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Timestamp: 2018-05-25 16:54:32+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 10 Sa 1229/10
Akten­zeichen: 10 Sa 1229/10
Ent­scheid­ungs­datum: 02.12.2011
Leit­sätze: Zum "Zu­vor­beschäfti­gungs­ver­bot" im Rah­men des Ein­sat­zes bei der "AR­GE".
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 22.06.2010, 6 Ca 4305/10
Nachfolgend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.01.2014, 7 AZR 243/12
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 22.06.2010 – 6 Ca 4305/10 – wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um das Be­ste­hen ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses.
Der Kläger schloss mit der Be­klag­ten im April 2008 zunächst ei­nen für den Zeit­raum vom 05.05.2008 bis 31.12.2008 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag als Voll­beschäftig­ter. § 2 die­ses Ar­beits­ver­tra­ges re­gelt, dass das Ar­beits­verhält­nis sich nach dem Ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (TV-BA) und den die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträgen in der je­weils gel­ten­den Fas­sung be­stimmt. Gemäß § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges aus April 2008 folg­te die Ein­grup­pie­rung des Klägers in die Tätig­keits­ebe­ne IV gemäß § 14 Abs. 1 TV-BA in die Ent­wick­lungs­stu­fe 01. In der Fol­ge­zeit schlos­sen die Par­tei­en ei­ne Ände­rungs­ver­ein­ba­rung un­ter dem 02.12.2009, mit der die Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers als Voll­zeit­beschäftig­ter bis 04.05.2010 ver­ein­bart wur­de.
Gemäß Schrei­ben der Be­klag­ten vom 23.04.2008 wur­de dem Kläger für die Dau­er sei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses die Tätig­keit als Sach­be­ar­bei­ter in der Be­ar­bei­tungs­stel­le SGG im Be­reich SGB II in der Agen­tur für Ar­beit K über­tra­gen. Zur Er­le­di­gung die­ser Auf­ga­ben bil­det die Be­klag­te ge­mein­sam mit der Stadt K ei­ne Ar­beits­ge­mein­schaft (AR­GE) gemäß § 44 b SGB II.
Nach­dem die Stadt K mit Schrei­ben vom 03.05.2010 dem Kläger die Ab­sicht mit­ge­teilt hat­te, ihn in der Tätig­keit als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ten bei der AR­GE ab dem 05.05.2010 be­fris­tet bis 31.12.2010 zu beschäfti­gen, schlos­sen der Kläger und die Stadt Kei­nen ent­spre­chen­den be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag un­ter dem 04.05.2010.
Mit sei­ner Kla­ge vom 25.05.2010, die am sel­ben Tag beim Ar­beits­ge­richt in Köln per Te­le­fax ein­ge­gan­gen ist, hat der Kläger das Be­ste­hen ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten über den 04.05.2010 hin­aus und die ent­spre­chen­de Wei­ter­beschäfti­gung bei der Be­klag­ten gel­tend ge­macht.
Er hat die Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten, durch den Ver­trags­schluss mit der Stadt K hin­sicht­lich ei­nes bis 31.12.2010 grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses lie­ge ei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Um­ge­hung des Tz­B­fG vor. In ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung für die Mit­ar­bei­ter der Be­ar­bei­tungs­stel­le SGG ha­be die Be­klag­te am 09.02.2010 den Ab­schluss von den sach­grund­be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen bis 31.12.2013 ge­genüber den glei­cher­maßen wie den Kläger be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern an­gekündigt. Ein ent­spre­chen­der Mit­ar­bei­ter­brief vom 10.03.2010 sei sei­tens der Be­klag­ten an die be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter über­sandt wor­den. We­gen der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 17.03.2010 (7 AZR 843/08) ha­be die Be­klag­te von die­sem Vor­ha­ben Ab­stand ge­nom­men. In der Fol­ge sei­en dann nur noch neue sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen über die Stadt K an­ge­bo­ten wor­den, ob­gleich tatsächlich wei­ter un­be­fris­te­ter Beschäfti­gungs­be­darf bei der Be­klag­ten be­ste­he.
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auf Grund der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung im Ar­beits­ver­trag von April 2008 in der Fas­sung vom 02.12.2009 nicht am 04.05.2010 en­de­te, son­dern auf un­be­stimm­te Zeit fort­be­steht;
2. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auch nicht 10 auf Grund an­de­rer Be­en­di­gungs­tat­bestände en­det, son­dern über den 04.05.2010 hin­aus fort­be­steht;
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn über den 04.05.2010 hin­aus zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen in der Agen­tur für Ar­beit Köln, Ar­beits­ge­mein­schaft Köln als Sach­be­ar­bei­ter in der Be­ar­bei­tungs­stel­le So­zi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) im Be­reich So­zi­al­ge­setz­buch 2. Buch (SGB II) wei­ter zu beschäfti­gen.
Das Ar­beits­ge­richt Köln hat durch Ur­teil vom 22.06.2010 – 6 Ca 4305/10 – die Kla­ge, so­weit das Ar­beits­ge­richt die­se nicht für un­zulässig ge­hal­ten hat, als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Hier­zu hat das Ar­beits­ge­richt im­we­sent­li­chen aus­geführt, die vom Kläger er­ho­be­ne Ent­fris­tungs­kla­ge sei gemäß § 17 Tz­B­fG zulässig, aber un­be­gründet. Die mit der Be­klag­ten ver­ein­bar­te Be­fris­tung vom 02.12.2009 bis 04.05.2010 sei sach­grund­los ge­recht­fer­tigt gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG. Der sich dar­an an­sch­ließen­de be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag mit der Stadt K führe nicht da­zu, ein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten der Be­klag­ten an­zu­neh­men, wel­ches die­ser die Be­ru­fung auf § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ver­weh­re. Oh­ne­hin kom­me al­len­falls die Un­wirk­sam­keit der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung mit der Stadt K in Be­tracht, nicht aber das Be­ste­hen ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten.
Ge­gen die­ses ihm am 09.09.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln hat der Kläger am 04.10.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis 09.12.2010 am 02.12.2010 be­gründet.
Er be­ruft sich wei­ter­hin auf ei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Um­ge­hung des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG durch die Be­klag­te. Dies gel­te ins­be­son­de­re mit Rück­sicht dar­auf, dass 87,4 % der Per­so­nal­kos­ten, die in­ner­halb der AR­GE entstünden, von der Be­klag­ten aus dem Bun­des­haus­halt ent­nom­men würden – un­abhängig von der Fra­ge, wie vie­le Beschäftig­te bei der Stadt K an­ge­stellt sei­en. Die Be­klag­te wei­se zu­dem al­le Ar­beit­neh­mer, auch die Beschäftig­ten der Stadt K un­mit­tel­bar an und übe da­her wei­ter ein ar­beit­ge­ber­sei­ti­ges Di­rek­ti­ons­recht ge­genüber die­sen aus. Die Be­klag­te als Träger der AR­GE ne­ben der Stadt K be­stim­me gemäß § 44 SGB II die nähe­re Aus­ge­stal­tung und Or­ga­ni­sa­ti­on der AR­GE. Der Geschäftsführer sei ein Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten, während des­sen Stell­ver­tre­ter ein Mit­ar­bei­ter der Stadt K sei. Die ge­mein­sam ge­bil­de­te Träger­ver­samm­lung be­sch­ließe über die per­so­nel­le Aus­stat­tung des Job­cen­ters in K . 3 Mit­glie­der die­ser Träger­ver­samm­lung stel­le je­weils die Be­klag­te so­wie die Stadt K . Im Rah­men der Be­set­zung der Stel­le durch die Stadt K sei von die­ser kei­ne Stel­lun­g­aus­schrei­bung veröffent­licht, kein Stel­len­pro­fil er­stellt und auch kein Be­wer­bungs­gespräch mit dem Kläger geführt wor­den. Die ver­trag­li­che Ge­stal­tung mit der Stadt K sei hin­sicht­lich der Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses iden­tisch ge­genüber den ver­trag­li­chen Re­geln mit der Be­klag­ten. Der Kläger übe die­sel­ben Tätig­kei­ten wie seit dem 05.05.2008 auch im Rah­men sei­nes An­stel­lungs­verhält­nis­ses mit der Stadt K aus. Die Pro­be­zeit mit der Stadt K sei im Rah­men des neu­en Ar­beits­verhält­nis­ses vom 04.05.2010 le­dig­lich for­mal ver­ein­bart wor­den, was sich auch dar­an zei­ge, dass der Kläger be­reits ab dem ers­ten Beschäfti­gungs­tag bei der Stadt K Pro­zess­voll­macht in vol­lem Um­fang er­hal­ten ha­be.
wir wer­den be­an­tra­gen, das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 22.06.2010 (AZ.: 6 18 Sa 4305/10) auf­zu­he­ben bzw. ab­zuändern und
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung im Ar­beits­ver­trag von April 2008 in der Fas­sung vom 02.12.2009 nicht am 04.05.2010 en­de­te, son­dern auf un­be­stimm­te Zeit fort­be­steht;
2. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auch nicht 20 auf­grund an­de­rer Be­en­di­gungs­tat­bestände be­en­det, son­dern über den 04.05.2010 hin­aus fort­be­steht;
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger über den 04.05.2010 hin­aus zu un­veränder­ten 21 Be­din­gun­gen in der Agen­tur für Ar­beit K, Ar­beits­ge­mein­schaft K, als Sach­be­ar­bei­ter in der Be­ar­bei­tungs­stel­lung So­zi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) im Be­reich So­zi­al­ge­setz­buch II. Buch (SGB II) wei­ter zu beschäfti­gen.
Die Be­klag­te ist der Rechts­an­sicht, die sach­grund­lo­se Be­fris­tung mit der Stadt K sei nach § 24 14 Abs. 2 Tz­B­fG als wirk­sam an­zu­se­hen. Wie im Rah­men von Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­verträgen sei hier in Ge­stalt der Stadt K ein neu­er Ver­trags­ar­beit­ge­ber ge­ge­ben. Durch die Be­klag­te lie­ge kein Rechts­miss­brauch oder ein Ver­s­toß ge­gen das An­schluss­ver­bot vor. Es exis­tier­ten mit der Stadt K kei­ner­lei Ab­spra­chen, sich die Ar­beits­kraft des Klägers durch Um­ge­hung des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes zu er­hal­ten. Selbst wenn ei­ne Um­ge­hung des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes be­ab­sich­tigt ge­we­sen wäre, dann sei der Kläger ge­hal­ten, sich an sei­nen ak­tu­el­len Ver­trags­ar­beit­ge­ber – die Stadt K – zu wen­den. In­ner­halb der AR­GE sei die Geschäfts­lei­tung ver­ant­wort­lich, den je­wei­li­gen Per­so­nal­be­darf zu de­cken. Bei er­kenn­ba­rem Per­so­nal­be­darf wen­de sich die Geschäfts­lei­tung an bei­de Träger der AR­GE. Dem­zu­fol­ge sei die Geschäfts­lei­tung lau­fend über die bei den Trägern vor­lie­gen­den Be­wer­bun­gen un­ter­rich­tet. Auf Grund die­ser In­for­ma­tio­nen wen­de sich die Geschäfts­lei­tung dann an den je­wei­li­gen Träger, der die größere Gewähr für die De­ckung des Per­so­nal­be­darfs bie­te. Vor­lie­gend sei der Geschäfts­lei­tung be­kannt ge­we­sen, dass das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger bei der Be­klag­ten zum 04.05.2010 we­gen Frist­ab­laufs en­de und hier­durch Per­so­nal­be­darf in die­sem Beschäfti­gungs­be­reich ge­ge­ben sei. Die­sen ha­be dann die Geschäfts­lei­tung der AR­GE über den Träger Stadt K durch An­stel­lung des Klägers de­cken wol­len. Die Be­klag­te sei hier­bei oh­ne jeg­li­chen Ein­fluss ge­we­sen. Da zwei un­ter­schied­li­che Ver­trags­ar­beit­ge­ber vorlägen, sei nicht auf ei­nen Rechts­miss­brauch zu schließen. Der Kläger ha­be auch auf ei­nen un­veränder­ten Ein­satz bei der Stadt K nicht ver­trau­en können, da bei die­ser ta­rif­li­che Ver­set­zungs­vor­schrif­ten gel­ten würden. Der Kläger sei da­her in an­de­rem Rah­men als bei der Be­klag­ten ver­setz­bar. Der Kläger er­hal­te zu­dem ei­ne an­de­re Vergütung bei der Stadt K nach der Ent­gelt­grup­pe 10 TVÜ-VKA, während er bei der Be­klag­ten nach § 14 Abs. 1 TV-BA in die Tätig­keits­ebe­ne IV Ent­wick­lungs­stu­fe 01 ein­grup­piert ge­we­sen sei. Ins­ge­samt sei­en un­ter­schied­li­che Ta­rif­wer­ke bei der Be­klag­ten bzw. der Stadt K an­wend­bar (TV-BA bzw. TVöD-VKA). Auch die höchstmögli­che Be­fris­tungs­dau­er sei bei der Stadt K nicht aus­geschöpft wor­den. Zu­dem sei ei­ne sechswöch­ti­ge Pro­be­zeit bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges mit der Stadt Köln vom 04.05.2010 ver­ein­bart wor­den.
I. Die Be­ru­fung ist zulässig, weil sie statt­haft und frist­ge­recht ein­ge­legt so­wie be­gründet wor­den ist (§§ 64, 66 ArbGG, 519, 520 ZPO).
II. Sie ist je­doch un­be­gründet, da das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten durch die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 02.12.2009 wirk­sam sein En­de zum Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 04.05.2010 ge­fun­den hat.
1. Die Wirk­sam­keit der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 04.05.2010 ist al­ler­dings nicht zu fin­gie­ren gemäß § 17 Tz­B­fG, da die Ent­fris­tungs­kla­ge vom 25.05.2010 am sel­ben Tag per Te­le­fax beim Ar­beits­ge­richt in Köln ein­ge­gan­gen und da­her die in § 17 Tz­B­fG für die Kla­ge­ein­rei­chung ge­re­gel­te Drei­wo­chen­frist ge­wahrt wor­den ist.
2. Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ist die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zulässig. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind bei der von den Par­tei­en gewähl­ten Ver­trags­ge­stal­tung durch Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges aus April 2008, der zunächst die Be­fris­tung für den Zeit­raum vom 05.05.2008 bis 31.12.2008 vor­sah, und dem Ände­rungs­ver­trag vom 02.12.2008, der die Wei­ter­beschäfti­gung bis 04.05.2010 re­gel­te, ein­ge­hal­ten, da die Ge­samt­be­fris­tungs­dau­er den zulässi­gen Zwei­jah­res­zeit­raum nicht über­schrei­tet.
3. Der Be­klag­ten ist die Be­ru­fung auf die Möglich­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG nicht ver­wehrt, da durch die gewähl­te Ver­trags­ge­stal­tung un­ter Ein­be­zie­hung der an­sch­ließen­den Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung mit der Stadt K das Zu­vor­beschäfti­gungs­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG nicht in ei­ner mit den Grundsätzen von Treu und Glau­ben oder mit uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben un­ver­ein­ba­ren Wei­se um­gan­gen wird.
a. Der Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) als Ge­bot der Red­lich­keit und all­ge­mei­ne Schran­ke der Rechts­ausübung be­schränkt so­wohl sub­jek­ti­ve Rech­te als auch Rechts­in­sti­tu­te und Nor­men. Die sich aus ei­nem Rechts­in­sti­tut oder ei­ner Rechts­norm an sich er­ge­ben­den Rechts­fol­gen müssen zurück­tre­ten, wenn sie zu ei­nem mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­ba­ren Er­geb­nis führen. Dies ist un­ter an­de­rem dann der Fall, wenn ein Ver­trags­part­ner ei­ne an sich recht­lich mögli­che Ver­trags­ge­stal­tung in ei­ner mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­ba­ren Wei­se nur da­zu ver­wen­det, sich zum Nach­teil des an­de­ren Ver­trags­part­ners Vor­tei­le zu ver­schaf­fen, die nach dem Zweck der Norm und des Rechts­in­sti­tuts nicht vor­ge­se­hen sind. Auch die Aus­nut­zung der durch das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz vor­ge­se­he­nen Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten kann un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen rechts­miss­bräuch­lich sein, et­wa wenn meh­re­re recht­lich und tatsächlich ver­bun­de­ne Ver­trags­ar­beit­ge­ber in be­wuss­tem und ge­woll­tem Zu­sam­men­wir­ken mit ei­nem Ar­beit­neh­mer auf­ein­an­der fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge aus­sch­ließlich des­halb schließen, um auf die­se Wei­se die nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG vor­ge­se­he­nen Be­fris­tungsmöglich­kei­ten hin­aus sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen an­ein­an­der rei­hen zu können. In die­sem Zu­sam­men­hang sind uni­ons­recht­li­che Vor­ga­ben, ins­be­son­de­re die der RL 1999/70/EG des Ra­tes vom 28.06.1999 zu der EGB-UN­ICE-CEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge vom 18.03.1999 zu be­ach­ten.
b. Selbst wenn da­von aus­zu­ge­hen ist, der Ver­trag mit der Stadt K sei nur we­gen des Ziels ab­ge­schlos­sen wor­den, dem Kläger wie­der in der AR­GE mit dem­sel­ben Tätig­keits­be­reich zu be­trau­en, ist nicht hin­rei­chend er­sicht­lich, dass der Wech­sel des Ver­trags­ar­beit­ge­bers aus­sch­ließlich des­halb er­folg­te, um das Zu­vor­beschäfti­gungs­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG zu um­ge­hen.
aa. Zwar lie­gen mit der Be­klag­ten und der Stadt K als Träger der AR­GE meh­re­re recht­lich und tatsächlich durch § 44 b SGB II ver­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber vor. Auch spricht die Aus­ge­stal­tung und die Or­ga­ni­sa­ti­on der AR­GE durch die Träger gemäß § 44 b Abs. 2 SGB II für ein be­wuss­tes und ge­woll­tes Zu­sam­men­wir­ken bei der ge­genüber dem Kläger ge­trof­fe­nen Per­so­nal­ent­schei­dung. Aus den Ver­laut­ba­run­gen der Be­klag­ten in der Mit­glie­der­ver­samm­lung vom 09.02.2010 und im Mit­ar­bei­ter­brief von 10.03.2010 hin­sicht­lich der Ankündi­gung des Ab­schlus­ses von Sach­grund­be­fris­tun­gen und der Ab­kehr hier­von nach dem Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 17.03.2010 (7 AZR 843/08) spricht auch viel für die ent­spre­chen­de Mo­ti­va­ti­on des Ar­beit­ge­ber­wech­sels, nämlich der Unmöglich­keit, mit dem bis­he­ri­gen Ver­trags­ar­beit­ge­ber er­neut ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag wirk­sam ab­sch­ließen zu können.
bb. Je­doch lie­gen aus­rei­chen­de In­di­zi­en, die ge­gen ei­ne sol­che aus­sch­ließli­che Um­ge­hungs­ab­sicht spre­chen, vor. Die Ver­trags­ge­stal­tung der Ar­beits­verträge des Klägers mit der Be­klag­ten ei­ner­seits und der Stadt K an­de­rer­seits un­ter­schei­den sich er­heb­lich. Für den Kläger war klar er­kenn­bar, dass ihm auf Ar­beit­ge­ber­sei­te ein an­de­rer Ver­trags­part­ner zu­ge­ord­net wur­de. Im neu­en Ar­beits­ver­trag mit der Stadt K vom 04.05.2010 ist in § 2 ge­re­gelt, dass sich das Ar­beits­verhält­nis nach dem Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) be­stimmt und dem­ent­spre­chend die ta­rif­li­chen Ver­set­zungsmöglich­kei­ten ge­genüber dem Kläger im Rah­men des Beschäfti­gungs­be­reichs der Stadt K gel­ten. Dem­ent­spre­chend konn­te der Kläger kein Ver­trau­en mehr auf ei­nen un­veränder­ten Ein­satz in sei­nem bis­he­ri­gen Auf­ga­ben­be­reich in der AR­GE ha­ben. Wei­ter­hin gilt für den Kläger im Rah­men sei­nes neu­en Ar­beits­ver­tra­ges mit der Stadt K ei­ne an­de­re Vergütungs­re­ge­lung. Nun ist der Kläger in die Ent­gelt­grup­pe 10 des TVöD-VKA ein­grup­piert, während er zu­vor bei der Be­klag­ten ei­ne Vergütung gemäß § 14 Abs. 1 TV-BA gewährt er­hielt. Zu­dem ist die Höchst­be­fris­tungs­dau­er im Ar­beits­ver­trag mit der Stadt K von zwei Jah­ren nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG nicht aus­geschöpft wor­den. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 09.03.2011 ( 7 AZR 657/09 -, NZA 2011, Sei­te 1147 ff ) ist auf Grund der vor­an­ge­stell­ten In­di­zi­en nicht hin­rei­chend da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­klag­te mit der Stadt K das An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG plan­voll um­ge­hen woll­te.
Hin­zu kommt, dass es sich bei dem Tätig­keits­be­reich in­ner­halb der AR­GE nicht um ei­nen ei­ge­nen Beschäfti­gungs­be­reich der Be­klag­ten han­delt, son­dern die­se le­dig­lich ne­ben der Stadt Köln als Träger der AR­GE be­tei­ligt ist. Mit der wei­te­ren be­fris­te­ten An­stel­lung des Klägers soll­te da­her kein ei­ge­ner Beschäfti­gungs­be­darf der Be­klag­ten ge­deckt wer­den wie et­wa bei dem Ein­satz von be­fris­tet wei­ter­beschäftig­ten Leih­ar­beit­neh­mern beim Beschäfti­gungs­ar­beits­ge­ber. Da­her ist vor­lie­gend schon un­ter die­sem Ge­sichts­punkt nicht von der Kon­stel­la­ti­on aus­zu­ge­hen, in der der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber trotz be­ste­hen­den ei­ge­nen Beschäfti­gungs­be­darfs sich ei­nes Drit­ten be­dient, um das An­schluss­be­fris­tungs­ver­bot nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG zu um­ge­hen.
c. Da nicht von ei­nem rechts­miss­bräuch­li­chen Han­deln der Be­klag­ten aus­zu­ge­hen ist, kann die Fra­ge nach der sich aus ei­nem Rechts­miss­brauch er­ge­ben­den Rechts­fol­ge da­hin­ge­stellt blei­ben. Während das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 18.10.2006 (7 AZR 749/05) aus ei­nem mögli­chen Rechts­miss­brauch fol­gert, dass al­len­falls in Be­tracht kom­me, dass sich der Fol­ge­ar­beit­ge­ber auf die von ihm ab­ge­schlos­se­ne An­schluss­be­fris­tung nicht be­ru­fen könne, ver­tritt die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln im Ur­teil vom 25.03.2011 (4 Sa 1399/10) die Auf­fas­sung, dass die Fol­gen des Rechts­miss­brauchs den ursprüng­li­chen Beschäfti­gungs­ar­beit­ge­ber tref­fen müss­ten, da der Rechts­miss­brauch ge­ra­de dar­in lie­ge, dass sich der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber, ob­wohl bei ihm wei­te­rer Beschäfti­gungs­be­darf be­ste­he, der rechts­miss­bräuch­li­chen Kon­struk­ti­on und der Hil­fe des Fol­ge­ar­beit­ge­bers be­die­ne, um den Norm­zweck zu um­ge­hen, der ge­ra­de dar­in be­ste­he, nach Ausschöpfung der durch § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG ge­ge­be­nen Möglich­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung den Ar­beit­neh­mer ent­we­der un­be­fris­tet oder im Rah­men ei­ner Sach­grund­be­fris­tung wei­ter zu beschäfti­gen oder bei wei­ter be­ste­hen­dem vorüber­ge­hen­den Ar­beits­be­darf ei­nen an­de­ren Ar­beit­neh­mer be­fris­tet ein­zu­stel­len.
Nach al­le­dem er­weist sich die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers mit der Be­klag­ten zum 04.05.2010 durch die Ände­rungs­ver­ein­ba­run­gen vom 02.12.2009 als rechts­wirk­sam, so dass der Kläger das Be­ste­hen ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten nicht gel­tend ma­chen kann. Eben­so we­nig be­gründet ist der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag des Klägers zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen über den 04.05.2010 hin­aus.
III. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens trägt der un­ter­le­ge­ne Kläger nach § 97 ZPO.
Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on gemäß § 72 ArbGG we­gen rechts­grundsätz­li­cher Be­deu­tung – hier­bei ins­be­son­de­re mit Rück­sicht auf die Gel­tung des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG im Rah­men der von ver­schie­de­nen Trägern ge­tra­ge­nen AR­GE nach § 44 b SGB II – zu­ge­las­sen.
zur Übersicht 10 Sa 1229/10

References: § 2
 § 4
 § 14
 § 44
 § 17
 § 14
 § 14
 § 14
 § 44
 § 24
 § 14
 § 17
 § 17
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 44
 § 44
 § 2
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 14
 § 97
 § 72
 § 14
 § 44