Source: https://www.edvgt.de/engagement/weiterfuehrende-links/international/die-informatisierung-der-brasilianischen-justiz/
Timestamp: 2017-11-21 23:19:40+00:00

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Die Informatisierung der brasilianischen Justiz | Deutscher EDV-Gerichtstag e.V. ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
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DIE INFORMATISIERUNG DER BRASILIANISCHEN JUSTIZ:
Erfah­rungs­be­richte und Pro­jekte
Cris­tiane Szyn­wel­ski – For­sche­rin am Zen­trum für juris­ti­sche Stu­dien (Cen­tro de Estu­dos Judi­ciá­rios – CEJ)
im Rat der Bun­des­jus­tiz Bra­si­li­ens (Con­selho da Jus­tiça Federal do Bra­sil – CJF)
0. Ein­lei­tung
1. Erfah­rungs­be­richte
1.1 Die Infor­ma­tik in der geo­gra­phi­schen Ver­wal­tung der bra­si­lia­ni­schen Bun­des­jus­tiz
1.2 All­ge­meine Situa­tion an den bra­si­lia­ni­schen Gerich­ten
1.3 Die Infor­ma­ti­sie­rung des Wahl­ver­fah­rens
1.4 Das Oberste Gericht des Bun­des­staa­tes São Paulo
2. Pro­jekte
2.1 Sys­tem für die vir­tu­elle Voll­stre­ckung der Steu­er­ein­trei­bung
2.2 Der von der Ver­ei­ni­gung der bra­si­lia­ni­schen Bun­des­rich­ter vor­ge­legte Geset­zes­ent­wurf
Die bra­si­lia­ni­sche Jus­tiz ist bestrebt, das Pro­blem der wach­sen­den Anzahl von Verfahren, die in den ver­schie­de­nen Instan­zen zur Ent­schei­dung anste­hen, zu lösen und hat durch die Ein­füh­rung von Tech­ni­ken der Rechts­in­for­ma­tik in die Moder­ni­sie­rung inves­tiert. Die­ser Auf­satz soll einige gezielte Erfah­run­gen und füh­rende Pro­jekte aus einer objek­ti­ven Per­spek­tive her­aus vor­stel­len, ohne jedoch den Anspruch einer voll­stän­di­gen Bestands­auf­nahme im wei­ten Staats­ge­biet Bra­si­li­ens zu ver­fol­gen.
Bra­si­lien hat ein Staats­ge­biet von 8,5 Mil­lio­nen km² und wird in fünf Ver­wal­tungs­be­zirke ein­ge­teilt. Die bra­si­lia­ni­sche Bun­des­jus­tiz ist für das gesamte Staats­ge­biet zustän­dig und ist in erste und zweite Instanz auf­ge­teilt. Die erste Instanz umfasst die Bun­des­rich­ter und die ent­spre­chen­den Gerichte, die zweite umfasst die Regio­na­len Bun­des­ge­richte, wobei jeweils eins für jeden Ver­wal­tungs­be­zirk zustän­dig ist. In dem Bestre­ben, die Ver­tei­lung der Zustän­dig­kei­ten und den Zugang zur Bun­des­jus­tiz zu opti­mie­ren, hat das Zen­trum für juris­ti­sche Stu­dien im Rat der Bun­des­jus­tiz Bra­si­li­ens eine Stu­die namens „Atlas der Bun­des­jus­tiz“ (Atlas da Jus­tiça Federal) durch­ge­führt. Der Atlas umfasst eine Samm­lung von geo­gra­phi­schen Kar­ten, demo­gra­phi­schen und sta­tis­ti­schen Daten mit Gra­phi­ken und Tabel­len und wurde mit Arc View 3.3 erstellt. Die demo­gra­phi­sche und geo­gra­phi­sche Per­spek­tive wird sys­te­ma­tisch mit gericht­li­chen Sta­tis­ti­ken ver­knüpft, wie bei­spiels­weise lau­fende Ver­fah­ren, abge­schlos­sene Ver­fah­ren, Anzahl der Rich­ter und Anga­ben über die Zustän­dig­keit der Bun­des­jus­tiz, und ver­schafft eine Über­sicht über den rea­len Bedarf, neue Bun­des­ge­richte für jeden Bun­des­staat ein­zu­rich­ten. Die Ergeb­nisse die­ser Über­sicht ermög­li­chen die Emp­feh­lung zur Ein­rich­tung von neuen Gerich­ten der Bun­des­jus­tiz , die auf rea­len Zah­len und nicht nur auf den bis­her vor­herr­schen­den poli­ti­schen Kri­te­rien basiert. Die wich­tige Rolle des Atlas wird dadurch bekräf­tigt, dass lau­fende Pläne über die Ein­rich­tung von neuen Gerich­ten beein­flusst und zum Teil sogar geän­dert wur­den.
Außer­dem ist der Atlas ein effi­zi­en­tes Instru­ment für die Ver­wal­tung der sta­tis­ti­schen Daten der Bun­des­jus­tiz sowie ein aus­ge­zeich­ne­ter Aus­gangs­punkt für Unter­su­chun­gen und Dis­kus­sio­nen über die Effi­zi­enz der Bun­des­jus­tiz. Der Atlas wird regel­mä­ßig aktua­li­siert und ist unter der fol­gen­den URL frei zugäng­lich:http://www.cjf.gov.br/atlas/atlas.htm
Im All­ge­mei­nen sind die meis­ten bra­si­lia­ni­schen Gerichte mit einer Home­page im Inter­net ver­tre­ten, auf der der Öffent­lich­keit all­ge­meine Infor­ma­tio­nen, Anga­ben über den Fort­gang der Ver­fah­ren und die Urteils­texte zur Ver­fü­gung ste­hen.
Es wird recht häu­fig ein kos­ten­lo­ser Ser­vice ange­bo­ten, der über Email über den Fort­gang der Ver­fah­ren infor­miert. Der Nut­zer erhält nach einer Regis­trie­rung immer dann eine auto­ma­ti­sche Mit­tei­lung, wenn der Pro­zess, der ihn betrifft, bear­bei­tet wird. Die­ses Ver­fah­ren, namens Push-System, hat sich für Anwälte und Par­teien als sehr nütz­lich erwie­sen.
Den­noch kon­zen­triert sich die Infor­ma­ti­sie­rung der bra­si­lia­ni­schen Jus­tiz auf die Berei­che der Infor­ma­tion und Doku­men­ta­tion. Es gibt zwar einige Vor­rei­ter­pro­jekte über elek­tro­ni­sche Gerichts­ver­fah­ren, diese sind aber nicht weit ver­brei­tet. Der Ent­wurf eines Bun­des­ge­set­zes, der am Ende die­ses Auf­sat­zes wie­der­ge­ge­ben wird, hat die Digi­ta­li­sie­rung der Pro­zesse an sich zum Gegen­stand. Die juris­ti­schen Organe ver­fü­gen über eigene Infor­ma­tik­ab­tei­lun­gen, und spe­zia­li­sierte Dienste wer­den als sel­ten als exter­ner Auf­trag ver­ge­ben.
Zur Ver­an­schau­li­chung wird auf die fol­gen­den Home­pages der Bun­des­ge­richte ver­wie­sen:
Supremo Tri­bu­nal Federal – STF http://www.stf.gov.br/ (Oberstes bra­si­lia­ni­sches Bun­des­ge­richt – vor­ran­gig für Ver­fas­sungs­fra­gen zustän­dig)
Supe­rior Tri­bu­nal de Jus­tiça – STJ http://www.stj.gov.br/ (Bra­si­lia­ni­sches Bun­des­ge­richt mit ver­schie­de­nen Zustän­dig­kei­ten)
Supe­rior Tri­bu­nal Mili­tar – STM http://www.stm.gov.br/ (Bra­si­lia­ni­sches Bun­des­mi­li­tär­ge­richt)
Tri­bu­nal Supe­rior Eleito­ral – TSE http://www.tse.gov.br/ (Bra­si­lia­ni­sches Bun­des­wahl­ge­richt)
Tri­bu­nal Supe­rior do Tra­balho – TST http://www.tst.gov.br/ (Bra­si­lia­ni­sches Bun­des­ar­beits­ge­richt)
Die ers­ten amt­li­chen elek­tro­ni­schen Wah­len Latein­ame­ri­kas fan­den 1995 im Bun­des­staat Santa Cata­rina 1 statt. Nach der erfolg­rei­chen Durch­füh­rung hat das Bun­des­wahl­ge­richt eine Bera­tungs­gruppe mit Exper­ten des Tech­no­lo­gie­zen­trums der Luft­waffe (Cen­tro de Tec­no­lo­gia da Aero­náutica) und des natio­na­len Insti­tuts für Welt­raum­for­schung (Insti­tuto Nacio­nal de Pes­qui­sas Espa­ci­ais – INPE) ein­be­ru­fen, um die elek­tro­ni­schen Wah­len im grö­ße­ren Maß­stab zu pla­nen. Anschlie­ßend wurde die Stif­tung für inno­va­tive Tech­no­lo­gien „Fun­da­ção Cen­tros de Referên­cia em Tec­no­lo­gias Ino­va­do­ras“, die auf dem Cam­pus der Uni­ver­si­tät Santa Cata­rina ange­sie­delt ist, vom Unter­neh­men Pro­comp des Bun­des­staa­tes São Paulo beauf­tragt, in Zusam­men­ar­beit die elek­tro­ni­schen Urnen her­zu­stel­len, die im gesam­ten Staats­ge­biet ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Die elek­tro­ni­schen Wah­len haben sich auf­grund der Anwen­dung moder­ner Sicher­heits­tech­no­lo­gien als siche­rer als die her­kömm­li­chen Wah­len erwie­sen. Bra­si­lien hat mit sei­nen ca. 115 Mil­lio­nen Wäh­lern von dem Ein­satz der unge­fähr 406.000 elek­tro­ni­schen Urnen pro­fi­tiert, da die Stim­men­zäh­lung, die nach der her­kömm­li­chen Methode auf Papier einige Tage in Anspruch nahm, in eini­gen Stun­den durch­ge­führt wer­den konnte.
Gere­gelt wer­den das elek­tro­nische Wahl­sys­tem und die Stim­men­zäh­lung durch das Bun­des­ge­setz Nr. 9.504 vom 30. Sep­tem­ber 1997 und zwar durch die §§ 59 bis 62 2. Die­ses Gesetz sieht neben ande­ren Vorschrif­ten vor, dass bei Wah­len mit elek­tro­ni­schen Urnen die Kenn­zif­fer des Kan­di­da­ten oder der Par­tei­liste ein­ge­tippt wird. Anschlie­ßend erschei­nen der Name und das Foto des Kan­di­da­ten sowie der Name der Par­tei oder der Par­tei­liste und das Amt, wofür der Kandidat zur Wahl steht, auf einem Dis­play.
In die­sem Gesetz wird auch vor­ge­se­hen, dass der Stimm­vor­gang mit elek­tro­ni­schen Urnen auch auf Papier aus­ge­druckt wer­den kann, um den Wäh­lern ohne manu­el­len Kon­takt eine Sicht­kon­trolle zu ermög­li­chen. Die­ser Aus­druck wird anschlie­ßend auto­ma­tisch an einem vor­her ver­sie­gel­ten Ort hin­ter­legt. Falls der Wäh­ler bei der Über­prü­fung des aus­ge­druck­ten Stimm­zet­tels gegen die dar­auf ent­hal­te­nen Daten Ein­spruch erhebt, kann er ihn für ungül­tig erklä­ren las­sen und die Wahl über das elek­tro­ni­sche Sys­tem wie­der­ho­len. Falls erneut Abwei­chun­gen zwi­schen den auf dem Dis­play der elek­tro­ni­schen Urne ange­zeig­ten Daten und dem aus­ge­druck­ten Wahl­vor­gang vor­han­den sind, wird die Stimme getrennt abge­ge­ben und nach den Vor­ga­ben des Bun­des­wahl­ge­richts ermit­telt.
Am Vor­abend der Wahl wird eine Stich­probe von drei Pro­zent der Urnen für jeden Wahl­be­zirk fest­ge­legt. Dabei wer­den die gedruck­ten Stimm­zet­tel manu­ell gezählt und mit dem Aus­druck des digi­ta­len Sys­tems abge­gli­chen. Bei Abwei­chun­gen wird der Fall durch einen Wahl­rich­ter ent­schie­den. Fälle, die den Ver­dacht auf Feh­ler bei den Urnen zum Gegen­stand haben, wer­den vom Bun­des­wahl­ge­richt ent­schie­den.
Die Infor­ma­ti­sie­rung der Gerichts­ver­fah­ren wurde nach Apo­liano Dias 3 im Jahr 1997 am Obers­ten Gericht des Bun­des­staa­tes São Paulo ein­ge­führt und wurde als Erfolg gewer­tet, nach­dem ein schwer­wie­gen­der Fall der Fäl­schung gericht­li­cher Doku­mente über­wun­den wurde. Es ging hier­bei um die Aus­stel­lung von digi­ta­len Urkun­den, d. h. Doku­mente mit einem Holo­gramm, das die­sen Urkun­den Authen­ti­zi­tät und Schutz gegen Fäl­schun­gen ver­lei­hen sollte. Außer dem Sie­gel wurde ein lami­nier­tes, dün­nes und sehr teu­res „Sicher­heits­pa­pier“ ver­wen­det, das eigens für das oberste Gericht des Bun­des­staa­tes São Paulo her­ge­stellt wurde und angeb­lich schwer mani­pu­lier­bar war. Zusätz­lich wurde noch das so genannte „mecha­ni­sche Amts­sie­gel“ ver­wen­det. Zur Über­ra­schung des Gerichts begann eine Fäl­scher­bande nach kur­zer Zeit, eine große Anzahl gefälsch­ter Urkun­den her­zu­stel­len. Die erste Sicher­heits­vor­keh­rung dage­gen war die Ein­füh­rung des Amts­sie­gels und eines neuen digi­ta­len Sicher­heits­sie­gels, das anhand eines Farbla­ser­dru­ckers auf das Doku­ment gedruckt wurde. Hier­für wurde her­kömm­li­ches DIN A4-Papier mit kon­trol­lier­ter Num­me­rie­rung ver­wen­det. Es wurde auch ein Auf­druck namens Data­glyph ver­wen­det, der alle Infor­ma­tio­nen des Doku­ments kom­pri­miert, so dass anhand jeden Frag­ments der ursprüng­li­che Inhalt des Ori­gi­nals wie­der­her­ge­stellt wer­den kann. Mit einem Strich­code und der digi­ta­len Signa­tur des Urkun­den­aus­stel­lers wurde der Vor­gang zusätz­lich gesi­chert. Dies führt dazu, dass jeder Ver­such einer Ver­viel­fäl­ti­gung (auf Laser­dru­cker oder mit Corel Draw) deut­li­che Spu­ren hin­ter­lässt.
Sei­ner­zeit 4 wurde eine Urkunde fol­gen­der­ma­ßen bean­tragt: Der Antrag­stel­ler nannte seine Anga­ben, die wie­derum mit den Infor­ma­tio­nen in der Daten­bank DB2 abge­gli­chen wurde. Nach die­ser Über­prü­fung wur­den die Daten an die Her­stel­lung des digi­ta­len Hie­ro­gly­phen (Data­glyph) geschickt und anschlie­ßend mit dem Sie­gel gedruckt. Bis zum Zeit­punkt der Publi­ka­tion über diese Tech­nik waren keine Fäl­schun­gen die­ses Sys­tems bekannt. Apo­liano Dias weist auf seine schlechte Erfah­rung bei der Erstel­lung einer rela­tio­na­len Daten­bank hin. Das Pro­blem war die man­gelnde Übertragbarkeit- der Autor sieht die Ver­stän­di­gung zwi­schen den Anwen­dun­gen als unab­ding­bar an.
Auf­grund der gro­ßen Anzahl der Ver­fah­ren zur Voll­stre­ckung der Steu­er­ein­trei­bung, die in der bra­si­lia­ni­schen Bun­des­jus­tiz zur Ent­schei­dung anste­hen, wurde das Pro­jekt „Vir­tu­elle Voll­stre­ckung der Steu­er­ein­trei­bung“ (Exe­cução Fis­cal Vir­tual) durch eine Zusam­men­ar­beit der Bun­des­jus­tiz, des Natio­na­len Diensts für Daten­ver­ar­bei­tung (Ser­viço Federal de Pro­ces­sa­mento de Dados SERPRO), des Bun­des­steu­er­amts und des Unter­neh­mens für Tech­no­lo­gie und Infor­ma­tion der Sozi­al­ver­si­che­rung (DATAPREV) ins Leben geru­fen. Durch die Ein­füh­rung die­ses Pilot­sys­tems an den 12 Gerichts­ab­tei­lun­gen, die für die Voll­stre­ckung der Steu­er­ein­trei­bung der Jus­tiz im Bun­des­staat São Paulo zustän­dig sind, wird eine erheb­li­che Beschleu­ni­gung die­ser Ver­fah­ren erwar­tet. Die­ses Pro­jekt läuft bereits und beruht auf der Tech­no­lo­gie der elek­tro­ni­schen Doku­men­ten­ver­wal­tung, Work­Flow (defi­niert die flie­ßende Wei­ter­be­ar­bei­tung der Doku­mente), Cold (opti­sches Medium) und elek­tro­ni­sche Signa­tur anhand einer Smart Card. Die Smart Card spei­chert das elek­tro­ni­sche Zer­ti­fi­kat mit dem digi­ta­len Fin­ger­ab­druck des Nut­zers und wird nur mit der über­ein­stim­men­den opti­schen digi­ta­len Erken­nung des Fin­ger­ab­drucks „in vivo“ akti­viert. Der Zugang zum Sys­tem und die Unter­schrift wer­den durch die digi­tale Iden­ti­tät durch­ge­führt. Auf­grund des Geset­zes 10.259/2001 (§ 8 Abs. 2 – die Gerichte dür­fen elek­tro­ni­sche Ladung der Par­teien durch­füh­ren und Anträge auf elek­tro­ni­schem Wege ent­ge­gen­neh­men), dür­fen die Gerichts­ab­tei­lun­gen außer den her­kömm­li­chen Anträ­gen auf Papier nun­mehr von regis­trier­ten Anwäl­ten auch elek­tro­ni­sche Anträge ent­ge­gen­neh­men. Um sich für die­sen Dienst ein­zu­tra­gen, muss ein Rechts­an­walt bei einem amt­lich aner­kann­ten Unter­neh­men eine digi­tale Iden­ti­tät erwer­ben.
Alle Pro­zess­un­ter­la­gen wer­den im Ori­gi­nal im digi­ta­len For­mat vor­lie­gen, mit Aus­nahme der Anträge, die auf Papier ein­ge­reicht, über einen Scan­ner elek­tro­nisch ver­füg­bar gemacht wur­den und als beglau­bigte Aus­fer­ti­gung aner­kannt wer­den. Die aus­ge­druck­ten Doku­mente bekom­men ein Was­ser­zei­chen als Zer­ti­fi­kat und vor­aus­sicht­lich auch die Num­mer des Ori­gi­nals im Sys­tem, um Fäl­schun­gen vor­zu­beu­gen.
Die Bear­bei­tung der Doku­mente im Sys­tem erfolgt nach einem vor­ge­ge­be­nen Ablauf­schema je nach­dem, um wel­che Urkun­den es sich han­delt, wobei Mus­ter­do­ku­mente zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Dies redu­ziert die rein manu­elle Arbeit und stellt somit den Rich­tern und Jus­tiz­an­ge­stell­ten mehr für die intel­lek­tu­elle Arbeit frei. Außer­dem wird die Bear­bei­tungs­zeit der Doku­mente ver­kürzt, da ihre Bear­bei­tung dann in der Jus­tiz­ver­wal­tung, bei den Par­teien, Rechts­an­wäl­ten und der amt­li­chen Presse auto­ma­tisch erfolgt.
Natür­lich wer­den die Doku­mente eben­falls digi­tal archi­viert und in eine über­trag­bare Daten­bank ein­ge­speist, wobei die Infor­ma­tio­nen über den Fort­gang der Pro­zesse und die Urteile dann auch im Inter­net ver­öf­fent­licht wer­den. Die vom Sys­tem gene­rier­ten Sta­tis­ti­ken wer­den der Öffent­lich­keit eben­falls im Inter­net zugäng­lich gemacht.
(ursprüng­lich Geset­zes­ent­wurf Nr. 5.828/01 im bra­si­lia­ni­schen Abge­ord­ne­ten­haus)
Die­ser Geset­zes­ent­wurf, der zur­zeit im Senat zur Ent­schei­dung ansteht, hat bereits Kri­tik geern­tet, ins­be­son­dere im Hin­blick auf § 1, Abs. 2, in dem auf das Vor­le­gen von so genann­ten „Ori­gi­na­len“ ver­zich­tet wird. Man­che füh­ren dies auf einen For­mu­lie­rungs­feh­ler zurück, da das Ori­gi­nal das eigent­li­che digi­tale Doku­ment ist und nicht das Doku­ment auf Papier. Die wich­tigste Funk­tion des Geset­zes­ent­wur­fes ist es, die Recht­spre­chung zu beschleu­ni­gen. Das wurde bereits durch das Gesetz Nr. 9.800/00 beab­sich­tigt, das die Ein­sen­dung von Anträ­gen per Fax oder Email zulässt, wenn die Ori­gi­nale inner­halb von einer Frist von 5 Tagen nach­ge­reicht wer­den. Die­ses Gesetz hat sein Ziel aber ver­fehlt, weil es dazu geführt hat, dass die pro­zes­sua­len Fris­ten ver­län­gert wur­den.
Geset­zes­ent­wurf im Voll­text:
Die­ses Gesetz regelt die Infor­ma­ti­sie­rung der Gerichts­ver­fah­ren und andere Maß­nah­men.
Der Natio­nal­kon­gress beschließt:
§ 1 Die Anwen­dung der elek­tro­ni­schen Medien zur Kom­mu­ni­ka­tion von Rechts­hand­lun­gen und Über­tra­gung von Pro­zess­un­ter­la­gen wird durch das vor­lie­gende Gesetz zuge­las­sen.
Abs. 1 Die Vor­schrif­ten die­ses Geset­zes betref­fen in glei­chem Maße Zivil­pro­zesse sowie straf­recht­li­che und arbeits­recht­li­che Pro­zesse auf allen Ebe­nen der Gerichts­bar­keit.
Abs. 2 Auf­grund der Ver­wen­dung von elek­tro­ni­schen Medien wird auf die Vor­lage von Ori­gi­nal­do­ku­men­ten ver­zich­tet.
§ 2 Die elek­tro­ni­sche Ein­rei­chung von Anträ­gen, Rechts­mit­teln und ande­ren Pro­zess­un­ter­la­gen wird den Per­so­nen gestat­tet, die sich bei den Orga­nen der Jus­tiz amt­lich regis­trie­ren las­sen.
Abs. 1 Die amt­li­che Registrie­rung erfolgt durch ein Ver­fah­ren, das die ord­nungs­ge­mäße Iden­ti­fi­ka­tion der betrof­fe­nen Per­son sicher­stellt.
Abs. 2 Der amt­lich regis­trier­ten Per­son wird eine Ein­tra­gungs­num­mer zuge­wie­sen und ein Zugang zum Sys­tem ein­ge­rich­tet, wel­cher die Ver­trau­lichkeit, die Iden­ti­fi­ka­tion und die Authen­ti­zi­tät sei­ner Kom­mu­ni­ka­tion sicher­stellt.
Abs. 3 Die jewei­li­gen Organe der zwei­ten Instanz kön­nen ein ein­heit­li­ches Regis­ter für die jewei­li­gen Jus­tiz­be­rei­che ein­rich­ten.
§ 3 Die elek­tro­nisch ein­ge­reich­ten Anträge, Rechts­mit­tel und andere Pro­zess­un­ter­la­gen gel­ten zu dem Zeit­punkt als ein­ge­gan­gen, an dem der Jus­tiz­be­amte sie erhal­ten hat.
§ 4 Die Publi­ka­tion von Rechts­hand­lun­gen und Pro­zess­mit­tei­lun­gen kann durch elek­tro­ni­sche Medien erfol­gen. Sie gel­ten zu dem Zeit­punkt als ver­öf­fent­licht, an dem die Daten im elek­tro­ni­schen Sys­tem für externe Recher­chen frei­ge­ge­ben wer­den.
Abs. 1 Die Pro­zess­fris­ten begin­nen am ers­ten Werk­tag nach der in die­sem Para­gra­phen­vor­ge­se­he­nen Ver­öf­fent­li­chung.
§ 5 In den Fäl­len, in denen das Pro­zess­recht die per­sön­li­che Ladung der Par­teien und ihrer Ver­tre­ter vor­sieht, wer­den diese durch elek­tro­ni­sche Post mit elek­tro­ni­scher Emp­fangs­be­stä­ti­gung gela­den, sofern sie bereits gemäß § 2 regis­triert sind.
Abs. 1 Die Pro­zess­fris­ten begin­nen am ers­ten Werk­tag nach der Rück­sen­dung der oben in die­sem Para­gra­phen beschrie­be­nen Emp­fangs­be­stä­ti­gung.
Abs. 2 Wenn die oben in die­sem Para­gra­phen beschrie­bene Über­sen­dung nicht inner­halb von fünf Tagen erfolgt, wird die Ver­öf­fent­li­chung gemäß § 4 durch­ge­führt.
§ 6 Rechts­hil­fe­er­su­chen und alle amt­li­chen Mit­tei­lun­gen, die inner­halb der Organe der Jus­tiz ver­schickt wer­den sowie zwi­schen den Orga­nen und ande­ren Gewal­ten sol­len vor­zugs­weise durch elek­tro­ni­sche Medien ver­sandt wer­den.
§ 7 Die Per­so­nen des Öffent­li­chen Rechts, die Organe der direk­ten und indi­rek­ten Ver­wal­tung und ihre gericht­li­chen Ver­tre­tun­gen soll­ten inner­halb von hun­dert­zwan­zig Tagen nach dem Erlass die­ses Geset­zes einen Dienst zum Emp­fang und zur Ver­sen­dung von gericht­li­chen Doku­men­ten durch elek­tro­ni­sche Medien ein­rich­ten.
Abs. 1 Die Vor­schrif­ten des vor­lie­gen­den Geset­zes gel­ten nicht für Stadt­ge­mein­den, solange diese nicht über die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­füh­rung von elek­tro­ni­schen Sys­te­men ver­fü­gen.
§ 8 Die Organe der Jus­tiz kön­nen Sys­teme zur Über­mitt­lung von Daten ent­wi­ckeln und Zugangs­pro­gramme für die gemäß § 2 amt­lich regis­trier­ten Per­so­nen ver­tei­len, die zwangs­mä­ßig für die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­tion im Wir­kungs­be­reich die­ses Geset­zes zu ver­wen­den sind.
Abs. 1 Das Sys­tem wird mit den fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­stat­tet:
I Auto­ma­ti­sche Emp­fangs­be­stä­ti­gung und Öff­nung von Nach­rich­ten
II Auto­ma­ti­sche Num­me­rie­rung oder ein ande­rer Mecha­nis­mus, der die Voll­stän­dig­keit des Tex­tes gewähr­leis­tet
III Elek­tro­ni­sches Pro­to­koll der übersand­ten Nach­rich­ten, in dem das Datum und die Uhr­zeit fest­ge­hal­ten wer­den
IV Visua­li­sie­rung der Datei, um ihren Inhalt und ihre Form vor der Ver­sen­dung zu bestä­ti­gen
V Schutz der über­mit­tel­ten Texte durch die Her­vor­he­bung von geän­der­ten Dateien
VI Elek­tro­ni­sche Spei­che­rung der im Rah­men des vor­lie­gen­den Geset­zes getä­tig­ten Rechts­hand­lun­gen und der Zugänge
§ 9 Die Ver­fah­rens­pro­to­kolle kön­nen für das Pro­to­koll mit­hilfe von Auf­nah­me­tech­ni­ken von Tönen, Bil­dern oder Sprach­er­ken­nung nach Ermes­sen des Richters auf­ge­zeich­net wer­den.
§ 10 Die Pro­zess­ak­ten kön­nen teil­weise oder voll­stän­dig elek­tro­nisch ver­wahrt wer­den.
§ 11 Die elek­tro­ni­sche Bean­tra­gung von für die Aus­übung ihres Amtes benö­tig­ten Daten aus öffent­li­chen Regis­tern durch Rich­ter und Gerichte mittels Erlass in den Akten wird zuge­si­chert.
Abs. 1 Im Rah­men die­ses Para­gra­phen wer­den als benö­tigte Daten aus öffent­li­chen Regis­tern Daten aus den Regis­tern bezeich­net, die für eine rich­ter­li­che Ent­schei­dung unab­ding­bare Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten. Dies gilt für exis­tie­rende oder noch zu schaf­fende Regis­ter sowie für Regis­ter, die in Kon­zes­sion von einem öffent­li­chen Dienst oder einem pri­va­ten Unter­neh­men ver­wal­tet wer­den.
Abs. 2 Der Zugang, der Gegen­stand die­ses Para­gra­phen ist, geschieht durch eine direkte, tele­ma­ti­sche Com­pu­ter­ver­bin­dung über Kabel, Ein­wahl­ver­fah­ren oder eine andere ver­füg­bare Tech­no­lo­gie.
Abs. 3 Die Organe, die die in die­sem Para­gra­phen ange­spro­che­nen Regis­ter unter­hal­ten, stel­len die für die Erfül­lung die­ser Bestim­mung nöti­gen Mit­tel inner­halb von neun­zig Tagen nach der Anfrage zur Ver­fü­gung.
§ 12. Die­ses Gesetz tritt sech­zig Tage nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung in Kraft, wobei ent­ge­gen­ge­setzte Vor­schrif­ten wider­ru­fen wer­den.
Die bra­si­lia­ni­sche Jus­tiz hat sich schnell der Entwick­lung der Informatik- und Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie ange­passt, wenn auch nicht ein­heit­lich, da jede Insti­tu­tion sich selbst ver­wal­tet, aber die Unter­schiede sind nicht allzu groß. Die Ver­ab­schie­dung des Geset­zes­ent­wurfs über die Infor­ma­ti­sie­rung von Gerichts­pro­zes­sen wird selbst­ver­ständ­lich zu einer Beschleu­ni­gung und daher zu einer bes­se­ren Leis­tung der Gerichte sowie zu einer posi­ti­ven Leis­tungs­ein­schät­zung füh­ren. Es ist jedoch wich­tig her­vor­zu­he­ben, dass in der Stu­die „Legal Struc­ture and Judi­cial Effi­ci­ency: the Lex Mundi Pro­ject“ 5 die Varia­blen Gerichts­ver­wal­tung und Gerichts­ein­rich­tun­gen einen extrem gerin­gen Ein­fluss auf die Zah­len der Jus­tiz­leis­tung haben, die vor allem von den Funk­tio­nen der Jus­tiz­sys­teme, ins­be­son­dere der mehr oder min­der kom­ple­xen Pro­zess­nor­men abhän­gig sind.
1 http://www.certi.org.br/Images/Documentos/UE_2000.pdf
2 Voll­stän­dige Fas­sung: http://www.planalto.gov.br/ccivil_03/Leis/L9504.htm
3 DIAS, Fran­cisco Geraldo Apo­liano, Revista CEJ, Bra­sí­lia, n. 13, p. 120 – 137, jan./abr. 2001
4 1º Con­gresso Bra­si­leiro de Admi­nis­tra­ção da Jus­tiça, 6 a 8 de dezem­bro de 2000, Bra­sí­lia – DF
5 Simeon Djan­kov, Flo­ren­cio Lopez-de-Silanes, Rafael La Porta, and And­rei Shlei­fer. Legal Struc­ture and Judi­cial Effi­ci­ency: the Lex Mundi Pro­ject. World Bank, 2001. http://econ.worldbank.org/view.php?type=5&id=2488

References: § 1

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§ 7

§ 8
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§ 9

§ 10

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§ 12