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Timestamp: 2020-01-24 09:20:30+00:00

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Werbőczy, István, Opus Tripartitum Juris Consuetudinarii (lat. 1517/1822) :: Decretvm oder Tripartitvm Opvs (dt. 1599) :: Parallelausgabe
Corpus Juris Hungarici Seu Decretum Generale Inclyti Regni Hungariæ Partiumque Eidem Annexarum. Tomus Primus. Continens Opus Tripartitum Juris Consuetudinarii Ejusdem Regni. Autor/Person: Werbőczy, István. Impressum: Budae ; MDCCCXXII. ; XII, 834 Seiten. Sprache: Latein. Volltext//Exemplar mit der Signatur: Wien, Österreichische Nationalbibliothek -- 251910-D.1 DECRETVM || Oder || TRIPARTITVM || OPVS || Der LandtsRechten vnnd Ge=||wonheiten des Hochlœblichen Kœnigreichs || Hungern/|| Durch || STEPHANVM DE WERBEVTZ || Jn Lateinischer Sprach beschrieben.|| An jetzo aber ... || ins Teutsch trewlichst || vertirt vnnd gebracht:|| Durch || AVGVSTINVM VVAGNERVM || Villseccens. I. V. Candidat. & inclytae || Reip. Poson. Hung. caus. Direct. &c.|| Autor: Werbőczy, István Ort: Wien Verlag: Formica, Leonhard Erscheinungsjahr: 1599 Umfang: [4], 155, [37] Bl. VD16-Nummer: ZV 20542 Standort: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz Signatur: 4" Go 12864
[Prolog.Titel.1] Leges, el Consuetudines approbatas Inclyti Regni Hungariae descripturus , quaedam notabilia, praesentem materiam concernentia, compendiose praemittere institui. Primo quidem de Justitia. Secundo vero de Jure, et divisione Juris. Tertio autem de Lege, et speciebus Legis. Quarto de Consuetudine, et conditionibus ejus. Quinto nempe, et ultimo de conditionibus boni Judicis, et aliis rebus ad iudicium justum spectantibus; apposita quaestione: utrum Judex secundum allegata, et probata, vel secundum conscientiam, ut ipse novit, judicare teneatur? Quibus breviter praehabitis, Dei gloriosi adjutorio propositum aggrediar, atque municipales Leges, et approbatas Consuetudines ipsius Regni Hungariae, quibus communiter in Judiciis utimur, (prout memoria, et ingenioli capacitate comprehendere potero) seriatim absolvam. Eingang auff das TRIPARTITVM OPVS Der Landtsrechten vnnd Gewonheitten des Hochlöblichen Königreichs Hungern.
NAch dem ich die LandtsRechten vnnd Gewonheitten dises Hochlöblichen Künigreichs Hungern zubeschreiben mir fürgenommen : hab ich anfenglichen etliche nothwendige stuck / dise gegenwertige Materiam betreffende vorgehen lassen. Vnd Erstlich zwar sagen wöllen von der Gerechtigkeit. Zum Andern von den Rechten / vnd desselben abtheilungen. Dritten von dem Gesatz / vnd wie mancherley dasselbige sey. Vierten von der Gewonheit / vnd derselben beschaffenheit. Zum Fünfften vnd letzten / von der Condition vnd eigenschafft / eines fromen Richters / vnd andern / zu einem wolbestelten Gericht nothwendig gehörigen sachen: Neben angeheffter frage: Ob ein Richter / vermög dessen / was die Partheyen vor Gericht eingefüret vnd probirt haben: oder wie ers in seinem gewissen befindet vnd weiß / Richten vnd vrteilen solle?
Welchs alles nach dem ichs vorher kürtzlich gehen lassen / wil ich mit der hilff Gottes zum werck selbsten schreitten / vnnd dises Künigreichs Hungern allgemeine / vnd vor Gericht übliche LandsRechten vn~ gewonheiten / nach meinem geringen verstandt / ordentlichen absoluirn vnd beschreiben. [Faksimile]
[Prolog.Titel.1.pr] De Justitia, quid sit definitive? et de ejus Divisione.
Justitia: est constans, et perpetua voluntas, jus suum unicuique tribuens. Et hoc non quantum ad actum semper, sed quantum ad affectum. Justitia enim est animi dispositio, et mentis affectus, quo quis dicitur justus, dum videlicet quis sine personarum acceptione, et distinctione, velit cuilibet, quantum in se est, jus suum tribuere. Eingang. von der Gerechtigkeit / waß / vnd wie mancherley dieselbige sey?
DJe Gerechtigkeit ist anders nichts / dann ein fürsetzlicher / bestendiger / vnableßlicher will / einem jeden das / was jhme von Rechts vnd billigkeit wegen gebüret / zuezueignen. Vnd obwoln solches zu thuen nicht allezeit in vnsern mächten stehet: Jedoch soll ein jeder mit solcher guetten begierlichen naigungen gegen seinem Nechsten Affectionirt vnd gesinnet sein : daß er / wo es möglichen / einem jeden nach seinen Wercken / Thaten vnd verdienst / die Gerechtigkeit / das ist: daß seinige / gern mitteilen wolte. Dann die Gerechtigkeit ist ein besondere disposition vnnd guete naigung des gemüts / darumben einer für gerecht gehalten wird. Jn dem er ohne vnterschiedt vnd ansehen der Person / einem jedem / souil in seinen mächten stehet / daß seinige zueignet.
[Prolog.Titel.1.1 ] §. 1. Item Justitia: est habitus bonus, tribuens cuique suam dignitatem, Deo religionem, parentibus obedientiam, majoribus reverentiam, paribus concordiam, minoribus disciplinam, sibi ipsi castimoniam, et pauperibus, ac miseris compassionem operosam. Jtem die Gerechtigkeit ist ein gueter habitus, gewonheit vnnd zuneigung / welche einem jeden seine würdigkeit. Alß Gott dem Herren die Religion, oder seinen dienst: Denen Eltern gehorsam: Denen Eltisten ehrerbiettung: Denen die im stand vnd wesen gleich sind / fried vnd einigkeit: Den jüngern gehorsame zucht: Mir selbsten Keuschait: Vnd den armen bedürfftigen vnd elenden / mitleidenliche getrewe würckliche hülff zueigenet.
[Prolog.Titel.1.2 ] §. 2. Item aliter: Justitia est habitus animi (communi utilitate servata ) suam unicuique tribuens dignitatem. Et sic est congrua dispositio animi, singulis in rebus recte dijudicans causas. Beato enim Gregorio teste: in rebus humanis summum bonum est, justitiam colere, et unicuique jura sua servare. Nam ubi est justitia, ibi est omnium reliquarum virtutum concordia. Omnes enim virtutum species (ut inquit Hieronymus) uno justitiae nomine continentur. Cui adstipulatur versiculus ille Hesiodi: Justitia in sese virtutes continet omnes. Quae praeclarissima virtutum , eo splendore mortalium oculos perstringit; ut affirmet Aristoteles, neque hesperum, neque luciferum tantopere rutilare. Auff ein andere weiß ist die Gerechtigkeit eine guete alte gewonheit des gemüts / welche (jedoch mit vorbehalt des gemeinen nutzes/) einem jeden seine würdigkeit zueignet. Vnnd das ist ein wolgeschickte außtheilung des gemüts / welche eines jeden dings vrsachen vnnd beschaffenheit zu vnterscheiden weiß. Vnd wie der H. Gregorius bezeuget / ist das höchste guet vnd Kleinot in disem Menschlichen leben / die Gerechtigkeit lieben / vnnd einem jeden sein Recht erhalten helffen. Dann wo die Gerechtigkeit ist / da sind auch alle andere tugendt zugleich (wie Hieronymus sagt) alle artten der tugenden mit begriffen / welchs auch Hesiodus mit disem Vers bezeuget: Justitia in sese virtutes continet omnes. Das ist: Die Gerechtigkeit ist so tugendtsam / daß all tugendt begreifft jr nam. [Faksimile]
Welche fürnembste tugendt / (wie Aristoteles sagt) Der Menschen augen also vnd mehr dann der morgen vnd abendt Stern durchgehet vnd durchscheinet.
[Prolog.Titel.1.3] §. 3. Duplex est autem Justitia, scilicet Naturalis, et Legalis. Naturalis : est constans, et perpetua voluntas, jus suum (ut praenotatum est) unicuique tribuens. Et sine illa nullus potest regnum Dei possidere. Legalis vero dicitur: lex, quae saepe mutatur, sine qua, nec gentes, nec regna, diu poterunt permanere. Unde et justum aliquid dupliciter intelligitiur fieri; uno modo, ex ipsa natura rei, quod dicitur jus naturale; alio modo, ex quodam statuto inter homines, quod dicitur jus positivum. Die Gerechtigkeit aber ist zweyerley. Die Natürliche / vnd welche wir nach menschen Satzungen vnd Rechten regulirn. Die Natürliche ist / (wie oben vermeldet) ein fürsetzlicher bestendiger vnableßlicher will / einem jeden das / was jhme von Rechts vnd billigkeit wegen gebürt / zuzueignen. Vnd ohne diese kan keiner das Reich Gottes besitzen. Die andere aber ist das Gesatz selbsten / welchs sich verendern lest / vnd ohne welche Völckher vnd Königreich nicht lang bestehen mögen. Dahero dann gerecht sein / zweyerley verstandt hat. Eins theils / Zu deme vns die natur vnd beschaffenheit der sachen treibt / welchs das Natürlich Recht genennet wird: Anders theils / welchs von den statuten vnd menschen satzungen herfliesset vnd Ius positiuum genennet wird.
[Prolog.Titel.2 ] TITULUS 2. De Jure, et Divisione Juris. Von den Rechten / vnd dessen abtheilung.
[Prolog.Titel.2.pr] Jus, quantum ad nostrum propositum spectat, tantum valet: sicuti rectum, vel justum, quod a justitia derivatur. Et in proposito, accipitur pro nostris Consuetudinibus, sive scriptis, sive non scriptis. DAs Recht / (souil vnser propositum vnd vorhaben belangt) gült souil als billich vnd recht / welches von der Gerechtigkeit herkommet / vnd wird dasselbe allhie / in vnserm vorhaben / für vnsern Landtsbrauch vnd Gewonheiten / es seyen dieselben in Schrifften verfasset oder nicht / genommen vnd verstanden.
[Prolog.Titel.2.1 ] §. 1. Unde Jus nomen generale est; et Lex, species juris est. Omne enim Jus, legibus et moribus, hoc est: jure scripto, et non scripto constat. Quod per Tullium sic definitur: est ars, sive scientia boni, et aequi, secundum quam Nos, Sacerdotes, id est: sacras leges, et cuilibet jura sua ministrantes, appellamur. Daher dann das wörtlein Recht ein allgemeiner Name ist / das wörtlein Gesatz aber / nur ein species oder stuck desselben. Dann alles Recht dessen sich die Menschen gebrauchen / wird entweder in schrifften verfasset / oder aber allein ohne schrifft in gemeinem gebrauch erhalten.
Celsus beschreibt dasselbe also / daß es ein kunst vnd wissenheit sey / dessen was guet vnd billich ist / vmb welcher wissenheit willen / wir Sacerdotes, das ist / solche Leuthe genennet werden / welche H. Gesatz geben / vnd einem jedem sein Recht widerfahren lassen.
[Prolog.Titel.2.2 ] §. 2. Aliter autem Jus dicitur: collectio legitimorum praeceptorum, quae nos arctant ad observandum bonum, et aequum, hoc est: utilitatem, et aequitatem, sive veritatem, justitiam designantem. Auff ein andere weiß / ist das Recht ein zusamen gelesener hauffen / Rechtmessiger Gesatz vnd Gebotten / welche vns zu dem / was billich / nutz / warhafftig vnd recht ist / starck verbinden vnd anhalten. [Faksimile]
[Prolog.Titel.2.3 ] §. 3. Jus itaque duplex est. Quoddam enim est Jus publicum, quoddam vero privatum. Publicum est: quod principaliter ad Imperium, et regimen Regnorum, publicamque utilitatem spectat, et in Sacris, ac in Sacerdotinus, et in Magistratibus consistit. Unde, qui ladit Sacerdotes, vel res sacras, vel Magistratus a) hoc est Rectores populi; ab Omnibus, tanquam pro crimine publico, accusari poterit. Privatum vero: est jus speciale, quod ad singulorum hominum utilitatem pertinet. Et illud triplex est, scilicet Jus naturale, Jus gentium, et Jus civile. Diß Recht nun ist zweyerley: Das Erste ein allgemeines: das Ander ein priuat Recht / welchs absonderliche Personen antrifft. Jenes gehet Kayserthumb / Königreich vnd den allgemeinen nutz fürnemlich an / vnnd bestehet sonderlichen auff den Kirchen / Schuelen / Priesterschafft / vnnd ordentlicher Obrigkeit. Derohalben wer sich an disem einen vergreiffet / der mag von menniglichen / als ein offenlicher vbelthäter / vor der Obrigkeit angeklaget werden. Dises aber / das priuat Recht / stehet fürnemlich auff nutz / wolfarth vnd auffnemen der priuat vnd absonderlichen Personen. Vnnd wird in drey Haubtstuck / nemlichen vnd zum ersten in das Natürliche: Darnach aller Völcker: Drittens in das Bürgerliche Recht getheilt.
[Prolog.Titel.2.4 ] §. 4. Jus naturale: est commune omnium nationum, eo quod ubique instinctu naturae, et non constitutione aliqua habetur; quod natura, omnia animalia docet, et docuit. Et hoc non solum est humani generis proprium, sed etiam omnium animalium. Inde descendit maris, et foeminae conjunctio, liberorum procreatio, et educatio, omnium una libertas, aquisitio eorum , quae coelo , terra, marique capiuntur. Item depositae rei, vel commodatae pecuniae restitutio; violentiae proximi per vim repulsio. [Faksimile] Nam hoc, aut si quid huic simile est, numquam injustum, sed naturale, aequumque habetur. Das Natürliche Recht ist allen Nationen vnd Völckern darumb gemein / weiln dasselbe allein auß natürlicher anreitzung / vnd nicht durch vorgeschriebene satzungen vnd Recht herkommet / welches die Natur nit allein die Menschen / sondern auch alle andere vnuernünfftige Thier gelehret hat vnd lehret. Daher kommet dann die leibliche vermischung Weiblichs vnd Mäñlichs geschlechts: Kinder gebern: Auch zucht vnd nahrung derselben: Gleiche freyheiten deßen / was in der lufft schwebet / auff Erden kreucht / gehet vnd wechst: im Wasser schwimmet. Jtem daß einer dessen / was er einem andern an geldt oder geldts werth geliehen / oder sonsten auff zuheben geben / wider haabhafft gemacht werde. Deß gleichen daß einer gewalt mit gewalt vertreiben möge. Dann diß vnd dergleichen nie für vnrecht / sondern der Natürlichen billigkeit allezeit für gemeß gehalten worden.
[Prolog.Titel.2.5 ] §. 5. Item alio modo Jus naturale intelligitur, quod in lege Mosayca, et Evangelio continetur: quo quis jubetur alteri facere, quod sibi vult fieri; et prohibetur alteri inferre, quod sibi fieri nolit. Unde versus: Quod tibi vis fieri, mihi fac; quod non tibi, noli. Sic potes in terris vivere jure poli. Auff ein andere weiß wird das Natürliche Recht verstanden / wie es im Gesetz Moysis vnd dem H. Euangelio begriffen / allda beuohlen wird: Seinen Nechsten zulieben als sich selbsten / vnd gegen jhme das zuthuen oder zulassen / was er gegen sich selbsten gethan oder gelassen haben solte. Dahero dann diser Lateinische Verslein geschrieben sind. Quod tibi vis fieri mihi fac, quod non tibi, noli, Sic potes in terris viuere jure poli. Was du wilst das ein ander dir / Thun oder nicht soll das solst mir. Zu gleicher massen gönnen auch / dann solchs erfordert Himmels brauch. [Faksimile]
[Prolog.Titel.2.6 ] §. 6. Jus naturale dupliciter potest considerari : uno modo in quantum consideratur homo , prout habet in se naturam rationalem, in qua participat cum divinis; et sic, Jus naturale, quod cadit in hominem, dicitur Jus divinum. Alio modo: Jus naturale consideratur in homine, quantum ad naturam sensualitatis, in qua participat cum ceteris animalibus, ut sensu, motu, et instinctu. Et hoc modo Jus cadens in hominem, dicitur esse Jus naturale. Jst derowegen das Natürliche Recht auff zweyerley weiß zuuerstehen. Eins mals wenn wir einen menschen betrachten / als daß derselbige Natürliche vernunfft habe / vnd Göttlicher Rechten dardurch fähig sey. Darumb dann solche capacitas vnnd fähigkeit / menschlich dauon zu reden / das Göttlich Recht heist.
Wenn wir aber einen Menschen nach seiner natürlichen empfindlichkeit betrachten / derer auch vnuernünfftige Thier theilhafftig sind / Als der fünff Sinnen / daß sich etwas bewegt / oder sonsten von seinem fleisch vnd bluet zu etwas angereitzet wird / helt man solchs für das natürliche menschliche Recht.
[Prolog.Titel.2.7 ] §. 7. Jus gentium duplex est: scilicet primaevum, et secundarium. Jus gentium primaevum est: quo omnes gentes ab initio usae sunt, naturali ratione inductum, absque aliqua constitutione gentium; ut neminem laedere, etc. Et hoc a Jure naturali nihil discrepat, nisi ratione diversorum respectuum. Nam Jus naturale, et gentium, pariter dicitur, sed diverso respectu: Naturale scilicet, in quantum ratione naturali est inductum; Gentium vero: in quantum gentes a principio orbis, sine ulla constitutione alia, eo usae sunt. Et hoc jure, status servi est integer; quia naturali ratione omnes liberi nascebantur. Aller Völcker Recht ist auch zweyerley. Das erste vnd eltere: Das andere oder jüngere. Jenes ist allein von Natürlicher Menschlicher vernunfft ohne zuethuung einer menschen Satzungen eingefüret worden. Als keinen menschen beleidigen etc. Vnd ist zwischen diesem vnd obgesatzten Natürlichen Rechten fast kein vnterschied / ohne allein / das jenes von der Natur eingefüret. Dieses aber von allen Menschen jederzeit von anfang der Welt / ohne einige menschen Satzungen für billich geachtet worden. Vnd durch diß Recht / ist der leibaigene Knecht auch frey. Dann alle menschen von anfang der Geburt frey geborn sind.
[Prolog.Titel.2.8 ] §. 8. Jus gentium secundarium: est jus, a gentibus non ratione naturali, sed ratione publici boni, et ad communem usum introductum. Et hoc saepe numero discrepat a Jure naturali; quia jure naturali omnia erant communia, omnes erant liberi; de jure vero gentium facta est divisio dominiorum, et rerum inventa separatio: introducta sunt bella, captivitates, servitutes, et alia hujusmodi, quae Juri naturali sunt contraria. Ex hoc etiam gentium Jure, omnes pene contractus inducti sunt: ut emptio, venditio, conductio, et his similia. Das andere oder jüngere aber ist von den Völckern nicht auß Natürlicher bewegung / sondern in ansehung des allgemeinen nutzes vnd gebrauchs eingefüret. Wird auch offtmals von dem Natürlichen Rechten vnterschieden. Dann von Natur alle ding gemein / vnd alle menschen frey geborn sind. Auß der Völcker Recht ist herkommen vnd für billich erkant worden / daß ein jeder an güttern vnd aigenthumb seinen gewissen bescheidenen theil habe / vnd dessen ein Herr sey. Es lest auch zu / Krieg / welche darnach gefengnussen / dienstbarkeiten /vnd anders mehr vervrsachen / Welchs der Natürlichen freyheit zuwider ist. Dahero kommen auch fast alle menschliche contract / handtierung vnd gewerb / als kauffen vnd verkauffen / bestandt vnd dergleichen.
[Prolog.Titel.2.9 ] §. 9. Jus autem civile est: quod quisque populus, vel quaeque civitas, sibi propter divinam, humanamque causam constituit; et vocatur Jus civile, quasi proprium Jus civitatis. Quod tripliciter potest accipi. Primo generaliter, et est, quod in unaquaque civitate generaliter observatur. Secundo specialiter, et est, quod quisque populus, vel quaeque civitas sibi proprium, divina, humanaque causa constituit. Tertio excellenter, ad excellentiam videlicet Juris Romanorum, quod etiam Jus Imperiale nominatur. Dum enim non exprimitur nomen hujus, vel illius civitatis, tunc per excellentiam, tantum Jus Romanorum significatur: sicut per Poetam apud Graecos Homerus, apud Latinos Virgilius subauditur. Et per Apostolum in sacro Eloquio, alterius nomine non expresso, Sanctus Paulus intelligitur. Das Bürgerliche Recht ist / welchs ein besonder Volck oder jedliche Statt / auß erheblichen Göttlichen vnd Menschlichen vrsache für sich selbsten constituirt: vnd wird darumb Bürgerlich genennet / weiln es ein eigen Staatrecht ist. Vnd kan auch auff dreyerley weiß verstanden werden. Erstlichen in gemein / das ist: Welches in gemein von [Faksimile] einer jedlichen Statt obseruirt vnd gehalten wird. Zum andern Specialiter: Wenn ein Gemein vnd Statt auß erheblichen Göttlichen vnd Menschlichen vrsachen jhr selbsten ein eigenes Recht setzet. Zum dritten Excellenter, fürtrefflich / von wegen würdigkeit vnnd fürtrefflichkeit des Römischen Rechtens. Welchs auch das Kayserlich Recht genennet wird. Dann wo man von den Rechten ohne zusatz vnd anhang diser oder jener benandtlichen Statt etwas redet / So werden wegen derselben fürtrefflichkeit / allwegen die gemeinen geschribenen Kayserlichen Rechten verstanden. Gleich wie man bey den Scribenten einen Poeten nennet: So wird bey den Griechen Homerus, bey den Lateinern Vergilius verstanden. Vnd so in der H. Schrifft der Nam Apostl, ohne zuethuung eines anders namens gesatzt wird / vermeinet vnnd verstehet man dardurch den H. Apostl Paulum.
[Prolog.Titel.3] Quomodo differunt Jus naturale , Jus gentium, et Jus civile? Von vnterschied des Natürlichen allgemeinen vnd Burgerlichen Rechtens.
[Prolog.Titel.3.pr ] Sciendum itaque, quod Jus naturale differat ab aliis juribus, tribus modis. Primo origine: nam incepit ab exordio naturalis creaturae. Secundo dignitate: quia Jus naturale apud omnes gentes aequaliter servatur, a solo Deo institutum, firmum, et impermutabile manens; alia vero Jura, quae populus, vel civitas sibi constituit, saepe mutantur, vel contraria consvetudine, vel alia meliori lege, in contrarium postea lata, et introducta. Tertio amplitudine: quia Jure naturali omnia communia sunt; sed Jure gentium, vel civili, hoc meum, illud tuum est. DEmnach ist zu wissen von nöten / daß das Natürliche Recht auff dreyerley weiß von den andern vnterschieden werde. Erstlichen / Souil seinen vrsprung anbelanget: dann es seinen anfang von erschaffung her aller Natürlichen Creaturn genommen. Zum andern / wegen seiner Dignitet vnd hocheit: dann es von Gott also eingesetzt / in der gantzen welt zugleich fest / stett vnd vnwandelbar gehalten wird. Da hergegen andere Land vnd StattRechten vielmals verendert / durch andere satzung vnd gewonheiten wol gantz vnd gar Cassirt vnd auff gehaben werden. Zum dritten wegen seiner weitleufftigkeit. Dann das Natürliche Recht alle ding gemein macht. Andere Recht aber / als nemlichen das gemeine vnd Bürgerliche / machen ein vnterscheid vnd sagen: Das ist dein / das ist mein /
[Prolog.Titel.3.1 ] §. 1. Ceterum, omnes populi, qui legibus, aut moribus utuntur, et reguntur, partim suo proprio, partim vero communi omnium hominum jure utuntur. Hi enim, qui suo tantummodo jure, et non communi gaudent, et aliquod jus sibi proprium instituunt, Jus civile nominatur. Quod vero apud omnes gentes communiter observatur, Jus gentium appellatur. vnd gebrauchen sich zwar alle Völcker / welche durch guete ordnung vnd Pollicey regiert werden / entweder des für sich selbsten geordneten Land / oder Stattrechtens: oder aber des allgemeinen aller menschen Rechtens. Dann diejenigen / welche allein des priuat Rechts / vnd nicht des allgemeinen sich gebrauchen / vnd ein priuat Recht für sich ordnen / wird dasselbe Ciuile jus, ein Bürgerlich Recht genennet. Das jenige aber welchs von allen Völckern in gemein obseruirt wird / heist jus gentium, aller Völcker Recht [Faksimile]
[Prolog.Titel.4 ] De Jure Militari, et Jurisprudentia. Von den KriegsRechten / vnd weißheit der Rechten.
[Prolog.Titel.4.pr ] Jus militare: est belli inferendi solennitas, foederis faciendi nexus, signo dato congressio in hostem. Item flagitii militaris disciplina, hoc est: castigatio , si locus deseratur. Item stipendiorum modus, dignitatum gradus, praemiorum honor: veluti dum corona, vel torques donatur. Item praedae decisio, et pro personarum qualitatibus, et laboribus justa divisio, ac Principis portio. DAs KriegsRecht ist eine besondere Solennitet vnnd weiß Krieg zuführen: mit dem Feindt verbündnuß oder fried zu machen: Auch wol / wann man Lermen geblasen oder geschlagen / mit dem Feindt ein treffen zu thuen: Jtem die jenigen / welche dem Kriegsbrauch vnd desselben articuln zu wider handeln / zu straffen: den Kriegsman zu vnterhalten / vnd demselben nach seinem verdienst vnd würdigkeit / mit geschenck vnnd ehr zu begegnen (als wenn man einen zum Ritter schlegt / oder ein andere Dignitet, wegen seines wolverhaltens Conferirt) die Beütten nach eines jeden verdiensts mühe vnnd arbeit / so wohl auch dem Fürsten seine gebür außzutheiln vnd zu geben.
[Prolog.Titel.4.1 ] §. 1. Jurisprudentia vero: est divinarum, humanarumque rerum a) notitia, justi, atque injusti scientia. Justi scilicet, ad faciendum; injusti autem, ad evitandum. Die kunst aber vnd weißheit der Rechten ist ein erkentnüß Göttlicher vnd Menschlicher ding / auch ein vnterschiedliche wissenheit dessen was recht oder vnrecht ist / das rechte zu thuen / das vnrechte zu meiden.
[Prolog.Titel.4.2 ] §. 2. Quia non sufficit scire, quid sit justum, vel injustum, nisi et ipsarum rerum contrariarum, vel corporalium habeat quis notitiam, secundum quam, juxta varias conditiones rerum emergentium, varia etiam jura sunt statuenda. Dann nicht genueg ist / wissen was recht oder vnrecht ist / wann nicht einer auch anderer widerwertiger sachen augenscheinliche erfahrung vnd wissenschafft hat / nach dero gelegenheiten / vnnd auff zutragende fäll / vnterschiedliche Satzungen vnd Ordnungen müssen auffgericht werden.
[Prolog.Titel.5] TITULUS 5. Differentia est inter Justitiam, Jus, et Jurisprudentiam. Der vnterschied zwischen der Gerechtigkeit / dem Rechten / vnd Weißheit der Rechten.
[Prolog.Titel.5.pr ] Differunt autem inter se Justitia, Jus, et Jurisprudentia.
[Prolog.Titel.5.1 ] §. 1. Nam Justitia est virtus, scilicet moralis. Jus est ejus virtutis executivum. Jurisprudentia: est scientia illius juris. DJe Gerechtigkeit ist für sich selbsten die höchste tugendt / welche die gelehrten moralem nennen / darumb / dieweiln deroselben gebrauch allen menschen höchst von nöten ist. Das Recht aber ist das mittel / vnd hilfft den beuelch diser tugendt mit verrichten.
[Prolog.Titel.5.2 ] §. 2. Item Justitia : est inter virtutes summum bonum; jus medium; Jurisprudentia infimum.
[Prolog.Titel.5.3 ] §. 3. Item Justitia tribuit unicuique, quod suum est; jus vero coadjuvat; Jurisprudentia autem docet, qualiter illud fiat. Die Weißheit der Rechten ist die wissenschafft vnd erfahrung desselben Rechtens / vnd lehret / wie vnd auff was weiß solche execution geschehen solle.
[Prolog.Titel.6] TITULUS 6. De Definitionibus Legis, et ejus Conditionibus. Von der Definition vnd beschreibung des Gesatzs / seiner condition vnd gelegenheit.
[Prolog.Titel.6.pr ] Quia dictum est superius, quod omne Jus, aut legibus, aut moribus, hoc est: jure scripto, vel non scripto, constat; de jure igitur scripto, id est: humana lege, breviter sciendum, quod lex diversimode describatur. [Faksimile] Dieweiln oben gesagt ist / daß alle vnnd jede Recht / derer sich die Menschen gebrauchen / zum theil in schrifften begrieffen / zum theil allein im brauch erhalten werden: So ist nun von den beschriebenen Rechten / das ist Menschen Satzungen kürtzlichen zu wissen / daß dasselbe auff mancherley weiß definirt wird.
[Prolog.Titel.6.1 ] §. 1. Primo namque: est constitutio populi, qua majores natu cum plebibus aliquid sanxerunt. Sed haec definitio proposito nostro non quadrat, quum omnis potestas constitutionis, et condendae legis, quae olim apud populum fuerat, in praesentiarum ad Principem nostrum spectet, ut infra clarius dicetur. Dann erstlichen ist die Constitutio populi, des Volcks Satzungen / welche die Eltisten mit willen des Volcks haben statuirt vn~ auffgericht : Welche definition aber sich zu diesem vnserm fürgenommenen Werck nicht schicket. Dieweiln aller vollmechtiger gewalt Constitutiones zumachen vnnd Gesetz fürzuschreiben (welchs vor disem bey dem Volck allein gestanden) an jetzo auff vnsern Landsfürsten vnd König transferirt worden. Dauon hierunten weittere meldung beschehen wird.
[Prolog.Titel.6.2 ] 2. Alio modo: lex est sanctio facta jubens honesta, et prohibens inhonesta, atque contraria. Das Gesetz ist sonsten auch ein solche ordnung / welche erbare ding gebeut / vnd vnerbare sachen verbeut.
[Prolog.Titel.6.3 ] Vel aliter: est recta ratio, ab aequitate tracta, jubens honesta, et vetans inhonesta. Jtem das Gesatz ist ein rechte vernunfft / von der billigkeit gezogen / welche was ehrlich ist gebeut / vnd was vnehrlich ist verbeut.
[Prolog.Titel.6.4 ] §. 4. Item secundum Papinianum, et Demosthenem: Lex est inventio hominis, donum Dei, dogma sapientum, correctio violentorum excessuum, civitatis compositio, et criminis fuga. Ex qua quidem definitione colligitur, quod lex inventio humana sit. Deßgleichen neñets Papinianus vnd Demosthenes, ein inuention oder erfünd des Menschens: Ein gabe Gottes: Hochweiser leuth lehren: Ein zucht vnd straff deß / was einer zu wenig oder zuuiel thuet: Ein wolanstehen einer Statt: vnnd ein meidung schand vnd laster. Auß welcher definition souiel erscheinet / daß das Gesatz ein inuentio vnd erfündung der Menschen sey.
[Prolog.Titel.6.5 ] §. 5. Postquam enim multiplicato genere humano, et irrepentibus vitiis, in tyrannidem regna Faksimile conversa sunt, necessario opus fuit leges condere. Quarum primi inventores, qui fuerint? in praefatione superius declaratam habes. Dann nach dem sich das Menschliche geschlecht gemehret / vnd viel sünd vnd laster vberhand genommen haben / sind löbliche guete Regiment in ein Tyranney / wüstes vnnd wildes leben gerathen. Derowegen Gesatz fürzuschreiben höchst von nöten gewesen. Wer nun deroselben erster fundator vnd erfinder gewesen / ist oben in der præfation vnd Eingang zufinden.
[Prolog.Titel.6.6 ] §. 6. Dicitur deinde in definitione: legem donum Dei esse; secundum enim Chrysostomum, Lex Dei, est una legalis via, quae nec ad dexteram, nec ad sinistram declinat. Populus ergo sine lege, qui Dei dicta, et legum documenta contemnit, per diversas errorum vias, laqueum perditionis incurrit. Omniumque legum inanis est censura, nisi divinae legis imaginem gerat; quia humanae leges eatenus valent solum, quatenus non discrepant a divinis, prout et Sapiens testatur, inquiens: Per me Reges regnant, et legum conditores justa decernunt. Es ist auch in der definition gesagt worden. / daß es ein Donum Dei, Gottes gabe sey / wie Chrisost: sagt: Das Gesatz ist der rechte weg der weder zur lincken / noch zur rechten hand abweichet. Derowegen das jenige Volck / welches Gottes gebott vnd lehren veracht / auff mancherley vnd viel weg / jhren selbst eigenen eüsersten verderben zulauffet vnd eilet: Vnd sind aller Menschen Satzungen nichts / welche nicht auff das ebenbild Göttlicher H. Schrifft vnd Gesatz dirigirt vnd gerichtet sind. Dann die Menschlichen Gesatz soweit gelten / wenn sie mit Gottes Wort vberein stimmen: Wie der Weise Mañ bezeugt vnd sagt: Per me Reges regnant,& legum conditores justa decernunt: Durch [Faksimile] mich regirn die Könige / vnd die Gesatzgeber decernirn vnd sprechen auß was recht ist.
[Prolog.Titel.6.7 ] §. 7. Ideo leges humanae emanare debent e lege divina. Nam illa Respublica sola est ordinata, quae legibus regulatis, lege divina gubernatur. Lex ergo, contra legem divinam, nec populi assensu, nec consuetudine diuturna est valida. Derowegen soll solche Menschen Satzung jhren vrsprung auß Gottes Wort haben. Dann das ist allein ein wolbesteltes Regiment / welchs mit solchen Satzungen gubernirt vnnd gefüret wird / die Gottes Wort gemeß / vnd darnach regulirt sind. Darumben die jenige Satzungen / welche der ordnung Gottes zuwider / können weder mit einhelligem willen des Volcks / noch jrgent durch eine langwerige Gewonheit eingefürt / noch für recht erkennet werden.
[Prolog.Titel.6.8 ] §. 8. Tertia conditio legis ex definitione declarata est: quod sit dogma sapientum. Ubi sciendum: quod sicuti Principes non debent punire innocentem; ita non debent absolvere reum, et facinorosum a poena, et disciplina, maxime quando quis peccat in Rempublicam: Qui enim justificat impium, et condemnat justum, uterque abominabilis est apud Deum. Zum Dritten ist das Gesetz auch genendt worden ein Lehr der hochverstendigen leuth / dar auff zu wissen: Gleich wie Fürsten vnnd Herren keinen vnschuldigen sollen straffen / also sollen sie auch die schuldigen vnd vbelthäter vngestrafft nicht hingehen lassen. Fürnemlich wann einer gemeiner gueter ordnung vnd pollicey zuwider were. Dann beedes / der / welcher den gerechten strafft / vnd der / welcher den vngerechten vngestrafft hingehen lesset / vor Gott ein grewel ist.
[Prolog.Titel.6.9 ] §. 9. Quarta legis conditio, quod sit violentorum excessuum correctio. Nam ideo factae sunt leges, ut earum metu humana coerceatur audacia, tutaque sit inter improbos innocentia. Non enim inducerentur homines ad legis observantiam, nisi esset timor poenae legalis, per publicam inferendae personam. Die Vierdte eigenschafft des Gesatzes ist ein zucht vnd straff dessen / was einer in excessu, ihm zu wenig oder zuuiel thuen / peccirt vnd sündiget. Dann darumb sind die Gesetz geben / daß man der Menschen muetwillen dardurch stille / vnd der fromme vor bösen bueben geschützt werde. Sonsten wann sich die Menschen nicht fürchten müsten / vnd sie von der Obrigkeit darumben nit gestrafft würden / könte man sie zu keinem gehorsam bringen.
[Prolog.Titel.6.10] §. 10. Quinta conditio legis, quod lex sit Civitatis compositio; Civitas enim ab unitate civium nominatur. Ergo omnes leges, etiam in hoc regno nostro, ad commodum Reipublicae, Judices referre oportet. Nam ut ex medicina nihil debet sperari, nisi quod ad corporis utilitatem spectet, quoniam ejus causa instituta est; sic a legibus nil oportet colligi, nisi quod Reipublicae totius communitatis conducat; quia ejus causae, et ad hoc sunt conceptae. Die Fünffte eigenschafft ist / das es ein wolanstehen einer Statt sey / dann die Ciuitas eine Statt den namen ab vnitate ciuium, von einigkeit der Bürger hat. Derowegen müssen auch wir in vnsern Landen alle Satzungen vnd Ordnungen auff den allgemeinen nutz des Vatterlandes / guete Pollicey vnd Regiment fundirn vnd richten. Dann gleich wie man auß einer Medicina vnd artzney darumb nichts anders solle verhoffen / dann daß solche zur leibs gesundtheit werde gereichen / weiln solche Cura derentwegen angestelt worden: Also auch soll man von gueten Satzungen anders nichts verhoffen noch abnehmen / dann daß sie dem gemeine nutz vnd regiment / darumb sie gegeben worden / dienen werden.
[Prolog.Titel.6.11] §. 11. Sexta conditio, quod lex debeat esse criminis fuga. Secundum enim Beatum Thomam Aquinatem: leges humanae, ad retrahendum homines a vitiis, et inducendum ad virtutes, sunt factae. Nam homini inest naturaliter quidam appetitus ad virtutem; sed ipsa virtutis perfectio necesse est, ut adveniat homini per aliquam disciplinam, quae maxime per legis observantiam advenire solet. Ideo subinfert idem S. Thomas, quod lex, est ordinatio rationis, ad bonum commune, ab eo, qui curam habet communitatis, promulgata, estque regula, vel mensura actuum agendorum, vel omittendorum. Die Sechste eigenschafft des Gesetzes ist eine meidung der schande vnd laster: dann nach außsag des H. Thomae Aquinatis, sind Menschliche Gesatz darumb geben / damit die leuth von vntugenden abgehalten / vnd zu allen guten tugenden gezogen werden. Dann dem Menschen ist von natur in sein hertz ein sonderlicher appetitus vnd begirde zu tugenden eingepflanzt / aber die volkommenheit solcher tugendt mueß durch eüserliche zucht / welche meistes theils [Faksimile] durch haltung gueter Pollicey vnd Gesetz herrüeren / erlanget werden. Darumb füret obgemelter Thomas weiter eyn vnd sagt: Das Gesetz sey ein ordnung oder außtheilung der vernunft / auff den gemeinen nutz gericht / von dem geben der den gemeinen nutz lieb hat / vnnd jhm denselben lest angelegen sein. Vnnd ist ein rechte maß vnd richtschnuer / darnach sich ein jeder im thun vnd lassen richten möge.
[Prolog.Titel.6.12] §. 12. Unde lex debet esse justa, honesta, possibilis secundum naturam, et secundum consuetudinem patriae, loco, temporique conveniens, necessaria, et utilis, manifesta quoque, ne aliquid per obscuritatem incautae captionis contineat, id est: ne aliquis possit eam captiose interpretari. Si tamen quid ambiguum, vel obscurum fuerit; ejus est interpretari, qui condidit. Vel ne laqueus alicui paretur per eam, nullo privato commodo, sed pro communi civium utililate conscripta. Dahero soll ein Gesetz sein billich / ehrlich / vnd also beschaffen / daß es zuhalten möglich / auch der natur vnd gewonheit des Vatterlandes nicht zuwider: Sondern nach gelegenheit des orts / vnd der zeit nothwendig vnd nutz sey / deß gleichen auch fein deutlich / damit es nicht wegen der obscuritet vnd dunckelheit dem Menschen zu calumnirn vnd vnnötigen disputirn vrsach gebe. Da aber dasselbe ja also zweiffelhafftig vnd vertunckelt were / gehöret deme die außlegung zue der es gemacht hat / damit es nicht andern zum schaden auff schrauffen stehe: Auch nicht auff den eigenen / sondern allgemeinen nutz gericht sey.
[Prolog.Titel.6.13] §. 13. Ideo autem ista consideranda sunt, quia cum leges institutae fuerint, non erit postea judicandum de ipsis, sed oportebit judicare secundum ipsas. Vnd ist das darumben wol zubedencken / dann sobald ein Gesetz geben ist, soll man nicht viel vom Gesetz / (wie dasselbe zuuerstehn) sondern durch dasselbe vrtheilen.
[Prolog.Titel.7 ] Quare factae sunt Leges? et de quadruplici officio Legis. Warumb die Gesetz geben werden / vnnd von vielerley ämbter derselben.
[Prolog.Titel.7.pr] Quoniam omnes Leges, aut divinae sunt, aut humanae; Divinae: autem natura, humanae vero moribus, et consuetudinibus constant; ideoque hae discrepant, quoniam aliae aliis gentibus placent. Vnd sind zwar alle satzungen entweder Göttlich oder Menschlich : dann die Göttlichen von Natur / die Menschlichen aber von den täglichen handel vnnd wandel / auch üblichen gewonheiten herrüren / vnd darumb bald in disem / bald in jenem Land anderst gehalten werden.
[Prolog.Titel.7.1] §. l. Fas , lex divina est; Jus, lex humana. Nam transire per agrum alienum fas est, quia domini est terra, et plenitudo ejus; Jus vero non est, quia statuto, aut consuetudine prohibetur. Fas, das ist billich: ist ein Göttlichs Gesatz. Ius: daß Recht / ist ein Menschliche Satzung / dann durch eines andern acker gehen[.] Fas est: ist billich / denn die Erde ist deß Herren / vnd die fülle derselben. Aber jus non est, nicht recht ist es / weil es wird durch Menschen Satzungen vnnd gewonheiten verbotten.
[Prolog.Titel.7.2] 2. Unde quaeritur, quare factae sunt Leges humanae ? Et respondetur, quod ideo, ut earum metu humana coerceatur audacia, tutaque sit inter improbos innocentia, et in ipsis improbis, formidato supplicio refroenetur audacia, et nocendi facultas. Dahero fragt man / warumb die Menschlichen Gesatz sind gegeben worden? Eben darumb / auff daß vmb dero furcht willen die Menschen im zaum gehalten / der frommen vnschuld wider die bösen bueben / auch ihre frecheit durch abscheuliche Exempel vnd harte straff zu ruck gehalten / entlichen auch andere dem Menschen schädliche gelegenheiten gesperret werden.
[Prolog.Titel.7.3] §. 3. Quadruplex est autem officium legis, quia omnis lex aut permittit, aut vetat, aut punit, aut imperat. Permittit aliquid: ut vir fortis, et virtuosus petat praemium. Vetat: ut sacrarum virginum nulli petere liceat connubium. Punit: ut, qui caedem fecerit, capite plectatur. Quandoque autem imperat: ut diliges Dominum Deum tuum. Unde versus: Quatuor ex verbis virtutes collige legis: permittit, punit, imperat, atque vetat. Nun aber hat das Gesetz viererley ämbter / dann ein jedes Gesetz entweder ein ding zuelest / oder verbeüt / strafft / oder gebeut. [Faksimile] Zueläst es / als wann ein woluerdienter ehrlicher mann / wegen seiner tugendt / ein belohnung begert. Es verbeut: alß / daß keiner ein Closter Jungfraw solle zur ehe begern. Es strafft: alß / daß der jenige / welcher seinen nechsten vmbgebracht / wider den Kopf verlieren solle. Bißweilen gebeut es: alß / liebe Gott deinen Herren. Wie auß disem Lateinischen Verßlein zu sehen:
Quatuor ex verbis virtutes collige legis,
Permittit, punit, imperat, atq[ue] vetat.
In den vier worten allezeit Des Gsetzes art findst du bereit / Straffen / verbieten vnd zuelassen / Bißweilen gebietn / alles nach massen.
[Prolog.Titel.8] TITULUS 8. De Statuto, et Municipali Jure. Von den Statuten vnd Landtrechten.
[Prolog.Titel.8.pr] Praehabita legis quidditate, atque diversitate, jam de Statuto dicendum occurrit. NAch dem wir nun gesagt haben / was das Gesetz sey / vnd von dessen vnterscheidt / wollen wir nun auch von den Statutis oder Landesrechten sagen.
[Prolog.Titel.8.1] 1. Est autem Statutum, quod vulgo Decretum appellamus: Jus quoddam regni commune, vim legis habens. Et dicitur Statutum, quasi stabiliter, et firmiter ordinatum; vel quasi statum publicum definiens. Saepe vero appellatione quoque Juris civilis veniunt Statuta. Vnd ist zwar ein Statutum oder Landtsrecht / welches wir sunsten Decretum zu nennen pflegen / ein gemein Recht in einem Landt / welches die krafft vnd wirckung eines geschribnen Gesetzes hat. Vnd wird darumben Statutum genennet / weilen es stett vnd fest geordnet / vnd den Statum oder standt des gemeinen nutzes definirt vnd beschreibet. Vnd werden offtmals vnter dem namen des Khayserlichen Rechtens die Statuta verstanden.
[Prolog.Titel.8.2] §. 2. Ubi advertendum, quod Jus civile duplex reperitur. Quoddam commune, et est illud: quod in libris juris civilis habetur; et istud non potest condere, nisi Imperator, vel alius supremus Princeps. Quoddam vero privatum, quod etiam Jus Municipale, vel Statutarium dicitur. Et illud unaquaeque regio, vel provincia, vel aliquando civitas sibi constituere potest. Darumben dann in acht zunemen / daß das Khayserliche Recht zweyerley sey: Ein allgemeines / welches in denen Rechtsbüchern beschriben ist / vnd niemandt anders geben kan / dann der Römische Kayser / vnd sunsten ein anderer hoher Potentat vnd Khünig: Darnach die Statuta oder municipala (das ist / Statt oder Landtrecht) welche ein Prouintz, oder jede Landtschafft / auch bißweilen ein Statt für sich selbst constituirn vnd sagen kan.
[Prolog.Titel.8.3.] §. 3. Jus autem Municipale: est jus positivum alicujus loci. lta dictum, quod in illo duntaxat municipio (idest oppido) ac loco servetur. Idem et jus Statutarium (ut praedictum est) appellatur. Das MunicipalRecht / ist ein solch Recht / welches an ein gewiß ort / Statt oder stelle gesetzt ist / vnd wird also genent / weilen es allein an demselben orth / Statt oder stelle gebraucht wirdt. Es wird auch dasselbe Ius Statuarium (wie vorher gesagt) genennet. [Faksimile]
[Prolog.Titel.9] TITULUS 9. Utrum valeat Statutum contra Jus Canonicum, vel Naturale, vel Divinum? Ob ein Statutum, Landts oder Stattrecht wider das Bäbstliche / Geistliche / Natürlich oder Göttlich Recht / möge eingefürt werden?
[Prolog.Titel.9.pr] Sed quaerendum videtur, an valeat Statutum contra Jus Canonicum, vel Naturale, vel Divinum? Dic quoad Jus Canonicum: si Statutum est contra libertatem Ecclesiarum diuturnam, vel privilegia eis concessa, non valet. Idem dicendum, si circa ea fiunt Statuta, quae salutem animae respiciunt. Circa causas vero profanas, Statuta civilia derogant Canonibus, et eos tollunt. ANtwort: Souil das Bäbstliche Recht anbelangt / sollen die Statuta / welche den priuilegijs, vnd langwirigen wolhergebrachten Freyheiten der Kirchen zu wider sind / für nichtig gehalten werden. Deßgleichen wann Statuta verordnet würden / von denen artickln des Glaubens / vnd welche der Seelen seeligkeit betreffen. Anbelangendt aber weltliche ding / so præiudicirn solche Statuta dem Geistlichen Rechten / vnd werden demselben in solchem fall fürgezogen.
[Prolog.Titel.9.1] §. 1. Quantum autem ad Jus naturale, vel divinum: licet Statuta non possunt illud ex toto tollere; possunt tamen distinguere; ut exempli gratia, lex divina dicit indistincte: Non occides, tamen lex humana, et Statutum concedit homicidium in multis casibus. Idem dicendum de Decimis, quae debentur de Jure divino, et tamen Papa multos privilegiat super Decimis non solvendis. Souil aber das Natürliche oder Göttliche Recht betrifft / ob schon solche Satzung dieselben Recht nit gantz vnd gar aufheben künnen / mag man doch wol darumben distinguirn, vnd ein vnterscheid machen. Als nemlichen: Gott sagt ohne vnterschied: Du solst nit Tödten / Aber das Menschlich Gesetz vnnd Statuta lassen den Todtschlag in viel weg zue. Ebner massen künnen wir auch sagen von dem Zehent / den Gott zu geben befohlen hat / vnnd doch denselben nicht zureichen der Babst viel priuilegirt vnd befreyet.
[Prolog.Titel.9.2] §. 2. Concludamus ergo, quod per Statutum, ac legem, vel rescriptum: non potest Jus naturale, vel divinum in sui universo tolli; nec enim Summus Pontifex, vel alius quispiam posset statuere, ut non observaretur vetus, vel novum Testamentum, vel quod liberi non educarentur a parentibus; sed in aliquibus casibus particularibus potest Faksimile fieri ex justa causa, contra Jus divinum, vel naturale: ut praedo possit occidi, vel fur nocturnus.. Derohalben schliessen wir / daß die Statuta, Landtrechten / Gesatz vnd Rescripta das Natürlich oder Geistlich Recht ganz vnd gar nit auff heben mögen / dann weder Babst / Heiliger oder anderer kündte ordnen vnd befehlen / daß man das Newe oder Alte Testament nit halten / oder das die Kinder von den Eltern nit erzogen werden solten. Aber das man einen verrüchten offentlichen Rauber / oder ein Dieb / bey nächtlicher weil solt vmmbringen / künnen solche vnd dergleichen limitationes vnd Rechten / welche auß gueten erheblichen vrsachen herrüren / wider das Göttlich vnd Natürliche Recht wol gemacht vnd geordnet werden.
[Prolog.Titel.10] TITULUS 10. Quid est Consuetudo? et quae sunt necessaria ad Consuetudinem firmandam? Was die Gewonheit sey / vnd was zu einer rechtmessigen Gewonheit bestättigung gehöre.
[Prolog.Titel.10.pr] Jam autem de Consuetudine disserendum est. Ubi sciendum: quod Consuetudo sit jus quoddam moribus institutum, quod pro lege suscipitur, cum deficit lex. Nec differt, scriptura, an ratione consistat; quandoquidem et legem ratio commendat. Porro, si ratione lex constat; lex erit omne, jam quod ratione constiterit: duntaxat quod religioni congruat, quod disciplinae conveniat , quod saluti proficiat. Vocatur autem Consuetudo, quasi communis suetudo, et usus hominum, quia in communi est usu. NVn müssen wir auch von der Gewonheit etwas melden. Jst demnach zu wissen / daß die Gewonheit / durch die gebreuch ein eingefürtes Recht sey / welches ein mangel des geschribnen Rechtens für dasselbe [Faksimile] gehalten wird / vnd wird nit ander schrifft erkandt / ob solche Gewonheit der vernunft gemeß sey oder nit / dieweil auch die beschribnen Recht / von deroselben ration, das ist / vernünfftigen gueten vrsachen / vnd bewegnussen commendirt, gelobt vnd gebillicht werden. Wann nun ein Gesetz solche vernünfftige vrsachen vnnd motiuen hat / helt man allein solche guete bewegnuß vnd vernunfft für das Gesaz / welche das Gesatz verordnet haben, wann sie nur Gottes Wort / eüsserlicher feiner zucht / vnd der Seelen heil vnd seeligkeit nit zu wider / sondern nützlich sein.
[Prolog.Titel.10.1] §. 1. Sed clarius: Consuetudo (prout nostrum propositum tangit) sic definienda videtur : est jus quoddam, moribus illius introductum, qui authoritate publica legem condere potest. Ideo appellatione juris , venit etiam Consuetudo. Et si Princeps committit, ut judicetur secundum jura; tunc judex poterit ferre sententiam secundum Consuetudinem, et Statuta loci. Sicut etiam e contrario, appellatione Consuetudinis, venit jus commune. Ideo si quis in actione sua faciat mentionem de Consuetudine, etiam jus commune videtur intentatum esse. Die Gewonheit aber ist darumb also genandt / dieweil es die leut also gewohnen / vnd derselben gewonheit sich hernach in gemein gebrau chen: Aber deutlicher kan die Gewonheit beschriben werden nach vnserm verstandt: daß dieselbe sey ein Recht / welches auß dem gebrauchen dessen / der völlige macht vnd gewalt hat offentliche Gesatz fürzuschreiben / eingefürht worden. Derohalben wirdt auch durch das wörtlein / Recht / die Gewonheit verstanden / vnnd so der Landtsfürst befelch thuet / vermög der Rechten zu vrteilen / so mag der Richter in der sachen wol auff die Gewonheit vnd Statuta gehen / wie dann auch vnter dem namen der Gewonheit die gemeine Khayserliche Recht verstanden werden: Darumben so einer in seiner klag sich auff die gewonheit berufft / wird vermuetet / daß er sein klag ebner massen auff die gemeinen beschribenen Recht fundirt habe.
[Prolog.Titel.10.2] §. 2. Quilibet autem populus potest Consuetudinem inducere localem. Sed ut valeat Consuetudo, ac roboretur, quaedam sunt necessaria. Es kan aber ein jedes Volck an einem gewissen ort ein besundere gewonheit introducirn, vnd einfüren / aber das diselbe krafft vnd wirckung habe / sein darzu etliche stuck von nötten.
[Prolog.Titel.10.3] §. 3. Primo, ut sit rationabilis. Est autem rationabilis, cum tendit, et accedit ad finem juris. Finis autem Juris Canonici, et Divini: est felicitas animae. Finis vera Juris Civilis, est bonum publicum. Ideo, si Consuetudo tendit ad felicitatem animae, est rationabilis secundum Jus Canonicum, et Divinum; si autem repugnat fini aeterno, est irrationabilis. De Jure vero Civili Consuetudo est rationabilis, si tendit ad bonum publicum. Et quia in hoc non sunt speciales regulae, dic: quod Consuetudo, quae non est contra Jus naturale , gentium, vel positivum, praesumitur rationabilis. Erstlichen / daß sie auß vernünfftigen gueten vrsachen vnd bewegnussen herkommen: das ist / auff das ende der Rechten gericht sey. Das ende aber Geistliches vnd Göttlichen Rechtens ist der seelen seeligkeit. Des allgemeinen geschribenen Rechts ist die betrachtung gemeinen nutzes. Darumb / wann die Gewonheit der Seelen heil vnd seeligkeit nutz vnd guet ist: so ist sie den Göttlichen vnd Geistlichen Rechten gemeß / vnd vernünftig: Wo aber die Gewonheiten solchen scopum vnd ziel nit für sich haben / seind sie beedes wider Geistlich / Göttlich vnnd weltlich Recht / darumben auch vnuernünftig. Aber dem gemeinen Weltlichen Rechten nach / ist die jenig gewonheit vernünfftig / welche auff gemeinen nutz gerichtet ist. Vnd weilen absunderliche Regeln von der Gewonheit nicht verhanden / noch fürgeschriben sindt / so sage / daß diejenige Gewonheit / welche den natürlichen allgemeinen Burgerlichen [Faksimile] Landt vnd Stattrechten nicht zu wider / vermuetlichen vernünfftig sey.
[Prolog.Titel.10.4] §. 4. Sed cum jus sit fundatum super ratione, videtur, quod nulla consuetudo contra jus possit esse rationabilis? Dicendum: quod consideratis diversis rationibus, potest esse Consuetudo rationabilis contra legem etiam rationabilem. Unde duo contraria possunt simul esse vera, consideratis diversis finibus: ut nubere, et non nubere. Weil dann das geschribne Recht auff der vernunfft gegründet ist / so lest es sich ja ansehen / daß keine Gewonheit / welche dem Rechten zu wider / vernünftig sein künne? Aber es ist darauff zu sagen / daß solches / wann man von beeden theilen vnterschiedliche vrsachen bedencken wil / gar wol sein / vnd ein vernünfftige gewonheit wider das vernünfftige Recht auff gebracht werden könne. Daher können zwey contraria vnd widerwertige ding zugleich war sein / aber zu vngleichem ende. Als zum Exempel: heurathen / vnd nit heurathen.
[Prolog.Titel.10.5] §. 5. Secundo requiritur, ut sit praescripta, id est: habeat tempus debitum, et per cursum illius temporis, ad praescriptionem requisiti, firmetur. Sed hoc est tantum de Jure Canonico; et neque de eo jure id requiritur, nisi quando est contra jus positivum. De Jure autem Civili ad inducendam Consuetudinem sufficit decennium, hoc est: lapsus temporis decennalis, etiam in casu, qui est contra Jus Civile. Si autem esset Consuetudo contra Jus Canonicum, tunc requiritur spatium quadraginta annorum. Si tamen praeter Jus induceretur Consuetudo; etiam de Jure Canonico decennium sufficere videtur. Hoc autem tempus decem annorum incipit currere a tempore primi actus celebrati a populo. Zum Andern ist von nötten die præscription oder verjärung. Das ist: daß sie ihr gebürliche zeit habe / vnnd dardurch so lang confirmirt vnd erhalten werde / souil zeit zu einer verjärung erfordert wirdt. Vnd das ist war nach verjärung der Canonen vnd Geistlichen Rechten / vnd dannoch auch in selben Rechten weiter nit / dann wann diselbe wider das Ius positiuum, Landt vnd Stattrecht were: Aber vermüg Khayserlicher geschribner Rechten / werden mehr nit als zehen Jahr erfordert / ob gleich die gewonheit wider solche Khay: Recht were. Wann aber die Gewonheit den Geistlichen Rechten zuwider were / sindt vierzig Jar von nötten: Doch wann es præter ius,ausserhalb Geistlichen Rechtens were vnnd nicht darwider / ist ebner massen zehen Jar lang genueg / vnd hebt solche zeit von der ersten that vnnd actu des Volcks anzulauffen.
[Prolog.Titel.10.6] §. 6. Id vero, quod dixi de Jure Civili, indistincte sufficere spatium decem annorum, hoc limita: nisi Consuetudo induceretur in his, quae sunt reservata Principi in signum supremae potestatis. Tunc enim non posset induci Consuetudo, nisi esset tantum tempus, cujus initii memoria in contrarium non existeret. Was nun gesagt ist von denen geschribnen Khayserlichen Rechten / daß nemlich zehen Jar ohne vnterscheidt vnnd immediatè genueg zu einer rechtmessigen gewonheit sein: ist solches dahin zu limitirn vnnd zuuerstehen / es were dann der anfang der gewonheit vnd die that expressè vnd augenscheinlich den Regalien, vnd Khay: oder Künig: hochheiten / welche jhme Jhr May: vorbehalten / zuwider: dann auff solchen fall könte kein gewonheit eingefürt werden / es were dann ein solche zeit / welche vber Menschen gedencken gewehrt / vnd in welcher solcher brauch nie angefochten worden / verflossen.
[Prolog.Titel.10.7] §. 7. Tertio requiritur frequentia actuum, ut est communis doctorum sententia. Dic tamen, quod actus frequens, de se non est necessarius ad Consuetudinem inducendam ; sed quia per usum colligitur consensus populi, qui plerumque non potest ex uno solo actu colligi; igitur frequentia actuum est, ut causa, Consuetudo vero, ut causatum. Requiruntur autem tot actus, et ita notorii: ut verisimiliter transiverit in notitiam populi; non tamen actus, sed tacitus consensus populi inducit Consuetudinem. Unde ubicunque ex conjecturis habetur tacitus consensus populi; tunc non curatur de magna frequentia actuum. Imo aliquando ex uno actu, si habuerit causam successivam, et contiuuationem per tempus, infra quod Consuetudo inducitur: ut si quis supra viam publicam pontem habuerit, vel quid tale, potest induci Consuetudo. Zum Dritten mueß auch nach solcher Gewonheit etlich mahl gehandelt worden sein. / nach mainung der Rechts verstendigen: Aber du sage / das solches von sich selbst nit von nötten / sondern dieweil die Gewonheit auß dem brauch erkendt / vnd gemeinlichen auß einigem actu vnd fall oder that nicht kan abgenommen werden / darumb sindt solche handlungen vnd zuetragende fäll alß causa, welche die [Faksimile] Gewonheiten verursachen / die Gewonheit aber / das causatum, von welchen solche gewonheit verursacht worden. Es werden aber so viel actus vnd kundtbare handlungen erfordert / darbey man vermuetlichen abnemen kan / daß solches dem Volck vnd gemein wol bewust / aber nit die handlung / sondern einschleichende consens vnnd bewilligung des Volcks fürt die Gewonheit eyn: Dahero khumbts / wann man vermuettungen solches consens hat / daß man wenig nach der menge vnd vielheit der handlung fragt / ja manichmal ist ein casus genueg / wann derselbe ein causam successiuam, das ist / ein für vnd für wehrende vrsachen auff sich / vnd in so langer zeit hat / welche zu einfürung einer rechtmessigen Gewonheit genuegsam ist. Also wann einer einmal ein Brucken / gemeinen weg / oder was anders gemacht hette / kan dardurch gleichsfalß ein Gewonheit introducirt werden.
[Prolog.Titel.11] TITULUS 11. Quomodo differt Lex a Consuetudine? et de triplici virtute Consuetudinis. Was für ein vnterschiedt vnter dem Gesetz vnnd Gewonheit sey / vnd von dreyerley krafft der Gewonheiten.
[Prolog.Titel.11.pr] Differt autem Lex a Consuetudine tripliciter. Primo, tanquam tacitum, et expressum. DAs Gesetz vnd Gewonheiten werden in drey Puncten vnterschieden. Erstlichen / weil die Gewonheit stillschweigendt / das Gesetz aber offentlich eingeführt wird.
[Prolog.Titel.11.1] §. l. Secundo, tanquam scriptum, et non scriptum; quamvis haec non sit essentialis differentia. Nam licet Lex a Principe lata, non esset scripta, non ideo desineret esse Lex. Et si Consuetudo redigeretur in scriptis, adhuc esset Consuetudo: ut Consuetudines Feudorum, quae redactae sunt in scripta. Zum andern / dieweil das Gesetz ein geschribnes / vnd die Gewonheit nicht ein geschribnes Recht ist: Wiewol die schrifft nicht der wesentliche vnterscheidt des Gesetzes ist. Dann wann ein Landtsfürst ein Gesatz gibt ohne schrifften / wird dannoch dasselb ein Gesetz bleiben vnd heissen. Vnd ob schon ein Gewonheit hernach beschriben wirdt / behelt sie dannoch den namen der Gewonheit / als die Lehenrecht / welche gleichwol in schrifften verfast sein.
[Prolog.Titel.11.2] §. 2. Tertio, tanquam momentaneum, et successivum; quia Consuetudo non inducitur in instanti: Lentiori enim passu procedunt tacita , quam expressa; Nec enim sunt adeo certa, quae ex conjecturis proveniunt, sicut ea, quae sunt expressa; ideo Consuetudo proprie non potest statim induci per populum, sed successive. Zum dritten werden sie vnterschiden in dem das eines geschwindt / das ander langsam seinen anfang gewint: dann die Gewonheit nicht eingefürt wird in instanti, das ist / blötzlich vnd geschwindt / vnd gehen diejenigen sachen welche stillschweigendt herkriechen langsamer zue / dann das / was man vor augen sihet. Ist auch das nimmermehr so gewiß / was man auß der vermuetung hat / dann dasjenige / welches expressè vnd offentlich beschicht. Also gehet es auch mit der Gewonheit zue / welchs successiuè, langsam / vnd nit in puncto, oder von stund an durch das Volck kan introducirt werden. [Faksimile]
[Prolog.Titel.11.3] § 3. Consuetudo autem triplicem habet virtutem. Scilicet interpretativam: est enim legum interpres optima, ideo lege existente dubia, debemus recurrere ad Consuetudinem loci; et si de ea constet, non est recedendum ab illo intellectu, quem Consuetudo tribuit. Die Gewonheit aber hat drey tugenden vnnd kräfft: dann erstlichen kan sie am aller besten die Gesatz außlegen. Derowegen / da ein zweiffel in denen geschribnen Rechten solte fürfallen / sollen wir vns nach der Gewonheit eines jeden orts richten / vnnd so sie verhanden / sollen wir von dem verstandt / den die Gewonheit geben hat / nit weichen.
[Prolog.Titel.11.4] §. 4. Secundo habet virtutem derogatoriam, quia derogat legi, quando est contra legem. Zum andern / hat sie solche tugenden / daß auch solche gemeinen Rechten præiudicirn vnd etwas benemen kan.
[Prolog.Titel.11.5] §. 5. Tertio habet virtutem imitativam, quia imitatur legem, ubi deficit Lex. Zum dritten / volgt sie denen geschribnen Rechten nach / dann in mangel derselben gilt sie eben souil als andere Khayserliche geschribne Recht.
[Prolog.Titel.12] TITULUS 12. De Lege, et Statuto, ac Consuetudine contraria, quid sit sentiendum? Was von dem Gesetz / geschribnen Rechten / Statuten vnd Gewonheiten zu halten sey / da dieselben einander zu wider weren.
[Prolog.Titel.12.pr] Sed quaerendum occurrit, ubi Lex, vel Constitutio, et Consuetudo, invenitur contraria, utranam sit servanda? Dic, quodsi Lex praecedit, et postea sequitur Consuetudo contraria; tunc si Consuetudo est generalis, vincit legem generaliter, et universaliter. Si autem Consuetudo est particularis, non vincit legem universaliter, sed solum in loco, ubi Consuetudo viget. Si vero Consuetudo praecedit, Lex autem subsequitur contraria; tunc Consuetudo non vincit legem, imo potius tollitur per legem sequentem. ES ist die frag / wann die geschribne Khayserliche vnd Khünigliche Constitutiones vnd andere Gewonheiten einander zu wider seyen / welchem man nachkommen solle: Sage / im fall die geschribnen Rechten vorher gehen / vnd die Gewonheit / welche dem Gesetz zuwider ist / hernach auffkommen / vnd ein allgemeine Gewonheit ist / daß dieselbige in allweg den gemeinen geschribnen Rechten vorzogen werde. So aber die Gewonheit Particularis, vnd nicht allgemein were / so kan sie auch denen geschribnen Rechten gantz vnd gar nit vorgezogen werden / sondern hat jre würckung allein am jenigen ort / da sie in specie eingefürt worde[n]. Jm fall aber ein Gewonheit were eingefürt / vnd hernach derselben zuwider ein Gesetz geben worden / so kündte die Gewonheit solchen nachvolgenden Rechten nichts benemen: Ja sie würde vielmehr durch dasselbige nachuolgende Gesetz gantz vnd gar auff gehoben.
[Prolog.Titel.12.1] §. 1. Canonistae tamen tenent oppositum, asserentes, quod Lex Papae non tollat Consuetudinem certi loci contrariam, si de ea non fuerit facta mentio; quia Papa non praesumitur scire contrarias Consuetudines. Ex quo infertur a contrario sensu, quod, si civitas, vel aliqua communitas faciat Statutum contra suam Consuetudinem, tunc tollatur Consuetudo; licet de ipsa non faciat mentionem, quia civitas, vel populus, praesumitur scire suam Consuetudinem. Aber die Canonisten vnd Rechtsuerstendigen in Geistlichen Rechten halten das widerspill / sagende: daß das Gesetz Bäbst: Heil: einen gewissen Landts oder Stattgebrauch der solchem Gesetz zuwider / nicht vmbstost / so nur dasselbe außtrucklich im Gesetz gemeldt worden. Dann nicht vermuetlich / das Bäbst: Heil: widerwertige Gewonheit wissen möge / dannen her auch zuschliessen / daß so ein Statt oder Gemein Statuten jhrer Gewonheit zuwider machte / daß als dann solche Gewonheit dardurch auff gehoben werde / obgleich daruon nit außtrucklich meldung beschehen: dann vermuetlichen / daß ein Statt oder Volck sein eigen Landtsbrauch wisse. [Faksimile]
[Prolog.Titel.12.2] §. 2. Pono igitur duas regulas. Prima est quando praecedit Consuetudo, et sequitur Lex generalis contraria, tollit Consuetudinem praecedentem. Secunda regula: quando Lex praecedit, deinde sequitur Consuetudo contraria Legi, tollit Legem praecedentem. Quod intellige (ut supra c) dixi) [Faksimile] quando est Consuetudo generalis, inducta a populo, qui potest Legem, et Consuetudinem generalem inducere. Nam si esset Consuetudo specialis certi loci, tunc in illo duntaxat loco vinceret Legem. Setze demnach zwo Regeln. Die Erste. WAnn die Gewonheit vorher gehet / vnd ein allgemeines Gesetz derselben zuwider hernach volgt / daß dieselb vorgehende Gewonheit dardurch auff gehoben werde. Die Ander. Wann das Gesetz vorher gehet / vnd ein Gewonheit dem Gesetz zuwider hernach volget / alß dann wirdt das vorher gehende Gesetz dardurch auff gehoben. Welches dahin zuuerstehen / wie gesagt / daß die allgemein Gewonheit durch ein solches Volck ist eingefürt worden / welche das Gesetz vnd allgemeine Gewonheiten einzuführn macht hat. Dann da die Gewonheit nur auff ein gewiß ort gericht were / erstreckte sich jhr würckung / vnd schadet dem Gesetz weiter nicht / dann an dem jenigen ort / da es in übung ist.
[Prolog.Titel.12.3] §. 3. Ubi vero emergit Casus, nec decisus Lege scripta, nec Consuetudine, et tamen est similis Legi scriptae pro una parte, et similis Consuetudini pro alia parte; quidnam sit sequendum, et quidnam simile praeferendum? a plerisque dubitatur. Dic igitur, omnes Casus amplectendo: quando reperitur solum simile Consuetudini, illud debet attendi; quando vero solum simile Legi, tunc illud erit attendendum. Si vero reperitur simile Legi, et simile Consuetudini; tunc primum debet inspici, utri sit magis simile? secundo utrum sit magis rationabile, et aequum? Quod si in omnibus sit paritas; tunc si sumus in materia consuetudinaria, debet attendi simile loco Consuetudinis. Si vero sumus in materia juris scripti; tunc attendamus simile juri scripto. Da sich aber ein fall begebe / welcher weder in geschribnen Rechten / noch durch die Gewonheit decidirt vnd erleutert were / vnnd doch zum theil dem geschribnen Rechten / zum theil aber der Gewonheit ehnlich oder gleichformig were wird von vilen gezweifelt / nach welchem man sich halten / welches gleichnuß / vnd eins dem andern man vorziehen solle: Darauff sage ich vnd fast alle obbeschribne zweifelhafftige fragen zusamen. Wann der fall der Gewonheit allein gemeß ist / soll man demselben folgen. Wann er aber dem geschribnen Rechten gemeß ist / soll man ebner massen dem Gesetz folgen. So es aber beedes von denen geschribnen Rechten / dann ´auch den Gewonheiten ein gleichnuß neme / solle man dem nachgehen welches dem andern theil mehr ehnlich ist. Zum Andern / welches auß bessern bewegnussen / vnd vernünfftigen vrsachen vnnd billigkeit herkumbt. So dann ein gleichheit auff allen seiten sein wirdt / alß dann da die strittige sachen die Gewonheit antreffe / soll man der Gewonheit gleichheit: Im fall aber die materia vnd strittige fäll das geschribne Recht angienge / sollen wir ebner massen desselben gleichnuß nach sententionirn vnd schliessen. [Faksimile]
[Prolog.Titel.13] TITULUS 13. Quid sit Judex, quid Judicium, quid Causa, quid Actor, et Reus? Was ein Richter / Gericht / deß gleichen was ein Rechtssachen / Klager vnd Beklagter sey?
[Prolog.Titel.13.pr] Sed quoniam moderandis Legibus, Judices praesunt, qui recto Judicii examine ex jurisdictione eis competente, singula discutiunt; ideo non videtur absurdum de ipsis quoque aliquid explicare. DJeweilen aber zur moderation vnde messigung der Gesetz Richter fürgesetzt sindt / welche auß krafft jhrer habenden Iurisdiction vnd tragenden ambts durch Gerichtliches vnd rechtmessiges Examen alle ding fleissig erwegen. Derohalben wird nit absurdè vn~ vbel gethan sein / auch von denselben etwas zusagen.
[Prolog.Titel.13.1] §. 1. Ubi sciendum: quod Judex dicitur, quasi jus dicens, vel quia jure disceptat, id est: justitiam ministrat populo. Darauff zu wissen / daß darumb einer Richter genendt wird / weil er das Recht spricht / oder darüber erkendt / vnd solche Gerechtigkeit dem Volck mittheilet vnd widerfahren lest.
[Prolog.Titel.13.2] §. 2. Jus autem est objectum justitiae, ideo Judicium, ex vi nominis importat justi, vel juris determinationem, in Causa, quae coram Judice agitatur. Das Recht aber ist der Gerechtigkeit obiectum vnd gegenwurff / damit die Gerechtigkeit vmbgehet / dahero dann das wort / Gericht / nach eigenschafft dessen namens / einen sententz oder spruch des Rechten in der sachen / welche für den Richter gebracht worden / in sich begreifft.
[Prolog.Titel.13.3] §. 3. Causa autem dicitur a casu, quo venit. Est enim materia, et origo negotii, needum discussionis examine patefacta, quae, dum proponitur, Causa est; dum discutitur, Judicium; dum finitur, Justitia censetur. Et hoc loco justitia appellatur, quae dicta est Lex. Lex autem juris status dicitur, quia per sententiam jus de se non constituitur, sed status juris declaratur. Ein causa aber / das ist / ein fall oder sachen hat den namen vom casu, das ist / Zuefall / daher es khumbt / dann es ist ein materia vnnd vrsprung der gantzen handlung / welche durch Rechtliches Examen vnd erwegung noch nit außgesprochen oder offenbaret ist. Dann so baldt ein handlung proponirt wird / wird solche caussa genendt: Wann man darüber erkendt / heist es judicium: Wann darüber der sententz ergehet / heist es Iustitia, Gerechtigkeit / vnd hie an disem ort wird das die Gerechtigkeit genandt / welche das Gesetz genennet wird. Das Gesetz aber wird Status oder zuestandt des Rechtens genendt / dann durch einen sententz oder Rechtlichen spruch wird das Recht für sich selbsten nit bestellet / sondern der Status, zuestandt vnd gelegenheit des Rechtens erklärt.
[Prolog.Titel.13.4] §. 4. In omni vero negotio, quod ad Judicium venit discutiendum, hae personae requiruntur: Judex, Actor, et Reus. In negotio autem non notorio, testes quoque necessario requiruntur. Es sind aber in einer jeden sachen / welche vmb erkandtnuß willen für Gericht gebracht wird / dise drey Personen nothwendig. Ein Richter / Klager vnd Beklagter: Wofern die sachen zweifelhafftig / auch zeugnüssen nothwendig erfordert.
[Prolog.Titel.13.5] §. 5. Actor itaque, quasi accusator, quia ad causam vocat; Reus vero a re, quae petitur, nuncupatur, etiamsi non sit sceleris conscius. Derohalben der Actor, accusator genennet wird / dieweil er ad causam citirt vnd ruefft: Reus, der beklagte / à re, von der sachen welche Gerichtlich begert wird / ob jhme schon vmb den handel nichts bewust ist.
[Prolog.Titel.13.6] §. 6. Testes antiquitus superstites dicebantur, eo quod super statu causae proferebantur. Testes,die Zeügen werden von alters her genennet superstites, dieweil sie vber dem Statu der sachen producirt vnd gefürt werden.
[Prolog.Titel.13.7] §. 7. Unde homines (ut inquit Aristoteles) ad Judicem confugiunt, sicuti ad aliquam justitiam animatam. Aristoteles sagt auch darumb / daß die Menschen zum Richter fliehen / alß zu einer lebendigen Gerechtigkeit. [Faksimile]
[Prolog.Titel.14] TITULUS 14. Quot requiruntur ad Judicium, ut sit actus Justitiae? et de Jurisdictione, Officioque, et Conditionibus boni Judicis. Wievil Stuck zu einem Gericht von nöten / daß es ein actus vnd abhandlung der Gerechtigkeit sein möge. Deßgleichen von der Jurisdiction, ambt vnd condition eines gueten Richters.
[Prolog.Titel.14.pr] Ut autem Judicium sit actus justitiae (auctore S. Thoma) tria requiruntur. Primo, ut procedat ex justitiae inclinatione. Secundo, ex Praesidentis authoritate, atque jurisdictione. Tertio, ut exeat, proferaturque ex prudentiae recta ratione. AVff das nun ein Gericht sey / actus Iustitiæ (wie Thomas sagt) das ist ein handlung der Gerechtigkeit / sein drey stuck von nöten. Erstlichen / daß es auß gueter zueneigung der Gerechtigkeit hergehe. Zum andern / daß es hergehe von der authoritet, ansehen / Iurisdiction vnnd macht dessen / der das Gericht besitzt vnd demselben præsidirt. Zum dritten / daß es herkhomme vnnd außgesprochen werde auß der weißheit rechter vernunfft.
[Prolog.Titel.14.1] §. 1. Si enim Judicium fit, aut contra rectitudinem justitiae, vel per eos, qui non habent ad judicandum authoritatem, vel sine prudentiae examine; tunc non rectum, sed vitiosum, et illicitum Judicium censetur. Dann so in einem bestelten Gericht der Gerechtigkeit etwas zuwider gehandlet / oder durch diejenige / welche die macht zu richten nit haben / oder sunsten ohne verstandt / vernünfftige vnd weißliche erwegung etwas gesprochen wird, ist dasselbe kein rechtes / sondern wird für ein falsches vnd vnrechtmessiges Gericht gehalten.
[Prolog.Titel.14.2] §. 2. Jurisdictio vero: est potestas ex jure publico introducta; diciturque a ditione, id est: potestate, et juris, quasi juris potestas. Die Iurisdiction aber ist ein macht zu richten / welche durch das offentlicheRecht geben worden. Vnd khumbt Iurisdictio von dem wörtlein ditio, das ist / macht vnd gewalt / vnd vom wörtlein Iuris, das ist des Rechtens / vnd heist beedes zusammen ein Rechts gewalt.
[Prolog.Titel.14.3] §. 3. Officium autem Judicis: est jus competens ipsi Judici, ad ea, quae sibi, ut Judici, facienda incumbunt, peragenda, praestitum. Differt autem officium Judicis a Jurisdictione, sicut actio ab obligatione. Nam, ut per actionem quis consequitur, quod in obligationem venit; ita per officium Judicis ad effectum perducitur, quod in Jurisdictionem venit, et eam deducit in actum. Das Ambt aber eines Richters ist das gebürliche Recht / welches jhme dem Richter in denen sachen / welche vor jhme als Richter in der sachen etwas wegen tragenden Ambts vnd der gebür nach zu thuen oder zu handlen gebracht / geben worden. Es ist aber ein vnterscheidt zwischen dem Richterlichen Ambt vnd Iurisdiction, gleich wie actio die klag vnd zuespruch den ich zu einem hab / vnd die obligatio, das ist die vrsachen / darumben ich ihn beklag / vnd er mir also verbunden ist / vnterschiden sindt. Dann gleich wie einer dasjenige durch klag erlangt / darumben sich ein anderer verobligirt vnd verbunden hat: Also auch wird das durchs Richterliche Ambt Exequirt vnnd volzogen / was in seinen Gerichts zwang kommen ist.
[Prolog.Titel.14.4] §. 4. Ad Judicem autem praecipue spectat, mature singula discutere; nec debet in ferenda sententia praeceps, aut subitus esse, alioquin voluntas ejus praecipitata, noverca justitiae diceretur. Nec plus uni, quam alteri parti debet favere; nec esse acceptor personarum, alienamque necessitatem, suam debet existimare. In primis autem, passionibus animi carere, ut non moveatur prece, odio, vel amore. Nam Judex etiamsi tulit sententiam justam, tamen tenetur in foro conscientiae, si id fecit potius odio, quam amore justitiae. Einem Richter aber ligt fürnemlich ob / daß er alle sachen zeitlich erwege / vnd sich in sententionirn vnd erkandtnussen nit vbereyle. Sonsten wird sein præcipitata vnd vbereylter will ein stieffmueter der Gerechtigkeit genendt. Soll auch einem theil nit mehr günnen alß dem andern / noch jrgendt ein ansehen der Person haben / sondern seines nechsten noth vnd anligen anderst nit schützen vnd betrachten alß wann es [Faksimile] sein eigne noth vnd anligen were. Jnsonderheit aber soll er seinen affectionen vnnd begierden nicht nachhengen / auch sich weder durch bitt / freundtschafft oder lieb bewegen lassen. Dann ob wol ein Richter ein gerecht vrtel spricht / mueß er dannoch vor Gott darumb rechenschafft geben / ob ers nit vielmehr auß neyd / dann auß lieb der Gerechtigkeit gethan.
[Prolog.Titel.14.5] §. 5. Nec debet esse Judex nimis crudelis, nec pius nimis, sed aequus in judicando. In omni enim Judicio conjuncta sunt misericordia, et virtus, id est justitia; et in harum conjunctione consistit aequitas. Unde S. Gregorius: Omnis , qui juste judicat, stateram in manu sua gestat, et in utroque penso justitiam, et misericordiam portat; sed per justitiam reddit peccatis sententiam, per misericordiam peccati temperat poenam; ut justo libramine, quaedam per aequitatem corrigat, quaedam per misericordiam indulgeat, qui Dei judicium oculis suis semper timens, et tremens, in omni negotio formidat, ne de justitiae tramite devians cadat. Ubi namque justitia suum modum excedit, crudelitatis vitium gignit; et nimia pietas, dissolutionem disciplinae parturit. Er sol auch nit gar zu vnbarmhertzig / auch nit gar zu barmhertzig / sondern im Richten billich sein: dann in einem jeden Gericht dise stuck beysammensein sollen / Barmhertzigkeit vnd Tugendt / das ist / Gerechtigkeit. Dahero Gregorius sagt / daß ein jeder billicher Richter in seinen händen ein Wag / vnd in einer wagschüssel die Gerechtigkeit / in der andern die Barmherzigkeit trage: Aber durch die Gerechtigkeit felle er den sündern das vrtel / durch die Barmhertzigkeit lindere er die verdiente straff. Daß er also mit gleicher Wag eines durch die billigkeit corrigirt vnnd strafft / das ander auß barmhertzigkeit ein wenig nachsiehet / vnd also Gottes Gericht allezeit vor augen habe / vnd mit zittern jhne in allen sachen fürchte / damit er nit von der Gerechtigkeit fueßstapffen abweiche vnd falle.
[Prolog.Titel.14.6] §. 6. Humanum autem Judicium quatuor modis solet perverti. Timore, dum metu potestatis alicujus veritatem loqui pertimescimus. Cupiditate, dum praemio animum alicujus corrumpimus. Odio, dim contra quemlibet adversarium molimur. Amore, dum amico, vel propinquo aliquid praestare contendimus. Quae omnia in Judice summopere sunt cavenda, atque fugienda. Dann wo die Gerechtigkeit einen Exces, das ist / zuuil oder zu wenig thuet / so wird entweder ein Tyranney / oder ein vnordenliches wildes leben darauß / vnd wird zwar das Menschliche Gericht auff viererley weiß verkert. Erstlichen / auß Furcht / in dem wir auß furcht eines andern gewalts vnd macht die warheit nit reden mögen. Zum Andern / auß Begierden, in dem wir einem sein hertz durch gab vnd geschenck corrumpirn vnd einnemen. Zum Dritten / auß Neyd / in dem wir wider vnsere feindt etwas zu handlen vnß vnterstehen. Zum Vierdten / auß Lieb / in dem wir vnsern gueten freunden vnd verwanten zu wilfahren vnnd zu dienen begern / daruor sich ein jeder Richter sonderlich hüeten vnd dise vntugenden fliehen solle.
[Prolog.Titel.15] TITULUS 15. Utrum Judex secundum allegata, et probata, vel secundum conscientiam judicare teneatur? Ob ein Richter / vermüg deß / was die Partheyen Gerichtlichen producirt, eingefürt / vnd probirt haben / oder wie ers in seinem gewissen befindet vnd weiß / richten solle?
[Prolog.Titel.15.pr] Nunc quaestio subjungenda est: an Judex secundum allegata, et probata Partium; vel secundum quod novit, et ex conscientia, debeat judicare? Verbi gratia: aliquis accusatur de capitali, vel alio crimine, et Judex scit illum esse innoxium, quia vidit id crimen ab alio fuisse patratum, testes tamen contra eum testificantur, an condemnabit scienter innocentem? Dic, quod judicare pertineat ad Judicem, secundum quod fungitur publica potestate, ideo instrui debet in judicio: non secundum quod ipse Judex novit, tanquam persona privata, sed ut sibi innotescit, tanquam personae publicae. JTem ist dise frag hierunter zu setzen: Ob ein Richter / vermüg dessen / was die Partheyen Gerichtlichen producirt, eingefürt vnd probirt haben / oder wie ers in seinem gewissen befindet vnd weiß / richten solle? Alß [Faksimile] zum Exempel, einer wird capitaliter auff leib vnd leben wegen einer mißhandlung angeklagt / vnd der Richter weiß sein vnschuld / jedoch kommen zeugnüß wider jhn eyn / daß er der Thätter sey. Jst die frag / ob er den vnschuldigen möge vervrteln? Sage / das richten dem Richter zugehöre / weilen jhme offentliche macht vnd gewalt zu richten geben worden. Darumb soll er vor Gericht vnterwisen werden / vnd solle darüber als ein Richter / vnd nit wie ers als ein priuat vnd schlechte Person in seinem gewissen verstehet vnd weiß / richten.
[Prolog.Titel.15.1] §. 1. Id autem potest sibi dupliciter innotescere: vel in communi, per leges scilicet publicas, divinas, aut humanas, contra quas probatio non admittitur; vel in particulari, per instrumenta, et testes, et alia legitima documenta, quae magis sequi debet judicando, quam illud, quod ipse novit in persona privata. Ideo inquit S. Augustinus: Judex bonus, nihil ex arbitrio suo facit, sed secundum leges, et jura pronunciat. Er aber kan auff zweyerley weiß Gerichtlichen vnterwisen werden / vnd die sach verstehen / entweder in gemein durch offentliche Göttliche vnnd Menschliche Gesetz (darwider man keinen beweiß zuelässet) oder aber absunderlich durch Brieffliche vrkunden / lebendige zeugnüssen / vnd andere rechtmessige documenta vnd beweiß / denen er in vrteln viel mehr soll volgen / dann dem / was er in seinem hertzen weiß: daher sagt der H. Augustinus, Ein fromer Richter soll nichts nach seinem guet beduncken thuen / sondern soll sich dem gemeß nach halten / was jhme die Gesetz vnnd Recht fürschreiben vnd ordnen.
[Prolog.Titel.15.2] §. 2. In hoc tamen casu, Judex debet esse valde sollicitus, ut foveat partem illam, quam in conscientia sua scit esse veram, ne pereat propter defectum testium, et advocatorum. Jedoch soll der Richter in disem fall bekummert sein / wie er dem theil / den er in seinem gewissen vnschuldig weiß / möge schützen / damit er im mangel der zeugen vnd Aduocaten nit vmbkomme.
[Prolog.Titel.15.3] §. 3. Si vero eo ventum est, ut adeo validae probationes in judicio proferantur, quae nec repelli, nec collidi valeant; omni arte et studio est Judici enitendum, ut innocens convictus eripiatur. Da aber die sachen dahin kommen / daß solcher starcker beweiß Gerichtlichen producirt worden / welcher nit kan abgeleint / noch vmbgestossen werden / soll er sonderliche achtung vnnd gueten fleiß haben / daß der vberwundene vnschuldig ledig werde. Faksimile
[Prolog.Titel.15.4] §. 4. Si nulla ejuscemodi via reperiri potest, quaerat rationem, si sine scandalo fieri potest, ut alteri causam committat; si id nequit, tunc proferat sententiam secundum allegata, et probata. Est enim Judicis officium, magis laborare pro salute boni publici, quam singularis, cum et ipse in quantum Judex, sit persona publica; et bonum commune sit nobilius particulari, ut habetur primo Ethicorum. Wann aber diß auch nit gehen wolte / soll er mittel vnd weg suechen / wie er einem andern die sachen (da es ohne ergernuß geschehen kan) möge auff tragen: So er auch diß nit thuen kan / soll er nach der Partheyen fürgebrachten beweiß das vrtel schöpffen. Dann das Richterlich ambt erfoderts / daß er mehr vmb des gemeinen / dann einer einigen Person nutz willen thue. Dieweil er auch / souil sein Richterlich ambt anbelangt / ein offentliche Person / vnd der gemeine nutz viel edler vnnd höher dann eines einigen Menschen nutz ist / wie Aristoteles sagt. I. Ethic.
[Prolog.Titel.15.5] §. 5. Nam si Judex ferret sententiam pro innocente in Judicio tamen convicto, redundaret in perniciem publicam; populus enim scandalisaretur, viaque aperiretur, innocentes opprimendi, et noxios absolvendi. Si enim Judex vellet innocentem punire, diceret se conscientia sua scire, eum esse reum. Pariter, et si vellet sceleratum absolvere. Et sic iniquis Judicibus male judicandi aditus pateret. Fateor esse, qui aliter sentiant; sed haec videtur opinio communior, et aequior fore. Dann so ein Richter ein vrtel dem zu gueten / welcher vnschuldig / jedoch vor Gericht vberwisen ist / spricht / würde solches zu gemeinem schaden gereichen / weilen das Volck sich darob ergern / vnd also vrsach gegeben vnd gemacht würde / die vnschuldigen vnter zudrucken / vnd die schuldigen loß zulassen. Dann so der Richter wolte einen vnschuldigen verdammen / kündte er sagen / er wüste es in seinem hertzen daß er schuldig were. Hergegen wann er einen vbelthäter wolte loß geben / kündte er sagen / er wüste sein vnschuld. [Faksimile] Vnnd hetten also vnbilliche Richter zur vngerechtigkeit gewünschte gelegenheit. Jch bekenne es zwar / daß andere anders dauon iudicirn vnd halten / aber mich deücht daß dise meinung gemeiner vnd billicher sey.
[Prolog.Titel.16] TITULUS 16. De duplici conscientia Judicis, videlicet Rei, et Dicti. Von zwifachen gewissen oder wissenschafft des Richters / als wissenschafft des handels / vnnd durch der zeügen außsag.
[Prolog.Titel.16.pr] Sed quia constans est Theologorum sententia, quemlibet, qui contra conscientiam facit, peccare. ABer dieweil vnter den Theologis ein gewisse meinung ist, daß ein jeder der seinem Gewissen etwas zuwider thut / hoch sündige /
[Prolog.Titel.16.1] §. 1. Sciendum igitur, quod duplex est conscientia: videlicet Rei, et Dicti. Unde Judex licet faciat contra conscientiam Rei, id est: negotii, vel facti, non tamen facit contra conscientiam Dicti, hoc est: testimonii. Aliud est enim simpliciter scire, et aliud est, prout debet Judex scire. ist demnach zu wissen / daß ein Gewissen zweyerley sey. Eines Rei, das ist / der sachen / vnd wie der handel an ihm selbst beschaffen: vnd Dicti, das ist / dessen / was zum beweiß der sachen einkommet. Darumb ein Richter / ob er wol wider sein Gewissen nemblich Rei, der that thuet / das er anderst richt / als jhme die that bewust: so thuet er doch nit wider sein Gewissen Dicti, des beweiß / welcher in der rechtfertigung wider die that einkommen ist. Dann ein anders ist es etwas schlecht hin / vnnd etwas wissen / wie es einem Richter gebürt.
[Prolog.Titel.16.2] §. 2. Judex autem duplicem personam repraesentat, unam privatam, aliam publicam. Fieri enim potest, ut aliquid sciat, tanquam persona privata, et id nesciat, tanquam persona publica; sicut Christus dicitur, aliquid scire ut Deus, et illud nescire, ut homo, prout est illud testimonium Evangelicum: de die autem illa, et hora (scilicet extremi judicii) nemo scit, neque Angeli Dei, neque Filius, nisi Pater solus, quod intelligitur: Filium nescire, ut hominem, scire tamen, ut Deum. Idem est de Sacerdote confessionem audiente, qui etiam interrogatus per viam testimonii, posset dicere: se nescire audita in confessione, quia nescit, ut testis. Sic etiam Judex debet informare conscientiam suam in his, quae ad propriam personam attinent, secundum ea, quae in publico judicio sciri possunt. Der Richter aber ist an stat zweyer Personen / als ein priuat, vnd publica persona. Es kan sich aber wol zuetragen / daß er etwas wisse als ein priuat Person / vnd wisse es doch nit als ein publica oder offentliche Person. Gleich wie man sagt / etwas wissen als Gott / vnd etwas nicht wissen / als ein Mensch. Vnd wie im Euangelio stehet: Aber die stundt vnd zeit des Jüngsten Gerichts weiß niemandt / auch die Engel Gottes nicht / allein der Vatter etc. Welches verstanden wird / daß er die sachen nicht wisse nach seiner Menschlichen / aber nach seiner Göttlichen Natur wisse ers. Deß gleichen ein Beichtvatter / wann derselbe zeugnüß weiß gefragt würde / kan er sagen / er wisse es nicht was er in der Beicht gehört / dann als ein zeug weiß ers nicht. Also auch ein Richter soll sein Gewissen / vnd was sein eigne Person betrifft / vnterweisen vnd richten nach dem was man offentlich im Gericht wissen kan.
[Prolog.Titel.16.3] §. 3. His duo adjungam: Unum, quod si sit supremus Judex: ut Papa, et Imperator, vel alius, qui non adstringitur legibus; tunc debet sequi veritatem. Si vero est Judex inferior, tenetur secundum allegata, et probata, etiam contra conscientiam judicare; nec tunc peccat, quia obstringitur ad id faciendum juris authoritate. Zu disem obstehenden wil ich nach zwey stuck setzen: Erstlich / wañ es ist die höchste Obrigkeit / als der Babst / der Römische Kayser / oder ein anderer der Herr für sich selbsten were / als dann soll er der warheit nach vrtheilen. Aber ein andere nidrige Obrigkeit soll dem nach vrtheilen / was Gerichtlichen einkommen vnd erwisen worden / ob ers schon anderst weiß / dann er thuet daran nicht vnrecht / weilen er in disem denen geschribnen Rechten vnd Satzungen gebürlichen gehorsam [Faksimile] leistet.
[Prolog.Titel.16.4] §. 4. Secundum est: quod si Judex sedeat pro tribunali, et contingat aliquem ibi coram eo aliquod delictum facere; tunc potest illum statim punire, ac si probaretur per testes. Melius est enim probare aliquid per ipsum factum, quam per testes. Si vero non sedeat pro tribunali; tunc secus. Nam si Judex ex fenestra praetorii, vel domus suae intueatur unum, quempiam interficientem; et quoniam hoc homicidium, vel non defertur in judicium, vel delatum non probatur; et Judex voluerit homicidam de se ipso subjicere torturae, ut veritas per illius confessionem eliciatur; certe non poterit. Sola enim Judicis scientia ad hoc non sufficit, ut ad torturam reus deveniat, cum ipse illud nesciat, ut Judex, sed ut privata persona; nec ipsius testimonium in hac parte valet, cum in una, et eadem causa nemo possit esse testis, et Judex. Igitur aliunde est edocendus: vel per testes, vel alia documenta, ut possit torquere criminosum. Das ander ist / wann der Richter das Gericht besitzt / vnd ein anderer vor seinen augen ein mißhandlung begienge / so kan er jhn alßbald straffen / als wann seine that durch zeugen erwisen were. Dann besser ist es etwas mit der that selbst beweisen / dann mit zeugen. Aber ein anders ist es / wann der Richter ausserhalb seines Ambts ist / dann so der Richter auß dem Gerichts oder seinem eignen Hauß zum Fenster herauß sehe / daß einer den andern erwürgte: im fall solches nicht klagweiß für jhn käme / oder da es zwar fürgebracht vnnd aber nit erwisen würde / kündte der Richter solchen Todtschläger zu rettung der warheit nicht an die strenge frag werffen lassen. Dann allhie die wissenschafft des Richters nit genuegsam ist / daß der Thätter solte peinlich examinirt werden / dann er weiß das nicht / wie es ein Richter wissen soll, sondern als ein priuat Person / vnd gilt sein zeugnüß in disem fall nichts. Dann keiner in einer sachen zugleich Richter vnnd Zeüg sein kan / darumb soll er anderstwo her vnterwisen werden.
[Prolog.Titel.16.5] §. 5. Dubium quoque est de ministris, et executoribus, qui sciunt testes falso jurasse, vel Judicem inique judicasse; tamen coguntur a Judice, innocentem interimere, vel aliter punire. Unde communis est Theologorum sententia: eos non debere obtemperare, si pro certo id sciant; secus vero, si dubitent, quia tunc excusantur propter obedientiae bonum. Ideo secundum Sanctum Thomam: si sententia intolerabilem errorem, et injuriam contineat, non debent obedire; alioquin excusarentur carnifices, qui Martyres occiderunt. Si vero non adeo manifestam contineat injustitiam; tunc non peccant exequendo, quia sententiam superioris non habent discutere. Nec ipsi innocentem interimunt, sed Judex, cui ministerium praebent. Es felt auch zweifel für / wegen der Diener / vnd derjenigen welche das vrtel an den armen Sündern exequirn sollen. Wann die jenigen wissen / daß die zeugen falsch geschworen / oder der Richter vnbillich gerichtet hatt / vnd doch von dem Richter gezwungen werden den armen Sünder vom leben zum todt zu richten / oder in andere weg zustraffen: Darauff antworten alle Theologi, daß sie zugehorsamen nit schuldig sein / wann sie es gewiß wissen. Ein anders aber ist es / da sie zweiffeln: dann also entschuldiget sie der geleiste gehorsam / den sie der Obrigkeit schuldig seindt / derohalben sagt der H. Thomas: Wann ein vrtel einen vnträglichen jrrthumb vnd vnbilligkeit in sich hielte / daß sie nicht sollen gehorsam leisten / sonsten würden die Züchtiger vnd Hencker entschuldigt sein / welche die H. Martyrer vmbgebracht haben. Wann aber das vrtel nit gar augenscheinlich vnbillich were / als dann thuen sie mit der Execution nicht vnrecht. Dann es stehet bey jhnen nicht zu disputirn, ob der sententz recht oder vnrecht gesprochen sey. Darzue bringen sie den armen nicht vmbs leben / sondern der Richter / dem sie solches ministerium leisten vnd handtreichung thuen. [Faksimile]
[Textus.1] DE TRIPARTITA DIVISIONE JURIUM, ET CONSUETUDINUM INCLYTI REGNI HUNGARIAE, IN GENERALI. Der Erste Theil Von der Dreyfachen abtheilung der LandtsRechten vnd Gewonheiten dises Hochlöblichen Königreichs Hungern in gemein.
[Pars1.Titulus.1] TITULUS 1. TIT. I
[Pars1.Titulus.1.pr] Expeditis, opitulante Deo, notabilibus, quae ad introductionem hujus opusculi praemittenda videbantur; jam speciatim de Consuetudinibus hujus Inclyti Regni Hungariae tractandum superest. NAch dem wir / mit der hilff Gottes / von etlichen denckwirdigen stucken / welche wir zum Eingang diß Wercks vorher gehen lassen wollen / notturfftiglichen tractirt vnnd geredt haben: So wollen wir nun mehr in specie vnd absonderlichen von den Gewonheiten oder Landtsrechten diser Hochlöblichen Cron Hungern auch reden.
[Pars1.Titulus.1.1] §.1. Quia igitur omnis Consuetudo juris, qua utimur, vel ad personas pertinet, vel ad res, vel ad actiones; certum est autem, quod omnia jura respectu personarum prodierint; ideo dignum videtur, a personarum jure, exordium coeptae materiae sumere, deindeque de duabus reliquis consuetudinarii Juris partibus (non directe quidem semper, sed praepostero interdum ordine, prout scilicet rerum in Judiciis emergentium series, et conditio requirere dignoscitur) tractare, et secundum hoc, praesens opusculum tripartiri, dignum duxi. Dieweiln dann nun alle rechtmessige Gewonheiten entweder auff die Personen vnd Menschen: oder derselben Güter vnd Gewerb: Entlichen rechtliche klagen / verpflichtungen vnd anfoderungen gerichtet: Nun aber kundbar vnd all wissent ist / daß alle Rechten dem Menschen zu guetem geordnet sindt: Derowegen will sichs gebüren / daß wir von derselben eigenschafft in vnserm fürgenommenem vnd angefangenem werck zum ersten / darnach auch von denen zween andern Theilen / dises gewönlichen Landtrechtens / (nicht zwar allezeit directè vnd ordentlich / sondern bißweilen extraordinariè, nach gelegenheit / art vnd weiß der handlungen / so vor Gericht einkommen) etwas handeln. Hab ich in ansehung dessen / diß gegenwertige Werck in drey vnterschiedliche stuck abtheilen wöllen.
[Pars1.Titulus.1.2] §. 2. In prima quidem ejus parte: de his, quae ad personarum rationem spectant, nobilitatis scilicet nostrae primordio, libertate, bonorum, juriumque possessionariorum acquisitione, gubernatione, divisione, venditione, alienatione, concambiali permutatione, praescriptione, pignoratione, metali reambulatione, jurium quartalitiorum, ac dotalitiorum solutione, bonorumque mobilium, et immobilium aestimatione. Vnd wird zwar in dem ersten theil tractirt vnd gehandelt werden von dem / was den Menschen eigentlichen betrifft vnd angehet. Als nemlichen: von dem anfang vnsers Adelichen herkommens vnd Freyheiten. Jtem wie vnd auff was weis die possessiones vnd freye Edelmans Gütter vberkommen vnd gubernirt, getheilt vnd verkauft / verwendet oder vertauschet / verjäret oder verpfendet werden. Deßgleichen von [Faksimile] der hatterung / vnd abfertigung der Edelleuth Töchter vnd Wittiben / wegen ihres Quartalitij vnd dotalitij, das ist: Jhres gebürenden Erbtheils vnd Heurathguets / daß sie auff jhrer verstorbenen Vätter vnd Ehegemahlen Gütern zusuchen haben. Entlichen von der farunden vnd ligenden Haab vnd Güetern schatzungen.
[Pars1.Titulus.1.3] §. 3. In Secunda vero ipsius parte: de rerum, ac causarum, praetextu praemissorum bonorum, et jurium possessionariorum, aliorumque negotiorum, movendarum, et suscitandarum processibus, et executionibus, ac sententiarum exinde ferendarum seriebus. Jm andern Theil aber / wie man in denen sachen vnd handlungen / welche sich wegen obgedachter possessionen vnnd anderer handel vor Gericht erheben / vnnd anhengig gemacht werden / Rechtlichen procedirn, exequirn, vnd darüber die sententz vnd vrtel pronuncirn vnd fellen solle.
[Pars1.Titulus.1.4] §. 4. In Tertio tandem,et ultimo opusculi membro: de causarum, et actionum judiciariarum, in [Faksimile] Curiam Regiam, per viam appellationis, ex omnibus regni Comitatibus, atque de Croatia, Sclavonia, et Transilvania, sedibusque spiritualibus, deducendarum, ac transmittendarum ordinibus, et modis. Item de liberarum Civitatum legibus, ac causis criminalibus, et earum decisionibus, cum correquisitis semper, et necessariis circa praemissa materiis, et rebus, sua serie tractabitur. Jn dem Dritten vnd letzten / von der Ordnung vnd weiß / durch welche Gerichtshandlungen per appellationis viam, an das Königliche Hoffgericht oder Tafel von allen Spanschafften: So wol auch auß Crabaten / Windischlandt vnnd Sibenbürgen / deß gleichen von den Geistlichen Stuelen deducirt vnd vberschicket werden. Jtem von der Freystätt Satzungen vnd Statuten, von Peinlichen Halßgerichten vnd deroselben proces vnd entschiedungen / neben andern mehr darzu nothwendig gehörigen sachen.
[Pars1.Titulus.2] DE PRIMA PARTE JURIUM, ET CONSUETUDINUM REGNI IN SPECIALI. ET PRIMO: TITULUS 2. Quod tam Personae spirituales, quam saeculares, una, et eadem libertate utantur. TIT. II. Von dem Ersten Theil der Landtsrechten vnd Gewonheiten in Specie: Vnd zwar erstlichen / daß sich alle Personen / sie seyn Geistlich oder Weltlich gleicher freyheit gebrauchen.
[Pars1.Titulus.2.pr] Sciendum in primis est: quod personarum, de quarum Juribus, et Consuetudinibus nunc agitur, aliae sint spirituales, sive ecclesiasticae; aliae vero saeculares. FVrnemblichen ist zu wissen / daß etliche Personen / von welcher Landtsrecht vnd gebreuchen jetzo gehandelt wird / Geistlich / etliche aber Weltlich sein.
[Pars1.Titulus.2.1] §. 1. Et quamvis personae spirituales (medio quarum salutem humanam Dominus, et Salvator noster administrari voluit) personis saecularibus digniores habeantur; tamen omnes Domini Praelati, et Ecclesiarum Rectores, ac Barones, et caeteri Magnates, atque Nobiles, et Proceres Regni hujus Hungariae, ratione nobilitatis, et bonorum temporalium, una, eademque libertatis, exemptionis, et immunitatis praerogativa gaudent; nec habet Dominorum aliquis majus, nec nobilis quispiam minus de libertate. Hinc etiam una, eademque lege, et consuetudine, ac uno, et eodem juridico processu, in judiciis utuntur, homagiorum duntaxat quantitas variatur. Vnd obwol die Geistlichen Personen / (durch welche als mittel vnser lieber Herr vnnd Seligmacher / der Menschen heil vnd seligkeit in acht zu nehmen vnnd zu administrirn befohlen hat) wirdiger als die Weltlichen gehalten werden: Jedoch haben alle Prælaten vnd Geistliche / Kirchenvorsteher / vnnd andere Landtständt / Herrn vnd vom Adel dises Königreichs Hungern / souiel den Adel vnd zeitliche Güter betrifft / einerley vnd gleiche prærogatiuen vnd Freyheiten / vnd hat ein Herr von solcher Freyheit nicht mehr als ein Edelman: Der Edelman auch nicht weniger von der Freyheit. Daher sie sich dann einerley Recht vnnd Gewonheiten gebrauchen / auch zu gleicher [Faksimile] weiß in Rechten procedirn vnd verfahren: Ohne allein / das ein vnterschid in dem ist / was die Homagia vnd erlegung verfallener straffen antrifft.
[Pars1.Titulus.2.2] §. 2. Nam Domini Praelati, et Barones centum, Nobiles vero quinquaginta marcas, pro homagiis suis consequuntur, ut infra clarius dicetur. Et hoc quoque non ratione libertatis, sed praetextu dignitatis, et officii; Praelati utpote occasione dignitatis Sacerdotii; Barones vero, respectu officii, quo funguntur, et a Principe sublimantur. Dann die Herren Prælaten vnnd Freyherren hundert / ander vom Adel aber wegen des Homagij funfftzig Marck consequirn vnd erlangen. Dauon hieunten deutlicher gesagt soll werden. Vnd geschicht das nicht vmb der Freyheit willen / sondern in ansehung vnd wirdigkeit tragenden Ambts. Als die Herren Prælaten wegen wirdigkeit des Priesterthumbs: Andere des Herren Standts / wegen hoheit tragenden ambts / dardurch sie durch den Landtsfürsten erhöhet vnd andern vorgezogen werden.
[Pars1.Titulus.2.3] §. 3. Unde et Regi propinquiores in stando, vel sedendo, et primi in consilio voces emittendo, atque priores Rempublicam augmentando, et defensionem Patriae peragendo, caeteris nobilibus existunt, virtuteque dignitatis, et officii merito praeferuntur. Dahero sie dann auch bey dem König den vorzueg vor anderen im stehen vnnd sitzen / so woln im versamletem Rhat die erste stimm haben. Werden auch was das auffnehmen / defension vnd schutz des Vatterlandes anbelanget / krafft jhrer wirdigkeit vnnd tragenden hohen ambts / andern vom Adel billich vorgezogen.
[Pars1.Titulus.3] TITULUS 3. De exordio nostrae Nobilitatis, et quomodo regimen in Principem nostrum translatum est? TIT. III. Von Vrsprung vnd anfang vnsers Adels / vnd wie das Regiment auff vnsern König kommen sey?
[Pars1.Titulus.3.pr] Quamquam non historiam texere, sed Consuetudines, et peculiares, approbatasque hujus Regni Leges ipse describere constituerim; quia tamen universos Dominos Praelatos, et Barones, ac Nobiles, una, et eadem exemptionis, et libertatis praerogativa gaudere dixi, et alioquin dubitari solet a plerisque, unde nobilitas nostra, de qua Baronatus, et omnis tandem Principatus progredi solet, exordium sumat; quive sint, et intelligantur veri Nobiles Regni, ideo paucis ejus Nobilitatis progressum, et initium declarare statui. OB ich wol nit historias erzehlen / sondern diser Hochlöblichen Cron Hungern übliche Landtsrechten vnd Gewonheiten zubeschreiben mir fürgenommen habe: Dieweiln ich aber oben gesagt / das alle vnd jede Geistliche vnd Weltliche Herren Prælaten, Freyherren vnd von Adel / gleicher prærogatiuen vnd freyheiten sich gebrauchen / von vielen aber möcht in zweifel gesetzt werden / von wannen dann vnser Adel / von welchem Herren / vnd andere Stände jhren anfang haben / herkommen / vnd welche für recht Edelleuth sollen gehalten werden:
[Pars1.Titulus.3.1] §. 1. Ubi sciendum: quod licet secundum communem peritorum sententiam: Nobilis ille sit, sua quem virtus nobilitat, in quantum tamen propositum nostrum tangit: Nobilitas, quae etiam Liberorum nomine plerumque intelligitur; primum inter Hunnos, sive Hungaros, post ingressum eorum ex Scythia in Pannoniam, quae nunc mutato nomine, ab Hungaris illam incolentibus, Hungaria vocitatur, orta fuisse perhibetur, hoc modo: Demnach ist zu wissen / das obwol / nach meinung erfahrner verstendiger leuth / der jenige Edel ist / den sein tugendt Edel machet: Jedoch souil vnser propositum belanget / sagt man das vnser Adelicher Standt / welcher vnter dem wörtlein freyer leuth gemeiniglich verstanden wirdt / Erstlichen vnter den Hunnen oder Hungern / nach dem sie aus Scythia in Pannoniam, welches Landes name jetzundt verwechselt worden / vnd von den Hungern / die es bewohnen / Hungaria genennet wirdt / seinen anfang genommen habe / der gestalt:
[Pars1.Titulus.3.2] §. 2. Cum enim egressi ex Scythia Hunni, una cum uxoribus, filiisque, et filiabus, ac cuncta eorum familia, plures peragrarent, pervagarenturque Regiones, Capitaneis ordinatis, et uno praeterea Rectore ad lites dissidentium sopiendas, furesque, et latrones, ac alios malefactores castigandos, unanimiter electo, atque constituto; communi omnium sententia, decretoque edictum fuit: ut, dum aliquae res communitatem aequa sorte tangentes occurrerent, aut generalis expeditio exercitus incumberet, tunc mucro, vel ensis sanguinis aspergine tinctus, media Hunnorum per habitacula, castraque deferretur, et vox praeconica subsequeretur dicens: Vox Dei, et praeceptum communitatis universae, ut unusquisque in tali loco (eundem designando locum) armatus, vel qualiter potest, compareat, communitatis consilium simul, et praeceptum auditurus. Das nach dem die Hunnen mit sambt Weib vnd Kind vnd jhrem ganzen familia auß Scythia gezogen / vnd [Faksimile] hin vnd wider das Landt baweten vnnd herumb schweiffeten / haben sie vnter jhnen ordenliche Haubtleuth / vnd einen Obristen / der vnter jhnen alle strittigkeiten erörterte / vnd Dieb / Mörder / vnd andere vbelthäter straffete / auffgeworffen / vnd durch ein Decret einhelliglichen beschlossen. Wann sich etwas zutrüge / daran jhnen sambtlichen vnd zu gleich gelegen / oder sonsten ein allgemeiner vortzug vnd Kriegsexpedition von nöthen wäre: daß alß dann ein blosser bluetiger Säbl / mitten durch der Hunnen Zelten vnd Leger getragen / vnnd auff nachfolgende weiß außgerueffen würde. Die Stimme Gottes vnd der befelch der ganzen Gemeine ist / auff daß ein jeder / an disem oder jenem orth (welcher müste genennet werden) mit seiner besten Wehr / vnd wie er kan auff kommen / erscheine / vnd zugleich den Rhatschlag vnd befelch der Gemeine anhöre.
[Pars1.Titulus.3.3] §. 3. Haec Consuetudo inter Hungaros usque ad tempora Geyzae Ducis, Patris scilicet gloriosi Principis, et Apostoli nostri Beatissimi Stephani, primi Regis Hungarorum, inviolabiliter exstitit observata. Quae multos Hunnorum perpetuam redegit in rusticitatem. Dise Gewonheit vnter den Hungern hat gewehret biß zun zeitten des Fürsten Geyssæ welcher ein Vatter gewesen / weilandt seligster gedechtnuß / vnsers Landtsfürsten vnd H. Apostels Stephani, des ersten Königs der Hungern / vnd ist vnuerbrüchlich gehalten worden. Welche viel Hunnen zu Bawren vnd dienstbar gemacht.
[Pars1.Titulus.3.4] §. 4. Nam statutum, et sancitum erat: ut transgressores ejuscemodi mandati, nisi rationabilem assignarent excusationem, cultro media per viscera scinderentur, aut communem, et perpetuam in servitutem redigerentur. Dann es war also beschlossen / welcher obbemeltem gebot kein gehorsam leistete / vnd deß vngehorsams kein erhebliche vrsachen fürwenden künte / daß derselbe entweder mitten von einander gehawen / oder zu ewiger dienstbarkeit gebracht würde.
[Pars1.Titulus.3.5] §. 5. Haec Sanctio, plurimos Hungarorum (ut praefertur) plebeae perhibetur effecisse conditionis. Nam cum una, et eadem de generatione, a quodam scilicet Hunnor et Magor, unanimiter processerint, aliter fieri nequivisset, ut hic Dominus, ille servus, hic nobilis, ille ignobilis, et rusticus efficeretur. Diß Gesetz (wie ob vermeldet) hat viel Hungern zu gemeinen Befelchsleuthen gemacht. Dann dieweil sie alle zugleich von Hunno vnd Magor jhren vrsprung haben vnd herkommen sindt / war nicht möglich. / daß diser Herr / jener Knecht: Einer ein Edelman / der ander ein Bawr sein solte.
[Pars1.Titulus.3.6] §. 6. Postquam vero inspirante Spiritus Sancti gratia,ad agnitionem veritatis, Catholicaeque fidei professionem, opera ipsius Sancti Regis nostri,Hungari venere, et eundem sponte in Regem elegere, pariter et coronavere; omnis nobilitationis, et ex consequenti possessionariae collationis, qua nobiles decorantur, et ab ignobilibus segregantur, facultas, plenariaque potestas, in jurisdictionem sacrae Coronae Regni hujus, et per consequens in Principem, ac Regem nostrum, a communitate, et communitatis ab auctoritate, simul cum imperio, et regimine translata est, a quo jam omnis nobilitatis origo, per quandam translationem reciprocam, reflexibilemque connexionem, ita mutuo semper dependet; ut sejungi, segregarique nequeat, et alter sine altero fieri non possit. Nach dem aber aus angeben deß H. Geists die Hungern zum erkendtnuß der warheit / Catholischen Glauben vnd Profession kommen / vnd daß auß hilff deß H. Königs Stephani, den die Hungern auß freyem willen zum König erwehlet vnnd gekrönet / ist alle völlige Macht vnd gewalt / die digniteten vnd Adeliche freyheiten / vnnd folgents Iura possessionaria Freye Edelmans güter / damit die von Adel gezieret / vnd allein von dem gemeinen Mann vnterschiden werden: zu conferirn vnd außzutheilen / der Iurisdiction diser H. Cron Hungern vnd folgents vnsern Landtsfürsten vnd König heimgefallen / vnd von der Gemeine vnd derselben authoritet, das ganze Regiment zuegleich mit vbergeben worden. Bey welchen jetzo aller anfang deß Adels / vnd gleichsamb durch eine vbergab kommen ist / die beede theil / so wol den Herren als Vnterthanen also verbündtlichen helt vnnd an einander henget macht / daß eines ohne das ander [Faksimile] nicht sein / noch von einander geschieden werden kan.
[Pars1.Titulus.3.7] §. 7. Neque enim Princeps, nisi per Nobiles eligitur, neque Nobilis, nisi per Principem creatur, atque dignitate nobilitari decoratur. Dann es kan keiner König werden / es erwehlen jhne dann die Edelleuth darzue / wird auch keiner ein Edelman / es werde jhme dann solche dignitet vom König conferirt.
[Pars1.Titulus.4] TITULUS 4. Quod vera Nobilitas, per exercitia militaria, et caeteras virtutes acquiratur, ac possessionaria Donatione roboretur. TIT. IIII. Daß der rechte Adel durch vbung im Kriegswesen vnd andere tugenden zuwegen gebracht: Vnd durch schenckung eines Edelmans / oder Freyguets / vom König beschehen / roborirt vnd bekrefftigt werde.
[Pars1.Titulus.4.pr] Proinde vera nobilitas, usu, disciplinaque militari, ac caeteris animi, corporisque dotibus, et virtutibus acquiritur. Nam, ubi Princeps noster quempiam hominum, cujuscunque conditionis existat, ob praeclara facinora, ac servitia, castro, vel oppido,sive villa, aut alio jure possessionario, condonaverit, mox ille per hujusmodi Donationem Principis (Statutione legitima subsequente) in verum nobilem creatur, et ab omni rusticitatis jugo eripitur. DErohalben wirdt der rechte Adel durch erfarenheit deß Kriegs wesens vnnd übung gueter Ritterschafft auch andern deß gemüts vnnd leibs löblicher tugenden zuwegen gebracht: dann wann vnser König jrgendt einem / wer der auch sey / wegen seiner dapffern Thaten vnd getrewen diensten / ein Schloß / Statt / vnd Dorff / oder sonsten ein possession vnd Freyguet schenckete / wird derselbe alßbald durch solch Fürstlich geschenck / (jedoch daß er auch hernacher statuirt vnd rechtmessiger weiß darein eingewisen werde) zum rechten Edelman / vnd wirdt das Bewrische joch / daß ihm auff dem halß lage / gantz vnd gar von ihm genommen. [Faksimile]
[Pars1.Titulus.4.1] §. 1. Et ista tandem donativa libertas, per nostrates, Nobilitas appellatur. Unde talium Nobilium filii, merito haeredes, et liberi nuncupantur. Et hujusmodi Nobiles, per quandam participationem, et connexionem immediate praedeclaratam, membra sacrae Coronae esse censentur; nulliusque, praeter Principis legitime coronati, subsunt potestati. Vnnd solche geschenckte Freyheit / wirdt bey vns der Adel genennet. Dannenhero auch solcher Edelleuth nachkommen billich Hæredes, Erben vnd freye Edelleuth genennet werden. Vnd solche Edelleuth sindt vermög oben angezeigter / von beeden theilen schuldiger verbündtnuß mitgenossen vnnd glieder der H. Cron Hungern / vnnd keinem Menschen ausser dem rechtmessig erwölten vnnd gekrönten König vnterworffen.
[Pars1.Titulus.5] TITULUS 5. Quod quilibet de bonis, per eum propriis servitiis conquisitis, libere disponere possit. TIT. V. Daß ein jeder / der durch sein eigen verdienst Gütter vberkommen hat / damit zuthuen oder zulassen frey macht habe.
[Pars1.Titulus.5.pr] Tale autem jus possessionarium, per exercitia militaria conquisitum, apud Legistas peculium castrense; quod vero literali scientia, vel doctrina cujuspiam acquiritur, peculium quasi castrense nuncupatur. Et dicitur peculium, quasi proprium, vel privatum bonum, ita, quod liceat filio de eo facere, quidquid voluerit, etiam praeter voluntatem Patris, et e contra. WAnn nun jrgendt einer / wegen übung gueter Ritterschafft ein Freyguet obgehörter massen bekommen / so nennen es die Rechts verstendigen peculium castrense, [Faksimile] Kriegßmans Guet: Wann es aber einer wegen lernung freyer Künste / vnd durch seine geschickligkeit erlanget / nennen sie es quasi castrense peculium, das ist / welches gleichsamb dem so durchs Kriegß wesen erarnet wirdt / gleich ist.
[Pars1.Titulus.5.1] §. 1. Et inde traxit originem, ac fundamentum illa laudabilis, et vetustissima, ab olimque approbata Consuetudo nostra, quod scilicet: quilibet Dominorum Baronum, ac Magnatum, et Nobilium, de, et super universis rebus, bonisque, et juribus possesionariis, per eum propriis suis laboribus, servitiis, et virtutibus, qualitercunque acquisitis, et inventis, ante divisionem cum patre, vel fratribus factam, liberam (prout voluerit) disponendi semper habeat potestatis facultatem: sicuti inferius in serie divisionum inter fratres fiendarum, limpidius declarabitur. Daher hat dise vralte löbliche Gewonheit bey vns jhren vrsprung genommen / das ein jeder Herr oder Edelman möge nach seinem gefallen / ehe vnd zuuor er mit seinem Vattern vnnd Brüdern abtheilung gehalten / ( von welcher theilung vnd wie dieselbe gehalten werden soll / wirdt hieunten deutlichere vnnd weitleufftigere meldung geschehen) mit allen seinen sachen vnd habenden güttern / welche er durch eigene mühe vnd arbeit / trewe dienst vnnd löbliche tugenden / auff waserley weiß es wölle / erworben / frey vngehindert vmbgehen / vnd dieselben seines gefallens disponirn.
[Pars1.Titulus.6] TITULUS 6. Quod Nobiles, etiam absque possessionaria Donatione, creentur; quodque ad Nobilitatem comprobandam, insignia nobilitaria non sint in Judicio neccessaria. TIT. VI. Das einer auch ohne Collation eines solchen Freyguets könne geadelt werden: Vnd das zu erweisung Adeliches Standes die Wappen vor Gericht vnnötig sein.
[Pars1.Titulus.6.pr] Sciendum ulterius: quod veri Nobiles etiam alio modo, et absque jurium possessionariorum Donatione fiant, et creentur, dum videlicet Princeps noster, quoscunque plebeae conditionis homines, a rusticitatis, et ignobilitatis servitute sequestrando, et eximendo, in coetiun, ac collegium, numerumque verorum Regni Nobilium aggregat, et adscribit. Tales etiam sine possessionaria collatione, veri Nobiles reputantur. Qui quidem Nobiles, utroque modo creati, et eorundem cuncti haeredes, per lineam virilis sexus legitime descendentes, (si etiam arma, seu insignia nobilitaria, aut literas super armorum figuris, et collationibus editas non habeant) veri tamen semper Nobiles censentur. WEiter ist zu wissen / das auch auff ein andere weiß vnnd ohne Collation solcher possession oder Freyguets einer könne geadelt werden. Als nemlich / wenn jhr König: Mtt: einen gemeinen Mann / der nicht Edel sondern schlechtes herkommens ist / von solchem joch der dienstbarkeit weg nimbt / vnd in die anzall vnd hauffen der rechten Edelleuth adscribirt vnnd erhebt / so werden auch solche ohne collation einer possession für rechte Edelleuth gehalten. Welche zwar / auff obberürte zweyerley weiß / geadelte Personen / vnd deroselben rechtmessige von Mannes stammen herrürende Erben / rechte Edelleuth sein / (ob sie gleich keine Wappen / noch vber solche beschehene collation keinen Wappenbrieff auffgericht haben.)
[Pars1.Titulus.6.1] §. 1. Arma enim a Principe cuipiam concessa, non sunt de necessitate, sed solummodo de bene esse nobilitatis. Nam armorum collatio simpliciter facta, non nobilitat quemquam; cum etiam civium, et plebeorum hominum multi habeant armorum insignia per Principem donata, per haec tamen in numerum Nobilium non computantur. Dann wann Jhr Khönig: May: einem ein Wappen gibt / ist solches zum Adelichen Stande nicht de necessitate, als ob es sein müste: Sondern de bene esse, dieweil es wol stehet. Dañ so einer schlecht hin ein Wappen vberkommet machts ihn nicht Edel: weil viel Burger vnnd gemeine leuth sindt / die ebner massen durch den Landtsfürsten Wappenmässig gemacht sindt / vnnd werden doch darumben nicht in die zall der Edelleuth gerechnet.
[Pars1.Titulus.6.2] §. 2. Ad Nobilitatem itaque comprobandam non petuntur in Judicio exhiberi insignia, vel arma nobilitaria; sed solae literae donationales, vel statutoriae, cum declaratione possessionariae collationis editae, produci debent; imo illis non habitis, literae duntaxat expeditoriae super solutione Quartalitiorum (dummodo tempus praescriptionis jurium regalium transcendisse dignoscatur) confectae, ad comprobationem hujusmodi Nobilitatis abunde sufficiunt. Derowegen zu beweisung Adeliches herkommens / wirdt vor Gericht nit begert / daß [Faksimile] einer sein Wappen oder Wappenbrieff solle auff weisen: Sondern allein die darüber auffgerichte donationales vnd statutoria, welche / neben erklerung des conferirten vnd geschenckten Guets darüber auffgericht vnd herauß geben sindt / müssen producirt werden. oder wann solche nicht vorhanden / so werden die Expeditoriæ Schein vnd Quittungen / welche einem wegen bezahlung der Quartalitien (jedoch daß ein solche zeit / welche zur verjärung vnd præscription solcher Regalien genuegsam ist / verflossen sey) geben worden / zum beweiß Adeliches Standes für gar gnuegsam erkennet.
[Pars1.Titulus.6.3] §. 3. Nam Quartalitia non nisi de juribus possessionariis acquisititiis solvuntur. Dann die Quartalitia nicht / deñ von den Freygütern geraicht werden.
[Pars1.Titulus.6.4] §. 4. De juribus autem emptitiis non Quartalitia, sed portiones congruentes puellis, et filiabus Baronum, ac Magnatum, atque Nobilium dantur. Aber von denen Gütern / welche ein Herr oder Edelman erkaufft / geben dieselben jhren Töchtern den gebürenden theil vnd nicht Quartalitium.
[Pars1.Titulus.7] TITULUS 7. Quod ex nobili Patre, et ignobili Matre generati, veri Nobiles censeantur, sed non e converso. T. VII. Daß der jenig von einem Edlen Vatter vnd einer vnedlen Mueter geboren ein rechter Edelman sey: Aber nicht contrà.
[Pars1.Titulus.7.pr] Item illi, qui ex nobili duntaxat matre, et rustico patre sunt propagati; veri nobiles non dicuntur. Nisi forsitan mulier ipsa fuisset per Regem in verum haeredem jurium paternorum (sine tamen praejudicio legitimorum successorum) praefecta, atque creata. DEßgleichen die jenigen / welche von einer Edlen Mueter vnd derer Vatter ein Bawr gewesen geboren / sindt keine Edelleuth. Es were dann das Weib von Jhr Kön: Mtt: zu einem warhafften Erben der Vätterlichen Freygüter (jedoch den agnaten vnd rechtmessigen successorn ohne schaden) præficirt vnd angesetzt.
[Pars1.Titulus.7.1] §. 1. Nam hoc modo, filii sui, etiam ex ignobili patre progeniti (quia praefectio naturam, vimque Donationis, ac jurium possessionariorum collationis sapit, atque repraesentat) veri Nobiles reputantur. Als dann werden solche Kinder ob sie schon von einem Edlen Vatter geboren (dieweiln solche Königliche præfection die natur vnd krafft hat einer donation vnnd conferirung eines Freyguets) gleichwol für Edelleuth gehalten.
[Pars1.Titulus.7.2] §. 2. E contra vero, ex nobili patre, et ignobili matre filii procreati; recti, et veri Nobiles censentur. Hergegen aber von einem Edlen Vatter / vnnd einer Vnedlen Mueter geboren sindt rechte Edelleuth.
[Pars1.Titulus.7.3] §. 3. Pater enim generat, mater autem formam solum generandi dat, et praestat. Denn der Vatter zeugt / die Mueter aber gibt allein den Form zum Kinder zeugen.
[Pars1.Titulus.7.4] §. 4. Qualiter autem Praefectio praenotata fieri possit, et debeat; inferius eam scriptam habebis. Wie aber solche præfection geschehen könne vnd möge / wirstu hieunten etwas weiters dauon geschriben finden.
[Pars1.Titulus.8] TITULUS 8. Quod etiam per Adoptionem Nobiles fiant, et creentur. TIT. VIII. Daß auch einer durch die Adoption, anwinschung der Kinder zum Edelman werde.
[Pars1.Titulus.8.pr] Item fiunt adhuc et alio modo Nobiles, per Adoptionem: dum videlicet quis Dominorum, vel Nobilium, rusticum, seu ignobilem quempiam, in filium sibi adoptaverit, et successorem, haeredemque bonorum suorum substituerit, et hujusmodi Adoptioni consensus Regius accesserit; tandem et Statutio legitima bonorum ipsorum subsecuta fuerit, (quia Adoptio aeque, sicut Praefectio, cum consensu Regio vim Donationis tenet) ignobilis ille, et filii sui, veri nobiles reputantur. [Faksimile] DEßgleichen wirdt auch auff ein andere weiß durch die Adoption einer zum Edelman. Alß wann ein Herr oder vom Adel einen gemeinen Mann oder Bawrn an Kindsstatt auff nimbt / vnd jhn zu einem Erben seiner Güeter substituirt vnd einsetzt / vnd Kön: Mtt. jhren Consens vnd willen darzue geben / vnd darauff die rechtmessige statution vnd einweisung in solche Güeter gefolgt ist. Dañ solche anwinschung / adoptio genandt / gleicher weiß wie die præfection vnd ansetzung mit Kön: Consens, krafft vnd wirckung einer Königlichen donation vnd gnad hat / dardurch der vnedele in Adelichen Standt erhebt wirdt.
[P1.T.9] TITULUS 9. De quatuor privilegiatis, et praecipuis Nobilium Libertatibus. TIT. IX. Von den vier Priuilegirten vnd fürnemsten Freyheiten derer vom Adel.
[P1.T.9.pr] Quamvis autem horum Nobilium multae sint Libertates, per privilegia, et constitutiones Principum explicatae; quatuor tamen censentur esse praecipuae, quas hic inserendas curavi. OBwol solche vom Adel viel Freyheiten haben / welche durch Fürstl: Priuilegien vnd constitution genuegsam erkleret sein: Helt man doch dise Vier nachfolgende vor die fürnembste / welche ich allhie setzen wöllen.
[P1.T.9.1] §. 1. Prima igitur est: quod ipsi, nisi citati, vel vocati, ordineque judiciario condemnati fuerint; in eorum personis, ad quorumvis instantiam, vel clamores, aut preces, nusquam, et per neminem detineri possint. Erstlichen daß dieselben ohne vorgehende Rechtliche Citation / vnd ehe sie durch einen ordentlichen Gerichtlichen proces condemnirt, in eigner Person / auff jrgent eines klagen / lauffen vnd bitten / an keinem orth / auch von keinem Menschen mögen auff gehalten werden.
[P1.T.9.2] §. 2. Violatur tamen haec libertas in factis, causisque criminalibus, puta homicidio deliberato, villarum combustione, furtoque, et rapina, seu latrocinio, atque etiam violenti adulterio, in quibus honorem, titulumque, et libertatem nobilitatis, quilibet amittit. Et sic poterit, etiam per rusticam manum in loco delicti, et criminis commissi, libere semper talis detineri; et juxta suos excessus condemnari, punirique merito valebit. Jedoch verwirckt man dise Freyheit in Criminalsachen. Alß fürsetzlichem Todtschlag / Brandt / Diebstall / Rauberey vnd Mörderey / dann auch gewaltthätigem Ehebruch / dardurch ein jeder sein Ehr / Tittel vnd Freyheit verlieret / vnd mag durch einen jeden / da es müglich / auch einen Bawren / auff frischer That / vnd an dem orth da er die vbelthat begangen / frey / ohne entgelt auff gehalten / vnnd hernach seinem verbrechen nach vervrtelt / vnd der billigkeit nach gestrafft werden.
[P1.T.9.3] §. 3. Verumtamen si de loco delicti aufugerit, et manus adversantium evaserit; postea non aliter, [S.9] nisi citatione, vel evocatione mediante, processuque juridico, damnari, et aggravari debebit. Jedoch / wenn der Thätter / von dem orth / da die That begangen / auß der handt seines gegentheils entwischt / vnd entrünnen / kan man jhme darnach anderst nicht beykommen / dann er werde Rechtlichen Citirt, vnd mit Gerichtlichen ordentlichen proces vervrtheilt.
[P1.T.9.4] §. 4. Secunda libertas, quod Nobiles totius Regni, nullius, praeterquam Principis legitime (ut praetactum est) coronati, subsint potestati, et ipse quoque Princeps noster, ad simplicem querelam, et sinistram suggestionem alicujus, neminem eorum praeterviam juris, et altera parte non audita, in persona, vel rebus suis, ordinaria authoritate, impedire potest. Die Andere Freyheit ist / daß der Edelleuth in gantzem Landt keiner / ausserhalb des Rechtmessigen gekröntenKönigs (wie obgesagt) [Faksimile] Iurisdiction vnd gewalt vnd gewalt vnterworffen sey. Vnd vnser Landsfürst / oder König selbsten / kan keinen Edelman / auff eines andern klag vnd vermeinte vnrechte angebung / ausser Gerichtlichen ordentlichen proces, vnd ehe er die andere Parthey auch gehört / weder an seiner eignen person noch Gütern / auß eigner macht vnd gewalt impedirn.
[P1.T.9.5] §. 5. Tertia est; quod justis eorum juribus, et omnibus proventibus intra terminos territoriorum suorum adjacentibus, liberam semper prout volunt, fruendi habent potestatem: ab omnique conditionaria servitute, ac datiarum, et collectarum, tributorum, vectigalium, tricesimarumque solutione, per omnia immunes, et exempti habentur: militare duntaxat pro regni defensione tenentur. Zum Dritten / daß sy jhrer Erbgüter Gerechtigkeit / vnnd daruon herrürenden einkommens / so weit sich jhr gebiett / grundt vnnd boden erstreckt vnd gehet / frey jhres gefallens zugebrauchen vnd zugeniessen macht haben / vnd von aller bedinglichen dienstbarkeit / Dätz / Aufflagen / Tribut / Maut / vnd Dreyssigisten durchauß exempt vnd frey sein. Allein vmb Schutzung des Vatterlandts willen / sein sie in Krieg zu ziehen verbunden.
[P1.T.9.6] §. 6. Quarta (ut reliquas praeteream) et ultima est; quod, si quispiam Regum, et Principum nostrorum, libertatibus Nobilium, in generali decreto, Excellentissimi Principis quondam Domini secundi Andreae Regis, cognomento Hierosolymitani (ad quod observandum, quilibet Regum Hungariae, priusquam suum caput sacro diademate coronaretur; sacramentum praestare solet) declaratis, et expressis, contravenire attentaret; tunc sine nota alicujus infidelitatis, liberam illi resistendi, et contradicendi habent in perpetuum facultatem. Die Vierte / (wil geschweigen der andern) vnd letzte ist dise / daß / wo vnser König vnd Landtsfürst einen der Adelichen Freyheit / welche in einem offentlichen decret von weilund König Andrea / mit seinem zunamen Hierosolymitanus genandt / der ander diß namens hochlöblichister gedechtnuß (darauff vnnd dasselbe zuhalten / ein jeder Khönig in Hungern / ehe Er die Cron empfahet / schweren mueß) prouulgirt, vnd außtrucklichen erkleret / etwas zuwider handlen wolte / alß dann haben die vom Adel / ohne beschuldigung eines vngehorsams oder rebellion, demselben zu widerstehen / vnd zu widersprechen jederzeit macht.
[P1.T.9.7] §. 7. Per Nobiles autem hoc in loco, generaliter universos Dominos Praelatos, Barones, caeterosque Magnates, et alios regni hujus Proceres intellige, qui (sicut praenarratum est) una, ejusdemque libertatis praerogativa semper muniuntur. Aber es werden alhier durch die vom Adel verstanden in gemein alle Herrn / Prelaten / Freyherren / vnnd andere Ständt des Reichs / welche / wie oben gesagt / alle zugleich einerley Freyheit fehig sindt vnnd dersselben geniessen.
[P1.T.10] TITULUS 10. Quod Princeps noster, cunctorum Dominorum Baronum, ac Nobilium Regni, verus, et legitimus successor sit. TIT. X. Daß vnser Landtsfürst / aller derer Herrn Prelaten / Freyherren / vnd vom Adel im Lande / wahrer vnd rechtmessiger Successor vnd Erbe sey.
[P1.T.10.pr] Quia dictum est superius, quod omnis nobilitatis, et possessionariae collationis plenaria potestas, in Principem nostrum translata sit: ideo advertendum; quod Princeps ipse noster universorum Dominorum, Baronum, et Magnatum, ac aliorum Regni Nobilium possesionatorumque hominum, in casu, quo quis eorum, sine haeredibus, et posteris decesserit, verus, et legitimus successor sit. DJeweil oben gesagt worden / daß alle macht zu Adlen / vnd Freye Güter zu geben auff vnsern Landsfürsten vollkomlichen transferirt vnnd gebracht sey: Jst derwegen allhier zu mercken / daß vnser Landtsfürst / auch allen denen Herren / Prelaten / Freyherren / vnd Edelleüthen im Lande / die dergleichen Güeter besitzen / auff dem fall da einer vnter inen [Faksimile] solte ohne Männliche leibs Erben vnd nachkommen mit todt abgehen / rechter vnd warhaffter Successor vnd Erbe sey.
[P1.T.10.1] §. 1. Omnia enim bona, et jura eorum possessionaria, ab ipsa Sacra Regni Hungariae corona, virtute translationis praenotatae, originaliter dependent, et ad eandem semper respiciunt, devolvunturque eorum possessore legitimo deficiente. Dann alle solche Erbgüeter vnd Gerechtigkeit von der H. Cron Hungern / krafft obgedachter Collation vnd schenckung / vrsprunglichen herrüren / vnd derselben auff solchen fall vnd abgang derer / so es in handen gehabt / allezeit wider zuegehören / vnd zu ruck fallen.
[P1.T.10.2] §. 2. Unde inolevit ista consuetudo, dudum approbata; quod unica, et singularis persona existens, veroque, et legitimo successore carens, ac destituta, super juribus suis possessionariis, sine consensu Regio nil quicquam jure perennali disponere potest. Imo etiam pignoris titulo nullam de eisdem fassionem, ultra communem aestimationem eorundem, faciendi habet facultatem, prout infra latius suo loco super ea re tractabitur. Daher dann ein alte approbirte Gewonheit eingefürt worden / daß / da ein einige Person / welche die letzte jhres Namens vnd Stammens ist / vnd ohne rechtmessige leibs Erben abgehen würde / dieselbe wegen seiner Erbgüter / auff ewig / ohne König: Mtt: etc. Consens vnd willen nichtes zu disponirn oder zu ordnen: Ja ebner massen nit macht habe / solche Erbgüeter Pfandtschillings weiß / höher als sy nach gemeiner Schatzung wert sein / zuuersetzen / dauon hierundten weiter meldung beschehen wirdt.
[P1.T.10.3] §. 3. Praeterea cunctorum quoque Dominorum, Praelatorum, et virorum Ecclesiasticorum; Princeps ipse noster, verus pariter, et legitimus successor est: Non quantum ad bonorum, et jurium possessionariorum ab Ecclesia ablationem, et sequestrationem, sed quantum alteri (vacantibus Praelaturarum sedibus, et Ecclesiarum rectoratibus) ad gubernandum cum Ecclesia collationem. Salvo jure confirmationis Archi-Episcopatuum, et Episcopatuum, quae jurisdictioni sacro-sanctae Romanae duntaxat Ecclesiae, subesse dignoscitur. Deßgleichen ist vnser König aller Geistlichen Herren vnd Prelaten ebnermassen ein wahrer vnd rechter Successor vnd folger. Nicht darumb / daß er solche Geistliche Güeter vnd zuegehörigen Gerechtigkeit in ander weg anwenden / vnd den Kirchen entziehen: Sondern daß Er einem anderen (wann nemlichen solche Bißthumber / Abbtey / Probstey / vnd andere Geistliche ämbter vaciren würden) derselben gubernation, neben dem Gottshauß / einem andern befehlen vnd conferirn solle. Jedoch mueß allzeit die bestettigung der Ertzbisthumber vnd Bisthumber / der Römischen Kirchen / der sie allein vnterworffen / vorbehalten werden.
[P1.T.11] TITULUS 11. Quod Papa in collationibus Beneficiorum Ecclesiasticorum, in hoc Regno nullam jurisdictionem retinuit, preeter confirmationis auctoritatem. TIT. XI. Daß der Babst in Conferirung solcher Kirchen Beneficien in disem Königreich Hungern / ausser der Confirmation vnd bestettigung / kein macht oder Gewalt behalten habe.
[P1.T.11.pr] Sciendum autem, quod licet Papa, seu summus Pontifex, utramque jurisdictionem, temporalem scilicet, et spiritualem habeat; in collationibus tamen beneficiorum Ecclesiasticorum, pro tempore vacantium in hoc regno, summus ipse Pontifex nullam jurisdictionem exequitur, praeter Confirmationis auctoritatem: Et hoc quadruplici ratione. ES ist aber zu wissen / daß ob wol der Babst beedes die Weltlich vnd Geistlich Iurisdiction vnd bottmessigkeit hat / so hat doch derselbe / in conferirung vnnd außtheilung der vacirenden Kirchen beneficien vnd Güeter in disem Königreich Hungern mehr vnd weiter nichtes zu schaffen / noch zu gebietten / ohne allein die zuethuung seiner Authoritet vnd bestättigung. Vnd das auß viererley vrsachen. [Faksimile]
[P1.T.11.1] §. 1. Primo ratione fundationis Ecclesiarum : Quia Reges Hungariae cum soli fuerint omnium Ecclesiarum, et Episcopatuum, Abbatiarumque, et Praepositurarum in hoc Regno fundatores; per ejuscemodi fundationem, omnem facultatem juris patronatus, nominationis, electionis, ac collationis beneficiorum, sibi ipsis acquisierunt, et vendicarunt: Qua ex causa, juris videlicet patronatus ratione; pertinet semper ad Reges nostros hoc in Regno, beneficiorum Ecclesiasticorum collatio. Erstlichen wegen des Stiffts solcher Kirchen / dann weillen die König von Hungern alle Kirchen / Bisthumber / Abbt: vnd Probsteyen / in disem gantzen Landt allein gestifft haben / haben sie dardurch das jus patronatus, das ist / macht taugliche / Geistliche Personen zu nehmen / zu erwehlen / vnd jhnen solche Beneficia zu conferirn, jhnen selbst erlangt vnd zugeaignet. Auß diser vrsach nun gebüret vnseren Königen auß Hungern in disem Landt das Ius patronatus, collation vnd einsetzung Geistlicher Personen.
[P1.T.11.2] §. 2. Secundo, ratione susceptae Christianitatis: Quia Hungari non per praedicationem Apostolicam, vel Apostolorum, quorum Principis vicem, et personam in terris Papa gerit, sed per institutionem proprii Regis eorum, sanctissimi videlicet Stephani Regis, de quo et superius memini, conversi sunt ad Catholicam fidem: Qui primus omnium, Episcopatus, Abbatias, et Praeposituras hoc in Regno fundavit, et harum omnium Ecclesiarum Praelaturas, ac beneficia solus ipse, ex nutu summi Pontificis, quibus maluit (idoneis tamen et virtutibus probitatum insignitis) contulit. Sicuti Ecclesia de eo solenniter canit: Hic (videlicet Sanctus Stephanus) ad instar Salamonis, struit Templa, dilat donis, ornat gemmis, et coronis, cruces, et altaria. Et mox subinfertur: Ad regendum haec, Praelatos, viros ponit literatos, justos, fidos, et probatos, ad robur fidelium. Sic talentum sibi datum, DEO reddens duplicatum, ab aeterno praeparatum sibi scandit solium. Ecce aperte describitur, quod ipse, et non alter quispiam ad regenda templa per eum constructa, donisque ditata, Praelatos justos, et fidos posuit, prout ex ejus quoque historia, et pluribus privilegiis suis super Ecclesiarum fundationibus, et dotationibus, confectis, liquide patet. Itidem, et plerique Caesarii,ac Pontificii juris interpretes, suis commentariis conscriptum prodidere. Zum Andern / in ansehung des angenommenen Christlichen Glaubens / dann die Hungern nit durch die Predigt der H. Aposteln (welcher Statt vnd Person auff Erden der Babst vertritt) Sondern durch eigene institution vnnd anordnung jhres Heiligisten Königs / nemlich Stephani, von dem auch hie oben meldung beschehen / sindt zum Catholischen Glauben bekert worden / der dann am aller ersten Bisthumber / Abbt: vnd Probsteyen in disen Landen gestifft / vnd solche Prælaturas, Kirchen Güeter vnd Beneficien, auß bewilligung des Babsts / denen / welchen er gewölt (Jedoch düchtigen fromen vnd tugendthafften leuten) conferirt vnd eingeben. Wie dann die Christliche Kirch offentlich von ihm singt: Diser (das ist der Heilig Stephanus) richt nach dem Exempel Salomonis Tempel auff / begabt sie reichlich / ziert mit Edelsteinen / vnd krönet die H. Creutz am Altar. Vnd baldt folgt darauff : Zu regierung derselben / setzt er eyn gelehrte / gerechte / getrewe vnd nach art der Heiligen fromme leuth vnd vorsteher. Vnd nach dem er also das von Gott jhm vertrawte Pfundt doppelt wider gibt / steigt er zu dem Himlischen Stuel hinauff / der jhme von ewigkeit her bereit ist. Siehe / da wirdt außtrucklichen beschriben / daß er vnd kein anderer / solchen Kirchen Güetern / die er alle erbawt / vnd mit geschencken reichlich begabt / gerechte vnd getrewe Prælaten vnd fürsteher gesetzt / vnd geben hab / wie dann auß seiner Historien vnd viel andern Freyheiten / der Gottsheuser / Stifftungen vnd reichlichen begabungen / lauter vnd klar zu sehen. Eben das auch haben die meiste außleger der Khay: vnd Bäbstlichen Rechten in jhren Schrifften verfast vnd an tag geben.
[Pars1.Titulus.11.3] §. 3. Unde etiam Rex et Apostolus dici meruit, eo quod vices Apostolorum in terris, praedicatione, et bonorum operum, atque exemplorum exhibitione gessit. Et propterea duas quoque cruces, per collationem summi Pontificis, in signum suae sanctitatis, quod scilicet Rex, et Apostolus juste diceretur, digne meruit habere pro armorum insignibus. Unde ab illius tempore, gens Hungarica, duplicatam crucem pro armis, ac insignibus habere pariter, et gestare consuevit. Insignium namque quatuor fluminum : scilicet Histri, seu Danubii, ac Thybisci, seu Thyciae, nec non Zavae et Dravae, a Regno Pannoniae, quod modo Hungari incolunt, atque inhabitant, pro se vendicavit. Daher ist er ein König vnd Apostel zu gleich genendt worden / dieweil er auff Erden mit Predigen / mit vorgehen gueter werck vnnd Exempeln der Apostel stat vertretten. Derohalben ist er vom Babst gewürdiget worden / daß er zum zeichen seiner Heiligkeit / vnd dieweil er zugleich König vnd Apostel gewesen / an stadt eines Wappen führen solle ein gedoppeltes Creutz. Daher dann von derselben zeit an die Hungern ein doppeltes [Faksimile] Creutz an stadt eines Wappen haben / vnd zu führen pflegen. Vnd ist zwar das Wappen hergenommen von den vier Wasser flüssen in Pannonia, welches nunmehr die Hungern bewohnen vnd jnnen haben / alß nemlichen / der Thonaw / Theyssa / Saw / vnd Drag.
[Pars1.Titulus.11.4] §. 4. Tertio, ratione legitimae prsescriptionis, quoniam Reges Hungariae a tempore regiminis ejusdem Beatissimi Stephani nostri Regis: qui anno Dominicae Incarnationis, primo, supra millesimum, in Regem Hungaricae gentis feliciter inunctus pariter, [S.10] et coronatus est, ad haec usque tempora, semper in reali, et pacifico usu, ac possessione collationis hujusmodi beneficiorum Ecclesiasticorum, plus quam per quingentos annos persistentes, tempus praescriptionis jurium Ecclesiasticorum, etiam sanctae Sedis Apostolicae, iteratis vicibus dudum transcenderunt. Zum Dritten / weilen nun mehr solches präscribirt vnnd verjärt worden / dann die Hungerische König / von zeit der Regierung vnsers seligisten Königs Stephani, der nach vnsers Herrn vnnd Heilandts Menschwerdung im Jar Tausent vnd eins zum Hungerischen König glücklichen gesalbet vnd gekrönet worden / biß auff dise stundt allezeit in wesentlichem vnd ruigem gebrauch / vnd mehr als fünfhundert Jar solche Collation der Geistlichen Güter / auch wider den Röm: Stuel selbsten / zu etlich mahlen / solche zeit der präscription vnd verjärung / erhalten haben.
[Pars1.Titulus.11.5] §. 5. Quarto, quia ista libertas Regni, quantum ad beneficiorum collationes, olim tempore Domini Sigismundi Imperatoris, et Regis nostri, una cum complurimis libertatibus hujus Regni, in generali, ac celebri Concilio Constantiensi (cui triginta, et duos Cardinales, demptis aliis viris Ecclesiasticis, et multis Principibus Christianis praefuisse constat) corroborata, jurisque jurandi religione firmata fuit: prout in Bulla superinde confecta, clare continetur. Zum Vierten / dieweil solche einsetzung vnd Collation Geistlicher Beneficien, vor disem / zu zeiten Kayser Sigismundi, vnsers Königs / mit sambt vielen Freyheiten dises Reichs / in dem allgemeinen vnd weitberümbten Concilio zu Costnitz / deme zwey vnd dreyssig Cardinäl / ausser anderer viel Geistlicher Personen / vnd vieler Christlicher Fürsten beygewohnet / bestetiget / vnd mit einem Eydts schwur bekrefftiget worden / wie die Bulla, so darüber auffgerichtet / klärlichen außweiset.
[Pars1.Titulus.11.6] §. 6. Hoc autem Concilium (ut summarie, brevissimeque tangam) per quadriennium duravit: Nam anno Domini, millesimo quadringentesimo decimo quarto incepit. In quo Concilio, tandem anno salutis, millesimo quadringentesimo decimo septimo, Papa Otto, qui Martinas quintus appellatus est, electus exstitit. Postea vero anno sequenti, videlicet, millesimo, quadringentesimo decimo octavo, idem Concilium, ipsius Martini Pontificis, praefatique Sigismundi Imperatoris jussu, dissolutum fuit, et in eodem Concilio Joannes vigesimus tertius se Pontificatu (licet invitus) abdicavit. Gregorius vero sponte cessit, et renunciavit. Sed Benedictus pene resistens, et cedere nolens; decreto Concilii reprobatus, ac Pontificatu privatus exstitit. Et in eodem Concilio Joannes Huss, et Hieronymus Pragensis ejus condiscipulus; haeretici, combusti, et incinerati fuerunt. Schisma vero, pro quo tollendo, et dirimendo Concilium ipsum (Spiritus Sancti gratia movente) aggregatum pariter, et celebratum erat; novem, et triginta annis durasse recolitur; Quod tandem opera ipsius Sigismundi Imperatoris, sublatum exstitit, atque pax, et tranquillitas peroptata, DEI Ecclesiae feliciter restituta est. Aber diß Concilium (daß ich kürtzlich dauon meldung thue) hat vier Jar lang gewehret / dann im Tausent vierhundert vnd viertzehenden / hat sichs angefangen, in welchem entlich / Anno Tausent vierhundert vnd sibentzehen Babst Otto / welcher Martinus der fünffte genandt / erwehlet worden. Jm nachfolgenden Jar aber Tausent vierhundert vnd achttzehenden / ist bemeltes Concilium, durch Babsts Martini vnnd höchstgedachtes Kaysers Sigismundi befelch auffgehaben worden. Vnd eben in demselben Concilio, hat sich Babst Iohannes der dreyvndzweintzigiste diß namens / des Babstumbs (wiewol vngern) begeben / aber Gregorius ist von freyen willen gewichen / vnnd hat solches renuncirt, aber Benedictus, der fast widerstehen vnd nit weichen wöllen / ist durch des Concilij Decret vnd Rathschlueß von dem Babstumb entsetzt / vnd Iohannes Huss, so wol Hieronymus Pragensis, alß Ketzer zue aschen gebrendt worden. Aber der jrrthumb / vmb welches willen / vnd denselben aufzuheben / dasselbe Concilium (auß eingeben des H Geists) versamlet vnd gehalten worden / sol 39. Jar gewert haben / welches entlich durch hilff Kaiser Sigismundi auffgehaben / auch gewünschter fried vnd ruhe der Christlichen Kirchen glücklichen wider bracht worden. [Faksimile]
[Pars1.Titulus.12] TITULUS 12. Quod omnes Domini Praelati, et personae Ecclesiasticae, Regi nostro ad fidelitalis homagium praestandum obligentur: Et quod ratione bonorum temporalium, coram Judicibus secularibus juri stare teneantur. TIT. XII. Daß alle Geistliche Personen vnnd Prelaten / vnserem König getrewen gehorsam vnnd dienst zu laisten verbunden sein / vnd daß sie wegen der zeitlichen Güeter vor der Weltlichen Obrigkeit zu Gericht stehen müssen.
[Pars1.Titulus.12.pr] Cum igitur collatio beneficiorum Ecclesiasticorum, simul cum bonis, et juribus possessionariis, ad Ecclesias DEI pertinentibus, ad principem, et Regem nostrum spectare dignoscatur; ideo omnes viri Ecclesiastici, cujuscumque ordinis: gradus, ac dignitatis existant, qui in hoc regno Hungariae, castra, castella, fortalitia, civitates, oppida, villas, possessiones, et praedia, vel etiam alia quaecunque jura possessionaria gubernant, et possident, non obstante, dignitatis, et exemptionis eorum praerogativa, libertate; Regi, et Principi hujus Inclyti Hungariae regni legitime coronato, instar personarum secularium ejusdem regni, ad homagium fidelitatis praestandum, semper obligantur. DJeweil dann alle Conferirung der Geistlichen beneficien sambt allen jhren zugehörungen Güetern / vnd Gerechtigkeiten / so zun Gottesheusern gehörig / vnserm Landtsfürsten vnnd König allein zustehet / derohalben sind alle Geistliche Personen / was ordens / standts / oder wirdens die sein / welche in disem Königreich Hungern Schlösser / Casteln / Vesten / Stätt / Märckt / Dörffer / vnd andere ligende gründt vnd boden / oder sonsten jrgent Landtgüeter jnnen haben vnd besitzen / vngeacht jrer würden / Freyheiten / vnnd vorzugs / vnserem Rechtmessig gekrönten König vnd Landtsfürsten in Hungern / nit weniger als andere Weltliche Personen / trewe dienst zu laisten schuldig
[Pars1.Titulus.12.1] §. 1. Et ratione hujusmodi bonorum temporalium, quae possident, quorumlibet etiam actuum potentiariorum, ac aliorum negotiorum inde emergentium; in praesentiam quorumlibet Judicum regni ordinariorum, ab eorum adversariis (si quos habuerint) in causam libere conveniri, et attrahi possunt: Coram quibus, more aliorum secularimn respondere, jurique stare tenentur. vnd mögen wegen der zeitlichen Güeter die sie besitzen / vmb gewalt / zugefügter Iniurien, vnd allerley span vnd jrrthumb willen / die sich derentwegen erregen / von dem gegentheil (so etwan solche verhanden) vor einem jedem ordenlichen Richter des Reichs / ohne entgeldt / frey beklagt vnd vor Gericht gefodert werden / daruor sie dann den Leyen vnd Weltlichen Personen gleichformig antworten / vnd zu Recht stehen müssen.
[Pars1.Titulus.13] TITULUS 13. De donationibus Regiis, et earum speciebus, in generali. TIT. XIII. Von Königlichen Donationen vnd begnadungen / wie viel vnd mancherley diselben sein in gemein.
[Pars1.Titulus.13.pr] Quoniam omnes Domini Praelati, Barones, Magnates, Nobilesque, et Proceres totius regni Hungariae, nec non regnorum eidem incorporatorum, ac partium sibi subjectarum, cujuscunque status, conditionis, dignitatisque, et praeeminentiae existant, universa eorum jura possessionaria, ex donationibus Serenissimorum Dominorum Regum Hungariae habent, atque possident; In primis igitur de donationibus Regiis, et earum speciebus, in generali dicendum occurrit. DJeweilen alle Herren Prelaten / Freyherren / vom Adel / auch andere Landtstände der Cron Hungern / sowol derselben incorporirten vnnd Einuerleibten Königreichen vnd Landen / weß Standts / Condition, würden / vnd hoheit die jmmer sein / alle jhre Herrschafften vnd Güeter auß mildester begnadung vnnd donation der Hungerischen König jnnhaben vnnd besitzen: So wollen wir zu aller ersten von solcher donation, geschenck vnd Königlicher genad / vnd derselben manicherley weiß vnd art in gemein etwas reden. [Faksimile]
[Pars1.Titulus.13.1] §. 1. Ubi sciendum est, quod donatio regia duplex sit; scilicet pura et mixta. Jst demnach zu wissen / daß solche Königliche schenckung zweyerley ist. Ein eitele / vnd vermischte:
[Pars1.Titulus.13.2] §. 2. Pura donatio, est jurium possessionariorum in jurisdictionem sacrae Regni Coronae legitime redactorum, perennalis per Principem cuipiam, ob servitia, vel praeclaras virtutes, facta collatio. Die eitele ist ein collation vnd vbergab eines Freyen Guets / welches der Iurisdiction vnd Bottmessigkeit der Cron Hungern rechtmessig heim gefallen / vnd von dem König / einem anderen wegen seiner dienst / vnd fürtrefflichen tugenden eigenthumblich geben vnd geschenckt worden.
[Pars1.Titulus.13.3] §. 3. Mixta vero donatio dicitur illa; quae ultra servitium, etiam summam aliquam pecuniarum complectitur. Et talis, usitato vocabulo inscriptio nuncupatur. Die vermischte gnad vnd geschenck ist dise / welche vber solche dienst auch ein benentliche summa Gelts begreifft / vnnd solche wirdt gebreuchlich inscriptio, ein Versatz / oder Pfandschilling genandt.
[Pars1.Titulus.13.4] §. 4. Regia enim Majestas (ex praedeclarata jurisdictione sacrae Coronae regni hujus Hungariae) de, et super universis juribus possessionariis, quorumcunque decedentium, et in semine, vel haeredibus destitutorum, ac deficientium, liberam (prout voluerit) disponendi, pro se scilicet reservandi, vel alteri, cui maluerit, conferendi, aut inscribendi plenariam semper habet potestatis facultatem. Dann Khönig: Mtt: etc. (vermög vorher gemelter Iurisdiction, vnd Bottmessigkeit der H. Cron dises Königreichs Hungern) von vnd vber alle Freygüeter / aller der jenigen welche absterben vnd keinen Samen oder Erben hinder sich lassen / zu disponirn, für sich selbst zu behalten / oder einem anderen jhres gefallens / zu conferirn, oder Pfandtschilling weiß zuuerschreiben / allezeit völlige Macht vnd gewalt haben.
[Pars1.Titulus.13.5] §. 5. Et ne pravorum hominum patrata malitia, impunita relinqueretur; Neve nobilitas, et rusticitas, aequalis aestimationis censeretur: rursus, ac fidelitas, ac infidelitas, simile praemium sortiretur. Ad conterendam igitur infidelium proterviam, et rebellionem, pravorumque, et flagitiosorum hominum male agendi licentiam reprimendam; Majores nostri, non solum jura possessionaria aliquorum in semine (ut dictum est) deficientium, verum etiam contra statum publicum regni hujus, ex eoque in despectiun dignitatis Regiae Majestatis contumaciter sese erigentium, ac alios praeter juris aequitatem absolute, temerarieque turbantium; ad sacram Coronam dicti regni Hungariae, consequenterque collationem Regiam (etiam superviventibus illis) devolvenda esse, tum juris rigore exigente, tum vero reipublicae utilitate exposcente, communi decreto sanxerunt, ac statuerunt: ut exemplo punitionis sceleratorum, alii terreantur, alii vero ad opera fidelitatis exercenda, atque peragenda, si quibus forsitan talia bona collata fuerint, ferventius accendantur. Vnnd auff daß böser leuth muetwillen nit vngestrafft bleibe / oder sonsten der Edelman vnnd Bawer gleich geschätzt würden / widerumb / daß nit trewe vnnd vntrewe gleiche belohnung empfiengen / haben vnser Voreltern zu dempfung der notirten Vnterthanen halßstärrigkeit vnd rebellion, deßgleichen zu vnterdruckung böser bueben / vnd vbelthätter freyheit / vnd muet zu sündigen / einhellig beschlossen vnd geordnet / daß solche Freygüeter nicht allein dessen / der ob defectum seminis, das ist / ohne Leibs Erben / mit todt abgienge / wie oben gesagt / sondern auch aller der jenigen / welche sich wider den offentlichen Reichs frieden / oder Statum, vnd zu verachtung Kön: Mtt. hoheit vnd würden / vnd andere auß eitelem trutz wider die Rechtliche billigkeit beschweren / der H. Cron diß Königreichs Hungern / vnnd folgendts der Khön: Mtt. etc. Collation, auch noch bey der verbrecher lebszeiten / heimfallen / vnd das nit allein nach scherffe des Rechtens / sondern auch / weil dem gemainen nutz vnd Regiment vil daran gelegen / auff daß andere Vbelthätter an diser straff ein Exempel nehmen / vnnd von bösen abgehalten / andere aber gehorsam zu leisten / guets zu üben vnd zu thuen / in ansehung dessen / dieweil jhnen solche Güeter conferirt worden / desto inbrünstiger vnd hefftiger werden. [Faksimile]
[Pars1.Titel.14] Titulus 14. De casibus, notam infidelitatis afferentibus. TIT. XIIII. Von denen fällen / vmb welcher willen einer in notam infidelitas, das ist, vmb Leib / Ehr / Guet vnd bluet kombt.
[Pars1.Titel.14.pr] Sunt igitur casus isti, et vocantur notae infidelitatis, in quibus Regia Majestas, bona aliquorum, eisdem superviventibus, cui voluerit, de jure, libereque donandi habet facultatem. DErohalben sindt vnd werden das die fäll genandt Notæ infidelitatis, in welchen Kön: Mtt: etc. etlicher Personen Güeter / auch noch bey derselben Lebszeiten / einem andern wann sie wil / von Rechts wegen frey zuuerschencken macht hat.
[Pars1.Titel.14.1] §. 1. Primus est, de crimine laesae Majestatis; si quis videlicet impias manus in personam Principis nostri injecerit, vel capiti ejus gladio, aut veneno insidiatus fuerit: sive murum, aut Domum, in quo Princeps ipse exstiterit, violenter invaserit. Die Erste Nota vnd fall ist das laster beleidigter Mtt: etc. alß nemlichen / So jemandt an vnseren Landtsfürsten Gottlose handt anlegt / oder jhme mit dem Schwert oder Gifft nach dem leben stellet / oder die Mawer vnd hauß darinnen der Landtsfürst ist / mit gewalt vberstiege / oder eingienge.
[Pars1.Titel.14.2] §. 2. Secundus casus est, si quis evidenter se erigit, et opponit contra statum publicum, Regis, et coronae: Haec tamen erectio, seipsum juste defendendo, notam afferre non intelligatur. [S.11] Der Ander fall ist / so sich jemandt augenscheinlich aufflehnete / vnd wider des Königs / vnd der Cron Landtfriden vnd constitutiones setzete. Doch wirdt dise aufflehnung dahin nit verstanden / bringt ihm auch nit notam infidelitatis, wann einer jhm selbst etwas zum rechtmessigen schutz thuet.
[Pars1.Titel.14.5] §. 5. Item qui conficit falsas literas, vel falsis literis evidenter utitur in judicio. Aut qui sculpit, vel utitur falsis sigillis. Deßgleichen der falsche Brieff macht oder derselben sich offentlich vor Gericht gebraucht / oder der falsch Sigel gibt vnd braucht.
[Pars1.Titel.14.6] §. 4. Item Cusores falsarum monetarum, vel eisdem monetis scienter, et publice in magna quantitate utentes. Jtem / welche falsche Müntz schlagen / oder derselben wissentlich vnnd offentlich in grosser menge sich gebrauchen.
[Pars1.Titel.14.5] §. 5. Item occisores, vel vulneratores fratrum, ac consanguineorum suorum, usque ad quartum gradum inclusive. Nec non patricidae, uxoricidae, ac matricidae. Verumtamen uxoricidium, et mariticidium, intellige praeter juris processum, et aequitatem, patratum. Jtem / die jenigen welche jhre Brüder vnnd nechste Bluetsfreundt / biß auff den vierten gradt (inclusiue, das ist / daß auch der vierte gradt mit im verbot eingeschlossen sey) ermörden oder verwunden. Deß gleichen Vatter / Weiber vnd Mannen Mörder vnd Mörderin. Aber das Mann vnd Weib ermörden verstehe dahin / wo solches ausserhalb Rechtlichen proces vnd billigkeit beschehe.
[Pars1.Titel.14.6] §. 6. Item stupratores consanguinearum, similiter usque ad quartum gradum inclusive. Aut novercarum violatores, incestuosi, dum fuerint evidenter convicti, vel proscripti. Jtem / welche die Bluetsfreundt gleicher weiß biß auff den vierten gradt / welcher auch mit eingeschlossen / fleischlich erkennen / oder jhre Stieffmüeter nothzüchten. Die Bluetschender / da sie dessen offentlich vberwunden oder proscribirt sindt.
[Pars1.Titel.14.7] §. 7. Item incendiarii publici villarum, et possesionum. Jtem / offentliche Brenner / welche in Märckten / Dörffern / vnd anderen ligenden Güetern / fewer einlegen.
[Pars1.Titel.14.8] §. 8. Item inductores exterorum hominum spoliatorum, vel stipendiariorum, ad disturbandum internum regni statum. Jtem / welche außlendisch / Rauberisch / vnd den gemeinen Reichs frieden zu perturbirn, besoldtes Volck ins Landt führen.
[Pars1.Titel.14.9] §. 9. Item violatores literarum fidei publicae, vel salvi conductus, dum evidenter fuerint convicti. Jtem / welche sich an Fürstlichen Patenten vnd Schrifften / die offentlich glauben machen / oder frey sicher Gleit zuesagen / gewaltsam vergreiffen / da sie solcher violation offentlich vberzeugt würden. [Faksimile]
[Pars1.Titel.14.10] §. 10. Item traditores castrorum dominorum propriorum. Nec non expugnatores,. et interceptores, aut subtractores castrorum, vel castellorum, aut aliorum fortalitiorum, quorumcunque regnicolarum, dum evidenter fuerint convicti. Jtem / die ihres eignen Herren Schloß verrathen vnd vbergeben. Deß gleichen die jenige / welche Schlösser / Castellen / oder andere Festungen / jrgents eines Landtmans vberfallen / einnemmen / vnd entziehen / Doch daß sie gleiches falls dessen offentlich vberwisen werden.
[Pars1.Titel.14.11] §. 11. Item interemptores, captivatores, verberatores, vel vulneratores Judicum Ordinariorum regni, et eorundem vices in judiciis gerentium. Jtem / welche die ordentliche Richter des Reichs / oder jhre vicegerenten, vnd die in Gericht jhr stat vertretten / erwürgen / gefänglich halten / schlagen oder verwunden.
[Pars1.Titel.14.12] §. 12. Item occisores litigantium, seu causantium, sive ad Regiam Majestatem, aut ad octavas, vel brevia judicia, sive ad sedem judiciariam alicujus Comitatus, aut alia quaecunque loca judiciorum, ad causarum scilicet prosecutionem proficiscentium, vel ad diaetam, et convocationem generalem, de Regio edicto celebrandam, venientium et accedentium. Jtem / welche die Partheyen ermörden / so vmb vollführung jhres Rechten willen / entweder zu Jhr Kön: Mtt: etc. oder aber auff die Octauen, kurtze Recht / auff einem Stuel / in jrgent einer Spanschafft / oder sonsten andere Gericht örther ziehen / oder aber auff einen offentlichen / durch Kön: gebot / außgeschribenen vnd verrüefften Landtag vnd versamlung kommen.
[Pars1.Titel.14.13] §. 13. Item occisores, vulneratores, aut verberatores hominum Regiorum: ac Testimoniorum Capituli, vel Conventus, in executione aliqua procedentium. Jtem / welche die Königs Männer / Capitels oder Conuent Herren / welche zeugnuß einnehmen / oder sonsten in einer Execution vnd außrichtung procedirn vnd fortfahren / ermörden / verwunden / oder schlagen.
[Pars1.Titel.14.14] §. 14. Item publici haeretici, damnatae scilicet haeresi adhaerentes. Jtem / offentliche Ketzer / welche offentlicher verdambter Ketzerey anhangen.
[Pars1.Titel.14.15] §. 15. Item mutilatores membrorum, et eruitores oculorum: Praeter Banos, Wayvodas, et alios, honores in confinibus Regni tenentes. Jtem / welche die Glieder verstümpeln / die Augen außreisen / Ausserhalb der Banen, Wayuoden, vnnd anderer / welche hohe Ambter an der Granitzen des Reichs zu verwalten haben.
[Pars1.Titel.14.16] §. 16. Item amissores castrorum finitimorum Regni. Jtem / welche Castellen / so mit disem Reich gränitzen / verlieren.
[Pars1.Titel.14.17] §. 17. Item administratores armorum, et victualium Turcis, et aliis infidelibus, regni scilicet hujus aemulis, et hostibus. Jtem welche dem Türcken / oder anderen Heyden die nach disem Königreich trachten / vnd demselben feind seint / munition vnd victualien zuebringen.
[Pars1.Titel.14.18] §. 18. Item turbatores, detentores, et spoliatores illorum, qui sectae eorum damnatae renunciantes, ex Turcia ad istud regnum confugiunt moraturi. Jtem / welche die jenigen / so jhrer verfluechten Sect abgesagt / vnd auß der Türckey zu vns fliehen / im willens bey vns zu bleiben / hindern / auffhalten / oder berauben.
[Pars1.Titel.15] Titulus. 15. Quod bona latronum, furum, et homicidarum, Donationi Regiae non subjaceant. TIT. XV. Daß die Güeter der Mörder / Dieb vnd Todtschleger / der Khönig: Collation, Schanckung vnd Einraumung nit vnterworffen sein.
[Pars1.Titel.15.pr] Ex praemissis itaque casibus subsequitur, quod furum, ac latronum, seu praedonum, et aliorum ejuscemodi spoliatorum. Item homicidarum, et alio modo Nobiles vulnerantium, seu verberantium (demptis casibus praedeclaratis) domosque eorum violenter invadentium: nec non possessiones, et jura possessionaria, territoriaque aliorum depraedantium, vel occupantium; bona, et jura possessionaria, in Fiscum Regium non devolvuntur: neque collationi Regiae Majestatis, subjacere dignoscuntur: sed tales, capitali duntaxat sententia, fures scilicet patibulo; praedones vero palo, vel rota, caeteri autem gladio, juxta scilicet eorum demerita, sunt feriendi, atque puniendi. DErowegen auß vorgehenden fallen folgt / daß der Dieb / Mörder vnd Rauber / auch anderer dergleichen spolianten: Jtem der Todtschleger / oder welche auff jrgent eine weiß die vom Adel verwunden / oder schlagen (außgenommen in oberklerten fällen ) mit gewalt auff jhre Heuser gehen / oder anderer possessionen Gerechtigkeit / Grundt vnnd boden turbirn vnd einnemen / Güeter vnnd Gerechtigkeit / dem König: fisco [Faksimile] vnd Cammer nit heimfallen / noch der Kön: Mtt: etc., Collation vnterworffen sindt. Sondern werden solche Capitaliter, alß Dieb mit dem Galgen / die Rauber mit dem Spiß oder Radt / andere aber mit dem Schwert / nach eines jedwedrn verdienst / gestrafft.
[Pars1.Titel.15.1] §. 1. Bona vero, et jura possessionaria ipsorum (si morte damnati fuerint) in filios; vel illis non existentibus, in fratres eorum in generando efficaces, et sufficientes, aut legitimos eorum successores, derivantur. Aber jhre freye vnd andere Güeter vnd Gerechtigkeit / (wann sie zum todt verurteilt sindt) fallen entweder auff jhre Kinder / oder im fall die nicht verhanden / auff die jenigen Brüder / welche zum Kinder zeugen genuegsam qualificirt vnd tüchtig sindt / oder auff andere Rechtmessige jhre nachfolger.
[Pars1.Titel.15.2] §. 2. Ubi autem gratia regia illis concessa, et sententia nihilominus executa fuerit; tunc jura ipsorum possessionaria, a manibus Judicis, adversae partis; ad instantiam scilicet cujus sententia lata exstiterit, per filios, aut fratres ipsorum generationales, vel alios successores legitimos, aestimatione communi mediante redimuntur: prout in Sententiarum seriebus, in secunda parte, clarius dicetur. Wann aber solchen leuthen Königliche gnad widerfahren / vnd das vrtel nichts desto weniger Exequirt worden / werden alle die Güeter vnnd Gerechtigkeit von den handen des Richters vnnd gegentheils / auff dessen anhalten der Sententz ergangen / durch die Kinder / oder ihre leibliche Brüder / oder aber andere Rechtmessige nachkommen / nach gemeiner schätzung abgelöset / wie vnten von der Vrtelweiß im andern Theil deutlicher meldung beschehen wirdt.
[Pars1.Titel.16] Titulus 16. Quod differentia sit inter notam infidelitatis, et sententiam capitalem, dupliciter.
TIT. XVI. Daß zweyerley vnterschied sey zwischen dem Vrtel daß wegen der Nota infidelitatis, vnnd Capitali, auff Leib vnd leben gesprochen wirdt.
[Pars1.Titel.16.pr] Differentia itaque est, inter notam infidelitatis, et sententiam capitalem, dupliciter. Primo, quia per notam infidelitatis, et caput, et haereditas, seu perpetuitas omnium bonorum, juriumque possessionariorum infidelis hominis, amittitur, et nunquam haereditas ipsorum jurium possessionariorum, ad portionem suam cedentium, in filios, vel fratres generationales, talis infidelis, aut labe infidelitatis aspersi, obfuscatique, et condemnati hominis (si etiam capite plecteretur) de caetero revertitur. DErowegen ist ein zwifache vnterschied / zwischen der Nota vnnd dem Capital sententz, welcher vber Halß vnnd Kopf gesprochen wirdt. Dann Erstlichen durch die Notam infidelitatis verliert ein solcher infidelis sein Leib vnd leben / das Erb vnd vollkommene eigenthumb aller seiner Güetter / vnd derselben Freyheiten vnd Gerechtigkeit / vnd felt das Erb vnd Succession solcher Freygüter vnnd Gerechtigkeit zu ewigen zeiten nicht mehr auff eines solchen infidelis, vnd mit solcher Nota behafften / verdunckleten vnd verurtelten menschen (ob er schon am leben gestrafft würde) Kinder / vnd leibliche Brüder.
[Pars1.Titel.16.1] §. 1. Imo genealogia sua, vel generationis suae propago, in ignominiam, contemptumque infidelitatis, et in laudem praeclarae virtutis illibatae fidelitatis, quantum ad devolutionem bonorum, a se perpetuo aliena efficitur. Filios tamen intellige jam natos, et non nascituros. Nam post paternam condemnationem: seu labe infidelitatis ejus innodationem filii nascituri; in juribus paternis (si gratiam regiam, et dominium adhuc bonorum suorum paternorum consecutus fuerit) merito, riteque succedent. Ja sein gantze Genealogia, Geschlecht vnd Namen kombt von einem solchen menschen zu ewigem hohn vnd spott diser vntrew: Vnd zum lob der fürtreffenlichen tugenden vnd vnuerfelschten trew / souiel diser Güeter deuolution vnnd anfall anbelangt / hinweg. Jedoch verstehe die allbereit geborne Kinder / vnd nicht die aller erst geboren sollen werden. Dann die Kinder welche nach dem jhr Vatter verurtheilt / vnd in die Notam erklert worden (im fall [Faksimile] der Vatter König: gnad / vnd das eigenthumb seiner Güeter wider erlangt hat) succedirn, folgen in dem Vätterlichen Recht billich vnd recht.
[Pars1.Titel.16.2] §. 2. Gratia tamen haec regia, ad successionem mutuam, quantum super devolutione bonorum, generationi suae, (demptis filiis post condemnationem procreandis) in nulla parte suffragabitur. Nec trahit alios filios prius natos, vel fratres generationales, ipsa gratia, cum condemnato illo, ad priorem successionis eorum statum, nisi mutuus super devolutione bonorum ex novo contractus, per fassiones instrumentales inter eos sequeretur, et consensus superinde regius, impetraretur. Hoc enim modo, et non aliter, mortua, et amissa successio vivificabitur, atque instaurabitur . Aber solche König: begnadung / daß einer dem andern succedirn soll / so viel den anfall der Güeter belangt / wird sein ganzes Geschlecht (ausser der Kinder / welche nach dem vrtel geboren sollen werden) auff keiner seiten helffen. Vnd ziehet solche gnad andere geborne Kinder / oder leibliche Brüder / mit sambt dem verurtheilten zu dem vorigen standt der Succession, vnd Erblichen nachfolge nicht / es geschehe dann vnter jhnen ein newer contract, vnd werden wegen anfall solcher Güeter ein fassion vnd Brieffliche vrkhunden darüber auffgerichtet / auch Königlicher Consens vnnd bewilligung außgebracht. Dann auff dise weiß vnd sonsten nit / würde die todte vnd verlohrne succession wider lebendig vnd erwecket:
[Pars1.Titel.16.3] §. 3. Per sententiam vero capitalem, proprietas, et haereditas bonorum, ac jurium possessionariorum non amittitur, sed si sententia condemnatus quispiam, extremo supplicio punietur; tunc universa bona, et jura sua possessionaria, in filios (si habuerit) vel fratres suos propinquiores, aut alios legitimos successores, simpliciter devolvuntur. Aber durch Capitalem sententiam vnd vrtel / daß einem das leben abspricht / wird das eigenthumb / Erb vnd Freyheiten nicht verlohren / sondern / da ein solcher verurtheilter am leben gestrafft würde / alß dann vnd in allweg fallen seine Güeter vnd Freyheiten auff seine Kinder (so er dise hat ) vnnd nechste Brüder / oder auch andere seine rechtmessige successores vnd Erben.
[Pars1.Titel.16.4] §. 4. Si autem gratiam regiam meruerit, et executio sententiae nihilominus per adversam partem peracta fuerit; tunc eadem jura possessionaria, filii, vel fratres, aut alii legitimi successores, aestimatione (ut praefertur) communi, in termino, per Judicem ad id praefigendo, ad se redimendi habent auctoritatem. Wann aber einem solchem Kön: gnad widerfahren / vnd durch den klager nichts desto weniger die Execution des vrtheils volzogen worden / alß dann haben die Kinder / Brüder / vnd andere rechtmessige Erben macht / solche possessiones, nach gemeiner Schätzung / auff einen gewissen Termin / den der Richter geben soll / wider an sich zu lösen.
[Pars1.Titel.16.5] §. 5. Alia insuper differentia inter notam, et sententiam est; quoniam condemnatus homo, cum [S.12] adversa parte, etiam post latam, et pronunciatam sententiam (ante tamen ejusdem sententiae executionem) si concordaverit, aut concordare poterit; tunc illi neque gratia regia est necessaria, neque Judex se in dominium bonorum, ac jurium possessionariorum ipsius sententiati hominis, ingerere poterit. Vber das / ist noch ein ander vnterschiedt zwischen der Nota vnnd dem Capital sententz. Dann wann ein verurtheilter mit seinem Gegentheil / auch nach gefeltem vnd außgesprochenem sententz, sich verglichen hette / oder vergleichen könte / jedoch zuuor vnd ehe man denselben Exequirt hette / alß dann ist jhm die Khön: gnad nicht von nöthen / kan auch der Richter in den Güetern vnd Freyheiten eines solchen verurtheilten Menschen keinen eingriff thuen.
[Pars1.Titel.16.6] §. 6. Notam tamen infidelitatis si quis incurrerit; si etiam cum eo, quem in casibus praenarratis laesit, plene concordaverit, ab impetitione tamen illius, cui regia Majestas bona, et jura possessionaria per aliquam notam contulit, se praecavere non poterit: Ex jurisdictione etenim sacrae Coronae regni hujus, contra cujus utpote dignitatem, auctoritatemque infidelis ipse deliquit, et ex consequenti collatione Regiae Majestatis; Impetrator ejuscemodi bonorum, et jurium possessionariorum, liberam agendi, procedendique, et ea bona, juris ordine observato, pro se vindicandi, et appropriandi, plenariam habet potestatis facultatem. Aber wann einer in die Notam felt vnd erkendt wirdt / ob er gleich mit dem / welchen er in oberzelten fällen verletzt / gantz vnd gar sich vergliche / so kan er doch dessen anspruch / dem König: Mtt: solche Güeter vnd Freyheiten / wegen einer Nota conferirt vnd geschencket / nit entgegen sein / noch sich dauor hüetten. Dann der erlanger solcher possessionen vnd Freygüeter / von der Iurisdiction der Hungerischen Cron dises Reichs / wider derer würdigkeit vnd Authoritet ein solcher infidelis gehandlet hat / vnd folgents von der Collation vnd einraumung Khönig: Mtt: etc. völlige Macht vnnd [Faksimile] gewalt hat / frey zu handlen / zu procedirn, vnd dieselben Güeter durch Rechtliche mittel zu vendicirn vnd an sich zu bringen.
[Pars1.Titel.17] Titulus 17. Qui sint, et intelligantur haeredes et posteritates? et qualia bona, solum masculinum, qualiave utrumque sexum concernant? TIT. XVII. Welche Erben vnd Nachkommen sein vnd verstanden werden / vnd was für Güeter allein dem Männlichen / vnd allein dem Weiblichen geschlecht zuegehörig.
[Pars1.Titel.17.pr] Caeterum, quia ab inceptae materiae prosecutione (ob occurrentem, et quidem necessariam, notae et sententiae, hoc in loco declarationem, pariter, et distinctionem) digressionem feci. Iigitur ad Donationum Regiarum evidentiorem explanationem revertendo, et primo clausulam illam; Sine haerede decedentium vel in semine deficientium declarando: NVn dieweil in beschreibung der angefangenen materien (von wegen der fürgefallenen / vnd zwaran disem orth nothwendigen erklärung vnd vnterschidts der Nota vnd Capital sententz) wir ein wenig außgesprengt: Derohalben / vnnd zu außführlicher erklerung der Khönig: donation, wöllen wir widerkehren / vnd Erstlichen die clausel / Sine hærede decedentium, die ohne Erben hinsterben vnnd des Samenß manglen / erkleren.
[Pars1.Titel.17.1] §. 1. Notandum est; quod quamvis appellatione posteritatum, omnes de jure, patri, vel matri succedere debentes (etiam posthumis inclusis) sive mares, sive foeminae sint, intelligantur: prolium vero nominatione; tum filii, tum filiae, jam nati, vel natae, posthumis exclusis, significentur: liberorum autem nuncupatione, et filii, et filiae, nepotesque, et neptes pariter contineantur: tamen de vetusta, et approbata regni hujus nostri consuetudine, haeredes solummodo filii legitimi, qui juribus paternis haereditariis succedere solent, intelliguntur. Jst demnach zu mercken / daß / ob wol vnter dem Namen posteritatis der Nachkommen / allesambt so von Rechts wegen dem Vatter vnd Mueter succedirn sollen / auch diejenigen mit eingeschlossen / welche nach jhrer Eltern todt geboren werden / es sein Mäñliches oder Weibliches geschlechts / verstanden: Vnter dem Namen aber der erzeügten Söhne vnnd Töchter / welche schon geboren sindt / die außgeschlossen / welche nach geboren sollen werden / bedeutet: Vnter dem Namen aber der Nachkommen Liberorum der Kinder / Söhne vnd Töchter / auch Enikel / Männlich vnd Weibliches geschlechts zu gleich begriffen werden: Jedoch auß alter dises vnsers Reichs üblicher Gewonheit / werden Erben allein die rechtmessigen Söhne / die in der Vätterlichen Erblichen Gerechtigkeit zu folgen pflegen / verstanden.
[Pars1.Titel.17.2] §. 2. Licet in casu, quod bona, et jura possessionaria, paterna, vel etiam materna, utrumque sexum, tam scilicet mares, quam etiam faemellas concernere dignoscuntur; Haeredis nomen, ipsae quoque filiae (licet improprie) gerere permittantur; Filiae itaque, quia non omnibus bonis, et juribus paternis participant, ideo recte non haeredes, sed posteritates potius nuncupantur. Ob wol bißweilen auff den fall / da die Güeter vnd Freyheiten Vätterlich vnd Müeterlich zu gleich sindt / vnd beede geschlecht / Manns vnd Weibs Personen concernirn vnd berüren / auch die Töchter vnter dem Namen Erben / (doch nit eigentlich) verstanden werden. Derowegen / dieweilen die Töchter nicht aller Vätterlicher Güeter theilhafftig sindt / darumben werden sie billich nit Erben / sondern nachkommen genennet /
[Pars1.Titel.17.3] §. 3. Et posteritates quoque dico nuncupari, non quantum ad jurium paternorum communiter, et semper devolutionem; sed quantum ad sanguinis propagationem, et in casibus, quibus legitime sortiuntur bonorum paternorum, vel maternorum successionem. vnd zwar nit der vrsachen halber / was den anfall der Vätterlichen Erb Gerechtigkeit gemeiniglich vnd allzeit: Sondern so viel die propagation vnd [Faksimile] fortpflantzung des geblüts / vnd rechtmessige succession in denen Vätterlichen vnd Mütterlichen Güetern zugleich betrifft.
[Pars1.Titel.17.4] §. 4. Namiura dumtaxat possessionaria, pecuniis paternis, aut maternis empta, et comparata: Praeterea in homagium alicujus interempti nobilis data, et obligata: Caeterum pro jure Quartalitio, seu in sortem refusionis, et restitutionis quartae puellaris perpetuo collata, et inscripta, dummodo hujusmodi perennalis inscriptio Quartalitii, non sit in praejudicium fratrum, vel aliorum rite succedentium facta: Item illa etiam jura possessionaria, in quibus aliquae puellae, vel foeminae, per Regiam Majestatem (sine tamen praejudicio fratrum generationalium) in veros successores, quoad utrumque sexum praeficiuntur, jus foemineum aeque, veluti masculinum sequuntur. Dann die jenigen possessiones vnd Güeter / welche durch Vätter: vnd Mütterlich gelt erkaufft vnd zu wegen gebracht / oder wegen entleibung eines Edelmans in homagium vnd zur straff gegeben vnd verobligirt: oder aber sonsten für das Ius Quartalitij, an stadt vnd in abschlag des schuldigen Jungfrewlichen vierten Theils / welchen derer vom Adel Töchter auff jhrer Eltern Freygüeter zuersuchen haben / eigenthumblich conferirt vnd eingeraumbt worden: (Jedoch daß dise einantwortung des Quartalitij, welche auff ewig vnd eigenthumblich geschehen / den Brüdern / oder anderen rechtmessigen folgern nicht præiudicirlich oder nachtheilig sey) Jtem die jenigen Güeter vnd Freyheiten / in welchen etliche Jungfrawen oder Weiber / durch Ir Khön: Mtt: etc. (Jedoch den nechsten Agnaten ohne schaden vnd nachtheil) zu warhafften folgern / beede geschlecht belangent / præficirt vnd fürgesetzt werden / die alle mit einander folgen so wol dem Weiblichen / als dem Männlichen geschlecht.
[Pars1.Titel.17.5] §. 5. Alia vero universa jura possessionaria, qualitercunque acquisita, solummodo juri masculino deserviunt. Die andern Güeter vnd Freyheiten aber alle / auff waserley weiß dieselben bekommen worden / gehören allein dem Männlichen Stammen Rechtlichen zue.
[Pars1.Titel.17.6] §. 6. Et dixi notanter; pecuniis paternis, vel maternis empta; quoniam in bonis, et juribus possessionariis, pecuniis aliquorum fratrum comparatis puellae, seu foeminae, sorores videlicet eorum, nil juris habere possunt: Neque collaterali modo, ipsae foeminae succedere, aut portionem aliquam acquirere permittuntur; Sed juribus tantum de paternis, aut portionem congruentem, in casibus immediate praescriptis, aut jus Quartalitium, pro se requirendi habent auctoritatem. Das aber hab ich mit vergebens gesagt: Mit Vätterlichen vnd Mütterlichen gelt erkaufft. Dann an denen Güetern vnd Freyheiten / welche durch etlicher Brüder gelt erkaufft worden / können die Jungfrawen oder Weiber kein Gerechtigkeit haben / wirdt auch dem Weiblichen geschlecht von der seiten Linien her zue succedirn, oder ein portion vnd Theil zu erlangen nit gestattet: Sondern haben allein die macht auff den Vätterlichen Frey vnd Erbgüetern / entweder jhren gebürenden Theil / in den vorigen ohne mittel beschribenen fällen / oder aber jhr Quartalitium, das ist / den gebürenden vierten Theil zu requiriren vnd zu fodern.
[Pars1.Titel.17.7] §. 7. Dixi etiam: quoad utrumque sexum pari modo notanter; Nam in casu, quo Regia Majestas, puellam, seu mulierem aliquam, in juribus paternis, vel etiam fraternis (si frater ipse haeredibus careat, et praefectioni consentiat) in verum haeredem, et successorem masculinum simpliciter praefecerit; non inserendo scilicet in literis praefectionalibus utrumque sexum; tunc hujusmodi jura possessionaria, mortua ipsa muliere, solummodo in filios (si habuerit) aliter autem rursum in Fiscum Regium deyolvuntur: Et (iliae suae, juribus duntaxat earum Quartalitiis, de eisdem juxta hujus Regni consuetudinem provenire debentibus, contentari debent. Jch hab auch gesagt / So ferr sie auff beede geschlecht (Männlich vnd Weiblich) zu gleich notirt vnd verliehen sindt. Dann in dem fall / da Jhr König: Mtt: etc. jrgent ein Jungfraw oder Weib / in dem Vätterlichen Erb vnnd possessionen: Oder aber auch in den Brüderlichen / (so der Brueder ohne Erben mit todt abgienge / vnd zu solcher præfection vnd fürsetzung bewilligte) zu einem warhafften Erben vnd Männlichen Successor vnd folger præficirte vnd [Faksimile] ansetzte / vnnd in solchen præfectionalibus, oder darüber auffgerichten schreiben beede sexum vnd geschlecht nit außtrucklich meldete / alß dann fallen solche erlangte Freyheiten / nach absterben des Weibes / allein auff die Söhne / da solche verhanden / oder im mangel derselben / widerumb dem Fisco vnd Khön: Cammer heim. Vnd sollen die Töchter mit jhren Rechten / so sie wegen der Quartalitien vnd jhres vierten Theils / nach gewonheit dises Reichs zuersuchen haben / von denselbigen Güetern contentirt werden.
[Pars1.Titel.17.7] §. 7. Dixi etiam: quoad utrumque sexum pari modo notanter; Nam in casu, quo Regia Majestas, puellam, seu mulierem aliquam, in juribus paternis, vel etiam fraternis (si frater ipse haeredibus careat, et praefectioni consentiat) in verum haeredem, et successorem masculinum simpliciter praefecerit; non inserendo scilicet in literis praefectionalibus utrumque sexum; tunc hujusmodi jura possessionaria, mortua ipsa muliere, solummodo in filios (si habuerit) aliter autem rursum in Fiscum Regium deyolvuntur: Et (iliae suae, juribus duntaxat earum Quartalitiis, de eisdem juxta hujus Regni consuetudinem provenire debentibus, contentari debent. [Pars1.Titel.18] Titulus 18. Quare jura possessionaria, servitiis acquisita, jus foemineum non sequantur? TIT. XVIII. Warumb die Freygüeter / welche einer durch sein dienst erlangt / nicht dem vntern Stammen folgen.
[Pars1.Titel.18.pr] Si autem quaeratur, quare bona, ac jura possessionaria, servitiis acquisita, jus foemineum non sequantur? Responde, quod ideo; quia Regnum istud Hungariae, cum partibus sibi subjectis, in medio, faucibusque hostium situm, et positum est, quod gladio semper, et armis tutari, defendique solet: Bona etiam, et jura possessionaria (ut communiter) arte militari, sanguinisque effusione, progenitores nostri acquisiverunt, et modo quoque acquiri consueverunt. Mulieres autem, et puellae, armis militare, cum hostibusque decertare non solent, neque possunt: Et ob hoc, bona ipsa, juri faemineo non deserviunt. SO aber gefragt würde / warumb die Güeter / vnnd durch trewe dienst erlangte Freyheiten dem Weiblichen geschlecht nit folgen? Antwort / vnd sage darumb: Dann das Königreich Hungern / sambt den vnterworffenen Landen mitten vnd im Rachen der Feindt gelegen ist / welches man allzeit mit der Wehr zu schutzen vnd zu schirmen pflegt. Vnd aber vnser Voreltern alle Güeter vnd Freyheiten / (wie gemeiniglich) mit Ritterlicher hand vnd bluetvergiessen vberkommen / vnd auch noch biß dato zu bekommen gewohnet sindt / die Weiber aber vnnd Jungfrawen pflegen vnd können mit der Wehr nit vmbgehen / noch mit dem Feindt streitten: Derowegen haben auch an solchen Güetern die Weiber kein Gerechtigkeit zu suechen.
[Pars1.Titel.19] Titulus 19. E contra, cur jura possessionaria pecuniis empta, jus foemineum aeque, ac masculinum concernant? TIT. XIX. Hergegen / warumben solche mit gelt erkauffte Freyheiten / so wol auff das Weiblich alß Männlich geschlecht sich erstrecken vnd fallen.
[Pars1.Titel.19.pr] Si vero e contrario quaeratur, cur jura possessionaria, pecuniis (ut praemissum est) paternis, aut maternis empta, jus foemineum aeque, ac masculinum concernant? Dic, quod ideo, quoniam pecuniae inter res mobiles computantur, de rebus autem mobilibus tam paternis, quam etiam maternis, et filii, et filiae, aequales portiones sortiuntur, et ex consequenti, etiam de bonis, et juribus possessionariis, hujusmodi pecuniis, de quibus, utpote decedente patre, vel matre, filiae portionem habere debebant) comparatis, portiones congruentes ipsis filiabus dantur. SO aber hergegen gefragt würde / warumben solche Güeter vnd Freyheiten / welche / wie zuuor gesagt / mit dem Vätterlichen oder Mütterlichen gelt erkaufft / das Weiblich geschlecht so wol als das Männlich angehen? So sage darumben: Dieweil das gelt vnter die [Faksimile] beweglichen Güeter gerechnet wirdt / so viel aber die beweglichen Güeter anlanget / sie kommen vom Vatter oder Mueter her / haben die Söhne vnd Töchter gleiche Theil: Daher dann auch den Töchtern von denen possessionen vnnd Erbgüetern / welche mit der gleichen Gelt erkaufft worden / vnd dauon sie heut oder morgen nach jhrer Eltern absterben gleiche Theil hetten gehabt / gebürende Theil pro rato gehören / vnd zuegestelt werden sollen.
[Pars1.Titel.19.1] §. 1. Licet originem, et fundamentum considerando, quod etiam pecuniae, maximis servitiis, et laboribus, interdumque ingenti sanguinis effusione acquiri, et congregari consueverint: Et quod onera bellorum, et defensionem patriae, mulieres, seu puellae, per se gerere, sustinereque non possint; etiam de emptitiis bonis, et juribus possessionariis, portiones perpetuas non mereantur habere: ne tamen a successione rerum, et bonorum paternorum penitus exclusae viderentur; fraternus amor, et dilectio filiorum, qua erga sorores afficiuntur, et jure quoque divino affici tenentur, permisit filias, [S.13] portiones congruas, perennali jure cum eis pariter, de praenarratis bonis, ac juribus possessionariis emptitiis habere, et onera bellorum, tutelamque patriae, hac in parte, maritis ipsarum imposuit peragere, atque sufferre. Ob wol / wann man den vrsprung vnd fundament bedenckt / weil das Gelt ebner massen / mit schweren diensten / mühe vnd arbeit / auch wol bißweilen mit grossem bluetuergiessen vberkommen vnd zusammengebracht wirdt: Die Weiber vnd Jungfrawen aber für sich selbsten die Last des Kriegßwesens / defension vnd schutz des Vatterlandts nit auff sich nemmen noch ertragen können / also verdienen sie auch nicht / daß sie an solchen erkauften Güetern vnd Freyheiten Theil eigenthumblichen haben sollen. Aber auff daß sie von der Succession der verlassenschafft vnd Vätterlichen Güeter nit gantz vnd gar außgeschlossen würden / so erfordert solches die Brüderliche vnnd Vätterliche lieb gegen den Kindern / darzue sie gegen den Schwestern bewogen / vnd auch durch Gottes Wort darzu vermahnet werden / daß auch die Töchter gebürende Theil mit den Brüdern zu gleich / von vorernanten erkaufften Güetern vnnd Freyheiten haben / vnd hat dieselbe in disem stuck / die Kriegß beschwärung vnd schutz des Vatterlandts zutragen vnd außzustehen jhren Ehemännern aufferlegt.
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References: e contrario
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 § 3
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