Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20389/02
Timestamp: 2019-04-21 21:09:15+00:00

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BGH, 05.07.2004 - II ZR 389/02 - dejure.org
Deutsch-amerikanischer Freundschaftsvertrag Art. VII, Art. XXV; HGB § 128
EGBGB IntGesR.; Art XXV Abs. 5 S. 2 Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika v. 29.10.1954
Anerkennung einer US-amerikanischen Corporation
Internationales Gesellschaftsrecht im Verhältnis zu den USA: Geltung und Reichweite der Gründungstheorie nach Art. VII, XXV Deutsch-amerikanischer Freundschaftsvertrag; Erfordernis eines "genuine link"
Haftung von Gesellschaftern für Verbindlichkeiten einer in den USA nach den dortigen Vorschriften gegründeten Gesellschaft - Abschluss von Handelsgeschäften einer amerikanischen Gesellschaft ohne Eintragung im Handelsregister - Haftung für Gesellschaftsverbindlichkeiten aufgrund des Abkommens zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten mit erklärter Niederlassungsfreiheit
Haftung der Gesellschafter einer amerikanischen Inc. nach Gründungsrecht trotz Sitzes in Deutschland
Haftung der Gesellschafter einer amerikanischen Inc. nach Gründungsrecht
Zur Frage der Haftung der Gesellschafter für Verbindlichkeiten einer in den USA gegründeten Gesellschaft (hier einer "Inc.") mit Verwaltungssitz in Deutschland
Gesellschafterhaftung und Gründungsrecht
Haftung des Gesellschafters einer "Inc."
Zur Anerkennung der beschränkten Haftung in einer US-Gesellschaft
HGB § 128; Deutsch-amerikanischer Freundschaftsvertrag Art. VII, XXV
Haftung der Gesellschafter für Verbindlichkeiten einer in den USA gegründeten Gesellschaft (hier einer "Inc." mit Verwaltungssitz in Deutschland)
Haftung der Gesellschafter für Verbindlichkeiten einer in den USA gegründeten Gesellschaft
Zusammenfassung von "Anmerkung zur Entscheidung des BGH vom 5.7.2004, II ZR 389/02" von Dr. Gebhard M. Rehm, LL.M. (Columbia Univ.), original erschienen in: JZ 2005, 304 - 306.
Zusammenfassung von "Gläubigerschutz im Recht der Delaware corporation" von Prof. Dr. Holger Fleischer, original erschienen in: RIW 2005, 92 - 97.
Zusammenfassung von "Zur Anerkennung US-amerikanischer Gesellschaften in Deutschland (zu BGH, 5.7.2004 - II ZR 389/02 und BGH, 13.10.2004 - I ZR 245/01)" von WissMit. Dr. Michael Stürner, M.Jur., original erschienen in: IPRax 2005, 305 - 308.
NJW-RR 2004, 1618
ZIP 2004, 1549
WM 2004, 1683
BB 2004, 1868
BB 2004, 787
DB 2004, 1984
NZG 2004, 1001
Aus der Anerkennung der Rechtsfähigkeit einer solchen Gesellschaft folgt zugleich, daß deren Personalstatut auch in bezug auf die Haftung für in ihrem Namen begründete rechtsgeschäftliche Verbindlichkeiten einschließlich der Frage nach einer etwaigen diesbezüglichen persönlichen Haftung ihrer Gesellschafter oder Geschäftsführer gegenüber den Gesellschaftsgläubigern maßgeblich ist (vgl. BGHZ 154, 185, 189 - auch zur passiven Parteifähigkeit;… BGH, Urt. v. 23. April 2002 - XI ZR 136/01, NJW-RR 2002, 1359 f.; Sen.Urt. v. 5. Juli 2004 aaO, S. 1403).
Das gilt auch hinsichtlich der Rechtsfähigkeit der Gesellschaft (BGH, Urt. v. 5.7.2004 - II ZR 389/02, NJW-RR 2004, 1618 m.w.N.).
Sollten diese Fragen zu bejahen sein, kommt es nicht weiter darauf an, ob die Gesellschafter einer Partnership New Yorker Rechts - BGB-Gesellschaftern vergleichbar (vgl. BGHZ 146, 341, 357) - für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haften, was gleichfalls nach amerikanischem Recht zu beurteilen wäre (vgl. BGH NJW-RR 2004, 1618), und ob die Klägerin den Beklagten danach auch wegen einer von der Gesellschaft geschuldeten Auskunftserteilung in Anspruch nehmen könnte (vgl. BGHZ 33, 302, 306).
Zudem bezieht sich diese Aussage im gesellschaftsrechtlichen Kontext auf den jeweiligen kollisionsrechtlichen Gehalt der Niederlassungsfreiheit nach EGVtr und Freundschaftsvertrag (hier: Art XXV Abs. 5 Satz 2 iVm Art VII Freundschaftsvertrag, vgl BGH Urteil vom 5.7.2004 - II ZR 389/02 - ZIP 2004, 1549) , wonach "die in einem Vertragsstaat nach dessen Vorschriften wirksam gegründete Gesellschaft ... in einem anderen Vertragsstaat - unabhängig von dem Ort ihres tatsächlichen Verwaltungssitzes - in der Rechtsform anzuerkennen" ist, "in der sie gegründet wurde".
Überdies enthält das Recht des Vereinigten Königreichs, wie der Senat selbst feststellen kann (vgl. BGH, Urteil vom 5. Juli 2004 - II ZR 389/02, ZIP 2004, 1549, 1550;… Urteil vom 12. November 2009 - Xa ZR 76/07, NJW 2010, 1070 Rn. 20 ff.), zu Art. 22 Nr. 2 EuGVVO eine Regelung, die im vorliegenden Fall zur Zuständigkeit der dortigen Gerichte führt (vgl. Schillig, IPRax 2005, 208, 218; s.a. Wedemann, AG 2011, 282, 283 bei Fn. 2).
a) Das Personalstatut (Gesellschaftsstatut) einer juristischen Person und damit auch deren Rechts- und Parteifähigkeit im Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika richtet sich grundsätzlich nach dem Recht des Staates, in dem die juristische Person gegründet wurde (vgl. BGHZ 153, 353, 355 f.;… BGH, Urt. v. 23.4.2002 - XI ZR 136/01, NJW-RR 2002, 1359, 1360; Urt. v. 5.7.2004 - II ZR 389/02, ZIP 2004, 1549, 1550).
Zudem hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass gemäß Art. XXV Abs. 5 Deutsch-amerikanischer Handels-, Schiffahrts- und Freundschaftsvertrag vom 29.10.1954 (BGBl. II 1956, 487) in den USA gegründete Gesellschaften nach ihrem Gründungsrecht zu behandeln sind, sofern sie noch ein Minimum an geschäftlichen Aktivitäten in den USA entfalten, etwa ein Depot bei einer amerikanischen Bank unterhalten (BGHZ 153, 353; BGH NZG 2004, 1001).
Die Incorporation nach dem Recht des Staates Delaware wird also in Deutschland nicht mit den Maßstäben einer AG dR gemessen (vgl. BGH vom 05.07.2004 - II ZR 389/02 abgedr. in BB 04, 1868).
Das Personalstatut (Gesellschaftsstatut) einer juristischen Person und damit auch deren Rechts- und Parteifähigkeit im Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika richtet sich grundsätzlich nach dem Recht des Staates, in dem die juristische Person gegründet wurde (vgl. Bundesgerichtshof, Urteil vom 13. Oktober 2004 - I ZR 245/01 -, MDR 2005, 560 unter Verweis auf BGHZ 153, 353, 355 f.;… BGH, Urt. v. 23.4.2002 - XI ZR 136/01, NJW-RR 2002, 1359, 1360; Urt. v. 5.7.2004 - II ZR 389/02, ZIP 2004, 1549, 1550).
Eine in Übereinstimmung mit US-amerikanischen Vorschriften in den Vereinigten Staaten von Amerika wirksam gegründete, dort rechts- und parteifähige und noch bestehende Gesellschaft ist daher in der Bundesrepublik Deutschland regelmäßig unabhängig davon rechts- und parteifähig, wo sich ihr tatsächlicher Verwaltungssitz befindet (…vgl. Bundesgerichtshof, aaO, unter Verweis auf BGHZ 153, 353, 355, 357 f.; BGH ZIP 2004, 1549, 1550 [BGH 05.07.2004 - II ZR 389/02] ;… MünchKomm.BGB/Kindler, 3. Aufl., IntGesR Rdn. 245; Ebenroth/Bippus, NJW 1988, 2137, 2142).
Die in einem Vertragsstaat nach dessen Vorschriften - wie hier - wirksam gegründete Gesellschaft ist in einem anderen Vertragsstaat - unabhängig von dem Ort ihres tatsächlichen Verwaltungssitzes - in der Rechtsform anzuerkennen, in der sie gegründet wurde (BGHZ 153, 353, 356 f.; 154, 185, 189; (BGH, NJW-RR 2004, 1618; MDR 2007, 487).
Für Gesellschaften aus den Vereinigten Staaten von Amerika gilt aufgrund einer verdeckten Kollisionsregelung in Art. XXV Abs. 5 Satz 2 des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika vom 29.10.1954 gleichfalls die Gründungstheorie, sofern die Gesellschaft nur geschäftliche Aktivitäten auch in den USA entfaltet (vgl. BGH NZG 2004, 1001 = AG 2004, 607, 608 = ZIP 2004, 1549, 1550 = WM 2004, 1683 f. = DB 2004, 1984 f. = BB 2004, 1868 f. = GmbHR 2004, 1225, 1226 f. = NJW-RR 2004, 1618 = JZ 2005, 303, 304 = IPrax 2005, 339, 340 = MittBayNot 2005, 240, 241).

References: § 128
 § 128
 BGH 
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 Art. 22
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