Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=06.07.2010&Aktenzeichen=2%20BvR%202661/06
Timestamp: 2019-05-24 01:55:47+00:00

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BVerfG, 06.07.2010 - 2 BvR 2661/06 - dejure.org
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BVerfG, 06.07.2010 - 2 BvR 2661/06 (https://dejure.org/2010,16)
BVerfG, Entscheidung vom 06.07.2010 - 2 BvR 2661/06 (https://dejure.org/2010,16)
BVerfG, Entscheidung vom 06. Juli 2010 - 2 BvR 2661/06 (https://dejure.org/2010,16)
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Artt. 20 Abs. 3, 2 Abs. 1, 12 Abs. 1, 101 Abs. 1 Satz 2 GG; § 14 Abs. 3 Satz 4 TzBfG
Umfang und Grenzen einer Ultra-vires-Kontrolle des Handelns von Organen der Europäischen Union durch das BVerfG - Zur Möglichkeit sekundären Vertrauensschutzes durch Gewährung von Schadensersatz bei rückwirkender Nichtanwendbarkeit eines Gesetzes aufgrund einer Entscheidung des EuGH
Art 101 Abs 1 S 2 GG, Art 12 Abs 1 GG, Art 20 Abs 3 GG, Art 23 Abs 1 S 2 GG, Art 18 AEUV
Umfang und Grenzen einer Ultra-vires-Kontrolle des Handelns von Organen der Europäischen Union durch das BVerfG (hier: Mangold-Entscheidung des EuGH <C-144/04, 22.11.2005> nicht ultra vires) - Zur Möglichkeit sekundären Vertrauensschutzes durch Gewährung von Schadensersatz bei rückwirkender Nichtanwendbarkeit eines Gesetzes aufgrund einer Entscheidung des EuGH - Anwendung des Willkürmaßstabes aus BVerfGE 82, 159 <194> auch hinsichtlich einer Verletzung von Art 267 Abs 3 AEUV - abweichende Meinung: Kompetenzüberschreitung des EuGH in Mangold-Entscheidung jedenfalls mit Annahme einer Vorwirkung der EGRL 78/2000, Mehrheitsansicht weicht von Lissabon-Entscheidung (BVerfGE 123, 267 <353 ff>) ab
Voraussetzungen einer Kontrolle von Akten europäischer Organe auf Kompetenzverstöße (Ultra-vires-Kontrolle) durch das Bundesverfassungsgericht; Erforderlichkeit eines offensichtlich kompetenzwidrigen und zu einer strukturell bedeutsamen Verschiebung zulasten der Mitgliedstaaten führenden Handelns der Unionsgewalt; Klärung der Zulässigkeit von Handlungen europäischer Organe i.R.e. Vorabentscheidungsverfahrens durch den Gerichtshof der Europäischen Union vor Annahme eines kompetenzwidrigen Aktes; Gewährung einer innerstaatlichen Entschädigung zur Sicherung des verfassungsrechtlichen Vertrauensschutzes i.R.e. rückwirkenden Nichtanwendbarkeit eines Gesetzes infolge einer Entscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Union; Voraussetzungen eines Verstoßes gegen Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG durch eine Verletzung der unionsrechtlichen Vorlagepflicht i.R.e Auslegung und Anwendung von Zuständigkeitsnormen
Keine Kompetenzüberschreitung des EuGH im Mangold-Urteil - Bindung des Arbeitgebers an einen europarechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz
Allgemeine Grundsätze AEUV
Keine Kompetenzüberschreitung des EuGH im Mangold-Urteil
Voraussetzungen einer Ultra-vires-Kontrolle durch das BVerfG
Mangold-Urteil des EuGH kein ausbrechender Rechtsakt
zeit.de (Pressemeldung, 26.08.2010)
Karlsruhe stärkt Stellung des EuGH
TzBfG § 14; RL 2000/78/EG Art. 6; GG Art. 12, 20 Abs. 3, Art. 23, 101 Abs. 1 Satz 2; EUV Art. 5; AEUV Art. 267
Keine Kompetenzüberschreitung des EuGH im Mangold-Urteil durch Bindung des Arbeitgebers an einen europarechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz
Mangold-Urteil - keine Kompetenzüberschreitung des EuGH
Verbot altersdiskriminierender Arbeitsverträge durch EuGH-Urteil
Karlsruhe stärkt Stellung des EU-Gerichtshofs
Kampf mit EuGH fällt aus
EU zwischen Rettungsschirm und Diskussion über nationale Souveränität
Bundesverfassungsgericht bestätigt mit 7:1 die Bindung der Deutschen Gerichte an die Rechtsprechung des EuGH anhand der "Mangoldentscheidung”
In Sachen Mangold
123recht.net (Pressemeldung, 26.8.2010)
Karlsruhe weicht Konfrontation mit Europäischem Gerichtshof aus // Verfassungsgericht billigt umstrittenes "Mangold"-Urteil
Europarechtskonträre Staatshaftung? - Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung und Pflichtenstellung Privater nach dem Karlsruher Honeywell-Dictum (Prof. Dr. Thomas Giegerich; EuR 2013, 373-391)
TzBfG § 14; RL 2000/78/EG Art. 6; GG Art. 12, 20, 23, 101; AEUV Art. 19, 267
Art. 12, Art. 23 Abs. 1 S. 2, Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG
Umfang und Grenzen einer Ultra-vires-Kontrolle des Handelns von Organen der Europäischen Union durch das BVerfG
Der Mangold-Beschluss: Karlsruhes souveräne Entscheidung
Bedeutung des EuGH für deutsches Arbeitsrecht
Universität des Saarlandes (Aufsatz mit Bezug zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung)
uni-bremen.de (Aufsatz mit Bezug zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung)
Der europäische Verfassungsgerichtsverbund (RiBVerfG Andreas Voßkuhle; NVwZ 2010, 1)
europa-uni.de (Aufsatz mit Bezug zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung)
Kurznachricht zu "Honeywell in der Praxis - Ein Aus- und Überblick" von RA/FAArbR Daniel Gehlhaar, original erschienen in: NZA 2010, 1053 - 1054.
Kurznachricht zu "Betriebliches Bündnis für Arbeit" von RA Dr. Friedrich-Wilhelm Lehmann, original erschienen in: BB 2010, 2821 - 2827.
Zusammenfassung von "Der Honeywell-Beschluss - Staatshaftung für unanwendbare Gesetze?" von RA Dr. Ulrich Karpenstein und RA Christian Johann, original erschienen in: NJW 2010, 3405 - 3407.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 06.07.2010, Az.: 2 BvR 2661/06 (Voraussetzungen einer Ultra-vires-Kontrolle durch das BVerfG)" von Prof. Dr. Claus Dieter Classen, original erschienen in: JZ 2010, 1177 - 1188.
Kurznachricht zu "Soziale Vergabekriterien im Spiegel aktueller Judikatur von EuGH und BVerfG" von Prof. Dr. Walter Frenz, original erschienen in: NZS 2011, 321 - 326.
Zusammenfassung von "Unbegrenzte richtlinienkonforme Rechtsfortbildung als Haftung Privater für Legislativunrecht? - Für ein subjektives Recht auf Transparenz" von Prof. Dr. Boris Schinkels, LL.M., original erschienen in: JZ 2011, 394 - 401.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 06.07.2010, Az.: 2 BvR 2661/06 (Ultra-vires-Kontrolle - prozedurale und materielle Voraussetzungen der Unanwendbarkeit kompetenzwidrigen Handelns der Europäischen Union)" von Prof. Dr. Christian Hillgruber, original erschienen in: JA 2011, 78 - 80.
Kurznachricht zu "Von Lissabon zu Mangold - Die Konsolidierung des europäischen "Verfassungsgerichtsverbundes" durch das BVerfG" von Dr. Jörg Philipp Terhechte, original erschienen in: EuZW 2011, 81.
Kurznachricht zu "Europas Richter Hand in Hand? - Das Kooperationsverhältnis zwischen BVerfG und EuGH nach Honeywell -" von AR Dr. Heiko Sauer, original erschienen in: EuZW 2011, 94 - 97.
Kurznachricht zu "Teleologische und "pragmatische" Auslegung im Insolvenzrecht" von Prof. Dr. Ulrich Foerste, original erschienen in: ZInsO 2013, 1661 - 1666.
ArbG Lübeck, 11.03.2004 - 1 Ca 31/04
ZIP 2010, 1711
EuZW 2010, 683
EuZW 2010, 828
NZA 2010, 995
DVBl 2010, 1229
Dies gilt insbesondere im Bereich des Individualarbeitsvertragsrechts (BVerfG 6. Juli 2010 - 2 BvR 2661/06 - zu C I 1 a der Gründe mwN, BVerfGE 126, 286) .
Der insoweit schützende staatliche Eingriff in die Privatautonomie bei der Ausgestaltung befristeter Arbeitsverhältnisse bedarf einer gesetzlichen Grundlage, die sich ihrerseits als verfassungsgemäß erweisen muss (vgl. BVerfG 6. Juli 2010 - 2 BvR 2661/06 - zu C I 1 a der Gründe mwN, BVerfGE 126, 286) .
Ein befristetes Arbeitsverhältnis ist aber nicht nur die Chance, eine Brücke in existenzsichernde Beschäftigung zu finden, sondern erzeugt zugleich die Unsicherheit, ob die Existenzsicherung dauerhaft gelingt (vgl. BVerfGE 126, 286 ).
a) Mit der Verpflichtung Deutschlands auf die Gründung und Fortentwicklung der Europäischen Union enthält Art. 23 Abs. 1 GG zugleich ein Wirksamkeits- und Durchsetzungsversprechen für das Unionsrecht (vgl. BVerfGE 126, 286 ;… BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 15. Dezember 2015, a.a.O., Rn. 37).
Der Anwendungsvorrang des Unionsrechts vor nationalem Recht gilt grundsätzlich auch mit Blick auf entgegenstehendes nationales Verfassungsrecht (vgl. BVerfGE 129, 78 ) und führt bei einer Kollision in aller Regel zur Unanwendbarkeit des nationalen Rechts im konkreten Fall (vgl. BVerfGE 126, 286 ;… BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 15. Dezember 2015, a.a.O., Rn. 38;… BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 4. November 2015 - 2 BvR 282/13, 2 BvQ 56/12 -, juris, Rn. 15, 19).
Das ist der Fall, wenn sich die Kompetenz - bei Anwendung allgemeiner methodischer Standards (…siehe Rn. 158 ff.) - unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt begründen lässt (vgl. BVerfGE 126, 286 ;… siehe auch Pötters/Traut, EuR 2011, S. 580 ;… Wendel, ZaöRV 2014, S. 615 ;… Klement, JZ 2015, S. 754 ).
Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass der Gerichtshof Anspruch auf Fehlertoleranz hat (BVerfGE 126, 286 ).
(2) Eine strukturell bedeutsame Verschiebung zulasten mitgliedstaatlicher Kompetenzen (vgl. BVerfGE 126, 286 ) kann nur vorliegen, wenn die Kompetenzüberschreitung ein für das Demokratieprinzip und die Volkssouveränität erhebliches Gewicht besitzt.
bb) Eine zurückhaltende und europarechtsfreundliche Anwendung der Ultra-vires- und der Identitätskontrolle setzt zunächst voraus, dass der Gerichtshof der Europäischen Union, soweit erforderlich, im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV mit der Sache befasst wird und das Bundesverfassungsgericht seiner Prüfung die Maßnahme in der Auslegung zugrunde legt, die ihr in dem Vorabentscheidungsverfahren durch den Gerichtshof gegeben wird (vgl. BVerfGE 126, 286 ).
dd) Es ist vor diesem Hintergrund nicht Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts, bei Auslegungsfragen im Unionsrecht, die auch bei methodengerechter Bewältigung im üblichen rechtswissenschaftlichen Diskussionsrahmen zu verschiedenen Ergebnissen führen können, seine Auslegung an die Stelle derjenigen des Gerichtshofs zu setzen (BVerfGE 126, 286 ).
Art. 23 Abs. 1 GG enthält insoweit auch ein Wirksamkeits- und Durchsetzungsversprechen für das unionale Recht (vgl. BVerfGE 126, 286 ).
Der Anwendungsvorrang des Unionsrechts vor nationalem Recht gilt grundsätzlich auch mit Blick auf entgegenstehendes nationales Verfassungsrecht (vgl. BVerfGE 129, 78 ) und führt bei einer Kollision im konkreten Fall in aller Regel zu dessen Unanwendbarkeit (vgl. BVerfGE 126, 286 ).
Zum anderen sind die dem Bundesverfassungsgericht vorbehaltenen Kontrollbefugnisse zurückhaltend und europarechtsfreundlich auszuüben (vgl. BVerfGE 126, 286 ).
Kommt ein deutsches Gericht seiner Pflicht zur Anrufung des Gerichtshofs im Wege des Vorabentscheidungsverfahrens daher nicht nach oder stellt es ein Vorabentscheidungsersuchen, obwohl eine Zuständigkeit des Gerichtshofs der Europäischen Union nicht gegeben ist (…vgl. BVerfG, Urteil des Ersten Senats vom 24. April 2013 - 1 BvR 1215/07 -, NJW 2013, S. 1499 , Rn. 91), kann dem Rechtsschutzsuchenden des Ausgangsrechtsstreits der gesetzliche Richter entzogen sein (vgl. BVerfGE 73, 339 ; 126, 286 ).
Daher stellt nicht jede Verletzung der unionsrechtlichen Vorlagepflicht zugleich einen Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar (vgl. BVerfGE 126, 286 ).
Das Bundesverfassungsgericht wacht allein über die Einhaltung der Grenzen dieses Spielraums (vgl. BVerfGE 126, 286 m.w.N.).
Ein "oberstes Vorlagenkontrollgericht" ist es nicht (vgl. BVerfGE 126, 286 ; BVerfGK 13, 506 ; 14, 230 , 16, 328 ;… BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 9. November 1987 - 2 BvR 808/82 -, NJW 1988, S. 1456 ).
Unvertretbar gehandhabt wird Art. 267 Abs. 3 AEUV im Falle der Unvollständigkeit der Rechtsprechung insbesondere dann, wenn das Fachgericht eine von vornherein eindeutige oder zweifelsfrei geklärte Rechtslage ohne sachlich einleuchtende Begründung bejaht (vgl. BVerfGE 82, 159 ; zum Vorliegen eines solchen Falles, wenn mögliche Gegenauffassungen zu der entscheidungserheblichen Frage des Unionsrechts gegenüber der vom Gericht zugrunde gelegten Meinung eindeutig vorzuziehen sind, vgl. BVerfGE 82, 159 ; 126, 286 ).
Deutsche Staatsorgane dürfen am Zustandekommen und der Umsetzung von Ultra-vires-Akten (vgl. BVerfGE 89, 155 ; 126, 286 ) und von solchen Maßnahmen nicht mitwirken, die die durch Art. 79 Abs. 3 GG geschützte Verfassungsidentität berühren.
a) Ein hinreichend qualifizierter Verstoß setzt voraus, dass das kompetenzwidrige Handeln der Unionsgewalt offensichtlich ist und der angegriffene Akt im Kompetenzgefüge zu einer strukturell bedeutsamen Verschiebung zulasten der Mitgliedstaaten führt (vgl. BVerfGE 126, 286 m.w.N.).
Strukturell bedeutsam sind Kompetenzüberschreitungen insbesondere dann aber nicht nur, wenn sie sich auf Sachbereiche erstrecken, die zur durch Art. 79 Abs. 3 GG geschützten verfassungsrechtlichen Identität der Bundesrepublik Deutschland rechnen oder besonders vom demokratisch diskursiven Prozess in den Mitgliedstaaten abhängen (siehe BVerfGE 126, 286 ).
Da die Kompetenz-Kompetenz in Bezug auf die Reichweite zulässigen Unionshandelns nach der Konzeption der europäischen Verträge nicht bei einem Unionsorgan wie dem Gerichtshof liegen kann, verbleibt indes das letzte Wort beim Bundesverfassungsgericht (vgl. BVerfGE 126, 286 ).

References: § 14
 EuGH

 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 101
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH

 § 14
 Art. 6
 Art. 12
 Art. 23
 Art. 5
 Art. 267
 EuGH 
 EuGH

 EuGH 
 EuGH 
 § 14
 Art. 6
 Art. 12
 Art. 19

Art. 12
 Art. 23
 Art. 101
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 23
 Art. 267

Art. 23
 Art. 101
 Art. 267
 Art. 79
 Art. 79