Source: http://reisemotorrad.eu/index.php?report=honda_transalp
Timestamp: 2018-04-21 21:09:26+00:00

Document:
Langlebiges Alltagsfahrzeug für echte Biker - 25 Jahre Inspektion & Wartung Honda Transalp
Wegen der legendär langen Lebensdauer der Transalp (laut 1000 PS Team auf Platz 2 der besten Reiseenduros unter 3500 Euro nach der Suzuki V Strom) so wie der Möglichkeit, zumindest bis zum Baujahr 1995 auch in Deutschland alle Reifen der passenden Grösse ohne unsinnige Reifenbindung oder dem Hinweis "Reifenpaar nur von einem Hersteller" verwenden zu dürfen, habe ich mich (nach zwei tollen Jahren als Fahranfänger mit einer Vespa und einer kleinen und leichten Kawasaki EL 250) für den Kauf einer gebrauchten Honda XL 600V Transalp mit Wasserkühlung entschieden.
Eine Wasserkühlung bedeutet eine konstantere Motorentemperatur und genau dadurch eine längere Haltbarkeit aller verbauten Komponenten. Das perfekte Reisemotorrad. Schwankende Temperaturen bringen verschiedene Materialen dazu, sich bei jedem Gasstoss unterschiedlich aus zu denen und zusammen zu ziehen. Das mag auf Dauer keine Dichtung und keine Elektronik gerne. Da ist eine konstante Temperatur das Mehrgewicht wert. Das hat mit 36 Jahren Verspätung zur Honda CX 500 sogar BMW verstanden. Trotzdem werden moderne Motoren laut Autozeitung immer kurzlebiger.
Ein Neufahrzeug kam für mich nicht in Frage. Bei Gebrauchtfahrzeugen ist der Schaden durch Wertverlust und Kratzer (2) viel geringer als bei neuen Fahrzeugen und eventuelle Schwachstellen sind bereits bekannt.
Intelligente Minimaslisten lassen sich ihre Fahrzeuge einfach durch Posern finanzieren, die um "cool" zu sein wegen Gruppenzwang immer wieder das neueste Fahrzeugmodell kaufen und dessen Wertverlust erwirtschaften siehe NDR Experiment mit Linda Zervakis "Wie viel Herdentier steckt in uns?" vom 26.09.2017.
Ausserdem werden ältere Fahrzeuge nicht so oft geklaut und kann man oft Jahre später noch zum gleichen Preis wieder verkaufen. Versuch das mal bei einem "coolen" Neufahrzeug ;-)
Alfred Pritchard Sloan schaffte es bereits in den 50ger Jahren durch psychologische Beeinflussung der Konsumenten, das Interesse der Käufer vom Wesentlichen auf das Nebensächliche wie die Farbe eines Produktes zu lenken, um ihnen jedes Jahr ein neues Fahrzeug verkaufen zu können. Wegwerfprodukte für eine Wegwerfgesellschaft. Das erklärt jedes Jahr die hohen Neuzulassungszahlen von BMWs siehe ZDFinfo Dokumentation "Die gelenkte Konsumgesellschaft".
Gerade für weit verbreitete, gebrauchte Fahrzeuge ohne viel Elektronikkram bekommt man im Fall eines (Un)falles die nötigen Teile bei Ebay quasi nachgeschmissen und kann sie selber recht einfach montieren.
In Dritteweltländern darf man sich nicht darauf verlassen, dass Andere alles für einen machen. Hier muss man sein Fahrzeug selber reparieren können, egal was passiert. Dieses ist bei einem Computer auf Rädern jedoch ohne Spezialwerkzeug, welches man dort natürlich nicht bekommt, kaum möglich.
Auf Grund vieler Nachfragen per Email: Eigentlich ist die Technik selbsterklärend. Alles was man über Motorräder wissen muss, findet man ansonsten auch in einem Reparaturhandbuch für einfache Inspektion und Wartung.
Ausgerechnet sparsame, alte Fahrzeuge dürfen paradoxer weise nicht mehr in französische Grossstädte wie Paris. Für die Umwelt Wirtschaft ist es natürlich viel besser, immer wieder neue Autos zu produzieren.
Auch Benziner mit Direkteinspritzung sind umweltschädlicher als alte Benziner mit Vergaser, bei denen das Benzin schon vorher und dadurch viel gründlicher mit Luft gemischt und dadurch besser verbrannt wird siehe auch Nano vom 7. November 2017. Wenigstens benötigen Motorräder in Deutschland keine Umweltplakette.
Dass die Transalp meine Erwartungen vollstens erfüllte, wurde am 22.07.2011 in einem Bericht in der Ausgabe 16 der Zeitschrift "Motorrad" veröffentlicht.
Ein Sprichtwort besagt: "Wer billig kauft, kauft zweimal". Das stimmt. Ich würde die 700 Euro Transalp sofort ein zweites Mal kaufen. Damals wurde ein Fahrer gesucht, der ein Motorrad Baujahr 1988 aus Spanien zurück nach Deutschland bringt.
Dieses Baujahr des Motorrades kam mir gerade recht. Motorräder, die vor dem Januar 1989 erstmals zugelassen wurden, müssen nicht zur Umweltuntersuchung, die der Abgasuntersuchung von benzingetriebenen PKW entspricht und für diese ab einer Erstzulassung seit dem 01.07.1969 und für Dieselfahrzeuge ab einer Erstzulassung seit dem 01.01.1977, vorgeschrieben ist.
Aufgrund einigen sichtbaren Sturzschäden an Verkleidungsteilen drückte ich den Preis, kaufte das Motorrad und versicherte es für ca. 100 Euro im ersten Jahr (SF1/2). Pro Jahr kostet das Motorrad 44.- Euro KFZ-Steuer was 1,84 Euro je angefangene 25 ccm Hubraum in der Steuerklasse L3e entspricht.
Da mir die Farbe der Maschine nicht gefiel, demontierte ich sämtliche Verkleidungsteile so wie den Tank (Motor zur rechten Seite hin ausbauen). Anschließend entfernte ich die Aufkleber und lackierte die Teile schwarz, bevor ich alles wieder montierte. Auf zusätzlichen Klarlack, der häßliche Flecken verursachen kann, verzichtete ich.
Zum Abschluss lackierte ich die Sturzbügel der Maschine mit silbernem, schlagfesten Felgenlack. Auch die löchrigen Faltenbälge mussten nach 15 Jahren getauscht und die vom Jahre langen parken im Freien verwitterte Sitzbank neu bezogen werden.
Zum Reisen rüstete ich die Transalp mit einem Topcase und Sozius Haltegriffen nach § 61 StVZO (Topcaseträger) so wie selbst gebauten Seitenkoffern aus.
Die Koffer sind, wie es das Gesetzt in Deutschland für Gepäck vorschreibt, dank Flügelschraubenmuttern auch ohne Werkzeug abnehmbar. Dinge, die ohne Werkzeug abgenommen werden können, zählen als Gepäck und müssen nicht vom TÜV eingetragen werden. Die Koffer werden leicht schräg so weit hinten montiert, daß diese bei Fahrten mit Sozia nicht stören und in scharfen Kurven, wenn überhaupt, zuerst hinten aufsetzen.
Zwei Monate nach dem Kauf der Transalp war eine TÜV Hauptuntersuchung für 70 Euro nötig. Die reinste Abzocke, die absolut nichts bringt siehe ZDF Zoom vom 15.12.2017. In Ländern wie Monaco und Belgien gibt es keinen TÜV und trotzdem kommt es dort nicht zu mehr Unfällen. Jeder Fahrer sorgt schon im eigenen Interesse für einen funktionstüchtigen Zustand der Technik.
Da sich die Transalp bisher entgegen meinen Erwartungen als sehr durstig erwiesen hat, was neben hohen Spritkosten zu rußigen Zündkerzen führte, machte ich mich auf die Fehlersuche und fand, nachdem das Hereindrehen der Gemischregulierschrauben keine Besserung brachte, daß sich die beiden Chokeschieber festgefressen hatten und nicht mehr zurück gingen. Einer der wenigen Schwachpunkte der Transalp, der sich durch einfachen Ausbau, einfetten und wieder Einbauen der Schieber recht einfach beheben lässt.
Anschließend begnügte sich die Transalp wie normal mit durchschnittlich 4,5 Litern E10 Benzin und rußte nicht mehr. (Honda empfielt übrigens, die Gemischregulierschrauben am Vergaser 2 Umdrehungen raus zu drehen, ich bevorzuge dagegen magereres Gemisch bei nur 1,5 Umdrehungen bei einem rehbraunen Kerzenbild).
Wenn wir schon bei Zündkerzen sind: Auch hier ist darauf zu achten dass diese fest genug (auch nicht zu fest) sitzen. Haben Zündkerzen Spiel, so zerstören sie auf Dauer das Gewinde im Zylinder und fliegen irgendwann heraus, ohne dass man sie dann wieder festschrauben kann. Von teuren Iridium Zündkerzen rate ich ab.
Der schlimmste Fehler der Transalp ist, daß die Kontakte der stehenden CDIs abbrechen, wenn sich die Sitzbank im Lauf der Zeit durchbiegt und mechanischen Druck auf diese ausübt. Um diesem Fehler vor zu beugen, bestellte ich von Honda einen liegenden CDI Halter, wir er in neueren Transalpmodellen verwendet wird. Er passt problemlos auch in die älteren Modelle und hat die Teilenummer 30401-MM9-010.
Update: Leider verabschiedete sich die CDI nach 20 Jahren trotzdem mit einem sporadisch auftretenden Wackelkontakt. Da mir ein nachlöten der vergossenen Platine nicht gelang, mussten digitale CDI für 99.- Euro her. Damit war die Behebung des schlimmsten Fehlers bei einer Transalp immer noch günstiger, als die reguläre Wartung einer Neumaschine ;-)
Die digitalen CDI von M&S Motech sind auf den neuen E10 Sprit ausgelegt und verfügen über einen eingebauten Überspannungsschutz und schalten bei zu hoher Spannung sicherheitshalber die Zündung aus. Damit ist das Durchbrennen der CDI ausgeschlossen. Hier die Mail von M&S Motech:
In unseren CDIs ist ein aufwendiger Überspannungsschutz (Verpolschutz natürlich auch) mit einem speziell dafür entwickelten Chip eingebaut, der sie wirksam vor Zerstörung z.B. bei einem Defekt des Bordspannungsreglers schützt. Die Funktion ist so, dass die CDIs bis ca. 18V Bordspannung ganz normal arbeiten. Übersteigt die Spannung diesen Wert, hängt das Verhalten von Höhe und Dauer der Überspannung ab.
Bei kurz andauernder Überspannung kann die CDI das verkraften und läuft normal weiter. Dauert die Überspannung länger, schaltet sich die CDI erst mal ab, wartet kurz, startet wieder, und das Spiel beginnt von Neuem.
Legt man z.B. konstant 20V an die CDI, schaltet sie sich etwa im Sekundenrhythmus an und aus, bei 50V schaltet sie etwas schneller ab.
Ein paar Jahre später kam es dadurch zu einem interessanten neuen Fehlerbild: Ab 60 km/h geht der Motor aus. Als ursächlich für die bei abgeschaltetem Licht zu hoch ansteigende Spannung trotz gereinigtem Massekontakt unter dem Tank erwies sich der 20 Jahren alte Regler, der gleichzeitig ersetzt werden musste und durch seine Überspannung möglicherweise die CDI auf dem Gewissen hatte.
Für zarte 15 Euro inklusive Versand bekommt man bei Ebay einen neuen Regler aus China, wenn man nach der englischen Bezeichnung "Regulator Rectifier Voltage Fit Honda XLV600 750R VF700C MAGNA VF700 SHADOW" sucht. Der neue Regler mit eingebautem Gleichrichter wurde einfach per plug & play gegen den alten getauscht. Fertig.
Ende des Jahrtausends durfte aus optischen Gründen endlich die lange hintere Radabdeckung weichen. Ohne sie erlischt laut einem Artikel der Zeitschrift Motorrad Ausgabe 8/98 die Betriebserlaubnis des Fahrzeuges nicht.
"Im Zuge der europaweiten Angleichung der Vorschriften für die Erteilung einer Betriebserlaubnis gilt seit dem 17. Juni 1999 die EWG-Richtlinie 92/61/EWG, die keine Anforderungen an das Vorhandensein oder die technischen Merkmale von Hinterradabdeckungen an Motorrädern enthält. "
Die Abdeckung muss zwar bei Fahrzeugen, die nach deutschem Recht zugelassen sind "hinreichen" und laut StVZO § 36a Abs.1 bis 150mm über die Achsmitte reichen und die Lauffläche komplett abgedecken. Eine Doppelmoral. Mal wieder. Der rote Reflektor am Heck, 250-900mm über Fahrbahn, ist bei der HU im ewig gestrigen Deutschland allerdings immer noch Pflicht.
Etwas später riss der Kupplungszug direkt am Hebel. Der Einbau eines neuen Drahtseils für 1,50 Euro verlief relativ problemlos. Ebenso problemlos verlief der längst überfällige Wechsel einiger 12 Volt Tachobirnchen mit 1,7 bzw. 3 Watt, der Einbau des Tachoantriebs einer XL500R aus Metall und das Wechseln der H4 Scheinwerferbirne. Übrigens passen die Scheinwerfer eines alten Jeep Cherokee Typ 6054 (200 x 142 mm bzw. 7 7/8" x 5 5/8") ebenfalls an die Transalp Baujahr 1992.
In Zeiten von geplanter Obsoleszens und dem Phoebuskartell lohnt sich der extrem einfache Wechsel auf LED Leuchtmittel. Diese verbrauchen weniger Strom/Sprit und sind ein grosses Sicherheitsplus, da sie weniger häufig ausfallen als Fadenbirnchen. Diese wurden verwendet, weil es damals keine besseren Alternativen gab. Inzwischen hat die EU altmodische Fadenbirnen ab 100 Watt sogar verboten. Alle Leuchtmittel sollen durch moderne Energiesparlampen ersetzt werden. Das E Prüfzeichen am Scheinwerfer bleibt natürlich erhalten.
Nach § 19 II 2 Nr. 2 StVZO erlischt die Betriebserlaubnis eines Fahrzeuges, wenn Änderungen vorgenommen werden, durch die eine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist. Dazu sagt das OLG Düsseldorf Beschluß vom 21.8.1996 (2 Ss (OWi) 240/96 - (OWi) 91/96 II). Die bloße Möglichkeit einer Gefährdung genügt danach nicht. (Quelle)
Ein Erlöschen der BE i. S. d. § 19 Abs. 2 Nr. 2 StVZO ist somit nur möglich, wenn durch eine Änderung eine abstrakte Gefahrenlage begründet ist. Selbst wenn ein Bauteil, das der Bauartgenehmigung unterliegt (§ 22 a StVZO) durch ein nicht genehmigtes Bauteil ersetzt wird, lässt sich daraus nicht grundsätzlich eine abstrakte Gefahr herleiten. Vielmehr ist eine solche am konkreten Einzelfall festzumachen. (Quelle)
Auch die Zeitschrift MOTORRAD schreibt auf ihrer Internetseite: "muss das Tuning auch ursächlich für den Eintritt und den Umfang des Schadens gewesen sein" (Quelle)
Für den Winter überprüfte ich den Gefrierpunkt der Kühlflüssigkeit mit einem kleinen Gerät in einer Werkstatt und rüstete das perfekte Alltagsfahrzeug mit Heizgriffen und noname Lenkerstulpen aus, die den kalten Fahrtwind wirkungsvoll abhalten und das Einfrieren der Schalter verhindern sollte. Gleichzeitig trage ich warme 3-Finger Handschuhe.
Leider drückt der Wind bei höheren Geschwindigkeiten die Lenkerstulpen ungewollt relativ stark sowohl auf den Kupplungshebel als auch auf den Bremshebel, was zu glühenden Bremsscheiben führte. Inzwischen gibts bei Louis für 19.- Euro Lenkerstulpen der Marke Held, die perfekt über die Handschützer passen.
Gleichzeitig gönnte ich meiner Alp rostfreie Edelstahlkrümmer wie es sie hier gibt und hier.
Die Transalp eignet sich auf Grund ihres hohen Gewichtes nicht wirklich für Fahrten im Schnee und auf vereisten Straßen.
Zum Glück erlaubt der §37 StVZO die Verwendung von Schneeketten, wie sie unter wunderlich.de angeboten werden, bis 50 km/h auch an Motorrädern in Deutschland.
Nach ca 20.000 km hatte sich die Antriebskette weiter gelängt, als man sie mit den Spannschrauben nachspanen konnte. Wenn eine Kette jedoch nicht genügend gespannt ist besteht das Risiko, dass sie während der Fahrt abspringt. Theoretisch kann sie dabei das Hinterrad blockieren. Eine nicht genügend gespannte Kette läuft nicht gleichmässig, da schwer gängigere Kettenglieder gerade im Winter auf salzigen Strassen fest rosten und sich dann nicht bewegen.
Dadurch kann die Kette reissen, bevor die Verschleissanzeige der Kettenspanner erreicht ist. Beim reissen blockiert sie das Antriebsritzel und kann bei schneller Fahrt dabei den Motor zerschlagen.
Damit die neue Kette nicht schnell verschleisst, habe ich beim Tausch das Ritzel und das Kettenrad gleich mit ausgetauscht. Dabei ist darauf zu achten, dass das Ritzel kein Spiel auf der Antriebswelle hat, da dieses durch Lastwechsel auf Dauer die Verzahnung zerstört und die Antriebswelle dann durchdreht.
Auch dürfen die Kappen der Kettenspanner nicht falsch herum montiert werden, da sonst Kondenswasser nicht abfliessen kann und die Schwinge von innen anfängt zu rosten.
Um eine neue Regina XW-Ring Endloskette von Hein Gericke montieren zu können, war es notwendig die Schwinge aus zu bauen.
Dieses bot gleichzeitig die perfekte Gelegenheit, die Lager der Schwinge und die Nadellager der Umlenkhebel zu reinigen und zu fetten. Klar nerven solche Aktionen aber wenn man bedenkt dass der Wechsel ganzer HAG Kardangetriebe bei BMWs ebenfalls recht häufig nötig ist und dabei viel mehr kostet als 10 Kettensätze, bleibt ein Kettenantrieb für mich die günstigste Lösung.
Im Frühling ging es endlich mal wieder mit dem Motorrad offroad Enduro fahren nach dem Motto "Rasen auf der Autobahn? Warum nicht, wenn er immer schön kurz gemäht wird?". Leichte Stürze der schweren Maschine auf weichem Untergrund ließen sich dabei nicht vermeiden, richteten jedoch keinen Schaden an.
Um abseits der StVO besser im Stehen fahren zu können, kann man als Lenkererhöhung einfach eine weitere "obere Lenkerklemmung" online kaufen und diese umgedreht mit längeren 8.8 Schrauben dazwischen montieren siehe hier.
Für eine Reise durch Marokko rüstete ich das Motorrad mit einem selbstgebauten Unterbodenschutz aus Aluminiumblech aus.
Auf einen Benzinfilter verzichtete ich, da dieser den ohne hin geringen Benzindruck weiter senkt und daher bei leerem Tank ein Umschalten auf Reserve nicht mehr den gewünschten Erfolg hat. Außerdem fängt ein feines Stäbchensieb im Benzinhahn Partikel im Sprit wirklungsvoll ab. Um das Sieb sammelt sich über die Jahrzehnte regelrecht Matsch an. Nach einem viertel Jahrhundert kann es passieren, dass die Membran im Benzinhahn reisst und dieser dadurch nicht mehr automatisch beim abstellen des Motores schliesst. Wenn nun das Schwimmerventil im Vergaser ebenfalls nicht 100% schliesst, läuft bei langer Standzeit die Schwimmerkammer über. Dann sucht sich das Benzin seinen Weg und wandert aus dem Tank durch den Brennraum in die Ölwanne, wodurch der "Ölstand" viel zu hoch wird. Beim Starten des Motorrades kommt einem dann das schwarze Öl/Benzin Gemisch durch den Überlaufschlauch aus dem Luftfilter entgegen. Zum Glück gibt es bei Ebay Reparatursätze für den Benzinhahn für rund 10 Euro und bei bike-teile.de gebrauchte Benzinhähne für rund 30 €. Damit erspart man sich den in vielen Foren beschriebenen Kampf alles wieder dicht zu bekommen und hat dann wieder ein paar Jahrzehnte Ruhe.
Die beiden hinteren Radlager tauschte ich gegen abgedichtete Lager mit der Honda Teilenummer 96150-6203010. Zum Austreiben der alten Schalen kann man entweder einen Schweisspunkt auf die alte Lagerschale setzen, oder mit einer rechtwinklig abgesägten Eisenstange am kleinen Spalt ansetzen. Ein "Schraubenzieher" eignet sich nicht, da dieser meist am Ende wieder schmaler wird. Das neue Lager vor dem Einbau ins Gefrierfach legen.
Update: Die hinteren Radlager in der Grösse Innendurchmesser 17mm X Aussendurchmesser 40mm X Breite 12mm bekommt man von anderen Herstellern für nur 3 Euro pro Stück, wenn man zB bei mir kauft oder online nach der Standartbezeichnung 6203 sucht. Der Tausch kostet in Marokko ohne Wartezeit inklusive neuer Lager und Arbeitszeit nur 15 Euro. Für den Preis baut einem der Mechaniker bei Honda nicht mal das Hinterrad aus...
Nach der extrem heiss und staubigen Reise enthielt die Batterie praktisch keine Flüssigkeit mehr und mußte mit destilliertem Wasser aufgefüllt werden. Außerdem mußte der Luftfilter ausgeblasen werden, da die Maschine an steilen Passauffahrten bei Vollgas ruckelte, nicht richtig zog und zu viel Sprit verbrauchte.
Nach einer anspruchsvollen Passfahrt lies mich die Maschine nach 20 Jahren dann doch mal im Stich. Plötzlich lief sie nur noch auf einem Zylinder, während der andere mächtig bremste. Da ein Zündfunke vorhanden war, konnte ich einen Deffekt der CDI ausschliessen. Es musste also an der Spritzufuhr liegen. Da der Benzinhahn öffnete, sobald man am Unterdruckschlauch saugte, baute ich den Vergaser aus
Sitzbank runter, Tank runter (vorher schaun ob beim saugen am Unterdruckschlauch genug Sprit durch den Binzinhahn kommt). Luftfilterdrom runter (ist schwierig wieder drauf zu stecken)dann die Ansaugstutzen lösen und den Vergaser ab ziehen (darauf achten dass die Nasen beim druf stecken richtig sitzen). Sämtliche Gaszüge können montiert bleiben. Mit der rechten Seite nach oben durch den Rahmen schieben und umdrehen.
und öffnete die Schwimmerkammer des kalten Zylinders und siehe da: man konnte nicht durch alle Bohrungen der kleineren der beiden Düsen hindurch sehen: Sie war verdreckt. Nachdem ich sie mit Druckluft gereinigt habe, lief die Maschine wieder mit voller Leistung. Wirklich erstaunlich, wie so ein winzig kleines bischen Dreck die ganze 200kg Fuhre lam legen kann.
Nun war es ausserdem Zeit für einen neuen Ölfilter und neues Motoröl.
5 Liter 15W40 Motoröl bekommt man bei Real für 12.- Euro. Update: Damit läuft meine Maschine inzwischen seit gut 20.000 km absolut problemlos. Vor allem bei alten Motorrädern mit hohem Ölverbrauch (BMWs dürfen schon ab Werk bis zu 1 Liter/1000 km verbrauchen) ein echter Kostenfaktor. Teures Markenöl schützt nicht vor Motorschäden. Die treten trotzdem auf 1, 2, 3 . Da im Gegensatz zur BMW die Kupplung bei Honda schon in Öl läuft und dadurch länger hällt, sollte man keine teuren Hightechöle verwenden. Ansonsten könnte die Kupplung rutschen.
Nach knapp 50.000 km auf dem Tacho prüfte die Kompression beider Zylinder in heißem Zustand. Sie lag bei durchdrehendem Starter, abgeschalteter Zündung und voll geöffnetem Gashahn etwas über den geforderten 12 Bar, was auf dichte Ventile und Kolbenringe hindeutet.
Darüber hinaus überprüfte ich das Ventilspiel bei kaltem Motor. Obwohl der von Honda vorgegebene Prüfintervall von 12000 Kilometern bereits überschritten war, lag das Spiel der vier Einlaßventile bei genau den für Transalps des Baujahres 1988 vorgeschriebenen 0,10 mm und mußte nicht eingestellt werden. Das Spiel der beiden Auslaßventile mußte lediglich um 0,05 mm vergrössert werden, nachdem ich den rechten Kühler weg geklappt habe, ohne zuvor die Kühlflüssigkeit ab zu lassen.
Bei Transalps neueren Baujahres, hat sich mit der Verzahnung des Kettenrades auch das Ventilspiel geändert. Ab dann haben die Einlassventile 0,15 mm Spiel und die Ausslassventile 0,20 mm.
Nach dem Einstellen der Ventile syncronisierte ich den Vergaser bei laufendem Motor und gelegentlichen kleinen Gasstößen, mit Hilfe zweier Unterdruckmessuhren und einem langen Schraubendreher.
Gleichzeitig wurde mir eine zweite Transalp Baujahr 1995 angeboten, die auf Grund eines nach einem Unfall günstig zum Kauf stand.
Da mir die modernere Lampenmaske der Transalp ab dem Baujahr 1994 so wie die Farbe NH 229 M-U anchor grey metallic mit der Farbnummer 399291 gefiel, kaufte ich die Maschine, reparierte die Verkleidung mit Alublech und Blindnieten und lackierte die Felgen schwarz und wechselte die 41mm Gabel Simmerringe:
Solange die Gabel unter Spannung steht den unteren Imbus und das obere Teil öffnen. Gabel ausbauen, Öl ausgiessen und Feder raus holen. Die Staubkappe mit einem Messer etc vorsichtig entfernen. Den Sicherungsring unter der Staubkappe lösen. Den Imbus unten lösen. Die letzte Innereien heraus nehmen. Die Gabel vorsichtig stossweise auseinander ziehen. Den alten Simmerring entfernen. Alternativ einige Löcher in den alten Simmerring stechen und Spax Schrauben eindrehen. An diesen den Sommerring austreiben. Zuletzt die Gleitbuchse entfernen. Fertig.
Zusammenbau: Die Gabel zusammen stecken. Den Gleitring einführen. Vorsichtig den neuen Simmerring einölen und über die Holme streifen. Den neuen Simmerring mit dem Spezialwerkzeug 10003463 von Louis ein klopfen. Den Sicherungsring montieren. Die Staubkappe drüber stecken und mit Gummihammer fest klopfen. Die Innereien richtig herum in die Gabel stecken und den unteren Imbus fest ziehen. Die Feder rein stecken. Ev. progressive Wicklungen nach oben um den Öldruck auf die Simmerringe nicht zu erhöhen. Das (aus Umweltschutzgründen alte) Öl einfüllen. In den meisten Ländern wird wie für alles andere auch ganz normales 10W40 Autoöl verwendet. Die Gabel oben schliessen und einbauen. Das Rad einbauen. Bremsen, damit die Beläge wieder anliegen.
Die obere und die untere Gabelbrücke und die vordere Radachse mussten ebenfalls getauscht werden, da der Lenker nach dem Unfall schief stand. Um die runden Schrauben die das Zündschloss halten aus der Gabelbrücke mit dem gerissenen Vibrationsdämpfer heraus zu bekommen, sägte ich einen Spalt als Angriffsfläche für einen Schraubendreher hinein. Update: Ev hätte man die gerissenen Lenkerdämpfer durch Unterlegscheiben ersetzen können.
Den ausgebrochenen Spiegelhalter am Bremszylinder auf der rechten Seite flexte ich weg und ersetzte ihn durch die geniale Spiegelschelle Nr. 10028900 von Louis.
Nach einer Reise mit dem Motorrad durch Tunesien im Frühling, waren neue Spiegeln (Pflicht seit 06.12.1960 zwei seit 1990) und einem Lenker auch ein neuer Kettensatz, ein einstellbarer Bremshebel Nr. 10019847 von Louis und eine neue TÜV Plakette notwendig. Natürlich gibt es auch für Spiegel in einem Land, in dem selbst die Krümmungen von Bananen und Gurken genormt sind, gleich zwei natürlich widersprüchliche Richtlinien:
Nach EG-Recht (97/24 EWG): Es dürfen nur Spiegel angebaut werden die ein E-Prüfzeichen haben. Nach deutschem Recht: Die Spiegel müssen eine spiegelnde Fläche von mindestens 60cm² haben. Ein E-Prüfzeichen ist nicht zwingend erforderlich.
Aus optischen Gründen befestigte ich außerdem einen laut TÜV nicht eintragungspflichtigen vorderen Kotflügel von Acerbis Louis Bestellnummer 10026815 mit Hilfe der Winkelhalter Nr. 10005937 an Stelle der Plastikabdeckung unten an der Gabelbrücke. So wird die Bewegungsfreiheit der Tachowelle nicht eingeschränkt.
Außerdem fettete ich die Schwingenlager, blies den Luftfilter mit einem Kompressor aus, überprüfte das Ventilspiel und behob einige Schäden an der Verkleidung.
Als sich spontan eine Gelegenheit ergah, kam ich für 150 Euro in den Besitz einer dritten 650er Transalp mit 250.000 Kilometern und Motorschaden. Die Antriebswelle drehte sich, ohne das Ritzel mit zu nehmen. Schweissen wäre möglich, aber Pfusch gewesen. Der Wechsel der Antriebswelle wäre teurer als ein neuer Motor, den ich für nur 300 Euro inklusive Lieferung bei Ebay erwarb. Da die Schwingenachse fest gerostet war, musste diese zum Tausch des Motors heraus geflext werden.
Anschliessend unternahm ich eine kleine offroad Testfahrt ins französisch italienische Grenzgebiet und zum Col de Bonette, dem mit 2802m höchsten asphasltierten Pass, dessen GPS Koordinaten den Tank der neuen Honda XL 700 zieren.
Neben neuen Bremsbelägen (vorne passen bei der Transalp 1992 die aspestfreien, 11mm dicken Beläge BENDIX MF42 89,9x49,0x11,0 mit ABE ECE Norm 78.01 und Lucas MCB512. Sie halten deutlich länger als 8,4mm starke Bremsbeläge), Faltenbälgen und einem Kettensatz waren nach 20 Jahren auf Grund von vielen Sandfahrten auch eine neue Schalterarmatur nötig.
Dann erhielt die Andere ein neues Kegelrollen Lenkkopflager 10051209 von Louis. Das Kegelrollenlager der AfrikaTwin hat die gleichen Masse und beinhaltet gratis noch 2 Staubschutzkappen.
Um die alten Lagerschalen aus zu treiben, verwendete ich ein Reifenmontiereisen. Auf Reisen habe ich gelernt, dass man auch einfach dicke Schweisspunkte auf die alten Lagerschalen brutzeln kann, um die Angriffsfläche für stumpfes Werkzeug zu vergrössern. Die neuen Schalen trieb ich mit Hilfe der alten Hülsen, gut gefettet, wieder ein. Das alte Lager auf der Gabelbrücke flexte ich weg.
Nach 50.000 km verkaufte ich das Motorrad ohne Wertverlust zum Kaufpreis und kaufte ein anderes Unfallmotorrad.
Die Maschine bekam Stahlflex Bremsleitungen mit ABE zum tunen der Bremsleistung, ein neues Rücklicht/Bremslicht mit Sockel Bay 15d 1157 Zweifadenbirne (Osram 7556CW LED Retrofit P21W), da die alte Lampenfassung durchgerostet war. Auch hier sind LED Birnen, die nicht so oft ausfallen, ein grosses Sicherheitsplus.
Ausserdem montierte ich den Scheinwerfer einer Suzuki TS50 mit Ba20d 12V 35W/35W 12728 S2 Birne (BA9s fürs Standlicht), da elastische Masken aus China (die man knicken kann ohne dass sie bricht) leider über kein Materialgutachten bzw. Splittergutachten verfügt und damit für die Verwendung in Deutschland zu gefährlich sind. Eigentlich ein Witz wenn man einmal gesehen hat, wie spitzkantig die originale Maske von Honda bei ihrem Aufprall bricht.
In Deutschland regelt die Allgemeine Betriebserlaubnis kurz ABE vom Kraftfahrt-Bundesamt, welchen Kriterien die verbauten Teile entsprechen müssen. Für eine Transalp gillt die ABE E512 der Honda Deutschland GmbH. Diese besagt im Punkt 9.13.0 "Kraftradverkleidung", dass diese den Anforderungen VdTÜV Merkblatt 736 so wie TA Nr. 29 Abs. 3.6.8 entsprechen (muss). Damit sind Verkleidungsteile ohne entsprechende Prüfung (Matrealgutachten) nicht gestattet.
Verkleidungsteile und Masken anderer bereits in Deutschland zugelassener Motorräder müssen ein Materialgutachten bereits erbracht haben und entsprechen damit auch dieser Norm, so dass hier keine Sicherheitsbedenken bestehen, selbst wenn der im Punkt 9.13.1 angegebene Typ ein anderer ist. Die Bezeichnung einer Sache ist ja für ihre Funktion ohne Bedeutung.
Kleine Lampenhalter sind genau genommen nicht eintragungspflichtiges Befestigungsmatreal und keine von diesem Punkt erfassten Lampenmasken, Verkleidungsteile oder Windschilde.
Der Punkt 10.1.2.0 "Scheinwerfer für Abblend- und Fernlicht" erlaubt ausdrücklich die Verwendung eines Scheinwerfers mit dem Prüfzeichen E4 "und andere für Fahrzeuge dieser Art bauartgenehmigte Schweinwerfer gleicher Anbaulage" (inklusive Befestitungsmatreal) ohne spezielle Eintragung. Für andere Blinker mit E Prüfzeichen ist auch keine Eintragung nötig. Die Anbaulage des Scheinwerfers ist im Punkt 10.1.2.3 mit "Höhe: 890" beschrieben.
Bei Blinkern ergibt sich der Mindestabstand wie folgend: Laut STVO müssen die Blinker vorne einen Abstand von 340 mm haben, aber laut EU-Vorschrift nur 240 mm.
Ausserdem benötigte ich für den deutschen TÜV einen neuen, LED beleuchteten digitalen Fahrradtacho von SW Motech mit ABE für 90/90-21 Räder etc. Die Preisfrage hier ist, wie man diesen einstellen muss. Verwendet man brav die in der ABE vorgeschriebenen Werte, zeigt der Tacho bei Verwendung eines neuen Mitas E07 Reifens immer eine NIEDRIGERE Geschwindigkeit an als ein GPS. Dann muss man sich beim Schätzen der eigenen Geschwindigkeit eher auf sein Popometer verlassen, sonst löst man alle Radarfallen aus.
Verwendet man jedoch korrekte, GPS geeichte Werte, erlischt in Deutschland die Betriebserlaubnis der Maschine.
Nach deutschen-Recht zugelassene Motorräder §§ 49a -54 StVZo: Abstand der hinteren Blinker zueinander, gemessen an den Innenkanten: 240mm mindestens.
Abstand der vorderen Blinker, gemessen an den Innenkanten: 340mm mindestens.
Dabei muß der Abstand zum Hauptscheinwerfer von Innenkanten zu Innenkante mindestens 100mm sein.
Mindestanbauhöhe der Blinker, gemessen an der Unterkante der Blinker 350mm.
Motorräder nach EG-Recht zugelassen // 93/92 EWG: Abstand hintere Blinker zueinander, gemessen an den Innenkanten: 180mm mindestens.
Abstand vordere Blinker, gemessen an den Innenkanten: 240mm mindestens.
Anbauhöhe der Blinker vorn/hinten zwischen 350mm - 1200mm.
Beim Anbauen von Lenkerendenblinkern sind ab EZ. 01.01.1987 Heckblinker zusätzlich vorgeschrieben.
Warnblinkanlage (§§ 49a -54 StVZo // 93/92 EWG): nach EG-Recht unzulässig an Kleinkrafträdern und zulässig an Krafträdern. Nach StVZO zulässig auch an Kleinkrafträdern. Besonderer Schalter zur synchronen Funktion aller Blinker erforderlich. Einschaltkontrollleuchte vorgeschrieben, nach StVZO mit rotem Licht.
All diese Punkte erfüllte mein neuer Scheinwerfer. Bei der nächsten Hauptuntersuchung folgte der studierte Prüfingenieur dieser Argumentation und erteilten die Plakette. Die 50 Euro für die Eintragung von geprüften Teilen anderer Fahrzeuge konnte ich mir damit sparen (wäre eh nur eine unnötige, teure Formalität gewesen). Nur der vorgeschriebene 100 mm Abstand der Blinker vom Licht und der 340 mm Abstand der vorderen Blinker untereinander wurde vom TÜV bemängelt und von mir nachgebessert, obwohl kein seit 1998 nach EU Recht zugelassenes Motorrad mehr so breite Blinker braucht. Es geht um ihre Sicherheit. Bei diesem Totschlagargument kann man nur den Kopf schütteln.
Es besteht angeblich ein Sicherheitsrisiko, wenn mein altes nach deutschem Recht zugelassenes Motorrad die neue EU Vorschrift erfüllt. Wenn eine neue, nach EU Recht zugelassene Maschine die gleiche Richtlinie erfüllt, ist es jedoch in Ordnung. Es geht um ihre Sicherheit. Aha. Zum Glück ist Deutschland weltweit das einzige Land, mit derart unsinnigen Vorschriften. Nicht mal die Schweiz oder Österreich machen da mit.
Ansonsten war meine Maschine jedoch top und der extrem pingelige Prüfer konnte keine weiteren "Mängel" finden.
Kennt ihr dass auch? Man hat einen wichtigen Geschäftstermin. Man zieht sich schick an: Hemd und neue Schuhe und so. Auf der 200 km langen Anreise achtet man wenig auf die Gegend durch die man fährt. Man ist in Gedanken voll bei dem folgenden Termin. Dann macht man sich auf den Rückweg. Es ist alles super gelaufen. Der Kunde war begeistert. Die Sonne scheint und man geniesst die Heimfahrt durch die schöne Natur rings herum. Dann sieht man ihn: Den perfekten Hügel. Er ist steil aber nicht zu steil. Eine echte Herausforderung.
Man biegt von der Strasse ab und folgt einem matschigen Forstweg durch einen kleinen Wald. Am Fusse des Hügels stellt man sich in die Rasten und lässt das Hinterrad mit kleinen Gasstössen durchdrehen, um den Grip zu testen. Die Anspannung steigt. In Gedanken wählt man die perfekte Linie. Dann erster Gang und GAAAAAAS. Der Dreck fliegt um einen rum. Man weiss dass man verloren ist, wenn man unterwegs anhält.
Man verlagert das Gewicht nach vorne, um ein Überschlagen der Maschine zu verhindern und spührt die Kraft, die einen wie ein Astronaut dem Himmel entgegen trägt. Oben kommt man total verdreckt aber mit einem breiten Grinsen an. Man ist unbesiegbar. So fühlt sich Freiheit an. Als Erinnerung schiesst man ein Foto von den nun nicht mehr neuwertigen Schuhen. Das weisse Hemd sah ähnlich aus. Was für ein geiler Tag :)
Nach meiner Afrikareise fiel meine Transalp durch den TÜV und wurde zu gunsten einer Yamaha XJ 900 mit Kardanantrieb verkauft.
Eigentlich war zuerst alles gut. Als der Prüfer jedoch die Afrikakarte an dem Motorad sah, fing er nochmal von vorne an zu suchen. An einem Motorrad dass so weit gefahren ist, muss doch was zu beanstanden sein.
Nach einem Jahr in Südamerika kaufte ich mir erneut eine Transalp und baute diese um, um sie als Dekoration bei anstehenden Vorträgen der Firma Touratech zu verwenden. Auf dem Weg dort hin holte mich die Polizei mit Blaulicht bei schönstem Wetter von der Autobahn.
Ich überlegte schnell, ob ich was angestellt hatte. Hatte ich Menschen illegal überwacht, Demonstranten verprügelt, oder Falschmeldungen verbreitet siehe ARD Kontraste vom 09.11.2017? Nein, ich hatte im Gegensatz zur Polizei nichts schlimmes getan. Trotzdem wurde ich wie ein Schwerverbrecher behandelt.
Die Sicherheit ist ja nur vor geschoben. Es geht wie immer ums Geld: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8. Dabei sind Blitzer oft falsch eingestellt. Diese Einahmen sind fest im Haushalte der Landesregierungen eingeplant. Gibt es nicht genügend "Raser" weil die Menschen vernünftig fahren, werden die Limits einfach weiter abgesenkt (wegen Luftreinhaltung etc), um wieder mehr Bürger blitzen zu können. Beispiele dafür gibt es genug, wie die breite, lukrative Strasse von Stuttgart zum Flughafen oder die Hauptstrassen in Tübingen und Reutlingen etc. Dabei hat die Landesumweltanstalt vorgerechnet, dass "ein Auto mit 30 km/h im zweiten Gang oft mehr Schadstoffe ausstößt als mit 50 km/h im vierten oder fünften Gang".
Das Polizeirecht setzt für das polizeiliche Handeln eigentlich eine konkrete Gefahr voraus. Eine abstrakte Gefahrenlage "es könnte ja etwas passieren" reicht für eine Verurteilung eigentlich nicht aus. Finanzielle Interessen des Staates erst recht nicht. Eigentlich sollte man sie wegen Amtsmisbrauch einsperren. Da viele Bussgeldbescheide ausserdem ungültig sind, weil sich beispielsweise mehrere Fahrzeuge auf dem Bild befinden, hat jetzt das Startup geblitzt.de als Prozessfinanzierer den für Betroffene kostenlosen Kampf gegen die Staatliche Abzocke aufgenommen siehe Galileo.de
Es stellte sich heraus, das ich nur meinen hinteren Reflektor verloren hatte. Das Befestigungsschräubchen muss sich irgendwie los vibriert haben. Beim letzten TÜV war der Reflektor noch da. Wer eine Frau mit einem Ziegelstein nieder schlägt um sie aus zu rauben, erhällt nur Bewährung. Auch Steuergeldverschwendung in Millionenhöhe, hat für die Verantwortlichen keine Folgen. Wehe aber, man hat in Deutschland mal einen völlig unnötigen Reflektor verlohren.
Nun folgte das volle Programm als Versuch, mir irgendwas an zu hängen. Mein Motorrad wurde begutachtet, als hätte ich irgendwo eine Bombe versteckt. Das Fahrzeug würde tropfen. Ich wischte mit der Hand über den trockenen Fleck, der sich zufällig in der Nähe auf dem Asphalt befand. Der Fleck war bestimmt schon Wochen alt. Eher tropft ihr besch* BMW als eine zuverlässige Honda. Das sprach ich jedoch nicht aus.
Der Zigarettenanzünder für die Stromversorgung des Navis würde wackeln. Na und? Das darf er auch. Noch 3 Stunden bis zu meinem Vortrag.
Ob der Stabilisator der Gabel selber gebaut sei? Nein der ist original. Das ist er wirklich...aber selbst wenn nicht...wer würde auf solche eine Frage mit ja antworten? Als Beschuldigter darf man lügen, wie ein Politiker oder die Polizei selber siehe ARD Kontraste vom 09.11.2017.
Ob ich eine Freigabe für die Reifen und für den Tacho eine ABE habe? Klar...und für die Bremsleitung auch. Zum Glück hatte ich die ganzen Zettel, die man ausser in Deutschland nirgendwo auf der Welt braucht, mit dabei. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und ich musste mir nach mehr als 85 bereisten Ländern das übliche Gelaber von wegen Sicherheit blabla anhören.
Wie überall darf man hier das A Wort nur denken und muss dabei freundlich lächeln. Was weiss ein spiessiger Beamte schon von Motorradreisen?
Aktionen wie diese beweisen, dass die grösste Gefahr in den meisten Ländern der Welt von der Polizei selber aus geht. Mein jährlicher Schaden ist höher als durch Diebe. In jedem Land gelten andere komische Vorschriften.
In Kambodscha ist es zum Beispiel zur Sicherheit verboten, tagsüber mit Licht zu fahren, in Kolumbien dürfen sicherheitshalber nicht zwei Männer auf ein Motorrad, in Brasilien darf man sicherheitshalber nicht mit offenem Visier fahren und in Thailand dürfen Motorräder sicherheitshalber nicht auf die Autobahn. In Deutschland ist das kein Problem.
In Zeiten knapp werdender Parkplätze parkt man Motorräder sowieso quer zwischen den Autos. Man möchte ja keinen Strafzettel wegen Verschwendung von Parkraum bekommen. (Alleine wegen einer fehlenden Parkscheibe am Motorrad musste ich am Breitenauer See bereits 30 Euro zahlen.) Während der Fahrt brennt hinten ein Licht. Ein zusätzlicher Reflektor hinten macht also keinen Sinn. Wenn überhaupt dann bräuchte man seitlich welche, wie in den USA vorgeschrieben.
Trotzdem bekomt man in Deutschland für Nichtigkeiten wie einem fehlenden Reflektor eine Mängelkarte, die extra dafür ein eigenes Feld hatte. Das erhöht die Erfolgsstatistik der Polizei. Wieder wurde erfolgreich ein Fall gelöst.
Für die Behebung des "Mangels" setzte man mir eine Frist von 14 Tagen, dabei wollte ich Deutschland schon am nächsten Tag wieder verlassen und nicht so schnell zurück kommen. Sch...wo bekomme ich jetzt am Wochenende so ein sinnloses Ding her?
Zum Glück lieh mir ein Kumpel auf dem Treffen kurzerhand seinen Reflektor. Damit gings zur nächsten Station von "Freund und Helfer". Wenn man sie mal braucht ist natürlich geschlossen. Sprechzeiten nur am Donnerstag. Na super. Also 20 km zum TÜV in die nächste Stadt fahren. Noch 2 Stunden bis zum Vortrag. Der TÜV wollte 17 Euro für den Stempel der bestätigt, dass ich wieder einen Reflektor am Motorrad habe. Also lieber ein Polizeirevier suchen.
Ich klingelte. Mit einem Summen öffnete sich die gesicherte Panzerglastüre. Einer hinter Sicherheitsglas verschanzten Beamtin erklärte ich mein Anliegen und schob ihr die Mängelkarte unten durch den schmalen Spalt. Wortlos verschwand sie. Ich war eingesperrt. Weiter ins Polizeipresidium konnte ich nicht, eine zweite Türe versperrte den Weg. Hinaus konnte ich ebenfalls nicht mehr. Dafür müsste die Beamtin wieder den Summer betätigen. Freiheitsberaubung wegen einem verloren gegangenen Reflektor und das, obwohl gleich hunderte Leute auf einen Vortrag von mir warten. Das letzte mal hatten mich Polizisten eingesperrt, als ich im Sudan Fotos gemacht hatte.
Ironischerweise hing im Empfangsbereich der Polizei ein Aushang: Gelegenheit macht Diebe. Man solle doch auf seine Habe aufpassen. Mein Motorrad stand voll beladen auf der Strasse und man liess mich das Polizeigebäude nicht verlassen, um darauf auf zu passen. Dann endlich kam die Beamtin zurück. Ein kurzer Blick aus dem Fenster. OK das Katzenauge ist dran.
Ob ich die Mängelberichtkarte gleich bei ihr lassen dürfe?
Nein dafür sei natürlich eine andere Polizeidienststelle zuständig. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Post, um eine Briefmarke zu kaufen. Wie üblich musste man in der Post eine halbe Stunde anstehen. Dann erhielt ich endlich die gewünschte Marke, mit der ich die Mängelkarte zur weiteren Bearbeitung an irgend ein anderes Amt schicken konnte. Hauptsache, die haben was zu tun.
Jetzt schnell die 20 km zurück rasen, umziehen und Vortrag halten. Zum Glück war ich früh genug los gefahren. Eigentlich hatte ich eher mit Problemen mit dem Beamer oder der Soundanlage gerechnet. Beides funktionierte jedoch zum Glück auf Anhieb perfekt und als Promi darf man eh ein bischen zu spät kommen. Wenn die Leute wüssten, welche Abenteuer man selbst in Europa erleben kann.
Sollte ich zu Weihnachten in einigen Monaten wieder nach Deutschland kommen um meine Familie zu besuchen, so wünsche ich mir des lieben Friedens willen einen roten, anschraubbaren Reflektor mit Prüfzeichen. Das freut auch die Dekra beim nächsten Mal. In der Schweiz und weiter nach Griechenland hat der fehlende Reflektor entgegen der Ausrede der ########### ("sie können froh sein, dass wir und nicht die Schweizer sie bla bla") niemanden gestört.
In anderen Ländern darf man mit dem Motorrad einen kompletten Umzug aus 9m² Teppich, 140m breite Matratzen oder 2 Fahrräder mit dem Motorrad transportieren, ohne dass jemand versucht einen ab zu zocken.
Selbst der Transport von 1,80 Meter langen Plexiglasplatten ist aus Physikalischer Sicht kein Problem. Ein Auto kann man nur beladen bis es voll ist. Für die Beladung von Motorrädern gibt es keine Grenzen. Das habe ich auf meinen zahlreichen Auslandsaufenthalten gelernt.
Gemäss §22 StVO darf die Ladung bei einem Fahrzeug egal ob Motorrad oder Auto selbst in Deutschland bis zu 1,50 Meter nach hinten heraus ragen.
Bei weniger als 100 km Wegstrecke sogar bis zu 3 Meter. Im Ausland gibt es kaum Beschränkungen. Ab einem Meter nach hinten würde man in Deutschland eine rote Flagge benötigen. Bei mehr als 40 cm seitlichem Überstand nach vorne ein Licht.
Die maximale Breite eines Fahrzeuges von 2,55 Metern, die Länge von 20,75 Metern und die Höhe von 4 Metern dürfen dabei nicht überschritten werden. Das habe ich mit einem Motorrad bisher auch noch nie geschafft.
Natürlich gibt es auch bei Zusatzscheinwerfern in Deutschland zwei wiedersprüchliche Vorschriften: § 50 StVZO erlaubt nur einen Nebenscheinwerfer, § 52 StVZO und 92/93/EWG siehe 92-92-EWG dagegen zwei.
1993L0092 — DE — 23.11.1993 — 000.001 — 45 6.7. Nebelscheinwerfer 6.7.1. Anzahl: einer oder zwei. 6.7.9. Elektrische Schaltung Der Nebelscheinwerfer muß unabhängig vom Scheinwerfer für Fernlicht oder dem Scheinwerfer für Abblendlicht ein- und ausgeschaltet werden können. 6.7.10. Einschaltkontrolle: wahlfrei. Grüne nichtblinkende Kontrolleuchte.
§ 52 Zusätzliche Scheinwerfer und Leuchten: (1) Außer mit den in § 50 vorgeschriebenen Scheinwerfern zur Beleuchtung der Fahrbahn dürfen [...] Krafträder, auch mit Beiwagen, mit nur einem Nebelscheinwerfer. Sie dürfen nicht höher als die am Fahrzeug befindlichen Scheinwerfer für Abblendlicht angebracht sein. Nebelscheinwerfer müssen einstellbar und an dafür geeigneten Teilen der Fahrzeuge so befestigt sein, dass sie sich nicht unbeabsichtigt verstellen können. Sie müssen so eingestellt sein, dass eine Blendung anderer Verkehrsteilnehmer nicht zu erwarten ist.
Ergo darf man in Deutschland nach 93/92 EWG u. § 52 StVZO 2 Nebelscheinwerfer haben, die nicht über dem Abblendlicht angebracht sein dürfen, mind. 250mm über der Fahrbahn sind und nicht mehr als 250mm von der Fahrzeuglängsmittelachse entfernt sind. Gemäß 93/92EWG und §50 StVZO darf man am Krad nur 2 Fernscheinwerfer haben. Dabei ist zu beachten, dass der Abstand der leuchtenden Fläche nicht größer als 200mm ist. Ebenso dürfen sie nicht über dem Hauptlicht (Abblendlicht) montiert sein. Im Ausland stört sich kein Polizist an Scheinwerfern und falls doch, kommt einfach ein Socke drüber.
Als ich ein paar Jahre später erneut bei meiner Familie zu besuch war, bemerkte ich einen grossen Polizeieinsatz. Normalerweise bewegt sich die Polizei nicht einmal, wenn millionen "Flüchtlinge", unter falscher Identität die Grenzen passieren siehe ZDF Zoom vom 23.08.2017. Auch wenn im Görlitzer Park Drogen ganz offen verkauft werden, schreitet die Polizei nicht ein.
Hier musste also etwas wirklich schimmes passiert sein...zwei Fahrzeuge mit Blaulicht und so viele Beamte. Alle Nachbarn glotzten aus den Fenstern. Wurde jemand ermordet oder handelte es sich um einen weiteren Terroranschlag in Europa?
Es stellte sich heraus dass die ganze Aufregung nur daher kam, dass ein Motorrad mit Pappkennzeichen auf einem legalen Parkplatz am Strassenrand parkte. Ich hatte den Kennzeichenverlust längst dem Ordnungsamt gemeldet, nachdem dieses schon einen Tag später einen roten Aufkleber drauf gepappt hatte und das OK erhalten, das Fahrzeug dort für max 14 Tage stehen lassen zu dürfen, bis ich den notwendigen Papierkrieg erledigt habe.
Nach einem Verlust ein neues Kennzeichen zu beantragen, könnte so einfach sein. Man fährt zum Kennzeichenmacher, lässt sich das neue Kennzeichen machen und geht dann zu irgend einer Zulassungstelle, die das Vorhanden sein der Papiere überprüft und bei Richtigkeit die notwendigen Aufkleber drauf klebt. Vonwegen.
Hat man ein Kennzeichen verloren, muss das Fahrzeug in der Bananenrepublik komplett mit allen Papieren umgewidmet werden. In Thüringen ist laut Internetseite zusätzlich die persönliche Abgabe einer eidesstattlichen Verischerung über den Verlust für 30 Euro notwendig. Die Thüringer Zulassungsstelle wollte trotzdem nicht helfen, da das Fahrzeug in einem anderen Bundesland zugelassen war. Ein Affentheater, bei dem die Polizei natürlich nicht fehlen darf. Die haben scheinbar echt nichts wichtigeres zu tun und verschönern so ihre Erfolgsstatistik. Wieder ein Verbrechen gelöst. Wie meistens war auch dieser Einsatz mit gleich zwei Streifenwagen und 5 Mann auf Steuerzahlerkosten natürlich vollkommen überflüssig. Eine Meldung bei der Polizei sei laut kurzer telefonischer Nachfrage bei der zuständigen Zulassungsstelle nur bei Diebstahl nötig. Ich war sehr froh, Deutschland schnell wieder verlassen zu können. Derart sinnlose Belästigungen gibt es woanders nicht. Soweit meine Meinung. Sämtliche Handlungen sind frei erfunden.
In einem Land, in dem sich selbst die Gerichte ständig wiedersprechen, kann es keine Rechtssicherheit geben. Daher alle Angaben ohne Gewähr. Weiter gehts zum Vergleich der besten Kardantourer.

References: § 61
 § 36
 § 19
 § 19
 §37
 §22
 § 50
 § 52

§ 52
 § 50
 § 52
 §50