Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-krankheitsbedingte-ausfall-des-einzelanwalts-und-die-wiedereinsetzung-3174859?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-krankheitsbedingte-ausfall-des-einzelanwalts-und-die-wiedereinsetzung
Timestamp: 2020-03-29 06:54:21+00:00

Document:
Der krank­heits­be­ding­te Aus­fall des Ein­zel­an­walts – und die Wie­der­ein­set­zung | Rechtslupe
Der krankheitsbedingte Ausfall des Einzelanwalts - und die Wiedereinsetzung
Ein Rechts­an­walt muss all­ge­mei­ne Vor­keh­run­gen dafür tref­fen, dass das zur Wah­rung von Fris­ten Erfor­der­li­che auch dann unter­nom­men wird, wenn er unvor­her­ge­se­hen aus­fällt. Dabei hat der Ein­zel­an­walt für den Fall einer Ver­hin­de­rung im Rah­men der ihm oblie­gen­den all­ge­mei­nen Vor­keh­run­gen selbst für eine anwalt­li­che Ver­tre­tung Vor­sor­ge zu tref­fen 1.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss ein Rechts­an­walt all­ge­mei­ne Vor­keh­run­gen dafür tref­fen, dass das zur Wah­rung von Fris­ten Erfor­der­li­che auch dann unter­nom­men wird, wenn er unvor­her­ge­se­hen aus­fällt 2.
Dabei hat der Ein­zel­an­walt für den Fall einer Ver­hin­de­rung im Rah­men der ihm oblie­gen­den all­ge­mei­nen Vor­keh­run­gen selbst für eine anwalt­li­che Ver­tre­tung Vor­sor­ge zu tref­fen 3. Denn die Erstel­lung frist­wah­ren­der Rechts­mit­tel oder Rechts­mit­tel­be­grün­dun­gen gehört nicht zu den ein­fa­chen Büro­auf­ga­ben, die der Rechts­an­walt sei­nem Per­so­nal über­tra­gen darf 4.
Ent­spre­chen­des folgt auch aus § 53 Abs. 1 BRAO, wonach der Rechts­an­walt selbst unter den dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen für die Bestim­mung sei­ner Ver­tre­tung zu sor­gen hat 5. Auch für den Fall der Ver­hin­de­rung von Ange­stell­ten gehört es zu den Orga­ni­sa­ti­ons­pflich­ten des Rechts­an­walts, selbst Vor­sor­ge durch Bestim­mung von Ver­tre­tern zu tref­fen 6.
Es ent­spricht nicht der erfor­der­li­chen rechts­an­walt­li­chen Sorg­falt, einer Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten die Aus­wahl des Anwalts, der einen so maß­geb­li­chen Schrift­satz wie eine Beschwer­de­be­grün­dung unter­zeich­nen soll, zu über­las­sen.
Des­halb hät­te die Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te für den Fall ihrer Ver­hin­de­rung, deren Grün­de sie nicht ein­mal ansatz­wei­se dar­ge­tan hat, selbst für eine anwalt­li­che Ver­tre­tung sor­gen müs­sen. Sie durf­te es weder dem nicht beim Beschwer­de­ge­richt pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­bei­stand noch der bei ihm beschäf­tig­ten Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten über­las­sen, an ihrer statt einen zur Ver­tre­tung und damit auch zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Unter­zeich­nung der Rechts­mit­tel­be­grün­dung berei­ten Rechts­an­walt zu suchen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Juli 2019 – XII ZB 36/​19
im Anschluss an BGH Beschlüs­se vom 16.04.2019 – VI ZB 44/​18; und vom 10.04.2018 – VI ZB 44/​16 NJW-RR 2018, 1210[↩]
BGH Beschlüs­se vom 16.04.2019 – VI ZB 44/​18 11 mwN; und vom 26.09.2013 – V ZB 94/​13 NJW 2014, 228 Rn. 7[↩]
BGH Beschlüs­se vom 16.04.2019 – VI ZB 44/​18 11 mwN; und vom 10.04.2018 – VI ZB 44/​16 NJW-RR 2018, 1210 Rn. 8[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 22.07.2015 XII ZB 583/​14 Fam­RZ 2015, 1878 Rn. 12[↩]
BGH Urteil vom 23.07.1965 – III ZR 55/​65 VersR 1965, 1005[↩]
BGH Beschlüs­se vom 04.11.1977 – V ZB 12/​77 VersR 1978, 92; und vom 08.11.1988 – VI ZB 26/​88 NJW 1989, 1157, 1158; KG NJW 1995, 1434, 1435[↩]
EinzelanwaltFristenkontrolleKanzleiorganisationWiedereinsetzung

References: § 53
 BGH 

BGH 

BGH 

BGH 

BGH