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Timestamp: 2019-12-07 13:34:38+00:00

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BFH, 11.08.1987 - VII R 121/84 - dejure.org
https://dejure.org/1987,116
BFH, 11.08.1987 - VII R 121/84 (https://dejure.org/1987,116)
BFH, Entscheidung vom 11.08.1987 - VII R 121/84 (https://dejure.org/1987,116)
BFH, Entscheidung vom 11. August 1987 - VII R 121/84 (https://dejure.org/1987,116)
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Steuer - Festsetzung - Billigkeitsverfahren - Zumutbarkeit - Fehler - Entschuldbare Rechtsunkenntnis - Rechtsbehelfe
AO (1977) § 227 Abs. 1
Erlaß von Ansprüchen aus dem Steuerschuldverhältnis: Zu den Voraussetzungen, die es ermöglichen, bereits bestandskräftig festgesetzte Steuern im Billigkeitsverfahren sachlich zu überprüfen
Grundgesetz, Art. 3 Abs. 1 ; Abgabenordnung, § 227
DROI, Landwirtschaft, Alkohol
DB 1988, 30
DB 1989, 30
Es entspricht der ständigen Rechtsprechung des BFH, dass eine rechtlich unzutreffende, aber bestandskräftige Festsetzung von Steuern oder steuerlichen Nebenleistungen grundsätzlich nicht durch einen Billigkeitserweis aus sachlichen Gründen nachträglich korrigiert werden kann (z.B. BFH-Urteile vom 11. August 1987 VII R 121/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512; vom 13. Januar 2005 V R 35/03, BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460; Klein/Rüsken, AO, 13. Aufl., § 163 Rz 45, zu verfassungsrechtlichen Einwendungen auch Rz 35).
Es beruft sich zur Begründung auf seine Ausführungen in der Einspruchsentscheidung und macht ferner geltend, das FG sei vom BFH-Urteil vom 11. August 1987 VII R 121/84 (BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512) abgewichen.
Steuern, die --wie hier die Umsatzsteuer für die Streitjahre-- bestandskräftig festgesetzt worden sind, können nach ständiger Rechtsprechung des BFH nur dann im Billigkeitsverfahren sachlich überprüft werden, wenn die Steuerfestsetzung offensichtlich und eindeutig unrichtig ist und wenn es dem Steuerpflichtigen nicht möglich oder nicht zumutbar war, sich gegen deren Fehlerhaftigkeit rechtzeitig zu wehren (vgl. BFH-Urteile in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512;… vom 4. Mai 1995 V R 83/93, BFH/NV 1996, 190, unter 1. b aa;… vom 5. Februar 2003 II R 84/00, BFH/NV 2004, 340, unter II. 2. a; vom 9. Juli 2003 V R 57/02, BFHE 203, 8, BStBl II 2003, 901, unter II. 1. b aa).
Beide Voraussetzungen müssen kumulativ vorliegen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512;… vom 17. Dezember 1997 III R 8/94, BFH/NV 1998, 936, unter 2.).
bb) Aus dem Urteil des VII. Senats des BFH in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512 ergibt sich nichts anderes.
Er hat diese Frage in dem bezeichneten Urteil vielmehr (ausdrücklich) offen gelassen (vgl. BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512, 513 linke Spalte).
Diese Grundsatzentscheidung des Gesetzgebers ist bei der Auslegung des § 227 AO 1977 zu berücksichtigen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512, 513, rechte Spalte).
Bei Einwänden, die, wie hier, die materiell-rechtliche Richtigkeit der Steuerfestsetzung betreffen, ist ein Erlass aus Billigkeitsgründen nur möglich, wenn die Steuerfestsetzung offensichtlich und eindeutig falsch ist und dem Steuerpflichtigen nicht zuzumuten war, sich rechtzeitig gegen die Fehlerhaftigkeit zu wehren (ständige BFH-Rechtsprechung, vgl. Urteile vom 30. April 1981 VI R 169/78, BFHE 133, 255, BStBl II 1981, 611; vom 11. August 1987 VII R 121/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512;… Senatsurteil vom 21. Juli 1993 X R 104/91, BFH/NV 1994, 597;… Urteil vom 14. November 2007 II R 3/06, BFH/NV 2008, 574, und Senatsurteil in BFH/NV 2011, 561; s. auch Stöcker in Beermann/Gosch, AO § 227 Rz 22).
Nach ständiger Rechtsprechung des BFH können bestandskräftig festgesetzte Steuern im Billigkeitsverfahren u.a. nur dann sachlich überprüft werden, wenn es dem Steuerpflichtigen nicht möglich oder nicht zumutbar war, sich gegen die Fehlerhaftigkeit der Festsetzung rechtzeitig zu wehren (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 30. April 1981 VI R 169/78, BFHE 133, 255, BStB1 II 1981, 611; vom 11. August 1987 VII R 121/84, BFHE 150, 502, BStB1 II 1988, 512;… vom 29. Mai 2008 V R 45/06, BFH/NV 2008, 1889).
Es liegen besondere Gründe vor, die es rechtfertigen, daß von dem gegebenen Rechtsbehelf des Einspruches kein Gebrauch mehr gemacht wurde (vgl. dazu näher BFH-Urteil in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512).
In solchen Fällen setzt ein Erlass nach § 227 AO neben der persönlichen oder sachlichen Unbilligkeit der Steuereinziehung voraus, dass die Steuerfestsetzung (oder der Grundlagenbescheid) offensichtlich und eindeutig unrichtig ist, und es außerdem dem Steuerpflichtigen nicht möglich und nicht zumutbar war, sich rechtzeitig gegen diese Fehlerhaftigkeit zu wehren (vgl. BVerwG…, Urteil vom 23. August 1990 BVerwG 8 C 42.88 Buchholz 401.0 § 222 AO Nr. 1, S. 5; BFH, Urteil vom 11. August 1987 VII R 121/84 BFHE 150, 502 sowie Groll, in: Hübschmann/Hepp/Spitaler, AO/FGO, § 227 AO Rn. 170 ff. m.w.N. zur Rspr).
Auch entbindet selbst eine gefestigte finanzgerichtliche Rechtsprechung zur Verfassungsmäßigkeit der Staffelung der Steuermesszahlen die Klägerin grundsätzlich nicht von der Last, Rechtsbehelfe gegen die Hoheitsakte zu ergreifen, in denen die von ihr beanstandete Verfassungswidrigkeit der Steuermesszahlregelung für eingemeindete Kommunen ihren unmittelbaren Niederschlag findet, und hierbei eine Klärung der behaupteten Verfassungswidrigkeit der Vorschriften herbeizuführen (im Ergebnis ebenso BFH, Urteil vom 11. August 1987 VII R 121/84 a.a.O.).
Ein Erlass aus Billigkeitserwägungen kommt insoweit schon deshalb nicht in Betracht, weil die Klägerin die unzutreffende Umsatzsteuerfestsetzung in diesem Verfahren hätte geltend machen können und müssen (vgl. BFH-Urteil vom 11. August 1987 VII R 121/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512).
Vielmehr ist es nach der Entscheidung des Gesetzgebers grundsätzlich Sache des Steuerpflichtigen, seine Rechte durch Einlegung von Einsprüchen selbst zu wahren (vgl. BFH-Urteil vom 11. August 1987 VII R 121/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512).
Das FA hat unter Berufung auf das BFH-Urteil vom 11. August 1987 VII R 121/84 (BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512) den begehrten Erlass zu Recht mit der Begründung abgelehnt, der Grundsatz der Rechtssicherheit habe Vorrang vor dem Grundsatz der materiellen Gerechtigkeit im Einzelfall.
Nach ständiger Rechtsprechung des BFH kann eine falsche Steuerfestsetzung jedenfalls dann zu einem Billigkeitserlass führen, wenn die Fehlerhaftigkeit offensichtlich und eindeutig ist und wenn es dem Steuerpflichtigen nicht möglich und nicht zumutbar war, sich gegen die Fehlerhaftigkeit rechtzeitig zu wehren (vgl. BFH-Urteile vom 30. April 1981 VI R 169/78, BFHE 133, 255, BStBl II 1981, 611; vom 11. August 1987 VII R 121/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512, …und vom 17. Dezember 1997 III R 8/94, BFH/NV 1998, 935).
OVG Niedersachsen-Schleswig-Holstein, 18.04.1990 - 13 L 158/89
BFH, 17.12.1997 - III R 8/94
Steuerfestsetzungen durch die Schätzungsbescheide - Offensichtliche Unrichtigkeit …
BFH, 26.05.2000 - V B 28/00
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BFH, 30.08.1999 - X B 67/99
BFH, 24.07.2000 - VII B 233/99
FG Hamburg, 21.06.2001 - II 378/00
Keine Überprüfung bestandskräftiger Steuerbescheide im Billigkeitsverfahren
BFH, 05.04.1989 - II B 173/88
Zulässigkeit einer Beschwerde bezüglich der Nichtzulasung eine Revision
FG Thüringen, 29.10.1997 - I 142/97
Verpflichtung des Finanzamts, rechtskräftig festgesetzte Kraftfahrzeugsteuer zu …
FG München, 04.06.1997 - 1 K 2401/94
Steuererlass aus sachlichen Billigkeitsgründen; Offensichtliche und eindeutige …

References: § 227
 Art. 3
 § 227
 § 163
 § 227
 § 227
 § 227
 § 222
 § 227