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Timestamp: 2020-07-06 23:20:15+00:00

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"Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt". Der Arbeitsmarkt im ...
von Elke Schallmey (Autor)
Diplomarbeit 2013 74 Seiten
2.Problemaufriss
2.1 Freiheitsbegriff im Zuge der Aufklärung
2.2 Der Parlamentarische Rat – Freiheit für das deutsche Volk
2.3 Freiheitsbegriff im Sinne des Grundgesetzes der BRD
3 Konzepte und Ansätze in der deutschen Beschäftigungspolitik aus dem englischsprachigen Raum
3.1 Die US-amerikanische Sozialhilfepolitik
3.2 Denkschulen neoliberaler Politik
3.2.1 Friedrich von Hayek
3.2.2 Milton Friedman
3.2.2.1 Monetarismus
3.2.3 Ronald Reagan
3.2.4 Thatcherismus
3.2.5 Objektivismus
3.2.6 Kommunitarismus
4.Entwicklung der deutschen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik
4.1 Beginn der Sozialbewegung – Entstehung der Gewerkschaften
4.2 Die Idee der sozialen Marktwirtschaft in der BRD
4.2.1 Ordoliberale Wirtschaftspolitik - Entstehung der sozialen Marktwirtschaft
4.3 Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik
4.3.1 Antizyklische Fiskalpolitik - John Maynard Keynes
4.3.2 Neokorporatismus
4.4 Konzept der Globalsteuerung von Karl Schiller
4.5 Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik
4.5.1 Neoklassische Wirtschaftstheorie
4.5.2 Forderungen des Sachverständigenrates der BRD und des Bundes Deutscher Arbeitgeber (BDA)
5.Die Arbeitsmarktreform der Regierung Schröder
5.1 Sharholder Value - das Schröder-Blair-Papier
5.2 Die Hartz-Kommission
5.3 Hartz I
5.4 Hartz II
5.5 Hartz III
5.6 Hartz IV
5.7 Instrumente der Hartz-Reformen
5.7.1 Fallmanagement
5.7.2 Eingliederungsvereinbarung
5.7.3 Kritik Fallmanagement - Eingliederungsvereinbarung
6.Auswirkungen der Arbeitsmarktreform in Deutschland
6.1 Ist alles, was Arbeit schafft, sozial?
6.1.1 Legalisierung der Prostitution
6.1.2 Leiharbeit
6.1.3 Niedriglohnsektor
7.Schlussfassung
Abb.1: Darstellung eines magischen Sechseck
Abb.2: Darstellung eines Konjunkturzyklus
Abb.3: Fallmanagementprogramm
Abb.4: Eingliederungsvereinbarung – Stabilisierung der Lebenssituation
Abb.5: Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland im Zeitraum 2005-2011
Abb.6: „Aber der hat ja gar nichts an“ Märchen von des Kaisers neuen Kleidern
Tab. 1: Aktivierender Sozialstaat
„Dies ist ein guter Tag für die Arbeitslosen in Deutschland“. Mit diesem Satz verkündete der ehemalige VW-Manager Peter Hartz die historische Wende in der deutschen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik im französischen Dom in Berlin. Bewusst wurde eine prunkvolle Kulisse für die Präsentation der IV. Stufe der sogenannten Hartz-Reform, die Zusammenlegung von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe (Hartz IV), gewählt. Die Hartz-IV-Reform löste eine beispiellose Klageflut in der Geschichte der BRD vor den deutschen Sozialgerichten aus, die bis heute als unvereinbar mit dem Grundgesetz der BRD empfunden wird. Deutschland sollte wettbewerbsfähig gemacht werden für den globalisierten Arbeitsmarkt, um mit Wirtschaftsgiganten, wie den USA, China sowie dem Rest der außereuropäischen westlichen Welt, die keine oder nur wenige Sozialstandards haben, konkurrieren zu können, so die Begründung der Politiker. Dass es sich in Wahrheit um eine grundlegende Änderung der Sozial- und Wirtschaftspolitik handelt, die weder die Arbeitslosigkeit senkt, noch das Leben der Menschen verbessert, wurde den Bürgern in diesem Land weitestgehend verschwiegen.
Die vorliegende Diplomarbeit will aufzeigen, wie es zu dem Grundgesetz der BRD gekommen ist und welche Personen die Idee der sozialen Marktwirtschaft entwickelt haben. Dies erscheint notwendig, da im Rahmen der Agenda 2010 die soziale Marktwirtschaft zugunsten einer angebotsorientierten Marktwirtschaft aufgeweicht wurde. Aus diesem Grund wird die Entwicklung des deutschen Sozialstaates im 19. Jh. vor Augen geführt, der unter härtesten Bedingungen durch eine entstehende Gewerkschaftsbewegung erkämpft wurde, insbesondere der 8-Stunden-Tag. 100 Jahre später, im Zuge der Arbeitsmarktreform, im Jahr 2000, steigt die Wochenarbeitszeit wieder von mehr als acht Stunden täglich, auch im tarifvertraglichen Beschäftigungsverhältnis. Die Tendenz ist steigend, durch den Verlust der Einflusskraft der Arbeitnehmervertreter.
Einen besonderen Stellenwert soll in Kap.4.3.1 der britische Ökonom John Maynard Keynes einnehmen, der als erster Ökonom die neoklassische Theorie der Wirtschaftspolitik vor den beiden Weltkriegen kritisiert und Vorschläge für eine Humanisierung der Wirtschaftspolitik eingeleitet hat, die in Deutschland im Zuge einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik versucht wurde anzuwenden. Es wird ferner aufgezeigt, wie diese Idee skandalisiert wurde und einzig und allein die Arbeitnehmer verantwortlich gemacht wurden, wenn es wirtschaftliche Krisen gab. Nach dem Regierungswechsel 1982 - Ablösung der sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt durch die christlich liberale Koalition mit Helmut Kohl als neuen Kanzler - wurden die Arbeitnehmervertreter regelrecht zu Getriebenen einer rigiden neoklassischen-wirtschaftsliberalen Politik.
Um die Hintergründe und Zusammenhänge der historischen Wende in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik zu verstehen und welche Konsequenzen sie hervorgerufen hat, die durch die Rot/Grüne Regierung in der Zeit von 1998-2005 umgesetzt wurden, ist es notwendig, in Kap.3 Konzepte und Ansätze in der deutschen Beschäftigungspolitik aus dem englischsprachigen Raum darzustellen. Kap.3 zeigt die Sozialhilfereformen der USA mit den dazugehörigen Denkschulen, sowie die Gemeinsamkeiten eines freien Marktes, um dann den Begriff neoliberal und seine Bedeutung in heutiger Zeit im Zuge einer angebotsorientierten Politik zu verstehen. Dies ist insofern notwendig, da in Deutschland im Gewand eines „Dritten-Wege-Konzeptes“ wieder neoliberale Laissez-faire-Strategien angewendet werden sollen. Dies wird einerseits durch eine rigide Familienpolitik in der Arbeitsmarktpolitik zum Ausdruck gebracht. Familien sollen gegenüber alleinstehenden kinderlosen Personen bevorzugt eingestellt werden; Druckschrift Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit: Hartz IV - Menschen in Arbeit bringen, S. 74 (vgl. auch Kap. 3.1). Durch ein Kontraktmanagement wird die Arbeitslosenvermittlung, die eigentlich keine mehr ist, in ein Anbieter-Kundenverhältnis umgewandelt, im Sinne eines betriebswirtschaftlich orientierten Marktdenkens.
Die Entwicklung der deutschen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik in Kap.4 zeigt deutlich den Unterschied zur US-amerikanischen Sozialhilfepolitik bis hin zu einer Entwicklung des Kapitalismus, der mit den Forderungen der Arbeitgeberverbände in der BRD endet und sich immer mehr amerikanischen Verhältnissen annähert. In Kap.5 wird die Abkehr des Sozialstaatsgedankens durch das Schröder-Blair-Papier deutlich. In diesem Papier wird zum Anschluss Europas an die Vereinigten Staaten aufgefordert. Unverblümt wird von einem wirtschaftlichen Umbruch gesprochen und der Thatcherismus in Großbritannien zum Vorbild genommen. Der Shareholder Value kann als Gestalter „moderner Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ gesehen werden. Die Reformer des Arbeitsmarktes in Deutschland haben nicht den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen gestellt, wie einst die Begründer der sozialen Marktwirtschaft, auf die in Kap.4 näher eingegangen wird, sondern die Gewinnmaximierung. Der Begriff des Shareholder Value1 nimmt eine herausragende Bedeutung in den sogenannten Hartz-IV-Reformen ein. Dies wird mit folgender Aussage deutlich: „Die Unternehmen sollen auf freiwilliger Basis im Sinn einer corporate social responsibility (CSR)2 eine Beschäftigungsbilanz liefern, die als standardisiertes Benchmarking3 einen Workholder-Value4 abbildet und damit den Shareholder Value steigert. Kompetenzcenter und die Profis der Nation sollen in Wettbewerben gute Praktiken prämieren und werbewirksam darstellen.“5
Deutlich wird Milton Friedmann in Kap.3 kritisiert, der mit seinen Theorien dem faschistischen Diktator Pinochet in Chile nützlich war und dort das erste Experimentierfeld für die derzeitige Politik in den westeuropäischen Industriestaaten zu sehen ist.
Der Glaube an die Kraft der unsichtbaren Hand des Marktes, der alles regelt sowie das Schlagwort „Globalisierung“ ist spätestens mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 verloren gegangen. Mit dieser Pleite folgte die weltweit größte Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Rund um den Globus gingen Arbeitsplätze und Ersparnisse verloren, viele Menschen verarmten, Unternehmen steuerten in die Pleite.
2.1.Freiheitsbegriff im Zuge der Aufklärung
Im Zeitalter der Aufklärung6 wurde die Verknüpfung der Religionen mit den Lehrsätzen des Aristoteles7 denen zufolge die Welt eine von Gott geschaffene hierarchische Ordnung ist, aufgelöst. Das menschliche Schicksal wurde Gott entrissen und dem freien Willen des Menschen zurückgegeben.
Die persönliche Bindung an einen Grundherren widersprach dem Menschenbild der Aufklärung, einer Epoche im 17. und 18. Jh., die durch die Gedanken von universellen Menschenrechten geprägt war. Einer der Stammväter dieses neuen Denkens, René Descartes (1596-1650) stellte das Subjekt, das menschliche Geschöpf, an die Stelle eines gottgefügten Schicksals und holte ihn erstmals aus seiner düsteren Schattenwelt heraus. Descartes ging seinen eigenen Zweifeln, die er Dämonen nannte, auf die Spur und kam zu dem Ergebnis: „Wie oft auch immer der Dämon mich täuschen mag, er wird es nie zuwege bringen, dass ich nichts bin. Denn so lange ich denke, bin ich etwas. Ich bin, ich existiere, so oft und so lange ich eben diesen Gedanken fasse.“ „Ich denke, also bin ich“, wurde einer der berühmtesten philosophischen Lehrsätze.
Der deutsche Philosoph Immanuel Kant prägte 1784 den Leitspruch der Aufklärung: „Habe Mut dich deines eigenes Verstandes zu bedienen.“ Den Menschen allein als Person betrachtet, sieht Kant als Subjekt einer moralisch-praktischen Vernunft, der über jeden Preis erhaben ist. Denn was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden. Was dagegen über jeden Preis erhaben ist und kein Äquivalent hat, besitzt eine Würde. Würde ist demnach eine angeborene Qualität aller Vernunftwesen und beinhaltet die Fähigkeit und das Bewusstsein, sich selbst Gesetze zu geben, die man zugleich als verpflichtend achtet.
Die Würde des Menschen war nun nicht mehr ausschließlich an Macht, Stand und Herrschaft gebunden. Immanuel Kants Würdebegriff drückte folgenden Wesensgehalt aus: „Er ist ganz aus den Machtentwicklungen gelöst und zu einem bestimmenden Merkmal des aufrechten Gangs, der Persönlichkeit aufgewertet. In dem Maße, wie sich die Warenproduktion ausbreitet und in die Poren des gesellschaftlichen Lebens eindringt, aber auch die Privatverhältnisse ergreift, wird die Suche nach dem Unbedingten, dem selbstverständlich Geltenden, zu einem bestimmenden Motiv des modernen Denkens. Die Frage der Unaustauschbarkeit und der Unwiederholbarkeit wird zum Gegenpol des gesamten gesellschaftlichen Verkehrs. Das Unwiederholbare ist der absolute Gegenpol der Warenproduktion; es lässt sich dem Allgemeinen nicht subsumieren.“8
Kant hat als erster europäischer Philosoph den Begriff der Würde herausgelöst aus der Herrschaftsstellung Einzelner, mit ihrem Anspruch der Auserwähltheit und auf die Allgemeinheit übertragen: Jeder Mensch besitzt eine unveräußerliche Würde, die man nicht wiegen, messen oder zählen kann.
Die Nachkriegspolitik der Alliierten beschäftigte sich, gemeinsam mit den Benelux-Staaten als unmittelbare Nachbarn Deutschlands mit der Frage, auf welcher Basis die Deutschen in Zukunft zusammenleben sollen und erörterten auf der Londoner Sechsmächtekonferenz (23. Februar bis 6. März 1948) eine Regierungsform für das deutsche Volk. Die Teilnehmer waren sich darüber einig, dass eine Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen nicht von Dauer sein kann. Um den Deutschen die Freiheit zurückzugeben, eine eigene Regierung zu bilden, die selbständige Interessen vertritt, bedurfte es einer Staatsordnung, die eine engherzige Machtausübung in sich selbst regulieren sollte. Um einen zentralistischen Staat zu vermeiden einigte man sich auf eine föderative Regierungsform und eine zentrale Gewalt für Westdeutschland, die die Rechte und Freiheiten des Individuums garantiert. Die auszuarbeitende demokratische Verfassung sollte von den Deutschen, auch im Hinblick auf eine spätere Aufhebung der Teilung Deutschlands, selbst ausgearbeitet werden. Diese Entscheidung wurde am 1. Juli 1948 den elf Ministerpräsidenten der drei westdeutschen Besatzungszonen in Frankfurt am Main als „Frankfurter Dokumente“ übergeben. Im Dokument Nr. 1 wurden die Ministerpräsidenten bevollmächtigt, eine Verfassunggebende Versammlung einzuberufen, der später als „Parlamentarischer Rat“ in die Geschichte einging und dessen 65 Mitglieder (einundsechzig Männer und vier Frauen), als Väter und Mütter des Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet werden, die ihren Nachkommen ein Leben in Freiheit und sozialer Sicherheit ebnen sollten. Es mussten Garantien sein, auf die sich die Menschen mit Hilfe der Gerichte berufen können, wenn es wieder soweit kommen sollte, dass der Einzelne in der Masse zugunsten einer Ideologie aufgeht. Einer Ideologie, die den Menschen ihrer Rechte beraubt, sei es sein Eigentum in der ganzen Vielfältigkeit, die der Mensch sein eigen nennen kann, welches er sich im Laufe seines Lebens erworben hat oder von vornherein besitzt, wie die Fähigkeit, Tätigkeiten für andere zu verrichten. Niemals mehr sollte der Staat zulassen, dass Zwang und Willkür über das deutsche Volk ausgeübt wird. Die als klassisch bezeichneten Grundrechte sollten eine grundsätzlich neue Bedeutung erhalten, weil die Weimarer Reichsverfassung es ermöglicht hatte, garantierte Grundrechte durch ein die Verfassung änderndes Gesetz abzuschaffen. Nur durch diese verfassungsändernde Möglichkeit konnte das Herrschaftssystem der Nazis, die dem Einzelnen keine Grundrechte gegen den Staat zugestanden, den Individuen ihrer Freiheitsrechte berauben. Des weiteren sollte gegenüber der Weimarer Verfassung der Charakter der Richter als Repräsentanten der Judikative als eine der drei staatlichen Gewalten, also neben der Legislative (gesetzgebende Gewalt) und der Exekutive (ausführende Gewalt), stärker herausgestellt werden. Es sollte ein neuer Richterstatus geschaffen werden, der gegenüber anderen Beamten des öffentlichen Dienstes, unabhängig seine Funktion ausüben soll, damit es zu keiner Degradierung eines Richters zu einem einfachen Justizbeamten mehr kommen kann, wie es während der Weimarer Republik und ganz offensichtlich in der Zeit des Nationalsozialismus möglich war. Damit es zu keinem Machtmissbrauch eines Bundesrichters kommen kann, musste eine Kontrollmöglichkeit eingebaut werden, über die das Bundesverfassungsgericht auf Antrag des Bundestages zu entscheiden hat. Als Richtschnur sollte die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UNO) dienen. Die Mitglieder des Parlamentarischen Rats wurden von den Länderparlamenten bestimmt.9
Erstmals wurde ein vager Würdebegriff in der Weimarer Reichsverfassung von 1919 von Ferdinand Lassalle (1825-1864) formuliert. Lassalle forderte das allgemeine und direkte Wahlrecht, sowie die Bildung von Arbeiterproduktionsgenossenschaften. 1863 gründete er den „Allgemeinen deutschen Arbeiterverein, aus dem 1890 die SPD hervorging. In Art.151 zu Beginn des Fünften Abschnitts hieß es: „Die Ordnung des Wirtschaftslebens muss den Grundsätzen der Gerechtigkeit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle entsprechen.“
Nach der „Machtergreifung“ durch die Nazis am 30. Januar 1933, wurde die Weimarer Reichsverfassung Schritt für Schritt durch neue Rechtsgrundsätze ersetzt: Nunmehr galt die These: „Recht ist, was dem Volke nützt“ und „Der Führer schützt das Recht!“ Der Würdebegriff entsprach nunmehr wieder dem antiken Verständnis des Herrscherkults.
Der Freiheitsbegriff, wie er im Grundgesetz der BRD verankert ist, welches am 23. Mai 1949 in Kraft getreten ist: Darin wurde die unantastbare Würde des Menschen garantiert, als unveräußerliches Menschenrecht in Verbindung mit der Selbstbestimmung des Individuums, d.h., sich selbst zu gehören und freie Entscheidungen treffen zu können auf der Basis einer geldwerten Existenzgrundlage ohne Gegenleistung (Persönlichkeitsrecht, Art.1 und Art.2, i.V.m. Art.3 GG). Die freie Wahl des Arbeitsplatzes, sowie Berufsausbildung, Art.12, GG. Zwangsarbeit ist grundsätzlich verboten.
Die Würde des Einzelnen wird durch die Absolutsetzung des Shareholder-Value im Zuge der Agenda 2010 zunehmend verletzt. Die Pauschalierung von Leistungen, ungeachtet dessen, wie lange ein Mensch gearbeitet hat, die Zunahme von Leiharbeit, die Forderung nach einem modernen Nomadentum, d.h., gehe dorthin wo Arbeit ist, oder „alles was Arbeit schafft ist sozial“, Niedriglöhne, die Liberalisierung der Prostitution usw. machen den Menschen zum bloßen Mittel der Gewinnmaximierung. Der Mensch wird zur Ware degradiert und seine Würde zur inhaltslosen Hülle schleichend wieder an Herrschaft, Geld und Macht gebunden.
Traditionell setzt die amerikanische Gesellschaft auf den engumgrenzten Begriff der Familie. Diese „Familientradition“ begründet sich auf einer religiösen Grundhaltung der vielen religiösen Sekten, wie z.B. Mormonen, Baptisten, Methodisten, um einige der bekanntesten Gruppen zu nennen. Deren Mitglieder sitzen oft in bedeutenden Positionen in Politik und Wirtschaft. Eingewandert sind sie zu Zeiten der Gründerjahre Amerikas (Einwanderungswellen im 19. Jh.) vorwiegend aus europäischen Ländern und bilden immer noch den Kern der politischen Gesellschaft Amerikas. Während im späten 19. und frühen 20. Jh. einige europäische Staaten staatliche Sozialprogramme einführten, war und ist es bis heute in Amerika Tradition, dass ausschließlich private Wohltätigkeitsorganisationen und Gemeinden den Armen helfen. Man war davon überzeugt, dass durch die schnelle Industrialisierung und durch das überall verfügbare Ackerland, jeder der arbeiten will, auch eine Tätigkeit findet. Die gesellschaftlichen Bedingungen für neu ankommende Einwanderer waren hart. Sie mussten allein auf die Nachbarn vertrauen, meistens Landsleute, oder sie waren mehr oder weniger gezwungen, einer der christlichen Vereinigungen beizutreten, die ihnen dann mit „Gottes Hilfe“ halfen, ein neues Leben aufzubauen. Die Würde des Menschen, wie von Kant formuliert, der auf Descartes aufbaute „ich denke, also bin ich“, hat in den USA damals wie heute keinen Wert. Das Wort „Glück“ steht zuvorderst in der Verfassung und nicht die Würde des Menschen, die unabhängig von Reichtum, Macht und Religionszugehörigkeit ist und keinen Preis hat. Durch die Depression von 193310 und der damit einhergehenden Massenarbeitslosigkeit wurde mit der Verabschiedung des „Social Security Act“ (SSA) auch bekannt unter dem Namen „New Deal“ (neue Vereinbarung), erstmals ein staatliches Programm zur Beseitigung von Arbeitslosigkeit aufgelegt. Präsident Roosevelt baute eine minimale Unterstützung für Arbeitslose auf, sowie zusätzliche Einkommenshilfen für unterstützungswürdige Alte, Behinderte und Kinder in Familien ohne männliche Ernährer. Dies waren allerdings reine Ermessenentscheidungen, da nicht jeder als unterstützungswürdig anerkannt wurde. Für unverheiratete Frauen und Männer ohne Kinder besteht damals wie heute keine Rechtssicherheit für Einkommenshilfen. Roosevelt schaffte ein Versicherungssystem nur für den Fall der späteren Rente oder einer Behinderung. Roosevelt organisierte einen Arbeitsdienst, damit sich die vielen Arbeitslosen etwas verdienen konnten. Teilweise mussten völlig sinnlose Arbeiten geleistet werden, z.B. Löcher ausgraben und sie wieder zuschütten, wer dazu nicht bereit war, bekam keine Unterstützung. Für Industriearbeiter wurden Mindestlöhne eingeführt und die Gewerkschaften gestärkt. Diese Minimalleistungen brachte Roosevelt große Kritik ein, weil angeblich durch die Übernahme sozialistischer Vorstellungen die traditionellen amerikanischen Werte verraten würden11.
Durch die massive Steigerung der Kriegswaffenproduktion und deren Belieferung an England und Frankreich konnte sich die amerikanische Wirtschaft zusehends erholen, bis die USA selbst in den 2. Weltkrieg einstiegen. Durch die Rückzahlung von Kriegskrediten durch Frankreich und England und den Reparationsleistungen, die der deutschen Bevölkerung durch die Entfachung des 2. Weltkrieges der Hitleradministration auferlegt wurde, erlebte die amerikanische Wirtschaft einen enormen Wirtschaftsboom.
Mit der Sozialhilfereform der Amerikaner im Jahr 199612 unter Präsident Clinton (1993 bis 2001) wurde ein radikaler Arbeitszwang eingeführt. Große Lohnspreizungen wurden in Deutschland als erfolgreiche Anpassung an weltmarktbedingte Herausforderungen gefeiert und gleichzeitig die Sozialsysteme hierzulande medial verunglimpft. Die Effektivität sozialer Hilfen wurde nunmehr daran gemessen, je weniger Geld ausgezahlt wurde. Allerdings hat ein amerikanisches Sozialsystem nie existiert. Amerika versteht sich auch nicht als einen demokratischen und sozialen Bundesstaat, wie es in Art.20, Abs. 1 des deutschen Grundgesetzes nachzulesen ist und Ewigkeitscharakter besitzt, d.h., heißt unter keinen Umständen verändert, ersetzt oder abgeschafft werden darf.
Der von 2001 bis 2009 amtierende Präsident G. W. Bush erließ 2006 neue nationale Richtlinien zur staatlichen Unterstützung für bedürftige Familien. Diese Kürzung von Fürsorgeleistungen wurde in der amerikanischen Öffentlichkeit als Wendepunkt in der Nachkriegspolitik der US-amerikanischen Sozial- und Armutspolitik aufgefasst. Der Markt wurde jetzt endgültig zum allumfassenden Erlöser ernannt. Die Eliminierung eines Rechtsanspruches für arme Familien aus dem Jahre 1930 für staatliche Unterstützung stand im Focus dieser als „Weiterentwicklung“ gefeierten Politik. Mittellose Erwachsene müssen ihre Arbeitskraft, wenn sie für sich und/oder ihre Kinder Sozialtransfers im Rahmen von dezentralisierten Hilfsprogrammen erhalten wollen, dem Markt sowie dem Staat zur Verfügung stellen und jede erdenkliche Arbeit annehmen. Vom aufrechten Gang, der die Würde im Arbeitsleben repräsentiert, ist in den USA keine Rede. Spätestens nach 5 Jahren sind jegliche Ansprüche erloschen. In Bundesstaaten mit konservativen Mehrheiten und einer hohen Armutsquote in der Bevölkerung, werden Sozialhilfeleistungen nach spätestens zwei Jahren endgültig eingestellt13.
Friedrich August von Hayek wird als einer der einflussreichsten Ökonomen und Vordenker des Liberalismus des 20. Jh. bezeichnet. Hayek wurde 1899 in Wien als Kind wohlhabender Eltern mit akademischer Tradition geboren. Er war zunächst als Artillerieoffizier in der Kaiserlich-Königlichen-Armee (KUK) 1917/18 tätig und studierte dann Rechts- und Staatswissenschaften in Wien, wo er stark von den Theorien Ludwig von Mises14 beeinflusst wurde. Von Mises Theorien propagierten den absoluten Rückzug des Staates aus allen wirtschaftlichen Bereichen, einschließlich des Bereichs der Zahlungsmittel, also der jeweiligen Währungen. Hayek behauptete, dass der Staat abgeschafft werden müsse, weil der Markt alles regeln und sogar heilende Kräfte hervorbringen würde. Er sprach vom „Markt“, wie von einer Person, den böse Menschen in Ketten gelegt hätten. Beide Personen, Mises und Hayek, wurden Ende des 19. Jh. in einer Zeit großer Umbrüchen geboren. In dieser Zeit war es in Wiener Kaffeehäusern modern, Sozialist oder Nationalist zu sein. Mises und Hayek begannen ihre intellektuelle Karriere als Sozialisten - sie brachten aber den Liberalismus nach Amerika. „Ich bin Ökonom geworden, weil ich Sozialist war“, schreibt Hayek: „weil ich die menschliche Vernunft überschätzt habe wie die meisten anderen: Wir sind doch intelligent genug, um uns eine bessere Welt zu schaffen“,15 meinte er.
Hayek vergötterte den klassischen Liberalismus vergangener Tage, wie er von Adam Smith (1723-1790) vertreten wurde und vermochte nicht zu erkennen, dass der Liberalismus als Freiheitsbestrebung die Wirtschaftsordnung der absolutistischen Herrscher im 16., 17. und bis zum 18. Jh. ablöste. Das bekannteste war das Wirtschaftssystem des Merkantilismus16, besonders in Frankreich in der Zeit Ludwigs XIV und dessen Finanzminister Colbert. Der klassische Liberalismus, dem Hayek immer noch nachhing, vertrat die Idee, dass das eigennützige Streben des Einzelnen dem Gemeinwohl diene. Dieses gewinnorientierte Streben des Einzelnen am Marktgeschehen, der zuvor weitgehend ausgeschlossen war, wurde als „unsichtbare Hand“ bezeichnet. Die „sichtbare“ Hand der absolutistischen Herrscher wurde nun durch die „unsichtbare Hand“ eines Marktmechanismus ersetzt. Hayek, der von sich behauptete, das Wort neoliberal erfunden zu haben, predigte die Evolution der Märkte, einer spontanen Ordnung (anarchischer Markt) und vom „Markt“ als einer moralischen Instanz. Die menschliche Moral, also das Verantwortungsbewusstsein eines menschlichen Geschöpfs, lehnte er ab und verhöhnte sie. Die Menschen waren ihm egal, wer arbeitslos war, war arbeitsscheu, wer arm war, selbst daran schuld. Hayek sagte: „Ich weiß nicht, was sozial ist“, oder „wer das Wort „soziale Gerechtigkeit“ benutzt, soll sich schämen.“ Diese Ideologie stieß auf großes Interesse in den USA, u.a. aufgrund einer religiösen-paternalistischen Grundhaltung und der Nichtanerkennung des Würdegrundsatzes, wie bereits in Kapitel 3.1 beschrieben.
Der Amerikaner Milton Friedmann, ein Schüler von Hayek, wurde durch radikale Thesen bekannt und verdiente damit Millionen. Seine Thesen sind bis heute Teil des politischen und ökonomischen Mainstreams: Der Staat ist für alles Übel verantwortlich, für steigende Arbeitslosigkeit, für schlechte Schulen und damit verbunden für sozialistische Denkweisen. Ebenfalls lehnt er einen staatlichen Militärdienst ab. Friedman wollte in den sechziger Jahren den Führerschein abschaffen, war gegen Ärztelizenzen, staatliche Altersvorsorge und den sozialen Wohnungsbau und natürlich gegen gesetzliche Mindestlöhne. Für die Freigabe der Prostitution, sowie die Freigabe von Marihuana, machte er sich im Jahr 2006 im Alter von 90 Jahren stark. Die Freigabe von Drogen stellte er über die persönliche Freiheit: „Wer will, soll sich mit Drogen schädigen können“, so Friedman. Da er gegen eine staatliche Gesundheitsvorsorge eintritt, ist ihm das persönliche Schicksal der Betroffenen, die aus eigener Kraft nicht in der Lage sind ihr Leben zu verbessern, gleichgültig. Das Funktionieren der Märkte sah er als höchste Priorität an und der Staat sollte sich raushalten. Nixon war für ihn der sozialistischste Präsident (1969-1974) der USA im 20. Jh.. Für die Länder der Dritten Welt hatte dies schwerwiegende Folgen. Die Theorie Friedmans wurde vom Internationalen Währungsfond (IWF) und Weltbank als Strukturanpassungsprogramm benutzt. Radikal wurden die ohnehin minimalen Gesundheits- und Sozialleistungen gekürzt, Subventionen für Strom und Wasser gestrichen, die westlichen Länder mit Billigprodukten überschwemmt, die oftmals subventioniert waren. Diese Politik führte zu sozialen Verwerfungen, Unruhen und Finanzkrisen. Dass die Menschen aus den Entwicklungsländern zunehmend nach Europa strömten ist leicht nachzuvollziehen, konnten sie in ihrer Heimat aufgrund der totalen Privatisierung der Lebensgrundlagen nicht mehr überleben.
Friedman besuchte 1975 Chile und erhielt dort durch den amtierenden Diktator General Augusto Pinochet ein Experimentierfeld für seine „Theorien“. Etliche chilenische Ökonomen, die an der University in Chicago ausgebildet wurden, die so genannten Chicago Boys, nahmen unter Pinochet Schlüsselfunktionen ein. Sie setzten einen Privatisierungs- und Liberalisierungskurs ohne Kompromisse durch, der heute unter dem Namen Neoliberalismus bekannt ist. Der faschistische Diktator Pinochet nahm Steuersenkungen zugunsten der Reichen vor, kürzte radikal Sozialleistungen und privatisierte öffentliche Einrichtungen. Dieses Experimentierfeld kann als erste praktische Erfahrung für westliche Industrieländer gesehen werden. Milton Friedmans Ideen waren einem Regime nützlich, das Menschen folterte und ermordete, die gegen die Unterdrückung ihrer persönlichen Freiheit Widerstand leisteten.
Es gab auch amerikanische Politiker, die Friedmans Ideen für absurd hielten. So hatte er unter US-Präsident Nixon kaum Einfluss auf dessen Politik. Der Regierungsberater Nixons, Pierre A. Rinfret, war einer der schärfsten Kritiker Friedmans. Seine Erfahrungen mit Milton Friedman fasste er so zusammen: „Ein eingebildeter, lügenhafter, egoistischer und verheerender Mensch, ein lausiger Ökonom mit gefährlich einfachen Meinungen und Erklärungen der wirtschaftlichen Welt.“ Alle Erfahrungen, die Rinfret mit Friedman machte seien ein „Flug ins Fantasieland“ gewesen. „Seine Statistiken seien so falsch wie eine Dreidollarnote“, schrieb Rinfret auf seiner Hompage. Die Theorien Friedmans entsprächen seinen eigenen Vorurteilen, die er danach konstruiert hätte. Paul Samuelson, ein bedeutender Ökonom und Studienfreund Friedmans und ebenfalls Nobelpreisträger, ging scharf mit Milton Friedman ins Gericht: Friedmans Buch „Capitalism and Freedom“ (Kapitalismus und Freiheit) sei schlicht „zum Lachen“, so Samuelson.17. „Wir sind alle „Keynesianer“, sagte Nixon 1971. Drei Jahre später brachte ihn der Watergate-Skandal zu Fall. Nixon trat als erster und einziger Präsident der USA zurück.18
Milton Friedmans abstruse Ideen verdrängten einen der bedeutendsten Ökonomen der Welt in den USA - John Maynard Keynes. Keynes Leistung bestand darin, dass er als erster Ökonom mit seiner Nachfragetheorie und die damit verbundene starke Stellung des Staates in den Kriegs- und Nachkriegsjahren des 20. Jh. bis in die siebziger Jahre hinein geprägt hat. Der Laissez faire Politik und die damit einhergehende Verelendung großer Bevölkerungsschichten durch einen freien Markt, sollte mit Eingriffen des Staates entgegengetreten werden. Keynes glaubte, anders als Friedman, dass Märkte instabil seien und selbst bei wachsender Geldmenge in ein dauerhaftes „Ungleichgewicht bei Unterbeschäftigung“ geraten könnten.
Der Begriff des Monetarismus geht auf Milton Friedman zurück. Der Monetarismus sieht die Geldmenge als den wichtigsten Faktor zur Steuerung des Wirtschaftsablaufs. Theoretische Grundlage des Monetarismus ist die Quantitätstheorie. Danach soll die Geldmenge durch die Zentralbanken so gesteuert werden, dass sie möglichst ohne Schwankungen mit dem Wachstum der volkswirtschaftlichen Produktion (reales Sozialprodukt) ausgeweitet wird. Ausschläge der Konjunktur sollen damit verhindert und eine stetige Wirtschaftsentwicklung gesichert werden. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, z.B. antizyklische Maßnahmen der Wirtschaftspolitik zur Steuerung der Konjunktur, wie vom Keynesianismus gefordert, lehnen die Monetaristen grundsätzlich ab. Maßnahmen der antizyklischen Konjunkturpolitik wie Investitionszulagen im Abschwung oder Steuererhöhungen im Aufschwung verstärken die konjunkturellen Schwankungen weiter und wirken demnach nicht stabilisierend auf die Konjunktur. Je weniger der Staat also zur Steuerung der Konjunktur in die Wirtschaft eingreift, desto besser. Die Grundlage für eine stetige Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft sehen die Monetaristen somit in der Selbstregelungskraft des Marktes über Angebot und Nachfrage und in der an der volkswirtschaftlichen Produktion orientierten Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank.19
Als „Unterschichtenkind“20 verkörperte Reagan den „American Dream“, er wurde Präsident der USA (1981 bis 1989). Reagan machte sich als Darsteller in Cowboyfilmen einen Namen, bevor er als Rettungsschwimmer tätig war. Als Mitglied in der Schauspielergewerkschaft war er zeitgleich als Informant für das FBI tätig. Er denunzierte Schauspieler, denen er kommunistisches Gedankengut unterstellte. Andererseits hielt er vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ eine Rede, in der sich gegen eine öffentliche Verfolgung von Kommunisten aussprach, da amerikanische Institutionen in der Lage seien, sich selbst gegen Unterwanderungsversuche zu wehren. Nachdem die Rollenangebote geringer wurden, wechselte er in die Politik, zunächst in die Partei der Demokraten. Bald wandte er sich dem konservativen Flügel der Demokraten zu und wechselte 1962 in das Lager der Republikaner. Nachdem er Gouverneur von Kalifornien wurde, setzte er sich für die Todesstrafe ein, wandte sich nun gegen Abtreibungen (zu Beginn seiner Amtszeit hatte er ein Gesetz für eine weitgehende Erlaubnis der Abtreibung erlassen). Bereits 1966 kämpfte er gegen einen weiteren Ausbau von Wohlfahrtsleistungen, ungeachtet seiner eigenen ungünstigen familiären Voraussetzungen. Reagan wurde ein fanatischer Antikommunist, bezichtigte selbst Westeuropas Sozialstaaten als kommunistisch. Bereits 1981 führte er eine föderale Experimentierklausel zur AFDC-Caseloadsenkung ein, was übersetzt heißt, Absenkung des Falls (Mensch), für unterstützungswürdige Familien mit Kindern (Aid für Dependent Childrens - AFDC). Reagan berief sich auf die Ideen von August Friedrich von Hayek. An die Macht kam Ronald Reagan mit der „Geisterformel“ Steuersenkungen plus Ausgabensenkungen gleich Hochkonjunktur. Durch diese Maßnahmen wurden die bereits schon sehr reichen und vermögenden Amerikaner noch mehr begünstigst, sodass die für den Staatshaushalt entscheidende Steuerkraft des Mittelstands nachließ.
Die mit Präsident Reagan einsetzende „konservative Wende“ verlieh fundamentalistischen und neokonservativen Kreisen politischen Rückhalt. In Form von Erweckungsbewegungen trug insbesondere das evangelikale Christentum dazu bei, der Religion wieder einen hohen Stellenwert und ein deutlich sichtbares Profil im öffentlichen Leben zu verschaffen. Ihre Botschaft von der Rückkehr zu den alten amerikanischen Werten von Familie, Kirche und Patriotismus fiel in breiten Kreisen der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden und Ronald Reagan war deren Held.
Die Schwerpunkte seiner Amtszeit, die Außen- und Wirtschaftspolitik, verschlangen enorme Geldsummen. Er beförderte den „Kalten Krieg“ gegen die Sowjetunion, sprach vom „Reich des Bösen“ und stellte gleichzeitig sein SDI-Programm vor, eine Art „Krieg der Sterne-Programm“ um den Westen im All und am Boden vor möglichen sowjetischen Nuklearangriffen schützen zu wollen. Im Jahr 1979 verfasste er die „Reagan-Doktrin. Unter diesem Programm förderte er die Mudjaheddin-Bewegung in Afghanistan unter Einbindung der CIA. Insgesamt flossen rund zwei Milliarden US-Dollar an die Mudjaheddin. Die USA finanzierten letztlich auch Osama bin Ladens Aufstieg zur charismatischen Führerpersönlichkeit, sowie den Aufbau der Terrororganisation "Al Qaida". Die innenpolitisch umstrittenste Umsetzung der Reagan-Doktrin betraf Nicaragua. Dort unterstützte der US-Geheimdienst CIA Contra-Rebellen im bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Managua.21
Ronald Reagans, hinterließ 1989 den Amerikanern einen immensen Schuldenberg. Unter seiner Amtsführung wuchsen die Schulden in den USA von 914 Milliarden US-Dollar im Jahr 1980 auf 2,6 Billionen US-Dollar im Jahr 1988 an. Dieser wurde nicht durch Sozialleistungen aufgebaut, sondern durch horrende Ausgaben für militärische Aktionen, sowie andererseits durch eine abenteuerliche Finanzmarkt-Ideologie seines Beraters Milton Friedman. Die Theorie, dass der Markt durch seine unsichtbaren Hände alles regelt und sogar heilende Kräfte hervorbringt, hat sich nicht bewahrheitet.
Margaret Thatcher, Tochter eines methodistischen Laienpredigers, war Chemikerin und später Erziehungsministerin. Am 11. Februar 1975 wählten die britischen Konservativen, die Tories, die zunächst nicht sehr beliebte Thatcher zur Vorsitzenden. Beim "Aufstand der Unzufriedenen" traten die Londoner Müllmänner 1979 in den Streik. Dies wurde als große Chance für Thatcher bezeichnet, da Inflation und Zukunftsängste die Briten lähmten. Nach ihrem Sieg zitierte sie Franz von Assisi: "Wo Irrtümer sind, lasst uns die Wahrheit zeigen, wo Verzweiflung herrscht, lasst uns die Hoffnung bringen." Ein Vorgeschmack auf Thatchers Zynismus; sie spaltete das Land in eine Zweidrittel-Gesellschaft. Der wohlhabende Teil profitiert, der kleinere sozial schwache Teil verliert. Thatcher wird schnell unbeliebt, doch das lässt sie kalt. Jede Änderung ihrer Politik lehnt sie obligatorisch ab: "Möge umkehren, wer will. Die Lady kehrt nicht um", sagte sie über sich selbst. 1982 besetzte Argentinien die britischen Falkland-Inseln und wurde damit indirekt zu ihrem Wahlhelfer: Thatcher gewann den Falkland-Krieg und damit war ihre Wiederwahl gesichert. Die Briten wurden dadurch in einen patriotischen Siegesrausch versetzt. Nun begann der innenpolitische Thatcherismus: Staatsbetriebe wurden verkauft, Steuern für die Reichen gesenkt. Gekürzt wurde bei den Armen. Die Folge: Fabriken machten zu, Zechen wurden geschlossen. Dreieinhalb Millionen Menschen verloren ihre Jobs. Thatcher legte sich mit der mächtigen Bergarbeitergewerkschaft an. Ein Jahr dauerte der Streik, dann brach er zusammen. Thatcher hatte gewonnen. Streiks ohne Urabstimmung wurden verboten. Schließlich sank die Inflation, die Produktion wuchs. Thatcher wurde wieder populär. 1989 fordert der konservative Parteitag: "Zehn weitere Jahre". Durch ihren Erfolg wurde die ‚Eiserne Lady’ immer selbstherrlicher. Zur Arroganz kamen schlechte Wirtschaftsdaten. Im November 1990 war Schluss. Thatcher musste gehen. Gestürzt von den eigenen Leuten als sie sich im Ausland befand.22
Es handelt sich im Wesentlichen um libertäre Kreise, die sich Objektivisten nennen. Der Begriff Libertär will folgendes ausdrücken: so wenig Staat wie möglich, nur das rechtlich Notwendige. Es wird ein weltweiter Freihandel gefordert, im Einklang mit einem radikal geforderten Weltfrieden, der Egoismus als eine Tugend ansieht. Die Wortschöpferin des Objektivismus ist eine amerikanische Schriftstellerin und Philosophin (1905-1982) die im zaristischen Russland in großbürgerliche Kreise hineingeboren wurde: Ayen Rand. Kernaussage von Rand: „Der Auserwählte wird bestehen, der Mensch ist autonom durch die Optimierung der eigenen Sicherheit.“ Rand beruft sich u.a. auf die Thesen des Aristoteles und versucht diese in eine m.E. unzeitgemäße Form in ihre persönlich kreierte Philosophie zu pressen, die in den USA unter dem Namen Libertarianism bekannt ist. Der Libertarianism kann als eine aufs Äußerste radikalisierte Version des Liberalismus angesehen werden, einer Mischung aus Kommunismus und hemmungslosen Kapitalismus.
Libertäre Plattformen sind im Jahr 2004 innerhalb der FDP gegründet worden, weitere Seilschaften bestehen in der CDU, bei den Grünen. Auch innerhalb der früheren PDS, der heutigen Partei Die Linken, hatte es eine diesbezügliche Plattform gegeben. Das Markenzeichen der Libertarianism-Bewegung ist das Dollarzeichen.
1FAZ.NET-Börsenlexikon; Das Prinzip des "Shareholder Value", auf Deutsch "Wert für den Aktionär", stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Dort forderten zuerst institutionelle Anleger, zum Beispiel Pensionsfonds, von Unternehmen, die Aktionärsinteressen in den Mittelpunkt zu stellen. Heute wird das Shareholder-Value-Prinzip von Unternehmen in aller Welt angewandt. Umfassend wird darunter nicht allein eine kurzfristige Steigerung des Börsenkurses, sondern eine langfristige Optimierung der Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität verstanden.
2Gabler Wirtschaftslexikon; die Abkürzung CSR, stellt einen aus dem angloamerikanischen kommenden (normativen) Schlüsselbegriff der Unternehmensethik dar, welcher die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen aufspannt.
3Gabler Wirtschaftslexikon; Instrument der Wettbewerbsanalyse. Benchmarking ist der kontinuierliche Vergleich von Produkten, Dienstleistungen sowie Prozessen und Methoden mit (mehreren) Unternehmen, um die Leistungslücke zum sogenannten Klassenbesten (Unternehmen, die Prozesse, Methoden etc. hervorragend beherrschen) systematisch zu schließen. Grundidee ist es, festzustellen, welche Unterschiede bestehen, warum diese Unterschiede bestehen und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt.
4Quelle: Volkswagen (VW); Managementprinzip, das die Berücksichtigung der Interessen der Beschäftigten (Workholder) im Rahmen eines übergreifenden Managementsystems verfolgt. Zum Workholder Value gehören u.a. die Sicherung der Beschäftigung, eine angemessene Bezahlung und betriebliche Sozialleistungen.
5Olejniczak, Michael; Rainer Hampp Verlag 2010; München und Mering: Aktive Leistungen nach dem SGB II als Dienstleistungsprozess ; Eine qualitative Analyse der Hartz-IV-Reform auf Basis von Interviews mit Betroffenen.
6Marty, Oliver: Die Geschichte der Philosophie, Bechtermünz Verlag, Deutsche Erstausgabe Weltbild Verlag, Augsburg 1998.
7Gabler Verlag (Herausgeber), Wirtschaftslexikon: Aristoteles, 384–322 v.Chr., einer der größten philosophischen Denker, der auf vielen Gebieten - wie der Logik, Physik, Biologie, Ethik, Politik und Ökonomik - theoretisch-systematische Untersuchungen anstellte und damit v.a. die abendländische Denktradition wie kaum ein zweiter geprägt hat. In seinen Erörterungen zu wirtschaftlichen Sachverhalten des Altertums finden sich Analysen der Produktion, der Verteilung und des Gütertausches von Haushalten. Ein Geldverleih gegen Zinsen - unter den wirtschaftlichen Verhältnissen des Altertums meistens Wucher - verstoße gegen die „Natur des Geldes“. Das christliche Verbot des Zinsennehmens, das bis zur Neuzeit galt, gründete neben biblischen Belegen v.a. auf Aristoteles.
8Negt, Oskar: Arbeit und menschliche Würde, Essay in: Aus Politik und Zeitgeschichte 15/11, 11.04.2011.
9Feldkamp, Michael F.: Der Parlamentarische Rat 1948 – 1949: die Entstehung des Grundgesetzes, Überarbeitete Neuausgabe, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, Göttingen 2008.
10Schubert, Klaus/Klein Martina: Das Politiklexikon. 5., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2011.
Politisches Programm des US-amerikanischen Präsidenten F. D. Roosevelt, der ab 1933 versuchte, die große Wirtschaftskrise in den USA durch wirtschaftspolitische Interventionen und sozialpolitische Maßnahmen zu überwinden, aber in wirtschaftlicher Hinsicht weitgehend scheiterte.
11Prof. Dr. Sautter, Udo: Dossier - die USA betreten die Weltbühne vom 10.10.2008: „Vorausgegangen war ein Jahrzehnt der Prosperität und die Entfaltung einer neuen Massenkultur, in der Radio und Kino, Jazz und verbotener Alkohol eine wichtige Rolle spielten. Hiergegen erhob sich eine Gegenbewegung traditioneller Kräfte, denen es gelungen war, die offizielle Prohibition (Verbote), durchzusetzen. Diese Kräfte glaubten an ein „wahres“ Amerikanertum, an eine „nordische“ Rasse und den Protestantismus. Die Exzesse der „Roaring Twenties“ fanden allerdings durch den Börsenkrach des Jahres 1929 und die sich daraus ergebende, erst 1932 ihren Tiefpunkt erreichende Große Depression, ein bitteres Ende. Wirtschaftlicher Niedergang und horrende Arbeitslosigkeit plagten das Land. Der 1933 das Präsidentenamt übernehmende Franklin D. Roosevelt bemühte sich noch jahrelang, mit der Not im Lande fertig zu werden.“ Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2008.
12Grell, Britta: Workfare in den USA - Das Elend der US-amerikanischen Sozialhilfepolitik, transcript Verlag, Bielefeld, 2008.
14 Österreichischer Nationalökonom, 1881–1973, emigrierte 1940 in die Vereinigten Staaten, wo er von 1945 bis zu seinem Rücktritt 1969 an der New York University wirkte. Mises ist einer der letzten Repräsentanten der Österreichischen Schule. Sein Einfluss ist in den letzten Jahren, v.a. in den Vereinigten Staaten, erheblich gestiegen.
15Hank, Rainer, Österreichische Schule, Die Tea Party begann im Kaffeehaus, F.A.S./ FAZ.NET; 2010.
16 Der Merkantilismus löste die Zunft- und Stadtwirtschaft ab und schuf die Volkswirtschaft des Territorialstaats. Das Ziel dieser Wirtschaftspolitik bestand darin, den Reichtum des Landes zu steigern und dadurch die Macht des Staates zu vergrößern. Die Ablösung des mittelalterlichen Lehnswesens und der Ritterheere durch neuzeitliche Beamtenstaaten mit Söldnerheeren ließ im 16. Jh. Finanzprobleme entstehen. Die Landesherren brauchten Geld, um ihre Beamten und Soldaten, die prunkvolle Hofhaltung und die Kriegsführung bezahlen zu können, und suchten durch wirtschaftspolitische Maßnahmen der Staatskasse neue Einnahmequellen zu erschließen. In diesem Bemühen wurden die Fürsten von Gelehrten unterstützt, die sich mit volkswirtschaftlichen Fragen befassten und praktische Regeln für die staatliche Wirtschaftstätigkeit aufstellten.
17Buomberger, Thomas: Wirtschaftsmagazin: Bilanz, Ausgabe 04/06, Axel Springer Schweiz AG.
18 Politspione aus den eigenen Reihen brachen 1972 in ein Wahlkampfbüro der Demokraten im Komplex des Washingtoner Watergate-Hotels ein, um Abhörwanzen zu installieren. Zwei Reporter der „Washington Post“ wiesen in einer Artikelserie nach, dass der Präsident persönlich dafür verantwortlich war. 2005 wurde bekannt, dass der damalige stellvertretende FBI-Direktor M. Felt der Presse die entscheidenden Informationen geliefert hatte.
19Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.
20Erdmann ,Lisa: Nachruf auf Ronald Reagan, Der letzte Kalte Krieger, Spiegel online 2004.
21Prof. Dr. Lehmkuhl, Ursula: Dossier USA - Die Reagan-Jahre, zurück zum alten Glanz, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Bonn, 2008. Erdmann, Lisa: Nachruf auf Ronald Reagan - Der letzte Kalte Krieger, Spiegel-online, 2004. Sommer, Theo: Der Mann in Ronalds Reagans Ohr – Sicherheitsberater William P. Clark hat Außenminister Shultz an die Wand gedrängt, Zeit-online, 1983.
22Westerdeutscher Rundfunk (WDR): Vor 30 Jahren: Margaret Thatcher wird Chefin der Konservativen: Die Eiserne Lady; 11. Februar 2005.
9783656585664
9783656585657
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Das Shareholder-Value - Paradigma im Licht der Bilanzskandale in den USA?
Quo vadis Shareholder Value - von der Shareholder Value Rechnung zur Wertorientierten Unternehmensführung
Shareholder Value als Maßstab effizienter Unternehmensgrenzen
Evaluation kennzahlengestützter Unternehmensbewertungsverfahren vor dem Hintergrund des Shareholder-Values
Corporate Hedging und Shareholder Value - ein Widerspruch?
Shareholder Value-Maximierung als Zielsetzung des Managements

References: Art.151
 Art.1
 Art.2
 Art.3
 Art.12
 Art.20