Source: http://www.hensche.de/Bayrische_Landesbank_kann_sich_von_teuren_Betriebsrentenzusagen_freikaufen_Abloesung_durch_AGB_rechtens_BAG_3AZR539-15_17.11.2016.html
Timestamp: 2017-05-30 01:28:37+00:00

Document:
ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/353
17.11.2016. Vor mehr als vier Jah­ren leg­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) der Bay­ri­schen Lan­des­bank bei der Um­ge­stal­tung ih­rer Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen zu­recht ju­ris­ti­sche St­ei­ne in den Weg: Die von der Bank un­ter­nom­me­ne ein­sei­ti­ge Ab­lö­sung ei­ner (teu­ren) Ver­sor­gungs­zu­sa­ge, die seit 1972 als Be­triebs­übung Be­stand hat­te, war recht­lich un­wirk­sam (BAG, Ur­teil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11, wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/196 Be­trieb­li­che Übung und Be­triebs­ren­te).
Kann der Ar­beit­ge­ber Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen durch klar ge­fass­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) "ein­fach so" ablösen oder müssen die Ge­rich­te ei­ne In­halts­kon­trol­le vor­neh­men?
Wie­der vor dem BAG: Der Streit zwi­schen der Bay­ri­schen Lan­des­bank und ih­ren Ar­beit­neh­mern über die Fort­set­zung der be­am­tenähn­li­chen Pen­si­ons­zu­sa­gen
BAG: Ei­ne Be­triebs­ren­ten­zu­sa­ge nach dem Mo­dell der Be­am­ten­ver­sor­gung kann durch AGB in ei­ne fi­nan­zi­ell ungüns­ti­ge­re Zu­sa­ge überführt wer­den
Kann der Ar­beit­ge­ber Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen durch klar ge­fass­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) "ein­fach so" ablösen oder müssen die Ge­rich­te ei­ne In­halts­kon­trol­le vor­neh­men? Über die Gewährung von Be­triebs­ren­ten kann der Ar­beit­ge­ber im Prin­zip frei ent­schei­den, d.h. er muss kei­ne Be­triebs­ren­ten zu­sa­gen. Dar­an ändert auch das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats über die De­tails ei­ner Ver­sor­gungs­re­ge­lung nichts, denn die­ses Mit­be­stim­mungs­recht (gemäß § 87 Abs.1 Nr.10 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG) be­trifft nicht das "Ob" ei­ner Pen­si­ons­zu­sa­ge und auch nicht die zur Verfügung ste­hen­den fi­nan­zi­el­len Mit­tel, son­dern nur die Art und Wei­se der Um­set­zung ei­ner Be­triebs­ren­ten­zu­sa­ge, d.h. das "Wie".
Können Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaf­ten durch AGB ge­schaf­fen wer­den, ist es im Prin­zip auch möglich, sie durch AGB wie­der ab­zuändern, und zwar auch in ei­ner für den Ar­beit­neh­mer ungüns­ti­gen Wei­se. Nun müssen sol­che vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Ände­rungs­ver­ein­ba­run­gen zwar klar und verständ­lich sein, denn das folgt aus § 307 Abs.1 Satz 2, Abs.3 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB), doch liegt der ei­gent­li­che Stol­per­stein bei der sog. In­halts­kon­trol­le von AGB, d.h. bei § 307 Abs.1 Satz 1, Abs.2 BGB. Da­nach dürfen die AGB des Ar­beit­ge­bers den Ar­beit­neh­mer nicht ent­ge­gen "Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen". Aber wo liegt hier die Gren­ze bei der Ver­schlech­te­rung ei­ner Be­triebs­ren­ten­zu­sa­ge?
An die­ser Stel­le fragt sich, ob die Abände­rung bzw. Ver­schlech­te­rung ei­ner Be­triebs­ren­ten­zu­sa­ge per AGB über­haupt ei­ner In­halts­kon­trol­le gemäß § 307 Abs.1 Satz 1 BGB un­ter­liegt, denn da­zu müss­ten die zu über­prüfen­den Klau­seln von ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ab­wei­chen. Das ist nach all­ge­mei­ner An­sicht aber nicht der Fall, wenn per AGB Haupt­leis­tungs­pflich­ten der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bart wer­den, al­so z.B. Ar­beits­zeit, die Ar­beits­auf­ga­ben und die Lohnhöhe. Da man in ei­ner Be­triebs­ren­ten­zu­sa­ge ei­ne Art Vergütungs­re­ge­lung se­hen kann, liegt die Schluss­fol­ge­rung na­he, dass Ände­run­gen und/oder Ver­schlech­te­run­gen von Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen per AGB von den Ge­rich­ten nicht in­halt­lich auf ih­re "An­ge­mes­sen­heit" hin über­prüft wer­den können. Aber gilt das auch dann, wenn Ar­beit­neh­mer sol­che Ver­ein­ba­run­gen in ei­ner Si­tua­ti­on tref­fen, in der recht­lich völlig un­klar ist, ob der Ar­beit­ge­ber nicht not­falls auch ein­sei­tig Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen ändern kann?
Wie­der vor dem BAG: Der Streit zwi­schen der Bay­ri­schen Lan­des­bank und ih­ren Ar­beit­neh­mern über die Fort­set­zung der be­am­tenähn­li­chen Pen­si­ons­zu­sa­gen Die Bay­ri­sche Lan­des­bank, ei­ne An­stalt des öffent­li­chen Rechts, mach­te ih­ren Ar­beit­neh­mern seit 1972 mehr als anständi­ge Be­triebs­ren­ten­zu­sa­gen. Da­nach konn­ten die Ar­beit­neh­mer ei­ne an der Be­am­ten­ver­sor­gung ori­en­tier­te Ren­ten­zah­lung er­war­ten. Und wer 20 Jah­re im Kre­dit­ge­wer­be und da­von zehn Jah­re bei der Lan­des­bank ge­ar­bei­tet hat­te, er­hielt so­gar un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ein sog. "Ver­sor­gungs­recht". Die­ses Recht stell­te die begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer nicht nur beim The­ma Ren­te, son­dern auch beim Kündi­gungs­schutz, bei der Bei­hil­fe und der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall Be­am­ten weit­ge­hend gleich. Auf­grund spe­zi­el­ler Re­ge­lun­gen wa­ren die­se Ar­beit­neh­mer so­zi­al­ver­si­che­rungs­frei.
BAG: Ei­ne Be­triebs­ren­ten­zu­sa­ge nach dem Mo­dell der Be­am­ten­ver­sor­gung kann durch AGB in ei­ne fi­nan­zi­ell ungüns­ti­ge­re Zu­sa­ge überführt wer­den Auch das BAG ent­schied ge­gen den Bank­an­ge­stell­ten. Zur Be­gründung heißt es in der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mel­dung: Mit der strei­ti­gen Ein­verständ­nis­erklärung hat der Kläger ei­ner Re­ge­lung zu­ge­stimmt, die den An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes Ver­sor­gungs­rechts auf­hebt. Die­se Ver­ein­ba­rung ei­ner Ver­tragsände­rung war - als AGB der Bank - we­der un­klar noch über­ra­schend, so das BAG, d.h. sie ent­sprach § 307 Abs.1 Satz 2 BGB und § 305c Abs.1 BGB.
Als "Prüfungs­maßstab" will das BAG in sol­chen Fällen (gütli­che Streit­bei­le­gung durch Ver­gleich, den der Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig vor­for­mu­liert hat) § 779 BGB her­an­zie­hen. Nach die­ser Vor­schrift kann der Streit oder die Un­ge­wiss­heit der Par­tei­en über ein Rechts­verhält­nis durch ge­gen­sei­ti­ges Nach­ge­ben bzw. durch Ver­gleich be­sei­tigt wer­den. Ob­wohl sich dies der Pres­se­mel­dung nicht klar ent­neh­men lässt, würde das BAG ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers durch ei­nen vom Ar­beit­ge­ber ent­wor­fe­nen Ver­gleich wohl in den Fällen an­neh­men, in de­nen nicht bei­de Par­tei­en nach­ge­ben, son­dern ein­sei­tig der Ar­beit­neh­mer. Das war hier nicht der Fall, schon al­lein we­gen der nicht un­er­heb­li­chen Wech­sel­prämie.

References: § 87
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 305
 § 779