Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsbedingte_Kuendigung_Weiterbeschaeftigung_Ausland_BAG_2AZR809-12.html
Timestamp: 2018-01-17 03:18:05+00:00

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15 Sa 759/12
29. Au­gust 2013
hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 29. Au­gust 2013 durch die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ber­ger als Vor­sit­zen­de, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ra­chor und Dr. Rinck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Wolf und Fal­ke für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 5. Ju­li 2012 - 15 Sa 759/12 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin hat frist­ge­recht Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Sie hat gel­tend ge­macht, die Kündi­gung sei nicht durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se be­dingt und des­halb so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt. Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten hätten durch­aus - je­den­falls in J - be­stan­den. Die so­zia­le Aus­wahl sei feh­ler­haft. Spätes­tens nach ei­ner Ein­ar­bei­tungs­zeit von sechs Wo­chen sei sie in der La­ge ge­we­sen, die im ge­werb­li­chen Be­reich noch an­fal­len­den Ar­bei­ten zu er­le­di­gen. Zu­dem feh­le es an ei­ner wirk­sa­men Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge.
1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28. Ju­ni 2011 nicht auf­gelöst wor­den ist;
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kündi­gung sei wirk­sam. Sie sei durch die Ent­schei­dung zur Still­le­gung der Pro­duk­ti­on am Stand­ort W be­dingt. Die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me ha­be sich im Kündi­gungs­zeit­punkt be­reits greif­bar ab­ge­zeich­net und sei ter­min­ge­recht um­ge­setzt wor­den. Da­mit sei­en die bis­he­ri­gen Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten für die Kläge­rin weg­ge­fal­len. Ei­ne Ver­pflich­tung, die­se in der Be­triebsstätte J wei­ter­zu­beschäfti­gen, ha­be nicht be­stan­den. Ab­ge­se­hen von der Un­zu­mut­bar­keit ei­nes ent­spre­chen­den Ände­rungs­an­ge­bots er­ge­be sich aus dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz kei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, den Ar­beit­neh­mer auf ei­nem an­de­ren - frei­en - Ar­beits­platz in ei­nem ausländi­schen Be­trieb oder Be­triebs­teil wei­ter­zu­beschäfti­gen. Die so­zia­le Aus­wahl sei nicht zu be­an­stan­den. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge sei ord­nungs­gemäß er­folgt.
Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ihr Be­geh­ren un­verändert wei­ter.
a) Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se, die ei­ne Kündi­gung be­din­gen, können sich dar­aus er­ge­ben, dass der Ar­beit­ge­ber sich zu ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­me ent­schließt, de­ren Um­set­zung das Bedürf­nis für die Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes oder meh­re­rer Ar­beit­neh­mer im Be­trieb dau­er­haft ent­fal­len
lässt. Ei­ne sol­che un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ist ge­richt­lich nicht auf ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung oder ih­re Zweckmäßig­keit hin zu über­prüfen, son­dern nur dar­auf, ob sie of­fen­sicht­lich un­sach­lich, un­vernünf­tig oder willkürlich ist (BAG 20. De­zem­ber 2012 - 2 AZR 867/11 - Rn. 33; 24. Mai 2012 - 2 AZR 124/11 - Rn. 21). Oh­ne Ein­schränkung nach­zu­prüfen ist hin­ge­gen, ob die frag­li­che Ent­schei­dung tatsächlich um­ge­setzt wur­de und da­durch das Beschäfti­gungs­bedürf­nis für ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer ent­fal­len ist (BAG 24. Mai 2012 - 2 AZR 124/11 - aaO).
aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die Be­klag­te ha­be im Ju­ni 2011 den Ent­schluss ge­fasst, ih­re Pro­duk­ti­onstätig­keit am Stand­ort W En­de Ja­nu­ar 2012 auf Dau­er ein­zu­stel­len und die „End­fer­ti­gung“ ih­rer Ver­band­stof­fe künf­tig in ih­rer tsche­chi­schen Be­triebsstätte durchführen zu las­sen. Ih­re Ent­schei­dung ha­be sie den Pla­nun­gen ent­spre­chend auch um­ge­setzt. Die­se Fest­stel­lun­gen greift die Re­vi­si­on nicht an.
bb) Im Kündi­gungs­zeit­punkt war da­nach die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt, im Um­fang ent­spre­chen­der per­so­nel­ler Über­ka­pa­zitäten wer­de das Beschäfti­gungs­bedürf­nis für Mit­ar­bei­ter im Pro­duk­ti­ons­be­reich am Stand­ort W mit Ab­lauf der je­wei­li­gen Kündi­gungs­frist ent­fal­len (zur Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung ins Aus­land: vgl. BAG 18. Sep­tem­ber 1997 - 2 AZR 657/96 - Rn. 12 ff.; zur Sch­ließung von Dienst­stel­len/Stand­or­ten bei gleich­zei­ti­ger Kon­zen­tra­ti­on von Auf­ga­ben an ei­nem an­de­ren Stand­ort: sie­he BAG 12. Au­gust 2010 - 2 AZR 558/09 - Rn. 17; 12. Au­gust 2010 - 2 AZR 945/08 - Rn. 31). Zum we­sent­li­chen In­halt der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dungs­frei­heit gehört die Frei­heit zur Ge­stal­tung der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on. Sie um­fasst auch die Fest­le­gung, an wel­chem Stand­ort wel­che ar­beits­tech­ni­schen Zie­le ver­folgt wer­den. Es ist nicht Sa­che der Ar­beits­ge­rich­te, dem Ar­beit­ge­ber in­so­weit ei­ne „bes­se­re“ oder „rich­ti­ge­re“ Be­triebs- oder Un­ter­neh­mens­struk­tur vor­zu­schrei­ben (vgl. BAG 22. No­vem­ber 2012 - 2 AZR 673/11 - Rn. 21; 26. Sep­tem­ber 2002 - 2 AZR 636/01 - zu II 1 b der Gründe, BA­GE 103, 31).
cc) Für ei­ne ge­trof­fe­ne und - wie im Streit­fall - durch­geführ­te Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung spricht die Ver­mu­tung, dass sie aus sach­li­chen Gründen er­folgt ist und nicht auf Rechts­miss­brauch be­ruht. Es ob­lag des­halb der Kläge­rin, die Umstände dar­zu­le­gen und ggf. zu be­wei­sen, aus de­nen sich er­ge­ben soll, dass die Ent­schei­dung der Be­klag­ten of­fen­sicht­lich un­sach­lich, un­vernünf­tig oder willkürlich ist (vgl. BAG 25. Ok­to­ber 2012 - 2 AZR 552/11 - Rn. 26 mwN). Dies ist ihr nicht ge­lun­gen. Die Kläge­rin hat ge­meint, die Be­klag­te ha­be vor der Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung mit den in W beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern über ei­ne Ab­sen­kung der Vergütung ver­han­deln müssen. Das ist kein be­acht­li­cher Ein­wand. Das Un­ter­las­sen ent­spre­chen­der Bemühun­gen führt nicht da­zu, dass die Ent­schei­dung der Be­klag­ten rechts­miss­bräuch­lich wäre, zu­mal es ihr nicht nur um ei­ne Ein­spa­rung von Lohn­kos­ten ging, son­dern auch um ei­ne Re­du­zie­rung von Trans­port­kos­ten.
dd) Der Um­stand, dass die Be­klag­te ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Tätig­keit im Be­reich der „End­fer­ti­gung“ nicht vollständig auf­ge­ge­ben hat, steht der so­zia­len Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung nicht ent­ge­gen.
(2) Die Kündi­gung ist nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt des Vor­rangs der Ände­rungskündi­gung un­wirk­sam. In­so­weit kann zu­guns­ten der Kläge­rin un­ter­stellt wer­den, dass zu­min­dest ein Teil der im Be­reich der „End­fer­ti­gung“ er­le­dig­ten Tätig­kei­ten in der tsche­chi­schen Be­triebsstätte der Be­klag­ten wei­ter­hin anfällt und dort ein ent­spre­chen­der zusätz­li­cher Ar­beits­kräfte­be­darf ent­stan­den ist. Bei den frag­li­chen Stel­len han­delt es sich nicht um „freie“ Ar­beitsplätze iSv. § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b, Satz 3 KSchG.
23. Fe­bru­ar 2010 - 2 AZR 656/08 - Rn. 57, BA­GE 133, 226; 5. Ju­ni 2008 - 2 AZR 107/07 - Rn. 15).
(aaa) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts fin­det der Ers­te Ab­schnitt des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes - so­fern ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des Ge­set­zes kein an­de­res Er­geb­nis ge­bie­tet - nur auf in Deutsch­land ge­le­ge­ne Be­trie­be An­wen­dung (BAG 26. März 2009 - 2 AZR 883/07 - Rn. 13; 17. Ja­nu­ar 2008 - 2 AZR 902/06 - Rn. 18, BA­GE 125, 274). Das er­gibt die am Wort­laut, an der Sys­te­ma­tik und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te so­wie an Sinn und Zweck des § 23 KSchG ori­en­tier­te Aus­le­gung (im Ein­zel­nen BAG 17. Ja­nu­ar 2008 - 2 AZR 902/06 - Rn. 23 ff., aaO). Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­ses Verständ­nis des kündi­gungs­schutz­recht­li­chen Be­triebs­be­griffs von Ver­fas­sungs we­gen nicht be­an­stan­det (vgl. BVerfG 12. März 2009 - 1 BvR 1250/08 -).
(ccc) Für die Be­schränkung der Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers auf or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­hei­ten, die in Deutsch­land ge­le­gen sind, spricht ins­be­son­de­re der - be­reits für die Aus­le­gung des Be­triebs­be­griffs in § 23 Abs. 1 KSchG maßge­ben­de - Ge­sichts­punkt, dass die Fra­ge nach der So­zi­al­wid­rig­keit der Kündi­gung na­he­zu im­mer ei­ne Ein­be­zie­hung der be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten er­for­dert. Das be­trifft - ne­ben der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen So­zi­al­aus­wahl - in be­son­de­rem Maße die in Re­de ste­hen­de Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, dem Ar­beit­neh­mer ggf. ei­ne an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung im sel­ben oder in ei­nem an­de­ren Be­trieb sei­nes Un­ter­neh­mens an­zu­bie­ten. Schon die Be­ur­tei­lung, ob freie Beschäfti­gungs­ka­pa­zitäten in ei­nem ausländi­schen Be­trieb zur
Verfügung ste­hen, kann in der Re­gel nicht los­gelöst von den Rechts­verhält­nis­sen der dort täti­gen Ar­beit­neh­mer be­ur­teilt wer­den. Auch kann es sein, dass meh­re­re zur Ent­las­sung an­ste­hen­de Ar­beit­neh­mer be­triebsüberg­rei­fend um ei­ne ge­rin­ge­re Zahl frei­er Ar­beitsplätze kon­kur­rie­ren. Bei der Prüfung, wel­cher Ar­beit­neh­mer in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on bei der Stel­len­be­set­zung Vor­rang ge­nießt, ist vor­aus­ge­setzt, dass ge­genüber al­len be­trof­fe­nen Beschäftig­ten und dem Ar­beit­ge­ber das­sel­be - deut­sche - Ar­beits­recht und Kündi­gungs­schutz-recht an­ge­wen­det und durch­ge­setzt wer­den kann. Die­se Vor­aus­set­zung si­cher­zu­stel­len ist das An­lie­gen der An­knüpfung an den Be­griff des „Be­trie­bes“ in § 23 Abs. 1 KSchG (vgl. BAG 26. März 2009 - 2 AZR 883/07 - Rn. 16). Im Rah­men von § 1 KSchG gilt nichts an­de­res. Die Norm legt fest, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Kündi­gung so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ist. An­ders als in ei­nem kohären­ten Sys­tem kann der vom Ge­setz­ge­ber mit den Re­ge­lun­gen des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes an­ge­streb­te Aus­gleich ge­genläufi­ger In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers und des Ar­beit­ge­bers, ggf. aber auch der Ar­beit­neh­mer un­ter­ein­an­der, nicht ge­lin­gen.
(ddd) Die Be­schränkung der Ver­pflich­tun­gen aus § 1 Abs. 2 Satz 2 und Satz 3 KSchG auf in Deutsch­land ge­le­ge­ne „Be­trie­be“ führt nicht zu ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Un­gleich­be­hand­lung der je­wei­li­gen Be­leg­schaft. Es stellt ei­nen maßge­ben­den Un­ter­schied dar, ob ein Be­trieb im In­land oder Aus­land an­ge­sie-
delt ist. Die Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers, die Fest­stel­lung der So­zi­al­wid­rig­keit ei­ner Kündi­gung an die Vor­aus­set­zung zu knüpfen, dass die frag­li­che be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land liegt, ist nicht willkürlich (vgl. BAG 17. Ja­nu­ar 2008 - 2 AZR 902/06 - Rn. 32, BA­GE 125, 274).
(eee) Im Streit­fall kann da­hin­ste­hen, ob „freie“ Ar­beitsplätze im Aus­land dann zu berück­sich­ti­gen sind, wenn die Ar­beits­verhält­nis­se der im ausländi­schen Be­trieb täti­gen Ar­beit­neh­mer - et­wa auf­grund ei­ner Rechts­wahl - deut­schem (Kündi­gungs-)Recht un­ter­lie­gen (die Berück­sich­ti­gung sol­cher Ver­trags­verhält­nis­se je­den­falls bei der Fest­stel­lung der Be­triebs­größe iSd. § 23 Abs. 1 KSchG erwägend: BAG 26. März 2009 - 2 AZR 883/07 - Rn. 20). Eben­so kann of­fen blei­ben, ob sich ein Ar­beit­neh­mer dann auf ei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit im Aus­land be­ru­fen kann, wenn im Ar­beits­ver­trag ei­ne Ver­set­zungs­klau­sel ver­ein­bart ist, die dem Ar­beit­ge­ber die Zu­wei­sung ei­ner ent­spre­chen­den Tätig­keit ermöglicht (befürwor­tend Hor­cher FA 2010, 43, 47). So liegt der Streit­fall nicht. Der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en enthält kei­ne ent­spre­chen­de Ab­re­de. Dem Vor­brin­gen der Par­tei­en sind auch kei­ne An­halts­punk­te dafür zu ent­neh­men, dass auf die Ar­beits­verhält­nis­se der in J täti­gen Ar­beit­neh­mer deut­sches Recht zur An­wen­dung ge­lang­te. Dar­auf, ob das in­di­vi­du­el­le Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en im Fal­le sei­ner Fortführung im Aus­land wei­ter­hin deut­schem Recht un­terläge oder ob ein Sta­tu­ten­wech­sel ein­träte, kommt es nicht an (zur Pro­ble­ma­tik vgl. BAG 25. April 2013 - 6 AZR 49/12 - Rn. 166; Dei­nert JbAr­bR Bd. 50 S. 77, 83; Jun­ker NZA-Beil. 2012, 8, 9, 14; Pauls Be­triebs­ver­la­ge­rung ins Aus­land und Weg­zugs­frei­heit des Un­ter­neh­mers S. 27 ff.). Ein mögli­cher Wech­sel des Ver­trags­sta­tuts könn­te zwar im Rah­men der Prüfung, ob ein Ände­rungs­an­ge­bot aus­nahms­wei­se ent­behr­lich ist, Be­deu­tung ge­win­nen. Er ist aber für sich ge­nom­men kein ge­eig­ne­ter Maßstab für die Be­ur­tei­lung, ob das Kündi­gungs­schutz­ge­setz dem Ar­beit­ge­ber ggf. die Ver­pflich­tung auf­er­legt, dem Ar­beit­neh­mer im We­ge der Ände­rungskündi­gung ein An­ge­bot zur Wei­ter­beschäfti­gung auf ei­nem frei­en Ar­beits­platz in ei­nem im Aus­land ge­le­ge­nen Be­trieb zu un­ter­brei­ten (vgl. Hoff­mann-Re­my/Zaum­seil DB 2012, 1624, 1625).
(fff) Das Er­geb­nis wi­der­spricht nicht der Recht­spre­chung des Ach­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts, nach der von ei­nem - den Tat­be­stand der Be­triebs(teil)still­le­gung aus­sch­ließen­den - Be­triebs(teil)über­gang iSv. § 613a BGB auch bei ei­nem grenzüber­schrei­ten­den Sach­ver­halt aus­zu­ge­hen sein kann (BAG 26. Mai 2011 - 8 AZR 37/10 - Rn. 36, 45). Im ent­schie­de­nen Fall ging es um die - iden­titäts­wah­ren­de - Ver­la­ge­rung ei­nes or­ga­ni­sa­to­risch ab­ge­grenz­ten Be­triebs­teils ins (grenz­na­he und über­dies deutsch­spra­chi­ge) Aus­land bei gleich­zei­ti­gem Wech­sel des Be­triebs­in­ha­bers. Ein ver­gleich­ba­rer Sach­ver­halt liegt hier nicht vor. We­der den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts noch dem bei­der­sei­ti­gen Par­tei­vor­brin­gen ist zu ent­neh­men, dass es sich bei dem Auf­ga­ben­be­reich der „End­fer­ti­gung“ um ei­nen or­ga­ni­sa­to­risch ab­ge­grenz­ten Be­triebs­teil ge­han­delt hätte, der iden­titäts­wah­rend als Gan­zer nach J ver­la­gert wor­den wäre.
2. Die Kündi­gung ist nicht gemäß § 1 Abs. 3 KSchG so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat - un­ter Be­zug­nah­me auf die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts - an­ge­nom­men, die Kläge­rin sei mit Ar­beit­neh­mern, die über den 31. Ja­nu­ar 2012 hin­aus in W wei­ter­beschäftigt wor­den sei­en, nicht ver­gleich­bar. Die Würdi­gung, die von der Re­vi­si­on nicht an­ge­grif­fen wird, lässt kei­nen Rechts­feh­ler er­ken­nen. Auf ei­ne So­zi­al­aus­wahl mit Ar­beit­neh­mern, die in der Be­triebsstätte J beschäftigt sind, hat sich die Kläge­rin in den Vor­in­stan­zen nicht be­ru­fen. Im Übri­gen wären in die So­zi­al­aus­wahl we­gen ih­rer Be­triebs­be­zo­gen­heit je­den­falls sol­che Ar­beit­neh­mer nicht ein­zu­be­zie­hen, die im Kündi­gungs­zeit­punkt im Aus­land beschäftigt wa­ren und de­ren Ar­beits­verhält­nis nicht deut­schem Recht un­ter­lag.
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References: § 1
 § 23
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 § 1
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 § 613
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