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Timestamp: 2017-03-24 00:03:11+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 18 Sa 1724/07
Ei­ne Ge­werk­schaft ist zu­min­dest dann nicht be­rech­tigt, die von ei­nem Ar­beit­ge­ber ein­ge­rich­te­ten und aus­sch­ließlich für be­trieb­li­che Zwe­cke be­stimm­ten E-Mail-Postfächer der Ar­beit­neh­mer für ei­ne mas­sen­haf­te und oh­ne Ein­verständ­nis der Ar­beit­neh­mer durch­geführ­te Wer­be- und In­for­ma­ti­ons­maßnah­me per E-Mail zu nut­zen , wenn die E-Mail-Adres­sen un­ter Ver­s­toß ge­gen das BDSG 1990 ge­nutzt wur­den, und/oder
auch sol­che Ar­beit­neh­mer ei­ne E-Mail er­hal­ten, mit de­ren Ein­verständ­nis für den Emp­fang nicht ge­rech­net wer­den kann und die die E-Mail le­sen müssen, um für die Zu­kunft aus dem Ver­tei­ler der Ge­werk­schaft ge­nom­men zu wer­den.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­senUrt. v. 30.04.2008, Az.: 18 Sa 1724/07
Die Kläge­rin hat­te der Be­klag­ten zu 1) die dienst­li­chen E-Mail-Adres­sen ih­rer Mit­ar­bei­ter nicht zur Verfügung ge­stellt. Die Adres­sen der Ar­beit­neh­mer sind nach dem Mus­ter: "Vor­na­me.Nach­na­me@Do­main des Ar­beit­ge­bers" ge­bil­det. Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 28. Fe­bru­ar 2007 mahn­te die Kläge­rin die Be­klag­te zu 1) ab und for­der­te sie und die in der An­re­de auf­geführ­ten Be­klag­ten zu 2) und 3) auf, ei­ne straf­bewähr­te Un­ter­las­sungs­erklärung in Be­zug auf die Zu­sen­dung von E-Mails an Mit­ar­bei­ter und/oder die Wei­ter­ga­be der E-Mail-Adres­sen ab­zu­ge­ben (vgl. An­la­gen­kon­vo­lut AS 6 zur Kla­ge­schrift, Bl. 140 bis 142 der Ak­te). Die­ser Auf­for­de­rung ka­men die Be­klag­ten nicht nach.
Die Spei­che­rung und Nut­zung von Da­ten durch die Be­klag­te zu 1) ist nicht von § 28 Abs. 1 Satz 1 BDSG ge­deckt, da zu­min­dest in Be­zug auf die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin, die nicht Mit­glied der Be­klag­ten zu 1) sind, die be­trieb­li­che E-Mail-Adres­se nicht der Ab­wick­lung mit­glied­schaft­li­cher An­ge­le­gen­hei­ten dient (Nr. 1), die Da­ten nicht all­ge­mein zugäng­lich wa­ren oder von der Kläge­rin her­aus­ge­ge­ben wur­den (Nr. 3) und außer­dem nicht an­ge­nom­men wer­den kann, dass die ge­werk­schaft­li­che Wer­bung zur Wah­rung be­rech­tig­ter In­ter­es­sen er­for­der­lich war (Nr. 2). Er­for­der­lich im Sin­ne des § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG ist nur ei­ne Ver­wen­dung, zu der es kei­ne ob­jek­tiv zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ve gibt (Si­mi­tis-Si­mi­tis, BDSG, 5, Aufl., § 28 Rz 143; Go­la/Schome­rus, BDSG, 7. Aufl., § 28 RZ 34). Sch­ließlich kann für die Spei­che­rung und Nut­zung von Da­ten, die ei­nem rechts­wid­ri­gen Zweck die­nen (s. un­ten bb) ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se nicht vor­lie­gen (Go­la, MMR 2005, 17, 22).Für die Spei­che­rung und Nut­zung der Da­ten durch die Be­klag­te zu 1) ist § 28 Abs. 3 BDSG nicht her­an­zu­zie­hen, da die­ser Ab­satz nur sons­ti­ge Über­mitt­lun­gen oder Nut­zun­gen er­fasst. Zur Über­prüfung steht je­doch nur die ori­ginäre Ver­wen­dung der Da­ten, um ge­werk­schaft­li­che Wer­bung per E-Mail durchführen zu können. - 11 -
Die für die Be­klag­te zu 1) han­deln­den Be­klag­ten zu 2) und 3) konn­ten schließlich auch in der lau­fen­den Aus­ein­an­der­set­zung um das Stand­ort­kon­zept nicht un­ter­stel­len, dass al­le Ar­beit­neh­merder Kläge­rin mit der Über­sen­dung des Wer­be- und In­for­ma­ti­ons­briefs ein­ver­stan­den wa­ren
Die Re­vi­si­on war nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen.	m.hensche.de
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References: § 28
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 § 28
 § 72