Source: https://www.absichern-statt-abstuerzen.de/aktuelles/ansicht/detail/toedlicher_absturz_eines_auszubildenden/
Timestamp: 2019-11-21 21:10:51+00:00

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Mehr Sicherheit im Holzbau: Tödlicher Absturz eines Auszubildenden
Ein Zimmereibetrieb hatte den Auftrag, die Zimmerer- und Dacharbeiten an einer neuen Sporthalle auszuführen. Die Montage der Dachbinder (Brettschichtholz) erfolgte mittels Autokran und Hebebühnen. Nachdem die Dachbinder montiert waren, wurden vorgefertigte Holz-Sandwich-Tafeln (Schallschutzelemente) auf den Bindern verlegt. Darüber sollte später die Dachabdichtung aufgebracht werden. Zum Unfallzeitpunkt waren zwei Zimmerergesellen und ein Auszubildender vor Ort tätig.
Die Beschäftigten hatten bereits alle für diesen Arbeitstag geplanten Tafeln verlegt und waren noch mit den Vorbereitungen für den nächsten Tag beschäftigt. Zuletzt mussten noch die bereits auf der fertig verlegten Dachfläche gelagerten Materialstapel mit Folie abgedeckt werden. Damit die Folie nicht vom Wind weggeweht werden kann, sollten Latten und Bretter über die Folie geschraubt werden. Ein Beschäftigter – der später tödlich verletzte Auszubildende – wollte den Akkuschrauber holen und trat auf dem Weg zum Werkzeugkoffer auf eine mit Folie überspannte Lücke in der Dachfläche. Er stürzte ca. 13 Meter in die Tiefe und zog sich tödliche Verletzungen zu.
Ursächlich für den Unfall waren die fehlenden Absturzsicherungen bzw. Auffangeinrichtungen, welche laut Unfallverhütungsvorschrift BGV C 22 „Bauarbeiten“ § 12 (3) in diesem Fall zwingend erforderlich gewesen wären.
Hier heißt es: Einrichtungen, die ein Abstürzen von Personen verhindern (Absturzsicherungen), müssen vorhanden sein, wenn die Absturzhöhe an allen übrigen Arbeitsplätzen und Verkehrswegen mehr als zwei Meter beträgt. Auch unter Benutzung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (Anseilschutz) hätte hier nicht gearbeitet werden dürfen.
In der Durchführungsanweisung zu § 12 wird extra darauf hingewiesen, dass der Einsatz von kollektiven (technischen) Sicherungsmaßnahmen Vorrang vor der Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (Anseilschutz) hat.
Bei diesem Unfall kommt erschwerend noch hinzu, dass die Auffangnetze, welche nach Auskunft des ausschreibenden Architekten in der Ausschreibung enthalten waren, durch den ausführenden Zimmererbetrieb nicht eingesetzt wurden.
Im Bereich der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes sind hier die nicht erfolgte Gefährdungsbeurteilung, die fehlende Unterweisung, sowie der fehlende Aufsichtsführende an der Baustelle zu nennen. In der Unfallverhütungsvorschrift BGV A 1 „Grundsätze der Prävention“ § 3 und im Arbeitsschutzgesetz § 5, wird die Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Gefährdungsbeurteilung), deren Dokumentation und Überprüfung der festgelegten Maßnahmen als Unternehmerverpflichtung benannt.
Ebenfalls wird in der BGV A 1 § 4 in Verbindung mit § 12 des Arbeitsschutzgesetzes die regelmäßige Unterweisung der Beschäftigten gefordert. In der Unfallverhütungsvorschrift BGV C 22 „Bauarbeiten, § 4 wird der Unternehmer aufgefordert die Baustelle durch einen fachlich geeigneten Vorgesetzten leiten zu lassen und das die Baustelle von einer weisungsbefugten Person (Aufsichtsführende) beaufsichtigt wird.
Wäre der Unternehmer seinen Verpflichtungen nachgekommen, hätte dieser tödliche Unfall vermieden werden können.

References: § 12
 § 12
 § 3
 § 5
 § 4
 § 12
 § 4