Source: https://gmbhg.kommentar.de/Abschnitt-3/Vertretung-der-Gesellschaft/Definitionen?search=%2074
Timestamp: 2019-05-22 22:04:47+00:00

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Stand: 18.05.2019 (Gesetz); 08.05.2019 (Kommentierung)
a) § 35 Abs. 1 GmbHG
Der Kern des § 35 GmbHG besteht in der Aussage, dass die Gesellschaft durch die Geschäftsführer vertreten wird (§ 35 Abs. 1 Satz 1 GmbHG).Kroppensteiner/Grube, in: Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, 5. Aufl. (2013), § 35 Rn. 4
aa) Die Vertretung der Gesellschaft, § 35 Abs. 1 Satz 1 GmbHG
Nach § 35 Abs. 1 Satz 1 GmbHG vertreten die Geschäftsführer die Gesellschaft „gerichtlich und außergerichtlich“. Diese vom Gesetz angeordnete „organschaftliche“ Vertretungsmacht (1) ist von der rechtsgeschäftlichen Vertretungsmacht (2) zu unterscheiden.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 4; Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 75; Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 7
20(1) Die organschaftliche Vertretung
Die GmbH bedarf zum rechtsgeschäftlichen Handeln organschaftlicher Vertreter. Die Organe haben die der juristischen Person fehlende Handlungsfähigkeit. Umstritten ist, ob das Handeln der Organe (gleichzeitig) Eigenhandeln der juristischen Person istgrundlegend Beuthien, NJW 1999, 1142, 1146; so wohl auch Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 6 und Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 75 oder ob der juristischen Person das Eigenhandeln der für die juristische Person handelnden Organe zugerechnet wird.Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 7; Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 4; Jacoby, in: Bork/Schäfer, GmbHG, 3. Aufl. (2015), § 35 Rn. 2 ""[...] ein Organ, dessen Tun, Dulden, Unterlassen und Wissen der GmbH im rechtlichen Sinne als eingenes zugerechnet wird (Organtheorie)."; Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 91 „Das Handeln des Geschäftsführers wird der GmbH dabei als eigenes Handeln zugerechnet.“
Die Vertretungsmacht anderer Organe ist stattKleindiek, in: Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 19 Aufl. (2016), § 3 35 Rn. 2 oder nebenLenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 6; Kroppensteiner/Grube, in: Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, 5. Aufl. (2013), § 35 Rn. 8 der des Geschäftsführers grundsätzlich ausgeschlossen.
Nach Auflösung der Gesellschaft wird diese durch den Liquidator vertreten (§§ 66 ff. GmbHG).
21(2) Die rechtsgeschäftliche Vertretung
Die praktischen Bedürfnisse der Gesellschaft erfordern neben organschaftlicher auch rechtsgeschäftliche Vertretungsmacht, die zahlreich Prokuristen und/oder mit Handlungsvollmacht ausgestatteten Bediensteten erteilt wird.Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 70 Die rechtsgeschäftliche Vertretung steht dabei nicht in einem Subordinationsverhältnis zur organschaftlichen Vertretung, sondern unterscheidet sich vor allem durch die Art und Weise ihrer EinräumungLenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 7 und im Hinblick auf ihre ÜbertragbarkeitZöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 77; Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 8. Der Geschäftsführer kann seine organschaftliche Vertretungsmacht nur auf einen anderen Geschäftsführer, nicht aber auf einen Dritten, übertragen.Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 77 m. w. N.; Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 8
Bei der rechtsgeschäftlichen Vertretungsmacht sind die Erteilung von Prokura (§ 52 HGB), von Handlungsvollmacht (§ 54 HGB) oder sonstiger Vollmacht (§ 164 BGB) zu unterscheiden.U. Grooterhorst, in: Grooterhorst, Vollmachten im Unternehmen, 6. Aufl. S. 47 ff.; dort finden sich auch Mustervollmachten in deutscher und englischer Sprache Auch eine gesetzlich nicht geregelte Generalvollmacht soll – je nach konkreter Ausgestaltung – zulässig sein.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 7 f. Die Generalvollmacht darf die Geschäftsführervertretungsmacht weder verdrängen noch ersetzen.Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 76 m.w.N. Daneben muss sie jederzeit widerruflich sein und sie bedarf im Innenverhältnis eines Gesellschafterbeschlusses (§ 46 Nr. 7 GmbHG).Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 76
22(3) Der Umfang der Vertretungsmacht
Die gesetzliche Vertretungsmacht der Geschäftsführer ist gemäß § 37 Abs. 2 GmbHG grundsätzlich unbeschränkt und unbeschränkbar, weder durch Gesellschaftsvertrag noch durch Gesellschafterbeschluss oder Anstellungsvertrag.Kleindiek, in: Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 19 Aufl. (2016), § 3 35 Rn. 9 m. w. N.; Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 11 Sie umfasst jegliches rechtlich relevante Verhalten für die Gesellschaft, neben der außergerichtlichen und gerichtlichen Vertretung auch geschäftsähnliche Handlungen und rechtlich relevante Realakte.Kleindiek, in: Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 19 Aufl. (2016), § 35 Rn. 9
Auch ungewöhnliche und/oder besonders gewichtige Geschäfte sind von der Vertretungsmacht der Geschäftsführung gedeckt, so z.B. die Gründung von Tochtergesellschaften, der Erwerb von Beteiligungen oder der Abschluss von Unternehmensverträgen wie Beherrschungsverträgen im Einzelfall.Lücke/Simon, in: Saenger/Inhester, GmbHG, 3. Aufl. (2016), § 35 Rn. 11
Die Geschäftsführer vertreten die Gesellschaft gerichtlich, d.h. sie sind grundsätzlich für die Vornahme aller Prozesshandlungen gegenüber den Gerichten, auch den vorbereitenden Maßnahmen – etwa der Erteilung von ProzessvollmachtZöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 19. Aufl. (2013), § 35 Rn. 99 – zuständig.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 35 Prozessvertretung durch den Geschäftsführer bedeutet,
dass er in der Klageschrift anzuführen ist (§§ 253 Abs. 2 Nr. 1, 130 Nr. 1 ZPO),
dass Zustellungen und Ladungen ihm gegenüber zu erfolgen haben (§ 170 Abs. 1 ZPO) und Zustellungen an einen von mehreren Geschäftsführern ausreichen (§ 170 Abs. 3 ZPO),
dass er die eidesstattliche Versicherung über die Vermögensverhältnisse der Gesellschaft abzugeben hat (§§ 807, 900 ZPO) und im Zwangsvollstreckungsverfahren persönlicher Adressat der Ordnungsmittel ist (§§ 888, 890 ZPO),Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 102
dass amtierende Geschäftsführer nicht als Zeugen (§§ 373 ff. ZPO), wohl aber als Partei vernommen werden können (§§ 445 ff. ZPO). Der Geschäftsführer kann zur Gewinnung als Zeuge abberufen werden.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 114 In Einzelfällen kann dies rechtsmissbräuchlich sein.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 34
Diese Regeln haben indes Ausnahmen, z.B. im Fall eines Rechtsstreits zwischen der Gesellschaft und ihren – was streitig ist – auch ehemaligen Geschäftsführern.Hüffer, in: Ulmer/Habersack/Löbbe, GmbHG, 2. Aufl. (2014), Band II, §§ 29 – 52, § 46 Rn. 103 m.w.N. Die Gesellschaft wird dann – wenn vorhanden – durch ihren Aufsichtsrat, einen hierzu nach dem Gesellschaftsvertrag berufenen Beirat oder Gesellschafterausschuss vertreten. Wenn es keinen Aufsichtsrat gibt und der Gesellschaftsvertrag keine anderweitige Vertretung vorsieht, müssen nach § 46 Nr. 8 GmbHG die Gesellschafter entscheiden, wer die Gesellschaft vertritt.Hüffer, in: Ulmer/Habersack/Löbbe, GmbHG, 2. Aufl. (2014), Band II, §§ 29 – 52, § 46 Rn. 123 Insgesamt ist hier vieles streitig und die Gesellschafter, insbesondere einer mehrgliedrigen Gesellschaft, sind gut beraten, im Gesellschaftsvertrag Vorsorge zu treffen.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 115
Einschränkungen gelten auch im Hinblick auf die Erhebung der Nichtigkeitsklage nach § 75 GmbHG. So ist im Fall der Klageerhebung durch den einzigen Geschäftsführer gegen eine Gesellschaft ohne Aufsichtsrat hilfsweise ein Notgeschäftsführer (§ 29 BGB analog) oder Prozesspfleger (§ 57 ZPO) zu bestellen, sofern sich die Gesellschafter nicht um einen Prozessvertreter (§ 46 Nr. 8 GmbHG) gekümmert haben.Haas, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 75 Rn. 24; Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 75 Rn. 22
Bei der außergerichtlichen Vertretung geht es um die Abgabe (Aktivvertretung) und die Entgegennahme (Passivvertretung) von Willenserklärungen und geschäftsähnlichen Handlungen für die Gesellschaft.Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 79 Daneben gehören auch bestimmte, rechtlich relevante Realakte, wie z.B. die Inbesitznahme von der Gesellschaft erworbener Sachen zur außergerichtlichen Vertretung der GesellschaftLücke/Simon, in: Saenger/Inhester, GmbHG, 3. Aufl. (2016), § 35 Rn. 11; Wicke, in: Wicke, GmbHG, 3. Aufl. (2016), § 35 Rn. 2 bzw. sind der Gesellschaft aufgrund der Organstellung ohne Weiteres zuzurechnen.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 117; Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 6; Koppensteiner/Gruber, in: Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, 5. Aufl. (2013), § 35 Rn. 12; Paefgen, in: Ulmer/Habersack/Löbbe, GmbHG, 2. Aufl. (2014), Band II, §§ 29 – 52, § 35 Rn. 42
23(4) Das Auftreten für die Gesellschaft
Nach außen erkennbar sind Geschäftsführer als solche durch die deklaratorische Eintragung ins Handelsregister einerseits und die gemäß § 35a Abs. 1 GmbHG obligatorische Angabe aller Geschäftsführer auf Geschäftsbriefen andererseits.Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 10
Gelegentlich sind Geschäftsführer nicht als solche bezeichnet. Titel wie „Direktor“ oder „Generaldirektor“ oder auch englischsprachige Titel wie „General Manager“ oder „Managing Director“ haben keine Grundlage im deutschen Recht. Sie sind aber zulässig, wenn keine Verwechslungsgefahr oder Irreführung des Rechtsverkehrs droht.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 150 m.w N Umstritten ist dies dann, wenn der Titel „Vorstand“ verwendet wird, da dann Verwechslungsgefahr mit dem Vorstand der AG bestehen könnte.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 150 m.w.N zum Streitstand Einen „Vorstand“ haben nicht nur die AG (§ 76 Abs. 1 AktG), sondern auch der Verein (§ 26 BGB) und die Stiftung (§ 81 Abs. 1 Nr. 5 BGB). Lenz bestreitet eine Verwechslungsgefahr bereits auf Grund der Pflicht zur Angabe der Gesellschaftsform (§ 4 GmbHG, § 35a Abs. 1 Satz 1 GmbHG).Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 10; ähnlich auch Kleindiek, in: Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 19. Aufl. (2016), § 6 Rn. 4 m.w.N. zum Streitstand Der Vertragspartner achte zunächst auf die Rechtsform der juristischen Person und dann auf die Organstellung des Vertreters – und schließe nicht umgekehrt von der Bezeichnung des handelnden Organs auf die Rechtsform.Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 10
Der Geschäftsführer muss wie jeder Stellvertreter im Namen der GmbH auftreten, um die Vertretungswirkung auszulösen (§ 164 BGB).Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 70) Für die Vertretungswirkung kommt es nach dem allgemeinen Vertretungsrecht (sog. Offenkundigkeitsprinzip) allein darauf an, dass der Wille, die GmbH zu berechtigen und zu verpflichten, irgendwie (nach den für die Auslegung von Willenserklärungen maßgeblichen Grundsätzen, §§ 133, 157 BGB) zutage tritt,Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn 123; Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 146 etwa durch Verwendung des GmbH-BriefkopfesWisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 43. Ist dies nicht der Fall, gilt § 164 Abs. 2 BGB, mit der Folge, dass der Geschäftsführer in eigenem Namen gehandelt hat.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 45
Bei einer schriftlichen Erklärung genügt auch die Zeichnung mit der Firma allein oder mit Firmenstempel und Namensunterschrift.Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 32; Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 50 Auf die exakte Beachtung des Firmenwortlauts (im Sinne von §§ 3, 4 GmbHG) kommt es nicht an.Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 32; Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 50
Der fehlende GmbH-Zusatz kann aber eine Haftung nach Rechtsscheingrundsätzen auslösen, wenn dadurch der Anschein der persönlichen Haftung einer natürlichen Person erweckt wird und der Kontrahent im Vertrauen darauf das Geschäft getätigt hat,Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 34; Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 147; Mayer, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2015), § 4 Rn. 146b ff. wie dies etwa bei Zeichnung des Vertreters unter Verwendung von Briefbögen ohne Rechtsformzusatz der Fall sein kann.
Rechtsfolge des Handelns als Vertreter ohne Vertretungsmacht ist die Haftung als „falsus procurator“ (Vertreter ohne Vertretungsmacht) nach den allgemeinen Grundsätzen (§§ 177 ff. BGB), wenn nicht ein befugter Vertreter das Geschäft genehmigt.Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 42 Andernfalls ist der Handelnde gemäß § 179 Abs. 1 BGB zur Erfüllung oder zur Leistung von Schadensersatz verpflichtet.Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 40
Für den Geschäftsführer bedeutet dies, dass er ausdrücklich im Namen der Gesellschaft, deren Geschäftsführer er ist, handeln sollte. Andernfalls droht entweder die Gefahr, persönlich Vertragspartei zu werden oder die Haftung aus Rechtsscheingründen. Selbst wenn keine persönliche Verpflichtung droht, sollte der Geschäftsführer klarstellen, dass und für welche Gesellschaft er handelt, um eine etwaige Anfechtung des Dritten wegen eines Irrtums über die Person des Geschäftspartners auszuschließen.Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 72
Der Geschäftsführer kann die Vertretung der Gesellschaft schriftlich durch Verwendung der Bezeichnung „in Vertretung“ (i. V.) oder „im Namen“ (i. N.) zum Ausdruck bringen. Bei mündlichen Verhandlungen sollte der Geschäftsführer klarstellen, dass er die Gesellschaft verpflichten will. Die Beweislast für das Handeln im fremden Namen trifft denjenigen, der sich darauf beruft.Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 73
24bb) Die Führungslosigkeit der Gesellschaft, § 35 Abs. 1 Satz 2 GmbHG
Die Regelung in § 35 Abs. 1 Satz 2 GmbHG wurde durch das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) (Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen vom 23.10.2008, BGBl. I S. 2026) eingefügt, weil die Geschäftsführer einer in eine Krise geratenen Gesellschaft häufig ersatzlos abberufen oder durch Scheingeschäftsführer ersetzt wurden (sog. „Firmenbestattungsfälle“), um die Verfolgung von Ansprüchen gegen die Gesellschaft zu erschweren oder gar zu vereiteln.
Im Fall der Führungslosigkeit wird die Gesellschaft (passiv) durch die Gesellschafter vertreten. Entsprechend wurde die Insolvenzordnung (InsO) geändert, sodass bei Führungslosigkeit einer juristischen Person im Rahmen der Verfahren der InsO zur Verfahrensbeschleunigung statt des Vertretungsorgans die Gesellschafter angehört werden können (§ 10 Abs. 2 S. 2 InsO).Andres, in: Andres/Leithaus, Insolvenzordnung, 3. Aufl. (2014), § 10 Rn. 8; Böhner, in: Braun, Insolvenzordnung, 6. Aufl. (2014), § 10 Rn. 2 Gemäß § 15a Abs. 3 InsO ist bei Vorliegen der (Insolvenz-)Antragsgründe während der Führungslosigkeit der Gesellschaft jeder Gesellschafter verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen.Klöhn, in: Münchener Kommentar zur Insolvenzordnung, 3. Aufl. (2013), § 15a Rn. 83
Keine Führungslosigkeit liegt bei nur vorübergehenden Verhinderungen, wie eines Auslands- oder Krankenhausaufenthalts oder wegen einer Inhaftierung vor.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 240 Auch kein Fall der Führungslosigkeit ist, wenn der Geschäftsführer sich nur passiv verhält (unwilliger Geschäftsführer)vgl. Ganter/Lohmann, in: Münchener Kommentar zur Insolvenzordnung, 3. Aufl. (2013), § 10 Rn. 21 oder sich sein Aufenthaltsort nicht ermitteln lässtGanter/Lohmann, in: Münchener Kommentar zur Insolvenzordnung, 3. Aufl. (2013), § 10 Rn. 14. Das Agieren eines sog. „faktischen Geschäftsführers“ lässt die Führungslosigkeit der Gesellschaft nicht entfallen,Klöhn, in: Münchener Kommentar zur Insolvenzordnung, 3. Aufl. (2013), § 15a Rn. 88 m. w. N. gleichwohl sollte er angehört werdenGanter/Lohmann, in: Münchener Kommentar zur Insolvenzordnung, 3. Aufl. (2013), § 10 Rn. 21.
Zur Führungslosigkeit kann es auch kommen, wenn der Zeitraum für die Bestellung des Geschäftsführers abgelaufen ist oder wenn aus anderen rechtlichen oder tatsächlichen Gründen (Amtsniederlegung, Tod, Eintritt eines Bestellungshindernisses) der letzte Geschäftsführer fortgefallen ist und kein neuer Geschäftsführer bestellt wird.vgl. Klöhn, in: Münchener Kommentar zur Insolvenzordnung, 3. Aufl. (2013), § 15a Rn. 88
25b) § 35 Abs. 2 GmbHG
In § 35 Abs. 2 GmbHG finden sich Regelungen über die Art und Weise der Ausübung der Vertretung der Gesellschaft durch die Geschäftsführer.Kroppensteiner/Grube, in: Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, 5. Aufl. (2013), § 35 Rn. 4
aa) Die Gesamtvertretung
Eine Gesellschaft kann durch einen oder mehrere Geschäftsführer vertreten werden.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 49 Wie viele Geschäftsführer die Gesellschaft hat, bestimmt der Gesellschaftsvertrag.vgl. Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 119; Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 53 Hat eine Gesellschaft mehrere Geschäftsführer, bestimmt der durch das MoMiG neu gefasste § 35 Abs. 2 Satz 1 GmbHG, dass diese grundsätzlich nur zur „gemeinschaftlichen Vertretung“ (Gesamtvertretung) befugt sein sollen,Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 119 es sei denn, dass der Gesellschaftsvertrag etwas anderes bestimmtLenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 41; Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 119 oder das Bestellungsorgan (Gesellschafterversammlung, Aufsichts- oder Beirat) dazu ermächtigt (Ermächtigungslösung), jeweils eine von der gesetzlichen Regelung abweichende und praktikablere Vertretungsregelung (Einzelvertretungsmacht) vorzusehenStephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 134. Die Ermächtigungslösung ist außerordentlich flexibel. Für die AG ist sie zugunsten des Bestellungsorgans Aufsichtsrat ausdrücklich geregelt (§ 78 Abs. 3 S. 2 AktG). Ein Formulierungsbeispiel könnte lauten:
„Die Gesellschafterversammlung kann die Vertretung abweichend regeln, insbesondere Einzelvertretung anordnen und von den Beschränkungen des § 181 BGB befreien.“Heckschen, in: Heckschen/Heidinger, Die GmbHG in der Gestaltungs- und Beratungspraxis, 3. Aufl. (2014), § 4 Rn. 90b
Die Gesamtvertretung verlangt indes nicht, dass alle Geschäftsführer gemeinschaftlich eine Willenserklärung abgeben müssen. Sie können auch Teilerklärungen abgeben, die allerdings inhaltsgleich und aufeinander bezogen sein müssen, um zusammen der Gesellschaft zugerechnet werden zu können. Werden sie getrennt voneinander abgegeben, so tritt die Wirksamkeit erst mit Abgabe aller Willenserklärungen ein.Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 41
Hat im Falle des Todes oder der Abberufung der anderen Geschäftsführer die Gesellschaft nur noch einen Geschäftsführer, hat dieser dann Einzelvertretungsbefugnis.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 49; Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 53 Wird einer von zwei Geschäftsführern geschäftsunfähig (§ 6 Abs. 2 GmbHG), kann er die Gesellschaft nicht mehr vertreten, sodass der verbliebene Geschäftsführer alleine zur Vertretung befugt ist.Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 53
26bb) Die Modifikation der Gesamtvertretung
§ 35 Abs. 2 Satz 1 GmbHG sieht vor, dass von der Gesamtvertretung durch Bestimmungen im Gesellschaftsvertrag abgewichen werden kann.Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 54
Der Gesellschaftsvertrag kann die Abweichung von der Gesamtvertretung ausdrücklich regelnLenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 41; Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 119 oder aber eine öffnende Klausel dahingehend enthalten, dass das Bestellungsorgan (Gesellschafterversammlung, Aufsichts- oder Beirat) dazu ermächtigt ist (Ermächtigungslösung), jeweils eine von der gesetzlichen Regelung abweichende und praktikablere Vertretungsregelung (Einzelvertretungsmacht) vorzusehen.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 134 Eine Ermächtigungslösung zugunsten des Bestellungsorgans kann sich empfehlen, um einer möglichen Handlungsunfähigkeit des Vertretungsorgans vorzubeugen.U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 – 52, § 35 Rn. 105 Für die AG ist sie ausdrücklich zugunsten des Aufsichtsrats geregelt (§ 78 Abs. 3 S. 2 AktG).
Umstritten ist, ob auch den Geschäftsführern die Entscheidungsmacht über die Vertretungsform eingeräumt werden kann.dafür vgl. nur U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 – 52, § 35 Rn. 106 m.w N; dagegen vgl. nur Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 136 m.w.N.
Der Gesellschaftsvertrag kann auch Einzelvertretungsmacht für jeden der Geschäftsführer oder einzelne Geschäftsführer oder auch nur einen einzigen Geschäftsführer vorsehen; jedoch kann die Einzelvertretungsmacht zum Schutze des Rechtsverkehrs nicht auf einzelne Rechtsbereiche beschränkt bleiben; vielmehr gilt sie dann umfassend für alle Geschäftsbereiche.vgl. U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 - 52, § 35 Rn. 107 f.
Daneben steht die Möglichkeit der „unechten“ oder „gemischten“ Gesamtvertretung.U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 - 52, § 35 Rn. 111 Dabei wird die Gesellschaft nicht von mehreren Geschäftsführern, sondern entsprechend §§ 125 Abs. 3 HGB, 78 Abs. 3 AktG von einem oder mehreren Geschäftsführern mit einem Prokuristen zusammen vertreten.(U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 - 52, § 35 Rn. 111 Diese Vertretungsform ist indes unzulässig, wenn die Gesellschaft nur einen Geschäftsführer besitzt.U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 - 52, § 35 Rn. 113
Jede Änderung der Vertretungsregelung ist eine eintragungspflichtige Tatsache (vgl. §§ 8 Abs. 4, 10 Abs. 1 Satz 2, 39, 54 Abs. 3, GmbHG, § 15 HGB).Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn 115; § 39 Rn. 5
§ 35 Abs. 2 Satz 2 GmbHG regelt die „Passivvertretung“, nach der es für eine Erklärung ausreicht, die gegenüber der Gesellschaft abzugeben ist, wenn diese gegenüber einem Geschäftsführer oder im Fall der Führungslosigkeit gegenüber einem Gesellschafter abgegeben wird.Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 65
27cc) Die Zugangs- und Zustellungserleichterungen, § 35 Abs. 2 Satz 3 und 4 GmbHG
Ziel des MoMiG war die Missbrauchsbekämpfung unter anderem durch Verbesserung der Erreichbarkeit der Gesellschaft.vgl. Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 66; Paefgen, in: Ulmer/Habersack/Löbbe, GmbHG, 2. Aufl. (2014), Band II, §§ 29 – 52, § 35 Rn. 10 ff., 149 Der Gesetzgeber wollte damit verhindern, dass unseriöse Gesellschafter/Geschäftsführer die Zustellung durch eine ständige Verlegung der Anschrift oder ähnliche Maßnahmen erschweren oder sogar unmöglich machen.Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 171
§ 35 Abs. 2 Satz 3 GmbHG bestimmt, dass die Geschäftsführer sowie ggf. der Gesellschafter stets unter der aus dem Handelsregister ersichtlichen Geschäftsanschrift (§ 10 Abs. 1 Satz 1 GmbHG) erreichbar sind, die nach § 8 Abs. 4 Nr. 1 GmbHG bei der Anmeldung der Gesellschaft anzugeben ist.Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 66 Mit dieser Regelung hat der Gesetzgeber die in England bereits bestehende Praxis bei der Anmeldung einer Limited zu dem Register of Companies (englisches Handelsregister) übernommen.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 73 mit Verweis auf Triebel/Otte, ZIP 2006, 1321, 1326; Heinz/Hartung, Die englische Limited, 2012, 3.2 Rn. 9 ff.
§ 35 Abs. 2 Satz 3 GmbHG enthält eine unwiderlegbare Vermutung, dass die Vertreter der Gesellschaft für den Zugang von Willenserklärungen und für Zustellungen immer unter der im Handelsregister eingetragenen Anschrift zu erreichen sind,Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 72 sodass bei einer Zustellung unter der Geschäftsanschrift auch der Zugang vermutet wird.BT-Drs. 16/6140, 43; Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 66 Es kommt bei einer Zustellung unter der Geschäftsanschrift für den Zugang einer Willenserklärung also nicht darauf an, ob für den Geschäftsführer (oder Gesellschafter im Falle der Führungslosigkeit) die Möglichkeit einer tatsächlichen Kenntnisnahme bestand.Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 66
Erforderlich sei aber, dass es unter der benannten Anschrift tatsächlich Geschäftsräume oder Ähnliches gibt, wo zugestellt bzw. eine Willenserklärung abgegeben werden kann, da die Möglichkeit der Kenntnisnahme, also das Gelangen der Erklärung in den Machtbereich der Gesellschaft, gerade nicht Gegenstand der Vermutung sei.(so Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 171 mit Verweis auf Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 63 der aber gerade ausführt, "[...] die Vermutung bezieht sich auch auf die Möglichkeit der Kenntnisnahme.")
Gemäß § 35 Abs. 2 Satz 4 GmbHG treten die in § 35 Abs. 2 Satz 3 GmbHG festgelegten Rechtswirkungen auch bei der Zustellung an den in § 10 Abs. 2 GmbHG benannten Zustellungsempfänger ein. Nach § 10 Abs. 2 Satz 2 kann die Gesellschaft einen weiteren Zustellungsempfänger – eine natürliche Person – benennen.Wisskirchen/Kuhn, in: Ziemons/Jaeger, Beck’scher Online-Kommentar zum BGB, 27. Edition (01.06.2016), § 35 Rn. 75 Auch in diesem Fall gilt also die Erklärung mit Zustellung an den Zustellungsempfänger als bei der Gesellschaft zugegangen.Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 68 Damit werden die Möglichkeiten erweitert, den Zugang einer Erklärung zu bewirken. Die Zustellung an einen Zustellungsempfänger kommt insbesondere dann in Betracht, wenn eine Zustellung unter der Geschäftsanschrift scheitert,Oetker, in: Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, 3. Aufl. (2016), GmbHG, § 35 Rn. 68 wobei jedoch kein Rangverhältnis zwischen den Alternativen besteht und Dritte, die den Zugang einer Erklärung bewirken wollen, frei zwischen den verschiedenen Möglichkeiten wählen könnenAltmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 68.
28c) § 35 Abs. 3 GmbHG
Nach § 35 Abs. 3 GmbHG unterliegt der Geschäftsführer der Begrenzung der Vertretungsmacht durch § 181 BGB.
aa) Das Selbstkontrahierungsverbot
Der Geschäftsführer kann die Gesellschaft weder bei Geschäften mit sich selbst (Selbstkontrahierung, In-Sich-Geschäft) noch bei Geschäften, die er als gesetzlicher, rechtsgeschäftlich bestellter oder organschaftlicher Vertreterso Schramm, in: Münchener Kommentar zum BGB, Band I, 6. Aufl. (2012), § 181 Rn. 36; vgl. zum Möglichkeit einer satzungsmäßigen Befreiung vom Verbot der Selbstkontrahierung: Schubert, in: Münchener Kommentar zum BGB, Band I, 7. Aufl. (2015), § 181 Rn. 76 eines Dritten abschließt (Mehrfachvertretung), wirksam vertretenZöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 125; Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 77. Nichts anderes gilt für Geschäfte zwischen zwei Gesellschaften (auch Mutter- und Tochtergesellschaft),Ellenberger, in: Palandt, BGB, 75. Aufl. (2016), § 181 Rn. 10; Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 – 52, § 35 Rn. 175; Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 137; a. A. Stephan/Tieves, in: Münchener Kommentar zum GmbHG, 2. Aufl. (2016), § 35 Rn. 189 die ein und denselben Geschäftsführer habenLenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 84); vgl. zur Verlängerung des Geschäftsführeranstellungsvertrags zwischen GmbH & Co. KG und der Geschäftsführerder Komplementär-GmbH jüngst BGH, Urteil vom 19.04.2016 - II ZR 123/15 -, ZIP 2016, 1332.
Ein gegen § 181 BGB verstoßendes Rechtsgeschäft ist nicht nichtig, sondern schwebend unwirksam.Ellenberger, in: Palandt, BGB, 75. Aufl. (2016), § 181 Rn. 15 Da der Geschäftsführer der gesetzliche Vertreter der Gesellschaft ist, aber gleichzeitig auf beiden Seiten des Rechtsgeschäfts steht, muss die GesellschafterversammlungBGH, Urteil vom 06.10.1960 – II ZR 215/58-, BGHZ 33, 189, 192 = NJW 1960, 2285, 2286 die Entscheidung über die Genehmigung nach §§ 177 Abs. 1, 184 BGB oder über die Ablehnung des Rechtsgeschäfts treffen. Ist noch eine für die Gesamtvertretung ausreichende Zahl von Geschäftsführern oder ein mit Einzelvertretungsmacht ausgestatteter Geschäftsführer vorhanden, können auch diese die Genehmigung aussprechen.Paefgen, in: Ulmer/Habersack/Löbbe, GmbHG, 2. Aufl. (2014), Band II, §§ 29 - 52, § 35 Rn. 79a
29bb) Die Ausnahmen vom Selbstkontrahierungsverbot
Vom Verbot des Selbstkontrahierens (im weiteren Sinne) gibt es eine Reihe von Ausnahmen:Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 87
§ 181 BGB lässt das Selbstkontrahieren zu, wenn es ausschließlich um die dort genannte Erfüllung einer Verbindlichkeit geht.Elenberger, in: Palandt, BGB, 75. Aufl. (2016), § 181 Rn. 22 Der Geschäftsführer kann sich daher – zu diesem Zweck – Geld aus der Kasse der Gesellschaft übereignen.Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 125
Ferner findet § 181 BGB keine Anwendung auf Geschäfte, die dem Vertretenen lediglich einen rechtlichen Vorteil bringen.Elenberger, in: Palandt, BGB, 75. Aufl. (2016), § 181 Rn. 9 m.w.N.
Die (schwebende) Unwirksamkeit des Insichgeschäfts greift auch im praktisch bedeutsamsten Ausnahmefall der sog. Gestattung nicht ein. Die Gestattung kann allgemein oder generell erteilt werden oder auch für konkrete Einzelfälle. Die Gestattung kann – dann praktisch als befreiende Einwilligung (§ 183 BGB) – bereits in der Satzung (dauernde Befreiung) erfolgen.Ellenberger, in: Palandt, BGB, 75. Aufl. (2016), § 181 Rn. 19 Die Satzung kann eine entsprechende Befreiungsmöglichkeit auch der Gesellschafterversammlung oder einem anderen Organ als dem Bestellungsorgan zuweisen.Kroppensteiner/Grube, in: Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, 5. Aufl. (2013), § 35 Rn. 35
Rechtsgeschäfte, die ein Alleingesellschafter als Geschäftsführer mit der Gesellschaft abschließt, sind nach deren Vornahme unverzüglich in einer Niederschrift aufzunehmen (§ 35 Abs. 3 Satz 2 GmbHG). Die Beachtung der Dokumentationspflicht ist jedoch keine Wirksamkeitsvoraussetzung für das Rechtsgeschäft.Zöllner/Noack, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, 20. Aufl. (2013), § 35 Rn. 144; U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 - 52, § 35 Rn. 186; Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015) § 35 Rn. 107 Ein Verstoß gegen die Protokollierungspflicht kann aber nachteilige Folgen im Hinblick auf die Beweislast haben.Altmeppen, in: Roth/Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl. (2015), § 35 Rn. 109; Lenz, in: Michalski, GmbHG, 2. Aufl. (2010), § 35 Rn. 100; U. Schneider/H. Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl. (2012-2015), Band II, §§ 35 - 52, § 35 Rn. 186

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 § 179
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