Source: http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1801/3332
Timestamp: 2018-01-20 03:24:02+00:00

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Volume 13, No. 1, Art. 30 – Januar 2012
Partizipative Forschungsmethoden: Ein methodischer Ansatz in Bewegung
Zusammenfassung: Dieser Beitrag soll in die FQS-Schwerpunktausgabe "Partizipative qualitative Forschung" einführen. Partizipative Forschungsstrategien finden in neuerer Zeit wieder größeres Interesse. Die Aufsätze aus unterschiedlichen Disziplinen befassen sich auf dem Hintergrund von konkreten empirischen Forschungsprojekten mit verschiedenen konzeptionellen Überlegungen und methodischen Herangehensweisen. Über die Lektüre dieser Beiträge und in Auseinandersetzung mit den Forderungen der Autor/innen sind wir dazu angeregt worden, auf jene Bereiche besonders einzugehen, in denen unserer Ansicht nach weitergearbeitet werden sollte. Dies betrifft Grundlagen partizipativer Forschung wie demokratietheoretische Überlegungen, das Konzept des "sicheren Raums", Fragen der Partizipation oder der Ethik, aber auch forschungspraktische Fragen zur Rolle und zu den Aufgaben der verschiedenen Teilnehmenden, zu besonderen methodischen Herangehensweisen bis zur Frage der Gütekriterien, die hier als Rechtfertigungsargumente verstanden werden. Damit soll zu einer breiten Diskussion angeregt werden, die nicht nur auf den engeren Bereich partizipativer Forschung bezogen sein sollte. Da partizipative Methodik manche Fragen nach Erkenntnis und Forschung radikal stellt, birgt sie in sich auch die Chance, auf bisher vernachlässigte Bereiche in der qualitativen Methodik hinzuweisen und ihre weitere Entwicklung anzuregen.
Keywords: akademische Anforderungen; ethische Normen; Fokusgruppe; Grade der Partizipation; Gütekriterien; Interview; Marginalisierung; partizipative Forschungsmethoden; Reflexion; Subjektivität; sicherer Raum
2. Partizipative Forschung und Aktionsforschung
3. Grundlagen der partizipativen Forschung
3.1 Demokratie als Voraussetzung für partizipative Forschung
3.2 Die Bedeutung eines sicheren Raums
3.3 Wer partizipiert? Wie wird "die Community" definiert?
3.4 Unterschiedliche Grade der Partizipation
4. Besondere Aspekte der Forschungsmethode
4.1 Materielle Voraussetzungen
4.2 Herausforderungen und Aufgaben für alle Forschungspartner/innen
4.3 Bedeutung von Reflexion
4.4 Besonderheiten der "Daten"-Produktion und der Auswertung
4.5 Besonderheiten der Darstellung der Ergebnisse
4.6 Akademische Anforderungen an und Förderungsbedingungen von partizipativer Forschung
4.7 Die Rechtfertigung partizipativer Forschungsprojekte
4.8 Ethische Aspekte von partizipativer Forschung
Partizipative Forschungsmethoden sind auf die Planung und Durchführung eines Untersuchungsprozesses gemeinsam mit jenen Menschen gerichtet, deren soziale Welt und sinnhaftes Handeln als lebensweltlich situierte Lebens- und Arbeitspraxis untersucht wird. In der Konsequenz bedeutet dies, dass sich Erkenntnisinteresse und Forschungsfragen aus der Konvergenz zweier Perspektiven, d.h. vonseiten der Wissenschaft und der Praxis, entwickeln. Der Forschungsprozess wird im besten Falle zum Gewinn für beide Seiten: Die soziale Lebens- und Arbeitspraxis, die sich als Erkenntnisgegenstand längst konstituiert hat, bringt sich mit ihrer eigenen Perspektive, nämlich der praktischen Bewältigung der existenziellen Herausforderungen des Alltags, auf dem Feld der Wissenschaft selbst ins Spiel. Den Ko-Forscher/innen wird durch den Erkenntnisprozess eine kognitive Distanzierung gegenüber eingespielten Routinen, Interaktionsformen und Machtbeziehungen möglich, um etablierte Deutungen der Handlungssituation und Strategien der Handlungspraxis grundsätzlich infrage zu stellen und neu zu denken. Diese Konvergenz der Perspektiven von Wissenschaft und Praxis ist nicht einfach durch den Entschluss zur partizipativen Forschung herzustellen. Vielmehr handelt es sich um ein sehr anspruchsvolles Vorgehen, welches sich erst im Forschungsprozess sukzessive über die Begegnung, Interaktion und Verständigung von zwei Handlungssphären, Wissenschaft und Praxis, entwickelt. [1]
Unter partizipativer Methodik verstehen wir einen Forschungsstil, "an orientation to inquiry" (REASON & BRADBURY 2008a, S.1). Die Einheit und Begründung partizipativer Forschung finden sich weniger auf der Ebene konkreter Forschungsmethoden. Partizipative Forschung lässt sich vielmehr als eine Methodologie ansehen, die für die Möglichkeit, Bedeutsamkeit und Nützlichkeit des Einbezugs der Ko-Forscher/innen in den Erkenntnisprozess argumentiert (BERGOLD 2007). Partizipative Ansätze grenzen sich nicht grundsätzlich von anderen Verfahren der empirischen Sozialforschung ab, sondern es finden sich vielfältige Bezüge insbesondere zu qualitativen Methodologien und Methoden. [2]
Dieser Forschungsstil setzt sich im Forschungshandeln um in Form einer Vielzahl partizipativer Forschungsstrategien, die nicht im Sinne eines einheitlichen, konvergenten Methodenansatzes wie etwa das narrative Interview oder die qualitative Inhaltsanalyse zusammenfinden, sondern als Forschungsstrategien, die stetig von neuer Seite aus den Einbezug der Forschungspartner/innen in den Erkenntnisprozess fördern und fordern. Die Kanonisierung des Forschungsstils in Form der einen partizipativen Methode als ein in sich geschlossenes Vorgehen ist nicht möglich, weil es gerade darum geht, die Eigensinnigkeit und Eigenwilligkeit der Forschungspartner/innen in dem Forschungsprozess zur Geltung zu bringen. Diesbezüglich gilt noch mehr als in der qualitativen Sozialforschung sonst das Diktum der Gegenstandsangemessenheit und der Prozessorientierung (FLICK 2007). Zur Vertiefung der Einsichten in die kontextuelle Sinnstrukturiertheit und Eigendynamik sozialen Handelns lohnt es sich unseres Erachtens, immer wieder partizipative Forschungselemente in Betracht zu ziehen. Mehr noch glauben wir, dass gerade ein Methodendesign, das im engeren Sinne als partizipativer Forschungsprozess zu bezeichnen wäre, gerade weil Partizipation aller Forschungspartner/innen zur Leitlinie des Forschungshandelns gemacht wird, eine reizvolle und reiche Erkenntnis generierende Variante qualitativer Sozialforschung darstellt, wenn es gilt, die Sozialwelt als eingespielte Handlungspraxis zu beforschen (BERGOLD 2007). [3]
Im Folgenden wollen wir etwas ausführlicher in die partizipative Forschung einleiten, um die in dieser FQS-Schwerpunktausgabe zu partizipativen Forschungsmethoden versammelten Artikel in einen übergreifenden Begründungszusammenhang zu stellen. Über die wiederholte Lektüre der Artikel sind wir zu einer produktiven Auseinandersetzung mit Kennzeichen, Ansprüchen und Desiderata von partizipativer Forschung angeregt worden. Wir wollen gerade auf jene Bereiche verweisen, in denen weitergearbeitet werden muss bzw. die überhaupt noch nicht bearbeitet sind. Dies soll zugleich der Klärung erweiterter Erkenntnispotenziale qualitativer Methodik dienen. Da partizipative Methodik manche Fragen nach Erkenntnis und Forschung radikal stellt, birgt sie in sich auch die Chance, auf bisher vernachlässigte Bereiche in der qualitativen Methodik hinzuweisen und ihre weitere Entwicklung voranzutreiben. [4]
Partizipative Forschung ist gerade im englischsprachigen Raum zu einer Forschungsstrategie avanciert, die einen immer größer werdenden Stellenwert innerhalb der qualitativen Sozialforschung erlangt (BERGOLD 2007; BERGOLD & THOMAS 2010). Eine systematische Bezugnahme auf partizipative Forschungsstrategien gibt es insbesondere in der englischsprachigen Methodendebatte um Action Research. Zwar existieren vielfältige Konvergenzen zwischen Aktionsforschung und partizipativer Forschung, doch wir glauben, dass eine Differenzierung zwischen beiden Herangehensweisen eine genauere Bestimmung dessen erlaubt, wodurch sich gerade das Partizipative in der Forschung auszeichnet (vgl. BELL et al. 2004). Eine differenzierende Bezugnahme auf Action Research erscheint uns aber auch aus dem Grund hilfreich, weil eine eigenständige Diskussion einer im engen Bedeutungssinne partizipativen Methodik gerade erst im Entstehen ist. [5]
Innerhalb der Debatte um Action Research gibt es eine starke Strömung, die sich – was in diesem Argumentationszusammenhang besonders relevant ist – mit einem immer größeren Selbstverständnis als "Participative Inquiry and Practice" versteht, so etwa auch der Untertitel des "Sage Handbook of Action Research" (REASON & BRADBURY 2008b). Unter dem Begriff Action Research konvergieren vielfältige Diskussionsstränge, in denen in unterschiedlicher Weise die Partizipation der Forschungspartner/innen konzeptualisiert wird. Die deutliche Bezugnahme auf partizipative Methodik spiegelt sich auch in der Bezeichnung von verschiedenen Action Research-Ansätzen wider: Participatory Action Research (PAR; KEMMIS & McTAGGART 2005), Co-Operative Inquiry (HERON 1996), Participatory Rural Appraisal (PRA), Participatory Learning and Action (PLA), Participatory Learning Research (im Überblick CHAMBERS 2008) etc. Im Kern geht es um die Veränderung der sozialen Wirklichkeit auf der Basis von Einblicken in die Lebenspraxis, die durch partizipative Forschung, also durch die forschende Zusammenarbeit von Wissenschaftler/innen und Praxisvertreter/innen gewonnen wird. [6]
Auch die Beiträge in dieser Schwerpunktausgabe weisen unterschiedliche Fokussierungen auf. Im klassischen Sinne als PAR versteht sich das Schüler/innenforschungs-Projekt, an dem Veronika WÖHRER und Bernhard HÖCHER veranschaulichen, welche Herausforderungen aus der Beteiligung von Schüler/innen einer Mittelschule an wissenschaftlicher Forschung resultieren. Eine stärkere Akzentuierung der partizipativen Seite findet sich bei Hella v. UNGER, die auf der Grundlage von Community-Based Participatory Research für den Bereich der Gesundheitsprävention die Möglichkeiten auslotet, die sich aus dem Einbezug von Mitgliedern der untersuchten Community in die Forschung eröffnen. Marit BORG, Bengt KARLSSON, Hesook Suzie KIM und Brendan McCORMACK zeigen an einem Forschungsprojekt im Bereich der ambulanten Betreuung von psychisch Kranken, durch welche Prozesse die Motivation zu partizipativer Arbeit bei professionelle Betreuungsteams gefördert und kommunikative Räume geschaffen werden können. In dem Beitrag von Tina COOK werden die Probleme reflektiert, die im Zusammenhang mit der Durchführung von zwei partizipativen Studien aufgetreten sind, in denen nicht allein die Partizipation von Patient/innen psychiatrischer Einrichtungen, sondern auch die gemeinsame Reflexion und Verständigung über die Besonderheiten der eigenen Lebenslage im Mittelpunkt standen. Die Beiträge von Audrey M. DENTITH, Lynda MEASOR und Michael P. O'MALLEY sowie Claire McCARTAN, Dirk SCHUBOTZ und Jonathan MURPHY richten ihren Fokus jeweils vor dem Hintergrund von Erfahrungen in der Jugendforschung auf die Möglichkeiten und Herausforderungen, eingespielte Machtstrukturen in partizipativen Projekten zu überwinden. Jean RATH stellt einen partizipativen Ansatz dar, der darauf zielt, die Möglichkeiten der Ko-Konstruktion von Erfahrungen und Bedeutungen zu erweitern. Die Autorin fertigt aus dem Datenmaterial Gedichte an, die als Teil eines layered text einen Zugang zu den vielfältigen Bedeutungsverweisungen eröffnen, die in den Interviews mit den Forschungspartner/innen enthalten sind. Stephanie GOEKE und Dagmar KUBANSKI erweitern für den deutschsprachigen Bereich in der Behindertenforschung die Ansprüche einer partizipativen Forschung um einige zentrale Bestimmungsmomente, wie etwa emanzipatorische, inklusive und transdisziplinäre Forschung. Zudem argumentieren die Autor/innen wie Jasna RUSSO quasi für eine Radikalisierung partizipativer Forschung. Die Forschungsverantwortung soll von den betroffenen Menschen selbst übernommen werden – bei GOEKE und KUBANSKI von den durch Behinderung betroffenen Menschen, bei RUSSO von den als survivor bezeichneten psychiatrieerfahrenen Menschen. Monika GÖTSCH, Sabine KLINGER und Andreas THIESEN reflektieren auf einer methodologischen Ebene vor allem die demokratietheoretischen Anforderungen, die sich bei der Realisierung eines partizipativen Forschungsprojekts stellen. Die konkrete Bedeutung von Demokratie als Kontext für partizipative Forschung zeigt Sylvia LENZ in ihrem Beitrag über die Entwicklung von partizipativen Projekten nach dem Ende der Militärdiktatur in Argentinien. [7]
Die Kombination von erkennender Praxisveränderung und gemeinsamem Forschen, wie dies etwa bei PAR der Fall ist, ist möglich und sinnvoll. Dennoch werden Aktionsforschung und partizipative Forschung auch unabhängig voneinander durchgeführt bzw. in unterschiedlichen Akzentsetzungen in einem Forschungsprojekt zur Geltung gebracht: "Not all theorists of action research place this emphasis on collaboration" (KEMMIS & McTAGGART 2005, S.563). Insbesondere setzt partizipative Forschung aber schon vom eigenen Selbstverständnis her einen anderen Akzent: In der partizipativen Forschung gibt es einen Wechsel der Schwerpunktsetzung von der Betonung des Handlungs- und Veränderungsaspektes hin zu der gemeinsamen Gestaltung von Forschung. Besonders in der Gesundheitsforschung ist die Einsicht in die Sinnhaftigkeit eines partizipativen Vorgehens auch schon aufseiten der Forschungsförderung angekommen. COOK (2012) zeigt in ihrem Artikel, dass Public and Patient Involvement (PPI) zumindest in Großbritannien zum Teil schon explizit von den wissenschaftlichen Förderinstitutionen gefordert werden. Praxis soll in diesem Rahmen begleitet durch Forschung nicht zuerst verändert werden, sondern das produzierte Wissen soll Resultat eines gemeinsamen Forschungsprozesses von Wissenschaft und Praxis sein. [8]
Insbesondere betonen einige Vertreter/innen partizipativer Forschung, dass es über die bloße Beteiligung der Ko-Forscher/innen an der Untersuchung hinaus um einen gemeinsamen Erkenntnisprozess geht, der zu neuen Einsichten sowohl aufseiten der Wissenschaft als auch der Praxis führt. Reflexion ist zwar unter dem Aspekt von Action Research nicht folgenlos innerhalb der eigenen Lebens- und Arbeitspraxis, aber gerade aus wissenschaftlicher Perspektive ist Wissensproduktion gut beraten, sich dem festen Zugriff der Forderung nach pragmatischer Verwertbarkeit zuerst einmal zu entziehen. Das Herausarbeiten der charakteristischen Merkmale partizipativer Forschung wäre daher speziell als Einladung für die qualitative Community gedacht, stärker partizipative Forschungselemente auch ohne die Veränderungsansprüche von Action Research aufzugreifen. Gerade im Hinblick auf Methodologie und Selbstverständnis qualitativer Sozialforschung, wie diese in den Grundprinzipien der Offenheit, Kommunikation und Gegenstandsangemessenheit zur Geltung kommen, eröffnen partizipative Methoden, wie diese Schwerpunktausgabe in vielfältiger Hinsicht zeigt, neue und erweiterte Perspektiven für die Beforschung von Lebens- und Arbeitspraxen. [9]
Jede Art von Forschung braucht gesellschaftliche Bedingungen, die förderlich für die jeweilige Thematik und den epistemologischen Ansatz sind. Im Gegensatz zu nomothetischer Forschung, die unter fast beliebigen gesellschaftlichen Bedingungen möglich ist, benötigt partizipative Forschung den gesellschaftlichen und politischen Kontext von Demokratie. Die Beteiligung von unterprivilegierten Schichten der Bevölkerung und das von den Forschenden verlangte soziale Engagement sind nur möglich, wenn ein politischer Rahmen gegeben ist, der dies zulässt. Der Zusammenhang zwischen Demokratie und partizipativer Forschung wird z.B. in den lateinamerikanischen Ländern deutlich. Dort lässt sich nach dem Ende der Diktaturen eine Zunahme der Partizipation der Bevölkerung allgemein und – damit verbunden – ein Aufschwung partizipativer Forschung in der akademischen wie in der praktischen Forschung beobachten (LENZ 2012). Zugespitzt ließe sich formulieren, dass die Möglichkeit zu partizipativer Forschung als Test für das demokratische Selbstverständnis einer Gesellschaft betrachtet werden kann. [10]
Aber auch in den konkreten Forschungsvorhaben, so die These von GÖTSCH et al (2012), prägt das Demokratieverständnis der Beteiligten das Design und den Forschungsprozess. Sie verweisen darauf, dass bereits das Verständnis von Demokratie als Konsensdemokratie oder als Mehrheitsdemokratie Konsequenzen hinsichtlich des Ausmaßes der Beteiligung und bis hin zu den Forschungsfragen und -zielen und zu den Forschungsergebnissen hat. [11]
Partizipative Forschung verlangt von den Teilnehmenden eine große Bereitschaft, die persönliche Sicht auf die Situation, die eigenen Meinungen und Erfahrungen offenzulegen. Im Alltag gibt es eine solche Offenheit eher gegenüber guten, vertrauten Freund/innen, aber kaum in Institutionen und gegenüber Fremden. Die Angst, etwas Falsches zu sagen und angegriffen zu werden, verhindert das Aussprechen von Meinungen und Ansichten vor allem dann, wenn sie den Vorstellungen der Anderen zu widersprechen scheinen. Partizipative Forschung verlangt aber genau dies. Gerade abweichende Meinungen sind für den Erkenntnisprozess wichtig, da sie eine neue, andere Perspektive auf den Forschungsgegenstand versprechen und damit neue Aspekte zu entdecken erlauben. [12]
Um eine ausreichende Offenheit zu ermöglichen, bedarf es eines geschützten Raums, in dem die Teilnehmer/innen das Vertrauen haben können, dass ihre Äußerungen nicht gegen sie verwendet werden und ihnen keine Nachteile erwachsen, wenn sie auch kritische und abweichende Meinungen äußern. Dabei kann es nicht darum gehen, einen konfliktfreien Raum herzustellen, sondern es sollte sichergestellt werden, dass die offengelegten Konflikte gemeinsam diskutiert und je nachdem gelöst oder zumindest als unterschiedliche Positionen akzeptiert werden können und dass eine gewisse Konflikttoleranz entsteht. [13]
WICKS und REASON (2009) haben aufbauend auf KEMMIS (2001) die Überlegungen zum herrschaftsfreien Diskurs von HABERMAS herangezogen, um das Konzept des communicative space als einen Übergang zwischen System und Lebenswelt zu entwickeln, den ihrer Meinung nach partizipative Forschung eröffnen muss. Sie zeigen, wie ein solcher kommunikativer Raum in den verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses immer wieder neu erstellt werden muss. Dabei unterscheiden sie drei Phasen im Prozess der partizipativen Forschung, nämlich inclusion phase, control phase und intimacy phase, in denen jeweils drei Problembereiche ausgearbeitet werden müssen, das emotionale Miteinander, die Bestimmung der Aufgabe und die Organisation des Prozesses. [14]
Sie verweisen auch darauf, dass die Anforderungen bei der Entwicklung solcher kommunikativen Räume notwendigerweise paradox und widersprüchlich sind, sodass es zu beständigen Aushandlungsprozessen kommen muss. So müssen Forschungsauftrag, die Grenzen des kommunikativen Raums, die Art der Partizipation, die Leitung, die Möglichkeit, Angst zu äußern, das Verhältnis von Chaos und Ordnung usw. kontinuierlich ausgehandelt werden. Ergebnis dieser Aushandlungsprozesse ist ein symbolischer Raum, in dem die Teilnehmer/innen im besten Fall einander vertrauen und in dem sie daher ihre Sicht auf die Forschungsgegenstände mitteilen können. [15]
Konzepte wie communicative spaces, counter public (DENTITH et al. 2012) oder discoursive approach (COOK 2012), die in der partizipativen Methodik Verbreitung finden, unterstreichen, dass die Herausforderung von Partizipation in der sozialen Selbstverständigung über den Forschungsgegenstand qua Kommunikation besteht. Daher wird unter Bezug auf unterschiedliche Begrifflichkeit immer wieder die Wichtigkeit betont, dass über den Forschungsprozess Räume eröffnet werden, in denen kommunikativer Austausch möglich wird. Es ist demgemäß entscheidend für die Forschung, dass ein sicherer Raum hergestellt werden kann, der Offenheit, unterschiedliche Meinungsäußerungen, Konflikt usw. erlaubt. [16]
Mit der Akzeptanz von partizipativer Forschung durch unterschiedliche Förderinstitutionen (z.B. Department of Health in England oder Weltbank) werden zunehmend Programme aufgelegt, welche partizipative Forschungsstrategien bei den Untersuchungen fordern. Partizipation wird hier allerdings eher als Einbeziehung von Gruppen verstanden, die nicht unmittelbar zu den professionell Forschenden gehören. Hierdurch verliert der Begriff "partizipative Forschung" seine Trennschärfe. [17]
Zunächst lässt sich eine grundlegende Zweiteilung in der partizipativen Forschung feststellen. Einerseits gibt es eine große Zahl von Untersuchungen, in denen akademisch Forschende und professionelle Praktiker/innen miteinander kooperieren und die Praktiker/innen in die Forschung einbezogen sind bzw. die Forschung mit Unterstützung der professionell Forschenden selbst durchführen. Prototypen dieser Art der Forschung sind im englischen Sprachbereich z.B. die partizipative Aktionsforschung, die Co-Operative Inquiry oder die partizipative Evaluation, im deutschen Sprachraum die Aktionsforschung oder die Praxisforschung (HEINER 1988). [18]
Andererseits findet partizipative Forschung zusammen mit den unmittelbar betroffenen Menschen statt und zielt auf die Rekonstruktion ihres Wissens und Könnens in einem Prozess der Selbstverständigung und des Empowerments. Dabei handelt es sich in überwiegender Zahl um marginalisierte Gruppen der Bevölkerung, deren Perspektiven und Stimmen sonst nur selten einbezogen werden, und die selbst kaum die Möglichkeit haben, ihre Interessen begründet einzubringen und durchzusetzen. Beispielhaft wird dies an der Formulierung von FALS-BORDA und RAHMAN (1991, S.viif.) deutlich, die PAR u.a. als "enlightenment and awakening of common peoples" bestimmen. [19]
Das Grunddilemma, das dabei sichtbar wird, besteht in der Tatsache, dass diese marginalisierten Gemeinschaften die schlechtesten Voraussetzungen dafür haben, an partizipativen Forschungsvorhaben teilzunehmen oder selbst ein solches Vorhaben zu initiieren. In zwei Problembereichen, die in dieser Ausgabe auch in Beiträgen vertreten sind, lässt sich dies gut beobachten. Forschungen in den Bereichen "psychische Störungen" und "Behinderungen" haben über lange Zeit als Forschung "über" die Menschen und ihre Probleme und nicht als Forschung "mit" den Menschen stattgefunden (RUSSO 2012; GOEKE & KUBANSKI 2012). Hierdurch haben sich sowohl eine Theorie als auch eine Praxis entwickelt, welche von den Menschen einerseits durchaus als Hilfe, andererseits aber auch als "Beherrschungswissen" empfunden werden. [20]
Zusätzlich wird die Forschung durch die unterschiedliche Benennung der Forschungspartner/innen in unterschiedliche theoretische Modelle eingeordnet, ohne dass dies explizit diskutiert werden würde (siehe COOK 2012 und RUSSO 2012). Auch dies wird im psychiatrischen Bereich deutlich. Die Benennung "Einrichtungsnutzer/innen" (service user) bezeichnet eine sehr heterogene Gruppe, zu der u.U. auch die Familie, die Freunde/Freundinnen und Nachbar/innen usw. gehören, also alle, die ein bestimmtes Angebot nutzen. Mit dem Begriff "Konsument/innen" wird die Forschung in das ökonomische Marktmodell eingeordnet, durch "Patient/innen" in das medizinische Modell und schließlich durch den Begriff "Psychiatrieüberlebende" (survivors) in ein alternatives Betroffenenmodell. [21]
Vor allem in England wird daher durch Psychiatriebetroffene hervorgehoben, dass es einer eigenen, vollständig durch die Psychiatrieüberlebenden kontrollierten Forschung bedürfe, damit andere, alternative Modelle von psychischen Problemen und dem Umgang damit entwickelt werden können, die nicht durch das medizinische Modell und damit u.a. durch die ökonomischen Interessen der medizinischen Profession und der Pharmaindustrie geprägt sind. [22]
Wenn die Forschung mit den betroffenen Menschen durchgeführt wird, ergibt sich methodisch u.a. die Frage, welche Personen bzw. Personengruppen einbezogen werden sollen bzw. müssen. Dies ist vor allem auf dem Hintergrund notwendig, dass unterschiedliche Gruppierungen unterschiedliches Wissen im Gegenstandsbereich entwickelt haben. Gerade auf dieses Wissen und seine Nutzung aber zielt partizipative Forschung ab. Es muss also jeweils möglichst genau bestimmt werden, welche Gruppierung ihr Wissen in die gemeinsamen Forschungsergebnisse einbringt. Nur auf diese Weise können die verschiedenen Wissensformen in Beziehung zueinander gesetzt und kann eine eventuelle praktische Nutzung konzipiert werden. [23]
Allgemein wird gefordert, dass Personen, Gruppen und Einrichtungen beteiligt werden, die von dem Forschungsthema und den zu erwartenden Ergebnissen betroffen sind. Es wird allerdings auch kritisiert, dass partizipative Ansätze bei der Frage des Samplings sich häufig auf die Aussagen der lokalen Beteiligten oder der Auftraggeber/innen verlassen und dass damit die Auswahl unzureichend und fehlerhaft wird (siehe v. UNGER 2012; CASPARI 2006, S.375). [24]
Insgesamt fehlt eine Systematik. Es gibt allerdings verschiedene pragmatische Strategien, um die einzubeziehenden Gruppen genauer zu bestimmten. Eine solche Lösung stellt v. UNGER (2012) vor, bei der unterschiedliche Gruppen wie Nutzer/innen und deren Organisationen, Community Leaders, Bürger/innen, Vereine, professionelle Praktiker/innen, Institutionen, Berufsverbände usw. einbezogen werden. Dies kann auch im Rahmen eines Schneeballsystems durch die bereits Beteiligten und schrittweise im Forschungsprozess geschehen. [25]
Das methodische Problem besteht in einer Verzerrung des Forschungsprozesses und der Ergebnisse, wenn relevante Akteur/innen nicht bereit sind, am partizipativen Forschungsprozess teilzunehmen oder wenn es im Feld quasi "unsichtbare" Beteiligte gibt. Letztere können Gruppen sein, die von den Akteur/innen ausgeschlossen wurden oder die aus verschiedensten Gründen keine Informationen über das Forschungsvorhaben erhalten haben. Es scheint plausibel, dass sich Forschende nicht allein auf die Aussagen der Beteiligten im Feld verlassen können, da im Feld vielerlei Ausgrenzungen stattfinden können und die Teilnahme an einem partizipativen Forschungsprojekt u.U. ein Privileg und eine Auszeichnung darstellt, um die mit Anderen im Feld konkurriert wird. [26]
Im Bereich der Evaluation haben GUBA und LINCOLN (1989, S.40f.) den Stakeholder-Ansatz entwickelt, bei dem auch auf die Opfer verwiesen wird, d.h. diejenigen, welche durch das Vorhaben und die damit verbundenen Veränderungen Nachteile erleiden, ohne an den Entscheidungen teilnehmen zu können. Auch GUBA und LINCOLN kommen allerdings nicht über eine pragmatische Aufzählung von Personengruppen hinaus, die durch das jeweilige Verfahren benachteiligt sein könnten. [27]
Eine systematische Lösung würde nur eine strukturelle Theorie über den jeweiligen Gegenstandsbereich erbringen, die aber häufig nicht zur Verfügung steht und im Rahmen einzelner Projekte nicht entwickelt werden kann. Der gesellschaftliche Standort derjenigen Menschen müsste genauer bestimmt werden, die vom untersuchten Problem betroffen sind und die ein materielles und/oder ideelles Milieu teilen, also über einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund verfügen, der ihnen im Prinzip gemeinsames Kommunizieren und Handeln erlaubt. [28]
Wenn geklärt ist, wer an einem Forschungsvorhaben beteiligt werden soll, ergeben sich weitere Entscheidungen. Die Frage, an welchen Aktivitäten die Forschungspartner/innen sich beteiligen sollen bzw. können und ob es unterschiedliche Grade der Partizipation für unterschiedliche Gruppen gibt, wird in der Literatur sehr verschieden diskutiert. Hierfür wurden mehrere Konzepte entwickelt. Ein Überblick über die Bemühungen findet sich bei v. UNGER (2012) und COOK (2012). Am bekanntesten ist das Stufenmodell von ARNSTEIN (1969), das im Hinblick auf Bürger/innenbeteiligung entwickelt wurde, aber auch in verschiedene Versuche Eingang gefunden hat, einen Überblick über Beteiligungsformen zu entwickeln (siehe zusammenfassend v. UNGER 2012). [29]
Grundlegendes Kriterium für die Kennzeichnung als partizipative Forschung scheint uns die Frage zu sein, wer die Forschung in welcher Phase des Projektverlaufs kontrolliert (siehe COOK 2012; RUSSO 2012; GOEKE & KUBANSKI 2012) und ob die Kontrolle durch die Forschungspartner/innen ausgeübt wird oder ob sie zumindest mit gleichen Rechten an den Entscheidungen teilnehmen können. Diese Frage wurde vor allem von Forschungsteilnehmer/innen gestellt, die traditionellerweise als "Forschungsobjekte" betrachtet werden und erst seit kürzerer Zeit ihre Stimme erhoben haben, also z.B. von Menschen mit Erfahrungen in der Psychiatrie oder mit Lernbehinderungen. [30]
Aus dieser Sicht scheint es wenig klärend, wenn Stufenmodelle vorgeschlagen werden, die auf den unteren Stufen keine Kontrolle über die Forschungsentscheidungen zulassen. Entweder sind die Menschen an Entscheidungen beteiligt und sind damit Forschungspartner/innen oder selbst Forschende, oder es findet keine partizipative Forschung statt. Stufenmodelle suggerieren, dass es ein Kontinuum gäbe. Damit werden aber grundsätzliche Unterschiede verwischt (siehe COOK 2012). Ob die betroffenen Menschen befragt werden oder ob sie unmittelbar an den Forschungsentscheidungen teilnehmen, impliziert einen möglicherweise völlig verschiedenen sozial- und professionspolitischen Hintergrund und ganz unterschiedliche zugrunde liegende philosophische Positionen. [31]
Sogenannte "frühe" Formen der Beteiligung wie Beratung der professionell Forschenden durch die Betroffenen können höchstens als vorbereitende gemeinsame Aktivitäten bezeichnet werden, die u.U. die spätere Teilnahme an der partizipativen Forschung erleichtern. Allerdings besteht bei diesen Formen auch häufig das Problem der Pseudobeteiligung, wie dies beispielsweise im Behindertenbereich von GOEKE und KUBANSKI (2012) oder in der Entwicklungszusammenarbeit von CASPARI (2006) beanstandet wird. In ähnlicher Weise gilt dies für viele andere Forschungsbereiche, wo solche "frühen" Formen der Beteiligung missbraucht werden, um durch eine scheinbare Mitsprache die Betroffenen zur Mitarbeit und zur Herausgabe von persönlichen Informationen zu bewegen. [32]
Zur Unterscheidung verschiedener Beteilungsformen scheint es uns angemessener, die Entscheidungssituationen im Forschungsprozess und die Teilnehmer/innengruppen spezifiziert anzugeben und offenzulegen, wer, mit welchen Rechten, zu welchem Zeitpunkt und zu welchen Themen an den Entscheidungen teilnehmen kann. Ein solches Vorgehen stellt v. UNGER (2012) vor. Ganz anders ist die Situation bei Forschungsprojekten der Betroffenen selbst, also der Betroffenen- kontrollierten Forschung oder des survivor research (RUSSO 2012). Dort nehmen die unmittelbar Betroffenen per definitionem an allen Entscheidungen teil. Trotzdem erscheint es auch dort notwendig, genauer anzugeben, wer bzw. welche Gruppe an welchen Entscheidungen teilgenommen hat, denn auch hier finden sich Machtpositionen und Konkurrenzen von Einzelnen oder Gruppen. [33]
Mit der grundsätzlichen Entscheidung, die Forschungspartner/innen nicht als Forschungsobjekte, sondern als gleichberechtigte Forschungssubjekte zu betrachten, ergeben sich Fragen über die materiellen Ressourcen, die für eine Teilnahme benötigt werden. Professionell Forschende erhalten für ihre Tätigkeit meistens ein Gehalt – wenn dies auch im Wissenschaftsbereich häufig relativ gering ausfällt. Die Forschungspartner/innen erhalten normalerweise höchstens eine Aufwandsentschädigung und es wird erwartet, dass sie ihr Wissen kostenlos zur Verfügung stellen. [34]
Diese Selbstverständlichkeit ist infrage zu stellen, denn partizipative Forschung arbeitet häufig mit Menschen aus den unteren sozialen Schichten bzw. mit marginalisierten Gruppen zusammen, die nur über geringe materielle Ressourcen verfügen. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, solche Ressourcen während der Mitarbeit bei der Forschung zu gewährleisten. In dem hier veröffentlichten Schwerpunkt wird eine direkte Bezahlung u.a. in Beiträgen angesprochen, die von Projekten berichten, in die junge Menschen als Forschungspartner/innen einbezogen sind (WÖHRER & HÖCHER 2012; McCARTAN et al. 2012). [35]
Die Notwendigkeit zur materiellen Unterstützung kann sich aber nicht nur auf die Bezahlung der unmittelbaren Forschungszusammenarbeit beziehen, sondern Menschen aus marginalisierten, einkommensschwachen Gruppen brauchen vielfältige materielle Unterstützung. GOEKE und KUBANSKI (2012) verweisen darauf, dass für behinderte Menschen, neben einem Forschungshonorar als Hilfe zur Unabhängigkeit, eine Assistenz vor Ort und ein barrierefreier Zugang die Beteiligungsbereitschaft erhöhen kann. Die Antwort darauf, welche materiellen Ressourcen den Forschungspartner/innen zur Verfügung gestellt werden sollen, wird allerdings von Personengruppe zu Personengruppe unterschiedlich sein. Es kann sich um Fahrtkosten, Kosten für Kinderbetreuung, spezielle Ernährung, Verdienstausfall usw. handeln. [36]
Eine solche Alimentierung der Forschungspartner/innen hat sicherlich Vor- und Nachteile. "Bezahlte" Partizipation kann zum Job und zur Abgrenzung von und Konkurrenz mit anderen Community-Mitgliedern führen. Entscheidend aber ist, dass darüber die gesellschaftliche Anerkennung des Werts der Forschungsbeiträge vermittelt wird. Gerade wenn partizipative Forschung eine Beziehung zwischen den Partner/innen auf gleicher Augenhöhe anstrebt, muss auch die gesellschaftlich dominante Form der Anerkennung genutzt werden. Festzuhalten ist, dass finanzielle Ressourcen für die Mitforschenden in die Planung von partizipativen Forschungsprojekten einbezogen und dass Förderinstitutionen aufgefordert werden müssen, solche Mittel auch im Finanzplan zu akzeptieren. [37]
Im klassischen Forschungssetting ist die Beziehung zwischen den Forschenden und den Beforschten scheinbar klar festgelegt. Im Grundsatz handelt es sich um eine Nicht-Beziehung, bei welcher die Forschenden möglichst neutral oder unsichtbar sind. Alles Andere führt hiernach zur Verfälschung der Ergebnisse bzw. zu einer Gefährdung der internen Validität. [38]
Diese Situation ändert sich grundlegend, wenn das Verhältnis zwischen den Beteiligten partizipativ angelegt wird. In diesem Fall werden die Perspektiven der verschiedenen Partner/innen und ihre Differenzen für den Erkenntnisprozess wichtig und eine reflektierte Subjektivität muss an die Stelle von Objektivität und Neutralität treten. [39]
Dies verlangt die Bereitschaft, sich in diesen Prozess hineinzubegeben, und gleichzeitig Wissen und Können, um produktiv mitzuarbeiten zu können. Hier wird auf der Seite der Forschungspartner/innen aus der Lebenswelt ein scheinbares Dilemma partizipativer Forschung sichtbar. Einerseits will sie gerade marginalisierte Gruppen der Bevölkerung gleichberechtigt in die Wissensproduktion einbeziehen und damit auch Empowerment fördern, andererseits sind dies genau diejenigen Bevölkerungsgruppen, die üblicherweise durch einen Mangel an Kompetenzen und sozialem Kapital im Sinne von BOURDIEU (1983) gekennzeichnet werden. Ihnen werden daher auch die Kompetenzen zur Teilnahme am Forschungsprozess abgesprochen. [40]
Auflösen lässt sich dieses Dilemma, wenn die grundlegende Frage danach gestellt wird, wer aus welcher Perspektive die Mängel definiert. Bei dieser Fragestellung wird deutlich, dass es die Vertreter/innen der dominanten gesellschaftlichen Gruppen – in diesem Fall die Wissenschaftler/innen – sind, welche das notwendige Wissen und Können auf dem Hintergrund ihrer vertrauten Weltsicht und ihrer methodischen Anforderungen definieren. Forschung wird so zu einer sehr voraussetzungsvollen Aufgabe, die viele Kompetenzen verlangt. [41]
Im Gegensatz dazu ist es das primäre Anliegen partizipativer Forschung, Angehörigen von marginalisierten Gruppen eine Stimme zu geben bzw. es ihnen zu ermöglichen, ihre Stimme zu Gehör zu bringen. Es geht darum, ihre Erfahrungen, ihr lebensweltliches Wissen und ihr Können in den Forschungsprozess einzubringen und damit andere Perspektiven und neue Erkenntnisse zu gewinnen (RUSSO 2012). Gerade die Differenz zwischen akademischer Weltsicht und der Weltsicht der Forschungspartner/innen soll für den Erkenntnisprozess fruchtbar werden. Es geht also um gegenseitige Neugier auf das, was die andere Seite kann und weiß und was man von ihr lernen kann. Damit erhalten alle Beteiligten neue Rollen und Aufgaben, die sich deutlich von denjenigen der "klassischen" Forschung unterscheiden. [42]
Dies bedeutet für alle Teilnehmenden, dass sie sich im Verlaufe des partizipativen Forschungsprozesses in vielerlei Weise ändern müssen, sowohl auf der persönlichen wie auf der kognitiven Ebene. Die Bedeutung einzelner Teilnehmer/innen für den gesamten Forschungsprozess, ihrer persönlichen Voraussetzungen, ihrer Motivation, ihrer Kompetenzen usw. werden aber in der Literatur eher selten thematisiert. Sehr deutlich formulieren allerdings EVANS und JONES (2004, S.5) die Bedeutung der Lebenserfahrungen der Beteiligten.
Professionell Forschende erhalten neue und ungewohnte Rollen, die besonders im Bereich der Nutzer- kontrollierten Forschung deutlich sichtbar werden. EVANS und JONES stellen in Bezug auf die akademisch ausgebildeten Forschenden fest: "The role here, however, is to be an ally, an advisor, an enabler, and maybe a partner, to users undertaking research ..." (S.9). [44]
Die Rollenverteilung in der partizipativen Forschung ist allerdings nicht statisch, sondern sie ist kontinuierlichen Veränderungen unterworfen. Dies hängt eng mit der Tatsache zusammen, dass sich partizipative Forschungsprojekte über längere Zeitperioden erstrecken. Vom Anfang eines solchen Projekts bis zum Ende können Monate oder sogar Jahre liegen. In dieser Zeit kommt es in dem Ensemble der Forschungspartner/innen zu unterschiedlichen Entwicklungen, welche die Art des Umgangs miteinander prägen. Solche Veränderungen in der Rollenstruktur sind schon lange aus ethnologischen Studien bekannt, in denen sich die Forschenden für längere Zeit ins Forschungsfeld begeben. [45]
Für den Bereich der qualitativen Verfahren hat HEEG (1996) versucht, den zeitlichen Verlauf mit der Metapher "Lebenslauf" zu fassen. Er beschreibt verschiedenen Stadien, welche sich für den Bereich partizipativer Forschung in folgender Weise abwandeln lassen: Die professionell Forschenden treten zunächst als "Fremde" in das Feld ein und übernehmen dann im weiteren Verlauf die Rollen der "Mobilisierer/innen", "Dienstleister/innen", "Informationsgeber/innen" und "Mitstreiter/innen", bis sie zu "Förderer/innen" und schließlich im besten Fall zu "Mentor/innen" werden. [46]
Es gibt aber auch noch andere Herausforderungen, denen sich Forschende im Rahmen der partizipativen Forschung stellen müssen. Biografie und soziale Herkunft der Forschungspartner/innen und die Forschungsthemen erfordern sehr intensive Kontakte. Gemeinsame Forschung mit Menschen, die eine Geschichte von Marginalisierung erfahren mussten, ist nur auf der Basis von Vertrauen möglich (RATH 2012). Dieses Vertrauen muss sich erst entwickeln können und baut auf einer längerfristigen, offenen Beziehung auf, die durch Zulassen von Nähe, durch Mitgefühl und durch emotionale Betroffenheit gekennzeichnet ist. Sehr deutlich wird dieses Verhältnis von Nähe und Distanz bei partizipativer Forschung von DENTITH et al. (2012) beschrieben, die mit Partner/innen zusammenarbeiteten, die tabuisierte, traumatische Erfahrungen gemacht hatten. Für die Forschenden wird es hier notwendig, die eigene emotionale Betroffenheit zu zeigen und nicht durch Schweigen über die Geschehnisse zu einer eventuellen Re-Traumatisierung beizutragen (RATH 2012). [47]
Eine weitere Herausforderung für die Forschenden aus dem akademischen Bereich stellen die weiter unten beschriebenen akademischen Anforderungen dar. Zum augenblicklichen Zeitpunkt kann gesagt werden, dass Wissenschaftler/innen, die ein partizipatives Forschungsprojekt im Rahmen z.B. eines Qualifikationsprozesses verfolgen, sich innerhalb der akademischen Gemeinschaft in einer Reihe von Fächern in eine Außenseiter/inposition begeben. Dies verlangt viel Bereitschaft und Mut, gegen den Strom zu schwimmen und auch eventuell Nachteile in Kauf zu nehmen. Diese Vielfalt von Anforderungen und Rollen verlangt also von den Forschenden ganz unterschiedliche Kompetenzen und Fertigkeiten und eine hohe Flexibilität und Reflexionsbereitschaft, die in der herkömmlichen Universitätsausbildung zumeist nicht erworben werden. [48]
In ähnlicher Weise wie bei den Forschenden ändern sich die Rollen und das Beteiligungsverständnis der Forschungspartner/innen. Sie betrachten das Forschungsvorhaben zu Beginn vielleicht mit Ängstlichkeit, Misstrauen und Distanz und sehen sich zunächst als Außenstehende, die im Sinne traditioneller Forschung Informationen liefern sollen. Im Laufe der Partizipation ändert sich dies, wenn die Beteiligten die Erfahrung machen, dass sie als Mitforschende ernst genommen werden, zunehmend Forschungskompetenzen erwerben und eigene Positionen entwickeln können, die sich von denjenigen der professionell Forschenden unterscheiden können (GÖTSCH et al. 2012). Gleichzeitig damit entwickeln sich persönliches Empowerment und Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Zugehörigkeitsgefühl1). [49]
Die Teilnahme an partizipativer Forschung verlangt aber auch spezifische Kenntnisse und Fertigkeiten, also Kompetenzen, welche die Teilnehmenden sich schrittweise aneignen müssen. Hierzu gehören beispielsweise sprachliche Kompetenzen, systematisches Vorgehen im Forschungsprozess, kommunikative Fertigkeiten im Umgang mit Gruppen usw. Zu diesen Themenbereichen sollten professionell Forschende Trainingskurse und Workshops anbieten (siehe capacity building, v. UNGER 2012) und sie im alltäglichen Umgang in der Forschungsgruppe vermitteln. Dabei ist es zentrale Aufgabe, die Ausbildungseinheiten so zu konzipieren und solche methodischen Vorgehensweisen auszuwählen, die an den Stand der Kenntnisse der Forschungspartner/innen anknüpfen und sie weiterentwickeln. [50]
Diese Entwicklung unterschiedlicher Rollen ist nicht konfliktfrei. In den verschiedenen Phasen müssen die Beziehung, aber auch alle anderen Aspekte der Forschung immer wieder reflektiert und die entstehenden Konflikte müssen gemeinsam bearbeitet werden. Kontinuierliche Selbstreflexion und dialogische Reflexion werden zur Notwendigkeit und zum Gütemerkmal von partizipativer Forschung, so wie dies beispielsweise MARSHALL und REASON (2007) herausgearbeitet haben. [51]
In der partizipativen Forschung sind alle Beteiligten als erkennende Subjekte einbezogen und bringen ihre Perspektive in den Erkenntnisprozess ein. Die Erkenntnismöglichkeiten der einzelnen Subjekte sind geprägt durch ihre biologische Ausstattung, ihre persönliche und soziale Biografie und ihre Position im sozialen Raum2). Um im gemeinsamen Forschungshandeln zu einem gegenseitigen Verständnis zu gelangen, muss der/die Einzelne den Mitforschenden die Hintergründe der je eigenen Erkenntnisperspektive zumindest ansatzweise offenlegen. Auf dieser Basis können dann unterschiedliche Wahrnehmungen ausgehandelt und miteinander in Beziehung gesetzt werden (DENTITH et al. 2012; v. UNGER 2012). Dies verlangt ein hohes Maß an Selbst-/Reflexivität und Reflexion der Forschungssituation und des Forschungsprozesses3). BORG et al. (2012, §32) stellen in ihrem Beitrag fest:
"Reflexivity requires the researchers to be aware of themselves as the instrument of research. This is a particularly important issue for action researchers who are intimately involved with the subject of the research, the context in which it takes place, and others who may be stakeholders in that context." [52]
Voraussetzung hierfür ist einerseits ein sicherer Raum mit offener Kommunikation im Sinne eines communicative space, wie er oben beschrieben wurde. Andererseits bedarf es ganz unterschiedlicher Unterstützung aufseiten der professionell Forschenden und der Mitforschenden untereinander. Auf andere eingehen zu können, ihnen zuzuhören, ihnen Zeit und Raum für ihre Reflexionen zu lassen usw. werden zu entscheidenden Voraussetzungen für die gemeinsame Arbeit. [53]
Reflexion kann sich dabei auf Unterschiedliches richten. BORG et al. (2012) unterscheiden zwischen persönlicher und epistemologischer Reflexivität. Erstere ist auf die persönlichen Annahmen, Werte, Erfahrungen usw. gerichtet, welche die Forschung prägen, Letztere erfordert vom Forschenden, sich Rechenschaft über die Grenzen der Forschung bedingt durch die grundlegenden Forschungsentscheidungen wie Forschungsfrage, Methodologie, Analysemethode usw. zu geben. [54]
Wir schlagen vor, vier Reflexionsrichtungen/ -formen zu unterscheiden, aus denen sich dann auch unterschiedliche Reflexionsarrangements zur Hilfestellung für die Beteiligten ableiten lassen. [55]
1. Die Reflexion der personalen, lebensgeschichtlichen Voraussetzungen
Die potenzielle Nähe der Forschungsteilnehmer/innen und die Art der Forschungsthemen (gesellschaftlich tabuisierte Themen wie Missbrauch, Psychiatrieerfahrungen, Armut usw.) können sehr persönliche Reaktionen auslösen, die den Erkenntnisprozess sowohl fördern als auch behindern können. George DEVEREUX (1976) hat aus einer psychoanalytischen Position als einer der Ersten darauf verwiesen, dass die Reflexion solcher persönlichen Reaktionsweisen als Erkenntnisquelle genutzt werden kann. Ob es für diese Art von Reflexion eines psychoanalytischen Theoriehintergrunds bedarf, ist sicherlich umstritten. [56]
Unbestritten erscheint uns, dass es notwendig ist, solche persönlichen Prägungen zumindest soweit offenzulegen, wie sie die gemeinsame Arbeit am Forschungsgegenstand betreffen. Die Voraussetzungen hierzu lassen sich in Gruppen, wie z.B. den häufiger genutzten Fokusgruppen herstellen, in denen eine akzeptierende Haltung gefördert wird (BORG et al. 2012; DENTITH et al. 2012; McCARTAN et al. 2012). Allerdings scheint es noch ein Defizit hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung solcher Gruppen zu geben. Hier ließen sich möglicherweise aus den verschiedenen therapeutischen und beraterischen Gruppenkonzepten Anregungen gewinnen. [57]
2. Die Reflexion der sozialen Beziehungen unter den Forschungspartner/innen
Weiter oben wurde darauf verwiesen, dass die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten notwendigerweise immer wieder zu Konflikten in der jeweiligen Forschungsgruppe führen können. Dies bedeutet, dass die Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern ebenfalls immer wieder reflektiert werden müssen, um Konflikte klarzulegen und evtl. abzubauen. Auch in diesem Bereich gibt es in der partizipativen Forschung unseres Wissens noch wenig Diskussion darüber, in welcher Weise solche Gruppenkonflikte reflektiert und moderiert werden können. Auf dem Hintergrund der Tatsache, dass es u.a. zu dem Thema "Gruppendynamik" eine reichhaltige Literatur gibt, erscheint dies verwunderlich. Als Beispiel für einen Versuch, soziales Lernen und persönliche Entwicklung zu fördern, kann das Konzept der "Themenzentrierten Interaktion" (TZI) von Ruth COHN (1975) betrachtet werden. Hier wird versucht, in einer Gruppensituation gleichzeitig das jeweilige Thema, die Auseinandersetzung in der Gruppe und die Person des einzelnen Teilnehmers/der einzelnen Teilnehmerin sowie den "Globe", d.h. den politischen, ökologischen und kulturellen Kontext, in den die Gruppe eingebettet ist, im Blick zu behalten und zu reflektieren. [58]
3. Die strukturelle Reflexion des sozialen Feldes der Forschung
Im Sinne der soziologischen Selbstreflexion von Pierre BOURDIEU (1993, 2002) muss auch die gesellschaftliche Bedingtheit der beteiligten Erkenntnissubjekte und des partizipativen Projekts reflektiert werden. Es geht hier um die gesellschaftlichen Möglichkeitsbedingungen und -grenzen, welche die einzelnen Subjekte und das partizipative Forschungsprojekt als gemeinsames Erkenntnissubjekt haben. Es bedarf einer Reflexion der politischen, ökonomischen und sozialen Kontextbedingungen, in die das Forschungsthema und das Forschungsprojekt eingebettet sind. Solche Grenzen werden in eine Reihe der hier vorgelegten Beiträgen deutlich (COOK 2012; DENTITH et al. 2012; GOEKE & KUBANSKI (2012); GÖTSCH et al. (2012); RUSSO 2012). Im Grunde genommen werden in allen Beiträgen strukturelle Reflexionen vorgenommen. Umso wichtiger erscheint es, sie explizit als eigenen Teil von Reflexion in der partizipativen Forschung zu fordern. [59]
4. Die Reflexion des Forschungsprozesses
Dies deckt sich weitgehend mit der von BORG et al. (2012) aufgeführten epistemologischen Reflexivität. Sie ist in der Zwischenzeit in der qualitativen Forschung und vor allem in der Ethnologie auch im Sinne eines Gütekriteriums akzeptiert. Es gibt bereits eine größere Zahl von methodischen Vorschlägen, wie eine solche Reflexion gefördert werden kann. Diese reichen von Forschungstagebüchern und Forschungswerkstätten bis zu Forschungssupervisionen (siehe z.B. MRUCK & MEY 1998). [60]
Forschung mit Partner/innen, denen die Rituale akademischer Forschung fremd und unbekannt sind, wie dies bei partizipativer Forschung häufiger der Fall ist, verlangt teilweise andere, neue Formen der Informationserhebung. Die Frage nach der "Teilnehmer/innenangemessenheit" der Methode stellt sich hier in besonderer Weise. [61]
Bei der Einbeziehung von Feldpartner/innen als Mitforschende bei der Datenerhebung ergeben sich aus methodischer Sicht unterschiedliche Vor- und Nachteile, die jeweils sehr genau bedacht werden müssen. Auf der einen Seite kennen die Mitforschenden das Feld aus eigenen Erfahrungen, können sich also gut einfühlen und haben auch möglicherweise einen besseren und schnelleren Zugang zu den gewünschten Auskunftspersonen als akademisch Forschende. McCARTAN et al. (2012) argumentieren beispielsweise, dass junge Menschen als Ko-Forschende ein besseres Verständnis für die Erfahrungen ihrer Altersgenossen haben. Hierdurch könnten z.B. natural codes im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie gewonnen werden. Ähnlich argumentieren GOEKE und KUBANSKI (2012) im Bereich der Forschung mit behinderten Menschen. [62]
Erhebungsmethoden sollten daher an die Alltagserfahrungen der Teilnehmenden anknüpfen und dadurch ein Verständnis des konkreten Vorgehens ermöglichen. Das bedeutet, dass neue Erhebungsmethoden jeweils entwickelt werden müssen, die der konkreten Forschungssituation und den jeweiligen Forschungspartner/innen angemessen sind. Ein Beispiel für die mögliche Breite von Methoden findet sich bei COOK (2012, §22), die feststellt: "The methods chosen by the group for their research included interviews and focus groups, but also incorporated a questionnaire, photography projects, blogs, diaries and mapping processes as ways of generating data." [63]
Das Spektrum von Methoden, das sich in der Literatur findet, ist sehr groß und hängt sehr stark von dem jeweiligen Forschungsfeld und den Forschungspartner/innen ab. Die Standardisierung von Erhebungsmethoden macht daher unserer Ansicht nach wenig Sinn. Es ist vielmehr notwendig, dem Diktum "all is data" von (GLASER 2001, S.145) zu folgen. Zu bedenken ist auch, dass viele Menschen aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen zwar über eingeschränkte verbale Kommunikationsfähigkeiten verfügen, dafür aber ganz andere Kommunikationsmöglichkeiten ausgebildet haben. Hier werden in neuerer Zeit in der qualitativen Sozialforschung vielfältige Möglichkeiten der Nutzung visueller und performativer Erhebungs- und Darstellungsverfahren diskutiert, die u.a. in drei FQS-Ausgaben dokumentiert sind, die von JONES et al. (2008) zu "Performative Social Science", von KNOBLAUCH, BAER, LAURIER, PETSCHKE und SCHNETTLER (2008) zu " Visual Methods" und von BALL und GILLIGAN (2010) zu "Visualising Migration and Social Division: Insights From Social Sciences and the Visual Arts" herausgegeben wurden. Eine ausführlichere Diskussion erübrigt sich daher an dieser Stelle. Es soll nur noch auf den Hinweis von RATH (2012) verwiesen werden, dass bei der Auswahl der Methoden sehr spezifisch auf die Vorerfahrungen der Forschungspartner/innen eingegangen werden sollte. [64]
Es ist für Menschen, die noch nie etwas mit Forschung zu tun hatten, u.U. schwer, die verschiedenen methodischen Vorgehensweisen zu verstehen. Hier bedarf es spezieller Trainingsprogramme, um sie zur Durchführung von Verfahren zu befähigen, die im Rahmen des Projekts eingesetzt werden sollen. V. UNGER berichtet beispielsweise davon, dass beim Community-Based Participatory Research die Kompetenzentwicklung (capacity building) bei den Forschungspartner/innen ein zentrales Ziel darstellt. Interessant scheint, dass hierdurch sowohl Fähigkeiten für die Teilnahme am Forschungsvorgehen entwickelt werden als auch allgemeinere Kompetenzen, die insgesamt zur persönlichen Entwicklung beitragen. McCARTAN et al. (2012) verweisen darauf, dass durch die Trainingssitzungen das Selbstvertrauen der jugendlichen Mitforschenden gestärkt wurde und dass sie ihre Schutzhaltung aufgeben konnten. [65]
Trotz der oben genannten Vielfalt von Erhebungsmethoden scheinen in der partizipativen Forschung immer noch zwei Verfahren besonders häufig verwendet zu werden: Es sind dies das Interview und die Fokusgruppe. Im Folgenden sollen einige Aspekte dieser beiden Verfahren diskutiert werden, die bei einem partizipativen Ansatz besonders deutlich sichtbar, in der üblichen Diskussion über qualitative Methoden aber seltener erwähnt werden. [66]
Bei dem Interview handelt es sich meistens um halbstrukturierte Interviews, wie sie häufig in der qualitativen Forschung Verwendung finden. Es hat sich gezeigt, dass nach einem entsprechenden Training die unterschiedlichen Forschungspartner/innen gut in der Lage sind, solche Interviews (meistens im Zweierteam) durchzuführen. In der partizipativen Forschungssituation wird sichtbar, dass das Interviewergebnis als gemeinsame, situationsabhängige Ko-Konstruktion der unmittelbaren Partner/innen im Interview aufgefasst werden muss (siehe McCARTAN et al. 2012). Dies wurde allerdings bereits in der qualitativen Forschung diskutiert. Es ist aber noch ein anderer Aspekt wesentlich, der bereits vor längerer Zeit von SELVINI PALAZZOLLI et al. (1984) auf der Grundlage einer systemtheoretischen Kommunikationstheorie aufgezeigt wurde. Sie fasst die Kommunikation zwischen zwei Partner/innen als Teil eines viel größeren Kommunikationssystems auf und nicht als Dyade. Das Schema der Kommunikation von HALEY wandelt sie in folgender Weise ab: "1 Ich (Sender), 2 sage etwas (Botschaft), 3 zu dir (der Person, die allem Anschein nach der Empfänger ist) und unweigerlich und zur gleichen Zeit (Parallelschaltung), 4 zu ihm/ihnen (gleichzeitige(r) Mitempfänger), 5 in dieser Situation (Kontext)" (S.273). [67]
Für die partizipative Forschung haben diese Überlegungen unserer Meinung nach erhebliche Bedeutung, da dort die virtuelle Anwesenheit der partizipierenden Community bei der Interpretation der Interviewergebnisse immer mitgedacht werden muss. RATH (2012) hat diesen Gedanken aus einem anderen theoretischen Hintergrund in ihre Untersuchung einbezogen. Sie geht davon aus, dass das Interview wegen imaginierter Zuhörer/innen keine "private Sache" zwischen den Interviewpartner/innen sei, sondern eine öffentliche. [68]
Das zweite Instrument, das im Rahmen partizipativer Forschung häufig genutzt wird, ist die Fokusgruppe. Allerdings verbirgt sich hinter diesem Namen Vielfältiges. Der gemeinsame Nenner besteht darin, dass Gruppen von Teilnehmenden unterschiedlicher Art gebildet werden, welche die Möglichkeit haben, in einem sicheren Setting ins Gespräch zu kommen und Aspekte des Forschungsvorhabens zu bearbeiten. Es lässt sich sagen, dass die Fokusgruppe das Instrument für die Herstellung eines communicative space ist, wie er oben beschrieben wurde. Hier erfolgt im besten Falle der Austausch über alle anstehenden Themen. Der offene Dialog wird zum zentralen Ausgangspunkt für das gesamte partizipative Forschungsprojekt. [69]
Fokusgruppen können aber auch noch andere Aufgaben übernehmen. Sie können den Teilnehmenden die Gelegenheit bieten, einander überhaupt kennenzulernen (RUSSO 2012), wenn sie nicht aus einem gemeinsamen Kontext stammen. Sie können auch zusammen mit anderen Erhebungsmethoden in der Community ein tabuisiertes Thema bekannt machen und "Bewegung in die Communities ... bringen" (v. UNGER 2012, §47). In Teams von Professionellen können sie einen offenen Austausch zwischen den Teammitgliedern ermöglichen (BORG et al.). Häufig dienen sie der Informationserhebung, denn in der offenen und möglichst entspannten Atmosphäre der Gruppe können u.U. auch tabuisierte Themen leichter angesprochen werden (v. UNGER 2012; DENTITH et al. 2012; COOK 2012). Dies gelingt auch bei jugendlichen Forschungspartner/innen, wenn die Fokusgruppen von gleichaltrigen Mitforschenden durchgeführt werden (McCARTAN et al. 2012). [70]
Die Auswertung in Gruppen, an denen auch Lai/innen beteiligt sind, wurde bereits von GLASER und STRAUSS (1967) als Vorteil betrachtet. Dies gilt in besonderem Maße für die partizipative Forschung, weil damit die unterschiedlichen Perspektiven auch im Auswertungsprozess bei der Interpretation wirksam werden und die Forschungspartner/innen Erkenntnisse über die Hintergründe ihrer eigenen Sicht und derjenigen der Anderen gewinnen. Folgerichtig berichtet eine Reihe von Autor/innen über eine Auswertung zusammen mit den Forschungspartner/innen in Fokusgruppen (BORG et al. 2012; GOEKE & KUBANSKI 2012; McCARTAN et al. 2012; v. UNGER 2012; WÖHRER & HÖCHER 2012). [71]
Aus ähnlichen Gründen werden auch die Ergebnisse der Forschungsarbeit in solchen Gruppen diskutiert. RUSSO (2012, §36) verweist darauf, dass es in diesen Gruppen möglich wird, die Ergebnisse kommunikativ zu validieren, dass aber auch noch ganz andere Effekte dabei zu beobachten sind: "Focus groups in survivor-controlled research set off a collective process whereby participants start to take ownership of the research." Damit wird der zentrale Prozess benannt, den partizipative Forschung anzielt. Fokusgruppen können als ein Instrument betrachtet werden, welches diesen Prozess der Aneignung fördert. [72]
Darstellung, Verbreitung und Nutzung der partizipativ gewonnenen Ergebnisse zeigen ebenfalls eine Reihe von Besonderheiten. Vor allem müssen Multiperspektivität und Mehrstimmigkeit auch bei der Darstellung der Ergebnisse erhalten bleiben (v. UNGER 2012; COOK 2012; RUSSO 2012). [73]
Im traditionellen akademischen Wissenschaftsbetrieb nehmen sich die Autor/innen zurück. Es gilt mehr oder weniger als unwissenschaftlich, einen Text in der ersten Person zu schreiben. Unter Umständen wird noch von "Autor/in" gesprochen, aber konsequent in der dritten Person formuliert. Die geforderte Distanz wird durch diese dritte Person symbolisiert und es wird der Anschein erweckt, dass es sich um "objektive" Aussagen handele. Die Aussagen sind quasi von der Person des Wissenschaftlers/der Wissenschaftlerin "gereinigt". Die Texte erheben im Normalfall den Anspruch, eindeutig zu sein und der wissenschaftlichen Logik zu folgen. [74]
In der partizipativen Forschung müssen die unterschiedlichen Beiträge zum Ergebnis dagegen deutlich sichtbar werden. RIECKEN, STRONG-WILSON, CONIBEAR, MICHEL und RIECKEN (2004) haben eine "Ethics of Voice" bei der partizipativen Aktionsforschung gefordert. Bei ihrer Publikation kommen alle Teilnehmer/innen der Studie mit ihren Ansichten und Positionen zu Wort. HERMANN, PARTENFELDER, RAABE, RIEDEL und RUSZETSKI (2004) haben in dem Bericht über eine Begleitstudie zu einem Psychoseseminar mit unterschiedlichen Schriften experimentiert, um die Beiträge der Beteiligten kenntlich zu machen, welche die Ausführungen der Wissenschaftlerin (HERMANN) aus der Sicht der Betroffenen kommentierten. RATH (2012) führt in diesem Schwerpunkt einen noch radikaleren Schritt vor. Sie nutzt die Gedichtform, um einerseits emotionale Inhalte sichtbar zu machen, andererseits den Charakter der Konstruktion von Texten zu verdeutlichen und so das Gefühl der Sicherheit des Wissens aufgrund von akademischen Texten infrage zu stellen. Für die Forschungspartnerinnen war dieses Vorgehen akzeptabel, weil es im Bereich sexuellen Missbrauchs bereits eine Tradition gibt, auch Gedichte bei der Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse zu nutzen. [75]
Ergebnispräsentation von partizipativer Forschung kann sich allerdings nicht nur auf die Vermittlung über Texte begrenzen. Um den Betroffenen die Ergebnisse verständlich zu machen, ihnen eine Basis für die weitere Diskussion zu geben und eine breite Rezeption zu erreichen, bedarf es auch anderer Darstellungsformen. Bei der Datenerhebung wurde bereits auf die Nutzung visueller und performativer Verfahren verwiesen. Die Verwendung solcher Verfahren kann auch bei der Darstellung das Verständnis für die Forschungsergebnisse erleichtern. [76]
Obwohl partizipative Forschungsstrategien heute in vielfältigen Praxiszusammenhängen akzeptiert oder sogar erwünscht sind, wird partizipative Forschung in akademischen Zusammenhängen sehr viel weniger als eigenständige Forschungsmethode anerkannt; wenn überhaupt, wird sie als Strategie im context of discovery gesehen. [77]
Kritisiert wird u.a., dass keine Hypothesen formuliert werden, die dann auch überprüft werden könnten, sondern dass sich selbst die Forschungsfragen erst schrittweise im Prozess der Auseinandersetzung zwischen den Forschungspartner/innen entwickeln. Die Nähe zwischen den Partner/innen lasse keine Distanz der Forschenden zu, die so mit den untersuchten Personen verstrickt seien, dass bei den erhobenen Daten nicht mehr zwischen dem Anteil der Forschenden und dem der Untersuchten zu trennen und das Gütekriterium "Objektivität" nicht zu erfüllen sei. Eine exakte Planung sei nicht möglich, weil das Aushandeln der verschiedenen Entscheidungen im Forschungsprozess keine Angaben über die Dauer und vor allem über die zu erwartenden Ergebnisse zuließe. Vor allem aber sei, bei Anwendung der "klassischen" Gütekriterien, die Forschung nicht akzeptabel, sie sei weder objektiv, noch reliabel, noch valide. [78]
Diese Argumente sind aus der Perspektive einer Methodologie durchaus zutreffend, die sich auf die normativ ausgerichtete Wissenschaftstheorie beruft. Sie wird in den unterschiedlichen Disziplinen zwar durchaus unterschiedlich stark vertreten, dominiert aber den Wissenschaftsbetrieb sowohl in den Universitäten bei der Beurteilung von Qualifikationsarbeiten als auch bei den großen Förderungseinrichtungen bei der Begutachtung von Forschungsanträgen. [79]
Diese Problemlage trifft zwar für die qualitative Forschung insgesamt zu, in der Diskussion kann dort aber auf eine lange Auseinandersetzung zwischen dem naturwissenschaftlichen und dem geisteswissenschaftlichen Gegenstandsverständnis verwiesen werden. Hierdurch werden zunehmend auch andere wissenschaftstheoretische Positionen als Grundlage für die konkrete Forschung akzeptiert. Dies zeigt sich u.a. darin, dass qualitative Forschungsansätze in einigen Disziplinen (z.B. Soziologie, Erziehungswissenschaft, Ethnologie) eher akzeptiert werden. [80]
Bei partizipativer Forschung kommt ein weiteres gravierendes Problem für die akademische Anerkennung hinzu, die Auflösung der Subjekt-Objekt-Relation zwischen Forschenden und Beforschten. Aktiv Forschende und damit auch Erkenntnissubjekte sind in der partizipativen Forschung nicht nur die akademischen Forschenden, sondern alle Beteiligten mit allen Konsequenzen für die Datenerhebung, die Auswertung und Interpretation der Daten und die Veröffentlichung. [81]
Dies führt zu erheblichen Akzeptanzproblemen bei der Forschungsförderung. Die Probleme beginnen bereits bei dem Ausschreibungszeitraum, der häufig kurzfristig angesetzt wird. Eine gemeinsame Entwicklung des Forschungsplans ist hierdurch nicht möglich, da die Aushandlungsprozesse mit den betroffenen Menschen sehr viel mehr Zeit benötigen. COOK (2012) und McCARTAN et al. (2012) verweisen auf die Probleme, die sich allein bei der Antragstellung ergeben, und sie zeigen, wie schwierig bzw. fast unmöglich es ist, Anträge partizipativ mit den Forschungspartner/innen zu entwickeln. [82]
In der Mehrzahl der Fälle liegt der Güteeinschätzung durch die jeweiligen Gutachter/innen das bereits erwähnte nomothetische Wissenschaftsmodell zugrunde. Damit aber werden Anforderungen gestellt, die für partizipative Forschung nicht zu erfüllen sind oder zu unsinnigen Einschränkungen führen. Dies beginnt bei den bereits erwähnten Forschungsfragen, die sich im Voraus nur vage oder allgemein formulieren lassen. Auch andere Charakteristika partizipativer Forschung erschweren die Akzeptanz. Ein exakter Zeitplan lässt sich kaum erstellen, da die Dauer der Aushandlungsprozesse zwischen den Forschungspartner/innen nicht genauer voraussagbar ist. Klar ist nur, dass die Gesamtdauer eines solchen Forschungsvorhabens den Zeitrahmen häufig überschreitet, der normalerweise für Förderprojekte angenommen wird (siehe COOK 2012). Auch bestimmte Anforderungen im Finanzplan stoßen auf Ablehnung bei den Förderungsinstitutionen. Weiter oben wurde bereits darauf verwiesen, dass sich gute Gründe für eine finanzielle Unterstützung der Forschungspartner/innen vorbringen lassen. Von Fördereinrichtungen werden solche Positionen des Finanzplans häufig zurückgewiesen. [83]
Ähnlich ist die Situation an den Universitäten, wo es für junge Wissenschaftler/innen sehr schwierig ist, Qualifikationsarbeiten vorzulegen, die partizipative Forschungsstrategien nutzen. Auch hier werden bei der Akzeptanz der Forschungspläne und bei der Beurteilung der fertigen Arbeiten häufig die oben erwähnten klassischen Gütekriterien angelegt (siehe GOEKE & KUBANSKI 2012; COOK 2012). Es lassen sich auch kaum exakte Zeitpläne erstellen, wie dies von den Universitäten gefordert wird. Die Zahl der Gutachter/innen ist teilweise gering, die solche Arbeiten beurteilen können. Auch dies hängt sicherlich vom jeweiligen Fach ab. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es z.B. in der Psychologie in Deutschland fast unmöglich, mit einer Arbeit auf der Basis der partizipativen Methodologie zu promovieren oder zu habilitieren. [84]
Für den Aufbau einer wissenschaftlichen Karriere kommt noch erschwerend hinzu, dass Projekte mit Forschungspartner/innen aus der Praxis und mit unmittelbar betroffenen Menschen wesentlich mehr Zeit benötigen, da ausführliche Diskussionen mit den Partner/innen notwendig sind. Dies bedeutet, dass die Produktion von wissenschaftlichen Arbeiten sehr viel länger dauert und daher von den Forschenden in ihren Literaturlisten weniger Arbeiten vorgelegt werden können. Darüber hinaus gibt es aus den oben genannten Gründen nur wenige wissenschaftliche Zeitschriften, welche partizipative Arbeiten akzeptieren. Außerdem werden in partizipativen Forschungsprojekten häufiger marginalisierte Populationen untersucht, die nicht im Zentrum des Interesses des normalen Forschungsbetriebs stehen. Dies wirkt sich auf die Häufigkeit aus, mit welcher die jeweilige Publikation zitiert wird. Da der "Science Citation Index" in der Zwischenzeit als wichtiger Indikator für wissenschaftliche Qualifizierung dient, werden Autor/innen benachteiligt, welche partizipative Methoden verwenden. [85]
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die augenblickliche Wissenschaftsstruktur für partizipative Forschungsvorhaben äußerst ungünstig ist. Dabei soll nicht bestritten werden, dass es teilweise sehr schwierig ist, die Güte und Seriosität von partizipativen Projekten einzuschätzen. Aus diesen Gründen wird es für die Zukunft der partizipativen Forschung sehr wichtig werden, Kriterien zu entwickeln, welche eine Einschätzung solcher Projekte zulassen. Auf einer eher pragmatischen Ebene schlägt z.B. COOK (2012) vor, standardisierte Antragsformulare zu entwickeln. Einen anderen solchen Versuch stellt eine Checkliste dar, welche von GREEN et al. (2003) entwickelt wurde, um partizipative Forschungsprojekte im Gesundheitsbereich einschätzen zu können. Hier besteht sicherlich noch erheblicher Entwicklungsbedarf. Von zentraler Bedeutung wird eine stärkere Diskussion um Gütekriterien sein. [86]
Das Problem der Gütekriterien für die partizipative Forschung wird immer wieder von sehr unterschiedlichen Seiten angesprochen, von den Auftraggeber/innen, seien dies nun Institutionen oder die Betroffenen selbst, die "sichere" Erkenntnisse gewinnen wollen, von den potenziellen Fördereinrichtungen, aus dem akademischen Bereich beim Einsatz dieser Strategien bei Qualifikationsarbeiten, bei Publikationen und in den wissenschaftlichen Diskussionen. [87]
In der qualitativen Forschung wurde die Frage nach angemessenen Gütekriterien bereits sehr ausführlich diskutiert und es liegen unterschiedliche Konzepte vor, die von der Adaptation der klassischen Gütekriterien, also Objektivität, Reliabilität und Validität, bis zur Forderung nach eigenen, angemessenen Gütekriterien für die qualitative Forschung reichen (siehe z.B. LINCOLN & GUBA 1985; STEINKE 1999). Diese Diskussion soll hier nicht aufgenommen werden. Wir sind der Meinung, dass die Frage nach den Gütekriterien in der partizipativen Forschung einige Grundfragen auch für qualitative Forschung deutlich werden lässt. [88]
Geht man von der Annahme aus, dass in der partizipativen Forschung allen Perspektiven und Stimmen der Beteiligten das gleiche Recht der Äußerung zugesprochen werden soll, und dass jede Gruppierung ein qualitativ unterschiedliches Wissen über den untersuchten Lebensbereich besitzt, so ist zu erwarten, dass die Teilnehmer/innen auch unterschiedliche Vorstellungen über die Qualität des Forschungsprozesses und seiner Ergebnisse haben. [89]
Die Frage danach, was "gute" Forschungsergebnisse sind, wird also unserer Meinung nach von den unterschiedlichen Teilnehmer/innen an der Forschung und auch von den Rezipient/innen dieser Forschung sehr unterschiedlich beantwortet und hängt eng mit deren Werte- und Normsystem, ihrer Interessenlage und den in jeweiligen Zusammenhängen stattfindenden Diskursen zusammen. Die Frage, inwieweit das konkrete Projekt diesen Werten und Interessen gerecht wird, muss Forschung mit überzeugenden Argumenten aus dem jeweiligen Diskurszusammenhang beantworten. Der Befund, dass unterschiedliche Gruppierungen die Frage nach den Gütekriterien thematisieren, macht unserer Meinung nach deutlich, dass es einer spezifischeren Analyse dessen bedarf, was unter "Güte" im Sinne eines guten partizipativen Forschungsprojekts in dem jeweiligen Kontext verstanden werden soll. Die Frage kann nicht in einer scheinbar allgemeinen Weise beantwortet oder auf eine Unterscheidung zwischen "innerwissenschaftlichen" und "außerwissenschaftlichen Maßstäben" verlagert werden (siehe BREUER & REICHERTZ 2001). [90]
Nach unserer Auffassung handelt es sich bei dem Begriff der "Güte" im Sinne des sozialen Konstruktivismus, der hier als metatheoretischer Ansatz herangezogen werden kann (GERGEN 1985), um einen sozial definierten Begriff. WESTMEYER (2000, S.33) bestimmt einen solchen Begriff in folgender Weise:
"Sozial definierte Begriffe werden von Personengruppen konstruiert, die z. B. von bestimmten gesellschaftlichen Institutionen oder Organisationen internationaler, nationaler, öffentlicher oder privater Provenienz dazu beauftragt und mit der erforderlichen Definitionsmacht ausgestattet werden. Die so entstandenen Konstruktionen sind dann im Einflußbereich dieser Institutionen bzw. Organisationen bis zu ihrer Revision verbindlich." [91]
Im Rahmen dieser Einleitung soll kurz aufgezeigt werden, in welcher Weise eine solche Position einen Ansatzpunkt für die Bearbeitung des Problems der Gütekriterien in der partizipativen Forschung bieten könnte. [92]
Ausgangspunkt ist die Frage nach den unterschiedlichen Institutionen und Beteiligtengruppen, denen gegenüber sich ein partizipatives Forschungsprojekt zu rechtfertigen hat. Bei einer Durchsicht der Literatur lässt sich grob feststellen, dass partizipative Forschungsprojekte vor der Aufgabe stehen, ihre Qualität gegenüber so unterschiedlichen gesellschaftlichen Institutionen wie der Wissenschaft, der Politik, der Wirtschaft, der Verwaltung, dem System der psychosozialen Praxis, der Medizin und vor allem auch den Nutzer/innen bzw. Nutzer/innengruppen darzustellen. Im Verlauf der Geschichte des Abendlandes hat sich Wissenschaft als der gesellschaftliche Bereich etabliert, der über die "Wahrheit" im Sinne von richtiger Erkenntnis zu urteilen hat. Partizipative Forschung hat sich aber gegenüber vielfältigen gesellschaftlichen Institutionen zu rechtfertigen, für die das Kriterium "Wahrheit" im wissenschaftlichen Sinn nur sekundäre Bedeutung hat. Daher soll im Weiteren nicht von "Gütekriterien", sondern von Rechtfertigungsargumenten in jeweiligen institutionellen bzw. kontextuellen Diskursen gesprochen werden. Wir gehen von der These aus, dass sich in der geschichtlichen Entwicklung in den verschiedenen gesellschaftlichen Handlungsbereichen unterschiedliche Kommunikations- und Handlungssysteme mit unterschiedlichen Rechtfertigungsnormen herausgebildet haben4). Jede dieser Gruppierungen hat eigene Werte und eigene Argumentationsstrukturen entwickelt, auf deren Durchsetzung sie jeweils mit den ihr zur Verfügung stehenden Machtmitteln besteht. Die Argumente der Rechtfertigung eines partizipativen Forschungsprojekts und seiner Ergebnisse müssen diesen Strukturen entsprechen, da sie sonst nicht akzeptiert werden können. [93]
In der alltäglichen Projektarbeit führen diese unterschiedlichen Rechtfertigungsanforderungen zu erheblichen Schwierigkeiten, weil sie in der Forschungspraxis nicht in ihrer systematischen Unterschiedlichkeit unmittelbar erkannt werden. Sie werden vielmehr als unvereinbare Anforderungen erfahren, auf die gleichzeitig kaum adäquat reagiert werden kann. In der hier veröffentlichten Schwerpunktausgabe lässt sich dies bei einigen Beiträgen gut ersehen. Im Folgenden soll anhand von vier Beispielen aufgezeigt werden, welche Konsequenzen solche unterschiedlichen, institutionsabhängigen Rechtfertigungsstrukturen haben. [94]
In mehreren Beiträgen (COOK 2012; GOEKE & KUBANSKI 2012; DENTITH et al. 2012) wird eine fehlende akademische Anerkennung partizipativer Forschung beklagt, wie dies bereits weiter oben dargestellt wurde. Hier ist zu bedenken, dass die jeweils in akademischen Gremien vorgestellten partizipativen Forschungsprojekte auf dem Hintergrund von Rechtfertigungsargumenten und vor allem von Wertsetzungen entwickelt wurden, die aus ganz anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen als dem akademischen Bereich stammten. Die sich daraus ergebenden Argumente entsprechen nicht den "klassischen" Gütekriterien, die hier als eine spezielle Rechtfertigungsargumentation innerhalb des Wissenschaftssystems verstanden werden können. Eine Kompatibilität der Argumentationsstrukturen zur Rechtfertigung in den unterschiedlichen Diskurswelten ist daher nur längerfristig zu erwarten, wenn es gelingt, eine Erweiterung des akademischen Codes zu erreichen. Die Diskussion um die Akzeptanz von qualitativen Forschungsmethoden könnte als Beispiel für einen solchen Prozess dienen. [95]
Die Bedeutung des politischen Systems wird in dem Beitrag von LENZ (2012) als Unvereinbarkeit zwischen Diktatur und partizipativer Forschung besonders deutlich. Für diesen speziellen politischen Kontext kann es keine Rechtfertigungsargumente geben, ohne dass der eigene Ansatz grundlegend verleugnet würde. Dies stellt ein Extrembeispiel dar, aber auch in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wie auch anderer westlicher Staaten hat es politische Konstellationen gegeben, in denen die Rechtfertigungsargumente für partizipative Forschung aufgrund politischer Grundsatzprogramme Akzeptanzprobleme hatten. Die Rechtfertigungsargumente eines Forschungsprojekts werden z.B. in staatlichen Forschungsförderungsprogrammen nur akzeptiert, wenn sie eine Passung mit den jeweils herrschenden politischen Werten haben. [96]
Die sogenannte Schulmedizin stellt einen weiteren hier diskutierten Gesellschaftsbereich dar, in dem die Konsequenzen von unvereinbaren Rechtfertigungsargumenten sichtbar werden: In den Beiträgen von RUSSO (2012) und COOK (2012) im Bereich "Psychiatrie" und GOEKE und KUBANSKI (2012) aus dem Bereich "Menschen mit Behinderungen" wird deutlich, wie schwierig es ist, genuine partizipative Forschung, d.h. Forschung mit den oder durch die Betroffenen aus deren Perspektive durchzuführen. Forschung von Psychiatrieüberlebenden (survivor research) z.B. zielt explizit auf die Entwicklung einer Alternative gegenüber dem dominanten biomedizinischen Modell von psychischen "Krankheiten" ab (RUSSO 2012). Da das alternative Modell auf persönlichen Erfahrungen basieren soll, sind die Rechtfertigungsargumente nicht mit dem biomedizinischen Modell kompatibel. Eine solche Forschung wird vonseiten der Schulmedizin häufig als "unwissenschaftlich" und "subjektiv" abgewertet, und ihre Ergebnisse werden nicht in den Erkenntniskanon des Faches übernommen. [97]
Wirtschaft bestimmt sich über die Allokation bzw. Nicht-Allokation von Ressourcen in Form von Geld. In verschiedenen, hier veröffentlichten Beiträgen werden Probleme der Finanzierung angesprochen, und es wird auf den behindernden Einfluss verwiesen, den Finanzierungsbedingungen auf partizipative Forschung haben können (COOK 2012; GOEKE & KUBANSKI 2012; McCARTAN et al. 2012; RUSSO 2012; WÖHRER & HÖCHER 2012). Besonders deutlich wird dies am Beispiel der von der Pharmaindustrie finanzierten Forschung im Bereich psychiatrischer Störungen. Diese Forschung zielt auf die Entwicklung von verkaufbaren pharmazeutischen Produkten ab. RUSSO (2012) stellt fest, dass die darauf ausgerichtete massive Finanzierung von Forschung zu einer Dominanz des biomedizinischen Modells psychischer Störungen geführt hat. Die Entwicklung von alternativen Modellen aus der Sicht der Betroffenen wird dagegen durch eine fehlende Finanzierung behindert, da die dafür vorgetragenen Rechtfertigungsargumente nicht dem zentralen Wert "Gewinnmaximierung" des ökonomischen Marktmodells entsprechen, dessen Teil die Pharmaindustrie ist. Die Beantwortung der Frage, wer mit welchen Interessen ein Forschungsprojekt finanziell fördert oder ablehnt, muss also Teil der Aussagen zur Güte eines Forschungsprojekts sein. [98]
Die hier vorgelegten Überlegungen reihen sich in die augenblickliche Diskussion über Gütekriterien ein. FLICK (2010) plädiert in neuerer Zeit ebenfalls dafür, Gütekriterien in der qualitativen Forschung als kontextabhängig zu verstehen. Allerdings konzipiert er andere Kontexte als diejenigen, die hier herangezogen wurden. Seiner Meinung nach sind dies "einerseits theoretische und methodologische Schulen" (S.403) und "andererseits in den letzten Jahren die Differenzierung der unterschiedlichen Anwendungsfelder qualitativer Forschung" (S.404). [99]
In ihrem bereits erwähnten Überblick zeigen BREUER und REICHERTZ (2001, §37) acht Gütekriterienbereiche und -ebenen auf, die etwa seit den 1970er Jahren diskutiert werden. Dabei stellen sie fest, dass die "relevanten Diskurs-Kontexte ... zahlreicher und oft auch differenzierter geworden" sind. Es gebe eine deutliche Tendenz weg von dem wissenschaftsinternen Diskurs über Gütekriterien hin zu einem von Wirtschaft, Politik und den Medien bestimmten externen Diskurs. Sie schlagen als klärende Strategie vor, das breite Spektrum der Argumente zu entfalten und zur Kenntnis zu nehmen und die gesellschaftlichen, sozialen und wissenschaftlichen Kontexte jeweils auf ihre Bedeutung für wissenschaftliches Arbeiten zu prüfen. [100]
Uns erscheint es ebenfalls weiterführend, in der oben dargestellten Weise die Rechtfertigungsanforderungen der verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen genauer zu analysieren, um so zu einer systematischeren Konzeptualisierung von Rechtfertigungsanforderungen und damit auch zu einer gezielteren Beurteilung darüber zu gelangen, inwiefern spezifische qualitative und partizipative Projekte im Kontext von spezifizierten gesellschaftlichen Institutionen zu rechtfertigen sind. Auf dem Hintergrund solcher Überlegungen wären dann Rechtfertigungsargumente wie Nützlichkeit, Authentizität, Glaubwürdigkeit, Reflexivität und Nachhaltigkeit zu diskutieren. [101]
Partizipativ Forschende sind in hohem Maße gefordert, sich ethischen Fragen zu stellen. Die Nähe, die bei partizipativen Projekten mit den Forschungspartner/innen entsteht, verlangt immer wieder ethisch fundierte Entscheidungen darüber, welche Normen und Regeln im Umgang miteinander gelten sollen, wie die Informationen erhoben, dokumentiert und interpretiert werden sollen, damit sie den Beteiligten nicht schaden und ihre Privatsphäre gewährleistet ist, wie zuverlässig, wie lange, in welchem zeitlichen Rahmen die professionell Forschenden zur Verfügung stehen usw. [102]
Die Notwendigkeit einer ethischen Grundlage solcher Entscheidungen wird u.a. auf dem Hintergrund der in verschiedenen Beiträgen berichteten Tatsache deutlich, dass partizipative Forschung auch immer wieder in der Gefahr ist, von ganz unterschiedlichen Seiten für Zwecke benutzt zu werden, die dem postulierten Grundverständnis widersprechen. [103]
Zum einen kann das Angebot, mitsprechen und -entscheiden zu können, als Lockmittel benutzt werden, um gerade die Menschen, die normalerweise solche Möglichkeiten nicht haben, zur Mitarbeit in Forschungsprojekten zu bewegen. Auf diese Weise soll ein leichterer Zugang zu Gruppen gewonnen werden, welche der Forschung kritisch gegenüberstehen. Die Gefahr einer solchen missbräuchlichen Nutzung partizipativer Methoden findet sich z.B. in der Evaluationsforschung. So beschreibt CASPARI (2006) die Instrumentalisierung des Begriffs der partizipativen Methoden in internationalen Entwicklungsprojekten, die u.a. dazu führt, dass "partizipative Konzepte auf einzelne Datenerhebungsmethoden sowie deren Kombination und Anwendung" (S.377) reduziert werden. [104]
Zum anderen fördern das Vertrauen und die dadurch entstehende Nähe das Eindringen in tiefe und unter Umständen tabuisierte Schichten der Personen und der Lebenswelt. Hier ist die Gefahr von Grenzüberschreitungen und damit von tief greifenden Verletzungen immer gegenwärtig. Es bedarf daher klarer ethischer Standpunkte, die jeweils nicht nur abstrakt, sondern auch auf die konkrete Situation bezogen sein müssen (WÖHRER & HÖCHER 2012). [105]
Gerade Menschen, die eine lange Erfahrung mit einer Forschung haben, die sie teilweise als gegen ihre Interessen gerichtet empfinden, bestehen auf der Einhaltung ethischer Normen. Aus dem Bereich des survivor research liegen ethische Richtlinien unter dem Titel "The Ethics of Survivor Research" (FAULKNER 2004) vor, in denen die Kernpunkte ethischen Handels in der Forschung klar und gut nachvollziehbar dargestellt sind (siehe auch RUSSO 2012). [106]
Bereits 1998 hatte WADSWORTH darauf verwiesen, dass Forschende sich bei partizipativer Forschung bewusst sein müssen, dass die Forschung unausweichlich wertgeleitet ist und zu Handlungskonsequenzen führt, die jeweils zu bewerten sind. Es sind die Konsequenzen von Entscheidungen wie:
einige Fragen aufgeworfen zu haben und andere nicht,
einige Leute in den Prozess einbezogen zu haben und andere nicht,
bestimmte Phänomene beobachtet zu haben und andere nicht,
eine Interpretation zu entwickeln und andere nicht,
als Ergebnis diesen Handlungsablauf weiterzuverfolgen und nicht jenen. [107]
Verschiedene Wertpräferenzen hinsichtlich dieser Entscheidungen führen auch zwischen den Forschungspartner/innen und innerhalb der Community zu Konflikten und Auseinandersetzungen. So kann beispielsweise allein die Entscheidung zur aktiven Teilnahme an einem Forschungsprojekt über tabuisierte Themen zu einer Entfremdung und zum Misstrauen der anderen Community-Mitglieder gegenüber den Teilnehmer/innen im Forschungsteam führen (v. UNGER 2012). [108]
Die Forschung und die Veröffentlichung der Ergebnisse können für die Forschungsteilnehmer/innen erhebliche negative Konsequenzen haben. Dies zeigen DENTITH et al. (2012) anhand der Verwendung der Forschungsergebnisse über die Schwangerschaft von jungen Frauen durch die Boulevardpresse. Weder die Forschenden noch die Fördernden können ausreichende Kontrolle über die Darstellung ausüben. Es ist deshalb immer notwendig, mit den Betroffenen darüber zu reflektieren, was in der Öffentlichkeit geschehen kann, wenn tabuisierte, bisher unsichtbare Probleme öffentlich gemacht werden. Die konkreten Konsequenzen sind allerdings kaum voraussehbar. Es entsteht also das Dilemma, ob die Veröffentlichung von Problemen, die dringend einer öffentlichen Diskussion bedürfen, zum Schutz der Betroffenen zurückgestellt wird oder ob sie gerade deshalb veröffentlicht werden soll. Es wird notwendig, zusammen mit den Forschungspartner/innen Gegenstrategien zu entwickeln. [109]
Abschließend möchten wir feststellen, dass uns die Forderung von DENTITH et al. (2012, §26) als grundsätzliche Zielrichtung von ethischen Normen für partizipative Forschung angemessen erscheint:
1) Solche Persönlichkeitsmerkmale fanden z.B. ARVIDSSON, GRANLUND und THYBERG (2008) bei Jugendlichen mit leichten Lernbehinderungen, die bei sozialen Aktivitäten partizipierten. Untersuchungen über Veränderungen im Laufe von partizipativen Forschungsprojekten liegen unseres Wissens nicht direkt vor. <zurück>
2) Siehe BREUER (2009), der das Verhältnis von Subjektivität, Perspektivität und Selbst/Reflexivität für den Forschungsprozess in der Grounded-Theory-Methodologie analysiert hat. <zurück>
3) Siehe auch MRUCK, ROTH und BREUER (2002), ROTH, BREUER und MRUCK (2003). <zurück>
4) BREUER und REICHERTZ (2001) haben in ähnlicher Weise einen Überblick über die Bereiche und Ebenen der Diskussion um Gütekriterien vorgelegt. <zurück>
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Professor em. Dr. Jarg BERGOLD, Studium der Jurisprudenz und der Psychologie in Saarbrücken und Freiburg, Tätigkeit als klinischer Psychologe und Verhaltenstherapeut in München, London und Bern, seit 1974 Professor für Klinische Psychologie und Gemeindepsychologie am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin. Augenblickliche Forschungstätigkeit im Rahmen eines partizipativen Forschungsprojekts mit den Mitgliedern des Obdachlosenheims St. Ursula in Offenburg und eines Projekts "Kreativität im Alter bei bildenden Künstlern".
Adresse ist der Redaktion bekannt.
Dr. Stefan THOMAS, geb. 1971, Gastprofessor für qualitative Sozialforschung an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin, Ruferteilung auf die Professur empirische Sozialforschung und Soziale Arbeit an der FH Potsdam im Fachbereich Sozialwesen, Studium und Promotion an der Freien Universität Berlin im Fach Psychologie
FB 1 Sozialwesen
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http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1201302.

References: Art. 30
 §32
 §22
 §47
 §36
 §37
 §26
 Art. 24
 Art. 6
 Art. 25
 Art. 30