Source: http://m.hensche.de/arbeitsrecht_aktuell_2010_Europarecht.html
Timestamp: 2018-09-20 13:31:58+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: Aktuelles Arbeitsrecht 2010: Europarecht, EuGH-Urteile, EU-Richtlinien
Ak­tu­el­les Ar­beits­recht 2010: Eu­ro­pa­recht, EuGH-Ur­tei­le, EU-Richt­li­ni­en
Auf die­ser Sei­te fin­den Sie ak­tu­el­le Kom­men­ta­re zum eu­ro­päi­schen Ar­beits­recht 2010 ins­be­son­de­re zur Recht­spre­chung des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH).
Bei­trä­ge zum The­ma "Eu­ro­pa­recht" aus an­de­ren Jah­ren fin­den Sie un­ter Ar­beits­recht 2018, Ar­beits­recht 2017, Ar­beits­recht 2016, Ar­beits­recht 2015, Ar­beits­recht 2014, Ar­beits­recht 2013, Ar­beits­recht 2012, Ar­beits­recht 2011, Ar­beits­recht 2009, Ar­beits­recht 2008, Ar­beits­recht 2007, Ar­beits­recht 2006, Ar­beits­recht 2005, Ar­beits­recht 2004, Ar­beits­recht 2003, Ar­beits­recht 2002 und un­ter Ar­beits­recht 2001.
10/235 Feuerwehrleute und Polizeibeamte können Ausgleich für rechtswidrige Mehrarbeit verlangen
01.12.2010. Die Ar­beits­zeit­richt­li­nie schreibt ei­ne re­gelmäßige Ar­beits­wo­che von ma­xi­mal 48 St­un­den in­klu­si­ve der Über­stun­den vor. Die­ser Schutz gilt auch für Feu­er­wehr­leu­te, Po­li­zis­ten und an­de­re viel ar­bei­ten­de Be­am­te. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­de die­ses Recht von Bund und Ländern sys­te­ma­tisch miss­ach­tet, und dau­er­haf­te Mehr­ar­beit an­ge­ord­net. Ei­ne ak­tu­el­les Ur­teil des EuGH schiebt die­sen sys­te­ma­ti­schen Rechts­ver­let­zun­gen ei­nen Rie­gel vor: EuGH, Ur­teil vom 25.11.2010, C-429/09.
10/218 Verlängerung von Mutterschutzfristen bzw. Mutterschaftsurlaub auf 20 Wochen?
08.11.2010. In Deutsch­land ha­ben Mütter An­spruch auf ins­ge­samt 14 Wo­chen Mut­ter­schafts­ur­laub mit vol­lem Lohn­aus­gleich. An­sch­ließend be­steht mit der El­tern­zeit ei­ne wei­te­re Möglich­keit, Zeit mit dem Kind zu ver­brin­gen. Hier wer­den je­doch nur noch 67 Pro­zent des Lohns ge­zahlt. Im EU-Raum sind die Re­ge­lun­gen zum Mut­ter­schafts­ur­laub und zur Höhe des wei­ter­ge­zahl­ten Loh­nes sehr un­ter­schied­lich. Nach dem Wil­len des Eu­ropäischen Par­la­ments soll der Zeit­raum für al­le Mit­glieds­staa­ten ver­bind­lich von der­zeit 14 auf 20 Wo­chen an­ge­ho­ben wer­den (Be­schluss vom 20.10.2010). Die­se For­de­rung ist we­gen ih­rer mögli­chen wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen äußerst um­strit­ten.
05.11.2010. Ta­rif­verträge, de­nen zu­fol­ge Ar­beits­verhält­nis­se oh­ne Kündi­gung mit Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters en­den, können von den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern als ei­ne "Zwangs­pen­sio­nie­rung" emp­fun­den wer­den, falls sie trotz ih­res Al­ters ger­ne wei­ter ar­bei­ten möch­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund sind ta­rif­ver­trag­li­che Ren­ten­al­ter­sklau­seln po­li­tisch und ar­beits­recht­lich um­strit­ten. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) hat hier­zu vor kur­zem in ei­nem grund­le­gen­den Ur­teil ent­schie­den, dass ta­rif­li­che Zwangs­pen­sio­nie­rungs­re­ge­lun­gen kei­ne recht­lich ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters sind: EuGH, Ur­teil vom 12.10.2010, C-45/09 - Ro­sen­bladt gg. Oel­ler­king
10/200 Urlaubsabgeltung für langzeitig erkrankte Beamte?
13.10.2010. An­fang 2009 ent­schied der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH), dass Ar­beit­neh­mer ei­nen Min­dest­an­spruch auf Ur­laub ha­ben, der nicht er­satz­los ver­fal­len darf, wenn kei­ne tatsächli­che Möglich­keit be­stand, ihn auch zu neh­men. Das ist je­den­falls bei Krank­heit der Fall. Ob­wohl als "Ar­beit­neh­mer" im Sin­ne der Richt­li­nie auch Be­am­te ge­se­hen wer­den, sind die meis­ten deut­schen Ver­wal­tungs­ge­rich­te in der Um­set­zung des EuGH-Ur­teils noch sehr zurück­hal­tend. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main stellt sich nun ge­gen die (noch) herr­schen­de Mei­nung und ver­sucht, die Rechts­la­ge zu Ur­laub und Ur­laubs­ab­gel­tung für Be­am­te durch den EuGH klären zu las­sen: Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Be­schluss vom 25.06.2010, 9 K 836/10.F
13.09.2010. Das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz sieht die Möglich­keit vor, Ar­beits­verhält­nis­se von Ar­beit­neh­mern im vor­gerück­ten Al­ter oh­ne Sach­grund zu be­fris­ten. Im Zu­ge der Schröder­schen Ar­beits­markt­re­form wur­de aus dem "vor­gerück­ten Al­ter" das 52. Le­bens­jahr. Die­se so­ge­nann­te "52er-Re­ge­lung" hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) für eu­ro­pa­rechts­wid­rig und un­an­wend­bar erklärt. Dem EuGH wur­de des­we­gen vor­ge­wor­fen, sei­ne Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten zu ha­ben. Kürz­lich hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ge­le­gen­heit, ihm Rücken­de­ckung zu ge­ben: Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Be­schluss vom 06.07.2010, 2 BvR 2661/06.
26.08.2010. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz setzt ei­ne EU-Richt­li­nie um und soll un­ter an­de­rem bei Be­wer­bun­gen Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen Al­ters, der Her­kunft oder ei­ner Be­hin­de­rung ver­hin­dern oder zu­min­dest be­sei­ti­gen. Vor­ge­se­hen ist da­her ein Scha­dens­er­satz­an­spruch, der al­ler­dings in­ner­halb ei­ner sehr en­gen Frist gel­tend ge­macht wer­den muss. Über die Ver­ein­bar­keit der Frist mit der Richt­li­nie wird ge­strit­ten. Von ei­ner kürz­lich er­gan­ge­nen Ent­schei­dung des EuGH er­hoff­ten sich Ar­beits­recht­ler Klärung: EuGH, Ur­teil vom 08.07.2010, Rs. C-246/09
10/140 Sind Kettenbefristungen aus Haushaltsgründen europarechtswidrig?
21.07.2010. Be­fris­tun­gen mit Sach­grund sind auf Grund­la­ge des Teil­zeit­be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) un­be­grenzt möglich. Ei­ne Miss­brauchs­kon­trol­le im en­ge­ren Sinn fin­det hier prak­tisch nicht statt. In Ver­bin­dung mit ei­nem Sach­grund, den sich öffent­lich-recht­li­che Ar­beit­ge­ber im We­sent­li­chen selbst schaf­fen können, steht da­mit die Fra­ge im Raum, ob die deut­sche Rechts­la­ge mit der hin­ter dem Tz­B­fG ste­hen­den Richt­li­nie ver­ein­bar ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 13.04.2010, 7 Sa 1224/09
10/135 Urlaubsabgeltung auch für Beamte?
14.07.2010. An­fang 2009 ent­schied der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) dass der (Min­dest-)Ur­laub nicht verfällt, den Ar­beit­neh­mer we­gen ei­ner langjähri­gen Krank­heit nicht neh­men können. Die Ar­beits­ge­rich­te änder­ten um­ge­hend ih­re Recht­spre­chung und zo­gen wei­te­re Kon­se­quen­zen aus dem Ur­teil. Hin­ge­gen hal­ten fast al­le Ver­wal­tungs­ge­rich­te im We­sent­li­chen an ih­rer bis­he­ri­gen Recht­spre­chung fest, ob­wohl nach der maßgeb­li­chen eu­ropäischen Richt­li­nie auch Be­am­te grundsätz­lich "Ar­beit­neh­mer" sind. Ar­beit­neh­mer, so die Ge­rich­te, sei­en in Deutsch­land et­was völlig an­de­res als Be­am­te. Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung sei da­her wei­ter­hin ge­recht­fer­tigt: Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 30.03.2010, 2 A 11321/09.OVG.
10/126 Diskriminieren Lebensaltersstufen jüngere Arbeitnehmer?
01.07.2010. Die ta­rif­ver­trag­li­che Vergütungs­dif­fe­ren­zie­rung nach Le­bens­al­ter­stu­fen ist sehr wahr­schein­lich ei­ne ver­bo­te­ne, weil dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) wi­der­spre­chen­de Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters. Zwar ist der Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT), der sol­che Le­bens­al­ter­stu­fen ent­hielt, mitt­ler­wei­le durch den Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) er­setzt, doch wirkt sich die al­ters­dis­kri­mi­nie­ren­de BAT-Vergütung wei­ter aus, da sie die Grund­la­ge für die Über­lei­tung der Ar­beit­neh­mer in den TVöD ist. Zu­dem wur­de der BAT in Ber­lin bis 2010 wei­ter an­ge­wandt, so dass es hier erst 2010 zu ei­ner Über­lei­tung kam. Zu den da­mit ver­bun­de­nen Fra­gen hat sich nun­mehr das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) geäußert: ge­nom­men: Be­schluss vom 20.05.2010, 6 AZR 148/09 (A) und Be­schluss vom 20.05.2010, 6 AZR 319/09 (A).
10/115 Auskunftsanspruch für abgelehnte Stellenbewerber?
16.06.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) die Fra­ge vor­ge­legt, ob Stel­len­be­wer­ber, die sich dis­kri­mi­niert wähnen aber kei­ne In­di­ztat­sa­chen über ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung vor­wei­sen können, ei­nen Aus­kunfts­an­spruch ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ha­ben. BAG, Be­schluss vom 20.05.2010, 8 AZR 287/08 (A).
15.06.2010. Die Ge­ne­ral­anwältin Ju­lia­ne Ko­kott hat in ih­ren Schluss­anträgen zum Aus­druck ge­bracht, dass der Aus­schluss ren­ten­na­her Ar­beit­neh­mer von Ab­fin­dun­gen eu­ro­pa­rechts­wid­rig ist. Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin J. Ko­kott vom 06.05.2010, Rs. C-499/08 (In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark ./. Re­gi­on Syddan­mark).
05.05.2010. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Sieg­burg hat dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof die Fra­ge vor­ge­legt, ob die Al­ters­grup­pen­bil­dung bei der So­zi­al­aus­wahl mit der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf ver­ein­bar ist oder ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt. ArbG Sieg­burg, Be­schluss vom 27.01.2010, 2 Ca 2144/09.
15.04.2010. Mit der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung stellt der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) klar, dass die al­ters­be­dingt nach­las­sen­de Leis­tungsfähig­keit von Zahnärz­ten und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Gefähr­dung der All­ge­mein­heit die zwangs­wei­se Be­en­di­gung ih­rer Be­rufstätig­keit nur dann recht­fer­ti­gen kann, wenn sie ge­genüber al­len Be­rufs­an­gehöri­gen in glei­cher Wei­se um­ge­setzt wird. EuGH, Ur­teil vom 12.01.2010, C-341/08 (Pe­ter­sen gg. Be­ru­fungs­aus­schuss für Zahnärz­te).
10/058 Einstellungshöchstalter bei der Feuerwehr rechtens
24.03.2010. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) hat ent­schie­den, dass ei­ne Höchst­al­ters­gren­ze von 31 Jah­ren für die Ein­stel­lung bei der Feu­er­wehr in Hes­sen eu­ro­pa­rechts­kon­form ist. EuGH, Ur­teil vom 13.01.2010, C-229/08 (Co­lin Wolf gg. Stadt Frank­furt am Main)
27.01.2010. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) hat zu der Streit­fra­ge Stel­lung ge­nom­men, wie Ar­beits­ge­rich­te mit ei­ner Ge­set­zes­re­ge­lung ver­fah­ren müssen, der zu­fol­ge für die Be­mes­sung der Kündi­gungs­fris­ten Beschäfti­gungs­zei­ten vor Voll­endung des 25. Le­bens­jah­res nicht berück­sich­tigt wer­den. Ei­ne sol­che Be­stim­mung ist in § 622 Abs. 2 Satz 2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ent­hal­ten. Sie verstößt nach über­wie­gen­der An­sicht ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf. Ein sol­cher Richt­li­ni­en­ver­s­toß führt aber nicht da­zu, dass ei­ne Ge­set­zes­be­stim­mung un­wirk­sam ist und die Ar­beits­ge­rich­te sie "un­an­ge­wen­det" las­sen müssen. Da­zu braucht es stärke­re Gründe. Sol­che Gründe hat der EuGH in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil an­ge­nom­men und die deut­schen Ar­beits­ge­rich­te da­mit auf­ge­for­dert, § 622 Abs. 2 Satz 2 BGB nicht mehr an­zu­wen­den: EuGH, Ur­teil vom 19.01.2010, Rs. C-555/07 (Kücükde­ve­ci gg. Swe­dex).
10/001 Konsultation der Arbeitnehmervertreter bei geplanter Massentlassung
04.01.2010. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) hat vor kur­zem über die Fra­ge ent­schie­den, wann die vom Un­ter­neh­mer an die be­trieb­li­che Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung zu ge­ben­den In­for­ma­tio­nen über ei­ne ge­plan­te Mas­sen­ent­las­sung im Kon­zern als recht­zei­tig an­zu­se­hen sind: EuGH, Ur­teil vom 10.09.2009, Rs. C‑44/08 (AEK ./. Fu­jit­su Sie­mens Com­pu­ters Oy). Grund­la­ge des Ur­teils ist die Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20.07.1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen, die auch für die Aus­le­gung von § 17 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) be­deut­sam ist.

References: EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 § 622
 EuGH 
 § 622
 § 17