Source: http://finanzglueck.de/schweizer-volksinitiative-finanzielle-freiheit/
Timestamp: 2017-09-20 23:49:58+00:00

Document:
Schweizer Volksinitiative: Finanzielle Freiheit für alle? - Finanzglück
Es gibt da etwas, für das ich die Schweizer wirklich beneide. Es ist ihre Art von direkter Demokratie, mit der hohen Anzahl an Volksabstimmungen. Das ist wohl einzigartig auf der Welt. Sei es in der Kommune, im Kanton oder auf Bundesebene – ganz normale Menschen, wie Du und ich, können eine Volksinitiative anstoßen und damit politisch Großes bewegen. Wenn es genügend Unterstützer gibt, dann wird ein Ansinnen zur Abstimmung gestellt und die einfache Mehrheit der Bevölkerung entscheidet.
So einfach, so genial. Klare Regeln. Der Bürger bzw. die Bürgerin entscheidet direkt, ohne den Umweg über ihre gewählten Volksvertreter gehen zu müssen. Es hat sich seit Jahrhunderten bewährt. Die Schweizer haben gelernt mit der Macht der direkten Demokratie verantwortungsvoll umzugehen. Über die Jahre gab es viele Volksinitiativen.
Es gibt derzeit eine Volksinitiative, die einen Rekord gebrochen hat. Noch nie wurden die nötigen Unterschriften (hier 100.000) so schnell eingesammelt. Insgesamt kamen 126.000 Unterschriften zusammen. Das lässt aufhorchen.
Worum geht es? Einwanderung? Steuern? Kitas? Nein, es geht in eine ganz andere Richtung.
Es geht um die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (kurz BGE). Die Abstimmung hierüber erfolgt am 5. Juni 2016.
Worum geht es beim BGE?
Für die Details geht es hier zur Seite der Initiatoren. Die Grundidee ist simpel. Jeder Schweizer erhält ein Grundeinkommen, welches an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Du erhältst jeden Monat einen bestimmten Betrag, egal ob Du arbeitest oder nicht, alleine lebst oder nicht, gesund bist oder krank. Wenn Du einen höheren Lohn durch Deine Arbeit beziehst, dann verdienst Du mehr als das BGE, ansonsten nicht.
Wie hoch der Betrag sein soll, müsste noch bei der konkreten Umsetzung entschieden werden. Das gilt für die allermeisten Details, die noch auszuarbeiten sind, sollte die Initiative erfolgreich sein. Die Initiatoren schlagen ein (happiges) Einkommen von monatlich 2.500 Franken (ca. 2.250 in Euro) für Erwachsene und 625 Franken für Kinder vor. Mit der Einführung des BGE fallen dann die meisten oder alle anderen finanziellen Sicherungssysteme, wie z.B. Arbeitslosengeld, weg.
Die Initiatoren sind der Meinung, dass dadurch in unserer heutigen Überflussgesellschaft ein menschenwürdiges Leben für Jedermann möglich ist. Derzeit wird viel Energie und Geld in die existierenden sozialen Sicherheitssysteme investiert. Diese würden durch das BGE ersetzt und (zum Teil) durch diese Ersparnis finanziert. Die Menschen würden sich darauf konzentrieren, was sie am besten können und am meisten motiviert, ohne sich um ihre Existenzsicherung sorgen zu müssen. Dadurch würden sie letztendlich auch produktiver arbeiten.
Finanzielle Freiheit für alle
Mein erklärtes Ziel ist es, irgendwann einmal die finanzielle Freiheit zu erlangen. Dann wird unser passives Einkommen, generiert aus Immobilien und dem Aktienmarkt, die Ausgaben meiner Familie decken. Dann werde ich mich ausschließlich auf die Tätigkeiten konzentrieren können, die mich am glücklichsten machen. Dann muss ich mich nicht mehr darum kümmern, ob diese Tätigkeiten ein notwendiges Einkommen generieren, oder aber eben nicht.
Klingt das irgendwie bekannt? Genau, es ist die Mini-Version der Schweizer BGE-Initiative. Sozusagen meine ganz persönliche Volksinitiative. Nur die Finanzierung wird anders organisiert. Ich trete in Vorleistung, indem ich jetzt Vermögen schaffe, dass mich später versorgen wird. Bei der Schweizer Initiative soll dies durch Kostenersparnisse und, auch wenn das jetzt noch von den Initiatoren angezweifelt wird, durch eine größere Vermögens-Umverteilung finanziert werden.
Es ist nicht überraschend, dass solch eine Initiative in der Schweiz entsteht. Es ist eines der reichsten Länder der Welt und hat damit auch den finanziellen Spielraum überhaupt über solch eine einschneidende Änderung der Gesellschaft nachzudenken. Gleichzeitig hat in der Schweiz die soziale Ungleichheit in den letzten Jahrzehnten sehr stark zugenommen. Jeder zehnte Milliardär weltweit lebt in der Schweiz. Ein kleiner Teil der Bevölkerung (deutlich unter 5%) besitzt die Mehrheit des Vermögens. Zahlreiche Boni- und Abfindungsskandale haben in der Vergangenheit die Schweizer Gemüter erregt.
Während in Deutschland dann vielleicht nur gemeckert wird, sind die Schweizer durch ihre direkte Demokratie in der Lage, solch ein kontroverses Thema direkt ganz nach oben auf die politische Debatte zu wuppen.
Finnland flirtet übrigens auch mit der Idee des BGE, wenn auch in einer anderen Form.
Lasst uns alle glücklich sein
Ich muss gestehen, ich kann dem Konzept des BGE einen gewissen Charme nicht absprechen. Wenn es finanzierbar wäre, dann würde ein beachtliches gesellschaftliches Potential frei werden. Es könnte ein großer Teil der Bürokratie abgebaut werden, die derzeit die Sicherungssysteme verwaltet. All die Menschen, die derzeit unzufrieden mit ihren Tätigkeiten sind, könnten nach ihrer Berufung suchen und sich mit Herz neuen Tätigkeiten widmen. Vor dem Hintergrund der Gerechtigkeit würden z.B. endlich auch Erziehende (meist Mütter) oder Menschen die ihre (Groß-) Eltern pflegen, vernünftig entlohnt werden. Ehrenamtliche Tätigkeiten würden vermehrt war genommen. Das sollte unser gesellschaftliches Miteinander stärken. Die soziale Ungleichheit sollte abnehmen und damit Unzufriedenheit reduziert werden.
In der Gesamtheit sollte dies zu einem höheren gesellschaftlichen Glücksgefühl führen. Das empfinde ich als erstrebenswert.
Es gibt nur einen Haken an der Sache. Ich glaube nicht, dass es funktioniert. Ähnlich wie in einigen Facetten des Kommunismus klingt die Grundidee erst mal gut. Das theoretische Gerüst scheint zu halten. Aber in der Umsetzung wird es wohl nicht klappen.
Es gibt eine ganze Reihe von Problemen, für die es in der Gesamtheit derzeit keine zufriedenstellende Lösung gibt. Die größten Themen sind in meinen Augen folgende:
Wer wird die unbeliebten Tätigkeiten verrichten (das klassische Beispiel des Klo-Putzens), wenn es keine finanziellen Anreize gibt überhaupt zu arbeiten?
In welchem Maße müsste das Vermögen umverteilt werden, z.B. durch höhere Steuern auf Vermögen, damit das BGE finanzierbar wäre?
Würde ein (hohes) BGE zu einen sprunghaften Anstieg der Inflation führen?
Wer würde das BGE beziehen? Wenn Zuwanderer ausgenommen sind, könnte dies zu einer Zweiklassengesellschaft führen mit all den negativen Folgen.
Die Fragen oben, und viele weitere, müssten meiner Meinung nach erst im Detail beantwortet werden, bevor sich die Schweiz in solch ein weitreichendes Experiment schmeißt. Aber vielleicht gibt es ja schon ein Vorbild, von dem wir eine Idee bekommen, wie eine Gesellschaft mit BGE aussehen könnte?
Da fällt mir erst mal nur Saudi-Arabien ein. Wer als Saudischer Staatsbürger geboren ist, der ist im Prinzip finanziell frei. Es gibt ein mehr oder weniger garantiertes Einkommen, solange man nicht komplett aus der Reihe fällt.
Saudi-Arabien bezieht einen riesigen, überwiegend passiven, Einkommensstrom durch Erlöse aus dem Verkauf von Erdöl (im Moment etwas weniger, aber immer noch enorm). Dieses Einkommen ist ausreichend groß, um damit nicht nur die herrschende Familie zu versorgen, sondern auch noch der Bevölkerung ein Grundeinkommen zu sichern. Letztendlich wird hier eine Art BGE durch Öl finanziert.
Die „niederen“ Tätigkeiten, die die Bevölkerung nicht machen möchte, werden von einem Heer an Arbeitssklaven übernommen, die unter schwierigsten Verhältnissen leben. Die Opposition muss unterdrückt werden, weil eine Demokratie den Reichtum und Luxus der herrschenden Familie gefährden könnte.
Kurz gesagt, in Saudi-Arabien gibt es eine finanzielle Lösung um seiner Bevölkerung eine Art BGE bereitzustellen. Aber es ist nicht gerade ein Umfeld, in dem ich mir wünschen würde zu leben. Im Gegenteil.
Ich empfinde Sympathie gegenüber einem bedingungslosen Grundeinkommens. Es ist richtig und wichtig, dass diese Diskussion im Moment geführt wird. Allerdings glaube ich nicht, dass ein BGE derzeit politisch durchsetzbar oder finanzierbar wäre. Vielleicht fehlen mir hier aber auch nur der visionäre Blick und der Mut, große Veränderungen in Kauf zu nehmen. Wer weiß.
Ich möchte gar nicht ausschließen, dass es in der Zukunft durchaus Sinn machen könnte, ein BGE einzuführen. Wenn die Technologie soweit entwickelt ist, viele einfache Tätigkeiten zu übernehmen, dann kann ich nichts daran aussetzen, einen Teil dieses Produktivitätsfortschrittes an die Bevölkerung in Form eines BGEs weiterzugeben. An der Höhe eines BGE wird sich festmachen, ob eine Umsetzung möglich ist oder eher nicht.
Ich bin gespannt, wie die Volksinitiative im Juni ausgeht. Ich rechne nicht damit, dass sie angenommen wird. Aber es ist vielleicht, und hoffentlich, der Beginn eines Prozesses, der mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens enden wird (auf welchem Niveau auch immer). Vielleicht werde ich es ja noch erleben. Finanzielle Freiheit für alle!
Bis es soweit ist, arbeite ich weiter an meinem ganz persönlichen BGE 🙂
Was ist Deine Meinung zu diesem Thema? Würdest Du ein BGE begrüßen oder empfindest Du es als ungerecht? Falls Du Schweizer bist, wie wirst Du im Juni abstimmen? Ich bin schon gespannt auf Deinen Kommentar!
Finanzielle FreiheitSchweizVolksinitiative
Vorheriger Beitrag:Christos Geschichte: Finanziell unabhängig durch Internetwerbung
Nächster Beitrag:Monikas Geschichte: Finanziell frei durch Immobilien
Hey Nico – jaja, die BGE Sau wird ja aktuell durch viele Dörfer getrieben. Natürlich ist der Gedanke daran aus Konsumenten/Bezieher Sicht erst einmal sehr verlockend – wir Investoren arbeiten ja nicht ohne Grund bereits an unserer eigenen Version des BGEs.
Allerdings glaube ich, wie du – dass das auf lange Sicht einfach nicht realistisch ist. Wie du schon sagtest – wer soll dann noch in eher ungeliebten, aber zwingend notwendigen Jobs arbeiten? Diese müssten dann vermutlich deutlich höher bezahlt werden. Davon abgesehen fürchte ich leider, dass sehr viele Menschen einfach gar nicht mehr arbeiten würden. Ich selbst würde doch auch am liebsten nur Reisen oder alle 2 Semester etwas anderes Studieren was mich interessiert, wo ich aber evtl. keine guten Jobchancen sehe. Andere würden evtl. einfach nur noch Playstation zockend auf der Couch liegen. Ich glaube durch die Einführung des BGEs würde die Wirtschaftsleistung und damit auch die Steuereinnahmen drastisch sinken. Daher halte ich es schlicht für nicht finanzierbar.
Aber wer weiß – warten wir mal ab was unsere Nachbarn entscheiden 😉
Ich hatte als Werkstudent mal in einer Mercedes-Fabrik gearbeitet und Autos am Fließband zusammengeschraubt. Wurde super bezahlt. Dort hat aber keiner gearbeitet, weil er besonders Spaß dran hatte oder sich erfüllen wollte. Es ging ganz klar um das gute Gehalt. Diese Arbeiter, die ja das Rückgrat unserer Export-Industrie darstellen, zu motivieren dort weiter zu arbeiten obwohl sie auch als Alternative auch etwas ganz anderes machen könnten, ist wirklich schwierig. Wahrscheinlich müssten die Löhne noch weiter ansteigen um deutlich über dem BGE zu liegen. Da würden die Hersteller wahrscheinlich erst mal ein paar Fabriken dicht machen.
5. Februar 2016 um 8:46
Spannende Frage. Was passiert, wenn man das BGE einführt? Ich glaube, es hätte einen gesamtgesellschaftlichen Umbruch zur folge.
Arbeitgeber müssten sich beispielsweise anstrengen, Mitarbeiter zu finden. Auf einmal wären die „Arbeiter/Angestellten“ die starken, weil sie es nicht nötig hätten zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen in Betrieben würden sich radikal verändern müssen. Von Betriebskindergärten, über gleitende Arbeitszeiten bis hin zu einer mehr partnerschaftlichen Führungskultur.
Preise würden sich verändern. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Reinigungskräfte dann wesentlich besser bezahlt werden, deren „Ansehen“ sich aber auch verbessern würden.
Jedem Menschen steht plötzlich mehr Geld für Konsum zur Verfügung, das würde die inländische Wirtschaft ankurbeln.
Die Zahl der „Armen“ würde sich radikal verringern, Verschuldungen würden vielleicht steigen.
Genauso würde es Menschen geben, die wahrscheinlich gerade in der Anfangszeit überhaupt nicht mit ihren neuen Möglichkeiten umgehen könnten. Wenn andere Soziale Netze, z. B. Krankenversicherung, Unfallversicherung wegfallen würden, würde es ein ganz schönes durcheinander geben.
Ein BGE sorgt ja nicht automatisch dafür, dass die Menschen mehr Selbstverantwortung tragen.
5. Februar 2016 um 9:58
Also ich finde die Idee des BGE auch sehr verlockend. Aber nicht nach dem Schweizer Prinzip, sondern eher nach dem finnischen Gedanken. Also der BGE müsste so hoch sein um eine normale Wohnung + Essen zu bezahlen. Halt Grundbedürfnisse komplett ab zu decken. Luxus sollte man sich verdienen. So etwas in der Art gibt es ja mit Hartz 4 schon, aber dort bin ich mir nicht wirklich sicher, wie es alles läuft. Denke dort steckt ein enormer Aufwand hinter und auch ein sehr schlechtes Image.
Denke damit hätte man auch das Jobproblem etwas geregelt. Und zum anderen spart man sich glaube ein enormen Verwaltungsautomat, wodurch wohl so einige BGE schon finanziert wären.
Ein schwieriges Thema das wir so leicht nicht beantworten können weil einfach zu viel menschliche Psyche eine Rolle spielt. Würde ich noch arbeiten wenn ich z.B. 1.000,- Grundeinkommen hätte? Definitiv. Es gibt aber genug Menschen die nur arbeiten gehen, weil sie sonst am Hungertuch nagen würden. Sind die Jobs die keiner machen will ein Problem? Am Anfang bestimmt. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass die Gehälter für solche Jobs sich plötzlich denen von vorher deutlich besser bezahlten annähern würden. Im schlimmsten Fall bekommen wir eine Inflation, die ein Grundeinkommen, egal welcher Größenordnung, einfach verpuffen lassen würde.
Wenn es um die Finanzierung geht argumentieren Befürworter häufig mit dem entfallenden Verwaltungsaufwand für Arbeitslosengelder, Renten oder Sozialhilfen. Man flutet also gleich zu Beginn schon mal den Arbeitsmarkt mit tausenden Staatsbediensteten die man nicht mehr braucht.
Letztendlich alles zu viel Spekulation. Möglicherweise benötigen wir irgendwann ein BGE weil unsere Maschinen die meiste Arbeit machen und weil wir uns was dazu verdienen wollen und nichts anderes verfügbar ist wird auch das Klo putzen plötzlich interessant. Bis dahin bleibe ich persönlich auch skeptisch. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn die Schweiz sich als Versuchskaninchen zur Verfügung stellt ;-).
Ich fürchte es würde nicht funktionieren, sondern eher scheitern. Unser System, das ja auf Leistung beruht ,würde den Bürger nun dazu anhalten, nur noch das nötigste zu erwirtschafen. somit würden ja auch die Einnahmen wegbrechen ,die wir jetzt noch für unsere Sozialsysteme erwirtschaften. Ich würde sagen, schöner Gedanke, aber nicht realisierbar.
Dein Gedanke ist leider nicht ganz bis zu Ende gedacht: Wenn die Bürger nur noch das Nötigste erwirtschaften, die Nachfrage aber unverändert bleibt, steigen die Preise für diese Güter. Damit gibt es Inflation, das BGE verliert an Wert und der Anreiz, wieder mehr ala nur das Nötigste zu erwirtschaften, steigt. In einer Marktwirtschaft eingebettet reguliert sich so ein System (zumindest in der Theorie) also selbst.
Vielleicht aber erkennen die Menschen auch, dass „das Nötigste“ in Wahrheit vollkommen ausreichend ist und ihnen die gesparte Arbeitszeit für ein glückliches Leben wichtiger ist. Das wäre ja mal was.
Dann müssen wir fast hoffen, dass die Menschen in solch einem Fall nicht zur Einsicht kommen, dass ihnen das Nötigste ausreicht um glücklich werden zu können. Dann würde plötzlich niemand mehr was tun ^^. Aber bleiben wir realistisch. Der Großteil der Menschen weiß außer Konsum nichts mit ihrer Zeit anzufangen. Man muss nur samstags mal in ein Einkaufszentrum seiner Wahl gehen.
5. Februar 2016 um 11:41
Schöner Artikel. BGE wird aber nicht funktionieren, egal wie hoch der Betrag festgesetzt wird, einfach weil – wie Du ja auch schreibst – der Anreiz wegfällt Leistungen zu erbingen. Insofern finde ich den Vergleich mit dem Kommunismus auch ganz passend.
Ich kann dem Konstrukt BGE überhaupt nichts abgewinnen, finde es aber spannend wie die Schweizer abstimmen werden. Und sollten sie es einführen – ich rechne nicht damit – dann ist da ja das Vorbild das wir alle interessiert beobachten können. Wenn es in der Schweiz mit ihrem hohen Lebensstandard nicht funktioniert, dann wird BGE vermutlich auch in anderen Ländern nicht funktionieren können.
5. Februar 2016 um 15:15
Neben den Nachteilen, die du genannt hast, würde das System auch sicher ausgenutzt werden. Für faule Menschen ist das System wie gemacht.
Wenn das System durch Steuern finanziert werden würde, würden außerdem viele Milliadäre und auch Millionäre abwandern. Und das führt dazu, dass das System nicht mehr finanzierbar wäre.
Ich glaube nicht, dass das System durchgesetzt werden kann.
Ich finde es ehrlich gesagt ein wenig befremdlich, dass so viele Leute anscheinend genau „wissen“, das ein bedingungsloses Grundeinkommennicht funktionieren wird.
Ich für meine Teil gebe zu, von komplexen ökonomischen Prozessen und Zusammenhängen zu wenig zu verstehen, um beurteilen zu können ob ein BGE funktionieren kann/wird, geschweige denn aus welchen Gründen.
Sind hier etwa nur Wirtschaftsprofessoren unterwegs, die es besser wissen? Und haben Wirtschaftsprofessoren überhaupt eine Ahnung, ob ein BGE funktionieren kann oder nicht? Ich denke, bevor es nicht ausprobiert wurde und die Resultate nicht absehbar sind, bleiben Aussagen wie „BGE wird aber nicht funktionieren“ einfach nur heiße Luft und reine Spekulation.
Ich für meinen Teil finde das BGE grundsätzlich erstmal eine gute Idee, da es für eine stärkere Gleichverteilung des Wohlstandes sorgen kann, was für die gesamte Gesellschaft von Nutzen ist. Eine zu starkes Gefälle zwischen Arm und Reich ist erwiesenermaßen kein gutes Zeichen für ein gesundes soziales System. Ob das BGE in der Realität hält was es verspricht, da hilft meiner Meinung nach wie gesagt nur Try and Error.
Ich glaube nicht, dass irgendjemand weiß, wie und ob ein BGE funktionieren kann. Schon gar nicht irgendwelche Wirtschafts-Professoren. Da findest Du wahrscheinlich eine Hälfte, die es für möglich hält und eine Hälfte bei der es anders herum ist 🙂
Man wird es wohl erst richtig wissen, wenn man es ausprobiert hat. Wenn ich richtig verstanden habe, wird es jetzt in Finnland gerade ausprobiert im kleineren Rahmen (genauso irgendwo in Holland?). Das ist der richtige Schritt. Da kann man Erfahrungen sammeln und dann schauen wie man ein BGE strukturieren könnte (und wie nicht). Vielleicht entschließt sich ja widererwarten die Schweiz dies mit einem Big Bang zu tun. Das wäre wirklich interessant!
7. Februar 2016 um 10:34
Oliver,“Ich finde es ehrlich gesagt ein wenig befremdlich, dass so viele Leute anscheinend genau „wissen“, das ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht funktionieren wird.“
Das Ding ist so extrem komplex, und KEINER kann wissen was die folgen sein werden. Und wir können auch nichts wirklich abgucken.
Die folgen wären aus meiner Sicht in der Schweiz völlig anders in Bulgarien.
Wäre aber super interessant wenn ein Land das ausprobieren würde 🙂
Eigentlich haben wir ja schon ein BGE: Hartz 4
Ich denke mal, je niedriger dieser Gundeinkommen, desto weniger wird’s eine Auswirkung haben auf die Gesellschaft. Vielleicht wäre eine Lösung mit einen niedrigen Satz starten und dann jährlich ein wenig zu erhöhen um dann die Indikatoren anzuschauen. Wie Oli gesagt hat: Trial and Error 🙂
Pingback: Wochenrückblick KW4 & 5/2016 - Gelderfahrung
den Gedanken mit Saudi-Arabien fand ich sehr gut. Ich denke, genau das würde passieren -ein stärkeres Auseinanderdriften der Gesellschaft im Inland, einer ausländische „Arbeiterkaste“ würde den Niedriglohnsektor übernehmen und sonst unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen. Genau das, was zumindest ein Teil der Befürworter des BGE ja genau vermeiden will.
Schade eigentlich. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir alle eigentlich immer weniger arbeiten müssten, weil im wesentlichen Maschinen für den Wohlstand sorgen. Trotzdem hat noch keiner ein Modell gefunden, wie das tatsächlich funktionieren könnte.
Ich wäre zunächst einmal dafür, Hartz 4 bedingungslos zu stellen. Ich kenne mich damit nicht aus, gibt es noch den Zwang zu 1€ Jobs oder Sanktionen bei Nichtbefolgung von Auflagen? Weiterhin müsste es flächendeckend (europaweit?) eingeführt werden, um Massenwanderungen von Völkern oder Abwanderung der Reichen zu verringern. Vielleicht erst einmal ohne Geld, aber mit Einführung von Essens- und Wohnungsgutscheinen? Hier würde aber die genaue Ausgestaltung Schwierigkeiten bereiten.
Ansonsten finde ich die Idee aber gut, in naher Zukunft wird, bedingt durch den technischen Fortschritt, sowieso eine Wandlung des Arbeitsmarktes erfolgen müssen. Es kann entweder gut ausgehen -> höhere Besteuerung von Reichtum, bessere Verteilung des Wohlstands, kürzere Arbeitszeiten, evtl. mit Hilfe eines Grundeinkommens ODER weitere Spaltung der Gesellschaft in reich und arm, Brot und Spiele, Revolution.
Wahrscheinlich wird es eine Lösung irgendwo in der Mitte geben, ich bin gespannt!
Ich hoffe bis dahin habe ich meine Schäfchen im Trockenen und einen ‚Stash gespart, der groß genug ist, um mich oder meine Nachkommen relativ unabhängig von den Entwicklungen zu machen.

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE