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Timestamp: 2017-10-17 21:27:17+00:00

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BSG, 21.01.2015 - B 13 R 417/14 B - Notwendiger Inhalt einer Grundsatzrüge; Verfassungskonformität; Bislang fehlende höchstrichterliche Klärung | anwalt24.de
Beschl. v. 21.01.2015, Az.: B 13 R 417/14 B
Notwendiger Inhalt einer Grundsatzrüge; Verfassungskonformität; Bislang fehlende höchstrichterliche Klärung
Referenz: JurionRS 2015, 10635
Aktenzeichen: B 13 R 417/14 B
LSG Bayern - 22.10.2014 - AZ: L 19 R 313/12
1. Soweit sich ein Kläger auf die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 160 Abs. 2 Nr. 1 SGG) beruft, ist in der Beschwerdebegründung eine konkrete Rechtsfrage in klarer Formulierung zu bezeichnen und schlüssig darzulegen, dass diese klärungsbedürftig, in dem angestrebten Revisionsverfahren klärungsfähig (entscheidungserheblich) sowie über den Einzelfall hinaus von Bedeutung ist.
4. Allein die pauschale Behauptung, die Frage sei bislang höchstrichterlich nicht geklärt, genügt nicht.
Az: B 13 R 417/14 B
L 19 R 313/12 (Bayerisches LSG)
S 20 R 7/11 (SG Nürnberg)
Der 13. Senat des Bundessozialgerichts hat am 21. Januar 2015 durch den Vizepräsidenten Prof. Dr. S c h l e g e l sowie die Richter G a s s e r und K a l t e n s t e i n
Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts vom 22. Oktober 2014 wird als unzulässig verworfen.
Das Bayerische LSG hat mit Urteil vom 22.10.2014 einen Anspruch der Klägerin auf Rente wegen Erwerbsminderung verneint.
Gegen die Nichtzulassung der Revision in diesem Urteil hat die Klägerin Beschwerde beim BSG eingelegt. Sie beruft sich auf einen Verfahrensmangel und die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache.
Die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin ist unzulässig. Die Begründung vom 18.12.2014 genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen, weil die geltend gemachten Zulassungsgründe nicht ordnungsgemäß dargetan worden sind (vgl § 160a Abs 2 S 3 SGG).
1. Wird eine Nichtzulassungsbeschwerde darauf gestützt, dass ein Verfahrensmangel iS von § 160 Abs 2 Nr 3 SGG vorliege, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen könne, müssen für die Bezeichnung des Verfahrensmangels (§ 160a Abs 2 S 3 SGG) die den Verfahrensmangel (vermeintlich) begründenden Tatsachen substantiiert dargetan werden. Darüber hinaus ist die Darlegung erforderlich, dass und warum die Entscheidung des LSG - ausgehend von dessen materieller Rechtsansicht - auf dem Mangel beruhen kann, dass also die Möglichkeit einer Beeinflussung der Entscheidung besteht. Gemäß § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG kann der geltend gemachte Verfahrensmangel allerdings nicht auf eine Verletzung der §§ 109 und 128 Abs 1 S 1 SGG und auf eine Verletzung des § 103 SGG nur gestützt werden, wenn er sich auf einen Beweisantrag bezieht, dem das LSG ohne hinreichende Begründung nicht gefolgt ist.
Diesen Erfordernissen wird die Beschwerdebegründung nicht gerecht. Die Klägerin hat schon nicht aufgezeigt, dass sie einen entsprechenden (prozessordnungsgemäßen) Beweisantrag gemäß § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG bis zuletzt vor dem Berufungsgericht aufrechterhalten hat. Ein - wie die Klägerin - in der Berufungsinstanz anwaltlich vertretener Beteiligter kann nur dann mit der Rüge des Übergehens eines Beweisantrags gehört werden, wenn er diesen bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung durch entsprechenden Hinweis zu Protokoll aufrechterhalten hat oder das Gericht den Beweisantrag in seinem Urteil wiedergibt (stRspr, vgl BSG SozR 4-1500 § 160 Nr 13 RdNr 11 mwN).
Entsprechende Darlegungen enthält die Beschwerde nicht. Es reicht nicht aus, lediglich vorzutragen, dass mit Schriftsatz vom 8.7.2013 vorgetragen worden sei, dass die vom LSG eingeholten Stellungnahmen der behandelnden Ärzte (Herr Dr. V. und Frau V.) hinsichtlich des psychischen Zustands der Klägerin nicht mehr aktuell seien und dass sich das Berufungsgericht hätte gedrängt fühlen müssen, ein orthopädisches Sachverständigengutachten sowie erneute Stellungnahmen der vorgenannten Ärzte einzuholen.
2. Soweit sich die Klägerin auf die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG) beruft, ist auch diese nicht hinreichend dargelegt.
Hierfür ist in der Beschwerdebegründung eine konkrete Rechtsfrage in klarer Formulierung zu bezeichnen und schlüssig darzulegen, dass diese klärungsbedürftig, in dem angestrebten Revisionsverfahren klärungsfähig (entscheidungserheblich) sowie über den Einzelfall hinaus von Bedeutung ist (vgl BSG SozR 4-1500 § 160 Nr 13 RdNr 19, Nr 22 RdNr 5; BSG SozR 4-1500 § 160a Nr 5 RdNr 2 ff, Nr 9 RdNr 4, jeweils mwN). Es muss aus der Beschwerdebegründung ersichtlich sein, dass sich die Antwort auf die Rechtsfrage nicht ohne Weiteres aus dem Gesetz oder der bisherigen Rechtsprechung ergibt; hierzu bedarf es der Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Entscheidungen und sonstiger einschlägiger Rechtsprechung. Diese Anforderungen, die allerdings nicht überspannt werden dürfen, sind verfassungsrechtlich unbedenklich (BVerfG [Kammer] SozR 4-1500 § 160a Nr 12 RdNr 3 f, Nr 16 RdNr 4 f, Nr 24 RdNr 5 ff).
Die Vortrag der Klägerin wird diesen Erfordernissen nicht gerecht. Sie bezeichnet (sinngemäß) die Frage als grundsätzlich bedeutsam,
ob "eine ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit bei einer Person, welche Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II erhält", ... "mit einer vollen Erwerbsminderung gleichzusetzen" sei.
Es fehlt jedoch bereits an ausreichenden Darlegungen zur Klärungsbedürftigkeit der angesprochenen Frage. Allein die pauschale Behauptung, die Frage sei bislang höchstrichterlich nicht geklärt, genügt hierfür nicht. Insbesondere fehlen jegliche Ausführungen dazu, ob sich nicht bereits aus dem Gesetz (§ 43 Abs 2 S 2 SGB VI) und insbesondere auch aus der bereits ergangenen umfangreichen Rechtsprechung des BSG zu den Voraussetzungen für den Eintritt des Versicherungsfalls der "vollen Erwerbsminderung" einerseits und für das Vorliegen von "Arbeitsunfähigkeit" andererseits genügend Anhaltspunkte für eine Beantwortung der genannten Frage ergeben bzw inwiefern dies nicht der Fall ist.

References: § 160
 § 160
 § 160
 § 103
 § 160
 § 160
 § 160
 § 160
 § 160