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Timestamp: 2019-09-16 11:14:39+00:00

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BVerwG, 29.07.2015 - 6 C 35.14 - dejure.org
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BVerwG, 29.07.2015 - 6 C 35.14 (https://dejure.org/2015,19437)
BVerwG, Entscheidung vom 29.07.2015 - 6 C 35.14 (https://dejure.org/2015,19437)
BVerwG, Entscheidung vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 (https://dejure.org/2015,19437)
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Rechtschreibstörung (Legasthenie); Abitur; schriftliche Prüfungen, Gebot der Chancengleichheit; Verbot der Benachteiligung Behinderter; Nachteilsausgleich; Schreibzeitverlängerung; Notenschutz; allgemeiner und behindertengerechter Bewertungsmaßstab; allgemeine ...
Art 3 Abs 3 S 2 GG, Art 3 Abs 1 GG, Art 12 Abs 1 GG
Hinweis auf Nichtbewertung von Rechtschreibleistungen in bayerischen Abiturzeugnissen
Rechtschreibstörung (Legasthenie) - Abitur - schriftliche Prüfungen - Gebot der Chancengleichheit - Verbot der Benachteiligung Behinderter - Nachteilsausgleich - Schreibzeitverlängerung - Notenschutz - Vermerk des Notenschutzes im Abschlusszeugnis
Art. 3 Abs. 1, Abs. 3 Satz 2, Art. 12 Abs. 1 GG
Schulrecht: Notenschutz bei Legasthenie | Rechtsschreibstörung (Legasthenie); Abiturzeugnis; Gebot der Chancengleichheit; Verbot der Benachteiligung Behinderter; Nachteilsausgleich; Notenschutz; Vermerk des Notenschutzes im Abiturzeugnis; Aussagekraft des Zeugnisses; ...
GG Art. 3 Abs. 3 S. 2; GG Art. 12 Abs. 1
Legasthenie-Vermerk: Keine Bevorteilung ohne Gesetz
Bemerkung im Zeugnis über Notenschutz widerspricht nicht der Chancengleichheit
Hinweis auf Legasthenie im Abiturzeugnis bleibt
Legasthenie - Vermerk im Zeugnis laut zulässig
BVerwGE 152, 330
Erst im Jahr 2015 hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass aus dem Gebot der Chancengleichheit nur Ansprüche auf Änderung der Prüfungsbedingungen (Nachteilsausgleich), nicht aber solche auf Änderung des Maßstabs der Leistungsbewertung (Notenschutz) abgeleitet werden könnten (BVerwGE 152, 330).
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330 = juris, Rn. 15 f.
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330 = juris, Rn. 18 m. w. N.
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330 = juris, Rn. 19 m. w. N.
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330 = juris, Rn. 20 ff. m. w. N.
Dass hier ein etwaiger von diesem Grundsatz abweichender Ausnahmefall vorliegt, vgl. zu den möglichen Voraussetzungen BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330 = juris, Rn. 27, hat der Antragsteller weder geltend gemacht noch ist dies sonst ersichtlich.
Eine Anfechtungsklage nach § 42 Abs. 1, 1. Alt. VwGO kommt nicht in Betracht, da die Angabe der Fehlstunden im Zeugnis mangels eigener Regelungswirkung kein Verwaltungsakt im Sinne von § 35 Satz 1 HmbVwVfG, sondern schlicht-hoheitliches Handeln ist (vgl. zu Zeugnisbemerkungen über die Berücksichtigung einer Legasthenie BVerwG, Urt. v. 29.7.2015, 6 C 35/14, BVerwGE 152, 330 ff., juris Rn. 10).
Rechtsgrundlage des Anspruchs auf erneute Ausstellung des Abschlusszeugnisses ohne Angaben zu den unentschuldigt versäumten Unterrichtsstunden ist der allgemeine Folgenbeseitigungsanspruch (vgl. BVerwG, Urt. v. 29.7.2015, 6 C 35/14, BVerwGE 152, 330 ff., juris Rn. 8 m. w. N.;… VG Hamburg, Urt. v. 15.12.2016, 1 K 2112/16, juris Rn. 20).
bb) Die Aufnahme der Angaben über Versäumnisse in das Abschlusszeugnis greifen auch in das Recht des Klägers auf informationelle Selbstbestimmung aus Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG ein (vgl. zu Bemerkungen im Zeugnis auch BVerwG, Urt. v. 29.7.2015, 6 C 35/14, BVerwGE 152, 330 ff., juris Rn. 11).
In diesem Fall führen sie zur mittelbar erzwungenen Offenlegung der im Zeugnis verwendeten personenbezogenen Daten (vgl. auch BVerwG, Urt. v. 29.7.2015, a. a. O.).
Sie haben die Belange behinderter Menschen insbesondere mit anderen verfassungsrechtlich geschützten Belangen abzuwägen (BVerfG, Beschluss vom 8. Oktober 1997 - 1 BvR 9/97 - BVerfGE 96, 288 ; BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 [ECLI:DE:BVerwG:2015:290715U6C35.14.0] - BVerwGE 152, 330 Rn. 26 f.;… Kischel, in: Epping/Hillgruber, GG, 2. Auflage, Art. 3 Rn. 237).
Aus Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG können sich verfassungsunmittelbare Ansprüche auf konkrete Maßnahmen des Nachteilsausgleichs allenfalls ergeben, wenn es um die Kompensation schwerwiegender Nachteile für behinderte Menschen, insbesondere im Bereich der Grundrechtsverwirklichung, geht, die im Interesse ihrer Stellung im gesellschaftlichen Leben nicht hingenommen werden können (BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 - BVerwGE 152, 330 Rn. 27).
Die Ansprüche finden ihre Grundlage in den Grundrechten und dem rechtsstaatlichen Prinzip der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung (BVerwG, Urteil vom 29.07.2015 - 6 C 35.14 - NVwZ 2016, 541 Rn. 8 = juris Rn. 8).
Auch kann der Nichterfüllung bestimmter Anforderungen bei der Leistungsbewertung ein geringeres Gewicht beigemessen werden (vgl. BVerwG, Urt. v. 29.7.2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330).
Aus dem Grundsatz der Chancengleichheit lässt sich ein solcher Anspruch nicht herleiten; derartige Maßnahmen stellen keine Chancengleichheit her, sondern bringen vielmehr stets eine Bevorzugung derjenigen Prüflinge mit sich, denen Notenschutz gewährt wird (BVerwG, Urt. v. 29.7.2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330, Beschl. v. 13.12.1985 - 7 B 210.85 - Buchholz 421.0 Prüfungswesen Nr. 223, VGH Kassel; Beschl. v. 5.2.2010 - 7 A 2406/09.Z - NVwZ-RR 2010, 767, OVG Lüneburg, Beschlüsse vom 10.7.2008 - 2 ME 309/08 - NVwZ-RR 2009, 68 u. v. 10.3.2015 - 2 ME 7/15 - NVwZ-RR 2015, 574, OVG Berlin-Brandenburg, Beschl. v. 16.6.2009 - 3 M 16.09 - juris).
Auch aus dem Benachteiligungsverbot des Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG folgen generell keine Ansprüche auf behindertengerechten Notenschutz für berufsbezogene Prüfungen, weil die dadurch herbeigeführte Bevorzugung behinderter Prüflinge mit verfassungsrechtlichen Schutzgütern kollidiert (vgl. hierzu im Einzelnen BVerwG, Urt. v. 29.7.2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330).
Enthält das Landesrecht - wie in Niedersachsen - die erforderliche gesetzliche Grundlage nicht, wäre die Gewährung von Notenschutz (sogar) rechtswidrig (vgl. auch hierzu BVerwG, Urt. v. 29.7.2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330).
Die typische Ausgleichsmaßnahme in schriftlichen Prüfungen ist die Verlängerung der Bearbeitungszeit; in Betracht kommt auch die Benutzung technischer Hilfsmittel.(Vgl. BVerwG, Urteil vom 29.07.2015 - 6 C 35/14 -, Rn. 16, juris (zum Fall einer Legasthenie).).
Demnach stellt Notenschutz stets eine Bevorzugung derjenigen Prüflinge dar, denen er gewährt wird und kann somit nicht als Anspruch auf Gewährung der Chancengleichheit aus Art. 3 Abs. 1 GG hergeleitet werden.(Vgl. hierzu eingehend: BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35/14 -, BVerwGE 152, 330-346, Rn. 20 ff.).
Nach dem Grundsatz praktischer Konkordanz müssen beide Verfassungspositionen schon auf abstrakt-genereller Ebene nach Möglichkeit schonend ausgeglichen werden.(Vgl. BVerwG, Urteil vom 29.07.2015 - 6 C 35/14 - Rn. 30 - 32, juris.) Danach unterfallen die Entscheidungen über die Gewährung von Notenschutz und dessen inhaltliche Ausgestaltung jedenfalls für schulische Abschlussprüfungen dem Gesetzesvorbehalt.(Vgl. BVerwG, Urteil vom 29.07.2015 - 6 C 35/14 - Rn. 43, juris …sowie Urteil der Kammer vom 05.03.2009 - 1 K 643/08 -, Rn. 78, juris.).
Die Ansprüche finden ihre Grundlage in den Grundrechten und dem rechtsstaatlichen Prinzip der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung (vgl. BVerwG, Urt. v. 29.07.2015 - 6 C 35.14 - NVwZ 2016, 541, vom 22.10.2014 - 6 C 7.13 - NVwZ 2015, 906 und vom 30.10.1997 - 3 C 35.96 - BVerwGE 105, 288, jeweils m.w.N.; VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 07.07.2016 - 10 S 579/16 - juris).
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. Juli 2015 - 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330 = juris Rn. 8; OVG NRW, Beschluss vom 6. November 2012 - 15 A 1771/11 -, juris Rn. 30; Ossenbühl/Cornils, Staatshaftungsrecht, 6. Auflage 2013, S. 373; s. a. grundlegend BVerwG, Urteile vom 19. Juli 1984 - 3 C 81.82 -, BVerwGE 69, 366 (370 f.) = juris Rn. 30 ff., und vom 25. August 1971 - IV C 23.69 -, DVBl. 1971, 858 (859) = juris Rn. 16 ff.
Darüber hinaus ist der Schutzbereich des Grundrechts berührt, wenn Rechtsnormen oder Verwaltungspraxis zwar für Behinderte und Nichtbehinderte gleichermaßen gelten, Behinderte aber wegen der unterschiedlichen Auswirkungen der Rechtsanwendung faktisch (mittelbar) benachteiligt werden, etwa weil sie eine bestimmte rechtliche Gewährleistung aus tatsächlichen Gründen nicht in Anspruch nehmen können (vgl. BVerwG, Urt. v. 29.7.2015 - BVerwG 6 C 35.14 -, BVerwGE 152, 330, 337).
OVG Sachsen, 12.02.2018 - 5 B 352/17
Diplomprüfung; Nachteilsausgleich; Dauerleiden; Chancengleichheit
VGH Bayern, 15.03.2016 - 22 B 15.2564
Regelungsgehalt eines Prüfungsbescheids über die Meisterprüfung im Handwerk
VG Schleswig, 05.01.2017 - 9 B 45/16
Nachteilsausgleich; Gymnasiale Oberstufe
VG Berlin, 04.06.2019 - 3 K 291.18
BVerfG - 1 BvR 2579/15 (anhängig)

References: Art. 3
 Art. 12
 Art. 3
 Art. 12
 § 42
 § 35
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3