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Timestamp: 2019-05-20 14:30:16+00:00

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Verschaffung der Verfügungsmacht - Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
Verschaffung der Verfügungsmacht – Lexikon des Steuerrechts
1 Gesetzliche Grundlagen und Folgen
2 Übertragung des wirtschaftlichen Eigentums
3 Formen der Verschaffung der Verfügungsmacht
3.1 Verschaffung der Verfügungsmacht mit Eigentumsübertragung
3.2 Verschaffung der Verfügungsmacht ohne Eigentumsübertragung
3.2.1 Eigentumsvorbehalt
3.2.2 Leasing
3.2.3 Mietkauf
3.3 Keine Verschaffung der Verfügungsmacht trotz Eigentumsübergang
3.3.1 Sicherungsübereignung
3.3.1.1 Bewegliche Sachen
3.3.1.2 Grundstücke
3.3.1.3 Veräußerung des mit einem Grundpfandrecht belasteten Grundstücks durch den Insolvenzverwalter
3.3.2 Bauten auf fremdem Grund und Boden
4 Kommissionsgeschäft
5 Lieferzeitpunkt nach dem UStG
1. Gesetzliche Grundlagen und Folgen
Nach § 3 Abs. 1 UStG liegt eine → Lieferung vor, wenn die Verfügungsmacht an einem Gegenstand verschafft wird. Zur Behandlung der Übertragung von Wertpapieren und Anteilen als sonstige Leistung s. BMF vom 30.11.2006 (BStBl I 2006, 793 sowie Abschn. 3.5 Abs. 8 UStAE) unter → Lieferung.
Die Verschaffung der Verfügungsmacht kann wie folgt erfolgen:
den Unternehmer oder einen Dritten im Auftrag des Unternehmers
den Abnehmer oder einen Dritten im Auftrag des Abnehmers.
Abb.: Verschaffung der Verfügungsmacht
Kein Dritter i.S.d. § 3 Abs. 1 UStG ist derjenige, der in eigenem Namen und für fremde Rechnung in den Lieferprozess eingebunden ist (→ Kommissionsgeschäfte mit Gegenständen).
Die Verfügungsmacht muss einer bestimmten Person verschafft werden. Der Abnehmer muss in der Lage sein, den Gegenstand wie ein Eigentümer nutzen und veräußern zu können (Abschn. 3.1 Abs. 2 UStAE). Ohne Verschaffung der Verfügungsmacht kann nicht geliefert werden. § 3 Abs. 1 UStG setzt Art. 14 Abs. 1 MwStSystRL um. Danach gilt als Lieferung von Gegenständen die Übertragung der Befähigung, wie ein Eigentümer über den körperlichen Gegenstand zu verfügen.
2. Übertragung des wirtschaftlichen Eigentums
Wer Verfügungsmacht verschaffen will, muss sie selbst besitzen (s. z.B. BFH Urteil vom 14.9.1989, V R 76/84, BStBl II 1989, 999 zum Reihengeschäft). Wie der Lieferer Verfügungsmacht erhalten hat, ist unerheblich.
Die Verschaffung der Verfügungsmacht kann auch lediglich durch Übertragung des wirtschaftlichen Eigentums ohne gleichzeitige Übertragung des bürgerlich-rechtlichen Eigentums erfolgen, so
beim Kaufleasing (→ Leasing);
bei Lieferung unter Eigentumsvorbehalt (Abschn. 3.1 Abs. 3 Satz 4 UStAE);
beim Verkauf von gestohlenen Sachen, obwohl zivilrechtlich an gestohlenen Sachen kein Eigentum verschafft werden kann.
Die Verschaffung der Verfügungsmacht beinhaltet den von den Beteiligten endgültig gewollten Übergang von wirtschaftlicher Substanz, Wert und Ertrag eines Gegenstands vom Leistenden auf den Leistungsempfänger (vgl. BFH Urteile vom 18.11.1999, V R 13/99, BStBl II 2000, 153 und vom 16.3.2000, V R 44/99, BStBl II 2000, 361; Abschn. 3.1 Abs. 2 Satz 1 UStAE). Solange die Person des Abnehmers nicht bestimmt ist, kann demnach auch nicht die Verfügungsmacht verschafft werden. So liegt ein Verbringen vor, wenn ein Unternehmer einen Gegenstand seines Unternehmers zu seiner eigenen Verfügung befördert oder versendet (s.a. Abschn. 1a.2 Abs. 1 UStAE sowie → Innergemeinschaftliches Verbringen).
3. Formen der Verschaffung der Verfügungsmacht
3.1. Verschaffung der Verfügungsmacht mit Eigentumsübertragung
Zivilrechtlich sind verschiedene Formen der Übertragung des Eigentums zu unterscheiden:
§ 929 Satz 1 BGB
§ 929 Satz 2 BGB
§ 363 HGB
§ 454 Abs. 1 Satz 1 BGB
Einigung und Übergabe.
Einigung über die Eigentumsübertragung. Erwerber ist bereits Besitzer der Sache.
Besitzkonstitut. Bisheriger Eigentümer überträgt das Eigentum, bleibt aber im Besitz der Sache.
Herausgabeanspruch. Der neue Eigentümer wird nur mittelbarer Besitzer, da ein Dritter die Sache unmittelbar im Besitz hält.
Kaufmännische Orderpapiere.
§ 446 BGB: Gefahr des Untergangs geht auf Käufer über.
Veräußerer behält unmittelbaren Besitz, Erwerber wird mittelbarer Besitzer und Eigentümer.
Übergabe wird ersetzt durch Abtretung des Herausgabeanspruchs an den Erwerber. Ein Dritter ist unmittelbarer Besitzer der Sache.
Eigentumsübertragung durch Indossament.
Empfänger erhält zunächst nur den Besitz. Eigentumsübertragung erfolgt erst nach Billigung.
Abb.: Eigentumsübertragung und Zeitpunkt der Verschaffung der Verfügungsmacht
Wird das Eigentum an einem unbeweglichen Gegenstand übertragen, erfolgt dies durch Einigung und Eintragung im Grundbuch (§§ 873, 925 BGB). Die Verschaffung der Verfügungsmacht erfolgt bereits mit dem Übergang von Besitz, Nutzung, Lasten und Gefahr (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 AO).
Im Rahmen einer Zwangsvollstreckung kommt es dann zu einer Verschaffung der Verfügungsmacht und somit zu einer Lieferung, wenn das staatliche Vollstreckungsorgan den Gegenstand öffentlich versteigert oder freihändig verkauft. Darin liegt jedoch keine Lieferung des Vollstreckungsschuldners an das jeweilige Bundesland, dem die Vollstreckungsorgane angehören, und keine Lieferung durch dieses an den Erwerber, sondern es handelt sich um eine Lieferung des Vollstreckungsschuldners unmittelbar an den Erwerber (Abschn. 1.2 Abs. 2 UStAE).
3.2. Verschaffung der Verfügungsmacht ohne Eigentumsübertragung
3.2.1. Eigentumsvorbehalt
Hat sich der Verkäufer einer beweglichen Sache das Eigentum bis zur Zahlung des Kaufpreises vorbehalten, so ist im Zweifel anzunehmen, dass das Eigentum unter der aufschiebenden Bedingung vollständiger Zahlung des Kaufpreises übertragen wird (§ 449 Abs. 1 BGB). Die Vereinbarung des Eigentumsvorbehalts hat lediglich Sicherungsfunktion. Substanz, Wert und Ertrag sind bereits auf den Erwerber übergegangen. Der Kauf unter Eigentumsvorbehalt führt daher bereits zur Lieferung (Abschn. 3.1 Abs. 3 Satz 4 UStAE; BFH Urteil vom 16.4.1997, XI R 87/96, BStBl II 1997, 585 unter II.1).
3.2.2. Leasing
Zivilrechtlich bleibt der Leasinggeber grundsätzlich Eigentümer. Bei einem Leasingvertrag (→ Leasing) handelt es sich oft um eine Art »Mietvertrag«.
Werden Gegenstände im Leasing-Verfahren überlassen, ist die Übergabe des Leasing-Gegenstands durch den Leasing-Geber an den Leasing-Nehmer eine Lieferung, wenn der Leasing-Nehmer nach den vertraglichen Vereinbarungen und deren tatsächlicher Durchführung berechtigt ist, wie ein Eigentümer über den Leasing-Gegenstand zu verfügen. Hiervon kann in der Regel ausgegangen werden, wenn der Leasing-Gegenstand einkommensteuerrechtlich dem Leasing-Nehmer zuzurechnen ist (Abschn. 3.5 Abs. 5 UStAE; → Leasing).
3.2.3. Mietkauf
Die Überlassung eines Gegenstands auf Grund eines Vertrags, der die Vermietung oder die Verpachtung dieses Gegenstands (§ 535 BGB) während eines bestimmten Zeitraums oder den Verkauf dieses Gegenstands gegen eine nicht nur einmalige Zahlung vorsieht, ist eine Lieferung, wenn der Vertrag den Übergang des zivilrechtlichen Eigentums an dem Gegenstand spätestens mit der letzten vereinbarten fälligen Zahlung vorsieht (Abschn. 3.5 Abs. 6 Nr. 1 UStAE).
3.3. Keine Verschaffung der Verfügungsmacht trotz Eigentumsübergang
3.3.1. Sicherungsübereignung
3.3.1.1. Bewegliche Sachen
An einem zur Sicherheit übereigneten Gegenstand wird durch die Übertragung des Eigentums noch keine Verfügungsmacht verschafft (Abschn. 3.1 Abs. 3 Satz 1 UStAE). Bei einer Sicherungsübereignung wird erst zu dem Zeitpunkt Verfügungsmacht verschafft, in dem der Sicherungsnehmer von seinem Verwertungsrecht Gebrauch macht (Abschn. 1.2 Abs. 1 Satz 1 UStAE). Diese Verwertung führt zu zwei Lieferungen (Doppelumsatz):
Lieferung des Sicherungsgebers an den Sicherungsnehmer und
Lieferung des Sicherungsnehmers an den Erwerber (Abschn. 1.2 Abs. 1 Satz 2 UStAE).
Für die Lieferung des Sicherungsgebers an den Sicherungsnehmer schuldet der Leistungsempfänger (Sicherungsnehmer) die USt gem. § 13b Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. Abs. 5 Satz 1 UStG (→ Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers). Zur Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei der Verwertung sicherungsübereigneter Gegenstände s. OFD Frankfurt vom 29.2.2012 (S 7279 A – 5 – St 113, UR 2012, 654).
Für den Unternehmer U in Leipzig finanziert eine Bank B in Dresden die Anschaffung eines Pkw. Bis zur Rückzahlung des Darlehens lässt sich B den Pkw zur Sicherheit übereignen. Da U seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, verwertet B den Pkw durch Veräußerung an einen privaten Abnehmer A.
Mit der Veräußerung des Pkw durch B liegen eine Lieferung des U (Sicherungsgeber) an B (Sicherungsnehmer) sowie eine Lieferung von B an A vor (vgl. Abschn. 1.2 Abs. 1 UStAE). Für die Lieferung des U schuldet B als Leistungsempfänger die USt (§ 13b Abs. 5 Satz 1 i.V.m. Abs. 2 Nr. 2 UStG).
Ist der Erwerber seinerseits ein Unternehmer, der den Gegenstand für Zwecke seines Unternehmens erwirbt oder eine juristische Person, hat der SN über die Lieferung eine ordnungsgemäße Rechnung zu erteilen. Aus dieser Rechnung kann der Erwerber dann den Vorsteuerabzug unter den weiteren Voraussetzungen des § 15 UStG in Anspruch nehmen.
Der Sicherungsgeber U ist Nichtunternehmer, Kleinunternehmer oder steuerbefreiter Unternehmer.
Nach dem Wortlaut des § 13b Abs. 1 und Abs. 2 UStG setzt der Übergang der Steuerschuldnerschaft u.a. voraus, dass
ein leistender Unternehmer,
der im übrigen Gemeinschaftsgebiet oder im Ausland ansässig ist,
erbringt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass nicht steuerbare oder steuerfreie Umsätze nicht dem Reverse-Charge-Verfahren unterliegen.
Mit der Lieferung 1 erwirbt die Bank als Sicherungsnehmer den Pkw mit einem Wert von 21 000 €. U darf in der Rechnung an der Bank keine USt gesondert ausweisen.
Mit der Lieferung 2 tätigt die Bank einen steuerbaren und steuerpflichtigen Umsatz.
Als Wiederverkäufer i.S.d. § 25a Abs. 1 Nr. 1 UStG (Abschn. 25a.1 Abs. 2 UStAE mit Beispiel) kann die Bank unter den weiteren Voraussetzungen des § 25a UStG die → Differenzbesteuerung anwenden (s.a. Vfg. der OFD Frankfurt vom 15.10.2014, S 7421 A – 5 – St 113, UR 2014, 991).
Der Sicherungsgeber U ist Unternehmer, der seinerseits den Pkw für 20 000 € von einem Privatmann P erworben hatte. U übereignet den Pkw zur Sicherheit an die Bank mit einem Wert von 21 000 €, die Bank veräußert den Pkw nach Eintritt der Verwertungsreife für 25 000 € an K.
Werden bewegliche Unternehmensgegenstände zur betrieblichen Finanzierung an ein Kreditinstitut sicherungsübereignet (z.B. Gebrauchtfahrzeuge) und tritt die Verwertungsreife für diese Gegenstände ein, liegt im Zeitpunkt der Verwertung umsatzsteuerrechtlich ein sog. »Doppelumsatz« vor (Abschn. 1.2 Abs. 1 UStAE).
Der als Sicherungsgeber auftretende Unternehmer U kann unter den Voraussetzungen des Abschn. 25a.1 Abs. 4 UStAE die → Differenzbesteuerung für die Lieferung an das Kreditinstitut nach § 25a Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 Buchst. a UStG anwenden, da er den zur Sicherung übereigneten Pkw von einer Privatperson erworben hat.
Als Bemessungsgrundlage ist grundsätzlich der Betrag anzusetzen, um den der Verkaufspreis
den Einkaufspreis
Die USt ist herauszurechnen (Abschn. 25a.1 Abs. 8 UStAE).
Problematisch ist, dass grundsätzlich für die Lieferung 1 des SG an den SN die USt durch den SN im Reverse-Charge-Verfahren geschuldet wird. Im Beispielsfall müsste daher der SN die Differenzsteuer des SG ermitteln. Dafür benötigt die Bank (SN) den Einkaufspreis des SG.
In § 13b Abs. 5 Satz 9 UStG wird daher klargestellt, dass bei Lieferungen von u.a. in § 13b Abs. 2 Nr. 2 UStG genannten Gegenständen, für die die Voraussetzungen der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG vorliegen und der Unternehmer diese Regelung auch anwendet, der Leistungsempfänger nicht Steuerschuldner wird. Die Anwendung der Steuerschuldnerschaft ist für den Leistungsempfänger in diesen Fällen de facto nicht möglich, weil er regelmäßig den Einkaufspreis der an ihn gelieferten Gegenstände nicht kennt und so die Bemessungsgrundlage für die Umsatzbesteuerung nicht ermitteln kann (s.a. Abschn. 13b.1 Abs. 2 Nr. 4 UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 26.9.2014, BStBl I 2014, 1297; → Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers).
Der SG schuldet die Differenzsteuer i.H.v. 159,66 € nach § 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG.
Das Kreditinstitut als Sicherungsnehmer ist seinerseits berechtigt, auf den Weiterverkauf des Pkw die Differenzbesteuerung anzuwenden (§ 25a Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 Buchst. b UStG).
Wird die Differenzbesteuerung i.S.d. § 25a UStG angewandt, darf in der Rechnung die USt nicht gesondert auswiesen werden (§ 14a Abs. 6 Satz 2 UStG). Die Rechnung muss die Angabe »Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung« enthalten.
Wird das Sicherungsgut vor Eintritt der Verwertungsreife vom Sicherungsgeber an einen Dritten geliefert, liegen kein Doppel- und auch kein Dreifachumsatz (s.u.) vor. Dies gilt nicht nur für den Fall der Auswechslung des Sicherungsnehmers unter Fortführung des Sicherungseigentums durch den Erwerber, sondern allgemein für Lieferungen des Sicherungsguts durch den Sicherungsgeber vor Eintritt der Verwertungsreife. Diese Beurteilung ist bereits aus Gründen der Rechtssicherheit geboten, da der Sicherungsnehmer in der Lage sein muss, anhand eindeutiger Kriterien festzustellen, ob er aus einer Verwertung des Sicherungsguts USt schuldet (BFH Urteil vom 23.7.2009, V R 27/07, BStBl II 2010, 859). Eine Verschaffung der Verfügungsmacht und somit eine Lieferung 1 zwischen dem SG und dem SN findet nicht statt. In diesen Fällen liegt eine bloße Lieferung des Sicherungsgebers an den Erwerber vor (s.a. Abschn. 1.2 Abs. 1a Satz 3 und 4 UStAE und Birgel in Weimann/Lang, Umsatzsteuer – national und international, § 1 Rz. 136, 4. A.).
Inhalt der Verwertungsbefugnis bei Verwertungsreife ist, falls nicht zusätzliche Abreden über eine Nutzungsbefugnis getroffen worden sind, allein das Veräußerungsrecht. Es entsteht mit dem Eintritt der Verwertungsreife (vgl. BGH Urteil vom 24.10.1979, VIII ZR 298/78, DB 1979, 2415, LEXinform 0901251). Verwertet der Sicherungsnehmer – oder für dessen Rechnung der Sicherungsgeber – schließlich in Ausübung seines Veräußerungsrechts das Sicherungsgut, vollendet sich der mit der Sicherungsübereignung eingeleitete Liefervorgang (s.o.). Nach ständiger Rechtsprechung des BFH liefert der Sicherungsgeber das Sicherungsgut dem Sicherungsnehmer deshalb regelmäßig erst zu dem Zeitpunkt, in dem der Sicherungsnehmer von seinem Verwertungsrecht Gebrauch macht. Dies führt bei Lieferung des Sicherungsgutes an einen Dritten durch den Sicherungsnehmer zu zwei (s.o.), bei Lieferung an den Dritten durch den Sicherungsgeber für Rechnung des Sicherungsnehmers zu drei Umsätzen (BFH Urteil vom 23.7.2009, V R 27/07, BStBl II 2010, 859).
Veräußert der SG das Sicherungsgut sowohl im Namen als auch für Rechnung des SN (Bank), findet ein Doppelumsatz statt.
Veräußert der SG das Sicherungsgut im eigenen Namen auf Rechnung des SN, erstarkt die ursprüngliche Sicherungsübereignung hingegen zu einer Lieferung des SG an den SN, während zugleich zwischen dem SN (Kommittent) und dem SG (Kommissionär) eine Lieferung nach § 3 Abs. 3 UStG vorliegt, bei der der SG (Verkäufer, Kommissionär) als Abnehmer gilt; die entgeltliche Lieferung gegenüber dem Dritten wird in der Folge vom SG ausgeführt (Dreifachumsatz, vgl. BFH-Urteile vom 6.10.2005, V R 20/04, BStBl II 2006, 931 und vom 30.3.2006, V R 9/03, BStBl II 2006, 933). Voraussetzung für die Annahme eines Dreifachumsatzes ist, dass das Sicherungsgut erst nach Eintritt der Verwertungsreife durch den SG veräußert wird und es sich hierbei nach den Vereinbarungen zwischen SG und SN um ein Verwertungsgeschäft handelt, um die vom SG gewährten Darlehen zurückzuführen. Nicht ausreichend ist eine Veräußerung, die der SG im Rahmen seiner ordentlichen Geschäftstätigkeit vornimmt und bei der er berechtigt ist, den Verwertungserlös anstelle zur Rückführung des Kredits anderweitig, z.B. für den Erwerb neuer Waren, zu verwenden (BFH Urteil vom 23.7.2009, V R 27/07, BStBl II 2010, 859), oder wenn die Veräußerung zum Zwecke der Auswechslung des SG unter Fortführung des Sicherungseigentums durch den Erwerber erfolgt (vgl. BFH Urteil vom 9.3.1995, V R 102/89, BStBl II 1995, 564). In diesen Fällen liegt eine bloße Lieferung des Sicherungsgebers an den Erwerber vor.
Verwertet der Insolvenzverwalter die vom Insolvenzschuldner zur Sicherheit dem Gläubiger (Sicherungsnehmer) übertragenen Gegenstände sowohl im Namen als auch für Rechnung des Sicherungsnehmers, liegt ein sog. Doppelumsatz aufgrund einer Lieferung durch die Insolvenzmasse an den Gläubiger und durch den Gläubiger an den Erwerber vor. In diesem Fall gehören die vorweg zu begleichenden Kosten der Feststellung (§ 170 Abs. 2 InsO) nicht zum Entgelt (s.a. BMF-Schreiben vom 30.4.2014, BStBl I 2014, 816 und Abschn. 1.2 Abs. 4 Satz 5 UStAE). Die Grundsätze zum Doppel- und Dreifachumsatz finden auch bei der Verwertung von sicherungsübereigneten Gegenständen im Insolvenzverfahren Anwendung (Abschn. 1.2 Abs. 4 Satz 1 UStAE).
Zusätzlich erbringt der Insolvenzverwalter für die Masse eine Vermittlungsleistung an den SN.
Nach dem BFH-Urteil vom 18.8.2005 (V R 31/04, BStBl II 2007, 183) handelt es sich im Fall des § 166 InsO um die Lieferung des Sicherungsguts von der Masse an den Erwerber und nicht um einen Doppel- oder Dreifachumsatz
Nach dem BFH-Urteil vom 23.7.2009 (V R 27/07, BStBl II 2010, 859) liegt ein Dreifachumsatz (Veräußerung für Rechnung des Sicherungsnehmers) erst vor, wenn aufgrund konkreter Sicherungsabrede oder einer hiervon abweichenden Vereinbarung die Verwertungsreife eingetreten ist. Im Urteilsfall lag nach der vertraglichen Vereinbarung Verwertungsreife vor, wenn der Sicherungsgeber seine Zahlungen eingestellt hat oder die Eröffnung eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens über sein Vermögen beantragt wurde.
Ist durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens Verwertungsreife eingetreten, erbringt der Insolvenzverwalter den Umsatz wie ein Kommissionär für Rechnung des Sicherungsnehmers/Gläubigers (Dreifachumsatz).
Nach der Verwaltungsmeinung im BMF-Schreiben vom 30.4.2014 (BStBl I 2014, 816 unter II.2.) ist durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens immer Verwertungsreife eingetreten. Bei der Verwertung beweglicher Gegenstände findet daher ein Dreifachumsatz statt, in welchem die Geschäftsbesorgungsleistung aufgeht.
Über das Vermögen des Schuldners S wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Dem Gläubiger G stehen noch Forderungen i.H.v. 100 000 € zu, für die ihm ein Gegenstand zur Sicherung übereignet wurde. Als Insolvenzverwalter wurde I bestellt. I macht von seinem Verwertungsrecht nach § 166 Abs. 1 InsO Gebrauch und veräußert das Sicherungsgut im Namen der Masse und für Rechnung des G für 23 800 € an den Erwerber E. Bei der Verwertung des Sicherungsguts sind Kosten i.H.v. 1 000 € entstanden, welche neben den Kosten der Feststellung nach § 171 Abs. 1 InsO vereinbarungsgemäß vom Erlös einzubehalten sind. Da die Verwertung des Gegenstands zu einer Belastung der Masse mit Umsatzsteuer führt, hat I den Auskehrungsbetrag an G nach § 171 Abs. 2 Satz 3 InsO entsprechend zu kürzen. I rechnet mit G im Gutschriftwege wie folgt ab:
Brutto-Veräußerungserlös
abzgl. USt (§ 171 Abs. 2 Satz 3 InsO)
./. 3 800,00 €
abzgl. Kosten der Feststellung (4 % vom Bruttobetrag)
./. 952,00 €
abzgl. Kosten der Verwertung
./. 1 000,00 €
Betrag der Schuldtilgung (Netto-Entgelt)
18 048,00 €
darauf USt
&plus; 3 429,12 €
ergibt Brutto-Entgelt
21 477,12 €
abzgl. USt (entsprechend § 171 Abs. 2 Satz 3Ins O)
./. 3 429,12 €
tatsächlicher Auskehrungsbetrag an G
Es liegen drei Lieferungen im Rahmen eines Dreifachumsatzes vor (Masse an G, G an Masse sowie Masse an E).
Das Entgelt für die Lieferung 1 besteht in der Schuldbefreiung, demnach 18 048 €. Die USt i.H.v. 3 429,12 € stellt eine Masseschuld dar. § 13b Abs. 2 Nr. 2 und Abs. 5 Satz 1 UStG findet keine Anwendung, da es sich um Verwertungshandlungen innerhalb des Insolvenzverfahrens handelt. G kann den Vorsteuerabzug aus der Rechnung des I geltend machen, da dieser Eingangsleistung eine steuerpflichtige Ausgangleistung (Lieferung 2) gegenübersteht. Das Entgelt für diese fiktive Lieferung, bei der I (Kommissionär) nach § 3 Abs. 3 UStG als Abnehmer gilt, besteht gleichfalls in dem Betrag der Schuldbefreiung, mithin 18 048 €, da die einbehaltenen Kostenbeträge wie die Provisionszahlungen an einen Verkaufskommissionär zu behandeln sind. I steht ebenfalls der Vorsteuerabzug aus der Rechnung des G zu. I hat daneben die USt i.H.v. 3 800 € aus der Lieferung 3 an E als Masseschuld zu berücksichtigen.
Per Saldo ergeben sich für die Beteiligten I und G aus den Lieferungen 1 und 2 keine wirtschaftlichen Belastungen, da den jeweiligen Umsatzsteuerbeträgen grundsätzlich die abzugsfähigen Vorsteuerbeträge gegenüberstehen.
3.3.1.2. Grundstücke
Ein Darlehen z.B. bei einer Bank kann auch mit einem Grundstück abgesichert werden. Eine Möglichkeit, der Bank diese Sicherheit zu bieten, ist die Eintragung einer Grundschuld (Grundpfandrecht) ins Grundbuch. Anders als bei der Sicherungsübereignung beweglicher Sachen erfolgt bei der Sicherung durch Grundpfandrechte aber keine Eigentumsübertragung des Grundstücks.
Bei der Grundschuld handelt es sich um ein sog. beschränkt dingliches Recht. Die Verfügungsbefugnis ist demnach auf ganz bestimmte Einwirkungen begrenzt. Derjenige, zu dessen Gunsten die Grundschuld eingetragen wird (Grundpfandgläubiger), kann eine Zwangsvollstreckung anstreben, sollte der Schuldner nicht vertragsgemäß tilgen (§ 1192 Abs. 1 i.V.m. § 1147 BGB). Andere Rechte an dem Grundstück stehen ihm jedoch nicht zu. So kann der Eigentümer sein Grundstück weiterhin nutzen und auch Einnahmen erzielen, beispielsweise durch Vermietung. Auch ein Verkauf ist möglich, da die Grundschuld nicht an den Immobilieneigentümer gebunden ist, sondern nur an die Immobilie selbst (s. die Homepage von Dr. Klein unter www.grundbuch.de unter Grundbuch-Lexikon, Stichwort »Grundschuld«).
Aufgrund des Pfandrechts ist der Grundpfandgläubiger nicht selbst zur Veräußerung des mit dem Grundpfandrecht belasteten Grundstücks berechtigt (s.a. BFH Urteil vom 28.7.2011, V R 28/09, BStBl II 2014, 406, Rz. 17).
Mit der Grundschuldeintragung geht das Eigentum an dem Grundstück nicht an den Gläubiger über. Umsatzsteuerrechtlich erfolgt durch die Sicherheitsgewährung keine Verschaffung der Verfügungsmacht. Da der Grundpfandgläubiger nicht das Recht hat, das Grundstück zu veräußern, sondern lediglich die Zwangsversteigerung betreiben kann, gilt die Anordnung der Zwangsversteigerung zugunsten des betreibenden Gläubigers als Beschlagnahme des Grundstücks (§ 20 Abs. 1 Zwangsversteigerungsgesetz – ZVG). Dieser Beschlagnahme kommt die Wirkung eines relativen Veräußerungsverbotes zu (§§ 136, 135 Abs. 1 BGB, § 23 ZVG); im Übrigen bleibt die Verfügungsbefugnis des Eigentümers bestehen.
Bei der Veräußerung des Grundstücks durch den Eigentümer liegt umsatzsteuerrechtlich nur eine Lieferung des Eigentümers an den Erwerber, nicht aber ein Doppelumsatz durch eine Lieferung an den Grundpfandgläubiger und durch diesen an den Erwerber vor (BFH Urteile vom 19.12.1985, V R 139/76, BStBl II 1986, 500 und vom 28.7.2011, V R 28/09, BStBl II 2014, 406, Rz. 20). Da kein Doppelumsatz vorliegt, ist auch ein Dreifachumsatz (Kommissionsgeschäft) nicht möglich.
Den Vollstreckungsorganen kommt (nur) die Aufgabe zu, die zum Zwecke der Zwangsvollstreckung beschlagnahmte Sache nach Maßgabe der für das Vollstreckungsverfahren geltenden Vorschriften mit dem Ziel der Befriedigung des Gläubigers wegen seiner Forderung und der Kosten zu verwerten. Auf Weisung des Gläubigers (vgl. §§ 30 ff ZVG) oder im Falle anderweitiger Tilgung der Schuld ist das Verfahren einzustellen. Führt das Zwangsversteigerungsverfahren zur Erteilung des Zuschlags, wird dem Ersteher dadurch (originär) Eigentum an dem versteigerten Grundstück übertragen (§ 90 Abs. 1 ZVG). Die Begründung des Eigentums des Erstehers ist hoheitliche Tätigkeit. Die Befugnis dazu ergibt sich aus den das Vollstreckungsverfahren regelnden Vorschriften. Hierfür ist die Übertragung der Verfügungsmacht i.S.d. § 3 Abs. 1 UStG auf das Vollstreckungsorgan nicht erforderlich.
Auch eine Lieferung des Schuldners (Eigentümers) an den betreibenden Gläubiger kommt nicht in Betracht. Der Gläubiger ist vermöge seines Anspruchs und – soweit erforderlich – seines Titels berechtigt, die Durchführung der Zwangsversteigerung zu verlangen (§§ 15, 16 ZVG). Das Antragsrecht des Gläubigers hat nur Bedeutung für die Einleitung und Durchführung der Zwangsversteigerung als eines Verfahrens der Zwangsvollstreckung. Die Zwangsvollstreckung ist Ausübung hoheitlicher Tätigkeit. Das Antragsrecht bedeutet nicht, dass dem Gläubiger die Verfügungsmacht i.S.d. § 3 Abs. 1 UStG über das zu versteigernde Grundstück zusteht. Sie wird ihm auch nicht durch die zu seinen Gunsten als Veräußerungsverbot wirkende Beschlagnahme des Grundstücks, die durch die Anordnung der Zwangsversteigerung (§ 20 Abs. 1 ZVG) herbeigeführt wird, verschafft.
3.3.1.3. Veräußerung des mit einem Grundpfandrecht belasteten Grundstücks durch den Insolvenzverwalter
Der Insolvenzverwalter ist zur freihändigen Veräußerung des grundpfandrechtsbelasteten Grundstücks nicht verpflichtet, da er sich gem. § 165 InsO darauf beschränken kann, die Zwangsvollstreckung in das Grundstück zu dulden. Duldet der Insolvenzverwalter nicht lediglich die Zwangsvollstreckung, sondern veräußert er das Grundstück freihändig (kalte Zwangsvollstreckung), erhält der Grundpfandgläubiger hierdurch die Möglichkeit, eine weiter gehende Tilgung seiner Forderung als bei einer Zwangsversteigerung zu erlangen, und damit einen Vorteil, den der Grundpfandgläubiger ohne die Leistung des Insolvenzverwalters nicht erhalten kann, da er aufgrund seines Pfandrechts nicht selbst zur Veräußerung des mit dem Grundpfandrecht belasteten Grundstücks berechtigt ist.
Bei der sog. kalten Zwangsvollstreckung bzw. -verwaltung handelt es sich um nicht feststehende Rechtsbegriffe, die im Wesentlichen die verschiedenen Verwertungshandlungen eines Insolvenzverwalters bei der Verwertung grundpfandrechtsbelasteter Grundstücke im Insolvenzverfahren außerhalb einer Zwangsvollstreckung zum Inhalt haben. Ziel der jeweiligen Handlung ist die freihändige Veräußerung des Grundstückes bzw. der Mieteinzug zugunsten der Gläubiger durch den Insolvenzverwalter (BMF Schreiben vom 30.4.2014, BStBl I 2014, 816 unter I.).
Abb.: Kalte Zwangsvollstreckung
Sowohl die Zwangsversteigerung als auch die freihändige Veräußerung des grundpfandrechtsbelasteten Grundstücks erfolgt nicht für Rechnung des Grundpfandgläubigers, sondern für Rechnung des Schuldners (Grundstückseigentümers), denn in beiden Fällen werden die Verbindlichkeiten des Grundstückseigentümers durch den Verwertungserlös getilgt.
Sowohl bei einer Zwangsversteigerung als auch bei der freihändigen Veräußerung des Grundstücks durch den Insolvenzverwalter liegt umsatzsteuerrechtlich nur eine Lieferung des Eigentümers, dieser vertreten kraft Amtes durch den Insolvenzverwalter, an den Erwerber, nicht aber ein Doppelumsatz durch eine Lieferung an den Grundpfandgläubiger und durch diesen an den Erwerber vor (BFH Urteil vom 19.12.1985, V R 139/76, BStBl II 1986, 500). Handelt hiernach der Insolvenzverwalter nicht für Rechnung des Grundpfandgläubigers, liegen die Voraussetzungen eines Kommissionsgeschäftes (§ 3 Abs. 3 UStG) nicht vor und führt daher die freihändige Veräußerung im Namen des Grundstückseigentümers auch nicht nach den Regeln über Kommissionsgeschäfte zu einem sog. Dreifachumsatz.
Auch wenn der Insolvenzverwalter mit der freihändigen Veräußerung und der hierdurch bewirkten Schuldtilgung für Rechnung des Insolvenzschuldners tätig ist, schließt dies die Annahme einer sonstigen Leistung an den Grundpfandgläubiger nicht aus. Denn anstelle der Zwangsvollstreckung zur Befriedigung des Grundpfandgläubigers aus dem Grundstück, auf die der Grundpfandgläubiger auch im Rahmen des Insolvenzverfahrens verwiesen ist (§§ 1147, 1192 BGB), können Grundpfandgläubiger und Grundstückseigentümer, vertreten durch den Insolvenzverwalter, im Rahmen eines entgeltlichen Geschäftsbesorgungsauftrags gem. § 675 BGB vereinbaren, dass der Insolvenzverwalter mit Zustimmung des Grundpfandberechtigten das überschuldete Grundstück im Namen des Grundstückseigentümers veräußert und den Veräußerungserlös abzüglich eines vereinbarten Entgelts zur Tilgung der gesicherten Forderung herauszugeben hat.
Da die Vorschriften über die freihändige Verwertung sicherungsübereigneter beweglicher Gegenstände (§§ 166 i.V.m. 170, 171 InsO) bei der Verwertung von unbeweglichem Vermögen grundsätzlich keine Anwendung finden und somit auch keine gesetzlichen Kostenregelungen greifen, erfolgt die freihändige Verwertung bzw. Verwaltung eines grundpfandrechtsbelasteten Grundstücks auf Basis einer Vereinbarung, die regelmäßig auch eine Beteiligung der Masse am Erlös der Verwertung bzw. Verwaltung vorsieht.
Mit Urteil vom 28.7.2011 (V R 28/09, BStBl II 2014, 406) hat der BFH entschieden, dass in den Fällen, in denen der Insolvenzverwalter im Insolvenzverfahren aufgrund einer mit dem Grundpfandgläubiger getroffenen Vereinbarung ein Grundstück freihändig veräußert und er vereinbarungsgemäß vom Veräußerungserlös für die Masse einen »Massekostenbeitrag« einbehält, neben der Grundstückslieferung an den Erwerber eine nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG steuerbare und auch steuerpflichtige Leistung vorliegt (s.a. Abschn. 1.2 Abs. 4 UStAE).
Über das Vermögen des Schuldners S wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Dem Gläubiger G stehen noch Forderungen i.H.v. 200 000 € zu. Als Insolvenzverwalter wurde I bestellt. In Absprache mit G und mit Zustimmung der Gläubigerversammlung verwertet I ein grundpfandrechtsbelastetes Grundstück und erzielt dabei einen Veräußerungserlös i.H.v. 100 000 €. Nach Abzug eines mit dem Gläubiger vereinbarten Massekostenbeitrags i.H.v. 5 % des Verwertungserlöses zzgl. Umsatzsteuer zahlt I den verbleibenden Betrag aus.
Daneben zieht I bis zum Zeitpunkt der Veräußerung Kaltmieten i.H.v. 1 000 € ein und leitet diese vereinbarungsgemäß unter Abzug eines Anteils von 10 % zzgl. Umsatzsteuer zugunsten der Masse an den Gläubiger weiter.
Es liegt eine Grundstückslieferung der durch I vertretenen Masse an den Erwerber im Wege der kalten Zwangsvollstreckung vor, welche mangels Option zur Steuerpflicht nach § 9 UStG steuerfrei ist (§ 4 Nr. 9 Buchst. a UStG). Das Entgelt für die steuerfreie Lieferung beträgt 100 000 €. Daneben erbringt die Masse durch die Verwertungshandlungen ihres Vertreters I eine steuerbare und steuerpflichtige Geschäftsbesorgungsleistung an G. Das Entgelt ist i.H. des vereinbarten Massekostenbeitrags anzusetzen, mithin 5 000 € (5 % von 100 000 €). Die bis zur Grundstücksveräußerung im Rahmen der kalten Zwangsverwaltung erzielten Mietumsätze sind der Masse zuzurechnen, weil diese den Mietern gegenüber – vertreten durch I – im eigenen Namen für eigene Rechnung auftritt. Daneben führt die Masse durch die Verwaltungstätigkeiten ihres Vertreters I eine weitere steuerbare und steuerpflichtige Geschäftsbesorgungsleistung aus. Das Entgelt für diese Leistung besteht im vereinbarten Anteil an den Mieteinnahmen i.H.v. 100 € (10 % von 1 000 €).
Die sich aus den Geschäftsbesorgungsleistungen ergebende Umsatzsteuer ist als Masseschuld zu berücksichtigen.
3.3.2. Bauten auf fremdem Grund und Boden
Bauen auf fremdem Boden liegt vor, wenn der Besteller einer Baumaßnahme auf dem nicht in seinem oder nicht in seinem alleinigen Eigentum stehenden Grundstück ein Bauwerk errichtet. Für die Frage des Leistungsaustausches, der Steuerbefreiung und des Vorsteuerabzugs ist zu prüfen, ob eine Leistung des bauausführenden Unternehmers an den Besteller, ggf. eine weitere Leistung des Bestellers an den Grundstückseigentümer oder eine unmittelbare Leistung des bauausführenden Unternehmers an den Grundstückseigentümer vorliegt (s. BMF vom 23.7.1986, BStBl I 1986, 432 und → Gebäude auf fremdem Grund und Boden).
Wird auf einem Grundstück ein Bauwerk errichtet, so ist Leistungsempfänger einer Werklieferung (§ 3 Abs. 4 UStG) derjenige, dem die Verfügungsmacht daran verschafft worden ist. Dabei kommt es nicht darauf an, wer bürgerlich-rechtlicher oder wirtschaftlicher Eigentümer des Grundstücks ist. Eine Lieferung an den Grundstückseigentümer liegt nicht schon deshalb vor, weil er das Eigentum am Gebäude oder an dem sonstigen Gegenstand der Werklieferung kraft der zivilrechtlichen Vorschriften (§§ 946, 94 BGB) erlangt hat.
Wächst dem Grundstückseigentümer das Eigentum am Bauwerk nach §§ 946 und 94 BGB zu, so ist darin nicht zwangsläufig eine Lieferung durch den Besteller an den Grundstückseigentümer zu sehen. Ein Übergang der Verfügungsmacht ist z.B. dann nicht anzunehmen, wenn der Besteller wirtschaftlicher Eigentümer (§ 39 Abs. 2 AO) des Bauwerks ist, d.h. wenn er auf Dauer die wirtschaftliche Verfügungsmacht und die Sachherrschaft unter Ausschluss des Eigentümers hat (vgl. BFH Urteil vom 26.1.1978, V R 137/75, BStBl II 1978, 280).
E vermietet ein unbebautes Grundstück an den Unternehmer B. Der Mietvertrag ist auf 30 Jahre abgeschlossen. Es wird eine angemessene Miete gezahlt. B lässt auf dem Grundstück durch den Bauunternehmer U auf eigene Kosten eine Lagerhalle für Zwecke seines Unternehmens errichten. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer des Gebäudes entspricht der Dauer des Mietvertrages. Nach Ablauf des Mietvertrages fällt die Lagerhalle vereinbarungsgemäß entschädigungslos E zu.
B ist Empfänger der Werklieferung des U. Er ist unter den Voraussetzungen des § 15 UStG zum Abzug der ihm in Rechnung gestellten Umsatzsteuer als Vorsteuer berechtigt.
E ist zivilrechtlich Eigentümer der Lagerhalle geworden (§§ 946, 94 BGB). Die Lagerhalle ist nach dem Willen der Parteien nicht nur zu einem vorübergehenden Zweck (§ 95 BGB) mit dem Grundstück verbunden worden.
B kann jedoch nach wirtschaftlicher Betrachtungsweise den E, obwohl dieser bürgerlich-rechtlich Eigentümer geworden ist, auf Dauer von der Einwirkung auf das Gebäude ausschließen. B ist wirtschaftlicher Eigentümer (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 AO) der Lagerhalle. Der entschädigungslose Übergang der Verfügungsmacht an der Lagerhalle erfolgt nicht gegen Entgelt. Es handelt sich dabei um eine unentgeltliche Wertabgabe nach § 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 3 UStG (entgegen BMF-Schreiben vom 23.7.1986, Beispiel 3; s.a. Zugmaier, Steuer & Studium 11/2008, 547), die nach § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG umsatzsteuerfrei ist, da die unentgeltliche Übertragung des Gebäudes auf fremdem Grund und Boden der GrESt unterliegt (§ 8 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. § 10 GrEStG). B kann nach § 9 Abs. 1 und 3 UStG auf die Steuerfreiheit verzichten (s. Abschn. 9.1 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. Abschn. 3.3 Abs. 2 Satz 4 UStAE).
E vermietet ein unbebautes Grundstück an den Unternehmer B. Der Mietvertrag ist auf zehn Jahre abgeschlossen. Es wird eine angemessene Miete gezahlt. Unmittelbar nach der Anmietung lässt B auf dem Grundstück durch den Bauunternehmer U auf eigene Kosten für Zwecke seines Unternehmens eine Lagerhalle errichten, deren betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer 30 Jahre beträgt. E beteiligt sich nicht an den Baukosten. Nach den Vereinbarungen kann E nach Ablauf der Mietzeit wählen, ob er gegen Entschädigung die Lagerhalle übernimmt oder ob er deren Beseitigung verlangt. Die Beteiligten heben nach acht Jahren das Mietverhältnis auf. E übernimmt die Lagerhalle und entschädigt B.
B ist Empfänger der Werklieferung des U. B ist unter den Voraussetzungen des § 15 UStG zum Abzug der ihm in Rechnung gestellten USt als Vorsteuer berechtigt. Eine Weiterlieferung der Lagerhalle findet zunächst nicht statt.
Die Lagerhalle ist nicht nur zu vorübergehenden Zwecken (§ 95 BGB) mit dem Grundstück verbunden worden, weil das Interesse des B von vornherein darauf gerichtet sein musste, dass E die Lagerhalle nach Ablauf des Mietvertrages gegen Zahlung einer Entschädigung übernimmt. Die entsprechende Vereinbarung steht wegen des noch vorhandenen Restwertes der Halle im Zeitpunkt der ursprünglich vorgesehenen Beendigung des Mietvertrages auch mit den tatsächlichen Umständen im Einklang. E hat demnach bereits mit der Errichtung nach §§ 946, 94 BGB bürgerlich-rechtlich das Eigentum an der Lagerhalle erlangt.
E ist auch wirtschaftlicher Eigentümer der Lagerhalle, da B ihn nicht auf Dauer von der Einwirkung auf das Gebäude ausschließen kann, sondern nur für die Dauer des Mietvertrages, nach dessen Ablauf – ursprünglich nach zehn Jahren – der Herausgabeanspruch des E noch einen wirtschaftlichen Wert hat.
Trotzdem wird E die Verfügungsmacht erst nach acht Jahren verschafft, wenn die Beteiligten die Lagerhalle zum Gegenstand einer Leistungsvereinbarung machen und sie damit dem E zugewendet wird. Erst von da an ist E auch in der Lage, die volle Sachherrschaft über die Halle auszuüben. Während der Mietzeit bleibt der wirtschaftliche Gehalt des Gebäudes ausschließlich bei B. Ihm stehen solange Nutzung und Ertrag zu. Die Lieferung nach acht Jahren unterliegt der Grunderwerbsteuer und ist daher nach § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG von der USt befreit. Da die Veräußerung innerhalb des Berichtigungszeitraums von zehn Jahren erfolgt, ist § 15a UStG zu beachten. Ggf. ist ein Verzicht auf die Steuerbefreiung des § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG nach § 9 UStG möglich. Bei einem Verzicht auf die Steuerbefreiung ist das Reverse-Charge-Verfahren des § 13b Abs. 2 Nr. 3 UStG anzuwenden.
4. Kommissionsgeschäft
Beim Kommissionsgeschäft (→ Kommissionsgeschäfte mit Gegenständen) (§ 3 Abs. 3 UStG) liegt eine Lieferung des Kommittenten an den Kommissionär erst in dem Zeitpunkt der Lieferung des Kommissionsgutes an den Abnehmer vor (Abschn. 3.1 Abs. 3 Satz 7 UStAE).
5. Lieferzeitpunkt nach dem UStG
Der Lieferzeitpunkt ist u.a. maßgeblich für die Entstehung der Steuer (§ 13 Abs. 1 und 2 UStG), während der Lieferort erheblich ist für die Steuerbarkeit der Lieferung. § 3 Abs. 6 UStG enthält keine Aussage zur Frage des Zeitpunkts der Lieferung. Der Lieferzeitpunkt bestimmt sich nach der Gesetzesbegründung (BT-Drs. 390/96) nach den Vorgaben des Zivilrechts. Nach dieser Auffassung entspricht der Lieferzeitpunkt dem Zeitpunkt des Gefahrübergangs (§§ 446 und 447 BGB) und des Übergangs von Nutzen und Lasten. Nach dem BFH-Urteil vom 6.12.2007 (V R 24/05, BStBl II 2009, 490 unter II.1.b.) regeln die Abs. 6 und 7 des § 3 UStG den Leistungsort und zugleich auch den Zeitpunkt der Leistung (s.a. Abschn. 13.1 Abs. 2 Satz 1 und 2 UStAE). Zur Angabe des Leistungszeitpunkts in einer Rechnung s.a. BMF vom 26.9.2005 (BStBl I 2005, 937). Soweit es sich um eine Lieferung handelt, für die der Ort der Lieferung nach § 3 Abs. 6 UStG bestimmt wird, ist in der Rechnung als Tag der Lieferung der Tag des Beginns der Beförderung oder Versendung des Gegenstands der Lieferung anzugeben. Dieser Tag ist auch maßgeblich für die Entstehung der Steuer nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 UStG.
In allen Fällen, in denen sich der Ort der Lieferung nicht nach § 3 Abs. 6 UStG bestimmt, ist als Tag der Lieferung in der Rechnung der Tag der Verschaffung der Verfügungsmacht anzugeben. Zum Begriff der Verschaffung der Verfügungsmacht vgl. Abschn. 3.1 Abs. 2 UStAE.
A erwirbt am 30.1.06 bei Kfz-Händler K in Mannheim einen gebrauchten Pkw und nimmt ihn sofort mit nach Hause. Auf der Heimfahrt hat A mit dem Pkw einen Totalschaden.
Der Ort und der Zeitpunkt der »bewegten Lieferung« bestimmen sich nach § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG. Die Lieferung wird in Mannheim ausgeführt, da dort die Beförderung beginnt.
A aus Edenkoben/Pfalz erwirbt am 30.1.06 bei Kfz-Händler K in Mannheim einen gebrauchten Pkw. Am 1.2.06 beauftragt A das Abschleppunternehmen S aus Edenkoben, den Pkw in Mannheim abzuholen, um ihn nach Edenkoben zu transportieren. Auf der Heimfahrt von Mannheim hat S am 1.2.06 einen Unfall. Der Pkw hat Totalschaden.
Der Ort und der Zeitpunkt der Lieferung befinden sich nach § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG in Mannheim. Die Gefahr des Untergangs geht mit Beginn der Beförderung an A über. In der Rechnung ist als Lieferzeitpunkt (§ 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 6 UStG) der 1.2.06 anzugeben. Mit Ablauf des Februar 06 entsteht die USt bei K. Der Abnehmer kann mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums Februar den Vorsteuerabzug nach § 15 Abs. 1 UStG beantragen, da die Lieferung an sein Unternehmen ausgeführt wurde und eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt.
A aus Edenkoben erwirbt am 30.1.06 bei Kfz-Händler K in Mannheim einen gebrauchten Pkw. Am 1.2.06 bringt K den Pkw nach Edenkoben um ihn dort vereinbarungsgemäß an A zu übergeben. Die Transportgefahr trägt vereinbarungsgemäß K. Auf der Fahrt von Mannheim nach Edenkoben hat K einen Unfall. Der Pkw hat Totalschaden.
Nach § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG bestimmt sich der Ort der Lieferung nach dem Beginn der Beförderung und befindet sich daher in Mannheim. Mit Beginn der Beförderung am 1.2.06 gilt die Lieferung als ausgeführt. Da der Lieferer die Transportgefahr trägt, ist der Abnehmer A nicht zur Zahlung des Entgelts verpflichtet. Die im Februar ausgeführte Lieferung ist daher mangels Entgelts nicht steuerbar. Obwohl der Abnehmer A eventuell eine Rechnung mit gesondertem Steuerausweis besitzt, kann er keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Als Vorsteuer abziehbar ist nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG die gesetzlich geschuldete Steuer für eine Lieferung von einem anderen Unternehmer an sein Unternehmen. Da bei der Ausführung einer nicht steuerbaren Lieferung keine USt entsteht, hat der Leistungsempfänger daher keinen Vorsteueranspruch (s.a. Kurz, Finanz und Steuern. Band 2, 17. A., 8 und 19).
Völkel u.a., ABC-Führer Umsatzsteuer (Loseblatt); Hummel, Verschaffung der Verfügungsmacht im Umsatzsteuerrecht, UR 2007, 757; Lippross, Verfügungsmacht und Sachgefahr, UR 2008, 495; Brete u.a., Umsatzsteuerrechtliche Behandlung von Organlieferungen, UR 2009, 781.

References: § 3
 § 3
 § 3
 Art. 14

§ 929

§ 929

§ 363

§ 454

§ 446
 § 13
 § 15
 § 13
 § 25
 § 25
 § 25
 § 13
 § 13
 § 25
 § 13
 § 25
 § 1
 BGH 
 § 3
 § 166
 § 166
 § 171
 § 171
 § 171
 § 13
 § 3
 § 1147
 § 23
 § 3
 § 3
 § 165
 § 675
 § 1
 § 9
 § 15
 § 3
 § 4
 § 10
 § 9
 § 15
 § 4
 § 15
 § 4
 § 9
 § 13
 § 3
 § 3
 § 3
 § 13
 § 3
 § 3
 § 3
 § 15
 § 3
 § 15