Source: https://www.kritik-relativitaetstheorie.de/2011/12/ein-nein-zu-einstein/
Timestamp: 2018-07-20 18:04:32+00:00

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Ein Nein zu Einstein | Kritische Stimmen zur Relativitätstheorie
Die Theoretische Optik von Flügge (1949) zeigt sehr schön, wie die verschiedensten Anschauungen – Emissionstheorie, transversale und longitudinale Ätherwellen – imstand sind, den grössten Teil der Optik aufzubauen und stets nur an einzelnen
Punkten versagen. War die Emissionstheorie im Lauf des 19. Jahrhunderts ganz zurückgedrängt worden, so vermögen ihre Grundannahmen – kein Äther, Licht-geschwin­digkeit c relativ zur Quelle – 1881 den Michelson/Morley-Versuch trivial zu deuten, während die Äthertheorien die Lorentztransfor­mationen oder die „spezielle Relativitätstheorie“ benötigen, womit sie sich selber gewissermaßen aufheben. Sollten nicht die gesamten so genannt relativistischen Phänomene durch die gleichen einfachen Annahmen, durch ein Zurückgreifen auf eine Art verfeinerter Emanations- oder Korpuskulartheorie gedeutet werden können und demnach die Relativitätstheorie gegenstandslos werden? Aber auf Seite 19 scheint dem die Aberration im Weg zu stehen. Es heißt dort:
„Man kann die Aberration anschaulich so deuten, dass man etwa an die korpuskulare Lichttheorie denkt. Das Fernrohr muss so verschoben (gemeint ist: verdreht) sein, dass ein ankommendes Lichtteilchen, ohne an das Gehäuse zu stoßen, hindurchkommt; da das Fernrohr parallel verschoben wird, während das Licht hindurchwandert, muss man es etwas verdrehen. Hiernach bedeutet Bradley’s Experiment die Messung der Lichtgeschwindigkeit im Innern des Fernrohrs. Aus dieser Überlegung heraus hat Airy sein Fernrohr mit Wasser gefüllt in der Hoffnung, so die Lichtgeschwindigkeit in Wasser zu erhalten. Das Ex­periment ergab aber wiederum 2a = 40″, d.h. die Vakuumlichtgeschwin­digkeit. Dies ist ein sehr merkwürdiges Ergebnis, das erst durch die Fortschritte erklärt wurde, die man vor vierzig Jahren in der Optik bewegter Körper machte, also durch die Relativitätstheorie.„
Der unbefangene Leser kann dies nicht anders verstehen, als dass der Befund von Airy (gleichbleibende Aberration im wassergefüllten Fernrohr) auch vom Standpunkt der „korpuskularen“, d.h. ätherfreien Theorie unverständlich ist. Das ist er aber nicht, im Gegenteil, und nirgends sonst in der relativistischen Literatur wird die Aberration gegen die korpuskulare oder „ballistische“ Theorie ins Feld geführt. Vielmehr hatte gerade der Äthergegner Boscovich das Gleichbleiben der Aberration bei wassergefülltem Fernrohr vorausgesagt, und Airy hat den Versuch ausgeführt, um Boscovich zu widerlegen und den Äther, an den er glaubte, nachzuweisen.
Flügge hatte bei der Aberration wohl nur die Widerlegung der klassischen Äthertheorie im Auge und griff auf die Korpuskulartheorie nur im Sinn eines Bildes zurück; aber dieses Bild ist schief, weil seine konsequente Durchführung eben gerade zum Ergebnis von Airy führt. In „Fragezeichen zu Einstein“ (1959) habe ich dies näher ausgeführt, doch ist diese „Entdeckung“ nichts Neues, und ich rannte mit jenem ersten Schritt zur „ballistischen“ Deutung der „relativistischen“ Phänomene gewissermaßen offene Türen ein.
Immerhin deutete jene Textstelle darauf hin, dass nicht nur Schulbücher, sondern auch Werke hohen Ranges sich den Nachweis der Unentbehrlichkeit der Relativitätstheorie recht leicht machen, und als mir bald darauf aufging, warum die Erscheinungen bei Doppelsternen zum Beweis der Relativitätstheorie nicht taugen, warf ich mein Herz voraus. . und schrieb getrost mein „Nein zu Einstein“ (1959). Diese Arbeit wies in anderer Hinsicht manche Fehler auf, deren Behebung, nicht ohne Rückschläge, Gegenstand mehrerer Arbeiten bis 1965 war.
Schon die Neufassung dieses „Nein“ im Jahr 1962 weitete das ursprüngliche Ziel – die so genannte Optik bewegter Körper unter der Annahme durchzuführen, dass die Lichtgeschwindigkeit c relativ zur Quelle ist – aus: erteilt man auch der elektrischen Kraft die Geschwindigkeit c relativ zur Quelle, so müsste sich das in eigentümlichen Erscheinungen äußern; deren Fehlen oder Vorhandensein wäre ebenfalls ein Kriterium gegen oder für die gemachte Hypothese. Später erkannte ich, dass es diese Erscheinungen gibt, und dass sie das sind, was man als Elek­trodynamik bezeichnet. Noch später erfuhr ich, dass diesen Gedanken schon B. Riemann verfolgte (1858). Was schon Ritz aus gesprochen hatte, wurde mir zur Gewissheit, dass sich das Nein zu Einstein zu einem Nein zu Maxwell ausweitet.
Es wurde mir auch bewusst, dass Einstein in der speziellen Relativitätstheorie die entscheidende Rolle nicht als Schöpfer, sondern als Apostel gespielt hat: den entscheidenden Schöpfungsakt vollzog vor ihm Henri Poincaré in Arbeiten von 1901 und 1904. Das geht unter anderem aus Sir E. Whittaker’s History of the theories of ether and electricity (1957, II, S. 26 ff) hervor, wo die Kapitelüber­schrift betont lautet: „The relativity theory of Poincaré and Lorentz“. Planck, der Einstein’s Ansehen begründete – bereits die Erteilung der venia legendi in Bern ist durch einen Brief Planck’s gegen große Widerstände erzwungen worden – hat diese Zusammenhänge ganz verkannt. Unter diesen Umständen wäre „Ein Nein zu Einstein“ nicht mehr der richtige Titel für ein Buch, das sich zur Hauptsache damit beschäftigt, die spezielle Relativitätstheorie vom Standpunkt der radikalen Verwerfung des Äthers entbehrlich zu machen.
Eigenste Schöpfung Einstein’s, trotz der entscheidenden mathematisch-technischen Hilfe des Jugendfreundes Marcel Grossmann, ist hingegen die „Allgemeine Relativitätstheorie“. Die immanente Kritik derselben haben Berufenere (vor allem. Hans Reichenbach) geleistet. Meine Kritik läuft auch hier nur darauf hinaus, ohne Eintreten auf die Theorie selber nachzuweisen, dass die Beobachtungen folgerichtig im euklidischen Raum und in der universellen Zeit gedeutet werden können. Dabei fand sich, dass die für die Deutung der Erfahrungen entscheidenden Elemente Einsteins vorbekannt gewesen und von Einstein lediglich umgekleidet worden sind in die schwer durchschaubare Raumkrümmung. Einstein hat weder in der speziellen, noch in der allgemeinen Relativitätstheorie entscheidend Neues für die Deutung der Erfahrung gefunden.
So bleibt denn trotz der Verschiebung der Blickrichtung mein „Nein zu Einstein“ als ein Nein zur Einstein-Hypostasie. Freilich kann ein Nein nicht ohne gleichzeitigen Aufbau von etwas Neuem richtig sein. Der letzte Teil dürfte zeigen, dass diese Aufbauarbeit auf guten Wegen ist.
1.Teil: Versuche zur speziellen Relativitätstheorie
§ 1. Michelson-Versuche
1. Michelson-Morley-Versuch
2. Michelson-Morley-Versuch mit Sternlicht
3. Spiegelungsgesetze. Versuche mit rotierenden Vielecken
§ 2. Mitführung des Lichts in durchlässigen Medien
§ 3. Astronomische Beobachtungen erster Ordnung
a. Doppelsterne
b. Okkultationsverspätung
§ 4. Dopplereffekte zweiter Ordnung
a. Dopplereffekt im allgemeinen
b. Transversaler quadratischer Dopplereffekt
c. Longitudinaler quadratischer Dopplereffekt
2. Teil: Belege der allgemeinen Relativitätstheorie
§ 5. Einstein’s Begründung der allgemeinen Relativitätstheorie
§ 6. Die Verschiebung des Merkurperihels
§ 7. Die Rotverschiebung der Spektrallinien im Schwerefeld
§ 8. Die Ablenkung des Sternlichts am Sonnenrand
Anhang: Berechnung der Bahnhyperbel des Lichts nach
Newton Anwendung auf lichtbrechende Atmosphären
3. Teil: Elektrodynamik, Massenveränderlichkeit
§ 9. Induktion
§ 10. Elektromagnetismus
§ 11. Massenveränderlichkeit
Ergänzende Quellenhinweise zum 1. Teil
Eine Antwort zu “Ein Nein zu Einstein”
27. Dezember 2011 um 13:23
„. . . dass Einstein in der speziellen Relativitätstheorie die entscheidende Rolle nicht als Schöpfer, sondern als Apostel gespielt hat: den entscheidenden Schöpfungsakt vollzog vor ihm Henri Poincaré in Arbeiten von 1901 und 1904. Das geht unter anderem aus Sir E. Whittaker’s History of the theories of ether and electricity (1957, II, S. 26 ff) hervor, wo die Kapitelüber­schrift betont lautet: “The relativity theory of Poincaré and Lorentz”. Planck, der Einstein’s Ansehen begründete – bereits die Erteilung der venia legendi in Bern ist durch einen Brief Planck’s gegen große Widerstände erzwungen worden – hat diese Zusammenhänge ganz verkannt“, heißt es in dem obigen Text von Karl Dürr. Das ist nach dem heute erreichten wissenschaftshistorischen Forschungsstand korrekturbedürftig. Warum?
Planck hat „diese Zusammenhänge“ nicht etwa „ganz verkannt“, wie Dürr schreibt, sondern – im Gegenteil – auf der Grundlage hintergründigeren Wissens anders (richtig) erkannt. Daß Einstein nur Überbringer der Relativitätstheorie war, stimmt; Poincaré und Lorentz sind jedoch entgegen der Meinung von Whittaker, dem sich Dürr leichtfertig anschließt, allenfalls erwähnenswerte Nebengestalten.
Hätte damals Whittaker nicht nur die angelsächsische Larmorsche Ausgabe von Poincarés „La science et l’hypothèse“ gekannt, sondern die 1904 veröffentlichte deutsche Ausgabe unter dem Titel „Wissenschaft und Hypothese“ studiert, wäre er aufgrund der speziell hier angefügten Bemerkungen auf den Mathematiker Ferdinand Lindemann gestoßen, den ideologischen Erb- und Erzfeind Plancks. Whittaker hätte dann, insbesondere wegen der Bemerkung Nr. 97), leicht nachvollziehen können, was Planck wußte und was dann zu den Anomalien in der Historie der Relativitätstheorie geführt hat: daß Lindemann der „Vater der Relativitätstheorie“ ist, und daß die der wissenschaftlichen Welt und dann, völlig aus dem Ruder laufend, der ganzen Menschheit aufgetischte Einstein-Story in Wahrheit ein Einstein-Hoax ist. Die Zusammnenhänge, die Planck kannte, aber Whittaker und Dürr unbekannt geblieben sind, können dem Buch „Ich war Einstein“ entnommen werden.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11