Source: http://www.hensche.de/Abfindung-nach-Paragraph-1a-Kuendigungsschutzgesetz-KSchG.html
Timestamp: 2018-07-21 13:18:59+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: Abfindung nach § 1a Kündigungsschutzgesetz (KSchG)
In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ab­fin­dung nach § 1a Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG): Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Le­sen Sie hier, wann Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ge­mäß § 1a Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ha­ben, wie die Ab­fin­dung be­rech­net wird und war­um Ar­beit­ge­ber im Kün­di­gungs­schrei­ben auch hö­he­re oder ge­rin­ge­re Ab­fin­dung an­bie­ten kön­nen als in § 1a KSchG vor­ge­se­hen.
Au­ßer­dem fin­den Sie In­for­ma­tio­nen da­zu, wann ei­ne Ab­fin­dung ge­mäß § 1a KSchG aus­zu­zah­len ist, un­ter wel­chen Um­stän­den der Ab­fin­dungs­an­spruch nicht ent­steht oder nach­träg­lich wie­der ent­fällt und in wel­chen Fäl­len ei­ne Kün­di­gung mit Ab­fin­dungs­an­ge­bot für den Ar­beit­ge­ber rat­sam und für den ge­kün­dig­ten Ar­beit­neh­mer in­ter­es­sant sein kann.
Wor­in be­steht der Zweck von § 1a KSchG?
In wel­chen Fällen ist § 1a KSchG an­wend­bar?
Wann be­steht ein Ab­fin­dungs­an­spruch gemäß § 1a KSchG?
Wie hoch ist ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG?
Kann der Ar­beit­ge­ber im Kündi­gungs­schrei­ben auch ei­ne höhe­re oder ge­rin­ge­re Ab­fin­dung an­bie­ten?
Wann muss der Ar­beit­ge­ber die Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG zah­len?
Kann der Ar­beit­ge­ber sein Ab­fin­dungs­an­ge­bot nach Zu­gang der Kündi­gung wi­der­ru­fen?
Behält der Ar­beit­neh­mer den Ab­fin­dungs­an­spruch gemäß § 1a KSchG, wenn er zunächst ei­ne Kla­ge er­hebt, später aber zurück­nimmt?
Wann ist ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG für Ar­beit­ge­ber sinn­voll?
Wann soll­ten Sie als Ar­beit­neh­mer ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG an­neh­men?
Ist ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG auf ei­ne Ab­fin­dung gemäß So­zi­al­plan an­zu­rech­nen oder um­ge­kehrt?
Führt die "An­nah­me" ei­nes Ab­fin­dungs­an­ge­bots durch Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist zu ei­ner Sperr­zeit?
Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Ab­fin­dung gemäß § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG)?
Wer länger als sechs Mo­na­te in ei­nem Be­trieb mit mehr als zehn Ar­beit­neh­mern ar­bei­tet, hat Kündi­gungs­schutz nach dem KSchG und kann da­her ei­ne or­dent­li­che (frist­gemäße) Kündi­gung sei­nes Ar­beit­ge­bers ge­richt­lich über­prüfen las­sen. Sol­che Kündi­gungs­schutz­kla­gen sind zwar dar­auf ge­rich­tet, das Ar­beits­verhält­nis zu ret­ten, doch en­den sie in den meis­ten Fällen da­mit, dass der Ar­beit­neh­mer sei­nen Hut nimmt, al­ler­dings ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung.
Wie hoch die Ab­fin­dung im Er­geb­nis ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ausfällt, ist Ver­hand­lungs­sa­che und hängt da­von ab, ob die strei­ti­ge Kündi­gung mehr oder we­ni­ger an­greif­bar ist, wie lan­ge der Pro­zess dau­ert, wie schnell der Ar­beit­neh­mer ei­nen an­de­ren Job fin­det und natürlich von so­zia­len Ge­sichts­punk­ten wie der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses. Nähe­re In­for­ma­tio­nen hier­zu fin­den Sie un­ter dem Stich­wort Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung und Höhe der Ab­fin­dung.
Schaut man nur auf das ty­pi­sche Re­sul­tat ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge, d.h. die Ver­ein­ba­rung ei­ner Ab­fin­dung, er­scheint das Kla­ge­ver­fah­ren als überflüssi­ger Um­weg, der mit Stress, Zeit­ver­lust und Kos­ten ver­bun­den ist. Da­her hat der Ge­setz­ge­ber zum 01.01.2004 mit § 1a KSchG ei­ne ver­fah­rensmäßige Abkürzung ge­schaf­fen. Sie soll es Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern ermögli­chen, sich schnell, kostengüns­tig und unbüro­kra­tisch auf ei­ne Stan­dard-Ab­fin­dung von ei­nem hal­ben Mo­nats­ge­halt pro Beschäfti­gungs­jahr zu ei­ni­gen.
Für ei­ne Ab­fin­dungslösung gemäß § 1a KSchG muss sich der Ar­beit­ge­ber be­wusst ent­schei­den. § 1a KSchG be­inhal­tet kei­nen all­ge­mei­nen oder gar zwin­gen­den ge­setz­li­chen Ab­fin­dungs­an­spruch. Viel­mehr setzt die­se Re­ge­lung ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung und ei­ne aus­drück­li­che Ab­fin­dungs­zu­sa­ge des Ar­beit­ge­bers vor­aus. § 1a KSchG lau­tet:
„(1) Kündigt der Ar­beit­ge­ber we­gen drin­gen­der be­trieb­li­cher Er­for­der­nis­se nach § 1 Abs.2 Satz 1 und er­hebt der Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­lauf der Frist des § 4 Satz 1 kei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung nicht auf­gelöst ist, hat der Ar­beit­neh­mer mit dem Ab­lauf der Kündi­gungs­frist An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung. Der An­spruch setzt den Hin­weis des Ar­beit­ge­bers in der Kündi­gungs­erklärung vor­aus, dass die Kündi­gung auf drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se gestützt ist und der Ar­beit­neh­mer bei Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist die Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann.
(2) Die Höhe der Ab­fin­dung beträgt 0,5 Mo­nats­ver­diens­te für je­des Jahr des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses. § 10 Abs.3 gilt ent­spre­chend. Bei der Er­mitt­lung der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ist ein Zeit­raum von mehr als sechs Mo­na­ten auf ein vol­les Jahr auf­zu­run­den.“
Für ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch nach § 1a KSchG ist kein Ver­trag er­for­der­lich, d.h. kein ge­richt­li­cher Ver­gleich, kein Auf­he­bungs­ver­trag und kein Ab­wick­lungs­ver­trag. Viel­mehr genügt ei­ne ein­sei­ti­ge Zu­sa­ge des Ar­beit­ge­bers. Kon­kret müssen für ei­nen An­spruch nach § 1a KSchG fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben sein:
Das KSchG muss an­wend­bar sein, d.h. der gekündig­te Ar­beit­neh­mer muss länger als sechs Mo­na­te in ei­nem Be­trieb ge­ar­bei­tet ha­ben, in dem mehr als zehn Ar­beit­neh­mer beschäftigt wer­den (§ 1 Abs.1 KSchG, § 23 Abs.1 KSchG).
Der Ar­beit­ge­ber muss ei­ne frist­gemäße be­triebs­be­ding­te Kündi­gung aus­ge­spro­chen ha­ben. Bei or­dent­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mern kann das auch ei­ne außer­or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit Gewährung ei­ner Aus­lauf­frist sein.
Das Kündi­gungs­schrei­ben muss den aus­drück­li­chen Hin­weis dar­auf ent­hal­ten, dass die Kündi­gung auf drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se gestützt wird und dass der Ar­beit­neh­mer bei Ver­strei­chen­las­sen der ge­setz­li­chen Kla­ge­frist ei­ne Ab­fin­dung nach § 1a KSchG be­an­spru­chen kann.
Der gekündig­te Ar­beit­neh­mer muss die ge­setz­li­che Kla­ge­frist von drei Wo­chen (§ 4 Satz 1 KSchG) un­ge­nutzt ver­strei­chen las­sen, wo­mit die Rechts­wirk­sam­keit der Kündi­gung endgültig fest­steht (§ 7 KSchG).
Die Höhe der Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG ist ge­setz­lich fest­ge­legt und beträgt 0,5 Brut­to­mo­nats­gehälter pro Beschäfti­gungs­jahr. Maßgeb­lich ist da­bei gemäß § 10 Abs.3 KSchG das Ge­halt im letz­ten Mo­nat des Ar­beits­verhält­nis­ses (§ 1a Abs.2 Satz 2 KSchG). Zei­ten der Be­triebs­zu­gehörig­keit von mehr als sechs Mo­na­ten sind auf ein Jahr auf­zu­run­den (§ 1a Abs.2 Satz 3 KSchG).
BEISPIEL: Ein kaufmänni­scher An­ge­stell­ter war von April 2015 bis No­vem­ber 2017 bei ei­nem Großhänd­ler zu ei­nem Grund­ge­halt von 4.000,00 EUR zzgl. Ver­kaufs­pro­vi­sio­nen beschäftigt. Auf­grund ei­ner Kündi­gung sei­nes Ar­beit­ge­bers gemäß § 1a KSchG hat er ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch, der zu­sam­men mit dem No­vem­ber­ge­halt fällig ist. Sein Brut­to­mo­nats­ge­halt im No­vem­ber 2017 beträgt 4.000,00 EUR (Grund­ge­halt) plus 4.000,00 EUR (Ein­mal­zah­lung ) plus 1.000,00 EUR Pro­vi­sio­nen, außer­dem be­kommt er 480,00 EUR net­to Rei­se­kos­ten­er­stat­tung. Der steu­er­li­che Wert des vom Ar­beit­ge­ber be­reit­ge­stell­ten Dienst­wa­gens, den der An­ge­stell­te auch pri­vat nut­zen kann, beträgt 320,00 EUR.
In die­sem Fall beträgt das Mo­nats­ge­halt, das für die Be­rech­nung der Ab­fin­dung zu­grun­de zu le­gen ist, 4.000,00 EUR (Grund­ge­halt) plus 333,33 EUR (= 1/12 der Ein­mah­lung, die zwar im No­vem­ber aus­ge­zahlt wird, aber im ge­sam­ten Jahr er­ar­bei­tet wird) plus 1.000,00 EUR (Pro­vi­sio­nen) plus 320,00 EUR (Dienst­wa­gen), ins­ge­samt so­mit 5.653,33 EUR brut­to. Die 480,00 EUR net­to Rei­se­kos­ten­er­stat­tung gehören nicht zum Brut­to­ge­halt. Da der An­ge­stell­te zwei Jah­re und acht Mo­na­te beschäftigt war, ist für die Be­rech­nung der Ab­fin­dung von drei Beschäfti­gungs­jah­ren aus­zu­ge­hen (§ 1a Abs.2 Satz 3 KSchG). Die Ab­fin­dung beträgt da­her (5.653,33 : 2 x 3 =) 8.480,00 EUR brut­to.
Ja, das kann er tun, denn § 1a KSchG setzt der Ver­trags­frei­heit kei­ne Gren­zen.
Der Ar­beit­ge­ber kann da­her im Kündi­gungs­schrei­ben für den Fall des Ver­strei­chen­las­sens der Kla­ge­frist im Prin­zip je­de be­lie­bi­ge Ab­fin­dung an­bie­ten, so z.B. ei­ne Ab­fin­dung von 0,25, von 0,75, von 1,0, von 1,5 oder auch von 2,0 oder mehr Gehältern pro Beschäfti­gungs­jahr. Er kann aber auch an­stel­le ei­nes abs­trak­ten Be­rech­nungs­fak­tors die an­ge­bo­te­ne Ab­fin­dung kon­kret als Eu­ro­be­trag in das Kündi­gungs­schrei­ben auf­neh­men.
Er­hebt der Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der Kla­ge­frist kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge, kann er mit Ab­lauf der Kündi­gungs­frist die im Kündi­gungs­schrei­ben ver­spro­che­ne Ab­fin­dung ver­lan­gen. Rechts­grund­la­ge für den Ab­fin­dungs­an­spruch ist dann al­ler­dings nicht § 1a KSchG, son­dern ein Ab­wick­lungs­ver­trag, auf den sich der Ar­beit­neh­mer still­schwei­gend ein­ge­las­sen hat, in­dem er auf die Er­he­bung ei­ner Kla­ge ver­zich­tet hat.
Auf­pas­sen soll­te der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings dann, wenn er von der Ab­fin­dungshöhe gemäß § 1a KSchG nach un­ten ab­wei­chen möch­te. Dann soll­te er § 1a KSchG im Kündi­gungs­schrei­ben am bes­ten gar nicht erwähnen. Denn ein Hin­weis auf § 1a KSchG bei gleich­zei­ti­ger Un­ter­schrei­tung der Ab­fin­dungshöhe, die aus § 1a KSchG folgt, macht das Ab­fin­dungs­an­ge­bot un­klar.
Dann kann die Aus­le­gung des Kündi­gungs­schrei­bens er­ge­ben, dass der Ar­beit­neh­mer letzt­lich doch ei­ne Ab­fin­dung in Höhe ei­nes hal­ben Mo­nats­ge­hal­tes pro Beschäfti­gungs­jahr gemäß § 1a KSchG ver­lan­gen kann. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) be­reits vor ei­ni­gen Jah­ren klar­ge­stellt (BAG, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 807/06, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/012 Be­zif­fer­tes Ab­fin­dungs­an­ge­bot bei gleich­zei­ti­gem Ver­weis auf § 1a KSchG).
Wie sich aus § 1a Abs.1 Satz 1 KSchG er­gibt, ent­steht der Ab­fin­dungs­an­spruch nicht be­reits mit Ver­strei­chen­las­sen der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist, son­dern erst dann, wenn die Kündi­gungs­frist ab­ge­lau­fen ist.
Erklärt ei­ne der Ver­trags­par­tei­en im Lau­fe der Kündi­gungs­frist ei­ne wei­te­re Kündi­gung, die das Ar­beits­verhält­nis vor­zei­tig be­en­det (z.B. frist­lo­se Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber, or­dent­li­che Ei­genkündi­gung des Ar­beit­neh­mers mit kur­zer Frist), macht das den Ab­fin­dungs­an­spruch zu­nich­te.
Denn das Ar­beits­verhält­nis en­det dann auf­grund der nach­ge­scho­be­nen Kündi­gung vor dem Zeit­punkt, in dem der Ab­fin­dungs­an­spruch ent­ste­hen würde.
BEISPIEL: Ein zehn Jah­re lang beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer erhält An­fang Ja­nu­ar 2018 ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit ge­setz­li­cher Kündi­gungs­frist von vier Mo­na­ten, d.h. zum 31.05.2018. Die Kündi­gung ist mit ei­nem Hin­weis gemäß § 1a KSchG ver­bun­den und der Ar­beit­neh­mer er­hebt kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge. An­fang Mai wirft der Ar­beit­ge­ber ihm Ar­beits­zeit­be­trug vor, den er mit dem häufi­gen Über­zie­hen von Pau­sen be­gründet. Nach Anhörung des Ar­beit­neh­mers erklärt der Ar­beit­ge­ber Mit­te Mai ei­ne frist­lo­se Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen we­gen Ar­beits­zeit­be­trugs. Hilfs­wei­se kündigt er frist­los we­gen des drin­gen­den Ver­dachts des Ar­beits­zeit­be­trugs.
In die­sem Fall ist dem Ar­beit­neh­mer drin­gend zu ra­ten, die Wirk­sam­keit der frist­lo­sen Kündi­gung durch Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­richt­lich über­prüfen zu las­sen. Denn wenn in­fol­ge des Ab­laufs der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist die Wirk­sam­keit der frist­lo­sen Kündi­gung recht­lich fest­steht (§ 4 Satz 1 KSchG in Verb. mit § 7 KSchG), ver­liert der Ar­beit­neh­mer nicht nur sein Ge­halt für die zwei­te Maihälf­te, son­dern darüber hin­aus ei­ne Ab­fin­dung von fünf Mo­nats­gehältern. Durch die nach­ge­scho­be­ne frist­lo­se Kündi­gung en­det das Ar­beits­verhält­nis nämlich nicht frist­gemäß auf­grund der or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung vom Ja­nu­ar 2018 mit Ab­lauf des 31.05.2018, son­dern vor­fris­tig. Da­her sind die Vor­aus­set­zun­gen von § 1a KSchG nicht erfüllt.
Nein, das ist nicht möglich, denn der Ar­beit­neh­mer muss in­ner­halb der kur­zen Kla­ge­frist von drei Wo­chen wis­sen, wor­an er ist.
Aus die­sem Grun­de spielt es auch kei­ne Rol­le, wenn der Ar­beit­ge­ber sein Ab­fin­dungs­an­ge­bot nach Zu­gang des Kündi­gungs­schrei­bens erläutert. Sol­che nachträgli­chen Erklärun­gen ändern nichts dar­an, dass ein Hin­weis gemäß § 1a KSchG dem Ar­beit­neh­mer nach Ab­lauf der Kla­ge­frist ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch in ge­setz­li­cher Höhe ver­schafft und dass es für die Aus­le­gung des Ab­fin­dungs­an­ge­bots im Kündi­gungs­schrei­ben al­lein auf die­ses Schrei­ben und nicht auf nach­ge­scho­be­ne Erläute­run­gen des Ar­beit­ge­bers an­kommt.
Wenn Sie ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit ei­nem Hin­weis gemäß § 1a KSchG er­hal­ten, ha­ben Sie zwar noch kei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch, denn der ent­steht erst mit dem Ab­lauf der Kündi­gungs­frist. Aber im­mer­hin ha­ben Sie ei­ne ziem­lich si­che­re An­wart­schaft dar­auf, bei re­gulärem Aus­lau­fen des (Rest-)Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch zu er­wer­ben, denn der Ar­beit­ge­ber ist an sei­ne Erklärung ge­bun­den.
Wenn Sie trotz­dem Kla­ge er­he­ben, fällt die An­wart­schaft bzw. der künf­ti­ge Ab­fin­dungs­an­spruch weg. Das gilt auch dann, wenn Sie die Kla­ge später zurück­neh­men. Auch dann ist der Ar­beit­ge­ber nicht (mehr) gemäß § 1a KSchG zur Zah­lung ver­pflich­tet (BAG, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 971/06, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/013 Kei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG bei Rück­nah­me der Kündi­gungs­schutz­kla­ge).
Ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG setzt den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer da­her un­ter Druck, denn er kann durch Ein­rei­chung ei­ner Kla­ge et­was ver­lie­ren.
Ar­beit­ge­ber ma­chen von § 1a KSchG eher sel­ten Ge­brauch. Das hat fol­gen­de Gründe:
Ers­tens ist ei­ne Ab­fin­dung von ei­nem hal­ben Ge­halt pro Beschäfti­gungs­jahr vie­len Ar­beit­ge­bern zu hoch, vor al­lem, wenn das Ar­beits­verhält­nis schon sehr lan­ge be­stan­den hat und der Ar­beit­ge­ber gu­te Chan­cen hat, mit sei­ner Kündi­gung vor Ge­richt durch­zu­kom­men. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu, wel­che Fak­to­ren bei der Kal­ku­la­ti­on von Ab­fin­dungs­an­ge­bo­ten ei­ne Rol­le spie­len, fin­den Sie un­ter Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung und Höhe der Ab­fin­dung.
Zwei­tens gibt es bei größeren be­triebs­be­ding­ten Kündi­gungs­wel­len oft So­zi­alpläne mit Ab­fin­dungs­re­ge­lun­gen, die vie­le Ar­beit­neh­mer zu­frie­den­stel­len oder je­den­falls von ei­ner Kla­ge ab­hal­ten. Zusätz­li­che Ab­fin­dungs­an­ge­bo­te gemäß § 1a KSchG sind dann überflüssig.
Drit­tens kla­gen vie­le gekündig­te Ar­beit­neh­mer auch dann nicht ge­gen ih­re Kündi­gung, wenn sie kein Ab­fin­dungs­an­ge­bot er­hal­ten. Vor al­lem jünge­re und gut qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer fin­den oft recht bald nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ei­ne neue Stel­le und ha­ben da­her kein In­ter­es­se an ei­nem Kündi­gungs­schutz­pro­zess. Da­her ist es aus Ar­beit­ge­ber­sicht auch nicht klug, sol­chen Mit­ar­bei­tern von vorn­her­ein bzw. zu­sam­men mit der Kündi­gung ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG an­zu­bie­ten.
In ei­ni­gen Fällen kann es für Ar­beit­ge­ber sinn­voll sein, mit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG an­zu­bie­ten, so z.B. in fol­gen­den Fällen:
Die vom Ar­beit­ge­ber erklärte be­triebs­be­ding­te Kündi­gung lässt sich vor Ge­richt nur schwer recht­fer­ti­gen, z.B. weil es Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten gibt und/oder weil die So­zi­al­aus­wahl an­greif­bar ist.
Die Kündi­gung lässt sich gar nicht recht­fer­ti­gen, weil kein Grund im Sin­ne von § 1 KSchG er­kenn­bar ist, d.h. der Ar­beit­ge­ber kündigt auf gut Glück, um her­aus­zu­fin­den, ob sich der Ar­beit­neh­mer auf ei­ne Ab­fin­dung einlässt.
Der Ar­beit­neh­mer ist noch nicht so lan­ge beschäftigt, so dass ei­ne Ab­fin­dung von ei­nem hal­ben Ge­halt pro Jahr auf ei­ne eher klei­ne Ab­fin­dungs­sum­me von zwei oder drei Gehältern hin­ausläuft, die leicht zu ver­schmer­zen ist.
Der Ar­beit­ge­ber möch­te aus prin­zi­pi­el­len Gründen mit dem gekündig­ten Ar­beit­neh­mer kei­nen Kündi­gungs­schutz­pro­zess führen, z.B. weil er Dis­kus­sio­nen im Be­trieb befürch­tet. Dann erhöht ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG den Druck auf den Ar­beit­neh­mer, sich ge­gen ei­ne Kla­ge zu ent­schei­den. Denn ob er vor Ge­richt ei­ne höhe­re Ab­fin­dung aus­han­deln kann, ist un­ge­wiss, und bei Ver­zicht auf die Kla­ge ist ihm die Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG si­cher.
Als gekündig­ter Ar­beit­neh­mer müssen Sie ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG natürlich nicht an­neh­men, son­dern können Kündi­gungs­schutz­kla­ge ein­rei­chen und um den Er­halt Ih­res Ar­beits­plat­zes strei­ten.
Ein sol­ches Vor­ge­hen kommt u.a. dann in Be­tracht, wenn das Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG in Höhe ei­nes hal­ben Mo­nats­ge­halts pro Beschäfti­gungs­jahr "zu mick­rig" ist. Das wie­der­um kann der Fall sein,
wenn die Kündi­gung mit großer Wahr­schein­lich­keit un­wirk­sam ist, und/oder
wenn das Ar­beits­verhält­nis nur ei­ni­ge Jah­re lang be­stan­den hat (dann ist das wirt­schaft­li­che Ri­si­ko ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge für den Ar­beit­ge­ber deut­lich höher als ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG), und/oder
wenn die fi­nan­zi­el­le La­ge des Un­ter­neh­mens gut ist, so dass der Ar­beit­ge­ber sich vor­aus­sicht­lich auch auf ei­ne höhe­re Ab­fin­dung ein­las­sen wird.
Nähe­re In­for­ma­tio­nen zur Kal­ku­la­ti­on von Ab­fin­dungs­an­ge­bo­ten fin­den Sie un­ter Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung und Höhe der Ab­fin­dung.
ACH­TUNG: Wie oben erwähnt, führt die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge da­zu, dass der Ab­fin­dungs­an­spruch gemäß § 1a KSchG wegfällt. Wenn Ihr Kla­ge­ziel nicht dar­in be­steht, den Ar­beits­platz zu er­hal­ten, son­dern in ei­ner höhe­ren Ab­fin­dung, müssen Sie die­se im Lau­fe des Pro­zes­ses mit dem Ar­beit­ge­ber ver­ein­ba­ren. Mögli­cher­wei­se ist der Ar­beit­ge­ber jetzt aber nicht mehr zu ei­ner gütli­chen Ei­ni­gung be­reit.
Mit ei­ner Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG kauft sich der Ar­beit­ge­ber von dem Ri­si­ko ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge frei, während So­zi­al­plan­ab­fin­dun­gen dem Aus­gleich bzw. der Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le die­nen, die die Ar­beit­neh­mer in­fol­ge des Ver­lus­tes ih­res Ar­beits­plat­zes er­lei­den, § 112 Abs.1 Satz 2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG). Ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG und ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung ha­ben da­her ver­schie­de­ne Ziel­set­zun­gen.
Außer­dem ist ein Ab­fin­dungs­an­spruch gemäß § 1a KSchG ein in­di­vi­du­el­les Recht des Ar­beit­neh­mers, der dafür auf die Möglich­keit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ver­zich­tet hat, während Ab­fin­dun­gen gemäß So­zi­al­plan al­len Ar­beit­neh­mern zu­ste­hen, die un­ter sei­nen An­wen­dungs­be­reich fal­len.
Spricht ein Ar­beit­ge­ber be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen aus und ha­ben die gekündig­ten Ar­beit­neh­mer Ab­fin­dungs­ansprüche gemäß ei­nem So­zi­al­plan, muss der Ar­beit­ge­ber da­her vor­sich­tig sein, wenn er in den Kündi­gun­gen ei­nen Hin­weis auf § 1a KSchG gibt. Denn mit ei­nem sol­chen Hin­weis ver­schafft der Ar­beit­ge­ber den gekündig­ten Ar­beit­neh­mern ei­nen ei­genständi­gen Ab­fin­dungs­an­spruch, vor­aus­ge­setzt sie las­sen die Kla­ge­frist ver­strei­chen.
Die Zah­lung der So­zi­al­plan­ab­fin­dung ist auf die­sen in­di­vi­du­el­len Ab­fin­dungs­an­spruch nicht an­zu­rech­nen, d.h. die Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG muss der Ar­beit­ge­ber so oder so zah­len. Möglich ist al­ler­dings, dass Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ei­ne Klau­sel in den So­zi­al­plan auf­neh­men, der zu­fol­ge ei­ne zusätz­li­che in­di­vi­du­el­le Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG auf die So­zi­al­plan­ab­fin­dung an­zu­rech­nen ist, so dass der So­zi­al­plan­an­spruch ge­min­dert wird.
Gibt es kei­ne sol­che Klau­sel im So­zi­al­plan, muss der Ar­beit­ge­ber dop­pelt zah­len, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg im Jah­re 2015 ent­schie­den hat (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 10.07.2015, 8 Sa 531/15, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 15/331 Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG und So­zi­al­plan). Die­ser Mei­nung hat sich auch das BAG an­ge­schlos­sen (BAG, Ur­teil vom 19.07.2016, 2 AZR 536/15).
Wer als Ar­beit­neh­mer auf ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG nicht re­agiert, d.h. die Drei­wo­chen­frist für ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ver­strei­chen lässt, ris­kiert kei­ne Nach­tei­le beim Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld und ins­be­son­de­re kei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be. Denn in ei­nem sol­chen Fall hat er sein Beschäfti­gungs­verhält­nis nicht im Sin­ne von § 159 Abs.1 Satz 2 Nr.1 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) "gelöst", son­dern ein­fach nur ei­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers hin­ge­nom­men.
Ein bloßes Nichts­tun als Re­ak­ti­on auf ei­ne vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung führt aber grundsätz­lich nicht zu ei­ner Sperr­zeit, denn Ar­beit­neh­mer sind ge­genüber der Ar­beits­agen­tur nicht da­zu ver­pflich­tet, sich recht­lich ge­gen ei­ne Kündi­gung ih­res Ar­beit­ge­bers zur Wehr zu set­zen. Da­her heißt es in den Geschäfts­an­wei­sun­gen (GA) der Bun­des­agen­tur zu § 159 SGB III (Stand De­zem­ber 2016), mit de­nen das Ver­wal­tungs­han­deln der Sach­be­ar­bei­ter der Ar­beits­agen­tu­ren ge­set­zes­kon­form und ein­heit­lich an­ge­lei­tet wer­den soll (Punkt 159.1.1.1, S.6 f.):
"Nicht sperr­zeit­re­le­vant sind (...) die bloße Hin­nah­me ei­ner Ar­beit­ge­berkündi­gung (auch bei An­nah­me ei­ner Ab­fin­dung); die Hin­nah­me ei­ner of­fen­sicht­lich rechts­wid­ri­gen Kündi­gung kann aber auf ei­nen Be­tei­li­gungs­sach­ver­halt hin­deu­ten".
Da ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, wenn der Ar­beit­ge­ber die Kündi­gungs­frist einhält, auf gar kei­nen Fall "of­fen­sicht­lich rechts­wid­rig" ist, ha­ben Ar­beit­neh­mer bei Hin­nah­me ei­ner Kündi­gung gemäß § 1a KSchG kei­ne Sperr­zeit zu befürch­ten.
Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Ab­fin­dung gemäß § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:
Check­lis­ten und Mus­ter­schrei­ben zum The­ma Ab­fin­dung gemäß § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) fin­den Sie hier:
Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Ab­fin­dung gemäß § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) fin­den Sie hier:
Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/180 So­zi­al­plan und Stich­tags­re­ge­lung
Ei­ne vollständi­ge Über­sicht un­se­rer Beiträge zum The­ma Ab­fin­dung nach § 1a KSchG fin­den Sie un­ter:
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 § 159
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