Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=20.07.2006&Aktenzeichen=III%20R%208%2F04
Timestamp: 2019-03-25 10:49:22+00:00

Document:
BFH, 20.07.2006 - III R 8/04 - dejure.org
EStG § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 26, § 26b, § 32a Abs. 5, § 33a; GG Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1
Aufwand der Eingetragenen ist nur außergewöhnlich
Unterhaltsaufwendungen an den Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft
Familienrecht - Unterhaltsleistungen bei eingetragener Lebenspartnerschaft - nur begrenzt steuerlich abziehbar!
Abziehbarkeit von Unterhaltsleistungen an den anderen Partner bis zum Höchstbetrag des § 33a Einkommensteuergesetz (EStG) als außergewöhnliche Belastung durch den Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft; Abziehbarkeit von Unterhaltsaufwendungen als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastung; Unterschiedliche steuerrechtliche Behandlung der gegenseitigen Unterhaltspflichten bei Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern; Steuerliche Besserstellung der Ehe gegenüber der eingetragenen Lebenspartnerschaft
BFHE 214, 347
NJW 2006, 3310
FamRZ 2006, 1528 (Ls.)
BB 2006, 2064
DB 2007, 261
BStBl II 2006, 883
b) Der Einkommensteuerbescheid des Finanzamts Saarbrücken vom 23. Oktober 2002 in der Fassung der Einspruchsentscheidung vom 6. Dezember 2002, das Urteil des Finanzgerichts des Saarlandes vom 21. Januar 2004 - 1 K 466/02 - und das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 20. Juli 2006 - III R 8/04 - verletzen den Beschwerdeführer zu II. in seinem Grundrecht aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes.
b) Die Revision des Beschwerdeführers zu II., mit der dieser in erster Linie die Verpflichtung des Finanzamts zur Durchführung einer Zusammenveranlagung für ihn und seinen Lebenspartner weiterverfolgte und hilfsweise die Berücksichtigung von Unterhaltsleistungen an seinen Lebenspartner in Höhe von 13.315 DM als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastung begehrte, wies der III. Senat des Bundesfinanzhofs durch Urteil vom 20. Juli 2006 - III R 8/04 - (BStBl II 2006, S. 883 ff. = BFHE 214, 347) als unbegründet zurück.
Ein Anspruch auf Zusammenveranlagung besteht nicht, weil der Gesetzgeber dieses Verfahren nach §§ 26, 26b EStG ausdrücklich auf Ehegatten beschränkt hat (Senatsurteile in BFHE 212, 236, BStBl II 2006, 515, und vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sind Ehegatten nicht gleichgestellt (…Urteile des Bundesfinanzhofs -BFH-vom 26. Januar 2006 III R 51/05, BStBl II 2006, 515, BFH/NV 2006, 1192;vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
Aus demselben Grund liegt keine Gesetzeslücke im Sinne einer planwidrigen Unvollständigkeit vor, weshalb eine entsprechende Anwendung der Vorschriften über die Zusammenveranlagung (oder das Realsplitting) nicht in Betracht kommt (vgl. BFH-Urteil vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966, m.w.N.).
Auch ein Abzug von Unterhaltsaufwendungen über die abziehbaren Höchstbeträge des § 33a Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 Satz 1 EStG hinaus ist daher ausgeschlossen (vgl. BFH-Urteil vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
Der erkennende Senat schließt sich der Beurteilung des BFH an, der die geltenden Regelungen, nach denen eingetragene Lebenspartner nicht zusammen veranlagt werden können und Unterhaltsaufwendungen nur unter den Voraussetzungen des § 33a EStG abziehbar sind, für verfassungsgemäß hält (BFH-Urteil vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
b) Entgegen der Auffassung des Klägers verstößt die steuerliche Berücksichtigung der gegenseitigen Unterhaltspflichten ausschließlich unter den Voraussetzungen des § 33a EStG auch nicht gegen das Gebot der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit (BFH-Urteil vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
Ein Anspruch auf Zusammenveranlagung besteht nicht, weil der Gesetzgeber dieses Verfahren nach §§ 26, 26b EStG ausdrücklich auf Ehegatten beschränkt hat (BFH-Urteile in BFHE 212, 236, BStBl II 2006, 515 und vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
14 Zwar hat der BFH in der Vergangenheit die steuerliche Ungleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften beim Veranlagungswahlrecht, wegen der Förderung von Ehe und Familie durch Art. 6 Abs. 1 GG für gerechtfertigt angesehen (BFH-Urteile vom 26. Januar 2006 III R 51/05, BFHE 212, 236, BStBl II 2006, 515; vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFHE 214, 347 , BStBl II 2006, 883;… vom 19. Oktober 2006 III R 29/06, BFH/NV 2006, 63).
Gleichgeschlechtliche Lebenspartner, die eine Lebenspartnerschaft nach dem LPartG begründet haben, sind von dem Gesetzeswortlaut mithin nicht erfasst (…ausführlich hierzu BFH-Urteile vom 20.04.2004 VIII R 88/00, BFH/NV 2004, 1103; vom 26.01.2006 III R 51/05, BStBl. II 2006, 515 (die dagegen gerichtete Verfassungsbeschwerde ist beim BVerfG unter Az. 2 BvR 909/06 anhängig); vom 20.07.2006 III R 8/04, BStBl. II 2006, 883 (die dagegen gerichtete Verfassungsbeschwerde ist beim BVerfG unter Az. 2 BvR 1981/06 anhängig)).
Diese Regelungslücke ist aber nicht planwidrig, weil der Gesetzgeber bewusst von einer einkommensteuerlichen Gleichstellung von Ehegatten und Lebenspartnern abgesehen hat (vgl. BFH-Urteile vom 26.01.2006 III R 51/05, BStBl. II 2006, 515; vom 20.07.2006 III R 8/04, BStBl. II 2006, 883 …und vom 19.10.2006 III R 29/06, BFH/NV 2007, 663 (die dagegen gerichteten Verfassungsbeschwerden sind beim BVerfG unter Az. 2 BvR 909/06, 2 BvR 1981/06 und 2 BvR 288/07 anhängig)).
Teilweise wurde eine solche Ungleichbehandlung für nicht verfassungswidrig erachtet, weil sie durch Art. 6 Abs. 1 GG gerechtfertigt sei (so FG Hamburg Urteil vom 08.12.2004 II 510/03, EFG 2005, 705 (Revision ist anhängig, BFH III R 11/05); BFH Urteile vom 26.01.2006 III R 51/05, BStBl. II 2006, 515; vom 20.07.2006 III R 8/04, BStBl. II 2006, 883 (die dagegen gerichteten Verfassungsbeschwerden sind beim BVerfG unter Az. 2 BvR 909/06, Az. 2 BvR 1981/06 anhängig)).
Zu diesem Personenkreis zählten, wie sich auch aus der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ergäbe (BFH-Urteil vom 19. Oktober 2006, BFH/NV 2007, 663, BFH-Urteil vom 20. Juli 2006, BStBl II 2006, 883) auch die in eingetragener Lebenspartnerschaft lebenden Steuerpflichtigen.
Es besteht nach allgemeiner Meinung jedenfalls nach dem Wortlaut der gesetzlichen Regelungen im Einkommensteuerrecht auch kein Anspruch auf Zusammenveranlagung der eingetragenen Lebenspartner, weil der Gesetzgeber dieses Verfahren nach §§ 26, 26b EStG ausdrücklich auf Ehegatten beschränkt hat (BFH-Urteile vom 26. Januar 2006 III R 51/05, BFHE 212, 236, BStBl II 2006, 515; vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
Denn der BFH hat in seiner bisherigen Rechtsprechung die steuerliche Ungleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften beim Veranlagungswahlrecht wegen der Förderung von Ehe und Familie durch Art. 6 Abs. 1 GG für gerechtfertigt angesehen (vgl. BFH-Urteile vom 26. Januar 2006 - III R 51/05, BFHE 212, 236, BStBl II 2006, 515, vom 20. Juli 2006 - III R 8/04, BFHE 214, 347, BStBl II 2006, 883 …und vom 19. Oktober 2006 III R 29/06, BFH/NV 2006, 63).
Deshalb seien die Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 26.1.2006 (III R 51/05, BStBl II 2006, 515), vom 20.7.2006 (III R 8/04, BStBl II 2006, 833) und vom 19.10.2006 (…III R 29/06, BFH/NV 2007, 663) überholt.
Denn der BFH hat in seiner bisherigen Rechtsprechung die steuerliche Ungleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften beim Veranlagungswahlrecht wegen der Förderung von Ehe und Familie durch Art. 6 Abs. 1 GG für gerechtfertigt angesehen (vgl. BFH-Urteile vom 26.1.2006 - III R 51/05, BFHE 212, 236, BStBl II 2006, 515, vom 20.7.2006 - III R 8/04, BFHE 214, 347, BStBl II 2006, 883 …und vom 19.10.2006 III R 29/06, BFH/NV 2006, 63).
Diese Regelungslücke ist aber nicht planwidrig, weil der Gesetzgeber bewusst von einer einkommensteuerlichen Gleichstellung von Ehegatten und Lebenspartnern abgesehen hat (vgl. BFH-Urteile vom 26.01.2006 III R 51/05, BStBl. II 2006, 515; vom 20.07.2006 III R 8/04, BStBl. II 2006, 883 …und vom 19.10.2006 III R 29/06, BFH/NV 2007, 663 (die dagegen gerichteten Verfassungsbeschwerden sind beim BVerfG unter Az. 2 BvR 909/06, 2 BvR 1981/06 und 2 BvR 288/07 anhängig).
Teilweise wurde eine solche Ungleichbehandlung für nicht verfassungswidrig erachtet, weil sie durch Art. 6 Abs. 1 GG gerechtfertigt sei (so FG Hamburg, Urteil vom 08.12.2004 II 510/03, EFG 2005, 705 (Revision ist anhängig, BFH III R 11/05); BFH-Urteile vom 26.01.2006 III R 51/05, BStBl. II 2006, 515; vom 20.07.2006 III R 8/04, BStBl. II 2006, 883).
FG Niedersachsen, 20.02.2007 - 13 K 206/05
Abzugsfähigkeit von Unterhaltsleistungen als außergewöhnliche Belastung
Zudem ist im Regelfall der aus dem Ehegattenveranlagung resultierende steuerrechtliche Vorteil größer, als der sich aus dem Abzug von Unterhaltsleistungen ergebende Vorteil (BFH-Urteil vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BStBl II 2006, 883).
So besteht nach allgemeiner Meinung nach der gesetzlichen Regelung kein Anspruch auf Zusammenveranlagung, weil der Gesetzgeber dieses Verfahren nach §§ 26, 26b EStG ausdrücklich auf Ehegatten beschränkt hat (BFH-Urteile in BFHE 212, 236, BStBl II 2006, 515 und vom 20. Juli 2006 III R 8/04, BFH/NV 2006, 1966).
BFH, 26.06.2008 - X B 31/08

References: § 10
 § 26
 § 26
 § 32
 § 33
 Art. 3
 Art. 6
 § 33
 § 33
 § 33
 § 33
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6