Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=02.08.2012&Aktenzeichen=XII%20ZR%2042/10
Timestamp: 2019-06-24 16:39:40+00:00

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BGH, 02.08.2012 - XII ZR 42/10 - dejure.org
https://dejure.org/2012,98621
BGH, 02.08.2012 - XII ZR 42/10 (https://dejure.org/2012,98621)
BGH, Entscheidung vom 02.08.2012 - XII ZR 42/10 (https://dejure.org/2012,98621)
BGH, Entscheidung vom 02. August 2012 - XII ZR 42/10 (https://dejure.org/2012,98621)
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24 Monate Laufzeit für Fitness-Studioverträge zulässig / Zu den Voraussetzungen einer vorzeitigen Kündigung
Fitness-Studiovertrag: Wirksamkeit einer Laufzeitklausel; unangemessene Einschränkung des Rechts zur außerordentlichen Kündigung
Zulässigkeit einer in einem Fitness-Studiovertrag vorformulierten Vertragsbestimmung über das Vorsehen einer vertraglichen Erstlaufzeit von 24 Monaten; Wirksamkeit einer Kündigungsklausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Fitness-Studiovertrags im Falle der Einschränkung des Rechts zur außerordentlichen Kündigung
Zur Wirksamkeit einer Klausel in den AGB eines Fitness-Studiovertrages über eine Erstlaufzeit des Vertrages von 24 Monaten; zur Unwirksamkeit einer Kündigungsklausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Fitness-Studiovertrags, die das Recht des Kunden zur außerordentlichen Kündigung unangemessen einschränkt
AGB-Kontrolle im Fitness-Studiovertrag: Kündigungsklausel
Fitnessvertrag kündigen: Gar nicht so leicht!
Zur Wirksamkeit von Fitnessverträgen
Zur fristlosen Kündigung beim Fitnessstudio
Zu Fitnessverträgen - Kündigung aus wichtigem Grund möglich
rug-anwaltsblog.de (Rechtsprechungsübersicht)
Laufzeit und Kündigung eines Fitness-Studiovertrages
Zur Mindeslaufzeit eines Fitness-Studiovertrags und zur außerordentlichen Kündigung
Zur Wirksamkeit von Laufzeit- und Kündigungsklausel in AGB eines Fitness-Studiovertrags
Fit 4 Fun - Rechtliche Einstufung, Laufzeit und Kündigungsmöglichkeit von Fitnesscenterverträgen
Lange Vertragslaufzeiten bei Fitnessstudios möglich
Fitnessstudiovertrag - Kündigung aus wichtigem Grund
Fitnessvertrag kann auch weit vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt werden - Gesundheitliche Einschränkungen rechtfertigen eine außerordentliche Kündigung
Die AGB-Kontrolle beim Fitnessvertrag
Außerordentliche Kündigung eines Fitnesscenter-Vertrags
Anfangslaufzeit von zwei Jahren im Fitness-Studiovertrag zulässig
Kurznachricht zu "Fitnessverträge - Wirksamkeit von AGB zu Laufzeitklauseln und außerordentlicher Kündigung" von RAin Dr. Jessica Blattner, original erschienen in: MDR 2012, 743 - 745.
AG Frankfurt/Main, 09.10.2009 - 383 C 1635/09
AG Frankfurt/Main, 04.03.2010 - 383 C 1635/09
LG Frankfurt/Main, 04.03.2010 - 24 S 204/09
NJW 2012, 1431
NJ 2013, 203
WM 2012, 1098
JR 2014, 31
Allein der Umstand, dass der Kunde eines Fitnessstudios berufsbedingt seinen Wohnort wechselt, vermag eine außerordentliche Kündigung seines Vertrags nicht zu rechtfertigen (im Anschluss an Senatsurteil vom 8. Februar 2012, XII ZR 42/10, NJW 2012, 1431).
In den Vorschriften der §§ 626 Abs. 1, 543 Abs. 1 und 314 Abs. 1 BGB kommt der von der Rechtsprechung und Lehre entwickelte allgemeine Grundsatz zum Ausdruck, dass den Vertragsparteien eines Dauerschuldverhältnisses stets ein Recht zur außerordentlichen Kündigung bei Vorliegen eines wichtigen Grundes zusteht (Senatsurteil vom 8. Februar 2012 - XII ZR 42/10 - NJW 2012, 1431 Rn. 27 mwN).
Etwas anderes gilt nur, wenn ihm aus Gründen, die er nicht beeinflussen kann, eine weitere Inanspruchnahme der Leistungen des anderen Vertragspartners nicht mehr zumutbar ist (vgl. Senatsurteile vom 8. Februar 2012 - XII ZR 42/10 - NJW 2012, 1431 Rn. 31 mwN und vom 23. Oktober 1996 - XII ZR 55/95 - NJW 1997, 193, 195 mwN).
Ebenso kann eine Schwangerschaft die weitere Nutzung bis zum Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit unzumutbar machen; der besondere Schutz des Art. 6 Abs. 4 GG und dessen wertsetzende Bedeutung wirken sich insoweit auch auf die Frage der Zurechenbarkeit des Kündigungsgrundes aus (vgl. BVerfG NJW 2005, 2383; s. auch Senatsurteil vom 8. Februar 2012 - XII ZR 42/10 - NJW 2012, 1431 Rn. 31 mwN).
Mit der Bereitstellung kunstwissenschaftlicher Informationen oder der Erbringung museumspädagogischer Dienstleistungen durch den Museumsbetreiber können dienstvertragliche Elemente hinzutreten (vgl. [zum Fitnessstudiovertrag] BGH, Urteil vom 8. Februar 2012 - XII ZR 42/10, NJW 2012, 1431 Rn. 17).
Die in dem Fitness-Studiovertrag vom 04.06.2017 (Blatt 14 bis 15 der Akte) vorformulierte Vertragsbestimmung, die eine Mitgliedschaft von 24 Monaten vorsieht, hält im Übrigen grundsätzlich auch der Inhaltskontrolle nach § 307 Abs. 1 BGB stand ( BGH , Urteil vom 04.05.2016, Az.: XII ZR 62/15, u.a. in: NJW 2016, Seiten 3718 ff.; BGH , Urteil vom 08.02.2012, Az.: XII ZR 42/10, u.a. in: NJW 2012, Seiten 1431 ff. ).
Zu berücksichtigen ist insoweit allerdings, dass nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs solche Umstände als Kündigungsgrund ausscheiden, die im Rahmen des vom Kündigenden vertraglich übernommenen Risikos liegen ( BGH , Urteil vom 08.02.2012, Az.: XII ZR 42/10, u.a. in: NJW 2012, Seiten 1431 ff.; BGH , NJW 1984, Seite 2091; BGH , NJW 1984, Seite 1531; LG Kiel , Urteil vom 30.01.2009, Az.: 8 S 54/08, u. a. in: juris; AG Eisenach , Urteil vom 17.10.2013, Az.: 54 C 321/13, u. a. in: juris; AG Hamburg-Blankenese , Urteil vom 20.07.2007, Az.: 509 C 117/07, u. a. in: juris; AG Bad Homburg , NJW-RR 2003, Seiten 1694 f. ).
Ein wichtiger Grund zur Kündigung des Vertrages lag somit hier gemäß § 314 BGB vor, da dem kündigenden Beklagten unter Berücksichtigung aller Umstände des hiesigen Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist grundsätzlich nicht mehr hätte zugemutet werden können, wobei für die Frage des Vorliegens eines wichtigen Grundes ein Verschulden des anderen Teils nicht erforderlich ist ( BGH , Urteil vom 08.02.2012, Az.: XII ZR 42/10, u.a. in: NJW 2012, Seiten 1431 ff.; AG Dieburg , Urteil vom 09.02.2011, Az.: 211 C 44/09, u. a. in: "juris"; AG München , Urteil vom 09.06.2010, Az.: 251 C 26718/09, u.a. in: NJW-RR 2011, Seiten 67 f.; AG Wuppertal , Urteil vom 26.03.2007, Az.: 36 C 27/06, u.a. in: BeckRS 2007, Nr. 06497,; AG Saarbrücken , Urteil vom 11.05.2005, Az.: 42 C 287/04, u.a. in: "juris"; AG Dortmund , Urteil vom 12.09.1989, Az.: 125 C 330/89, u.a. in: "juris"; Blattner , ZGS 2008, Heft 8, Seiten 293 ff. ).
Wenn durch diese Klausel das Ruhen des Vertrages von der Vorlage eines schriftlichen ärztlichen Attestes abhängig machen würde - aus dem sich Art und Umfang der Erkrankung ergeben soll - wäre zwar ein berechtigtes Interesse der Klägerin an der Vorlage eines solchen ärztlichen Attestes bei einem durch einen Kunden mit einer Erkrankung begründeten Ruhen des Vertrages ggf. noch grundsätzlich anzuerkennen, um einen Missbrauch des eingeräumten Kündigungsrechts zu verhindern ( BGH , Urteil vom 08.02.2012, Az.: XII ZR 42/10, u. a. in: NJW 2012, Seiten 1431 ff. ).
Die in dem Fitness-Studiovertrag vom 13.05.2014 - Blatt 13 der Akte - vorformulierte Vertragsbestimmung, die eine Mitgliedschaft von 24 Monaten vorsieht, hält im Übrigen - entgegen der Behauptung der Beklagten - grundsätzlich auch der Inhaltskontrolle nach § 307 Abs. 1 BGB stand (vgl. BGH, Urteil vom 08.02.2012, Az.: XII ZR 42/10, u. a. in: NJW 2012, Seiten 1431 ff.).
Verträge dieser Art, von der zivilrechtlichen Rechtsprechung als Gebrauchsüberlassungsverträge qualifiziert, sind mit ihren Regelungen zur Nutzung der Räume, Geräte und sonstigen Einrichtungen überwiegend durch mietvertragliche Elemente geprägt (vgl. Urteile des Bundesgerichtshofs vom 8. Februar 2012 XII ZR 42/10, NJW 2012, 1431; XII ZR 62/15, NJW 2016, 3718) und diese mietvertragliche Prägung hat auch Auswirkungen auf den Zeitpunkt des Zuflusses der Leistungen.
aa) Eine unangemessene Benachteiligung des Vertragspartners des Verwenders im Sinne von § 307 BGB ist gegeben, wenn der Verwender durch eine einseitige Vertragsgestaltung missbräuchlich eigene Interessen auf Kosten seines Vertragspartners durchzusetzen versucht, ohne von vornherein auch dessen Belange hinreichend zu berücksichtigen und ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (st. Rspr.;… s. etwa Senatsurteile vom 18. Februar 2016 - III ZR 126/15, BGHZ 209, 52, 58 Rn. 17;… vom 19. Mai 2016 - III ZR 274/15, NJW-RR 2016, 842, 844 Rn. 29 …und vom 14. Juli 2016 - III ZR 387/15, NJW 2016, 2800, 2801 Rn. 9, jeweils mwN; BGH…, Urteil vom 8. Dezember 2011 - VII ZR 111/11, NJW-RR 2012, 626, 627 Rn. 14; Versäumnisurteil vom 8. Februar 2012 - XII ZR 42/10, NJW 2012, 1431 Rn. 20 mwN).
Bei dieser Abwägung sind nicht nur die auf Seiten des Verwenders getätigten Investitionen, sondern es ist der gesamte Vertragsinhalt zu berücksichtigen; notwendig ist eine Gegenüberstellung der insgesamt begründeten gegenseitigen Rechte und Pflichten (BGH, Urteil vom 8. Dezember 2011 aaO Rn. 15 und Versäumnisurteil vom 8. Februar 2012 aaO S. 1432 Rn. 21).
Eine Klausel ist unangemessen im Sinne von § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB, wenn der Verwender die Vertragsgestaltung einseitig für sich in Anspruch nimmt und eigene Interessen missbräuchlich auf Kosten des Vertragspartners durchzusetzen versucht, ohne von vornherein die Interessen seines Partners hinreichend zu berücksichtigen und ihm einen angemessenen Ausgleich zuzugestehen (Senatsurteile vom 8. Februar 2012 - XII ZR 42/10 - GuT 2012, 26 Rn. 20 …und vom 19. Dezember 2007 - XII ZR 61/05 - NJW-RR 2008, 818 Rn. 17 mwN).
Eine etwaige Einweisung in den Gebrauch der Geräte sowie Beratung und Beaufsichtigung sind dann als bloße vertragliche Nebenleistungen geschuldet (vgl. BGH NJW 2012, 1431, juris Tz. 17 f.).
Dies würde allerdings dem von der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und der Lehre entwickelten und in der Vorschrift des § 314 BGB zum Ausdruck kommenden allgemeinen Grundsatz widersprechen, dass den Vertragsparteien eines Dauerschuldverhältnisses stets ein Recht zur außerordentlichen Kündigung bei Vorliegen eines wichtigen Grundes zustehen muss (vgl. nur BGH, Urteil vom 8. Februar 2012 - XII ZR 42/10, WM 2012, 1098 Rn. 27 mwN).
Die Trainingskunden sind vielmehr allein in einer (als Mitgliedschaft bezeichneten) Vertragsbeziehung zu der Klägerin gestanden (zur Frage der rechtlichen Einordnung des Fitnessstudio-Vertrags als typengemischter Vertrag etwa BGH, Urteil vom 08.02.2012, - XII ZR 42/10 - m.N., in juris).
AG München, 28.03.2018 - 132 C 9505/17
Außerordentliche Kündigung einer Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio
LG Frankfurt/Main, 29.01.2014 - 16 S 165/12
LG Darmstadt, 04.02.2013 - 6 S 159/12
AG Aachen, 27.06.2012 - 111 C 31/12
Vorliegen eines außerordentlichen gesetzlichen Nutzungsvertrags bzgl. eines …
AG Saarbrücken, 26.07.2016 - 5 C 449/15
Krankheitsbedingt sportunfähig: Fitnessvertrag ist vorzeitig kündbar!
AG Mönchengladbach, 20.03.2014 - 3 C 193/13
Erstattung einer unverbrauchten Prämie aus einem Ratenschutzversicherungsvertrag …
LG Frankfurt/Main, 29.06.2015 - 16 T 8/15
AG Frankfurt/Main, 19.12.2014 - 397 C 2436/14

References: Art. 6
 § 307
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 314
 BGH 
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 § 307
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