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Timestamp: 2019-04-20 01:37:35+00:00

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BGH, 29.03.1990 - III ZB 39/89 - dejure.org
Verfahrensunterbrechung - Selbstvertretung vor dem Landgericht - Urteilszustellung - Strafgerichtliches Berufsverbot - Berufungseinlegung
Verfahrensunterbrechung durch Berufsverbot gegen den sich vor dem Landgericht selbst vertretenden Rechtsanwalt
OLG Nürnberg, 03.05.1989 - 8 U 2088/88
BGH, 25.07.1989 - III ZB 39/89
BGHZ 111, 104
NJW 1990, 1854
ZIP 1990, 1630
MDR 1990, 702
NStZ 1990, 489
VersR 1990, 758
Zustellungen nach Eintritt der Unterbrechung sind gegenüber den Parteien unwirksam (vgl. BGH 29. März 1990 - III ZB 39/89 - BGHZ 111, 104) .
Eine Aufnahme ist hier durch den Beklagten - konkludent - erst mit Einlegung der Revision erklärt worden (zu dieser Möglichkeit vgl. BGH 29. März 1990 - III ZB 39/89 - aaO) .
d) Aus § 249 ZPO folgt, dass Handlungen des Gerichts, die - wie eine Zustellung - mit Außenwirkung während der Unterbrechung vorgenommen werden, grundsätzlich unwirksam sind (vgl. BGH…, Beschluss vom 21. März 2013 - VII ZB 13/12, NJW 2013, 2438 Rn. 14; Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 107, juris Rn. 21;… Beschluss vom 5. Februar 1965 - V ZB 12/64, BGHZ 43, 135, 136, juris Rn. 2).
Ein Urteil kann während der Unterbrechung weder erlassen (BGH…, Urteil vom 29. Januar 1976 - IX ZR 28/73, BGHZ 66, 59, 61, juris Rn. 5) noch wirksam zugestellt werden (vgl. BGH…, Beschluss vom 21. März 2013 - VII ZB 13/12, aaO; Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, aaO;… Beschluss vom 5. Februar 1965 - V ZB 12/64, aaO).
Zudem beginnen Fristen, die bei Eintritt der Unterbrechung noch nicht begonnen haben, erst nach dem Ende der Unterbrechung zu laufen (BGH, Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 108, juris Rn. 25; BGH…, Urteil vom 29. April 1953 - II ZR 132/52, BGHZ 9, 308, 309, juris Rn. 13).
Die Zustellung eines Verwerfungsbeschlusses des Berufungsgerichts nach § 522 Abs. 1 ZPO während der Unterbrechung des Berufungsverfahrens nach §§ 244, 249 ZPO ist grundsätzlich unwirksam (Anschluss an BGH, Beschluss vom 29. März 1990, III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 107).
bb) Während der Unterbrechung eines Verfahrens sind, wie § 249 ZPO zu entnehmen ist, Zustellungen seitens des Gerichts grundsätzlich unwirksam (vgl. BGH, Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 107 m.w.N.; Urteil vom 7. März 2002 - IX ZR 235/01, NJW 2002, 2107).
Im Anwaltsprozess tritt nach § 244 Abs. 1 ZPO eine Unterbrechung des Verfahrens ein, wenn der Rechtsanwalt einer Partei unfähig wird, die Vertretung der Partei fortzuführen (BGH, Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 106).
Diese Grundsätze gelten auch bei Eigenvertretung des Rechtsanwalts (vgl. BGH, Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 107;… Stein/Jonas/Roth, ZPO, 22. Aufl., § 244 Rn. 8 m.w.N.).
Dies hat - auch für den sich selbst vertretenden Anwalt (§ 78 Abs. 4 ZPO) - gemäß § 244 Abs. 1 ZPO zur Unterbrechung des Verfahrens geführt (vgl. BGHZ 111, 104 ff. Tz. 16 ff., zit. nach juris;… Zöller/Greger, a. a. O., § 244 Rdnr. 1 - 3).
Jedoch konnte das angefochtene Urteil während der Unterbrechung nicht wirksam zugestellt werden (vgl. BGHZ 111, 104 ff. Tz. 20 f., zit. nach juris;… Zöller/Greger, a. a. O., § 249 Rdnr. 7;… MünchKomm.ZPO/Gehrlein, 3. Aufl., § 249 Rdnr. 19).
Allerdings lag in der Einlegung der Berufung mit Schriftsatz vom 21.12.2009 zugleich eine Aufnahme des unterbrochenen Verfahrens (Anzeige der Bestellung eines neuen Anwalts) nach § 250 ZPO (vgl. BGHZ 111, 104 ff. Tz. 26 ff., zit. nach juris;… Zöller/Greger, a. a. O., § 250 Rdnr. 4;… MünchKomm.ZPO/Gehrlein, a. a. O., § 244 Rdnr. 20, § 250 Rdnr. 4).
Das Berufungsurteil war bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch nicht zugestellt und die Instanz deshalb noch nicht abgeschlossen (BGH 29. März 1990 - III ZB 39/89 - zu II 2 a der Gründe, BGHZ 111, 104) .
Vielmehr gewinnt die Regelung des § 244 Abs. 1 ZPO Vorrang, wonach der Tod des Prozessbevollmächtigten das Verfahren unterbricht (BGH, Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 107; RG JW 1913, 876, 877; KG, NJW-RR 2008, 142, 143;… Zöller/Greger, ZPO, 32. Aufl., § 246 Rn. 2a;… MünchKomm-ZPO/Stackmann, 5. Aufl., § 246 Rn. 8;… Stein/Jonas/Roth, ZPO, 23. Aufl., § 246 Rn. 3;… Wieczorek/Schütze/Gerken, ZPO, 4. Aufl., § 246 Rn. 3;… Musielak/Voit/Stadler, ZPO, 14. Aufl., § 246 Rn. 2;… Thomas/Putzo/Hüßtege, ZPO, 38. Aufl., § 246 Rn. 3;… Prütting/Gehrlein/Anders, ZPO, 9. Aufl., § 246 Rn. 5).
Hier sollte eine Verfahrensunterbrechung nicht stattfinden, weil der Vertreter auch noch nach dem Tod des Anwalts bis zu dessen Löschung in der Liste der Rechtsanwälte gemäß § 54 BRAO aF zur Vertretung berechtigt war (BGH, Urteil vom 27. Juni 1973 - VIII ZR 220/72, BGHZ 61, 84 ff; Beschluss vom 10. November 1981 - VIII ZR 315/80, NJW 1982, 2324 f; vom 29. März 1990, aaO;… KG, aaO S. 143).
Der Regelung des § 249 ZPO ist vielmehr zu entnehmen, das auch Handlungen des Gerichts, die nach außen vorgenommen werden, grundsätzlich unwirksam sind (BGH, Beschluss vom 29. März 1990 - III ZB 39/89, BGHZ 111, 104, 107).
Ein Rechtsanwalt, gegen den ein Berufsverbot verhängt ist, behält die Eigenschaft als Rechtsanwalt und auch seine Zulassung wird durch die vorläufige Maßnahme nicht berührt (BGHZ 111, 104, 106).
Unterliegt - wie hier - nur das zweitinstanzliche Verfahren dem Anwaltszwang (§ 78 Abs. 1 ZPO), greift § 244 ZPO, der ansonsten auch für den sich selbst vertretenden Rechtsanwalt (§ 78 Abs. 6 ZPO) gilt (BGHZ 111, 104, 107;… BGH, Urt. v. 7. März 2002 - XI ZR 235/01, NJW 2002, 2107;… Musielak aaO m.w.Nachw.) nur, wenn bei Anwaltsverlust bereits Berufung eingelegt worden war (…BGH, Urt. v. 18. September 1991 aaO).
Nach dem Willen des Gesetzgebers soll zur Wahrung der Rechtssicherheit der Rechtsverkehr generell nicht mit der Prüfung belastet werden, ob gegen den Rechtsanwalt ein Berufs- oder Vertretungsverbot besteht (BGHZ 111, 104, 106; OLG Karlsruhe, NJW-RR 1995, 626, 627;… Johnigk in Gaier/Wolf/Göcken, Anwaltliches Berufsrecht § 155 Rdn. 8 unter Hinweis auf die amtliche Begründung;… Feuerich/Weyland, BRAO 7. Aufl. § 155 Rdn. 9;… Henssler/Dittmann, BRAO 3. Aufl. § 155 Rdn. 7).
Handlungen des Gerichts, wie die Zustellung von Urteilen, sind unzulässig und beiden Parteien gegenüber unwirksam (BGH 29. März 1990 - III ZB 39/89 - BGHZ 111, 104).
Die Wirksamkeit von gleichwohl vorgenommenen anwaltlichen Rechtshandlungen (§ 155 Abs. 5 BRAO) ändert daran nichts (BGH 29. März 1990 - III ZB 39/89 -BGHZ 111, 104, 106;… Hüßtege in Thomas/Putzo ZPO 28. Aufl. § 244 Rn. 12;… Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann ZPO 65. Aufl. § 244 Rn. 5, 9;… Zöller/ Greger ZPO 26. Aufl. § 244 Rn. 3;… Musielak/Stadler ZPO 5. Aufl. § 244 Rn. 3;… Stein/Jonas/Roth ZPO 22. Aufl. § 244 Rn. 7;… Feuerich/Weyland BRAO 6. Aufl. § 155 Rn. 2).
BFH, 18.01.2000 - VII R 21/99
AGH Nordrhein-Westfalen, 25.11.2016 - 1 AGH 46/16
Widerruf, Zulassung, Rechtsanwaltschaft, Anfechtungsklage, Zulässigkeit, …
OVG Nordrhein-Westfalen, 20.08.2010 - 14 E 951/10
Zulässigkeit einer ergangenen Entscheidung eines Gerichts bei vorliegender …

References: BGH 
 BGH 
 § 249
 § 522
 § 249
 § 244
 § 244
 § 244
 § 244
 § 249
 § 249
 § 250
 § 250
 § 244
 § 250
 § 244
 § 246
 § 246
 § 246
 § 246
 § 246
 § 246
 § 246
 § 54
 § 249
 § 244
 § 155
 § 155
 § 155
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