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Timestamp: 2019-08-26 03:16:08+00:00

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Zugewinn | Rechtsanwalt Dr. jur. Holtus | Delmenhorst
Die Ehe­gat­ten leben gemäß § 1363 BGB im Gü­ter­stand der Zu­ge­winn­ge­mein­schaft, wenn sie nicht durch Ehe­ver­trag etwas an­de­res ver­ein­ba­ren.
Gemäß § 1363 Abs. 2 BGB wer­den das Ver­mö­gen des Man­nes und das­je­ni­ge der Frau nicht ge­mein­schaft­li­ches Ver­mö­gen der Ehe­gat­ten. Was bei­den Ehe­gat­ten vor der Ehe al­lein ge­hör­te, steht auch wei­ter­hin in ihrem Al­lein­ei­gen­tum. Die Ver­mö­genst­ren­nung hat zur Folge, dass jeder Ehe­gat­te auch grund­sätz­lich al­lein für seine Schul­den haf­tet. Der an­de­re Ehe­gat­te haf­tet nicht au­to­ma­tisch mit. Da das Ver­mö­gen bei­der Ehe­gat­ten al­ler­dings Ein­fluss auf die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on in der Ehe hat, dür­fen die Ehe­gat­ten gem. § 1365 BGB grö­ße­re Teile ihres Ver­mö­gens nur mit Zu­stim­mung des an­de­ren Ehe­gat­ten ver­kau­fen oder ver­schen­ken.
Wird der ge­setz­li­che Gü­ter­stand zu Leb­zei­ten der Ehe­leu­te durch Schei­dung be­en­det, so er­folgt auf An­trag eines Ehe­gat­ten ein genau zu be­rech­nen­der Zu­ge­winn­aus­gleich.
Der Ehe­gat­te, der wäh­rend der Ehe einen ge­rin­ge­ren Ver­mö­gens­zu­wachs für sein ei­ge­nes Ver­mö­gen er­zielt hat, kann vom an­de­ren Ehe­gat­ten die Hälf­te des­sen ver­lan­gen, was die­ser mehr an Ver­mö­gen hin­zu­ge­won­nen hat. Die Be­rech­nung des Zu­ge­winn­aus­glei­ches kann sehr kom­plex sein, ins­be­son­de­re dann, wenn z. B. Im­mo­bi­li­en wäh­rend der Ehe von einem Ehe­gat­ten ge­erbt wor­den sind.
Ge­ra­de wenn ein Ehe­gat­te zu An­fang der Ehe nichts hatte und sich im Laufe der Ehe ein ei­ge­nes er­folg­rei­ches Un­ter­neh­men auf­ge­baut hat, ist es wich­tig, früh­zei­tig einen Ehe­ver­trag zu schlie­ßen, in dem der Zu­ge­winn­aus­gleich aus­ge­schlos­sen wird. Ein an den an­de­ren Ehe­gat­ten zu zah­len­der Zu­ge­winn­aus­gleich kann unter Um­stän­den die Exis­tenz des Un­ter­neh­mens ge­fähr­den.
Die Be­rech­nung des Zu­ge­winns
An­fangs­ver­mö­gen ist gemäß § 1374 BGB das Ver­mö­gen, das einem Ehe­gat­ten nach Abzug der Ver­bind­lich­kei­ten beim Ein­tritt des Gü­ter­stan­des ge­hört. End­ver­mö­gen ist gemäß § 1375 BGB das Ver­mö­gen, das einem Ehe­gat­ten nach Abzug der Ver­bind­lich­kei­ten bei der Be­en­di­gung des Gü­ter­stan­des ge­hört. Bei einer Be­en­di­gung des Gü­ter­stan­des durch Ehe­schei­dung kommt es für die Be­rech­nung des End­ver­mö­gens gemäß § 1384 BGB auf den Zeit­punkt der Zu­stel­lung des Schei­dungs­an­trags an. Beim Zu­ge­winn­aus­gleich wer­den die je­wei­li­gen An­fangs- und End­ver­mö­gen bei­der Ehe­gat­ten be­wer­tet. Die Dif­fe­renz zwi­schen An­fangs- und End­ver­mö­gen ist der Zu­ge­winn. Letz­te­rer kann nie ne­ga­tiv wer­den, son­dern wird in die­sem Fall mit Null an­ge­setzt. Der Ehe­gat­te mit dem hö­he­ren Zu­ge­winn schul­det dem an­de­ren Ehe­gat­ten die Hälf­te der Dif­fe­renz bei­der Zu­ge­win­ne, so dass am Ende beide auf den sel­ben Be­trag kom­men.
Zum An­fangs­ver­mö­gen ge­hört, was jeder der Ehe­leu­te zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung mit in die Ehe ein­ge­bracht hat. Fer­ner ge­hört nach § 1374 BGB zum An­fangs­ver­mö­gen, was ein Ehe­gat­ten wäh­rend der Ehe von den El­tern oder drit­ter Seite ge­schenkt be­kom­men hat. Bei Über­schul­dung wird kein ne­ga­ti­ver Be­trag an­ge­setzt, die un­te­re Gren­ze ist Null.Diese Re­ge­lung be­güns­tigt den an­fäng­lich ver­schul­de­ten Ehe­gat­ten, des­sen Schul­den wäh­rend der Ehe ab­ge­tra­gen wer­den. Was oft über­se­hen wird: Das An­fangs­ver­mö­gen muss gem. § 1376 Abs. 1 BGB auf den ak­tu­el­len Geld­wert um­ge­rech­net wer­den, indem es durch die so ge­nann­te In­de­xie­rung um den wäh­rend der Ehe ein­ge­tre­te­nen Kauf­kraft­schwund be­rei­nigt wird. Für das End­ver­mö­gen ist gem. § 1376 Abs. 2 BGB der Zeit­punkt der Zu­stel­lung des Schei­dungs­an­trags maß­ge­bend. Durch einen ei­ge­nen Schei­dungs­an­trag kann ein Ehe­gat­te also den Stich­tag für das End­ver­mö­gen ge­zielt güns­tig be­ein­flus­sen. Wei­ter­hin kann das End­ver­mö­gen durch vor­ge­zo­ge­ne An­schaf­fun­gen bzw. Aus­ga­ben oder auch durch Ver­zö­ge­rung ei­ge­ner Rech­nungs­stel­lung ver­rin­gert wer­den. Hier­bei soll­te man be­ach­ten, dass der­je­ni­ge, der die Schei­dung be­an­tragt hat, sei­nen An­trag ohne Zu­stim­mung der Ge­gen­sei­te bis zur münd­li­chen Ver­hand­lung zu­rück­neh­men, an­schlie­ßend neu stel­len und so den Stich­tag zu sei­nen Guns­ten än­dern kann. Um dies zu ver­hin­dern, soll­te der An­trags­geg­ner zu­sätz­lich einen ei­ge­nen Schei­dungs­an­trag stel­len.
Nicht in den Zu­ge­winn­aus­gleich ge­hö­ren Haus­rats­ge­gen­stän­de. Unter Haus­rat fällt auch das ge­mein­sam ge­nutz­te Fa­mi­li­en­au­to, nicht je­doch der nur von einem Ehe­gat­ten be­ruf­lich ge­nutz­te PKW. Eben­falls nicht zum Zu­ge­winn zäh­len Ver­sor­gungs­an­sprü­che, z. B. Ren­ten­an­sprü­che oder Le­bens­ver­si­che­run­gen auf Ren­ten­ba­sis. Deren Aus­gleich wird durch den so ge­nann­ten Ver­sor­gungs­aus­gleich ge­re­gelt.
Der Ein­fluss der Zu­ge­winn­ge­mein­schaft auf das Ehe­gat­te­ner­brecht
Wenn die Zu­ge­winn­ge­mein­schaft nicht durch Schei­dung, son­dern durch den Tod eines Ehe­gat­ten endet, wird gem. § 1931 BGB der Zu­ge­winn pau­schal durch Er­hö­hung des ge­setz­li­chen Erb­teils des über­le­ben­den Ehe­gat­ten um ein Vier­tel der Erb­schaft aus­ge­gli­chen. Dies ist un­ab­hän­gig davon, ob und von wem tat­säch­lich ein Zu­ge­winn er­zielt wurde. Der Über­le­ben­de kann aber wahl­wei­se statt­des­sen auch die Erb­schaft gem. § 1953 BGB aus­schla­gen und dann den nor­ma­len (nicht er­höh­ten) Pflicht­teil plus den kon­kret be­rech­ne­ten Zu­ge­winn­aus­gleich ver­lan­gen. Letz­te­re Lö­sung gilt auch, wenn der Ehe­gat­te durch Ver­fü­gung von Todes wegen ent­erbt wurde.
Kor­rek­tu­ren von An­fangs- und End­ver­mö­gen
Wenn ein Drit­ter einem der Ehe­gat­ten wäh­rend der Ehe etwas ver­erbt oder schenkt, be­ruht dies in der Regel nicht auf der ge­mein­sa­men Le­bens­leis­tung der Ehe­gat­ten, son­dern auf einer be­son­de­ren Be­zie­hung des be­dach­ten Ehe­gat­ten zum Zu­wen­den­den. Damit diese Er­wer­be nicht auch dem an­de­ren Ehe­gat­ten ver­mit­tels des Zu­ge­winn­aus­gleichs zu­gu­te kom­men, wird gem. § 1374 BGB zum An­fangs­ver­mö­gen des Be­dach­ten hin­zu­ad­diert, was die­ser wäh­rend der Ehe ge­erbt oder ge­schenkt be­kom­men hat. Auf diese Weise ver­rin­gert sich der Zu­ge­winn des Be­dach­ten wie­der um den Wert der Schen­kung oder des Erbes. Auch kommt es vor, dass ein Ehe­gat­te vor il­loya­ler Ver­mö­gens­min­de­rung des an­de­ren und damit einer Min­de­rung des ei­ge­nen Aus­gleichs­an­spruchs ge­schützt wer­den muss. Daher ist gem. § 1375 BGB das, was ein Ehe­gat­te in den letz­ten zehn Jah­ren ohne sitt­li­che Pflicht ver­schenkt oder ver­schwen­det hat, des­sen End­ver­mö­gen wie­der hin­zu­zu­rech­nen, ob­wohl die­ser Be­trag dort nicht mehr vor­han­den ist.
Die An­rech­nung von Zu­wen­dun­gen zwi­schen den Ehe­leu­ten
Der Aus­gleichs­pflich­ti­ge kann gem. § 1380 BGB Zu­wen­dun­gen, die er sei­nem Ehe­part­ner wäh­rend der Ehe ge­macht hat, vom Aus­gleichs­an­spruch, wie er (hy­po­the­tisch) ohne die Schen­kung be­stün­de, ab­zie­hen und schul­det le­dig­lich noch den ver­blei­ben­den Rest­be­trag. Es muss sich dabei um mehr als bloße Ge­le­gen­heits­ge­schen­ke han­deln, also etwa um grö­ße­re Geld­be­trä­ge, Über­tra­gung von (Mit-) Ei­gen­tum an Grund­stü­cken bzw. Un­ter­neh­men, oder al­lei­ni­ge Til­gung ge­mein­schaft­li­cher Schul­den. Im Zwei­fel ist gemäß § 1380 Abs. 1 S. 2 BGB an­zu­neh­men, dass Zu­wen­dun­gen an­ge­rech­net wer­den sol­len, wenn ihr Wert den Wert von Ge­le­gen­heits­ge­schen­ken über­steigt, die nach den Le­bens­ver­hält­nis­sen der Ehe­gat­ten üb­lich sind. Letzt­lich wird also mit der Schen­kung die Aus­gleichs­zah­lung nur zeit­lich vor­ge­zo­gen. Rech­ne­risch än­dert sich ins­ge­samt nichts, so­lan­ge die Schen­kung zum Zeit­punkt der Schei­dung im Ver­mö­gen des Be­schenk­ten noch vor­han­den ist.
Der vor­zei­ti­ge Zu­ge­winn­aus­gleich
Wenn die Ehe­leu­te zwar noch nicht ge­schie­den sind, aber z. B. der Aus­gleichs­ver­pflich­te­te den an­de­ren Ehe­gat­ten nicht mehr an wei­te­ren Ver­mö­gens­zu­wäch­sen teil­ha­ben las­sen möch­te, oder der Aus­gleichs­be­rech­tig­te sich vor il­loya­len Ver­mö­gens­min­de­run­gen des an­de­ren Ehe­gat­ten schüt­zen will, stellt sich die Frage nach einem vor­zei­ti­gen Zu­ge­winn­aus­gleich. Eine Klage auf Zu­ge­winn­aus­gleich kann gemäß §§ 1385, 1386 BGB unter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen auch schon vor Zu­stel­lung des Schei­dungs­an­trags er­ho­ben wer­den, näm­lich wenn: (al­ter­na­tiv)

References: § 1363
 § 1363
 § 1365
 § 1374
 § 1375
 § 1384
 § 1374
 § 1376
 § 1376
 § 1931
 § 1953
 § 1374
 § 1375
 § 1380
 § 1380