Source: http://m.hensche.de/Altersdiskriminierung_bei_der_betrieblichen_Altersvorsorge_EuGH_C-476-11_HK_Danmark_Kristensen_u.html
Timestamp: 2017-02-20 20:04:55+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: C-476/11
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen dem HK Dan­mark (im Fol­gen­den: HK), han­delnd für Frau Kris­ten­sen, und der Ex­pe­ri­an A/S (im Fol­gen­den: Ex­pe­ri­an) über die Zulässig­keit des von die­ser an­ge­wand­ten Sys­tems der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge.
Die Erwägungs­gründe 1, 4, 13 und 25 der Richt­li­nie 2000/78 lau­ten:
In Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a die­ser Richt­li­nie heißt es:
In Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 heißt es:
Das König­reich Däne­mark hat von der in Art. 18 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 vor­ge­se­he­nen Möglich­keit Ge­brauch ge­macht, die Frist für die Um­set­zung die­ser Richt­li­nie im Hin­blick auf die Kri­te­ri­en des Al­ters und der Be­hin­de­rung zu verlängern. Folg­lich lief die­se Frist am 2. De­zem­ber 2006 ab.
§ 6a die­ses Ge­set­zes dient der Um­set­zung von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 und lau­tet:
Frau Kris­ten­sen wur­de im Al­ter von 29 Jah­ren zum 19. No­vem­ber 2007 als Mit­ar­bei­te­rin im Kun­den­ser­vice von Ex­pe­ri­an ein­ge­stellt. Ihr Ar­beits­ver­trag sah un­ter Nr. 5.1 zur Al­ters­ver­sor­gung Fol­gen­des vor:
Aus der dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­te er­gibt sich, dass die in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­te be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge we­der ge­setz­lich noch ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­schrie­ben ist, son­dern sich aus­sch­ließlich aus dem Ar­beits­ver­trag zwi­schen Ex­pe­ri­an und ih­ren Mit­ar­bei­tern er­gibt.
Frau Kris­ten­sen kündig­te ih­re Stel­le zum 31. Ok­to­ber 2008. HK, han­delnd für Frau Kris­ten­sen, ver­lang­te von Ex­pe­ri­an nach dem Gleich­be­hand­lungs­ge­setz die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von neun Mo­nats­gehältern und die Nach­zah­lung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge für Ar­beit­neh­mer im Al­ter von über 45 Jah­ren, und zwar mit der Be­gründung, dass das von Ex­pe­ri­an ein­geführ­te Al­ters­ver­sor­gungs­sys­tem ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ver­s­toße. Ex­pe­ri­an wies die­se For­de­run­gen mit der Be­gründung zurück, Al­ters­ver­sor­gungs­sys­te­me fie­len ge­ne­rell nicht un­ter das im An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz vor­ge­se­he­ne Ver­bot von Un­gleich­be­hand­lun­gen ins­be­son­de­re aus Gründen des Al­ters.
Un­ter die­sen Umständen hat das Vest­re Lands­ret be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Ist die Aus­nah­me nach Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 be­tref­fend die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen für den Zu­gang zu be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit oder für den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität da­hin aus­zu­le­gen, dass die Mit­glied­staa­ten be­trieb­li­che Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit ge­ne­rell vom Ver­bot der di­rek­ten oder in­di­rek­ten Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters nach Art. 2 der Richt­li­nie aus­neh­men dürfen, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt? 2. Ist die Aus­nah­me nach Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 be­tref­fend die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen für den Zu­gang zu be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit oder für den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität da­hin aus­zu­le­gen, dass es ei­nem Mit­glied­staat nicht ver­wehrt ist, ei­ne Rechts­la­ge auf­recht­zu­er­hal­ten, nach der ein Ar­beit­ge­ber als Teil des Ent­gelts al­ters­ab­ge­stuf­te Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge zah­len kann, in­dem er z. B. ei­nen Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trag von 6 % für Mit­ar­bei­ter un­ter 35 Jah­ren zahlt, von 8 % für Mit­ar­bei­ter von 35 bis 44 Jah­ren und von 10 % für Mit­ar­bei­ter über 45 Jah­re, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt?
Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge, die zu­erst zu prüfen ist, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge, die vor­sieht, dass der Ar­beit­ge­ber als Teil des Ent­gelts al­ters­ab­ge­stuf­te Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge zahlt, un­ter Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 fällt.
Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass im Aus­gangs­ver­fah­ren zwei Ein­zel­ne über ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters strei­ten, die sich nicht aus ei­ner ge­setz­li­chen Vor­schrift oder ei­nem Ta­rif­ver­trag, son­dern aus­sch­ließlich aus dem Ar­beits­ver­trag zwi­schen Frau Kris­ten­sen und Ex­pe­ri­an er­ge­ben soll. Im Rah­men die­ses Rechts­streits be­ruft sich HK, für Frau Kris­ten­sen han­delnd, auf die Richt­li­nie 2000/78.
Der Ge­richts­hof hat in ständi­ger Recht­spre­chung ent­schie­den, dass ei­ne Richt­li­nie, da sie aus­drück­lich an die Mit­glied­staa­ten ge­rich­tet ist, nicht selbst Ver­pflich­tun­gen für ei­nen Ein­zel­nen be­gründen kann, so dass ihm ge­genüber ei­ne Be­ru­fung auf die Richt­li­nie als sol­che nicht möglich ist (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 26. Fe­bru­ar 1986, Mar­shall, 152/84, Slg. 1986, 723, Rand­nr. 48, vom 14. Ju­li 1994, Fac­ci­ni Do­ri, C-91/92, Slg. 1994, I-3325, Rand­nr. 20, und vom 19. Ja­nu­ar 2010, Kücükde­ve­ci, C-555/07, Slg. 2010, I-365, Rand­nr. 46).
Außer­dem hat der Ge­richts­hof an­er­kannt, dass ein Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters be­steht, das als ein all­ge­mei­ner Grund­satz des Uni­ons­rechts an­zu­se­hen und durch die Richt­li­nie 2000/78 im Be­reich von Beschäfti­gung und Be­ruf kon­kre­ti­siert wor­den ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Kücükde­ve­ci, Rand­nr. 21). Das Ver­bot je­der Dis­kri­mi­nie­rung u. a. we­gen des Al­ters ist in Art. 21 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (im Fol­gen­den: Char­ta) ent­hal­ten, die seit dem 1. De­zem­ber 2009 den glei­chen recht­li­chen Rang wie die Verträge hat.
Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters gilt bei ei­nem Sach­ver­halt wie dem des Aus­gangs­ver­fah­rens aber nur dann, wenn die­ser in den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts fällt (vgl. Ur­teil Kücükde­ve­ci, Rand­nr. 23).
Das ist hier der Fall. Zum ei­nen nämlich dient § 6a des An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­zes der Um­set­zung von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78. Auf die­ser Grund­la­ge und auf je­den Fall nach Ab­lauf der Frist, die dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat zur Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78 ge­setzt wor­den war und die für das König­reich Däne­mark am 2. De­zem­ber 2006 ab­lief, kam es zu dem im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den an­geb­lich dis­kri­mi­nie­ren­den Ver­hal­ten.
So­wohl aus dem Ti­tel und den Erwägungs­gründen als auch aus dem In­halt und der Ziel­set­zung die­ser Richt­li­nie er­gibt sich nämlich, dass die­se ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen soll, der gewähr­leis­tet, dass je­der „in Beschäfti­gung und Be­ruf“ gleich­be­han­delt wird, in­dem sie dem Be­trof­fe­nen ei­nen wirk­sa­men Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe - dar­un­ter auch das Al­ter - bie­tet.
Im Ein­zel­nen er­gibt sich aus Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78, dass die­se im Rah­men der auf die Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten „für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len“, u. a. in Be­zug auf „die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“ gilt.
Der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 er­streckt sich im Licht ih­res Art. 3 Abs. 1 Buchst. c und Abs. 3 in Ver­bin­dung mit ih­rem 13. Erwägungs­grund we­der auf die So­zi­al­ver­si­che­rungs- und So­zi­al­schutz­sys­te­me, de­ren Leis­tun­gen nicht ei­nem Ar­beits­ent­gelt in dem Sin­ne gleich­ge­stellt wer­den, der die­sem Be­griff für die An­wen­dung von Art. 157 Abs. 2 AEUV ge­ge­ben wur­de, noch auf Vergütun­gen je­der Art sei­tens des Staa­tes, die den Zu­gang zu ei­ner Beschäfti­gung oder die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zum Ziel ha­ben (Ur­tei­le vom 1. April 2008, Ma­ru­ko, C-267/06, Slg. 2008, I-1757, Rand­nr. 41, und vom 10. Mai 2011, Römer, C-147/08, Slg. 2011, I-3591, Rand­nr. 32).
Im Aus­gangs­ver­fah­ren geht es um die Ar­beit­ge­ber­beiträge, die Ex­pe­ri­an für ih­re Mit­ar­bei­ter während der Dau­er ih­rer Beschäfti­gung in die­sem Un­ter­neh­men zahlt, und nicht um Al­ters­ren­te, die nach dem Ein­tritt von Mit­ar­bei­tern in den Ru­he­stand ge­schul­det wird.
Außer­dem er­gibt sich die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Zah­lung der ge­nann­ten Beiträge aus­sch­ließlich aus dem zwi­schen ihm und sei­nen Ar­beit­neh­mern ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag, nicht je­doch aus dem Ge­setz. Die Fi­nan­zie­rung der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge wird zu zwei Drit­teln vom Ar­beit­ge­ber und zu ei­nem Drit­tel vom Ar­beit­neh­mer gewähr­leis­tet, oh­ne dass öffent­li­che Stel­len dar­an be­tei­ligt wären. So­mit gehört die frag­li­che Re­ge­lung zu den Vergüns­ti­gun­gen, die der Ar­beit­ge­ber sei­nen Beschäftig­ten bie­tet.
Zwar wer­den die­se Beiträge nicht di­rekt an den Ar­beit­neh­mer selbst, son­dern auf sein persönli­ches Ren­ten­ver­si­che­rungs­kon­to ge­zahlt. Je­doch verfügt, wie Ex­pe­ri­an auf ei­ne Fra­ge des Ge­richts­hofs aus­geführt hat, je­der Beschäftig­te selbst über sein Ren­ten­kon­to und ent­schei­det zu­sam­men mit ei­nem Ren­ten­be­ra­ter darüber, wie der an­ge­spar­te Be­trag an­zu­le­gen ist, um später Ren­te zu be­zie­hen.
Dar­aus folgt, dass die Ar­beit­ge­ber­beiträge, die im Rah­men des im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Vor­sor­ge­sys­tems ge­zahlt wer­den, ei­ne ge­genwärti­ge Vergütung, die der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer auf­grund des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in bar gewährt, und da­mit ein Ent­gelt im Sin­ne von Art. 157 Abs. 2 AEUV dar­stel­len. Sie fal­len da­her in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78.
Nach al­le­dem ist auf der Grund­la­ge des in Art. 21 der Char­ta ver­an­ker­ten und durch die Richt­li­nie 2000/78 kon­kre­ti­sier­ten Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters zu prüfen, ob das Uni­ons­recht ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht.
Die zwei­te Fra­ge ist da­her so auf­zu­fas­sen, dass mit ihr Auf­schluss darüber be­gehrt wird, ob das in Art. 21 der Char­ta ver­an­ker­te und durch die Richt­li­nie 2000/78, ins­be­son­de­re de­ren Art. 2 und 6 Abs. 2, kon­kre­ti­sier­te Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge ent­ge­gen­steht, bei der ein Ar­beit­ge­ber als Teil des Ent­gelts al­ters­ab­ge­stuf­te Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge zahlt.
Zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge ist zunächst zu prüfen, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters enthält.
Nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­deu­tet „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art. 1 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe ge­ben darf, zu de­nen das Al­ter gehört. Nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde.
Im vor­lie­gen­den Fall be­lief sich, da Frau Kris­ten­sen zum Zeit­punkt ih­rer Ein­stel­lung jünger als 35 Jah­re war, der Ar­beit­ge­ber­bei­trag, den Ex­pe­ri­an für sie in das Al­ters­ver­sor­gungs­sys­tem zahl­te, auf 6 % ih­res Grund­ge­halts. Ih­re mo­nat­li­chen Ge­samt­bezüge, be­ste­hend aus dem Grund­ge­halt zuzüglich der Ar­beit­ge­ber­beiträge, wa­ren so­mit nied­ri­ger als die mo­nat­li­chen Ge­samt­bezüge ei­nes Ar­beit­neh­mers, der das­sel­be Grund­ge­halt be­zog, je­doch über 35 Jah­re alt war. Bei Ar­beit­neh­mern von Ex­pe­ri­an, die zwi­schen 35 und 45 Jah­re alt sind, be­lau­fen sich die Ar­beit­ge­ber­beiträge nämlich auf 8 % und bei Ar­beit­neh­mern, die älter als 45 Jah­re alt sind, auf 10 % des Grund­ge­halts. Dass die mo­nat­li­chen Ge­samt­bezüge der jünge­ren Ar­beit­neh­mer nied­ri­ger sind und die­se so­mit in­so­weit schlech­ter be­han­delt wer­den, hängt da­her un­mit­tel­bar mit dem Al­ter zu­sam­men.
Dem­nach be­gründet die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters.
Zwei­tens ist zu prüfen, ob die­se Un­gleich­be­hand­lung ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len kann, die durch das in Art. 21 der Char­ta ver­an­ker­te und in der Richt­li­nie 2000/78 kon­kre­ti­sier­te Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters un­ter­sagt ist.
In die­sem Zu­sam­men­hang be­stimmt Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78, auf den das vor­le­gen­de Ge­richt in sei­ner zwei­ten Fra­ge Be­zug nimmt, dass die Mit­glied­staa­ten un­ter be­stimm­ten Umständen vor­se­hen können, dass ei­ne Un­gleich­be­hand­lung kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt.
Da­her ist zu prüfen, ob die in Rand­nr. 36 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stell­te Un­gleich­be­hand­lung nach Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt sein kann. Zur Recht­fer­ti­gung der Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters gemäß Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78
In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts nach ständi­ger Recht­spre­chung im Licht al­ler Sprach­fas­sun­gen der Uni­on ein­heit­lich aus­ge­legt und an­ge­wandt wer­den müssen. Wei­chen die ver­schie­de­nen Sprach­fas­sun­gen ei­ner uni­ons­recht­li­chen Vor­schrift von­ein­an­der ab, so muss die­se an­hand der all­ge­mei­nen Sys­te­ma­tik und des Zwecks der Re­ge­lung aus­ge­legt wer­den, zu der sie gehört (vgl. u. a. Ur­teil vom 8. De­zem­ber 2005, Jys­ke Fin­ans, C-280/04, Slg. 2005, I-10683, Rand­nr. 31 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Zur For­mu­lie­rung von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 in den an­de­ren Spra­chen der Uni­on ist fest­zu­stel­len, dass die­se Fas­sun­gen − wie in der in Rand­nr. 40 des vor­lie­gen­den Ur­teils wie­der­ge­ge­be­nen französi­schen Fas­sung − bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit aus­drück­lich die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität vor­se­hen. So heißt es z. B. in der spa­ni­schen Fas­sung die­ser Vor­schrift „la de­ter­mi­n­ación, pa­ra los regíme­nes pro­fe­sio­na­les de se­gu­ri­dad so­ci­al, de eda­des pa­ra po­der be­ne­fi­ci­ar­se de pre­sta­cio­nes de ju­bi­la­ción o in­va­li­dez u op­tar a las mis­mas“, in der deut­schen Fas­sung „die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität“ und in der eng­li­schen Fas­sung „the fi­xing for oc­cupa­tio­nal so­ci­al se­cu­ri­ty sche­mes of ages for ad­mis­si­on or en­t­it­le­ment to re­ti­re­ment or in­va­li­di­ty be­ne­fits“, während die pol­ni­sche Fas­sung der Vor­schrift die Wen­dung „ustala­nie, dla sys­temów zabez­piec­ze­nia społecz­ne­go pra­cow­ników, wie­ku przyz­na­nia lub na­by­cia praw do świ­adc­zeń eme­ry­talnych lub in­wa­lidz­kich“ enthält.
Der Wort­laut von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 legt in den in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Fas­sun­gen außer­dem na­he, dass die­se Vor­schrift nur in den dort ab­sch­ließend fest­ge­leg­ten Fällen An­wen­dung fin­den soll. Hätte der Uni­ons­ge­setz­ge­ber nämlich den Gel­tungs­be­reich die­ser Vor­schrift über die dort aus­drück­lich ge­nann­ten Fälle hin­aus aus­deh­nen wol­len, hätte er dies aus­drück­lich, z. B. un­ter Ver­wen­dung des Ad­verbs „ins­be­son­de­re“, ge­tan.
Für die­se Schluss­fol­ge­rung spre­chen auch die all­ge­mei­ne Sys­te­ma­tik und der Zweck der Richt­li­nie 2000/78. Die­se kon­kre­ti­siert nämlich im Be­reich der Beschäfti­gung und des Be­rufs den Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, der ein all­ge­mei­ner Grund­satz des Uni­ons­rechts ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Kücükde­ve­ci, Rand­nr. 21). Das Ver­bot je­der Dis­kri­mi­nie­rung u. a. we­gen des Al­ters ist im Übri­gen in Art. 21 der Char­ta ent­hal­ten, die seit dem 1. De­zem­ber 2009 den glei­chen recht­li­chen Rang wie die Verträge hat.
Da Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 den Mit­glied­staa­ten ge­stat­tet, ei­ne Aus­nah­me vom Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters vor­zu­se­hen, ist die­se Vor­schrift eng aus­zu­le­gen (vgl. Ur­teil vom 26. Sep­tem­ber 2013, Dansk Ju­rist- og Øko­nom­for­bund, C-546/11, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 41).
Ei­ne Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin, dass die­se Vor­schrift für al­le Ar­ten von be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit gilt, würde un­ter Ver­s­toß ge­gen das Er­for­der­nis, die­se Vor­schrift eng aus­zu­le­gen, ei­ne Aus­deh­nung ih­res Gel­tungs­be­reichs be­wir­ken (Ur­teil Dansk Ju­rist- og Øko­nom­for­bund, Rand­nr. 42).
Dem­zu­fol­ge gilt Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 nur für be­trieb­li­che Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit, die die Ri­si­ken von Al­ter und In­va­li­dität ab­de­cken (Ur­teil Dansk Ju­rist- og Øko­nom­for­bund, Rand­nr. 43).
Im vor­lie­gen­den Fall muss die Staf­fe­lung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge nach dem Al­ter, selbst wenn sie im Rah­men ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit er­folgt, das das Ri­si­ko des Al­ters ab­deckt, außer­dem von den in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 ge­nann­ten Fällen - die „Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität“ ein­sch­ließlich der „Ver­wen­dung … von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen“ - er­fasst wer­den.
Da­zu ist fest­zu­stel­len, dass das im Aus­gangs­fall frag­li­che Sys­tem der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge kei­ne Al­ters­gren­ze als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft fest­setzt, weil die Beschäftig­ten von Ex­pe­ri­an nach neun­mo­na­ti­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit au­to­ma­tisch Mit­glied wer­den. Dem­nach be­inhal­tet die Staf­fe­lung der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge als sol­che kei­ne „Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te“ im Sin­ne von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78.
Die däni­sche, die bel­gi­sche und die deut­sche Re­gie­rung so­wie die Eu­ropäische Kom­mis­si­on ma­chen je­doch gel­tend, dass die­se Vor­schrift da­hin aus­zu­le­gen sei, dass sie nicht nur für die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te, son­dern auch und erst recht für we­ni­ger schwe­re For­men der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che gel­te.
Die­sem Vor­brin­gen kann nicht ge­folgt wer­den. Zum ei­nen nämlich sind die im Aus­gangs­fall in Re­de ste­hen­den Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge, wie in Rand­nr. 30 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stellt, Teil der Bezüge der Beschäftig­ten von Ex­pe­ri­an. Die Staf­fe­lung die­ser Beiträge nach dem Al­ter ist da­her ge­eig­net, Wir­kun­gen zu ent­fal­ten, die über die bloße Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te hin­aus­ge­hen. Zum an­de­ren ist Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78, wie in Rand­nr. 46 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stellt, eng aus­zu­le­gen. Des­halb fal­len nicht sämt­li­che Umstände, die ein be­trieb­li­ches Sys­tem der so­zia­len Si­cher­heit zur Ab­si­che­rung der Ri­si­ken von Al­ter und In­va­li­dität kenn­zeich­nen, wie z. B. die Fest­le­gung der Höhe der Beiträge zu die­sem Sys­tem, in den Gel­tungs­be­reich die­ser Vor­schrift, son­dern nur die­je­ni­gen, die dort aus­drück­lich erwähnt sind.
Aus dem­sel­ben Grund ist ei­ne der­ar­ti­ge Fest­le­gung auch nicht ei­ner „Ver­wen­dung … von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen“ im Sin­ne von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 gleich­zu­set­zen, denn sie fin­det je­den­falls nicht in der Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te Aus­druck.
Dem­zu­fol­ge fällt die Staf­fe­lung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge nach dem Al­ter nicht un­ter Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78.
Da die Staf­fe­lung der Ar­beit­ge­ber­beiträge nach dem Al­ter ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters dar­stellt, die, wie in Rand­nr. 54 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stellt, nicht un­ter Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 fällt, ist zu prüfen, ob die­se Maßnah­me nach Art. 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie ge­recht­fer­tigt sein kann.
Selbst wenn nämlich das vor­le­gen­de Ge­richt sei­ne Fra­gen auf die Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 be­schränkt hat, hin­dert dies den Ge­richts­hof nicht dar­an, dem na­tio­na­len Ge­richt al­le Hin­wei­se zur Aus­le­gung des Uni­ons­rechts zu ge­ben, die ihm bei der Ent­schei­dung des bei ihm anhängi­gen Ver­fah­rens von Nut­zen sein können, und zwar un­abhängig da­von, ob es bei sei­ner Fra­ge­stel­lung dar­auf Be­zug ge­nom­men hat oder nicht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 21. Ju­li 2011, Ste­wart, C-503/09, Slg. 2011, I-6497, Rand­nr. 79 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Gemäß Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 stellt ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Was ers­tens die Fra­ge an­geht, ob das im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de be­trieb­li­che Vor­sor­ge­sys­tem ein le­gi­ti­mes Ziel ver­folgt, ma­chen Ex­pe­ri­an und die däni­sche Re­gie­rung gel­tend, dass die­ses in ers­ter Li­nie älte­ren Ar­beit­neh­mern, die erst zu ei­nem späten Zeit­punkt ih­rer be­ruf­li­chen Lauf­bahn ei­ne Tätig­keit bei Ex­pe­ri­an aufnähmen, ermögli­chen sol­le, in­ner­halb ei­ner verhält­nismäßig kur­zen Zeit der Mit­glied­schaft ei­ne an­ge­mes­se­ne Al­ters­vor­sor­ge zu bil­den. Darüber hin­aus sol­le es jun­ge Ar­beit­neh­mer frühzei­tig in die­se be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung in­te­grie­ren und ih­nen zu­gleich ei­nen größeren Teil ih­res Ge­halts be­las­sen, denn für sie gel­te ein ge­rin­ge­rer Ar­beit­neh­mer­an­teil. Die­se Re­ge­lung bie­te so­mit al­len Beschäftig­ten von Ex­pe­ri­an die Möglich­keit, ei­ne an­ge­mes­se­ne Al­ters­vor­sor­ge zu bil­den, über die sie bei ih­rem Ein­tritt in den Ru­he­stand verfügen könn­ten.
Nach An­sicht von Ex­pe­ri­an ist die Staf­fe­lung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge bei die­sem Sys­tem zwei­tens da­durch ge­recht­fer­tigt, dass die Ri­si­ken von Tod, Be­rufs­unfähig­keit und schwe­rer Krank­heit ab­ge­si­chert wer­den müss­ten, de­ren Kos­ten mit dem Al­ter zunähmen. Ein Teil die­ser Beiträge die­ne zur De­ckung die­ser Ri­si­ken.
In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­an zu er­in­nern, dass die Mit­glied­staa­ten und ge­ge­be­nen­falls die So­zi­al­part­ner auf na­tio­na­ler Ebe­ne beim ge­genwärti­gen Stand des Uni­ons­rechts nicht nur bei der Ent­schei­dung, wel­ches kon­kre­te Ziel von meh­re­ren im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik sie ver­fol­gen wol­len, son­dern auch bei der Fest­le­gung der Maßnah­men zu sei­ner Er­rei­chung über ei­nen wei­ten Ge­stal­tungs­spiel­raum verfügen (Ur­teil vom 16. Ok­to­ber 2007, Pa­la­ci­os de la Vil­la, C-411/05, Slg. 2007, I-8531, Rand­nr. 68).
Die­se Erwägun­gen gel­ten auch für die Zie­le, die mit ei­ner in ei­nem Ar­beits­ver­trag vor­ge­se­he­nen be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen an­ge­strebt wer­den.
Es ist fest­zu­stel­len, dass Zie­le wie die in den Rand­nrn. 58 und 59 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten, die im Rah­men so­zi­al-, beschäfti­gungs- und ar­beits­markt­po­li­ti­scher Be­lan­ge den In­ter­es­sen al­ler Beschäftig­ten von Ex­pe­ri­an Rech­nung tra­gen, um die­sen bei ih­rem Ein­tritt in den Ru­he­stand ei­ne Al­ters­ver­sor­gung in an­ge­mes­se­ner Höhe zu gewähr­leis­ten, als le­gi­ti­me Zie­le an­ge­se­hen wer­den können.
Zwei­tens ist zu prüfen, ob die Staf­fe­lung der Beiträge nach dem Al­ter den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit berück­sich­tigt, d. h., ob sie zur Ver­fol­gung der ge­nann­ten Zie­le an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist.
Was zunächst die An­ge­mes­sen­heit ei­ner der­ar­ti­gen Staf­fe­lung nach dem Al­ter an­geht, zeigt sich, dass die­se Staf­fe­lung da­durch, dass bei älte­ren Ar­beit­neh­mern ein für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer höhe­rer Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trags­satz gilt, die Möglich­keit bie­tet, dass die­se Ar­beit­neh­mer auch dann ein an­ge­mes­se­nes Ren­ten­gut­ha­ben an­spa­ren können, wenn sie dem frag­li­chen Sys­tem erst seit re­la­tiv kur­zer Zeit an­ge­schlos­sen wa­ren. Die­se Staf­fe­lung ermöglicht es auch jun­gen Ar­beit­neh­mern, sich die­sem Sys­tem an­zu­sch­ließen, da es je­dem Beschäftig­ten von Ex­pe­ri­an, un­abhängig von sei­nem Al­ter, of­fen­steht, und er­legt ih­nen ei­ne ge­rin­ge­re fi­nan­zi­el­le Be­las­tung auf, denn die von jun­gen Ar­beit­neh­mern ein­be­hal­te­nen Ar­beit­neh­mer­beiträge sind tatsächlich nied­ri­ger als die der älte­ren Ar­beit­neh­mer.
Dass bei älte­ren Ar­beit­neh­mern so­wohl für den Ar­beit­ge­ber als auch für die Ar­beit­neh­mer ein höhe­rer Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trags­satz gilt, ist außer­dem grundsätz­lich ge­eig­net, zu gewähr­leis­ten, dass ein größerer Teil die­ser Beiträge für die Ab­si­che­rung der - bei älte­ren Ar­beit­neh­mern sta­tis­tisch ge­se­hen größeren - Ri­si­ken von Tod, Be­rufs­unfähig­keit und schwe­rer Krank­heit be­reit­ge­stellt wird.
Un­ter die­sen Umständen ist es nicht un­vernünf­tig, da­von aus­zu­ge­hen, dass die Staf­fe­lung der Beiträge nach dem Al­ter es ih­rem We­sen nach ermöglicht, die in den Rand­nrn. 58 und 59 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Zie­le zu er­rei­chen.
Nach ständi­ger Recht­spre­chung ist ei­ne Maßnah­me je­doch nur dann ge­eig­net, die Ver­wirk­li­chung des gel­tend ge­mach­ten Ziels zu gewähr­leis­ten, wenn sie tatsächlich dem An­lie­gen ge­recht wird, es in kohären­ter und sys­te­ma­ti­scher Wei­se zu er­rei­chen (Ur­teil vom 21. Ju­li 2011, Fuchs und Köhler, C-159/10 und C-160/10, Slg. 2011, I-6919, Rand­nr. 85).
Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu prüfen, ob die Staf­fe­lung der Beiträge nach dem Al­ter die­sem Er­for­der­nis ent­spricht, und da­bei dar­auf zu ach­ten, dass sie nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung der an­ge­streb­ten Zie­le er­for­der­lich ist. In letzt­ge­nann­ter Hin­sicht muss es ins­be­son­de­re prüfen, ob die aus der fest­ge­stell­ten Un­gleich­be­hand­lung re­sul­tie­ren­den Be­ein­träch­ti­gun­gen durch die Vor­tei­le aus­ge­gli­chen wer­den, die mit dem im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Sys­tem der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge ver­bun­den sind. Das na­tio­na­le Ge­richt muss ins­be­son­de­re zum ei­nen berück­sich­ti­gen, dass Frau Kris­ten­sen in­so­fern Vor­tei­le aus die­sem Sys­tem ge­zo­gen hat, als ihr Beiträge zu­gu­t­ege­kom­men sind, die ihr Ar­beit­ge­ber für sie ge­leis­tet hat, und zum an­de­ren, dass der nied­ri­ge­re Be­trag der Ar­beit­ge­ber­beiträge dem nied­ri­ge­ren Be­trag der Ar­beit­neh­mer­beiträge ent­spricht, so dass der Pro­zent­satz des Grund­ge­halts, den Frau Kris­ten­sen selbst auf ihr Ren­ten­spar­kon­to ein­zah­len muss­te, nied­ri­ger war als der ei­nes Ar­beit­neh­mers im Al­ter von über 45 Jah­ren. Die­se Ge­sichts­punk­te muss das na­tio­na­le Ge­richt ge­gen­ein­an­der abwägen.
Nach al­le­dem ist auf die zwei­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass das in Art. 21 der Char­ta ver­an­ker­te und durch die Richt­li­nie 2000/78, ins­be­son­de­re de­ren Art. 2 und 6 Abs. 1, kon­kre­ti­sier­te Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge, bei der ein Ar­beit­ge­ber als Teil des Ent­gelts al­ters­ab­ge­stuf­te Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge zahlt, dann nicht ent­ge­gen­steht, wenn die sich dar­aus er­ge­ben­de Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters zur Er­rei­chung ei­nes le­gi­ti­men Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist, was vom na­tio­na­len Ge­richt zu prüfen ist.
An­ge­sichts der Ant­wort auf die zwei­te Fra­ge ist die ers­te Fra­ge nicht zu be­ant­wor­te­ten.
Kos­ten 71
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References: Art. 6
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 18

§ 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 21
 § 6
 Art. 6
 Art. 1
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 157
 Art. 157
 Art. 21
 Art. 21
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 21
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 21
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 21
 Art. 2