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Timestamp: 2020-06-05 08:10:59+00:00

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Richtige Ladungssicherung kommt immer gut an
Seit 1996 mit Kursen und Schulungen zur Förderung der Verkehrssicherheit für Sie tätig
Die EU hat im Rahmen der Weiterbildung von Berufskraftfahrern verschiedene Seminarinhalte vorgeschrieben. Ladungssicherung gehört selbstverständlich als ein wesentlicher Themenbereich dazu.
Immer wieder hören wir im Verkehrsfunk, dass von Fahrzeugen Ladungsteile heruntergefallen sind.
Die beim Transport durch mangelnde Ladungssicherung nur in Deutschland verursachten Sachschäden werden von der Versicherungswirtschaft auf über 500 Mio Euro pro Jahr geschätzt. Da diese durch Einzelpersonen verursachten Sachschäden auf die Allgemeinheit umgelegt werden, geht das Thema Ladungssicherung uns alle an. Der Anspruch an die Ladungssicherung steigt.
Durch verlorene Ladung werden zudem auch Unbeteiligte gefährdet, es kommt zu Verkehrsunfällen mit Verletzten und im schlimmsten Fall sogar zu Todesfällen.
Bis zu 75 % aller kontrollierten Fahrzeuge weisen Mängel bei der Ladungssicherung auf. Bei über 10 % aller kontrollierten Fahrzeuge sind die Mängel so gravierend, dass die Verkehrssicherheit gefährdet ist und die Weiterfahrt vorerst untersagt werden muss.
Gründe für die mangelnde Ladungssicherung sind häufig
- Unterschätzen der Gefahr einer ungesicherten Ladung
Aber auch mangelndes Hintergrundwissen
- über die vorhandenen physikalischen Kräfte
- über die Festigkeit von Fahrzeugaufbauten
- über die verschiedenen Möglichkeiten / Arten der Sicherung
- mit deren Vor- und Nachteilen
Ladungssicherung ist nicht alles
Aber alles ist oft nichts ohne Ladungssicherung
Nicht nur das richtige Sichern bereitet in der Praxis oft Probleme
Ist es zu Schäden durch mangelnde Ladungssicherung gekommen, stellt sich oft die Frage:
Wer ist eigentlich für die richtige Sicherung der Ladung verantwortlich?
Wer haftet für die entstandenen Schäden durch die mangelnde Ladungssicherung?
Alle am Gütertransport Beteiligten
sind für die richtige Ladungssicherung verantwortlich
Absender /
vom Fahrzeug dabei
eines vorgeladenen Fzg.
Frachtführer /
§ 22 StVO X X
§ 23 StVO X
§§ 30, 31 StVZO X
§ 412 HGB X X
§ 823 BGB X X X X
ADR X X X X
VBGL X X X
ALB-Cargo DB X X
ADSp X X X
Weitere Verantwortliche können zusätzlich noch sein:
Entscheider für die Transportverpackung
Alle Klauseln auf Lieferscheinen, die den Fahrzeugführer allein für die Ladungssicherung verantwortlich machen sollen, sind rechtlich unwirksam
Es wäre auch fatal, wenn zivilrechtlich geschlossene Verträge die geltenden Rechtsvorschriften außer Kraft setzen könnten
Die Aufgaben (das Sichern der Ladung) kann auf den Fahrer übertragen werden
Aber die Verantwortung verbleibt immer auch beim Verlader in Form von mind. stichpunktartigen Kontrollen der durchgeführten Ladungssicherung
Wenn die Ladung rutscht, hat der Halter Pech gehabt
Schäden am Fahrzeug durch mangelnde Ladungssicherung stellen keinen Unfall- schaden dar. Deshalb müssen sie im Rahmen der Vollkaskoversicherung nicht reguliert werden. Das steht in den allgemeinen Bedingungen für Kfz-Versicherung.
Hierauf muss ein Berater bei Abschluss eines Versicherungsvertrages nicht ausdrücklich hinweisen. Quelle: Landgericht Duisburg, Az 1-160/09
Richtige Ladungssicherung bedeutet Schutz
- des Lebens und der Gesundheit aller am Transport Beteiligten
- und der Ladung vor Beschädigung
Alle am Transport beteiligten Personen
sind für die ordnungsgemäße Ladungssicherung verantwortlich
In den Vorschriften werden genannt: Absender, Verlader, Fahrer und Halter
Ladungssicherungsverstöße ziehen meist für alle Beteiligten eine Ordnungswidrigkeitenanzeige nach sich
Nachfolgend eine Übersicht über die möglichen Ordnungswidrigkeiten / Bußgelder / Punkte
§ 22 StVO bei einem Lkw / KOM (hier Kraftomnibus ohne Fahrgäste)
Verstoß immer für den Verlader
und für den Fahrer,
der auf den Beladevorgang einwirken konnte
(also bei der Beladung dabei war)
ohne Gefährdung 60,- € / 1 Pkt
mit Gefährdung 75,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 100,- € / 1 Pkt
bei anderen Fzg (wie Pkw) bzw. dessen Anhänger
ohne Gefährdung 35,- €
mit Gefährdung 60,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 75,- € / 1 Pkt
Verstoß nur für den Fahrer,
der keinen Einfluss auf den Beladevorgang hatte,
also ein vorgeladenes Fzg. übernimmt
(der Verlader bekommt trotzdem sein Bußgeld gem. § 22 StVO)
ohne Gefährdung 25,- €
mit Gefährdung 80,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 120,- € / 1 Pkt
§ 31 StVZO bei einem Lkw / KOM (hier Kraftomnibus ohne Fahrgäste)
Verstoß für den Halter
(die Bußgelder gegen den verantwortlichen Verlader und Fahrer bleiben bestehen)
mit Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit 270,- € / 1 Pkt
mit Gefährdung 325,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 390,- € / 1 Pkt
Für KOM mit Fahrgästen und Fahrzeugen mit Gefahrgut
sind die Bußgelder entsprechend höher
Bei Transporten mit kennzeichnungspflichtigem Gefahrgut (gem. GGVSE / ADR)
sind die Bußgelder für den Verlader / Fahrer / Halter erheblich höher.
Ist die Ameise auf diesem Foto ausreichend gesichert? Nein, denn das Unterlegen von einem Kantholz verhindert nur das Wegrollen der Ameise. Dies ist keine ausreichende Ladungssicherung.
Selbst wenn das Gefahrgut (hier der IBC) ausreichend gesichert sein sollte, liegt hier auch ein Gefahrgutverstoß vor.
Denn das Gefahrgut ist durch andere, nicht ausreichend gesicherte, Ladungen auf dem Lkw gefährdet.
Doch wie sieht es mit Straftaten aus ?
Durch mangelnde Ladungssicherung können Sie auch zum Straftäter werden
Viele denken jetzt wahrscheinlich nur an den Fahrer eines Lkw, der einen Fehler gemacht hat und erwartungsgemäß dafür bestraft wird
Aber Achtung !! Waren Sie vielleicht vor 7 Stunden der verantwortliche Verlader ???
Dann sind Sie als Verlader, abends beim Fußballgucken im Beisein ihrer Familie, soeben zum Verantwortlichen für den Schadenseintritt und somit zum Straftäter geworden !!
Oder sind Sie vielleicht Halter eines Lkw, der soeben irgendwo in Deutschland einen Verkehrsunfall durch mangelnde Ladungssicherung verursacht hat ?
Dann können Sie soeben beim Durchlesen dieses Textes auf meiner Homepage eine Straftat verursacht haben
Nachfolgend eine Übersicht der in Frage kommenden Straftaten
§§ des StGB (Strafgesetzbuch) Freiheitsstrafe bis zu
§ 303 Sachbeschädigung 2 Jahren oder Geldstrafe
§ 223 Körperverletzung 5 Jahren oder Geldstrafe
§ 222 Fahrlässige Tötung 5 Jahren oder Geldstrafe
§ 315 b Gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr (für den Fahrer durch verlorene Ladung) 5 Jahren (und in der Regel bis zu 9 Monaten Führerscheinentzug) oder Geldstrafe
§ 324 Umweltstraftaten (durch einen Unfall Erdreich / Gewässer verunreinigt) 5 Jahren oder Geldstrafe
Stellen Sie sich hier einmal einen Auffahrunfall mit einem Kleinwagen oder schlimmstenfalls mit einem Motorradfahrer vor
Diesen „Weihnachtsmann“
verlor ein Schausteller von seinem Lkw auf der linken Spur der A 1 im Bremer Bereich
Jede Ladung ist beim Transport verschiedenen Kräften ausgesetzt
Diese Kräfte wirken auf die Ladung in verschiedene Richtungen
Bei einer Vollbremsung nach vorne
Beim Abbremsen in Kurven zu den Seiten
Aber auch nach hinten wirken Kräfte auf die Ladung
Laut eindeutiger Rechtsprechung gehören
Vollbremsungen, schlechte Fahrbahnen (wie Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, das Überfahren von Schienen),
Beschleunigen / Abbremsen in Kurven (wie Autobahnausfahrten)
und (auch gleichzeitig) plötzliche Ausweichmanöver
zum "normalen Fahrbetrieb"
Für diese "alltäglichen" Verkehrssituationen muss die Ladung gegen
Verrutschen, An- / Umkippen, Herabfallen gesichert sein
Leider sind immer noch einige Irrtümer bezogen auf die Ladungssicherung verbreitet
"Die Ladung ist so schwer,
sie kann gar nicht verrutschen"
Tatsache ist: Ob ein Ladegut verrutscht oder nicht, ist unabhängig von seinem Gewicht
Für die Ladungssicherung bedeutet das:
Je schwerer ein Ladegut ist,
desto mehr Sicherungskraft muss aufgebracht werden
sie kann gar nicht kippen."
Tatsache ist: Ob ein Ladegut kippt, ist unabhängig von seinem Gesamtgewicht
Entscheidend ist alleine die Schwerpunkthöhe in Relation zur Aufstandsfläche
Hier wurden die Container nur aufgeladen - nicht gesichert -
Auch auf Kurzstrecken ist jede Ladung ordnungsgemäß zu sichern
Noch ein häufig verbreiteter Irrtum
"Ich habe die Ladung doch mit diesem 2,5 Tonnen Zurrgurt niedergezurrt.
Also ist die Ladung jetzt auch mit 2,5 Tonnen gesichert."
Hier wird gerade unzulässiger Weise mit einer Brechstange die Vorspannkraft einer Kurzhebelratsche erhöht
Verbogene Hebel und Schlitzwellen der Zurrgurte sind das gefährliche Ergebnis
Beim Niederzurren ist die zulässige Belastbarkeit des Zurrgurtes (LC = 2500 daN) nicht entscheidend
Beim Niederzurren zählt alleine die aufgebrachte Vorspannkraft (STF-Wert) im Zurrgurt. Bei einer Standardratsche sind das lediglich ca. 300 daN
Diese 300 daN entsprechen einer zusätzlichen Gewichtskraft von ca. 300 kg, mit der die Ladung lediglich zusätzlich heruntergedrückt wird, um so die Reibkraft zwischen Ladung und Ladefläche zu erhöhen
Die Ladung wird beim Niederzurren nicht festgebunden, sondern nur heruntergedrückt !!
Richtige Ladungssicherung, weil's gut ankommt
Unsicherheit besteht bei vielen am Transport Beteiligten, wenn es um die Festigkeit des Fahrzeugaufbaus geht. Wie viel Kräfte kann welcher Aufbau abfangen?
"Ich habe doch noch meine Stirnwand.
Muss ich trotzdem meine Ladung noch nach vorne absichern?"
Tatsache: Für den Aufbau von Lkw und Anhänger die vor 04/2002 hergestellt wurden, gab es keine nationalen oder internationalen Konstruktionsnormen
Anmerkung: Gilt bei einem Nachweis (Zertifikat/Gutachten) natürlich auch für Curtainsider
(ab April 2002 vorgeschrieben)
(ab Herbst 2006 möglich)
Stirnwand 40 % der Nutzlast 50 % der Nutzlast
Rückwand 25 % der Nutzlast 30 % der Nutzlast
Seitenwand 30 % der Nutzlast 40 % der Nutzlast
Bsp: Ladungsgewicht: 10 t auf einem Code L Fahrzeug
Ladung auf Europaletten auf Siebdruckboden (Standardladefläche)
Massenkraft = 10.000 daN Reibbeiwert = 0,3 Nutzlast = Ladungsgewicht = 10 t
8000 daN (0,8 x G) müssen nach vorne abgesichert werden
Widerstandskraft durch die Reibung = 3000 daN
Belastbarkeit der Stirnwand (nur bei Formschluss nach vorn) = 4000 daN (40 % der NL)
Im Ergebnis müssen noch 1000 daN an Sicherungskraft für die erforderliche Sicherung nach vorne aufgebracht werden
Anmerkung: Auf einem Code XL wäre diese Ladung ausreichend nach vorne abgesichert
Aufbauten gem. Code XL sind in der Regel extra gekennzeichnet. Hier drei Beispiele der größten Nutzfahrzeughersteller Europas.
Auch in Deutschland werden von verschiedenen Herstellern
zusätzlich noch verstärkte Stirnwände angeboten
Diese verstärkten Stirnwände können
wesentlich höhere Kräfte aufnehmen
(somit auch zugelassen zum Transport auf der Schiene)
Beim Hamburger Verdeck unterteilen sich die 30 % beim Code L zusätzlich noch vertikal wie folgt:
- 24 % unten für die Ladebordwand
- 6 % oben für die Plane / Spriegel
Vorteile der Curtainsider sind das geringe Gewicht als Leerfahrzeug und die Zeitersparnis beim Be- und Entladevorgang
Nachteile der Curtainsider sind: Es geschehen leider immer wieder Verkehrsunfälle mit Curtainsidern wegen der mangelnden seitlichen Aufbaufestigkeit
Tatsache ist: Von einigen Herstellern wurde die eigene Seitenplane als reiner Wetterschutz bezeichnet
Achtung: Das "erlaubte" Ausbeulen der Seitenplane von 30 cm ist lediglich ein Prüfkriterium für den Hersteller.
Jedes Ausbeulen der Seitenplane im öffentlichen Straßenverkehr ist immer ein Verstoß. Das Fahrzeug überschreitet dadurch die zulässige Breite. Zusätzlich wird hier regelmäßig tateinheitlich ein Verstoß wegen mangelnder Ladungssicherung vorliegen. Formschluss bei einer flexiblen Plane?
Bei einem Curtainsider muss die vorhandene Aufbaufestigkeit immer durch ein Gutachten / Zertifikat vom Fahrer nachgewiesen werden.
Natürlich müssen alle im Gutachten aufgeführten Voraussetzungen erfüllt sein, damit der seitliche Aufbau des Curtainsiders auch zur Ladungssicherung genutzt werden kann (als Beispiel die Anzahl der Einstecklatten muss stimmen und sie müssen auch auf beiden Seiten gleichmäßig verteilt sein).
um jeglichen Aufbau zur
Ladungssicherung nutzen zu können,
ist Formschluss
(hier klappbare Alulatten)
Kühl- und Kofferaufbauten sind in der Regel stabiler als Curtainsider mit einem Code XL Aufbau
Bei formschlüssiger Ausladung ist somit eine ausreichende Ladungssicherung nach vorne und zu den Seiten gegeben
Lediglich die Sicherung nach hinten bereitet oft Probleme

References: § 22

§ 23

§ 412

§ 823

§ 22
 § 22

§ 31

§ 303

§ 223

§ 222

§ 315

§ 324