Source: https://www.ebnerstolz.de/de/zusammentreffen-von-kuendigung-mit-aufloesungsbeschluss-bei-publikums-gbr-165389.html
Timestamp: 2019-04-21 04:56:28+00:00

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Kein Ausscheiden aus Publikumsgesellschaft bei Zusammentreffen der Kündigung mit Auflösungsbeschluss während Kündigungsfrist - Ebner Stolz
Die Klä­ge­rin­nen betei­lig­ten sich im Oktober 1992 jeweils an der Beklag­ten, einer Pub­li­kums­ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts. Nach § 8 Nr. 3 des Gesell­schafts­ver­trags (GV) der Beklag­ten kön­nen die Gesell­schaf­ter jeder­zeit mit 2/3 aller abge­ge­be­nen Stim­men die Liqui­da­tion der Gesell­schaft besch­lie­ßen. Zudem ent­hält § 9 Nr. 4 GV die Rege­lung, dass jeder Gesell­schaf­ter seine Betei­li­gung an der Gesell­schaft mit einer Frist von 6 Mona­ten zum Ende eines Kalen­der­jah­res, erst­mals zum 31.12.2013 ordent­lich kün­di­gen kann. § 9 Nr. 6 regelt dass durch die Kün­di­gung, die Gesell­schaft nicht auf­ge­löst, son­dern zwi­schen den übri­gen Gesell­schaf­tern fort­ge­setzt wird, wenn diese nicht bin­nen drei Mona­ten mir einer Mehr­heit von 2/3 aller abge­ge­be­nen Stim­men etwas ande­res besch­lie­ßen. Der aus­schei­dende Gesell­schaf­ter erhält ein Abfin­dungs­gut­ha­ben.
Die Klä­ge­rin­nen erklär­ten mit Sch­rei­ben vom 19.2.2013 und vom 20.5.2013 die Kün­di­gung ihrer Gesell­schafts­be­tei­li­gun­gen zum 31.12.2013. Am 6.9.2013 besch­los­sen die Gesell­schaf­ter in einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung mit einer Mehr­heit von 89% der Anwe­sen­den gem. § 8 Nr. 3 des GV die Liqui­da­tion der Gesell­schaft. Sie besch­los­sen eine Aus­schüt­tung von 500.000 €. Zuvor hatte die Fonds­ge­schäfts­füh­rung mit­ge­teilt, es sei eine freie Liqui­da­tion von rd. 646.000 € vor­han­den. Mit­g­lie­der, die gekün­digt hät­ten, müss­ten geson­dert ange­fun­den wer­den, da sie Mit­g­lie­der der Liqui­da­ti­ons­ge­sell­schaft blie­ben.
Die Klä­ge­rin­nen erho­ben Klage auf die Zah­lung ihrer Abfin­dun­gen. Das LG gab der Klage statt. Auf die Beru­fung der Beklag­ten wies das OLG die Klage ab. Die dage­gen ein­ge­legte Revi­sion hatte vor dem BGH kei­nen Erfolg.
Die Klä­ge­rin­nen kön­nen keine Abfin­dun­gen bean­spru­chen, da ihre Kün­di­gun­gen zum 31.12.2013 nicht mehr wirk­sam wer­den konn­ten, da die Gesell­schaft bereits am 6.9.2013 durch Gesell­schafts­be­schluss gem. § 8 Nr. 3 GV auf­ge­löst wor­den ist.
Die Liqui­da­tion der Beklag­ten ist gem. § 8 Nr. 3 GV wirk­sam besch­los­sen wor­den. Nach § 8 Nr. 3 GV kön­nen die Gesell­schaf­ter jeder­zeit mit 2/3 aller abge­ge­be­nen Stim­men die Liqui­da­tion der Gesell­schaft besch­lie­ßen. Die erfor­der­li­che Mehr­heit ist bei der Abstim­mung am 6.9.2013 erreicht wor­den. Der for­ma­len Wirk­sam­keit des Liqui­da­ti­ons­be­schlus­ses steht auch nicht die Rege­lung des § 9 Nr. 6 GV ent­ge­gen, nach der die Gesell­schaf­ter inn­er­halb von 3 Mona­ten nach einer Kün­di­gung die Auflö­sung besch­lie­ßen müs­sen. Der Ablauf der Drei­mo­nats­frist hin­dert die Fas­sung eines Liqui­da­ti­ons­be­schlus­ses nach § 8 Nr. 3 GV nicht. § 9 Nr. 6 GV stellt keine spe­zi­el­lere Reg­lung dar, die vor­ran­gig anzu­wen­den ist. Die Rege­lung sch­ließt die Anwen­dung nicht aus und engt sie auch nicht ein. Bei­den Bestim­mun­gen unter­schei­den sich durch den Kreis derer, die an der Abstim­mung teil­neh­men kön­nen.
Der am 6.9.2013 wirk­sam gefasste Auflö­sungs­be­schluss hat bewirkt, dass die Kün­di­gun­gen der Klä­ge­rin­nen nicht mehr zu deren Aus­schei­den aus der nun­mehr in Liqui­da­tion befind­li­chen Gesell­schaft geführt haben. Die Aus­schei­dens­wir­kung der Kün­di­gung ver­liert i.d.R. ihren Gel­tungs­grund durch die mit einem Auflö­sungs­be­schluss ein­t­re­tende Ände­rung des Gesell­schafts­zwecks, wel­cher ans­telle auf eine Fort­füh­rung der Unter­neh­mung nun auf die Liqui­da­tion der Gesell­schaft und die anteils­ge­mäße Betei­li­gung der Gesell­schaf­ter am Liqui­da­ti­on­s­er­lös gerich­tet ist.
Ein Aus­tritt im Abwick­lungs­sta­dium der Gesell­schaft ist weder gesetz­lich vor­ge­se­hen noch ist er geeig­net, für den aus­schei­den­den Gesell­schaf­ter andere Rechts­fol­gen aus­zu­lö­sen, als die bei einer Auflö­sung einer Gesell­schaft ohne­hin ein­t­re­ten. Dies gilt auch grund­sätz­lich für den hier vor­lie­gen­den Fall des Zusam­men­tref­fens einer Aus­schei­dens­kün­di­gung mit einem wäh­rend der Kün­di­gungs­frist gefass­ten und wirk­sam gewor­de­nen Auflö­sungs­be­schluss. Der Liqui­da­ti­ons­zweck und die in § 738 Abs. 1 S. 2 BGB gere­gelte Anbin­dung des Abfin­dungs­an­spruchs sch­lie­ßen jeden­falls bei einer Pub­li­kums­ge­sell­schaft das Aus­schei­den eine kün­di­gen­den Gesell­schaf­ters und seine geson­derte Abfin­dung grund­sätz­lich aus, sofern dem Gesell­schaf­ter­ver­trag nichts ande­res ent­nom­men wer­den kann.

References: § 8
 § 9
 § 9
 § 8
 BGH 
 § 8
 § 8
 § 8
 § 9
 § 8
 § 9
 § 738