Source: http://palikanon.de/khuddaka/jataka/j400.htm
Timestamp: 2017-03-26 11:00:42+00:00

Document:
400 Dabbhapuppha-Jataka
Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 400. Die Erzählung von der Grasblume (Dabbhapuppha-Jataka) [1]
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf Upananda, den Sohn aus dem Sakya-Stamm. Dieser war im Orden Mönch geworden, hatte aber die Genügsamkeit und ähnliche Tugenden aufgegeben und war voll Begierde. Wenn die Regenzeit herannahte, so suchte er zwei oder drei Klöster auf, ließ in dem einen seinen Sonnenschirm oder seinen Schuh, in dem andern seinen Pilgerstab oder seinen Wasserkrug und im dritten wohnte er selbst. Als er in einem Kloster auf dem Lande die Regenzeit begann, sprach er zu den Mönchen: „Die Mönche müssen nämlich genügsam sein“, und lehrte so, wie wenn er den Mond am Himmel heraufführte, die Mönche die edle, berühmte Regel, die die Zufriedenheit mit den gebotenen Hilfsmitteln klarlegt. Als dies die Mönche hörten, warfen sie ihre schönen Gewänder und Almosenschalen fort und nahmen irdene Almosenschalen und Gewänder aus gesammelten Lumpen [2]. Die andern ließ er an seinen Wohnort verbringen. Nachdem die Regenzeit vorüber war und er die Pavarana-Feier [3] mitgemacht hatte, füllte er mit diesen Dingen einen Wagen und kehrte nach dem Jetavana zurück.
Unterwegs verstrickte er an der Rückseite eines Waldklosters seine Füße in einer Schlingpflanze; er dachte: „Sicherlich wird hier etwas zu bekommen sein“, und ging in das Kloster hinein. Dort aber verbrachten zwei hochbetagte Mönche die Regenzeit. Diese hatten zwei grobe Gewänder und ein feines wollenes Tuch erhalten und konnten dies nicht teilen. Als sie jenen sahen, dachten sie: „Der Thera wird es an uns verteilen und uns geben“; und voll Freude sagten sie: „Herr, wir können das Gewand für die Regenzeit nicht teilen; um seinetwillen haben wir Streit. Teilt Ihr es und gebt es uns.“ Jener erwiderte: „Gut, ich werde es teilen.“ Er gab den beiden die zwei groben Gewänder und sagte zu ihnen: „Dies ist für mich, den Träger der Lehre [4], bestimmt“; damit nahm er das feine Wollentuch und entfernte sich.
§0.1. „Sich selbst soll man zuerst in dem, was passend ist, befestigen, dann kann man erst die andern lehren; der Weise soll nicht lästig fallen.“
Dhp.158
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, war der Bodhisattva eine Baumgottheit am Ufer eines Flusses. Damals hatte sich ein Schakal namens Mayavi ein Weibchen genommen und wohnte an einer Stelle am Flussufer. Eines Tages sprach das Weibchen zum Schakal: „Mein Gebieter, ein Gelüste ist in mir aufgestiegen; ich wünsche einen frischen roten Fisch zu fressen.“ Der Schakal antwortete: „Sei nur zufrieden; ich werde dir einen bringen.“ Während er aber am Flussufer wandelte, verstrickte er seine Füße in einer Schlingpflanze und ging deshalb den Strand entlang.
In diesem Augenblick standen zwei Fischottern namens Gambhiracari und Anutiracari [7] am Ufer und suchten Fische. Von ihnen sah Gambhiracari einen großen roten Fisch; schnell tauchte er in das Wasser und packte ihn am Schwanze. Der starke Fisch aber schwamm weiter, indem er ihn nach sich zog. Der Fischotter [7a] rief: „Der große Fisch wird für uns beide genügen; komm und leiste mir Beistand!“ Und indem er den anderen anredete, sprach er folgende erste Strophe:
§1. „Heil dir, der du am Ufer wandelst;
zu Hilfe eile mir, mein Freund.
Ich hab 'nen großen Fisch gepackt
und dieser reißt mich rasch mit fort.“
§2. „Heil dir, der in der Tiefe wandelt, halt ihn gepackt fest und mit Kraft; ich will dich aus dem Wasser ziehen, wie ein Supanna [8] eine Schlange.“
§3. „Ein Streit ist bei uns ausgebrochen, Grasblume [9a], hör auf unser Wort; beschwichtige den Zwist, o Freund, ein Ende nehmen soll der Zwist.“
§4. „Früher war ich ein Ratgeber,
viel Nutzen habe ich gestiftet.
Den Streit will ich euch schlichten, Freunde;
ein Ende nehmen soll der Zwist.“
§5. „Anutiracari den Schwanz, den Kopf dem Gambhiracari; doch dieses hier, das Mittelstück, das soll dem Ratgeber gehören.“
§6. „Längst hätten wir ihn essen können, wenn wir nicht so gestritten hätten; den Fisch, der ohne Kopf und Schwanz, den trägt der Schakal jetzt davon.“
§7. „So wie ein König wohl sich freut, ein Edler, der ein Reich erhalten,
so freue ich mich, da ich sehe den Gatten mit dem vollen Maul.“
§8. „Wie hast du, der ein Landtier ist, den Fisch im Wasser fangen können? Da ich dich frage, sag mir, Lieber, wie du dazu gekommen bist!“
§9. „Durch Streitigkeiten wird man mager, durch Streit verliert man seine Habe. Durch Streit verloren ihn die Ottern; iss, Mayavi, den roten Fisch.“
§A2. Die letzte Strophe sprach der völlig Erleuchtete:
§10. „So geht es bei den Menschen auch. Sobald bei ihnen Streit entsteht, da laufen sie zum Richter hin, denn dieser soll Vermittler sein. Dadurch verlieren sie ihr Geld; der Schatz des Königs aber wächst.“
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen und die Wahrheiten verkündet hatte, verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war der Schakal Upananda, die Fischottern waren die zwei Alten; die Baumgottheit aber, die diesen Vorgang selbst beobachtete, war ich.“
[1] So ist in der Erzählung der Schakal wegen seiner Farbe genannt.
[2] Dies war die eigentliche Regel für die Mönche; vgl. „Leben des Buddha“, S. 110. Devadatta wollte dies allgemein verbindlich machen, wurde aber von Buddha zurückgewiesen (ebenda S. 181 f.).
[3] Die große Beichtfeier am Ende der Regenzeit; vgl. „Leben des Buddha“, S. 352 f.
[4] Dies ist die Bezeichnung für diejenigen, welche in den heiligen Schriften bewandert sind.
[5] Sie meinen also, er habe alle die Sachen wegen seiner Frömmigkeit geschenkt bekommen.
[7] Die Namen bedeuten: „der in der Tiefe Wandelnde“ und „der am Ufer Wandelnde“.
[7a] Dutoit verwendet Fischotter als Femininum, also „die Fischotter“ usw.
[8] Vgl. Jataka 154 Anm. 3. [Die Supannas oder Garulas (vgl. Jataka 31 Anm. 2) sind göttliche Wesen in Vogelgestalt.]
[9] Vgl. die Anmerkung 1 zum Titel dieses Jataka.
[9a] Auf Pali: „dabbhapuppha“, daher der Titel des Jataka. Das Wort wird klein geschrieben, also nicht als Eigenname gebraucht.

References: §0

§1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10