Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XI%20ZR%20317/06
Timestamp: 2019-06-20 02:19:20+00:00

Document:
BGH, 11.03.2008 - XI ZR 317/06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,866
BGH, 11.03.2008 - XI ZR 317/06 (https://dejure.org/2008,866)
BGH, Entscheidung vom 11.03.2008 - XI ZR 317/06 (https://dejure.org/2008,866)
BGH, Entscheidung vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06 (https://dejure.org/2008,866)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2008,866) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Qualifizierung eines Zusatzes in einer Widerrufsbelehrung als "unzulässige andere Erklärung"; Zulässigkeit der Erstreckung des Widerrufs auf ein verbundenes Geschäft; Darlehensvertrag und Fondsbeitritt als verbundenes Geschäft
Zur HWiG-Widerrufsbelehrung bei verbundenem Geschäft
Verbraucherkredit; verbundenes Geschäftsanlagemodell; Fondsgesellschaft; finanzierter Immobilienkauf; Widerrufsbelehrung; Haustürsituation
Wirksamkeit des in einem Darlehensvertrag enthaltenen Zusatzes zu einer Widerrufsbelehrung, im Falle eines Widerrufs komme auch der verbundene Kaufvertrag nicht zustande, auch dann, wenn es sich um den Beitritt zu einer Fondsgesellschaft handelt
HWiG § 2 Abs. 1 S. 3 (a.F.)
Wirksamkeit einer Widerrufsbelehrung bei Verbindung mit Unwirksamkeit des finanzierten Kaufvertrages
HWiG § 2 a. F.
Widerrufsbelehrung auch bei Zusatz wirksam
Kreditfinanzierter Beitritt zu Immobilienfonds
Widerrufsbelehrung auch bei Zusatz wirksam -
Reichweite des Zusatzverbots nach § 2 Abs. 1 Satz 3 HWiG a.F.
LG Nürnberg-Fürth, 08.09.2005 - 10 O 10690/04
NJW 2008, 1728
ZIP 2008, 871
NZM 2008, 422
VersR 2008, 927
WM 2008, 828
NZG 2008, 439
Bilden der Beitritt zu einer Fondsgesellschaft und ein Darlehensvertrag, der nach § 1 HWiG in der bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Fassung widerruflich ist, ein verbundenes Geschäft im Sinne des § 9 VerbrKrG in der bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Fassung, verstößt eine Belehrung des Inhalts, im Falle des Widerrufs des Darlehensvertrags komme auch der Beitritt zur Fondsgesellschaft als Kommanditist bzw. Treugeber über den Treuhandkommanditisten nicht wirksam zustande, nicht gegen das Deutlichkeitsgebot des § 361a Abs. 1 Satz 3 BGB in der bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Fassung (…Fortführung Senatsurteile vom 24. April 2007, XI ZR 191/06, BGHZ 172, 157 Rn. 18, vom 11. März 2008, XI ZR 317/06, WM 2008, 828 Rn. 15…, vom 11. November 2008, XI ZR 269/06, WM 2009, 65 Rn. 11 …und vom 7. Dezember 2010, XI ZR 53/08, WM 2011, 261 Rn. 16).
Dieser Befund durfte in einem Zusatz der beschriebenen Art zum Ausdruck gebracht werden (…Senatsurteile vom 24. April 2007 - XI ZR 191/06, BGHZ 172, 157 Rn. 18 und 20, vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828 Rn. 15…, vom 11. November 2008 - XI ZR 269/06, WM 2009, 65 Rn. 11 …und vom 7. Dezember 2010 - XI ZR 53/08, WM 2011, 261 Rn. 16).
Zulässig sind diesem Zweck entsprechend allerdings Ergänzungen, die keinen eigenen Inhalt aufweisen und den Inhalt der Widerrufsbelehrung verdeutlichen (Senatsurteile vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828, 829, Tz. 13 und vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, 351, Tz. 14, jeweils m.w.N.; BGH…, Urteil vom 4. Juli 2002 - I ZR 55/00, aaO).
Soweit der Senat verschiedentlich ausgesprochen hat, dass der Verbraucher zum Schutz seiner Entscheidungsfreiheit, ob er den Kreditvertrag widerrufen will oder nicht, bei einem verbundenen Geschäft von Belastungen durch das finanzierte Geschäft freizustellen ist, um ihm das wirtschaftliche Risiko des Fondsbeitritts zu nehmen (…vgl. etwa Senatsurteile vom 25. April 2006 - XI ZR 193/04, BGHZ 167, 252 Rn. 20 sowie vom 17. September 1996 - XI ZR 164/95, BGHZ 133, 254, 259 ff. und XI ZR 197/95, WM 1996, 2103, 2104 f.), er also so zu stellen ist, als ob ein finanzierter Beitritt zu einer Fondsgesellschaft nie wirksam geworden wäre (…vgl. außerdem noch Senatsurteile vom 24. April 2007 - XI ZR 191/06, BGHZ 172, 157 Rn. 18, vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828 Rn. 15 …und vom 7. Dezember 2010 - XI ZR 53/08, WM 2011, 261 Rn. 16), betrifft dies die Frage, ob der Verbraucher gegenüber dem Kreditgeber zur Rückerstattung der ihm zur (Teil-) Finanzierung überlassenen Mittel verpflichtet ist (…vgl. Senatsurteil vom 17. September 1996 - XI ZR 164/95, aaO S. 261).
Unzulässig sind aber insbesondere Erklärungen, die einen eigenen Inhalt aufweisen und weder für das Verständnis noch für die Wirksamkeit der Widerrufsbelehrung von Bedeutung sind und deshalb von ihr ablenken (Senatsurteil vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828 Rn. 13).
Mit dem Hinweis, dass nach Empfang des Darlehens der Widerruf als nicht erfolgt gelte, wenn der Kreditnehmer das Darlehen nicht innerhalb von zwei Wochen nach Erklärung des Widerrufs bzw. nach Auszahlung zurückzahle, enthielt sie entgegen § 2 Abs. 1 Satz 3 HWiG eine unzulässige andere Erklärung (BGH, Urteil vom 14. Juni 2004 - II ZR 395/01, BGHZ 159, 280, 286 f.;… Senatsurteile vom 21. November 2006 - XI ZR 347/05, WM 2007, 200 Rn. 25…, vom 24. April 2007 - XI ZR 191/06, BGHZ 172, 157 Rn. 13, vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828 Rn. 13 …und vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350 Rn. 14).
Zulässig sind dem Zweck entsprechend Ergänzungen, die keinen eigenen Inhalt aufweisen und den Inhalt der Widerrufsbelehrung verdeutlichen (…BGHZ 180, 123, bei juris Rz. 18; zu Art. 246 EGBGB: BGH…, Urteil vom 09. November 2011 - I ZR 123/10, MDR 2012, 862, bei juris Rz. 24, u.H. auf BGH, GRUR 2002, 1085, 1086 - Belehrungszusatz, m.w.N.; s. ferner BGH, Urteile vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828, 829, Tz. 13; und vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, 351, Tz. 14, jeweils m.w.N.; BGH…, Urteil vom 04. Juli 2002 - I ZR 55/00, a.a.O.).
Zur Wirksamkeit des in der Widerrufsbelehrung zu einem Darlehensvertrag enthaltenen Zusatzes, im Falle des Widerrufs komme auch der "verbundene Kaufvertrag" nicht zustande (Anschluss an die Senatsurteile vom 11. März 2008, XI ZR 317/06, WM 2008, 828 Rn. 16, …und vom 11. November 2008, XI ZR 269/06, WM 2009, 65 Rn. 11).
Denn der Anleger ist bei einem verbundenen Geschäft von der Kredit gebenden Bank im Falle des Widerrufs des Darlehensvertrages nach dem Schutzzweck des § 3 HWiG grundsätzlich so zu stellen, als ob er dem Fonds nicht beigetreten wäre, d.h. als ob der eigene Beitritt nie wirksam gewesen wäre (…st. Rspr. des Senats, siehe nur Senatsurteile vom 17. September 1996 - XI ZR 164/95, BGHZ 133, 254, 259 ff., vom 25. April 2006 - XI ZR 193/04, BGHZ 167, 252 Rn. 20…, vom 24. April 2007 - XI ZR 191/06, BGHZ 172, 157 Rn. 18 mwN und vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828 Rn. 15).
Hierzu gehört etwa der Zusatz in einer Widerrufsbelehrung, dass im Falle des Widerrufs einer Darlehensvertragserklärung auch der verbundene Kaufvertrag nicht wirksam zustande kommt (Senat BGHZ 172, 157, 162 ff. Tz. 14 ff.;Urteil vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828, 829 Tz. 14 ff.).
Schließlich ist auch der Zusatz, dass im Falle des Widerrufs der Darlehensvertragserklärung auch "die finanzierten verbundenen Geschäfte" nicht wirksam zustande kommen, keine unzulässige andere Erklärung gemäß § 2 Abs. 1 Satz 3 HWiG a.F., wenn - was nach den nicht angegriffenen, fehlerfreien Feststellungen des Berufungsgerichts hier der Fall ist - der Fondsbeitritt und der seiner Finanzierung dienende Darlehensvertrag ein verbundenes Geschäft i.S. des § 9 Abs. 1 VerbrKrG bilden (Senat BGHZ 172, 157, 161 ff. Tz. 11 ff.; Senatsurteile vom 11. März 2008 - XI ZR 317/06, WM 2008, 828, 829 Tz. 11 ff. und vom 11. November 2008 - XI ZR 269/06, WM 2009, 65, 66 Tz. 11).

References: § 2
 § 2
 § 2
 § 1
 § 9
 § 361
 § 2
 Art. 246
 § 3
 § 2
 § 9