Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Mitbestimmungsrecht_Ein-Euro-Jobber_Bundesarbeitsgericht_1ARB60-06.html
Timestamp: 2019-08-25 08:19:37+00:00

Document:
BAG: Mitbestimmung bei Beschäftigung von „Ein-Euro-Jobbern“ - HENSCHE Arbeitsrecht
ARBEITSRECHT AKTUELL // 07/69
Für die Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern braucht es kei­nen Ar­beits­ver­trag
31.10.2007. Wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen er­werbs­fä­hi­gen Hil­fe­be­dürf­ti­gen be­schäf­tigt, d.h. ei­nen sog. Ein-Eu­ro-Job­ber, wird mit die­ser Be­schäf­ti­gung kein Ar­beits­ver­hält­nis be­grün­det.
Denn das Ver­hält­nis zwi­schen ei­nem Ein-Eu­ro-Job­ber und der Be­schäf­ti­gungs­stel­le ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) "öf­fent­lich-recht­lich aus­ge­stal­tet".
Vor die­sem Hin­ter­grund fragt sich, ob die Ein­glie­de­rung von Ein-Eu­ro-Job­bern in den Be­trieb der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats ge­mäß § 99 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) un­ter­liegt. Die­se Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung ge­klärt: BAG, Be­schluss vom 02.10.2007, 1 ARB 60/06.
Was heißt "Ein­stel­lung" im Sin­ne von § 99 Abs.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG)?
Streit in kom­mu­na­ler Pfle­ge­ein­rich­tung über die Rech­te des Be­triebs­rats bei Ein-Eu­ro-Job­bern
BAG: Auch bei der Beschäfti­gung er­werbsfähi­ger Hil­fe­bedürf­ti­ger hat der Be­triebs­rat nach § 99 Be­trVG mit­zu­be­stim­men
Der Be­triebs­rat ei­ner kom­mu­na­len Pfle­ge­ein­rich­tung be­gehr­te von dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber bei der Ein­stel­lung von Hil­fe­bedürf­ti­gen be­tei­ligt zu wer­den. Der Ar­beit­ge­ber leis­tet Al­ten- und Be­hin­der­ten­hil­fe und beschäftig­te ca. 1.000 Mit­ar­bei­ter. Mit Be­scheid vom 21.02.2005 wur­den dem Ar­beit­ge­ber sei­tens der Agen­tur für Ar­beit 35 Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten mit Mehr­auf­wands­entschädi­gung im Sin­ne von § 16 Abs. 3 S. 2 SGB II mit ei­ner Förde­rungs­dau­er von bis zu neun Mo­na­ten be­wil­ligt.
Der Ar­beit­ge­ber ent­schied sich so­dann, den Be­triebs­rat über die Beschäfti­gung Hil­fe­bedürf­ti­ger zu in­for­mie­ren, sah je­doch von ei­ner Be­tei­li­gung gemäß § 99 Abs.1 S.1 Be­trVG ab.
Das BAG be­tont, dass Hil­fe­bedürf­ti­ge kei­ne Ar­beit­neh­mer sind. Sie sind al­ler­dings in den Be­trieb ein­ge­glie­dert und er­le­di­gen in dem Un­ter­neh­men ge­mein­sam mit dort an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mern wei­sungs­ge­bun­de­ne Tätig­kei­ten, die der Er­zie­lung des be­trieb­li­chen Zwecks die­nen. Die­se Ein­ge­bun­den­heit reicht nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beit­ge­richts aus, um ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­ra­tes zu be­gründen, da das Ver­fah­ren im Rah­men der Mit­be­stim­mung vor­ran­gig zu be­ach­ten sein soll.
Da auch die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen ei­ner mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen per­so­nel­len Maßnah­me gemäß § 99 Abs.1 Satz 2 Be­trVG erfüllt wa­ren, be­jah­te der 1. Se­nat ei­ne Mit­be­stim­mungs­pflicht und stell­te da­mit klar, dass das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­ra­tes un­abhängig da­von be­steht, ob das zu­grun­de lie­gen­de Rechts­verhält­nis als Ar­beits­verhält­nis und der zu Beschäfti­gen­de als Ar­beit­neh­mer zu qua­li­fi­zie­ren ist.

References: § 99
 § 99
 § 99
 § 16
 § 99
 § 99