Source: https://www.hausarbeiten.de/document/120868
Timestamp: 2020-02-19 22:18:26+00:00

Document:
Aspekte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem ... | Hausarbeiten publizieren
Eine Darstellung der Tabuisierung, der Ästhetisierung und der verstärkten Opferperspektive
30 Seiten, Note: 14,0 Punkte
1.1 Deutschland 2007- 30 Jahre Deutscher Herbst
2 Die Baader-Meinhof Gruppe & die Historie der zentralen Ereignisse
3 Aspekte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung
3.1 Tabuisierung
3.1.1 Definition Tabu
3.1.2 Die Rolle der Sondergesetze
3.1.3 Literaturanalyse
3.1.4 Die RAF im Schulunterricht
3.2 Ästhetisierung
3.2.2 Positionen von Autoren der Pop-Literatur
3.2.3 Die RAF im Film am Beispiel BAADER von Christopher Roth
3.2.4 “Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung“
5.1.2 Materialien aus dem Internet
5.2 Anhang Grafiken
1.1 Deutschland 2007 - 30 Jahre Deutscher Herbst
Die gegenwärtige Debatte im Jahre 2007 um die Begnadigung von Christian Klar, dem wegen gemeinschaftlichen Mordes an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und an Generalbundesanwalt Siegfried Buback verurteilten RAF- Terroristen, und die vorzeitige Entlassung Brigitte Mohnhaupts entfachten heftige Diskussionen in der Öffentlichkeit. Als mediales Ereignis inszeniert, fand sich Deutschland postum mit den Schreckensnachrichten und Bildern des RAF-Terrorismus konfrontiert, und musste sich eingestehen, dass die Akte Rote Armee Fraktion noch nicht abgeschlossen ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die zu klärende Frage: Fand denn eine adäquate Aufarbeitung dieses Kapitels deutscher Geschichte je statt ?
In dieser Arbeit möchte ich nun die Aspekte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung in Bezug auf den RAF-Terrorismus unter den Gesichtspunkten Tabuisierung und Ästhetisierung darstellen und kontextualisieren. Weiterer Gegenstand der Betrachtung ist die verstärkte Opferperspektive. Im Zentrum der Analyse steht der Wirkungskreis der sogenannten Baader-Meinhof Gruppe, sprich die Rote Armee Fraktion der ersten und zweiten Generation.
2 Die Baader- Meinhof Gruppe & die Historie der zentralen Ereignisse
Die Gründung der Baader-Meinhof Gruppe lässt sich nur unter der Darstellung der vorhergegangenen geschichtlichen Ereignisse erläutern.
Im Nachkriegsdeutschland wuchs eine junge Generation heran, welche sich kritisch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer Eltern zu auseinandersetzen suchte. Der von den USA geführte Vietnamkrieg führte zu einer anti-amerikanischen, anti-imperialistischen Haltung in den studentischen Reihen Westeuropas. So formierte sich in der Bundesrepublik Deutschland Mitte der 1960er Jahre die Außerparlamentarische Opposition (APO) im Rahmen der Studentenbewegung, deren erklärte Ziele der Kampf gegen bestehende Institutionen, Aufarbeitung der deutschen Geschichte und ein gesellschaftlicher Umsturz im sozialistisch- revolutionären Sinne waren.
Die Radikalisierung der APO vollzog sich 1967. Während des Besuchs des iranischen Schahs kam es bei einer Demonstration zum tödlichen Schuss auf den Studenten Benno Ohnesorg von Seiten der Polizei. Dies stellte den Wendepunkt der APO-Bewegung dar, welche sich, durch Vertuschungsaktionen des Staates in ihrer Haltung bestärkt, fortan militanter zeigte. Im Jahr 1968 folgten dann unter der Legitimation von "Gewalt gegen Sachen" die Frankfurter Kaufhausbrände, welche als Reaktion auf die Napalmbombardements in Vietnam verstanden werden sollten. Die "Brandstifter", Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein wurden für ihre Tat zu je drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1970 wurde Andreas Baader bei einem Ausgang in Berlin durch Waffengewalt befreit. Die Journalistin Ulrike Meinhof hatte ihn unter einem Vorwand in das "Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen" gebeten. Bei der Befreiung Baaders, welche allgemein als die Geburtsstunde der RAF gilt, wurde ein Institutsangestellter angeschossen. Der Befreite und die Befreier befanden sich fortan auf der Flucht. Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Ingrid Schubert, Irene Goergens, sowie Horst Mahler, der Anwalt Baaders, tauchten unter und reisten nach Jordanien, um dort in einem Palästinensercamp der Al-Fatah eine militärische Ausbildung zu absolvieren. Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, lebte die Gruppe im Untergrund und konzentrierte sich vorwiegend auf die Beschaffung von Geld und Waffen. Aus diesem Grund überfielen sie in den Jahren 1970 und 1971 mehrere Banken; Horst Mahler wurde bei dem ersten Überfall überführt.
1971 nahm das "Gespenst RAF"1 Gestalt an. Es erfolgten zum ersten Mal theoretische Erklärungen, welche sich mit den Zielen und Intentionen der Gruppe um Andreas Baader auseinandersetzten. Die erste, von Horst Mahler verfasste, Erklärung "Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa" wurde von den anderen Mitgliedern abgelehnt und führte schließlich aufgrund theoretischer Divergenzen zum Ausschluss Mahlers.2 Dem entgegen setzte die Journalistin Ulrike Meinhof ihre Erklärung "Das Konzept Stadtguerilla". Fortan agierte die Gruppe unter dem Namen Rote Armee Fraktion und umfasste nun schon über fünfzig Mitglieder. Den sogenannten harten Kern bildeten die bereits angeführten Baader, Meinhof und Ensslin, sowie Holger Meins und Jan-Carl Raspe. Nach außen hin präsentierten sie sich über ein eigens für sie entworfenes Logo: Der rote Stern mit der Heckler & Koch Maschinenpistole. Der in dem Manifest erklärte "bewaffnete Widerstand"3 forderte - im Rahmen der vom Staat eingeführten Maßnahme "Sonderkommission Terrorismus" und der damit verbundenen Großfahndung - die ersten Todesopfer sowohl in den Reihen der RAF als auch der Polizei.
"Die Bildung der RAF 1970 hatte in der Tat spontaneistischen Charakter. Die Genossen, die sich ihr anschlossen, sahen darin die einzige wirkliche Möglichkeit, ihre revolutionäre Pflicht zu erfüllen. Angeekelt von den Reproduktionsbedingungen, die sie im System vorfanden, der totalen Vermarktung und absoluten Verlogenheit in allen Bereichen des Überbaus, zutiefst entmutigt von den Aktionen der Studentenbewegung und der APO hielten sie es für nötig, die Idee des bewaffneten Kampfes zu propagieren. […]"4
Im Jahre 1972 kam es zu einem weiteren Wendepunkt: Die RAF begnügte sich nicht mehr mit Überfällen, sondern suchte durch zahlreiche Bombenanschläge auf staatliche Einrichtungen sowie US-Militäreinrichtungen, Druck auf den deutschen Staat auszuüben. Den Attentaten fielen achtzehn Menschen zum Opfer. Noch im Juni ´72 wurden die Protagonisten der Anschläge, Andreas Baader, Holger Meins, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe im Rahmen der bis dahin größten Fahndung der deutschen Geschichte gefasst. Baader erlitt bei seiner Überführung eine Schussverletzung. Somit fanden sich die Hauptakteure der ersten Generation RAF in der Justizanstalt Stuttgart-Stammheim wieder. Es folgten wiederholt Hungerstreiks, an deren Folgen Holger Meins 1974 verstarb. Zwei Jahre später, 1976, erhängte sich Ulrike Meinhof in ihrer Stammheimer Zelle. Ungefähr zeitgleich zu den Verhaftungen kam es zur Formierung der zweiten Generation RAF. Die Mitglieder stammten aus den Reihen des “Sozialistischen Patientenkollektivs“ (SPK), oder wurden von den RAF-Verteidigern der ersten Generation, Siegfried Haag und Klaus Croissant rekrutiert. Brigitte Mohnhaupt übernahm nach der Verhaftung Haags die Führung der "Haag-Meyer Bande". Priorität hatte an erster Stelle die Befreiung der Gefangenen. Dabei ergriff die zweite Generation harte Maßnahmen zur Durchsetzung ihrer Ziele. Die Jahre 1975-1977 wurden folglich ein Rundumschlag der RAF. Einläutend mit der Entführung des Spitzenkandidaten der Berliner CDU, Peter Lorenz, über die Besetzung der westdeutschen Botschaft in Stockholm, bei der je zwei Diplomaten und Terroristen verstarben, bis hin zur Ermordung des Generalbundesanwalt Siegfried Buback und des Vorstandssprechers der Dresdner Bank AG Jürgen Ponto. Alle Übergriffe und Attentate hatten als Intention die Befreiung der RAF-Inhaftierten. Eingeläutet wurde der sogenannte Deutsche Herbst am 5. September 1977 mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Vier seiner Begleiter wurden noch am Ort des Übergriffs erschossen. Die deutsche Regierung antwortete hierauf mit der Einberufung des Kleinen und Großen Krisenstabs durch den regierenden deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), welcher sich in seiner Stellungnahme im ARD-Studio wie folgt äußerte:
"Der Staat […] muss darauf mit aller notwendigen Härte antworten. Alle Polizei- und Sicherheitsorgane […] haben deshalb die uneingeschränkte Unterstützung der Bundesregierung und ebenso meine persönliche Rückendeckung."5
Damit einher ging die Verabschiedung von zahlreichen Gesetzen, betitelt als Sondergesetze. Die in der Kritik stehenden Haftbedingungen der ersten Generation wie die visuelle und akustische Isolationshaft, das Kontaktsperre- und Kronzeugengesetz oder das Verbot der Mehrfachverteidigung, "[...] hatten von Anfang an eine höchst widersprüchliche, möglicherweise unbeabsichtigte Wirkung, dienten sie doch Teilen der Terroristen und ihrer Sympathisantenszene als Beleg für den behaupteten willkürlichen Umgang dieses Staates mit seinen eigenen rechtlichen Grundsätzen und seinen Gegnern [,] und damit zugleich für die absurde These vom gegenseitigen Kriegszustand."6 Nachdem sich schnell zeigte, dass sich der deutsche Staat auch auf diesen Freipressungsversuch nicht einließ, erfolgte am 13. Oktober 1977 die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut verbunden mit der Geiselnahme von 87 Personen, um den Druck auf die Regierung zu erhöhen; jedoch ohne Erfolg. Fünf Tage später kam es zur gewaltsamen Befreiung durch die GSG 9. Noch in derselben Nacht folgte der kollektive Selbstmord von Baader, Ensslin und Raspe in Stuttgart-Stammheim.
“Tabu, nach dem aus dem Sprachraum Polynesiens herrührenden Wort tapu, bedeutet in etwa so viel wie unverletzlich. Das Wort hat im 20. Jahrhundert Eingang in die deutsche Sprache gefunden und bezeichnet eine Handlung oder Verhaltensweise, die durch Sitte oder Gesetz verboten ist.[...] Der Begriff Tabu ist aus soziologischer und sozialpsychologischer Sicht von besonderer Bedeutung. Tabus schützen ein Thema vor dem Diskurs in einer Gruppe, Gemeinschaft oder Gesellschaft [...]. Dem Thema wird kein Platz, kein „Ort“ im öffentlichen „Raum“ des Bezugssystems gewährt. Je mehr Mitglieder des Bezugssystems sich an dieser Form der Ausgrenzung eines Themas beteiligen, desto mehr „Macht“ hat das Tabu über den Einzelnen. Kollektive Verdrängungsmechanismen werden wirksam [...]. Diese starke emotionale Aufladung ist der Grund dafür, dass „die direkte Erwähnung eines Tabus eine Spannung im Zuhörer erzeugt“ [...]. Gemeinsame Tabus stabilisieren die Bezugssysteme von Menschen, insbesondere aufgrund ihrer emotionalen Aufladung. [...]
Als „Tabuthema“ wird ein Thema bezeichnet, das nicht oder nur eingeschränkt öffentlich thematisiert wird. Oft handelt es sich dabei um Gebiete, die wunde Punkte einer Gesellschaft berühren. [...]“7
“Man erlebt eine seltsame Zeit. Hätte man sich vorstellen können, dass ein früherer Nazi, der Chef der deutschen Arbeitgeber geworden ist, "Libération" benutzt, um sich an seine Frau zu wenden? Grund dieses Paradoxons ist die Vermittlung der Roten Armee Fraktion, die Hanns-Martin Schleyer heute seit 33 Tagen gefangen hält. Es ist das zweite Mal, daß [!] sich die Entführer an "Libération" wenden, um mit den deutschen Behörden eine Nachricht auszutauschen, ohne daß [!] ihre Botschaft abgefangen, ganz oder gar teilweise in den Redaktionen der geschriebenen Presse zensiert wird, die immer noch, was diese Affäre angeht, einer direkten Zusammenarbeit mit der Regierung unterworfen ist."8
Durch die vorhergegangenen Ereignisse, insbesondere infolge der Schleyer- Entführung und in Anbetracht des anstehenden Stammheim-Prozesses, sah sich die deutsche Regierung gezwungen zu handeln und in zahlreichen Initiativen Gesetze ad-hoc zu verabschieden. Der staatliche Gegenangriff im Herbst 1977 ging bis an die Grenzen dessen, was in einem demokratischen Rechtsstaat noch möglich war.9 Jene Formulierung Helmut Schmidts veranschaulicht die Problematik der Sondergesetze. Es kam zu einer erheblichen Ausweitung der Befugnisse der Sicherheitsorgane, welche mit der deutschen Verfassung nicht hundertprozentig konform gingen. Die Paragraphen 34a, 88a, 129a und 130a des Strafgesetzbuches (StGB) werden als Wendepunkte der Strafprozessordnung verstanden. Unter dem Gesichtspunkt der Tabuisierung ist die Darstellung und Untersuchung der verabschiedeten Sondergesetze zwingend notwendig. So verkörperten insbesondere §129a und §130a, eine Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit, welche eine Tabuisierung der Thematik in der Öffentlichkeit noch bis Ende der 90er Jahre nach sich zog.
Der Paragraph 130a stellte jeden unter Strafe, der in Schriften oder in Versammlungen zu bestimmten Gewalttaten anleitete oder befürwortete. Dazu zählte jeglicher Besitz von Schriften die Gewalt propagieren, oder sich gegen Besitz und Bestand der BRD richteten. Nachdem sich vermehrt kritische Stimmen zu der Gesetzesnovelle äußerten, wurden Bereiche wie Kunst und Wissenschaft ausgenommen. Der Paragraph blieb jedoch im Blickpunkt der Kritik, da er als Einschränkung gegen die Meinungsfreiheit verstanden wurde. 1976 kam es unter Verwendung von §130a zur bundesweiten Durchsuchung von Buchläden, Druckereien und Wohngemeinschaften.
Paragraph 129a, Straftatbestand "Bildung einer terroristischen Vereinigung": Es wurde jeder unter Strafe gestellt, welcher zur Gründung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung beitrug oder aber auch für eine solche Organisation warb.
Unter Werbung verstand der deutsche Rechtsstaat schon das Anpinseln eines RAFSchriftzuges an die Hauswand. Kanzler Helmut Schmidt sprach in diesem Kontext von "informationspolitischer Selbstkontrolle". Jene von der deutschen Regierung während der Schleyer-Entführung praktizierte “informationspolitische Selbstbeschränkung“ wurde als einvernehmlich hergestellt bezeichnet.10 Dabei wies man die Ergreifung staatlicher Maßnahmen bezüglich der Presse-, Informations- und Meinungsfreiheit ausdrücklich von sich.
Mit Einführung jenes Paragraphen ging eine weitere Änderung einher: Die so genannten §129a-Ermittlungsverfahren unterstanden fortan lediglich einer gerichtlichen Instanz, dem Oberlandesgericht (OLG), wodurch das Einlegen von Revision nicht mehr möglich war.
Die Beschneidung der Presse- und Meinungsfreiheit, initiiert durch die aufgeführten Paragraphen - insbesondere §129a - transportierte eine Tabuisierung der Thematik RAF bis in die späten Neunziger.
Jene Problematik der oben erwähnten Paragraphen wurde in dem Antrag "[zur] Streichung der Sondergesetze nach dem Deutschen Herbst"11 der Abgeordneten Gerald Häfner, Volker Beck, Christa Nickels, Dr. Antje Vollmer, Elisabeth Altmann und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 11.12.1997 dem Deutschen Bundestag vorgetragen. Darin wird die geschichtliche Aufarbeitung des Deutschen Herbstes in Zusammenhang mit der Revision der Sondergesetze als "untrennbar" bezeichnet. Die Abgeordneten sahen mit dem Ende der RAF und der daraus resultierenden Auflösung des Ausnahmezustandes keinen gegebenen Anlass mehr für ein Fortbestehen der Sondergesetze. Ehemals politisch Verantwortliche wie der damalige Bundesminister des Innern, Gerhard Baum, äußerten sich Jahrzehnte nach der Verabschiedung der Gesetzesnovellen kritisch über deren angestrebte konstruktive Funktion. So bezeichnete dieser die Anti-Terror-Gesetze als eine "Überreaktion des Staates" und sprach sich für "eine Revision der Notstandsgesetze, die nichts geändert, und nichts gebracht haben, [...]"12 aus. Neben der Erwähnung des Kontaktsperre- und Kronzeugengesetzes, sowie dem Verbot der Mehrfachverteidigung steht im Zentrum des Antrages §129a, dessen intensive Anwendung sich verheerend auf die Presse- und Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen auswirkte. Diese gravierende Beschränkung der Meinungsfreiheit führte dazu, dass in der Öffentlichkeit keine breit geführte Auseinandersetzung mit der Thematik RAF stattfinden konnte. Folglich hat die vom Staat als "informationspolitische Selbstbeschränkung" titulierte, aber eigentliche "Tabuisierung [des Ausnahmezustandes], der politischen Diskussionskultur nachhaltig geschadet".13
Unter Verwendung des §129a wurden seit Verabschiedung von 1977 bis 1996 immer wieder Journalisten, die sich öffentlich zur RAF äußerten unter dem Verdacht des.“Werbens“ für eine terroristische Vereinigung angeklagt.14 Zwar wurden die Verfahren letzten Endes oftmals eingestellt, was allerdings nicht minder die Kriminalisierung, oder auch Einschüchterung der Betroffenen relativierte, welche sich mit oftmals nicht gerechtfertigten Durchsuchungen, Beschlagnahmungen und damit verbundenen Verletzungen gegen Redaktionsgeheimnisse konfrontiert sahen. So wurden vielfach Unbeteiligte, welche sich mit den Ursachen des Terrorismus auseinandersetzten und die öffentliche Diskussion suchten, zu Betroffenen, ja Opfern des Konflikts.
Als prädestiniertes Beispiel gilt der Fall des Kölner GNN Verlages im Jahr 1994. Unter dem Verdacht des Tatbestandsmerkmals "Werben" sah man sich mit der Durchsuchung und Beschlagnahmung einer im Haus produzierten Infobroschüre "BRD-RAF" konfrontiert, welche sich thematisch mit den wichtigsten Dokumenten der Auseinandersetzung mit der RAF beschäftigte. Die Intention des Verlages war es, der jüngeren Generation die Möglichkeit der Information und Aufklärung zu geben. Die Bundesanwaltschaft interpretierte dies allerdings nur unter einem Aspekt, und zwar unter dem des in §129a manifestierten Tatbestand des "Werbens".
So gestaltete sich ein zweischneidiges Schwert, welches zwischen der Gefahr des sogenannten Werbens und Anstiftens zu terroristischen Handlungen, und der sich durch die Inhalte des §129a entwickelten Tabuisierung der RAF-Thematik in der Öffentlichkeit, keinen Mittelweg zu finden schien und die Notwendigkeit einer geistigen Auseinandersetzung verkannte.
3.1.4 Literaturanalyse
Betrachtet man die deutsche Belletristik der Zeit von 1970 bis 1978, so ist diese in zwei Generationen von Autoren zu differenzieren. Die Majorität der Autorenszene stellten die zwischen 1910 und 1930 geborenen Literaten, welche sich merklich von dem Durchschnittsalter der Mitglieder der bewaffneten Gruppen unterschieden.
Die wesentliche Intention ihrer Texte bestand aus der offenen Kritik an den staatlichen Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung und die oftmals damit einhergegangenen Auswirkungen auf nicht militante Bürger. Eine explizite Thematisierung der RAF, d. h. deren Motivation und Aktion, fand nicht statt. Die Minderheit der Schriftsteller entstammte der Generation der "Guerillakämpfer", wie Peter Schneider, der Aufsehen durch seinen Roman … schon bist du ein Verfassungsfeind. Das unerwartete Anschwellen der Personalakte des Lehrers Kleff. 15 erregte.
An dieser Stelle werde ich zunächst auf den am 10.01.1972 von Heinrich Böll im Magazin Spiegel publizierten Artikel "Will Ulrike Meinhof Gnade oder freies Geleit?" eingehen. In dessen Zentrum der Kritik stand die Springerpresse, die nach einem Bankraub in Kaiserslautern am 23. Dezember 1971 unter der Headline “Baader- Meinhof-Bande mordet weiter", das Verbrechen folglich der Gruppe zusprach, ohne dass es zu jenem Zeitpunkt konkrete Beweise für deren Täterschaft gab. Heinrich Böll tituliert dies als eine Verbreitung von "Verhetzung, Lüge, Dreck"16 und kontextualisiert es mit dem roten Tuch Faschismus. Er missbilligt die Vorgehensweise und die repressiven Mechanismen des deutschen Rechtsstaates, spricht sich aber kategorisch gegen den bewaffneten Kampf aus, welcher von ihm als "sinnloser Krieg"17 bezeichnet wird. Nach Veröffentlichung des Textes wurde er in einer Verhandlung des Deutschen Bundestages als "intellektueller Helfershelfer" sowie "geistiger Bombenleger"18 bezeichnet.
Bölls Kritik an der Boulevardpresse setzt sich in der 1974 veröffentlichten Erzählung
Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie f ü hren kann fort. Darin wird eine friedfertige, anfangs unpolitische, unbescholtene junge Frau aufgrund der Beziehung zu einem Straftäter zum Gegenstand der Presse. Aufgrund der Geschehnisse wird sie selbst zur Täterin, indem es zum tödlichen Schuss auf einen Reporter kommt. Böll veranschaulichte in dieser Erzählung, einer Art Fallstudie, potentielle Folgen des "Sensationsjournalismus". Im Vorwort wies er auf folgendes hin:
“Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“19
Er betrachtete seine Erzählung als eine Streitschrift in Form einer Reportage. Bölls Absicht war es, durch bewusst gewählte Stil- und Strukturmittel den Leser zur autarken Reflexion der im Roman dargestellten Geschehnisse anzuregen. So wird durch die Positionierung des Erzählers, welcher jegliche persönliche Meinungsäußerung unterlässt, eine Basis der objektiven Berichterstattung geschaffen. Mittels der Darstellung von fiktiven Quellen wie Polizeiprotokollen, sowie mündlichen Aussagen und des strukturellen Aufbaus der 58 kurz gehaltenen Kapitel, wird der Leser, ohne Beeinflussung der Meinung, im Gegensatz zu einer herkömmlichen Reportage, welche stets geprägt von der Subjektivität des Journalisten ist, zum eigenständigen Auswerten mit den ihm präsentierten Informationen animiert.20 Der Text enthält keine namentliche Erwähnung der RAF, noch der des Terrorismus. Zehn Jahre später, 1984, äußerte sich Heinrich Böll in dem Nachwort der Neuausgabe:
“Hartnäckig hält sich das Gerücht, diese Erzählung wäre ein Terroristen-Roman[...] Es gibt in dieser Erzählung nicht einen einzigen Terroristen, auch keine Terroristin; was es allerdings gibt, das sind des Terrorismus Verdächtige , und ich bin der bescheidenen Meinung, auch ein Informatiker könnte den Unterschied kennen zwischen einem Verdächtigen und einem Überführten. Über diese Erzählung ein Wort verlieren? Ich will's versuchen. Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Ich hätte dieses erzählerisch verkleidete Pamphlet längst vergessen [...]; ein Pamphlet, eine Streitschrift, war's nämlich, war als solches gedacht, geplant und ausgeführt, und gerade die Abendländer, humanistisch gebildet, wie sie nun einmal sind, hätten doch wissen müssen, daß Pamphlete zur besten abendländischen Tradition gehören [...]. Vorzuwerfen habe ich mir nur eins: daß dieses Buch fast zu harmlos ist.“21
Zum Zeitpunkt der Schleyer-Entführung 1977 war die Rolle Bölls die des problematischen Sympathisanten, und somit fügte er sich geradezu perfekt in das von Seiten der konservativen Politiker der CDU propagierte Bild vom geistigen Bombenleger der RAF. Somit seien "das eigentliche Problem des Staates […] nicht die Terroristen selbst, sondern […] die sogenannten Intellektuellen und Linksliberalen."22 Jene Aussage der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf und Ernst Albrecht ist programmatisch für die 1970er. Zeigt sie doch die verklärte Sichtweise, welche jegliche Kritik an den staatlichen und medialen Anti-Terrorismus-Maßnahmen tabuisierte. Äußerungen, die auch nur ansatzweise für einen milden Umgang mit der radikalen Linken warben, wurden von einigen für schlimmer befunden als terroristische Gewalttaten selbst.
Von 1978 bis 1988 vollzog sich in der literarischen Szene ein gravierender Stillstand bezüglich der Thematik RAF und dem Terrorismus. In diesem Kontext sind zwei Hypothesen aufzustellen, welche eine mögliche Erklärung für den damaligen Zustand der "Verstummung", der in den vorangegangenen Jahren lebhaft an der Diskussionskultur beitragenden linksgerichteten deutschen Literaten, bieten. Zum einen war es wohl der Schock über die Eskalation im Herbst 1977; zum anderen herrschte ein allgemeiner "Erschöpfungszustand", welcher sich breit machte. Der jahrelange Kampf und die durch §129a und §130a einhergehenden Durchsuchungen, Ermittlungsverfahren und Prozesse mit denen sich Schriftsteller und Verlage in den sieben Jahren konfrontiert sahen, führten neben dem Konflikt mit den Medien zur Resignation. So trug die vom deutschen Staat angestrebte Intention ihre Früchte: Neben der “zensierten“ Presse gab es bis auf die Ausnahme zweier Romane des Schriftstellers Friedrich Christian Delius keine literarische Szene mehr, die sich zu den Geschehnissen äußerte. Die Thematik fand keinen Raum mehr und es wurde ihr kein Raum mehr gegeben. Ergo gestaltete sich durch eben diese Art von "Thema non grata" eine Tabuisierung der Geschehnisse.
3.1.4 Die RAF im Unterricht
Die aktuelle Situation im deutschen Geschichtsunterricht, zehn Jahre nach Auflösung der RAF, ist symbolträchtig für den Umgang und die Auseinandersetzung mit der Materie Rote Armee Fraktion. Das Konzept der Tabuisierung wird bis auf wenige Ausnahmen stringent fortgeführt. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, vertritt die Meinung, es handele sich um eine bewusste Kleinhaltung der öffentlichen Diskussion und folglich auch die der Weitergabe von Wissen an den Schulen. Als weitere Gründe führt er die in der Vergangenheit nicht stattgefundenen Verarbeitungsprozesse, wie öffentliche Reflexion, Thematisierung und Problematisierung der Geschehnisse an. Hinzu komme ebenfalls, dass Personen in den Wirkungsjahren der APO und RAF politisch in verschiedenen Lagern angesiedelt waren.23 Es stellt sich folglich die Frage: Fürchtete oder fürchtet der Staat eine Gefahr in der Thematisierung des Terrorismus, eines der gravierendsten, ja einschneidensten historischen Geschehnisse der Nachkriegszeit? Betrachtet man die Gestaltung der Lehrpläne, so fällt auf, dass das "Thema RAF nicht explizit als Pflichtstoff in Lehrplänen steht, heißt es - stellvertretend für nahezu alle Bundesländer- im nordrhein-westfälischen Kultusministerium".24 Selbst im Jahr 2007, zu dem Zeitpunkt an dem sich der Deutsche Herbst zum 30. Male jährte und wissentlich, dass die Medien die Gesellschaft mit Bildern überhäuften, kam vom Kultusministerium "kein ausdrücklicher Hinweis, den Deutschen Herbst in den Unterricht zu integrieren",25 so das Zitat eines Münchener Lehrers, welcher anonym bleiben wollte. An dieser Stelle sind zwei Dinge zu beobachten: Warum wurde anlässlich eines so wichtigen historischen Datums keine schulische Aufklärung gewährleistet? Zieht man bei diesem Aspekt den oben erwähnten Spiegel-Artikel Heinrich Bölls aus dem Jahre 1972 betrachtend hinzu, so möchte ich folgenden Satz zitieren:
"Millionen, für die Bild die einzige Informationsquelle ist, werden auf diese Weise mit verfälschten Informationen versorgt."26
Stellt dies nicht eine Wiederholung der Problematik dar? Wenn auch nicht zu einhundert Prozent auf heutige Verhältnisse übertragbar, so stellt die angeführte These Bölls doch einen wichtigen Punkt dar. Die weitere Tabuisierung der RAF- Thematik von Seiten des Staates ist eines der Hindernisse welches aus dem Weg geräumt werden muss, strebt man eine konstruktive Auseinandersetzung und Aufarbeitung mit der Historie der Roten Armee Fraktion an. Dazu zählen auch die Freigabe und somit der Zugang zu den Archiven27 [bis dato 2007 nicht gewährleistet]. Folglich scheiterte die Aufklärung an rechtlichen Dingen. Zweitens fällt auf, dass scheinbar noch immer eine tiefe Angst in der Gesellschaft herrscht, man müsse für jedwede Aussage die den wunden Punkt RAF berührt, Konsequenzen fürchten. Oder wie ist es zu verstehen, dass jener zitierte Münchner Lehrer, welcher sich politisch zugehörig zu den Linken der 68er spürte, auf eine anonyme Darstellung seiner Aussagen besteht.28 Erinnert dies nicht auch an das von Robert Schneider in seinem Roman ...schon bist du ein Verfassungsfeind. [...] entworfene Szenario eines Lehrers, der sich, wie der Titel schon erahnen lässt, mit der Anschuldigung ein Verfassungsfeind zu sein, konfrontiert sieht. Die Paragraphen 129a, und 130a scheinen selbst im Jahre 2007 noch immer nachzuwirken.
Nach der offiziellen Auflösung der Roten Armee Fraktion 1998 formierte sich in der Bundesrepublik Deutschland eine Art Gegenbewegung, repräsentiert durch eine jüngere Generation, welche der zuvor gegenwärtigen Tabuisierung eine romantisierende, ästhetisierende Sichtweise entgegensetzte. Jene in den unterschiedlichsten kulturellen Bereichen angesiedelte Auseinandersetzung muss unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Zum einen ist anzuführen die popkulturelle Adaption, angesiedelt in der Trivialkultur, so zum Beispiel das von der Hamburger Boutique "Mägde und Knechte" vertriebene Label "Prada-Meinhof", ein Wortspiel aus Baader-Meinhof und dem italienischen Avantgarde-Modeimperium Prada, welches in kürzester Zeit zu einem Synonym der RAF-Mode avancierte; oder die in Lifestylemagazinen wie Max oder Tussi deluxe publizierten Modestrecken, deren Titel wie "Die Zeit ist reif für RAF-Popstars" oder "RAF-Parade" eine verklärende Sichtweise, ja gar eine Heroisierung mehr als nur erahnen lassen. Die Intentionen sind von unterschiedlichster Natur. Kann man behaupten, dass es sich bei den Modestrecken um Effekthascherei und Aufmerksamkeit um jeden Preis für das eigene Produkt, sprich marketingspezifische Motive handelte, ein Aufgreifen des zeitgeistlichen Trends, so überwiegen bei der Betrachtung von Literatur und Film, oder den vermehrten Ausstellungen andere Aspekte. Daran anknüpfend werde ich nun beispielsweise versuchen, das Phänomen der Ästhetisierung und die damit einhergehende Mystifizierung und Romantisierung mittels Autoren der Pop-Literatur, dem Film BAADER von Christopher Roth und unter Betrachtung der RAF- Ausstellung "Zur Vorstellung des Terrors“ darzustellen.
“Wäre das hier Cambridge und nicht Berlin, und wäre es jetzt der Herbst des Jahres 1914 und nicht der Frühling des Jahres 1999, wären wir die ersten, die sich freiwillig meldeten."29
1999 trafen sich im Hotel Adlon in Berlin fünf Jungschriftsteller, das selbsternannte popkulturelle Quintett Joachim Bessing, Christian Kracht, Eckhart Nickel, Alexander von Schönburg und Benjamin von Stuckrad-Barre, um sich in einer Art Talkrunde zu einem gemeinschaftlichen Diskurs einzufinden. Versucht man jene Generation von Literaten zu charakterisieren, so ist das aufgeführte Zitat aus dem im selben Jahr veröffentlichten Manifest Tristesse Royal wegweisend. Reflektiert es doch die geistige Haltung einer Generation, welche sich im Herzen von "Langeweile" und "Spannungslosigkeit“30 geplagt, nach eben einer Situation wie 1914 in Cambridge, als junge Briten freudestrahlend in den Krieg gegen Deutschland zogen, zu sehnen schien. Weiterer Gegenstand ihres Kolloquiums stellte der Terrorismus unter Bezugnahme der Roten Armee Fraktion dar. Zu untersuchen gilt die sich von der 68er und 70er Ära differenzierende Haltung. Auf die veräußerte Utopie Joachim Bessings, der Spannungslosigkeit zu entfliehen durch "eine Bombardierung von Stätten des Falschen von Innen heraus“, bringt es Benjamin von Stuckrad-Barre in der Gesprächsrunde bezüglich der Thematik RAF letztendlich für sich auf den Punkt: "Aber sie hatten ein Programm. Wir haben keines, hoffe ich."31 Spricht der Jung- Autor hier von Programm, so ist seine Aussage programmatisch zu verstehen. Fungiert er doch als Sprachrohr der unter Willy Brandt geborenen Generation, aufgewachsen in der Phase der Tabuisierung der Roten Armee Fraktion; in einer Gesellschaft, welche keine Ideale oder Überzeugungen mehr zu verteidigen und keine Kämpfe mehr auszutragen hatte. Die schon erwähnte Spannungslosigkeit wird von den Jungliteraten wie folgt beschrieben: "Wir werden von vorne und von hinten entertained.“32 Die Spannung sei weg. Folglich begründet sich Ihre eigentliche und einzige Ausdrucksmöglichkeit in der ihr bekannten Ästhetisierung, welche sich in ihrer Sozialisation verwurzelt - in der Konsumkultur, Markenprodukten, Popkultur und Fernsehen - sieht. Das Politische tritt hierbei in den Hintergrund. Die Autoren des “literarischen Quintetts“ sprechen in diesem Kontext von Recycling, Re-Modeling33, d.h. einem Zugreifen auf schon Altbekanntes/ Bereitsdagewesenes, was für den eigenen, neuen Gebrauch umgestaltet, ja modelliert und in ein ästhetisches Programm integriert wird. Jenes Re-Modeling betrifft unterschiedlichste Bereiche. Betrachtet man die immer wieder auftretenden Retrowellen in Mode, Design und die damit einhergehende Übernahme von einer zeigeistig geprägten Haltung, so muss in diesem Zusammenhang wohl die Begrifflichkeit der Dehistorisierung genannt werden. Wie schon oben beschrieben, tritt das Politische in den Hintergrund und somit bedient man sich wie in einem Warenhaus an Fakten und Ereignissen und setzt sie im eigenen ästhetischen Puzzle zusammen. Dieses radikale Arrangement vernachlässigt, ebenso wie die Tabuisierung, die politischen Motive sowie die Perspektive der Opfer, welche für eine adäquate Auseinandersetzung notwendig sind. Es ist insofern kritisch zu betrachten, als dass eine bewusste oder unbewusste Auswahl darüber getroffen wird, was in Vergessenheit gerät und in Erinnerung bleibt.
Pünktlich zum 25. Todestag von Andreas 34 Baader und Gudrun Ensslin präsentierte der Regisseur Christopher Roth sein filmisches Projekt BAADER bei der Berlinale 2002. Im Zentrum der Betrachtung steht die Geschichte des Terroristen, begrenzt auf die Anfänge der RAF der Jahre 1967-1972. Dem Regisseur und seinem Co-Autor Moritz von Uslar wurde an erster Stelle vorgeworfen, insbesondere durch die Endszene des Films, in welcher Baader im Kugelhagel verstirbt, eine Mystifizierung und Märtyrerbildung durch bewusste Dehistorisierung praktiziert zu haben. Auch jene Szene, in welcher Andreas Baader und der an Horst Herold angelehnte BKA-Chef sich zu einem Treffen zusammenfinden ist von fiktiver Natur. Oftmals verschwimmt eben jene Grenze zwischen Fakten und Vision und bleibt in ihrer Aussage unklar und schwammig. Roth wies von sich, eine Dokumentation oder ein Dokudrama angestrebt zu haben und positionierte sich klar auf der Seite der Fiktion35, wobei er seitens Moritz von Uslars mit folgenden Worten ergänzt wurde:
"Immer, wenn gestorben und gemordet wird, entsteht ein Mythos. Wenn man eine eigene Wirklichkeit schaffen will, muss man sich neben diesen Mythos stellen. Um an die Emotionalität der Figuren heranzukommen, braucht man eine eigene Story. Das sind Techniken um an die Wahrheit zu kommen."36
Des Regisseurs Intention war vielmehr, die Wirkung Baaders darzustellen. Damit steht sein Programm in komplettem Kontrast zu Dokumentarfilmern wie Andreas Veiel, der im Jahr 2000 Black Box BRD vorlegte; ein Film welcher sich zwei Personen, Alfred Herrhausen, Manager der Deutschen Bank und Wolfgang Grams, Mitglied der RAF zu nähern sucht, indem er Verwandte und Freunde von Opfern und Tätern zu Wort kommen lässt. Personen, die sich aufgrund der Verbrechen mit der Position des Betroffenen, ja item Opfer identifizierten, wurde in diesem filmischen Rahmen Raum geschaffen, sich zu den Geschehnissen zu äußern. Diese von Veiel angestrebte Realitätsnähe, ebenso wie die politische Analyse wollte von Christopher Roth nicht dargestellt werden, jedoch lässt BAADER auch die aspirierte Erklärung des Faszinosums vermissen. Der Mythos RAF wird weder demontiert, noch wird ihm ein neuer entgegengesetzt. Andreas Baader bleibt in seiner Darstellung eindimensional wie schon etwaige Male zuvor, wenn es um die Darstellung des sogenannten Kopfes der Roten Armee Fraktion ging. Das ästhetische Konzept steht im Mittelpunkt und wird durch die Komposition der Bilder getragen. Super 8, grobkörnige Nahaufnahmen, Zeitlupe, Collagen, die Zigarette lässig im Mundwinkel Baaders platziert;37 all diese Stilelemente greifen lediglich die omnipräsente Retrowelle des gegenwärtigen soziokulturellen Milieus auf, welche als Inhalte den "Radical chic"38 des Terrorismus für sich entdeckt hatte. Noch vor der Veröffentlichung des Films gab Christopher Roth ein Interview in der S ü ddeutschen Zeitung vom 17.03.2001 und spricht davon, dass Baader sich im Jordanischen Al- Fatahcamp weigerte, seine “hautenge, burgunderrote Samthose gegen Camouflage einzutauschen“, dass er in Paris die “Seidenhemden“ von Regis Debray trug, dass die RAF-Truppe “immer teuer gekleidet“ gewesen sei und Baader und Ensslin “öfter mal in Fred-Perry-Tenniskleidung und Schläger unter dem Arm Autos auschecken“ gegangen sind, vor allem Autos vom Typ “BMW 3.0 CS“. Der Regisseur behauptet des Weiteren, Andreas Baader habe die gesamten RAF-Aktionen als “Kino-Highlight“ inszeniert, mit spektakulären, fesselnden Sequenzen und einem “Showdown“ am Ende.39 Roths ausschweifender Aufsatz hinterlässt den Beigeschmack einer trivialisierenden, in besonderem Maße einer dem Ästhetischen verhafteten Sichtweise. Kommt man noch einmal auf das Ende des Films zu sprechen, so muss man an dieser Stelle jene Problematik erwähnen, welche der Schlusszene durch den Tod Baaders innewohnt. Der Tod als dramaturgisches Mittel der Drehbuchautoren ohne Rücksicht auf historische Fakten, wird zur bewussten Lüge, die von einem jungen Zuschauer, welcher mit der Materie nicht vertraut ist, nicht erkannt werden kann. Dies müsste man zunächst nachlesen in Büchern, die Auskunft darüber erteilen können, dass Andreas Baader nicht im Kugelhagel, sondern in seiner Zelle in Stuttgart-Stammheim verstarb.
3.3.3 "Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF- Ausstellung"
"Fraglos ist die RAF-Ausstellung ein Kunstereignis. Allein schon durch die Diskussionen in den Medien über sie. Eine wirkliche „Annäherung an die Zeit des bundesdeutschen Terrors“ bietet sie aber nicht. Mystifizierung, Ästhetisierung und falsche Behauptungen im Ausstellungskatalog sind keine geeigneten Mittel."40
Die RAF-Ausstellung "Zur Vorstellung des Terrors" wurde vom 29. Januar bis 16. Mai 2005 in den Berliner "KunstWerken" gezeigt und umfasste künstlerische Positionen aus drei Jahrzehnten. Die Kuratoren Klaus Biesenbach, Ellen Blumenstein und Felix Ensslin strebten unter Beratung des Historikers Wolfgang Kraushaar, tätig für das Hamburger Institut für Sozialforschung, eine Darlegung der Motivation und Beweggründe, welche folglich eine ganze Reihe politischer Aktivisten in den Untergrundkampf der RAF trieb, an. Schon ein Jahr zuvor, noch während der Planungsphase des Projekts, kam es zu gravierenden Protesten seitens der Opfernachkommen und der CDU/CSU- und FDP- Bundestagsfraktionen. Die Diskussion resultierte aus dem von den Kuratoren gestellten Antrag hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten. Die Ausstellung, zu jenem Zeitpunkt noch als "Mythos RAF" tituliert, sollte von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Hauptstadtkulturfond gefördert werden. Jenes Sponsoring mittels öffentlicher Gelder stellte für die Ausstellungsgegner eine Glorifizierung der Roten Armee Fraktion dar, was sie einen Offenen Brief zur Kundgabe ihres Protests an das Bundeskanzleramt verfassen ließ. Konsequenz war, dass die Gelder gestrichen und die Ausstellung aus Gewinnen von einer eigens für das Projekt angelegten Online-Kunstauktion getragen wurde. Durch die vorangegangenen Diskussionen und Proteste entschied man sich, auf ursprünglich geplantes notwendiges Begleitmaterial aus Vorträgen und Debatten zu verzichten, denn per Reduktion auf die Thematik des Bildes der RAF in den Medien und in der Kunst, konnte man sich den befürchteten Gesinnungsfragen entziehen. Folglich gestaltete sich gerade dadurch eine Problematik: Der Mangel an Information hatte zum Resultat, dass die Aura der Faszination “Mythos-RAF“ nicht gelöst oder zerstört werden konnte. Ergo blieb die RAF durch die ästhetisierende Darstellung, weil eben nichts erklärt wurde, für den Ausstellungsbesucher abermals ein Rätsel. Das Entree bildete die fotografische Reihe Die Toten 1967-1993 41 des Düsseldorfer Konzeptkünstlers Hans-Peter Feldmann, dessen Bilddokumente neunzig Opfer und Täter zusammenführen. Manchen Ausstellungsbesucher erinnerte dies an einen Spaziergang durch´s Mausoleum. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass Feldmanns Arbeiten durch ihre verstörende Wirkung, gerade weil sie das Sterben von Menschen als Folge des Terrors direkt vor Augen führen und aus den medialen Bildern ins ganz Private des Todes zurückholen42, durch den Anspruch bestachen, zumindest einer Ikonisierung der RAF entgegenzuwirken. Als weitere namhafte Arbeiten sind Gerhard Richters Atlas-Panels 470-479 aus dem Jahre 1989 zu nennen, welche gestaltete Medienbilder der Zellen der tot aufgefundenen RAF- Mitglieder Baader, Ensslin und Meinhof zeigen. Auch Joseph Beuys` D ü rer, ich f ü hre pers ö nlich Baader + Meinhof durch die Dokumenta V 43 , war vertreten. Dessen Ansatz, Kunst könne selbst Terroristen resozialisieren fand 1972 wenig Anklang, sondern wurde vielmehr als Solidaritätsverkündung verstanden. Gab es in dieser Ausstellung zwar weder Baader-Altäre oder sonstigen Glorifizierungskitsch, so zielten doch Arbeiten einiger Künstler partiell darauf ab, Ulrike Meinhof oder Andreas Baader als Ikonen zu feiern und mit der Radikalität zu kokettieren. In diesem Kontext ist beispielhaft der Brite Scott King mit seinem Bildnis der Ulrike Meinhof als Mona Lisa zu nennen.44 Somit lag der Fokus der Ausstellung doch einmal mehr in der Dokumentation der “RAF-Familie“ und ihrer Taten. Das Opfer als Muse des Künstlers scheint nicht dienlich zu sein.45 Die Vernachlässigung der Opferperspektive war ebenfalls Gegenstand eines Interviews der Tageszeitung mit Bettina Röhl, der Tochter Ulrike Meinhofs.46 Diese lehnte die Haltung der Ausstellungsinitiatoren ab, welche zum Inhalt hatte, sich jeglicher Wertung zu enthalten. Unter Beleuchtung des Herzstücks der Ausstellung, die schon erwähnte Installation Feldmanns, ist jene Nicht-Wertung für Röhl insofern heikel, als dass Täter und Opfer unter dem ethischen Aspekt auf eine Stufe gestellt werden. Konsequenz einer Ausstellung, welche die Thematik RAF lediglich durch das Auge des Künstlers, dem Ästhetischen, betrachtet, bleibt demnach die Provokation gegenüber dem Opfer.
Die Proteste und Diskussionen um die RAF-Ausstellung zeigten einmal mehr das Unvermögen einer Gesellschaft sich differenzierend mit der Roten Armee Fraktion auseinanderzusetzen; einen sachlichen, gelassenen Diskurs stattfinden zu lassen und den Mythos gerade dadurch zu entlarven. Dass es zur Mythologisierung überhaupt kommen konnte, setzt die Tabuisierung voraus. Der Mythos RAF stellt nicht die generelle Mystifizierung von Verbrechen dar, sondern symbolisiert folglich das Unbewältigte der Zeitgeschichte. Um den Mythos zu dechiffrieren, also verständlich zu machen, ist eine Annäherung an dessen Faszinationsgeschichte notwendig. Dazu zählt ebenso die Konvergenz an Täter wie Opfer, wie eben auch an die der Sympathisanten, nicht affirmativ, bejahend sondern um des Begreifens willen.47 Versucht man die Formen der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, sprich Tabuisierung und Ästhetisierung in einen Zusammenhang zu setzen, so stelle ich die These auf, dass eben das politische Tabu konsequenterweise eine überspitzte Darstellung in Form des Ästhetischen als Antwort haben musste, um sich der Historie auf langsame Weise überhaupt anzunähern. Das Extrem der Ästhetisierung hat die Kraft das Tabu zu brechen, um wieder einen Boden für eine Diskussionskultur zu schaffen. Obgleich sie doch oberflächlich betrachtet, gleichfalls wie die Tabuisierung, die Rote Armee Fraktion dehistorisiert, kratzt sie doch an der Oberfläche der Geschichte. Wenngleich es dem Besucher beim Gang durch die Exposition an Information fehlt, findet sehr wohl eine Auseinandersetzung statt. Das Bewusst- werden über Wissenslücken, jener Mangel an sachlich-analytischer Information, welcher Interesse zur Auseinandersetzung wecken vermag, ist von Bedeutung, wenn es um die Aufarbeitung dieses Kapitels deutscher Geschichte geht. Georg Diez schrieb im Bonner Generalanzeiger in einer Rezension über den Film BAADER:
“[...] Dabei hat BAADER, wenn man sie denn sehen will, eine ganz klare Botschaft: Sie eröffnet sich vom Ende her. Und besagt, dass jede Generation neu die Geschichte für sich gewinnen muss. [...] Jede Zeit hat ihre eigenen Lügen, und der Umweg zur Wahrheit führt eben manchmal nur über die Lügen.“Geschichtsverfälschung“, riefen einige Leute bei der Berlinale-Premiere von BAADER. Sie hatten natürlich recht, aber vielleicht ahnten sie sogar, dass sie im Irrtum waren.“48
5.1 Quellenverzeichnis in alphabetischer Reihenfolge
Bessing, Joachim (Hrsg.): Tristesse Royal, Berlin 1999, S.127-157
Böll, Heinrich: Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann, Köln 1974
Kraushaar, Wolfgang: Der nicht erklärte Ausnahmezustand. In: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Bd.2. Hamburg 2006, S.1011-1025
Preusser, Heinz-Peter: Warum Mythos Terrorismus? Versuch einer Begriffserklärung. In: Mattheo Galli/ Heinz-Peter Preusser (Hrsg.): Der Mythos Terrorismus. Vom Deutschen Herbst bis zum 11.September, Heidelberg 2005, S.83
Sachsse, Rolf: Prada-Meinhof. Die RAF als Marke. Ein Versuch in politischer Ikonologie. In: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Bd.2. Hamburg 2006, S.1260-1269
Schneider, Peter: ...schon bist Du ein Verfassungsfeind. Das unerwartete Anschwellen der Personalakte des Lehrer Kleff, Berlin 1975
Tremel, Luise: Literrorisierung. Die RAF in der deutschen Belletristik zwischen 1970 und 2004. In: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Bd.2. Hamburg 2006, S.1117 -1122
Antrag Streichung der Sondergesetze nach dem “Deutschen Herbst“ der
Abgeordneten Gerald Häfner, Volker Beck (Köln), Christa Nickels, Dr. Antje Vollmer, Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn) und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, 11.12.1997. http://dip.bundestag.de/btd/13/094/1309460.asc (Stand: [19.01.2008])
Artfacts.Net: Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF- Ausstellung. http://www.artfacts.net/index.php/pageType/exhibitionInfo/exhibition/19940/lang/1 (Stand: [19.01.2008])
BAADER (Film), 2002. http://de.wikipedia.org/wiki/Baader_(Film) (Stand: [19.01.2008])
Bauszus, Jens: Die RAF im Unterricht. Geschichtsunterricht, 01.10.2007. http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/geschichtsunterricht_aid_133788.html (Stand: [19.01.2008])
Berberich, Monika: Erklärung zum Ausschluss von Horst Mahler aus der RAF , 27.09. 1974. http://labourhistory.net/raf/browse-2.php?cp=2 (Stand: [19.01.2008])
Bosch, Stefan: Rote Armee Fraktion taucht im Lernplan unter. RAF und die heutige Jugend, 03.04.2007. http://www.swr.de/nachrichten/deutscher- %20%20%20herbst/-/id=2070672/nid=2070672/did=2072738/1pb5wcw/index.html (Stand: [19.01.2008])
Böll, Heinrich: Will Ulrike Meinhof Gnade oder freies Geleit? In: Der Spiegel, 10.01.1972. http://www.finduthek.de/download/boell_meinhof.pdf (Stand: [19.01.2008])
Büsser, Martin: Gerhard Richter: 18.Oktober 1977. http://www.satt.org/kunst/02_11_richter_1.html (Stand: [19.01.2008])
Definition Tabu. http://de.wikipedia.org/wiki/Tabu (Stand: [19.01.2008])
Diez, Georg: [...]. In: Generalanzeiger Bonn, 16.02.2002. http://www.bellahalben.de/press/Presseinformation.pdf (Stand: [19.01.2008])
Feddersen, Jan/Unfried, Peter: “Über die Ausstellung lacht sich die RAF doch tot“. In: Die Tageszeitung, 07.02.2005. http://www.taz.de/index.phpd=archivseite&dig=2005/02/07/a0158 (Stand: [19.01.2008])
Henninger, Petra: MEDIEN-TERROR, 01.02.2005. http://www.artnet.de/magazine/reviews/henninger/henninger02-01-05.asp (Stand: [19.01.2008])
Knörer, Ekkehard: (Kritik) Christopher Roth: Baader (D 2002), 2002. http://www.jump-cut.de/filmkritik-baader.html (Stand: [19.01.2008])
KUNSTHALLE wien: DIE TOTEN: 1967 - 1993: Studentenbewegung, APO, Baader- Meinhof, Bewegung 2.Juni, Revolutionäre Zellen, RAF, © VBK, Wien, 2007, Courtesy: Hans-Peter Feldmann, Düsseldorf. http://www.kunsthallewien.at/cgi- bin/event/event.pl?id=1776;lang=de;event_cat=4 (Stand: [19.01.2008])
Meinhof, Ulrike: Rote Armee Fraktion: Das Konzept Stadtguerilla, Mai 1971. http://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/RAF/brd +raf/004.html (Stand: [19.01.2008])
Meinhof, Ulrike: Über die Gründung der RAF, 1975. http://www.rafinfo.de/hist/kap05.php (Stand: [19.01.2008])
MoMA.org. http://www.moma.org/collection/browse_results.php?object_id=79037 (Stand: [19.01.2008])
Peters, Butz: RAF. Anmerkungen zur Berliner Ausstellung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2005, S.33. http://www.zeitgeschichteonline.de/zol/_rainbow/documents/pdf/raf/presse_raf.pdf (Stand: [19.01.2008])
Platen, Heide: “Baader war ein rührender Verlierer“, 15.02. 2002. http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2002/02/15/a0198 (Stand: [19.01.2008])
Roth, Christopher: Der Stil des Terrorismus. In: Süddeutsche Zeitung, 17.03.2001. http://verleih.polyfilm.at/baader/PH%20Baader0926.doc (Stand: [19.01.2008])
Schmidt, Helmut: Zitat , 1975. Aus: Das Erbe des RAF-Terrors. Ein Staat in Angst. In: Die Tageszeitung 18.10.2007.://ww.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier- raf/artikel/1/ein-erbe-des-raf-terrors/?src=SZ&cHash=a1 3db71e73http (Stand: [19.01.2008])
Theweleit, Klaus: Das RAF-Gespenst, Berlin 2001. http://doku.cc/2007/03/20/klaus- theweleit-das-raf-gespenst/ (Stand: [19.01.2008])
Von Uslar, Moritz: Zitat, 2002. In: VORAB-PRESSE-INFORMATION. PROKINO präsentiert BAADER [...]. http://www.bellahalben.de/press/Presseinformation.pdf (Stand: [19.01.2008])
6 Anhang Grafiken
“Es ist schon bezeichnend, daß Gerhard Richters Gemäldezyklus zum 18. Oktober 1977 nicht in Deutschland blieb, weil sich für die Bilder kein Käufer gefunden hatte. Nun hängen sie im New Yorker Museum of Modern Art und wurden dort mit einer außergewöhnlichen, umfangreichen Publikation gewürdigt. Die in Schwarzweiß gemalten, verwischten, nach Presse- und Polizeiphotos entstandenen Bilder besitzen eine suggestive Kraft, von der auch hierzulande häufig geschrieben wurde. Richter hatte verstanden, die Ereignisse rund um Mogadischu und den Tod der in Stammheim arrestierten RAF-Terroristen, auf eine Weise ins Gedächtnis zurückzurufen, die ein äußerst unangenehmes, flaues Gefühl vermittelte. Ohne selbst in irgendeiner Form Partei zu ergreifen, vermittelte Richter mit den verwischten, zum Teil kaum mehr identifizierbaren Motiven weniger, daß es sich hier um einen lange vergangenen, fernen Teil der deutschen Geschichte handelt, sondern vielmehr, daß es sich hier um Verdrängtes, noch lange nicht Abgearbeitetes handelt. Die Verdrängung und der mit ihr einher gehende unreflektierte Umgang mit der RAF ist den Bildern eingeschrieben - sie mahnen zur Erinnerungsarbeit im besten Sinne, indem sie die Verdrängungen an sich selber sichtbar machen.“50
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten51
1 Vgl. Theweleit, 2001. http://doku.cc/2007/03/20/klaus-theweleit-das-raf-gespenst/
2 Vgl. Berberich, 1974. http://labourhistory.net/raf/browse-2.php?cp=2
3 Vgl. Meinhof, 1971. http://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/RAF/brd+raf/004.html
4 Vgl. Meinhof , 1975. http://www.rafinfo.de/hist/kap05.php
5 Vgl. Kraushaar in Kraushaar (Hrsg.), 2006, Bd.2, S.1013
6 Vgl. Antrag Streichung der Sondergesetze nach dem Deutschen Herbst, 1997 http://dip.bundestag.de/btd/13/094/1309460.asc
7 Vgl. Defintion Tabu. http://de.wikipedia.org/wiki/Tabu
8 Vgl. Kraushaar in Kraushaar (Hrsg.), 2006, Bd.2, S.1018
9 Vgl. Helmut Schmidt, 1975. http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-raf/artikel/1/ein-erbe-des-raf-terrors/?src=SZ&cHash=a13db71e73
10 Vgl. Kraushaar in Kraushaar (Hrsg.), 2006, Bd.2, S.1024
11 Vgl. Ebenda, Antrag zur Streichung der Sondergesetze [...]. http://dip.bundestag.de/btd/13/094/1309460.asc
12 Vgl. Ebenda, Antrag zur Streichung der Sondergesetze [...]. http://dip.bundestag.de/btd/13/094/1309460.asc
13 Vgl. Ebenda, Antrag zur Streichung der Sondergesetze [...]. http://dip.bundestag.de/btd/13/094/1309460.asc
14 Vgl. Ebenda, Antrag zur Streichung der Sondergesetzte[...]. http://dip.bundestag.de/btd/13/094/1309460.asc
15 Schneider, 1975
16 Vgl. Böll in Magazin Spiegel, 1972. http://www.finduthek.de/download/boell_meinhof.pdf (S.3)
17 Vgl. Ebenda Böll in Magazin Spiegel, 1972. http://www.finduthek.de/download/boell_meinhof.pdf (S.4)
18 Vgl. Tremel in Kraushaar (Hrsg.), 2006, Bd.2, S.1117
19 Böll, 1974
20 Vgl. Tremel in Kraushaar (Hrsg.), 2006, Bd.2, S.1122
21 Vgl. Böll, 1984. http://www.heinrich-boell.de/HeinrichBoellTextDesMonats.htm
22 Vgl. Tremel in Kraushaar (Hrsg.), 2006, Bd.2, S.1117
23 Vgl. Bosch, 2007. http://www.swr.de/nachrichten/deutscher- %20%20%20herbst/-/id=2070672/nid=2070672/did=2072738/1pb5wcw/index.htm
24 Vgl. Bauszus, 2007. http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/geschichtsunterricht_aid_133788.htm l
25 Vgl. Bauzus, 2007. http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/geschichtsunterricht_aid_133788.html
26 Vgl. Böll in Magazun Spiegel, 1972. http://www.finduthek.de/download/boell_meinhof.pdf (S.3)
27 Vgl. Bosch, 2007. http://www.swr.de/nachrichten/deutscher-%20%20%20herbst/-/id=2070672/nid=2070672/ did=2072738/1pb5wcw/index.htm
28 Vgl. Bauszus, 2007. http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/geschichtsunterricht_aid_133788.html
29 Bessing, 1999, S.138
30 Vgl. Bessing, 1999, S.137 -138
31 Vgl. Bessing, 1999, S.155-157
32 Vgl. Bessing, 1999, S.137
33 Vgl. Bessing, 1999, S.127-139
34 BAADER (Film), 2002. http://de.wikipedia.org/wiki/Baader_(Film)
35 Vgl. Platen, 2002. http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2002/02/15/a0198
36 Vgl. Von Uslar, 2002. http://www.bellahalben.de/press/Presseinformation.pdf (S.16)
37 Vgl. Knörer, 2002. http://www.jump-cut.de/filmkritik-baader.html
38 Vgl. Sachsse in Kraushaar (Hrsg.), 2006, Bd.2, S.1260
39 Vgl. Roth, 2001. http://verleih.polyfilm.at/baader/PH%20Baader0926.doc (S.5-8)
40 Vgl. Peters, 2005. http://www.zeitgeschichte-online.de/zol/_rainbow/documents/pdf/raf/presse_raf.pdf (S.3)
41 Anhag Grafiken, Abb. 2: Feldmann, 1998
42 Vgl. Henninger, 2005. http://www.artnet.de/magazine/reviews/henninger/henninger02-01-05.asp
43 Anhang Grafiken, Abb. 3: Beuys, 1972
44 Anhang Grafiken, Abb. 4: King, 2004
45 Vgl.Von Bebber, 2005. http://www.zeitgeschichteonline.de/zol/_rainbow/documents/pdf/raf/presse_raf.pdf (S.5)
46 Vgl. Feddersen/Unfried, 2005. http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2005/02/07/a0158
47 Vgl. Preusser in Galli/Preusser, 2005, S.83
48 Vgl. Diez, 2002. http://www.bellahalben.de/press/Presseinformation.pdf (S.11)
49 Vgl. MoMA.org. http://www.moma.org/collection/browse_results.php?object_id=79037
50 Vgl. Büsser. http://www.satt.org/kunst/02_11_richter_1.html
51 Vgl. KUNSTHALLE wien. http://www.kunsthallewien.at/cgi-bin/event/event.pl?id=1776;lang=de;page= 2
52 Vgl. Artfacts.Net. http://www.artfacts.net/index.php/pageType/exhibitionInfo/exhibition/19940/lang/1
53 Vgl. Scott King Projects. http://www.scottking.co.uk/art.html
Stefanie Knoth (Autor)
Aspekte Auseinandersetzung RAF-Terrorismus Wirkungskreis Baader-Meinhof Gruppe
Stefanie Knoth (Autor), 2008, Aspekte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem RAF-Terrorismus im Wirkungskreis der Baader-Meinhof Gruppe, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/120868

References: §129
 §130
 §130
 §129
 §129
 §129
 §129
 §129
 §129
 §129
 §130