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Timestamp: 2018-06-18 13:24:20+00:00

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Nachbar lässt Kamera Drohne über fremdem Grundstück steigen
Dieses Thema "ᐅ Nachbar lässt Kamera Drohne über fremdem Grundstück steigen - Nachbarrecht" im Forum "Nachbarrecht" wurde erstellt von le_woltaire, 5. November 2015.
le_woltaire Aktives Mitglied 05.11.2015, 11:31
Nachbar Q kauft sich eine moderne Kameradrohne (vier Propeller und eine HD Kamera unten dran). Diese lässt er quer über alle Grundstücke seiner Umgebung steigen.
Herr K kommt aus der Dusche und sieht wie die Kameradrohne mit LED Blinkbeleuchtung etwa 20 meter vor seinem Dachfenster stabil in der Luft über seinem Grundstück schwebt...
Liegt hier eine Straftat vor? Welche rachtlichen Mittel sind gegen Nachbar Q möglich.
(Eventuell ist es der minderjährige Sohn von Nachbar Q der hier seinen Spaß hat.)
47880 V.I.P. 05.11.2015, 12:10
AW: Nachbar lässt Kamera Drohne über fremdem Grundstück steigen
Zitat von le_woltaire: ↑
Welche rachtlichen Mittel
"rachtlich"? Leitet sich das von Rache ab? Ein Freudscher Verschreiber?
...sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen!
cherokee V.I.P. 05.11.2015, 12:13
Über fremden Grundstücken darf nur geflogen werden, wenn die Einverständnis des Grundstückbesitzers vorliegt. Was Flugrechtlich noch zu beachten ist, erfährt man bei der zuständigen Luftfahrtbehörde.
ElJogi V.I.P. 05.11.2015, 12:39
Für Film und Fotoaufnahmen der Nachbargrundstücke gilt die Genehmigungspflicht übrigens auch dann, wenn die Drohne NICHT über dem fremden Grundstück schwebt.
Das Abfilmen von privaten Bereichen, die nicht durch das Pannoramarecht gedeckt sind, ist nicht ohne Erlaubnis zulässsig.
cherokee V.I.P. 05.11.2015, 12:50
Ob die Kamera aufgenommen hat, wissen wir nicht, auch wenn es möglich oder wahrscheinlich ist. Wir wissen nur die Drohne flog ohne Erlaubnis über fremde Grundstücke.
le_woltaire Aktives Mitglied 05.11.2015, 13:03
Gut: Das das nicht legal ist, kann man sich denken.
Allerdings welche Konsequenzen hat für den Nachbarn in so einem Fall?
Eine Einstweilige Verfügung gegen soetwas ist mit hohen Kosten verbunden.
Die Drohne von Nachbar Q macht ein lautes summendes insektenartiges Geräusch beim Fliegen. Das ist zusätzlich für Herrn K unangenehm.
Ausserdem sind die Propeller sicherlich nicht ungefährlich...
Herr K kam neulich von der Arbeit und die Drohne kreiste in ca. 50 Meter Höhe und war dennoch hörbar...
zeiten V.I.P. 05.11.2015, 13:21
Sofern gefilmt wurde, könnte das den Straftatbestand nach § 201a Stgb erfüllen. Das wäre dann der Fall, wenn zB durch das Dachflächenfenster der Nachbar im Bad gefilmt wurde.
hast du eine Quelle dafür, dass nur mit Genehmigung über fremdem Eigentum gefolgen werden darf? Ich glaube da nicht recht dran.
ElJogi V.I.P. 05.11.2015, 13:54
Deine Zweifel sind berechtigt. Laut Luftverkehrsordnung sind Überflüge hinzunehmen, wen niemand unnötig gefährdet oder unzumutbar belästigt wird.
Im beschriebenen Fall bei geringer Höhe könnte man aber wohl darauf abstellen, vor allem, wenn dies regelmäßig geschieht.
Die Geräusche sind wohl, zumindest auf dem Grundstück des Eigentümers, in soweit hinzunehmen, wie Rasenmäher und Heckenscheeren auch.
TomRohwer V.I.P. 06.11.2015, 18:13
Von der Panoramafreiheit sind Drohnenaufnahmen grundsätzlich nicht gedeckt, weil Aufnahmen mit technischen Hilfsmitteln wie Leitern etc. nicht darunter fallen.
Die "Panoramafreiheit" nach §59 UrhG ist aber hier ohnehin irrelevant, weil sie die Urheberrechte des Architekten etc. schützt, nicht die Rechte des Eigentümers oder Bewohners eines Gebäudes.
Luftaufnahmen sind im Regelfall deshalb urheberrechtlich irrelevant, weil die einzelnen Bauwerke nur Beiwerk sind (§57 UrhG), genauso wie Übersichtsaufnahmen, die von Kirchtürmen aus usw. gemacht werden.
Das Überfliegen des Grundstücks durch Drohnen, Flugzeuge, Hubschrauber usw. muß im Rahmen der für den Luftverkehr geltenden Vorschriften hingenommen werden.
Luftaufnahmen an sich verletzten auch nicht den §201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen), sagt jedenfalls mein Medienrechts-Anwalt. Weil eine Luftaufnahme im Regelfall aus so großer Höhe gemacht wird, daß sie keinen rechtlich relevanten Einblick in fremde Gärten, Badezimmer usw. darstellt. Im konkreten Einzelfall kann das selbstverständlich anders sein, und mit dem 1000er Tele aus großer Höhe das kopulierende Promi-Pärchen im Garten seiner Villa abzulichten geht sicherlich nicht durch.
Das Phänomen "Drohne" ist relativ neu, und die Dinger fliegen eben wesentlich tiefer als Hubschrauber oder Flugzeuge, die für Luftaufnahmen verwendet werden, so daß sich zweifellos die Frage nach dem §201a StGB stellt, wenn mit einer Drohne in den "höchstpersönlichen Lebensbereich" hineinfotografiert wird.
Auch da kommt es dann wieder auf den konkreten Einzelfall an, manche fälle wird man sofort eindeutig beurteilen können, andere sind ein echter Grau- bzw. Grenzbereich.
(Wenn ich von außen durch's Fenster eines Wohnhauses in ein Badezimmer fotografiere, wo sich gerade die splitternackte Blondine abtrocknet, dann ist der §201a StGB zweifellos einschlägig.
Wenn ich von außen die komplette nächstliche Fassade eines 5-stöckigen Wohnhauses mit 50 Fenstern fotografiere, und hinter einem hellerleuchteten Badezimmerfenster ohne Sichtschutz steht eine nackte Blondine, die sich gerade abtrocknet, dann sie Pech gehabt...
Das ist im Regelfall weder eine Verletzung des "Recht am eigenen Bild" (weil "unwesentliches Beiwerk", jede andere Brünette täte es für die Bildgestaltung nämlich auch), noch verstößt es gegen §201a StGB. Weil nicht eine Wohnung oder ein gegen Einblick besonders geschützte Raum fotografiert wurde, und auch nicht eine Person in einer Wohnung oder in einem gegen Einblick besonders geschützten Raum, sondern ein Haus, das nun mal wie üblich Fenster hat, und bei dem man, was auch nicht unüblich hat, ein bißchen von dem erkennen kann, was sich hinter den Fenstern abspielt.
Im besonderen Einzelfall wiederum kann es, wie immer, auch anders zu beurteilen sein.
Im Fall, der im EP beschrieben wird, deutet m.E. einiges darauf hin, daß die Grenzen zum §201a StGB überschritten sein können, und da gäbe es dann auf jeden Fall auch zivilrechtliche Abwehransprüche, aber nicht wegen "Lärm", und auch nicht wegen des Überflugs an sich, sondern wegen des Eindringens in die Privatsphäre.
Der Drohnenpilot könnte dann entgegnen "Nö, meine Drohne fliegt doch bloß über das Gelände, um weiter hinten ganz legale Fotos zu machen!" Das müsste man ihm widerlegen, sofern dann nicht der Hebel wäre, daß er als Drohnenpilot luftverkehrsrechtlich immer eine Sichtverbindung zu seinem Flugvehikel haben muss...
Wrzlfrzl V.I.P. 06.11.2015, 20:59
http://www.wasserpistole-test.com/super-soaker-bottle-blitz/#
Kostet nur 25 Euro.
ABER: Wenn man sich wegen eines Summens in 50 Meter Höhe aufregt, sollte man eventuell auf einen Berg ziehen...
le_woltaire Aktives Mitglied 07.11.2015, 09:56
Darf Herr K. Die Drohne des Nachbarn mit einem Luftdruckgewehr zur Landung zwingen, sofern sie sich in geringer Höhe über seinem Grundstück befindet?
47880 V.I.P. 07.11.2015, 11:21
Luftgewehr nicht, aber er könnte ja eine "Abfang-Jäger-Drohne" starten und das fremde Fugobjekt über seinem Grundstück "begleiten".
Wrzlfrzl V.I.P. 07.11.2015, 11:34
ElJogi V.I.P. 07.11.2015, 11:42
Er darf natürlich nichts dergleichen.
Er darf auf nichts im Garten rumballern.
zeiten V.I.P. 07.11.2015, 12:27
Wenn angenommen werden muss, dass die Drohne Filmaufnahmen von ihm und seinem Grundstück macht, so darf er die Drohne abschießen. Das fällt unter Notwehr.

References: § 201
 §59
 §201
 §201
 §201
 §201
 §201