Source: http://doczz.com.br/doc/1009366/stand--01.07.2007
Timestamp: 2018-07-21 19:41:02+00:00

Document:
zur Ergänzung der Düsseldorfer Tabelle herausgegeben
von den Senaten für Familiensachen
Auszugehen ist vom Jahresbruttoeinkommen einschließlich Weihnachts- und
Urlaubsgeld sowie sonstiger Zuwendungen, wie z.B. Tantiemen und Gewinnbeteiligungen.
Einmalige höhere Zahlungen, wie z.B. Abfindungen oder Jubiläumszuwendungen, sind auf einen angemessenen Zeitraum zu verteilen (in der Regel mehrere
Überstundenvergütungen werden in der Regel dem Einkommen voll zugerechnet, soweit sie berufsüblich sind oder nur in geringem Umfang anfallen oder
wenn der Regelbetrag minderjähriger Kinder oder der entsprechende Unterhalt
ihnen nach § 1603 Abs. 2 S. 2 BGB gleichgestellter Volljähriger nicht gedeckt
ist. Sonst ist die Anrechnung unter Berücksichtigung des Einzelfalls nach Treu
und Glauben zu beurteilen.
Auslösungen und Spesen sind nach den Umständen des Einzelfalls anzurechnen. Soweit solche Zuwendungen geeignet sind, laufende Lebenshaltungskosten zu ersparen, ist diese Ersparnis in der Regel mit 1/3 des Nettobetrags zu
Bei Selbständigen ist vom durchschnittlichen Gewinn während eines längeren
Zeitraums von in der Regel mindestens drei aufeinander folgenden Jahren,
möglichst den letzten drei Jahren, auszugehen. Anstatt auf den Gewinn kann
ausnahmsweise auf die Entnahmen abzüglich der Einlagen abgestellt werden,
wenn eine zuverlässige Gewinnermittlung nicht möglich oder der Betriebsinhaber unterhaltsrechtlich zur Verwertung seines Vermögens verpflichtet ist.
Abschreibungen (Absetzung für Abnutzung AfA) können insoweit anerkannt
werden, als dem steuerlich zulässigen Abzug ein tatsächlicher Wertverlust entspricht. Dies ist bei Gebäuden in der Regel nicht der Fall. Zinsen für Kredite, mit
denen die absetzbaren Wirtschaftsgüter finanziert werden, mindern den Gewinn. Wenn und soweit die Abschreibung unterhaltsrechtlich anerkannt wird,
sind Tilgungsleistungen nicht zu berücksichtigen.
Steuer und Vorsorgeaufwendungen sind nach Nr. 10.1 zu berücksichtigen. Der
Gewinn ist nicht um berufsbedingte Aufwendungen (Nr. 10.2.1) zu kürzen.
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung werden durch eine Überschussrechnung ermittelt. Instandhaltungskosten können entsprechend § 28 der Zweiten Berechnungsverordnung pauschaliert werden. Hinsichtlich der Abschreibungen gilt Nr. 1.5.
Steuererstattungen sind in der Regel in dem Jahr, in dem sie anfallen, zu berücksichtigen (In-Prinzip); bei Selbständigen kann zur Ermittlung eines repräsentativen Einkommens auf den Zeitraum der Veranlagung abgestellt werden
(Für-Prinzip).
Arbeitslosengeld und Krankengeld sind Einkommen.
Arbeitslosengeld II und andere Leistungen nach dem SGB II sind Einkommen
beim Verpflichteten. Beim Berechtigten sind Arbeitslosengeld II und Sozialgeld
kein Einkommen. Die Geltendmachung von Unterhalt durch den Hilfeempfänger
kann jedoch treuwidrig sein, wenn er infolge des Ausschlusses des Anspruchsübergangs (vgl. § 33 Abs. 2 SGB II) insbesondere für die Vergangenheit (aber
allenfalls bis zur Rechtshängigkeit) durch das Arbeitslosengeld II oder das Sozialgeld und den Unterhalt mehr als seinen Bedarf erhalten würde.
BAföG-Leistungen (außer Vorausleistungen) sind Einkommen, auch soweit sie
als Darlehen gewährt werden.
Erziehungsgeld ist nur in den Ausnahmefällen des § 9 Satz 2 BErzGG Einkommen. Elterngeld ist Einkommen nur nach Maßgabe des § 11 BEEG.
Unfall- und Versorgungsrenten sind Einkommen.
Leistungen aus der Pflegeversicherung, Blindengeld, Schwerbeschädigten- und
Pflegezulagen nach Abzug eines Betrages für tatsächliche Mehraufwendungen
sind Einkommen; bei Sozialleistungen nach § 1610a BGB wird widerlegbar
vermutet, dass sie durch Aufwendungen aufgezehrt werden.
An die Pflegeperson weitergeleitetes Pflegegeld ist Einkommen nur nach Maßgabe des § 13 Abs. 6 SGB XI.
Die Grundsicherung nach den §§ 41 ff SGB XII ist anders als beim Ehegattenunterhalt beim Verwandtenunterhalt (insbesondere Eltern- und Kindesunterhalt)
als Einkommen des Beziehers zu berücksichtigen.
Sozialhilfe ist kein Einkommen; jedoch kann die Geltendmachung von Unterhalt
durch den Hilfeempfänger treuwidrig sein, wenn er infolge des Ausschlusses
des Anspruchsübergangs (vgl. § 94 Abs. 1 Satz 3 und 4, Abs. 2 und Abs. 3 Nr.
1 und 2 SGB XII) - insbesondere für die Vergangenheit (aber allenfalls bis zur
Rechtshängigkeit) - durch die Sozialhilfe und den Unterhalt mehr als seinen
Bedarf erhalten würde.
Kindergeld ist kein Einkommen; Kinderzulagen und Kinderzuschüsse zur Rente sind,
wenn die Gewährung des staatlichen Kindergeldes entfällt (§ 65 EStG; § 270 SGB VI),
in dessen Höhe wie Kindergeld, im Übrigen wie Einkommen zu behandeln (BGH
FamRZ 1981, 28, 29).
Geldwerte Zuwendungen des Arbeitgebers
Geldwerte Zuwendungen des Arbeitgebers aller Art, z.B. Firmenwagen, freie Kost und
Logis, mietgünstige Wohnung, sind dem Einkommen hinzuzurechnen, soweit sie entsprechende Eigenaufwendungen ersparen.
Der Wohnvorteil durch mietfreies Wohnen im eigenen Heim ist als wirtschaftliche Nutzung des Vermögens wie Einkommen zu behandeln, wenn sein Wert die Belastungen
übersteigt, die unter Berücksichtigung der staatlichen Eigenheimförderung durch die
allgemeinen Grundstückskosten und -lasten, durch Annuitäten und durch sonstige
nicht nach § 556 BGB umlagefähige Kosten entstehen. Ob und inwieweit neben den
Zinsen auch Tilgungsleistungen berücksichtigt werden können, ist eine Frage des Einzelfalls.
Auszugehen ist vom vollen Mietwert. Wenn es nicht möglich oder zumutbar ist, die
Wohnung aufzugeben und das Objekt zu vermieten oder zu veräußern, kann stattdessen die ersparte Miete angesetzt werden, die angesichts der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse angemessen wäre. Dies kommt insbesondere für die Zeit bis
zur Scheidung in Betracht, wenn ein Ehegatte das Eigenheim allein bewohnt.
Die Vergütung für die Führung eines Haushalts eines leistungsfähigen Dritten ist Einkommen; bei Haushaltsführung durch einen Nichterwerbstätigen kann in der Regel ein
Betrag von 350 EUR monatlich angesetzt werden.
Einkommen aus unzumutbarer Erwerbstätigkeit
Einkünfte aus Nebentätigkeit und unzumutbarer Erwerbstätigkeit sind im Rahmen der
Billigkeit (vgl. § 1577 Abs. 2 BGB) als Einkommen zu berücksichtigen.
Freiwillige Zuwendungen Dritter
Erwerbsobliegenheit und Einkommensfiktion
Einkommen sind auch aufgrund einer unterhaltsrechtlichen Obliegenheit erzielbare
Vom Bruttoeinkommen sind Steuern, Sozialabgaben und/oder angemessene
Vorsorgeaufwendungen abzusetzen (Nettoeinkommen); zu den angemessenen
Vorsorgeaufwendungen kann auch eine zusätzliche Altersvorsorge in Höhe von
4 % des Jahresbruttoeinkommens beim Kindes- und Ehegattenunterhalt und
5 % davon beim Elternunterhalt zählen, soweit kein Mangelfall vorliegt.
Steuerzahlungen und -nachzahlungen sind in der Regel in dem Jahr, in dem sie
anfallen, zu berücksichtigen (In-Prinzip). Bei Selbständigen kann auf den Zeitraum der Veranlagung abgestellt werden (Für-Prinzip). Grundsätzlich ist jeder
gehalten, ihm zustehende Steuervorteile in Anspruch zu nehmen; hierzu gehört
auch das Realsplitting. Ob im laufenden Jahr von der Möglichkeit der Eintragung eines Freibetrages Gebrauch zu machen ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls.
Als notwendige Kosten der berufsbedingten Nutzung eines Kraftfahrzeugs können 0,30 EUR pro gefahrenem Kilometer (§ 5 Abs. 2 Nr. 2
JVEG) angesetzt werden. Bei längerer Fahrtstrecke kommt eine Kürzung
der Kilometerpauschale in Betracht.
Für die Ausbildungsvergütung eines Kindes, das im Haushalt der Eltern
oder eines Elternteils wohnt, gilt Anm. A. 8 der Düsseldorfer Tabelle.
Lebt das Kind im eigenen Haushalt, ist Anm. A. 3 der Düsseldorfer Tabelle anzuwenden.
Kinderbetreuungskosten sind abzuziehen, soweit die Betreuung durch Dritte infolge der Berufstätigkeit erforderlich ist. Gegebenenfalls kann dem betreuenden
Elternteil ein Teil seines Einkommens mit Rücksicht auf die Kindesbetreuung
anrechnungsfrei belassen werden.
Schulden können je nach den Umständen des Einzelfalls (Art, Grund und Zeitpunkt des Entstehens) das anrechenbare Einkommen vermindern. Die Abzahlung soll im Rahmen eines Tilgungsplans in angemessenen Raten erfolgen.
Dabei sind die Belange von Unterhaltsgläubiger, Unterhaltsschuldner und Drittgläubiger gegeneinander abzuwägen. Unter Umständen besteht die Obliegenheit zur Einleitung eines Insolvenzverfahrens (BGH FamRZ 2005, 608).
Vermögenswirksame Leistungen vermindern das Einkommen nicht. Jedoch
sind etwaige Zusatzleistungen des Arbeitgebers für die vermögenswirksame
Anlage zu belassen.
Bemessungsgrundlage (Tabellenunterhalt)
Der Kindesunterhalt ist der Düsseldorfer Tabelle unter Beachtung des Bedarfskontrollbetrages (Anm. A. 6) zu entnehmen. Bei minderjährigen Kindern kann er als Festbetrag oder als Vomhundertsatz des Regelbetrages nach der Regelbetrag-VO geltend
In den Unterhaltsbeträgen sind Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
sowie Studiengebühren nicht enthalten.
Bei minderjährigen Kindern, die bei einem Elternteil leben, richtet sich die Eingruppierung in die Düsseldorfer Tabelle nach dem anrechenbaren Einkommen
des anderen Elternteils. Der Bedarfskontrollbetrag (Anm. A. 6 der Düsseldorfer
Tabelle) und Ab- oder Zuschläge (Anm. A. 1 der Düsseldorfer Tabelle) sind zu
Der betreuende Elternteil braucht in der Regel keinen Barunterhalt für das minderjährige Kind zu leisten. Eine anteilige oder alleinige Barunterhaltspflicht des
betreuenden Elternteils kommt jedoch dann in Betracht, wenn sein Einkommen
bedeutend höher als das des anderen Elternteils ist und entweder dessen angemessener Bedarf (§ 1603 Abs. 2 Satz 3 BGB, Anm. A 5 II der Düsseldorfer
Tabelle) bei Leistungen des Barunterhalts gefährdet ist oder die alleinige Inanspruchnahme des nicht betreuenden Elternteils zu einem erheblichen finanziellen Ungleichgewicht zwischen den Eltern führt.
Sind, z. B. bei auswärtiger Unterbringung des Kindes, beide Eltern zum Barunterhalt verpflichtet, haften sie anteilig nach Nr. 13.3 für den Gesamtbedarf.
Bei Zusatzbedarf (Prozesskostenvorschuss, Mehrbedarf, Sonderbedarf) gilt §
1606 Abs. 3 Satz 1 BGB.
Der Unterhalt für volljährige Kinder, die noch im Haushalt der Eltern oder eines
Elternteils wohnen, richtet sich nach der 4. Altersstufe der Düsseldorfer Tabelle.
Dies gilt bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres auch für unverheiratete volljährige Kinder, die sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden. Ihr Bedarf
bemisst sich, falls beide Eltern leistungsfähig sind, in der Regel nach dem zusammengerechneten Einkommen ohne Höhergruppierung nach Anm. A. 1 der
Düsseldorfer Tabelle. Für die Haftungsquote gilt 13.3. Ein Elternteil hat jedoch
höchstens den Unterhalt zu leisten, der sich allein - unter Berücksichtigung von
Anm. A. 1 der Düsseldorfer Tabelle - nach seinem Einkommen ergibt.
Das bereinigte Einkommen des volljährigen Kindes wird in der Regel in vollem
Umfange auf den Bedarf angerechnet. Bei Einkünften aus unzumutbarer Erwerbstätigkeit gilt § 1577 Abs. 2 BGB entsprechend. Zu den Einkünften des
Kindes gehören auch BAföG-Darlehen und Ausbildungsbeihilfen.
Sind beide Eltern barunterhaltspflichtig, bemisst sich die Haftungsquote nach
dem Verhältnis ihrer anrechenbaren Einkünfte. Diese sind vorab jeweils um den
Sockelbetrag zu kürzen. Der Sockelbetrag entspricht dem angemessenen
Selbstbehalt gemäß Anm. A. 5 Abs. 2 der Düsseldorfer Tabelle, bei minderjährigen unverheirateten und ihnen gleichgestellten volljährigen Kindern (§ 1603
Abs. 2 Satz 2 BGB) dem notwendigen Selbstbehalt gemäß Anm. A. 5 Abs. 1
der Düsseldorfer Tabelle, wenn nicht das Einkommen eines Elternteils bedeutend höher ist als das des anderen Elternteils.
Der Verteilungsschlüssel kann bei Vorliegen besonderer Umstände (z. B.
Betreuung eines behinderten Volljährigen) wertend verändert werden.
Kindergeld wird nach § 1612 b BGB ausgeglichen. Bei Minderjährigen wird auf die
Verrechnungstabelle gemäß Anlage zu Teil A der Düsseldorfer Tabelle Bezug genommen, bei Volljährigen sind die Entscheidungen des BGH vom 26.10.2005 – XII ZR
346/03 – (FamRZ 2006, 99) und vom 17.01.2007 – XII ZR 166/04 – (FamRZ 2007,
542) zu berücksichtigen.
Der Bedarf der Ehegatten richtet sich nach ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen im Unterhaltszeitraum, soweit diese die ehelichen Lebensverhältnisse nachhaltig geprägt haben.
Bei tatsächlicher oder den Ehegatten obliegender Aufnahme oder Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit nach Trennung/Scheidung wird das erzielte oder
erzielbare (Mehr-)Einkommen in der Regel als Surrogat des wirtschaftlichen
Werts einer bisherigen die ehelichen Lebensverhältnisse mitbestimmenden
Haushaltstätigkeit angesehen. Das gilt auch dann, wenn das Einkommen aus
einer überobligatorischen Erwerbstätigkeit (Nr. 17) stammt.
Ebenso können geldwerte einem neuen Partner gegenüber erbrachte Versorgungsleistungen als Surrogat der früheren Haushaltstätigkeit angesehen
Auch eine Rente kann als Surrogat früherer Erwerbs- oder Haushaltstätigkeit
Die den Lebenszuschnitt mitbestimmenden Nutzungsvorteile mietfreien Wohnens im eigenen Haus (Nr. 5) setzen sich an Zinsvorteilen des Verkaufserlöses fort.
Bei Berechnung des Bedarfs ist von dem anrechenbaren Einkommen des
Pflichtigen (Nr. 10) vorab der Tabellenunterhalt der Kinder abzuziehen. Ergänzend wird auf B. III der Düsseldorfer Tabelle Bezug genommen.
Auch Unterhalt für nachrangige volljährige Kinder ist abzusetzen, wenn den
Eheleuten ein angemessener Unterhalt verbleibt.
Unterhaltspflichten für nicht gemeinsame Kinder sind zu berücksichtigen,
wenn sie die ehelichen Lebensverhältnisse mit bestimmt haben.
Wegen des denkbaren Abzugs von Kinderbetreuungskosten, eines ggf. anrechnungsfreien Teils des Erwerbseinkommens sowie von Schulden wird auf
Nr. 10.3 und 10.4 Bezug genommen.
Der Bedarf eines jeden Ehegatten ist grundsätzlich mit der Hälfte des unterhaltsrechtlich relevanten Einkommens beider Ehegatten anzusetzen.
Dem erwerbstätigen Ehegatten steht vorab ein Bonus von 1/7 seiner Erwerbseinkünfte als Arbeitsanreiz und zum Ausgleich derjenigen berufsbedingten
Aufwendungen zu, die sich nicht nach objektiven Merkmalen eindeutig von
den privaten Lebenshaltungskosten abgrenzen lassen.
Der Bonus ist vom Erwerbseinkommen nach Abzug berufsbedingter Aufwendungen, des Kindesunterhalts, ggf. der Betreuungskosten, eines wegen der
Betreuung anrechnungsfreien Teils des Erwerbseinkommens und berücksichtigungsfähiger Schulden zu errechnen.
Der Bedarf des berechtigten Ehegatten beträgt danach 3/7 der Erwerbseinkünfte des anderen Ehegatten und 4/7 der eigenen Erwerbseinkünfte sowie 1/2
der sonstigen Einkünfte beider Eheleute. Der Bedarf des Verpflichteten be-
trägt 4/7 der eigenen Erwerbseinkünfte und 3/7 der Erwerbseinkünfte des anderen Ehegatten sowie 1/2 des sonstigen Einkommens beider Eheleute (Quotenbedarf).
Bei sehr guten Einkommensverhältnissen der Eheleute kommt eine konkrete
Bedarfsberechnung in Betracht.
Verlangt der Berechtigte neben dem Elementarunterhalt für Alter, Krankheit
und Pflegebedürftigkeit Vorsorgeunterhalt, den er aus seinen eigenen Einkünften nicht decken kann, sind grundsätzlich die vom Pflichtigen geschuldeten Beträge wie eigene Vorsorgeaufwendungen (Nr. 10.1) von seinem Einkommen abzuziehen.
Altersvorsorgeunterhalt wird nicht geschuldet, wenn das Existenzminimum
des Berechtigten nicht gesichert ist.
Zur Ermittlung des Altersvorsorgeunterhalts wird zunächst ein vorläufiger Elementarunterhalt nach Nr. 15.2, 21.4 bestimmt. Einkünfte des Berechtigten,
die zu keiner Altersvorsorge führen, bleiben unberücksichtigt. Hinzu kommt
ein Zuschlag entsprechend der jeweils gültigen Bremer Tabelle. Von dieser
Bruttobemessungsgrundlage wird mit Hilfe des jeweiligen Beitragssatzes in
der gesetzlichen Rentenversicherung (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag)
der Vorsorgeunterhalt errechnet. Dieser wird vom bereinigten Nettoeinkommen des Verpflichteten abgezogen; auf dieser Basis wird der endgültige Elementarunterhalt errechnet.
Die zweistufige Berechnung und der Vorwegabzug des Vorsorgeunterhalts
für Alter, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit können unterbleiben, wenn und
soweit der Verpflichtete über nicht prägendes Einkommen verfügt, das den
Mehrbedarf übersteigt, oder wenn und soweit auf den Bedarf nicht prägendes
Einkommen des Berechtigten angerechnet wird (BGH FamRZ 1999, 372).
Erwerbseinkommen, das die ehelichen Lebensverhältnisse nicht geprägt hat, ist um
/7 zu kürzen (Nr. 15.2).
Leistet der Berechtigte überobligatorische Erwerbstätigkeit (Nr. 17), die die ehelichen Lebensverhältnisse nicht geprägt hat, sind die Einkünfte gem. § 1577 Abs. 2
BGB anzurechnen.
Die Erwerbsobliegenheit des Ehegatten bei Betreuung eines oder mehrerer
Kinder bestimmt sich nach den Umständen des Einzelfalles. Betreut er nur
ein Kind, besteht in der Regel keine Verpflichtung, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, wenn das Kind noch nicht 8 Jahre alt ist. Nach der Grundschulzeit wird im Allgemeinen eine Teilzeitarbeit zumutbar sein. Hat das Kind
das 16. Lebensjahr vollendet, ist in der Regel eine Vollzeittätigkeit aufzunehmen.
In der Regel besteht für den Berechtigten im ersten Jahr nach der Trennung
keine Obliegenheit zur Aufnahme oder Ausweitung einer Erwerbstätigkeit.
Ansprüche nach § 1615 l BGB
Der Bedarf nach § 1615 l BGB bemisst sich nach der Lebensstellung des betreuenden
Elternteils. Er beträgt mindestens 770 €.
Der Bedarf der Eltern bemisst sich in erster Linie nach deren Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Mindestens muss jedoch das Existenzminimum sichergestellt
werden, das mit 770 € in Ansatz gebracht werden kann. Darin sind Kosten der Kranken- und Pflegeversicherung nicht enthalten. Etwaiger Mehrbedarf (z.B. Heimunterbringung) ist zusätzlich auszugleichen.
Selbstbehalt des Verpflichteten
Der Unterhaltsverpflichtete ist leistungsfähig, wenn ihm der Selbstbehalt verbleibt. Es ist zu unterscheiden zwischen dem notwendigen (§ 1602 Abs. 2
BGB), dem angemessenen (§ 1603 Abs. 1 BGB) sowie dem eheangemessenen
Selbstbehalt (§ 1581 BGB).
Der notwendige Selbstbehalt bemisst sich nach Anm. A. 5 Abs. 1 und B. IV der
Düsseldorfer Tabelle. Er gilt gegenüber minderjährigen unverheirateten und ihnen gleichgestellten volljährigen Kindern (§ 1603 Abs. 2 Satz 2 BGB).
Der angemessene Selbstbehalt gilt gegenüber volljährigen Kindern, die minderjährigen Kindern nicht gleichgestellt sind, dem Ehegatten, der Mutter oder dem
Vater eines nicht ehelich geborenen Kindes gemäß § 1615 l BGB sowie den Eltern des Unterhaltsverpflichteten.
Der Selbstbehalt gegenüber volljährigen Kindern beträgt nach Anm. A. 5
Abs. 2 der Düsseldorfer Tabelle 1.100 EURO.
Der Selbstbehalt gegenüber dem Ehegatten sowohl beim Trennungs- als
auch beim nachehelichen Unterhalt und gegenüber Ansprüchen nach §
1615 l BGB beträgt 1.000 EURO, unabhängig davon, ob der Unterhaltspflichtige erwerbstätig ist oder nicht.
Der Selbstbehalt gegenüber Eltern beträgt gemäß D.1 der Düsseldorfer
Tabelle 1.400 EURO.
Der eheangemessene Selbstbehalt des Unterhaltsverpflichteten beim Ehegattenunterhalt beträgt bei Erwerbseinkommen und einer Alleinverdienerehe 4/7
seiner bereinigten Einkünften und bei einer Doppelverdienerehe 4/7 seiner bereinigten Einkünfte und 3/7 der bereinigten Einkünfte des unterhaltsberechtigten
Ehegatten. Hinzuzurechnen sind die sonstigen nach dem reinen Halbteilungsgrundsatz zu verteilende Einkünfte jeweils zur Hälfte.
Vorteile durch das Zusammenleben mit einem Ehegatten oder Lebenspartner
können eine Herabsetzung des notwendigen Selbstbehalts rechtfertigen.
Der Bedarf des mit dem Pflichtigen zusammenlebenden Ehegatten bestimmt sich
nach den ehelichen Lebensverhältnissen im Sinne des § 1578 Abs. 1 BGB und beträgt
in der Regel die Hälfte der anrechenbaren Einkünfte beider Ehegatten; er beträgt mindestens
bei Unterhaltsansprüchen minderjähriger und ihnen nach § 1603 Abs. 2 S.2
BGB gleichgestellter volljähriger Kinder gemäß B. VI der Düsseldorfer Tabelle
560 EURO, bei Erwerbstätigkeit 650 EURO.
bei Unterhaltsansprüchen sonstiger volljähriger Kinder gemäß B. VII der Düsseldorfer Tabelle 800 EURO und
bei Unterhaltsansprüchen nach § 1615 l Abs. 1 und 2 BGB 725 €, unabhängig
davon, ob der Ehegatte erwerbstätig ist oder nicht.
bei Unterhaltsansprüchen von Eltern des anderen Ehegatten gemäß D. 1 der
Düsseldorfer Tabelle 1.050 EURO.
Ein Mangelfall liegt vor, wenn das Einkommen des Unterhaltsverpflichteten zur
Deckung seines Selbstbehalts und der gleichrangigen Unterhaltsansprüche der
Berechtigten nicht ausreicht. Für diesen Fall ist die nach Abzug des Eigenbedarfs (Selbstbehalts) des Unterhaltspflichtigen verbleibende Verteilungsmasse
auf die Unterhaltsberechtigten im Verhältnis ihrer jeweiligen Einsatzbeträge
Die Einsatzbeträge im Mangelfall belaufen sich
bei minderjährigen und diesen nach § 1603 Abs. 3, Satz 2 BGB gleichgestellten Kindern gemäß § 1612 b Abs. 5 BGB auf die Beträge nach
Gruppe 6 der Düsseldorfer Tabelle,
bei getrennt lebenden oder geschiedenen Ehegatten auf die in Anm. B. V
der Düsseldorfer Tabelle genannten Beträge,
bei mit dem Pflichtigen in gemeinsamem Haushalt lebenden Ehegatten
auf die in Anm. B.IV. der Düsseldorfer Tabelle genannten Beträge..
Anrechenbares Einkommen des Unterhaltsberechtigten ist vom Einsatzbetrag
Die nach Abzug des Eigenbedarfs (Selbstbehalts) des Unterhaltspflichtigen
verbleibende Verteilungsmasse ist anteilig auf die gleichrangigen Unterhaltsberechtigten im Verhältnis ihrer jeweiligen Einsatzbeträge gleichmäßig zu verteilen. Da gegenüber Kindern und Ehegatten unterschiedliche Selbstbehalte bestehen, empfiehlt es sich, die Mangelfallberechnung mit dem Eigenbedarf gegenüber dem Ehegatten zu beginnen. Damit ergibt sich ein endgültiger Ehegattenunterhalt. Der Kindesunterhalt ist um die Differenz zwischen dem notwendigen Selbstbehalt gegenüber minderjährigen und ihnen gleichgestellten volljäh-
rigen Kindern und dem Eigenbedarf gegenüber dem Ehegatten verhältnismäßig
entsprechend dem Unterhaltsbedarf der Kinder bis zum Regelbetrag zu erhöhen.
Das im Rahmen der Mangelfallberechnung gefundene Ergebnis ist zu korrigieren, wenn die errechneten Beträge über den ohne Mangelfall ermittelten Beträgen liegen (BGH Urteil vom 22.01.2003 FamRZ 2003, 363 ff.).
Für die Kindergeldverrechnung gilt § 1612 b Abs. 5 BGB.
Ost – West – Fälle
Bei sog. Ost-West-Fällen richtet sich der Bedarf des Kindes nach der an seinem
Wohnsitz geltenden Unterhaltstabelle, der Selbstbehalt des Pflichtigen nach den an
dessen Wohnsitz geltenden Selbstbehaltsätzen.
Ehegattenunterhalt: 2.100 € x 3/7 =
(2.100 - 1.400 ) x 3/7 =
das prägende Erwerbseinkommen von B (1050 x 7/7)
das nicht prägende Einkommen von B
Bedarf B: 1/2 (2.100 € x 6/7 + 1.050 x 6/7) =
Gesamteinkommen B: 1.050 € x 6/7 + 350 =
Restbedarf (Anspruch)
V hat prägendes, B hat nicht prägendes Einkommen (Zinsen aus nach Scheidung angefallener Erbschaft). Bei B, nicht bei V , ist trennungsbedingter Mehrbedarf von 150 €
V ist leistungsfähig , weil ihm mit 1.350 € mehr als sein Bedarf von (2.100 x 4/7 =)
1.200 € verbleibt (vgl. Nr. 25, 27).
Wegen der Unterhaltsberechnung im Mangelfall wird auf das Rechenbeispiel in der
Düsseldorfer Tabelle unter C. Bezug genommen.
Arztkosten steuerlich absetzen
FMH-Fragebogen für eine Neufinanzierung
Müssen Kinder für die Kosten der Heimunterbringung der Eltern
OLG Bremen 2015
Information zum Sozialfonds für das Mittagessen
Übungsaufgabe Abschlussprüfung
Eheliches Güterrecht - Notar Dr. Albert Block
Antrag auf Zuschuss zu den Kita
Erstantrag gem. § 21 Abs. 6 KiföG M-V auf
Erwerbstätige ALG II-Empfänger 2007 - 2015

References: § 1603
 § 28
 § 33
 § 9
 § 11
 § 1610
 § 13
 § 94
 § 270
 § 556
 § 1577
 §
1606
 § 1577
 § 1612
 BGH 
 § 1577
 § 1615
 § 1615
 § 1615
 §
1615
 § 1578
 § 1603
 § 1615
 § 1603
 § 1612
 § 1612
 § 21