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Timestamp: 2019-10-21 21:02:15+00:00

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Nach­weis der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung – aber nicht durch Zeu­gen | Rechtslupe
Der Unter­neh­mer darf den ihm oblie­gen­den siche­ren Nach­weis der mate­ri­el­len Tat­be­stands­merk­ma­le einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung auch jen­seits der for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen gemäß § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV nicht in ande­rer Wei­se als durch Bele­ge und Auf­zeich­nun­gen füh­ren. Ein Nach­weis der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung kann daher nicht durch Zeu­gen geführt wer­den.
Der Unter­neh­mer hat die Vor­aus­set­zun­gen des § 6a Abs. 1 Satz 1 UStG gemäß § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV beleg- und buch­mä­ßig nach­zu­wei­sen.
Der Unter­neh­mer soll gemäß § 17a Abs. 2 USt­DV in den Fäl­len, in denen er oder der Abneh­mer den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet beför­dert, den Nach­weis füh­ren
Die uni­ons­recht­li­che Befug­nis zur gesetz­li­chen Anord­nung eines Beleg- und Buch­nach­wei­ses ergibt sich aus dem Ein­lei­tungs­satz von Art. 28c Teil A Buchst. a Unter­abs. 1 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG 1. Danach ist die inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung nur "unter den Bedin­gun­gen, die die Mit­glied­staa­ten zur Gewähr­leis­tung einer kor­rek­ten und ein­fa­chen Anwen­dung der nach­ste­hen­den Befrei­un­gen sowie zur Ver­hü­tung von Steu­er­hin­ter­zie­hung, Steu­er­um­ge­hung und Miss­brauch fest­le­gen", steu­er­frei.
Im hier ent­schie­de­nen Fall wie­sen die zunächst erteil­ten Fracht­brie­fe ent­we­der kei­ne Bestim­mungs­or­te oder ledig­lich Bestim­mungs­or­te im Inland auf. Da sich der Mit­glied­staat der Erwerbs­be­steue­rung nach dem Bestim­mungs­ort der Lie­fe­rung rich­tet, ist die­se Anga­be mit Blick auf die Kor­re­spon­denz von inner­ge­mein­schaft­li­cher Lie­fe­rung und inner­ge­mein­schaft­li­chem Erwerb 2 nicht ver­zicht­bar. Soweit in den Fracht­brie­fen ver­ein­zelt Bestim­mungs­or­te in Frank­reich oder Ita­li­en benannt waren, kam dem im Hin­blick auf die zusätz­lich fest­ge­stell­te Unklar­heit über die Per­son des Beleg­aus­stel­lers kei­ne Bedeu­tung zu 3.
Einen Son­der­fall, bei dem als Bestim­mungs­ort der Unter­neh­mens­ort des Abneh­mers der Lie­fe­rung anzu­se­hen ist 4, hat das Finanz­ge­richt im Hin­blick auf die unter­schied­li­chen Aus­lie­fe­rungs­or­te, die ‑soweit die Fracht­brie­fe über­haupt Anga­ben zu den Bestim­mungs­or­ten ent­hiel­ten- nach den Fracht­brie­fen in ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten und dabei zum Teil im Inland lagen, zutref­fend ver­neint. Eben­so ent­hielt die nach­träg­lich erstell­te Bestä­ti­gung kei­ne Anga­ben zu den Bestim­mungs­or­ten der ein­zel­nen Lie­fe­run­gen.
Die Steu­er­be­frei­ung ergibt sich auch nicht aus dem Uni­ons­recht. Die Mit­glied­staa­ten dür­fen for­mel­le Vor­aus­set­zun­gen für die Steu­er­be­frei­ung auf­stel­len. Die Richt­li­nie 77/​388/​EWG ent­hält kei­ne Vor­schrift, die sich mit die­ser Fra­ge befasst. Seit dem Weg­fall der Kon­trol­len an den Gren­zen zwi­schen den Mit­glied­staa­ten ist nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) in ers­ter Linie anhand der von den Steu­er­pflich­ti­gen vor­ge­leg­ten Bele­ge und abge­ge­be­nen Erklä­run­gen zu prü­fen, ob die Waren den Lie­fer­mit­glied­staat phy­sisch ver­las­sen haben 5.
Der Neu­tra­li­täts­grund­satz gebie­tet die Steu­er­be­frei­ung auch dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge zwar die for­mel­len Anfor­de­run­gen an den Nach­weis der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung nicht oder nicht voll­stän­dig erfüllt, die Vor­aus­set­zun­gen einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung indes unbe­streit­bar fest­ste­hen 6. Das ist vor­lie­gend aber gera­de nicht der Fall.
Der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Denn der Unter­neh­mer ist grund­sätz­lich nicht berech­tigt, den ihm oblie­gen­den siche­ren Nach­weis der mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen in ande­rer Wei­se als durch Bele­ge und Auf­zeich­nun­gen zu füh­ren. Ein Beweis durch Zeu­gen kommt als Ersatz für den gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Buch- und Beleg­nach­weis grund­sätz­lich nicht in Betracht, und zwar weder von Amts wegen (§ 76 Abs. 1 FGO) noch auf Antrag. Nur wenn der For­mal­be­weis aus­nahms­wei­se nicht oder nicht zumut­bar geführt wer­den kann, gebie­tet es der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz, den Nach­weis auch in ande­rer Form zuzu­las­sen 7. Im Streit­fall sind kei­ne Anhalts­punk­te dafür ersicht­lich, dass der Klä­ger an der Füh­rung des Buch- und Beleg­nach­wei­ses gehin­dert gewe­sen oder die­ser für ihn unzu­mut­bar gewe­sen sein könn­te.
Hat der Unter­neh­mer eine Lie­fe­rung als steu­er­frei behan­delt, obwohl ‑wie hier- die Vor­aus­set­zun­gen nach § 6a Abs. 1 UStG nicht vor­lie­gen, ist die Lie­fe­rung gemäß § 6a Abs. 4 Satz 1 UStG gleich­wohl steu­er­frei, wenn die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung auf unrich­ti­gen Anga­ben des Abneh­mers beruht und der Unter­neh­mer die Unrich­tig­keit die­ser Anga­ben auch bei Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­manns nicht erken­nen konn­te 8.
Dies setzt nach § 6a Abs. 4 Satz 1 UStG vor­aus, dass der Unter­neh­mer den Nach­weis­pflich­ten nach § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV ihrer Art nach nach­kommt 9.
vgl. z.B. BFH, Urteil vom 11.08.2011 – V R 50/​09, BFHE 235, 32, BSt­Bl II 2012, 151, unter II. 1.b[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 235, 32, BSt­Bl II 2012, 151, unter II. 2.a[↩]
vgl. hier­zu BFH, Urteil vom 12.05.2009 – V R 65/​06, BFHE 225, 264, BSt­Bl II 2010, 511, Leit­satz 1[↩]
vgl. zu den uni­ons­recht­li­chen Grund­la­gen BFH, Urteil vom 12.05.2011 – V R 46/​10, BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 29[↩]
dazu BFH, Urteil in BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 30[↩]

References: § 6
 § 6
 § 6
 § 17
 Art. 28
 § 6
 § 6
 § 6
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