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Timestamp: 2018-01-21 01:06:23+00:00

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Sicherheitsabstand – Worauf Sie achten müssen | AWW Group - Anwalt Berlin
von AWW Group | Jan 4, 2018 | Ordnungswidrigkeitenrecht | 0 Kommentare
Das Einhalten eines angemessenen Sicherheitsabstandes zum vorausfahrenden Fahrzeug ist nicht nur für Ihren Geldbeutel wegen drohender Strafen, sondern vor allem wegen der Sicherheit im Straßenverkehr überaus wichtig. Und doch passieren die häufigsten Auffahrunfälle aus dem Grund, dass der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde. Ist es erst zu einem Unfall gekommen, wird es erst richtig teuer und im schlimmsten Fall droht Schaden für die Gesundheit und das Leben der Insassen beider Kraftfahrzeuge. Doch auch, wenn Ihnen bei einer Kontrolle ein zu geringer Sicherheitsabstand nachgewiesen wird, drohen Punkte im Verkehrsregister und sogar ein Fahrverbot kann die Konsequenz sein. Umso wichtiger ist es zu wissen, wann man welchen Abstand zur bestmöglichen Sicherheit und Vermeidung von Unfällen einhalten sollte.
Was ist ein ausreichender Sicherheitsabstand?
Jeder Kraftfahrzeugführer ist angehalten, einen so großen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einzuhalten, dass man im Falle einer plötzlichen Bremsung noch hinter dem Fahrzeug halten kann. Dies ist im § 4 der Straßenverkehrsordnung StVO festgelegt. Wie große allerdings genau dieser Abstand sein muss, hängt davon ab, wie hoch die Geschwindigkeit ist und welche Bedingungen auf der Straße herrschen (Verkehrsverhältnisse, Witterungsbedingungen).
Es gibt zwei relevante Bezugsgrößen bei der Abstandseinhaltung, der Sicherheitsabstand zur Seite und der nach vorn.
Die meisten denken beim Abstandhalten zunächst immer an den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Doch auch zur Seite muss ein Mindestabstand eingehalten werden. Dies kommt vor allem beim Überholen zum Tragen. Der Sicherheitsabstand zur Seite beträgt zu:
Motorrädern oder Fahrrädern (sogenannten einspurigen Fahrzeugen) 1,5 Meter
LKW und PKW 1 Meter
Linienbussen und Schulbussen, die gerade warten mindestens 2 Meter
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Die Bemessung des Sicherheitsabstandes nach vorn wird unterschieden in Straßen innerorts und Straßen außerhalb von geschlossenen Ortschaften.
In geschlossenen Ortschaften gilt ein Sicherheitsabstand von einer Sekunde gefahrener Strecke. Bei 50 km/h sind das also 15 Meter oder rund drei PKW-Längen.
Außerhalb von geschlossenen Ortschaften und auf Autobahnen muss ebenso das vollständige Anhalten hinter dem plötzlich bremsenden Fahrzeug gewährleistet sein. Ausnahmen erläutern wir weiter unten im Text. Bei den hohen Geschwindigkeiten auf Bundes- und Landstraßen und auf Autobahnen gilt die Faustregel „Abstand gleich halber Tacho“. Das entspricht also 2 Sekunden gefahrener Strecke.
LKW mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen und Omnibusse dürfen einen Mindestabstand von 50 Metern ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h nicht unterschreiten (§ 4 Absatz 3 StVO).
Im Übrigen ist scharfes Abbremsen aus Willkür, um das dahinter fahrende Fahrzeug zu einer scharfen Bremsung zu zwingen, strafbar. Es stellt eine Nötigung nach § 240 StGB (Strafgesetzbuch) und eine Hindernisbereitung nach § 315b Absatz 1 Nr. 2 StGB dar.
Die Rechtsanwältin Christiana Upmann, Fachanwältin für Verkehrsrecht der Anwaltssocietät Wegener & Wittkowski, erläutert die Fakten zu einer Mindestlänge für eine Sicherheitsabstandsunterschreitung:
Es gibt keine gesetzliche Regelung über welche Mindestlänge bzw. Mindestdauer der erforderliche Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten werden muss, um den Bußgeldtatbestand nach § 49 Abs. 1 Nr. 4, § 4 Abs. 1 StVO nicht zu verwirklichen. Der BGH verlangt lediglich eine „nicht ganz vorübergehende“ Abstandsunterschreitung. Konkrete Vorgaben zur Erforderlichkeit der gefahrenen Strecke gibt es nicht.
Ein Verkehrsgericht muss daher regelmäßig bei dem Vorwurf der Unterschreitung des Sicherheitsabstandes Feststellungen dazu treffen, wie lang die Fahrstrecke der Unterschreitung des Sicherheitsabstandes war; insbesondere muss das Gericht auch Feststellungen dazu treffen, dass die Abstandsunterschreitung nicht durch einen kurz zuvor erfolgten Fahrspurwechsel eines dem Betroffenen vorausfahrenden Fahrzeuges bedingt war.
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In welchen Situationen sind verkürzte Abstände zulässig?
Es gibt bestimmte Situationen, in denen es zulässig ist, von den Normen abzuweichen. Dies ist zum Beispiel im geballten Straßenverkehr beim Anfahren an einer Ampel der Fall. Bremst der Vorausfahrende aber mitten im Anfahren an der Ampel abrupt und ohne Grund ab, sind Sie als Auffahrender dennoch in einer rechtlich nicht ganz klaren Situation und es empfiehlt sich, im Streitfall die Hilfe eines Anwaltes für Verkehrsrecht in Anspruch zu nehmen.
Fahren Sie im dichten Straßenverkehr oder sogar im Stoßverkehr ist ebenso ein geringerer Sicherheitsabstand zugelassen. Hier wird davon ausgegangen, dass die Fahrzeugführer grundsätzlich eine viel gespanntere Aufmerksamkeit auf den Verkehr haben. Beim Fahren in der Kolonne ist die Bemessung der verkürzten Abstände abhängig von den Beobachtungsmöglichkeiten nach vorne und den vorausfahrenden Fahrzeugen. Ein Abstand, welcher der Dauer einer Fahrstrecke in 0,75 Sekunden entspricht, ist hier ausreichend. Das heißt bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h genügt ein Sicherheitsabstand von 10,43 Metern.
Wie oben von Rechtsanwältin Christiana Upmann bei der zeitlichen Mindestlänge auch erwähnt, kann die Nichteinhaltung des Sicherheitsabstandes kurzfristig zulässig sein, wenn zum Beispiel durch einen Überholvorgang ein kurzzeitiges Wiedereinscheren auf die rechte Fahrbahn, um ein noch schnelleres Auto vorbeizulassen, nötig ist. Hier darf dann der Sicherheitsabstand zu dem schneller fahrenden Fahrzeug kurzfristig etwas geringer sein, als es in § 4 StVO notwendig ist.
Neben heftigen Auffahrunfällen mit Gefahr für Leib und Leben, drohen bei Nichteinhaltung des Sicherheitsabstandes Bußgelder, Punkte im Fahrzeugeignungsregister in Flensburg und eventuell auch ein Fahrverbot. Die Höhen für die Bußgelder und die Anzahl der Punkte sind dabei abhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit und der Länge der Unterschreitung. Bei einem Verstoß können für Sie Bußgelder in Höhe von 75 bis 400 Euro fällig werden. Je nach Schwere des Verstoßes können zwischen 1 und 2 Punkte und bis zu drei Monaten Fahrverbot für den Verkehrssünder als Strafe vergeben werden. Eine vollständige Liste mit den Strafen bei Verletzung der Regeln des Sicherheitsabstandes finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.
Bei aller Eile und Hektik, die unseren Alltag prägt, gibt es also mehr als genug Gründe, auf den Sicherheitsabstand zu achten und sich an die Normen zu halten. Ist es Ihnen doch einmal passiert, dass Sie wegen eines Verstoßes belangt werden oder ein Unfall passiert ist, an dem die Nichteinhaltung des Sicherheitsabstandes eine maßgebliche Schuld hat, dann wenden Sie sich an spezielle Fachanwälte für Verkehrsrecht. Die AWW-Group steht Ihnen mit kompetenter Beratung immer zur Seite und hilft Ihnen im Schadensfall.

References: § 4
 § 240
 § 315
 § 49
 § 4
 BGH 
 § 4