Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=09.07.1992&Aktenzeichen=IX%20ZR%20209%2F91
Timestamp: 2019-04-25 11:31:02+00:00

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BGH, 09.07.1992 - IX ZR 209/91 - dejure.org
Prüfungs- und Belehrungspflicht eines Notars - Amtshaftung eines Notars - Beurkundung einer auf Grund eines Betreuungsvertrages im Rahmen eines Bauherrenmodells erteilten Vollmacht zum Grundstückserwerb - Prüfung der Wirksamkeit des der Vollmachtserteilung zugrundeliegenden Betreuungs- und Verwaltungsvertrages - Formbedürftigkeit eines Betreuungs-und Verwaltungsvertrages auf Grund einer Grundstücks-Erwerbsverpflichtung - Fahrlässiges Handeln eines Notars bei Prüfung einer Rechtsfrage - Auswertung der Rechtsprechung der obersten Gerichte durch einen Notar - Darlegungslast und Beweislast für die Verursachung der Entscheidung eines Beteiligten sich an einem wirtschaftlich nicht abgesicherten Bauherrenmodell zu beteiligen durch unterlassene Rechtsbelehrung eines Notars - Verpflichtung eines Notars zur Einsichtnahme ins Grundbuch - Beurkundung eines Baubetreuungsvertrages mit lediglich wirtschaftlich wirkendem Zwang zum Grundstückserwerb - Rechtliche Einheit zweier äußerlich selbständiger Vereinbarungen - Belehrungsbedürftigkeit von Anlegern im Rahmen von Bauherrenmodellen
Beurkundungspflicht des Notars im Bauherrenmodell (IBR 1992, 467)
Haftung und Beweislast des Notars im Bauherrenmodell (IBR 1992, 468)
NJW 1992, 3237
MDR 1993, 282
WM 1992, 1662
DB 1992, 1925
ZfBR 1993, 13
ZfBR 1993, 14
Für die Annahme eines einheitlichen Rechtsgeschäfts kann im Übrigen der diesbezügliche Wille einer der Vertragsparteien genügen, wenn er für die andere Partei erkennbar war und von ihr gebilligt oder jedenfalls hingenommen wurde (BGH, Urteil vom 9. Juli 1992 IX ZR 209/91, NJW 1992, 3238 unter I 1 b m.w.N.).
Haftung des Urkundsnotars: Belehrungspflichten gegenüber dem …
Der Notar hat in allen Phasen seiner Tätigkeit den sichersten Weg zu gehen, das heißt den Beteiligten zur sichersten Gestaltung zu raten und dafür zu sorgen, dass ihr Wille diejenige Rechtsform erhält, die für die Zukunft Zweifel ausschließt (Senat…, Urteil vom 9. Dezember 2010 - III ZR 272/09, WM 2011, 571 Rn. 20; BGH, Urteil vom 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, NJW 1992, 3237, 3239, jeweils mwN;… Armbrüster in Armbrüster/Preuß/Renner, BeurkG, DNotO, 7. Aufl., § 17 BeurkG Rn. 34 mwN;… Ganter in Ganter/Hertel/Wöstmann, Handbuch der Notarhaftung, 3. Aufl., Rn. 2166).
Er hat sich über die Rechtsprechung der obersten Gerichte, die in den amtlichen Sammlungen und den für seine Amtstätigkeit wesentlichen Zeitschriften veröffentlicht ist, unverzüglich zu unterrichten sowie die üblichen Erläuterungsbücher auszuwerten (BGH, Urteil vom 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91 - NJW 1992, 3237, 3239 und Beschluss vom 17. Mai 1994 - IX ZR 56/93, NJW-RR 1994, 1021;… Ganter aaO Rn. 2154 ff;… Grziwotz in Grziwotz/Heinemann, BeurkG, 2012, § 17 Rn. 26 f).
Der Beklagte hat jedenfalls deshalb nicht schuldhaft gehandelt, weil im Zeitpunkt der Beurkundung ein durchschnittlich erfahrener und pflichtbewußter Notar - der für das Verschulden den Maßstab gibt (BGH, Urt. v. 2. Juli 1992 - IX ZR 209/91, WM 1992, 1662, 1665) - keine Bedenken haben mußte, das Angebot zum Abschluß des Geschäftsbesorgungsvertrages zu beurkunden.
Er hat sich jedenfalls über die Rechtsprechung der obersten Gerichte, die in den amtlichen Sammlungen und den für seine Amtstätigkeit wesentlichen Zeitschriften veröffentlicht ist, unverzüglich zu unterrichten sowie die üblichen Erläuterungsbücher auszuwerten (BGH, Urt. v. 2. Juli 1992 - IX ZR 209/91, aaO m.w.N.).
Sie ist nach § 287 Abs. 1 ZPO festzustellen (BGH, Urt. v. 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, WM 1992, 1662, 1668).
Der Notar hat bei der Prüfung einer Rechtsfrage die Rechtsprechung der obersten Gerichte - die in den amtlichen Sammlungen und den für seine Amtstätigkeit wesentlichen Zeitschriften veröffentlicht ist - und die üblichen Erläuterungsbücher auszuwerten (Senatsurt. v. 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, WM 1992, 1662, 1665 m.A. Haug EWiR § 19 BNotO 1/92, 983).
Dabei genügt der Einheitlichkeitswille einer Partei, wenn die andere Partei ihn anerkennt oder zumindest hinnimmt (BGH, Urteil vom 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, NJW 1992, 3237, 3238 mwN).
Die Einheitlichkeit wird nicht dadurch ausgeschlossen, dass die Rechtsgeschäfte unterschiedlichen Vertragstypen angehören, diese in unterschiedlichen Vertragsurkunden niedergelegt sind und an ihnen zum Teil verschiedene Personen beteiligt sind (BGH, NJW 1992, 3237, 3238 mwN).
Ob es sich insoweit aufgrund eines Einheitlichkeitswillens der Vertragsparteien um ein einheitliches Rechtsgeschäft handelt, ist Tatfrage und durch Ermittlung und Auslegung des - objektiv erkennbaren (vgl. BGH, Urteile vom 6. Dezember 1979 - VII ZR 313/78, BGHZ 76, 43, 49; vom 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, NJW 1992, 3237, 3238;… vom 8. Juli 2009 - VIII ZR 327/08, NJW 2009, 3295, 3296 Rn. 17 …und vom 30. März 2011 - VIII ZR 94/10, NJW 2011, 2874, 2876 Rn. 24 …sowie Beschluss vom 21. September 2011 - IV ZR 38/09, NJW 2012, 296, 300 f Rn. 58) - Parteiwillens festzustellen (…s. etwa BGH, Urteile vom 24. Oktober 2006 - XI ZR 216/05, NJW-RR 2007, 395, 396 Rn. 17;… vom 23. Februar 2010 - XI ZR 195/09, BeckRS 2010, 07175 Rn. 14 …und vom 30. März 2011 aaO …sowie Beschluss vom 21. September 2011 aaO, S. 300 Rn. 55).
Besteht nicht nur eine einzige verständige Entschlußmöglichkeit, sondern kommen verschiedene Handlungsweisen ernsthaft in Betracht und bergen sämtliche gewisse Risiken in sich, die zu gewichten und den Vorteilen gegenüber abzuwägen sind, ist kein Raum für einen Anscheinsbeweis (Senatsurt. v. 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, NJW 1992, 3237, 3241 zur Notarhaftung).
Dies gilt auch dann, wenn die Rechtsgeschäfte in mehreren Urkunden niedergelegt sind, unterschiedlichen Geschäftstypen angehören und an ihnen zum Teil verschiedene Personen beteiligt sind (vgl. BGH, Urteile vom 20. Mai 1966 - V ZR 214/64, WM 1966, 899 unter IV 2; vom 30. April 1976 - V ZR 143/74, NJW 1976, 1931 unter II 1; vom 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, NJW 1992, 3237 unter A I 1 b; jeweils mwN).
Auch wenn nur einer der Vertragspartner einen solchen Einheitlichkeitswillen erkennen lässt und der andere ihn anerkennt oder zumindest hinnimmt, kann ein einheitlicher Vertrag vorliegen (BGH, Urteile vom 6. Dezember 1979 - VII ZR 313/78, BGHZ 76, 43, 49; vom 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, aaO;… vgl. ferner Senatsurteil vom 8. Juli 2009 - VIII ZR 327/08, aaO Rn. 17).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Niederlegung mehrerer selbständiger Verträge in verschiedenen Urkunden die widerlegliche Vermutung begründet, dass die Verträge nicht in rechtlichem Zusammenhang stehen sollen (…BGH, Urteile vom 6. Dezember 1979 - VII ZR 313/78, aaO; vom 9. Juli 1992 - IX ZR 209/91, aaO).
Im Rahmen der Folgenabschätzung ist von besonderem Gewicht, daß von einer Formunwirksamkeit der Genehmigung in vielen Fällen auch die Wirksamkeit der Auflassung ergriffen und somit zweifelhaft wäre, ob eine Heilung nach § 313 Satz 2 BGB eintreten könnte (vgl. BGH, Urt. v. 9. Juli 1992, IX ZR 209/91, WM 1992, 1662, 1666; Brambring, EWiR 1988, 1153, 1154).
Berufungsverhandlung im Streit um das Bauprojekt »Marina Garden« in Dresden
BGH, 13.02.2003 - IX ZR 76/99
Verpflichtung des Urkundsnotars zur Beurkundung des Parteiwillens
BGH, 13.02.1996 - XI ZR 239/94
Formbedürftigkeit des Gesellschaftsvertrages einer Grundstücksgesellschaft
BGH, 13.04.2000 - IX ZR 432/98
OLG Brandenburg, 21.03.2002 - 8 U 66/01
Formbedürftigkeit nach § 311b Abs. 1 BGB
LG Arnsberg, 19.07.2011 - 3 O 21/10
Amtspflichtverletzung eines Notars durch Beurkundung eines nichtigen Vertrages
BGH, 12.10.2006 - IX ZR 219/04
OLG Saarbrücken, 15.11.2005 - 4 U 489/04
Notarhaftung: Schadensersatz wegen Verletzung der Aufklärungs- und …
OLG Düsseldorf, 20.06.2007 - 18 U 177/06
Zur Notarhaftung wegen Verletzung von Amtspflichten bei Beurkundung eines …
OLG Oldenburg, 06.01.2011 - 1 U 89/09
Notarhaftung: Beurkundung einer europarechtswidrigen Vertragsregelung; fehlende …
OLG Braunschweig, 10.12.1992 - 1 U 23/92
Gesamtschuldnerische Haftung von Anwaltssozii wegen einer positiven …

References: § 17
 § 17
 § 287
 § 19
 § 313
 § 311