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Timestamp: 2020-04-02 00:59:44+00:00

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Brandenburgisches OLG, Urteil vom 19.11.2008 - 7 U 223/07 - openJur
Urteil vom 19.11.2008 - 7 U 223/07
Brandenburgisches OLG, Urteil vom 19.11.2008 - 7 U 223/07
openJur 2012, 9752
Der Kläger, ein in die Liste qualifizierter Einrichtungen nach § 4 Abs. 1 UKlaG eingetragener Verein, nimmt die Beklagte auf Unterlassung der Verwendung von Bestimmungen in ihren Ergänzenden und Besonderen Bedingungen in Anspruch. Die Beklagte ist ein Gasversorgungsunternehmen, welches als Grundversorger und im Rahmen von Sonderkundenverträgen Erdgas liefert. Die Ergänzenden Bedingungen zur GasGVV beziehen sich auf die Grundversorgungskunden, die Besonderen Bedingungen betreffen die Sonderkunden außerhalb der Grundversorgung.
1. der Beklagten zu untersagen, gegenüber Verbrauchern (§ 13 BGB) die nachfolgend dargestellten und diesen inhaltsgleiche Bestimmungen in Verträgen über Belieferung mit Erdgas einzubeziehen, sowie sich auf die Bestimmungen bei der Abwicklung derartiger Verträge zu berufen:
a) Ziffer A.IX.1., Satz 1:
E. ist u.a. bei Nichterfüllung der Zahlungsverpflichtung trotz Zahlungserinnerung gemäß § 19 Abs. 2 GasGVV berechtigt, die Gasversorgung vier Wochen nach Androhung einzustellen zu lassen;
b) Ziffer A. IX.2:
Eine in nicht unerheblichem Maße schuldhafte Zuwiderhandlung des Kunden gegen die GasGVV im Sinne von § 19 Abs. 1 GasGVV liegt vor, wenn der Kunde grob fahrlässig oder vorsätzlich handelt;
c) Ziffer A.X.1:
Änderungen der allgemeinen Preise und der ergänzenden Bedingungen werden gemäß § 5 Abs. 2 GasGVV jeweils zum Monatsbeginn und erst nach öffentlicher Bekanntgabe wirksam, die mindestens sechs Wochen vor der beabsichtigten Änderung erfolgen muss;
d) Ziffer A.X.2.:
Das Sonderkündigungsrecht muss innerhalb einer Frist von sechs Wochen ab Veröffentlichung der Preisänderung gemäß § 5 Abs. 3 GasGVV ausgeübt werden. Ist der neue Lieferant nicht in der Lage, die Versorgung des Kunden un mittelbar nach dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Kündigung aufzunehmen, gelten die allgemeinen Preise bzw. Ergänzenden Bestimmungen dem Kunden gegenüber weiter. Dies gilt maximal für den Zeitraum, den der neue Lieferant ab dem Zeitpunkt des Vertragsschlusses im Rahmen eines üblichen Wechselprozesses benötigt, um die Belieferung aufzunehmen. Als üblicher Zeitraum gelten maximal zwei Monate. Erfolgt nach Ablauf dieser Frist keine Versorgung durch den neuen Lieferanten, fällt der Kunde in die Ersatzversorgung;
e) Ziffer B.IV.1., Satz 1:
Änderungen der Sonderpreise E. Klassik und E. Komfort werden entsprechend § 5 GasGVV jeweils zum Monatsbeginn und erst nach öffentlicher Bekanntgabe wirksam, die mindestens sechs Wochen vor der beabsichtigten Änderung erfolgen muss,
2. der Beklagten für jeden Fall der Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000,00 € (ersatzweise Ordnungshaft) oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, zu vollstrecken an den Geschäftsführer der Beklagten, anzudrohen,
3. die Beklagte zu verurteilen, an ihn 189,00 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 28.04.2007 zu zahlen.
Das Landgericht hat durch Urteil vom 13.11.2007 der Beklagten untersagt, die Klauseln 1. und 2. – ohne Wiedergabe des vollständigen Textes der GasGVV – sowie die Klauseln 4. und 5. zu verwenden, und dem Zahlungsantrag entsprochen, im Übrigen hat es die Klage abgewiesen.
Gegen das ihnen am 16.11.2007 zugestellte Urteil haben der Kläger am 17.12.2007 und die Beklagte am 14.12.2007 Berufung eingelegt. Beide Parteien haben ihr Rechtsmittel jeweils am 11.01.2008 begründet.
1. unter teilweiser Abänderung des angefochtenen Urteils der Beklagten zu untersagen, gegenüber Verbrauchern (§ 13 BGB) die nachfolgend dargestellten und diesen inhaltsgleiche Bestimmungen in Verträgen über die Belieferung von Erdgas einzubeziehen, sowie sich auf die Bestimmungen bei Abwicklung der artiger Verträge zu berufen:
"Änderungen der allgemeinen Preise und der ergänzenden Bedingungen werden gemäß § 5 Abs. 2 GasGVV jeweils zu Monatsbeginn und erst nach öffentlicher Bekanntgabe wirksam, die mindestens sechs Wochen vor der beabsichtigten Änderung erfolgen muss,"
1. unter teilweiser Abänderung des angefochtenen Urteils die Klage in vollem Umfang abzuweisen,
Die Berufungen beider Parteien sind zulässig. Die Berufung des Klägers ist begründet, die Berufung der Beklagten hat nur teilweise Erfolg.
Der Kläger, der gemäß §§ 3 Abs. 1 Nr. 1, 4 Abs. 1 UKlaG klagebefugt ist, hat gegen die Beklagte im ausgeurteilten Umfang einen Unterlassungsanspruch (§ 1 UKlaG). Soweit das Landgericht dem Kläger nur einen eingeschränkten Unterlassungsanspruch zugebilligt hat, verbleibt es hierbei, weil der Kläger das Urteil des Landgerichts insoweit nicht angefochten hat.
1. Die Klausel Nr. 1 (Ziffer A.[Ergänzende Bedingung] IX. 1.) ist unwirksam.
Die Klausel bezieht sich auf die Möglichkeit der Beklagten, die Versorgung unterbrechen zu lassen. In der Vorschrift des § 19 GasGVV sind diese Fälle geregelt, wobei § 19 Abs. 1 GasGVV die Möglichkeit einer Unterbrechung ohne vorherige Androhung betrifft, während § 19 Abs. 2 GasGVV eine Unterbrechung nur nach Androhung zulässt.
Die beanstandete Klausel bezieht sich ihrem Inhalt nach nur eingeschränkt auf die in § 19 Abs. 2 Satz 1 GasGVV geregelten Fälle einer Unterbrechung. Die Vorschrift des § 19 Abs. 2 GasGVV wird folglich nur teilweise in Bezug genommen. Dadurch wird – im Rahmen der kundenfeindlichsten Auslegung – der Eindruck erweckt, dass § 19 Abs. 2 Satz 2 GasGVV, der in die Klausel nicht aufgenommen ist, nicht gelten soll, die Klausel somit abschließend gemeint sei. Insoweit führt die Klausel zu einer unangemessenen Benachteiligung des Kunden, weil die Klausel von der Regelung des § 19 Abs. 2 Satz 2 GasGVV abweicht, wobei es sich, wie das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, um einen wesentlichen Grundgedanken der GasGVV handelt.
Die in der beanstandeten Klausel nicht erwähnte Vorschrift des § 19 Abs. 2 Satz 2 GasGVV lässt die Unterbrechung nach Androhung nicht zu, wenn die Folgen der Unterbrechung außer Verhältnis zur Schwere der Zuwiderhandlung stehen oder der Kunde darlegt, dass hinreichende Aussicht besteht, er werde seinen Verpflichtungen nachkommen. Mit dieser, von der Beklagten außer Acht gelassenen Vorschrift soll die Grundversorgung des Kunden soweit als möglich sichergestellt und eine Unterbrechung unter den geregelten Einschränkungen nicht zugelassen werden.
Die Beklagte kann sich nicht darauf berufen, das Transparenzgebot deshalb nicht verletzt zu haben, weil sie ihren Kunden den Text der Verordnung aushändige und die Verordnung ihren Ergänzenden Bedingungen vorgehe. Angesichts der jedenfalls unklaren Aussage der Beklagten führt die kundenfeindlichste Auslegung dazu, dass der Kunde die Klausel in dem Sinne versteht, sie sei abschließend gemeint.
Zu Unrecht vertritt die Beklagte auf Seite 2 ihres nach Schluss der mündlichen Verhandlung eingereichten Schriftsatzes vom 29.10.2008 die Ansicht, ihre Klausel sei als rein „deklaratorisch“ zu verstehen und damit nach BGH NJW 1984, 2161 einer Inhaltskontrolle entzogen. Die Klausel der Beklagten betrifft ihrem Wortlaut nach nur die in § 19 Abs. 2 Satz 1 GasGVV geregelten Fälle einer Unterbrechung. Folglich hätte die Klausel – insoweit – keine Bedeutung, da sie die Vorschrift des § 19 Abs. 2 Satz 1 GasGVV – abgesehen von redaktionellen Änderungen bzw. Kürzungen – nahezu inhaltsgleich wiedergibt.
Die Klausel erschöpft sich indessen nicht darin, dass sie mit der normativen Regelung übereinstimmte und damit als solche nur als eine „deklaratorische“ Klausel zu qualifizieren sei.
Dass die Klausel einen einschränkenden Inhalt hat und auch vom Verständnis der Beklagten haben soll, erschließt sich ohne weiteres durch den anschließenden, von dem Kläger allerdings nicht angegriffenen Satz „Die Wiederinbetriebnahme erfolgt … wenn die offenen Gaslieferungen … in voller Höhe beglichen wurden“ (Bl. 20 d.A.). Hierdurch wird dem Kunden der – unrichtige – Eindruck vermittelt, eine Unterbrechung der Versorgung könne er nur durch rechtzeitige Zahlung verhindern bzw. durch nachträgliche Zahlung beseitigen. Die Formulierung in der beanstandeten Klausel, die Beklagte sei in dem beschriebenen Fall „gemäß § 19 Abs. 2 GasGVV“ zur Unterbrechung berechtigt, ist gerade unter Berücksichtigung des zitierten Satzes („Die Wiederinbetriebnahme … beglichen wurden“) unrichtig, weil die Beklagte die in § 19 Abs. 2 Satz 2 geregelten Einschränkungen nicht erwähnt. Nach allem kann der Klausel ein bloß „deklaratorischer“ Charakter nicht beigemessen werden.
2. Die Klausel Nr. 2 (Ziffer A.[Ergänzende Bedingung] IX. 2.) ist ebenfalls unwirksam.
Die Klausel ist unter zwei Gesichtspunkten missverständlich und engt damit die Rechte des Kunden ein.
Zum einen lässt die Klausel nicht erkennen, dass der von ihr nicht erwähnte Teil der Vorschrift des § 19 Abs. 1 GasGVV – unangetastet – weiter gelten soll. Darin liegt der vom Landgericht angenommene Transparenzverstoß. Die Klausel verkürzt ihrem Inhalt nach die in § 19 Abs. 1 GasGVV geregelten Voraussetzungen, indem sie nur auf die schuldhafte Zuwiderhandlung abstellt und nicht auf das weiter aufgestellte Erfordernis einer Unterbrechung, nämlich den Gebrauch von Gas in den genannten Fällen zu verhindern. Die Vorschrift lässt die Unterbrechung nur bei einer schuldhaften Zuwiderhandlung in nicht unerheblichem Maße und weiter nur dann zu, wenn die Unterbrechung in der beschriebenen Weise erforderlich ist. Die Klausel, die das weitergehende Erfordernis nicht erwähnt, führt zu einer Abweichung von wesentlichen Grundgedanken des § 19 Abs. 1 GasGVV.
Zum anderen kann die Klausel, wie in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat erörtert, auch als Versuch der Beklagten gewertet werden, den in § 19 Abs. 1 GasGVV verwendeten unbestimmten Rechtsbegriff „in nicht unerheblichem Maße schuldhaft“ einzugrenzen. Zwar würde bei diesem Verständnis der Klausel im Sinne einer Beschränkung der Beklagten nicht vorzuwerfen sein, sie gebe die Vorschrift des § 19 Abs. 1 GasGVV nur unvollkommen wieder. Abgesehen davon, dass dieses Verständnis nicht zwingend ist und insoweit Unklarheiten verbleiben, schränkt die Beklagte – im so ausgelegten Sinne – mit ihrer Klausel den unbestimmten Rechtsbegriff unzulässig ein, indem sie den Regelungsinhalt des § 19 Abs. 1 GasGVV auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Handeln einengt. Die Vorschrift des § 19 Abs. 1 GasGVV lässt auch dann eine Unterbrechung nicht zu, wenn dem Kunden nur ein Bagatellverstoß („in nicht unerheblichem Maße“) zur Last gelegt werden kann. Es versteht sich von selbst, dass auch ein Bagatellverstoß auf grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz beruhen kann. Ein solches Verhalten des Kunden, das nach § 19 Abs. 1 GasGVV nicht zur Unterbrechung berechtigt, eröffnet der Beklagten aber, legt man ihrer Klausel das Verständnis einer Eingrenzung des unbestimmten Rechtsbegriff zugrunde, die von § 19 Abs. 1 GasGVV gerade nicht zugelassene Möglichkeit einer Unterbrechung der Versorgung. Bei diesem Verständnis wird der Kunde abweichend vom Regelungsinhalt des § 19 Abs. 1 GasGVV unangemessen benachteiligt.
Die Beklagte kann sich entgegen ihren Ausführungen auf Seite 3 des Schriftsatzes vom 29.10.2008 nicht darauf berufen, der unbestimmte Rechtsbegriff „in nicht unerheblichem Maße schuldhaft“ beziehe sich nach der grammatikalischen Auslegung nur auf den Verschuldensgrad, nicht aber auf den Verstoß als solchen. Ganz abgesehen davon, dass die Beklagte mit einer derartigen Auslegung das Verständnis des Kunden – unter dem Gesichtspunkt der kundenfeindlichsten Auslegung – überfordert, verkennt die Beklagte bei dieser Betrachtung auch, dass ihre Klausel bereits unter dem vom Landgericht angenommenen Transparenzverstoß vom Kunden nicht eindeutig zu verstehen ist und damit in jedem Fall, also unter Berücksichtung der zuvor genannten Gesichtspunkte, unzulässig ist.
3. Die Klausel Nr. 3 (Ziffer A.[Ergänzende Bedingung] X. 1.) führt zu einer unangemessenen Benachteiligung des Kunden und ist deshalb unwirksam.
Die Klausel gibt den Wortlaut der von ihr in Bezug genommenen Vorschrift des § 5 Abs. 2 GasGVV nur unvollständig wieder. Sie bezieht sich nur auf Satz 1 der Bestimmung, während sie Satz 2 der Bestimmung nicht erwähnt. Schon darin liegt ein Verstoß gegen das Transparenzgebot des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB.
Wie das Landgericht im Ansatz richtig sieht, besteht die in § 5 Abs. 2 Satz 2 GasGVV geregelte Verpflichtung der Beklagten unverändert fort, die Änderungen der allgemeinen Preise und der ergänzenden Bedingungen – zusätzlich zu der öffentlichen Bekanntgabe – durch briefliche Mitteilung an den Kunden und durch Veröffentlichung im Internet bekannt zu machen. Allerdings, und dies verkennt das Landgericht, besteht die Möglichkeit, dass der Kunde, wenn er dies nicht erkennen kann, davon abgehalten wird, seine etwaigen, aus einer Pflichtverletzung der Beklagten herzuleitenden Ansprüche geltend zu machen. Allein aus diesem Grund führt die Klausel bereits zu einer unangemessenen Benachteiligung des Kunden. Denn der Kunde, der bei kundenfeindlichster Auslegung davon ausgeht, das Bedingungswerk der Beklagten lasse § 5 Abs. 2 Satz 2 GasGVV entfallen, erkennt seine weitergehenden Rechte nicht und kann sie daher erst gar nicht wahrnehmen.
Nicht zu folgen ist der Auffassung der Beklagten, die Klausel habe nur deklaratorische Bedeutung und schaffe keinen von der GasGVV abweichenden Regelungsinhalt (Seite 4 des Schriftsatzes der Beklagten vom 29.10.2008). Zwar ist es richtig, dass die Wirksamkeit einer Änderung der Allgemeinen Preise und der ergänzenden Bedingungen nach § 5 Abs. 2 Satz 1 GasGVV – auf Seiten der Beklagten – allein von dem Erfordernis der öffentlichen Bekanntgabe abhängt. Gleichwohl besteht für die Beklagte – im Zusammenhang einer Änderung – die in § 5 Abs. 2 Satz 2 GasGVV geregelte Verpflichtung zu weitergehenden Information des Kunden. Die – nur unvollständige Bezugnahme – in der beanstandeten Klausel erweckt den unzutreffenden Eindruck, die Beklagte könne die Allgemeinen Preise und ihre ergänzenden Bedingungen ändern, ohne ihrer Verpflichtung zur weitergehenden Information nachzukommen.
4. Die Klausel Nr. 4 (Ziffer A. [Ergänzende Bedingung] X. 2.) hält einer Inhaltskontrolle stand.
Die Klausel weicht nicht zum Nachteil des Kunden von § 5 Abs. 3 GasGVV ab.
Die Vorschrift des § 5 Abs. 3 GasGVV dient dem Schutz des Kunden im Falle von Änderungen der Allgemeinen Preise und der ergänzenden Bedingungen insofern, als er den Versorger unter Weitergeltung der bisherigen Bedingungen wechseln kann. Nach dem Inhalt des § 5 Abs. 3 GasGVV hat der Kunde hierfür zwei Voraussetzungen zu erfüllen: Er muss fristgerecht kündigen und er muss dem bisherigen Versorger den neuen Vertragsschluss innerhalb eines Monats nach Zugang der Kündigung nachweisen.
Diesen Schutz des Kunden unterläuft die Klausel der Beklagten nicht. Sie regelt zwar in Bezug auf Preisänderungen, dass die Fortgeltung der bisherigen Preise beschränkt ist auf einen Zeitraum von maximal zwei Monaten, gerechnet ab dem Zeitpunkt des Vertragsschlusses mit dem neuen Versorger. Darin liegt jedoch keine Abweichung von § 5 Abs. 3 GasGVV. Denn diese Vorschrift sagt nichts darüber aus, zu welchem Zeitpunkt die Lieferbeziehung zu dem bisherigen Versorger endet und wann die Lieferbeziehung mit dem neuen Versorger beginnt.
Hinsichtlich des nicht geregelten Endzeitpunktes der bisherigen Lieferbeziehung kann die Vorschrift des § 5 Abs. 3 GasGVV unter Berücksichtigung der Kundeninteressen durch ergänzende Bedingungen konkretisiert werden. Das ergibt sich daraus, dass die Vorschrift des § 5 Abs. 3 GasGVV der höherrangigen Bestimmung des § 38 Abs. 1 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) nachgeht. Gemäß § 38 Abs. 1 EnWG fällt der Kunde, der das Vertragsverhältnis zu dem Versorgungsunternehmen kündigt, in die Ersatzversorgung, und zwar nunmehr zu den geänderten Allgemeinen Bedingungen und Allgemeinen Preisen des Grundversorgers (§ 38 Abs. 1 EnWG).
Die Beklagte wahrt in ihrer Klausel die im Falle eines Versorgerwechsels zu beachtenden Kundeninteressen, indem sie dem Kunden für eine Übergangszeit von zwei Monaten, gerechnet vom Vertragsschluss mit dem neuen Versorger, die Fortgeltung der bisherigen Preise und ergänzenden Bedingungen ermöglicht. Der Zeitraum von zwei Monaten erscheint dem Senat ausreichend bemessen zu sein, um die Aufnahme der Versorgung durch einen neuen Vertragspartner des Kunden sicherzustellen.
5. Die Klausel Nr. 5 (Ziffer B. [Besondere Bedingungen] IV. 1., Satz 1) ist unwirksam.
Die Wirksamkeit der Klausel beurteilt sich allein nach § 307 BGB. Eine Inhaltskontrolle gemäß §§ 308, 309 BGB scheidet aus, weil die Beklagte die Klausel in Verträgen über die Versorgung von Sonderabnehmern mit Gas verwendet (§ 310 Abs. 2 BGB).
Der Senat lässt offen, ob die beanstandete Klausel allein schon deshalb unwirksam ist, weil die Bezugnahme auf die GasGVV nicht geeignet ist, im Sonderkundenbereich ein Preisanpassungsrecht zu begründen. Diese Auffassung vertritt das OLG Oldenburg im Urteil vom 05.09.2008 (12 U 49/07), die Revision ist zugelassen.
Die Unwirksamkeit der Klausel ergibt sich bereits unter Anwendung der bisherigen Rechtsprechungsgrundsätze des BGH.
Für Preisanpassungsklauseln in Verträgen mit Verbrauchern gilt, dass sie Grund und Erhöhung konkret festlegen müssen (BGH NJW 1986, 3134, 3135). Ist dem Verwender eine Begrenzung künftiger Preiserhöhungen und eine Konkretisierung der hierfür notwendigen Voraussetzungen nicht möglich, muss er dem Kunden einen angemessenen Ausgleich durch Einräumung eines Rechts zur Lösung vom Vertrag schaffen (BGH NJW 1986, 3134, 3136). Diese Rechtsprechung hat der BGH in der Entscheidung vom 13.12.2006 (NJW 2007, 1054, 1056) bestätigt, allerdings die Voraussetzungen eines Lösungsrechts des Kunden – enger – gefasst: Ein angemessener Ausgleich setzt voraus, dass der Kunde vorab über die beabsichtigte Preiserhöhung informiert wird und sich vom Vertrag lösen kann, bevor sie wirksam wird (BGH NJW 2007, 1054, 1056).
Diesen – neuerlichen – Anforderungen des BGH genügt die Klausel nicht, mit der Folge, dass sie zu einer unangemessenen Benachteiligung führt (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB).
Zwar eröffnet die Beklagte in dem auf die beanstandete Klausel folgenden Satz (B.IV.2) dem Sonderkunden ein Sonderkündigungsrecht, indem sie auf § 5 Abs. 3 GasGVV verweist. Jedoch genügt dies schon deshalb nicht, weil die Beklagte die Voraussetzungen des Sonderkündigungsrechts nicht – einmal – entsprechend der Vorschrift des § 5 Abs. 3 GasGVV regelt, sondern hinsichtlich der Voraussetzungen und Folgen einer Kündigung auf Ziffer X. Absatz 2 ihrer Ergänzenden Bedingungen verweist, die ihrerseits zu einer Benachteiligung des Kunden führt. Nach der Rechtsprechung des BGH muss das Sonderkündigungsrecht dem Kunden die Lösung vom Vertrag vor Wirksamwerden der Preiserhöhung ermöglichen. Diesen Anforderungen genügt die Klausel nicht.
Außerdem muss der Kunde – als Vertragspartner – des Verwenders vorab über die beabsichtigte Preiserhöhung informiert werden. Auch daran fehlt es. Zwar will die Beklagte die Preisänderungen erst nach öffentlicher Bekanntgabe wirksam werden lassen (B. IV.1.). Das genügt jedoch nicht. Eine – schriftliche – Vorabinformation des Kunden sieht die beanstandete Klausel nicht vor.
Entgegen den Ausführungen der Beklagten kann die beanstandete Klausel nicht unter dem Gesichtspunkt der Teilbarkeit aufrechterhalten werden.
Eine geltungserhaltende Reduktion unwirksamer AGB, die unzulässig wäre, liegt ausnahmsweise nicht vor, wenn sich eine Formularklausel nach ihrem Wortlaut aus sich heraus verständlich und sinnvoll in einen inhaltlich zulässigen und einen unzulässigen Regelungsteil trennen lässt und wenn bei Weglassen des unwirksamen Teils eine rechtlich zulässige und sinnvolle Regelung verbleibt (BGH NJW 2001, 292, 294).
Es genügt nicht, wie die Beklagte vorschlägt (Seite 29 der Berufungsbegründung – Bl. 497 d.A.), den Satz 4 der Klausel B.IV. zu streichen. Die beanstandete Klausel (B.IV.1) sieht – schon – nicht vor, dass der Kunde vorab – schriftlich – zu informieren ist; in der Klausel ist nur die öffentliche Bekanntgabe vorgesehen. Dies reicht nicht, weil der Kunde – als Vertragspartner – vorab zu unterrichten ist. Die Beklagte kann in diesem Zusammenhang nicht auf § 5 Abs. 1 Satz 2 GasGVV verweisen, wonach der Grundversorger eine briefliche Mitteilung an den Kunden zu versenden hat. Die beanstandete Klausel ist ihrem Wortlaut enger gefasst als § 5 Abs. 2 GasGVV, weil die Klausel gerade nicht die Pflicht der Beklagten zur Vorabinformation des Kunden anführt.
Den Erwägungen der Beklagten auf Seiten 6 – 8 ihres Schriftsatzes vom 29.10.2008 ist schon deshalb nicht zu folgen, weil die Beklagte dabei außer acht lässt, dass nach der Rechtsprechung für einen angemessenen Ausgleich zu fordern ist, dass der Kunde vorab über die beabsichtigte Preiserhöhung informiert wird und sich vom Vertrag lösen kann, bevor sie wirksam wird (BGH NJW 2007, 1054, 1056).
6. Soweit es die Verurteilung zur Erstattung der Abmahnkosten in Höhe von 189,00 € betrifft, hat die Beklagte das Urteil nicht gesondert angegriffen.
Die Revision wird gemäß § 543 Abs. 2 Nr. 1 ZPO zugelassen, weil die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat.
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References: § 4
 § 19
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 BGH 
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 § 38
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 § 307
 BGH 
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 § 543