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Timestamp: 2016-10-25 19:12:12+00:00

Document:
5C.102/2001 (22.06.2001)
5C.102/2001/bie
Raselli, Meyer und Gerichtsschreiber von Roten.
G.________, Beklagte und Berufungskl�gerin, vorl�ufig bevormundet durch Thomas Zumsteg, c/o Amtsvormundschaft, Hauptstrasse 40, 5330 Zurzach, vertreten durch F�rsprecher Gino Keller, Seidenstrasse 36, 5200 Brugg AG,
Gemeinde Zurzach, handelnd durch den Gemeinderat, 5330 Zurzach, Kl�gerin und Berufungsbeklagte, vertreten durch F�rsprech Dr. Urs Oswald, Bahnhofstrasse 1, Postfach 31, 5330 Zurzach,
1.- Auf Entm�ndigungsklage der Gemeinde Zurzach hin ordnete das Bezirksgericht Zurzach �ber G.________, geboren am 18. Juni 1971, eine kombinierte Beiratschaft an. Im Appellationsverfahren beider Parteien entm�ndigte das Obergericht (2. Zivilkammer) des Kantons Aargau G.________ (Urteil vom 1. M�rz 2001). Mit Berufung beantragt G.________ dem Bundesgericht, die Klage abzuweisen, was die Entm�ndigung angeht, und darauf mangels Zust�ndigkeit der Gerichte nicht einzutreten, soweit eine Beiratschaft angeordnet werden soll.
Sie ersucht um Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege f�r das Verfahren vor Bundesgericht. Das Obergericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet. Eine Berufungsantwort ist nicht eingeholt worden.
2.- Nach Art. 369 Abs. 1 ZGB geh�rt jede m�ndige Person unter Vormundschaft, die infolge Geisteskrankheit oder Geistesschw�che ihre Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag, zu ihrem Schutze dauernd des Beistandes und der F�rsorge bedarf oder die Sicherheit anderer gef�hrdet. Die Entm�ndigung wegen Geisteskrankheit oder Geistesschw�che darf gem�ss Art. 374 Abs. 2 ZGB nur nach Einholung des Gutachtens von Sachverst�ndigen erfolgen, das sich auch �ber die Zul�ssigkeit einer vorg�ngigen Anh�rung des zu Entm�ndigenden auszusprechen hat. Die pers�nliche Anh�rung gew�hrleistet nicht nur das �usserungs- und Mitwirkungsrecht des zu Entm�ndigenden, sondern ist auch Beweismittel zur Erforschung des Sachverhalts (BGE 109 II 295 Nr. 63; 117 II 132 E. 4a S. 138).
Entm�ndigungsgrund im Gesetzessinne und Entm�ndigungsvoraussetzung m�ssen kumulativ gegeben sein, d.h. - entgegen der ungenauen Darstellung in der Berufungsschrift (S. 6 f.) - mindestens ein Entm�ndigungsgrund (Geisteskrankheit oder Geistesschw�che) muss mit mindestens einer der drei Entm�ndigungsvoraussetzungen (Unf�higkeit zur Gesch�ftsbesorgung oder dauernde Beistands- und F�rsorgebed�rftigkeit oder Drittgef�hrdung) zusammentreffen (Schnyder/Murer, Berner Kommentar, N. 94, und Langenegger, Basler Kommentar, N. 25, je zu Art. 369 ZGB).
Tats�chlicher Natur sind im Entm�ndigungsprozess die Feststellungen, die den geistigen Zustand des zu Entm�ndigenden beschreiben (Entm�ndigungsgrund im Gesetzessinne) und die aus diesem Zustand f�r dessen k�nftige Verhaltensweise zu erwartenden Auswirkungen angeben (Entm�ndigungsvoraussetzung); ob jener Zustand unter den Begriff der Geisteskrankheit und ob diese Auswirkungen unter den Begriff der Schutz- und Beistandsbed�rftigkeit fallen, sind Rechtsfragen (BGE 81 II 259 S. 263). W�hrend das Bundesgericht diese Rechtsfragen auf Berufung hin frei �berpr�fen darf (Art. 63 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 OG), hat es seiner Entscheidung die Tatsachenfeststellungen der letzten kantonalen Instanz zugrunde zu legen, es w�re denn, dass sie unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen sind, auf offensichtlichem Versehen beruhen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder zu erg�nzen sind (Art. 64 OG); diese Ausnahmen vorbehalten, ist eine Kritik an den verbindlichen Tatsachenfeststellungen im Berufungsverfahren unzul�ssig (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 126 III 59 E. 2a S. 65; vgl. zum interessierenden Bereich ausf�hrlich: Schnyder/Murer, N. 91-93 zu Art. 369, N. 223-228 zu Art. 373 und N. 136-138 zu Art. 374 ZGB, mit vielen Nachweisen).
Auf die Abgrenzung von Tat- und Rechtsfragen und die von der Beklagten erhobenen Sachverhaltsr�gen wird bei den einzelnen Berufungsgr�nden zur�ckzukommen sein. Auf die im Grundsatz zul�ssige Berufung kann eingetreten werden.
3.- Die Gutachten, von denen abzuweichen die kantonalen Gerichte keinen triftigen Grund gesehen haben, halten fest, dass bei der Beklagten eine infantil-abh�ngige Pers�nlichkeitsst�rung von schwerem Ausmass mit einer Zwangsst�rung von wahnhaft-psychotischem Ausmass sowie erheblichen Problemen in der Lebensbew�ltigung und in der Beziehung zu den Eltern vorliege; ihre Unselbstst�ndigkeit und Abh�ngigkeit h�tten sich im Vergleich zur Voruntersuchung vor einem Jahr noch gefestigt. Gest�tzt darauf hat das Obergericht angenommen, die Beklagte leide an einer langj�hrigen Pers�nlichkeits- und Zwangsst�rung und nicht bloss - wie sie behaupte - an einer vor�bergehenden "neurotischen Problematik". Zwar werde im ersten Gutachten in der Tat darauf hingewiesen, dass die Symptomatik im Verlaufe einer station�ren Behandlung im Jahre 1988 sowie einer Hospitalisation vom 25. November bis 27. November 1995 nicht beobachtet worden sei.
Da es sich aber jeweils um Aufenthalte von nur kurzer Dauer gehandelt habe, k�nne daraus nicht geschlossen werden, dass Umgebungs�nderungen die Waschsymptomatik definitiv beeinflussen oder gar beseitigen k�nnten; das Krankheitsbild habe sich nach der Entlassung denn auch wieder in unver�ndertem Ausmass gezeigt (E. 5c S. 9 des obergerichtlichen Urteils).
In tats�chlicher Hinsicht erg�nzt die Beklagte, dass ihre pers�nlichen Erkl�rungen betreffend Toilettenben�tzung und h�ufigem Duschen deutlich machten, dass die Waschsymptomatik bei ihr graduell verschieden sein k�nne und dass sie dieses Problem zur Zeit nicht habe. Die Sachverhaltsr�ge ist unzul�ssig: Was sich aus den Gutachten ergibt und wie Parteiaussagen beweism�ssig zu bewerten sind, bilden Fragen der Beweisw�rdigung, die nur mit staatsrechtlicher Beschwerde angefochten werden kann (Schnyder/Murer, N. 137 zu Art. 374 ZGB). Weiter erblickt die Beklagte ein offensichtliches Versehen darin, dass das Obergericht die von ihr angegebene Aktenstelle nicht zitiert habe, wonach gem�ss Gutachten durch testpsychologische Untersuchungen eine psychotische St�rung nicht eruiert werden konnte (act. 24). Das behauptete Versehen ist unerheblich: Die erw�hnte Stelle im Gutachten betrifft den (medizinischen) Befund (Ziffer 2) und damit weder die f�r das Obergericht massgebende gutachterliche Beurteilung (Ziffer 3) noch die entscheidwesentlichen Antworten der Gutachter auf die vom Gericht gestellten Fragen (Ziffer 4); sie ist f�r die obergerichtlichen Tatsachenfeststellungen ohne Bedeutung und beeinflusst damit die Rechtsanwendung nicht (BGE 61 II 114 E. 2 S. 117; 118 IV 88 E. 2b S. 89; Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 1995, E. 3b, SJ 1996 353).
Geisteskrankheit im Gesetzessinne liegt vor, wenn bei einem Menschen auf die Dauer psychische St�rungen bzw.
psychische Symptome und Verlaufsweisen auftreten, die einen stark auffallenden Charakter haben und die einem besonnenen Laien den Eindruck uneinf�hlbarer, qualitativ tiefgehend abwegiger, grob befremdender und daher prinzipieller St�rungszeichen machen (Langenegger, N. 21 zu Art. 369 ZGB; Geiser, Basler Kommentar, N. 7 zu Art. 397a ZGB). Dass der abnorme Geisteszustand "dauernder Natur" sein muss (BGE 118 II 254 E. 4a S. 261), schliesst entgegen der Annahme der Beklagten schubweise verlaufende Krankheiten begrifflich nicht aus (Deschenaux/Steinauer, Personnes physiques et tutelle, 4.A.
Bern 2001, N. 122c S. 38; BGE 96 II 369 E. 1a-c S. 371 f.:
paranoid-halluzinatorische Schizophrenie in Sch�ben mit Remissionszeiten); diesfalls kann sich allerdings fragen, ob die Auswirkungen einer solchen Geisteskrankheit eine Entm�ndigung erfordern oder ob eine weniger weit gehende Massnahme gen�gt (E. 6b hiernach; BGE 96 II 369 E. 1d-f S. 373 ff.: Verbeiratung). Dass angesichts des gutachterlich festgestellten Krankheitsbildes von einer Geisteskrankheit im gezeigten Sinne ausgegangen werden durfte, steht ausser Zweifel. Die bedr�ngenden �ngste der Beklagten, nach draussen zu gehen, gewisse Dinge anzufassen u.a.m., wie auch ihr schwer zu unterdr�ckendes Bed�rfnis, sich t�glich mehrmals zu waschen, manifestieren ein dermassen auff�lliges Verhalten, das dem Durchschnittsmenschen v�llig fremd bleiben muss und von ihm gef�hlsm�ssig nicht mehr nachvollzogen werden kann (f�r Abgrenzungen: Schnyder/Murer, N. 30-41 zu Art. 369 ZGB; Spirig, Z�rcher Kommentar, N. 25 ff. zu Art. 397a ZGB).
4.- Die Beklagte bestreitet eine besondere Schutzbed�rftigkeit (Entm�ndigungsvoraussetzung). Gem�ss den eingeholten Gutachten bestehen die Auswirkungen des geistigen Zustands bei der Beklagten in einem weitgehend unselbstst�ndigen, von Drittpersonen abh�ngigen Lebensvollzug; das Ausmass der Erkrankung verunm�glicht es der Beklagten, wesentliche Anteile ihrer eigenen Angelegenheiten selbst zu besorgen (act. 63). Im Einzelnen hat das Obergericht festgestellt, ihre Furcht vor Schmutz hindere die Beklagte daran, das Haus ihrer Eltern, bei denen sie wohnt, zu verlassen, um lebensnotwendige Besorgungen zu verrichten. Auch sei es ihr unm�glich, gewisse T�tigkeiten innerhalb des Hauses selbst zu erledigen, da sie sich unter anderem vor der Waschmaschine ekle. Sie sei in ihrer Lebensf�hrung best�ndig auf fremde Hilfe angewiesen, und es sei ihr bis anhin auch nie gelungen, einer ausserh�uslichen Erwerbst�tigkeit nachzugehen (E. 6c S. 14 des obergerichtlichen Urteils).
Nach Auffassung des Obergerichts hat die Beklagte also - entgegen ihrer Darstellung - durchwegs aktuelle Probleme.
Das Obergericht hat dazu Feststellungen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG getroffen und nicht bloss Vermutungen angestellt, die unverbindlich w�ren (Schnyder/Murer, N. 92 zu Art. 369 ZGB). Soweit die Beklagte diese Tatsachenfeststellungen erg�nzt oder den Sachverhalt abweichend schildert, kann auf ihre Berufung nicht eingetreten werden, nachdem sie diesbez�glich keine Sachverhaltsr�gen erhebt, geschweige denn begr�ndet (E. 2 Abs. 2 hiervor); davon abgesehen, sind f�r die Frage der vormundschaftlichen Schutzbed�rftigkeit die Verh�ltnisse im Zeitpunkt des letzten kantonalen Entscheids massgebend (Schnyder/Murer, N. 228 zu Art. 373 ZGB), so dass die unbelegten "Aktualisierungen" der Beklagten vor Bundesgericht nicht ber�cksichtigt werden k�nnen.
Die �ngste der Beklagten und die Zw�nge, denen sie unterliegt, schr�nken sie in ihrer freien Willensbet�tigung nachhaltig ein und verunm�glichen ihr ein selbstverantwortliches Leben. Gest�tzt auf die festgestellten Auswirkungen ihres geistigen Zustands durfte angenommen werden, sie ben�tige dauernd Schutz, der f�r sie quantitativ und qualitativ entscheidend ins Gewicht f�llt, mithin von existenzieller Bedeutung ist (vgl. dazu Langenegger, N. 27 zu Art. 369 ZGB).
5.-Eine Entm�ndigung h�lt die Beklagte vorab deshalb f�r bundesrechtswidrig, weil sie von ihren Eltern im Moment l�ckenlos betreut werde. Sie beruft sich damit auf das Subsidiarit�tsprinzip, wonach die Hilfestellung ihrer eigenen Eltern der Anordnung von Massnahmen des Vormundschaftsrechts vorgehen m�sse (zu diesem Grundsatz: Langenegger, N. 8 der Vorbem. zu Art. 360-456 ZGB; vgl. Stettler, Repr�sentation et protection de l'adulte, 4.A. Fribourg 1997, N. 85 f.
S. 7). Das Obergericht hat diese Maxime nicht verkannt, musste aber gest�tzt auf die Gutachten davon ausgehen, dass die famili�re Konstellation zu den Ursachen f�r die psychischen St�rungen der Beklagten geh�rt (E. 6b/bb S. 13). Die Gutachter erw�hnen "eine dysfunktionale Familienstruktur", eine "Abl�sungsproblematik der Explorandin von den Eltern" und "eine festgefahrene famili�re Situation" (act. 22 f., Ziffer 1.4) und beurteilen "die famili�re Konstellation als schwer krank"; dass die Beklagte in ihren Versuchen, autonom zu leben, bis jetzt immer gescheitert sei, k�nne nicht nur auf ihre psychische Struktur und Entwicklung zur�ckgef�hrt werden, sondern auch auf die �berf�rsorglichkeit der Eltern (act. 25). Entgegen der Beklagten ist weder diese Tatsache "nicht relevant", noch ist "nicht relevant", ob die elterliche Betreuung f�r ihre Zukunft optimal ist (S. 9 der Berufungsschrift).
Die Beklagte allein der elterlichen Betreuung zu �berlassen, die gewiss von gutem Willen getragen, die Beklagte aber schwer belastet und die Krankheitssymptome verst�rkt, widerspricht dem Vormundschaftsrecht, das nicht bloss verletzt wird, wenn vormundschaftliche Massnahmen einen unverh�ltnism�ssigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht bedeuten (E. 6 hiernach), sondern auch dann, wenn gebotene Handlungspflichten nicht erf�llt werden (vgl. Schnyder, Vormundschaftsrecht f�r Erwachsene und Menschenw�rde, in: L'Image de l'homme en droit - Das Menschenbild im Recht, Festgabe der rechtswissenschaftlichen Fakult�t zur Hundertjahrfeier der Universit�t Freiburg, Fribourg 1990, S. 429 ff., S. 434 f.; vgl. BGE 127 I 6 E. 8 S. 25).
6.- Die Beklagte stellt in Abrede, dass bei ihr mit vormundschaftlichen Massnahmen �berhaupt etwas erreichbar sei. Sie wendet ein, die vage M�glichkeit, dass eine Therapie gelingen k�nnte, gen�ge nicht f�r eine Entm�ndigung; vormundschaftliche Massnahmen seien nicht gerechtfertigt, wenn keine Verbesserung des Zustandes erreichbar sein sollte. Ihre Entm�ndigung sei so unangemessen wie untauglich.
a) Welche vormundschaftliche Massnahme anzuordnen ist, um das besondere Schutzbed�rfnis der Beklagten zu befriedigen, beurteilt sich in erster Linie nach dem Grundsatz der Verh�ltnism�ssigkeit des Eingriffs in die pers�nliche Freiheit (Schnyder/Murer, N. 162 zu Art. 369 ZGB). Die konkrete Massnahme erscheint als verh�ltnism�ssig, wenn sie geeignet ist, den angestrebten Schutzzweck zu erreichen, und wenn sie die Freiheit des Betroffenen weder st�rker noch schw�cher beschr�nkt als dies nach Massgabe des Schutzzwecks notwendig ist (Langenegger, N. 7 der Vorbem. zu Art. 360-456 ZGB und N. 18 zu Art. 369 ZGB; Riemer, Grundriss des Vormundschaftsrechts,
2. A. Bern 1997, � 3 N. 6 S. 35 f.). Mit ihrem Einwand spricht die Beklagte insbesondere die Zwecktauglichkeit einer Entm�ndigung an: Ziel der vormundschaftlichen Massnahme ist, die negativen Folgen gewisser Schw�chezust�nde zu beheben, auszugleichen oder mindestens zu mildern und damit das Wohl des Schwachen zu gew�hrleisten (Langenegger, N. 3 der Vorbem. zu Art. 360-456 ZGB); ist eine Massnahme zur Erreichung dieses Ziel nicht geeignet, hat ihre Anordnung zu unterbleiben, weil nicht bloss zu weitgehende, sondern auch untaugliche vormundschaftliche Massnahmen ungesetzlich sind (Affolter, Basler Kommentar, N. 60 zu Art. 406 ZGB; Stettler, a.a.O., N. 80 f. S. 44 f.; vgl. f�r den verwandten Bereich der f�rsorgerischen Freiheitsentziehung:
Geiser, N. 9 der Vorbem. zu Art. 397a-f ZGB und N. 14 zu Art. 397a ZGB; Spirig, N. 203-205 zu Art. 397a ZGB).
b) Die Anordnung einer Beistandschaft im Sinne der Art. 392 f. ZGB entf�llt unstreitig bereits deshalb, weil die Beklagte praktisch keine Einsicht in ihre Hilfsbed�rftigkeit zeigt und deshalb aller Voraussicht nach auch nicht bereit sein wird, den Beistand zu ihrem eigenen Wohle gew�hren zu lassen bzw. ihre Handlungsf�higkeit nicht zum eigenen Schaden zu benutzen (vgl. Langenegger, N. 4 zu Art. 92 ZGB).
Entgegen der Darstellung der Beklagten ist in ihrem Zusammenhang nicht entscheidend, ob die Beiratschaft (Art. 395 ZGB) sich von der Vormundschaft (Art. 398 ff. ZGB) nur quantitativ oder auch qualitativ abhebt (BGE 100 II 88 E. 3 S. 90) und dass einem Beirat neben der wirtschaftlichen im Grundsatz auch die pers�nliche F�rsorge �bertragen werden kann (BGE 96 II 369 E. 1d-f S. 373 ff.; 97 II 302 Nr. 41). Wie sie selber betont, ist Hilfe in finanziellen Belangen unn�tig, zumal sie lediglich �ber eine IV-Rente verf�gt, deren Verwaltung einem Beirat ohnehin von Gesetzes wegen entzogen ist (Art. 395 Abs. 2 ZGB; BGE 108 II 92 E. 4 S. 94). Eine Beiratschaft aber darf nach der Rechtsprechung nicht angeordnet werden, wenn alleiniges Schutzobjekt die k�rperliche und psychische Gesundheit ist (BGE 103 II 81 S. 83, letzter Absatz). Wo zur Gew�hrung pers�nlicher F�rsorge Zwangsmassnahmen notwendig sind, gen�gt eine Beiratschaft ohnehin nicht; daf�r steht nur die Vormundschaft zur Verf�gung (Affolter, N. 18 f. zu Art. 406 ZGB; Riemer, a.a.O., � 5 N. 4 S. 110; Stettler, a.a.O., N. 305 S. 147 f.). Das Obergericht hat deshalb ohne Bundesrecht zu verletzen annehmen d�rfen, als vormundschaftliche Massnahme falle lediglich eine Entm�ndigung der Beklagten in Betracht.
c) Auf Grund des bisherigen Krankheitsverlaufs ist das Obergericht davon ausgegangen, der Gesundheitszustand der Beklagten werde sich weiter verschlechtern. Die von ihr ver�bten Selbstmordversuche liessen auf eine grosse Gef�hrdung der Beklagten schliessen. Den Eltern sei es bisher nicht m�glich gewesen, die Beklagte zu einer - von den Gutachtern empfohlenen - Therapie zu motivieren. Geeignete therapeutische Massnahmen m�ssten daher auch gegen den Willen der Beklagten durchgef�hrt werden k�nnen. Eine solche Therapie k�nne nicht mittels eines f�rsorgerischen Freiheitsentzugs durchgef�hrt werden, da die betroffene Person nur eingeliefert werden d�rfe, wenn ihr die n�tige pers�nliche F�rsorge nicht anders gew�hrt werden kann (Art. 397a Abs. 1 ZGB), und sie entlassen werden m�sse, sobald ihr Zustand es erlaubt (Art. 397a Abs. 3 ZGB). Eine Besserung des Krankheitsbildes k�nne jedoch nicht durch eine vor�bergehende Klinikeinweisung erreicht werden, sondern nur durch langfristige Therapien im Sinne der Gutachten. Nur dem Vormund st�nden ausreichende rechtliche Mittel zur Verf�gung, um die Beklagte solchen Massnahmen zuzuf�hren (E. 6e S. 16 des obergerichtlichen Urteils).
Der Beklagten kann nicht beigepflichtet werden, es gebe keine Behandlung f�r ihr Leiden, so dass eine Entm�ndigung nutzlos sei. Sie widerspricht damit den gutachterlichen Feststellungen, auf die das Obergericht abgestellt hat. Die Art der Behandlung wird im Gutachten beschrieben als "Kombination von Sozio-, Gespr�chs- und Verhaltenstherapie" und daraus gefolgert, "dass nur eine intensive Behandlung ...
�ber Jahre eine Entwicklung zur Besserung der Symptomatik und zur gew�nschten h�heren Selbst�ndigkeit herbeif�hren kann" (act. 63). Dem Obergericht ist insoweit kein Versehen unterlaufen. Heilung ist vielmehr auf Grund einer spezifizierten Therapie m�glich, wenn sie gem�ss Gutachter auch keine v�llige sein wird und der Behandlungserfolg naturgem�ss nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden kann. Es liegt darin aber mehr als eine bloss vage M�glichkeit, den Zustand der Beklagten zu verbessern. Berechtigt ist dagegen der Einwand der Beklagten, ein Vormund k�nne eine derartige Therapie nicht erzwingen. Es wird in der Tat nicht v�llig klar, worin die unmittelbaren Zwangsmassnahmen ("zuzuf�hren") gem�ss dem obergerichtlichen Urteil bestehen sollen.
Die f�rsorgerische Freiheitsentziehung, die auch nach Ansicht des Obergerichts keine geeignete Massnahme darstellt, bedingt keine vorg�ngige Entm�ndigung (Stettler, a.a.O., N. 463 S. 11); sie untersagt �berdies das - vom Obergericht offenbar in Erw�gung gezogene - "Versorgen" aus f�rsorgerischen Gr�nden gest�tzt auf kantonales Recht (vgl. Geiser, N. 5 der Vorbem. zu Art. 397a-f ZGB; Spirig, N. 3 zu Art. 397a ZGB) und bietet keine Grundlage f�r eine Zwangsbehandlung (BGE 127 I 6 E. 2a S. 8; f�r den Kanton Aargau:
BGE 125 III 169 E. 3 S. 171). Abgesehen von all den heiklen Fragen, die sich bei der Zustimmung des Vormunds zu �rztlichen Eingriffen gegen�ber dem M�ndel stellen (Affolter, N. 45 ff. zu Art. 06 ZGB), f�llt hier eine Zwangsbehandlung von vornherein ausser Betracht, da ja die von den Gutachtern vorgeschlagene "Kombination von Sozio-, Gespr�chs- und Verhaltenstherapie" ein aktives selbstst�ndiges Mitwirken der Beklagten voraussetzt (Geiser, Die f�rsorgerische Freiheitsentziehung als Rechtsgrundlage f�r eine Zwangsbehandlung?, in: FS Schnyder, Freiburg i.Ue. 1995, S. 289 ff., S. 298 Ziffer 1.15).
Pers�nliche F�rsorge im Gesetzessinne (vgl. Art. 367 Abs. 1 und Art. 406 Abs. 1 ZGB) erstreckt sich indessen auch auf die Vermittlung eines sozialen Umfelds, auf den Aufbau eines sozialen Beziehungsnetzes, auf die Mobilisierung von Begabungen und auf das Vermitteln von Bildung und Nacherziehung sowie von therapeutischen Angeboten (Affolter, Rechtsfragen aus dem Alltag der pers�nlichen Betreuung, AJP 1998 S. 647 ff., S. 648, mit Nachweisen).
In diesem Bereich kann hier die Betreuung durch einen Vormund wirksam werden. Einerseits geht es insbesondere darum, das f�r die Beklagte belastende famili�re Umfeld zu durchbrechen und sie wenigstens zeitweise aus ihrer Isolation herauszuholen; dazu kann der Vormund Hilfe leisten und sich zu diesen Zwecken n�tigenfalls gegen den Willen der Beklagten Zutritt zu ihr verschaffen (Affolter, N. 37 zu Art. 406 ZGB). Andererseits steht gutachterlich fest, dass die Beklagte in ihren Versuchen, autonom zu leben, bisher stets gescheitert ist und ihr Beziehungsmuster zu M�nnern als selbstsch�digend bezeichnet werden muss (act. 25; E. 6b/bb S. 13 des obergerichtlichen Urteils); auch diesbez�glich kann der Vormund unterst�tzend eingreifen, indem er nicht nur die n�tigen materiellen Mittel beschafft (Affolter, N. 13 zu Art. 406 ZGB), sondern n�tigenfalls auch f�r die Beklagte sch�dlichen Umgang mit Dritten einschr�nkt oder unterbindet (Affolter, N. 40 f. zu Art. 406 ZGB). Aus den dargelegten Gr�nden erf�llt eine Entm�ndigung wirksam den mit ihr verfolgten Zweck, so dass auch unter dem Blickwinkel der Eignung der vormundschaftlichen Massnahme der Verh�ltnism�ssigkeitsgrundsatz nicht verletzt wird.
7.- Aus den dargelegten Gr�nden muss die Berufung der Beklagten abgewiesen werden, soweit darauf einzutreten ist.
Die Voraussetzungen f�r die Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege sind erf�llt, so dass dem Gesuch der Beklagten entsprochen werden kann (Art. 152 OG).
1.- Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist, und das Urteil des Obergerichts (2. Zivilkammer) des Kantons Aargau vom 1. M�rz 2001 wird best�tigt.
2.- Das Gesuch um Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutgeheissen, und F�rsprecher Gino Keller, Seidenstrasse 36, 5200 Brugg, wird als amtlicher Vertreter der Beklagten bestellt.
3.- Die Gerichtsgeb�hr von Fr. 1'000.-- wird der Beklagten auferlegt, indes vorl�ufig auf die Gerichtskasse genommen.
4.- F�rsprecher Gino Keller, Seidenstrasse 36, 5200 Brugg, wird aus der Bundesgerichtskasse ein Honorar von Fr. 1'000.-- ausgerichtet.
5.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht (2. Zivilkammer) des Kantons Aargau schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 369
 Art. 374
 Art. 369
 BGE 
 Art. 369
 Art. 373
 Art. 374
 Art. 374
 Art. 369
 Art. 397
 BGE 
 BGE 
 Art. 369
 Art. 397
 Art. 63
 Art. 369
 Art. 373
 Art. 369
 Art. 360
 BGE 
 Art. 369
 Art. 360
 Art. 369
 Art. 360
 Art. 406
 Art. 397
 Art. 397
 Art. 397
 Art. 392
 Art. 92
 BGE 
 Art. 406
 Art. 397
 Art. 397

BGE 
 Art. 06
 Art. 367
 Art. 406
 Art. 406
 Art. 406
 Art. 406