Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.07.2016&Aktenzeichen=VI%20ZR%2075/15
Timestamp: 2019-04-25 23:12:50+00:00

Document:
BGH, 19.07.2016 - VI ZR 75/15 - dejure.org
§ 531 Abs. 2 ZPO, § 280 Abs. 1, §§ 278, 823 Abs. 1, §§ 831, 253 Abs. 2 BGB, § 823 Abs. 1 BGB, Art. 2 Abs. 2 GG, Art. 1 GG, Art. 103 Abs. 1 GG, § 562 Abs. 1, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO
§ 253 Abs 2 BGB, § 278 BGB, § 280 Abs 1 BGB, § 823 Abs 1 BGB, § 831 BGB
Arzthaftung: Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens bei Vornahme des Eingriffs durch einen anderen Operateur
Alternativverhalten, rechtmäßiges
Einwand des rechtmäßigen Alternativverhaltens zur Rechtfertigung einer durchgeführten Operation; Schutzzweck des Einwilligungserfordernisses bei ärztlichen Eingriffen; Einwilligung des Patienten in die Heilbehandlung zur Rechtfertigung des Eingriffs in die körperliche Integrität
Zur Unerheblichkeit des Einwands rechtmäßigen Alternativverhaltens
Wahlleistungsvereinbarung: Chefarzt muss selbst operieren
Operation im Krankenhaus - und die Chefarztbehandlung als Wahlleistung
Patientenrechte: Chefarzt bleibt Chefarzt
Wahlarzt muss Kernleistung persönlich erbringen
Ausführung einer Operation durch Vertreter des Wahlarztes
Vertrauen des Patienten in die Chefarztvereinbarung begründet Schadensersatzanspruch
Vereinbarte Chefarzt-OP muss vom Chefarzt durchgeführt werden
Persönliche Verpflichtung des Wahlarztes zur Durchführung der vereinbarten Operation
Arzthaftungsrecht: Chefarztbehandlung nur vom Chefarzt
Behandlung durch stellvertretenden Oberarzt wegen fehlender Einwilligung ist rechtswidrig
Klinik muss vereinbarte Chefarzt-Behandlung auch einhalten
Patientenrechte: Chefarztbehandlung nur durch Chefarzt
Operation muss vom vereinbarten Arzt durchgeführt werden - Schmerzensgeld
Arzthaftungsrecht: Chefarzt muss bei Wahlleistungsvereinbarung selbst operieren
Schmerzensgeldanspruch des Patienten bei Operation durch Oberarzt anstatt vereinbarten Chefarzt - Keine Einwilligung in ärztlichen Heileingriff
Bindung eines Krankenhauses an eine Chefarzt-Vereinbarung
Kurznachricht zu "Die Einwilligung des Wahlarztpatienten erstreckt sich nur auf den Chefarzt - Erhöhtes Haftpflichtrisiko bei der Behandlung von Wahlarztpatienten" von RA/FAArbR/FAMedzR Dr. Wolfgang Bruns, original erschienen in: ArztR 2016, 257 - 262.
LG Koblenz, 12.08.2014 - 10 O 48/12
OLG Koblenz, 26.01.2015 - 5 U 1131/14
NJW 2016, 3523
VersR 2016, 1191
JR 2017, 287
Die Erheblichkeit des Einwands richtet sich nach dem Schutzzweck der jeweils verletzten Norm (vgl. BGHZ 96, 157, 173 = NJW 1986, 576, 579 und BGHZ 120, 281, 286 = NJW 1993, 520, 521; BGH Urteile vom 19. Juli 2016 - VI ZR 75/15 - VersR 2016, 1191 Rn. 7 …und vom 9. März 2012 - V ZR 156/11 - NJW 2012, 2022 Rn. 17).
Dabei muss der Schutzzweck der jeweils verletzten Norm darüber entscheiden, ob und inwieweit der Einwand im Einzelfall erheblich ist (vgl. Senatsurteil vom 19. Juli 2016 - VI ZR 75/15, NJW 2016, 3523 Rn. 7; BGH, Urteile vom 24. Oktober 1985 - IX ZR 91/84, BGHZ 96, 157, 173; vom 25. November 1992 - VIII ZR 170/91, BGHZ 120, 281, 286;… vom 9. März 2012 - V ZR 156/11, NJW 2012, 2022 Rn. 17;… vom 2. November 2016 - XII ZR 153/15, NJW 2017, 1104 Rn. 23 ff.;… vom 10. Juli 2018 - II ZR 24/17, NJW 2018, 3574 Rn. 38 ff.).
Die Erheblichkeit des Einwands des rechtmäßigen Alternativverhaltens richtet sich nach dem Schutzzweck der jeweils verletzten Norm (BGH, Urteil vom 24. Oktober 1985 - IX ZR 91/84, BGHZ 96, 157, 173; Urteil vom 25. November 1992 - VIII ZR 170/91, BGHZ 120, 281, 286;… Beschluss vom 23. April 2013 - II ZB 7/09, ZIP 2013, 1165 Rn. 34; Urteil vom 19. Juli 2016 - VI ZR 75/15, VersR 2016, 1191 Rn. 7;… Urteil vom 2. November 2016 - XII ZR 153/15, NJW 2017, 1104 Rn. 24;… Urteil vom 20. April 2017 - III ZR 470/16, VersR 2018, 31 Rn. 53, z.V.i. BGHZ vorgesehen).
Fehlt die wirksame Einwilligung in die Vornahme des Eingriffs, ist der in der ärztlichen Heilbehandlung liegende Eingriff in die körperliche Integrität rechtswidrig (vgl. Urteil des BGH vom 19.07.2016 - VI ZR 75/15 - Juris unter Rz.10).
Könnte er sich mit diesem Einwand einer Haftung entziehen, bliebe der rechtswidrige Eingriff in die körperliche Integrität des Patienten sanktionslos (vgl. Urteil des BGH vom 19, 07.2016 - VI ZR 75/15 - Juris unter Rz. 8, 11).
Eine Gesundheitsbeschädigung liegt schon darin, dass die Klägerin überhaupt operiert wurde mit allen damit zusammenhängenden körperlichen Beeinträchtigungen, während sie bei ordnungsgemäßer Aufklärung sich der Operation gar nicht oder viel später unterzogen hätte (vgl. BGH Urteil vom 19.07.2016 - VI ZR 75/15; Urteil vom 13.01.1987 - VI ZR 82/86).
Fehlt die wirksame Einwilligung in die Vornahme des Eingriffs, ist der in der ärztlichen Heilbehandlung liegende Eingriff in die körperliche Integrität rechtswidrig (…BGH, Urt. v. 14.02.1989, VI ZR 65/88; BGH, Urt. v. 19.07.2016, VI ZR 75/15).
Im Rahmen einer Wahlleistungsvereinbarung schließt der Patient einen Vertrag im Vertrauen auf die besonderen Erfahrungen und die herausgehobene medizinische Kompetenz des von ihm ausgewählten Arztes, die er sich in Sorge um seine Gesundheit gegen Entrichtung eines zusätzlichen Honorars für die Heilbehandlung sichern will (BGH, Urt. v. 19.07.2016, VI ZR 75/15).
Könnte der den Eingriff tatsächlich vornehmende Arzt sich der Haftung mit diesem Einwand entziehen, bliebe der rechtswidrige Eingriff in die körperliche Integrität eines Patienten sanktionslos (BGH, Urt. v. 19.07.2016, VI ZR 75/15).
Dass die Klägerin mit dem Beklagten zu 1 vereinbart hatte, dass nur dieser sie behandeln darf, hat sie nicht behauptet (vgl. als Gegenbeispiel etwa BGH, Urteil vom 19.07.2016 - VI ZR 75/15 -, NJW 2016, 3523, 3524); eine entsprechende Abrede ergibt sich auch nicht aus dem vorgelegten Behandlungsvertrag der Klägerin mit der Gemeinschaftspraxis, welcher der Beklagte zu 1 angehört (Anlage B I 3, Bl. 72 f. d. A.).

References: § 531
 § 280
 § 823
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 103
 § 562
 § 563

§ 253
 § 278
 § 280
 § 823
 § 831
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