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Timestamp: 2018-10-23 22:32:38+00:00

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ArbG Köln, Urteil vom 10.02.2016, 9 Ca 4843/15 - HENSCHE Arbeitsrecht
ArbG Köln, Ur­teil vom 10.02.2016, 9 Ca 4843/15
Schlagworte: Diskriminierungsverbote - Geschlecht, Erlaubte Diskriminierung
Aktenzeichen: 9 Ca 4843/15
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 18.05.2017, 7 Sa 913/16
Ar­beits­ge­richt Köln, 9 Ca 4843/15
3. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 8.775,00 € fest­ge­setzt.
4. Ei­ne ge­son­der­te Zu­las­sung der Be­ru­fung er­folgt nicht.
2 Der am .1987 ge­bo­re­ne Kläger ab­sol­vier­te in der Zeit vom 01.08.2006 bis zum 11.06.2008 bei der … Nie­der­las­sung Rhein-Ruhr ei­ne Aus­bil­dung zum Au­to­mo­bil­kauf­mann, die er er­folg­reich ab­schloss. Im An­schluss ar­bei­te­te er dort bis zum 30.06.2009 als Au­to­mo­bil­kauf­mann.
3 Das Durch­schnitts­ge­halt ei­nes aus­ge­bil­de­ten Au­to­mo­bil­kauf­manns beträgt – nach ei­ner Stu­die des In­ter­net­por­tals www.ge­halts­ver­gleich.com mo­nat­lich 2.925 EUR.
4 In der Fol­ge­zeit war der Kläger als selbstständi­ger Han­dels­ver­tre­ter, als kaufmänni­scher An­ge­stell­ter und als Te­le­sa­les Agent tätig. Seit dem Som­mer­se­mes­ter 2014 stu­diert er Be­triebs­wirt­schaft an der Hoch­schu­le Bonn/Rhein-Sieg.
5 Die Be­klag­te, die ein Au­to­haus für die Mar­ken Maz­da, Su­zu­ki und Ford be­treibt, veröffent­lich­te auf ih­rer Home­page ei­ne Stel­len­an­zei­ge, die aus­zugs­wei­se wie folgt lau­tet:
6 „Frau­en an die Macht!!
7 Zur wei­te­ren Verstärkung un­se­res Ver­kaufsteams su­chen wir ei­ne selbst­be­wuss­te, en­ga­gier­te und er­folgs­hung­ri­ge Verkäufe­r­in.
8 […]“
9 Zum Zeit­punkt der Veröffent­li­chung der Stel­len­an­zei­ge beschäftig­te die Be­klag­te aus­sch­ließlich männ­li­che Ver­kaufs­mit­ar­bei­ter. Auf die­se Stel­len­an­zei­ge be­warb sich der Kläger mit Be­wer­bungs­schrei­ben vom 02.03.2015. Per E-Mail teil­te die Be­klag­te ihm am 17.03.2015 mit, dass er nicht in die en­ge­re Aus­wahl für die­sen Ar­beits­platz kom­me.
10 Die Be­klag­te stell­te ei­ne Be­wer­be­rin ein, die sich be­reits am 29.01.2015 be­wor­ben hat­te.
11 Mit Schrei­ben vom 27.04.2015 mach­te der Kläger ge­genüber der Be­klag­ten ei­nen An­spruch nach § 15 AGG gel­tend. Durch Schrei­ben ih­res nun­meh­ri­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 29.04.2015 wies die Be­klag­te den An­spruch zurück.
12 Mit sei­ner am 07.07.2015 vor­ab per Te­le­fax bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge, die der Be­klag­ten am 24.07.2015 zu­ge­stellt wor­den ist, ver­folgt der Kläger sei­nen Entschädi­gungs­an­spruch wei­ter und be­gehrt von der Be­klag­ten die Zah­lung von drei Mo­nats­gehältern ei­nes aus­ge­bil­de­ten Au­to­mo­bil­kauf­manns als Entschädi­gung.
13 Der Kläger be­an­tragt,
14 die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn, den Kläger, 8.775 EUR nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 29.04.2015 zu zah­len.
15 Die Be­klag­te be­an­tragt,
16 die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
17 Sie be­haup­tet, im Ver­trieb/Fahr­zeug­ver­kauf, ins­be­son­de­re bei der Mar­ke Ford, be­ste­he ein ho­her weib­li­cher Kun­den­an­teil von min­des­tens 25 bis 30 Pro­zent; die „jun­gen Mo­del­le“ und Ein­stei­ger­mo­del­le wie Ford Ka und Ford Fi­es­ta sei­en bei der weib­li­chen Kund­schaft be­son­ders ge­fragt; die An­non­ce, auf die der Kläger sich be­wor­ben hat, sei ursprüng­lich als Wer­be­ak­ti­on ge­schal­tet wor­den, um weib­li­che Kund­schaft an­zu­spre­chen; zum an­de­ren ha­be Be­wer­be­rin­nen der An­reiz ge­ge­ben wer­den sol­len, sich zu be­wer­ben; es hätten ver­schie­de­ne Kun­den bei ihr nach­ge­fragt, ob auch ei­ne Verkäufe­r­in beschäftigt wer­de und die Kun­din­nen be­die­nen könne; Verkäufer würden im Re­gel­fall mit ei­nem Fi­xum von le­dig­lich 1.000 EUR zzgl. Ver­kaufs- und er­folgs­abhängi­ger Pro­vi­si­on ein­ge­stellt; ent­spre­chen­des sei auch hier an­ge­bo­ten wor­den und so sei auch ver­fah­ren wor­den.
18 Die Be­klag­te ist der An­sicht, der Kläger sei als Au­to­mo­bil­verkäufer nicht ge­eig­net
19 We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die vor­be­rei­ten­den Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
20 E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e
21 Die zulässi­ge Kla­ge hat in der Sa­che kei­nen Er­folg.
22 Der Kläger ist als Be­wer­ber „Beschäftig­ter“ nach § 6 Abs. 1 Satz 2 AGG und fällt in den persönli­chen An­wen­dungs­be­reich des AGG. Da­bei spielt es kei­ne Rol­le, ob er für die aus­ge­schrie­be­ne Tätig­keit ob­jek­tiv ge­eig­net ist (vgl. BAG, Ur­teil v. 13.10.2011 – 8 AZR 608/10, ju­ris, dort Rd­nr. 18).
23 Die Be­klag­te ist als „Ar­beit­ge­be­rin“ pas­siv le­gi­ti­miert. Nach § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG ist Ar­beit­ge­ber im Sin­ne des Ge­set­zes, wer „Per­so­nen nach Ab­satz 1“ des § 6 AGG „beschäftigt“. Ar­beit­ge­ber ei­nes Be­wer­bers ist al­so der, der um Be­wer­bun­gen für ein von ihm an­ge­streb­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis ge­be­ten hat (vgl. BAG, Ur­teil v. 13.10.2011 – 8 AZR 608/10, ju­ris, dort Rd­nr. 19).
24 Der Entschädi­gungs­an­spruch ist auch recht­zei­tig gel­tend ge­macht wor­den.
25 Gemäß § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG muss ein An­spruch aus § 15 Abs. 2 AGG in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Im Fal­le ei­ner Be­wer­bung be­ginnt die Frist mit dem Zu­gang der Ab­leh­nung (§ 15 Abs. 4 Satz 2 AGG). Mit E-Mail-Schrei­ben vom 17.03.2015 hat die Be­klag­te dem Kläger ei­ne Ab­sa­ge er­teilt. Die­ser hat am 27.04.2015 durch sei­ne nun­meh­ri­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch schrift­lich gel­tend ge­macht, den die Be­klag­te durch ih­ren nun­meh­ri­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter dem 29.04.2015 zurück­ge­wie­sen hat. Da­mit ist die Frist des § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG ge­wahrt.
26 Der Kläger hat sei­nen Entschädi­gungs­an­spruch durch die beim Ar­beits­ge­richt am 07.07.2015 ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge in­ner­halb der drei­mo­na­ti­gen Kla­ge­er­he­bungs­frist des § 61b Abs. 1 ArbGG gel­tend ge­macht.
27 Gleich­wohl steht dem Kläger kein Entschädi­gungs­an­spruch gem. § 15 Abs. 2 AGG ge­gen die Be­klag­te zu. An­spruchs­vor­aus­set­zung für ei­nen sol­chen An­spruch ist ei­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 7 AGG. Gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 AGG i.V.m. § 6 Abs. 1 Satz 2 AGG dürfen auch Stel­len­be­wer­ber nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des be­nach­tei­ligt wer­den. Wird ein Ar­beits­platz gemäß § 11 AGG un­ter Ver­s­toß ge­gen § 7 Abs. 1 AGG aus­ge­schrie­ben, so hat dies zwar noch kei­ne ei­ge­nen recht­li­chen Kon­se­quen­zen. Re­le­vant ist ein Ver­s­toß ge­gen § 11 AGG aber in­so­fern, als er ein In­diz für ei­nen Ver­s­toß ge­gen § 7 Abs. 1 AGG bei der nach­fol­gen­den Ein­stel­lungs­ent­schei­dung bzw. Be­wer­bungsa­b­leh­nung bil­det und die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 22 AGG nach sich zieht (vgl. be­reits ArbG Köln, Ur­teil v. 06.08.2008 – 9 Ca 7687/07, ju­ris, dort Rd­nr. 43).
28 Liegt kein Recht­fer­ti­gungs­grund im Sin­ne von § 8 Abs. 1 AGG vor, ist ei­ne Aus­schrei­bung so zu for­mu­lie­ren, dass sie in ih­rer ge­sam­ten Aus­drucks­wei­se nicht an das Vor­han­den­sein oder Feh­len ei­nes der Merk­ma­le des § 1 AGG an­knüpft, d.h., die An­for­de­run­gen an ei­ne Stel­le dürfen grundsätz­lich auch kei­ne ge­schlecht­li­chen Spe­zi­fi­ka ent­hal­ten.
29 Im Streit­fall wur­de in der Stel­len­aus­schrei­bung aus­drück­lich ei­ne Frau ge­sucht, was bei Ab­leh­nung des Klägers als ei­nes männ­li­chen Be­wer­bers ei­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 1 AGG we­gen des Ge­schlechts in­di­ziert. Die Kam­mer hat­te da­her da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­wer­bung des Klägers we­gen sei­nes Ge­schlechts un­berück­sich­tigt ge­blie­ben ist, so dass er sich auf die Ver­mu­tungs­wir­kung gemäß § 22 AGG be­ru­fen kann.
30 Be­reits das dem Ge­bot der dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Stel­len­aus­schrei­bung wi­der­spre­chen­de Stel­len­an­ge­bot in Ver­bin­dung mit der Be­wer­be­ra­b­leh­nung ist hierfür aus­rei­chend.
31 Die von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne un­ter­schied­li­che Be­nach­tei­li­gung we­gen des gem. § 7 Abs. 1 AGG i.V.m. § 1 AGG un­zulässi­gen An­knüpfungs­merk­mals ist aber gemäß § 8 Abs. 1 AGG ge­recht­fer­tigt. Da­nach ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des aus­nahms­wei­se zulässig, wenn die­ser Grund we­gen der Art der aus­zuüben­den Tätig­keit oder der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern der Zweck rechtmäßig und die An­for­de­rung an­ge­mes­sen ist.
32 Das weib­li­che Ge­schlecht war für die von der Be­klag­ten be­setz­te Stel­le we­gen der Art der aus­zuüben­den Tätig­keit ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung, de­ren Zweck rechtmäßig und die an­ge­mes­sen ist.
33 Ei­ne Recht­fer­ti­gung der un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung nach § 8 Abs. 1 AGG setzt vor­aus, dass das Merk­mal nach § 1 AGG ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung für die Tätig­keit dar­stellt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. Ur­teil v. 18.03.2010 – 8 AZR 77/09, ju­ris, dort Rd­nr. 26) setzt die Zulässig­keit ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung nach dem Ge­schlecht vor­aus, dass die­ses un­ver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung für die Er­brin­gung der Tätig­keit ist. Dem­ent­spre­chend kann das Ge­schlecht nur dann im Sin­ne des § 8 Abs. 1 AGG ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung bil­den, wenn die Tätig­keit oh­ne das Merk­mal je­den­falls nicht ord­nungs­gemäß durch­geführt wer­den kann. Ab­zu­stel­len ist auf die kon­kret vom Ar­beit­neh­mer aus­zuüben­de Tätig­keit, die sich nach dem vom Ar­beit­ge­ber fest­ge­leg­ten Un­ter­neh­mens­kon­zept rich­tet (vgl. BAG, Ur­teil v. 18.03.2010 – 8 AZR 77/09, ju­ris, dort Rd­nr. 26). Das vom Ar­beit­ge­ber ge­for­der­te Merk­mal muss um we­sent­lich sein zu können, für die vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­be­ne be­ruf­li­che An­for­de­rung ei­ne prägen­de Be­deu­tung ha­ben, wo­bei es nicht dar­auf an­kommt, wel­cher zeit­li­che An­teil der Tätig­keit be­trof­fen ist, son­dern dar­auf, ob das Merk­mal für die Er­rei­chung des un­ter­neh­me­ri­schen Zwecks er­for­der­lich ist. Das Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal darf nicht nur für un­be­deu­ten­de, für den Ar­beits­platz nicht cha­rak­te­ris­ti­sche Tätig­kei­ten not­wen­dig sein.
34 Im vor­lie­gen­den Fall hat die Be­klag­te aus­geführt, im Ver­trieb/Fahr­zeug­ver­kauf, ins­be­son­de­re bei der Mar­ke Ford, be­ste­he ein ho­her weib­li­cher Kun­den­an­teil von min­des­tens 25 bis 30 Pro­zent; die „jun­gen Mo­del­le“ und Ein­stei­ger­mo­del­le wie Ford Ka und Ford Fi­es­ta sei­en bei der weib­li­chen Kund­schaft be­son­ders ge­fragt. Außer­dem hätten ver­schie­de­ne Kun­den bei ihr nach­ge­fragt, ob auch ei­ne Verkäufe­r­in beschäftigt wer­de und die Kun­din­nen be­die­nen könne. Die zu­grun­de lie­gen­den Tat­sa­chen hat der Kläger be­strit­ten. Gleich­wohl lässt sich aus dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten, die vor dem Schal­ten der Stel­len­an­zei­ge und der Ein­stel­lung der Mit­be­wer­be­rin aus­sch­ließlich männ­li­che Au­to­verkäufer beschäftigt hat, er­ken­nen, dass sie das Ziel ver­folgt, zu­min­dest ei­ne Verkäufe­r­in zu beschäfti­gen und da­mit si­cher­zu­stel­len, dass Ver­kaufs­be­ra­ter bei­den Ge­schlechts als An­sprech­part­ner/-in für die Kun­den zur Verfügung ste­hen.
35 Die­ses Ziel stellt sich nach Auf­fas­sung der Kam­mer als zulässig dar. Die Kam­mer ver­kennt da­bei nicht, dass § 8 Abs. 1 AGG nicht da­zu dient, ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Beschäftig­ten­struk­tur nach Al­ter, Ge­schlecht oder sons­ti­gen Merk­ma­len her­zu­stel­len. Gleich­wohl hält die Kam­mer es für ein zulässi­ges un­ter­neh­me­ri­sches Kon­zept, dass ein am Markt auf­tre­ten­des Un­ter­neh­men, des­sen Zweck der Ver­kauf be­stimm­ter Pro­duk­te, hier: Au­tos, ist, gewähr­leis­tet wis­sen möch­te, dass Kun­din­nen und Kun­den die Möglich­keit ha­ben, sich an ei­nen Verkäufer oder – nach ih­rer, der Kun­den, Wahl – an ei­ne Verkäufe­r­in wen­den können. Da­bei ist es un­er­heb­lich, ob ein der­ar­ti­ger Wun­sche sei­tens der Kun­den tatsächlich an die Be­klag­te her­an­ge­tra­gen wor­den ist. Da die Be­klag­te zum maßgeb­li­chen Zeit­punkt des Schal­tens der Stel­len­an­zei­ge bzw. der Ein­stel­lung der Mit­be­wer­be­rin des Klägers kei­ne ein­zi­ge Verkäufe­r­in beschäftig­te, konn­te sie ih­rem Ziel, Ver­kaufs­be­ra­ter bei­den Ge­schlechts zu beschäfti­gen, aus­sch­ließlich durch die Ein­stel­lung ei­ner Verkäufe­r­in er­rei­chen.
36 Zu be­to­nen ist, dass durch ein sol­ches Verständ­nis von § 8 Abs. 1 nicht – et­wa un­ter Rück­griff auf tatsächli­che oder ver­meint­li­che Kun­den­er­war­tun­gen – die Möglich­keit ge­schaf­fen wird, durch ein – womöglich so­gar nur vor­ge­scho­be­nes – un­ter­neh­me­ri­sches Kon­zept das Ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG zu um­ge­hen. Ein sol­ches Leer­lau­fen des Be­nach­tei­li­gungs­ver­bots droht nicht, wenn aus­sch­ließlich in be­son­ders ge­la­ger­ten Fällen wie dem vor­lie­gen­den, in de­nen der Ar­beit­ge­ber aus­sch­ließlich Mit­ar­bei­ter des­sel­ben Ge­schlechts beschäftigt, tatsächli­che oder ver­meint­li­che Kun­den­er­war­tun­gen da­zu her­an­ge­zo­gen wer­den können, die Zu­gehörig­keit zu dem an­de­ren, bis­her in dem Be­trieb oder je­den­falls in der Be­rufs­grup­pe nicht ver­tre­te­nen Ge­schlecht zu ei­ner we­sent­li­chen be­ruf­li­chen An­for­de­rung zu be­stim­men.
37 In ei­ner sol­chen be­son­de­ren Fall­ge­stal­tung hält die Kam­mer es für zulässig, dass ein Ar­beit­ge­ber un­ter Rück­sicht­nah­me auf tatsächli­che oder von ihm an­ge­nom­me­ne, ob­jek­tiv je­den­falls nicht aus­ge­schlos­se­ne Kun­den­er­war­tun­gen ei­nen Mit­ar­bei­ter des an­de­ren Ge­schlechts ein­stellt. Grundsätz­lich können Kun­den­er­war­tun­gen bei der Fest­le­gung der be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen für ei­nen Ar­beits­platz her­an­ge­zo­gen wer­den (vgl. Cza­pek, in: ju­risPK-BGB, Stand: 01.12.2014, § 8 AGG, Rd­nr. 8; ErfK/Schlach­ter, 16. Aufl., § 8 AGG Rd­nr. 5; Schleu­se­ner/Suckow/Voigt, AGG, 4. Aufl., § 8 AGG, Rd­nr. 9; un­klar: Pa­landt/Wei­den­kaff, 75. Aufl., § 8 AGG Rd­nr. 2 ei­ner­seits und Rd­nr. 3 an­de­rer­seits: „Mie­der­wa­ren­verkäufe­r­in“).
38 Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 Satz 1, 1. Hs. ZPO i.V.m. § 46 Abs. 2 ArbGG. Die Streit­wert­fest­set­zung im Ur­teil be­ruht auf § 61 Abs. 1 ArbGG, § 3 ZPO.
39 RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG
40 Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den. Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
41 Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form bei dem
42 Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln
43 Blu­ment­hals­traße 33
44 50670 Köln
45 Fax: 0221-7740 356
46 ein­ge­gan­gen sein.
47 Die elek­tro­ni­sche Form wird durch ein qua­li­fi­ziert si­gnier­tes elek­tro­ni­sches Do­ku­ment ge­wahrt, das nach Maßga­be der Ver­ord­nung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr bei den Ar­beits­ge­rich­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (ERV­VO ArbG) vom 2. Mai 2013 in der je­weils gel­ten­den Fas­sung in die elek­tro­ni­sche Post­stel­le zu über­mit­teln ist. Nähe­re Hin­wei­se zum elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr fin­den Sie auf der In­ter­net­sei­te www.egvp.de.
48 Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.
49 Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:
51 1. Rechts­anwälte,
52 2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
53 3. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
54 Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.
55 * Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.
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References: § 15
 § 6
 § 6
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 § 15
 § 15
 § 15
 § 61
 § 15
 § 7
 § 7
 § 6
 § 1
 § 11
 § 7
 § 11
 § 7
 § 22
 § 8
 § 1
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 § 7
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 § 8
 § 8
 § 91
 § 46
 § 61
 § 3