Source: https://dr-effertz.de/sorgfaltsmassstab-in-der-apotheke/
Timestamp: 2020-05-28 18:15:55+00:00

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Sorgfaltsmaßstab in der Apotheke - Dr. Effertz
Categories Bürgerliches Recht, Haftung, Pharmazeutische Gesetzeskunde
Date Februar 3, 2019
Die­ser Lern­text befasst sich mit dem Sorg­falts­maß­stab in der Apo­the­ke. Die­ser ist regel­mä­ßig dann ent­schei­dend, wenn es um die Bewer­tung von Haf­tungs­fäl­len und mög­li­chem Scha­dens­er­satz geht.
Sor­falts­maß­stab und Haf­tung
Der Sorg­falts­maß­stab wird regel­mä­ßig dann rele­vant, wenn die Fahr­läs­sig­keit bzgl. einer Feh­ler­ver­wirk­li­chung geklärt wer­den muss.
Die Sorg­falts­pflich­ten rich­ten sich ins­be­son­de­re nach den Vor­ga­ben der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung sowie die berufs­ei­ge­nen Leit­li­ni­en.
Nach­voll­zieh­ba­res Ver­hal­ten schützt vor Haf­tung
Wach­sam­keit und und doku­men­tier­te Nach­voll­zieh­bar­keit des apo­the­ker­li­chen Wir­kens in den Gren­zen des phar­ma­zeu­ti­sches Rechts ins­be­son­de­re der Vor­schrif­ten Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung sen­ken das Haf­tungs­ri­si­ko im Scha­dens­fall.
Sorg­falts­maß­stab und Haf­tung
Sofern die Gesund­heit des Pati­en­ten durch einen Feh­ler der Apo­the­ke geschä­digt wur­de, hat der Han­deln­de gemäß § 823 Abs. 1 BGB oder bei einer schuld­haf­ten Ver­let­zung der für die ord­nungs­ge­mä­ße Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung gel­ten­den Vor­schrif­ten gemäß § 823 Abs. 2 BGB ein­zu­tre­ten. Zu Beur­tei­lung einer schuld­be­grün­de­nen Fahr­läs­sig­keit wird regel­mä­ßig der Sorg­falts­maß­stab nach § 276 BGB zugrun­de gelegt. Dabei han­delt es sich um die bekann­ten Grund­sät­ze der sog. delik­ti­schen Haf­tung.
(Einen guten Über­blick zum The­ma Haf­tung lie­fert der Lern­text “Haf­tungs­grund­sät­ze in der Apo­the­ke”; zu den haf­tungs­recht­li­chen Fol­gen sie­he “Behand­lungs­feh­ler durch Apo­the­ker?”).
Da für eine Haf­tung grund­sätz­lich der typi­sche Sorg­falts­maß­stab der jewei­li­gen Berufs­grup­pe berück­sich­tigt wer­den muss, stellt sich die Fra­ge wel­che Sorg­falts­pflich­ten die Apo­the­ke zu gewäh­ren hat.
Ursprung der Sorg­falts­pflich­ten
Die genaue­re Ana­ly­se des Ursprungs vom Sorg­falts­maß­stab in der Apo­the­ke zeigt, dass von der die Ver­sor­gung über­neh­men­den Apo­the­ke nicht mehr oder weni­ger ver­langt wird als eine ord­nungs­ge­mä­ße Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung. Dies ergibt sich für Apo­the­ken ganz gene­rell aus § 1 ApoG. Für Apo­the­ker wird dies über § 1 der Bun­de­s­apo­the­ker­ord­nung (BApO) noch­mals als eigent­li­che Auf­ga­be (Beru­fung) des Berufs­stan­des nor­miert. Die Assis­tenz­be­ru­fe sol­len bei der Erfül­lung die­ser Auf­ga­be gemäß ihrer Qua­li­fi­ka­ti­on unter­stüt­zen (vgl. auch Lern­text “Apo­the­ken­per­so­nal” und “Haf­tungs­grund­sät­ze in der Apo­the­ke”).
Abs­trak­ter Sorg­falts­maß­stab in Apo­the­ken
Aus dem Ursprung der Sorg­falts­pflich­ten lässt sich ganz gene­rell ablei­ten, dass jeg­li­che Vor­schrift zu beach­ten ist, die einer ord­nungs­ge­mä­ßen Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung dient. Damit kann der erfor­der­li­che Sorg­falts­maß­stab sicher nur dann erfüllt wer­den, wenn alle Bestim­mun­gen der rele­van­ten Rechts­ge­bie­te ein­ge­hal­ten wer­den (AMG, ApoG, ein­strah­len­de Geset­ze, etc.)
Kon­kre­ter Sorg­falts­maß­stab in Apo­the­ken
Will man den Sorg­falts­maß­stab in Apo­the­ken etwas kon­kre­ter betrach­ten, so lan­det man zwin­gend bei den Spe­zi­al­vor­schrif­ten der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung (ApBe­trO) ins­be­son­de­re zur Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be.
Sorg­falts­pflich­ten bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be
Die­sem The­ma wer­den auf­grund sei­ner prak­ti­schen Bedeu­tung eige­ne Lern­tex­te zur Bera­tungs­pflicht und Abga­be­be­stim­mun­gen gewid­met im Kapi­tel “Apo­the­ken­be­trieb” gewid­met. Nur so viel:
Grund­sätz­lich besteht für Apo­the­ken gemäß § 17 Abs. 2a S. 1 Nr. 4 ApBe­trO i. V. m. § 1 Abs. 1 ApoG nor­mier­ter und nach § 17 Abs. 4 ApBe­trO zeit­lich kon­kre­ti­sier­ter Kon­tra­hie­rungs­zwang. Den­noch exis­tie­ren gesetz­li­che gege­be­ne Inter­ven­ti­ons­mög­lich­kei­ten und (tem­po­rä­re) Abga­be­ver­bo­te.
Flan­kie­rend zu den gesetz­li­chen Vor­ga­ben wird der situa­ti­ons­be­ding­te Sorg­falts­maß­stab in der Apo­the­ke durch die berufs­ei­ge­nen Leit­li­nen geprägt (vgl. Lern­text “Leit­li­ni­en”).
Apo­the­ker sind somit ange­hal­ten ihre berufs­ty­pi­schen Sorg­falts­pflich­ten zu beach­ten. Die Zei­ten in denen man sich hin­ter der ärzt­li­chen The­ra­pie­ho­heit ver­ste­cken konn­te, sind Geschich­te.
Prak­ti­scher Hin­weis
Mehr denn je wer­den eine ordent­li­che Doku­men­ta­tio­nen (z. B. bzgl. der ärzt­li­chen Abklä­rung unkla­rer Ver­ord­nun­gen) durch­zu­füh­ren und ris­kan­te (vor­her­seh­ba­re) Ver­sor­gungs­si­tua­tio­nen durch die Imple­men­tie­rung orga­ni­sa­to­ri­scher Maß­nah­men zu ent­schär­fen sein, um eine Ent­las­tung im Scha­dens­fall zu ermög­li­chen. Anders wird die Ein­hal­tung der erfor­der­li­chen Sorg­falt nicht mög­lich sein.
Tag:Haftung, Sorgfaltsmaßstab

References: § 823
 § 823
 § 276
 § 1
 § 1
 § 17
 § 1
 § 17