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Timestamp: 2019-06-25 06:53:36+00:00

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BGH, 29.11.2007 - IX ZR 121/06 - dejure.org
https://dejure.org/2007,356
BGH, 29.11.2007 - IX ZR 121/06 (https://dejure.org/2007,356)
BGH, Entscheidung vom 29.11.2007 - IX ZR 121/06 (https://dejure.org/2007,356)
BGH, Entscheidung vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06 (https://dejure.org/2007,356)
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InsO §§ 129 Abs. 1, 131 Abs. 1 Nr. 1, 133 Abs. 1, 143 Abs. 1; BGB § 421
Insolvenzanfechtung, wenn Insolvenzschuldner seinen Schuldner mit Gläubigerbenachteiligungsabsicht zur unmittelbaren Zahlung an einen Gläubiger veranlasst
Vorsatzanfechtung gegen einen Angewiesenen bei Veranlassung des Schuldners zur Zahlung unmittelbar an seinen Gläubiger durch den späteren Insolvenzschuldner mit Gläubigerbenachteiligungsvorsatz ; Im Verhältnis der Gesamtschuld zueinander stehende Anfechtungsansprüche gegen den Angewiesenen und den Zuwendungsempfänger; Einheitliche Bestimmung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes des Schuldners im Valutaverhältnis und im Deckungsverhältnis; Begründung von Beweisanzeichen für die Kenntnis vom Gläubigerbenachteiligungsvorsatz des Schuldners durch die Kenntnis des Angewiesenen von der Inkongruenz der Deckung im Valutaverhältnis
Vorsatzanfechtung in Dreiecksverhältnissen
InsO § 129 Abs. 1, § 131 Abs. 1 Nr. 1, § 133 Abs. 1, § 143 Abs. 1; BGB § 421
Vorsatzanfechtung auch gegen den vom späteren Insolvenzschuldner Angewiesenen
Vorsatzanfechtung auch gegen den Angewiesenen, wenn der spätere Insolvenzschuldner mit Gläubigerbenachteiligungsvorsatz seinen Schuldner veranlasst, unmittelbar an seinen Gläubiger zu zahlen; Kenntnis des Angewiesenen von der Inkongruenz der Deckung im Valutaverhältnis kein Beweisanzeichen für die Kenntnis vom Gläubigerbenachteiligungsvorsatz des Schuldners
Insolvenzanfechtung von Zahlungen im Anweisungsverhältnis; Bestimmung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes; Anforderungen an die Kenntnis des Angewiesenen
Vorsatzanfechtung gegen Angewiesenen und Zuwendungsempfänger
Vorsatzanfechtung gegenüber Angewiesenen: Beweiswirkung muss im Deckungs- und Valutaverhältnis gesondert beurteilt werden
InsO § 133 Abs. 1, §§ 129, 131; BGB § 421
Direktzahlung: Insolvenzanfechtung gegen Subunternehmer und Drittschuldner möglich! (IBR 2008, 216)
Zusammenfassung von "Die Anfechtbarkeit der Banküberweisung nach 133 InsO - zugleich Anm. zu BGH, Urt. v. 29.11.2007 - IX ZR 121/06" von RA Dipl. - Kfm. Dirk Kirstein und RA Dipl. Volkswirt Oliver Sietz, original erschienen in: ZInsO 2008, 761 - 768.
Der Kläger könne sich nicht mit Erfolg auf das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29. November 2007 (IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314) berufen, weil der jener Entscheidung zugrundeliegende Sachverhalt mit dem vorliegenden Fall nicht vergleichbar sei.
Da mittelbare Zuwendungen so zu behandeln sind, als habe der befriedigte Gläubiger unmittelbar von dem Schuldner erworben, findet die Deckungsanfechtung nicht gegen den Leistungsmittler, der als solcher kein Gläubiger des Schuldners ist, sondern allein gegen den Leistungsempfänger statt (BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 14).
Die Deckungsanfechtung gegen den Insolvenzgläubiger schließt aber nach der jüngeren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich die Vorsatzanfechtung gegen einen die Zahlung vermittelnden Verwaltungstreuhänder des Schuldners nicht aus (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 24 f).
Der uneigennützige Verwaltungstreuhänder ist unter diesen Umständen gesamtschuldnerisch mit dem Empfänger der mittelbaren Zuwendung zur Rückgewähr der weggegebenen Gelder verpflichtet (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 2007, aaO Rn. 25 f).
Der Benachteiligungsvorsatz eines Schuldners, der unter Einschaltung einer Mittelsperson Zahlungen an seine Gläubiger bewirkt, ist im Deckungs- und Valutaverhältnis einheitlich zu bestimmen (BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 33).
Bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs etwa durch ein Kreditinstitut handelt es sich um alltägliche Geschäftsvorgänge, denen ein Wille des Überweisenden, seine Gläubiger zu benachteiligen, regelmäßig nicht zu entnehmen ist (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 37).
Im Fall eines kollusiven Zusammenwirkens mit dem Schuldner hat der Leistungsmittler - anders als bei der rein technischen Durchführung von Zahlungsvorgängen (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 37 f) - Kenntnis von dem Benachteiligungsvorsatz des Schuldners.
Vielmehr reicht es aus, wenn er im Allgemeinen von dem Benachteiligungsvorsatz gewusst hat (BGH, Urteil vom 19. Dezember 2002 - IX ZR 377/99, WM 2003, 524, 530; vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 34;… vom 30. Juni 2011 - IX ZR 155/08, BGHZ 190, 201 Rn. 25).
Auch die nur drohende Zahlungsunfähigkeit stellt ein starkes Beweisanzeichen für den Benachteiligungsvorsatz des Schuldners dar, wenn sie ihm bei der Vornahme der Rechtshandlung bekannt war (BGH…, Urteil vom 13. April 2006 - IX ZR 158/05, BGHZ 167, 190 Rn. 14; vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 32;… vom 5. März 2009 - IX ZR 85/07, BGHZ 180, 98 Rn. 10;… vom 13. August 2009 - IX ZR 159/06, WM 2009, 1943 Rn. 8).
Die Vorschrift gestattet eine Anfechtung nur gegenüber einem Gläubiger des Schuldners (BGH…, Urteil vom 20. Juli 2006 - IX ZR 44/05, ZIP 2006, 1591 Rn. 10; vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 14).
Es können, sofern die Voraussetzungen vorliegen, beide belangt werden und haften gegebenenfalls als Gesamtschuldner (BGH…, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 165/05, WM 2008, 363 Rn. 17;… vom 26. Juni 2008 - IX ZR 47/05, WM 2008, 1442 Rn. 23;… vom 26. Juni 2008 - IX ZR 144/05, WM 2008, 1512 Rn. 33; vgl. auch BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 25 ff;… vom 9. Oktober 2008 - IX ZR 59/07, WM 2008, 2178 Rn. 23 a.E.).
Entscheidend ist, wann das Gegenseitigkeitsverhältnis durch die Verknüpfung der beiden gegenseitigen Forderungen begründet worden ist (BGH, Urteil vom 29. November 2007 aaO;… vom 26. Juni 2008 - IX ZR 47/05, WM 2008, 1442 Rn. 17).
Dagegen ist es grundsätzlich unerheblich, ob die Forderung des Schuldners oder die des Insolvenzgläubigers früher entstanden oder fällig geworden ist (BGH, Urteil vom 29. November 2007, aaO;… vom 26. Juni 2008, aaO).
Deshalb verlegt § 140 Abs. 3 InsO den Zeitpunkt nicht auf den Vertragsschluss zurück (…HK-InsO/Kayser, aaO § 96 Rn. 55;… Gero Fischer, aaO S. 6; vgl. auch BGH, Urteil vom 29. November 2007, aaO Rn. 36 f).
Hat eine dieser sachlich zuständigen Behörden im Allgemeinen vom Benachteiligungsvorsatz der Schuldnerin Kenntnis, genügt dies auch dann, wenn sie nicht von allen Einzelheiten weiß (BGH, Urteil vom 19. Dezember 2002 - IX ZR 377/99, NJW-RR 2003, 837, 842; vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 34;… MünchKomm-InsO/Kirchhof, aaO § 133 Rn. 19;… Bork in Kübler/Prütting/Bork, InsO, Stand 2010, § 133 Rn. 51;… Gehrlein in Festschrift Ganter, 2010, S. 169, 186).
Der anfechtungsrechtliche Rückgewähranspruch aus § 143 InsO bezweckt, dass ein Gegenstand, der ohne die anfechtbare Rechtshandlung zur Masse gehören würde, ihr zum Zwecke der Verwertung wieder zugeführt werden muss (BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 14).
a) Auch die nur drohende Zahlungsunfähigkeit stellt ein starkes Beweisanzeichen für den Benachteiligungsvorsatz des Schuldners dar, wenn sie ihm bei der Vornahme der Rechtshandlung bekannt war (BGH…, Urteil vom 13. April 2006 - IX ZR 158/05, BGHZ 167, 190 Rn. 14; vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 32;… vom 5. März 2009 - IX ZR 85/07, BGHZ 180, 98 Rn. 10;… vom 13. August 2009 - IX ZR 159/06, WM 2009, 1943 Rn. 8).
Da mittelbare Zuwendungen so zu behandeln sind, als habe der befriedigte Gläubiger unmittelbar von dem Schuldner erworben, finde die Deckungsanfechtung nicht gegenüber dem Leistungsmittler, der als solcher kein Gläubiger des Schuldners ist, sondern allein gegen den Leistungsempfänger statt (BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 14;… vom 26. April 2012, aaO).
a) Die mögliche Deckungsanfechtung gegenüber dem Versicherer als Insolvenzgläubiger schließt die Vorsatzanfechtung gegenüber dem oder den Zahlungsmittlern nicht aus (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 2007, aaO Rn. 24 f;… vom 26. April 2012, aaO Rn. 14;… vom 24. Januar 2013 - IX ZR 11/12, WM 2013, 361 Rn. 14).
Auch die nur drohende Zahlungsunfähigkeit stellt ein starkes Beweisanzeichen für den Benachteiligungsvorsatz des Schuldners dar, wenn sie ihm bei Vornahme der Rechtshandlung bekannt war (BGH…, Urteil vom 13. April 2006 - IX ZR 158/05, BGHZ 167, 190 Rn. 14;… vom 24. Mai 2007 - IX ZR 97/06, ZIP 2007, 1511 Rn. 8; vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, BGHZ 174, 314 Rn. 32;… vom 5. März 2009 - IX ZR 85/07, BGHZ 180, 98 Rn. 10;… vom 13. August 2009 - IX ZR 159/06, WM 2009, 1943 Rn. 8;… vom 24. Januar 2013, aaO Rn. 24).
Dass ihr gegenüber die Abbuchungen der im Lastschriftverfahren eingezogenen Beträge genehmigt wurden, schließt die Anfechtung gegenüber der Zahlungsempfängerin nicht aus (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 2007 - IX ZR 121/06, aaO Rn. 25;… vom 24. Januar 2013 - IX ZR 11/12, aaO Rn. 14), auch wenn diese wie hier ihrerseits Leistungsmittlerin ist, die die Zahlungen erneut weiterleitet.
Da für den anderen Teil die Kenntnis vom Gläubigerbenachteiligungsvorsatz des Schuldners vermutet wird, wenn er wusste, dass dessen Zahlungsunfähigkeit drohte, können für den Schuldner selbst keine strengeren Anforderungen gelten (…BGHZ 167, 190, 194 f Rn. 14; 174, 314, 321 Rn. 32).
Insolvenzanfechtung: Rückgewährpflicht des Anfechtungsgegners bei Weiterleitung …

References: § 421
 § 129
 § 131
 § 133
 § 143
 § 421
 § 133
 § 421
 § 140
 § 96
 § 133
 § 133
 § 143