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1913 / 280 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger)
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durch Entf, en vom 11. November 1913: 5) der Vereins-Versiherungs-Bank für Deutsch- land, Aktiengesellschaft in Düsseldorf auf die Deutshe Lebensversiherungsbank Aktiengesellshaft in München, 4 6) der Witwen- und Waisenkasse für Offiztere und Militärbeamte in Berlin auf den Allgemeinen Deutschen Versiherungsverein a. G. in Stuttgart;
B. gemäß S 13 a. a. O. der Gothaer Feuerversiche- rungsban? auf Gegenseitigkeit in Gotha die Auf- nahme des Betriebs der Einbruchdiebstahlversiherung im O Reiche durch Verfügung vom 7. November 1913 ge- nehmigt.
II. Sodann ist folgenden, auf Grund des 8 3 Abs. 1 a. a. O. der Reichsaufsicht unterstellten Unternehmungen durch Ent- scheidungen vom 29. Oktober 1913 unter Anerkennung als kleinere Vereine die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb erteilt worden, und zwar:
1) der Krankenkasse hessisher Lehrer inDarmstadt,
2) dem Kranken-Unterstüßungs-Verein Budenheim
in Budenhetim.
Berlin, den 25. November 1913. Das Kaiserliche Aufsichtsamt für Privatversicherung. Gruner.
Die Oberförsterstelle Greiben im Regierungsbezirk Königsberg ist zum 1. Januar 1914 zu beseßen. Bewerbungen müssen bis zum 10. Dezember eingehen.
Zu Steuerinspektoren sind ernannt: die Katasterkontrolleure Bahrs in Barth, Baldus in Rennerod, Beckmann in Sonderburg, Bernhard in Ehringshausen, Dreber in Berg- heim, Effercz in Recklinghausen, Franzen in Bitterfeld, Fr ei- berger in Jdstein, Fiebelkorn in Jarotshin, Friedrich in Glogau, Friedrich in Kalbe a. S., Herlet in Mayen, Joeccken in Labiau, Kasten in Weißenfels, Kreis in Gladenbach, Lang in Eschweiler, Laschinski in Kyriß, Lindemann in Bleckede, Ludwig in Mansfeld, Mahlich in Filehne, Müller in Lippstadt, Pa zelt in Gersfeld, Radtke in Zeiß, Raczek in Ahlen, Rinck in Eupen, Schmillen in Geilen- kirchen, Schönberger in Toftlund, Schulz in Fischhausen, Strohmeyer in Roßla, Timm in Luckau, Trilsbach in Jbbenbüren: sowie der Regierungslandmesser Hartung in Düsseldorf.
Preußen. Berlin, 27. November 1913.
Der Bundesrat versammelte sih heute zu einer Plenar- sizung; vorher hielten der Ausschuß für Handel und Verkehr und der Ausschuß für Justizwesen Sizungen.
Laut Meldung dés „W. T. B.“ ist S. M. Flußkbit. „Otter“ am 25. November in Schasi eingetroffen.
Primkenau, 27. November. Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen, wie „W. T. B.“ meldet, gestern nahmittag auf dem Bahnhof Primfenau ein und wurden dortselbst von Jhren Hoheiten dem Herzog und der Herzogin zu Schleswig-Holstein, von den Hofstaaten und dem Landrat des Kreises Sprottau Freiherrn von Kottwißz empfangen. Nach herzlicher Begrüßung begaben fich die Majestäten mit dem Herzogpaar unter Glockengeläut und den begeisterten Hochrufen der reihenbildenden Vereine, Zechen- belegschaften, Jugendorganisationen und Schulen nah dem Schlosse.
Görlig, 26. November. Der diesjährige Kommunal- landtag- des Markgraftùúüms Oberlausiß ist gestern hier durch den Landeshauptmann von Wiedebach und Nostiz-Jänkendorf eröffnet worden. Es gelangte zunächst der Jahresbericht zum Vortrage, der einen kurzen Ueberblic? über die Ergebnisse auf den Hauptgebieten der ständischen Ver- waltung gibt und die üblichen Sonderberichte sowie cine An- zahl neuer Vorlagen ankündigt. An den Vortrag des Jahres- berichts \{hloß si die Konstituierung des Landtags durch Mit- teilung des Personalbestandes, worauf einige Einzelberichte über Ressorts der ständishen Verwaltung zur Kenntnis des Landtags gebracht wurden.
Sigmaringen, 27. November. Ueber das Befinden Jhrer Königlichen Hoheit der Fürstin Mutter Antonia, Infantin von Portugal, ist gestern, wie „W. T. B.“ meldet, folgendes Bulletin ausgegeben worden :
Ihre Königliche Hoheit die Frau Fürstin-JInfantin hatte heute früh um 8 Uhr 30 Minuten einen Anfall von heftiger Atemnot mit großer Herzschwäche und Lungenembolie. Nach etwa zwei Stunden waren die zeitweilig bedrohlihen Ersheinung-n übzrwunden. Der Zustand der hohen Frau ist wieder zufriedenstellend.
Bayern. Die Kammer der Abgeordneten hat in ihrer gestrigen
Sizung, wie „W. T. B.“ meldet, die Anträge der Sozial- demokraten, Liberalen und Konservativen angenommen, wonach die Regierung ersucht wird, im Bundesrate dahin zu wirken, daß für die Veteranenfürsorge seitens der Reichsregierung weiteres geschehe. Der Minister des Jnnern Dr. ie von S bon rainbosan hatte im Laufe der Debatte erklärt, daß eine weitere Erhöhung der Veteranenbeihilfen Millionen fosten würde. Die Finanzlage des Reichs gestalte es aber nicht, noch weiter zu gehen, troß allen Mitgefühls für die Ve- teranen.
„ungünstiger geworden.
Die Zweite Kammer begann gestern die allgemeine Be- ratung über den Staatsöhaushältsetat für die Finanzz- periode 1914/15.
Wie „W. T. B." meldet, leitete der Finanzminister von Seydewtt die Besprehung mit einem Erposs ein, in dem er erklärte, der Reichsetat 1910/11 sei durchweg im Zeichen etner Hohkonjunktur entstanden. Leider machten sich in leßter Zeit Zeichen einer rückgängigen Konjunktur bemerkbar. Der Minister besprah die einzelnen Finanz-
positionen und kam dann auf die Neichssteuergeseßgebung zu \prechen, -
wobei er ausführte: Als er den vorigen Etai dem Hause vorgelegt hâtte, habe er betont, daß das finanzielle Verhältnis der Bundes- staaten zum Reiche wenig freundlich sei. Es sei heute noch erheblih Man habe dem Neiche zur Erfüllung seiner Aufgaben zwei direkte NReichssteuern bewilligt, nämlih den Wehr- beitrag und die RNReichsvermögenszuwachösteuer. Der Wehr- beitrag ließe sich allenfalls noch rechtfertigen. Die Reichsvermögens- zuwachësteuer bedeute einen direkten Eingriff in die Finanz- hoheit der Einzelstaaten. Die sächsishe Negterung habe im Bundes- rat gegen diese Steuer gestimmt und werde auch ferner gegen jede direkte Reichssteuer ihren Einfluß geltend machen. Der Minister erklärte zum Schluß, der vorltegende Etat rolle kein ungetrübtes Bild auf, und die Regierung müsse sich in allen Zweigen der Staats- verwaltung die größte Sparsamkeit auferlegen. Hielte man aber an den zwei mächtigen Grundpfeilern der Staatswohlfahrt, nämlich an Arbeit und Sparsamkeit fest, so dürfte es gelingen, den Etat in Zukunft wieder günstiger zu gestalten.
Jm weiteren Verlaufe der Etatsberatung stellte der Finanz- minister von Seydewiß die Begebung einer vierprozentigen sächsishen Staatsanleihe in Aussicht. Der Betrag und der Zeitpunkt der Emission sollen erst festgestellt werden, jobald bessere Geldmarktverhältnisse eingetreten find.
Jn der heutigen Sißung der Zweiten Kammer gab der Kriegsminister Freiherr von Hausen auf eine Anfrage nach der militärischen Ausbildung Jhrer Königlichen Hoheiten des Kronprinzen Georg und des Prinzen Friedrich Christian obiger Quelle zufolge die Erklärung ab, daß beide Prinzen nach der Rekrutenvorstellung im Februar nächsten Jahres in einen in Dresden einzurihtenden Kriegsshulkursus eintreten würden, um später vor der preußishen Militär- prüfungskommission das Offizierexamen abzulegen. Nach dem Manöver würden die Prinzen ihre Universitätsstudien beginnen.
Der Landtag hielt gestern abend eine vorbereitende Sißung ab, in der nah einer kurzen Begrüßung durch den Staats- minister Freiherrn von Dusch der Zentrumsabgeordnete Morgenthaler zum Alterspräsidenten bestimmt wurde. Die erste Arbeitssißung - der Zweiten Kammer wurde auf morgen vormittag festgesezt. Vor dieser soll die Wahl des Präsidiums vorgenommen werden.
Waldeckck.
Die diesjährige verfassungsmäßige Tagung des Land- tags der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont wurde am 30. Oftober durch den Landesdirektor Präsidenten von Glasenapp eröffnet und am 20. November geschlossen.
Dem Landtage waren unter anderen Vorlagen der Negterung Geseßentwürfe zugegangen über die Aufhebung der Verpflichtung zur Bestellung von Amtskautionen, über die. Abänderung des Gelees vom 23. Februar 1885, betr. die Bildung einer Kirchengemeinde der separterten Lutheraner im Kreise der Eder, und der Anlage zu § 9 des Staatsdienstaeseßes vom 9. 7. 1855, über den Bizinalwegebau im Fürstentum Waldeck, die Feststellung des Staatshaushaltsetats für. 1914/1916 und die Desinfektion bei ansteckenden Krank- heiten, ferner die Entwürfe eines Bullenkörgeseßes und eines Geseßes zur Abänderung des Geseßes vom 8. Januar 1900, betr. die Verpflihtung der Gemeinden zur Bullenhaltung. Sämtliche Geseßentwürfe wurden vom Landtage angenommen, zum Teil mit geringen Abänderungen. Ferner wurden der Etat der Feuer- versiherung8anstalt der Fürstentümer für die Jahre 1914/1916 und ein Antrag der Fürstlihen Domänenkammer auf Zustimmung zur Verpfändung von Domantalbesiß für eine Anleihe bis zur Höhe von 2 000 000 genehmigt. ¿
Der Staatshaushaltsetat balanciert in Einnahme und Ausgabe für 1914 auf 1725 187 4, für 1915 auf 1723593 é und für 1916 auf 1640254 6. In ihm. sind als Zuschuß Preußens zu den Ver- waltungskosten wie bisher 530 000 4, als Anteil der Fürstentümer an dem Ertrag der Branntweinsteuer 193 390 6 und als Matrikular- beitrag zu den Ausgaben des Reichs 240 501 4 jährlih vorgesehen.
Jm Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der Oesterreichishen Delegation wurde gestern die Debatte über das Expojsé des Grafen Berchtold fort- geseßt.
Nach dem Bericht des ,W. T. B." unterz;og der Abg. Ellen - bogen (Soz.) die Politik des Grafen Berchtold einer abfälligen Kritik und betonte \ch{ließlich, es fei höchste Zeit, Serbien wirt- \chaftlihe Vorteile zuzuwenden, um eine polittsche Beruhigung herbeizuführen. Freiherr von Schwegel (Herrenhaus) erklärte, er sei der Ansicht, daß eine Revision des Bukarester Friedens fih im FInteresse aller Teile als Notwendigkeit erweisen dürfte. r. von Langenhahn sagte, angesichts des vielfachen Versagens der österreichisch - ungarishen Diplomatie gegenüber den Ereignissen des leßten Jahres sei er, wie die anderen Mitglieder des Deutschnationalen Verbandes, nicht in der Lage, gegen- über dem Ministerium des Aeußern die bisherige freundlihe Stellung etnzunehmen, obgleich die Absichten des Ministers des Aeußern, dessen vornehmer Charakter aud bei seinen politishen Gegnern größte Achtung und Sympathie finde, nicht in Zweifel gezogen würden. „Für uns“, fuhr der Redner fort, „bildet die Vershlechterung der Beziehungen zu Rumänten, einem so bewährten und treuen Freunde, und der Versu), an Stelle dieses Freundes das nohch keineswegs erprobte und stark geschwähte Bulgarien zu seßen, ein sehr wesentlihes Moment, über die Polilik des Ball- plaßzes aufs ärgste verstimmt zu sein. Die Deutschen begrüßen mit Genugtuung die Tatsache, daß während der ganzen Krise, abgesehen von der Bukarester Nevisiontfrage, zwischen uns und dem Deutschen Reiche keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten Cen sind, und stellen neuerlich fest, daß dieses Bündnis für die übrigen Nationen der Monarchie von gleicher Wichtigkeit ist wie für die deute. Nicht minder erfreulich ift die Uebereinstimmung mit Italien, und wir wünschen, daß sie jede Belastungsprobe überdauern möge. Betonderen Grund zur Unzu- friedenheit der Deutschen bildet die Vernachlässigung der wirlschaftlihen íúnteressen der Bevölkerung. Das stolze Wort des deutshen Kaisers: „Ich \chüte den Kaufmann!“ möge auh der leitende Grundgedanke unserer Diplomatie sein.“ Der Redner {loß mit der Erklärung, die Deutschen würden für die Militärkredite stimmen. Wenn dies aber bei dem Budget des Ministertums des Aeußern oder einem Posten dieses Budgets nicht der Fall sein sollte, fo würde dies als ein Einspruch gegen eine der Ansicht der Deutshen nach unrichtige Führung der äußeren Politik aufzufassen sein.
— Der Heeresausschuß der österreihischen De- legation verhandelte gestern vormittag über das Heeres-
Das Herrenhausmitglied Dr. von Grabmair (verfassungstreue» Großgrundbesig) erklärte, obiger Quelle zufolge, wenn es tro ea bestehenden Gefahren gelungen fei, den Balkankrieg zu lokalisieren, fo fei” die Hauptursache gie Achtung aller Mähte vor der militärischen Stärke des Dreibundes gewesen. Darum fei es Aufgabe aller Maß, gebenden, den Dreibund zu verstärken, zu vertiefen und auß- zubauen. Die Géfahrenmomente seien keineswegs beseitigt, ing. besondere heishe die südslawishe Frage eine Löfung. Zur Vor« beugung entseßlihen Unheils sei elne vernünftige innere und äußere Politik notwendig, die sich auf eine starke Armee und Flotte stüge. Der Redner fuhr fort: „Wenn wir innerhalb des Dreibundes ge- hätte und gleichberechtigte Genossen bleiben wollen, so können wir uns ter Aufgabe nit entziehen, au unsere militärische Stärke enta sprehend den Rüstungen der Bundesgenofsen auszugestalten. Die Monarchie muß durch die Ausgestaltung der Flotte in der Lage sein, Jtalien einen Nückhalt zu gewähren, dessen Italien im Mittelmeer bedarf.“ Zum Schluß beantragte der Redner eine Resolution, in der die Kriegsverwaltung aufgefordert wird, alle Mittel zur weiteren Ein- \chränkung des Duells anzuwenden.
— Jm österreichishen Abgeordnetenhause erklärte gestern der Minister des Jnnern Freiherr von Heinold in Beantwortung von Jnterpellationen bezüglich der Sozial- versicherungsvorlage, daß die Regierung auf die Fertig- stellung des Geseßes mit allem Nachdruck hinwirken werde. Eci verhandelte das Haus über die Anträge bezüglich der Erhöhung der Lehrergehälter.
Wie „W. T. B.* meldet, griff} der Abg. Ferdinand Seidl (Deutsh-National) im Laufe der Debatte die Sozialdemokraten auf das schärfste an, wobet er ihnen Demagogte und unehrliches Verhalten gegen die Beamten vorwarf. Der Btzepräsident Pernerstorffer (Soz.) bat das Haus um Entschuldigung, daß er aus persönlichen Gründen dem Abg. Seidl troß seiner äußerst beleidigenden Aus- drücke keinen Ordnungsruf erteilt habe. (Lärm bei den Deutsch- Nationalen, Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Lärmszenen wiederholten sich bei jeder Erklärung Pernerstorffers bis zum Schluß der Sitzung, die darauf auf heute vertagt wurde.
— Jm ungarischen Abgeordnetenhause gab der Ministerpräsident Graf Tisza in der gestrigen Sißung auf eine Anfrage, Kroatien betreffend, folgende Erklärung ab:
Die Verhandlungen mit den kroatishen Parteten hätten zu etnem befriedigenden (Ergebnis geführt, da keinerlei Forderungen erhoben worden seien, die mit dem Grundprinzip der Union mit Kroatien in Widerspruch ständen. Verschiedene strittige Fragen, namentlich betreffs des Ortsnamengeseßes und der Dienstpragmatik der Eisenbahnen, seien im Kompromißwege gelöst worden. Somit werde der ver- fassungslose Zustand in Kroatien aufgehoben. Die Ernennung des Königlichen Kommissars Skerlecz zum Banus werde auf Antrag der ungarischen * Regierung demnächst erfolgen. Ebenso würden die Wahlen zum Landtage ausgeschrieben werden.
Die Erklärung des Ministerpräsidenten wurde mit großer Befriedigung aufgenommen.
Der Finanzausshuß des Senats wird heute im Plenum den von ihm ausgearbeiteten Einkommensteuer- geseßentwurf vorlegen. Wie „W. T. B.“ meldet, wird durch den Entrourf die bisherige Personal-, Tür- und Fenster- steuer aufgehoben und eine Einkommensteuer mit fakultativer Erklärung und behördliher Schäßung auf den bestehenden geseßlihen Grundlagen sowie nah äußeren Anzeichen ein- geführt. Zur Steuerleistung sollen fünf Millionen Steuer- zahler herangezogen werden. Aus den Erträgnissen der Steuer sollen 50 Millionen zugunsten der bäuerlichen Bevölkerung ver- wandt werden.
—- Der Heeres ausschuß der Deputiertenkammer hat in der gestrigen Sißung die Erhöhung der Offiziersgehälter angenommen.
— Die radikale Partei hat in einer unter dem Vorsitz von Caillaux abgehaltenen Versammlung obiger Quelle zufolge beschlossen, für die dreiprozentige unkündbare Rentenanleihe und für alle außerordentlichen militärischen Ausgaben zu stimmen und zu verlangen, daß die Kapitalerbschafts\teuer dem Anleihe- entwurf einverleibt werde, sowie dem Vorschlage des Budget- ausschusses, betreffend die Steuerfreiheit der Rente, beizu- pflichten.
Die katholish-konservative Gruppe der Action libérale hat die Vorbehalte gebilligt, die ihr Obmann Piou und der Graf de Mun im Budgetausschusse geäußert hatten, indem sie sih gegen eine Anleihe aussprach, die dazu dienen solle, das Defizit zu verheimlihen und die Kosten für die marokkanische Expedition zu bezahlen, deren Ausgaben bereits in die Budgets der früheren Jahre eingestellt waren.
__ In der Reichsdu ma fand gestern die Debatte über den
Bericht der zur Beratung einer Jnterpellation über die V or- gänge in den Lenabergwerken eingesezten Kommission statt.
Wie „W. T. B.* meldet, beantragte der Berichterstatter Luß, an die Minister des Innern, des Krieges und des Handels eine Inter- pellation zu richten, ob die Untersuhung über die genannten Greig- nisse beendet sei, ob die geseglihe Ordnung in den Gruben wieder hergeilelt und ob gegen die Personen, die sih hätten Geseßzes- verleßungen zushulden kommen lassen, Anklage erhoben worden sei. Der Abgeordnete für das Gouvernèément Irkutsk Mankoff, seßte auseinander, daß die Beshwerden der Arbeiter sih aus\chließlich auf elementare Eristenzbedürfnisse, hauptsächlich auf die Verpflegung und die Entlohnung, erstreckt hätten. Der Abg. Vichnevsky (Rechte) {loß sih im Namen seiner Partei dem Antrag des Berichterstatters an. Er vertrat die Ansicht, der Hauptteil der Verantwortung falle auf die jüdishe Gesellshaft, welhe die Minen ausbeute.
Der Antrag der Kommission wurde mit einem Amende- ment der Rechten, durch das der Kriegsminister aus der Zahl der interpellierten Minister ausgeschlossen wird, an- genommen.
_ Amitilich wird mitgeteilt, ein Erlaß des Kolonialministers mit Geseßesfraft seße die Ausfuhrzölle auf gewisse Kolonial- waren und Erzeugnisse des Ackerbaus und der Viehzucht aus den Teilen von Angola, die niht im Congobecken lägen, herab, gleichviel, ob die Waren nach in- oder ausländischen Häfen bestimmt seien.
_— Wie „W. T. B.“ meldet, sind zwei Portugiesen, Chicorro und Silva Cunha, unter dem Verdacht, einé Vershwörung gegen das Leben des Ministerpräsidenten Affonso Costa angezettelt zu haben, heute an Bord des aus Brasilien angelangten Dampters „Ambrose“ verhaftet worden.
Die deutsche Kronprinzessin ist heute vormittag in Kopenhagen eingetroffen und auf dem Bahnhof vom Königs- paare, den Mitgliedern der Königlichen Familie, dem Minister des Aeußern und dem deutschen Gesandtén empfangen worden. Das Königspaar begab sich mit seinem hohen Gaste nah dem Schloß Fredenshorg.
Türkei. : Der Oberstleuinant D\chemil Bei ist einer Meldung des V. T. B.“ zufolge zum Militärattaché bei der Botschaft in Kerlin ernannt worden.
Griechenland. Die Deputiertenkammer hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, den griehish-türkishen Friedensvertrag in dritter Lesung endgültig angenommen.
Im gestrigen Ministerrat lenkte der König die Auf- merksamkeit der Regierung auf die Notwendigkeit, den Eisen- bahnen die dringend nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie den Bedürfnissen des Verkehrs entsprechen könnten.
Der Präsident der vorläufigen Regierung in Alessio Detzoku ist gestern in Valona eingetroffen, um sich, wie „W. T. B.“ meldet, bei den Mitgliedern der Kontrollkommission gegen die Uebergriffe der Anhänger Essad Paschas zu beschweren und um Abhilfe zu ersuhen. Sollte seine Mission erfolglos bleiben, so seien seine Anhänger, wie er erklärte, ent- schlossen, selbst ihr Recht zu suchen.
Nach Meldungen des „W. T. B.“ besagt der Bericht des Generals Villa über die Schlacht bei Juarez, er habe die Bundestruppen vollständig geschlagen und drei Militärzüge mit der gesamten Bundesartillerie und Muniton erbeutet. Aus anderer Quelle verlautet, daß die Aufständishen 150 Tote und mehrere Hundert Verwundete gehabt hätten. Die Verluste der Bundestruppen werden viel höher geschäßt. Der General Obregon, der Befehlshaber der Jnsurgenten im Nordwesten, ist in Hermosillo eingetroffen und hat mit Carranza eine Unterredung über die Pläne zu einem allgemeinen Vorgehen nach dem Süden gehabt.
Der amerikanische Konteradmiral Fletcher meldet, daß die Jnsurgenten ihre Drohung, die Petroleumwerke zu schließen, falls diese die ihnen auferlegten Abgaben nicht bezahlten, bisher nicht wahr gemacht hätten, nur ein Petroleumwerk bei Tuxpam sei außer Betrieb. Auf den Petroleumfeldern seien weder die Rohrleitungen noch die Petroleumreservoire zerstört oder be- schädigt worden. Ebenso seien weder Amerikaner noch andere Ausländer verleßt oder bedroht worden.
Nach Meldungen der „St. Petersburger Telegraphen- agentur“ ist mit Nücksiht auf die Erregung der Gemüter, die durch die Ereignisse in Peking und die Niederlage der Nationa- listen in der Mandschurei hervorgerufen worden is, über Mufden der Belagerungszustand verhängt worden.
Die Frage der Abgrenzung der Befugnisse der Mitttärs Und der Zl oerwaltunden in Der Man dschurei ist endgültig geregelt. Das Amt des Tutu ist abgeschafft worden. Ueber die Provinzen sind Zivilgouverneure geseßt worden, die unmittelbar der Regierung in Peking unter- stehen. Jn militärischer Beziehung ist die Mandschurei in der Form eines Sonderdistrikts abgetrennt und ein Oberkommandeur eingeseßt worden.
Australien. Jm neuseeländishen Repräsentantenhause teilte
gestern der Prem ierminister einer Meldnng des „W. T. B.“ zufolge mit, daß unter den Arbeitern der Einfluß der ge- mäßigten Elemente sich durhgeseßt habe und daß alle Anzeichen auf eine baldige Wiederherstellung des industriellen Friedens hindeuteten.
— Die heutige (176.) Sißung des Reichstags, welcher der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Lisco und der Staatssekretär des Reichsshaßamts Kühn beiwohnten, er- öffnete der Präsident Dr. Kaempf mit der Mitteilung, daß der Abg. Kölsch (nl.), Vertreter für 7. Baden (Offenburg- Kehl), sein Mandat niedergelegt hat. E
Bur ersten Lesung stand zunächst der Geseßentwurf, be- treffend die Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige.
Abg. Dr. Cohn- Nordhausen (Soz.): Die Vorlage entspricht einem alten Wunsche des Neichstags. Alle Parteien waren sich in der Forderung einer Erhöhung der Bezüge für Zeugen und Sachverständige einig. Die jeßt gezahlten Gebühren entsprechen niht mehr den wirtschaftlichen Verhältnissen und sind ganz besonders unzulänglichßh bei den herrshenden Teuerungsverhält- nissen. Die jeßige Vorlage bringt aber nur eine wesentliche Erhöhung der Gebühren für Sachverständige. Die Begründung be- {ränkt den Anspruh auf volle Entschädigung für diese damit, daß die Zeugnispflicht eine wesentlihe Pflicht eines jeden Staatsbürgers sei, Ganz besonders bedenklich find aber die Bestimmungen des. § 4a, der da will, daß, falls in bürgerlihen Rechtsstreitigkeiten die Parteien mit dem Sachverständigen eine bestimmte Vergütung vereinbart haben, diese zu gewähren ist, sofern ein zur Deckung des Betrages hin- reihender Vorshuß gezahlt ist. Dadurch wird unter Umständen eine ungleichartige Behandlung und Entschädigung der Sach- verständigen geschaffen. Das kann auch auf die Necht- \prehung tnsofern ungünstig einwirken, als die Partei ge- schädigt werden kann, die nicht die Mittel dazu hat, sih hervor- ragende Sachverständige zu sichern. Der §8 15 bestimmt, daß die Gebühren der Sachverständigen, welche für die Erstattung von Gutachten im allgemeinen vereidigt find, durch besondere Tarife von der Canbeslllirbeimaltung bestimmt werden können. Dies widerspricht unter Umständen der Fassung des § 4a. Hierdurch wird eine Unstimmigkeit Hervorgerufen, da nicht ersitlich ist, ob der § 15 unter Umständen den § 4a erseßen kann. Die Tagegelder und Reisekosten der öffentlichen Beamten werden durch den § 14 festgestellt. Hier i nun ein neuer Zusaß vorgesehen, daß, soweit allgemeine Vorschriften für Dienstreisen nicht erlassen sind, die oberste Verwaltungsbehörde über die Gewährung der den öffentlihen Beamten zustehenden Tagegelder und Reisekosten besondere Vorschriften erlassen kann. Die oberste Verwaltungs- behörde kann diese ihr gegebene Befugnis auf andere Behörden übertragen. Diese Materie muß aber durch allgemein gültige Be- slimmungen geregelt werden. Wan darf dies niht dem freien Er- messen einer Behörde überlassen. Wir stellen den Antrag, die Vor- lage einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen.
Schluß des Blattes.)
In dem Kohlenbezirk des Departements Pas de Calais s „W. T. B.* zufolge die Arbeit übcrall wieder aufgenommen worden (vgl. Nr. 279 d. Bl.).
Die Ausftandsbewegung in El Ferrol greift weiter um sih. Die Zahl der Ausständigen überschreitet, wie „W. T. B.“ meldet, dreitausend. Die Arbeiten an dem Bau der Panzerschiffe „Jaime 1.“ und „Alfonso XTIL.* find unterbrochen (vgl. Nr. 277 d. Bl.).
In der Schlesishen Gesellshaft für Vaterlänvishe Kultur in Breslau brachte, wie ,W. T. B.“ meldet, gestern abend der Direktor des Physikalishen Instituts Geheimer Regierungsrat Dr. Lummer Kohle zum Sieden. Er hat die Entdeckung der Verflüssigung des Kohlenstoffs an einer elektrishen Bogenlampe gemacht, deren Kohlenstifte bei Unterdruck des elektzishen Stromes zu sieden, be- gannen. Das Stedeprodukt ist Graphit.
Der Nand der Venus. Die Venus hat als einer der Nach- barn unserer Erde die Aufmerksamkeit der Himmelsforscher stets in besonderem Grade auf sih gelenkt. Wegen ihres hellen Glanzes, der bei größter Erdnähe alle anderen Gestirne am Firmament weit über- strahlt, ist sie auch in besonderem Grade volfstümlih geworden, und wenn in Wort und Lied vom Abend- oder Morgenstern die Nede ift, so denkt jeder an die Venus, obgleich sie sich in diese Stellung mit dem Merkur teilt. Für die Astronomen ist sie dennoch seit dem Ge- brauch starker Fernrohre an Interesse hinter dem - anderen Erd- nahbarn, dem Mars, weit zurückgetreten, denn gerade thr starker Glanz, der eine Folge ihrer geringen Entfernung von der Sonne ist, hindert tie Wahrnehmung von Einzelheiten auf ihrer Oberflähe, während die auf dem Mars sichtbaren Zeichen dem Menschen Nätsel aufgegeben haben, deren Erörterung zu den kühnsten Vermutungen geführt hat. Auf der Venus ist so wenig zu sehen, daß man noch nicht einmal einen Anhalt dafür gefunden hat, die Umdrehungszeiten dieses Planeten mit Sicherheit festzustellen. Der Astrovom Marwell hat jeßt im Monatsregister der amerikanischen Gesellschaft für praktishe Astronomie auf merkwürdige Erscheinungen hingewiesen, die er am Rand der Venus beobachtet hat. Dieser ist gewöhnlich auf 30 Grad von gleihförmig gelblichwelßer Farbe und großer Helliaketit, aber es lassen fich hier sonderbare Wechsel be- obachten. Zeilweise ersheinen ausgedehnte Flähen noch weißer als sonst, andere werden zuweilen blasser. Eine befondere Schwierigkeit ltegt in der Feststellung des Or1s folher Erscheinungen auf einer Kugel oder einer glei{mäßig runden Scheibe, wenn man niht welß, wo deren Pole liegen. Bei der Venus tritt wenigstens das günstige Moment ein, daß fie einen Lichtroecsel er- fährt wie der Erdmond und die sogenannten Lichtgestalten durchmacht, die fie zeitweise als halbmondförmige Sichel erscheinen lassen. Die Beobachtungen von Maxwell begannen am 4. Junt. An diesem Tage bezw. Abend sah der Astronom in 70 Grad von der Spitze des |üd- lichen Horns eine Fläche von ungewöhnliher Weiße, die sih 37 Grad nach Norden und etwa 40 Grad nah innen ausdehnte. Der Flecken war so auffällig, daß er fast wte ein NRückgrat der Sichel ersien. Zwei Tage darauf war der Flecken etwas abgeblaßt. Am 11. Juni aber war er immer ncech deutli gekennzeihnet und von noch größerer Ausdehnung als vorher. Nur die Abgrenzung gegen die Umgebung, die anfangs fo scharf gewesen war, wte es auf der Venus überhaupt erwartet rwoerden kann, wurde allmählih unbestimmter und kTonvte am 13. Juni gar nit mehr erkannt werden. Bis zum 18. Juni wurde die Stelle immer blasser, bis fie in der allgemeinen Helligkeit des Nandgebiets aufging. Es dauerte bis zum 26. Juli, ehe der Astronom setne Forshungen fortseßen konnte. An diesem Tage bemerkte er nah einer Woche s{chlechten Wetters einen Fleck, der diesmal umgekehrt weniger hell war als die Umgebung. Er zeichnete fich durh eine gelblihe Färbung ab, wäbrend der Rand im Norden gleihmäßig weiß erschien. Zunächst war er auf die südliche Halhb- Tugel beshränkt, dehnte fh aber {on am folgenden Tage bis über den mutmaßlihen Aequator- aus. Seine Fläche erstreckte ih über 36 Grad in der Länge und 55 in der Breite. Am 29. Juli war die Fläche immer noch auffällig gelb, aber schon verschwommen in der Abgrenzung. Auf der nördlichen Halbkugel dageaen begann sich die Helligkeit in etnen wohl umgrenzten weißen Fleck von dret- ecktgen Umrissen zusammen zu ziehen, dessen Nordrand etwa 11 Grad von der Spie des nördlichen Horns entfernt war. Auf der breitesten Stelle maß er nicht weniger als 60 Grad. Am 30. Juli war die gelbe Fläche im Süden von der Umgebung niht mehr zu unterscheiden, und der nördliche weiße Fleck begann auch seine Grenzen zu verlieren. Dieser Zustand blieb bis zum 5. August ziemlich unverändert, außer daß der weiße Fleck stark eingeschrumpft und der Nordspite noch näher gerückt war. Besonders etigentümlih war seine Unter- {eidung in 3 verschiedene Farbengrade, die an Streifen von ver- schieden schattiertem Papier erinnerten. Der innerste war ganz weiß mit einer sharfen Grenze, der äußecste nur wenig heller als die übrige Planetenfläche. “Nun seßte cine Zeit {lechten Wetters ein, und es dauerte bis zum 16. August, ehe das Fernrohr von neuem auf die Venus gerihtet werden konnte. Die blasse Fläche im Süden war noch erkennbar, aber der Norden erschien völlig normal. Am 22. August war dann die ganze Scheibe in ihrer gewöhnlichen Ver- fassung. Die Beobachtungen wurden meist in der Dämmerung ge- macht. Es ist die Frage, ob diese Beobachtungen, wenn fie von anderen Astronomen bestätigt und ergänzt werden könnten, zur endgültigen Erledigung der Frage nach der Länge des Venustages führen würden.
— Hohenzollernbriefe aus den Freiheits- friegen 1813—181%5, Herausgegeben von Hermann Gran ie r. 364 Seiten. Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1913, Die hier vorgelegten „Hohenzollernbriefe“ aus den Freiheitskriegen, die im wesentlichen zwishen dem damaligen Kronprinzen und dem Prinzen Wilhelm, den beiden künftigen Preußenkönigen, und ihrer Schwester, Prinzessin Charlotte, der späteren - Kaiserin von Rußland, gewech{selt worden find, geben“ ein anschauliches Bild davon, wie: ih die großen Ereignisse seit dem Frühjahr 1813 in Kopf'und Gemüt der Königskinder, die recht ges{wisterlich zusammenhielten, als unmittel- bares Erlebnis. widerspiegeln. ‘ Die Originale der Briefe, die sämtlich bisher ungedruckt waren, ruhen im Königlich Preußischen Hausärchiv; zu ihrer Veröffentlihung hat Seine Majestät der Kaiser die Genehmi- gung erteilt. Es bedarf-kaum eines Hinweises, daß die Briefe“ wegen der Dinge, die zur Sprache kommen, und wegen ‘der Persönlichkeiten, die darin reden, von - höch)\tem- Reiz sind. - Das“ Hochgefühl" über die gewaltigen Erfolge, ‘ die damals den preußischen * Waffen und". der Tapferkeit der Verbündeten beschieden waren, macht sih in stürmi- hen Ergüssen Luft; Worte wie. „felig“ und „göttlih“ sind sehr be- liebt, und mit Ausrufungszeihen und UÜnterstreichungen wird nicht gespart. Man vergegenwaärtigt sih dabei gern das jugendliche Alter der Geschwister: beim Beginn des Briefwechsels, im März 1813, zählte der Kronprinz 17% Jahre, Prinz Wilbélm gerade 16, Prin- zessin Chärlotte 14} Jahre. Und doch hätte die jungen Herzen schon ein tiefes Weh erfüllt und ihnen die Richtung auf eine ernste Lebens- auffassung gegeben: die Erinnerung an die verklärte Mutter stellt si immer wieder ein und. mit ihr heiße Tränen. Jugendlichkeit und starker Familiensinn ist allen Geschwistern gêmeinsam, und doch wird ein aufmerksamer Leser schon feine Unterschiede zwischen Art und Aus- drucksweise der beiden Brüder erkennen. Auch die Schriftzüge, die in
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einigen Faksimiles festgehalten sind, zeïgen bereifs die harakteristisY durchaus voneinander abweichenden Formen, die beide Könige bis an thr Gnde beibehalten haben; der Schnörkel im Namenszug, den Kaiser Wilhelms leßte Unterschrift noch aufweist, taucht bereits tn dieser Korres spondenz auf, und die spaßhaften Bemerkungen, dic Prinzessin Charlotte daran Tnüpst, werden von dem Prinzen Wilhelm lustig aufgegriffen. Der Kronprinz hat seine Briefe vielfa mit sehr gelungenen Rand- zeihnungen ausgestattet; auch davon sind manche wiedergegeben. Mam tann weiter verfolgen, wie fi der Gesichtskreis der tungen Briefz schreiber erweitert und ihre geistige Gewandtheit und UÜrteilsfraft zunimmt. Man fennt die fräftigen Worte Blüchers über die Diplo=- matiker und Federfuchser und darf wohl danebenstellen, was der acht zehnjährige Prinz Wilhelm am 1. Juli 1815 schrieb: „Das Schwerdt hat wieder das Seinige in vollem Maaße gethan. Ich hoffe, die Feder wird ein Beispiel daran nehmen.“ Der Briefwewbsel nahm damit feinen Anfang, daß der Kronprinz aus Breslau, wo die Königliche ¿Familie seit Ende Januar vereinigt war, mit dem König Ende März zur Armee ging. Einer der ersten Briefe {ildert den Besuch im Mausoleum zu Charlottenburg am 27. Marz, dem Tage, an dent Vork Berlin verließ. Sehr eingehend wird der Schlacht bei Groß- görschen vom 2. Mai gedacht, die gerade der Garde starke Verluste zugefügt hatte. Während des Waffenstillstandes waren die Geschwister wleder vereinigt, bis dann die Eroffnung der Feindseligkeiten im August 1813 den Kronprinzen von neuem ins Feld rief. Von dem malerischen Prag weiß er viel zu erzählen, den Höhepunkt bilden seine durch viele Briefe hindurhgehenden Berichte über die SWlachten bei Leipzig. Am s{chönen Rhein geht thm ein neues Leben auf, die unge- zwungene französische Art seßt ihn beim Marsch durch Feindesland in Grstaunen, und die Kämpfe auf dem Wege nach Paris, an denen auch Prinz Wilhelm teilnimmt, bringen den Brüdern neue Aufregungen. Nauschende Vergnügungen in Paris und die glänzende Aufnahme in London werden in den lebhaftesten Farben geschildert. Dann ruht der Briefwechsel wieder von der Heimkehr der Prinzen nach Berlin im August 1814 bis zu ihrem neuen Kriegszug nah Napoleons Nüd- kehr von GSlba im Juni 1515. Im Mittelpunkt dieses leßten Teiles steht die Schlacht bei Bellealliance. Zu der Hauptmasse der Briefe der drei älteren Geschwister treten hinzu einige der jüngeren, die das harmonische Familienbild noch kräftiger beleuchten, und der Brief=- wechsel des Königs selbst mit seinen Kindern, dessen väterliche Autori- tät teinem Zweifel unterworfen ist, der das Gedethen seiner mutter= losen Kinderschar mit treuer Sorge überwaht. Einer zweiten Ab-= teilung der „Hohenzollernbriefe“ bleiben die Korrespondenzen der beiden Prinzen mit ihren etwa gleichaltrigen Verwandten, die soge- nannten „Vettern-Briefe“, vorbehalten.
Die Völkerfchlacht bei Leipzig. Für das Volk und die Jugend erzählt von G. Schmiedgen. Mit zwolf Vollz bildern und vier Schlachtenplänen. Gotha, 1913, Friedrich Andreas Perthes A.-G. (165 Seiten, Preis brosch. 1,20 M, geb, 2 M) Das vorliegende kleine Buch ist mehr als eine Gelegenheits\chrift und lädt zu längerem Verweilen ein. Hatten doch, wie der Verfasser in einem
Schlußwort sagt, seit der Hunnenshlaht auf den Catalaunischen Feldern Germaniens Völker keine größere und gewaltigere S{blacht geschlagen, als die auf der Leipziger Ebene; einen solchen Vorgang nah Breite und Tiefe zu ermessen, ist aber ohne genaueres Eingeben niht möglih. Das Gestaltungsvermögen des Verfassers und starkes (Fmpfinden haben zusammengewirkt, um die Kräfte lebendig werden zu lassen, die bei Leipzig um den Sieg rangen. Napoleons verbissener Troß, das Vorwärtsdrängen der preußischen Generale auf allen drei Seiten und die Hemmungen durch Schwarzenberg und Bernadotte, in ihrer Persönlichkeit und der Politik ihrer Staaten begründet, der bei- spiellos erhabene Heldenmut der Truppen hüben und drüben, die Große der Verluste und das Elend déèr Verwundeten, die über= mächtige Freude über den Sieg, alles wird dem Leser areifbar und gräbt ih ihm tief in die Seele ein. Der Verfasser hat nihts Wesent= liches übersehen: fo tritt z. B. Blüchers Seelengröße, der Bernadotte gegenüber die größte Selbstüberwindung bewies, um nur das Ganze zu retten, in ein belles Licht. Das Büchlein is ein zuverlässiger Führer durch die verwirrende Fülle von Kämpfen, die Deutschlands Befreiung von Napoleon vollendeten, und sicherlich berufen, jugendliche Herzen mit hoher Erfurt vor mens{hlicher Größe zu erfüllen.
Nr. 48 der „Veröffentlihungen des Kaiserlißen Ges- sundheitsamts“ vom 26. November 1913 hat folgenden Fn- halt: Arbeiten aus dem Kaiserlihen Gesundheitsamte, XLV. Bd., 3. Heft. (Ankündigung.) — Gesundheitsstand und Gang der Volks- krankfheiten. — Zeitweilige Maßregeln gegen ansteckende Krank- heiten. — Desgl. Pest. — Desgl. gegen Ctolera. — Desgl. gegen Gelbfieber. — Desgl. Pccken. — Mitteilungen aus British Ost- indien, 1911. — Geseßzaebung usw. (Preußen.) Catgutfabriken. — (Rea.-Bez. Arnsberg.) Hebammen. — (Anhalt.) Influenza der Pferde. — Tierseuchen im Deutschen Neiche, 15. November. — Desgl. im Aus- lande. — Desgl. in Oesterretch, 3. Vierteljahr. — Mault- und Klauen- seuhe in Großbritannien. — Deêgl. in Dänemark. — Vermischtes. (Preußen.) Nährgelatine. — (Desterreih). Mil{untersuhung. — Geschenklisle. — Wochentabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 40000 und mehr Einwohnern. — Desgl. in größeren Städten des Auslandes. — Erkrankungen in Krankenhäusern deutscher Großstädte. — Desgl. in deutschen Stadt- und Landbezirken. — Witterung. — Beilage: Gerichtlihe Entscheidungen auf dem Gebiete der öffentlihen Gesundheitspflege (Krankenwesen).
Angesichts der großen Bedeutung, die der auf dem Impfgesete vom 8. April 1874 beruhenden Shußpeckenimpfung für die Bolks- gesundheit zukommt, hat die Neihsverwaltung ch von jeber angelegen jein laffen, die Fortschritte der wissenschaftlihen Untersuchungen über die Pockenkrankheit für den Ausbau und die Vervollkommnung des Impfwesens nußbar zu ma&@en. Nach einer dem Etat für das Reichs« amt des Innern beigegebenen Denkschrift scheint die wissen- schaftliche Erforschung der PoFen und der Vaccine aber gegenwärtig urn so mehr geboten zu sein, als es dem Königlich preußisck(en Stabsarzt Dr. Fornet, zufolge eines Vortrags, den er auf dem dies- jährigen Internattonalen medizinishen Kongreß in London gehalten hat, gelungen sein foll, den Pockenerreger in Reinkultur darzustellen. Die Ergebnisse der FornetsWen Untersuchungen, die, falls. sie ih be- stätigen, von ungemeiner und weittragender Wichtigkeit für die S{chuß- pockentmpfung sein würden, werden auf ihre Nichtigkeit uahzuprüfen sein. Sollten sie fich nicht als sti(haltig erweisen, so werden auf anderem Wege Versuhße vorzunehmen sein, um: das “ Ziel, das Dr. ‘Fornet jih gesteckt haite, zu erreien und ‘zugleich zur Be- fämpfüng- der Pocken “ einen Impfstof _in MRetinkultur her- zustellen, der in jeder JImpfportion genau ‘ dofiert wérden « kann, wie es modernen bafkteriologischen Grundsäßéën entsprähe* und nah dem heutigen Stande der Wissenschaft als die erstrebéns- werte sung der Frage bezeihnet werden muß. Auf einen sol{en im Bereiche der Möglihkeit liegenden Fortschritt darf nicht desbalb verzihtet werden, weil nah langjähriger Erfahrung au mit den jeßt gebräuchlihen Methoden ein brauchbarer Impfstof gewonnen wird. . Er muß vielmehr mit allen Mitteln erstrebt werden, weil es eine dem gesezlihen Impfzwang entsprehende Pflicht des Staates ist, däs íSFmpfverfahren so vollkömmen wie möglich zu gestalten.
Die Forshungen nach dem Erreger der Vactine utid der Variola des Menschen und die Versuche, ihn in NReinkultur zu züchten, müssen daher mit allem Eifer betrieben werden.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts wird die Kuhpockenimpfung mit Erfolg ausgeführt, aber bis heute konnte unter den Männéry -

References: § 9
 § 4
 §8
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 § 15
 § 4
 § 14