Source: http://www.philosofos.de/2017/10/mein-problem-mit-dem-bge.html
Timestamp: 2017-10-17 05:46:37+00:00

Document:
Mein Problem mit dem BGE
Jeder Mensch soll monatlich einen fixen Betrag vom Staat erhalten, welcher reicht um Lebenshaltungskosten zu decken und wie es so schön heißt gesellschaftliche Teilhabe zu sichern. Es soll also eine Zahlung für die bloße Existenz eines Menschen erfolgen. Diese Idee, welche unter den Namen "Bedingungsloses Grundeinkommen" spätestens seit der Piratenpartei und den Versuchen der finnischen Regierung durch die Debatten geistert, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Schon längst ist es keine Idee mehr, welche nur von illusionistischen Spinnern vertreten wird. Zu diesem Wandel hat vor allem das Argument der Digitalisierung, Industrie 4.0 und der potentielle Wegfall vieler klassischer Arbeitsplätze beigetragen. Das klassische Narrativ der Befürworter lautet, das man das Paradigma von Lohnarbeit als Hauptweg zur Sicherung der Lebenshaltung aufgeben muss. Schließlich könne in Zukunft nunmal nicht mehr Jeder arbeiten. Das übernehmen die Maschinen.
So vertritt es der Philosoph Richard David Precht, die Piratenpartei und viele Andere. Herr Precht verweist zu recht auch immer darauf, das es mehrere "Versionen" des BGE gibt. Zum einen die des Silicon Valley, also die der Verwertungsinteressen, welche nur darauf abzielt weiteren Absatz für Daten zu schaffen und so die Geschäfte am laufen zu halten und die humanistische Variante, wie sie schon lange auch DM Chef Götz Werner vertritt (Werner ist Anthroposoph, was durchaus kritisch ist. Seine Intention in Hinsicht auf das BGE ist aber von jenen Beweggründen getrieben, die Precht denen des Silicon Valley gegenüberstellt). Interessant ist, das Richard David Precht damit in dieser Hinsicht eine Weitsicht aufweist, welche entscheidend ist für das Gelingen des BGE.
Die klassischen Gegenargumente gegen das BGE sind nicht nur die vermeintliche Unrealisierbarkeit, welche hier ausgeklammert wird, sondern vor allem die "Stilllegungsprämie". Anstatt zu versuchen, die Menschen in der Gesellschaft zu integrieren, stellt man diese ab, legt sie still. Dieses Bild ist nur zu treffend. Es ist die logische Folge aus dem Fehler, den die Berfürworter des BGE machen. Was anderes als ein gesellschaftliches Abstellgleis soll das BGE sein, wenn man sagt das ein Teil der Gesellschaft nicht mehr arbeiten "könne" und diese deshalb von der Existenzprämie leben? Ein Teil der Gesellschaft steht also auf dem Abstellgleis und hängt an den Scheiben, während der Rest an ihnen vorbeifährt. Das ist die eine Richtung. Doch wie sehen es die, die noch im Zug fahren? Sie sehen den Waggon auf dem Abstellgleis, der von Ihnen durchgefüttert wird oder haben nur Mitleid dafür, das die Anderen ihr Leben im Stillstand fristen. Das BGE bedeutet also Spaltung.
Hauptursache dafür ist, das man mit unfassbarer Naivität glaubt, alle Paradigmen, welche die Lohnarbeit betreffen aufrecht erhalten zu können und dieser nur die strenge Notwendigkeit nehmen zu können. Entweder man arbeitet Vollzeit oder steht auf dem Abstellgleis. Im Drang die eigene Idee schnell zu popularisieren, versuchen die Befürworter dem BGE das utopische zu nehmen, indem zumindest die Rahmenbedingungen gleich bleiben. Wenn man diese Version eines BGE vertritt kommt dieses einer Früh bzw. sogar Totgeburt gleich.
Zwei Dinge sind entscheidend, wenn man so etwas verhindern will. Auf der einen Seite muss man verstehen, das Arbeit, geregelter Tätigkeit mehr anhaftet als der ökonomische Aspekt. Arbeit hat immer auch eine existentielle Seite. Zweitens muss das Paradigma der Organisation und Verteilung von Arbeit verändert werden.
Wenn man an Arbeit denkt, kommt oft als Erstes der ökonomische Nutzen in den Sinn. Ich arbeite um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. "Von was willst du leben?". Diese Ideen sind noch mehr als lebendig. Diese Popularität trägt jedoch im modernen Sozialstaat eine gewisse Paradoxie in sich. Wenn man nicht arbeitet, bedeutet das noch nicht, das man keinen Lebensunterhalt hat. Niemand muss verhungern, wenn er in der Bundesrepublik im Jahr 2017 keiner Arbeit nachgeht. Trotzdem scheint es den Leuten wichtig ihr Geld "selbst" zu verdienen. Noch klarer wird das Paradox wenn man sich den Niedriglohnsektor klar macht, in welchem kaum mehr gezahlt wird als die Grundsicherung. Warum nehmen Menschen eine solche Arbeit an? Natürlich gibt es Sanktionen, Stigmatisierung etc. Doch wenn man Arbeit und ihre Funktion für das Individuum reflektiert, wird auch eine existentielle Funktion klar. Was macht man denn ohne Job? Ohne geregelte Tätigkeit, die dem Tag, der Woche, dem Jahr Ablauf gibt? In primitiven Gesellschaften spielt diese Frage keine Rolle. Man ist ohnehin den ganzen Tag mit dem sammeln von Nahrung, aufziehen der Kinder etc. beschäftigt. Davon sind wir im Westen schon längst erlöst. Unsere Vorstellung eines "gefüllten" Tages ist deshalb stark mit der Lohnarbeit assoziiert. Wenn diese Weggenommen wird, entsteht vielleicht keine Lücke was die Versorgung betrifft, aber definitiv eine in Hinsicht auf Tagesablauf und sinnvoller Beschäftigung.
Viele sind sich dem scheinbar blinden Idealismus vieler Mitmenschen nicht bewusst. Der Niedriglohnsektor kam schon zur Sprache. Doch auch viele andere schuften tagtäglich für einen Lohn der nicht einmal ansatzweise im Verhältnis zum Aufwand steht. Jeder kennt sicherlich Jemanden, den man so charakterisieren kann. Trotzdem tun sie es, die Pflegekräfte, Zimmermädchen und Bauern der Republik. Irgendetwas treibt sie frühs aus dem Bett und es sollte inzwischen klar sein, das es nicht der schnöde Mammon ist der frohlockt. Arbeit schafft Befriedigung, das Gefühl nützlich zu sein und hilft das Leben zu bewältigen. Wenn alles Struktur hat, kommt man klar mit dem Ekel Sartres und dem Gefühl des Absurden. Der Grund wieso diese Menschen arbeiten gehen lässt sich also eher bei Kierkegaard und Camus finden, als bei Adam Smith oder Milton Friedman. Wer den Menschen die Arbeit nimmt, kann genauso Camus Sisyphos den Stein wegnehmen. Genau diese Ebene fehlt in den Debatten um ein universelles Grundeinkommen.
Es soll nicht der Eindruck aufkommen, das ich die bisherige Lohnarbeit bis aufs letzte verteidigen will. Der Ansatz das neoliberale Paradigma des Mangels und der ständigen Notwendigkeit sich in entfremdeter Arbeit abzumühen zu brechen, ist durchaus begrüßenswert. Natürlich muss man an solche Lösungen denken, wenn die Digitalisierung wie von den Befürwortern antizipiert, so viele Jobs vernichtet. Wenn dann vernichtet diese allerdings die klassischen Arbeitsplätze welche immernoch mit 40-42H die Woche getaktet sind. Jedoch kann man dieses festgefahrene Muster auch aufbrechen und z.B. Arbeitszeiten verkürzen. Die Organisation, vor allem die Verteilung der Arbeit muss also überdacht werden.
Was soll Arbeit in Zukunft für uns bedeuten? Wenn das Bild der Lohnarbeit als entscheidendes Mittel zum Lebensunterhalt verblassen soll, muss sich auch die Einstellung gegenüber dieser ändern. Sie muss ein gewöhnlicher Teil des Tages werden und die Stellung als entscheidendes Element verlieren. Daran muss man sich jedoch erst gewöhnen. Diese ganze Debatte wird vom BGE jedoch überlagert. Durch die Lösung des Abstellgleises, kommt kein Leben in die Diskussion um das zukünftige Bild und die Funktion der Arbeit. Es ist auch eine Debatte um zukünftige Lebensführung. Man kann nicht die Arbeit von dieser loslösen.
Das BGE sollte eher gedacht werden als bürokratielose Möglichkeit, flexible Tätigkeiten zu überbrücken und die Existenzangst zu überwinden. Es sollte damit als Bestandteil einer neuen Form von Beschäftigung und Lebensführung verstanden werden und nicht als bestimmend. Das BGE jedoch einzuführen und zu denken, das damit ein potentielles Problem der Digitalisierung gelöst wird und sich die Gesellschaft schon irgendwie mit wandelt ist naiv und gefährlich. Es sollte nicht das primäre Element des Diskurses um die zukünftige Gesellschaft sein. Es ist ein Teil davon aber für sich selbst ist es vor allem eine Maßnahme, eine politische Gesetzesinitiative. Wir dürfen nicht den Fehler machen wie beim Euro, erst einen strukturellen Wandel vorzunehmen und danach darauf zu bauen, das der Rest (in diesem Fall die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa) mitzieht. Nur ein BGE einzuführen, wird keinen Wandel in den Köpfen anstoßen. Das Grundeinkommen muss Teil eines geistigen Momentums sein.
Die Kritk an Herrn Precht in einer früheren Version des Posts wurde von mir überarbeitet, da dieser sich im "Palaisgespräch" in Dresden ähnlich in bezug auf den Gesamtwandel der Gesellschaft und der Rolle des BGE innerhalb dessen geäußert hat wie ich. Weiterhin würde ich gern in Anlehnung an eine Diskussion mit "BGE Eisenach" auf Twitter darauf verweisen, das ich mich hier explizit gegen die Diskurverkürzung mittels des BGE ausspreche. Weiterhin geht es mir um die existentialistsiche Perspektive, welche mir entscheidend erscheint. Es ist dringend neue Paradigmen der Lebensführung zu entwickeln und diese Entwicklung darf nicht durch das BGE überlagert werden. Natürlich kann man auch am BGE als Gesetz und Maßnahme Diskurs führen. Meine Position ist aber stets, das der Diskurs um neue Lebensführung wichtiger ist und das BGE, wenn es im Mittelpunkt steht immer davon ablenkt. Wer darum bemüht ist, erst den geistigen Wandel zu vollziehen, bevor das Grundeinkommen als Maßnahme einegsetzt wird, muss sich von der oben geäußerten Kritik nicht angesprochen fühlen.
Arbeit BGE Grundeinkommen
Hayuu 7. Oktober 2017 um 06:32
"In primitiven Gesellschaften spielt diese Frage keine Rolle. Man ist ohnehin den ganzen Tag mit dem sammeln von Nahrung, aufziehen der Kinder etc. beschäftigt."
In primitiven oder auch traditionellen dörflichen Gesellschaften spielt man mehr und kreiert mehr gemeinschaftliche Werte und Freude. Im dörflichen war es normal das man in der Allmende/Commons gearbeitet hat, und am Ende des Jahres zusammengekommen ist um zu schauen wer wem vielleicht noch was schuldet.
"Was soll Arbeit in Zukunft für uns bedeuten? Wenn das Bild der Lohnarbeit als entscheidendes Mittel zum Lebensunterhalt verblassen soll, muss sich auch die Einstellung gegenüber dieser ändern. "
Klar. Das Grundeinkommen ist nicht mehr oder weniger als ein Anteil an den ökonomischen Chancen, dem Land, das wir ohne Wilkür von Bürokraten oder Marktgewinnern nutzen oder weitergeben können, weil wir als Menschen von Natur aus nicht Bittsteller bei Anderen sein müssen um uns des Landes zu bedienen.
Es ergibt sich, dass in Zeiten des Skaleneffekts (mehr verkaufen = geringerer stückpreis) und des Netzwerkeffekts (mekr kunden = höherer Produktwert ), das Recht auf Land konzentriert ( http://www.nber.org/papers/w23687 ). Und das das mit neuralen Netzwerken wohl noch ne Stufe härter wird sollte klar sein.
Übrigens geht uns bei weitem nicht die Arbeit aus. Die Arbeit wird nur immer Risikoreicher aber auch immer belohnender in Einzelfällen, dank des beteiligten Landes. Digitalisierung wird immer mehr verstanden als Aufforderung an alle, kreativer, eigenorganisert etwas auf die Beine zu stellen, sei es im großen oder kleinen. Ein Grundeinkommen kann sicherstellen, dass der der neu am Markt ist, sich nicht gänzlich verkaufen muss, an die einigen wenigen Megakonzerne. Und wenn es auch auf Kosten dieser finanziert wird, dann stellt es auch eine direkte umverteilung von ökonomischen Chancen dar, denn es ist einfacher etwas neues an seine Mitmenchen zu bringen, wenn sie mehr Geld haben. Selbst wenn nicht, stellt es eine Chance dar, mehr in der Allmende/Commons zu organisieren, Thema Open Source.
Übrigens auch interessant zum Thema Land und Grundeinkommen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Charter_of_the_Forest
https://www.youtube.com/watch?v=ltiRaKmj-sw
https://www.youtube.com/watch?v=S1NfU4Udckw
Und paar infos zu traditioneller Organisation:
https://www.youtube.com/watch?v=TCfreLenQC8
https://www.youtube.com/watch?v=CZIINXhGDcs (minute 25:56 ist interessant im Bezug auf Jäger/Sammler Organisationsform)
https://www.youtube.com/watch?v=5IZRWQn5jgk&list=PLu5uG1sCEDiiUllfodXXsOzS3EI7adhDp
Hayuu 7. Oktober 2017 um 06:40
Hayuu 7. Oktober 2017 um 06:41
"und diese Entwicklung darf nicht durch das BGE überlagert werden."
Das Grundeinkommen als Charta des Waldes fürs 21te jahrhundert ist ein Kernstück aller Entwürfe einer zukunftsgewandten Gesellschaft die ich als erstrebenswert erachten würde. Insofern würde ich es nich marginaliseren wollen. Es ist Kernstück. Beherrschen sollte es das Gespräch aber auch nicht.
"Natürlich kann man auch am BGE als Gesetz und Maßnahme Diskurs führen. Meine Position ist aber stets, das der Diskurs um neue Lebensführung wichtiger ist und das BGE, wenn es im Mittelpunkt steht immer davon ablenkt."
Wie weit es im Mittelpunkt stehen sollte oder nicht, da ist der Übergang natürlich fliesend. Also es sollte auf jeden Fall nicht die Diskussion beherrschen, was passiert wenn man diesem irrwizigen Ansatz daherkommt, dass das Grundeinkommen irgendwie eine gefühlte (aber nicht reale) massenarbeitslosigkeit bekämpfen soll. In der Wirklichkeit haben wir alle Arbeit, mehr als jemals zuvor in der Geschichte, und es wird immer mehr! Und das Grundeinkommen ist Grundlage, die Arbeit zu tun die am sinnvollsten erscheint.
"Wer darum bemüht ist, erst den geistigen Wandel zu vollziehen, bevor das Grundeinkommen als Maßnahme einegsetzt wird, muss sich von der oben geäußerten Kritik nicht angesprochen fühlen."
Hayuu 7. Oktober 2017 um 06:57
'Was anderes als ein gesellschaftliches Abstellgleis soll das BGE sein, wenn man sagt das ein Teil der Gesellschaft nicht mehr arbeiten "könne" und diese deshalb von der Existenzprämie leben?'
Ja, da ist ein Problem im Denken. Das Grundeinkommen ermöglicht mitmachen für alle, auch wenn der Markt immer mehr nach dem Kriterium 'zuerstkommen' verteilt, was ich durchaus plausibel finde.
Das Grundeinkommen ermöglicht politisches Engagement um die Gewinner in Schach zu halten und deren unverdiente wachsende Vorteile im Netzwerkeffekt und Skaleneffekt und traditionellem Landeigentum besser zu verteilen, sei es durch verschiedene Ansätze bei verschiedenen Platformen. Es ist Grundlage einer neuen Art der Unionisierung, in einer Welt wo vermeht auch der Kunde der Arbeiter ist.
Weiterhin ermöglicht es, auch Chancen in bezahlter Arbeit zu ergreifen die vielleicht nur zu 20% auf Erfolg hinauslaufen, und in allen weiteren Fällen eher weniger Geld einbringen, als was es zum guten Leben braucht.
Letztenendes schulden wir uns gegenseitig das Grundeinkommen auf höhe die gutes Leben ermöglicht, aber ich würde behaupten, dass es Sinn macht, zuerstmal die Menschen zu befähigen überhaupt Teilzuhaben an den neuen risikoreichen Wertschöpfungsprozessen, an der Digitalisierung, und dann finden die schon raus, dass es eine gewisse Höhe haben sollte die zum Beispiel eher mit Bruttoinlandsprodukt wächst, anstatt mit Inflation. Kann man natürlich auch schon heute thematisieren!
Adrian Beer 7. Oktober 2017 um 07:59
Ich versuche mal Alles in einem Kommentar so gut wie möglich unterzubringen.
1. Der Punkt der primitiven Gesellschaft dient für mich nur dazu, deutlich zu machen, das wir heute eine Luxus haben der früher nicht exixtierte. Wir müssen uns nicht den ganzen Tag mit unseren Grundbedürfnissen auseinandersetzen. Deshalb wird logischerweise Zeit frei, welche seit der Industrialisierung mit der Erwebsarbeit gefüllt wird. Ich meine den Begriff "primitiv" nicht abwertend. Es geht mir um eine Form von Urgesellschaft ganz im marxschen Sinne, also eine Gemeinschaft, die aufgrund der Entwicklungsstufe ihrer Produktionsmittel keinen Mehrwert erwirtschaftet. Die Gegenüberstellung dient nur zur Verdeutlichung der Notwendigkeit von Arbeit. Nebenbei bin ich mit dem Wesen der Dorfgemeinschaft bereits vertratut. Wie man im Mittelalter unter Flurzwang auf dem wenigen Land, welches nicht dem Lehnsherren direkt unterstellt war, Freude und gemeinsame Werte generiert hat, ist mir allerdings schleierhaft.
2. Ich bin auch nicht der vollen überzeugung, das die Massenarbeitslosigkeit so einsetzt wie z.B. von der Oxford Studie prophezeit. Das spielt jedoch für den post keine Rolle, da ich diese Position gewählt habe, da sie oft im Diskurs um das Grundeinkommen erwähnt wird(Precht, Varoufakis etc.). Von diesem Narrativ geht natürlich auch eine starke Anziehung aus, da es sehr leicht nachvollziehbar und in sich schlüssig ist. Wie es wirklich in ein paar Jahren aussehen wird, maß ich mir auch gar nicht an zu wissen. Mir geht es nur darum, das dieses Narrativ des Arbeitzplatzverlustes besteht und eine Konzentrierung auf das BGE als Lösung eben negative Folgen haben kann, siehe Abstellgleis.
3. Ich bin auch nicht, wie eigentlich auch deutlich wird, gegen das BGE als solches. Mir geht es vor allem um das "Loch" welches es erzeugen kann, wenn es zu früh eine Umsetzung erfährt. Meine Perspektive ist dabei komplett existentialistisch und geht daher logischerweise vom Individuum aus. Deshalb sehe den Status von Menschen, welche ihrer Aufgaben beraubt sind als so kritisch.
4. Letzlich scheint mir ihr Standpunkt zum BGE als ein komplett Anderer, als der den ich skizziere, da sie ja die Massenarbeitslosigkeit als nur gefühlt beschreiben.
Klar, das es zu Widersprüchen kommt, die ich aber eher Inkommensurabilitäten beschreiben würde, da sie von unterschiedlichen Ausgangspunkten herrühren.
Hayuu 7. Oktober 2017 um 08:27
"Wir müssen uns nicht den ganzen Tag mit unseren Grundbedürfnissen auseinandersetzen"
Das mussten wir auch nicht in primitiven und dörflichen Gesellschaften, aber ja, wir haben jetzt erheblich mehr Möglichkeiten, und das ist schön.
"Deshalb wird logischerweise Zeit frei, welche seit der Industrialisierung mit der Erwebsarbeit gefüllt wird."
Beschäftigung ist heute mehr in im tertiären Wirtschaftszweig, ja.
"Es geht mir um eine Form von Urgesellschaft ganz im marxschen Sinne, also eine Gemeinschaft, die aufgrund der Entwicklungsstufe ihrer Produktionsmittel keinen Mehrwert erwirtschaftet."
Es wurde aufgrund der offenen Strukturen kein Mehrwert ermittelt, nicht weil sie primitiv waren. Der intergenerationelle Wissenstransfer fand durchaus statt und hat den Wohlstand gemehrt, in derartigen Strukturen. Halt nicht im Geldwert gemessen. Einen formellen Markt zu haben ist dennoch ein praktischer Teil der Wirtschaft, ja.
"Wie man im Mittelalter unter Flurzwang auf dem wenigen Land, welches nicht dem Lehnsherren direkt unterstellt war, Freude und gemeinsame Werte generiert hat, ist mir allerdings schleierhaft."
Vielleicht nen interessantes buch in dem kontext: https://en.wikipedia.org/wiki/Dancing_in_the_Streets
Als auch Caliban and the Witch von Silvia Federici.
Langer rede kurzer sinn, bis zum 16ten jahrhundert gab es durchaus eine weit gelebte Kultur der kommunalen Feste und Zusammenkunft in der Allmende.
"Mir geht es vor allem um das "Loch" welches es erzeugen kann, wenn es zu früh eine Umsetzung erfährt."
Also ein 'zu früh' gibt es nicht, es gibt nur ein 'nicht im Kontext eingeführt'. Grundeinkommen gab es schon vor 1500 jahren stellenweise ( http://www.basicincomela.com/who-is-who/abu-bakr/ ) und hätte es auch schon mindestens seit der ersten industriellen revolution geben müssen, meiner Ansicht nach, weil halt der Landumschluss da so schon derart vorangeschritten war, dass es einfach Sinn macht.
"Das spielt jedoch für den post keine Rolle, da ich diese Position gewählt habe, da sie oft im Diskurs um das Grundeinkommen erwähnt wird(Precht, Varoufakis etc.)"
Mag sein, dennoch ist es eher zeichen der mangelnden reflektion der Aktöre die das vorschlagen, und wenig wert im sinne der wissensbildung. Lieber den Punkt entkräften und ein Bild das näher der Wirklichkeit ist, darstellen. Übrigens werden massive jobs abgeschafft die verlässlich Einkommen generieren für die Arbeiter. Es geht halt hin zum kreativen, risikoreichen wirtschaften, aber da gibt es halt fast endlos Betätigungsfelder. Also da muss man aufpassen, dass man nicht die explizite Vorhersage mit einer Impliziten verkoppelt.
"Mir geht es nur darum, das dieses Narrativ des Arbeitzplatzverlustes besteht und eine Konzentrierung auf das BGE als Lösung eben negative Folgen haben kann, siehe Abstellgleis."
Ja das Narrativ muss erweitert werden, um den Punkt, dass Marktmacht sich konzentriert durch zuerstkommen, netzwerkeffekt, skaleneffekt, aber dennoch immer mehr Chancen sich Dienste zu erbringen für meist fast kein Geld oder in Abhängigkeit von Industriegewinnern. Das Grundeinkommen ist eine extrem brauchbare Grundlage für eine gerechtere Verteilungspolitik in diesem Kontext, und Grundlage der Partizipation an der Arbeit und der Zivilgesellschaft.
"Meine Perspektive ist dabei komplett existentialistisch und geht daher logischerweise vom Individuum aus. Deshalb sehe den Status von Menschen, welche ihrer Aufgaben beraubt sind als so kritisch."
Klar. Also mann muss das Arbeiten neu denken, als aus dem Meer der Chancen tätig zu werden füreinander, etwas herrauszufischen was mittelfristig vielleicht vielle wollen und was zu einem passt. Sehe ich auch so.
"4. Letzlich scheint mir ihr Standpunkt zum BGE als ein komplett Anderer, als der den ich skizziere, da sie ja die Massenarbeitslosigkeit als nur gefühlt beschreiben."
Ich sehe halt nicht wo auch grosartig Menschen die sich mit dem Thema ernsthaft befasst haben, zu dem Ergebniss kommen, dass es so was wie ne Massenarbeitslosigkeit gibt (es gibt nur vorranschreitende der Abschaffung der verlässlichen Einkommen), und das das Grundeinkommen irgendwie dafür geeignet wäre, dieser gefühlten Massenarbeitslosigkeit zu begegenen.
Dem vorranschreiten der Abschaffung der verlässlichen Einkommen kann man meiner Ansicht nach aber durchaus ein Grundeinkommen wichtigerweise gepaart mit einem Appel an Eigeninitiative, im privaten wie im politischen, gemeinschaftlichen, entgegenstellen.
Hayuu 7. Oktober 2017 um 08:30
Zu dem Grundeinkommen von vor 1500 jahren noch gesagt, das war halt als Almosen gedacht, nicht als recht auf Teilhabe am Land. Wurde desshalb abgeschafft, weil es die Chancen so gut verteilt hatte, dass niemand mehr darauf angewiesen war im Akuten. Was aber Heute wohl nichtmehr so einfach der Fall wäre, und auch weiterhin als recht auf Teilhabe am Land ohne irgendeine akute Bedürftigkeit sinnvoll wäre, weil es mach sich schon gut als Grundlage für eine Wirtschaftsordnung, wenn Menschen konzeptuell Anteil am Land haben, und diesen tempär anderen zur Verfügung stellen können.
Mit Bloch gegen Blau
Wenn man die politische Stimmung, die im Moment in Deutschland herrscht wahrnimmt, müsste man eigentlich den Eindruck bekommen, das sich das Land in einer desaströßen Lage befindet. Es herrscht Politikverdrossenheit, die alten Parteien mussten enorme Vertrauensverluste hinnehmen und der rechte Platz neben der Union scheint doch plötzlich frei. Doch eigentlich gehts uns ganz schön gut. Einer der höchsten Lebensstandards der Welt, wachsendes BIP und geringe Inflation. Natürlich gibt es Probleme und der Wohlstand ist z.T. erkauft durch einen Niedriglohnsektor der seit der Agenda 2010 den Wirtschaftsmotor auch bei niedrigen Drehzahlen noch brummen lässt. Lehrer sind Mangel und der Landarzt droht zur bedrohten Spezies zu werden, die bald nur noch im ZDF Abendprogramm zu sehen ist. Im großen und Ganzen sind jedoch die Wenigsten existentiell bedroht oder mussten große Einbußen in den letzten Jahren hinnehmen. Irgendetwas anderes stimmt also nicht. Der Zusammenhang unserer gern bemühten Kennz…

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