Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=02.06.2008&Aktenzeichen=II%20ZR%20121/07
Timestamp: 2020-01-21 17:38:54+00:00

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BGH, 02.06.2008 - II ZR 121/07 - dejure.org
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BGH, 02.06.2008 - II ZR 121/07 (https://dejure.org/2008,1901)
BGH, Entscheidung vom 02.06.2008 - II ZR 121/07 (https://dejure.org/2008,1901)
BGH, Entscheidung vom 02. Juni 2008 - II ZR 121/07 (https://dejure.org/2008,1901)
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Zurückweisung eines Antrags wegen Unschlüssigkeit aufgrund der Nichtbeantwortung aufgeworfener Fragen in einem Sachverständigengutachten bei sonst schlüssigem und substantiiertem Vortrag; Anforderungen an die Verletzung des Anspruchs auf Gewährung rechtlichen Gehörs
Zur Verletzung des rechtlichen Gehörs, wenn der Richter deshalb höhere Anforderungen an die Substantiierung des Vorbringens stellt, weil die Partei ein Gutachten vorgelegt hat
Umfang des rechtlichen Gehörs im Zivilverfahren; Unschlüssigkeit von Parteivortrag wegen Unvollständigkeit eines Gutachtens
Verfahrensrecht - Wann ist Anspruch auf Gewährung rechtlichen Gehörs verletzt?
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör nach Vorlage eines Sachverständigengutachtens aus einem anderen Verfahren
LG Gera, 29.09.2006 - 3 O 2581/04
OLG Jena, 02.05.2007 - 7 U 936/06
NJW-RR 2008, 1311
MDR 2008, 993
NZBau 2008, 645
FamRZ 2008, 1615 (Ls.)
WM 2008, 2133
b) Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs verpflichtet das Gericht, den entscheidungserheblichen Sachvortrag der Partei in der nach Art. 103 GG gebotenen Weise zur Kenntnis zu nehmen und die angebotenen Beweise zu erheben (vgl. auch BGH, Beschlüsse vom 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, NJW-RR 2008, 1311 Rn. 2;… vom 19. Juni 2008 - VII ZR 127/06, NZBau 2008, 644 Rn. 7 f.;… vom 20. Mai 2010 - V ZR 201/09, juris Rn. 6;… vom 25. Oktober 2011 - VIII ZR 125/11, NJW 2012, 382 Rn. 13).
Das Berufungsgericht hat insoweit die Substantiierungsanforderungen offenkundig überspannt und es dadurch versäumt, den entscheidungserheblichen Sachvortrag des Beklagten in der nach Art. 103 Abs. 1 GG gebotenen Weise zur Kenntnis zu nehmen und die angebotenen Beweise zu erheben (vgl. auch BGH, Beschlüsse vom 1. Juni 2005 - XII ZR 275/02, NJW 2005, 2710 unter II 2; vom 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, NJW-RR 2008, 1311 Rn. 2;… vom 19. Juni 2008 - VII ZR 127/06, NZBau 2008, 644 Rn. 7 f.;… vom 20. Mai 2010 - V ZR 201/09, juris Rn. 6).
Genügt das Parteivorbringen diesen Anforderungen an die Substantiierung, kann der Vortrag weiterer Einzeltatsachen, die etwa den Zeitpunkt und den Vorgang bestimmter Ereignisse betreffen, nicht verlangt werden; es ist dann vielmehr Sache des Tatrichters, bei der Beweisaufnahme die benannten Zeugen nach Einzelheiten zu befragen, die ihm für die Beurteilung der Zuverlässigkeit der Bekundungen erforderlich erscheinen (…s. zu alldem BGH, Beschlüsse vom 11. Mai 2010 - VIII ZR 212/07, NJW-RR 2010, 1217, 1218 f Rn. 11;… vom 7. Dezember 2009 - II ZR 229/08, NJW-RR 2010, 246, 247 Rn. 3 mwN;… vom 9. Februar 2009 - II ZR 77/08, NJW 2009, 2137 Rn. 4; vom 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, NJW-RR 2008, 1311 Rn. 2 …und vom 21. Mai 2007 - II ZR 266/04, NJW-RR 2007, 1409, 1410 Rn. 8;… Zöller/Greger, ZPO, 29. Aufl., § 138 Rn. 7b und vor § 253 Rn. 23).
Im Interesse der Wahrung des Grundrechts aus Art. 103 Abs. 1 GG darf das Gericht keine überspannten Anforderungen an die Darlegung stellen (…BGH, Beschlüsse vom 11. Mai 2010 aaO Rn. 10 f;… vom 7. Dezember 2009 aaO Rn. 2 f;… vom 9. Februar 2009 aaO und vom 2. Juni 2008 aaO).
Die Partei genügt ihrer Substantiierungslast vielmehr durch Vortrag solcher Tatsachen, die in Verbindung mit einem Rechtssatz geeignet sind, das mit der Klage geltend gemachte Recht als in der Person des Klägers entstanden erscheinen zu lassen (…BGH, Urt. v. 20. September 2002 - V ZR 170/01, BGHReport 2003, 38, 39;… Beschl. v. 21. Mai 2007 - II ZR 266/04, ZIP 2007, 1524, 1526 Rn. 8 f; v. 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, WM 2008, 2133 Rn. 5 f).
Das Gericht muss nur in die Lage versetzt werden, aufgrund des tatsächlichen Vorbringens der Partei zu entscheiden, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für das Bestehen des geltend gemachten Rechts vorliegen (vgl. auch BGH, Beschlüsse vom 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, NJW-RR 2008, 1311 Rn. 2;… vom 19. Juni 2008 - VII ZR 127/06, NZBau 2008, 644 Rn. 7 f.;… vom 20. Mai 2010 - V ZR 201/09, juris Rn. 6;… vom 25. Oktober 2011 - VIII ZR 125/11, aaO;… vom 29. Februar 2012 - VIII ZR 155/11, aaO).
Damit liegt eine Verletzung des Anspruchs der Klägerin auf rechtliches Gehör nach Art. 103 Abs. 1 GG vor (BGH NJW-RR 2008, 1311).
Genügt das Parteivorbringen diesen Anforderungen an die Substantiierung, so kann der Vortrag weiterer Einzeltatsachen nicht verlangt werden (BGH NJW-RR 2007, 1409; BGH NJW-RR 2008, 1311).
Der Tatrichter muss vielmehr in die Beweisaufnahme eintreten und Zeugen oder Sachverständige zu den ungeklärten Punkten befragen (BGH, Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, DStR 2008, 1793 Rn. 2;… Beschluss vom. 21. Mai 2007 - II ZR 266/04, ZIP 2007, 1524 Rn. 8; BGH, Urteil vom 25. Juli 2005 - II ZR 199/03, ZIP 2005, 1738).
Genügt das Parteivorbringen diesen Anforderungen, so kann der Vortrag weiterer Einzeltatsachen nicht verlangt werden (BGH, Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, NJW-RR 2008, 1311).
Eine Partei genügt ihrer Darlegungslast bereits dann, wenn sie Tatsachen vorträgt, die in Verbindung mit einem Rechtssatz geeignet sind, das geltend gemachte Recht als in ihrer Person entstanden erscheinen zu lassen (vgl. BGH, Beschluss vom 02.06.2008 - II ZR 121/07-, juris Rdnr. 2).
Genügt das Parteivorbringen diesen Anforderungen an die Substantiierung, so kann der Vortrag weiterer Einzeltatsachen nicht verlangt werden (vgl. BGH, Beschluss vom 02.06.2008, a. a. O.).
Soweit die vorgelegten Atteste und Berichte nach Auffassung des Berufungsgerichts Widersprüche und Unklarheiten aufweisen, ist es Aufgabe des Tatrichters, diese im Rahmen der Beweisaufnahme einer Klärung zuzuführen (vgl. BGH, Beschluss vom 2. Juni 2008 - II ZR 121/07, NJW-RR 2008, 1311 Rn. 2).
OLG Koblenz, 20.10.2010 - 1 U 1445/09

References: Art. 103
 Art. 103
 § 138
 § 253
 Art. 103
 Art. 103
 BGH