Source: http://www.schule.sachsen.de/16125.htm
Timestamp: 2017-04-28 04:21:02+00:00

Document:
Schule und Ausbildung - Kopieren zum Unterrichtsgebrauch
Kopieren zum Unterrichtsgebrauch
Frau Müller ist Lehrerin für Deutsch und Musik und behandelt im Deutschunterricht einen Roman. Sie fragt sich, ob sie Folgendes fotokopieren und die Blätter an alle Schüler ihrer Klasse austeilen darf, ohne den jeweiligen Urheber bzw. Verlag vorher um Erlaubnis zu fragen:
Fall 1: Eine komplette Erzählung des gleichen Autors für vergleichende Betrachtungen, die insgesamt 25 Seiten umfasst.
Fall 2: 20 Seiten eines Buches von insgesamt 100 Seiten, das sich mit dem Roman auseinandersetzt (Sekundärliteratur).
Fall 3: Vier Seiten aus einem 50-seitigen Arbeitsheft zum Roman (Sekundärliteratur).
Fall 4: Sie will ein Foto von einem Gemälde, in dem sich ein Maler mit einer der Romanfiguren auseinandersetzt, aus einem Schulbuch einscannen, in ein eigenes Arbeitsblatt integrieren und dieses dann fotokopieren.
Außerdem unterrichtet sie die Klasse auch in Musik und will für den Musikunterricht Folgendes fotokopieren:
Fall 5: Sechs Seiten aus einer insgesamt 100-seitigen Opern-Vertonung des Romans.
Für die Falllösung ist gemäß den hier (Frage 10) empfohlenen Prüffragen entscheidend, ob der Lehrerin Frau Müller statt einer Genehmigung im Einzelfall durch die Rechteinhaber (z. B. der Verlag oder Autor der Werke) die Urheberrechtsschranke des § 53 Abs. 3 und Abs. 4 UrhG weiterhilft, die unter engen Voraussetzungen das Fotokopieren gerade auch im Schulbereich erlaubt. Dem § 53 Abs. 3 und 4 UrhG und dem zugehörigen Gesamtvertrag sind dazu genaue Vorgaben zu entnehmen (die fünf Grundregeln sind unten unter „Rechtslage im Detail“ aufgeführt).
Die Vorgaben des Gesamtvertrages sind auch in einem Poster (siehe rechte Spalte) dargestellt, welches in allen öffentlichen sächsischen Schulen aufzuhängen ist. Weitere Beispielsfälle und Erläuterungen enthält zudem eine Broschüre zu dem Thema (abrufbar über www.schulbuchkopie.de).
Die Verteilung der Kopien ist zulässig.
Eine komplette Novelle, die maximal 25 Seiten umfasst, gilt als „Werk von geringem Umfang“ und darf daher kopiert werden.
Die Verteilung der Kopien ist unzulässig.
Zur Veranschaulichung im Unterricht an Schulen dürfen aus urheberrechtlich geschützten Werken nur „kleine Teile“, das sind maximal 10 %, jedoch nicht mehr als 20 Seiten, kopiert werden. Aus einem insgesamt 100 Seiten umfassenden Buch dürfen demnach maximal 10 Seiten (und nicht 20 Seiten) kopiert werden. Die Regel „maximal 20 Seiten“ stellt eine absolute Obergrenze dar, die somit nur für Bücher mit mehr als 205 Seiten greift.
Auch Arbeitshefte sind sogenannte Unterrichtswerke. Es gilt die erwähnte 10-%-Grenze. Bei einem 50-seitigen Werk wären das maximal fünf Seiten. Vier Seiten sind demnach erlaubt.
Durch das Einscannen bei der Erstellung des eigenen Arbeitsblatts entsteht zwar eine digitale Kopie. Digitales Kopieren sowie die digitale Nutzung von Unterrichtsmaterialien sind jedoch gemäß dem Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG erlaubt.
Um sich das Einscannen zu ersparen, könnte die Lehrerin auch im Internet recherchieren, ob sie dort eine Version des Gemäldes findet, welche unter einer freien Lizenz steht. So gibt es einige Internetportale, die Material unter freien Lizenzen zur Verfügung stellen (z.B. Wikipedia, bei dem die Lizenzbedingungen von Bildwerken in den Bildeigenschaften nachzulesen sind). Diese können z. B. ausdrücklich eine nicht-kommerzielle Nutzung – wie in Schulen – erlauben.
Die Opernpartitur ist zwar kein „Werk von geringem Umfang“, da sie eine Musikedition und über sechs Seiten groß ist. Allerdings sind sechs Seiten einer Partitur von insgesamt 100 Seiten weniger als 10% des Werkes.
Geht man anhand der hier empfohlenen Prüffragen (Frage 10) vor, stellt man zunächst fest, dass es sich in den Fällen 1 bis 5 um urheberrechtlich relevante Nutzungshandlungen von urheberrechtlich geschützten Werken handelt. Einschlägig könnten hier die Urheberrechtsschranken des § 53 Abs. 3 und Abs. 4 UrhG sein. Danach sind Fotokopien von Materialien, die für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmt sind ("Unterrichtswerke" wie z. B. Schulbücher, Arbeitshefte), und aus Musiknoten stets nur mit Einwilligung des Berechtigten erlaubt. Diese Einwilligung wurde über einen Gesamtvertrag zu § 53 UrhG zwischen Rechteinhabern und Bundesländern zunächst nur für analoge Kopien und – über eine Ergänzungsvereinbarung – ab dem 1. Januar 2013 auch für digitale Kopien mit genauen Vorgaben zum zulässigen Umfang und Zweck erteilt. Zudem regelt der Gesamtvertrag (siehe rechte Spalte) die Vergütung, welche die Bundesländer pauschal an die Rechteinhaber zu zahlen haben.
Unter ähnlichen Voraussetzungen sind schon von Gesetzes wegen Fotokopien aus Nicht-Unterrichtswerken erlaubt.
Die Ergänzungsvereinbarung regelt, dass nunmehr auch digitale Kopie (etwa ein Scan, Versand per E-Mail, Kopie einer Datei zur Nutzung mit einem Smartboard) aus Unterrichtswerken in begrenztem Umfang hergestellt werden dürfen. Wie und wo genau die entsprechende Datei gespeichert und kopiert werden darf, ist in § 1 Abs. 2 der Ergänzungsvereinbarung im Detail geregelt. Digitale Kopien von Nicht-Unterrichtswerken können zudem unter den Voraussetzungen des § 52a UrhG und dem zugehörigen Gesamtvertrag zulässig sein (siehe mehr dazu unter „Nutzung von Multimedia-Dateien aus dem Internet und dem Schul-Intranet“).
Aus dem Gesamtvertrag zu § 53 UrhG ergeben sich folgende fünf Grundregeln:
Erlaubt sind Kopien von bis zu 10 % aus einem sogennanten „Printmedium“, jedoch maximal 20 Seiten
Erlaubt sind zudem Kopien von ganzen Printmedien von geringem Umfang (außer von Unterrichtswerken)! Das sind Musikeditionen mit maximal sechs und sonstige Druckwerke (außer Unterrichtswerke) mit maximal 25 Seiten sowie einzelne Fotos, Abbildungen etc.
Auf Kopien muss stets die Quelle angegeben werdenKante
Aus jedem Werk darf in diesem Sinne einmal pro Schuljahr und Klasse kopiert werden.
Diese Vorgaben gelten auch für alle Arten von digitalen Kopien (z.B. Scans, E-Mail-Versand, Nutzung mit Beamer) mit der Einschränkung, dass nur Printmedien, die ab 2005 erschienen sind, digitalisiert werden dürfen.
Poster »Das Kopieren an Schulen«
Die Herstellung von analogen Kopien (z. B. Fotokopien) und digitalen Kopien (z. B. Weitergabe per E-Mail, Serverspeicherungen) in Schulen wird durch das Urheberrechtsgesetz und mehrere Gesamtverträge geregelt. Was geht, was geht nicht? Auf folgender Internetseite finden Lehrerinnen und Lehrer aktuelle Informationen zu dem Thema, welche von der Ständigen Konferenz der Kultusminister und dem VdS Bildungsmedien e.V. (Verband der Schulbuchverlage) gemeinsam erarbeitet werden.

References: § 53
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 § 1
 § 52
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