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Timestamp: 2020-04-09 10:03:11+00:00

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Was sind latente Steuern? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Was sind latente Steuern?
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Rechtsanwalt für Steuerrecht in Berlin Charlottenburg / Wilmersdorf beantwortet Rechtsfragen
Im Gliederungsschema des § 266 HGB einer handelsrechtlichen Bilanz findet sich die Bezeichnung der latenten Steuer, aber was versteht man darunter? Die Handelsbilanz und die Steuerbilanz eines Unternehmens kann durch unterschiedliche Wertansätze unterschiedlich hohe Bilanzergebnisse ausweisen. Wenn man beide vergleicht, so kann es in den nächsten Jahren zu Steuerbelastungen (passive latente Steuern) oder Steuerentlastungen (aktive latente Steuern) kommen, wenn später ein Ausgleich erfolgt. Bei letzteren besteht gemäß § 274 HGB ein Aktivierungswahlrecht und bei Erstgenannten eine Passivierungspflicht. Gleicht sich das Ergebnis der beiden Bilanzen voraussichtlich in den nächsten Jahren nicht aus, so liegt eine permanente (dauerhafte) Differenz vor, die zu keiner Steuerlatenz führt und in der Handelsbilanz keine bilanziellen Aktivitäten nach sich zieht.
Steuerabgrenzung für alle Kapitalgesellschaften?
Kapitalgesellschaften sind ebenso wie alle Kaufleute zur Erstellung einer Handelsbilanz verpflichtet, §§ 242, 264 HGB. Wie diese auszusehen hat, regelt § 266 HGB. Hiernach ist die Bilanz in Kontoform aufzustellen. Dabei haben mittelgroße und große Kapitalgesellschaften auf der Aktivseite die in § 266 Absatz 2 HGB und auf der Passivseite die in § 266 Absatz 3 HGB bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge auszuweisen. Dies ist also sehr formalistisch. Kleine Kapitalgesellschaften brauchen nur eine verkürzte Bilanz aufzustellen, in die nur die in den Absätzen 2 und 3 mit Buchstaben und römischen Zahlen bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge aufgenommen werden. Hier entfällt also die Aufführung der arabischen Zahlen. Kleinstkapitalgesellschaften brauchen nur eine verkürzte Bilanz aufzustellen, in die nur die in den Absätzen 2 und 3 mit Buchstaben bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge aufgenommen werden. Hier wird zusätzlich auf die Aufführung der römischen Zahlen verzichtet. Allen vier Arten von Kapitalgesellschaften ist aber gemein, dass die Buchstaben der Absätze 2 und 3 des § 266 HGB aufgeführt werden müssen und somit auch auf der Aktivseite: „D. Aktive latente Steuern“ und auf der Passivseite: „E. Passive latente Steuern“. Somit müsste grundsätzlich jede Kapitalgesellschaft eine Steuerabgrenzung vornehmen. Dies gilt aber insb. für die kleine Kapitalgesellschaft gemäß § 274a HGB nicht.
Aktive latente Steuer bei Disagio?
Unter einem Disagio versteht man bei Kreditaufnahme den Differenzbetrag zwischen dem erhaltenen Geldbetrag und dem Rückzahlungsbetrag. Hat ein Unternehmen einen Kredit aufgenommen, so besteht handelsrechtlich die Möglichkeit das Disagio sofort und in voller Höhe als Aufwand zu bilanzieren. Steuerrechtlich gesehen, ist dies jedoch unzulässig, sondern hier muss der Rückzahlungsbetrag als Rechnungsabgrenzungsposten auf die Laufzeit des Kredits verteilt werden. Bei gleichbleibendem Steuersatz erfolgt später ein Bilanzausgleich.

References: § 266
 § 274
 § 266
 § 266
 § 266
 § 266
 § 274