Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=28.02.2007&Aktenzeichen=IV%20ZR%20331/05
Timestamp: 2019-07-17 11:38:39+00:00

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BGH, 28.02.2007 - IV ZR 331/05 - dejure.org
BGH, 28.02.2007 - IV ZR 331/05
https://dejure.org/2007,976
BGH, 28.02.2007 - IV ZR 331/05 (https://dejure.org/2007,976)
BGH, Entscheidung vom 28.02.2007 - IV ZR 331/05 (https://dejure.org/2007,976)
BGH, Entscheidung vom 28. Februar 2007 - IV ZR 331/05 (https://dejure.org/2007,976)
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VVG §§ 6, 22; AUB 94 § 9 (II)
Schadensersatzanspruch wegen arglistiger Täuschung durch Nichtangabe eines Schutzbriefes im Rahmen einer Schadensmeldung; Unterlassen der Angabe eines Schutzbriefes wider besseren Wissens; Berufung eines Unfallversicherers auf Leistungsfreiheit bei Geeignetheit einer vorsätzlichen Verletzung der Aufklärungsobliegenheit zur Gefährdung der berechtigten Interessen des Versicherers
Unfallversicherung - unterlassene Angabe einer weiteren Unfallversicherung - Täuschung
VVG § 6 § 22; AUB 94 § 9 (II)
Pflicht des Versicherungsnehmers zur Angabe eines Schutzbriefs bei Beantragung einer Unfallversicherung
Unterlassene Angabe eines Schutzbriefes
Versicherungsrecht - Wenn der Schutzbrief im Antrag nicht angegeben ist
Versicherungsrecht - Schutzbrief im Antrag nicht angegeben
Nicht angegebener Schutzbrief ist unerheblich
Unfallversicherung - Schutzbrief verschwiegen bei Neuabschluss
LG Oldenburg, 13.01.2005 - 16 O 4295/03
OLG Oldenburg, 14.10.2005 - 6 U 33/05
NJW 2007, 2041
MDR 2007, 885
NZV 2007, 458
VersR 2007, 785
Arglist setzt deshalb zusätzlich voraus, dass dem Täuschenden bewußt ist, dass der Versicherer möglicherweise (bedingter VoStz genügt) den Antrag gar nicht oder nur zu anderen Konditionen annehmen werde, wenn er die Wahrheit sage (zum Ganzen BGH VersR 2007, 785, 786; BGH VersR 2008, 809).
Berufsunfähigkeitszusatzversicherung: Arglistige Täuschung bei sog. …
Falsche Angaben in einem Versicherungsantrag allein rechtfertigen den Schluss auf eine arglistige Täuschung nicht; einen allgemeinen Erfahrungssatz des Inhalts, dass eine bewusst unrichtige Beantwortung einer Antragsfrage immer und nur in der Absicht erfolgt, auf den Willen des Versicherers einzuwirken, gibt es nicht (Senatsurteil vom 28. Februar 2007 - IV ZR 331/05, VersR 2007, 785 Rn. 8 m.w.N.).
In subjektiver Hinsicht setzt die Annahme von Arglist vielmehr zusätzlich voraus, dass der Versicherungsnehmer erkennt und billigt, dass der Versicherer seinen Antrag bei Kenntnis des wahren Sachverhalts gar nicht oder nur zu anderen Konditionen annehmen werde (Senatsurteil vom 28. Februar 2007 aaO;… Prölss in Prölss/Martin, VVG 27. Aufl. § 22 Rn. 4;… Langheid in Römer/Langheid, VVG 2. Aufl. § 22 Rn. 6; jeweils m.w.N.).
Der Versicherungsnehmer muss vielmehr vorsätzlich handeln, indem er bewusst und willentlich auf die Entscheidung des Versicherers einwirkt (BGH, Urteil vom 28.02.2007 - IV ZR 331/05).
Die Annahme von Arglist setzt in subjektiver Hinsicht vielmehr zusätzlich voraus, dass der Versicherungsnehmer erkennt und billigt, dass der Versicherer seinen Antrag bei Kenntnis des wahren Sachverhalts gar nicht oder nur zu anderen Konditionen annehmen werde (vgl. zuletzt Senatsurteil vom 28. Februar 2007 - IV ZR 331/05 - VersR 2007, 785 unter II 1 a m.w.N.).
Nach der dem Berufungsurteil zugrunde liegenden Relevanzrechtsprechung des Senats kann sich der Versicherer bei einer vorsätzlichen folgenlosen Verletzung der Aufklärungsobliegenheit des Versicherungsnehmers nur dann auf Leistungsfreiheit berufen, wenn - was das Berufungsgericht hier bejaht hat - die Obliegenheitsverletzung generell geeignet war, die Interessen des Versicherers ernsthaft zu gefährden und dem Versicherungsnehmer ein erhebliches Verschulden zur Last fiel (Senatsurteile vom 28. Februar 2007 - IV ZR 331/05 - VersR 2007, 785 Tz. 15; vom 21. Januar 1998 - IV ZR 10/97 - VersR 1998, 447 unter 2 b, jeweils m.w.N.).
c) Die Obliegenheitsverletzung der Klägerin ist auch nicht folgenlos geblieben, so dass es auf die weiteren Voraussetzungen der so genannten Relevanzrechtsprechung des Senats (vgl. dazu Senatsurteile vom 28. Februar 2007 - IV ZR 231/05, VersR 2007, 785 unter II 2 b; vom 26. Januar 2005 - IV ZR 239/03, VersR 2005, 493 unter II 2 c; vom 21. Januar 1998 - IV ZR 10/97, VersR 1998, 447 unter 2 b) nicht ankommt.
Denn es existiert kein allgemeingültiger Erfahrungssatz, dass eine bewusst unrichtige Beantwortung einer Antragsfrage immer und nur in der Absicht erfolgt, auf den Willen des Versicherers einzuwirken (BGH, Urteil vom 24.11.2010 - Az. IV ZR 252/08 = NJW 2011, 1213 und Urteil vom 28.02.2007 - Az. IV ZR 331/05 = NJW 2007, 2041 m. w. N.).
a) Nach der so genannten Relevanzrechtsprechung des Senats kann sich der Versicherer nur dann gemäß § 6 Abs. 3 Satz 1 VVG a.F. auf Leistungsfreiheit wegen einer vorsätzlichen folgenlosen Obliegenheitsverletzung berufen, wenn diese generell geeignet war, die Interessen des Versicherers ernsthaft zu gefährden, und dem Versicherungsnehmer ein erhebliches Verschulden zur Last fiel (…Senatsbeschlüsse vom 10. November 2010 - IV ZR 122/09, VersR 2011, 369 Rn. 16;… vom 4. Mai 2009 - IV ZR 62/07, VersR 2009, 968 Rn. 9; Senatsurteile vom 28. Februar 2007 - IV ZR 331/05, VersR 2007, 785 Rn. 15; vom 7. Juli 2004 - IV ZR 265/03, VersR 2004, 1117 unter 3; vom 21. Januar 1998 - IV ZR 10/97, VersR 1998, 447 unter 2 b; vom 7. Dezember 1983 - IVa ZR 231/81, VersR 1984, 228, 229; jeweils m.w.N.).
Die Annahme von Arglist setzt in subjektiver Hinsicht vielmehr zusätzlich voraus, dass erkannt und gebilligt wird, dass der Versicherer den Antrag bei Kenntnis des wahren Sachverhalts gar nicht oder nur zu anderen Konditionen annehmen werde (vgl. nur BGH VersR 2007, 785; VersR 1985, 156; jeweils m.w.N.).
BGH, 06.07.2011 - IV ZR 108/07
Kfz-Kaskoversicherung: Zu hohe Angabe vorhandener Fahrzeugschlüssel als …
OLG Saarbrücken, 24.03.2010 - 5 U 144/09
Darlegungs- und Beweislast hinsichtlich des Vorliegens eines versicherten Unfalls …
OLG Brandenburg, 21.12.2018 - 11 U 149/16
OLG Frankfurt, 04.07.2011 - 15 U 56/11
Versicherungsrecht: Leistungsfreiheit des Versicherers wegen arglistigem …
OLG Köln, 27.06.2011 - 20 U 171/10

References: § 9
 § 6
 § 22
 § 9
 BGH 
 BGH 
 § 22
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 § 6
 BGH