Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/kopftuecher-in-der-schule-391464
Timestamp: 2020-01-22 02:04:47+00:00

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Kopf­tü­cher in der Schu­le | Rechtslupe
Der Schutz des Grund­rechts auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) gewähr­leis­tet auch Lehr­kräf­ten in der öffent­li­chen bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le die Frei­heit, einem aus reli­giö­sen Grün­den als ver­pflich­tend ver­stan­de­nen Bede­ckungs­ge­bot zu genü­gen, wie dies etwa durch das Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs der Fall sein kann.
Ein lan­des­wei­tes gesetz­li­ches Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen (hier: nach § 57 Abs. 4 SchulG NW) durch das äuße­re Erschei­nungs­bild schon wegen der bloß abs­trak­ten Eig­nung zur Begrün­dung einer Gefahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät in einer öffent­li­chen bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le ist unver­hält­nis­mä­ßig, wenn die­ses Ver­hal­ten nach­voll­zieh­bar auf ein als ver­pflich­tend ver­stan­de­nes reli­giö­ses Gebot zurück­zu­füh­ren ist. Ein ange­mes­se­ner Aus­gleich der ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Posi­tio­nen – der Glau­bens­frei­heit der Lehr­kräf­te, der nega­ti­ven Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie der Eltern, des Eltern­grund­rechts und des staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trags – erfor­dert eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Ver­bots­norm, nach der zumin­dest eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die Schutz­gü­ter vor­lie­gen muss.
Wird in bestimm­ten Schu­len oder Schul­be­zir­ken auf­grund sub­stan­ti­el­ler Kon­flikt­la­gen über das rich­ti­ge reli­giö­se Ver­hal­ten bereichs­spe­zi­fisch die Schwel­le zu einer hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Stö­rung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­li­tät in einer beacht­li­chen Zahl von Fäl­len erreicht, kann ein ver­fas­sungs­recht­lich anzus Bedürf­nis bestehen, reli­giö­se Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild nicht erst im kon­kre­ten Ein­zel­fall, son­dern etwa für bestimm­te Schu­len oder Schul­be­zir­ke über eine gewis­se Zeit auch all­ge­mei­ner zu unter­bin­den.
Wer­den äuße­re reli­giö­se Bekun­dun­gen durch Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen in der öffent­li­chen bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le zum Zweck der Wah­rung des Schul­frie­dens und der staat­li­chen Neu­tra­li­tät gesetz­lich unter­sagt, so muss dies für alle Glau­bens- und Welt­an­schau­ungs­rich­tun­gen grund­sätz­lich unter­schieds­los gesche­hen.
Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in zwei bei ihm anhän­gi­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den zu den Rege­lun­gen im nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­ge­setz. Glei­ches gilt aber natür­lich auch für die ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen in den Schul­ge­set­zen eini­ger ande­rer Bun­des­län­der.
Ein pau­scha­les Kopf­tuch­ver­bot für Lehr­kräf­te in öffent­li­chen Schu­len ist daher nach die­ser Ent­schei­dung des­Bun­des­ver­fass­sungs­ge­richts mit der Ver­fas­sung nicht ver­ein­bar. Ein pau­scha­les Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen in öffent­li­chen Schu­len durch das äuße­re Erschei­nungs­bild von Päd­ago­gin­nen ist mit deren Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) nicht ver­ein­bar.
§ 57 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 des nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­ge­set­zes sind nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fas­sungs­kon­form dahin­ge­hend ein­zu­schrän­ken, dass von einer äuße­ren reli­giö­sen Bekun­dung nicht nur eine abs­trak­te, son­dern eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr der Beein­träch­ti­gung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­li­tät aus­ge­hen muss, um ein Ver­bot zu recht­fer­ti­gen. § 57 Abs. 4 Satz 3 des Schul­ge­set­zes, der als Pri­vi­le­gie­rung zuguns­ten christ­lich-abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen kon­zi­piert ist, ver­stößt gegen das Ver­bot der Benach­tei­li­gung aus reli­giö­sen Grün­den (Art. 3 Abs. 3 Satz 1 und Art. 33 Abs. 3 GG) und ist daher nich­tig.
Die Rege­lun­gen im nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­ge­setz
Aus­gangs­sach­ver­halt der ers­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de – die rosa­far­be­ne Bas­ken­müt­ze
Aus­gangs­sach­ver­halt der zwei­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de – Kopf­tuch schon bei der Ein­stel­lung
Art. 4 Abs. 1 und 2 GG)»">Schutz der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG)
Kopf­be­de­ckun­gen der Leh­re­rin­nen
Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der Ein­schrän­kung
Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung von § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NRW
Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung von § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NRW
Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung von § 58 Satz 2 SchulG NRW
Auf­he­bung der arbeits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen
Nich­tig­keit von § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NRW
Kein Ver­stoß gegen ande­re Grund­rech­te
Ver­ein­bar­keit mit der EMRK
Ver­ein­bar­keit mit Bun­des­recht – das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz
Abwei­chen­de Mei­nung der BVerfG-Rich­ter Schlu­cke­bier und Her­manns
Die Rege­lun­gen im nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­ge­setz[↑]
Die in Rede ste­hen­de Vor­schrift des § 57 Abs. 4 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len (SchulG NW) 1 lau­tet:
(4) ¹Leh­re­rin­nen und Leh­rer dür­fen in der Schu­le kei­ne poli­ti­schen, reli­giö­sen, welt­an­schau­li­chen oder ähn­li­che äuße­re Bekun­dun­gen abge­ben, die geeig­net sind, die Neu­tra­li­tät des Lan­des gegen­über Schü­le­rin­nen und Schü­lern sowie Eltern oder den poli­ti­schen, reli­giö­sen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stö­ren. ²Ins­be­son­de­re ist ein äuße­res Ver­hal­ten unzu­läs­sig, wel­ches bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern oder den Eltern den Ein­druck her­vor­ru­fen kann, dass eine Leh­re­rin oder ein Leh­rer gegen die Men­schen­wür­de, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Arti­kel 3 des Grund­ge­set­zes, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tritt. ³Die Wahr­neh­mung des Erzie­hungs­auf­trags nach Arti­kel 7 und 12 Abs. 6 der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen wider­spricht nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1. ¼Das Neu­tra­li­täts­ge­bot des Sat­zes 1 gilt nicht im Reli­gi­ons­un­ter­richt und in den Bekennt­nis- und Welt­an­schau­ungs­schu­len.
Infol­ge einer am 29.10.2011 in Kraft getre­te­nen Ver­fas­sungs­än­de­rung fin­det sich der bis­he­ri­ge Text des Art. 12 Abs. 6 Verf NW, auf den sich § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW bezieht, jetzt in Art. 12 Abs. 3 Verf NW (vgl. Art. 1 Nr. 4 Buchst. e des Geset­zes zur Ände­rung der Ver­fas­sung für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 25.10.2011, GV.NRW. S. 499).
In Absatz 6 des § 57 SchulG NW ist über­dies bestimmt:
(6) ¹Die Ein­stel­lung einer Leh­re­rin oder eines Leh­rers setzt als per­sön­li­ches Eig­nungs­merk­mal vor­aus, dass sie oder er die Gewähr für die Ein­hal­tung der Bestim­mun­gen des Absat­zes 4 in der gesam­ten vor­aus­sicht­li­chen Dienst­zeit bie­tet. ²Ent­spre­chen­des gilt für die Ver­set­zung einer Leh­re­rin oder eines Leh­rers eines ande­ren Dienst­herrn in den nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­dienst. ³Für Lehr­amts­an­wär­te­rin­nen und Lehr­amts­an­wär­ter kön­nen von der Ein­stel­lungs­be­hör­de auf Antrag Aus­nah­men vor­ge­se­hen wer­den, soweit die Aus­übung ihrer Grund­rech­te es zwin­gend erfor­dert und zwin­gen­de öffent­li­che Inter­es­sen an der Wah­rung der staat­li­chen Neu­tra­li­tät und des Schul­frie­dens nicht ent­ge­gen­ste­hen.
Die Anwend­bar­keit die­ser Bestim­mun­gen wird durch § 58 Satz 2 SchulG NW auf das sons­ti­ge an Schu­len täti­ge päd­ago­gi­sche und sozi­al­päd­ago­gi­sche Per­so­nal erstreckt. § 58 SchulG NW lau­tet:
¹Sons­ti­ge im Lan­des­dienst ste­hen­de päd­ago­gi­sche und sozi­al­päd­ago­gi­sche Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wir­ken bei der Bil­dungs- und Erzie­hungs­ar­beit mit. ²§ 57 Abs. 4 und 6 gilt ent­spre­chend.
Die in § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW in Bezug genom­me­nen Vor­schrif­ten der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len haben fol­gen­den Wort­laut:
(1) Ehr­furcht vor Gott, Ach­tung vor der Wür­de des Men­schen und Bereit­schaft zum sozia­len Han­deln zu wecken, ist vor­nehms­tes Ziel der Erzie­hung.
(2) Die Jugend soll erzo­gen wer­den im Geis­te der Mensch­lich­keit, der Demo­kra­tie und der Frei­heit, zur Duld­sam­keit und zur Ach­tung vor der Über­zeu­gung des ande­ren, zur Ver­ant­wor­tung für Tie­re und die Erhal­tung der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen, in Lie­be zu Volk und Hei­mat, zur Völ­ker­ge­mein­schaft und Frie­dens­ge­sin­nung.
(3) ¹In Gemein­schafts­schu­len wer­den Kin­der auf der Grund­la­ge christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te in Offen­heit für die christ­li­chen Bekennt­nis­se und für ande­re reli­giö­se und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen gemein­sam unter­rich­tet und erzo­gen. ²In Bekennt­nis­schu­len wer­den Kin­der des katho­li­schen oder des evan­ge­li­schen Glau­bens oder einer ande­ren Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nach den Grund­sät­zen des betref­fen­den Bekennt­nis­ses unter­rich­tet und erzo­gen. ³In Welt­an­schau­ungs­schu­len, zu denen auch die bekennt­nis­frei­en Schu­len gehö­ren, wer­den die Kin­der nach den Grund­sät­zen der betref­fen­den Welt­an­schau­ung unter­rich­tet und erzo­gen.
Aus­gangs­sach­ver­halt der ers­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de – die rosa­far­be­ne Bas­ken­müt­ze[↑]
Die im Jahr 1971 in Deutsch­land gebo­re­ne Son­der­päd­agog­i­nin in dem ers­ten der bei­den jetzt vom Bun­des­ver­fas­sugns­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­den 2 ist tür­ki­scher Abstam­mung und mus­li­mi­schen Glau­bens; sie gehört weder einer Moschee­ge­mein­de noch sonst einer isla­mi­schen Gemein­schaft an. Anders als ihre drei Schwes­tern trägt sie seit ihrem 17. Lebens­jahr aus reli­giö­sen Grün­den in der Öffent­lich­keit ein Kopf­tuch. Seit März 1999 besitzt sie die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit. Nach einem abge­schlos­se­nen Stu­di­um der Sozi­al­päd­ago­gik ist sie seit dem 7.10.1997 beim Land Nord­rhein-West­fa­len ange­stellt und an einer Gesamt­schu­le in Düs­sel­dorf beschäf­tigt. Sie wird dort bei der Schlich­tung von Schul­kon­flik­ten – ins­be­son­de­re durch Bera­tung aus­län­di­scher Schü­ler und ihrer Eltern – ein­ge­setzt und kommt mit Schul­an­ge­hö­ri­gen unter­schied­li­cher Natio­na­li­tät und Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit in Kon­takt.
Nach Inkraft­tre­ten der in Rede ste­hen­den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen (§ 57 Abs. 4, § 58 Satz 2 SchulG NW) for­der­te die Schul­be­hör­de die Son­der­päd­agog­i­nin auf, das von ihr bis­lang auch wäh­rend des Diens­tes getra­ge­ne isla­mi­sche Kopf­tuch abzu­le­gen. Die­ser Auf­for­de­rung kam die Son­der­päd­agog­i­nin nach, ersetz­te aber das Kopf­tuch durch eine rosa­far­be­ne han­dels­üb­li­che Bas­ken­müt­ze mit Strick­bund, die ihr Haar, den Haar­an­satz und die Ohren kom­plett bedeckt. Dies kom­bi­nier­te sie mit einer Hals­be­de­ckung, etwa einem gleich­far­bi­gen Roll­kra­gen­pull­over. Im Rah­men eines Per­so­nal­ge­sprächs ließ die Son­der­päd­agog­i­nin die Fra­ge, war­um sie die­se Kopf­be­de­ckung tra­ge, gegen­über der Schul­lei­te­rin unbe­ant­wor­tet, bestä­tig­te aber, dass sie das Kopf­tuch in der Ver­gan­gen­heit aus reli­giö­sen Grün­den getra­gen habe.
Die Schul­be­hör­de erteil­te der Son­der­päd­agog­i­nin eine Abmah­nung und droh­te ihr für den Fall unver­än­der­ten Ver­hal­tens die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses an. Das reli­gi­ös moti­vier­te Tra­gen einer kopf­tuch­ähn­li­chen Kopf­be­de­ckung in der Schu­le ent­fal­te Signal­wir­kung und mache reli­giö­se Zusam­men­hän­ge für außen­ste­hen­de Beob­ach­ter sicht­bar. So kön­ne der Schul­frie­den gefähr­det wer­den. Zudem stel­le es ein äuße­res Ver­hal­ten dar, das bei Schü­lern und Eltern den Ein­druck her­vor­ru­fen kön­ne, dass die Son­der­päd­agog­i­nin gegen die Men­schen­wür­de, die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tre­te. Die Son­der­päd­agog­i­nin ver­sto­ße daher gegen § 57 Abs. 4 SchulG NW.
Die Son­der­päd­agog­i­nin erhob vor dem Arbeits­ge­richt Kla­ge, mit der sie die Ent­fer­nung der Abmah­nung aus ihrer Per­so­nal­ak­te ver­lang­te. Das Arbeits­ge­richt Düs­sel­dorf wies die Kla­ge ab 3. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung der Son­der­päd­agog­i­nin blieb vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf ohne Erfolg 4. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt wies die Revi­si­on der Son­der­päd­agog­i­nin eben­falls zurück 5:
Die Ent­fer­nung einer zu Unrecht erteil­ten Abmah­nung aus der Per­so­nal­ak­te kön­ne zwar in ent­spre­chen­der Anwen­dung der §§ 242, 1004 BGB unter ande­rem dann ver­langt wer­den, wenn die Abmah­nung unrich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen ent­hal­te. Das sei hier jedoch nicht der Fall, da die Son­der­päd­agog­i­nin gegen das Bekun­dungs­ver­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ver­sto­ßen habe. Die­se Bestim­mung ver­let­ze kein höher­ran­gi­ges Recht.
Aus­gangs­sach­ver­halt der zwei­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de – Kopf­tuch schon bei der Ein­stel­lung[↑]
Die im Jahr 1977 gebo­re­ne Leh­re­rin in dem zwei­ten der bei­den jetzt vom Bun­des­ver­fas­sugns­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­den 6 trat 2001 als ange­stell­te Leh­re­rin in ein zunächst befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis mit dem Land Nord­rhein-West­fa­len ein, das spä­ter in ein unbe­fris­te­tes umge­wan­delt wur­de. Sie ist eben­falls Mus­li­min tür­ki­scher Abstam­mung und besitzt die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit. Sie erteil­te an meh­re­ren Schu­len im Bereich des Schul­amts R. mut­ter­sprach­li­chen Unter­richt in tür­ki­scher Spra­che. Am Unter­richt nah­men aus­schließ­lich mus­li­mi­sche Schü­ler teil, die die­sen Unter­richt frei­wil­lig gewählt hat­ten. Bei ihrer Bewer­bung hat­te die Leh­re­rin ein Licht­bild ein­ge­reicht, das sie mit Kopf­tuch zeig­te. Sie ver­rich­te­te ihren Dienst stets mit einem Kopf­tuch, ohne dass es des­we­gen zu Bean­stan­dun­gen kam.
Im August 2006 wur­de die Leh­re­rin von ihrem Schul­lei­ter davon in Kennt­nis gesetzt, dass das Tra­gen eines Kopf­tuchs nach isla­mi­schem Reli­gi­ons­brauch mit den neu­en gesetz­li­chen Bestim­mun­gen nicht mehr ver­ein­bar sei. Sie führ­te dar­auf­hin in einer schrift­li­chen Stel­lung­nah­me aus, sie tra­ge das Kopf­tuch seit ihrem zwölf­ten Lebens­jahr, und zwar auf­grund eige­nen Wun­sches und aus reli­giö­ser Über­zeu­gung. Nach einer erneu­ten Anhö­rung der Leh­re­rin sprach das Land Nord­rhein-West­fa­len im Novem­ber 2006 schrift­lich eine Abmah­nung aus. Dar­in hielt es der Leh­re­rin das Tra­gen des Kopf­tuchs als Pflich­ten­ver­stoß vor und kün­dig­te arbeits­recht­li­che Maß­nah­men bis hin zur Kün­di­gung an, falls sie nicht künf­tig dau­er­haft ohne Kopf­tuch in der Schu­le erschei­nen soll­te. Das Tra­gen des isla­mi­schen Kopf­tuchs kön­ne den Schul­frie­den gefähr­den und den Ein­druck her­vor­ru­fen, dass die Leh­re­rin gegen die Men­schen­wür­de, die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tre­te. Die Leh­re­rin kam der Auf­for­de­rung nicht nach. Nach Zustim­mung des Per­so­nal­rats erklär­te das Land Nord­rhein-West­fa­len dar­auf­hin im Febru­ar 2007 die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zum 30.06.2007.
Die Leh­re­rin ging gericht­lich zunächst gegen die Abmah­nung und spä­ter gegen die Kün­di­gung vor. Das Arbeits­ge­richt Her­ne wies bei­de Kla­gen ab 7. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen blie­ben vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm eben­falls ohne Erfolg 8. Das Tra­gen eines Kopf­tuchs im Unter­richt, so das Arbeits­ge­richt und das Lan­des­ar­beits­ge­richt, ver­sto­ße als reli­giö­se Bekun­dung jeden­falls gegen § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, gegen des­sen Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit kei­ne Beden­ken bestün­den. Auch unter Ein­be­zie­hung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW sei­en weder das Gleich­heits­ge­bot noch die Reli­gi­ons­frei­heit ver­letzt. Die Leh­re­rin leg­te gegen bei­de Ent­schei­dun­gen Revi­si­on ein, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt zurück wies 9:
Die Kün­di­gung der Leh­re­rin sei aus ver­hal­tens­be­ding­ten Grün­den im Sin­ne von § 1 Abs. 2 BVerfGchG sozi­al gerecht­fer­tigt. Eine Kün­di­gung sei durch Grün­de im Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers bedingt, wenn die­ser mit dem ihm vor­ge­wor­fe­nen Ver­hal­ten eine Ver­trags­pflicht – in der Regel schuld­haft – erheb­lich ver­letzt habe, das Arbeits­ver­hält­nis dadurch kon­kret beein­träch­tigt wer­de, die zumut­ba­re Mög­lich­keit einer ander­wei­ti­gen Beschäf­ti­gung nicht bestehe und die Lösung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in Abwä­gung der Inter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le bil­li­gens­wert und ange­mes­sen erschei­ne. Eine sol­che Pflicht­ver­let­zung lie­ge in dem Ver­stoß der Leh­re­rin gegen das Neu­tra­li­täts­ge­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW. Die­ses habe sie durch die bewuss­te Wahl einer reli­gi­ös bestimm­ten Klei­dung ver­letzt. Es bestehe auch nach ihren eige­nen Bekun­dun­gen kein Zwei­fel, dass sie das Kopf­tuch tra­ge, weil sie einem von ihr als maß­geb­lich emp­fun­de­nen reli­giö­sen Brauch fol­gen wol­le. In die­sem Sin­ne fas­se auch der unbe­fan­ge­ne Beob­ach­ter das Tra­gen des Kopf­tuchs auf. Unter Hin­weis auf sein mit der ers­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nes urteil führ­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt wei­ter aus, die Rege­lung des § 57 Abs. 4 SchulG NW sei nicht ver­fas­sungs­wid­rig und ver­sto­ße nicht gegen Art. 9 EMRK oder § 7 Abs. 1 AGG. Ohne Erfolg mache die Leh­re­rin Ver­trau­ens­schutz für sich gel­tend. Es lie­ge weder eine ech­te noch eine unech­te Rück­wir­kung vor. Die Vor­schrift des § 57 Abs. 4 SchulG NW knüp­fe nicht an reli­giö­se Bekun­dun­gen vor ihrem Inkraft­tre­ten am 1.08.2006 an. Dass die Leh­re­rin Dis­po­si­tio­nen in der Erwar­tung getrof­fen habe, die Rechts­la­ge wer­de sich nicht ändern, füh­re nicht zu einer ihr güns­ti­ge­ren Bewer­tung. Die blo­ße Annah­me, recht­lich wer­de alles blei­ben, wie es ist, genie­ße kei­nen recht­li­chen Schutz.
Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen wen­den sich mit ihren Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die sie betref­fen­den arbeits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen und mit­tel­bar gegen die zugrun­de lie­gen­de lan­des­schul­ge­setz­li­che Rege­lung.
Gegen­stand der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung sind die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen der Arbeits­ge­rich­te und die ihnen zugrun­de lie­gen­de Ver­bots­be­stim­mung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, soweit die­se reli­giö­se Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild des päd­ago­gi­schen Per­so­nals betrifft. Die Prü­fung der Norm ist auch auf Satz 2 und Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW zu erstre­cken, obgleich sich die Arbeits­ge­rich­te aus­drück­lich nur auf das Bekun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 gestützt haben. Der Rege­lung liegt ein ein­heit­li­ches Kon­zept zugrun­de. Dies kommt auch in der sprach­li­chen Anknüp­fung des Sat­zes 2 an Satz 1 ("Ins­be­son­de­re …") zum Aus­druck. Der von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen bean­stan­de­te Satz 3 knüpft gleich­falls an Satz 1 an und ist in die Prü­fung ein­zu­be­zie­hen, weil sei­ne Pri­vi­le­gie­rung christ­li­cher und jüdi­scher Reli­gio­nen den Beschwer­de­füh­re­rin­nen bei der Anwen­dung des Sat­zes 1 gleich­heits­wid­rig nicht zugu­te kommt. Die den Anwen­dungs­be­reich der Norm auf sons­ti­ge, bei der Bil­dungs- und Erzie­hungs­ar­beit mit­wir­ken­de päd­ago­gi­sche und sozi­al­päd­ago­gi­sche Mit­ar­bei­ter erwei­tern­de Vor­schrift des § 58 Satz 2 SchulG NW ist Gegen­stand der Prü­fung, weil sie im Fall der Son­der­päd­ago­gin unver­zicht­ba­rer Teil der von den Arbeits­ge­rich­ten ange­wand­ten Rechts­grund­la­ge ist.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beur­teil­te die zuläs­si­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den als im Wesent­li­chen begrün­det.
Die Vor­schrif­ten des § 57 Abs. 4 Satz 1 und 2 und des § 58 Satz 2 SchulG NW sind in den Fäl­len reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild von Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen nur nach Maß­ga­be einer der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) gerecht wer­den­den ein­schrän­ken­den Inter­pre­ta­ti­on mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen bean­stan­de­ten arbeits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen wer­den die­sen Anfor­de­run­gen nicht gerecht und ver­let­zen sie des­halb in ihrem Grund­recht auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit. Der als Pri­vi­le­gie­rungs­vor­schrift zuguns­ten christ­lich-abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen kon­zi­pier­te § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW steht nicht im Ein­klang mit dem Ver­bot der Benach­tei­li­gung aus reli­giö­sen Grün­den (Art. 3 Abs. 3 Satz 1 und Art. 33 Abs. 3 GG). Das lässt jedoch den Bestand der Rege­lung im Übri­gen und die Mög­lich­keit der ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung der Sät­ze 1 und 2 des § 57 Abs. 4 SchulG NW unbe­rührt.
Die ange­grif­fe­nen Urtei­le der Arbeits­ge­rich­te ver­let­zen die Beschwer­de­füh­re­rin­nen jeweils in ihrem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG. Die Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te und des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind auf­zu­he­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­weist die Sachen jeweils an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück (§ 95 Abs. 2 BVerfGG). Auf die­se Wei­se wird in der Tat­sa­chen­in­stanz die Mög­lich­keit ergän­zen­der Fest­stel­lun­gen eröff­net, um die­se auf der Grund­la­ge einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 SchulG NW einer erneu­ten fach­recht­li­chen Bewer­tung unter­zie­hen zu kön­nen.
Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist mit 6:2 Stim­men ergan­gen; die Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Schlu­cke­bier und Her­manns haben der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein abwei­chen­des Son­der­vo­tum bei­gefügt.
§ 57 Absatz 4 Satz 3 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 15.02.2005 10 in der Fas­sung des Ers­ten Geset­zes zur Ände­rung des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 13.06.2006 11 ist mit Arti­kel 3 Absatz 3 Satz 1 und mit Arti­kel 33 Absatz 3 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar und nich­tig.
§ 57 Absatz 4 Sät­ze 1 und 2 sowie § 58 Satz 2 des vor­be­zeich­ne­ten Geset­zes sind, soweit sie reli­giö­se Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild betref­fen, nach Maß­ga­be der Grün­de mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.
Die in den Aus­gangs­ver­fah­ren ergan­ge­nen Urtei­le der Arbeits­ge­rich­te beru­hen auf einer gesetz­li­chen Grund­la­ge, die der ein­schrän­ken­den ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung bedarf. Deren Anfor­de­run­gen genü­gen die Urtei­le nicht. Ein Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild, das bereits die abs­trak­te Gefahr einer Beein­träch­ti­gung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­li­tät aus­rei­chen lässt, ist im Blick auf die Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der Päd­ago­gen jeden­falls unan­ge­mes­sen und damit unver­hält­nis­mä­ßig, wenn die Bekun­dung nach­voll­zieh­bar auf ein als ver­pflich­tend emp­fun­de­nes reli­giö­ses Gebot zurück­führ­bar ist. Erfor­der­lich ist viel­mehr eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr. Eine ent­spre­chen­de gebiets­be­zo­ge­ne, mög­li­cher­wei­se auch lan­des­wei­te Unter­sa­gung kommt von Ver­fas­sungs wegen für öffent­li­che bekennt­nis­of­fe­ne Gemein­schafts­schu­len nur dann in Betracht, wenn eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die genann­ten Schutz­gü­ter im gesam­ten Gel­tungs­be­reich der Unter­sa­gung besteht.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in bei­den Aus­gangs­ver­fah­ren – wie im Ergeb­nis schon die Vor­in­stan­zen – ange­nom­men, das Ver­hal­ten der Beschwer­de­füh­re­rin­nen sei im Sin­ne von § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW geeig­net, die Neu­tra­li­tät des Lan­des gegen­über Schü­lern und Eltern sowie den reli­giö­sen Schul­frie­den zu gefähr­den. Das Ver­bot erfas­se nicht erst Bekun­dun­gen, die die Neu­tra­li­tät des Lan­des oder den reli­giö­sen Schul­frie­den kon­kret gefähr­de­ten oder gar stör­ten. Es sol­le schon einer abs­trak­ten Gefahr vor­beu­gen, um kon­kre­te Gefähr­dun­gen gar nicht erst auf­kom­men zu las­sen.
Ein so weit grei­fen­des Ver­ständ­nis des Ver­bots führt für Fäl­le der vor­lie­gen­den Art zu einem erheb­li­chen Ein­griff in das Grund­recht auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit des päd­ago­gi­schen Per­so­nals, der in die­ser All­ge­mein­heit ver­fas­sungs­recht­lich nicht gerecht­fer­tigt wer­den kann, weil er sich als unver­hält­nis­mä­ßig erweist.
Schutz der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG)[↑]
Der Schutz des Grund­rechts auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) gewähr­leis­tet auch den Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen in der öffent­li­chen bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le die Frei­heit, den Regeln ihres Glau­bens gemäß einem reli­giö­sen Bede­ckungs­ge­bot zu genü­gen, wie dies etwa durch das Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs der Fall sein kann, wenn dies hin­rei­chend plau­si­bel begrün­det wird.
Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen kön­nen sich auch als Ange­stell­te im öffent­li­chen Dienst auf ihr Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG beru­fen 12. Die Grund­rechts­be­rech­ti­gung der Beschwer­de­füh­re­rin­nen wird durch ihre Ein­glie­de­rung in den staat­li­chen Auf­ga­ben­be­reich der Schu­le nicht von vorn­her­ein oder grund­sätz­lich in Fra­ge gestellt. Der Staat bleibt zudem auch dann an die Grund­rech­te gebun­den, wenn er sich zur Auf­ga­ben­er­fül­lung zivil­recht­li­cher Instru­men­te bedient, wie das hier durch den Abschluss pri­vat­recht­li­cher Arbeits­ver­trä­ge mit den zur Erfül­lung sei­nes Erzie­hungs­auf­trags von ihm ange­stell­ten Päd­ago­gin­nen der Fall ist (Art. 1 Abs. 3 GG; vgl. BVerfGE 128, 226, 245).
Art. 4 GG garan­tiert in Absatz 1 die Frei­heit des Glau­bens, des Gewis­sens und des reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Bekennt­nis­ses, in Absatz 2 das Recht der unge­stör­ten Reli­gi­ons­aus­übung. Bei­de Absät­ze des Art. 4 GG ent­hal­ten ein umfas­send zu ver­ste­hen­des ein­heit­li­ches Grund­recht 13. Es erstreckt sich nicht nur auf die inne­re Frei­heit, zu glau­ben oder nicht zu glau­ben, das heißt einen Glau­ben zu haben, zu ver­schwei­gen, sich vom bis­he­ri­gen Glau­ben los­zu­sa­gen und einem ande­ren Glau­ben zuzu­wen­den, son­dern auch auf die äuße­re Frei­heit, den Glau­ben zu bekun­den und zu ver­brei­ten, für sei­nen Glau­ben zu wer­ben und ande­re von ihrem Glau­ben abzu­wer­ben 14. Umfasst sind damit nicht allein kul­ti­sche Hand­lun­gen und die Aus­übung und Beach­tung reli­giö­ser Gebräu­che, son­dern auch die reli­giö­se Erzie­hung sowie ande­re Äuße­rungs­for­men des reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Lebens 15. Dazu gehört auch das Recht der Ein­zel­nen, ihr gesam­tes Ver­hal­ten an den Leh­ren ihres Glau­bens aus­zu­rich­ten und die­ser Über­zeu­gung gemäß zu han­deln, also glau­bens­ge­lei­tet zu leben; dies betrifft nicht nur impe­ra­ti­ve Glau­bens­sät­ze 16.
Bei der Wür­di­gung des­sen, was im Ein­zel­fall als Aus­übung von Reli­gi­on und Welt­an­schau­ung zu betrach­ten ist, darf das Selbst­ver­ständ­nis der jeweils betrof­fe­nen Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten und des ein­zel­nen Grund­rechts­trä­gers nicht außer Betracht blei­ben 17. Dies bedeu­tet jedoch nicht, dass jeg­li­ches Ver­hal­ten einer Per­son allein nach deren sub­jek­ti­ver Bestim­mung als Aus­druck der Glau­bens­frei­heit ange­se­hen wer­den muss. Die staat­li­chen Orga­ne dür­fen prü­fen und ent­schei­den, ob hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt ist, dass sich das Ver­hal­ten tat­säch­lich nach geis­ti­gem Gehalt und äuße­rer Erschei­nung in plau­si­bler Wei­se dem Schutz­be­reich des Art. 4 GG zuord­nen lässt, also tat­säch­lich eine als reli­gi­ös anzu­se­hen­de Moti­va­ti­on hat. Dem Staat ist es indes ver­wehrt, der­ar­ti­ge Glau­bens­über­zeu­gun­gen sei­ner Bür­ger zu bewer­ten oder gar als "rich­tig" oder "falsch" zu bezeich­nen; dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn hier­zu inner­halb einer Reli­gi­on diver­gie­ren­de Ansich­ten ver­tre­ten wer­den 18.
Die Mus­li­min­nen, die ein in der für ihren Glau­ben typi­schen Wei­se gebun­de­nes Kopf­tuch tra­gen, kön­nen sich dafür auch bei der Aus­übung ihres Berufs in der öffent­li­chen bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le, aber auch für das Tra­gen einer sons­ti­gen Beklei­dung, durch die Haa­re und Hals nach­voll­zieh­bar aus reli­giö­sen Grün­den bedeckt wer­den, auf den Schutz der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG beru­fen 19.
Die bei­den Beschwer­de­füh­re­rin­nen machen mit ihren Ver­fas­sungs­be­schwer­den eine reli­giö­se Moti­va­ti­on für das Tra­gen ihrer Kopf­be­de­ckun­gen gel­tend. Sie bezeich­nen deren Tra­gen als unbe­ding­te reli­giö­se Pflicht und als ele­men­ta­ren Bestand­teil einer am Islam ori­en­tier­ten Lebens­wei­se.
Die­se reli­giö­se Fun­die­rung der Beklei­dungs­wahl ist auch mit Rück­sicht auf die im Islam ver­tre­te­nen unter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen zum soge­nann­ten Bede­ckungs­ge­bot nach geis­ti­gem Gehalt und äuße­rer Erschei­nung hin­rei­chend plau­si­bel. Dabei kommt es nicht dar­auf an, dass der genaue Inhalt der Beklei­dungs­vor­schrif­ten für Frau­en unter isla­mi­schen Gelehr­ten durch­aus umstrit­ten ist. Es genügt, dass die­se Betrach­tung unter den ver­schie­de­nen Rich­tun­gen des Islam ver­brei­tet ist und ins­be­son­de­re auf zwei Stel­len im Koran (Sure 24, Vers 31; Sure 33, Vers 59) zurück­ge­führt wird 20. Ein Bede­ckungs­ge­bot wird im Islam teil­wei­se auch als unbe­ding­te Pflicht ein­ge­ord­net 21. Unter die­sen Umstän­den kommt es nicht dar­auf an, dass ande­re Rich­tun­gen des Islam ein als ver­pflich­tend gel­ten­des Bede­ckungs­ge­bot für Frau­en nicht ken­nen 22.
Kopf­be­de­ckun­gen der Leh­re­rin­nen[↑]
Die auf § 57 Abs. 4 (im Fall der Son­der­päd­ago­gin i.V.m. § 58 Satz 2) SchulG NW gestütz­te, von den ange­grif­fe­nen Gerichts­ent­schei­dun­gen bestä­tig­te Unter­sa­gung des Tra­gens der in Rede ste­hen­den Kopf­be­de­ckun­gen erweist sich ange­sichts des von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen als ver­pflich­tend emp­fun­de­nen reli­giö­sen Bede­ckungs­ge­bots als schwer­wie­gen­der Ein­griff in ihr Grund­recht auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit.
Die Ein­ord­nung des Tra­gens von Klei­dungs­stü­cken als äuße­re reli­giö­se Bekun­dung im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW beruht auf einer zunächst den Fach­ge­rich­ten oblie­gen­den Aus­le­gung des ein­fa­chen Rechts, die für sich genom­men ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den ist.
Das Tat­be­stands­merk­mal der "äuße­ren Bekun­dung" im Sin­ne der ein­fach­ge­setz­li­chen Ein­griffs­grund­la­ge des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ist nicht auf ver­ba­le Äuße­run­gen beschränkt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt lässt inso­weit nach­voll­zieh­bar jede "bewuss­te, an die Außen­welt gerich­te­te Kund­ga­be einer reli­giö­sen Über­zeu­gung" genü­gen und stellt zur Ermitt­lung des Erklä­rungs­werts einer Kund­ga­be auf die­je­ni­gen Deu­tungs­mög­lich­kei­ten ab, die für eine nicht uner­heb­li­che Zahl von Betrach­tern nahe liegt. Die­ses auf den kom­mu­ni­ka­ti­ven Cha­rak­ter einer "äuße­ren Bekun­dung" im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW und auf den objek­ti­ven Betrach­ter­ho­ri­zont abstel­len­de Norm­ver­ständ­nis steht in Ein­klang mit dem in die­ser Vor­schrift ange­leg­ten Wirk­zu­sam­men­hang zwi­schen den dort genann­ten äuße­ren Bekun­dun­gen einer­seits und den davon betrof­fe­nen Schutz­gü­tern, also der staat­li­chen Neu­tra­li­tät und des Schul­frie­dens, ande­rer­seits.
Aller­dings kommt Kopf­be­de­ckun­gen und ande­ren Klei­dungs­stü­cken nicht ohne Wei­te­res die Bedeu­tung eines non­ver­ba­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tels im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW zu. Dies ist aus­ge­hend vom objek­ti­ven Betrach­ter­ho­ri­zont viel­mehr nur dann der Fall, wenn das Klei­dungs­stück sei­ner Art nach typi­scher­wei­se von vorn­her­ein Aus­druck eines poli­ti­schen, welt­an­schau­li­chen, reli­giö­sen oder ähn­li­chen Bekennt­nis­ses ist oder aber ein an sich neu­tra­les Klei­dungs­stück nach einer Gesamt­wür­di­gung der kon­kre­ten Begleit­um­stän­de ohne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel als eine sol­che äuße­re Bekun­dung ver­stan­den wer­den kann.
Nament­lich ein Kopf­tuch ist nicht aus sich her­aus reli­giö­ses Sym­bol. Eine ver­gleich­ba­re Wir­kung kann es erst im Zusam­men­wir­ken mit ande­ren Fak­to­ren ent­fal­ten 23. Inso­fern unter­schei­det es sich etwa vom christ­li­chen Kreuz 24. Auch wenn ein isla­mi­sches Kopf­tuch nur der Erfül­lung eines reli­giö­sen Gebots dient und ihm von der Trä­ge­rin kein sym­bo­li­scher Cha­rak­ter bei­gemes­sen wird, son­dern es ledig­lich als Klei­dungs­stück ange­se­hen wird, das die Reli­gi­on vor­schreibt, ändert dies nichts dar­an, dass es in Abhän­gig­keit vom sozia­len Kon­text ver­brei­tet als Hin­weis auf die mus­li­mi­sche Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit der Trä­ge­rin gedeu­tet wird. In die­sem Sin­ne ist es ein reli­gi­ös kon­no­tier­tes Klei­dungs­stück. Wird es als äuße­res Anzei­chen reli­giö­ser Iden­ti­tät ver­stan­den, so bewirkt es das Bekennt­nis einer reli­giö­sen Über­zeu­gung, ohne dass es hier­für einer beson­de­ren Kund­ga­be­ab­sicht oder eines zusätz­li­chen wir­kungs­ver­stär­ken­den Ver­hal­tens bedarf. Des­sen wird sich die Trä­ge­rin eines in typi­scher Wei­se gebun­de­nen Kopf­tuchs regel­mä­ßig auch bewusst sein. Die­se Wir­kung kann sich – je nach den Umstän­den des Ein­zel­falls – auch für ande­re For­men der Kopf- und Hals­be­de­ckung erge­ben.
Der Ein­griff, der mit der Unter­sa­gung des Tra­gens eines isla­mi­schen Kopf­tuchs oder einer ande­ren Kopf- und Hals­be­de­ckung in Erfül­lung eines reli­giö­sen Gebots ver­bun­den ist, wiegt schwer.
Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen beru­fen sich nicht nur auf eine reli­giö­se Emp­feh­lung, deren Befol­gung für die ein­zel­nen Gläu­bi­gen dis­po­ni­bel oder auf­schieb­bar ist. Viel­mehr haben sie plau­si­bel dar­ge­legt, dass es sich für sie – ent­spre­chend dem Selbst­ver­ständ­nis von Tei­len im Islam 25 – um ein impe­ra­ti­ves reli­giö­ses Bede­ckungs­ge­bot in der Öffent­lich­keit han­delt, das zudem nach­voll­zieh­bar ihre per­sön­li­che Iden­ti­tät berührt (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG), so dass ein Ver­bot die­ser Bede­ckung im Schul­dienst für sie sogar den Zugang zum Beruf ver­stel­len kann (Art. 12 Abs. 1 GG). Dass auf die­se Wei­se der­zeit fak­tisch vor allem mus­li­mi­sche Frau­en von der qua­li­fi­zier­ten beruf­li­chen Tätig­keit als Päd­ago­gin­nen fern­ge­hal­ten wer­den, steht zugleich in einem recht­fer­ti­gungs­be­dürf­ti­gen Span­nungs­ver­hält­nis zum Gebot der tat­säch­li­chen Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en (Art. 3 Abs. 2 GG). Vor die­sem Hin­ter­grund greift das gesetz­li­che Bekun­dungs­ver­bot in ihr Grund­recht auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit trotz sei­ner zeit­li­chen und ört­li­chen Begren­zung auf den schu­li­schen Bereich mit erheb­lich grö­ße­rem Gewicht ein, als dies bei einer reli­giö­sen Übung ohne plau­si­blen Ver­bind­lich­keits­an­spruch der Fall wäre.
Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der Ein­schrän­kung[↑]
Die­ser Ein­griff in die Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der Beschwer­de­füh­re­rin­nen erweist sich auf der Grund­la­ge der Aus­le­gung der Norm durch die Arbeits­ge­rich­te als unver­hält­nis­mä­ßig und ist des­halb nicht gerecht­fer­tigt.
Ein­schrän­kun­gen die­ses Grund­rechts müs­sen sich aus der Ver­fas­sung selbst erge­ben, weil Art. 4 Abs. 1 und 2 GG kei­nen Geset­zes­vor­be­halt ent­hält. Zu sol­chen ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken zäh­len die Grund­rech­te Drit­ter sowie Gemein­schafts­wer­te von Ver­fas­sungs­rang 26. Als mit der Glau­bens­frei­heit in Wider­streit tre­ten­de Ver­fas­sungs­gü­ter kom­men hier neben dem staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trag (Art. 7 Abs. 1 GG), der unter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Neu­tra­li­tät zu erfül­len ist, das elter­li­che Erzie­hungs­recht (Art. 6 Abs. 2 GG) und die nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schü­ler (Art. 4 Abs. 1 GG) in Betracht 27. Das nor­ma­ti­ve Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen die­sen Ver­fas­sungs­gü­tern unter Berück­sich­ti­gung des Tole­ranz­ge­bots zu lösen, obliegt dem demo­kra­ti­schen Gesetz­ge­ber, der im öffent­li­chen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess einen für alle zumut­ba­ren Kom­pro­miss zu suchen hat. Die genann­ten Grund­ge­setz-Nor­men sind zusam­men zu sehen, ihre Inter­pre­ta­ti­on und ihr Wir­kungs­be­reich sind auf­ein­an­der abzu­stim­men 28.
Der nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber ver­folgt mit dem Ver­bot äuße­rer reli­giö­ser Bekun­dun­gen im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, auch soweit er sol­che durch reli­gi­ös kon­no­tier­te Beklei­dung und ins­be­son­de­re durch das in typi­scher Wei­se getra­ge­ne isla­mi­sche Kopf­tuch erfasst wis­sen will, legi­ti­me Zie­le. Sein Anlie­gen ist es, den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­li­tät zu wah­ren, so den staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trag abzu­si­chern, gegen­läu­fi­ge Grund­rech­te von Schü­lern und Eltern zu schüt­zen und damit Kon­flik­ten in dem von ihm in Vor­sor­ge genom­me­nen Bereich der öffent­li­chen Schu­le von vorn­her­ein vor­zu­beu­gen 29. Gegen die­se Ziel­set­zun­gen ist von Ver­fas­sungs wegen offen­sicht­lich nichts zu erin­nern. Sie las­sen sich ohne Wei­te­res dem staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trag, dem Neu­tra­li­täts­grund­satz, der nega­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Schü­ler sowie dem elter­li­chen Erzie­hungs­recht und damit ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit des päd­ago­gi­schen Per­so­nals zuord­nen.
Die Erfor­der­lich­keit der Rege­lung in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, die in der Inter­pre­ta­ti­on der Fach­ge­rich­te schon die abs­trak­te Eig­nung äuße­rer reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das Tra­gen einer reli­gi­ös kon­no­tier­ten Kopf­be­de­ckung zur Gefähr­dung der Schutz­gü­ter genü­gen lässt, erscheint bereits frag­lich. Es bedarf hier indes kei­ner Ent­schei­dung, ob ange­sichts des mitt­ler­wei­le zu ver­zeich­nen­den Ver­brei­tungs­gra­des des isla­mi­schen Kopf­tuchs in der deut­schen Gesell­schaft und des gän­gi­gen Ver­ständ­nis­ses von sei­ner Bedeu­tung, aber auch in Anbe­tracht der durch­aus unter­schied­li­chen Deu­tungs­mög­lich­kei­ten der Beweg­grün­de sei­ner Trä­ge­rin­nen, ins­be­son­de­re in einem flä­chen­gro­ßen und bevöl­ke­rungs­rei­chen Land wie Nord­rhein-West­fa­len, aus­nahms­los in allen öffent­li­chen bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­len und Schü­ler­al­ters­grup­pen schon einer abs­trak­ten Gefahr für die Schutz­gü­ter des Schul­frie­dens und der staat­li­chen Neu­tra­li­tät vor­ge­beugt wer­den muss, um kon­kre­te Gefähr­dun­gen für sie gar nicht erst auf­kom­men zu las­sen. Denn die Erfor­der­nis­se einer im enge­ren Sin­ne ver­hält­nis­mä­ßi­gen gesetz­li­chen Rege­lung gebie­ten jeden­falls ein ein­schrän­ken­des Ver­ständ­nis des Merk­mals einer Eig­nung zur Gefähr­dung der Schutz­gü­ter.
Das lan­des­wei­te Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild, nament­lich das Tra­gen reli­gi­ös kon­no­tier­ter Klei­dung, schon wegen der bloß abs­trak­ten Eig­nung zu einer Gefähr­dung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­li­tät in einer bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le erweist sich jeden­falls als unver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne, wenn die­ses Ver­hal­ten nach­voll­zieh­bar auf ein als ver­pflich­tend ver­stan­de­nes reli­giö­ses Gebot zurück­zu­füh­ren ist. Ein ange­mes­se­ner, der Glau­bens­frei­heit der sich auf ein reli­giö­ses Bede­ckungs­ge­bot beru­fen­den Päd­ago­gin­nen hin­rei­chend Rech­nung tra­gen­der Aus­gleich mit gegen­läu­fi­gen ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Posi­tio­nen erfor­dert für die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der schul­frie­dens- und neu­tra­li­täts­wah­ren­den Ver­bots­norm der­ge­stalt, dass zumin­dest eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die Schutz­gü­ter vor­lie­gen muss.
Für die Beur­tei­lung der tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten und Ent­wick­lun­gen, von der abhängt, ob gegen­läu­fi­ge Grund­rechts­po­si­tio­nen von Schü­lern und Eltern oder ande­re Wer­te von Ver­fas­sungs­rang eine Rege­lung recht­fer­ti­gen, die Lehr­kräf­te aller Bekennt­nis­se zu äußers­ter Zurück­hal­tung in der Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen mit reli­giö­sem Bezug ver­pflich­tet, ver­fügt der Gesetz­ge­ber über eine Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve 30. Aller­dings muss er, zumal bei einem weit­ge­hend vor­beu­gend wir­ken­den Ver­bot äuße­rer reli­giö­ser Bekun­dun­gen, ein ange­mes­se­nes Ver­hält­nis zu dem Gewicht und der Bedeu­tung des Grund­rechts des päd­ago­gi­schen Per­so­nals auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit eben­so wah­ren wie er bei einer Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen dem Gewicht des Ein­griffs mit dem Gewicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Grün­de die Gren­ze der Zumut­bar­keit beach­ten muss 31.
Das Ein­brin­gen reli­giö­ser oder welt­an­schau­li­cher Bezü­ge in Schu­le und Unter­richt durch päd­ago­gi­sches Per­so­nal kann den in Neu­tra­li­tät zu erfül­len­den staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trag, das elter­li­che Erzie­hungs­recht und die nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schü­ler beein­träch­ti­gen. Es eröff­net zumin­dest die Mög­lich­keit einer Beein­flus­sung der Schul­kin­der sowie von Kon­flik­ten mit Eltern, was zu einer Stö­rung des Schul­frie­dens füh­ren und die Erfül­lung des Erzie­hungs­auf­trags der Schu­le gefähr­den kann. Auch die reli­gi­ös moti­vier­te und als Kund­ga­be einer Glau­bens­über­zeu­gung inter­pre­tier­ba­re Beklei­dung von Lehr­kräf­ten kann die­se Wir­kun­gen haben 32. Aller­dings kommt kei­ner der gegen­läu­fi­gen ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Posi­tio­nen ein sol­ches Gewicht zu, als dass bereits die abs­trak­te Gefahr ihrer Beein­träch­ti­gung ein Ver­bot zu recht­fer­ti­gen ver­möch­te, wenn auf der ande­ren Sei­te das Tra­gen reli­gi­ös kon­no­tier­ter Beklei­dung oder Sym­bo­le nach­voll­zieh­bar auf ein als impe­ra­tiv ver­stan­de­nes reli­giö­ses Gebot zurück­zu­füh­ren ist.
Die nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) gewähr­leis­tet die Frei­heit, kul­ti­schen Hand­lun­gen eines nicht geteil­ten Glau­bens fern­zu­blei­ben; das bezieht sich auch auf Riten und Sym­bo­le, in denen ein Glau­be oder eine Reli­gi­on sich dar­stel­len. Die Ein­zel­nen haben in einer Gesell­schaft, die unter­schied­li­chen Glau­bens­über­zeu­gun­gen Raum gibt, aller­dings kein Recht dar­auf, von der Kon­fron­ta­ti­on mit ihnen frem­den Glau­bens­be­kun­dun­gen, kul­ti­schen Hand­lun­gen und reli­giö­sen Sym­bo­len ver­schont zu blei­ben. Davon zu unter­schei­den ist aber eine vom Staat geschaf­fe­ne Lage, in wel­cher der Ein­zel­ne ohne Aus­weich­mög­lich­kei­ten dem Ein­fluss eines bestimm­ten Glau­bens, den Hand­lun­gen, in denen sich die­ser mani­fes­tiert, und den Sym­bo­len, in denen er sich dar­stellt, aus­ge­setzt ist 33. In einer unaus­weich­li­chen Situa­ti­on befin­den sich Schü­le­rin­nen und Schü­ler zwar auch dann, wenn sie sich infol­ge der all­ge­mei­nen Schul­pflicht wäh­rend des Unter­richts ohne Aus­weich­mög­lich­keit einer vom Staat ange­stell­ten Leh­re­rin gegen­über sehen, die ein isla­mi­sches Kopf­tuch trägt. Im Blick auf die Wir­kung reli­giö­ser Aus­drucks­mit­tel ist aller­dings danach zu unter­schei­den, ob das in Fra­ge ste­hen­de Zei­chen auf Ver­an­las­sung der Schul­be­hör­de oder auf­grund einer eige­nen Ent­schei­dung von ein­zel­nen Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen ver­wen­det wird, die hier­für das indi­vi­du­el­le Frei­heits­recht des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG in Anspruch neh­men kön­nen. Der Staat, der eine mit dem Tra­gen eines Kopf­tuchs ver­bun­de­ne reli­giö­se Aus­sa­ge einer ein­zel­nen Leh­re­rin oder einer päd­ago­gi­schen Mit­ar­bei­te­rin hin­nimmt, macht die­se Aus­sa­ge nicht schon dadurch zu sei­ner eige­nen und muss sie sich auch nicht als von ihm beab­sich­tigt zurech­nen las­sen 34.
Zwar trifft die für das Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs in der Schu­le in Anspruch genom­me­ne Glau­bens­frei­heit der Leh­re­rin auf die nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler 35. Doch ist das Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs, einer ver­gleich­ba­ren Kopf- und Hals­be­de­ckung oder sonst reli­gi­ös kon­no­tier­ten Beklei­dung nicht von vorn­her­ein dazu ange­tan, die nega­ti­ve Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu beein­träch­ti­gen. Solan­ge die Lehr­kräf­te, die nur ein sol­ches äuße­res Erschei­nungs­bild an den Tag legen, nicht ver­bal für ihre Posi­ti­on oder für ihren Glau­ben wer­ben und die Schü­le­rin­nen und Schü­ler über ihr Auf­tre­ten hin­aus­ge­hend zu beein­flus­sen ver­su­chen, wird deren nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit grund­sätz­lich nicht beein­träch­tigt. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler wer­den ledig­lich mit der aus­ge­üb­ten posi­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Lehr­kräf­te in Form einer glau­bens­ge­mä­ßen Beklei­dung kon­fron­tiert, was im Übri­gen durch das Auf­tre­ten ande­rer Lehr­kräf­te mit ande­rem Glau­ben oder ande­rer Welt­an­schau­ung in aller Regel rela­ti­viert und aus­ge­gli­chen wird. Inso­fern spie­gelt sich in der bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le die reli­gi­ös-plu­ra­lis­ti­sche Gesell­schaft wider.
Aus dem Eltern­grund­recht ergibt sich nichts ande­res. Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert den Eltern die Pfle­ge und Erzie­hung ihrer Kin­der als natür­li­ches Recht und umfasst zusam­men mit Art. 4 Abs. 1 und 2 GG auch das Recht zur Kin­der­er­zie­hung in reli­giö­ser und welt­an­schau­li­cher Hin­sicht; daher ist es zuvör­derst Sache der Eltern, ihren Kin­dern die­je­ni­gen Über­zeu­gun­gen in Glau­bens- und Welt­an­schau­ungs­fra­gen zu ver­mit­teln, die sie für rich­tig hal­ten 36. Dem ent­spricht das Recht, die Kin­der von Glau­bens­über­zeu­gun­gen fern­zu­hal­ten, die den Eltern als falsch oder schäd­lich erschei­nen 37. Jedoch ent­hält Art. 6 Abs. 2 GG kei­nen aus­schließ­li­chen Erzie­hungs­an­spruch der Eltern. Eigen­stän­dig und in sei­nem Bereich gleich­ge­ord­net neben den Eltern übt der Staat, dem nach Art. 7 Abs. 1 GG die Auf­sicht über das gesam­te Schul­we­sen über­tra­gen ist, in der Schu­le einen eige­nen Erzie­hungs­auf­trag aus 38.
Ein etwai­ger Anspruch, die Schul­kin­der vom Ein­fluss sol­cher Lehr­kräf­te fern­zu­hal­ten, die einer ver­brei­te­ten reli­giö­sen Bede­ckungs­re­gel fol­gen, lässt sich aus dem Eltern­grund­recht danach nicht her­lei­ten, soweit dadurch die nega­ti­ve Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler nicht beein­träch­tigt ist. Auch die nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Eltern, die hier im Ver­bund mit dem elter­li­chen Erzie­hungs­recht ihre Wir­kung ent­fal­ten kann, garan­tiert kei­ne Ver­scho­nung von der Kon­fron­ta­ti­on mit reli­gi­ös kon­no­tier­ter Beklei­dung von Lehr­kräf­ten, die nur den Schluss auf die Zuge­hö­rig­keit zu einer ande­ren Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung zulässt, von der aber sonst kein geziel­ter beein­flus­sen­der Effekt aus­geht. Das gilt in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art gera­de des­halb, weil nicht ein dem Staat zure­chen­ba­res glau­bens­ge­lei­te­tes Ver­hal­ten in Rede steht, son­dern eine erkenn­bar indi­vi­du­el­le Grund­rechts­aus­übung.
Dar­über hin­aus steht auch der staat­li­che Erzie­hungs­auf­trag (Art. 7 Abs. 1 GG), der unter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Neu­tra­li­tät zu erfül­len ist, der Betä­ti­gung der posi­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Päd­ago­gin­nen durch das Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs nicht gene­rell ent­ge­gen. Er ver­mag ein Ver­bot sol­chen äuße­ren Ver­hal­tens, das auf ein nach­voll­zieh­bar als impe­ra­tiv ver­stan­de­nes Glau­bens­ge­bot zurück­geht, erst dann zu recht­fer­ti­gen, wenn eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für den zur Erfül­lung des Erzie­hungs­auf­trags not­wen­di­gen Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät fest­stell­bar ist.
Das Grund­ge­setz begrün­det für den Staat als Heim­statt aller Staats­bür­ger in Art. 4 Abs. 1, Art. 3 Abs. 3 Satz 1, Art. 33 Abs. 3 GG sowie durch Art. 136 Abs. 1 und 4 und Art. 137 Abs. 1 WRV in Ver­bin­dung mit Art. 140 GG die Pflicht zu welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Neu­tra­li­tät. Es ver­wehrt die Ein­füh­rung staats­kirch­li­cher Rechts­for­men und unter­sagt die Pri­vi­le­gie­rung bestimm­ter Bekennt­nis­se eben­so wie die Aus­gren­zung Anders­gläu­bi­ger 39. Der Staat hat auf eine am Gleich­heits­satz ori­en­tier­te Behand­lung der ver­schie­de­nen Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten zu ach­ten 40 und darf sich nicht mit einer bestimm­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaft iden­ti­fi­zie­ren 41. Der frei­heit­li­che Staat des Grund­ge­set­zes ist gekenn­zeich­net von Offen­heit gegen­über der Viel­falt welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Über­zeu­gun­gen und grün­det dies auf ein Men­schen­bild, das von der Wür­de des Men­schen und der frei­en Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit in Selbst­be­stim­mung und Eigen­ver­ant­wor­tung geprägt ist 42.
Die dem Staat gebo­te­ne welt­an­schau­lich-reli­giö­se Neu­tra­li­tät ist indes­sen nicht als eine distan­zie­ren­de im Sin­ne einer strik­ten Tren­nung von Staat und Kir­che zu ver­ste­hen, son­dern als eine offe­ne und über­grei­fen­de, die Glau­bens­frei­heit für alle Bekennt­nis­se glei­cher­ma­ßen för­dern­de Hal­tung. Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gebie­tet auch im posi­ti­ven Sinn, den Raum für die akti­ve Betä­ti­gung der Glau­bens­über­zeu­gung und die Ver­wirk­li­chung der auto­no­men Per­sön­lich­keit auf welt­an­schau­lich-reli­giö­sem Gebiet zu sichern 43. Der Staat darf ledig­lich kei­ne geziel­te Beein­flus­sung im Diens­te einer bestimm­ten poli­ti­schen, ideo­lo­gi­schen oder welt­an­schau­li­chen Rich­tung betrei­ben oder sich durch von ihm aus­ge­hen­de oder ihm zuzu­rech­nen­de Maß­nah­men aus­drück­lich oder kon­klu­dent mit einem bestimm­ten Glau­ben oder einer bestimm­ten Welt­an­schau­ung iden­ti­fi­zie­ren und dadurch den reli­giö­sen Frie­den in einer Gesell­schaft von sich aus gefähr­den 44. Auch ver­wehrt es der Grund­satz welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Neu­tra­li­tät dem Staat, Glau­ben und Leh­re einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft als sol­che zu bewer­ten 45.
Dies gilt auch für den vom Staat in Vor­sor­ge genom­me­nen Bereich der Schu­le, für den sei­ner Natur nach reli­giö­se und welt­an­schau­li­che Vor­stel­lun­gen von jeher rele­vant waren 46. Danach sind etwa christ­li­che Bezü­ge bei der Gestal­tung der öffent­li­chen Schu­le nicht aus­ge­schlos­sen; die Schu­le muss aber auch für ande­re welt­an­schau­li­che und reli­giö­se Inhal­te und Wer­te offen sein 47. Weil Bezü­ge zu ver­schie­de­nen Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen bei der Gestal­tung der öffent­li­chen Schu­le mög­lich sind, ist für sich genom­men auch die bloß am äuße­ren Erschei­nungs­bild her­vor­tre­ten­de Sicht­bar­keit reli­giö­ser oder welt­an­schau­li­cher Zuge­hö­rig­keit ein­zel­ner Lehr­kräf­te – unab­hän­gig davon, wel­che Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung im Ein­zel­fall betrof­fen ist – durch die dem Staat gebo­te­ne welt­an­schau­lich-reli­giö­se Neu­tra­li­tät nicht ohne Wei­te­res aus­ge­schlos­sen. In die­ser Offen­heit bewahrt der frei­heit­li­che Staat des Grund­ge­set­zes sei­ne reli­giö­se und welt­an­schau­li­che Neu­tra­li­tät 48.
Davon aus­ge­hend ist das – nach der Aus­le­gung durch die Arbeits­ge­rich­te in den ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen – an eine bloß abs­trak­te Gefähr­dung der in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW genann­ten Schutz­gü­ter anknüp­fen­de strik­te und lan­des­wei­te Ver­bot einer äuße­ren reli­giö­sen Bekun­dung jeden­falls für die hier gege­be­nen Fall­kon­stel­la­tio­nen den betrof­fe­nen Grund­rechts­trä­ge­rin­nen nicht zumut­bar und ver­drängt in unan­ge­mes­se­ner Wei­se deren Grund­recht auf Glau­bens­frei­heit. Denn mit dem Tra­gen eines Kopf­tuchs durch ein­zel­ne Päd­ago­gin­nen ist – anders als dies beim staat­lich ver­ant­wor­te­ten Kreuz oder Kru­zi­fix im Schul­zim­mer der Fall ist 49 – kei­ne Iden­ti­fi­zie­rung des Staa­tes mit einem bestimm­ten Glau­ben ver­bun­den. Auch eine Wer­tung in dem Sin­ne, dass das glau­bens­ge­lei­te­te Ver­hal­ten der Päd­ago­gin­nen schul­seits als vor­bild­haft ange­se­hen und schon des­halb der Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät gefähr­det oder gestört wer­den könn­te, ist einer ent­spre­chen­den Dul­dung durch den Dienst­herrn nicht bei­zu­le­gen. Hin­zu kommt, dass die Beschwer­de­füh­re­rin­nen einem nach­voll­zieh­bar als ver­pflich­tend emp­fun­de­nen Glau­bens­ge­bot Fol­ge leis­ten. Dadurch erhält ihre Glau­bens­frei­heit in der Abwä­gung mit den Grund­rech­ten der Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie der Eltern, die der welt­an­schau­lich-reli­gi­ös neu­tra­le Staat auch im schu­li­schen Bereich schüt­zen muss, ein erheb­lich grö­ße­res Gewicht als dies bei einer dis­po­ni­blen Glau­bens­re­gel der Fall wäre.
Anders ver­hält es sich dann, wenn das äuße­re Erschei­nungs­bild von Lehr­kräf­ten zu einer hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Stö­rung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­li­tät führt oder wesent­lich dazu bei­trägt. Dies wäre etwa in einer Situa­ti­on denk­bar, in der – ins­be­son­de­re von älte­ren Schü­lern oder Eltern – über die Fra­ge des rich­ti­gen reli­giö­sen Ver­hal­tens sehr kon­tro­ver­se Posi­tio­nen mit Nach­druck ver­tre­ten und in einer Wei­se in die Schu­le hin­ein­ge­tra­gen wür­den, wel­che die schu­li­schen Abläu­fe und die Erfül­lung des staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trags ernst­haft beein­träch­tig­te, sofern die Sicht­bar­keit reli­giö­ser Über­zeu­gun­gen und Beklei­dungs­prak­ti­ken die­sen Kon­flikt erzeug­te oder schür­te. Bei Vor­lie­gen einer sol­cher­ma­ßen begrün­de­ten hin­rei­chend kon­kre­ten Gefahr ist es den grund­rechts­be­rech­tig­ten Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen mit Rück­sicht auf alle in Rede und gege­be­nen­falls in Wider­streit ste­hen­den Ver­fas­sungs­gü­ter zumut­bar, von der Befol­gung eines nach­voll­zieh­bar als ver­pflich­tend emp­fun­de­nen reli­giö­sen Bede­ckungs­ge­bots Abstand zu neh­men, um eine geord­ne­te, ins­be­son­de­re die Grund­rech­te der Schü­ler und Eltern sowie das staat­li­che Neu­tra­li­täts­ge­bot wah­ren­de Erfül­lung des staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trags sicher­zu­stel­len. Aber auch dann wird die Dienst­be­hör­de im Inter­es­se des Grund­rechts­schut­zes der Betrof­fe­nen zunächst eine ander­wei­ti­ge päd­ago­gi­sche Ver­wen­dungs­mög­lich­keit mit in Betracht zu zie­hen haben.
Wird in bestimm­ten Schu­len oder Schul­be­zir­ken auf­grund sub­stan­ti­el­ler Kon­flikt­la­gen über das rich­ti­ge reli­giö­se Ver­hal­ten bereichs­spe­zi­fisch die Schwel­le zu einer hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Stö­rung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­li­tät in einer beacht­li­chen Zahl von Fäl­len erreicht, kann ein ver­fas­sungs­recht­lich anzus Bedürf­nis bestehen, äuße­re reli­giö­se Bekun­dun­gen nicht erst im kon­kre­ten Ein­zel­fall, son­dern etwa für bestimm­te Schu­len oder Schul­be­zir­ke über eine gewis­se Zeit auch all­ge­mei­ner zu unter­bin­den. Einer sol­chen Situa­ti­on kann der Gesetz­ge­ber inso­weit auch vor­beu­gend 50 durch bereichs­ori­en­tier­te Lösun­gen Rech­nung tra­gen. Dabei hat er, gera­de in gro­ßen Län­dern, die Mög­lich­keit, dif­fe­ren­zier­te, bei­spiels­wei­se ört­lich und zeit­lich begrenz­te Lösun­gen vor­zu­se­hen, gege­be­nen­falls etwa unter Zuhil­fe­nah­me einer hin­rei­chend kon­kre­ti­sier­ten Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung. Auch im Fall einer sol­chen Rege­lung wird im Inter­es­se der Grund­rech­te der Betrof­fe­nen zunächst eine ander­wei­ti­ge päd­ago­gi­sche Ver­wen­dungs­mög­lich­keit in Betracht zu zie­hen sein.
Solan­ge der Gesetz­ge­ber dazu aber kei­ne dif­fe­ren­zier­te­re Rege­lung trifft, kann eine Ver­drän­gung der Glau­bens­frei­heit von Lehr­kräf­ten nur dann als ange­mes­se­ner Aus­gleich der in Rede ste­hen­den Ver­fas­sungs­gü­ter in Betracht kom­men, wenn wenigs­tens eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die staat­li­che Neu­tra­li­tät oder den Schul­frie­den beleg­bar ist. Das gilt zumal vor dem Hin­ter­grund, dass es gera­de die Auf­ga­be nament­lich der als "bekennt­nis­of­fen" bezeich­ne­ten Gemein­schafts­schu­le ist, den Schü­le­rin­nen und Schü­lern Tole­ranz auch gegen­über ande­ren Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen zu ver­mit­teln, da Schu­le offen zu sein hat für christ­li­che, für mus­li­mi­sche und ande­re reli­giö­se und welt­an­schau­li­che Inhal­te und Wer­te. Die­ses Ide­al muss im Inter­es­se einer aus­glei­chen­den, effek­ti­ven Grund­rechts­ver­wirk­li­chung in der Gemein­schafts­schu­le auch gelebt wer­den dür­fen. Das gilt fol­ge­rich­tig auch für das Tra­gen von Beklei­dung, die mit Reli­gio­nen in Ver­bin­dung gebracht wird, wie neben dem Kopf­tuch etwa der jüdi­schen Kip­pa oder dem Non­nen-Habit oder auch für Sym­bo­le wie das Kreuz, das sicht­bar getra­gen wird.
Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung von § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NRW[↑]
Das Gewicht der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit des päd­ago­gi­schen Per­so­nals in der bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le erfor­dert dem­nach jeden­falls für die hier gege­be­nen Fall­kon­stel­la­tio­nen eine redu­zie­ren­de ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, soweit er äuße­re reli­giö­se Bekun­dun­gen unter­sagt. Hier­für ist das Merk­mal der Eig­nung, den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät zu gefähr­den oder zu stö­ren, dahin ein­zu­schrän­ken, dass von der äuße­ren reli­giö­sen Bekun­dung nicht nur eine abs­trak­te, son­dern eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW genann­ten Schutz­gü­ter aus­ge­hen muss. Das Vor­lie­gen der kon­kre­ten Gefahr ist zu bele­gen und zu begrün­den. Das Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs begrün­det eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr im Regel­fall nicht. Vom Tra­gen die­ser Kopf­be­de­ckung geht für sich genom­men noch kein wer­ben­der oder gar mis­sio­nie­ren­der Effekt aus. Ein isla­mi­sches Kopf­tuch ist in Deutsch­land nicht unüb­lich, auch wenn es von der Mehr­heit mus­li­mi­scher Frau­en nicht getra­gen wird 51. Es spie­gelt sich im gesell­schaft­li­chen All­tag und der Schü­ler­schaft viel­fach wie­der. Die bloß visu­el­le Wahr­nehm­bar­keit ist in der Schu­le als Fol­ge indi­vi­du­el­ler Grund­rechts­aus­übung eben­so hin­zu­neh­men, wie auch sonst grund­sätz­lich kein ver­fas­sungs­recht­li­cher Anspruch dar­auf besteht, von der Wahr­neh­mung ande­rer reli­giö­ser oder welt­an­schau­li­cher Bekennt­nis­se ver­schont zu blei­ben.
Eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ist mög­lich und von Ver­fas­sungs wegen gebo­ten. Sie dient der Ver­mei­dung einer Norm­ver­wer­fung und ist damit dem Gesichts­punkt der größt­mög­li­chen Scho­nung der Gesetz­ge­bung geschul­det. Sie nimmt Rück­sicht dar­auf, dass die Norm auch ande­re Anwen­dungs­be­rei­che hat, die sich von der hier vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung unter­schei­den. Dabei kann es sich etwa um ver­ba­le Äuße­run­gen und ein offen wer­ben­des Ver­hal­ten han­deln. Hier kann die Unter­sa­gungs­vor­schrift auch in einer Inter­pre­ta­ti­on, die schon die abs­trak­te Gefahr erfasst, ihre Bedeu­tung haben. Der ein­schrän­ken­den Aus­le­gung steht nicht ent­ge­gen, dass dem Gesetz­ge­ber ent­ste­hungs­ge­schicht­lich ein Kopf­tuch­ver­bot als typi­scher Anwen­dungs­fall der Vor­schrift vor­ge­schwebt hat. Der Norm wird ledig­lich ein weni­ger weit rei­chen­der Anwen­dungs­be­reich zuer­kannt.
Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung von § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NRW[↑]
Die­se Aus­le­gungs­maß­ga­ben gel­ten ent­spre­chend für § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NW. Die dar­in gefor­der­te Eig­nung des äuße­ren Ver­hal­tens, bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern sowie Eltern den Ein­druck her­vor­zu­ru­fen, dass eine Päd­ago­gin oder ein Päd­ago­ge gegen die Men­schen­wür­de, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tritt, kann allein im Blick auf das äuße­re Erschei­nungs­bild nur bei Vor­lie­gen hin­rei­chend kon­kre­ter Anhalts­punk­te aus der Sicht eines objek­ti­ven Betrach­ters bejaht wer­den. Aller­dings ist mit Rück­sicht auf die grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG die Annah­me ver­fehlt, schon das Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs oder einer ande­ren, auf eine Glau­bens­zu­ge­hö­rig­keit hin­deu­ten­den Kopf­be­de­ckung sei schon für sich genom­men ein Ver­hal­ten, das gemäß § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NW bei den Schü­lern oder den Eltern ohne Wei­te­res den Ein­druck her­vor­ru­fen kön­ne, dass die Per­son, die es trägt, gegen die Men­schen­wür­de, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tre­te. Die­se pau­scha­le Schluss­fol­ge­rung ver­bie­tet sich. Wenn das Tra­gen des Kopf­tuchs etwa als Aus­druck einer indi­vi­du­el­len Klei­dungs­ent­schei­dung, von Tra­di­ti­on oder Iden­ti­tät 52 erscheint, oder die Trä­ge­rin als Mus­li­min aus­weist, die die Regeln ihres Glau­bens, ins­be­son­de­re das von ihr als ver­pflich­tend ver­stan­de­ne Bede­ckungs­ge­bot, strikt beach­tet, lässt sich das ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de nicht als Distan­zie­rung von den in § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NW genann­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen inter­pre­tie­ren. Auch den Glau­bens­rich­tun­gen des Islam, die das Tra­gen des Kopf­tuchs zur Erfül­lung des Bede­ckungs­ge­bots ver­lan­gen, aber auch genü­gen las­sen, kann nicht unter­stellt wer­den, dass sie von den Gläu­bi­gen ein Auf­tre­ten gegen die Men­schen­wür­de, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung for­dern, erwar­ten oder auch nur erhof­fen.
Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung von § 58 Satz 2 SchulG NRW[↑]
Das Erfor­der­nis einer ein­schrän­ken­den Aus­le­gung der Sät­ze 1 und 2 des § 57 Abs. 4 SchulG NW besteht auch, soweit die­se gemäß § 58 Satz 2 SchulG NW auf sons­ti­ges päd­ago­gi­sches und sozi­al­päd­ago­gi­sches Per­so­nal ent­spre­chend anzu­wen­den sind. Da das sons­ti­ge päd­ago­gi­sche und sozi­al­päd­ago­gi­sche Per­so­nal den Lehr­kräf­ten ver­gleich­bar in den schu­li­schen All­tag und die Erfül­lung des staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trags ein­ge­bun­den ist, kann für die­ses nichts ande­res gel­ten.
Auf­he­bung der arbeits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen[↑]
Die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen der Fach­ge­rich­te, nament­lich die des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wer­den den Erfor­der­nis­sen der gebo­te­nen ver­fas­sungs­kon­for­men ein­schrän­ken­den Aus­le­gung nicht gerecht; sie haben eine sol­che nicht für erfor­der­lich gehal­ten. Die recht­li­che Wür­di­gung des Bun­des­ar­beits­ge­richts geht davon aus, dass das Bekun­dungs­ver­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW bereits bei einer abs­trak­ten Gefahr greift. Die Annah­me, dass schon die "berech­tig­te Sor­ge" der Eltern vor einer unge­woll­ten reli­giö­sen Beein­flus­sung ihrer Kin­der den Schul­frie­den gefähr­de, trägt der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der Päd­ago­gin­nen in der bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le nicht in ange­mes­se­ner Wei­se Rech­nung. Sie ver­nach­läs­sigt das Gewicht der posi­ti­ven Glau­bens­frei­heit des päd­ago­gi­schen Per­so­nals im Zusam­men­hang mit einem plau­si­bel dar­ge­stell­ten impe­ra­ti­ven reli­giö­sen Bede­ckungs­ge­bot. Die bis­lang getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen geben im Übri­gen kei­ner­lei Anhalt für eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät durch das Auf­tre­ten der Beschwer­de­füh­re­rin­nen in ihren Schu­len.
In bei­den Aus­gangs­ver­fah­ren sind die Fach­ge­rich­te nicht von einem zutref­fen­den, auf das Grund­recht der Glau­bens­frei­heit der Beschwer­de­füh­re­rin­nen hin­rei­chend Bedacht neh­men­den Ver­ständ­nis der gesetz­li­chen Rege­lung aus­ge­gan­gen. Weder die Fest­stel­lun­gen der Arbeits­ge­rich­te in den Tat­sa­chen­in­stan­zen noch die recht­li­che Wür­di­gung auch durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt las­sen Umstän­de erken­nen, die eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die Schutz­gü­ter der Norm ver­deut­li­chen könn­ten. Im Gegen­teil: Die Leh­re­rin hat­te sich bereits um ihre Ein­stel­lung mit einem Licht­bild bewor­ben, das sie mit Kopf­tuch zeig­te. Ihr zunächst befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis wur­de spä­ter in ein unbe­fris­te­tes umge­wan­delt. Sie ver­rich­te­te ihren Dienst – so ihr unwi­der­spro­chen geblie­be­ner Vor­trag – stets mit einem das Haar bede­cken­den Kopf­tuch, ohne dass es des­we­gen zu Bean­stan­dun­gen kam. Unter die­sen Umstän­den sind die von den Arbeits­ge­rich­ten gebil­lig­te Abmah­nung sowie die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses der Leh­re­rin mit der gege­be­nen Begrün­dung und dem zugrun­de lie­gen­den Ver­ständ­nis des § 57 Abs. 4 SchulG NW ver­fas­sungs­recht­lich nicht halt­bar. Auch im Aus­gangs­ver­fah­ren der Son­der­päd­ago­gin ist nicht ansatz­wei­se erkenn­bar, inwie­weit sich aus dem Tra­gen einer Woll­müt­ze und eines Roll­kra­gen­pull­overs eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät erge­ben könn­te.
Damit ver­let­zen die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen die Beschwer­de­füh­re­rin­nen in ihrem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG.
Nich­tig­keit von § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NRW[↑]
Die wei­te­re von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen erho­be­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Bean­stan­dung von Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW ist begrün­det. Die vom Gesetz­ge­ber als Pri­vi­le­gie­rungs­be­stim­mung zuguns­ten der Dar­stel­lung christ­li­cher und abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen gewoll­te Teil­re­ge­lung in Satz 3 der Vor­schrift stellt eine gleich­heits­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung aus Grün­den des Glau­bens und der reli­giö­sen Anschau­un­gen dar (Art. 3 Abs. 3 Satz 1, Art. 33 Abs. 3 GG). Die­ser Ver­fas­sungs­ver­stoß hat sich in den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen nie­der­ge­schla­gen. Zwar sind die­se nicht auf Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW gestützt, weil Satz 3 auf die bei­den mus­li­mi­schen Beschwer­de­füh­re­rin­nen kei­ne Anwen­dung fin­det. Gera­de der Aus­schluss von der in Satz 3 vor­ge­se­he­nen Pri­vi­le­gie­rung führt aber dazu, dass auch die bei­den kon­kret zu beur­tei­len­den Ent­schei­dun­gen die Beschwer­de­füh­re­rin­nen in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se benach­tei­li­gen. Kämen die Beschwer­de­füh­re­rin­nen in den Genuss der Pri­vi­le­gie­rung, wären sie den arbeits­recht­li­chen Sank­tio­nen auf­grund des § 57 Abs. 4 Satz 1 und 2 SchulG NW nicht aus­ge­setzt gewe­sen. Die Rege­lung des § 57 Abs. 4 Satz 1 und 2 SchulG NW sowie die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen blei­ben davon jedoch unbe­rührt; § 57 Abs. 4 SchulG NW ist in der hier vor­ge­nom­me­nen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung nicht ins­ge­samt ver­fas­sungs­wid­rig.
§ 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW führt zu einer Benach­tei­li­gung ande­rer als christ­li­cher und jüdi­scher Reli­gi­ons­an­ge­hö­ri­ger, die ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu recht­fer­ti­gen ist.
Abs. 3 Satz 1 GG ver­langt, dass nie­mand wegen sei­nes Glau­bens oder sei­ner reli­giö­sen Anschau­un­gen benach­tei­ligt oder bevor­zugt wird. Die Norm ver­stärkt den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG und die durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG geschütz­te Glau­bens­frei­heit.
Nach Art. 33 Abs. 3 Satz 2 GG darf kei­nem Trä­ger eines öffent­li­chen Amtes aus sei­ner Zuge­hö­rig­keit oder Nicht­zu­ge­hö­rig­keit zu einem Bekennt­nis oder einer Welt­an­schau­ung ein Nach­teil erwach­sen. Der Begriff des öffent­li­chen Amtes in Art. 33 Abs. 3 GG ist im sel­ben Sin­ne zu ver­ste­hen, wie er auch in Art. 33 Abs. 2 GG ver­wen­det wird; er erfasst mit­hin auch Ange­stell­te des öffent­li­chen Diens­tes 53. Die Rege­lung ent­hält ein Benach­tei­li­gungs­ver­bot für den öffent­li­chen Dienst auch über die Fra­ge der Zulas­sung zu öffent­li­chen Ämtern hin­aus (vgl. dazu § 57 Abs. 6 SchulG NW), die in Satz 1 der Vor­schrift ange­spro­chen ist. Die Bestim­mung ver­bie­tet es, die Zulas­sung zu öffent­li­chen Ämtern aus Grün­den zu ver­weh­ren, die mit der in Art. 4 Abs. 1 und 2 GG geschütz­ten Glau­bens­frei­heit unver­ein­bar sind 54. Dies schließt die Begrün­dung von Dienst­pflich­ten nicht aus, die in die Glau­bens­frei­heit von Amts­in­ha­bern und Bewer­bern um öffent­li­che Ämter ein­grei­fen und damit für glau­bens­ge­bun­de­ne Bewer­ber den Zugang zum öffent­li­chen Dienst erschwe­ren oder gar aus­schlie­ßen. Sol­che etwai­gen Pflich­ten sind jedoch den stren­gen Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen unter­wor­fen, die für Ein­schrän­kun­gen der vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Glau­bens­frei­heit gel­ten; außer­dem ist das Gebot strik­ter Gleich­be­hand­lung der ver­schie­de­nen Glau­bens­rich­tun­gen sowohl in der Begrün­dung als auch in der Pra­xis der Durch­set­zung sol­cher Dienst­pflich­ten zu beach­ten 19.
Die Gesamt­kon­zep­ti­on des § 57 Abs. 4 SchulG NW soll­te nach den Vor­stel­lun­gen, die im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren her­vor­ge­tre­ten sind 55, in Satz 3 der Rege­lung eine Frei­stel­lung vom Ver­bot äuße­rer reli­giö­ser Bekun­dun­gen des Sat­zes 1 und damit eine unmit­tel­ba­re Ungleich­be­hand­lung aus Grün­den der Reli­gi­on bewir­ken. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen machen in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se gel­tend, die Rege­lung des § 57 Abs. 4 SchulG NW habe die aus reli­giö­sen Grün­den getra­ge­ne Kopf­be­de­ckung einer Mus­li­min anders behan­deln sol­len als reli­gi­ös kon­no­tier­te Klei­dungs­stü­cke, die von Ange­hö­ri­gen christ­li­cher Bekennt­nis­se und sol­cher des Juden­tums getra­gen wer­den. Die­se Bewer­tung wird durch die genann­ten Mate­ria­li­en des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens belegt.
Eine sol­che Ungleich­be­hand­lung ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu recht­fer­ti­gen. Wer­den äuße­re reli­giö­se Bekun­dun­gen durch das päd­ago­gi­sche Per­so­nal in der Schu­le unter­sagt, so muss dies grund­sätz­lich unter­schieds­los gesche­hen.
Trag­fä­hi­ge Grün­de für eine Benach­tei­li­gung äuße­rer reli­giö­ser Bekun­dun­gen, die sich nicht auf christ­lich-abend­län­di­sche Kul­tur­wer­te und Tra­di­tio­nen zurück­füh­ren las­sen, sind nicht erkenn­bar. Soweit von einem bestimm­ten äuße­ren Ver­hal­ten etwa eine beson­de­re indok­tri­nie­ren­de Sug­ges­tiv­kraft aus­ge­hen kann, wird dem ohne Wei­te­res durch das Ver­bot des Sat­zes 1 des § 57 Abs. 4 SchulG NW in der von Ver­fas­sungs wegen gebo­te­nen ein­schrän­ken­den Aus­le­gung Rech­nung getra­gen. Wenn ver­ein­zelt in der Lite­ra­tur gel­tend gemacht wird, im Tra­gen eines isla­mi­schen Kopf­tuchs sei vom objek­ti­ven Betrach­ter­ho­ri­zont her ein Zei­chen für die Befür­wor­tung einer umfas­sen­den auch recht­li­chen Ungleich­be­hand­lung von Mann und Frau zu sehen und des­halb stel­le es auch die Eig­nung der Trä­ge­rin für päd­ago­gi­sche Beru­fe infra­ge 56, so ver­bie­tet sich eine der­art pau­scha­le Schluss­fol­ge­rung. Ein sol­cher ver­meint­li­cher Recht­fer­ti­gungs­grund muss dar­über hin­aus schon dar­an schei­tern, dass er bei gene­ra­li­sie­ren­der Betrach­tung kei­nes­wegs für alle nicht-christ­lich-abend­län­di­schen Kul­tur­wer­te und Tra­di­tio­nen einen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund anbie­ten kann.
Eben­so wenig erge­ben sich für eine Bevor­zu­gung christ­lich und jüdisch ver­an­ker­ter reli­giö­ser Bekun­dun­gen trag­fä­hi­ge Recht­fer­ti­gungs­mög­lich­kei­ten. Die Wahr­neh­mung des Erzie­hungs­auf­trags, wie er in Art. 7 Abs. 1 und Art. 12 Abs. 3 der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len umschrie­ben ist, recht­fer­tigt es nicht, Amts­trä­ger einer bestimm­ten Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit bei der Sta­tu­ie­rung von Dienst­pflich­ten zu bevor­zu­gen. Soweit die­sen lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen ein christ­li­cher Bezug des staat­li­chen Schul­we­sens ent­nom­men wer­den kann, soll sich dies auf säku­la­ri­sier­te Wer­te des Chris­ten­tums bezie­hen. Zudem wird das lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­che Erzie­hungs­ziel in Art. 7 Abs. 1 Verf NW ("Ehr­furcht vor Gott") nach wohl über­wie­gen­der Auf­fas­sung nicht nur auf den christ­li­chen Glau­ben bezo­gen; es soll offen sein für ein per­sön­li­ches Got­tes­ver­ständ­nis, also nicht nur das christ­li­che, son­dern auch das isla­mi­sche Got­tes­ver­ständ­nis eben­so umfas­sen wie poly­the­is­ti­sche oder unper­sön­li­che Got­tes­vor­stel­lun­gen 57. Schließ­lich bezie­hen sich die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen, die in § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW in Bezug genom­men wer­den, vor­nehm­lich auf die Gestal­tung des Unter­richts und sei­ner Rah­men­be­din­gun­gen, sind aber kei­ne trag­fä­hi­ge Grund­la­ge für eine dif­fe­ren­zier­te Sta­tu­ie­rung von Dienst­pflich­ten für Päd­ago­gen. Des­halb kommt es auch nicht mehr dar­auf an, dass auch Art. 31 GG einer Ein­schrän­kung der durch das Grund­ge­setz ver­bürg­ten reli­giö­sen Gleich­heits­rech­te durch Lan­des­ver­fas­sungs­recht Gren­zen setzt (vgl. auch Art. 142 GG; BVerfGE 96, 345, 364 f.).
Eine ver­fas­sungs­kon­for­me ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des Sat­zes 3 von § 57 Abs. 4 SchulG NW, wie sie das Bun­des­ar­beits­ge­richt zur Ver­mei­dung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Benach­tei­li­gung aus reli­giö­sen Grün­den sei­nen Ent­schei­dun­gen zugrun­de gelegt hat, ist nicht mög­lich. Sie wür­de die Gren­zen ver­fas­sungs­kon­for­mer Nor­min­ter­pre­ta­ti­on über­schrei­ten und wäre mit der rich­ter­li­chen Geset­zes­bin­dung nicht ver­ein­bar (Art.20 Abs. 3 GG).
Die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung fin­det ihre Gren­ze dort, wo sie zum Wort­laut und dem klar erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers in Wider­spruch tre­ten wür­de. Der Respekt vor dem demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Gesetz­ge­ber ver­bie­tet es, im Wege der Aus­le­gung einem nach Sinn und Wort­laut ein­deu­ti­gen Gesetz einen ent­ge­gen­ge­setz­ten Sinn bei­zu­le­gen oder den nor­ma­ti­ven Gehalt einer Vor­schrift grund­le­gend neu zu bestim­men 58.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat dar­auf abge­stellt, dass die "Dar­stel­lung" christ­li­cher und abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te im Sin­ne des Sat­zes 3 nicht gleich­zu­set­zen sei mit der "Bekun­dung" eines indi­vi­du­el­len Bekennt­nis­ses im Sin­ne des Sat­zes 1. Zudem bezeich­ne der Begriff des "Christ­li­chen" eine von Glau­bens­in­hal­ten los­ge­lös­te, aus der Tra­di­ti­on der christ­lich-abend­län­di­schen Kul­tur her­vor­ge­gan­ge­ne Wer­te­welt, die erkenn­bar auch dem Grund­ge­setz zugrun­de lie­ge und unab­hän­gig von ihrer reli­giö­sen Fun­die­rung Gel­tung bean­spru­che.
Zwar mag der unter­schied­li­che Sprach­ge­brauch in Satz 1 ("Bekun­dun­gen") und Satz 3 ("Dar­stel­lung") einen Ansatz für die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt gefun­de­ne Aus­le­gung bie­ten. Auch dem Lan­des­ge­setz­ge­ber war im wei­te­ren Ver­lauf des Gesetz­ge­bungs­vor­ha­bens die Mög­lich­keit einer ein­schrän­ken­den Aus­le­gung in die­sem Sin­ne bewusst. Denn noch vor dem end­gül­ti­gen Geset­zes­be­schluss des Land­tags hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu einer ver­gleich­ba­ren lan­des­ge­setz­li­chen Rege­lung in Baden-Würt­tem­berg (§ 38 Abs. 2 SchulG BW) ein ähn­li­ches Aus­le­gungs­er­geb­nis gewon­nen 59. In einer Stel­lung­nah­me gegen­über dem Land­tag ver­trat die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung damals den Stand­punkt, die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts sei nicht so zu ver­ste­hen, dass Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Ent­wurfs ins­ge­samt bestün­den. Infra­ge ste­he ledig­lich eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der Bestim­mung 60.
Gleich­wohl wur­de eben­so wie von den Geset­zes­in­itia­to­ren auch im wei­te­ren Ver­lauf des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens die Absicht gehegt, jeden­falls kei­ne Rege­lung zu tref­fen, die bei­spiels­wei­se Leh­re­rin­nen das Unter­rich­ten in einem Ordens­ha­bit ver­bie­tet oder das Tra­gen der jüdi­schen Kip­pa unter­sa­gen soll­te 61. Inso­fern fol­ge­rich­tig hat der Gesetz­ge­ber die Rege­lung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW aus­drück­lich auf das Bekun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 bezo­gen und die­se gesetz­ge­bungs­tech­nisch als Aus­nah­me kon­stru­iert. Dies wird noch dadurch ver­stärkt, dass Satz 3 in sei­nem Wort­laut zwar den Erzie­hungs­auf­trag der Lan­des­ver­fas­sung ins­ge­samt erwähnt, dann aber nur die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen vom Ver­hal­tens­ge­bot des Sat­zes 1 aus­nimmt. Die im Wort­laut der Ver­fas­sungs­be­stim­mung des Art. 12 Abs. 3 Satz 1 Verf NW dane­ben aus­drück­lich erwähn­te Offen­heit auch für ande­re reli­giö­se und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen wird indes­sen außer Acht gelas­sen und nicht mehr auf­ge­führt. All das ver­deut­licht, dass die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt gefun­de­ne ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Vor­schrift deren nor­ma­ti­ven Gehalt im Grun­de neu bestimmt und damit auch den im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren klar erkenn­bar her­vor­ge­tre­te­nen Wil­len des Gesetz­ge­bers nicht mehr trifft. Die­ser Wil­le hat sich nicht durch die vor Abschluss des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens erfolg­te Erör­te­rung der Mög­lich­keit einer ande­ren Aus­le­gung ver­än­dert; die­se lässt ledig­lich erken­nen, dass der Land­tag sich des ver­fas­sungs­recht­li­chen Risi­kos bewusst war.
In der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt gewähl­ten Aus­le­gung kommt der Rege­lung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW allen­falls noch klar­stel­len­de Funk­ti­on zu. Die Dar­stel­lung christ­li­cher und abend­län­di­scher Kul­tur­wer­te erweist sich in die­ser Aus­le­gung schon wesens­mä­ßig als etwas von vorn­her­ein ande­res als die in Satz 1 unter­sag­te äuße­re Bekun­dung einer indi­vi­du­el­len reli­giö­sen Auf­fas­sung. Dann bedurf­te es aber nicht der in Satz 3 getrof­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lung, dass eine sol­che Dar­stel­lung nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot des Sat­zes 1 wider­spre­che. Die gesetz­li­che Fest­stel­lung der Zuläs­sig­keit sol­cher blo­ßen Dar­stel­lung von Glau­bens­in­hal­ten los­ge­lös­ter Lehr­ge­hal­te fügt sich sys­te­ma­tisch nicht in den Rege­lungs­kon­text des Sat­zes 1. Satz 3 kommt in dem Ver­ständ­nis des Bun­des­ar­beits­ge­richts in dem gege­be­nen Norm­zu­sam­men­hang kein sinn­voll erschei­nen­der Rege­lungs­ge­halt mehr zu. Des­sen unge­ach­tet bleibt bei die­ser Aus­le­gung eine Norm in Kraft, die bei einem ihrem Wort­laut nach mög­li­chen wei­te­ren Ver­ständ­nis als Öff­nung für eine dis­kri­mi­nie­ren­de Ver­wal­tungs­pra­xis ver­stan­den wer­den könn­te und deren dies­be­züg­li­che Unschär­fe im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren bewusst hin­ge­nom­men wur­de.
Ver­fehlt der Ansatz des Bun­des­ar­beits­ge­richts damit aber die Gren­zen ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung, so erweist sich, dass § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW zu einer gleich­heits­wid­ri­gen Benach­tei­li­gung aus Glau­bens­grün­den führt, die nicht zu recht­fer­ti­gen ist.
§ 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW ist hier­nach für mit Art. 3 Abs. 3 Satz 1, Art. 33 Abs. 3 GG unver­ein­bar und nich­tig zu erklä­ren. Die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen beru­hen auch auf die­ser Vor­schrift.
Kein Ver­stoß gegen ande­re Grund­rech­te[↑]
In der hier ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Aus­le­gung ver­stößt die Rege­lung des § 57 Abs. 4 (gege­be­nen­falls i.V.m. § 58 Satz 2) SchulG NW, soweit sie reli­giö­se Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild von Lehr­kräf­ten betrifft, nicht gegen wei­te­re Grund­rech­te oder sons­ti­ges Bun­des­recht (Art. 31 GG); sie ist ins­be­son­de­re mit den ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) und der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) ver­ein­bar.
Unter der Maß­ga­be der im Lich­te der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der Lehr­kräf­te gebo­te­nen Aus­le­gung des Ver­bots reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild begeg­net die mit­tel­bar zur Prü­fung ste­hen­de Rege­lung (§ 57 Abs. 4, § 58 Satz 2 SchulG NW) inso­weit kei­nen wei­te­ren durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.
Ande­re Grund­rech­te gewähr­leis­ten hier kei­nen wei­ter­ge­hen­den Schutz als er aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG sowie aus Art. 3 Abs. 3 Satz 1 und Art. 33 Abs. 3 GG folgt. Selbst unter der Annah­me, dass im Ein­zel­fall die Frei­heit der Berufs­wahl (Art. 12 Abs. 1 GG) betrof­fen wäre, wenn ein als ver­pflich­tend emp­fun­de­nes reli­giö­ses Gebot in Fra­ge steht, wären die vom Lan­des­ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Zie­le mit­tels einer auf eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät begrenz­ten Unter­sa­gungs­norm beson­ders gewich­ti­ge Gemein­schafts­be­lan­ge, die die Rege­lung recht­fer­ti­gen 62.
§ 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ver­stößt in der gebo­te­nen ein­schrän­ken­den Aus­le­gung nicht gegen das Gebot der Gleich­be­hand­lung wegen des Geschlechts. In der ange­grif­fe­nen Aus­le­gung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt wäre die Rege­lung, soweit sie ent­spre­chend der den Gesetz­ge­ber bestim­men­den Inten­ti­on reli­giö­se Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild betrifft, hin­ge­gen nicht mit dem Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ver­ein­bar.
Soweit § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW nach der ange­grif­fe­nen Aus­le­gung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt reli­giö­se Bekun­dun­gen im Schul­dienst allein durch das äuße­re Erschei­nungs­bild unab­hän­gig von einer kon­kre­ten Gefahr unter­bin­det, benach­tei­ligt die Rege­lung Frau­en, weil sie die päd­ago­gi­sche Tätig­keit im Schul­dienst von Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig macht, die tat­säch­lich ganz über­wie­gend Frau­en nicht erfül­len kön­nen. Zwar han­delt es sich um eine geschlechts­neu­tral for­mu­lier­te Rege­lung. Inten­dier­te Bedeu­tung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW ist aber, das Tra­gen von Klei­dungs­stü­cken, die christ­li­chen und abend­län­di­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­ten oder Tra­di­tio­nen ent­spre­chen; vom Bekun­dungs­ver­bot aus­zu­neh­men. Auf die­ser Grund­la­ge erfasst jedoch auch das unab­hän­gig von einer kon­kre­ten Gefahr ein­grei­fen­de Bekun­dungs­ver­bot gegen­wär­tig Män­ner nur in ver­schwin­dend gerin­ger Zahl, wie bei­spiels­wei­se im Fall Tur­ban tra­gen­der Sikhs. Die ange­grif­fe­ne Rege­lung trifft unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen der­zeit in Deutsch­land fak­tisch ganz über­wie­gend mus­li­mi­sche Frau­en, die aus reli­giö­sen Grün­den ein Kopf­tuch tra­gen.
Das Grund­ge­setz bie­tet Schutz auch vor fak­ti­schen Benach­tei­li­gun­gen auf­grund des Geschlechts 63. Eine Recht­fer­ti­gung fak­ti­scher Benach­tei­li­gun­gen kommt zwar grund­sätz­lich in Betracht. Ein hin­rei­chen­der Recht­fer­ti­gungs­grund ist hier jedoch mit Blick auf die ange­grif­fe­ne Rege­lung in der auch vom Gesetz­ge­ber inten­dier­ten Fas­sung 55 nicht ersicht­lich. Die für ein Bekun­dungs­ver­bot auf­ge­führ­ten Grün­de recht­fer­ti­gen ein unab­hän­gig von einer kon­kre­ten Gefahr ein­grei­fen­des Bekun­dungs­ver­bot gegen­über dem Schutz vor fak­ti­scher Benach­tei­li­gung eben­so wenig wie gegen­über der Reli­gi­ons­frei­heit der Päd­ago­gin­nen. Auch soweit argu­men­tiert wird, ein Kopf­tuch­ver­bot schüt­ze Frau­en vor der­je­ni­gen Dis­kri­mi­nie­rung, die einem reli­giö­sen Bede­ckungs­ge­bot selbst inne­woh­ne, trägt dies nicht, denn die­ser Schutz wirkt sich hier tat­säch­lich als Benach­tei­li­gung aus 64. Die Benach­tei­li­gung lässt sich auch nicht damit recht­fer­ti­gen, das Kopf­tuch signa­li­sie­re eine ableh­nen­de Hal­tung zur Gleich­be­rech­ti­gung von Män­nern und Frau­en, denn dies ist weder auto­ma­tisch noch durch­gän­gig der Fall.
Soweit die Norm auch in der gebo­te­nen ein­schrän­ken­den Aus­le­gung zu fak­ti­schen Benach­tei­li­gun­gen von Frau­en führt, ist dies hin­ge­gen aus den Grün­den zu recht­fer­ti­gen, die auch einen Ein­griff in Art. 4 GG tra­gen kön­nen.
Die Beru­fung der Beschwer­de­füh­re­rin­nen auf einen bei ihrer Ein­stel­lung in den Schul­dienst begrün­de­ten Ver­trau­ens­schutz zeigt kei­nen ver­fas­sungs­recht­lich erheb­li­chen Man­gel auf. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat – im Ver­fah­ren 1 BvR 1181/​10 – jede Rück­wir­kung ver­neint. Die bean­stan­de­te Rege­lung ergrei­fe kei­ne äuße­ren reli­giö­sen Bekun­dun­gen, die vor dem Inkraft­tre­ten der Bestim­mung erfolgt sei­en. Unbe­scha­det der Fra­ge, ob die­se Bewer­tung die ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­ge­stel­lung voll­stän­dig erfasst, trifft es zu, dass die Vor­schrift nicht sub­stan­ti­ell ändernd in die Rech­te und Pflich­ten ein­greift, die bis zu ihrer Ver­kün­dung am 29.06.2006 bestan­den haben. Eine ech­te Rück­wir­kung schei­det des­halb von vorn­her­ein aus. Gegen eine unech­te Rück­wir­kung – weil die Vor­schrift auch bestehen­de arbeits­ver­trag­li­che Dau­er­schuld­ver­hält­nis­se betrifft – wäre ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu erin­nern. Die zu prü­fen­de gesetz­li­che Vor­schrift sieht zwar einen Ein­griff in die Glau­bens­frei­heit auch der­je­ni­gen Lehr­kräf­te vor, die vor der Ver­kün­dung der Rege­lung ange­stellt wor­den sind und bei denen dahin­ste­hen kann, ob die­se damit rech­nen muss­ten. Jeden­falls ist deren etwai­ges Ver­trau­en in die alte Rechts­la­ge nicht schutz­wür­di­ger als die mit dem Gesetz ver­folg­ten Anlie­gen, wenn hin­sicht­lich reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die gesetz­li­chen Schutz­gü­ter beleg­bar ist 65.
Ver­ein­bar­keit mit der EMRK[↑]
§ 57 Abs. 4 (gege­be­nen­falls i.V.m. § 58 Satz 2) SchulG NW ist in der hier ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Aus­le­gung als lan­des­recht­li­che Norm mit sons­ti­gem Bun­des­recht ver­ein­bar und des­halb auch unter die­sem Gesichts­punkt von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den (Art. 31 GG) 66. Eine wei­ter­ge­hen­de Ver­let­zung der Grund­rech­te der Beschwer­de­füh­re­rin­nen unter die­sem Gesichts­punkt schei­det mit­hin aus. Die Rege­lung steht in die­ser Aus­le­gung mit Art. 9 und Art. 14 EMRK eben­so im Ein­klang wie mit § 7 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 AGG.
Eine Ver­let­zung von Garan­ti­en der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on liegt nicht vor.
Inner­halb der deut­schen Rechts­ord­nung ste­hen die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ihre Zusatz­pro­to­kol­le – soweit sie für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kraft getre­ten sind – im Ran­ge eines Bun­des­ge­set­zes 67. Die­se Rang­zu­wei­sung führt dazu, dass deut­sche Gerich­te die Kon­ven­ti­on wie ande­res Geset­zes­recht des Bun­des im Rah­men metho­disch ver­tret­ba­rer Aus­le­gung zu beach­ten und anzu­wen­den haben. Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ist zudem – im Rah­men des metho­disch Ver­tret­ba­ren – als Aus­le­gungs­hil­fe bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze des Grund­ge­set­zes her­an­zu­zie­hen 68. Auch Geset­ze sind im Ein­klang mit den völ­ker­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik aus der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on aus­zu­le­gen und anzu­wen­den 69. Die Gewähr­leis­tun­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ihrer Zusatz­pro­to­kol­le sind aller­dings in der deut­schen Rechts­ord­nung kein unmit­tel­ba­rer ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fungs­maß­stab (vgl. Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG). Ein Beschwer­de­füh­rer kann daher vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht unmit­tel­bar die Ver­let­zung eines in der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ent­hal­te­nen Men­schen­rechts mit einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügen 70. Anders ver­hält es sich jedoch, wenn eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de sich mit­tel­bar auch gegen Lan­des­recht rich­tet. Die­sem geht die Kon­ven­ti­on auf­grund ihres Ran­ges als Bun­des­ge­setz vor. Sie fin­det des­halb über Art. 31 GG Ein­gang in den Prü­fungs­maß­stab 71.
Die kon­ven­ti­ons­recht­lich garan­tier­te Reli­gi­ons­frei­heit (Art. 9 EMRK) und das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot (Art. 14 EMRK) sind in ihrer Aus­le­gung durch die hier­zu ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR) offen­sicht­lich nicht ver­letzt. Der Gerichts­hof hat im Zusam­men­hang mit Beklei­dungs­vor­schrif­ten für Lehr­kräf­te, nament­lich dem Ver­bot des Tra­gens des isla­mi­schen Kopf­tuchs, den Ver­trags­staa­ten im Blick auf das in dem betref­fen­den Land gel­ten­de welt­an­schau­lich-reli­giö­se Neu­tra­li­täts­prin­zip und den Schutz der nega­ti­ven Reli­gi­ons­frei­heit Drit­ter, die er der Auf­recht­erhal­tung der öffent­li­chen Sicher­heit und der öffent­li­chen Ord­nung zuge­ord­net hat (Art. 9 Abs. 2 EMRK), einen erheb­li­chen Spiel­raum ein­ge­räumt 72. Auch im Blick auf ein etwai­ges Ver­bot von "Kopf­tuchsur­ro­ga­ten" durch soge­nann­te Umge­hungs­tat­be­stän­de hat der Gerichts­hof den Ein­schät­zungs­spiel­raum der Ver­trags­staa­ten betont 73.
Ein Ver­bot reli­giö­ser Sym­bo­le, das sich nicht direkt gegen eine bestimm­te Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit rich­tet, ist auch im Lich­te des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots von Art. 14 EMRK jeden­falls aus den­je­ni­gen Grün­den unbe­denk­lich, aus denen auch ein dar­in lie­gen­der Ein­griff in Art. 9 EMRK gerecht­fer­tigt wer­den kann 74. Das ist hier der Fall, weil die Unter­sa­gungs­re­ge­lung alle reli­giö­sen Bekun­dun­gen glei­cher­ma­ßen trifft und weit über sol­che durch äuße­res Auf­tre­ten hin­aus­greift, vor allem auch ver­ba­le Bekun­dun­gen erfasst.
Auf der Grund­la­ge die­ser Recht­spre­chung des Gerichts­hofs, von der die Bewer­tung aus­zu­ge­hen hat 75, ergibt sich, dass die den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen zugrun­de lie­gen­den lan­des­schul­ge­setz­li­chen Bestim­mun­gen in der oben von Ver­fas­sungs wegen vor­ge­ge­be­nen ein­schrän­ken­den Inter­pre­ta­ti­on kei­nen wei­ter­ge­hen­den, aus der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on fol­gen­den Beden­ken begeg­net.
Ver­ein­bar­keit mit Bun­des­recht – das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz[↑]
Eben­so wenig ver­let­zen die in Rede ste­hen­den lan­des­schul­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen in der hier gebo­te­nen ein­schrän­ken­den Aus­le­gung die Benach­tei­li­gungs­ver­bo­te des bun­des­recht­li­chen All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes.
Die Beschrän­kung reli­giö­ser Bekun­dun­gen auf der Grund­la­ge des § 57 Abs. 4 SchulG NW stellt nach den Maß­stä­ben des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes eine unmit­tel­ba­re, nor­ma­tiv vor­ge­ge­be­ne Benach­tei­li­gung aus Grün­den der Reli­gi­on dar, die die Beschäf­ti­gungs- und Arbeits­be­din­gun­gen betrifft (§§ 1, 2 Abs. 1 Nr. 2, § 3 Abs. 1 AGG). Sie ist als eine wesent­li­che und ent­schei­den­de beruf­li­che Anfor­de­rung wegen der Art der aus­zu­üben­den Tätig­keit oder der Bedin­gun­gen ihrer Aus­übung jeden­falls dann gerecht­fer­tigt (§ 8 Abs. 1 AGG), wenn das äuße­re Erschei­nungs­bild zu einer hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Stö­rung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­li­tät führt oder wesent­lich dazu bei­trägt.
Auch unter dem Gesichts­punkt einer mit­tel­ba­ren Benach­tei­li­gung wegen des Geschlechts (§ 3 Abs. 2 Satz 1 AGG) lässt sich ein Ver­stoß gegen das Benach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG durch die Rege­lung in der gebo­te­nen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung aus den auch für das ver­fas­sungs­recht­li­che Gebot der Gleich­be­hand­lung gel­ten­den Grün­den nicht fest­stel­len.
Es bedarf kei­ner nähe­ren Befas­sung mit der Fra­ge, ob das Bun­des­ar­beits­ge­richt als letzt­in­stanz­li­ches Fach­ge­richt den Beschwer­de­füh­re­rin­nen ihren gesetz­li­chen Rich­ter vor­ent­hal­ten hat (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG), indem es von einer Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on nach Art. 267 Abs. 3 AEUV abge­se­hen hat. Die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen erwei­sen sich bereits aus ande­ren Grün­den als mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar.
Abwei­chen­de Mei­nung der BVerfG-Rich­ter Schlu­cke­bier und Her­manns[↑]
Der Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Schlu­cke­bier und die Rich­te­rin am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Her­manns haben der Ent­schei­dung eine Dar­stel­lung ihrer abwei­chen­den Mei­nung bei­gefügt, da sie die Ent­schei­dung in wei­ten Tei­len des Ergeb­nis­ses und der Begrün­dung nicht mit­zu­tra­gen ver­mö­gen:
Die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gefor­der­te ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW dahin, dass nur eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­li­tät ein Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild von Päd­ago­gen zu recht­fer­ti­gen ver­mag, wenn es um die Befol­gung eines impe­ra­tiv ver­stan­de­nen reli­giö­sen Gebots geht, misst den zu dem indi­vi­du­el­len Grund­recht der Päd­ago­gen gegen­läu­fi­gen Rechts­gü­tern von Ver­fas­sungs­rang bei der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung zu gerin­ges Gewicht bei. Sie ver­nach­läs­sigt die Bedeu­tung des staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trags, der unter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Neu­tra­li­tät zu erfül­len ist, sowie den Schutz des elter­li­chen Erzie­hungs­rechts und der nega­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Schü­ler. Damit beschnei­det das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zugleich in nicht akzep­ta­bler Wei­se den Spiel­raum des Lan­des­schul­ge­setz­ge­bers bei der Aus­ge­stal­tung des mul­ti­po­la­ren Grund­rechts­ver­hält­nis­ses, das gera­de die bekennt­nis­of­fe­ne öffent­li­che Schu­le beson­ders kenn­zeich­net. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­fernt sich so auch von den Maß­ga­ben und Hin­wei­sen der soge­nann­ten Kopf­tuch, Ent­schei­dung vom 24.09.2003 76, die dem Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber gera­de für den Bereich der öffent­li­chen Schu­le die Auf­ga­be zuschreibt, gesetz­lich zu regeln, inwie­weit er reli­giö­se Bezü­ge in der Schu­le zulässt oder wegen eines strik­te­ren Neu­tra­li­täts­ver­ständ­nis­ses aus der Schu­le her­aus­hält. Nach unse­rer Auf­fas­sung ist die vom nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber gewoll­te Unter­sa­gung schon abs­trakt zur Gefähr­dung des Schul­frie­dens und der staat­li­chen Neu­tra­li­tät geeig­ne­ter Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild von Päd­ago­gen ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Aller­dings muss es sich bei Bekun­dun­gen durch das Tra­gen reli­gi­ös kon­no­tier­ter Beklei­dung, die geeig­net zur Gefähr­dung der Schutz­gü­ter sind, um sol­che von star­ker reli­giö­ser Aus­drucks­kraft han­deln.
Anders als das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt meint, ist Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW, wonach die Wahr­neh­mung des Erzie­hungs­auf­trags der Schu­len nach der nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­ver­fas­sung und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1 nicht wider­spricht, in der Aus­le­gung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich. Die­se Inter­pre­ta­ti­on, die an die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts anknüpft, hält sich in den Gren­zen rich­ter­li­cher Geset­zes­bin­dung (Art.20 Abs. 3 GG). Liegt damit für christ­li­che und jüdi­sche Reli­gio­nen kei­ne Frei­stel­lung vom Bekun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 in § 57 Abs. 4 SchulG NW und damit kei­ne Pri­vi­le­gie­rung vor – eine sol­che wäre auch unse­rer Ansicht nach gleich­heits­wid­rig, so besteht nach Ansicht die­ser bei­den BVerfG-Rich­ter auch kein Grund, die Teil­re­ge­lung des Sat­zes 3 für ver­fas­sungs­wid­rig und nich­tig zu erklä­ren.
In der Fol­ge bestehen gegen die ange­grif­fe­ne Vor­schrift des § 57 Abs. 4 SchulG NW auch kei­ne durch­grei­fen­den Beden­ken, die sich aus ande­ren Grund­rech­ten der Beschwer­de­füh­re­rin­nen, aus den Vor­schrif­ten der Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten sowie den bun­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes erge­ben könn­ten. Im Ergeb­nis wäre des­halb allen­falls die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Son­der­päd­ago­gin als begrün­det zu erach­ten gewe­sen, weil die von ihr getra­ge­ne Kopf­be­de­ckung (Woll­müt­ze und gleich­far­bi­ger Roll­kra­gen­pull­over) im gege­be­nen Umfeld der Schu­le nicht ohne Wei­te­res als reli­giö­se Bekun­dung deut­bar ist. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Leh­re­rin erscheint dage­gen nach den vor­ge­nann­ten Maß­stä­ben unbe­grün­det.
Die vom nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber gewoll­te Unter­sa­gung reli­giö­ser Bekun­dun­gen auch durch das äuße­re Erschei­nungs­bild von Päd­ago­gen nach § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, wenn die­se geeig­net sind, den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­li­tät zu gefähr­den oder zu stö­ren, ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, wenn die Bekun­dungs­wir­kung hin­rei­chend stark ist. Eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Bestim­mung, wonach die Unter­sa­gung in der hier gege­be­nen Kon­stel­la­ti­on eine hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr für die Schutz­gü­ter erfor­dert, ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gebo­ten. Im Gegen­teil: Sie misst dem elter­li­chen Erzie­hungs­recht und der nega­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Schü­ler sowie dem staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trag, der unter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Neu­tra­li­tät zu erfül­len ist, im Ver­hält­nis zu der Glau­bens­frei­heit der Päd­ago­gen in dem zu einem scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen­den mul­ti­po­la­ren Grund­rechts­ver­hält­nis in der Schu­le zu gerin­ges Gewicht bei und ver­kürzt den Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers. Es steht dem Gesetz­ge­ber im Rah­men die­ses Gestal­tungs­spiel­raums offen, sol­che Bekun­dun­gen schon bei nur abs­trak­ter Gefahr für die Schutz­gü­ter zu unter­sa­gen.
Die bekennt­nis­of­fe­ne öffent­li­che Gemein­schafts­schu­le ist durch das Auf­ein­an­der­tref­fen unter­schied­li­cher Glau­bens­über­zeu­gun­gen von Päd­ago­gen, Schü­lern und Eltern gekenn­zeich­net, deren Frei­heits­ge­währ­leis­tung im All­tag auch das Tra­gen reli­gi­ös kon­no­tier­ter Beklei­dung umfasst. Der Erzie­hungs­auf­trag des Staa­tes, den er in för­dern­der und wohl­wol­len­der Neu­tra­li­tät gegen­über den unter­schied­li­chen reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Rich­tun­gen wahr­zu­neh­men hat, erfor­dert im Blick auf Päd­ago­gen, die in der Schu­le von ihrer indi­vi­du­el­len Glau­bens­frei­heit Gebrauch machen, in der Aus­ge­stal­tung einen ange­mes­se­nen und scho­nen­den Aus­gleich zwi­schen den betrof­fe­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Posi­tio­nen. Die­sen Aus­gleich hat in den wesent­li­chen Fra­gen der Gesetz­ge­ber vor­zu­ge­ben. Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts war davon aus­zu­ge­hen, dass das Grund­ge­setz den Län­dern im Schul­we­sen umfas­sen­de Gestal­tungs­frei­heit belässt; auch in Bezug auf die welt­an­schau­lich-reli­giö­se Aus­prä­gung der öffent­li­chen Schu­len hat Art. 7 GG danach die weit­ge­hen­de Selbst­stän­dig­keit der Län­der und im Rah­men von deren Schul­ho­heit die grund­sätz­lich freie Aus­ge­stal­tung der Pflicht­schu­le im Auge 77. Die­se den Län­dern bis­her zuge­stan­de­ne weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit für das Schul­we­sen schließt nach dem Urteil vom 24.09.2003 76 bei der Aus­ge­stal­tung des Erzie­hungs­auf­trags die Mög­lich­keit ein, der staat­li­chen Neu­tra­li­tät im schu­li­schen Bereich eine strik­te­re und mehr als bis­her distan­zie­ren­de Bedeu­tung bei­zu­mes­sen und dem­ge­mäß auch durch das äuße­re Erschei­nungs­bild einer Lehr­kraft ver­mit­tel­te reli­giö­se Bezü­ge von den Schü­lern grund­sätz­lich fern­zu­hal­ten, um Kon­flik­te mit Schü­lern, Eltern oder ande­ren Lehr­kräf­ten von vorn­her­ein zu ver­mei­den 78. Es ist dem­nach zunächst Sache des Lan­des­ge­setz­ge­bers, dar­über zu befin­den, wie er den scho­nen­den Aus­gleich bei der Gestal­tung des Erzie­hungs­auf­trags im mul­ti­po­la­ren Grund­rechts­ver­hält­nis der Schu­le fin­det. Dabei kann er reli­giö­se Bezü­ge in der bekennt­nis­of­fe­nen Gemein­schafts­schu­le in weit­ge­hen­dem Maße zulas­sen 79; er kann sie aber auch – abge­se­hen von der Garan­tie des Reli­gi­ons­un­ter­richts (Art. 7 Abs. 3 GG) – weit­ge­hend aus der Schu­le her­aus­hal­ten. Ent­schei­det sich der Lan­des­ge­setz­ge­ber – etwa in Anse­hung wach­sen­der kul­tu­rel­ler und reli­giö­ser Viel­falt – für eine Beschrän­kung des zuläs­si­gen Aus­ma­ßes reli­giö­ser Bezü­ge in der Gemein­schafts­schu­le, so steht es ihm – gera­de bezo­gen auf das Ver­hal­ten sei­ner Päd­ago­gen – offen, schon vor­beu­gend mög­li­chen Beein­flus­sun­gen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler ent­ge­gen­zu­wir­ken, um nicht fern­lie­gen­de Kon­flik­te zwi­schen Päd­ago­gen und Schü­lern sowie deren Eltern, aber auch inner­halb der Schü­ler­schaft von vorn­her­ein zu ver­mei­den 80.
Die­se Maß­ga­ben, die der Zwei­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in der zitier­ten Ent­schei­dung min­des­tens nahe gelegt hat, auch wenn der hier zur Ent­schei­dung beru­fe­ne Ers­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sie jetzt unaus­ge­spro­chen als nicht ent­schei­dungs­tra­gend bewer­tet, wären der ver­fas­sungs­recht­li­chen Beur­tei­lung unse­res Erach­tens auch im Inter­es­se einer bere­chen­ba­ren Ver­fas­sungs­recht­spre­chung zugrun­de zu legen gewe­sen. Denn die Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber, die wie vor­lie­gend in Nord­rhein-West­fa­len die Ent­schei­dung aus dem Jahr 2003 76 zum Anlass für eine ent­spre­chen­de gesetz­li­che Rege­lung genom­men haben, sind von genau die­sem Ver­ständ­nis jener Ent­schei­dung aus­ge­gan­gen. In ver­schie­de­nen Anhö­run­gen durch Land­tags­aus­schüs­se auch ande­rer Län­der, die sich damals mit den Fol­gen der Ent­schei­dung befasst haben, ist dem­entspre­chend ein gene­rel­les und für alle Reli­gio­nen gel­ten­des Ver­bot des Tra­gens reli­gi­ös kon­no­tier­ter Klei­dungs­stü­cke im Schul­dienst für ver­fas­sungs­recht­lich statt­haft erach­tet wor­den 81.
Das vom Gesetz­ge­ber beab­sich­tig­te Ver­ständ­nis der Norm, das das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit sei­ner Aus­le­gung in den Aus­gangs­ver­fah­ren auf­ge­nom­men hat und wonach schon eine abs­trak­te Gefahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­li­tät für die Unter­sa­gung einer reli­giö­sen Bekun­dung genügt, steht auch im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR). Die­ser hat den Mit­glied­staa­ten einen erheb­li­chen Beur­tei­lungs­spiel­raum zuge­stan­den und zu soge­nann­ten Kopf­tuch­ver­bo­ten unter­stri­chen, auf­grund des beson­de­ren Sta­tus einer Lehr­per­son als "rep­re­sen­ta­ti­ve of the sta­te" kom­me deren Reli­gi­ons­frei­heit in der Abwä­gung ein gerin­ge­res Gewicht zu. Auch hat er es für nicht rele­vant befun­den, ob aus der Situa­ti­on des Ein­zel­falls her­aus kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine Gefähr­dung der Rech­te der Schü­ler bestün­den. Aus­rei­chend sei viel­mehr, dass sich sol­che Effek­te nicht aus­schlie­ßen lie­ßen. Bezo­gen auf das Tra­gen reli­giö­ser Sym­bo­le kön­ne dies dann ange­nom­men wer­den, wenn es sich dabei um star­ke äußer­li­che Zei­chen han­de­le 82.
Die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei­ner Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung zugrun­de geleg­te Wür­di­gung hal­ten wir auf die­ser Grund­la­ge, nament­lich den Aus­füh­run­gen im Urteil vom 24.09.2003 76, für nicht über­zeu­gend. Viel­mehr kann der Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber gute und trag­fä­hi­ge Grün­de für sich in Anspruch neh­men, die schon die abs­trak­te Gefahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­li­tät für das in Rede ste­hen­de gene­rel­le Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen auch durch das äuße­re Erschei­nungs­bild genü­gen las­sen. Auch eine sol­che Lösung für die Umset­zung des vom Gesetz­ge­ber ver­folg­ten legi­ti­men Ziels ist als ange­mes­sen und zumut­bar zu beur­tei­len.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geht davon aus, das Tra­gen einer reli­gi­ös kon­no­tier­ten Beklei­dung durch Päd­ago­gen, die im sozia­len Umfeld als reli­giö­se Bekun­dung wahr­ge­nom­men wird, sei als indi­vi­du­el­le Grund­rechts­aus­übung erkenn­bar. Die Betrach­tung erschöp­fe sich in der visu­el­len Wahr­neh­mung und sei nicht von vorn­her­ein dazu ange­tan, die nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit und das Eltern­grund­recht zu beein­träch­ti­gen. Auch kön­ne das Tra­gen etwa eines isla­mi­schen Kopf­tuchs durch Päd­ago­gin­nen nicht als vor­bild­haft bewer­tet wer­den. Zudem gebe es kei­nen Anspruch auf Ver­scho­nung vor der indi­vi­du­el­len Grund­rechts­aus­übung ande­rer, solan­ge damit kein gezielt beein­flus­sen­der Effekt ein­her­ge­he.
Damit ist die Betrof­fen­heit von Schü­le­rin­nen und Schü­lern sowie von Eltern in ihrer nega­ti­ven Glau­bens­frei­heit sowie im Eltern­grund­recht nur unzu­rei­chend erfasst und gewich­tet. Die­se Bewer­tung hal­ten wir für nicht rea­li­täts­ge­recht. Sie ver­nach­läs­sigt, dass das Schü­ler-Päd­ago­gen-Ver­hält­nis ein spe­zi­fi­sches Abhän­gig­keits­ver­hält­nis ist, dem Schü­ler und Eltern unaus­weich­lich und nicht nur flüch­tig aus­ge­setzt sind. Das Maß der Betrof­fen­heit unter­schei­det sich grund­le­gend von dem, das beim Zusam­men­tref­fen ver­schie­de­ner reli­giö­ser Bekennt­nis­se und Bekun­dun­gen im gesell­schaft­li­chen All­tag gege­ben ist, und mit dem Men­schen in einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft umge­hen und das sie dul­den müs­sen, auch wenn sie dem im Ein­zel­fall, etwa im öffent­li­chen Raum nur begrenzt ent­ge­hen kön­nen. In jedem Fal­le sind sol­che Berüh­run­gen in der Regel nur punk­tu­ell und nicht von nen­nens­wer­ter Dau­er. Schon das unter­schei­det sie von der Begeg­nung und Kon­fron­ta­ti­on in der Schu­le, der die Schü­ler sich nicht ent­zie­hen kön­nen und bei der die Nicht­teil­nah­me am Unter­richt sogar sank­tio­niert ist. Schü­ler kön­nen also hier den Lehr­per­so­nen und ihren Über­zeu­gun­gen nicht aus dem Weg gehen. Dar­über hin­aus ist es Auf­ga­be der Lehr­per­so­nen, Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu unter­rich­ten, zu erzie­hen, zu bera­ten, zu beur­tei­len, zu beauf­sich­ti­gen und zu betreu­en (§ 57 Abs. 1 SchulG NW). Dar­aus erhellt sich auch das beson­de­re Abhän­gig­keits­ver­hält­nis zwi­schen Schü­lern und Päd­ago­gen, die über die Ver­set­zung und einen erfolg­rei­chen Schul­ab­schluss mit­be­fin­den. Sie kön­nen schon des­halb nicht mit belie­bi­gen Per­so­nen aus der Gesell­schaft ver­gli­chen wer­den, die von den Schü­le­rin­nen und Schü­lern ledig­lich ange­schaut wer­den und deren Auf­fas­sung die­se ertra­gen müs­sen; viel­mehr tre­ten sie in der Schu­le als Auto­ri­täts­per­son auf. Das gilt auch für sozi­al­päd­ago­gi­sche Mit­ar­bei­ter, die mit der Lösung von Schul­kon­flik­ten betraut sind (vgl. § 58 Satz 2 SchulG NW). Dies bedingt ein weit­aus stär­ke­res Aus­ge­setzt­sein gegen­über reli­giö­sen Bekun­dun­gen als es bei Begeg­nun­gen im gesell­schaft­li­chen All­tag der Fall ist. Bei­des ist nicht ver­gleich­bar.
Den Päd­ago­gen kommt in der Schu­le im Umgang mit den Schü­le­rin­nen und Schü­lern zudem eine Vor­bild­funk­ti­on zu. Die gewoll­te erzie­he­ri­sche Ein­wir­kung löst in der Regel bei Schü­lern und mit­tel­bar auch bei deren Eltern irgend­ei­ne Form der Reak­ti­on aus. Von reli­giö­sen Bekun­dun­gen durch das Tra­gen reli­gi­ös kon­no­tier­ter Beklei­dung geht – abhän­gig auch von dem Alter der betrof­fe­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler – nicht zwin­gend, aber jeden­falls nicht aus­schließ­bar eine gewis­se appel­la­ti­ve Wir­kung aus, sei es in dem Sin­ne, dass die­ses Ver­hal­ten als vor­bild­haft und befol­gungs­wür­dig ver­stan­den und auf­ge­nom­men, sei es, dass es ent­schie­den abge­lehnt wird. Dabei ist zu beden­ken, dass die schu­li­sche Erzie­hung nicht nur der Erlan­gung der grund­le­gen­den Kul­tur­tech­ni­ken und der Ent­wick­lung kogni­ti­ver Fähig­kei­ten dient. Sie soll auch die emo­tio­na­len und affek­ti­ven Anla­gen der Schü­ler zur Ent­fal­tung brin­gen. Das Schul­ge­sche­hen ist dar­auf ange­legt, ihre Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung umfas­send zu för­dern, ins­be­son­de­re auch das Sozi­al­ver­hal­ten zu beein­flus­sen. Die Umset­zung des­sen ist Auf­ga­be der Päd­ago­gen (vgl. § 57 Abs. 1 SchulG NW). Deren Ver­hal­ten, aber auch die Befol­gung bestimm­ter reli­giö­ser Beklei­dungs­re­geln trifft auf Per­so­nen, die auf­grund ihrer Jugend in ihren Anschau­un­gen noch nicht gefes­tigt sind, Kri­tik­ver­mö­gen und Aus­bil­dung eige­ner Stand­punk­te erst erler­nen sol­len und daher auch einer men­ta­len Beein­flus­sung beson­ders leicht zugäng­lich sind 83. Eine wirk­lich offe­ne Dis­kus­si­on über die Befol­gung reli­giö­ser Beklei­dungs­re­geln und ‑prak­ti­ken wird, wenn Lehr­per­so­nen per­sön­lich betrof­fen sind, in dem spe­zi­fi­schen Abhän­gig­keits­ver­hält­nis der Schu­le allen­falls begrenzt mög­lich sein.
Das Tra­gen reli­gi­ös kon­no­tier­ter Klei­dung durch Päd­ago­gen kann schließ­lich zu Kon­flik­ten inner­halb der Schü­ler­schaft und unter den Eltern füh­ren und sie beför­dern, zumal wenn die Betrof­fe­nen mög­li­cher­wei­se ähn­li­chen, aber hin­sicht­lich bestimm­ter reli­giö­ser Regeln – wie etwa dem Bede­ckungs­ge­bot – ver­schie­de­nen Glau­bens­rich­tun­gen ange­hö­ren, in denen unter­schied­li­che Anschau­un­gen über das "rich­ti­ge" glau­bens­ge­lei­te­te Ver­hal­ten herr­schen. Auch wenn sol­che reli­giö­sen Bekun­dun­gen nicht zwin­gend zu einer Beein­träch­ti­gung der nega­ti­ven Glau­bens­frei­heit und des Eltern­grund­rechts füh­ren müs­sen, so besteht doch in die­ser Hin­sicht ein erheb­li­ches Risi­ko. Der Gesetz­ge­ber darf des­halb den Schutz die­ser Grund­rech­te mit beträcht­li­chem Gewicht in die Abwä­gung ein­stel­len.
Die Päd­ago­gen genie­ßen zwar ihre indi­vi­du­el­le Glau­bens­frei­heit. Zugleich sind sie aber Amts­trä­ger und damit der för­dern­den Neu­tra­li­tät des Staa­tes auch in reli­giö­ser Hin­sicht ver­pflich­tet. Denn der Staat kann nicht als anony­mes Wesen, son­dern nur durch sei­ne Amts­trä­ger und sei­ne Päd­ago­gen han­deln. Die­se sind sei­ne Reprä­sen­tan­ten. Die Ver­pflich­tung des Staa­tes auf die Neu­tra­li­tät kann des­halb kei­ne ande­re sein als die einer Ver­pflich­tung sei­ner Amts­trä­ger auf Neu­tra­li­tät. Für den Päd­ago­gen in der Schu­le als Indi­vi­du­um ist es des­halb anders als für das Indi­vi­du­um in aus­schließ­lich gesell­schaft­li­chen Zusam­men­hän­gen gebo­ten, bei reli­giö­sen Bekun­dun­gen Zurück­hal­tung zu üben, wenn sei­ne Über­zeu­gung bei der Wahr­neh­mung des staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trags mit den Grund­rech­ten ande­rer kol­li­die­ren kann. Das gilt für äuße­re reli­giö­se Bekun­dun­gen glei­cher­ma­ßen wie für poli­ti­sche Bekun­dun­gen, die frei­lich den unter Geset­zes­vor­be­halt ste­hen­den Grund­rech­ten auf Mei­nungs­frei­heit und all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit zuzu­ord­nen sind.
Der Gesetz­ge­ber konn­te sich bei sei­ner Ent­schlie­ßung für ein weit­ge­hend schon vor­beu­gen­des Ver­bot auch auf die damals – im Anschluss an die Kopf­tuch, Ent­schei­dung 76 – bei den Anhö­run­gen in ver­schie­de­nen Land­ta­gen her­vor­ge­tre­te­ne, weit­ge­hend über­ein­stim­men­de Ein­schät­zung sach­kun­di­ger Päd­ago­gen stüt­zen. So hat etwa bei einer vor­an­ge­gan­ge­nen Anhö­rung zu einer ähn­li­chen lan­des­schul­ge­setz­li­chen Rege­lung im Land­tag von Baden-Würt­tem­berg der Vor­sit­zen­de der Ver­ei­ni­gung von Schul­lei­tern betont, durch die Per­sön­lich­keit der Lehr­kraft, zu der auch das äuße­re Erschei­nungs­bild gehö­re, wür­den Schü­le­rin­nen und Schü­ler bestimm­ter Alters­grup­pen ange­spro­chen und direkt oder indi­rekt beein­flusst. Er hat dabei eine Erklä­rung des Lan­des­schul­bei­rats vor­ge­tra­gen und her­vor­ge­ho­ben, dass bei der zuvor statt­ge­fun­de­nen Bun­des­ta­gung aller Schul­lei­tun­gen eine ein­mü­ti­ge Erklä­rung in die­ser Hin­sicht gefasst wor­den sei. Die­se habe auch zum Inhalt gehabt, dass die Pro­ble­ma­tik kei­nes­falls bei den ein­zel­nen Schu­len "abge­la­den" wer­den sol­le, son­dern der Gesetz­ge­ber eine gene­rel­le Lösung fin­den möge 84. Die­se Sicht­wei­se ent­sprach Stel­lung­nah­men des Schul­lei­ter­ver­ban­des Schles­wig-Hol­stein und der Ver­ei­ni­gung der Schul­auf­sichts­be­am­ten des Lan­des Hes­sen in den dor­ti­gen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren. Dar­in wur­de unmiss­ver­ständ­lich her­vor­ge­ho­ben, falls eine Rege­lung getrof­fen wer­de, sei es Kon­sens, dass kei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung der Schu­le vor Ort vor­ge­se­hen wer­den dür­fe, weil dies erheb­li­ches Kon­flikt­po­ten­zi­al in sich ber­ge 85. In glei­cher Wei­se fin­den sich Stel­lung­nah­men in dem Anhö­rungs­ver­fah­ren des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len, in denen ins­be­son­de­re auch auf die Pro­ble­me in Grund- und Haupt­schu­len im Blick auf die ver­schie­de­nen Rich­tun­gen und Ein­stel­lun­gen isla­mi­scher Schü­ler und Eltern im Ver­hält­nis zur Lehr­kraft hin­ge­wie­sen wur­de. Gera­de unter die­sen Schü­le­rin­nen und Schü­lern und ihren Eltern gebe es auch Dis­kus­sio­nen über "die rich­ti­ge Fröm­mig­keit". Eine ein­heit­li­che lan­des­wei­te Rege­lung sei not­wen­dig, damit nicht jede betrof­fe­ne Schu­le der­ar­ti­ge Kon­flik­te selbst lösen müs­se 86.
Die­se Stel­lung­nah­men ver­deut­li­chen die Bedeu­tung eines gene­rel­len, etwa auch lan­des­wei­ten und ‑ein­heit­li­chen Ver­bots reli­giö­ser Bekun­dun­gen schon bei abs­trak­ter Gefahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­li­tät. Zudem liegt auf der Hand, dass mit einer Ein­schrän­kung des Ver­bots auf Fäl­le einer hin­rei­chend kon­kre­ten Gefahr für die Schutz­gü­ter in der Schul­pra­xis in stär­ke­rem Maße Befund­er­he­bungs- und Beweis­füh­rungs­pro­ble­me erwach­sen. Die­se sind von der Schul­ver­wal­tung not­wen­dig unter Betei­li­gung der Schü­ler und Eltern aus­zu­tra­gen und ver­stär­ken eine dem Erzie­hungs­auf­trag eher abträg­li­che Per­so­na­li­sie­rung des etwai­gen Kon­flikts. Vor die­sem Hin­ter­grund ist das Bestre­ben des Gesetz­ge­bers anzu­er­ken­nen, eine ein­heit­li­che all­ge­mei­ne Rege­lung zu schaf­fen, um welt­an­schau­lich-reli­giö­se Kon­flik­te mög­lichst weit­ge­hend aus den Schu­len her­aus­zu­hal­ten und das zuläs­si­ge Maß an reli­giö­sen Bekun­dun­gen bere­chen­bar und unab­hän­gig von ein­zel­fall­be­zo­ge­nem Kon­flikt­po­ten­zi­al zu regeln.
Die spe­zi­fi­sche Situa­ti­on in der Schu­le ist, wie dar­ge­legt, zum einen durch die Unaus­weich­lich­keit, zum ande­ren durch den appel­la­ti­ven Cha­rak­ter ent­spre­chend star­ker reli­giö­ser Bekun­dun­gen sowie durch das beson­de­re Abhän­gig­keits­ver­hält­nis geprägt. In die­ser Situa­ti­on liegt nicht fern, dass Zwei­fel von Schü­lern und Eltern an der gebo­te­nen Neu­tra­li­tät der betref­fen­den Päd­ago­gen auf­kom­men kön­nen. Die­se Umstän­de tra­gen die Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers, dass in einer viel­ge­stal­ti­gen Gesell­schaft, in der eine weit­ge­hen­de reli­giö­se Homo­ge­ni­tät nicht län­ger unter­stellt wer­den kann, zum Schutz der posi­ti­ven und nega­ti­ven Glau­bens­frei­heit von Schü­le­rin­nen und Schü­lern sowie des ent­spre­chen­den Eltern­grund­rechts und zur Wah­rung der gebo­te­nen staat­li­chen Neu­tra­li­tät bei der Wahr­neh­mung des Erzie­hungs­auf­trags ein Ver­bot jed­we­der reli­giö­sen Bekun­dung mit star­ker Wir­kung durch Päd­ago­gen in der Schu­le erfor­der­lich und ange­mes­sen ist, wenn die­se auch nur abs­trakt eine Gefahr für die genann­ten Schutz­gü­ter dar­stellt. Die Wür­di­gung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der es allein ange­mes­sen und zumut­bar ist, wenn den Päd­ago­gen im Schul­ver­hält­nis bei der Wahr­neh­mung des staat­li­chen Erzie­hungs­auf­trags die Inan­spruch­nah­me ihres indi­vi­du­el­len Grund­rechts auf Glau­bens­frei­heit in einem Maße zuge­stan­den wird, die erst an der Schwel­le zur geziel­ten Beein­flus­sung und zu einer hin­rei­chend kon­kre­ten Gefahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­li­tät halt macht, ver­nach­läs­sigt dem­ge­gen­über die spe­zi­fi­sche Situa­ti­on in der Schu­le. Denn der Staat ver­langt von Schü­lern und Eltern die Teil­nah­me an der "Ver­an­stal­tung Schu­le" zur Her­an­bil­dung und Erzie­hung jun­ger Men­schen. Die Schü­ler sind ihm damit zur Erzie­hung anver­traut. Die Teil­nah­me ist in wei­ten Tei­len ver­pflich­tend. Das bedingt eine Garan­ten­stel­lung des Staa­tes. Eine Bewer­tung, die allein dar­auf abstellt, dass der Staat eine ihm unmit­tel­bar nicht zuzu­rech­nen­de indi­vi­du­el­le Grund­rechts­aus­übung sei­ner Päd­ago­gen nur dul­de und die Schü­ler ledig­lich eine bestimm­te Beklei­dung der Päd­ago­gen anzu­schau­en hät­ten, die erkenn­bar auf deren indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung zurück gehe, greift des­halb zu kurz. Eine sol­che ver­ein­fa­chen­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen dem Staat zure­chen­ba­ren Sym­bo­len und indi­vi­du­el­ler reli­gi­ös kon­no­tier­ter Beklei­dung von Päd­ago­gen blen­det die Wir­kung aus, die auch die indi­vi­du­el­le Grund­rechts­aus­übung einer Lehr­per­son auf Schü­le­rin­nen und Schü­ler haben kann.
Zusam­men­ge­fasst ist nach unse­rem Dafür­hal­ten die Unter­sa­gung reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild von Päd­ago­gen schon bei einer abs­trak­ten Gefahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­li­tät ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich. Mit der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te ist ein­schrän­kend aller­dings zu ver­lan­gen, dass es sich für die Unter­sa­gung des Tra­gens reli­gi­ös kon­no­tier­ter Klei­dung um eine sol­che von star­ker Aus­drucks­kraft han­deln muss. Es steht dem Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen jedoch auch offen, reli­giö­se Bezü­ge in wei­tem Maße zuzu­las­sen, etwa wenn er dies im Inter­es­se einer Erzie­hung zu Tole­ranz und Ver­ständ­nis für ange­mes­sen erach­tet. Ver­pflich­tet ist er dazu von Ver­fas­sungs wegen indes­sen nicht.
Eine Erstre­ckung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung auf Satz 2 des § 57 Abs. 4 SchulG NW war nicht gebo­ten. Die­se Bestim­mung hat zwar die Schul­ver­wal­tung in den Aus­gangs­fäl­len mit her­an­ge­zo­gen. Die ange­grif­fe­nen arbeits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen sind dar­auf jedoch nicht mehr gestützt. Aller­dings ist dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­in zuzu­stim­men, dass allein das Tra­gen eines soge­nann­ten isla­mi­schen Kopf­tuchs kei­nen Schluss dar­auf zulässt, dass die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Unter­sa­gungs­be­stim­mung erfüllt sind.
Das vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zugrun­de geleg­te Norm­ver­ständ­nis des Sat­zes 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW, wonach die Wahr­neh­mung des Erzie­hungs­auf­trags der Schu­le nach der nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­ver­fas­sung und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abend­län­di­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1 nicht wider­spricht, wahrt die Gren­zen rich­ter­li­cher Geset­zes­bin­dung (Art.20 Abs. 3 GG) und ist ver­fas­sungs­recht­lich in die­ser Inter­pre­ta­ti­on nicht zu bean­stan­den. Die­ser Teil der Vor­schrift war des­halb nicht für ver­fas­sungs­wid­rig zu erklä­ren.
Dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist dar­in zuzu­stim­men, dass ein Ver­ständ­nis des Sat­zes 3 von § 57 Abs. 4 SchulG NW im Sin­ne einer ech­ten Frei­stel­lungs- und Pri­vi­le­gie­rungs­klau­sel zum Bekun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 wegen Ver­sto­ßes gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ver­fas­sungs­wid­rig wäre. Die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt gefun­de­ne Aus­le­gung hin­ge­gen, die der­je­ni­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu einer ent­spre­chen­den Rege­lung im baden-würt­tem­ber­gi­schen Schul­ge­setz folgt 87, ver­mei­det ein sol­ches Ergeb­nis jedoch. Die­se Aus­le­gung ist nahe­lie­gend, steht mit dem Wort­laut des Geset­zes im Ein­klang, wider­spricht – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts – kei­nes­wegs dem klar erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers und bestimmt auch den nor­ma­ti­ven Gehalt der Rege­lung nicht grund­le­gend neu.
Es trifft zwar zu, dass die Geset­zes­in­itia­to­ren sowohl in der 13. als auch in der 14. Wahl­pe­ri­ode des nord­rhein-west­fä­li­schen Land­tags aus­weis­lich der Gesetz­ent­wurfs­be­grün­dun­gen mit Satz 3 der Vor­schrift die Vor­stel­lung ver­ban­den, anders als das isla­mi­sche Kopf­tuch etwa könn­ten bestimm­te tra­di­tio­nel­le, im christ­li­chen oder jüdi­schen Glau­ben wur­zeln­de Beklei­dungs­for­men zuge­las­sen wer­den 88. Dabei kann die Beur­tei­lung aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te jedoch nicht ste­hen blei­ben. Denn am Beginn des Geset­zes­vor­ha­bens ging die Fas­sung des heu­ti­gen Sat­zes 3 noch dahin, dass die äuße­re "Bekun­dung" christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te zuläs­sig blei­ben soll­te. Es wur­de also der­sel­be Begriff gebraucht wie in dem heu­ti­gen Satz 1 89. Spä­ter wur­de die For­mu­lie­rung in Satz 3 hin­ge­gen in "Dar­stel­lung" abge­än­dert 90. Für eine dif­fe­ren­zier­te Aus­le­gung fin­det sich des­halb objek­tiv und los­ge­löst von den Vor­stel­lun­gen der Geset­zes­in­itia­to­ren ein trag­fä­hi­ger Ansatz im Wort­laut der Rege­lung. Denn eine "reli­giö­se Bekun­dung" (Satz 1) ist etwas ande­res als die "Dar­stel­lung von Bil­dungs- und Kul­tur­wer­ten oder Tra­di­tio­nen" (Satz 3).
Die Ursprungs­vor­stel­lun­gen bei der Abfas­sung der Begrün­dun­gen zu den Gesetz­ent­wür­fen haben im wei­te­ren Ver­lauf des von viel­fäl­ti­gen Ein­flüs­sen bestimm­ten Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens einen Wan­del erfah­ren. Nach­dem das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt – noch vor den letz­ten Anhö­run­gen in dem zustän­di­gen Aus­schuss des Land­tags von Nord­rhein-West­fa­len und vor dem end­gül­ti­gen Geset­zes­be­schluss des Land­tags – die ent­spre­chen­de baden-würt­tem­ber­gi­sche schul­ge­setz­li­che Rege­lung bereits ein­schrän­kend aus­ge­legt hat­te, und auch bei den Sach­ver­stän­di­gen-Anhö­run­gen im nord­rhein-west­fä­li­schen Land­tags­aus­schuss Ent­spre­chen­des ver­tre­ten wor­den war 91, wur­de die Lan­des­re­gie­rung vom Haupt­aus­schuss des Land­tags um eine ver­fas­sungs­recht­li­che Bewer­tung des Ergeb­nis­ses der Sach­ver­stän­di­gen-Anhö­run­gen gebe­ten. Deren schrift­li­che Äuße­rung zur Anhö­rung ging – wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zutref­fend her­vor­hebt – im Blick auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts dahin, die bei den Anhö­run­gen geäu­ßer­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken zu Satz 3 bezö­gen sich nicht auf die gesetz­li­che Rege­lung als sol­che, son­dern allein auf die Fra­ge, wie die Norm ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen und anzu­wen­den sei 92. In Ver­bin­dung mit der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts war daher vor dem end­gül­ti­gen Geset­zes­be­schluss des Land­tags klar, dass eine sol­che ein­schrän­ken­de Aus­le­gung, wie sie spä­ter auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt sei­nen hier ange­grif­fe­nen Urtei­len zugrun­de gelegt hat, im Raum stand und nahe lag. Hät­te der Gesetz­ge­ber jedoch eine wirk­li­che Pri­vi­le­gie­rung und eine Aus­nah­me für christ­li­che und jüdi­sche Reli­gio­nen kon­se­quent ver­fol­gen wol­len, wäre es ihm ohne Wei­te­res mög­lich gewe­sen, dies durch eine geän­der­te For­mu­lie­rung des Geset­zes­tex­tes – etwa im Sin­ne des ers­ten Ent­wurfs aus der vor­an­ge­gan­ge­nen Land­tags­le­gis­la­tur­pe­ri­ode – sicher­zu­stel­len. Das ist jedoch gera­de nicht gesche­hen. Der Land­tag hat also nicht – wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt meint – im Bewusst­sein des ver­fas­sungs­recht­li­chen Risi­kos, son­dern allen­falls unter bil­li­gen­der Inkauf­nah­me der ein­schrän­ken­den Aus­le­gung, wie sie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt schon damals vor­ge­nom­men hat­te, das Gesetz beschlos­sen, so gese­hen also gera­de "mit Wis­sen" und "mit Even­tu­al-Wol­len" gehan­delt. Ihm etwas ande­res zu unter­stel­len, ist bei ver­stän­di­ger Les­art aller Mate­ria­li­en unter Berück­sich­ti­gung der Erör­te­run­gen wäh­rend des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens nicht trag­fä­hig. Des­halb kann kei­ne Rede davon sein, die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­wor­fe­ne Aus­le­gung des Sat­zes 3 durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt lau­fe dem vom Gesetz­ge­ber Gewoll­ten zuwi­der oder mes­se der Norm einen grund­le­gend neu­en Gehalt bei und über­schrei­te somit die Gren­zen rich­ter­li­cher Aus­le­gung des Geset­zes­rechts.
Die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Begrün­dung sei­ner Ansicht wei­ter ange­führ­ten Erwä­gun­gen recht­fer­ti­gen kei­ne ande­re Beur­tei­lung: Dass Satz 3 in der Inter­pre­ta­ti­on des Bun­des­ar­beits­ge­richts ledig­lich noch klar­stel­len­de Funk­ti­on zukom­me und sich nicht in den Rege­lungs­kon­text füge, ist ohne Bedeu­tung für die Fra­ge, ob er ver­fas­sungs­wid­rig ist. Im Übri­gen kön­nen rege­lungs­tech­nisch durch­aus auch ledig­lich klar­stel­len­de, ergän­zen­de Vor­schrif­ten für die Abgren­zung einer Haupt­norm und für deren Inter­pre­ta­ti­on hilf­reich und sinn­voll sein. Sie sind in der Rechts­ord­nung viel­fach anzu­tref­fen, ohne dass sie des­halb in die Nähe der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit gerückt wür­den. Uner­heb­lich ist wei­ter, dass Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW den Bezug auf Art. 12 Abs. 3 Satz 1 Verf NW inhalt­lich unvoll­stän­dig auf­nimmt, weil in ihm – anders als in der Lan­des­ver­fas­sung – nur die christ­lich-abend­län­di­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen, nicht dage­gen die Offen­heit für die christ­li­chen Bekennt­nis­se und für ande­re reli­giö­se und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen aus­drück­lich erwähnt wer­den. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob bei der Erwäh­nung tra­dier­ter, in einem säku­la­ren Sin­ne zu ver­ste­hen­der Wer­te die erst seit weni­gen Jahr­zehn­ten in Deutsch­land brei­ter in Erschei­nung getre­te­nen wei­te­ren Reli­gio­nen und reli­giö­sen Rich­tun­gen eben­falls in die schul­ge­setz­li­che Bestim­mung hät­te auf­ge­nom­men wer­den müs­sen. Gera­de wenn Satz 3 klar­stel­len­de Bedeu­tung zukommt, liegt es auf der Hand, dass die dar­aus fol­gen­de Inter­pre­ta­ti­ons- und Abgren­zungs­hil­fe für die Wahr­neh­mung des Erzie­hungs­ziels des Art. 12 Abs. 3 Satz 1 Verf NW gege­be­nen­falls auch die dort fest­ge­leg­te Offen­heit für ande­re reli­giö­se und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen umfasst.
Im Ergeb­nis bleibt fest­zu­hal­ten, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dem für die Aus­le­gung maß­geb­li­chen, in der Norm zum Aus­druck kom­men­den objek­ti­vier­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers 93 eben­so wenig gerecht wird wie den im Ver­lau­fe des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens zuta­ge getre­te­nen sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen der Gesetz­ge­bungs­or­ga­ne. Bei zutref­fen­der Wür­di­gung ist gegen Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW in der Aus­le­gung des Bun­des­ar­beits­ge­richts von Ver­fas­sungs wegen nichts zu erin­nern.
Auf der Grund­la­ge der hier ver­tre­te­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Wür­di­gung nach dem Maß­stab des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG lässt sich aus den ange­führ­ten Grün­den auch kein Ver­stoß gegen wei­te­re Grund­rech­te, die Euro­päi­sche Kon­ven­ti­on für Men­schen­rech­te und das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz als bun­des­recht­li­che Vor­schrift (vgl. Art. 31 GG) fest­stel­len. Das soll im Rah­men die­ser abwei­chen­den Mei­nung nicht wei­ter aus­ge­führt wer­den. Anzu­mer­ken bleibt aller­dings:
Die Annah­me einer Ungleich­be­hand­lung aus Grün­den des Geschlechts (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 GG), die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erst auf der Recht­fer­ti­gungs­ebe­ne auf­löst, ist unse­res Erach­tens nicht trag­fä­hig.
Auf der Grund­la­ge unse­rer abwei­chen­den Auf­fas­sung zur Wür­di­gung des Sat­zes 3 von § 57 Abs. 4 SchulG NW ergibt sich das schon dar­aus, dass das vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­nom­me­ne Ver­ständ­nis der Vor­schrift als ech­te Aus­nah­me­klau­sel für das Tra­gen von Klei­dungs­stü­cken, die christ­li­chen und abend­län­di­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­ten ent­spre­chen, nach unse­rem Dafür­hal­ten auch bei der Prü­fung einer geschlechts­spe­zi­fi­schen Benach­tei­li­gung nicht zugrun­de zuge­legt wer­den kann. Damit gilt das Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild für weib­li­che wie männ­li­che Ange­hö­ri­ge aller Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen.
Aber auch auf der Grund­la­ge der Beur­tei­lung durch die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit, wonach es sich bei Satz 3 um eine Frei­stel­lungs- und Pri­vi­le­gie­rungs­klau­sel zu Satz 1 zuguns­ten christ­li­cher und jüdi­scher Reli­gio­nen han­deln soll, liegt kei­ne Benach­tei­li­gung wegen des Geschlechts vor. Ent­ge­gen der Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts betrifft das Ver­bot auch dann nicht ganz über­wie­gend nur mus­li­mi­sche Frau­en. Die Vor­schrift des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW in der Vari­an­te des Ver­bots reli­giö­ser Bekun­dun­gen erfasst nicht nur Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild. Sie greift sehr viel wei­ter und unter­sagt vor allem auch ver­ba­le und sons­ti­ge reli­giö­se Bekun­dun­gen. Des­halb betrifft sie mit dem Tat­be­stands­merk­mal "reli­giö­ser Bekun­dun­gen" Män­ner und Frau­en glei­cher­ma­ßen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kommt zur Annah­me einer Benach­tei­li­gung auf­grund des Geschlechts nur dadurch, dass er nicht die Norm in der hier maß­geb­li­chen Alter­na­ti­ve als Gan­zes – als Ver­bot reli­giö­ser Bekun­dun­gen, son­dern nur eine ihrer tat­säch­li­chen Anwen­dungs­fall­grup­pen zum Aus­gangs­punkt sei­ner Beur­tei­lung nimmt, näm­lich die Bekun­dung durch das äuße­re Erschei­nungs­bild. Nur eine ihrer tat­säch­li­chen Anwen­dungs­fall­grup­pen kann jedoch nicht die Grund­la­ge für die Beur­tei­lung einer gesetz­li­chen Vor­schrift dahin sein, sie betref­fe tat­säch­lich ganz über­wie­gend Frau­en. Mit ihrem gesam­ten Anwen­dungs­be­reich erfasst § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW in der Vari­an­te des Ver­bots reli­giö­ser Bekun­dun­gen viel­mehr das Ver­hal­ten der Päd­ago­gen bei­der Geschlech­ter. Selbst inner­halb der Anwen­dungs­fall­grup­pe von Bekun­dun­gen durch das äuße­re Erschei­nungs­bild erscheint die Annah­me des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts frag­wür­dig; denn die Zahl der Fäl­le, in denen bereits die prä­ven­ti­ve Wir­kung des Bekun­dungs­ver­bots dazu führt, dass auch Män­ner sich reli­gi­ös kon­no­tier­ter Klei­dung und Sym­bo­lik ent­hal­ten, ist nicht bekannt.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Son­der­päd­ago­gin wäre auch nach unse­rer Auf­fas­sung im Ergeb­nis für begrün­det zu erach­ten gewe­sen. Die von ihr getra­ge­ne Bede­ckung, eine Woll­müt­ze und ein gleich­far­bi­ger Roll­kra­gen­pull­over, ist nicht aus sich her­aus reli­gi­ös kon­no­tiert und wird auch im gege­be­nen Umfeld der Schu­le nicht ohne Wei­te­res als reli­giö­se Bekun­dung von star­ker Aus­drucks­kraft deut­bar sein. Hier­zu fehlt in den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen eine ver­tret­ba­re, trag­fä­hi­ge Begrün­dung. Die­se wäre nach dem Wech­sel der Kopf­be­de­ckung von einem in typi­scher Wei­se gebun­de­nen Kopf­tuch zu einer Woll­müt­ze umso mehr erfor­der­lich gewe­sen, als die­ser Zusam­men­hang mit zuneh­men­dem Zeit­ab­lauf suk­zes­si­ve ver­blasst.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Leh­re­rin erscheint dage­gen nach den oben dar­ge­leg­ten Maß­stä­ben unbe­grün­det. Vor­stell­bar wäre allen­falls gewe­sen, auf­grund ihres Ein­tritts in den Schul­dienst lan­ge vor der Ver­kün­dung der in Rede ste­hen­den Rege­lung, der unter Offen­le­gung ihrer glau­bens­ge­lei­te­ten Beklei­dungs­pra­xis erfolgt war, und wegen der lang­dau­ern­den, im Blick auf die Schutz­gü­ter unbe­an­stan­det geblie­be­nen Lehr­tä­tig­keit unter dem Gesichts­punkt rechts­staat­lich gebo­te­nen Ver­trau­ens­schut­zes (Art.20 Abs. 3 GG) eine dif­fe­ren­zier­te­re gesetz­li­che Lösung für sol­che Alt­fäl­le ein­zu­for­dern.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Janu­ar 2015 – 1 BvR 471/​10 – 1 BvR 1181/​10
vom 15.02.2005, GV.NRW. S. 102, in der Fas­sung des Ers­ten Geset­zes zur Ände­rung des Schul­ge­set­zes vom 13.06.2006, GV.NRW. S. 270[↩]
BVerfG – 1 BvR 471/​10[↩]
ArbG Düs­sel­dorf, Urteil vom 29.06.2007 – 12 Ca 175/​107[↩]
LAG Düs­sel­dorf, Urteil vom 10.04.2008 – 5 Sa 1836/​07[↩]
BAG, 20.08.2009 – 2 AZR 499/​08[↩]
BVerfG – 1 BvR 1181/​10[↩]
ArbG her­ne, Urtei­le vom 07.03.2007 – 4 Ca 3415/​06; und vom 21.02.2008 – 6 Ca 649/​07[↩]
LAG Hamm, Urtei­le vom 16.10.2008 – 11 Sa 280/​08 und 11 Sa 572/​08[↩]
BAG, Urteil vom 10.12 2009 – 2 AZR 55/​09[↩]
GVBl. NRW, S. 102[↩]
GVBl. NRW, S. 270[↩]
eben­so für Beam­te BVerfGE 108, 282, 297 f.[↩]
vgl. BVerfGE 24, 236, 245 f.; 32, 98, 106; 44, 37, 49; 83, 341, 354; 108, 282, 297; 125, 39, 79; BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12 98[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 297 m.w.N.; BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12 88[↩]
vgl. BVerfGE 24, 236, 247 f.; 33, 23, 29 f.; 83, 341, 353; 104, 337, 354 f.; 108, 282, 298 f.[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 298[↩][↩]
vgl. Asad, Die Bot­schaft des Koran – Über­set­zung und Kom­men­tar, 2009, S. 676 f., 810; vgl. auch Hei­ne, Klei­der­ord­nung, in: Hand­buch Recht und Kul­tur des Islams in der deut­schen Gesell­schaft, 2000, S. 184, 186 f.[↩]
vgl. Khou­ry, Das isla­mi­sche Rechts­sys­tem, in: Hand­buch Recht und Kul­tur des Islams in der deut­schen Gesell­schaft, 2000, S. 37, 52[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 298 f.[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 304[↩]
vgl. dazu BVerfGE 93, 1, 19 f.[↩]
dazu Minis­te­ri­um für Arbeit, Inte­gra­ti­on und Sozia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, Hrsg., Mus­li­mi­sches Leben in Nord­rhein-West­fa­len, 2010, S. 95 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 28, 243, 260 f.; 41, 29, 50 f.; 41, 88, 107; 44, 37, 49 f., 53; 52, 223, 247; 93, 1, 21; 108, 282, 297[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 299[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 302 f.[↩]
vgl. LT-Drs. 14/​569, S. 7 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 83, 1, 19; 90, 145, 173; 102, 197, 220; 104, 337, 349[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 303[↩]
vgl. BVerfGE 93, 1, 15 f.[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 305 f.[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 301 f.[↩]
vgl. BVerfGE 34, 165, 183; 41, 29, 44; 108, 282, 301[↩]
vgl. BVerfGE 33, 23, 29; BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12 88[↩]
vgl. BVerfGE 41, 29, 50[↩]
vgl. BVerfGE 93, 1, 15 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 306 f.[↩]
vgl. Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge, Hrsg., Mus­li­mi­sches Leben in Deutsch­land – im Auf­trag der Deut­schen Islam Kon­fe­renz, 2009, S.194 f.; Minis­te­ri­um für Arbeit, Inte­gra­ti­on und Sozia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, Hrsg., Mus­li­mi­sches Leben in Nord­rhein-West­fa­len, 2010, S. 93[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 303 ff.[↩]
vgl. BVerw­GE 61, 325, 330; BAGE 104, 295, 299; Jach­mann, in: von Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, 6. Aufl.2010, Bd. 2, Art. 33 Rn. 25; Kunig, in: von Münch/​Kunig, GG, 6. Aufl.2012, Art. 33 Rn. 37[↩]
vgl. BVerfGE 79, 69, 75[↩]
vgl. LT-Drs. 13/​4564, S. 8; 14/​569, S. 9[↩][↩]
vgl. etwa Bert­rams, DVBl 2003, S. 1225, 1232 ff.; Hufen, NVwZ 2004, S. 575, 576; Kokott, Der Staat 2005, S. 343, 355 ff.; Rade­ma­cher, Das Kreuz mit dem Kopf­tuch, 2005, S. 24[↩]
vgl. Ennu­schat, in: Löwer/​Tettinger, Kom­men­tar zur Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, 2002, Art. 7 Rn. 23 m.w.N., Art. 12 Rn. 22; Däst­ner, Die Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, 2. Aufl.2002, Art. 7 Rn. 3; Söb­be­ke, in: Heusch/​Schönenbroicher, Die Lan­des­ver­fas­sung Nord­rhein-West­fa­len, 2010, Art. 12 Rn. 10; Häber­le, in: Fest­schrift für Wolf­gang Zeid­ler, Bd. 1, 1987, S. 3, 14[↩]
vgl. BVerfGE 90, 263, 274 f.; 119, 247, 274; 128, 193, 209 ff.; 132, 99, 127 ff.[↩]
vgl. BVerw­GE 121, 140, 147, 150[↩]
LT-Vor­la­ge 14/​463, S. 2[↩]
LT-Drs. 14/​569, S. 9[↩]
vgl. BVerfGE 119, 59, 83[↩]
vgl. BVerfGE 97, 35, 43; 104, 373, 393; 113, 1, 15; 121, 241, 254 f.; 126, 29, 53; 132, 72, 97 f. Rn. 57[↩]
vgl. BVerfGE 85, 191, 209[↩]
vgl. zum Maß­stab: BVerfGE 68, 287, 307; 89, 48, 66; 101, 239, 263; 103, 392, 403[↩]
vgl. BVerfGE 80, 137, 153[↩]
vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 120, 180, 200; 128, 326, 367[↩]
vgl. BVerfGE 111, 307, 315 ff.; 128, 326, 366 ff.; 131, 268, 295 f.; BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12 128 f.[↩]
vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 127, 132, 164[↩]
vgl. BVerfGE 74, 102, 128; 74, 358, 370; 82, 106, 120; 111, 307, 317[↩]
vgl. BVerfGK 10, 234, 239[↩]
vgl. EGMR, Dah­l­ab v. Schweiz, Ent­schei­dung vom 15.02.2001, Nr. 42393/​98, NJW 2001, S. 2871, 2873; EGMR, GK, Sahin v. Tür­kei, Urteil vom 10.11.2005, Nr. 44774/​98, NVwZ 2006, S. 1389, 1392 ff., § 107 ff.; EGMR, Kur­tul­mus v. Tur­key, Ent­schei­dung vom 24.01.2006, Nr. 65500/​01; zu Gren­zen des Spiel­raums vgl. EGMR, Ewei­da u.a. v. UK, Urteil vom 15.01.2013, Nr. 48420/​10 u.a., NJW 2014, S.1935, 1940 Rn. 95[↩]
vgl. EGMR, Aktas v. Fran­ce, Ent­schei­dung vom 30.06.2009, Nr. 43563/​08[↩]
vgl. EGMR, GK, Sahin v. Tür­kei, Urteil vom 10.11.2005, Nr. 44774/​98, NVwZ 2006, S. 1389, 1396, § 165[↩]
vgl. BVerfGE 111, 307, 319; 128, 326, 368 ff.[↩]
BVerfGE 108, 282[↩][↩][↩][↩][↩]
so zuletzt BVerfGE 108, 282, 302, 310 ff.; sie­he auch BVerfGE 41, 29, 44 f.; 52, 223, 242 f.[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 310[↩]
vgl. BVerfGE 52, 223 – Schul­ge­bet[↩]
vgl. BVerfGE 108, 282, 307, 309, 310[↩]
vgl. etwa Muckel, Land­tag Nord­rhein-West­fa­len, Aus­schuss­pro­to­koll 14/​137, S. 12 ff.; Oeb­be­cke, Land­tag Nord­rhein-West­fa­len, Zuschrift 13/​3910, S. 5 sowie Stel­lung­nah­me 14/​0184, S. 1; fer­ner Baer/​Wrase, Schles­wig-Hol­stei­ni­scher Land­tag, Umdruck 15/​4513, S. 5; Masing, Baye­ri­scher Land­tag, 15. Wahl­pe­ri­ode, Aus­schüs­se, Wort­pro­to­koll vom 15.06.2004, S. 12 bis 14[↩]
vgl. nur EGMR, Dah­l­ab v. Schweiz, Ent­schei­dung vom 15.02.2001, Nr. 42393/​98, NJW 2001, S. 2871, 2873[↩]
so BVerfGE 93, 1, 20 – Kru­zi­fix; vgl. auch BVerfGE 52, 223, 249[↩]
Rai­ner Mack, 13. Land­tag von Baden-Würt­tem­berg, Aus­schuss für Schu­le u.a., 12.03.2004, S. 101 ff.[↩]
Hes­si­scher Land­tag, Aus­schuss­vor­la­ge KPA/​16/​14, S. 283; Schles­wig-Hol­stei­ni­scher Land­tag, Umdruck 15/​4472[↩]
vgl. etwa Land­tag Nord­rhein-West­fa­len, Haupt­aus­schuss u.a., Aus­schuss­pro­to­koll 13/​1218 vom 06.05.2004, S. 43, 44, 46 ff., Klaus Thö­ren, Feli­zi­tas Rei­nert; Zuschrift 13/​3912 vom 29.04.2004, S. 1, Feli­zi­tas Rei­nert; Haupt­aus­schuss u.a., Aus­schuss­pro­to­koll 14/​137 vom 09.03.2006, S. 40 f., Klaus Thö­ren[↩]
BVerw­GE 121, 140, 147, 150[↩]
vgl. Gesetz­ent­wurfs­be­grün­dun­gen LT-Drs. 13/​4564, S. 8 zum dama­li­gen Schul­ord­nungs­ge­setz NW; LT-Drs. 14/​569, S. 9[↩]
LT-Drs. 13/​4564, S. 4[↩]
so der Ent­wurf LT-Drs. 14/​569, S. 4[↩]
vgl. etwa Muckel, LT-Stel­lung­nah­me 14/​0188, LT-Aus­schuss­pro­to­koll 14/​137, S. 9 ff., S. 53 f.; Ste­phan, LT-Stel­lung­nah­me 14/​0174[↩]
LT-Vor­la­ge 14/​0463, S. 2[↩]
vgl. BVerfGE 1, 299, 312; 11, 126, 132; 105, 135, 157; 110, 226, 248; stRspr[↩]
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References: § 57

§ 57
 § 57
 Art. 33

Art. 4
 § 57
 § 57
 § 58
 § 57
 § 57
 Art. 12
 § 57
 Art. 12
 Art. 1
 § 57
 § 58
 § 58
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 Art. 3
 § 57
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 Art. 3
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 § 1
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 Art. 9
 § 7
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 Art. 4
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 Art. 4

Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 § 57
 § 58
 § 57
 § 57
 § 57
 § 57
 Art. 1
 Art. 4
 § 57
 § 57
 Art. 4
 Art. 6
 Art. 4
 Art. 6
 Art. 7
 Art. 4
 Art. 3
 Art. 33
 Art. 136
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 4
 § 57
 § 57
 § 57
 § 57
 § 57
 § 57
 § 57
 Art. 3
 Art. 4
 § 57
 Art. 3
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 § 57
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 Art. 33
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§ 57
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 Art. 33
 Art. 33
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 Art. 4
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 § 57
 Art. 7
 Art. 12
 Art. 7
 § 57
 Art. 31
 Art. 142
 § 57
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 Art. 12
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 Art. 3
 Art. 33
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 Art. 4
 Art. 3
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§ 57
 § 57
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 Art. 4

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 Art. 9
 Art. 14
 § 7
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 Art. 31
 Art. 14
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 § 7
 Art. 267
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 § 58
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 § 57
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 Art. 12
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 Art. 33
 Art. 33
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 Art. 12
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 Art. 12
 § 107
 § 165