Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kuendigung_wegen_Rente_durch_Arbeitgeber_Saechsisches_LAG_3Sa695_13_u.html
Timestamp: 2017-08-21 04:40:33+00:00

Document:
Gericht: Sächsiches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 Sa 695/13
Ent­scheid­ungs­datum: 09.05.2014
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Leipzig, Urteil vom 1.10.2013, 9 Ca 2137/13
Az.: 3 Sa 695/13
9 Ca 2137/13 ArbG Leip­zig
hat das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt - Kam­mer 3 - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau ... und Herrn ... auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. Mai 2014
1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 01.10.2013 – 9 Ca 2137/13 – wird auf Kos­ten der Kläge­rin zurück-ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen or­dent­li­chen Kündi­gung so­wie über ei­nen An­spruch der Kläge­rin auf Zah­lung ei­ner Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG.
Die Be­klag­te ist ei­ne vom TÜV zer­ti­fi­zier­te uro­lo­gi­sche Ge­mein­schafts­pra­xis der Ärz­te ... und ... in ... Bei­de sind on­ko­lo­gisch ver­ant­wort­li­che Ärz­te mit der Zu­satz­qua­li­fi­ka­ti­on me­di­ka­mentöse Tu­morthe­ra­pie. Darüber hin­aus verfügen bei­de Ärz­te über die Zu­satz­qua­li­fi­ka­ti­on An­d­ro­lo­gie so­wie Herr ... über die Zu­satz­qua­li­fi-
kat­i­on Homöopa­thie und Herr ... über die Zu­satz­qua­li­fi­ka­tio­nen Aku­punk­tur und rei­se­me­di­zi­ni­sche Be­ra­tung. In der Pra­xis wer­den für Che­mo­the­ra­pi­en zwei Infu­si­ons­plätze vor­ge­hal­ten. Zu­dem wer­den am­bu­lan­te Ope­ra­tio­nen, En­do­sko­pi­en, So­no­gra­fi­en und Rönt­gen durch­geführt, so­wie in ei­nem pra­xis­ei­ge­nen La­bor La­bor­leis­tun­gen er­bracht. Die bei­den Ärz­te neh­men an der „Ver­ein­ba­rung über die qua­li­fi­zier­te am­bu­lan­te Ver­sor­gung krebs­kran­ker Pa­ti­en­ten“ (On­ko­lo­gie-Ver­ein­ba­rung) zwi­schen der ... und der ...teil. Nach § 5 Nr. 1 der Ver­ein­ba­rung er­for­dert die Teil­nah­me des on­ko­lo­gisch ver­ant­wort­li­chen Arz­tes an der On­ko­lo­gie-Ver­ein­ba­rung u. a. die Beschäfti­gung von qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal aus­rei­chen­der An­zahl, wel­ches in der Re­gel staat­lich ge­prüftes Pfle­ge­per­so­nal mit on­ko­lo­gi­scher Er­fah­rung oder on­ko­lo­gisch qua­li­fi­zier­te Arzt­hel­fe­rin­nen sind. Die Qua­li­fi­ka­ti­on gilt un­abhängig von der Aus­bil­dung als er­bracht, wenn das Per­so­nal er­folg­reich an ei­ner on­ko­lo­gi­schen Qua­li­fi­ka­ti­on gemäß den Vor­ga­ben der Kas­senärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung im Aus­bil­dungs­be­ruf „Arzt­hel­fe­rin“ teil­ge­nom­men hat. Die Qua­li­fi­ka­ti­on kann auch be­rufs­be­glei­tend er­wor­ben wer­den, muss aber zum Zeit­punkt der An­trag­stel­lung be­reits auf­ge­nom­men wor­den sein.
In der Pra­xis der Be­klag­ten wer­den pro Quar­tal durch­schnitt­lich ca. 2.500 Kas­sen­pa­ti­en­ten be­treut, wo­bei bis zum 31.12.2013 für ca. 1.000 von die­sen La­bor­un­ter­su­chun­gen durch­geführt wur­den. Da­ne­ben wur­den und wer­den auch Pri­vat­pa­ti­en­ten be­han­delt und Kas­sen­pa­ti­en­ten in­di­vi­du­el­le, von den Kas­sen­pa­ti­en­ten selbst zu zah­len­de Ge­sund­heits­leis­tun­gen an­ge­bo­ten.
Die am ...1950 ge­bo­re­ne Kläge­rin verfügt seit dem 02.07.1969 über die Be­rech­ti­gung zur Ausübung des Be­ru­fes ei­ner me­di­zi­nisch-tech­ni­schen As­sis­ten­tin und war ab dem 16.12.1991 bei der Be­klag­ten auf der Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges vom 21.11.1991 (An­la­ge K 1 zur Kla­ge­schrift vom 14.06.2013; Bl. 7/8 d. A.) als Arzt­hel­fe­rin an­ge­stellt. Sie er­hielt zu­letzt ein mo­nat­li­ches Brut­to­ge­halt in Höhe von 1.600,00 € zuzüglich ei­ner Leis­tungs­zu­la­ge in Höhe von 103,00 € brut­to so­wie ei-ner Prämie, wel­che sich aus ei­nem An­teil der mo­nat­li­chen, durch pri­va­te Kran­ken­dienst­leis­tun­gen er­ziel­ten Ein­nah­men er­rech­net.
Eben­so wie die wei­te­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen war die Kläge­rin mit der Ter­min­ver­wal­tung, der Pa­ti­en­te­n­an­nah­me, der Ko­or­di­na­ti­on des Pra­xis­ab­lau­fes, der Pra­xis­or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­wal­tungs­ar­bei­ten be­traut. Darüber hin­aus führ­te sie bei Pa­ti­en­ten selbständig Blut­ent­nah­men durch und ver­ab­reich­te In­jek­tio­nen. Ob die Kläge­rin wei­te­re Leis­tun­gen am Pa­ti­en­ten er­bracht hat, ist strei­tig. Zu­letzt war die Kläge­rin über­wie­gend im La­bor der Be­klag­ten beschäftigt und führ­te dort u. a. mi­kro­sko­pi­sche und mi­kro­bio­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen so­wie PSA- und Tes­to­ste­ron-Mes­sun­gen durch und er­stell­te Sper­mio­gram­me. Bis ein­sch­ließlich 2009 verfügte die Kläge­rin über den Nach­weis der Fach­kun­de im Strah­len­schutz und er­brach­te selbständig Rönt­gen­leis­tun­gen. In der Fol­ge­zeit wur­de sie wei­ter­hin mit Rönt­gen­leis­tun­gen be­traut. Ob sie die­se dann noch selbständig oder un­ter der Auf­sicht ei­nes Strah­len­schutz­ver­ant­wort­li­chen er­brach­te, ist strei­tig.
Ne­ben der Kläge­rin wa­ren zu­letzt fol­gen­de Mit­ar­bei­te­rin­nen in der Pra­xis beschäftigt:
Frau ..., 53 Jah­re alt, seit ca. 20 Jah­ren in der Pra­xis beschäftigt. Frau ... verfügt über ei­nen Ab­schluss als me­di­zi­nisch-tech­ni­sche Fachas­sis­ten­tin für kli­ni­sche Che­mie. Eben­so wie die Kläge­rin führ­te sie im La­bor mi­kro­bio­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen so­wie PSA- und Tes­to­ste­ron-Mes­sun­gen durch und er­stell­te Sper­mio­gram­me. Frau ... ist die Hy­gie­ne­ver­ant­wort­li­che der Pra­xis und hat seit 2008 an di­ver­sen Schu­lun­gen auf die­sem Ge­biet teil­ge­nom­men (vgl. An­la­gen BK 9 zur Be­ru­fungs­er­wi­de­rung vom 28.03.2014; Bl. 313 ff. d. A.) Des Wei­te­ren be­such­te sie seit 2010 di­ver­se Schu­lun­gen auf dem Ge­biet der On­ko­lo­gie und nimmt seit 2012 an dem Fort­bil­dungs­cur­ri­cu­lum für me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te und Arzt­hel­fe­rin-nen in der On­ko­lo­gie teil (vgl. An­la­gen BK 8 zur Be­ru­fungs­er­wi­de­rung vom 28.03.2014; Bl. 289 ff. d. A.).
Frau ..., 39 Jah­re alt, seit ca. 20 Jah­ren in der Pra­xis beschäftigt. Frau ... verfügt über ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dung als Rönt­ge­n­as­sis­ten­tin so­wie über ei­nen ak­tu­el­len Nach­weis der Fach­kun­de im Strah­len­schutz. Darüber hin­aus ist sie für
das Qua­litäts­ma­nage­ment, die QM-Zer­ti­fi­zie­run­gen und de­ren Um­set­zung in der Pra­xis ver­ant­wort­lich.
rau ..., 44 Jah­re alt, seit ca. 20 Jah­ren in der Pra­xis beschäftigt. Frau ... verfügt über ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dung als me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te und hat er­folg­reich an ei­ner on­ko­lo­gi­schen Qua­li­fi­ka­ti­on gemäß den Vor­ga­ben der Kas­sen-ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung teil­ge­nom­men. Sie ist für das Pra­xis­ma­nage­ment zuständig.
Frau ..., 27 Jah­re alt, seit ca. 10 Jah­ren in der Pra­xis beschäftigt. Frau ... verfügt über ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dung als me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te so­wie ei­ne Zu­satz­qua­li­fi­ka­ti­on als Rönt­ge­n­as­sis­ten­tin und hat er­folg­reich an ei­ner on­ko­lo­gi­schen Qua­li­fi­ka­ti­on gemäß den Vor­ga­ben der Kas­senärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung teil­ge­nom­men. Sie as­sis­tiert bei Ope­ra­tio­nen und Pro­statabi­op­si­en.
Eben­so wie die Kläge­rin sind die vor­ge­nann­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen mit der Ter­min­ver­wal­tung, der Pa­ti­en­te­n­an­nah­me, der Ko­or­di­na­ti­on des Pra­xis­ab­lau­fes, der Pra­xis­or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­wal­tungs­ar­bei­ten be­traut. Darüber hin­aus führen auch sie bei Pa­ti­en­ten selbständig Blut­ent­nah­men durch und ver­ab­rei­chen In­jek­tio­nen. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen ..., ... und ... sind für Kin­der un­ter­halts­pflich­tig.
Bis zum 31.12.2013 ab­sol­vier­te des Wei­te­ren Frau ... in ei­ner von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit fi­nan­zier­ten Um­schu­lungs­maßnah­me in der Pra­xis der Be­klag­ten ih­re prak­ti­sche Aus­bil­dung.
Im Jahr 2008 verständig­ten sich die ... und der ... auf Re­ge­lun­gen zur Um­set­zung ei­ner so­ge­nann­ten „La­bor­re­form“, die stu­fen­wei­se ab dem 01.10.2008 in Kraft tra­ten. Die­se Re­ge­lun­gen se­hen u. a. vor, dass ab dem 01.04.2013 nur noch auf der Ba­sis von so­ge­nann­ten Be­hand­lungsfällen und nicht mehr auf der Ba­sis von Arzt-fällen ab­ge­rech­net wer­den darf. Dies hat in Fällen, in de­nen in Ge­mein­schafts­pra­xen ein Pa­ti­ent durch meh­re­re Ärz­te be­han­delt wird, zur Fol­ge, dass nur noch ein Be­hand­lungs­fall und nicht mehr meh­re­re (im Fall der Be­klag­ten nicht mehr zwei)
Arztfälle ge­genüber den ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen ab­ge­rech­net wer­den können. Darüber hin­aus wird im Rah­men der Bud­ge­tie­rung der La­bor­leis­tun­gen ei­ne größere Zahl von Fällen nicht mehr berück­sich­tigt, was zu ei­ner Ab­sen­kung des La­bor­bud­gets führt, bei des­sen Über­schrei­tung es wie­der­um zu ei­ner Kürzung des La­bor­bo­nus kommt. Die Re­fe­renz­fall­wer­te für La­bor­leis­tun­gen von Uro­lo­gen wur­den zu­dem von der Kas­senärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung auf 4,00 € pro Pa­ti­ent und Quar­tal fest­ge­setzt, nach­dem die Leis­tungs­an­for­de­run­gen der Pra­xis in der Ver­gan­gen­heit 20,00 € be­tru­gen. Zum 01.01.2014 änder­ten sich schließlich die Re­ge­lun­gen für die sog. Selbst­zu­wei­ser. Nach § 25 Abs. 4 a des Bun­des­man­tel­ver­tra­ges-Ärz­te (BMV-Ä) können ab die­sem Zeit­punkt la­bo­ra­to­ri­ums­me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chun­gen des Ka­pi­tels 32 BMÄ und ent­spre­chen­de la­bo­ra­to­ri­ums­me­di­zi­ni­sche Leis­tun­gen des Ka­pi­tels 1.7 des EBM nur noch an Fachärz­te über­wie­sen wer­den, bei de­nen die­se Leis­tun­gen zum Kern ih­res Fach­ge­bie­tes gehören. Zu­dem darf bei la­bo­ra­to­ri­ums­me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chun­gen des Ka­pi­tels 32.3 BMÄ und ent­spre­chen­den la­bo­ra­to­ri­ums­me­di­zi­ni­sche Leis­tun­gen des Ka­pi­tels 1.7 des EBM ein Teil der Be­fun­der­he­bung nur noch von Ver­tragsärz­ten er­bracht und ab­ge­rech­net wer­den, für die die­se Leis­tun­gen zum Kern ih­res Fach­ge­bie­tes gehören. Die­se Re­ge­lun­gen be­tref­fen vor al­lem Nicht-La­borärz­te wie die Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten (zu den Ein­zel­hei­ten vgl. die An­la­gen BK 1 bis BK 4 zur Be­ru­fungs­er­wi­de­rung vom 28.03.2014; Bl. 262 ff. d. A.).
Vor dem Hin­ter­grund der vor­ste­hen­den Neu­re­ge­lun­gen ent­schlos­sen sich die Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten zu ei­ner Um­struk­tu­rie­rung ih­rer Pra­xis. La­bor­leis­tun­gen soll­ten ab dem 01.01.2014 nur noch durch Frau ... er­bracht wer­den. In Zei­ten ih­res Ur­laubs soll­ten die Pro­ben sach­ge­recht ge­la­gert und die Un­ter­su­chun­gen nach ih­rer Rück­kehr er­bracht wer­den. In drin­gen­den Fällen soll­ten ggf. an­de­re La­bo­re in An­spruch ge­nom­men wer­den.
Vor dem Hin­ter­grund der vor­ge­nann­ten Ent­schei­dung kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 24.05.2013 (An­la­ge K 2 zur Kla­ge­schrift vom 14.06.2013; Bl. 9 d. A.), der Kläge­rin am 27.05.2013 zu­ge­gan­gen, or­dent­lich zum 31.12.2013. Das Schrei­ben hat u. a. fol­gen­den Wort­laut:
Lie­be ...,
Wir kündi­gen des­halb das zwi­schen uns be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis un­ter Ein­hal­tung der ver­trag­li­chen Frist zum 31.12.2013. (...)
Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 07.06.2013 (An­la­ge K 3 zur Kla­ge­schrift vom 14.06.2013; Bl. 10/11 d. A.) ver­trat die Kläge­rin ge­genüber der Be­klag­ten die An­sicht, die Kündi­gung sei auf­grund ei­ner Be­nach­tei­li­gung we­gen ih­res Al­ters un­wirk­sam und for­der­te sie zur Zah­lung ei­ner Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG in Höhe von 29.003,00 € auf.
Zum 03.01.2014 stell­te die Be­klag­te die 35-jähri­ge Frau ... ein, die über ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dung als Kran­ken­schwes­ter verfügt. Frau ... hat kei­ne La­bor­kennt­nis­se und wird nicht mit Tätig­kei­ten im La­bor der Be­klag­ten be­traut. Ihr ob­liegt die me­di­zi­ni­sche und hy­gie­ni­sche Grund­ver­sor­gung von Pa­ti­en­ten, die Vor­be­rei­tung und As­sis­tenz von/bei ärzt­li­chen Ein­grif­fen und Be­hand­lun­gen so­wie die Vor­be­rei­tung der Pa­ti­en­ten auf the­ra­peu­ti­sche und dia­gnos­ti­sche Maßnah­men. Frau ... führt auf Ba­sis ärzt­li­cher An­ord­nun­gen ei­genständig me­di­zi­ni­sche Be­hand­lun­gen durch und do­ku­men­tiert Pa­ti­en­ten­da­ten. Da­ne­ben pflegt, be­ob­ach­tet, be­treut und berät sie ei­genständig Pa­ti­en­ten und erfüllt Ver­wal­tungs- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­auf­ga­ben.
Mit ih­rer am 14.06.2013 beim Ar­beits­ge­richt Leip­zig ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat sich die Kläge­rin ge­gen die Wirk­sam­keit der Kündi­gung vom 24.05.2013 ge­wandt und mit ih­rer am 01.08.2013 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge­er­wei­te­rung u. a. ei­ne Entschädi­gung in Höhe von 31.759,00 € ver­langt. Zur Be­gründung hat sie u. a. aus­geführt, die Kündi­gung ver­s­toße ge­gen §§ 1, 2 Abs. 1 Nr. 2 AGG. Der Wort­laut des Kündi­gungs­schrei­bens las­se ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ih­res Al­ters ver­mu­ten, da dar­in auf ih­re Pen­si­ons­be­rech­ti­gung ab­ge­stellt wor­den sei. Es sei da­her da­von aus­zu­ge-
hen, dass ih­re Pen­si­ons­be­rech­ti­gung und da­mit ihr Al­ter zu­min­dest auch ein Mo­tiv für die Kündi­gung ge­we­sen sei. Da Frau ... un­strei­tig nicht pen­si­ons­be­rech­tigt sei, lie­ge ei­ne al­ters­dis­kri­mi­nie­ren­de Un­gleich­be­hand­lung vor. We­gen die­ser Be­nach­tei­li­gung ste­he ihr zu­dem ei­ne Entschädi­gung nach Maßga­be des § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG zu. Wes­halb in der Fol­ge der La­bor­re­form mit Ein­schränkun­gen im La­bor­be­reich zu rech­nen sei, sei nicht nach­voll­zieh­bar. In­so­weit sei be­reits der Weg­fall des Beschäfti­gungs­be­darfs für ei­ne An­ge­stell­te zwei­fel­haft.
So­weit für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren noch von Be­deu­tung hat die Kläge­rin u. a. be-an­tragt,
1. fest­zu­stel­len, dass das An­stel­lungs­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 24.05.2013 mit Wir­kung zum 31.12.2013 be­en­det wird;
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne Entschädi­gung in Höhe von 31.759,00 € nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Zur Be­gründung hat sie aus­geführt, die Pen­si­ons­be­rech­ti­gung bzw. das Al­ter der Kläge­rin sei nicht Grund für die Kündi­gung ge­we­sen. Dies könne dem Kündi­gungs­schrei­ben auch nicht ent­nom­men wer­den. Sie sei le­dig­lich bemüht ge­we­sen, die be­trieb­lich not­wen­di­ge Kündi­gung freund­lich und ver­bind­lich zu for­mu­lie­ren. Kündi­gungs­grund sei al­lein die er­for­der­li­che Um­struk­tu­rie­rung der Pra­xis auf­grund der La­bor­re­form zum 01.01.2014. Auf­grund der La­bor­re­form fie­len ab dem 01.01.2014 Leis­tun­gen im La­bor­be­reich in er­heb­li­chem Um­fang weg. In der Fol­ge der Ent­schei­dung, die La­bortätig­kei­ten nur noch durch ei­ne Ar­beit­neh­me­rin ausführen zu las­sen, sei der Ar­beits­platz der Kläge­rin ent­fal­len. Die Kläge­rin sei mit den übri­gen
Mit­ar­bei­te­rin­nen auf­grund de­ren Fach­kennt­nis­sen und Spe­zia­li­sie­run­gen nicht ver­gleich­bar. Die Wei­ter­beschäfti­gung der übri­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen sei we­gen de­ren Kennt­nis­sen, Fähig­kei­ten und Leis­tun­gen für die Fortführung der Pra­xis exis­ten­ti­ell not­wen­dig. Sie benöti­ge für das Leis­tungs­spek­trum der Pra­xis qua­li­fi­zier­tes und aus­ge­bil­de­tes Per­so­nal, ins­be­son­de­re on­ko­lo­gisch qua­li­fi­zier­te Schwes­tern und Rönt­ge­n­as­sis­ten­tin­nen. Ein Entschädi­gungs­an­spruch be­ste­he selbst im Fal­le ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin durch die Kündi­gung nicht, da es im Fal­le der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung kei­ne Be­nach­tei­li­gung mehr ge­be.
Mit sei­nem der Kläge­rin am 28.10.2013 zu­ge­stell­ten Ur­teil vom 01.10.2013 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge im Hin­blick auf die oben ge­nann­ten Anträge ab­ge­wie­sen. Hier­ge­gen wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer am 26.11.2013 beim Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Be­ru­fung, die sie am 10.02.2014 be­gründet hat, nach­dem die Frist zur Be­ru­fungs­be­gründung auf ih­ren am 20.12.2013 ein­ge­gan­ge­nen An­trag bis zum 10.02.2014 verlängert wor­den war.
Die Kläge­rin ver­tritt die An­sicht, das Ar­beits­ge­richt ha­be zu Un­recht ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Al­ters ver­neint. In­so­weit ha­be das Ar­beits­ge­richt über­se­hen, dass ihr auf­grund von § 22 AGG ei­ne er­leich­ter­te Be­weis­last ob­lie­ge. Auf­grund der Tat­sa­che, dass in der Kündi­gung ih­re Pen­si­ons­be­rech­ti­gung ge­nannt sei, sei da­von aus­zu­ge­hen, dass da­mit ihr Al­ter Teil ei­nes Mo­tivbündels ge­we­sen sei, was zur Kündi­gung geführt ha­be. Be­triebs­be­ding­te Gründe lägen nicht vor. Ins­be­son­de­re ha­be sich der Ar­beits­um­fang im La­bor nicht ver­rin­gert, son­dern sei in den letz­ten Jah­ren ständig an­ge­wach­sen. Dies lie­ge dar­an, dass die Pa­ti­en­ten die La­bor­leis­tun­gen pri­vat be­zahl­ten. Des­halb be­rie­fe sich die Be­klag­te auch nur auf ei­nen Rück­gang der La­bor­leis­tun­gen im Be­reich der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen. Ent­spre­chend sei auch Frau ... ein­ge­stellt wor­den, da­mit an­de­re Ar­beit­neh­me­rin­nen die im La­bor an­fal­len­den Ar­bei­ten mit über­neh­men könn­ten. Die Be­klag­te könne nicht mit nur ei­ner Mit­ar­bei­te­rin im La­bor aus­kom­men. Sie (die Kläge­rin) sei schlicht ge­gen Frau ... aus­ge­tauscht wor­den. Die Tat­sa­che, dass die Be­klag­te un­ter Vor­spie­ge­lung ei­ner „ominösen“ großen La­bor­re­form den Weg­fall des Beschäfti­gungs­be­darfs für ei­ne Mit­ar­bei­te­rin vortäusche, zei­ge, dass nicht ei­ne Um­struk­tu­rie­rung
der Pra­xis son­dern ihr Al­ter für die Kündi­gung der Be­klag­ten aus­schlag­ge­bend ge­we­sen sei. Un­zu­tref­fend sei, dass sie außer ih­rer Qua­li­fi­ka­ti­on für das La­bor über kei­ne Zu­satz­qua­li­fi­ka­tio­nen verfüge. Sie sei für Ge­sund­heits- und Aging-Checks ver­ant­wort­lich ge­we­sen und ha­be dem je­wei­li­gen Arzt bei Pro­statabi­op­si­en as­sis­tiert und die­se Ope­ra­tio­nen vor­be­rei­tet. Auch sei sie – un­strei­tig – beim Rönt­gen ein­ge­setzt wor­den und ha­be hier­bei IV-Infu­sio­nen ge­setzt. Un­zu­tref­fend sei, dass sie die Teil­nah­me an dem Kurs zur Er­lan­gung der Fach­kun­de im Strah­len­schutz ab­ge­lehnt ha­be. Die Teil­nah­me sei ihr viel­mehr un­ter Hin­weis dar­auf, dass sie die Kos­ten für den Lehr­gang auf­grund ih­res Al­ters nicht mehr „ein­spie­len“ wer­de, ver-wei­gert wor­den. Ins­ge­samt sei sie ab Ja­nu­ar 2013 nicht mehr bei Wei­ter­bil­dun­gen berück­sich­tigt wor­den. Sie sei oh­ne wei­te­res mit Frau ... ver­gleich­bar. De­ren Kennt­nis­se als Hy­gie­ne­ver­ant­wort­li­che könne sie in­ner­halb ei­ner eintägi­gen Fort­bil­dung er­lan­gen. Die on­ko­lo­gi­sche Zu­satz­aus­bil­dung hätte auch ihr an­ge­bo­ten wer­den können. Auch die Tätig­kei­ten, die jetzt Frau ... ausführe, könne sie auch oh­ne Aus­bil­dung als Kran­ken­schwes­ter er­brin­gen. Sie ha­be die­se Tätig­kei­ten während ih­rer Be­triebs­zu­gehörig­keit ständig er­bracht. Ob­wohl sie kei­ne Aus­bil­dung als Kran­ken­schwes­ter ha­be, sei es bei der Er­le­di­gung der Tätig­kei­ten nie zu Be­an­stan­dun­gen ge­kom­men.
1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 01.10.2013 – 9 Ca 2137/13 – teil­wei­se ab­zuändern;
2. fest­zu­stel­len, dass das An­stel­lungs­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 24.05.2013 mit Wir­kung zum 31.12.2013 be­en­det wird;
3. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, sie für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Kla­ge­an­trag zu 2. bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens zu un­geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als me­di­zi­nisch-tech­ni­sche As­sis­ten­tin wei­ter zu beschäfti­gen;
4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­ne Entschädi­gung in Höhe von 20.436,00 € nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
und ver­tei­digt die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung als zu­tref­fend.
Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im zwei­ten Rechts­zug wird auf den In­halt der dort ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf den In­halt des Pro­to­kolls der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 09.05.2014 (Bl. 380 ff. d. A.) Be-zug ge­nom­men.
Die gemäß § 64 Abs. 2 lit. b und c ArbGG statt­haf­te und auch im Übri­gen zulässi­ge, ins­be­son­de­re form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te so­wie aus­geführ­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist zurück­zu­wei­sen, denn das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen.
Das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en ist durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 24.05.2013 mit Ab­lauf des 31.12.2013 auf­gelöst wor­den. Die Kündi­gung ist rechts­wirk­sam und wahrt die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist des § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 BGB von sie­ben Mo­na­ten zum En­de ei­nes Ka­len­der­mo­nats.
1. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en un­ter­fiel nicht dem Kündi­gungs­schutz nach dem ers­ten Ab­schnitt des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes, da die Be­klag­te un­strei­tig nicht die gemäß § 23 Abs. 1 Satz 3 KSchG für die An­wend­bar­keit des ers­ten Ab-
schnitts des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes er­for­der­li­che An­zahl von Ar­beit­neh­mern beschäftigt hat.
2. Die Kündi­gung der Be­klag­ten ist nicht treu­wid­rig (§ 242 BGB).
a) Auch in ei­nem so­ge­nann­ten „Klein­be­trieb“ ist der Ar­beit­neh­mer vor ei­ner treu­wid­ri­gen Ausübung des Kündi­gungs­rechts durch den Ar­beit­ge­ber geschützt. Da­bei ha­ben die Ar­beits­ge­rich­te bei der An­wen­dung der zi­vil­recht­li­chen Ge­ne­ral­klau­seln des § 242 BGB den ob­jek­ti­ven Ge­halt der Grund­rech­te, hier vor al­lem Art. 12 Abs. 1 GG, zu be­ach­ten. Al­ler­dings darf die­ser Schutz nicht so weit rei­chen, dass dem Klein­un­ter­neh­mer prak­tisch die im Kündi­gungs­schutz­ge­setz vor­ge­se­he­nen Maßstäbe der So­zi­al­wid­rig­keit auf­er­legt wer­den. Ver­langt wird vom Ar­beit­ge­ber im Klein­be­trieb viel­mehr nur ein Min­dest­maß an so­zia­ler Rück­sicht­nah­me. Es geht dar­um, den Ar­beit­neh­mer vor willkürli­chen oder auf sach­frem­den Mo­ti­ven be­ru­hen­den Kündi­gun­gen zu schützen. Ei­ne willkürli­che Kündi­gung liegt nicht vor, wenn ein ir­gend­wie ein­leuch­ten­der Grund für die Kündi­gung be­steht (vgl. BAG, Ur­tei­le vom 28.06.2007 – 6 AZR 750/06 – Rz. 29/30, NZA 2007, 1049, 1052 und vom 23.04.2009 – 6 AZR 533/08 – Rz. 32, NZA 2009, 1260, 1263, je­weils m. w. N.).
Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen der­je­ni­gen Tat­sa­chen, aus de-nen sich die Treu­wid­rig­keit er­gibt, liegt beim Ar­beit­neh­mer. Da­bei ist durch ei­ne ab­ge­stuf­te Dar­le­gungs- und Be­weis­last dem ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­nen Schutz des Ar­beit­neh­mers Rech­nung zu tra­gen. In ei­nem ers­ten Schritt muss der Ar­beit­neh­mer, so­weit er die Über­le­gun­gen des Ar­beit­ge­bers, die zu sei­ner Kündi­gung geführt ha­ben, nicht kennt, le­dig­lich ei­nen Sach­ver­halt vor­tra­gen, der die Treu­wid­rig­keit der Kündi­gung nach § 242 BGB in­di­ziert. So­dann muss sich der Ar­beit­ge­ber nach § 138 Abs. 2 ZPO im Ein­zel­nen auf die­sen Vor­trag ein­las­sen, um ihn zu ent­kräften. Kommt der Ar­beit­ge­ber dem nicht nach, so gilt der schlüssi­ge Sach­vor­trag des Ar­beit­neh­mers gemäß § 138 Abs. 3 ZPO als zu­ge­stan­den (vgl. BAG, Ur­tei­le vom 28.06.2007 – 6 AZR 750/06 – Rz. 31, NZA 2007, 1049, 1052 und vom 23.04.2009 – 6 AZR 533/08 – Rz. 33, NZA 2009, 1260, 1263, je­weils m. w. N.).
b) Aus­ge­hend von den vor­ste­hen­den Grundsätzen er­weist sich die Kündi­gung vom 24.05.2013 nicht als treu­wid­rig.
(1) Die Kündi­gung der Kläge­rin er­scheint nicht als willkürlich. Die Be­klag­te hat ei­nen Sach­ver­halt vor­ge­tra­gen, nach dem ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung vor­liegt, die so­gar ge­eig­net wäre, ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG zu recht­fer­ti­gen.
(a) Drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se, die im Sin­ne von § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG ei­ne Kündi­gung be­din­gen, können sich dar­aus er­ge­ben, dass der Ar­beit­ge­ber sich zu ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­me ent­schließt, de­ren Um­set­zung das Bedürf­nis für die Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes oder meh­re­re Ar­beit­neh­mer ent­fal­len lässt. Ist die Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers und sein Kündi­gungs­ent­schluss prak­tisch de­ckungs­gleich, muss der Ar­beit­ge­ber sei­ne Ent­schei­dung hin¬sicht­lich ih­rer or­ga­ni­sa­to­ri­schen Durchführ­bar­keit und zeit­li­chen Nach­hal­tig­keit ver­deut­li­chen. Dar­an fehlt es, wenn die Ent­schei­dung in ih­rer Fol­ge zu ei­ner Über­for­de­rung oder Be­nach­tei­li­gung des im Be­trieb ver­blie­be­nen Per­so­nal führt oder sie le­dig­lich Vor­wand dafür ist, be­stimm­te Ar­beit­neh­mer aus dem Be­trieb zu drängen, ob­wohl Beschäfti­gungs­be­darf und Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten ob­jek­tiv fort­be­ste­hen (vgl. BAG, Ur­teil vom 20.12.2012 – 2 AZR 867/11 – Rz. 33/34, m. w. N., NZA 2013, 1003, 1006).
(b) Die Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten ha­ben sich un­strei­tig ent­schlos­sen, die in der Pra­xis an­fal­len­den La­bor­ar­bei­ten nur noch durch Frau ... er­le­di­gen zu las­sen. Die­se Ent­schei­dung er­scheint auch dann als or­ga­ni­sa­to­risch durchführ­bar, wenn man zu Guns­ten der Kläge­rin un­ter­stellt, dass sich der Um­fang der La­bor­ar­bei­ten in der Fol­ge der La­bor­re­form nicht ver­rin­gern wer­den, da nach dem Vor­brin­gen der Par­tei­en die La­bor­ar­bei­ten schon bis­her nicht den Um­fang hat­ten, um ei­ne Ar­beit­neh­me­rin voll aus­zu­las­ten. Un­strei­tig war die Ausführung der La­bor­ar­bei­ten bis zum Aus­spruch der Kündi­gung im We­sent­li­chen die Auf­ga­be der Kläge­rin, die da­ne­ben aber auch noch wei­te­re in der Pra­xis an­fal­len­de Ar­bei­ten aus­geführt hat. Frau ... war nach dem Vor­brin­gen der Kläge­rin im Jahr 2011 zu ih­rer Ver­tre­tung für
La­bor­ar­bei­ten an­ge­lernt wor­den. Ei­ne Ver­tre­tung im La­bor soll aber künf­tig nach der Pla­nung der Be­klag­ten nicht mehr er­fol­gen. Viel­mehr sol­len nach ih­rem Vor-brin­gen die La­bor­ar­bei­ten bei Ab­we­sen­heit von Frau ... lie­gen blei­ben bzw. fremd-ver­ge­ben wer­den. Dass dies nicht möglich ist, ist nicht er­sicht­lich und wird auch von der Kläge­rin nicht be­haup­tet. Ei­ne Über­las­tung der übri­gen Beschäftig­ten wird da­durch ver­mie­den, dass mit Frau ... zum 03.01.2014 ei­ne neue Mit­ar­bei­te­rin ein-ge­stellt wor­den ist.
Im Hin­blick auf Frau ... han­delt es sich ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin je­doch nicht um ei­ne bloße Aus­tauschkündi­gung. Zum ei­nen soll Frau ... un­strei­tig nicht im La­bor ein­ge­setzt wer­den. Zum an­de­ren be­sitzt Frau ... als aus­ge­bil­de­te Kran­ken­schwes­ter ei­ne größere fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on als die Kläge­rin für ei­ne Ar­beit am Pa­ti­en­ten. Selbst wenn man zu Guns­ten der Kläge­rin un­ter­stellt, dass sie in der Ver­gan­gen­heit al­le ihr über­tra­ge­nen Auf­ga­ben am Pa­ti­en­ten un­be­an­stan­det er­le­digt hat, ist es je­den­falls im Klein­be­trieb nicht zu be­an­stan­den, dass sich die Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten von Frau ... auf­grund ih­rer Aus­bil­dung ei­ne noch höher-wer­ti­ge Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten ver­spre­chen, als von der Kläge­rin schon bis­her ge­leis­tet. Zu­dem kann Frau ... auf­grund ih­rer Aus­bil­dung in größerem Maße in zulässi­ger Wei­se selbständig am Pa­ti­en­ten ar­bei­ten, als dies die Kläge­rin durf­te.
(2) Auch die Aus­wah­l­ent­schei­dung zu Las­ten der Kläge­rin ist un­ter Be­ach­tung der Grundsätze von Treu und Glau­ben nicht zu be­an­stan­den.
(a) Die Aus­wah­l­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers kann im Klein­be­trieb nur dar­auf über­prüft wer­den, ob sie un­ter Berück­sich­ti­gung des In­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers am Er­halt sei­nes Ar­beits­plat­zes und der schützens­wer­ten In­ter­es­sen des Klein­un­ter­neh­mers ge­gen Treu und Glau­ben verstößt. Ein sol­cher Treu­ver­s­toß bei der Kündi­gung des so­zi­al schutz­bedürf­ti­ge­ren Ar­beit­neh­mers ist um so eher an­zu­neh­men, je we­ni­ger bei der Aus­wah­l­ent­schei­dung ei­ge­ne In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben. Hat der Ar­beit­ge­ber kei­ne spe­zi­fi­schen ei­ge­nen In­ter­es­sen, ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer zu kündi­gen bzw. an­de­ren ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern nicht zu kündi­gen, und entlässt er gleich­wohl den Ar­beit­neh­mer mit
der bei wei­tem längs­ten Be­triebs­zu­gehörig­keit, dem höchs­ten Al­ter und den meis­ten Un­ter­halts­pflich­ten, so spricht al­les dafür, dass der Ar­beit­ge­ber bei sei­ner Ent­schei­dung das ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Min­dest­maß an so­zia­ler Rück­sicht­nah­me außer acht ge­las­sen hat. Be­ste­hen an­de­rer­seits der­ar­ti­ge be­trieb­li­che, persönli­che oder sons­ti­ge In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, so ist der durch § 242 BGB ver­mit­tel­te Grund­rechts­schutz des Ar­beit­neh­mers um so schwächer, je stärker die mit der Klein­be­triebs­klau­sel geschütz­ten Grund­rechts­po­si­tio­nen des Ar­beit­ge­bers im Ein­zel­fall be­trof­fen sind. Da es in der Sa­che al­lein um ei­nen Aus­schluss von Willkür und sach­frem­den Mo­ti­ven geht, ist ein nach § 242 BGB be­acht­li­cher Aus­wahl­feh­ler nur dann evi­dent, wenn die Nicht­ein­be­zie­hung ei­nes Ar­beit­neh­mers in den Aus­wahl­kreis willkürlich ist. Nur, wenn sich aus dem Vor­brin­gen des Ar­beit­neh­mers auf den ers­ten Blick er­gibt, dass der Ar­beit­ge­ber da­von aus­ge­hen muss­te, der gekündig­te und der oder die nicht gekündig­ten Ar­beit­neh­mer sei­en oh­ne wei­te­res aus­tausch­bar, kann es auf die Recht­fer­ti­gung der Aus­wah­l­ent­schei­dung nach so­zia­len Ge­sichts­punk­ten an­kom­men. Nur dann kann von ei­nem in­so­weit vor­lie­gen­den "evi­den­ten" Aus­wahl­feh­ler ge­spro­chen wer­den (vgl. BAG, Ur­teil vom 06.02.2003 – 2 AZR 672/01 – Rz. 20 und 23, m. w. N., NZA 2003, 717, 718 f.).
(b) Aus­ge­hend vom Vor­ste­hen­den liegt im vor­lie­gen­den Fall ein evi­den­ter Aus­wahl­feh­ler nicht vor.
Maßgeb­lich für die Be­ur­tei­lung der Rechts­wirk­sam­keit der Kündi­gung sind die Umstände im Zeit­punkt ih­res Zu­gangs. Hin­sicht­lich der zu die­sem Zeit­punkt beschäftig­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen war nicht auf den ers­ten Blick zu er­ken­nen, dass die­se durch die Kläge­rin hätten aus­ge­tauscht wer­den können.
Frau ..., Frau ... und Frau ... verfügen al­le über Qua­li­fi­ka­tio­nen, über die die Kläge­rin nicht verfügt, und die für den Be­trieb der Be­klag­ten er­for­der­lich sind. So­wohl Frau ... als auch Frau ... verfügen über ei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on als Rönt­ge­n­as­sis­ten­tin­nen. Frau ... ist zu­dem eben­so wie Frau ... on­ko­lo­gisch qua­li­fi­zier­te Schwes­ter. Bei­de Qua­li­fi­ka­tio­nen müssen auf­grund des im Be­trieb aus­geübten Rönt­gens bzw. auf­grund der Teil­nah­me der Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten an der On­ko­lo­gie-
Ver­ein­ba­rung von der Be­klag­ten vor­ge­hal­ten wer­den. Ein Er­werb die­ser Qua­li­fi­ka­tio­nen durch die Kläge­rin ist kurz­fris­tig nicht möglich. Bei der Qua­li­fi­ka­ti­on der Rönt­ge­n­as­sis­ten­tin han­delt es sich um ei­nen an­er­kann­ten Aus­bil­dungs­be­ruf. Für den Er­werb der Qua­li­fi­ka­ti­on als on­ko­lo­gisch qua­li­fi­zier­te Schwes­ter be­darf es je­den­falls der be­rufs­be­glei­ten­den Teil­nah­me an ei­nen 120-stündi­gen Fort­bil­dungs­cur­ri­cu­lum.
Die von der Kläge­rin vor al­lem als ver­gleich­bar an­ge­se­he­ne Frau ... war eben­falls nicht kurz­fris­tig durch die Kläge­rin er­setz­bar. Zum ei­nen hat­te sie seit 2010 di­ver­se Schu­lun­gen auf dem Ge­biet der On­ko­lo­gie be­sucht und nahm be­reits seit 2012 an dem Fort­bil­dungs­cur­ri­cu­lum für me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te und Arzt­hel­fe­rin­nen in der On­ko­lo­gie teil, wo­durch sie im Rah­men der On­ko­lo­gie-Ver­ein­ba­rung ein­ge­setzt wer­den konn­te. Zum an­de­ren ist sie die Hy­gie­ne­ver­ant­wort­li­che der Pra­xis und hat seit 2008 an di­ver­sen Schu­lun­gen auf die­sem Ge­biet teil­ge­nom­men. Da­mit konn­te die Kläge­rin die Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen von Frau ... kei­nes­falls in­ner­halb ei­nes Ta­ges er­wer­ben, wie sie meint.
Frau ... be­fand sich als Umschüle­rin in der Aus­bil­dung und war auf­grund des­sen nicht mit aus­ge­bil­de­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen ver­gleich­bar. Frau ... war im Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung noch nicht beschäftigt und des­halb nicht in die Aus­wah­l­ent­schei­dung mit ein­zu­be­zie­hen.
3. Die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 24.05.2013 ist ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin auch nicht we­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Al­ters rechts­un­wirk­sam.
a) Or­dent­li­che Kündi­gun­gen in Klein­be­trie­ben sind un­mit­tel­bar am Maßstab des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes zu mes­sen. Dies er­gibt sich aus der Ge­setz­ge­bungs­ge­schich­te und dem Zweck des § 2 Abs. 4 AGG. Der Wort­laut der Be­stim­mung steht dem nicht ent­ge­gen. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz re­gelt al­ler­dings nicht selbst, wel­che Rechts­fol­ge ei­ne nach § 2 Abs. 1 Nr. 2 AGG un­zulässi­ge Be­nach­tei­li­gung hat. Die­se Rechts­fol­ge er­gibt sich erst aus § 134 BGB (vgl. BAG, Ur­teil vom 19.12.2013 – 6 AZR 190/12 – Rz. 22, m. w. N., NZA 2014, 372, 374).
b) Der un­strei­ti­ge Wort­laut des Kündi­gungs­schrei­bens vom 24.05.2013 lässt ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin we­gen ih­res Al­ters und da­mit we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten.
(1) Die Kündi­gungs­erklärung als sol­che knüpft als ge­stal­ten­de Wil­lens­erklärung nicht an die Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­ma­le des § 1 AGG an. Erst die der Kündi­gungs­ent­schei­dung zu­grun­de lie­gen­den Über­le­gun­gen können An­halts­punk­te für ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen der Kündi­gungs­erklärung und ei­nem Merk­mal nach § 1 AGG sein. Die­ser Zu­sam­men­hang kann sich aus der Kündi­gungs­be­gründung oder an­de­ren Umständen er­ge­ben. Da­bei be­darf es al­ler­dings kei­ner sub­jek­ti­ven Kom­po­nen­te im Sin­ne ei­ner Be­nach­tei­li­gungs­ab­sicht. Es reicht aus, wenn ei­ne An­knüpfung der Kündi­gung an ein Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal zu­min­dest in Be­tracht kommt (vgl. BAG, Ur­teil vom 19.12.2013 – 6 AZR 190/12 – Rz. 44, m. w. N., NZA 2014, 372, 377). Der Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen be­nach­tei­li­gen­der Be­hand­lung und dem Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal ist be­reits dann ge­ge­ben, wenn die Be­nach­tei­li­gung an das Merk­mal an­knüpft oder durch die­ses mo­ti­viert ist. Da­bei ist es nicht er­for­der­lich, dass der be­tref­fen­de Grund das aus­sch­ließli­che Mo­tiv für das Han­deln ist. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass das Merk­mal Be­stand­teil ei­nes Mo­tivbündels ist, wel­ches die Ent­schei­dung be­ein­flusst hat. Das Merk­mal muss mit­hin nicht – ge­wis­ser­maßen als vor­herr­schen­der Be­weg­grund, Haupt­mo­tiv oder „Trieb­fe­der“ des Ver­hal­tens – hand­lungs­lei­tend oder be­wusst­seins­do­mi­nant ge­we­sen sein; ei­ne bloße Mit­ursächlich­keit genügt (vgl. BAG, Ur­teil vom 12.12.2013 – 8 AZR 838/12 – Rz. 22, m. w. N., zi­tiert nach Ju­ris).
Nach der ge­setz­li­chen Be­weis­re­ge­lung gemäß § 22 AGG genügt es, dass der An­spruch­stel­ler im Streit­fal­le In­di­zi­en be­weist, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen. So­dann trägt die an­de­re Par­tei die Be­weis­last dafür, dass kein Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen zum Schutz vor Be­nach­tei­li­gung vor­ge­le­gen hat (vgl. BAG, Ur­teil vom 22.10.2009 – 8 AZR 642/08 – Rz. 27, m. w. N., NZA 2010, 280, 282 f.). Der An­spruch­stel­ler genügt sei­ner Dar­le­gungs­last, wenn die vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen aus ob­jek­ti­ver Sicht mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit dar­auf schließen las­sen, dass die Be­nach­tei­li­gung we­gen
die­ses Merk­mals er­folgt ist. Es genügt, In­di­zi­en vor­zu­tra­gen, die zwar nicht zwin­gend den Schluss auf die Kau­sa­lität zu­las­sen, die aber die An­nah­me recht­fer­ti­gen, dass sie ge­ge­ben ist. Da­bei ist kein zu stren­ger Maßstab an die Ver­mu­tungs­wir­kung der Hilfs­tat­sa­chen an­zu­le­gen. Wer­den vom Ar­beit­neh­mer Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die je für sich ge­nom­men nicht zur Be­gründung der Kau­sa­lität aus­rei­chen, ist ei­ne Ge­samt­be­trach­tung vor­zu­neh­men. Zu prüfen ist, ob die Hilfs­tat­sa­chen, wer­den sie im Zu­sam­men­hang ge­se­hen, ge­eig­net sind, die Ver­mu­tungs­wir­kung zu be­gründen (vgl. BAG, Ur­teil vom 07.07.2011 – 2 AZR 396/10 – Rz. 34, m. w. N., NZA 2012, 34, 36).
(2) Aus­ge­hend vom Vor­ste­hen­den ist auf­grund des Wort­lauts des Kündi­gungs­schrei­bens vom 24.05.2013 zu ver­mu­ten, dass das Al­ter der Kläge­rin je­den­falls auch ein Mo­tiv für die Kündi­gung vom 24.05.2013 ge­we­sen ist.
Das Schrei­ben vom 24.05.2013 erwähnt das Al­ter der Kläge­rin zwar nicht aus­drück­lich. Durch den Hin­weis auf die „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ der Kläge­rin wird aber mit­tel­bar auch das Al­ter der Kläge­rin in Be­zug ge­nom­men, da die „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ (rich­tig wohl: der An­spruch der Kläge­rin auf Zah­lung ei­ner Ren­te we­gen Al­ters) vom Er­rei­chen ei­ner be­stimm­ten Al­ters­gren­ze abhängig ist.
Da Ge­richt hält es für un­wahr­schein­lich, dass die „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ und da-mit das Al­ter der Kläge­rin für die Kündi­gungs­ent­schei­dung kei­ne Rol­le ge­spielt hat, wie die Be­klag­te be­haup­tet. Rich­tig ist, dass im Kündi­gungs­schrei­ben durch die Ver­wen­dung des Wor­tes „des­halb“ im zwei­ten Ab­satz aus­drück­lich wohl nur ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen der Kündi­gung und der Um­struk­tu­rie­rung der Pra­xis auf­grund der Verände­run­gen im La­bor­be­reich her­ge­stellt wer­den soll. Gleich­wohl ver­mag das Ge­richt nicht zu er­ken­nen, dass der Hin­weis auf die „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ al­lein der Tat­sa­che ge­schul­det ge­we­sen sein soll, die be­trieb­lich not­wen­di­ge Kündi­gung freund­lich und ver­bind­lich zu for­mu­lie­ren. Es ist viel­mehr le­bens­nah, dass ein Ar­beit­ge­ber mit so­zia­ler Ver­ant­wor­tung in sei­ne Über­le­gun­gen zu ei­ner aus sei­ner Sicht be­trieb­lich not­wen­di­gen Kündi­gung mit ein­fließen lässt, wenn die Kündi­gung im Ver­gleich zu an­de­ren Ar­beit­neh­mern evtl. we­ni­ger hart trifft, weil er be­rech-
tigt ist, Al­ters­ren­te zu be­zie­hen. Hätte die Be­klag­te ent­spre­chen­de Über­le­gun­gen nicht auch an­ge­stellt, wäre es nicht zu ver­ste­hen, war­um sie die „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ im Kündi­gungs­schrei­ben über­haupt erwähnt hat. Um freund­lich und nett zu sein, hätte es näher ge­le­gen, die Leis­tun­gen und (et­wai­gen) Ver­diens­te der Kläge­rin mehr in den Vor­der­grund zu rücken, an­statt ih­re „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ zu nen­nen.
(3) Die Be­klag­te hat die Kläge­rin durch die Kündi­gung vom 24.05.2013 un­mit­tel­bar we­gen ih­res Al­ters be­nach­tei­ligt.
Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG liegt vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten verpönten Merk­mals ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­lei­det als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Es ist er­for­der­lich, dass die be­tref­fen­de Per­son ei­ner we­ni­ger güns­ti­gen Be­hand­lung aus­ge­setzt ist als ei­ne in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­find­li­che Per­son, bei der das Merk­mal nicht vor­liegt (vgl. BAG, Ur­teil vom 22.10.2009 – 8 AZR 642/08 – Rz. 23, m. w. N., NZA 2010, 280, 282).
Geht man auf­grund des Wort­lau­tes des Kündi­gungs­schrei­bens da­von aus, dass Mo­tiv für die Kündi­gung je­den­falls auch die „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ der Kläge­rin – und da­mit ihr Al­ter – ge­we­sen ist, so ist sie auf­grund die­ses Merk­mals un­mit­tel­bar schlech­ter be­han­delt wor­den, als die jünge­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen der Pra­xis, denn die Kläge­rin ist un­strei­tig als ein­zi­ge gekündigt wor­den. Zwar hat der Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten, Herr ..., in der münd­li­chen Be­ru­fungs­ver­hand­lung aus­drück­lich erklärt, die Kläge­rin wäre auch dann gekündigt wor­den, wenn sie nur 55 Jah­re alt ge­we­sen wäre. Es er­scheint dem Ge­richt je­doch auf­grund des im Kündi­gungs­schrei­ben be­ton­ten langjähri­gen ge­mein­sa­men We­ges als wahr­schein­li­cher, dass die Be­klag­te dann (zunächst noch) von der Um­set­zung ih­res un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zep­tes in der jet­zi­gen Form ab­ge­se­hen hätte. Die „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ der Kläge­rin er­scheint viel­mehr als will­kom­me­ner An­lass, das un­ter­neh­me­ri­sche Kon­zept so­fort „so­zi­al­verträglich“ um­zu­set­zen.
c) Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters ist je­doch im Fal­le der Kläge­rin gemäß § 10 AGG zulässig.
(1) Die Be­klag­te ver­folgt mit der Berück­sich­ti­gung des Le­bens­al­ters der Kläge­rin ein le­gi­ti­mes Ziel. Sie will an­de­re Ar­beit­neh­mer, ins­be­son­de­re Frau ..., vor der Kündi­gung schützen, weil die­se sie härter als die Kläge­rin trifft, da sie noch nicht „pen­si­ons­be­rech­tigt“ und da­mit un­ter Umständen über ei­nen länge­ren Zeit­raum ar­beits-los sind. Dies gilt ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die von der Kläge­rin in ers­ter Li­nie als ver­gleich­bar an­ge­se­he­nen Frau ..., die sich mit 53 Jah­ren in ei­nem Le­bens­al­ter be­fin­det, in dem es er­fah­rungs­gemäß schwie­rig ist, ei­ne neue Beschäfti­gung zu fin­den.
(2) Die Berück­sich­ti­gung der „Pen­si­ons­be­rech­ti­gung“ bzw. des Al­ters ist vor­lie­gend so­wohl abs­trakt als auch im kon­kre­ten Fall im Sin­ne von § 10 Sätze 1 und 2 AGG an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.
Der Ge­setz­ge­ber sel­ber hat in § 10 Satz 3 Nr. 5 und 6 AGG die Möglich­keit des Ren­ten­be­zu­ges als zulässi­ges Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um an­er­kannt. § 41 SGB VI steht ei­ner Berück­sich­ti­gung des Ren­ten­be­zu­ges im Hin­blick auf die vor­lie­gen­de Kündi­gung nicht ent­ge­gen. Der mögli­che Ren­ten­be­zug der Kläge­rin soll die Kündi­gung vom 24.05.2013 nicht im Sin­ne von § 1 Abs. 2 KSchG be­din­gen. Der mögli­che Ren­ten­be­zug ist ent­spre­chend den oben ste­hen­den Ausführun­gen le­dig­lich (auch) ein Mo­tiv für die Aus­wahl der Kläge­rin zur Kündi­gung. Be­dingt ist die Kündi­gung durch die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung zur Um­struk­tu­rie­rung der Pra­xis.
Auch im Hin­blick auf die So­zi­al­aus­wahl nach § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG wird an­er­kannt, dass der Ar­beit­ge­ber bei der Ge­wich­tung des Aus­wahl­ge­sichts­punkts „Le­bens­al­ter“ die „Ren­tennähe“ ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer zu de­ren Nach­teil berück­sich­tig­ten darf (vgl. v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne/Linck, KSchG, 15. Auf­la­ge, § 1 Rz. 976 und ErfK-Oet­ker, 14. Auf­la­ge, § 1 KSchG Rz. 332a). Selbst wenn mit dem Be­zug von vor­ge­zo­ge­nem Al­ters­ru­he­geld Ab­schläge ver­bun­den sind, kann die Berück­sich­ti­gung der Möglich­keit der In­an­spruch­nah­me im Ein­zel­fall als le­gi­tim und an­ge­mes-
sen er­schei­nen, wenn jünge­re Ar­beit­neh­mer oh­ne die Möglich­keit des Be­zugs von Al­ters­ren­te – wie hier Frau ... – ob­jek­tiv nur verhält­nismäßig ge­rin­ge Aus­sich­ten ha­ben, ei­ne neue Beschäfti­gung zu fin­den (vgl. LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 23.05.2005 – 5 Sa 198/05 – Rz. 31, NZA-RR 2005, 584, 585 und APS-Kiel, 4. Auf­la­ge, § 1 KSchG Rz. 721b). Gibt es die­se Möglich­keit aber be­reits im Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes, muss dies erst Recht gel­ten, wenn – wie hier – im Klein­be­trieb das Kündi­gungs­schutz­ge­setz kei­ne An­wen­dung fin­det.
Kon­kret be­zo­gen auf die Kläge­rin lie­gen kei­ne Umstände vor, die ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung ge­bie­ten. Die auf­grund der aus­geübten Tätig­keit annähernd ver­gleich­ba­re Frau ... hat mit 53 Jah­ren ob­jek­tiv kei­ne we­sent­lich bes­se­ren Chan­cen auf dem Ar­beits­markt als die Kläge­rin. Im Un­ter­schied zur Kläge­rin be­steht bei ihr je­doch die kon­kre­te Ge­fahr, dass sie bis zum Ein­tritt in die Ren­te noch vie­le Jah­re ar­beits­los und ggf. so­gar auf Leis­tun­gen nach dem SGB II an­ge­wie­sen sein wird.
Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag der Kläge­rin ist auf­grund ih­res Un­ter­lie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len. Man­gels ei­ner un­zulässi­gen Dis­kri­mi­nie­rung schei­det ein Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG aus.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. Die Kläge­rin hat die Kos­ten der von ihr oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Be­ru­fung zu tra­gen.
Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on für die Kläge­rin be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG. In­so­weit gilt die nach­fol­gen­de
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Kläge­rin/Be­ru­fungskläge­rin
schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.
schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form zu be­gründen.
Die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung der Re­vi­si­on müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net oder mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur nach dem Si­gna­tur­ge­setz ver­se­hen sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:
In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung un­ter­zeich­nen oder mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur nach dem Si­gna­tur­ge­setz ver­se­hen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.
Für die Be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te ist ge­gen die Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
zur Übersicht 3 Sa 695/13

References: § 15
 § 5
 § 25
 § 15
 § 15
 § 22
 § 64
 § 622
 § 23
 § 242
 Art. 12
 § 242
 § 138
 § 138
 § 1
 § 1
 § 242
 § 242
 § 2
 § 2
 § 134
 § 1
 § 1
 § 1
 § 22
 § 1
 § 3
 § 1
 § 10
 § 10
 § 10
 § 41
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 15
 § 97
 § 72