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Timestamp: 2019-10-16 05:56:24+00:00

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#1 von Achim , 08.08.2013 17:21
in der St. Dionysius-Gemeinde von Bad Fallingbostel gab es einen Pastor, wie wir hier die Pfarrer nennen, namens Florian Schwarz, der in seiner Gemeinde segensreich wirkte, wie im offenen Brief des Superintendenten des Kirchenkreises Walsrode Ottomar Fricke, gerichtet an die "Gemeinde in Bad Fallingbostel", nachzulesen ist. Wörtlich schreibt Herr Fricke:
"In Bad Fallingbostel geht es nicht um die inhaltliche Arbeit von Pastor Schwarz. Immer wieder hat der Kirchenvorstand sehr deutlich die Kreativität von Herrn Pastor Schwarz gelobt und seine Arbeit gewürdigt."
Pastor Schwarz, alleinerziehender Vater zweier Kinder, wurde mit der uns sattsam bekannten "Ungedeihlichkeit" konfrontiert, beugte sich dem Druck, ist nun anderweitig tätig und musste seine Gemeinde St. Dionysius gespalten und verfeindet zurücklassen.
In der mehrmonatigen Kampagne gegen Pastor Schwarz bildete sich innerhalb der Gemeinde spontan zu seinen Gunsten eine Unterstützungsinitiative, deren Aktivitäten in unserer Kirche Seltensheitswert besitzen.
Immerhin ist es der Unterstützungsinitiative per Unterschriftensammlung gelungen, den Kirchenvorstand zu bewegen, am 12.08 2013, 19.00 Uhr eine außerordentliche Gemeindeversammlung einzuberufen.
Mitglieder der "Schwarzanhänger" haben sich hilfesuchend an D.A.V.I.D. gewandt.
Sie akzeptieren Pastor Schwarz ´ Entscheidung, den für ihn existentiellen Kampf mit unserer Kirche zu vermeiden.
Nachvollziehbar schildern sie uns aber auch, dass ein Neuanfang innerhalb der Gemeinde unverzichtbar ist.
Habe deshalb gestern alle Mitglieder des Kirchenvorstands - in DAVIDs Namen - mit der Empfehlung angeschrieben, von ihren Positionen zurückzutreten , um Neuwahlen zu ermöglichen und damit einen Neuanfang zu ermöglichen.
Werde kommenden Montag am 12. 08. an der Versammlung in Bad Fallingbostel -wenigstens als DAVID´s Beobachter teilnehmen.
Pastor Schwarz
Punkte: 2.510
#2 von Achim , 15.08.2013 19:17
habe am 12.08. als Gast und Beobachter an der Gemeindeversammlung teilgenommen.
Über Einzelheiten werde ich später noch genauer berichten. Hier und heute nur so viel:
Das Interesse an dieser Veranstaltung war erheblich. Kurzfristig wurde der Tagungsort vom Saal im Gemeindehaus in die Kirche verlegt, weil der Saal im Gemeindehaus für die Besucherzahl nicht ausreichte.
Von den erschienenen Gemeindemitgliedern, es mögen so um die 80% gewesen sein, war kein Verständnis für das Bestreben der Minderheit der "Schwarzanhänger", vielleicht so um 20%, erkennbar, sich weiter mit der offensichtlichen Ungerechtigkeit bzgl. Pastor Schwarz zu beschäftigen.
Ps.: liebe Fallingbosteler, ihr habt hier die Gelegenheit, Eure Eindrücke der Gemeindeversammlung mitzuteilen.
#3 von KlerusKA , 22.08.2013 10:50
Pfarrer, Kantoren, Küster, Erzieherinnen - immer wieder sind kirchliche Mitarbeiter/innen von Vorgesetzten dem Vorwurf des ungedeihlichen Zusammenarbeitens ausgesetzt. Selten gelingt es, durch eine interne Klärung zu einem befriedigenden Ergebenis zu kommen. Viel öfter sollten die Möglichkeiten einer Mediation mit einem externen Mediator genutzt werden!
KlerusKA
Registriert am: 22.08.2013
#4 von Achim , 22.08.2013 12:20
Hallo KlerusKA,
wohl wahr, allerdings: in Hessen/Nassau bestimmt das AusführungsG zum PfarrdienstG:
(Zu § 80 PfDG.EKD)
1 Die erforderlichen Erhebungen nach § 80 Absatz 2 PfDG.EKD werden durch die Kirchenverwaltung durchgeführt. 2 Die Erhebungen können bei einer Gemeindepfarrerin oder einem Gemeindepfarrer nur durchgeführt werden, wenn mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer und dem Kirchenvorstand ein geregeltes Mediationsverfahren durchgeführt worden ist. 3 Anzuhören sind die Pfarrerin oder der Pfarrer, der Kirchenvorstand oder das zuständige Leitungsorgan, die zuständige Dekanin oder der zuständige Dekan und die zuständige Pröpstin oder der zuständige Propst.
Das dürfte schon ein Fortschritt sein.
Sodann sehe ich ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen § 47 einerseits zu §§ 79, 80 PfarrdienstG andererseits. Während der Pfarrer gem. § 47 gegen "ungerechtfertige Angriffe" in Schutz zu nehmen ist, also bedingungslos und nach meinem Verständnis in jedem Fall, soll dieser Grundsatz bei den §§ 79, 80 nicht mehr gelten.
Aus § 58 (Dienstaufsicht) folgt, dass die Dienstausicht die Aufgabe hat "Konflikten rechtzeitig durch geeignete Maßnahmenn" zu begegnen.
Also ohne Wenn und Aber.
§ 58 läßt uns auch wissen, was das Gesetz unter geeigneten Maßnahmen versteht, nämlich die, die in § 26 Abs. 5 genannt sind, insbesondere Visitation, Mediation, Gemeindeberatung oder Supervision.
Nachdem es jetzt auch ein (staatliches) Mediationsgesetz gibt, dessen § 2 bestimmt, dass der Mediator gemeinsam auszusuchen ist, könnte m.E. auch die Einschaltung eines externen Mediators erreicht werden.
Soweit die Theorie. Dass es in der Praxis allzu oft anders läuft, ist bekannt. Vielleicht bringen die Betroffenen auch nicht immer den Mut auf, das Kirchenamt auf die vorgenannten Vorschriften energisch aufmerksam zu machen.
#5 von Wespe , 28.08.2013 12:59
Lieber KlerusKa,
die Erfahrungen mit sogenannten "Mediationen" innerhalb der Landeskirchen sind niederschmetternd!
Sogar im Falle der Landeskirchen, die Mediation einem sogenannten "Ungedeihlichkeitsverfahren" voran setzen müssen, da es so in der Verfahrensordnung geregelt ist, benutzen diese nicht als Chance zur Klärung oder gar Lösung des Konfliktes, sondern lediglich zum Verfahrensnachweis. So zum Beispiel wiederholt geschehen in der Hessen-Nassauischen Kirche, wo die Mediatorin im jüngsten Fall nach einer ersten gemeinsamen Sitzung (KV und Pfarrer) eine zweite nur noch mit der das Mobbing betreibenden Partei aus dem KV anberaumt und durchgeführt hat, um dann mitzuteilen, die Mediation sei beendet:
mit dem Ergebnis, die Parteien seien unversöhnlich zerstritten und eine weitere Mediation sinnlos.
Professionell gesehen, ist das eine Bankrotterklärung der "Mediation", die unter fachlichen Gesichtpunkten hier gar nicht stattgefunden hat. Die Kirchenverwaltung zählt diese aber zu den formal erfüllten Kriterien für ein Ungedeihlichkeitsverfahren.
Hinzu kommt, dass der/die Mediator/in aus einem Pool der jeweiligen Landeskirche genommen werden muss, also nicht unabhängig agieren kann.
Wer Mediation will - mit gutem Recht! -, muss auf Unabhängikeit, bzw. Neutralität des/der Mediatorin pochen. Vielleicht klappt das mal eines Tages....
Im Moment ist das Brett noch sehr dick! Aber viele Spechte schaffen vielleicht doch mal ein Loch!
#6 von KlerusKA , 29.08.2013 11:03
Hallo Wespe,
danke für die Hinweise. Im Beamten- und Kirchenbeamtenrecht (besonders Pfarrerdienstgesetz) ist manches anders und im Konfliktfall auch schwieriger. In einem konkreten Fall habe ich miterlebt, dass die Kirchenleitung viel zu sehr auf Seiten des Kirchenvorstandes war und den Schutz des Pfarrers hintangestellt hat. Das ist eine Umkehrung gegenüber früher und scheint heute symptomatisch zu sein. Es ist wirklich zu hoffen, dass externe Mediatioren beauftragt werden.
Gruß von KlerusK
#7 von Carmen Splitt , 30.11.2013 20:23
Neues aus Bad Fallingbostel, Gemeinde St. Dionysius
Vorerst die frei wichtigsten Fakten:
1. Herrn Pastor Schwarz geht es im neuen Wirkungsbereich nun eindeutig besser, als in unserer "reizenden" Gemeinde. Wir behalten seine Situation aber weiter im Auge.
2. Die übliche Taktik der Landeskirche "Schweigen und aussitzen" funktioniert in St. Dionysius nicht.
Auch Beschwichtigungstaktiken wie "Gemeindeberater" (Ehrlicherweise sollte die Bezeichnung schon aufgrund der Dienstbeschreibung in "KV-Berater" geändert werden. Nur eine kleine Anmerkung am Rande.), "runder Tisch" und "kleiner runder Tisch" verfehlen ihren Zweck und gehen an den Bedürfnissen unserer Gemeinde völlig vorbei. Mangelndes Fingerspitzengefühl bei der Kommunikation und der Neubesetzung von Pastorenstellen machen deutlich, wie wenig die Interessen der Gemeindemitglieder zählen. Das liegt möglicherweise daran, dass die Landeskirche bisher immer die Erfahrung gemacht hat, dass irgend wann wieder "Ruhe einkehrt". Das wird bei uns jedoch erst der Fall sein, wenn ein echter Neuanfang gemacht wird (Rücktritt des KVs) und die Fehler der Vergangenheit offengelegt und aufgearbeitet wurden. Nicht eine Sekunde früher! Es soll ja Fälle gegeben haben, da Personen ein Rücktritt "nahegelegt" wurde. Hier wäre das wirklich mal angebracht!
3. Die Landeskirche Hannover scheut vor allem eins, die Öffentlichkeit.
In der Hinsicht ist sie wie jeder Arbeitgeber, bei dem Mobbing und Bossing an der Tagesordnung sind. Es passiert täglich. Es wird intern "geregelt" (meistens zum Nachteil des Opfers) und alles ist in Ordnung. Jeder ist "zufrieden" solange die Opfer schweigen.
Nun, in St. Dionysius gibt es viele Opfer. Die Mehrheit unserer Gemeinde wurde zum Opfer! Und wir, die Opfer, haben entschieden, uns nicht zum Schweigen bringen zu lassen. Der amtierende Kirchenvorstand von St. Dionysius und die Landeskirche Hannover dürfen sich daher auf einiges an „Öffentlichkeitsarbeit“ unsererseits freuen.
Ihr erhaltet Berichte über die weitere Entwicklung.
#8 von dr.arndt , 30.11.2013 20:51
herzlichen Dank! Im Moment habe ich nur Zeit, Dir für Deine Aktivitäten zu danken.
Wir freuen uns auf Deine weitere Berichterstattung!
#9 von Carmen Splitt , 30.11.2013 21:05
mache ich gerne. Eine Frage habe ich gleich mal.
Sowohl KV als auch Landeskirche haben ja ein gewisses Defizit, was Kommunikation betrifft. Gab es irgend eine Reaktion auf Deine Briefe an die Kirchenvorstandsmitglieder?
#10 von dr.arndt , 30.11.2013 21:11
niemand hat auf meine Briefe geantwortet.
#11 von Carmen Splitt , 01.12.2013 13:40
Tja Achim,
willkommen im Club. Du reihst Dich damit in eine sehr lange Schlange ein.
Es ist doch erstaunlich, dass in der heutigen Zeit noch jemand der Meinung ist, nicht einmal antworten zu müssen. Die Verantwortlichen fühlen sich und handeln, als wenn sie sich noch im guten alten Mittelalter befinden würden. Damals hatte die Kirche Informationshoheit über ihre Angelegenheiten. Wir schreiben jedoch das 21.Jahrhundert. Und genau da liegt der Ansatz!
#12 von Carmen Splitt , 01.12.2013 14:31
Hallo Jorindel,
nun also an dieser Stelle weiter.
Was Sie und Ihr Ehemann erlebt haben, ist noch immer Alltag in der Kirche. Pfarrverein, Pfarrverband und auch D.A.V.I.D. tun ihr Bestes, stehen jedoch einer "Übermacht" gegenüber. Dieses Kräfteverhältnis kann und muss ausgeglichen werden. In den letzten Monaten habe ich viele Telefonate und persönliche Gespräche mit Pastorinnen und Pastoren geführt. Alle baten um Vertraulichkeit, hatten Angst, dass etwas bekannt wird und ihnen dadurch Nachteile drohen. Die größte Waffe eines Mobbers ist die Angst des Gemobbten. Und diese Waffe beherrscht die Landeskirche perfekt.
Dagegen hilft nur, wenn die Betroffenen und potenziell zukünftig Betroffenen sich aus ihrer Isolation befreien. Mit wem haben Pastorinnen/Pastoren im Privatleben Kontakt? In der Regel geht es ihnen, wie den Berufstätigen jeder "Branche". Der meiste Kontakt mit anderen Menschen, ensteht durch die Arbeit. Doch jeder Pastorin/ jedem Pastoren bleibt es selbst überlassen, ob private Kontakte innerhalb der Gemeinde sich auf Hauptamtliche und Ehrenamtliche beschränken oder sie/er dem Bekannten- und Freundeskreis auch "einfache Gemeindemitglieder" hinzuzählt, denen die bisher leider so erfolgreich greifenden "Seilschaften" vor Ort herzlich gleichgültig sind. Frei nach dem Motto: Alle wussten, dass man das nicht darf/kann, bis einer kam, dem hat man´s nicht gesagt, der hat´s dann einfach gemacht!
Sehen Sie Jorindel, ich bin Realistin. In diesem Jahr habe ich meinen 40. Geburtstag gefeiert und ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass zu meinen Lebzeiten keine oder kaum sichtbare Veränderungen eintreten werden. Allerdings wird mich das nicht davon abhalten, zu tun, was zu tun ist. Ich bin sicher, dass eine Veränderung eintreten wird. Und diese Gewissheit reicht mir als Ansporn.
Die letzten Monate haben die Gemeindemitglieder, die das Geschehen bei uns vor Ort miterlebt haben schockiert und desillusioniert. Viele sind der Kirche nun entfremdet. Auch Kirchenaustritte sind die Folge. Jeder der erfahren hat, was in der Kirche Alltag ist, war entsetzt. Der Glauben in unserer Gemeinde hat enormen Schaden genommen. "Klopfet an, so wird Euch aufgetan- es sei denn, man steht vor der Tür der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers!" Das ist es, was ich bereits Frau Pastorin Mustert aus der landesbischöflichen Kanzlei mitgeteilt habe.
Ich bin überzeugte Lutheranerin und kämpfe innerhalb der Kirche um eine Verbesserung und zwar bis zum letzten Atemzug, den unser Herrgott mir gewähren wird! Und da ich glaube, dass eine Veränderung oder besser gesagt, eine Rückbesinnung auf die wahren Aufgaben der Kirche, auch in SEINEM Sinne ist, gehe ich davon aus, dass er mir rechtzeitig jemanden schicken wird, dem ich die Ergebnisse meiner Bemühungen dann vertrauensvoll in die Hände legen kann. Das Erreichte, wie wenig oder viel es auch sein möge, wird nicht verloren sein. Die nächsten Generationen werden darauf aufbauen können. Und das ist es, was für mich zählt!
Zurzeit erarbeite ich ein Konzept, die Kommunikationswege der Landeskirche auszuhebeln. Mal sehen, was passiert, wenn das "Mittel" der schmalen Information der Landeskirche nicht mehr greift, weil es schlichtweg ignoriert wird. Schauen wir mal, was die nächsten Jahre so mit sich bringen.
#13 von Alesig ( gelöscht ) , 01.12.2013 19:11
Hier melde ich mich noch einmal! Soeben hatte ich in der anderen Rubrik geantwortet. Ich bewundere Ihren Mut und Ihre Tatkraft, Frau Splitt. Kommen Sie in unseren Verein! Denn wir brauchen solche Leute mit dieser Motivation, die Sie beschreiben.
Gisela Kittel/ Alesig
#14 von Joringel , 01.12.2013 20:15
Liebe Carmen Splitt,
Deine Klarheit über Dich und Deine Ziele und Dein starker Glaube sind wirklich beeindruckend. Ich möchte Alesig's Aufforderung unterstreichen. Zu Deinem Bericht möchte ich aber auch noch bemerken, dass Kirche und Glaube nicht unbedingt identisch sind. Das ist für die meisten Betroffenen, die oft im Rahmen der Kirche sozialisiert wurden, ein sehr schmerzlicher Prozeß.
#15 von Carmen Splitt , 03.12.2013 10:57
zur allgemeinen Information. Gerade hatte ich ein längeres Telefonat mit "Wespe" in Sachen Planung, Umsetzung, Vernetzung, etc. p. p.
Sie setzt Euch dann vereinsintern ins Bild. Auf gute Zusammenarbeit!

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