla­nungs­vor­ga­ben recht­fer­ti­gen es, den je­wei­li­gen Ver­tre­tungs­be­darf im Schul­be­reich nicht nur am vor­aus­sicht­li­chen En­de des Ver­tre­tungs­be­darfs (zB durch den Ab­lauf der Mut­ter­schutz­frist, die Be­en­di­gung der El­tern­zeit oder das En­de ei­nes Son­der­ur­laubs) zu ori­en­tie­ren, son­dern in ers­ter Li­nie am En­de ei­nes Schul­halb­jahrs aus­zu­rich­ten. An­ge­sichts die­ser Be­son­der­hei­ten des Schul­be­reichs kann ein wei­ter ge­hen­des Ver­tre­tungs­kon­zept ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht ver­langt wer­den.
(cc) § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­bie­tet kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung. Der EuGH hat an­er­kannt, dass der Schul­be­reich von der Not­wen­dig­keit be­son­de­rer Fle­xi­bi­lität zeugt, die den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de
be­fris­te­te Ar­beits­verträge ob­jek­tiv recht­fer­ti­gen kann, um dem Be­darf der Schu­len an­ge­mes­sen ge­recht zu wer­den und um zu ver­hin­dern, dass der Staat als Ar­beit­ge­ber dem Ri­si­ko aus­ge­setzt wird, er­heb­lich mehr fes­te Lehr­kräfte an­zu­stel­len als zur Erfüllung sei­ner Ver­pflich­tun­gen auf die­sem Ge­biet tatsächlich not­wen­dig sind. Da­bei zwingt das Recht auf Bil­dung als ein durch die Ver­fas­sung des Mit­glied­staats ga­ran­tier­tes Grund­recht den Staat, den Schul­dienst so ein­zu­rich­ten, dass zwi­schen der Zahl der Lehr­kräfte und der Zahl der Schüler ein stets an­ge­mes­se­nes Verhält­nis be­steht. Die­ses Verhält­nis hängt von ei­ner Viel­zahl von Fak­to­ren ab, von de­nen ei­ni­ge in ge­wis­sem Um­fang schwer zu kon­trol­lie­ren oder vor­her­zu­se­hen sind (EuGH 26. No­vem­ber 2014 - C-22/13 ua. - [Mas­co­lo] Rn. 94 f.). Da­mit ist zwar ei­ne Rechts­miss­brauchsprüfung im Schul­be­reich nicht ent­behr­lich (vgl. EuGH 26. No­vem­ber 2014 - C-22/13 ua. - [Mas­co­lo] Rn. 104). Je­doch stellt die schul­halb­jah­res­be­zo­ge­ne Per­so­nal­pla­nung ei­ne nach­voll­zieh­ba­re bran­chen­ty­pi­sche Be­son­der­heit des Schul­be­triebs dar, die es recht­fer­tigt, dass be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ver­tre­tungs­lehr­kräften trotz ei­nes darüber hin­aus be­ste­hen­den kon­kre­ten Ver­tre­tungs­be­darfs ei­ner ein­zel­nen Stamm­kraft schul­halb­jah­res­be­zo­gen ab­ge­schlos­sen wer­den.
(dd) Ei­ne wie­der­hol­te Ab­kopp­lung der Ver­tre­tungs­dau­er von dem Ver­tre­tungs­grund kann da­her im Schul­be­reich nur dann für ei­nen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch spre­chen, wenn die be­fris­te­ten Ar­beits­verträge we­der dem kon­kre­ten Ver­tre­tungs­be­darf ent­spre­chen noch mit dem je­wei­li­gen Schul­halb­jahr en­den. Nur wenn es für die kürze­re Lauf­zeit ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags kei­nen sol­chen recht­fer­ti­gen­den An­lass gibt, ließe sich dar­aus der Schluss zie­hen, dass das be­klag­te Land in rechts­miss­bräuch­li­cher Wei­se wie­der­holt auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge zurück­greift.
(3) Wei­te­re für ei­nen Ge­stal­tungs­miss­brauch spre­chen­de Umstände sind we­der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt noch vom Kläger vor­ge­tra­gen wor­den. Auf die vom be­klag­ten Land an­geführ­ten Umstände, die aus sei­ner Sicht ge­gen ei­nen in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauch spre­chen, kommt es da­her nicht an.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung er­gibt sich aus § 91 Abs. 1 ZPO.
Zwis­ler
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References: § 14
 § 17
 § 256
 § 14
 § 21
 § 17
 § 7
 § 17
 § 14
 § 21
 § 14
 § 21
 § 21
 BGH 
 EuGH 
 § 5
 § 14
 § 14
 § 14
 § 620
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 5
 EuGH 
 EuGH 
 § 91