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Timestamp: 2020-05-29 23:38:39+00:00

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BGH, 23.04.1993 - V ZR 250/92 - dejure.org
https://dejure.org/1993,436
BGH, 23.04.1993 - V ZR 250/92 (https://dejure.org/1993,436)
BGH, Entscheidung vom 23.04.1993 - V ZR 250/92 (https://dejure.org/1993,436)
BGH, Entscheidung vom 23. April 1993 - V ZR 250/92 (https://dejure.org/1993,436)
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Sturmgefällter Baum
§ 1004 BGB, keine Zurechnung bei Naturereignissen, (nicht) § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB analog
Baumsturz auf Nachbargrundstück - Baumsturz wegen Sturms - Widerstandsfähigkeit eines Baumes - Zurechnung als Störer - Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch
Baumumsturz nach Unwetter - Schadensersatzanspruch des Nachbarn
Nachbarrecht; Baumsturz auf Nachbargrundstück; Ausgleichsanspruch
Zum nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruch für Schäden durch sturmgefällten Baum
Mietrecht - Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch, wenn Sturm einen Baum fällt?
Grundstücksrecht; nachbarrechtlicher Anspruch bei umstürzenden Bäumen
BGHZ 122, 283
NJW 1993, 1855
MDR 1993, 760
VersR 1993, 844
WM 1993, 1257
DB 1993, 1515
JR 1994, 65
JR 1994, 67
Ein Rohrbruch und die hierdurch verursachte Überschwemmung ist vermeidbar und nicht die Folge eines von niemandem zu beherrschenden Naturereignisses (vgl. Senat, BGHZ 122, 283, 284 f. - Sturmschaden durch umstürzende Bäume;… Urt. v. 7. Juli 1995, V ZR 213/94, NJW 1995, 2633, 2634 - Wolläuse).
Die vom Bundesgerichtshof in der vom Landgericht angeführten Entscheidung BGHZ 122, 283/285 noch offengelassene Frage, ob den Grundstückseigentümer die Verantwortlichkeit im Rahmen des § 1004 BGB trifft, wenn von ihm unterhaltene Bäume infolge Krankheit oder Überalterung ihre Widerstandskraft eingebüßt haben, ist auf der Grundlage der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs abweichend vom Landgericht zu bejahen.
Es handelte sich nicht - anders als im Fall BGHZ 122, 283 - um einen Katastrophen-Orkan.
Für die erforderliche Zurechnung der Beeinträchtigung ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs vielmehr erforderlich, dass die Beeinträchtigung wenigstens mittelbar auf den Willen des Eigentümers oder Besitzers der störenden Sache zurückgeht (Senat, BGHZ 28, 110, 111; 90, 255, 266; 120, 239, 254; 122, 283, 284;… Urt. v. 7. Juli 1995, V ZR 213/94, NJW 1995, 2633, 2634;… Urt. v. 4. Februar 2005, V ZR 142/04, NJW 2005, 1366, 1368;… BGH, Urt. v. 12. Februar 1985, VI ZR 193/83, NJW 1985, 1773, 1774;… Urt. v. 18. April 1991, III ZR 1/90, WM 1991, 1609, 1610).
Zwar hat der Senat in dem Wiebke-Fall entschieden, daß das bloße Anpflanzen und Aufziehen widerstandsfähiger Bäume regelmäßig noch keine für die Zurechnung einer Beeinträchtigung notwendige konkrete Gefahrenlage für das Nachbargrundstück begründet (Senat, BGHZ 122, 283, 285).
Erforderlich ist vielmehr darüber hinaus, dass die Beeinträchtigung zumindest mittelbar auch auf seinem Willen beruht (std. Senatsrechtsprechung, vgl. nur, BGHZ 19, 126, 129 f.; 122, 283, 284; 155, 99, 105;… Urt. v. 4. Februar 2005, V ZR 142/04, NJW 2005, 1366, 1368 m.w.N.).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes kann sich der betroffene Eigentümer auf einen nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB analog stützen, wenn von einem Grundstück im Rahmen seiner privatwirtschaftlichen Benutzung Einwirkungen auf sein Grundstück ausgehen, die das zumutbare Maß einer entschädigungslos hinzunehmenden Beeinträchtigung übersteigen (vgl. BGH, Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92,Rn. 7 ff;… Urteil vom 21.03.2003, Az.: V ZR 319/02, Rn. 9 ff.;… Urteil vom 08.10.2004, Az.: V ZR 84/04, Rn. 16; jeweils zitiert nach juris) und der davon betroffene Eigentümer aus besonderen Gründen gehindert war, diese Einwirkungen nach § 1004 BGB rechtzeitig zu unterbinden (vgl. insbesondere BGH…, Urteil vom 08.10.2004, Az.: V ZR 84/04, Rn. 16, zitiert nach juris).
Erforderlich ist zudem, dass die Beeinträchtigung wenigstens mittelbar auf den Willen des Eigentümers oder Besitzers zurückgeht (vgl. bspw. RG, Urteil vom 04.11.1931, Az.: V 204/31, RGZ 134, 231, 233; BGH, Urteil vom 25.11.1955, Az.: V ZR 37/54, BGHZ 19, 126, 129;… Urteil vom 09.07.1958, Az.: V ZR 202/57, Rn. 1;… Urteil vom 02.03.1984, Az.: V ZR 54/83, Rn. 29;… Urteil vom 12.02.1985, Az.: VI ZR 193/83, Rn. 9;… Urteil vom 18.04.1991, Az.: III ZR 1/90, Rn. 22;… Urteil vom 20.11.1992, Az.: V ZR 82/91, Rn. 41; Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 8;… Urteil vom 07.07.1995, Az.: V ZR 213/94, Rn. 7;… Urteil vom 16.02.2001, Az.: V ZR 422/99, Rn. 5; jeweils zitiert nach juris).
Daher kann bereits das Eindringen der Wurzeln in das Nachbargrundstück eine von dessen Eigentümer grundsätzlich abwehrbare Störung des Grundeigentums darstellen (vgl. bspw. BGH…, Urteil vom 02.12.1988, Az.: V ZR 26/88, Rn. 11;… Urteil vom 20.11.1992, Az.: V ZR 82/91, Rn. 41; Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 13;… Urteil vom 14.11.2003, Az.: V ZR 102/03, Rn. 24; jeweils zitiert nach juris).
Dann kann die Beeinträchtigung nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dem mittelbaren Willen des Eigentümers nur dann zugerechnet werden, wenn er sie durch eigene Handlungen wie z.B. durch eine künstliche Veränderung der Grundstücksbeschaffenheit ermöglicht hat (vgl. BGH…, Urteil vom 24.11.1967, Az.: V ZR 196/65, Rn. 11;… Urteil vom 21.02.1980, Az.: III ZR 185/78, Rn. 15; Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 8;… Urteil vom 02.03.1994, Az.: V ZR 54/83, Rn. 29; jeweils zitiert nach juris) oder wenn die Beeinträchtigung erst durch ein pflichtwidriges Unterlassen herbeigeführt worden ist (RG, Urteil vom 04.11.1931, Az.: V 204/31, RGZ 134, 231, 234; Urteil vom 13.05.1935, Az.: V 99/35, RGZ 149, 205, 210;… Urteil vom 07.07.1995, Az.: V ZR 213/94, Rn. 7; jeweils zitiert nach juris).
Weitere Voraussetzung für die Zurechnung einer Beeinträchtigung ist in diesem Fall, das der vom Eigentümer geschaffene oder geduldete Zustand eine konkrete Gefahrenquelle für das Nachbargrundstück gebildet hat (BGH, Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 8; zitiert nach juris), welche sich letztlich auch realisiert hat.
Denn derartige von außen hinzutretende Ereignisse sind zwar denkbar, normalerweise aber nicht zu erwarten; vor ihrem Eintritt geht von den auf dem Grundstück angepflanzten Bäumen, die gegenüber normalen Einwirkungen der Naturkräfte hinreichend widerstandsfähig sind, keine ernsthafte Gefahr für das Nachbargrundstück aus (vgl. BGH, Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 9;… Urteil vom 21.03.2003, Az.: V ZR 319/02, Rn. 11;… Urteil vom 08.10.2004, Az.: V ZR 84/04, Rn. 18; jeweils zitiert nach juris).
Eine Verantwortlichkeit des Grundstückseigentümers im Rahmen des § 1004 Abs. 1 BGB sah der Bundesgerichtshof in seiner älteren Rechtsprechung deshalb allenfalls dann als denkbar an, wenn von ihm unterhaltene Bäume infolge Krankheit oder Überalterung diese Widerstandskraft eingebüßt haben (BGH, Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 9; zitiert nach juris).
Die Einwirkungen gehen vielmehr auf ein zufälliges und zusätzliches Naturereignis zurück, das alle Grundstückseigentümer als allgemeines Risiko trifft und zur natürlichen Eigenart jeder Art von Anpflanzung gehört (so ausdrücklich in der sog. "Wollläuseentscheidung" BGH, Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 9 und in der sog. "Mehltau-Entscheidung" BGH…, Urteil vom 16.02.2001, Az.: V ZR 422/99, Rn. 9; jeweils zitiert nach juris).
Der vom Eigentümer geschaffene oder geduldete Zustand muss somit eine konkrete Gefahrenquelle für das Nachbargrundstück gebildet haben (BGH, Urteil vom 23.04.1993, Az.: V ZR 250/92, Rn. 8, zitiert nach juris), welche sich letztlich - weil vorbeugend beherrschbar - auch realisiert hat.
Soweit der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 23.04.1993 (Az. V ZR 250/92, Rn. 9, zitiert nach juris) noch ausgeführt hat, eine Verantwortlichkeit im Rahmen des § 1004 Abs. 1 BGB könne den Grundstückseigentümer treffen, wenn von ihm unterhaltene Bäume "infolge Krankheit oder Überalterung" ihre Widerstandskraft eingebüßt haben, ergibt sich nichts anderes.
Der bloße Umstand des Eigentums an demjenigen Grundstück, von dem die Einwirkung ausgeht, reicht dazu nicht aus; die Beeinträchtigung muß vielmehr wenigstens mittelbar auf den Willen des Eigentümers zurückgehen (vgl. BGHZ 28, 110, 111; 90, 255, 266; 114, 183, 187; 120, 239, 254; 122, 283, 284 [BGH 23.04.1993 - V ZR 250/92]je m.w.N.).
Durch Naturereignisse ausgelöste Störungen sind dem Eigentümer eines Grundstücks nur dann zuzurechnen, wenn er sie durch eigene Handlungen ermöglicht hat oder wenn die Beeinträchtigung durch ein pflichtwidriges Unterlassen herbeigeführt worden ist (BGHZ 90, 255, 266; 114, 183, 187; 122, 283, 284) [BGH 23.04.1993 - V ZR 250/92].
Der Grundstückseigentümer hätte dann beispielsweise auch durch eine Nutzungsänderung im Rahmen landwirtschaftlicher Bewirtschaftung als Oberlieger auf abschüssigem Gelände den verstärkten Abfluß von Oberflächenwasser auf das Nachbargrundstück ermöglicht (vgl. BGHZ 114, 187 [BGH 18.04.1991 - III ZR 1/90]) oder durch Pflanzen von Bäumen deren späteres Umstürzen bei Sturm verursacht (vgl. BGHZ 122, 285 [BGH 23.04.1993 - V ZR 250/92]).
Er hat in einem Fall auf die seit jeher bestimmungsgemäß betriebene normale landwirtschaftliche Nutzung und die natürliche Eigenart des Grundstücks (BGHZ 114, 188 [BGH 18.04.1991 - III ZR 1/90]; vgl. auch BGHZ 90, 255, 267) und im anderen Fall darauf abgestellt, daß der vom Eigentümer geschaffene Zustand (Anpflanzen und Aufzucht widerstandsfähiger Bäume) keine konkrete Gefahrenquelle für das Nachbargrundstück gebildet habe und Sturmschäden bei gesunden Bäumen normalerweise nicht zu erwarten seien (BGHZ 122, 285 [BGH 23.04.1993 - V ZR 250/92]).
Soweit die Revision auf die Rechtsprechung des Senats zum Eindringen von Baumwurzeln in die Abwasserleitungen des Nachbargrundstücks verweist (vgl. z.B. BGHZ 97, 231 ff [BGH 07.03.1986 - V ZR 92/85]; 106, 142 ff [BGH 02.12.1988 - V ZR 26/88]), übersieht sie, daß diese Rechtsprechung entscheidend auf dem kraft ausdrücklicher Regelung (§ 910 BGB) grundsätzlich gegebenen Abwehrrecht des Nachbarn beruht (vgl. auch BGHZ 122, 286 [BGH 23.04.1993 - V ZR 250/92]).
OLG Schleswig, 09.11.1994 - 12 U 22/93
LG Arnsberg, 23.08.2006 - 1 O 409/05
Anspruch auf Schadensersatz wegen Umsturz einer Fichte auf Nachbargrundstück.; …

References: § 1004
 § 906
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 § 1004
 § 1004
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