Source: https://issuu.com/kpmgswitzerland/docs/pub-20120503-sfsnl-de
Timestamp: 2018-03-19 07:03:11+00:00

Document:
Swiss Financial Services Newsletter - Mai 2012 by KPMG Switzerland - issuu
SWISS FINANCIAL SERVICES NEWSLETTER Sonderausgabe Investment Management Mai 2012
revision des Kollektivanlagegesetzes
Entwicklungen des Schweizer Fondsmarkts
10 16 20 23 28
Unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz: Strategische Weichenstellungen sind gefragt
Der ESMA-Schlussbericht zur AIFMD und die KAG-Teilrevision
Steht uns eine Konsolidierung des Vermögensverwaltungsgeschäfts bevor?
Die zukunft der schweizerischen Anlagestiftung
Versteckte steuerliche Fallstricke bei der Anlage in US-Wertschriften mit Fonds
Stetiger Wandel – auch im Konsolidierungskreis?
Die Evolution des Asset Pooling
Staatsfonds werden zu wichtigen Treibern der Immobilienmärkte
GIPS 2010: erste Erfahrungswerte
02 – SwiSS Financial ServiceS newSletter – Mai 2012
Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser Die neuesten Entwicklungen im Finanzmarktrecht beeinflussen das wirtschaftliche Umfeld der Vermögensverwaltung in der Schweiz nachhaltig. Dazu gehört die Erlassung der EU-Richtlinie für Alternative Investment Fund Managers (AIFMD), welche auf politischer, regulatorischer und wirtschaftlicher Ebene eine intensive Debatte auslöste. AIFMD nimmt direkten Einfluss auf die schweizerische Gesetzgebung, da die schweizerischen Vermögensverwalter ohne die Anpassung des Kollektivanlagengesetzes (KAG) nicht mehr für im europäischen Ausland domizilierte kollektive Kapitalanlagen tätig sein können. Die entsprechende Botschaft des Bundesrates zur Änderung des KAG bildet daher Diskussionspunkt in mehreren Artikeln. Neben der AIFMD darf aber auch die neue Verordnung über die Anlagestiftungen nicht als «regulatorischer Nebenschauplatz» betrachtet werden, verwalten diese doch Vermögen in der Grössenordnung von 90 Mrd. Franken! In dieser Ausgabe des Swiss Financial Services Newsletter beleuchten wir die Zukunft der schweizerischen Anlagestiftungen aus rechtlicher Sicht.
Mit IFRS und GIPS sind weitere Regelwerke einem stetigen Wandel unterworfen, deren Erläuterung für viele Leser bereits zur Pflichtlektüre gehört. Weitere Themen sind die steuerlichen Fallstricke bei der Anlage in amerikanischen Wertschriften mittels Fonds, die Rolle der Staatsfonds (Sovereign Wealth Funds) auf den Kapitalmärkten sowie neue Anlagemöglichkeiten für kleinere institutionelle Investoren durch Asset Pooling. Dieses Jahr wird für uns alle noch einige Herausforderungen bereithalten. Mit unserem Newsletter möchten wir den laufenden Entwicklungen gebührend Rechnung tragen und Ihnen vielfältige Informationen bieten. Wir hoffen, Sie finden Gefallen an der aktuellen Ausgabe und wünschen Ihnen eine interessante und anregende Lektüre. Freundliche Grüsse
Markus Schunk Head Investment Management
Türen nach Europa offen halten: Die geplante Revision des Kollektivanlagegesetzes ist für den Marktzugang notwendig und dringend – schiesst aber in der heutigen Form über das Ziel hinaus. Von Gerold Bührer, Präsident economiesuisse
Die Änderungen im europäischen Recht erzwingen Anpassungen im Schweizer Recht, obschon das geltende Kollektivanlagegesetz erst 2007 in Kraft getreten ist. Die Zeit drängt. Ohne Änderungen sind Schweizer Finanzdienstleister vom wichtigen europäischen Markt ab Mitte 2013 ausgeschlossen. Daher soll das Schweizer Recht bis Mitte 2012 ergänzt werden.
04 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Internationaler Marktzugang muss gewahrt bleiben Die EU regelt namentlich mit der AIFM-Richtlinie (Directive on Alternative Investment Fund Managers) die Behandlung von alternativen Anlagen wie Hedge-Funds und Private Equity. Die Neuregelung des europäischen Finanzmarkts betrifft Schweizer Vermögensverwalter entscheidend. Durch die Anpassung des Kollektivanlagegesetzes sollen für sie die Türen zum europäischen Markt geöffnet bleiben. Dies ist aus Sicht von economiesuisse ein zentraler Punkt. Der Finanzplatz Schweiz befindet sich infolge zahlreicher Ereignisse auf internationaler Ebene in einer Umbruchphase. Verstärkt ist leider auch eine Abschottung vieler für schweizerische Finanzdienstleistungsanbieter wichtiger Absatzmärkte festzustellen. Daher sind der Erhalt und der Ausbau von Marktzugangsmöglichkeiten gerade in Europa wichtiger denn je. Das bedingt bei der kollektiven Vermögensanlage vor allem eine erweiterte Unterstellung unter die Aufsicht der FINMA. In der Vernehmlassung im vergangenen Jahr wurde die Notwendigkeit der entsprechenden Teilrevision des Kollektivanlagegesetzes anerkannt. 81 Parteien, Organisationen und betroffene Finanzdienstleister haben sich im vergangenen Oktober teils sehr detailliert zum Entwurf geäussert und dabei aber auch gewichtige Vorbehalte angebracht. Kritisiert werden zu Recht vor allem eine bürokratische Ausgestaltung und zu starke, überschiessende Einschränkungen. Mit der Vorlage an das Parlament wird sich zeigen, ob der Bundesrat Wort hält und den Bedenken in der Vernehmlassung Rechnung trägt.
Neben der Sicherung des Marktzugangs sind für economiesuisse auch in dieser Revision Rechtssicherheit und Verhinderung unnötiger Regulierungen mit Kostenfolgen zentrale Orientierungspunkte. Zur Vermeidung von Rechtsunsicherheit ist die Terminologie des Kollektivanlagegesetzes auf diejenige der EU abzustimmen und auf Helvetismen zu verzichten. Insbesondere sind überschiessende nationale Regulierungen zu unterlassen. «Swiss Finish» schränkt Unternehmen unnötig ein Sowohl die Wettbewerbsfähigkeit wie der Zeitdruck zwingen eine Beschränkung der Revision auf das absolut Notwendige. Dass dem Anlegerschutz die notwendige Bedeutung beigemessen wird, ist unbestritten. Ein über die zwingende Anpassung an internationale Standards und an die EU-Richtlinien hinausgehenden «Swiss Finish» lehnt die Wirtschaft jedoch entschieden ab. Weiter müssen die Spielräume der EU-Regelung offensiv ausgeübt werden. Wir dürfen unseren Finanzplatz nicht ohne Grund im Sinne eines «Musterschülers» unnötig noch mehr belasten. Zahlreiche Vernehmlassungsteilnehmer haben den Finger ebenfalls auf diese wunden Punkte gelegt. Auf unnötige Einschränkungen muss der Gesetzgeber unbedingt verzichten. Ein Beispiel ist die Rechtsform des Einzelunternehmers, die gemäss Vernehmlassungsentwurf gestrichen werden soll. Das wird von der EU nicht verlangt. Diese Rechtsform muss somit weiter möglich bleiben. Generell muss die Schweiz im Revisionsprozess ihren Spielraum ausschöpfen und Wahlfreiheiten nutzen. So muss beispielsweise ein «régime light» für Verwalter geringer Fondsvermögen, die keine Anteile in der EU bzw. dem EWR vertreiben wollen, geschaffen werden.
Revision des Kollektivanlagegesetz – Türen nach Europa offen halten
Nicht alle Anbieter wollen in der EU aktiv sein und sollen daher angepassten Regeln unterstehen. Zudem sollen wie in der AIFM-Richtlinie Holdinggesellschaften und «Family Offices» ausgeschlossen werden. Auch die Kundenkategorisierung soll wie in der EU weiterhin in drei Kategorien erfolgen. Die Vernehmlassungsvorlage schlug für die Schweiz nur zwei Kundenkategorien vor: Vermögensverwaltungskunden mit Vermögensverwaltungsvertrag sollen aus dem Katalog qualifizierter Anleger gestrichen werden.
«Ein guter Marktzugang ist für economiesuisse in allen Branchen ein Hauptanliegen. Dazu muss auch das Schweizer Recht gezielt und auf kompetitive Art angepasst werden.» Weit gefasster Geltungsbereich Weiter wurden in der Vernehmlassung insbesondere der weit gefasste Vertriebsbegriff, die Einschränkung der zulässigen Rechtsformen für Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen, deren Dienstleistungskatalog sowie die erhöhten Anforderungen an Vertreter ausländischer kollektiver Kapitalanlagen bemängelt. Durch die Erweiterung des Geltungsbereiches auf jede Verwaltungs- oder Aufbewahrungstätigkeit kollektiver Kapitalanlagen jeglicher Art wird der Geltungsbereich sehr weit gezogen. Durch die Ausweitung des Vertriebsbegriffes werden noch mehr Kapitalanlagen unterstellt. Sehr anspruchsvoll wird sich die Umsetzung gestalten. Alle Änderungen müssen in einer sehr kurzen Zeit implementiert werden. Aus Zeit-, Kapazitäts- und Informationsgründen müssen die Selbstregulierungs- und auch die Branchenorganisationen nach Kollektivanlagegesetz KAG eine zentrale Rolle spielen. Wenn die Aufgabe einzig den staatlichen Behörden überlassen würde, wären Engpässe und Friktionen zum Schaden unseres Finanzplatzes vorgezeichnet. Kosten und Nutzen müssen sich die Waage halten Die vorgeschlagene Revision führt wohl unweigerlich zu einem weiteren Kostenschub. An wichtigen Fronten werden für die Fonds- und Vermögensverwaltungsbranche zusätzliche, kostspielige Hürden geschaffen. Für kleinere Unternehmen wird es wegen der neuen Anforderungen äusserst schwierig sein, eine Bewilligung zu erhalten. Daher ist aus Sicht des Wirtschaftsdachverbands eine bessere Kosten-/ Nutzenabschätzung zwingend. Zudem sind im Vollzug konsequenter Möglichkeiten zur Minimierung der Umsetzungskosten zu suchen. Bislang fehlen leider konkrete Angaben und es ist zu hoffen, dass dies wenigstens in der Botschaft für die Beratungen nachgeholt wird.
06 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Offener steuerlicher Handlungsbedarf In einer Beziehung muss die Revision ausgedehnt und über den Tellerrand hinausgeblickt werden. Im Bereich der steuerlichen Aspekte von Kollektiven Kapitalanlagen besteht ein Handlungsbedarf, wenngleich dieses Thema (noch) nicht Gegenstand der aktuellen Revision ist. Hier macht die EU aus internen Kompetenzgründen naturgemäss keine Vorgabe. Im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit sollen hier aber wirksame Verbesserungen angegangen werden. So werden heute Immobilienfonds mit indirektem Grundbesitz gegenüber Immobilienfonds mit direktem Grundbesitz benachteiligt. Die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen sollten daher so geändert werden, dass diese Ungleichheit beseitigt wird. Neues Kollektivanlagegesetz muss Stürmen standhalten Abschliessend ist festzuhalten, dass eine Revision des Kollektivanlagegesetzes wichtig und richtig ist. Trotz der knappen Fristen ist sie jedoch mit der notwendigen Sorgfalt anzugehen und darf vor kritischen Punkten nicht Halt machen. Das Parlament ist aufgerufen, die Vorlage mit einer gesunden Skepsis zu beurteilen und die Vorschläge des Bundesrates kritisch auf die Kriterien Wettbewerbsfähigkeit, Rechtssicherheit und Verhinderung kostspieliger Bürokratie zu prüfen. Dazu sind nicht nur Experten aus der Verwaltung, sondern vor allem auch Praktiker anzuhören. Das neue Kollektivanlagegesetz muss auch praxistauglich sein und darf den Standort Schweiz nicht weiter belasten. ￼
Fazit Eine Teilrevision des Fondsgesetzes KAG ist für unsere Unternehmen wichtig. Der vorliegende Entwurf muss insbesondere in folgenden Punkten überarbeitet werden:
• Übertriebener «Swiss Finish» schadet und ist zu verhindern
• Vertriebsbegriff darf nicht zu weit gefasst werden • Dienstleistungskatalog und Rechtsformen für Vermögensverwalter nicht massiv einschränken
Gerold Bührer Präsident economiesuisse +41 44 421 35 35 gerold.buehrer@economiesuisse.ch
Entwicklungen des Schweizer Fondsmarkts Hohe Stabilität, institutionalisierung und KaG-teilrevision von Dr. Matthäus Den Otter, Geschäftsführer SFa
Der Schweizer Fondsmarkt erweist sich über die Jahre betrachtet als ziemlich stabil. nach den verlusten in der Finanzkrise kam es zu einer erholung, wobei sich die Fondskategorien unterschiedlich entwickelten. alle Zahlen in diesem artikel basieren auf den angaben von lipper und der Swiss Fund Data aG, welche die Swiss Funds association SFa monatlich als Statistik zum Schweizer Fondsmarkt publiziert. Darin erfasst werden alle Fonds mit einer Bewilligung der eidg. Finanzmarktaufsicht FinMa. Volumen ziemlich konstant Wenn man Fondsmarktdaten analysiert, sind immer zwei verschiedene Aspekte zu berücksichtigen: 1) die Wertentwicklung der Anlagen, bedingt durch die Aktien- und Obligationenmärkte und die Währungen 2) der Saldo aus Zeichnungen und Rücknahmen, der den Nettozufluss oder -abfluss ergibt. Entwicklung Net Assets am Schweizer Fondsmarkt 2006 bis heute
800 700 net assets in Mio cHF
600 500 400 300 200 100 0 2006 real estate
Die Entwicklung des Fondsmarkts Schweiz während der letzten fünf Jahre ist durch eine relativ offensichtliche «Stabilität» geprägt. Belief sich das gesamte Fondsvermögen der von der FINMA bewilligten bzw. zum Vertrieb zugelassenen in- und ausländischen Fonds Ende 2006 noch auf 678 Mrd. CHF, war dieses per Ende 2011 – nach zwei grossen Krisen – immer noch 621 Mrd. CHF. Dies obwohl die Schulden- bzw. Eurokrise noch nicht überstanden ist. Ein Jahr davor, sozusagen im «Zwischenhoch nach der Finanzkrise», hatte das Fondsvermögen sogar wiederum das gleiche Niveau erreicht wie im Jahre 2006.
Wann man aber die Entwicklung der einzelnen Fondstypen analysiert, sieht man sofort, dass die Krisen ihre Spuren bei den Anlegerinnen und Anlegern hinterlassen haben. Waren vor fünf Jahren Aktienfonds mit einem Marktanteil von knapp 36 % klar Leader des Fondsmarkts, betrugen diese Ende Jahr – vor allem kursbedingt – noch 31,6 %. Die Aktienfonds wurden infolge der allgemeinen Verunsicherung durch die Eurokrise vor einigen Monaten und dem dadurch bedingten allgemeinen Einbruch an den Börsen erstmals knapp durch die Obligationenfonds überholt (32,2 %). Auch die Anlagezielfonds («mixed assets») mussten Federn lassen (Marktanteil 11,6 %) und wurden – wen wundert’s – 2008 von den Geldmarktfonds «überholt», auf welche derzeit 13,3 % des Fondsmarktvolumens entfallen. zunahme institutionelles Geschäft Während sich die Zahl derjenigen Schweizerinnen und Schweizer, welche direkt Fondsanteile halten, gemäss AxaStudie bei 17 % einpendelt, schreitet die indirekte Anlage der Bevölkerung über Fonds weiter voran. Diese sog. «Institutionalisierung» des Fondsgeschäftes umfasst einerseits schweizerische Fonds für qualifizierte Anleger, andererseits institutionelle Anteilsklassen von in- und ausländischen Publikumsfonds.
Entwicklungen des Schweizer Fondsmarktes – Hohe Stabilität, Institutionalisierung und KAG-Teilrevision
Ausländische Fonds, die nur qualifizierten Anlegern vorbehalten sind und ausschliesslich privat platziert werden, sind hingegen nicht erfasst, da sie Stand heute, keiner FINMAVertriebsbewilligung bedürfen. Allen Widrigkeiten zum Trotz hat sich dieses institutionelle Geschäft ständig weiterentwickelt und ist von 130 Mrd. CHF auf 225 Mrd. CHF per Ende 2011 gewachsen. Auch hier dominieren Obligationenfonds (95 Mrd. CHF) vor Aktienfonds (85 Mrd. CHF) und anderen Kategorien. Dem Einfluss der institutionellen Fonds, die sich auf Schweizer Institutionelle fokussieren, aber auch dem rasanten Wachstum der ETF schweizerischen Rechts ist es wohl zu verdanken, dass die Schweiz in absoluten Zahlen Luxemburg als Fondsdomizil Nummer 1 abgelöst hat. Dies obwohl Schweizer Fonds im internationalen Fondsvertrieb nur eine bescheidene Rolle spielen (können).
Net Flows in Mrd. CHF
Bei der Betrachtung der Nettomittelflüsse vermag nicht weiter zu erstaunen, dass im Krisenjahr 2008 die Geldmarktfonds mit einem Zufluss an Neugeld in der Höhe von knapp 40 Mrd. CHF deutlich an der Spitze lagen. Sind sie doch in turbulenten Zeiten als sicherer Hafen besonders gefragt. Hingegen verzeichneten Aktienfonds Geldabflüsse von rund 30 Mrd. CHF. Im vergangenen Jahr verbuchten vor allem die Kategorien Equity und andere Fonds, darin sind beispielsweise Rohstofffonds enthalten, Zuflüsse. Aus den Geldmarktfonds wurden, wie in den beiden Jahren zuvor, weiter Mittel abgezogen. Bei Ansicht der Top 50 der einzelnen Anlagestrategien fällt der raketenartige Aufstieg der «Commodities Funds» auf, welche vor fünf Jahren kaum existent waren, heute aber nach «Bond CHF», «Equity Global» und «Equity Switzerland» den stolzen vierten Platz belegen (verwaltete Vermögen per Ende 2011: 32 Mrd. CHF). Hier sind auch alle ETFs enthalten, deren Basiswerte Edelmetalle oder Rohwaren sind. Auch «Emerging Marktes Bond Funds» sowie «Bond Convertibles Global» haben sich von Nischenprodukten zu bedeutenden Asset Classes entwickelt.
08 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Betrachtet man die Anbieterseite, fällt auf, dass die Anzahl der Fondsleitungen nach einem Sprung im Jahre 2006 (+4) in den Folgejahren stagnierte. Per Ende 2011 betrug sie 48, Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen gab es 90. Hingegen legten die Banken und Effektenhändler zu: von 409 auf 674 (Banken 316, Effektenhändler 358 – davon nur Banken 294). Eine starke Abnahme verzeichneten die ausländischen Vertretungen (von 134 auf 88). 2011 im Detail Geldmarktfonds hatten bis auf August und November in jedem Monat Nettomittelabflüsse zu verzeichnen. Sie summierten sich im Jahresverlauf auf etwa 3 Mrd. CHF. Obwohl an den Devisenmärkten viel passierte – sie sind der Umrechnungskurse wegen bei dieser Fondskategorie statistisch nicht unbedeutend –, blieb am Ende wenig davon übrig. Der Franken entpuppte sich zwar unter den grossen Währungen als eine der stärksten. Die Aufwertung gegenüber EUR und USD blieb aber dank der Festsetzung der Euro-Untergrenze durch die SNB relativ gering. Gesamthaft verminderte sich im Jahresverlauf der Wert aller Geldmarktfonds um etwa 3 Mrd. CHF.
Entwicklung Net Flows 2006 bis heute
Die ETFs haben sich seit 2006 stetig von 5 auf über 45 Mrd. CHF gesteigert. Sie können wohl auch als «Profiteure der Finanzkrise» bezeichnet werden. Dabei entfiel das grösste Wachstum zuletzt nicht mehr auf ETFs auf Aktenindizes, sondern auf Commodities.
Die Kategorie der festverzinslichen Anlagen mit mittleren und längeren Laufzeiten konnte im Berichtsjahr um 4,5 Mrd. CHF an Wert zulegen, während sich Nettozu- und -abflüsse in etwa die Waage hielten. Die im zweiten Halbjahr stark ins Blickfeld rückende Eurokrise rief in Erinnerung, dass Obligationen sowohl Zins- als auch Kreditrisiken bergen. Zwischen August und Dezember verzeichneten Obligationenfonds rund 6,8 Mrd. CHF an Nettomittelabflüssen. Drohende Staatsinsolvenzen und die Sorgen um eine Abschwächung der Wirtschaft sorgten für einen deutlichen Kapitalzustrom in die Schweiz, was den Abwärtstrend der Renditen zusätzlich beschleunigte. Trotz Nettomittelzuflüssen in der Höhe von rund 4,4 Mrd. CHF büssten die Aktienfonds zwischen Anfang und Ende des Jahres 23 Mrd. CHF an Wert ein. Sowohl Zuflüsse als auch Werte stiegen in den ersten vier Monaten 2011 deutlich an, doch die Schockwellen durch das Japan-Erdbeben und die sich zuspitzende Schuldenkrise in Europa sorgten ab Mai für nachgebende Kurse. Der drohende Bankrott Griechenlands und die steigenden Zinsen für Staatsanleihen Italiens und Spaniens führten im Sommer sogar zu einem drastischen Einbruch der Aktienkurse und somit auch der Aktienfondsvolumen. Im Oktober erholten sich die Werte etwas, womit das Jahr immerhin mehrheitlich zuversichtlich abgeschlossen werden konnte. Aus Sicht der Frankenanleger reduzierte sich der Währungseinfluss auf die Renditen in der zweiten Jahreshälfte wieder.
Durch den Aktienanteil litten die Anlagestrategiefonds erwartungsgemäss vor allem im dritten Quartal 2011, profitierten allerdings auch von der leichten Markterholung ab Spätherbst. Die Fondskategorie musste in sämtlichen Monaten Nettomittelabflüsse hinnehmen, gesamthaft rund 2,5 Mrd. CHF. Das Totalvolumen betrug 71,7 Mrd. CHF.
«Während sich die Zahl derjenigen Schweizerinnen und Schweizer, welche direkt Fondsanteile halten, bei 17% einpendelt, schreitet die indirekte Anlage der Bevölkerung über Fonds weiter voran.» 2011 war ein gutes Jahr für die Bau- und Immobilienbranche. Die Kategorie der Immobilienfonds konnte wertmässig um 1,3 Mrd. CHF zulegen. Weil im Jahresverlauf per Saldo nur relativ geringe Nettomittelzuflüsse zu verzeichnen waren, ist die Erhöhung um rund 5 % mehrheitlich das Resultat von Wertsteigerungen der Fonds. Mit einem Volumen von 26,1 Mrd. CHF zählten die Immobilienfonds zur kleinsten, aber feinsten Kategorie. Hier liegt es nicht an der Nachfrage, sondern vielmehr am beschränkten Angebot an Schweizer Liegenschaften, die beim jetzigen Preisniveau überhaupt noch eine langfristig nachhaltige Rendite versprechen. Das Segment der alternativen Anlagen blickte nach den herben Verlusten infolge der Finanzkrise auf eine verhalten positive Entwicklung zurück. Das Volumen erhöhte sich im Jahr 2011 um 7 Mrd. CHF auf 44,3 Mrd. CHF. Für den Anstieg waren erstmals seit der Finanzkrise mit 5,8 Mrd. CHF wieder Neugeldzuflüsse zu verzeichnen. Das Vertrauen der Investoren ist aber noch längstens nicht zurückgekehrt. Ende 2011 waren in der Schweiz 7461 Fonds (+270 Fonds) zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Davon waren 1403 Fonds schweizerischen Rechts und 6058 Fonds ausländischen Rechts, dominiert von 4171 Fonds luxemburgischen Rechts. Die Zunahme von 270 Fonds resultierte aus einer regen Tätigkeit der Marktakteure. Dabei fällt die bedeutende Anzahl an Restrukturierungen auf (freiwillige Liquidation oder Vereinigung von Fonds zur Fokussierung der Produktpalette), auch wenn die Fondsanbieter aus Rücksicht auf ihre Kunden Fonds von suboptimaler Grösse nur sehr zurückhaltend auflösten. So wurden im Jahresverlauf beispielsweise 907 ausländischen kollektiven Kapitalanlagen die Genehmigung neu erteilt und 640 aufgehoben. Entsprechende Produkte mit Schweizer Domizil wurden insgesamt 110 neu genehmigt. Bei 107 Fonds wurde die Unterstellung unter die FINMA aufgehoben. Von den 1403 schweizerischen Fonds wurden 644 von der FINMA ausschliesslich für den Vertrieb an institutionelle Anleger genehmigt.
Das Verhältnis bei der Anzahl Fonds ausländischer Herkunft und Kollektivanlagen schweizerischen Rechts blieb über die letzten Jahre hinweg ziemlich konstant bei ca. 4:1. Luxemburg und Irland waren mit Abstand die grössten ausländischen Domizilstandorte von in der Schweiz zugelassenen Fonds. Mit gesamthaft 5073 Fonds lag ihr Anteil per Ende 2011 praktisch unverändert bei knapp 84 %. An dritter Stelle rangierte weiterhin Frankreich, gefolgt von Liechtenstein und Grossbritannien. KAG-Teilrevision Diese Zahlen zeigen auf, dass der Fonds- und Asset-Managementplatz solide positioniert ist. Um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, sind bessere gesetzliche Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung. Hier spielt die derzeit laufende Teilrevision des Kollektivanlagengesetzes (KAG) eine wichtige Rolle. Die vor Kurzem publizierte Botschaft erreicht das Teilziel «Unterstellung der Asset Manager unter die Aufsicht der FINMA». Durch die vorgeschlagenen Vertriebsvorschriften droht aber eine weltweit einmalige Diskriminierung des Finanzplatzes Schweiz – wenn nicht nachgebessert wird. Denn es würden EU-Bestimmungen durch die Schweiz auf die ganze Welt ausgedehnt. Einige KAG-Vorschriften sind einschränkender als die entsprechenden EU-Regeln und werfen gute und etablierte Schweizer Eigenheiten über Bord – das wären veritable Eigentore. Zudem fehlen Massnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Förderung des Produktionsstandortes Schweiz, wie beispielsweise in den Bereichen Ein-Anleger-Fonds, Investmentgesellschaft mit variablem Aktienkapitel (SICAV), Immobilienfonds und Kommanditgesellschaft für kollektive Kapitalanlagen (KGK). Diesbezüglich bestehen konkrete Vorschläge der SFA und der SBVg, die mit geringem gesetzgeberischen Aufwand umgesetzt werden können. Wir sind klar dafür, dass internationale Standards eingehalten werden. Aber das KAG soll nicht unnötig zum «EUKorsett für die ganze Welt» umfunktioniert werden, sondern Wachstumspotenzial schaffen für das Asset Management, die wichtige dritte Säule des Schweizer Finanzplatzes. Zeitgemässer Anlegerschutz und Finanzplatzförderung sind keine Widersprüche, sondern können sich sinnvoll ergänzen.
Fazit Der Schweizer Fonds- und Asset-Managementplatz ist solide positioniert. Um seine Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft zu erhalten, sind bessere gesetzliche Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung. Eine reine Anpassung an das neue EU-Regime genügt nicht. Zusätzliche Massnahmen sind erforderlich, damit die Attraktivität des Produktionsstandortes Schweiz gesteigert und der Nutzen der innovativen KAG-Vehikel optimiert wird.
Dr. Matthäus Den Otter Geschäftsführer Swiss Funds Association SFA +41 61 278 98 00 matthaeus.denotter@sfa.ch
Unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz: Strategische Weichenstellungen sind gefragt Von Markus Schunk und Pascal Sprenger
Die Vermögensverwaltungsbranche in der Schweiz muss sich in den kommenden Jahren auf eine Vielzahl sich abzeichnender, regulatorischer Veränderungen einstellen, welche die Rahmenbedingungen für Vermögensverwaltungsdienstleistungen in der Schweiz verändern werden. Insbesondere die in diesem Artikel im Fokus stehenden unabhängigen Vermögensverwalter müssen schon heute die strategischen Weichenstellungen vornehmen, um sich auch in Zukunft in einem zunehmend umkämpften Marktumfeld erfolgreich behaupten zu können.
10 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Ausgangslage Heutige Anforderungen für unabhängige Vermögensverwalter Bisher unterstehen die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz – anders als in den meisten europäischen Ländern – keiner prudentiellen Überwachung. Dies bedeutet, dass lediglich im Rahmen der Geldwäschereigesetzgebung ein Anschluss an eine Selbstregulierungsorganisation (z.B. den Verband Schweizerischer Vermögensverwalter VSV) oder alternativ eine Unterstellung unter die Geldwäschereiaufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA als sogenannt «Direkt unterstellter Finanzintermediär» (DUFI) erfolgen muss.1 Weiter sind Vermögensverwalter gestützt auf Bestimmungen des schweizerischen Kollektivanlagenrechtes2 seit dem 30. September 2009 verpflichtet, sich von der FINMA anerkannten Verhaltensregeln einer Branchenorganisation zu unterstellen und diese umzusetzen. Die Pflicht gilt grundsätzlich nur für Vermögensverwalter, welche im Rahmen ihrer Anlagestrategie kollektive Kapitalanlagen für nicht qualifizierte Anleger einsetzen,3 was faktisch zu einer Umsetzungspflicht für fast die ganze Branche geführt hat. Die Umsetzung der Verhaltensregeln war nach unserer Erfahrung für verschiedene Institute mit einem erheblichen Implementierungsaufwand verbunden. Dennoch kann klar nicht von einer prudentiellen Beaufsichtigung gesprochen werden. Die FINMA geht in ihrem Vertriebsbericht davon aus, dass rund 2800 bis 3600 unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz tätig sind.4
Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen Wer als Vermögensverwalter von schweizerischen kollektiven Kapitalanlagen tätig sein möchte, bedarf schon heute eine Bewilligung der FINMA, namentlich als Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen im Sinne von Art. 13 Abs. 2 lit. f des Kollektivanlagengesetz5. Daneben besteht die Möglichkeit, freiwillig eine Bewilligung als Vermögensverwalter ausländischer kollektiver Kapitalanlagen zu beanspruchen. Dies bedingt jedoch, dass das Institut als Vermögensverwalter einer ausländischen kollektiven Kapitalanlage tätig sein will, aufgrund deren ausländischen Aufsichtsrechts eine Beaufsichtigung des Vermögensverwalters verlangt wird.6
Die ausländische kollektive Kapitalanlage muss jedoch einer «gleichwertigen» Aufsicht unterstehen,7 womit primär Fonds aus Off-Shore-Standorten für einen Schweizer Vermögensverwalter nicht zu einer Bewilligung berechtigen. In der Praxis geht man heute davon aus, dass primär UCITS-Fonds8 die Anforderungen von Art. 13 Abs. 4 lit. b und c KAG erfüllen. Pro memoria sei an dieser Stelle erwähnt, dass Banken, Effektenhändler, Versicherungen und Fondsleitungen keine separate Bewilligung als Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen benötigen. Insgesamt bilden die Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen neben den nicht prudentiell beaufsichtigten, unabhängigen Vermögensverwaltern eine relativ kleine Gruppe von Instituten. Aktuell sind in der Schweiz 91 Vermögensverwalter als Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen bewilligt.9 Aktuelles wirtschaftliches Umfeld verschlechtert die Ertragslage Die wirtschaftlich schwierige Lage der westlichen Länder (Eurokrise, Staatsverschuldung) hinterlässt in den Depots der Anleger ihre Spuren. Im Zuge der Weissgeldstrategie werden Abgeltungssteuerabkommen abgeschlossen, welche es für Steuerpflichtige aus den betroffenen Staaten zunehmend unattraktiver machen, ihr Geld grenzüberschreitend in der Schweiz verwalten zu lassen. Dies führt insgesamt zu einer Verringerung der Asset under Management (AuM) und damit auch zu einer Schmälerung der Ertragsbasis. Auf der anderen Seite wirken sich kommende regulatorische Veränderungen insbesondere für grenzüberschreitend10 tätige, unabhängige Vermögensverwalter kostentreibend aus.
Die wichtigsten regulatorischen Einflussfaktoren AIFM-Directive Mit der «Alternative Investment Fund Managers Directive» (AIFMD11) werden Vermögensverwalter von kollektiven Kapitalanlagen, welche in der EU in die Kategorie der «Alternative Investments» fallen, einer Bewilligungspflicht unterstellt. Mitte 2013 läuft die zweijährige Übergangsfrist ab. Bis dann müssen alle Vermögensverwalter von in der EU domizilierten Non-UCITS-Fonds einer angemessen Aufsicht unterstehen.
I.d.R. dürfen Vermögensverwalter gestützt auf Art. 2 Abs. 3 lit. e des Geldwäschereigesetzes (Bundesgesetz vom 10. Oktober 1997 über die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung im Finanzsektor, GwG [SR 955.0]) vom Geltungsbereich der Geldwäschereibestimmungen erfasst werden.
Art. 6 Abs. 2 lit. b der Kollektivanlagenverordnung (Verordnung vom 22. November 2006 über die kollektiven Kapitalanlagen, KKV [SR 951.33]) bzw. das FINMA-Rundschreiben 09/1 «Eckwerte zur Vermögensverwaltung».
Nach der sehr weitgehenden Definition des Begriffs der öffentlichen Werbung durch die FINMA führte dies in der Praxis zu einer weitgehenden Unterstellung der Vermögensverwaltungsbranche. Die Auslegung der FINMA wurde jedoch sowohl vor Bundesverwaltungsgericht (Urteil B3694/2010 vom 6. April 2011) sowie auch vor Bundesgericht in einem etwas anders gelagerten Fall (Urteil 2C_89/2010 vom 10. Februar 2011) erfolgreich angefochten.
FINMA-Diskusionspapier: «Regulierung von Produktion und Vertrieb von Finanzprodukten an Privatkunden – Stand, Mängel und Handlungsoptionen» vom Oktober 2010, («FINMA-Vertriebsbericht 2010»), S. 55.
Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen vom 23. Juni 2006 («Kollektivanlagengesetz», «KAG»).
Art. 13 Abs. 4 KAG.
Art. 13 Abs. 4 lit. c KAG.
Directive 2009/65/EC of the European Parliament and of the Council of 13 July 2009 on the coordination of laws, regulations and administrative provisions relating to undertakings for collective investment in transferable securities (UCITS IV), OJ L302/32, 17.11.2009 / Richtlinie 2009/65/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW), ABl. L302 vom 17.11.2009, S. 32.
vgl. FINMA-Homepage, www.finma.ch/institute/pdf_d/dassetmanager.pdf, Stand 27. Januar 2012.
Als grenzüberschreitend tätig ist ein Vermögensverwalter bereits, wenn beispielsweise ein Vermögensverwaltungsvertrag mit einem nicht in der Schweiz domizilierten Kunden abgeschlossen wird.
Directive 2011/61/EU of the European Parliament and of the Council of 8 June 2011 on Alternative Investment Fund Managers and amending Directives 2003/41/EC and 2009/65/EC (UCITS) and Regulations (EC) No 1060/2009 and (EU) No 1095/2010, OJ L174/1, 1.7.2011 / Richtlinie 2011/61/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2011 über die Verwalter alternativer Investmentfonds und zur Änderung der Richtlinien 2003/41/EG und 2009/65/EG (OGAW) und der Verordnungen (EG) Nr. 1060/2009 und (EU) Nr. 1095/2010, ABl. L174 vom 1.7.2011, S. 1.
Ein unabhängiger Schweizer Vermögensverwalter, welcher heute Asset Manager eines in Luxemburg domizilierten «Spezialisierten Investment Funds» (SIF) ist, hat somit nur noch wenig Zeit, grundlegende strategische Entscheidungen zu fällen:
• Beantragung einer FINMA-Bewilligung als Vermögensver-
walter kollektiver Kapitalanlagen. Das Bewilligungsgesuch ist in dieser Konstellation äusserst zeitkritisch.12 Im Gesuch wäre insbesondere darzulegen, dass das luxemburgische Recht eine prudentielle Beaufsichtigung verlangt. • Zusammenschluss mit einem Partner, welcher über die notwendige Bewilligung verfügt. • Beendigung der Tätigkeit als Asset Manager, Weiterführung einer Vermögensberatertätigkeit (Advisor) gegenüber dem neuen Vermögensverwalter des Fonds. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur rechtlich, sondern auch faktisch keine Vermögensverwaltung ausgeübt werden darf. • Gänzliche Einstellung der Tätigkeiten für den Fonds. • Bislang war in der oben dargestellten Konstellation die Einreichung eines Bewilligungsgesuches noch nicht möglich, da das geltende ausländische Recht noch gar keine Beaufsichtigung des Vermögensverwalters verlangt hat.13 Die formelle Umsetzung der AIFMD auf Gesetzesstufe sollte in Luxemburg jedoch demnächst erfolgen.
KAG-Teilrevision Gegenwärtig läuft in der Schweiz die Teilrevision des Kollektivanlagengesetzes. Das Vernehmlassungsverfahren wurde abgeschlossen und das Eidgenössische Finanzdepartement hat die Botschaft zum Gesetzesentwurf publiziert. Die KAGTeilrevision verfolgt das Hauptziel, die geltenden Schweizer Vorschriften an die internationalen Standards, insbesondere an die AIFMD anzupassen. So sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Vermögensverwalter, welche gestützt auf die AIFMD neu einer angemessenen prudentiellen Aufsicht bedürfen, in der Schweiz überhaupt eine solche Bewilligung beantragen können. Darüber hinaus sind generelle Anpassungen in den Bereichen Verwaltung, Verwahrung und Vertrieb vorgesehen. Die folgenden, im Gesetzesentwurf vorgesehenen Neuerungen sind aus der Warte der Vermögensverwalter von besonderer Relevanz:
• Aufsicht über Vermögensverwalter:
Grundsätzlich sollen sämtliche Vermögensverwalter von schweizerischen und ausländischen kollektiven Kapitalanlagen von der FINMA beaufsichtigt werden. Dies bedeutet, dass die Vermögensverwaltung jeglicher kollektiver Kapitalanlagen (also z.B. auch von Cayman-Fonds) einer FINMA-Bewilligung als Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen bedarf. Der Bundesrat soll aber auf Verordnungsstufe die Möglichkeit erhalten, kleine Vermögensverwalter von der Bewilligungspflicht zu befreien (De-minimis-Regel). Zudem soll auch der FINMA die Kompetenz eingeräumt werden, im Einzelfall Ausnahmen zu gewähren. Eine Einschätzung, wieweit Bundesrat und Finanzmarktaufsicht angesichts der Regulierungspraxis der vergangenen Jahren von diesen «Kann-Vorschriften» Gebrauch machen werden, muss dem Leser überlassen werden.
• Vertrieb von Fonds
Die Aufsicht über Vertriebsträger soll ausgedehnt werden. Neu soll auch der Vertrieb von Fonds, welche ausschliesslich für qualifizierte Anleger vorgesehen sind (QIF), eine Vetriebsträgerbewilligung benötigen.14 Der Einsatz von Fonds im Rahmen eines Vermögensverwaltungsmandates soll aber im Allgemeinen nicht als Vertrieb gelten.
• Neudefinition «qualifizierter Anleger»
Gemäss dem Gesetzesentwurf sollen weder vermögende Privatpersonen15 noch Anleger, die mit einem beaufsichtigten Finanzintermediär einen schriftlichen Vermögensverwaltungsvertrag abgeschlossen haben,16 als qualifizierte Anleger gelten. Zwar soll vermögenden Privatpersonen die Möglichkeit offenstehen, schriftlich zu erklären, dass sie als qualifizierte Anleger gelten wollen («opting-in»). Der Bundesrat kann jedoch neben einem geforderten Mindestvermögen noch weitere Anforderungen erlassen, namentlich an die fachliche Qualifikation des Anlegers. Aufgrund dieser Neudefinition würden inskünftig sehr viele Kunden von Vermögensverwaltern nicht mehr als qualifizierte Anleger gelten. Dies hätte zur Folge, dass Vermögensverwalter bei Retailanlegern keine Fonds mehr einsetzen könnten, welche lediglich qualifizierten Investoren offenstehen. Da der Einsatz von Fonds im Rahmen der Vermögensverwaltung nicht als Vertrieb gelten soll, ist die Ausgestaltung des Fonds der limitierende Faktor. Die vorgeschlagenen Neuerungen zwingen Vermögensverwalter, bestehende Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Insbesondere das heute weit verbreitete Pooling von Geldern in Offshore Funds zur effizienten Vermögensverwaltung wird angesichts der zukünftigen regulatorischen unter Druck geraten.
Gemäss Aussagen von FINMA-Vertretern müssen Bewilligungsgesuche spätestens bis zum 30. Juni 2012 inhaltlich vollständig bei der FINMA eingereicht werden, damit eine Bewilligungserteilung noch vor Mitte 2013 realistisch ist.
Vgl. dazu Art. 13 Abs. 4 KAG.
12 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
BVG-Strukturreform Auch die bislang wenig beachtete Strukturreform der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) hat auf die Vermögensverwaltungsbranche Auswirkungen. Gemäss Art. 48 f der BVV2 dürfen ab 1. Januar 2014 nur direkt der FINMA unterstellte Personen oder Institutionen Vorsorgevermögen verwalten, wobei eine Befreiungsmöglichkeit durch die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge besteht. Als der FINMA direkt unterstellte Institutionen kommen damit nur Banken, Effektenhändler, Fondsleitungen, Versicherungen und Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen infrage – nicht aber die prudentiell nicht beaufsichtigten unabhängigen Vermögensverwalter. Zum heutigen Zeitpunkt sieht das Kollektivanlagengesetz keine Möglichkeit vor, dass unabhängige Vermögensverwalter, welche zwar Vorsorgegelder, nicht aber eine kollektive Kapitalanlage verwalten, bei der FINMA eine Bewilligung als Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen beantragen können. Vermögensverwalter, welche heute Vorsorgegelder verwalten, müssen mittelfristig die Erlangung eine Bewilligung als Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen prüfen, beispielsweise indem die Geschäftstätigkeit auf die Verwaltung von kollektiven Kapitalanlagen ausgedehnt wird. Als Alternative kommt eine Ausnahmebewilligung der Oberaufsichtskommission infrage. Da noch nicht bekannt ist, welche Anforderungen die Oberaufsichtskommission an die Erteilung einer Ausnahmebewilligung knüpfen wird, sind Vermögensverwalter von Vorsorgevermögen gut beraten, sich zeitnah mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Immerhin besteht die Hoffnung, dass angesichts des FINMAPositionspapiers «Vertriebsregeln» (vgl. unten; Vermögensverwalter sollen generell einer FINMA-Aufsicht unterstellt werden) die Oberaufsichtskommission gewillt sein könnte, eher grosszügig zeitlich befristete Ausnahmebewilligungen zu gewähren. Abgeltungssteuerabkommen Die Schweiz ist mit diversen Staaten in Verhandlung zum Abschluss von sogenannten Abgeltungssteuerabkommen. Diese Abgeltungssteuerabkommen folgen grundsätzlich alle dem Muster der Abkommen mit Deutschland und Grossbritannien. Für Vermögensverwalter haben die Abgeltungssteuerabkommen, wenngleich sie nicht selbst Zahlstellen sind, auf zwei Ebenen einen direkten Einfluss:
Einerseits ist direkt (Einmalabgabe) oder indirekt (durch Kapitaltransfers zur Vermeidung der Einmalabgabe) mit einem erheblichen Mittelabfluss aus der Schweiz zu rechnen. Bereits die Einmalabgabe beträgt zwischen 19 % und 41% der in der Schweiz liegenden Vermögen aus den entsprechenden Ländern.17 Andererseits stellen sich schon heute mit der Beratung der Kunden in Zusammenhang mit der Abgeltungssteuer komplexe steuerrechtliche Fragen. Insgesamt werden sich die Vermögensverwalter beim Treffen der Anlageentscheide inskünftig stärker mit der steuerlichen Situation ihrer Kunden auseinander setzen müssen, da die steuerlichen Auswirkungen von verschiedenen Investments einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtperformance haben.
«Eine proaktive Herangehensweise an regulatorische Veränderungen kann für unabhängige Vermögensverwalter überlebenswichtig sein.» Somit dürfte künftig verstärkt die absolute Performance eines Wertschriftenportefeuilles nach Berücksichtigung der lokalen Steuervorschriften, beispielsweise Grossbritannien, für den Anleger massgebend sein. Zur Ausübung eines Vermögensverwaltungsmandates benötigen die Vermögensverwalter daher entsprechende Kenntnisse der lokalen steuerlichen Anforderungen. FATCA Der Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) wurde als Teil des HIRE-Gesetzes am 10. März 2010 durch den US-Kongress verabschiedet. FATCA folgt den Vorgaben des «US-Stop Tax Haven Abuse Act 2009» und zielt primär auf die Verhinderung von Steuerhinterziehung durch US-Personen ab. Sogenannte Foreign Financial Institutions (FFI) müssen sich gegenüber den amerikanischen Steuerbehörden vertraglich zu weitreichenden Melde- und Sorgfaltspflichten verpflichten oder aber eine Quellensteuer von 30 % aus dem Erlös sämtlicher US-Wertschriften vergegenwärtigen. Unter gewissen Voraussetzungen können auch Vermögensverwalter als FFI gelten und müssen bis zum 1. Januar 2014 die entsprechenden Massnahmen treffen. FINMA-Positionspapier Cross-Border-Risiken Vermögensverwalter müssen sich wie alle Finanzintermediäre auch ihrer Risiken aus dem grenzüberschreitenden Geschäft bewusst sein, wollen sie nicht Gefahr laufen, in Zielländern ihrer Aktivitäten mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen (z.B. MiFID). In diesem Kontext sehen sich die depotführenden Banken je länger je mehr in der Pflicht, für die Geschäftsaktivitäten der bankexternen Vermögensverwalter konkretere Vorgaben zu machen.
Art.19 Abs. 1 E-KAG.
Art. 10 Abs. 3 lit. e KAG.
Art. 10 Abs. 3 lit. f KAG.
Am Beispiel Deutschland.
FINMA-Positionspapier «Vertriebsregeln» Gestützt auf die Vernehmlassung aus dem FINMA-Vertriebsbericht 2010 hat die FINMA ein Positionspapier «Vertriebsregeln» erarbeitet. Inhaltlich sind nahezu alle Finanzintermediäre vom Positionspapier betroffen, da die Anforderungen an den Vertrieb von Finanzprodukten unabhängig vom Regulierungsstatus in einem Finanzdienstleistungsgesetz einheitlich geregelt werden soll. Mit der Angleichung an internationale Standards, insbesondere die europäische MiFID, soll für im Ausland tätige Finanzintermediäre ebenfalls eine Regulierungslücke geschlossen werden. Für unabhängige Vermögensverwalter liegt die grundlegendste Änderung in der geplanten FINMA-Regulierung der Vermögensverwalter. So müssten inskünftig Vermögensverwalter, welche heute noch über eine Selbstregulierungsorganisation / Branchenorganisation reguliert sind, erhöhten organisatorischen Anforderungen (z.B. Funktionentrennung) genügen. Dazu sollen im Börsengesetz die Bewilligungsvoraussetzungen für Vermögensverwalter geregelt werden. Es ist zu hoffen, dass die Bewilligungsvoraussetzungen (insbesondere Anforderungen an die Betriebsorganisation) nicht gleich streng wie bei Vermögensverwaltern kollektiver Kapitalanlagen angesetzt werden und damit auch kleinere Institute eine Chance auf eine Vermögensverwalterbewilligung haben. Der Bundesrat hat am 28. März 2012 dem Eidgenössischen Finanzdepartement den Auftrag zur Ausarbeitung der entsprechenden gesetzlichen Grundlagen erteilt. Wir gehen von einem Umsetzungszeitraum von mindestens drei bis fünf Jahren aus.
Bemerkungen zur aktuellen Bewilligungspraxis der FINMA Die aktuelle Bewilligungspraxis der FINMA in Zusammenhang mit Vermögensverwalterbewilligungen nach KAG kann gestützt auf die anfangs Jahr erschienenen FINMA-Mitteilungen 34 / 35 «Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen» als restriktiv bezeichnet werden, da gemäss dieser Mitteilung von den zehn abgeschlossenen Bewilligungsgesuchen im 2011 nur vier Gesuche schlussendlich die FINMA-Bewilligung erhalten haben. Insbesondere die von der FINMA gesetzten und aus der Bewilligungspraxis manifesten Anforderungen an die angemessene Betriebsorganisation sind für kleinere Institute nur sehr schwer zu erfüllen. So zwingen einerseits die Anforderungen der FINMA an eine personelle Trennung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung kleinere Institute, ihre Strukturen zu erweitern. Andererseits müssen auch kleine Institute eine personelle Funktionentrennung von operativen Bereichen (z.B. Kundenbetreuung, Vermögensverwaltung) zu Mitarbeitern, welche den wesentlichen Kontrollfunktionen IKS, Risk-Management und Compliance zugeordnet werden, einrichten. Für kleine Vermögensverwalter stellen die damit verbundenen zusätzlichen Kosten oft unüberwindbare Hürden zur Erlangung einer Bewilligung dar.
14 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Nicht zu vernachlässigen ist die von der FINMA publizierte durchschnittliche Bearbeitungsdauer von 249 Tagen für bewilligte Gesuche. Es ist zu hoffen, dass es der FINMA mittelfristig gelingt, die im Vergleich mit konkurrenzierenden Finanzplätzen beträchtliche Verfahrensdauer für Vermögensverwalterbewilligungen substanziell zu reduzieren. Die FINMA hat dazu am 23. März 2012 im Rahmen der FINMA-Mitteilung 36 einen Leitfaden zur Gesuchseinreichung publiziert. Gleichzeitig wurde durch die FINMA im PDF-Format ein Gesuchsraster für Vermögensverwaltergesuche zur Verfügung gestellt, welches einerseits die Gesuchserstellung vereinfachen und andererseits den Bearbeitungsaufwand durch die FINMA reduzieren soll.
Die FINMA weist in der Mitteilung 35 darauf hin, dass Vermögensverwalter rasch entscheiden müssen, ob sie angesichts der Verfahrensdauer bereits gestützt auf die aktuellen gesetzlichen Vorschriften ein Bewilligungsgesuch einreichen wollen. Wie erwähnt geht sie davon aus, dass Vermögensverwalter, welche aufgrund der AIFMD bis Mitte 2013 eine Bewilligung benötigen, bis spätestens 30. Juni 2012 das Bewilligungsgesuch gestellt haben müssen. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die FINMA ein Bewilligungsgesuch erst dann inhaltlich prüft, wenn dieses vollständig vorliegt.
1. Januar 2014 Verwalter von Geldern der beruflichen Vorsorge benötigen bis zum 1. Januar 2014 eine FINMABewilligung oder eine Ausnahmebewilligung der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge.
30. Juni 2012 Für Vermögensverwalter von in der EU regulierten Non-UCITS-Fonds (z.B. SIF Luxemburg). Bis zu diesem Datum müssten bei der FINMA Gesuche eingehen, wenn vor der Umsetzung der AIFMD Mitte 2013 eine Bewilligung benötigt wird. Mitte Januar 2013 Die KAG-Teilrevision sollte auf dieses Datum hin in Kraft treten. Für die Erlangung der neuen Bewilligungen sind Übergangsfristen vorgesehen.
Ab 2015 –2018 Es wird eine FINMA-Regulierung sämtlicher Vermögensverwalter angestrebt.
Fazit Handlungsoptionen Angesichts der zahlreichen regulatorischen Herausforderungen sind Vermögensverwalter gut beraten, möglichst bald die Auswirkungen der zukünftigen Neuerungen auf das individuelle Geschäftsmodell detailliert zu analysieren und geeignete Handlungsoptionen zu definieren. Während die einen Vermögensverwalter bei der FINMA eine Bewilligung als Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen beantragen werden, werden andere bei der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge um eine Ausnahmebewilligung zur Verwaltung von Pensionskassengeldern ersuchen und wieder andere müssen gar prüfen, bewilligungspflichtige Geschäftsbereiche aufzugeben. Sicherlich müssen sich auch gewisse Vermögensverwalter angesichts der Entwicklungen im Steuerbereich auf die für sie wesentlichen Kernmärkte beschränken. Da durch die absehbaren Entwicklungen die Kosten der Vermögensverwaltung insgesamt eher steigen dürften, ist es für Vermögensverwalter essenziell, dass sie über die kritische Grösse verfügen, um ihre Dienstleistungen effizient erbringen zu können.
Den unabhängigen Vermögensverwaltern stehen in regulatorischer Hinsicht die wohl tiefgreifendsten Veränderungen der letzten Jahre bevor. Von welchen Regelungen ein Vermögensverwalter wie stark betroffen ist, hängt vom individuellen Geschäftsmodell ab. Umso wichtiger ist es, sich schon heute mit den Auswirkungen der regulatorischen Veränderungen auseinanderzusetzen, um ausreichend Zeit zu haben, das bestehende Geschäftsmodell – sofern notwendig – anzupassen.
Markus Schunk Partner, Head Investment Management Financial Services +41 44 249 33 36 markusschunk@kpmg.com Pascal Sprenger Rechtsanwalt, Legal Financial Services +41 44 249 45 26 psprenger@kpmg.com
Der ESMA-Schlussbericht zur AIFMD und die KAGTeilrevision Entwicklungen und Implikationen Von Dr. Armin Kühne und Benjamin Bloch
Am 8. Juni 2011 wurde die EU-Richtlinie für Alternative Investment Fund Managers (AIFM-Richtlinie oder AIFMD) erlassen. Die Richtlinie wird zunächst auf europäischer Ebene im Rahmen des vierstufigen Lamfalussy-Verfahrens konkretisiert, danach stehen bis 2013 die nationalen Umsetzungsarbeiten an. Anschliessend wird die Wirksamkeit der Richtlinie in verschiedenen Punkten geprüft, sodass das definitive Regime für Manager alternativer Investmentfonds (AIFM) sieben Jahre nach Inkrafttreten (also im Jahr 2018) feststehen wird. Stand der Gesetzgebungsarbeiten Der erste Schritt der Konkretisierung auf europäischer Ebene sind die sog. Level 2-Umsetzungsmassnahmen. Die European Securities and Markets Authority (ESMA) wurde in diesem Rahmen beauftragt, technische Vorschläge zu den konkretisierenden Bestimmungen zu erteilen. ESMA ist diesem Ansuchen mit Schlussbericht vom 16. November 2011 (ESMASchlussbericht) nachgekommen. Dieser nimmt Stellung zu den Umsetzungsmassnahmen in folgenden Bereichen:
• Allgemeine Bestimmungen der AIFMD, Zulassung der AIFM und Voraussetzungen für die Ausübung der Tätigkeit der AIFM (u.a. Identifikation des Portfolios und Berechnung des Werts der Anlangen, Mindestkapital, Interessenkonflikte, Risikomanagement, Liquiditätsmanagement, organisatorische Anforderungen, Delegation von Aufgaben der AIFM); • Verwahrstellen (Bestellung der Verwahrstellen, allgemeine Anforderungen an die Regulierung der Verwahrstellen in Drittstaaten, Pflichten der Verwahrstellen, Haftung der Verwahrstellen); • Hebel (u.a. Berechnung der Hebel und Transparenz, jährliches Reporting; unterjährige Offenlegungspflichten, Informationen, offenzulegende Tatsachen); • Beaufsichtigung (insbesondere Kooperationsabkommen mit Drittstaaten).
Einzelne Aspekte des ESMA-Schlussberichts Bei der AIFMD handelt es sich um ein ausgesprochen komplexes, weitreichendes und politisch umstrittenes Regelwerk. Entsprechend umfassend fiel der ESMA-Schlussbericht aus (ca. 400 Seiten inkl. Anhänge). Es können hier daher nur einzelne Aspekte des Schlussberichts im Sinne einer Ersteinschätzung angeschnitten werden, die aus Drittstaatensicht interessieren. Es sind dies:
• Delegation von Portfolio- oder Risikomanagementaufgaben an Unternehmen in Drittstaaten;
• Verwahrstellen in Drittstaaten; • Anforderungen an Kooperationsabkommen zwischen
Aufsichtsbehörden, welche die AIFMD als Zulassungsvoraussetzung für nicht EU-AIFM in verschiedenen Konstellationen verlangt; • Bestimmung des Referenzmitgliedstaats. In welchen Konstellationen die AIFMD für Akteure in Drittstaaten relevant ist, ergibt sich aus der AIFMD selber.2
ESMA wird nun Level 3-Massnahmen erarbeiten,1 während die europäische Kommission die Level 2-Massnahmen finalisieren wird.
Technische Standards, welche die uniforme Anwendung der Richtlinie garantieren sollen.
Vgl. dazu den Beitrag von Armin Kühne im Swiss Financial Services Newsletter vom Januar 2011, S. 15 ff.
06 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 16 April2012 2012
Delegation von Portfolio- oder Risikomanagementaufgaben an Unternehmen in Drittstaaten Der Auftrag an ESMA lautete u.a., Vorschläge zur Konkretisierung von Art. 20 AIFMD, der die Delegation von Funktionen der AIFM regelt, zu unterbreiten. Voraussetzungen der Delegation von Portfolio- oder Risikomanagementaufgaben sind gemäss Art. 20 Abs. 1 AIFMD das Vorliegen von objektiven Gründen (lit. a), ausreichende Ressourcen, gute Beleumdung und Erfahrung des Dritten (lit. b), die Zulassung oder Registrierung des Dritten zur Vermögensverwaltung und sein Unterstehen unter einer Aufsicht (lit. c), Nichtbeeinträchtigung der Wirksamkeit der Beaufsichtigung (lit. e), Sicherstellung der Überwachung durch den Delegierenden (lit. f). Die Delegation ist auch in verschiedenen Konstellationen ausgeschlossen (keine Delegation an die Verwahrstelle und ihre Beauftragten sowie an Unternehmen, die in einem Interessenkonflikt stehen). Im Drittstaatenverhältnis kommen die Erfordernisse von Art. 20 Abs. 1 lit. d AIFMD hinzu. Erfolgt eine Delegation von Portfolio- oder Risikomanagementaufgaben an ein Unternehmen in einem Drittstaat, muss sichergestellt sein, dass «die zuständigen Behörden des Herkunftsmitgliedstaats der AIFM und die für das Unternehmen zuständige Aufsichtsbehörde zusammenarbeiten». Anders als andere Bestimmungen der AIFMD verlangt Art. 20 AIFMD nicht explizit das Vorhandensein von Kooperationsabkommen als Zulassungsvoraussetzung. Er verlangt auch keine ausdrückliche Regulierung und Aufsicht im Drittstaat, die den Rechtsvorschriften der EU entsprechen.
ESMA hatte im ersten Entwurf der technischen Vorschläge gleichwohl das Vorhandensein einer äquivalenten Regulierung und Aufsicht verlangt. Dies wurde im Rahmen der Konsultation kritisiert, da ein Äquivalenzerfordernis im Text der AIFMD fehle (Art. 20 Abs. 1 lit. c AIFMD). Dem schloss sich die Securities and Markets Stakeholders Group3 an, worauf ESMA schliesslich einlenkte und auf das Erfordernis ganz verzichtete. ESMA hält dennoch – aus systematischen Gründen, aber u.E. entgegen dem oben zitierten Text des Art. 20 AIFMD – am Erfordernis der Kooperationsabkommen in diesem Bereich fest. Im Rahmen der Konsultation war auch kritisiert worden, dass die Kooperationsabkommen nicht bindend seien und keine Staatsverträge darstellten (zu den Kooperationsabkommen allgemein vgl. unten). Entsprechend sei der Text der technischen Vorschläge zu fassen. ESMA änderte daraufhin die Formulierung des erforderlichen Berechtigungsumfangs der zuständigen Aufsichtsbehörde des betroffenen EU-Mitgliedstaates gemäss den abzuschliessenden Abkommen (von «should entitle the authority to…» zu «should allow the competent authorities to…»). ESMA stellt im Schlussbericht fest, dass die IOSCO4-Principles5 und das IOSCO Multilateral Memorandum of Understanding (MMoU)6 Grundlagen der Kooperationsabkommen bilden sollen. Diese Dokumente stellen keine bindenden Staatsverträge dar. Die Kooperationsabkommen sollen nun zentral von ESMA ausgehandelt werden.
Die Securities and Markets Stakeholders Group besteht aus 30 Mitgliedern aus verschiedenen Industriesektoren; sie wird bei der Ausarbeitung technischer Standards konsultiert. Sie wurde ins Leben gerufen, um die Konsultationsprozesse mit ESMA zu vereinfachen.
Der ESMA-Schlussbericht zur AIFMD und die KAG-Teilrevision Entwicklungen und Implikationen
Diese Anforderungen werden durch die Ausdehnung der Bewilligungspflicht für Vermögensverwalter in der KAGTeilrevision umgesetzt (vgl. unten). Verwahrstellen in Drittstaaten Die AIFMD stellt allgemeine Erfordernisse an die Verwahrstellen auf (Art. 21 Abs. 1–5 AIFMD: Es muss ein schriftlicher Vertrag bestehen und die Verwahrstelle muss ein Kreditinstitut oder ein anderes beaufsichtigtes Unternehmen sein, der AIFM selber und der Primebroker sind ausgeschlossen). Bei EU-Fonds ist eine Verwahrstelle in einem Drittstaat ausgeschlossen (Art. 21 Abs. 5 lit. a AIFMD), bei Nicht-EU-Fonds ist dies möglich (vgl. die Konstellationen in Art. 21 Abs. 5 lit. b AIFMD). Art. 21 Abs. 6 AIFMD regelt die zusätzlichen Erfordernisse für Verwahrstellen in Drittstaaten. Zunächst müssen in einem Drittstaat schriftliche Vereinbarungen zwischen den Aufsichtsbehörden über die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch vorhanden sein (lit. a). Zudem ist erforderlich, dass die Verwahrstelle einer wirksamen aufsichtsrechtlichen Regulierung und Aufsicht unterliegt (im engl. Text: «effective prudential regulation and supervision»), die den Rechtsvorschriften der EU entsprechen («wich have the same effect») und die wirksam durchgesetzt werden («effectively enforced») (lit. b). Weiter darf der Drittstaat nicht auf der schwarzen Liste der unkooperativen Staaten der Arbeitsgruppe «Finanzielle Massnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung» geführt werden (lit. c). Sodann ist erforderlich, dass der Drittstaat Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat, die den Standards von Art. 26 des OECD-Musterabkommens zur Vermeidung von Doppelbesteuerung entsprechen (lit. d). Schliesslich muss die Verwahrstelle vertraglich gegenüber dem AIF oder gegenüber den Anlegern des AIF haften und die Delegationsbestimmungen ausdrücklich anerkennen (lit. e). ESMA war u.a. beauftragt, generelle Kriterien zur Bestimmung der Wirksamkeit der Regulierung und Aufsicht in Drittstaaten zu erarbeiten. Hinsichtlich Aufsicht fordert ESMA in ihren Vorschlägen eine unabhängige Aufsichtsbehörde, die fortlaufend beaufsichtigt (prudentielle Aufsicht) sowie das Bestehen von Aufsichtsinstrumenten, die in ausreichendem Mass abschreckend (im engl. Text: «sufficiently dissuasive») sind. Es ist eine materielle Gleichwertigkeit (im Sinne eines «same effect») erforderlich. Damit änderte ESMA die Position, nachdem im Entwurf der technischen Vorschläge noch Äquivalenz («equivalent») als Standard verwendet worden war. Konsultationsteilnehmer forderten, dass unter dem Gleichwertigkeitsstandard ein entsprechendes Schutzniveau («similar level of protection») unter Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips zu verstehen sei. Die von der ESMA aufgestellten einzelnen Kriterien könnten, da eine Gesamtsicht relevant sei, auch nicht kumulativ gelten. Zu letzterem Punkt gibt es keine explizite Stellungnahme von ESMA. Im Rahmen der KAG-Teilrevision sollen zur Umsetzung dieser Vorgaben die Anforderungen an die Verwahrung der kollektiven Kapitalanlagen konkretisiert und teilweise erhöht werden (vgl. unten).
18 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Kooperationsabkommen Die AIFMD verlangt verschiedentlich das Bestehen von Kooperationsabkommen als Zulassungsvoraussetzung bei Drittstaatenberührung (z.B. Art. 37 Abs. 7 lit. d AIFMD). ESMA verlangt in diesem Zusammenhang schriftliche Abkommen, die vorsehen: a) den Austausch von Informationen für Aufsichtszwecke, b) den Austausch von Informationen für Enforcementzwecke, c) die Möglichkeit, alle zur Erfüllung der Aufgaben unter der AIFMD benötigten Informationen zu erhalten, d) die Möglichkeit, Inspektionen (im engl. Text: «on site inspections») durchzuführen, die von der EU-Aufsichtsbehörde oder der lokalen Aufsichtsbehörde in Begleitung der EU-Aufsichtsbehörde durchzuführen sind, e) die Mitteilung von Verletzungen u.a. der EU-Gesetzgebung durch die Drittstaatenbehörde.
«Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Vermögensverwaltungsgeschäft sollte nicht mit einem ‹Swiss Finish› geschwächt werden.» Kritisiert wurde zunächst, dass ESMA zwischen dem Informationsaustausch betreffend Überwachung von Systemrisiken und betreffend Aufsicht nicht differenziert. ESMA hält demgegenüber für die Überwachung der Systemrisiken am selben Niveau der erforderlichen Abkommen respektive der auszutauschenden Informationenwie fest wie für die prudentielle Marktaufsicht, da die Überwachung der Systemrisiken dies rechtfertige. Kritik traf auch hier die vorgesehenen Inspektionen in Drittstaaten. Es wurde in diesem Zusammenhang angemerkt, dass das lokale Recht das Enforcement regle. ESMA klärt diese Fragen nicht explizit, hält aber fest, dass wiederum das IOSCO-MMoU und die IOSCO-Principles (die, wie vorne erwähnt, keine bindenden Staatsverträge sind) Grundlagen der Abkommen bilden sollen. Im Rahmen der KAG-Teilrevision soll nun explizit vorgesehen werden, dass die FINMA nach Massgabe des Rechtshilfeartikels im FINMAG ausländischen Behörden entsprechende Prüfungen erlauben oder, sofern Kundentaten betroffen sind, diese selber durchführen kann (Art. 141, 143 E-KAG). Bestimmung des Referenzmitgliedstaats Die AIFMD schreibt einen Referenzmitgliedstaat vor, nach dessen die AIFMD umsetzenden Bestimmungen ein ausländischer AIFM zugelassen oder registriert wird (z.B. vgl. Art. 37 Abs. 4 AIFMD). Ein wichtiger Anwendungsfall liegt vor, wenn ein Nicht-EU-AIFM einen oder mehrere Nicht-EU-AIF in verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten vertreiben möchte. Dieser Fall ist, wie die Securities and Markets Stakeholders Group angemerkt hat, im Text der AIFMD nicht eindeutig geregelt. ESMA schlägt vor, dass in einem solchen Fall derjenige
Staat der Referenzmitgliedstaat sein soll, in dem das meiste effektive Marketing erfolgt. Das effektive Marketing soll an folgenden Kriterien gemessen werden: Der Staat, a) in dem die Promotion durch den AIFM (oder den Promoter) erfolgt, b) in dem die meisten angegangenen Investoren ihr Domizil haben, c) in dessen offizieller Sprache die Angebotsdokumente verfasst sind, d) in dem Werbung am häufigsten und stärksten wahrnehmbar ist. Ausblick auf die KAG-Teilrevision Vor dem Hintergrund des Erlasses der AIFMD ist die Teilrevision des Kollektivanlagengesetzes (KAG) zu sehen. Im Rahmen dieser KAG-Teilrevision sollen die Vorschriften bezüglich Verwaltung, Verwahrung und Vertrieb von kollektiven Kapitalanlagen an die AIFMD angepasst werden. Dabei ist vorgesehen, dass die Bewilligungspflicht für Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen auf sämtliche Vermögensverwalter von schweizerischen und ausländischen kollektiven Kapitalanlagen (also auch auf schweizerische Vermögensverwalter von Fonds mit einem OffshoreDomizil) ausgedehnt wird (vgl. Art. 13, 18 E-KAG). Im Weiteren sollen die Anforderungen an die Verwahrstelle erhöht und die Vorschriften über den Vertrieb an qualifizierte Anleger und Publikumsanleger verstärkt werden. Für Schweizer Finanzdienstleister und deren Produkte soll dadurch der Zugang zu den europäischen Märkten sichergestellt werden. Die Ziele der KAG-Teilrevision, namentlich die notwendigen Anpassungen an die AIFMD zur Sicherstellung des Zugangs zu den europäischen Finanzmärkten und die Schliessung von gewissen Regulierungslücken, sind grundsätzlich zu begrüssen. Allerdings gilt es zu beachten, dass die KAG-Teilrevision praktisch ausschliesslich durch den Erlass der AIFMD ausgelöst wurde. Vor diesem Hintergrund sollte unterlassen werden, mittels über die notwendigen Anpassungen hinausgehenden Vorschriften («Swiss Finish») die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im enorm wichtigen Vermögensverwaltungsgeschäft zu schwächen. In diesem Zusammenhang ist etwa zu erwähnen, dass auch schweizerische Vermögensverwalter von der Bewilligungspflicht erfasst werden, die keinerlei gemäss AIFMD oder UCITS-Richtlinie relevante Berührungspunkte zu EU-Mitgliedstaaten aufweisen. Im Vergleich zum ersten Entwurf vom 6. Juli 2011 wurden im neuen KAG-Entwurf, der vom Bundesrat am 2. März 2012 verabschiedet wurde, in verschiedenen Punkten Liberalisierungsmöglichkeiten eingefügt und damit der «Swiss Finish» etwas gemildert. Für die Umsetzung der entsprechenden Befreiungsmöglichkeiten wird jedoch häufig auf die Kollektivanlagenverordnung KKV («der Bundesrat kann», vgl. Art. 18 Abs. 3 E-KAG) oder auf die Praxis der FINMA («die FINMA kann», vgl. Art. 18 Abs. 4 E-KAG) verwiesen. Um einen «Swiss Finish» zu verhindern, wird entscheidend sein, wie die neuen KAG-Vorschriften auf Verordnungsstufe umgesetzt werden und in welchem Ausmass die FINMA von den Befreiungsmöglichkeiten in der Praxis Gebrauch machen
wird. Die Erfahrung zeigt leider, dass solche Kann-Vorschriften bisher nur restriktiv umgesetzt wurden und insbesondere die FINMA in der Praxis die gesetzlich vorgesehenen Liberalisierungsmöglichkeiten nur sehr wenig nutzte. Die zahlreichen im Rahmen der Vernehmlassung eingebrachten Vorschläge für Massnahmen zur Förderung des Fondsplatzes Schweiz blieben zudem leider weitgehend unberücksichtigt. Es bleibt zu hoffen, dass die definitive Fassung der KAG-Teilrevision und insbesondere auch die konkretisierenden Bestimmungen auf der Stufe der KKV auf einen «Swiss Finish» verzichten und doch noch einige Gesetzesanpassungen eingefügt werden, welche unter Wahrung eines angemessenen Anlegerschutzes die Wettbewerbsfähigkeit des Fondsplatzes Schweiz stärken. Handlungsbedarf für Schweizer Finanzdienstleister Die revidierten KAG-Bestimmungen (geplanter Erlass im Sommer 2012 mit Inkrafttreten per Anfang 2013) müssen von Schweizer Finanzdienstleistern grundsätzlich innert zwei Jahren (vgl. Art. 158a ff. E-KAG) umgesetzt werden. Es ist zu erwarten, dass diese Vorschriften im Licht der AIFMD interpretiert werden.
Fazit Die Stossrichtung der AIFMD, den Marktzutritt auch für Marktteilnehmer aus Drittstaaten zu gewährleisten, bietet Chancen für Schweizer Asset Manager. Der Teufel steckt wie so oft im Detail und es wird massgeblich darauf ankommen, ob nicht über «technische» Fragen Behinderungen aufgebaut werden. Es bleibt zu hoffen, dass einerseits im Rahmen der definitiven Fassung der KAG-Revision noch einige Anpassungen erfolgen und andererseits die FINMA das ihr eingeräumte Ermessen auch ausübt.
Dr. Armin Kühne Partner, Rechtsanwalt, Legal Financial Services +41 44 249 22 71 akuehne@kpmg.com Benjamin Bloch Anwalt, Legal Financial Services +41 44 249 31 54 bbloch@kpmg.com
Steht uns eine Konsolidierung des Vermögensverwaltungsgeschäfts bevor? von Philipp arnet und Jan wetter
Starke Fragmentierung des Schweizer Vermögensverwaltunsgmarktes Der Schweizer Vermögensverwaltungsmarkt hat in der Vergangenheit sehr hohe Wachstumsraten genossen. Während in den 1980er-Jahren nur circa 100 unabhängige Vermögensverwalter existierten, ist die Anzahl heute auf 2200 bis 3600 Unternehmen angestiegen.1 Swiss Banking schätzt die Assets under Management auf CHF 600 Milliarden, was einem Marktanteil von 11 % der in der Schweiz verwalteten Vermögen entspricht.2 Vorteilhafte makroökonomische Bedingungen und der hervorragende Ruf des Schweizer Finanzmarktes begünstigten in der Vergangenheit das Wachstum, insbesondere bei der Betreuung einer vermögenden, ausländischen Klientel. Selbst die Finanzkrise führte – bis anhin – nicht zu einer grundlegenden Änderung dieses Trends: Obwohl die Anlageverluste insgesamt zu geschmälerten Erträgen führten, konnten einzelne Vermögensverwalter ihre Wettbewerbsposition gegenüber den Banken u.a. aufgrund ihrer Unabhängigkeit verbessern.
Grafik 1: Gründungsjahre der VSV-Aktivmitglieder3
5.0% 0.0% vor 86
Grafik 2: Anzahl Beschäftigte pro VSV-Aktivmitglied4
> 10 Beschäftigte 7.4%
0–1 Beschäftigte 20.9%
6 –10 Beschäftigte 16.6%
Grafik 1 illustriert, dass über 70 % der VSV-Aktivmitglieder nach 1995 gegründet wurden, meistens durch ehemalige Privatebanker. Der Markt der unabhängigen Vermögensverwalter ist stark fragmentiert mit einer grossen Zahl sehr kleiner Unternehmen und wenigen grösseren bzw. grossen Organisationen. So beschäftigte das VSV-Medianmitglied in der Berichtsperiode 2009 nur gerade drei Personen bei verwalteten Vermögen von CHF 85 Millionen (vgl. Grafik 2).
06 – SwiSS Financial ServiceS newSletter – Mai 20 april2012 2012
2 Beschäftigte 20.4%
5 Beschäftigte 9.0% 4 Beschäftigte 10.1%
3 Beschäftigte 15.6%
Quelle: verband Schweizerischer vermögensverwalter vSv (2011). 25 Jahre verband Schweizerischer vermögensverwalter – das Magazin zum Jubiläum.
Quelle: SwissBanking (2011). Das Schweizer vermögensverwaltungsgeschäft – eine Bestandesaufnahme und entwicklungstrends. Schätzung per 2009.
verband Schweizerischer vermögensverwalter vSv (2011).
Konsolidierung ist notwendig Obwohl aktuell wieder (ehemalige) Privatebanker den Sprung in die Unabhängigkeit wagen, ist über die nächsten Jahre im Schweizer Vermögensverwaltungsmarkt eine Konsolidierung zu erwarten. Die wesentlichen Treiber dieser Entwicklung werden nachfolgend aufgezeigt: 1. Internationaler Kampf gegen Steuerflucht: Ein wesentlicher Teil der von den unabhängigen Vermögensverwaltern betreuten Kunden sind ausländische Privatpersonen. Die graduelle Aushöhlung des Bankkundengeheimnisses sowie die Massnahmen vieler Länder und internationaler Organisationen (OECD, G-20) zur Bekämpfung der Steuerflucht werden weiter zu Vermögensabflüssen aus der Schweiz führen. Der Rückgang der verwalteten Vermögen wird die Profitabilität der Vermögensverwalter stark belasten. Von der Kundenstruktur her dürften v.a. Vermögensverwalter (insbesondere jene im Tessin und in der Westschweiz) vom Strukturwandel betroffen sein, da diese verglichen mit den Privatbanken über einen höheren Anteil an ausländischen Kundengeldern (hauptsächlich aus Europa) verfügen.5 Die Repatriierung von Geldern bzw. der allgemeine Trend vom Offshore- zum Onshore-banking kann Vermögensverwalter vor grosse Probleme stellen, da sie im Normalfall über keine Niederlassungen im Ausland verfügen und zunehmend durch die verschärften Cross-Border-Regulationen eingeschränkt sind. Angesichts der latenten Herausforderungen erstaunt es nicht, dass die Vermögensverwalterbranche selbst der Zukunft eher pessimistisch entgegensieht. Gemäss einer VSV Studie glauben 50 % der befragten Vermögensverwalter, dass die «goldenen Zeiten» vorbei sind.6 2. Regulatorische Änderungen: Verschiedene Änderungen im regulatorischen Umfeld wie z.B. MiFID (2) und FATCA werden den Druck auf die Vermögensverwaltungsbranche weiter erhöhen und zu signifikantem Mehraufwand führen. Angesichts der momentanen MiFID (2) Diskussionen ist nach wie vor unklar, ob Vermögensverwaltern aus Drittstaaten wie der Schweiz Zugang zum EU-Markt gewährt wird. Im Vergleich zu den Schweizer Privatbanken sind deshalb v.a. kleinere, national aufgestellte Vermögensverwalter nur beschränkt in der Lage, dem Trend zur Repatriierung von Geldern entgegenzuwirken ohne markante Anpassungen ihres Geschäftsmodells. Es erscheint wahrscheinlich, dass, auf Druck aus der EU, in der Schweiz ein Wechsel von der Selbstregulierung zur prudentiellen Aufsicht vollzogen werden muss. Eine solche Entwicklung geht mit komplexeren operationellen Systemen, steigenden administrativen Kosten sowie mit erhöhten Mindestkapitalanforderungen einher.
3. Steigende Kundenanforderungen und -macht: Der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers und der Madoff-Betrugsfall führten dazu, dass Kunden allgemein risikoaverser und kritischer gegenüber Anlageentscheidungen geworden sind. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese kritischere Einstellung zukünftig auf die Asset Allocation auswirken wird. Die Schweizer Vermögensverwalter waren in der Vergangenheit in der Lage, einen hohen Anteil an profitablen diskretionären Mandaten zu betreuen. Es wird geschätzt, dass circa 80 % der Erträge durch solche Mandate generiert werden.7 Die kritischere Einstellung der Kunden äusserte sich auch in einer zunehmenden Zahl von gerichtlichen Schadenersatzklagen. Angesichts der allgemeinen regulatorischen Stärkung von Kundenrechten ist davon auszugehen, dass die juristischen Kosten für Finanzinstitute steigen werden. Von Bedeutung für Schweizer Vermögensverwalter dürfte zum einen auch das revidierte Lugano-Übereinkommen sein, welches die Zuständigkeit von Zivil- und Handelsdisputen zwischen der EU und der Schweiz regelt.8 Ausländische Privatkunden erhalten damit vereinfachte Klagemöglichkeiten am Wohnort, was zu einer faktischen Einführung der MiFID-(2)-Bestimmungen und zu einer weiteren Verschiebung des Machtgefüges zugunsten der ausländischen Kunden in der Schweiz führt. Auch hat der Druck zugenommen, Retrozessionszahlungen klar offenzulegen bzw. dem Kunden zurückzugeben.9 Insgesamt führt dies zu einer steigenden Kostenbasis bei einer gleichzeitig erodierenden Ertragsbasis.
«Strukturveränderungen werden die Konsolidierung des Schweizer Vermögensverwaltermarktes vorantreiben.» 4. Zunehmender Druck von Privatbanken: Vor allem grössere Banken haben – insbesondere während der Finanzkrise – das Ertragspotenzial von externen Vermögensverwaltern (wieder-)erkannt und eigenständige Einheiten zwecks Betreuung von unabhängigen Vermögensverwaltern errichtet. Die zunehmende Wertschätzung erscheint jedoch fragil und potenziell gefährdet durch die teilweise massiven Profitabilitätsprobleme der Schweizer Privatbanken. Die erodierende Profitabilität zwingt die Banken, bestehende Prozesse zu optimieren und neue Ertragsquellen zu erschliessen. Unter anderem werden dabei die Beziehungen zu externen Vermögensverwaltern geprüft und teilweise für eine FINMA-Unterstellung der externen Vermögensverwalter lobbyiert.
Gemäss Bührer (2006) lag der Anteil in der italienischsprachigen Schweiz bei über 90%.
Bührer (2006). Unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz. Dissertation Universität Zürich.
Seit Anfang 2011 werden davon auch Finanzdienstleistungen abgedeckt.
Vgl. bspw. Koller, Ch. (2011). Streitpunkt Retrozessionen – Fürsorgliches Bundesgericht behandelt institutionelle Anleger wie Kleinkunden. In: NZZ, 28. November 2011. Gemäss Bührer (2006) generieren Retrozessionen 38% der Erträge (52% Managementgebühren, 10% andere Erträge).
Da Banken schlussendlich das Risiko der Kunden von externen Vermögensverwaltern tragen, werden letztere zunehmend gezwungen, bankinterne Compliance-Richtlinien zu übernehmen, was zu steigenden Kosten bei den Vermögensverwaltern führen wird. Ausblick Wir sind der Überzeugung, dass aktuelle Entwicklungen im Schweizer Private Banking Markt eine Indikation zukünftiger Herausforderungen und möglicher Lösungsansätze für unabhängige Vermögensverwalter darstellen. Die regulatorischen Änderungen, die zunehmenden Kundenanforderungen und eine steigende Kostenbasis führen zu einer Verschiebung der optimalen Grösse von Vermögensverwaltern.
Grafik 3: Exogene Strukturveränderungen und mögliche Anpassungsstrategien
Schon jetzt zeigt sich, dass dabei auch unkonventionelle Transaktionen berücksichtigt werden sollten. Nebst Konsolidierungen innerhalb der Branche (horizontale Integration) ist auch ein gestiegenes Interesse an Transaktionen zwischen Vermögensverwaltern und Privatbanken (vertikale Integration) zu beobachten. Ausserdem sieht sich ein Grossteil der unabhängigen Vermögensverwalter mit der Tatsache konfrontiert, die Nachfolge zu sichern, welche nur selten innerhalb des Unternehmens geregelt werden kann. Angesichts der momentanen Grösse der Unternehmen10 und der Fragmentierung des Marktes ist davon auszugehen, dass die genannten Faktoren zu einer verstärkten M&A-Aktivität bei den Vermögensverwaltern führen werden. Firmenübernahmen stellen dabei aufgrund der inhärenten Risiken nur eine von zahlreichen strategischen Lösungen dar. Ebenso ist zu erwarten, dass es in naher Zukunft verstärkt zu Allianzen in Form von Netzwerken oder zu klassischem Outsourcing kommen wird. Synergien sind v.a. in der Etablierung von gemeinsamen Plattformen im Bereich Risikokontrolle und -management, Recht und Compliance zu erwarten. Auch wird es nicht zu verhindern sein, dass für kleine, schwach fokussierte Vermögensverwalter ein geordneter Marktaustritt die einzige Handlungsmöglichkeit darstellen kann.
Fazit Zukunft Firmengrösse
Strukturveränderungen (exogen): u.a. regulatorische Änderungen, steigende Kundenanforderungen und -risiken, schwindende Profitabilität im Schweizer Private Banking
Mögliche Anpassungsstrategien (endogen): Strategische Analyse und Implementierung einer adäquaten M&A-Strategie
Selbstverständlich kann Grösse per se kein Selbstzweck sein, da gerade für Vermögensverwalter ein Trade-Off zwischen Grösse und Kundenbindung besteht. Die Agilität und Fokussierung der Vermögensverwalter kann durchaus ein Differenzierungsmerkmal gegenüber den teilweise eher schwerfälligen Banken sein. Nichtsdestotrotz wird der oben thematisierte Ertrags- und Kostendruck viele Firmen zwingen, sich durch strategische Zusammenschlüsse oder durch Abspaltung von nicht zum Kerngeschäft passenden Firmenteilen bzw. Kundengruppen der neuen Wettbewerbssituation anzupassen. Best-Practice-Modelle im Private Banking zeigen, dass es wichtig ist, strategische Analysen und deren Umsetzung (bspw. M&A) möglichst frühzeitig einzuleiten.
Der Druck auf die Schweizer Vermögensverwalter wird in naher Zukunft weiter zunehmen. Der allgemeine Anstieg der Fixkosten wird zu einer Verschiebung der optimalen Firmengrösse führen, was eine Konsolidierung der bis anhin stark fragmentierten Branche zur Folge hat. Sowohl potenziellen Käufern als auch Verkäufern wird geraten, strategische Analysen und M&A-Prozesse möglichst frühzeitig anzustossen.
Der VSV geht von einer durchschnittlichen Bruttomarge von 80 Basispunkten aus; bei verwalteten Vermögen von CHF 85 Millionen (Medianwert) entspricht dies Bruttoerträgen von CHF 680 000.
22 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Die Zukunft der schweizerischen Anlagestiftung Von Dr. Armin K端hne
Die schweizerische Anlagestiftung ist eine besondere Kategorie und typisierte Form einer gemeinschaftlichen Kapitalanlage, die bis anhin nicht selbständig gesetzlich geregelt war. Vom Geltungsbereich des Kollektivanlagengesetzes (KAG) ist sie ausdrücklich ausgenommen (Art. 2 Abs. 2 lit. a KAG). Die Anlagestiftung hat sich als eigenständige Schöpfung der Praxis entwickelt und während einer 40-jährigen Tradition eine erstaunliche wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Ungefähr 40 Anlagestiftungen verwalten Vermögen von schweizerischen Einrichtungen der beruflichen Vorsorge in der Grössenordnung von CHF 90 Mrd. Die Anlagestiftung wurde bisher als Stiftung nach Art. 80 ff. ZGB gegründet. Viele Merkmale der Anlagestiftung sind dem Stiftungsrecht jedoch fremd und stehen teilweise sogar im Widerspruch zur gesetzlichen Konzeption einer Stiftung (z.B. Mitgliedschaftsrechte der Anleger oder jederzeitige Rückzahlung des übertragenen Vermögens). Um die Anlagestiftung rechtlich zu qualifizieren, ging die Lehre von einer Doppelorganisation – bestehend aus einer Stiftung nach ZGB und einem Investmentclub in der Form einer einfachen Gesellschaft gemäss Art. 530 ff. OR – aus. Diese künstliche rechtliche Konstruktion war mit zahlreichen Unsicherheiten verbunden. So war beispielsweise unklar, ob bei einer Anlagestiftung mit mehreren Anlagegruppen das Risiko einer solidarischen Haftung eines Anlegers für andere Anleger oder für die Anlagestiftung bestand.
Rechtsgrundlagen Die erstmalige Kodifikation der Anlagestiftung basiert auf folgenden Rechtsgrundlagen:
• Art. 53g bis Art. 53k des Bundesgesetzes über die berufli-
che Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
• Verordnung über die Anlagestiftungen (ASV) • Verweise auf die Verordnung über die Aufsicht in der beruflichen Vorsorge, BVV 1 (Bewilligungsvoraussetzungen, Gründungsunterlagen) • Verweise auf die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, BVV 2 (Vorschriften betreffend Anlagen, Integrität und Loyalität der Verantwortlichen, Rechnungslegung, Bewertung, Transparenz) • Für die Einberufung und Durchführung der Anlegerversammlung gelten grundsätzlich Art. 699 ff. OR sinngemäss (Art. 3 Abs. 1 ASV) • Einzelne Verweise auf die Verordnung über die kollektiven Kapitalanlagen (KKV) und die Verordnung der FINMA über die kollektiven Kapitalanlagen (KKV-FINMA) • Subsidiär gelten die Vorschriften über die Stiftung gemäss Art. 80 bis Art. 89bis ZGB (Art. 53g Abs. 2 BVG)
Charakteristische Merkmale einer Anlagestiftung Anlagestiftungen sind Einrichtungen, die der beruflichen Vorsorge dienen (Art. 53g Abs. 2 BVG). Dabei handelt es sich um Hilfseinrichtungen der beruflichen Vorsorge in der Form einer Stiftung nach ZGB mit dem Zweck der gemeinsamen Anlage und Verwaltung von Vorsorgegeldern (Art. 53g Abs. 1 BVG). Der Anlegerkreis der Anlagestiftungen ist beschränkt auf steuerbefreite Vorsorgeeinrichtungen des privaten und des öffentlichen Rechts, Freizügigkeitsstiftungen, Auffangeinrichtungen, Finanzierungsstiftungen, Bankstiftungen im Rahmen der Säule 3a, patronale Wohlfahrtsfonds sowie Kollektivanlagen, sofern deren Anlegerkreis auf die erwähnten Einrichtungen beschränkt ist (Art. 1 ASV). Anlagestiftungen entstehen häufig nach dem Bottom-upPrinzip: Mehrere Vorsorgeeinrichtungen schliessen sich im Rahmen einer organisierten Selbsthilfe zusammen, um gemeinsam ihr Vermögen zu verwalten und damit Kosten zu sparen. Anlagestiftungen werden somit in der Regel von Vorsorgeeinrichtungen selbst initiiert und nicht wie Anlagefonds gemäss Kollektivanlagengesetz von den Anbietern kollektiver Kapitalanlagen. Zudem hat eine Anlagestiftung im Gegensatz zu Anlagefonds kooperative Elemente, die durch teilweise weitgehende Mitwirkungsrechte der Anleger zum Ausdruck kommen. Solche Mitwirkungsrechte können sich auch auf Anlageentscheide beziehen.
24 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Im Gegensatz dazu ist die Fremdverwaltung das Kernstück der Anlagefondsdefinition, welches alleine die Schutzvorschriften des Kollektivanlagenrechts rechtfertigt. Gleich hohe Anforderungen an die Wahrung des Anlegerschutzes bei Anlagestiftungen wie bei Anlagefonds wären unter diesen Voraussetzungen weder notwendig noch gerechtfertigt. Der Grundsatz «same business, same rules» muss in diesem Zusammenhang bedeuten «not the same business» und deshalb auch «not the same rules». Zudem muss für ein angemessenes Anlegerschutzniveau berücksichtigt werden, dass es sich bei den Vorsorgeeinrichtungen selbst um Institute handelt, die aufgrund der Vorschriften der beruflichen Vorsorge reguliert sind und deshalb ein im Vergleich zu Publikumsanlegern wesentlich tieferes Anlegerschutzbedürfnis aufweisen. Rechtssicherheit durch Kodifikation Die Anlegerrechte von Anlagestiftungen sind aufgrund der neuen gesetzlichen Vorschriften neu positivrechtlich gesichert. Die eigenständige Schöpfung der Praxis wird in positives Recht überführt und die rechtliche Konstruktion als Doppelorganisation einer Stiftung und einer einfachen Gesellschaft entfällt. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist die Regelung der Haftung in Art. 53j BVG, wonach die Haftung der Anlagestiftung für Verbindlichkeiten einer Anlagegruppe auf das Vermögen dieser Anlagegruppe beschränkt ist, jede Anlagegruppe nur für eigene Verbindlichkeiten haftet und die Haftung der Anleger ausgeschlossen ist. Im Weiteren hält Art. 53i Abs. 4 BVG ausdrücklich fest, dass Sachen und Rechte, die zu einer Anlagegruppe gehören, im Konkurs der Anlagestiftung zugunsten von deren Anlegern abgesondert werden. Bisher regelten Anlagestiftungen mit mehreren Anlagegruppen die Absonderung der einzelnen Anlagegruppen zwar reglementarisch. Es herrschte jedoch bis anhin keine Gewissheit, ob diese reglementarisch festgelegte Lösung im Falle eines Konkurses tatsächlich Bestand hätte. Zudem werden wichtige Bestimmungen über Treuepflichten ausdrücklich geregelt und erhalten dadurch ein grösseres Gewicht. In diesem Zusammenhang zu erwähnen ist etwa der Grundsatz der Gleichbehandlung (Art. 2 Abs. 3 und Art. 43 Abs. 1 ASV), Vermeidung von Interessenkonflikten, Rechtsgeschäfte mit Nahestehenden, Eigengeschäfte, Abgabe von Vermögensvorteilen, Offenlegungspflichten etc. (Art. 8 ASV, Art. 48h ff. BVV 2). Rolle der Aufsichtsbehörde Nachdem die Anlagestiftungen bisher vom BSV oder der zuständigen kantonalen Aufsichtsbehörde beaufsichtigt wurden, fällt diese Aufgabe gemäss Art. 64a Abs. 2 BVG neu der Oberaufsichtskommission zu. Da zahlreiche Bestimmungen der ASV Kann-Vorschriften enthalten und damit der Aufsichtsbehörde einen grossen Ermessensspielraum einräumen, kommt der Praxis der Oberaufsichtskommission eine tragende Bedeutung zu. Dies hat zwar den Vorteil einer gewissen Flexibilität.
In diesem Zusammenhang sind jedoch die in der ASV vorhandenen Verweise auf die KKV und die KKV-FINMA «gefährlich», da ein gewisses Risiko besteht, dass sich die Aufsichtsbehörde zu stark an den äusserst strengen Regulierungen und restriktiven Auslegungen aufgrund der Praxis der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) zu kollektiven Kapitalanlagen orientieren könnte. In diesem Zusammenhang ist sehr wichtig, dass den Unterschieden zwischen Anlagestiftungen und Anlagefonds Rechnung getragen wird. Die Oberaufsichtskommission ist zuständig für die Bewilligungsprüfung im Rahmen der Gründung einer Anlagestiftung. Die entsprechenden Anforderungen ergeben sich aus Art. 21 i.V.m. Art. 12 f. BVV 1. Ausserdem müssen Statutenänderungen und Änderungen des Stiftungsreglements sowie Erlass und Änderungen von Anlagerichtlinien zu Anlagegruppen im Bereich alternativer Anlagen und von Auslandsimmobilien durch die Aufsichtsbehörde vorgeprüft werden (Art. 17 Abs. 1 lit. c ASV). Da die Bildung und Aufhebung von Anlagegruppen an den Stiftungsrat delegiert werden können (Art. 13 Abs. 3 lit. h ASV), ist bei Anlagestiftungen im Gegensatz zu Anlagefonds jedoch keine Produktgenehmigung erforderlich. Organisation a) Anlegerversammlung Die Anlegerversammlung ist das oberste Organ der Anlagestiftung (Art. 53h Abs. 1 BVG). Diese Regelung weicht von der Organisation einer Stiftung nach ZGB ab, bei der der Stiftungsrat das oberste Organ ist (Art. 83a ZGB). Für die Einberufung und Durchführung der Anlegerversammlung verweist Art. 3 Abs. 1 ASV auf die Bestimmungen des Aktienrechts zur Generalversammlung. Die unübertragbaren Aufgaben der Anlegerversammlung sind in Art. 4 ASV aufgelistet und umfassen z.B. Beschlussfassungen über Änderungen der Statuten und des Stiftungsreglements, die Wahl des Stiftungsrats und der Revisionsstelle, die Genehmigung der Jahresrechnung etc. b) Stiftungsrat Der Stiftungsrat ist das geschäftsführende Organ der Anlagestiftung (Art. 53h Abs. 2 BVG). Er ist für alle Aufgaben zuständig, die nicht durch das Gesetz oder die Stiftungssatzungen der Anlegerversammlung zugewiesen werden (Art. 6 Abs. 1 ASV). Gemäss Art. 53h Abs. 2 BVG darf er die Geschäftsführung an Dritte delegieren, mit Ausnahme der Aufgaben, die unmittelbar mit der obersten Leitung der Anlagestiftung verbunden sind. Zur Gewährleistung einer gewissen Unabhängigkeit des Stiftungsrats dürfen gemäss Art. 8 Abs. 2 ASV maximal ein Drittel der Mitglieder des Stiftungsrats mit operativen Aufgaben der Anlagestiftung betraut sein (Geschäftsführung, Administration, Vermögensverwaltung). c) Revisionsstelle Die Anlagestiftung muss eine Revisionsstelle beauftragen, für die aufgrund eines Verweises auf Art. 52c BVG sinngemäss die Vorschriften für Vorsorgeeinrichtungen anwendbar sind. Zudem hat die Revisionsstelle von Anlagestiftungen weitere Aufgaben, etwa im Zusammenhang mit Sacheinlagen.
Stiftungsvermögen Das Gesamtvermögen der Anlagestiftung umfasst das Stammvermögen und das Anlagevermögen (Art. 53i BVG). Das Stammvermögen wird durch das Widmungsvermögen gebildet, das bei der Gründung der Anlagestiftung mindestens CHF 100‘000 betragen und in dieser Höhe gehalten werden muss (Art. 22 BVV 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 2 ASV). Das Anlagevermögen besteht aus den von den Anlegern zum Zweck der gemeinsamen Vermögensanlage eingebrachten Geldern (Art. 53i Abs. 2 BVG). Es ist auf eine oder mehrere Anlagegruppen verteilt, die rechnerisch selbständig geführt werden und wirtschaftlich voneinander unabhängig sind. Eine Anlagegruppe setzt sich aus einem oder mehreren Anlegern zusammen, die nennwertlose Ansprüche dieser Anlagegruppe halten (Art. 53i Abs. 3 BVG). Nach langen Diskussionen in den Eidgenössischen Räten ist damit auch die Bildung von «Ein-Anleger-Anlagegruppen» zulässig. Sacheinlagen Grundsätzlich ist der Gegenwert des Emissionspreises von Ansprüchen in bar zu erbringen. Sacheinlagen sind jedoch zulässig, sofern dies in den Satzungen vorgesehen ist, die Sacheinlagen mit der Anlagestrategie vereinbar sind und die Interessen der übrigen Anleger durch die Sacheinlagen nicht beeinträchtigt werden (Art. 20 ASV). Zudem müssen die Einlageobjekte – ausgenommen bei Private-Equity-Anlagen – an einer Börse oder an einem anderen geregelten Markt gehandelt werden, der dem Publikum offensteht. Vor dem Hintergrund dieser Anforderungen stellt sich die Frage, ob Sacheinlagen in Immobilien-Anlagegruppen weiterhin zulässig sind. Da Art. 41 Abs. 4 ASV, der eine Vorschrift zur Bewertung bei Immobilien-Sacheinlagen enthält, sowie Art. 10 Abs. 2 ASV, der die Prüfung der ImmobilienSacheinlagen durch die Revisionsstelle regelt, implizit von der Zulässigkeit von Immobilien-Sacheinlagen ausgehen, dürften Sacheinlagen in Immobilien-Anlagegruppen auch zukünftig weiterhin zulässig sein. Dies ist umso wichtiger, als die Form einer Anlagestiftung eine wichtige Alternative zur Lancierung von Immobilienfonds für qualifizierte Anleger darstellt, bei denen aufgrund der restriktiven Praxis der FINMA die Möglichkeit von Sacheinlagen wegen des Übernahme- und Abtretungsverbots gemäss Art. 63 Abs. 2 KAG stark eingeschränkt ist. Anlagevorschriften Die ASV enthält in Art. 26 ff. zahlreiche Anlagevorschriften. Nur subsidiär gelten die Anlagevorschriften für Vorsorgeeinrichtungen gemäss BVV 2. Die ergänzenden Vorschriften in der ASV stellen grundsätzlich eine Überführung der bisherigen Praxis des BSV in das positive Recht dar. Sie werden jedoch von der Industrie stark kritisiert, da nach Auffassung zahlreicher Branchenvertreter ein genereller Verweis auf die BVV 2 ausreichend gewesen wäre, weil die Vorsorgeeinrichtungen als Anleger der Anlagestiftungen selbst bereits die Anlagevorschriften gemäss BVV 2 einhalten müssen und die Regelung in der ASV folglich zu einer doppelten Aufsicht führt. Tatsächlich ist dieses System der doppelten Aufsichtsstruktur weder notwendig noch zweckmässig.
26 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Die Anlagemöglichkeiten sollten nicht durch Verbote eingeschränkt werden, sondern der aufsichtsrechtliche Rahmen sollte sicherstellen, dass aufgrund von organisatorischen Anforderungen und Transparenzvorschriften die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden und dadurch der für Vorsorgeeinrichtungen notwendige Anlegerschutz gewährleistet ist. Immerhin wurden im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens für die ASV zahlreiche Verbesserungsvorschläge der Anlagestiftungen übernommen. Integrität und Loyalität der Verantwortlichen Für Anlagestiftungen gelten in Bezug auf die Integrität und Loyalität der Verantwortlichen grundsätzlich die gleichen Vorschriften wie für Vorsorgeeinrichtungen und andere Hilfseinrichtungen der beruflichen Vorsorge (Art. 7 Abs. 1 ASV). Gemäss Art. 51b BVG müssen die mit der Geschäftsführung, Verwaltung oder Vermögensverwaltung betrauten Personen einen guten Ruf geniessen und Gewähr für einwandfreie Geschäftstätigkeit bieten. Sie unterliegen einer treuhänderischen Sorgfaltspflicht, müssen die Anlegerinteressen wahren und für die Vermeidung von Interessenkonflikten sorgen. Die entsprechenden Anforderungen werden in Art. 48f bis Art. 48l BVV 2 konkretisiert.
Die Erfüllung der Anforderungen an die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit durch die Gewährsträger müssen als Bewilligungsvoraussetzung im Rahmen des Bewilligungsverfahrens zur Gründung der Anlagestiftung nachgewiesen werden (Art. 12 Abs. 3 und Art. 21 BVV 1). Bei Mutationen besteht allerdings grundsätzlich lediglich eine Melde-, nicht jedoch eine Bewilligungspflicht (Art. 7 Abs. 1 ASV i.V.m. Art. 48g Abs. 2 BVV 2). Die mit der Vermögensverwaltung betrauten Personen müssen wie die für die Geschäftsführung oder Verwaltung zuständigen Personen einen guten Ruf geniessen und Gewähr für einwandfreie Geschäftstätigkeit bieten. Die vorstehenden Ausführungen gelten somit grundsätzlich auch für die mit der Vermögensverwaltung der Anlagestiftung betrauten Personen, unabhängig davon, ob die Vermögensverwaltung intern erfolgt oder an externe Personen delegiert wird (Art. 48f Abs. 2 BVV 2 i.V.m Art. 51b Abs. 1 BVG). Wird die Vermögensverwaltung an externe Personen delegiert, müssen diese ab Inkrafttreten von Art. 48f Abs. 3 rev. BVV 2 am 1. Januar 2014 von der FINMA beaufsichtigte Institute oder ausländische Institute mit gleichwertiger Aufsicht sein. Die Oberaufsichtskommission hat immerhin die Möglichkeit, auch andere Personen für befähigt zu erklären (Art. 48f Abs. 4 rev. BVV 2). Wesentliche Kontrollfunktionen Der Stiftungsrat ist verantwortlich für eine angemessene Betriebsorganisation der Anlagestiftung (Art. 6 Abs. 2 ASV). Im modernen Aufsichtsrecht (so auch bei den Bewilligungsträgern im Kollektivanlagenrecht gemäss Art. 13 Abs. 2 KAG) spielen die wesentlichen Kontrollfunktionen (IKS, Risk Management und Compliance) für die Anforderungen an eine angemessene Betriebsorganisation regelmässig eine zentrale Rolle. Bei der Regulierung der Anlagestiftungen ist dies nicht der Fall. Art. 7 Abs. 3 ASV sieht lediglich vor, dass der Stiftungsrat für die «ausreichende Kontrolle der mit den Aufgaben betrauten Personen» sorgen muss und auf die «Unabhängigkeit der Kontrollorgane» zu achten hat. Zudem verweist Art. 10 ASV, der die Aufgaben der Revisionsstelle regelt, auf Art. 52c BVG und damit wohl indirekt auch auf Art. 35 Abs. 1 BVV 2, wonach die Revisionsstelle bestätigen muss, dass «eine der Grösse und Komplexität angemessene interne Kontrolle» existiert. Diese Bestimmung gilt für sämtliche auch noch so kleinen Vorsorgeeinrichtungen und enthält insbesondere keine Pflicht der Vorsorgeeinrichtungen, ein formelles IKS einzuführen. Spezifische Vorschriften für Anlagestiftungen, die häufig grosse Hilfseinrichtungen darstellen, existieren nicht. Anlagestiftungen werden jedoch in der Praxis in der Regel kaum mehr auf ein formelles IKS verzichten können. Obwohl eine entsprechende Vorschrift fehlt, ist zudem die Einführung eines Risikomanagement-Prozesses zu empfehlen. Dies führt zu einer bewussten Auseinandersetzung mit möglichen Risiken und Chancen.
Inkrafttreten und Übergangsbestimmungen Die Bestimmungen über das Inkrafttreten und die Übergangsbestimmungen der für die Anlagestiftungen massgebenden neuen Regelungen sind aufgrund der zahlreichen Verknüpfungen von verschiedenen Gesetzen und Verordnungen sowie der Staffelung des Inkrafttretens von Teilbereichen der BVG-Strukturreform komplex und unübersichtlich. Klar ist, dass die Anlagestiftungen ihre Stiftungssatzungen bis 31. Dezember 2013 an die ASV anpassen müssen (Art. 44 ASV). Die ASV ist jedoch bereits am 1. Januar 2012 in Kraft getreten und verweist auf zahlreiche Bestimmungen der BVV 1 (Inkrafttreten am 1. Januar 2012) und der BVV 2 (Inkrafttreten: Vorschriften über Integrität und Loyalität der Verantwortlichen am 1. August 2011, Vorschriften über externe Vermögensverwalter am 1. Januar 2014, Rest am 1. Januar 2012). Da gemäss ASV lediglich für die Anpassung der Stiftungssatzungen eine Übergangsfrist besteht, ist damit zu rechnen, dass beispielsweise für die Vorschriften über Integrität und Loyalität der Verantwortlichen eine materielle Vorwirkung seit Inkrafttreten der ASV (1. Januar 2012) gilt.
Fazit Die erstmalige Kodifikation der schweizerischen Anlagestiftung ist eine wichtige Errungenschaft der BVGStrukturreform. Die gesetzliche Regelung stellt klar, dass die Anlagestiftung als eigenständige Rechtsform eine Existenzberechtigung hat und schafft in vielerlei Hinsicht Rechtssicherheit. Aufgrund der bisherigen Praxis des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) nachvollziehbar, aber insgesamt nicht gelungen, ist die zu starke Regulierung der Anlagevorschriften für Anlagestiftungen. Diese strengen Vorschriften sind nicht notwendig, da die Vorsorgeeinrichtungen als Anleger selbst reguliert sind und die Anlagevorschriften der BVV 2 einhalten müssen. Ein genereller Verweis auf die Vorschriften der BVV 2 wäre deshalb grundsätzlich ausreichend gewesen. Hingegen sind die für eine moderne Aufsicht im Zentrum stehenden wesentlichen Kontrollfunktionen (IKS, Risk Management und Compliance) sehr schwach geregelt. Aufgrund der weitgehenden Überführung der bisherigen Praxis des BSV in das positive Recht werden bei den meisten Anlagestiftungen bis zum Ablauf der Übergangsfrist am 31. Dezember 2013 lediglich moderate Anpassungen des Regelwerks notwendig sein. Insgesamt ist und bleibt die Anlagestiftung ein attraktives, auf die Bedürfnisse von Vorsorgeeinrichtungen zugeschnittenes Anlagevehikel.
Dr. Armin Kühne Partner, Rechtsanwalt, Legal Financial Services +41 44 249 22 71 akuehne@kpmg.com
Versteckte steuerliche Fallstricke bei der Anlage in US-Wertschriften mit Fonds Von Grégoire Winckler und Jason Zücker
Stefan Müller ist 68 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er möchte eine attraktive Rendite nach Steuern auf seiner Anlage in amerikanischen Wertschriften mittels Fonds erzielen. Mit der Besteuerung von Fondsanlagen ist Stefan Müller vertraut, da er seit Jahren Fonds in seinem Depot hält. Er weiss, dass ein Fonds für die Gewinnsteuern als transparent betrachtet wird und die erzielten Erträge nicht beim Fonds, sondern durch ihn selbst als steuerbares Einkommen in der Schweiz versteuert werden müssen. Um einen möglichst grossen Anteil der vereinnahmten Erträge seiner Fondsanlage zu erhalten, achtet er darauf, dass möglichst keine Quellensteuern auf den Erträgen der Fonds und den von den Fonds gehaltenen Wertschriften anfallen. Aufgrund der Berichte in der Tagespresse und einem von seiner Hausbank erhaltenen Schreiben, möchte Stefan Müller sicherstellen, dass er infolge seiner Fondsanlage in den USA nicht plötzlich der Erbschaftssteuer in den USA unterliegt, obwohl er nie in den USA war und weder über eine US-Staatsbürgerschaft noch eine USGreencard verfügt. Nachfolgend sollen die für Stefan Müller wichtigsten steuerlichen Aspekte beleuchtet werden. Faktoren, wie zum Beispiel die vom Fonds erhobenen Kosten, welche Stefan Müller bei der Wahl des geeigneten Fonds jeweils ebenfalls miteinbezieht, werden der Einfachheit halber ausgeklammert.
28 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Die USA und ihre aus Schweizer Sicht bisweilen eigenwilligen Steuerpraktiken stehen regelmässig in den Schlagzeilen. Auch bei der Anlage in amerikanische Wertschriften mittels Fonds bestehen für Schweizer Privatanleger versteckte steuerliche Fallstricke in den USA, welche bei der Wahl der Anlage berücksichtigt werden sollten.
Das Phantom der amerikanischen Erbschaftssteuer In der Schweiz wird die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer diskutiert. Wie die meisten Schweizer Privatanleger war sich Stefan Müller nicht bewusst, dass ein Erblasser theoretisch schon heute einer Erbschaftssteuer unterliegt, falls amerikanische Fonds oder andere US-Wertschriften im Depot gehalten werden. Die Steuer wird jedoch nicht durch den Schweizer Fiskus, sondern den amerikanischen erhoben. Der Grund für diese absonderliche Regelung liegt im amerikanischen Steuergesetz, welches eine amerikanischen Erbschaftssteuer (von gegenwärtig 35 %) auf USWertschriften vorsieht, losgelöst davon, ob es sich beim Erblasser um eine US-Person handelt oder nicht. Unter Umständen könnte sogar die Schweizer Bank, bei welcher Stefan Müller die US-Wertschriften im Depot hält, verpflichtet sein, die Steuer an den amerikanischen Fiskus zu melden und allenfalls abzuliefern. Auch das Abkommen zwischen den USA und der Schweiz zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Nachlass- und Erbanfallsteuern schützt nicht vor der amerikanischen Erbschaftssteuer.
Das Doppelbesteuerungsabkommen datiert aus dem Jahre 1951 und enthält im Gegensatz zu modernen Doppelbesteuerungsabkommen, wie dasjenige zwischen den USA und Deutschland, keine Klausel, welche die von in der Schweiz wohnhaften Nicht-US-Personen gehaltenen US-Wertschriften von der amerikanischen Erbschaftssteuer befreit. Im Gegensatz zur unbarmherzigen Steuertheorie bliebe Stefan Müller in der Praxis wohl von der amerikanischen Erbschaftssteuer verschont. Der amerikanische Fiskus war bisher nicht bestrebt, die Erbschaftssteuer ausserhalb der USA durchzusetzen. Angesichts der amerikanischen Schuldenlast und das dadurch geweckte Interesse, neue Steuerquellen zu erschliessen, kann indes nicht ausgeschlossen werden, dass die Vollstreckung der amerikanischen Erbschaftssteuer ausserhalb der USA das nächste heisse Thema werden könnte. Alternativen bezüglich der amerikanischen Erbschaftssteuer Welche Möglichkeiten bestehen angesichts der Problematik der amerikanischen Erbschaftssteuer für Stefan Müller, um mittels Fonds in amerikanische Wertschriften zu investieren? Eine naheliegende Alternative wäre über Schweizer oder andere Nicht-US-Fonds in amerikanische Wertschriften zu investieren. Da diese Fonds nicht als US-Wertschriften qualifizieren, unterliegen sie nicht der US-Erbschaftssteuer, auch wenn die Fonds ausschliesslich in amerikanische Wertschriften investieren. Ist diese auf den ersten Blick einfache Lösung somit die Antwort für Stefan Müller bei der Anlage in amerikanische Wertschriften mittels Fonds? Wie eingangs erwähnt, möchte Stefan Müller eine möglichst hohe Nachsteuerrendite erzielen – unter Berücksichtigung von allfälligen Quellensteuern, welche auf den Erträgen der Fonds und den von diesen gehaltenen US-Wertschriften anfallen. Kann dieses Ziel mit der Anlage über Nicht-US-Fonds ebenfalls erreicht werden? Diese Frage soll anhand des nachfolgenden Beispiels geklärt werden. Vergleich der Rendite von US- und Nicht-US-Fonds nach Abzug allfälliger Quellensteuern Stefan Müller möchte eine Fondsanlage von 100’000 Franken in amerikanische Wertschriften tätigen. Er bevorzugt Fonds, welche die Erträge auf einer jährlichen Basis ausschütten. Bei den aus Sicht der US-Erbschaftssteuer zu bevorzugenden Nicht-US-Fonds unterliegen die Erträge der amerikanischen Wertschriften jeweils der US-Quellensteuer von 30 %. Bei einer Ausschüttung von 2000 Franken verbleiben Stefan Müller unter dem Strich somit 1400 Franken (70 %) der erwirtschafteten Erträge. Ein Schweizer Fonds müsste auf den Erträgen zusätzlich noch die Schweizer Verrechnungssteuer von 35 % abführen. Diese kann von Stefan Müller in seiner Steuererklärung geltend gemacht werden. Da er jedoch in der Zwischenzeit nicht über das Geld verfügen kann, führt dies für ihn zu einem Liquiditätsnachteil. Im Gegensatz zu Nicht-US-Fonds erhält ein US-Fonds die vollen 100 % der Erträge auf den amerikanischen Wertschriften ohne Quellensteuerabzug. Bei der Ausschüttung der Erträge durch den US-Fonds an Stefan Müller wird gemäss Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den USA und der Schweiz eine 15-prozentige US-Quellensteuer erhoben. Bei einer Ausschüttung von 2000 Franken erhält Stefan Müller mit 1700 Franken
(85 %) dementsprechend einen grösseren Anteil der erwirtschafteten Erträge im Vergleich zu der Anlage über einen Nicht-US-Fonds. Zusätzlich kann er die in Abzug gebrachte 15-prozentige US-Quellensteuer von 300 Franken in seiner Steuererklärung pauschal gegen seine Schweizer Steuerschuld anrechnen.
Fazit Bei der auf den ersten Blick vorteilhaften Anlage in amerikanische Wertschriften über Nicht-US-Fonds muss Stefan Müller eine geringere Nachsteuerrendite hinnehmen als bei einer vergleichbaren Anlage über US-Fonds. Mit dieser Einbusse erkauft er sich jedoch die Gewissheit, dass im Falle seines Dahinscheidens keine amerikanische Erbschaftssteuer zur Anwendung gelangt. Da Stefan Müller bei guter Gesundheit ist und nicht gedenkt, in absehbarer Zeit zu sterben, ist er letztlich nicht bereit, eine Einbusse bei seiner Nachsteuerrendite in Kauf zu nehmen. Zudem ist ihm bekannt, dass ein neues Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und den USA zu Erbschaftssteuern ausgehandelt werden soll. Dieses soll die US-Erbschaftssteuerproblematik für die Haltung von US-Wertschriften durch in der Schweiz wohnhafte Nicht-US-Personen beseitigen.
Stetiger Wandel – auch im Konsolidierungskreis? Bedeutung des neuen IFRS 10 für Fondsmanager Von Patricia Bielmann und Ellen Sevray
Eine chinesische Weisheit zeigt auf, wie oftmals kategorisch mit Veränderungen umgegangen wird: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen. Der ab 2013 anzuwendende IFRS 10, Consolidated Financial Statements, bringt Wandel mit sich in Bezug auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen Investments zu konsolidieren sind. Dazu kommen neue Offenlegungsvorschriften auch für nichtkonsolidierte Einheiten. Was bedeutet dieser neue Wind für die Asset Management Branche? Sind Schutzmauern oder Windmühlen das Mittel der Wahl? Neue Definition von Kontrolle Das neue Verständnis von Kontrolle hat Auswirkungen auf die Frage, ob verwaltete Fonds konsolidiert werden müssen. Falls ja, führt dies zu einer erheblichen Ausweitung der Bilanzsumme und aus Sicht vieler Fondsmanager auch zu einer unzutreffenden Darstellung der Bilanz. Nach der neuen Definition von Kontrolle ist eine Stimmrechtsmehrheit oder das Tragen der Mehrheit der Chancen und Risiken aus einem Investment nicht mehr alleine ausschlaggebend. Ein Investor kontrolliert vielmehr dann ein Investment, wenn er:
• aufgrund bestehender Rechte diejenigen Aktivitäten des Investments lenken kann, die wesentliche Auswirkungen auf das Ergebnis haben («power»), • der Ergebnisvariabilität ausgesetzt ist, und • es eine Verbindung zwischen der Verfügungsgewalt und den daraus resultierenden Erträgen gibt.
Diese Punkte sind vor allem von Bedeutung, wenn ein Fondsmanager in einer Doppelfunktion involviert ist, nämlich sowohl über eine direkte Investition als auch in der Funktion des Entscheidungsträgers im Fonds.
30 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Prinzipal oder Agent? Eine zentrale Frage für den Fondsmanager ist, ob er als Prinzipal oder als Agent tätig ist. Ein Prinzipal nutzt die ihm zustehende Verfügungsgewalt, um Erträge für sich selbst zu generieren. Ein Agent hingegen nutzt die an ihn delegierte Verfügungsgewalt zum Nutzen anderer Parteien. Beim Prinzipal gibt es also die Verbindung zwischen Verfügungsgewalt und den daraus resultierenden Erträgen – er muss das Investment konsolidieren. Der Agent hingegen konsolidiert sein Investment nicht. Einen klaren Fall gibt der IFRS 10 vor: Ein Entscheidungsträger ist dann ein Agent, wenn eine einzelne Partei ihn ohne besonderen Grund abberufen kann (sogenannte «kick out rights»). Ist die Sachlage jedoch nicht derartig eindeutig, sind die folgenden Bereiche umfassend zu durchleuchten:
• Marktkonsistenz und Angemessenheit der Vergütung • Ausmass der Entscheidungsrechte • anderen Parteien zustehende Rechte • wirtschaftliches Interesse (Vergütung für die Managementaktivitäten und andere Interessen, z.B. direkte Beteiligungen)
Die Einschätzung, ob der Entscheidungsträger als Prinzipal oder als Agent handelt, erfordert eine umfassende Analyse der jeweiligen Umstände. Der IFRS 10 bietet wegen seines prinzipienbasierten Ansatzes durchaus Ermessensspielraum – festgelegte Grenzen oder numerische Kriterien gibt es nämlich nicht.
Andere Aspekte bei der Beurteilung von Kontrolle Es gibt eine Vielzahl von Aspekten, die je nach individueller Ausgestaltung des zu beurteilenden Fonds in die Gesamtwürdigung der Kontrolle einzubeziehen sind, z.B.:
• Bereitstellung von «Seedmoney» • Seitens des Fondsmanagers gegebene PerformanceGarantien
• Garantien hinsichtlich der Liquidität der Fondsanteile (Übernahme von Anteilen durch den Fondsmanager)
• Hebeleffekte bei performanceabhängigen Fees
Die Beurteilung birgt daher eine hohe Komplexität. Da bewusst keine ausdrücklichen Grenzen im Standard selbst gesetzt werden, sondern die Gesamtwürdigung aller Fakten und Umstände im Vordergrund stehen, ist das Ermessen des Managements ein Schlüsselfaktor.
«Die Asset ManagementBranche wird in besonderem Masse von den neuen Regelungen betroffen sein. Erstmals gibt es konkrete Ausführungen zu Prinzipal-/ Agent-Zusammenhängen.» Was ist zu tun? Der Wandel in der Herangehensweise an die Frage, welche Fonds zu konsolidieren sind, bringt für die Asset Management-Branche in besonderem Masse Handlungsbedarf mit sich, da es bisher noch keine expliziten Regelungen z.B. zur Prinzipal-/Agent-Abgrenzung gab. Praxisregelungen haben sich im Laufe der Zeit herausgebildet, die nun daraufhin überprüft werden müssen, ob sie konform mit dem IFRS 10 sind. Dem Management wird zwar ein weiter Ermessensspielraum zugebilligt, jedoch müssen die Annahmen sorgfältig im Sinne des Standards abgewogen und auch offengelegt werden. Hieraus wird sich erwartungsgemäss erneut in der Praxis eine Branchenmeinung entwickeln. Alle Fonds sind neu auf die Konsolidierungspflicht hin zu beurteilen: die bisher bereits konsolidierten, aber auch die bisher nicht konsolidierten. Dies bedeutet unter Umständen einen erheblichen Arbeitsaufwand, der jedoch durch die Bildung von Kategorien von Fonds, die hinsichtlich der zu beurteilenden Kriterien eine gleiche Ausgangsbasis haben, erheblich reduziert werden kann. Resultieren aus der Analyse Veränderungen im Konsolidierungskreis, müssen auch die Folgewirkungen adressiert werden: Regulatorisches Kapital und Finanzkennzahlen werden beeinflusst, aber auch Vergütungssysteme können betroffen sein.
Prozesse sind erforderlich und eventuell einzurichten, um neu zu konsolidierende Einheiten für die Abschlusserstellung verarbeiten zu können. Ebenso müssen Ereignisse und Umstände identifiziert werden, die eine geänderte Einschätzung der Konsolidierungsfrage zur Folge hätten, da es nicht ausreicht, die Beurteilung «ein für alle Mal» zu machen. Informationsbeschaffung wird ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Thema sein. Zum einen für zusätzlich zu konsolidierende Einheiten, zum anderen aber auch für die nicht konsolidierten Einheiten. Mit dem IFRS 12 werden ab 2013 qualitative und quantitative Offenlegungen verlangt, die insbesondere in Bezug auf nicht konsolidierte Fonds bisher so nicht erforderlich waren. Zielsetzung ist, die Natur eines Fonds transparent zu beschreiben und auch die damit einhergehenden Risiken. Der Effekt auf die Vermögens-, Finanzund Ertragslage des berichtenden Unternehmens sollen durch die Angaben für den Bilanzleser verständlich gemacht werden. Hier muss man sich dem nächsten Sturm entgegenstemmen: Würden diese Offenlegungen für jeden einzelnen Fonds gemacht, ergäbe sich eine vom Bilanzleser nicht mehr zu verarbeitende Daten- und Informationsflut. Dies kann nicht im Sinne einer zielgerichteten und transparenten Kommunikation sein. Daher wird vom Management erwartet, dass eine sinnvolle Aggregation der Informationen vorgenommen wird. So können z.B. Unterkategorien nach der Art und Beschaffenheit unkonsolidierter Fonds gebildet werden. Möglichkeiten, den Wandel zielgerichtet zu nutzen, bestehen durchaus: Vertragsgestaltungen können im möglichen Rahmen angepasst werden bzw. beim Aufsetzen neuer Fondsstrukturen kann den neuen Konsolidierungsregeln bereits Rechnung getragen werden. Mauern sind also nicht das Mittel der Wahl: Die Standards sind ab 2013 anzuwenden – mit Vergleichszahlen für 2012. Es gilt daher, zielgerichtet und effizient die Veränderungen anzugehen. Patricia Bielmann Partner Financial Services +41 44 249 48 84 pbielmann@kpmg.com Ellen Sevray Senior Manager Financial Services +41 44 249 46 38 esevray@kpmg.com
Die Evolution des Asset Pooling Von Darina Barrett und Marc Escher
Einer der Grundbausteine des Asset Managements ist das Pooling von Vermögenswerten. Für Privatkunden ist es bedeutend effizienter in einen Anlagefonds zu investieren, anstatt die gewünschte Anlagestrategie selber nachzubilden. Asset Pooling führt diesen Ansatz einen Schritt weiter, indem verschiedene verwaltete Vermögen in einen Pool zusammengeführt werden. Ein typisches Beispiel ist das Pooling von Vorsorgevermögen multinationaler Konzerne. Dabei werden die verschiedenen Vorsorgeeinrichtungen innerhalb des Unternehmens zusammengelegt, sodass sie keine Direktanlagen mehr halten, sondern gemeinsam in einen grösseren Asset Pool investieren. Der Einsatz von Asset Pooling ist jedoch nicht auf Vorsorgevermögen beschränkt. Es kann auch bei der Verwaltung mehrerer verschiedener Investment Fonds durch einen Investment Manager oder bei Lebensversicherungsgesellschaften mit mehreren Lebensversicherungsfonds etc. angewandt werden.
32 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Vorteile des Asset Pooling Das Hauptziel jedes Asset Pooling Projektes hängt von den jeweiligen Absichten ab. Grundsätzlich bietet das Pooling folgende Vorteile:
• Kosteneinsparung durch grössere «Kaufkraft», welche auf-
grund des grösseren Vermögens zu einem tieferen TER etc. führt. • Effizienzsteigerung bei der Vermögensverwaltung und dem Betreiben des Pools. • Verbesserung der Führung, des Risk Managements und der Überwachung. Dies kann speziell für Vorsorgeeinrichtungen von Vorteil sein, da ein einzelner Pool einfacher zu überwachen ist als mehrere Pools. • Zugang zu zusätzlichen Anlagemöglichkeiten. Ein grösseres Vermögen erleichtert das Erreichen von Mindestzeichnungsgrenzen. Im Wesentlichen ermöglicht Asset Pooling dem kleinsten Poolinvestor die gleichen Investitionsmöglichkeiten wie dem grössten (ohne jedoch die Vorteile des grössten Investors zu schmälern). Deshalb ist es entscheidend, dass die steuerliche Behandlung des Pools nicht die Vorteile des Poolings aufhebt. Steuerlicher Einfluss Damit Asset Pooling wirtschaftlich sinnvoll ist, muss es steuerneutral funktionieren, d.h. das Pooling darf keine zusätzlichen Steuern generieren. Dies stellt in einigen Ländern eine grosse Herausforderung dar und führt dazu, dass Pooling-Vehikel für Steuerzwecke typischerweise steuertransparent strukturiert werden. Steuertransparente Asset Pooling Einrichtungen können sicherstellen, dass ein Investor bei der Teilnahme am Pooling keine Steuernachteile erfährt, beispielsweise eine Vorsorgeeinrichtung weiterhin von Steuerbefreiung und Steuersatzreduktionen bei der WHT profitieren kann. Die steuerliche Behandlung des Asset Pooling Vehikels im Domizilland ist normalerweise klar. Um die Steuerneutralität für die Investoren des Pools beizubehalten, muss die steuerliche Behandlung des Pooling-Vehikels für das Heimatland jedes Investors sowie für die jeweiligen Investitionsländer des Pools beurteilt werden. Die Vergangenheit Die ursprünglichen Poolings von Vorsorgeeinrichtungen waren einfach strukturiert. Komplexe Strukturen waren eher die Ausnahme. In Irland ist das steuertransparente Pooling-Vehikel als Common Contractual Fund (CCF) bekannt. Der erste CCF wurde 2003 lanciert und poolte US-Equity-Anlagen verschiedener UK-Vorsorgeeinrichtungen. Die Struktur war relativ unkompliziert, weil alle Investoren der gleichen Steuerbehandlung unterstanden und nur in kotierte Anlagen eines Landes investiert wurde.
34 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Nimmt die Anzahl an Investorentypen und Anlageklassen innerhalb der Pooling-Struktur zu, wächst die operationelle Komplexität exponentiell. Solche Strukturen stellen hohe Anforderungen an die Administration und die Depotgesellschaften. Vor allem wenn täglich NAV-Berechnungen, Portfoliozuteilungen, Steueraufteilungen und andere Nachführungen in der Buchhaltung des Investment-Portfolios erforderlich sind. In der Vergangenheit war die Fähigkeit zur Administration komplexer Pooling-Strukturen eine der wesentlichen Geschäftsüberlegungen bei der Strukturierung und Implementierung grosser Asset Poolings. Zusätzlich war anfänglich aufgrund des innovativen Charakters der neuen Pooling-Vehikel das Erlangen von Erfahrung bezüglich der steuerlichen Behandlung komplex und teuer. Aufgrund der operationellen Herausforderungen und der komplexen Steuerfragen wurden nur wenig Asset Pooling Strukturen aufgesetzt. Diese sind aber gemessen an den Assets under Management sehr gross, um den gewünschten Skaleneffekt zu erzielen.
«Wir erwarten, dass der Trend des Pooling im Bereich Vorsorge anhält.» Die Gegenwart Verschiedene Fonds-Administratoren haben verstärkt in die Fähigkeit der Handhabung von komplexen Asset Pooling Strukturen investiert. Mit zunehmender Bekanntheit der wichtigsten Pooling-Vehikel wurde die Handhabung von Steuerfragen weniger problematisch (und vor allem gibt es klare Richtlinien in den wichtigsten Ländern). Deshalb ist heute die Einführung von Asset Pooling so einfach wie nie zuvor. Dies zeigt sich in Irland durch die Lancierung mehrerer CCFs in den letzten Monaten sowie weiteren, die in Vorbereitung sind. Es gibt zwei Quellen für die aktuelle Nachfrage: Pooling von Vorsorgevermögen Das Pooling von Vorsorgeeinrichtungen bleibt für Konzerne wie auch für Asset Manager von Interesse. Da die Vorsorgeindustrie auch weiterhin mit negativer Performance und Unterdeckung zu kämpfen hat, wird eine möglichst effiziente Vermögensverwaltung durch Pooling-Projekte im Vorsorgebereich gesucht. Unsere Erfahrung zeigt interessanterweise, dass viele Pooling-Projekte durch die Investment Manager der Vorsorgeeinrichtungen vorangetrieben werden. Dies aufgrund des klaren Vorteils für den Investment Manager (neben den Vorteilen für die Vorsorgeeinrichtungen), mit der Asset Pooling Struktur grössere Assets under Management zu erlangen. Wir erwarten, dass dieser Trend des Pooling im Bereich Vorsorge anhält.
Pooling durch Asset Manager Asset Manager nutzen ebenfalls Asset Pooling Strukturen, um ihr Produktangebot zu erweitern und sich von ihrer Konkurrenz zu differenzieren. Die Einführung der UCITS IV Bestimmungen eröffneten neue Möglichkeiten des Asset Pooling für Anlagefonds. Einer der Hauptgründe für UCITS IV war, Fonds-Promotoren bei der Konsolidierung der Anzahl an UCITS zu unterstützen, um dadurch eine wesentliche Steigerung des durchschnittlichen Fondsvermögens zu erreichen. Normalerweise hat die Grösse des Fondsvermögens einen direkten Einfluss auf die Kosten für die Investoren. Typischerweise führt ein grösseres Fondsvermögen zu einem tieferen Total Expense Ratio. Die Annahmen schwanken, jedoch kann ein durchschnittlicher US-Investment-Fonds bis zu sechsmal grösser sein als ein durchschnittlicher UCITS. UCITS IV erleichtert die grenzüberschreitende Vereinigung von UCITS wie auch das Aufsetzen von Master-Feeder-Strukturen. Beides soll den Asset Manager bei der Konsolidierung der Fondsvermögen zu einer effizienteren Poolgrösse unterstützen. Es bestehen grosse Steuerhemmnisse bei grenzüberschreitender Vereinigung von UCITS, vor allem wenn die Anteile breit gestreut sind.1 Deshalb erwarten wir, dass die Nutzung von Master-Feeder-Strukturen beliebter sein wird, zumindest zu Beginn. Die Auswahl des Master Fonds bei einer UCITS MasterFeeder-Struktur basiert auf den gleichen Kriterien wie die Wahl eines Pooling-Vehikels. Im Augenblick beobachten wir, dass die Investment Manager eher an steuertransparenten Strukturen interessiert sind und sich deshalb in den beiden grossen Fonds-Zentren Irland und Luxemburg beim Master Fonds für einen CCF in Irland oder für einen FCP in Luxemburg entscheiden. Wir beobachten ebenfalls, dass andere Länder versuchen, an diesem Markt teilzuhaben. Zum Beispiel hat Grossbritannien die Einführung eines neuen steuertransparenten Vehikels angekündigt.
Auch künftig werden sich Asset Manager bemühen, den heiligen Gral des Asset Management zu finden: «Alle Assets in einer Struktur.» Die kontinuierliche Entwicklung und Erweiterung der Systemfähigkeiten sowie die Regelung der Steuerbehandlung (wie z.B das kürzlich unterzeichneten Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und der Schweiz, welches ausdrücklich die Steuertransparenz des irischen CCF bestätigt), sollte dazu führen, dass sich die Kosten-/NutzenAnalyse für Pooling-Strukturen weiter verbessert.
Fazit Asset Pooling Vehikel beginnen sich zu etablieren und sind eine praktikable Option für Produktentwickler. Aufgrund der sich weiterentwickelnden Fähigkeiten der Administratoren und einer klaren Steuerbehandlung bietet das Asset Pooling verschiedener Investmentstrukturen signifikante Effizienzsteigerung, Kosteneinsparung und verbesserte Überwachungsmöglichkeiten für diejenigen, welche in die Entwicklung solcher Produkte investieren.
Die Inbetriebnahme der ersten Master-Feeder-Struktur erwarten wir für 2012. Die Zukunft Für grössere diversifizierte Asset Manager könnte dies das Zusammenbringen der Assets von Investmentsfonds, Lebensversicherungen, Verwaltungsmandaten und anderen Strukturen in einen Pool bedeuten, in dem die genannten Produkte als Feeder fungieren. Vereinzelte Marktteilnehmer haben bereits begonnen über die Machbarkeit nachzudenken. Immer mehr Investoren erkennen den Vorteil des Asset Poolings. Service-Provider mit hoch entwickelten Systemen, welche in der Lage sind, Pooling-Strukturen zu handhaben, werden einen höhren Marktanteil erlangen. Deshalb sind weitere Systementwicklungen zu erwarten.
Für weitere Informationen bzgl. Steuerherausforderungen im Zusammenhang mit der Einführung von UCITS IV siehe: www.kpmg.com/IE/en/IssuesAndInsights/ArticlesPublications/Pages/FS-InvestmentMgt-pub22.aspx
36 06––Swiss SwissFinancial FinancialServices ServicesNewsletter Newsletter––Mai April2012 2012
Staatsfonds werden zu wichtigen Treibern der Immobilienmärkte Von Stefan Pfister und Ulrich Prien
Die staatlichen Investitionsfonds (Sovereign Wealth Funds, SWF) spielen eine immer wichtigere Rolle auf den Kapitalmärkten. SWF verfügten 2011 über Vermögensanlagen im Wert von rund 4,8 Billionen US-Dollar. Aufgrund der fortwährenden Einnahmeüberschüsse aus Rohstoff- oder Warenexporten dürften sich die Kräfteverhältnisse auf den Finanzmärkten weiter zugunsten dieser staatlichen Akteure aus den Schwellenländern verschieben.
Steigende Bedeutung von Staatsfonds Die Schweiz ist während der Finanzkrise zu einem der wichtigsten Empfängerländer von SWF-Investitionen geworden. Gemäss einer vom Sovereign Wealth Fund Institute publizierten Auswertung tätigten SWF zwischen 2005 und 2011 Investitionen in Höhe von über 25 Mrd. US-Dollar. Die Schweiz schloss damit auf Rang fünf der beliebtesten Investitionsstandorte auf. Noch mehr SWF-Investitionen vermochten nur die USA, UK, China und Frankreich anzuziehen. Für die dynamische Entwicklung der SWF-Investitionen im hiesigen Markt sind das Engagement bei der Rekapitalisierung der Grossbanken und im geringeren Masse auch eine erhöhte Aktivität im Real Estate Bereich verantwortlich. Vor dem Hintergrund der weiterhin schwelenden Eurokrise dürfte die Schweiz im Fokus dieser staatlichen Investorengruppe bleiben.
Entwicklung des kumulierten SWF-Vermögens in Mrd. Dollar
Konstantes Wachstum der SWF-Anlagevermögen Das Vermögen der Staatsfonds konnte im Vergleich zu anderen Anlagevehikeln auch während der Finanzkrise stark zulegen (Sept. 2007: 3,3 Billionen US-Dollar; Dez. 2011: 4,8 Billionen US-Dollar). Einerseits können Wechselkurseffekte (Entwertung des US-Dollars) als Erklärung dienen. Andererseits ist es seit 2007 zu zahlreichen Neugründungen von Staatsfonds gekommen. In diesem Zeitraum wurden zwölf Staatsfonds aufgelegt, was die Anzahl von Staatsfonds gemäss Sovereign Wealth Fund Institute von 45 auf 57 erhöhte. Besonders medienwirksam war dabei die Gründung der China Investment Corporation (CIC). Dieser Fonds wurde zugleich mit 200 Mrd. US-Dollar aus den wachsenden chinesischen Währungsreserven versehen. Der wichtigste Grund für den massiven Anstieg des SWF-Kapitals dürfte sein, dass die erdölexportierenden Länder und Staaten aus dem ostasiatischen Raum auch während der Finanzkrise deutliche Leistungsbilanzüberschüsse auswiesen und somit weiterhin Geld in ihre Staatsvehikel floss.
Cash is King Lange Zeit investierten SWF primär in westliche Vorzeigeunternehmen um einen Know-how-Transfer zu generieren und das gewonnene Wissen beim Aufbau der eigenen Volkswirtschaft zu nutzen. Der tatsächliche Return on Equity und die Diversifikation des Anlageportfolios hatten eine eher untergeordnete Bedeutung. In dieser Phase waren SWF auf die Gunst des Westens angewiesen, um überhaupt Investitionen tätigen zu können. Allerdings hat sich seit der Finanzkrise ein diametraler Rollentausch vollzogen. Es ist nun der unter Liquiditätsengpässen leidende Westen, welcher sich nach den Finanzspritzen aus dem Osten sehnt. Die Staatsfonds können daher aus einer hohen Anzahl an Investitionsanfragen wählen und werden von den westlichen Regierungen und Unternehmungen regelrecht hofiert. Im Rahmen dieser neuen Ausgangslage stehen Anlagen in Immobilien bei SWF besonders hoch im Kurs.
38 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 2012
Quelle: Sovereign Wealth Funds Institute
Investitionen in Immobilien auf dem Vormarsch Studien zeigen, dass sich der durchschnittliche Immobilienanteil bei SWF von aktuell 7,5 % auf rund 10 % erhöhen dürfte. 2011 investierten bereits 56 % der SWF in Real Estate. Dieser Anteil hat sich seit 2010 um fünf Prozentpunkte erhöht. Für die erhöhte Attraktivität dieser Anlageklasse gibt es primär vier Erklärungsansätze. Real Estate Investitionen im Prime Segment weisen üblicherweise eine tiefere Volatilität gegenüber Aktieninvestitionen aus und können so die RisikoRendite-Eigenschaften eines Anlageportfolios verbessern.
Gleichzeitig bieten Immobilienanlagen einen partiellen Inflationsschutz. Zudem besteht für Investitionen in Immobilien ein gewisser Aufholbedarf. Real Estate Anlagen waren lange Zeit untergewichtet, da durch diese nur geringe Technologieund Know-how-Transfereffekte generiert werden können. Als letzter Punkt ist zu erwähnen, dass sich Real Estate Investitionen durch einen langfristigen Charakter auszeichnen, was mit dem Investitionsstil von SWF korrespondiert.
«Globale und branchenübergreifende Netzwerke wie KPMG unterstützen Staatsfonds beim Investment Management von internationalen Kapitalanlagen und ihren Investitionsentscheidungen.» Als Vertreter dieses gesteigerten Immobilienappetits seien exemplarisch der Norwegische Pensionsfonds und der GIC Fonds aus Singapur genannt. Der Norwegische Pensionsfonds hat anfangs 2011 angekündigt, seine Investitionen im ausländischen Real Estate Bereich auf 5 % des Fondsvermögens zu erhöhen, was einem Investitionsvolumen von 28 Mrd. US-Dollar entspricht. Auch der GIC-Fonds aus Singapur plant sein Real Estate Exposure von derzeit 9 % auf 12 % zu erhöhen. Hierfür besteht ein eigener Real Estate Fonds (GIC RE), welcher bereits heute zu den zehn grössten Immobilieninvestoren weltweit gehört. Im Unterschied zu den Opportunity-Fonds, welche vor der Finanzkrise aktiv waren, operieren SWF mit einem hohen Eigenkapitalgrad. Sie sind in erster Linie an Topobjekten (Core und Core-Plus) interessiert, welche auch einen Trophäencharakter aufweisen dürfen. Zuoberst auf der Einkaufsliste von SWF stehen Prime-Büroliegenschaften in den europäischen Metropolen wie Paris und London sowie Hotels im Topsegment. In jüngster Vergangenheit ist aber auch ein zunehmendes Interesse für Sekundärmärkte wie die Schweiz festzustellen.
Auch Schweizer Immobilien auf dem Radar der SWF Bei den schweizerischen Immobilieninvestitionen von SWF handelt es sich bisher um Anlagen in Hotels im Luxussegment. Der Staatsfonds Qatar Investment Authority hat Investitionen in den Schweizerhof und in die Bürgenstock-Betriebe getätigt. Mit weiteren Zukäufen darf auch in Zukunft gerechnet werden, liebäugeln doch auch andere global agierende Fonds aus dem asiatischen Raum wie Korea oder Malaysia mit Investitionen auf dem Schweizer Markt. Ein valabler Investor für Schweizer Immobilienanlagen wäre auch der Pensionsfonds aus Norwegen. Dem Kaufreigen von SWF werden durch die Grösse des Schweizer Immobilienmarktes natürliche Grenzen gesetzt, da nur eine limitierte Anzahl an Objekten die strengen Investitionskriterien der SWF erfüllt. Nichtsdestotrotz ist vor dem Hintergrund weiterhin volatiler Aktienmärkte mit einem verstärkten Engagement von ausländischen Staatsfonds in Schweizer Immobilien zu rechnen.
Fazit Staatsfonds gewinnen weltweit als Investoren an Bedeutung – nicht zuletzt auch in der Schweiz. SWF investierten im Zeitraum 2005 bis 2011 25 Mrd. Dollar in die Schweiz. Zum Vergleich: Das Total der direkten Investitionen in die Schweiz betrug 2010 rund 21 Mrd. Dollar. Der von der Schweiz eingeschlagene Weg einer offenen Politik gegenüber Staatsfondsinvestitionen ist zu begrüssen. Auslandsinvestitionen sichern dem Wirtschaftsstandort Schweiz einen ausreichenden Zufluss von Kapital und Know-how, was eine essenzielle Voraussetzung für dessen nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit ist.
Stefan Pfister Partner, Head Advisory Financial Services +41 44 249 26 67 stefanpfister@kpmg.com Ulrich Prien Partner, Real Estate Financial Services +41 44 249 21 77 uprien@kpmg.com
GIPS 2010: erste Erfahrungswerte Von Yvan Mermod und Ann-Mirjam Levy
2009 wurde die neue Version der Global Investment Performance Standards (GIPS 2010) mit einer Übergangsfrist bis 2011 veröffentlicht. Firmen, die GIPS anwenden, hatten die Neuerungen bis Ende 2011 einzuführen. Wir haben bei den Anwendern verschiedene Reaktionen auf diese Neuerungen wahrgenommen (abhängig von der Grösse der Unternehmen und deren Produktepalette). Keine wesentlichen Änderungen Verglichen mit vorhergehenden Versionen von GIPS betreffen die Änderungen vor allem den Wechsel vom Marktwert zu «fair Value», die Einführung einer Risikomessung und klare Anreize, einen unabhängigen Prüfer einzusetzen. Ausserdem haben die Firmen schriftlich darzulegen, wie sie das Vorhandensein der Aktiven sicherstellen. Mit der Anwendung des Fair Value-Konzepts für Investitionen tendiert GIPS bei der Bewertung in Richtung International Accounting Standards. Dabei enthalten die GIPS-Standards eine anzuwendende Hierarchie von Methoden für die Bewertung von kotierten Werten bis zur Anwendung von internen Modellen mit subjektiven Marktinformationen. Die Berechnung und Darstellung von Risikomessgrössen sowie der Ausweis von Risikoinformationen wurden während der Konsultationsperiode intensiv diskutiert. Letztendlich wird von den Firmen lediglich verlangt, über drei Jahre annualisierte Ex-post-Standardabweichungen für die Portfoliozusammensetzung und den Benchmark darzustellen. Falls diese vom Unternehmen als nicht relevant erachtet werden, müssen sie dies begründen und eine zusätzliche Risikomessgrösse angeben. Die Prüfung empfiehlt sich durch eine an den potenziellen Kunden gerichtete klare Stellungnahme zur Compliance, basierend auf der Bekanntgabe, ob die Firma geprüft wurde und wenn ja, für welche Periode. Weitere Änderungen bedingen zusätzliche Ausweise und Formalisierungen der Richtlinien und Prozesse. Keine grundsätzlichen Neuerungen Firmen, die nur in kotierte oder an einem anderen liquiden Markt gehandelte Wertschriften investieren, sind nur am Rande vom geänderten Bewertungskonzept betroffen, da bei solchen Investitionen ohnehin effektive Marktwerte existieren.
Andererseits sind Firmen, welche in andere Anlagetypen investieren, durch die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Bewertung betroffen. Diese Firmen müssen ihren bestehenden Kunden Angaben zur Bewertung ihrer Anlagen zur Verfügung stellen. Bei Fonds, für welche ein Net Asset Value berechnet wird, muss der Fair Value ausgewiesen werden. Für private Anleger besteht keine Ausweispflicht von Fair Values, jedoch zunehmend eine entsprechende Erwartung. Die Bewertungsproblematik ist dabei nicht auf die GIPS beschränkt, jedoch sollte die Einführung von internationalen Bewertungspraktiken in Betracht gezogen werden.
«Die Aufrechterhaltung der GIPS-Compliance kann für Vermögensverwalter, die in Private Equity, Hedge Funds und Immobilien investieren, eine komplexe Aufgabe sein.» Der zusätzliche Risikoausweis hat die Entwicklung neuer Berechnungsmethoden erfordert. In der Praxis ist die Berechnung dieser Messgrössen nicht schwierig, da die meisten bekannten Systeme die entsprechenden Module bereits entwickelt haben. Der zusätzliche Nutzen dieser Messgrössen wird von den Firmen allerdings nicht immer wahrgenommen, da entsprechende Informationen limitiert sind. Die Messgrössen werden jedoch auch im Zusammenhang mit UCITS IV und deren Integration ins KIID (Key Investor Information Document) verlangt. Eine entsprechende Regelung wird auch in der Schweiz eingeführt werden. Der nun im Ausweis zusätzlich verlangte Prüfungsnachweis ist in der Schweiz kein Hindernis, da die meisten Firmen die GIPS anwenden, bereits durch einen unabhängigen Prüfer geprüft werden. Auch die Anforderung bezüglich Dokumentation stellt keine Herausforderung dar, da für gewisse Bereiche die gesetzlichen Bestimmungen in der Schweiz von Firmen ohnehin – je nach Status – dokumentierte interne Richtlinien und Prozesse für die hauptsächlichen Geschäftsaktivitäten verlangen.
06 – Swiss Financial Services Newsletter – Mai 40 April2012 2012
Anspruchsvolle Standards Kleinere Firmen sehen zusätzliche Anforderungen wie z.B. die Risikomessung mit zusätzlicher Offenlegung aufgrund des damit verbundenen Aufwandes als zusätzlichen Kostenfaktor für die GIPS-Compliance an. Für grössere Firmen ist die Anpassung an die neue GIPS-Version jedoch kaum mit wesentlicher Mehrarbeit verbunden und stellt daher keine Herausforderung dar. Die Aufrechterhaltung der GIPS-Compliance kann jedoch für Vermögensverwalter, die in Private Equity, Hedge Funds und Immobilien investieren, eine komplexe Aufgabe sein. Die Einführung eines formalisierten Prozesses und der entsprechenden Kontrollen, der Unterhalt einer aktuellen Dokumentation und die Definition der Verantwortlichkeiten sind Herausforderungen, denen sich alle Firmen stellen müssen, die GIPS einhalten wollen. Dieser zusätzliche Aufwand scheint jedoch von den GIPS-Anwendern akzeptiert worden zu sein.
Pinnwand KPMG bietet regelmässig aktuelle informationen zu themen und trends, welche die Finanzbranche bewegen. Mehr dazu finden Sie unter kpmg.ch. Investment in Switzerland Die Schweiz als beliebter wirtschaftsstandort, april 2012 Um im globalen Umfeld wettbewerbsfähig zu sein, spielt die Standortwahl eine wichtige Rolle. Diese Publikation erläutert, weshalb die Schweiz bei Investoren und Unternehmen traditionellerweise zu den beliebtesten Wirtschaftsstandorten gehört.
IFrS Practice Issues applying the consolidation model to fund managers, März 2012 Die grosse Frage für Fonds Manager lautet: Sollen sie ihre verwalteten Fonds konsolidieren gemäss dem IFRS 10 Consolidated Financial Statement oder nicht. Unsere Broschüre dokumentiert die relevanten Kriterien und hilft Fonds Managern eine Antwort zu finden. Private Banking 2012 Privatbanken müssen fokussieren, Februar 2012
Fill the glass to the brim Succeeding in a changing world, april 2012 KPMG International hat erneut die Auswirkungen der UCITS IV-Richtlinien unter die Lupe genommen. Die Studie zeigt auf, dass ein bedeutender Anteil der EU-Mitgliedsstaaten die Richtlinien noch nicht umgesetzt hat.
Der hohe Regulierungs- und Kostendruck zwingt die Privatbanken zu neuen Geschäftsmodellen und einer klaren Kundensegmentierung. Dies zeigt die jüngste internationale Privatbankenstudie von KPMG und der Universität St. Gallen auf.
M&A Yearbook 2012 rückblick und ausblick, Januar 2012
Frontiers in Finance Forging forward: Financial Services 2012, März 2012
E-NEWSlETTEr Fund News Monatlicher Newsletter mit einer kurzen Übersicht über Entwicklungen in regulatorischen und steuerrechtlichen Fragestellungen sowie aktuellen Informationen rund um Anlagefonds. KPMGnews Zweiwöchentlicher Newsletter mit aktuellen Beiträgen zu Trends in verschiedenen Branchen und Märkten, unseren Medienmitteilungen und Veranstaltungen. compliance Matters Periodischer Newsletter mit Beiträgen zu regulatorischen Themen, die lokal und global die Finanzbranche betreffen. Abonnieren Sie diese kostenlosen Newsletter unter: kpmgnews.ch
EVENT-AGENDA Die Turbulenzen der Finanzkrise lösten heftige politische und regulatorische Reaktionen aus. Die Folge davon sind grosse Unsicherheiten für Banken, Versicherungen und Investment Manager. Wir veranschaulichen, wie sich Unternehmen in diesem Umfeld vorwärts bewegen können.
Mit Blick auf die globale Wirtschaftslage sind für dieses Jahr dynamische M&AAktivitäten im Schweizer Markt zu erwarten. Das M&A Yearbook 2012 kommentiert aktuelle Markttrends, präsentiert unternehmerische Markteinblicke und gibt einen analytischen Ausblick für 2012. KPMG Knowledge App
Investor assurance the road to transparency, März 2012 Um die Forderungen der institutionellen Anleger und Regulatoren nach mehr Transparenz zu erfüllen, haben viele Vermögensverwalter die verschiedenen Best-Practice-Standards übernommen. Eine Studie von KPMG zeigt jedoch, dass die Erfüllung vorgegebener Standards und die Dokumentation geforderter AssuranceBerichte nicht mehr ausreichend ist.
Mit der KPMG Knowledge iPad App haben Sie Zugriff auf die neuesten Studien, Newsletter und Blogeinträge von KPMG Schweiz. Wo immer und wann immer sie möchten.
IFrS Update for Financial Services 5. Juni 2012, 17–20 Uhr, Auditorium KPMG Zürich real Estate Summer /Networking Event 2012 28. August 2012, 18–22 Uhr, Belvoirpark Zürich KAG-Event – Investment Management Update 4. September 2012, 17–20 Uhr, Baur au Lac, Zürich
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42 – SwiSS Financial ServiceS newSletter – Mai 2012
Kontakte Daniel Senn Partner, Head of Financial Services Member of the Executive Board +41 44 249 27 57 dsenn@kpmg.com
Stefan Pfister Partner, Head Advisory Member of the Executive Board +41 44 249 26 67 stefanpfister@kpmg.com
Markus Schunk Partner, Head Investment Management Financial Services +41 44 249 33 36 markusschunk@kpmg.com
Benjamin Bloch Manager, Anwalt, Legal Financial Services +41 44 249 31 54 bbloch@kpmg.com
Darina Barrett Partner, Head of Investment Management, Financial Services +353 1 410 13 76 darina.barrett@kpmg.ie
Pascal Sprenger Manager, Rechtsanwalt, Legal Financial Services +41 44 249 45 26 psprenger@kpmg.com
Herausgeber – KPMG AG Redaktion – KPMG AG, Badenerstrasse 172, Postfach, CH-8026 Zürich Telefon +41-249 31 31, Telefax +41-249 25 92, Email: ch-fmmarketsfs@kpmg.com Redaktionsleitung – Markus Schunk, Head Investment Management – Heinz Weidmann, Financial Services – Manuela Zwald, Marketing Financial Services Gestaltung – Sandro Nicotera, Zürich Druck – Heer Druck, Sulgen Wiedergabe von Beiträgen nur mit schriftlicher Einwilligung der Redaktion und Quellenhinweis: KPMG’s Swiss Financial Service Newsletter Swiss Financial Services Newsletter erscheint dreimal jährlich in deutsch und englisch
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Ihr Feedback zum vorliegenden Newsletter sowie die Bestellung von weiteren Exemplaren nehmen wir gerne entgegen unter ch-fmmarketsfs@kpmg.com
Swiss Financial Services Newsletter - Mai 2012
Was bewegt die Schweizer Banken-, Vermögensverwaltungs- und Versicherungsbranche? Der Swiss Financial Services Newsletter schafft Klarheit z...

References: Art. 13
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 Art. 2

Art. 6

Art. 13

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 Art. 48

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Art. 10

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 Art. 20
 Art. 20
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 Art. 20
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 Art. 21
 Art. 21
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 Art. 37
 Art. 37
 Art. 13
 Art. 18
 Art. 18
 Art. 158
 Art. 80
 Art. 530
 Art. 53
 Art. 53
 Art. 699
 Art. 80
 Art. 89
 Art. 53
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