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Timestamp: 2016-10-25 21:04:16+00:00

Document:
5C.32/2004 (06.10.2004)
5C.32/2004
5C.33/2004 /bnm
vertreten durch Rechtsanw�ltin Dr. Helen Schmid,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Antoine F. Goetschel,
Testamentsanfechtung,
Berufungen gegen die Urteile des Kantonsgerichts des Kantons Schwyz, Zivilkammer, vom 21. Oktober 2003.
E.________ wurde am 18. Mai 1900 geboren. Sie war seit 1943 verwitwet und hatte nach dem Tod ihrer Schwester im Jahre 1978 keine n�heren Angeh�rigen mehr. Allein und zur�ckgezogen lebte sie in ihrem Einfamilienhaus in H.________, Gemeinde B.________. Sie besass ferner ein Mehrfamilienhaus in G.________, Wertschriften und Barverm�gen.
Am 10. Juli 1985 liess E.________ ihren letzten Willen �ffentlich beurkunden. Mit bestimmten Auflagen vermachte sie ihre Liegenschaft in G.________ dem C.________ und das Einfamilienhaus in H.________ der Gemeinde B.________. Sie richtete verschiedene Legate aus und setzte die Gemeinde B.________ als Erbin ein, falls sie �ber alles �brige Verm�gen nicht in einem sp�teren Zeitpunkt separat verf�gen sollte.
Im Haushalt wurde E.________ seit dem Tod ihrer Schwester von zwei Nachbarinnen unterst�tzt. Ihr Hausarzt war seit 1974 Dr. O.________, der sie zun�chst monatlich und sp�ter fast w�chentlich daheim besuchte. Zunehmende Vergesslichkeit, gelegentliche Phasen der Verwirrtheit und gewisse Verwahrlosungserscheinungen machten ab Juli 1988 eine intensivere Betreuung n�tig. Der Hausarzt ordnete eine regelm�ssige Pflege durch die Gemeindeschwester an und orientierte die Vormundschaftsbeh�rde. Von Seiten der Amtsvormundschaft half die dort als Sekret�rin angestellte A.________ bei der Betreuung von E.________ mit. Sie sorgte f�r die Anschaffung von Kleidern und Bettw�sche sowie f�r die regelm�ssige Verk�stigung, sie organisierte und �berwachte die Pflege- und Hausdienste und erteilte diesbez�glich Weisungen, sie brachte E.________ oft selbst das Essen und besuchte sie auch an Abenden und Wochenenden.
Am 28. September 1988 suchte E.________ in Begleitung von A.________, die den Termin in ihrem Auftrag vereinbart hatte, eine Urkundsperson auf und liess ihren letzten Willen �ffentlich beurkunden. Danach setzte sie A.________ als Alleinerbin ein und widerrief jede fr�here letztwillige Verf�gung.
E.________ starb am 4. Dezember 1990.
Auf Klagen der Gemeinde B.________ und des C.________ erkl�rte das Bezirksgericht I.________ die �ffentliche letztwillige Verf�gung vom 28. September 1988 f�r ung�ltig mit der (doppelten) Begr�ndung, dass die Erblasserin im Zeitpunkt der Testamentserrichtung urteilsunf�hig gewesen sei und dass der Inhalt des Testaments wegen Verletzung des Verbots der Geschenkannahme rechtswidrig sei (Urteile vom 3. Dezember 1999). Das Kantonsgericht Schwyz (Zivilkammer) wies die von A.________ dagegen eingelegten Berufungen ab. Gest�tzt auf ein neu eingeholtes Obergutachten teilte das Kantonsgericht die Auffassung, die Erblasserin habe die Verf�gung von Todes wegen zu einer Zeit errichtet, als sie nicht verf�gungsf�hig war. Die Frage, ob das Testament als rechtswidrig zu qualifizieren sei, liess das Kantonsgericht offen (Urteile vom 21. Oktober 2003).
Die Beklagte hat gegen die beiden Urteile des Kantonsgerichts je eidgen�ssische Berufung eingelegt. Sie beantragt dem Bundesgericht, es sei festzustellen, dass das von E.________ am 28. September 1988 errichtete Testament g�ltig sei. Das Kantonsgericht schliesst auf Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten sei. Es sind keine Berufungsantworten eingeholt worden.
Die von der Beklagten gleichzeitig gegen die n�mlichen Urteile des Kantonsgerichts erhobenen staatsrechtlichen Beschwerden hat die II. Zivilabteilung des Bundesgerichts mit Urteil vom heutigen Tag abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte (Verfahren 5P.39/2004 und 5P.40/2004).
Die beiden Berufungen betreffen den selben Sachverhalt und richten sich gegen zwei formell zwar getrennt ergangene, inhaltlich aber praktisch gleich lautende Urteile. Die beiden Rechtsschriften der Beklagten stimmen - von den Parteibezeichnungen und einzelnen Verschrieben abgesehen - w�rtlich �berein. Unter diesen Umst�nden rechtfertigt es sich, die beiden Berufungen 5C.32/2004 und 5C.33/2004 in einem Verfahren zu vereinigen und durch einen Entscheid zu erledigen (Art. 24 BZP i.V.m. Art. 40 OG).
Strittig ist, ob die Erblasserin zur Zeit der Errichtung der letztwilligen Verf�gung vom 28. September 1988 urteilsf�hig gewesen ist (Art. 467 i.V.m. Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Urteilsf�hig ist ein jeder, dem nicht wegen seines Kindesalters oder infolge von Geisteskrankheit, Geistesschw�che, Trunkenheit oder �hnlichen Zust�nden die F�higkeit mangelt, vernunftgem�ss zu handeln (Art. 16 ZGB).
Das Sachgericht stellt den geistigen Zustand einer Person im fraglichen Zeitraum sowie Art und Tragweite m�glicher st�render Einwirkungen fest. Diese tats�chlichen Feststellungen sind f�r das Bundesgericht im Berufungsverfahren - ausnahmsweise zul�ssige Sachverhaltsr�gen (E. 3 hiernach) vorbehalten - verbindlich (Art. 63 f. OG). Frei pr�ft das Bundesgericht hingegen, ob das kantonale Gericht zu Recht oder zu Unrecht vom festgestellten geistigen Gesundheitszustand bzw. von diesbez�glichen St�rungen auf die Urteilsf�higkeit geschlossen hat, soweit dies vom Begriff der Urteilsf�higkeit selbst abh�ngt bzw. von der allgemeinen Lebenserfahrung oder vom hohen Grad der Wahrscheinlichkeit, der f�r den Ausschluss dieser F�higkeit erforderlich ist (vgl. zur Abgrenzung von Tat- und Rechtsfragen: BGE 124 III 5 E. 4 S. 13).
Die Berufungen der Beklagten sind grunds�tzlich zul�ssig. Auf formelle Einzelfragen wird im Sachzusammenhang hinzuweisen sein.
Die Beklagte macht Verletzungen der bundesrechtlichen Beweisregeln geltend. Ihre Einw�nde betreffen die Beweislastverteilung, das Beweismass und den Beweisf�hrungsanspruch (S. 3 ff. Ziff. 2a und S. 6 ff. Ziff. 2b der Berufungsschrift).
3.1 Zur Beweislastverteilung ergeben sich aus BGE 124 III 5 Nr. 2 (E. 1b S. 8 f.) folgende Grunds�tze:
3.1.1 Wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, hat derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (Art. 8 ZGB). Das Gesetz bestimmt in Art. 16 ZGB, dass jeder urteilsf�hig ist, ausser es liege ein Schw�chezustand vor, der die F�higkeit beeintr�chtigt, vernunftgem�ss zu handeln. Die Urteilsf�higkeit wird somit vermutet. Wer sie bestreitet und Urteilsunf�higkeit behauptet, hat deren Vorhandensein zu beweisen. Art. 16 ZGB ist eine Beweislastregel.
Bei der Beurteilung der Testierf�higkeit einer Person ist an sich nicht der Beweis der Urteilsunf�higkeit im Allgemeinen, sondern im Zeitpunkt der Testamentserrichtung zu erbringen. Dieser Beweis ist dann einfach zu f�hren, wenn (z.B. bei einer Alzheimer-Krankheit im Endstadium) eine permanente Beeintr�chtigung der geistigen F�higkeiten vorliegt; ist dies aber nicht der Fall, d�rfte namentlich "post mortem" der Nachweis der Urteilsunf�higkeit in einem bestimmten Zeitpunkt oftmals kaum zu f�hren sein. Diesen Beweisschwierigkeiten begegnet die Praxis einerseits mit einer Herabsetzung des Beweismasses (E. 3.2 sogleich) und andererseits mit einer tats�chlichen Vermutung: Wenn die handelnde Person ihrer allgemeinen Verfassung nach im Normalfall und mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit als urteilsunf�hig gelten muss, ist der Beweispflicht Gen�ge getan und die Vermutung der Urteilsf�higkeit umgestossen.
Ist die Vermutung der Urteilsf�higkeit umgestossen, steht der Gegenpartei der Gegenbeweis offen, dass die betreffende Person trotz ihrer grunds�tzlichen Urteilsunf�higkeit gleichwohl im massgeblichen Zeitpunkt mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit urteilsf�hig war.
3.1.2 Das Kantonsgericht hat sich praktisch w�rtlich auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung gest�tzt (E. 4c S. 17 ff.) und dabei an der von der Beklagten mehrfach angef�hrten Stelle festgehalten, auf Grund des bisherigen Beweisverfahrens (E. 4d S. 19 f.) liessen sich von vornherein keine Schl�sse ziehen, ob die geistigen Funktionen im Sommer/Herbst 1988 permanent beeintr�chtigt gewesen seien, und es erscheine fraglich, ob die allgemeine Lebenserfahrung - wie in BGE 124 III 5 E. 1b S. 8 ausgef�hrt wird - bei der (altersschwachen) Erblasserin zur umgekehrten Vermutung f�hrt, dass diese ihrer allgemeinen Verfassung nach im Normalfall und mit Wahrscheinlichkeit als urteilsunf�hig gelten m�sse (E. 4d S. 20).
Die kantonsgerichtliche Erw�gung bezieht sich klar auf das Ergebnis des Beweisverfahrens vor dem Einholen des Obergutachtens. Entgegen der Behauptung der Beklagten hat es das Kantonsgericht aber nicht bei diesem offenen Beweisergebnis bewenden lassen. Es hat vielmehr ein Obergutachten eingeholt, dieses gew�rdigt und darauf sein Urteil gest�tzt.
3.1.3 Das Obergutachten sollte einerseits die Fragen beantworten, ob bei der Erblasserin im Zeitraum von Mitte Juli 1988 bis Ende September 1988 eine geistige oder emotionale St�rung festzustellen sei und - bejahendenfalls - ob und wie sich diese St�rung auf die Abfassung der �ffentlichen letztwilligen Verf�gung vom 28. September 1988 bzw. auf die Bildung eines klaren Willens im Hinblick auf die vorgenannte Verf�gung ausgewirkt habe. Andererseits sollte das Obergutachten die Frage beantworten, ob von einem luziden Intervall im Zeitpunkt der Instruktion und Beurkundung der �ffentlichen letztwilligen Verf�gung vom 28. September 1988 ausgegangen werden k�nne (vgl. E. 7e/bb S. 35 f. der kantonsgerichtlichen Urteile). Mit diesen Fragen an den Obergutachter hat das Kantonsgericht die Tatsachengrundlage kl�ren wollen, f�r die die Kl�ger hauptbeweisbelastet sind und die Beklagte gegenbeweisbelastet ist. Von einer falschen Beweislastverteilung oder gar einer bundesrechtswidrigen Umkehr der Beweislast kann deshalb keine Rede sein. Soweit das Kantonsgericht gest�tzt auf das Obergutachten zu einem positiven Beweisergebnis gelangt ist und gelangen durfte, hat es auch zutreffend angenommen, die Beweislastverteilung sei damit gegenstandslos geworden (BGE 128 III 271 E. 2b/aa S. 277; 119 II 114 E. 4c S. 117, je mit Hinweisen). Die gegenteiligen Vorbringen der Beklagten sind nicht stichhaltig.
3.2 Den erw�hnten Schwierigkeiten, die Urteilsunf�higkeit einer verstorbenen Person nachzuweisen, begegnet die Praxis zus�tzlich mit einer Herabsetzung des Beweismasses.
3.2.1 Nach der bisherigen Rechtsprechung gen�gt f�r den Beweis der Urteilsunf�higkeit einer verstorbenen Person eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, die jeden ernsthaften Zweifel ausschliesst, weil in diesem Fall die Natur der Sache einen absoluten Beweis unm�glich macht (BGE 74 II 202 E. 1 S. 205 und die seitherige Rechtsprechung; zuletzt: Urteil des Bundesgerichts 5C.52/2003 vom 11. M�rz 2004, E. 4.1.1). Das Kantonsgericht hat auf diese Praxis des Bundesgerichts hingewiesen (E. 4c S. 18) und ist davon ausgegangen, die Erblasserin m�sse als urteilsunf�hig bezeichnet werden und ein ernsthafter Zweifel daran erscheine ausgeschlossen (E. 7f S. 46).
3.2.2 In einem k�rzlich ver�ffentlichten Urteil hat sich das Bundesgericht eingehend mit der Frage auseinander gesetzt, welches Beweismass bei sog. Beweisnot gen�gt. Es ist zum Schluss gelangt, dass sich in den F�llen, wo ein strikter Beweis der Sache nach nicht m�glich ist, eine Herabsetzung des Regelbeweismasses auf die �berwiegende Wahrscheinlichkeit rechtfertige (BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 ff.). Die Bedingung ist beim Beweis der Urteilsunf�higkeit einer verstorbenen Person erf�llt, wie das bereits aus der bisherigen Rechtsprechung hervorgeht. Zu pr�zisieren ist lediglich die Bezeichnung des herabgesetzten Beweismasses: Sie lautet auf "�berwiegende Wahrscheinlichkeit" ("vraisemblance pr�pond�rante"; "verosimiglianza preponderante").
3.2.3 Entgegen der Annahme der Beklagten hat das Kantonsgericht auf das zutreffende, gegen�ber dem Regelbeweismass auf die �berwiegende Wahrscheinlichkeit herabgesetzte Beweismass abgestellt. Eine Beweismassverletzung liegt nicht vor.
Die Frage, ob der den bundesrechtlichen Anforderungen entsprechende Beweis von den Kl�gern als beweisbelastete Partei tats�chlich erbracht worden ist, kann im Verfahren der eidgen�ssischen Berufung nicht �berpr�ft werden. Nach st�ndiger Rechtsprechung handelt es sich dabei um eine Frage der gerichtlichen Beweisw�rdigung, die auf Bundesebene einzig mit der - von der Beklagten im �brigen auch erhobenen - staatsrechtlichen Beschwerde angefochten werden kann (BGE 130 III 321 E. 5 S. 327). Zur un�berpr�fbaren Beweisw�rdigung geh�rt insbesondere die Beurteilung, ob ein Gutachten als schl�ssig und beweiskr�ftig gelten kann (BGE 130 III 145 E. 3.2 S. 160). Auf die Vorbringen der Beklagten kann deshalb nicht eingetreten werden, die sie unter dem Titel "Verletzung des Regelbeweismasses" auff�hrt, die aber keine Verletzung der Beweisanforderungen belegen, sondern ausschliesslich gegen die Schl�ssigkeit des Obergutachtens gerichtet sind und auch w�rtlich mit den entsprechenden Ausf�hrungen in den staatsrechtlichen Beschwerden �bereinstimmen. Auf dort Gesagtes kann hier verwiesen werden (vgl. insbesondere E. 6 des Urteils).
Von der Frage, ob das vorgeschriebene Beweismass erf�llt ist, muss die daran anschliessende rechtliche Beurteilung unterschieden werden: Als Berufungsinstanz hat das Bundesgericht zu pr�fen, ob das kantonale Gericht den von ihm konkret festgestellten Tatbestand mit Recht oder zu Unrecht unter den Begriff der Urteilsf�higkeit subsumiert hat (E. 2 hiervor). Berufungsgrund ist die Frage der Anwendung von Bundesrecht (Art. 43 Abs. 2 OG).
3.3 Unter Hinweis auf ihre Beweisantr�ge macht die Beklagte schliesslich eine Verletzung ihres Beweisf�hrungsanspruchs geltend.
Die Rechtsprechung leitet aus Art. 8 ZGB ein Recht auf Beweis und auf Gegenbeweis ab. Die haupt- bzw. gegenbeweispflichtige Partei hat in allen Zivilstreitigkeiten einen bundesrechtlichen Anspruch darauf, f�r rechtserhebliche Sachvorbringen zum Beweis zugelassen zu werden, wenn ihr Beweisantrag nach Form und Inhalt den Vorschriften des kantonalen Rechts entspricht. Art. 8 ZGB schliesst dabei die vorweggenommene W�rdigung von Beweisen nicht aus. Es bleibt dem Sachgericht unbenommen, von beantragten Beweiserhebungen deshalb abzusehen, weil es sie von vornherein nicht f�r geeignet h�lt, die behaupteten Tatsachen zu beweisen, oder weil es seine �berzeugung bereits aus anderen Beweisen gewonnen hat und davon ausgeht, dass weitere Abkl�rungen am massgeblichen Beweisergebnis nichts mehr zu �ndern verm�chten (BGE 122 III 219 E. 3c S. 223/224; 129 III 18 E. 2.6 S. 24/25).
Wie im Urteil �ber die staatsrechtlichen Beschwerden dargelegt worden ist (E. 3 und 5 bis 7 dortselbst), beruht die Verweigerung der beantragten Zeugeneinvernahmen auf vorweggenommener Beweisw�rdigung, die unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht beanstandet werden kann. Der Beweisanspruch der Beklagten ist nicht verletzt. Ihre Berufungen m�ssen damit insgesamt abgewiesen werden, soweit sie sich gegen bundesrechtliche Beweisregeln richten.
In der Sache macht die Beklagte eine Verletzung der Bestimmungen �ber die Urteilsf�higkeit geltend (Art. 16 und Art. 467 i.V.m. Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB; vgl. S. 10 ff. Ziff. 2c/aa-dd der Berufungsschrift).
4.1 Das kantonsgerichtliche Ergebnis des Beweisverfahrens (E. 7e S. 33 ff.) l�sst sich wie folgt zusammenfassen: Die Erblasserin hat ab Mitte Juli 1988 bis Ende September 1988 (Beurteilungszeitraum) und damit auch am 28. September 1988 (Tag der Testamentserrichtung) an einem altersbedingten organischen Psychosyndrom (Demenz) gelitten mit der Wirkung, dass die Besinnungsf�higkeit bzw. die psychologische Urteilsf�higkeit deutlich eingeschr�nkt gewesen ist, d.h. dass die Erblasserin in der Erfassung der eigenen Lebenssituation und der �usseren Umst�nde sowie in der selbstst�ndigen Meisterung der Lebensvollz�ge schwer wiegend beeintr�chtigt gewesen ist. Die geistige St�rung muss dabei als erheblich schwer bezeichnet werden. Ein luzides Intervall f�r den Tag der Testamentserrichtung ist nicht erstellt.
4.2 Das Kantonsgericht hat aus dem Beweisergebnis geschlossen, dass im Zeitpunkt der �ffentlichen letztwilligen Verf�gung vom 28. September 1988 bei der Erblasserin wegen der diagnostizierten Demenz insbesondere die F�higkeit zur selbstkritischen Erfassung der Situation (unter anderem ihr Verh�ltnis zur Beklagten) und die F�higkeit, auf Grund der Situation richtige Entscheide zu treffen, derart beeintr�chtigt gewesen seien, dass die Erblasserin als urteilsunf�hig bezeichnet werden m�sse; ein ernsthafter Zweifel �ber ihre Urteilsunf�higkeit erscheine ausgeschlossen. Es sei davon auszugehen, dass ihr die F�higkeit abgegangen sei, den Sinn, die Zweckm�ssigkeit und die Wirkungen der Testamentserrichtung vom 28. September 1988 rechtsgen�glich zu erkennen (E. 7f S. 46).
4.3 Die kantonsgerichtliche Rechtsanwendung kann aus folgenden Gr�nden nicht beanstandet werden:
4.3.1 Der Begriff der Urteilsf�higkeit enth�lt zwei Elemente: einerseits eine intellektuelle Komponente, n�mlich die F�higkeit, Sinn, Zweckm�ssigkeit und Wirkungen einer bestimmten Handlung zu erkennen, und andererseits ein Willens- bzw. Charakterelement, n�mlich die F�higkeit, gem�ss der vern�nftigen Erkenntnis nach seinem freien Willen zu handeln und allf�lliger fremder Willensbeeinflussung in normaler Weise Widerstand zu leisten. F�r die Beurteilung der Urteilsf�higkeit ist im Einzelfall von den konkreten Umst�nden hinsichtlich einer bestimmten Handlung auszugehen. Das Vorliegen einer Geisteskrankheit hat nicht zwangsl�ufig Urteilsunf�higkeit zur Folge, sondern ist mit der konkret zu beurteilenden Handlung in Beziehung zu setzen (ausf�hrlich: BGE 124 III 5 E. 1a S. 7; zuletzt: BGE 127 I 6 E. 7b/aa Abs. 2 S. 19).
4.3.2 Kommt der Gutachter zum Schluss, auf Grund des festgestellten organischen Psychosyndroms seien die kognitiven und voluntativen F�higkeiten eingeschr�nkt, sch�tzungsweise in mittlerem Mass, kann zwar ein eigentlicher Grenzfall vorliegen, der mit R�cksicht auf die H�chstpers�nlichkeit der in Frage stehenden Handlung und in Anbetracht der auf dem Spiele stehenden Interessen zu Gunsten der Urteilsf�higkeit entschieden werden muss. Von einem Grenzfall kann hingegen nicht mehr ausgegangen werden, wenn das Beweisverfahren - wie hier durch das Obergutachten belegt - ein schweres demenzielles Syndrom ergibt und deshalb angenommen werden muss, die Erblasserin sei nicht mehr oder nur mehr deutlich beschr�nkt in der Lage, einen Willen zu bilden, die Tragweite und die Auswirkungen der letztwilligen Verf�gung zu erfassen und frei von Einfl�ssen interessierter Dritter zu handeln (vgl. dazu Binder, Die Urteilsf�higkeit in psychologischer, psychiatrischer und juristischer Sicht, Z�rich 1964, S. 45 ff., vorab S. 59 f. und S. 66 f.; Venzlaff/Foerster, Psychiatrische Begutachtung, 4.A. M�nchen 2004, S. 517, die bereits bei einem mittelschweren demenziellen Syndrom die Voraussetzungen f�r Testierunf�higkeit als erf�llt ansehen).
4.3.3 Die kantonalen Gerichte haben ein breites Beweisverfahren durchgef�hrt. Das Kantonsgericht hat ein Obergutachten eingeholt. Es haben ihm ferner ein Gerichtsgutachten aus erster Instanz, ein von der Beklagten eingereichtes Privatgutachten, die Krankengeschichte des Hausarztes sowie dessen Aussagen und die Aussagen verschiedener Zeugen vorgelegen. Die vom Kantonsgericht daraus gezogenen Schl�sse in tats�chlicher Hinsicht sind unmissverst�ndlich: Muss bei der Erblasserin von einer Demenz und dadurch bedingt von einer deutlichen und schwer wiegenden Beeintr�chtigung der kognitiven und voluntativen F�higkeiten im kritischen Zeitraum ausgegangen werden, kann auf eine im Normalfall stark eingeschr�nkte Urteilsf�higkeit oder - anders gesagt - auf eine in Anbetracht der allgemeinen Gesundheitssituation grunds�tzliche Urteilsunf�higkeit geschlossen werden. Eine Verletzung von Bundesrecht ist nicht ersichtlich.
4.4 Was die Beklagte im Einzelnen dagegen einwendet, vermag an der Beurteilung nichts Entscheidendes zu �ndern:
4.4.1 Das Kantonsgericht hat weder den weitergehenden medizinischen mit dem juristischen Begriff der Geisteskrankheit verwechselt, noch die Urteilsf�higkeit abstrakt statt bezogen auf die konkrete Handlung beurteilt (E. 4.3.1 soeben). Es hat auch kein eigentlicher Grenzfall der Urteilsf�higkeit vorgelegen (E. 4.3.2 soeben), so dass die Frage der Grundrechtsqualit�t der Testierfreiheit unbeantwortet bleiben durfte.
4.4.2 Die Beklagte bringt s�mtliche bereits in den staatsrechtlichen Beschwerden aufgef�hrten Indizien und Beweismittel nochmals vor, die ihrer Ansicht nach gegen die Annahme einer grunds�tzlichen Urteilsunf�higkeit der Erblasserin sprechen. Sie beruft sich auf die allgemeine Lebenserfahrung, die hier gepr�ft werden kann (E. 2 Abs. 2 hiervor), die aber von der Lebenserfahrung zu unterscheiden ist, die im Bereich der hier un�berpr�fbaren Beweisw�rdigung eine Rolle gespielt hat (vgl. BGE 118 II 365 E. 1 S. 366/367). Nur wo sich das kantonale Gericht auf Erfahrungss�tze st�tzt, die �ber den konkreten Sachverhalt hinaus Bedeutung haben und damit gleichsam die Funktion von Normen �bernehmen, �berpr�ft das Bundesgericht solche auf der gerichtlichen Lebenserfahrung beruhenden Schl�sse im Berufungsverfahren frei. Diese Regelfunktion kommt einem Erfahrungssatz nun aber bloss zu, wenn das in ihm enthaltene hypothetische Urteil, das aus den in anderen F�llen gemachten Erfahrungen gewonnen wird, in gleich gelagerten F�llen allgemeine Geltung f�r die Zukunft beansprucht (vgl. die Zusammenfassung in BGE 117 II 256 E. 2b S. 258; seither: BGE 126 III 10 E. 2b S. 12/13). Diese Voraussetzung trifft auf die kantonsgerichtlichen Schl�sse aus den Gutachten, aus der Krankengeschichte, aus den Zeugenaussagen und aus den weiteren Indizien nicht zu; sie bleiben im konkreten Einzelfall verhaftet und beruhen nicht auf Erfahrungss�tzen von allgemeiner Tragweite (ausf�hrlich: Hohl, Proc�dure civile, t. I: Introduction et th�orie g�n�rale, Bern 2001, N. 1129 f. S. 217, und t. II: Organisation judiciaire, comp�tence, proc�dures et voies de recours, Bern 2002, N. 3227 f. S. 297).
Auf allgemeiner Lebenserfahrung beruht, dass Gutachten, die ohne Angabe sachlicher Gr�nde von anderen Gutachten abweichen, nicht schl�ssig sein d�rften, dass der Aussage des Arztes, der die Erblasserin �ber Jahre hinweg behandelt hat, in der Regel ein grosser Beweiswert zukommt, dass die Vern�nftigkeit oder Unvern�nftigkeit einer Handlung ein Indiz f�r das Gen�gen oder Ungen�gen der zur Zeit dieser Handlung bestehenden Urteilsf�higkeit sein kann und dass Aussagen von Laien �ber Erkrankungen des Geistes nicht immer zuverl�ssig sind. Auf nicht �berpr�fbarer Beweisw�rdigung im konkreten Fall beruht hingegen, dass der Obergutachter von anderen Gutachten nicht abgewichen ist oder daf�r sachliche Gr�nde angegeben hat, weshalb die Schl�ssigkeit seines Befunds bejaht werden durfte (E. 6.2 und .3), dass in den Darlegungen des Hausarztes gewisse Widerspr�chlichkeiten nicht ausgeschlossen werden konnten, weshalb die Meinung des gerichtlichen Gutachters gegen�ber derjenigen des behandelnden Arztes als objektiver betrachtet und vorgezogen werden durfte (E. 6.4), und dass das weitere Beweisverfahren f�r die Urteilsf�higkeit "positive" wie auch "negative" Anhaltspunkte ergeben hat, weshalb das Indiz der Vern�nftigkeit der letztwilligen Verf�gung und die Aussagen der Zeugen als nicht beweiskr�ftig angesehen werden durften (E. 7.3 und .4 des Urteils �ber die staatsrechtlichen Beschwerden).
Auf ihre Berufungen kann nach dem Gesagten insoweit nicht eingetreten werden, als die Beklagte damit die gleichen Einw�nde vorbringt, die sie bereits in ihren staatsrechtlichen Beschwerden erhoben hat. Hier - wie dort (E. 7.5) - ist der Beklagten einzur�umen, dass es auch Anhaltspunkte gibt, die gegen die Annahme einer grunds�tzlichen Urteilsunf�higkeit sprechen. Das Vorhandensein derartiger Anhaltspunkte l�sst die Beurteilung des Kantonsgerichts gest�tzt auf das aus dem Beweisverfahren gewonnene Beweisergebnis indessen nicht als bundesrechtswidrig erscheinen (E. 4.1-.3 soeben).
4.4.3 Die Beklagte macht auch im vorliegenden Zusammenhang geltend, das Kantonsgericht gehe von einem offenen Beweisergebnis aus (unter Verweis auf S. 20) und von einem Normalzustand der Urteilsunf�higkeit d�rfe nicht auf die Urteilsunf�higkeit am Tag der Testamentserrichtung geschlossen werden. Auf bereits Gesagtes kann verwiesen werden (E. 3.1.2 hiervor). Dass sie den Gegenbeweis eines luziden Intervalls am Tag der Testamentserrichtung geleistet habe, behauptet die Beklagte selber nicht.
4.5 Aus den dargelegten Gr�nden hat das Kantonsgericht kein Bundesrecht verletzt, indem es davon ausgegangen ist, die letztwillige Verf�gung vom 28. September 1988 habe wegen Urteilsunf�higkeit der Erblasserin als ung�ltig zu gelten.
Die Beklagte beruft sich auf Art. 469 Abs. 2 ZGB und behauptet, eine allf�llige Ung�ltigkeit der letztwilligen Verf�gung sei nachtr�glich geheilt worden. Die Erblasserin, die die Testierf�higkeit vor ihrem Tod am 4. Dezember 1990 mit Sicherheit wiedererlangt habe, h�tte das Testament vom 28. September 1988 aufgehoben, wenn dieses nicht ihrem Willen entsprochen haben sollte. Da sie das aber nicht innert Jahresfrist getan habe, sei ein allf�lliger Mangel geheilt worden und sie - die Beklagte - selber rechtsg�ltig als Alleinerbin anzuerkennen (S. 15 f. Ziff. 2c/ee der Berufungsschrift).
5.1 Gegen�ber den kantonsgerichtlich beurteilten Tat- und Rechtsfragen ist der Einwand neu. Nach Art. 55 Abs. 1 lit. c OG sind das Vorbringen neuer Tatsachen, neue Einreden, Bestreitungen und Beweismittel unzul�ssig (Satz 3). Dieses Novenverbot schliesst indessen eine neue rechtliche Argumentation nicht aus, sofern sie auf Grund der verbindlichen Tatsachenfeststellungen beurteilt werden kann (BGE 130 III 28 E. 4.4 S. 34) und nicht auf einer unzul�ssigen Ausweitung des vorinstanzlich festgestellten Sachverhalts beruht (BGE 116 II 695 E. 4 S. 699). Ob es sich bei der Anrufung von Art. 469 Abs. 2 ZGB um eine unzul�ssige neue Einrede im technischen Sinn oder um eine im gezeigten Rahmen zul�ssige neue rechtliche Argumentation handelt, kann dahingestellt bleiben.
5.2 Gem�ss Art. 469 ZGB sind Verf�gungen, die der Erblasser unter dem Einfluss von Irrtum, arglistiger T�uschung, Drohung oder Zwang errichtet hat, ung�ltig (Abs. 1). Sie erlangen jedoch G�ltigkeit, wenn sie der Erblasser nicht binnen Jahresfrist aufhebt, nachdem er von dem Irrtum oder von der T�uschung Kenntnis erhalten hat oder der Einfluss von Zwang oder Drohung weggefallen ist (Abs. 2).
Die Bestimmung regelt die Heilung von Verf�gungsm�ngeln zu Lebzeiten des Erblassers. Vorausgesetzt ist, dass der Erblasser binnen Jahresfrist ab Kenntnis (bei Irrtum oder T�uschung) bzw. ab Wegfall (bei Zwang oder Drohung) des Mangels die ung�ltige letztwillige Verf�gung nicht aufhebt. Ob diese Heilungsm�glichkeit auch f�r den Mangel der Urteilsunf�higkeit gilt, ist in der Lehre umstritten. Die Frage wird von den Z�rcher und Berner Kommentatoren des Erbrechts verneint (Weimar, Berner Kommentar, 2000, N. 26 zu Art. 467 ZGB, mit Hinweisen). Andere Autoren lassen eine Heilung der Ung�ltigkeit in Analogie zu Art. 469 Abs. 2 ZGB zu f�r den Fall, dass der Erblasser die Testierf�higkeit vor dem Erbfall (wieder)erlangt, die Verf�gung aber nicht binnen Jahresfrist aufgehoben hat. Sie verlangen freilich, dass der Erblasser die Aufhebung der letztwilligen Verf�gung im Bewusstsein des Mangels unterlassen hat; war sich der Erblasser hingegen des Mangels gar nicht bewusst, kann dieser nach dem Tode durch Ung�ltigkeitsklage geltend gemacht werden (Breitschmid, Basler Kommentar, 2003, N. 21 zu Art. 467/468 ZGB; so wohl auch Piotet, Erbrecht, SPR IV/1, Basel 1978, � 34/II S. 215 und � 45/IV S. 285).
5.3 Das Bundesgericht kann die Streitfrage f�r heute offen lassen. Im kantonsgerichtlichen Urteil fehlt die Tatsachengrundlage sowohl f�r die Beurteilung, ob die Erblasserin vor ihrem Tod die Urteilsf�higkeit in irgendeinem Zeitpunkt wiedererlangt hat, als auch f�r den Entscheid dar�ber, ob die Erblasserin sich �berhaupt jemals bewusst gewesen ist, dass sie im Zustande der Urteilsunf�higkeit und damit mangelhaft testiert hat. Was die Beklagte in tats�chlicher Hinsicht dazu vortragen l�sst, ist rein spekulativ. Der verbindlich festgestellte Sachverhalt gen�gt nicht, um den neu erhobenen Einwand der Beklagten zu kl�ren. Unter diesen Umst�nden kann sie damit nicht geh�rt werden. Die Berufung bleibt auch insoweit ohne Erfolg.
Aus den dargelegten Gr�nden muss die Berufung abgewiesen werden, soweit darauf einzutreten ist. Insgesamt kann nicht beanstandet werden, dass das Kantonsgericht die letztwillige Verf�gung vom 28. September 1988 f�r ung�ltig erkl�rt hat.
Bei diesem Verfahrensausgang wird die Beklagte kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG).
Die Verfahren 5C.32/2004 und 5C.33/2004 werden vereinigt.
Die Gerichtskosten f�r beide Verfahren von insgesamt Fr. 6'000.-- werden der Beklagten auferlegt.

References: Art. 40
 Art. 519
 BGE 
 BGE 
 Art. 16
 Art. 16
 BGE 
 Art. 8
 Art. 8
 Art. 467
 Art. 519
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 469
 Art. 55
 Art. 469
 Art. 469
 Art. 467
 Art. 469
 Art. 467