Source: http://www.flugrechte.eu/index.php?qa=1428&qa_1=entsch%C3%A4digung-technischem-daraufhin-gekauftes-flugticket
Timestamp: 2018-11-19 20:20:44+00:00

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Entschädigung gegen Iberia wegen technischem Defekt am Flugzeug und daraufhin neu gekauftes Flugticket - FLUGGASTRECHTE
Hallo, als wir am Flughafen ankamen, sagte man uns schon am Checkin-Schalter, dass der Flug wegen "technischen Defekt am Flugzeug" abends losgeht. Da wir aber unbedingt abends in Madrid sein mussten, haben wir auf einer Umbuchung auf einen anderen Flug bestanden. Die Mitarbeiterin der Iberia hat uns aber gesagt, dass der früheste Flug auf den sie uns umbuchen könnte, der Abendflug wäre. Nach langem Hin und Her haben wir uns dann selbst ein Ticket bei der Lufthansa gekauft und sind mit Lufthansa geflogen.
Die große Überraschung kam dann auf dem Rückflug. Am Flughafen hieß es plötzlich, dass die Tickets ungültig geworden wären, weil wir unseren Hinflug nicht angetreten haben. Ja, das stimmte, aber es blieb uns ja nichts anderes übrig, als mit einem Ersatzflug mit Lufthansa nach Madrid zu kommen. Jetzt wollte Iberia uns auch nicht auf den (GEBUCHTEN UND BEZAHLTEN!!!!) Rückflug lassen, weil das Ticket angeblich verfallen wäre. Wir mussten dann nochmal pro Nase 270 EUR an Iberia zahlen, um den Rückflug (den wir ja schon bezahlt hatten und damit DOPPELT BEZAHLEN mussten) antreten zu können!!
Ich habe dann (im Namen aller) die Kosten für die neuen Tickets mit Lufthansa, die Kosten für die Umbuchung (kompletter Unsinn, weil wir ja schon den Rückflug bezahlt und gebucht hatten) für den Rückflug und eine Entschädigung von 400 EUR pro Person gefordert. Iberia hat sich erstmal wochenlang überhaupt nicht gemeldet. Jetzt schreiben sie, dass sie keine Entschädigung und Schadensersatz zahlen müssten, weil ein technischer Defekt am Flugzeug die Verspätung verursacht hätte. Außerdem hätten wir den Flug ja gar nicht angetreten, weshalb man die Entschädigung nicht zahlen würde.
Ist ein technischer Defekt am Flugzeug ein "außergewöhnlicher Umstand" nach der VO 261/04 oder gilt das Grundsatzurteil des europäischen Gerichtshofs, dass die Fluggesellschaft bei technischem Defekt zahlen muss?
Muss man für eine Entschädigung wegen Flugverspätung den verspäteten Flug geflogen sein, um die Entschädigung zu erhalten?
iberia-flugverspätung-ausgleichszahlung
iberia-passivrubrum
Gefragt 3, Jun 2014 in Umbuchung von Anonym
welche Ansprüche bestehen bei einer (1) Flugverspätung und was sind die Folgen von (2) außergewöhnlichen Umständen?
(1) Ansprüche bei einer Flugverspätung
Bei einer Flugverspätung hat der Passagier dann mehrere Ansprüche aus Art. 6 VO (EG) Nr. 261/2004, abhängig von der Flugstrecke und der zu dieser im Verhältnis stehenden Verspätung:
1.) Anspruch auf Betreuungsleistungen wie Verpflegung und Unterbringung i.S. d. Art. 9 VO (EG) Nr. 261/2004
2.) Anspruch auf Erstattung des Flugtickets und Rückbeförderung oder Anspruch auf anderweitige Beförderung zum Endziel zum frühestmöglichen Zeitpunkt gemäß Art. 8 VO (EG) Nr. 261/2004
3.) Anspruch auf Ausgleichszahlung zwischen 250 € und 600 € (abhängig von der Flugstrecke) bei einer Verspätung über 3 Stunden (so AG Nürtingen, Urteil vom 25.01.2013, Az. 46 C 1399/12 [leicht mittels google zu finden unter „AG Nürtingen 46 C 1399/12 Reise-Recht-Wiki.de“ als erstes Ergebnis in der Liste] in Bezugnahme auf die Rechtsprechung des EuGH) nach Art. 5 VO (EG) Nr. 261/2004
Achtung: Nur in bestimmten Fällen ist eine Selbstabhilfe gerechtfertigt und die Kosten für ein neu gebuchtes Ticket müssen erstattet werden. Die Fluggesellschaft ist nach Art. 8 der Verordnung verpflichtet, den Betroffenen zum nächstmöglichen Zeitpunkt oder zu einem späteren, von dem Fluggast gewählten Zeitpunkt, zu befördern. Für den Fall, dass eine spätere Beförderung dazu führt, dass die Reise sinnlos wird, besteht eben das Kündigungsrecht mit vollständiger Erstattung der Flugscheinkosten.
Ein selbst gebuchtet Ticket ist folglich dann ersatzfähig, wenn die Fluggesellschaft die Kooperation verweigert und den Reisenden in seiner hilflosen Lage zurücklässt.
(2) Außergewöhnliche Umstände
Die Ansprüche auf Ausgleichszahlungen nach Art. 7 VO (EG) Nr. 261/2004 können gemäß Art. 5 III VO (EG) Nr. 261/2004 infolge von außergewöhnlichen Umständen ausgeschlossen sein.
Anmerkung: Außergewöhnliche Umstände wirken sich nicht auf die Ansprüche auf Betreuungsleistungen oder auf das Reiserücktrittsrecht aus.
Außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände sind beispielsweise politische Instabilität, Sicherheitsrisiken wie Terrorgefahr, Vogelschlag, Wetterbedingungen oder Streik von Personen, die nicht zum Luftunternehmen gehören – also alle Umstände, die das Luftfahrtunternehmen unter Ergreifung aller zumutbaren Maßnahmen nicht hätte verhindern können.
AG Düsseldorf, Urteil vom 21.06.2013, Az. 43 C 6731/12
Medizinischer Notfall an Bord ist als außergewöhnlicher Umstand zu werten.
LG Berlin, Urteil vom 28.08.2007. Az. 53 S 242/06
Außergewöhnlicher Umstand mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten und der Landung der Air Force One auf dem Flughafen
Nicht außergewöhnliche Umstände sind Sachverhalte, welche die Fluggesellschaft hätte vorhersehen und vermeiden können. Darunter fallen regelmäßig Mängel an den Maschinen und technische Defekte:
BGH Karlsruhe, Urteil vom 14.10.2008, Az. X ZR 35/08
Kein außergewöhnlicher Umstand bei technischen Defekten, die im Zuge von regelmäßiger Wartung und Instandhaltung hätten verhindert werden können.
Ebenso AG Köln, Urteil vom 05. April 2006, Az. 118 C 595/05 und AG Bremen, Urteil vom 03. Juli 2007, Az. 4 C 393/06
Beantwortet 21, Aug 2014 von Ikarus (1,650 Punkte)
erstmal ist die geschilderte Sachlage natürlich unangenehm. Sie haben natürlich Ansprüche, wie sie schon festgestellt haben, bei Verspätungen der Flüge.
Außergewöhnliche Umstände sollen vorgelegen haben. Verschiedene Instanzen haben aber bloße technische Defekte als außergewöhnliche Umstände ausgeschlossen. Ein außergewöhnlicher Umstand liegt nur vor, wenn die Fluggesellschaft diesen nicht hätte verhindern können.
BGH, Urteil v. 14.Oktober 2008, X ZR 35/08
Hier könnten die für das betroffene Flugzeug geltenden Wartungs- und Instandhaltungsprogramme sowie Sicherheitsnormen und Auflagen der zuständigen Behörden oder Hersteller Bedeutung erlangen. Regelungen zur Instandhaltung von Flugzeugen im Interesse der Lufttüchtigkeit finden sich in der Verordnung (EG) Nr. 2042/2003 der Kommission vom 20. November 2003 über die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit von Luftfahrzeugen und lufttechnischen Erzeugnissen, Teilen und Ausrüstungen und die Erteilung von Genehmigungen für Organisationen und Personen, die diese Tätigkeit ausführen (ABl. L 315, S. 1). Beispielsweise muss ein Flugzeug gemäß einem Programm instand gehalten werden, das von der zuständigen Luftaufsichtsbehörde genehmigt ist und das Angaben unter anderem zur Häufigkeit der auszuführenden Instandhaltungsarbeiten enthält (M.A. 302, Anhang I der Verordnung Nr. 2042/2003). Sonstige Programme und Anweisungen der zuständigen Behörden und Hersteller können weitere Hinweise darauf geben, wann bereits Probleme aufgetreten sind, die im Interesse der Lufttüchtigkeit behoben werden müssen und die daher bei Wartungen zu berücksichtigen sind. Es könnte genügen, dass die Beachtung dieser Vorgaben den Rahmen dessen bestimmt, was von dem Luftfahrtunternehmen zumutbarerweise verlangt werden kann. (einfach Googlen „X ZR 35/08 reise-recht-wiki.de“)
AG Köln, Urteil v. 10. März 2010, 132 C 304/07
Sind Grund der Annullierung – wie hier – technische Mängel des Flugzeugs, so können diese nur dann (als “unerwarteter Flugsicherheitsmangel” im Sinne von Erwägungsgrund 14 der VO) als “außergewöhnlicher Umstand” qualifiziert werden, wenn sie ein Vorkommnis betreffen, das nicht Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit des betroffenen Luftfahrtunternehmens ist und aufgrund seiner Natur oder Ursache von ihm tatsächlich nicht zu beherrschen ist (EuGH Urt. v. 22.12.2008, Rs. C-549/07, Tz. 23; BGH a.a.O., Tz. 13). Dies kommt namentlich dann in Betracht, wenn das technische Problem auf einem in Erwägungsgrund 14 genannten Umstand, z.B. versteckten Fabrikationsfehlern, Sabotageakten oder terroristischen Angriffen, beruht (EuGH, a.a.O., Tz. 26). (einfach Googlen „132 C 304/07 reise-recht-wiki.de“)
EuGH, Urteil v. 30. Oktober 2007, C-549/07
Unter dem Begriff “außergewöhnlicher Umstand” sind nur Vorkommnisse zu verstehen, die nicht Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit des Luftfahrtunternehmens sind und aufgrund ihrer Natur oder Ursache von ihm tatsächlich nicht zu beherrschen sind. Technische Probleme die zu der Annullierung eines Flugs führen, zählen nicht als ‚außergewöhnlicher Umstand“, da die technische Wartung der Flugzeuge, sowie Fehler die auf fehlerhafte Wartung zurückzuführen sind, zur normalen Tätigkeit des Luftfahrtunternehmens gehören. (einfach Googlen „C-549/07 reise-recht-wiki.de“)
BGH, Urteil v. 12. November 2009, Xa ZR 76/07
Tech­ni­sche De­fek­te, wie sie beim Be­trieb ei­nes Flug­zeugs ge­le­gent­lich auf­tre­ten kön­nen, be­grün­den für sich ge­se­hen kei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­chen Um­stän­de, die das Luft­fahrt­un­ter­neh­men von der Ver­pflich­tung be­frei­en kön­nen, bei ei­ner auf­grund des De­fekts er­for­der­li­chen An­nul­lie­rung des Flugs die nach Art. 7 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/2004 vor­ge­se­he­ne Aus­gleichs­zah­lung zu leis­ten. Dies gilt auch dann, wenn das Luft­fahrt­un­ter­neh­men al­le vor­ge­schrie­be­nen oder sonst bei Be­ach­tung der er­for­der­li­chen Sorg­falt ge­bo­te­nen War­tungs­ar­bei­ten frist- und ord­nungs­ge­mäß aus­ge­führt hat. (einfach Googlen „Xa ZR 76/07 reise-recht-wiki.de“)
Weiterhin muss das Flugunternehmen außergewöhnliche Umstände vor Gericht beweisen, damit sie einen Ausgleichsanspruch wirkungslos machen.
Kommen wir zu Ihrem Problem mit der Verspätung. Bei einer Verspätung haben Sie mehrere Ansprüche, zum einen auf Betreuungsleistungen gemäß Art. 9 der Verordnung (EG) 261/04, zum anderen auf Ausgleichsansprüche. Diese sind natürlich abhängig von der Verspätungszeit und der Entfernung des Fluges. Nach Madrid wären das wahrscheinlich 250 € als Ausgleichszahlung.
Beträgt die Verspätung auf einem Flug von einer Fluglänge von mindestens 1500 km mehr als drei Stunden, steht dem Fluggast ein Anspruch aus Art. 7 der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen zu. (einfach Googlen „XA ZR 166/07 reise-recht-wiki.de“)
Weiterhin haben Sie einen Anspruch auf Erstattung des Flugtickets und Rück-beförderung oder Anspruch auf anderweitige Beförderung zum Endziel zum frühestmöglichen Zeitpunkt gemäß Art. 8 VO
Beantwortet 6, Okt 2014 von Kylie (8,240 Punkte)
Sie stehen an einer Straßenkreuzung und haben grün. Die kreuzende Fahrstrecke hat rot. Sie fahren an und BUMS rast Ihnen ein Rot-missachtender Raser in ihr Auto. Auto Totalschaden. Der Typ ist nicht nur so dreist, bei Rot über die Ampel zu rasen, ihnen ihr Auto zu schrotten und ihnen einen heftigen Schock zu versetzen, sondern macht sie jetzt auch noch an, was ihnen denn einfiele und so weiter.
TYP 1 : Sie sind der ängstlich-zaghafte Zweifler, der immer mutlos und kleinlaut frisst, was man ihm vorwirft. Dann werden Sie - obwohl völlig schuldlos - dem schamlos dreisten Raser schön einige Tausend Euro zahlen müssen. So hart es klingt, aber: SELBST SCHULD! Wenn man sich alles gefallen lässt...
TYP 2 : Sie sind zwar sicher bei Grün gefahren zu sein, lassen sich aber durch das eisern dickschädelige und kompromisslose Verhalten des Rasers beeindrucken. Dann wird der Raser immer noch gut bei weg kommen. Auch selbst schuld.
TYP 3 : Sie sind der sachlich, analytisch und besonnene Typ. Natürlich rufen Sie die Polizei und lassen diese die Beweise feststellen. Natürlich lassen Sie sich zu keiner Aussage bewegen. Natürlich übergeben Sie die Rechtsverfolgung der Sache an einen Fachanwalt, der ihnen alles, aber auch alles rausholt, was gegenüber dem Raser zu machen ist, wenn es ein guter Anwalt ist.
Was so einfach und klar klingt, scheint in der Wirklichkeit für viele von uns superschwer zu sein. Übertragen auf die Fluggesellschaft ist es doch einfach: Sie haben einen Flug gebucht (und sogar vorweg bezahlt!!!), dann kommt die Fluggesellschaft und lässt Sie entweder mal eben stundelang sitzen (Flugverspätung) oder storniert den Flug mal eben (Flugannullierung) einseitig.
Für solche Situationen gibt es in Europa glasklare Gesetze. Die hängen an jedem Flughafen aus. Sprich: Die Fluggesellschaft muss Ihnen nicht nur alle ihre Kosten erstatten, sondern zusätzlich eine Entschädigung über 400 bzw. 600 EUR pro Person zahlen! Die Fluggesellschaften sind aber nicht blöd und wissen, dass sie bei dreistem Auftreten (wie dem Rotraser) die Typen 1 und 2 unter uns mal eben leicht beeindrucken können. Ein, zwei "nach Recht und Gesetz" klingende Emails und schon knicken die zaghaft verklemmten Zweifler a la Typ 1 + 2 ein. Die Fluggesellschaften spielen das Spiel auch noch so durchsichtig, dass man schon verrückt wird, da zusehen zu müssen.
Der Flugpassagier geht zur Airline und verlangt die glasklar gesetzlich festgelegte Entschädigung aus der Fluggast Richtlinie 261/2004. Die Airline antwortet wie immer: Streik ! Vogelschlag ! Schnee ! Sturm ! Höhere Gewalt ! Technischer Defekt !
Und was machen die Flugpassagiere? Geben schreckhaft und mutlos über sich selbst zweifelnd auf.
Guckt euch doch mal in vielen Airliner Foren um. Es wimmelt von Tausenden Fällen, in denen die Airlines Gerichtsprozesse verloren haben oder meistens gleich nach einem Anwaltsschreiben zahlten. Es gibt praktisch keine Fälle, in denen eine Fluggesellschaft mal mit ihren dummdreisten Antworten durchgedrungen wäre. Ist doch klar. Die Fluggesellschaften können vielleicht Menschen wie Typ 1 und Typ 2 beeindrucken. Konsequente und vernünftige Passagiere, die sich ihres eigenen Verstandes bedienen oder gar Richter vor Gericht werden die Airlines mit "Scheinargumenten" nicht blenden.
FAZIT FÜR ALLE, DIE GEGEN EINE PENETRANTE FLUGGESELLSCHAFT KÄMPFEN:
1. Bediene Dich Deines eigenen Verstandes.
2. Lass Dich nicht in Streitigkeiten verwickeln, wo man Dich ausnutzen will. Gehe sofort zu einem Fachanwalt, der Deine Rechte vertritt und der Deine Botschaft klar rüberbringt.
3. Gib Deinem Anwalt die klare Ansage, was Du willst und wo Du mit der Sache hinwillst. Lasse Dich nicht von Deinem Weg abbringen.
Man liest immer viel im Internet. Zu jeder Meinung gibt es eine Gegenmeinung. Man kann davon ausgehen, dass große Unternehmen wie Fluggesellschaften im Internet gezielt Falschinformationen streuen, um Leute abzubringen, ihre gesetzlichen Rechte und Gelder durchzukämpfen.
Und für die zögernden ängstlichen Typen unter uns gibt es auch Hoffnung:
DER WEG ZUM ENTSCHLUSS GEHT ÜBER DEN ZWEIFEL.
Man muss sich nur einfach klar werden, was man will. Wenn man es nicht selbst durchkämpfen will oder kann, holt man sich eben Hilfe durch einen Rechtsanwalt. Das verrückte ist doch, dass die Fluggesellschaft den Anwalt sogar noch zahlen muss. Was will man denn mehr?
@KometenWilli: Kannst Du hier nicht einfach mal das Urteil gegen Ryanair posten (Amtsgericht Geldern vom 25.6.2014 Aktenzeichen 3 C 579/12). Da kann man schön sehen, wie Ryanair dauernd versucht, eine Flugannullierung auf einen Streik (Fluglotsenstreik in Frankreiche) zu schieben und schlussendlich doch scheitert!
Beantwortet 16, Apr 2015 von outsider (3,330 Punkte)
Sie sind mit Iberia nach Madrid geflogen. Aufgrund eines technischen Defekts wurde Ihr Flug auf Abends verlegt. Sie geben leider nicht genau an, um wie viel der Flug sich nach hinten verschoben hat. Im Falle einer Flugverspätung können sich Ansprüche aus der Europäischen Fluggastrechte Verordnung ergeben.
Sie könnten zunächst einmal einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus Artikel Art. 7 VO Nr. 261/2004 haben. Dieser bestimmt sich nach der Entfernung:
Sie geben leider nicht genau an, von wo Sie gestartet sind. Doch erwähnen Sie, dass Sie bereits eine Ausgleichszahlung in Höhe von 400 EUR gefordert haben. In diesem Fall muss der Flug um mindestens 3 Stunden nach hinten verlegt worden sein. Davon ist in Ihrem Fall aber auch auszugehen.
Zu beachten ist jedoch, dass die Fluggesellschaft keine Ausgleichszahlung leisten muss, wenn außergewöhnliche Umstände im Sinne des Artikel 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261/2004/EG Ursache der Verspätung waren. Die Fluggesellschaft muss beweisen, dass ein außergewöhnlicher Umstand vorlag. Ein außergewöhnlicher Umstand kann zum Beispiel bei Streik des Bodenpersonals oder bei schlechten Wetterbedingugnen vorliegen.
Im vorliegenden Fall wurde Ihnen als Grund für die Verspätung ein technischer Defekt genannt. Ein technischer Defekt ist aber in der Regel kein außergewöhnlicher Umstand, der die Fluggesellschaft von Ausgleichszahlungen freistellt. Dies gilt selbst dann, wenn die Fluggesellschaft alle Wartungsarbeiten am Flugzeug frist- und ordnungsgemäß durchgeführt hat. Vergleichen Sie dazu die folgenden Urteile:
EuGH, Urteil vom 22.12.2008 - Az.: C 549/07 -(Das Urteil kann man im Volltext im Internet finden. Dazu einfach bei Google "Az.: C 549/07 reise-recht-wiki" eingeben)
LG Darmstadt, Urteil vom 20.7.2011 – Az.: 7 S 46/11(Das Urteil kann man im Volltext im Internet finden. Dazu einfach bei Google "Az.: 7 S 46/11 reise-recht-wiki" eingeben)
AG Köln, Urteil vom 5.4.2006 - Az.: 118 C 595/05 (Das Urteil kann man im Volltext im Internet finden. Dazu einfach bei Google "Az.: 118 C 595/05 reise-recht-wiki" eingeben)
AG Rüsselsheim, Urteil vom 7.11.2006 –Az.: 3 C 717/06 (Das Urteil kann man im Volltext im Internet finden. Dazu einfach bei Google "Az.: 3 C 717/06 reise-recht-wiki" eingeben)
Im vorliegenden Fall kann sich somit Iberia nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen. Sie haben einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen in Höhe von 400 EUR pro Fluggast.
Fraglich ist, inwieweit Sie auch einen Anspruch auf die Erstattung der Kosten für die Flugtickets haben, die Sie stattdessen bei Lufthansa gebucht haben. Eine Selbstabhilfe ist jedoch nur in manchen Fällen gerechtfertigt und die Kosten für ein neu gebuchtes Ticket müssen erstattet werden. Die Fluggesellschaft ist nach Art. 8 der Verordnung verpflichtet, den Betroffenen zum nächstmöglichen Zeitpunkt oder zu einem späteren, von dem Fluggast gewählten Zeitpunkt, zu befördern. Für den Fall, dass eine spätere Beförderung dazu führt, dass die Reise sinnlos wird, besteht eben das Kündigungsrecht mit vollständiger Erstattung der Flugscheinkosten.
Ein selbst gebuchtet Ticket muss also nur dann ersetzt werden, wenn die Fluggesellschaft die Kooperation verweigert und den Reisenden in seiner hilflosen Lage zurücklässt.
Beantwortet 29, Feb 2016 von Stevie (15,180 Punkte)

References: Art. 6
 Art. 9
 Art. 8
 Art. 5
 Art. 8
 Art. 7
 Art. 5

BGH 
 BGH 
 Art. 7
 Art. 9
 Art. 7
 Art. 8
 Art. 7
 Art. 8