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Timestamp: 2019-07-18 03:40:22+00:00

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Belgisches Reglement für die Landpost vom 20. August 1836
1. Die Postverwaltung lässt die Briefe in allen Gemeinden des Königreichs in die Häuser verteilen und einsammeln.
2. Ein Briefkasten wird in einer jeden der Gemeinden angebracht, wo kein Amt für die Briefpost besteht.
3. Die Kästen werden von der Verwaltung geliefert und angebracht, und zwar an einem Ort, den die Gemeindebehörde im Einvernehmen mit dem Postdirektor, Postperzeptor [Einnehmer] oder Postdistributor [Verteiler] bestimmt.
4. Eine ausreichende Zahl von Landbriefträgern wird den Direktions-, Perzeptions- oder Distributionsämtern unterstellt.
5. Die Gemeinden, die von Landbriefträgern bedient werden, welche einer Direktion oder Perzeption unterstellt sind, bilden den ersten [Post-]Kanton des Bestellbezirks dieser Ämter.
Der Bestellbezirk [arrondissement] jeder Direktion oder Perzeption umfasst außerdem so viele [Post]Kantone wie es von ihr abhängige Verteilerbüros [distributions] gibt.
6. Jeder Kanton wird nach Tagesmärschen unter die Landbriefträger aufgeteilt. Die Wegstrecke der Briefträger kann nicht ohne Anweisung des Ministers geändert werden.
7. Jeder Brief, dessen Herkunfts- oder Bestimmungsort über kein Briefpostamt verfügt, zahlt zusätzlich zum gewöhnlichen Porto, dem er unterliegt, eine feste Gebühr von einem décime. (Art 13 des Gesetzes vom 29. Dezember 1835)
8. Allerdings unterliegen Briefe, deren Ausgangs- und Bestimmungsort dem Bestellbezirk derselben Direktion oder Perzeption angehören, nur der progressiven Taxe von zwei décimes, wie sie durch Art. 3 des Gesetzes vom 29. Dezember 1835 für den einfachen Brief festgelegt ist. Folglich schulden die in diesem Artikel erwähnten Briefe niemals den zusätzlichen décime.
9. Die Zusatztaxe von einem décime ist eine feste Gebühr, die nicht durch das Gewicht der Briefe oder durch die Distanz, die sie zurückgelegt haben, geändert werden kann.
10. Die Zusatztaxe kann nur einmal erhoben werden, selbst wenn der Brief von einem Landbriefträger eingesammelt worden und für einen anderen Bestellbezirk bestimmt sein sollte.
11. Außer den in Artikel 8 vorgesehenen Fällen unterliegen Briefe, die zur Freigabe vorgelegt werden, der Zusatztaxe von einem décime, wenn sie für eine Gemeinde bestimmt sind, in der es kein Briefpostamt gibt.
12. Die Korrespondenzen, die Portofreiheit genießen, die Briefe an Armeeangehörige, die entsprechend Art. 5 des Gesetzes vom 29. Dez. 1835 freigemacht wurden sowie die Zeitungen und Drucksachen jeder Art, die gemäß Artikel 10 und 11 desselben Gesetzes freigemacht wurden, unterliegen nicht dem décime rural.
13. Es steht weiterhin jedermann frei, seine Briefe in einem Büro abzuholen oder abholen zu lassen, aber wenn der auf dem Umschlag angegebene Bestimmungsort eine Landgemeinde ist, muss er die Zusatztaxe entrichten, wie wenn der Brief zu Hause abgeliefert worden wäre.
Die Tarife und ihre Anwendung
14. Die Taxen der Landpost sind zweierlei Art:
1) Die feste Gebühr von einem décime, eingeführt durch Art. 13 des Gesetzes vom 29. Dezember 1835 und erwähnt in Art. 7 vorliegender Anweisung, auf Briefen aus oder nach einer Gemeinde, wenn sie von einem Direktions- oder Perzeptionsbüro an ein anderes Büro gleicher Art gesandt werden;
2) die in Art. 8 erwähnte progressive Taxe von zwei décimes auf jener Korrespondenz, die den Bestellbezirk eines Direktions- oder Perzeptionsamtes nicht verlässt.
15. Die feste Gebühr von einem décime wird zu der gewöhnlichen progressiven Taxe geschlagen, der die Briefe laut Art. 1 des Gesetzes vom 29. Dezember 1835 unterliegen, und der Gesamtbetrag beider Taxen wird mit einer einzigen Ziffer auf den Briefen angegeben.
16. Die feste Taxe von einem décime wird angewandt:
1) auf allen Briefen, die für eine Gemeinde ohne Postamt bestimmt sind und die über ein Korrespondenzamt an ihren Bestimmungsort übermittelt werden müssen;
2) auf allen in einer Gemeinde ohne Postamt eingesammelten Briefen, die der Direktor oder Perzeptor nach einem anderen Amt weiterleiten muss.
Jeder Brief, der wegen seiner Bestimmung oder Herkunft den décime rural bezahlen muss, wird in dem Amt, das ihn verschickt, mit dem Stempel S.R. versehen. Der Stempel wird auf der Rückseite der freigemachten Briefe angebracht, die für Gemeinden ohne Postamt bestimmt sind.
17. Die Briefe, deren Herkunfts- oder Bestimmungsgemeinde kein Postamt hat, die jedoch den Bestellbezirk der Direktion oder Perzeption nicht verlassen, werden mit dem Stempel C.A. (Correspondance de l’arrondissement) versehen.
Sie werden von den Kontrolleuren und Perzeptoren mit einer Taxe belegt gemäß den Bestimmungen von Art. 3 des Gesetzes vom 29. Dezember 1835.
Die Distributoren selbst taxieren die Briefe aus ihrem oder nach ihrem Kanton.
18. Jeder von den Landbriefträgern eingesammelte Brief muss außer dem Stempel S.R. oder C.A., mit dem er laut Art. 16 und 17 versehen werden muss, den Abdruck des Stempels tragen, der im Kasten der Gemeinde, wo er aufgegeben wurde, angebracht ist.
19. Die Landbriefträger dürfen keine Briefe verteilen in den Städten, wo es ein Direktions- oder Perzeptionsamt gibt, und umgekehrt dürfen die Stadtbriefträger keine Verteilung im Kanton vornehmen, es sei denn, sie seien dazu durch die Verwaltung ermächtigt.
In den Gemeinden, wo es nur ein Distributionsamt gibt, kann der Dienst durch die diesem Amt unterstellten Briefträger ausgeübt werden.
20. Die Landbriefträger sind Träger eines Marschscheins, der bei jedem Rundgang erneuert wird. Den Direktoren, Perzeptoren und Distributoren ist es verboten, diese Scheine im Voraus auszufüllen. Am Ende jedes Rundgangs müssen die Briefträger sie akribisch ins Amt zurückbringen.
21. Die den Landbriefträgern anvertrauten Briefe werden in zwei Klassen eingeteilt:
1) die aus Korrespondenzämtern kommenden und mit dem Stempel S.R. versehenen Briefe;
2) die Briefe aus der Gemeinde selbst oder aus dem Bestellbezirk des Postamtes, versehen mit dem Stempel C.A.
Wiltz —> Winseler am 28. Dezember 1836 mit dem Stempel CA (correspondance d'arrondissement)
22. Der Direktor, Perzeptor oder Distributor lässt die Landbriefträger in seiner Gegenwart Zahl und Art der Briefe in die entsprechende Rubrik des Marschscheins eintragen.
23. Er wird sich im Voraus vom Landbriefträger das Porto der Briefe, die er ihm aushändigt, bezahlen lassen.
24. Das Reglement jedes Postamtes gibt die von der Verwaltung festgelegte Startzeit der Landbriefträger an.
25. Vor dem Abmarsch der Landbriefträger versichert sich der Direktor, Perzeptor oder Distributor, dass die Spachteln für die Tinte, mit der die Marschscheine und die Briefe aus den Landbriefkästen, wie unten erklärt, abgestempelt werden, ausreichend mit dieser Tinte getränkt und mit ihrem Futteral versehen sind. Stellt er fest, dass diese Gegenstände in keinem guten Zustand sind, so verlangt er deren Reparatur auf der Stelle.
26. Die Briefträger starten sofort nach Erhalt der Briefe. Sie müssen in der von der Verwaltung angegebenen Reihenfolge die Gemeinden durchlaufen und die Briefkästen leeren, ohne diese Reihenfolge unter welchem Vorwand auch immer ändern zu dürfen.
27. Um zu belegen, dass sie alle Briefkästen geleert haben, werden sie sorgfältig einen Abdruck jedes Briefkastenstempels auf ihrem Marschschein anbringen.
28. Die Briefträger müssen diesen Stempel ebenfalls auf jedem im Briefkasten gefundenen Brief anbringen. Die Zahl dieser Briefe halten sie auf ihrem Marschschein fest.
29. Bei jedem Stempelabdruck auf dem Marschschein oder den dem Kasten entnommenen Briefen, achtet der Briefträger darauf, den Stempel mit dem in Art. 25 erwähnten Spachtel mit ausreichend Tinte zu versehen.
30. Der Abdruck der Stempel der Landbriefkästen ist korrekt und gleichmäßig in der oberen rechten Ecke der Briefe anzubringen.
Die Direktoren, Perzeptoren oder Distribu-toren haben dafür zu sorgen, dass dieser Abdruck niemals durch einen andern Stempel verdeckt wird.
31. Die Landbriefträger sind gehalten, die Briefe in die Häuser zu verteilen.
Sie lassen sich sofort das Porto der Briefe bezahlen, die sie abliefern.
Ein einmal vom Empfänger bezahltes Porto kann nicht rückerstattet werden.
32. Die Direktoren, Perzeptoren oder Distributoren können Briefe von besonderem Interesse oder Verwaltungskorrespondenzen auf dem Marschschein rekommandieren.
Die Briefträger lassen sich auf dem Marschschein deren Erhalt bescheinigen.
Chargé-Briefe werden niemals den Landbriefträgern anvertraut.
33. Es ist den Landbriefträgern verboten, einen Auftrag anzunehmen oder Briefe und Pakete zu verteilen, die sie nicht auf dem Postamt erhalten haben.
Jedoch verteilen sie, in der Reihenfolge ihres Rundgangs, aber ohne dass diese geändert werden kann, einfache Briefe, die sie in den Kästen gefunden haben.
Briefe, die sie als zu schwer einschätzen und solche, die für Gemeinden bestimmt sind, in denen sie schon vorbeigekommen sind, liefern sie am Ende ihres Rundgangs im Postamt ab.
Sie erheben ein Porto von zwei décimes für jeden einfachen Brief, den sie in der Reihenfolge ihres Rundgangs verteilen; die zu erhebende Taxe beträgt aber nur einen décime, wenn der Brief in der Gemeinde verteilt wird, in der ihn der Briefträger eingesammelt hat.
Die Briefträger ihrerseits überreichen die gemäß den Bestimmungen des vorigen Abschnitts erhobenen Summen dem Direktor, Perzeptor oder Distributor, dem sie unterstellt sind.
Sie tragen in eine dafür eigens bestimmte Spalte ihres Marschscheins den Ertrag der eingesammelten und auf demselben Rundegang wieder verteilten Briefe in Ziffern ein, und zwar in dem Augenblick, wo sie die Taxe erheben.
34. Die Landbriefträger bringen sorgfältig, am Ende jedes Rundgangs, die Briefe, Zeitungen und Drucksachen, die sie nicht haben verteilen können, ins Amt zurück.
Auf der Rückseite der Briefe vermerken sie selbst oder der Adressat den Grund, aus dem es nicht zur Verteilung kam.
Der Direktor, Perzeptor oder Distributor erstattet den Landbriefträgern den Betrag der Taxe für die Briefe zurück, die sie nicht haben verteilen können.
36. Die allgemeinen Bestimmungen über die Briefverteilung in den Städten gelten auch für den Dienst der Landbriefträger.
Relais-Briefträger
37. Die Kantone, die zu ausgedehnt sind, um zur Gänze von Landbriefträgern bedient zu werden, die vom Postamt selbst ausgehen, werden zum Teil von Landbriefträgern bedient, die Relais-Briefträger genannt werden. Die Route der Relais-Briefträger wird von der Verwaltung festgelegt, die ebenfalls ihren Wohnort bestimmt.\r\n
38. Bei jedem Rundgang erhalten sie aus den Händen eines vom Amt kommenden Briefträgers die zu verteilenden Briefe sowie ihren Marschschein, der vom Direktor, Perzeptor oder Distributor datiert und unterschrieben ist.
Dieser Schein, ähnlich dem des vom Amt kommenden Briefträgers, wird von letzterem bei seinem nächsten Rundgang zurückgebracht.
Der vom Amt kommende Briefträger legt dem Direktor, Perzeptor oder Distributor Rechenschaft ab über den Betrag der vom Relais-Briefträger zu erhebenden Taxen und lässt ihn sich von diesem beim Überreichen der Briefe erstatten.
Die Relais-Briefträger überreichen den vom Amt kommenden Briefträgern die aus den Kästen eingesammelten Briefe.
39. Den Direktoren, Perzeptoren und Distributoren wird empfohlen, die Relais-Briefträger besonders streng zu überwachen.\r\n
Quelle: A. Hochsteyn, Dictionnaire postal de la Belgique, Brüssel 1846. Band 2 (J-Z), S. 251 - 253.
Übersetzung: Fernand Rasquin
Die folgenden Artikel (40 bis 56) des « Règlement des Postes rurales » behandeln die Überwachung der Briefträger und die Buchführung der Landpost. Sie betreffen unser Thema nicht.
15.12.2010 - Französische Tarife von 1676 und 1704 (PDF)
27.06.2009 - Belgische Taxen und Tarife 1836
05.08.2010 - Stempel der Landpost
18.03.2012 - Die Briefkästen im XIX . Jahrhundert
Traditionelle Philatelie - Caritas-Ausgabe 1965

References: Art. 3
 Art. 5
 Art. 13
 Art. 7
 Art. 8
 Art. 1
 Art. 3
 Art. 16
 Art. 25