Source: https://www.touring-artists.info/steuern/umsatzsteuer/geschaefte-nach-deutschland/kuenstlerische-leistungen/
Timestamp: 2020-04-07 17:23:59+00:00

Document:
Steuern » Umsatzsteuer » Geschäfte nach Deutschland » Künstlerische Leistungen
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf sonstige Leistungen (im Sinne des § 3 Abs. 9 UstG), wie Auftritte und Vorträge, von im Ausland ansässige Künstler*innen an in Deutschland ansässige Auftraggeber*innen.
Informationen zur Besteuerung von Lieferungen von Kunstwerken und von Vergütungen aus der Einräumung von Nutzungsrechten finden sich hier:
Lieferungen von Kunstwerken aus dem Ausland nach Deutschland
Einräumung von Nutzungsrechten von im Ausland ansässigen Künstler*innen an in Deutschland ansässige Lizenznehmer*innen
Gerade bei darbietenden Künstler*innen kann es sich um Arbeitsverhältnisse, also Festanstellungen, handeln. Die nachfolgenden Ausführungen gelten nur für Künstler*innen, die selbständig tätig sind bzw. in Deutschland selbstständig tätig werden.
Bei der Erbringung von Leistungen (wie Auftritte, Vorträge etc.) von im Ausland ansässigen Künstler*innen an in Deutschland ansässige Auftraggeber*innen macht es einen Unterschied, ob die Auftraggeber*innen unternehmerisch tätige Personen/Kulturinstitutionen/Vereine (B2B: Business to Business) oder Privatpersonen (B2C: Business to Consumer) sind.
Ob die im Ausland ansässigen Künstler*innen aus einem Mitgliedstaat oder aus einem Drittland (außerhalb der EU) kommen, spielt nach deutschem Recht weder bei der Bestimmung des Ortes (wo), noch bei der Frage, wer die Umsatzsteuer schuldet (wer) eine Rolle.
Verwenden in der EU ansässige Auftraggeber*innen gegenüber den Künstler*innen*innen keine USt-IdNr., so können die Künstler*innen grundsätzlich davon ausgehen, dass die Auftraggeber*innen Nichtunternehmer*innen sind, sofern ihnen keine anderen Informationen vorliegen (Abschnitt 3a.2. UStAE).
Künstlerische selbstständige Dienstleistungen werden grundsätzlich dort ausgeführt, wo der Empfänger der Leistung sein Unternehmen betreibt, hier also das in Deutschland ansässige Unternehmen (Empfängerprinzip § 3a Abs. 2 UStG).
Eine in Italien ansässige Tänzerin schließt mit einer in Deutschland ansässigen Kompanie einen Vertrag über einen Auftritt in Deutschland ab.
Der Vertrag kommt zwischen zwei Unternehmern (Künstlerin und Kompanie) (B2B) zustande. Es greift keine Ausnahme, sodass der Ort der Leistung sich nach dem Empfängerprinzip gemäß § 3a Abs. 2 UStG richtet. Ort der Leistung ist in Deutschland, da die Kompanie in Deutschland ansässig ist. Die deutsche Umsatzsteuer muss also an ein deutsches Finanzamt entrichtet werden.
Bei sonstigen Leistungen im B2B Bereich muss der Empfänger der Leistung, also der Auftraggeber (der Kunde), die Umsatzsteuer abführen (vgl. § 13 b Abs. 5, 1, 2 Nr. 1 UStG), sofern keine Ausnahme besteht. Dieses Verfahren nennt man die Umkehr der Steuerschuldnerschaft oder auch Reverse-Charge-Verfahren.
Ein Musiker aus Griechenland schließt einen Vertrag über einen Auftritt mit einem in Deutschland ansässigen Orchester ab.
Bei sonstigen Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers (Künstlers) an einen in Deutschland ansässigen Unternehmer (Orchester), ist der Empfänger der Leistung Schuldner der Umsatzsteuer und muss diese an das deutsche Finanzamt abführen muss (§ 13 b Abs. 5,1,2 UStG)
Auf der Rechnung wird keine Umsatzsteuer ausgewiesen. Der griechische Künstler sollte seine eigene USt-IdNr., die USt-IdNr. des Veranstalters sowie einen Hinweis zum Reverse-Charge-Verfahren vermerken. Der Empfänger der Leistung in Deutschland sollte sich demnach eine USt-IdNr. erteilen lassen, um diese dem Leistenden (dem Künstler) mitzuteilen (Abschnitt 3a.2. UStAE). Anderenfalls trägt der leistende Künstler das Risiko je nach Tätigkeit in Deutschland (Tätigkeitsortprinzip) bzw. im Ausland (Unternehmensprinzip) noch einmal für die Abführung der Umsatzsteuer belangt zu werden.
Die USt-IdNr. ist immer zum Zeitpunkt der Leistung auf Gültigkeit zu überprüfen.
Die Rechnung erfolgt ohne Umsatzsteuer, da vorliegend die Umkehr der Steuerschuldnerschaft (Reverse-Charge-Verfahren nach § 13 b Abs. 5 UStG) greift. Die Umsatzsteuer ist vom Leistungsempfänger anzumelden und abzuführen (Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers).
Es spielt dabei keine Rolle, ob der Empfänger der Leistung Kleinunternehmer nach § 19 UStG ist, vgl. § 19 Abs. 1 S. 3 UStG. Er muss demnach ungeachtet seiner Kleinunternehmerstellung die Umsatzsteuer für die Leistung des im Ausland ansässigen Künstlers in Deutschland abführen. Hierfür hat der Empfänger der Leistung eine USt-IdNr. beim Bundeszentralamt für Steuern zu beantragen. Durch die Beantragung der USt-IdNr. entfällt nicht automatisch der Kleinunternehmerstatus.
Ohne Belang ist zudem, ob der leistende Künstler in seinem Land Kleinunternehmer ist, da nur deutsches Umsatzsteuerrecht zur Anwendung kommt und danach die Kleinunternehmerregel nur auf im Inland ansässige Unternehmer anwendbar ist (vgl. § 19 Abs. 1 UStG)
Hinweis für von der Umsatzsteuer befreite Kulturinstitutionen und Künstler*innen (nach § 4 Nr. 20 a UStG):
Für die Steuerschuldnerschaft spielt es keine Rolle, ob der Empfänger der Leistung in Deutschland umsatzsteuerfreie Umsätze ausführt (z.B. nach § 4 Nr. 20 a UStG). Er muss demnach ungeachtet seiner Befreiung die Umsatzsteuer für die Leistung des im Ausland ansässigen Künstlers in Deutschland abführen. Hierfür hat der Empfänger der Leistung eine USt-IdNr. beim Bundeszentralamt für Steuern zu beantragen. Durch die Beantragung der USt-IdNr. entfällt nicht automatisch die für seine eigenen Einnahmen geltende Befreiung.
Der Empfänger der Leistung muss hingegen keine Umsatzsteuer für die Leistung des im Ausland ansässigen Künstlers abführen, wenn es sich bei diesen Leistungen um steuerfreie Umsätze nach deutschen Umsatzsteuerrecht handelt. Die Regelungen zu umsatzsteuerfreien Umsätzen sind auch für im Ausland ansässige Künstler anwendbar. In der Praxis spielen hier vor allem die steuerfreien Umsätze nach folgenden Regelungen eine Rolle:
§ 4 Nr. 20 a UstG: Schauspieler*innen, Theatergruppen, Tänzer*innen etc., sofern sie gleiche kulturelle Aufgaben wie Theater erfüllen;
§ 4 Nr. 20 b UStG: Veranstalter*innen
§ 4 Nr. 22 UstG: teilweise Workshops, die von gemeinnützigen Vereinen durchgeführt werden, sofern die Einnahmen überwiegend zur Deckung der Kosten verwendet werden oder bei kulturellen Veranstaltungen das Entgelt in Teilnahmegebühren besteht;
§ 4 Nr. 26 b UStG (sog. Ehrenamtspauschale): Entschädigung für ehrenamtliche Tätigkeiten.
Eine Gruppe aus Berlin führt steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 20 a UStG aus. Sie schließt einen Vertrag mit einer Tänzerin aus Schweden.
Die Gruppe aus Berlin muss die Umsatzsteuer für die Tänzerin aus Schweden abführen, sofern Die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa nicht nach § 4 Nr. 20 a UStG bescheinigt, dass die schwedische Tänzerin gleiche kulturelle Aufgaben wie ein Theater erfüllt und das Finanzamt von befreiten Umsätzen ausgeht. In der Praxis bietet es sich an, dass die Tänzerin der Gruppe eine Vollmacht erteilt und die Gruppe für die Tänzerin einen entsprechenden Antrag (s. „Hinweise zur Antragstellung“) bei der zuständigen Landesbehörde (häufig das lokale Kulturamt) stellt.
Auch Gruppen oder Theater, die umsatzsteuerpflichtig sind, können auch für im Ausland ansässige Künstler*innen einen solchen Antrag stellen.
Die Beantragung ist formfrei möglich. Es sollten jedoch folgende Informationen beigefügt werden:
die Namen und Adressen der betroffenen Künstler*innen bzw. der Gesellschaften sowie
der Auftrittsort und das Auftrittsdatum;
eine Kurzbiografie, Auflistung der künstlerischen Tätigkeit und Presseartikel über die betreffenden Künstler*innen.
Die Bescheinigung nach § 4 Nr. 20 a UStG ist bei der zuständigen Landesbehörde zu beantragen.
Die Bescheinigung kann rückwirkend für vier Jahre, also bis zur Feststellungsverjährung nach den Regeln der Abgabenordnung (AO) ausgestellt werden.
Gastieren ausländische Theater und Orchester oder auch Einzelkünstler*innen im Inland an verschiedenen Orten, genügt eine Bescheinigung der Landesbehörde, in deren Zuständigkeitsbereich das ausländische Theater/Orchester bzw. die*r Einzelkünstler*in erstmalig im Inland tätig wird, bspw. bei einer Tournee: wo der erste Auftritt stattfindet.
Auf der Rechnung wird keine Umsatzsteuer ausgewiesen. Die schwedische Tänzerin sollte ihre eigene USt-IdNr., die USt-IdNr. der Gruppe sowie einen Hinweis zum Reverse-Charge-Verfahren vermerken. Der Empfänger der Leistung in Deutschland sollte sich demnach eine USt-IdNr. erteilen lassen, um diese der leistenden Künstlerin mitzuteilen (Abschnitt 3a.2. UStAE). Anderenfalls trägt die Künstlerin das Risiko, in ihrem Land noch einmal für die Abführung der Umsatzsteuer belangt zu werden.
Die USt-IdNr. ist immer zum Zeitpunkt der Leistung auf Gültigkeit zu überprüfen. Ein Hinweis zur Befreiung nach § 4 Nr. 20 a UStG wird auf der Rechnung nicht angebracht.
Bei kulturellen, künstlerischen, wissenschaftlichen, unterrichtenden etc. Leistungen, die an eine Privatperson erbracht werden (B2C), bestimmt sich der Ort der Leistung nach dem Tätigkeitsortprinzip, also dem Ort, wo die Leistungen tatsächlich erbracht werden. Hier spricht man auch von sog. Selbstveranstalter*innen (§ 3a Abs. 3 Nr. 3a UStG).
Eine Gruppe aus Ungarn tritt in Deutschland auf und ist auch selbst Veranstalter (sie verkauft die Karten selbst etc.). Die Teilnehmer*innen der Veranstaltung sind Privatpersonen. Ort der Leistung bestimmt sich nach dem Tätigkeitsprinzip, also Deutschland (§ 3a Abs. 3 Nr. 3a UStG).
Ein Performer aus Italien tritt bei einem Kindergeburtstag (Privatperson) in Bremen auf. Ort der Leistung bestimmt sich nach dem Tätigkeitsortprinzip, Ort ist also Deutschland (§ 3a Abs. 3 Nr. 3a UStG).
Bei Geschäften mit Privatpersonen findet die Steuerumkehr nach § 13 b Abs. 5 UStG keine Anwendung. Hier gilt der Grundsatz, wonach derjenige, der die sonstige Leistung erbringt und die Rechnung schreibt (oder Eintrittskarten an Privatpersonen verkauft), die Umsatzsteuer schuldet (§ 13 a Abs. 1 Nr. 1 UStG).
Die Gruppe aus Ungarn sowie der Performer aus Italien müssen demnach die deutsche Umsatzsteuer in Deutschland abführen und sich dafür in Deutschland steuerlich registrieren.
Auf der Rechnung ist die deutsche Umsatzsteuer ausgewiesen, die wie oben erläutert, von den im Ausland ansässigen Künstler*innen in Deutschland abgeführt werden muss.

References: § 3
 § 3
 § 3
 § 13
 § 13
 § 19
 § 19
 § 19
 § 4
 § 4

§ 4

§ 4

§ 4

§ 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 13