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Timestamp: 2020-01-18 12:13:59+00:00

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DDR-Heim­un­ter­brin­gung wegen Gefahr der Repu­blik­flucht – und die straf­recht­li­che Reha­bi­li­tie­rung | Rechtslupe
DDR-Heimunterbringung wegen Gefahr der Republikflucht - und die strafrechtliche Rehabilitierung
Die Ver­ur­tei­lung wegen unge­setz­li­chen Grenz­über­tritts gemäß § 213 StGB/​DDR führt gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1e StrRe­haG zwin­gend zur straf­recht­li­chen Reha­bi­li­tie­rung.
Soweit die Unter­brin­gung des Betrof­fe­nen in dem Jugend­werk­hof mög­li­cher­wei­se auch auf fami­liä­ren Schwie­rig­kei­ten und Pro­ble­men der Eltern mit sei­ner Erzie­hung beruh­te, steht dies einer Reha­bi­li­tie­rung nicht ent­ge­gen. Im Übri­gen bele­gen auch die wei­te­ren vor­lie­gen­den Erkennt­nis­se, dass die gegen den Betrof­fe­nen ange­ord­ne­te Ein­wei­sung in den Jugend­werk­hof mit wesent­li­chen Grund­sät­zen einer frei­heit­lich rechts­staat­li­chen Ord­nung nicht ver­ein­bar ist. Ihr lagen vor­ran­gig poli­ti­sche Moti­ve zugrun­de und sie hat damit sach­frem­den Zwe­cken gedient. Fol­gen­des Bild ergibt sich aus der Gesamt­schau aller vor­lie­gen­den Erkennt­nis­se:
Das Minis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit der DDR sah offen­bar im Hin­blick auf die sen­si­ble Tätig­keit der Eltern des Betrof­fe­nen, der Wohn­la­ge der Fami­lie und der West­kon­tak­te Ver­an­las­sung zur Beob­ach­tung, offen­sicht­lich seit dem 15.11.1973. Auf­grund der nicht der Norm ent­spre­chen­den Ent­wick­lung des zu unüber­leg­ten und spon­ta­nen Hand­lun­gen nei­gen­den und durch "Umher­trei­be­rei" auf­ge­fal­le­nen Betrof­fe­nen sah das MfS auch im Hin­blick auf die Wohn­la­ge im Sperr­ge­biet, die Beein­flus­sung durch West­fern­se­hen und die inten­si­ven West­kon­tak­te offen­sicht­lich die rea­lis­ti­sche Mög­lich­keit, dass der Betrof­fe­ne die DDR ver­las­sen könn­te. Inso­weit dürf­te sich aus Sicht des MfS eine Heim­ein­wei­sung gera­de­zu auf­ge­drängt haben. Hier­für spre­chen auch die vor­läu­fi­ge Ein­wei­sungs­ver­fü­gung und der hand­schrift­li­che Hin­weis auf "ver­such­te Repu­blik­flucht" in dem offen­sicht­lich für Ver­miss­te bzw. unbe­kannt auf­hält­li­che Per­so­nen anzu­wen­den­den Pro­to­koll­for­mu­lar Es ging nicht um die Sank­tio­nie­rung, son­dern um die Ver­hin­de­rung einer Repu­blik­flucht.
Klar­stel­lend bemerkt das Ober­lan­des­ge­richt, dass es für den Erfolg des Reha­bi­li­tie­rungs­be­geh­rens wegen der Unter­brin­gung in einem Heim für Kin­der und Jugend­li­che auch nicht mehr dar­auf ankommt, ob die­se Unter­brin­gung unter haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen erfolgt ist 1, son­dern nur noch auf die Fest­stel­lung der poli­ti­schen Ver­fol­gung oder sonst sach­frem­der Zwe­cke.
Mit dem Vier­ten Gesetz zur Ver­bes­se­rung reha­bi­li­tie­rungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten für Opfer der poli­ti­schen Ver­fol­gung in der ehe­ma­li­gen DDR vom 02.12 2010 2 wur­de auf Emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges § 2 Abs. 1 Satz 2 StrRe­haG zur gesetz­li­chen Klar­stel­lung und zur Gewähr­leis­tung einer ein­heit­li­chen Anwen­dungs­pra­xis 3 dahin­ge­hend geän­dert, dass ins­be­son­de­re auch die Anord­nung einer Unter­brin­gung in einem Heim für Kin­der oder Jugend­li­che, die der poli­ti­schen Ver­fol­gung oder sonst sach­frem­den Zwe­cken dien­te, eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des Straf­recht­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes nach § 2 Abs. 1 Satz 1 StrRe­haG eröff­net. Bei den in § 2 Abs. 1 Satz 2 StrRe­haG auf­ge­führ­ten Fäl­len han­delt es sich um Regel­bei­spie­le, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 1 StrRe­haG erfül­len, wenn sie der poli­ti­schen Ver­fol­gung oder sonst sach­frem­den Zwe­cken dien­ten. Damit wird der frei­heits­ent­zie­hen­de Cha­rak­ter auch der Heim­erzie­hung in der DDR gesetz­lich unter­stellt. Es ist daher nicht mehr zu prü­fen, ob sich die kon­kre­te Unter­brin­gung unter zumin­dest haft­ähn­li­chen Bedin­gun­gen im Sin­ne von § 2 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 StrRe­haG voll­zog 4
Land­ge­richt Ros­tock, Beschluss vom 14. Novem­ber 2011 – I WsRH 24/​11
Effek­ti­ver Rechts­schutz im Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren Das Gebot des effek­ti­ven Rechts­schut­zes ver­langt das Aus­schöp­fung sämt­li­cher erfolg­ver­spre­chen­der Erkennt­nis­quel­len im Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren. Das Rechts­staats­prin­zip ent­hält das Gebot, wirk­sa­men Rechts­schutz zu gewäh­ren, der grund­sätz­lich zu…
vgl. zur alten Rechts­la­ge nur OLG, Beschluss vom 29.01.2007 – I WsRH 17/​05[↩]
vgl. BT-Drs.: 17/​3233 S. 7[↩]
so auch bereits OLG Naum­burg, Beschluss vom 14.04.2011- 2 WS REh 96/​11; KG, Beschluss vom 16.06.2011 – 2 Ws 351/​09 REHA; Thü­rin­gi­sches OLG, Beschluss vom 23.05.2011 – 1 Ws Reha 3/​11; s.a. LG Erfurt, Beschluss vom 14.07.2011 – 1 Reha 383/​09[↩]

References: § 213
 § 1
 § 2
 § 2
 § 2
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