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Timestamp: 2018-11-17 14:51:31+00:00

Document:
Bundesgerichtshof: Fragen zur Haftung von YouTube für Urheberrechtsverletzungen dem EuGH vorgelegt
BGH, Beschluss vom 13.09.2018 - I ZR 140/15 - YouTube; Vorinstanz: LG Hamburg, Urteil vom 03.09.2010 - 308 O 27/09, OLG Hamburg, Urteil vom 01.07.2015 - 5 U 175/10
MIR 2018, Dok. 038, Rz. 1
Der Bundesgerichtshof hat dem Gerichtshof der Europäischen Union mit Beschluss vom 13.09.2018 (I ZR 140/15 - YouTube) Fragen zur Haftung des Betreibers der Internetvideoplattform YouTube für von Dritten hochgeladene urheberrechtsverletzende Inhalte vorgelegt.
Die Beklagte zu 3 - YouTube LLC - betreibt die Internetplattform "YouTube", auf die Nutzer kostenlos audiovisuelle Beiträge einstellen und anderen Internetnutzern zugänglich machen können. Die Beklagte zu 1 - Google Inc.- ist alleinige Gesellschafterin der Beklagten zu 3.
Anfang November 2008 waren bei "YouTube" Videos mit Musikwerken aus dem Repertoire von Sarah Brightman eingestellt, darunter private Konzertmitschnitte und Musikwerke aus ihren Alben. Der Kläger wandte sich mit anwaltlichem Schreiben an eine Schwestergesellschaft der Beklagten zu 3, mit dem er die Schwestergesellschaft und die Beklagte zu 1 aufforderte, strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärungen abzugeben. Die Schwestergesellschaft leitete das Schreiben an die Beklagte zu 3 weiter. Diese sperrte daraufhin jedenfalls einen Teil der Videos. Am 19.11.2008 waren bei "YouTube" erneut Videos abrufbar.
Entscheidung des Bundesgerichtshofs: Nimmt Youtube eine Handlung der Wiedergabe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 2001/29/EG vor?
Es stelle sich die Frage, ob der Betreiber einer Internetvideoplattform, auf der Nutzer Videos mit urheberrechtlich geschützten Inhalten ohne Zustimmung der Rechtsinhaber öffentlich zugänglich machen, eine Handlung der Wiedergabe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 2001/29/EG vornimmt, wenn
Anwendungsbereich von Art. 14 Abs. 1 der Richtlinie 200/31/EG eröffnet?
Weiterhin möchte der Bundesgerichtshof wissen, ob die Tätigkeit des Betreibers einer solchen Internetvideoplattform in den Anwendungsbereich von Art. 14 Abs. 1 der Richtlinie 2000/31/EG fällt und ob sich die in dieser Vorschrift genannte tatsächliche Kenntnis von der rechtswidrigen Tätigkeit oder Information und das Bewusstsein der Tatsachen oder Umstände, aus denen die rechtswidrige Tätigkeit oder Information offensichtlich wird, auf konkrete rechtswidrige Tätigkeiten oder Informationen beziehen muss.
Möglichkeit einer gerichtlichen Anordnung erst nach dem Hinweis auf eine klare Rechtsverletzung mit Art. 8 Abs. 3 Richtlinie 2001/29/EG vereinbar?
Weiter fragt der Bundesgerichtshof den EuGH danach, ob es mit Art. 8 Abs. 3 der Richtlinie 2001/29/EG vereinbar ist, wenn der Rechtsinhaber gegen einen Diensteanbieter, dessen Dienst in der Speicherung von durch einen Nutzer eingegebenen Informationen besteht und von einem Nutzer zur Verletzung eines Urheberrechts oder verwandter Schutzrechte genutzt worden ist, eine gerichtliche Anordnung erst dann erlangen kann, wenn es nach einem Hinweis auf eine klare Rechtsverletzung erneut zu einer derartigen Rechtsverletzung gekommen ist.
Im Verneinensfall: Kommt Youtube als Verletzer im Sinne von Art. 11 Satz 1 und Art. 13 der Richtlinie 2004/48/EG in Betracht?
Für den Fall, dass die vorgenannten Vorlagefragen verneint werden, fragt der Bundesgerichtshof schließlich danach, ob der Betreiber einer Internetvideoplattform unter den in der ersten Frage beschriebenen Umständen als Verletzer im Sinne von Art. 11 Satz 1 und Art. 13 der Richtlinie 2004/48/EG anzusehen ist und ob die Verpflichtung eines solchen Verletzers zur Leistung von Schadensersatz nach Art. 13 Abs. 1 der Richtlinie 2004/48/EG davon abhängig gemacht werden darf, dass der Verletzer sowohl in Bezug auf seine eigene Verletzungshandlung als auch in Bezug auf die Verletzungshandlung des Dritten vorsätzlich gehandelt hat und wusste oder vernünftigerweise hätte wissen müssen, dass Nutzer die Plattform für konkrete Rechtsverletzungen nutzen.
(tg) - Quelle: PM Nr. 150/2018 des BGH vom 13.09.2018
Kurz-Link zum Artikel: http://miur.de/2883

References: EuGH 
 Art. 3
 Art. 3
 Art. 14
 Art. 14
 Art. 8
 EuGH 
 Art. 8
 Art. 11
 Art. 13
 Art. 11
 Art. 13
 Art. 13
 BGH