Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/transferzahlungen-bundesagentur-arbeit-3132724
Timestamp: 2020-07-04 11:39:51+00:00

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Transferzahlungen der Bundesagentur für Arbeit an den Bundeshaushalt | Rechtslupe
Die Trans­fer­zah­lun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit an den Bun­des­haus­halt aus Bei­trä­gen von ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern ver­sto­ßen nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts – trotz vor­lie­gen­der Ungleich­be­hand­lung – für die Jah­re 2005 und 2008 nicht gegen das Gebot der Belas­tungs­gleich­heit aus Art. 3 Abs. 1 GG.
Die Ungleich­be­hand­lung ist wegen der grund­le­gen­den und umfas­sen­den Neu­re­ge­lung des Sozi­al­sys­tems für das Jahr 2005 gerecht­fer­tigt: Die durch die Abschaf­fung der Arbeits­lo­sen­hil­fe frei­wer­den­den Bei­trags­mit­tel waren im Über­gangs­jahr 2005 aus­nahms­wei­se nicht strikt zweck­ge­bun­den, son­dern durf­ten zur Finan­zie­rung des Bun­des­haus­halts ver­wen­det wer­den, um so die Mit­tel für die Ein­glie­de­rung in Arbeit der Bezie­her der neu ein­ge­führ­ten Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de auf­zu­brin­gen. Für 2008 gilt die­se aus dem Sys­tem­wech­sel fol­gen­de Recht­fer­ti­gung zwar nicht. Die Trans­fer­zah­lun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit sind jedoch mit einem unter ande­rem in die­sem Jahr zur Ver­fü­gung ste­hen­den zweckun­ge­bun­de­nen Bun­des­zu­schuss zu sal­die­ren, sodass die­se wech­sel­sei­ti­gen Zah­lun­gen im Ergeb­nis ohne nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen für den Bei­trags­zah­ler blie­ben. Mit die­ser Begrün­dung hat der Ers­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zwei Ver­fas­sungs­be­schwer­den von Bei­trags­zah­lern zurück­ge­wie­sen und unter ande­rem einen Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­neint.
Dies ent­schied das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt auf zwei Ver­fas­sungs­be­schwer­den, mit denen die Beschwer­de­füh­rer – ein Arbeit­neh­mer [1] und eine Arbeit­ge­be­rin [2] – bean­stan­de­ten, dass ihre Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung in den streit­be­fan­ge­nen Jah­ren 2005 [1] bezie­hungs­wei­se 2008 [3] in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se über­höht fest­ge­setzt wor­den sei­en: Die Bun­des­agen­tur für Arbeit habe nach dem mit­tel­bar ange­grif­fe­nen und im Mit­tel­punkt der Ver­fas­sungs­be­schwer­den ste­hen­den § 46 Abs. 4 SGB II in der jeweils gel­ten­den Fas­sung aus ihren Bei­trags­mit­teln Trans­fer­leis­tun­gen an den Bun­des­haus­halt (2005: als Aus­steue­rungs­be­trag; 2008: als Ein­glie­de­rungs­bei­trag) leis­ten müs­sen, die der Bund zur Mit­fi­nan­zie­rung der Kos­ten der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de habe ver­wen­den wol­len. So sei­en ihre Bei­trä­ge unzu­läs­sig zur Finan­zie­rung des all­ge­mei­nen Staats­haus­hal­tes her­an­ge­zo­gen und der in § 341 Abs. 2 SGB III in der in den Streit­jah­ren jeweils maß­geb­li­chen Fas­sung fest­ge­leg­te Bei­trags­satz ver­fas­sungs­wid­rig zu hoch bemes­sen wor­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schloss sich die­ser Argu­men­ta­ti­on jedoch nicht an:
Der sozi­al­staat­li­chen Absi­che­rung des Risi­kos Arbeits­lo­sig­keit die­nen zum einen die Leis­tun­gen der Arbeits­för­de­rung nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch. Die Arbeits­för­de­rung soll schon dem Ent­ste­hen von Arbeits­lo­sig­keit ent­ge­gen­wir­ken, deren Dau­er ver­kür­zen und all­ge­mein den Aus­gleich von Ange­bot und Nach­fra­ge auf dem Aus­bil­dungs- und Arbeits­markt unter­stüt­zen (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 1 SGB III). Zu den Leis­tun­gen, wel­che die im Wesent­li­chen bei­trags­fi­nan­zier­te Bun­des­agen­tur für Arbeit (bis 31.12.2003: Bun­des­an­stalt für Arbeit) als rechts­fä­hi­ge Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts mit Selbst­ver­wal­tung (vgl. § 367 Abs. 1 SGB III) als Leis­tun­gen der sozia­len Vor­sor­ge erbringt, gehö­ren daher neben Ent­gel­tersatz­leis­tun­gen, wie nament­lich dem Arbeits­lo­sen­geld, auch Leis­tun­gen der soge­nann­ten akti­ven Arbeits­för­de­rung (§ 3 Abs. 2 i.V.m. dem Drit­ten Kapi­tel des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Drit­tes Buch); die­se die­nen dazu, Arbeits­lo­se oder von Arbeits­lo­sig­keit bedroh­te Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer in den Arbeits­markt ein­zu­glie­dern, also dafür zu sor­gen, dass Arbeits­lo­sig­keit been­det oder ver­mie­den wird.
Nach Maß­ga­be des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Zwei­tes Buch wer­den aber auch Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als Leis­tun­gen der sozia­len Für­sor­ge erbracht. Dabei han­delt es sich einer­seits um auf die Exis­tenz­si­che­rung zie­len­de Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt. Im Rah­men des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Zwei­tes Buch wer­den ande­rer­seits auch Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Arbeit erbracht. Der Sache nach ent­spre­chen die­se Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen weit­ge­hend den Leis­tun­gen der akti­ven Arbeits­för­de­rung (vgl. § 16 ff. SGB II) und sol­len wie die­se die Auf­nah­me oder Bei­be­hal­tung einer Erwerbs­tä­tig­keit unter­stüt­zen (vgl. § 1 Abs. 2 Satz 2 SGB II).
Dabei gehö­ren schon tra­di­tio­nell nicht nur Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt, son­dern auch die für die vor­lie­gen­den Ver­fah­ren bedeut­sa­men Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in den Arbeits­markt zum Auf­ga­ben­be­reich der Arbeits­för­de­rung: Bereits das Gesetz über Arbeits­ver­mitt­lung und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung (AVAVG) vom 16.07.1927 [4], mit dem die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung in Deutsch­land ein­ge­führt wur­de, ent­hielt Rege­lun­gen über Arbeits­ver­mitt­lung und Berufs­be­ra­tung (§§ 58 ff. AVAVG) und über Maß­nah­men zur Ver­hü­tung und Been­di­gung der Arbeits­lo­sig­keit (§§ 131 ff. AVAVG), unter ande­rem über beruf­li­che Fort­bil­dung und Umschu­lung (vgl. § 137 AVAVG).
Nach § 340 SGB III (Auf­brin­gung der Mit­tel) wer­den die Leis­tun­gen der Arbeits­för­de­rung und die sons­ti­gen Aus­ga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch Bei­trä­ge der Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen, der Arbeit­ge­ber und Drit­ter sowie durch Umla­gen, Mit­tel des Bun­des und sons­ti­ge Ein­nah­men finan­ziert.
Die Bei­trä­ge bil­den die Haupt­ein­nah­me­quel­le der Bun­des­agen­tur: Sie bestritt 2005 ihren Haus­halt zu knapp 90 % aus Bei­trags­mit­teln, 2008 zu etwa 70 % (2005: 46,99 von 52,69 Mrd. €; 2008: 26,45 von 38,29 Mrd. €). Der Bei­trag wird nach einem in § 341 Abs. 2 SGB III gesetz­lich bestimm­ten Pro­zent­satz – dem Bei­trags­satz – von den bei­trags­pflich­ti­gen Ein­nah­men der Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen (vgl. §§ 342 bis 345b SGB III) bis zur Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung erho­ben (vgl. § 341 Abs. 1, Abs. 3 und Abs. 4 SGB III). § 341 Abs. 2 SGB III lau­tet – abge­se­hen von der jewei­li­gen Pro­zent­zahl seit Ein­füh­rung des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Drit­tes Buch unver­än­dert -: "Der Bei­trags­satz beträgt [x,x] Pro­zent."
Der regel­mä­ßig unmit­tel­bar durch den Gesetz­ge­ber bestimm­te Bei­trags­satz betrug in den Jah­ren 1998 bis 2006 6,5 %, im Jahr 2007 4,2 %, im Jahr 2008 3,3 %, im Janu­ar 2009 3,0 % und von Febru­ar 2009 bis Dezem­ber 2010 2,8 %; seit Janu­ar 2011 liegt er unver­än­dert bei 3,0 %. Bei ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten tra­gen die­se und ihre jewei­li­gen Arbeit­ge­ber die Bei­trä­ge grund­sätz­lich je zur Hälf­te (§ 346 Abs. 1 Satz 1 SGB III). Sie wer­den von den Arbeit­ge­bern nach § 348 Abs. 2 SGB III in Ver­bin­dung mit §§ 28d ff. SGB IV als Teil des Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trags an die für die jewei­li­gen Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen zustän­di­ge Kran­ken­kas­se als Ein­zugs­stel­le gezahlt.
Hin­zu tre­ten unter ande­rem wei­te­re Mit­tel des Bun­des: Er trägt nach § 363 Abs. 1 SGB III (von 2007 bis 2012: § 363 Abs. 2 SGB III) die Leis­tungs­aus­ga­ben für Auf­ga­ben, deren Durch­füh­rung die Bun­des­re­gie­rung auf Grund des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Drit­tes Buch der Bun­des­agen­tur für Arbeit über­tra­gen hat; Ver­wal­tungs­kos­ten wer­den wegen ihrer regel­mä­ßi­gen Sach­nä­he zu den ori­gi­nä­ren Auf­ga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit nicht erstat­tet. In ers­ter Linie wird auf die­ser Grund­la­ge die Durch­füh­rung befris­te­ter Arbeits­markt­pro­gram­me finan­ziert (vgl. § 368 Abs. 3 SGB III). Für wei­te­re Auf­ga­ben, die der Bund der Bun­des­agen­tur für Arbeit in ande­ren Geset­zen über­tra­gen hat, trägt er nach § 363 Abs. 2 SGB III (bis 2012: § 363 Abs. 3 SGB III) die gesam­ten Kos­ten ein­schließ­lich der Ver­wal­tungs­kos­ten. Unter die­se Rege­lung fällt vor allem das Kin­der­geld nach dem Bun­des­kin­der­geld­ge­setz.
Wäh­rend der bis dahin in § 365 SGB III vor­ge­se­he­ne Defi­zit­aus­gleich durch Mit­tel des Bun­des mit Ablauf des Jah­res 2006 abge­schafft wur­de, erhielt die Bun­des­agen­tur für Arbeit ab dem Jah­re 2007 einen zweckun­ge­bun­de­nen Zuschuss aus Bun­des­mit­teln (§ 363 Abs. 1 SGB III in der Fas­sung des Art. 7 Nr. 4 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2006 vom 29.06.2006, BGBl I S. 1402; für 2012 geän­dert durch Art. 2 des Geset­zes zur Stär­kung der Finanz­kraft der Kom­mu­nen vom 06.12.2011, BGBl I S. 2563). Der Bund zahl­te auf die­ser Grund­la­ge, finan­ziert durch eine Erhö­hung der Umsatz­steu­er, zur Betei­li­gung an den Kos­ten der Arbeits­för­de­rung an die Bun­des­agen­tur für Arbeit in den Jah­ren 2007 bis 2012 Beträ­ge zwi­schen 6,468 Mrd. € und 8,05 Mrd. €; im Streit­jahr 2008 betrug der Zuschuss 7,583 Mrd. €.
Vor der Ein­füh­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zum 1.01.2005 sah das Sozi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch neben dem Arbeits­lo­sen­geld als der Ver­si­che­rungs­leis­tung für Arbeits­lo­se als wei­te­re Ent­gel­tersatz­leis­tung die bei Bedürf­tig­keit zu zah­len­de Arbeits­lo­sen­hil­fe vor (vgl. §§ 190 bis 206 SGB III in der bis zum 31.12.2004 gel­ten­den alten Fas­sung). Die ehe­mals Bun­des­an­stalt und nun Bun­des­agen­tur für Arbeit genann­te Behör­de erbrach­te sie nach § 205 Satz 1 SGB III 2004 im Auf­trag des Bun­des. Des­we­gen trug die­ser nach § 363 Abs. 1 Satz 1 SGB III 2004 auch die hier­für anfal­len­den Leis­tungs­aus­ga­ben. Die Ver­wal­tungs­kos­ten, die der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch die Arbeits­lo­sen­hil­fe ent­stan­den, wur­den ihr dage­gen vom Bund nicht erstat­tet (§ 363 Abs. 1 Satz 2 SGB III 2004). Der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­hil­fe konn­te – grund­sätz­lich ohne zeit­li­che Beschrän­kung – seit Ende 1999 nur noch im Anschluss an die Gewäh­rung von Arbeits­lo­sen­geld gel­tend gemacht wer­den (soge­nann­te Anschluss-Arbeits­lo­sen­hil­fe) und knüpf­te inso­weit an die Anwart­schaft auf Arbeits­lo­sen­geld an.
Neben Bezie­hern von Arbeits­lo­sen­geld hat­ten auch Emp­fän­ger von Arbeits­lo­sen­hil­fe wie auch sons­ti­ge Arbeits­lo­se oder von Arbeits­lo­sig­keit bedroh­te Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer ohne Anspruch auf Ent­gel­tersatz­leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch Anspruch auf Maß­nah­men der akti­ven Arbeits­för­de­rung. Eine Kos­ten­tra­gung durch den Bund hier­für war damals nicht vor­ge­se­hen, so dass die Kos­ten für die Ein­glie­de­rung von Emp­fän­gern von Arbeits­lo­sen­hil­fe und die damit ver­bun­de­nen Ver­wal­tungs­kos­ten aus Bei­trags­mit­teln auf­zu­brin­gen waren.
a)) Durch das Vier­te Gesetz für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 24.12.2003 [5] ent­fiel mit Wir­kung zum 1.01.2005 die Arbeits­lo­sen­hil­fe als Leis­tung der Arbeits­för­de­rung. Dafür schuf der Gesetz­ge­ber mit der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de für Erwerbs­fä­hi­ge und die mit ihnen in Bedarfs­ge­mein­schaft (dazu § 7 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 SGB II) leben­den Per­so­nen ein neu­es Sys­tem sozia­ler Für­sor­ge im Zwei­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­bu­ches. Sei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz hier­für lei­te­te der Bun­des­ge­setz­ge­ber aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG (öffent­li­che Für­sor­ge) her [6].
Die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de soll es Leis­tungs­be­rech­tig­ten ermög­li­chen, ein Leben zu füh­ren, das der Wür­de des Men­schen ent­spricht (§ 1 Abs. 1 SGB II); dazu soll sie erwerbs­fä­hi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te bei der Auf­nah­me oder Bei­be­hal­tung einer Erwerbs­tä­tig­keit unter­stüt­zen und ihren Lebens­un­ter­halt sichern, soweit sie ihn nicht auf ande­re Wei­se bestrei­ten kön­nen (§ 1 Abs. 2 Satz 2 SGB II). Das Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch unter­schei­det dazu zwi­schen Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts in §§ 19 ff. SGB II, vor­nehm­lich Arbeits­lo­sen­geld II und Sozi­al­geld, und Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung nach §§ 16 ff. SGB II. Vor­über­ge­hend sah es in § 24 SGB II in der bis zum 31.12.2010 gel­ten­den Fas­sung auch einen befris­te­ten Zuschlag vor, der an den vor­he­ri­gen Bezug von Arbeits­lo­sen­geld nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch anknüpf­te und so eine lose Ver­bin­dung der Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt nach den bei­den Leis­tungs­sys­te­men her­stell­te.
Je nach in Rede ste­hen­der Leis­tung – und abge­se­hen vom Son­der­fall der soge­nann­ten Opti­ons­kom­mu­nen – ist ent­we­der die Bun­des­agen­tur für Arbeit oder der jewei­li­ge kom­mu­na­le Leis­tungs­trä­ger für die Gewäh­rung der Leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch zustän­dig (Leis­tungs­trä­ger­schaft). Aller­dings wer­den die Zustän­dig­kei­ten von bei­den ins­be­son­de­re gegen­über den Leis­tungs­be­rech­tig­ten nach § 44b SGB II regel­mä­ßig ein­heit­lich und gemein­sam wahr­ge­nom­men – bis zum 31.12.2010 durch die soge­nann­ten Arbeits­ge­mein­schaf­ten, seit 1.01.2011 durch gemein­sa­me Ein­rich­tun­gen, die unter der Bezeich­nung "Job­cen­ter" auf­tre­ten (Durch­füh­rungs­trä­ger­schaft). Davon zu unter­schei­den ist schließ­lich die Fra­ge, wer die Kos­ten der Leis­tun­gen zu tra­gen hat (Kos­ten­trä­ger­schaft).
Die kom­mu­na­len Trä­ger – in der Regel die Krei­se und kreis­frei­en Städ­te – sind nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB II Leis­tungs­trä­ger für das Arbeits­lo­sen­geld II und das Sozi­al­geld, soweit die­se für den Bedarf für Unter­kunft und Hei­zung (§ 22 SGB II) erbracht wer­den, für die Leis­tun­gen zur Erst­aus­stat­tung einer Woh­nung (§ 24 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 SGB II), für Erst­aus­stat­tun­gen für Beklei­dung und bei Schwan­ger­schaft und Geburt (§ 24 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB II), für Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be (§ 28 SGB II) und schließ­lich für kom­mu­na­le Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen (§ 16a SGB II), wobei es sich bei die­sen um nicht unmit­tel­bar auf die Ver­mitt­lung in Arbeit zie­len­de, son­dern die­se vor­be­rei­ten­de oder beglei­ten­de Leis­tun­gen wie zum Bei­spiel die Kin­der­be­treu­ung oder die Schuld­ner­be­ra­tung han­delt. Die Leis­tungs­trä­ger­schaft der Bun­des­agen­tur für Arbeit erstreckt sich nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB II auf die übri­gen Leis­tun­gen, nament­lich auf die Erbrin­gung von Leis­tun­gen zur Siche­rung des Regel­be­darfs (§ 20 SGB II) und eines Mehr­be­darfs (§ 21 SGB II), auf die Durch­füh­rung der Sozi­al­ver­si­che­rung für Leis­tungs­be­zie­her sowie auf die Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Arbeit (§§ 16 ff. SGB II) mit Aus­nah­me der kom­mu­na­len Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen.
Mit der Auf­ga­ben­zu­stän­dig­keit der kom­mu­na­len Trä­ger nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB II geht grund­sätz­lich deren Kos­ten­trä­ger­schaft ein­her. § 46 Abs. 5 bis Abs. 11 SGB II ord­net aller­dings eine Geld­zah­lung des Bun­des an die Län­der an, wel­che die Absicht ver­folgt, eine Ent­las­tung der Kom­mu­nen bei den Kos­ten der Unter­kunft und Hei­zung und hin­sicht­lich der Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be zu bewir­ken; die Rege­lung soll aber kei­nen Anspruch der Kom­mu­nen gegen den Bund oder die Län­der begrün­den [7].
Dem­ge­gen­über trägt nach § 46 Abs. 1 Satz 1 SGB II der Bund die Auf­wen­dun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ein­schließ­lich der Ver­wal­tungs­kos­ten, soweit die Leis­tun­gen von der Bun­des­agen­tur für Arbeit erbracht wer­den (Kos­ten­trä­ger­schaft des Bun­des). Anders als hin­sicht­lich der Auf­wen­dun­gen für die Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt, die exakt abge­rech­net wer­den, kann dabei für die Mit­tel, die für die Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen und die Ver­wal­tungs­kos­ten benö­tigt wer­den, eine pau­scha­lier­te Abrech­nung durch die Bun­des­agen­tur in einem soge­nann­ten Gesamt­bud­get vor­ge­se­hen wer­den (§ 46 Abs. 1 Satz 5 SGB II).
Kei­ne Zustän­dig­kei­ten besitzt die Bun­des­agen­tur für Arbeit hin­ge­gen im Fal­le einer kom­mu­na­len Ein­heits­trä­ger­schaft durch zuge­las­se­ne kom­mu­na­le Trä­ger, die soge­nann­ten Opti­ons­kom­mu­nen (§ 6a SGB II i.V.m. der Kom­mu­nal­trä­ger-Zulas­sungs­ver­ord­nung vom 24.09.2004 [8]); zur Zeit sind dies 104 Krei­se und kreis­freie Städ­te, 2005 waren es 69. Für die Leis­tungs­er­brin­gung durch die Opti­ons­kom­mu­nen ent­hält § 6b Abs. 2 SGB II eine spe­zi­el­le Finan­zie­rungs­re­ge­lung.
Vor die­sem Hin­ter­grund sah § 46 Abs. 4 SGB II in der jeweils gel­ten­den Fas­sung von 2005 bis 2012 die im Ver­fah­ren strei­ti­gen Trans­fer­zah­lun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit an den Bun­des­haus­halt zur teil­wei­sen Deckung der Kos­ten der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vor. Sie wur­den wegen ihrer unter­schied­li­chen Berech­nungs­mo­da­li­tä­ten von 2005 bis 2007 "Aus­steue­rungs­be­trag", danach "Ein­glie­de­rungs­bei­trag" genannt.
§ 46 Abs. 4 SGB II in der vom 01.01.2005 bis 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung (§ 46 Abs. 4 SGB II 2005), der für das Ver­fah­ren 1 BvR 1728/​12 maß­geb­lich ist, nor­mier­te den soge­nann­ten Aus­steue­rungs­be­trag. Unmit­tel­ba­re gesetz­li­che Grund­la­ge war das Gesetz zur optio­na­len Trä­ger­schaft von Kom­mu­nen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch vom 30.07.2004 [9]; die Rege­lung war aller­dings bereits im Vier­ten Gesetz für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 24.12.2003 [10] – als Absatz 2 – ent­hal­ten.
Danach hat­te die Bun­des­agen­tur für Arbeit vier­mal im Jahr eine als Aus­steue­rungs­be­trag bezeich­ne­te Trans­fer­zah­lung an den Bund zu erbrin­gen, wel­che anhand der Zahl der Arbeit­su­chen­den zu bemes­sen war, die nach dem Ende des Arbeits­lo­sen­geld­be­zugs inner­halb von drei Mona­ten einen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld II erwar­ben (soge­nann­te "Rechts­kreis­wechs­ler", weil sie aus dem Leis­tungs­sys­tem des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Drit­tes Buch in das des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Zwei­tes Buch "wech­sel­ten"). Die Höhe des Aus­steue­rungs­be­tra­ges ergab sich aus der Mul­ti­pli­ka­ti­on der Zahl der Rechts­kreis­wechs­ler mit dem Zwölf­fa­chen der durch­schnitt­li­chen monat­li­chen Auf­wen­dun­gen für Arbeits­lo­sen­geld II, Sozi­al­geld und der Bei­trä­ge zur Sozi­al­ver­si­che­rung für eine Bedarfs­ge­mein­schaft im vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­vier­tel­jahr. Im Kalen­der­jahr 2005 errech­ne­te sich dar­aus für den Aus­steue­rungs­be­trag ein Volu­men von 4,56 Mrd. € (das ent­sprach 8,65 % der Gesamt­ein­nah­men der Bun­des­agen­tur für Arbeit von 52,69 Mrd. € oder 9,7 % der Bei­trags­ein­nah­men von 46,99 Mrd. €).
Aus­weis­lich der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs [11] soll­te der Aus­steue­rungs­be­trag einer­seits einen Anreiz für die Bun-des­agen­tur für Arbeit schaf­fen, Arbeits­lo­se noch wäh­rend des Bezugs von Arbeits­lo­sen­geld nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch dau­er­haft beruf­lich ein­zu­glie­dern. Ande­rer­seits soll­te er bewir­ken, "dass die finan­zi­el­len Mit­tel, die bis­her aus dem Haus­halt der Bun­des­an­stalt für Arbeit für Arbeits­lo­sen­hil­fe­be­zie­her ver­wen­det wur­den, zum größ­ten Teil für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zur Ver­fü­gung gestellt wer­den" [12].
Durch Art. 2 des Sechs­ten Geset­zes zur Ände­rung des Drit­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch und ande­rer Geset­ze vom 22.12.2007 [13] wur­de der Aus­steue­rungs­be­trag mit Wir­kung zum 1.01.2008 (vgl. Art. 5 Abs. 1 des Geset­zes) durch einen Ein­glie­de­rungs­bei­trag in Höhe einer hälf­ti­gen Betei­li­gung der Bun­des­agen­tur für Arbeit an den vom Bund zu tra­gen­den Ein­glie­de­rungs- und Ver­wal­tungs­kos­ten nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch ersetzt und § 46 Abs. 4 SGB II ent­spre­chend neu gefasst (§ 46 Abs. 4 SGB II 2008).
Gleich­zei­tig wur­de durch Art. 1 Nr. 2 des­sel­ben Geset­zes der Bei­trags­satz zur Arbeits­för­de­rung von 4,2 % auf 3,3 % gesenkt (§ 341 Abs. 2 SGB III in der vom 01.01.2008 bis zum 31.12.2008 gel­ten­den Fas­sung).
Anlass für die Neu­re­ge­lung waren die zum dama­li­gen Zeit­punkt anhal­ten­de posi­ti­ve gesamt­wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und die von der Bun­des­agen­tur für Arbeit erwirt­schaf­te­ten Über­schüs­se. Letz­te­re führ­te der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung [14] auch auf die vor­aus­ge­gan­ge­nen Refor­men am Arbeits­markt und ins­be­son­de­re auf die Zusam­men­le­gung von Arbeits­lo­sen­hil­fe und Sozi­al­hil­fe zurück. Von grund­le­gen­der Bedeu­tung sei, dass mit der Ein­füh­rung des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Zwei­tes Buch die Ver­pflich­tung der Bun­des­agen­tur für Arbeit zur Finan­zie­rung der akti­ven Arbeits­för­de­rung und ande­rer Leis­tun­gen für ehe­ma­li­ge Arbeits­lo­sen­hil­fe­be­zie­her ent­fal­len sei. Da der gesamt­wirt­schaft­li­che Auf­schwung jedoch nur zu einem gerin­gen Rück­gang der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit geführt habe, bestehe zwi­schen der Finanz­ent­wick­lung der Bun­des­agen­tur für Arbeit und den finan­zi­el­len Belas­tun­gen des Bun­des ein deut­li­ches Ungleich­ge­wicht. Des­halb sei die finan­zi­el­le Las­ten­ver­tei­lung an der Schnitt­stel­le zwi­schen Bund und Bun­des­agen­tur für Arbeit neu zu regeln.
In der Begrün­dung zur Neu­fas­sung des § 46 Abs. 4 SGB II hieß es [15]:
"Die Betei­li­gung der Bun­des­agen­tur für Arbeit an den Kos­ten der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit knüpft dar­an an, dass die­se schon vor der Zusam­men­le­gung von Arbeits­lo­sen­hil­fe und Sozi­al­hil­fe Ein­glie­de­rungs- und Ver­wal­tungs­leis­tun­gen für Lang­zeit­ar­beits­lo­se erbracht hat. Mit der Ein­füh­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ist die Bun­des­agen­tur für Arbeit bei den Aus­ga­ben für Ein­glie­de­rung und Ver­wal­tung in Mil­li­ar­den­hö­he ent­las­tet wor­den. Bei einer Net­to­be­trach­tung wer­den Bei­trags­mit­tel des Haus­halts der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch den Ein­glie­de­rungs­bei­trag nicht in Anspruch genom­men. Die Betei­li­gung des Bun­des an den Kos­ten der Arbeits­för­de­rung über­schrei­tet der­zeit den von der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu leis­ten­den Ein­glie­de­rungs­bei­trag deut­lich.
Mit dem Ein­glie­de­rungs­bei­trag wird die Bun­des­agen­tur für Arbeit an einer posi­ti­ven Ent­wick­lung der Inte­gra­ti­on Lang­zeit­ar­beits­lo­ser in den Arbeits­markt betei­ligt. Durch früh­zei­ti­ge Ein­glie­de­rung im Bereich der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung kann die Bun­des­agen­tur für Arbeit Über­trit­te in die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ver­hin­dern. Die jeweils in der Fol­ge sin­ken­den Auf­wen­dun­gen für Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen und Ver­wal­tungs­kos­ten min­dern den von der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu leis­ten­den Ein­glie­de­rungs­bei­trag."
Die Erset­zung des Aus­steue­rungs­be­tra­ges durch den Ein­glie­de­rungs­bei­trag hat­te eine – beab­sich­ti­ge – finan­zi­el­le Mehr­be­las­tung der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch die Trans­fer­zah­lung nach § 46 Abs. 4 SGB II 2005/​2008 zur Fol­ge. Im Jahr 2008 führ­te er bei der Bun­des­agen­tur zu Aus­ga­ben von 5 Mrd. € (das ent­sprach 13,06 % ihrer Gesamt­ein­nah­men von 38,29 Mrd. € oder 18,9 % ihrer Bei­trags­ein­nah­men von 26,45 Mrd. €).
Durch Art. 1 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013 vom 20.12.2012 [16] wur­de § 46 Abs. 4 SGB II mit Wir­kung zum 1.01.2013 ersatz­los auf­ge­ho­ben und damit die Betei­li­gung der Bun­des­agen­tur für Arbeit an der Finan­zie­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de besei­tigt. Im Gegen­zug ent­fiel auf Grund von Art. 2 des Geset­zes auch die Bun­des­be­tei­li­gung an der Finan­zie­rung der Auf­ga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch den zweckun­ge­bun­de­nen Zuschuss nach § 363 Abs. 1 SGB III a.F. Motiv hier­für war nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en die Ent­flech­tung der Finanz­be­zie­hun­gen zwi­schen den Haus­hal­ten des Bun­des und der Bun­des­agen­tur für Arbeit [17]. Da der Weg­fall des Bun­des­zu­schus­ses durch die Auf­he­bung des Ein­glie­de­rungs­bei­trags nicht voll­stän­dig kom­pen­siert wur­de, ver­wie­sen die Geset­zes­ma­te­ria­li­en die Bun­des­agen­tur für Arbeit auf eine Deckung des Fehl­be­trags mit­tels ihrer Rück­la­ge [18].
Die bei­den Beschwer­de­füh­rer – ein Arbeit­neh­mer [1] und eine Arbeit­ge­be­rin [2] – schei­ter­ten mit einer Kla­ge gegen die Höhe der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge vor dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt [19]. In bei­den, im Wesent­li­chen über­ein­stim­mend begrün­de­ten Ent­schei­dun­gen ging das Bun­des­so­zi­al­ge­richt davon aus, die Kla­gen sei­en zuläs­sig, könn­ten jedoch in der Sache kei­nen Erfolg haben.
Ein Erstat­tungs­an­spruch für zu Unrecht ent­rich­te­te Bei­trä­ge nach § 26 Abs. 2 SGB IV in Ver­bin­dung mit § 351 Abs. 1 Satz 1 SGB III bestehe nicht. Die Fest­set­zung der Bei­trä­ge zur Arbeits­för­de­rung sei nicht zu Unrecht erfolgt. Der im Jahr 2005 bezie­hungs­wei­se der im Jahr 2008 gel­ten­de gesetz­li­che Bei­trags­satz in der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung sei nicht rechts­wid­rig zu hoch fest­ge­legt.
Die Bei­trags­be­las­tung ver­let­ze den jewei­li­gen Beschwer­de­füh­rer nicht in sei­nem Grund­recht aus Art. 2 Abs. 1 GG. Die­ses schüt­ze die Bei­trags­zah­ler ein­schließ­lich der bei­trags­pflich­ti­gen Arbeit­ge­ber zwar vor einer ver­fas­sungs­wid­rig zu hohen Belas­tung in einer Zwangs­ver­si­che­rung. Die Annah­me eines Ein­griffs set­ze jedoch vor­aus, dass die Zah­lung des Aus­steue­rungs­be­tra­ges bezie­hungs­wei­se des Ein­glie­de­rungs­bei­trags aus Mit­teln der Bun­des­agen­tur für Arbeit erfol­ge, die aus Bei­trä­gen auf­ge­bracht wor­den sei­en, und ein recht­lich rele­van­ter Zusam­men­hang zwi­schen der Höhe des Bei­trags­sat­zes und den Belas­tun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch die jewei­li­ge Trans­fer­zah­lung bestan­den habe.
Wenn­gleich Bei­trags­zah­ler und Ver­si­cher­te kei­nen Anspruch auf eine bestimm­te Mit­tel­ver­wen­dung hät­ten, fol­ge aus einem Kam­mer­be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts [20] im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts, dass die Ver­wen­dung von Mit­teln aus dem Bei­trags­auf­kom­men nicht mehr in jedem Fall und aus­nahms­los ohne Bedeu­tung für Grund­rech­te der Bei­trags­zah­ler sei, son­dern zumin­dest dar­auf über­prüft wer­den kön­ne, "ob äußers­te Gren­zen über­schrit­ten" wor­den sei­en [21]. Der­ar­ti­ge "äußers­te – auf Ver­fas­sungs­nor­men beru­hen­de – Gren­zen" habe der Gesetz­ge­ber nicht über­schrit­ten [22]. § 46 Abs. 4 SGB II stel­le sich in bei­den Fas­sun­gen trotz der durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts begrün­de­ten stren­gen Zweck­bin­dung der Bei­trä­ge, die nur sol­che Finan­zie­rungs­re­ge­lun­gen zulas­se, die einen sach­lich-gegen­ständ­li­chen Bezug zur Sozi­al­ver­si­che­rung auf­wie­sen, "(noch) als kom­pe­tenz­ge­mäß" im Sin­ne des Art. 74 Abs. 1 Nr. 12 GG dar [23]. Dem Gesetz­ge­ber ste­he ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zu. Die durch den Aus­steue­rungs­be­trag und den Ein­glie­de­rungs­bei­trag erho­be­nen Mit­tel "dien­ten näm­lich (noch) zur Finan­zie­rung von Auf­ga­ben der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung, zu denen (vor­ran­gig) die – bei­trags­fi­nan­zier­te – akti­ve Arbeits­för­de­rung (vgl §§ 1, 3, 5 SGB III) und hier die Ver­mei­dung von Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit" gehö­re [24].
Ein aus­rei­chen­der "grup­pen­spe­zi­fi­scher Ver­ant­wor­tungs­zu­sam­men­hang" in Gestalt einer "ver­län­ger­ten" Ver­ant­wor­tung der in der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung (zwangs­wei­se) zusam­men­ge­fass­ten Soli­dar­ge­mein­schaft habe bestan­den [25]. Die Trans­fers stün­den "(noch) in einem hin­rei­chen­den sach­lich-gegen­ständ­li­chen Bezug" zur Arbeits­ver­mitt­lung und zur Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung [24]. Vor allem die Bestim­mungs­pa­ra­me­ter für den Umfang der Trans­fers bil­de­ten einen hin­rei­chen­den Nexus für eine Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trags­pflicht.
Die Ein­glie­de­rungs­maß­nah­men wür­den im Auf­trag des Bun­des von der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch­ge­führt. Die Ver­ant­wor­tung des Bun­des für die­se Auf­ga­be und die Finan­zie­rung durch Steu­ern sei­en erst durch die "Hartz IV"-Reformen ein­ge­führt wor­den. Jedoch las­se sich einer "sol­chen for­ma­len Zuord­nung der Auf­ga­be akti­ver Arbeits­för­de­rung bzw ihrer for­ma­len Auf­tei­lung auf die Rechts­krei­se SGB III und SGB II kom­pe­tenz­recht­lich nichts ent­neh­men" [26], da die Arbeits­för­de­rung rechts­kreis­über­grei­fend statt­fin­de und unab­hän­gig davon sei, ob Leis­tun­gen aus Steu­er- oder Bei­trags­mit­teln stamm­ten. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe zudem eine Aus­wei­tung des Krei­ses der sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich geschütz­ten Per­so­nen in stän­di­ger Recht­spre­chung stets gebil­ligt. Das müs­se dann auch für die Aus­wei­tung ihrer Auf­ga­ben gel­ten. Eine hin­rei­chen­de "Zweck­be­stim­mung auf der Aus­ga­ben­sei­te" erge­be sich "kon­zep­tio­nell aus der Art der Berech­nung des Aus­steue­rungs­be­trags" [27]; ein grup­pen­spe­zi­fi­scher Ver­ant­wor­tungs­zu­sam­men­hang lie­ge vor.
Zudem kom­me die Ver­wen­dung der Mit­tel durch die erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on der Grund­si­che­rungs­emp­fän­ger in den Arbeits­markt auch der Leis­tungs­fä­hig­keit des Sys­tems der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung zugu­te.
Die bei­den Finan­zie­rungs­re­ge­lun­gen des § 46 Abs. 4 SGB II 2005/​2008 sei­en wegen ihres sach­lich-gegen­ständ­li­chen Bezugs zum Bereich der Arbeits­ver­mitt­lung sowie der Sozi­al­ver­si­che­rung ein­schließ­lich der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung und wegen der zum 1.01.2005 erfolg­ten Ent­las­tung der "Soli­dar­ge­mein­schaft des SGB III" auch als ver­hält­nis­mä­ßig anzu­se­hen [28]; nament­lich durch den Weg­fall der Kos­ten für die Ein­glie­de­rung von Arbeits­lo­sen­hil­fe­emp­fän­gern ab 2005 bezie­hungs­wei­se die Begren­zung der Finan­zie­rungs­be­tei­li­gung der Bun­des­agen­tur für Arbeit ab 2008.
Zu der gerüg­ten Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 1 GG führ­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt aus, die Trans­fer­zah­lun­gen sei­en mit Blick auf die Ver­si­cher­ten als "eigen- bzw grup­pen­nüt­zig" und daher durch den "Gesichts­punkt der ‚Vor­teils­ge­wäh­rung‘ legi­ti­miert" anzu­se­hen [29]. Den Beschwer­de­füh­rern sei­en im Ver­hält­nis zu ande­ren Steu­er, aber Nicht-Bei­trags­pflich­ti­gen nicht "über­pro­por­tio­nal" hohe finan­zi­el­le Las­ten auf­er­legt wor­den. Bei Ver­si­cher­ten sei eine Bei­trags­be­las­tung jeden­falls dann sach­lich gerecht­fer­tigt, wenn die­se über ihre Steu­er­pflicht hin­aus ledig­lich zu sol­chen Ver­si­che­rungs­bei­trä­gen her­an­ge­zo­gen wür­den, die der Finan­zie­rung des gera­de auch ihnen selbst zugu­te­kom­men­den Ver­si­che­rungs­schut­zes dien­ten und des­halb eigen- bezie­hungs­wei­se grup­pen­nüt­zig sei­en. Die­ser Gesichts­punkt der Vor­teils­ge­wäh­rung legi­ti­mie­re auch die Zah­lung des Aus­steue­rungs­be­tra­ges durch die Bun­des­agen­tur für Arbeit an den Bund. Eine bei­trags­pflich­ti­ge Arbeit­ge­be­rin und des­halb am Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis Betei­lig­te im Sin­ne des Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts kön­ne kei­ne ande­re Behand­lung als ein Ver­si­cher­ter ver­lan­gen.
Auch sons­ti­ge Ver­fas­sungs­nor­men sah das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in bei­den Ent­schei­dun­gen nicht als ver­letzt an.
Die hier­ge­gen gerich­te­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­den wies das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nun als unbe­grün­det zurück:
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind zuläs­sig. Ins­be­son­de­re sind die Beschwer­de­füh­rer beschwer­de­be­fugt.
Nach § 90 Abs. 1 BVerfGG ist im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren beschwer­de­be­fugt, wer behaup­ten kann, durch die öffent­li­che Gewalt in einem sei­ner Grund­rech­te oder grund­rechts­glei­chen Rech­te ver­letzt zu sein. Eine Beschwer in die­sem Sin­ne liegt vor, wenn der Beschwer­de­füh­rer durch den ange­grif­fe­nen Hoheits­akt selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar betrof­fen ist [30].
Die Beschwer­de­füh­rer sind bereits durch die von ihnen ange­grif­fe­nen Urtei­le des Bun­des­so­zi­al­ge­richts beschwert. Der Sache nach tra­gen sie vor, der nach Ein­füh­rung des Aus­steue­rungs­be­tra­ges und des Ein­glie­de­rungs­bei­trags gel­ten­de Bei­trags­satz zur Arbeits­för­de­rung für 2005 und für 2008 ver­let­ze sie wegen sei­ner Höhe in Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG.
Zwar sind sie nicht Normadres­sa­ten der Trans­fer­re­ge­lun­gen des § 46 Abs. 4 SGB II 2005/​2008, denn die­se rich­ten sich aus­schließ­lich an die Bun­des­agen­tur für Arbeit. Doch erscheint es nach dem Vor­trag der Beschwer­de­füh­rer mög­lich, dass die­se Rege­lun­gen über die Bemes­sung des durch den Gesetz­ge­ber in § 341 Abs. 2 SGB III bestimm­ten Bei­trags­sat­zes, der sich am Mit­tel­be­darf der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu ori­en­tie­ren und damit die Trans­fer­zah­lun­gen ange­sichts ihres Volu­mens ein­zu­be­zie­hen hat­te, in recht­lich erheb­li­cher und nicht nur reflex­haf­ter Wei­se ihre Bei­trags­pflicht und zudem das Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis des Beschwer­de­füh­rers im Ver­fah­ren 1 BvR 1728/​12 nach­tei­lig beein­flusst haben.
Dem steht der Grund­satz, dass sich aus den Grund­rech­ten kein Anspruch eines Mit­glieds eines öffent­lich-recht­li­chen Zwangs­ver­ban­des auf die gene­rel­le Unter­las­sung einer bestimm­ten Mit­tel­ver­wen­dung ergibt [31], nicht ent­ge­gen. In den vor­lie­gen­den Beschwer­de­fäl­len wen­den sich die Beschwer­de­füh­rer nicht gegen die Erbrin­gung von ein­zel­nen Leis­tun­gen an ande­re Ver­si­cher­te. Sie bean­stan­den viel­mehr die sie selbst belas­ten­de Bei­trags­hö­he, die von den strei­ti­gen durch Bun­des­ge­setz in § 46 Abs. 4 SGB II 2005/​2008 ange­ord­ne­ten Trans­fer­leis­tun­gen mit­be­stimmt wer­de. Dadurch unter­schei­det sich die hie­si­ge Situa­ti­on von der Fall­kon­stel­la­ti­on, die den Ent­schei­dun­gen über die Finan­zie­rung von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen durch die Kran­ken­ver­si­che­rung zugrun­de lag [32].
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind nicht begrün­det. Zwar sind Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge streng zweck­ge­bun­den und dür­fen nament­lich nicht für die Finan­zie­rung des all­ge­mei­nen Staats­haus­hal­tes ver­wen­det wer­den [33]. Mit Blick auf die Beson­der­hei­ten der hier zur Prü­fung ste­hen­den Trans­fers in den kon­kre­ten Streit­jah­ren 2005 und 2008 haben die Ver­fas­sungs­be­schwer­den jedoch kei­nen Erfolg. Dies gilt sowohl hin­sicht­lich eines Ver­sto­ßes gegen den Gleich­heits­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG in Gestalt des Gebots der Belas­tungs­gleich­heit als auch hin­sicht­lich eines Ver­sto­ßes gegen die durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­te all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit.
Für das Jahr 2005 ist die Trans­fer­re­ge­lung und die an sie anknüp­fen­de gesetz­li­che Fest­set­zung des Bei­trags­sat­zes trotz des Ver­bots staats­fi­nan­zie­ren­der Haus­halts­trans­fers aus Bei­trags­mit­teln aus­nahms­wei­se nicht zu bean­stan­den, weil der mit der Ein­füh­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ver­bun­de­ne Sys­tem­wech­sel bei der sozi­al­staat­li­chen Bekämp­fung der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit es vor­über­ge­hend recht­fer­tig­te, die bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit hier­für vor­han­de­nen Mit­tel dem Bun­des­haus­halt zur Ver­fü­gung zu stel­len, aus dem die Auf­ga­be fort­an zu finan­zie­ren war. Im Jahr 2008 fehl­te eine ent­spre­chen­de Recht­fer­ti­gung, doch wirk­te sich der Trans­fer im Ergeb­nis nicht auf den Bei­trags­satz aus, da ihm ein höhe­rer zweckun­ge­bun­de­ner Zuschuss des Bun­des an die Bun­des­agen­tur für Arbeit gegen­über­stand.
Maß­stab für die Beur­tei­lung der ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen ist pri­mär das Gebot der Belas­tungs­gleich­heit aus Art. 3 Abs. 1 GG.
Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Das hier­aus fol­gen­de Gebot, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln, gilt für unglei­che Belas­tun­gen und unglei­che Begüns­ti­gun­gen. Dabei ver­wehrt Art. 3 Abs. 1 GG dem Gesetz­ge­ber nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung. Dif­fe­ren­zie­run­gen bedür­fen jedoch stets der Recht­fer­ti­gung durch Sach­grün­de, die dem Ziel und dem Aus­maß der Ungleich­be­hand­lung ange­mes­sen sind. Dabei gilt ein stu­fen­lo­ser am Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ori­en­tier­ter ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fungs­maß­stab, des­sen Inhalt und Gren­zen sich nicht abs­trakt, son­dern nur nach den jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sach- und Rege­lungs­be­rei­chen bestim­men las­sen [34].
Die Erhe­bung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen erfor­dert vor die­sem Hin­ter­grund die Beach­tung des aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz abge­lei­te­ten Gebots der Belas­tungs­gleich­heit [35], das sich auf alle staat­lich gefor­der­ten Abga­ben erstreckt [36].
In Bezug auf nicht­steu­er­li­che Abga­ben ver­langt der Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG einen sach­lich ein­leuch­ten­den Grund dafür, dass ein Pri­va­ter im Unter­schied zu ande­ren Pri­va­ten über sei­ne Steu­er­pflicht hin­aus zu einer Abga­be her­an­ge­zo­gen wird. Wäh­rend jeder Bür­ger ohne Wei­te­res der Steu­er­ge­walt unter­wor­fen ist, bedür­fen wei­te­re Abga­be­las­ten im Hin­blick auf die Belas­tungs­gleich­heit einer beson­de­ren Recht­fer­ti­gung [37]. In der Sozi­al­ver­si­che­rung ergibt sich die­se Recht­fer­ti­gung für Ver­si­cher­te aus der Abde­ckung des jewei­li­gen Risi­kos: Die Bei­trags­be­las­tung ist ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich, wenn Ver­si­cher­te über ihre Steu­er­pflicht hin­aus ledig­lich zu sol­chen Bei­trä­gen her­an­ge­zo­gen wer­den, die der Finan­zie­rung des gera­de auch ihnen zugu­te­kom­men­den Ver­si­che­rungs­schut­zes die­nen. Dabei wird ein in die­sem Sin­ne eigen­nüt­zi­ger Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag nicht dadurch fremd­nüt­zig, dass er zugleich dem der Sozi­al­ver­si­che­rung inhä­ren­ten sozia­len Aus­gleich zuguns­ten ande­rer Ver­si­cher­ter dient [38].
Für Arbeit­ge­ber und ähn­li­che Per­so­nen wie die zur Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be Ver­pflich­te­ten ist der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag dage­gen von vorn­her­ein fremd­nüt­zig, denn er ver­si­chert nicht ihr eige­nes, son­dern ein frem­des Risi­ko. Die Bei­trä­ge unter­lie­gen des­we­gen einem gestei­ger­ten Recht­fer­ti­gungs­be­darf. Die­se Recht­fer­ti­gung kann sich aus spe­zi­fi­schen Ver­ant­wort­lich­keits­be­zie­hun­gen zwi­schen Zah­lungs­ver­pflich­te­ten und Ver­si­cher­ten erge­ben, die in den Lebens­ver­hält­nis­sen, wie sie sich geschicht­lich ent­wi­ckelt haben und wei­ter ent­wi­ckeln, ange­legt sind [39]. In bei­den Fäl­len beschränkt sich die Legi­ti­ma­ti­on der Bei­trags­be­las­tung aller­dings auf die Finan­zie­rung im Bin­nen­sys­tem der Sozi­al­ver­si­che­rung. Sie erstreckt sich grund­sätz­lich nicht auf die Finan­zie­rung von Leis­tun­gen an Drit­te außer­halb der Sozi­al­ver­si­che­rung. Ihre Recht­fer­ti­gung ergibt sich dar­aus, dass nur die Grup­pe der Sozi­al­ver­si­cher­ten einen Vor­teil in Gestalt des Ver­si­che­rungs­schut­zes erhält, nicht aber die Steu­er­pflich­ti­gen ins­ge­samt [40]. Auch der sozia­le Aus­gleich der Sozi­al­ver­si­che­rung beschränkt sich auf ande­re Ver­si­cher­te [41]. Die Bei­trä­ge der nicht­ver­si­cher­ten Bei­trags­zah­ler müs­sen – wie die der Ver­si­cher­ten – grund­sätz­lich den Mit­glie­dern der Sozi­al­ver­si­che­rung zugu­te­kom­men. Denn die Recht­fer­ti­gung der fremd­nüt­zi­gen Bei­trags­pflicht der Nicht­ver­si­cher­ten beruht allein auf der Ver­ant­wor­tungs­be­zie­hung zwi­schen ihnen und den Ver­si­cher­ten und ver­mag damit nicht wei­ter zu rei­chen als die Ver­ant­wort­lich­keit der Ver­si­cher­ten selbst.
Ver­fas­sungs­recht­li­che Gren­zen gel­ten aber, wenn Mit­tel der Sozi­al­ver­si­che­rung durch den Gesetz­ge­ber anders zuge­ord­net wer­den. Auch ein Trans­fer von Mit­teln der Sozi­al­ver­si­che­rung setzt vor­aus, dass sie für Zwe­cke im Bin­nen­sys­tem der Sozi­al­ver­si­che­rung [40] ver­wen­det wer­den. Die erho­be­nen Geld­mit­tel dür­fen allein zur Finan­zie­rung der Auf­ga­ben der Sozi­al­ver­si­che­rung ein­ge­setzt wer­den; zur Befrie­di­gung des all­ge­mei­nen Finanz­be­darfs des Staats und sei­ner sons­ti­gen Glie­der ste­hen sie nicht zur Ver­fü­gung [42]. Dem­entspre­chend ist der Gesetz­ge­ber bei der Fest­set­zung des Bei­trags­sat­zes nicht gänz­lich frei: Viel­mehr hat die mit der Zuord­nung zur Sozi­al­ver­si­che­rung ver­bun­de­ne Recht­fer­ti­gung nicht nur Bedeu­tung für die Bei­trags­er­he­bung dem Grun­de nach, son­dern begrenzt gleich­zei­tig ihre Bemes­sung.
Die Sozi­al­ver­si­che­rung umfasst dabei alles, was sich der Sache nach als Sozi­al­ver­si­che­rung dar­stellt [43]. Ande­rer­seits genügt es nicht, dass eine Rege­lung in irgend­ei­ner Wei­se all­ge­mein der "sozia­len Sicher­heit" zuge­ord­net wer­den kann; viel­mehr muss geprüft wer­den, ob die­ses Ziel gera­de auf dem spe­zi­fi­schen Wege der Sozi­al­ver­si­che­rung erreicht wer­den soll [44]. Kenn­zeich­nend sind ins­be­son­de­re die gemein­sa­me Deckung eines mög­li­chen, in sei­ner Gesamt­heit schätz­ba­ren Bedarfs durch Ver­tei­lung auf eine orga­ni­sier­te Viel­heit, die orga­ni­sa­to­ri­sche Durch­füh­rung durch selb­stän­di­ge Anstal­ten oder Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts (Art. 87 Abs. 2 GG), die abzu­de­cken­den Risi­ken und die Mit­tel­auf­brin­gung durch Bei­trä­ge der Betei­lig­ten [45]. Das Prin­zip des ver­si­che­rungs­recht­li­chen Risi­ko­aus­gleichs kann sozi­al modi­fi­ziert und mit Ele­men­ten der öffent­li­chen Für­sor­ge ver­bun­den wer­den [46]. Dabei wird der Bereich der Sozi­al­ver­si­che­rung nicht über­schrit­ten, wenn das Für­sor­ge­prin­zip auf Kos­ten des Ver­si­che­rungs­prin­zips modi­fi­ziert wird [47]. Zudem gehört die Beschrän­kung auf Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer und auf eine indi­vi­du­el­le Not­la­ge nicht not­wen­dig zum Wesen der Sozi­al­ver­si­che­rung [43].
§ 46 Abs. 4 SGB II ord­net jeden­falls in der für das Jahr 2005 wie in der für das Jahr 2008 maß­geb­li­chen Fas­sung die Ver­wen­dung von Bei­trä­gen der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung zur Deckung des all­ge­mei­nen Finanz­be­darfs des Bun­des an. Auch hin­sicht­lich der Rege­lung für das Jahr 2005 ist zwei­fel­haft, ob die Rechts­kreis­wechs­ler wegen ihrer vor­ma­li­gen Mit­glied­schaft in der Sozi­al­ver­si­che­rung hin­sicht­lich der Ein­glie­de­rungs­maß­nah­men kos­ten­mä­ßig als Ver­si­cher­te betrach­tet wer­den dür­fen, da die­se Leis­tun­gen inzwi­schen gestützt auf den Kom­pe­tenz­ti­tel des Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG als Für­sor­ge­maß­nah­men gere­gelt sind und gesetz­lich ver­si­che­rungs­un­ab­hän­gig, zum Teil über­dies auch nicht von der Ver­si­che­rungs­an­stalt selbst erbracht wer­den. Dies begrün­det eine Ungleich­be­hand­lung. Zwar bleibt die Zah­lungs­pflicht der Bei­trags­zah­ler auch in der­ar­ti­gen Fäl­len for­mal eine Pflicht zur Bei­trags­leis­tung. Eine Ungleich­be­hand­lung im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 GG kann sich aber auch aus den prak­ti­schen Aus­wir­kun­gen einer for­ma­len Gleich­be­hand­lung erge­ben; ent­schei­dend sind der sach­li­che Gehalt der Vor­schrift und die auf die recht­li­che Gestal­tung der Norm zurück­ge­hen­den Wir­kun­gen [48]. Auf­grund der gesetz­lich ange­ord­ne­ten Ver­wen­dung von Bei­trags­mit­teln zur Finan­zie­rung des Bun­des­haus­halts wer­den hier Mit­tel­erhe­bung und Mit­tel­ver­wen­dung ver­schmol­zen und stel­len sich ihrem sach­li­chen Gehalt nach gegen­über den Beschwer­de­füh­rern als eine nor­ma­tiv ver­an­lass­te Belas­tungs­un­gleich­heit dar.
Die aus § 46 Abs. 4 SGB II 2005 in Ver­bin­dung mit § 341 Abs. 2 SGB III 2005 fol­gen­de Ungleich­be­hand­lung ist für das im Ver­fah­ren 1 BvR 1728/​12 allein im Streit ste­hen­de Jahr 2005 den­noch gerecht­fer­tigt.
Die Bun­des­agen­tur für Arbeit erbrach­te die Leis­tun­gen der akti­ven Arbeits­för­de­rung bis 2004 ohne Unter­schied an die Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld und Arbeits­lo­sen­hil­fe und gege­be­nen­falls auch an Per­so­nen, die gar kei­ne Ent­gel­tersatz­leis­tung erhiel­ten. Dem­entspre­chend flos­sen auch in die Mit­tel­be­mes­sung der Bun­des­agen­tur für Arbeit tra­di­tio­nell die Auf­wen­dun­gen für die Ein­glie­de­rung Lang­zeit­ar­beits­lo­ser und die Ver­wal­tungs­auf­wen­dun­gen, die für Arbeits­lo­sen­hil­fe­be­zie­her anfie­len, ein, ohne dass hier­für eine Erstat­tung der Auf­wen­dun­gen durch den Bund vor­ge­se­hen war. Mit der Ein­füh­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de und der damit ver­bun­de­nen weit­ge­hen­den Zusam­men­füh­rung der Arbeits­lo­sen­hil­fe und der Sozi­al­hil­fe nach dem Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz blie­ben die­se Auf­ga­ben zwar in der Leis­tungs­trä­ger­schaft der Bun­des­agen­tur für Arbeit, soweit nicht Opti­ons­kom­mu­nen zustän­dig waren; sie wird inso­weit aller­dings nicht als Selbst­ver­wal­tungs­kör­per­schaft tätig (§ 371 Abs. 4 SGB III i.V.m. § 47 Abs. 1 Satz 1 SGB II), son­dern unter­steht der Rechts- und Fach­auf­sicht des zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­ums, das auch Wei­sun­gen ertei­len darf. Die Durch­füh­rung erfolgt ohne­hin regel­mä­ßig durch die Arbeits­ge­mein­schaf­ten, spä­ter Job­cen­ter nach § 44b SGB II. Die Kos­ten­trä­ger­schaft ging auf den Bund über.
Die Ein­füh­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de war Teil eines grund­le­gen­den sozi­al­recht­li­chen Sys­tem­wech­sels, der umfas­sen­de recht­li­che, orga­ni­sa­to­ri­sche und tat­säch­li­che Ände­run­gen mit sich brach­te und nicht "von heu­te auf mor­gen" zu rea­li­sie­ren war. Das Ver­bot einer Ver­wen­dung von Bei­trags­mit­teln zur all­ge­mei­nen Staats­fi­nan­zie­rung ist jeden­falls in einer sol­chen Situa­ti­on nicht schon dadurch ver­letzt, dass die Finanz­strö­me nicht unmit­tel­bar zeit­gleich der geän­der­ten Auf­ga­ben­ver­ant­wort­lich­keit ange­passt wer­den und daher vor­über­ge­hend die Mit­tel­auf­brin­gung noch nicht voll­stän­dig mit der Zustän­dig­keit für die Mit­tel­ver­wen­dung kor­re­spon­diert. Die Ein­füh­rung der Grund­si­che­rung hat­te zwar zur Fol­ge, dass eine beson­de­re Ver­ant­wort­lich­keits­be­zie­hung zwi­schen den Bei­trags­zah­lern zur Bun­des­agen­tur für Arbeit und den Grund­si­che­rungs­emp­fän­gern nicht mehr ange­nom­men wer­den konn­te. Wegen der Beson­der­hei­ten des Sys­tem­wech­sels lässt sich jedoch über­gangs­wei­se eine per­so­na­le Ver­knüp­fung für die Per­so­nen­grup­pe der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen, die ohne den Sys­tem­wech­sel teil­wei­se bei­trags­fi­nan­zier­te Leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch erhal­ten hät­ten, recht­fer­ti­gen.
Für eine Über­gangs­frist war das in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en für den Aus­steue­rungs­be­trag genann­te Ziel legi­tim, die finan­zi­el­len Mit­tel, die bis­her aus dem Haus­halt der Bun­des­an­stalt für Arbeit für Arbeits­lo­sen­hil­fe­be­zie­her ver­wen­det wur­den, zum größ­ten Teil der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zur Ver­fü­gung zu stel­len [49]. Dar­auf zielt auch die Gegen­über­stel­lung der durch den Weg­fall der Arbeits­lo­sen­hil­fe ein­ge­spar­ten Beträ­ge einer­seits und des Aus­steue­rungs­be­tra­ges ander­seits in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en [50]. Inso­fern ist ver­fas­sungs­recht­lich trag­fä­hig, durch die Trans­fer­re­ge­lung die bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit vor­han­de­nen Mit­tel wei­ter­hin der Ein­glie­de­rung der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen zu wid­men und damit ent­spre­chend ihrem tra­di­tio­nel­len Zweck wei­ter zu ver­wen­den, auch wenn die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung und die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de struk­tu­rell und orga­ni­sa­to­risch nur gering­fü­gig mit­ein­an­der ver­knüpft sind, da sich die­se Vor­ga­be nur auf das Jahr der Umstel­lung für die Zeit nach dem Sys­tem­wech­sel bezog.
Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Berech­nung des Aus­steue­rungs­be­tra­ges nach der Aus­ge­stal­tung von § 46 Abs. 4 SGB II 2005 nicht an die Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen anknüpf­te, die mit den Leis­tun­gen der akti­ven Arbeits­för­de­rung ver­wandt sind, son­dern an den Bedarf für Arbeits­lo­sen­geld II, Sozi­al­geld und die Bei­trä­ge zur Sozi­al­ver­si­che­rung für die Rechts­kreis­wechs­ler und die mit ihnen in Bedarfs­ge­mein­schaft leben­den Per­so­nen. Dabei han­del­te es sich um einen blo­ßen Berech­nungs­mo­dus, nicht um eine gesetz­li­che Zweck­be­stim­mung.
Der mit der Sys­tem­um­stel­lung ein­her­ge­hen­de Bun­des­auf­wand ist daher für das Jahr 2005 ein hin­rei­chen­der Sach­grund für die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit vor­han­de­nen Mit­tel über die Trans­fer­zah­lung nach § 46 Abs. 4 SGB II 2005 und damit auf dem Umweg über den Bun­des­haus­halt wei­ter­hin zum Zwe­cke der Ein­glie­de­rung Lang­zeit­ar­beits­lo­ser zur Ver­fü­gung zu stel­len. Zwar ist die strei­ti­ge Vor­schrift nicht aus­drück­lich als Über­gangs­vor­schrift bezeich­net. Ent­schei­dend ist jedoch, dass sie inhalt­lich ver­fas­sungs­recht­lich zu recht­fer­ti­gen ist, da sie – aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ersicht­lich – für die Über­gangs­zeit eine Zuord­nung zur Sozi­al­ver­si­che­rung erlaubt, weil sie eine für deren Umbau not­wen­di­ge Rege­lung ist.
Die­se Recht­fer­ti­gung gilt auch für die Fest­le­gung des Bei­trags­sat­zes in § 341 Abs. 2 SGB III, der zur Beschwer der Bei­trags­zah­ler führt. Im Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht wie in ande­ren kom­ple­xen, auf künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen ange­leg­ten Rechts­be­rei­chen ver­fügt der Gesetz­ge­ber über einen wei­ten Ermes­sens­spiel­raum. Er darf die Bei­trags­satz­hö­he zwar nicht will­kür­lich fest­le­gen. Doch war im Jah­re 2005 die kurz­fris­tig fort­dau­ern­de Ein­be­zie­hung des Mit­tel­be­darfs für Sozi­al­leis­tun­gen an Lang­zeit­ar­beits­lo­se zuläs­sig, auch wenn die Umset­zung der ent­spre­chen­den Auf­ga­ben nun­mehr im Rah­men der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de erfolg­te.
Für das Jahr 2008 gilt die aus dem Sys­tem­wech­sel fol­gen­de Recht­fer­ti­gung dage­gen nicht mehr. Den­noch liegt kein Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG vor, weil die Trans­fer­zah­lung sich in die­sem Zeit­raum nicht auf die Höhe des Bei­trags­sat­zes aus­ge­wirkt hat.
Die Rege­lung des § 46 Abs. 4 SGB II 2008 liegt der Bei­trags­be­rech­nung nicht unmit­tel­bar zugrun­de. Der Mit­tel­trans­fer an den Bund durch die Zah­lung des Ein­glie­de­rungs­bei­trags hät­te sich viel­mehr nur dann zu Las­ten der Bei­trags­zah­ler und damit auch der Beschwer­de­füh­re­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 1756/​12 aus­wir­ken kön­nen, wenn – ver­mit­telt durch den im Jahr 2008 gel­ten­den und in § 341 Abs. 2 SGB III 2008 unmit­tel­bar durch Gesetz bestimm­ten Bei­trags­satz – ein über­höh­ter Bei­trag zur Arbeits­för­de­rung fest­ge­setzt wor­den wäre. Dies ist jedoch nicht der Fall.
Im recht­li­chen Sin­ne ist der Ein­glie­de­rungs­bei­trag im Jahr 2008 als nicht aus Bei­trags­mit­teln der Bun­des­agen­tur für Arbeit finan­ziert anzu­se­hen, weil ihm ein noch höhe­rer zweckun­ge­bun­de­ner Bun­des­zu­schuss an die Bun­des­agen­tur für Arbeit nach § 363 Abs. 1 SGB III 2007 gegen­über­stand: Die zum 1.01.2007 ein­ge­führ­te Bun­des­be­tei­li­gung an der Arbeits­för­de­rung nach § 363 Abs. 1 SGB III 2007 war im Jahr 2008 mit 7,58 Mrd. € höher als die Belas­tung der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch den Ein­glie­de­rungs­bei­trag mit 5 Mrd. €. Der Bun­des­zu­schuss stand der Bun­des­agen­tur für Arbeit ohne Zweck­bin­dung und damit auch zur Auf­brin­gung des Ein­glie­de­rungs­bei­trags zur Ver­fü­gung. Der Mit­tel­trans­fer an den Bun­des­haus­halt war daher wegen des gegen­läu­fi­gen Bun­des­zu­schus­ses im Ergeb­nis mit Blick auf die Bei­trags­zah­len­den für die Höhe des Bei­trags­sat­zes nor­ma­tiv nicht rele­vant.
In die­sem Sin­ne ging der Gesetz­ge­ber auch bei der Ein­füh­rung des Ein­glie­de­rungs­bei­trags davon aus, dass die­ser allein aus dem Bun­des­zu­schuss finan­ziert wer­den kön­ne und es hier­für der Inan­spruch­nah­me von Bei­trags­mit­teln nicht bedür­fe. Im Anschluss an Aus­füh­run­gen, die auf die Ent­las­tung der Bun­des­agen­tur für Arbeit wegen des Weg­falls der von ihr für Lang­zeit­ar­beits­lo­se im Rah­men der Arbeits­lo­sen­hil­fe zu erbrin­gen­den Auf­wen­dun­gen abstell­ten, hieß es in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zur Ände­rung des § 46 Abs. 4 SGB II vom 18.10.2007 [15]:
"Bei einer Net­to­be­trach­tung wer­den Bei­trags­mit­tel des Haus­halts der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch den Ein­glie­de­rungs­bei­trag nicht in Anspruch genom­men. Die Betei­li­gung des Bun­des an den Kos­ten der Arbeits­för­de­rung über­schrei­tet der­zeit den von der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu leis­ten­den Ein­glie­de­rungs­bei­trag deut­lich."
Mit dem Bun­des­zu­schuss waren auch nicht vor­ran­gig ande­re Auf­ga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu finan­zie­ren. Ins­be­son­de­re berühr­te der Zuschuss nach § 363 Abs. 1 SGB III 2007 nicht die Pflicht des Bun­des, die Leis­tungs­aus­ga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit für ihr durch das Sozi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch oder durch ande­re Geset­ze über­ant­wor­te­te Auf­ga­ben zu tra­gen; hier­für waren ihr zweck­ge­bun­de­ne Zuschüs­se gemäß § 363 Abs. 2 und Abs. 3 SGB III 2007 zu zah­len. Die ent­spre­chen­den Anspruchs­nor­men bestan­den neben dem neu ein­ge­füg­ten § 363 Abs. 1 SGB III 2007 inhalt­lich unver­än­dert fort; mit der Finan­zie­rungs­re­form 2007 durch das Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2006 war ledig­lich der zuvor nach § 365 SGB III a.F. vor­ge­se­he­ne Defi­zit­aus­gleich durch den Bund ent­fal­len.
Eine Finan­zie­rung des Ein­glie­de­rungs­bei­trags aus Bei­trags­mit­teln lässt sich auch nicht aus dem von der Bun­des­agen­tur für Arbeit im Haus­halts­jahr 2008 erwirt­schaf­te­ten Defi­zit von 1,12 Mrd. € ablei­ten. Zwar zeigt das Defi­zit, dass die lau­fen­den Ein­nah­men der Bun­des­agen­tur für Arbeit – und damit auch ihre Bei­trags­ein­nah­men – nicht aus­reich­ten, um die anfal­len­den Aus­ga­ben zu finan­zie­ren. Der Haus­halts­fehl­be­trag konn­te aber aus Mit­teln der in den Jah­ren 2006 und 2007 gebil­de­ten Rück­la­ge von 17,86 Mrd. € gedeckt wer­den und änder­te im Übri­gen nichts dar­an, dass der Trans­fer­zah­lung ein höhe­rer zweckun­ge­bun­de­ner Zuschuss des Bun­des gegen­über­stand.
Bei rech­ne­risch-sal­die­ren­der Betrach­tung blie­ben also die wech­sel­sei­ti­gen Zah­lun­gen zwi­schen Bund und Bun­des­agen­tur für Arbeit im Ergeb­nis ohne nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen für die Bei­trags­zah­ler auf den Mit­tel­be­darf und auf die von ihnen auf­zu­brin­gen­den Bei­trä­ge. Auf Grund des Gesamt­de­ckungs­prin­zips (§ 77a SGB IV i.V.m. § 7 Satz 1 Haus­halts­grund­sät­ze­ge­setz, § 8 Satz 1 Bun­des­haus­halts­ord­nung) ist zwar eine bestimm­te Aus­ga­be, hier der Ein­glie­de­rungs­bei­trag, nie gera­de durch bestimm­te Ein­nah­men, hier den Bun­des­zu­schuss, finan­ziert. Auch stand die Ein­füh­rung des Bun­des­zu­schus­ses in einem ande­ren poli­ti­schen Zusam­men­hang, denn er soll­te gera­de der Ent­las­tung der Bei­trags­zah­ler die­nen [51]. Dies ändert jedoch bei rech­ne­ri­scher Betrach­tung nichts dar­an, dass der Bun­des­agen­tur für Arbeit zweck­freie Bun­des­mit­tel zur Ver­fü­gung stan­den, aus denen sie die Trans­fer­zah­lung mehr als decken konn­te, so dass die Bilanz der wech­sel­sei­ti­gen Trans­fers im Ergeb­nis zu kei­ner Belas­tung der Bei­trags­zah­ler führ­te. Nach­dem der Bun­des­zu­schuss aus § 363 Abs. 1 SGB III 2007 ver­fas­sungs­recht­lich in der frei­en Dis­po­si­ti­on des Gesetz­ge­bers stand, die­ser also auch bei­de Zah­lun­gen mit der Kon­se­quenz eines höhe­ren Bei­trags­be­darfs bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit hät­te abschaf­fen kön­nen, ist der Ein­glie­de­rungs­bei­trag als nicht bei­trags­satz­re­le­vant anzu­se­hen. Bei einer Betrach­tung des Sal­dos haben die Bei­trags­zah­ler nicht die Steu­er­zah­ler, son­dern umge­kehrt immer noch die Steu­er­zah­ler die Bei­trags­zah­ler ent­las­tet. In die­ser Rich­tung ist dies aber nicht ver­fas­sungs­wid­rig.
Wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen erge­ben sich im Ergeb­nis auch nicht aus der durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­ten all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit, so dass sowohl für das Jahr 2005 als auch für das Jahr 2008 ein Ver­stoß gegen Art. 2 Abs. 1 GG zu Las­ten des jewei­li­gen Beschwer­de­füh­rers nicht fest­ge­stellt wer­den kann [52].
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den erwie­sen sich damit als im Ergeb­nis nicht begrün­det.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Mai 2018 – 1 BvR 1728/​12, 1 BvR 1756/​12
BVerfG – 1 BvR 1728/​12[↩][↩][↩]
BVerfG – 1756/​12[↩][↩]
BVerfG – 1 BvR 1756/​12[↩]
BT-Drs. 15/​1516, S. 49[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 360 f.[↩]
BGBl I S. 2349, in der Fas­sung vom 01.12.2010, BGBl I S. 1758[↩]
BGBl I S.2014, 2017[↩]
BGBl I S. 2954, 2967[↩]
vgl. BT-Drs. 15/​1516, S. 63 f.[↩]
BT-Drs. 15/​1516, S. 64[↩]
BGBl I S. 3245, 3246[↩]
vgl. BT-Drs. 16/​6741, S. 9[↩]
BT-Drs. 16/​6741, S. 13[↩][↩]
BGBl I S. 2781[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​10588, S. 2, S. 8 und S. 10[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​10588, S. 9[↩]
BSG, Urtei­le vom 29.02.2012 – B 12 KR 5/​10 R, BSGE 110, 130; und B 12 KR 10/​11 R, BSGE 110, 161[↩]
BVerfG, Beschluss vom 02.08.2010 – 1 BvR 2393/​08 u.a., BVerfGK 17, 448[↩]
BSGE 110, 130, 138 Rn. 31; 110, 161, 169 Rn. 31[↩]
BSGE 110, 130, 139 Rn. 33; 110, 161, 170 Rn. 33[↩]
BSGE 110, 130, 141 Rn. 40; 110, 161, 173 Rn. 40[↩]
BSGE 110, 130, 143 Rn. 43; 110, 161, 175 Rn. 43[↩][↩]
BSGE 110, 130, 143 Rn. 44; 110, 161, 175 Rn. 44[↩]
BSGE 110, 130, 144 Rn. 47; 110, 161, 177 Rn. 48[↩]
BSGE 110, 130, 145 Rn. 49[↩]
BSGE 110, 130, 149 Rn. 56; 110, 161, 181 Rn. 55[↩]
BSGE 110, 130, 150 Rn. 58; 110, 161, 182 Rn. 58[↩]
vgl. BVerfGE 1, 97, 101 ff.; 53, 30, 48; 72, 1, 5; 102, 197, 206 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 67, 26, 37 und 78, 320, 331 sowie BVerfGK 17, 448, 452 f.[↩]
vgl. BVerfGE 67, 26; 78, 320[↩]
vgl. BVerfGE 113, 167, 203[↩]
vgl. dazu aus­führ­lich – für das Steu­er­recht, BVerfGE 84, 239, 268 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 91, 186, 202[↩]
vgl. BVerfGE 75, 108, 157 f.; 113, 167, 219[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 300 ff.; 79, 223, 236 f.; 113, 167, 219 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 75, 108, 158 f.[↩]
vgl. BVerfGE 113, 167, 221[↩][↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 300 ff.; 79, 223, 236 f.; 113, 167, 219 ff.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 75, 108, 148; 113, 167, 203; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 88, 203, 313[↩][↩]
vgl. schon BVerfGE 11, 105, 112; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 75, 108, 146; 87, 1, 34; 88, 203, 313; 113, 167, 201; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 79, 223, 236 f.; 113, 167, 196; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 113, 167, 196 f.[↩]
vgl. BVerfGE 24, 300, 358; 49, 148, 165; 72, 141, 150[↩]
vgl. BT-Drs. 15/​1516, S. 64 und im Anschluss dar­an BSGE 110, 130, 140 Rn. 36; 146 f. Rn. 50 f.[↩]
vgl. noch­mals BT-Drs. 15/​1516, S. 64 und ähn­lich im Rah­men der Kal­ku­la­ti­on der finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de auf die Bun­des­an­stalt für Arbeit, ebd., S. 4, die in der zuge­hö­ri­gen Beschluss­emp­feh­lung des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Arbeit – BT-Drs. 15/​1728, S. 8 – und dem Bericht des Haus­halts­aus­schus­ses – BT-Drs. 15/​1733, S. 2 – auf­ge­grif­fen wird[↩]
vgl. BT-Drs. 16/​752, S. 13[↩]
vgl. BVerfGE 29, 221, 235 f.; 29, 245, 254; 29, 260, 266 f.; 97, 271, 286; 109, 96, 109 f.; BVerfG, Beschluss vom 12.07.2017 – 1 BvR 2222/​12 u.a. 81 f.; stRspr[↩]
Trans­fer­zah­lun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit an den… Die Trans­fer­zah­lun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit an den Bun­des­haus­halt aus Bei­trä­gen von ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern ver­sto­ßen nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts – trotz…
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References: Art. 3
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 § 1
 § 367
 § 16
 § 1
 § 137
 § 340
 § 341
 § 341
 § 341
 § 348
 § 363
 § 363
 § 368
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 § 365
 Art. 7
 Art. 2
 § 205
 § 363
 § 7
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 § 24
 § 44
 § 6
 § 6
 § 6
 § 46
 § 46
 § 6
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 Art. 1
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 § 90
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 Art. 14
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 Art. 2
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