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Timestamp: 2019-06-24 09:17:55+00:00

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Pegasus-Onlinezeitschrift III/3 (2003), 1
Aus der Stilistik ist die abbildende Wortstellung bekannt. Viktor Pöschl hat auf sie hingewiesen, ja wahrscheinlich sogar den Terminus geprägt. (1) Die Wortstellung erfolgt so, dass sie den Inhalt abbildet. Bekanntestes Beispiel ist Horaz, carmen 1,5,1 Quis multa gracilis te puer in rosa ... : Der gracilis puer umschlingt das Mädchen, beide umgibt eine Fülle von Rosen oder Rosenblättern.
Am Beispiel von Sätzen aus Caesars Bellum Gallicum möchte ich zeigen, dass es auch abbildende Sätze gibt. Dabei spreche ich Caesar nicht die Urheberschaft zu. Bei Autoren vor Caesar finden sich dafür schon Beispiele, in der Dichtung wenige Beispiele bei Catull (2), in der Prosa mehr Beispiele bei Cicero. (3)
Aber Caesar wendet die Leserbeeinflussung durch den Satzbau derart konsequent an, dass man von einer durchgehenden stilistischen Haltung sprechen kann. Abbildung kann dabei auf zweierlei Weise verstanden werden. Typ A: Der Satzbau ist als optische Abbildung des Inhalts auffassbar. Typ B: Der Satzbau wirkt durch Länge oder Kürze, Einfachheit oder Kompliziertheit auf den Leser, erregt in ihm eine innere Vorstellung oder eine geistig-seelische Bewegung, die ihn in der von Caesar gewünschten Weise beeinflusst und mit dem Dargestellten kompatibel macht.
Mit dieser Art von Sätzen sind zwei Satztypen verwandt, die sich auch als eigene Gruppen erfassen lassen, der kumulative und der distraktive Satzbau. Sie dienen ebenfalls der Psychagogie. In kumulativen Sätzen schlägt Caesar alle vorher angebotenen Motive erneut an und führt sie in einer Art Überwältigungsstrategie zu einem unwiderlegbaren Ende, dem der Leser folgen muss. Mit distraktiv meine ich zum Ablenken geeignet. Distraktive Sätze lullen die Aufmerksamkeit des Lesers ein oder legen falsche Bezüge und Schlüsse nahe.
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Dieser Beitrag bringt einige Beispiele für solche Satzformen und beschränkt sich dabei auf Caesars Bellum Helveticum, also den ersten Teil des ersten Buches des Bellum Gallicum. Andere Aspekte der Darstellungskunst Caesars und seiner Leserlenkung werden nur im Zusammenhang gestreift oder bleiben weitgehend unberücksichtigt: die Wortwahl und die Assoziationen, die sie auslöst, der Aufbau und die Abfolge der Informationen, unklare Ausdrucksweisen. (4) Es wäre lohnend, diese Typologie auszubauen und im Gesamtwerk Caesars zu verfolgen. Die Übergänge sind fließend und manche der unten genannten Sätze ließen sich auch einer anderen Gruppe zuweisen oder enthalten Elemente mehrerer Typen.
Abbildende Sätze (Typ A)
Der Satzbau bildet mehr oder weniger direkt den Inhalt ab.
(1) Gall. 3, 1-3
His rebus adducti
et auctoritate Orgetorigis permoti
constituerunt,
quae ad proficiscendum pertinerent,
iumentorum et carrorum quam maximum numerum coemere,
sementes quam maximas facere,
ut in itinere copia frumenti suppeteret,
cum proximis civitatibus pacem et amicitiam confirmare.
Ad eas res conficiendas
biennium sibi satis esse
duxerunt;
in tertium annum profectionem lege confirmant.
Orgetorix deligitur.
Die Vorbereitungen zur Auswanderung der Helvetier werden in einer langen Aufzählung geschildert, die einzelnen Maßnahmen sind gewaltig, wie die Superlative quam maximum numerum, quam maximas facere, die Doppelausdrücke iumentorum et carrorum und pacem et amicitiam , die eingeschaltete Zielangabe ut in itinere copia frumenti suppeteret zeigen. Es handelt sich um eine Dihaerese des ea, quae ad proficiscendum pertinerent, comparare. Aber trotzdem sind die Einzelheiten asyndetisch aneinander gereiht, damit sich keine Vereinzelung und kein Nacheinander ergibt, sondern ein Miteinander aller Planungen.
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Ebenso wird die Zeitplanung asyndetisch dargestellt, wobei ein Wechsel vom narrativen Perfekt duxerunt zum szenischen Präsens confirmant erfolgt. Dem wird dann mit gleichem Satzanfang wie der vorige Satz ( ad eas res conficiendas ) die Übertragung der Aufgabe an Orgetorix angeschlossen. Diese Wiederholung, in einem deutschen Schulaufsatz, aber auch sonst sicher verpönt, schweißt Planung der Helvetier und Beauftragung des Orgetorix zusammen und richtet alles auf den Plan der Auswanderung aus.
(2) 4, 2
In 4,2 ist der Vorgang des Zusammenholens der familia des Orgetorix in einem langen, aber einfach gebauten Satz geschildert, der zwei Sätze mit et aneinander reiht: Die Menge seiner Leute wird mit einer Apposition und einem Attributsatz dargestellt, die Mengen werden mit et addiert, der Vorgang des Zusammenholens wird mit coegit und conduxit zwar differenziert, aber in den Komposita mit cum liegt erneut eine Betonung der Zusammenführung und Addierung: Die constituta causae dictionis / Orgetorix ad iudicium omnem suam familiam, / ad hominum milia decem, / undique coegit / et omnes clientes obaeratosque suos, / quorum magnum numerum habebat, / eodem conduxit. Die Bedrohung des Gerichts ist deutlich, der Befreiungsschlag wird in einem kurzen Satz geschildert, er geht schnell: Per eos, / ne causam diceret, / se eripuit.
(3) 8, 1
Der Bau einer Verteidigungslinie, die natürliche Gegebenheiten mit eigens errichteten Bauten verbindet, wird in einem von vier Relativsätzen unterbrochenen Satz geschildert:
Interea ea legione,
quam secum habebat,
militibusque,
qui ex provincia convenerant,
a lacu Lemanno,
qui in flumen Rhodanum influit,
ad montem Iuram,
qui fines Sequanorum ab Helvetiis dividit,
milia passuum decem novem murum in altitudinem pedum sedecim fossamque perducit.
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Obwohl die ersten beiden Relativsätze Personen schildern, ergibt sich insgesamt der Eindruck einer von Station zu Station fortschreitenden Bautätigkeit, denn auch die zunächst geschilderte Legion und die dann geschilderten neu angekommenen Soldaten sind ja an verschiedenen Orten verteilt tätig. Die auffällige Häufung der Relativsätze macht aus der Schilderung des Baus ein langsam, aber unaufhaltsam fortschrei-tendes Unternehmen. Am Satzende kann daher der Bau in seiner ganzen Ausdehnung bezeichnet werden: milia passuum decem novem murum in altitudinem pedum sedecim. Der damit verbundene Graben ist zwar ebenso lang, aber das muss Caesar nicht mehr sagen und er will es nicht mehr sagen, fossamque steht bar aller Attribute, sodass man regelrecht von der langen und hohen Mauer in den Graben gestürzt wird.
(4) 8, 4
Der Versuch der Helvetier, durch die Absperrung durchzubrechen, ist ein klassisches Beispiel caesarischer Satzbaukunst:
ea spe deiecti,
navibus iunctis
ratibusque compluribus factis,
alii vadis Rhodani,
qua minima altitudo fluminis erat,
nonnumquam interdiu, saepius noctu,
si perrumpere possent,
conati,
operis munitione et militum concursu et telis repulsi,
hoc conatu destiterunt.
Die Mitteilung, dass die Helvetier von ihrem Versuch ablassen, wird von der Schilderung einer Vielzahl von Zwischenstufen unterbrochen, die den Satz auf die Länge von 37 Wörtern ( que mitgezählt) bringt.
Am Anfang und am Ende stehen Enttäuschungen: ea spe deiecti  hoc conatu destiterunt. Auf die erste Enttäuschung folgen vielerlei Aktionen, die in prädikativen Partizipien geschildert werden: navibus iunctis ratibusque compluribus factis: sie verbinden Schiffe zu einer Schiffsbrücke und bauen mehrere Flöße; ... conati: Sie versuchen aber auch, in Furten die Rhône zu durchqueren. Und es folgen Gegenreaktionen: repulsi: Sie werden zurückgeschlagen. Caesar differenziert in der stilistischen Gestaltung des Aktionenteils und des Reaktionenteils. Die Aktionen werden in zwei Ablativen mit Prädikativum und in einem participium coniunctum geschildert; dabei fasst das participium coniunctum conati, verdeutlicht durch si perrumpere possent, nicht nur die Versuche, die Rhône auf einer Schiffsbrücke oder mit Flößen zu überqueren, sondern auch das Durchqueren in Furten zusammen. Dieses Durchqueren wird inkonzinn und asyndetisch mit den Ablativen mit Prädikativum gleichgestellt:
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erste Möglichkeit: mit Schiffen zweite Möglichkeit: in Furten
a) navibus iunctis: Schiffsbrücke alii vadis Rhodani: Furten der Rhône
b) ratibusque compluribus factis: mit Flößen qua minima altitudo fluminis erat: sehr geringe Flusstiefe
Ablative mit Prädikativum (Ablativi absoluti) einfacher Ablativus instrumenti
Die erste Möglichkeit hat zwei Aspekte. Die zweite Möglichkeit hat nur einen Aspekt und dieser wird durch den Relativsatz noch zusätzlich verengt.
Das erste alii fehlt.
Die asyndetische und inkonzinne und dadurch syntaktisch etwas verwirrende  inhaltlich aber doch klare  Formulierung vermittelt den Eindruck, dass die Helvetier verzweifelt vielerlei Versuche unternehmen, aber es dabei zum Chaos kommen lassen.
Der Reaktionsabschnitt hat nur ein prädikatives Partizip ( repulsi ) , aber diesem sind gleich drei Ablativi instrumenti zugeordnet, die ordentlich mit et addiert werden: operis munitione et militum concursu et telis repulsi. Die ersten beiden Ablative haben je ein Genitivattribut, der dritte keines; es könnte wieder militum sein, man kann militum, da es vor concursu steht, auf beide folgenden Ablativformen beziehen; aber da die drei Ablative durch et miteinander verbunden sind, sind sie einzeln aufgezählt, es ergibt sich statt einer Abfolge wachsender eine Abfolge immer kürzer werdender Glieder, die mit wachsender Beschleunigung auf das Ergebnis repulsi hinführt. Die Abwehr wird auf drei Gründe zurückgeführt, ist aber ein umfassender und einheitlicher Vorgang. Entsprechend kann man die drei Glieder des Abwehrteils nicht den drei Gliedern des Aktionsteils zuordnen, sondern bei jeder helvetischen Aktion ( iunctis  factis  vadis ) bleibt es beim Versuch ( conati ) , weil überall römische Abwehranlagen, Soldaten und Geschosse entgegenstehen.
(5) 10, 3
In 10,3 wird in syndetischer Reihung und manchmal fast kindlich wirkendem Satzbau das unaufhörliche Größerwerden der zusammengeführten Legionen, ihrer erst konzentrischen, dann gegen die Helvetier gerichteten Marschbewegung dargestellt:
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Ob eas causas ei munitioni, quam fecerat, T. Labienum legatum praefecit; Caesar übergibt Labienus das Kommando über den Befestigungswall.
ipse in Italiam magnis itineribus contendit Caesar eilt schnell nach Italien.
duasque ibi legiones conscribit Er wirbt zwei neue Legionen an.
et tres, quae circum Aquileiam hiemabant, ex hibernis educit Er führt drei Legionen aus dem Winterlager.
et, qua proximum iter in ulteriorem Galliam per Alpes erat, cum his quinque legionibus ire contendit. Jetzt sind es fünf Legionen und mit ihnen marschiert er wieder zurück über die Alpen.
(6) 11, 2
Helvetii, repentino eius adventu commoti, cum id quod ipsi diebus XX aegerrime confecerant, ut flumen transirent, illum uno die fecisse intellegerent, legatos ad eum mittunt. Cuius legationis Divico princeps fuit, qui bello Cassiano dux Helvetiorum fuerat.
Der Satz bildet die völlige Überraschung der Helvetier ab. Die Helvetier werden am Anfang genannt. Das nächste Wort ist repentino. Es betont die Schnelligkeit Caesars aus der Sicht der Helvetier. Dann wird Caesar in eius genannt, schließlich seine Ankunft, adventu. Die Reaktion der Helvetier ist innere Betroffenheit: commoti. Dann wird ein cum- Satz angefügt, der keineswegs eine Erläuterung zu commoti ist, sondern  da cum- Sätze außer solchen mit cum inversivum dem vorausgehen, was sie erläutern  ebenso wie commoti eine Erläuterung zu mittunt ist. Der cum- Satz ist voller Witz und Spott. Caesars Überschreitung des Flusses wird mehrfach genannt und zwar in immer konkreter werdenden Ausdrücken:
cum id, quod ipsi diebus XX aegerrime confecerant: die Helvetier haben 20 Tage für etwas gebraucht und es nur mit äußerster Mühe erreicht;
ut flumen transirent: jetzt endlich wird gesagt, was das ist: einen Fluss zu überqueren;
illum uno die fecisse: Caesar hat es an einem Tag geschafft;
intellegerent: das erkennen die Helvetier in einem mühsamen, langsamen Vorgang, sie müssen es sich selbst erst klar machen, nachdem sie vorher schon geschockt wurden ( commoti ) .
Dann senden sie Gesandte zu Caesar, Ergebnis einer langsamen, sehr langsamen Entwicklung ihrer Erkenntnis.
Abbildende Sätze (Typ B)
Diese Sätze erregen eine Stimmung, die dem geschilderten Vorgang oder Gedanken entspricht.
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(1) 1, 1
Caesar beginnt mit einer Beschreibung Galliens aus der Vogelperspektive. Er wirft ein Generalstabsnetz über Gallien, teilt es ein und prüft die kriegerischen Siegeschancen.
Die Teilung Galliens stellt er in § 1 mit bewusster Endstellung von in partes tres fest. Hier verwendet er die einzige Verknüpfung in den §§ 1-2, indem er an partes tres einen Relativsatz mit quarum anschließt. Aber dieser Relativsatz markiert die Teilung schneidend ohne jede Konjunktion, also asyndetisch: Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam  Bei der Darstellung der Bewohner des dritten Teils flicht er einen Namensexkurs ein, statt sich weiterhin kurz zu fassen. Der Name Celtae kommt im ganzen Bellum Gallicum kein zweites Mal vor. Er dient auch hier nicht der kulturgeschichtlichen oder ethnographischen Belehrung, sondern der Hinauszögerung des Wortes Galli. Indem er die Bewohner des dritten Teils in einem Bikolon darstellt, hebt Caesar sie von den anderen ab, misst ihnen Gewicht bei und macht ihre Darstellung nachdrücklich. Der Name Galli ist mit nationalen Vorurteilen und mit Angst behaftet, die aus historischer Erfahrung der Römer mit den Galliern herrührt, er hat eine Signalwirkung wie später die Nennung der Parther unter Augustus und in der augusteischen Dichtung. Daher erscheint der Name Galli als krönender, ja fast drohender Abschluss des ersten Satzes. Dass die Art des Satzbaus die Wahrnehmung beeinflusst, wird umso wahrscheinlicher, wenn man bedenkt, dass Römer Texte halblaut mitgesprochen haben, sodass die geschilderten Phänomene nicht nur optisch, sondern auch akustisch einwirkten.
(2) 1, 2
Caesar stellt die Teilung Galliens in den §§ 1-2 in kurzen Sätzen dar. In beiden Sätzen des § 2 verwendet er die asyndetische Reihung: Hi omnes lingua, institutis, legibus inter se differunt. Er vermeidet bei der Darstellung der Trennung jede Konjunktion. Die Trennungsfaktoren wirken scharf: lingua, institutis, legibus. Die Grenzen der Südgallier zu den Aquitaniern und zu den Belgern sind ebenso scharf markiert: Gallos ab Aquitanis Garunna flumen, a Belgis Matrona et Sequana dividit.
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Die anschließende Darstellung der Gefährlichkeit von Belgern und Helvetiern erfolgt in je einem langen Satz:
Horum omnium fortissimi sunt Belgae propterea,
quod a cultu atque humanitate provinciae longissime absunt
minimeque ad eos mercatores saepe commeant
atque ea,
quae ad effeminandos animos pertinent,
proximique sunt Germanis,
qui trans Rhenum incolunt,
quibuscum continenter bellum gerunt.
§ 3 beginnt mit dem Hauptsatz. Ihm schließt sich ein Kausalsatz mit quod an. Dieser hat vier Abschnitte ( absunt / commeant / important / sunt ) . Der erste und der vierte Abschnitt haben die Belger als Subjekt und schildern das Verhältnis der Belger zu den Römern und den Germanen. Diese Abschnitte rahmen den zweiten und dritten Abschnitt ein. Diese gehören zusammen, weil sie beide Aussagen zu den mercatores machen und die Belger in einem Präpositionalobjekt schildern ( ad eos ) . Sie leiten vom ersten zum vierten Abschnitt über, erläutern a cultu atque humanitate provinciae longissime absunt aus dem ersten Abschnitt und führen auf das Thema der kriegerischen Tapferkeit, das im vierten Abschnitt an der Auseinandersetzung mit den Germanen dargestellt wird. Der dritte Abschnitt leistet dies, indem er statt eines einfachen Objekts die eingeführten bzw. nicht eingeführten Waren mit ea, quae ad effeminandos animos pertinent umschreibt. Der vierte Abschnitt breitet die Themen Germanen und kriegerische Tapferkeit stark aus, indem an Germanos erst ein rein beschreibender Relativsatz angefügt wird ( qui trans Rhenum incolunt ), dann ein qualifizierender ( quibuscum continenter bellum gerunt ), der die Bewährung der Tapferkeit zeigt. Der Hauptsatz Horum omnium fortissimi sunt Belgae und der abschließende Relativsatz quibuscum continenter bellum gerunt nennen beide das Thema kriegerische Tapferkeit. Dieses rahmt sozusagen den ganzen Satz ein, es ist Ausgangspunkt und Zielpunkt des Satzes, und alles, was er sonst bringt, dient der Begründung der Tapferkeit. Der beschreibende Relativsatz qui trans Rhenum incolunt gewinnt dadurch Suggestivkraft, denn statt sich vorzustellen, dass die Germanen die Belger angreifen, wird nahe gelegt, dass es die Belger sind, die über den Rhein zu den Germanen wechseln.
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(4) 1, 4
Qua de causa Helvetii quoque reliquos Gallos virtute praecedunt,
quod fere cotidianis proeliis cum Germanis contendunt,
cum aut suis finibus eos prohibent
aut ipsi in eorum finibus bellum gerunt.
§ 4 ist ähnlich wie § 3 aufgebaut: Hauptsatz  Kausalsatz  weiterer Gliedsatz. Das verstärkt zunächst den Eindruck der Parallelität, der mit qua de causa und quoque nahegelegt wird. Aber es gibt bezeichnende Unterschiede. Sie sind semantischer und syntaktischer Art. In § 4 bringt bereits der quod- Satz die Aussage, die bei den Belgern erst im abschließenden qui- Satz gemacht wurde: häufiger Kampf mit den Germanen. Damit gewinnt der kurze quod- Satz das Gewicht des viergliedrigen quod- Satzes in § 3. Eine erneute lange Hinführung zum Thema kriegerische Tapferkeit wäre eine zu offensichtliche Wiederholung gewesen. Dafür steht aber dann statt zweier Relativsätze ein zweiteiliger cum- Satz, der das Thema Kampf in Defensiv- und Aggressionskrieg aufsplittert und damit die Helvetier ausdrücklich zu Aggressoren erklärt. Der Schluss hebt die Aggressivität hervor und leitet damit zur Darstellung des aggressiven Orgetorix und der mit dem Auswanderungsplan der Helvetier tatsächlich oder angeblich verbundenen Aggressivität der Helvetier in c. 2 über.
Bezeichnend sind auch die semantischen Unterschiede. An Tapfer-weit übertreffen wurde bei den Belgern mit horum omnium fortissimi sunt Belgae ausgedrückt, bei den Helvetiern heißt es Helvetii quoque reliquos Gallos virtute praecedunt. Virtus ist der weitere und höherwertige Begriff. Die Vielzahl der Kämpfe wurde bei den Belgern so gekennzeichnet: quibuscum continenter bellum gerunt. Bei den Helvetiern heißt es: fere cotidianis proeliis cum Germanis contendunt, dann erfolgt die Aufsplitterung in Defensiv- und Aggressionskrieg. Bellum ist mehr als die einzelnen proelia, continenter ist mehr als fere cotidianis, aber fere cotidianis proeliis klingt plastischer und anschaulicher.
(5) 2, 2-3
Id hoc facilius iis persuasit, quod undique loci natura Helvetii continentur: una ex parte flumine Rheno latissimo atque altissimo, qui agrum Helvetium a Germanis dividit; altera ex parte monte Iura altissimo, qui est inter Sequanos et Helvetios; tertia lacu Lemanno et flumine Rhodano, qui provinciam nostram ab Helvetiis dividit . Die Leichtigkeit, mit der Orgetorix die Helvetier zur Auswanderung überreden kann, wird in einem stark untergliederten Satz dargestellt,
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der die Anfangsbehauptung undique loci natura Helvetii continentur hieb- und stichfest machen soll: una ex parte , altera ex parte , tertia . Dass bei der dritten Seite oder Richtung parte weggelassen wird, hat nicht den Grund in einer stilistischen Glätte  dann hätte man es auch schon bei altera auslassen können , sondern darin, dass die dritte Seite die römische Provinz ist und hier mit Wörtern gespart wird, damit schon sprachlich die Wahrscheinlichkeit herauskommt, dass sich die Helvetier durch die römische Provinz bewegen wollen. Man vergleiche:
A Kommentar B Kommentar C Kommentar
una ex parte altera ex parte tertia parte fehlt
flumine Rheno Fluss monte Iura Gebirge lacu Lemanno et flumine Rhodano, zwei Gewässer
latissimo atque altissimo, zwei Attribute im Elativ altissimo, ein Attribut im Elativ -- kein Attribut
qui agrum Helvetium a Germanis dividit; Hervorhebung von Ackerland oder Staatsgebiet und einer ausdrücklichen Trennung qui est inter Sequanos et Helvetios; nur est, keine weitere Qualifizierung von Sequanern und Helvetiern qui provinciam nostram ab Helvetiis dividit. Hervorhebung des Besitzes der Römer ( nostram ), Solidarisierung des Autors mit dem Leser, Hervorhebung der Trennung, aber keine Qualifizierung der Helvetier
Eine ausdrücklich als solche bezeichnete Grenze hat keinen besonderen Schutz.
(6) 3, 4
Orgetorix nutzt seine Beauftragung durch die Helvetier zu Verschwörungsverhandlungen mit Casticus und Dumnorix. Die Umwidmung der legatio zur coniuratio, die in 2,1 mit Anspielung auf die Catilinae coniuratio mit dem zunächst unverständlichen Ausdruck coniuratio nobilitatis bezeichnet wurde, wird so geschildert:
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In eo itinere persuadet Castico,
Catamantaloedis filio,
Sequano,
cuius pater regnum in Sequanis multos annos obtinuerat
et ab senatu populi Romani amicus appellatus erat,
ut regnum in civitate sua occuparet,
quod pater ante habuerat.
Die langwierige Verschwörungsarbeit wird in langen Sätzen verdeutlicht. Der erste Mitverschwörer ist Casticus. Caesar beginnt mit in eo itinere und stellt damit die Verbindung zur freiwillig übernommenen angeblichen legatio her. Dann folgt thematisch persuadet , das schon in c. 2 eine Rolle spielte und in c. 3 noch wiederholt wird. Dann wird das erste Objekt der Überredung genannt: Casticus. Er wird in Relativsätzen näher geschildert  aber eigentlich ist es sein Vater, der als mächtiger Freund der Römer geschildert wird, Vorzeichen für das, was folgt. Caesar sagt jetzt, wozu Orgetorix Casticus überredet, ut regnum in civitate sua occuparet , und deutet mit occupare eine gewaltsame Übernahme der Herrschaft an, die zudem Königsherrschaft genannt wird; dann fügt er in einem Relativsatz an, warum Casticus ein dankbares Opfer für Orgetorix ist: quod pater ante habuerat.
(7) 6, 1-3
6, 1-3 schildern die beiden Wege, die zur Auswanderung der Helvetier zur Verfügung stehen. Das Thema Marschweg wird zu Anfang dem Leser durch die Wiederholung itinera, quibus itineribus eingehämmert.
6, 1: Der Weg durch das Gebiet der Sequaner wird in einer Klimax als inakzeptabel dargestellt:
unum per Sequanos, Ortsangabe
angustum et difficile, grundsätzliche Qualifizierung
inter montem Iuram et flumen Rhodanum, Ausführung des angustum
vix qua singuli carri ducerentur; Ausführung des difficile
mons autem altissimus impendebat, ut facile perpauci prohibere possent; Steigerung des difficile zum periculosum
6, 2: Der Weg durch die römische Provinz wird als leichter für die Helvetier und als gefährlich für die Römer dargestellt. Hier wird vieles syndetisch gereiht ( atque, et, que ); eine Begründung wird deutlich als Kausalsatz formuliert, dieser ist zweigeteilt, sodass die Gründe gewichtiger erscheinen, und enthält in einem eingeschobenen Relativsatz auch schon den Hinweis auf eine politische Gefahr.
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alterum per provinciam nostram, Ortsangabe
multo facilius atque expeditius Vergleich mit dem vorher geschilderten Weg: viel leichter
propterea, quod inter fines Helvetiorum et Allobrogum, Grenzdarstellung
qui nuper pacati erant, Hinweis auf die mangelnde Gewöhnung der Allobroger an römische Herrschaft
Rhodanus fluit isque nonnullis locis vado transitur. leichte Überschreitbarkeit der Rhône
6, 3: Die Gefahr für die Römer wird dann lange weiter in geographischen und politischen Details dargestellt.
Extremum oppidum Allobrogum est Wiederaufnahme: Allobroger
proximumque Helvetiorum finibus Nähe zu den Helvetiern
Genava. geographische Angabe
Ex eo oppido pons ad Helvetios pertinet. Brücke als gefährlicher Verbinder eines vertraglich an die Römer gebundenen Volkes mit den kriegslüsternen Helvetiern
Allobrogibus sese vel persuasuros, Ausführung der politischen und kriegerischen Absichten der Helvetier:Versuch zur Überredung der Allobroger
quod nondum bono animo in populum Romanum viderentur, Möglichkeit des Aufstandes und des Vertragsbruchs der Allobroger gegenüber den Römern
existimabant
vel vi coacturos, oder gewaltsame Auseinandersetzung
ut per suos fines eos ire paterentur. Erzwingung des Durchzugs durch das Gebiet der Allobroger
Das Ungleichgewicht in der Länge lässt den Leser auf dem Weg durch die römische Provinz verweilen und verknüpft sein Denken mit dieser Gefahr für die römische Herrschaft.
(8) 7, 1-2
In c. 7 schildert Caesar erstmals sich selbst, der Autor Caesar schildert den Actor Caesar. Er tut dies mit einem bewussten Einsatz seines Namens am Satzanfang: Caesari. Dann schildert er noch einmal zusammenfassend den Plan der Helvetier. Dies geschieht so, dass erst ein Vorverweis kommt, id , dann dieser Vorverweis mit eos per provinciam nostram iter facere conari ausgefüllt wird; ein bloßes id als Rückverweis auf 6,3-4 hätte es auch getan, wäre aber weniger wirkungsvoll gewesen. Caesar verwendet hier dieselbe langsam verdeutlichende Satztechnik wie in 11,2 (vgl. dazu oben),
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jedoch nicht, um wie dort das langsame Gewahrwerden einer Überlegenheit zu schildern, sondern um den Leser bis ins Letzte mit dem Bewusstsein einer Gefahr für Rom zu durchdringen, sodass sich die Schilderung von Caesars Einsatz dann davon positiv abheben kann. Auch verwendet er hier nicht das langsam verengende Darstellen des Satzes 2,1 ( apud Helvetios  longe nobilissimus fuit  ac ditissimus  Orgetorix ), wo der Fokus von den Helvetiern langsam auf den ihnen entsprechenden und wie sie gefährlichen Orgetorix wandert, sondern stellt sich bewusst sofort als Zentrum an den Anfang.
Die Darstellung seines Einsatzes ist dann eine Reihung von Maßnahmen, teils syndetisch, teils asyndetisch formuliert und bisweilen von Erläuterungen unterbrochen. Der syndetische Teil schildert den (angeblich jetzt erst erfolgenden) Marsch von Rom nach Genf: Caesari cum id nuntiatum esset, eos per provinciam nostram iter facere conari, maturat ab urbe proficisci et, quam maximis potest itineribus, in Galliam ulteriorem contendit et ad Genavam pervenit (7,1). Dabei steht die Eile im Vordergrund, wie das vorangestellte maturat und die Angabe quam maximis potest itineribus zeigen.
Die Maßnahmen in Genf werden asyndetisch aneinandergereiht, es sind gleichzeitige Maßnahmen, die seine Befehle, Anordnungen, Maßnahmen darstellen, die Ausübung seiner prokonsularischen Gewalt ( imperat, iubet ) in größtem Umfang ( toti, quam maximum potest numerum ) zeigen: Provinciae toti, quam maximum potest, militum numerum imperat  erat omnino in Gallia ulteriore legio una; pontem, qui erat ad Genavam, iubet rescindi (7,2).
Kumulative Sätze
In kumulativen Sätzen schlägt Caesar alle vorher angebotenen Motive erneut an und führt sie in einer Art Überwältigungsstrategie zu einem unwiderlegbaren Ende, dem der Leser folgen muss.
(1) 2, 4
His rebus fiebat,
ut et minus late vagarentur
et minus facile finitimis bellum inferre possent.
Qua ex parte homines bellandi cupidi magno dolore adficiebantur.
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In 2,4 baut Caesar auf der oben geschilderten Darstellung von 1,4-2,3 seine Suggestion der helvetischen Frustration auf: Die Grenzen hindern die Helvetier, ihrer kriegerischen Natur genügend Raum zu geben. Damit stellt er sie in einen Gegensatz zu den in c. 1 geschilderten Belgern und widerspricht der dort gegebenen Darstellung der Helvetier. In 1,4 hatte er sie als besonders tapfer dargestellt, ihre Kriegsführung in Verteidigungs- und Angriffskrieg unterschieden, dadurch die Gelegenheit geschaffen, ihre Tapferkeit gleich viermal darzustellen: 1) Qua de causa Helvetii quoque reliquos Gallos virtute praecedunt , 2) quod fere cotidianis proeliis cum Germanis contendunt , 3) cum aut suis finibus eos prohibent , 4) aut ipsi in eorum finibus bellum gerunt. Jetzt spricht er nur vom Angriffskrieg und teilt diesen in zwei Aspekte: His rebus fiebat , 1) ut et minus late vagarentur , 2) et minus facile finitimis bellum inferre possent. Unmerklich hat sich die Darstellung der Helvetier auf ihre Aggressivität verengt, dieser Aspekt ist gegenüber anderen vergrößert worden. Caesar gelingt es, in dem abschließenden Satz noch eins daraufzusetzen: Qua ex parte homines bellandi cupidi magno dolore adficiebantur. In dem ungewöhnlichen Ausdruck qua ex parte statt qua de causa fügt er an die drei vorher genannten Grenzen eine weitere Begrenzung an, die psychisch ist und auch die vorher genannten Grenzen zu Auslösern einer Psychose umfunktioniert. Die dem Leser bereits langsam dargestellte kriegerische Natur wird zusammengefasst und endlich auch beim Namen genannt: homines bellandi cupidi; das Prädikat wiederholt fast das Attribut des Subjekts: bellandi cupidi und magno dolore adficiebantur sind zwei Seiten ein und derselben kriegerischen Natur. In c. 1 wird aus der Grenzlage und den Kriegen die kriegerische Tüchtigkeit entwickelt, in c. 2 wird aus der kriegerischen Tüchtigkeit die Lust auf Krieg entwickelt.
In c. 5 wird die aufwendige Vorbereitung der Auswanderung und der dahinter sichtbar werdende starke Wille verdeutlicht: Das beginnt mit nihilominus in § 1. Es setzt sich fort mit der umständlichen und langsam konkret werdenden bzw. wiederholenden Beschreibung des Ziels: id, quod constituerant, facere conantur: ut e finibus suis exeant. Darauf baut sich die Schilderung der vielfältigen Maßnahmen in einer Aufzählung auf, die in den Zahlenangaben, dem Polyptoton omnia  omne, der Dihärese der Gebietsangabe in oppida, vicos, reliqua privata aedificia und der Differenzierung verschiedener Arten des Verbrennens ( incendunt: anzünden, comburunt: völlig verbrennen) vielfältig die Totalität ihres Plans betont. Darauf kann der krönende Abschluss mit der Nennung des Ziels all dieser Maßnahmen erfolgen:
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ut, domum reditionis spe sublata, paratiores ad omnia pericula subeunda essent. Dieser lange Finalsatz nennt als erstes Ziel, die vorherigen Aktionen zusammenfassend, die Vernichtung aller Hoffnung auf Rückkehr und macht dies dann zur Voraussetzung des nächsten Ziels: noch mehr Bereitschaft, alle Gefahren auf sich zu nehmen. Erneut ist aber unversehens eine Verschiebung erfolgt: Aus der Verwirklichung ihrer kriegerischen Natur (2,4) ist eine totale Durchhalteaktion geworden, die Helvetier sind nicht nur kriegerisch, sie sind fanatisch. 5,4 wiederholt dann die Vorgänge des Überredens, des Verbrennens, der Verschwörung auf Völkerebene. Die Motive der Kapitel 2, 3 und 5 kumulieren.
(3) 3, 7-8
Die Sätze variieren das vorher angeschlagene Thema, sind eine Epimone und drücken die Verbindung von Machterwerb im jeweils eigenen Land und Herrschaft über ganz Gallien immer anders aus. § 7 hebt hervor, dass Orgetorix an die Vormachtstellung der Helvetier glaubt: Non esse dubium, quin totius Galliae plurimum Helvetii possent. Im anschließenden Satz schildert Caesar in eigenem Namen, in einem Redebericht, dass Orgetorix den beiden Mitverschwörern durch Krieg Macht verschaffen will: Se suis copiis suoque exercitu illis regna conciliaturum confirmat. In § 8 werden die vorigen Sätze in einem komplizierteren Satzgefüge noch einmal zusammengefasst: Hac oratione adducti / inter se fidem et ius iurandum dant / et, / regno occupato, / per tres potentissimos ac firmissimos populos totius Galliae sese potiri posse sperant.
Der lange und zweifache Vorgang des persuadere ist in ius iurandum dant eingemündet, aus ut regnum in civitate sua occuparet (Casticus), idem conaret (Dumnorix), regna conciliaturum (Orgetorix) ist regno occupato geworden, aus totius Galliae plurimum possent Helvetii allerdings per tres potentissimos ac firmissimos populos , aus dem Überreden zum Versuchen ein Hoffen: totius Galliae sese potiri posse sperant.
Das Ganze ist etwas unklar, weil sich die Behauptung von der Vormacht der Helvetier und also wohl auch des Orgetorix mit der scheinbar gleichen Stellung der drei Verschwörer nach einem Erfolg nicht ganz verträgt. Aber der Eindruck einer sich ausbreitenden machtvollen und gefährlichen Verschwörung ist durch die Epimone mit erst parallelen langen, dann kurzen Sätzen und einem alles wieder aufnehmenden und zusammenfassenden Satz im Leser verankert.
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(4) 7, 4-5
Die hinhaltende Behandlung der helvetischen Bitte, durch die römische Provinz ziehen zu dürfen, wird für den Leser im Behördenstil mit -nd- Form mit esse formuliert. Der Mitteilung seiner Einschätzung geht eine ausführliche historische Begründung in einem quod- Satz voraus, der den Vergleich von historischer Erfahrung und gegenwärtiger Lage darstellt, der in einen ablehnenden Beschluss mündet. Caesar wiederholt für seine Leser die Ablehnung in einem zweiten Satz, der ein Kumulationssatz ist und alle bereits angeschlagenen Motive wiederholt und zusammenfasst: homines inimico animo, data facultate per provinciam itineris faciundi, neque ... temperaturos ab iniuria et maleficio. Die beiden Sätze sind insofern parallel formuliert, als zuerst Begründungen, dann Einschätzungen mit abschließendem Prädikat ( putabat, existimabat ) stehen. Inhaltlich zieht aber der erste Satz aus der Vergangenheit eine Folgerung für die Gegenwart, der zweite eine Folgerung aus der Gegenwart für die Zukunft. Diese Art der Darstellung, der Rückkehr zum Ausgangspunkt auf anderem Niveau ist ein Darstellungsprinzip des archaischen Stils. Da Caesar ihn in späterer Zeit anwendet, ist es ein archaisierender Stil, die archaische Form faciundi passt gut dazu; aber insgesamt bleibt eine Scheinlogik der schlüssig aneinander reihenden Argumentation erhalten.
(5) 14, 3
14,3 ist ein Kumulationssatz, der die Motive der vorigen Sätze aufnimmt, sie aber in einen Gegensatz von vergangenem Unrecht und aktuellem Unrecht stellt. Das römische Volk, so wird suggeriert, hat schon genügend Geduld mit den Helvetiern gehabt, jetzt müsse Schluss sein.
Quod si veteris contumeliae oblivisci vellet, vgl. 14,1-2
num etiam recentium iniuriarum,
quod, eo invito, iter per provinciam per vim temptassent, vgl. 8,4
quod Haeduos, vgl. 11,2-3
quod Ambarros, vgl. 11,4
quod Allobroges vexassent, vgl. 11,5
memoriam deponere posse?
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Distraktive Sätze
Den Kumulationssätzen stehen stark untergliederte Sätze gegenüber, die nicht am Ende einer Darstellungslinie alle Motive zusammenfassen, sondern am Anfang einer Darstellung eine unklare Beurteilungslage schaffen, falsche Bezüge und Schlüsse nahelegen.
(1) 7, 3
Die Darstellung der helvetischen Reaktion auf Caesars in 7,1-2 geschilderte Maßnahmen macht durch Einschaltung vieler erläuternder Parenthesen das Verständnis des eigentlichen Willens der Helvetier unklar, weil man schließlich nicht mehr weiß, wer etwas sagen soll ( qui dicerent ist eigentlich auf legatos oder Nammeius et Verucloetius bezogen), wer etwas beabsichtigt ( sibi esse in animo kann eigentlich nur alle Helvetier bzw. die helvetische Führung meinen, bezieht sich aber eindeutig auf qui und ist somit auf die Gesandten beschränkt). Danach werden die vorgetragenen helvetischen Gründe als Lüge entlarvt: sine ullo maleficio widerspricht 6,3; quod aliud iter haberent nullum widerspricht 6,1; das höfisch-diplomatisch formulierte Gesuch rogare, ut eius voluntate id sibi facere liceat widerspricht 6,3, wo die Helvetier auf die römerfeindliche Gesinnung der Allobroger hoffen und bereit sind, Gewalt einzusetzen. Unversehens schlägt die Anwendung diplomatischer Sprache gegen ihre Anwender aus. Aus der Reaktion auf Caesars Maßnahmen ist eine Aggression geworden.
(2) 14, 1-6
Eine ähnliche Lage schafft Caesar in seiner Antwort an die helvetischen Gesandten, 14,1-6. Caesar beginnt mit einem Satz, den er über sich selbst sagt, wie sibi eindeutig zeigt: Eo sibi minus dubitationis dari, quod eas res, quas legati Helvetii commemorassent, memoria teneret, atque eo gravius ferre, quo minus merito populi Romani accidissent. Dann nimmt er populi Romani in § 2 auf: Qui si alicuius iniuriae sibi conscius fuisset, non fuisse difficile cavere; sed eo deceptum, quod neque commissum a se intellegeret, quare timeret, neque sine causa timendum putaret. In § 3 weiß man nicht mehr, ob er mit velle-t und eo invito sich selbst oder das römische Volk meint. Wahrscheinlich sollen er und das römische Volk als Einheit gesehen werden.
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Caesar spricht, denkt, handelt für das römische Volk und tritt entsprechend als Racheengel (vgl. § 5) und Wiederhersteller römischer Ehre auf (vgl. § 2, der die militärische Niederlage in einen moralischen Sieg ummünzt: Die Römer sind durch ein bellum iniustum überrascht worden). Dass die Grenzen zwischen Caesar und dem römischen Volk verwischt werden, dazu trägt neben der semantischen Zweideutigkeit auch die syntaktische Gestalt der Sätze bei. § 1 bringt zwei parallele Sätze mit dem Vorverweis eo, den im ersten Teil ein quod- Satz, im zweiten ein quo minus- Satz erläutert. Im zweiten Teil lässt er das se als Subjekt des A.c.i. weg. Im § 2 lässt er im Hauptsatz non fuisse difficile cavere ebenfalls ein Personalpronomen weg (wohl sibi ) . Das setzt sich beim A.c.i. eo deceptum fort. Die beiden folgenden A.c.i. machen einmal den Bezug auf das römische Volk deutlich ( commissum a se ), dann wird allgemein formuliert ( sine causa timendum ) . 14,3 ist dann wieder, wie oben beschrieben, ein Kumulationssatz.
Satzensembles
Natürlich gilt auch auf satzübergreifender Ebene, also auf Textebene und für ein Ensemble von Sätzen, dass man mit abbildenden, suggerierenden, kumulierenden oder distrahierenden Elementen rechnen muss. Hierfür ein Beispiel: Eine gewaltige Steigerung schafft Caesar in 11,1-6. Hier stellt er dar, dass die Helvetier auf ihrem Marsch durch andere Gebiete viele Völker überfallen und schädigen. Diese kommen zu Caesar und bitten um Hilfe (11,1-5). Deswegen müsse er einschreiten (11,6).
Statt der chronologischen Reihenfolge der Hilfeersuchen verwendet Caesar aber eine rhetorische. Er erwähnt zuerst die, die zuletzt kommen, die Haeduer; sie werden gerade von den Helvetiern überfallen ( agros populabantur, Imperfekt 11,1) und wollen eine Fortsetzung dieser Situation verhindern ( ut paene in conspectu exercitus nostri agri vastari, liberi eorum in servitutem abduci, oppida expugnari non debuerint, 11,3). Dann erwähnt er die Ambarrer. Durch ihr Gebiet ist ein großer Teil der Helvetier bereits durchgezogen. Entsprechend sagen sie: sese, depopulatis agris, non facile ab oppidis vim hostium prohibere. Schließlich erwähnt er die Allobroger. Durch deren Gebiet sind die Helvetier bereits völlig hindurch marschiert und haben ein totales Verwüstungswerk vollzogen: demonstrant, sibi praeter agri solum nihil esse reliqui. So entsteht eine gewaltige Steigerung, der stärkste Grad der Verwüstung steht am Ende vor der Mitteilung des Entschlusses Caesars einzugreifen, was als Sachzwang formuliert wird: Quibus rebus adductus Caesar non exspectandum sibi statuit, dum, omnibus fortunis sociorum consumptis, in Santonos Helvetii pervenirent (11,6).
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Caesar stellt die Reihenfolge der Hilfeersuchen so dar, als ob sie etwa gleichzeitig kämen, was den Zwang zum Handeln verstärkt: Das Hilfeersuchen der Ambarrer wird mit eodem tempore an das der Haeduer angeschlossen, das der Allobroger mit item. Eine Steigerung ergibt sich in der Zahl derer, die zu Caesar kommen ( Haedui legatos mittunt, Ambarri certiorem faciunt, Allobroges fuga se recipiunt ), in der Art, wie sie informieren ( rogatum auxilium  certiorem faciunt  demonstrant ), im Zustand ihrer Nahrungsversorgung ( agri vastari non debuerint  depopulatis agris  praeter agri solum nihil esse reliqui ).
Schein-chrono-logie Völker Zahl der Ankom-menden Mitteilungs-form Versorgungs-lage Folgerung
Haedui legatos ad Caesarem mittunt: Gesandte rogatum auxilium: Bitte agri vastari: Verwüstung soll vermieden werden paene in conspectu exercitus nostri agri vastari, liberi eorum in servitutem abduci, oppida expugnari non debuerint: moralisch-politische Verpflichtung zum Schutz
eodem tempore Ambarri Caesarem certiorem faciunt: Boten Benachrich- tigung depopulatis agris Äcker sind verwüstet non facile ab oppidis vim hostium prohibere: geschwächte Verteidigungs-fähigkeit
Item Allobroges fuga se ad Caesarem recipiunt: das ganze Volk flieht zu Caesar demonstrant: bloße Doku-mentation sibi praeter agri solum nihil esse reliqui: Äcker sind nicht mehr rekultivierbar völlige Hilflosig-keit; im Wider-spruch dazu schildert Caesar in 28,3, dass sie den Helvetiern mit Getreide helfen müssen
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Methodische Folgerungen für die Caesar-Lektüre
Erkennt man die Satzbautechnik Caesars, versteht man einerseits die Rühmung Caesars als Sprachkünstler, gewinnt aber andererseits auch einen methodischen Ansatz für die Caesar-Lektüre auf der Schule. In der Schulwirklichkeit bleibt die Rühmung der Sprachkunst Caesars oft unverständlich. Denn wenn die Schüler nach der Grammatikphase und einer eventuellen Übergangslektüre und einer Erstlektüre Kapitel aus Caesars Bellum Gallicum lesen, haben sie oft Probleme mit den Sätzen Caesars und mit dem Verständnis des Textzusammenhangs. (5) Viele Schwierigkeiten, die moderne Leser, insbesondere Schüler, mit Caesars Texten und Sätzen rein auf sprachlicher Ebene haben, lassen sich aber aus seiner Satzbautechnik erklären. Die Satzgestaltung Caesars legt ein nachvollziehendes Lesen und Genießen nahe statt eines die caesarischen Satzstrukturen missachtenden oder sklavisch nachahmenden Übersetzens in schlechtes Deutsch. Durch die Berücksichtigung der Satzstrukturen Caesars wird seine Darstellungsabsicht viel deutlicher. Daher kann ihre Berücksichtigung zu einer neuartigen Caesarlektüre beitragen, die weniger quälend ist.
Wie sinnvoll und wie einfach es ist, Texte vor einer Übersetzung oder sogar statt einer Übersetzung zu erschließen, habe ich an mehreren Stellen dargelegt. (6) Schüler sollen wie jeder normale Leser Texte lesen und verstehen, nicht übersetzen oder zumindest nicht sofort übersetzen. Das Übersetzen ist erst eine sekundäre Angelegenheit, wenn darunter die Erstellung einer wirklich deutschen Formulierung verstanden wird und nicht nur das stille Umsetzen von Wörtern und Satzblöcken ins Deutsche (was dem Erschließen nahe kommt). Auf die Prinzipien der Texterschließung gehe ich hier nicht ein, ich habe sie mehrfach schriftlich dargelegt, sie sind zum Teil Bestandteil der Lateinlehrpläne in Deutschland geworden, Lehrbücher und Grammatiken vermitteln mittlerweile Ansätze zu ihr. Texterschließung ist mit Satzerschließung verbunden. In diesem Aufsatz geht es nicht um die Verbindung von Satz- und Texterschließung, sondern um Caesars Satzgestaltung und entsprechend um die Satzerschließung. Ohne korrekte Analyse von Sätzen, was zumindest korrekte Erfassung von Satzblöcken meint, ist ein genaues Textverstehen nicht möglich.
Bei der Satzerschließung ist es wichtig, kleine Einheiten zu erfassen, Sinnblöcke. Erstens wird so Sinn erfasst, statt dass man sich allein auf der grammatischen Ebene bewegt, zweitens entspricht dies dem Lesen, das nicht Wort für Wort, sondern Block für Block und Zeile für Zeile erfolgt. Das Erfassen von Sinneinheiten ist idealerweise mit dem Erfassen der Satzstruktur verbunden, dem Verstehen des Verhältnisses der einzelnen Blöcke zueinander.
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Kolometrisches Gliedern
Dazu dient das kolometrische Gliedern: Unterstreichen aller Verbformen und Umrahmen aller unterordnenden Konnektoren, Kennzeichnung der Verbformen als selbstständig (S) oder bezogen (B) formuliert. Untergeordnet bzw. bezogen sind alle nicht-finiten Verbformen, also solche, die keine Personalendung, kein Tempus- und Moduszeichen haben: Infinitive, Partizipien, -nd- Formen. Bezogen sind auch alle finiten Verbformen, die in Gliedsätzen stehen, deswegen muss man die unterordnenden Konnektoren kennen und markieren, weil sie immer die Erwartung auf ein bezogenes Prädikat konstituieren und diese Erwartung erfüllt werden muss.
Statt weiterer Erklärungen ein Beispiel: Gall. 1,19,1 kann man folgendermaßen in kleine Kola gliedern:
[Quibus rebus cognitis] · , cum ad has suspiciones certissimae res accederent, ·
- quod per fines Sequanorum Helvetios traduxisset, ·
- quod [obsides inter eos dandos] curasset, ·
- quod ea omnia non modo iniussu suo et civitatis, sed etiam · [ inscientibus
ipsis] · fecisset, ·
- quod a magistratu Haeduorum accusaretur , ·
[satis esse causae] · arbitrabatur · ,
[ quare in eum aut ipse animadverteret · aut · [civitatem animadvertere ] iuberet.] ·
Erkannte A.c.i., Ablative mit Prädikativum, -nd- Fügungen können dabei in eckige Klammern gesetzt werden.
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Kolometrische Darstellung
Daraus ergibt sich die kolometrische Darstellung. Sie sieht zu Caesar, Bellum Gallicum 19,1 so aus:
Nr. lateinisches Kolon S/B deutsche Wiedergabe Be-zug auf
1 (1) Quibus rebus cognitis, B Diese Dinge waren erkannt/ in Erfahrung gebracht 11/ 12
2 cum ad has suspiciones certissimae res accederent, B Zu diesen Vermutungen kamen ganz sichere Tatsachen hinzu 11/ 12
3  quod per fines Sequanorum Helvetios traduxisset, B er hatte die Helvetier durch das Gebiet der Sequaner geführt 2
4  quod B 2
5 obsides inter eos dandos B Geiseln wurden unter ihnen ausgetauscht 6
6 curasset, B dafür hatte er gesorgt 2
7  quod ea omnia non modo iniussu suo et civitatis, sed etiam B 2
8 inscientibus ipsis B sie wussten nicht davon 9
9 fecisset, B er hatte das alles nicht nur ohne seinen Befehl, sondern auch ... gemacht 2
10  quod a magistratu Haeduorum accusaretur, B er wurde vom Magistrat der Haeduer angeklagt 2
11 satis esse causae B es gab genügend Grund 12
12 arbitrabatur, S dieser begründeten Ansicht war er --
13 quare in eum aut ipse animadverteret B entweder selbst gegen ihn vorzugehen 11
14 aut civitatem animadvertere B oder dass das Volk gegen ihn vorgeht 15
15 iuberet. B anzuordnen 11
Der gesamte Satz fasst die Erkundungen, die in den cc. 17-18 geschildert wurden, und Caesars eigene Recherchen zusammen und verbindet sie mit seiner vorsichtigen Folgerung. Er stellt einen Entscheidungsprozess dar. Grundlage des Entscheidungsprozesses sind Nachforschungen, Überlegungen, Erkenntnisvorgänge. Das ist Caesars Prinzip in seiner Darstellung des Gallischen Kriegs: Er handelt nicht willkürlich, emotional, impulsiv, sondern durchdacht.
Vorteile und Probleme des kolometrischen Gliederns
Das Verfahren des kolometrischen Gliederns macht Sätze übersichtlicher und entspricht antikem Leseverhalten ebenso wie modernem. Moderne Leser erfassen besser kurze Sätze, brauchen ein entsprechendes Schriftbild mit nicht zu langen Zeilen (sonst fallen viele beim Lesen aus der Zeile), formulieren selbst entweder in kurzen Sätzen oder in langen ohne Struktur. Die moderne Leseforschung weist nach, dass man beim Lesen nicht Wort für Wort erfasst, sondern Blöcke und ganze Zeilen. Das kann man an der Augenbewegung des Lesenden erkennen.
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Im antiken Rom gab es nur Texte mit Kurzzeilen. Man las nicht stumm, sondern man sprach leise mit. Man las dadurch langsamer und erfasste mehr Einzelheiten. Und man machte entsprechend Atempausen, las also in Kola.
Quintilian schildert in seiner Institutio oratoria 1,1,32-34 die komplexen Anforderungen, die das Lesen mit gleichzeitigem halblauten Sprechen an das Kind stellt. Er zeigt dabei in § 34, dass auch er das vorausschauende Lesen ( prospicere in dextrum ... et providere ) kennt, dass es alle anraten ( omnes praecipiunt ) und dass es eine Sache des Verstandes ( non rationis modo ), aber auch der Einübung ist ( sed usus quoque est ).
Das ermuntert erst recht dazu, das Erfassen von Sinneinheiten und Satzblöcken im Lateinunterricht einzuüben. Dieses Verfahren einzuüben fällt leicht, wenn Schüler Gliedsätze und Zwischenformen als eingebettete Sätze bzw. Kurzsätze erlernt und verstanden haben. Aber selbst wenn dies nicht erfolgt ist, ist die Übung des kolometrischen Verfahrens sinnvoll, weil mit ihm wachsendes Verstehen von Verbformen, Satzgliedern, Gliedsätzen, Zwischenformen, Unter- und Überordnung verbunden ist und dies auf die Notwendigkeit führt, Verbformen und Konnektoren zu lernen, und dieses Lernen nun seinen Zweck und eine Chance zu Erfolg zeigt.
Auf Dauer kann aber auch dieses Verfahren langweilig werden, denn es verweilt lange beim Einzelsatz. Deswegen wendet man es gerne auch als Lernhilfe an und bietet  nach einem ersten Verstehen der kolometrischen Gliederung  manche Sätze schon kolometrisch gegliedert an. Das sind so genannte vorstrukturierende Lernhilfen, sie lenken das Verstehen und erleichtern den Unterricht oder beschleunigen ihn zumindest.
Mehr aber noch wirkt das kolometrische Gliedern auf Dauer kalt und unemotional, wenn es nicht mit einer Interpretation des Satzbaus (also nicht nur des Satzinhalts) verbunden wird. Deswegen sollte das Verfahren nach einer Einführungs- und Übungsphase vorwiegend an solchen Sätzen angewandt werden, die es lohnen. Das kann man nun fast von jedem Satz Caesars sagen und die Beispiele haben dies gezeigt. Wer also an der Caesar-Lektüre festhält, hat hier eine Methode, mit der er Satzanalyse und Interpretation eng verknüpft, den Wert der Grammatik als Interpretationsmittel erkennen lässt und langsames Arbeiten an einem Satz nicht zu bloßen  nicht gelingenden und wenig motivierenden  Grammatikexerzitien macht. Interpretierende Detailarbeit am Satz verschafft visuelle Vorstellungen und vermittelt ein kritisches Instrumentarium gegenüber der Leserbeeinflussung.
Prof. Dr. Hans-Joachim Glücklich, Myliusstraße 25 A, 60323 Frankfurt am Main; e-mail: GlueHJ@aol.com
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(1) Pöschl, Viktor: Horazische Lyrik. Interpretationen, Heidelberg, 2. Aufl. 1991, S. 20f.  Ausführliche Übersicht bei Numberger, Karl: Horaz. Lyrische Gedichte. Kommentar für Lehrer der Gymnasien und für Studierende, Münster, 3. neubearb. Aufl. 1997, S. 38, 2. Abs.
(2) Catull c. 51,3-4 macht Lesbia zum Zentrum für das Verhalten des Mannes: qui sedens adversus identidem te / spectat et audit.
(3) So bildet etwa der (einschließlich zweier que) 73 Wörter umfassende Satz de officiis 1,118 die Schwierigkeit der Wahl der Lebensform ab.
(4) Dazu Glücklich, Hans-Joachim: C. Iulius Caesar, De bello Gallico. Sprache und Leserlenkung in Caesars Bellum Helveticum, Stuttgart 1985, 2. Aufl. 1991.
(5) Caesars Bellum Gallicum ist eine umstrittene Schullektüre (das Bellum civile ist keine Alternative, denn es ist noch schwieriger). Ich habe die Caesar-Lektüre immer vertreten und bereits 1972 Prinzipien der Interpretation dargelegt, die auch heute gelten: Caesar auf die Schliche kommen (Glücklich, H.-J.: Das erste Buch des Bellum Gallicum im Schulunterricht, in: Der altsprachliche Unterricht 15/5, 1972, 44-82); sein Werk als Mittel der Wahlwerbung erkennen (C. Iulius Caesar, De bello Gallico. Textauswahl mit Wort- und Sacherläuterungen. Arbeitskommentar mit Zweittexten, Stuttgart 1977); Caesars Leserlenkung erkennen (Sprache und Leserlenkung in Caesars Bellum Helveticum, s. Anm. 4). Eine andere Frage ist es jedoch, ob man Caesar als Anfangslektüre lesen soll; dies wird nicht oft empfehlenswert sein.
(6) Z.B. in: Satz- und Texterschließung, in: Der altsprachliche Unterricht 30/1, 1987, 5-36 und in: Lateinunterricht. Didaktik und Methodik, 2. Aufl. Göttingen 1993, 229-234.

References: § 1
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 § 8
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