Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20263/02
Timestamp: 2018-12-15 22:08:44+00:00

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BGH, 23.06.2005 - I ZR 263/02 - dejure.org
GeschmMG § 38 Abs. 1 Satz 2; GeschmMG a. F. §§ 14, 14a; BGB § 251 Abs. 1; ZPO § 287 Abs. 1
Zur Berechnung des Schadens bei Geschmacksmusterverletzung
Schadensersatz nach den Grundsätzen der Lizenzananlogie - Vorliegen einer Verletzung von Geschmacksmusterrechten - Entstehung eines Vermögensschadens durch den Verkauf von Plagiaten - Eigenständiger Lizenzwert der Abbildung eines geschmacksmusterrechtlich geschützten Produktes in der Werbung - Verkehrsüblichkeit bei der Überlassung von Ausschließlichkeitsrechten
§ 38 Abs. 1 S. 2 GeschmG
"Catwalk"; Umfang der Ansprüche des Inhabers eines Geschmacksmusterrechts
Markenrecht - Schadensersatz schon bei Anbieten des Plagiats im Katalog
GeschmMG § 38 Abs. 1 Satz 2; GeschmMG a.F. §§ 14, 14a; BGB § 251 Abs. 1; § 287 Abs. 1 ZPO
Anbieten eines Plagiats begründet Schadensersatz
Die bei der Verletzung von gewerblichen Schutzrechten zulässige Schadensberechnung nach den Grundsätzen der Lizenzanalogie erstreckt sich auch auf die Rechtsverletzung in Form des Anbietens des rechtsverletzenden Gegenstandes (z.B. in einem Versandhauskat
uni-jena.de , S. 73 (Entscheidungsbesprechung)
Lizenzanalogie als Schadenberechnungsmethode (Paul T. Schrader; GB 1/2006, S. 73)
Zusammenfassung von "'Catwalk' - Synonym für eine höhere Schadensliquidation? - Zugleich Besprechung von BGH, GRUR 2006, 143" von RAin Nicole Maria Grüger, original erschienen in: GRUR 2006, 536 - 542.
NJW-RR 2006, 184
MDR 2006, 462
GRUR 2006, 143
Auf die Verhältnisse in der Branche, in der die Beteiligten tätig sind, kommt es nicht an (BGH, Urt. v. 23.6. 2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143, 145 = WRP 2006, 117 - Catwalk;… a. A. Fritze, Festschrift für Erdmann, 2002, 291, 294 f.).
(1) Zur Beurteilung der Frage, welcher Lizenzsatz bei der Verletzung eines Kennzeichenrechts angemessen ist, ist auf die verkehrsübliche Lizenzgebühr abzustellen, die für die Erteilung des Rechts zur Benutzung des Kennzeichens zu zahlen wäre (vgl. BGH GRUR 2006, 143, 146 - Catwalk).
Während es für die Frage der Verkehrsüblichkeit einer Lizenzierung nur auf eine abstrakte Betrachtungsweise ankommt und nicht danach zu fragen ist, ob Zeichenlizenzierungen in der jeweiligen Branchen üblich sind, sind bei der Bestimmung der Höhe des Lizenzsatzes alle Umstände zu berücksichtigen, die auch bei freien Lizenzverhandlungen Einfluss auf die Höhe der Vergütung gehabt hätten (vgl. BGH GRUR 2006, 143, 146 - Catwalk).
a) Die zur Zeit der Verletzungshandlung und die zur Zeit der Entscheidung geltenden Bestimmungen des Geschmacksmustergesetzes bzw. Designgesetzes sind auch auf Geschmacksmuster anwendbar, die - wie das Klagemuster - vor dem Inkrafttreten dieser Bestimmungen angemeldet oder eingetragen worden sind, soweit sich - wie hier - aus diesen Bestimmungen nichts anderes ergibt (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143, 144 = WRP 2006, 117 - Catwalk;… BGH, GRUR 2010, 80 Rn. 47 - LIKEaBIKE; BGH, Beschluss vom 17. August 2010 - I ZR 97/09, GRUR 2011, 423 - Baugruppe II;… BGH, GRUR 2011, 1117 Rn. 27 - ICE;… Eichmann in Eichmann/v. Falckenstein/Kühne aaO § 72 Rn. 4).
aa) Die Bestimmungen des Geschmacksmustergesetzes 2004 und des Designgesetzes sind auch auf Geschmacksmuster bzw. Designs anwendbar, die - wie das Klagedesign - vor ihrem Inkrafttreten angemeldet oder eingetragen worden sind, soweit sich aus diesen Bestimmungen nichts anderes ergibt (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143, 144 = WRP 2006, 117 - Catwalk;… BGH, GRUR 2008, 790 Rn. 32 - Baugruppe; BGH…, Urteil vom 28. Mai 2009 - I ZR 124/06, GRUR 2010, 80 Rn. 47 = WRP 2010, 94 - LIKEaBIKE;… Urteil vom 7. April 2011 - I ZR 56/09, GRUR 2011, 1117 Rn. 27 = WRP 2011, 1463 - ICE;… BGH, GRUR 2016, 803 Rn. 28 - Armbanduhr).
Die Berechnung beruht auf der Erwägung, dass derjenige, der ausschließliche Rechte anderer verletzt, nicht besser stehen soll, als der im Falle einer ordnungsgemäß erteilten Erlaubnis durch den Rechtsinhaber gestanden hätte (vgl. BGH GRUR 1990, 1008 - Lizenzanalogie; GRUR 2006, 143, 145 - Catwalk), d.h. es wird ein Lizenzvertrag der im Verkehr üblichen Art fingiert (…BGH a.a.O. - Lizenzanalogie).
Schutzvoraussetzungen und Schutzwirkungen der Klagemuster beurteilen sich nach dem am 1. Juni 2004 in Kraft getretenen Geschmacksmustergesetz (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143, 144 = WRP 2006, 117 - Catwalk;… Urteil vom 10. Januar 2008 - I ZR 67/05, GRUR 2008, 790 Rn. 32 = WRP 2008, 1234 - Baugruppe).
Bei der Beurteilung der Frage, ob die Überlassung von Ausschließlichkeitsrechten verkehrsüblich ist, kommt es nicht auf die Verhältnisse in der Branche an, in der die Beteiligten tätig sind, sondern darauf, ob bei einem Ausschließlichkeitsrecht dieser Art ganz allgemein die Erteilung von Lizenzen im Verkehr üblich ist (vgl. BGH, Urt. v. 23.6.2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143 Tz. 22 f. = WRP 2006, 117 - Catwalk).
Zur Annahme der Verkehrsüblichkeit der Überlassung genügt es regelmäßig, dass ein solches Recht seiner Art nach überhaupt durch die Einräumung von Nutzungsrechten genutzt werden kann und genutzt wird (vgl. BGH GRUR 2006, 143 Tz. 22 f. - Catwalk).
a) Grundlage der auf das Geschmacksmusterrecht gestützten Widerklageanträge auf Unterlassung und Auskunftserteilung sowie auf Feststellung der Schadensersatzverpflichtung sind die Bestimmungen des Geschmacksmustergesetzes neuer Fassung (§§ 38, 42, 46 GeschmMG) in Verbindung mit § 242 BGB, weil das Geschmacksmustergesetz vom 12. März 2004 auch auf zuvor angemeldete oder eingetragene Geschmacksmuster Anwendung findet, soweit sich nicht aufgrund der gesetzlichen Vorschriften des Geschmacksmusterreformgesetzes vom 12. März 2004 etwas anderes ergibt (vgl. BGH, Urt. v. 23.6.2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143, 144 = WRP 2006, 117 - Catwalk;… Eichmann, Geschmacksmustergesetz, 3. Aufl., § 66 Rdn. 2; ders., Mitt. 2003, 17, 18).
Das Berufungsgericht ist zu Recht davon ausgegangen, dass die Schutzwirkungen des vor dem 28. Oktober 2001 eingetragenen Geschmacksmusters sich grundsätzlich nach dem Geschmacksmustergesetz neuer Fassung bestimmen (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143 Rn. 17 = WRP 2006, 117 - Catwalk).
In einem Fall wie dem vorliegenden ist die Lizenzhöhe unter umfassender Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls gemäß § 287 ZPO nach freier Überzeugung zu schätzen (vgl. BGH, GRUR 2006, 143, 1457146 - Catwalk; BGH, GRUR 2010, 239 - BTK, Tz. 21).
Dies hat das Landgericht in entsprechender Anwendung der Entscheidung "Catwalk" des BGH ( GRUR 2006, 143 ) überzeugend ausgeführt.
LG Berlin, 21.03.2006 - 16 O 541/05
§ 23 Nr. 3 MarkenG; §§ 40, 38 Abs. 1, 42 GeschmMG

References: § 38
 § 251
 § 287

§ 38
 § 38
 § 251
 § 287
 BGH 
 BGH 
 § 72
 BGH 
 BGH 
 § 242
 § 66
 § 287
 BGH 

§ 23