Source: http://www.psychovision.ch/die-kappa-synchronizitat-und-die-negative-energie-paul-a-m-diracs/
Timestamp: 2018-01-20 13:17:53+00:00

Document:
1988: Die Kappa-Synchronizität und die Magie der negative Energie - Psychovision
1988: Die Kappa-Synchronizität und die Magie der negative Energie
© copyright 1994-2011 by Remo F. Roth, Zürich
„Es gibt keinen Gott, und Paul Dirac ist sein Prophet!“
Die doppeltriadische Struktur des Quark-Antiquark-Sextetts
Im sechsten Kapitel des Buches Die Gottsucher (I Cercatori di Dio), das ich im Jahr 1992 (1994) publizierte, zeigte ich, wie die Physik die Triebhaftigkeit und die Transformation der in ihr enthaltenen Energie in die geistige Sphäre, in die Materie projiziert. Weiter zeigte ich, wie ein zentraler Aspekt der Mystik des Paracelsus und des Niklaus von Flüe, die Wandlung des Gottesbildes, des Selbst nach C.G. Jung, in der Physik als Projektion in die Materie wieder auftaucht. Dies wird vor allem deutlich im Auftauchen einer doppeltriadischen Struktur, dem Quark-Antiquark-Sextett, das dem einfachsten Quark-Modell Murray Gell-Manns entspricht.
In meinem Buch war jedoch eine Frage offen geblieben, nämlich jene der tiefenpsychologischen oder psychophysischen Interpretation der von der Physik so genannten „negativen Energie“. Sie besitzt sehr seltsame Eigenschaften. So bremst sie beispielsweise ein bewegtes Teilchen bis zum Stillstand ab, wenn sie diesem zugeführt wird – physikalisch gesehen eine absurde Idee. Oder sie ist ein Charakteristikum von Teilchen, welche sich schneller als das Licht bewegen. Schon diese Aussagen zeigen, dass der negativen Energie mit den Mitteln der Physik nicht beizukommen ist. Es sollte mein Schicksal sein, den tieferen Hintergrund und das Wesen dieser negativen Energie zu erforschen.
Das erste Ereignis der Synchronizität
Ungefähr zwei Jahre nach dem Abschluss des Manuskriptes Die Gottsucher im April 1986 erlebte ich eine eindrückliche Synchronizität. Das erste Ereignis, der Traum, datiert vom 7. März 1988, das zweite, äussere Ereignis fand 2 Monate und 10 Tage später, am 17. Mai 1988 statt.
Da immer mehr Menschen meine Hilfe beanspruchten, die sozial, ökonomisch und beruflich an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, entschloss ich mich im Jahr 1986 auch in einer sozialen Institution zu arbeiten, um die tiefenpsychologischen Hintergründe dieses Phänomens genauer zu studieren. Derart kam ich in einen intensiven Kontakt mit drogenabhängigen Menschen. Diese äusserst extravertierte Arbeit erschöpfte mich sehr; nach gut eineinhalb Jahren war ich völlig ausgepumpt und fand kaum noch Energie für meine schöpferische Tätigkeit.
In dieser Situation träumte ich folgenden Traum:
„Ich suche eine neue Arbeit. Mein Problem (bei meiner damaligen Arbeit) scheint zu sein, dass mir mein kleines Pferd davongelaufen ist. Es hat sich einer Herde verwilderter Pferde angeschlossen, worin auch Löwen zu finden sind (welche sich bekanntlich bei genügend grossem Hunger auch an Pferden vergreifen). Es ist also eine sehr gefährliche Situation für mein „hilfreiches Tier“ entstanden. Ich suche mein Pferd in dieser wilden Meute, indem ich es bei seinem Namen rufe. Zu meinem Erstaunen heisst es ‚Kappa‘ (griechisch K).“
Als Assoziation fiel mir ein, dass „Kappa“ – ich meine damit den griechischen Buchstaben K, der im Deutschen von K („Ka“) unterschieden wird – meines Wissens der einzige Buchstabe des griechischen Alphabets ist, der für die Bezeichnung von Elementarteilchen der Quantenphysik nicht verwendet wird [Gewisse höherenergetische Mesonen werden zwar mit K („Ka“; engl. „kei“) bezeichnet, jedoch nicht mit K („Kappa“)]. Dies enttäuschte mich, hatte ich doch gehofft, weitere tiefenpsychologische Aussagen über die von der Quantenphysik gefundenen Elementarteilchen herleiten zu können.
Die Amplifikation ergab folgendes: Kappa ist der 11. Buchstabe des griechischen Alphabets, hat den Zahlenwert 20 und kommt von phönikisch „.“ (Punkt).
Tai Chi tu, den Austausch der Attribute im Moment des Dao beschreibend
Die Zahl 11 ist eine der Wichtigsten im Daoismus. Sie bedeutet das Dao an sich. Sie ist zusammengesetzt aus der ungeraden Zahl 5 und der geraden Zahl 6. Ungerade Zahlen werden im Daoismus als männlich interpertiert, gerade als weiblich. 5 und 6 bilden so die Vereinigung der Gegensätze, die im Moment geschieht, in dem das Dao erreicht wird. Mit diesem Prozess, der in der hermetischen Alchemie als die coniunctio, die Heilige Hochzeit von Gott und Göttin bezeichnet wird, ist der so genannte Austausch der Attribute verbunden: Yang wird zu Yin, und Yin wird gleichzeitig[3] zu Yang höherer Ordnung (oder höherer Negentropie). Dies ist in der nebenstehenden Abbildung des Tai Chi tu dargestellt durch den schwarzen yin-Punkt im weissen yang und den weissen yang-Punkt im schwarzen yin: Yang enthält im Keim schon yin, yin schon yang. So wird also beim Erreichen des Dao der Austausch der Attribute vollzogen; die Zahl 5 wird weiblich, die Zahl 6 männlich[4]. Später erkannte ich, dass dieses Geschehen das Modell für den von mir definierten Zwillingsprozess der Symptom-Symbol-Transformation darstellt.
Die Symbolik des Punktes beschäftigte mich schon als ungefähr dreizehnjähriger Knabe. Unser Geometrielehrer erklärte uns nämlich, dass der Punkt keine Ausdehnung habe, weshalb dieser Lehrer im Geometrieunterricht nie Punkte an die Wandtafel zeichnete, sondern kleine Kreise, deren Zentrum diese masse- und raumzeitlosen Punkte markierten.
Der leere Kreis als urtümlichstes Gottesbild
Wie ich erst viel später in den Schriften von Marie-Louise von Franz las, stellt der Kreis um die leere Mitte das urtümlichste Gottesbild dar, das wir kennen. In der Psychologie C.G. Jungs bildet das Gottesbild, das von ihm so genannte Selbst, das Zentrum des kollektiven Unbewussten, einen ganz wesentlichen Begriff. Es ersetzt das konventionelle, konkretistisch gedachte Gottesbild, wie beispielsweise Jesus Christus, Jahweh oder Allah. Es ist das grössere „innere Selbst“, das mit seinem „Willen“ dem Ich seinen Weg weist [5].
Asklepios und sein Begleiter Kentaur Chiron
Ich wusste aus Erfahrung, dass das Pferd in meinen Träumen den „unteren Körper“ symbolisierte. Dies brachte mich schon vor der Kappa-Synchronizität auf die in den Gottsuchern erwähnte Idee, dass damit die unteren vier Chakras des Tantrismus gemeint sein könnten. Ein Symbol für diesen Tatbestand ist der Kentaur: oben Mensch, unten Pferd. Der Kentaur Chiron war der Begleiter des Asklepios. So erkannte ich schliesslich, dass mit der Kappa-Synchronizität – ebenso wie mit der späteren Bohr-Synchronizität von 1997 – auch meine Bestimmung als Entdecker und Entwickler einer auf epistemiologischen Einsichten der Quantenphysik gegründeten erweiterten Medizin gemeint war.
Mein hilfreiches Pferd Kappa scheint somit einerseits mit einer masse- und raumzeitlosen Welt (dem Punkt) und andererseits mit dem vorbewusst in uns angelegten, urtümlichen Gottesbild (dem Kreis) zu tun zu haben, das aus dem Unterkörper heraus (dem Pferd) befreit und extrahiert werden muss. Es verbindet so die von mir in den Gottsuchern definierte Triebtriade von Aggression, Exploration und Sexualität mit der geistigen Ebene der Menschheit. [Ich bezeichne sie dort als die obere Triade von Logos, Meditation und Eros.] Eben dieses Gottesbild hatte ich aber in meinen im Jahr 1986 abgeschlossenen Gottsuchern beschrieben. Doch hatte ich anschliessend infolge meiner extravertiert orientierten Arbeit den Kontakt zu diesem Gottesbild und seinen synchronistischen Manifestationen verloren.
Salvator macrocosmi als Weltseele (anima mundi) mit ihrer weissmagischen Ausstrahlung
Ich arbeitete damals bei einem berühmten Schweizer Pfarrer, der sich vor allem den Armen, Schwachen und Ausgestossenen annahm. Ich projizierte auf ihn – wie so viele Andere auch – den salvator macrocosmi, den Erlöser der Welt und Nachfolger des salvator microcosmi, den Erlöser des Menschen, Jesus Christus[6]. Er entspricht der Weltseele (anima mundi) in der nebenstehenden Abbildung. Ich dachte mir, dass dieser Pfarrer, da er sowohl Bauer als auch Theologe war, die Überwindung der grossen Spaltung des Christentums, die Abspaltung der Instinktsphäre von der geistigen erreichen könne. Ich musste jedoch im Laufe der neun Jahre, während denen ich bei ihm arbeitete einsehen, dass dies überhaupt nicht der Fall war, und dass diese Aufgabe mir zufällt.
Der Traum sagte mir also auch, dass ich, als Folge der Projektion meiner Lebensaufgabe der Überwindung der christlichen Spaltung, und damit der Vereinigung der Triebhaftigkeit mit der geistigen Sphäre, auf diesen „Bauern-Theologen“, in einer symbolischen Sprache ausgedrückt mein „hilfreiches Tier“ Kappa verloren hatte. Dadurch war offensichtlich eine sehr gefährliche Situation entstanden, denn im Märchen darf der Held das hilfreiche Tier nie verlieren, sonst stirbt er.
Ich verstand aufgrund der Assoziation und der Amplifikation den Traum ziemlich genau: In mir war ein erneuertes Gottesbild konstelliert – C.G. Jung würde vom Selbst sprechen – das offensichtlich einen energetischen Prozess beinhaltet, der jenem des Daoismus und der coniunctio der hermetischen Alchemie entspricht. Dieses Gottesbild soll auf einem raum-, zeit- und masselosen Hintergrund beruhen und energetisch dem Austausch der Attribute in der coniunctio (Heiligen Hochzeit; Hierosgamos) und jenem beim Erreichen des Dao im Daoismus entsprechen. So soll Energie höherer Ordnung beziehungsweise höherer Negentropie entstehen, die höheres Leben aufbaut.
Ich wusste aber nicht, worin der Verlust des Gottesbildes hätte bestehen können, da ich glaubte es im Physikkapitel der Gottsucher eingehend beschrieben zu haben. Zudem blieb die Frage offen, warum mein hilfreiches Tier ausgerechnet „Kappa“ heissen sollte, da dieser Buchstabe in der Quantenphysik, die mich derart intensiv beschäftigt hatte, doch nicht vorzukommen schien. Ich begann zu ahnen, ohne dies in jenem Zeitpunkt genauer zu verstehen, dass diese Energie magisch wirkt. War der Verlust des ursprünglichen Gottesbildes vielleicht mit dem Verschwinden der Magie durch die Mathematisierung der Naturphilosophie am Beginn des naturwissenschaftlichen Zeitalters im 17. Jahrhundert verbunden?
Das zweite Ereignis der Synchronizität
Am Vortag des zweiten Teiles der Synchronizität, des äusseren Ereignisses, beschäftigte ich mich aufgrund eines Traumes von der „Segnung der Zeit“ mit dem Phänomen der sogenannten negativen Energie (Energie und Zeit sind in der Physik sogenannte konjugierte Variablen, so dass negative Energie und negative Zeit zusammengehören). Dieses Konzept wurde von Paul A.M. Dirac, einem Mitbegründer der Quantenphysik, eingeführt. Paul Dirac versuchte als erster in der nach ihm benannten Gleichung die Einsteinsche Relativitätstheorie mit der Quantenphysik, die kausale und die akausale Physik zu vereinigen [7]. Diese (relativistische) Dirac-Gleichung der Quantenphysik, die dieser im Jahr 1928 zur Beschreibung des Elektrons publizierte, besitzt zwei Lösungen für die Energiewerte, eine positive und eine negative. Die positive Lösung passt genau auf das Elektron. In der klassischen Physik hätte man die zweite Lösung als „nichtphysikalisch“ einfach vernachlässigt, beziehungsweise postuliert, dass der mathematische Formalismus zu reichhaltig sei. In der Quantenphysik geht dies aber nicht mehr, weil auch für die Energiezustände Quantensprünge möglich sind. Daher kann die Energie den Nullpunkt überschreiten und negativ werden. Man musste also auch für die mathematische Lösung mit negativer Energie ein physikalisches Aequivalent finden. Dieses Resultat der Quantenphysik stimmt überein mit einem der wichtigsten Erkenntnisse in meinen Gottsuchern: Aus vorbewusst-archetypischen Gründen muss das Phänomen der Energie aus einer Bipolarität bestehen.
Dirac postulierte daher, dass auch die zweite Lösung ein Elementarteilchen beschreiben muss und nannte es Positron. Es entspricht dem Elektron, besitzt jedoch eine positive elektrische Ladung. Zudem kann es kein gewöhnliches Materieteilchen sein. Dirac erfand daher das Konzept der Antimaterie, eine besondere Art der Materie, die vor allem in den Beschleunigern und Blasenkammern erzeugt wird und in unserem Universum nur sehr kurz überleben kann. Kurze Zeit nach diesem Postulat Diracs entdeckte Carl David Anderson tatsächlich das Positron in der kosmischen Strahlung. Seither wurden viele weitere Teilchen der Antimaterie gefunden, und es existieren sogar solche – beispielsweise die Träger der Atomkraft, die Pionen -, welche aus Materie und Antimaterie zusammengesetzt sind.
Um das Phänomen der Antimaterie erklären zu können, musste Dirac allerdings auf eine für einen Physiker geradezu abenteuerliche Hypothese zurückgreifen: Diese Teilchen der Antimaterie sollen aus einem „Meer“ unendlich vieler, jedoch physikalisch unbeobachtbarer Elektronen mit negativer Energie entstehen [indem sie beim Übergang in den physikalisch beobachtbaren Zustand des Positrons in diesem unbeobachtbaren (!) „Meer“ ein Loch (!) hinterlassen].
Da die Teilchen mit negativer Energie physikalisch unbeobachtbar sind, stellt eine solche Hypothese reinste Metaphysik dar. Da sich der erklärte Atheist Dirac mit dieser metaphysischen Definition von der Empirie der Physik weit entfernte und sich mangels einer physikalischen Erklärungsmöglichkeit in das Feld der religionspsychologischen Spekulation vorwagte, formulierte Wolfgang Pauli für Paul Dirac scherzhaft das Paradox: „Es gibt keinen Gott, und Paul Dirac ist sein Prophet!“
[Ergänzung vom 10.5.2002: Ich wusste damals, im Jahr 1994, noch nicht, dass Wolfgang Pauli einige Jahrzehnte nach Diracs Hypothese der Antimaterie jene der psychophysischen Einheitswirklichkeit aufgestellt hatte, einer Welt, die wie das physikalisch unbeobachtbare Diracsche „Meer“ der Elektronen mit negativer Energie mit physikalischen Mitteln unbeobachtbar ist, deren spontane Wandlungszustände jedoch in tiefen meditativen Zuständen der Eros-Bewusstseins introvertiert beobachtbar wird. Vergleiche dazu Wolfgang Pauli and Parapsychology, part 1 und den darin zitierten Einstein-Traum Paulis, der wesentlich zur Postulierung der Hypothese der psychophysischen Einheitswirklichkeit beigetragen haben dürfte].
Über dieses Phänomen der negativen Energie der Physik und ihre seltsame metaphysische Begründung grübelte ich also am 17. Mai 1988 im Tram auf dem Weg zur Arbeit. Es erstaunte mich, dass die Physik mit Hilfe einer metaphysischen Hypothese die negative Energie in Antimaterie transformiert. Ich fragte mich, ob es nicht besser wäre, bei der negativen Energie und der zugehörigen negativen Zeit (Zeitumkehr, ein Phänomen, welches C.G. Jung in seinen „Erinnerungen“ als Eigenschaft der Anima beschreibt) zu bleiben, da Energie und Zeit in der Physik so genannte konjugierte Variablen sind. Auf diese Idee brachte mich der Traum vom Vortag:
Traum von der Segnung der Zeit, vom 16. Mai 1988:
Ich bin in einem quadratischen leeren Raum, der mich sofort an die so genannte „leere Raumzeit“, das heisst an das Vakuum der Quantenphysik erinnerte. In der linken vorderen Ecke steht ein „Zeit“. Dieser Ausdruck, den ich kannte, bedeutet in gewissen Schweizer Dialekten eine Uhr. Im Traum ist es eine Art Wecker. Er ist aber insofern ganz besonders, als er zwei Zifferblätter besitzt, deren Zeiger miteinander verbunden sind. So laufen die Zeiten auf den beiden Zifferblättern synchron[3].
Ich betrachte dieses „Zeit“. Da kommt meine Mutter und sagt zu mir: „Auch B. hat die Segnung der Zeit vollendet. Offenbar haben wir diese davor in einem Ritus erreicht. B. war nämlich im jüdischen Gottesdienst in der Synagoge, und dort hat ihm die Schwarze Maria von Einsiedeln diese Segnung der Zeit telepathisch übermittelt.
Ich freue mich, dass nun neben R. auch B. zu seinen jüdischen Wurzeln zu stehen beginnt.
Maria Prophetissa auch Maria die Jüdin genannt
Zur „jüdischen Maria“ fiel mir spontan die hermetisch-alchemistische Maria Prophetissa ein, die auch Maria die Jüdin genannt wird. Diese Alchemistin des 2. oder 3. Jahrhunderts postulierte ein Axiom, das in der Alchemie viel zitiert wurde:
Das eine wird zu zwei, die zwei zu drei,
und vom dritten kommt das eine als viertes;
so wird aus zweien ein einziges.[1]
Später sah ich dann, dass das Axiom der Maria nichts anderes als die Bipolarität des Energiebegriffs definiert. Ich habe diesen Beweis im Teil II von Return of the World Soul erbracht, das im Jahr 2012 erscheinen wird.
Zu „Segnung der Zeit“ kam mir völlig spontan – wahrscheinlich gemäss einem telepathischen Modus aus dem vorbewussten Wissen des Unbewussten (C.G. Jung) – die Idee, dass der Traum vom Zusammenhang der negativen Zeit mit der negativen Energie spricht. Mit anderen Worten: Statt die metaphysische Antimaterie zu definieren, sollten wir bei der beobachtbaren, aber völlig unphysikalisch, nämlich magisch wirkenden negativen Energie der psychophysischen Realität (des unus mundus) bleiben, die derart das Antineutrino Wolfgang Paulis ersetzt. Es ist also eben das Antineutrino, „dieses närrische Kind meiner Lebenskrise“ (W. Pauli) und heutige „Geisterteilchen“, das negative und daher magische Energie beinhaltet. Auch meine spontane Eingebung aus dem vorbewussten Wissen des Unbewussten führte also auf die Bipolarität des Energiebegriffs.
So wird auch das Motiv des jüdischen Gottesdienstes verständlich, in dem die Schwarze Maria von Einsiedeln die „Segnung der Zeit“ vermittelt: Die hermetische Alchemie wird fälschlicherweise meist einem rabbinisch-jüdischen Hintergrund zugeordnet. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Kabbala, der jüdische Mystik, die ihrerseits jedoch erst im Laufe des 10. Jahrhunderts formuliert wurde. Daher finden wir gemäss Gershom Scholem auch im rabbinischen Judentum das Siegel Salomos oder den Davidstern, das zentrale Symbol der hermetischen Alchemie nicht. Der „jüdische Gottesdienst“ meint also die magischen Prozesse der hermetischen Alchemie, die ihrerseits durch die magische Heilkraft der Schwarzen Maria vermittelt werden.
Schriftzug der Kappa-Sportartikel
Doch zurück zu meinem morgendlichen Erlebnis im Tram: Ich dachte eben den Begriff „negative Energie“, da fielen meine Augen auf einen Mann auf der Strasse draussen. Er trug einen Trainingsanzug, und auf dessen Hosenstössen stand zwei mal, von oben nach unten, ganz gross das Wort Kappa geschrieben (vgl. nebenstehende Abbildung mit dem Schriftzug von Kappa; die Kleider dieser Firma waren damals in der Schweiz noch nicht allzu verbreitet, daher wusste ich nicht, dass dies der Name einer Sportartikelfirma ist. Den Sportler sah ich an der Haltestelle „Letzigrund“. Sie befindet sich beim gleichnamigen Fussball- und Leichtathletik-Stadion in Zürich).
Sofort erinnerte ich mich an meinen Traum vom wiederzufindenden Pferd Kappa, und mir fiel wieder ein, dass ich keine Deutung dieses Symbols gefunden hatte, ausser, dass der griechische Buchstabe Kappa in der Quantenphysik nicht verwendet wird. Zugleich wusste ich, dass im Märchen der Verlust des hilfreichen Tieres den Tod des Helden bedeutete. Ich war also existentiell gefordert.
In dieser Situation, in der ich bewusst nicht weiter wusste, durchzuckte plötzlich eine Idee (aus dem vorbewussten Wissen des Unbewussten) meinen Kopf: Das ist es ja eben, Kappa entspricht der negativen Energie, und die hat „nichts mit der Physik zu tun“, sie transzendiert diese. Die negative Energie muss der psychophysischen Ebene zugeordnet werden, denn sie ist „unphysikalisch“ (ein Ausdruck von Manfred Stöckler). „Kappa“ am Körper des Sportlers bedeutet daher den Übergang der physischen in die psychophysische Energie. Später entdeckte ich dann, dass diese psychophysische oder negative Energie magisch wirkt.
Mit diesem Gedankenblitz hatte ich den Sinn der Kappa-Synchronizität extrahiert. Die Idee von der psychophysischen Interpretation der negativen Energie verfolgte ich im Verlaufe der nächsten Jahre weiter. Dabei sah ich, dass die metaphysische Erklärung der negativen Energie P.A.M. Diracs durch eine empirische, das heisst durch ein beobachtbares Phänomen ersetzt werden kann: Der Übergang von der physisch/physikalischen in die magische psychophysische Energie (negative Energie; Vakuumenergie; freie Energie; Teslaenergie) und deren Rücktransformation in physisch/physikalische Energie höherer Ordnung (oder höherer Negentropie[2], wie der Physiker sagen würde). Es ist der Prozess, den ich heute als den Zwillingsprozess der Symptom-Symbol-Transformation oder der Körperzentrierten Imagination beschreibe.
[1] Jung, C.G., Gesammelte Werke, Band 13, §187, Fussnote 160
[2] [Wiki:] Der Begriff negative Entropie wurde von Erwin Schrödinger in seinem Buch Was ist Leben geprägt. Er definiert Leben als etwas, das negative Entropie aufnimmt und speichert. Das bedeutet, dass Leben etwas sei, das Entropie exportiert und seine eigene Entropie niedrig hält: Negentropie-Import ist Entropie-Export.
[3] Vergleiche dazu den Traum über die Gleichzeitigkeits-Synchronizität. Den parallelen hermetisch-alchemistischen Prozess beschreibe ich ausführlich in Return of the World Soul, Part I
[4] Granet, Marcel, Das chinesische Denken, 1971, p. 143ff.
[5] Dieser „Wille des Selbst“ kann durchaus mit dem Willen Schopenhauers verglichen werden. Folgt ihm das Ich nicht, wird er zum „Gegenwillen“ (C.G. Jung), der das Ich vernichten kann. Jung erlebte diesen Gegenwillen zum ersten Mal in seiner existentiellen Krise von 1913 bis 1918. Jungs Selbst ist zudem strikte vom Gebrauch in der Umgangssprache („selbstbewusst“; selfish, usw.) zu unterscheiden. Infolge dieser Verwechslungsgefahr spreche ich lieber vom individuellen inneren Gottesbild. Jungs Gottesbild war die (neuplatonische) Quaternität, das meine entspricht dem (hermetischen) Siegel Salomos oder dem Davidstern.
[6] Siehe dazu Jung, C.G., Gesammelte Werke, Bd. 13; § 127, § 163, § 203f., § 280 und § 287.
[7] Dieses Bestreben wurde fortgeführt im so genannten Kaluza-Klein-Modell, das eine fünfte, quantenphysikalisch kleine Dimension hinter der Einsteinschen Raumzeit einbezog. Heute werden in den String- und Superstringtheorien hinter der Raumzeit sechs weitere, quantenphysikalische Dimensionen vermutet. Die Theorie muss jedoch so viele physikalisch unerklärliche Konstanten einführen, dass auch sie in eine moderne Metaphysik zu regredieren droht.
Siehe auch Sinnvolle Zufälle und meine Rot(h)kehlchen-Synchronizität

References: §187
 § 127
 § 163
 § 203
 § 280
 § 287