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Timestamp: 2020-07-08 04:14:54+00:00

Document:
Lawbrary | FMedG - Bundesgesetz über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung
Allgemeine Bestimmungen (1 - 2)
Grundsätze (3 - 7)
Bewilligungspflicht (8 - 14)
Evaluation (14 - 14)
Umgang mit Keimgut (15 - 17)
Samenspende (18 - 27)
Nationale Ethikkommission (28 - 28)
Strafbestimmungen (29 - 38)
Änderung bisherigen Rechts (39 - 39)
Übergangsbestimmungen (40 - 43)
Referendum und Inkrafttreten (44 - 44)
vom 18. Dezember 1998 (Stand am 1. September 2017)
gestützt auf die Artikel 119 Absatz 2 und 122 Absatz 1 der Bundesverfassung1,2
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 26. Juni 19963,
1Die­ses Ge­setz legt fest, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Ver­fah­ren der me­di­zi­nisch un­ter­stütz­ten Fort­pflan­zung beim Men­schen an­ge­wen­det wer­den dür­fen.
2Es schützt die Men­schen­wür­de, die Per­sön­lich­keit so­wie die Fa­mi­lie und ver­bie­tet miss­bräuch­li­che An­wen­dun­gen der Bio- und der Gen­tech­no­lo­gie.
3Es sieht die Ein­set­zung ei­ner na­tio­na­len Ethik­kom­mis­si­on vor.
Ver­fah­ren der me­di­zi­nisch un­ter­stütz­ten Fort­pflan­zung (Fort­pflan­zungs­verfah­ren): Me­tho­den zur Her­bei­füh­rung ei­ner Schwan­ger­schaft oh­ne Ge­schlechts­ver­kehr, ins­be­son­de­re In­se­mi­na­ti­on, In-vi­tro-Fer­ti­li­sa­ti­on mit Em­bryotrans­fer so­wie Ga­me­ten­trans­fer;
In­se­mi­na­ti­on: das in­stru­men­tel­le Ein­brin­gen von Sa­men­zel­len in die Ge­schlechts­or­ga­ne der Frau;
In-vi­tro-Fer­ti­li­sa­ti­on: die Ver­ei­ni­gung ei­ner Ei­zel­le mit Sa­men­zel­len aus­ser­halb des Kör­pers der Frau;
Ga­me­ten­trans­fer: das in­stru­men­tel­le Ein­brin­gen von Sa­men- und Ei­zel­len in die Ge­bär­mut­ter oder in einen Ei­lei­ter der Frau;
Keim­zel­len (Ga­me­ten): Sa­men- und Ei­zel­len;
Keim­bahn­zel­len: Keim­zel­len (ein­sch­liess­lich ih­rer Vor­läu­fer­zel­len), im­prä­gnier­te Ei­zel­len und em­bryo­na­le Zel­len, de­ren ge­ne­ti­sches Ma­te­ri­al an Nach­kom­men ver­erbt wer­den kann;
Im­prä­gna­ti­on: das Be­wir­ken des Ein­drin­gens ei­ner Sa­men­zel­le in das Plas­ma der Ei­zel­le, na­ment­lich durch In­se­mi­na­ti­on, Ga­me­ten­trans­fer oder In-vi­tro-Fer­ti­li­sa­ti­on;
im­prä­gnier­te Ei­zel­le: die be­fruch­te­te Ei­zel­le vor der Kern­ver­schmel­zung;
Em­bryo: die Frucht von der Kern­ver­schmel­zung bis zum Ab­schluss der Or­ga­n­ent­wick­lung;
Fö­tus: die Frucht vom Ab­schluss der Or­ga­n­ent­wick­lung bis zur Ge­burt;
Leihmut­ter: ei­ne Frau, die be­reit ist, durch ein Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren ein Kind zu emp­fan­gen, es aus­zu­tra­gen und nach der Ge­burt Drit­ten auf Dau­er zu über­las­sen;
Klo­nen: die künst­li­che Er­zeu­gung ge­ne­tisch iden­ti­scher We­sen;
Chi­mä­ren­bil­dung: die Ver­ei­ni­gung to­ti­po­ten­ter Zel­len aus zwei oder meh­re­ren ge­ne­tisch un­ter­schied­li­chen Em­bryo­nen zu ei­nem Zell­ver­band. To­ti­po­tent sind em­bryo­na­le Zel­len, wel­che die Fä­hig­keit ha­ben, sich zu je­der spe­zia­li­sier­ten Zel­le zu ent­wi­ckeln;
Hy­brid­bil­dung: das Be­wir­ken des Ein­drin­gens ei­ner nicht­mensch­li­chen Sa­men­zel­le in ei­ne mensch­li­che Ei­zel­le oder ei­ner mensch­li­chen Sa­men­zel­le in ei­ne nicht­mensch­li­che Ei­zel­le.
2. Kapitel: Verfahren der medizinisch unterstützten Fortpflanzung
1Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren dür­fen nur an­ge­wen­det wer­den, wenn das Kin­des­wohl ge­währ­leis­tet ist.
2Sie dür­fen nur bei Paa­ren an­ge­wen­det wer­den:
zu de­nen ein Kin­des­ver­hält­nis im Sin­ne der Ar­ti­kel 252-263 des Zi­vil­ge­setz­buchs1 (ZGB) be­grün­det wer­den kann; und
die auf Grund ih­res Al­ters und ih­rer per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se vor­aus­sicht­lich bis zur Voll­jäh­rig­keit des Kin­des für des­sen Pfle­ge und Er­zie­hung sor­gen kön­nen.
3Ge­spen­de­te Sa­men­zel­len dür­fen nur bei Ehe­paa­ren ver­wen­det wer­den.
4Keim­zel­len dür­fen nach dem Tod der Per­son, von der sie stam­men, nicht mehr ver­wen­det wer­den. Aus­ge­nom­men sind Sa­men­zel­len von Sa­men­spen­dern.3
5Im­prä­gnier­te Ei­zel­len und Em­bryo­nen in vi­tro dür­fen nach dem Tod ei­nes Teils des be­trof­fe­nen Paa­res nicht mehr ver­wen­det wer­den.4
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 20 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
Die Ei- und die Em­bryo­nen­spen­de so­wie die Leihmut­ter­schaft sind un­zu­läs­sig.
Art. 5 Zulässigkeitsvoraussetzungen von Fortpflanzungsverfahren
Ein Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren darf nur an­ge­wen­det wer­den, wenn:
da­mit die Un­frucht­bar­keit ei­nes Paa­res über­wun­den wer­den soll und die an­de­ren Be­hand­lungs­me­tho­den ver­sagt ha­ben oder aus­sichts­los sind; oder
die Ge­fahr, dass ei­ne schwe­re Krank­heit auf die Nach­kom­men über­tra­gen wird, an­ders nicht ab­ge­wen­det wer­den kann.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
Art. 5a Untersuchung des Erbguts von Keimzellen und von Embryonen in vitro und deren Auswahl
1Die Un­ter­su­chung des Erb­guts von Keim­zel­len und de­ren Aus­wahl zur Be­ein­flus­sung des Ge­schlechts oder an­de­rer Ei­gen­schaf­ten des Kin­des sind nur zu­läs­sig zur Er­ken­nung chro­mo­so­ma­ler Ei­gen­schaf­ten, die die Ent­wick­lungs­fä­hig­keit des zu zeu­gen­den Em­bryos be­ein­träch­ti­gen kön­nen, oder wenn die Ge­fahr, dass die Ver­an­la­gung für ei­ne schwe­re Krank­heit über­tra­gen wird, an­ders nicht ab­ge­wen­det wer­den kann. Vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 22 Ab­satz 4.
2Die Un­ter­su­chung des Erb­guts von Em­bryo­nen in vi­tro und de­ren Aus­wahl nach ih­rem Ge­schlecht oder nach an­de­ren Ei­gen­schaf­ten sind nur zu­läs­sig, wenn:
die Ge­fahr, dass sich ein Em­bryo mit ei­ner ver­erb­ba­ren Ver­an­la­gung für ei­ne schwe­re Krank­heit in der Ge­bär­mut­ter ein­nis­tet, an­ders nicht ab­ge­wen­det wer­den kann;
es wahr­schein­lich ist, dass die schwe­re Krank­heit vor dem 50. Le­bens­jahr aus­bre­chen wird;
kei­ne wirk­sa­me und zweck­mäs­si­ge The­ra­pie zur Be­kämp­fung der schwe­ren Krank­heit zur Ver­fü­gung steht; und
das Paar ge­gen­über der Ärz­tin oder dem Arzt schrift­lich gel­tend macht, dass ihm die Ge­fahr nach Buch­sta­be a nicht zu­mut­bar ist.
3Sie sind zu­dem zu­läs­sig zur Er­ken­nung chro­mo­so­ma­ler Ei­gen­schaf­ten, die die Ent­wick­lungs­fä­hig­keit des Em­bryos be­ein­träch­ti­gen kön­nen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
Art. 5b Einwilligung des Paares
1Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren dür­fen nur an­ge­wen­det wer­den, wenn das be­trof­fe­ne Paar nach hin­rei­chen­der In­for­ma­ti­on und Be­ra­tung schrift­lich ein­ge­wil­ligt hat. Sind drei Be­hand­lungs­zy­klen oh­ne Er­folg ge­blie­ben, so ist ei­ne er­neu­te Ein­wil­li­gung er­for­der­lich; da­vor muss ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­denk­frist lie­gen.
2Die schrift­li­che Ein­wil­li­gung des Paa­res ist auch für das Re­ak­ti­vie­ren von kon­ser­vier­ten Em­bryo­nen und im­prä­gnier­ten Ei­zel­len er­for­der­lich.
3Be­steht bei ei­nem Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren das er­höh­te Ri­si­ko ei­ner Mehr­lings­schwan­ger­schaft, so darf das Ver­fah­ren nur durch­ge­führt wer­den, wenn das Paar auch mit der Ge­burt von Mehr­lin­gen ein­ver­stan­den ist.
1Be­vor ein Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren durch­ge­führt wird, muss die Ärz­tin oder der Arzt das be­trof­fe­ne Paar hin­rei­chend in­for­mie­ren über:1
die ver­schie­de­nen Ur­sa­chen der Un­frucht­bar­keit;
das me­di­zi­ni­sche Ver­fah­ren so­wie des­sen Er­folgs­aus­sich­ten und Ge­fah­ren;
das Ri­si­ko ei­ner all­fäl­li­gen Mehr­lings­schwan­ger­schaft;
mög­li­che psy­chi­sche und phy­si­sche Be­las­tun­gen; und
die recht­li­chen und fi­nan­zi­el­len Aspek­te.
2Im Be­ra­tungs­ge­spräch ist in ge­eig­ne­ter Wei­se auch auf an­de­re Mög­lich­kei­ten der Le­bens­ge­stal­tung und der Er­fül­lung des Kin­der­wun­sches hin­zu­wei­sen.
3Zwi­schen dem Be­ra­tungs­ge­spräch und der Be­hand­lung muss ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­denk­frist lie­gen, die in der Re­gel vier Wo­chen dau­ert. Auf die Mög­lich­keit ei­ner un­ab­hän­gi­gen Be­ra­tung ist hin­zu­wei­sen.
4Vor, wäh­rend und nach der Be­hand­lung ist ei­ne psy­cho­lo­gi­sche Be­glei­tung an­zu­bie­ten.
Art. 6a Zusätzliche Informations- und Beratungspflichten
1Be­vor ein Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren mit Un­ter­su­chung des Erb­guts von Keim­zel­len oder Em­bryo­nen in vi­tro oder mit Aus­wahl von ge­spen­de­ten Sa­men­zel­len zur Ver­hin­de­rung der Über­tra­gung ei­ner schwe­ren Krank­heit durch­ge­führt wird, sorgt die Ärz­tin oder der Arzt zu­sätz­lich zur In­for­ma­ti­on und Be­ra­tung nach Ar­ti­kel 6 für ei­ne nicht­di­rek­ti­ve, fach­kun­di­ge ge­ne­ti­sche Be­ra­tung. Da­bei muss das be­trof­fe­ne Paar hin­rei­chend in­for­miert wer­den über:
Häu­fig­keit, Be­deu­tung, Wahr­schein­lich­keit des Aus­bruchs und mög­li­che Aus­prä­gun­gen der be­tref­fen­den Krank­heit;
pro­phy­lak­ti­sche und the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­men, die ge­gen die­se Krank­heit er­grif­fen wer­den kön­nen;
Mög­lich­kei­ten der Le­bens­ge­stal­tung mit ei­nem Kind, das von die­ser Krank­heit be­trof­fen ist;
Aus­sa­ge­kraft und Feh­ler­ri­si­ko der Un­ter­su­chung des Erb­guts;
Ri­si­ken, die das Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren für die Nach­kom­men mit sich brin­gen kann;
Ver­ei­ni­gun­gen von El­tern von Kin­dern mit Be­hin­de­run­gen, Selbst­hil­fe­grup­pen so­wie In­for­ma­ti­ons- und Be­ra­tungs­stel­len nach Ar­ti­kel 17 des Bun­des­ge­set­zes vom 8. Ok­to­ber 20042 über ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen beim Men­schen (GUMG).
2Die Be­ra­tung darf sich nur auf die in­di­vi­du­el­le und fa­mi­li­äre Si­tua­ti­on des be­trof­fe­nen Paa­res be­zie­hen, nicht aber auf all­ge­mei­ne ge­sell­schaft­li­che In­ter­es­sen.
3Die Aus­wahl ei­nes oder meh­re­rer Em­bryo­nen zur Über­tra­gung in die Ge­bär­mut­ter trifft die Ärz­tin oder der Arzt im An­schluss an ein wei­te­res Be­ra­tungs­ge­spräch.
4Die Be­ra­tungs­ge­sprä­che sind von der Ärz­tin oder vom Arzt zu do­ku­men­tie­ren.
2 SR 810.12
Art. 6b Schutz und Mitteilung genetischer Daten
Der Schutz und die Mit­tei­lung ge­ne­ti­scher Da­ten rich­ten sich nach den Ar­ti­keln 7 und 19 GUMG2.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, mit Wir­kung seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
2. Abschnitt: Bewilligungspflicht
Art. 8 Grundsätze
1Ei­ne Be­wil­li­gung des Kan­tons be­nö­tigt, wer:
Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren an­wen­det;
Keim­zel­len, im­prä­gnier­te Ei­zel­len oder Em­bryo­nen in vi­tro zur Kon­ser­vie­rung ent­ge­gen­nimmt oder ge­spen­de­te Sa­men­zel­len ver­mit­telt, oh­ne sel­ber Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren an­zu­wen­den.
2La­bo­ra­to­ri­en, die bei Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 5a Un­ter­su­chun­gen des Erb­guts durch­füh­ren, be­nö­ti­gen ei­ne Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 GUMG2.
3Für die In­se­mi­na­ti­on mit Sa­men­zel­len des Part­ners ist kei­ne Be­wil­li­gung er­for­der­lich.
Art. 9 Anwendung von Fortpflanzungsverfahren
1Die Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 Buch­sta­be a wird nur Ärz­tin­nen und Ärz­ten er­teilt.1
2Die­se müs­sen:
über die nö­ti­ge Aus­bil­dung und Er­fah­rung in den Me­tho­den der me­di­zi­nisch un­ter­stütz­ten Fort­pflan­zung ver­fü­gen;
Ge­währ für ei­ne sorg­fäl­ti­ge, ge­set­zes­kon­for­me Tä­tig­keit bie­ten;
zu­sam­men mit den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern ei­ne um­fas­sen­de me­di­zi­ni­sche, fort­pflan­zungs­bio­lo­gi­sche und so­zi­al­psy­cho­lo­gi­sche Be­ra­tung und Be­treu­ung der zu be­han­deln­den Per­so­nen ge­währ­leis­ten;
über die not­wen­di­ge La­bo­raus­rüs­tung ver­fü­gen;
si­cher­stel­len, dass die Keim­zel­len, im­prä­gnier­ten Ei­zel­len und Em­bryo­nen in vi­tro nach dem Stand von Wis­sen­schaft und Pra­xis kon­ser­viert wer­den.
3Wird im Rah­men des Fort­pflan­zungs­ver­fah­rens das Erb­gut von Keim­zel­len oder Em­bryo­nen in vi­tro un­ter­sucht, müs­sen sie zu­dem:
sich über hin­rei­chen­de Kennt­nis­se im Be­reich der me­di­zi­ni­schen Ge­ne­tik aus­wei­sen; und
ge­währ­leis­ten, dass das Ver­fah­ren und die Zu­sam­men­ar­beit mit den be­tei­lig­ten La­bo­ra­to­ri­en dem Stand von Wis­sen­schaft und Pra­xis ent­spre­chen.3
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
1Die Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 Buch­sta­be b wird nur Ärz­tin­nen und Ärz­ten er­teilt.2
zu­sam­men mit den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern ei­ne sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl der Sa­men­spen­der ge­währ­leis­ten; und
Art. 11 Berichterstattung
1Per­so­nen mit ei­ner Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 müs­sen der kan­to­na­len Be­wil­li­gungs­be­hör­de jähr­lich über ih­re Tä­tig­keit Be­richt er­stat­ten.1
2Der Be­richt muss Aus­kunft ge­ben über:
die Zahl und die Art der Be­hand­lun­gen;
die Art der In­di­ka­tio­nen;
die Ver­wen­dung ge­spen­de­ter Sa­men­zel­len;
die Zahl der Schwan­ger­schaf­ten und de­ren Aus­gang;
die Kon­ser­vie­rung und Ver­wen­dung von Keim­zel­len, im­prä­gnier­ten Ei­zel­len und Em­bryo­nen in vi­tro;
die An­zahl der über­zäh­li­gen Em­bryo­nen.
3Er darf kei­ne An­ga­ben ent­hal­ten, die auf be­stimm­te Per­so­nen schlies­sen las­sen.
4Die kan­to­na­le Be­wil­li­gungs­be­hör­de über­mit­telt die Da­ten dem Bun­des­amt für Sta­tis­tik zur Aus­wer­tung und Ver­öf­fent­li­chung.3
1Die Be­wil­li­gungs­be­hör­de kon­trol­liert, ob:
die Vor­aus­set­zun­gen für die Be­wil­li­gungs­er­tei­lung er­füllt sind;
die Pflich­ten so­wie all­fäl­li­ge Auf­la­gen ein­ge­hal­ten wer­den.
2Sie nimmt In­spek­tio­nen vor und kann da­zu Grund­stücke, Be­trie­be und Räu­me be­tre­ten. Die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin oder der Be­wil­li­gungs­in­ha­ber hat der Be­wil­li­gungs­be­hör­de die er­for­der­li­chen Aus­künf­te und Un­ter­la­gen so­wie je­de an­de­re Un­ter­stüt­zung auf Ver­lan­gen un­ent­gelt­lich zur Ver­fü­gung zu stel­len.
3Sie kann al­le Mass­nah­men tref­fen, die zum Voll­zug die­ses Ge­set­zes not­wen­dig sind. Ins­be­son­de­re kann sie bei schwe­ren Ver­stös­sen ge­gen die­ses Ge­setz die Be­nüt­zung von Räu­men oder Ein­rich­tun­gen ver­bie­ten, Be­trie­be schlies­sen und Be­wil­li­gun­gen sis­tie­ren oder wi­der­ru­fen.
4Der Bun­des­rat kann Or­ga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen des öf­fent­li­chen oder des pri­va­ten Rechts Voll­zugs­auf­ga­ben, ins­be­son­de­re Kon­trol­l­auf­ga­ben, über­tra­gen. Er sorgt für die fi­nan­zi­el­le Ab­gel­tung der über­tra­ge­nen Auf­ga­ben.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 87 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197 1069; BBl 2001 4202).
Art. 14 Ausführungsbestimmungen
Der Bun­des­rat er­lässt die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen über Er­tei­lung und Ent­zug der Be­wil­li­gung so­wie über Be­richt­er­stat­tung und Auf­sicht.
2a. Abschnitt: Evaluation
1Das Bun­des­amt für Ge­sund­heit (BAG) sorgt da­für, dass die Aus­wir­kun­gen der­je­ni­gen Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes, wel­che die Un­ter­su­chung des Erb­gu­tes von Em­bryo­nen in vi­tro und de­ren Aus­wahl be­tref­fen, eva­lu­iert wer­den.
2Die Eva­lua­ti­on be­trifft ins­be­son­de­re:
die Über­ein­stim­mung der nach Ar­ti­kel 11 Ab­satz 2 Buch­sta­be b ge­mel­de­ten In­di­ka­tio­nen für Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren mit Un­ter­su­chung des Erb­guts von Em­bryo­nen zur Ver­hin­de­rung der Über­tra­gung der Ver­an­la­gung für ei­ne schwe­re Krank­heit ei­ner­seits mit den Zu­läs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 5a Ab­satz 2 an­de­rer­seits;
die Er­he­bung der An­zahl Paa­re und der durch­ge­führ­ten Ver­fah­ren so­wie de­ren Re­sul­ta­te;
die Ab­läu­fe im Rah­men von Voll­zug und Auf­sicht;
die Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sell­schaft.
3Die In­ha­be­rin­nen und In­ha­ber ei­ner Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 ha­ben dem BAG und der mit der Durch­füh­rung der Eva­lua­ti­on be­auf­trag­ten Per­son auf Ver­lan­gen die für die Eva­lua­ti­on not­wen­di­gen Da­ten in an­ony­mi­sier­ter Form zur Ver­fü­gung zu stel­len.
4Das Eid­ge­nös­si­sche De­par­te­ment des In­nern er­stat­tet dem Bun­des­rat nach Ab­schluss der Eva­lua­ti­on Be­richt und un­ter­brei­tet Vor­schlä­ge für das wei­te­re Vor­ge­hen.
3. Abschnitt: Umgang mit Keimgut
Art. 15 Konservierung von Keimzellen
1Keim­zel­len dür­fen nur mit schrift­li­cher Ein­wil­li­gung der Per­son, von der sie stam­men, und wäh­rend höchs­tens fünf Jah­ren kon­ser­viert wer­den. Auf An­trag die­ser Per­son wird die Kon­ser­vie­rungs­dau­er um ma­xi­mal fünf Jah­re ver­län­gert.1
2Ei­ne län­ge­re Kon­ser­vie­rungs­dau­er kann ver­ein­bart wer­den mit Per­so­nen, die im Hin­blick auf die Er­zeu­gung ei­ge­ner Nach­kom­men ih­re Keim­zel­len kon­ser­vie­ren las­sen, weil ei­ne ärzt­li­che Be­hand­lung, der sie sich un­ter­zie­hen, oder ei­ne Tä­tig­keit, die sie aus­üben, zur Un­frucht­bar­keit oder zu ei­ner Schä­di­gung des Erb­gu­tes füh­ren kann.
3Die Per­son, von der die Keim­zel­len stam­men, kann ih­re Ein­wil­li­gung in die Kon­ser­vie­rung und Ver­wen­dung je­der­zeit schrift­lich wi­der­ru­fen.
4Bei Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung oder bei Ab­lauf der Kon­ser­vie­rungs­dau­er sind die Keim­zel­len so­fort zu ver­nich­ten.
Art. 16 Konservierung von imprägnierten Eizellen und Embryonen in vitro
1Im­prä­gnier­te Ei­zel­len und Em­bryo­nen in vi­tro dür­fen nur kon­ser­viert wer­den, wenn:2
das be­trof­fe­ne Paar sei­ne schrift­li­che Ein­wil­li­gung gibt; und
die Kon­ser­vie­rung der spä­te­ren Her­bei­füh­rung ei­ner Schwan­ger­schaft dient.
2Die Kon­ser­vie­rungs­dau­er ist auf fünf Jah­re be­grenzt. Sie wird auf An­trag des be­trof­fe­nen Paa­res um ma­xi­mal fünf Jah­re ver­län­gert.4
3Je­der der bei­den Part­ner kann die Ein­wil­li­gung je­der­zeit schrift­lich wi­der­ru­fen.
4Bei Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung und bei Ab­lauf der Kon­ser­vie­rungs­frist sind die im­prä­gnier­ten Ei­zel­len und die Em­bryo­nen in vi­tro so­fort zu ver­nich­ten. Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen des Stamm­zel­len­for­schungs­ge­set­zes vom 19. De­zem­ber 20035.6
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
5 SR 810.31
6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
7 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, mit Wir­kung seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
Art. 17 Entwicklung von Embryonen
1Aus­ser­halb des Kör­pers der Frau dür­fen in­ner­halb ei­nes Be­hand­lungs­zy­klus höchs­tens so vie­le mensch­li­che Ei­zel­len zu Em­bryo­nen ent­wi­ckelt wer­den, als für die me­di­zi­nisch un­ter­stütz­te Fort­pflan­zung oder für die Un­ter­su­chung des Erb­gu­tes der Em­bryo­nen not­wen­dig sind; es dür­fen je­doch höchs­tens zwölf sein.1
2Der Em­bryo darf aus­ser­halb des Kör­pers der Frau nur so weit ent­wi­ckelt wer­den, als für die Ein­nis­tung in der Ge­bär­mut­ter un­er­läss­lich ist.
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, mit Wir­kung seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
4. Abschnitt: Samenspende
Art. 18 Einwilligung und Information des Spenders
1Ge­spen­de­te Sa­men­zel­len dür­fen nur im Rah­men der zu­läs­si­gen Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren und nur für Zwe­cke ver­wen­det wer­den, in die der Spen­der schrift­lich ein­ge­wil­ligt hat.
2Der Spen­der muss vor der Sa­men­spen­de schrift­lich über die Rechts­la­ge un­ter­rich­tet wer­den, na­ment­lich über das Recht des Kin­des, Aus­kunft über die Spen­derak­ten zu er­hal­ten (Art. 27).
Art. 19 Auswahl von Spendern
1Spen­der müs­sen nach me­di­zi­ni­schen Ge­sichts­punk­ten sorg­fäl­tig aus­ge­wählt wer­den; na­ment­lich müs­sen ge­sund­heit­li­che Ri­si­ken für die Emp­fän­ge­rin der ge­spen­de­ten Sa­men­zel­len so weit wie mög­lich aus­ge­schlos­sen sein. An­de­re Aus­wahl­kri­te­ri­en sind ver­bo­ten.
2Der Spen­der darf sei­ne Sa­men­zel­len nur ei­ner Stel­le zur Ver­fü­gung stel­len; er ist vor der Spen­de aus­drück­lich dar­auf hin­zu­wei­sen.
Art. 20 Vermittlung gespendeter Samenzellen
1Ge­spen­de­te Sa­men­zel­len dür­fen nur an Per­so­nen ver­mit­telt wer­den, die ei­ne Be­wil­li­gung zur An­wen­dung von Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren ha­ben; da­bei sind die An­ga­ben nach Ar­ti­kel 24 Ab­satz 2 bei­zu­fü­gen.
2Wer ge­spen­de­te Sa­men­zel­len ent­ge­gen­nimmt, muss dar­über wa­chen, dass Ar­ti­kel 22 Ab­satz 2 ein­ge­hal­ten wird.
Art. 21 Unentgeltlichkeit
Die Sa­men­spen­de als sol­che ist un­ent­gelt­lich.
Art. 22 Verwendung gespendeter Samenzellen
1In­ner­halb ei­nes Zy­klus dür­fen nicht Sa­men­zel­len ver­schie­de­ner Spen­der ver­wen­det wer­den.
2Die Sa­men­zel­len ei­nes Spen­ders dür­fen für die Er­zeu­gung von höchs­tens acht Kin­dern ver­wen­det wer­den.
3Bei der An­wen­dung ei­nes Fort­pflan­zungs­ver­fah­rens darf zwi­schen den Per­so­nen, von de­nen die Keim­zel­len stam­men, kein Ehe­hin­der­nis nach Ar­ti­kel 95 ZGB1 be­ste­hen.
4Bei der Aus­wahl ge­spen­de­ter Sa­men­zel­len dür­fen nur die Blut­grup­pe und die Ähn­lich­keit der äus­se­ren Er­schei­nung des Spen­ders mit dem Mann, zu dem ein Kin­des­ver­hält­nis be­grün­det wer­den soll, be­rück­sich­tigt wer­den.
Art. 23 Kindesverhältnis
1Das Kind, das nach den Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes durch ei­ne Sa­men­spen­de ge­zeugt wor­den ist, kann das Kin­des­ver­hält­nis zum Ehe­mann der Mut­ter nicht an­fech­ten. Für die An­fech­tungs­kla­ge des Ehe­man­nes ist das ZGB1 an­wend­bar.
2Ist ein Kind durch ei­ne Sa­men­spen­de ge­zeugt wor­den, so ist die Va­ter­schafts­kla­ge ge­gen den Sa­men­spen­der (Art. 261 ff. ZGB) aus­ge­schlos­sen; die Kla­ge ist je­doch zu­läs­sig, wenn die Sa­men­spen­de wis­sent­lich bei ei­ner Per­son er­folgt, die kei­ne Be­wil­li­gung für die Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren oder für die Kon­ser­vie­rung und Ver­mitt­lung ge­spen­de­ter Sa­men­zel­len hat.
Art. 24 Dokumentationspflicht
1Wer ge­spen­de­te Sa­men­zel­len ent­ge­gen­nimmt oder ver­wen­det, muss die Spen­de auf zu­ver­läs­si­ge Wei­se do­ku­men­tie­ren.
2Über den Spen­der sind ins­be­son­de­re fol­gen­de Da­ten fest­zu­hal­ten:
Na­me und Vor­na­me, Ge­burts­tag und Ge­burts­ort, Wohn­ort, Hei­mat­ort oder Na­tio­na­li­tät, Be­ruf und Aus­bil­dung;
Da­tum der Sa­men­spen­de;
Er­geb­nis­se der me­di­zi­ni­schen Un­ter­su­chung;
An­ga­ben zur äus­se­ren Er­schei­nung.
3Über die Frau, für wel­che die ge­spen­de­ten Sa­men­zel­len ver­wen­det wer­den, und ih­ren Ehe­mann sind fol­gen­de Da­ten fest­zu­hal­ten:
Na­me und Vor­na­me, Ge­burts­tag und Ge­burts­ort, Wohn­ort, Hei­mat­ort oder Na­tio­na­li­tät;
Da­tum der Ver­wen­dung der Sa­men­zel­len.
Art. 25 Übermittlung der Daten
1Die be­han­deln­de Ärz­tin oder der be­han­deln­de Arzt muss die Da­ten nach Ar­ti­kel 24 un­ver­züg­lich nach der Ge­burt des Kin­des dem Eid­ge­nös­si­schen Amt für das Zi­vil­stands­we­sen (Amt) über­mit­teln.
2Ist der Ärz­tin oder dem Arzt ei­ne Ge­burt nicht be­kannt ge­wor­den, so sind die Da­ten un­ver­züg­lich nach dem er­rech­ne­ten Ge­burts­ter­min zu über­mit­teln, es sei denn, es ste­he fest, dass die Be­hand­lung nicht zum Er­folg ge­führt hat.
3Der Bun­des­rat er­lässt die er­for­der­li­chen Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen.
Art. 26 Aufbewahrung der Daten
Das Amt be­wahrt die Da­ten wäh­rend 80 Jah­ren auf.
Art. 27 Auskunft
1Hat das Kind das 18. Le­bens­jahr vollen­det, so kann es beim Amt Aus­kunft über die äus­se­re Er­schei­nung und die Per­so­na­li­en des Spen­ders (Art. 24 Abs. 2 Bst. a und d) ver­lan­gen.
2Im Üb­ri­gen kann es je­der­zeit Aus­kunft über al­le Da­ten des Spen­ders (Art. 24 Abs. 2) ver­lan­gen, wenn es ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se dar­an hat.
3Be­vor das Amt Aus­kunft über die Per­so­na­li­en er­teilt, in­for­miert es wenn mög­lich den Spen­der. Lehnt die­ser den per­sön­li­chen Kon­takt ab, so ist das Kind zu in­for­mie­ren und auf die Per­sön­lich­keits­rech­te des Spen­ders und den An­spruch sei­ner Fa­mi­lie auf Schutz hin­zu­wei­sen. Be­harrt das Kind nach Ab­satz 1 auf Aus­kunft, so wird ihm die­se er­teilt.
4Der Bun­des­rat kann die Be­hand­lung von Aus­kunfts­ge­su­chen ei­ner eid­ge­nös­si­schen Fach­kom­mis­si­on über­tra­gen.
3. Kapitel: Nationale Ethikkommission
1Der Bun­des­rat setzt ei­ne na­tio­na­le Ethik­kom­mis­si­on ein.
2Sie ver­folgt die Ent­wick­lung in der Fort­pflan­zungs- und der Gen­tech­no­lo­gie im hu­man­me­di­zi­ni­schen Be­reich und nimmt zu den da­mit ver­bun­de­nen ge­sell­schaft­li­chen, na­tur­wis­sen­schaft­li­chen und recht­li­chen Fra­gen aus ethi­scher Sicht be­ra­tend Stel­lung.
3Sie hat ins­be­son­de­re die Auf­ga­be:
er­gän­zen­de Richt­li­ni­en zu die­sem Ge­setz zu er­ar­bei­ten;
Lücken in der Ge­setz­ge­bung auf­zu­zei­gen;
die Bun­des­ver­samm­lung, den Bun­des­rat und die Kan­to­ne auf An­fra­ge zu be­ra­ten;
die Öf­fent­lich­keit über wich­ti­ge Er­kennt­nis­se zu in­for­mie­ren und die Dis­kus­si­on über ethi­sche Fra­gen in der Ge­sell­schaft zu för­dern.
4Der Bun­des­rat be­stimmt die wei­te­ren Auf­ga­ben der Kom­mis­si­on im Be­reich der Hu­man­me­di­zin. Er er­lässt die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen.
Art. 29 Missbräuchliche Gewinnung von Embryonen
1Wer durch Im­prä­gna­ti­on einen Em­bryo in der Ab­sicht er­zeugt, die­sen zu ei­nem an­de­ren Zweck als der Her­bei­füh­rung ei­ner Schwan­ger­schaft zu ver­wen­den oder ver­wen­den zu las­sen, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Eben­so wird be­straft, wer ei­ne im­prä­gnier­te Ei­zel­le oder einen Em­bryo in vi­tro in der Ab­sicht kon­ser­viert, die­se oder die­sen zu ei­nem an­de­ren Zweck als der Her­bei­füh­rung ei­ner Schwan­ger­schaft zu ver­wen­den oder ver­wen­den zu las­sen.
Art. 30 Entwicklung von Embryonen ausserhalb des Körpers der Frau
1Wer einen Em­bryo aus­ser­halb des Kör­pers der Frau über den Zeit­punkt hin­aus sich ent­wi­ckeln lässt, in dem die Ein­nis­tung in die Ge­bär­mut­ter noch mög­lich ist, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.1
2Eben­so wird be­straft, wer einen mensch­li­chen Em­bryo auf ein Tier über­trägt.
Art. 31 Leihmutterschaft
1Wer bei ei­ner Leihmut­ter ein Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren an­wen­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.1
2Eben­so wird be­straft, wer Leihmut­ter­schaf­ten ver­mit­telt.
Art. 32 Missbrauch von Keimgut
1Wer ei­ne Im­prä­gna­ti­on oder ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung zum Em­bryo mit Keim­gut be­wirkt, das ei­nem Em­bryo oder ei­nem Fö­tus ent­nom­men wur­de, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Wer mensch­li­ches Keim­gut oder Er­zeug­nis­se aus Em­bryo­nen oder Fö­ten ent­gelt­lich ver­äus­sert oder er­wirbt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
3Han­delt die Tä­te­rin oder der Tä­ter ge­werbs­mäs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­re oder Geld­stra­fe. Mit der Frei­heits­s­tra­fe ist ei­ne Geld­stra­fe zu ver­bin­den.
Art. 33 Untersuchung des Erbguts und Auswahl von Keimzellen und Embryonen in vitro
Wer bei Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren das Erb­gut von Keim­zel­len oder Em­bryo­nen in vi­tro un­ter­sucht und sie nach ih­rem Ge­schlecht oder nach an­de­ren Ei­gen­schaf­ten aus­wählt, oh­ne dass da­mit die Un­frucht­bar­keit über­wun­den oder die Über­tra­gung der Ver­an­la­gung für ei­ne schwe­re Krank­heit auf die Nach­kom­men ver­hin­dert wer­den soll, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Art. 34 Handeln ohne Einwilligung oder Bewilligung
1Wer ein Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren oh­ne Ein­wil­li­gung der Per­son, von der die Keim­zel­len stam­men, oder des be­trof­fe­nen Paa­res an­wen­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Eben­so wird be­straft, wer oh­ne Be­wil­li­gung oder auf­grund ei­ner durch un­wah­re An­ga­ben er­schli­che­nen Be­wil­li­gung Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren an­wen­det, Keim­zel­len, im­prä­gnier­te Ei­zel­len oder Em­bryo­nen in vi­tro kon­ser­viert oder ver­mit­telt oder Un­ter­su­chun­gen des Erb­guts von Em­bryo­nen in vi­tro ver­an­lasst.
Art. 35 Eingriffe in die Keimbahn
1Wer in das Erb­gut ei­ner Keim­bahn­zel­le oder ei­ner em­bryo­na­len Zel­le ver­än­dernd ein­greift, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.1
2Eben­so wird be­straft, wer ei­ne in ih­rem Erb­gut künst­lich ver­än­der­te Keim­zel­le zur Im­prä­gna­ti­on oder ei­ne in glei­cher Wei­se ver­än­der­te im­prä­gnier­te Ei­zel­le zur Wei­ter­ent­wick­lung zum Em­bryo ver­wen­det.
3Ab­satz 1 ist nicht an­wend­bar, wenn die Ver­än­de­rung von Keim­bahn­zel­len die un­ver­meid­li­che Be­gleiter­schei­nung ei­ner Che­mo­the­ra­pie, ei­ner Strah­len­the­ra­pie oder ei­ner an­de­ren ärzt­li­chen Be­hand­lung ist, der ei­ne Per­son sich un­ter­zieht.
1Wer einen Klon, ei­ne Chi­mä­re oder ei­ne Hy­bri­de bil­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.1
2Eben­so wird be­straft, wer ei­ne Chi­mä­re oder ei­ne Hy­bri­de auf ei­ne Frau oder auf ein Tier über­trägt.
Art. 37 Übertretungen
Mit Bus­se bis zu 100 000 Fran­ken wird be­straft, wer vor­sätz­lich:1
ent­ge­gen Ar­ti­kel 3 Ab­sät­ze 2 Buch­sta­be a und 3 bei ei­ner Frau ein Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren an­wen­det;
Keim­zel­len ver­wen­det, die von ei­ner ver­stor­be­nen Per­son stam­men, aus­ser es han­delt sich da­bei um Sa­men­zel­len ei­nes ver­stor­be­nen Sa­men­spen­ders;
im­prä­gnier­te Ei­zel­len oder Em­bryo­nen in vi­tro ver­wen­det, die von ei­nem Paar stam­men, von dem ein Teil ver­stor­ben ist;
ge­spen­de­te Ei­zel­len ver­wen­det, mit ge­spen­de­ten Ei­zel­len und ge­spen­de­ten Sa­men­zel­len einen Em­bryo ent­wi­ckelt oder einen ge­spen­de­ten Em­bryo auf ei­ne Frau über­trägt;
Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren oh­ne er­laub­te In­di­ka­ti­on an­wen­det;
ent­ge­gen den Ar­ti­keln 15, 16 und 42 Keim­gut kon­ser­viert;
ent­ge­gen Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 Em­bryo­nen ent­wi­ckelt;
als Spen­der Sa­men­zel­len meh­re­ren In­ha­be­rin­nen oder In­ha­bern ei­ner Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 zur Ver­fü­gung stellt;
ent­ge­gen Ar­ti­kel 22 Ab­sät­ze 1-3 ge­spen­de­te Sa­men­zel­len ver­wen­det;
die nach Ar­ti­kel 24 vor­ge­schrie­be­nen Da­ten un­rich­tig oder un­voll­stän­dig auf­zeich­net.
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
4 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 12. Dez. 2014, mit Wir­kung seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 3641; BBl 2013 5853).
Art. 38 Zuständige Behörde
Die Ver­fol­gung und die Be­ur­tei­lung der Straf­ta­ten nach die­sem Ge­setz ob­lie­gen den Kan­to­nen.
1 Die Än­de­rung kann un­ter AS 2000 3055 kon­sul­tiert wer­den.
Art. 40 Bewilligung
1Wer ei­ne Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 1 be­nö­tigt, muss das Ge­such mit den nö­ti­gen Un­ter­la­gen in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes bei der Be­wil­li­gungs­be­hör­de ein­rei­chen.
Art. 41 Auskunft
1Die Ar­ti­kel 18 und 24-27 gel­ten auch, wenn Sa­men­zel­len vor dem In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ge­spen­det wor­den sind, aber erst nach des­sen In­kraft­tre­ten ver­wen­det wer­den.
2In den üb­ri­gen Fäl­len müs­sen die Ärz­tin­nen und Ärz­te, die Fort­pflan­zungs­ver­fah­ren mit ge­spen­de­ten Keim­zel­len durch­ge­führt ha­ben, in sinn­ge­mäs­ser An­wen­dung von Ar­ti­kel 27 Aus­kunft er­tei­len.
Art. 42 Aufbewahrung von Embryonen
1Wer beim In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes Em­bryo­nen auf­be­wahrt, muss dies in­ner­halb von drei Mo­na­ten der Be­wil­li­gungs­be­hör­de mel­den. Ar­ti­kel 11 ist an­wend­bar.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft bis zum 31. Dez. 2008 (AS 2003 3681; BBl 2003 1163).
Art. 43 Kindesverhältnis
Ar­ti­kel 23 gilt auch für Kin­der, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes im Rah­men ei­nes Fort­pflan­zungs­ver­fah­rens durch ei­ne Sa­men­spen­de ge­zeugt wor­den sind.
Art. 43a Übergangsbestimmung zur Änderung vom
Die Be­richt­er­stat­tung und die Un­ter­brei­tung von Vor­schlä­gen nach Ar­ti­kel 14a Ab­satz 4 er­folgt erst­mals spä­tes­tens fünf Jah­re nach In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 12. De­zem­ber 2014.

References: Art. 5

Art. 5

Art. 5

Art. 6

Art. 6

Art. 8

Art. 9

Art. 11

Art. 14

Art. 15

Art. 16

Art. 17

Art. 18

Art. 19

Art. 20

Art. 21

Art. 22

Art. 23

Art. 24

Art. 25

Art. 26

Art. 27

Art. 29

Art. 30

Art. 31

Art. 32

Art. 33

Art. 34

Art. 35

Art. 37

Art. 38

Art. 40

Art. 41

Art. 42

Art. 43

Art. 43