Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/feuerbach_recht_1801?p=316
Timestamp: 2020-01-22 16:33:08+00:00

Document:
und Landesverweisung oder lebenswieriger
Verstrickung bestraft werden. *)
III. Der grosse Diebstahl soll an Leib oder
Leben gestraft werden. **) Der Richter soll
Rücksicht nehmen 1) auf den Unterschied zwi-
schen handhaftem und nichthandhaftem Dieb-
stahl, 2) wie schädlich dem Beschädigten der
Diebstahl, 3) wes Standes der Verbrecher sey.
Die Todesstrafe kann also nach den Gesetzen
wohl nur dann Statt finden, wenn der Ver-
brecher auf der That ertappt, der Diebstahl
dem Bestohlnen ein grosser Verlust und der
Verbrecher entweder geringern Standes und
unverbesserlich oder zwar vornehm aber doch
unverbesserlich ist ***).
P. G. O. Art. 160.
Bey dem ersten kleinen nicht handhaften
Diebstahl können nach der Natur der Strafe
keine Milderungsgründe in Betracht kom-
men +). Bey dem handhaften ersten kleinen
*) P. G. O. Art. 161.
**) Die Todesstrafe ist also hier nicht simpliciter festge-
setzt, wie Carpz. Q. 78. obs. 2. et 8. und andre
***) Die Worte "der Stand und das Wesen der Person"
sind zum Theil aus Art. 158. zu erläutern.
+) Nimmt man die mit der Praxis hier blos will-
kührliche öffentliche Strafe an, so gilt von diesem
und Landesverweiſung oder lebenswieriger
Verſtrickung beſtraft werden. *)
III. Der groſse Diebſtahl ſoll an Leib oder
Leben geſtraft werden. **) Der Richter ſoll
Rückſicht nehmen 1) auf den Unterſchied zwi-
ſchen handhaftem und nichthandhaftem Dieb-
ſtahl, 2) wie ſchädlich dem Beſchädigten der
Diebſtahl, 3) wes Standes der Verbrecher ſey.
Die Todesſtrafe kann alſo nach den Geſetzen
brecher auf der That ertappt, der Diebſtahl
dem Beſtohlnen ein groſser Verluſt und der
unverbeſſerlich oder zwar vornehm aber doch
unverbeſſerlich iſt ***).
Bey dem erſten kleinen nicht handhaften
Diebſtahl können nach der Natur der Strafe
men †). Bey dem handhaften erſten kleinen
**) Die Todesſtrafe iſt alſo hier nicht ſimpliciter feſtge-
ſetzt, wie Carpz. Q. 78. obſ. 2. et 8. und andre
***) Die Worte „der Stand und das Weſen der Perſon“
ſind zum Theil aus Art. 158. zu erläutern.
†) Nimmt man die mit der Praxis hier blos will-
kührliche öffentliche Strafe an, ſo gilt von dieſem
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[288/0316] II. Buch. I. Theil. II. Titel. I. Abſchnitt. und Landesverweiſung oder lebenswieriger Verſtrickung beſtraft werden. *) §. 369. III. Der groſse Diebſtahl ſoll an Leib oder Leben geſtraft werden. **) Der Richter ſoll Rückſicht nehmen 1) auf den Unterſchied zwi- ſchen handhaftem und nichthandhaftem Dieb- ſtahl, 2) wie ſchädlich dem Beſchädigten der Diebſtahl, 3) wes Standes der Verbrecher ſey. Die Todesſtrafe kann alſo nach den Geſetzen wohl nur dann Statt finden, wenn der Ver- brecher auf der That ertappt, der Diebſtahl dem Beſtohlnen ein groſser Verluſt und der Verbrecher entweder geringern Standes und unverbeſſerlich oder zwar vornehm aber doch unverbeſſerlich iſt ***). P. G. O. Art. 160. §. 370. Bey dem erſten kleinen nicht handhaften Diebſtahl können nach der Natur der Strafe keine Milderungsgründe in Betracht kom- men †). Bey dem handhaften erſten kleinen Dieb- *) P. G. O. Art. 161. **) Die Todesſtrafe iſt alſo hier nicht ſimpliciter feſtge- ſetzt, wie Carpz. Q. 78. obſ. 2. et 8. und andre glauben. ***) Die Worte „der Stand und das Weſen der Perſon“ ſind zum Theil aus Art. 158. zu erläutern. †) Nimmt man die mit der Praxis hier blos will- kührliche öffentliche Strafe an, ſo gilt von dieſem Fall
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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 288. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/316>, abgerufen am 22.01.2020.

References: Art. 160
 Art. 161
 Art. 158
 Art. 158
 Art. 161
 Art. 158
 Art. 160
 Art. 160
 Art. 161
 Art. 158