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Timestamp: 2017-11-21 08:00:33+00:00

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BGH, 07.09.1995 - 1 StR 236/95 - dejure.org
Sexueller Missbrauch von Kindern, von Schutzbefohlenen (Täterschaft; eigenhändige Delikte; Merkmal des "Bestimmens")
Sexualdelikte - Eigenhändige Delikte - Tätermerkmal - Bestimmen des Opfers
LG Ansbach, 01.03.1995 - KLs 2 Js 6569/93
BGHSt 41, 242
NJW 1995, 3065
MDR 1996, 83
NStZ 1996, 130
StV 1996, 91
JR 1996, 210
Bei § 176 Abs. 1 StGB handelt es sich aber um ein eigenhändiges Delikt (vgl. BGH, Urteil vom 7. September 1995 - 1 StR 236/95, BGHSt 41, 242, 243 ff.), was jede mittäterschaftliche Zurechnung gemäß § 25 Abs. 2 StGB ausschließt (…vgl. Hörnle, aaO, § 176 Rn. 24, 26).
Da § 176 Abs. 2 StGB die Verursachung sexueller Handlungen von oder an einem Dritten durch Einwirken auf das kindliche Opfer strafrechtlich erfasst (vgl. BGH, Urteil vom 7. September 1995 - 1 StR 236/95, aaO, 246), liegt die für eine gemeinschaftliche Tatbegehung nach § 176a Abs. 2 Nr. 2 StGB erforderliche gleiche Zielrichtung des täterschaftlichen Handelns hier darin, dass der Täter nach § 176 Abs. 2 StGB durch seinen Bestimmungsakt gerade diejenige sexuelle Handlung ermöglicht, die der andere im Sinne des § 176 Abs. 1 StGB vornimmt oder an sich vornehmen lässt.
Als Täter nach § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB kann daher nur bestraft werden, wer entweder selbst ("eigenhändig") entsprechend § 176 Abs. 1 StGB Körperkontakt zu dem Kind aufnimmt (BGH…, Beschluss vom 26. August 1998 - 2 StR 357/98, NStZ-RR 1999, 321, 322, bei Pfister; Urteil vom 7. September 1995 - 1 StR 236/95, BGHSt 41, 242, 243) und dabei mit ihm den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an ihm vornimmt oder an sich von ihm vornehmen lässt, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (…Hörnle in: LK-StGB, 12. Aufl., § 176a Rn. 45; vgl. BGH, Beschluss vom 8. November 2011 - 4 StR 468/11, NStZ-RR 2012, 45;… Urteil vom 22. April 1999 - 4 StR 3/99, BGHR StGB § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Mittäter 1, jeweils zu § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB) oder wer entsprechend § 176 Abs. 2 StGB das Kind dazu bestimmt, eine der genannten Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von diesem an sich vornehmen zu lassen (vgl. BGH, Urteil vom 30. September 2004 - 4 StR 134/04, NStZ 2005, 152, 153;… Hörnle in: LK-StGB, 12. Aufl., § 176a Rn. 46).
Zwar hat der Bundesgerichtshof zu den §§ 174, 176 StGB ausgeführt, daß dort der Begriff des "Bestimmens" nicht ohne weiteres demselben Begriff in § 26 StGB gleichgestellt werden könne; er hat dabei aber entscheidend darauf abgestellt, daß diese Vorschriften auch Klein- und Kleinstkinder betreffen, bei denen eine der Anstiftung im Sinne des § 26 StGB gleichzusetzende Beeinflussung des Willens offensichtlich nicht in Betracht kommt (BGHSt 41, 242, 245).
Der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen ist ein eigenhändiges Delikt, das nur derjenige als Täter verwirklichen kann, der mit dem Tatopfer körperlich in Berührung kommt (BGHSt 41, 242).
Jedoch kann der Schuldspruch wegen tateinheitlich dazu begangener Beihilfe zum sexuellen Mißbrauch eines Kindes (vgl. hierzu BGHSt 41, 242, 246) nicht bestehen bleiben.
Die Änderungen des Schuldspruchs ergeben sich daraus, daß § 176 Abs. 1 und § 174 Abs. 1 StGB eigenhändige Delikte sind (vgl. Senatsurteil vom 7. September 1995 - 1 StR 236/95 - zum Abdruck in BGHSt vorgesehen).
BGH, 13.01.1998 - 4 StR 589/97
BGH, 07.03.2001 - 1 StR 37/01

References: § 176
 § 25
 § 176
 § 176
 § 176
 § 176
 § 176
 § 176
 § 176
 § 176
 § 177
 § 177
 § 176
 § 176
 § 26
 § 26
 § 176
 § 174