Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/das-aus-dem-pflegegeld-angesparte-vermoegen-und-die-verguetung-des-berufsbetreuers-3202202?pk_campaign=feed&pk_kwd=das-aus-dem-pflegegeld-angesparte-vermoegen-und-die-verguetung-des-berufsbetreuers
Timestamp: 2020-05-29 19:06:08+00:00

Document:
In dem hier ent­schie­de­nen Fall ist für die Betrof­fe­ne seit vie­len Jah­ren eine Betreue­rin bestellt. Die­se übt ihr Amt berufs­mä­ßig aus. In der Zeit vom 01.01.2016 bis 31.03.2018 wur­de ihr für ihre Tätig­keit eine Ver­gü­tung von ins­ge­samt 4.158 € aus der Lan­des­kas­se gezahlt. Mit Beschluss vom 07.05.2019 hat das Amts­ge­richt Köln die Erstat­tung die­ser Ver­gü­tung in Höhe von 3.000 € aus dem Ver­mö­gen der Betrof­fe­nen ange­ord­net 1. Dabei ist es davon aus­ge­gan­gen, dass die Betrof­fe­ne über ein ent­spre­chen­des Ver­mö­gen ober­halb des Schon­be­trags von 5.000 € ver­fügt. Auf die Beschwer­de der Betreue­rin hat das Land­ge­richt Köln den amts­ge­richt­li­chen Beschluss ersatz­los auf­ge­ho­ben 2. Hier­ge­gen rich­tet sich die zuge­las­se­ne Rechts­be­schwer­de der Lan­des­kas­se, die nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof teil­wei­se Erfolg hat­te:
Ver­gü­tungs­schuld­ner des Berufs­be­treu­ers ist bei Mit­tel­lo­sig­keit des Betreu­ten die Staats­kas­se (§§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 Satz 3 BGB i.V.m. § 1 Abs. 2 Satz 2 VBVG) und bei vor­han­de­nem ver­wert­ba­ren Ver­mö­gen der Betreu­te (§§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 BGB i.V.m. § 1 Abs. 2 Satz 1 VBVG). Soweit die Staats­kas­se Leis­tun­gen zur Ver­gü­tung eines Betreu­ers erbracht hat, geht gemäß § 1908 i Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 1836 e Abs. 1 Satz 1 BGB der Anspruch des Betreu­ers gegen den Betreu­ten auf die Staats­kas­se über. Ob bzw. inwie­weit die Staats­kas­se den Betreu­ten aus der über­ge­gan­ge­nen For­de­rung tat­säch­lich in Anspruch neh­men kann, bestimmt sich nach des­sen Leis­tungs­fä­hig­keit. Maß­stab hier­für ist das nach § 1836 c BGB ein­zu­set­zen­de Ein­kom­men und Ver­mö­gen des Betreu­ten, auf das sei­ne Inan­spruch­nah­me begrenzt ist. Dem­zu­fol­ge muss auch ein zur Zeit der Betreu­er­tä­tig­keit mit­tel­lo­ser Betreu­ter grund­sätz­lich spä­ter vor­han­de­ne Mit­tel im Rah­men des § 1836 c BGB für die Kos­ten der Betreu­ung ein­set­zen 3. Dabei ist für die Fest­stel­lung, ob der Betreu­te mit­tel­los oder ver­mö­gend ist, auf den Zeit­punkt der Ent­schei­dung in der letz­ten Tat­sa­chen­in­stanz abzu­stel­len 4.
Das vom Betreu­ten ein­zu­set­zen­de Ver­mö­gen bestimmt sich gemäß § 1836 c Nr. 2 BGB nach § 90 SGB XII. Dabei geht § 90 Abs. 1 SGB XII von dem Grund­satz aus, dass das gesam­te ver­wert­ba­re Ver­mö­gen für die Betreu­er­ver­gü­tung ein­zu­set­zen ist 5, soweit es nicht zu dem in § 90 Abs. 2 SGB XII abschlie­ßend auf­ge­zähl­ten Schon­ver­mö­gen gehört. Im Übri­gen bleibt gemäß § 90 Abs. 3 SGB XII Ver­mö­gen unbe­rück­sich­tigt, des­sen Ein­satz oder Ver­wer­tung für den Betrof­fe­nen eine Här­te bedeu­ten wür­de.
Mit die­ser Vor­schrift kön­nen aty­pi­sche Fall­kon­stel­la­tio­nen im Ein­zel­fall auf­ge­fan­gen wer­den, die nicht von den in § 90 Abs. 2 SGB XII genann­ten Fall­grup­pen erfasst sind, die aber den in die­ser Vor­schrift zum Aus­druck kom­men­den Leit­vor­stel­lun­gen des Geset­zes für die Ver­scho­nung von Ver­mö­gen ver­gleich­bar sind 6. Dabei ist für die Anwen­dung des § 90 Abs. 3 SGB XII die Her­kunft des Ver­mö­gens grund­sätz­lich uner­heb­lich. Ledig­lich in Ein­zel­fäl­len kann die Her­kunft des Ver­mö­gens die­ses so prä­gen, dass sei­ne Ver­wer­tung eine Här­te dar­stel­len wür­de 7. Davon kann etwa aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der gesetz­ge­be­ri­sche Grund für die Nicht­be­rück­sich­ti­gung einer lau­fen­den Zah­lung als Ein­kom­men auch im Rah­men der Ver­mö­gens­an­rech­nung durch­greift, weil das Ver­mö­gen den glei­chen Zwe­cken zu die­nen bestimmt ist wie die lau­fen­de Zah­lung selbst 8. Des­halb hat die ver­wal­tungs­und sozi­al­ge­richt­li­che Recht­spre­chung in der Ver­gan­gen­heit bereits mehr­fach den Ein­satz ange­spar­ter Beträ­ge aus Sozi­al­leis­tun­gen als eine Här­te für den Begüns­tig­ten nach § 90 Abs. 3 SGB XII ange­se­hen 9. Auch ein aus Schmer­zens­geld­zah­lun­gen gebil­de­tes Ver­mö­gen bleibt nach § 90 Abs. 3 SGB XII grund­sätz­lich ein­satz­frei 10. Eben­so ent­spricht es mitt­ler­wei­le ein­hel­li­ger Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Schrift­tum zur Betreu­er­ver­gü­tung, dass der Betrof­fe­ne ein aus Schmer­zens­geld­zah­lun­gen ange­spar­tes Ver­mö­gen ein­schließ­lich der erwirt­schaf­te­ten Zin­sen nicht für die Betreu­er­ver­gü­tung ein­set­zen muss, weil dies für ihn eine Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 SGB XII dar­stel­len wür­de 11.
Mit dem Pfle­ge­geld soll der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge die erfor­der­li­chen kör­per­be­zo­ge­nen Pfle­ge­maß­nah­men und pfle­ge­ri­schen Betreu­ungs­maß­nah­men sowie Hil­fen bei der Haus­halts­füh­rung in geeig­ne­ter Wei­se selbst sicher­stel­len (vgl. § 37 Abs. 1 Satz 2 SGB XI). In der Regel han­delt es sich dabei um eine lau­fen­de monat­li­che Leis­tung 12. Der Zweck des Pfle­ge­gelds besteht folg­lich allein dar­in, den Pfle­ge­be­darf des Leis­tungs­emp­fän­gers im jewei­li­gen Monat der Aus­zah­lung zu decken. Die­ser Zweck reicht nach Ablauf des Aus­zah­lungs­mo­nats nicht wei­ter fort. Ange­spar­tes Pfle­ge­geld kann sei­nen Zweck nicht mehr erfül­len, wenn der Pfle­ge­be­darf in der Ver­gan­gen­heit gedeckt war und der aktu­el­le Bedarf durch die fort­lau­fen­de Aus­zah­lung des Pfle­ge­gel­des gedeckt wer­den kann 13. Hin­zu kommt, dass das Gesetz kei­ne Bestim­mung über die Ver­wen­dung des Pfle­ge­gel­des trifft und der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge hier­über auch kei­nen Nach­weis füh­ren muss. Er kann viel­mehr frei dar­über ent­schei­den, zu wel­chen Zwe­cken er das Pfle­ge­geld ein­setzt 14. Kann der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge sei­nen Pfle­ge­be­darf kos­ten­güns­ti­ger decken oder nimmt er wie im vor­lie­gen­den Fall ihm zuste­hen­de Leis­tun­gen, die mit dem Pfle­ge­geld finan­ziert wer­den müss­ten, nicht in Anspruch, steht ihm der ver­blei­ben­de Rest des Pfle­ge­gelds mit Ablauf des Monats, für den es aus­ge­zahlt wur­de, zur frei­en Ver­fü­gung. Eine Rück­zah­lung nicht ver­brauch­ten Pfle­ge­gelds an die Pfle­ge­kas­se ist gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen. Spart er das nicht ver­brauch­te Pfle­ge­geld an, bil­det er damit Ver­mö­gen, das er nicht für sei­ne Pfle­ge ein­set­zen muss. Unter die­sen Umstän­den stellt es für den Betreu­ten auch kei­ne Här­te i.S.v. § 90 Abs. 3 SGB XII dar, wenn die­ses Ver­mö­gen zur Ver­gü­tung sei­nes Betreu­ers her­an­ge­zo­gen wird.
Bei der Ermitt­lung des ver­wert­ba­ren Ver­mö­gens kommt es, ent­spre­chend dem Zweck der sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Leis­tun­gen, einer tat­säch­li­chen Not­la­ge abzu­hel­fen bzw. einen tat­säch­li­chen Bedarf abzu­de­cken, auf die tat­säch­lich vor­han­de­nen und tat­säch­lich ver­wert­ba­ren Ver­mö­gens­wer­te an. Dabei ist grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen, ob den Ver­mö­gens­wer­ten Schul­den oder Ver­pflich­tun­gen des Hil­fe­be­dürf­ti­gen gegen­über­ste­hen 15. Des­halb kön­nen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che, die mög­li­cher­wei­se zukünf­tig gegen einen Betreu­ten gel­tend gemacht wer­den kön­nen, bei der Ermitt­lung des für die Betreu­er­ver­gü­tung ein­zu­set­zen­den Ver­mö­gens nicht berück­sich­tigt wer­den.

References: § 1
 § 1
 § 1908
 § 1836
 § 1836
 § 1836
 § 1836
 § 90
 § 90
 § 90
 § 90
 § 90
 § 90
 § 90
 § 90
 § 90
 § 37
 § 90