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Timestamp: 2019-09-15 19:04:27+00:00

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Widerruf eines Ursprungszeugnisses — und das Vertrauen des Exporteurs in die Lieferantenerklärung | Außenwirtschaftslupe
Widerruf eines Ursprungszeugnisses — und das Vertrauen des Exporteurs in die Lieferantenerklärung
Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf gab der Kla­ge weit­ge­hend statt. Es erach­te­te die Lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen der Her­stel­ler für zutref­fend. Auf Lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen der Ver­pa­ckungs­be­trie­be kom­me es nicht an, da deren Tätig­keit nicht „ursprungs­be­grün­dend” sei und die Klä­ge­rin in kei­ner Lie­fer­be­zie­hung zu die­sen Betrie­ben gestan­den habe.
Das Abkom­men zwi­schen der Euro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft1 – Abkom­men ‑ sieht in sei­nen Art. 2 bis 7 die nun­mehr ein­ge­tre­te­ne Abschaf­fung aller Zöl­le für Ursprungs­er­zeug­nis­se der Gemein­schaft in der Schweiz und ent­spre­chend für Ursprungs­er­zeug­nis­se der Schweiz in der Gemein­schaft vor.
Die Fra­ge, wel­che Waren Ursprungs­er­zeug­nis­se des jewei­li­gen Lan­des sind, legt nach Art. 11 des Abkom­mens das Pro­to­koll Nr. 3 über die Bestim­mung des Begriffs „Erzeug­nis­se mit Ursprung in” oder „Ursprungs­er­zeug­nis­se” und über die Metho­den der Zusam­men­ar­beit der Ver­wal­tun­gen – Pro­to­koll Nr. 3 ‑ fest.
Als Ursprungs­er­zeug­nis­se der Gemein­schaft gel­ten nach Art. 2 Abs. 1 Buchst. b des Pro­to­kolls Nr. 3 Erzeug­nis­se, die in der Gemein­schaft unter Ver­wen­dung von Vor­ma­te­ria­li­en her­ge­stellt wor­den sind, die dort nicht voll­stän­dig gewon­nen oder her­ge­stellt wor­den sind, vor­aus­ge­setzt, dass die­se Vor­ma­te­ria­li­en in der Gemein­schaft im Sin­ne des Art. 6 Pro­to­koll Nr. 3 in aus­rei­chen­dem Maße be- oder ver­ar­bei­tet wor­den sind. Nach Art. 6 Abs. 1 Pro­to­koll Nr. 3 gel­ten Erzeug­nis­se als in aus­rei­chen­dem Maße be- oder ver­ar­bei­tet, wenn die Bedin­gun­gen der Lis­te in Anhang — II erfüllt sind. Anhang — II schreibt für Waren des Kapi­tels 61 vor, dass sie als im jeweils begüns­tig­ten Land in aus­rei­chen­dem Maße be- oder ver­ar­bei­tet gel­ten, wenn sie durch Zusam­men­nä­hen oder ande­res Zusam­men­fü­gen von zwei oder mehr zuge­schnit­te­nen, abge­pass­ten gewirk­ten oder gestrick­ten Tei­len aus Gar­nen her­ge­stellt wor­den sind. Wer­den die Waren des Kapi­tels 61 auf ande­re Wei­se her­ge­stellt, müs­sen sie aus natür­li­chen, syn­the­ti­schen oder künst­li­chen Spinn­fa­sern oder che­mi­schen Vor­ma­te­ria­li­en oder Spinn­mas­se her­ge­stellt sein. Aus die­ser Rege­lung ergibt sich, dass eine Ware des Kapi­tels 61 grund­sätz­lich nur dann Ursprungs­wa­re der Gemein­schaft ist, wenn alle wei­te­ren Ver­ar­bei­tungs­schrit­te ihrer Ver­ar­bei­tung nach Ein­satz von Gar­nen oder Fasern, che­mi­schen Vor­ma­te­ria­li­en oder Spinn­mas­se in der Gemein­schaft statt­ge­fun­den haben.
Zum Nach­weis geeig­ne­te Unter­la­gen wer­den von der VO 1207⁄2001 benannt. Nach Art. 4 Abs. 1 Satz 1 VO 1207⁄2001 kann ein Lie­fe­rant, der einem bestimm­ten Käu­fer Waren lie­fert, deren Eigen­schaft hin­sicht­lich der Prä­fe­renz­ur­sprungs­re­geln vor­aus­sicht­lich über einen län­ge­ren Zeit­raum kon­stant bleibt, mit einer Lang­zeit-Lie­fe­ran­ten­er­klä­rung auch die wei­te­ren Lie­fe­run­gen die­ser Ware abde­cken.
Die­se Erklä­run­gen müs­sen so genau bezeich­net sein, dass danach die Näm­lich­keit der Waren fest­ge­stellt wer­den kann (Art. 3 Unter­ab­satz 2 VO 1207⁄2001).
Die­se Erklä­rung gilt bis zu einem Jahr, gerech­net ab dem Tag der Abga­be (Art. 4 Abs. 1 Satz 2 VO 1207⁄2001) oder bei rück­wir­ken­der Aus­stel­lung gerech­net ab dem Tag des Wirk­sam­wer­dens (Art. 4 Abs. 2 VO 1207⁄2001).
Aus der VO 1207⁄2001 ergibt sich nicht im Sin­ne des Haupt­zoll­amts, dass Lie­fe­rant nur der­je­ni­ge sein kann, der – auch als wei­te­rer Dienst­leis­ter – die Ware ver­packt und ver­sen­det, weil nur die­ser die Näm­lich­keit der Ware bestä­ti­gen kön­ne. Viel­mehr geht die VO 1207⁄2001 in Art. 4 Abs. 1 Satz 1 und in Art. 5 Abs. 3 Satz 2 von einer Lie­fer­be­zie­hung zwi­schen dem Lie­fe­ran­ten und einem Käu­fer aus, nach der der Lie­fe­rant, der Lang­zeit-Lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen aus­stel­len kann, einem Käu­fer vor­aus­sicht­lich gleich­blei­ben­de Waren lie­fert. Die­se Bezie­hung unter­stellt, dass zwi­schen dem Aus­füh­rer als Käu­fer und dem Lie­fe­ran­ten eine ver­trag­li­che Bezie­hung über die Waren­lie­fe­rung besteht. Daher kann Lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen, die wie hier vom Ver­käu­fer (und Her­stel­ler) gegen­über dem Käu­fer, der Klä­ge­rin, abge­ge­ben wur­den, nicht von vorn­her­ein die Aner­ken­nung ver­sagt wer­den.
Dass die Han­dels­mar­ken­be­zeich­nung in den Lang­zeit-Lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen fehlt, ist im Streit­fall unschäd­lich. Lang­zeit-Lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen bezie­hen sich näm­lich auf Waren, deren Eigen­schaft hin­sicht­lich des Prä­fe­renz­ur­sprungs vor­aus­sicht­lich über einen län­ge­ren Zeit­raum kon­stant bleibt (s. Art. 4 Abs. 1 Satz 1 VO 1207⁄2001), und beinhal­ten des­halb einen gewis­sen Pro­gno­se­spiel­raum. Dabei kommt Han­dels­be­zeich­nun­gen, für die ein beson­de­rer Mar­ken­schutz nicht vor­ge­tra­gen wor­den ist, ohne wei­te­re, hier nicht vor­ge­tra­ge­ne Anhalts­punk­te kei­ne beson­de­re, ihre Näm­lich­keit oder gleich­blei­ben­de Qua­li­tät bestä­ti­gen­de Wir­kung zu.
Lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen ein­schließ­lich der Lang­zeit­lie­fe­ran­ten­er­klä­run­gen sol­len Anga­ben über die Eigen­schaft von Waren hin­sicht­lich der Prä­fe­renz­ur­sprungs­re­geln der Gemein­schaft machen, Art. 2 Abs. 1 VO 1207⁄2001. Die Ver­pa­ckungs­un­ter­neh­men kön­nen, da ihre Tätig­keit noch nicht ein­mal teil­wei­se ursprungs­be­grün­dend ist, der­ar­ti­ge Erklä­run­gen nicht aus­stel­len. Nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. b, d, j, k, l und o Pro­to­koll Nr. 3 sind das Tei­len oder Zusam­men­stel­len von Pack­stü­cken, das Bügeln von Tex­ti­li­en, das Ein­ord­nen und Sor­tie­ren ein­schließ­lich des Zusam­men­stel­lens von Sor­ti­men­ten, alle ein­fa­chen Ver­pa­ckungs­vor­gän­ge sowie ein Zusam­men­tref­fen von zwei oder mehr die­ser Behand­lun­gen für die Ursprungs­ei­gen­schaft von Waren uner­heb­lich.
Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2015 — 4 K 1491⁄15 Z
ABl. EG Nr. L 300 vom 31.12.1972, S. 189 mit zahl­rei­chen Ände­run­gen [↩]

References: Art. 2
 Art. 11
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 5
 Art. 4
 Art. 2
 Art. 7