Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Verletzung-Urheberrecht-Medienrecht-bei-Erstellung-Podcasts-aus-Buch,-Zeitschrift--f201717.html
Timestamp: 2019-10-15 16:59:55+00:00

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www.frag-einen-anwalt.deUrheberrecht, Markenrecht, PatentrechtUrheberrechtVerlet...
| 27.10.2012 20:32 |
Ich bin dabei eine eigene neue Podcast-Show zu produzieren. Ein Podcast ist eine Art online-Radio, welches unabhängig von den Sendezeiten und eigenem Internetzugang angehört werden kann. Ein Podcast ist i.d.R. für den Hörer kostenlos. Jedoch ist auch geplant, komplette Serien oder "Best-of-Serien" als kostenpflichtiges Download-Paket anzubieten.
Genaueres zum Thema Podcasting finden Sie bei Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Podcasting
Die thematischen Inhalte erhalte ich aus deutschen und englischen Büchern ("klassische" Bücher, eBooks & Hörbücher), Zeitschriften, besuchten Seminaren, dem Internet usw.
Die englischen Texte übersetze ich dann ins Deutsche.
1.	Was habe ich in Bezug auf das Urheberrecht zu beachten?
2.	Wie weit muss der Text abgewandelt sein, damit ich keine Problem mit dem Urheberrecht bekomme?
3.	Was sind die einfachsten Möglichkeiten, das Urheberrecht nicht zu verletzen und trotzdem die Inhalte mit eigenen Worten wieder geben zu dürfen?
4.	Welche Konsequenzen würde es bei Urheberrechtsverletzungen geben?
5.	In welchen Fällen muss, darf oder sollte ich auf die Quellen verweisen?
6.	Macht es einen Unterschied ob meine produzierten Audiofiles zum kostenlosen oder kostenpflichtigen Download angeboten werden? Wenn ja, inwiefern?
7.	Wenn ich kein Urheberrecht bei dieser Vorgehensweise verletze, besitze ich dann automatisch das Urheberrecht auf meine Audiofiles? Muss ich darauf hinweisen?
8.	Gibt es sonstige Gesetze die ich mit der Erstellung der Podcasts verletzen könnte?
Was muss ich grundsätzlich beachten, damit ich andere Werke (Bücher usw) als Vorlage nutzen, daraus Audiodateien herstellen und diese in meiner Podcast-Show zum Download anbieten darf?
Besten Dank für eine qualifizierte Beantwortung der Fragen :-)
Urheberrecht Urheberrecht UrhG Text
gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich aufgrund der Vielzahl Ihrer Fragen zu einem Einsatz, der eigentlich nur für eine einzige einfache Frage gedacht ist, nur in der gebotenen Kürze antworten kann.
Zu 1., 2., 3.
Soweit die Originaltexte urheberrechtlichen Schutz genießen, dürfen Sie diese natürlich ohne Einwilligung der Rechteinhaber nicht 1:1 übernehmen. Da die Eigenart eines Schriftwerks aber regelmäßig nicht in ihrem Inhalt, sondern in den Formulierungen besteht, und der gedankliche Inhalt eines Schriftwerkes einer freien geistigen Auseinandersetzung zugänglich sein muss, ist z.B. die Zusammenfassung eines Schriftwerkes grundsätzlich als freie Benutzung im Sinne des § 24 UrhG zulässig. Enthält eine solche Zusammenfassung auch Formulierungen, auf denen die schöpferische Eigenart des Schriftwerks beruht, kommt es für die Prüfung, ob eine abhängige Bearbeitung (§ 23 Satz 1 UrhG) oder eine freie Benutzung (§ 24 Abs. 1 UrhG) vorliegt, darauf an, ob die Zusammenfassung trotz dieser Übereinstimmungen in der Gesamtschau einen so großen äußeren Abstand zum Schriftwerk einhält, dass sie als ein selbständiges Werk anzusehen ist (ausführlich hierzu BGH, Urteil vom 01.12.2010, I ZR 12/08 – Perlentaucher).
Diese Abgrenzung ist immer eine Einzelfallentscheidung, deshalb gibt es hier keine „einfachen Möglichkeiten" – wichtig ist aber, dass Sie versuchen, keine Formulierungen aus dem Original zu übernehmen und Ihre Podcasts so originell und individuell wie möglich zu gestalten, um den notwendigen Abstand zum Original einzuhalten.
Eine Urheberrechtsverletzung kann in erster Linie Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche auslösen, siehe §§ 97ff. UrhG, bei vorsätzlichem Vergehen auch eine Strafbarkeit, §§ 106ff. UrhG.
Bei wörtlich übernommenen Stellen zum Zwecke des Zitats gemäß § 51 UrhG ist eine Quellenangabe gemäß § 63 UrhG notwendig.
Grundsätzlich nein, eine Urheberrechtsverletzung kann auch bei kostenlosem Angebot vorliegen. Ein gewerbliches Handeln kann aber eine höhere Strafbarkeit begründen, § 108a UrhG.
Wenn Ihre Podcasts originell und individuell genug sind, um als persönliche geistige Schöpfung im Sinne des § 2 Absatz 2 UrhG zu gelten, besitzen Sie hieran automatisch eigene Urheberrechte, ohne dass Sie hierauf hinweisen müssen.
Wenn Sie geschäftlich handeln, wären theoretisch auch Ansprüche aus dem UWG (z.B. § 4 Nr.9 UWG – Herkunftstäuschung oder Nr.10 – Absatzbehinderung) denkbar. Sie sollten zudem die Entwicklung bezüglich eines (bisher nicht existierenden, aber bereits als Gesetzesentwurf vorliegenden) Leistungsschutzrechtes von Verlagen beobachten, da dies je nach Ausgestaltung evt. auch Einfluss auf Ihr Vorhaben haben kann.
Wenn Sie lediglich die thematischen Inhalte aus anderen Quellen übernehmen, sich hiermit geistig beschäftigen und hieraus individuelle Podcasts mit eigenen Ideen und Formulierungen erstellen und Zitate (soweit erforderlich) ausreichend kennzeichnen, verletzen Sie nach momentaner Rechtslage regelmäßig keine Urheberrechte Dritter und erwerben eigene Urheberrechte an dem Podcast.
Nachfrage vom Fragesteller	01.11.2012 | 20:09
vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort. Diese haben mir sehr weiter geholfen. Jedoch habe ich noch 2 kurze Rückfragen zu Ihren Antworten.
Folgende Punkte sind mir noch nicht ganz klar geworden:
Zu Ihrer Antwort "zu 1., 2., 3.":
Würde das bedeuten, dass ich z.B. ein englischsprachiges Hörbuch, von der Struktur her übernehmen und ins Deutsche übersetzen kann, sofern ich meine eigenen Worte und Formulierungen nutze?
Also wenn es z.B. um die 7 Regeln für xy geht, darf ich dann die 7 Regeln übernehmen indem ich die Überschrift der Regeln einfach ins Deutsche übersetze? konkretes Beispiel:
"Key no 1: pay yourself first" übersetzen in "1. Regel: Bezahle Dich selbst immer zuerst"
Denn die Überschrift einer Regel komplett mit anderen Worten zu umschreiben würde ja meist die Aussage der Regel ändern.
Der eigentlich Inhalt, bzw die Erläuterung dieser Regel würde dann mit meinen eigenen Worten erfolgen. Denn dann würde es ja schon durch die Fremdsprache automatisch andere Formulierungen haben als wenn ich ein deutsches Hörbuch/ Buch als Vorlage nehmen würde.
Wäre das so juristisch ok? Was müsste ich noch beachten?
Und gemäß Ihrer Aussage darf ich Zitate verwenden, wenn ich auf die Quelle hinweise. Bedeutet das, an einem konkreten Beispiel, dass ich z.B. einen Songtext ganz oder Auszugsweise vorlesen darf sofern ich auf die Quelle (ist das dann nur der Name der Musikband und Titelname des Liedes? Was ist bei Textidentischen Cover-Versionen?) verweise? Muss ich diesen Songtext anschließend mit eigenen Worten kommentieren indem ich darüber z.B. diskutiere oder über die Bedeutung spreche, oder kann ich ihn auch alleine, z.B. zur Inspiration, stehen lassen?
Zu Ihrer Antwort "zu 4."
Gibt es dort Durchschnitts-/ Anhaltswerte? Wie hoch würden diese voraussichtlich sein? Min/ max? Wäre interessant zu wissen damit ich in etwa weiß, ob es mir das Risiko wert ist und wie weit ich mich damit aus dem Fenster lehnen kann.
Ich gehe davon aus, dass ich Sie bei konkreten Fällen auch direkt anfragen/ beauftragen darf?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.11.2012 | 20:53
Zwar entsteht durch die Übersetzung regelmäßig ein Bearbeiterurheberrecht gem. § 3 Satz 1 UrhG, dieses ist jedoch lediglich ein vom Hauptwerk abhängiges Urheberrecht. Es enthält insbesondere nicht die Befugnis, die Bearbeitung ohne Befugnis des Inhabers der Urheberrechte am Hauptwerk zu verwerten, z.B. zu veröffentlichen. Es ist also stets erforderlich, dass Sie ein vom Original unabhängiges Werk erstellen, z.B. eine Rezension über das Originalwerk.
Auch Zitate sind grundsätzlich nur in einem selbständigen Werk und in gebotenem Umfang erlaubt, insbesondere muss der erforderliche Zitatzweck (z.B. Beleg der eigenen Aussage) vorliegen, siehe § 51 UrhG.
Welche Abmahnkosten und Schadensersatzforderungen bei einer Rechtsverletzung auf Sie zukommen würden, hängt u.a. vom wirtschaftlichen Wert der Unterlassung für den Urheber und vom Umfang ab, in dem Sie das Original verwertet haben und welcher Schaden hierdurch beim Urheber eintreten konnte. Es kommt also immer auf den Einzelfall an, wobei Sie aber schon mit einem Kostenrisiko im 3 bis 4-stelligen Bereich kalkulieren müssen.
Bevor Sie also entsprechende Podcasts veröffentlichen, sollten Sie diese vorher juristisch überprüfen lassen. Hierfür stehe ich Ihnen gerne im Rahmen einer direkten Beauftragung über meine hier angegebenen Kontaktdaten zur Verfügung.
Bewertung des Fragestellers 01.11.2012 | 21:46
FRAGESTELLER 01.11.2012 4,8/5,0

References: § 24
 § 51
 § 63
 § 108
 § 2
 § 4
 § 3
 § 51