Source: http://www.deliberationdaily.de/2017/11/die-angst-vor-dem-waehler/
Timestamp: 2018-05-21 18:35:34+00:00

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by Stefan Pietsch on 24. November 2017
Nach dem spektakulären Scheitern der Sondierungsgespräche orientieren sich nun die bisherigen Koalitionspartner von Union und SPD in großen Schritten aufeinander zu. Dabei stehen die Sozialdemokraten unter großem öffentlichem Druck, ihre zahlreichen Absichtserklärungen zukünftig nur Oppositionspartei sein zu wollen, wieder zu kassieren. Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz wackelt heftig, Gerüchte über seinen Rücktritt kursieren, immer höherrangige Parteifunktionäre wagen sich aus der Deckung und mahnen staatspolitische Verantwortung an. Die seit 12 Jahren regierende Kanzlerin Angela Merkel steht nach Monaten der Verhandlungen mit FDP und Grünen immer noch ohne eigene Mehrheit da. In dieser Krisensituation schlägt die Stunde derer, welche die Arbeiterpartei in Haftung für die Staatsräson nehmen. Die auf 20% abgesackte frühere Volkspartei muss nach der Flucht der Liberalen aus Prinzipientreue wieder ins Geschirr, um die Fortsetzung der Merkel’schen Stabilitätspolitik sicherzustellen. Doch ist die Neuauflage des schwarz-roten Bündnisses tatsächlich so alternativlos?
Als Angela Merkel 2005 erstmalig zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, hatte sie mit Union und SPD eine satte Mehrheit von 70% der Wähler hinter sich. Zwölf Jahre und eine Finanzkrise, eine Eurokrise und eine Flüchtlingskrise weiter kommen die beiden staatstragenden Parteien lediglich noch auf gut 53%, neueste Umfragen signalisieren einen Absturz unter die absolute Mehrheitsschwelle. Selbst die CDU verliert zunehmend ihre Bindungskraft auf breite Schichten der Bevölkerung, von nationalstaatlich denkenden Bürgern über begeisterte Kleinunternehmer wie Mittelständler, Bildungsaufsteiger bis hin zu Arbeitern und Arbeitslosen. Und obwohl die CDU-Vorsitzende in all den Krisen, welche die großen Linien der Politik maßgeblich beeinflussten und veränderten, am Steuerrad stand und in mehr als einer Dekade keine der Brandherde abschließend eindämmen konnte, so mochte sie doch keine wesentlichen Fehler erkennen, als ihr der Wähler im September ein vorläufiges Zwischenzeugnis ausstellte. Eine solche Merkresistenz erinnert an den Slogan der alten DDR-Staatsratsregierung: Merkel in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.
Anders als frühere Kanzler besitzt die gelernte DDR-Bürgerin keine Problemlösungs- noch Managementkompetenz. Aufmerksamen politischen Beobachtern war dies bereits sehr früh aufgefallen, als die frisch gewählte Bundeskanzlerin die Reform der Krankenkassenfinanzierung zu ihrem Projekt machte. Konservative und Sozialdemokraten hatten sich im Wahlkampf 2005 ob dieses Themas zerstritten, während die Union für eine sogenannte Kopfpauschale warb, zog das Willy-Brandt-Haus mit einer Bürgerversicherung ins Rennen, jenes Modell, dass auch 3 Wahlen später noch im Programm steht. Ladenhüter ist für solche Politikansätze noch geschmeichelt. Am Ende des fachlichen Werkelns der gelernten Physikerin stand ein bürokratisches Monster namens Gesundheitsfonds, der weder von Versicherten noch Krankenkassen wertgeschätzt und im Zeitablauf mehrmals reformiert werden musste. Anschließend zog sich die Bruchpilotin aufs Präsidieren zurück.
Doch die Bruchpilotin steckt immer noch in der Kanzlerin. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor zwei Jahren, als eine schnell wachsende Zahl von verzweifelten Kriegsflüchtlingen wie armen Glücksrittern aus den Maghreb-Staaten und vom Balkan die Aufnahmekapazitäten an den Außengrenzen der Europäischen Union zu überschwemmen drohten, ließ die Bundeskanzlerin die Kontrollen an den deutschen Grenzen weitgehend aufheben und suspendierte die europäischen Abkommen Dublin und Schengen, welche bis dahin die Republik vor ungesteuerter Zuwanderung schützte. Als bereits die bundeseigene Behörde BAMF und die Flüchtlingslager vor dem Ansturm zu kapitulieren drohten, motivierte „Mama Merkel“ ihre Landsleute mit „Wir schaffen das!“. Die Bürger in unzähligen freiwilligen Initiativen schafften tatsächlich viel, während das Bundeskabinett in rasender gesetzgeberischer Tatenlosigkeit gefangen blieb.
Die herausragende Leistung von Merkel kam dann auch auf dem Verhandlungswege mit dem Autokraten Recep Erdoğan in Ankara zustande, der für bisher 6 Milliarden Euro, bezahlt aus dem Bundeshaushalt, bereit war, als Ventilfunktion zu agieren. Seit dem schmutzigen Deal ist die Bundeskanzlerin neben vielen anderen europäischen Staatsbürgern Geisel türkischen Präsidenten. Der einzige Unterschied: die deutsche Regentin sitzt nicht im Gefängnis.
Und nun bekommt die CDU-Vorsitzende nicht mal mehr eine Regierung zustande, ohne bei dem früheren Konkurrenten als Bittstellerin aufzutreten. Nicht wenige der Teilnehmer sowie politische Beobachter in Parteien, Medien und Think Tanks machen die geschäftsführende Regierungschefin als das eigentliche Problem aus, die mit ihrer Taktik maßgeblich zum Scheitern beigetragen habe. Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders, jedenfalls bekommt Merkel nun die Mehrheitskonstellation, die sie schon immer wollte. Mit dem Programm wie den Forderungen der Sozialdemokraten hat sie ohnehin kein Problem, schließlich hat sie selber keine. Politisch sozialisiert in einer Welt, wo der Staat sich um alles kümmerte und die Regierung bestimmt, welches Einkommen dem Untertan zusteht, konnte sich die in der Freien Hansestadt Hamburg geborene Pastorentochter schon immer mit dem paternalistischen Ansätzen der linken Parteien anfreunden und sie verinnerlichen.
Zurück bleibt ein Wahlvolk, das in wachsender Mehrheit die bisherige Politik ablehnt und weder eine Fortsetzung der großen Koalition noch eine Minderheitsregierung der CDU wünscht. Doch um den Wählerwillen geht es längst nicht mehr, der wird beliebig für die eigenen Zwecke vergewaltigt.
Es gibt im Grundgesetz keine Pflicht zur Koalitionsbildung. Die Regeln der Verfassung sind dabei klar, kann der Bundestag sich nicht auf eine stabile Regierung einigen, so hat der Bundespräsident das Recht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen. Nur selten ist in den Artikeln von Rechten des Staatsoberhauptes die Rede, so kann er nicht mal einen Regierungschef absetzen, den er für ungeeignet erachtet. Aber wenn sich schon zu Beginn keine tragfähigen Mehrheiten bilden, dann hat der Hausherr vom Schloss Bellevue eine große Macht. Und da greift auch nicht das Argument, man könne den Bürger nicht binnen Monaten an die Urne rufen, wenn bei Befragungen genau dies die Mehrheit wünscht und es sich durch den Wählerauftrag an die im Bundestag vertretenen Parteien ergibt.
Eine große Koalition, also die Zusammenarbeit der politischen Lager in einer institutionalisierten Regierung, gilt unwidersprochen als Sonderfall der Demokratie und sollte auf Krisenzeiten beschränkt bleiben. Groß war das Lamento von Grünen und Linkspartei sowie die begleitenden Medien, die in der letzten Legislaturperiode die Machtlosigkeit der Opposition beklagten. Innerhalb von 4 Regierungsperioden in drei Fällen den parlamentarischen Notfall auszurufen, ist eine Verbiegung der demokratischen Regeln. Auch das Argument, Neuwahlen würden die Politikverdrossenheit und die Wahlenthaltung steigern, ist rein vorgeschoben. Noch nie seit der Kanzlerschaft Merkels war die politische Mobilität höher, sowohl der Widerstand gegen eine weitere Verlängerung des Mandats als auch der Aufstieg der rechtspopulistischen AfD haben im September für eine außerordentlich hohe Wahlbeteiligung gesorgt.
Tatsächlich ist die neuerliche Befragung des Souveräns angezeigt. Nicht nur die Parteien mussten nach dem Votum im Herbst neu denken, auch die Bürger haben dies und tun dies angesichts der jüngsten Ereignisse. Die Union muss mit ihren Anhängern verhandeln, ob trotz der Erosion der Macht eine Verlängerung der Regierungszeit von Merkel sinnvoll ist. Die SPD braucht Legitimität für das, was sie überhaupt machen darf. Weiter opponieren oder aus Staatsräson dem eigenen Untergang entgegenreiten? Die FDP braucht Sicherheit, ob ihr Ausstieg aus Prinzipienreiterei richtig war und die Grünen, ob nicht nur ihre Parteibasis, sondern viel mehr ihre Wähler, die ihre Stimme in gutem Glauben gegeben haben, soviel Biegsamkeit und programmatische Mobilität bereit sind mitzutragen. Und der Bürger darf insgesamt gefragt werden, ob er es wirklich gutheißt, wenn sich an den Rändern 30% aus der Rechnung nehmen.
Tatsächlich haben drei Parteien ganz offen Angst vor dem Entscheid, nämlich CDU, CSU und SPD. Genau deswegen beschwören die Konservativen so sehr den bisherigen Partner, ein weiteres Mal das Gelöbnis einzugehen und genau deshalb wird Martin Schulz mehr als rufschädigend von führenden Genossen bearbeitet, die um ihre Mandate und ihre Karriere fürchten. Eine weitere Wahl, ob in ein paar Monaten oder in vier Jahren, droht aus der ehemals großen Koalition ein nicht mehrheitsfähiges Bündnis zu machen. Wie zwei Ertrinkende im Strudel politischer Umwerfungen klammern sich Union und Sozialdemokraten aneinander.
Die Erfahrung hat gelehrt, dass keiner in der Konstellation gewinnen kann. Doch es gibt keine verfassungsrechtliche Verpflichtung zum Selbstruin. Die Union wird never ever in vier Jahren mit Angela Merkel ins Rennen gehen, die Protestantin ist eine Kanzlerin auf Abruf. Ihre Macht auf europäischem Parkett ist nachhaltig beschädigt und damit der Einfluss Deutschlands auf den Gang Europas. Bis auf Weiteres hat die deutsche Politik dem französischen Star Emanuel Macron nichts Vergleichbares entgegenzusetzen und damit bleibt nur die Begleitmusik für die weitreichenden Umbaupläne für den Bewohner des Elysee-Palastes. Die SPD schrumpfte unter den Bedingungen der GroKo von einer stolzen Kanzlerpartei zu einem Fragment. Ohne Profil, ohne Kernwählerschaft und ohne ernsthaften Gestaltungswillen, der sich nicht in kleinteiligen Schutzgesetzen für einen kleinen Ausschnitt der Arbeitnehmer erschöpft, wird die Partei der Kanzler Brandt, Schmidt und Schröder den Weg allen Irdischen gehen. Den Sozialdemokraten einen weiteren Sturz auf das Niveau einer Kleinpartei vorherzusagen, ist heute nicht mehr besonders mutig.
So werden wir demnächst also ein Kabinett bekommen, gegen das die letzte Kohl-Regierung ein Hort des Aktionismus war. Es wird allerdings auf absehbare Zeit das letzte Mal sein, dass die SPD auf Bundesebene Minister stellt. Angela Merkel wird somit zu ihrem letzten Halali eine Bundesumweltministerin um sich vereinen, deren einzige gekonnte öffentliche Inszenierung die eigene Ehe war. Initiativen für die Rückführung von CO2-Emissionen sind dagegen eher weniger zu erwarten. Ein paar Allzweckwaffen tummeln sich auch im Dunstkreis des Regierungssessels, allen voran der Pizza-Freund Peter Altmaier, der zwar nicht den politischen Mut besitzt, sich zu seinem Familienstatus zu bekennen, aber schon gefühlt jedes Ministerium geführt hat. Wahrscheinlich weiß er gerade selber nicht, für welches Resort er gerade verantwortlich zeichnet. „Auf die Fresse“-Nahles ist ja momentan durch das Basteln an ihrer Parteikarriere eingebunden und fällt wohl wegen zwischenmenschlicher Dissonanzen als Arbeitsministerin aus. Und die Karrieristen von der Leyen und Maas werden längst festgestellt haben, dass ihr enormes Sendungsbewusstsein sie in eine tiefe Sackgasse geführt hat. Immerhin wird Deutschland weiterhin einen ministrablen Außenminister haben, der gerade in der Welt jettet, wo er den geringsten Schaden für das Land wie die Partei anrichten kann, aber mehr Schlaf bekommt als bei dem Kindergeschrei im heimischen Goslar.
Wie so oft in der Nachkriegszeit wird Deutschland etwas bekommen, was noch Wochen zuvor von allen Protagonisten als bayrische Schappsidee treffend bezeichnet wurde. Nach Elterngeld und Pkw-Maut ist es diesmal die Obergrenze für Flüchtlinge. Damit schafft die neue Bundesregierung ein Einwanderungsgesetz nach deutschem Gutmenschvorbild: zwar nicht von Nutzen, aber Hauptsache wohltätig. Der Kriterienkatalog für bestens ausgebildete Amerikaner, Südamerikaner, Inder oder nur Chinesen muss dagegen warten.
Die SPD verspricht sich ob der Merkel’schen Zwangslage in Liebesheirat eine umfangreiche Mitgift. Klar, wer bisher am giftigen Cocktail nicht gestorben ist, versucht es mit erhöhter Dosis. Diesmal heißen die Zutaten Beendigung der grundlosen Befristung und Bürgerversicherung. Wow, das wird die Arbeiterwählerschaft aber so etwas von rocken! Die Aufhebung der grundlosen Befristung ist ein einfaches Gesetz im Arbeitsrecht und wird von jeder Folgeregierung ohne großes Aufhebens wieder geändert werden können. Und die Bürgerversicherung wird zu einer Subvention der privaten Versicherungswirtschaft. Längst sind Allianz & Co. den privat Krankenversicherten überdrüssig, bereits vor zehn Jahren fühlte man bei der ersten schwarz-roten Koalition vor, ob man mit der Überführung der zunehmend von den Beiträgen überforderten Kundenklientel nicht handelseinig werden könne. Konnte man damals nicht. Heute schließen nur noch wenige Gutverdiener einen privaten Krankenversicherungsvertrag ab, der Trend geht zur Zusatzversicherung. Die nur noch gering profitablen Versicherungspolicen werden durch die Zahlungen des Staates für sein Beamtenheer aufgehübscht, die am Ende als Kunden der PKV übrig bleiben werden. Ohne den Willen der Beteiligten lässt sich ohnehin wenig machen, schließlich sind hier Eigentumsrechte berührt. Aber was soll’s, gerade die SPD hat sich noch selten um verfassungsrechtliche Fragen geschert.
Bleibt noch die Europapolitik, hier droht wirklich Übles. Schon gegenüber der FDP konnte sich Merkel nicht zu einer Absage an die Haftungs- und Transferunion bei Banken durchringen. Mit der SPD im Boot wird die neue Regierung den Südländern ihre größten Wünsche erfüllen können. Dann werden deutsche Sparer für marode Banken in Italien und Griechenland in Haftung genommen und – zahlen. Doch beim Geld hört die Freundschaft auf und ob Merkel einen solchen Kniff politisch überlebt, steht auf einem anderen Blatt. Soweit ist es gekommen, dass der deutsche Bürger, Sparer, Häuslebauer und Mittelständler auf Hinterbänkler in der CDU-Bundestagsfraktion hoffen muss.
Die CDU-Vorsitzende wird in diesem Leben nicht mehr verstehen, dass Wähler durch geändertes Stimmverhalten ihre Absichten zu erkennen geben. Den Willen des Souveräns beeinflusst man nicht, in dem das Gegenteil getan wird. Wenn heute schon den klaren Opponenten des Weiter so, FDP und AfD, jeder auf seine Art, ein kurzfristiges Potential von 30% eingeräumt wird, während sich gleichzeitig die traditionell ruhige Stammwählerschaft der Union in Aufruhr nahe der Rebellion befindet, dann zeigt dies nur, was die ewige Kanzlerin aus diesem Land und seiner Demokratie gemacht hat. Kein Wunder, dass Merkel und ihre Steigbügelhalter von der vormaligen politischen Konkurrenz heute das Wählervotum scheuen.
Stefan Sasse 24. November 2017, 16:30
In der Situation jetzt umzufallen, besonders nachdem die FDP sich aus der Verantwortung stiehlt und stattdessen einen auf billige Oppositionsgewinne macht, wäre nur dämlich. Daher wird die SPD es wahrscheinlich tun.
Ariane 24. November 2017, 16:37
gelernte DDR-Bürgerin??
Ist das Absicht oder versehentlich?
In Dubio 24. November 2017, 16:41
Die Worte DDR und Bürger in einem Zusammenhang zu nennen? Das ist Absicht. 🙂 Unstreitig wurde Angela Merkel in der DDR sozialisiert, wo es kaum Privateigentum gab, der Staat Dein Einkommen bestimmte und der Gemeinschaftsgedanken hochgehalten wurde. Was ist dann an der Formulierung auszusetzen?
Rauschi 24. November 2017, 18:20
Was sind Sie dann, ein gelernter BRD Bürger?
Sind neuerdings alle Menschen, die im gleichen System aufwachsen gleich, oder wie?
Komisch, das sowas erst nach den Gesprächen auffällt, die Gesichte der Kanzlerin ist doch sehr geraumer Zeit bekannt.
Was mich fürchterlich ärgert, obwohl ich alles andere als ein Merkelfan bin, die Schuld für die fehlende oder falsche Moderation der Kanzlerin als Grund für den Abbruch zu nehmen.
Sitzen da denn lauter blutige Laien zusammen, oder warum hat das keiner der Anwesenden übernommen? Sich hinterher hinzustellen und zu meckern, das sie nicht brav an die Hand genommen wurden und deswegen nur Streit und Misstrauen herrscht, das erinnert mich doch sehr an einen Kindergarten.
In Dubio 24. November 2017, 19:43
Ich stelle mir gerade vor, wie Ihre Aufsätze in Deutsch waren. Hat Ihr Lehrer Ihnen nicht gesagt, dass Sie auch Sprachbilder verwenden dürfen? Ein typischer Rauschi-Satz ging wahrscheinlich so: Die in Hamburg geborene Angela Merkel wuchs in der DDR als Tochter eines Pastors auf. Die DDR war ein Staat, wo die Menschen einen Beamten fragen mussten, ob sie etwas kaufen durften. Zur Stärkung der Gemeinschaft gab es ein paar Organisationen, wo Kinder und Jugendliche Spiele und Abenteuer erleben konnten. Die Mitgliedschaft war freiwillig, aber wer nicht mitmachte, musste dies begründen und bekam manchmal schlechtere Noten. Die Menschen durften zwar verreisen, aber in Länder, wo deren Chefs sich einander Küsse gaben.
Gut, haben Sie jetzt verstanden, was ich mit „gelernte DDR-Bürgerin“ meinte? Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass Sie schon als Kind in der Schule nicht ganz einfach waren… wenn Sie verstehen, was ich meine.
Eine typische Frauenrunde geht so: Ey, wir müssen mal reden. Ja, gut, mach mal. Worüber wollen wir den reden? Och, ich weiß nicht.
Eine professionelle Veranstaltung dagegen beginnt mit einer Agenda, die vom Einladenden aufgesetzt, und kurz mit den Eingeladenen abgestimmt wurde. Dabei wird auch der Teilnehmerkreis umrissen, der bei einem wichtigen Kick-off mit wenigen beginnt. In einem Kick-off werden die Leitlinien und das Procedere vereinbart.
Ihre Vorstellung scheint sich eher in Richtung A denn B zu bewegen. Eben blutiger Laie.
Stefan Sasse 25. November 2017, 08:50
Vielleicht wollen wir gute und schlechte Verhandlungstaktiken nicht gendern, hm? Etwas weniger identity politics, bitte.
In Dubio 25. November 2017, 08:58
Die Kritik ging dahin, dass eine Verhandlungsführung ja so gar nichts mit dem Verhandlungsverlauf und Ergebnis zu tun hätte. Das hat nichts mit dem Geschlecht des Kanzlers zu tun.
Rauschi 25. November 2017, 09:09
Die Kritik ging dahin, dass eine Verhandlungsführung ja so gar nichts mit dem Verhandlungsverlauf und Ergebnis zu tun hätte.
Nein, das ging sie mitnichten. Sie ging dahin, das ich mich fragfe, warum das niemand der anwesenden übernommen hat, wenn doch da lauter erfahrene Profis verhandeln, steht auch so da:
[Sitzen da denn lauter blutige Laien zusammen, oder warum hat das keiner der Anwesenden übernommen?]
Haben Sie nicht das Beispiel mit der Präsentation gebracht, wo der Chef übernimmt, wenn es schief läuft. Gibt es wirklich niemand ausser der Kanzerlin, der die Themen und den Zeitplan vorgeben kann, wenn es daran hapert? Seltsam, sehr seltsam.
In Dubio 25. November 2017, 09:15
Ein Verhandlungsführer benötigt Autorität gegenüber allen Parteien. Die besitzt allein die Kanzlerin. Das wird bei den Verhandlungen für eine Neuauflage der großen Koalition nicht anders sein.
Rauschi 25. November 2017, 09:04
Etwas weniger identity politics, bitte.
Das geht doch weit darüber hinaus, vergleichen Sie doch bitte mal diese Antwort mit der Antwort auf die gleiche Frage von Ariane.
Ihr werden keine persönlichen Defizit und ähnliches unterstellt, woran das wohl liegt? Das ist persönlich, nicht geschlechtspezifisch.
Er war sicher nie in einem kick-off mit lauter weiblichen Teilnehmern, genauso wenig wie ich. Aber die Teilnahme von Frauen wirkt sich in Wahrheit positiv auf solche Runden aus, das wurde mir von männliuchen Teilnehmern gesagt.
Was soll die Küchenpsychologie, die im Gegensatz zur Realität steht? Ich war Klassensprecher und werde auch heute bei schwierigen Gesprächen gerne dazu genommen, weil ich mich aus Streitigkeiten heraus halte und deswegen einen neutralen Standpunkt vertreten kann.
Ja, ich greife seine Standpunkte besonders gerne an, aber doch nicht auf solch einer persönlichen Ebene. Mittlerweile kann ich das mit Humor sehen, sagt es doch mehr über Ihn als über mich aus, deswegen schriebe ich hier noch.
Ariane 25. November 2017, 12:31
Reine Gewöhnung, wir sind uns früher auch heftiger angegangen. Mittlerweile versichern wir uns zwischendurch der gegenseitigen Zuneigung, um dem anderen dann mit mehr Schwung ideologisches Spinnertum zu unterstellen 😉
In Dubio 25. November 2017, 21:32
Die Voraussetzung ist gegenseitige Wertschätzung. Daran mangelt es. Darüber hinaus halte ich Dich für eine linke Spinnerin mit enorm viel Bodenständigkeit und Realismus. Also kurz eine tolle, herzensgute Frau mit Prinzipien. 😉
Ernsthaft: Ich vermisse bei vielen Jugendlichen heute Idealismus, wie das noch meine Generation hatte, die letzte, die nicht stocknüchtern aufgewachsen ist. Ohne Idealismus gibt es keine Verbesserungen. Und deswegen werde ich Dir immer aufmerksam zuhören.
Stefan Sasse 26. November 2017, 10:19
Übrigens auch etwas das ich täglich beobachte. Null Idealismus, null politische Prinzipien. Natürlich auch kein Extremismus deswegen, aber die aktuelle Generation (meine eingeschlossen) ist extrem apolitisch.
Rauschi 26. November 2017, 13:31
Die Voraussetzung ist gegenseitige Wertschätzung. Daran mangelt es. Darüber hinaus halte ich Dich für eine linke Spinnerin mit enorm viel Bodenständigkeit und Realismus. Also kurz eine tolle, herzensgute Frau mit Prinzipien.
Jetzt mal ganz grundsätzlich, wenn SIe Ihre Wertschätzung für jemanden durch den Titel „Spinner“ zum Ausdruck bringen, wie sieht denn dann fehlende Wertschätzung aus?
Ich bin also demzufoge eine linke Realistin, die abgehoben ist und realitätsfern und damit eine abgrundschlechte Frau ohne Prinzipien? Sie haben schon im ersten Artikel ihre fehlende Wertschätzung zum Ausdruck gebracht und im Anschluss eigentlich permanen gesteigert, mir moralisches und fachliches Fehlverhalten vorgeworden, sowie mangelde Bildung, wobei ich mir stets Mühe gegeben habe, gerade keine persönlichen Angriffe zu fahren? Sie erwarten tatsächlich trotz diesem Verhaltens, das Ich Ihnen etwas entgegen bringe , was Sie mir permanent verweigern?
Bodenständiger Spinner ,wie das zusammen geht, wird wohl für immer im Dunkeln bleiben.
Oder sind grundsätzliche alle „linken“ Ideen Spinnerei?
Waran kann ich Ihre Wertschätzung, ausser durch Spruchblasen ablesen? Kommt mir vor, wie Ihre Aussage zur Demokratioe, derne Fan Sie angeblich sind. Dann aber haben Sie eingeräumt weder von mir, noch von Ralf oder Tim regiert werden zu wollen. Was de facto bedeutet, Sie wollen gar nicht regiert werden, denn in der Realität haben Sie überhaupt keinen Einfluss auf die Personalien der Regierungsparteien.
Sie schreiben von Wertschätzung, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, das Sie Stefan Sasse oder Ariane mal Zustimmung signalisiert hätten, was aber andersrun relativ häufig vorkommt. Was bedeutet das? Sie können gar keine Wertschätzung für diese wie auch andere Kommentatoren haben, denn dann müsste mindesten ab und zu mal das Zugeständniss kommen, das deren Position richtig ist.
Oder ist es tatsächlich so, wie es bei mir ankommt, Sie haben zu allen Themen und Fragestellungen , die hier disskutiert werden, die einzig wahre, richtige Einstellung und Meinung und alle anderen liegen einfach falsch, weil die keine Ahnung oder die falsche von irgendwas haben?
Aus so einer Haltung kann keine Wertschätzung entstehen, wie denn auch, das würde bedeuten, anzuerkennen, das andere Auffassungen richtig sein können und vollkommen berechtig sind.
[Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit. „Er erfreute sich allgemein hoher Wertschätzung“ meint umgangssprachlich: Er ist geachtet /respektiert. Es gibt eine Korrelation zwischen Wertschätzung und Selbstwert: Menschen mit hohem Selbstwert haben öfter eine wertschätzende Haltung anderen gegenüber, werden öfter von anderen wertgeschätzt, wohingegen Personen die zum aktiven Mobbing neigen, häufig ein eher geringes Selbstvertrauen damit kompensieren.
Empfangene und gegebene Wertschätzung vergrößern das Selbstwertgefühl sowohl beim Empfänger als auch beim Geber. Wertgeschätzte Personen sind, wenn sie ein offenes Wesen haben und kontaktfreudig sind, oft auch beliebt.]
Ich suche mir jetzt lieber einen anderen Blog, denn Sie bringen meine negativen Seiten (kurz nachdenken, bevor Sie Sich freuen, denn jeder Mensche hat positive und negatiove Seiten, also auch Sie) viel zu oft zum klingen, das will ich nicht.
Viel Spass in Ihrer „Ideologiefreien“ Welt
Stefan Pietsch 26. November 2017, 13:42
Dass Sie keinen Humor haben, weiß ich ja. Ariane hat ihn.
Sie haben mich zuletzt Frauenfeind und im Geist Frauenbelästiger genannt. Nehmen Sie dann noch Ihre Einlassungen (am Stück) der letzten Woche. Stefan Sasse hat Ihnen schon an anderer Stelle Blindheit unterstellt.
Ich hatte an Ariane eine kurze, neutrale Replik gegeben. Sie ergießen sich in einem ellenlangen, vor allem selbst rechtfertigenden Pamphlet. Sie sehen offensichtlich nicht das Problem.
Ariane 26. November 2017, 16:00
Du übersiehst, dass Dubio und ich uns gegenseitig Spinnertum vorwerfen. Oder meinetwegen unterschiedliche Positionen, die vielleicht mehr mit Ideologie als mit purer Rationalität zu tun haben, wenn man das netter ausdrücken möchte. Daher können wir uns argumentativ an die Gurgel gehen ohne den anderen für die Inkarnation des Bösen zu halten.
Hm, liegt das nicht in der Natur der Sache? Ich halte meine Position natürlich auch für richtiger als Dubios, sonst hätte ich die ja nicht und könnte einfach seine nehmen. Ist jetzt vielleicht wieder die alte Frage, ob man mit der Erwartung hier diskutiert, dass irgendwann alle anderen die eigene Position übernehmen oder mehr so als intellektuelle Spaßübung, zu der unterschiedlichste Positionen unbedingt gehören. Bei mir persönlich ist es eher Letzteres, weswegen ich mich auch lieber mit Dubio rumstreite als mit Logos, der von der Position vermutlich näher dran ist, aber dem meistens nichts anderes einfällt als meine Meinung durch Dummheit zu erklären.
@dubio und Stefan
Ja, es müssen ja nicht unbedingt alle idealistische Träumer sein, aber ich finde es gibt unheimlich viel Zynismus, was Politik oder auch Presse angeht. Selbst wenn die alle genau die umgekehrten Positionen vertreten würde, würden viele Menschen das genauso negativ sehen.
Rauschi 26. November 2017, 18:41
Hm, liegt das nicht in der Natur der Sache? Ich halte meine Position natürlich auch für richtiger als Dubios, sonst hätte ich die ja nicht und könnte einfach seine nehmen. Ist jetzt vielleicht wieder die alte Frage, ob man mit der Erwartung hier diskutiert, dass irgendwann alle anderen die eigene Position übernehmen oder mehr so als intellektuelle Spaßübung, zu der unterschiedlichste Positionen unbedingt gehören.
Zum Abschluss, weil Sie eine Antwort verdient haben:
Ja, das war auch mal meine Intention. Klar halte ich meine Auffassung für die richtige, aber ich lasse mich auch überzeugen, das ein Sachverhalt anders zu beurteilen, bewerten ist. Das ist der entscheidene Unterschied, denn es ist ja zumindest sehr unwahrscheinlich, das Dubio in allen Feldern Recht hat. Ich habe ihm auch schon in Teilbereichen oder in Gänze zugestimmt, das ist der Unterschied, vice versa erlebe ich das nie. Wir beide haben uns auch bei einem anderen Thema gezofft, aber trotzdem kann ich wieder normal in anderen Feldern Ihrem Standpunkt zustimmen.
Gesamthaft geht es darum :
[denn Stefan Pietsch bringt meine negativen Seiten viel zu oft zum klingen, das will ich nicht.]
Es tut mir einfach nicht gut und ich achte da auf mein Wohlbefinden, das ist mir dann doch wichtiger als jede politische Frage.
Leider müssen Sie jetzt als Einzelkämpferin weiter machen.
Ariane 24. November 2017, 20:01
Unstreitig wurde Angela Merkel in der DDR sozialisiert, wo es kaum Privateigentum gab, der Staat Dein Einkommen bestimmte und der Gemeinschaftsgedanken hochgehalten wurde. Was ist dann an der Formulierung auszusetzen?
Das halte ich zwar auch für Quark, aber mir ist die Formulierung gelernte xy-Bürgerin generell total schleierhaft. Ob das nun die DDR, England, China oder Kakanien sein soll. Ich schätze mal, wir beide sind gelernte BRD-Bürger und trotzdem hätte ich mit Merkel als gelernter DDR-Bürgerin wohl mehr Gemeinsamkeiten. Mal abgesehen davon, dass das impliziert als hätten alle Bürger der Ex-DDR kein Plan von nix und sollten schleunigst aus verantwortlichen Positionen raus. Oder gilt das nur für Merkel, weil sie das Leben in der DDR irgendwie „gelernt“ hat, während andere da nur vor sich hingelebt haben?
In Dubio 24. November 2017, 20:24
trotzdem hätte ich mit Merkel als gelernter DDR-Bürgerin wohl mehr Gemeinsamkeiten.
Das mag sein und beschreibt eigentlich alles. Du bist politisch eine linke SPD-Anhängerin mit Faible für die LINKE. Angela Merkel ist aber CDU-Vorsitzende und müsste Dir eigentlich sehr fern stehen.
Eine Freundin von mir ist in der DDR Nähe Berlin aufgewachsen. Als die Mauer fiel, war sie Anfang 20. In der DDR hatte sie einen Verwaltungsberuf gelernt, erst machten ihre Eltern sich selbstständig, später übernahm sie das Geschäft. Obwohl sie gerne reist, hat sie gegenüber Ausländern und Migranten eine ähnliche Einstellung wie die Menschen im Speckgürtel der Metropole, wo die AfD und früher andere rechtsextreme Parteien hohe zweistellige Ergebnisse einfahren.
Vor zwei Jahren war ich mit ihr auf dem Weihnachtsmarkt in Wiesbaden. Sie empfand die Leute typisch westlich arrogant. Im Osten hätten die Leute auch enger zusammen gestanden und wären nicht auf eigene Profilierung aus. Ich glaube, das trifft es in der Beschreibung wirklich gut und nur durch Augenscheinnahme.
Ariane 24. November 2017, 20:38
Sie steht mir ja auch eigentlich fern, ich habe sie nur zwischen uns zwei BRD-gelernte einsortiert^^
Und spricht das nicht auch insgesamt eher für Merkel und gegen mich? Ich bin doch gelernte Kapitalismus-Bürgerin, da dürfte ich doch gar nicht so kapitalismuskritisch sein. Oder hat nur die DDR ihre früheren Bürger so vermurkst, dass mit denen nichts mehr anzufangen ist, was dein Verweis auf die DDR-Freundin wohl andeuten soll?
In Dubio 24. November 2017, 20:48
Das ist weder für noch gegen etwas. Fakt ist, dass Merkel vielen CDU-Mitgliedern immer wesensfremd blieb. Sie regiert auch die Partei mit einem Küchenkabinett, sie ist nicht wirklich vernetzt.
Auch in der Alt-Bundesrepublik gäbe es sozialistisch Angehauchte, da brauchte jeder nur auf seine Sozialkunde-Lehrer zu schauen. Aber Du musst Dich doch schon fragen, warum die Parteienlandschaft im Osten so ganz anders aussieht als im Westen, warum dort die FDP wie die Grünen keinen Fuß auf den Boden bekommen, während sie in vielen Regionen im Westen deutlich zweistellige Ergebnisse einfahren.
Die Union ist mir immer fremd geblieben. Vom SPD-Stammwähler zum Rechten unter Umgehung der CDU? Geht das?
Stefan Sasse 25. November 2017, 08:54
Ich halte das für arge Küchentischpsychologie mit ziemlich wenig Erklärungsgehalt. Vor allem wenn man bedenkt, mit welcher Verve du solche Erklärungsansätze auf anderen Feldern verwirfst, die nicht in dein ideologisches Schema passen *cough* toxische Maskulinität *cough*
In Dubio 25. November 2017, 09:01
Das ist keine Küchenpsychologie. Ich beziehe mich bei solchen Ausführungen auf wissenschaftliche Studien. Kann ich natürlich gerne raussuchen, allerdings dachte ich, das wäre für stark politisch Interessierte Allgemeingut, weil offensichtlich.
Ariane 25. November 2017, 12:18
Ich halte da auch einiges für äh waghalsig, um es mal so zu sagen. Und du hast jetzt sicherlich keine Studien gefunden, die belegen, dass Merkel – aufgrund der Tatsache, dass sie gelernte DDR-Bürgerin ist – die CDU nach links gerückt hat. Oder dass sie statt einem Netzwerk ein Küchenkabinett hat. Ich wüsste spontan nicht mal, was das sein soll.^^
Na gehen tut irgendwie alles, stimmt doch sowieso niemand zu 100% der Parteilinie zu. Ich stimme Stefans Rechtsschwenk-Analyse zwar zu, aber das muss sich ja alles erst finden. Deswegen sind solche Verhandlungen ja spannend, erst da zeigen sich oft Bruchlinien und Widersprüche, die man in der Opposition übersehen kann. Und von dem, was ich bisher so von dir gelesen hab, würde ein weniger liberales Verhalten der FDP bei Homosexuellen oder Abtreibung dir zb entgegenkommen, während du mit einer Annäherung an Russland, gar Anerkennung der Krim, eher weniger anfangen könntest. Also möglich ist vieles und ich war auch überrascht, wie schnell du den Schwenk von kühler Pragmatik zum emotionalen Überschwang mit vollzogen hast.
In Dubio 25. November 2017, 21:44
Natürlich gibt es keine Psychostudien über Angela Merkel. Worauf ich anspielte, sind Studien über das Wahlverhalten der Ostdeutschen wie Tiefenanalyse der Einstellungen.
Ich verstehe nicht, woran Stefan den Rechtsschwenk der FDP festmacht, außer, dass dies der SPIEGEL in seinem Leitartikel behauptet. Politische Gegner behaupteten in den letzten Monaten, die neue FDP sei die Alte, was gegen eine Positionsveränderung spricht. In der Steuerpolitik betont man sogar mehr die Entlastung unterer und mittlerer Schichten. Ich will das nicht ausweiten. In der Flüchtlingsfrage setzt die FDP seit 2 Jahren auf die Einhaltung bzw. Wiederherstellung des Rechts. Ist das Recht und der Bezug darauf Rechts? Dann bin ich eher ein Rechtsextremer.
Und von dem, was ich bisher so von dir gelesen hab, würde ein weniger liberales Verhalten der FDP bei Homosexuellen oder Abtreibung dir zb entgegenkommen
Du würdest Dich wundern. Als ich Mitte der 1990er Jahre Richtung FDP abknickte, war mir bewusst, dass die Partei für ein liberaleres Eherecht eintritt und hinter der Legalisierung von Abtreibungen stand. Ich kann von einer liberalen Partei nicht erwarten, dass sie dies anders sieht, das ist Aufgabe wertkonservativer Parteien. Ich wünsche mir die FDP nicht als wertkonservative Partei. Darüber hinaus lehne ich nur ein Adoptionsrecht für Homosexuelle ab, so extrem bin ich ja nun auch nicht.
Ariane 25. November 2017, 23:25
Ich verstehe nicht, woran Stefan den Rechtsschwenk der FDP festmacht, außer, dass dies der SPIEGEL in seinem Leitartikel behauptet.
Keine Ahnung, was im Spiegel steht. Ich sehe auch Tendenzen in diese Richtung, bin mir im Gegensatz zu Stefan nicht so sicher, dass das kühle, kalkulierte Taktik ist. Das wirst du auch nicht gerne hören, aber ich halte es auch für möglich, dass Lindner gerne im Scheinwerferlicht steht und meinte, er steht so besser da als wenn er neben Merkel und Özdemir rumregiert. Und Kubicki ist auch kein braver Minister, der seine Arbeit macht ohne weiter aufzufallen. Vielleicht haben sie auch die Nerven verloren und müssen jetzt hastig Begründungen nachschieben, keine Ahnung. Scheint mir alles noch sehr im Fluss und deswegen weiß ich die „Ernsthaftigkeit“ nicht so wirklich einzuschätzen. Ist wie diese Krim-Aussage. Er haut da mal eben einen raus und kein Mensch weiß, ob das bloßes Geplapper war, gezielte Provokation oder ob Lindner eine ernsthafte neue Position der FDP verkündet hat. Soweit meine Küchenpsychologie, vielleicht sollte ich doch den Artikel über die positiven Seiten der Doppelspitze schreiben. Da muss man nicht soviel psychologisch überlegen, ob ein Bambi gerade die ganze Partei woanders hinrückt. 😉
Und nein, ich denke auch nicht, dass du ein rechtsextremer Ultrakonservativer oder so bist. Jeder Mensch hat sowieso einen Wust aus Positionen und so ein Dreibund käme dir vermutlich mehr gelegen als mir. Vieles ist auch einfach ne Stilfrage, so wie du dich ständig über Moralisierer aufregst, nervt mich dieses arrogante Elitengehabe bei der FDP oft.
*hust* Ist ein bisschen wie mit der LINKEn, so als Großmäuler in der Opposition finde ich sie ganz nützlich, aber professionelle Regierungsarbeit sehe ich in der aktuellen Verfassung nicht.
In Dubio 26. November 2017, 09:21
Jeder Politiker hat Eigeninteressen, dass wusste schon Helmut Schmidt. Und jeder Spitzenpolitiker hat in seiner Karriere auch getestet und manch schräge Forderung erhoben. Und so stellte die grüne Spitzenfrau Göring-Eckardt auf dem gestrigen Parteitag klar: Die Grünen wollen, dass jeder Vogel, jeder Schmetterling, jede Biene „weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen“. Puh, das ist eine wirklich gute Nachricht für die Bienen!
Je größer der zeitliche Abstand wird, desto trauriger bin ich, dass Jamaika nicht geklappt hat. Für Grüne wie FDP und am Ende das Land wurde damit eine große Chance verpasst. Doch wie die Kanzlerin die Rolle der FDP in einem solchen Bündnis gesehen hätte, das lässt sich gerade beim Schattenboxen der kommenden Koalitionäre ablesen: ein Abbau des Solis wird ungefähr in der Höhe und der Art kommen, wie sie zuletzt am Sonntag angeboten wurde. Darüber hinaus wird möglicherweise das Kooperationsverbot fallen (nur damit keine Missverständnisse aufkommen: ich lehne die Aufhebung grundsätzlich ab). Vielleicht kannst Du mir erklären, wie die Liberalen vor ihre Wähler hätten treten sollen mit Sondierungsergebnissen, die so auch die deutlich linkere SPD bekommen hätte? Da muss sich jeder bürgerliche Wähler veralbert fühlen.
Stefan Sasse 26. November 2017, 10:21
Ariane 26. November 2017, 15:30
Vielleicht kannst Du mir erklären, wie die Liberalen vor ihre Wähler hätten treten sollen mit Sondierungsergebnissen, die so auch die deutlich linkere SPD bekommen hätte?
also als FDPler zu weinen, dass jetzt wohl eine GroKo kommt und die blöd ist, ist ja nun eher schräg. Und du willst mir jetzt hoffentlich nicht erzählen, dass bei Jamaika genau der gleiche Vertrag wie bei Schwarz/Rot rausgekommen wäre? Sonst solltest du die nie wieder wählen, wenn die so absolut nicht verhandeln können!
Im Übrigen halte ich als SPD-Wählerin wenig von dieser Argumentation, denn die SPD hat in ihren Koalitionsverträgen eigentlich immer sehr viel rausgeholt. Dass da nicht mehr Stimmen bei rumgekommen sind, hat man eher der eigenen Unfähigkeit zu verdanken. Ist nun mal die Frage, wie man das verkauft und hätte die FDP irgendein Ergebnis gefunden, hätte sie ja auch nicht erzählt, dass alle anderen doof sind, sondern sich über den Soli gefreut oder was auch immer.
bevanite 27. November 2017, 11:13
Es gehört halt einfach nicht in diesen Artikel. Wenn Sie mit Merkel politische Probleme haben, dann kritisieren Sie doch bitte ihre politischen Positionen. Aber dass sie Ostdeutsche und Physikerin ist, tut da nunmal überhaupt nichts zur Sache. Dass ihr Vater Pastor war, noch viel weniger. Das gibt dem Ganzen halt mal wieder eine unschöne persönliche Note, die Ihre meisten Artikel durchzieht. Oder betonen Sie bei Frank Sitta, Cornelia Pieper, Karl-Heinz Paquet und Holger Zastrow ebenso deren ostdeutsche Roots?
In Dubio 27. November 2017, 11:17
Sie finden diese Synonym-Beschreibungen in journalistischen Beiträgen genauso wie in der Trivialliteratur. Immer nur „Merkel“ zu schreiben, ist für den Leser ermüdend. Und dass die Kanzlerin aus Hamburg stammt, tut auch nichts zur Sache. 😉
Wolf-Dieter Busch 24. November 2017, 16:54
„Gelernte DDR-Bürgerin“ – Klasse! Wobei, als das Merkel sich für Bundeskanzler entschied, ist der Physik ein großes Licht abhanden gekommen.
bevanite 27. November 2017, 11:14
Wie fühlt man sich denn so als gelernter BRD-Bürger?
Glaukon 24. November 2017, 17:17
Politisch sozialisiert in einer Welt, wo der Staat sich um alles kümmerte und die Regierung bestimmt, welches Einkommen dem Untertan zusteht, konnte sich die in der Freien Hansestadt Hamburg geborene Pastorentochter schon immer mit dem paternalistischen Ansätzen der linken Parteien anfreunden und sie verinnerlichen.
Definitiv der Lacher des Tages. Immerhin: Ich wusste nicht, dass Sie auch (Küchen-)Psychologe sind.
[…] eine Bundesumweltministerin […], deren einzige gekonnte öffentliche Inszenierung die eigene Ehe war. […] Pizza-Freund Peter Altmaier, der […] nicht den politischen Mut besitzt, sich zu seinem Familienstatus zu bekennen […]
Im Gegensatz zu dem, was Sie zu den anderen Personen schreiben, sehe ich nicht recht die thematische Relevanz der (tatsächlichen oder angenommenen) Homosexualität von Hendricks und Altmaier. Es wirkt fast, als seien Ihnen da im Rausch Ihres Rants ein bisschen Ihre Ressentiments mit Ihnen durchgegangen.
In Dubio 24. November 2017, 17:25
Nein, kein Ressentiment. Es soll illustrieren, wie wenig Aktivität in dem Personal steckt. Dabei gilt doch beispielsweise die Klimapolitik als das Zukunftsthema und nahm auch bei der Macron-Rede Raum ein. Und zu Altmaier: er hat in den letzten Jahren so viele Rollen gespielt, dass man sich schon fragt, was er derzeit ist. Er ist ein Administrator, er einzig exekutiert, nicht gestaltet und auch keinen Gestaltungswillen besitzt. Ich fand halt vor ein paar Jahren seinen Eiertanz um seinen Status witzig, in einer Zeit, wo Politiker sich problemlos auch als queer bekennen könnten. Ich brauchte in dem Absatz halt ein paar launige Formulierungen.
Nur unterstellen Sie mir keine Homophobie, die habe ich nicht. Auch nicht, wenn ich gegen die Ehe für alle wettere.
Glaukon 24. November 2017, 17:33
In dem Fall bitte ich um Entschuldigung, halte die angesprochenen Formulierungen aber für eher unglücklich gewählt.
In Dubio 24. November 2017, 17:38
Das mag sein und wenn Formulierungen einige zu sehr stören, ändere ich sie auch. Mein Ziel ist nicht, Leuten auf den Schlips zu treten. Außerdem gilt eine Person für mich nicht als homosexuell, wenn sie sich nicht dazu bekennt. In dem besagten Interview wurde Altmaier gefragt, ob er liiert wäre. Er wollte dazu keine Auskunft geben, was sein gutes Recht ist. Es geht die Öffentlichkeit im Grunde nichts an.
sol1 25. November 2017, 14:54
„Und der Bürger darf insgesamt gefragt werden, ob er es wirklich gutheißt, wenn sich an den Rändern 30% aus der Rechnung nehmen.“
Also die Summe aus den Ergebnissen von AfD, Die Linke und FDP – Pietsch did the math!
In Dubio 25. November 2017, 15:23
Die FDP wurde im Satz vorher genannt, AfD und LINKE nicht. Ihre Interpretation beinhaltet also eine Doppelzählung und die muss ich abziehen. 🙂
sol1 25. November 2017, 19:48
„Die FDP wurde im Satz vorher genannt…“
Das ist kein Argument gegen meine Interpretation – die davon gestützt wird, daß Die Linke und AfD zusammen nicht auf 30 %, sondern auf 21,8 %. kommen.
In Dubio 25. November 2017, 20:34
Wir können uns jetzt noch eine Weile streiten. Es kommt aus dem Text raus, dass ich ganz offensichtlich nur AfD und die LINKE meinte. Nun können Sie sagen, ich kann nicht richtig rechnen oder ich prognostiziere einfach ein Potential der AfD, das kurzfristig in Richtung 20% geht. Ehrlich gesagt, das ist mir hundsegal. Wenn es Ihnen Spaß macht…
CitizenK 25. November 2017, 16:35
Diese Mischung (von wüster Polemik und Sachargumentation) macht’s nicht:
„Bis auf Weiteres hat die deutsche Politik dem französischen Star Emanuel Macron nichts Vergleichbares entgegenzusetzen.“
„Mit der SPD im Boot wird die neue Regierung den Südländern ihre größten Wünsche erfüllen können. Dann werden deutsche Sparer für marode Banken in Italien und Griechenland in Haftung genommen und – zahlen“
Was jetzt? Der „französische Star“ will doch gerade das.
Und dass die Bürgerversicherung der privaten Versicherungswirtschaft gelegen kommt, ist mir (und deren PR-Agenturen) neu. Interessanter Punkt, falls die SPD springt.
In Dubio 25. November 2017, 20:53
Diese Mischung (von wüster Polemik und Sachargumentation) macht’s nicht
Sie macht’s hoffentlich unterhaltsam, denn das sollen meine Artikel mindestens sein. 😉
Emanuel Macron will die Transferunion, die SPD will sie auch. Wo sehen Sie einen Widerspruch in den Aussagen?
Und dass die Bürgerversicherung der privaten Versicherungswirtschaft gelegen kommt, ist mir (und deren PR-Agenturen) neu.
Echt? Nun überlegen Sie doch selber als Laie, was für die PKVs das größte Hindernis bei der Profitabilität ist. Einige, oder? Zum Beispiel die Auflagen des Gesetzgebers, Basistarif, Erhöhung der Eintrittsschranken, irgendwann die Personalisierung der Rückstellungen. Genauso wie die GKV hat die private Konkurrenz mit der Demographie zu kämpfen, insbesondere, da die Leistungsanbieter seit den letzten Reformen eigene Kostensteigerungen vermehrt auf Privatkunden überwälzen und damit Allianz & Co. eine deutliche Kostensteigerung beschert haben.
Ich habe den SPIEGEL-Artikel von 2006 oder 2007 nicht gefunden, ist mit Stichwortsuche auch schwer. Jedenfalls war das Lager der PKV damals geteilt, ein Teil der Unternehmen hatte damals Interesse, sich von dem Geschäftsbereich Krankenversicherung zu trennen. Das Interesse dürfte in den letzten 10 Jahren deutlich größer geworden sein, schließlich kommt ein steigender Teil der Kundschaft an ihre finanzielle Leistungsgrenze und wechselt immer häufiger in nicht lukrative Tarife oder gleich ganz in den Basis- oder sogar Nottarif. Derzeit sind 9 Millionen Deutsche privatversichert, aber 21 Millionen haben eine Zusatzversicherung. Dort liegt das Wachstum. Fragt sich nur, wie man die vielen unrentablen Kunden loswird. Normalerweise überhaupt nicht, so ist das Versicherungsgeschäft. Es sei denn, die Politik eilt zu Hilfe, z.B. mit einer allgemeinen Bürgerversicherung.
Das habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen (sollten Sie bei mir wissen):
„Einige Versicherungsunternehmen haben von sich aus schon in Frage gestellt, ob das Vollversicherungsgeschäft künftig noch ein Feld für sie sein wird.“
„Ich glaube nicht, dass es einer politischen Entscheidung bedarf. Meine Einschätzung ist, dass das Geschäft der Privaten Krankenversicherung von selbst ausläuft, weil das Geschäftsmodell auf Dauer nicht tragfähig ist. Es werden sich immer mehr Unternehmen aus dem Krankenversicherungsgeschäft zurückziehen. Auch bei den Versicherten macht sich eine zunehmende Skepsis gegenüber der PKV breit“, sagte Doris Pfeiffer der Rheinischen Post.
Das ist zwar die Konkurrenz, die Analyse ist dennoch nicht so ganz falsch. Aber auf die SPD wird schon Verlass sein…
sol1 26. November 2017, 10:45
„…neueste Umfragen signalisieren einen Absturz unter die absolute Mehrheitsschwelle…“
„Im Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für BILD am SONNTAG erhebt, verbessert sich die Union um zwei Zähler auf 33 Prozent. Die SPD steigt auf 22 Prozent (plus eins). Auch die Linke legt einen Zähler zu auf zehn Prozent.
Die AfD erzielt dagegen mit elf Prozent den niedrigstem Wert seit der Bundestagswahl (minus zwei).
Die Grünen verlieren einen Punkt und kommen auf zehn Prozent, die FDP sinkt auf neun Prozent (minus eins). Auf die sonstigen Parteien entfallen wie in der Vorwoche fünf Prozent.“
http://www.bild.de/politik/inland/umfrage/sonntagstrend-union-und-spd-legen-zu-53982798.bild.html
In Dubio 26. November 2017, 10:56
Ich bezog mich auf Umfragen von Anfang der Woche. Noch gehöre ich nicht zu den Hellsehern, die am Freitag wissen, welche Umfragen am Sonntag publiziert werden.
sol1 26. November 2017, 18:12
„Ich bezog mich auf Umfragen von Anfang der Woche.“
Da kannst du nur den SPON-Wahltrend gemeint haben, der schon bei der Bundestagswahl ziemlich weit daneben gelegen hat.
Ansonsten gab es nur die INSA-Umfrage vom 23. November, bei der die Union ebenfalls um 2 % zugelegt hat:
„Noch gehöre ich nicht zu den Hellsehern…“
Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung, und vielleicht ziehst du deine nächsten Schlüsse aus Umfragen erst dann, wenn welche vorliegen.
bevanite 27. November 2017, 11:19
Die AfD könnte tatsaechlich leicht verlieren, wenn viele der vormaligen Protestwähler nicht besonders motiviert sein werden, nochmals zur Wahlurne zu gehen. Allerdings würde das bedeuten, dass Petry und der andere Abtrünnige dann nicht mehr im Bundestag sind und somit keine weiteren AfD-Abgeordneten „abziehen“ können. Mir ist ja eine gespaltene AfD-Fraktion, die dann in vier Jahren aus dem Bundestag fliegt, irgendwie lieber als eine geeinte.
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Im Jahr 1964 veröffentlichte der rechtsradikale Pastor John A. Stormer (ja, der hieß wirklich so) ein Pamphlet mit dem Titel... Lesen →

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