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1 GB Der Grüne Bote ZEITSCHRIFT FÜR LAUTERKEITSRECHT UND GEISTIGES EIGENTUM 1/2010 Aus dem Inhalt Carina Klaus, Die Kerntheorie Zur Auslegung vertraglicher und gesetzlicher Unterlassungsverpflichtungen Paul T. Schrader, Reichweite des Verzichts in der Abschlusserklärung und Auswirkungen auf das Rechtsschutzbedürfnis für Hauptsacheklage Jan Eichelberger, Aus der Rechtsprechung des EuG zum Gemeinschaftsmarkenrecht im 4. Quartal 2009 Herausgeber: Prof. Dr. Volker Michael Jänich Prof. Dr. Paul T. Schrader, LL.M.oec. Dr. Jan Eichelberger, LL.M.oec. Ständige Mitarbeiter: Carsten Johne Laura Maria Zentner Stephan Kunze Steffen Eisenschmidt Tina Berger2 Zitiervorschlag: Schrader, GB 2009, 179 (180) ISSN: X3 VORWORT Liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich, Ihnen die Ausgabe 01/2010 des "Grünen Boten" übersenden zu können. Besonders aufmerksam machen möchte ich Sie auf die umfassende Untersuchung von Klaus zur Kerntheorie. Auch Schrader befasst sich in seiner Besprechung der Mescher weis -Entscheidung mit einem wettbewerbsprozessualen Thema, der Abschlusserklärung. Eichelberger würdigt kritisch die Konsequenzen, die das OLG Köln aus der Bainbridge-Entscheidung des EuGH zieht. Die Rechtsprechung des EuG zur GMV findet gelegentlich nicht die gebotene Aufmerksamkeit. Hier will Eichelberger für Abhilfe sorgen. Ab sofort berichtet er regelmäßig über die Entscheidungspraxis des EuG in Markensachen. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein glückliches Jahr 2010! Ihr Prof. Dr. Volker Michael Jänich4 5 INHALTSVERZEICHNIS A. Beiträge... 7 Klaus, Die Kerntheorie Zur Auslegung vertraglicher und gesetzlicher Unterlassungsverpflichtungen... 7 Schrader, Reichweite des Verzichts in der Abschlusserklärung und Auswirkungen auf das Rechtsschutzbedürfnis für Hauptsacheklage, Anm. zu BGH, Urt. v I ZR 146/07, GRUR 2009, 1096 Mescher weis Eichelberger, Anm. zu OLG Köln, Urteil vom U 195/08 Protipower/Protifit Eichelberger, Aus der Rechtsprechung des EuG zum Gemeinschaftsmarkenrecht im 4. Quartal B. Entscheidungen I. EuGH / EuG Markenrecht II. Bundesverfassungsgericht III. Bundesgerichtshof Patentrecht / Gebrauchsmusterrecht Urheberrecht / Geschmacksmusterrecht Markenrecht Wettbewerbsrecht Kartellrecht Sonstiges IV. Bundespatentgericht Patent- und Gebrauchsmusterrecht Marken- und Kennzeichenrecht V. Instanzgerichte Patentrecht / Gebrauchsmusterrecht Urheberrecht / Geschmacksmusterrecht Markenrecht Wettbewerbsrecht Kartellrecht C. Pressemitteilungen I. Pressemitteilungen des BGH II. Pressemitteilungen der Instanzgerichte III. Pressemittelungen des Bundesministeriums für Justiz D. Aufsätze / Urteilsanmerkungen I. Patentrecht / Gebrauchsmusterrecht II. Urheberrecht / Geschmacksmusterrecht III. Marken- und Kenzeichenrecht IV. Wettbewerbsrecht V. Kartellrecht VI. Sonstiges VII. Ausgewertete Zeitschriften... 816 E. Impressum... 837 1/2010 S GB Der Grüne Bote ZEITSCHRIFT FÜR LAUTERKEITSRECHT UND GEISTIGES EIGENTUM Herausgeber: Prof. Dr. Volker Michael Jänich Prof. Dr. Paul T. Schrader, LL.M.oec. Dr. Jan Eichelberger, LL.M.oec. Ständige Mitarbeiter: Carsten Johne Laura Maria Zentner Stephan Kunze Steffen Eisenschmidt Tina Berger A. BEITRÄGE DIE KERNTHEORIE ZUR AUSLEGUNG VERTRAGLI- CHER UND GESETZLICHER UNTERLASSUNGSVER- PFLICHTUNGEN A. Einleitung Von Carina Klaus Eine Unterlassungsverpflichtung 1, die sich aus einer konkreten Verletzungshandlung ergibt, birgt die Frage in sich, wie weit ihr (Schutz-) Umfang reicht. Diese Frage stellt sich bei der Formulierung und Auslegung einer strafbewehrten Unterwerfungserklärung (vertragliche Unterlassungsverpflichtung) und taucht ebenso im Erkenntnisverfahren bei der Antragsstellung und im Vollstreckungsverfahren bei der Titelauslegung auf. Zur Bewältigung dieses Problems entwickelten das RG 2 und der BGH 3 die sog. Kerntheorie. Die Kerntheorie wurde zuerst im Vollstreckungsverfahren angewandt (Kerntheorie II) 4 und später für die An- 1 Unterlassungsverpflichtung meint sowohl vertragliche als auch gesetzliche Unterlassungsverpflichtung. Mit gesetzlicher Unterlassungsverpflichtung ist hier die ausgeurteilte Unterlassungsverpflichtung gemeint. 2 RGZ 147, 27 (30). 3 BGH GRUR 1952, 577 ff. Fischermännchen oder Zwilling. 4 Diese begriffliche Differenzierung zwischen Kerntheorie I und II, die die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten der Kerntheorie im Unterlassungsprozess verdeutlicht, geht auf Borck, GRUR 1996, 522 (525) zurück und wird im folgenden zu Grunde gelegt. Eine gleichartige Differenzierung findet sich bei Oppermann, Unterlassungsanspruch und materielle Gerechtigkeit im Wettbewerbsprozeß, 1993, S. 50 der tragsformulierung (Kerntheorie I) 5 und die Auslegung vertraglicher Unterwerfungsverpflichtungen herangezogen. Im Folgenden soll die Kerntheorie näher beleuchtet werden. Dabei wird zuerst die Problematik der Kerntheorie an einem Fallbeispiel dargestellt (B.), daraufhin folgt ein Allgemeiner Teil (C.), indem abstrakt und an Rechtsprechungsbeispielen die Reichweite und Bedeutung der Kerntheorie verdeutlicht werden soll. Erst danach findet eine genaue Betrachtung der Kerntheorie für die Anwendung zur Auslegung vertraglicher (D.) und gesetzlicher (E.) Unterlassungsverpflichtungen statt. B. Die Problematik: Schwierigkeiten bei der Auslegung vertraglicher und gesetzlicher Unterlassungsverpflichtungen Zur Verdeutlichung des der Kerntheorie zugrunde liegenden Problems soll folgendes Beispiel dienen: S (Schuldner) 6 betreibt Verbrauchermärkte für Geräte der Unterhaltungselektronik. Einer dieser Märkte befindet sich in P. S wirbt in dem dort erscheinenden Lokalanzeiger für die Videokamera X und den Fernseher Y. Am ersten Werktag nach dem Tag des Erscheinens der Werbung waren diese Geräte nicht vorrätig im Laden. 7 G (Gläubiger), der in P ebenfalls einen Endverbrauchermarkt für Geräte der Unterhaltungselektronik betreibt, sieht in diezwischen materieller und prozessualer Anwendung der Kernlehre unterscheidet. 5 Siehe vorangegangene Fußn. 6 (Unterlassungs-) Schuldner und (Unterlassungs-) Beklagter bezeichnen dieselbe Person, ebenso wie (Unterlassungs-) Gläubiger und (Unterlassungs-) Kläger. 7 In vager Anlehnung an BGH GRUR 2000, 907 ff. Filialleiterfehler.8 2 GB 1/2010 ser Werbemaßnahme zu Recht eine unzulässige geschäftliche Handlung des S gem. 3 III i.v.m. Anhang I Nr. 5 UWG sowie eine irreführende geschäftliche Handlung gem. 3 I i.v.m. 5 I Nr. 1 UWG. Die Wettbewerbswidrigkeit der Handlung zeigt sich in diesem Fall darin, dass die beworbene Ware am ersten Werktag nach dem Erscheinen der Werbung nicht vorrätig im Laden war. G hat nach 8 I Var. 2 UWG einen Unterlassungsanspruch gegen S. Er mahnt S ab und fordert ihn auf eine strafbewehrte Unterwerfungserklärung abzugeben. Die strafbewehrte Unterwerfungserklärung des S ist wie folgt formuliert: S hat es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken für die Videokamera X und den Fernseher Y in dem in P erscheinenden Lokalanzeiger zu werben, sofern diese am ersten Werktag nach dem Tag des Erscheinens der Werbung nicht vorrätig sind. Damit ist in der Unterlassungsverpflichtung wortlautgetreu die konkrete Verletzungshandlung des S wiedergegeben. Nun stellt S aber fest, dass die unlautere geschäftliche Handlung für ihn absatzsteigernd war und er trotz des Streits mit G einen Gewinn erzielt hat. Er beschließt deshalb, eine gleichartige Handlung in abgewandelter Form vorzunehmen. Schließlich ist ihm nach dem Wortlaut der Unterlassungsverpflichtung nur verboten, für die Videokamera X und den Fernseher Y in dem in P erscheinenden Lokalanzeiger in betreffender Weise zu werben. Er inseriert daher eine entsprechende Werbeanzeige für den DVD-Player Z in einer regionalen Tageszeitung. G sieht sich von dieser wettbewerbswidrigen Handlung wiederum in seinen Interessen verletzt und fühlt sich stark an die davor Begangene wettbewerbswidrige Handlung des S erinnert, für die G eine Unterlassungsverpflichtung gegen S hat. Ihm stellt sich daher die Frage, ob S gegen die Unterlassungsverpflichtung mit seiner zweiten Werbemaßnahme verstoßen hat? Verneint man diese Frage mit dem Argument, dass S mit seiner Werbemaßnahme eindeutig nicht gegen den Wortlaut der Unterlassungsverpflichtung gehandelt hat, so wird der Gläubiger weitgehend schutzlos gestellt, denn der Schuldner kann ohne weiteres eine Unterlassungsverpflichtung durch eine gleichartige Handlung umgehen. Dadurch würde der wettbewerbliche Rechtsschutz ins Leere laufen, weil es selten vorkommt, dass ein Schuldner eine Verletzungshandlung in identischer Weise noch einmal durchführt. 8 Beantwortet man die Frage hingegen mit ja, weil S mit seiner zweiten Werbemaßnahme eine äquivalente Handlung zu seiner Unterlassungsverpflichtung begangen hat, dann hat das zur Folge, dass der Schuldner nur schwerlich einschätzen kann, welche Handlungen noch unter den Verbotsumfang einer Unterlassungsverpflichtung fallen. 9 Besonders relevant wird diese Problematik bei einem gutgläubigen Schuldner, der anders als der S mit seiner Wettbewerbshandlung nicht gegen die Unterlassungsverpflichtung verstoßen wollte. 10 Die Kerntheorie setzt genau an diesem Spannungsverhältnis an und beantwortet die Frage, wie weit der Verbotsumfang einer Unterlassungsverpflichtung zu ziehen ist. C. Die Kerntheorie im Allgemeinen I. Definition Die Kerntheorie wurde als Maßstab zur Bestimmung des Verbotsumfangs einer Unterlassungsverpflichtung entwickelt, die sich auf eine konkrete Verletzungshandlung bezieht. Der BGH nahm zu der Kerntheorie erstmals in der Fischermännchen-Entscheidung 11 Stellung. Dabei knüpfte er an die Rechtsprechung des RG an, 12 indem er ausführ- 8 Ebenso Erwägungen zum Rechtsschutz: Scharen, FS Erdmann, 2002, S. 877 (877); Kramer, Der richterliche Unterlassungstitel im Wettbewerbsrecht: Eine Kritik der Kerntheorie und der These von der konkreten Verletzungshandlung, 1982, S. 1; Sutschet, ZZP 2006, 279 (284); Ahrens/Jestaedt, Der Wettbewerbsprozess, 5. Aufl. 2005, Kap. 22 Rn. 7; Oppermann, WRP 1989, 713 (714); Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36 Rn. 7; BGH GRUR 2000, 907 (909) genauer I. 3. a) (4) Filialleiterfehler; BGH GRUR 2000, 337 (338) Preisknaller. 9 BGH GRUR 1992, 561 (562) Unbestimmter Unterlassungsantrag II; BGH GRUR 1998, 489 (491) Unbestimmter Unterlassungsantrag III; Borck, GRUR 1996, 522 (525); Teplitzky, Wettbewerbsrechtliche Ansprüche und Verfahren, 8. Aufl. 2002, Kap. 57 Rn Borck, GRUR 1996, 522 (525). 11 BGH GRUR 1952, 577 (580) Fischermännchen oder Zwilling. 12 RGZ 147, 27 (30).9 GB 1/ te: Es ist in der Rechtsprechung anerkannt, dass der Verletzer sich nicht durch jede Änderung der [Verletzungshandlung] 13 dem Verbotsurteil entziehen kann, sondern dass solche Änderungen die den Kern der [konkreten Verletzungshandlung] 14 unberührt lassen, von der Rechtskraftwirkung miterfasst werden können. 15 Aus den Worten Kern 16 oder charakteristisch 17 leitete die Literatur das Schlagwort Kerntheorie ab. 18 Die erstmalige Definition des BGH wurde durch nachfolgende Urteile dahingehend ergänzt, dass unter den Kern der Verletzungshandlung gleichartige (identische) Handlungen fallen, 19 nicht dagegen nur im Kern ähnliche Handlungsformen. 20 Das bedeutet wiederum, dass für die Bestimmung des Verbotsumfangs einer Unterlassungsverpflichtung eine Verallgemeinerung der konkreten Ver- 13 Das Wort Verletzungsform wurde durch Verletzungshandlung ersetzt. Die unterschiedliche Bedeutung der Begriffe, wie sie sich bei einem Teil der Literatur heraus entwickelt hat, wird im Folgenden erläutert. Da diese Arbeit der besagten Literaturansicht folgt und der BGH einer exakten Benutzung der Begriffe nicht nachkommt, wurden die Worte, um Missverständnissen vorzubeugen, abgeändert. 14 Siehe vorangegangene Fußn. 15 BGH GRUR 1952, 577 (580) Fischermännchen oder Zwilling. 16 Vom BGH fortgeführt in ständiger Rechtsprechung z.b.: BGH GRUR 1994, 844 (846) Rotes Kreuz; BGH GRUR 2006, 421 Tz. 27 Markenparfümverkäufe. 17 RGZ 147, 27 (30); BGH GRUR 1961, 288 (290) Zahnbürsten; BGH GRUR 1984, 467 (469) Das unmögliche Möbelhaus; BGH GRUR 1991, 254 (257) Unbestimmter Unterlassungsantrag. 18 Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 14 Fußn. 80 m.w.n. 19 BGH GRUR 2000, 907 (909) Filialleiterfehler; BGH GRUR 2000, 337 (338) Preisknaller; OLG Hamburg GRUR 1990, 637 (638) geändertes Formular; LG Hamburg GRUR-RR 2002, 43 Gaming Floor; Melullis, Handbuch des Wettbewerbsprozesses, 3. Aufl. 2000, Rn. 943; Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 65. Aufl. 2007, 890 Rn. 4; Baumbach/Hefermehl (2001), UWG, 22. Aufl. 2001, UWG Einl. Rn. 485; Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 35 Rn Köhler/Bornkamm, UWG, 24. Aufl. 2006, 12 Rn. 6.4; OLG Hamburg GRUR 1990, 637 (638) geändertes Formular; LG Hamburg GRUR-RR 2002, 43 Gaming Floor. letzungshandlung erfolgen muss. 21 Dazu ist die Ermittlung der Handlungen erforderlich, die von der verbotenen Handlung nur geringfügig abweichen und dadurch von ihrem Unwertgehalt erfasst werden. 22 II. Begriffsbestimmung von konkreter Verletzungshandlung und konkreter Verletzungsform Da man mit der Begriffsdefinition Kern der wettbewerbswidrigen Handlung noch nicht genügend Werkzeug zur Hand hat, um die Frage, wie weit der Verbotsumfang einer Unterlassungsverpflichtung ist, beantworten zu können, haben einige Literaturstimmen 23 aus den Begriffen konkrete Verletzungshandlung und konkrete Verletzungsform Hammer und Meißel gebastelt, um aus dem oben dargestellten Sachverhalt den Kern heraus meißeln zu können. Die im Folgenden vorgeschlagene Differenzierung zwischen konkreter Verletzungshandlung und konkreter Verletzungsform, ist zur abstrakten Erklärung, was den Verbotsumfang einer Unterlassungsverpflichtung ausmacht, gut geeignet. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass sich beim Lesen wettbewerbsprozessrechtlicher Literatur 24 und Rechtsprechung 25 nicht 21 Entsprechend Melullis (Fn. 19), Rn. 328; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 5 Rn. 7; BGH GRUR 1996, 800 (802) Sekundenschnell; BGH GRUR1992, 561 (562) Unbestimmter Unterlassungsantrag II; BGH GRUR 1989, 445 (446) Professorenbezeichnung in der Arztwerbung. 22 LG Hamburg GRUR-RR 2002, 43 Gaming Floor. 23 Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 ff.; Borck, GRUR 1965, 49 ff.; Borck, GRUR 1996, 522 (525). Borck kommt zum selben Ergebnis. Sieht jedoch den Grund für die Unterscheidung darin, dass das, was erst für die Zukunft verboten werden soll, nur der Form nach beschrieben werden kann. 24 Vgl. Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36 Rn. 64; Kurtze, FS Nirk, 1992, S. 571 (574). Bspw. keine exakte Benutzung der Begriffe von: Berneke, WRP 2007, 579 (580); Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 28. Exakte Anwendung der Definition von Borck und Nirk/Kurtze: bspw. Rüssmann, FS Lüke, 1997, S. 675 (683 f.); Schubert, ZZP 1972, 29 (32) Fußn. 8; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 4; Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36 Rn Keine exakte Benutzung der Begriffe: bspw. BGH GRUR 1984, 467 (469) Das unmögliche Möbelhaus; OLG Stuttgart, Urteil vom U 41/08, BeckRS 2009, 04601,10 4 GB 1/2010 immer eine exakte Benutzung und Abgrenzung dieser Begriffe finden lässt. Eine konkrete Verletzungshandlung ist eine als tatsächlicher Lebensvorgang bestimmte Wettbewerbshandlung, die wettbewerbswidrig ist. 26 Sie besteht aus rechtlich erheblichen und rechtlich unerheblichen Tatbestandsmerkmalen. 27 Das bedeutet, dass manche Bestandteile der Wettbewerbshandlung erlaubt sind und manche wettbewerbswidrig. In unserem Beispiel ist die konkrete Verletzungshandlung das Werben des S in dem in P erscheinenden Lokalanzeiger für die Videokamera X und den Fernseher Y. Bei einer rechtlichen Beurteilung dieser Wettbewerbshandlung ergibt sich, dass das Werben in einem Lokalanzeiger für einen Fernseher und eine Videokamera an sich keine wettbewerbswidrige Handlung ist. Die Wettbewerbswidrigkeit ergibt sich erst durch den Umstand, dass der Fernseher und die Videokamera am ersten Werktag nach dem Tag des Erscheinens der Werbung nicht vorrätig waren. Die Gesamthandlung, Werben für Unterhaltungselektronik, besteht also aus zwei Bestandteilen: dem wettbewerbsrechtlich neutralen Werben in einem Lokalanzeiger und dem wettbewerbsrechtlich erheblichen Irreführen über die Verfügbarkeit der Ware. Daraus folgt, dass der tatsächliche Lebensvorgang Wettbewerbshandlung bei seiner rechtlichen Beurteilung eine konkrete Verletzungshandlung wird, wenn auch nur einer seiner Bestandteile wettbewerbsrechtlich relevant ist. 28 Dieser Bestandteil muss wegen seiner Bedeutung für die Gesamthandlung von den rechtlich unerheblichen Bestandteilen abgegrenzt werden und verdient damit eine besondere Bezeichnung. Er stellt die konkrete Verletzungsform dar. Die konkrete Verletzungsform ist demnach derjenige Teil einer bestimmten Wettbewerbshandlung, welcher sich bei der rechtlichen Beurteilung des tatsächlichen Lebensvorgangs als (II 1 a) aa) Absatz 5); Jedoch definitionsgemäß benutzt: bspw. BGH GRUR 1984, 593 (594) adidas-sportartikel; BGH GRUR 2006, 421 (422) Markenparfümverkäufe 26 Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (647); Teplitzky (Fn. 9), Kap. 5 Rn Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (647). 28 Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (647). wettbewerbsrechtlich erheblich herausstellt. 29 Eine konkrete Verletzungshandlung kann mehrere Verletzungsformen enthalten, also nicht nur aus einem Grund wettbewerbswidrig sein. 30 Hätte sich unser Ausgangsfall beispielsweise so zugetragen, dass die konkrete Verletzungshandlung nicht nur aus der irreführenden Werbung in dem Lokalanzeiger bestünde, sondern S diesen Lokalanzeiger unter gezielter Direktansprache von Passanten an einem öffentlichen Ort verteilte, ohne das er als Werbender eindeutig erkennbar wäre, dann würde darin die konkrete Verletzungsform Verteilen von Werbung mit irreführendem Inhalt mit unzulässigem Ansprechen in der Öffentlichkeit liegen. Nicht nur die irreführende Werbung nach den 3 III i.v.m. Anhang I Nr. 5 UWG und/oder 5 I Nr. 1 UWG wäre wettbewerbswidrig, sondern gem. 3 I i.v.m. 7 I UWG auch das Werben in der Öffentlichkeit, ohne das der Angesprochene auf einen Blick erkennt, dass der Werbende sich zu Werbezwecken an ihn wendet 31. III. Verbindung zwischen der Kerntheorie und den Begriffen konkrete Verletzungshandlung und konkrete Verletzungsform Die Begriffsklärung von konkreter Verletzungshandlung und konkreter Verletzungsform ist für die Kerntheorie deshalb relevant, weil die konkrete Verletzungsform den Kern einer wettbewerbswidrigen Verletzungshandlung darstellt. 32 Nach der Kerntheorie kann die konkrete Verletzungshandlung verallgemeinert werden, wenn dabei das Charakteristische des konkreten Verletzungstatbestandes zum 29 Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (647); Borck, GRUR 1996, 522, (525); Rüssmann, FS Lüke, S. 675 (683 f.); in anderen Worten Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36, Rn. 64: Was bei der rechtlichen Präparation heraus kommt. 30 Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36, Rn. 65; Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (647) mit weiteren Beispielen. 31 BGH GRUR 2004, 699 (701) Ansprechen in der Öffentlichkeit; OLG Frankfurt a.m. GRUR 2008, 353 (354) Ansprechen von Passanten. 32 Borck, GRUR 1996, 522, (525); entsprechend Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36, Rn. 64; Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (649).11 GB 1/ Ausdruck kommt. 33 Demzufolge ist eine Verallgemeinerung der wettbewerbsrechtlich unerheblichen Tatbestandsmerkmale der konkreten Verletzungshandlung grundsätzlich möglich. 34 Eine Verallgemeinerung der rechtlich erheblichen Tatbestandsmerkmale, d.h. der konkreten Verletzungsform, ist dagegen grundsätzlich ausgeschlossen. 35 Die wettbewerbsrechtlich unerheblichen Tatbestandsmerkmale in unserem Beispielfall sind zum einen, dass die Werbung in dem Lokalanzeiger von P war und zum anderen, dass für die Videokamera X und den Fernseher Y geworben wurde. Diese Begriffe können nach der Kerntheorie zur Bestimmung des Schutzumfangs der Unterlassungsverpflichtung - auf verschiedenen Abstraktionsstufen - 36 verallgemeinert werden. Der Schutzumfang der Unterlassungsverpflichtung beschränkt sich also nicht nur auf ein Verbot von irreführender Werbung, wie sie im Ausgangsfall in dem Lokalanzeiger von P erfolgte, vielmehr verpflichtete sich S durch die Erklärung auch auf eine entsprechende Werbung in einer überregionalen Zeitung oder Zeitungen im allgemeinen oder der Presse zu verzichten. Ebenso verhält es sich mit dem Tatbestandsmerkmal, dass für die Videokamera X und den Fernseher Y geworben wurde. Eine Abstrahierung kann hier anhand der Begriffe Videokamera und Fernseher oder durch Geräte der Unterhaltungselektronik erfolgen. 37 Damit steht nach der Kerntheorie fest, dass die zweite wettbewerbswidrige Handlung von S den Kern der (ersten) konkreten Verletzungshandlung unberührt 38 lässt. Es ist rechtlich irrelevant, dass S beim zweiten Mal mit einem DVD Player in einer regionalen Tageszeitung geworben hat. Die konkrete Verletzungsform ist immer noch dieselbe. Demnach hat die Unterlassungsverpflichtung des S unter Anwendung der Kerntheorie folgenden Umfang: S hat es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken für Geräte der Unterhaltungselektronik in der Presse zu werben, sofern diese am ersten Werktag nach dem Tag des Erscheinens der Werbung nicht vorrätig sind. Die Kerntheorie bedeutet somit eine Verallgemeinerung der konkreten Verletzungshandlung auf ihre rechtlich erheblichen Tatbestandsmerkmale, welche unter den Begriff konkrete Verletzungsform zu fassen ist. IV. Auslegungsgrenzen anhand der Rechtsprechung Eine Verallgemeinerung der wettbewerbsrechtlich unerheblichen Tatbestandsmerkmale der konkreten Verletzungshandlung ist nicht für jeden Oberbegriff möglich, sondern bewegt sich innerhalb gewisser Grenzen und ist von einer Einzelfallbetrachtung abhängig. Der Grund dafür ist, dass für den Schuldner keine Unsicherheit über den Gegenstand und den Umfang des 39 Unterlassungsverbots verbleiben darf. So muss sich das Unterlassungsverbot innerhalb der durch das materielle Recht gezogenen Grenzen halten 40 (1.). Eine zu weit gehende Abstrahierung kann dazu führen, dass die konkrete Verletzungsform überschritten wird (2.). 1. Nach der Rechtsprechung ist eine Abstrahierung auf solche Oberbegriffe zulässig, deren Sinn zwischen den Parteien nicht streitig ist 41 oder die vom Verkehr bei maßgeblicher objektiver Betrachtungswei- 33 Melullis (Fn. 19), Rn. 328; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 5 Rn. 7; BGH GRUR 1996, 800 (802) Sekundenschnell; BGH GRUR 1992, 561 (562) Unbestimmter Unterlassungsantrag II; BGH GRUR 1989, 445 (446) Professorenbezeichnung in der Arztwerbung. 34 Melullis (Fn. 19), Rn. 943; Borck, GRUR 1996, 522, (525). 35 Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (647). 36 Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36, Rn. 68; Nirk/Kurtze, GRUR 1980, 645 (647). 37 Siehe BGH GRUR 2000, 907 (908) Filialleiterfehler. 38 Nach der Formulierung in BGH GRUR 1952, 577 (580) Fischermännchen oder Zwilling. 39 Borck, GRUR 1996, 522 (524); Borck, WRP 1979, 180 (184); Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 9; Brox/Walker, ZwangsvollstreckungsR, 7. Aufl. 2003, Rn. 1097; BGH GRUR 2000, 438 (440) Gesetzeswiederholende Unterlassungsanträge; OLG Hamburg WRP 1993, 496 (497). 40 Borck, GRUR 1996, 522 (523); BGH GRUR 2006, 421 Tz. 27 Markenparfümverkäufe. 41 BGH GRUR 1991, 254 (256) Unbestimmter Unterlassungsantrag I; BGH GRUR 1992, 561 (562) Unbestimmter Unterlassungsantrag II; BGH GRUR 1999, 1917 f. Kontrollnummernbeseitigung.12 6 GB 1/2010 se zutreffend erfasst werden können 42. Unzulässig sind demnach unklare und auslegungsbedürftige Begriffe. 43 Gemeint sind damit Verallgemeinerungen, die ihre Grenzen nicht deutlich werden lassen, 44 bloße Wiederholungen der Verbotsnorm des Gesetzestextes 45 oder Wendungen bzw. Tätigkeitsbeschreibungen, die zu weit oder in sonstiger Weise unscharf sind und deshalb ebenfalls keine hinreichende Eingrenzung darstellen 46. Eine zulässige Verallgemeinerung war der Begriff Luxusparfüm in der Entscheidung Markenparfümverkäufe 47, weil sie sich innerhalb der vom materiellen Recht gezogenen Grenzen hielt. Die Beklagte beging eine Markenrechtsverletzung gegen die Klägerin, indem sie ein Parfüm der Marke Chopard, das für den außereuropäischen Markt bestimmt war, unbefugt in den europäischen Wirtschaftsraum einführte. Die Klägerin war außer für die Marke Chopard auch noch Lizenzinhaberin der Marken Jil Sander, Davidoff, Boudoir und JOOP. Das Gericht abstrahierte hier auf den Oberbegriff Luxusparfüm und gab einer Unterlassungsverpflichtung für alle genannten Marken statt. Denn das Charakteristische der wettbewerbswidrigen Hand- 42 BGH GRUR 2000, 386 Preisknaller; BGH WRP 2001, 1441 (1443) Preisgegenüberstellung im Schaufenster 43 Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 8b, Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 10. Vgl. BGH GRUR 1991, 254 ff. Unbestimmter Unterlassungsantrag I; BGH GRUR 1992, 561 ff. Unbestimmter Unterlassungsantrag II. 44 Vgl. Beispiele bei Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 8b: z. B. räumlich: In Süddeutschland oder in allen deutschen Großstädten, zeitlich: während der Sommersaison. 45 BGH GRUR 2007, 607 Tz. 16; BGH GRUR 2003, 886 (887) Erbenermittler; BGH GRUR 2000, 438 (440) Gesetzeswiederholende Unterlassungsanträge; Melullis (Fn. 19), Rn Für die Ausnahmen von der Regel siehe Selbige. 46 Aufmachungen, die mit handelsüblichen Verkaufseinheiten verwechslungsfähig sind in: BGH GRUR 1979, 859 (860) Hausverbot II; Anzeigen ähnlich wie die Veröffentlichte in: BGH GRUR 1991, 254 (256) Unbestimmter Unterlassungsantrag I. Weitere Beispiele s. Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 8b; Großkomm- UWG/Jacobs, 2006, Vor 13 D Rn. 103 ff.; Köhler/Piper, UWG, 3. Aufl. 2002, Vor 13 E Rn BGH GRUR 2006, 421 ff. lung - die konkrete Verletzungsform - war der Graumarktimport von Luxusparfüms. In einer Entscheidung des OLG Stuttgart 48 wird deutlich, dass bei einer irreführenden Werbung in einer Zeitung, als Abstrahierung nicht nur Druckerzeugnisse oder die Presse möglich sind, sondern sich eine kerngleiche Begehungsform auch auf Medien schlechthin erstrecken kann. Streitgegenstand war es, ob die konkrete Verletzungshandlung einer irreführenden Werbung in einer Zeitungsanzeige nach der Kerntheorie auch Anzeigen im Internet in den Verbotsumfang einschließt. Die Beklagte hatte vorgebracht, dass zwischen Zeitungsanzeigen und Internetportalen ein substantieller Unterschied bestehe, z. B. im Hinblick auf gesetzliche Informationspflichten, weswegen man nicht von einer kernidentischen Verletzungshandlung ausgehen könne. Das OLG hat das Charakteristische der beanstandeten Handlungsweise - die konkrete Verletzungsform - jedoch darin gesehen, dass für den Verkauf von gebrauchten Kraftfahrzeugen geworben wurde, ohne auf die Gewerblichkeit des Angebots hinzuweisen, mit der Folge, dass der Verbraucher ein Privatangebot annimmt und insoweit irregeführt wird. In welchem Werbemedium die Anzeige erfolgte war wettbewerbsrechtlich irrelevant. 2. Im Fall adidas Sportartikel 49 überschritt die Abstrahierung auf Sportartikel die konkrete Verletzungsform. Ein Verbrauchermarkt hatte eine unzulässige Lockvogelwerbung mit bestimmten adidas Sportartikeln betrieben. Der BGH beurteilte hier eine Verallgemeinerung auf Sportartikel schlechthin als zu weitgehend. Er sah den Begriff Sportartikel zwar als zulässige Verallgemeinerung einzelner Sportartikel an, das Charakteristische der konkreten Verletzungsform lag hier aber darin, dass mit Sportartikeln eines bekannten Markenartikelherstellers geworben wurde. Nur ein bekannter und zugkräftiger Name wie adidas konnte den im konkreten Fall unzulässigen Anlockeffekt auf das Publikum ausüben. An den obigen Fallbeispielen wird deutlich, dass die Schwierigkeit bei der Anwendung der Kerntheorie darin besteht, eindeutig zu 48 OLG Stuttgart, Urteil vom U 41/08, BeckRS 2009, BGH GRUR 1984, 593 ff. adidas-sportartikel13 GB 1/ formulieren und dabei nicht die Grenzen der konkreten Verletzungsform zu überschreiten. Die Anwendung der Kerntheorie erfolgt in der wettbewerbsrechtlichen Praxis zu unterschiedlichen Zeitpunkten einer wettbewerbsrechtlichen Streitigkeit, worauf im Folgenden eingegangen wird. D. Auslegung vertraglicher Unterlassungsverpflichtungen: Die Auslegung der strafbewehrten Unterwerfungserklärung Im Wettbewerbsrecht existiert ein zweistufiges Vorgehen, um wettbewerbsrechtliche Streitigkeiten zu klären. Bevor der Gläubiger gerichtlich gegen den Schuldner vorgeht (unabhängig davon, ob es sich dabei um ein Verfügungs- oder Hauptsacheverfahren handelt), sollte er ihn abmahnen und die Abgabe einer strafbewehrten Unterwerfungserklärung fordern. Ansonsten könnte es passieren, dass der Schuldner gem. 93 ZPO den Anspruch in der ersten mündlichen Verhandlung anerkennt und der Gläubiger die Prozesskosten tragen muss. Ein Großteil der wettbewerbsrechtlichen Streitigkeiten wird so schon auf einer vorprozessualen Stufe geklärt. Nach der Abmahnung gibt der Schuldner meist eine strafbewehrte Unterwerfungserklärung ab, mit der rechtlichen Wirkung, dass die Vermutung der Wiederholungsgefahr entfällt und eine Unterlassungsklage unbegründet wird. 50 Für die strafbewehrte Unterwerfungserklärung wird die Kerntheorie an zwei Punkten relevant: Zum einen bei der Formulierung der Unterwerfungserklärung (I.) und zum anderen bei der Bestimmung des Schutzumfangs der Unterwerfungserklärung (II.). I. Die Bedeutung der Kerntheorie bei der Formulierung der strafbewehrten Unterwerfungserklärung Bei der Formulierung einer strafbewehrten Unterwerfungserklärung erlangt die Kerntheorie Bedeutung, weil die Unterwerfungserklärung nur einen Sinn macht, wenn sie einen Prozess vermeiden kann und das kann sie nur, wenn sie die Vermu- 50 BGH GRUR 1997, 379 (380) Wegfall der Wiederholungsgefahr II; BGH GRUR 1994, 443 (445) Versicherungsvermittlung im öffentlichen Dienst; Ahrens/Schmukle (Fn. 8), Kap. 44 Rn. 18; Harte/Henning/Brüning, UWG, 2004, 12, Rn. 170 f. tung der Wiederholungsgefahr ausräumt. 51 Nach ständiger Rechtsprechung 52 erstreckt sich die Vermutung der Wiederholungsgefahr nicht allein auf identische Verletzungshandlungen, sondern auf alle im Kern gleichartigen Verletzungshandlungen. 53 Demzufolge muss eine Unterwerfungserklärung idealerweise so formuliert sein, dass sie den Kern der Verletzungshandlung bezeichnet, um die Wiederholungsgefahr ausräumen zu können. 54 Nach der Rechtsprechung des BGH ist der Gläubiger grundsätzlich berechtigt, eine umfassende Unterwerfungserklärung zu verlangen. 55 Eine andere Handhabung wäre ein zu großes Risiko für den Gläubiger und nicht tragbar, 56 denn er könnte sich nicht darauf verlassen, dass später die Gerichte bei der Auslegung einer auf die konkrete Verletzungshandlung beschränkten Unterwerfungserklärung einen über deren Wortlaut hinausgehenden Inhalt akzeptieren. 57 Zudem ist es Sache des Schuldners, die zur Beseitigung der Wiederholungsgefahr erforderliche Erklärung abzugeben. 58 Er ist dafür verantwortlich Zweifel am Inhalt der Unterwerfungserklärung auszuräumen und die Ernsthaftigkeit 51 Baumbach/Hefermehl, UWG (2001), Einl. UWG Rn. 270; Ahrens/Deutsch (Fn. 8), Kap. 1 Rn. 57; Pokrant in FS Erdmann, 2002, S. 863 (864). 52 BGH GRUR 1997, 379 (380) Wegfall der Wiederholungsgefahr II; BGH GRUR 2003, 899 (900) Olympiasiegerin; BGH GRUR 1996, 290 (291) Wegfall der Wiederholungsgefahr I; BGH WRP 1997, 1067 (1069) Sekundenschnell, OLG Stuttgart, Urteil vom U 41/08, BeckRS 2009, 04601, (II. 1. a. a) aa) Absatz 5). 53 BGH GRUR 2000, 907 (908) Filialleiterfall; BGH GRUR 2000, 337 (338) Preisknaller; BGH GRUR 1997, 379 (380) Wegfall der Wiederholungsgefahr II; BGH GRUR 1989, 445 (446) Professorenbezeichnung in der Arztwerbung. 54 Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 8 Rn. 13; Teplitzky, WRP 1990, 26; Oppermann, WRP 1989, 713 (716); Harte/Henning/Brüning, UWG, 12, Rn. 147; Köhler/Piper, UWG, Vor 13 E Rn BGH GRUR 1997, 379 (380) Wegfall der Wiederholungsgefahr II; Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 8 Rn. 11; Melullis (Fn. 19), Rn Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 8 Rn BGH WRP 1997, 1067 (1069) Sekundenschnell; BGH GRUR 2003, 450 (451 f.) Begrenzte Preissenkung. 58 Vgl. BGH GRUR 2007, 607 (610) Telefonwerbung für Individualverträge; Köhler/Bornkamm, UWG, 12 Rn14 8 GB 1/2010 seiner Unterlassungsabsicht deutlich zu machen. 59 Nur weil die Rechtsprechung Sanktionen auf Umgehungshandlungen erstreckt, heißt das nicht, dass der Schuldner auch ernsthaft zu deren Unterlassung bereit ist. 60 Konsequenz dieser Rechtsprechung ist, dass eine zu eng formulierte Verpflichtungserklärung - die sich nur auf die konkrete Verletzungshandlung beschränkt - die Wiederholungsgefahr nicht für gleichartige Verstöße ausräumt. 61 Der Gläubiger kann dann gerichtlich mit einem erweiterten Antrag vorgehen - in dem er die konkrete Verletzungshandlung aus seinem Antrag ausnimmt - ohne der Gefahr einer Kostenpflicht nach 93 ZPO ausgesetzt zu sein. 62 Etwas anderes gilt, wenn der Gläubiger eine zu enge Unterwerfungserklärung vorformuliert und dem Abmahnschreiben beilegt. In einem solchen Fall entfällt die Wiederholungsgefahr auch dann, wenn mit der Unterwerfungserklärung nur eine Verpflichtung zum Unterlassen der konkreten Verletzungshandlung abgegeben wird. 63 Ebenso kann der Gläubiger zu weitgehende/unbestimmte Unterwerfungserklärungen ablehnen, ohne Rechtsnachteile erwarten zu müssen. Beispielsweise wäre eine Unterwerfungserklärung, die nur den Gesetzestext wiederholt, zu unbestimmt. 64 Das bedeutet jedoch nicht, dass Unterwerfungserklärungen, die diesen Anforderungen nicht genügen, also entweder zu eng oder zu weit gefasst sind, nicht annahmefähig sind. Insoweit gilt ausschließlich der Grundsatz der Privatautonomie, der seine Grenzen nur in den Generalklauseln der 59 BGH GRUR 1996, 290 (291) Wegfall der Wiederholungsgefahr I. 60 Melullis (Fn. 19), Rn. 649; Harte/Henning/ Brüning, 12, Rn BGH GRUR 2000, 907 (908) Filialleiterfall; BGH GRUR 1991, 254 (257); OLG Karlsruhe WRP 1990, 771; OLG Stuttgart WRP 1977, 820; Harte/Henning/Brüning, 12, Rn. 146 f. 62 BGH GRUR 2000, 907 (908) Filialleiterfall; Großkomm-UWG/Schultz-Süchting, 25 D. Rn. 135; Harte/Henning/Brüning, UWG, 12, Rn. 63; Köhler/Bornkamm, UWG, 12 Rn BGH GRUR 1996, 290 (291) Wegfall der Wiederholungsgefahr I: Grund dafür ist, dass die vertragliche Auslegung der Unterwerfungserklärung in diesem Fall ergibt, dass auch kerngleiche Verletzungshandlungen abgedeckt werden sollen. 64 Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 8 Rn. 10; Teplitzky, WRP 1990, 26 (27). 134, 138, 242, 826 BGB sowie in dem Gebot der Bestimmtheit der vertraglichen Verpflichtung findet. 65 II. Bedeutung der Kerntheorie bei der Auslegung strafbewehrter Unterlassungserklärungen 1. Grundsatz Wird nach einer weiteren wettbewerbswidrigen Handlung die vereinbarte Vertragsstrafe eingeklagt, so entsteht häufig Streit über den Schutzumfang der Unterwerfungserklärung. Wie in unserem Ausgangsfall stellt sich die Frage, ob die neue Verletzungshandlung von dem durch die Unterwerfungsvereinbarung begründeten vertraglichen Unterlassungsanspruch erfasst wird. Das erkennende Gericht hat dann die Aufgabe, den Schutzumfang der Unterlassungsverpflichtung zu ermitteln. Da die Unterlassungsverpflichtung vertraglichen Charakter hat, finden die allgemeinen Regeln der Vertragsauslegung gem. 133, 157 BGB Anwendung. 66 Demnach sind, wenn der Wortlaut einer Unterwerfungserklärung auslegungsbedürftig ist, die beiderseits bekannten Umstände, der Zweck der Vereinbarung sowie die Art und Weise ihres Zustandekommens, die wettbewerbsrechtlich relevante Beziehung zwischen den Vertragspartnern und ihre Interessenlage zur Auslegung heranzuziehen. 67 Es ist nach dem objektiv erkennbaren Erklärungsinhalt des Unterlassungsversprechens zu forschen. 68 Grundsätzlich hat der BGH klargestellt, dass den Parteien ohne besondere 65 Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 8 Rn. 14; Köhler/Bornkamm, UWG, 12 Rn. 1.17, 1.121; Harte/Henning/Brüning, UWG, 12 Rn Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 10 Rn. 6; Teplitzky, WRP 1990, 26 (27); Melullis (Fn. 19), Rn. 636; BGH GRUR 2001, 758 (759) Trainingsvertrag; BGH GRUR 1996, 290 (291) Wegfall der Wiederholungsgefahr I; BGH GRUR 2003, 899 Olympiasiegerin; BGH GRUR 2006, 878 Vertragsstrafevereinbarung; OLG Stuttgart, Urteil vom U 41/08, BeckRS 2009, 04601, (II. 1. a) aa) Absatz 1); Teplitzky, WRP 1994, 709 (710). 67 BGH GRUR 2001, 758 (759) Trainingsvertrag; BGH GRUR 2003, 899 Olympiasiegerin; BGH GRUR 2006, 878 Tz. 18 Vertragsstrafevereinbarung. 68 BGH GRUR 2001, 758 (759) Trainingsvertrag; BGH WRP 1993, 240 (241) Fortsetzungszusammenhang; Teplitzky, WRP 1994, 709 (710).15 GB 1/ Anhaltspunkte nicht der Wille unterstellt werden kann, bei der Vereinbarung eines Unterlassungsvertrages eine Regelung gewollt zu haben, die der Rechtslage nach dem Erlass eines gleichlautenden Unterlassungstitels entspricht. 69 Die unmittelbare Anwendung der Kerntheorie auf die Auslegung von Unterwerfungserklärungen ist demnach ausgeschlossen. Begründet wird das dadurch, dass ein Ordnungsmittel und die Verwirkung einer Vertragsstrafe nicht ohne weiteres miteinander vergleichbar sind. 70 Das Ordnungsgeld stellt eine strafähnliche Sanktion für die Übertretung eines gerichtlichen Verbots dar, während die Vertragsstrafe im Sinn des 339 BGB eine schuldrechtlich vereinbarte Leistung zur Sicherung der Vertragserfüllung und - je nach Inhalt des Vertrages - auch zum pauschalierten Schadenersatz ist. 71 Die Rechtsprechung hat dennoch einen Weg gefunden die Kerntheorie, mittelbar in die Auslegung von Unterwerfungserklärungen einfließen zu lassen. Das Einfalltor für die Kerntheorie sind der Sinn und Zweck einer strafbewehrten Unterwerfungserklärung und deren interessengerechte Auslegung. 72 Aus Sicht des Schuldners hat die Unterwerfungserklärung vor allem den Zweck, sicherzustellen, dass die durch seine wettbewerbswidrige Handlung begründete Wiederholungsgefahr entfällt. 73 Aus der Sicht des Gläubigers geht es - wie für den Schuldner offensichtlich ist - um die Sicherung seiner als schutzwürdig angesehenen Einzelinteressen gegen Zuwiderhandlungen. 74 Dieser Schutz würde bei einer Unterwerfungserklärung, die nur die konkrete Verletzungshandlung bezeichnet, 69 BGH GRUR 2001, 758 (759) Trainingsvertrag; BGH GRUR 1997, 931 (932) Sekundenschnell; BGH GRUR 1996, 290 (291) Wegfall der Wiederholungsgefahr I; BGH NJW-RR 2003, 1278 Olympiasiegerin; BGH GRUR 2006, 878 Tz. 21 Vertragsstrafevereinbarung. 70 Siehe BGH GRUR 2001, 758 (759) Trainingsvertrag. 71 Siehe BGH GRUR 2001, 758 (759) Trainingsvertrag. 72 BGH GRUR 2001, 758 (760) Trainingsvertrag; BGH GRUR 2003, 899 (900) Olympiasiegerin; BGH GRUR 1997, 931 (932) Sekundenschnell. 73 BGH GRUR 2001, 758 (760) Trainingsvertrag; Köhler/Bornkamm, UWG, 12 Rn Vgl. BGH GRUR 2001, 758 (760) Trainingsvertrag; BGH GRUR 2006, 878 Tz. 21 Vertragsstrafevereinbarung. ins Leere laufen. Die strafbewehrte Unterlassungserklärung dient dazu, eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden und aus der Sicht des Gläubigers einen Unterlassungstitel zu ersetzen. Darum kommt die Rechtsprechung zu dem Schluss, dass es i. d. R. weder den Interessen des Gläubigers noch denen des Schuldners entspricht, durch die Unterlassungsverpflichtung schlechter gestellt zu werden als durch ein entsprechendes Urteil, da sonst erhebliche Wertungswidersprüche entstünden. 75 Es lässt sich feststellen, dass die Kerntheorie grundsätzlich zur Auslegung vertraglicher Unterwerfungserklärungen genutzt wird. 76 Eine weitergehende Auslegung als in den Grenzen der Kerntheorie wird im Regelfall nicht erfolgen, weil davon auszugehen ist, dass sich der Schuldner im Zweifelsfall nicht weitergehend verpflichten will, als im Fall einer entsprechenden gerichtlichen Verurteilung Ausnahme Dennoch kann die Kerntheorie nicht uneingeschränkt angewendet werden. Ausnahmen ergeben sich für die Fälle, in denen die interessengerechte vertragliche Auslegung zu einem anderen objektiv erkennbaren Erklärungsinhalt der Unterwerfungserklärung führt. Dies betrifft Einzelfälle, in denen sich bei Berücksichtigung der Begleitumstände des Zustandekommens der Unterwerfungserklärung ergibt, dass der Schutzumfang der Unterwerfungserklärung nur auf die konkret genannte Verletzungshandlung beschränkt ist. Bei der Sekundenschnell -Entscheidung 78 hatte die Klägerin die irreführende Werbeaussage Stoppt starken Juckreiz blitzschnell abgemahnt und eine dementsprechende Unterwerfungserklärung von der Beklagten erhalten. Obwohl die daraufhin benutzte Werbeaussage: Stoppt brennenden Juckreiz in Sekunden unter die konkrete Verletzungsform fiel, entschied der 75 BGH GRUR 2001, 758 (760) Trainingsvertrag; BGH GRUR 2006, 878 Tz. 21 Vertragsstrafevereinbarung; OLG Stuttgart, BeckRS 2009, (II. 1. a) aa) Absatz 5). 76 Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 10 Rn. 14; Mellulis (Fn. 19), Rn. 636; Teplitzky, WRP 1990, Teplitzky, WRP 1990, 26 (28); Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 10 Rn BGH GRUR 1997, 931 ff. Sekundenschnell.16 10 GB 1/2010 BGH, dass die Vertragsstrafe nicht fällig wäre. Die Auslegung des Unterlassungsvertrages ergab, dass dieser bewusst eng auf die bezeichnete konkrete Verletzungshandlung beschränkt sein sollte. Ausschlaggebend für diese Beurteilung war, wie die Beklagte den von der Klägerin vorformulierten Erklärungshinhalt zu verstehen hatte. Dabei kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass die Beklagte die Reichweite der Unterlassungserklärung nur auf die erste konkrete Verletzungshandlung beziehen konnte. Denn die Beklagte hatte die Werbeaussage: Stoppt brennenden Juckreiz in Sekunden bereits über einen langen Zeitraum benutzt, ohne von der Klägerin abgemahnt worden zu sein. Deswegen konnte die Beklagte davon ausgehen, dass der Klägerin ihre schon seit Jahren betriebene Werbung bekannt war und sie diese nicht zu beanstanden hatte. Sonst hätte die Klägerin diese Werbeaussage ebenfalls abgemahnt. In der Entscheidung Hotelfoto 79 hat der BGH den Grundsatz aufgestellt, dass eine eher enge am Wortlaut orientierte Auslegung geboten ist, je höher die vereinbarte Vertragsstrafe im Verhältnis zur Bedeutung des gesicherten Unterlassungsanspruchs ist. Die Beklagte hatte sich vertraglich verpflichtet, es zu unterlassen, urheberrechtlich geschützte Lichtbilder ohne Genehmigung des Klägers zu vervielfältigen oder zu verbreiten. Der BGH entschied, dass die Beklagte sich nicht verpflichten wollte, auch eine Weiterverbreitung bereits verteilter Vervielfältigungen zu verhindern und dementsprechend für das Verhalten anderer Personen einzustehen. Maßgeblich für diese Auslegung war der Umstand, dass eine sehr hohe Vertragsstrafe angesetzt wurde. Für jede Zuwiderhandlung sollte die Beklagte DM zahlen. Diese Entscheidungen machen deutlich, dass für die Auslegung der Unterwerfungserklärung die Abmahnung und eventuelle begleitende Schriftstücke und die Umstände des Einzelfalls heranzuziehen sind. E- benso kann die Kerntheorie nicht angewendet werden, wenn ein ihr eindeutig entgegenstehender Schuldnerwille bei der Abgabe der Unterwerfungserklärung zum Ausdruck kommt. 80 Dass ist der Fall, wenn 79 BGH GRUR 2003, 545 ff. Hotelfoto. 80 Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 8 Rn. 14; entsprechend: OLG Stuttgart, Urteil vom U 41/08, BeckRS 2009, 04601, der Schuldner eine vom Gläubiger in einer generalisierten Fassung geforderte Unterwerfungserklärung ausdrücklich ablehnt und mit einer entsprechenden Begründung in einem Begleitschreiben statt dessen nur eine genau auf die konkrete Verletzungshandlung bezogene Unterwerfungserklärung abgibt. 81 Zum Ausschalten der Kerntheorie als Auslegungsmittel genügt es jedoch nicht, lediglich eine engere Unterwerfungserklärung abzugeben, als in der Abmahnung gefordert wird. Der Gläubiger muss zusätzlich Veranlassung zu der Annahme haben, dass die Beschränkung bewusst erfolgt ist. 82 III. Fazit Der Schutzumfang einer strafbewehrten Unterwerfungserklärung bestimmt sich nach vertraglichen Auslegungsmaßstäben, was im Regelfall die Anwendung der Kerntheorie einschließt. Ausnahmen gelten dann, wenn sich aus den begleitenden Umständen der Abgabe der Unterwerfungserklärung etwas anderes ergibt. 83 Es dürfte im Interesse des Gläubigers und des Schuldners sein, wenn sich die wettbewerbsrechtliche Praxis dahingehend entwickelt, von vornherein zu einer Verbotsfassung zu gelangen, die naheliegende Erweiterungen schon einschließt, also eine Anwendung der Prinzipien der Kerntheorie bereits bei der Formulierung der Unterwerfungserklärung, mit der Konsequenz, dass eine Anwendung der Kerntheorie vor Gericht, eher restriktiv oder gar nicht mehr stattfinden müsste. 84 Den Gläubigerinteressen wäre Genüge getan, indem ähnliche Handlungen von der Unterwerfungserklärung abgedeckt sind. Der Schuldner könnte die Grenzen seiner Unterwerfungserklärung besser einschätzen. Denn beschränkt (II. 1. a) aa) Absatz 5; Pokrant, FS Erdmann, S. 863 (865); Teplitzky, GRUR 2003, 272 (273). 81 Entsprechend dem Beispiel Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 8 Rn BGH GRUR 2003, 899 (900) Olympiasiegerin: Kerntheorie wurde angewendet, obwohl die Unterwerfungserklärung enger formuliert war als die Abmahnung. 83 Siehe Ahrens/Schulte (Fn. 8), Kap. 10 Rn. 14; Köhler/Bornkamm, UWG, 12 Rn ; Harte/Henning/Brüning, UWG, 12 Rn Oppermann, WRP 1989, 713 (716); Teplitzky, WRP 1990, 26 (28); Köhler/Piper, UWG, Vor 13 E Rn. 215; Harte/Henning/Brüning, UWG, 12, Rn. 147.17 GB 1/ der Schuldner seine Unterwerfungserklärung auf die konkrete Verletzungshandlung, läuft er Gefahr, dass ihm im Unterlassungsprozess mit Erfolg entgegengehalten wird, die Wiederholungsgefahr sei nicht weggefallen, während im Vertragsstrafeprozess grundsätzlich angenommen wird, die Erklärung erstrecke sich auch auf im Kern gleich Handlungen. Demzufolge sollte der Unterlassungsvertrag den Kern der Verletzungshandlung bezeichnen, entweder durch Ausformulierung der konkreten Verletzungsform oder durch eine Klarstellung, dass auch kerngleiche Handlungen erfasst sein sollen. Für beide Streitparteien würde mehr Rechtssicherheit entstehen. E. Auslegung gesetzlicher Unterlassungsverpflichtungen: Die Anwendung der Kerntheorie im Unterlassungsprozess Dass die Kerntheorie zur Auslegung von Unterlassungsverpflichtungen angewendet wird, oder besser, zur Bestimmung des Schutzumfangs einer Unterlassungsverpflichtung, ist bereits hinreichend deutlich geworden. Nunmehr wird erörtert, wo die Kerntheorie in einem Unterlassungsprozess zur Anwendung kommt (I.) und wo die Kerntheorie in einem Unterlassungsprozess tatsächlich zur Anwendung kommen sollte (II.). I. Anwendung der Kerntheorie im Unterlassungsprozess Nach der ständigen Rechtsprechung des BGH kann die Kerntheorie schon bei der Antragsformulierung zum Ausdruck kommen - Kerntheorie I - (1.) oder aber erst bei der Titelauslegung angewendet werden Kerntheorie II (2.). Diese beiden Möglichkeiten der Anwendung der Kerntheorie werden im Folgenden eingehend betrachtet. 1. Kerntheorie I Die Kerntheorie wird im Erkenntnisverfahren bei der Antragsformulierung angewendet. 85 Die dadurch erfolgende Verallgemeinerung im Unterlassungsantrag wird von 85 BGH GRUR 2006, 421 Tz. 39 Markenparfümverkäufe; BGH GRUR 2000, 337 (338) Preisknaller; BGH GRUR 2000, 907 (909) Filialleiterfehler; BGH GRUR 1994, 844 Rotes Kreuz; BGH GRUR 1991, 254 (257) Unbestimmter Unterlassungsantrag I. Rechtsprechung und Literatur sowohl im Hinblick auf die Einhaltung des Bestimmtheitserfordernisses als auch bei der Feststellung einer Begehungsgefahr akzeptiert. 86 Entspricht die formulierte konkrete Verletzungsform im Antrag dem materiellrechtlichen Anspruch ergeben sich keine Probleme. Der Kläger wird bei entsprechender Beweislage den Anspruch zuerkannt bekommen. 87 Jedoch ist das Herausfiltern der konkreten Verletzungsform nicht immer einfach. Es gibt zwei Hürden, die bei der Antragsformulierung eine Gefahr für den Prozesserfolg des Klägers darstellen können. Zum einen dass prozessuale Bestimmtheitsgebot nach 253 II Nr. 2 ZPO und zum anderen das materiellrechtliche Konkretisierungsgebot. 88 Ein Verstoß gegen das Bestimmtheitsgebot führt zur vollständigen Abweisung der Klage als unzulässig 89 (a.). Eine Antragsformulierung die die Grenzen der Kerntheorie I überschreitet, macht die Klage ganz oder teilweise unbegründet mit der entsprechenden Kostenfolge des 92 I 1 ZPO (c.) 90. a) Bestimmtheitsgebot nach 253 II Nr. 2 ZPO Der Antrag ist nach 253 II Nr. 2 ZPO hinreichend bestimmt, wenn er das Begehren des Klägers eindeutig beschreibt und der ihm folgende Tenor eine geeignete 86 Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 36, Rn. 68; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 8b, 17, 14; Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 11; Berneke, WRP 2007, 579 (580); Baumbach/Hefermehl UWG (2001), Einl. UWG Rn. 462; BGH GRUR 2006, 421 Tz. 39 Markenparfümverkäufe; BGH GRUR 1991, 254 (257) Unbestimmter Unterlassungsantrag I. 87 Borck, GRUR 1996, 522 (523); vgl. BGH GRUR 2006, 421 Tz. 39 Markenparfümverkäufe; BGH GRUR 2000, 337 (338) Preisknaller. 88 Teplitzky, FS Oppenhoff, 1995, S. 487 (490 ff.); Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 4; Borck, WRP 2000, 824 (825); MüKo-ZPO/Becker- Eberhard, 1992, 253, Rn. 135; Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn BGH GRUR 1963, 218 (220) Mampe Halb und Halb II m. Anm. Heydt; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 5 (mit Beispielen). 90 Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 8; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 6, 7 (mit Beispielen); Baumbach/Hefermehl, UWG (2001), Einl. UWG Rn. 457b, 460; Teplitzky, FS Oppenhoff, S. 487 (492).18 12 GB 1/2010 Grundlage für das Vollstreckungsverfahren bildet. 91 Der Beklagte muss erkennen können, wogegen er sich verteidigen soll 92 und was er bei einer entsprechenden Verurteilung künftig zu unterlassen hat. Es darf keine Unsicherheit über Gegenstand und Umfang des Verbots verbleiben. 93 Demnach verstößt die Verwendung von auslegungsbedürftigen Begriffen gegen das Bestimmtheitserfordernis. 94 So ist die bloße Wiederholung der Verbotsnorm des Gesetzestextes unzulässig. 95 Diese Einschränkungen entsprechen zwar den Anforderungen an die Verallgemeinerung, die bei der Kerntheorie erfolgt. Sie bedeuten jedoch nicht, dass ein Antrag unzulässig wird, wenn das Klagebegehren nicht die konkrete Verletzungsform bezeichnet. Für die Bestimmtheit des Unterlassungsantrages nach 253 II Nr. 2 ZPO spielt es keine Rolle, ob sich das Begehren von der konkreten Verletzungsform entfernt oder den Kern der Verletzungshandlung trifft. 96 Das ist vielmehr eine Frage 91 BGH GRUR 1991, 254 (256) Unbestimmter Unterlassungsantrag I; BGH WRP 1992, 482 (483) Ortspreis; BGH GRUR 1998, 489 (491) Unbestimmter Unterlassungsantrag III; Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 9; Großkomm-UWG/Jacobs Vor 13 D Rn. 103, 114; Melullis (Fn. 19), Rn BGH GRUR 1991, 254 (256) Unbestimmter Unterlassungsantrag I; BGH GRUR 1992, 561 Unbestimmter Unterlassungsantrag II; BGH GRUR 1998, 489 (491) Unbestimmter Unterlassungsantrag III; Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 9; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn BGH GRUR 1998, 489 (491) Unbestimmter Unterlassungsantrag III; OLG Hamburg WRP 1993, 496 (497); Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 10; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 8b ff. (mit Beispielen); Baumbach/Hefermehl (2001), Einl. UWG Rn. 462; Zöller/Greger, ZPO, 25. Aufl. 2005, 253 Rn. 13b; BGH GRUR 1998, 489 (491) Unbestimmter Unterlassungsantrag III. 95 BGH GRUR 2000, 438 (440) Gesetzeswiederholende Unterlassungsanträge; BGH WRP 1992, 482 (483) Ortspreis; Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 10; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 8a. 96 Teplitzky (Fn. 9), Kap 51 Rn. 11; Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 8; Borck, WRP 2000, 824 (826 f.); Kurtze, FS Nirk, S. 571 (575 f.); Zöller/Greger, ZPO, 253 Rn. 13b; Kramer, Unterlassungstitel, S. 37 ff. (mit Beispielen); BGH WRP 2001, 1291 (1292) SOOO BILLIG. der Begründetheit. Auch ein Antrag, mit dem klar und eindeutig die Unterlassung einer bestimmten Handlung begehrt wird, die überhaupt nichts mit der begangenen Verletzungshandlung zu tun hat, ist im Sinn der ZPO ein bestimmter Antrag. 97 Deswegen kann ein Verstoß gegen die Prinzipien der Kerntheorie den Antrag unzulässig machen, muss es aber nicht. b) Hinweis- und Klärungspflicht nach 139 ZPO Die Gefahr der Unzulässigkeit des Antrags bei (nicht richtiger) Anwendung der Kerntheorie I kann weitgehend ausgeräumt werden. Gemäß 139 ZPO hat das Gericht darauf hinzuwirken, dass die Parteien sachdienliche Anträge stellen. 98 Nach dieser durch 139 ZPO begründeten Klärungs- und Hinweispflicht hat das Gericht den Kläger darauf hinzuweisen, wenn sein Antrag wegen Unbestimmtheit hinsichtlich des begehrten Verbots unzulässig ist. 99 Verstößt das Gericht gegen diese Pflicht nach 139 ZPO, begründet das einen Verfahrensmangel. 100 c) Materiellrechtliches Konkretisierungsgebot Die Gefahr, dass der Antrag als (teilweise) unbegründet abgewiesen wird, liegt - abgesehen von dem hier zu unterstellenden Vermögen, das richtig gefundene Begehren sprachlich zutreffend auszudrücken - ausschließlich in der Bestimmung der konkreten Verletzungsform (=Konkretisierungsgebot) 101. Keine Probleme ergeben sich, 97 Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 11; Kurtze, FS Nirk, S. 571 (575 f.). 98 Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 10; MüKo- ZPO/Lüke, 1992, 253 Rn. 90; MüKo- ZPO/Musielak, 1992, 308 Rn. 6; Borck, WRP 2000; 824 (828); Zöller/Greger, ZPO, 253 Rn Borck, GRUR 1996, 522 (525), MüKo- ZPO/Musielak, 1992, 308 Rn. 6, Musielak/Stadler, ZPO, 4. Aufl. 2005, 139 Rn Die unterbliebene Aufklärung kann bei schweren Fehlern eine Zurückverweisung durch das Berufungsgericht rechtfertigen 538 II 1 Nr. 1 ZPO. Vgl. Musielak/Stadler, ZPO, 139 Rn. 4; MüKo-ZPO/Peters, 1992, 139 Rn Der Antrag darf Kern der Verletzungshandlung nicht überschreiten. Vgl. MüKo-ZPO/Becker-Eberhard, 1992, 253, Rn. 135; Ahrens/ Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 8; Großkomm- UWG/Jacobs, Vor 13 Rn. 125.19 GB 1/ wenn der Kläger die Kerntheorie richtig anwendet und den Antrag in den Grenzen der konkreten Verletzungsform stellt. Geht der gestellte Antrag über die konkrete Verletzungsform hinaus, dann wird das Gericht, wenn die Antragsformulierung das zulässt, die konkrete Verletzungsform enger beschreiben und die Klage im übrigen abweisen. Wenn eine Einschränkung des Streitgegenstandes im Einzelfall nicht möglich ist, wird das Gericht die Klage ganz abweisen. 102 d) Der insbesondere - Zusatz Um dieser Gefahr einer Abweisung der Klage wegen Unbegründetheit entgegen zu wirken, weil der Kläger falsch abstrahiert und dadurch sein Antrag über die konkrete Verletzungsform hinaus geht oder sie sogar verfehlt, wurde der insbesondere Zusatz entwickelt. 103 Der Kläger formuliert abstrakt die konkrete Verletzungsform als Obersatz und setzt daran zur Konkretisierung seines Begehrens den insbesondere Zusatz, der die konkrete Verletzungshandlung bezeichnet. Angewendet auf unseren Beispielsfall würde der Antrag wie folgt lauten: Es wird beantragt, den Beklagten unter Androhung von Ordnungsmitteln zu verurteilen, es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken für Geräte der Unterhaltungselektronik in der Presse zu werben, sofern diese am ersten Werktag nach dem Tag des Erscheinens der Werbung nicht vorrätig sind. Insbesondere es zu unterlassen im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken für die Videokamera X und den Fernseher Y in dem in P erscheinenden Lokalanzeiger zu werben, sofern diese am ersten Werktag nach dem Tag des Erscheinens der Werbung nicht vorrätig sind. Der mit insbesondere eingeleitete Teil des Klageantrags soll verdeutlichen, worin der Kern des wettbewerbswidrigen Verhaltens liegt. 104 Er enthält daher weder eine 102 Borck, GRUR 1996, 522 (523); Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 13. Beispielhaft: BGH GRUR 2000, 436 (437) Ehemalige Herstellerpreisempfehlung; BGH GRUR 2001, 446 (447) 1 Pfennig-Farbbilder. 103 Kurtze, FS Nirk, S. 571; Borck, WRP 1979, 180 (184). 104 Borck, WRP 1981, 248 (254); Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 28; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 37; Köhler/Piper, UWG, Vor Einschränkung noch eine Erweiterung des im Obersatz begehrten Klagebegehrens. 105 Der Kläger macht mit dem insbesondere Zusatz deutlich, dass die konkrete Verletzungshandlung als Minus in seinem möglicherweise zu weit gefassten Unterlassungsbegehren enthalten ist. 106 Folglich darf die Klage nur insoweit abgewiesen werden, als der Antrag über die konkrete Verletzungsform hinausgeht. 107 Dem insbesondere Antrag 108 kommt damit eine Schutzfunktion zu. Er verhindert eine volle Klageabweisung und erreicht zumindest, dass das Gericht dem Unterlassungsantrag hinsichtlich der konkreten Verletzungshandlung entspricht. 109 e) Schlussfolgerung Die Probleme, die bei der Anwendung der Kerntheorie I für die Antragsformulierung 13 E Rn. 290; BGH GRUR 1996, 793 (795) Fertiglesebrillen BGH GRUR 2003, 886 (887) Erbenermittler. 105 Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 28; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 39; Köhler/Piper, UWG, Vor 13 E Rn. 290; Kurtze, FS Nirk, S. 583; Großkomm-UWG/Jacobs, Vor 13 D Rn. 146 f.; BGH GRUR 1991, 772 (773) Anzeigenrubrik I. 106 Um ein Aliud vom Minus abzugrenzen ist der Wille des Klägers ausschlaggebend. Im Zweifel hat der Richter durch entsprechendes nachfragen eine Klärung herbeizuführen ( 139 I ZPO). Siehe MüKo-ZPO/Musielak, 1992, 308 Rn Berneke, WRP 2007, 579 (580); Zöller/Vollkommer, ZPO, 308 Rn. 4; BGH GRUR 2003, 886 (887) Erbenermittler; BGH GRUR 1999, 760- Auslaufmodelle II. 108 Wird auch als Quasi-Hilfsantrag bezeichnet. Der insbesondere -Antrag ist zwar von der Motivation her ebenso eine Art Hilfsantrag, wird aber nicht als Hilfsantrag gestellt, sondern unbedingt und vorrangig. Vgl. Borck, WRP 1979, 180 (184); Berneke, WRP 2007, 579 (584); Teplitzky (Fn. 9), Kap. 51 Rn. 30; Großkomm- UWG/Jacobs, Vor 13 Rn. 144; Gloy/Seibt, Handbuch des Wettbewerbsrechts, 2. Aufl. 1986, 70 Rn. 7; BGH GRUR 2003, 886 (887) Erbenermittler, BGH GRUR 1999, 760 Auslaufmodelle II. 109 Kurtze, FS Nirk, S. 571 (576 f.); Borck, WRP 1979, 180 (184); Berneke, WRP 2007, 579 (584); Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 22 Rn. 28; Baur, in: Handbuch des vorläufigen Rechtsschutzes, 2. Aufl. 2009, Teil H Rn. 333, BGH GRUR 1978, 649 (650) Elbe-Markt; BGH GRUR 1991, 772 (773) Anzeigenrubrik I; BGH GRUR 1996, 793 (795) Fertiglesebrillen; BGH GRUR 1999, 760 Auslaufmodelle II.20 14 GB 1/2010 auftauchen, werden Dank der zivilprozessrechtlichen Korrekturhilfen auf ein hinnehmbares Maß reduziert. 139 ZPO und der insbesondere Zusatz sichern den Kläger hinreichend ab. Ist die konkrete Verletzungsform zu weit gefasst oder zu unbestimmt, kann das durch eine teilweise Klagerücknahme nach 269 ZPO behoben werden. 110 Wenn der Kläger den Antrag nicht abändert, wird das Gericht ihm ein Minus zusprechen und die Klage teilweise als unbegründet abweisen. 111 Zudem hat die Frage, was den Kern einer konkreten Verletzungshandlung ausmacht, durch jahrzehntelange Rechtsprechung eine Konkretisierung erfahren, so dass die Anwälte regelmäßig einschätzen können (sollten), wie sie einen Antrag zu formulieren haben Kerntheorie II Die Kerntheorie wird weiterhin im Vollstreckungsverfahren angewendet, um den Schutzumfang eines Unterlassungstitels zu bestimmen. 113 Obwohl die Möglichkeit besteht, sich in der Antragsformulierung schon den Schutzumfang der Kerntheorie zuzusichern, wird es in der Praxis in zunehmendem Maße vorgezogen, den Antrag der konkreten Verletzungshandlung eng anzupassen. 114 Bezeichnend sind insoweit Anträge, die dahin gehen, es dem Beklagten zu verbieten, zu werben, wie aus der 110 In der Klagebeschränkung liegt eine teilweise Klagerücknahme. Sie ist keine Klageänderung gem. 264 Nr. 2 ZPO. Vgl. Zöller/Greger, ZPO, 265 Rn. 4a. 111 Das Minus ist im Antrag nach 308 ZPO enthalten und deshalb kein Verstoß gegen die Dispositionsmaxime, s. MüKo-ZPO/Musielak, 1992, 308 Rn. 6; Zöller/Vollkommer, ZPO, 308 Rn. 2; BGH GRUR 1999, 760 Auslaufmodelle II. 112 Scharen, FS Erdmann, S. 877 (885): [Es gehört] kein Mut mehr dazu, den Unterlassungsantrag [ ] in einer verallgemeinernden Form zu stellen. 113 Ahrens/Jestaedt (Fn. 8), Kap. 35 Rn. 8; Ahrens/Ahrens (Fn. 8), Kap. 65 Rn. 6; Teplitzky (Fn. 9), Kap. 57 Rn. 12; Melullis (Fn. 8), Rn. 943; BGH GRUR 1989, 445 Professorenbezeichnung in der Arztwerbung; BGH GRUR 2006, 421 Tz. 27 Markenparfümverkäufe. 114 In solchen Fällen kann gem. 308 ZPO nicht mehr verboten werden, als beantragt worden ist (Dispositionsmaxime). Borck, GRUR 1996, 522 (523); Musielak/Musielak, ZPO, 308 Rn. 7. mit dem Urteil verbundenen Anlage zu ersehen ist. 115 Die Vorteile einer solchen Formulierung liegen auf der Hand. Der Anwalt umgeht die Probleme bei der Antragsstellung. Seine Klage hat hohe Erfolgsaussichten, während das Kosten- 116 und Schadensersatzrisiko 117 gering gehalten werden. Zudem bleibt die begründete Hoffnung, dass bei Umgehungsfällen in der Vollstreckungsinstanz qua Kerntheorie II doch noch die hypothetische, weitere Fassung des Verbots zu Grunde gelegt wird. 118 Allerdings ist die Heranziehung der Kerntheorie II zur Auslegung von Urteilen zum Teil kritisch zu beurteilen. Zum einen ist fraglich, ob die Kerntheorie II überhaupt mit dem zivilprozessrechtlichen und verfassungsrechtlichen Bestimmtheitsgebot vereinbar ist (a.). Zum anderen treten durch die Auslegungsbedürftigkeit des Verbotsumfangs Titelstreitigkeiten auf (b.). a) Bestimmtheitsgebot zivilprozessrechtlicher und verfassungsrechtlicher Art Vereinzelt 119 wird in der Anwendung der Kerntheorie II ein Verstoß gegen das Bestimmtheitsgebot von Urteilen gesehen. Zum einen gegen das zivilprozessrechtliche Gebot, dass der Tenor hinreichend bestimmt sein muss 120 und zum anderen gegen den strafrechtlichen Bestimmtheitsgrundsatz - nulla poena sine lege der Verfassungsrang genießt und in Art. 103 II GG manifestiert ist. 122 Das zivilprozessrechtliche Bestimmtheitsgebot ergibt sich aus 890 ZPO i. V. m. 115 Borck, GRUR 1996, 522 (523); Borck, Die anwaltliche Praxis in Wettbewerbssachen, 1992, Rn Kostenrisiko aus 91 ZPO. 117 Schadensersatzrisiko aus 945 ZPO. 118 Borck, GRUR 1996, 522 (523). 119 Siehe Borck, WRP 1979, 180 f.; Schubert, ZZP 1972, 29 (39, 51); Kramer, Unterlassungstitel, S. 18 f., 88 f.; auch Teplitzky, WRP 1999, 75 (76 a.e.) äußert Bedenken; teilweise Bedenken Fritzsche, Unterlassungsanspruch und Unterlassungsklage, 2000, S. 232 ff. 120 Borck, WRP 1979, Keine Strafe ohne Gesetz. 122 Ob eine unmittelbare oder analoge Anwendung von Art. 103 II GG erfolgt, kann für die weitere Streitdarstellung dahingestellt bleiben. Direkte Anwendung z.b. Borck, WRP 1979, 180 (181) und analoge Anwendung z.b. Schubert, ZZP 1972, 29 (39). Mehr anzeigen
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