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Timestamp: 2020-02-21 20:37:15+00:00

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Legal-News > SozialrechtsNews > Unfallversicherung > Der Behandlungsfehler des Durchgangsarztes
Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs ist eine Erstversorgung durch den D-Arzt der Ausübung eines öffentlichen Amtes zuzurechnen. Auf Anfrage hat der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs mitgeteilt, dass er an seiner gegenteiligen Auffassung nicht festhält22.
Das berufsgenossenschaftliche Heilverfahren wird beherrscht von dem Grundsatz, bei den Verletzungsfolgen, die eine fachärztliche Versorgung erfordern, möglichst in unmittelbarem zeitlichem Anschluss an den Unfall eine Versorgung durch den besonders qualifizierten D-Arzt sicherzustellen23. Deshalb wird der Verletzte verpflichtet, zunächst zum D-Arzt zu gehen, der entscheiden muss, welche Art der Weiterbehandlung erfolgen soll, und auch die sofort notwendige Erstversorgung durchzuführen hat. Beides hat seine Grundlage in der Verpflichtung der Berufsgenossenschaften, eine schnelle und sachgemäße Heilbehandlung zu gewährleisten24. Da der D-Arzt regelmäßig in engem räumlichem und zeitlichem Zusammenhang mit der Entscheidung über das „Ob“ und „Wie“ der Heilbehandlung und der diese vorbereitenden Maßnahmen auch als Erstversorger tätig wird, sind bei dieser Tätigkeit unterlaufende Behandlungsfehler der Berufsgenossenschaft zuzurechnen. Denn diese Tätigkeiten gehen ineinander über, können nicht sinnvoll auseinander gehalten werden und stellen auch aus Sicht des Geschädigten einen einheitlichen Lebensvorgang dar, der nicht in haftungsrechtlich unterschiedliche Tätigkeitsbereiche aufgespaltet werden kann25.
Dem steht nicht entgegen, dass die ärztliche Heilbehandlung regelmäßig nicht Ausübung eines öffentlichen Amtes im Sinne von Art. 34 GG ist. Die Erstversorgung wird in § 27 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII getrennt von der ärztlichen und zahnärztlichen Behandlung aufgeführt. Dies gilt auch für die §§ 6, 9, 10, 11 des Vertrags 2008, wonach bei Arbeitsunfällen die Heilbehandlung als allgemeine Heilbehandlung oder als besondere Heilbehandlung durchgeführt und die Erstversorgung davon unterschieden wird. Dies ist ein Indiz, dass an sie andere Rechtsfolgen geknüpft werden können als an die nach der Erstversorgung folgenden ärztlichen Behandlungen26.
Aufgabe der Rechtsprechung zur „doppelten Zielrichtung“, vgl. BGH, Urteil vom 09.12 2008 – VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115 Rn. 23; BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, BGHZ 63, 265, 273 f. [↩]
Aufgabe BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, BGHZ 63, 265 [↩]
vgl. BGH, Urteile vom 09.12 2008 – VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115 Rn. 14; vom 09.03.2010 – VI ZR 131/09, VersR 2010, 768 Rn. 8; vom 21.01.2014 – VI ZR 78/13, VersR 2014, 374 Rn. 15; BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, BGHZ 63, 265, 270 f. [↩]
vgl. BGH, Urteile vom 28.06.1994 – VI ZR 153/93, BGHZ 126, 297, 301; vom 09.12 2008 – VI ZR 277/07, aaO; vom 09.03.2010 – VI ZR 131/09, aaO; BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, aaO, 271 f. [↩]
vgl. BGH, Urteile vom 28.06.1994 – VI ZR 153/93, aaO, 300; vom 09.12 2008 – VI ZR 277/07, aaO Rn. 17; vom 09.03.2010 – VI ZR 131/09, aaO Rn. 9; BGH, Beschluss vom 04.03.2008 – VI ZR 101/07, juris; BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, aaO, 272 ff. [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.03.2010 – VI ZR 131/09, aaO Rn. 12; sogenannte Nachschau gemäß § 29 Abs. 1 des gemäß § 34 Abs. 3 SGB VII abgeschlossenen Vertrags, bei dem im Streitfall die ab 1.04.2008 geltende Fassung maßgeblich ist, veröffentlicht in DÄ 2008, A 285 [künftig: Vertrag 2008] [↩]
vgl. BGH, Urteile vom 09.12 2008 – VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115 Rn. 17; und vom 09.03.2010 – VI ZR 131/09, VersR 2010, 768 Rn. 10 [↩]
„doppelte Zielrichtung“; vgl. BGH, Urteil vom 09.12 2008 – VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115 Rn. 23; BGH, Beschluss vom 04.03.2008 – VI ZR 101/07 1; BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, BGHZ 63, 265, 273 f. [↩]
vgl. OLG Bremen, MedR 2010, 502, 503; OLG Hamm, GesR 2010, 137 18 ff.; OLG Oldenburg, VersR 2010, 1654 33 ff. [↩]
vgl. OLG Schleswig, GesR 2007, 207; LG Karlsruhe, MedR 2006, 728; wohl auch LG Dresden, MedR 2016, 71, 72 f. [↩]
vgl. Schlaeger, Die BG 2008, 19, 21 und ZAP Fach 2, 523, 524 ff.; Spickhoff/Greiner, Medizinrecht, 2. Aufl., Kap. 70 Rn. 357; Ziegler, GesR 2014, 65, 69 [↩]
vgl. Schlaeger, aaO; Ziegler, aaO [↩]
vgl. Frahm/Nixdorf/Walter, Arzthaftungsrecht, 5. Aufl., Rn. 5; Jorzig, GesR 2009, 400, 404; Martis/Winkhart-Martis, Arzthaftungsrecht, 3. Aufl., A 487; HK-AKM-Lissel, 1540, Stichwort: D-Arzt [Mai 2015], Rn. 28; Nußstein, VersR 2015, 165, 166 f.; Olzen, MedR 2002, 132, 135, 137; Olzen/Kaya, MedR 2010, 504, 505; Wank, SGb 1995, 316, 317 [↩]
vgl. Frahm/Nixdorf/Walter, aaO S. 12 mwN; HK-AKM-Lissel, aaO; Olzen, MedR 2002, 132, 137; Wank, SGb 1995, 316, 317 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, BGHZ 63, 265, 272 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.12 2008 – VI ZR 277/07, BGHZ 179, 115 Rn. 23; BGH, Beschluss vom 04.03.2008 – VI ZR 101/07 1 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, BGHZ 63, 265, 273 f. [↩]
BGH, Beschluss vom 10.11.2016 – III ARZ 2/16 [↩]
BGH, Urteil vom 09.12 1974 – III ZR 131/72, BGHZ 63, 265, 273 f. [↩]
vgl. OLG Bremen MedR 2010, 502, 503; OLG Hamm, GesR 2010, 137 18 ff. und OLGR Hamm 2004, 269; OLG München, AHRS 0180/111 [↩]
vgl. Frahm/Nixdorf/Walter, Arzthaftungsrecht, 5. Aufl. Rn. 5; HK-AKM-Lissel, 1540, Stichwort: Durchgangsarzt [Mai 2015], Rn. 29; Laufs/Kern/Kern, Handbuch des Arztrechts, 4. Aufl., Kap. 39 Rn. 38; Olzen/Kaya, MedR 2010, 504 f.; Pauge, Arzthaftungsrecht, 13. Aufl., Rn. 13; Spickhoff/Greiner, Medizinrecht, 2. Aufl., Kap. 70 Rn. 357; aA Kreft, LM Art. 34 GG Nr. 99a, Bl. 70, 71 f.; Klaus Müller, SGb 1975, 511 f.; Nußstein, VersR 2015, 165, 166 f.; Wolber, Die Sozialversicherung 1982, 263, 264 [↩]
vgl. Lauterbach/Dahm, UV-SGB VII [Januar 2015], § 34 Rn. 4 [↩]
vgl. Kreft, aaO; Klaus Müller, aaO, 511 [↩]
vgl. Kreft, aaO; Nußstein, aaO, 167 [↩]
vgl. Nußstein, aaO, 166 [↩]

References: Art. 34
 § 27
 § 29
 § 34
 Art. 34
 § 34