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Timestamp: 2017-10-17 20:38:26+00:00

Document:
Buchführung - Handelsrechtliche Buchführungspflicht
Ist-Kaufmann und Kann-Kaufmann
Erleichterungen bei Buchführungspflicht für Einzelkaufleute (EÜR)
Kursangebot | Buchführung | Handelsrechtliche Buchführungspflicht
Die Handelsrechtliche Buchführungspflicht ergibt sich aus § 238 Abs. 1 HGB.
Buchführungspflicht nach HGB
Daher muss nun zunächst die Frage geklärt werden, wer ein Kaufmann ist. Das beantwortet § 1 HGB:
Wenn ein Unternehmen betrieben wird, das nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, so stellt dieser Gewerbebetrieb aufgrund der ausgeübten Tätigkeit ein Handelsgewerbe dar. Der Betreiber des Handelsgewerbes ist damit Kaufmann (aufgrund der Tätigkeit des Gewerbebetriebs so genannter Ist-Kaufmann).
Auch für einen Gewerbebetrieb, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert, kann sich eine Buchführungspflicht ergeben. Denn nach § 2 HGB gilt ein gewerbliches Unternehmen, dessen Gewerbebetrieb nicht schon nach § 1 Abs. 2 Handelsgewerbe ist, als Handelsgewerbe, wenn die Firma des Unternehmens in das Handelsregister eingetragen ist (aufgrund der konstitutiv wirkenden Eintragung so genannter Kann-Kaufmann).
Kaufmann ist auch stets jede Personenhandelsgesellschaft (OHG) und Kapitalgesellschaft (GmbH, AG), weil sie kraft Gesetzes ein Handelsgewerbe betreiben (aufgrund der Rechtsform des Gewerbebetriebs so genannter Form-Kaufmann).
Prinzipiell muss also jedes Unternehmen und jeder Unternehmer Bücher führen, außer er betreibt kein Handelsgewerbe oder der Umfang des Handelsgewerbes ist so gering, dass es einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert. Wann ein solch geringer Umfang besteht, ist im HGB nicht geregelt. Die Abgabenordnung führt dies für steuerrechtliche Zwecke jedoch aus. Aber dazu näheres im nächsten Abschnitt!
Der Begriff des Gewerbes wird vom HGB nicht definiert. Es gibt im deutschen Recht keine einheitliche Definition. Kennzeichen für ein handelsrechtliches Gewerbe:
Kommen wir nun noch zu einer Ausnahme, die nur für Einzelkaufleute gilt:
Mit dem BilMoG wurde mit Wirkung ab 31.12.2007 in § 241a HGB der "nicht buchführungspflichtige Kaufmann" geschaffen.
"Einzelkaufleute, die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als EUR 600.000 Umsatz und EUR 60.000 Jahresüberschuss aufweisen, brauchen die § 238 - 241 nicht anzuwenden. (...)"
Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) wurde eine Erleichterung bei der handelsrechtlichen Buchführungspflicht für nach dem 31.12.2007 beginnende Geschäftsjahre in Kraft gesetzt um für "kleine" Einzelkaufleute den Verwaltungsaufwand zu minimieren.
Einzelkaufleute sind von der Verpflichtung, Bücher zu führen und Bilanzen zu erstellen befreit, wenn sie an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen nicht mehr als
600.000 € Umsatzerlöse und
erwirtschaften. Die Regelungen gelten nicht für Personengesellschaften (also GbR u.a.).
Was bedeutet das? Ein Einzelkaufmann bzw. eine Einzelkauffrau kann ihren Jahresüberschuss durch Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) ermitteln und muss keine Bilanz erstellen, wenn er/sie die Voraussetzungen des § 241a HGB erfüllt. Eine Buchführung nach § 238 - 241 HGB ist nicht erforderlich!
Formular zur Erstellung der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)
Sobald der Einzelkaufmann einen der beiden Schwellenwerte (EUR 600.000 Umsatz bzw. EUR 60.000 Jahresüberschuss) an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen überschreitet, wird er im folgenden Geschäftsjahr buchführungspflichtig.
Diese Regelung wurde geschaffen, um für "kleine" Einzelkaufleute den Verwaltungsaufwand zu minimieren.
Vielleicht ist für Sie auch das Thema	Buchführungspflicht nach Handelsrecht	(Buchführung)	aus unserem Online-Kurs	Externes Rechnungswesen interessant.
Wann kann ein Einzelkaufmann auf die Buchführung nach § 238 - 241 HGB verzichten?
Wenn er nicht mehr als EUR 600.000 Umsatz und EUR 60.000 Jahresüberschuss in den letzten zwei Geschäftsjahren gemacht hat.
Wenn er entweder nicht mehr als EUR 600.000 Umsatz oder EUR 60.000 Jahresüberschuss im letzten Geschäftsjahr gemacht hat.
Wenn er nicht mehr als EUR 600.000 Umsatz und EUR 60.000 Jahresüberschuss im letzten Geschäftsjahr gemacht hat.
Alfred hat gerade seine Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskaufmann abgeschlossen. Nun möchte er sich mit einem Handel für hochwertige Musikanlagen und Boxen selbstständig machen. Um eine persönliche Haftung auszuschließen, gründet er die "Alfreds Musicstore Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)". Er schätzt, dass seine Gesellschaft im ersten Jahr einen Jahresüberschuss in Höhe von ca. EUR 20.000 machen wird. Ist die Gesellschaft buchführungspflichtig?
Nein, da die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) nicht als Gewerbebetrieb gilt.
Nein, da die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) die Ausnahmeregelung des § 241a HGB in Anspruch nehmen kann.
Ja, da Kapitalgesellschaften kraft Gesetzes als Handelsgewerbe gelten.
Wer kann die Ausnahme des § 241a HGB in Anspruch nehmen (Befreiung von der Pflicht zur Buchführung)?
Nur Einzelkaufleute!
Kleine Handelsgesellschaften wie z.B. OHG, deren Umsatz und Gewinn unterhalb der Schwellenwerte des § 241a HGB liegt.
Einzelkaufleute sowie Gesellschaften, die als Kaufmänner im Sinne des HGB gelten.

References: § 238
 § 1
 § 2
 § 1
 § 241
 § 238
 § 241
 § 238
 § 238
 § 241
 § 241
 § 241