Source: http://doczz.com.br/doc/769751/frauen-haben-rechte.-rechtliche-information--praktische-h..
Timestamp: 2018-01-19 11:03:58+00:00

Document:
Frauen haben Rechte. Rechtliche Information, praktische Hinweise
haben Recht(e)
Rechtliche Information,
praktische Hinweise und
Autorin: Mag.a Petra Smutny, LL.M. (UPenn)
Gesamtumsetzung: Abteilung IV/4
Gestaltung: BMBF
Herstellung (Druck): PAUL GERIN GmbH & Co KG, Wolkersdorf
Wien, 2015; 6. Neuauflage
Fotonachweis: Astrid Knie (3)
Auszugsweiser Abdruck ist nur mit Quellenangabe gestattet, alle sonstigen Rechte sind
vorbehalten. Es wird darauf verwiesen, dass alle Angaben in dieser Publikation trotz
sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr erfolgen und eine Haftung des Bundesministeriums
für Bildung und Frauen und der Autorin ausgeschlossen ist. Rechtsausführungen stellen die
unverbindliche Meinung der Autorin dar und können der Rechtsprechung der unabhängigen
Gerichte keinesfalls vorgreifen.
Ihre Überlegungen zu vorliegender Publikation übermitteln Sie bitte an iv/[email protected]
BMBF-Frauensektion
Web: www.bmbf.gv.at/frauen/publikationen
Als Frauenministerin ist mir der Schutz von
Frauen vor Gewalt besonders wichtig.
Die gesetzlichen Errungenschaften seit
dem ersten Gewaltschutzgesetz 1997 und
das umfassende Unterstützungsangebot für
Betroffene gelten international als vorbildlich. Dennoch ist es noch immer nicht einGabriele Heinisch-Hosek
fach, Gewalthandlungen zu verhindern oder
sich ausreichend Schutz und Hilfe zu suchen.
Die vorliegende Broschüre informiert Sie über Ihre Rechte und
Unterstützungsmöglichkeiten. Aktuelle Gesetzesänderungen - insbesondere der verbesserte strafrechtliche Schutz vor sexueller Gewalt und gewissen Formen der psychischen Gewalt - sind in dieser
Neuauflage eingearbeitet.
Ich hoffe, dass diese Informationen für alle, die selbst von Gewalt betroffen sind – oder Betroffenen zu helfen versuchen – eine
wertvolle Unterstützung sind, um der Gewalt ein Ende zu setzen.
1  Frauen haben Recht(e)............................................................................. 11
2  Wenn unmittelbar Gefahr droht............................................................ 13
2.1  Polizeinotruf 133 und Euronotruf 112.................................13
2.2  Frauenhelpline 0800 222 555...............................................14
2.3 Frauenhäuser........................................................................14
2.4  Wichtige weitere Ansprechstellen.........................................15
2.4.1  Kriminalpolizeiliche Beratung........................................15
2.4.2 Opfer-Notruf.................................................................16
2.5 fem:HELP-App.....................................................................16
3  Gewalt im sozialen Nahraum................................................................ 17
3.1 Allgemeines..........................................................................17
3.2  Polizeiliche Maßnahmen......................................................18
3.2.1  »Wer schlägt, der geht«..................................................18
3.2.2  Betretungsverbot und Wegweisung.................................18
3.2.3  Dauer des Betretungsverbotes........................................19
3.2.4  Was tun, wenn sich der Gewalttäter nicht an das Betretungsverbot hält?...........................................................19
3.2.5  Was passiert nach Erlassung des Betretungsverbotes?.....19
3.2.6  Betretungsverbot und Haft.............................................20
3.3  Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle Wien......................20
3.4  Die »Gewaltschutz-Verfügungen« durch das Gericht...........21
3.4.1  Voraussetzungen für eine Einstweilige Verfügung...........22
3.4.2  Gibt es Fristen für eine Einstweilige Verfügung?.............24
3.4.3  Wo ist eine Einstweilige Verfügung zu beantragen?........24
3.4.4  Wie ist ein Antrag auf Erlassung einer Einstweiligen
Verfügung zu stellen?.....................................................24
3.4.5  Was kann das Gericht verfügen?....................................26
3.4.6  Wie lange gilt die Einstweilige Verfügung?.....................26
3.4.7  Was passiert, nachdem eine Einstweilige Verfügung
erlassen wurde?..............................................................27
3.4.8  Was tun, wenn sich der Gewalttäter nicht an die Einstweilige Verfügung hält?..................................................27
3.4.9  Kann ich es mir noch einmal überlegen?........................27
3.4.10  Was kostet eine Einstweilige Verfügung?......................27
3.4.11. Muster für die Beantragung einer Einstweiligen Verfügung...............................................................................28
4 Strafverfahren................................................................................................33
4.1  Straftatbestände gegen Gewalt.............................................33
4.2  Straftatbestand gegen fortgesetzte Gewaltausübung.............35
4.3  Der Gang des Strafverfahrens...............................................35
5 Anzeige.............................................................................................................37
5.1  Soll oder muss ich eine Anzeige machen?.............................37
5.2  Anzeigeerstattung und Vernehmung vor der Polizei..............37
5.2.1  Vernehmung durch eine Beamtin....................................37
5.2.2  Beiziehung einer Vertrauensperson.................................37
5.2.3  Vernehmung von Kindern (und Jugendlichen)................37
5.3  Sicherung von Sachbeweisen................................................38
5.4  Verletzungsdokumentation und Spurensicherung.................39
5.5 Anlaufstellen im Spital.........................................................41
6 Prozessbegleitung......................................................................................43
6.1  Prozessbegleitung im Strafverfahren.....................................44
6.2  Prozessbegleitung im Zivilverfahren.....................................44
6.3  Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche......................45
7  Ihre Rechte als Opfer im Strafverfahren.........................................47
7.1  Die Prüfung durch die Staatsanwaltschaft............................47
7.2 Opferrechte..........................................................................48
7.2.1  Wann gelte ich als Opfer?...............................................48
7.2.2  Welche Rechte habe ich als Opfer im Strafverfahren?.....49
7.3  Als Zeugin vor Gericht ........................................................50
7.3.1  Aussagepflicht, Wahrheitspflicht.....................................50
7.3.2  Vertrauenspersonen, Prozessbegleitung..........................50
7.3.3  Muss ich alles beantworten?..........................................50
7.3.4  Werde ich mit dem Beschuldigten vor Gericht zusammentreffen?....................................................................52
7.4  Der Privatbeteiligtenanschluss..............................................53
7.4.1  Was bringt die Beteiligung am Strafverfahren?...............53
7.4.2  Form des Privatbeteiligtenanschlusses und die damit
verbundenen Kosten......................................................54
7.4.3  Muster für einen schriftlichen Privatbeteiligtenanschluss...........................................................................56
7.4.4  Rechte von Privatbeteiligten...........................................57
7.4.5  Ansprüche minderjähriger Kinder oder besachwalteter
Personen........................................................................57
7.4.6 Verjährung.....................................................................57
7.4.7  Wie kann das Strafgericht über meine Ansprüche entscheiden?.......................................................................58
7.5 Diversion..............................................................................60
7.5.1  Was passiert bei der Diversion?......................................60
7.5.2 Tatausgleich...................................................................61
7.6 Täterarbeit/Anti-Gewalt-Trainings........................................63
7.6.1  Was ist ein Täterarbeitsprogramm?................................63
7.6.2  Schutz der Partnerin während des Programms...............64
7.7 Fortführungsantrag..............................................................65
8 Schadenersatz..............................................................................................67
8.1 Voraussetzungen..................................................................67
8.2  Wer entscheidet über Schadenersatzansprüche?....................68
9 Verfahrenshilfe..............................................................................................71
9.1  Verfahrenshilfe im Zivilverfahren.........................................71
9.2  Verfahrenshilfe im Strafverfahren.........................................73
10  Opferschutzmaßnahmen im Zivilverfahren.................................75
10.1  Psychosoziale Prozessbegleitung.........................................75
10.2  Geheimhaltung der Wohnanschrift.....................................75
10.3  Abgesonderte Vernehmung.................................................76
11  Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung............................79
12  Sexuelle Belästigung..............................................................................81
12.1  Strafrechtliches Verbot der sexuellen Belästigung...............81
12.2  Verbot der sexuellen Belästigung (und anderer Belästigungen) nach den Gleichbehandlungsgesetzen....................82
13 K.O.-Tropfen..................................................................................................85
13.1  Was sind K.O.-Tropfen?.....................................................85
13.2  Wie wirken K.O.-Tropfen?.................................................86
13.3  Was kann ich tun?..............................................................86
14  Gewalt gegen Frauen mit
Behinderungen.....................................................................................89
15  Stalking (Psychoterror)..........................................................................91
15.1  Was versteht man unter Stalking?.......................................91
15.2 Abhilfemaßnahmen............................................................92
15.2.1  Allgemeines und Sofortmaßnahmen.............................92
15.2.2  Strafrechtliche Verfolgung von »Stalkern«...................93
15.2.3  Einstweilige Verfügung.................................................94
15.2.4 Beratung......................................................................94
16 Menschenhandel.......................................................................................97
16.1  Schutzmaßnahmen für Opfer von Menschenhandel...........98
16.1.1  Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel
(IBF)..............................................................................98
16.1.2  Anlaufstelle des Bundeskriminalamtes..........................99
16.1.3  Aufenthalt besonderer Schutz.......................................99
17 Genitalverstümmelung........................................................................ 101
18 Zwangsheirat............................................................................................ 105
19  Gewaltbetroffene Migrantinnen...................................................... 109
19.1  Niederlassungsrecht von Familienangehörigen.................109
19.2  Aufenthaltsberechtigung besonderer Schutz.....................110
19.3  Arbeitsmarktzugang für Migrantinnen bei Gewalt in
der Familie.......................................................................110
19.4  Muttersprachliche Beratung.............................................111
20  Finanzielle Hilfe........................................................................................113
20.1  Entschädigungsvorschuss durch den Bund........................113
20.2  Verbrechensopfergesetz (VOG)........................................113
20.2.1  Wer hat Anspruch auf Leistungen nach dem VOG?...113
20.2.2  Welche Hilfeleistungen gibt es für das Opfer selbst?...114
20.2.3  Welche Hilfeleistungen gibt es für Hinterbliebene?.....114
21 Adressen......................................................................................................117
21.1 Notrufnummern...............................................................117
21.1.1  Rund um die Uhr und bundesweit..............................117
21.1.2  Rund um die Uhr und regional...................................118
21.2 Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen.........................118
21.3 Frauenhäuser/Frauennotwohnungen................................121
21.4  Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt gegen
Frauen und Mädchen – Frauennotrufe.............................129
21.5 Gleichbehandlung............................................................131
21.6  Weitere Beratungseinrichtungen.......................................133
21.6.1  Beratung bei Gewaltbetroffenheit ..............................133
21.6.2  Psychosoziale und juristische Prozessbegleitung.........133
21.6.3 Opferhilfe..................................................................133
21.6.4 Migrantinnen.............................................................134
21.6.5 Frauenhandel.............................................................136
21.6.6 Prostitution................................................................137
21.6.7 Männerberatungsstellen.............................................139
21.7  Auf Kinder und Jugendliche spezialisierte
Beratungseinrichtungen....................................................139
22 Stichwortverzeichnis............................................................................ 142
1  Frauen haben Recht(e)
Jeder Frau kann Gewalt widerfahren. Sie betrifft Frauen aller
Altersstufen, aller Schichten und Kulturen und Frauen in den
verschiedensten Lebensumständen und Situationen: in der
familiären Beziehung, am Arbeitsplatz, unter »Freunden«, im
Körperliche und sexuelle Angriffe sind oft verbunden mit
Psychoterror, Erniedrigung und Isolation. Wer Opfer eines solchen Angriffs geworden ist, wird häufig nicht nur durch körperliche Schmerzen immer wieder daran erinnert – je nach Schwere des
Vorfalls können Gefühle des Zorns, der Angst, der Kränkung, der
Ohnmacht hochkommen, mit denen sich die Betroffenen dann auch
noch ziemlich alleine gelassen fühlen können. Auch der Druck, das
Leben nach außen hin – vielleicht für vorhandene Kinder – unter
Kontrolle halten zu müssen, und die häufig berechtigte Furcht vor
weiteren Übergriffen können lähmen und es erschweren, bei Insti­
tutionen wie Polizei und Justiz Schutz und Hilfe zu suchen – ja
selbst, sich einer Beratungsstelle anzuvertrauen.
Sind Sie persönlich betroffen, sollen Sie andererseits gerade
jetzt, wenn es vor allem gilt, Schutz zu suchen oder Ihre Ansprüche durchzusetzen, kühlen Kopf bewahren. Vielleicht braucht aber
auch Ihr Kind Hilfe nach einem körperlichen oder sexuellen Übergriff und Sie fühlen sich überfordert darüber zu entscheiden, worauf Sie sich im Falle einer Anzeige einlassen und was Sie dem Kind
Die Verantwortung für Gewalt liegt immer bei der Person, die
sie ausübt. Opfer von Gewalt haben Anspruch auf Schutz, Sicherheit und Hilfe.
Eine logische Folge des täglichen Umgangs mit Opfern ist aber,
dass Polizei, Anwaltschaft, Justiz und Beratungsstellen für Fachleute Selbstverständliches nicht immer erklären und daher für Sie
vieles unbekannt oder total unverständlich scheint. Im nachfolgenden Leitfaden finden Sie die wesentlichsten Informationen über all11
gemeine Verfahrensabläufe zusammengefasst. Sie können dann in
Ruhe die wichtigsten Informationen nachlesen.
Wenn Sie noch keine Beratungsstelle kontaktiert haben, finden
Sie Kontaktdaten von Einrichtungen, die entweder selbst Beratung
und/oder Betreuung anbieten oder Sie zu den für Sie nächstgelegenen, speziell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmten Einrichtungen verweisen können. Am Ende der Broschüre finden Sie ein Stichwortverzeichnis, das Ihnen das Auffinden der für Sie jeweils notwendigen Information erleichtern soll.
2  Wenn unmittelbar Gefahr droht
Wenn unmittelbare Gefahr droht, ist Ihre Sicherheit – und die Ihrer
Kinder – das wichtigste Ziel. Abhängig von der Situation wenden
Sie sich in einem ersten Schritt an eine der folgenden Stellen.
2.1 Polizeinotruf 133 und Euronotruf 112
Wenn Ihnen oder Ihrem Kind akute Gefahr droht, sollten Sie nicht
zögern und die Polizei unter der Notrufnummer 133 oder 112
(Euro­notruf) um Hilfe rufen. Diese Notrufe sind gebührenfrei,
funktionieren in jedem Netz und auch ohne Guthaben, bei eingeschalteter Tastensperre und ohne SIM-Karte. Sie gelangen automatisch in die nächstgelegene Polizeidienststelle, die dann alle weiteren erforderlichen Maßnahmen veranlasst. Die Polizei ist verpflichtet, sofort zu kommen!
Haben Sie Grund zur Annahme, dass es innerhalb Ihrer Wohnung zu Übergriffen kommen kann, kontrollieren Sie vorsorglich, ob der Empfang Ihres Handys in allen Räumen der Wohnung
(etwa auch im Bad oder WC) funktioniert. Machen Sie Ihre Kinder
(alters­entsprechend) mit dem Notruf vertraut.
Wenn Sie wissen, dass der Gewalttäter Zugang zu Schusswaffen oder Sie schon einmal mit einer anderen Waffe (z.B. Messer)
bedroht hat, teilen Sie das den Beamtinnen/Beamten unverzüglich
Je nach Situation und Größe der Gefahr haben die Beamtinnen/Beamten die Möglichkeit,
die gewalttätige Person in Haft zu nehmen;
eine Anzeige aufzunehmen (dazu sind sie immer dann verpflich­
tet, wenn es zu einer strafbaren Handlung, wie z.B. einer Körperverletzung oder gar einem Raub oder einer Vergewaltigung
gekommen ist – auch wenn der Täter noch nicht bekannt ist!);
eine Wegweisung aus der Wohnung/ein Betretungsverbot
2.2 Frauenhelpline 0800 222 555
Lassen Sie sich beraten, wie Sie sich in Ihrer speziellen Situation
konkret noch besser schützen können. Die Frauenhelpline informiert über alle frauenspezifischen Hilfs- und Opferschutzeinrichtungen österreichweit; auf Wunsch anonym und bei Bedarf ebenso
in Arabisch, Englisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Rumänisch,
Spanisch und Türkisch. Die Mitarbeiterinnen der Frauenhelpline
stehen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr bundesweit zur Verfügung. Die Telefonnummer 0800 222 555 ist kostenlos! Weitere Informationen erhalten Sie auch unter www.frauenhelpline.at.
Im Adressteil finden Sie weitere Notrufnummern.
2.3 Frauenhäuser
In akutgefährlichen Situationen (z.B. in Zeiten der Trennung von
einem gewalttätigen Partner) ist es manchmal nicht zu vermeiden,
dass Sie (und Ihre Kinder) vorübergehend eine sichere Unterkunft
Halten Sie es für möglich, dass Sie in nächster Zeit eine sichere
Unterkunft aufsuchen müssen, ist es sehr hilfreich, die Telefonnummer einer Notunterkunft (z.B. eines Frauenhauses) oder einer Vertrauensperson an einer jederzeit verfügbaren Stelle (z.B. Zettel in
Geldbörse) griffbereit zu haben oder die wichtigsten Nummern auf
Ihrem Handy und dem Ihrer Kinder einzuspeichern.
Führen Sie eventuell auch vorbeugende Gespräche mit Nachbarinnen/Nachbarn und Freundinnen/Freunden Ihres Vertrauens,
damit diese für Sie im Notfall die Exekutive verständigen.
Bereiten Sie – wenn sich eine konkrete Gefahrensituation abzeichnet – für Akutsituationen einen »Notfallkoffer« mit notwendigen Dokumenten, Adressen, Medikamenten, Schlüsseln, Kleidung, Geld usw. vor.
Frauenhäuser gibt es in ganz Österreich. Sie bieten Frauen, die
Gewalt durch ihren Partner/Ehemann erleben, und ihren Kindern
eine sichere Wohnmöglichkeit. Sie stehen allen weiblichen Gewalt­
opfern mit ihren Kindern offen.
Eine Telefonliste sämtlicher Frauenhäuser in Österreich finden
Sie im Adressteil. Die Adressen der Frauenhäuser sind teilweise aus
Sicherheitsgründen anonym.
2.4  Wichtige weitere Ansprechstellen
2.4.1  Kriminalpolizeiliche Beratung
Wenn Sie sich auch durch praktische Maßnahmen (wie z.B. durch
den Einbau von Sicherheitsschlössern, die effiziente Verwendung
von Gegensprechanlagen oder einfache Schutzmaßnahmen wie das
Steckenlassen von Schlüsseln etc.) schützen wollen, lassen Sie sich
von Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern der Kriminalpolizeilichen Beratung, die unter Umständen auch zu Ihnen nach Hause kommen,
Polizeiliche Beratung über solche Sicherheitsmaßnahmen erhalten Sie bundesweit in zahlreichen Polizeikommanden (in Wien
auch im 7. Bezirk, Andreasgasse 4 [Ecke Mariahilfer Straße]).
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.bmi.gv.at >
Prävention oder unter der Telefon­nummer 0800 216 346 (bundesweit zum Nulltarif).
2.4.2 Opfer-Notruf
Der Opfer-Notruf 0800 112 112 steht allen Betroffenen von Straftaten bzw. allen, die im Zusammenhang mit Straftaten Hilfe suchen, als Anlaufstelle zur Verfügung. Sie werden kostenlos, vertraulich und anonym rund um die Uhr bei der Planung der nächsten
Schritte unterstützt und erhalten Informationen über Ihre Rechte
als Opfer sowie über Beratungs- und Betreuungseinrichtungen, an
die Sie sich in Ihrem konkreten Fall wenden können. Weitere Informationen unter www.opfer-notruf.at.
2.5 fem:HELP-App
Die fem:HELP-App für Android-Handys und iPhones kann Ihnen
helfen, wenn Sie sich in einer Notsituation befinden und bietet
Ihnen die Möglichkeit, Hilfseinrichtungen rasch und unkompliziert zu kontaktieren. Außerdem ist es damit möglich, Gewalterfahrungen unterschiedlicher Art zu dokumentieren. Wenn Sie
Gewalt erfahren haben und rasch Hilfe benötigen, haben Sie damit
einen direkten Zugriff auf den Polizei-Notruf und die Frauenhelp­
line (auch Gehörlosen-Notruf), die App verbindet direkt mit der
Hilfseinrichtung.
Näheres zu Installation und Funktionsweise der App finden Sie auf
der Homepage der Bundesministerin für Bildung und Frauen
unter http://www.bmbf.gv.at/frauen/
3  Gewalt im sozialen Nahraum
3.1 Allgemeines
Am 1. Mai 1997 trat das so genannte »Gewaltschutzgesetz« in
Kraft, mit folgenden drei Säulen:
Das polizeiliche Betretungsverbot/die polizeiliche Wegweisung: Die Polizei ist ermächtigt, einem Gewalttäter das Betreten einer Wohnung (oder Haus) und deren unmittelbaren Umgebung für eine gewisse Dauer zu verbieten und nötigenfalls
mit Zwangsgewalt wegzuweisen (siehe dazu Kapitel 3.2).
Die gerichtliche Einstweilige Verfügung: Zivilgerichte können einem gewalttätigen Mitbewohner durch eine Einstweilige
Verfügung auftragen, die Wohnung längerfristig zu verlassen;
dies anschließend an ein polizeiliches Betretungsverbot oder
auch unabhängig davon (siehe dazu Kapitel 3.4).
Die Unterstützung der gewaltbetroffenen Frauen: Die Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen gegen Gewalt unterstützen
aktiv und kostenlos die betroffenen Frauen und deren Kinder
(siehe dazu Kapitel 3.3).
Informationen über das Gewaltschutzgesetz finden Sie auf der
Homepage der Bundesministerin für Bildung und Frauen unter
http://www.bmbf.gv.at/frauen/index.xml > Gewalt gegen Frauen >
Häusliche Gewalt und der Homepage der Informationsstelle gegen
Gewalt www.aoef.at.
Bei der Informationsstelle gegen Gewalt können Sie entweder
online unter www.aoef.at oder telefonisch unter 01 544 08 20 auch
kostenlos Folder über das Gewaltschutzgesetz bestellen. Die Folder
stehen in folgenden Sprachen zur Verfügung: Albanisch, Arabisch,
Bosnisch, Bulgarisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch,
Kroatisch, Mazedonisch, Persisch (Farsi), Polnisch, Romanes, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch,
Türkisch und Ungarisch, ebenso in Blinden/Brailleschrift und für
gehörlose Frauen (»Schrei gegen Gewalt«).
3.2  Polizeiliche Maßnahmen
3.2.1  »Wer schlägt, der geht«
Müssen Sie oder Ihre Kinder durch eine Person, die in derselben
Wohnung bzw. im selben Haus lebt – insbesondere also durch Ihren
Ehepartner, Lebensgefährten oder durch sonstige Verwandte oder
Mitbewohner einer Wohngemeinschaft – Gewalt erleiden oder
werden Sie von diesen Personen bedroht, dann sollen Sie (und Ihre
Kinder) nicht der gewalttätigen Person weichen müssen, sondern in
der vertrauten Umgebung verbleiben können.
3.2.2 Betretungsverbot und Wegweisung
Wenn die Polizei auf Grund bestimmter Tatsachen – insbesondere
nach einer Misshandlung oder Drohung – annehmen muss, dass
Ihre Gesundheit, Ihre Freiheit oder gar Ihr Leben gefährdet sind,
kann sie dem Gewalttäter sofort verbieten, die Wohnung (oder
Haus) sowie deren unmittelbare Umgebung für eine gewisse Dauer
(wieder) zu betreten und – sollte er sich weigern, die Wohnung (das
Haus) zu verlassen, nötigenfalls auch mit Gewalt wegzuweisen.
Die Polizei nimmt dem weggewiesenen Gewalttäter in einem
solchen Fall sofort die Schlüssel zur Wohnung ab. Der Gewalttäter
darf lediglich dringend benötigte Gegenstände des persönlichen Bedarfs mitnehmen.
Betretungsverbot bzw. Wegweisung kommen auch gegenüber
Gewalttätern in Betracht, mit denen Sie nicht (mehr) gemeinsam
leben – beispielsweise, wenn es im Zuge einer Besuchsrechtsausübung zu Übergriffen durch Ihren Exmann kommt oder nachdem
Ihr Partner aus der Haft entlassen wurde. Auch wenn Sie mit dem
Gewalttäter nicht zusammengelebt haben (z.B. Partnerschaft mit
getrennter Wohnung) ist ein Betretungsverbot bzw. eine Wegweisung grundsätzlich möglich.
Wenn Ihr noch nicht 14-jähriges Kind direkt gefährdet ist,
kann sich das Betretungsverbot bzw. die Wegweisung auch auf die
Schule, den Kindergarten und den Hort samt einem Umkreis von
50 Metern erstrecken.
3.2.3  Dauer des Betretungsverbotes
Das Betretungsverbot gilt vorerst zwei Wochen. Missachtet der Gewalttäter das Betretungs­verbot, macht er sich strafbar.
Das Betretungsverbot kann nur von der Sicherheitsbehörde –
nicht durch Sie als Betroffene (indem Sie den Gewalttäter allenfalls
wieder in die Wohnung lassen) – vorzeitig aufgehoben werden.
Wenn Sie sofort, jedoch längstens innerhalb der zweiwöchigen Frist, bei Gericht einen Antrag auf Erlassung einer Einstweiligen Verfügung (siehe Kapitel 3.4) stellen, endet das Betretungsverbot erst nach vier Wochen – bis dahin sollte in der Regel über den
Antrag auf Einstweilige Verfügung durch das Gericht auch bereits
3.2.4  Was tun, wenn sich der Gewalttäter nicht an das
Betretungsverbot hält?
Während der ersten drei Tage hat die Polizei die Einhaltung des Betretungsverbotes durch Aufsuchen Ihrer Wohnung/Ihres Hauses zu
Unabhängig davon sollten Sie bei jeder Missachtung sofort die
3.2.5  Was passiert nach Erlassung des Betretungsverbotes?
Die Polizei muss jeden Einsatz bei Gewalt in der Familie dokumentieren. Wenn Sie bei Gericht einen Antrag auf Erlassung einer
Einstweiligen Verfügung stellen (siehe Kapitel 3.4), wird diese Dokumentation vom Gericht eingeholt.
Nach einer Wegweisung/einem Betretungsverbot werden Sie
vom Gewaltschutzzentrum/von der Interventionsstelle gegen Gewalt (siehe Kapitel 3.3) kontaktiert werden. Die dazu not­wendigen
Informationen bekommt das Gewaltschutzzentrum/die Interventionsstelle von der Polizei.
3.2.6 Betretungsverbot und Haft
Auch wenn der Gewalttäter festgenommen wurde, kann die Polizei ein Betretungsverbot verhängen, weil dieser möglicherweise nur
sehr kurzfristig in Haft sein kann. Über die Verhängung bzw. Aufhebung der Untersuchungshaft entscheiden Staatsanwaltschaft und
Von einer allfälligen Enthaftung des Gewalttäters werden Sie
verständigt. Hinterlassen Sie zu diesem Zweck auch eine geeignete
Telefonnummer, unter der Sie innerhalb der nächsten Tage erreichbar sind.
Wenn diese Telefonnummer dem Gewalttäter nicht bekannt
ist, ersuchen Sie die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft oder das
Gericht, diese Nummer nicht zur Anzeige/zum Akt zu nehmen,
sondern gesondert anzuschließen. Darüber hinaus können in Fällen besonderer Gefährdung auch Aktenbestandteile mit Ihren personenbezogenen Daten, die dem Gewalttäter nicht bekannt sind,
von der Akteneinsicht durch diesen ausgenommen werden.
3.3 Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle Wien
Die Gewaltschutzzentren (in Wien Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie genannt), sind Opferschutzeinrichtungen, die
Frauen und Kinder unterstützen, die Gewalt (einschließlich Stalking) erleiden oder davon bedroht sind.
Es gibt in jedem Bundesland Österreichs ein Gewaltschutz­
zentrum (in Wien Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie
genannt). In manchen Bun­desländern gibt es auch Regionalstellen.
Im Adressteil finden Sie eine Liste sämtlicher Gewaltschutzzentren/
der Interventionsstelle Wien.
Das Angebot der Gewaltschutzzentren/der Interventionsstelle
Wien umfasst grundsätzlich:
Hilfestellung zur Erhöhung von Schutz und Sicherheit für Sie
und Ihre Kinder bei Betroffenheit von Gewalt;
Information und Unterstützung nach einer Wegweisung, Anzeige oder Verhaftung des Täters oder nach einer Streitschlichtung durch die Polizei;
Beratung über weitere rechtliche Schritte/juristische
Prozessbegleitung;
Unterstützung beim Formulieren und Einbringen von Anträgen bei Gericht, v.a. zur Antragstellung auf Erlassung der
Einstweiligen Verfügung;
Hilfestellung bei Behördenkontakten;
Begleitung zu polizeilichen Vernehmungen und Gerichtsverhandlungen/psychosoziale Prozessbegleitung;
Weitervermittlung – auf Ihren Wunsch – an andere Einrichtungen (Frauenhäuser, Frauen- und Familienberatungsstellen,
Kinderschutzeinrichtungen, Psychotherapeutinnen, etc.).
Bei Bedarf und abhängig von der Gefährdungssituation erstellen die Mitarbeiterinnen mit Ihnen auch einen individuellen
Sicherheitsplan.
Für Frauen und Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache
bieten die Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle Wien auch
teilweise muttersprachliche Beratung und Unterstützung an (siehe
Kapitel 3.3 und 19).
3.4  Die »Gewaltschutz-Verfügungen« durch das
Auch wenn es (noch) kein polizeiliches Betretungsverbot gibt, kann
das Zivilgericht dem Gewalttäter auftragen, die Wohnung zu ver21
lassen und für eine festgesetzte Dauer nicht mehr zurückzukehren.
Gibt es bereits ein polizeiliches Betretungsverbot, trägt das Gericht
dem Gewalttäter auf, für eine festgesetzte Dauer weiterhin der
Wohnung fernzubleiben.
Das Gericht kann auch den Aufenthalt des Täters an bestimmten Orten verbieten sowie die Kontaktaufnahme des Täters mit der
betroffenen Frau (und deren Kindern).
3.4.1  Voraussetzungen für eine Einstweilige Verfügung
Der Antrag auf Erlassung einer Einstweiligen Verfügung kann sich
darauf beschränken, dass der Gewalttäter Ihre Wohnung und deren unmittelbare Umgebung nicht mehr betreten soll – so genannte
Einstweilige Verfügung zum Schutz vor Gewalt in Wohnungen.
Sie können aber gleichzeitig (oder auch ausschließlich!) eine
Einstweilige Verfügung beantragen, mit der verfügt wird, dass der
Gewalttäter sich von bestimmten Orten fernhalten muss und mit
Ihnen keinen Kontakt aufnehmen darf – so genannte Einstweilige
Verfügung zum Allgemeinen Schutz vor Gewalt. Wenn Sie zum Beispiel mit dem Gewalttäter nie zusammengelebt haben, können Sie
sich auf diesen Antrag beschränken.
3.4.1.1  Einstweilige Verfügung zum Schutz vor Gewalt in
Mit dieser wird dem Gewalttäter das Verlassen der Wohnung und
deren unmittelbarer Umgebung aufgetragen und die Rückkehr
dorthin verboten.
Sie können sie beantragen,
wenn Sie von einer Person, mit der Sie zusammenleben oder
zusammengelebt haben (unabhängig davon, ob es sich dabei um Ihren Partner, Ex-Partner, ein Familienmitglied oder
aber z.B. einen Mitbewohner in einer Wohnungsgemeinschaft
handelt),
misshandelt oder bedroht werden oder wenn diese Person psychischen Terror ausübt,
Ihnen das weitere Zusammenleben dadurch unzumutbar ist,
Sie auf die Wohnung angewiesen sind und
Sie sich längerfristig schützen wollen oder müssen.
Die Eigentums- und Besitzverhältnisse an der betreffenden
Wohnung spielen keine Rolle. Daher kann dem Gewalttäter auch
dann das Verlassen der Wohnung aufgetragen werden, wenn ihm
diese gehört.
3.4.1.2  Einstweilige Verfügung zum Allgemeinen Schutz vor
Mit dieser wird dem Gewalttäter der Aufenthalt an bestimmten
Orten verboten und ihm aufgetragen, ein Zusammentreffen bzw.
eine Kontaktaufnahme mit Ihnen zu vermeiden.
Sie können sie beantragen, wenn
Sie von einer Person misshandelt, bedroht oder psychisch terrorisiert werden – unabhängig davon, ob Sie mit dieser Person
je zusammengelebt haben (so z.B. auch, wenn es sich um einen
Arbeitskollegen oder einen flüchtig Bekannten handelt),
Ihnen das weitere Zusammentreffen dadurch unzumutbar ist,
keine schwerwiegenden Interessen des Gewalttäters
ent­­­­­ge­genstehen.
Sie können diese unabhängig von der Einstweiligen Verfügung
zum Schutz vor Gewalt in Wohnungen beantragen oder gemeinsam mit dieser.
3.4.2  Gibt es Fristen für eine Einstweilige Verfügung?
Um lückenlosen Schutz nach einem polizeilichen Betretungsverbot
zu erreichen, müssen Sie sich innerhalb von zwei Wochen nach dem
Einsatz der Polizei an das Gericht wenden. Die Einstweilige Verfügung setzt aber nicht voraus, dass die Polizei ein Betretungsverbot
ausgesprochen hat: Sie können also auch unabhängig davon und
ohne an eine Frist gebunden zu sein das Gericht aufsuchen.
3.4.3  Wo ist eine Einstweilige Verfügung zu beantragen?
Zuständig ist in der Regel das Bezirksgericht Ihres Wohnsitzes.
Die Telefonnummer und die Adresse des zuständigen Gerichtes können Sie unter www.justiz.gv.at im Suchfenster »GERICHT
SUCHEN« erfahren.
Achtung: Die Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle Wien (siehe
dazu Kapitel 3.3) unterstützen sie bei der Antragstellung!
Sie können den Antrag auf Einstweilige Verfügung schriftlich
einbringen oder am Amtstag (in der Regel am Dienstag; Achtung:
telefonische Voranmeldung notwendig!) mündlich zu Protokoll geben. In dringenden Fällen muss der Antrag vom Gericht auch außerhalb des Amtstages aufgenommen werden. Ein Muster für eine
Einstweilige Verfügung finden Sie am Ende dieses Kapitels.
Dazu haben Sie als Nachweis der Beeinträchtigungen so genannte »Bescheinigungsmittel« bei Gericht vorzulegen, die Sie – soweit greifbar – gleich bei der Antragstellung mitnehmen sollten.
Als Bescheinigungsmittel kommen zum Beispiel in Betracht:
Ihre Aussage, aber auch die
Aussagen von Zeuginnen/Zeugen (Freundinnen/Freunden,
Nachbarinnen/Nachbarn, Verwandten – bitte genaue Adresse
parat haben!);
Befunde der Hausärztin/des Hausarztes oder des Spitals;
Fotos über Beschädigungen oder Verletzungen (auf dem Handy
speichern oder sofort entwickeln lassen!);
Bestätigungen von Therapeutinnen/Therapeuten;
Information über Einsätze der Polizei;
Betretungsverbot und Wegweisung durch die Polizei;
Information über aktuelle Strafanzeigen (wenn möglich mit
Aktenzeichen);
Information über frühere Strafanzeigen, Verurteilungen,
Tatausgleiche;
ein Bericht einer Opferschutzeinrichtung (Frauenhaus, Beratungsstelle, Gewaltschutzzentrum/Interventionsstelle, Prozessbegleitung, sonstige Beratungseinrichtung);
kaputte Kleidung oder Gegenstände.
Bei der Antragstellung wird in der Regel auch gleich Ihre Aussage aufgenommen werden. Liegt schon ein polizeiliches Betretungsverbot vor, werden die Berichte der Polizei vom Gericht direkt angefordert.
Es ist ratsam, sich vor der Antragstellung von einem
Gewaltschutzzentrum/einer Interventionsstelle beraten zu lassen.
Vertreterinnen der Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen können Sie bei Gericht begleiten, Sie können aber auch eine andere
Vertrauens­person beiziehen.
Das Gericht kann eine Einstweilige Verfügung auch erlassen,
ohne den Gewalttäter dazu zu befragen.
3.4.5  Was kann das Gericht verfügen?
Das Gericht kann auf Ihren Antrag hin dem Gewalttäter auftragen:
die Wohnung und die unmittelbare Umgebung der Wohnung
zu verlassen;
die Wohnung und die unmittelbare Umgebung nicht mehr zu
sich an bestimmten Orten (wie z.B. dem Kindergarten, der
Schule, dem Spielplatz der Kinder oder Ihrer Arbeitsstelle)
nicht aufzuhalten und/oder
Kontaktaufnahme mit Ihnen (z.B. per Telefon, SMS oder durch
»Abpassen«) zu vermeiden (siehe dazu auch unter »Stalking«,
Kapitel 15).
3.4.6  Wie lange gilt die Einstweilige Verfügung?
Die Geltungsdauer einer Einstweiligen Verfügung zum Schutz vor
Gewalt in Wohnungen (Verbot die Wohnung zu betreten) ist grundsätzlich auf sechs Monate beschränkt. Wenn Sie zugleich mit dem
Antrag auf Einstweilige Verfügung oder innerhalb der festgelegten
Geltungsdauer ein familienrechtliches Verfahren einbringen, kann
die Verfügung aber bis zum Ende dieses Verfahrens wirken. Ein familienrechtliches Verfahren ist z.B. eine Scheidungsklage – das Zufügen körperlicher Gewalt oder schweren seelischen Leides ist im
Gesetz ausdrücklich als schwere Eheverfehlung angeführt!).
Die Geltungsdauer einer Einstweiligen Verfügung zum Allgemeinen Schutz vor Gewalt (Verbot bestimmte Orte aufzusuchen
oder Kontakt aufzunehmen) ist grundsätzlich auf ein Jahr beschränkt und ist bei Zuwiderhandeln verlängerbar.
erlassen wurde?
Wenn das Gericht Ihrem Antrag folgt und eine Einstweilige Verfügung erlässt, aber auch wenn es eine solche aufhebt, muss es darüber die Polizei und – wenn eine/r der Betroffenen minderjährig ist
– auch das Jugendamt (Kinder- und Jugendhilfeträger) informieren.
Die Kontrolle über das Verlassen der Wohnung erfolgt entweder durch das Gericht oder unter Mithilfe der Polizei. Die Schlüssel
des Gewalttäters, der sich seine persönlichen Sachen in Anwesenheit der Beamtinnen/Beamten mitnehmen darf, werden bei Gericht
3.4.8  Was tun, wenn sich der Gewalttäter nicht an die
Einstweilige Verfügung hält?
Der Gewalttäter macht sich strafbar, wenn er sich nicht an eine
Einstweilige Verfügung hält.
Verständigen Sie sofort die Polizei, die vor Ort und notfalls
mit Zwang dafür zu sorgen hat, dass der Gewalttäter die verfügten
Maßnahmen einhält. Darüber wird auch das Gericht informiert.
3.4.9  Kann ich es mir noch einmal überlegen?
Wenn Sie dies wünschen, können Sie einen Antrag auf Erlassung einer Einstweiligen Verfügung auch wieder zurückziehen oder – für
den Fall, dass der Beschluss bereits erlassen wurde – auf deren Vollzug verzichten. Dies müssen Sie bei Gericht bekannt geben.
3.4.10  Was kostet eine Einstweilige Verfügung?
Für ein polizeiliches Betretungsverbot entstehen Ihnen keine Kosten, bei Einbringung eines Antrages auf Einstweilige Verfügung
sind gleichfalls keine Gebühren zu entrichten.
Auch die Leistungen der Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen sind kostenlos. Kosten für beigezogene Anwältinnen/Anwälte sind in der Regel selbst zu tragen.
3.4.11. Muster für die Beantragung einer Einstweiligen
geb. am: 01.01.1977
Annastraße 1, 4020 Linz
Tel.: 0732/11 22 33
Vertrauensperson: Susi Roth
Tel.: 0732/60 77 60
Antragsgegner/in: Hans Meier
geb. am: 01.01.1971
derz. Abgabestelle:
Hansstraße 1, 4020 Linz, Tel.: …
Antrag auf Erlassung einer Einstweiligen Verfügung
nach § 382b, § 382e EO
nach § 64 Abs 1 Z 1 lit b – f ZPO
Ich bin mit dem Antragsgegner seit 01.07.2007 verheiratet. Unserer Ehe
entstammt das mj. Kind Franz, geb. 01.01.2008.
(oder: Ich war mit dem Antragsgegner von 01.07.2007 bis 30.06.2009
verheiratet. Unserer Ehe entstammt das mj. Kind Franz, geb. 01.01.2008.)
(oder: Ich lebe mit dem Antragsgegner seit 01.07.2007 in Lebensgemeinschaft. Dieser Lebensgemeinschaft entstammt das mj. Kind Franz, geb.
01.01.2008.)
(oder: Ich lebte mit dem Antragsgegner in der Zeit von 01.07.2007 bis
30.06.2009 in Lebensgemeinschaft. Dieser Lebensgemeinschaft entstammt
das mj. Kind Franz, geb. 01.01.2008.)
Der letzte gemeinsame Aufenthalt bis zur polizeilichen Wegweisung des Antragsgegners am 16.06.2013 befand sich in Annastraße 1, 4020 Linz. Diese
(Gemeinde-/Eigentums-/Miet)Wohnung besteht aus Küche, WZ, SZ, Bad,
Bescheinigungsmittel zu den persönlichen Verhältnissen:
-meine Vernehmung
-Scheidungsurteil oder Scheidungsbeschluss des Gericht
Darstellung des Gewaltvorfalls
Am 18.06.2013 nahm ich zum Gewaltschutzzentrum/zur Interventionsstelle
Bescheinigungsmittel zum Vorfall:
-Polizeiliche Dokumentation des Betretungsverbotes und der Wegweisung
vom 16.06.2013 (GZ 147/08)
-Strafanzeige wegen §§ 83, 107 StGB vom 16.06.2013 (AZ 9999)
-Ambulanzkarte des UKH Linz vom 16.06.2013
-Zeugin/Zeuge (Namen, Adressen, TelNrn)
Durch das geschilderte Verhalten des Antragsgegners ist für mich das
weitere Zusammenleben mit ihm unzumutbar.
Die Wohnung dient der Befriedigung meines dringenden Wohnbedürfnisses, da ich nicht in der Lage bin, für mich und mein mj. Kind Franz
anderswo eine geeignete Wohnmöglichkeit zu schaffen. Aufgrund der
Gestaltung der Wohnung ist eine Trennung der Lebensbereiche, die
meine Sicherheit vor weiteren Gewalttätigkeiten des Antragsgegners
gewährleisten würde, nicht möglich.
Schwerwiegende Interessen des Antragsgegners laufen dem unten
beantragten Aufenthalts- bzw. Kontaktverbot nicht zuwider.
Die beantragten Maßnahmen sind zur Wahrung meines Wohles und meiner
körperlichen, seelischen und psychischen Gesundheit erforderlich.
Bescheinigungsmittel zum Wohnbedürfnis und zur Unzumutbarkeit des weiteren Zusammenlebens:
Aus den oben genannten Gründen beantrage ich die Erlassung folgender
Einstweiligen Verfügungen nach den §§ 382b, 382e EO:
Dem Antragsgegner wird aufgetragen, die Wohnung in Annastraße 1,
4020 Linz und die nachstehend aufgelistete unmittelbare Umgebung
Eingangsbereich, Stiegenhaus
zu verlassen/bzw./und/
dem Antragsgegner wird die Rückkehr in die Wohnung Annastraße 1,
4020 Linz und deren unmittelbare Umgebung verboten.
Dem Antragsgegner wird der Aufenthalt an folgenden Orten und deren
unmittelbaren Umgebung verboten:
Ort: Firma X
Adresse: Firmenstraße 1, 1040 Wien
Wirkungsbereich Straßen:
Ort: Volksschule 21
Adresse: Schulstraße 1, 4020 Linz
Wirkungsbereich Straßen: gesamter Straßenbereich der Schulstraße
vom Hauptplatz bis zur Mozartkreuzung
(Tipp: Hier kann es hilfreich sein, Auszüge vom Stadtplan mit gekennzeichneten Straßenverläufen anzuschließen)
Dem Antragsgegner wird aufgetragen, das Zusammentreffen sowie
die Kontaktaufnahme mit der Antragstellerin zu vermeiden.
Die oben beantragten Maßnahmen sind sofort zu vollziehen, die Antragstellerin ist vom Zeitpunkt des Vollzugs zu verständigen und die
Exekutive ist zu beauftragen, jeweils auf Ersuchen der Antragstellerin hin den der einstweiligen Verfügung gemäß den §§ 382b, 382e EO
entsprechenden Zustand durch unmittelbare Befehls- und Zwangs­
gewalt herzustellen.
4.a) Die Einstweilige Verfügung gilt für die Dauer von 6 Monaten (§ 382b
EO) bzw. 12 Monate (§382e EO).
b) Für den Fall, dass innerhalb der gesetzten Frist Scheidung/Aufteilung
des ehelichen Gebrauchsvermögens begehrt wird, gilt die erlassene
Einstweilige Verfügung bis zur rechtskräftigen Beendigung dieses
Der Antragsgegner ist schuldig, der Antragstellerin allfällige Kosten
des Verfahrens binnen 14 Tagen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.
Gleichzeitig beantrage ich, mir Verfahrenshilfe im Umfang des § 64
Abs.1 Z 1 lit b bis f ZPO zu bewilligen.
Es erfolge die Zustellung einer Ausfertigung der Entscheidung über
diesen Antrag an das Gewaltschutzzentrum Linz.
Linz, am ... Unterschrift:
4 Strafverfahren
4.1  Straftatbestände gegen Gewalt
Wer Gewalt gegenüber anderen Menschen ausübt, wird in der
Regel vom Staat strafrechtlich verfolgt. Im Strafverfahren wird
geklärt, ob eine Person eine bestimmte gerichtlich strafbare
Handlung begangen hat und welche Strafe dafür verhängt wird.
Die Staatsanwaltschaft ist verpflichtet, alle strafbaren Handlungen von Amts wegen zu verfolgen, von denen sie (zumeist durch
einen Bericht der Polizei) Kenntnis erlangt.
Das Strafverfahren ist von einem Zivilverfahren zu unterscheiden, in dem es um die Durchsetzung privatrechtlicher Ansprüche geht – z.B. Scheidungs- oder Unterhaltsverfahren, Schadenersatzprozess, Verfahren betreffend Gewaltschutzverfügung
etc.. Der Staat wird hier nicht wie im Strafverfahren von Amts
wegen tätig, sondern auf Ihren Antrag oder Ihre Klage hin. Bestimmte Ansprüche können jedoch im Strafverfahren gleich
»miterledigt« werden (siehe Kapitel 7.4).
Es gibt allerdings auch im Strafverfahren Ausnahmen, wo
der Staat nicht von Amts wegen tätig wird, nämlich die so genannten Privatanklage- und Ermächtigungsdelikte. Bei einem
Privatanklagedelikt tritt die geschädigte Person als »Privatankläger« auf. Ein Beispiel hierfür sind Beleidigungen. Bei einem Ermächtigungsdelikt kann die Staatsanwaltschaft nur dann tätig
werden, wenn Sie als Opfer eine Ermächtigung erteilen. So wird
zum Beispiel eine sexuelle Belästigung nur unter der Voraussetzung verfolgt, dass die belästigte Person die Ermächtigung dazu
erteilt (siehe dazu Kapitel 12.1).
Eine Ermächtigung kann bis zum Schluss der Hauptverhandlung wieder zurückgezogen werden.
Die für Sie hier wesentlichen strafrechtlichen Delikte finden
sich im Strafgesetzbuch (StGB). Es sind dies vor allem (versuchter)
Mord(§ 75 StGB), Körperverletzung (§§ 83 ff StGB), Freiheitsentziehung (§ 99 StGB), Nötigung (§§ 105 f StGB), Gefährliche Drohung
(§ 107 StGB), Beharrliche Verfolgung »Stalking« (§ 107a StGB),
Fortgesetzte Gewaltausübung (§ 107b StGB), Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems („Cyber-Mobbing“ § 107c StGB), Vergewaltigung (§ 201
StGB), Geschlechtliche Nötigung (§ 202 StGB), Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung (§ 205a StGB), Sexuelle Belästigung und
öffentliche geschlechtliche Handlungen (§ 218 StGB).
Gewalt im sozialen Nahraum, insbesondere Partnergewalt,
wird heute als besonders verwerflich angesehen. Dies kommt auch
dadurch zum Ausdruck, dass der Täter strenger als in anderen Fällen bestraft werden kann, wenn er ein Gewaltdelikt
gegen eine Angehörige,
gegen eine Person, mit der er zusammenlebt, oder
gegen eine Person, gegenüber der ihm eine Autoritätsstellung
zukommt, begeht.
Zu den Angehörigen werden hier auch die frühere Ehefrau
oder Lebensgefährtin des Täters gezählt. Eine Person, mit der der
Täter zusammenlebt, ist beispielswiese eine Mitbewohnerin einer
Wohngemeinschaft. Eine Autoritätsstellung kann dem Täter z.B.
im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses oder als Vorgesetzter
4.2  Straftatbestand gegen fortgesetzte
Dieser Straftatbestand ermöglicht, Gewalthandlungen (z.B. körperliche Misshandlungen, gefährliche Drohungen,…), die über einen
längeren Zeitraum erfolgen – wie dies bei häuslicher Gewalt typischer Weise der Fall ist – in ihrer Gesamtheit zu betrachten und entsprechend strenger zu bestrafen.
Die Grundstrafdrohung beträgt bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.
Tatbestände, wie z.B. fortgesetzte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres oder gegen gebrechliche und behinderte Menschen, das Zufügen sexualisierter
Gewalt, sowie eine lange Dauer oder besonders schwere Folgen der
Gewalt, werden erheblich strenger bestraft.
4.3  Der Gang des Strafverfahrens
Das einmal mit der Anzeige ausgelöste Strafverfahren können Sie
grundsätzlich weder beenden noch betreiben, da dies die Aufgabe
von Polizei und Justiz ist. In der Regel können Sie also eine Anzeige
auch nicht »zurückziehen«.
Im Folgenden wird der Ablauf eines Strafverfahrens näher dargestellt. Im Kapitel 5 finden Sie Informationen über die Anzeigeerstattung und Tipps zur Beweisaufnahme. Im Kapitel 6 erhalten
Sie Informationen über eine mögliche kostenlose psychosoziale und
rechtliche Unterstützung im Verfahren. Im Kapitel 7 werden wichtige Eckpunkte der strafrechtlichen Verfolgung aus Opfersicht dargestellt und Sie auf Ihre wesentlichen Rechte hingewiesen.
5 Anzeige
5.1  Soll oder muss ich eine Anzeige machen?
Wer immer von einer strafbaren Handlung Kenntnis erlangt, ist berechtigt sie anzuzeigen. Verpflichtet sind Sie dazu aber grundsätzlich nicht. Zur Erstattung der Anzeige wenden Sie sich am besten
an Ihre nächstgelegene Polizeidienststelle.
Sind Sie oder Ihre Kinder Opfer von (sexualisierter) Gewalt,
können Sie bereits zur Frage, ob Sie Anzeige erstatten wollen, kostenlose rechtliche und psychosoziale Unterstützung (so genannte
Prozessbegleitung) in Anspruch nehmen (siehe dazu Kapitel 6).
5.2  Anzeigeerstattung und Vernehmung vor der
5.2.1  Vernehmung durch eine Beamtin
Sind Sie Opfer familiärer und/oder sexueller Gewalt, so haben Sie
das Recht, durch eine Beamtin einvernommen zu werden.
5.2.2  Beiziehung einer Vertrauensperson
Zu einer polizeilichen Vernehmung dürfen Sie immer eine Person
Ihres Vertrauens (beispielsweise eine Freundin, Kollegin oder Beraterin eines Frauennotrufes – siehe auch Kapitel 6) mitnehmen.
Spezielle Erleichterungen bei Vernehmungen bestehen auch
vor Gericht (siehe Kapitel 7.3).
5.2.3  Vernehmung von Kindern (und Jugendlichen)
Besondere Vorschriften und Schutzmöglichkeiten bestehen schon
für die polizeiliche Vernehmung von Kindern und Jugendlichen,
insbesondere bei unter 14 Jahre alten Opfern von Sexualdelikten
oder Kindesmisshandlungen. Hier werden in der Regel besonders
geschulte Kriminalbeamtinnen/Kriminalbeamte tätig, die teilweise
über dazu speziell eingerichtete (auch kindgerechte) Befragungszimmer verfügen.
Setzen Sie sich in einem solchen Fall persönlich mit der Kriminalpolizeilichen Beratung (Gruppe Opferschutz) unter der Telefonnummer 0800 216 346 (österreichweit zum Nulltarif; Montag bis
Freitag 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr, außerhalb dieser Zeiten können Sie
Ihr Anliegen auf Band sprechen – Sie werden dann zurückgerufen)
oder unter www.bmi.gv.at > Prävention in Verbindung oder veranlassen Sie die Beamtinnen/Beamten Ihres zuständigen Wachzimmers mit diesen Kolleginnen/Kollegen Kontakt aufzunehmen.
Die Polizei hat die Verpflichtung, diese besonders geschulten
Beamtinnen/Beamten umgehend zu verständigen, sofern deren Zuständigkeitsbereich betroffen ist und kein unverzügliches Einschreiten erforderlich ist.
Für professionelle Unterstützung in dieser schwierigen Phase
wenden Sie sich an eine auf Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
spezialisierte Beratungseinrichtung (siehe Adressteil).
Zum Thema Gewalt gegen Kinder und Jugendliche können
Sie auch beim Bundesministerium für Familien und Jugend unter
der Telefonnummer 01 711 00-0 (bzw. 0800 240 262) oder unter
www.bmfj.gv.at > Familie > Gewalt zahlreiche Informationsmaterialien erhalten.
5.3  Sicherung von Sachbeweisen
Vor allem nach sexuellen Übergriffen haben Frauen oft das Bedürfnis, alle Spuren so rasch wie möglich zu beseitigen, zum Beispiel
verschmutzte Kleidung wegzuwerfen oder sich zu duschen. Derartige Beweismittel sind jedoch enorm wichtig für spätere Gerichts-
verfahren, weshalb Sie diesem verständlichen Wunsch nicht sofort
nachgeben sollten.
Aus Art und Form der Sachbeschädigungen bzw. der Verletzungen lassen sich vor Gericht oft wesentliche Schlüsse auf den Tat­
hergang ziehen. Bei eher geringfügigen Sachbeschädigungen oder
Verletzungen können diese Informationen auch ohne Einholung eines Sachverständigengutachtens die alleinige Grundlage für Entschädigungen durch die verdächtige Person bilden.
Erfolgt eine Anzeige, hat die Polizei neben Ihrer Vernehmung,
der Vernehmung der verdächtigen Person und allfälliger Zeuginnen/Zeugen auch Sachbeweise (z.B. zerrissene Kleidung) zu sichern. Auch Verletzungen und Spuren am Körper müssen, soweit
dies möglich ist, von der Polizei dokumentiert werden (siehe dazu
5.4  Verletzungsdokumentation und
Unabhängig von Ihrem Wunsch, Anzeige zu erstatten oder nicht,
sollten Sie nach einem gewalttätigen körperlichen oder sexuellen
Übergriff jedenfalls die erforderliche medizinische Hilfe in Anspruch nehmen – und idealerweise dabei oder möglichst zeitnah
eine klinisch-forensische Untersuchung zur Beweissicherung durchführen lassen. Im Zuge einer solchen Untersuchung werden Befunde
nämlich gerichtsverwertbar dokumentiert und gespeichert. Bereits
die Gewissheit, dass der Übergriff keine längerfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgelöst hat, kann Sie entlasten.
Achtung! Spuren am Körper gehen oft bereits nach wenigen
Stunden verloren, Verletzungen verändern sich und heilen. Dokumentierte Verletzungen, gesicherte Spuren sind wichtige Beweismit-
tel im Strafverfahren. Sie können Ihnen belastende Befragungen ersparen und das Verfahren erheblich verkürzen!
Wenn Sie eine Anzeige erstatten, werden Sie von der Polizei
automatisch auf die notwendig erachteten Schritte zur Sicherung
von Beweismaterial aufmerksam gemacht.
Wenn Sie (noch) keine Anzeige erstatten wollen, sollten Sie
sich trotzdem so rasch wie möglich von einer/einem in der Dokumentation von (sexuellen) Verletzungen geschulten Ärztin/Arzt untersuchen lassen. Auf die ärztlichen Befunde können Sie dann –
sollten Sie zu einem späteren Zeitpunkt Anzeige erstatten wollen
– zurückgreifen.
Alles, was Sie der Ärztin/dem Arzt in Gesprächen anvertrauen,
bleibt in der Regel vertraulich, solange Sie die Ärztin/den Arzt nicht
von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden. Unter bestimmten
Umständen trifft die Ärztin/den Arzt jedoch die Pflicht, eine Anzeige bei der Polizei zu machen, oder – wenn minderjährige oder
besachwaltete Personen betroffen sind – das Jugendamt oder das
Pflegschaftsgericht zu verständigen. Klären Sie das im Gespräch mit
der Ärztin/dem Arzt ab!
In Graz gibt es eine klinisch-forensische Ambulanz, die auf die
Untersuchung von Gewaltopfern und die Dokumentation von Verletzungen spezialisiert ist. Sie vermittelt auch notwendige medizinische Abklärungen und Behandlungen und stellt bei Bedarf den
Kontakt zu weiterführender Beratung mit erfahrenen Einrichtungen her.
Klinisch-forensische Ambulanz des Ludwig-BoltzmannInstituts für klinisch-forensische Bildgebung
Universitätsplatz 4/2. Stock, 8010 Graz
Notfallnummer 0664 843 82 41 (24 Stunden täglich)
In Wien können Sie folgende Adresse kontaktieren:
01 40 160-35602
Über nächstgelegene Möglichkeiten der spezialisierten klinisch-forensischen Untersuchung wenden Sie sich auch an die
Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen (Adressteil 18.2) bzw.
Notrufe für vergewaltigte Frauen (Adressteil 18.4).
Anlaufstellen im Spital
Wenn Ihnen körperliche und/oder sexualisierte Gewalt angetan
wurde, kann die Krankenhausambulanz die erste Anlaufstelle sein.
Neben der Gewaltambulanz in Graz sind in den österreichischen
Krankenanstalten auf häusliche Gewalt spezialisierte Teams vorgesehen. Für Erwachsene heißen diese Teams Opferschutzgruppen,
Kinderschutzgruppen. Es kann sein, dass eine Gruppe beide Aufgaben wahrnimmt, die dann Gewaltschutzgruppe heißt. Es kann auch
sein, dass es in einem Spital größenbedingt keine eigene Opfer- oder
Kinderschutzgruppe gibt, sondern dass ein solches Spital von einer
anderen Krankenanstalt mitbetreut wird.
Neben der speziellen medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Behandlung und Versorgung von Gewaltopfern widmen sich die Opferschutzgruppen auch der besonderen psychischen
In den Opferschutzgruppen stehen Ihnen jedenfalls zwei Ärzte/
Ärztinnen zur Verfügung (bei einem entsprechenden Leistungsan41
gebot ein Unfallchirurg/eine Unfallchirurgin sowie ein Frauenarzt/eine Frauenärztin), weiters Angehörige des Pflegedienstes sowie Psychologen/Psychologinnen und/oder Psychotherapeuten/
Psychotherapeutinnen. Bei Kinderschutzgruppen ist einer der
Ärzte/Ärztinnen Facharzt/Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde oder Facharzt/Fachärztin für Kinderchirurgie.
Opferschutzgruppen sind regelmäßig mit anderen Hilfseinrichtungen gut vernetzt. Im Spital kann daher auch bereits die Koordination und Zusammenarbeit mit externen Beratungs- und Unterstützungsstellen beginnen.
In Wien gibt es in sechs Krankenhäusern des Krankenanstaltenverbundes Opferschutzgruppen, und zwar im Donauspital, in
der Krankenanstalt Rudolfstiftung, im Kaiser-Franz-Josef-Spital,
im Krankenhaus Hietzing, im Wilhelminenspital sowie im AKH.
Auskunft über die für Sie nächstgelegene Opferschutzgruppe können Sie bei den Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle Wien bzw.
Notrufe für vergewaltigte Frauen erhalten
Auskunft über die für Sie nächstgelegene Opferschutzgruppe
können Sie bei den Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle Wien
bzw. Notrufe für vergewaltigte Frauen erhalten.
6 Prozessbegleitung
Prozessbegleitung ist eine der wichtigsten Unterstützungsmöglichkeiten von Gewaltopfern und wird unter den gegebenen Voraussetzungen kostenlos gewährt.
Grundsätzlich besteht Prozessbegleitung aus zwei Betreuungskomponenten – »duale Prozessbegleitung«. Einerseits leisten Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen spezialisierter Beratungsstellen psychosoziale Unterstützung (vor, während und nach polizeilichen und
gerichtlichen Vernehmungen), andererseits erfolgt eine juristische
Prozessbegleitung durch Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälte.
Die psychosoziale Prozessbegleitung umfasst unter anderem:
Vorbereitung der Betroffenen auf das Verfahren und die damit
verbundenen Belastungen
Information über den Ablauf und die Konsequenzen einer
persönliche Begleitung zur Anzeige und zu Vernehmungen bei
der Polizei sowie im Ermittlungs- und Hauptverfahren
Koordinierung weiterer befasster Stellen (z.B. Kinder- und Jugendhilfe, Heime, Spitäler, Schulen, Kindergärten ...).
Die juristische Prozessbegleitung umfasst:
die rechtliche Beratung und Vertretung durch eine Rechtsanwältin/einen Rechtsanwalt im Strafverfahren und
die Durchsetzung Ihrer Ansprüche (z.B. Schmerzengeld – auch
für psychische Folgen – oder sonstige Schadenersatzansprüche) im Strafverfahren
Prozessbegleitung wird vom Bundesministerium für Justiz gefördert und ist für Sie kostenlos. Informationen über Prozessbegleitung und einen Überblick über Einrichtungen sowie Folder zum
Download in Englisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch,
Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch finden Sie
unter www.justiz.gv.at > Bürgerservice > Prozessbegleitung. Um
das regionale Angebot von Einrichtungen zu erfragen, die Prozessbegleitung anbieten, können Sie sich auch an die Frauenhelpline
unter der Telefonnummer 0800 222 555 wenden.
6.1 Prozessbegleitung im Strafverfahren
Sie haben Anspruch auf kostenlose psychosoziale und juristische Prozessbegleitung, wenn dies zur Wahrung Ihrer Rechte
•• Sie Opfer einer vorsätzlichen Gewalthandlung oder eines sexuellen Übergriffs oder einer gefährlichen Drohung wurden oder
•• Sie eine nahe Angehörige (Mutter, Tochter, Ehepartnerin, Lebensgefährtin, Schwester) einer Person sind, die durch eine
Straftat getötet wurde, oder
•• Sie als – wenn auch nicht nahe – Angehörige Zeugin der Tat
sind, die zum Tod des/der Angehörigen geführt hat.
Opfern, die das vierzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet haben
und in ihrer sexuellen Integrität verletzt worden sein könnten, ist
jedenfalls psychosoziale Prozessbegleitung zu gewähren.
Prozessbegleitung beginnt idealerweise bereits mit einer Beratung
vor der Anzeige und dauert bis zur rechtskräftigen Beendigung des
6.2 Prozessbegleitung im Zivilverfahren
Sie haben Anspruch auf kostenlose psychosoziale Prozessbegleitung in einem Zivilverfahren, das im Zusammenhang mit einem
Strafverfahren steht, wenn
Sie als Opfer im Strafverfahren psychosoziale Prozessbegleitung erhalten haben oder Sie als Opfer im Strafverfahren die
Anspruchsvoraussetzungen für Prozessbegleitung im Strafverfahren erfüllen würden und
im relevanten Zivilprozess Partei sind oder als Zeugin über den
Gegenstand des Strafverfahrens vernommen werden sollen.
Im Gegensatz zum Strafverfahren, wird psychosoziale Prozessbegleitung im Zivilprozess nur bis zu einem Höchstbetrag von
800 EUR gewährt. Bekommen Sie Verfahrenshilfe, so beträgt der
Höchstbetrag 1.200 EUR. Prozessbegleiterinnen/Prozessbegleiter
haben im Zivilverfahren die Stellung von Vertrauenspersonen, sie
dürfen das Opfer auf dessen Wunsch zu allen Verhandlungen und
Vernehmungen begleiten und sind vom Gericht von diesen Vernehmungen zu verständigen. Im Zivilverfahren kann keine juristische Prozessbegleitung gewährt werden (siehe aber Kapitel 9 zur
Verfahrenshilfe).
6.3 Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche
Für die Prozessbegleitung von Kindern und Jugendlichen stehen
spezialisierte Beratungseinrichtungen, die im Umgang mit Kindern
und Jugendlichen besonders geschult sind, zur Verfügung. Umfassende Informationen zu Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche und Adressen von Beratungseinrichtungen, die in diesem
Bereich Prozessbegleitung anbieten, finden Sie auch unter unter
http://www.pb-fachstelle.at sowie unter www.kija.at (Kinder- und
Jugendanwaltschaften).
7  Ihre Rechte als Opfer im
7.1  Die Prüfung durch die Staatsanwaltschaft
Grundsätzlich wird jede strafbare Handlung, bei der die Polizei von
sich aus einschreitet oder die Sie der Polizei mitteilen, der Staatsanwaltschaft in Form eines Berichts zur Kenntnis gebracht.
Die Staatsanwaltschaft prüft den Bericht und hat zu
ob das Verfahren vorläufig abgebrochen wird, weil der Täter
nicht bekannt ist oder nicht aufgegriffen werden kann;
ob das Ermittlungsverfahren eingestellt wird, weil es aus strafrechtlicher Sicht keinen Grund zur Verfolgung gibt (siehe aber
Fortführungsantrag Kapitel 7.7);
ob sie von der Verfolgung einer Straftat im Rahmen einer so
genannten diversionellen Erledigung zurücktreten soll – z.B.
nachdem sich der Beschuldigte zur Erbringung einer gemeinnützigen Leistung bereit erklärt, ein Bußgeld bezahlt oder ein
Täterarbeitsprogramm absolviert hat (siehe Diversion Kapitel
ob (weitere) Ermittlungen erforderlich sind oder
ob sie sofort einen Strafantrag stellt, woraufhin das Gericht als
nächsten Schritt eine Verhandlung ausschreibt. In bestimmten
Fällen kann das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft die
Strafe durch eine schriftliche Strafverfügung festsetzen, ohne
dass es eine Hauptverhandlung gibt. Die Strafverfügung ist Ihnen und gegebenenfalls Ihrem Vertreter/Ihrer Vertreterin samt
dem Strafantrag zuzustellen. Sie können dagegen (ebenso wie
die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte) binnen vier Wochen ab Zustellung schriftlich Einspruch bei dem Gericht erheben, das die Strafverfügung erlassen hat. Dabei genügt es,
dass aus dem Schriftstück die Absicht, Einspruch zu erheben,
deutlich hervorgeht. Im Falle eines zulässigen Einspruchs ist
die Hauptverhandlung anzuordnen. Wird kein zulässiger Einspruch erhoben, so bleibt es bei der mit der Strafverfügung
festgesetzten Strafe.
Wird das Verfahren weiter geführt, werden Sie als Opfer in der
Regel vor Gericht als Zeugin einvernommen.
7.2 Opferrechte
7.2.1  Wann gelte ich als Opfer?
Nicht jede Person, die nach dem allgemeinen Sprachgebrauch als
»Opfer« eines missbilligten Verhaltens gilt, wird auch als »Opfer«
im Sinne der Strafprozessordnung anerkannt, weil an die Opferstellung weitreichende Befugnisse geknüpft sind.
Als Opfer im Sinne der Strafprozessordnung gelten Sie, wenn Sie
durch eine vorsätzlich begangene Straftat Gewalt (z.B. Körperverletzung) oder gefährlicher Bedrohung ausgesetzt waren
oder in Ihrer sexuellen Integrität (z.B. sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) verletzt wurden,
durch eine Straftat (z.B. durch Sachbeschädigung oder einen
Einbruchsdiebstahl) einen Schaden erlitten haben oder in Ihren strafrechtlich geschützten Rechtsgütern beeinträchtigt
Ehegattin, Lebensgefährtin, Verwandte in gerader Linie oder
Schwester einer Person sind, die durch eine strafbare Handlung getötet wurde, ebenso, wenn Sie als sonstige Angehörige
Zeugin einer solchen Tat waren.
7.2.2  Welche Rechte habe ich als Opfer im Strafverfahren?
Als Opfer haben Sie im Strafverfahren das Recht auf
psychosoziale und juristische Prozessbegleitung unter den genannten Voraussetzungen (siehe dazu Kapitel 6.1).
Vertretung (gegebenenfalls durch eine Mitarbeiterin eines Gewaltschutzzentrums/einer Interventionsstelle oder eine sonst
geeignete Person);
Akteneinsicht (wenn Sie eine Anwältin/einen Anwalt beauftragt haben oder juristische Prozessbegleitung erhalten – siehe
Kapitel 6 – übernimmt die Aktensicht Ihre Vertreterin/Ihr
Vertreter);
Information über Ihre Rechte;
Verständigung vom Fortgang des Verfahrens (z.B. von der Enthaftung des Beschuldigten oder wenn ein Sexualstraftäter in
Form des elektronisch überwachten Hausarrests angehalten
wird, das heißt, wenn er die »Fußfessel« bekommt); versäumen Sie daher nicht, einen eventuellen Wohnsitzwechsel während des Verfahrens unverzüglich dem Gericht bekannt zu
Übersetzungshilfe;
Teilnahme an kontradiktorischen Vernehmungen (Vernehmungen außerhalb der Hauptverhandlung, bei denen die Parteien anwesend sind und Fragen stellen dürfen) von Zeuginnen/Zeugen und Beschuldigten sowie an Tatrekonstruktionen;
Anwesenheit in der Hauptverhandlung samt Fragerecht;
Beantragung der Fortführung eines von der Staatsanwaltschaft
eingestellten Verfahrens (siehe dazu Kapitel 7.7);
Anschluss als Privatbeteiligte mit weiteren Rechten (siehe dazu
7.3  Als Zeugin vor Gericht
7.3.1  Aussagepflicht, Wahrheitspflicht
Wenn Sie als Zeugin vor Gericht geladen werden, sind Sie verpflichtet, dieser Ladung Folge zu leisten und dem Gericht Fragen darüber, was Sie gesehen, gehört oder erlebt haben, zu beantworten.
Melden Sie einen Verhinderungsgrund unbedingt rechtzeitig dem
Gericht und beachten Sie, dass Sie erst dann als entschuldigt gelten, wenn Ihr Entschuldigungsgrund vom Gericht auch akzeptiert
Im Rahmen Ihrer Aussage unterliegen Sie der Wahrheitspflicht,
Sie können gegebenenfalls sogar beeidet werden. Mit einer falschen
Aussage machen Sie sich selbst strafbar. Eine Falschaussage liegt
auch darin, wahrheitswidrig anzugeben, vom Vernehmungsgegenstand nichts zu wissen bzw. wenn Sie erhebliche Tatsachen vorsätzlich verschweigen. Vielleicht haben Sie auch bloß Sorge, dass
Sie sich nicht mehr genau erinnern können. Weisen Sie bei solchen
Fragen ausdrücklich darauf hin. Im Übrigen ist aus der Forschung
bekannt, dass sich Erinnerungen je nach Entfernung vom Tatzeitpunkt ändern können und genaue Erinnerungen über ein unerwartetes Geschehen überhaupt sehr schwierig sind.
7.3.2  Vertrauenspersonen, Prozessbegleitung
Die Anwesenheit einer Vertrauensperson bei der Vernehmung ist
immer erlaubt bzw. gesetzlich sogar vorgesehen.
Spezialisierte Beratungsstellen bieten Prozessbegleitung an –
kostenlose juristische und psychosoziale Beratung und Betreuung
– siehe dazu Kapitel 6.
7.3.3  Muss ich alles beantworten?
Unter bestimmten Umständen müssen Sie keine Aussage ablegen,
was Sie allerdings nicht von der Verpflichtung entbindet, einer
schon erfolgten Ladung Folge zu leisten.
Von der Aussage befreit sind Sie insbesondere dann, wenn Sie
im Verfahren gegen einen Angehörigen aussagen sollen.
Achtung: Wenn Sie sich als Erwachsene dem Verfahren gegen
einen Angehörigen als Privatbeteiligte anschließen – siehe dazu Kapitel 7.4 – sind Sie grundsätzlich nicht befreit.
Wenn Sie durch ein Sexualdelikt verletzt wurden, können Sie
jedenfalls die Beantwortung von Fragen nach Ihrem Intimleben sowie von Fragen nach Einzelheiten der strafbaren Handlung, deren
Schilderung Sie für unzumutbar halten, verweigern. Beachten Sie
jedoch dabei bitte, dass Ihre Aussage für das Gericht oft das einzige, immer jedoch ein wichtiges Beweismittel zur Überführung des
Täters bildet!
Fragen nach Umständen aus Ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich dürfen Ihnen vor Gericht grundsätzlich nur dann gestellt werden, wenn es nach den besonderen Umständen des Falles
unumgänglich notwendig ist.
Das Gericht hat auch für den Schutz Ihres höchstpersönlichen
Lebensbereiches zu sorgen. Wenn auf Grund bestimmter (konkreter) Anhaltspunkte eine ernste Gefährdung für Ihr Leben oder Ihre
Gesundheit zu befürchten ist (etwa, weil der Beschuldigte Sie für
den Fall, dass Sie gegen ihn aussagen sollten, bedroht), so kann z.B.
auf die Angabe Ihres Namens oder Ihrer Adresse im Akt verzichtet werden.
Wenn Sie zu Beginn Ihrer Aussage als Zeugin nach Ihrer Adresse befragt werden, können Sie auch Ihren Arbeitsplatz oder
(nach Rücksprache mit dieser) die Adresse einer Beratungsstelle angeben oder, falls Ihre Adresse bereits im Akt aufscheint, darauf verweisen, dass diese unverändert geblieben ist, oder Sie können die
Adresse auch aufschreiben, sodass Sie der Öffentlichkeit nicht zur
Kenntnis gelangt.
7.3.4  Werde ich mit dem Beschuldigten vor Gericht
In bestimmten Fällen kann das Gericht – von Amts wegen oder auf
Ihren Antrag hin – Zuhörerinnen/Zuhörer von der ganzen oder von
Teilen der Verhandlung ausschließen.
Bild- und Tonaufnahmen während der Verhandlung sind jedenfalls verboten.
Wenn es erforderlich ist, kann das Gericht auch auftragen,
dass der Beschuldigte während Ihrer Vernehmung vorübergehend
den Verhandlungssaal verlassen muss, damit Sie ohne unmittelbare
Furcht oder Demütigung Ihre Aussage ablegen können. Der Beschuldigte wird nach Ihrer Aussage von Ihren Angaben durch das
Gericht in Kenntnis gesetzt, damit er dazu Stellung nehmen kann.
Sind Sie Opfer eines Sexualdelikts geworden oder müssen Sie
gegen einen Angehörigen aussagen, können Sie auch verlangen,
dass Ihre Vernehmung als Zeugin in einem abgesonderten Raum
durchgeführt wird. Die Aussage wird dann durch Video in den Verhandlungssaal übertragen, sodass Sie sich eine unmittelbare Konfrontation mit dem Angeklagten ersparen.
Noch nicht 14-jährige Opfer eines Sexualdelikts muss das
Gericht auch ohne Antrag in dieser Form vernehmen. Die Befragung selbst wird dabei in der Regel durch eine Kinderpsychiaterin/einen Kinderpsychiater oder eine Kinderpsychologin/einen
Kinderpsychologen durchgeführt (»schonende kontradiktorische
Vernehmung«).
Videounterstützte Vernehmungen werden häufig schon vor
der eigentlichen Hauptverhandlung durchgeführt. In einem solchen
Fall wird in der Verhandlung dann das bei der Vernehmung aufgenommene Video abgespielt.
Manche Gerichte bieten auch schon eigene Warteräume für
Zeuginnen/Zeugen an, wo Sie den Aufruf zu Ihrer Vernehmung ungestört abwarten können.
Oft besteht auch die Möglichkeit, dass Sie und der Beschuldigte über verschiedene Eingänge den Verhandlungssaal erreichen
oder Sie werden zu einem späteren Termin geladen (so genannte
»gestaffelte Ladung«), sodass Sie mit dem Beschuldigten auch am
Gang oder vor dem Saal nicht zusammentreffen müssen. Es empfiehlt sich, diese Maßnahmen entweder persönlich oder durch eine
Vertrauensperson rechtzeitig mit der Richterin/dem Richter telefonisch abzusprechen.
Information und Unterstützung bei gerichtlichen Vernehmungen bieten Prozessbegleiterinnen/Prozessbegleiter in ganz Österreich
an (zur Prozessbegleitung siehe Kapital 6). Informieren Sie sich bei
den im Adressteil aufgelisteten spezialisierten Einrichtungen.
7.4  Der Privatbeteiligtenanschluss
7.4.1  Was bringt die Beteiligung am Strafverfahren?
Wenn Sie durch eine strafbare Handlung verletzt oder auf andere
Weise geschädigt worden sind, können Sie sich wegen Ihrer privatrechtlichen Ansprüche (Schadenersatz, Schmerzengeld) dem Strafverfahren gegen den Beschuldigten anschließen und werden dadurch Privatbeteiligte. Dadurch werden sozusagen (vorerst) zwei
Verfahren bis zu einem gewissen Ausmaß zu einem verbunden.
Um zumindest einen Teil Ihres Anspruches (z.B. Schmerzengeld, Reparaturkosten) im Strafverfahren zugesprochen zu bekommen, müssen Sie einen bestimmten Betrag verlangen – der auch ein
Teilbetrag des Schadens sein kann – und die Berechtigung dieser
Ansprüche nachweisen – dem Grunde und der Höhe nach. Weitere
Voraussetzung für einen Zuspruch im Strafverfahren ist, dass es
wegen der Schädigung zu einer Verurteilung des Beschuldigten im
Strafverfahren kommt.
Sie können die Erklärung, sich als Privatbeteiligte anzuschließen,
bei der Polizei, bei der zuständigen Staatsanwaltschaft oder – nach
Einbringung der Anklage – beim zuständigen Gericht formlos
schriftlich anmelden (siehe Muster für Privatbeteiligtenanschluss
im Kapitel 7.4.3) oder während der dafür vorgesehenen Amtsstunden zu Protokoll geben. Örtlich zuständig ist zumeist die Staatsanwaltschaft bzw. das Gericht des Tatortes, erfragen Sie dies gleich
bei der Anzeige.
Durch den Anschluss als Privatbeteiligte erwachsen Ihnen
grundsätzlich keine Kosten, weil Sie weder Gerichtsgebühren zahlen noch dem Beschuldigten etwas ersetzen müssen – selbst wenn
er freigesprochen wird.
Im Gegensatz zum Zivilverfahren, in dem in der Regel ab einem eingeklagten Betrag von mehr als 5.000 EUR die Vertretung
durch eine Rechtsanwältin/einen Rechtsanwalt vorgeschrieben ist,
gibt es im Strafverfahren für Privatbeteiligte keine Anwaltspflicht.
Wenn vorher dazu noch keine Gelegenheit war, können Sie
Ihre Ansprüche auch noch in der Hauptverhandlung geltend machen (jedoch spätestens bis zum Schluss des Beweisverfahrens!).
Für die Durchsetzung Ihres Anspruches ist es allerdings günstig, so
früh wie möglich – am besten schon bei der polizeilichen Anzeige,
selbst wenn der Täter noch unbekannt sein sollte – Ihren Privatbeteiligtenanschluss zu erklären. Vorhandene Beweismittel (etwa Fotos, Krankenbefunde, Rechnungen, Kostenvoranschläge) können
gleich angegeben und beigelegt werden oder spätestens bei der Verhandlung mitgebracht werden.
Bedenken Sie, dass viele Verfahren schon nach Durchführung
einer einzigen Hauptverhandlung abgeschlossen werden. Die Ergebnisse des Strafverfahrens reichen nicht immer aus, um Ihnen
Schadenersatz zusprechen zu können – wichtig ist aber, dass dem
Gericht alle möglichen Informationen vorliegen.
Wird z.B. ein medizinisches Sachverständigengutachten über
Ihre Verletzungsfolgen eingeholt, so ist es sinnvoll, selbst oder
durch eine Beratungsstelle Einsicht in den Akt bei Gericht zu nehmen, bevor der Akt zur/zum Sachverständigen geht, weil diese/dieser grundsätzlich nur das zu beurteilen hat, was ihr/ihm das Gericht
Haben Sie sich wegen dieser Verletzung mit einer Schadenersatzforderung dem Verfahren angeschlossen, ist das Gericht allerdings auch ohne Ihr Zutun verpflichtet, der/dem Sachverständigen
auch die Feststellung der so genannten Schmerzperioden (Ausmaß
und Dauer von Schmerzen) aufzutragen. Dadurch sollen dem Gericht die zumeist notwendigen Kriterien zur Beurteilung der Höhe
Ihres Anspruches rechtzeitig vorliegen.
7.4.3  Muster für einen schriftlichen Privatbeteiligtenanschluss
Privatbeteiligtenanschluss:
Hanna Schaden
(Adresse angeben, unter der Sie geladen werden können.)
Schadengasse 12
Innere Stadt-Wien
Wien, am 5.6.2015
Betrifft: Privatbeteiligtenanschluss;
Aktenzeichen 16 U 94/15
Strafverfahren gegen Harry Hau
[Das Aktenzeichen ist immer eine Buchstaben/Zahlen-Kombination mit »St«
oder »BAZ« (Staatsanwaltschaft) »U« oder »Vr«, »Hv« (Gericht) und ist auf
jeder Ladung oder Benachrichtigung angeführt. Das Anführen des Namens
des/der Beschuldigten erleichtert das Auffinden des Aktes, falls sich beim
Aktenzeichen Schreibfehler eingeschlichen haben sollten.]
Am 20.5.2015 wurde ich von meinem ehemaligen Lebensgefährten Harry
Hau verletzt. Dabei habe ich zwei ca. 20 cm lange blutende Schürfwunden
am Oberschenkel und mehrere Hämatome im Gesicht erlitten.
Am selben Tag wurde von Harry Hau mein Auto durch mehrere Kratzer
auf der linken Seite beschädigt. Der linke Außenspiegel wurde zur Gänze
zerstört und ebenso der linke vordere Reifen aufgeschlitzt. Für die
Reparatur musste ich 900 EUR bezahlen.
Ich schließe mich dem Strafverfahren gegen Harry Hau als Privatbeteiligte
an und mache 800 EUR an Schmerzengeld sowie 900 EUR für die
Reparatur geltend. Kopien der Rechnungen lege ich bei.
[Mit dem Anführen der Schäden und des Beweismittels (Rechnung) über die
Höhe des Schadens wird dem Gericht die Verhandlungsvorbereitung erleichtert
– und damit die Chance auf einen Zuspruch erhöht. Nehmen Sie die Rechnung
unbedingt mit!]
7.4.4  Rechte von Privatbeteiligten
Als Privatbeteiligte haben Sie zunächst alle Rechte, die auch andere
Opfer haben (siehe dazu Kapitel 7.2). Darüber hinaus haben Sie als
Privatbeteiligte noch das Recht,
die Aufnahme von Beweisen zu beantragen;
als so genannte Subsidiaranklägerin die Anklage aufrecht zu
erhalten, falls die Staatsanwaltschaft von der Anklage zurücktritt, wobei Sie allerdings kostenpflichtig werden können,
wenn das Verfahren dann nicht mit einem Schuldspruch endet;
Beschwerde gegen eine Einstellung des Verfahrens durch das
Gericht zu erheben;
zu jeder Hauptverhandlung geladen zu werden; Sie sind aber
nicht verpflichtet hinzugehen. Achtung: Sind Sie zur Verhandlung auch als Zeugin geladen, müssen Sie der Ladung auf alle
Fälle Folge leisten! – siehe Kapitel 7.3;
nach dem Schlussantrag der Staatsanwaltschaft zum Schluss der
Verhandlung Ihre Ansprüche auszuführen und zu begründen;
Wenn Sie als Eltern(teil) Ansprüche Ihrer minderjährigen Kinder
geltend machen oder außergerichtlich bereinigen wollen, sollten Sie
sich mit dem zuständigen Pflegschaftsgericht (das ist in der Regel
das Bezirksgericht, in dessen Sprengel Sie mit dem Kind wohnen)
in Verbindung setzen. Unter bestimmten Umständen brauchen Sie
nämlich eine pflegschaftsbehördliche Genehmigung. Dasselbe gilt
auch, wenn Sie als Sachwalterin für eine Pflegebefohlene/einen Pflegebefohlenen einschreiten.
7.4.6 Verjährung
Zivilrechtliche Ansprüche können nicht unbegrenzt lange geltend
gemacht werden. Viele Schadenersatzansprüche verjähren bereits
drei Jahre nach dem Vorfall (z.B. Schmerzengeld wegen einer leichten Körperverletzung). Bei einer vorsätzlichen schweren Körperverletzung oder einer Vergewaltigung tritt die Verjährung der Schadenersatzansprüche grundsätzlich erst nach dreißig Jahren ein.
Achtung: Zivilrechtliche und strafrechtliche Verjährungsfristen können unterschiedlich lang sein – die strafrechtlichen Verjährungsfristen sind häufig kürzer! So verjährt eine leichte Körperverletzung auch im Strafrecht grundsätzlich nach drei Jahren, eine
schwere Körperverletzung nach fünf Jahren und eine Vergewaltigung nach zehn Jahren. Vielfach verlängert sich jedoch die strafrechtliche Verjährungsfrist. So beträgt z.B. die Verjährungsfrist
bei einer Vergewaltigung mit schwerer Körperverletzung – wozu
etwa auch Traumatisierungen zählen können – zwanzig Jahre.
Dazu kommt, dass die Verjährungsfrist bei Gewalt-, Freiheits- und
Sexual­delikten gegen Minderjährige, das heißt wenn eine Person
unter 18 Jahre Opfer einer solchen Tat wird, erst mit Erreichung
Ihres 28. Lebensjahres zu laufen beginnt.
Ihr Privatbeteiligtenanschluss bewirkt zunächst eine Verjährungsunterbrechung Ihrer zivilrechtlichen Ansprüche. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn das Strafverfahren über die zivilrechtliche Verjährungszeit hinaus andauert. Nach Beendigung des
Strafverfahrens sollten Sie aber so rasch wie möglich eine Entscheidung für oder gegen eine Klage treffen.
7.4.7  Wie kann das Strafgericht über meine Ansprüche
Das Strafgericht kann niemals aussprechen, dass Ihnen die geltend
gemachten Ansprüche nicht zustehen.
Im Falle eines Freispruches des Beschuldigten hat Sie die Richterin/der Richter »mit Ihren Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg zu
verweisen«. Das bedeutet, dass Sie – falls Sie nicht ohnehin parallel zum Strafverfahren bereits eine Klage beim Zivilgericht eingebracht haben – beim zuständigen Zivilgericht (zumeist das Wohnsitzgericht des Schädigers) eine (Mahn)Klage einbringen können.
Wie generell, wenn es um Ihre Ansprüche geht, sollten Sie sich
auch in einem solchen Fall beraten lassen, ob eine Klage vor dem
Zivilgericht angesichts des Freispruchs Aussicht auf Erfolg hat, um
kein unnötiges Kostenrisiko einzugehen. Das Strafverfahren unterliegt anderen Beweisregeln als das Zivilverfahren. Das Zivilgericht
ist an einen Freispruch nicht gebunden, sodass dieser Freispruch im
Strafverfahren die Durchsetzung Ihrer Forderungen im Zivilverfahren grundsätzlich nicht hindert. Ihre Chancen werden dadurch aber
nicht gerade höher.
Wird der Angeklagte schuldig gesprochen, stehen dem Strafgericht drei Möglichkeiten zur Entscheidung offen:
Wenn die Verfahrensergebnisse, die im Strafverfahren erzielt
wurden, nicht ausreichen, um verlässlich über die Ersatzansprüche zu entscheiden, hat das Gericht Sie mit Ihren Ansprüchen wie im Fall eines Freispruches auf den Zivilrechtsweg zu
verweisen (siehe oben);
Wenn die Verfahrensergebnisse ausreichen, um die Rechtmäßigkeit der Forderung an sich und ihrer Höhe nach festzustellen, hat das Gericht im Urteil auszusprechen, dass der Beschuldigte verpflichtet ist, die Ihnen zustehende Summe an Sie zu
bezahlen (bzw. den Gegenstand herauszugeben, etc.);
Wenn über Teile Ihrer Forderungen entschieden werden kann
(zum Beispiel ist die Schmerzengeldfrage geklärt, nicht jedoch die Höhe Ihres Verdienstentganges) bzw. wenn Teile
Ihrer Forde­rungen unbestritten sind, andere nicht, kann das
Gericht einen Teil zusprechen und Sie mit dem Rest auf den
Zivilrechtsweg verweisen. Auch ein Teilzuspruch ist für Sie jedenfalls vorteilhaft, weil Sie mit Rechtskraft des Strafurteils
sofort einen durchsetzbaren Exekutionstitel in Händen halten.
Über das (Teil-)Entschädigungserkenntnis erhalten Sie nach
Rechtskraft des Strafurteils (d. h., wenn der Verurteilte das Urteil
unbekämpft lässt oder über das Rechtsmittel bereits entschieden
wurde) ohne weiteren Antrag eine Urkunde. Mit dieser können Sie
beim zuständigen Gericht Exekution führen, wenn der Verurteilte
nicht freiwillig zahlt.
7.5 Diversion
7.5.1  Was passiert bei der Diversion?
Bestimmte Strafverfahren können – mit Zustimmung des Beschuldigten – auch diversionell erledigt werden. In diesem Fall kommt
es zu keiner Verurteilung (und keiner Vorstrafe) des Beschuldigten.
Stattdessen werden – in der Regel von der Staatsanwaltschaft – bestimmte Maßnahmen gesetzt, durch die der Verdächtige Verantwortung für die zur Last gelegte Tat übernimmt, insbesondere etwa
durch Entrichtung eines Geldbetrags zugunsten des Bundes in
bestimmter Höhe;
durch gemeinnützige Leistungen (indem er beispielsweise eine
bestimmte Stundenanzahl im Rettungswesen zu arbeiten hat);
durch Übernahme bestimmter Pflichten (indem er beispielsweise ein »Täterarbeits«-Programm absolviert; siehe Kapitel
7.6) oder
im Rahmen eines so genannten Tatausgleichs (siehe Kapitel
Wenn die verdächtige Person diese Leistungen oder Maßnahmen nicht erfüllt, wird das herkömmliche Strafverfahren fortgesetzt.
Bei allen diesen Maßnahmen haben Staatsanwaltschaft und
Gericht auch Ihre Interessen als Geschädigte im Auge zu behalten
und in der Regel dem Beschuldigten Tatausgleich bzw. Schadensgutmachung aufzutragen. Sie haben das Recht, eine Vertrauensperson beizuziehen und sind unverzüglich über Ihre Rechte, insbesondere jenes auf Prozessbegleitung, und die in Betracht kommenden
Opferschutzeinrichtungen zu informieren. Vor einer Einstellung ist
Ihnen und Ihrer Vertretung ausreichend Zeit zur Stellungnahme zu
geben, wenn Sie Gewalt in der Wohnung oder sonst Gewalt oder
gefährlicher Drohung ausgesetzt oder in Ihrer sexuellen Integrität
beeinträchtigt worden sein könnten; ebenso, wenn es z.B. zur Schadensgutmachung sinnvoll erscheint.
7.5.2 Tatausgleich
Besonders einbezogen werden Sie als Geschädigte dann, wenn die
Staatsanwaltschaft oder das Gericht einen so genannten Tatausgleich veranlassen.
Unter der Anleitung von dazu speziell geschulten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern des Vereins NEUSTART (Konfliktreglerinnen/Konfliktregler) soll dabei versucht werden, zwischen Ihnen als geschädigter Person und dem Beschuldigten eine von Ihnen beiden akzeptierte schriftliche Vereinbarung über die finanzielle und ideelle Wiedergutmachung (z.B. Schadenersatz, symbolische Leistungen) zu erarbeiten.
Die Tat darf dabei nicht verharmlost werden. Dem Beschuldigten soll dadurch, dass Sie die Möglichkeit erhalten, Ihre persönliche
Betroffenheit über Ihre materiellen Forderungen hinaus anzusprechen, auch vor Augen geführt werden, dass mehr passiert ist, als ein
»bloßer« Verstoß gegen Paragrafen. Für Sie als geschädigte Person
hat der Tatausgleich außerdem den Vorteil, dass sich der Verdächtige in aller Regel an die getroffene Vereinbarung halten wird, Sie
daher meist schneller zu einer Schadensgutmachung kommen können und sich ein zeitraubendes Gerichtsverfahren ersparen.
Das Verfahren gegen den Beschuldigten wird allerdings nicht
sofort nach dem Ausgleichsgespräch beendet, sondern es wird erst
überprüft, ob er die getroffene Vereinbarung auch erfüllt. Tut er das
nicht, wenden Sie sich bitte sofort an die Konfliktreglerinnen/Konfliktregler der Tatausgleichsstelle.
Nach Gewaltdelikten in Partnerschaften ist ein solcher Tatausgleich nur zu empfehlen, wenn
das gewalttätige Verhalten Ihres Partners nicht längere Zeit
hindurch andauerte,
Ihr Partner zur Veränderungen seines Verhaltens bereit ist und
Sie sich – unter Berücksichtigung Ihrer ökonomischen und
emotionalen Situation – in der Lage sehen, Ihre Wünsche und
Rechte (zumindest mit Unterstützung der Konfliktreglerin/des
Konfliktreglers) ausreichend zu vertreten.
Ist eine dieser Voraussetzungen nicht gegeben, teilen Sie Ihre
Einschätzung unbedingt spätestens beim persönlichen Gespräch
der Konfliktreglerin/dem Konfliktregler mit.
Achtung! Sie und Ihr Vertreter/Ihre Vertreterin sind in Bemühungen um einen Tatausgleich einzubeziehen, soweit Sie dazu bereit sind. Sie sind jedoch nicht verpflichtet, an einem Tatausgleichsgespräch teilzunehmen oder einer vorgeschlagenen Lösung zuzustimmen. Das Zustandekommen eines Ausgleichs ist grundsätzlich
von Ihrer Zustimmung abhängig, es sei denn, dass Sie diese aus
Gründen nicht erteilen, die im Strafverfahren nicht berücksichtigungswürdig sind. Falls Sie umgekehrt einen Tatausgleich wünschen, können Sie dies bei der Staatsanwaltschaft oder beim Gericht auch (mündlich oder schriftlich) anregen. Lassen Sie sich im
Zweifelsfall beraten.
Am Beginn eines Tatausgleichs lädt Sie eine Konfliktreglerin/
ein Konfliktregler zu einem Informationsgespräch ein. In diesem
Gespräch werden Sie über Ihre Rechte und Möglichkeiten im Rahmen des Tatausgleichs informiert. Auch die Teilnahme an diesem
Gespräch ist freiwillig, es ist jedoch empfehlenswert, diese Erstinformationsmöglichkeit wahrzunehmen.
Beim Tatausgleichsgespräch wird auch Ihr Vertreter/Ihre Vertreterin beigezogen. Sie können aber auch eine Vertrauensperson
(z.B. eine Vertreterin einer der im Adressteil aufgelisteten Beratungseinrichtungen) mitnehmen.
Das Informationsblatt zur Durchführung des Tatausgleiches
sowie die zuständigen Stellen in ganz Österreich können Sie abru-
fen unter www.neustart.at oder bei NEUSTART bestellen (siehe
Adressteil).
7.6 Täterarbeit/Anti-Gewalt-Trainings
7.6.1  Was ist ein Täterarbeitsprogramm?
In den letzten Jahren haben sich auch in Österreich so genannte
Täter­
arbeitsprogramme etablieren können. Dahinter steht die
Überzeugung, mit Hilfe professioneller Trainings, Gewalttäter
zur Beendigung ihres inakzeptablen Verhaltens führen zu können. Diese Programme werden vorwiegend von Männerberatungs­stellen (www.maenner.at) angeboten (siehe auch den Adressteil).
Ein solches Training kann von der Staatsanwaltschaft oder
dem Gericht – insbesondere im Rahmen einer Diversion – angeboten werden. Nimmt der Täter das Angebot nicht an oder bricht er
das Training vorzeitig ab, wird das reguläre Strafverfahren eingeleitet oder fortgesetzt.
Darüber hinaus kann ein solches Training auch aufgetragen
werden, wenn der Täter »bedingt verurteilt« oder »bedingt entlassen« wird.
»Bedingt verurteilt« heißt, dass zwar eine Strafe über den Täter verhängt wird, die er aber nicht »absitzen« (oder bezahlen)
muss, wenn er sich während der so genannten Probezeit (normalerweise 1 bis 3 Jahre) nichts zu Schulden kommen lässt. Wenn sich
der Täter wieder etwas zu Schulden kommen lässt, kann es sein,
dass die Probezeit verlängert wird oder dass er die Strafe nun verbüßen muss. Das Gericht verhängt eine solche bedingte Strafe nur,
wenn es annimmt, dass die Verhängung der Strafe und die Drohung, sie unter Umständen später ver­büßen zu müssen, reichen,
um weitere Gewalthandlungen zu vermeiden.
Zur Absicherung, dass sich der Täter nichts mehr zu Schulden
kommen lässt, können ihm Weisungen erteilt werden, z.B. eben,
dass er ein Täterarbeitsprogramm absolviert. Wenn er nicht hingeht
oder es vorzeitig abbricht, kann die Verbüßung der Strafe angeordnet werden, selbst wenn er noch keine neue Straftat gesetzt hat.
Bei der »bedingten Entlassung« muss der Täter mindestens die
Hälfte der Strafe absitzen, dann kann ihm der Rest unter ähnlichen
Voraussetzungen und Bedingungen wie bei der bedingten Verurteilung nachgesehen werden.
Sind Kinder gewalttätiger Männer betroffen, können auch die
Jugendämter eine Zuweisung an die Männerberatung vornehmen.
Neben dem Trainingsprogramm für Männer sollten grundsätzlich auch notwendige begleitende Maßnahmen erfolgen – etwa
bei Obdachlosigkeit (z.B. nach einer Wegweisung), Alkohol- und
Drogensucht, Spielsucht, finanziellen Schwierigkeiten, Verlust des
Arbeitsplatzes etc. – und die geeignete Hilfe vermittelt werden.
Die Trainingsprogramme laufen durchschnittlich ein halbes Jahr mit wöchentlichen Sitzungen (Einzel- und/oder
Gruppenprogramme).
7.6.2  Schutz der Partnerin während des Programms
Täterarbeit mit sexuell und körperlich gewalttätigen Männern
dient immer auch dem Opferschutz. Sie muss daher immer auch
den Schutz vor weiterer Gewalt zum Ziel haben.
Wenn Ihr Partner ein Trainingsprogramm besucht, stellen Sie
sicher, dass auch Sie durch eine Frauen- oder Opferhilfeeinrichtung
betreut werden und sich die Männerberatungsstelle während des
Programms mit dieser Einrichtung austauscht.
Weitere Informationen zum Anti-Gewalttraining und zu Stellen in ganz Österreich finden Sie unter anderem unter www.interventionsstelle-wien.at oder bei einer Männerberatungsstelle (siehe
7.7 Fortführungsantrag
Wenn die Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis kommt, dass es
zu keiner Anklage gegen den Täter kommen soll, stellt sie das Verfahren ein. Davon werden Sie oder Ihre Vertretung verständigt.
In der Verständigung von der Einstellung des Ermittlungsverfahrens ist anzuführen, aus welchem Grund das Verfahren eingestellt wurde. Sie haben dann das Recht, binnen vierzehn Tagen eine
ausführlichere Begründung zu verlangen, in welcher die Tatsachen
und Erwägungen, die der Einstellung zu Grunde gelegt wurden,
kurz anzuführen sind.
Sind Sie mit der Einstellung des Verfahrens nicht einverstanden, dann haben Sie, solange die Tat nicht verjährt ist, als Opfer im
Sinne der Strafprozessordnung (siehe Kapitel 7.2) das Recht, binnen vierzehn Tagen einen Antrag auf Fortführung des Verfahrens
Sie haben dabei darzulegen, dass
erhebliche Bedenken gegen die Richtigkeit der Tatsachen bestehen, die der Entscheidung über die Beendigung zu Grunde
gelegt wurden oder
neue Tatsachen oder Beweismittel beigebracht werden, die für
sich allein oder im Zusammenhalt mit den übrigen Verfahrensergebnissen geeignet erscheinen, den Sachverhalt soweit
zu klären, dass mit Diversion vorgegangen (siehe Kapitel 7.5)
oder der Täter angeklagt werden kann.
Erachtet die Staatsanwaltschaft den Antrag für berechtigt, so
hat sie das Verfahren fortzuführen, andernfalls hat sie Ihren Fortführungsantrag mit dem Akt und einer Stellungnahme dem Gericht
zu übermitteln. Dieses kann sodann der Staatsanwaltschaft gegebenenfalls die Fortführung des Ermittlungsverfahrens auftragen.
Wenn dies der Fall ist, erwachsen Ihnen durch den Fortführungs­
antrag keine Kosten; wenn Ihr Fortführungsantrag zurück- oder
abgewiesen wird, wird Ihnen die Zahlung eines Pauschalkostenbeitrags von 90 EUR aufgetragen, die Sie aber im Falle der Bedürftigkeit nicht zahlen müssen.
8 Schadenersatz
8.1 Voraussetzungen
Wenn Ihnen jemand durch strafbares Verhalten
Sachen beschädigt oder weggenommen,
eine Verletzung zugefügt oder
Sie zu sexuellen Handlungen gezwungen hat,
haben Sie die Möglichkeit, im Strafverfahren oder in einem
Zivil­verfahren von dieser Person Ersatz zu verlangen.
Während sich der Wert von beschädigten Sachen noch relativ leicht bestimmen lässt, können als Orientierungshilfe für
Schmerzengeldansprüche nur sehr stark vom Einzelfall abhängende
Beispiele genannt werden:
So wurden z.B. einer verletzten 44-Jährigen für ein handflächengroßes Hämatom am rechten Oberschenkel, das 14 Tage
leichte Schmerzen verursachte, aber keinen Spitalsaufenthalt
notwendig machte, 145 EUR zugesprochen;
Eine verletzte Hausfrau, die einen Nasenbeinbruch mit Prellungen im Gesicht, Oberlippen- und Nasenrückenbereich sowie eine Prellung mit Bluterguss an der Außenseite des rechten
Oberschenkels und am rechten Unterschenkel erlitten hat, erhielt 3.270 EUR;
Dem Opfer einer äußerst brutalen Vergewaltigung, dem neben
einer Schädelprellung zahlreiche oberflächliche Hautabschürfungen, jedoch ohne (rein körperliche) Dauerfolgen zugefügt
wurden, wurden insbesondere für somatische und seelische
Schmerzen 10.174 EUR zuerkannt;
Dem Opfer einer Vergewaltigung, das aufgrund der Tat an
Bauchschmerzen litt und psychisch mehrfach beeinträchtigt
war, jedoch ohne weiterer medizinischer oder psychologischer
Betreuung zu bedürfen, wurden 8.000 EUR zuerkannt;
Einem zum Zeitpunkt der Tat neunjährigen Kind, das einen
gewalttätigen Übergriff auf seine Mutter miterleben musste,
wenngleich dies für die Mutter nur leichtgradige Verletzungen
zur Folge hatte, selbst jedoch an massiven posttraumatischen
und krankheitswertigen sowie behandlungsbedürftigen Belastungsstörungen litt, wurden 4.000 EUR zuerkannt;
Nach jahrelangen schweren sexuellen Missbrauchshandlungen
durch den Adoptivonkel, begangen zwischen dem 4. Lebensjahr bis zum Alter von 13 Jahren, was seit dem 13. Lebensjahr
massive psychosomatische Reaktionen, die sich in Nervosität,
Essstörungen, Phasen der Abmagerung, Durchfallserkrankungen, Ein- und Durchschlafstörungen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Schwindelgefühlen, sexuellen Störungen, zeitweiligen
Blasenentzündungen sowie letztlich sogar einem Selbstmordversuch (im 16. Lebensjahr) und Selbstbeschädigungsattacken
äußerten und eine fortlaufende Psychotherapie erforderlich
machten, wurden 2003 einer 40-jährigen Frau 65.000 EUR
zugesprochen; dies ist jedoch ein Betrag, der die durchschnittlichen Werte erheblich übersteigt.
8.2  Wer entscheidet über
Schadenersatzansprüche?
Die Frage, ob und in welcher Höhe Sie einen Schaden ersetzt bekommen, kann vor Gericht grundsätzlich in zwei verschiedenen
Verfahren überprüft werden: im Straf- oder im Zivilverfahren.
Während im Strafverfahren die Verfolgung einer strafbaren
Handlung (wie Körperverletzung, Drohung, Vergewaltigung etc.)
im Zentrum steht und Sie dort nur »zusätzlich« Ihre Ansprüche
gegen den Täter geltend machen können, werden Geldansprüche,
Scheidungen, Obsorge- und Wohnungsstreitigkeiten etc. in der
Regel vor dem Zivilgericht abgehandelt. Hier wird nur auf Grund
Ihrer Klage bzw. auf Grund Ihres Antrags ein Verfahren eröffnet
und Sie müssen auch in der Folge alle notwendigen Schritte setzen.
In den meisten Fällen sind bei Verfahrenseinleitung Gerichtsgebühren zu entrichten, ab bestimmten Beträgen müssen Sie sich auch
durch eine Anwältin/einen Anwalt vertreten lassen.
Es gibt jedoch die Möglichkeit der Verfahrenshilfe (siehe Kapitel 9).
Für eine zivilrechtliche Klage gegen den Schädiger ist in der
Regel das Gericht zuständig, in dessen Sprengel der Beklagte wohnt
oder in dem der Schaden zugefügt wurde. Bis zu einem Schaden
von 15.000 EUR werden diese Verfahren am Bezirksgericht geführt
(darüber am Landesgericht).
Für Straf- und Zivilverfahren existieren unterschiedliche Verfahrensvorschriften, unterschiedliche Rechte für Sie als Opfer und
unterschiedliche Kostenregelungen.
Diese beiden Verfahren können zur selben Zeit oder hintereinander durchgeführt werden. Wenn es sich um denselben Sachverhalt handelt (z.B. wird vor dem Strafgericht die an Ihnen begangene
Körperverletzung abgehandelt und vor dem Zivilgericht Ihre Klage
auf Schmerzengeld aus dieser Körperverletzung), wird das Verfahren vor dem Zivilgericht in der Regel unterbrochen. Man wartet
also ab, wie das Strafgericht entscheidet und setzt dann das Zivilverfahren mit der Klärung Ihrer Ansprüche gegen den Täter fort.
Wenn Sie wollen, dass auch Ihre Geldansprüche gegen den Täter im Strafverfahren behandelt werden, müssen Sie sich »dem Verfahren als Privatbeteiligte anschließen« (siehe dazu Kapitel 7.4).
Kosten für Sie entstehen dadurch nicht.
9 Verfahrenshilfe
9.1  Verfahrenshilfe im Zivilverfahren
In jedem Gerichtsverfahren entstehen Kosten des Gerichtes, der
Parteien, allenfalls auch der Zeuginnen/Zeugen, Sachverständigen
und Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälte. An das Gericht ist gleich
zu Beginn des Prozesses mit der Klage eine Pauschalgebühr (nur
von Klagsseite) zu bezahlen, deren Höhe sich nach dem Wert dessen richtet, worum gestritten wird (Streitwert). Die Kosten der
Rechtsanwältin/des Rechtsanwaltes richten sich ebenfalls nach
dem Streitwert. Es wird aber nach Einzelleistungen abgerechnet,
d. h. pro Schriftsatz bzw. Verhandlungsstunde – die Höhe ergibt
sich aus dem Rechtsanwaltstarifgesetz.
Je nach Verfahrensart unterscheiden sich die Regeln, wer die
Kosten eines Verfahrens zu tragen hat. Im Zivilprozess entscheidet
grundsätzlich der Ausgang eines Verfahrens auch über die Kostenersatzpflicht. Das bedeutet, dass die Partei, die den Prozess verliert,
nicht nur ihre eigenen Prozess- und Anwaltskosten zahlen muss,
sondern auch der siegreichen gegnerischen Partei die Kosten ersetzen muss.
Die Verfahrenshilfe bietet die Möglichkeit, die Kosten eines
Zivilverfahrens vor einem Gericht nur teilweise oder gar nicht bezahlen zu müssen. Das betrifft insbesondere die Gerichtsgebühren
für die Klage, etwaige Sachverständigengebühren, aber auch die
Kosten für die eigene anwaltliche Vertretung oder Anreisekosten.
Sofern die Vertretung durch eine Rechtsanwältin/einen Rechtsanwalt notwendig ist (das ist zumeist bei Forderungen über 5.000
EUR der Fall), aber auch bei schwierigen Rechtsfragen, kann Ihnen
die (vorläufige) unentgeltliche Beigebung einer Rechtsanwältin/eines Rechtsanwalts bewilligt werden.
Achtung! Befreit werden Sie immer nur von den eigenen Kosten.
Wenn Sie den Zivilprozess verlieren, müssen Sie die Kosten des
Prozessgegners in jedem Fall bezahlen. Teilweise werden sämtliche
Kosten von Rechtsschutzversicherungen, Opferhilfestellen oder im
Rahmen der Prozessbegleitung abgedeckt. Lassen Sie sich von den
im Adressteil aufgelisteten Beratungsstellen informieren.
Die Verfahrenshilfe ist an mehrere Voraussetzungen gebunden, insbesondere daran, dass Ihr eigenes Einkommen und Ihr Vermögen
nicht ausreichen, um den Prozess zu führen, ohne dass dadurch Ihr
notwendiger Unterhalt (das ist das, was Sie für sich und Ihre Familie für eine einfache Lebensführung benötigen) beeinträchtigt wird.
Sie müssen zu diesem Zweck einen Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe stellen und zugleich ein Vermögensbekenntnis ausfüllen. Auch darf die beabsichtigte Rechtsverfolgung nicht als offenbar mutwillig oder aussichtslos erscheinen.
Antragsformulare für die Bewilligung der Verfahrenshilfe bekommen Sie zu den Amtsstunden auf jedem Gericht. Das Formular
können Sie aber auch unter www.justiz.gv.at > Bürgerservice >
Formulare downloaden oder sofort am Bildschirm ausfüllen. Wenn
Sie das Online-Formular fertig ausgefüllt haben, können Sie es als
PDF-Dokument ausdrucken und per Post an das Gericht schicken
oder dort persönlich abgeben. Füllen Sie das Vermögensbekenntnis
Punkt für Punkt wahrheitsgemäß und genau aus und vergessen Sie
nicht anzugeben, ob Sie nur um Entfall der Gerichtsgebühren und
eventueller Sachverständigengebühren oder auch um Beigebung einer Rechtsanwältin/eines Rechtsanwalts ansuchen. Schließen Sie
alle geforderten Belege an.
Wenn Ihnen Verfahrenshilfe gewährt wurde und Sie innerhalb von
drei Jahren nach Abschluss des Verfahrens – etwa durch Änderung
des Einkommens – in die Lage kommen, die Beträge ohne Beeinträchtigung des notwendigen Unterhalts zu bezahlen, werden Sie
vom Gericht zur Nachzahlung verpflichtet.
9.2  Verfahrenshilfe im Strafverfahren
Wenn Sie sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte anschließen
(siehe Kapitel 7.4), kann Ihnen Verfahrenshilfe durch unentgeltliche Beigebung einer Rechtsanwältin/eines Rechtsanwalts bewilligt
werden. Dies dann, wenn die anwaltliche Vertretung im Interesse
der Rechtspflege ist – insbesondere, wenn dies zur Durchsetzung
Ihrer Ansprüche erforderlich ist, um ein nachfolgendes Zivilverfahren zu vermeiden – und Ihnen nicht juristische Prozessbegleitung zu
gewähren ist (siehe dazu Kapitel 6). Ähnlich wie im Zivilverfahren
muss überdies Ihr notwendiger Unterhalt gefährdet sein.
10  Opferschutzmaßnahmen im
10.1  Psychosoziale Prozessbegleitung
Wurde Ihnen im Strafverfahren psychosoziale Prozessbegleitung
gewährt, so gilt diese grundsätzlich auch für einen zwischen Ihnen
und dem Beschuldigten des Strafverfahrens geführten Zivilprozess
oder wenn Sie in einem Zivilprozess als Zeugin über den Gegenstand des Strafverfahrens vernommen werden sollen (siehe dazu
10.2  Geheimhaltung der Wohnanschrift
Es kann sein, dass Sie als Partei in einem Zivilverfahren ein berechtigtes Interesse daran haben, dass Ihre Adresse nur dem Gericht
bekannt ist. Dies könnte z.B. der Fall sein, wenn Sie einen »Stalker« auf Unterlassung oder Schadenersatz klagen oder wenn Sie
auf Grund eines in einem Strafverfahren erwirkten Privatbeteiligtenzuspruchs Exekution führen und befürchten, dass Sie der Täter
bei Bekanntgabe der Adresse (weiter) verfolgen wird.
Sie können in einem solchen Fall bei schriftlichen Eingaben
von der Angabe Ihrer Adresse absehen, wenn Sie stattdessen eine
Person nennen, an die Schriftstücke, die für Sie bestimmt sind, zugestellt werden können. Ihre Adresse müssen Sie dem Gericht zwar
gesondert bekanntgeben; das Gericht hält sie dann aber geheim.
Urkunden (Kopien), die Sie im Verfahren vorlegen und die
Angaben über Ihren Wohnort enthalten, müssen von Ihnen daher
auch anonymisiert (das heißt, dass die Adresse unkenntlich zu machen ist) vorgelegt werden. Andere Aktenstücke, die solche Angaben enthalten, werden vom Gericht anonymisiert.
Über Ihren Antrag auf Geheimhaltung sowie über einen allfälligen Antrag Ihres Gegners, entscheidet das Gericht jeweils mit
Beschluss. Das Gericht hat zu prüfen, ob Ihr Interesse an der Geheimhaltung gegenüber jenem des Prozessgegners überwiegt. Wenn
das Gericht Ihren Antrag ablehnt, kann dieser Beschluss von Ihnen
Auch als Zeugin in einem Zivilverfahren können Sie ein
schutzwürdiges Interesse an der Geheimhaltung Ihrer Adresse
haben. In einem solchen Fall muss diejenige Partei, die Sie als Zeugin namhaft gemacht hat, dem Gericht Ihr Geheimhaltungsinteresse erläutern.
10.3  Abgesonderte Vernehmung
In bestimmten Fällen hat das Gericht auch in einem Zivilverfahren
– gleich, ob Sie dort als Zeugin oder Partei (das heißt als Klägerin
oder Beklagte) aussagen – Ihre Vernehmung in einem abgesonderten Raum durchzuführen. Ihre Aussage wird dann durch Video in
den Verhandlungssaal übertragen, sodass Sie sich eine unmittelbare
Konfrontation mit dem Täter ersparen. Vorausgesetzt ist, dass Sie
Opfer eines Sexualdelikts, einer vorsätzlichen Gewalttat oder einer gefährlichen Drohung geworden sind, und dass das nunmehrige Zivilverfahren in einem sachlichen Zusammenhang mit dem
zuvor oder zeitgleich durchgeführten Strafverfahren wegen dieser
Tat steht. Diese schonende Form der Vernehmung müssen Sie ausdrücklich verlangen.
Die Befragung von unmündigen Opfern (Kinder bis 14 Jahre)
hat in diesem Fall durch eine geeignete Sachverständige/einen geeigneten Sachverständigen zu erfolgen.
Das Gericht kann Sie auf Ihren Antrag aber auch dann abgesondert vernehmen, wenn Ihnen eine Aussage in Gegenwart der
Parteien bzw. der anderen Partei und deren Vertreterinnen/Vertreter angesichts des Beweisthemas und Ihrer persönlichen Betroffenheit nicht zumutbar ist.
Bei minderjährigen Personen kann das Gericht auf Antrag
oder von Amts wegen darüber hinaus von einer Vernehmung zur
Gänze oder teilweise absehen, wenn andernfalls deren Wohl gefährdet würde.
Weiters kann das Gericht bei minderjährigen Personen auch
dann eine abgesonderte Ver­nehmung durchführen, wenn das Wohl
der minderjährigen Person zwar nicht durch die Vernehmung an
sich, jedoch durch die Vernehmung in Anwesenheit der Parteien
oder ihrer Vertreterinnen/Vertreter gefährdet würde.
Grundsätzlich hat eine minderjährige Person das Recht, soweit
es in ihrem Interesse zweckmäßig ist, eine Person ihres Vertrauens
11  Verletzung der sexuellen
Wenn Sie der Täter durch Anwendung körperlicher Gewalt oder
dadurch, dass er Sie gefährlich bedroht oder indem er Sie einsperrt, zum Sex zwingt, macht er sich einer Vergewaltigung oder
geschlechtlichen Nötigung schuldig. Ebenso strafbar macht sich
der Täter, wenn Sie - aus welchem Grund auch immer - wehrlos
oder schwer psychisch beeinträchtigt sind (z.B. durch eine schwere
Alkoholisierung) und er dies zu sexuellen Handlungen mit oder an
Ihnen ausnützt.
Auch wenn der Täter einfach gegen Ihren Willen einen Geschlechtsverkehr mit Ihnen ausübt oder den Umstand ausnützt,
dass Sie sich gerade in einer Zwangslage befinden (z.B. weil Sie obdachlos wären, wenn Sie nicht beim Täter übernachten können),
macht er sich strafbar. Strafbar macht sich auch, wer mit Ihnen Geschlechtsverkehr hat, nachdem Sie zuvor eingeschüchtert wurden.
Strafbar mach sich schließlich auch, wer Sie auf diese Weise zum
Geschlechtsverkehr mit einer anderen Person veranlasst.
12  Sexuelle Belästigung
12.1  Strafrechtliches Verbot der sexuellen
Sind Sie Opfer eines sexuellen Übergriffs
am eigenen Körper (beispielsweise durch Abgrapschen Ihres
Busens, Ihres Pos oder Ihrer Oberschenkel durch einen Kollegen im Büro oder einen Fremden in der U-Bahn) oder
dadurch, dass Sie ungewollt eine geschlechtliche Handlung
des Täters miterleben (beispielsweise, indem sich der Täter bei
Ihrem Heimkommen bewusst vor Ihrem Haustor beim Ona­
nieren »erwischen lässt«),
können Sie beim nächsten Wachzimmer oder bei der Staatsanwaltschaft die Ermächtigung erteilen, dass der Täter strafrechtlich
verfolgt wird. Ohne Ihre Ermächtigung wird das Verfahren gegen
den Belästiger grundsätzlich eingestellt. Wenn Sie sich dem Verfahren als Privatbeteiligte anschließen, gilt dies allerdings als Ermächtigung. Ihre Ermächtigung können Sie bis zum Schluss der Hauptverhandlung wieder zurückziehen.
Solche Handlungen können vom Gericht mit Freiheitsstrafe
bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen
Keine Ermächtigung ist erforderlich, wenn der Täter Gewalt
anwendet, weil dann eine so genannte geschlechtliche Nötigung
vorliegt, die ohne Ihr Zutun verfolgt und auch strenger bestraft
Sexuelle Belästigungen können auch nach den Verwaltungsstrafgesetzen der Länder strafbar sein. Wenn Sie beispielsweise
in Wien an einem öffentlichen Ort zu einer Handlung oder Duldung aufgefordert werden, die Ihre sexuelle Sphäre betrifft und von
Ihnen unerwünscht ist, begeht der Täter eine Verwaltungsübertretung und ist nach dem Wiener Landes-Sicherheitsgesetz mit einer
Geldstrafe bis zu 700 EUR zu bestrafen.
12.2  Verbot der sexuellen Belästigung
(und anderer Belästigungen) nach den
Gleichbehandlungsgesetzen
Die Gleichbehandlungsgesetze für die Privatwirtschaft und den
öffentlichen Dienst bieten die Möglichkeit, gegen sexuelle Belästigung und andere Formen der Belästigung im Rahmen der
Arbeitswelt und beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen
Im Rahmen der Arbeitswelt kommen sie zur Anwendung, wenn
Sie vom Arbeitgeber, durch einen Kollegen oder Dritten (z.B. einen
Kunden) belästigt wurden. Wenn die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber Sie vor der Belästigung nicht schützt, können Sie Ansprüche
sowohl gegen sie/ihn als auch gegen den Belästiger richten.
Wenn Sie beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen (sexuellen) Belästigungen ausgesetzt sind, wie z.B. durch einen Fahrschullehrer, einen Handwerker oder einen Arzt, können Sie sich ebenfalls auf das Gleichbehandlungsgesetz berufen und Schadenersatz
Die Erscheinungsformen von sexueller Belästigung nach den
Gleichbehandlungsgesetzen sind vielfältig. Der Begriff ist - anders
als im Strafrecht - sehr weit zu verstehen und reicht vom Erzählen
sexistischer Witze und anzüglichen Bemerkungen über das Zusenden pornographischer E-Mails, das Versprechen beruflicher Vorteile bei sexueller Willigkeit oder unerwünschte Körperberührungen bis hin zu sexueller Nötigung und Vergewaltigung.
Das Gleichbehandlungsrecht ermöglicht Ihnen aber auch in bestimmten anderen Fällen der Belästigung (ohne sexuellen Hintergrund) Maßnahmen zu ergreifen und Schadenersatz geltend zu
Insbesondere als Migrantin können Sie häufig in mehrfacher Hinsicht betroffen sein, etwa durch eine sexuelle Belästigung und zusätzlich durch eine Belästigung auf Grund Ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Übergriffe, die aus dem Motiv der ethnischen Zugehörigkeit erfolgen, können auch außerhalb der Arbeitswelt Schadenersatzansprüche begründen.
Neben einem allfälligen Vermögensschaden sehen die Gleichbehandlungsgesetze bei (sexueller) Belästigung und Vorliegen der
sonstigen Voraussetzungen auch einen Anspruch auf angemessenen Schadenersatz (von mindestens 1.000 EUR) zum Ausgleich
der erlittenen persönlichen Beeinträchtigung vor.
Weitere Informationen und allfällige Unterstützung bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche erhalten Sie bei den beruflichen Interessenvertretungen sowie bei der
0800 206 119 (zum Nulltarif)
13 K.O.-Tropfen
13.1  Was sind K.O.-Tropfen?
Unter dem Begriff „K.O.-Tropfen“ werden flüssige Drogen verstanden, die in geringer Dosis stimulierend und enthemmend, in höherer Dosierung betäubend und einschläfernd wirken. Nach dem Erwachen können sich die Opfer oft an nichts erinnern. Die Wirkung
von K.O.-Tropfen ist, besonderes in Kombination mit Alkohol
oder anderen Drogen, unkalkulierbar und lebensgefährlich. Eine
Überdosis kann zu Atemstillstand und zum Tod führen.
K.O.-Tropfen stehen für unterschiedliche Substanzen. Häufig
wird Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) verwendet. Diese Substanz unterliegt in Österreich dem Suchtmittelgesetz und ist auch
unter Bezeichnungen wie „Liquid Ecstasy“, „Liquid E“ oder „Liquid X“ bekannt.
K.O.-Tropfen werden meist gezielt Frauen und Mädchen unbemerkt ins Getränk gemischt, um die so betäubten Opfer zu vergewaltigen. Die Täter nutzen die hilflose Lage des Opfers aber auch
aus, um andere Straftaten zu begehen, z.B. um das Opfer auszurauben. Die Verabreichung von K.O.-Tropfen geschieht häufig
in der Lokal- und Partyszene, auf öffentlichen Festen, aber auch
bei privaten Feiern und Treffen. Die Taten passieren jedoch nicht
nur zur späten Stunde, sondern zu jeder Tageszeit. Täter können
Fremde, Bekannte, aber auch vermeintliche "Freunde" aus dem
persönlichen Umfeld sein.
In der Regel mengt der Täter K.O.-Tropfen Speisen und Getränken bei. Die dazu verwendeten flüssigen Lösungen der Stoffe
sind meist farb- und geruchlos und haben nur einen leichten, salzigen bis seifigen Beigeschmack, der jedoch in alkoholischen oder
Mixgetränken oft nicht wahrnehmbar ist.
13.2  Wie wirken K.O.-Tropfen?
K.O.-Tropfen wirken sehr rasch. Die Wirkung kann bereits nach
15 Minuten einsetzen. Sie fühlen sich euphorisch, sind aufgedrehter, kontaktfreudiger, aber auch manipulierbarer als sonst. Dann
wird Ihnen übel und schwindelig. Weitere Zeichen für eine Vergiftung durch K.O.-Tropfen sind Wahrnehmungsschwierigkeiten (räumliche Wahrnehmungen können verzerrt sein) und eine
In weiterer Folge führen K.O.-Tropfen häufig zur Bewusstlosigkeit
und zum Verlust der Erinnerung. Dieser Filmriss hinterlässt große
Unsicherheit bei den Opfern, sowohl was die Identität des Täters als
auch das ihnen angetane Gewaltverbrechen betrifft. Als Opfer von
K.O.-Tropfen kann es sein, dass Sie massive Scham- und Schuldgefühle verspüren, weil Sie glauben, den Filmriss selbst verursacht zu
haben, z.B. weil sie einige alkoholische Getränke konsumiert haben.
K.O.-Tropfen können auch Nachwirkungen haben, beispielsweise
Black Outs, Angstzustände, Panikattacken, Herzbeschwerden,
Konzentrationsstörungen oder Atemnot.
Hinweise dafür, dass Sie Opfer von K.O.-Tropfen geworden sind,
können fehlende oder unrichtig angezogene Kleidungsstücke oder
der Umstand sein, dass Sie sich an einem anderen Ort befinden,
ohne zu wissen, wie Sie dorthin gekommen sind, und Ähnliches.
Anhaltspunkte für sexuelle und körperliche Übergriffe sind blaue
Flecken, Unterleibsschmerzen oder Spermaspuren.
13.3  Was kann ich tun?
Lassen Sie Speisen und Getränke möglichst nicht unbeaufsichtigt.
Behalten Sie Ihr Getränk im Auge. Vereinbaren Sie mit Freundin86
nen, dass Sie gegenseitig auf Getränke/Speisen aufpassen. Kaufen
Sie sich im Zweifelsfall ein neues Getränk.
Was sollten Sie tun, wenn Ihnen K.O.-Tropfen verabreicht werden,
wenn Sie sich komisch fühlen, wenn es Ihnen schlecht geht?
Reagieren Sie schnell! Bleiben Sie möglichst nicht alleine. Machen
Sie sich bei Ihren Freun-dinnen/beim Personal bemerkbar. Ersuchen
Sie Sie sich sofort ärztliche Hilfe. Fahren Sie in ein Krankenhaus
oder rufen Sie die Rettung.
Informieren Sie Ärzte/Ärztinnen über Ihren Verdacht. Die Information, dass Sie K.O.-Tropfen vermuten, ist wichtig. Lassen Sie sich
Blut- und Harnproben abnehmen, denn K.O.-Tropfen sind häufig
nur 6 bis 12 Stunden im Körper nachweisbar.
Weiterführende Informationen finden Sie unter https://www.bmbf.
gv.at/frauen/gewalt/ko_tropfen.html
Gewalterfahrungen von Frauen und Mädchen mit Behinderungen sind komplex und vielschichtig – vor allem wegen der häufig bestehenden Abhängigkeit von Unterstützungsleistungen
durch andere Menschen. Besonders gefährdet sind Frauen mit
Kommunikationsbeeinträchtigungen, Frauen mit Lernschwierigkeiten, Frauen mit Mehrfachbehinderungen sowie Frauen
mit Behinderungen und Migrationshintergrund.
Im Strafgesetzbuch gibt es einen eigenen Tatbestand gegen
den sexuellen Missbrauch von wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Personen. Wenn das Opfer aufgrund einer körperlichen Behinderung wehrlos ist oder aufgrund einer psychischen Beeinträchtigung nicht in der Lage ist, die Bedeutung des
Geschehens zu erfassen oder entsprechend zu reagieren, und
der Täter dies zu sexuellen Handlungen mit oder an dem Opfer ausnützt, ist er wie ein Vergewaltiger zu bestrafen. Dass der
Täter physische oder psychische Gewalt anwendet, ist nicht
Ganz allgemein gilt es als besonderer Erschwerungsgrund,
wenn gegen eine schutzbedürftige Person unter Ausnützung
dieses Umstandes ein Gewaltdelikt verübt wird.
Für Gehörlose und Hörbehinderte besteht ein besonderer Polizeinotruf. Unter 0800/133133 können Sie per
Fax oder SMS Hilfe rufen oder sich unter [email protected]
polizei.gv.at per Mail an den Notruf wenden.
Als gehörlose oder hörbehinderte Frau finden Sie auch
über das Relay-Service bei der Frauenhelpline Unterstützung
(www.oegsbarrierefrei.at/frauenhelpline).
Mehr Informationen zu diesem Thema und Unterstützungseinrichtungen finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums
für Bildung und Frauen www.bmbf.gv.at > Gewalt gegen Frauen >
15  Stalking (Psychoterror)
15.1  Was versteht man unter Stalking?
Die Begriffe »Stalking« oder »Psychoterror« stehen für verschiedene Formen von wiederholten und nicht erwünschten Annäherungen, Übergriffen und Belästigungen. Die Mittel sind vielfältig und
können in wiederholten körperlichen Gewalttätigkeiten, sexuellen
und/oder psychischen Belästigungen, Verfolgung und Bedrohung,
täglichen Anrufen zu Hause oder am Arbeitsplatz, im »Abpassen«
dort, in häufigen Brief-, E-Mail- oder SMS‑Sendungen, wiederholten unerwünschten Geschenken, Verbreiten von diskreditierenden
Gerüchten und vielem mehr bestehen.
Psychoterror wird gezielt eingesetzt, um Macht und Kontrolle
über eine andere Person zu erlangen, sie unter Druck zu setzen oder
zu beunruhigen. Psychoterror wird überwiegend von Männern gegenüber Frauen ausgeübt und kommt häufig während oder nach
einer Trennung und insbesondere bei familiärer Gewalt vor. Das
Ziel ist oft, einen Beziehungsabbruch rückgängig zu machen, eine
Beziehung zu erzwingen oder sich für (vermeintliche) Kränkungen
Sind Sie von einem solchen Verfolgen und Nachstellen betroffen, das oft über Monate oder Jahre hinweg währen kann, ist Ihr
persönlicher Lebensbereich möglicherweise massiv beeinträchtigt.
Längerfristig kann dies zu psychischen, körperlichen und sozialen
Folgen führen. Lassen Sie sich im Bedarfsfall von einer spezialisierten Beratungsstelle unterstützen (siehe Kapitel 15.2.4).
15.2 Abhilfemaßnahmen
15.2.1  Allgemeines und Sofortmaßnahmen
Als erste Maßnahmen können helfen:
Machen Sie dem Täter nur einmal klar, dass Sie keinen weiteren Kontakt mehr zu ihm wollen. Ignorieren Sie dann die Person konsequent!
Informieren Sie Ihr privates und berufliches Umfeld, dass Sie
»gestalkt« werden. Führen Sie vorbeugende Gespräche mit
Nachbarinnen/Nachbarn und Freundinnen/Freunden Ihres
Vertrauens, damit diese im Fall der Fälle für Sie die Exekutive
verständigen. Erklären Sie Ihren Kindern die Situation, damit
auch diese die Wohnungstüre nicht öffnen. Benachrichtigen Sie
den Kindergarten bzw. die Schule Ihrer Kinder.
Ersuchen Sie allenfalls Freundinnen/Freunde oder Verwandte,
einige Zeit bei Ihnen zu wohnen und Sie außer Haus zu
Nehmen Sie keine Pakete oder Geschenke des Täters oder mit
unbekanntem Absender entgegen.
Bei Telefonterror informieren Sie sich über die technischen
Schutzmöglichkeiten Ihres Telefonbetreibers.
Verständliche Angst-, Abwehr- und Panikreaktionen bei Psychoterror verhindern oft die Sammlung notwendiger Beweismittel
zur Strafverfolgung der Täter. Da die Stalkinghandlungen vielfach
auch über einen längeren Zeitraum gesetzt werden, ist es in der
Regel schwer, alle Vorfälle immer parat zu haben – insbesondere,
wenn man Polizei, Gerichten oder Beratungsstellen die Vorfälle zusammengefasst schildern soll. Um Beratung und rechtliche Maßnahmen aber so aussichtsreich und effizient wie möglich zu machen, sollten folgende Maßnahmen getroffen werden:
Legen Sie Gedächtnisprotokolle (z.B. in einem Handkalender
oder in einer Art Tagebuch) mit Datum und Uhrzeit über die
Stalkinghandlungen an: z.B. Abpassen, Telefonanrufe, unerwünschte Geschenke, Drohungen und eventuelle Gewaltvorfälle. Notieren Sie, ob Zeuginnen/Zeugen diese Handlungen
bestätigen können. Unterstützung bei der Dokumentation bietet die fem:HELP-App (Kapitel 2.5).
Speichern Sie Nachrichten auf Ihrer Mobil- oder Mailbox;
wenn Sie Drohungen erhalten, melden Sie diese der Exekutive.
Unterstützung bei der Dokumentation bietet die fem:HELPApp (Kapitel 2.5.).
Soweit dies möglich ist, fotografieren Sie Beweismittel (Verletzungen, den Täter,…). Unterstützung bei der Dokumentation
bietet die fem:HELP-App (Kapitel 2.5).
Sollte es zu einer akuten Bedrohungssituation kommen, wählen Sie unbedingt den Polizeinotruf 133 oder 112 (Euronotruf). Erstatten Sie bei konkreten Vorfällen Anzeige und bestehen Sie auch darauf, dass diese aufgenommen wird. Überlegen
Sie, ob Ihnen bekannt ist, dass der Stalker über Waffen verfügt
und melden Sie dies auch bei der Polizei und/oder wenden Sie
sich an eine spezialisierte Beratungsstelle (siehe dazu Kapitel
15.2.4 und den Adressteil). Wenn Sie verletzt wurden, lassen
Sie sich ärztlich behandeln und die Verletzungen dokumentieren (siehe dazu Kapitel 5.4). Auch eventuelle Sachbeschädigungen sollten Sie zur Beweissicherung fotografieren.
15.2.2  Strafrechtliche Verfolgung von »Stalkern«
Der Straftatbestand gegen »beharrliche Verfolgung« verbietet Stalking-Handlungen, auch wenn es zu keinen Verletzungen, Sachbeschädigungen oder ähnlichem gekommen ist.
Danach kann mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe bestraft
werden, wer mit einer Intensität und Dauer, die geeignet ist, Sie in
Ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen,
Ihre Nähe aufsucht (dazu kann es reichen, dass der Täter ständig vor Ihrem Wohnhaus auf Sie »wartet«), oder
über Telefon, SMS, E-Mail, Briefe, andere Kommunikationsmittel oder über Dritte Kontakt zu Ihnen sucht, oder
unter Verwendung Ihrer persönlichen Daten (ungebeten) für
Sie Bestellungen aufgibt oder Dritte veranlasst, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen (z.B. Schalten einer Kontaktannonce mit Ihrem Namen).
15.2.3  Einstweilige Verfügung
Neben oder statt der Strafanzeige können Sie sich auch an
das Zivilgericht wenden und dort eine Einstweilige Verfügung zum
Schutz vor Eingriffen in die Privatsphäre beantragen. Dabei kann
das Gericht folgende Verbote aussprechen:
Verbot persönlicher Kontaktaufnahme und Verbot der
brieflicher,
Kon­taktaufnahme,
Verbot des Aufenthalts an genau zu bezeichnenden Orten,
Verbot der Weitergabe und Verbreitung Ihrer persönlichen Daten und Lichtbilder,
Verbot, Waren oder Dienstleistungen unter Verwendung Ihrer
personenbezogener Daten bei einem Dritten zu bestellen,
Verbot, einen Dritten zur Aufnahme von Kontakten mit Ihnen
Eine solche Einstweilige Verfügung dauert grundsätzlich maximal ein Jahr, kann aber bei Einbringung einer Klage (bis zu deren
rechtskräftiger Erledigung) oder im Falle eines Zuwiderhandelns
(um maximal ein Jahr) verlängert werden.
15.2.4 Beratung
Außer den genannten Maßnahmen gibt es noch weitere rechtliche
Möglichkeiten, die Sie als Stalking-Be­troffene für sich nutzbar machen können. Dazu sind jedoch in der Regel gewisse Vorbereitun94
gen zweckmäßig. Nützen Sie daher unbedingt die kostenlosen telefonischen und persönlichen Beratungsangebote spezialisierter Einrichtungen (siehe den Adressteil).
Weitere Informationen zu Stalking (psychische Gewalt) finden Sie unter anderem auf der Homepage des 24-Stunden Frauennotrufs Wien, www.frauennotruf.wien.at (im Download »10 Jahre
Beratung im Frauennotruf der Stadt Wien – Fragen, Antworten,
Tipps« sowie im Frauennotruf-Forum »Stalking«).
Alle Gewaltschutzzentren (in Wien Informationsstelle gegen
Gewalt in der Familie genannt) bieten bei Stalking Beratung (siehe
Sie können sich auch an folgende bundesweit zuständige Stelle
wenden, die Sie bei Bedarf weiterverweist:
Beratung hinsichtlich möglicher technischer Maßnahmen bekommen Sie bei folgender Stelle:
0800 216 346 (zum Ortstarif)
16 Menschenhandel
Menschenhandel hat viele Gesichter, besonders betroffen sind
Frauen und Mädchen. Frauenhandel erfolgt in unterschiedlichen
Arbeits- und Lebensbereichen: Handel in die sexuellen Ausbeutung, Handel in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse (z.B. häufig im
Haushalt oder in den Sparten Reinigung, Tourismus und Landwirtschaft) sowie Heiratshandel. Menschenhändler werden im Wesentlichen nach dem Straftatbestand des Menschenhandels selbst oder
nach dem Tatbestand des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels verfolgt.
Der Tatbestand des Menschenhandels ist verwirklicht, wenn
Sie der Täter
mit dem Vorsatz, dass Sie sexuell oder in Ihrer Arbeitskraft
anwirbt, beherbergt oder sonst aufnimmt, befördert, einem
anderen anbietet oder weitergibt
und dies durch Täuschung, Einschüchterung oder Ausnützung
einer Zwangslage (z.B. »Abarbeiten« von Schulden, Fremdheit
in Österreich, illegaler Aufenthalt) erreicht (entfällt, wenn Sie
als Opfer unter 18 Jahre alt sind).
Der Tatbestand des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels ist verwirklicht, wenn
Sie weder Österreicherin sind, noch Ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben und
Sie in Österreich der Prostitution zugeführt oder hierfür angeworben worden sind.
Neben diesen speziellen Tatbeständen kommen noch eine
Reihe von Straftatbeständen, die in diesem Zusammenhang eine
Rolle spielen können, wie Zuführung zur Prostitution, Zuhälterei
oder Ausbeutung eines Fremden in Betracht. Speziell auf jugendliche Opfer zugeschnitten sind die Tatbestände gegen entgeltliche
Vermittlung von Sexualkontakten mit Minderjährigen, sexueller
Missbrauch von Minderjährigen (bei noch nicht 18-jährigen Personen sind also die Freier gerichtlich strafbar!) sowie Förderung der
Prostitution und pornographischer Darbietungen Minderjähriger.
16.1  Schutzmaßnahmen für Opfer von
Für Opfer von Frauenhandel gibt es eine österreichweit zuständige
spezialisierte Beratungsstelle, die Interventionsstelle für Betroffen
von Frauenhandel. Sie berät und unterstützt, unabhängig davon,
ob Sie als Betroffene mit der Polizei kooperieren.
Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel IBF
(Verein LEFÖ)
01 796 92 98
Die Gewährleistung Ihrer persönlichen Sicherheit ist zunächst
das wichtigste Ziel der Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels; ihr Unterstützungsangebot geht jedoch darüber hinaus
und umfasst unter anderem:
Unterbringung in einer Notwohnung mit muttersprachlicher
Betreuung und Beratung;
Psychosoziale Unterstützung, Gesundheitsberatung;
Beratung und Intervention bezüglich Aufenthaltsrecht und
Prozessbegleitung im Verfahren gegen die Täter;
Begleitung zu polizeilichen Vernehmungen;
Unterstützung bei der Beschaffung notwendiger Dokumente;
Integrationsangebote (z.B. Deutschkurse) oder
Rückkehrvorbereitungen in Zusammenarbeit u. a. mit NGOs
16.1.2  Anlaufstelle des Bundeskriminalamtes
Im Bundesministerium für Inneres, Bundeskriminalamt, ist eine
bundesweite Telefonnummer eingerichtet, an die Sie sich bei
Verdacht auf Menschenhandel rund um die Uhr – auch anonym
– wenden können: Tel.: 01 24 836-85 383 (0 bis 24 Uhr – mit
Journaldienst außerhalb der Kernzeiten von Montag bis Freitag
8:00-16:00), E-Mail: [email protected] oder [email protected]
16.1.3  Aufenthalt besonderer Schutz
Wenn Sie Opfer von Menschenhandel oder grenzüberschreitendem
Prostitutionshandel sind, haben Sie unter bestimmten Umständen
Anspruch auf ein besonderes Aufenthaltsrecht zu Ihrem Schutz.
Wenden Sie sich für nähere Informationen an die Beratungsstelle
für Betroffene von Frauenhandel.
17 Genitalverstümmelung
Die zumeist aus kulturellen Gründen erfolgende Verstümmelung
weiblicher Genitalien (Female Genital Mutilation oder FGM) ist
in Österreich – wie in vielen anderen Ländern auch – verboten und
kann, je nach Schweregrad des Eingriffs als (absichtliche) (schwere)
Körperverletzung (mit schweren Dauerfolgen), mit einem Strafrahmen bis zu 15 Jahren verfolgt werden. Dieser Eingriff ist nicht nur
meist mit starken Schmerzen verbunden, sondern verursacht in der
Regel schwere körperliche und psychische Schäden. Die Strafbarkeit ist unabhängig davon gegeben, ob Sie oder Ihre Eltern diesem
Eingriff »zugestimmt« haben.
Weibliche Genitalverstümmelung ist nach österreichischem
Recht strafbar, wenn die Tat in Österreich begangen worden ist.
Wenn eine Genitalverstümmelung im Ausland begangen worden
ist, ist die Tat – unabhängig davon, ob Genitalverstümmelung dort
bestraft wird – dann nach österreichischem Recht strafbar, wenn
der Täter oder das Opfer Österreicher ist oder gewöhnlich in Österreich aufhältig ist.
Wenn Sie als Kind oder Jugendliche Opfer einer Genital­
verstümmelung wurden, beginnt die Verjährungsfrist für die in
Betracht kommenden Delikte erst mit der Vollendung Ihres 28.
Im Falle von Genitalverstümmelung können Sie zumeist auch
Schadenersatzansprüche geltend machen. Sie haben insbesondere
Anspruch auf Ersatz der Heilungskosten. Davon umfasst sind sowohl notwendige operative Maßnahmen zur Beseitigung bzw. Linderung der körperlichen Beeinträchtigung (Honorar der Ärztin/
des Arztes, Kosten der Medikamente, Kosten des Krankenhausaufenthalts etc.) als auch sämtliche Kosten, die nach den allgemeinen Grundsätzen während der Rekonvaleszenz zustehen (Ersatz
des Pflegeaufwands durch Pflegerinnen/Pfleger etc.). Weiters besteht nach § 1325 ABGB Anspruch auf Ersatz des angemessenen
Schmerzengeldes, in dessen Rahmen sowohl die körperlichen als
auch seelischen Schmerzen abgegolten werden sollen.
Eine Anhebung des Schmerzengeldes rechtfertigt insbesondere
das Vorliegen von Dauerfolgen. Hierher gehören auch Beeinträchtigungen der Geschlechtssphäre, wie etwa die Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr oder die Unmöglichkeit, Kinder zu bekommen.
Um einen Schadenersatz geltend zu machen, müssen Sie eine
Klage beim Bezirksgericht bzw. (abhängig von der Höhe des einzuklagenden Betrages) beim Landesgericht einbringen. Beachten Sie
dazu auch die Informationen zu Verfahrenshilfe (Kapitel 9) und
Prozessbegleitung (Kapitel 6).
FGM ist nicht ausdrücklich als Asylgrund vorgesehen, wird
jedoch unter bestimmten Voraussetzungen als solcher anerkannt.
In Wien gibt es folgende auf das Thema FGM spezialisierte
FEM Süd-Frauengesundheitszentrum
01 60191-5201
Schwarzspanierstraße 15/1/2, 1090 Wien
01 319 26 93
Orient-Express, Beratungs-, Bildungs- und Kulturinitiative
Schönngasse 15-17, Top 2, 1020 Wien
01 728 97 25
In den Bundesländern beraten die Kinder- und Jugendanwaltschaften und die Frauengesundheitszentren.
18  Zwangsheirat
Man spricht von einer Zwangsheirat (Zwangsverheiratung, Zwangsehe), wenn die Ehe nicht auf dem »freien Willen« beider Eheteile
aufbaut. Konkret bedeutet dies, dass sich eine Person zur Heirat gezwungen fühlt, mit ihrer Weigerung kein Gehör findet oder es nicht
wagt, sich zu widersetzen, weil psychischer oder sozialer Druck sowie emotionale Erpressung eingesetzt werden.
unter Gewaltanwendung,
mittels gefährlicher Drohungen oder
durch Drohung mit dem Abbruch oder Entzug der familiären
zur Eheschließung gezwungen worden sind, liegt ein Fall des
Straftatbestands der Zwangsheirat vor.
Dazu kommt, dass jede mit Gewalt oder gefährlicher Drohung
erzwungene sexuelle Handlung auch während der Ehe als Vergewaltigung oder geschlechtliche Nötigung strafbar ist.
Ob die Gewalt oder gefährliche Drohung von Ihrem (künftigen) Ehepartner oder von dritter Seite (z.B. von Ihren oder seinen
Angehörigen) ausgeht, spielt dabei keine Rolle.
Wegen Zwangsheirat macht sich auch strafbar, wer Sie in der
Absicht, dass Sie in einem anderen Staat zur Eheschließung gezwungen werden,
durch Täuschung über dieses Vorhaben verleitet, sich in einen
anderen Staat zu begeben, oder
mit Gewalt oder durch gefährliche Drohung oder Drohung mit
dem Abbruch oder Entzug der familiären Kontakte zwingt,
sich in einen anderen Staat zu begeben, oder
mit Gewalt oder unter Ausnützung eines Irrtums Ihrerseits
über dieses Vorhaben in einen anderen Staat befördert.
Eine Zwangsverheiratung wird von den österreichischen Gerichten verfolgt, wenn die Tat in Österreich begangen worden ist.
Wenn eine Zwangsverheiratung im Ausland begangen worden ist,
kann der Täter – unabhängig davon, ob die Tat in dem betreffenden Land strafbar ist – dann in Österreich verfolgt werden, wenn
der Täter oder das Opfer Österreicher ist oder gewöhnlich in Österreich lebt. Wenn Sie daher vorwiegend in Österreich leben oder
österreichische Staatsbürgerin sind, macht sich auch strafbar, wer
Sie in einem anderen Land, z.B. im Herkunftsland Ihrer Eltern oder
Großeltern, zwangsverheiratet, auch wenn die Tat in diesem Land
straflos sein sollte.
Eine unter Zwang zustande gekommene Eheschließung ist
zwar vorerst gültig, kann aber aufgehoben werden. Wenn Ihr Ehepartner auch nach der Eheschließung gegen Sie gewalttätig ist oder
Sie bei Gewalt von dritter Seite nicht unterstützt, stellt dies eine
Eheverfehlung dar, die Sie auch zur Scheidung berechtigt. Wenden
Sie sich diesbezüglich an das für Sie zuständige Bezirksgericht.
Wenn Sie betroffen sind, wenden Sie sich an die nächste Polizeidienststelle oder an eine der (spezialisierten) Beratungsstellen
(siehe den Adressteil).
Der Verein Orient Express bietet betroffenen Mädchen und jungen
Frauen (16–24 Jahre) Beratung und Unterstützung an. Auch Online-Beratung wird angeboten, um eine vom Wohnort unabhängige
sichere und anonyme Beratung sicherzustellen.
Bei akuter Gefährdung steht eine Notwohnung, deren Adresse
aus Sicherheitsgründen anonym gehalten wird, zur Verfügung.
Nähere Informationen finden Sie auf der Webseite des Vereins
www.orientexpress-wien.com oder
19  Gewaltbetroffene Migrantinnen
19.1  Niederlassungsrecht von Familienangehörigen
Als Familienangehörige mit einem Aufenthaltstitel „Rot-WeißRot – Karte plus“, „Niederlassungsbewilligung“, „Niederlassungsbewilligung – ausgenommen Erwerbstätigkeit“ oder „Fami-lienangehöriger“ haben Sie ein eigenständiges Niederlassungsrecht.
Das behalten Sie grundsätzlich auch im Fall einer Trennung, Sie
brauchen jedoch einen neuen Aufenthaltstitel. Ein solcher ist Ihnen
in der Regel auszustellen, wenn Sie ein bestimmtes Einkommen,
eine ortsübliche Wohnung und einen umfassenden Krankenversicherungsschutz nachweisen können. Als Gewaltopfer können Sie
selbst bei Vorliegen gewisser Erteilungshindernisse und/oder Fehlen
der genannten Erteilungsvoraussetzungen unter bestimmten Voraussetzungen trotzdem einen Aufenthaltstitel erlangen, nämlich
wenn gegen den Gewalttäter eine einstweilige Verfügung nach
den § 382b oder § 382e EO erlassen wurde
•• wenn im Fall einer Scheidung oder der Auflösung einer eingetragenen Partnerschaft das überwiegende Verschulden ihres
Ehegatten/ihrer Partnerin festgestellt wurde
•• wenn Ihr Ehepartner/Ihre eingetragene Partnerin seinen/ihren
Aufenthaltstitel zufolge einer gerichtlichen Verurteilung verloren hat
•• wenn Sie ein Opfer von Zwangsheirat sind (siehe unter
Diese Umstände müssen Sie unverzüglich, längstens jedoch binnen
einem Monat der zuständigen Behörde bekanntgeben.
Erkundigen Sie sich über Ihre konkreten Möglichkeiten bei einer spezialisierten Stelle, z.B. beim Koordinationsbüro für integrative und antirassistische Projekte »helping hands«, http://www.helpinghands.at/ oder bei den Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle
Wien (siehe Adressteil).
19.2  Aufenthaltsberechtigung besonderer Schutz
Wenn Sie Opfer von Gewalt geworden sind und über keine gülti­ge
Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung verfügen, ist Ihnen
unter bestimmten Voraussetzungen von Amts wegen oder auf Ihren Antrag hin eine Aufenthaltsberechtigung zu ihrem besonderen
Schutz zu erteilen.
Voraussetzung ist, dass eine Einstweilige Verfügung nach
§ 382b EO oder § 382e EO erlassen wurde oder erlassen werden
hätte können (siehe dazu Kapitel 3.4) und Sie glaubhaft machen,
dass die Aufenthaltsberechtigung zum Schutz vor weiterer Gewalt
Eine solche besondere Aufenthaltsberechtigung kann auch
zur Gewährleistung der Strafverfolgung von gerichtlich strafbaren
Handlungen oder zur Geltendmachung von zivilrechtlichen Ansprüchen im Zusammenhang mit solchen strafbaren Handlungen
erteilt werden (siehe dazu auch Kapitel 16).
Diese besonderen Aufenthaltsberechtigungen können verlängert werden und zur Erteilung des Aufenthaltstitels »Rot-Weiß-Rot
– Karte plus« führen.
Erkundigen Sie sich über Ihre konkreten Möglichkeiten bei einer spezialisierten Stelle, z.B. beim Koordinationsbüro für integrative und antirassistische Projekte »helping hands«, http://www.helpinghands.at/ oder bei den den Gewaltschutzzentren/Interventionsstelle Wien (siehe Adressteil).
19.3  Arbeitsmarktzugang für Migrantinnen bei
Wenn Sie die Möglichkeit einer »Rot-Weiß-Rot – Karte plus« oder
einen Aufenthaltstitel „Familienangehöriger“ oder „Daueraufent110
halt – EU“ oder eine „Aufenthaltsberechtigung – plus“ haben, ist
damit auch unbeschränkter Arbeitsmarktzugang verbunden.
Haben Sie (noch) keinen solchen Anspruch, haben Sie als Gewaltopfer erleichterte Möglichkeiten eine Beschäftigungsbewilligung zu bekommen.
Voraussetzung ist, dass wegen des gewalttätigen Verhaltens
eine Anzeige der Sicherheitsbehörde gegen ihn erstattet wurde
eine Einstweilige (Gewaltschutz)Verfügung durch das Gericht
bzw. ein gerichtlicher Beschluss auf gesonderte Wohnungsnahme erlassen wurde oder
eine Ärztin/ein Arzt, eine Krankenanstalt, ein Gewaltschutzzentrum/eine Interventionsstelle, ein Frauenhaus, das Jugendamt/die Kinder- und Jugendhilfestelle oder ein Kinderschutzzentrum aufgesucht und von dieser Person/Einrichtung eine
entsprechende Meldung oder Bestätigung erstattet wurde.
Erkundigen Sie sich über Ihre konkreten Möglichkeiten bei einer spezialisierten Stelle, z.B. beim Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen, http://www.migrant.at/.
19.4  Muttersprachliche Beratung
Die Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen erteilen vielfach bereits muttersprachliche Beratung für Personen, die die deutsche
Sprache nicht beherrschen. Eine Liste von Beratungsstellen, die auf
Migrantinnen spezialisiert sind, finden Sie im Adressteil. Im Bedarfsfall können einer Beratung – in eingeschränktem Ausmaß –
auch Dolmetscherinnen beigezogen werden.
Zusätzlich existieren Beratungsfolder in vielen Sprachen, die
beispielsweise bei folgender Einrichtung bestellt werden können.
01 544 08 20
20  Finanzielle Hilfe
20.1 Entschädigungsvorschuss durch den Bund
Wenn der Schädiger zu einem Schadenersatzbetrag an Sie verpflichtet und daneben auch noch zu einer unbedingten Geld- oder Haftstrafe verurteilt worden ist, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen (vor allem unter Bedachtnahme auf Ihre eigenen Einkommens- und Vermögensverhältnisse) einen Vorschuss auf die
Entschädigungssumme durch den Bund beantragen. Wegen der genauen Voraussetzungen wenden Sie sich bitte an das verurteilende
Strafgericht oder den Weissen Ring (siehe Adressteil).
20.2  Verbrechensopfergesetz (VOG)
20.2.1  Wer hat Anspruch auf Leistungen nach dem VOG?
Sie haben Anspruch auf Leistungen nach dem VOG, wenn Sie
eine Körperverletzung oder Gesundheitsschädigung erlitten
haben, die auf eine mit mehr als 6 Monaten Freiheitsstrafe bedrohte rechtswidrige und vorsätzliche Handlung (Tat) zurück
zu führen ist, oder
durch eine an einer anderen Person begangene solche Handlung einen Schock mit psychischer Beeinträchtigung von
Krankheitswert erlitten haben oder
Hinterbliebene (mit gesetzlichem Unterhaltsanspruch) oder
Trägerin der Bestattungskosten sind, sofern die Tat den Tod
des Opfers verursacht hat.
In manchen Fällen hängt die Gewährung der Leistung von
Ihrer Staatsbürgerschaft bzw. davon ab, ob Sie sich rechtmäßig
in Österreich aufhalten.
20.2.2  Welche Hilfeleistungen gibt es für das Opfer selbst?
Finanzielle Unterstützung erhalten Sie insbesondere durch
Ersatz eines allfälligen Verdienstentgangs;
Heilfürsorge (z.B. Übernahme der Selbstkosten für psycho­
therapeutische Behandlungen);
Kostenübernahme bei Krisenintervention durch klinische Psychologen/Psychologinnen, Gesundheitspsychologen/Gesundheitspsychologinnen oder Psychotherapeuten/
Psychotherapeutinnen;
orthopädische Versorgung;
Maßnahmen der beruflichen, sozialen und medizinischen
Pflege- oder Blindenzulage;
Ersatz von beschädigten Hilfsmitteln (z.B. Brillen);
Pflegegeld nach dem Bundespflegegesetz;
Pauschalentschädigung für Schmerzengeld (2.000 EUR bei einer schweren Körperverletzung, 4.000 EUR bei einer schweren Körperverletzung mit Berufsunfähigkeit oder Gesundheitsschädigung von mehr als drei Monaten, 8.000 EUR bei einer
Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen, 12.000 EUR, sofern wegen der Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen
ein Pflegebedarf im Ausmaß von zumindest der Stufe 5 nach
dem Bundespflegegeldgesetz besteht).
20.2.3  Welche Hilfeleistungen gibt es für Hinterbliebene?
Als Hinterbliebene erhalten Sie finanzielle Unterstützung durch
Ersatz des entgangenen Unterhalts;
Heilfürsorge (z.B. Psychotherapie) und orthopädische Versorgung;
Die Bestattungskosten werden der Trägerin/dem Träger der
Kosten (z.B. Hinterbliebene) bis zu einem bestimmten Höchstbetrag ersetzt.
Antragsformulare finden Sie auf der Website www.sozialministeriumservice.at > Renten & Entschädigungen > Verbrechensopfer, wo Sie auch weitere Informationen zur Antragstellung sowie
einen Überblick über die Landesstellen finden.
Die Leistungen sind zumeist an Fristen gebunden. Der Antrag
muss grundsätzlich innerhalb von zwei Jahren nach der Tat eingebracht werden, damit Leistungen ab dem Tatzeitpunkt in Anspruch genommen werden können. Wird ein Antrag erst nach Ablauf dieser Frist gestellt, so sind der Ersatz eines allfälligen Verdienstentgangs, Leistungen der Heilfürsorge oder orthopädischen
Versorgung, Maßnahmen der beruflichen, sozialen oder medizinischen Rehabilitation, die Pflege- oder Blindenzulage oder die einkommensabhängige Zusatzleistung mit Beginn des auf den Antrag
folgenden Monates zu erbringen. Für Psychotherapiekosten besteht
keine Antragsfrist. Sie sollten sich in jedem Fall relativ rasch mit
dem für Sie zuständigen Sozialministeriumservice in Verbindung
05 99 88 (österreichweit zum Ortstarif)
Finanzielle Hilfe und Beratung können Sie auch erhalten beim
Weisser Ring (gemeinnütziger Verein
zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern)
0810 955 065 (bundesweit zum Ortstarif) oder
01 712 14 05
21 Adressen
21.1 Notrufnummern
21.1.1  Rund um die Uhr und bundesweit
Notruf zur nächsten Polizeidienststelle (zum Ortstarif)
Mehrsprachige Beratung rund um die Uhr, anonym und kostenlos. Ein Team von Expertinnen bietet Erst- und Krisenberatung
an und vermittelt gezielt an regionale Frauenschutzeinrichtungen
und -beratungsstellen. Weiters informiert es über rechtliche und soziale Fragen und sorgt in Akutsituationen für rasche Hilfe.
Rechtsberatung für Opfer
Kriminalpolizeiliche Beratung (zum Ortstarif)
0800 216 346
21.1.2  Rund um die Uhr und regional
Anlaufstelle für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die von sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt betroffen sind.
24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien (zum Ortstarif)
21.2 Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen
03352 314 20
0463 590 290
02742 319 66
0732 60 77 60
Salzburg Gewaltschutzzentrum Salzburg
Paris-Lodron-Straße 3a/1/6, 5020 Salzburg
0662 87 01 00
Granatengasse 4, 2. Stock, 8020 Graz
0316 77 41 99
0512 57 13 13
05 1755 535
01 585 32 88
21.3 Frauenhäuser/Frauennotwohnungen
Amerlingstraße 1/6, 1060 Wien
0676 53 55 738
02682 612 80 (0–24 Uhr)
Frauenhaus Oberkärnten/Spittal an der Drau
Postfach 9, 9800 Spittal an der Drau
04762 613 86 (0–24 Uhr)
0463 44966 (0–24 Uhr)
04242 31 031 (0-24 Uhr)
04352 369 29 (0-24 Uhr)
Postfach 4, 3300 Amstetten
07472 66 500 (0–24 Uhr)
Haus der Frau (Frauenhaus St. Pölten)
02742 36 65 14 (0–24 Uhr)
Postfach 22, 2620 Neunkirchen
02635 689 71 oder 0676 539 27 90 (0–24 Uhr)
02572 50 88 (0–24 Uhr)
Frauenhaus Mödling/Sozialhilfezentrum
02236 465 49
Postfach 37, 2700 Wr. Neustadt
02622 880 66 (0–24 Uhr)
Rablstraße 14, 4600 Wels
07242 678 51 (0–24 Uhr)
0732 60 67 00 (0–24 Uhr)
Postfach 43, 4910 Ried im Innkreis
07752 717 33 (0–24 Uhr)
Wehrgrabengasse 83, 4400 Steyr
07252 87 700 (0–24 Uhr)
07672 22 7 22 (0–24 Uhr)
Postfach 3, 5400 Hallein
06245 802 61 (0–24 Uhr)
Postfach 313, 5021 Salzburg
0662 458 458 (0–24 Uhr)
Postfach 3, 5760 Saalfelden
0664 500 68 68 (Frauennotruf Innergebirg,
0–24 Uhr)
Büro: 06582 74 30 21
0316 42 99 00 (0–24 Uhr)
Büro: Adamgasse 16, 6020 Innsbruck
0512 34 21 12 (0–24 Uhr)
Frauenhaus der Initiative Frauen helfen Frauen Innsbruck
Frauenzentrum: Museumsstraße 10, 6020 Innsbruck
0512 58 09 77
Frauennotwohnung des Frauenzentrums Osttirol
04852 671 93
Frauennotwohnung Kufstein
05372 63616
IfS-FrauennotWohnung, das Frauenhaus in Vorarlberg
05 175 55 77 (0–24 Uhr)
www.ifs.at/frauennotwohnung.html
(gemeinsamer Notruf) 05 77 22 (0–24 Uhr)
Vivenotgasse 53, 3. Stock, 1120 Wien
01 512 38 39
21.4  Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt
gegen Frauen und Mädchen – Frauennotrufe
Die Notrufe bieten vor allem Krisenintervention, Beratung und
Prozessbegleitung für Frauen und Mädchen, die Opfer von sexualisierter Gewalt wurden. Die Beratungen erfolgen kostenlos und auf
Wunsch auch anonym.
Unter www.frauennotrufe.at finden Sie einen Überblick über
das Angebot der autonomen österreichischen Frauennotrufe. In
Wien gibt es ein zusätzliches Angebot der Stadt Wien (siehe dazu
unter Wien).
Die Öffnungszeiten erfragen Sie bitte direkt beim jeweiligen
0732 60 22 00
Paracelsusstraße 12, 5020 Salzburg
Verein Tara/Frauennotruf Graz
Haydngasse 7/EG/1, 8010 Graz
0512 57 44 16
01 523 22 22
21.5 Gleichbehandlung
Die Anwaltschaft für Gleichbehandlung besteht aus:
Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern
01 532 02 44 oder zum Nulltarif: 0800 206 119
Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied der
ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung,
des Alters oder der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt
01 532 02 44 oder 0800 206 119
Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied des
Geschlechts oder der ethnischen Zugehörigkeit in sonstigen
Regionalanwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und
Männern in der Arbeitswelt, Innsbruck
Örtlicher Wirkungsbereich: Tirol, Salzburg, Vorarlberg
Leipziger-Platz 2, 6020 Innsbruck
0512 34 30 32
Männern in der Arbeitswelt, Graz
Örtlicher Wirkungsbereich: Steiermark
0316 72 05 90
Männern in der Arbeitswelt, Klagenfurt
Örtlicher Wirkungsbereich: Kärnten
0463 50 91 10
Männern in der Arbeitswelt, Linz
Örtlicher Wirkungsbereich: Oberösterreich
0732 78 38 77
21.6  Weitere Beratungseinrichtungen
21.6.1  Beratung bei Gewaltbetroffenheit
Neben den Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen, Frauenhäusern und Notrufen für ver­gewaltigte Frauen beraten auch zahlreiche weitere Frauenberatungsstellen bei Gewaltbetroffenheit.
Zusätzlich gibt es bei Help-Chat unter www.haltdergewalt.at die
Möglichkeit der Online-Beratung.
Unter www.bmbf.gv.at/index.xml finden Sie eine Adressliste
der von der Frauensektion im Bundesministerium für Bildung und
Frauen geförderten Frauenberatungsstellen sowie der Gewaltschutzzentren/Interventions­
stellen, Frauenhäuser und Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen
(Notrufe für vergewaltigte Frauen).
21.6.2  Psychosoziale und juristische Prozessbegleitung
Information über das für Sie nächstgelegene Angebot an
Prozessbegleitung erhalten Sie bei der Frauenhelpline unter
0800 222 555 (kostenlos und rund um die Uhr) sowie unter
21.6.3 Opferhilfe
Nussdorfer Straße 67/7, 1090 Wien
01 545 95 60
01 588 31 (hier erfahren Sie auch die für Sie
zuständige Landesstelle)
21.6.4 Migrantinnen
Neben den bisher angeführten Stellen gibt es in Österreich auch einige auf Migrantinnen spezialisierte Beratungsstellen, die hier zum
Teil aufgelistet sind. Erfragen Sie die für Sie nächstgelegene spezialisierte Beratungsstelle bei der Frauenhelpline 0800 222 555 oder
wenden Sie sich an das/die für Ihr Bundesland zuständige Gewaltschutzzentrum/Interventionsstelle (siehe Kapitel 3.3 und 21.2.).
Peregrina, Bildungs- Beratungs- und Therapiezentrum für
Wilhelm-Weber-Weg 1/2/1+2, 1110 Wien
01 408 33 52 oder 01 408 61 19
01 581 18 81
01 4931608
Taubstummengasse 7-9, Erdgeschoss, 1040 Wien
01 310 88 80 10
0732 77 60 70
Migrantinnenberatung Spittal/Drau
Schillerstraße 4, 9800 Spittal/Drau
0660 544 71 83
21.6.5 Frauenhandel
Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel, IBF
21.6.6 Prostitution
01 897 55 36
LEFÖ/TAMPEP – Infortmations-, Beratungsarbeit und Gesundheitsprävention für Migrantinnen in der Sexarbeit
Sozialberatungsstelle für sexuelle Gesundheit - Beratung und Betreuung von Menschen in der Prostitution
Thomas-Klestil-Platz 8/1, 1030 Wien
01 4000 871 91, -877 49, -877 59,
-877 88, - 877 96
LENA – Beratungsstelle für Menschen, die in den sexuellen
Dienstleistungen arbeiten bzw. gearbeitet haben
0732 77 55 08 - 0
SXA-Info – Information und Beratung für Sexarbeiterinnen und
www.frauenservice.at/sxa-angebot
PIA – Information und Beratung für Sexarbeiterinnen
Griesgasse 3, 5020 Salzburg
0664 25 444 45
www.frau-und-arbeit.at/index.php/schwerpunkte/pia
IBUS – Innsbrucker Beratung und Unterstützung für
0660 47 57 345
www.aep.at/beratungsstelle/ibus/
21.6.7 Männerberatungsstellen
Einen Überblick über Männerberatungsstellen finden Sie über die
Website der Männerberatung Wien oder erfragen Sie die Adressen
01 603 28 28
Um die für Sie nächstgelegene geeignete Beratungsstelle zu erfragen, wenden Sie sich bitte an eine der angeführten Stellen.
Psychosoziale und juristische Prozessbegleitung: eine österreichweite Liste von spezialisierten Beratungseinrichtungen, die
Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche anbieten, finden Sie
unter www.pb-fachstelle.at.
Kinder- und Jugendanwaltschaften: Einen Überblick über
sämtliche Kinder- und Jugendan-waltschaften in Österreich finden
Sie unter www.kija.at.
Alserbachstraße 18, 6. Stock, 1090 Wien
22 Stichwortverzeichnis
Akteneinsicht 20, 49
Akute Gefahr 13
Angehörige 34, 42, 44, 48, 51, 52, 105, 109, 110
Anti-Gewalt-Training 63
Anwaltskosten 71
Anwaltspflicht 54
Anzeige 11, 13, 20, 21, 25, 35, 37, 39, 40, 43, 44, 54, 93,
App 16, 93,
Arbeitsmarktzugang 110, 111
Aufenthaltsberechtigung besonderer Schutz 110
Aussage 25, 50, 51, 52, 76
Beharrliche Verfolgung 34, 93
Behinderungen 89, 90
Besachwaltete Personen 40, 57
Beschäftigungsbewilligung 111
Bescheinigungsmittel 24, 25
Betretungsverbot 14, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 24, 25, 27
Bezirksgericht 24, 57, 69, 102, 106
Diversion 47, 60, 63, 65
Dokumentation 19, 39, 40, 93
Eheverfehlung 26, 106
Einstweilige Verfügung 17, 19, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 94,
Entschädigungserkenntnis 59
Entschädigungsvorschuss 113
Ermächtigungsdelikt 33
Euronotruf 13, 93
FGM 101, 102
Finanzielle Hilfe 113, 115
Fortführungsantrag 47, 65,66
Fortgesetzte Gewaltausübung 34, 35
Fotos 25, 54
Frauenhandel 97, 98, 99
Frauenhaus 14, 15, 21, 25, 111, 121,
Frauenhelpline 14, 16, 44, 89, 133, 134
Frauennotruf 37, 95, 129
Freispruch 58, 59
Gemeinnützige Leistungen 60
Genitalverstümmelung 101
Gerichtsgebühren 55, 69, 71, 72
Gewaltambulanz 41
Gewalt im sozialen Nahraum 17, 34
Gewalt in der Familie 19, 20, 95, 110
Gewaltschutz-Verfügungen 21
Gewaltschutzzentrum/Gewaltschutzzentren 17, 20, 21, 24,
25, 27, 41, 42, 95, 109, 110, 111, 118, 133
Haft 13, 18, 20
Hausarzt/Hausärztin 25
Häusliche Gewalt 17, 41
Heiratshandel 97
Interventionsstellen gegen Gewalt 17, 20, 25, 27
Jugendamt 27, 40, 64, 111
Kindergarten 18, 26, 43, 92
Kinderschutzgruppen 41, 42
Kinder- und Jugendanwaltschaft 45, 103, 140
Kinder- und Jugendhilfe 27, 43, 111
Kontaktaufnahme 22, 23, 26, 94
K.O.-Tropfen 85, 86, 87
Krankenanstalt/Krankenhaus 41, 42, 87, 101
Kriminalpolizeiliche Beratung/Prävention 15
Ladung 50, 53, 57
Medizinische Hilfe 39
Menschenhandel 97, 98, 99
Migrantinnen 109, 110, 111, 134
Muttersprache 21
Notruf 13, 14, 16, 37, 41, 42, 89, 93, 95, 117, 129, 133
Opfer-Notruf 16
Opferrechte 48
Opferschutzgruppen 41, 42
Polizeinotruf 13, 89, 93
Prävention 16, 38
Privatanklagedelikt 33
Privatbeteiligte/nanschluss 49, 51, 53, 54, 56, 57, 58, 73, 75, 81
Prostitution 97, 98, 99, 137
Prozessbegleitung 21, 25, 37, 43, 44, 45, 49, 50, 53, 60, 72,
73, 75, 99, 102, 129, 133, 139
Psychoterror 11, 91, 92
Rechtsanwältin/Rechtsanwalt 43, 54, 70, 71, 73
Sachbeweise 38, 39
Schadenersatz 33, 43, 53, 55, 57, 61, 67, 68, 75, 82, 83,
Schmerzengeld 43, 53, 57, 59, 67, 69, 102, 114
Schonende kontradiktorische Vernehmung 52,
Sexuelle Belästigung 33, 34, 81, 82, 83
Sexueller Missbrauch 68, 89, 98
Sozialministeriumservice 115
Spurensicherung 39
Stalking 20, 26, 34, 91, 92, 93, 94, 95
Straftatbestände 33, 97
Strafverfahren 33, 35, 40, 43, 44, 45, 47, 48, 49, 53, 54, 55,
58, 59, 60, 62, 63, 67, 68, 69, 73, 75, 76
Tatausgleich 25, 60, 61, 62
Täterarbeit 47, 60, 63, 64
Verbrechensopfergesetz 113
Verfahrenshilfe 45, 69, 71, 72, 73, 102
Vergewaltigung 13, 34, 48, 57, 58, 67, 68, 79, 82, 105
Verletzungsdokumentation 39
Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung 34, 79
Vernehmung 21, 37, 39, 43, 45, 49, 50, 52, 53, 76, 77, 99
Wegweisung 14, 17, 18, 19, 21, 25, 29, 64
Zeugin 25, 39, 44, 45, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 57, 71, 75, 76, 93
Zwangsheirat 105, 109
das fremde im vertrauten cocon`s apéroempfehlung seerose bar
Infoblatt für Opfer von Verkehrsunfällen Strafverfahren Kausalhaftung
Judenverfolgung in Hann. Münden Der Fall Erwin Proskauer
Neue Rechtsschutzmöglichkeiten im Umweltschutz für anerkannte
Vortrag - SFBB Berlin
Traditionsbedingte Gewalt gegen Frauen
für von Scheidung und Trennung betroffene Männer

References: § 382
 § 382
 § 64
 § 64
 § 107
 § 1325
 § 382
 § 382

§ 382
 § 382