Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Raucherpause_Kuendigung_3_Ca_1336_09.html
Timestamp: 2016-12-05 00:26:55+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 3 Ca 1336/09
Gilt im Be­trieb die Re­ge­lung, dass die Beschäftig­ten bei Rau­cher­pau­sen aus­zu­stem­peln ha­ben, ist ei­ne frist­lo­se Kündi­gung ge­recht­fer­tigt, wenn ei­ne Ar­beit­neh­me­rin trotz Ab­mah­nung wie­der­holt Pau­sen im Rau­cher­raum ver­bringt, oh­ne die vor­ge­schrie­be­ne Zeit­er­fas­sung zu be­die­nen.
Te­nor: 1)Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung Die 59jähri­ge, ge­schie­de­ne Kläge­rin trat zum 1.5.1990 als kaufmänni­sche An­ge­stell­te in die Diens­te der Be­klag­ten, ei­ner An­stalt öffent­li­chen Rechts mit mehr als 10 Ar­beit­neh­mern. Zu­letzt ver­dien­te die Kläge­rin mo­nat­lich 2.315,82 € brut­to. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) An­wen­dung.
Das Com­pu­ter­pro­gramm sei re­la­tiv neu ge­we­sen und ha­be nicht feh­ler­frei ge­ar­bei­tet. Sie ha­be der Be­klag­ten so­fort das An­ge­bot un­ter­brei­tet, für die Rau­cher­pau­sen ei­nen Tag Ur­laub an­zu­rech­nen. Die ord­nungs­gemäße Anhörung des bei der Be­klag­ten be­ste­hen­den Per­so­nal­ra­tes sei mit Nicht­wis­sen zu be­strei­ten.
Die Kläge­rin be­an­tragt, 1.fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die frist­lo­se noch die hilfs­wei­se erklärte Kündi­gung der Be­klag­ten vom 12.5.2009 be­en­det wird,
Der Per­so­nal­rat sei un­ter dem 6.5.2009 be­tei­ligt wor­den. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die von den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf das Er­geb­nis der münd­li­chen Ver­hand­lung Be­zug ge­nom­men.
Ent­scheid u n g s g r ü n d e : I.
1. Die Kündi­gung vom 12.5.2009 hat das Ar­beits­verhält­nis frist­los be­en­det. a) Nach § 34 Abs. 2 TVöD können Ar­beits­verhält­nis­se von Beschäftig­ten, die das 40. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben und für die die Re­ge­lun­gen des Ta­rif­ge­biets West An­wen­dung fin­den, nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von mehr als 15 Jah­ren durch den Ar­beit­ge­ber nur aus ei­nem wich­ti­gen Grund gekündigt wer­den.
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Dies gilt auch un­ter Berück­sich­ti­gung des be­son­de­ren Kündi­gungs­schut­zes gem. § 34 Abs. 2 TVöD, der ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung aus­sch­ließt. Die ta­rif­li­che „Unkünd­bar­keit“ kann zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ins Ge­wicht fal­len, wenn es sich um ei­nen ein­ma­li­gen Vor­fall ge­han­delt hätte. Bei ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist dies je­doch an­ders zu se­hen (so aus­drück­lich BAG v. 14.2.1996, 2 AZR 274/95, NZA 1996, 873). Auch der or­dent­lich unkünd­ba­re Ar­beit­neh­mer kann nicht dar­auf ver­trau­en, dass er im­mer wie­der- sank­ti­ons­los - ver­ges­sen darf, das er­for­der­li­che Ein- und Aus­stem­peln vor­zu­neh­men. Die mil­de­re Sank­ti­on - nämlich ei­ne Ab­mah­nung - hat­te die Be­klag­te be­reits für drei Ver­feh­lun­gen im Er­geb­nis er­folg­los ver­sucht.
b) Die Kündi­gung ist recht­zei­tig gem. § 626 Abs. 2 BGB in­ner­halb von zwei Wo­chen er­folgt. Die Kündi­gungs­erklärungs­frist be­ginnt gem. § 626 Abs. 2 S. 2 BGB mit dem Zeit­punkt, in dem der Kündi­gungs­be­rech­tig­te von den für die Kündi­gung maßge­ben­den Tat­sa­chen Kennt­nis er­langt (BAG v. 23.10.2008, 2 AZR 388/07, AP Nr. 217 zu § 626 BGB).
c) Die Kündi­gung ist auch nicht we­gen feh­len­der oder un­rich­ti­ger Per­so­nal­rats­anhörung un­wirk­sam.
II. - 8 -
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 46 Abs. 2 ArbGG iVm. § 91 ZPO. Der Streit­wert ist gem. § 61 Abs. 1 ArbGG, § 3 ZPO, § 42 Abs. 3 GKG im Ur­teil fest­zu­set­zen. Er ent­spricht im Übri­gen dem gem. § 63 Abs. 2 GKG für die Ge­richts­gebühren fest­zu­set­zen­den Streit­wert.
Rechts­mit­tel­be­leh­rung Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den. Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner N o t f r i s t* von ei­nem Mo­nat beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21, 40227 Düssel­dorf, Fax: 0211 7770 2199 ein­ge­gan­gen sein.
Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. * Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den. Ha­gen m.hensche.de
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References: § 34
 § 34
 § 626
 § 626
 § 626
 § 46
 § 91
 § 61
 § 3
 § 42
 § 63