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Timestamp: 2020-08-14 02:32:21+00:00

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Der unternehmensübergreifende Gesamtbetriebsrat - und der Zuordnungstarifvertrag | Rechtslupe
Der unternehmensübergreifende Gesamtbetriebsrat - und der Zuordnungstarifvertrag
Der unter­neh­mens­über­grei­fen­de Gesamt­be­triebs­rat – und der Zuord­nungs­ta­rif­ver­trag
Gemäß §§ 1, 47 BetrVG kann für Betrie­be ver­schie­de­ner Rechts­trä­ger kein gemein­sa­mer Gesamt­be­triebs­rat gebil­det wer­den [1].
Die Errich­tung eines gemein­sa­men Gesamt­be­triebs­rats ver­mag auf § 3 Abs. 1 BetrVG iVm. den Bestim­mun­gen des TV gestützt zu wer­den.
Hier­für muss aber zum einen ein unter­neh­mens­über­grei­fen­der Tarif­ver­trag zur Bil­dung einer vom Gesetz abwei­chen­den Betriebs­rats­struk­tur nach § 3 Abs. 1 BetrVG wegen § 3 Abs. 2 TVG von allen betrof­fe­nen Unter­neh­men geschlos­sen wer­den [2]. Als ein Tarif­ver­trag über betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen ver­mö­gen sei­ne Rechts­nor­men (nur) für (alle) Betrie­be zu gel­ten, deren Arbeit­ge­ber tarif­ge­bun­den sind. Zum ande­ren ist den Tarif­ver­trags­par­tei­en die Mög­lich­keit einer vom Gesetz abwei­chen­den Aus­ge­stal­tung der Reprä­sen­ta­ti­ons­struk­tu­ren der Arbeit­neh­mer in der Betriebs­ver­fas­sung ledig­lich in dem durch § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 BetrVG bestimm­ten Umfang eröff­net [3]. Zwar kön­nen einem auf der Grund­la­ge eines unwirk­sa­men Tarif­ver­trags gewähl­ten Betriebs­rat ohne Wei­te­res betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­po­si­tio­nen zukom­men, da des­sen Wahl in einer orga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit bei einem nicht den Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 1 BetrVG ent­spre­chen­den Tarif­ver­trag wegen der Ver­ken­nung des Betriebs­be­griffs nicht nich­tig, son­dern bloß anfecht­bar ist [4]. Das gilt aber nicht für einen – nicht zu wäh­len­den, son­dern zu errich­ten­den – Gesamt­be­triebs­rat auf der Grund­la­ge eines Zuord­nungs­ta­rif­ver­trags.
Die danach gebo­te­ne Prü­fung ergab in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall, dass der Tarif­ver­trag man­gels Gebun­den­heit eines von sei­nem Gel­tungs­be­reich erfass­ten Unter­neh­mens an ihn kei­ne Grund­la­ge für die Bil­dung des Gesamt­be­triebs­rats („Kino-GBR“) ver­mit­telt. Es konn­te daher für das Bun­des­ar­beits­ge­richt offen­blei­ben, ob er den Vor­ga­ben des § 3 Abs. 1 BetrVG ent­spricht:
Tarif­ge­bun­den ist – neben den Mit­glie­dern der Tarif­ver­trags­par­tei­en – der Arbeit­ge­ber, der selbst Tarif­ver­trags­par­tei ist (§ 3 Abs. 1 TVG). Ein Kon­zern schei­det als Tarif­ver­trags­par­tei man­gels Rechts­sub­jek­ti­vi­tät aus. Die Vor­aus­set­zung einer eigen­stän­di­gen Tarif­ge­bun­den­heit des Arbeit­ge­bers kann auch nicht durch die – ohne­hin zusätz­lich erfor­der­li­che – Erfas­sung durch die Gel­tungs­be­reichs­be­stim­mung ersetzt wer­den. Der Abschluss eines sog. Kon­zern­ta­rif­ver­trags durch das herr­schen­de Unter­neh­men begrün­det eine Tarif­ge­bun­den­heit aus­schließ­lich für die­se Gesell­schaft selbst, nicht aber – unbe­scha­det der Erstre­ckung in einer Gel­tungs­be­reichs­be­stim­mung – für ein nicht selbst tarif­schlie­ßen­des beherrsch­tes Unter­neh­men. Zwar ist der Tarif­ver­trags­ab­schluss für beherrsch­te Unter­neh­men mög­lich, wenn die­se dabei durch das herr­schen­de Unter­neh­men ver­tre­ten wer­den. Für eine ent­spre­chen­de Voll­machts­er­tei­lung bedarf es aber hin­rei­chen­der Anhalts­punk­te; aus der Kon­zern­zu­ge­hö­rig­keit ergibt sich eine sol­che Voll­macht nicht [5].
Die nor­ma­ti­ve Gebun­den­heit an tarif­ver­trag­li­che Rechts­nor­men kann im Übri­gen nur durch einen Tarif­ver­trag selbst bewirkt wer­den. Dabei kann sich der Wil­le des herr­schen­den Unter­neh­mens, auch im Namen kon­zern­zu­ge­hö­ri­ger Unter­neh­men zu han­deln, nach § 164 Abs. 1 Satz 2 BGB auch aus den Umstän­den erge­ben, wenn sie einen einer aus­drück­li­chen Nen­nung als Tarif­ver­trags­par­tei gleich­wer­ti­gen Grad an Klar­heit und Ein­deu­tig­keit errei­chen und in einer § 1 Abs. 2 TVG genü­gen­den Form nie­der­ge­legt sind [6].
Gemes­sen dar­an ist die Errich­tung des Kino-GBR unwirk­sam. In sei­ner letz­ten Fas­sung vom 18.01.2013 erfasst der Gel­tungs­be­reich des TV nach sei­nem § 1 Nr. 1 iVm. der Anla­ge 1 die Unter­neh­men („soweit sie Kino­be­trie­be unter­hal­ten“): C AG, C GmbH & Co. KG, C Enter­tain­ment GmbH & Co. KG, C Cine­tain­ment GmbH, C Movie­tain­ment GmbH, C Film­thea­ter GmbH, S Betriebs GmbH und C Maxx­tain­ment GmbH. Die­se Gesell­schaf­ten sind nicht sämt­lich an den TV gebun­den.
Das gilt aller­dings nicht für die Arbeit­ge­be­rin, bei der der Kino-GBR errich­tet ist. Die­se ist an den TV gebun­den. Bei einer form­wech­seln­den Umwand­lung tritt kei­ne Rechts­nach­fol­ge ein. Die Ände­rung der Rechts­form berührt auch nicht die Tarif­ge­bun­den­heit des Rechts­trä­gers; des­sen Iden­ti­tät sichert die tarif­li­che Kon­ti­nui­tät [7].
Par­tei des TV sind dane­ben die in sei­ner Anla­ge 1 im Zeit­punkt sei­nes Abschlus­ses am 11.08.2003 ange­führ­ten beherrsch­ten Unter­neh­men. Dies sind die C GmbH & Co. KG, die H Film­thea­ter GmbH & Co. KG, die H Kino­be­triebs­ge­sell­schaft mbH, die B Film­thea­ter K GmbH & Co. KG, die C M GmbH, die C W GmbH, die C A GmbH, die C Film­thea­ter Betriebs GmbH, die C Film­thea­ter GmbH, die Ca Tickets & Ser­vice GmbH und die B Film­thea­ter Betriebs­ges. mbH. Die C AG – nun­mehr: C Hol­dings GmbH – hat den TV „namens und im Auf­trag“ die­ser Unter­neh­men geschlos­sen. Dar­in wird hin­rei­chend deut­lich, dass sie die in der dama­li­gen Anla­ge 1 aus­drück­lich ange­führ­ten Unter­neh­men beim Abschluss des TV recht­ge­schäft­lich ver­tre­ten hat [8].
Die im Zeit­punkt des Tarif­ver­trags­ab­schlus­ses in Bezug genom­me­ne Anla­ge 1 benennt – bis auf die ers­ten bei­den Unter­neh­men (C AG und C GmbH & Co. KG) – ande­re Gesell­schaf­ten als die Anla­ge 1 zum TV idF vom 18.01.2013. Das ist aus­weis­lich der jewei­li­gen Han­dels­re­gis­ter­aus­zü­ge unschäd­lich, soweit es die C Enter­tain­ment GmbH & Co. KG, die C Cine­tain­ment GmbH, die C Movie­tain­ment GmbH, die C Film­thea­ter GmbH und die S Betriebs GmbH betrifft. Letz­te­re bei­den Gesell­schaf­ten wur­den als jeweils über­tra­gen­de Rechts­trä­ger mit der C Enter­tain­ment GmbH & Co. KG ver­schmol­zen, die ihrer­seits als über­neh­men­der Rechts­trä­ger mit der „H Kino-Betriebs-Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung“ ver­schmol­zen wur­de. Das begrün­det die Gebun­den­heit der C Enter­tain­ment GmbH & Co. KG an den ua. in Ver­tre­tung für die H Kino­be­triebs­ge­sell­schaft mbH geschlos­se­nen TV, denn bei einer Ver­schmel­zung durch Auf­nah­me nach § 2 Nr. 1 UmwG geht ein Fir­men­ta­rif­ver­trag wegen der vom Gesetz in § 20 Abs. 1 Nr. 1 UmwG ange­ord­ne­ten Gesamt­rechts­nach­fol­ge unein­ge­schränkt auf den über­neh­men­den Rechts­trä­ger über [9]. Der über­neh­men­de Rechts­trä­ger tritt in bestehen­de Ver­trä­ge ein und wird damit Par­tei des für den über­tra­gen­den Rechts­trä­ger gel­ten­den Fir­men­ta­rif­ver­trags. Ent­spre­chen­des gilt für die C Cine­tain­ment GmbH, mit der die den TV schlie­ßen­de C M GmbH ver­schmol­zen ist, und für die C Movie­tain­ment GmbH, die als über­neh­men­der Rechts­trä­ger mit der den TV schlie­ßen­den C A GmbH ver­schmol­zen ist. Die in der Anla­ge 1 des TV idF vom 18.01.2013 ange­führ­te C Maxx­tain­ment GmbH ist hin­ge­gen nicht an den TV gebun­den. Die­se (oder ein Rechts­vor­gän­ger) ist nicht Par­tei des TV. Selbst wenn die Anla­ge 1 des TV idF vom 18.01.2013 eine zuläs­si­ge, bloß rege­lungs­tech­ni­sche Moda­li­tät des Tarifvertrags(neu)abschlusses wäre, fehl­te es in die­ser an hin­rei­chend deut­li­chen Anhalts­punk­ten dafür, dass die die (geän­der­te) Anla­ge auf Arbeit­ge­ber­sei­te allein und ohne wei­te­ren Zusatz unter­zeich­nen­de C AG (auch) die C Maxx­tain­ment GmbH rechts­ge­schäft­lich ver­tre­ten hat.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 25. Febru­ar 2020 – 1 ABR 40/​18
ausf. BAG 13.02.2007 – 1 AZR 184/​06, Rn. 17 ff., BAGE 121, 168[↩]
vgl. BAG 13.12.2016 – 1 AZR 148/​15, Rn. 14[↩]
vgl. ausf. BAG 29.07.2009 – 7 ABR 27/​08, Rn. 22, BAGE 131, 277[↩]
ausf. BAG 13.03.2013 – 7 ABR 70/​11, Rn. 17, BAGE 144, 290[↩]
vgl. zu all dem ausf. BAG 22.11.2017 – 4 ABR 54/​15, Rn. 22; 22.02.2012 – 4 AZR 24/​10, Rn. 28; 7.07.2010 – 4 AZR 120/​09, Rn.20 ff.; 17.10.2007 – 4 AZR 1005/​06, Rn. 26 ff., BAGE 124, 240[↩]
vgl. BAG 13.12.2016 – 1 AZR 148/​15, Rn. 16; 17.10.2007 – 4 AZR 1005/​06, Rn. 26 ff., BAGE 124, 240[↩]
vgl. zB Wiedemann/​Oetker TVG 8. Aufl. § 3 Rn.203 mwN[↩]
vgl. zu einer ver­gleich­ba­ren Kon­stel­la­ti­on eines [Mantel-]Tarifvertragsabschlusses BAG 17.10.2007 – 4 AZR 1005/​06, Rn. 24 ff., BAGE 124, 240[↩]
ausf. dazu BAG 15.06.2016 – 4 AZR 805/​14, Rn. 33 mwN, BAGE 155, 280[↩]
Der unter­neh­mens­über­grei­fen­de Gesamt­be­triebs­rat – und der… Gemäß §§ 1, 47 BetrVG kann für Betrie­be ver­schie­de­ner Rechts­trä­ger kein gemein­sa­mer Gesamt­be­triebs­rat gebil­det wer­den ((ausf. BAG 13.02.2007 – 1 AZR 184/​06, Rn. 17 ff.,…
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References: § 3
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 § 164
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 § 1
 § 2
 § 20
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