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Timestamp: 2020-02-19 19:12:36+00:00

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BGH, 09.07.1987 - III ZR 274/85 - dejure.org
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BGH, 09.07.1987 - III ZR 274/85 (https://dejure.org/1987,1447)
BGH, Entscheidung vom 09.07.1987 - III ZR 274/85 (https://dejure.org/1987,1447)
BGH, Entscheidung vom 09. Juli 1987 - III ZR 274/85 (https://dejure.org/1987,1447)
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Wasserstraßen - Eigentum - Bundesrepublik
BGHZ 102, 1
NJW 1988, 1318 (Ls.)
MDR 1988, 296
Das Gewässereigentum war damit insoweit reichsrechtlich geregelt, entgegenstehendes Landesrecht wurde abgeändert und bestand nur in dieser Gestalt fort (vgl. Senatsurteile BGHZ 67, 152, 155 f. [BGH 28.05.1976 - III ZR 186/72] ; 93, 113 f. [BGH 06.12.1984 - III ZR 147/83] ; 102, 1, 2 f. m. w. Nachw.).
Für den Begriff der Seewasserstraßen enthält die Vorschrift in Absatz 2 eine gesetzliche Auslegung (vgl. Senatsurteil BGHZ 102, 1, 3 [BGH 09.07.1987 - III ZR 274/85] m. w. Nachw.): Seewasserstraßen sind danach - abgesehen von den in Satz 2 des Absatzes genannten Ausnahmetatbeständen - die Flächen zwischen der Küstenlinie bei mittlerem Hochwasser oder der seewärtigen Begrenzung der Binnenwasserstraßen und der seewärtigen Begrenzung des Küstenmeeres, d. h. grundsätzlich die gesamten Küstengewässer innerhalb der Dreimeilenzone (…vgl. dazu Friesecke, WaStrG 2. Aufl. § 1 Rn. 12 ff.).
Die Gegensätze zwischen dem Zentralstaat (früher Reich, jetzt Bund) und den Einzelstaaten (insbesondere den Küstenländern) sind, wie auch der vorliegende Rechtsstreit zeigt, bis heute nicht ausgeräumt, und zwar ungeachtet der inzwischen erfolgten gesetzlichen Auslegung des Begriffs Seewasserstraße im Sinne eines weiten Seewasserstraßenbegriffs (mit andererseits umfangreichen Nutzungsbefugnissen der Länder) durch § 1 WaStrG (vgl. insoweit Senatsurteil BGHZ 102, 1, 3) [BGH 09.07.1987 - III ZR 274/85] .
Der erkennende Senat hat noch nicht abschließend Stellung genommen (vgl. Senatsurteil BGHZ 102, 1, 3) [BGH 09.07.1987 - III ZR 274/85] .
Die Vorschrift enthält eine gesetzliche Auslegung des Begriffs Seewasserstraße (vgl. Senatsurteil BGHZ 102, 1, 3) [BGH 09.07.1987 - III ZR 274/85] .
den Übergang der Wasserstraßen von den Ländern auf das Reich vom 29. Juli 1921 (RGBI S. 961) - Staatsvertrag (StV) 1921 - in das Eigentum des Deutschen Reichs übergegangen und mit Inkrafttreten des Grundgesetzes am 24. Mai 1949 nach Art. 89 Abs. 1 GG und § 1 des Gesetzes über die vermögensrechtlichen Verhältnisse der Bundeswasserstraßen vom 21. Mai 1951 (BGBl 1, 352) - WaStrVermG - Eigentum der Beklagten geworden, wobei Eigentum im Sinne des bürgerlichen Rechts zu verstehen ist (vgl. Senatsurteil BGHZ 67, 152, 153 ff. [BGH 28.05.1976 - III ZR 186/72]; 93, 113 f. [BGH 06.12.1984 - III ZR 147/83]; 102, 1, 2 f. m. w. Nachw.).
§ 1 Abs. 3 WaStrG gewährt den Ländern bestimmte Befugnisse, das Eigentum des Bundes an den Seewasserstraßen und an den angrenzenden Mündungstrichtern der Binnenwasserstraßen unentgeltlich zu nutzen, wobei in bestimmten Fällen ein Eigentumserwerb des jeweiligen Landes vorgesehen ist (vgl. dazu Senatsurteile BGHZ 93, 113 [BGH 06.12.1984 - III ZR 147/83];… vom 22. Januar 1987 - III ZR 167/85 = BGHR GVG § 13 Bundeswasserstraße 1 und WaStrG § 1 Abs. 3 Satz 1 Rechtsweg 1 = LM WaStrG Nr. 8 = BGHWarn 1987 Nr. 25; BGHZ 102, 1, 5 [BGH 09.07.1987 - III ZR 274/85]/6 …und vom 3. März 1988 - III ZR 165/86 BGHR GVG § 13 Bundeswasserstraße 3 und WaStrG § 1 Abs. 3 Satz 1 Rechtsweg 3, § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Interessen, öffentliche 1, § 1 Abs. 3 Satz 2 Drittnutzer 1 und § 1 Abs. 3 Satz 3 Nutzungsbefugnis 1 = LM WaStrG Nr. 10 = BGHWarn 1988 Nr. 66).
Auf die Revision des Klägers hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 9. Juli 1987 (BGHZ 102, 1) das Berufungsurteil im Hinblick auf den Feststellungsantrag bestätigt, hinsichtlich des Zahlungsantrages aber den Rechtsweg zu den ordentlichen Gerichten für unzulässig erklärt und den Rechtsstreit auf einen entsprechenden Hilfsantrag des Klägers an das Bundesverwaltungsgericht als Gericht des ersten Rechtszuges verwiesen.
In beiden Fällen handelt es sich um Befugnisse öffentlich-rechtlicher Natur, die das Eigenttum des Bundes überlagern, so daß auch Zahlungsansprüche auf Herausgabe rechtsgrundlos erlangter Nutzungsentgelte als öffentlich-rechtlich zu qualifizieren sind (vgl. BGH, Urteil vom 9. Juli 1987, BGHZ 102, 1 ).
Grundsätzlich kann diese Bestimmung hier Anwendung finden, weil nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 9. Juli 1987 a.a.O. zwischen den Beteiligten feststeht, daß das Brodersbyer Noor Bestandteil der Seewasserstraße Schlei ist und im Eigentum der Beklagten steht.
Das Berufungsgericht hat ohne Rechtsirrtum der verfassungsrechtlichen Regelung (Art. 89 GG) den Vorrang gegenüber dem privatrechtlichen Gutglaubensschutz eingeräumt (vgl. auch Senatsurteil BGHZ 102, 1, 5 f [BGH 09.07.1987 - III ZR 274/85]ür die Buchersitzung).
Die Parteien streiten im Kern nicht um die Freiheit des (im übrigen unbestrittenen) Eigentums der Klägerin von öffentlich-rechtlichen Beschränkungen, d.h. darum, ob die Verfügungsmacht der Klägerin als Gewässereigentümerin durch eine Norm des öffentlichen Sachenrechts eingeschränkt wird (…vgl. insoweit Senatsurteile BGHZ 69, 284, 293 f., vom 22. Januar 1987 - III ZR 167/85 = BGHR GVG § 13 Bundeswasserstraße 1 = VkBl. 1987, 379 und vom 9. Juli 1987 - III ZR 274/85, zur Veröffentlichung in BGHZ 102, 1 [BGH 09.07.1987 - III ZR 274/85] vorgesehen).

References: § 1
 § 1
 Art. 89
 § 1

§ 1
 § 13
 § 1
 § 13
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 13