Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=21.11.2005&Aktenzeichen=II%20ZR%2079/04
Timestamp: 2019-06-18 11:56:56+00:00

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BGH, 21.11.2005 - II ZR 79/04 - dejure.org
https://dejure.org/2005,1441
BGH, 21.11.2005 - II ZR 79/04 (https://dejure.org/2005,1441)
BGH, Entscheidung vom 21.11.2005 - II ZR 79/04 (https://dejure.org/2005,1441)
BGH, Entscheidung vom 21. November 2005 - II ZR 79/04 (https://dejure.org/2005,1441)
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Ermächtigung des Vorstands einer Aktiengesellschaft zu einem Bezugsrechtsausschluss bei der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen im Zusammenhang mit einer bedingten Kapitalerhöhung durch einen Hauptversammlungsbeschluss; Geltung der Grundsätze für eine Ermächtigung zum Bezugsrechtsausschluss im Rahmen eines genehmigten Kapitals; Insolvenz der Beklagten als ein erledigendes Ereignis
Zur Ermächtigung des Vorstands zum Bezugsrechtsausschluss bei Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen im Rahmen bedingter Kapitalerhöhung
Zu den Voraussetzungen eines Hauptversammlungsbeschlusses, durch den der Vorstand zu einem Bezugsrechtsausschluss bei der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen ( 221 AktG) ermächtigt wird
Anforderungen an die Entscheidung der Hauptversammlung über eine bedingte Kapitalerhöhung mit Bezugrechtsausschluss
Bezugsrechtsausschluss bei Wandelanleihen
AktG § 186 Abs. 3, 4, §§ 192, 202 Abs. 2, § 203 Abs. 2, § 221
LG Hannover, 26.08.2003 - 18 O AktE 118/03
OLG Celle, 17.03.2004 - 9 U 216/03
NJW-RR 2006, 471
ZIP 2006, 368
WM 2006, 432
BB 2006, 457
DB 2006, 493
NZG 2006, 229
Die Zwecke eines bedingten Kapitals im Fall des § 192 Abs. 2 Nr. 1 i.V. mit § 221 Abs. 2 AktG sind die gleichen wie diejenigen eines genehmigten Kapitals und gehen dahin, den Verwaltungsorganen der Gesellschaft die Bewegungsfreiheit zu geben, die erforderlich ist, um auf dem Kapital- oder Beteiligungsmarkt sich bietende Gelegenheiten rasch und erfolgreich ausnutzen zu können (…Senat aaO S. 136 f.; Sen. Beschl. v. 21. November 2005 - II ZR 79/04, ZIP 2006, 368 Tz. 6 f.;… v. 11. Juni 2007 aaO).
Dies liegt nicht in seinem freien, sondern in seinem gebundenen, ggf. auch gerichtlich überprüfbaren Ermessen (vgl. Sen.Beschl. v. 21. November 2005 aaO Tz. 7).
Denn die Ermächtigung zum Bezugsrechtsausschluss unter TOP 9 lit. d) bb) genügt den Anforderungen der Rechtsprechung des Senats (vgl. Sen.Beschl. v. 21. November 2005 aaO Tz. 6;… v. 11. Juni 2007 aaO Tz. 5; vgl. auch Senat, BGHZ 136, 133, 139 f.) .
a) Ein Hauptversammlungsbeschluss, der den Vorstand zu einem Bezugsrechtsausschluss bei der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen (§ 221 AktG) im Rahmen einer bedingten Kapitalerhöhung (§§ 192 ff. AktG) ermächtigt (§ 203 Abs. 2 Satz 1 AktG analog; vgl. Sen.Beschl. v. 21. November 2005 - II ZR 79/04, ZIP 2006, 368) und für den Fall eines Vorgehens in entsprechender Anwendung des § 186 Abs. 3 Satz 4 AktG bestimmte Voraussetzungen in Anlehnung an diese Vorschrift festlegt, ist rechtlich unbedenklich.
Das Berufungsgericht verkennt schon im Ansatz, dass der angefochtene, in Kombination mit einer bedingten Kapitalerhöhung (§§ 192 ff. AktG) und einer Ermächtigung des Vorstandes zur Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen (§ 221 Abs. 1, 2 AktG) gefasste Hauptversammlungsbeschluss das Bezugsrecht der Aktionäre nicht von vornherein selbst ausschließt, sondern den Vorstand dazu im Bedarfsfall unter bestimmten Voraussetzungen nur ermächtigt, was nach ganz herrschender Auffassung entsprechend § 203 Abs. 2 Satz 1 AktG zulässig ist (vgl. Sen.Beschl. v. 21. November 2005 - II ZR 79/04, ZIP 2006, 368;… MünchKommAktG/Habersack 2. Aufl. § 221 Rdn. 173;… Hüffer, AktG 7. Aufl. § 221 Rdn. 39; Sethe, AG 1994, 342, 350; OLG München AG 1991, 210 f.; 1994, 372 f.).
a) Wie der Senat in seinem Beschluss vom 21. November 2005 (aaO) klargestellt hat, gelten für einen Hauptversammlungsbeschluss, der den Vorstand zu einem Bezugsrechtsausschluss bei der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen in Zusammenhang mit einer bedingten Kapitalerhöhung ermächtigt, die Grundsätze entsprechend, die der Senat für eine solche Ermächtigung im Rahmen eines genehmigten Kapitals (§§ 192 ff., 203 Abs. 2 Satz 1 AktG) entwickelt hat (BGHZ 136, 133 - Siemens/Nold).
Aktienrechtliche Beschlussmängelklagen werden nach § 240 Satz 1 ZPO durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Aktiengesellschaft unterbrochen, wenn sie die Insolvenzmasse im Sinne des § 35 InsO betreffen (BGH, Beschluss vom 21. November 2005 - II ZR 79/04, ZIP 2006, 368 Rn. 2; ebenso für die Genossenschaft BGH, Urteil vom 10. März 1960 - II ZR 56/59, BGHZ 32, 114, 121 f.;… vgl. ferner Hüffer, AktG, 9. Aufl., § 245 Rn. 29;… Drescher in Henssler/Strohn, Gesellschaftsrecht, AktG § 246 Rn. 12).
Die Zwecke eines bedingten Kapitals im Fall des § 192 Abs. 2 Nr. 1 i.V. mit § 221 Abs. 2 AktG sind die gleichen wie diejenigen eines genehmigten Kapitals und gehen dahin, den Verwaltungsorganen der Gesellschaft die Bewegungsfreiheit zu geben, die erforderlich ist, um auf dem Kapital- oder Beteiligungsmarkt sich bietende Gelegenheiten rasch und erfolgreich ausnutzen zu können (…Senat aaO S. 136 f.; Sen. Beschl. v. 21. November 2005 - II ZR 79/04, ZIP 2006, 368 Tz. 6 f. ;… v. 11. Juni 2007 aaO).
Dieser zweite Hilfsantrag ist unbegründet, weil der Ermächtigungsbeschluss zum Bezugsrechtsausschluss unter TOP 8 lit. a) den Anforderungen der Rechtsprechung des Senats (vgl. Sen.Beschl. v. 21. November 2005 aaO Tz. 5;… v. 11. Juni 2007 aaO Tz. 5; vgl. auch Senat, BGHZ 136, 133, 139 f.) genügt.
Sie sagen nicht ausdrücklich, dass der Vorstand bei Ausübung der Ermächtigung (§§ 202 Abs. 2, 203 Abs. 2 AktG) - unter der Kontrolle des Aufsichtsrats - den Ausschluss des Bezugsrechts nicht hätte für sachlich gerechtfertigt halten dürfen (vgl. BGH, Urteil vom 21.11.2005 - II ZR 79/04, AG 2006, 246, Juris-Rz. 5).

References: § 186
 § 203
 § 221
 § 192
 § 221
 § 186
 § 203
 § 221
 § 221
 § 240
 § 35
 § 245
 § 246
 § 192
 § 221