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Timestamp: 2018-01-18 02:14:36+00:00

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Ausgewählte Rechtsprechung zur Lebensversicherung | Versicherungsombudsmann
Ausgewählte Rechtsprechung zur Lebensversicherung
Selbstverständlich berücksichtigt der Ombudsmann bei der Beschwerdebearbeitung die aktuelle Rechtslage und prüft immer, welche Gerichtsentscheidungen auf Ihren Vertrag anzuwenden sind. Gleichwohl kann es sinnvoll sein, sich vor Einlegung einer Beschwerde eine erste Orientierung zu verschaffen. Zudem können sich neue Gerichtsentscheidungen auch noch dann auf Verträge auswirken, wenn bereits ein Beschwerdeverfahren durchgeführt wurde.
Auf dem Gebiet der Lebensversicherung ist es nicht einfach, die Rechtslage zu überblicken. Hier hat sich die Rechtsprechung in letzter Zeit sehr schnell weiterentwickelt. Außerdem betreffen einige Urteile nur bestimmte Zeitpunkte des Vertragsschlusses. Deshalb haben wir für Sie wichtige Gerichtsentscheidungen zur Lebensversicherung zusammengestellt und den Kern der jeweiligen Entscheidungen kurz wiedergegeben. Ausführlichere Informationen entnehmen Sie bitte den Leitsätzen der Urteile, die Sie über den jeweiligen Link aufrufen können. Viele Urteile sind zudem in den Jahresberichten des Ombudsmanns verständlich erläutert. Auch hierzu sind entsprechende Links angegeben.
Der BGH hatte über die Wirksamkeit von Klauseln zum Rückkaufswert/Stornoabzug und zu den Abschlusskosten (Zillmerverfahren) von Kapitallebensversicherungen zu entscheiden. Betroffen waren Versicherungsbedingungen, die nach der Deregulierung des Versicherungsmarktes im Jahr 1994 (ab August) verwendet wurden.
Der BGH erklärte die damals verwendeten Klauseln zum Rückkaufswert/Stornoabzug und zu den Abschlusskosten (Zillmerverfahren) von Kapitallebensversicherungen für intransparent und damit für unwirksam. Das Gericht beanstandete unter anderem, dass dem Versicherungsnehmer wirtschaftliche Nachteile einer vorzeitigen Kündigung nicht hinreichend deutlich gemacht werden.
Durch die festgestellte Unwirksamkeit entstanden Regelungslücken. Der BGH hatte in diesen Verfahren nicht zu entscheiden, wie diese zu schließen sind.
Als Reaktion auf diese Urteile haben die Lebensversicherer in der Regel die betreffenden Klauseln bei neu abgeschlossenen Verträgen anders formuliert. Bezüglich bestehender Verträge ersetzten die Versicherer die unwirksamen Klauseln im Wege des Treuhänderverfahrens.
IV ZR 121/00
V ZR 138/99
Jahresbericht 2005, Seite 15
Der BGH entschied, dass die Klauselersetzung im Treuhänderverfahren nicht rechtens war. Gleichzeitig bestimmte er im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung, wie die Regelungslücken, die durch das vorgenannte Urteil (Nr. 1) entstanden waren, zu schließen sind. Er legte einen Mindestrückkaufswert fest, der die Leistungspflicht des Versicherers nach unten begrenzt. Soweit der vertragliche Anspruch darüber liegt, ist dieser fällig. Den Mindestrückkaufswert definierte das Gericht als die Hälfte des so genannten ungezillmerten Deckungskapitals ohne Berücksichtigung eines Stornoabzugs.
Dieses Grundsatzurteil betraf alle Verträge, denen Klauseln zugrunde lagen, die der BGH in seinen Urteilen vom 9. Mai 2001 für unwirksam erklärt hatte (in der Regel Verträge, die zwischen August 1994 bis Mai 2001 abgeschlossen worden waren).
Jahresbericht 2006, Seite 21
Dem BGH lagen fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungsverträge vor. Er weitete seine Rechtsprechung vom 12. Oktober 2005 (Nr. 2) auf fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungsverträge aus.
IV ZR 321/05
Der BGH hatte darüber zu entscheiden, wann die Verjährung der Ansprüche von Versicherungsnehmern beginnt, die ihren Lebensversicherungsvertrag kündigen. Dies ist insbesondere von Bedeutung, wenn die Rechtsprechung nachträglich feststellt, dass den Versicherungsnehmern höhere Ansprüche zustehen. Auf diese Rechtsfrage war das Versicherungsvertragsrecht in seiner bis Ende 2007 geltenden Fassung anzuwenden (VVG a.F.).
Der BGH entschied, dass bei einem Anspruch auf Zahlung der Rückvergütung nach Kündigung eines Lebensversicherungsvertrags der Verjährungslauf mit Schluss des Jahres beginnt, in dem der Versicherer den Vertrag abgerechnet hat. Die Verjährungsfrist von § 12 Abs.1 Satz 1 VVG a. F. betrug fünf Jahre.
Nichts anderes gilt, wenn sich der Anspruch auf Zahlung einer (weitergehenden) Rückvergütung aus der Berücksichtigung des Mindestrückkaufswerts im Sinne der Senatsurteile vom 12. Oktober 2005 (Nr. 2 – 3) ergibt, auch wenn die Abrechnung vor Veröffentlichung der Senatsurteile vom 12. Oktober 2005 erfolgte.
In diesen Verfahren lagen dem BGH verschiedene Verträge von Versicherern vor. Das Gericht hatte u. a. über die Kostenverrechnungsklausel nach dem Zillmerverfahren zu entscheiden. Es bewertete diese im Falle der Kündigung und der Beitragsfreistellung als unangemessene Benachteiligung und erklärte sie aus diesem Grund für unwirksam. Außerdem stellte es fest, dass die ihm vorliegenden Klauseln zum Stornoabzug unwirksam sind.
Wie die entstandene Vertragslücke hinsichtlich der Kostenverrechnungsklausel zu schließen ist, hatte der BGH nicht zu entscheiden.
Die vom BGH für unwirksam erklärten Klauseln betrafen Versicherungsverträge, die zwischen Ende 2001 und Ende 2007 abgeschlossen worden waren.
Jahresbericht 2012, Seite 16
Der BGH stellte in diesem Urteil klar, dass der Mindestrückkaufswert, den er im Jahr 2005 für Verträge mit unwirksamen Klauseln zu den Abschlusskosten festgelegt hatte, ohne Berücksichtigung von Abschlusskosten zu berechnen ist. Darüber hinaus erklärte er eine Klausel, in der die Abschlusskosten auf die ersten Versicherungsjahre gleichmäßig verteilt wurden (Teilzillmerung), wegen Intransparenz für unwirksam.
Das Urteil betraf Verträge über kapitalbildende Lebensversicherungen, aufgeschobene Rentenversicherungen und fondsgebundene Lebensversicherungen, die in der Zeit von Juli 1995 bis März 2001 abgeschlossen worden waren (Nr. 1, 2 und 3).
Der BGH hatte in zwei Verfahren zu entscheiden, wie der Rückkaufswert von Lebensversicherungen nach erfolgter Kündigung zu bewerten ist, bei denen der Vertragsschluss zwischen Ende 2001 und Ende 2007 liegt (Nr. 5).
Das Gericht wendete den gleichen Maßstab an wie in den Urteilen vom 12. Oktober 2005 (Nr. 2) für vor Ende 2001 geschlossene Verträge. Somit steht dem Versicherungsnehmer für den Fall der vorzeitigen Vertragsbeendigung zunächst die versprochene Leistung zu. Der vereinbarte Betrag der beitragsfreien Versicherungssumme und des Rückkaufswerts darf aber einen Mindestbetrag nicht unterschreiten, der durch die Hälfte des mit den Rechnungsgrundlagen der Prämienkalkulation berechneten ungezillmerten Deckungskapitals bestimmt wird.
Damit werden bei der Berechnung des Rückkaufswerts alle bis Ende 2007 geschlossenen Verträge, denen die genannten unwirksamen Klauseln zugrunde lagen, nach denselben Grundsätzen behandelt (Mindestrückkaufswert ist die Hälfte des ungezillmerten Deckungskapitals ohne Berücksichtigung von Abschlusskosten).
Bei ab 2008 geschlossenen Verträgen ist für die Berechnung des Rückkaufswerts die Regelung des § 169 Abs. 3 Satz 1 VVG maßgeblich.
Es war lange Zeit umstritten, ob eine Vereinbarung von Ratenzahlungszuschlägen bei Versicherungsverträgen ohne Angabe des Effektivzinssatzes wirksam ist. Inzwischen hat der BGH entschieden. Er führt in seinem Urteil vom 6. Februar 2013 aus, dass eine vertraglich vereinbarte unterjährige Zahlung von Versicherungsprämien mit Ratenzahlungszuschlägen keine Kreditgewährung im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches beziehungsweise der für Verbraucher-Darlehensverträge geltenden Vorschriften ist und der Kläger deshalb keinen Anspruch auf Erstattung der Ratenzahlungszuschläge hat.
Der EuGH hat entschieden, dass § 5 a II 4 VVG a. F., der zum 1. Januar 2008 außer Kraft getreten ist und nach dem ein Widerspruchsrecht spätestens ein Jahr nach Zahlung der ersten Versicherungsprämie erlischt, wenn der Versicherungsnehmer nicht über das Recht zum Widerspruch belehrt worden ist, gegen Unionsrecht verstößt. Über die Rechtsfolgen der Europarechtswidrigkeit hatte der EuGH nicht zu entscheiden. Dies ist Aufgabe des BGH. Er wird darüber zu befinden haben, ob etwa ein ewiges Widerrufsrecht besteht oder ob nach dem Policenmodell geschlossene Versicherungsverträge jedenfalls solche mit unzureichender Widerrufsbelehrung rückabgewickelt werden müssen. Dies sind Fragen von rechtsgrundsätzlicher Bedeutung, die dem höchsten deutschen Zivilgericht vorbehalten bleiben müssen. Dem kann im Ombudsmannverfahren nicht vorgegriffen werden. Mit einem entsprechenden BGH-Urteil wird in diesem Jahr gerechnet.
C-209/12
Der IV. Zivilsenat hatte zu klären, welche Folgen sich aus dem Urteil des EUGH vom 19. Dezember 2013 (siehe II. 2) für den Streitfall und vergleichbare Verfahren ergeben. Nunmehr hat der BGH am 07. Mai 2014 entschieden, dass der Kläger dem Grunde nach aus ungerechtfertigter Bereicherung die Rückzahlung der an die Beklagte gezahlten Prämien verlangen kann, weil er diese rechtsgrundlos geleistet hat. Der zwischen den Parteien abgeschlossene Rentenversicherungsvertrag ist auf der Grundlage des § 5 a VVG a. F. nicht wirksam zustande gekommen, weil der Kläger rechtzeitig den Widerspruch erklärt hat. Die 14-tägige Widerspruchsfrist gemäß § 5 a I 1 VVG a. F. wurde gegenüber dem Kläger nicht in Lauf gesetzt, da er nicht ausreichend über sein Widerspruchsrecht belehrt worden war. Das Widerspruchsrecht bestand nach Ablauf der Jahresfrist weiterhin fort. Dies ergab eine richtlinienkonforme Auslegung des § 5 a II 2 VVG a. F. auf der Grundlage der Vorabentscheidung des EuGH. Danach besteht für Lebens- und Rentenversicherungen sowie Zusatzversicherungen zur Lebensversicherung grundsätzlich ein Widerspruchsrecht fort, wenn der Versicherungsnehmer nicht ordnungsgemäß über sein Recht zum Widerspruch belehrt worden war und/oder die Verbraucherinformation oder die Versicherungsbedingungen nicht erhalten hat.
Der Höhe nach umfasst der Bereicherungsanspruch nicht uneingeschränkt alle Prämien, die der Versicherungsnehmer an das Versicherungsunternehmen gezahlt hat, ohne hierzu durch einen wirksamen Versicherungsvertrag verpflichtet gewesen zu sein. Im Rahmen einer gemeinschaftsrechtlich geforderten rechtsfortbildendenden Auslegung einer nationalen Norm darf bei der Regelung der Rechtsfolgen des Widerspruchs nach nationalem Recht ein vernünftiger Ausgleich und eine gerechte Risikoverteilung zwischen den Beteiligten hergestellt werden. Der Versicherungsnehmer hat während der Prämienzahlung Versicherungsschutz genossen. Erlangter Versicherungsschutz ist ein Vermögensvorteil, dessen Wert zu ersetzen sein kann. Dieser kann nach Meinung des Gerichts unter Berücksichtigung der Prämienkalkulation (Risikoanteil) bemessen werden. Hierzu wird das Berufungsgericht noch Feststellungen zu treffen haben, an welches die Sache zurückverwiesen wurde.
Inzwischen hat das OLG Stuttgart über den Bereicherungsanspruch entschieden. Allerdings wurde durch das Urteil die Frage, welche gezogenen Nutzungen gemäß § 346 Absatz 1 BGB der Versicherer herauszugeben hat, nicht zweifelsfrei geklärt. Eine höchstrichterliche abschließende Entscheidung über den Bereicherungsanspruch liegt noch nicht vor.
Der BGH hatte darüber zu entscheiden, ob sich ein Versicherungsnehmer, der die vorgeschriebenen Verbraucherinformationen erhalten hatte und ordnungsgemäß gemäß § 5 a VVG alte Fassung belehrt worden war, sich auf eine etwaige Europarechtswidrigkeit des Policenmodells berufen kann. Der Kläger hatte 1998 eine Lebensversicherung nach dem sogenannten Policenmodell abgeschlossen und 2004 gekündigt. 2011 legte er Widerspruch gegen den Vertragsabschluss ein und verlangte die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge. Seine Klage begründete er damit, dass die Verträge nach dem Policenmodell europarechtswidrig seien.
Der BGH wies die Klage ab. Zur Begründung führte er unter anderem aus, dass sich der Versicherungsnehmer treuwidrig verhalten habe, indem er nach ordnungsgemäßer Belehrung über die Möglichkeit, den Vertrag ohne Nachteile nicht zustande kommen zu lassen, diesen zunächst durchführte. Jahre später verlangte er dann vom Versicherer, der auf den Bestand des Vertrages vertrauen durfte, unter Berufung auf die Unwirksamkeit des Vertrages Rückzahlung aller Prämien. Wegen dieses widersprüchlichen Verhaltens sei es dem Versicherungsnehmer verwehrt, sich auf die mögliche Unwirksamkeit des Vertrages zu berufen und daraus Bereicherungsansprüche herzuleiten.
Ungeachtet dessen geht der BGH davon aus, dass das Policenmodell als solches nicht gegen die einschlägigen Bestimmungen der Zweiten und Dritten europäischen Richtlinie verstößt, da diese keine Vorgaben zum Zustandekommen des Versicherungsvertrages enthielten, sondern dies dem nationalen Recht überließen.
Der BGH hatte zu klären, ob eine nicht ordnungsgemäße Belehrung des Versicherungsnehmers über sein Rücktrittsrecht noch Jahre später den Rücktritt ermöglicht. Die Parteien hatten im Jahr 2000 einen Rentenversicherungsvertrag nach dem sogenannten Antragsmodell abgeschlossen, den der Versicherungsnehmer 2005 kündigte. Zu diesem Zeitpunkt war das Kündigungsrecht nach § 8 Absatz 5 Satz 4 VVG a. F. bereits erloschen. Jedoch hatte der Versicherer nicht ordnungsgemäß über das Rücktrittsrecht nach § 8 Absatz 5 Satz 1 VVG a. F. belehrt.
Der BGH hat unter anderem entschieden, dass die in § 8 Abs. 4 Satz 4 und Abs. 5 Satz 4 VVG a. F. getroffene Regelung, nach welcher auch bei nicht ordnungsgemäßer Belehrung des Versicherungsnehmers über sein jeweiliges Lösungsrecht dieses einen Monat nach Zahlung der ersten Prämie erlischt, richtlinienkonform einschränkend dahin auszulegen ist, dass sie im Bereich der Lebens- und Rentenversicherung und der Zusatzversicherung zur Lebensversicherung nicht anwendbar ist. Diese richtlinienkonforme Auslegung des § 8 VVG a. F. hat das Gericht entsprechend den im Senatsurteil vom 7. Mai 2014 (siehe oben) dargelegten Grundsätzen vorgenommen.
IV ZR 260/11
Der BGH hatte unter anderem zu klären, ob die Beteiligung des Klägers an den Überschüssen und Bewertungsreserven, die bei Ablauf der Lebensversicherung ausgezahlt worden war, zu niedrig ausgefallen ist. Es ging hierbei um die Frage, ob der Versicherer den Anteil der Bewertungsreserven (Mindestbeteiligung) mit einem Teil des Schlussüberschusses verrechnen darf. Das Gericht entschied, dass dem Kläger kein weiterer Zahlungsanspruch zusteht, da der Versicherer ihn mit den geleisteten Zahlungen korrekt an den Bewertungsreserven beteiligt hat. Es führt hierzu Folgendes aus:
„Gem. § 153 Abs. 1 VVG steht dem Versicherungsnehmer grundsätzlich eine Beteiligung an dem Überschuss und an den Bewertungsreserven (Überschussbeteiligung) zu. Die Bewertungsreserve ist nach § 153 Abs. 3 Satz 1 VVG durch den Versicherer jährlich neu zu ermitteln und nach einem verursachungsorientierten Verfahren rechnerisch zuzuordnen. In diesem Zusammenhang ist zwischen der Berechnung und der Zuteilung der Bewertungsreserve einerseits sowie deren Auszahlung andererseits zu differenzieren. Bewertungsreserven sind zunächst rein rechnerische Posten, die sich aus der Differenz zwischen dem Buchwert und dem Zeitwert von Kapitalanlagen ergeben. Eine hiervon zu trennende Frage ist, wie die an den einzelnen Versicherungsnehmer auszuzahlende Bewertungsreserve vom Versicherer finanziert wird. Hierzu regelt das Versicherungsaufsichtsrecht, dass die für die Überschussbeteiligung der Versicherten bestimmten Beträge, soweit sie den Versicherten nicht unmittelbar zugeteilt wurden, in eine Rückstellung für Beitragsrückerstattung einzustellen sind. Die der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zugewiesenen Beträge dürfen nur für die Überschussbeteiligung der Versicherten einschließlich der durch § 153 VVG vorgeschriebenen Beteiligung an den Bewertungsreserven verwendet werden. Da es sich mithin um eine Finanzierung der gesamten Überschussbeteiligung i.S. von § 153 Abs. 1 VVG handelt, die sowohl die Beteiligung an dem Überschuss (im engeren Sinne) als auch an den Bewertungsreserven umfasst, hat ein höherer Anteil der Bewertungsreserven bei den Rückstellungen für Beitragsrückerstattung zugleich ein Absinken des Schlussüberschusses zur Folge. Dieses Berechnungsverfahren hat die Beklagte eingehalten, so dass der Zahlungsantrag unbegründet ist“
Der BGH hatte die Verjährungsfrage nach erfolgtem Widerspruch gemäß § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a. F. (Widerspruch wegen nicht ordnungsgemäßer Widerspruchsbelehrung) zu klären. Das Gericht hat entschieden, dass die Verjährungsfrist für den Bereicherungsanspruch erst mit dem Widerspruch des Lebensversicherungsvertrages beginnt. Es führt aus, dass der Bereicherungsanspruch im Sinne von § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB (Beginn der regelmäßigen Verjährung) erst entstanden ist, als der Kläger den Widerspruch erklärte. Damit habe er dem bis dahin schwebend unwirksamen Versicherungsvertrag endgültig die Wirksamkeit versagt.
Der BGH hatte sich in zwei Verfahren mit Einzelheiten der bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung von Lebens- und Rentenversicherungsverträgen zu befassen, in denen die Versicherungsnehmer nach § 5 a Abs. 1 Satz 1 VVG a. F. den Widerspruch gegen das Zustandekommen des Vertrages geklärt hatten.
Bereits mit Urteil vom 7. Mai 2014 (siehe II. 3) hatte das Gericht entschieden, dass die Versicherungsnehmer nach einem wirksamen Widerspruch nicht uneingeschränkt alle gezahlten Prämien zurückverlangen können. So müssten sie sich dabei den während der Dauer der Prämienzahlung genossenen Versicherungsschutz anrechnen lassen. Nunmehr urteilte der BGH unter anderem, dass die Versicherer Abschluss- und Verwaltungskosten nicht in Abzug bringen dürfen.
Der BGH hat mit Urteil vom 11. November 2015 entschieden, dass bei der bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung einer fondsgebundenen Lebensversicherung nach Widerspruch gemäß § 5a VVG a. F. der Versicherungsnehmer sich bereicherungsmindernd anrechnen lassen muss, dass die Fonds Verluste erwirtschaftet haben (Rdnr. 35 des Urteils). Der BGH begründet dies damit, dass für den Versicherungsnehmer die mit Gewinnchancen aber auch mit Verlustrisiken behaftete Kapitalanlage ein wesentlicher Gesichtspunkt sei, sich für ein derartiges Produkt zu entscheiden. Daher sei es gerechtfertigt, ihm das Verlustrisiko auch dann zuzuweisen, wenn der Versicherungsvertrag nicht wirksam zustande komme und rückabgewickelt werden müsse (Rdnr. 37).
Außerdem hat der BGH entschieden, dass der Versicherungsnehmer im Falle der Rückabwicklung vom Versicherer neben den eingezahlten Beitragen (nach Abzug der Kosten für den gebotenen Versicherungsschutz) auch die erwirtschafteten Erträge des Versicherers herausverlangen kann. Rechtlich spricht man in diesem Zusammenhang vom „gezogenen Nutzen“. Dieser Nutzen darf jedoch nicht pauschal gefordert werden oder nur auf einer Vermutung beruhen. Erforderlich ist nach der Rechtsprechung des BGH vielmehr, dass die Forderung sich auf die Ertragslage des jeweiligen Versicherers bezieht (Rdnr. 48). Der im Zivilrecht herrschende Grundsatz, wonach derjenige, der etwas verlangt, die Tatsachen, aus denen sich die Forderung ergibt, darlegen und im Streitfall beweisen muss, gilt trotz der Schwierigkeit für den Versicherungsnehmer auch für gezogene Nutzen.
Der BGH hat darüber hinaus entschieden, dass dem Kläger keine Nutzungen aus dem Risikoanteil zustehen, welcher der Beklagten als Wertersatz für den vom Kläger bis zu seinem Widerspruch faktisch genossenen Versicherungsschutz verbleibt (Rdnr. 42). Schließlich hat der BGH klargestellt, dass für Nutzungsersatzansprüche Prämienanteile, die auf die Abschlusskosten entfallen, außer Betracht bleiben (Rdnr. 44 f.). Auch hinsichtlich des Verwaltungskostenanteils der Prämien könne nicht vermutet werden, dass die Beklagte Nutzungszinsen in bestimmter Höhe erzielt habe (Rdnr. 46 f). Dem Versicherungsnehmer stehe daher bei kapitalbildenden Lebensversicherungen als tatsächlich gezogene Nutzung nur der mit der Anlage des Sparanteils erzielte Gewinn zu (Rdnr. 52).
IV ZR 513/14
Der BGH hatte in diesem Verfahren zu klären, ob für den Wert des Versicherungsschutzes, den sich der Versicherungsnehmer bei der bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung seiner Lebensversicherung nach Widerspruch anrechnen lassen muss, die Prämien angesetzt werden können, die für eine selbstständige Risikolebensversicherung angefallen wären. Der IV. Zivilsenat hat entschieden, dass es auf die tatsächlich vom Versicherer kalkulierten Risikoanteile für den zeitweilig genossenen Versicherungsschutz ankommt, nicht auf die Prämien für den hypothetischen Fall, dass der Versicherungsnehmer alternativ eine reine Risikolebensversicherung abgeschlossen hätte.
IV ZR 126/15
17. Mai 2017 (IV ZR 499/14) BGH-Urteil zur Verwirkung des Widerspruchsrechts (Zeitsoldat)
Der BGH hatte sich in diesem Urteil unter anderem mit der Frage zu befassen, ob ein Versicherungsnehmer, der nicht ordnungsgemäß über sein Widerspruchsrecht nach § 5 a VVGa. F. belehrt worden war, sein Widerspruchsrecht ausnahmsweise deshalb verwirkt hat, weil er sich beim Versicherer erkundigt hatte, ob er auch für einen anstehenden Auslandseinsatz als Personenschützer Versicherungsschutz genießt. Das Gericht hat keine Verwirkung angenommen. Der Versicherer habe mangels ordnungsgemäßer Belehrung nicht davon ausgehen können, dass der Versicherungsnehmer wusste, dass er sich vom Vertrag auch hätte lösen können. Daher konnte der Versicherer die Anfragen des Versicherungsnehmers nicht als eine Bestätigung seines Interesses am Fortbestand des Versicherungsvertrages verstehen, sondern wegen seiner Unkenntnis von dem Widerspruchsrecht nur als reine Bitte um Information.
IV ZR 499/14
21. Juni 2017 (IV ZR 176/15) BGH-Urteil zu den Nutzungen nach Rücktritt
Der BGH hatte sich in diesem Urteil mit dem Umfang der herauszugehenden Nutzungen im Falle des Rücktritts von einer fondsgebundenen Rentenversicherung wegen einer nicht ordnungsgemäßen Belehrung gemäß § 8 Abs. 5 VVG a. F. zu befassen. Er hat unter anderem entschieden, dass der Versicherer dem Versicherungsnehmer die Fondsgewinne in vollem Umfang zu erstatten hat, ohne dass eine Verrechnung mit den vom Versicherer aufgewendeten Abschluss- oder Verwaltungskosten in Betracht kommt (Rn. 26 des Urteils). Damit hob Gericht das Urteil des Kammergerichts Berlin vom 13. Februar 2015 (6 U 179/13) teilweise auf.

References: BGH 
 BGH 
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 BGH 
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 BGH 
 § 12
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 § 169
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 § 5
 EuGH 
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 § 5
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 § 346
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 § 5
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 § 8
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 § 153
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 § 5
 § 199
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