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Timestamp: 2020-02-26 19:10:39+00:00

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BSG, Urteil vom 03.04.2014, B 5 RE 13/14 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Ur­teil vom 03.04.2014, B 5 RE 13/14 R
Schlagworte: Versicherungspflicht, Syndikusanwälte, Beschäftigungsverhältnis
Aktenzeichen: B 5 RE 13/14 R
Vorinstanzen: Sozialgericht Duisburg, Urteil vom 07.02.2012, S 37 R 1451/10
Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 07.05.2013, L 18 R 170/12
Bun­des­so­zi­al­ge­richt
Die Re­vi­si­on wird zurück­ge­wie­sen. Außer­ge­richt­li­che Kos­ten auch des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens sind nicht zu er­stat­ten.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob die Be­klag­te die Kläge­rin ab dem 18.9.2009 für die Beschäfti­gung, die sie bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ausübt, von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­frei­en muss.
Die 1972 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist Voll­ju­ris­tin. Die Bei­ge­la­de­ne zu 1. be­treibt ein Be­ra­tungs­un­ter­neh­men für be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung und Vergütung; ih­re Rechts­ab­tei­lung be­steht aus­sch­ließlich aus Voll­ju­ris­ten. Die Bei­ge­la­de­ne zu 2. leis­tet ih­ren Mit­glie­dern und sons­ti­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten Ver­sor­gung nach Maßga­be ih­rer Sat­zung (Be­kannt­ma­chung des Jus­tiz­mi­nis­ters des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len vom 16.7.1985, JMBl NW 172) und des Ge­set­zes über die Rechts­an­walts­ver­sor­gung (RAVG NW) vom 6.11.1984 (GV­BI NW 684).
Im Herbst 1999 be­warb sich die Kläge­rin er­folg­reich bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. auf die Stel­le ei­ner "Ju­rist/in in dem Be­reich der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung" und nahm am 1.2.2000 in der Rechts­ab­tei­lung ei­ne Beschäfti­gung als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" ge­gen Ent­gelt auf (An­stel­lungs­ver­trag vom 26.1.2000). Als sol­che ist sie wei­sungs­ge­bun­den, fach­lich je­doch un­abhängig. Sie be­treut und berät ver­si­che­rungs­recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen (Ein­rich­tung, Durchführung und Ände­rung) der Ver­sor­gungs- und Vergütungs­sys­te­me recht­lich um­fas­send, be­ant­wor­tet sämt­li­che steu­er-, ar­beits- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Fra­gen, ver­han­delt selbständig mit Geschäfts­part­nern, tritt als Re­fe­ren­tin bei Vorträgen auf, be­ar­bei­tet an­spruchs­vol­le Grund­satz- und Pro­jekt­ar­beit im Be­reich "Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung und Vergütung" und nimmt an we­sent­li­chen Ab­stim­mungs- und Ent­schei­dungs­pro­zes­sen bei steu­er-, ar­beits- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fra­gen teil (Stel­len­be­schrei­bung vom 7.4.2009 und Stel­lung­nah­me der Bei­ge­la­de­nen zu 1. vom 17.3.2011). Ih­rer recht­li­chen Be­wer­tung wird im Un­ter­neh­men der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ho­hes Ge­wicht bei­ge­mes­sen. Al­ler­dings trifft sie - we­gen des im Un­ter­neh­men prak­ti­zier­ten Vier-Au­gen-Prin­zips - Ent­schei­dun­gen nicht al­lein, son­dern nur im Ein­ver­neh­men mit den Vor­ge­setz­ten, ins­be­son­de­re mit ih­rem Ab­tei­lungs­lei­ter, der zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen ist. Nach § 6 des An­stel­lungs­ver­trags vom 26.1.2000 benötigt sie für ent­gelt­li­che oder un­ent­gelt­li­che Ne­ben­beschäfti­gun­gen so­wie Veröffent­li­chun­gen und Vorträge die vor­he­ri­ge schrift­li­che Zu­stim­mung der Bei­ge­la­de­nen zu 1. Die Kläge­rin be­trieb ih­re Zu­las­sung zur Rechts­anwältin zunächst nicht, weil die Bei­ge­la­de­ne zu 1. dies nicht wünsch­te.
An­fang 2009 über­nahm die Kläge­rin den Kun­den­stamm und die Auf­ga­ben ei­ner Kol­le­gin, die zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen war. In ei­ner Frei­stel­lungs­erklärung vom 5.3.2009 erklärte sich die Bei­ge­la­de­ne zu 1. un­wi­der­ruf­lich da­mit ein­ver­stan­den, dass die Kläge­rin ne­ben ih­rer Tätig­keit als ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin als Rechts­anwältin ar­bei­ten und während der Dienst­stun­den an­walt­li­che Ter­mi­ne wahr­neh­men dürfe. Denn auf­grund ei­ner zwi­schen­zeit­li­chen Ände­rung der Fir­men­po­li­tik soll­ten auf Wunsch der Bei­ge­la­de­nen zu 1. nun­mehr al­le in der Rechts­ab­tei­lung täti­gen Voll­ju­ris­ten (oh­ne Ände­rung des An­stel­lungs­ver­trags) zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen sein.
Am 8.7.2009 be­an­trag­te die Kläge­rin bei der Rechts­an­walts­kam­mer (RAK) D. ih­re Zu­las­sung als Rechts­anwältin, fügte die Frei­stel­lungs­erklärung vom 5.3.2009 so­wie die Stel­len­be­schrei­bung vom 7.4.2009 bei und gab an, sie wer­de ih­re Kanz­lei in den Geschäftsräum­en der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ein­rich­ten. Der Vor­stand der RAK teil­te ihr mit, er ha­be ih­ren An­trag "bezüglich der Syn­di­kustätig­keit" bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ge­prüft und kei­ne Be­den­ken gel­tend ge­macht (Schrei­ben vom 8.9.2009). Am 18.9.2009 wur­de die Kläge­rin zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen, gleich­zei­tig Mit­glied der RAK D. und da­mit nach § 2 Abs 1 RAVG NW iVm § 10 Nr 2 der Sat­zung der Bei­ge­la­de­nen zu 2. de­ren Pflicht­mit­glied. Ab die­sem Zeit­punkt schloss sie bei der A. Ver­si­che­rung AG ei­ne Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung für ih­re Tätig­keit als Rechts­anwältin zu ei­nem Son­der­jah­res­bei­trag von 97 EUR ab, der ihr we­gen ei­ner nur ne­ben­be­ruf­lich aus­geübten frei­en An­waltstätig­keit gewährt wur­de. Die Kläge­rin teilt ih­re Büroräume bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. mit ei­nem wei­te­ren Mit­ar­bei­ter ("Dop­pelbüro"), hat dort kein Kanz­lei­schild, das auf ih­re Tätig­keit als Rechts­anwältin hin­weist, und führt auch kei­ne ei­ge­nen, der Ver­schwie­gen­heits­pflicht un­ter­lie­gen­den Rechts­an­walts­ak­ten. Einkünf­te aus selbständi­ger Tätig­keit hat sie nicht er­zielt.
Am 25.11.2009 be­an­trag­te die Kläge­rin, sie we­gen ih­rer be­rufs­spe­zi­fi­schen an­walt­li­chen Tätig­keit bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu be­frei­en. Die Bei­ge­la­de­ne zu 1. erklärte da­zu, die Kläge­rin wer­de "in un­se­rer Kanz­lei als Rechts­an­walt tätig", fer­ti­ge Ent­schei­dungs­vor­la­gen für die Geschäftsführung und für an­de­re Ab­tei­lun­gen und sei im Ab­stim­mungs­pro­zess für die zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen be­tei­ligt. Ne­ben­be­ruf­li­che Beschäfti­gun­gen bedürf­ten kei­ner "vor­he­ri­gen Ge­neh­mi­gung". Die Kläge­rin dürfe un­wi­der­ruf­lich ne­ben ih­rer Tätig­keit als An­ge­stell­te ei­ne An­walts­pra­xis ausüben und sich zur Wahr­neh­mung an­walt­li­cher Ter­mi­ne oh­ne Er­laub­nis im Ein­zel­fall je­der­zeit von ih­rem Dienst­platz ent­fer­nen (Schrei­ben der Bei­ge­la­de­nen zu 1. vom 11.6.2010). Die Be­klag­te lehn­te den Be­frei­ungs­an­trag ab, weil die Kläge­rin für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. nicht rechts­ent­schei­dend tätig sei und des­halb kei­ne an­walt­li­che Tätig­keit ausübe (Be­scheid vom 20.7.2010 und Wi­der­spruchs­be­scheid vom 24.11.2010).
Das SG Duis­burg hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen (Ur­teil vom 7.2.2012). Das LSG hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen und die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen (Ur­teil vom 7.5.2013): Sie ha­be kei­nen An­spruch auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Denn die Kläge­rin sei nicht "we­gen" ih­rer ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. Mit­glied der RAK D. und die­se Beschäfti­gung ver­pflich­te sie auch nicht kraft Ge­set­zes, Mit­glied der RAK D. zu sein oder zu wer­den. Da sie auf­grund der re­strik­ti­ven Zu­las­sungs­pra­xis und der Recht­spre­chung des BGH da­mit ge­rech­net ha­be, dass ihr die RAK die Rechts­an­walts­zu­las­sung ge­ra­de we­gen der abhängi­gen Beschäfti­gung bei ei­ner nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­be­rin ver­sa­gen würde, ha­be sie im Zu­las­sungs­ver­fah­ren le­dig­lich an­ge­ge­ben, den Rechts­an­walts­be­ruf ne­ben ih­rer abhängi­gen Beschäfti­gung aus­zuüben. Da­mit sei die Prüfung der Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen im vor­ge­se­he­nen Rechts­weg um­gan­gen und de fac­to ver­sucht wor­den, die Zu­las­sungs­ent­schei­dung auf die Be­klag­te und die Ge­rich­te der So­zi­al­ge­richts­bar­keit zu ver­la­gern. Dies ver­let­ze das Prin­zip von Treu und Glau­ben und ver­s­toße ge­gen das Ver­bot wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens ("ve­ni­re con­tra fac­tum pro­pri­um"). Im Be­frei­ungs­ver­fah­ren ha­be sie da­ge­gen be­haup­tet, in ih­rer abhängi­gen Beschäfti­gung als Rechts­anwältin tätig zu sein, ob­wohl sie dort kei­ne Kanz­lei oder Zweig­stel­le ein­ge­rich­tet ha­be (§ 27 BRAO), kei­ne An­walts­ak­ten führe (§ 50 BRAO), kei­ne Maßnah­men zur Ein­hal­tung der Ver­schwie­gen­heits­pflicht er­grif­fen (§ 43a BRAO) und die haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit nicht haft­pflicht­ver­si­chert ha­be (§ 51 Abs 1 BRAO). Da­mit erfülle sie we­der die Be­rufs­pflich­ten noch die Rah­men­be­din­gun­gen, die der Deut­sche An­walts­ver­ein (DAV) im Merk­blatt für sog "Syn­di­kus­anwälte" auf­ge­stellt ha­be. Berück­sich­ti­ge man schließlich, dass die Kläge­rin mit der Tätig­keit als selbständi­ge Rechts­anwältin of­fen­bar kei­ne Ein­nah­men er­zie­le, so lie­ge die An­nah­me na­he, dass der An­trag auf Be­frei­ung von der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht rechts­miss­bräuch­lich auf ei­ne Pro-For­ma-Zu­las­sung gestützt wer­de. Die­ses Vor­ge­hen wer­de in der ju­ris­ti­schen Li­te­ra­tur als "Mo­gel­pa­ckung" be­zeich­net, wo­bei "Phan­ta­sie­erklärun­gen" wie die der Bei­ge­la­de­nen zu 1., die Kläge­rin wer­de "in un­se­rer Kanz­lei als Rechts­an­walt tätig", zum "Top" der "Zu­las­sungs­mo­ge­lei" gehörten.
Zu­dem sei die Kläge­rin nicht "we­gen der" abhängi­gen Beschäfti­gung "kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung" Mit­glied ei­ner be­rufsständi­schen Kam­mer. Die­se set­ze ei­ne Tätig­keit vor­aus, de­ren rechtmäßige Ausübung ge­setz­lich zwin­gend die Zu­las­sung zur An­walt­schaft und da­mit zu­gleich zwin­gend die Mit­glied­schaft in ei­ner Rechts­an­walts­kam­mer nach sich zie­he. Als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" benöti­ge die Kläge­rin kei­ne be­son­de­re Zu­las­sung iS von § 3 RDG, weil sie kei­ne "frem­den An­ge­le­gen­hei­ten" iS von § 2 Abs 1 RDG be­sor­ge; in ih­rer Ei­gen­schaft als Rechts­anwältin dürfe sie nicht für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. tätig wer­den (§ 46 Abs 1 BRAO).
Der en­ge Wort­laut der Aus­nah­me­vor­schrift des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI könne nicht mit Hil­fe der sog "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" er­wei­ternd aus­ge­legt wer­den, wo­nach die zu be­frei­en­de Tätig­keit ku­mu­la­tiv rechts­be­ra­ten­de, -ent­schei­den­de, -ver­mit­teln­de und -ge­stal­ten­de Ele­men­te ent­hal­ten müsse. Denn die­se va­gen und pra­xis­un­taug­li­chen Kri­te­ri­en, die er­heb­li­che Ab­gren­zungs- und De­fi­ni­ti­ons­pro­ble­me schüfen und zu un­vor­her­seh­ba­ren Ent­schei­dun­gen führ­ten, erfüll­ten auch vie­le Steu­er­be­ra­ter, Ren­ten­be­ra­ter, Mit­ar­bei­ter von In­kas­so­diens­ten etc, während sie an­ge­stell­te Rechts­anwälte bei an­walt­li­chen Ar­beit­ge­bern häufig ver­fehl­ten. Das SGB VI ko­or­di­nie­re mit der Be­frei­ungsmöglich­keit die selbständig ne­ben­ein­an­der ste­hen­den, sich par­ti­ell über­schnei­den­den Sys­te­me der be­rufsständi­schen Al­ters­ver­sor­gung und der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und ver­mei­de ei­ne dop­pel­te Bei­trags­pflicht zu zwei weit­ge­hend funk­ti­ons­glei­chen Si­che­rungs­sys­te­men, auch wenn dies we­der primäres Ziel des Ge­set­zes noch des his­to­ri­schen Ge­setz­ge­bers sei, wie be­reits aus § 6 Abs 1 S 3 SGB VI fol­ge. Je­den­falls müsse zwi­schen der be­rufs­spe­zi­fi­schen Tätig­keit, für die Be­frei­ung von der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­an­sprucht wer­de, und dem Schutz durch die be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ein in­ne­rer Zu­sam­men­hang be­ste­hen. Aus der Not­wen­dig­keit ei­ner "be­rufs­spe­zi­fi­schen Tätig­keit" fol­ge aber nicht im Um­kehr­schluss, dass je­de "be­rufs­spe­zi­fi­sche" Tätig­keit al­lein be­reits für die Be­frei­ung nach § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI genüge. Des­sen un­ge­ach­tet sei die Kläge­rin aber auch nicht "rechts­ent­schei­dend" tätig, weil sie für Ent­schei­dun­gen das Ein­ver­neh­men ih­rer Vor­ge­setz­ten benöti­ge.
Die Be­frei­ung kom­me auch nicht des­halb in Be­tracht, weil die abhängi­ge Beschäfti­gung der Kläge­rin für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. ge­mein­sam mit der ne­ben­be­ruf­li­chen selbständi­gen Rechts­an­waltstätig­keit ei­ne ein­heit­li­che an­walt­li­che Be­rufs­ausübung dar­stel­le. Da die selbständi­ge Rechts­an­waltstätig­keit von vorn­her­ein ren­ten­ver­si­che­rungs­frei sei, strah­le sie we­der auf die abhängi­ge Haupt­beschäfti­gung aus noch könn­ten bei­de zu ei­nem ein­heit­li­chen An­walts­be­ruf ver­schmel­zen, der ins­ge­samt zu ei­ner Be­frei­ung von der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht führe. Viel­mehr han­de­le es sich bei der ne­ben­be­ruf­li­chen selbständi­gen Rechts­an­waltstätig­keit und der Beschäfti­gung als an­ge­stell­te ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin um zwei zeit­lich, in­halt­lich und funk­tio­nal ab­grenz­ba­re Tätig­kei­ten, die von­ein­an­der un­abhängig durch das Be­rufs­ausübungs­recht (BRAO ei­ner­seits und ar­beits­recht­li­che Vor­schrif­ten an­de­rer­seits) mit un­ter­schied­li­chen Rech­ten und Pflich­ten aus­ge­stat­tet sei­en, steu­er­recht­lich un­ter­schied­lich be­han­delt würden (Einkünf­te aus abhängi­ger Beschäfti­gung ei­ner­seits und aus selbständi­ger Er­werbstätig­keit an­de­rer­seits) und des­halb ei­ne ge­trenn­te Be­trach­tung er­for­der­ten (sog Dop­pel­be­rufs­theo­rie). Ge­ra­de des­halb stre­be der DAV ei­ne Ände­rung des § 46 BRAO an. Dass die Bei­ge­la­de­ne zu 1. nun­mehr (un­verständ­li­cher­wei­se) wünsche, dass al­le in ih­rer Rechts­ab­tei­lung täti­gen Voll­ju­ris­ten als Rechts­anwälte zu­ge­las­sen sei­en, könne dar­an nichts ändern, weil die Fra­ge, ob ein an­ge­stell­ter Ju­rist die Vor­aus­set­zun­gen für die Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht erfülle, nicht der Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers un­ter­lie­gen könne. Dies gel­te im vor­lie­gen­den Fall um­so mehr, als sich der Cha­rak­ter der abhängi­gen Beschäfti­gung der Kläge­rin bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. nach und durch die Zu­las­sung zur An­walt­schaft nicht verändert ha­be. Die Kläge­rin sei seit ih­rer Zu­las­sung als Rechts­anwältin kei­ne sog "Syn­di­kus­anwältin" iS des § 46 BRAO und als sol­che auch nicht per se von der Ver­si­che­rungs­pflicht zu be­frei­en. Denn es ste­he we­der fest noch sei fest­zu­stel­len, was un­ter dem (ope­ra­tio­na­len) Be­griff "Syn­di­kus­an­walt" über­haupt zu ver­ste­hen sei. Je­den­falls wer­de die Kläge­rin für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. nicht als Rechts­anwältin tätig, wie dies § 46 BRAO er­for­de­re, weil sie die­se Tätig­keit bis heu­te nicht ent­spre­chend den zwin­gen­den Form­vor­schrif­ten der BRAO ausübe. Fol­ge­rich­tig ha­be die Bei­ge­la­de­ne zu 1. die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft auch nicht zur Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung ge­macht. Aber selbst wenn man die Kläge­rin als "Syn­di­kus­anwältin" ansähe, könn­te sie für ih­re Tätig­keit als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" nicht be­freit wer­den. Die­ses Er­geb­nis ste­he mit der Recht­spre­chung des EuGH, des BVerfG und des BGH in Ein­klang.
Sch­ließlich könne die Kläge­rin ei­nen Be­frei­ungs­an­spruch auch nicht aus den Ver­wal­tungs­richt­li­ni­en der Be­klag­ten iVm Art 3 Abs 1 GG her­lei­ten. Selbst wenn zahl­rei­che an­de­re Ver­si­cher­te bei ver­gleich­ba­rer Sach- und Rechts­la­ge von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung - rechts­wid­rig - be­freit wor­den sei­en, er­ge­be sich dar­aus kein An­spruch auf Gleich­be­hand­lung im Un­recht. So­weit sie be­an­tragt ha­be, den Präsi­den­ten der RAK D. da­zu als Zeu­gen zu ver­neh­men, dass sie we­gen ih­rer Tätig­keit in Diens­ten der Bei­ge­la­de­nen zu 1. als Rechts­anwältin zu­ge­las­sen wor­den sei, sei dies nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich und stel­le ei­nen un­zulässi­gen Aus­for­schungs­be­weis dar.
Da­ge­gen hat die Kläge­rin Re­vi­si­on ein­ge­legt. Sie rügt die Ver­let­zung ma­te­ri­el­len (§ 6 Abs 1 S 1 Nr 1 und S 3 SGB VI) und for­mel­len (§§ 103, 202 SGG, § 548 ZPO) Rechts: Zu Un­recht in­ter­pre­tie­re die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung - die in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ei­ne ab­so­lu­te Al­lein­stel­lung auf­wei­se - das Tat­be­stands­merk­mal "we­gen" wort­laut­ge­treu in ei­nem kon­di­tio­na­len Sinn. Ein sol­ches Verständ­nis sei je­doch nicht zwin­gend. Bei his­to­ri­scher und te­leo­lo­gi­scher In­ter­pre­ta­ti­on sol­le die Präpo­si­ti­on viel­mehr zum Aus­druck brin­gen, dass die ins Au­ge ge­fass­te Beschäfti­gung in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit ei­ner be­rufs­spe­zi­fi­schen An­waltstätig­keit ste­hen müsse, die durch Kam­mer­mit­glied­schaft der be­son­de­ren be­rufs­recht­li­chen Über­wa­chung und Qua­litäts­si­che­rung un­ter­lie­ge. Es sei da­her nach ei­ner Kri­te­ri­en­for­mel zu su­chen, mit de­ren Hil­fe zwi­schen an­walts­spe­zi­fi­scher und -un­spe­zi­fi­scher, an­walt­li­cher und nicht­an­walt­li­cher Tätig­keit un­ter­schie­den wer­den könne. Dies leis­te die sog Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie, die die Frie­dens­gren­ze zwi­schen ge­setz­li­cher Ren­ten­ver­si­che­rung und be­rufsständi­scher Ver­sor­gung zie­he, sich in langjähri­ger Ver­wal­tungs­pra­xis bewährt ha­be und in­halt­lich be­schrei­be, was das Be­rufs­bild des An­walts iS der §§ 1 bis 3 BRAO aus­ma­che. Selbst die Be­klag­te ha­be die Vier­kri­te­ri­en­for­mel in ihr Merk­blatt für nicht­an­walt­li­che Ar­beit­ge­ber über­nom­men; sie sei we­der durch ei­ne zwi­schen­zeit­li­che Ände­rung in den tatsächli­chen Verhält­nis­sen über­holt noch sei der "Syn­di­kus­an­walt" ein neu­er, letzt­lich un­de­fi­nier­ba­rer Be­rufs­stand. Wen­de man die Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie an, so könne das Kri­te­ri­um "rechts­ent­schei­dend" vor­lie­gend nicht ver­neint wer­den. Denn Un­ter­neh­mens­ent­schei­dun­gen tref­fe im­mer nur der Un­ter­neh­mer und nicht sein An­walt. Die­ser könne nur durch den rich­ti­gen Rat da­zu bei­tra­gen, dass der Man­dant die rich­ti­ge Ent­schei­dung tref­fe. In­so­fern sei je­der An­walt - wie auch die Kläge­rin - le­dig­lich in den un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dungs­pro­zess ein­ge­bun­den. Kein Man­dant sei ge­zwun­gen, dem an­walt­li­chen Rechts­rat zu fol­gen. Dass er be­ra­tungs­re­sis­tent sei, weil an­de­re Gründe (Op­por­tu­nität, Sub­jek­ti­vität, außer­recht­li­che Gründe, Starr­sinn, Dumm­heit etc) mehr Ge­wicht hätten, gehöre zum an­walt­li­chen All­tag. Auch selbständi­ge Anwälte hätten auf Wei­sung des Man­dan­ten in ei­ner Wei­se zu agie­ren, die ih­rem ei­ge­nen Vor­schlag wi­der­spre­che, wenn nur der Man­dant hin­rei­chend be­lehrt und das Tätig­wer­den nicht ge­gen Be­rufs­re­geln oder Be­rufs­ethik ver­s­toße. Den­sel­ben Kau­te­len un­ter­lie­ge der Syn­di­kus­an­walt.
Aus sys­te­ma­ti­scher Sicht sei § 6 SGB VI kei­ne Aus­nah­me­vor­schrift, son­dern Kol­li­si­ons­norm, die ei­ner ex­ten­si­ven Aus­le­gung zugäng­lich sei. An­dern­falls wären die An­walt­schaft und al­le ver­kam­mer­ten frei­en Be­ru­fe von jeg­li­cher Fort­bil­dung ih­rer Be­rufs­bil­der ab­ge­schnit­ten, was den Re­ge­lungs­be­reich des Art 12 GG berühre. Ver­fas­sungs­recht­lich sei ei­ne Gleich­stel­lung der Syn­di­kus­anwälte ge­bo­ten. So­weit sich das LSG auf die sog Dop­pel­be­rufs­theo­rie des BGH be­ru­fe, be­tref­fe sie nur das an­walt­li­che Be­rufs­recht, nicht je­doch das
So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht. Das­sel­be gel­te für die Re­formüber­le­gun­gen des DAV. Et­wai­ge be­rufs­recht­li­che De­fi­zi­te sei­en so­zi­al­recht­lich be­deu­tungs­los. Denn so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich sei al­lein die tatsächlich aus­geübte Tätig­keit maßge­bend, so­dass wei­te Stre­cken der Be­zug­nah­me auf Be­rufs­recht (Haft­pflicht, Ver­schwie­gen­heit, Kanz­lei­schild) im an­ge­foch­te­nen Ur­teil an der Sa­che vor­bei­gin­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund sei­en die Vor­hal­tun­gen und Un­ter­stel­lun­gen des LSG mit Nach­druck zurück­zu­wei­sen, die Kläge­rin ha­be im We­ge ei­ner Mo­gel­pa­ckung in kol­lu­si­vem Zu­sam­men­wir­ken mit der Ar­beit­ge­be­rin den Weg in die An­walt­schaft und das Be­frei­ungs­recht er­schli­chen und sei nur ei­ne Art Schein­anwältin. Das LSG über­se­he, dass die Bei­ge­la­de­ne zu 1. von der er­streb­ten Be­frei­ung bei­trags­recht­lich nicht pro­fi­tie­re und an­ge­stell­te Anwälte für sie nicht "be­que­mer" als bloße Voll­ju­ris­ten sei­en. Viel­mehr wol­le die Bei­ge­la­de­ne zu 1. ih­re Ju­ris­ten durch die An­walts­zu­las­sung "auf glei­che Au­genhöhe" mit ex­ter­nen Anwälten, aber auch mit Behörden stel­len und von der "Re­pu­ta­ti­on" pro­fi­tie­ren, die ein An­walt als Or­gan der Rechts­pfle­ge ha­be. Vor al­lem aber ha­be der un­abhängi­ge Rechts­rat un­abhängi­ger Anwälte (§ 3 BRAO) mit vollständi­ger fach­li­cher Au­to­no­mie für den Ar­beit­ge­ber be­son­de­ren Wert. Vor die­sem Hin­ter­grund sei es unschädlich, dass die Kläge­rin schon früher für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. als ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin oh­ne An­walts­zu­las­sung ge­ar­bei­tet ha­be. Denn zwi­schen­zeit­lich ha­be sich die Fir­men­po­li­tik der Bei­ge­la­de­nen zu 1. in­so­weit grund­le­gend geändert, dass nun­mehr al­le in der Rechts­ab­tei­lung täti­gen Voll­ju­ris­ten zur An­walt­schaft zu­ge­las­sen wer­den soll­ten, ne­ben­be­ruf­li­che Beschäfti­gun­gen nicht mehr ge­neh­mi­gungs­pflich­tig sei­en und die Kläge­rin (auch in­halt­lich) nicht mehr "am en­gen Di­rek­ti­onszügel geführt" wer­de. Zu Un­recht ha­be das LSG schließlich den Be­weis­an­trag über­g­an­gen, weil der Präsi­dent der RAK D. bestätigt hätte, dass die Kläge­rin (auch) "we­gen" ih­rer Tätig­keit bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. als Rechts­anwältin in dem vom LSG für rich­tig ge­hal­te­nen Sin­ne zu­ge­las­sen wor­den sei. Fer­ner sei die Fünf-Mo­nats-Frist zur Überg­a­be der Ent­schei­dungs­gründe an die Geschäfts­stel­le über­schrit­ten und das Ur­teil des­halb nicht mit Gründen ver­se­hen.
das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len vom 7. Mai 2013 und das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Duis­burg vom 7. Fe­bru­ar 2012 so­wie den Be­scheid der Be­klag­ten vom 20. Ju­li 2010 und den Wi­der­spruchs­be­scheid vom 24. No­vem­ber 2010 auf­zu­he­ben und die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, sie ab dem 18. Sep­tem­ber 2009 von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu be­frei­en.
Sie meint, das an­ge­foch­te­ne Ur­teil sei nicht zu be­an­stan­den. § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI sei kei­ne Kol­li­si­ons­re­ge­lung, son­dern räume dem Mit­glied des be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werks im Fal­le ei­ner Dop­pel­ver­si­che­rung das Ge­stal­tungs­recht ein, sich durch ei­nen An­trag von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­frei­en zu las­sen, um sich die dop­pel­te Bei­trags­pflicht zu er­spa­ren. Für den be­frei­ungs­not­wen­di­gen Zu­sam­men­hang zwi­schen der aus­geübten Tätig­keit ei­ner­seits und den Pflicht­mit­glied­schaf­ten in der Be­rufs­kam­mer und im be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werk an­der­seits kom­me es ent­schei­dend auf die in­halt­li­che Aus­ge­stal­tung der kon­kret aus­geübten Tätig­keit an. Die­se müsse ei­nem Voll­ju­ris­ten vor­be­hal­ten sein und ku­mu­la­tiv rechts­be­ra­ten­de, -ge­stal­ten­de, -ent­schei­den­de und -ver­mit­teln­de Merk­ma­le auf­wei­sen. Die Kläge­rin sei je­doch nicht rechts­ent­schei­dend tätig. So­weit sie dies be­strei­te, feh­le ei­ne sub­stan­ti­el­le Be­gründung. Statt­des­sen rüge sie le­dig­lich, dass das LSG auf ei­ne Anhörung von Re­präsen­tan­ten der An­walt­schaft ver­zich­tet und sich da­her kei­nen hin­rei­chen­den Ein­blick in die vielfälti­ge be­trieb­li­che Pra­xis von mehr als 20 000 Un­ter­neh­mens­anwälten ver­schafft ha­be. Wel­che Er­kennt­nis­se aus der vielfälti­gen Pra­xis für die Be­ur­tei­lung der kon­kre­ten Beschäfti­gung der Kläge­rin zu ge­win­nen ge­we­sen wären, blei­be aber of­fen. Für die Ausübung der kon­kre­ten Beschäfti­gung bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. sei die Zu­las­sung zur An­walt­schaft kei­ne not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung ge­we­sen, denn vor und nach der Zu­las­sung sei­en die­sel­ben Ar­bei­ten aus­geführt wor­den. Da­bei sei un­be­acht­lich, dass die Bei­ge­la­de­ne zu 1. erst kei­ne und später dann doch zu­ge­las­se­ne Rechts­anwälte beschäfti­gen woll­te. Denn die Qua­li­fi­zie­rung ei­ner Tätig­keit könne nicht von der Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers abhängen. Das von der Kläge­rin be­trie­be­ne Zu­las­sungs­ver­fah­ren dürf­te da­her ein­zig und al­lein dem Zweck ge­dient ha­ben, die Al­ters­vor­sor­ge für die von ihr aus­geübte abhängi­ge Beschäfti­gung außer­halb der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ge­stal­ten zu können. Feh­le aber ei­ne be­rufs­recht­lich über­wach­te und qua­litäts­ge­si­cher­te Be­rufstätig­keit im Kam­mer­be­ruf, dann sei der von der Kläge­rin zur Erfüllung des Tat­be­stands­merk­mals "we­gen" in § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI für aus­rei­chend ge­hal­te­ne sach­li­che Zu­sam­men­hang zwi­schen der aus­geübten Beschäfti­gung bei ei­nem nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­ber und der kam­mer­be­ruf­li­chen Tätig­keit nicht her­zu­stel­len.
Die Bei­ge­la­de­ne zu 2., die kei­nen An­trag stellt, trägt vor, das an­ge­foch­te­ne Ur­teil sei be­reits im An­satz ver­fehlt, weil die BRAO kei­ne Beschäfti­gung de­fi­nie­re, "we­gen der" Kam­mer­zu­gehörig­keit in ei­ner RAK be­ste­hen müsse. Viel­mehr stel­le je­der Rechts­an­walt sei­nen Zu­las­sungs­an­trag aus­sch­ließlich für sich selbst. So­weit das LSG rüge, die Kläge­rin ha­be ih­re Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft nicht we­gen ih­rer Beschäfti­gung bei der Bei­ge­la­de­nen zu
1. be­trie­ben, sei ein­zu­wen­den, dass das an­walt­li­che Be­rufs­recht ei­ne der­ar­ti­ge "Spe­zi­al­zu­las­sung" über­haupt nicht ken­ne. Die Kläge­rin sei rich­ti­ger­wei­se zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen wor­den; ob ih­re Beschäfti­gung bei ei­nem nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­ber als an­walt­li­che Tätig­keit ein­zu­stu­fen sei, prüfe die RAK nicht. Die Frei­stel­lungs­erklärung stel­le le­dig­lich ih­re Un­abhängig­keit in der Man­dats­wahr­neh­mung außer­halb ih­res Dienst­verhält­nis­ses si­cher. Der not­wen­di­ge Ur­sa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen der kon­kre­ten Tätig­keit und den Pflicht­mit­glied­schaf­ten in Kam­mer und be­rufsständi­scher Ver­sor­gung sei mit Hil­fe der Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie zu be­ur­tei­len, die die Be­klag­te in ständi­ger Ver­wal­tungs­pra­xis an­wen­de, in der Li­te­ra­tur zu­stim­mend auf­ge­nom­men wor­den sei und auch in der so­zi­al­ge­richt­li­chen In­stanz­recht­spre­chung Ge­folg­schaft ge­fun­den ha­be. BRAK und DAV hätten eben­falls zu­stim­men­de Be­schlüsse ge­fasst. Leh­ne man die Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie ab, müsse die Ne­ga­tiv­ab­gren­zung über das Merk­mal "be­rufs­fremd" er­fol­gen. Nach der Recht­spre­chung des BSG lie­ge ei­ne be­rufs­frem­de Tätig­keit vor, wenn die kon­kre­te Beschäfti­gung nicht durch schwer­punktmäßig in Aus­bil­dung und Be­ruf ty­pi­scher­wei­se ge­won­ne­ne Er­kennt­nis­se und Er­fah­run­gen ge­prägt sei. Im Übri­gen sei § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI kei­ne eng aus­zu­le­gen­de Aus­nah­me­vor­schrift, son­dern ei­ne Kol­li­si­ons- oder Ko­or­di­na­ti­ons­norm. Sie sol­le ver­hin­dern, dass die be­trof­fe­nen Be­rufs­grup­pen mit ei­ner dop­pel­ten Bei­trags­zah­lungs­pflicht be­las­tet wer­den, und da­mit zu­gleich ver­fas­sungs­recht­lich (Art 12 Abs 1 GG) gewähr­leis­ten, dass Voll­ju­ris­ten nicht von der Wahl des Rechts­an­walts­be­ru­fes ab­ge­hal­ten wer­den. Art 12 GG er­lau­be je­dem Rechts­an­walt, Rechts­rat auf der Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges zu er­tei­len. Wenn die­ser "Zweit­be­ruf" die vier Kri­te­ri­en (Rechts­be­ra­tung, -ge­stal­tung, -ver­mitt­lung und -ent­schei­dung) erfülle, sei der Rechts­an­walt auch in­so­weit Rechts­an­walt und nicht in sons­ti­ger Wei­se tätig. Da­ge­gen sei die Dop­pel­be­rufs­theo­rie mit ei­ner tätig­keits­be­zo­ge­nen Be­trach­tung im Ein­zel­fall, wie sie § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI ge­bie­te, un­ver­ein­bar, zu­mal der Syn­di­kus­an­walt ei­nen ein­heit­li­chen Be­ruf ausübe, nämlich den des Rechts­an­walts an zwei Ar­beits­stel­len. Folg­lich han­de­le es sich nicht um ei­ne "ei­ge­ne Be­rufs­grup­pe", son­dern um ei­nen in­te­gra­len Teil der An­walt­schaft. Da­mit sei auch die Be­haup­tung des LSG wi­der­legt, bei den Syn­di­kus­anwälten han­de­le es sich um ei­ne die Sperr­wir­kung des § 6 Abs 1 S 3 SGB VI auslösen­de neu ent­stan­de­ne Be­rufs­grup­pe. Denn Syn­di­kus-"Anwälte" ge­be es schon seit über 125 Jah­ren. Dass sie eben­so "un­abhängig" sei­en wie "freie" Rechts­anwälte, könne nicht ernst­haft be­strit­ten wer­den. Denn bei­de un­terlägen dem an­walt­li­chen Be­rufs­recht, das als öffent­li­ches Recht zwin­gend und da­mit der Dis­po­si­ti­on durch die Par­tei­en des Man­dats- und An­stel­lungs­ver­trags ent­zo­gen sei. Mit der un­be­ding­ten recht­li­chen Ver­pflich­tung auf die Ver­tre­tung der wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­sen ih­rer Man­dan­ten, der Ver­pflich­tung zur Ver­schwie­gen­heit, der Ver­mei­dung der Ver­fol­gung wi­der­strei­ten­der In­ter­es­sen und der un­be­ding­ten Ver­pflich­tung auf das Recht un­terlägen Syn­di­kus­anwälte außeröko­no­mi­schen Nor­men, so­dass sie ih­rer Funk­ti­on als "recht­li­ches Ge­wis­sen" des Un­ter­neh­mens ge­recht wer­den könn­ten.
Die Bei­ge­la­de­ne zu 1. ist im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht ver­tre­ten.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet. Im Er­geb­nis zu­tref­fend hat das Be­ru­fungs­ge­richt das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des So­zi­al­ge­richts bestätigt und die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Die Kläge­rin hat für den strei­ti­gen Zeit­raum ab dem 18.9.2009 ge­gen die Be­klag­te kein Recht auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung auf­grund ih­rer Beschäfti­gung bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1.
1. Al­ler­dings hat die Kläge­rin die von ihr gel­tend ge­mach­ten Ver­fah­rens­feh­ler nicht aus­rei­chend be­gründet (vgl § 164 Abs 2 SGG). Gemäß § 164 Abs 2 S 3 SGG müssen bei Ver­fah­rensrügen die Tat­sa­chen be­zeich­net wer­den, die den Man­gel er­ge­ben. Die maßgeb­li­chen Vorgänge müssen so ge­nau an­ge­ge­ben sein, dass das Re­vi­si­ons­ge­richt sie, die Rich­tig­keit des Vor­brin­gens un­ter­stellt, oh­ne wei­te­re Er­mitt­lun­gen be­ur­tei­len kann (BSG Ur­teil vom 29.8.2012 - B 10 EG 20/11 R - SozR 4-7837 § 2 Nr 18 Rd­Nr 15; Leit­he­rer in Mey­er-La­de­wig/Kel­ler/Leit­he­rer, SGG, 10. Aufl 2012, § 164 Rd­Nr 12 mwN).
a) Bei ei­ner be­haup­te­ten Ver­let­zung der Amts­er­mitt­lungs­pflicht (§ 103 SGG) ist dar­zu­le­gen, war­um sich das LSG von sei­ner Rechts­auf­fas­sung her zu wei­te­ren Er­mitt­lun­gen hätte ge­drängt fühlen müssen und ggf zu wel­chen (Leit­he­rer aaO Rd­Nr 12a). Das er­for­dert ne­ben der Be­nen­nung des nach Auf­fas­sung des Re­vi­si­onsführers un­ge­nutzt ge­blie­be­nen Be­weis­mit­tels die kon­kre­te Dar­le­gung der Rechts­auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts, in de­ren Licht der Be­weis­ge­gen­stand recht­li­che Be­deu­tung er­langt hätte und re­gelmäßig die An­ga­be, zu wel­chem Er­geb­nis die un­ter­las­se­ne Be­weis­auf­nah­me geführt hätte. Ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den ein­schlägi­gen Pas­sa­gen des an­ge­grif­fe­nen Ur­teils fehlt. Die Re­vi­si­ons­be­gründung legt auch nicht dar, war­um ge­ra­de aus der recht­li­chen Sicht des Be­ru­fungs­ge­richts ei­ne Kennt­nis der all­ge­mei­nen be­trieb­li­chen Pra­xis bzw der Vor­stel­lun­gen hier­mit ver­trau­ter Amts­wal­ter hier­von un­ab­ding­bar der Ent­schei­dungs­fin­dung hätte zu­grun­de ge­legt wer­den müssen. Eben­so wird ein vor­aus­sicht­li­ches Er­geb­nis der un­ter­las­se­nen Be­weis­auf­nah­me ge­ra­de nicht be­haup­tet; viel­mehr trägt der Pro­zess­ver­tre­ter der Kläge­rin aus­drück­lich vor, er wis­se nicht, was der Zeu­ge "wirk­lich" ge­sagt hätte.
b) Mit ih­rer sinn­gemäß er­ho­be­nen Be­haup­tung, das an­ge­foch­te­ne Ur­teil sei be­reits des­halb ver­fah­rens­feh­ler­haft er­gan­gen, weil es erst un­mit­tel­bar vor bzw erst nach Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach sei­ner Verkündung ab­ge­fasst wor­den und mit den Un­ter­schrif­ten der Rich­ter zur Geschäfts­stel­le ge­langt sei, rügt die Kläge­rin sinn­gemäß das Feh­len von Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründen (§ 136 Abs 1 Nr 5 und 6 SGG), al­so das Vor­lie­gen des ab­so­lu­ten Re­vi­si­ons­grun­des gemäß § 202 SGG iVm § 547 Nr 6 ZPO (idF der Be­kannt­ma­chung der Neu­fas­sung der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 5.12.2005, BGBl I 3202). Ihr Vor­brin­gen reicht je­doch nicht aus, um ei­nen sol­chen Man­gel hin­rei­chend dar­zu­tun. Wird mit der Re­vi­si­on gel­tend ge­macht, ein Ur­teil sei nach Ab­lauf der Fünf-Mo­nats-Frist ver­spätet ab­ge­setzt und da­her nicht mit Gründen ver­se­hen, so ist die­ser Ver­fah­rens­man­gel nur dann aus­rei­chend be­zeich­net, wenn in der Be­gründung der Zeit­punkt der Nie­der­le­gung des un­ter­schrie­be­nen Ur­teils auf der Geschäfts­stel­le an­ge­ge­ben ist (BSG SozR 3-1500 § 164 Nr 5 S 7 und SozR 1750 § 551 Nr 8). Ist die­ser Zeit­punkt dem Re­vi­si­onsführer un­be­kannt, muss zu­min­dest dar­ge­legt wer­den, dass und mit wel­chem Er­geb­nis ver­sucht wor­den ist, den In­halt des amt­li­chen Ver­merks über den Zeit­punkt der Ur­teilsüberg­a­be zu er­fah­ren (BSG SozR 3-1500 § 164 Nr 6 S 12 und SozR 1750 § 551 Nr 9). Dar­an fehlt es. Folg­lich kann die Kläge­rin ih­re Rüge ei­nes Feh­lens von Gründen nicht al­lein auf die zwi­schen Verkündung und Ab­set­zung des Be­ru­fungs­ur­teils ver­stri­che­ne Zeit stützen. Eben­so we­nig zeigt die Re­vi­si­ons­be­gründung auf, dass aus­nahms­wei­se trotz Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Fünf­mo­nats­gren­ze ein Ver­fah­rens­man­gel vor­lie­gen könn­te, weil sich aus den Umständen des Falls er­gibt, dass in­fol­ge der verzöger­ten Ab­set­zung der Ent­schei­dungs­gründe die zu­verlässi­ge Wie­der­ga­be des Be­ra­tungs­er­geb­nis­ses nicht mehr gewähr­leis­tet ist (Kel­ler, aaO, § 134 Rd­Nr 4). Hierfür enthält das Re­vi­si­ons­vor­brin­gen kei­ne kon­kre­ten fall­be­zo­ge­nen An­halts­punk­te, wie et­wa die Maßgeb­lich­keit ei­ner aufwändi­gen Be­weis­auf­nah­me (BSG Be­schluss vom 18.11.2009 - B 1 KR 74/08 B - SozR 4-1500 § 10 Nr 3 Rd­Nr 17).
2. Ma­te­ri­ell-recht­lich ein­schlägig ist § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI in der Neu­fas­sung von Art 1 Nr 3 Buchst a des Ge­set­zes zur Ände­rung des Sechs­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch und an­de­rer Ge­set­ze (SGB6uaÄndG) vom 15.12.1995 (BGBl I 1824), der am 1.1.1996 in Kraft ge­tre­ten und durch Art 1 Nr 2 des Ge­set­zes zur Or­ga­ni­sa­ti­ons­re­form in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (RVOrgG) vom 9.12.2004 (BGBl I 3242) ab dem 1.1.2005 (Art 86 Abs 1 aaO) ge­ringfügig mo­di­fi­ziert wor­den ist. Da­nach wer­den von der Ver­si­che­rungs­pflicht be­freit Beschäftig­te und selbständig Täti­ge für die Beschäfti­gung oder selbständi­ge Tätig­keit, we­gen der sie auf­grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung) und zu­gleich kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner be­rufsständi­schen Kam­mer sind, wenn
a) am je­wei­li­gen Ort der Beschäfti­gung oder selbständi­gen Tätig­keit für ih­re Be­rufs­grup­pe be­reits vor dem 1.1.1995 ei­ne ge­setz­li­che Ver­pflich­tung zur Mit­glied­schaft in der be­rufsständi­schen Kam­mer be­stan­den hat,
b) für sie nach nähe­rer Maßga­be der Sat­zung ein­kom­mens­be­zo­ge­ne Beiträge un­ter Berück­sich­ti­gung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zur be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung zu zah­len sind und
c) auf­grund die­ser Beiträge Leis­tun­gen für den Fall ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit und des Al­ters so­wie für Hin­ter­blie­be­ne er­bracht und an­ge­passt wer­den, wo­bei auch die fi­nan­zi­el­le La­ge der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung zu berück­sich­ti­gen ist.
3. Die Kläge­rin ist abhängig beschäftigt, weil die kon­sti­tu­ie­ren­den Merk­ma­le des ent­spre­chen­den so­zi­al­recht­li­chen An­knüpfungs­sach­ver­halts (§ 7 Abs 1 S 1 SGB IV) nach den un­an­ge­foch­te­nen und da­mit bin­den­den tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen des LSG (§ 163 SGG) vor­lie­gen. Hier­nach er­bringt die Kläge­rin bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. als ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin nicht­selbständi­ge Ar­beit in ei­nem Ar­beits­verhält­nis (§§ 611 ff BGB). Ob sie auf­grund ih­rer ent­gelt­li­chen Beschäfti­gung auch (ren­ten-)ver­si­che­rungs­pflich­tig ist (§ 1 S 1 Nr 1 Halbs 1 Alt 1 SGB VI), kann auf der Grund­la­ge der tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend be­ur­teilt wer­den, weil ins­be­son­de­re Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts zu den tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Ver­si­che­rungs­frei­heit we­gen Ge­ringfügig­keit (§ 5 Abs 2 S 1 Nr 1 SGB VI iVm § 8 Abs 1 SGB IV) feh­len.
Des­sen un­ge­ach­tet war ei­ne Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und ei­ne Zurück­ver­wei­sung der Sa­che zur wei­te­ren Sach­aufklärung (§ 170 Abs 2 S 2 SGG) nicht ge­bo­ten. Für das Er­geb­nis des Ver­fah­rens ist un­er­heb­lich, ob die be­gehr­te Be­frei­ung be­reits des­halb zu ver­sa­gen ist, weil die Kläge­rin mögli­cher­wei­se nicht ver­si­che­rungs­pflich­tig ist und es da­mit schon am not­wen­di­gen In­ter­es­se für die Stel­lung ei­nes zulässi­gen Be­frei­ungs­an­trags fehlt. Die Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts genügen je­den­falls zur ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung über das Feh­len sons­ti­ger not­wen­di­ger Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des Be­frei­ungs­rechts.
4. Die Kläge­rin ist nach den für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ab dem 18.9.2009 durch die RAK D. zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen wor­den. Noch hin­rei­chend deut­lich ist da­mit vor dem
Hin­ter­grund von § 12 Abs 1, § 34 BRAO gleich­zei­tig fest­ge­stellt, dass am sel­ben Tag der ent­spre­chen­de (begüns­ti­gen­de) Ver­wal­tungs­akt (§ 35 S 1 VwVfG iVm § 32 Abs 1 S 1 BRAO), verkörpert in ei­ner von der RAK aus­ge­stell­ten Ur­kun­de, durch Aushändi­gung wirk­sam ge­wor­den ist (§ 12 Abs 1 BRAO). Gemäß § 12 Abs 3 BRAO wur­de die Kläge­rin da­mit kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung (eo ip­so) ob­li­ga­to­ri­sches Pflicht­mit­glied der zu­las­sen­den RAK D. (§ 60 Abs 1 S 2 BRAO). Feh­ler im Zu­las­sungs­ver­fah­ren oder et­wai­ge Verstöße ge­gen be­rufs­recht­li­che Pflich­ten las­sen die­se Pflicht­mit­glied­schaft un­berührt. Der ua für die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft als Hand­lungs­form vor­ge­schrie­be­ne Ver­wal­tungs­akt (vgl BGH - Se­nat für An­walts­sa­chen - Be­schluss vom 15.10.2012 - An­wZ (BrfG) 45/12 - NJW-RR 2013, 303, 304 Rd­Nr 7) bleibt nach den da­mit ein­schlägi­gen all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten des je­wei­li­gen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes (§§ 35 ff VwVfG) wirk­sam, so­lan­ge und so­weit er nicht zurück­ge­nom­men, wi­der­ru­fen, an­der­wei­tig auf­ge­ho­ben oder durch Zeit­ab­lauf oder auf an­de­re Wei­se er­le­digt ist (§ 43 Abs 2 VwVfG iVm § 32 Abs 1 S 1 BRAO). Das LSG hat der­ar­ti­ge Auf­he­bungs- oder Er­le­di­gungs­tat­bestände nicht fest­ge­stellt, so­dass der Zu­las­sungs­ver­wal­tungs­akt un­ge­ach­tet ei­ner mögli­chen Rechts­wid­rig­keit wei­ter­hin wirk­sam ist. Sei­ne rechts­ge­stal­ten­den Wir­kun­gen sind da­mit auch von den mit der Durchführung der So­zi­al­ver­si­che­rung be­trau­ten Behörden und den Ge­rich­ten der So­zi­al­ge­richts­bar­keit in der Wei­se zu be­ach­ten, dass die dort ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen auch ih­nen ge­genüber als ver­bind­lich an­zu­se­hen sind (sog Tat­be­stands­wir­kung). Un­ter an­de­rem ist des­halb un­er­heb­lich, ob die Kläge­rin im Zu­las­sungs­ver­fah­ren Falsch­an­ga­ben ge­macht hat, ob die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Zu­las­sung im Ein­zel­nen vor­ge­le­gen ha­ben und wel­che (Fehl-)Vor­stel­lun­gen Amts­wal­ter der RAK ggf bei Er­lass des Zu­las­sungs­ver­wal­tungs­ak­tes hat­ten. Schon auf­grund der Tat­be­stands­wir­kung des Ver­wal­tungs­ak­tes kann es zu­dem nicht zu ei­ner vom LSG - und Tei­len der An­walt­schaft - befürch­te­ten treu­wid­ri­gen (§ 242 BGB) und wi­dersprüchli­chen (ve­ni­re con­tra fac­tum pro­pri­um) "Um­ge­hung des Rechts­wegs" zu den or­dent­li­chen Ge­rich­ten und ggf zum BVerfG und/oder EuGH kom­men. Die So­zi­al­ge­richts­bar­keit ent­schei­det recht­lich grundsätz­lich - mit Aus­nah­me der Fälle der Nich­tig­keit - nicht, wer sei­nem Sta­tus nach Rechts­an­walt ist.
5. Das LSG hat zu­dem fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin zu­gleich "auf­grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs- oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung)" ge­wor­den ist. Die Bei­ge­la­de­ne zu 2. ist als Ver­sor­gungs­werk der Rechts­anwälte im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len ei­ne be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung. Mit der Zu­las­sung durch die RAK wur­de die Kläge­rin auf der Grund­la­ge der ein­schlägi­gen ver­sor­gungs- und kam­mer­recht­li­chen Nor­men des nicht­re­vi­si­blen Lan­des­rechts in § 2 Abs 1 RAVG NW iVm § 10 Nr 2 der Sat­zung der Bei­ge­la­de­nen zu 2. ip­so iu­re (oh­ne Er­lass ei­nes wei­te­ren Ver­wal­tungs- oder ei­nes an­de­ren kon­sti­tu­ti­ven Rechts­akts) zeit­gleich ob­li­ga­to­ri­sches Pflicht­mit­glied der Bei­ge­la­de­nen zu 2. und zu­gleich kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung Mit­glied der RAK D ...
6. § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI gibt in­des­sen ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäftig­ten, die gleich­zei­tig ver­kam­mer­te Mit­glie­der ei­ner be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung sind, ei­nen An­spruch auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht nur für die "Beschäfti­gung, we­gen der" sie auf Grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung) und zu­gleich kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner be­rufsständi­schen Kam­mer sind. Die Kläge­rin weist zu­tref­fend dar­auf hin, dass die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft we­der im Blick auf ei­ne "Beschäfti­gung" noch auf ei­nen be­stimm­ten Kreis an­walt­li­cher Betäti­gun­gen er­folgt, son­dern mit der sta­tus­be­gründen­den Zu­las­sung stets der vol­le Um­fang an­walt­li­cher Be­rufs­ausübung eröff­net ist, der da­mit auch zur Mit­glied­schaft in der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung führt. Die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft wird nämlich un­ter den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ins­be­son­de­re der §§ 4 ff BRAO un­abhängig von ei­ner be­stimm­ten Tätig­keit im We­sent­li­chen per­so­nen­be­zo­gen und oh­ne zusätz­li­che Be­schränkung für al­le Betäti­gun­gen er­teilt, die mit dem Be­ruf des Rechts­an­walts als un­abhängi­ges Or­gan der Rechts­pfle­ge (§ 1 BRAO) und als be­ru­fe­ner un­abhängi­ger Be­ra­ter und Ver­tre­ter in al­len Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten (§ 3 Abs 1 BRAO) ver­bun­den sind. Im Blick hier­auf könn­ten bei ei­nem strikt Wort­laut ge­treu­en Norm­verständ­nis die tat­be­stand­li­chen Be­frei­ungs­vor­aus­set­zun­gen bei Rechts­anwälten zu­min­dest grundsätz­lich nicht erfüllt wer­den. Die ren­ten­recht­li­che Funk­ti­on des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI er­laubt und for­dert je­doch zwin­gend ein den Ge­ge­ben­hei­ten des an­walt­li­chen Be­rufs- und Ver­sor­gungs­rechts an­ge­pass­tes Verständ­nis des Tat­be­stands­ele­ments der­sel­ben Beschäfti­gung (" für die Beschäfti­gung, we­gen der "), wenn und so­weit es ge­ra­de in die­sem Kon­text An­wen­dung fin­det. Die­se auch in der Li­te­ra­tur erörter­ten Schwie­rig­kei­ten schließen in­des­sen die An­wend­bar­keit nicht grundsätz­lich aus. Im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang kann un­ter "der­sel­ben Beschäfti­gung" iS der Norm die "von der Beschäfti­gung er­fass­te Er­werbstätig­keit" ver­stan­den wer­den.
§ 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI be­trifft die Ko­exis­tenz von je­weils auf­grund öffent­lich-recht­li­chen Zwangs an­ge­ord­ne­ten Ver­sor­gun­gen für die Fälle von ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit, Al­ter und Tod (sog "dop­pel­te Pflicht­mit­glied­schaft", Pross­li­ner, NZA 2013, 1384, 1389). Er überlässt es dem hier­nach ge­setz­lich Ermäch­tig­ten, es nach je­weils ei­ge­ner Wil­lens­ent­schei­dung ent­we­der durch Untätig­keit bei der Par­al­le­lität als ge­setz­lich still­schwei­gend an­ge­leg­tem Re­gel­fall zu be­las­sen oder un­ter den ge­setz­lich im Ein­zel­nen be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen durch ei­nen hier­auf ge­rich­te­ten ma­te­ri­ell-recht­li­chen An­trag (§ 6 Abs 2 SGB VI) sein Recht auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung un­ter Ver­bleib in der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung gel­tend zu ma­chen. Mit ei­nem Ge­brauch­ma­chen von der ge­setz­lich eröff­ne­ten po­si­ti­ven Ge­stal­tungsmöglich­keit kann im
Er­geb­nis ei­ne Dop­pel­be­las­tung mit Beiträgen und ei­ne mehr­fa­che Ab­si­che­rung ver­gleich­ba­rer Ri­si­ken ver­mie­den wer­den. Das Verständ­nis von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI hat sich an die­ser sys­temüberg­rei­fen­den Ko­or­di­nie­rungs­funk­ti­on zu ori­en­tie­ren und darf da­her nicht be­reits die Schnitt­men­ge bei­der Be­rei­che al­lein nach Kri­te­ri­en der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ("Beschäfti­gung") be­stim­men, die für die Zu­gehörig­keit zu den be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen grundsätz­lich oh­ne Be­deu­tung sind.
Maßgeb­lich für die Ein­be­zie­hung in die be­rufsständi­sche Ver­sor­gung ist grundsätz­lich nämlich we­der die in­halt­li­che Be­schränkung auf ein­zel­ne Ver­rich­tun­gen in­ner­halb ei­nes Be­rufs­bil­des noch die Form von de­ren Er­brin­gung in persönli­cher Abhängig­keit von ei­nem Ar­beit­ge­ber, son­dern der durch Zu­las­sungs­akt eröff­ne­te Zu­gang zu ei­ner Be­rufstätig­keit in ih­rer Ge­samt­heit. Bei­de Si­che­rungs­for­men (ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung und be­rufsständi­sche Ver­sor­gung) stim­men je­doch - als Mi­nus ge­genüber der "Beschäfti­gung", die § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI auf bei­de Si­che­rungs­sys­te­me an­zu­wen­den scheint - je­den­falls dar­in übe­rein, dass sie in­halt­lich je­weils an die Ausübung ei­ner Er­werbstätig­keit an­knüpfen und Schutz ge­gen die wirt­schaft­li­chen Fol­gen ge­ra­de hier­mit ver­bun­de­ner Ri­si­ken gewähr­leis­ten. Kommt da­her in Be­tracht, dass ein und die­sel­be Er­werbstätig­keit zur Ver­si­che­rungs­pflicht in bei­den Si­che­rungs­sys­te­men führt, ist be­reits da­mit der An­wen­dungs­be­reich von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI eröff­net und ei­ne wei­ter­ge­hen­de Prüfung ver­an­lasst.
7. Die Kläge­rin erfüllt in­des­sen auch die Vor­aus­set­zun­gen der in die­ser Wei­se mo­di­fi­ziert ver­stan­de­nen Norm nicht. Ih­re Er­werbstätig­keit bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. kann dem Be­rufs­feld der Rechts­anwältin/des Rechts­an­walts von vorn­her­ein nicht zu­ge­ord­net wer­den. Ih­re an­walt­li­che Be­rufs­ausübung ist in der äußeren Form der Beschäfti­gung nicht möglich. Um­ge­kehrt be­darf es - wor­auf be­reits das LSG zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat - man­gels Tätig­keit in ei­ner kon­kre­ten frem­den An­ge­le­gen­heit für die Er­brin­gung von Rechts­dienst­leis­tun­gen ge­genüber ei­nem Ar­beit­ge­ber kei­ner Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft (§ 2 Abs 1, § 3 des Ge­set­zes über außer­ge­richt­li­che Rechts­dienst­leis­tun­gen - RDG). Die im Rah­men der Beschäfti­gung er­brach­te Er­werbstätig­keit ist da­mit für ih­re Mit­glied­schaft bei der Bei­ge­la­de­nen zu 2. und die hier­durch par­al­lel zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­gründe­te öffent­lich-recht­li­che Si­che­rung oh­ne Be­deu­tung, so­dass es be­reits des­halb an der Grund­vor­aus­set­zung von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI fehlt und sich ei­ne wei­ter­ge­hen­de in­halt­li­che Prüfung erübrigt. Der er­ken­nen­de Se­nat kann dies un­ge­ach­tet der Tat­be­stands­wir­kung der Zu­las­sung der Kläge­rin zur Rechts­an­walt­schaft auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts nach dem ein­schlägi­gen Bun­des­recht selbst ab­sch­ließend be­ur­tei­len. Ent­spre­chen­de Sta­tus be­gründen­de Ver­wal­tungs­ak­te um­fas­sen ih­rem Re­ge­lungs­ge­halt nach nicht die Zu­ord­nung ein­zel­ner Tätig­kei­ten und sind in­so­fern im kon­kre­ten Zu­sam­men­hang not­wen­dig der ei­genständi­gen Aus­le­gung und An­wen­dung bedürf­tig.
Die an­ge­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­ak­te sind be­reits des­halb rechtmäßig und ver­let­zen die Kläge­rin nicht in ih­ren Rech­ten. Auf das Feh­len von Fest­stel­lun­gen des LSG zu den Vor­aus­set­zun­gen von § 6 Abs 3 Nr 1 SGB VI und auf die recht­li­che Be­deu­tung der dort als Vor­aus­set­zung ei­ner Ent­schei­dung der Be­klag­ten über die Be­frei­ung ge­for­der­ten Bestäti­gung des "Vor­lie­gens der Vor­aus­set­zun­gen" kommt es un­ter die­sen Umständen vor­lie­gend nicht an (vgl hier­zu BSG vom 31.10.2012 - B 12 R 3/11 R - BS­GE 112, 108 = SozR 4-2600 § 6 Nr 9, Rd­Nr 36).
Die schein­ba­re Un­ver­ein­bar­keit von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI mit "kam­mer­recht­li­chen Nor­men" er­laubt es ent­ge­gen der Re­vi­si­on nicht, sei­nen Wort­laut wei­ter­ge­hend hint­an­zu­stel­len. Ei­nes sys­temüberg­rei­fen­den Verständ­nis­ses der Vor­schrift be­darf es al­lein, wenn und so­weit das Ge­setz not­wen­dig ei­nen iden­ti­schen Aus­gangs­sach­ver­halt ("die­sel­be Beschäfti­gung" im Sin­ne ei­ner po­ten­zi­ell dop­pel­re­le­van­ten Er­werbstätig­keit) er­for­dert. Kommt es da­ge­gen auf die Vor­aus­set­zun­gen der sich aus die­ser Er­werbstätig­keit er­ge­ben­den Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem spe­zi­fi­schen Bin­nen­recht der je­wei­li­gen Si­che­rungs­form an, be­ruht die An­wend­bar­keit von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI nicht et­wa auf der Erfüllung ei­nes ein­zi­gen, son­dern auf dem ku­mu­la­ti­ven Vor­lie­gen meh­re­rer ein­schlägi­ger und ge­son­dert zu prüfen­der Tat­bestände. Aus der Sicht der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung kann da­her ua nicht dar­auf ver­zich­tet wer­den, dass die kon­kret in Fra­ge ste­hen­de Er­werbstätig­keit ge­ra­de in der äußeren Form ei­ner Beschäfti­gung (§ 7 Abs 1 S 1 SGB IV) aus­geübt wer­den kann und an­de­rer­seits gleich­zei­tig zur Mit­glied­schaft in ei­ner be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung führt. Ei­ne le­dig­lich in­halt­li­che Über­schnei­dung der in den zu ko­or­di­nie­ren­den Sys­te­men er­fass­ten Er­werbstätig­keit genügt da­her nicht. Sie ist zwar stets not­wen­dig, doch ist sie ggf recht­lich - wie in Fällen der vor­lie­gen­den Art - nicht hin­rei­chend. An­dern­falls würde im We­ge der "Aus­le­gung" das funk­tio­nell un­ver­zicht­ba­re Er­for­der­nis der Dop­pel­re­le­vanz ei­ner Er­werbstätig­keit auf­ge­ge­ben und da­mit der tat­be­stand­li­che An­wen­dungs­be­reich von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI über­haupt ver­las­sen. Prüfungs­tech­nisch erübrigt sich je­des Ein­ge­hen auf in­halt­li­che As­pek­te ei­ner in Fra­ge ste­hen­den Er­werbstätig­keit, wenn be­reits auf­grund ih­rer äußeren Form aus­schei­det, dass sie mehr­fach Ver­si­che­rungs­pflicht be­gründen könn­te.
Der Se­nat legt sei­ner Be­ur­tei­lung der so­zi­al­recht­li­chen (Vor-)Fra­ge, ob ei­ne Er­werbstätig­keit dem Be­reich an­walt­li­cher Be­rufstätig­keit zu­ge­ord­net wer­den kann, ob­wohl sie im Rah­men ei­ner Beschäfti­gung ei­nem
nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­ber ge­schul­det ist, die ständi­ge übe­rein­stim­men­de Recht­spre­chung des für das Be­rufs­recht der Rechts­anwälte zuständi­gen BGH, des BVerfG und des EuGH zu­grun­de. Er sieht auch nach ei­ge­ner Prüfung kei­nen Rechts­grund, hier­von ab­zu­wei­chen, was grundsätz­lich oh­ne­hin erst nach Vor­la­ge an den EuGH (Art 267 des Ver­tra­ges über die Ar­beits­wei­se der Eu­ropäischen Uni­on - AEUV), das BVerfG (Art 100 Abs 1 GG) und/oder durch Vor­la­ge an den Ge­mein­sa­men Se­nat der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des (§ 11 des Ge­set­zes zur Wah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des - RsprEinhG) möglich ge­we­sen wäre. Es fällt auf, dass sich die Re­vi­si­on der an­walt­lich ver­tre­te­nen und ih­rer­seits zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­se­nen Kläge­rin mit die­sem über­kom­me­nen und ge­fes­tig­ten Be­stand des an­walt­li­chen Be­rufs­rechts al­len­falls am Ran­de be­fasst. Dies gilt ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Recht­spre­chung des BGH, des­sen Se­nat für An­walts­sa­chen ne­ben dem Präsi­den­ten des BGH so­wie zwei Mit­glie­dern des BGH ge­ra­de aus Gründen der be­rufs­spe­zi­fi­schen Sach­kun­de mit zwei Rechts­anwälten als Bei­sit­zern be­setzt ist (§ 106 Abs 2 S 1 BRAO).
Ent­ge­gen der Re­vi­si­on ist un­ge­ach­tet des Feh­lens ei­ner aus­drück­li­chen ge­setz­li­chen Um­schrei­bung zunächst der recht­li­che Sprach­ge­brauch in der ständi­gen Recht­spre­chung ins­be­son­de­re des Se­nats für An­walts­sa­chen des BGH, dem sich der er­ken­nen­de Se­nat auch in­so­fern an­sch­ließt, geklärt. Hier­nach ist un­ter ei­nem "Syn­di­kus" der­je­ni­ge zu ver­ste­hen, der als ständi­ger Rechts­be­ra­ter in ei­nem fes­ten Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis bei ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­ge­ber steht. Der "Syn­di­kus­an­walt" ist gleich­zei­tig als Rechts­an­walt zu­ge­las­sen (vgl ex­em­pla­risch BGH Ur­teil vom 25.2.1999 - IX ZR 384/97 - BGHZ 141, 69, 71 mit Hin­weis auf BT-Drucks III/120 S 77 und Be­schluss vom 7.2.2011 - An­wZ (B) 20/10 - NJW 2011, 1517, 1518 Rd­Nr 6).
In­halt­lich ent­nimmt der BGH dem in §§ 1 bis 3 BRAO nor­mier­ten Tätig­keits­bild des Rechts­an­walts in "ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung" und un­ter Be­ru­fung auf die Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en, dass der Syn­di­kus in die­ser Ei­gen­schaft nicht als Rechts­an­walt tätig ist. Be­reits in der Ent­schei­dung vom 7.11.1960 (An­wZ (B) 4/60 - BGHZ 33, 276, 279 f) heißt es in­so­fern:
"Der Syn­di­kus­an­walt hat ei­ne Dop­pel­stel­lung in­ne: Er ist ei­ner­seits An­ge­stell­ter und an­de­rer­seits Rechts­an­walt. So­weit es um das An­stel­lungs­verhält­nis geht, kann er al­ler­dings sei­ne Ei­gen­schaft als Rechts­an­walt nicht ab­strei­fen, aber die­se Ei­gen­schaft ändert nichts dar­an, daß das Ar­beits­verhält­nis von dem Prin­zip der Über- und Un­ter­ord­nung be­herrscht wird. Die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung ver­moch­te nicht in be­ste­hen­de Ar­beits­verträge ein­zu­grei­fen und schreibt auch für nach ih­rem Er­laß ab­ge­schlos­se­ne Verträge kei­nen neu­en Ar­beits­ver­trags­ty­pus vor, der den Syn­di­kus­an­walt und sei­nen Dienst­herrn et­wa gleich­ge­ord­net stellt. Wenn man, wie das die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung ge­tan hat, die In­sti­tu­ti­on des Syn­di­kus­an­walts be­jaht, muß man auch dem ge­recht wer­den, daß der Syn­di­kus­an­walt zwei Ar­beits­be­rei­che hat, nämlich ei­nen ar­beits­ver­trag­lich ge­bun­de­nen und ei­nen als frei­er An­walt. Die Amt­li­che Be­gründung (zu § 59 S. 77) sagt ganz mit Recht: Der Syn­di­kus­an­walt ent­spricht bei sei­ner Tätig­keit als Syn­di­kus für sei­nen Dienst­herrn nicht dem all­ge­mei­nen an­walt­li­chen Be­rufs­bild, wie es in der Vor­stel­lung der All­ge­mein­heit be­steht. In das Be­rufs­bild des An­walts, das sich von ihm als ei­nem un­abhängi­gen Or­gan der Rechts­pfle­ge ge­formt hat, läßt sich nur die Tätig­keit einfügen, die der Syn­di­kus als An­walt außer­halb sei­nes Dienst­verhält­nis­ses ausübt. Da­ge­gen sind bei der Tätig­keit, die er als Syn­di­kus für sei­nen Dienst­herrn leis­tet, die ty­pi­schen We­sens­merk­ma­le der frei­en Be­rufs­ausübung, die das Bild des An­walts be­stim­men, nicht ge­ge­ben."
Hier­an wird im Rah­men ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­wei­sungs­ket­te bis heu­te fest­ge­hal­ten (vgl ex­em­pla­risch BGH Be­schluss vom 25.4.1988 - An­wZ (B) 2/88 - BRAK-Mitt 1988, 271 f; Ur­teil vom 25.2.1999 - IX ZR 384/97 - BGHZ 141, 69, 71; Be­schluss vom 13.3.2000 - An­wZ (B) 25/99 - NJW 2000, 1645; Be­schluss vom 18.6.2001 - An­wZ (B) 41/00 - NJW 2001, 3130; Be­schluss vom 4.11.2009 - An­wZ (B) 16/09 - NJW 2010, 377, 379 Rd­Nr 17, in­so­fern in BGHZ 183, 73 ff nicht ab­ge­druckt; Be­schluss vom 7.2.2011 - An­wZ (B) 20/10 - NJW 2011, 1517, 1518 Rd­Nr 6; eben­so BAG Be­schluss vom 19.3.1996 - 2 AZB 36/95 - BA­GE 82, 239, 241). Im ge­nann­ten Be­schluss vom 7.2.2011 for­mu­liert der BGH - un­ter aus­drück­li­cher Er­wei­te­rung die­ser Recht­spre­chung auf das Be­rufs­bild des eu­ropäischen Rechts­an­walts (§ 2 Abs 1 Eu­RAG) - ak­tu­ell wie folgt:
"Nach ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung zu dem Tätig­keits­bild des Rechts­an­walts nach der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung wird der­je­ni­ge, der als ständi­ger Rechts­be­ra­ter in ei­nem fes­ten Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis zu ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­ge­ber steht (Syn­di­kus), in die­ser Ei­gen­schaft nicht als Rechts­an­walt tätig (BVerfGE 87, 287; BGH, Be­schluss vom 18. Ju­ni 2001 - An­wZ (B) 41/00, NJW 2001, 3130; Be­schluss vom 4. No­vem­ber 2009 - An­wZ (B) 16/09, NJW 2010, 377 Rn. 17). Die mit dem Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis ver­bun­de­nen Bin­dun­gen und Abhängig­kei­ten ste­hen nicht im Ein­klang mit dem in §§ 1 bis 3 BRAO nor­mier­ten Be­rufs­bild des Rechts­an­walts als frei­em und un­abhängi­gem Be­ra­ter und Ver­tre­ter al­ler Recht­su­chen­den. "
In Übe­rein­stim­mung hier­mit zi­tiert das BVerfG (Be­schluss vom 4.11.1992 - 1 BvR 79/85 ua - BVerfGE 87, 287, 294 f) aus der BT-Drucks III/120, S 56 f:
"Bei der Prüfung im Ein­zel­fall wird der Maßstab an­zu­le­gen sein, der sich aus dem all­ge­mei­nen Be­rufs­bild des
Rechts­an­walts er­gibt. Der Rechts­an­walt muß als sol­cher in der Be­ra­tung und Ver­tre­tung un­abhängig und ob­jek­tiv sein. Will der Be­wer­ber z.B. ei­ne Tätig­keit bei­be­hal­ten, die sei­ne gan­ze Ar­beits­kraft in An­spruch nimmt und in der er streng an frem­de Wei­sun­gen ge­bun­den ist, so bleibt für ei­ne Ausübung des Be­ru­fes als An­walt, an den sich je­der Recht­su­chen­de wen­den könn­te, kein Raum mehr. Die Be­rufs­be­zeich­nung Rechts­an­walt würde in ei­nem sol­chem Fall zu ei­nem in­halts­lee­ren Ti­tel wer­den. - Un­ter ähn­li­chen Ge­sichts­punk­ten las­sen sich die Gren­zen für den so­gen. Syn­di­kus­an­walt be­stim­men, der in ei­nem Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis zu ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­ge­ber steht. Zwar wird ein Be­wer­ber, der Syn­di­kus und Rechts­an­walt zu­gleich sein will, in sei­ner Ei­gen­schaft als S y n d i k u s ei­ne ju­ris­ti­sche Tätig­keit ausüben, wenn er sei­nem Ar­beit­ge­ber in Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten Rat und Bei­stand gewährt; die­se Tätig­keit kann, rein fach­lich be­trach­tet, der be­ra­ten­den Tätig­keit ei­nes Rechts­an­walts durch­aus ent­spre­chen; sei­ne Stel­lung als Syn­di­kus mag auch so be­deu­tend sein, daß er sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­genüber selbständig und ei­gen­ver­ant­wort­lich zu han­deln ver­mag. Je­doch würde ei­ne aus­sch­ließli­che Tätig­keit für ein Un­ter­neh­men nicht dem Bild ent­spre­chen, das bei dem Be­ruf des Rechts­an­walts, von der All­ge­mein­heit der Recht­su­chen­den her ge­se­hen, in sei­ner Stel­lung in­ner­halb der Rechts­pfle­ge ge­ge­ben sein muß. Das Be­rufs­bild des Rechts­an­walts kann nur dann vor­han­den sein, wenn der Syn­di­kus recht­lich und tatsächlich in der La­ge ist, ne­ben sei­ner Tätig­keit in dem Un­ter­neh­men Recht­su­chen­de als frei­er An­walt zu be­ra­ten und zu ver­tre­ten. Sind die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht ge­ge­ben, so wäre ei­nem Be­wer­ber die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu ver­sa­gen. "
Da­mit ist ins­be­son­de­re geklärt, dass un­ge­ach­tet im Ein­zel­fall ar­beits­recht­lich eröff­ne­ter Möglich­kei­ten, auch ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber sach­lich selbständig und ei­gen­ver­ant­wort­lich zu han­deln, al­lein die Ein­glie­de­rung in die von die­sem vor­ge­ge­be­ne Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on mit dem Be­rufs­bild des Rechts­an­walts un­ver­ein­bar ist. Das für die Zu­las­sung un­ver­zicht­ba­re Be­rufs­bild des Rechts­an­walts kann sich da­mit nur dar­aus er­ge­ben, dass der Syn­di­kus recht­lich und tatsächlich in der La­ge ist, ne­ben (!) sei­ner Tätig­keit im Un­ter­neh­men Recht­su­chen­de als frei­er An­walt zu be­ra­ten und zu ver­tre­ten. Der Syn­di­kus­an­walt ist Rechts­an­walt, nicht weil er Syn­di­kus ist, son­dern weil er sich auf­grund ei­ner nur des­halb zu er­tei­len­den Zu­las­sung un­abhängig hier­von und da­ne­ben ge­son­dert als Rechts­an­walt betätigt. Bei­de Tätig­kei­ten sind grundsätz­lich ge­trennt zu be­trach­ten (vgl BGH Be­schluss vom 22.3.1999 - Pa­t­An­wZ 10/98 - EBE/BGH 1999, 150 f, zum Er­for­der­nis ei­ner min­des­tens halbjähri­gen Tätig­keit "bei ei­nem Pa­tent­an­walt", das nur dann erfüllt ist, wenn der An­trag­stel­ler auf dem Ge­biet ei­nes Pa­tent­an­walts tätig ge­wor­den ist und nicht le­dig­lich im Rah­men ei­nes "Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in ei­nem Un­ter­neh­men" bei ei­nem dort eben­falls an­ge­stell­ten Syn­di­kus­an­walt). So­weit der BGH hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen für den Er­werb von Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen in be­grenz­tem Um­fang Aus­nah­men zulässt (vgl BGH Be­schluss vom 4.11.2009 - An­wZ (B) 16/09 - NJW 2010, 377, 379 Rd­Nr 17 mwN, in­so­fern in BGHZ 183, 73 nicht ab­ge­druckt; vgl zur Ver­fas­sungsmäßig­keit des Vor­ge­hens der Fach­ge­rich­te, wenn sie Nach­wei­se des Be­wer­bers über die in sei­ner Ei­gen­schaft als Syn­di­kus­an­walt be­treu­ten Fälle als nicht aus­rei­chend be­wer­ten, BVerfG Be­schluss vom 20.3.2007 - 1 BvR 142/07 - NJW 2007, 1945), ist dies für den vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang er­kenn­bar oh­ne Be­deu­tung; im Übri­gen sieht der BGH hier­durch sei­ne sons­ti­ge Recht­spre­chung aus­drück­lich als nicht be­trof­fen an.
Die Recht­spre­chung des BGH wird durch die Ma­te­ria­li­en zum Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung ei­nes Ge­set­zes zur Neu­ord­nung des Be­rufs­rechts der Rechts­anwälte und der Pa­ten­t­anwälte (BT-Drucks 12/4993) bestätigt. Der Rechts­aus­schuss (6. Aus­schuss) ver­merkt in der Drucks 12/7656 (Be­schluss­emp­feh­lung und Be­richt) auf S 49 zu Num­mer 18a (§ 46 BRAO):
" Nicht auf­ge­grif­fen hat der Aus­schuß den in der Anhörung am 1. De­zem­ber 1993 von Ver­tre­tern der Syn­di­kus­anwälte im Deut­schen An­walt­ver­ein vor­ge­brach­ten Vor­schlag, durch ei­ne Ände­rung des § 46 BRAO dem Syn­di­kus­an­walt ein­zuräum­en, daß er auch im An­ge­stell­ten­verhält­nis als An­walt tätig wird. Ei­ne sol­che Ände­rung hätte zur Fol­ge ge­habt, daß der Syn­di­kus­an­walt, der jetzt im Ne­ben­be­ruf Rechts­an­walt ist und im Haupt­be­ruf als An­ge­stell­ter sei­nen Ar­beit­ge­ber in recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten berät, auch in sei­ner Ei­gen­schaft als recht­li­cher Be­ra­ter sei­nes Ar­beit­ge­bers Rechts­an­walt mit al­len Rech­ten und Pflich­ten ist. Der Aus­schuß ist in sei­nen Be­ra­tun­gen zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, daß das in den §§ 1 bis 3 BRAO nor­mier­te Be­rufs­bild des Rechts­an­walts, wie es sich auch in der All­ge­mein­heit von ihm als un­abhängi­gem Or­gan der Rechts­pfle­ge ge­bil­det hat, mit der Tätig­keit un­ver­ein­bar ist, wenn der Syn­di­kus im Rah­men sei­nes Dienst­verhält­nis­ses als An­walt auf­tritt. Bei der Tätig­keit, die der Syn­di­kus für sei­nen Dienst­herrn leis­tet, sind dann, wenn der Syn­di­kus persönlich mit der Ma­te­rie des Ein­zel­falls be­faßt ge­we­sen ist, die durch das Ge­setz der frei­en Ad­vo­ka­tur ge­kenn­zeich­ne­ten ty­pi­schen We­sens­merk­ma­le der frei­en Be­rufs­ausübung, die das Bild des Rechts­an­walts be­stim­men, nicht ge­ge­ben. Sei­ne freie und un­re­gle­men­tier­te Selbst­be­stim­mung wäre im Rah­men sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses, in dem er grundsätz­lich dem Prin­zip der Über- und Un­ter­ord­nung un­ter­liegt, nicht gewähr­leis­tet. Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 4. No­vem­ber 1992 zum an­walt­li­chen Zweit­be­ruf (1 BvR 79/85 u. a.) spricht zwar ei­ner­seits für ei­ne weit­ge­hen­de Öff­nung zum Zweit­be­ruf, wenn durch Be­rufs­ausübungs­re­ge­lun­gen die Ge­fahr von In­ter­es­sen­kol­li­sio­nen ver­mie­den wird. Das Ge­richt hat in die­sem Zu­sam­men­hang aber auch er­neut die Ge­mein­schaftsgüter der Stel­lung des Rechts­an­walts als un­abhängi­ges Rechts­pfle­ge­or­gan und der Funk­ti­onsfähig­keit der Rechts­pfle­ge an­er­kannt. Bei­des steht nach der ein­hel­li­gen Auf­fas­sung des Aus­schus­ses ei­ner Ände­rung des § 46 BRAO in dem gewünsch­ten Sinn ent­ge­gen."
Eben­so hat schließlich der EuGH (Ur­teil vom 14.9.2010 - C-550/07 P - NJW 2010, 3557) ent­schie­den, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Man­dant und Rechts­an­walt ei­ner ge­mein­sa­men Tra­di­ti­on der Mit­glieds­staa­ten ent­spre­chend nur für Schrift­wech­sel gilt, der von "un­abhängi­gen Rechts­anwälten" aus­geht, dh von Anwälten, die nicht durch ei­nen Dienst­ver­trag an den Man­dan­ten ge­bun­den sind.
8. Die ge­gen die­ses Er­geb­nis vor­ge­brach­ten Einwände der Re­vi­si­on grei­fen nicht durch.
a) Un­ge­ach­tet mögli­cher in­halt­li­cher Übe­rein­stim­mun­gen kommt für das De­ckungs­verhält­nis der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nicht in Be­tracht, abhängi­ge Beschäfti­gung und ei­ne da­ne­ben aus­geübte selbständi­ge Tätig­keit als Rechts­an­walt im Sin­ne ei­ner ein­heit­li­chen Be­trach­tung "zu­sam­men­zu­zie­hen". Die iso­lier­te Fra­ge­stel­lung, ob ei­ne an­walt­li­che Tätig­keit in Ge­stalt ei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung aus­geübt wer­den kann und da­mit grundsätz­lich ei­ne Be­frei­ungsmöglich­keit eröff­net ist, würde da­mit ge­ra­de ver­las­sen. Die bei­den (ein­zi­gen) For­men der Ausübung ei­ner Er­werbstätig­keit, die selbständi­ge Tätig­keit und die abhängi­ge Beschäfti­gung, schließen sich im Übri­gen wech­sel­sei­tig aus. Wo - wie vor­lie­gend - die Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht auf­grund ei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung in Fra­ge steht, können Ge­sichts­punk­te der selbständi­gen Er­werbstätig­keit kei­ne Rol­le spie­len. Es ent­spricht da­her ständi­ger Recht­spre­chung des BSG im Ren­ten­ver­si­che­rungs­recht, dass, wenn ne­ben­ein­an­der ver­schie­de­ne ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­lich be­deut­sa­me Sach­ver­hal­te vor­lie­gen, das Be­ste­hen von Ver­si­che­rungs­pflicht (oder Ver­si­che­rungs­frei­heit bzw Ver­si­che­rungs­be­frei­ung) hin­sicht­lich des ei­nen Sach­ver­halts grundsätz­lich kei­ne Wir­kung für den an­de­ren Sach­ver­halt hat, je­der Sach­ver­halt mit­hin, wenn ge­setz­lich nichts an­de­res be­stimmt ist, selbständig zu be­ur­tei­len ist und es des­halb zulässi­ger­wei­se zu Mehr­fach­ver­si­che­run­gen und mehr­fa­cher Bei­trags­pflicht kom­men kann (vgl BSG Ur­tei­le vom 4.11.2009 - B 12 R 7/08 R - SozR 4-2600 § 2 Nr 13 Rd­Nr 19 mit Hin­weis auf die Rechts­la­ge be­reits vor In­kraft­tre­ten des SGB VI, vom 13.9.1979 - 12 RK 26/77 - BS­GE 49, 38, 39 f = SozR 2200 § 1227 Nr 29 S 67, 68 f, mwN und vom 2.6.1982 - 12 RK 66/80 - SozR 5800 § 2 Nr 3; s auch - hier­an an­knüpfend - die Be­gründung zum Ent­wurf ei­nes Ren­ten­re­form­ge­set­zes 1992, BT-Drucks 11/4124 S 148).
b) Recht­lich ist auch un­er­heb­lich, ob die in Fra­ge ste­hen­de Beschäfti­gung in­halt­lich "Ele­men­te" der an­walt­li­chen Be­rufstätig­keit auf­weist. § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI for­dert - wie dar­ge­legt - nach Norm­wort­laut und Funk­ti­on stets zusätz­lich, dass die Tätig­keit, die zur Ver­si­che­rungs­pflicht bei der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung führt, gleich­zei­tig in der Form der Beschäfti­gung aus­geübt wird und Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­gründet. Ist dies - wie vor­lie­gend für ei­ne Tätig­keit als Rechts­an­walt bei ei­nem nicht dem Stan­des­recht un­ter­wor­fe­nen Ar­beit­ge­ber - von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, sind mögli­che Sach­bezüge der aus­geübten Er­werbstätig­keit zum Be­rufs­bild des Rechts­an­walts oh­ne recht­li­che Be­deu­tung. Ihr Vor­lie­gen könn­te nicht mehr zu ei­nem Le­bens­sach­ver­halt führen, der die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI in vol­lem Um­fang erfüllt.
Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI können auch nicht da­durch um­gan­gen wer­den, dass ein in­ne­rer (sach­li­cher) Zu­sam­men­hang der be­haup­te­ten Art "theo­rie-"gestützt be­gründet wird. Was für den in­ne­ren Zu­sam­men­hang als sol­chen gilt, be­trifft not­wen­dig auch al­le zum Be­leg sei­nes Vor­lie­gens be­nann­ten Ein­zel­kri­te­ri­en und "Kri­te­ri­en­for­meln", da­mit auch die sog Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie ("rechts­be­ra­tend, rechts­ver­mit­telnd, rechts­ent­schei­dend, rechts­ge­stal­tend") und je­des ih­rer Ele­men­te. Erst recht fehlt es an je­der Rechts­grund­la­ge, die "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" an Stel­le des ge­setz­li­chen Tat­be­stands der Rechts­an­wen­dung zu­grun­de zu le­gen und da­mit die Rechts­fol­ge des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI mit der vor­lie­gend in Fra­ge ste­hen­den Fall­grup­pe zu ver­bin­den, für die sie der hier­zu ein­zig be­ru­fe­ne Ge­setz­ge­ber ge­ra­de nicht vor­ge­se­hen hat. Un­ter­schied­li­che Ab­si­che­run­gen in un­ter­schied­li­chen Sys­te­men sind Kon­se­quenz des Um­stan­des, dass syn­chron und di­a­chron ei­ne Viel­zahl von Er­werbstätig­kei­ten be­trie­ben wer­den kann, und de­ren hier­an an­knüpfen­de Ab­si­che­rung nicht ih­rer­seits im Sin­ne ei­nes ein­heit­li­chen Ge­samt­kon­zepts durch zwin­gen­des Recht ko­or­di­niert ist. Es gibt des­halb auch kei­nen Rechts­satz des In­halts, dass stets nur die Zu­gehörig­keit zu ei­nem ein­zi­gen Si­che­rungs­sys­tem in Be­tracht kom­men könn­te oder es un­ge­ach­tet ei­ner Ände­rung der hierfür recht­lich maßgeb­li­chen Umstände stets bei der ein­mal be­gründe­ten Zuständig­keit ei­nes Sys­tems zu ver­blei­ben ha­be. Nur so­weit der Ge­setz­ge­ber hierfür im Ein­zel­fall An­lass ge­se­hen hat und im An­wen­dungs­be­reich der je­wei­li­gen Ko­or­di­nie­rungs­re­ge­lung, kann hier­von aus­nahms­wei­se ab­ge­se­hen wer­den. Auch in­so­fern be­darf es schließlich kei­nes nähe­ren Ein­ge­hens auf den Theo­rie-Cha­rak­ter der "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" im Sin­ne der Wis­sen­schafts­theo­rie bzw ei­ner wis­sen­schaft­lich be­trie­be­nen Ju­ris­pru­denz.
c) Die ge­setz­lich ge­for­der­te po­si­ti­ve Fest­stel­lung, dass die­sel­be Er­werbstätig­keit, die die Mit­glied­schaft in der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung be­gründet hat, we­gen ih­rer Ausübung in der Form der Beschäfti­gung zu­gleich Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­gründet, kann erst recht nicht durch die­je­ni­ge er­setzt wer­den, dass die in der Form der Beschäfti­gung aus­geübte Er­werbstätig­keit der Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft nicht ursprüng­lich oder nachträglich ent­ge­gen­steht. Zwar stellt sich aus der Sicht der al­lein auf
ei­ner ar­beits­recht­li­chen Ne­bentätig­keit gründen­den Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft um­ge­kehrt die Fra­ge, ob ei­ne da­ne­ben aus­geübte Tätig­keit mit dem An­walts­be­ruf ver­ein­bar ist und da­her ih­rer Er­tei­lung nicht ent­ge­gen­steht (§ 7 Nr 8 BRAO) bzw ih­ren Wi­der­ruf nicht for­dert (§ 14 Abs 2 Nr 8 BRAO). In­des­sen ist die hier­zu vor­lie­gend um­fang­rei­che - und seit dem Be­schluss des BVerfG vom 4.11.1992 (1 BvR 79/85 ua - BVerfGE 87, 287) im Sin­ne der Li­be­ra­li­sie­rung nach­hal­tig geänder­te - Recht­spre­chung so­weit er­sicht­lich zu kei­nem Zeit­punkt - selbst­wi­dersprüchlich - auf den Ge­dan­ken ge­kom­men, dass ei­ne Un­ver­ein­bar­keit schon des­halb nicht vor­lie­gen könn­te, weil es sich bei der im Rah­men ei­ner Beschäfti­gung aus­geübten Tätig­keit um ei­nen ge­nui­nen Teil des an­walt­li­chen Be­rufs­bil­des han­deln könn­te. Die oft zi­tier­te Beschäfti­gung als Ta­xi-Fah­rer steht der an­walt­li­chen Be­rufs­ausübung nicht ent­ge­gen, gehört ihr aber evi­dent nicht zu. Das­sel­be gilt ins­be­son­de­re für den In­halt sol­cher Beschäfti­gun­gen, die Rechts­be­ra­tung ge­genüber drit­ten Per­so­nen (vgl BGH Be­schlüsse vom 3.3.1986 - An­wZ (B) 1/86 - BGHZ 97, 204, 206 und vom 19.6.1995 - An­wZ (B) 4/95 - NJW-RR 1995, 1083, 1084 und die Nach­wei­se bei BGH Be­schluss vom 27.5.1991 - An­wZ (B) 4/91 - NJW 1991, 2289) oder die ju­ris­ti­sche Sach­be­ar­bei­tung bei ei­ner Rechts­schutz­ver­si­che­rung (BGH Be­schluss vom 21.11.1994 - An­wZ (B) 44/94 - NJW 1995, 1031) zum In­halt ha­ben. Die Ver­ein­bar­keit von An­walts­be­ruf und da­ne­ben aus­geübter Tätig­keit ist da­mit zwar not­wen­dig, weil an­dern­falls ei­ne Zu­las­sung zur An­walt­schaft nicht er­fol­gen könn­te, zur Be­gründung der für die An­wen­dung von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI not­wen­dig er­for­der­li­chen Dop­pel­re­le­vanz aber nicht hin­rei­chend. Auch al­le sonst von § 7 Nr 8, § 14 Abs 1, Abs 2 Nr 8 BRAO er­fass­ten Tätig­kei­ten sind ge­ra­de sol­che außer­halb des an­walt­li­chen Be­rufs­felds in ei­nem Zweit­be­ruf (vgl ex­em­pla­risch BGH vom 19.6.1995 - An­wZ (B) 4/95 - NJW-RR 1995, 1083, 1084).
d) Hin­wei­se für ei­ne feh­len­de An­wend­bar­keit von § 46 BRAO auf Fälle der vor­lie­gen­den Art feh­len vollständig. Die Vor­schrift gehört zu den Be­rufs­ausübungs­re­ge­lun­gen, die als ge­genüber Be­rufs­zu­gangs­re­ge­lun­gen (Art 12 Abs 1 GG) der vor­ste­hend erörter­ten Art we­ni­ger schwer wie­gen­der Ein­griff das Verhält­nis der durch Zu­las­sung eröff­ne­ten an­walt­li­chen Be­rufstätig­keit zu ei­ner da­ne­ben aus­geübten Beschäfti­gung be­tref­fen. In­so­fern be­gründet § 46 BRAO be­son­de­re Be­rufs­pflich­ten der Syn­di­kus­anwälte und bestätigt im Rück­schluss gleich­zei­tig, dass die Ausübung ei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung der Rechts­stel­lung ei­nes un­abhängi­gen Or­gans der Rechts­pfle­ge selbst dann nicht von vorn­her­ein ent­ge­gen­steht, wenn sie an­walt­li­chen Stan­des­pflich­ten nicht un­ter­wor­fen und die Ar­beits­zeit und Ar­beits­kraft über­wie­gend in An­spruch nimmt (vgl BVerfG Be­schluss vom 4.11.1992 - 1 BvR 79/85 ua - BVerfGE 87, 287, 297; zur feh­len­den An­wend­bar­keit von § 46 BRAO bei ei­nem an­ge­stell­ten Rechts­an­walt, der un­abhängig und wei­sungs­frei Man­da­te be­ar­bei­tet, die sein Ar­beit­ge­ber oder Dienst­herr über­nom­men hat s im Übri­gen BGH Be­schlüsse vom 6.3.2006 - An­wZ (B) 37/05 - BGHZ 166, 299 und vom 4.11.2009 - An­wZ (B) 16/09 - NJW 2010, 377, 379 Rd­Nr 17 in­so­fern in BGHZ 183, 73 nicht ab­ge­druckt). Auch in­so­fern geht es je­doch stets um die Ab­gren­zung ver­schie­de­ner rechts­be­ra­ten­der und -be­sor­gen­der Tätig­kei­ten (vgl BGH Be­schluss vom 19.6.1995 - An­wZ (B) 4/95 - NJW-RR 1995, 1083, 1084) und ins­be­son­de­re um die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem wei­sungs­frei­en, un­abhängi­gen Rechts­an­walt und dem Syn­di­kus­an­walt, der im Rah­men ei­nes ständi­gen Dienst¬oder ähn­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses sei­ne Ar­beits­zeit und Ar­beits­kraft zur Verfügung stel­len muss (BGH Ur­teil vom 25.2.1999 - IX ZR 384/97 - BGHZ 141, 69; BGH Be­schlüsse vom 18.6.2001 - An­wZ (B) 41/00 - NJW 2001, 3130 und vom 7.2.2011 - An­wZ (B) 20/10 - NJW 2011, 1517, 1520 Rd­Nr 27; An­walts­ge­richts­hof Ham­burg Be­schluss vom 3.9.2002 - II ZU 11/01 - BRAK-Mitt 2002, 283).
e) Der von der Re­vi­si­on mit der ver­brei­te­ten Be­zeich­nung "Dop­pel­be­rufs­theo­rie" be­zeich­ne­te recht­li­che Um­stand gibt un­ter die­sen Umständen der Sa­che nach die von BGH, BAG, BVerfG und EuGH übe­rein­stim­mend ge­ge­be­ne und fort­lau­fend bestätig­te ne­ga­ti­ve Ant­wort auf die Rechts­fra­ge wie­der, ob der Syn­di­kus­an­walt auch in sei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung als Rechts­an­walt an­zu­se­hen ist. So­weit mit der Wort­wahl ei­ne ge­rin­ge­re Ver­bind­lich­keit im Sin­ne ei­ner in­ter­pre­ta­ti­ven "Klein­theo­rie" (vgl zur Klas­si­fi­ka­ti­on in An­leh­nung an Ralf Drei­er Röhl/Röhl, All­ge­mei­ne Rechts­leh­re, 3. Aufl, Köln/München 2008, S 163, 165) be­haup­tet wer­den soll, steht dem "die fun­da­men­ta­le ob­jek­ti­ve Be­deu­tung der seit ei­nem Jahr­hun­dert durch­ge­setz­ten frei­en Ad­vo­ka­tur" (BVerfG Be­schluss vom 8.3.1983 - 1 BvR 1078/80 - BVerfGE 63, 266, 282) und das Ge­wicht ei­ner über Jahr­zehn­te fort­geführ­ten ein­hel­li­gen Auf­fas­sung der Recht­spre­chung und von de­ren Bin­dungs­wir­kung ent­ge­gen, die ein form­lo­ses Ab­wei­chen zu­guns­ten ei­nes an­de­ren ge­dank­li­chen Kon­strukts zu­min­dest nicht oh­ne Wei­te­res er­lau­ben. We­der wird mit ei­nem der­ar­ti­gen Verständ­nis der BRAO ein "ein­heit­li­cher Be­ruf künst­lich auf­ge­spal­ten" noch führt die Re­vi­si­on nach­voll­zieh­ba­re Hin­wei­se auf ei­ne "Auf­wei­chung" oder "Auf­he­bung" des mit der Be­zeich­nung "Dop­pel­be­rufs- oder Zweit­be­rufs­theo­rie" be­nann­ten recht­li­chen Sach­ver­halts auf.
f) § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI ist als ab­sch­ließen­de Aus­nah­me­re­ge­lung ei­ner wei­ten, er­wei­tern­den oder ana­lo­gen An­wen­dung we­der bedürf­tig noch fähig. Die Kläge­rin gehört als abhängig Beschäftig­te iS von § 7 Abs 1 S 1 SGB IV zum Kern­be­reich der ty­pi­siert Schutz­bedürf­ti­gen und des­halb grundsätz­lich in al­len Zwei­gen der So­zi­al­ver­si­che­rung (vgl § 2 Abs 2 Nr 1 SGB IV) und ins­be­son­de­re in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 1 S 1 Nr 1 Halbs 1 SGB VI) Zwangs­ver­si­cher­ten. Die­se ein­fach­ge­setz­li­che Lei­tent­schei­dung wird für den Per­so­nen­kreis, dem die Kläge­rin zu­gehört, auch nicht un­mit­tel­bar spe­zi­al­ge­setz­lich mo­di­fi­ziert oder re­vo­ziert. Umstände, die - ih­rer­seits ty­pi­sie­rend - trotz Ausübung ei­ner Beschäfti­gung der An­nah­me der Schutz­bedürf­tig­keit ent­ge­gen­ste­hen und da­her An­lass zu ei­ner Tat­be­stands­re­duk­ti­on ge­ben könn­ten, sind ge­setz­lich nicht um­schrie­ben. Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Tat­be­stands­re­duk­ti­on, die An­lass ge­ge­ben hätten, von vorn­her­ein von der An­ord­nung der Rechts­fol­ge Ver­si­che­rungs­pflicht ab­zu­se­hen (zB § 1 S 3 SGB VI) oder trotz Eröff­nung des An­wen­dungs­be­reichs der Beschäftig­ten­ver­si­che­rung aus­nahms­wei­se un­mit­tel­bar kraft Ge­set­zes Ver­si­che­rungs­frei­heit an­zu­ord­nen (§ 5 Abs
1 S 1 Nr 1 - Nr 3 SGB VI), sind er­kenn­bar nicht erfüllt. Die vor­lie­gend al­lein in Fra­ge ste­hen­de Re­ge­lung des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI gehört zu ei­nem Kreis von Be­stim­mun­gen, die den be­trof­fe­nen Pflicht­ver­si­cher­ten un­ter den im Ge­setz je­weils im Ein­zel­nen um­schrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen nach ei­ge­nem "Ent­schließungs­er­mes­sen" ei­nen An­spruch auf ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Be­frei­ung von der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht durch ei­nen ge­bun­de­nen Ver­wal­tungs­akt des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers mit grundsätz­lich auf die in Fra­ge ste­hen­de Beschäfti­gung be­grenz­ter Wir­kung (§ 6 Abs 5 SGB VI) gewähren, um nach­fol­gend al­lein im be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werk mit güns­ti­ge­ren Be­din­gun­gen zu ver­blei­ben. Ei­ne vollständi­ge Ent­las­sung aus der öffent­li­chen So­zi­al­ver­si­che­rung ist da­ge­gen nicht möglich (vgl BVerfG Be­schluss vom 5.5.2008 - 1 BvR 1060/05 ua - SozR 4-2600 § 6 Nr 7 Rd­Nr 16).
Nur aus­nahms­wei­se ge­win­nen da­her die von bei­den Sys­te­men Er­fass­ten ih­re Vor­sor­ge­frei­heit (Art 2 Abs 1 GG) durch Be­frei­ungs­re­ge­lun­gen be­grenzt zurück. Bei § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI han­delt es sich dem Kon­zept der ab­ge­stuf­ten Schutz­bedürf­tig­keit fol­gend be­reits in­ner­halb der Beschäftig­ten­ver­si­che­rung um ei­ne ab­sch­ließen­de Aus­nah­me­re­ge­lung, die ei­ner er­wei­tern­den oder ent­spre­chen­den An­wen­dung nicht zugäng­lich ist (vgl BSG Ur­teil vom 30.4.1997 - 12 RK 20/96 - USK 9733). Sein Aus­nah­me­cha­rak­ter wird zu­dem da­durch wei­ter bestätigt, dass er auch in­ner­halb sei­nes An­wen­dungs­be­reichs ein Be­frei­ungs­recht kei­nes­wegs für al­le Fälle der Dop­pel­zu­gehörig­keit vor­sieht. Et­was an­de­res er­gibt sich ent­ge­gen der Re­vi­si­on auch nicht et­wa des­halb, weil es sich bei ihm um ei­ne "Kol­li­si­ons­norm" han­de­le, de­ren Auf­ga­be dar­in lie­ge, zu­guns­ten der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen die An­wend­bar­keit je­weils nur ei­ner (ein­zi­gen) Rechts­mas­se si­cher­zu­stel­len.
Kol­li­si­ons­nor­men be­tref­fen die Fra­ge, wel­ches Recht als sog Sach­norm zur An­wen­dung kommt, wenn der Re­ge­lungs­ge­gen­stand gleich­zei­tig von meh­re­ren Rechts­mas­sen er­fasst ist. Sie be­stim­men ent­we­der be­schränkt auf die Bin­nen­sicht nur ei­ner Men­ge von Rechtssätzen, ob die­se An­wend­bar­keit be­an­spru­chen, ob­wohl gleich­zei­tig an­de­re Norm­bestände als ein­schlägig in Be­tracht kom­men (ein­sei­ti­ge Kol­li­si­ons­norm) oder le­gen für die Ge­samt­heit der ein­schlägi­gen Rechts­mas­sen um­fas­send fest, nach wel­cher von ih­nen sich die recht­li­che Be­ur­tei­lung des Re­ge­lungs­ge­gen­stan­des rich­tet (mehr­sei­ti­ge Kol­li­si­ons­norm). Nur so­weit um­fas­send für al­le Fälle des Zu­sam­men­tref­fens ein­schlägi­ger Rechtssätze die An­wend­bar­keit we­nigs­tens ei­ner der in Fra­ge ste­hen­den Rechts­mas­sen ab­sch­ließend abs­trakt-ge­ne­rell be­stimmt wird, kann oh­ne Wei­te­res von ei­ner Kol­li­si­ons­norm in die­sem Sin­ne ge­spro­chen wer­den. Im Blick hier­auf han­delt es sich bei § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI im um­fas­sen­den Sin­ne um ei­ne Ko­or­di­na­ti­ons­re­ge­lung und ent­ge­gen der Be­haup­tung der Kläge­rin al­len­falls in ei­nem sehr be­schränk­ten Sin­ne um den Son­der­fall ei­ner Ko­or­di­nie­rung von Sys­te­men durch ei­ne Kol­li­si­ons­norm mit Aus­schluss­wir­kung zu­guns­ten der be­rufsständi­schen Ver­sor­gung. Bei­des schließt sich da­mit ent­ge­gen dem Ein­wand der Bei­ge­la­de­nen zu 2. nicht aus. Nur wenn nämlich ku­mu­la­tiv al­le ob­jek­ti­ven Ele­men­te des um­fang­rei­chen mehr­glied­ri­gen Tat­be­stan­des erfüllt sind, ins­be­son­de­re al­len An­for­de­run­gen an die Art der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen, an die Gleich­ar­tig­keit der Bei­trags­er­he­bung so­wie an die Gleich­wer­tig­keit des Ver­si­che­rungs­schut­zes genügt ist, und die hier­nach Be­rech­tig­ten po­si­tiv von dem ih­nen ein­geräum­ten "Ent­schließungs­er­mes­sen" Ge­brauch ge­macht ha­ben, kommt es (mit­tel­bar) zum Aus­schluss der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht. Das Ge­setz be­schränkt sich in­so­fern ty­pi­sie­rend auf Fall­kon­stel­la­tio­nen, bei de­nen ins­be­son­de­re glei­cher­maßen das Be­stands­in­ter­es­se und die Leis­tungsfähig­keit der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wie der Ge­sichts­punkt der Gewähr­leis­tung ei­nes aus­rei­chen­den Schut­zes der Be­trof­fe­nen durch die be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung berück­sich­tigt und ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen sind. Han­delt es sich dem­ge­genüber um Sach­ver­hal­te außer­halb des ob­jek­ti­ven An­wen­dungs­be­reichs oder betätigt ein Be­rech­tig­ter sein "Ent­schließungs­er­mes­sen" nicht, fehlt es vollständig an ei­ner kol­li­si­ons­recht­li­chen Rechts­fol­ge­na­n­ord­nung und belässt es das Ge­setz mit der Fol­ge der Dop­pel­ver­si­che­rung bei der par­al­le­len An­wend­bar­keit der je­weils ein­schlägi­gen Rechtssätze. Kei­nes­wegs be­steht da­mit nach dem zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lungs­kon­zept für je­den Kol­li­si­ons­fall auch Be­darf nach ei­ner ein­deu­ti­gen (Nicht-)An­wen­dungs­re­ge­lung und da­mit ggf ei­nem wei­ten Verständ­nis des ge­setz­li­chen Tat­be­stands.
g) Eben­falls ent­ge­gen der Re­vi­si­on ist § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI we­der be­vor­zugt da­zu be­stimmt, den In­ter­es­sen von Frei­be­ruf­lern zu die­nen, noch be­zweckt er in be­son­de­rer Wei­se den Be­stands­schutz be­rufsständi­scher Ver­sor­gungs­wer­ke. Im Rah­men sei­nes po­si­ti­ven An­wen­dungs­be­reichs be­stimmt § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI aus der Bin­nen­per­spek­ti­ve der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ein­sei­tig, ob es bei der nor­ma­ti­ven An­ord­nung von Ver­si­che­rungs­pflicht aus § 1 S 1 Nr 1 SGB VI ver­bleibt oder ob hier­von aus­nahms­wei­se we­gen ei­ner aus ih­rer Sicht aus­rei­chen­den an­der­wei­ti­gen Ab­si­che­rung ab­ge­se­hen wer­den kann (vgl BT-Drucks 13/2590, S 18; Fich­te in Hauck/Noftz, SGB VI, K § 6 Rd­Nr 22; Horn/Jung, AnwBl 2013 , 420, 421; Horn, NJW 2012, 966, 971; Gürt­ner in Kas­se­ler Kom­men­tar, SGB VI, § 6 Rd­Nr 4; Kil­ger/Pross­li­ner, NJW 2004, 821, 823; Of­fer­mann-Burck­art, MDR 2013, 1197; Rid, BB-Spe­cial 3/2008, 10, 14). Er kann schon des­halb kei­ne "ma­gna char­ta" der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen re­präsen­tie­ren, die al­len­falls im Sin­ne ei­nes Rechts­re­fle­xes be­trof­fen sind.
Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te bestätigt die­ses Er­geb­nis. § 6 Abs 1 Nr 1 SGB VI hat­te bis zum 31.12.1995 fol­gen­den Wort­laut:
"(1) Von der Ver­si­che­rungs­pflicht wer­den be­freit
1. An­ge­stell­te und selbständig Täti­ge, die auf­grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glie­der ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung) sind, wenn für sie nach nähe­rer Maßga­be der Sat­zung ein­kom­mens­be­zo­ge­ne Beiträge un­ter Berück­sich­ti­gung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zu ent­rich­ten sind und auf­grund die­ser Beiträge Leis­tun­gen für den Fall ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit und des Al­ters so­wie für Hin­ter­blie­be­ne er­bracht und an­ge­paßt wer­den, wo­bei auch die fi­nan­zi­el­le La­ge der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung zu berück­sich­ti­gen ist, "
So­weit die Ma­te­ria­li­en zum Ge­setz zur Ände­rung des Sechs­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch vom 15.12.1995 (BGBl I 1824) in ih­rem "All­ge­mei­nen Teil" me­ta­pho­risch von ei­ner "Frie­dens­gren­ze" (BT-Drucks 13/2590 S 1) un­ter "Berück­sich­ti­gung der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen bei­der Sys­te­me" (BT-Drucks 13/2590 S 18) spre­chen, ge­schieht dies al­lein im Kon­text der be­ab­sich­tig­ten Verschärfung der ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Be­frei­ungs­re­ge­lung und zur Ver­mei­dung der befürch­te­ten Ero­si­on der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Be­lan­ge der Ver­sor­gungs­träger fin­den dem­ge­genüber nur in­so­fern Erwähnung, als mit der vor­ge­se­he­nen Be­schränkung des Be­frei­ungs­rechts "im Er­geb­nis die seit lan­gem ak­zep­tier­te Ab­gren­zung zwi­schen be­rufsständi­scher Ver­sor­gung und ge­setz­li­cher Ren­ten­ver­si­che­rung in ih­rer bis­he­ri­gen Aus­prägung ge­fes­tigt wird." Ins­be­son­de­re er­gibt sich aus den in BT-Drucks 13/2590 nie­der­ge­leg­ten Erwägun­gen nicht an­deu­tungs­wei­se, dass mit der Schaf­fung der der­zeit gel­ten­den Fas­sung von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI für be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen von der Dop­pel­re­le­vanz ei­ner im Rah­men der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung als Beschäfti­gung aus­geübten Er­werbstätig­keit ab­ge­se­hen bzw die Al­ters­si­che­rung für ei­ne le­dig­lich par­al­lel hier­zu aus­geübte frei­be­ruf­li­che Tätig­keit als ei­genständi­ger Be­frei­ungs­grund aus­ge­stal­tet wer­den soll­te. Viel­mehr hat der Ge­setz­ge­ber nach neu­em (in­so­fern seit 1.1.1996 gel­ten­dem) Recht er­fol­gen­de Be­frei­un­gen für al­le er­fass­ten Be­rufs­grup­pen in glei­cher Wei­se aus­ge­stal­tet. Die "Klar­stel­lung", auf wel­che Tätig­keit oder Beschäfti­gung sich das Be­frei­ungs­recht be­schränkt (BT-Drucks 13/2590 S 22), er­fasst da­her die Ge­samt­heit der Norm­be­trof­fe­nen und da­mit selbst­verständ­lich auch den von der Kläge­rin re­präsen­tier­ten Per­so­nen­kreis. Ob das bis da­hin gel­ten­de Recht mögli­cher­wei­se an­ders ver­stan­den wer­den konn­te und da­her die seit dem 1.1.1996 gel­ten­de Neu­fas­sung über ei­ne bloße Klar­stel­lung hin­aus die Set­zung neu­en Rechts verkörpert, ist für die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung oh­ne Be­deu­tung (vgl zur Be­deu­tung ei­ner ge­setz­ge­be­ri­schen "Klar­stel­lung" für die Ver­gan­gen­heit zu­letzt BVerfG Be­schluss vom 17.12.2013 - 1 BvL 5/08 - DB 2014, 634 = NVwZ 2014, 577).
h) Das ge­fun­de­ne Er­geb­nis verstößt auch nicht ge­gen Ver­fas­sungs­recht. Die ein­schlägi­gen Fra­gen sind durch die Recht­spre­chung des BVerfG geklärt. Der Ge­setz­ge­ber darf zur Be­stim­mung der Schutz­bedürf­ti­gen ty­pi­sie­rend an den Sach­ver­halt der Beschäfti­gung an­knüpfen und in Ver­bin­dung hier­mit Ver­si­che­rungs­zwang an­ord­nen. Hier­ge­gen be­ste­hen nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BVerfG kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken (BVerfG Be­schlüsse vom 20.5.1996 - 1 BvR 21/96 SozR 3-2400 § 7 Nr 11 S 27 f und vom 14.10.1970 - 1 BvR 753/68 ua - SozR Nr 8 zu Art 2 GG; vgl im Übri­gen die Nach­wei­se bei BSG Ur­teil vom 5.7.2006 - B 12 KR 20/04 R - SozR 4-2600 § 157 Nr 1 Rd­Nr 29). Die Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­letzt die Be­trof­fe­nen ins­be­son­de­re nicht in ih­rem Grund­recht aus Art 14 Abs 1 GG (vgl BVerfG Be­schluss vom 26.6.2007 - 1 BvR 2204/00, 1 BvR 1355/03 - SozR 4-2600 § 2 Nr 10 Rd­Nr 25) und berührt man­gels ei­nes un­mit­tel­bar be­rufs­re­geln­den Cha­rak­ters nicht den Schutz­be­reich des Art 12 Abs 1 GG (BVerfG vom 26.6.2007 aaO Rd­Nr 27). Ein - von der Kläge­rin im Übri­gen auch nicht gerügter - Ein­griff in ihr Grund­recht aus Art 2 Abs 1 GG schei­det schon des­halb aus, weil der Ge­setz­ge­ber ins­be­son­de­re mit der Einführung ei­ner grundsätz­li­chen Ver­si­che­rungs­pflicht für Beschäftig­te von sei­nem wei­ten Ge­stal­tungs­spiel­raum im Span­nungs­verhält­nis zwi­schen der in­di­vi­du­el­len Frei­heit und den An­for­de­run­gen ei­ner so­zi­al­staat­li­chen Ord­nung (BVerfG vom 26.6.2007 aaO Rd­Nr 28) in ver­fas­sungs­gemäßer Wei­se Ge­brauch ge­macht hat. Ins­be­son­de­re ver­let­zen die Pflicht­mit­glied­schaft und die da­mit ggf ein­her­ge­hen­de Pflicht zur Bei­trags­tra­gung in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung grundsätz­lich auch bei Höher­ver­die­nen­den, die an­der­wei­tig für ih­re Al­ters­si­che­rung Sor­ge tra­gen könn­ten, nicht Art 2 Abs 1 GG. Es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, dass die Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nicht die in­di­vi­du­el­le so­zia­le Schutz­bedürf­tig­keit ei­nes Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen, son­dern le­dig­lich den Tat­be­stand der Beschäfti­gung vor­aus­setzt. Der Ge­setz­ge­ber durf­te da­von aus­ge­hen, dass die­je­ni­gen Per­so­nen, die ih­re Ar­beits­kraft in den Dienst an­de­rer stel­len, im All­ge­mei­nen auf die­se Beschäfti­gung zur Er­lan­gung ih­res Le­bens­un­ter­halts an­ge­wie­sen und da­her - auch im Hin­blick auf die Al­ters­si­che­rung - so­zi­al schutz­bedürf­tig sind (vgl BVerfG Be­schluss vom 31.8.2004 - 1 BvR 945/95 - SozR 4-2600 § 7 Nr 2 Rd­Nr 13 mwN).
Bei der aus­nahms­wei­sen Eröff­nung von Be­frei­ungsmöglich­kei­ten zur Be­sei­ti­gung ei­nes un­mit­tel­bar ge­setz­lich an­ge­ord­ne­ten Ver­si­che­rungs­zwangs darf der Ge­setz­ge­ber, der die Vor­sor­ge­frei­heit Beschäftig­ter aus Art 2 Abs 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich be­den­ken­frei be­grenzt hat, erst recht die Leis­tungsfähig­keit der ver­blei­ben­den Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung berück­sich­ti­gen und ins­be­son­de­re dem An­lie­gen, Ver­si­cher­te mit ty­pi­scher­wei­se güns­ti­gen Ri­si­ken in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu hal­ten, vor dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art 3 Abs 1 GG) er­heb­li­che Be­deu­tung bei­mes­sen; in­so­fern kommt es auf die mögli­cher­wei­se ge­rin­ge Zahl der Be­trof­fe­nen nicht an (vgl BVerfG Be­schluss vom 5.5.2008 - 1 BvR 1060/05 ua - SozR 4-2600 § 6 Nr 7 Rd­Nr 16 ff, 19). Die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung kennt un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser
Vor­ga­ben we­der ein all­ge­mei­nes Be­frei­ungs­recht noch im Blick auf die gleich­zei­ti­ge Ab­si­che­rung in an­de­ren Sys­te­men ei­nen all­ge­mei­nen Grund­satz der Ver­mei­dung von "Dop­pel­ver­si­che­run­gen". Auch gibt es von Ver­fas­sung we­gen kein Wahl­recht zu­guns­ten der je­weils güns­tigs­ten Ver­sor­gungsmöglich­keit (vgl ins­ge­samt die Nach­wei­se bei BSG Ur­teil vom 9.3.2005 - B 12 RA 8/03 R - SozR 4-2600 § 6 Nr 3 Rd­Nr 6). Um­ge­kehrt ist für das be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­recht geklärt, dass es nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht verstößt, wenn sich die Mit­glied­schaft in ei­nem be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werk auch auf in der ge­setz­li­chen An­ge­stell­ten­ver­si­che­rung pflicht­ver­si­cher­te Be­rufs­an­gehöri­ge er­streckt (vgl BVerwG Be­schluss vom 23.3.2000 - 1 B 15/00 - Buch­holz 430.4 Ver­sor­gungs­recht Nr 42 und die dor­ti­gen Nach­wei­se).
Der ver­fas­sungs­recht­lich da­mit un­be­denk­li­che öffent­lich-recht­li­che Ein­griff in die Vor­sor­ge­frei­heit der be­trof­fe­nen Ver­si­cher­ten steht um­ge­kehrt für sei­nen An­wen­dungs­be­reich ei­ge­nen in­di­vi­du­el­len Ge­stal­tun­gen durch pri­vat­recht­li­chen Ver­trags­schluss ent­ge­gen. Der be­son­de­re Schutz­zweck der So­zi­al­ver­si­che­rung und ih­re Na­tur als ei­ne Ein­rich­tung des öffent­li­chen Rechts schließen es grundsätz­lich aus, über die recht­li­che Ein­ord­nung al­lein nach dem Wil­len der Ver­trags­par­tei­en, ih­ren Ver­ein­ba­run­gen oder ih­ren Vor­stel­lun­gen hierüber zu ent­schei­den (BSG Ur­teil vom 18.12.2001 - B 12 KR 8/01 R - SozR 3-2400 § 7 Nr 19 S 73 und die dor­ti­gen Nach­wei­se). Das gilt oh­ne Wei­te­res auch für die Wahl un­ter meh­re­ren öffent­lich-recht­lich aus­ge­stal­te­ten Si­che­rungs­sys­te­men nach Maßga­be in­di­vi­du­el­ler Güns­tig­keits­erwägun­gen des Beschäftig­ten bzw der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en. Die­sen bleibt es im Übri­gen zwar grundsätz­lich un­be­nom­men, An­knüpfungs­sach­ver­hal­te des Pri­vat­rechts, auf die das Ge­setz öffent­lich-recht­li­che Norm­be­feh­le tat­be­stand­lich stützt, selbst zu ge­stal­ten (vgl ex­em­pla­risch BSG Ur­teil vom 27.1.1994 - 2 RU 17/93 - SozR 3-2200 § 539 Nr 27 S 95 ff: Aus­ge­stal­tung der Übungs­lei­tertätig­keit wahl­wei­se als Beschäfti­gung oder als Aus­druck der Mit­glied­schafts­pflicht). Auch der­ar­ti­ge Möglich­kei­ten der au­to­no­men Ge­stal­tung von An­knüpfungs­sach­ver­hal­ten sind in­des­sen ver­sperrt, wo der Ge­setz­ge­ber die öffent­lich-recht­li­che An­ord­nung von Ver­si­che­rungs­pflicht auch tat­be­stand­lich auf zwin­gen­des öffent­li­ches Recht stützt. So­weit er da­her in Ausübung sei­ner kon­kur­rie­ren­den Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz aus Art 74 Abs 1 Nr 1 GG die "Rechts­an­walt­schaft" aus­ge­stal­tet hat, ist we­der für ein­zel­ne Norm­be­trof­fe­ne - ggf im Zu­sam­men­wir­ken mit ih­ren Ar­beit­ge­bern - noch für be­rufsständi­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen die Möglich­keit eröff­net, selbst über die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu dis­po­nie­ren oder das Be­rufs­recht "fort­zu­ent­wi­ckeln". Man­gels pri­vat­recht­li­cher Ge­stal­tungsmöglich­keit schei­det in­so­fern auch ei­ne mi­kroöko­no­mi­sche Be­trach­tung un­ter dem Ge­sichts­punkt der "win-win-Si­tua­ti­on" von vorn­her­ein aus. Hier­von un­abhängig können die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en in­des­sen - wenn auch oh­ne ver­sor­gungs­recht­li­che Aus­wir­kun­gen - die Grund­la­gen für ei­ne Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft ne­ben dem Ar­beits­verhält­nis schaf­fen, dem Ar­beit­neh­mer auf die­se Wei­se ein zusätz­li­ches Betäti­gungs­feld eröff­nen und den Ar­beit­ge­ber am So­zi­al­pres­ti­ge der Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft teil­ha­ben las­sen.
i) Auf ei­ne vom Ge­setz ab­wei­chen­de rechts­wid­ri­ge Ver­wal­tungs­pra­xis der Be­klag­ten kann sich der von der Kläge­rin re­präsen­tier­te Per­so­nen­kreis nicht be­ru­fen (vgl BVerfG Be­schluss vom 17.6.2004 - 2 BvR 383/03 - BVerfGE 111, 54). Außer­halb der vor­lie­gend zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fälle, bei de­nen es je­weils um die erst­ma­li­ge Be­frei­ung für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum geht, weist der Se­nat hin­sicht­lich der der­zei­ti­gen In­ha­ber ei­ner begüns­ti­gen­den Be­frei­ungs­ent­schei­dung auf Fol­gen­des hin: Sie ha­ben - be­zo­gen auf die je­wei­li­ge Beschäfti­gung, für die die Be­frei­ung aus­ge­spro­chen wur­de - ein recht­lich geschütz­tes Ver­trau­en in den Be­stand die­ser Ent­schei­dun­gen, das über den Schutz durch die §§ 44 ff SGB X hin­aus­ge­hen dürf­te. Ins­be­son­de­re ha­ben die Träger der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (wenn auch oh­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge) die "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" selbst mit befördert und an­ge­wandt. Schon weil da­mit bei der ge­bo­te­nen ty­pi­sie­ren­den Be­trach­tung Le­bens­ent­schei­dun­gen über die persönli­che Vor­sor­ge nach­hal­tig mit be­ein­flusst wur­den, kann ei­ner Ände­rung der Rechts­auf­fas­sung hin­sicht­lich er­gan­ge­ner Be­frei­ungs­ent­schei­dun­gen grundsätz­lich kei­ne Be­deu­tung zu­kom­men. Dem­ge­genüber ist vor­lie­gend nicht näher dar­auf ein­zu­ge­hen, dass der 12. Se­nat des BSG be­reits in sei­ner Sit­zung vom 9.3.2005 ei­ne der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung ent­spre­chen­de Rechts­auf­fas­sung an­ge­deu­tet hat­te. Da­mals war es in den Ver­fah­ren B 12 RA 3/04 R, B 12 RA 4/04 R und B 12 RA 11/04 R (Pres­se-Vor­be­richt Nr 12/05 vom 23.2.2005) je­weils um die Fra­ge ge­gan­gen, ob die Kläger, die je­weils als Rechts­anwälte in Schles­wig-Hol­stein zu­ge­las­sen wa­ren und bei un­ter­schied­li­chen in Ham­burg re­si­die­ren­den Un­ter­neh­men beschäftigt wa­ren, für ih­re Beschäfti­gung von der Ver­si­che­rungs­pflicht zu be­frei­en wa­ren. Die Re­vi­sio­nen wur­den da­mals in al­len drei Ver­fah­ren zurück­ge­nom­men (vgl Pres­se-Mit­tei­lung Nr 12/05 vom 10.3.2005).
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 193 SGG.
zur Übersicht B 5 RE 13/14 R

References: § 6
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 § 164
 § 551
 § 164
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 § 134
 § 10
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 § 157
 § 2
 § 7
 § 6
 § 6
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 § 539
 § 193