Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/eugvvo-und-die-zustaendigkeit-fuer-vertragliche-schadensersatzansprueche-3103804
Timestamp: 2020-02-23 17:57:22+00:00

Document:
EuGV­VO – und die Zustän­dig­keit für ver­trag­li­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
EuGVVO - und die Zuständigkeit für vertragliche Schadensersatzansprüche
11. Januar 2016 Rechtslupe
EuGV­VO – und die Zustän­dig­keit für ver­trag­li­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che
Die Gerich­te des Orts, an dem die Pri­mär­ver­pflich­tung aus einem Ver­trags­ver­hält­nis im Sin­ne von Art. 5 Nr. 1 Buch­sta­be a EuGV­VO alt (= Art. 7 Nr. 1 Buch­sta­be a EuGV­VO neu) erfüllt wor­den ist oder zu erfül­len war, sind auch für die Ent­schei­dung über die aus der ver­letz­ten Pri­mär­ver­pflich­tung abge­lei­te­ten Sekun­där­an­sprü­che inter­na­tio­nal zustän­dig.
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bestimmt sich die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te noch nach den Bestim­mun­gen der bis­he­ri­gen Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 (EuGV­VO alt). Die­se Ver­ord­nung ist im Ver­hält­nis zum König­reich Däne­mark auf Grund von Art. 2 Abs. 1 des Abkom­mens zwi­schen der Euro­päi­schen Gemein­schaft und dem König­reich Däne­mark über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen vom 19.10.2005 1 anwend­bar. Das gilt nach Art. 3 Abs. 1 des Abkom­mens nicht für Ände­run­gen der genann­ten Ver­ord­nung wie die Ver­ord­nung (EU) Nr. 1215/​2012 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 12.12 2012 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen 2 (EuGV­VO neu). Sie wer­den nach Art. 3 Abs. 2 des Abkom­mens erst nach einer ent­spre­chen­den Ent­schei­dung Däne­marks anwend­bar. Eine sol­che Ent­schei­dung änder­te indes­sen nach Art. 61 EuGV­VO neu nichts an der Gel­tung der bis­he­ri­gen Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001, weil die­se auf vor dem Inkraft­tre­ten der Ver­ord­nung (EU) Nr. 1215/​2012 ein­ge­lei­te­te Gerichts­ver­fah­ren wie das vor­lie­gen­de wei­ter­hin anzu­wen­den ist.
Die deut­schen Gerich­te sind für den gel­tend gemach­ten Anspruch auf Scha­den­er­satz wegen Sach­män­geln aus dem Gerichts­stand des Erfül­lungs­orts nach Art. 5 Nr. 1 Buch­sta­be a EuGV­VO alt inter­na­tio­nal zustän­dig.
Die­se Vor­schrift begrün­det zwar nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on kei­nen ein­heit­li­chen Gerichts­stand für alle Ver­pflich­tun­gen aus einem Ver­trag etwa an dem Ort, an dem die ver­trags­cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung zu erbrin­gen wäre 3. In Abhän­gig­keit von den Orten, an denen sie zu erfül­len sind, kön­nen sich danach unter­schied­li­che Gerichts­stän­de für die ein­zel­nen Pri­mär­ver­pflich­tun­gen erge­ben. Das bedeu­tet aber nicht, dass auch für die Pri­mär­ver­pflich­tung und die aus ihrer Ver­let­zung abge­lei­te­ten Sekun­där­ver­pflich­tun­gen unter­schied­li­che Gerichts­stän­de bestün­den. Viel­mehr bestimmt sich der Gerichts­stand sol­cher Ansprü­che nicht danach, wo die­se selbst zu erfül­len wären, son­dern danach, wo der Pri­mär­an­spruch, an den sie anknüp­fen, zu erfül­len war oder erfüllt wur­de 4. Die­se Recht­spre­chung ist zwar zu dem Euro­päi­schen Gerichts­stands- und Voll­stre­ckungs-Über­ein­kom­men und dem Luga­ner Über­ein­kom­men über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Voll­stre­ckung gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen ergan­gen. Der Uni­ons­ge­richts­hof hat aber ent­schie­den, dass die hier noch anzu­wen­den­de bis­he­ri­ge Ver­ord­nung Nr. 44/​2001 genau­so aus­zu­le­gen ist, aus­ge­nom­men nur den hier nicht gege­be­nen Fall, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber bewusst von dem Über­ein­kom­men abge­wi­chen ist 5. Für den hier gel­tend gemach­ten Anspruch auf Scha­dens­er­satz wegen Sach­män­geln ist des­halb der Erfül­lungs­ort der Pri­mär­leis­tung des Ver­käu­fers – der Ver­pflich­tung zur Ver­schaf­fung von Eigen­tum und Besitz an dem ver­kauf­ten Grund­stück – maß­geb­lich. Die­ser bestimmt sich gemäß Art. 4 Abs. 1 Buch­sta­be c VO (EG) Nr. 593/​2008 6 (sog. ROM I – Ver­ord­nung) bei Grund­stücks­kauf­ver­trä­gen nach dem Bele­gen­heits­sta­tut, hier also nach deut­schem Recht. Danach liegt der Erfül­lungs­ort in Deutsch­land.
Das Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten in der Rechts­sa­che Besix/​WABAG 7 ergibt nichts ande­res. Danach ist zwar ein ein­heit­li­cher Erfül­lungs­ort zu bestim­men, wenn eine ver­trag­li­che Pri­mär­ver­pflich­tung an einer Viel­zahl von Orten zu erfül­len ist, näm­lich der­je­ni­ge, zu dem der Streit­ge­gen­stand die engs­te Ver­knüp­fung auf­weist 8. Um eine sol­che Fall­ge­stal­tung geht es hier aber nicht. Der Scha­dens­er­satz­an­spruch wird aus der Ver­let­zung der Pri­mär­ver­pflich­tung abge­lei­tet, das ver­kauf­te Grund­stück in ver­trags­ge­mä­ßem Zustand zu über­eig­nen und zu über­ge­ben. Die­se Ver­pflich­tung ist nur in Deutsch­land zu erfül­len.
Unbe­hel­flich ist auch die Beru­fung auf die Urtei­le des OLG Saar­brü­cken vom 16.02.2011 9 und des OLG Köln vom 16.12 2008 10. Bei­de fol­gen der dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs.
Auch für den wei­ter gel­tend gemach­ten, mate­ri­ell­recht­lich kon­kur­rie­ren­den Anspruch des Klä­gers aus der Ver­let­zung von vor­ver­trag­li­chen Auf­klä­rungs­pflich­ten ist ein Gerichts­stand in Deutsch­land gege­ben.
Es spricht viel dafür, dass der Gerichts­stand des Erfül­lungs­orts nach Art. 5 Nr. 1 EuGV­VO alt auch für sol­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gege­ben ist. Zwar kön­nen Ansprü­che auf Scha­dens­er­satz wegen der Ver­let­zung vor­ver­trag­li­cher Pflich­ten nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs 11 nicht in die­sem Gerichts­stand, son­dern nur im Gerichts­stand der uner­laub­ten Hand­lung nach Art. 5 Nr. 3 EuGV­VO alt ver­folgt wer­den, wenn es z. B. wegen Abbruchs der Ver­trags­ver­hand­lun­gen nicht zum Ver­trags­schluss kommt 12 oder eine ver­trags­frem­de Per­son, z.B. ein Ver­tre­ter ohne Ver­tre­tungs­macht, in Anspruch genom­men wer­den soll 13. Grund für die Zuord­nung sol­cher Ansprü­che zu dem Gerichts­stand der uner­laub­ten Hand­lung ist aber der Umstand, dass es in sol­chen Fäl­len an einer "frei­wil­lig ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung" fehlt 14. Es liegt daher nicht fern anzu­neh­men, dass der Gerichts­stand des Erfül­lungs­orts der Pri­mär­leis­tung maß­geb­lich ist, auf die sich die ver­letz­te vor­ver­trag­li­che Pflicht bezieht, wenn – wie hier – der Ver­trag tat­säch­lich zustan­de kommt und der Ver­trags­part­ner in Anspruch genom­men wird 15. Abschlie­ßend ent­schie­den wer­den muss die Fra­ge nicht, weil die deut­schen Gerich­te hier in einem wie im ande­ren Fall inter­na­tio­nal zustän­dig sind.
Kön­nen Ansprü­che wegen der Ver­let­zung vor­ver­trag­li­cher Auf­klä­rungs­pflich­ten im Gericht­stand des Erfül­lungs­orts gel­tend gemacht wer­den, käme es – eben­so wie bei Sekun­där­an­sprü­chen – nicht auf den Ort an, an dem der aus der Ver­let­zung fol­gen­de Anspruch zu erfül­len ist, son­dern auf den Ort, an dem die Pri­mär­pflicht aus dem zustan­de gekom­me­nen Ver­trag zu erfül­len ist, auf die sich die ver­letz­te Auf­klä­rungs­pflicht bezieht. Denn die Zustän­dig­keit ist inso­weit umfas­send 16. Das ist hier die in Deutsch­land zu erfül­len­de Eigen­tums­ver­schaf­fungs­pflicht. Müss­te der aus der ver­letz­ten Auf­klä­rungs­pflicht abge­lei­te­te Anspruch im Gerichts­stand der uner­laub­ten Hand­lung ver­folgt wer­den, käme es nach Art. 5 Nr. 3 EuGV­VO alt dar­auf an, wo das schä­di­gen­de Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht. Das sind nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs sowohl der Hand­lungs- als auch der Erfolgs­ort 17. Bei­de lie­gen hier in Deutsch­land. Auf­klä­rungs­pflich­ten sol­len im Inland ver­letzt wor­den sein. Auch der Scha­den ist im Inland ein­ge­tre­ten, da das Grund­stück hier liegt und der Klä­ger hier ansäs­sig ist.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Okto­ber 2015 – V ZR 120/​
EuGV­VO – und die Zustän­dig­keit für ver­trag­li­che… Die Gerich­te des Orts, an dem die Pri­mär­ver­pflich­tung aus einem Ver­trags­ver­hält­nis im Sin­ne von Art. 5 Nr. 1 Buch­sta­be a EuGV­VO alt (= Art. 7…
Der vom Gerichts­voll­zie­her ange­for­der­te Kos­ten­vor­schuss –… Gegen die Beschwer­de­ent­schei­dung des Land­ge­richts bezüg­lich der Anfor­de­rung eines Kos­ten­vor­schus­ses sei­tens des Ober­ge­richts­voll­zie­hers ist die Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof nicht statt­haft ((BGH, Beschluss vom 10.01.2018 -…
ABl. EU Nr. L 299 S. 62[↩]
ABl. EU Nr. L 351 S. 1, zuletzt geän­dert durch Ver­ord­nung (EU) Nr.2015/281 vom 26.11.2014, ABl. EU Nr. L 54 S. 1[↩]
EuGH, Urtei­le vom 15.01.1987 – C-266/​85 – Shenavai/​Kreischer, ECLI:EU:C:1987:11 Rn. 17 f.; und vom 05.10.1999 – C‑420/​97 – Lea­ther­tex, ECLI:EU:C:1999:483 Rn. 36[↩]
EuGH, Urtei­le vom 06.10.1976 – C-14/​76 – de Bloos, ECLI:EU:C:1976, 134 Rn. 15/​17; vom 15.01.1987 – C-266/​85 – Shenavai/​Kreischer, ECLI:EU:C:1987:11 Rn. 9; und vom 05.10.1999 – C‑420/​97 – Lea­ther­tex, ECLI:EU:C:1999:483 Rn. 31; BGH, Urtei­le vom 11.12 1996 – VIII ZR 154/​96, BGHZ 134, 201, 205; und vom 07.12 2000 – VII ZR 404/​99, WM 2001 904, 905; öst. OGH, Beschluss 27.01.1998 – 7 Ob 375/​97s; Czernich/​Kodek/​Mayr, Euro­päi­sches Gerichts­stands- und Voll­stre­ckungs­recht, Art. 7 EuGV­VO [neu] Rn. 30; Rauscher/​Leible, Euro­päi­sches Zivil­pro­zess­recht, 2. Aufl., Art. 5 EuGV­VO [alt] Rn. 37[↩]
EuGH, Urteil vom 23.04.2009 – C‑533/​07 – Fal­co, ECLI:EU:C:2009:257 Rn. 54 f.[↩]
vom 17.06.2008, ABl. EU Nr. L 177 S. 6[↩]
EuGH, Rs. 256/​00, ECLI:EU:C:2002, 99[↩]
EuGH aaO Rn. 32[↩]
OLG Saar­brü­cken, Urteil vom 16.02.2011 – 1 U 574/​09, IPRax 2013, 74 Rn. 72 f.[↩]
OLG Köln, Urteil vom 16.12 2008 – 9 U 47/​07[↩]
EuGH, Urteil vom 17.09.2001 – C‑334/​00 – Tac­co­ni, ECLI:EU:C:2002:499 Rn. 23, 27[↩]
Bei­spiel: öst. OGH, JBl 2007, 800, 803[↩]
Bei­spiel: öst. OGH, ZfRV 2007, 112[↩]
EuGH, Urteil vom 17.09.2001 – C‑334/​00 – Tac­co­ni, ECLI:EU:C:2002:499 Rn. 23[↩]
in die­sem Sin­ne etwa: EuGH, Urteil vom 14.05.2009 – C‑180/​06 – Ilsin­ger, ECLI:EU:C:2009:303 Rn. 57 aller­dings obiter zu einer Gewinn­zu­sa­ge; Czernich/​Kodek/​Mayr, Euro­päi­sches Gerichts­stands- und Voll­stre­ckungs­recht, Art. 7 EuGV­VO [neu] Rn. 24; Leible in Rau­scher, Euro­päi­sches Zivil­ver­fah­rens­recht, 2. Aufl., Art. 5 Brüs­sel – I Ver­ord­nung [EuGV­VO alt] Rn. 27 aE; Man­kow­ski in Magnus/​Mankowski, Brussels I Regu­la­ti­on, 2. Aufl., Art. 5 Rn. 55; Schlos­ser, EU-Zivil­pro­zess­recht, 3. Aufl., Art. 5 EuGV­VO [alt] Rn. 5; Jault-Sese­ke/Wel­ler in Simons/​Hausmann, Brüs­sel-I-Ver­ord­nung, dt. Aus­ga­be, Art. 5 Rn.19; in die­sem Punkt unklar: Gei­mer in Geimer/​Schütze, Euro­päi­sches Zivil­ver­fah­rens­recht, 3. Aufl., Art. 5 EuGV­VO [alt] Rn.205; Kropholler/​von Hein, Euro­päi­sches Zivil­pro­zess­recht, 9. Aufl., Art. 5 EuGV­VO alt Rn. 75[↩]
Czernich/​Kodek/​Mayr, Euro­päi­sches Gerichts­stands- und Voll­stre­ckungs­recht, Art. 7 EuGV­VO [neu] Rn. 30[↩]
EuGH, Urtei­le vom 16.05.2013 – C‑228/​11 – Mel­zer, ECLI:EU:C:2013:305 Rn. 25; und vom 03.10.2013 – C‑170/​12 – Pinck­ney, ECLI:EU:C:2013, 635 Rn. 26[↩]
EuGVVOGerichtliche Zuständigkeit
Fest­stel­lungs­an­trä­ge im arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren – und das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se

References: Art. 5
 Art. 7
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 61
 Art. 5
 Art. 4
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 7
 Art. 7
 Art. 5

EuGH 
 Art. 7
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 5
 Art. 7