Source: https://www.bag-urteil.com/14-06-2016-9-azr-181-15/
Timestamp: 2019-03-23 11:18:35+00:00

Document:
﻿ ﻿ BAG – 9 AZR 181/15 | bag-urteil.com
BAGE 155, 257	NZA 2017, 63	NZA-RR 2016, 565
Lebensmittelindustrie – Reinigungskosten – Hygienekleidung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.06.2016, 9 AZR 181/15
Die Kosten für die Reinigung der von den Arbeitnehmern in der Lebensmittelindustrie nach Anhang II Kap. VIII Nr. 1 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 zu tragenden Hygienekleidung sind keine Aufwendungen im Interesse der Arbeitnehmer iSv. § 670 BGB. Der Arbeitgeber hat deshalb gegenüber seinen Arbeitnehmern keinen Anspruch auf Erstattung der verauslagten Reinigungskosten als Aufwendungsersatz.
Allein daraus, dass sich ein Arbeitnehmer nicht gegen Abzüge von seiner Vergütung wehrt, kann nicht geschlossen werden, er wolle mit seinem Arbeitgeber eine konkludente Vereinbarung über die Berechtigung eines dauerhaften Abzugs treffen.
Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen vom 3. Februar 2015 – 11 Sa 1238/14 – wird zurückgewiesen.
9 AZR 181/15 > Rn 1
9 AZR 181/15 > Rn 2
9 AZR 181/15 > Rn 3
9 AZR 181/15 > Rn 4
9 AZR 181/15 > Rn 5
9 AZR 181/15 > Rn 6
9 AZR 181/15 > Rn 7
9 AZR 181/15 > Rn 8
9 AZR 181/15 > Rn 9
9 AZR 181/15 > Rn 10
9 AZR 181/15 > Rn 11
9 AZR 181/15 > Rn 12
9 AZR 181/15 > Rn 13
9 AZR 181/15 > Rn 14
9 AZR 181/15 > Rn 15
9 AZR 181/15 > Rn 16
9 AZR 181/15 > Rn 17
9 AZR 181/15 > Rn 18
9 AZR 181/15 > Rn 19
9 AZR 181/15 > Rn 20
9 AZR 181/15 > Rn 21
9 AZR 181/15 > Rn 22
(2) Schutzkleidung nach der Biostoffverordnung (BioStoffV) dient dem Schutz der Beschäftigten. Das Landesarbeitsgericht hat aber keine Feststellungen dazu getroffen, dass der Kläger mit biologischen Arbeitsstoffen iSv. § 2 Abs. 1 BioStoffV Kontakt hat. Biologische Arbeitsstoffe sind Mikroorganismen und andere Krankheitserreger, die beim Menschen Infektionen, sensibilisierende oder toxische Wirkungen hervorrufen können (Broschüre „Biostoffverordnung – Ratgeber für Arbeitgeber und Beschäftigte“ des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit). So wurde der Beschluss 602 des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe „Spezielle Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Infektionen durch BSE/TSE-Erreger“ aufgehoben, da in den Jahren 2010 und 2011 keine BSE-Fälle in Deutschland registriert wurden und aufgrund der getroffenen Vorsorgemaßnahmen eine Gefährdung der Beschäftigten durch BSE/TSE-Erreger im Bereich Schlachtbetriebe und Tierkörperbeseitigungsanstalten nicht weiter zu erkennen war (GMBl. 2012 S. 382).
9 AZR 181/15 > Rn 23
9 AZR 181/15 > Rn 24
(1) Die Pflicht zum Tragen der Hygienekleidung ergibt sich aus Anhang II Kap. VIII Nr. 1 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 über Lebensmittelhygiene, die seit 2006 in allen Mitgliedstaaten unmittelbar gilt (vgl. Wiemers/Ghaedi AuA 2016, 154, 156). Diese Anforderung wird durch Nr. 3 Buchst. b der Anlage 2 zu § 5 Abs. 1 Satz 1 der Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) bestätigt. Nach beiden Regelungen müssen Personen, die mit Primärerzeugnissen umgehen (Nr. 3 Buchst. b der Anlage 2 zu § 5 Abs. 1 Satz 1 LMHV) oder die in einem Bereich arbeiten, in dem mit Lebensmitteln umgegangen wird (Anhang II Kap. VIII Nr. 1 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004), geeignete und saubere Arbeitskleidung tragen. Nach Nr. 5.1 der Anlage 1.1 „Allgemeine Anforderungen an die Zulassung von Betrieben“ der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über die Durchführung der amtlichen Überwachung der Einhaltung von Hygienevorschriften für Lebensmittel und zum Verfahren zur Prüfung von Leitlinien für eine gute Verfahrenspraxis (AVV Lebensmittelhygiene – AVV LmH) ist die Arbeitskleidung geeignet, wenn sie zum Beispiel hell, leicht waschbar und sauber ist und die persönliche Kleidung vollständig bedeckt.
9 AZR 181/15 > Rn 25
9 AZR 181/15 > Rn 26
9 AZR 181/15 > Rn 27
9 AZR 181/15 > Rn 28
9 AZR 181/15 > Rn 29
9 AZR 181/15 > Rn 30
9 AZR 181/15 > Rn 31
2.Eine Frist für die schriftliche Geltendmachung von weniger als drei Monaten ist unangemessen kurz und deshalb nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirksam. Danach sind Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Die Regelung benachteiligt den Kläger unangemessen entgegen den Geboten von Treu und Glauben. Eine einzelvertragliche Verfallfrist von zwei Monaten ist mit wesentlichen Grundgedanken des gesetzlichen Verjährungsrechts nicht vereinbar (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Erfasst sie alle Vergütungsansprüche aus dem Arbeitsverhältnis, schränkt sie wesentliche Rechte, die sich aus der Natur des Arbeitsvertrags ergeben, so ein, dass die Erreichung des Vertragszwecks gefährdet ist (§ 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB). Eine Frist für die erstmalige Geltendmachung von weniger als drei Monaten ist unangemessen kurz (ausf. BAG 28. September 2005 – 5 AZR 52/05 – Rn. 28 ff., BAGE 116, 66).
9 AZR 181/15 > Rn 32
9 AZR 181/15 > Rn 33
Hygienekleidung,
Verfallfrist,
AVV Lebensmittelhygiene § 2 Abs. 4 Anl. 1.1 Nr. 5.1
BGB § 619
LMHV Anlage 2 zu § 5 Abs. 1 S. 1 Nr. 3
VO (EG) Nr. 852/2004 v. 29.04.2004 über Lebensmittelhygiene Anhang 2 Kap. 8 Nr. 1
VO (EG) Nr. 852/2004 v. 29.04.2004 über Lebensmittelhygiene Art. 2
VO (EG) Nr. 852/2004 v. 29.04.2004 über Lebensmittelhygiene Art. 3
Das Urteil BAG – 9 AZR 181/15 wird zitiert in:

References: § 670
 § 2
 § 5
 § 5
 § 307
 § 2
 § 619
 § 5
 Art. 2
 Art. 3