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Timestamp: 2018-04-25 19:58:47+00:00

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BAG, Urteil vom 15.12.2010, 4 AZR 256/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 15.12.2010, 4 AZR 256/09
Schlagworte: Tarifvertrag, OT-Mitgliedschaft, Arbeitgeberverband
Aktenzeichen: 4 AZR 256/09
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Stendal, Urteil vom 6.12.2007, 1 Ca 946/07
7 Sa 38/08
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. De­zem­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren-
amt­li­che Rich­te­rin Pfeil und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bre­den­diek für Recht er­kannt:
In dem Te­le­fax-Schrei­ben der Be­klag­ten vom sel­ben Tag an den Ver­band der Kauf­leu­te heißt es ua.: „...
Der Ver­band der Kauf­leu­te bestätig­te dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 6. De­zem­ber 2007 Fol­gen­des:
das Ih­nen über­sand­te Fax der Fir­ma O GmbH & Co. KG B vom 26.06.2001 ist am 27.06.2001 beim Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e. V. ein­ge­gan­gen. Die o. g. Fir­ma wird ab 27.06.2001 als Mit­glied oh­ne Ta­rif­bin­dung geführt.
3. Bei Ta­rif­verträgen, die nicht für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt sind, können die Mit­glie­der den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung erklären. Die Erklärung ist schrift­lich an die Haupt­geschäfts­stel­le des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. zu rich­ten.
Sie wirkt bis zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den
Ta­rif­verträge.
Nach der Ände­rung vom 7. Mai 2002 lau­te­te § 5 Punkt 3 der Sat­zung:
„3. Bei Ta­rif­verträgen, die nicht für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt sind, können die Mit­glie­der den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung erklären. Die Erklärung ist schrift­lich an die Haupt­geschäfts­stel­le des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. zu rich­ten. Die Erklärung wirkt zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge. Ein Wi­der­ruf ist je­der­zeit durch schrift­li­che Erklärung ge­genüber dem Ver­band möglich.
01.02.2005 von 38 St­un­den auf 40 St­un­den erhöht.
Mit ih­rer Kla­ge hat die Kläge­rin Ent­gel­terhöhun­gen, Ein­mal­zah­lung und Ur­laubs­geld nach Maßga­be des Ge­haltsTV 2006 und des MTV 2006 ge­for­dert. Die Be­klag­te sei nicht wirk­sam in ei­ne Mit­glied­schaft oh­ne Ta­rif­bin­dung ge­wech­selt und sei des­halb nach wie vor an die je­wei­li­gen zwi­schen dem Ver­band der Kauf­leu­te und der Ge­werk­schaft ver.di ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge ge­bun­den. Ei­ne OT-Mit­glied­schaft sei nur un­ter stren­gen Vor­aus­set­zun­gen möglich, die im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt sei­en. Je­den­falls wir­ke gemäß § 5 Punkt 3 Satz 3 der Sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te idF vom 7. Sep­tem­ber 2000 die Erklärung des Aus­schlus­ses der Ta­rif­bin­dung „bis“ zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge, wor­aus sich er­ge­be, dass ei­ne OT-Mit­glied­schaft für je­den neu durch den Ar­beit­ge­ber­ver­band ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag neu be­gründet wer­den müsse.
zukünf­tig nicht mehr der Bin­dung an die von dem Ver­band der Kauf­leu­te ab-ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge für den Ein­zel­han­del im Lan­de Sach­sen-An­halt zu un­ter­lie­gen. Der Ver­band der Kauf­leu­te, der die Be­klag­te seit dem 27. Ju­ni 2001 als Mit­glied oh­ne Ta­rif­bin­dung führe, ha­be die Erklärung der Be­klag­ten auch als Wech­sel in die OT-Mit­glied­schaft ver­stan­den und dem­ent­spre­chend be­han­delt. Es könne so­mit da­hin­ge­stellt blei­ben, ob auch das ers­te Schrei­ben vom 26. Ju­ni 2001 dem Ver­band der Kauf­leu­te im Ju­ni 2001 zu­ge­gan­gen sei.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass die Sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te den An­for­de­run­gen an ei­ne Ver­bands­sat­zung genügt, die ei­nen OT-Mit­glie­der­sta­tus ta­rif­recht­lich wirk­sam be­reit­stel­len will.
dd) Die­se vom Se­nat für maßgeb­lich ge­hal­te­nen Grundsätze hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Nicht­an­nah­me­be­schluss bestätigt (1. De­zem­ber 2010 - 1 BvR 2593/09 - NZA 2011, 60). Die An­for­de­rung der ein­deu­ti­gen Tren­nung der Mit­glied­schafts­be­rei­che be­ru­he auf ver­fas­sungs-recht­lich tragfähi­gen Erwägun­gen. Nur wenn das Vor­ge­hen des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des bei Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen und im Ar­beits­kampf nicht von ei­ner Grup­pe von Mit­glie­dern mit­be­stimmt wer­de, die ei­ne Ta­rif­bin­dung für sich ge­ne­rell ab­leh­nen, könne ty­pi­scher­wei­se aus­ge­schlos­sen wer­den, dass sich der Ver­band von sach­frem­den Ein­flüssen lei­ten las­se und die Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen zu nicht sach­ge­rech­ten Er­geb­nis­sen führen würden. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be die Möglich­keit der Mit­wir­kung der OT-Mit­glie­der im Ar­beit­ge­ber­ver­band nur in dem Um­fang ein­ge­schränkt, der er­for­der­lich sei, um sach­frem­de Ein­flüsse auf Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen und Ta­rif­er­geb­nis­se aus­zu­sch­ließen.
b) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on erfüllt die Sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te in der Fas­sung der Verände­run­gen und Ergänzun­gen vom 7. Sep­tem­ber 2000 trotz sehr all­ge­mein ge­hal­te­ner Re­ge­lun­gen zur Tren­nung der Be­fug­nis­se von OT- und Voll­mit­glie­dern die in der ständi­gen Se­nats­recht­spre­chung ge­stell­ten An­for­de­run­gen. Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht er­kannt.
von der Re­vi­si­on aus­drück­lich an­ge­spro­che­nen Fra­gen „Zu­sam­men­set­zung der“ und „Be­nen­nungs- und Ent­sen­dungs­recht in die“ Ta­rif­kom­mis­si­on. An­ge­sichts ei­ner eher nied­ri­gen Re­ge­lungs­dich­te der Ge­samt­sat­zung ist die Re­ge­lung zur OT-Mit­glied­schaft noch verhält­nismäßig de­tail­liert und „re­ge­lungs­reich“. Mit ih­rer aus­nahms­lo­sen und für al­le Ver­bands­be­rei­che gel­ten­den Re­ge­lung wird der er­for­der­li­che Gleich­lauf von Ver­ant­wort­lich­keit und Be­trof­fen­heit, was Ta­rif­ab­schlüsse an­geht, hin­rei­chend her­ge­stellt.
ee) Die hier zwi­schen den Par­tei­en be­son­ders um­strit­te­ne Sat­zungs­re­ge­lung in § 5 Punkt 3 Satz 3 der Sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te vom 7. Sep­tem­ber 2000, nach der die schrift­li­che Erklärung über den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung „bis zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge“ wirkt, ist nicht in dem buchstäbli­chen, bei verständi­gen Be­tei­lig­ten aus­zu­sch­ließen­den of­fen­sicht­lich ge­setz­wid­ri­gen Sinn zu ver­ste­hen. Sie kann nach Sinn, Zweck und ta­rif­li­chem Ge­samt­zu­sam­men­hang nur als Hin­weis auf die sich aus § 3 Abs. 3 TVG oh­ne­hin er­ge­ben­de Rechts­la­ge be­grif­fen wer­den, wie dies auch durch die Sat­zungsände­rung vom 7. Mai 2002 klar­ge­stellt wor­den ist. Die Aus­le­gung der
Re­vi­si­on, die­se For­mu­lie­rung sei als Aus­schluss der Ta­rif­ge­bun­den­heit „je Ta­rif­ver­trag“ statt von Dau­er zu ver­ste­hen, macht kei­nen Sinn. Bei wortwört­li­cher Aus­le­gung wäre ein Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung „für die Mit­glie­der“ während der Lauf­zeit ei­nes gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges bis zu des­sen En­de vor­ge­se­hen, al­so ge­ra­de in der Zeit, in der er nach § 3 Abs. 3 TVG zwin­gend wei­ter gilt. Dies macht auch die Re­vi­si­on nicht gel­tend. Für ei­ne von der Re­vi­si­on an­ge­reg­te Aus­le­gung, nach der die Erklärung nur bis zum Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges gel­ten sol­le, der dem Lau­fen­den folgt, gibt es wie­der­um kei­nen An­halt im Wort­laut der Sat­zung. Viel­mehr be­stimmt § 5 Punkt 3 der Sat­zung, dass die Erklärung über den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung je­der­zeit wi­der­ru­fen wer­den kann. Im Ge­samt­zu­sam­men­hang der Sat­zung spricht dies für ei­nen dau­er­haf­ten und nicht nur ta­rif­ver­trags­be­zo­ge­nen Aus­schluss „zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge“. Denn bei ei­nem Verständ­nis der Bin­dung „je Ta­rif­ver­trag“ blie­be für ei­ne Wi­der­rufsmöglich­keit an­ge­sichts der Re­ge­lung in § 4 Abs. 5 TVG, nach der nach Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges sei­ne Rechts­nor­men wei­ter gel­ten, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wer­den, kein An­wen­dungs­be­reich.
Wech­sels der Be­klag­ten in die OT-Mit­glied­schaft an­geht, nicht mehr ent­ge­gen­ge­tre­ten.
Die Be­klag­te war auch nicht mehr dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Beschäftig­ten im Ein­zel­han­del im Bun­des­land Sach­sen-An­halt vom 1. Au­gust 2003 (MTV 2003) un­ter­wor­fen. Auch hier konn­te der zum Zeit­punkt des Ände­rungs­ver­tra­ges am 27. Ja­nu­ar 2005 nur noch nach­wir­ken­de Vorgänger­ta­rif­ver­trag vom 5. Fe­bru­ar 1999 nach § 4 Abs. 5 TVG auch zu Las­ten der
Kläge­rin durch ei­ne „an­de­re Ab­ma­chung“ er­setzt wer­den. In den vor­lie­gend streit­ge­genständ­li­chen Punk­ten hat der Ände­rungs­ver­trag vom 27. Ja­nu­ar 2005 die nach­wir­ken­den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen er­setzt.
V. Die Kos­ten­fol­ge er­gibt sich aus § 97 Abs. 1 ZPO.
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References: § 5
 § 5
 § 5
 § 3
 § 3
 § 5
 § 4
 § 4
 § 97