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Timestamp: 2020-08-14 08:21:52+00:00

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Medikamente - CARA CARE
Medikamente, die auf den Magen-Darm-Trakt wirken: ein Überblick
Was genau sind eigentlich Medikamente und woher kommt der Begriff? Was sind Wechselwirkungen und was versteht man unter Nebenwirkungen?
Der folgende Artikel soll einen Überblick über die verschiedenen Arten von Medikamenten sowie über die verschiedenen Arzneimittelgruppen verschaffen und erklären, was unter den einzelnen Begrifflichkeiten zu verstehen ist.
Was versteht man unter Medikamenten?
Der Begriff Medikament stammt aus dem Lateinischen. Er ist abgeleitet von dem Wort “medicamentum”, was übersetzt Heilmittel bedeutet. Unter Medikamenten versteht man ganz allgemein Arzneimittel. Diese wiederum sind laut dem Arzneimittelgesetz (AMG) definiert als Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung im oder am menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind. Sie dienen beispielsweise zur Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten oder krankhaften Beschwerden. Außerdem können sie auch körperliche, den Stoffwechsel oder das Immunsystem beeinflussende Zustände wiederherstellen oder korrigieren. Zudem sind sie ebenso zur Diagnose von Erkrankungen dienlich, wie zum Beispiel Kontrastmittel, die bei Röntgenuntersuchungen verabreicht werden, um bestimmte Strukturen im Körper sichtbar zu machen.1
Diese Definition grenzt Arzneimittel somit auch von anderen Produkten wie Medizinprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetika ab.2 Die meisten Arzneimittel enthalten nur einen Wirkstoff (Monopräparate), manche aber auch mehrere Wirkstoffe (Kombipräparate), um dem Patienten die Einnahme zu erleichtern oder die gewünschte Wirkung zu verstärken.
Welche Arten von Medikamenten gibt es?3
Medikamente können unterschiedlich gruppiert werden, je nachdem ob man das Behandlungskonzept, das Anwendungsgebiet oder den Vertriebsweg betrachtet.
Nach ihrem Vertriebsweg können verschreibungspflichtige und apothekenpflichtige Arzneimittel unterschieden werden. Arzneimittel sind dann verschreibungspflichtig, wenn diese einer ärztlichen Überwachung oder deren Anwendung einer vorherigen ärztlichen Diagnose bedürfen. Auch Arzneimittel, die Stoffe enthalten, welche auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Gesundheit gefährden können wenn diese ohne ärztliche Verschreibung angewendet werden, sind verschreibungspflichtig.4 Auch Arzneimittel, die häufig missbräuchlich angewendet werden und damit die Gesundheit mittelbar oder unmittelbar gefährden können, unterliegen der Verschreibungspflicht.5
Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen nur gegen Vorlage einer ärztlichen
Verordnung (Rezept) an den Verbraucher abgegeben werden.6 Die Abgabe erfolgt in Apotheken. Verschreibungspflichtige Präparate sind somit immer automatisch auch apothekenpflichtig.7
Gesetzlich geregelte Ausnahmen existieren auch hier, wie beispielsweise die Abgabe von Impfstoffen direkt beim Arzt oder die Abgabe von verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln beim Tierarzt.
Nach § 43 Abs. 1. des Arzneimittelgesetzes besteht in Deutschland eine grundsätzliche Apothekenpflicht für Arzneimittel.8 In den darauf folgenden Paragraphen des Arzneimittelgesetzes sowie der Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel wird darüber hinaus geregelt, welche Arzneimittel der Apothekenpflicht unterliegen und welche für den Verkehr auch außerhalb von Apotheken (beispielsweise in Drogerien, Reformhäusern) freigegeben sind.9
Nicht verschreibungspflichtige Präparate, die in der Drogerie oder Apotheke erworben werden können, bezeichnet man auch als freiverkäufliche oder Over-the-counter-Produkte (OTC). OTC-Produkte spielen im Rahmen der Selbstmedikation eine zentrale Rolle.
Weitere Unterscheidungen zwischen Arzneimitteln können nach Art und Behandlungskonzept getroffen werden. Zum einen gibt es Arzneimittel, die auf Basis naturwissenschaftlicher Überlegungen oder Studien entwickelt wurden. Daneben existieren zahlreiche Pharmaka, die sich nicht primär auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse stützen, sondern meist einen ganzheitlichen Ansatz in der Behandlung verfolgen. Teilweise mit sehr guter Studienlage wie zum Beispiel in der Pflanzenheilkunde können sie das medizinische Spektrum sinnvoll ergänzen. Deshalb spricht man in diesem Fall auch von Komplementärmedizin. Für einige Konzepte fehlen allerdings wissenschaftliche Belege, so dass deren Anwendung daher umstritten bleibt.
Folgende Therapiekonzepte sind unter anderen bekannt:
Naturwissenschaftliche Medizin (Schulmedizin)
Naturheilkunde/Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)
Bachblüten10
Aromatherapie11
Medikamenten-Verzeichnis
Außerdem werden Arzneimittel nach ihrem Anwendungsgebiet beziehungsweise ihrer Wirkweise unterteilt. Die folgende Liste gibt nur einen Überblick und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Medikamente für den Verdauungstrakt: zur Anwendung bei Sodbrennen (Antazida), Reflux (zum Beispiel Protonenpumpenhemmer, PPI), Gastritis Protonenpumpeninhibitoren (PPI)
Iberogast (pflanzlich)
Medikamente zur Behandlung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Abführmittel: Medikamente zur Anwendung bei Verstopfung (Obstipation)
Natriumpicosulfat (Laxoberal)
Arzneimittel gegen Blähungen (Meteorismus)
Simeticon (Sab simplex, Lefax)
Medikamente zur Anwendung bei Durchfall (Diarrhö)
Elotrans (zum Ausgleich von Elektrolytverlust)
Loperamid (Lopedium, Imodium)
Krampflösende Medikamente: Anwendung bei Bauchkrämpfen
OMNi-BiOTiC Enzymersatz-Produkte
Lactase Verdauungsunterstützende Medikamente, die Enzyme enthalten
Psychopharmaka: die Psyche beeinflussende Arzneimittel wie beispielsweise Antidepressiva, Mittel gegen Demenz, Medikamente gegen Angststörungen
Schlafmittel, Hypnotika: den Schlaf beeinflussende Arzneimittel
Antirheumatika: zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen
Lokalanästhetika: zur lokalen Betäubung Narkosemittel: zur Vorbereitung auf Operationen
Muskelrelaxantien: die Skelettmuskulatur erschlaffende Wirkstoffe; Einsatz bei Muskelverspannungen oder Operationen
Antiepileptika: Medikamente zur Anwendung bei Epilepsie
Antiparkinsonmittel: Medikamente zur Anwendung bei Parkinson
Hormone: zum Beispiel Schilddrüsenmedikamente, Osteoporosemittel, Sexualhormone, Anti-Baby-Pille
Antiallergika: Medikamente zur Anwendung bei Allergien
Medikamente für das Herz-Kreislauf-System: zum Beispiel Lipidsenker, Medikamente gegen Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz, bei koronarer Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen
Medikamente für die Atemwege: zur Anwendung bei Asthma bronchiale, COPD; Hustenmittel, Schleimlöser
Medikamente für die ableitenden Harnwege: Diuretika, Antidiuretika, Prostatamittel
Arzneimittel zur Behandlung am Auge: zum Beispiel gegen Glaukom
Arzneimittel zur Anwendung bei Hauterkrankungen: zum Beispiel bei Psoriasis vulgaris, Akne, Infektionskrankheiten, Tumorerkrankungen
Mikronährstoffe: Vitamine und Spurenelemente zum Einsatz bei Krankheiten infolge von Mangelernährung
Therapie von Infektionskrankheiten: Antibiotika (Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen), Antimykotika (gegen Pilzerkrankungen), Medikamente gegen Viruserkrankungen oder Parasiten
Chemotherapie: bei bösartigen Tumoren
Immunologisch wirksame Stoffe: Immunsuppressiva wie Glucocorticoide,, Antikörper, Therapie der Multiplen Sklerose
Medikamente bei Leber- und Gallenwegsbeschwerden
Welche möglichen Nebenwirkungen haben Medikamente?
Unter Nebenwirkungen versteht man meist unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). Bei fast allen Arzneistoffen muss mit Nebenwirkungen, also mit weiteren Wirkungen neben der Hauptwirkung, gerechnet werden. Diese können unerwünscht, aber auch erwünscht sein, harmlos bis schwerwiegend, dosisabhängig oder dosisunabhängig, vorhersehbar oder nicht vorhersehbar sein. Daher wird bei der Verschreibung eines Arzneimittels eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung durchgeführt. 12
Manche Arzneistoffe finden ihren heutigen Einsatz nur deshalb, weil sie zuvor zufällig über ihre Nebenwirkung „entdeckt“ wurden, welche nun als Hauptwirkung genutzt wird. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Sildenafil (Viagra), das bei bei Erektionsbeschwerden zum Einsatz kommt.
Es können unterschiedliche Arten von Nebenwirkungen auftreten. Im Folgenden sind einige aufgeführt:
Arzneimittelallergien (z.B. Penicillinallergie)
Medikamente, die nicht in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden dürfen, da sie Nebenwirkungen auf das ungeborene Kind haben können
Gewöhnung an das Arzneimittel und damit Gefahr des Arzneimittelmissbrauchs
Photosensibilisierung: beispielsweise sollte bei der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten oder Antibiotika wie Doxycyclin direktes Sonnenlicht vermieden werden, da die Haut durch diese Medikamente lichtempfindlicher wird und es somit schneller zu einem Sonnenbrand kommen kann
Nebenwirkungen werden zudem nach der Häufigkeit ihres Auftretens unterteilt:
Kategorie	Häufigkeit
sehr häufig	> 10 Prozent
häufig	1 - 10 Prozent
Gelegentlich	0,1 - 1 Prozent
Selten	0,01 - 0,1 Prozent
sehr selten	< 0,01 Prozent
nicht bekannt	nicht abschätzbar13
Als sehr häufig wird also eine Nebenwirkung eingestuft, wenn sie bei einem von zehn Patienten auftritt. Die restlichen neun Patienten haben demnach keine Beschwerden.
Die meisten Risiken und Nebenwirkungen lassen sich dadurch vermeiden, dass die empfohlenen Dosierungs- und Einnahmehinweise genau eingehalten werden (beispielsweise die Tageszeit betreffend, vor oder nach dem Essen, zeitlicher Abstand zur Begleitmedikation).** **
Jedes Arzneimittel muss in einer bestimmten Dosierung eingenommen werden. Meist sind die Medikamente in ihrer Wirkstärke bereits so hergestellt, dass sie für die Patienten eine einfache Einnahme (ganze oder halbe Tablette; 1 Messlöffel) erlauben. Je nach Art und Schwere der Erkrankung entscheidet der behandelnde Arzt über die Stärke des verordneten Medikaments sowie über die Häufigkeit und Dauer der Einnahme. Ein Antibiotikum beispielsweise muss über einen Mindestzeitraum eingenommen werden, um sicherzustellen, dass die bakterielle Infektion ausreichend bekämpft wird und um Resistenzen zu vermeiden.
Korrekte Einnahme von Arzneimitteln:
1x täglich	zum Beispiel morgens
2x täglich	morgens und abends
3x täglich	morgens, mittags und abends
vor dem Essen	ungefähr 30-60 Minuten vor der Mahlzeit
nach dem Essen	ungefähr 30-60 Minuten nach der Mahlzeit
zum Essen	während der Mahlzeit
Da auch manche Lebensmittel wie beispielsweise Grapefruitsaft oder Milch Wechselwirkungen mit Arzneimitteln eingehen können, sollten Medikamente grundsätzlich mit Wasser eingenommen werden.
Was versteht man unter Kontraindikationen?
Unter Kontraindikationen versteht man Gegenanzeigen, also Umstände (zum Beispiel Schwangerschaft, Asthma) bei denen ein bestimmtes Arzneimittel nicht angewendet werden darf, weil mit starken Nebenwirkungen gerechnet werden muss.
Wenn zwei oder mehr Arzneimittel gleichzeitig angewendet werden, können sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung verändern. Dann spricht man von Wechselwirkungen oder Interaktionen. Dabei kann es sowohl zu einer Wirkungsabschwächung bis hin zum Wirkverlust als auch zu einer Wirkverstärkung oder sogar Vergiftungserscheinungen kommen.14
Daher ist es wichtig, dem behandelnden Arzt einen Überblick über alle Medikamente zu geben, die regelmäßig eingenommen werden, um so die Therapie optimal auszurichten und Wechselwirkungen vermeiden zu können. Gerade bei Antiepileptika, Gerinnungshemmern und Diabetesmedikamenten sollte man zusätzliche Medikamente nur in Abstimmung mit dem Arzt nehmen oder den Apotheker um Rat fragen. Auch bei der Einnahme von nicht verschreibungspflichtigen Produkten, wie Abführmitteln oder Mitteln gegen zu viel Magensäure, wird häufig ein zeitlicher Abstand zur Einnahme anderer Medikamente empfohlen. Auch hier ist es sinnvoll, den Arzt oder Apotheker um Rat zu fragen.
Auch pflanzliche oder andere frei verkäufliche, vermeintlich sanfte Medikamente können ernstzunehmende Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Deshalb sollte man am besten auch die Einnahme frei verkäuflicher Medikamente vorher mit einem Arzt absprechen.
Dank dem heutigen Einsatz von Arzneimitteln können zahlreiche Krankheiten gelindert oder sogar geheilt werden. Doch bei fast allen Arzneistoffen muss mit Nebenwirkungen, also mit weiteren Wirkungen neben der Hauptwirkung, gerechnet werden. Aus diesem Grund sollte grundsätzlich eine Risiko-Nutzen-Abschätzung bei der Verschreibung von Medikamenten erfolgen. Durch bestimmungsgemäßen Gebrauch lassen sich, bei Einhaltung der Dosierungs- und Einnahmehinweise, die meisten Risiken und Nebenwirkungen vermeiden.
Bundesministerium für Gesundheit. Übersichtswebsite Arzneimittel. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/arzneimittelversorgung/arzneimittel.html. Aufgerufen am 09.03.2020.
Mutschler E. Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2013.
AMG § 48 Abs. 2 2a.
AMG § 48 Abs. 2 2b.
AMG § 48 Abs. 1.
AMG § 43 Abs. 3.
AMG § 43.
AMG § 44-46.
Bauer G, Baumgarte H, Eisele M, Emde B, Glöckler M, Haverland D, Kasperzik B, Müller-Frahling M, Schlenk M. Komplementärmedizin für die Kitteltasche. 2. Auflage. Stuttgart: Deutscher Apotheker Verlag; 2012.
Stadelmann I. Ganzheitliche Therapien für die Kitteltasche. 1. Auflage. Stuttgart: Deutscher Apotheker Verlag; 2011.
vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen. Website: Packungsbeilagen lesen lernen. https://www.vfa.de/de/patienten/arzneimittelsicherheit/packungsbeilagen-lesen-lernen.html. Aufgerufen am 09.03.2020.
Verspohl E, Verspohl J. Interaktionen. 4. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2001.
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