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Timestamp: 2019-12-11 01:17:53+00:00

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Erneuerbare Energien in Deutschland. Eine Analyse zur ... | Hausarbeiten publizieren
Erneuerbare Energien in Deutschland. Eine Analyse zur Zukunftsfähigkeit.
2 Photovoltaik: Eine deutsche Erfolgsstory
2.1 Entwicklung der Photovoltaik
2.2 Die Sonnenwende in Deutschland
3.1 Historische Entwicklung der Förderung Erneuerbarer Energien in Deutschland
4 Branchenprofil Photovoltaik
4.1 Ein Überblick über den deutschen Solarmarkt
4.2 Struktur der Photovoltaikbranche
4.3 Strategische Positionierung
4.4 Investitionen und Forschung
5 Volkswirtschaftliche Gesamtbelastung
5.1 Kostenwirkungen
5.1.1 Beschaffungsmehrkosten
5.1.2 Regel- und Ausgleichsenergie
5.1.3 Verwaltungskosten und Brennstoffmehrbedarf
5.1.4 Ausbau des deutschen Stromnetzes
5.2 Nutzenwirkungen
5.2.1 Wertschöpfung in Deutschland
5.2.2 Reduktion externer Kosten bei der Stromerzeugung
5.2.3 Merit-Order-Effekt
5.2.4 Einsparung bei Energieimporten
5.3 Einfluss auf den Arbeitsmarkt
6 Analyse der Diskussion um die Kürzung der Photovoltaik-Förderungen
6.1 Kürzung der Photovoltaik-Förderungen
6.1.1 Standpunkt der Politik
6.1.2 Standpunkt der Photovoltaikbranche
6.1.3 Quo vadis Solarenergie
6.2 Modulpreise und Standortwahl
6.3 Dezentrale Energieversorgung
7 Fazit Photovoltaikförderung
Abbildung 1: Wertschöpfungskette Photovoltaikindustrie in Deutschland
Abbildung 2: Inlands- und Auslandsumsätze von Zulieferbetrieben, Industrie und Großhandel im Zeitraum 2000-2010
Abbildung 3: Nettoinvestitionen der deutschen Photovoltaikbranche
Abbildung 4: Externe Kosten der Stromerzeugung (DK: Dampfkraftwerk; GuD: Gas- und Dampfkraftwerk)
Tabelle 1: Vergütungssätze
Tabelle 2: Degression der Vergütungssätze (*als erster Vergütungssatz für diese neu eingeführte Dachklasse)
Tabelle 3: Einsparung bei Energieimporten 2004 - 2006
„I'd put my money on the sun and solar energy. What a source of power! I hope we don't have to wait till oil and coal run out before we tackle that."1
Diese Vision einer Energieerzeugung durch die Sonne formulierte Thomas Edi­son kurz vor seinem Tod 1931 bei einer Unterredung mit dem Automobiltycoon Henry Ford und mit Harvey Firestone. Mit dem Einläuten des 21. Jahrhunderts sollte er Recht behalten. Die Energiewirtschaft und vor allem die erneuerbaren Energien werden die Leitindustrie im 21. Jahrhundert sein. Durch das enorme Wachstumspotential und durch innovative Technologien wird die Automobilin­dustrie als Leitindustrie des 20. Jahrhundert abgelöst. Angesichts der immer knapper werdenden Ressourcen von Erdöl und Gas sowie der sich beschleuni­gende Klimawandel sind neue, nachhaltige Arten der Stromerzeugung von ele­mentarer Bedeutung. Deutschland gilt auf der Welt als Vorreiter dieser neuen Energiebewegung und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gilt vielen Staa­ten als Orientierung für eine klimafreundliche Energiewirtschaft. Der Struktur­wandel brauchte seine Zeit. Stellte die Wasserkraft früher den Großteil der er­neuerbaren Stromerzeugung, so ist die heutige Stromerzeugung auf unter­schiedlichen Schultern verteilt. Der Boom der Wind- und Solarenergie mit hohen Wachstumsraten machte die Windenergie zum größten Beitragsleister mit über 50% Anteil an der gesamten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Der Trend in Richtung Biomasse sowie neue Erzeugungsarten, die größtenteils - wie Wellenkraftwerke oder die Geothermie - noch in der Erforschung sind, lassen auch in Zukunft hohe Wachstumsraten im Bereich der erneuerbaren Energien prognostizieren. So ist der Anteil am Bruttostromverbrauch aus erneuerbaren Energiequellen von 18 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Anfang der 90er-Jahre auf rund 90 Milliarden kWh 2008 gestiegen; dies sind rund 15% Wachstum.
Der Aufschwung der erneuerbaren Energien hat einen flexiblen und innovativen Spitzentechnologiemarkt in Deutschland entstehen lassen. In allen Erzeugungs­arten gehören deutsche Hersteller mit zu den Marktführern und können selbst in Zeiten wie der Finanzkrise auf steigende Umsätze hoffen. Vor allem die Pho- tovoltaikindustrie hat sich, durch den parteiübergreifenden Entschluss zur För­derung der erneuerbaren Energien, zum Weltmarktführer entwickelt. Der Erfolg ist durch zwei Effekte zu begründen. Die exogenen Kräfte bewirken starke Wachstumsraten im Bereich der regenerativen Energieerzeugung. Hier sind vor allem die Ressourcenverknappung von Erdöl und Gas sowie die steigende Ener­gienachfrage der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) zu nen­nen. Auf der anderen Seite ist der Standort Deutschland durch seinen starken Mittelstand und die Innovationskraft bekannt. Die endogenen Kräfte sind da­durch gegeben und schaffen durch gesetzliche Rahmenbedingungen Investiti­onspotential und den Aufbau regionaler Kompetenzzentren wie das Solar Valley Mitteldeutschland. Mit steigenden Produktivitätsfortschritten wird die Netzparität von erneuerbaren Energien zur konventionellen Energieversorgung mittelfristig erreicht. Diese ist die Grundlage für den nachhaltigen Erfolg in der Branche, da nur durch die Netzparität die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wett­bewerbsfähig bleibt. Unter bestimmten Umständen ist diese im Bereich der Pho- tovoltaik sogar schon heute in Teilen Süddeutschlands gegeben.
Die Energiebranche und vor allem die vier großen deutschen Energieversorger (E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW) stehen vor ihrem größten Umbruch seit der Privatisierung. Das Zeitalter der dezentralen, erneuerbaren Energieversorgung wird eingeläutet.
Die erneuerbaren Energien werden als Heilsbringer für eine bessere und um­weltfreundlichere Zukunft gesehen. Der Wandel im Energiemix hin zu „grünen Technologien" kostet die Bundesregierung und den Verbraucher durch ver­schiedene Förderinstrumente jährlich Milliarden Euro. Sind die geltenden För­derinstrumente noch effektiv oder hat sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) überlebt? Ist der Wandel zur sauberen, „grünen", nicht-atomaren Ener­giewirtschaft zurzeit überhaupt noch finanzierbar oder sollen die Subventionen gekürzt werden? Die Aufgabe dieser Bachelor Thesis ist die Analyse zur Zu­kunftsfähigkeit der erneuerbaren Energien und die Beantwortung dieser Fragen.
Durch die unterschiedlichen Arten der Stromerzeugung aus erneuerbaren Ener­gien hat sich der Autor dazu entschlossen, einen erneuerbaren Energieträger herauszustellen und einer tiefergehenden Analyse zu unterziehen. Der Schwer­punkt dieser Thesis liegt hier im Bereich der Photovoltaik. Diese Branche wird zurzeit noch durch hohe EEG-Vergütungssätze gefördert und hat in den ver­gangenen Jahren ein enormes Wachstum erzielt.
In Kapitel 2 wird kurz ein Einblick in die Geschichte der Photovoltaik in Deutsch­land, vor allem der Entwicklung ab 1990, gegeben. Kapitel 3 widmet sich den gesetzlichen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien im Allgemeinen, mit dem Fokus auf die relevanten Gesetze für die Photovoltaik. Es werden hier die unterschiedlichen Fördergesetze bis zur finalen Fassung des Erneuerbare- Energien-Gesetzes beleuchtet. In Kapitel 4 wird die Photovoltaikbranche mit ihren unterschiedlichen Facetten behandelt. Neben einer allgemeinen Einfüh­rung in die Branche mit aktuellen Kennzahlen wird auch die Notwendigkeit von „Forschung & Entwicklung" aufgezeigt. Um dem Leser einen kurzen Einblick in die „Solare Spitzentechnologie" zu geben, schließt das Kapitel mit einem kleinen Exkurs in die aktuell vorhandene Modultechnik ab. Es greift ebenfalls die Wich­tigkeit der Standortwahl mit ihren unterschiedlichen Auswirkungen wie den Nei­gungswinkel der Module und deren Verschattung auf. In Kapitel 5 werden die volkswirtschaftlichen Gesamtbelastungen für Deutschland thematisiert. Hier werden vor allem die Kosten- und Nutzenwirkungen der erneuerbaren Energien im Allgemeinen wie auch die der Photovoltaikenergie analysiert. Neben einer Gegenüberstellung unterschiedlicher Kosten- und Nutzenfaktoren, wie z.B. der Vermeidung von Brennstoffimporten, dem induzierten Umsatz in Deutschland durch die Photovoltaikindustrie, aber auch den Beschaffungsmehrkosten, wird auch ein Einblick auf die Effekte auf dem Arbeitsmarkt gegeben. Das 6. Kapitel umfasst die aktuelle Debatte um die Kürzung der Solarförderung. Hier werden alle Standpunkte der verschiedenen Parteien beleuchtet. Auch aktuelle Trends wie der Preisverfall bei den Solarmodulen und der Aufbau einer dezentralen Energieversorgung in Deutschland werden analysiert. Die Bachelor Thesis schließt mit dem 7. und 8. Kapitel ab, welche ein Fazit aus den Erkenntnissen der Bachelor Thesis ziehen und einen kurzen Ausblick auf die Zukunft der Pho- tovoltaik im Verbund mit den erneuerbaren Energien in Deutschland geben.
Im folgenden Kapitel wird auf die Entwicklung der Photovoltaik in Deutschland eingegangen. Hierbei werden die unterschiedlichen Förderprogramme, die der Photovoltaikindustrie ihren Weg zum heutigen Status als grüne Zukunftstechno­logie geebnet haben, erklärt. Der Bogen wird von ersten wissenschaftlichen An­lagen zur Erforschung der Photovoltaik über die ersten Anwendungsmöglichkei­ten in Deutschland bis zum endgültigen Durchbruch als dezentrales netzgekop­peltes System zur Elektroenergieeinspeisung mit dem 1.000- und 100.000- Dächer-Programm der Bundesregierung gespannt.
Die installierte Photovoltaik-Kapazität im Jahre 1990 lag in Deutschland bei nicht einmal 2 MWp. Von den alleine 2008 neu installierten Photovoltaik- Kapazitäten in Höhe von 1.650 MWp konnte man damals nur träumen. Vor al­lem dienten die installierten 2 MWp überwiegend Forschungs- und Demonstra­tionsanlagen, wie z.B. die Anlage in Pellworm (Baujahr 1983) mit 300 kWp, eine für damalige Verhältnisse sehr hohe Leistung. Diese großen Anlagen wurden ausschließlich von den großen Energieversorgungsunternehmen gebaut und meist ebenerdig errichtet. Kleine dezentrale Photovoltaikanlagen auf Häuserdä­chern waren zu diesem Zeitpunkt nahezu unbekannt. Auch die Kenntnisse über Planung, Montage und Betrieb solcher Anlagen fehlte in diesen Jahren, vor al­lem bei den kleinen dezentralen Anlagen. In der ehemaligen DDR wurde erst nach der deutschen Einheit im September 1990 die erste netzgekoppelte Anlage errichtet und ans Netz angeschlossen. Zu jener Zeit galt die Photovoltaik vor allem als Option für die Versorgung netzferner Verbraucher bzw. als Möglichkeit zur Energieversorgung von Geräten mit geringer Leistungsaufnahme. Hier ist vor allem die Verbreitung von Parkscheinautomaten, Verkehrsleitsystemen oder Taschenrechnern zu nennen, die mit der neuartigen Photovoltaik ausgestattet wurden. Das Angebot von Solarmodulen und anderem elektrotechnischem Zu­behör war sehr gering und die Kosten für den Aufbau einer Photovoltaikanlage dementsprechend sehr hoch.2
Dies sollte sich mit dem „Bund-Länder-l.OOO-Dächer-Photovoltaik-Programm", kurz „l.OOO-Dächer-Programm", nachhaltig ändern. Dieses Förderprogramm wurde 199O unter Initiative vom damaligen Bundesministerium für Forschung und Technik (heute: Bundesministerium für Bildung und Forschung) als Breiten­test gestartet, um den Entwicklungsbedarf der Photovoltaiktechnik zu bewerten. Es sollte ebenfalls ein Fokus auf die Entwicklung netzgekoppelter Photovoltai­kanlagen mit kleiner Leistung gelegt werden. Das Programm war für die „alten" Bundesländer konzipiert, jedoch wurde es durch die veränderte politische Lage im Juli 1991 auch auf die „neuen" Bundesländer ausgeweitet.
Die Bedingung, um gefördert zu werden, war die Montierung von netzgebunde­nen Photovoltaikanlagen mit 1 bis 5 kW Spitzenleistung auf Dächern von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Die geförderten Anlagen mussten von einem Unter­nehmen mit Sitz in Deutschland hergestellt werden. Die Photovoltaikanlagen wurden mit drei verschiedenen Zählern ausgeliefert, die die Erträge der Anlage, die Stromeinspeisung in das Stromnetz und die aus dem Netz bezogene Leis­tung ermittelten. Darüber hinaus mussten die Anlagenbetreiber 5 Jahre die un­terschiedlichen Zähler ablesen und an das Fraunhofer-Institut für Solare Ener­giesysteme (ISE) in Freiburg übermitteln.
Im Zeitraum von 1991 bis 1995 wurden knapp 2.OOO dieser netzgekoppelten Photovoltaikanlagen auf den Dächern der förderungsfähigen Personenhaushalte installiert und erzeugten eine durchschnittliche Spitzenleistung von 2,64 kWp. Obwohl die Förderung bis zu 7O% betrug, mussten die Besitzer einer Photovol­taikanlage rund 1O.OOO € persönlich investieren. Dies tat der Antragswelle von bis zu 6O.OOO allgemeinen Anfragen und 4.OOO konkreten Antragsstellungen keinen Abbruch. So wurde der Name des 1.OOO-Dächer-Programms in den all­gemeinen Sprachgebrauch aufgenommen, obwohl deutlich mehr Anlagen in Deutschland installiert wurden. Nach dem Auslaufen des 1.000-Dächer- Programms sah es zunächst so aus, als ob die netzgekoppelte Photovoltaik kei­ne Zukunft in Deutschland mehr hatte.
Das 1991 eingeführte Stromeinspeisungsgesetz setzte eine durchschnittliche Einspeisevergütung von 8,5 ct/kWh3 für Solarstrom fest. Die damaligen Strom­gestehungskosten aus Photovoltaikanlagen lagen bei 90 ct/kWh und die garan­tierten Vergütungssätze stellten keinen finanziellen Anreiz für potentielle Inves­toren da. So gerieten viele kleine Unternehmen der noch jungen Branche in finanzielle Schwierigkeiten. Umweltverbände und die sich entwickelnde Photo- voltaikindustrie führten daraufhin eine intensive politische Diskussion über die Zukunft von Erneuerbaren Energien und vor allem der Photovoltaik in Deutsch­land. Hier wurden unterschiedliche Wege debattiert. So forderte der Solarför­derverein Aachen „eine kostendeckende Vergütung für eingespeisten Solar­strom"4, die Umweltschutzorganisation Greenpeace präferierte die Förderung von Wind- und Photovoltaikenergie zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, wobei ein Mix aus Eigenanteil und intensiver Förderung als Königsweg angese­hen wurde.
Im Jahr 1999 wurde das 100.000-Dächer-Programm als Teil des neuen Erneu- erbaren-Energien-Gesetzes (EEG) aufgelegt, das die Errichtung neuer Photovol­taikanlagen bis Ende 2003 förderte. Dieses Programm brachte dann letztendlich den Durchbruch von netzgekoppelter Photovoltaik in Deutschland. Förderungs­fähige Personen oder Unternehmen konnten von der Kreditanstalt für Wieder­aufbau (KfW) zinsreduzierte Kredite beantragen. Die KfW förderte das Pro­gramm im November 2002 mit rund 1 Mrd. €. Ende 2003 lief das Programm aus, da die Grenze von 300 MW installierter Leistung überschritten wurde.5 Um Photovoltaik jedoch weiterhin zu fördern, wurde das EEG zum 01. August 2004 novelliert und die Vergütungssätze angepasst.6
Im folgenden Kapitel wird auf die Förderung der Erneuerbaren Energien in Deutschland eingegangen. Zuerst wird die Gesetzgebung in Deutschland be­schrieben, die mit der Einführung des Stromeinspeisungsgesetzes im Jahre 1991 das erfolgreichste Programm zur Einführung von erneuerbaren Energien in Europa schuf. Darüber hinaus wird die Weiterentwicklung des Stromeinspei­sungsgesetzes, das die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und die Novellierung zum jetzigen Stand (01. Januar 2009) zur Folge hatte betrachtet. Zum Schluss werden die wichtigsten Rahmenbedingungen im EEG mit ihren Auswirkungen auf die Zukunft erläutert.
Der Vorläufer des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes war das Stromeinspei­sungsgesetz (StromEinspG), das am 01. Januar 1991 für die gesetzliche Rege­lung der erneuerbare Energien in Deutschland eingeführt wurde. Mit diesem Gesetz wurde erstmals die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland ermöglicht und Energieversorgungsunternehmen waren verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu Mindestpreisen ins Netz aufzunehmen und zu vergüten.7 Die Einspeisevergütung orientierte sich dabei an den durchschnittli­chen Strompreisen aller Endkunden des vorletzten Jahres. Dass das Stromein­speisungsgesetz in Deutschland ein Erfolg wurde, belegen vor allem die Zahlen des Bundesumweltministeriums. So stieg zum Beispiel die Stromerzeugung durch Windenergie von 71 GWh im Jahre 1990 auf 4489 GWh Ende 1998. Auch die Photovoltaik steigerte die Stromerzeugung mit Förderung des Stromeinspei­sungsgesetzes von 0,6 GWh (1990) auf 32 GWh (1998).8 Durch schwankende Strompreise im Zuge der Liberalisierung des deutschen Strommarktes führte dies zu einer Unsicherheit bei potentiellen Investoren, die keine genauen Anga­ben über die Einspeisevergütung für erneuerbare Energien erhalten konnten.
Eine Neugestaltung des StromEinspG führte daraufhin zu einer Einspeisevergü­tung unabhängig von der allgemeinen Strompreisentwicklung. Am 29. April 1998 kam es zu einer wettbewerbsorientierten Energierechtsnovelle, in der der Gesetzgeber die sogenannte „doppelte 5-Prozent-Deckel-Regelung" einführte um die finanzielle Belastung einzelner Energieversorgungsunternehmen zu be­grenzen.9 Diese Regelung wurde im Zuge des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes aber wieder abgeschafft, da sie sich als zu starke Bremse für den Ausbau der erneuerbaren Energien herausstellte.
Am 01. April 2000 trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft, das das Stromeinspeisungsgesetz ablöste. Auch hier ist das Ziel des EEG eine nachhalti­ge Energieversorgung zu ermöglichen, was auch der Titel des Gesetzes ver­deutlichen sollte; „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien". Hervorzuhe­ben ist vor allem die Erhöhung der Vergütungssätze auf rund 50 ct/kWh für Strom aus Photovoltaikanlagen, was im Zusammenhang mit dem 100.000- Dächer-Programm den wirtschaftlichen Ausbau der PV-Energie in Deutschland gewährleistet. Durch Novellierungen wurde das EEG in den folgenden Jahren formell erweitert und weist eine Reihe von wesentlichen Änderungen und Neue­rungen auf.10 11 So wurde am 01. Januar 2004 das Photovoltaik-Vorschaltgesetz beschlossen, das die Vergütungssätze für solare Strahlungsenergie verbessert und den 1.000-MW-Deckel aufhebt.11 Ebenfalls wurde durch die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein C02-Minderungs- und Umweltpro­gramm für Privathaushalte und gewerbliche Unternehmen eingeführt. Dieses bietet nun nach dem Auslaufen des 100.000-Dächer-Programms zinsgünstige Darlehen zur Finanzierung von Photovoltaikanlagen.12
Die Neufassung des EEG ist am 01. Januar 2009 in Kraft getreten. Zweck des Gesetzes ist es gemäß §1 Abs. 1 EEG, „(...) im Interesse des Klima-, Natur- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermög­lichen, die volkswirtschaftlichen Kosten auch durch die Einbeziehung langfristi­ger externer Effekte zu verringern, Natur und Umwelt zu schützen".13 In der Neufassung des EEG ist außerdem festgeschrieben, dass der Anteil erneuerba­rer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 auf mindestens 30% und danach kontinuierlich zu erhöhen ist.14 Dies ist eine signifikante Steigerung gegenüber der alten EEG-Fassung vom 01. Dezember 2006, wo der Anteil der erneuerbaren Energien im Jahr 2010 mindestens 12,5% und im Jahr 2020 min­destens 20°% betragen sollte. Das EEG dient der Ansiedelung von Umwelttech­nologien, die zu den wichtigsten Zukunftsmärkten des 21. Jahrhunderts zählen. Durch die gesetzliche Regelung des EEG kann die Nachfrage nach erneuerbaren Energien angekurbelt werden und verbessert dadurch die wirtschaftliche Kon­kurrenzfähigkeit zu vorhandenen fossilen Energieträgern.15
Der Anwendungsbereich des EEG wird im § 2 EEG erläutert, welcher den vor­rangigen Anschluss von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien an die Energienetze vorsieht. Im Gegensatz zur angesprochenen „doppelten-5- Prozent-Deckel-Regelung" wird im neuen EEG ein „bundesweiter Ausgleich des abgenommenen und vergüteten Stroms"16 vorgenommen. Dies dient vor allem dazu, Energieversorgungsunternehmen zu entlasten, die eine überdurchschnitt­liche Strommenge aus erneuerbaren Energien einspeisen mussten. Im EEG wird die Abnahme-, Übertragungs- und Vergütungspflicht der Netzbetreiber gegen­über den Stromerzeugern aus erneuerbaren Energien geregelt. So sind die Netzbetreiber verpflichtet, Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien unverzüglich an ihr Netz anzuschließen und den gesamten angebote­nen Strom aus diesen Anlagen abzunehmen und zu übertragen.17 Hier ist vor allem § 5 Abs. 4 EEG zu beachten, der den Netzbetreiber nicht von der Netzan­schlussgarantie befreit, wenn das Stromnetz den Ansprüchen nicht genügt. Dies kann zur Folge haben, dass der Netzbetreiber auf eigene Kosten sein vorhan­denes Stromnetz erweitern bzw. verstärken muss.18 Auch die Kosten sind im Abschnitt 3 des Gesetzes genau geregelt. So müssen die Anlagenbetreiber ge­mäß § 13 Abs. 1 EEG für die notwendigen Kosten für den Anschluss der Anla­gen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien selbst tragen. Dies sind vor allem die notwendigen Messinstrumente an den Verknüpfungspunkten zur Erfassung der Strommengen und nicht die Kapazitätserweiterung des Net­zes19.
Die im Gesetz festgelegten Vergütungssätze sind abhängig von der Art der An­lage sowie auch vom Jahr der Inbetriebnahme. Der Netzbetreiber muss dem Anlagenbetreiber die im Gesetz festgesetzten Vergütungssätze für die einge­speiste Strommenge zahlen, die in den §§ 18 bis 33 definiert sind. Hierbei han­delt es sich gemäß § 4 Abs. 1 EEG um ein Gesetzliches Schuldverhältnis, das einen unmittelbaren Anspruch des Anlagenbetreibers gegen den Netzbetreiber auf die Erfüllung ihrer Verpflichtungen hat und der Netzbetreiber dies nicht vom Abschluss eines Vertrages abhängig machen darf.20 Der Anlagenbetreiber be­kommt nur eine Vergütung für den Strom, wenn die Anlage im Anlagenregister eingetragen wurde.21 Für Strom aus Anlagen zur Erzeugung von Strom aus so­larer Strahlungsenergie (u.a. Photovoltaik) beträgt gemäß § 32 Abs. 1 EEG die Vergütung mindestens 31,94 ct/kWh.22 Der Vergütungszeitraum für Photovol­taikanlagen beträgt 20 Jahre zuzüglich des Jahres der Inbetriebnahme der An­lage.23
In der folgenden Tabelle sind die unterschiedlichen Vergütungssätze für Solar­stromanlagen für 2009 und ihre Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zu se­hen.
Im Gesetz ist außerdem festgeschrieben, dass es eine jährliche Degression der Vergütungssätze bei den erneuerbaren Energieträgern gibt. Seit 2005 sank die­se im Photovoltaikbereich jährlich um 5% bei Anlagen, die auf einem Gebäude oder als Lärmschutzwand installiert waren, und um 6,5 % bei Freiflächenanla­gen. Im aktuellen Gesetzestext steigen die Degressionssätze auf 8 bis 10%.
Tabelle 2: Degression der Vergütungssätze (*als erster Vergütungssatz für diese neu eingeführ­ te Dachklasse)
In diesem Kapitel wurde die historische Entwicklung der Gesetzgebung in Deutschland erläutert und es wurde auf die geltenden Rahmenbedingungen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes eingegangen. Im folgenden Kapitel wird die Solarmarktbranche in Deutschland, deren Struktur und Innovationskraft analy­siert.
Im folgenden Kapitel wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung des deut­schen Solarmarktes durch die staatliche Förderung bis ins Jahr 2009 gegeben. Danach richtet sich der Fokus auf die Struktur der Photovoltaikbranche und auf die Analyse der Wertschöpfungskette der Photovoltaikindustrie und deren Ab­hängigkeit vom Export. Erläutert wird ebenfalls noch die Notwendigkeit von In­vestitionen der Branche und von Forschung nach neuen innovativen High-Tech- Produkten. Zum Schluss wird ein Einblick in die Technik gegeben und es wird beschrieben, welche Faktoren für die wirtschaftliche Nutzung von Photovoltai­kanlagen wichtig sind.
Deutschland gilt seit der Förderung erneuerbarer Energien als weltweit attrak­tivster Photovoltaikmarkt. Stabile politische Rahmenbedingungen und eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz führten zu einem stetigen Wachstum der Photovol- taikleistung in Deutschland.24 Mit der Einführung des EEG im Jahr2000 ist der Umsatz der deutschen Photovoltaikindustrie (PV-Industrie), die Silizium, Wafer, Module und Zellen herstellen von 0,22 Mrd. € (2000) auf 6,14 Mrd. € (2007) gestiegen. Die Zulieferer, die u.a. im Maschinenbau tätig sind, steigerten ihre Umsätze von 0,23 Mrd. € (2005) auf 2,39 Mrd. € (2008).25 Betrug der Gesamt­bestand installierter netzgekoppelter Solarstromleistung zur Einführung des Stromeinspeisungsgesetzes im Jahre 1991 noch 3 MWp in Deutschland, so stieg die Leistung auf 3.833 MWp 2007 an.26 Der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) schätzt, dass 2009 ca. 8000 MWp ans deutsche Stromnetz ange­schlossen werden, was einem Zuwachs von rund 44% entspricht.27
1 25.01.2010 Übersetzung des Autors: Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solarenergie setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erd­öl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
2 vgl. Hoffmann 2OO8
3 Anmerkung: Der Autor rechnet die Vergütungssätze von Deutsche Mark in Euro um.
4 Hoffmann 2008
5 vgl. Hoffmann 2008
6 Deutscher Bundestag 01.08.2004, S. 1922
7 Deutscher Bundestag 01.01.1991, S. 2633
8 vgl. Böhme, Dürrschmidt November 2009, S. 16
9 Deutscher Bundestag 29.04.1998, S. 730-736
10 vgl. Müller 2004, S. 237-247
11 Deutscher Bundestag 01.01.2004
12 vgl. Bundesministerium für Umwelt 30.12.2003
13 Deutscher Bundestag 01.01.2009
14 Deutscher Bundestag 01.01.2009
15 vgl. Nill-Theobald u. a. 2008, S. 452, Bundesministerium für Umwelt 30.12.2003
16 vgl. Deutscher Bundestag 01.01.2009
17 Deutscher Bundestag 01.01.2009, S. 2076
18 Deutscher Bundestag 01.01.2009, S. 2078
19 Deutscher Bundestag 01.01.2009, S. 2078
20 Deutscher Bundestag 01.01.2009, S. 2076
21 Deutscher Bundestag 01.01.2009, S. 2078
22 Deutscher Bundestag 01.01.2009, S. 2083
23 Deutscher Bundestag 01.01.2009, S. 2080
24 vgl. Ruhl u. a. März 2008
25 Bundesverband Solarwirtschaft e.V. November 2009, S. 2 Anmerkung: Der Autor versucht, weitgehend auf die Studien des Branchenverbandes Solarwirtschaft zu verzichten, da bei sei­nen Nachforschungen hohe Abweichungen gegenüber neutraleren Studien bemerkt wurden. Die Quellenangaben stützen sich, soweit es möglich ist, auf die Studien des Bundesumweltmi­nisteriums, die mit seinen Ergebnissen als neutral erachtet werden können.
26 vgl. Böhme, Dürrschmidt November 2009, S. 19
27 vgl. Bundesverband Solarwirtschaft e.V. November 2009, S. 2
Steffen Schierloh (Autor)
V152716
9783640650798
9783640650743
Photovoltaik Erneuerbare Energien Klimawandel EEG Erneuerbare-Energien-Gesetz Dezentrale Energieversorgung Solarindustrie Wirtschaftswissenschaften Zukunftsfähigkeit
Steffen Schierloh (Autor), 2010, Erneuerbare Energien in Deutschland. Eine Analyse zur Zukunftsfähigkeit., München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/152716
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 § 2
 § 5
 § 13
 § 4
 § 32