Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20R%2040/16
Timestamp: 2019-12-13 02:33:10+00:00

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BFH, 26.09.2017 - VII R 40/16 - dejure.org
https://dejure.org/2017,48977
BFH, 26.09.2017 - VII R 40/16 (https://dejure.org/2017,48977)
BFH, Entscheidung vom 26.09.2017 - VII R 40/16 (https://dejure.org/2017,48977)
BFH, Entscheidung vom 26. September 2017 - VII R 40/16 (https://dejure.org/2017,48977)
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§ 21 Abs. 2 Nr. 2 2. Alternative der Insolvenzordnung, §... 191 Abs. 1 Satz 1 der Abgabenordnung (AO), § 34 Abs. 1 AO, § 64 Satz 1 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHG), § 55 Abs. 4 InsO, § 51 Nr. 4 InsO, § 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung, § 126 Abs. 4 FGO, § 100 Abs. 1 Satz 1 FGO, § 191 Abs. 1 Satz 1 AO, § 69 Satz 1 AO, §§ 34, 35 AO, § 118 Abs. 2 FGO, § 21 Abs. 2 Nr. 2 1. Alternative InsO, § 21 Abs. 2 Nr. 2 2. Alternative InsO, §§ 182 bis 184 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, § 22 Abs. 1 Satz 1 InsO, § 34 Abs. 1 Satz 1 AO, § 64 GmbHG, § 64 Satz 2 GmbHG, § 64 Satz 1 GmbHG, § 76 Abs. 1 AO, § 21 Abs. 3 des Umsatzsteuergesetzes, § 76 Abs. 4 Satz 2 AO, § 21 Abs. 3 UStG, § 135 Abs. 2 FGO
Art 224 EWGV 2913/92, Art 224 ZK, Art 226 Buchst b EWGV 2913/92, Art 226 Buchst b ZK, § 34 Abs 1 AO
Pflichten des Geschäftsführers einer GmbH nach Einsetzung eines vorläufigen (schwachen) Insolvenzverwalters; Haftung des Geschäftsführers für Einfuhrabgaben
ZK Art. 224, Art. 226
GmbHG § 64 Satz 1, Haftung wegen Insolvenzverschleppung gemäß § 15a Abs. 1 Satz 1 InsO, Insolvenzverschleppung
Pflichten des Geschäftsführers einer GmbH nach Einsetzung eines vorläufigen (schwachen) Insolvenzverwalters
Haftung des Geschäftsführers für Einfuhrumsatzsteuer trotz Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters
Geschäftsführerhaftung für die Einfuhrumsatzsteuer - nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters
Geschäftsführerhaftung für Einfuhrumsatzsteuer in der Insolvenz
Kurznachricht zu "Geschäftsführerhaftung für Einfuhrumsatzsteuer nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters" von Birgitta Kristina Fey, original erschienen in: BB 2018, 936.
AO § 69, InsO § 55, GmbHG § 64
Haftung, Insolvenz, Grobe Fahrlässigkeit, Pflichtverletzung, Einfuhrumsatzsteuer
BFHE 259, 423
ZIP 2018, 22
NZI 2018, 117
BB 2018, 102
BB 2018, 936
DB 2018, 37
BStBl II 2018, 772
Vom Eintritt der Fälligkeit der Steuern ist diese Pflicht unabhängig (ständige Rechtsprechung, vgl. zuletzt etwa BFH-Urteil vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 m.w.N.).
Infolgedessen wird der Schuldner nicht durch den vorläufigen Insolvenzverwalter aus seiner Pflichtenstellung verdrängt (vgl. zuletzt BFH-Urteil vom 16.05.2017 VII R 25/16, BStBl II 2017, 934 ; vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 ).
Die Pflichtwidrigkeit des klägerischen Verhaltens indiziert im Allgemeinen wie auch im Streitfall zumindest die grobe Fahrlässigkeit (vgl. FG Hamburg, Hamburg, Beschluss vom 07.08.2015 4 V 80/15, Juris; BFH-Urteil vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 ).
d) Entgegen klägerischer Auffassung ist für die Ermittlung der Haftungshöhe nicht von Belang, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Steuerschuldnerin die hier geltend gemachte Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer geltend gemacht hat oder gelten machen könnte (vgl. BFH-Urteil vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 in Bestätigung des vorausgegangenen Urteils des FG Düsseldorf vom 22.11.2016 4 K 1746/16 H, Juris Rn. 28; FG Hamburg…, Beschluss vom 07.08.2015 4 V 80/15, Juris Rn. 49).
e) Sollte der Kläger mit seinem Vorbringen, der Beklagte sei ohnehin "über Quote bedient" worden, eine Verletzung des Grundsatzes der anteiligen Tilgung geltend machen, ist darauf hinzuweisen, dass im Streitfall der Grundsatz der anteiligen Tilgung nicht anzuwenden ist, da die Steuerforderung des HZA wegen des bewilligten laufenden Zahlungsaufschubs vorrangig hätte beglichen werden müssen (BFH-Urteil vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 ).
Ergänzend sei auf das BFH-Urteil vom 26. September 2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 hinzuweisen.
Soweit der Kläger sich zur Entlastung von B... auf das BFH-Urteil vom 5. Juni 2007 VII R 19/06 berufe, habe diese Rechtsprechung sowie der BFH-Beschluss vom 3. Dezember 2004 VII B 178/04, BFH/NV 2005, 661 durch den BFH-Beschluss vom 19. Februar 2010 VII B 190/09, BFH/NV 2010, 1120 sowie das BFH-Urteil vom 26. September 2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 zumindest eine Präzisierung erfahren.
Nach ständiger BFH-Rechtsprechung führt die Einsetzung eines "schwachen" vorläufigen Insolvenzverwalters im Sinne von § 21 Abs. 2 Nr. 2 2. HS InsO nicht dazu, dass der GmbH-Geschäftsführer fortan von der Erfüllung der steuerlichen Pflichten der GmbH im Sinne von § 34 Abs. 1 AO entbunden ist (vgl. dazu zuletzt BFH-Urteil vom 26. September 2017 VII R 40/16, BFH/NV 2018, 304 mwN).
Der GmbH-Geschäftsführer wird durch den vorläufigen Insolvenzverwalter aus seiner Pflichtenstellung nicht verdrängt (vgl. BFH-Urteil vom 26. September 2017, aaO).
In einem solchen Fall muss der GmbH-Geschäftsführer nach Ansicht des BFH, der der erkennende Senat folgt, zwecks Vermeidung einer Bestätigung der Rechtmäßigkeit seiner Haftungsinanspruchnahme nach § 69 AO durch das FG dem Gericht gegenüber darlegen und ggf. nachweisen, welche Schritte er zur Zahlung der Steuer am Fälligkeitstag eingeleitet habe, deren Weiterverfolgung sich jedoch wegen der Haltung des vorläufigen Insolvenzverwalters als sinnlos dargestellt hätten (vgl. BFH-Urteil vom 26. September 2017, aaO, Rz. 18).
Die Geschäftsführer werden durch den vorläufigen Insolvenzverwalter nicht aus ihrer Pflichtenstellung verdrängt und haben weiterhin dafür Sorge zu tragen, dass die Steuern aus den Mitteln der Gesellschaft entrichtet werden (BFH-Urteil vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFHE 259, 423).
Deshalb obliegt es den Haftungsschuldnern, dem Finanzgericht substantiiert darzulegen und gegebenenfalls nachzuweisen, welche Schritte sie zur Zahlung der Steuern eingeleitet hatten, deren Weiterverfolgung sich jedoch wegen der Haltung des vorläufigen Insolvenzverwalters als sinnlos darstellte (vgl. BFH-Urteil vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFHE 259, 423).
Hierin stellt der BFH nochmals klar, dass nach seiner Rechtsprechung, die mit der geänderten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes in Einklang steht, ein Geschäftsführer mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns i. S. d. § 64 Satz 2 GmbHG handelt und nicht nach § 64 Satz 1 GmbHG gegenüber der Gesellschaft erstattungspflichtig ist, wenn er bei Insolvenzreife der Gesellschaft seine steuerlichen Zahlungspflichten erfüllt (BFH-Urteil vom 26.09.2017 VII R 40/16, BFHE 259, 423 mit Verweis auf BFH-Urteil vom 23.09.2008 VII R 27/07, BFHE 222, 228).
Von ihm ist zu verlangen, dass er vorausschauend plant und insbesondere in der Krise finanzielle Mittel zur Entrichtung der geschuldeten Steuern bereithält; vom Eintritt der Fälligkeit der Steuern ist diese Pflicht unabhängig (vgl. BFH-Urteil vom 26. September 2017 VII R 40/16, BFHE 259, 423, BFH/NV 2018, 304, Rz 11).
Die Revision wird im Hinblick auf das anhängige Revisionsverfahren VII R 40/16, in dem es ebenfalls um die Haftung eines GmbH-Geschäftsführers für Einfuhrumsatzsteuer auf Einfuhren vor Insolvenzantrag geht, wegen grundsätzlicher Bedeutung gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO zuzulassen.

References: § 21
 § 34
 § 64
 § 55
 § 51
 § 126
 § 126
 § 100
 § 191
 § 69
 § 118
 § 21
 § 21
 § 22
 § 34
 § 64
 § 64
 § 64
 § 76
 § 21
 § 76
 § 21
 § 135
 § 34
 Art. 224
 Art. 226
 § 64
 § 15
 § 69
 § 55
 § 64
 § 21
 § 34
 § 69
 § 64
 § 64
 § 115