Source: http://www.hensche.de/Arbeit_Abruf_Arbeit_auf_Abruf_Abrufarbeit.html
Timestamp: 2017-03-30 02:44:03+00:00

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Auf die­ser Sei­te fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, was ei­ne Ar­beit auf Ab­ruf ist, un­ter wel­chen Um­stän­den Ar­beit­neh­mer zur Ab­ruf­ar­beit ver­pflich­tet sind und wel­che Schutz­vor­schrif­ten § 12 Teil­zeit-und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) zu­guns­ten von Ar­beit­neh­mern, die Ab­ruf­ar­beit leis­ten, ent­hält. Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung zur Ab­ruf­ar­beit recht­lich wirk­sam ist, ob ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung die Pflicht zur Ar­beit auf Ab­ruf be­grün­den kann und wel­che Mit­be­stim­mungs­rech­te der Be­triebs­rat beim The­ma Ab­ruf­ar­beit hat.
Was ist Ar­beit auf Ab­ruf?
Weicht Ab­ruf­ar­beit zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers vom Ge­setz ab? Müssen Sie Ar­beit auf Ab­ruf leis­ten, wenn Ihr Ar­beit­ge­ber das möch­te?
Wel­che ge­setz­li­chen Gren­zen hat die Ar­beit auf Ab­ruf?
Kann die ge­setz­li­che Min­dest­dau­er von zehn St­un­den pro Wo­che und/oder von drei St­un­den pro Tag im Ar­beits­ver­trag un­ter­schrit­ten wer­den?
Wel­che Gren­zen setzt die Recht­spre­chung der Fle­xi­bi­li­sie­rung der Ar­beits­zeit durch Ab­ruf­ar­beit?
Was ist, wenn bei Ar­beit auf Ab­ruf kei­ne wöchent­li­che oder tägli­che Min­dest­zeit ver­ein­bart ist: Gilt dann im­mer die ge­setz­li­che Min­dest­stun­den­zahl von zehn St­un­den pro Wo­che bzw. drei St­un­den pro Tag?
Was pas­siert, wenn der Ar­beit­ge­ber die Ankündi­gungs­frist von vier Ta­gen nicht einhält?
Hat der Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht beim The­ma Ab­ruf­ar­beit?
Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Ar­beit auf Ab­ruf (Ab­ruf­ar­beit)? Was kön­nen wir für Sie tun?
Was ist Ar­beit auf Ab­ruf? Ar­beit auf Ab­ruf be­deu­tet, dass man als Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beits­leis­tung ent­spre­chend dem wech­seln­den Ar­beits­an­fall im Be­trieb zu er­brin­gen hat: Die­se Wo­che ar­bei­tet man auf Wei­sung des Ar­beit­ge­bers vie­le St­un­den, die nächs­te Wo­che dafür we­ni­ger, und die dar­auf­fol­gen­de Wo­che muss man wie­der lan­ge ar­bei­ten. Die­se ex­tre­me Va­ri­an­te der Fle­xi­bi­li­sie­rung von Ar­beits­zei­ten be­trifft prak­tisch aus­sch­ließlich Teil­zeit­kräfte. Da­her ist die we­sent­li­che ge­setz­li­che Re­ge­lung zum The­ma Ar­beit auf Ab­ruf auch im Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) ent­hal­ten, nämlich in § 12 Tz­B­fG.
Weicht Ab­ruf­ar­beit zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers vom Ge­setz ab? Ja, Ab­ruf­ar­beit ist im­mer ei­ne Ab­wei­chung von all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Grundsätzen, die zum Schut­zes des Ar­beit­neh­mers gel­ten. Denn im All­ge­mei­nen hat der Ar­beit­ge­ber und nicht et­wa der Ar­beit­neh­mer das Ri­si­ko zu tra­gen, dass es in­fol­ge ge­rin­ger Kun­den­nach­fra­ge und/oder in­fol­ge be­trieb­lich-tech­ni­scher Pro­ble­me kei­ne sinn­vol­le Ver­wen­dung für die Ar­beits­leis­tun­gen des Ar­beit­neh­mers gibt. Da der Ar­beit­ge­ber das Wirt­schafts­ri­si­ko und das Be­triebs­ri­si­ko trägt, muss er bei ei­ner geschäft­li­chen Flau­te (Wirt­schafts­ri­si­ko) und bei tech­ni­schen Be­triebsstörun­gen (Be­triebs­ri­si­ko)
Müssen Sie Ar­beit auf Ab­ruf leis­ten, wenn Ihr Ar­beit­ge­ber das möch­te? Zur Ar­beit auf Ab­ruf ist im All­ge­mei­nen nie­mand ge­zwun­gen, auch kei­ne Teil­zeit­kraft, es sei denn, die­se Ar­beits­form ist im Ar­beits­ver­trag aus­drück­lich ge­re­gelt. Oh­ne das ar­beits­ver­trag­li­che OK des Ar­beit­neh­mers geht hier nichts. Denn Ab­ruf­ar­beit weicht wie ge­sagt von § 615 BGB und da­mit von dem recht­li­chen Grund­satz ab, dass der Ar­beit­ge­ber das Be­triebs- und das Wirt­schafts­ri­si­ko trägt.
Mögli­cher­wei­se gibt es in dem Be­trieb, in dem Sie ar­bei­ten, ei­nen Be­triebs­rat, und mögli­cher­wei­se ha­ben Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung zum The­ma Ar­beits­zeit oder Schicht­dienst ver­ein­bart. Dann könn­te es sein, dass in ei­ne sol­chen Be­triebs­ver­ein­ba­rung die Be­rech­ti­gung Ih­res Ar­beit­ge­bers fest­ge­schrie­ben ist, Ar­beit auf Ab­ruf an­zu­ord­nen, auch wenn da­von in den Ar­beits­verträgen der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer nichts steht. In ei­ni­gen Be­trie­ben gibt es tatsächlich Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen, die ei­ne sol­che zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­hen­de Pflicht zur Ab­ruf­ar­beit ent­hal­ten. Ei­ne sol­che Pflicht kann aber in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht wirk­sam fest­ge­schrie­ben wer­den, da sie die ar­beits­ver­trag­li­che Si­tua­ti­on der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ver­schlech­tern würde.
Wel­che ge­setz­li­chen Gren­zen hat die Ar­beit auf Ab­ruf? In § 12 Abs.1 und Abs.2 Tz­B­fG sind ei­ni­ge Schutz­vor­schrif­ten zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ent­hal­ten, da­mit der Ar­beit­ge­ber die Ar­beit auf Ab­ruf nicht all­zu sehr aus­reizt. Im ein­zel­nen schreibt das Ge­setz fol­gen­de Gren­zen der Ab­ruf­ar­beit vor:
Kann die ge­setz­li­che Min­dest­dau­er von zehn St­un­den pro Wo­che und/oder von drei St­un­den pro Tag im Ar­beits­ver­trag un­ter­schrit­ten wer­den? Ja, das neh­men die meis­ten Ar­beits­recht­ler an. BEISPIEL: Ein Ar­beits­ver­trag zwi­schen ei­nem Tex­til­dis­coun­ter und ei­ner Aus­hilfs­kraft sieht vor, dass die Aus­hilfs­kraft min­des­tens acht St­un­den pro Wo­che ar­bei­ten muss, und zwar an den Ta­gen von Diens­tag bis Frei­tag je­weils ab 15:00 Uhr bis in den Abend hin­ein, falls der Ar­beit­ge­ber die Aus­hilfs­kraft ent­spre­chend dem Ar­beits­an­fall zur Ar­beit ein­be­stellt. Als Min­dest­ar­beits­zeit pro Ein­satz­tag sind zwei St­un­den ver­trag­lich ver­ein­bart. Dann kann der Ar­beit­ge­ber die Aus­hilfs­kraft im Lau­fe ei­ner Wo­che z.B. am Diens­tag gar nicht, am Mitt­woch für zwei St­un­den, am Don­ners­tag für zwei St­un­den und am Frei­tag für vier St­un­den zur Ar­beit ein­be­stel­len.
Wel­che Gren­zen setzt die Recht­spre­chung der Fle­xi­bi­li­sie­rung der Ar­beits­zeit durch Ab­ruf­ar­beit? Die Schutz­vor­schrif­ten, die in § 12 Abs.1 und Abs.2 Tz­B­fG bei Ab­ruf­ar­beit zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer enthält, rei­chen nicht aus, um ei­nen wirk­sa­men recht­li­chen Schutz der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten. Denn Ab­ruf­ar­beit ist im­mer fragwürdig, weil sie zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers von § 615 BGB ab­weicht. Da­her las­sen die Ar­beits­ge­rich­te es zwar im Prin­zip zu, dass das Be­triebs- und Wirt­schafts­ri­si­ko durch die Ver­ein­ba­rung von Ab­ruf­ar­beit vom Ar­beit­ge­ber auf den Ar­beit­neh­mer ab­gewälzt wird, aber nur in en­gen Gren­zen. Die­se Gren­zen wer­den über­schrit­ten, wenn die vom Ar­beit­ge­ber frei ab­ruf­ba­re Zu­satz­ar­beit mehr als 25 Pro­zent über die ver­ein­bar­te Min­dest­ar­beits­zeit hin­aus­geht, und/oder
In die­sem Sin­ne hat auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, nämlich in ei­nem Ur­teil vom 09.07.2008 (5 AZR 810/07). dar­in heißt es: „Ein völlig of­fe­ner Um­fang der Ar­beits­pflicht ist nicht trag­bar, das gilt nicht nur im Fal­le des § 12 Abs. 1 Satz 1, 2 Tz­B­fG.“)
BEISPIEL: In dem obi­gen Fall ei­nes Ar­beits­ver­trag zwi­schen ei­nem Tex­til­dis­coun­ter und ei­ner Aus­hilfs­kraft, die an vier Ta­gen in der Wo­che ins­ge­samt min­des­tens acht St­un­den Ab­ruf­ar­beit leis­ten soll, muss der Ar­beits­ver­trag da­her fol­gen­de wei­te­re Klar­stel­lun­gen ent­hal­ten: "Der Min­dest­um­fang der wöchent­lich ab­zu­ru­fen­den Ar­beits­zeit beträgt sechs St­un­den und 25 Mi­nu­ten. Der Höchst­um­fang der wöchent­lich ab­zu­ru­fen­den Ar­beits­zeit beträgt zehn St­un­den." Was ist, wenn bei Ar­beit auf Ab­ruf kei­ne wöchent­li­che oder tägli­che Min­dest­zeit ver­ein­bart ist: Gilt dann im­mer die ge­setz­li­che Min­dest­stun­den­zahl von zehn St­un­den pro Wo­che bzw. drei St­un­den pro Tag? Nein, nach der Recht­spre­chung wird ei­ne sol­che Ver­tragslücke nicht im­mer da­durch ge­schlos­sen, dass die o.g. ge­setz­li­chen Min­dest­zei­ten an­ge­wen­det wer­den. Denn wenn der Ar­beit­neh­mer in der Ver­gan­gen­heit re­gelmäßig deut­lich länger als zehn St­un­den pro Wo­che und/oder deut­lich mehr als drei St­un­den am Tag ge­ar­bei­tet hat, würden sich die ge­setz­li­chen Min­dest­stun­den zu sei­nem Nach­teil aus­wir­ken.
Was pas­siert, wenn der Ar­beit­ge­ber die Ankündi­gungs­frist von vier Ta­gen nicht einhält? Nach dem Ge­setz ist der Ar­beit­neh­mer dann nicht zur Ar­beits­leis­tung ver­pflich­tet. Trotz­dem wird ge­gen die­se Ankündi­gungs­frist - ge­ra­de in klei­nen Be­trie­ben - oft ver­s­toßen, d.h. der Ar­beit­ge­ber hält sich nicht an die Ankündi­gungs­frist und der Ar­beit­neh­mer kommt trotz­dem zur Ar­beit. In ei­nem sol­chen Fall verhält sich der Ar­beit­ge­ber ge­set­zes­wid­rig und ver­letzt da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten, doch hat der Ar­beit­neh­mer da­von nichts, wenn er trotz ei­ner ge­set­zes­wid­rig verkürz­ten Ankündi­gungs­frist „brav“ zur Ar­beit kommt. Die ge­leis­te­te Ar­beits­zeit ist natürlich zu be­zah­len, aber ei­nen zusätz­li­chen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich für die rechts­wid­ri­ge Verkürzung der Ankündi­gungs­frist gibt es nicht.
Hat der Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht beim The­ma Ab­ruf­ar­beit? Nach ei­nem Ur­teil des BAG aus dem Jah­re 1988 kann der Be­triebs­rat gemäß § 87 Abs.1 Nr.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) bei Ab­ruf­ar­beit über fol­gen­de Fra­gen mit­be­stim­men (BAG, Be­schluss vom 28.09.1988, 1 ABR 41/87):
Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Ar­beit auf Ab­ruf (Ab­ruf­ar­beit)? Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Ar­beit auf Ab­ruf (Ab­ruf­ar­beit) in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/118 Mi­nus­stun­den nur bei Ar­beits­kon­to-Ver­ein­ba­rung Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/156 AGB-Kon­trol­le ei­ner Ar­beits­zeit­re­ge­lung: Ar­beits­ver­trag­li­che Durch­schnitts­ar­beits­zeit ist un­klar oh­ne Aus­gleichs­zeit­raum
Was können wir für Sie tun? Wenn Sie Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Ar­beit auf Ab­ruf ha­ben oder sich nicht si­cher sind, in wel­chem Um­fang Sie zur Ar­beit ver­pflich­tet sind oder ob Ih­nen mög­li­cher­wei­se ei­ne Ver­gü­tung ge­leis­te­ter Über­stun­den zu­steht, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne. Wir un­ter­stüt­zen Sie auch bei der Durch­set­zung of­fe­ner Ver­gü­tungs­an­sprü­che.
Bit­te be­ach­ten Sie, dass Ih­nen mög­li­cher­wei­se nur kur­ze Zeit für die Gel­tend­ma­chung fi­nan­zi­el­ler An­sprü­che zur Ver­fü­gung steht, falls Sie bei­spiels­wei­se ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten zu be­ach­ten ha­ben.
Wir un­ter­stüt­zen auch Be­triebs­rä­te in al­len Fra­gen der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung und ins­be­son­de­re bei der Ge­stal­tung von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zu den The­men Ar­beits­zeit, Über­stun­den und Ar­beits­zeit­kon­ten. Für ei­ne mög­lichst ra­sche und ef­fek­ti­ve Be­ra­tung be­nö­ti­gen wir fol­gen­de Un­ter­la­gen:
Ar­beits­ver­trag mit Re­ge­lung zur Ab­ruf­ar­beit (falls vor­han­den)
Lohn­ab­rech­nun­gen bzw. Ge­halts­mit­tei­lun­gen Un­ter­la­gen / Be­le­ge für die ge­leis­te­ten Über­stun­den (falls vor­han­den)
Bewertung: Ar­beit auf Ab­ruf (Ab­ruf­ar­beit)

References: § 12
 § 12
 § 615
 § 12
 § 12
 § 615
 § 12
 § 87