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Timestamp: 2019-11-14 04:06:33+00:00

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Im unternehmerischen und im privaten Bereich
Bachelorarbeit 2018 39 Seiten
2. Einführung in die Materie
2.1 Technischer Hintergrund, Anwendungsbereiche und Handel
2.2. Erwerbsformen
2.2.1 Entgeltlicher Erwerb
2.2.2 Unentgeltlicher Erwerb
2.3 Unternehmerischer Bereich
2.4 Privater Bereich
3. Klassifizierung von Kryptowährungen
4. Besteuerung im privaten Bereich
4.1 Einkommenssteuer
4.2. Erbschafts- und Schenkungssteuer
4.3. Dokumentation der Handelsaktivitäten
5. Besteuerung im unternehmerischen Bereich
5.2 Körperschaftssteuer
5.3. Gewerbesteuer
5.4. Erbschafts- und Schenkungssteuer
5.5. Dokumentation der Handelsaktivitäten
6. Umsatzsteuerliche Behandlung
„Bitcoin-Anlegern droht Ärger mit der Steuer“ (Martin Hock)1
Vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008 und der daraus resultierenden Kritik an den bestehenden und traditionellen Finanzmärkten, wurde im Jahr 2009 unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ das erste digitale Zahlungssystem unter dem Namen „Bitcoin“ veröffentlicht.2 Während dieses digitale Zahlungsmittel zunächst nur von einer kleinen Anzahl an Personen als Abspaltung von der traditionellen Finanzwelt und deren Systeme betrachtet wurde, kam der Bitcoin als Zahlungsmittel für meist illegale Geschäfte zum Einsatz.3 Dies ergab sich daraus, dass Zahlungen über die Blockchain-Technologie, auf welcher der Bitcoin aufbaut, nicht nachvollziehbar und daher anonym sind.4 So kommt es auch, dass der Handel mit Kryptowährungen oder die Kryptowährungen an sich in einigen Ländern, wie z.B. Kirgistan oder Bangladesch komplett verboten sind.5 Auch in der Volksrepublik China erschweren Regulierungen den Zugang und den Besitz oder die Schaffung der Kryptowährungen durch sogenanntes „Mining“, bei welchem durch Rechenleistungen von Computern neue Bitcoins geschaffen werden.6
Jedoch wuchs der Bitcoin in den letzten Jahren, durch auch positive Meldungen zur Blockchain-Technologie und deren Anwendungsmöglichkeiten, zu einem der gefragtesten Anlage- und Spekulationsobjekte heran.7 Seit einigen Jahren mehrt sich die Zahl der Kryptowährungen, welche vielen Investoren als Zahlungsmittel oder Anlage- oder Spekulationsobjekte dienen, sodass Stand Juli 2018 über 1600 unterschiedliche Kryptowährungen existierten.8
Kryptowährungen verfolgen neben dem Effekt von Spekulations- und Anlagegewinnen meist das Ziel, den digitalen Zahlungsverkehr zwischen Menschen oder Maschinen zu ermöglichen und zu vereinfachen. Hierbei kommen auch unterschiedliche Technologien oder Programme zum Einsatz. Aus den Investitionen in Kryptowährungen, dem Tausch von Kryptowährungen untereinander, dem Handel mit diesen, dem Mining oder aber auch bei Bezahlvorgängen können Gewinne oder Verluste entstehen. Während in anderen Ländern die Besteuerung dieser Gewinne oder Verluste bereits einheitlich und gesetzlich geregelt worden ist, gibt es in den Deutschen Steuergesetzen bisher keine ausdrückliche Regelung um diese Gewinne oder Verluste aus oben genannten Tätigkeiten jährlich zu erfassen.
Mitte Dezember 2017 erreichte der Kurs des Bitcoins die 20.000 US-Dollar Marke. Auch wenn sich der Kurs zur Mitte des Jahres 2018 mehr als halbiert hat, entstanden für einige frühe Investoren doch häufig üppige Gewinne.9 Wer Ende des Jahres 2017 in die Kryptowährung Bitcoin investiert hat, steht zum Kurs am 25. September 2018 i.H.v. von knapp 6.500 US-Dollar gewaltigen Verlusten gegenüber. Doch alleine die Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen könnten der Bundes­republik Deutschland für das Jahr 2017 Steuereinnahmen in Höhe von ca. 726 Millionen Euro einbringen.10 Stand Juni 2018 ergeben sich sowohl für die Investoren und Händler, als aber auch für die Finanzverwaltung Fragen der steuerlichen Handhabung der Gewinne und Verluste aus dem Handel mit Kryptowährungen. Die hohe Anzahl an Kryptowährungen und der Vielzahl an Technologien, als aber auch der unterschiedlichen Gewinn- oder Verlustmöglichkeiten stellen die unternehmerischen und privaten Händler oder Besitzer von Kryptowährungen und auch die Finanzbehörden vor die Herausforderung eine steuerliche Erfassung und steuerliche Einordnung zu ermöglichen. Hierbei stellt sich die Frage, wie Kryptowährungen zu qualifizieren und dementsprechend Gewinne oder Verluste steuerlich einzuordnen sind.
Aktuell dienen lediglich Rechtsprechungen der Finanzgerichte und Leitfäden oder BMF-Schreiben als Grundlage zur Besteuerung. Vor dem Hintergrund der hohen Anzahl an Kryptowährungen und derer Technologien, soll im Rahmen dieser Arbeit der Fokus auf den Kryptowährungen Bitcoin und IOTA liegen, da diese beiden Kryptowährungen in Technologie, Anwendung und Handelsvolumen erhebliche Unterschiede aufweisen.
Zur steuerlichen Einordnung der Gewinne und Verluste aus dem Handel mit den Kryptowährungen Bitcoin und IOTA, ist es zunächst erforderlich, die unterschiedlichen Technologien, Erwerbs- und Handelsmöglichkeiten darzustellen und zu erklären, wie sich hierbei Gewinne oder Verluste ergeben können. Bei der steuerlichen Behandlung der Gewinne oder Verluste ist zu differenzieren, ob es sich bei der Entstehung dieser Gewinne oder Verluste um den unternehmerischen oder privaten Bereich handelt und in welcher Form und in welchem Ausmaß die Erträge in den Steuererklärungen zu erfassen sind.
Aus technischer Sicht sind die beiden Kryptowährungen Bitcoin und IOTA sehr unterschiedlich. Allgemein sind Kryptowährungen in sogenannte Coins und Token zu unterteilen. Während es sich beim Bitcoin um einen Coin handelt, welcher auf der Blockchain-Technologie aufbaut,11 ist IOTA ein Token, welcher auf dem sog. „Tangle“ basiert.12
Die Blockchain-Technologie kann als dezentralisierte, kryptographische Datenbank beschrieben werden, in welcher Datensätze, sog. „Blocks“, verschlüsselt werden und untrennbar aneinander gekettet („chain“) werden. Die Dezentralisierung ergibt sich daraus, dass Regulierungsbehörden wie Staaten oder auch Zentralbanken selbst überwachend keinen Einfluss auf den Handel, die Herstellung oder die Ausgabe von Bitcoins haben.13 Jeder abgeschlossene Block erhält eine Prüfsumme, welche im neuen Datensatz fortgeschrieben wird. Durch die Prüfsumme und der Tatsache, dass die Blöcke zwar zusammengehören, aber auf vielen Servern verteilt gespeichert werden, wird Manipulationssicherheit gewährleistet. Die Blockchain ermöglicht außerdem einen transparenten Zugang für alle Beteiligten.14 Der Name des Währungssystems Bitcoin, welches auf diesem System basiert, setzt sich aus den englischen Begriffen Bit, als kleinste Dateneinheit, und dem Wort Coin, übersetzt Münze, zusammen.15
Die Gesamtsumme aller Bitcoins ist auf 21 Millionen Bitcoins festgeschrieben, wobei hier eine Skalierung 1:1.000.000 möglich ist.16 Die kleineren Einheiten werden, in Anlehnung an den Erfinder, „Satoshis“ genannt. Bitcoins können nicht nur gekauft oder als Zahlungsmittel verwendet, sondern auch berechnet werden. Dieser komplizierte Prozess, welcher meist aufwändiges und hochwertiges Equipment voraussetzt, wird als „Mining“ bezeichnet. Die Teilnehmer des Netzwerks, welche Mining betreiben werden „Miner“ genannt. Bei der Generierung oder Berechnung mathematischer Aufgaben eines neuen Blocks entstehen neue Bitcoins.17 Ebenso wird die Fertigstellung eines Blocks durch einen Anwender mit einer gewissen Anzahl von Bitcoins belohnt. Aktuell erhält ein Miner 12,5 Bitcoins pro fertiggestellten Block. Das Netzwerk wächst zum aktuellen Zeitpunkt alle 10 Minuten um einen weiteren Block und somit wird der Bestand aller bisherigen Bitcoins alle 10 Minuten um 12,5 Bitcoins erhöht.18 Hieraus ergibt sich, dass private oder unternehmerische Nutzer von Bitcoins entweder über einen regulären Zahlungsverkehr, also der Akzeptanz von Bitcoins als Zahlungsmittel, den Erwerb auf einer Börse oder über den Mining-Prozess in den Besitz von Bitcoins gelangen können. Steuerlich relevante Gewinne oder Verluste entstehen hierbei aus dem aktuellen Wert bzw. den Wertschwankungen des Bitcoins.
Bei IOTA handelt es sich um den Token einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in Berlin, welche es sich zum Ziel gesetzt hat, den Zahlungsprozess zwischen Maschinen („M2M-Payment“) zu revolutionieren.19
Während die meisten Kryptowährungen wie Bitcoin auf der Blockchain basieren, basiert IOTA auf dem Tangle, was aus dem Englischen übersetzt „Knäuel“ bedeutet. Beim Tangle handelt es sich um einen azyklischen Graphen, in welchem die einzelnen Transaktionen die Knoten dieses Knäuel darstellen.20
Während Bitcoin primär für den Zahlungsverkehr zwischen Menschen gedacht und geeignet ist, soll IOTA durch die unendliche Skalierbarkeit und die schnellere Transaktionsgeschwindigkeit geeignet sein Mikrotransaktionen zwischen Maschinen zu ermöglichen.21 Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur vereinzelt reale Anwendungen für IOTA. Gegensätzlich zum Bitcoin wurden bei IOTA alle verfügbaren Einheiten von Beginn an geschaffen, wodurch ein Mining oder eine ähnliche Selbstschaffung nicht möglich ist.22 Somit können sich Gewinne oder Verluste mit steuerlicher Relevanz zum aktuellen Zeitpunkt primär aus dem Handel auf den Kryptobörsen ergeben. Mit steigenden Anwendungsmöglichkeiten dieser Kryptowährung werden zukünftig auch die Besitzer der Maschinen, welche die Transaktionen durchführen, vor die Herausforderung gestellt, aus Kursschwankungen entstehende Gewinne oder Verluste steuerlich korrekt zu erfassen. Diese wären dann vergleichbar mit entstehenden Gewinnen oder Verlusten aus dem regulären Zahlungsverkehr mit anderen Kryptowährungen wie z.B. Bitcoin.
Der Begriff des Handels von Kryptowährungen umfasst im engeren Sinne den klassischen An- und Verkauf von Kryptowährungen. Da nur wenige Kryptowährungen, wie z.B. Ethereum oder Bitcoin, direkt mit konventionellen Währungen erworben werden können, umfasst der Handel im weiteren Sinne („Handel i.w.S.“) neben dem klassischen Kauf und Verkauf der Coins oder Token auch Bezahlvorgänge für Waren, Leistungen oder Dienstleistungen, bei welchen die Coins oder Token als Zahlungsmittel eingesetzt werden und den Tausch von Kryptowährungen untereinander. Somit ist beim Erwerb von IOTA zuerst der Umweg über eine andere Kryptowährung zu gehen. Kauft man bspw. zunächst Bitcoins mit der Absicht, diese auf einer Kryptobörse in IOTA einzutauschen, so stellt sowohl der Ankauf der Bitcoins, als auch der Tausch in IOTA einen Handel i.w.S. dar, aus welchem sich steuerlich relevante Gewinne oder Verluste ergeben können.
Investoren, die ihre Bitcoins oder IOTA langfristig halten möchten, können diese auf manchen Börsen an andere Investoren oder Händler verleihen. Für die Hingabe dieser Bitcoins und IOTA erhalten die Investoren über den Zeitraum der Hingabe Zinsen in Form von Geld oder eben weiteren Bitcoins oder IOTA. Dieses sog. „Margin Lending“ wirkt sich auch auf die Besteuerung bei Privatpersonen oder Unternehmen aus.23
Die Kryptowährungen Bitcoin und IOTA können auf entgeltlichem und unentgeltlichem Wege erworben oder hergestellt werden, bzw. zugehen.
Der entgeltliche Erwerb von Kryptowährungen kann auf verschiedene Arten erfolgen. Regulär können Bitcoin und IOTA über eine Vielzahl an Kryptobörsen erworben werden. Bitfinex und Binance sind die zwei Börsen mit dem größten Handelsvolumen der beiden Kryptowährungen.24 Hierbei findet ein Austausch von staatlichen Währungen gegen die gewünschte Kryptowährung statt. Im Ansatz gleicht diese Erwerbsmöglichkeit dem traditionellen Handel mit Wertpapieren. Als Bemessungsgrundlage dient hier der Anschaffungswert abzüglich anfallender Kosten für die Transaktion.25
Auch der bereits erwähnte Tausch von Kryptowährungen zur Anschaffung dieser stellt einen entgeltlichen Erwerb im Sinne eines Tauschs nach § 6 Abs. 6 EStG dar. Hierbei können bereits Erträge dadurch entstehen, dass sich die Anschaffungskosten aus dem gemeinen Wert des hingegebenen Wirtschaftsguts ergeben.26
Eine weitere Form des entgeltlichen Erwerbs stellt der reguläre Zahlungsverkehr dar. Bitcoins oder IOTA können als Zahlungsmittel für den Erwerb von Waren oder Leistungen verwendet werden und dem Erbringer der Leistung, im Falle von IOTA der die Leistung erbringende Maschine oder dem Händler somit entgeltlich zufließen. Die Anschaffungskosten für die erhaltenen Kryptowährungen bemessen sich hier am Wert der erhaltenen Leistung oder Ware.
Bei allen Formen des entgeltlichen Erwerbs ergibt sich die steuerliche Bemessungsgrundlage aus der Differenz zwischen dem ursprünglichen Anschaffungswert der eingetauschten Währung und dem Wert oder Kurs zum Zeitpunkt des Tauschs i.S.d. § 6 Abs. 6 EStG.
Als unentgeltlicher Erwerb von Kryptowährungen zählen neben Spenden, die Schenkung und auch die Erbschaft.27 Bei der Schenkung oder Erbschaft von Bitcoin oder IOTA stellt der Kurs im Zeitpunkt des Zugangs beim Empfänger, die Bewertungsgrundlage für die Besteuerung dar. Hierbei entsteht unter Umständen auch direkt ein Vermögenszuwachs, welcher im Rahmen der schenkungs- und erbschaftssteuerlichen Regelungen zu versteuern ist. In Fällen einer Erbschaft oder Schenkung ergibt sich die Bemessungsgrundlage zur Besteuerung des Veräußerungserlöses unter Berücksichtigung der ursprünglichen Anschaffungskosten durch den Schenker, bzw. Erblasser.28
Bei der Schaffung oder dem Zugang von Bitcoins durch Mining handelt es sich um eine Form des unentgeltlichen Erwerbs. Zur Ermittlung der Besteuerungsgrundlage bei Veräußerung selbstgeschaffener Bitcoins dürfen die Herstellungskosten abgezogen werden. Diese ergeben sich aus Stromkosten und den Kosten für das erforderliche Equipment, sowie anfallender Verkaufsprovisionen.
Der unternehmerische Bereich soll definiert werden als eine Zusammensetzung der Begriffsbestimmungen des Gewerbebetriebs nach EStG, GewStG und KStG, als auch dem Begriff des Unternehmers i.S.d. UStG. Der Gewerbebetrieb umfasst demnach zunächst alle Einzelunternehmen, Personengesellschaften, als auch sämtliche Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmaßen im Sinne des § 1 Abs. 1 KStG, welche gewerblich tätig sind. Hierunter fallen neben Kapitalgesellschaften u.a. auch Genossenschaften, Stiftungen oder nichtrechtsfähige Vereine (folgend: „Körperschaften“). Gewerbliche Tätigkeit bedeutet selbstständig und nachhaltig mit Gewinnerzielungsabsicht am wirtschaftlichen Verkehr teilzunehmen.29 Darüber hinaus werden, durch Auslegung des Unternehmerbegriffs nach § 2 Abs. 1 UStG, auch selbstständig tätige Personen, wie z.B. Zahnärzte, Rechtsanwälte oder Steuerberater, aber auch Land- und Forstbetriebe dem unternehmerischen Bereich zugeordnet.30 Ebenfalls vom unternehmerischen Bereich umfasst sind Unternehmen, wie z.B. Lieferando, die ihren Kunden oder Geschäftspartnern die Bezahlung der bezogenen Waren oder Leistungen in Form von Kryptowährungen wie Bitcoin oder IOTA ermöglichen. Während der Großteil dieses Kreises Gewinne oder Verluste aus dem Handel i.w.S. mit Kryptowährungen zusätzlich zur eigentlichen unternehmerischen Tätigkeit erzielt, ist der Kreis um jene Unternehmen zu erweitern, welche Bitcoins minen oder explizit auf den Handel i.e.S. mit Kryptowährungen ausgelegt sind.
Miningaktivitäten durch Unternehmen sind auch nach Meinung des Bundestags der unternehmerischen Sphäre zuzuordnen.31 Neben dem Mining durch Unternehmen fallen auch Miner in den unternehmerischen Bereich, welche die Tätigkeit vermeintlich privat ausüben, jedoch gewisse Freigrenzen überschreiten oder dem Mining nicht nur gelegentlich nachgehen. Um gewerblich zu Minen, genügt bereits die Absicht, die private Rechnerleistung erneut zur Verfügung zu stellen oder gar die Anschaffung von Hardware zum Zwecke des Minings.32
Privatpersonen, die gewisse Grenzen überschreitend mit Bitcoins oder IOTA handeln, werden vom unternehmerischen Bereich ebenfalls umfasst, da diese Gewinne oder Verluste aus dem Handel i.e.S. erzielen. Bei den Tätigkeiten von Kryptobörsen ist zu differenzieren, ob die Börsen lediglich als Vermittler auftreten, oder ob sie aus eigenen Beständen Bitcoins oder IOTA kaufen und verkaufen und somit den bereits beschriebenen Händlern zuzuordnen sind. Die Tätigkeit der Börsen ist unabhängig von der Handelsform dem unternehmerischen Bereich zuzuordnen, auch wenn sich hier in Bezug auf einige Steuerarten Besonderheiten ergeben. Diese ergeben sich im Rahmen der steuerlichen Erfassung daraus, dass hier nicht zwingend Gewinne oder Verluste aus dem direkten Handel, sondern aus den Vermittlungsprovisionen entstehen können und die Bemessungsgrundlage in Bezug auf die Umsatzsteuer demnach eine andere ist.33
In Bezug auf die Kryptowährung IOTA sind Zugänge von IOTA auf eben jenen Maschinen, welche durch M2M-Payment Leistungen austauschen ebenfalls dem unternehmerischen Bereich zuzuordnen, solange die Zugänge von außerhalb des bisherigen Bestands des Unternehmens erfolgen, welches Eigentümer und Besitzer dieser Maschinen ist. Da IOTA speziell auf die Industrie und das Internet-of-Things („IoT“) ausgelegt ist, wird sich zukünftig für die wirtschaftlichen Eigentümer von Maschinen oder Geräten, welche M2M-Payment fähig sind, eine neue Herausforderung in Bezug auf die Besteuerung ergeben.
Im unternehmerischen Bereich fallen je nach Rechtsform der Unternehmen unterschiedliche Steuerarten an. Die ertragssteuerliche Erfassung ist somit rechtsformabhängig und kann u.a. sowohl die Einkommenssteuer, die Körperschaftssteuer oder die Gewerbesteuer umfassen.
Der private Bereich umfasst sämtliche Handels- und Erwerbstätigkeiten, bei welchen die Bitcoins oder IOTA nicht einem Betriebsvermögen zugeordnet sind. Hierunter fallen gelegentliches Mining, welches also nicht nachhaltig oder dauerhaft betrieben wird und der private gelegentliche Einkauf durch Anleger oder Nutzer von Kryptowährungen. Kleinere Tradingaktivitäten, welche lediglich zu kleineren Gewinnen und seltenen Ein- und Verkauf von Kryptowährungen umfassen, werden ebenfalls dem privaten Bereich zugeordnet.34 Zukünftig wird sich gerade im Hinblick auf IOTA die Frage stellen, wie bei einer prognostiziert steigenden Anzahl von M2M-Payment fähigen IoT-Geräten die Zu- und Abgänge von Kryptowährungen unter Berücksichtigung von Kursschwankungen für die Besitzer dieser Geräte zu Gewinnen oder Verlusten führen. Bei gelegentlichem Mining handelt es sich um Einkünfte aus sonstigen Leistungen im Sinne des § 22 Nr. 3 EStG. Die An- und Verkäufe, als auch der Tausch von Bitcoin und IOTA, werden unter gewissen Voraussetzungen den privaten Veräußerungsgeschäften nach § 23 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 EStG zugeordnet.35
Die Beurteilung der steuerlichen Konsequenzen, welche sich aus den Gewinnen oder Verlusten aus dem Handel mit Bitcoin oder IOTA ergeben, erfordert eine Klassifizierung der Kryptowährungen. Hierfür ist zu unterscheiden zwischen einer Währung im klassischen Sinne, einem Finanzinstrument oder Spekulationsobjekt und einem Wirtschaftsgut.
Immer mehr Anbieter akzeptieren Kryptowährungen als Zahlungsmittel36, sodass eine Qualifizierung als Währung in Frage kommen könnte. Da es sich bei Kryptowährungen jedoch nicht um physisches Geld handelt, ist lediglich eine Qualifikation als „E-Geld“ möglich. E-Geld ist ein monetärer Wert, der elektronisch gespeichert wird und eine Forderung gegen einen Emittenten darstellt und zur Durchführung von Zahlungsvorgängen dient.37 Da jedoch in Fällen von Mining von Bitcoin kein Emittent existiert und Bitcoins oder andere Kryptowährungen momentan nicht überall für Bezahlvorgänge eingesetzt werden können, entfällt die Qualifizierung als E-Geld.38 Der EuGH hat 2015 in der Sache Hedqvist für die Umsätze mit Bitcoins entschieden, dass diese unter die Steuerbefreiung für Devisen fallen, jedoch stellt dies nicht die Kryptowährungen an sich mit FIAT-Währungen gleich.39 FIAT-Währungen umfassen alle gesetzlichen und staatlich akzeptierten Währungen, wie z.B. EUR oder USD.
Auch hat sich der Deutsche Bundestag mit der Qualifizierung von Kryptowährungen befasst.40 Zur Beantwortung der eher komplexen Fragestellung wurden die Aussagen der BaFin, als auch der Deutschen Bundesbank herangezogen. Nach rechtlich verbindlicher Ansicht der BaFin sind Bitcoins mit Devisen vergleichbare Rechnungseinheiten und somit als Finanzinstrumente zu qualifizieren.41 Die Deutsche Bundesbank misst Bitcoins eine momentan eher unbedeutende Rolle zu und qualifiziert Bitcoins und andere virtuelle Währungen daher als Spekulationsobjekte.42
In anderen Ländern wurde bereits eine einheitliche Regelung zur Qualifizierung getroffen. So z.B. sind Bitcoins in Norwegen als Wirtschaftsgut qualifiziert worden.43 Ertragssteuerlich betrachtet die Deutsche Finanzverwaltung Bitcoins und andere Kryptowährungen ebenfalls als immaterielle Wirtschaftsgüter.44 Nach § 90 BGB können Bitcoins und IOTA mangels Körperlichkeit als Gegenstände qualifiziert werden. Dementsprechend sind Bitcoins und IOTA als immaterielle Vermögensgegenstände i.S.d. § 246 Abs. 1 HGB zu klassifizieren.45 Abhängig von der Nutzung sind Bitcoins und IOTA im gewerblichen Bereich dem Betriebsvermögen als Anlage- oder Umlaufvermögen zuzuordnen.
1 Hock, Bitcoin-Anlegern droht Ärger mit der Steuer v. 23.01.2018, http://www.faz.net/aktu ell/finanzen/finanzmarkt/bitcoin-anlegern-droht-aerger-mit-der-steuer-15413269.html, Abruf am 24.09.2018.
2 Kerscher, Handbuch der digitalen Währungen. Bitcoin, Litecoin und 150 weitere Kryptowäh- rungen im Überblick, S. 14.
3 Everling/ Lempka, Finanzdienstleister der nächsten Generation. Megatrend Digitalisierung: Strategien und Geschäftsmodelle, S. 104 f.
4 Gryndzieluk, VDI Nachrichten, Nr. 25, S. 15.
5 O.V., Bitcoin Legality By Country v. 04.06.2018, https://cryptoiscoming.com/bitcoin-legality- by-country-world-map/, Abruf am 24.09.2018.
6 Helms (2017), China May Try to Block All Bitcoin Transactions in the Country v. 19.09.2017, https://news.bitcoin.com/china-block-all-bitcoin-transactions, Abruf am 24.09.2018.
7 Gryndzieluk, VDI Nachrichten, Nr. 25, S. 15.
8 https://coinmarketcap.com/de/all/views/all/, Abruf am 24.09.2018.
9 Dörner, Bitcoin durchbricht 20.000-Dollar-Marke v. 12.12.2017, https://www.handels blatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/krypto-und-kein-ende-bitcoin-durchbricht-20- 000-dollar-marke/20734964.html?ticket=ST-9751640-qBjOQZtH0DYeI0WoZ3FD-ap5, Ab- ruf am 24.09.2018.
10 Blessing, Bitcoin und Kryptowährungen: 726 Millionen Euro mögliche Steuereinnahmen für Deutschland vom 17.02.2018, http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/bitcoin-anle gern-droht-aerger-mit-der-steuer-15413269.html, Abruf am 24.09.2018.
11 Gryndzieluk, VDI Nachrichten, Nr. 25, S. 15.
12 IOTA Foundation, How is IOTA different from Blockchain, https://www.iota.org/getting-started/faqs, Abruf am 24.09.2018.
13 Sander, Bitcoins für Anfänger, S. 6ff.
14 Gryndzieluk, VDI Nachrichten, Nr. 25, S. 15.
15 Giese/ Kops, Die Blockchain Bibel, S. 5.
16 Kerscher, Bitcoin, S. 80.
17 Sander, Bitcoins für Anfänger, S. 38.
18 Koenig, Bitcoin – Geld ohne Staat, S. 119f.
19 IOTA Foundation, The Foundation, https://www.iota.org/the-foundation/the-iota-foundation, Abruf am 24.09.2018.
20 Aitken, IOTA´s Bitfinex Listing Surges To $1.5B Record-Breaking ´Crypto´ Capitalization On Market Debut, https://www.forbes.com/sites/rogeraitken/2017/06/15/iotas-bitfinex-list ing-surges-to-1-5b-record-breaking-crypto-capitalization-on-market-debut/#67a2280d75a5, Abruf am 24.09.2018.
21 Aitken, IOTA´s Bitfinex Listing Surges To $1.5B Record-Breaking ´Crypto´ Capitalization On Market Debut, https://www.forbes.com/sites/rogeraitken/2017/06/15/iotas-bitfinex-list ing-surges-to-1-5b-record-breaking-crypto-capitalization-on-market-debut/#67a2280d75a5, Abruf am 24.09.2018.
22 Bocek/ Stiller, in: Linnhoff-P./Schneider/Zaddach (Hrsg.): Digital Marketplaces Unleashed, S. 178.
23 Preuss, Wie man auf Bitcoins Zinsen verdienen kann v. 09.12.2016, https://www.btc- echo.de/wie-man-auf-bitcoin-zinsen-verdienen-kann, Abruf am 24.09.2018.
24 Coinmarketcap.com, 24 Stunden Volumen Rangliste (Wechsel), https://coinmarketcap.com/ de/exchanges/volume/24-hour, Abruf am 24.09.2018.
25 Mago/ Gillen, Das Bitcoin-Handbuch, S. 77 f.
26 Kuhlmann/ Rudolph, Kryptowährung (Bitcoin, Ether, etc.) und Steuern v. 17.11.2017, http://blog.all-in-one-consulting.de/kryptowaehrung-bitcoin-handel-mining-steuern, Abruf am 23.09.2018.
27 Kube in: EStG, § 23 Rz. 11.
28 Kube, in: EStG, § 23, Rz. 13.
29 Reiß, in: EStG, § 15, Rz. 11.
30 Reiß, in: EStG, § 15, Rz. 15.
31 BT-Drs., 19/370, S. 21 f.
32 Hauke, Bitcoin-Miner müssen Steuern zahlen v. 18.04.2018, https://www.cio.de/a/bitcoin-mi ner-muessen-steuern-zahlen,3578717, Abruf am 24.09.2018.
33 BMF v. 27.02.2018, BStBl., 2018 I, S. 316.
34 O.V., So wird der Bitcoin besteuert v. 22.12.2017, https://boerse.ard.de/anlageformen/krypto waehrungen/so-wird-der-bitcoin-besteuert100.html, Abruf am 24.09.2018.
35 BT-Drs., 19/370, S. 21 f.
36 BTC-Echo, Bitcoin Akzeptanzstellen, https://www.btc-echo.de/bitcoin-akzeptanzstellen, Ab- ruf am 24.09.2018.
37 Metzger, E-Geld v. 31.01.2013, http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/1068/e-geld- v8.html, Abruf am 24.09.2018.
38 Boehm/ Pesch, MMR, S. 77.
39 EuGH-Urteil v. 22.10.2015, C-264/14, Hedqvist, BStBl 2018 II S. 211; Winheller, Bitcoin und Steuer, o.J., https://www.winheller.com/bankrecht-finanz recht/bitcointrading/bitcoinundsteuer.html, Abruf am 23.09.2018.
40 Deutscher Bundestag, Bitcoin und andere Kryptowährungen vom 06.12.2017, https://www.bundestag.de/blob/537834/a518a06e93425225ae078b991ee5d1be/wd-4-099- 17-pdf-data.pdf, S. 4, Abruf am 23.09.2018.
41 BaFin, Virtuelle Währungen v. 28.04.2018, https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/virtual_currency_artikel.html, Abruf am 29.8.2018.
42 Diehl/ Thiele, ifo Schnelldienst, Nr. 22/2017, S. 3ff.
43 Seith, Der Spiegel, 02/2014, S. 71.
44 Andres/ Huss, Steuertsunami Bitcoin, S. 55ff.
45 Fritzsche, in: BGB, § 90, Rz. 27.
9783346038340
v500546
behandlung handels kryptowährungen bereich

References: § 6
 § 6
 § 1
 § 2
 § 22
 § 23
 EuGH 
 § 90
 § 246
 § 23
 § 23
 § 15
 § 15
 § 90