Source: https://www.hensche.de/AGB-Kontrolle_Weihnachtsgeld_AGB-Kontrolle_einer_Klausel_zur_Zahlung_von_Weihnachtsgeld_ausschliesslich_im_ungekuendigten_Arbeitsverhaeltnis_BAG_10AZR667-10-u.html
Timestamp: 2019-10-16 03:10:59+00:00

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BAG, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Schlagworte: Weihnachtsgeld, AGB-Kontrolle
Leitsätze: Dient eine Sonderzuwendung nicht der Vergütung geleisteter Arbeit und knüpft sie nur an den Bestand des Arbeitsverhältnisses an, stellt es keine unangemessene Benachteiligung gemäß § 307 BGB dar, wenn der ungekündigte Bestand des Arbeitsverhältnisses zum Auszahlungstag als Anspruchsvoraussetzung bestimmt wird.
hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. Ja­nu­ar 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Schmitz-Scho­le­mann und Mest­werdt so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Beck und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Mau­rer für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on des Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 16. Sep­tem­ber 2010 - 15 Sa 812/10 - auf­ge­ho­ben.
(6) Ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on ist gleich­zei­tig Treue­prämie. So­weit ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ge­zahlt wird, ist sie zurück­zu­zah­len, wenn der An­ge­stell­te auf­grund ei­ge­ner Kündi­gung oder auf­grund außer­or­dent­li­cher, ver­hal­tens­be­ding­ter oder per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gung des Pra­xis­in­ha­bers
vor dem 31. März des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res oder, so­fern die Gra­ti­fi­ka­ti­on ei­ne Mo­nats­vergütung er­reicht, bis zum 31. März des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res oder, so­fern die Gra­ti­fi­ka­ti­on ei­ne Mo­nats­vergütung über­steigt, vor dem 30. Ju­ni des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res aus-schei­det. Dies gilt nicht, wenn die Gra­ti­fi­ka­ti­on den Be­trag von DM 200,00 nicht über­steigt.
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an sie 1.900,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Zu­stel­lung der Kla­ge zu zah­len.
Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Mit der Be­gründung des Lan­des­ar­beits­ge­richts kann der Kla­ge nicht statt­ge­ge­ben wer­den. Der Se­nat kann man­gels aus­rei­chen­der Fest­stel­lun­gen nicht ent­schei­den, ob die Kläge­rin ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on für das Jahr 2009 hat. Die
Re­vi­si­on führt da­her zur Auf­he­bung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Be­ru­fungs­ge­richt (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
a) Son­der­zu­wen­dun­gen können vom Er­rei­chen persönli­cher Zie­le abhängen. Zweck ei­ner er­folgs­abhängi­gen Vergütung ist die Leis­tungs­stei­ge­rung des Ar­beit­neh­mers. Sie ist be­son­de­rer An­reiz für die Er­rei­chung ver­trag­lich fest­ge­leg­ter Leis­tungs­zie­le oder all­ge­mein An­reiz für die Er­zie­lung über­durch­schnitt­li­cher Ar­beits­er­geb­nis­se im Be­zugs­zeit­raum. Ei­ne er­folgs­abhängi­ge Vergütung wird als un­mit­tel­ba­re Ge­gen­leis­tung für die ent­spre­chend der Ziel­ver­ein­ba­rung er­brach­te Ar­beits­leis­tung ge­schul­det (BAG 5. Ju­li 2011 - 1 AZR 94/10 - Rn. 35; 12. April 2011 - 1 AZR 412/09 - Rn. 25, NZA 2011, 989; 12. De­zem­ber 2007 - 10 AZR 97/07 - Rn. 25, BA­GE 125, 147). Auch Son­der­zu­wen­dun­gen, die nur an den Un­ter­neh­mens­er­folg an­knüpfen, wer­den re­gelmäßig als zusätz­li­che Vergütung für ei­ne im Geschäfts­jahr er­brach­te Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers ge­zahlt (BAG 12. April 2011 - 1 AZR 412/09 - Rn. 25, aaO; 3. Mai 2006 - 10 AZR 310/05 - Rn. 46, EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 18); die syn­al­lag­ma­ti­sche Ver­bin­dung zwi­schen Ar­beits­leis­tung und Son­der­zu­wen­dung wird durch die Abhängig­keit von ei­nem Un­ter­neh­mens­er­geb­nis nicht in Fra­ge ge­stellt. Sch­ließlich können auch nicht er­folgs­abhängi­ge Son­der­zu­wen­dun­gen wie ein 13. Mo­nats­ge­halt im Be­zugs­zeit­raum er­brach­te Ar­beits­leis­tun-
gen zusätz­lich ho­no­rie­ren. Der An­spruch auf ei­ne sol­che Zu­wen­dung ent­steht während des Be­zug­zeit­raums ent­spre­chend der zurück­ge­leg­ten Dau­er und wird nur zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt ins­ge­samt fällig (vgl. BAG 28. März 2007 - 10 AZR 261/06 - Rn. 17, AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 265 = EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21).
a) Son­der­zu­wen­dun­gen können als Treue­prämie er­wie­se­ne oder als „Hal­te­prämie“ künf­ti­ge Be­triebs­treue ho­no­rie­ren (vgl. BAG 28. März 2007 - 10 AZR 261/06 - Rn. 18, AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 265 = EzA BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21); der Ar­beit­ge­ber kann aber auch den Zweck
ver­fol­gen, sich an den zum Weih­nachts­fest ty­pi­scher­wei­se erhöhten Auf­wen­dun­gen sei­ner Ar­beit­neh­mer zu be­tei­li­gen (vgl. BAG 5. Ju­li 2011 - 1 AZR 94/10 - Rn. 35). Ist die Ho­no­rie­rung künf­ti­ger Be­triebs­treue be­zweckt, wird dies re­gelmäßig da­durch si­cher­ge­stellt, dass die Son­der­zu­wen­dung nur bei Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses über ei­nen Stich­tag hin­aus bis zum En­de ei­nes dem Ar­beit­neh­mer noch zu­mut­ba­ren Bin­dungs­zeit­raums ge­zahlt wird oder der Ar­beit­neh­mer die­se zurück­zu­zah­len hat, wenn das Ar­beits­verhält­nis vor Ab­lauf zu­mut­ba­rer Bin­dungs­fris­ten en­det (vgl. BAG 21. Mai 2003 - 10 AZR 390/02 - zu II 2 b der Gründe, BA­GE 106, 159). Ist die Ho­no­rie­rung er­wie­se­ner Be­triebs­treue be­zweckt, wird dies re­gelmäßig da­durch si­cher­ge­stellt, dass die Zah­lung der Son­der­zu­wen­dung vom (un­gekündig­ten) Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses am Aus­zah­lungs­tag abhängig ge­macht wird. Die Zah­lung sol­cher Son­der­zu­wen­dun­gen hängt nicht von ei­ner be­stimm­ten Ar­beits­leis­tung, son­dern re­gelmäßig nur vom Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses ab.
3. Ob der Ar­beit­ge­ber er­brach­te Ar­beits­leis­tung zusätz­lich vergüten oder sons­ti­ge Zwe­cke ver­fol­gen will, ist durch Aus­le­gung der ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen zu er­mit­teln. Macht die Son­der­zu­wen­dung ei­nen we­sent­li­chen An­teil der Ge­samt­vergütung des Ar­beit­neh­mers aus, han­delt es sich re­gelmäßig um Ar­beits­ent­gelt, das als Ge­gen­leis­tung zur er­brach­ten Ar­beits­leis­tung ge­schul­det wird. Der Vergütungs­cha­rak­ter ist ein­deu­tig, wenn die Son­der­zah­lung an das Er­rei­chen quan­ti­ta­ti­ver oder qua­li­ta­ti­ver Zie­le ge­knüpft ist. Fehlt es hier­an und sind auch wei­te­re An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nicht ver­ein­bart, spricht dies eben­falls dafür, dass die Son­der­zah­lung als Ge­gen­leis­tung für die Ar­beits­leis­tung ge­schul­det wird (BAG 21. Mai 2003 - 10 AZR 408/02 - zu II 2 b bb der Gründe, EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 8). Will der Ar­beit­ge­ber an­de­re Zwe­cke ver­fol­gen, so muss sich dies deut­lich aus der zu­grun­de lie­gen­den Ver­ein­ba­rung er­ge­ben. Gra­ti­fi­ka­ti­ons­cha­rak­ter können nur die Son­der­zu­wen­dun­gen ha­ben, die sich im übli­chen Rah­men rei­ner Treue- und Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­tio­nen be­we­gen und kei­nen we­sent­li­chen An­teil an der Ge­samt­vergütung des Ar­beit­neh­mers aus­ma­chen.
1. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts lie­gen dem Ar­beits­ver­trag All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen nach § 305 ff. BGB zu­grun­de. Als sol­che sind sie nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei die Verständ­nismöglich­kei­ten des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. An­satz­punkt für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Von Be­deu­tung für das Aus­le­gungs­er­geb­nis sind fer­ner der von den Ver­trags­par­tei­en ver­folg­te Re­ge­lungs­zweck so­wie die der je­weils an­de­ren Sei­te er­kenn­ba­re In­ter­es­sen­la­ge der Be­tei­lig­ten (BAG 23. März 2011 - 10 AZR 831/09 - Rn. 14, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 88; 9. Ju­ni 2010 - 5 AZR 696/09 - Rn. 14, NZA 2011, 109). Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Ge-
schäfts­be­din­gun­gen kann durch das Re­vi­si­ons­ge­richt un­ein­ge­schränkt über­prüft wer­den (BAG 23. März 2011 - 10 AZR 831/09 - Rn. 14, aaO).
2. Nach § 5 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags erhält der An­ge­stell­te mit der Vergütung nach Abs. 1 je­weils für den Mo­nat No­vem­ber ei­ne „Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on“. Der Wort­laut legt na­he, dass da­mit ein Bei­trag des Ar­beit­ge­bers zu den erhöhten Weih­nachts­auf­wen­dun­gen zu­ge­sagt wer­den soll­te, ein­deu­tig ist dies für sich ge­nom­men je­doch nicht (vgl. BAG 21. Mai 2003 - 10 AZR 408/02 - EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 8: Weih­nachts­geld als rei­nes Ar­beits­ent­gelt; 10. De­zem­ber 2008 - 10 AZR 15/08 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 280: Weih­nachts­geld als Gra­ti­fi­ka­ti­on, die das Be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses zu Weih­nach­ten vor­aus­setzt; 30. März 1994 - 10 AZR 134/93 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 161 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 109). Die wei­te­ren Be­stim­mun­gen ver­deut­li­chen je­doch, dass die zu­ge­sag­te Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on kei­nen Vergütungs­cha­rak­ter hat. Nach § 5 Abs. 6 Satz 1 des Ar­beits­ver­trags soll ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on „gleich­zei­tig“ Treue­prämie sein und nach Satz 2 ist ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on bei ei­nem ar­beit­neh­mer­sei­tig oder in be­stimm­ten Fällen ar­beit­ge­ber­sei­tig ver­an­lass­ten Aus­schei­den im Rah­men zulässi­ger Bin­dungs­fris­ten wie­der zurück­zu­zah­len. Die­se Zah­lungs­be­din­gun­gen las­sen bei ei­nem verständi­gen Ver­trags­part­ner kei­nen Zwei­fel dar­an zu, dass mit der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ein Bei­trag zum Weih­nachts­fest ge­leis­tet und zusätz­lich Be­triebs­treue ho­no­riert wer­den soll. Bestätigt wird dies da­durch, dass die Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on kei­nen we­sent­li­chen An­teil an der Ge­samt­vergütung der Kläge­rin aus­macht, son­dern sich in der Größen­ord­nung ty­pi­scher Gra­ti­fi­ka­tio­nen oh­ne Vergütungs­cha­rak­ter be­wegt. Die­ser Aus­le­gung steht § 5 Abs. 4 des Ar­beits­ver­trags nicht ent­ge­gen, wo­nach im Ein­tritts­jahr die Gra­ti­fi­ka­ti­on ent­spre­chend der Dau­er der Beschäfti­gungs­zeit ge­zahlt wird. Ei­ne mit ei­ner be­stimm­ten Zweck­set­zung zu­ge­sag­te Gra­ti­fi­ka­ti­on wird nicht da­durch zu ei­nem im Sy­nal­lag­ma ste­hen­den Vergütungs­be­stand­teil, dass sie im Ein­tritts­jahr nur an­tei­lig ent­spre­chend der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­zahlt wird. Dar­aus folgt nur, dass sich die Höhe des Bei­trags zum Weih­nachts­fest im Ein­tritts­jahr an der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ori­en­tiert. We­sent­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zung für die Gra­ti­fi­ka­ti­on ist nach § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver-
trags al­lein der un­gekündig­te Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zum Aus­zah­lungs­tag.
ge­ber- und ar­beit­neh­mer­sei­ti­ger Kündi­gung dif­fe­ren­zie­ren­de Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on be­stimmt.
a) Da­nach sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner ent­ge­gen Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Ei­ne for­mu­larmäßige Ver­trags­be­stim­mung ist un­an­ge­mes­sen, wenn der Ver­wen­der durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich ei­ge­ne In­ter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, oh­ne von vorn­her­ein auch des­sen Be­lan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zu gewähren. Die Fest­stel­lung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung setzt ei­ne wech­sel­sei­ti­ge Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung recht­lich an­zu­er­ken­nen­der In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner vor­aus. Bei die­sem Vor­gang sind auch grund­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen zu be­ach­ten. Zur Be­ur­tei­lung der Un­an­ge­mes­sen­heit ist ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der, vom Ein­zel­fall los­gelöster Maßstab an­zu­le­gen. Im Rah­men der In­halts­kon­trol­le sind da­bei Art und Ge­gen­stand, be­son­de­rer Zweck und be­son­de­re Ei­gen­art des je­wei­li­gen Geschäfts zu berück­sich­ti­gen. Zu prüfen ist, ob der Klau­sel­in­halt bei der in Re­de ste­hen­den Art des Rechts­geschäfts ge­ne­rell un­ter Berück­sich­ti­gung der ty­pi­schen In­ter­es­sen der be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners er­gibt. Die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten sind gemäß § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen (BAG 14. Sep­tem­ber 2011 - 10 AZR 526/10 - Rn. 33, NZA 2012, 81; 25. Au­gust 2010 - 10 AZR 275/09 - Rn. 27, AP Ge­wO § 106 Nr. 11 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 49; 13. März 2007 - 9 AZR 433/06 - Rn. 39 f., AP BGB § 307 Nr. 26; 11. April 2006 - 9 AZR 557/05 - Rn. 33 f., BA­GE 118, 22). Nach § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB ist ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Zwei­fel an­zu­neh­men, wenn ei­ne Be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nicht zu ver­ein­ba­ren ist (BAG 18. Mai 2011 - 10 AZR 206/10 -
Rn. 32, AP BAT §§ 22, 23 Zu­la­gen Nr. 47; 25. Au­gust 2010 - 10 AZR 275/09 - Rn. 28, AP Ge­wO § 106 Nr. 11 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 49).
IV. Der Rechts­streit ist nicht ent­schei­dungs­reif. Zwar be­steht nach § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­trags ein An­spruch der Kläge­rin auf die Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on grundsätz­lich nicht, weil das Ar­beits­verhält­nis zum Aus­zah­lungs­tag
wirk­sam gekündigt war. Die Kläge­rin hat aber gel­tend ge­macht, ihr Ar­beits­verhält­nis sei nur des­halb gekündigt wor­den, weil sie sich ge­wei­gert ha­be, auf das Weih­nachts­geld zu ver­zich­ten. Die Kläge­rin hat da­mit ei­nen schlüssi­gen Vor­trag da­zu ge­hal­ten, dass der Be­klag­te sich nach § 162 Abs. 2 BGB nicht auf den An­spruchs­aus­schluss bei gekündig­tem Ar­beits­verhält­nis be­ru­fen kann. War die Kündi­gung Re­ak­ti­on auf die Wei­ge­rung der Kläge­rin, Ver­zicht zu leis­ten, so hat er den Be­din­gungs­ein­tritt treu­wid­rig her­bei­geführt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird die­sem Vor­trag nach­ge­hen müssen.
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References: § 307
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 305
 § 1
 § 5
 § 611
 § 611
 § 611
 § 611
 § 5
 § 5
 § 5
 § 310
 § 106
 § 307
 § 307
 § 307
 § 106
 § 307
 § 5
 § 162