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Timestamp: 2020-01-18 11:50:04+00:00

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BGH, 22.10.2003 - VIII ZR 361/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,4125
BGH, 22.10.2003 - VIII ZR 361/02 (https://dejure.org/2003,4125)
BGH, Entscheidung vom 22.10.2003 - VIII ZR 361/02 (https://dejure.org/2003,4125)
BGH, Entscheidung vom 22. Januar 2003 - VIII ZR 361/02 (https://dejure.org/2003,4125)
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Anfechtung eines Leasingvertrages bezüglich eines Schnellmontagekrans wegen arglistiger Täuschung; Folgen der Nichtbeachtung der Anfechtungsfrist; Auslegung des Inhalts einer empfangsbedürftigen Willenserklärung (Anfechtungserklärung)
Auslegung eines Leasingvertrages im Hinblick auf eine zwischen dem Leasinggeber und dem Lieferanten getroffene Vereinbarung
BGH, 21.01.2004 - VIII ZR 361/02
NJW-RR 2004, 628
b) Der Wortlaut einer empfangsbedürftigen Willenserklärung ist allerdings, selbst wenn er eindeutig ist, dann nicht maßgeblich, wenn die Vertragsparteien die Erklärung übereinstimmend in einem vom Wortlaut abweichenden Sinn verstehen (st. Rspr., z.B. BGH, Urteil vom 22. Oktober 2003 - VIII ZR 361/02 - NJW-RR 2004, 628, 629 m.w.N.).
Diese Grundsätze, die das Bundesarbeitsgericht zur Anfechtung nach § 119 BGB entwickelt hat (BAG 21. Januar 1981 - 7 AZR 1093/78 - AP BGB § 119 Nr. 5 = EzA BGB § 119 Nr. 12) gelten für alle Anfechtungsgründe (ebenso BGH 11. Oktober 1965 - II ZR 45/63 - BB 1965, 1328; vgl. auch BGH 22. Oktober 2003 - VIII ZR 361/02 - NJW-RR 2004, 628 - 630 mwN;… Palandt/Heinrichs BGB § 143 Rn. 3 mwN;… MünchKommBGB/Busche 5. Aufl. § 143 Rn. 10;… Staudinger/Roth BGB (2003) § 143 Rn. 13).
Unabhängig davon können - innerhalb der Fristen des § 124 BGB, vgl. BGH, Urteil vom 29. Januar 1969 - IV ZR 518/68, VersR 1969, 318 - auch zumindest solche Gründe nachgeschoben werden, die in enger inhaltlicher Verbindung zu den bereits zuvor erkennbar gewesenen Gründen stehen (…Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 22 Rn. 34; vgl. BGH, Urteil vom 8. Februar 1989 - IVa ZR 197/87, VersR 1989, 465; Urteil vom 22. Oktober 2003 - VIII ZR 361/02, NJW-RR 2004, 628; OLG Bamberg, Urteil vom 4. März 2010 - 1 U 74/09, juris).
Die eindeutige rechtliche Trennung zwischen beiden Verträgen lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Klägerin die hier umstrittenen Leistungen nicht schuldet (vgl. BGH NJW-RR 2004, 628 sub Nr. 11).
Ob etwas Anderes dann gelten würde, wenn das Geschäftskonzept der Programmanbieterin auch für die Klägerin erkennbar betrügerisch angelegt gewesen wäre (vgl. dazu BGH NJW-RR 2004, 628 sub Nr. 111.2 und neuerdings zum Fall vermittelter und bankfinanzierter "Schrottimmobilien" BGH, Urt. v. 20. März 2007, Az. XI ZR 414/04), braucht der Senat nicht zu entscheiden.
Die eindeutige rechtliche Trennung beider Verträge lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Klägerin die hier umstrittenen Leistungen nicht schuldet (vgl. BGH NJW-RR 2004, 628 sub Nr. 11; siehe auch Senat, Beschluss vom 19. April 2007, I-24 U 189/06, OLGR Düsseldorf 2007, 773 veröffentlicht ferner in juris-de).
Ob etwas Anderes dann gelten würde, wenn das Geschäftskonzept der Programmanbieterin auch für die Klägerin erkennbar betrügerisch angelegt gewesen wäre (vgl. dazu BGH NJW-RR 2004, 628 sub Nr. 111.2 und neuerdings zum Fall vermittelter und bankfinanzierter "Schrottimmobilien" BGH, NJW 2007, 2396), braucht der Senat nicht zu entscheiden.
Dieser Grundsatz des Nebeneinanders beider Institute gilt - abgesehen von sektoralen Ausnahmen im Bereich des Arbeits- und Gesellschaftsrechts - grundsätzlich auch für das Recht vollzogener Dauerschuldverhältnisse, insbesondere auch für vollzogene Miet- und Leasingverträge, und zwar im übergeordneten Interesse der wirkungsvoll zu schützenden Willensbildungs- und Entschließungsfreiheit sogar dann noch, wenn der Vertrag schon planmäßig und vollständig abgewickelt worden ist (…vgl. jüngst zum Mietvertrag BGH, Urt. v. 06.08.2008, Az. XII ZR 67/06 m.w.N. BGHZ 178, 16; auch zur Gegenmeinung - und juris; vgl. zum Leasingvertrag schon BGH WM 2005, 23 sub Nr. 11.2b und NJW-RR 2004, 628 sub Nr. 111).
Daraus folgt, dass ein wirksam angefochtener Leasingvertrag danach rechtslogisch zwar nicht mehr gekündigt werden kann, wohl aber ein wirksam gekündigter Leasingvertrag später noch - wie auch im Streitfall geschehen - wirksam angefochten werden kann (…vgl. Palandt/Heinrichs, aaO, § 142 Rn 2; BGH NJW-RR 2004, 628 sub Nr. 111).
cc) Die nachträgliche Herstellung eines solchen Bezuges bzw. das "Nachschieben" von Anfechtungsgründen ist zwar auch im Versicherungsvertragsrecht grundsätzlich zulässig, jedoch nur innerhalb der Jahresfrist des § 124 BGB (BAG NJW 08, 939; BGH NJW-RR 89, 1183; NJW-RR 04, 628; OLG Hamm Urteil v. 24.06.1988, Az.: 20 U 306/87).
LAG Düsseldorf, 25.01.2008 - 9 Sa 991/07
Beschäftigungsanspruch des schwerbehinderten Menschen, Präventionsverfahren, …
Wird die Anfechtung mit einer bestimmten Begründung erklärt, können andere Gründe, deren Geltendmachung verspätet ist, nicht nachgeschoben werden (…BGH vom 11.10.1965, NJW 1966, S. 39; BGH vom 22.10.2003, NJW-RR 2004, S. 628).
Da das Ziel der Auslegung darin besteht, dem erklärten Parteiwillen zur Geltung zu verhelfen und § 133 BGB eine reine Buchstabeninterpretation verbietet, können Willenserklärungen auch gegen ihren (scheinbar) eindeutigen Wortlaut ausgelegt werden (vgl. etwa BGH, Urteil vom 22.10.2003 - VIII ZR 361/02, NJW-RR 2004, 628).
Der Wortlaut des Vertragstextes enthielt insoweit keine eindeutige, keiner Auslegung bedürftige (vgl. insoweit BGH in NJW-RR 2004, 628 [629 zu II.2.a.]; VIZ 2003, 241 [242; 243]; NJW 2002, 1260 [2161]) Abtretungsvereinbarung.

References: § 119
 § 119
 § 119
 BGH 
 BGH 
 § 143
 § 143
 § 143
 § 124
 § 22
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 142
 BGH 
 § 124
 BGH 
 BGH 
 § 133
 BGH