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Timestamp: 2018-08-16 21:32:07+00:00

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Handwerker | Gründungsnetz
Wer sich im Handwerk im Land Brandenburg selbstständig machen möchte, muss sich bei der zuständigen Handwerkskammer eintragen lassen. Nach der aktuellen Fassung der Handwerksordnung (HwO) besteht eine Eintragungspflicht sowohl für zulassungspflichtige Gewerbe, die in der Anlage A zur HwO aufgelistet sind, als auch für zulassungsfreie Handwerke und die handwerksähnlichen Gewerbe. Die entsprechenden Gewerbe sind in den Anlagen B1 bzw. B2 der HwO aufgelistet.
Das Land Brandenburg fördert seit dem 29.10.2015 Existenzgründungen im Handwerk durch die Meistergründungsprämie. Die Prämie gibt es in zwei Stufen: Handwerksmeisterinnen und -meister, die einen Betrieb im Land Brandenburg gründen, eine Beteiligung eingehen oder ein Unternehmen im Handwerk übernehmen, können eine einmalige Basisförderung von maximal 8.700 Euro erhalten. Wer zusätzlich einen neuen Arbeits- oder Ausbildungsplatz schafft, kann in der zweiten Stufe noch einmal bis zu 3.300 Euro bekommen, wenn der Betrieb mindestens drei Jahre nach der Existenzgründung besteht. Die Prämie wird als Zuschuss gewährt. Nähere Informationen erhalten Sie bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg bzw. Ihrer zuständigen Handwerkskammer.
Gründung im zulassungspflichtigen Handwerk
Für die 41 in der Anlage A zur HwO aufgelisteten Handwerke ist eine Meisterprüfung vorgeschrieben. Dies sind Handwerke, in denen durch unsachgemäße Ausübung Gefahren für die Gesundheit oder das Leben von Kunden u.a. drohen (vgl. § 1 und §§ 6 ff. HwO).
Die HwO sieht folgende Ausnahmeregelungen für die Eintragung in die Handwerksrolle vor:
Ausübungsberechtigung nach §§ 7a oder 7b (Altgesellenregelung) HwO
Ausnahmebewilligung nach §§ 8 oder 9 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HwO oder
Bestätigung nach § 9 Abs. 1 Nr. 2 HwO i. V. m. §§ 7 und 8 EU/EWR-Handwerk-Verordnung
Die Erteilung dieser Ausnahmeregelungen ist an spezielle Voraussetzungen gebunden. Die Entscheidung über die Erteilung trifft die zuständige Handwerkskammer.
Gründung mit Betriebsleiter
Eine Gründung in den zulassungspflichtigen Handwerken ist auch dann möglich, wenn die Gründerin oder der Gründer einen Mitarbeiter als Betriebsleiter beschäftigt, der die Meisterprüfung abgelegt hat (vgl. § 7 Abs. 1 HwO).
Gründung durch Ingenieur, Techniker und Industriemeister
Ingenieure, Absolventen von technischen Hochschulen und staatlichen oder staatlich anerkannten Fachschulen für Technik und Gestaltung können ein zulassungspflichtiges Handwerk der Anlage A auch ohne Meisterbrief ausüben, wenn diesem der Studien- oder der Schulschwerpunkt ihrer Prüfung entspricht (vgl. § 7 Abs. 2 HwO).
Gründung mit zulassungsfreiem Handwerk
52 Handwerke gelten als zulassungsfreie Handwerke. Für sie ist ein Meisterbrief nicht vorgeschrieben. Das bedeutet nicht, dass man als Gründerin oder Gründer hier nicht doch - nicht zuletzt, um den Kunden seine fachliche Kompetenz zu signalisieren - die Meisterprüfung ablegen sollte. Die zulassungsfreien Handwerke sind in der Anlage B 1 zur Handwerksordnung aufgeführt (vgl. §§ 18 ff HwO).
Gründung mit handwerksähnlichem Gewerbe
54 Berufe gelten als handwerksähnliches Gewerbe. Für sie ist ein Meisterbrief gleichfalls nicht vorgeschrieben. Diese handwerksähnlichen Gewerbe sind in der Anlage B 2 zur Handwerksordnung aufgeführt (vgl. §§ 18 ff HwO).
Gründung mit "einfacher Tätigkeit"
Gründungen mit Tätigkeiten, die für das Handwerk nicht wesentlich sind, sondern als "einfache Tätigkeit" von jedermann ausgeübt werden dürfen, sind ohne Befähigungsnachweis möglich. Dies betrifft u.a. solche Tätigkeiten, die in einem Zeitraum bis zu drei Monaten erlernbar sind. Eine Kombination einfacher Tätigkeiten verschiedener Gewerbe ist ebenfalls erlaubt, es sei denn, dass sie zusammen genommen für ein bestimmtes zulassungspflichtiges Handwerk wesentlich sind (vgl. § 1 Absatz 2 HwO).
Mit dem ab 1. April 2012 in Kraft getretenen „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ (Anerkennungsgesetz) erhalten Personen mit einem im Ausland erworbenen Berufsabschluss einen Anspruch auf Überprüfung der Gleichwertigkeit ihrer im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen mit einem deutschen Berufsabschluss. Für die handwerklichen Berufe sind die Handwerkskammern zuständige Stellen für die Durchführung von Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren und für die Ausstellung von Gleichwertigkeitsbescheinigungen.
Wer in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, Bulgarien, Rumänien, Polen, der ehemaligen Tschechoslowakei oder Ungarn einen Berufsabschluss auf Facharbeiterniveau erworben hat und eine Spätaussiedlerbescheinigung bzw. einen Vertriebenenausweis besitzt, kann die Anerkennung bzw. Gleichstellung seines Ausbildungsabschlusses gemäß § 10 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) beantragen. Die Möglichkeit der Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusse nach den Bestimmungen des Bundesvertriebenengesetzes steht ausschließlich anerkannten Spätaussiedlern offen.
Schnellere Zulassung zur Meisterprüfung
Eine sofortige Zulassung ist auf Antrag möglich, wenn der Antragsteller eine Gesellenprüfung im Prüfungshandwerk oder in einem verwandten Handwerk oder eine entsprechende Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf oder eine Meisterprüfung in einem Anlage "B 1"-Beruf abgelegt hat (vgl. § 49 HwO).
Auskünfte zu handwerksrechtlichen Fragen der Existenzgründung erhalten Sie bei den Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern oder beim zuständigen Fachreferat im Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg.
BMWi - GründerZeiten Existenzgründung im Handwerk
Leitfaden Abgrenzung - Handwerk | Industrie | Handel | Dienstleistungen

References: § 1
 § 9
 § 7
 § 7
 § 1
 § 10
 § 49