Source: http://m.hensche.de/Diskriminierung_Homosexualitaet_Versoss_gegen_Europarecht_durch_Diskriminierung_wegen_Homosexualitaet_bei_Hinterbliebenenrente_EuGH_C-267-06-u.html
Timestamp: 2018-06-24 01:34:31+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: C-267/06
Schlag­worte: Diskriminierung: Sexuelle Identität
Akten­zeichen: C-267/06
Ent­scheid­ungs­datum: 01.04.2011
„Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf – Richt­li­nie 2000/78/EG – Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus ei­nem be­rufsständi­schen Pflicht­ver­sor­gungs­sys­tem – Be­griff des Ar­beits­ent­gelts – Ver­sa­gung man­gels Ehe­sch­ließung – Gleich­ge­schlecht­li­che Part­ner – Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung“
In der Rechts­sa­che C‑267/06
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richt München (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 1. Ju­ni 2006, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 20. Ju­ni 2006, in dem Ver­fah­ren
Ta­dao Ma­ru­ko
Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Bühnen
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, der Kam­mer­präsi­den­ten P. Jann, C. W. A. Tim­mer­m­ans, A. Ro­sas, K. Lena­erts und L. Bay Lar­sen, der Rich­ter K. Schie­mann, J. Ma­k­arc­zyk, P. Kûris, J. Kluèka (Be­richt­er­stat­ter) und A. Ó Cao­imh, der Rich­te­rin P. Lindh und des Rich­ters J.‑C. Bo­ni­chot,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19. Ju­ni 2007,
– von Herrn Ma­ru­ko, ver­tre­ten durch Rechts­anwälte H. Graupner, R. Win­temu­te und M. Bruns,
– der Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Bühnen, ver­tre­ten durch C. Draws und P. Ram­mert als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand der Rechts­anwälte A. Bar­tosch und T. Grupp,
– der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch V. Jack­son als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von T. Ward, Bar­ris­ter,
– der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch J. En­e­gren und I. Kauf­mann-Bühler als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 6. Sep­tem­ber 2007
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 1, Art. 2 Abs. 2 Buchst. a und b Ziff. i so­wie Art. 3 Abs. 1 Buchst. c und 3 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
Das Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Ma­ru­ko und der Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Bühnen (im Fol­gen­den: VddB) we­gen de­ren Wei­ge­rung, Herrn Ma­ru­ko aus dem be­rufsständi­schen Pflicht­ver­sor­gungs­sys­tem, dem sein ver­stor­be­ner Le­bens­part­ner an­gehörte, ei­ne Wit­wer­ren­te als Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewähren.
Die Erwägungs­gründe 13 und 22 der Richt­li­nie 2000/78 lau­ten:
„(13) Die­se Richt­li­nie fin­det we­der An­wen­dung auf die So­zi­al­ver­si­che­rungs- und So­zi­al­schutz­sys­te­me, de­ren Leis­tun­gen nicht ei­nem Ar­beits­ent­gelt in dem Sin­ne gleich­ge­stellt wer­den, der die­sem Be­griff für die An­wen­dung des Ar­ti­kels 141 des EG-Ver­trags ge­ge­ben wur­de, noch auf Vergütun­gen je­der Art sei­tens des Staa­tes, die den Zu­gang zu ei­ner Beschäfti­gung oder die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zum Ziel ha­ben.
Art. 2 der Richt­li­nie be­stimmt:
Nach Art. 18 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 hat­ten die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zu er­las­sen, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 nach­zu­kom­men, oder konn­ten den So­zi­al­part­nern die Durchführung der Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über­tra­gen, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len. In die­sem Fall hat­ten die Mit­glied­staa­ten je­doch zu gewähr­leis­ten, dass die So­zi­al­part­ner spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 im Weg ei­ner Ver­ein­ba­rung die er­for­der­li­chen Maßnah­men ge­trof­fen hat­ten; da­bei hat­ten die Mit­glied­staa­ten al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen, um je­der­zeit gewähr­leis­ten zu können, dass die durch die­se Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Er­geb­nis­se er­zielt wer­den. Außer­dem hat­ten sie die Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten un­verzüglich von die­sen Maßnah­men in Kennt­nis zu set­zen.
Das Ge­setz über die Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft
§ 1 des Ge­set­zes über die Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft (Le­bens­part­ner­schafts­ge­setz) vom 16. Fe­bru­ar 2001 (BGBl. I S. 266) in der durch das Ge­setz vom 15. De­zem­ber 2004 (BGBl. I S. 3396) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: LPartG) sieht vor:
„(1) Zwei Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts be­gründen ei­ne Le­bens­part­ner­schaft, wenn sie ge­gen­sei­tig persönlich und bei gleich­zei­ti­ger An­we­sen­heit erklären, mit­ein­an­der ei­ne Part­ner­schaft auf Le­bens­zeit führen zu wol­len (Le­bens­part­ne­rin­nen oder Le­bens­part­ner). Die Erklärun­gen können nicht un­ter ei­ner Be­din­gung oder Zeit­be­stim­mung ab­ge­ge­ben wer­den. Die Erklärun­gen wer­den wirk­sam, wenn sie vor der zuständi­gen Behörde er­fol­gen.
(2) Ei­ne Le­bens­part­ner­schaft kann nicht wirk­sam be­gründet wer­den
1. mit ei­ner Per­son, die min­derjährig oder ver­hei­ra­tet ist oder be­reits mit ei­ner an­de­ren Per­son ei­ne Le­bens­part­ner­schaft führt;
2. zwi­schen Per­so­nen, die in ge­ra­der Li­nie mit­ein­an­der ver­wandt sind;
3. zwi­schen vollbürti­gen und halbbürti­gen Ge­schwis­tern;
4. wenn die Le­bens­part­ner bei der Be­gründung der Le­bens­part­ner­schaft darüber ei­nig sind, kei­ne Ver­pflich­tun­gen gemäß § 2 be­gründen zu wol­len.
„Die Le­bens­part­ner sind ein­an­der ver­pflich­tet, durch ih­re Ar­beit und mit ih­rem Vermögen die part­ner­schaft­li­che Le­bens­ge­mein­schaft an­ge­mes­sen zu un­ter­hal­ten. § 1360 Satz 2 und die §§ 1360a und 1360b des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs so­wie § 16 Abs. 2 gel­ten ent­spre­chend.“
§ 11 Abs. 1 LPartG sieht vor:
Die Re­ge­lung der Wit­wen- oder Wit­wer­ren­te
Mit dem LPartG hat der deut­sche Ge­setz­ge­ber das So­zi­al­ge­setz­buch (SGB) Sechs­tes Buch (VI) – Ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung – (im Fol­gen­den: SGB VI) geändert.
§ 46 SGB VI in der seit dem 1. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­den Fas­sung be­stimmt:
„(1) Wit­wen oder Wit­wer, die nicht wie­der ge­hei­ra­tet ha­ben, ha­ben nach dem Tod des ver­si­cher­ten Ehe­gat­ten An­spruch auf klei­ne Wit­wen­ren­te oder klei­ne Wit­wer­ren­te, wenn der ver­si­cher­te Ehe­gat­te die all­ge­mei­ne War­te­zeit erfüllt hat. Der An­spruch be­steht längs­tens für 24 Ka­len­der­mo­na­te nach Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Ver­si­cher­te ver­stor­ben ist.
(4) Für ei­nen An­spruch auf Wit­wen­ren­te oder Wit­wer­ren­te gel­ten als Hei­rat auch die Be­gründung ei­ner Le­bens­part­ner­schaft, als Ehe auch ei­ne Le­bens­part­ner­schaft, als Wit­we und Wit­wer auch ein über­le­ben­der Le­bens­part­ner und als Ehe­gat­te auch ein Le­bens­part­ner. Der Auflösung oder Nich­tig­keit ei­ner er­neu­ten Ehe ent­spricht die Auf­he­bung oder Auflösung ei­ner er­neu­ten Le­bens­part­ner­schaft.“
Im SGB VI fin­den sich auch an­de­re gleich­ar­ti­ge Vor­schrif­ten über die Gleich­stel­lung der Le­bens­part­ner­schaft mit der Ehe, ins­be­son­de­re § 47 Abs. 4, § 90 Abs. 3, § 107 Abs. 3 und § 120d Abs. 1.
Die Ta­rif­ord­nung für die deut­schen Thea­ter
§ 1 der Ta­rif­ord­nung für die deut­schen Thea­ter vom 27. Ok­to­ber 1937 (Reichs­ar­beits­blatt 1937 Teil VI S. 1080; im Fol­gen­den: Ta­rif­ord­nung) be­stimmt:
„(1) Je­der Recht­sträger ei­nes Thea­ters (Thea­ter­un­ter­neh­mer) im Deut­schen Reich ist ver­pflich­tet, für die in sei­nem Thea­ter­be­trieb beschäftig­ten Bühnen­schaf­fen­den ei­ne Al­ters‑ und Hin­ter­blie­be­nen­ver­si­che­rung nach Maßga­be der fol­gen­den Be­stim­mun­gen ab­zu­sch­ließen und die er­folg­te Ver­si­che­rung je­dem ein­zel­nen Bühnen­schaf­fen­den schrift­lich mit­zu­tei­len.
(2) Die Ver­si­che­rungs­an­stalt und die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen (Sat­zung) be­stimmt der Reichs­mi­nis­ter für Volks­aufklärung und Pro­pa­gan­da im Ein­ver­neh­men mit den be­tei­lig­ten Reichs­mi­nis­tern. Er be­stimmt auch den Zeit­punkt, von dem an die Ver­si­che­rung auf Grund die­ser Ta­rif­ord­nung zu er­fol­gen hat.
(3) Bühnen­schaf­fen­de im Sin­ne die­ser Ta­rif­ord­nung sind kul­tur­schaf­fen­de Per­so­nen, die nach dem Reichs­kul­tur­kam­mer­ge­setz und sei­nen Durchführungs­ver­ord­nun­gen zur Mit­glied­schaft bei der Reichs­thea­ter­kam­mer (Fach­schaft Bühne) ver­pflich­tet sind, ins­be­son­de­re: Bühnen­lei­ter, Ein­zeldar­stel­ler, Ka­pell­meis­ter, Spiel­lei­ter, Dra­ma­tur­gen, Sing­chor­di­rek­to­ren, Re­pe­ti­to­ren, In­spi­zi­en­ten, Ein­hel­fer und Per­so­nen in ähn­li­cher Stel­lung, tech­ni­sche Vorstände (wie Vorstände des Ma­schi­nen­we­sens, des De­ko­ra­ti­ons‑ und Kostümwe­sens und Per­so­nen in ähn­li­cher Stel­lung, so­weit sie dem Be­trieb ver­ant­wort­lich vor­ste­hen), fer­ner künst­le­ri­sche Beiräte, Mit­glie­der des Chors und der Tanz­grup­pe und Thea­ter­fri­seu­re.“
§ 4 der Ta­rif­ord­nung lau­tet:
„Die Ver­si­che­rungs­beiträge wer­den je zur Hälf­te vom Thea­ter­un­ter­neh­mer und vom Bühnen­schaf­fen­den ge­tra­gen. Der Thea­ter­un­ter­neh­mer ist ver­pflich­tet, die Ver­si­che­rungs­beiträge an die Ver­si­che­rungs­an­stalt ab­zuführen.“
Die Sat­zung der VddB
Die §§ 27, 32 und 34 der Sat­zung der VddB se­hen vor:
„§ 27 Ar­ten der Ver­sor­gung und all­ge­mei­ne Vor­aus­set­zun­gen
(1) Ver­sor­gungsfälle sind der Ein­tritt der Be­rufs- oder Er­werbs­unfähig­keit, die vor­zei­ti­ge In­an­spruch­nah­me des Al­ters­ru­he­gel­des, das Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze und der Tod.
(2) Die An­stalt leis­tet auf An­trag … als Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung … Wit­wen­geld (§§ 32 und 33), Wit­wergeld (§ 34) …, wenn der Ver­si­cher­te un­mit­tel­bar vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les pflicht­ver­si­chert, frei­wil­lig ver­si­chert oder wei­ter­ver­si­chert war und wenn die War­te­zeit erfüllt ist. …
§ 32 Wit­wen­geld
(1) An­spruch auf Wit­wen­geld hat die Ehe­frau ei­nes Ver­si­cher­ten oder Ru­he­geld­empfängers, wenn die Ehe bis zu sei­nem Tod be­stan­den hat.
§ 34 Wit­wergeld
(1) An­spruch auf Wit­wergeld hat der Ehe­mann ei­ner Ver­si­cher­ten oder Ru­he­geld­empfänge­rin, wenn die Ehe bis zu ih­rem Tod be­stan­den hat.
§ 30 Abs. 5 der Sat­zung legt fest, wie sich die Höhe des Ru­he­gelds be­misst, auf des­sen Grund­la­ge die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­rech­net wird.
Am 8. No­vem­ber 2001 be­gründe­te Herr Ma­ru­ko mit ei­nem Kostümbild­ner ei­ne Le­bens­part­ner­schaft gemäß § 1 LPartG in der ursprüng­li­chen Fas­sung.
Sein Le­bens­part­ner war seit dem 1. Sep­tem­ber 1959 bei der VddB ver­si­chert und zahl­te für Zeiträume, in de­nen er nicht pflicht­ver­si­chert war, frei­wil­lig Wei­ter­ver­si­che­rungs­beiträge.
Am 12. Ja­nu­ar 2005 ver­starb der Le­bens­part­ner von Herrn Ma­ru­ko.
Mit Schrei­ben vom 17. Fe­bru­ar 2005 be­an­trag­te Herr Ma­ru­ko bei der VddB Wit­wer­ren­te. Die­se lehn­te den An­trag mit Be­scheid vom 28. Fe­bru­ar 2005 ab und be­gründe­te dies da­mit, dass ih­re Sat­zung ei­nen sol­chen An­spruch für Le­bens­part­ner nicht vor­se­he.
Herr Ma­ru­ko er­hob beim vor­le­gen­den Ge­richt Kla­ge. Er ist der Auf­fas­sung, dass die Ab­leh­nung durch die VddB ge­gen den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung ver­s­toße, da der deut­sche Ge­setz­ge­ber seit 1. Ja­nu­ar 2005 ei­ne Gleich­stel­lung der Le­bens­part­ner­schaf­ten und der Ehe – ins­be­son­de­re mit der Einführung des § 46 Abs. 4 SGB VI – voll­zo­gen ha­be. Es würde ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung der Le­bens­part­ner dar­stel­len, wenn ih­nen nach Ver­ster­ben ih­res Le­bens­part­ners kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ent­spre­chend Ehe­leu­ten gewährt würde. Le­bens­part­ner würden we­ni­ger güns­tig als Ehe­gat­ten be­han­delt, ob­wohl sie wie die­se ein­an­der zu Fürsor­ge und Un­terstützung so­wie zu ge­mein­schaft­li­cher Le­bens­ge­stal­tung ver­pflich­tet sei­en und Ver­ant­wor­tung fürein­an­der trügen. Zu­dem entsprächen in Deutsch­land die güter­stands­recht­li­chen Re­ge­lun­gen der Le­bens­part­ner de­nen von Ehe­gat­ten.
Das vor­le­gen­de Ge­richt wirft ers­tens die Fra­ge auf, ob das Ver­sor­gungs­sys­tem der VddB ei­nem staat­li­chen Sys­tem der so­zia­len Si­cher­heit gleich­zu­stel­len ist im Sin­ne von Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78 und ob sich die­ses Ver­sor­gungs­sys­tem außer­halb des Gel­tungs­be­reichs der Richt­li­nie be­fin­det; da­bei weist es dar­auf hin, dass die auf ge­setz­li­cher Grund­la­ge be­ste­hen­de Pflicht­mit­glied­schaft bei der VddB so­wie das Nicht­be­ste­hen ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen in den Thea­ter­un­ter­neh­men für ei­ne sol­che Gleich­stel­lung sprächen. Das vor­le­gen­de Ge­richt führt je­doch ergänzend aus, dass Bühnen­an­gehöri­ge in Zei­ten der Nicht­beschäfti­gung die Möglich­keit hätten, sich in dem im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ver­sor­gungs­sys­tem frei­wil­lig wei­ter­zu­ver­si­chern, dass die­ses Ver­sor­gungs­sys­tem auf dem Ka­pi­tal­de­ckungs­ver­fah­ren be­ru­he, dass die Beiträge je­weils zur Hälf­te von den Thea­ter­un­ter­neh­mern und den Ver­si­cher­ten ge­zahlt würden und dass die VddB ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in au­to­no­mer Selbst­ver­wal­tung re­ge­le, oh­ne dass der Bun­des­ge­setz­ge­ber in­so­weit tätig wer­de.
In An­be­tracht der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur der VddB und des maßgeb­li­chen Ein­flus­ses der Thea­ter­un­ter­neh­mer und der Ver­si­cher­ten auf de­ren Tätig­keit nei­ge das vor­le­gen­de Ge­richt da­zu, dass die VddB kein den staat­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit gleich­ge­stell­tes Sys­tem im Sin­ne von Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78 sei.
Das vor­le­gen­de Ge­richt hält zwei­tens für frag­lich, ob un­ter „Ar­beits­ent­gelt“ im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Leis­tun­gen an Hin­ter­blie­be­ne zu ver­ste­hen sind, was die An­wen­dung der Richt­li­nie recht­fer­ti­gen würde. Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs wer­de die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung grundsätz­lich von die­sem Be­griff des „Ent­gelts“ er­fasst. Die­ser Aus­le­gung ste­he nicht ent­ge­gen, dass die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nicht dem Ar­beit­neh­mer, son­dern sei­nem über­le­ben­den Ehe­gat­ten ge­zahlt wer­de, denn der An­spruch auf ei­ne sol­che Leis­tung sei auf ei­ne Vergütung ge­rich­tet, die ih­ren Ur­sprung in der Zu­gehörig­keit des Ar­beit­neh­mers zu dem Ver­sor­gungs­sys­tem der VddB ha­be, so dass sein über­le­ben­der Ehe­gat­te die­sen An­spruch im Rah­men des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer und des­sen Ar­beit­ge­ber er­wer­be.
Das vor­le­gen­de Ge­richt möch­te drit­tens wis­sen, ob Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 Sat­zungs­be­stim­mun­gen wie de­nen der VddB ent­ge­gen­steht, nach de­nen ei­ne Per­son nach Ver­ster­ben ih­res Le­bens­part­ners kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ent­spre­chend ei­nem über­le­ben­den Ehe­gat­ten erhält, ob­wohl die Le­bens­part­ner in ei­ner for­mal auf Le­bens­zeit be­gründe­ten Fürsor­ge- und Ein­stands­ge­mein­schaft wie Ehe­leu­te ge­lebt ha­ben.
Nach Auf­fas­sung des vor­le­gen­den Ge­richts kann sich Herr Ma­ru­ko, so­fern der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 eröff­net sei und ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung vor­lie­ge, auf die Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie be­ru­fen.
Im Ge­gen­satz zu he­te­ro­se­xu­el­len Paa­ren, die hei­ra­ten und ge­ge­be­nen­falls in den Ge­nuss ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung kom­men könn­ten, hätten der Ver­si­cher­te und der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens zu­dem we­gen ih­rer se­xu­el­len Aus­rich­tung un­ter kei­nen Umständen die Vor­aus­set­zung der Ehe erfüllen können, wie sie vom Ver­sor­gungs­sys­tem der VddB für die Gewährung ei­ner sol­chen Ver­sor­gung vor­ge­se­hen sei. Nach An­sicht des vor­le­gen­den Ge­richts könn­te Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 Be­stim­mun­gen wie de­nen der Sat­zung der VddB, die die­se Ver­sor­gung nur Ehe­gat­ten gewährt, ent­ge­gen­ste­hen.
Für den Fall, dass Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 Be­stim­mun­gen wie de­nen der Sat­zung der VddB ent­ge­gen­steht, ist für das vor­le­gen­de Ge­richt vier­tens frag­lich, ob ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung im Hin­blick auf den 22. Erwägungs­grund die­ser Richt­li­nie zulässig wäre.
Die­ser Erwägungs­grund sei nicht in den Text der Richt­li­nie auf­ge­nom­men wor­den. Es stel­le sich die Fra­ge, ob ein sol­cher Erwägungs­grund den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 ein­schränken könne. In An­be­tracht des Stel­len­werts des ge­mein­schaft­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes sei ei­ne solch weit­ge­hen­de In­ter­pre­ta­ti­on der Erwägungs­gründe die­ser Richt­li­nie nicht ge­bo­ten. Es stel­le sich in­so­weit die Fra­ge, ob im Aus­gangs­ver­fah­ren die Wei­ge­rung der VddB, ei­ner Per­son, de­ren Le­bens­part­ner ver­stor­ben sei, ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewähren, ei­ne zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­le, ob­wohl sie auf der se­xu­el­len Aus­rich­tung be­ru­he.
32 Fünf­tens möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung we­gen des Ur­teils vom 17. Mai 1990, Bar­ber (C‑262/88, Slg. 1990, I‑1889), auf Zei­ten ab dem 17. Mai 1990 be­grenzt wäre. Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Be­stim­mun­gen hin­gen von der Be­griffs­be­stim­mung des Art. 141 EG ab, und des­sen un­mit­tel­ba­re Wir­kung könne nur für Leis­tun­gen gel­tend ge­macht wer­den, die nach dem 17. Mai 1990 ge­schul­det würden. Das vor­le­gen­de Ge­richt ver­weist in die­sem Zu­sam­men­hang auf das Ur­teil vom 28. Sep­tem­ber 1994, Co­lo­roll Pen­si­on Trus­tees (C‑200/91, Slg. 1994, I‑4389).
Un­ter die­sen Umständen hat das Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richt München be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Han­delt es sich bei ei­nem be­rufsständi­schen Pflicht­ver­sor­gungs­sys­tem – wie im vor­lie­gen­den Fall die VddB – um ein den staat­li­chen Sys­te­men gleich­ge­stell­tes Sys­tem im Sin­ne des Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78?
2. Sind un­ter Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 Leis­tun­gen an Hin­ter­blie­be­ne in Form von Wit­wen- bzw. Wit­wergeld ei­ner be­rufsständi­schen Pflicht­ver­sor­gungs­ein­rich­tung zu ver­ste­hen?
3. Ste­hen Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 Sat­zungs­be­stim­mun­gen ei­nes Zu­satz­ver­sor­gungs­sys­tems der hier vor­lie­gen­den Art ent­ge­gen, nach de­nen ein ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner nach Ver­ster­ben sei­nes Le­bens­part­ners kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ent­spre­chend Ehe­leu­ten erhält, ob­wohl er eben­falls in ei­ner for­mal auf Le­bens­zeit be­gründe­ten Fürsor­ge- und Ein­stands­ge­mein­schaft wie Ehe­leu­te lebt?
4. Falls die vor­ste­hen­den Fra­gen be­jaht wer­den: Ist ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung auf­grund der Be­gründungs­erwägung 22 der Richt­li­nie 2000/78 zulässig?
5. Wäre die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung auf­grund der Bar­ber-Recht­spre­chung auf Zei­ten ab dem 17. Mai 1990 be­grenzt?
Zur ers­ten, zur zwei­ten und zur vier­ten Fra­ge
Mit sei­ner ers­ten, zwei­ten und vier­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu be­ant­wor­ten sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, die im Rah­men ei­nes be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­sys­tems wie der VddB gewährt wird, in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt.
In Be­zug auf die ers­te und die zwei­te Vor­la­ge­fra­ge ver­tritt die VddB die Auf­fas­sung, dass sie ein ge­setz­li­ches Sys­tem der so­zia­len Si­cher­heit sei und die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nicht als Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 zu ver­ste­hen sei. Die­se Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung fal­le so­mit nicht in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie.
Zur Be­gründung die­ses Stand­punkts führt die VddB u. a. an, dass sie ei­ne An­stalt des öffent­li­chen Rechts und Teil der Bun­des­ver­wal­tung sei und dass das im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Ver­sor­gungs­sys­tem ein ob­li­ga­to­ri­sches, auf Ge­setz be­ru­hen­des Sys­tem sei. Darüber hin­aus ha­be die Ta­rif­ord­nung Ge­set­zes­rang und sei zu­sam­men mit der Sat­zung der VddB in den Ei­ni­gungs­ver­trag vom 31. Au­gust 1990 auf­ge­nom­men wor­den; zu­dem be­ste­he die Ver­si­che­rungs­pflicht für ei­ne all­ge­mein um­schrie­be­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern. Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung hänge nicht un­mit­tel­bar von ei­ner be­stimm­ten Beschäfti­gung ab, son­dern von all­ge­mei­nen so­zi­al­po­li­ti­schen Erwägun­gen. Sie sei nicht un­mit­tel­bar von der zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­zeit abhängig und wer­de in ih­rer Höhe nicht nach dem letz­ten Ent­gelt be­rech­net.
Nach An­sicht der Kom­mis­si­on hin­ge­gen fällt die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78, da sie auf­grund des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses gewährt wer­de, das ei­ne Per­son bei ei­nem Ar­beit­ge­ber ein­ge­gan­gen sei und das die Ver­si­che­rungs­pflicht des Ar­beit­neh­mers bei der VddB nach sich zie­he. Die Höhe die­ser Ver­sor­gung be­stim­me sich in Abhängig­keit von der Dau­er des Ver­si­che­rungs­verhält­nis­ses und den ge­zahl­ten Beiträgen.
In Be­zug auf die vier­te Fra­ge be­to­nen so­wohl Herr Ma­ru­ko als auch die Kom­mis­si­on, dass sich der 22. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 in kei­nem ih­rer Ar­ti­kel wie­der­fin­de. Hätte der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber al­le an den Fa­mi­li­en­stand ge­knüpften Leis­tun­gen vom Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie aus­neh­men wol­len, wäre der In­halt des 22. Erwägungs­grun­des nach An­sicht von Herrn Ma­ru­ko Ge­gen­stand ei­ner be­son­de­ren Be­stim­mung die­ser Richt­li­nie ge­wor­den. Nach An­sicht der Kom­mis­si­on ist die­ser Erwägungs­grund le­dig­lich Aus­druck der feh­len­den Zuständig­keit der Eu­ropäischen Uni­on für die Re­ge­lung des Fa­mi­li­en­stands.
Die VddB und die Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs ver­tre­ten ins­be­son­de­re die Auf­fas­sung, dass der 22. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 ei­nen kla­ren und ge­ne­rel­len Aus­schluss ent­hal­te und den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie fest­le­ge. Die­se gel­te we­der für na­tio­na­le Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand noch für da­von abhängi­ge Leis­tun­gen, wo­zu die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung gehöre.
Die Richt­li­nie 2000/78 gilt nach ih­rem Art. 3 Abs. 1 Buchst. c und 3 für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf u. a. das Ar­beits­ent­gelt, nicht aber für Leis­tun­gen je­der Art sei­tens der staat­li­chen Sys­te­me oder der da­mit gleich­ge­stell­ten Sys­te­me ein­sch­ließlich der staat­li­chen Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit oder des so­zia­len Schut­zes.
Der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 er­streckt sich im Licht die­ser Be­stim­mun­gen in Ver­bin­dung mit dem 13. Erwägungs­grund we­der auf die So­zi­al­ver­si­che­rungs- und So­zi­al­schutz­sys­te­me, de­ren Leis­tun­gen nicht ei­nem Ar­beits­ent­gelt in dem Sin­ne gleich­ge­stellt wer­den, der die­sem Be­griff für die An­wen­dung von Art. 141 EG ge­ge­ben wur­de, noch auf Vergütun­gen je­der Art sei­tens des Staa­tes, die den Zu­gang zu ei­ner Beschäfti­gung oder die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zum Ziel ha­ben.
Es ist da­her zu prüfen, ob die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus ei­nem be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­sys­tem wie der VddB ei­nem Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne von Art. 141 EG gleich­zu­stel­len ist.
Nach die­sem Ar­ti­kel sind un­ter „Ent­gelt“ die übli­chen Grund- oder Min­destlöhne und -gehälter so­wie al­le sons­ti­gen Vergütun­gen zu ver­ste­hen, die der Ar­beit­ge­ber auf­grund des Dienst­verhält­nis­ses dem Ar­beit­neh­mer un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar in bar oder in Sach­leis­tun­gen zahlt.
Wie der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat (vgl. Ur­tei­le vom 6. Ok­to­ber 1993, Ten Oever, C‑109/91, Slg. 1993, I‑4879, Rand­nr. 8, und vom 28. Sep­tem­ber 1994, Beu­ne, C‑7/93, Slg. 1994, I‑4471, Rand­nr. 21), schließt der Um­stand, dass be­stimm­te Leis­tun­gen nach Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses gewährt wer­den, nicht aus, dass sie Ent­gelt­cha­rak­ter im Sin­ne von Art. 141 EG ha­ben.
So hat der Ge­richts­hof an­er­kannt, dass ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te, die in ei­nem durch Ta­rif­ver­trag ge­schaf­fe­nen Be­triebs­ren­ten­sys­tem vor­ge­se­hen ist, in den An­wen­dungs­be­reich die­ses Ar­ti­kels fällt. Die­ser Aus­le­gung steht nicht ent­ge­gen, dass die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te ih­rem Be­griff gemäß nicht dem Ar­beit­neh­mer, son­dern sei­nem Hin­ter­blie­be­nen ge­zahlt wird, da ei­ne sol­che Leis­tung ei­ne Vergütung ist, die ih­ren Ur­sprung in der Zu­gehörig­keit des Ehe­gat­ten des Hin­ter­blie­be­nen zu dem Ren­ten­sys­tem hat, so dass der Hin­ter­blie­be­ne den Ren­ten­an­spruch im Rah­men des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zwi­schen sei­nem Ehe­gat­ten und des­sen Ar­beit­ge­ber er­wirbt und ihm die Ren­te auf­grund des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses sei­nes Ehe­gat­ten ge­zahlt wird (vgl. Ur­tei­le Ten Oever, Rand­nrn. 12 und 13, Co­lo­roll Pen­si­on Trus­tees, Rand­nr. 18, vom 17. April 1997, Ev­reno­pou­los, C‑147/95, Slg. 1997, I‑2057, Rand­nr. 22, und vom 9. Ok­to­ber 2001, Me­n­au­er, C‑379/99, Slg. 2001, I‑7275, Rand­nr. 18).
Außer­dem hat der Ge­richts­hof hin­sicht­lich der Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob ein Ru­he­ge­halt, auf des­sen Grund­la­ge sich ge­ge­be­nen­falls wie im Aus­gangs­ver­fah­ren die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung er­rech­net, in den An­wen­dungs­be­reich von Art. 141 EG fällt, klar­ge­stellt, dass von den Kri­te­ri­en, die er je nach Maßga­be der ihm vor­ge­leg­ten Sach­ver­hal­te zur Qua­li­fi­zie­rung ei­nes Ren­ten­sys­tems auf­ge­stellt hat, nur das Kri­te­ri­um, dass das Ru­he­ge­halt dem Ar­beit­neh­mer auf­grund sei­nes Dienst­verhält­nis­ses mit sei­nem frühe­ren Ar­beit­ge­ber ge­zahlt wird, d. h. das aus dem Wort­laut die­ses Ar­ti­kels selbst ab­ge­lei­te­te Kri­te­ri­um der Beschäfti­gung, ent­schei­dend sein kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Beu­ne, Rand­nr. 43, Ev­reno­pou­los, Rand­nr. 19, vom 29. No­vem­ber 2001, Gries­mar, C‑366/99, Slg. 2001, I‑9383, Rand­nr. 28, vom 12. Sep­tem­ber 2002, Nie­mi, C‑351/00, Slg. 2002, I‑7007, Rand­nrn. 44 und 45, so­wie vom 23. Ok­to­ber 2003, Schönheit und Be­cker, C‑4/02 und C‑5/02, Slg. 2003, I‑12575, Rand­nr. 56).
Zwar kann auf die­ses Kri­te­ri­um nicht aus­sch­ließlich ab­ge­stellt wer­den, da die von den ge­setz­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit gewähr­ten Ren­ten ganz oder teil­wei­se dem Beschäfti­gungs­ent­gelt Rech­nung tra­gen können (Ur­tei­le Beu­ne, Rand­nr. 44, Ev­reno­pou­los, Rand­nr. 20, Gries­mar, Rand­nr. 29, Nie­mi, Rand­nr. 46, so­wie Schönheit und Be­cker, Rand­nr. 57).
Je­doch können Erwägun­gen der So­zi­al­po­li­tik, der Staats­or­ga­ni­sa­ti­on und der Ethik oder gar den Haus­halt be­tref­fen­de Über­le­gun­gen, die bei der Fest­le­gung ei­nes Sys­tems durch den na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber tatsächlich oder mögli­cher­wei­se ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben, nicht ent­schei­dend sein, wenn die Ren­te nur für ei­ne be­son­de­re Grup­pe von Ar­beit­neh­mern gilt, wenn sie un­mit­tel­bar von der ab­ge­leis­te­ten Dienst­zeit abhängt und wenn ih­re Höhe nach den letz­ten Bezügen be­rech­net wird (Ur­tei­le Beu­ne, Rand­nr. 45, Ev­reno­pou­los, Rand­nr. 21, Gries­mar, Rand­nr. 30, Nie­mi, Rand­nr. 47, so­wie Schönheit und Be­cker, Rand­nr. 58).
In Be­zug auf das be­rufsständi­sche Pflicht­ver­sor­gungs­sys­tem der VddB ist ers­tens fest­zu­stel­len, dass es sich auf ei­nen Ta­rif­ver­trag gründet, der den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts zu­fol­ge die So­zi­al­leis­tun­gen ergänzen soll, die nach den all­ge­mein an­wend­ba­ren na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten gewährt wer­den.
Zwei­tens steht fest, dass die­ses Ver­sor­gungs­sys­tem aus­sch­ließlich von den Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­bern der be­tref­fen­den Bran­che un­ter Aus­schluss je­der fi­nan­zi­el­len Be­tei­li­gung sei­tens des Staa­tes fi­nan­ziert wird.
Drit­tens geht aus den Ak­ten her­vor, dass die­ses Ver­sor­gungs­sys­tem nach § 1 der Ta­rif­ord­nung für Bühnen­an­gehöri­ge be­stimmt ist, die in ei­nem Thea­ter­be­trieb in Deutsch­land beschäftigt sind.
Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 70 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, ist es für ei­nen An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung er­for­der­lich, dass der Ehe­gat­te des Begüns­tig­ten vor sei­nem Tod bei der VddB ver­si­chert war. Die­se Ver­si­che­rung er­streckt sich ver­pflich­tend auf die an deut­schen Thea­tern beschäftig­ten Bühnen­an­gehöri­gen. Sie er­streckt sich außer­dem auf ei­ne ge­wis­se An­zahl von Per­so­nen, die sich frei­wil­lig bei der VddB ver­si­chern, was möglich ist, wenn die Be­tref­fen­den zu­vor ei­ne be­stimm­te An­zahl von Mo­na­ten an ei­nem deut­schen Thea­ter beschäftigt wa­ren.
Die­se Pflicht- und frei­wil­lig Ver­si­cher­ten bil­den so­mit ei­ne be­son­de­re Grup­pe von Ar­beit­neh­mern.
Was fer­ner das Kri­te­ri­um be­trifft, wo­nach die Ren­te un­mit­tel­bar von der ab­ge­leis­te­ten Dienst­zeit abhängen muss, ist fest­zu­stel­len, dass sich das Ru­he­geld, auf des­sen Grund­la­ge die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­rech­net wird, nach § 30 Abs. 5 der Sat­zung der VddB nach der Ver­si­che­rungs­dau­er des Ar­beit­neh­mers be­misst; die­se Lösung ist ei­ne lo­gi­sche Kon­se­quenz der Struk­tur des in Re­de ste­hen­den be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­sys­tems, das sich, wie in den Rand­nrn. 52 und 53 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt, auf zwei Ar­ten der Ver­si­che­rung er­streckt.
Die Höhe die­ses Ru­he­gelds wird außer­dem nicht durch Ge­setz be­stimmt, son­dern gemäß § 30 Abs. 5 der Sat­zung der VddB auf der Grund­la­ge der ge­sam­ten während der Zeit, in der der Ar­beit­neh­mer ver­si­chert war, ent­rich­te­ten Beiträge er­rech­net, die mit ei­nem Ver­ren­tungs­satz be­wer­tet wer­den.
Folg­lich ent­springt die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 72 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, dem Ar­beits­verhält­nis des Le­bens­part­ners von Herrn Ma­ru­ko und ist da­her als Ent­gelt im Sin­ne von Art. 141 EG ein­zu­ord­nen.
Die­ses Er­geb­nis wird we­der da­durch in Fra­ge ge­stellt, dass es sich bei der VddB um ei­ne öffent­li­che An­stalt han­delt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Ev­reno­pou­los, Rand­nrn. 16 und 23), noch durch die Pflicht­zu­gehörig­keit zu dem Sys­tem, das den An­spruch auf die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­mit­telt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 25. Mai 2000, Po­des­ta, C‑50/99, Slg. 2000, I‑4039, Rand­nr. 32).
Was die Trag­wei­te des 22. Erwägungs­grun­des der Richt­li­nie 2000/78 an­be­langt, so heißt es dar­in, dass die Richt­li­nie die ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand und da­von abhängi­ge Leis­tun­gen un­berührt lässt.
Ge­wiss fal­len der Fa­mi­li­en­stand und da­von abhängi­ge Leis­tun­gen in die Zuständig­keit der Mit­glied­staa­ten, und das Ge­mein­schafts­recht lässt die­se Zuständig­keit un­berührt. Es ist je­doch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten bei der Ausübung die­ser Zuständig­keit das Ge­mein­schafts­recht zu be­ach­ten ha­ben, ins­be­son­de­re die Be­stim­mun­gen in Be­zug auf den Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le vom 16. Mai 2006, Watts, C‑372/04, Slg. 2006, I‑4325, Rand­nr. 92, und vom 19. April 2007, Sta­ma­telaki, C‑444/05, Slg. 2007, I‑3185, Rand­nr. 23).
Ist ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de als Ent­gelt im Sin­ne von Art. 141 EG ein­ge­stuft wor­den und fällt sie aus den in den Rand­nrn. 49 bis 57 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­stell­ten Gründen in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78, so kann de­ren 22. Erwägungs­grund die An­wen­dung der Richt­li­nie nicht in Fra­ge stel­len.
Da­her ist auf die ers­te, die zwei­te und die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, die im Rah­men ei­nes be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­sys­tems wie der VddB gewährt wird, in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt.
Mit sei­ner drit­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 ei­ner Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren ent­ge­gen­steht, wo­nach der über­le­ben­de Part­ner nach Ver­ster­ben sei­nes Le­bens­part­ners kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ent­spre­chend ei­nem über­le­ben­den Ehe­gat­ten erhält, ob­wohl die Le­bens­part­ner in ei­ner for­mal auf Le­bens­zeit be­gründe­ten Fürsor­ge- und Ein­stands­ge­mein­schaft wie Ehe­leu­te ge­lebt ha­ben.
Herr Ma­ru­ko und die Kom­mis­si­on sind der Auf­fas­sung, dass die Wei­ge­rung, über­le­ben­den Le­bens­part­nern die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewähren, ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 dar­stel­le, da zwei Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts in Deutsch­land nicht mit­ein­an­der die Ehe schließen könn­ten und dem­zu­fol­ge auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, die nur über­le­ben­de Ehe­gat­ten be­an­spru­chen könn­ten, kei­nen An­spruch hätten. Ehe­gat­ten und Le­bens­part­ner befänden sich in ei­ner ver­gleich­ba­ren recht­li­chen Si­tua­ti­on, was es recht­fer­ti­ge, die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung über­le­ben­den Le­bens­part­nern zu gewähren.
Nach An­sicht der VddB be­steht kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung, die Le­bens­part­ner­schaft so­zi­al- oder ver­sor­gungs­recht­lich mit der Ehe gleich­zu­stel­len. Ers­te­re stel­le ein Rechts­in­sti­tut sui ge­ne­ris und ei­nen neu­en Per­so­nen­stand dar. Aus der deut­schen Re­ge­lung könne kei­ne Ver­pflich­tung zur Gleich­be­hand­lung von Le­bens­part­nern und Ehe­gat­ten ab­ge­lei­tet wer­den.
Nach ih­rem Art. 1 be­zweckt die Richt­li­nie 2000/78, be­stimm­te Ar­ten der Dis­kri­mi­nie­rung in Beschäfti­gung und Be­ruf, zu de­nen auch die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung gehört, im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten zu bekämp­fen.
Gemäß Art. 2 der Richt­li­nie be­deu­tet „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in ih­rem Art. 1 auf­geführ­ten Gründe ge­ben darf. Nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son. Gemäß Art. 2 Abs. 2 Buchst. b Ziff. i liegt ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner be­stimm­ten Be­hin­de­rung, ei­nes be­stimm­ten Al­ters oder mit ei­ner be­stimm­ten se­xu­el­len Aus­rich­tung ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die­se Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt, und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.
Aus den im Vor­la­ge­be­schluss ent­hal­te­nen An­ga­ben geht her­vor, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mit Wir­kung von 2001, dem Jahr des In­kraft­tre­tens des LPartG in sei­ner ursprüng­li­chen Fas­sung, ih­re Rechts­ord­nung an­ge­passt hat, um Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts zu ermögli­chen, in ei­ner for­mal auf Le­bens­zeit be­gründe­ten Fürsor­ge- und Ein­stands­ge­mein­schaft zu le­ben. Da sich die­ser Mit­glied­staat ent­schie­den hat­te, die­sen Per­so­nen nicht die Möglich­keit der Ehe­sch­ließung zu eröff­nen, die Per­so­nen ver­schie­de­nen Ge­schlechts vor­be­hal­ten bleibt, hat er für Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts ein an­de­res In­sti­tut, die Le­bens­part­ner­schaft, ge­schaf­fen, de­ren Be­din­gun­gen schritt­wei­se de­nen der Ehe an­ge­gli­chen wor­den sind.
Das vor­le­gen­de Ge­richt führt in die­sem Zu­sam­men­hang aus, dass das Ge­setz vom 15. De­zem­ber 2004 da­zu bei­ge­tra­gen ha­be, die für die Le­bens­part­ner­schaft ge­schaf­fe­nen Re­ge­lun­gen den für die Ehe gel­ten­den schritt­wei­se an­zunähern. Mit die­sem Ge­setz hat der deut­sche Ge­setz­ge­ber das SGB VI geändert, in­dem er u. a. in des­sen § 46 ei­nen Abs. 4 ein­gefügt hat, wo­nach die Le­bens­part­ner­schaft hin­sicht­lich der Wit­wen- oder Wit­wer­ren­te im Sin­ne die­ser Vor­schrift der Ehe gleich­ge­stellt wird. Ent­spre­chen­de Ände­run­gen sind an an­de­ren Vor­schrif­ten des SGB VI vor­ge­nom­men wor­den.
Das vor­le­gen­de Ge­richt ist der Auf­fas­sung, dass in An­be­tracht die­ser Annäherung zwi­schen Ehe und Le­bens­part­ner­schaft, die ei­ne schritt­wei­se Gleich­stel­lung dar­stel­le und sich aus den Re­ge­lun­gen des LPartG und ins­be­son­de­re den mit dem Ge­setz vom 15. De­zem­ber 2004 er­folg­ten Ände­run­gen er­ge­be, die Le­bens­part­ner­schaft, oh­ne dass sie mit der Ehe iden­tisch wäre, Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts in ei­ne Si­tua­ti­on ver­set­ze, die in Be­zug auf die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung mit der Si­tua­ti­on von Ehe­gat­ten ver­gleich­bar sei.
Das vor­le­gen­de Ge­richt stellt je­doch fest, dass die­se Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der Sat­zung der VddB nur über­le­ben­den Ehe­gat­ten gewährt und über­le­ben­den Le­bens­part­nern ver­wei­gert wird.
In die­sem Fall er­fah­ren Le­bens­part­ner da­her hin­sicht­lich der ge­nann­ten Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als über­le­ben­de Ehe­gat­ten.
Falls das vor­le­gen­de Ge­richt ent­schei­det, dass sich über­le­ben­de Ehe­gat­ten und über­le­ben­de Le­bens­part­ner in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on in Be­zug auf die ge­nann­te Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­fin­den, stellt ei­ne Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de da­her ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung im Sin­ne der Art. 1 und 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 dar.
Aus dem Vor­ste­hen­den er­gibt sich, dass auf die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten ist, dass Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 ei­ner Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren ent­ge­gen­steht, wo­nach der über­le­ben­de Part­ner nach Ver­ster­ben sei­nes Le­bens­part­ners kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ent­spre­chend ei­nem über­le­ben­den Ehe­gat­ten erhält, ob­wohl die Le­bens­part­ner­schaft nach na­tio­na­lem Recht Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts in ei­ne Si­tua­ti­on ver­setzt, die in Be­zug auf die­se Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung mit der Si­tua­ti­on von Ehe­gat­ten ver­gleich­bar ist. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob sich ein über­le­ben­der Le­bens­part­ner in ei­ner Si­tua­ti­on be­fin­det, die mit der ei­nes Ehe­gat­ten, der die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus dem be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­sys­tem der VddB erhält, ver­gleich­bar ist.
Mit sei­ner fünf­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt für den Fall, dass der Ge­richts­hof ent­schei­den soll­te, dass die Richt­li­nie 2000/78 ei­ner Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren ent­ge­gen­steht, wis­sen, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zeit­lich zu be­gren­zen ist, und zwar auf­grund der Bar­ber-Recht­spre­chung auf Zei­ten ab dem 17. Mai 1990.
Die VddB ver­tritt die Auf­fas­sung, dass sich die Rechts­sa­che Bar­ber in tatsäch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht vom Aus­gangs­ver­fah­ren un­ter­schei­de und der Richt­li­nie 2000/78 kei­ne Rück­wir­kung auf ei­nen Zeit­punkt vor Ab­lauf der an die Mit­glied­staa­ten ge­rich­te­ten Frist zu ih­rer Um­set­zung zu­kom­men könne.
Die Kom­mis­si­on ist der An­sicht, dass die fünf­te Fra­ge nicht be­ant­wor­tet zu wer­den brau­che. Die Sach- und Rechts­la­ge in der Rechts­sa­che Bar­ber un­ter­schei­de sich von der des Aus­gangs­ver­fah­rens, und die Richt­li­nie 2000/78 ent­hal­te kei­ne Aus­nah­me vom Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung. Im Ge­gen­satz zum Aus­gangs­ver­fah­ren sei in der Rechts­sa­che Bar­ber auf die fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen hin­ge­wie­sen wor­den, die ei­ne neu­ar­ti­ge Aus­le­gung von Art. 141 EG ha­ben könn­te. In die­ser Hin­sicht könne, da das LPartG erst am 1. Au­gust 2001 in Kraft ge­tre­ten sei und der deut­sche Ge­setz­ge­ber mit Wir­kung vom 1. Ja­nu­ar 2005 ei­ne Gleich­stel­lung der Le­bens­part­ner­schaft mit der Ehe im So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem voll­zo­gen ha­be, die Berück­sich­ti­gung ei­ner sol­chen Gleich­stel­lung in be­ruf­li­chen Ver­sor­gungs­sys­te­men die­se nicht in fi­nan­zi­el­le Ge­fahr brin­gen.
Nach der Recht­spre­chung kann sich der Ge­richts­hof mit Rück­sicht auf die schwer­wie­gen­den Störun­gen, zu de­nen sein Ur­teil im Hin­blick auf in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­de Vorgänge führen könn­te, aus­nahms­wei­se da­zu ver­an­lasst se­hen, die Möglich­keit für die Be­trof­fe­nen zu be­schränken, sich auf die Aus­le­gung zu be­ru­fen, die der Ge­richts­hof ei­ner Be­stim­mung im We­ge der Vor­ab­ent­schei­dung ge­ge­ben hat. Ei­ne sol­che Be­schränkung kann nur der Ge­richts­hof selbst, und zwar in eben dem Ur­teil aus­spre­chen, das über die er­be­te­ne Aus­le­gung ent­schei­det (vgl. u. a. Ur­tei­le Bar­ber, Rand­nr. 41, und vom 6. März 2007, Meili­cke u. a., C‑292/04, Slg. 2007, I‑1835, Rand­nr. 36).
Aus den Ak­ten geht nicht her­vor, dass die Ge­fahr be­steht, dass das fi­nan­zi­el­le Gleich­ge­wicht des Sys­tems der VddB durch das Feh­len ei­ner zeit­li­chen Be­schränkung der Wir­kun­gen des vor­lie­gen­den Ur­teils rück­wir­kend erschüttert würde.
Auf die fünf­te Fra­ge ist da­her zu ant­wor­ten, dass kein An­lass be­steht, die Wir­kung des vor­lie­gen­den Ur­teils in zeit­li­cher Hin­sicht zu be­schränken.
1. Ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, die im Rah­men ei­nes be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­sys­tems wie der Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Bühnen gewährt wird, fällt in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf.
2. Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 steht ei­ner Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren ent­ge­gen, wo­nach der über­le­ben­de Part­ner nach Ver­ster­ben sei­nes Le­bens­part­ners kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ent­spre­chend ei­nem über­le­ben­den Ehe­gat­ten erhält, ob­wohl die Le­bens­part­ner­schaft nach na­tio­na­lem Recht Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts in ei­ne Si­tua­ti­on ver­setzt, die in Be­zug auf die­se Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung mit der Si­tua­ti­on von Ehe­gat­ten ver­gleich­bar ist. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob sich ein über­le­ben­der Le­bens­part­ner in ei­ner Si­tua­ti­on be­fin­det, die mit der ei­nes Ehe­gat­ten, der die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus dem be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­sys­tem der Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Bühnen erhält, ver­gleich­bar ist.
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References: Art. 234
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 3

Art. 2
 Art. 18

§ 1
 § 2
 § 1360
 § 16

§ 11

§ 46
 § 47
 § 90
 § 107
 § 120

§ 1

§ 4

§ 32

§ 34

§ 30
 § 1
 § 46
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 141
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 141
 Art. 141
 Art. 141
 Art. 141
 § 1
 § 30
 § 30
 Art. 141
 Art. 141
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 2
 § 46
 Art. 1
 Art. 1
 Art. 2
 Art. 141
 Art. 1
 Art. 2