Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4268.htm
Timestamp: 2018-12-11 20:57:47+00:00

Document:
4.268 Knellesberger Moos
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet »Knellesberger Moos« vom 28. August 1996 (GBl. v. 27.09.1996, S. 609).
Auf Grund von § § 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBl. S. 385) und von § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemarkung und Gemeinde Meckenbeuren, Gemarkung Tannau der Stadt Tettnang, Landkreis Bodenseekreis und Gemarkung Eschach der Stadt Ravensburg, Landkreis Ravensburg, wird zum Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Schutzgebiet führt die Bezeichnung »Knellesberger Moos«.
(1) Das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 61 ha. Davon entfallen auf das Naturschutzgebiet rund 39 ha, auf das Landschaftsschutzgebiet rund 22 ha. Von der gesamten Schutzgebietsfläche liegen rund 46,5 ha im Landkreis Bodenseekreis und rund 14,5 ha im Landkreis Ravensburg.
Das Schutzgebiet umfaßt in einer Talerweiterung im Talzug der Schwarzach im wesentlichen auf Gemarkung Meckenbeuren östlich des Weilers Knellesberg die Gewanne Knellesberger Wiesen und Knellesberger Moos, auf Gemarkung Tannau nordwestlich des Weilers Wiedenbach das Gewann Siggenbrühl sowie auf Gemarkung Eschach südlich des Weilers Tennenmoos das Gewann Eichhölzle.
(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 12. August 1996 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und für das Naturschutzgebiet rot, das Landschaftsschutzgebiet grün angelegt. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Im Falle des Widerspruchs zwischen textlicher Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Flurkarte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Bodenseekreis in Friedrichshafen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
· die Erhaltung und Förderung eines weiten Wiesentals, dessen landschaftliche Schönheit und Eigenart durch den fast durchgängig frei mäandrierenden und weitgehend natürlichen oder naturnahen mit galeriewaldartigen Ufergehölz gesäumtem Bachlauf der Schwarzach geprägt ist;
· der Erhalt und die Pflege der an die Schwarzach anschließenden Naß‑, Feucht‑ und Streuwiesen, der Reste eines Versumpfungsmoores sowie einer Enzian-Pfeifengraswiese, Streuobstwiesen, naturnaher Auwaldelemente, Röhrichtbestände mit ihren zum Teil stark gefährdeten Tier‑ und Pflanzenarten;
· die Sicherung eines besonders reichhaltigen Biotopmosaiks, insbesondere der Schutz, die Vorsorge und Pflege vielfältiger und artenreicher Pflanzen‑ und Tiergemeinschaften;
· der Erhalt und die Entwicklung des Knellesberger Mooses und seiner Umgebung als Zeugnis der Naturgeschichte, Landeskunde und –kultur;
· die Entwicklung eines Verbundes naturnaher Biotope, wobei vor allem auf den landwirtschaftlich genutzten Ergänzungs‑ und Pufferflächen am Rande des Schutzgebiets durch Extensivierungs- und Renaturierungsmaßnahmen alte Formen der Landnutzung gepflegt und wiederbegründet werden sollen.
4. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu verändern oder zu beseitigen sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern können;
7. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen, sonstige Fahrzeuge abzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswanderungen, Sportveranstaltungen) durchzuführen;
9. Feuer zu entzünden, zu unterhalten oder Feuerstellen anzulegen;
11. außerhalb von Straßen und befestigten Wegen zu reiten oder mit Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühle, zu fahren sowie das Gebiet außerhalb von Straßen und Wegen zu betreten;
12. Flug‑ und Bootsmodelle sowie Modellfahrzeuge aller Art zu betreiben;
13. wildlebende Tiere an ihren Nist‑, Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;
14. wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Nist‑, Brut‑, Laich‑, Wohn‑, Rast‑, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang von Tieren geeignete Vorrichtungen zu errichten, zu betreiben oder mit sich zu führen;
19. Pflanzen oder Pflanzenteile, insbesondere Bäume, Hecken, Gebüsche, Feld‑ oder Ufergehölze, Röhricht, Ried- oder Sauergrasbestände sowie Wasserpflanzen im Ganzen oder Teile davon auszugraben, abzupflücken, abzusägen oder in sonstiger Weise zu beschädigen, zu roden oder zu zerstören;
21. Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen können, anzuwenden;
1. die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang fortzusetzen, wobei
1.2 keine neuen Entwässerungseinrichtungen angelegt oder vergleichbare Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, die den Wasserhaushalt schutzzweckwidrig verändern. Bestehende Entwässerungseinrichtungen oder ähnliche Anlagen dürfen weder erweitert noch intensiviert werden;
1.4 Feldraine, Bäume, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen, mit Ausnahme der traditionellen Hecken und Ufergehölzpflege (auf den Stock setzen);
1.5 die Verwendung von Düngemitteln nur auf Wirtschaftsgrünland, Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist. Bei der Anwendung ist von den in der Anlage zu § 24a NatSchG genannten Biotopen ein Abstand von 10 m einzuhalten, auch wenn sie die dort genannten Maße nicht erreichen;
1.6 die Anwendung von Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie von Wirkstoffen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen und Tieren beeinflussen, auf Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist. Nr. 1. 5 Satz 2 gilt entsprechend;
2. die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang fortzusetzen;
3. die Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ordnungsgemäß auszuüben, wobei
3.1 die Verlandungsbereiche oberirdischer Gewässer, deren Ufervegetation oder Röhrichtbestände nur im unumgänglich notwendigen Maß (Nachsuche) betreten werden dürfen. Der Zugang und das Betreten des Ufers im übrigen darf nur an frei zugänglichen Stellen erfolgen;
3.2 keine neuen Fütterungen eingerichtet oder unterhalten werden dürfen. Kirrungen von Wasserwild sind im gesamten Gebiet, Kirrungen von Schalenwild an den Standorten von besonders geschützten Pflanzen nicht zulässig;
3.3 neue Hochsitze nur im unbedingt notwendigen Umfang und nur als einfache Leitern aus naturbelassenen Hölzern landschaftsgerecht in hochwüchsigen Gehölzen errichtet werden dürfen. Abgängige oder nicht mehr genutzte Hochsitze sind zu entfernen;
3.4 keine Hunde abgerichtet werden dürfen und Hunde, die nicht als Jagdgebrauchshunde ausgebildet sind, in der Zeit vom 15. März bis 31. Juli ‑außer bei der Nachsuche ‑ außerhalb des Waldes angeleint geführt werden müssen;
3.5 Treibjagden nicht zulässig sind, ausgenommen auf den Fuchs sowie Drückjagden auf Schalenwild außerhalb der Vegetationsperiode, jedoch bis spätestens 15. März;
3.6 keine jagdbaren Tiere ausgesetzt werden dürfen;
4. die Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ordnungsgemäß auszuüben, wobei
4.1 die Regelung des § 4 Abs. 2 Nr. 20 zu beachten ist;
4.2 die Herstellung oder Einrichtung neuer Zugangsmöglichkeiten zum Ufer oder neuer Angelplätze nicht zulässig ist;
5. die sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Wassergräben und Wege sowie der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung fortzusetzen, wobei
5.1 die Verlandungsbereiche oberirdischer Gewässer, deren Ufervegetation oder Röhrichtbestände nicht beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen. Der Zugang zum Gewässer und das Betreten des Ufers darf nur an frei zugänglichen Stellen erfolgen. Die Herstellung oder Einrichtung neuer Zugangsmöglichkeiten ist nicht zulässig;
5.2 keine neuen Entwässerungseinrichtungen angelegt oder vergleichbare Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, die den Wasserhaushalt schutzzweckwidrig verändern. Bestehende Entwässerungseinrichtungen oder ähnliche Anlagen dürfen weder erweitert noch intensiviert werden;
5.3 die Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken, nicht zulässig ist;
5.4 Feldraine, Bäume, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen;
5.5 die Verwendung von Düngemitteln nicht zulässig ist;
5.6 Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewandt werden dürfen;
6. die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen und Wege, sonstiger Ver‑ oder Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen fortzusetzen, wobei § 4 Abs. 2 Nr. 21 zu beachten ist;
7. die ordnungsgemäße Unterhaltung der oberirdischen Gewässer und die allgemeine Gewässeraufsicht durch die Gewässerdirektion und die Wasserbehörden fortzusetzen;
8. Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebiets oder seiner Bestandteile zugelassen oder angeordnet werden, insbesondere für die in einem Pflegeplan vorgesehenen Arbeiten, durchzuführen; für Waldflächen ist das Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt herzustellen;
9. behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen anzubringen oder zu unterhalten.
(2) Die zulässigen Handlungen sind so auszuüben, daß sie den Schutzzweck (§ 3) mit größtmöglicher Rücksicht beachten und im Rahmen der Möglichkeiten fördern. Errichtungs‑, Unterhaltungs‑ und Instandsetzungsarbeiten sollen nicht in der Vogelbrutzeit vom 15. März bis 31. Juli ausgeführt werden.
Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist die Erhaltung und die Entwicklung der für das Naturschutzgebiet notwendigen Ergänzungsräume und Pufferzonen mit dem für den Übergang der an der Schwarzach bachaufwärts gelegenen Allgäulandschaft zu dem unterhalb gelegenen Bodenseebecken typischen Landschaftsbild und Geländerelief mit dem im Gewann Eichhölzle gelegenen Drumlin sowie die Erhaltung und vor allem Entwicklung eines Verbundes naturnaher Biotope im Zusammenhang mit dem Naturschutzgebiet, wobei auf landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Extensivierung und Renaturierungsmaßnahmen alte Formen der Landnutzung, insbesondere Streuobst-, Streu‑ und Riedwiesen in ihrer Funktion als vernetzte Lebensräume, gepflegt und wiederbegründet werden sollen.
5. der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt werden kann.
5. Start‑ und Landeplätze für Fluggeräte aller Art anzulegen sowie Flugmodelle zu betreiben;
6. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern können;
1. die ordnungsgemäße Bewirtschaftung land‑ und forstwirtschaftlicher Grundstücke;
2. die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei;
3. die sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung;
4. Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem Forstamt ‑ veranlaßt werden;
Schutz‑, Pflege‑ und Entwicklungsmaßnahmen können für das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet von der höheren Naturschutzbehörde durch Einzelanordnung oder in einem Pflegeplan ‑ für den Wald jeweils einvernehmlich mit der Forstverwaltung ‑ festgelegt werden.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 3 die Jagd ausübt.
TÜBINGEN, den 28. August 1996

References: § 21
 § 28
 § 2
 § 24
 § 4
 § 4
 § 64
 § 40
 § 4
 § 5