Source: http://www.web.feuerwehr-mitterdorf.de/feuerwehrverein/chronik.html
Timestamp: 2018-07-17 19:23:31+00:00

Document:
Feuerwehr Mitterdorf: Chronik
19:00 - Tag der Hilfsorganisationen Volksfest Roding
18:00 - Fahrzeugsegnung GW-L1 FF Mitterdorf
19:00 - Sommernachtsfest FF Mitterdorf
19:00 - Sommernachtsfest FF Altenkreith
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Großbrand in Mitterdorf
Die große Feuersbrunst Mitte der 60er Jahre in Mitterdorf mag wohl den Anstoß gegeben haben, schnellstmöglichst eine eigene Feuerwehr aufzustellen. Es war am 27. September 1866, als über Mitterdorf eine furchtbare Brandkatastrophe hereinbrach. Über 20 Wohnhäuser mit Nebengebäuden (Stallungen und Scheunen) einschließlich der eingebrachten Ernte (Heu und Stroh, Kartoffeln und Getreide) wurden ein Raub der Flammen.
Der Landgemeinderat von Mitterdorf und die Einwohner haben aus diesem Unglück Lehren gezogen. Sie beschlossen, dem Beispiel Roding folgend, ebenfalls eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Beim Wiederaufbau der abgebrannten Anwesen, der sich über Jahre hinzog, wurden die ersten Anstrengungen zur Errichtung dieser Wehr vorbereitet. Es haben sich die freiwilligen Wegbereiter zu einer losen Gemeinschaft von Helfern zusammengetan, um mit einfachen und zum Teil behelfsmäßigen Gegenständen erfolgversprechend Brände löschen zu können. Man verwendete damals Wasserkübel aus Leder, Holzzuber und selbstgefertigte Feuerpatschen. Diese Ausrüstung ist hinter der Eingangstüre eines jeden Hauses an einem Haken festgemacht worden, um sie im Brandfalle sofort zur Hand zu haben.
Aufbau der Wehr
Bürgermeister und engagierte Bürger bemühten sich eiligst ein wirksames Instrumentarium zur Brandbekämpfung ins Leben zu rufen. Man schrieb etwa das Jahr 1870 als man mit dem Aufbau der Wehr begann. Als Initianten können neben dem Bürgermeister Weigl, Johann Ruhland (18), Georg Wankerl (22), Johann Schmidbauer (25), Josef Krämer (23), Josef Wein (25), Willi Stangl (25) und Georg Weber als Kommandant bezeichnet werden.
Feuerlösch-Ordnung
Als diese 8 biederen Mitterdorfer Männer um 1870 die Grundlage dafür geschaffen hatten, hat die Verwaltung der Landgemeinde Mitterdorf am 10. März 1873 eine Feuerlöschordnung erlassen.
Feuerlösch-Ordnung in der Gemeinde Mitterdorf
I. Art und Weise der Anzeige über einen entspandenen Brand
§ 1 Ein jeder Hauseigentümer und Hausbewohner ist verbunden, im Falle bei ihm Feuer entstehen sollte, alsbald Alarm zu schlagen.
§ 2 Der Gemeindediener, Nacht- und Flurwächter ist bei Wahrnehmung des Feuers verpflichtet ohne Verzug nicht nur in dem Hause, worin es brennt, sondern auch der Ortspolizeibehörde Anzeige zu erstatten.
§ 3 Die Pferdebesitzer müssen die Dienste eines Feuerreiters übernehmen und ist einer derselben an den Sitz des K. Bezirksamtes abzusenden.
II. Handhabung der Löschordnung
§ 4 Die Ortsbewohner haben die vorgeschriebenen Feuereimer an dem Brandplatz zu bringen und die herbeigeeilten fremden Feuerwehren nach Kräften zu unterstützen.
§ 5 Jeder Hauseigentümer hat eine entsprechende Laterne in Bereitschaft zu halten und auf Verlangen mit Licht versehen, zur Benutzung zu überlassen.
Außerdem sind die Nachbarn verpflichtet, die Türen zu ihren Brunnen und Wasserbehältern während des Brandes offen zu halten.
III. Verhalten nach dem gelöschten Brande
§ 6 Balken und Holzwerk, Stroh und andere brennbaren Stoffe müssen sorgsam abgelöscht und in eine angemessene Entfernung vom Orte gebracht werden.
§ 7 Diejenigen Gemeindeglieder, welche den oben aufgeführeten Bestimmungen keine Folge leisten werden nach dem Gesetze bestraft.
Vorstehende Feuerlöschordnung wird einem
K. Bezirksamte zur Genehmigung vorgelegt und tritt in Wirksamkeit am Tage ihrer Verkündung in der Gemeinde Mitterdorf.
Mitterdorf am 10. März 1873
Die Gemeindeverwaltung Mitterdorf L. S. Weigl Bügmstr
Michl Holz
Josef Retzer
Grundliste der freiwilligen Feuerwehr Roding
13 Jahre vorher, am 16. März 1860, waren bereits 10 Mitterdorfer Bürger bei der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Roding beteiligt. Sie wurden dort in die "Grundliste der Freiwilligen Feuerwehr Roding" eingetragen und als Angehörige der 2. Rotte im Spritzenzug geführt.
Obwohl das Kgl. Bezirksamt Roding unterm 2. Juni 1874 die Gemeinde Mitterdorf zur Gründung einer freiwillige Feuerwehr aufforderte, konnte der Bürgermeister postwendend am 10. Juni 1874 antworten, daß sich diese Wehr bereits gebildet hat und z. Zt. 50 Mitglieder zählt.
Ein weiteres (amtliches) Verzeichnis der Mitglieder wurde am 16. Mai 1874 mit dem Stempelabdruck "Freiwillige Feuerwehr Mitterdorf" angelegt.
Schon 1877 beschaffte die Gemeinde die erste Feuerspritze zum Preise von 1120,- Mark.
Erstes Feuerwehrhaus
Dieses Haus ist an einem zentralen Ort erstellt worden (Bahnhofstraße - Straße nach Altenkreith, an der sog. Bergnreim).
Eine Gedenktafel aus dem Jahre 1883 bezeugt die Fertigstellung der ersten Behausung der FFW Mitterdorf.
Über die Finanzierung dieses Gebäudes ist bekannt, daß 400,- Mark in bar und ein Rest von 128,57 Mark an Staatspapieren vorhanden waren. Den Rest mußten die Mitterdorfer Bürger durch Hand- und Spanndienste erbringen.
Handdruckspritze und fahrbare Drehleiter
In der Folgezeit, im Jahre 1907, wurde weiteres Gerät angeschafft. Man hat eine leistungs-stärkere Handdruckspritze und eine fahrbare Feuerwehrdrehleiter, Marke Paul Ludwig, er- worben.
Der damalige Kommandant und Vorstand Josef Rötzer aus Mitterdorf, bekannt unter dem Hausnamen "Kohlenbrenner", hat die Leiter aus Idealismus zur Feuerwehr aus eigenen Mitteln bezahlt, weil die Gemeinde arm war und kein Geld besaß. Mit dieser neuen Geräteausstattung war das vor drei Jahrzehnten erbaute Reguisitenhaus zu klein geworden. Etwa um 1910 wurde es durch einen Anbau erweitert.
Am 11. Juli 1913 hat man eine neue Feuer-Löschmaschine der Firma Paul Ludwig aus Bayreuth erhalten, weil die der Gründerjahre veraltert und verbraucht war. Zur Probe über deren Leistungsfähigkeit wurde der Bezirksamtmann ergebenst eingeladen.
Die von der Frwlg. Feuerwehr Mitterdorf von der Firma Paul Ludwig in Bayreuth angeschaffte Feuer = Löschmaschine ist unterm Heutigen eingetroffen.
Die Probe über deren Leistungsfähigkeit findet Sonntag 15. Juni c. nachmittags 3 Uhr statt, wozu wir uns Eu. Hochwohlgeborenen ganz ergebenst einzuladen erlauben.
Das Komando der Freiw. Feuerwehr
L. S. Schwarzfischer
Bgstr
Bereits im Jahre 1927 erwarb die Gemeinde die erste Motorspritze der Marke Flader/Magirus, 600 Ltr. zum Preise von 3974,50 Mark. Innerhalb dieser 30 Jahre wurden an der damals hochmodernen Pumpe eine Vielzahl von Feuerwehrleuten ausgebildet. Sie hat, wie aus den Berichtsheften und Auszeichnungen hervorgeht, bei zahlreichen Bränden sehr gute Dienste geleistet. In einem Prüfbericht des TUV München vom 3. 9. 52 wurde das Gerät als veraltert beanstandet und für die große Gemeinde als zu schwach befunden.
Leider haben nach Kriegsende, im Sommer 1945, die Amerikaner das Feuerwehrgerätehaus beschlagnahmt und kurzfristig in eine Bar umfunktioniert. Innerhalb weniger Stunden räumten sie das Gebäude. Das vorhandene Inventar haben sie teils auf die Straße gestellt, teils ist es anderweitig verschwunden. Eiligst haben Feuerwehrmänner das noch "Vorhandene" gerettet. Die Ausrüstung (Geräte und Uniformen) mußte behelfsmäßig untergebracht werden. Man stellte es kurzerhand in den Angermüllerstadl (jetzt Bäckerei Kraus). Zahlreiche Akten und wichtige Unterlagen, vor allem die aus der Gründerzeit und den folgenden Jahrzehnten, gingen verloren. Durch diesen "erzwungenen Umzug" können heute bestimmte Zeiträume in der geschichtlichen Entwicklung und der darin enthaltenen Ereignisse unserer Freiwilligen Feuerwehr nicht mehr belegt werden.
Der Tragkraftspritzenanhänger
Im Zuge der allgemeinen Technisierung hat die FFW Mitterdorf im Jahre 1957 eine TS 8 (Ziegler/VW) bekommen. Sie war auf einem Einachsanhänger Typ TSA eingeschoben. Im Brandfalle wurde dieser Hänger von einem vorbeifahrenden Fuhrunternehmer, einem Landwirt, der einen Traktor besaß, oder von kräftigen Feuerwehrmännern an den Brandherd gezogen.
Kurze Zeit danach, am 22. 8.1963 konnte die erste Vollmotorisierung gefeiert werden. Ein 1500 ccm FORD TRANSIT - ohne Armaturen - wurde angekauft. Als Ausrüstung hatte man die vorhandene TS 8 Spritze - mit allem Zubehör - eingebaut. Den ausgedienten Hänger erhielt, wie später auch das Automobil FORD, die FFW Ziehring.
(Photo eines Feuerwehrautosammlers)
Das zweite Feuerwehrgerätehaus
Mit der Straßenerweiterung Richtung Bahnhof, verbunden mit der neuzeitlichen Trassenführung, mußte das alte Feuerwehrgerätehaus - nach über 80 Jahren - der neuen Planung weichen. Es konnte dann Mitte der 60er Jahre "Am Graben" ein neues Gerätehaus geplant und schließlich auch verwirklicht werden.
In diesem Rahmen darf es nicht unerwähnt bleiben, daß sämtliche handwerkliche Arbeitsleistungen durch freiwillige Helfer (30 bis 40 Wehrmänner) ausgeführt wurden. Sie arbeiteten in unermüdlichem Einsatz und Eifer an Wochenenden und an den Abenden bis spät in die Nacht hinein. Das gesteckte Ziel - Einzug vor dem Winter -mußte noch verwirklicht werden. In gleicher Weise haben sich Geschäftsleute und andere Gönner großzügig erkenntlich gezeigt. Neben dem alten Herrn Dobler aus Kronwitt der kostenlos die Bauleitung übernahm, haben die Fuhrunternehmer Hofinger Josef, Hecht Johann, Wittmann Robert und Manfred sämtliche Transportleistungen gratis erbracht. In gleicher Weise hat der Mauerer Sepp die Erdarbeiten und der Janker Hans die Fenster erstellt. Die sonstigen handwerklichen Fachleistungen haben Mitterdorfer Unternehmer zu "reduzierten" Preisen geliefert. Brotzeiten stifteten abwechselnd die Frau Kirmer, die Kreuzbräu Anni und die Metzgerei Gregori. Der Kraus Xaver brachte jeweils einen Karton Semmeln und Brezen, und die gesamte Bevölkerung hat sich großzügig mit Bierspenden erkenntlich gezeigt. Den Altaraufbau zur kirchlichen Weihe erstellten und schmückten die umliegenden Nachbarn mit eigenen Hausblumen, wobei sich Frau Resl Ruhland besonders hervor tat.
Im Zuge der weiteren Entwicklung der FFW Mitterdorf wird auf die Ausbildung und Schulung von Nachwuchskräften besonderer Wert gelegt. Bereits seit über zwei Jahrzehnten interessieren sich neben dem männlichen Nachwuchs auch zahlreiche junge Damen für das Feuerlöschwesen. In Mädchengruppen wurden sie als Feuerwehrleute an Gerät und Material ausgebildet. Sie verstehen ihr Handwerk sehr gut und haben schon mehrere Prüfungen abgelegt. 1972 bezeichnete der damalige KBI Rumpl diese Damenlöschgruppe mit weiblicher Maschinistin als eine der ersten in Bayern.
Im Jahre 1973 erhielt die FFW Mitterdorf wiederum ein neues Löschfahrzeug Marke "Opel Blitz" mit Ziegler Vorbaupumpe und Aufbau LF8/leicht von Bachert, das 1998 außer Dienst gestellt wurde.
Die alte TS 8 aus dem Jahre 1957 wurde ebenfalls 1998 außer Dienst gestellt.
Das alte Gebäude "Am Graben" war nach über 25 Jahren nicht mehr der Zeit angepaßt. So ergab sich die Frage nach einer Modernisierung oder eines Neubaus. Aus Zweckmäßigkeitsgründen entschied man sich für den Neubau.
Auf dem Gemeindegrundstück neben der Schule konnte dieses zeitgemäße Feuerwehrgerätehaus errichtet werden. Es entspricht allen derzeitigen Anforderungen; beinhaltet die notwendigen Schulungs-, Ausbildungs- und Aufenthaltsräume und ist sowohl mit zweckmäßiger Beleuchtung, Heizung als auch mit Naßzellen ausgestattet.
Im Kellergeschoß wurde ein trümmersicherer Schutzraum für 106 Personen eingebaut, der mit Filteranlagen, Chemotoiletten und Notausstieg ausgestattet ist. Ein Stiefelwaschraum gehört ebenso zur Einrichtung wie eine Dusch- bzw. Waschanlage für Personal und Gerät. Die Versorgungsanschlüsse konnten problemlos und mit geringem Kostenaufwand vom nebenstehenden Schulgebäude verlegt werden. Die Bauzeit betrug etwa 18 Monate und die Gesamtkosten wurden mit 800000,- DM veranschlagt. An der Herstellung dieser Heimstätte haben wiederum zahlreiche freiwillige Helfer wertvolle Arbeit geleistet um die Gesamtkosten zu mindern.
In diesem modernen Domizil, eingebunden im Herzen Mitterdorfs neben Schule und Kindergarten, hat die Freiwillige Feuerwehr eine heimatliche Bleibe bekommen. Das neuzeitliche Feuerwehrgerätehaus mit Ausbildungsplatz ermutigt besonders die junge Feuerwehrgeneration zu mehr Liebe zur Wehr, zu guten Leistungen, zur allzeitigen Einsatzbereitschaft und zu einem hohen Ausbildungsstand.
Die Ölsperre und neue Fahrzeuge
Im Rahmen der Erdölpipeline MERO, die von Ingolstadt ausgehend, durch das Einsatzgebiet der FFW Mitterdorf bis in die Tschechei führt, wurde eine Ölsperre angeschafft, um für mögliche Unglücksfälle mit dieser Erdölleitung bestens gerüstet zu sein.
Gleichzeitig erhielt die FFW Mitterdorf ein neues Einsatzfahrzeug, ein LF 8/6 von Mercedes mit Ziegler Aufbau.
Ausserdem wurde der alte VW-Bus durch einen neuen Mannschafts-transportwagen vom Typ Mercedes Sprinter ersetzt.
Diese Chronik basiert auf der in der Festschrift zum 120 jährigen Jubiläum im Jahre 1993.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7