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Timestamp: 2018-12-16 08:00:45+00:00

Document:
BGH, III ZB 68/02: Leitsatzentscheidung
Urteil des BGH vom 10.06.1958, III ZB 68/02
Bundesrepublik deutschland, Zpo, Ordre public, Genfer abkommen, Anhang, Antragsteller, Vollstreckung, Anerkennung, Antrag, Schiedsspruch
ZPO §§ 1025 Abs. 4; 1064 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1
1. Das deutsche Gericht ist nach Art. VII Abs. 1 UNÜ befugt - auch ohne daß sich die Parteien darauf berufen -, auf das anerkennungsfreundlichere innerstaatliche Recht in toto zurückzugreifen.
BGH, Beschluß vom 25. September 2003 - III ZB 68/02 - OLG Hamburg
den Vorsitzenden Richter Dr. Rinne und die Richter Streck, Schlick, Dr. Kapsa
Die Rechtsbeschwerden der Antragsgegner gegen den Beschluß
des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg, 6. Zivilsenat,
vom 27. August 2002 werden als unzulässig verworfen.
Die Antragsgegner haben die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens zu tragen.
Beschwerdewert: 12.346,76
Durch Schiedsspruch eines Schiedsgerichts in G. vom
12. Februar 2002 wurden die Antragsgegner als Gesamtschuldner verurteilt, an
die Antragsteller 125.000 SEK als Ersatz für deren Kosten der Rechtsverfolgung im Schiedsverfahren zu zahlen. Die Antragsteller begehren die Vollstreckbarerklärung des Schiedsspruchs.
Das Oberlandesgericht hat die Aufrechnung der Antragsgegner mit einem gegen die Antragsteller gerichteten Kostenerstattungsanspruch in Höhe
von 12.500 SEK für begründet erachtet und den Schiedsspruch in Höhe von
112.500 SEK für vollstreckbar erklärt. Mit der Rechtsbeschwerde verfolgen die
Antragsgegner ihren Antrag, das Gesuch der Antragsteller um Vollstreckbarerklärung des Schiedsspruchs insgesamt zurückzuweisen, weiter.
1.Die Rechtsbeschwerde des Antragsgegners zu 1 ist unzulässig, weil sie
nicht fristgerecht eingelegt worden ist (§§ 575 Abs. 1 Satz 1, 577 Abs. 1 ZPO).
Die Rechtsbeschwerdeschrift ist am 7. Oktober 2002, nach Ablauf der für den
Antragsgegner zu 1 bis zum 4. Oktober 2002 laufenden Frist zur Einreichung
der Beschwerdeschrift, eingegangen.
2.Die Rechtsbeschwerde des Antragsgegners zu 2 ist gleichfalls nicht zulässig. Weder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfordert
die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).
a) Die Zulassung der Rechtsbeschwerde unter dem Gesichtspunkt der
Grundsätzlichkeit oder dem der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung
wäre insbesondere in Betracht gekommen, wenn in diesem Vollstreckbarerklärungsverfahren Verfahrensgrundrechte oder der ordre public verletzt worden
wären. Die Rechtsbeschwerde hat einen solchen Zulassungsgrund jedoch
nicht dargelegt (vgl. § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO).
b) Die Rechtsbeschwerde begehrt die Zulassung wegen Grundsätzlichkeit und zur Fortbildung des Rechts (§ 574 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 Alt. 1 ZPO),
weil im Streitfall zu klären sei, ob für die nach Art. IV Abs. 2 Satz 2 des Übereinkommens vom 10. Juni 1958 über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche (BGBl. 1961 II S. 121, künftig UNÜ) erforderliche
Beglaubigung von Übersetzungen des Schiedsspruchs und der Schiedsvereinbarung die Beglaubigung durch einen Honorarkonsul genüge.
Die Frage ist nicht entscheidungserheblich.
aa) Das Oberlandesgericht ist zulässigerweise von den nationalen
Bestimmungen über die Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche (§§ 1025
Abs. 4; 1061 bis 1065 ZPO) und nicht unmittelbar von dem UNÜ ausgegangen.
Im Streitfall ist die unmittelbare Anwendung des UNÜ eröffnet. Nachdem
die Bundesrepublik Deutschland den Vertragsstaatenvorbehalt (Art. I Abs. 3
Satz 1 UNÜ) zurückgezogen hat, kann in der Bundesrepublik Deutschland jeder Schiedsspruch, der im Ausland - hier in G. /Schweden - ergangen
ist (Art. I Abs. 1 Satz 1 UNÜ), nach dem UNÜ anerkannt und vollstreckt werden
(Senatsurteil vom 1. Februar 2001 - III ZR 332/99 - BGH Report 2001, 344,
345). Das UNÜ läßt aber die Anwendung nationalen Rechts zu, soweit es der
Anerkennung und Vollstreckung des Schiedsspruchs günstiger ist (Art. VII
Abs. 1 UNÜ). Das deutsche Gericht ist deshalb befugt - auch ohne daß sich die
Parteien darauf berufen -, auf das anerkennungsfreundlichere innerstaatliche
Recht in toto zurückzugreifen; denn es hat das Recht - völkerrechtliche Verträge ebenso wie (originär-)nationales Recht - von Amts wegen zu beachten
(allgemeine Ansicht, vgl. Senatsurteile vom 12. Februar 1976 - III ZR 42/74 -
WM 1976, 435 f und vom 10. Mai 1984 - III ZR 206/82 - WM 1984, 1014; BGHZ
52, 184, 187 Genfer Abkommen von 1927>; Stein/Jonas/Schlosser, ZPO
22. Aufl. 2002 Anhang § 1061 Rn. 160 f; MünchKommZPO-Gottwald 2. Aufl.
2001 Schlußanhang IZPR Art. VII UNÜ Rn. 4; Bredow in Bülow/Böckstiegel/
Geimer/Schütze, Der internationale Rechtsverkehr in Zivil- und Handelssachen
Januar 2003> Art. VII UNÜ Erl. 1 a.E.; Schwab/Walter, Schiedsgerichtsbarkeit 6. Aufl. 2000 Kap. 42 Rn. 25 f).
bb) Die mithin anwendbare Zivilprozeßordnung verweist im Grundsatz
auf das UNÜ (§ 1061 Abs. 1 Satz 1), trifft jedoch hinsichtlich der Vorlagepflichten der die Anerkennung nachsuchenden Partei eine eigenständige nationale Regelung in § 1064 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 ZPO. Diese Regelung hat, was
das Oberlandesgericht nicht berücksichtigt hat, nach dem Günstigkeitsprinzip
des Art. VII Abs. 1 UNÜ Vorrang vor der entsprechenden Bestimmung des
Art. IV UNÜ; denn sie ist anerkennungsfreundlicher (vgl. BayObLGZ 2000, 233,
236; Stein/Jonas/Schlosser aaO § 1064 Rn. 4; Zöller/Geimer, ZPO 23. Aufl.
2002 Anhang nach § 1061 Art. IV UNÜ Rn. 4; Albers in Baumbach/Lauterbach/
Albers/Hartmann, ZPO 61. Aufl. 2003 Schlußanhang Art. IV UNÜ Rn. 1; Thomas/Reichold in Thomas/Putzo, ZPO 25. Aufl. 2003 § 1061 Rn. 6; Musielak/
Voit, ZPO 3. Aufl. 2002 § 1064 Rn. 4; Schwab/Walter aaO Kap. 58 Rn. 2 a.E.;
a.A. MünchKommZPO-Münch aaO § 1064 Rn. 1: ergänzende Geltung des Art.
IV UNÜ neben § 1064 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 ZPO). § 1064 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1
ZPO fordert für den Antrag auf Vollstreckbarerklärung eines ausländischen
Schiedsspruchs lediglich die Vorlage des Schiedsspruchs in Ur- oder beglaubigter Abschrift, was hier unstreitig geschehen ist. Auf die Vorlage einer in be-
stimmter Weise beglaubigten Übersetzung des Schiedsspruchs oder der
Schiedsvereinbarung kommt es - anders als bei Art. IV UNÜ - nicht an.

References: BGH 
 § 575
 BGH 
 § 1061
 § 1064
 § 1064
 § 1061
 § 1061
 § 1064
 § 1064
 § 1064
 § 1064