Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=06.03.2003&Aktenzeichen=XI%20B%207/02
Timestamp: 2019-07-23 23:42:59+00:00

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BFH, 06.03.2003 - XI B 7/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,370
BFH, 06.03.2003 - XI B 7/02 (https://dejure.org/2003,370)
BFH, Entscheidung vom 06.03.2003 - XI B 7/02 (https://dejure.org/2003,370)
BFH, Entscheidung vom 06. März 2003 - XI B 7/02 (https://dejure.org/2003,370)
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GG Art. 1, 3, 6, 20 Abs. 1; EStG i. d. F. des StEntlG 1999/2000/2002 § 2 Abs. 3 Sätze 2 ff.
GG Art. 1, 3, 6, 20 Abs. 1; EStG i.d.F. des StEntlG 1999/2000/2002 § 2 Abs. 3 Sätze 2 ff
Beschränkung des Verlustausgleichs verfassungswidrig?
Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Begrenzung des Verlustausgleichs; Aussetzung der Vollziehung wegen ernstlicher Zweifel an der verfassungsrechtlichen Gültigkeit einer dem angefochtenen Verwaltungsakt zu Grunde liegenden Norm; Ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des § 2 Abs. 2 Satz 2 ff. Einkommensteuergesetz (EStG); Festsetzung der Einkommensteuer bei Unterschreiten des Existenzminimums durch den begrenzten Verlustausgleich; Verbot der Besserstellung oder Schlechterstellung des Steuerpflichtigen durch separate Feststellung der Besteuerungsgrundlagen
Einkommensteuer; ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Mindestbesteuerung bei sog. echten Verlusten
Zusammenfassung von "... und die Mindestbesteuerung ist doch verfassungswidrig" von RA Dr. Frank Verfürth, original erschienen in: StB 2003, 362 - 365.
Zusammenfassung von "Verfassungsmäßigkeit der Mindesbesteuerung nach § 2 Abs. 3 EStG a. F. - Eine Rechtsprechungsanalyse aus betriebswirtschaftlicher Sicht" von StB Dipl.-Kfm. Dr. Leonid Korezkij, original erschienen in: DStR 2005, 1111 - 1116.
Zusammenfassung von "Verlustverrechnung nach § 2 Abs. 3 EStG" von WP, StB Dietrich Müller, original erschienen in: DB 2003, 2403 - 2403.
Auch die Finanzverwaltung gewährt in diesen Fällen nunmehr AdV (vgl. BFH-Beschlüsse in BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523; in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516;… vom 25. Februar 2005 XI B 78/02, BFH/NV 2005, 1279;… vom 7. Juli 2004 XI B 231/02, BFH/NV 2005, 178;… vom 25. Juni 2004 XI B 20/03, BFH/NV 2005, 176; Oberfinanzdirektion Magdeburg, Verfügung vom 27. August 2003 S 2117 A -2- St 214, Steuererlasse in Karteiform, AO 1977, § 361 Nr. 268; z.B. Stapperfend, DStJG 24 (2001), S. 329, 365; Herzig/Briesemeister, DStR 1999, 1377, 1381).
(4) Der Einwand des Klägers, § 23 Abs. 3 Satz 8 EStG lasse unter Verstoß gegen das subjektive Nettoprinzip echte --mit dem Entzug von Liquidität verbundene-- negative Einkünfte einstweilen unberücksichtigt, die höher seien als die positiven Einkünfte aus anderen Einkunftsarten, vermag unter dem Gesichtspunkt des Art. 3 Abs. 1 GG allenfalls die Notwendigkeit eines uneingeschränkten vertikalen Verlustausgleichs zwischen sich in ihrer Struktur entsprechenden Einkunftsarten zu begründen (vgl. BFH-Beschlüsse vom 6. März 2003, XI B 76/02, BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523, und XI B 7/02, BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, zur Mindestbesteuerung nach § 2 Abs. 3 EStG in der bis 31. Dezember 2003 geltenden Fassung; Lang/Englisch, Steuer und Wirtschaft 2005, 1; Karrenbrock, Der Betrieb 2004, 559, Kohlhaas, Deutsches Steuerrecht --DStR-- 2002, 1250; Korezkij, DStR 2005, 1111;… Offerhaus, Festschrift für Jacob, Augsburg-Haunstetten 2001, 187).
Mit Beschluss vom 6. März 2003 XI B 7/02 (BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516) hat er aber ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des § 2 Abs. 3 Sätze 2 ff. EStG bejaht, wenn auf Grund des begrenzten Verlustausgleichs eine Einkommensteuer auch dann festzusetzen ist, wenn dem Steuerpflichtigen von seinem im Veranlagungszeitraum Erworbenen nicht einmal das Existenzminimum verbleibt; ebenso im Beschluss vom 6. März 2003 XI B 76/02 (BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523).
Die Sicherung des Existenzminimums entfällt, wenn die Ausgaben und die festgesetzte Einkommensteuer die Einnahmen übersteigen (vgl. hierzu im Einzelnen Senats-Beschlüsse in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, und BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523) .
b) Die ernstlichen Zweifel des Senats an der Verfassungsmäßigkeit der sog. Mindestbesteuerung des § 2 Abs. 3 EStG beziehen sich im Streitfall auf die Begrenzung des Verlustausgleichs bei Vorliegen "echter" Verluste, denen keine --unter Berücksichtigung der festgesetzten Einkommensteuer und des Existenzminimums-- entsprechend hohen positiven Einkünfte gegenüberstehen (vgl. Senats-Beschlüsse in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, und BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523).
Das berechtigte Interesse des Antragstellers an der Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes folgt aus der Natur der verfassungsrechtlich garantierten Freistellung des Existenzminimums (vgl. Senats-Beschlüsse in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, und BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523, m.w.N.).
Dies gilt auch für ernstliche Zweifel i.S. des § 69 Abs. 2 und 3 FGO an der verfassungsrechtlichen Gültigkeit einer dem angefochtenen Verwaltungsakt zugrunde liegenden Norm (ständige Rechtsprechung; vgl. z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 6. März 2003 XI B 7/02, BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, m.w.N.).
Im Übrigen hat der erkennende Senat an den Grundsätzen dieser Entscheidung auch für den Fall sog. echter Verluste aus Vermietung und Verpachtung (vgl. Beschluss in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516) als auch aus Gewerbebetrieb (Beschluss vom 6. März 2003 XI B 76/02, BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523) im Prinzip festgehalten (…vgl. auch BFH-Beschluss vom 25. Juni 2004 XI B 20/03, BFH/NV 2005, 176).
Danach begegnet die Festsetzung einer Einkommensteuer zwar dann ernstlichen verfassungsrechtlichen Bedenken, wenn dem Steuerpflichtigen auf Grund der Beschränkung des Verlustausgleichs nach § 2 Abs. 3 EStG von seinem im Veranlagungszeitraum Erworbenen --unter Berücksichtigung der festgesetzten Einkommensteuer-- nicht einmal das Existenzminimum verbleibt (BFH in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, und in BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523).
Der Kläger beruft sich des weiteren auf die Beschlüsse des BFH vom 6. März 2003 (XI B 76/02 und XI B 7/02, DB 2003, 1149, 1151).
Dementsprechend ist das Leistungsfähigkeitsprinzip so zu interpretieren, dass es grundsätzlich um die im Lebenseinkommen sich ausdrückende Leistungsfähigkeit geht (…Tipke, Die Steuerrechtsordnung, Bd. II, 2. Aufl., S. 756; ähnlich BFH, Beschl. v. 06.03.2003, XI B 7/02, BStBl II 2003, 516).
Das Jahresabschnittsprinzip ist indes ein rein technisches Prinzip (…Tipke, Die Steuerrechtsordnung, Bd. II, 2. Aufl., S. 756 m.w.N.) einfachgesetzlicher Natur (BFH, Beschl. v. 06.03.2003 a.a.O.).
Soweit sich der Kläger auf den Beschluss des BFH vom 6. März 2003 (XI B 7/02, BStBl II 2003, 516) zur Mindestbesteuerung, insbesondere auf die Gewährleistung der Steuerfreiheit des Existenzminimums, beruft, vermag dies kein anderes Ergebnis zu rechtfertigen.
Zur Begründung führt es aus, dass der Bundesfinanzhof - BFH - in den Beschlüssen vom 06. März 2003 ( XI B 7/02 BFHE 202, 141 , BStBl II 2003, 516 und XI B 76/02, BFHE 202, 147 , BStBl II 2003, 523 ) und vom 09. Mai 2001 ( XI B 151/00, BFHE 195, 314 , BStBl 2001, 552) ausdrücklich offen gelassen habe, ob verfassungsrechtliche Zweifel auch im Hinblick auf negative Einkünfte begründet seien, die auf keinem entsprechendem Mittelabfluss beruhen.
Der BFH hat in den Beschlüssen vom 06. März 2003 (in BFHE 202, 141 , BStBl II 2003, 516 und in BFHE 202, 147 , BStBl II 2003, 523 ) unter Verweis auf seinen Beschluss vom 09. Mai 2001 ( XI B 151/00, BFHE 195, 314 , BStBl II 2001, 552 ) zwar dargelegt, dass gegen die sogenannte Mindestbesteuerung des § 2 Abs. 3 EStG in Bezug auf eine Verletzung des allgemeinen Prinzips der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Sinne des Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes ( GG ) keine ernstlichen Zweifel bestehen.
Allerdings hat der BFH weiterhin zu der im Beschluss vom 09. Mai 2001 (in BFHE 195, 314 , BStBl II 2001, 552 ) offen gelassenen Frage (…vgl. hierzu auch Hutter, KFR F. 3 EStG § 2, 2/01, S. 307), ob im Hinblick auf die Beachtung des objektiven Nettoprinzips zwischen (sich aus unternehmerischer Tätigkeit ergebenden) "echten" und (insbesondere aus der Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen entstandenen) "unechten" Verlusten zu unterscheiden ist, auch in den Beschlüssen vom 06. März 2003 (in BFHE 202, 141 , BStBl II 2003, 516 und in BFHE 202, 147 , BStBl II 2003, 523 ) noch keine Entscheidung getroffen.
Der BFH sah in den Beschlüssen vom 06. März 2003 (in BFHE 202, 141 , BStBl II 2003, 516 und in BFHE 202, 147 , BStBl II 2003, 523 ) ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des § 2 Abs. 3 EStG insoweit als gegeben an, als der Steuerpflichtige zur Einkommensteuerzahlung herangezogen wird, obwohl ihm aus dem im Streitjahr Erworbenen keine zur Bestreitung seines Existenzminimums verfügbaren Mittel verbleiben.
Der ASt hat auch das bei einer Aussetzung der Vollziehung aus ernstlichen verfassungsrechtlichen Zweifeln an einer Norm erforderliche berechtigte Interesse an dieser Aussetzung (vgl. hierzu BFH in BFHE 202, 141 , BStBl II 2003, 516 m.w.N.).
f) Die vom Senat gefundene Auslegung ist darüber hinaus von Verfassungs wegen geboten; der Senat verweist insoweit auf die für die Besteuerungssituation im Streitfall maßgeblichen Ausführungen im BFH-Beschluss vom 6. März 2003 XI B 76/02 (BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523) sowie auf die Beschlüsse vom 6. März 2003 XI B 7/02 (BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516), vom 25. Juni 2004 XI B 20/03 (…BFH/NV 2005, 176), vom 7. Juli 2004 XI B 231/02 (…BFH/NV 2005, 178) und vom 25. Februar 2005 XI B 78/02 (…BFH/NV 2005, 1279); s. ergänzend ferner Schmidt/ Seeger (…EStG, 23. Aufl., § 2 Rz 78: "schwerwiegender Verfassungsverstoß"), Weber-Grellet, (Stbg 2004, 31, 37 ff.), Herzig/Briesemeister (DStR 1999, 1377), Raupach/Böckstiegel (FR 1999, 617), Mohr in Lüdicke/Kempf/Brink --Hrsg.-- (Verluste im Steuerrecht, 2010, 37), zweifelnd Werner (Betriebs-Berater 2001, 659); Altfelder (DB 2001, 350).
Da das Leistungsfähigkeitsprinzip stets im Rahmen der Rechts- und Sozialordnung zu interpretieren ist, kann der Gesetzgeber berücksichtigen, dass Verluste häufig planvoll und bewusst zur Verrechnung mit positiven Einkünften herbeigeführt werden (vgl. Beschlüsse des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 6. März 2003 XI B 7/02, BStBl. II 2003, 516, vom 9. Mai 2001 XI B 151/00, BStBl. II 2001, 552).
Der Beschluss des BFH vom 6. März 2003 XI B 7/02 (…a. a. O.), in dem dieser Zweifel an der Verfassungsgemäßheit des § 2 Abs. 3 EStG geäußert hat, wenn dem Steuerpflichtigen von seinem im Veranlagungszeitraum Erworbenen nicht einmal das Existenzminimum verbleibt, findet somit auf den Streitfall keine Anwendung.
Der BFH hat zwar zuletzt mit Beschluss vom 06.03.2003 XI B 7/02 (BStBl. II 2003, 516) entschieden, dass er grundsätzlich keine Zweifel an der Verfassungsgemäßigheit des § 2 Abs. 3 EStG habe.
Mit Beschlüssen vom 6. März 2003 XI B 7/02 (BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516) und XI B 76/02 (BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523) hat der Senat aber ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des § 2 Abs. 3 Sätze 2 ff. EStG bejaht, wenn auf Grund des begrenzten Verlustausgleichs eine Einkommensteuer auch dann festzusetzen ist, wenn dem Steuerpflichtigen von seinem im Veranlagungszeitraum Erworbenen nicht einmal das Existenzminimum verbleibt.
Wie der Senat bereits in seinem Beschluss in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516 ausgeführt hat, hält er an seiner Entscheidung fest, dass gegen die sog. Mindestbesteuerung des § 2 Abs. 3 EStG in Bezug auf eine Verletzung des allgemeinen Prinzips der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit i.S. des Art. 3 Abs. 1 GG keine ernstlichen Zweifel bestehen.
Das berechtigte Interesse des Antragstellers an der Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes hinsichtlich des Veranlagungszeitraumes 2000 folgt aus der Natur der verfassungsrechtlich garantierten Freistellung des Existenzminimums und des Verbots einer übermäßigen Besteuerung (vgl. Senats-Beschlüsse in BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, und BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523, m.w.N.).
Das vom (subjektiven) Nettoprinzip umfasste Gebot der steuerlichen Verschonung des Existenzminimums des Steuerpflichtigen (BVerfG, Beschluss vom 4. Dezember 2002 a.a.O. S. 48 f.; BFH, Beschlüsse vom 6. März 2003 - XI B 7/02 - BFHE 202, 141 und - XI B 76/02 - BFHE 202, 147 ist ebenfalls nicht verletzt.

References: Art. 1
 § 2
 Art. 1
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 361
 § 23
 Art. 3
 § 2
 § 2
 § 2
 § 69
 § 2
 § 2
 Art. 3
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2
 Art. 3