Source: https://www.nds-fluerat.org/leitfaden/8-aufenthaltserlaubnis-nach-18a-aufenthg/8-7-deutschkurs-studium/
Timestamp: 2019-01-19 00:55:43+00:00

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8.7 Deutschkurs, Studium – Flüchtlingsrat Niedersachsen
Für die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis haben Sie schon ausreichende Deutschkenntnisse im Sinne des Niveaus B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) nachgewiesen.1 Wenn Sie weitere Deutschkenntnisse erwerben wollen, haben Sie folgende Möglichkeiten:
Seit 2005 gibt es in Deutschland ein einheitliches Konzept für einen so genannten “Integrationskurs” für Personen mit dauerhafter Aufenthaltsperspektive, der mit dem Sprachtest „Deutsch-Test für Zuwanderer“ des Bundesamtes abgeschlossen. Dadurch kann man einen Nachweis für das Vorliegen der Sprachkompetenzen auf den Stufen A2 bis B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GERR) erhalten.2
Da Sie eine Aufenthaltserlaubnis nach § 18a AufenthG nur erhalten, wenn Sie ein Deutschsprachniveau der Stufe B1 haben,3 werden Sie keinen Integrationskurs benötigen.
Dieses neue Sprachförderangebot, geregelt in § 45a AufenthG, ist ein Teil des „Gesamtprogramms Sprache“ der Bundesregierung4 und wird vom BAMF koordiniert und von Bildungsträgern durchgeführt.5
Mit einer Aufenthaltserlaubnis nach § 18a AufenthG können Sie an Maßnahmen der berufsbezogenen Deutschsprachförderung teilnehmen.6 Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass Sie ein Sprachniveau ab B1 GER haben. Ausnahmen bestehen für Personen, die trotz der Teilnahme an einem Integrationskurs dieses Deutschsprachniveau nicht erreichen konnten (§§ 4 Abs. 3; 13 Abs. 2 DeuFöV). Außerdem müssen Sie bei der Agentur für Arbeit ausbildungsuchend, arbeitsuchend oder arbeitslos gemeldet sein oder Arbeitslosengeld II erhalten oder den Kurs für die Anerkennung Ihrer Berufsqualifikationen oder für Ihre Ausbildung benötigen.7
Die berufsbezogene Deutschsprachförderung besteht aus Basis- und Spezialmodulen für jeweils maximal 25 Teilnehmende. Die Module können in Voll- oder Teilzeit durchgeführt werden und auch teilweise in Betrieben stattfinden.8 Bei den Basismodulen, in der Regel mit 300 Unterrichtseinheiten, kann ab einem Deutschsprachniveau von B1 GER das jeweils höhere Niveau erreicht werden. Die Spezialmodule sollen die Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen unterstützen, fachspezifischen Unterricht vermitteln und Personen, die bei der Teilnahme an einem Integrationskurs das Deutschsprachniveau B1 GER nicht erlangt haben, das Erreichen dieser Niveaustufen ermöglichen.9
Auch wenn die Bundesagentur für Arbeit keine Sprachkurse anbietet, können deren Maßnahmen Elemente berufsbezogener Sprachförderung enthalten. Außerdem gibt es Deutschkurse von Bildungsträgern. Diese Kurse müssen Sie in der Regel selbst bezahlen, bei manchen Trägern sind die Kosten für Sozialleistungsempfänger aber deutlich gesenkt.
Informationen zu den Sprachkursangeboten vor Ort haben die Beratungsstellen für Migrant/innen oder Flüchtlinge vor Ort oder die Nds. IvAF-Netzwerke: 10 FairBleib Südniedersachsen-Harz (http://www.bildungsgenossenschaft.de/bildungsberatung/fairbleib-suedniedersachsen-harz/), Netzwerk Integration 3 (http://esf-netwin.de), AZF III (Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge III, http://www.nds-fluerat.org/projekte/arbeitsmarktzugang-fuer-fluechtlinge-ivaf-projekte/azf-hannover-arbeitsmarktzugang-fuer-fluechtlinge/) und TAF (Teilhabe am Arbeitsmarkt für Flüchtlinge, http://www.taf-region-lueneburg.de/projektpartner/).
Da eine Aufenthaltserlaubnis nach § 18a AufenthG auch bei einer Teilzeittätigkeit erteilt werden kann, ist die Aufnahme eines Studiums neben der Arbeit denkbar. Wichtig für den Bestand der Aufenthaltserlaubnis ist allerdings, dass der Lebensunterhalt eigenständig gesichert bleibt (siehe Kapitel 8.1).
Das Land Niedersachsen fördert Flüchtlinge mit dem Programm „Intensivsprachkurse für höherqualifizierte Flüchtlinge“: Bildungsträger wie die Volkshochschulen bieten in Kooperation mit Hochschulen seit Juni 2016 Deutschkurse zur Vermittlung von Deutschkenntnissen auf C 1-Niveau, Anerkennungsberatung sowie berufliche Orientierung mit Informationen über das Hochschul- und Ausbildungssystem in Deutschland an. Teilnehmen können alle Asylsuchenden und Flüchtlinge ab 18 Jahren, die in Deutschland studieren möchten und eine Hochschulzugangsberechtigung haben oder die im Herkunftsland eine entsprechende Aus- oder Vorbildung erwerben konnten.11
Eine zu klärende Frage ist die Finanzierung eines Studiums, wenn Sie die Arbeitszeit wegen des Studiums reduzieren wollen. Dabei müssen Sie bedenken, dass der Bestand Ihrer Aufenthaltserlaubnis nach § 18a AufenthG voraussetzt, dass Sie Ihren Lebensunterhalt weiterhin eigenständig sichern und keine „schädlichen Sozialleistungen nach SGB II oder SGB XII erhalten (siehe Kapitel 8.4).
Krankenversichert werden Sie über Ihr Arbeitsverhältnis sein. Es entstehen aber Kosten für ein Semesterticket sowie weitere Gebühren. Die Studiengebühren gibt es in Niedersachsen ab dem Wintersemester 2014/2015 nicht mehr.
Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis nach § 18a AufenthG haben in der Regel keinen Anspruch auf Ausbildungsförderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Nur wenn Sie selbst vor Beginn der Ausbildung fünf Jahre in Deutschland erwerbstätig waren oder ein Elternteil hier während der letzten sechs Jahre drei Jahre gearbeitet hat, haben Sie Anspruch auf BAföG-Leistungen (§ 8 Abs. 3 BAföG). Nach den Verwaltungsvorschriften zum BAföG12 ist es hierfür erforderlich, dass der Verdienst zur Finanzierung des Lebensunterhalts ausgereicht hat. Hat ein Elternteil Kinder unter zehn Jahren betreut, werden diese Zeiten angerechnet. Auch wenn einer Ihrer Elternteile mindestens sechs Monate hier gearbeitet hat und aus einem wichtigen Grund nicht weiter arbeiten konnte (zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit, wenn ein Anspruch auf Arbeitslosengeld I besteht und bei einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit), können Sie BAföG-Förderung erhalten.
BAföG-Leistungen werden regelmäßig aber nur für Studierende gewährt, die bei Beginn des Studiums unter 30 Jahre alt sind und noch kein anderes Studium abgeschlossen haben. Sind Sie 30 oder älter, können Sie dennoch BAföG erhalten, wenn Sie Ihre Ausbildung im Herkunftsland aufgrund Ihrer Situation nicht rechtzeitig beginnen konnten und Sie das Studium nach Wegfall des Hindernisses unverzüglich aufnehmen.13 Wenn Sie die Hochschulzugangsberechtigung erst in Deutschland auf dem zweiten Bildungsweg (Abendgymnasium oder anderes) erwerben und direkt im Anschluss studieren, gilt die Altersgrenze von 30 Jahren ebenfalls nicht.14
Sie haben auch Zugang zu den Stipendien der Begabtenförderwerke (parteinahe Stiftungen, Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. etc.).15
Das sog. Deutschlandstipendium16 vergibt eine Förderung in Höhe von 300 Euro pro Monat. Zu den Förderkriterien zählt neben besonderen Erfolgen an Universität auch das gesellschaftliche Engagement. Es werden aber auch besondere soziale, familiäre oder persönliche Umstände berücksichtigt, die sich beispielsweise aus einem Migrationshintergrund ergeben.17 Eine Zugangsbeschränkung aufgrund des
Aufenthaltsstatus ist nicht ersichtlich.18
1 §§ 25b Abs. 1 S. 1 Nr. 3; 2 Abs. 11 AufenthG.
2 § 17 IntV.
3 §§ 18a Abs. 1 Nr. 2; 2 Abs. 11 AufenthG
4 www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/05/2016-05-04-kabinett-fluechtlinge-sprachfoerderung.html.
5Einzelheiten sind in der sog. Deutsch-Sprachförderverordnung (DeuFöV) geregelt.
6 Vgl. § 4 Abs. 1 Deutsch-Sprachförderverordnung.
7 § 4 Abs. 1 S. 1 Deutsch-Sprachförderverordnung.
8§ 11 DeuFöV.
9 §§ 12, 13 DeuFöV.
10 Diese Netzwerke werden über die ESF-Integrationsrichtlinie Bund mit dem Handlungsschwerpunkt Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen gefördert.
11 http://tinyurl.com/owh3woq.
12 Allgemeine Verwaltungsvorschriften zum BAföG (BAföGÄndVwV 2013), 8.3.5; 8.3.9.
13 § 10 Abs. 3 S. 1 Nr. 3, S. 2 BAföG.
14 § 10 Abs. 3 S. 1 Nr. 1, S. 2 BAföG.
15 BMBF, siehe https://www.bmbf.de/pub/Mehr_als_ein_Stipendium.pdf. Die Begabtenförderwerke können Migrant/innen fördern, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus BAföG-Leistungen erhalten können, vgl. Zusätzliche Nebenbestimmungen zur Förderung begabter Studentinnen und Studenten sowie begabter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, Stand Oktober 2014, Nr. I 1,1, siehe http://www.stipendiumplus.de/service/dokumente.html.
16 http://www.deutschlandstipendium.de/de/1699.php mit weiteren Informationen.
17 § 3 Stipendienprogrammgesetz.
18 Vgl. http://www.deutschlandstipendium.de/de/1699.php FAQ-Liste; Stipendienprogramm-Gesetz, Stipendienprogramm –Verordnung.

References: § 18
 § 45
 § 18
 § 18
 § 18
 § 18
 § 17
 § 4
 § 4
 § 10
 § 10
 § 3