Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=28.10.2009&Aktenzeichen=B%2014%20AS%2062/08%20R
Timestamp: 2020-07-05 14:40:20+00:00

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BSG, 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R - dejure.org
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BSG, 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R (https://dejure.org/2009,2404)
BSG, Entscheidung vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R (https://dejure.org/2009,2404)
BSG, Entscheidung vom 28. Januar 2009 - B 14 AS 62/08 R (https://dejure.org/2009,2404)
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Grundsicherung für Arbeitsuchende; Abgrenzung der Einkommens- von der Vermögensberücksichtigung; Zuflussprinzip; fehlende Feststellungen zur Erbschaft oder zum Auszahlungsanspruch aus einem Vertrag zugunsten Dritter
Hoher Hartz-IV-Richter sieht "Gerechtigkeitsproblem" // Koalitionspläne würden Problem verschärfen
SG Hildesheim, 04.09.2007 - S 43 AS 1064/06
LSG Niedersachsen-Bremen, 19.06.2008 - L 7 AS 663/07
Entscheidend für die Abgrenzung von Einkommen und Vermögen ist daher, ob der Erbfall jedenfalls vor der (ersten) Antragstellung eingetreten ist (…BSG Urteil vom 24.2.2011 - B 14 AS 45/09 R, aaO RdNr 21; Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R).
Wie die für das SGB II zuständigen Senate des BSG bereits entschieden haben, ist Einkommen iS des § 11 Abs. 1 SGB II grundsätzlich alles das, das jemand nach Antragstellung wertmäßig dazu erhält, und Vermögen das, was er vor Antragstellung bereits hatte (…vgl nur BSG Urteil vom 30.7.2008 - B 14 AS 26/07 R - SozR 4-4200 § 11 Nr. 17 und BSGE 101, 291 = SozR 4-4200 § 11 Nr. 15; s auch Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R) .
Maßgebend ist im Falle der Gesamtrechtsnachfolge also, dass der Erbfall mit dem Tod der Großmutter bereits am 1.10.2003 und damit jedenfalls vor der (ersten) Antragstellung eingetreten ist (insoweit bereits BSG Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R - juris RdNr 22) .
Wenn die Klägerin dagegen mit dem Erbfall lediglich Inhaberin einer Forderung gegen den Nachlass geworden ist, sind Freibeträge nicht zu berücksichtigen, weil es sich in diesem Fall im Zeitpunkt des Zuflusses des Geldbetrages um Einkommen iS des § 11 SGB II handelt (BSG Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R - juris RdNr 22) .
a) Einkommen iS des § 11 Abs. 1 Satz 1 SGB II (idF des Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 24.12.2003, BGBl I 2954) ist nach der ständigen Rechtsprechung der für die Grundsicherung für Arbeitsuchende zuständigen Senate des BSG grundsätzlich alles das, was jemand nach der Antragstellung wertmäßig dazu erhält, und Vermögen iS des § 12 Abs. 1 SGB II (idF des Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 24.12.2003, BGBl I 2954) das, was jemand vor der Antragstellung bereits hatte, wobei auszugehen ist vom Zeitpunkt des tatsächlichen Zuflusses, es sei denn, rechtlich wird ein anderer Zeitpunkt als maßgeblich bestimmt (modifizierte Zuflusstheorie;… vgl letztens etwa BSG Urteil vom 19.8.2015 - B 14 AS 43/14 R - vorgesehen für SozR 4-4200 § 11 Nr. 74 RdNr 13 mwN) , und abzustellen ist auf die erste Antragstellung des laufenden Leistungsfalls (vgl BSG Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R - juris RdNr 22;… BSG Urteil vom 29.4.2015 - B 14 AS 10/14 R - vorgesehen für SozR 4-4200 § 11 Nr. 70 RdNr 29;… BSG Urteil vom 19.8.2015 - B 14 AS 43/14 R - vorgesehen für SozR 4-4200 § 11 Nr. 74 RdNr 14;… zum Leistungsfall als ununterbrochene Dauer eines Leistungsbezugs ab einer Leistungsbewilligung vgl BSG Urteil vom 9.4.2014 - B 14 AS 23/13 R - SozR 4-4200 § 22 Nr. 75 RdNr 18 ff) .
Maßgebend ist im Falle der Gesamtrechtsnachfolge also, ob der Erbfall bereits vor der (ersten) Antragstellung eingetreten ist (BSG, Urteil vom 24.02.2011- B 14 AS 45/09 R - unter Bezugnahme auf BSG, Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R -, juris).
Sofern die zugeflossene Summe als Einzelzuwendung im Wege eines Vermächtnisses und damit lediglich als Forderung gegen den Nachlass erlangt wird, sind Freibeträge nicht zu berücksichtigen, weil es sich in diesem Fall zum Zeitpunkt des Zuflusses des Geldbetrags um Einkommen im Sinne des § 11 SGB II handelt (BSG, Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R- juris ).
Entscheidend ist daher der tatsächliche Zufluss "?bereiter Mittel"?" (BSG Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R = juris Rn 22; BSG Urteil vom 18.2.2010 - B 14 AS 32/08 R = juris Rn 20; BSG Urteil vom 21.6.2011 - B 4 AS 21/10 R = juris Rn 29).
Maßgeblich muss bei der Gesamtrechtsnachfolge der Erbfall bereits vor der ersten SGB II-Antragstellung eingetreten sein, damit der Zuwachs grundsicherungsrechtlich als Vermögen angesehen werden kann (vgl. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2009, B 14 AS 62/08 R; Urteil vom 24. Februar 2011, Az.: B 14 AS 45/09 R, juris).
Der neue Bescheid wird nicht gemäß § 96 SGG Gegenstand des Gerichtsverfahrens (vgl. BSG…, Urteil vom 31. Oktober 2007 - B 14/11b AS 59/06 R - juris Rn. 13; BSG, Urteil vom 28. Oktober 2009 - B 14 AS 62/08 R - juris Rn. 17).
Liegt der Erbfall vor der ersten Antragstellung, handelt es sich um Vermögen (BSG, Urteil vom 25.01.2012 - B 14 AS 101/11 R - Urteil vom 24.02.2011 - B 14 AS 45/09 R - Urteil vom 28.10.2009 - B 14 AS 62/08 R -).
Entscheidend für die Abgrenzung von Einkommen und Vermögen ist im Falle einer Erbschaft, ob der Erbfall jedenfalls vor der (ersten) Antragstellung eingetreten ist (BSG, Urteil vom 25. Januar 2012 - B 14 AS 101/11 R - FamRZ 2012, 1136; Urteil vom 24. Februar 2011 s. o.; Urteil vom 28. Oktober 2009 - B 14 AS 62/08 R -).
Zur Begründung der Beschwerde trägt der Bevollmächtigte der Antragsteller vor, beim Bundessozialgericht (BSG) sei ein Verfahren zur entscheidungserheblichen Rechtsfrage anhängig (B 14 AS 62/08 R).
Erst nach Kenntnis dieser Tatsachen kann entschieden werden, ob es sich bei dem "von den Klägern als Erbschaft vereinnahmten Geldbetrag" um Einkommen handelt, welches in der hier streitigen (Bedarfs- und Bewilligungs-) Zeit nach den §§ 9 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Satz 1, 11 Abs. 1 Satz 1 Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II) zu berücksichtigen ist (vgl. zu den notwendigen Feststellungen z.B. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2009 - B 14 AS 62/08 R, Terminbericht Nr. 60/09 vom 28. Oktober 2009).
Denn ungeachtet der grundsätzlichen und bisher - soweit bekannt, d.h. veröffentlicht - weder vom Sächsischen Landessozialgericht - LSG - (beim Senat u.a. anhängig: L 7 AS 237/08, Termin zur mündlichen Verhandlung am 25. Januar 2010) noch vom BSG (vgl. weiterhin das noch anhängige Verfahren B 14 AS 45/09 R zum Urteil des SG Koblenz vom 10. Juni 2009 - S 6 AS 1070/08) - zumindest ausdrücklich - entschiedenen Rechtsfrage zur Abgrenzung von Einkommen und Vermögen (§ 12 Abs. 1 SGB II) bei einem (Geld-) Zufluss aus einer Erbschaft besteht jedenfalls innerhalb der derzeit überwiegenden Auffassung in der Rechtsprechung (vgl. z.B. LSG Baden-Württemberg, Beschluss vom 16. Juni 2009 - L 12 AS 2457/09 ER-R, Rn 24; LSG für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 2. April 2009 - L 9 AS 58/07, Rn 32ff und LSG Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 19. Juni 2008 - L 7 AS 663/07, aufgehoben durch das BSG mit Urteil vom 28. Oktober 2009, a.a.O.) keine Einigkeit, auf welchen Zeitpunkt (vereinfacht ausgedrückt: Erbfall oder Geldzufluss aus der Erbschaft?) es für diese Abgrenzung ankommt (vgl. hierzu weiterhin z.B. LSG Mecklenburg-Vorpommern, Beschluss vom 19. November 2008 - L 8 B 298/08, Rn 36ff und - zur Bewilligung von PKH - Rn 60 sowie SG Hamburg, Urteil vom 12. November 2008 - S 53 AS 2451/06, Rn 20ff).
LSG Nordrhein-Westfalen, 26.04.2010 - L 19 AS 292/10
LSG Nordrhein-Westfalen, 26.04.2010 - L 19 AS 291/10
Grundsicherung für Arbeitsuchende: Berücksichtigung einer Erbschaft als Einkommen

References: § 11
 § 11
 § 11
 § 11
 § 11
 § 12
 § 11
 § 11
 § 11
 § 22
 § 11
 § 96