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Timestamp: 2017-06-27 10:28:40+00:00

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Einzelerhebung der Nutzung urheberrechtlich geschützter Sprachwerke gemäß §52a UrhG in einem Lernmanagementsystem | GMW 2015
Und was bleibt? Nachhaltigkeitsfaktoren der mediengestützten Weiterbildung an Hochschulen	Formative Evaluation und Datenanalysen als Basis zur schrittweisen Optimierung eines Online-Vorkurses Mathematik	Einzelerhebung der Nutzung urheberrechtlich geschützter Sprachwerke gemäß §52a UrhG in einem Lernmanagementsystem
Inhaltsverzeichnis1 Zugänglichmachung urheberrechtlicher geschützter Sprachwerke über Lernmanagementsysteme2 Die Erlaubnisse des § 52a UrhG und die Einzelabrechnung3 Das Pilotprojekt an der Universität Osnabrück3.1 Lizenzauswahldialog und Schnittstelle zur Meldedatenbank der VG Wort im LMS Stud.IP3.2 Informationsmaßnahmen4 Auswertung der bereitgestellten Lehrmaterialien 4.1 Bedeutung von Lehrmaterialien für Studierende/Lehrende4.2 Bereitgestellte Materialien 4.4 Arten der Meldungem bei der VG Wort 4.5 Meldungen in den einzelnen Fachbereichen 5 FazitLiteratur
Anne Fuhrmann-Siekmeyer, Tobias Thelen Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel stellt die Ergebnisse eines Pilotprojekts zur Einzelabrechnung von elektronischem Lehrmaterial nach §52a UrhG an der Universität Osnabrück vor. Der §52a UrhG erlaubt Lehrenden, einem abgeschlossenen Personenkreis zu Lehrzwecken u.a. kleine Teile aus Büchern sowie Zeitschriftenartikel elektronisch, z.B. in einem Lernmanagementsystem, zur Verfügung zu stellen. Außerdem regelt der Paragraph, dass eine Vergütung an Verwertungsgesellschaften zu zahlen ist. Während es mit vielen anderen Verwertungsgesellschaften einen Gesamtvertrag über Pauschabrechnungen gibt, hat die VG Wort als Vertreterin der Verlage gerichtlich eine Einzelmeldung von verwendeten Lehrmaterialien erwirkt. Der Bundesgerichtshof befand, dass Einzelmeldungen sachgerecht und vom Aufwand her zumutbar für Lehrende seien. In einem Pilotprojekt an der Universität Osnabrück, das von den Ländern gemeinsam über die Kultusministerkonferenz finanziert wurde, wurde exemplarisch in Regie einer Hochschule eine Machbarkeitsstudie für Einzelmeldungen an die VG Wort durchgeführt sowie prototypisch ein Lizenzauswahldialog im Lernmanagementsystem mit Schnittstelle zur VG Wort entwickelt. Die Nutzungsdaten geben Aufschluss über die Bedeutung von elektronischen Lehrmaterialien für Studierende und Lehrende, über das Bereitstellungsverhalten von Lehrenden und die von ihnen hochgeladenen Arten von Materialien und Meldungen bei der VG Wort in einzelnen Fachbereichen sowie ihr Wissen über die Erlaubnisse des § 52a UrhG. Kritisch diskutiert wird die technische, insbesondere aber auch die organisatorische Umsetzbarkeit.
1 Zugänglichmachung urheberrechtlicher geschützter Sprachwerke über Lernmanagementsysteme
Lernmanagementsysteme werden an nahezu allen deutschen Hochschulen eingesetzt, um den Lehrbetrieb zu unterstützen. Eine dabei wesentlich genutzte Funktionalität ist die Distribution von Lehr- und Lernmaterialien (vgl. Taraghi, Ebner & Schön, 2013). Dies sind vor allem Materialien, die von Lehrenden und Lernenden selbst erstellt wurden (s. Abschnitt 4.4), aber auch veröffentliche urheberrechtlich geschützte Werke, die für den Unterricht genutzt werden sollen. Wird diese Distributionsfunktion von Lernmanagementsystemen aus didaktischer Sicht häufig als qualitativ hinter den Möglichkeiten des Mediums zurückbleibend betrachtet (a.a.O.), so kommt ihr dennoch eine große Bedeutung für die Lehr- und Lernorganisation an Hochschulen zu (s. Abschnitt 4.1).
Die veranstaltungsbegleitende Bereitstellung von Studienliteratur an Hochschulen wird traditionell unter dem Begriff „Semesterapparat“ subsumiert. Zum größten Teil übernehmen Lernmanagementsysteme die Rolle solcher Semesterapparate in elektronischer Form, wobei den Lehrenden selbst die Beschaffung und Bereitstellung der Materialien überlassen wird. An dieser Stelle setzt das vorliegende Pilotprojekt an. Es untersucht, welche technischen und organisatorischen Workflows mit einem Lernmanagementsystem umgesetzt werden können, um bestimmte Werknutzungen zu erfassen und der zuständigen Verwertungsgesellschaft zu übermitteln.
2 Die Erlaubnisse des § 52a UrhG und die Einzelabrechnung
Der §52a UhrG vom 10.9.2003 (BGBl. I S. 1774) regelt das Bereitstellen von elektronischen Lehr-Lernmaterialien durch Lehrende an Bildungseinrichtungen für einen abgegrenzten Teil von Teilnehmern zu nicht-kommerziellen Zwecken der Lehre. Die Bereitstellung wird an Hochschulen typischer Weise mittels Lernmanagementsystemen realisiert. Von Sprachwerken dürfen Lehrende „kleine Teile“ (12% eines Sprachwerkes, aber nicht mehr als 100 Seiten, wie der Bundesgerichtshof in seinem Gutachten definierte, vgl. BGH 2013a), Werke geringen Umfangs sowie Beiträge aus Zeitschriften und Zeitungen ohne die Erlaubnis des Rechteinhabers zur Verfügung stellen. Der §52a wurde 2003 in das Urhebergesetz aufgenommen, war dann lange nur befristet gültig und wurde Ende 2014 entfristet.
Außerdem regelt der §52a UrhG, dass eine Vergütung für die Bereitstellung des Materials zu bezahlen ist und diese durch Verwertungsgesellschaften geltend gemacht werden soll. Die Länder haben mit vielen Verwertungsgesellschaften einen Gesamtvertrag über pauschale Abrechnungen geschlossen, die VG Wort als Vertreterin der Verlage hat einer pauschalen Abrechnung jedoch nicht zugestimmt. Sie forderte eine Einzelerfassung der genutzten Sprachwerke und brachte diese Forderung vor Gericht. Der Bundesgerichtshof urteilte (vgl. BGH, 2013b), dass die Einzelmeldung über eine zentrale Eingabemaske sachgerecht und vom Aufwand her vertretbar für Lehrende sei. Es wurde eine Vergütung pro Seite pro Studierendem festgelegt. Außerdem haben gemäß BGH-Urteil „angemessene“ kostenpflichtige Verlagsangebote Vorrang vor Nutzungen gemäß §52a UrhG.
3 Das Pilotprojekt an der Universität Osnabrück
An keiner Hochschule gibt es bisher technische und organisatorische Möglichkeiten zu Einzelmeldung, so dass im Auftrag der Kultusministerkonferenz an der Universität Osnabrück zusammen mit der VG Wort ein Pilotprojekt realisiert wurde, in Zuge dessen eine Machbarkeitsstudie zu Einzelmeldungen an die VG Wort in der Regie einer Hochschule durchgeführt wurde. Dazu wurden ein prototypischer Lizenzauswahldialog im Lernmanagementsystem Stud.IP mit einer Schnittstelle zur VG Wort entwickelt. Das Projekt wurde von Juli 2014 bis Mai 2015 durchgeführt. Den Untersuchungszeitraum stellte das Wintersemester 2014/2015 dar, in dem alle Lehrenden die Nutzung von Sprachwerken einzeln an die VG Wort melden mussten (wobei dies aufgrund des Status als Pilotprojekt noch keine Zahlungsverpflichtung auslöste).
3.1 Lizenzauswahldialog und Schnittstelle zur Meldedatenbank der VG Wort im LMS Stud.IP
Für die technische Realisierung eines Einzelmeldungs-Workflows waren folgende gegebenen Grundanforderungen leitend:
· Die Recherche und Eingabe aller Werk-Metadaten geschieht in einem Meldeformular, das von einem Server der VG Wort bereitgestellt wird. ¶ 9
· Alle werkunabhängigen Daten werden über eine Schnittstelle vom Hochschul-Lernmanagementsystem (LMS) an den VG-Wort-Server übermittelt, um den Erfassungsaufwand für Melder zu verringern und die Datenqualität zu erhöhen.
· Diese Schnittstelle stellt den Datenschutz sicher, indem personenbezogene Daten nur in einer pseudonymisierten Form übermittelt werden, die nur für die Hochschule selbst wieder auf Personen rückführbar ist.
· Die Schnittstelle authentifiziert die Hochschule, so dass keine unautorisierten Meldungen im Namen der Hochschule abgegeben werden können.
· Über die Schnittstelle erfolgt eine Rückmeldung darüber, ob die Meldung erfolgreich war. In diesem Fall werden alle gemeldeten Werks-Metadaten mit zurückgeliefert.
Ziel des Projektes war, diese Anforderungen durch enge Integration in das an der Universität Osnabrück genutzte LMS Stud.IP so umzusetzen, dass die Nutzung für Lehrende möglichst einfach ist. Dazu wurde der Stud.IP-interne Datei-Upload-Dialog (s. Abbildung 1) um eine Lizenz-Klassifizierung erweitert, in dessen Zuge anzugeben ist, auf welcher urheberrechtlichen Grundlage die Weitergabe der Datei an Teilnehmende der Veranstaltung erfolgt. Die Lehrenden hatten auch die Möglichkeit, ihre eigenen Materialien mit einer Lizenz zu versehen (z.B. CC-Lizenz). ¶ 14
Abbildung 1: Erweiterter Datei-Upload-Dialog in Stud.IP
Für den Fall, dass es sich um eine zu meldende Sprachwerk-Nutzung nach § 52a UrhG handelt, kann die Datei erst heruntergeladen werden, wenn die Meldung erfolgreich beim VG-Wort-Server vorgenommen wurde. Für die Meldung wird ein Link eingeblendet, der von Lehrenden der Veranstaltung nach dem Upload verwendet werden kann (s. Abbildung 2).
Abbildung 2: Meldelink und gesperrte Datei
Ein Klick auf den Link öffnet in einem separaten Fenster die Meldemaske des VG-Wort-Servers (s. Abbildung 3). Meldende Person und der Kurs, zu dem die Meldung gehört, werden pseudonym übergeben. Anschließend werden die werkbezogenen Metadaten in einem angebundenen Katalog recherchiert, der auch alle Informationen zu vorrangig zu berücksichtigenden Verlagsangeboten enthält. Liegt ein solches Angebot vor, wird auf das Angebot verwiesen und die Meldung ist nicht möglich.
Abbildung 3: Vorausgefüllte Meldemaske des VG-Wort-Servers
3.2 Informationsmaßnahmen
Um die Lehrenden über das Pilotprojekt sowie auffrischend auch die Regelungen des § 52a UrhG zu informieren (vgl. Horn, 2009), wurden zusammen mit der zuständigen Vizepräsidentin verschiedene Informationsmaßnahmen umgesetzt:
· Information aller Lehrenden über Inhalt und Hintergründe des Pilotprojekts durch die Hochschulleitung per E-Mail ¶ 27
· Versand von gedrucktem Informationsmaterial über die Regelungen des § 52a UhrG und die Beurteilung verschiedener Lehrmaterialien per Hauspost, Motivationsvideo zum Projektbeginn ¶ 28
· Einrichtung einer öffentlichen Informationsseite über das Pilotprojekt (http://www.virtuos.uni-osnabrueck.de/forschung/aktuelle_projekte/pilotprojekt_zum_ 52a_urhg.html).
· Informationsveranstaltungen in Kooperation mit der Universitätsbibliothek (wurde zu Zwecken der späteren Bereitstellung aufgezeichnet)
· Bereitstellung der gesamten Informationsmaterialien für alle Lehrenden im Lernmanagementsystem und Einrichtung eines Diskussionsforums ¶ 31
· Vorstellung des Projektes in Sitzungen der Studiendekane und des Senats
· Bereitstellung einer an der Hochschule bereits etablierten Support-Hotline (30 Stunden/Woche) für Fragen 4 Auswertung der bereitgestellten Lehrmaterialien ¶ 33
Um die Untersuchung durchzuführen, wurden folgende Forschungsmethoden eingesetzt: eine Online-Befragung der Lehrenden der Universität Osnabrück im Anschluss an das Pilotprojekt, eine Online-Befragung der Studierenden, die Beobachtung von Nutzungsdaten mittels Server-Protokollen und Datenbanken und ein Experten-Rating von Dokumentenstichproben. 4.1 Bedeutung von Lehrmaterialien für Studierende/Lehrende
In Befragungen gaben Dreiviertel der Studierenden und zwei Drittel der Lehrenden an, dass die Bereitstellung von elektronischem Lehrmaterial für ihre Lehre bzw. ihr Studium eine große oder sehr große Rolle spielt (s. Abbildung 4 und 5). Die Bereitstellung von elektronischen Lehrmaterialien über das Lernmanagementsystem Stud.IP ist für die Qualität der Lehre also sehr wichtig an der Universität Osnabrück.
Abbildung 4: Relevanz der Bereitstellung von elektronischem Lehrmaterial bei Studierenden ¶ 38
Abbildung 5: Relevanz der Bereitstellung von elektronischem Lehrmaterial bei Lehrenden
4.2 Bereitgestellte Materialien ¶ 40
Die hochgeladenen Materialien, deren Lizenzen die Lehrenden angegeben hatten, waren zu 80% eigene Materialien, also Skripte, Vortragsfolien, Übungsaufgaben etc. (s. Abbildung 6). Meldepflichtige Sprachwerke nach §52a UrhG machten 5% der lizenzierten Materialien aus. ¶ 41
Abbildung 6: Übersicht über die angegebenen Lizenzen der Materialien
Ein Vergleich mit den bereitgestellten Materialien aus dem vorherigen Wintersemester zeigt, dass Lehrende ungefähr ein Fünftel weniger Material über das Lernmanagementsystem bereitgestellt haben (s. Abbildung 7). Studierende hingegen haben entsprechend der Erwartung aufgrund des Trends der vergangenen Semester mehr Materialien über das Lernmanagementsystem Stud.IP zur Verfügung gestellt als im vergangenen Semester. Größtenteils handelt es sich dabei um Materialien wie Haus- oder Übungsaufgaben z.B. in Studiengruppen zum gemeinsamen Lernen. Der Rückgang in der Breitstellung zeigt sich also nur bei Lehrenden. ¶ 43
Abbildung 7: Übersicht über die hochgeladenen Materialien von Lehrenden und Studierenden in den Wintersemestern von 2010/11 bis 2014/15
In der Befragung gaben die Lehrenden an, in diesem Semester verstärkt Literaturlisten ausgegeben zu haben, mit Hilfe derer sich die Studierenden ihre Lehrmaterialien selber suchen sollten. Diese Aussage stimmt mit der Aussage von mehr als der Hälfte der befragten Studierenden überein, dass sie im Wintersemester 2014/2015 einen höheren oder viel höheren Aufwand bei der Literaturbeschaffung hatten.
4.4 Arten der Meldungem bei der VG Wort ¶ 46
Abbildung 8: Übersicht über die bei der VG Wort gemeldeten Werkstypen
In der Meldemaske der VG Wort sind verschiedene Werkstypen unterschieden worden: Teile aus Büchern, einzelne Beiträge aus Büchern, Zeitschriftenbeiträge und sonstiges. Bei der Hälfte der gemeldeten Materialien, die von den Lehrenden der Universität im Zeitraum des Pilotprojektes gemeldet wurden, handelt es sich um Teile aus Büchern, bei einem Drittel um einzelne Beiträge aus Büchern und bei einem Fünftel um Zeitschriftenbeiträge (s. Abbildung 8). ¶ 48
Abbildung 9: Übersicht über die Meldungen in den Fachbereichen
4.5 Meldungen in den einzelnen Fachbereichen ¶ 49
Betrachtet man die Verteilung der Meldungen auf die an der Universität Osnabrück verteilten Fachbereiche, so spiegeln sich typische Charakteristika der wissenschaftlichen Lehrkulturen wider (s. Abbildung 9).
Nutzungen von Sprachwerken gem. §52a UrhG finden sich demzufolge vor allem in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern (Fachbereiche 1, 2, 3, 7, sowie Fachbereich 8: Psychologie, Philosophie und Kognitionswissenschaft). In den klassischen geisteswissenschaftlichen Fächern spielen Buchauszüge eine sehr große Rolle, in der Psychologie und den Kognitionswissenschaften, die auch starke naturwissenschaftliche Bezüge haben, in starkem Maße auch Zeitschriftenartikel.
In den naturwissenschaftlichen Fächern sowie der Mathematik und Informatik spielen meldepflichtige Werke kaum eine Rolle in der Lehre. Der Fachbereich 5 Biologie/Chemie hat gar keine Werke gemeldet. Typisches Lehrmaterial der naturwissenschaftlichen Fächer ist stark an Abbildungen orientiert und wird von den Lehrenden zu selbstverfassten Vorlesungsskripten zusammengestellt, die auch in der Mathematik/Informatik üblich sind. In der wissenschaftlichen Kultur dieser Fächer spielen Zeitschriften eine herausragende Rolle, die inzwischen über Campuslizenzen u.a. auch für die Lehre sehr breit verfügbar sind.
Ebenfalls keine nennenswerte Rolle spielen meldepflichtige Materialien in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Neben einer Skript-Kultur und der Nutzung vollständiger Lehrbücher ist insbesondere in den Rechtswissenschaften die Nutzung von Präsenzbeständen der Bibliothek ein wichtiger Eckpfeiler der Lehre, über das LMS werden neben den Skripten vor allem Fallbeschreibungen, Musterlösungen etc. verbreitet.
Das Pilotprojekt zur Einzelerfassung und -meldung der Nutzung urheberrechtlich geschützter Sprachwerke gemäß §52a UrhG hat gezeigt, dass sich mithilfe eines Lernmanagementsystems technische und organisatorische Workflows etablieren lassen, die eine solche Erfassung und Meldung ermöglichen.
In Abstimmung mit der VG Wort wurde eine technische Schnittstelle spezifiziert, die sich im Praxiseinsatz bewährt hat und die datenschutzrechtlichen Belangen ebenso Rechnung trägt wie der sicheren Autorisierung kostenpflichtiger Meldungen.
In begleitenden Befragungen hat sich die Einschätzung bestätigt, dass sowohl für Lehrende als auch Studierende die Distribution digitaler Lehr- und Lernmaterialien eine sehr wichtige Rolle im Studienalltag spielt. Neben selbst erstellten Materialien, die die ganz überwiegende Mehrzahl der bereitgestellten Dokumente ausmachen, ist die Nutzung des §52a UrhG in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern wichtiger Bestandteil des Lernens und Lehrens. Die Auswertung der Projektergebnisse zeigt nach Einführung der Einzelmeldung einen spürbaren, aber nicht sehr einschneidenden Rückgang der Bereitstellung von Materialien insgesamt. Insbesondere die Nutzung des § 52a UrhG für Sprachwerke ist allerdings im Zeitraum des Pilotbetriebs erheblich zurückgegangen. Durch diesen Rückgang verschlechtern sich die Qualität der Lehre sowie der Service für Studierende deutlich (vgl. Schulze & Gruber 2007).
Wird nicht nur der Einzelvorgang der Bereitstellung von Materialien im LMS betrachtet, erscheint der Gesamtprozess allerdings kritisch: Da jede Nutzung einzeln abzurechnen ist, müssen Lehrende vorab genau prüfen, ob Campuslizenzen vorliegen und damit die Gefahr von Doppelmeldungen droht. Hinzu kommt die Problematik vorrangiger Verlagsangebote. Zwar ist es als sehr positiv zu bewerten, dass eine zusätzliche Recherche solcher Angebote dank der Integration eines entsprechenden Kataloges in die VG-Wort-Meldemaske entfällt, allerdings erfolgt der Hinweis auf ein solchen Angebot sehr spät, nämlich erst dann, wenn die Lehrenden bereits ein hochladereifes Dokument bereitstellen wollen. ¶ 57
Im Anschluss an das Pilotprojekt wurde die technische Spezifikation überarbeitet, so dass viele Detailprobleme beseitigt werden und zusätzliche Effizienzpotenziale genutzt können. Der grundsätzliche Aufwand, jede einzelne Nutzung erfassen und melden zu müssen, bliebe davon aber unberührt. Ungeklärt sind bislang auch die Fragen der hochschulinternen Verrechnung der entstehenden Kosten.
BGH (2013a). Az I ZR 76/12, Pressemitteilung zum Urteil vom 28.11.2013
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht
=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&nr=66067&linked=pm&Blank=1 ¶ 61
BGH (2013b). Az XII ZR 72/11, Urteil vom 20.3.2013
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht =bgh&Art=en&nr=63820&pos=0&anz=1
Horn, J. (2009): Urheberrecht beim kollaborativen Lernen und Lehren in netzgestützten Lernumgebungen. In L. Schulze & H.-J. Appelrath, Auf dem Weg zu exzellentem E-Learning. Vernetzung und Kooperation der Hochschullehre in Niedersachsen. Münster: Waxmann. ¶ 64
Schulze, L., Gruber, C. (2007). Bericht – Erhebung von Nutzungsdaten für nach § 52a UrhG verwendetes Material im Hochschulbereich. Osnabrück: virtUOS. https://repositorium.uni-osnabrueck.de/handle/urn:nbn:de:gbv:700-20140 62312572
Taraghi, B., Ebner, M., Schön, S. (2013). Systeme im Einsatz -WBT, LMS, E-Portfolio-Systeme, PLE und andere. In M. Ebner & S. Schön (Hrsg.), L3T – Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. http://l3t.eu/homepage/das-buch/ebook-2013/kapitel/o/id/137/name/systeme-im-einsatz.
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