Source: http://palikanon.com/khuddaka/jataka/j509.htm
Timestamp: 2017-04-24 01:27:23+00:00

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Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 509. Die Erzählung von Hatthipala (Hatthipala-Jātaka)
„Seit langem, fürwahr, sahn wir nicht“ §A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Weltentsagung. — Nachdem aber damals der Meister gesagt hatte: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon betätigte der Vollendete die Weltflucht“, erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem lebte zu Benares der König Esukari. Dessen Hauspriester war von Jugend auf sein lieber Freund. Die beiden aber waren kinderlos. Als sie nun eines Tages in behaglicher Ruhe zusammen saßen, sagten sie zu einander: „Unsere Machtfülle ist groß, doch haben wir weder einen Sohn noch eine Tochter. Was ist da zu tun?“ Darauf sprach der König zu dem Hauspriester: „Freund, wenn in deinem Hause ein Sohn wird geboren werden, so wird er der Herr meines Reiches werden; wenn mir aber ein Sohn wird geboren werden, so wird er der Herr der Reichtümer in deinem Hause werden.“ So trafen sie untereinander diese Verabredung.
§2. Schon lange, fürwahr, sahn wir nicht den Weisen, der die Tugend liebt,
der rotgelbe Gewänder trägt und sich in Kleider hüllt aus Bast.
§3. 'nen Sitz und Wasser für die Füße entgegennehm' von uns der Herr.
§4. Lern erst die Veden und erwirb dir Schätze, erzeuge Söhne in dem Haus, mein Lieber; wenn alle guten Dinge [11] du genossen,
dann ist der Wald gut, dann der Mönch ist edel!
§5. Veden und Gelderwerb sind nicht das Wahre, durch Kinderzeugung scheucht man nicht das Alter, Freiheit von Sinnenlust lehren die Weisen, von seinen Taten erntet man die Früchte [12].
§6. Gewiss sind Wahrheit diese deine Worte: ‘Von seinen Taten erntet man die Früchte’; doch alt sind deine Eltern und sie möchten gesund dich sehen hundert Jahre lang.
§7. Wenn einer ist des Todes Freund, o König, und liebt das Alter, Bester von den Männern, und wenn er meint: ‘Ich werde niemals sterben’, den mag gesund man sehen hundert Jahre.
§8. Gleich wie ein Mann sein Schiff im Wasser rudert, um es ans andre Ufer hinzubringen,
so führt beständig Krankheit auch und Alter den Sterblichen in die Gewalt des Todes.
§9. Schmutz sind die Lüste und ein Haufen Dreck [13], bezaubernd, schwer besiegbar, Tod verschuldend; und die in diesem Schmutz und Schlamm versunken, die Niedrigen gelangen nicht hinüber [14].
dass er nicht fürder [weiterhin] rohe Taten tue.
§11. Wie ein verlornes Rind ein Mann im Walde beständig sucht und es nicht findet, König, so auch mein Ziel verlor ich, Esukari: warum sollt' ich danach nicht suchen, König?
§12. ‘Morgen, ja morgen’, ruft man, ‘nächster Tage’;
der Weise und stößt weg die Lust des Augenblicks
§13. Ich sehe wohl ein junges Mädchen, das
doch eh' das Mädchen Freuden hat genossen, in früher Jugend nimmt 's der Tod mit sich.
§14. Ein edler Jüngling, schön von Aug' und Antlitz, mit dunklem Haar, den Bart wie von Safflor [18] — die Lüste geb ich auf, geh aus dem Hause. Erlaub mir 's, Fürst; ich will die Welt verlassen.
§15. Durch seine Zweige ist der Baum ein Ganzes; wenn er von Zweigen leer, nennt man ihn Stumpf. Da ich der Söhne ging verlustig, ist jetzt, Vasetthi [19], Zeit für mich, Almosen zu sammeln. Nachdem er so gesprochen, ließ er die anderen Brahmanen zu sich rufen. Sechzigtausend Brahmanen versammelten sich. Darauf sagte er zu ihnen: „Was werdet ihr tun?“ Sie erwiderten: „Was tut aber Ihr, Lehrer?“ Er antwortete: „Ich werde bei meinem Sohne die Weltflucht betätigen.“ Darauf sagten jene: „Nicht nur für Euch ist die Hölle heiß; auch wir wollen die Welt verlassen.“ Der Hauspriester übergab seiner Gattin sein Vermögen von achthundert Millionen, verließ mit seinem ein Yojana bedeckenden Brahmanengefolge die Stadt und begab sich zu seinen Söhnen. Auch dieser Versammlung erklärte Hatthipala in der Luft stehend die Wahrheit. Am nächsten Tage dachte die Brahmanin: „Meine vier Söhne haben auf den weißen Sonnenschirm verzichtet und sind fortgezogen, um die Weltflucht zu betätigen. Auch der Brahmane, mein Gatte, hat mit seinem Hauspriestertum zugleich sein Vermögen von achthundert Millionen von sich geworfen und ist zu ihnen hingegangen. Was soll ich hier noch tun? Den Weg, den mein Sohn eingeschlagen hat, werde auch ich gehen.“ Und indem sie eine Äußerung aus einer alten Geschichte wiederholte, stieß sie folgenden begeisterten Ausruf aus:
§16. Wie Vögel in der Luft zur Winterszeit, die Schwäne, die zerrissen Draht und Netze [20], so gehn mir fort die Söhne und der Gatte; warum sollt ich nicht meinen Sprossen [21] folgen? So fasste sie den Entschluss: „Warum sollte ich, die ich es erkenne, nicht die Welt verlassen?“ Sie ließ die anderen Brahmaninnen zu sich rufen und fragte sie: „Was werdet ihr für euch tun?“ „Was tut denn aber Ihr, Edle?“, entgegneten sie. „Ich werde die Weltflucht betätigen“, war die Antwort. Die anderen versetzten: „Dann werden auch wir die Welt verlassen.“ Jene warf ihr Vermögen von sich und zog mit ihrem ein Yojana bedeckenden Gefolge zu ihren Söhnen. Auch dieser Versammlung erklärte Hatthipala in der Luft sitzend [22] die Wahrheit.
§17. Nachdem die Vögel erst gefressen, dann ausgespien, ziehn sie fort; doch welche fraßen und nicht spien, die sind in meine Hand gelangt.
§18. Die Lüste spie aus der Brahmane und du hast sie hinabgeschlungen;
der ist, o König, nicht zu loben.
§19. Wie einen, der in Schmutz und Schlamm versunken, so wie ein Starker den Schwachen herauszieht, so hast du mich herausgezogen, Liebe, Pancali [24], mit den wohlgesprochnen Versen.
Nachdem er aber so gesprochen, bekam er Lust, noch in demselben Augenblicke die Welt zu verlassen. Er ließ seine Minister zu sich rufen und sagte: „Was werdet ihr tun?“ „Was tut aber Ihr, o Fürst?“ fragten sie. Er antwortete: „Ich werde bei Hatthipala die Weltflucht betätigen.“ Darauf versetzten sie: „Dann werden auch wir die Welt verlassen.“ So warf der König die Herrschaft über die zwölf Yojanas große Stadt Benares von sich und verkündete: „Wer Lust dazu hat, möge den weißen Sonnenschirm über sich erheben lassen.“ Dann nahm er, von seinen Ministern umgeben, das drei Yojanas erfüllende Gefolge mit sich und begab sich zu dem Jüngling. Auch ihm und seinem Gefolge verkündigte Hatthipala in der Luft sitzend die Wahrheit. Um die Betätigung der Weltflucht durch den König zu erzählen, sprach der Meister folgende Strophe:
§21. Der König hat die Weltflucht sich erwählt, verzichtet auf den Thron der Männer Bester. Darum sei du uns jetzt an Königs Statt, beschütze uns und führe die Regierung.
§22. Der König hat die Weltflucht sich erwählt, verzichtet auf den Thron der Männer Bester. Auch ich will einsam wandeln in der Welt und von den angenehmen Freuden lassen.
§23. Der König hat die Weltflucht sich erwählt, verzichtet auf den Thron, der Männer Bester.
Auch ich will einsam wandeln auf der Welt, die Lüste lassen, wie sie auch begrenzt sind.
und immer mehr verlässt uns unsre Jugend. Auch ich will einsam wandeln auf der Welt und von den angenehmen Lüsten lassen.
§25. Die Zeit verfließt und es vergehn die Nächte und immer mehr verlässt uns unsre Jugend. Auch ich will einsam wandeln auf der Welt, die Lüste lassen, wie sie auch begrenzt sind.
§26. Die Zeit verfließt und es vergehn die Nächte und immer mehr verlässt uns unsre Jugend. Auch ich will einsam wandeln auf der Welt leidenschaftslos, befreit von allen Banden.“
denn das Glück ist mit aller nur möglichen Eile zu suchen. — Dhp 116
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, hat der Vollendete auch schon früher die große Weltentsagung ausgeführt“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der König Esukari der Großkönig Suddhodana, die Königin war die große Maya, der Hauspriester war Kassapa, seine Gattin war Bhaddakapilani, Ajapala war Anuruddha, Gopala war Moggalana, Assapala war Sāriputta, die übrige Versammlung war die Buddhaschar, Hatthipala aber war ich.“
[10] Diese Strophe steht auch im Jātaka 498 Strophe 9.
[13] Dieser Vers steht auch im Jātaka 378 Strophe 1.
[20] Der Kommentator erzählt dabei, wie einst zwei Schwäne ein von einer großen Spinne gewebtes Netz durch ihre Kraft zerrissen und wie die anderen ihnen durch die Öffnung in die Freiheit nachfolgten. [Vgl. Jātaka 537 Kap. 6 mit den Strophen 21-22.]
[28] Es soll wohl lediglich eine dem Kommentator bekannte ceylonesische Tradition über einheimische Heilige wiedergegeben werden. Mit Kuddala usw. sind gemeint die in Jātaka 70, Jātaka 538, Jātaka 525,
Jātaka 510 und hier genannten Hauptpersonen.

References: §2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17

§18

§19

§21

§22

§23

§25

§26