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Timestamp: 2016-10-27 07:12:37+00:00

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2C_807/2011 (09.07.2012)
2C_807/2011
Bundesrichter Karlen, Seiler, Donzallaz,
Staats- und Gemeindesteuern (Nachsteuern 1997-2007),
A.X.________ wohnt in Y.________ SG und arbeitet in Z.________ SG. In seinen Steuererkl�rungen f�r die Perioden 1999 bis 2007 machte er Berufsauslagen f�r die Zur�cklegung des Arbeitswegs mit dem Privatauto im Umfang von jeweils 11'500 km pro Jahr geltend und zog er von seinem steuerbaren Einkommen Fr. 6'210.-- (je f�r 1999 und 2000) bzw. Fr. 6'785.-- (je f�r 2001 bis 2007) ab. Seine Erkl�rungen erwuchsen unkorrigiert in Rechtskraft.
Wie den Steuerbeh�rden des Kantons St. Gallen im Nachhinein bekannt wurde, geh�rte A.X.________ in den hier massgeblichen Perioden einer Fahrgemeinschaft mit eigenem Bus an und beschr�nkten sich seine Transportkosten in Wirklichkeit auf eine Kostenbeteiligung von Fr. 100.-- pro Monat. Mit Nachsteuerverf�gung vom 25. September 2009 wurde der jeweilige Differenzbetrag zu den in den Steuererkl�rungen angegebenen Pauschalfahrkosten bei der Staatssteuer 1997 bis 2007 nacherfasst. Diese Nachbesteuerung wurde auf Einsprache hin best�tigt, von der kantonalen Verwaltungsrekurskommission aufgehoben, aber vom Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen kantonal letztinstanzlich mit Urteil vom 29. August 2011 gesch�tzt.
Am 30. September 2011 haben die Eheleute A.X.________ und B.X.________ beim Bundesgericht Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben. Sie beantragen im Wesentlichen, das verwaltungsgerichtliche Urteil aufzuheben, dasjenige der kantonalen Verwaltungsrekurskommission vom 9. Dezember 2010 zu best�tigen und die Wegkostenpauschale zu gew�hren.
1.1 Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist zul�ssig (vgl. Art. 82 ff. BGG in Verbindung mit Art. 73 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 �ber die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG; SR 642.14]).
1.2 Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen oder eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen.
2.1 Gem�ss Art. 38 Abs. 1 des Steuergesetzes des Kantons St. Gallen vom 9. April 1998 (StG/SG, sGS 811.1) werden zur Ermittlung des Reineinkommens von den gesamten steuerbaren Eink�nften u. a. die Aufwendungen abgezogen. Bei unselbst�ndiger Erwerbst�tigkeit sind nach Art. 39 Abs. 1 StG/SG die Berufskosten absetzbar. Dazu geh�ren insbesondere die notwendigen Kosten f�r Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsst�tte (lit. a), die notwendigen Mehrkosten f�r Verpflegung ausserhalb der Wohnst�tte bzw. bei Schichtarbeit (lit. b) und die �brigen f�r die Aus�bung des Berufes erforderlichen Kosten (lit. c).
Diese Regelung st�tzt sich auf Art. 9 Abs. 1 StHG, wonach von den gesamten steuerbaren Eink�nften die zu ihrer Erzielung notwendigen Aufwendungen und die allgemeinen Abz�ge abgerechnet werden. Die kantonalen Bestimmungen stimmen zudem mit der gesetzlichen Ordnung gem�ss dem Bundesgesetz vom 14. Dezember 1990 �ber die direkte Bundessteuer (DBG, SR 642.11) �berein (vgl. Art. 25 und Art. 26 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 DBG). Da sich das kantonale Recht auf den durch das Harmonisierungsgesetz vorgegebenen Rahmen st�tzt, und sowohl das DBG wie auch das StG/SG dieselben Rechtsbegriffe verwenden und die gleichen Unterscheidungen treffen, dr�ngt sich mit Blick auf die vertikale Steuerharmonisierung eine einheitliche Auslegung auf (vgl. ASA 80 617 E. 2.2; 75 253 E. 6-7; StE 2008 B 22.3 Nr. 96 E. 5; StR 61/2006 41 E. 2.1 u. 2.2; mit weiteren Hinweisen).
2.2 Berufskosten - als Gewinnungskosten - sind grunds�tzlich nur abziehbar, soweit dem Steuerpflichtigen tats�chlich ein entsprechender Aufwand entstanden ist. Allerdings sind die Berufskosten Unselbst�ndigerwerbender weitgehend pauschaliert. Diese Pauschalierung beruht auf dem Praktikabilit�tsgrundsatz, der es dem Gesetzgeber erlaubt, in gewissen Teilbereichen auf differenzierte Einzelregelungen zu verzichten und stattdessen schematische(re), aber einfacher und wirksamer anwendbare Vorschriften zu erlassen (vgl. dazu u. a. das Urteil 2C_477/2009 vom 8. Januar 2010 E. 4; 2A.4/2006 vom 26. Juni 2006 E. 6; siehe auch PETER LOCHER, Praktikabilit�t im Steuerrecht - unter besonderer Ber�cksichtigung des materiellen Rechts der direkten Steuern, in: Festschrift zum 65. Geburtstag von Ernst H�hn, Bern 1995, S. 189 ff.). Ein solcher Schematismus f�hrt wohl zwischen den Steuerpflichtigen zu gewissen Ungleichbehandlungen, welche aber durchaus in einem verfassungs- und gesetzeskonformen Rahmen bleiben (vgl. das Urteil 2A.4/2006 E. 7). Aufgrund der Pauschalierung verzichtet die Steuerbeh�rde auf die �berpr�fung der konkreten Verh�ltnisse im Einzelfall (vgl. aber u. a. unten E. 2.5.1) und legt ihren Berechnungen einen typischen Durchschnittssachverhalt zu Grunde. Sinn ist es, sowohl seitens der Beh�rde als auch des Pflichtigen aufwendige Nachforschungen und Belegsammlungen zu vermeiden (vgl. ASA 80 617 E. 2.3).
2.3 Nach Art. 39 Abs. 2 StG/SG legt die Regierung f�r die Berufskosten gem�ss Abs. 1 lit. a-c Pauschalans�tze fest. Art. 18 Abs. 3 der Steuerverordnung des Kantons St. Gallen vom 20. Oktober 1998 (StV/SG; sGS 811.11) verweist f�r die Kosten des privaten Fahrzeugs auf die f�r die direkte Bundessteuer massgebenden Pauschalans�tze. Dort wird Art. 26 Abs. 2 DBG namentlich durch Art. 5 der Verordnung des Eidgen�ssischen Finanzdepartementes vom 10. Februar 1993 �ber den Abzug von Berufskosten der unselbst�ndigen Erwerbst�tigkeit bei der direkten Bundessteuer (Berufskostenverordnung, SR 642.118.1; siehe u. a. auch RDAF 2008 II 528 E. 5.3) erg�nzt:
2.3.1 Gem�ss Abs. 2 dieser Bestimmung sind als notwendige Fahrkosten bei Ben�tzung privater Fahrzeuge die Auslagen abziehbar, die bei Ben�tzung der �ffentlichen Verkehrsmittel anfallen w�rden (�bereinstimmend: Art. 18 Abs. 2 StV/SG). Steht kein �ffentliches Verkehrsmittel zur Verf�gung oder ist dessen Ben�tzung objektiv nicht zumutbar, so k�nnen die Kosten des privaten Fahrzeugs gem�ss den vom Eidgen�ssischen Finanzdepartement festgesetzten Pauschalen abgezogen werden (Art. 5 Abs. 3 BKV). Die Ben�tzung eines �ffentlichen Verkehrsmittels ist nach der Rechtsprechung insbesondere dann nicht zumutbar, wenn der Steuerpflichtige gebrechlich oder kr�nklich ist, die n�chste Haltestelle eines �ffentlichen Verkehrsmittels weit von der Wohn- oder Arbeitsst�tte entfernt ist, Arbeitsbeginn und Arbeitsschluss zu nicht fahrplanm�ssigen Zeiten erfolgen oder der Pflichtige f�r seine Berufsaus�bung auf ein Motorfahrzeug angewiesen ist (vgl. RDAF 2008 II 528 E. 5.3; StE 2003 B 22.3 Nr. 76 E. 3.3; NStP 49/1995 81 E. 2).
2.3.2 Die Steuerbeh�rde kann eine Abstufung der Fahrkostenpauschale nach Art. 3 BKV im Verh�ltnis zur Fahrleistung anordnen (Art. 5 Abs. 4 Satz 1 BKV). Diese Pauschalans�tze gibt das Eidgen�ssische Finanzdepartement f�r jedes Bemessungsjahr im Anhang zur BKV bekannt (z.B. f�r das Bemessungs- bzw. Steuerjahr 2007: AS 2006 3248). Danach kann f�r Autos ein Pauschalbetrag von Fr. -.65 pro Fahrkilometer beansprucht werden. 65 Rp./km entsprechen dem durchschnittlichen Aufwand f�r ein Fahrzeug mit 1'600 cm3 und einer Fahrleistung von 15'000 Kilometer/Jahr, wobei Versicherungs-, Amortisations-, Vignetten-, Park- und Verbrauchskosten eingerechnet werden. Vorbehalten ist allerdings die durch die Steuerbeh�rde allenfalls vorzunehmende Abstufung im Verh�ltnis zur Fahrleistung. W�hrend beispielsweise der Kanton Wallis keine solche Abstufung vornimmt (vgl. Urteil 2C_477/2009 E. 3.3), wird sie nach der Wegleitung zur Steuererkl�rung des Kantons St. Gallen vorgenommen (vgl. HEINZ WEIDMANN/BENNO GROSSMANN/RAINER ZIGERLIG, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern 1999, S. 42; siehe zum Ganzen auch RDAF 2006 II 430 E. 5.1; StE 2003 B 22.3 Nr. 76 E. 3.3; Urteil 2C_477/2009 E. 3.3).
2.4 Der Nachweis h�herer berufsnotwendiger Kosten bleibt vorbehalten (vgl. Art. 39 Abs. 2 Satz 2 StG/SG; Art. 26 Abs. 2 Satz 2 DBG; Art. 4 BKV). Das ist schon deshalb notwendig, weil die Pauschalen Mittelwerte darstellen, gemessen an denen die tats�chlichen Kosten im konkreten Einzelfall tiefer oder h�her sein k�nnen. Im letzteren Fall muss der Steuerpflichtige �ber die M�glichkeit verf�gen, die Notwendigkeit bedeutenderer Kosten nach objektiven Kriterien zu begr�nden und die entsprechenden Mehrauslagen - als steueraufhebende oder -mindernde Tatsache - zu belegen (vgl. u. a. StE 2003 B 22.3 Nr. 76 E. 4.2 sowie das Urteil 2C_477/2009 E. 4). In der Rechtsprechung sind der Anerkennung h�herer Fahrkosten jedoch Grenzen gesetzt worden:
2.4.1 Eine erste Grenze besteht darin, dass Fahrkosten unter Umst�nden selbst dann nicht zum Abzug zugelassen werden, wenn an sich unbestritten ist, dass sie vom Pflichtigen effektiv aufgewendet worden sind. Das gilt insbesondere dann, wenn er in unangebracht hohem Ausmass t�glich oder zumindest mehrmals w�chentlich zwischen seinem Wohn- und seinem Arbeitsort hin- und wieder zur�ckf�hrt, z. B. wenn er t�glich zweimal einen Arbeitsweg von 185 km mit dem Auto zur�cklegt. Ein solcher Aufwand muss als den Umst�nden nicht angemessen bezeichnet werden. Die entsprechenden Kosten k�nnen nicht vollumf�nglich als notwendige Berufskosten geltend gemacht werden, sondern nur die tieferen Kosten f�r eine Wohngelegenheit am Arbeitsort als Wochenaufenthalter, bei gleichzeitigem Abzug jeweils einer Hin- und R�ckfahrt pro Woche (vgl. u. a. ASA 75 253 E. 8.2 u. 8.3; 67 551 E. 5-6; StE 2007 B 22.3 Nr. 93 E. 4, RDAF 2008 II 528 E. 5.3 u. 6.2, 2004 II 251 E. 4.3; siehe auch das Urteil 2C_477/2009 E. 3.4).
2.4.2 Eine zweite Grenze besteht darin, dass der Pflichtige grunds�tzlich nicht gleichzeitig pauschale und effektive Aufwendungen f�r eine und dieselbe Kategorie von Gewinnungskosten geltend machen kann (vgl. Urteil 2C_477/2009 E. 4).
2.5 Von den pauschalen Kostenans�tzen kann bzw. muss in anderen F�llen zuungunsten des Steuerpflichtigen abgewichen werden:
2.5.1 In einem k�rzlich ergangenen Urteil (2C_343/2011 vom 25. Oktober 2011, publiziert in ASA 80 617, siehe dort insb. E. 3) hat das Bundesgericht f�r eine solche Abweichung zuungunsten des Steuerplfichtigen folgende Voraussetzungen festgehalten: Die dem Abzug der Fahrkosten im Normalfall zugrunde liegende Berechnung entspricht der Multiplikation dreier Elemente: Anzahl Arbeitstage x Anzahl Kilometer x Kilometeransatz. Einzig das dritte dieser Elemente ist explizit pauschaliert (z.B. 60 Rappen pro Fahrkilometer); die beiden anderen beruhen auf der doppelten nat�rlichen Vermutung, dass der Steuerpflichtige einerseits f�r seinen Arbeitsweg tats�chlich einen Privatwagen benutzt und dass er andererseits diesen Weg an jedem einzelnen Arbeitstag zur�cklegt. Die Vermutung betrifft somit die Anzahl Arbeitstage wie auch die Anzahl gefahrener Kilometer (vgl. ASA 80 617 E. 3.2 u. 3.3).
Auf Verlangen der Veranlagungsbeh�rde hat der Pflichtige die Basis f�r diese doppelte Vermutung als steuermindernde Tatsache nachzuweisen, d. h. insbesondere die Anzahl der Arbeitstage und die Unzumutbarkeit der Benutzung der �ffentlichen Verkehrsmittel (mittels Zeitvergleich). Ist dieser Nachweis aber erbracht und will die Veranlagungsbeh�rde trotzdem von den genannten Vermutungen abweichen, so braucht sie hief�r stichhaltige Gr�nde, wie etwa begr�ndete Zweifel daran, dass die Arbeitstage nicht am Arbeitsort verbracht worden sind (beispielsweise bei Heimarbeit) oder dass der Arbeitsweg nicht t�glich mit dem Privatfahrzeug zur�ckgelegt worden ist. Soweit die Veranlagungsbeh�rde solche Gr�nde geltend macht, kann sie vom Steuerpflichtigen - mit Blick auf dessen Mitwirkungspflicht - weitere Nachweise f�r den der Fahrkostenberechnung anf�nglich bloss vermutungsweise zugrunde gelegten Sachverhalt verlangen. Werden indes von der Beh�rde keine solchen Gr�nde f�r ein Abweichen vom vermuteten Sachverhalt ins Feld gef�hrt, bestehen f�r den Pflichtigen diesbez�glich keine weiteren beweisrechtlichen Obliegenheiten (vgl. ASA 80 617 E. 3.3).
2.5.2 Eine Abweichung von der pauschalen Fahrkostenberechnung zuungunsten des Steuerpfichtigen ist auch in einem Fall wie dem vorliegenden m�glich:
Ein erster, hier aber nicht massgeblicher Grund der m�glichen Kostenbegrenzung beruht auf der im Kanton St. Gallen vorgesehenen Abstufung der Kilometerpauschale nach der Fahrleistung (vgl. oben E. 2.3.2 in fine). Wesentlich ist aber die eben erw�hnte doppelte Vermutung in Bezug auf die Anzahl der berechenbaren Arbeitstage sowie der gefahrenen Fahrkilometer. F�r beide Aspekte wird davon ausgegangen, dass f�r alle Arbeitswege nicht nur ein privates Fahrzeug verwendet wird (im Gegensatz zu �ffentlichen Verkehrsmitteln), sondern - dar�ber hinaus - dass dieses private Fahrzeug individuell genutzt wird bzw. die gesamten damit verbundenen Kosten auf dem Pflichtigen allein lasten, im Gegensatz zu einem (mehr oder weniger geringen) Kostenbeitrag an eine Fahrgemeinschaft. Auch diesbez�glich muss es der Veranlagungsbeh�rde bei Vorliegen stichhaltiger Gr�nde bzw. begr�ndeter Zweifel m�glich sein, vom Steuerpflichtigen zus�tzliche Angaben oder sogar Belege einzufordern, aus denen hervorgeht, dass das verwendete private Fahrzeug auch tats�chlich individuell und nicht etwa kollektiv benutzt worden ist.
2.6 Hier ist aber ausserdem von Bedeutung, dass die Steuerbeh�rde nicht schon im ordentlichen Veranlagungsverfahren von der doppelten Vermutung abgewichen ist, welche der Pauschalberechnung der Fahrkosten zugrunde liegt, sondern erst im Rahmen einer Nachbesteuerung.
2.6.1 Art. 199 Abs. 1 StG/SG bestimmt: "Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbeh�rde nicht bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskr�ftige Veranlagung unvollst�ndig ist, oder ist eine unterbliebene oder unvollst�ndige Veranlagung auf ein Verbrechen oder ein Vergehen gegen die Steuerbeh�rde zur�ckzuf�hren, so wird die nicht erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert." (vgl. auch die gleich lautenden Bestimmungen von Art. 151 Abs. 1 DBG und Art. 53 Abs. 1 StHG; siehe auch oben E. 2.1 zur vertikalen Steuerharmonisierung). F�r die Beantwortung der Frage, ob Tatsachen oder Beweismittel neu sind oder schon bei der Veranlagung vorgelegen haben, ist nach der Rechtsprechung der Aktenstand im Zeitpunkt der Veranlagung massgebend, unter W�rdigung der Obliegenheiten, welche den Pflichtigen einer- und die Steuerverwaltung andererseits bei der Veranlagung treffen.
Nach Art. 176 Abs. 1 StG/SG pr�ft die Veranlagungsbeh�rde die Steuererkl�rung, nimmt die erforderlichen Untersuchungen vor und stellt die f�r eine vollst�ndige und richtige Besteuerung massgebenden tats�chlichen und rechtlichen Verh�ltnisse fest. Praxisgem�ss darf sich die Beh�rde jedoch grunds�tzlich darauf verlassen, dass die Steuererkl�rung richtig und vollst�ndig ist. Allerdings darf sie nicht im gleichen Masse unbesehen auf die in der Steuererkl�rung gemachten Angaben abstellen, wie sie dies bei einer Selbstveranlagungssteuer tun k�nnte. Dementsprechend liegen "neue Tatsachen", die ein Nachsteuerverfahren rechtfertigen, nach der Rechtsprechung dann nicht mehr vor, wenn die Steuerbeh�rde ihre Untersuchungspflicht im ordentlichen Veranlagungsverfahren verletzt hat (vgl. zum Ganzen ASA 78 308 E. 3; 73 482 E. 3.3; StR 64/2009 822 E. 2; 920 E. 2.4; 62/2007 369 E. 3.3; 61/2006 442 E. 2; StE 2010 B 24.4 Nr. 79 E. 2; 2009 B 92.3 Nr. 17 E. 5.2; 2007 B 97.41 Nr. 19 E. 3.2; RtiD 2009 I 498 E. 3.3).
2.6.2 Die Praxis nimmt eine Pflicht der Veranlagungsbeh�rde, erg�nzende Abkl�rungen schon im ordentlichen Veranlagungsverfahren vorzunehmen, �blicherweise dann an, wenn die Steuererkl�rung Fehler enth�lt, die klar ersichtlich bzw. offensichtlich sind. Es braucht also eine in die Augen springende Falschdeklaration seitens der Pflichtigen, welche die Beh�rde bei geh�riger Sorgfalt schon im ordentlichen Veranlagungsverfahren zu zus�tzlichen Abkl�rungen h�tte veranlassen m�ssen. Dagegen wird die beh�rdliche Untersuchungspflicht solange nicht verletzt, wenn eine Unstimmigkeit aus den Angaben des Pflichtigen in der Steuererkl�rung nicht ohne weiteres ersichtlich ist oder wenn die Beh�rde wohl h�tte Verdacht sch�pfen k�nnen, ohne dass das aber zwingend gewesen w�re (vgl. dazu die oben in E. 2.6.1 genannten Hinweise).
2.6.3 Diese �bliche Fallgestaltung geht wesentlich von der klaren Erkennbarkeit der durch den Pflichtigen begangenen Fehldeklaration aus. Auf einem solchen geradezu augenf�lligen Fehler, welchen die Steuerbeh�rde bei Aufbringung der geh�rigen Sorgfalt nicht h�tte �bersehen d�rfen, beruhen sowohl die M�glichkeit (bzw. die Berechtigung) als auch die Verpflichtung, zus�tzliche Abkl�rungen schon im ordentlichen Veranlagungsverfahren vorzunehmen.
Der hier zu beurteilende Sachverhalt weicht von der �blichen Fallgestaltung ab: Zwar wurde im Nachhinein bekannt, dass die Steuererkl�rungen des Beschwerdef�hrers in Bezug auf die abgezogenen Fahrkosten jeweils Fehldeklarationen enthielten. Im ordentlichen Veranlagungsverfahren waren diese Fehldeklarationen bei blosser Betrachtung der jeweiligen Steuererkl�rungen indessen noch nicht erkennbar, geschweige denn offensichtlich oder augenf�llig. Daraus ist aber noch nicht zwingend zu schliessen, dass "neue Tatsachen" im Sinne von Art. 176 Abs. 1 StG/SG mangels einer Verletzung der beh�rdlichen Untersuchungspflicht ohne weiteres angenommen werden k�nnten. Im Bereich der Pauschalkostenabz�ge sind n�mlich sowohl die M�glichkeit (bzw. die Berechtigung) als auch die Verpflichtigung, im ordentlichen Veranlagungsverfahren zus�tzliche Abkl�rungen vorzunehmen, so zu beurteilen, dass der Pauschalierungsgedanke bzw. der Praktikabilit�tsgrundsatz als solcher (vgl. oben E. 2.2) wesentlich ber�cksichtigt wird:
Hinsichtlich der Berechtigung zu zus�tzlichen Abkl�rungen ist auch hier daran festzuhalten, dass stichhaltige Gr�nde bzw. begr�ndete Zweifel vorliegen m�ssen, damit von der doppelten Vermutung abgewichen werden kann, auf welcher die Pauschalberechnung der Fahrkosten beruht (vgl. oben E. 2.5.1 u. 2.5.2). Solche Gr�nde k�nnen in einem Fall wie demjenigen des Beschwerdef�hrers u. a. darin bestehen, dass die Steuerbeh�rde Kenntnis davon hat, dass zwischen der Wohngegend des Pflichtigen und dessen Arbeitsort (bzw. -umgebung) eine Fahrgemeinschaft besteht (ohne aber schon zu wissen, ob der Pflichtige dieser Gemeinschaft angeh�rt). Gen�gend kann weiter das Wissen der Beh�rde sein, dass eine bestimmte Anzahl von Arbeitnehmern eines Unternehmens in derselben n�heren Umgebung wohnen. In solchen (oder noch anderen) F�llen ist die Veranlagungsbeh�rde durchaus berechtigt, weitere Angaben oder Belege einzufordern, bei Ungen�gen zus�tzliche Abkl�rungen vorzunehmen und auf deren Grundlage zuungunsten des Pflichtigen von den Pauschalberechnung abzuweichen.
Gegen�ber dem Beschwerdef�hrer unterblieben solche Abkl�rungen jedoch und konnten sie auch nicht im Nachhinein vorgenommen werden. Denn die Verpflichtung, die allenfalls notwendigen Abkl�rungen schon im ordentlichen Veranlagungsverfahren vorzunehmen, beruht im hier massgeblichen Bereich ebenfalls direkt auf dem Pauschalierungsgedanken bzw. dem Praktikabilit�tsgrundsatz. Auf dieser Grundlage scheint es von der Natur der Sache her nicht gerechtfertigt, dass es der Steuerbeh�rde m�glich sein sollte, die im ordentlichen Veranlagungsverfahren noch gew�hrte Fahrkostenpauschale erst mittels einer Nachbesteuerung zuungunsten des Pflichtigen zu korrigieren.
Zwischen der Berechtigung und der Verpflichtung, zus�tzliche Abkl�rungen vorzunehmen, besteht kein Widerspruch (z.B. in dem Sinne, dass die Beh�rde im ordentlichen Veranlagungsverfahren zu Abkl�rungen gezwungen werde, welche sie gar nicht vornehmen d�rfe). Vielmehr gehen beide Aspekte koh�rent auf den gleichen Grundgedanken zur�ck und auferlegen den beh�rdlichen Abkl�rungen wohl Einschr�nkungen, ohne diese aber vollumf�nglich auszuschliessen oder auch nur unangemessen zu behindern. In einem Fall wie dem hier massgeblichen h�tten Abkl�rungsm�glichkeiten durchaus bestanden, wurden vorliegend aber nicht wahrgenommen und konnten nicht erst im Nachsteuerverfahren genutzt werden.
Die hier erst im Nachhinein vorgenommene �berpr�fung muss deshalb als versp�tet abgelehnt werden. Die Zul�ssigkeit einer Korrektur der Fahrkostenpauschale erst im Nachsteuerverfahren ist somit entgegen der Auffassung des Verwaltungsgerichts zu verneinen, wenn auch aus anderen als den von den Beschwerdef�hrern geltend gemachten Gr�nden (vgl. oben E. 1.2).
Dementsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen, was die entsprechenden materiell- und verfahrensrechtlichen Folgen nach sich zieht, namentlich im Bereich der Gerichtskosten und der den Beschwerdef�hrern geschuldeten Parteientsch�digung (vgl. Art. 65 f. u. 68 BGG).
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten betreffend die Staats- und Gemeindesteuern (Nachsteuern 1997-2007) wird gutgeheissen und das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. August 2011 aufgehoben. Die Sache wird zur Neuregelung der Kosten- und Entsch�digungsfolgen im kantonalen Verfahren an das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen zur�ckgewiesen.
Der Kanton St. Gallen hat den Beschwerdef�hrern f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine Parteientsch�digung von Fr. 2'000.-- auszurichten.

References: Art. 82
 Art. 73
 Art. 38
 Art. 39
 Art. 9
 Art. 25
 Art. 26
 Art. 39
 Art. 18
 Art. 26
 Art. 5
 Art. 18
 Art. 3
 Art. 39
 Art. 26
 Art. 4
in fine
 Art. 199
 Art. 151
 Art. 53
 Art. 176
 Art. 176
 Art. 65