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Timestamp: 2018-09-19 16:41:45+00:00

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BAG, Beschluss vom 01.07.2009, 4 ABR 8/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Be­schluss vom 01.07.2009, 4 ABR 8/08
Aktenzeichen: 4 ABR 8/08
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hagen (Westfalen) 3. Kammer, 22. Februar 2007, Az: 3 BV 68/06, Beschluss Landesarbeitsgericht Hamm (Westfalen) 13. Kammer, 9. November 2007, Az: 13 TaBV 48/07, Beschluss
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 1. Ju­li 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Be­p­ler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt und Dr. Tre­ber so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Dierßen und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Grimm für Recht er­kannt:
Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 9. No­vem­ber 2007 - 13 TaBV 48/07 - wird zurück­ge­wie­sen.
Am 3. März 2005 fan­den bei der A D GmbH Gespräche über den Ab­schluss ei­nes Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges statt, an de­nen Re­präsen­tan­ten des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des und der IG Me­tall teil­nah­men. Zu die­sem Zeit­punkt gin­gen die Be­tei­lig­ten übe­rein­stim­mend da­von aus, dass die A D GmbH Ver­bands­mit­glied
sei. In ei­nem Te­le­fo­nat am 4. Mai 2006 wur­de dies auch vom Geschäftsführer des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des dem Vor­sit­zen­den des an­trag­stel­len­den Be­triebs­ra­tes mit­ge­teilt. Das Un­ter­neh­men selbst erklärte mit Schrei­ben vom 21. Ju­ni 2006 ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber­ver­band „äußerst vor­sorg­lich“ die Kündi­gung der Mit­glied­schaft zum nächstmögli­chen Ter­min.
fest­zu­stel­len, dass im Be­trieb der A D GmbH bis zum 31. De­zem­ber 2006 der Ge­halts­ta­rif­ver­trag der nord-rhei­ni­schen Tex­til­in­dus­trie vom 12. Mai 2006 galt.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt den An­trag zurück­zu­wei­sen.
Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­schwer­de des Be­triebs­rats hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ge­wie­sen und die Rechts­be­schwer­de zu­ge­las­sen. Nach Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­ra­tes ist die A D GmbH gemäß der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter vom 30. Ju­li 2008 auf die P GmbH ver­schmol­zen wor­den, die am dar­auf­fol­gen­den Tag zu der jet­zi­gen Fir­ma der Ar­beit­ge­be­rin um­fir­miert wor­den ist. Der Be­triebs­rat ver­folgt mit der Rechts­be­schwer­de sein zu­letzt in der Rechts­be­schwer­de­instanz präzi­sier­tes An­lie­gen wei­ter. Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt, die Rechts­be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.
II. Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­ra­tes ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu Recht die Be­schwer­de des Be­triebs­ra­tes ge­gen den erst­in­stanz­li­chen Be­schluss zurück­ge­wie­sen. Der An­trag des Be­triebs­ra­tes ist un­zulässig.
Da­bei ist nicht darüber zu be­fin­den, ob und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen die Ta­rif­ge­bun­den­heit ei­nes Ar­beit­ge­bers Ge­gen­stand ei­nes Fest­stel­lungs­an­tra­ges sein kann (eben­falls of­fen­ge­las­sen in BAG 24. April 2007 - 1 ABR 27/06 - BA­GE 122, 121, 124 f.). Bei der Fra­ge der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ar­beit­ge­be­rin an ei­nen kon­kre­ten Ta­rif­ver­trag han­delt es sich um ei­ne Rechts­fra­ge, die sich in ei­ner Viel­zahl von Rechts­verhält­nis­sen, an de­nen die Ar­beit­ge­be­rin be­tei­ligt ist, in ganz un­ter­schied­li­cher Wei­se stel­len kann, zB bei § 3, § 77 Abs. 3, § 80 Abs. 1 Nr. 1, § 86, § 87 Abs. 1, § 99 Abs. 1 und 2 Be­trVG. Nicht je­de ma­te­ri­ell-recht­lich be­gründe­te Bin­dung ei­ner Ar­beit­ge­be­rin, die für be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Po­si­tio­nen des Be­triebs­ra­tes Wir­kung ent­fal­ten kann, ist als ein den
Be­triebs­rat be­tref­fen­des Rechts­verhält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO an­zu­se­hen. Hin­sicht­lich ei­ner ei­ge­nen Rechts­po­si­ti­on des Be­triebs­ra­tes han­delt es sich bei der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ar­beit­ge­be­rin le­dig­lich um ei­ne Vor­fra­ge. Durch ei­ne statt­ge­ben­de Ent­schei­dung würde nicht endgültig geklärt, ob dem Be­triebs­rat ei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on tatsächlich zu­steht. Die abs­trak­te Be­ant­wor­tung der Fra­ge lie­fe auf die Er­stel­lung ei­nes Rechts­gut­ach­tens hin­aus. Das ist - mit der ge­son­dert nor­mier­ten Aus­nah­me nach § 9 TVG - grundsätz­lich nicht die Auf­ga­be der Ge­rich­te. Die­se ent­schei­den über das Be­ste­hen kon­kre­ter Rechts­verhält­nis­se, Ansprüche und Ver­pflich­tun­gen (BAG 3. Mai 2006 - 1 ABR 63/04 - AP Be­trVG 1972 § 81 Nr. 61). Ein sol­ches den Be­triebs­rat selbst be­tref­fen­des Rechts­verhält­nis ist im An­trag des Be­triebs­ra­tes aber nicht ge­nannt. Al­lein der Um­stand, dass die Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers für das Ver­hal­ten der Be­tei­lig­ten in zahl­rei­chen ver­schie­de­nen Fällen und Fall­kon­stel­la­tio­nen von Be­deu­tung sein kann, reicht für das Rechts­schutz­in­ter­es­se nicht aus (vgl. BAG 27. Ja­nu­ar 2004 - 1 ABR 5/03 - BA­GE 109, 227, 234). Dies gilt im Streit­fall um so mehr, als sich der zu­letzt ge­stell­te An­trag des Be­triebs­ra­tes auf die Rechts­la­ge in ei­nem be­reits seit mehr als zwei Jah­ren ab­ge­schlos­se­nen Zeit­raum be­schränkt und un­ter kei­nem Ge­sichts­punkt er­kenn­bar ist, wel­ches ak­tu­el­le be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­verhält­nis des Be­triebs­rats von der be­gehr­ten Fest­stel­lung er­fasst wer­den könn­te.
zur Übersicht 4 ABR 8/08

References: § 3
 § 77
 § 80
 § 86
 § 87
 § 99
 § 256
 § 9
 § 81