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Timestamp: 2020-04-06 08:19:15+00:00

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Das Küstengewässer erstreckt sich entweder von der Küstenlinie oder der Basislinie bis zur 12-Seemeilengrenze, an der sich die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) anschließt. Die deutsche AWZ in der Nordsee reicht bis zur Doggerbank und umfasst eine Fläche von insgesamt 28.550 km² (BSH, 2009). Die deutsche AWZ in der Ostsee ist sehr viel kleiner. Sie umfasst rund 4.500 km² (BSH, 2009). Das schleswig-holsteinische Küstengewässer der Nordsee nimmt eine Fläche von rund 7.000 km², das der Ostsee von rund 3.030 km² ein. Auf Grundlage des Artikels 12 Seerechtsübereinkommen (SRÜ) wurde auch die Tiefwasserreede in der Deutschen Bucht 30 Kilometer westlich von Helgoland zum Bestandteil des Küstenmeeres erklärt.
Das Küstenmeer ist Teil des Staatsgebietes. Es unterliegt somit der gesamten nationalen Rechtsordnung. In der AWZ, die nicht zum Hoheitsgebiet eines Küstenstaates gehört, gilt dieses nur im Rahmen der völkerrechtlich zugewiesenen und funktional begrenzten souveränen Rechte und Hoheitsbefugnissen. Hierzu gehören unter anderem die Erforschung und Ausbeutung, die Bewirtschaftung und Erhaltung der lebenden und nicht lebenden natürlichen Ressourcen sowie wirtschaftliche Tätigkeiten wie die Energienutzung aus Wasser, Strömung und Wind sowie der Bau künstlicher Inseln und Anlagen. Hierzu gehört andererseits auch der Meeresumweltschutz. Die deutschen Küstengewässer sind Bestandteil der Küstenländer.
Meeresschutz ist Teil des Natur- und Umweltschutzes und bezieht neben dem Schutz mariner Lebensräume und Arten auch den Zustand der gesamten abiotischen und biotischen Meeresumwelt mit ein.
Die Aktivitäten der Helsinki-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt sowie der OSPAR-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks hinsichtlich des Umgangs mit menschlichen Nutzungen werden vom Ökosystemansatz geleitet.
Die Nordsee ist Teil des Nordatlantiks. Sie wird als Neben- und Schelfmeer bezeichnet. Sie ist durch die Gezeiten von Ebbe und Flut, die im unmittelbaren Küstenbereich zu ausgedehnten Wattflächen geführt haben, geprägt. Ihr Wasser wird durch den Salzwasseraustausch mit dem Atlantik über den Ärmelkanal und über Strömungen parallel der britischen Ostküste sowie durch den Süßwassereinfluss der großen Zuflüsse, wie beispielsweise der Elbe, bestimmt.
Die Ostsee ist ein Binnenmeer, das über den Wasseraustausch mit der Nordsee von einem von West nach Ost abnehmenden Salzgehalt charakterisiert ist. Dies hat Einfluss auf die Zusammensetzung der in ihr vorkommenden Lebensgemeinschaften. Aufgrund des Wasseraustausches mit der Nordsee und der in sie mündenden Flüsse gilt die Ostsee als das größte Brackwassermeer der Welt.
Einflüsse auf die Küstengewässer
Schadstoffe (Schwermetalle wie Cadmium, Quecksilber, Zink, Kupfer und Blei, chlorierte Kohlenwasserstoffe sowie synthetische Verbindungen wie Pestizide, Arzneimittel und Bewuchshemmer), die über die Flüsse und die Atmosphäre, durch die Schifffahrt sowie durch Öl- und gasanlagen, aber auch durch die Offshore Windkraftanlagen in die Meere gelangen, sind in ihren Wirkungen auf unterschiedlichste Weise persistent, bioakkumulativ und toxisch. So lassen sich heute in verschiedenen Organismengruppen die Auswirkungen der Schadstoffe (zum Beispiel Fischkrankheiten sowie Veränderungen im Gesundheitszustand mariner Säuger) nachweisen.
Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate ist die einzige Ölförderplattform in der deutschen Nordsee. Aufgrund ihrer Lage im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist jegliche Einleitung von Stoffen untersagt.
Tausende von Tonnen Müll befinden sich in der Nordsee, auf dem Meeresboden, auf der Wasseroberfläche und an der Küste. Rund ¾ des Mülls ist Kunststoff. Taue, Netze und Leinen (mit der Fischerei assoziierter Müll) machen an der deutschen Nordseeküste rund ein Drittel der an der Küste nachgewiesenen Müllteile aus.
Plastikmüll beeinträchtigt die Meeresumwelt auf vielfältige Weise. Meerestiere können sich in Müllteilen verfangen (zum Beispiel Baßtölpel in der Kolonie auf Helgoland), und sie können sie mit Nahrung verwechseln und verschlucken (zum Beispiel Eissturmvögel). Müllteile können Meeresorganismen bedecken und sie ersticken oder töten. Müll in der Meeresumwelt wird von Touristen und Strandbesuchern als störend empfunden und er verursacht finanzielle Schäden in beträchtlicher Höhe, die durch die notwendigen Reinigungsaktionen sowie die Reparatur von Schäden, zum Beispiel durch in Schiffsschrauben gefangenen Müll, entstehen. Der Einfluss von sehr kleinen Müllteilen, sogenanntem Mikromüll, auf die Meeresumwelt ist noch weitgehend unbekannt. Bei immer mehr Tierarten werden jedoch Mikroplastikteile im Magen nachgewiesen. Derartige Partikel sind inzwischen überall in der Meeresumwelt nachweisbar. Die Entfernung von Müll ist größtenteils ökologisch nicht verträglich, da beim Fischen nach Müll in der Wassersäule auch Lebewesen mit gefangen werden. Der auf dem Meeresboden absinkende Müll ist nicht effizient rückholbar, da großflächiges und mechanisches Sammeln zu einer Zerstörung des Lebensraums am Meeresboden führt. Umso wichtiger ist die Vermeidung land- wie seebasierter Einträge, die Substitution von Plastik bereits zu Beginn des Kreislaufs sowie Bewusstseinsbildung.
Nährstoffbelastung/ Eutrophierung
Die hohen Nährstoffeinträge (insbesondere Stickstoff) stellen eines der größten ökologischen Probleme der Nord- und Ostsee dar. Sie gelangen über die Flüsse wie auch über die Atmosphäre in die Meere. Zu den Hauptverursachern von Nährstoffeinträgen über die Oberflächengewässer zählt die Landwirtschaft. Atmosphärische Deposition auf dem Meer, u.a. aus Ferneinträgen und der Schifffahrt, trägt ebenfalls zur Eutrophierung der Küstengewässer bei. Problematisch ist insbesondere der hohe Anteil diffuser Quellen.
Fischerei gehört zu den traditionellen Nutzungsformen im Meer, deren Erhalt ausdrückliches Ziel der Landesregierung ist. Sie wird unmittelbar im Rahmen der EU-Fischereipolitik (GFP) geregelt. Seit der Reform 2013 steht das Gebot der Nachhaltigkeit bei der GFP an erster Stelle. Bis 2020 sollen alle Bestände nach den Prinzipien des maximal nachhaltigen Dauerertrags bewirtschaftet werden. Dabei werden auch die Umweltauswirkungen der jeweiligen Fischerei betrachtet und bewertet.
Die Fischerei übt einen maßgeblichen Einfluss auf Bestandsgrößen, Längen- und Altersstrukturen genutzter Fischarten aus. Neben den Zielarten werden durch die Fischerei auch andere Arten und Lebensräume beeinflusst. In der Stellnetzfischerei kommt es beispielsweise zu unerwünschten Beifängen von Schweinswalen und Seevögeln. Die Grundschleppnetzfischerei sowie die Fischerei mit Baumkurren haben Auswirkungen auf benthische Lebensräume und ihre Lebensgemeinschaften. In der Folge kann es zu einer Verschiebung (Verarmung) des ursprünglichen Artengefüges kommen. Durch Beifang können auch Nicht-Zielarten beeinflusst werden.
Der Abbau von Sand und Kies führt zu Veränderungen benthischer Lebensgemeinschaften. Je nach der Abbautiefe kann es zu einem vollständigen Verlust von Biotoptypen kommen, sollten keine ausreichenden Restmengen verbleiben, die eine Wiederbesiedlung möglich machen.
Der Abbau von Sand und Kies erfolgt in der Nordsee und hier im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ausschließlich für Maßnahmen des Küstenschutzes (und in sehr geringem Umfang für die direkte Versorgung der nordfriesischen Inseln und Halligen). Im derzeitigen Bewilligungsfeld Westerland III findet auf einer Fläche von 5,5 km² eine kontinuierliche Sandentnahme statt. Sie ist bis zum 31. Dezember 2030 befristet. In der Ostsee vor Schleswig-Holstein erfolgt kein Sand- und Kiesabbau.
Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer stellt die einzige Ölförderung in der deutschen Nordsee dar. Seit 1987 wird hier Öl gefördert. Diese Berechtigung wurde 2010 um weitere 30 Jahre verlängert (siehe Kapitel 4.2.2: Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Weltnaturerbe).
Die Attraktivität des Meeres und seiner unmittelbaren Küste für den Tourismus ist hoch. Rund 80 Prozent der Übernachtungen in Schleswig-Holstein entfallen auf die Küstenregionen und Inseln des Landes.
Der Tourismus wirkt sich vor allem durch seine Infrastruktur aus. Campingplätze und Ferienhausgebiete liegen häufig dicht an der Küstenlinie – insbesondere an der Ostsee. Damit verbunden sind entsprechende Versorgungseinrichtungen. Der Bau von Straßen und Parkplätzen führt in vielen Fällen zur Versiegelung von größeren Flächen in unmittelbarer Nähe zur Küstenlinie. Hier liegen oft auch sensible und ökologisch bedeutsame Küstenabschnitte.
Seeseitig bzw. im unmittelbaren Strandbereich kommt es durch Wassersportler und weitere Strandnutzungen immer wieder zu Störungen der Pflanzenwelt (Dünen- und Küstenvegetation, aber auch Unterwasserlebensräume wie Seegraswiesen) sowie zu Beeinträchtigungen der Tierwelt (insbesondere der Avifauna). Hier gilt es, Konflikte möglichst zu vermeiden, da viele Bereiche an den Küsten gleichzeitig als FFH- und Vogelschutzgebiet geschützt sind.
Klimawandel (Erwärmung/ Versauerung)
Meere speichern und transportieren Wärme. Die durch den Klimawandel verursachte Erwärmung (von ein bis zwei Grad Celsius in den letzten 25 Jahren) ist bereits heute nachweisbar (“Qualitiy Status Report“ OSPAR, 2011).
Meere speichern in hohem Maße Kohlenstoff und binden so auf natürliche Weise klimabelastende Kohlenstoffdioxide. Hohe und anhaltende Kohlenstoffdioxide in der Luft führen jedoch zu einem Absinken des pH-Wertes im Wasser und damit zur Versauerung der Meere sowie zur Verringerung ihrer Speicherfähigkeit für Kohlenstoff.
Die zunehmende Versauerung greift die Kalkschalen von Muscheln, Krebsen und Seeigeln an. Auch das pflanzliche Plankton ist gefährdet. Wichtige Nahrungsquellen können so verloren gehen. Als Folge der zunehmenden Erwärmung wandern verschiedene Fischarten in kältere Gebiete ab. Zudem sinken mit der Erwärmung der Sauerstoffgehalt der Ozeane sowie die Bindungsfähigkeit von Kohlenstoffdioxid.
Nach § 1 Absatz 2 EEG soll der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von rund 37,7 Prozent (erstes Halbjahr 2017) auf 40 bis 45 Prozent in 2025, auf 55 bis 60 Prozent in 2035 und auf mindestens 80 Prozent in 2050 (§ 1 Absatz 2 EEG) gesteigert werden. Damit geht auch der Ausbau der Offshore Windkraftnutzung einher. Diese entwickelt sich weitgehend außerhalb der Küstengewässer Schleswig-Holsteins innerhalb der AWZ. Nach § 4 Absatz 2 EEG sollen durch Windkraftanlagen auf See 6.500 MW im Jahr 2020 und 15.000 MW im Jahr 2030 erreicht sein.
Insgesamt sind in Deutschland 1.169 Offshore Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 5.400 MW in Betrieb. Davon befinden sich 997 Offshore Windkraftanlagen mit 4.695 MW in der Nordsee und 172 Offshore Windkraftanlagen mit 692 MW in der Ostsee. In Schleswig-Holstein sind über das Umspannwerk in Büttel 1.778 MW an das Netz angeschlossen. Mit der Nutzung der Windenergie auf dem Meer sind Auswirkungen auf den Natur- und Artenschutz, die Schifffahrt sowie auf den Tourismus verbunden. Für die Avifauna können Nahrungs-, Brut- und Mausergebiete verloren gehen. Für Zugvögel können die Anlagen Hindernisse darstellen, die bei bestimmten Wetterlagen zu tödlichen Kollisionen führen können. Während der Errichtung der Anlagen werden durch Rammarbeiten der Gründungspfähle Schallemissionen erzeugt, die aufgrund ihrer Intensität in der Lage sind, marine Säuger (insbesondere Schweinswale und Seehunde) zu gefährden. Mit den festen Bauwerken entstehen zudem Havarierisiken, die sich auf die Küstengewässer auswirken können. Mit den Bauwerken im offenen Meer können weiterhin Beeinträchtigungen des freien Meereshorizontes verbunden sein, die die Aufenthaltsqualität gerade in touristisch geprägten Küstenorten mindert. Aus Gründen des Naturschutzes, des Tourismus und der Schifffahrt ist eine Entwicklung von Offshore Windkraftanlagen küstennah, das heißt im Bereich der Küstengewässer der Nordsee ausgeschlossen worden (Drucksache 15/626 vom 21. Dezember 2000). Im Küstengewässer der Ostsee ist über ein Raumordnungsverfahren aus dem Jahr 2003 die Offshore Windenergienutzung auf eine Fläche von 13,5 km² in der Mecklenburger Bucht (siehe Landesentwicklungsplan 2010, Ziffer 3.5.2 Absatz 16 Z) zugelassen worden.
Die im Offshorebereich errichteten Windkraftanlagen benötigen Anbindungsleitungen an das landseitige Stromnetz. In Büsum landen die Strom abführenden Kabelsysteme der Offshore Windparks, die vor der Westküste liegen, an. Hierzu gehören die Netzanbindungen der Offshore Windparks Amrumbank/ West, Nordsee/ Ost, Meerwind Süd und Meerwind Ost aus dem Cluster HelWin rund 30 Kilometer nordwestlich der Insel Helgoland sowie die Netzanbindungen der Offshore Windparks Butendiek, DanTysk, Sandbank und Nördlicher Grund aus dem Cluster SylWin rund 34 – 60 Kilometer westlich der Insel Sylt. Um die Auswirkungen für Natur und Umwelt sowie den Artenschutz durch das Verlegen von Stromkabeln, insbesondere im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, möglichst gering zu halten, werden die Strom abführenden Kabel der Offshore Windparks in einem Trassenkorridor an der 12-Seemeilengrenze zusammengefasst und unter Meidung der Schutzzone 1 sowie der Nullnutzungszone des Nationalparkes zum Anlandungspunkt in Neuenkoog, Büsum, geführt. Die Verlegungstiefe wird durch die Gewährleistung der Sicherheit des Schiffsverkehrs sowie unter Zugrundelegung des 2 K-Kriteriums, mit dem sichergestellt wird, dass sich die bodennahen Sedimente in 30 Zentimeter Tiefe nicht mehr als 2 Kelvin erwärmen, bestimmt.
In Büsum wird in den kommenden Jahren der Interkonnektor NordLink anlanden. Über diesen soll ein Stromaustausch mit dem skandinavischen Strommarkt erreicht werden.
Der Bundesfachplan Offshore (BFO) sowie der Offshore Netzentwicklungsplan (O-NEP) enthalten für die Anbindung der Offshore Windparks die räumliche Planung auf See, die technischen Rahmenbedingungen sowie den zeitlichen Ablauf für die nächsten zehn bzw. 20 Jahre. Diese Aufgabe wird zukünftig durch den Flächenentwicklungsplan (FEP) nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) sowie teilweise auch durch den Netzentwicklungsplan (NEP) Strom übernommen.
Unterwasserlärm ist ein zunehmendes Phänomen. Ziel muss es sein, Maßnahmen zur Verminderung von Lärmemissionen zu entwickeln sowie Ruheräume zu schaffen. Hierzu bedarf es der Festsetzung von Grenzwerten, die bei Genehmigungsverfahren zugrunde gelegt oder auf andere Weise rechtlich verbindlich werden. Vorhaben in Küstengewässern sind im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung gemäß UVPG, der FFH-Richtlinie, der artenschutzrechtlichen Bestimmungen des § 44 BNatSchG sowie der Eingriffsregelung auf die mit ihnen verbundenen Schallemissionen zu prüfen und zu bewerten.
Lärm unter Wasser ist mit vielfältigen Auswirkungen auf marine Lebewesen, insbesondere auf marine Säuger, wie Schweinswale und Seehunde verbunden. Auch Fische reagieren auf Unterwasserlärm.
Lärm unter Wasser kann impulsartig auftreten, wie beispielsweise beim Rammen von Offshore Windkraftanlagen, von Öl- und Gasplattformen, bei seismologischen Aktivitäten oder auch bei Sprengungen (beispielsweise Munitionsaltlasten) sowie im Rahmen militärischer Maßnahmen. Unterwasserlärm ist sowohl anhaltend (kontinuierlich) aus natürlichen Prozessen herrührend als auch temporär verursacht durch Schiffsverkehr oder beim Sand- und Kiesabbau und anderen menschlichen Aktivitäten. Lärm unter Wasser hat eine große Reichweite und breitet sich nicht nur durch die Wassersäule, sondern auch über den Meeresboden aus.
Die Vermeidung von Unterwasserschall gehört auch zu den qualitativen Deskriptoren der MSRL zur Erreichung eines guten Umweltzustandes. National ist daher vorgesehen, ein zentrales Schallregister zur Erfassung aller impulshaften Schalleinträge, die Genehmigungsverfahren unterliegen sowie ergänzend dauerhaft anhaltende Lärmeinträge zu erfassen, um hieraus Belastungsschwerpunkte und in der Folge Maßnahmen zum Schutz der Meerestiere identifizieren zu können.
Lärm entsteht durch ausgelöste Druckwellen. Die Lautstärke wird in Dezibel (dB) gemessen und gibt den Schalldruckpegel wieder. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit unter Wasser ist dreimal so hoch wie durch die Luft. Neben dem Schalldruck ist auch die Frequenz, das heißt die Anzahl der Schwingungen pro Minute, entscheidend für das Empfinden von Lärm. Das menschliche Gehör reagiert besonders auf hohe Frequenzen. Schweinswale und Fische reagieren hingegen besonders auf tiefe Frequenzen, wie sie beispielsweise beim Rammen von Anlagen oder auch im Zusammenhang mit seismologischen Aktivitäten verbunden sind.
Während impulsartige Schalleinträge zu Schädigungen mariner Arten (beispielsweise temporäre oder permanente Hörschwellenverschiebungen), oder gar zu deren Tod durch starke Druckwellen führen, führen anhaltende – in der Regel niedrigere – Schalleinträge zu Störungen der Tiere, wie Vertreibung (aus Lebensräumen) oder Maskierung biologisch wichtiger Signale (beispielsweise bei der Nahrungssuche und Kommunikation; Einschränkung des Lebensraumes).
Für die Nordsee hat das damalige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) 2013 ein „Konzept für den Schutz der Schweinswale vor Schallbelastungen bei der Errichtung von Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee (Schallschutzkonzept)“ veröffentlicht, in dem für impulsartige Rammungen Grenzwerte festgelegt sind. Auch für die Ostsee wird zurzeit seitens des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit ein Schallschutzkonzept entwickelt, das die Besonderheiten der räumlichen und ökologischen Situation der Ostsee berücksichtigt.
Der Schweinswal gehört als Anhang IV-Art (FFH-Richtlinie) zu den streng geschützten Arten gemäß § 7 Absatz 2 Nummer 14 b BNatSchG. Die Tötung oder Verletzung sowie auch die Störung der Tiere durch Lärm fallen unter die Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG. Auch bei Fischen kann es in direkter Umgebung von sehr lauten Schallquellen zu Verletzungen und Hörschäden kommen, bei geringeren Schallpegeln zu Vergrämungen oder auch zu Maskierungen von relevanten Signalen (Orientierung, Beute, innerartliche Kommunikation). Fischlaich ist besonders gefährdet.
Rund 1,6 Millionen Tonnen Munition lagern in den deutschen Teilen von Nord- und Ostsee. Der größte Anteil stammt aus Versenkungen entbehrlich gewordener Waffen nach dem Krieg, die in dafür bestimmte Seegebiete eingebracht wurden oder auf dem Weg dahin über Bord gegeben wurden. Einen weiteren, erheblichen Anteil haben blind gegangene Granaten, Wasserbomben, Seeminen und andere Abwurfmunition. Auch nach der Räumung liegen versunkene Seeminen und bezünderte Torpedos, die ihr Ziel verfehlt haben, verstreut am Meeresboden von Nord- und Ostsee. Im Meer lagernde Munition unterliegt Korrosionsprozessen, soweit sie nicht von mächtigen, anaeroben Sedimenten überdeckt ist. Zeitpunkt und Rate der aus der Munition in die Wassersäule abgegebenen giftigen, krebserregenden und erbgutschädigenden chemischen Verbindungen der Explosiv- und Kampfstoffe sind nicht vorhersehbar. Eine räumlich breit gesteuerte und zeitlich sukzessive Freisetzung dieser Stoffe über Jahre oder Jahrzehnte hinweg ist jedoch als wahrscheinlich anzusehen.
Der BLANO Expertenkreis „Munition im Meer“ unter Vorsitz Schleswig-Holsteins erfasst und beschreibt unter anderem die räumliche Belastung der deutschen Nord- und Ostsee mit Kampfmitteln sowohl der Küstengewässer als auch der Gebiete der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee. Die damals bekannten Gebiete mit Kampfmittelbelastung oder dem begründeten Verdacht einer solchen Belastung wurden 2011 im Anhang 2 des Berichts „Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer – Bestandsaufnahme und Empfehlungen (Jahr 2011)“ ausführlich dargestellt.
Seit dem 1. Januar 2013 nimmt die gemeinsame Leitstelle der Wasserschutzpolizei im Maritimen Sicherheitszentrum Cuxhaven (MSZ) Meldungen über Ereignisse mit Fundmunition als „Zentrale Meldestelle für Munition im Meer“ entgegen. Eine Zusammenstellung der Meldungen ist Anhang der jährlich erscheinenden Berichte „Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer – Entwicklungen und Fortschritt“ (www.munition-im-meer.de). Im Jahr 2016 wurden 264 Meldungen mit 1.428 Kampfmitteln aufgenommen, im Jahr 2015 waren es 218 Meldungen mit 8.098 Objekten.
Mit Datum vom 23. Juli 2014 haben das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union eine Richtlinie zur Schaffung eines Rahmens für die maritime Raumplanung verabschiedet. Anlass ist die zunehmende Inanspruchnahme von Meeresraum für unterschiedliche, in erster Linie wirtschaftliche Zwecke sowie die vielfältigen Belastungen (Immissionen) der marinen Ökosysteme, die ein integriertes Planungskonzept erfordern. Das BSH hat bereits mit Datum vom 21. September 2009 einen Raumordnungsplan für die deutsche AWZ in der Nordsee aufgestellt. Mit Datum vom 10. Dezember 2009 folgte der Raumordnungsplan für die deutsche AWZ der Ostsee. Der Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein 2010 umfasst erstmals auch den Bereich des schleswig-holsteinischen Küstengewässers und legt darin Ziele und Grundsätze der maritimen Raumordnung fest. Die Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Land und Meer stellt dabei eine besondere Anforderung dar. Die Nutzungskonflikte sind hier planerisch im Rahmen einer Abwägung soweit wie möglich bewältigt worden.
Die internationale Zusammenarbeit wird über die HELCOM- und OSPAR Abkommen sowie über die Trilaterale Regierungskooperation zum Schutz des Wattenmeeres, aber auch über die Beteiligungsverfahren nach der ESPOO-Konvention, möglich.
Seit dem 26. November 2007 ist die „Richtlinie 2007/60/EG über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken“ (HWRL) der EU in Kraft. Ziel der Richtlinie ist es, einen Rahmen für die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken zur Verringerung hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten zu schaffen. Die HWRL verfolgt damit den Zweck, durch einen grenzübergreifend abgestimmten Hochwasserschutz in den Flussgebietseinheiten, inklusive der Küstengebiete, die Hochwasserrisiken zu reduzieren und die Hochwasservorsorge sowie das Risikomanagement zu verbessern.
Als erster Umsetzungsschritt der Richtlinie wurden die Gebiete, bei denen davon auszugehen ist, dass „ein potenziell signifikantes Hochwasserrisiko besteht oder für wahrscheinlich gehalten werden kann“, bestimmt (Artikel 4 und 5 HWRL). Für diese Gebiete wurden im zweiten Umsetzungsschritt Hochwassergefahren und Hochwasserrisikokarten (Artikel 6 HWRL) erstellt. Diese Karten sind im Internet unter: www.hochwasserkarten.schleswig-holstein.de einzusehen.
Aufbauend darauf waren Hochwasserrisikomanagementpläne (Artikel 7 HWRL) zu erarbeiten und zu veröffentlichen.
Im Zuge der Umsetzung des Hochwasserrisikomanagements folgen
2018 die Überprüfung und erforderlichenfalls die Aktualisierung der Bewertung des Hochwasserrisikos,
2019 die Überprüfung und erforderlichenfalls die Aktualisierung der Hochwassergefahren und –risikokarten sowie
2021 die Überprüfung und erforderlichenfalls die Aktualisierung der Hochwasserrisikomanagementpläne.
Die ersten Hochwasserrisikomanagementpläne dienen im Rahmen bestehender Zuständigkeiten und rechtlicher Verpflichtungen als Grundlage für alle Planungen des Hochwasserrisikomanagements für den ersten Umsetzungszeitraum von 2016 bis 2021.
Entsprechend den Anforderungen der HWRL und des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) sind in den Hochwasserrisikomanagementplänen angemessene Ziele festgelegt, wobei der Schwerpunkt auf der Verringerung potenzieller hochwasserbedingter nachteiliger Folgen der oben genannten Kriterien liegt.
Die folgenden vier grundlegenden Ziele für das Hochwasserrisikomanagement sind anzustreben:
Vermeidung neuer Risiken im Hochwasserrisikogebiet (im Vorfeld),
Reduktion bestehender Risiken im Hochwasserrisikogebiet (im Vorfeld),
Reduktion nachteiliger Folgen während eines Hochwassers und
Um die festgelegten angemessenen Ziele für das Hochwasserrisikomanagement erreichen zu können, werden für jede Flussgebietseinheit Maßnahmen benannt, die alle Aspekte des Hochwasserrisikomanagements berücksichtigen:
Vermeidung (hochwasserbedingter nachteiliger Folgen),
Schutz (vor Hochwasser),
Vorsorge (für den Hochwasserfall), einschließlich Hochwasservorhersagen und Frühwarnsystemen,
Regeneration und Überprüfung/Erkenntnisse sowie
Im Sinne der Richtlinie bezieht ein nachhaltiges Hochwasserrisikomanagement alle Phasen des Hochwasserrisikomanagement-Zyklus vor, während und nach einem Hochwasserereignis mit ein.
Insgesamt steht das Hochwasserrisikomanagement in Wechselwirkung mit anderen EU-Richtlinien. Nach Vorgaben der Europäischen Kommission sind bei der Erarbeitung der Hochwasserrisikomanagementpläne weitere EU-Richtlinien zu beachten. Im Rahmen der Abstimmung wurden unter anderem auch die Ziele der FFH-Richtlinie berücksichtigt. Deshalb werden im Hinblick auf weitere umweltpolitische Ziele gemeinsame Synergien im Sinne eines „Win-Win-Ansatzes“ genutzt, um eine effiziente und sinnvolle Nutzung von Ressourcen zu gewährleisten.
Die von Flusshochwasser und Küstenhochwasser bedrohten Gebiete (HW 200) sind in Abbildung 9: Hochwasserrisikogebiete: Fluss- und Küstenhochwasser dargestellt.
Flusshochwasser (Binnenhochwasserschutz)
Durch Rechtsverordnung werden die innerhalb der Risikogebiete oder der nach § 73 Absatz 5 Satz 2 Nummer 1 WHG zugeordneten Gebiete, mindestens die Gebiete, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist und die zur Hochwasserentlastung und Rückhaltung beanspruchten Gebiete, festgesetzt.
Hierzu gehören die durch Rechtsverordnung festgesetzten Überschwemmungsgebiete und die Gebiete zwischen den oberirdischen Gewässern und Binnendeichen oder sonstigen Hochwasserschutzanlagen, die nach dem Wasserrecht per Legaldefinition als Überschwemmungsgebiet festgesetzt sind sowie die in § 76 Absatz 1 Satz 1 WHG bezeichneten sonstigen Gebiete. Im Planungsraum liegen Überschwemmungsgebiete über die Legaldefinition vor.
Im Planungsraum leben zum Zeitpunkt des ersten Hochwasserrisikomanagements etwa 97.400 Menschen in 1.597 km2 potenziell signifikanten Küstenhochwasserrisikogebieten. Die von Flusshochwasser und Küstenhochwasser bedrohten Gebiete sind in Abbildung 9: Hochwasserrisikogebiete: Fluss- und Küstenhochwasser dargestellt (HW 200 (§§ 73, 74 WHG bzw. Art. 6 HWRL)).
Diese Gebiete werden unter anderem durch 220 Kilometer Landesschutzdeiche und 64 Kilometer Regionaldeiche vor Sturmfluten geschützt. Deiche, Dämme und Vorlandarbeiten schützen Menschen, ihre Siedlungen und Wirtschaftsgüter vor Hochwasser und Sturmfluten. Dabei hat der Küstenschutz in der Abwägung Vorrang vor anderen Belangen. Auch im Nationalpark (Kapitel 4.2.2: Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Weltnaturerbe) gilt der Grundsatz, dass Maßnahmen des Küstenschutzes einschließlich der Vorlandsicherung nicht eingeschränkt werden. Die im „Generalplan Küstenschutz des Landes Schleswig-Holstein – Fortschreibung 2012“ vorgesehenen Schutzmaßnahmen an der Festlandküste und den vorgelagerten Inseln und Halligen stellen den Schutz der Küsten vor Hochwasser und Sturmfluten sicher. Für den Bereich der Nordsee gilt es gemäß der Wattenmeerstrategie 2100 (siehe Erläuterungen, Kapitel 4: Klimawandel) bereits heute darauf zu achten, dass Küstenschutzmaßnahmen einem Sedimentmangel im Wattenmeer keinen Vorschub zu leisten. Im Ausnahmefall kann es jedoch auch aus naturschutzfachlicher Sicht sinnvoll sein, das Material aus der Nähe der Maßnahme zu entnehmen, zum Beispiel, um die erforderlichen Transportstrecken signifikant zu verringern. In diesem Fall wäre die lokale Entnahme durch externe Sedimentzugabe an der Wattenmeer-Außenküste, wie in der Strategie empfohlen, zu kompensieren.
Maßnahmen des Küstenschutzes können auch dazu beitragen, küstennahe Niederungsflächen ökologisch aufzuwerten. Einen entsprechenden Ansatz verfolgt die Rückverlegung der Ostseedeiche im Bereich der Geltinger Birk und des Kleinen Noores auf der Halbinsel Holnis.
Klimafolgenanpassung im Bereich Küstenschutz
Der Klimawandel führt zu einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg. Im fünften Klimabericht des UNO Klimagremiums IPCC (2013) werden Werte zwischen etwa 0,3 Meter und 0,9 Meter für den zu erwartenden Meeresspiegelanstieg zwischen 2000 bis 2100 angegeben. Es existieren jedoch Veröffentlichungen, die einen wesentlich höheren Meeresspiegelanstieg prognostizieren. Aktuelle Projektionen liegen zwischen 0,5 Meter und 1,4 Meter bis zum Jahre 2100. In der Folge werden die Küsten und Küstenschutzanlagen künftig erhöhten hydrologischen Belastungen ausgesetzt sein.
Mit der Strategie Wattenmeer 2100 hat sich die Küstenschutz- und Nationalparkverwaltung des Landes Schleswig-Holstein gemeinsam mit Vertretern aus nichtstaatlichen Organisationen für den Bereich der schleswig-holsteinischen Westküste mit den Folgen des Klimawandels für diese Region intensiv auseinandergesetzt. In dem Bericht werden strategische Überlegungen zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume und Lebensbedingungen im Wattenmeer und zur Gewährleistung der Sicherheit der Küstenbewohner bei einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg angestellt.
Ziel des Landes ist es, das Wattenmeer in seiner Einzigartigkeit und seiner charakteristischen Dynamik entsprechend der Nationalparkzielsetzung, der Weltnaturerbeanerkennung und in seiner Funktion für den Schutz der Küste als auch für den Menschen zu bewahren. Zu den langfristigen Entwicklungszielen gehören dabei der Erhalt der Schutzfunktion des Wattenmeeres als Energie- und Umwandlungszone sowie der Inseln und Halligen als wesentliche Strukturen des Wattenmeeres und als Kulturraum der Menschen sowie die Gewährleistung der dynamischen Entwicklungsmöglichkeiten der charakteristischen Wattenmeerstrukturen und Lebensräume und der Erhalt der ökologischen Funktionen des Wattenmeeres.
Damit hat nicht nur der Betrag des möglichen Meeresspiegelanstieges, sondern insbesondere auch die Bandbreite der Projektionen zugenommen. Für das Land Schleswig-Holstein stellt diese Unschärfe eine erhebliche Herausforderung hinsichtlich einer vorsorglichen und gleichzeitig kosteneffizienten Küstenschutzstrategie dar. Um der Unsicherheit zu begegnen, hat Schleswig-Holstein ein neues Konzept für Deichverstärkungen entwickelt (MELUR, 2013). Wenn ein Landesschutzdeich die Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllt und verstärkt werden muss, wird bei der Bemessung zunächst ein Klimazuschlag in Höhe von 0,5 Meter aufgeschlagen. Zusätzlich wird die Außenböschung des Deiches abgeflacht und die Deichkrone verbreitert. Dadurch wird eine Baureserve geschaffen. Wenn der Meeresspiegelanstieg höher als 0,5 Meter ausfällt, kann dem neuen Deich ohne größeren Aufwand eine so genannte Deichkappe aufgesetzt werden. In zwei Bauphasen kann auf diese Weise mit dem Konzept der „Klimadeiche“ einem Meeresspiegelanstieg von bis zu 1,5 Meter ohne Sicherheitsverluste für die Bevölkerung begegnet werden. Die für diese Klimafolgenanpassungsmaßnahmen erforderlichen Flächen sind von neuen baulichen Anlagen freizuhalten. Entsprechend dürfen gemäß § 80 Absatz 1 Nummer 1 Landeswassergesetz Schleswig-Holstein (LWG) bauliche Anlagen in einer Entfernung bis zu 50 Metern landwärts vom Fußpunkt der Innenböschung von Landesschutzdeichen und bis zu 25 Metern vom Fußpunkt der Innenböschung von Regionaldeichen nicht errichtet oder wesentlich geändert werden.
Darüber hinaus muss infolge des Meeresspiegelanstiegs mittel- bis langfristig mit verstärktem Küstenabbruch gerechnet werden. Im Sinne der Küstensicherung ist ein Küstenstreifen von neuen Nutzungen freizuhalten, um somit zusätzliche Schäden infolge von Küstenabbruch zu verhindern. Entsprechend dürfen gemäß § 80 Absatz 1 Nummer 3 LWG bauliche Anlagen in einer Entfernung bis zu 150 Metern landwärts von der oberen Böschungskante eines Steilufers oder vom seewärtigen Fußpunkt einer Düne oder eines Strandwalles nicht errichtet oder wesentlich geändert werden.
Das Klima hat wesentliche Auswirkungen auf die natürliche Vegetation, die Verbreitung der Tier- und Pflanzenarten, die Gewässer, den Boden und seinen Wasserhaushalt. Das Klima in Schleswig-Holstein wird maßgeblich durch die Lage zwischen den zwei Meeren geprägt und ist als gemäßigtes, feucht-temperiertes, ozeanisches Klima zu bezeichnen. Klimadaten lassen trotz des vorherrschend atlantischen Einflusses im Planungsraum spezielle regional-klimatische Besonderheiten erkennen. Diese Klimabezirke lassen sich wie folgt grob einteilen:
Nordfriesische Inseln und Seemarschen,
Geest und westliches Hügelland,
Zentrales Angeln und
Die Mitteltemperaturen5 im Planungsraum erreichen im Januar mit plus 1,7 Grad Celsius in den nordseenahen Bereichen die höchsten Werte in Schleswig-Holstein. Im nördlichen Bereich um Flensburg liegen die Mittelwerte im Januar bei 1, 5 Grad Celsius und im Bereich um Schleswig mit 1,3 Grad Celsius etwas tiefer.
Im Juli betragen die monatlichen Mitteltemperaturen im Raum Schleswig 16,9 Grad Celsius (niedrigster Mittelwert Schleswig-Holsteins). Sie steigen im Bereich um Flensburg auf 17,1 Grad Celsius. An der Nordseeküste auf der Halbinsel Eiderstedt liegen diese Werte bei 17,4 Grad Celsius.
Bei den Niederschlägen sind ebenfalls regionale Unterschiede festzustellen. Von rund 750 Millimetern im Bereich der nordfriesischen Inseln steigen sie kontinuierlich auf Werte von bis zu 860 Millimetern im Bereich der Hohen Geest/ Vorgeest an. Die höchsten Werte werden im Bereich Mittelangeln mit einer durchschnittlichen Jahressumme von über 900 Millimetern erreicht. Es handelt sich hierbei um die höchsten Jahressummen, die innerhalb Schleswig-Holsteins im Bezugszeitraum gemessen wurden. Zur Ostsee hin sinken die Jahressummen auf rund 800-830 Millimeter ab.
Darüber hinaus sind kleinklimatische, lokale Einflüsse wirksam, die sich insbesondere in Abhängigkeit der natürlichen und nutzungsbedingten Standortfaktoren ergeben. Sie üben einen besonderen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt aus. Mesoklimatisch wirken sich im Planungsraum der Einfluss der Seeklimate, der Schutz der Höhenzüge des östlichen Hügellandes sowie die Wassermassen von Nord- und Ostsee aus, so dass von einem ozeanisch bestimmten Klima mit teilweise kontinentalem Einfluss gesprochen werden kann.
Kleinklimatische Unterschiede werden wesentlich durch die folgenden Faktoren bestimmt:
Oberflächengestalt,
Hangneigung und Exposition,
relative Höhenunterschiede und absolute Höhenlage sowie
Nutzungs- und Vegetationsstrukturen.
Diese beeinflussen Bildung, Abfluss oder auch Ansammlung von lokal entstehender Kaltluft, Windsysteme, Inversionen oder auch Nebelbildungen.
Kleinklimatische Besonderheiten treten insbesondere als
ausgeglichene Waldinnenklimate,
Windberuhigung und Verschattung im Wirkungsbereich von Wald- und Gehölzrändern sowie Knicks,
höhere Wärmeeinstrahlung, Speicherung und verzögerte Wärmeabgabe auf versiegelten Flächen insbesondere in baulich verdichteten Siedlungsgebieten,
reduzierter Luftaustausch in Tälern und durch eine stark überhöhte Bebauung gekennzeichnete Bereiche,
extreme Windverhältnisse an der Nordseeküste und in der offenen Agrarlandschaft,
höhere Neigung zu Nebelbildung in Feuchtgebieten sowie
kleinräumige Land - See - Windsysteme in den Küstenbereichen bei Strahlungswetterlagen und in abgeschwächtem Maße im Uferbereich der größeren Binnengewässer
auf. Kleinklimatische Besonderheiten im innerstädtischen Bereich sind in Abhängigkeit der Bebauungsdichte zu sehen.
Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Menschen werden wesentlich von den meteorologischen Umweltbedingungen beeinflusst. Im Planungsraum spricht man von dem sogenannten Reizklima. Dieses zeichnet sich durch erhöhte Reizfaktoren wie Wind, UV-Strahlung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit aus. Auf Grund dieser reizstarken Klimastufe befinden sich im Planungsraum mehrere Bäder und Erholungsorte mit heilklimatischer Wirkung für den Menschen.
Der Fünfte Sachstandsbericht des IPCC – Synthesebericht 6 kommt zu dem Schluss, dass die Erwärmung des Klimasystems eindeutig ist und der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war. Dabei sind insbesondere die so genannten Treibhausgase (THG) von Bedeutung, zu denen unter anderem Kohlenstoffdioxid (CO2) zählt. CO2 entsteht bei verschiedenen Verbrennungsprozessen und auch bei Freisetzungen zum Beispiel durch Entwässerungsmaßnahmen aus dem Kohlenstoffspeicher Boden.
Ziel der internationalen Klimaschutzpolitik gegen den Klimawandel ist das „Zwei-Grad-Ziel“, also der Vorsatz, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen (IPCC, 2014). Ende 2015 wurde auf der UN-Klimakonferenz in Paris jedoch eine neue Vereinbarung festgelegt, die dieses Vorhaben weiter verschärfte. 195 Staaten unterzeichneten einen Klimavertrag, der das Ziel festsetzt, den Temperaturanstieg bereits bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen.
Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich für Schleswig-Holstein wie folgt zusammenfassen:
In den Jahren von 1951 bis 2010 hat sich die durchschnittliche Temperatur in Schleswig-Holstein im Jahresmittel um etwa 1,3 Grad Celsius erwärmt7. Im jahreszeitlichen Vergleich fällt die bisherige Erwärmung im Frühjahr und Winter am stärksten aus, wobei die winterliche Erwärmung nicht überall signifikant ist. Im Herbst ist die Erwärmung bisher am schwächsten. Die Sonnenscheindauer hat in Norddeutschland in diesem Zeitraum leicht zugenommen.
Für die Jahressummen des Niederschlages8 zeigt das Gebietsmittel für Schleswig-Holstein in den letzten Jahren einen ansteigenden Trend. Das höchste Flächenmittel für Schleswig-Holstein wurde 1998 mit 1.041 Millimetern (Liter/ m²) ermittelt, während im Jahr 1959 mit 478 Millimetern der niedrigste Wert auftrat. Das 30-jährige Mittel 1961-1990 beträgt 788 Millimeter. Im Bezugszeitraum 1981 bis 2010 errechnet sich für Schleswig-Holstein ein Mittel von 823 Millimetern. Im Trend gibt es für das nördlichste Bundesland im Zeitraum 1881 bis 2014 einen Zuwachs in der Jahressumme von rund 120 Millimetern. Auf die Jahreszeiten bezogen tragen insbesondere der Winter und der Herbst zu dieser Zunahme bei, im Einzelnen etwa +55 Millimeter im Winter, +30 Millimeter im Herbst, +20 Millimeter im Sommer und +15 Millimeter im Frühjahr.
Für die Windgeschwindigkeiten konnte bislang kein eindeutiger Trend nachgewiesen werden, was unter anderem auf die starken Schwankungen zurückzuführen ist.
Für die zukünftige Entwicklung werden insbesondere zur Lufttemperatur eindeutige Aussagen getroffen. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen sehr deutliche Übereinstimmungen mit den bisher durchgeführten Trendberechnungen der unterschiedlichen Szenarien. Daraus kann geschlossen werden, dass die Erwärmung der letzten 30 Jahre als Vorzeichen für die zu erwartende zukünftige Erwärmung gewertet werden kann. Bei der Entwicklung der Niederschläge bestehen hingegen Unterschiede zwischen den bisherigen Trends der letzten 30 Jahre und den Trends der Szenarien. Während die Szenarien auf eine sommerliche Niederschlagsabnahme hindeuten, zeigen die Trends der letzten 30 Jahre eine Niederschlagszunahme. Bei den Winterniederschlägen wird in den Szenarien mit einer weiteren Erhöhung gerechnet. Auch wenn sich bei den bisher berechneten Trends und Prognosen für die Zukunft noch erhebliche Unsicherheiten zeigen, so ist nach dem derzeitigen Stand der Klimaforschung davon auszugehen, dass in allen drei Planungsräumen des Landes mittel- bis langfristig mit einer Veränderung des Klimas zu rechnen ist. Die gilt umso mehr, je deutlicher das weltweit gesteckte „Zwei-Grad-Ziel“ nicht erreicht werden kann. Der CO2- Ausstoß ist seit 1990 nahezu linear um 60 Prozent gestiegen. Damit wird es im Hinblick auf die möglichen Szenarien immer wahrscheinlicher, dass bis zum Jahr 2100 das „Worst-Case-Szenario“ eintreten wird. Das bedeutet für Schleswig-Holstein:
heftige Hitzewellen (vermehrt Tage mit mehr als 30 Grad Celsius),
eine Zunahme der Starkregenereignisse,
ein Rückgang der Frosttage,
eine Zunahme der „Tropennächte“ (nachts wärmer als 20 Grad Celsius) sowie
eine Zunahme der Hitzewellen (mehr als drei Tage).
Abbildung 10: Temperaturveränderungen und Abbildung 11: Niederschlagsveränderungen zeigen jeweils die projizierten Veränderungen auf der Basis des mittleren Emissionsszenarios (IPCC Szenario A1B) gegenüber dem Basiszeitraum von 2010 (WETTREG, 2010)9. So wird demnach der Sommer bspw. im Projektionszeitraum 2021 bis 2050 um rund ein Grad Celsius wärmer. Aufgrund der geringen Fläche und der vergleichsweise geringen Höhenunterschiede in Schleswig-Holstein gibt es keine großen Temperaturunterschiede im Land. Bis 2100 ist eine deutliche Steigerung der Temperaturen zu erkennen. Im Norden sind die Temperaturen geringfügig niedriger als im Süden des Landes, dieses Muster ist auch im Winter erkennbar.
Die Niederschläge nehmen im Projektionszeitraum 2071 bis2100 im Sommer deutlich ab, am stärksten im Norden von Schleswig-Holstein, während sie im Winter stärker zunehmen. Auch hier zeigt sich eine Differenzierung. An der Ostseeküste und in einem Streifen auf der Linie Kiel-Hamburg zeigen die Grafiken der Abbildung 11: Niederschlagsveränderungen die deutlichsten Niederschlagsveränderungen.
Abbildung 10: Temperaturveränderungen (Modellrechnung WETTREG 2010, LLUR, 2010 auf Grundlage von Daten des Deutschen Wetterdienstes)
Abbildung 11: Niederschlagsveränderungen (Modellrechnung WETTREG 2010, LLUR, 2010 auf Grundlage von Daten des Deutschen Wetterdienstes)
Der zu erwartende Klimawandel wird zu Veränderungen in der Verbreitung und dem Vorkommen von Flora und Fauna sowie deren Lebensräumen führen. Die prognostizierten Veränderungen bezüglich der Niederschlagsverteilung werden sich insbesondere auf Feuchtgebiete, die auf Gewässer oder bestimmte Grundwasserstände angewiesen sind, negativ auswirken. Abnehmende Bodenfeuchte der obersten Bodenschicht und sinkende Grundwasserstände aufgrund verminderter Niederschläge im Sommer können dazu führen, dass einzelne Ökosysteme periodisch austrocknen. Auch Ökosysteme der trockenen Standorte wie Dünen und Magerwiesen werden Veränderungen in ihrer Artenzusammensetzung aufgrund der zu erwartenden zunehmenden Niederschläge erfahren.
Die zu erwartenden Temperaturerhöhungen werden großräumig zu einer Ausbreitung von Arten in Richtung kühlerer Klimate führen. Eine Wanderung der Fische in kältere Gewässer ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten. Für den Vogelzug werden eine frühere Rückkehr in die Brutgebiete sowie ein späterer Aufbruch in die Winterquartiere die Folge sein. Es wird sich ein früherer Blühbeginn diverser Pflanzen sowie ein früherer Brut- und Laichbeginn verschiedener Vögel und Amphibien einstellen. Steigende Temperaturen werden so einen signifikanten Einfluss auf die Lebenszyklen vieler Arten haben.
Um auf Veränderungen reagieren zu können, ist die Mobilität sowie die Anpassungsfähigkeit der Arten und die Möglichkeit, sich als Population wieder neu zu etablieren, entscheidend. Es werden nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Lebensgemeinschaften betroffen sein. Der Verlust einzelner oder mehrerer Arten sowie die Einwanderung neuer Arten werden sich auf die Interaktionen von Lebensgemeinschaften auswirken. Arten mit kleinen Populationsgrößen und geringem Ausbreitungspotenzial, Spezialisten und in ihrem Bestand gefährdete Arten könnten verstärkt betroffen sein. Die klimatischen Veränderungen können eine Beschleunigung ihres Rückgangs bewirken.
In der von der Bundesregierung bereits 2008 aufgelegten „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (DAS) kommt dem Schutz des Bodens eine besondere Bedeutung zu.
Böden nehmen Einfluss auf den Wasserhaushalt einer Landschaft, so dass dem Boden und seinem Wasserhaushalt eine Schlüsselfunktion zukommt. Weiterhin sind der Erhalt und die Stärkung von Anpassungsstrategien natürlicher Systeme übergeordnetes Ziel der DAS.
Angesichts der Veränderungen, die auf Pflanzen und Tiere zukommen werden, sind räumliche Aspekte wie die Flächengröße von Schutzgebieten, der Lebensraumverbund aber auch die Qualität dieser Räume zur Entwicklung stabiler und ausreichend großer Populationsgrößen von hoher Bedeutung.
Entscheidend ist auch die Rücknahme verschiedener (bisheriger) Stressfaktoren wie die Verkleinerung und Verinselung von Lebensräumen, die Eutrophierung der Landschaft einschließlich der Gewässer, die Anreicherung von Schadstoffen in Böden und Gewässern sowie Maßnahmen des Gewässerschutzes, durch welche Gewässer natürlich entwickelt werden und Wasser in den Talräumen zurückgehalten wird. Derartige Maßnahmen dienen dem Klimaschutz, bzw. vermindern die Folgen des Klimawandels.
Kohlenstoffreiche Böden – insbesondere Moorböden – tragen durch ihre Entwässerung zur Erhöhung der Treibhausgasemissionen bei. Andererseits können (Land-) Ökosysteme nur durch die Humusbildung aktiv dazu beitragen, als Kohlenstoffsenke zu fungieren.
Ein Beitrag zur Reduzierung des atmosphärischen CO2-Anteils ist dessen Festlegung durch die pflanzliche Assimilation. Da insbesondere die Vegetation feuchter und nasser Standorte in der Lage ist, verhältnismäßig große Mengen Kohlenstoff zu speichern, kommt der Erhaltung von Feuchtgebieten sowie der Wiederherstellung potenzieller Feuchtgebiete eine große Bedeutung zu. Als weitere Klimaschutzmaßnahme sind die Neuwaldbildung sowie der Erhalt und die funktionale Aufwertung des Knicknetzes anzusehen, siehe auch Kapitel 4.1.7: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung.

References: § 1
 § 4
 § 44
 § 7
 § 44
 § 73
 § 76
 Art. 6
 § 80
 § 80