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Timestamp: 2020-06-03 10:50:16+00:00

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Am Beispiel des nationalen Expertenstandards Dekubitusprophylaxe in der Pflege
von Martin Schlie (Autor)
2. Methodik der Arbeit
2.1 Hinführung zur Forschungsfrage
2.2.1 Eingrenzung des Themas
2.2.2 Durchführung der Literaturrecherche
3. Bedeutung qualitätssichernder Auflagen im Gesundheitswesen
3.1 Definition der Begriffe „Standard“ und „Leitlinie“
3.2 Qualitätssichernde Auflagen im Rahmen des Versorgungsmanagements
3.3 Methodisches Vorgehen der Evidenzbasierung in der Pflege durch den Nationalen Expertenstandard Dekubitusprophylaxe
3.4 Expertenstandards nach §113a SGB XI
3.5 Methodisches Vorgehen der Evidenzbasierung in der Medizin durch Leitlinien der Fachgesellschaften
4. Rechtsverbindlichkeit von Leitlinien und Standards im deutschen Gesundheitswesen
4.1 Grundlagen der Rechtsprechung zum Thema Dekubitus
4.2 Darstellung der aktuellen Rechtsprechung zum Thema Dekubitus
4.3 Rechtliche Verbindlichkeit von ärztlichen Leitlinien
5.2 Verifizierung/Falsifizierung der ersten Hypothese
5.3 Verifizierung/Falsifizierung der zweiten Hypothese
5.4 Ausblick unter Berücksichtigung der Richtlinie zur Übertragung
ärztlicher Tätigkeiten
Abbildung 1: Flussdiagramm systematische Literaturrecherche
Abbildung 2: Ablaufschema zur Erstellung einer Leitlinie nach der AWMF
Abbildung 3: Stufenklassifikation von Leitlinien der AWMF
Die Evidenzbasierung im deutschen Gesundheitswesen gewinnt im Rahmen der Qualitätsdiskussion immer mehr an Bedeutung. Evidenzbasierung bedeutet, dass die Heilberufe und Heilhilfsberufe den aktuellen Stand der Wissenschaft in die Praxis integrieren und dementsprechend handeln. Begründet wird dieses durch den § 135a Abs. 1 Sozialgesetzbuch (SGB) V, der die Pflicht der Leistungserbringer, die Leistungen nach dem jeweiligen Stand der Wissenschaft und in der entsprechenden fachlichen Qualität zu erbringen, festschreibt.[1] Dabei nehmen Leitlinien und Expertenstandards einen zunehmenden Stellenwert im Prozess der Leistungserstellung ein. Im pflegerischen Bereich werden seit 1999 durch das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) die nationalen Expertenstandards in der Pflege herausgegeben, die die Professionalisierung und Evidenzbasierung im deutschen Gesundheitssystem vorantreiben. Die medizinische Profession sichert die Qualität durch das Herausgeben und Anwenden von Leitlinien, die den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis für die Medizin abbilden. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) koordiniert seit 1995 die einzelnen Fachgesellschaften und die Publikation der einzelnen Leitlinien.
Durch die Erweiterung des SGB XI um den § 113a durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz (PfWG) aus dem 2008 gerät das Thema „Expertenstandards in der Pflege“ vermehrt in den Fokus. In der Pflegeversicherung müssen nach § 113a SGB XI verbindliche Pflege-Qualitätsstandards festgelegt werden, die für alle Vertragsparteien im Rahmen des SGB XI verbindlich sind.[2] Entsprechend der gesetzlichen Festschreibung ändert sich die Qualitätssicherung in der Pflege. Die Expertenstandards werden, nicht wie bisher vom DNQP entwickelt, sondern von Vertragsparteien nach § 113 SGB XI beauftragt, entwickelt und (modellhaft) implementiert.[3] Entsprechend ist eine Vereinbarung nach § 113a Abs. 2 Satz 2 SGB XI über die Verfahrensordnung zur Entwicklung von Expertenstandards zur Sicherung und Weiterentwicklung in der Pflege vom 30.03.2009 zwischen den genannten Vertragsparteien nach § 113 SGB XI im Vorfeld durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) am 10.03.2009 genehmigt worden.[4][5]
Ziel dieser Arbeit ist es, anhand einer Literaturanalyse aufzuzeigen, inwieweit von einer sektorenübergreifenden Pflicht zur Einführung der Expertenstandards am Beispiel des Nationalen Expertenstandards Dekubitusprophylaxe in der Pflege gesprochen werden kann. Im Kapitel 2 wird neben der Entwicklung der Forschungsfrage die Methodik der Literaturrecherche dargestellt. Im Kapitel 3 werden die Grundlagen zur Bedeutung qualitätssichernder Auflagen im deutschen Gesundheitssystem erläutert. In einem ersten Schritt werden die Begriffe Leitlinie und Standard definiert, darauf aufbauend werden die qualitätssichernden Auflagen im Rahmen des Versorgungsmanagements erklärt. Des Weiteren werden die methodischen Vorgehensweisen und damit die Evidenzbasierung von Nationalen Expertenstandards, Expertenstandards nach SGB XI und medizinischen Leitlinien kurz dargestellt. Im Kapitel 4 wird die Rechtsverbindlichkeit von evidenzbasierten Leitlinien und Standards thematisiert. In einem ersten Schritt wird erläutert, welche Punkte im Rahmen der Rechtssprechung zum Thema Dekubitus von Belang sind. Des Weiteren wird die aktuelle Rechtssprechung zum Thema Dekubitus beleuchtet und eingeordnet. Im Kapitel 6 wird ein Fazit gezogen und die Forschungsfrage beantwortet. Des Weiteren werden die in Kapitel 2.1 aufgestellten Hypothesen verifiziert oder falsifiziert. Abschließend wird ein Ausblick unter der Berücksichtigung der „Übertragung ärztlicher Tätigkeiten an ausgebildete Pflegekräfte im Rahmen von Modellvorhaben“ des Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA) vorgenommen.[6]
Im Rahmen des Versorgungsmanagements nehmen ärztliche Leitlinien und die Nationalen Expertenstandards in der Pflege bezogen auf die Patientensicherheit eine zentrale Funktion ein. Beide Professionen arbeiten sektorenübergreifend mit und am Patienten. Dabei werden therapeutische/pflegerische Interventionen vorgenommen, die beispielsweise zur Prävention/Prophylaxe von bestimmten Erkrankungen dienen, die Kuration von Krankheiten fördern und die Rehabilitation verstärken. Sowohl die medizinische als auch die pflegerische Profession ist darauf angewiesen, ihr Wissen am aktuellen Stand der Wissenschaft auszurichten und dieses in die Praxis zu transferieren. Diese Forderung wird durch § 135a Absatz 1 SGB V begründet. Dabei stellt sich jedoch die Frage, inwieweit die Nationalen Expertenstandards rechtsverbindlich sind und wie im Vergleich dazu ärztliche Leitlinien zu bewerten sind. Neben der rechtlichen Normierung durch das § 113a SGB XI für die Qualitätssicherung in der Pflegeversicherung ist die inhaltliche Dimension von standardisierten Vorgaben zu berücksichtigen. Unter dem Fokus der inhaltlichen Dimension wird im Rahmen dieser Hausarbeit geprüft, ob die Rechtsprechung eine verbindliche Einführung der bisher existierenden Nationalen Expertenstandards vorschreibt und wie die Bedeutung der pflegerischen Fachexpertise gegenüber den ärztlichen Leitlinien einzuordnen ist. Folgende Frage wird im Rahmen dieser Arbeit beantwortet:
Welche sektorenübergreifende rechtliche Verpflichtung der Implementierung von Nationalen Expertenstandards in der Pflege besteht im deutschen Gesundheitswesen?
Aus der Forschungsfrage ergeben sich folgende zwei Hypothesen, die basierend auf der systematischen Literaturanalyse verifiziert oder falsifiziert werden:
1. Für die Profession Pflege bestehen höhere gesetzliche Anforderungen im Rahmen der qualitativen Leistungserbringung im Vergleich zu ärztlichen Leitlinien.
2. Die gesetzliche Implementierung des § 113a SGB XI durch das PfWG bedeutet einen Rückschritt für die Evidenzbasierung in der Pflege. Die Nationalen Expertenstandards haben einen anderen evidenzbasierten Stellenwert als die nach § 113a SGB XI noch zu entwickelnden Expertenstandards nach SGB XI.
Um die rechtliche Verbindlichkeit von Nationalen Expertenstandards für die Profession Pflege zu überprüfen wird im Rahmen dieser Hausarbeit der Nationale Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege als Thema betrachtet. Diese Eingrenzung wird folgend begründet:
Erstens grenzt sich das Thema durch die bisher entwickelten Nationalen Expertenstandards ein. Es existieren zurzeit sieben Nationale Expertenstandards mit folgenden Themen:
1. Dekubitusprophylaxe in der Pflege (Pilotprojekt) - Veröffentlicht 2001 / Aktualisierung 2010
2. Entlassungsmanagement in der Pflege – Veröffentlicht 2003
3. Schmerzmanagement in der Pflege – Veröffentlicht 2004
4. Sturzprophylaxe in der Pflege – Veröffentlicht 2005
5. Förderung der Harnkontinenz in der Pflege – Veröffentlicht 2006
6. Pflege von Menschen mit chronischen Wunden – Veröffentlicht 2008
7. Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege – Veröffentlicht 2009[7]
Zweitens beschäftigt sich die Rechtsprechung im Rahmen von Haftungsfällen vor allem mit den Themen Dekubitus- und Sturzprophylaxe. Laut Großkopf sind die Dekubitus- und Sturzprophylaxe in den Fokus von zivilrechtlichen Klagen gerückt und sind die Haftungsthemen Nummer eins und zwei im deutschen Pflegealltag.[8]
Drittens ist das Thema Dekubitus ein interdisziplinäres Schnittstellenthema im Rahmen der Anordnungs- und Durchführungsverantwortung zwischen den Professionen Medizin und Pflege. Laut Jacobs wurde in einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 18. März 1986 einer Patientin aufgrund eines Dekubitus Schmerzensgeld zugesprochen. Das besondere an diesem Urteil ist, dass der BGH eine Sorgfaltspflichtverletzung des Arztes als Ursache der Dekubitusentstehung sah und nicht eine pflegerische Sorgfaltspflichtverletzung, obwohl diese ursächlich für den Dekubitus einzustufen ist.[9] „Dieser Urteilsspruch ist damals auf heftigen Widerspruch seitens der Pflege gestoßen. Schon damals wurde argumentiert, dass es im Rahmen der Arbeitsteilung längst Tatsache sei, dass Ärzte weniger von Dekubitusprophylaxe verstünden als das Pflegepersonal.“[10]
[1] Vgl. http://www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/05/index.php?norm_ID=0513501 (04.07.2012)
[2] Vgl. http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/113a.html (04.07.2012)
[3] Die Vertragsparteien nach § 113 SGB XI sind der GKV-Spitzenverband als Spitzenverband Bund der Pflegekassen nach § 53 SGB XI, die Vereinigungen der Träger der Pflegeeinrichtungen auf Bundesebene, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe und die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände (Anmerkung des Autors).
[4] Vgl. http://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/pflegeversicherung/qualitaet_in_der_pflege/ Vereinbarung_Verfahrensordnung_fuers_Internet.pdf (04.07.2012)
[5] Im Rahmen dieser Hausarbeit werden die vom DNQP entwickelten Nationalen Expertenstandards in der Pflege als „Nationale Expertenstandards“ bezeichnet, die noch nicht entwickelten Expertenstandards nach §113a SGB XI werden als „Expertenstandards nach SGB XI“ bezeichnet (Anmerkung des Autors).
[6] Vgl. http://www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/heilkundeuebertragung/ (09.07.2012)
[7] Vgl. http://dnqp.de/ (05.07.2012)
[8] Vgl. Großkopf, V. In: Die Schwester Der Pfleger (04/2006): S. 266 f.
[9] Vgl. Jacobs, P. In: Die Schwester Der Pfleger (12/2006): S. 1000 ff.
[10] Jacobs, P. In: Die Schwester Der Pfleger (12/2006): S. 1001
9783656445036
9783656445135
v215914
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References: §113
 § 135
 § 113
 § 113
 § 113
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 § 135
 § 113
 § 113
 § 113
 BGH 
 § 113
 § 53
 §113