Source: https://www.rechtslupe.de/brennpunkt/hartz-iv-und-die-auswahl-der-optionskommunen-383201
Timestamp: 2020-01-20 09:17:42+00:00

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Hartz IV – und die Aus­wahl der Opti­ons­kom­mu­nen | Rechtslupe
Hartz IV – und die Aus­wahl der Opti­ons­kom­mu­nen
Der Bund konn­te selbst ent­schei­den, wel­che Städ­te und Land­krei­se das Job­cen­ter in eige­ner Regie, unab­hän­gig von der Bun­des­agen­tur für Arbeit, betrei­ben kön­nen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beur­teil­te zwar § 6a Absatz 2 Satz 3 SGB II 1 als mit Arti­kel 28 Absatz 2 GG in Ver­bin­dung mit Arti­kel 70 Absatz 1 GG unver­ein­bar, soweit er anord­net, dass der Antrag in den dafür zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten der kom­mu­na­len Trä­ger einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Mit­glie­der bedarf. Die Vor­schrift aller­dings gilt für bestehen­de Zulas­sun­gen fort.
Die gesetz­li­che Rege­lung der Opti­ons­kom­mu­nen
Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den
Art. 91e GG»">Die Son­der­re­ge­lung des Art. 91e GG
Durch­bre­chung des zwei­stu­fi­gen, föde­ra­len Staats­auf­baus
Opti­on zum kom­mu­na­len Job­cen­ter als kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung
Inter­kom­mu­na­les Gleich­be­hand­lungs­ge­bot
Geset­zungs­kom­pe­tenz des Bun­des
§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II – und die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der»">§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II – und die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der
§ 6a Abs. 2 Satz 4 SGBII – die 25%-Grenze und die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung
§ 6a Abs. 4 SGBII – und die unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung von Bund und Kom­mu­ne
Art. 28 GG»">Finanz­ho­heit der Gemein­den, Art. 28 GG
Die im Jahr 2010 ein­ge­führ­ten Rege­lun­gen zur Rechts­stel­lung der soge­nann­ten Opti­ons­kom­mu­nen sind im Wesent­li­chen ver­fas­sungs­ge­mäß. Mit Art. 91e GG hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung für den Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de geschaf­fen. Er hat unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hun­gen zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen begrün­det und in die­sem Rah­men auch eine Finanz­kon­trol­le ermög­licht. Dar­über hin­aus ent­hält Art. 91e GG einen umfas­sen­den Gesetz­ge­bungs­auf­trag zuguns­ten des Bun­des. Er kann das Zulas­sungs­ver­fah­ren weit­ge­hend frei aus­ge­stal­ten. Jedoch fehlt dem Bund die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für eine Rege­lung, die die inter­ne Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen für einen Zulas­sungs­an­trag an eine Zwei-Drit­tel-Mehr­heit bin­det. Die ent­spre­chen­de Vor­schrift darf ab sofort nicht mehr ange­wen­det wer­den; bestehen­de Zulas­sun­gen blei­ben jedoch in Kraft.
Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber hat mit Art. 91e GG für das Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung geschaf­fen. In sei­nem Anwen­dungs­be­reich ver­drängt Art. 91e GG sowohl die Art. 83 ff. GG als auch Art. 104a GG.
Art. 91e GG begrün­det eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen und ermög­licht eine Finanz­kon­trol­le, die sich von der staat­li­chen Auf­sicht wie auch von der Finanz­kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­schei­det. Art. 91e Abs. 2 GG räumt den Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den eine Chan­ce ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als kom­mu­na­le Trä­ger allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung die­ser Chan­ce muss will­kürfrei erfol­gen. Ihre Wahr­neh­mung fällt in den Schutz­be­reich der Garan­tie kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung. Art. 91e Abs. 3 GG ent­hält einen umfas­sen­den und weit zu ver­ste­hen­den Gesetz­ge­bungs­auf­trag zuguns­ten des Bun­des. Der Bund ver­fügt inso­weit über die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz, die mit der Zulas­sung als kom­mu­na­ler Trä­ger zusam­men­hän­gen­den Rechts­ver­hält­nis­se zu regeln. Auf die Art und Wei­se der inter­nen Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen erstreckt sich sei­ne Rege­lungs­kom­pe­tenz jedoch nicht.
Die gesetz­li­che Rege­lung der Opti­ons­kom­mu­nen[↑]
Im Rah­men ihres "Zukunfts­pro­gramms Agen­da 2010" leg­ten die Bun­des­re­gie­rung und die sie tra­gen­den Bun­des­tags­frak­tio­nen von SPD und BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN im Herbst 2003 meh­re­re Gesetz­ent­wür­fe für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vor, dar­un­ter den Ent­wurf eines Vier­ten Geset­zes für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 05.09.2003 2. Wesent­li­ches Anlie­gen die­ses Ent­wurfs war es, Arbeits­lo­sen­hil­fe und Sozi­al­hil­fe für erwerbs­fä­hi­ge Arbeits­lo­se zur Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zusam­men­zu­füh­ren, um sie als ein­heit­li­che Leis­tung "aus einer Hand" anbie­ten zu kön­nen. Damit soll­ten Dop­pel­struk­tu­ren in der Sozi­al­hil­fe- und Arbeits­lo­sen­hil­fe­ver­wal­tung, die als inef­fi­zi­ent emp­fun­den wur­den, besei­tigt und der ange­spann­ten Finanz­la­ge der Kom­mu­nen Rech­nung getra­gen wer­den 3.
Die­se Ziel­set­zung beding­te grund­le­gen­de Ände­run­gen in der Orga­ni­sa­ti­on der Leis­tungs­ver­wal­tung. Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren waren des­halb neben der mate­ri­ell-recht­li­chen Aus­ge­stal­tung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ins­be­son­de­re die Fra­gen der Leis­tungs­trä­ger­schaft und der Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung umstrit­ten. Ein Teil der Län­der und der Deut­sche Land­kreis­tag streb­ten eine kom­mu­na­le Trä­ger­schaft an, wäh­rend ande­re Län­der, der Bund, der Deut­sche Städ­te- und Gemein­de­bund sowie der Deut­sche Städ­te­tag die Bun­des­agen­tur für Arbeit als allei­ni­ge Trä­ge­rin der Leis­tun­gen durch­set­zen woll­ten.
Nach einem lang­wie­ri­gen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren 4 wur­de das Vier­te Gesetz für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt am 24.12 2003 beschlos­sen und am 29.12 2003 ver­kün­det 5.
Eine Vor­schrift über die Opti­on für eine kom­mu­na­le Trä­ger­schaft (§ 6a SGB II a.F.) war kurz­fris­tig in das Gesetz auf­ge­nom­men, die Aus­ge­stal­tung im Ein­zel­nen einem wei­te­ren Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten wor­den. Des­sen Eck­punk­te wur­den in gleich­lau­ten­den Ent­schlie­ßungs­an­trä­gen des Deut­schen Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes fest­ge­legt 6 und führ­ten unter ande­rem zu einer Ände­rung der §§ 6 ff. und § 44b SGB II a.F. durch das Gesetz zur optio­na­len Trä­ger­schaft von Kom­mu­nen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (Kom­mu­na­les Opti­ons­ge­setz) 7.
Um ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die Finan­zie­rung der mit der Trä­ger­schaft ver­bun­de­nen Aus­ga­ben aus Bun­des­mit­teln aus­zu­räu­men, hat­te der Gesetz­ent­wurf ursprüng­lich vor­ge­se­hen, dass die kom­mu­na­len Trä­ger als Orga­ne der Bun­des­agen­tur tätig wer­den soll­ten 8, wovon im Lau­fe des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens jedoch Abstand genom­men wur­de. Der im Ver­mitt­lungs­ver­fah­ren neu gefass­te § 6b SGB II a.F. sprach in der Über­schrift statt­des­sen von der "Rechts­stel­lung der zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­ger”, ohne die­se Rechts­stel­lung wei­ter zu the­ma­ti­sie­ren. Hin­sicht­lich der Finan­zie­rung wur­de – gestützt auf Art. 106 Abs. 8 GG – bestimmt, dass der Bund die Auf­wen­dun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ein­schließ­lich der Ver­wal­tungs­kos­ten trägt, mit Aus­nah­me der Auf­wen­dun­gen für die Auf­ga­ben, die auch die nicht optie­ren­den Kom­mu­nen selbst zu tra­gen haben. Dar­über hin­aus wur­den unter ande­rem eine Expe­ri­men­tier­klau­sel (§ 6a SGB II a.F.), ein Anspruch der kom­mu­na­len Trä­ger auf Auf­wen­dungs- und Ver­wal­tungs­kos­ten­er­stat­tung durch den Bund (§ 6b Abs. 2 SGB II a.F.) und Prüf­be­fug­nis­se des Bun­des­rech­nungs­ho­fes (§ 6b Abs. 3 SGB II) vor­ge­se­hen.
Um die Zulas­sung als kom­mu­na­le Trä­ger bewar­ben sich 67 Gemein­de­ver­bän­de und sechs kreis­freie Städ­te. Mit der Ver­ord­nung zur Zulas­sung von kom­mu­na­len Trä­gern als Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (Kom­mu­nal­trä­ger-Zulas­sungs­ver­ord­nung – Kom­trZV) 9 ließ das damals zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Arbeit 69 Antrag­stel­ler als Opti­ons­kom­mu­nen für die Zeit vom 01.01.2005 bis 31.12 2010 zu.
Mit Urteil vom 20.12 2007 10 ent­schied das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, dass die in § 44b SGB II a.F. gere­gel­te Pflicht der Krei­se zur Auf­ga­ben­über­tra­gung auf die Arbeits­ge­mein­schaf­ten und die gemein­sa­me Auf­ga­ben­wahr­neh­mung der­sel­ben mit Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 in Ver­bin­dung mit Art. 83 GG unver­ein­bar war. Die Vor­schrift blei­be jedoch bis zum 31.12 2010 anwend­bar, wenn der Gesetz­ge­ber nicht zuvor eine ande­re Rege­lung tref­fe. Ord­ne der Gesetz­ge­ber an, dass Auf­ga­ben gemein­sam von Bund und Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­den wahr­ge­nom­men wer­den, sei für die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung auch ent­schei­dend, ob die Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten von Bund und Län­dern gemäß Art. 83 ff. GG ein­ge­hal­ten wür­den. Über­schrei­te der Gesetz­ge­ber die ihm dort gesetz­ten Gren­zen eines zuläs­si­gen Zusam­men­wir­kens von Bun­des- und Lan­des­be­hör­den, füh­re dies zugleich zu einer Ver­let­zung der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie. Die Kom­pe­tenz­auf­tei­lung nach Art. 83 ff. GG sei eine wich­ti­ge Aus­for­mung des bun­des­staat­li­chen Prin­zips. Die Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten von Bund und Län­dern sei­en grund­sätz­lich getrennt und könn­ten auch mit Zustim­mung der Betei­lig­ten nur in den vom Grund­ge­setz vor­ge­se­he­nen Fäl­len zusam­men­ge­führt wer­den. Das Grund­ge­setz schlie­ße, von begrenz­ten Aus­nah­men abge­se­hen, eine soge­nann­te Misch­ver­wal­tung aus. Dies gel­te auch für das Ver­hält­nis von Bund und Kom­mu­nen. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de sei­en staats­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht­lich wie finanz­ver­fas­sungs­recht­lich den Län­dern zuge­ord­net und blie­ben hin­sicht­lich der grund­ge­setz­li­chen Ver­tei­lung der Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen Teil der Län­der.
Die Arbeits­ge­mein­schaf­ten sei­en als Gemein­schafts­ein­rich­tung von Bun­des­agen­tur und kom­mu­na­len Trä­gern nach der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes nicht vor­ge­se­hen. Nach der Sys­te­ma­tik des Grund­ge­set­zes wer­de der Voll­zug von Bun­des­ge­set­zen ent­we­der von den Län­dern oder vom Bund, nicht hin­ge­gen zugleich von Bund und Land oder einer von bei­den geschaf­fe­nen drit­ten Insti­tu­ti­on wahr­ge­nom­men. Zwar bedür­fe das Zusam­men­wir­ken von Bund und Län­dern im Bereich der Ver­wal­tung nicht in jedem Fall einer beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Ermäch­ti­gung. Es wider­spre­che aller­dings der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes, wenn in wei­tem Umfang Mit­ver­wal­tungs- und Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Bun­des im Auf­ga­ben­be­reich der Län­der ohne ent­spre­chen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Ermäch­ti­gung vor­ge­se­hen wür­den. Eine Aus­nah­me von den Art. 83 ff. GG bedür­fe daher eines beson­de­ren sach­li­chen Grun­des und kön­ne nur hin­sicht­lich einer eng umgrenz­ten Ver­wal­tungs­ma­te­rie in Betracht kom­men. Unab­hän­gig davon, dass ein Abwei­chen von der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes schon wegen Bedeu­tung und Umfang der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de aus­schei­de, feh­le es auch an einem hin­rei­chen­den sach­li­chen Grund, der eine gemein­schaft­li­che Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in den Arbeits­ge­mein­schaf­ten recht­fer­ti­gen könn­te. Das Anlie­gen, die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de "aus einer Hand" zu gewäh­ren, sei zwar ein sinn­vol­les Rege­lungs­ziel; die­ses kön­ne aber sowohl dadurch erreicht wer­den, dass der Bund für die Aus­füh­rung den Weg des Art. 87 GG wäh­le, als auch dadurch, dass der Gesamt­voll­zug nach der Grund­re­gel des Art. 83 GG ins­ge­samt den Län­dern als eige­ne Ange­le­gen­heit über­las­sen wer­de. Ein sach­li­cher Grund zur Ver­mi­schung bei­der Vari­an­ten bestehe nicht.
Nach Ver­kün­dung des Urteils wur­de von den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen eine Neu­re­ge­lung der für ver­fas­sungs­wid­rig erklär­ten Ver­wal­tungs­struk­tur in Angriff genom­men. Nach län­ge­rer Debat­te wur­de mit dem Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Arti­kel 91e) vom 21.07.2010 11 in den Abschnitt VIIIa "Gemein­schafts­auf­ga­ben, Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit" ein neu­er Art. 91e ein­ge­fügt. Die­ser ist am 26.07.2010 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det wor­den und am 27.07.2010 in Kraft getre­ten. Er lau­tet:
Arti­kel 91e GG
Bei der Aus­füh­rung von Bun­des­ge­set­zen auf dem Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de wir­ken Bund und Län­der oder die nach Lan­des­recht zustän­di­gen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de in der Regel in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen zusam­men.
Der Bund kann zulas­sen, dass eine begrenz­te Anzahl von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den auf ihren Antrag und mit Zustim­mung der obers­ten Lan­des­be­hör­de die Auf­ga­ben nach Absatz 1 allein wahr­nimmt. Die not­wen­di­gen Aus­ga­ben ein­schließ­lich der Ver­wal­tungs­aus­ga­ben trägt der Bund, soweit die Auf­ga­ben bei einer Aus­füh­rung von Geset­zen nach Absatz 1 vom Bund wahr­zu­neh­men sind.
Das Nähe­re regelt ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf.
Par­al­lel zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes beschloss der Bun­des­tag das Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 03.08.2010 12, das am 10.08.2010 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det wur­de und – soweit ent­schei­dungs­er­heb­lich – zum 11.08.2010 (§ 6a SGB II) bezie­hungs­wei­se 1.01.2011 (§ 6b SGB II) in Kraft getre­ten ist. Durch die­ses Gesetz erhiel­ten die für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten ihre der­zei­ti­ge Fas­sung.
Auf­grund des § 6a Abs. 3 SGB II erließ das nun­mehr zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les am 12.08.2010 die Ver­ord­nung über das Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Eig­nung als zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (KtEfV) 13.
Nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers 14 soll­ten ins­ge­samt 110 kom­mu­na­le Trä­ger für die Grund­si­che­rung für Arbeits­lo­se zuge­las­sen wer­den, wobei die Betrau­ung der bereits unter der alten Rechts­la­ge zuge­las­se­nen Trä­ger nicht in Fra­ge gestellt wer­den soll­te (§ 6a Abs. 1 und Abs. 2 SGB II). Um die noch zur Ver­tei­lung anste­hen­den 41 Plät­ze bewar­ben sich bun­des­weit 77 Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de. Mit Aus­nah­me des Beschwer­de­füh­rers zu 1. hat­ten alle Antrag­stel­ler das von § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II gefor­der­te Zwei-Drit­tel-Quo­rum in ihren zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten erreicht. Im Kreis­tag des Beschwer­de­füh­rers zu 1. hat­ten in der Sit­zung vom 25.10.2010 von den 60 Mit­glie­dern des Kreis­ta­ges jedoch nur 36 mit "Ja" gestimmt, 19 mit "Nein"; fünf Mit­glie­der waren ent­schul­digt abwe­send. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les erließ am 14.04.2011 sodann die Zwei­te Ver­ord­nung zur Ände­rung der Kom­mu­nal­trä­ger-Zulas­sungs­ver­ord­nung 15 und ließ 41 Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de mit Wir­kung zum 1.01.2012 als Opti­ons­kom­mu­nen neu zu. Die Beschwer­de­füh­rer zu 1. bis 15. wur­den nicht zuge­las­sen. Der Beschwer­de­füh­rer zu 16. ist hin­ge­gen bereits seit dem 1.01.2005 zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de.
Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den[↑]
Die von 15 Land­krei­sen und der Stadt Lever­ku­sen erho­be­nen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den betref­fen die recht­li­che Stel­lung der soge­nann­ten Opti­ons­kom­mu­nen nach der Neu­re­ge­lung des Jah­res 2010.
Die Beschwer­de­füh­rer wen­den sich gegen Vor­schrif­ten des Sozi­al­ge­setz­buchs – Zwei­tes Buch (SGB II), nament­lich gegen
§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II, soweit die­ser das Erfor­der­nis einer Zwei-Drit­tel-Mehr­heit in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft für die Stel­lung eines Antrags auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne fest­legt,
§ 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II, soweit die­ser die Anzahl der ins­ge­samt zuzu­las­sen­den Opti­ons­kom­mu­nen auf 25 % der mög­li­chen Auf­ga­ben­trä­ger begrenzt,
§ 6b Abs. 3 SGB II, soweit die­ser dem Bun­des­rech­nungs­hof die Finanz­kon­trol­le über die Opti­ons­kom­mu­nen gestat­tet, und § 6b Abs. 4 SGB II, soweit die­ser dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les Prüf­be­fug­nis­se gegen­über den Opti­ons­kom­mu­nen ein­räumt.
Die Son­der­re­ge­lung des Art. 91e GG[↑]
Mit Art. 91e GG hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber für das Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung getrof­fen, die in ihrem Anwen­dungs­be­reich die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten des Grund­ge­set­zes ver­drängt. Die Vor­schrift begrün­det eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den und dem Bund und rela­ti­viert inso­weit die Zwei­stu­fig­keit des Staats­auf­baus. Art. 91e Abs. 2 GG räumt Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den eine von der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie geschütz­te Chan­ce ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Zur nähe­ren Aus­ge­stal­tung der mit der Zulas­sung kom­mu­na­ler Trä­ger nach Art. 91e Abs. 2 GG zusam­men­hän­gen­den Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen den Kom­mu­nen und dem jewei­li­gen Land sowie zwi­schen den Kom­mu­nen und dem Bund weist Art. 91e Abs. 3 GG dem Bund eine abschlie­ßen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zu.
Art. 91e GG ent­hält eine Spe­zi­al­re­ge­lung für den Voll­zug der Ver­wal­tungs­auf­ga­be Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de. Soweit er die Kom­mu­nen betrifft, kon­kre­ti­siert er die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung aus Art. 28 Abs. 2 GG 16. Dies bele­gen die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm und ihre Stel­lung im Grund­ge­setz. Beden­ken gegen die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von Art. 91e GG bestehen nicht. Soweit sein Anwen­dungs­be­reich reicht, geht Art. 91e GG den Rege­lun­gen des Grund­ge­set­zes über die Aus­füh­rung der Bun­des­ge­set­ze und die Bun­des­ver­wal­tung sowie das Finanz­we­sen vor.
Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber hat mit Art. 91e GG für das Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung geschaf­fen. Er hat damit auf das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 20.12 2007 10 reagiert, das die Unver­ein­bar­keit von § 44b SGB II a.F. mit Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 in Ver­bin­dung mit Art. 83 GG fest­ge­stellt hat­te. In der Geset­zes­be­grün­dung heißt es dazu, dass sich die Durch­füh­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de in den Arbeits­ge­mein­schaf­ten grund­sätz­lich bewährt habe und dass die Zusam­men­ar­beit von Arbeits­agen­tu­ren und Kom­mu­nen gewähr­leis­te, dass die erwerbs­fä­hi­gen Hil­fe­be­dürf­ti­gen aus einer Hand betreut wür­den und Leis­tun­gen aus einer Hand erhiel­ten. Die­se Orga­ni­sa­ti­ons­form sol­le daher als Regel­fall fort­ge­setzt wer­den 17. Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber woll­te mit Art. 91e GG somit den für ver­fas­sungs­wid­rig erklär­ten, im poli­ti­schen Raum aber für prak­ti­ka­bel befun­de­nen Zustand auf­recht­erhal­ten und absi­chern. Zweck von Art. 91e GG ist es daher, die ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge für die Fort­set­zung der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung der aus den Agen­tu­ren für Arbeit und den kom­mu­na­len Trä­gern bestehen­den Arbeits­ge­mein­schaf­ten in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen zu schaf­fen und so sicher­zu­stel­len, dass die Zusam­men­ar­beit in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen über das Jahr 2010 hin­aus wei­ter­ge­führt wer­den kann 17.
Dass der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine eigen­stän­di­ge Form der Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on schaf­fen woll­te 18, in der die Betei­lig­ten, los­ge­löst von den übri­gen Struk­tu­ren des Staats­auf­baus, zu einer Zusam­men­ar­beit eige­ner Art fin­den, wird auch durch sys­te­ma­ti­sche Gesichts­punk­te bestä­tigt. So war von Sei­ten der Bun­des­re­gie­rung zunächst vor­ge­schla­gen wor­den, den nun­meh­ri­gen Art. 91e GG als Art. 86a oder Art. 87 Abs. 2a und Art. 125d GG in den VIII. und XI. Abschnitt des Grund­ge­set­zes auf­zu­neh­men 19 und die beab­sich­tig­te Rege­lung inso­weit in die über­kom­me­nen Ver­wal­tungs­struk­tu­ren des Grund­ge­set­zes ein­zu­pas­sen. Dem ist der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber jedoch nicht gefolgt, son­dern hat Art. 91e GG in den Abschnitt VIIIa. des Grund­ge­set­zes "Gemein­schafts­auf­ga­ben, Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit" ein­ge­fügt.
Bei Art. 91e GG han­delt es sich um eine eng begrenz­te Durch­bre­chung der grund­sätz­lich auf Tren­nung von Bund und Län­dern ange­leg­ten Ver­tei­lung der Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten nach den Art. 83 ff. GG 20. Sie beschränkt sich auf die Rege­lung der Ver­wal­tungs- und Finan­zie­rungs­zu­stän­dig­kei­ten im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de. Die in Art.20 Abs. 1 bis Abs. 3 GG ent­hal­te­nen und durch Art. 79 Abs. 3 GG abge­si­cher­ten Sys­tement­schei­dun­gen der Demo­kra­tie sowie des Rechts- und Bun­des­staa­tes stellt sie nicht in Fra­ge. Die im Schrift­tum teil­wei­se geäu­ßer­te Auf­fas­sung, Art. 91e GG sei "ver­fas­sungs­wid­ri­ges Ver­fas­sungs­recht" 21, ver­mag daher nicht zu über­zeu­gen.
Zwar durch­bricht Art. 91e Abs. 1 GG das grund­sätz­li­che Ver­bot der Misch­ver­wal­tung, das das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 20.12 2007 nicht nur auf Art. 28 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 83 ff. GG gestützt, son­dern auch mit Argu­men­ten unter­mau­ert hat, die im Demo­kra­tie­prin­zip wur­zeln 22. Demo­kra­tie und Volks­sou­ve­rä­ni­tät erschöp­fen sich im reprä­sen­ta­tiv-par­la­men­ta­ri­schen Sys­tem des Grund­ge­set­zes nicht in Zurech­nungs­fik­tio­nen und stel­len auch nicht nur for­ma­le Min­dest­an­for­de­run­gen an den Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Volk und den han­deln­den Staats­or­ga­nen. Sie sind viel­mehr Rechts­prin­zi­pi­en, die ihren prak­ti­schen Nie­der­schlag in der Ver­fas­sungs­wirk­lich­keit fin­den müs­sen 23. Die Wah­len zum Bun­des­tag und zu den Volks­ver­tre­tun­gen der Län­der die­nen so gese­hen nicht nur der Krea­ti­on die­ser Ver­fas­sungs­or­ga­ne, son­dern wei­sen auch eine real- wie per­so­nal­ple­bis­zi­tä­re Dimen­si­on auf, wel­che die mit der Wahl ver­bun­de­ne poli­ti­sche Rich­tungs­ent­schei­dung auch kon­kret erfahr­bar macht. Eine Ver­flech­tung von Zustän­dig­kei­ten stellt sich vor die­sem Hin­ter­grund als Pro­blem dar, weil sie dazu füh­ren kann, dass der Auf­trag des Wäh­lers auf Bun­des- oder Lan­des­ebe­ne durch die Mit­wir­kung ande­rer Ebe­nen rela­ti­viert und kon­ter­ka­riert wird. Das gilt auch im Hin­blick auf die Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen. Demo­kra­ti­sche Ver­ant­wort­lich­keit setzt auch hier grund­sätz­lich eine hin­rei­chend kla­re Zuord­nung vor­aus. Der wahl­be­rech­tig­te Bür­ger muss wis­sen kön­nen, wen er wofür – nicht zuletzt durch Ver­ga­be oder Ent­zug sei­ner Stim­me – ver­ant­wort­lich machen kann. Dar­an fehlt es, wenn die Auf­ga­ben durch Orga­ne oder Amts­wal­ter unter Bedin­gun­gen wahr­ge­nom­men wer­den, die eine sol­che Ver­ant­wor­tungs­zu­ord­nung nicht ermög­li­chen 24. Das Demo­kra­tie­prin­zip des Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG gebie­tet des­halb nicht nur eine weit­ge­hen­de Nor­mie­rung von Zustän­dig­keits­zu­wei­sun­gen, Ver­fah­ren und Auf­sichts­rechts­ver­hält­nis­sen, son­dern ent­hält auch ein grund­sätz­li­ches Ver­bot der Misch­ver­wal­tung 25.
Die Anfor­de­run­gen des Demo­kra­tie­prin­zips berüh­ren sich inso­weit mit dem Grund­satz der Rechts­staat­lich­keit (Art.20 Abs. 3 GG), der mit Blick auf die Ver­wal­tungs­räu­me von Bund und Län­dern und im Inter­es­se eines effek­ti­ven Rechts­schut­zes eine kla­re und auf Voll­stän­dig­keit ange­leg­te Zuord­nung von Kom­pe­ten­zen der han­deln­den Staats­or­ga­ne gebie­tet. Auch das Rechts­staats­prin­zip ver­langt mit Blick auf die für die Aus­rich­tung und das Ver­ständ­nis der Ver­fas­sungs­ord­nung maß­geb­li­che Sicht des Bür­gers zual­ler­erst Klar­heit der Kom­pe­tenz­ord­nung.
Das Gebot der Bun­des­staat­lich­keit (Art.20 Abs. 1 GG) schließ­lich gebie­tet in sei­nem ver­fas­sungs­än­de­rungs­fes­ten Kern ledig­lich, dass den Län­dern im Bereich aller drei Staats­funk­tio­nen – Legis­la­ti­ve, Exe­ku­ti­ve und Judi­ka­ti­ve – Auf­ga­ben von sub­stan­ti­el­lem Gewicht als "Haus­gut" unent­zieh­bar ver­blei­ben 26. Bestimm­te Auf­ga­ben wer­den damit nicht zuge­wie­sen.
Ein Ver­stoß von Art. 91e GG gegen Art. 79 Abs. 3 GG schei­det vor die­sem Hin­ter­grund aus. Ein abso­lu­tes Ver­bot der Misch­ver­wal­tung lässt sich weder aus dem Demo­kra­tie- noch aus dem Rechts­staats­prin­zip des Grund­ge­set­zes ablei­ten 27. Die bun­des­staat­li­che Kom­pe­tenz­ver­tei­lung gilt hin­ge­gen ohne­hin nur so, wie sie durch das Grund­ge­setz kon­kret aus­ge­stal­tet ist 28. Selbst wenn man – ent­ge­gen der sehr engen Inter­pre­ta­ti­on von Art. 79 Abs. 3 GG durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 15.12 1970 29 – mit dem Son­der­vo­tum der Rich­ter Gel­ler, von Schlab­ren­dorff und Rupp 30 und Ansät­zen in der jün­ge­ren Recht­spre­chung der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te 31 unver­hält­nis­mä­ßi­ge Beschrän­kun­gen oder eine sub­stan­ti­el­le Ero­si­on der in Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Grund­sät­ze einer Ver­fas­sungs­än­de­rung ent­zo­gen sieht, wird die­se Schwel­le hier nicht über­schrit­ten. Art.20 Abs. 1 bis Abs. 3 GG in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG hin­dern den ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­ber nicht, in begrenz­ten Aus­nah­me­fäl­len die kon­kre­ten Aus­prä­gun­gen der dort ver­an­ker­ten Grund­sät­ze aus sach­ge­rech­ten Grün­den zu modi­fi­zie­ren 32. Das hat er mit Art. 91e GG getan.
In sei­nem Anwen­dungs­be­reich ver­drängt Art. 91e GG sowohl die Art. 83 ff. GG als auch Art. 104a GG.
Im Ver­hält­nis zu Art. 83 ff. GG wirkt Art. 91e GG als abschlie­ßen­de Son­der­re­ge­lung.
Dass Art. 91e GG eine Aus­nah­me vom Ver­bot der Misch­ver­wal­tung für die Aus­füh­rung von Bun­des­ge­set­zen auf dem Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ent­hält und auch das Ver­bot einer bun­des­ge­setz­li­chen Auf­ga­ben­über­tra­gung auf die Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de (Art. 84 Abs. 1 Satz 7, Art. 85 Abs. 1 Satz 2 GG) inso­weit nicht gilt 33, ist offen­sicht­lich 34. Der Umfang die­ser Spe­zi­al­re­ge­lung reicht jedoch wei­ter. Im Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­än­de­rung hat der Gesetz­ge­ber zum Aus­druck gebracht, dass im Bereich des Art. 91e GG auch die sons­ti­gen Vor­ga­ben der Art. 83 ff. GG, ins­be­son­de­re Art. 84 Abs. 2 bis Abs. 5 GG, nicht gel­ten sol­len: Die Auf­sicht über die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch die Opti­ons­kom­mu­nen nach Art. 91e Abs. 2 GG sol­le sich zwar an der Zustän­dig­keits­ver­tei­lung ori­en­tie­ren, die für die Aus­füh­rung der Bun­des­ge­set­ze durch die Län­der als eige­ne Ange­le­gen­heit gel­te. Sie sol­le jedoch "durch ein ein­heit­li­ches und trans­pa­ren­tes Steue­rungs­sys­tem durch Ziel­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Bund und Län­dern sowie ent­spre­chen­de Ziel­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den jewei­li­gen Län­dern und Opti­ons­kom­mu­nen ergänzt" wer­den 33. Im Rah­men der Aus­füh­rungs­ge­setz­ge­bung wur­de in § 48 Abs. 2 Satz 3 SGB II zudem vor­ge­se­hen, dass die Bun­des­re­gie­rung die Aus­übung der Rechts­auf­sicht auf das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les über­tra­gen kann, was auf der Grund­la­ge von Art. 84 GG nicht mög­lich wäre. Wäre Art. 84 GG neben Art. 91e GG anwend­bar, wären sowohl die in der Geset­zes­be­grün­dung skiz­zier­ten Auf­sichts­struk­tu­ren als auch § 48 Abs. 2 Satz 3 SGB II erheb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken aus­ge­setzt 35. Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber woll­te offen­kun­dig kei­ne Rege­lung schaf­fen, die sich mög­lichst scho­nend in die all­ge­mei­nen Struk­tu­ren ein­fügt und als Aus­nah­me grund­sätz­lich restrik­tiv inter­pre­tiert wer­den müss­te 36. Er woll­te viel­mehr eine umfas­sen­de Absi­che­rung der Ver­wal­tungs­pra­xis ermög­li­chen.
Das zeigt auch die Rege­lung über die Kos­ten­tra­gung in Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG. Die­se Bestim­mung – wonach der Bund bei einer Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch Opti­ons­kom­mu­nen die Kos­ten trägt, soweit er dies auch im Regel­fall des Art. 91e Abs. 1 GG täte – bedeu­tet in der Sache eine direk­te Finan­zie­rung kom­mu­na­len Ver­wal­tungs­han­delns durch den Bund. Dies ermög­licht es zwar, die Ver­tei­lung der Finan­zie­rungs­las­ten zwi­schen Bund und Län­dern im Übri­gen unan­ge­tas­tet zu las­sen, stellt in der Sache jedoch eine Abwei­chung von den Grund­sät­zen des Art. 104a Abs. 1, Abs. 3 und Abs. 5 GG dar 37. Auch inso­weit geht Art. 91e GG den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen der Finanz­ver­fas­sung vor.
Durch­bre­chung des zwei­stu­fi­gen, föde­ra­len Staats­auf­baus[↑]
Indem Art. 91e Abs. 2 GG unmit­tel­ba­re Ver­wal­tungs- und Finanz­be­zie­hun­gen zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen her­stellt, durch­bricht er, wenn auch nur punk­tu­ell, die Zwei­stu­fig­keit des Staats­auf­baus der Bund­e­re­pu­blik Deutsch­land. Zwar sind die Gemein­den grund­sätz­lich den Län­dern zuge­ord­net; eine kla­re­re Tren­nung und Ent­flech­tung der Auf­ga­ben der unter­schied­li­chen staat­li­chen Ebe­nen war zudem ein zen­tra­les Anlie­gen der Föde­ra­lis­mus­re­form des Jah­res 2006. Art. 91e GG ent­hält jedoch eine teil­wei­se Abkehr von die­sen Grund­sät­zen und Ziel­set­zun­gen.
Im zwei­stu­fi­gen Bun­des­staat des Grund­ge­set­zes sind die Kom­mu­nen – unbe­scha­det ihrer finanz­ver­fas­sungs­recht­li­chen Absi­che­rung durch Art. 28 Abs. 2 Satz 3, Art. 106 Abs. 5 bis Abs. 8 GG – grund­sätz­lich Teil der Län­der 38. Ihre Auf­ga­ben und ihr Finanz­ge­ba­ren wer­den den Län­dern zuge­rech­net 39.
Nach der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes ist es daher grund­sätz­lich Sache der Län­der, die staat­li­chen Auf­ga­ben zu erfül­len und staat­li­che Befug­nis­se aus­zu­üben (Art. 30 GG). Dazu gehört, dass die Län­der die Bun­des­ge­set­ze grund­sätz­lich in eige­ner Ver­ant­wor­tung und durch eige­ne Behör­den aus­füh­ren (Art. 83 GG). Die Ver­wal­tung des Bun­des und die Ver­wal­tung der Län­der sind in Auf­bau und Orga­ni­sa­ti­on von­ein­an­der getrennt 40. Die Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten des Bun­des und sei­ne Inge­renz­rech­te in die Ver­wal­tung der Län­der sind in den Art. 83 ff. GG abschlie­ßend gere­gelt und kön­nen – soweit nichts ande­res vor­ge­se­hen ist – grund­sätz­lich weder abbe­dun­gen 41 noch erwei­tert wer­den. Inso­weit fin­det auch der Spiel­raum des Bun­des zur orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung der Ver­wal­tung in den Kom­pe­tenz- und Orga­ni­sa­ti­ons­nor­men der Art. 83 ff. GG sei­ne Gren­zen 42. Mit­pla­nungs, Mit­ver­wal­tungs- und Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Bun­des gleich wel­cher Art im Auf­ga­ben­be­reich der Län­der sind durch das Grund­ge­setz daher aus­ge­schlos­sen, soweit nicht die Ver­fas­sung dem Bund ent­spre­chen­de Sach- und Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen über­tra­gen hat 43.
Die­se strik­te Tren­nung von Bun­des- und Län­der­ho­heit setzt sich auch im Bereich der Finanz­ver­fas­sung fort (vgl. Art. 104a Abs. 1, Art. 109 Abs. 1 GG) und wird mit Blick auf die Kom­mu­nen in Art. 106 Abs. 9 GG noch ein­mal aus­drück­lich bestä­tigt.
Mit der Föde­ra­lis­mus­re­form des Jah­res 2006 woll­te der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber eine noch kla­re­re Tren­nung von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen der unter­schied­li­chen staat­li­chen Ebe­nen errei­chen und zu einer Ent­flech­tung der Ver­ant­wor­tung gelan­gen 44. Dem­entspre­chend heißt es in der Begrün­dung des ein­schlä­gi­gen Gesetz­ent­wurfs, dass sich die bun­des­staat­li­che Ord­nung zwar grund­sätz­lich bewährt habe, jedoch von lang­wie­ri­gen und kom­pli­zier­ten Ent­schei­dungs­pro­zes­sen geprägt sei und dass sie an einer über­mä­ßi­gen insti­tu­tio­nel­len Ver­flech­tung von Bund und Län­dern lei­de 45. Dem soll­te durch eine Rei­he von Ver­fas­sungs­än­de­run­gen abge­hol­fen wer­den, unter ande­rem durch das in Art. 84 Abs. 1 Satz 7 und Art. 85 Abs. 1 Satz 2 GG nor­mier­te soge­nann­te Durch­griffs­ver­bot 46.
Art. 91e GG bedeu­tet in der Sache eine punk­tu­el­le Abkehr von der Ziel­set­zung einer mög­lichst kla­ren Tren­nung der Zustän­dig­kei­ten und Ver­ant­wort­lich­kei­ten zwi­schen Bund, Län­dern und Kom­mu­nen. Er begrün­det eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen und ermög­licht eine Finanz­kon­trol­le, die sich von der Auf­sicht wie auch von der Finanz­kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­schei­det.
Auf­sichts­be­fug­nis­se über Behör­den und Ein­rich­tun­gen der Län­der kom­men dem Bund nur inso­weit zu, als sie vom Grund­ge­setz aus­drück­lich vor­ge­se­hen wer­den. So räumt etwa Art. 84 GG dem Bund Ein­fluss­mög­lich­kei­ten auf die Anwen­dung des von ihm gesetz­ten Rechts ein. Er soll die Mög­lich­keit haben, auf eine ein­heit­li­che Gel­tung der Rechts­vor­schrif­ten hin­zu­wir­ken 47 und für einen wirk­sa­men Geset­zes­voll­zug zu sor­gen 48. Dabei kom­men ihm ins­be­son­de­re die Rech­te nach Art. 84 Abs. 3 und Abs. 4 GG zu 49. Zur Auf­sichts­kom­pe­tenz gehört auch die Mög­lich­keit der Akten­an­for­de­rung. Die­se ist aller­dings auf Fäl­le beschränkt, in denen es Anhalts­punk­te für einen Rechts­ver­stoß gibt 50. Dane­ben besteht die Befug­nis zur Akten­ein­sicht vor Ort durch den gemäß Art. 84 Abs. 3 Satz 2 GG ent­sand­ten Beauf­trag­ten. Ein unmit­tel­ba­rer Durch­griff auf Behör­den der Län­der ist damit nicht ver­bun­den; auch im Bereich der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung sind Wei­sun­gen grund­sätz­lich an die obers­te Lan­des­be­hör­de zu rich­ten (Art. 85 Abs. 3 Satz 2 GG). Die­se ist zudem in den Voll­zug der Wei­sung ein­zu­bin­den (Art. 85 Abs. 3 Satz 3 GG). Ein unmit­tel­ba­rer Durch­griff auf die Gemein­den war dem Bund – vom Son­der­fall des Art. 106 Abs. 8 GG abge­se­hen – bis­lang grund­sätz­lich ver­sagt. Nament­lich war er weder berech­tigt noch ver­pflich­tet, deren finan­zi­el­le Ver­hält­nis­se ohne Ein­schal­tung der Län­der zu ord­nen 51.
Art. 91e GG hat die­se Rechts­la­ge für den Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de teil­wei­se modi­fi­ziert. Art. 91e Abs. 2 GG begrün­det eine direk­te Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne 33 und ermög­licht eine beson­de­re Finanz­kon­trol­le des Bun­des, die sich von der Auf­sicht wie auch von der Finanz­kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­schei­det.
Zusam­men mit der Finan­zie­rungs­be­fug­nis hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber dem Bund auch die Mög­lich­keit einer Finanz­kon­trol­le eröff­net. Ohne eine sol­che Finanz­kon­trol­le bestün­de die Gefahr, dass Voll­zugs- und Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de aus­ein­an­der­fal­len und kei­ne Anrei­ze für ein wirt­schaft­li­ches und spar­sa­mes Ver­wal­tungs­han­deln der Opti­ons­kom­mu­nen bestehen. Ange­sichts die­ser ver­fas­sungs­recht­lich unge­wöhn­li­chen Kon­stel­la­ti­on hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber die Finanz­be­zie­hun­gen in die­sem eng abge­grenz­ten Bereich neu geord­net und dem Bund nicht nur die Finan­zie­rungs­last zuge­wie­sen, son­dern ihm auch die Befug­nis wirk­sa­mer Finanz­kon­trol­le ein­ge­räumt. So wird in der Begrün­dung zu dem Gesetz­ent­wurf zum einen zwi­schen einer Finanz­kon­trol­le und der Auf­sicht unter­schie­den und zum ande­ren in Bezug auf Art. 91e Abs. 2 GG bestimmt, dass "das Bun­des­ge­setz unter ande­rem Rege­lun­gen (…) zu Auf­sicht, (…) Finanz­kon­trol­le, Rech­nungs­prü­fung und Leis­tungs­be­wer­tung sowie Über­gangs­be­stim­mun­gen bei Ver­än­de­rung der Orga­ni­sa­ti­on der Geset­zes­durch­füh­rung tref­fen" wer­de 52.
Die (Rechts- und Fach-)Aufsicht über die Opti­ons­kom­mu­nen ist hin­ge­gen nicht Rege­lungs­ge­gen­stand von Art. 91e GG. Weder ent­hält der Wort­laut ent­spre­chen­de Anhalts­punk­te noch las­sen sich der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, nach wel­cher der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber im Wesent­li­chen die ursprüng­li­che Rechts­la­ge absi­chern woll­te, sol­che Anhalts­punk­te ent­neh­men 53. Die Auf­sicht über Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de bleibt inso­weit Sache der Län­der.
Die durch Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG ermög­lich­te Finanz­kon­trol­le des Bun­des hebt sich hin­rei­chend von einer Auf­sicht ab 54. Wäh­rend es bei der Wahr­neh­mung von Auf­sichts­be­fug­nis­sen um ein auf Kon­trol­le zie­len­des Beob­ach­ten, in der Regel in einem hier­ar­chi­schen Ver­hält­nis, geht, das die Befug­nis zum Ein­wir­ken auf die zu beauf­sich­ti­gen­de Stel­le umfasst, so dass der Auf­sichts­maß­stab gege­be­nen­falls zwangs­wei­se durch­ge­setzt wer­den kann 55, beschränkt sich die Finanz­kon­trol­le des Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG auf die Über­prü­fung der Rech­nungs­le­gung, die Wirt­schaft­lich­keit der Aus­ga­ben und die Durch­set­zung even­tu­el­ler Erstat­tungs­an­sprü­che. Sie dient nicht der Rück­kopp­lung des Geset­zes­voll­zugs an die Absich­ten des Gesetz­ge­bers und ins­be­son­de­re nicht der Gewähr­leis­tung eines grund­sätz­lich ein­heit­li­chen Geset­zes­voll­zugs, son­dern rich­tet sich aus­schließ­lich auf die Kon­trol­le der finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung, von der Mög­lich­keit des Art. 91e Abs. 2 GG Gebrauch zu machen 56.
Die Finanz­kon­trol­le des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les unter­schei­det sich aber auch von jener des Bun­des­rech­nungs­hofs. Der Bun­des­rech­nungs­hof ist ein zur unab­hän­gi­gen Finanz­kon­trol­le beru­fe­nes Organ, des­sen Prüf­tä­tig­keit das all­ge­mei­ne Ver­fas­sungs­ge­bot der Kon­trol­le über die staat­li­che Finanz­ge­walt umsetzt und damit letzt­lich im Demo­kra­tie­prin­zip grün­det 57. Dies legi­ti­miert ihn, alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Bun­des zu prü­fen und ihre Wirt­schaft­lich­keit zu bewer­ten. Ziel der Prü­fung ist es allein, Miss­stän­de auf­zu­zei­gen und ihre Besei­ti­gung durch Mit­tei­lung an die zustän­di­gen Orga­ne und gege­be­nen­falls durch Ver­öf­fent­li­chung zu bewir­ken. Die Prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­rech­nungs­ho­fes beschränkt sich jedoch auf eine rei­ne Kon­trol­le; Mit­ent­schei­dungs- oder Sank­ti­ons­be­fug­nis­se kom­men ihm nicht zu. Sei­ne Finanz­kon­trol­le kann daher auch allen­falls mit­tel­bar dazu bei­tra­gen, die Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung zu sichern, ihre Leis­tungs­fä­hig­keit zu ver­bes­sern und Fehl­ent­wick­lun­gen zu ver­mei­den 58. Die Finanz­kon­trol­le nach Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG ist in ihrem Anwen­dungs­be­reich und ihrer Ziel­set­zung enger als jene des Bun­des­rech­nungs­ho­fes, reicht hin­sicht­lich ihrer Befug­nis­se jedoch wei­ter. Sie bezieht sich aus­schließ­lich auf die fis­ka­li­schen Inter­es­sen des Bun­des, gestat­tet es ihm aber auch, öffent­lich-recht­li­che Erstat­tungs­an­sprü­che gel­tend zu machen und im Wege der Ver­rech­nung durch­zu­set­zen.
Opti­on zum kom­mu­na­len Job­cen­ter als kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung[↑]
Art. 91e Abs. 2 GG räumt den Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den eine Chan­ce ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als kom­mu­na­le Trä­ger allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung die­ser Chan­ce muss will­kürfrei erfol­gen. Ihre Wahr­neh­mung fällt in den Schutz­be­reich der Garan­tie kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung.
Art. 91e Abs. 2 GG räumt den Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den kei­nen Anspruch, wohl aber eine Chan­ce dar­auf ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als soge­nann­te Opti­ons­kom­mu­ne allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Dies folgt sowohl aus dem Wort­laut von Art. 91e Abs. 2 GG als auch aus dem in Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG ange­leg­ten Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis und gilt unbe­scha­det des Umstan­des, dass der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet ist, das "Opti­ons­mo­dell" umzu­set­zen.
Nach Art. 91e Abs. 2 Satz 1 GG kann der Bund zulas­sen, dass eine begrenz­te Anzahl von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den die Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein wahr­nimmt. Die For­mu­lie­rung "eine begrenz­te Anzahl" macht dabei deut­lich, dass nicht alle Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de die Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein wahr­neh­men sol­len, selbst wenn sie die in der Aus­füh­rungs­ge­setz­ge­bung nach Art. 91e Abs. 3 GG nie­der­ge­leg­ten Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen erfül­len. Damit steht zugleich fest, dass es auch kei­nen ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Zulas­sungs­an­spruch zur allei­ni­gen Auf­ga­ben­er­fül­lung gibt. Ver­fas­sungs­recht­li­che Ansprü­che einer ein­zel­nen Kom­mu­ne aus Art. 91e Abs. 2 GG kom­men nur inso­weit in Betracht, als der Gesetz­ge­ber von der Mög­lich­keit Gebrauch gemacht hat, eine begrenz­te Anzahl von Opti­ons­kom­mu­nen zuzu­las­sen. Sie beschrän­ken sich – der Rechts­stel­lung von Bewer­bern um kon­tin­gen­tier­te Zulas­sun­gen in ande­ren Berei­chen des öffent­li­chen Rechts 59 ver­gleich­bar – von vorn­her­ein auf eine chan­cen­glei­che Teil­ha­be an der Ver­tei­lung der zah­len­mä­ßig begrenz­ten Opti­ons­mög­lich­kei­ten.
Sys­te­ma­ti­sche Gesichts­punk­te erhär­ten die­sen Befund. Aus­weis­lich des Neben­ein­an­ders von Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG besteht zwi­schen der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen nach Art. 91e Abs. 1 GG und ihrer allei­ni­gen Erfül­lung durch Opti­ons­kom­mu­nen gemäß Art. 91e Abs. 2 GG ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis 17 in dem Sin­ne, dass die Wahr­neh­mung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de durch Opti­ons­kom­mu­nen die Aus­nah­me blei­ben muss 60.
Ein ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­rer Anspruch auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne schei­tert schließ­lich auch dar­an, dass Art. 91e Abs. 2 Satz 1 GG es dem Gesetz­ge­ber frei­stellt, das "Opti­ons­mo­dell" über­haupt ein­zu­füh­ren. Hat er es ein­ge­führt, kann er es auch wie­der aus­lau­fen las­sen 61.
Inter­kom­mu­na­les Gleich­be­hand­lungs­ge­bot[↑]
Bei der Aus­ge­stal­tung der Zulas­sungs­chan­ce nach Art. 91e Abs. 2 GG ist der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich frei. Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG ver­mit­teln Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den kei­nen ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Anspruch auf eine bestimm­te Aus­ge­stal­tung der Zulas­sungs­chan­ce, auf eine bestimm­te Anzahl von Opti­ons­mög­lich­kei­ten oder auf deren Opti­mie­rung im Rah­men des dem Gesetz­ge­ber eröff­ne­ten Gestal­tungs­spiel­rau­mes. Schafft der Gesetz­ge­ber aller­dings eine Ver­tei­lungs­si­tua­ti­on und eröff­net er Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den zumin­dest eine Chan­ce auf das nor­ma­tiv ver­knapp­te Gut, so hat er dabei das all­ge­mei­ne Will­kür­ver­bot in Gestalt des Gebo­tes inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung zu beach­ten. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen sich auf die­ses Gebot beru­fen. In Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip for­dert es zumin­dest eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der knap­pen Opti­ons­mög­lich­kei­ten.
Zwar gel­ten die Grund­rech­te im All­ge­mei­nen und das Grund­recht des Art. 3 Abs. 1 GG im Beson­de­ren grund­sätz­lich nicht für juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts 62; sie gel­ten daher auch nicht für Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de, die inso­weit kei­ne Grund­rechts­trä­ger im Sin­ne von Art.19 Abs. 3 GG sind 63. Des­sen unge­ach­tet ver­pflich­ten das Bun­des­staats­prin­zip und das Rechts­staats­ge­bot (Art.20 Abs. 3, Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG) Bund und Län­der, mit Blick auf ihnen nach­ge­ord­ne­te Hoheits­trä­ger das Gebot der Gleich­be­hand­lung zu beach­ten.
Das gilt grund­sätz­lich auch mit Blick auf Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de 64. Soweit Bund und Län­der Ver­tei­lungs­ent­schei­dun­gen zwi­schen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den vor­se­hen und durch­füh­ren, dür­fen sie zwi­schen die­sen jeden­falls nicht will­kür­lich dif­fe­ren­zie­ren. Das inter­kom­mu­na­le Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ver­bie­tet, ein­zel­ne Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­de auf­grund sach­lich nicht ver­tret­ba­rer Dif­fe­ren­zie­run­gen zu benach­tei­li­gen oder zu bevor­zu­gen, und ist ver­letzt, wenn für eine unter­schied­li­che Behand­lung kein sach­li­cher Grund besteht. Der Gesetz­ge­ber ist daher ver­pflich­tet, Begüns­ti­gun­gen und Vor­tei­le nach ein­heit­li­chen und sach­lich ver­tret­ba­ren Maß­stä­ben auf die ein­zel­nen Kom­mu­nen zu ver­tei­len; auch dür­fen die Moda­li­tä­ten des Ver­tei­lungs­sys­tems nicht zu will­kür­li­chen Ergeb­nis­sen füh­ren 65. Gefor­dert ist nicht die best­mög­li­che und gerech­tes­te Lösung; ange­sichts der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers ist auch nicht ent­schei­dend, ob eine Rege­lung not­wen­dig oder gar unab­weis­bar ist. Viel­mehr kommt ihm inso­weit ein wei­ter Ein­schät­zungs- und Beur­tei­lungs­spiel­raum zu, der gewahrt ist, wenn er sich auf eine nach­voll­zieh­ba­re und ver­tret­ba­re Ein­schät­zung stützt 66.
Das inter­kom­mu­na­le Gleich­be­hand­lungs­ge­bot 67 ist Teil der durch Art. 28 Abs. 2 GG gewähr­leis­te­ten sub­jek­ti­ven Rechts­stel­lungs­ga­ran­tie der Kom­mu­nen. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen sich des­halb gegen­über dem Staat auf die­ses Gebot beru­fen und sei­ne Ver­let­zung vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt rügen 68.
For­dert das Gebot inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung knap­per Mit­tel oder Güter zwi­schen den kon­kur­rie­ren­den Kom­mu­nen, so ist aus Grün­den der Rechts­staat­lich­keit ein trans­pa­ren­tes Ver­tei­lungs­ver­fah­ren zu gewähr­leis­ten 69.
Für den Bereich des Grund­rechts­schut­zes ist aner­kannt, dass die in Anse­hung einer Ent­schei­dung betrof­fe­nen Grund­rech­te nach einer adäqua­ten Ver­fah­rens­ge­stal­tung ver­lan­gen. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kann ein mate­ri­el­ler Zulas­sungs­an­spruch in Knapp­heits­si­tua­tio­nen zu einem Anspruch auf chan­cen­ge­rech­te Teil­ha­be am Ver­fah­ren redu­ziert wer­den, wobei die sach­ge­rech­te, rechts­wah­ren­de und fai­re Aus­ge­stal­tung des Ver­tei­lungs­ver­fah­rens der Min­de­rung der Ein­griffs­in­ten­si­tät dient 70. Pro­ze­du­ra­le Vor­keh­run­gen sind auch dort erfor­der­lich, wo eine nach­ge­la­ger­te gericht­li­che Kon­trol­le etwai­ge Grund­rechts­ver­let­zun­gen nicht mehr kor­ri­gie­ren kann 71.
Die­ser Grund­ge­dan­ke gilt auch für die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung 72. So hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Zusam­men­hang mit dem nie­der­säch­si­schen Rück-Neu­glie­de­rungs­ge­setz aus­ge­spro­chen, dass die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung zu ihrem Schutz bestimm­ter pro­ze­du­ra­ler Vor­keh­run­gen, nament­lich von Anhö­rungs­rech­ten und Begrün­dungs­pflich­ten bedarf 73. In der Recht­spre­chung der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te ist die­ser Ansatz mit Blick auf Gebiets­re­for­men und die Aus­ge­stal­tung des kom­mu­na­len Finanz­aus­gleichs wei­ter aus­ge­baut wor­den 74.
Die Chan­ce auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne nach Art. 91e Abs. 2 GG wird durch Art. 28 Abs. 2 GG geschützt. Er gewähr­leis­tet grund­sätz­lich auch das Recht von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den, die ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben eigen­ver­ant­wort­lich zu erle­di­gen. Die­ses Recht besteht indes nur "im Rah­men der Geset­ze".
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG sta­tu­iert ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip hin­sicht­lich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft zuguns­ten der Gemein­den 75. Jen­seits des­sen ent­hal­ten weder Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG noch Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG eine inhalt­lich umris­se­ne Auf­ga­ben­ga­ran­tie zuguns­ten von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den. Ins­be­son­de­re Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG knüpft ledig­lich an die vom Gesetz­ge­ber zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben an, erschöpft sich hier­in aber auch. Die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung der Gemein­de­ver­bän­de besteht inso­weit nur nach Maß­ga­be der Geset­ze. Aller­dings muss der Gesetz­ge­ber den Krei­sen hin­rei­chen­de Auf­ga­ben des eige­nen Wir­kungs­krei­ses zuwei­sen und darf sich nicht aus­schließ­lich auf die Zuwei­sung mate­ri­ell staat­li­cher Ange­le­gen­hei­ten des über­tra­ge­nen Wir­kungs­krei­ses beschrän­ken 76. Auch auf der Ebe­ne der Krei­se muss der Bestand an Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben für sich genom­men und im Ver­gleich zu den zuge­wie­se­nen mate­ri­ell staat­li­chen Auf­ga­ben ein Gewicht haben, das der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie der Krei­se als Selbst­ver­wal­tungs­kör­per­schaf­ten gerecht wird. Wür­den ihnen nur rand­stän­di­ge, in Bedeu­tung und Umfang neben­säch­li­che Auf­ga­ben des eige­nen Wir­kungs­krei­ses zuge­wie­sen, so wäre Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG ver­letzt 77.
Hat der Gesetz­ge­ber Krei­sen und Gemein­den Auf­ga­ben zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Wahr­neh­mung zuge­wie­sen, fällt deren Erle­di­gung grund­sätz­lich in den Gewähr­leis­tungs­be­reich von Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG 78. Soweit der Gesetz­ge­ber den Zugang zu einer kom­mu­na­len Auf­ga­be kon­tin­gen­tiert und den Kom­mu­nen ledig­lich eine ent­spre­chen­de Chan­ce eröff­net hat, ist der Gewähr­leis­tungs­be­reich von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 GG eben­falls berührt. Das gilt auch für die durch Art. 91e Abs. 2 GG eröff­ne­te Chan­ce auf allei­ni­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de.
Art. 28 Abs. 2 GG gewähr­leis­tet Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den fer­ner das Recht, die ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben eigen­ver­ant­wort­lich zu erle­di­gen 79.
Eine Rege­lung gemeind­li­cher Ange­le­gen­hei­ten in eige­ner Ver­ant­wor­tung, wie sie Art. 28 Abs. 2 GG garan­tiert, ist ohne eine gewis­se Selbst­stän­dig­keit bei der Orga­ni­sa­ti­on der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nicht vor­stell­bar 80. Eine umfas­sen­de staat­li­che Steue­rung der kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­on wider­sprä­che der vom Ver­fas­sungs­ge­ber vor­ge­fun­de­nen und in Art. 28 Abs. 2 GG nie­der­ge­leg­ten Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung 81. Zu der von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG den Gemein­den garan­tier­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit gehört daher auch die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit 82. Sie gewähr­leis­tet den Gemein­den – Ver­gleich­ba­res gilt nach Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG für die Gemein­de­ver­bän­de 83 – das grund­sätz­li­che Recht, die Wahr­neh­mung der eige­nen Auf­ga­ben, Abläu­fe und Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­kei­ten im Ein­zel­nen fest­zu­le­gen und damit auch über Gewich­tung, Qua­li­tät und Inhalt der Ent­schei­dun­gen zu befin­den. Die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den ver­bie­tet Rege­lun­gen, die eine eigen­stän­di­ge orga­ni­sa­to­ri­sche Gestal­tungs­fä­hig­keit der Kom­mu­nen ersti­cken wür­den. Zu ihr rech­net fer­ner die Mög­lich­keit, für die Wahr­neh­mung ein­zel­ner Ver­wal­tungs­auf­ga­ben aus meh­re­ren vom Gesetz­ge­ber zur Ver­fü­gung gestell­ten Orga­ni­sa­ti­ons­for­men aus­wäh­len zu kön­nen 84.
Die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de erfasst sowohl den eige­nen als auch den über­tra­ge­nen Wir­kungs­kreis 85. Sie besteht indes gemäß Art. 28 Abs. 2 GG nur im Rah­men der Geset­ze. Dem­entspre­chend sind die Orga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se der Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­de an Vor­ga­ben des Gesetz­ge­bers nicht nur gebun­den 86; ihre Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit gilt grund­sätz­lich nur nach Maß­ga­be der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung.
Bei die­ser Aus­ge­stal­tung setzt die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie dem Gesetz­ge­ber aller­dings inso­weit Gren­zen, als ihr Kern­be­reich nicht aus­ge­höhlt wer­den darf 87. Der Gesetz­ge­ber muss zudem der geschicht­li­chen Ent­wick­lung und den ver­schie­de­nen Erschei­nungs­for­men der Selbst­ver­wal­tung Rech­nung tra­gen 88 und ihnen bei der Aus­ge­stal­tung ihrer inter­nen Orga­ni­sa­ti­on eine hin­rei­chen­de (Mit-)Verantwortung für die orga­ni­sa­to­ri­sche Bewäl­ti­gung ihrer Auf­ga­ben las­sen. Sei­ne Vor­ga­ben dür­fen die Gemein­den aus die­ser Ver­ant­wor­tung nicht ver­drän­gen. Dar­aus folgt nicht nur, dass den Gemein­den ins­ge­samt nen­nens­wer­te orga­ni­sa­to­ri­sche Befug­nis­se ver­blei­ben müs­sen, son­dern auch, dass ihnen ein hin­rei­chen­der orga­ni­sa­to­ri­scher Spiel­raum bei der Wahr­neh­mung der jewei­li­gen Auf­ga­ben­be­rei­che offen­ge­hal­ten wird. Unter­schie­de zwi­schen Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben und Auf­ga­ben des über­tra­ge­nen Wir­kungs­krei­ses mögen dabei eine Rol­le spie­len; in kei­nem Fall darf jedoch aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Gemein­den im Bereich ihrer inne­ren Orga­ni­sa­ti­on indi­vi­du­ell auf die beson­de­ren Anfor­de­run­gen vor Ort durch eige­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men reagie­ren kön­nen 89. Die Orga­ni­sa­ti­on einer Kom­mu­ne erschließt sich so erst aus dem Inein­an­der­grei­fen von staat­li­chen Vor­ga­ben und eigen­ver­ant­wort­li­chen kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen.
Geset­zungs­kom­pe­tenz des Bun­des[↑]
Art. 91e Abs. 3 GG ent­hält einen umfas­sen­den und weit zu ver­ste­hen­den Gesetz­ge­bungs­auf­trag zuguns­ten des Bun­des. Der Bund ver­fügt inso­weit über die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz, die mit der Zulas­sung als kom­mu­na­ler Trä­ger zusam­men­hän­gen­den Rechts­ver­hält­nis­se zu regeln. Für die Abgren­zung die­ser Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz gel­ten die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze.
Nach Art. 91e Abs. 3 GG regelt "das Nähe­re" ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf. Die Vor­schrift weist dem Bund eine aus­schließ­li­che Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zu und ent­hält zugleich einen Gesetz­ge­bungs­auf­trag 90. Die­ser ist bewusst weit gefasst und soll dem Bun­des­ge­setz­ge­ber bei der orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de einen gro­ßen Spiel­raum eröff­nen 91.
Der Stel­lung von Art. 91e GG im Gemein­schafts­auf­ga­ben und Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit gewid­me­ten VIIIa. Abschnitt des Grund­ge­set­zes lässt sich ent­neh­men, dass Art. 91e Abs. 3 GG den Bun­des­ge­setz­ge­ber ermäch­tigt, Art und Wei­se des Voll­zugs der in mate­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht unter die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz von Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG fal­len­den Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zu regeln. Das gilt sowohl für das Zusam­men­wir­ken von Bund und Län­dern als auch für das von Bund und Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den. Es gilt für die nähe­re Aus­ge­stal­tung der gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen (Art. 91e Abs. 1 GG) und für die Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen, die Kri­te­ri­en für ihre Zulas­sung, das von ihnen durch­zu­füh­ren­de Antrags­ver­fah­ren und – im Fal­le der Zulas­sung – die Kos­ten­tra­gung (Art. 91e Abs. 2 GG). In der Begrün­dung zu Art. 91e GG heißt es mit Blick auf Absatz 2, dass das Bun­des­ge­setz "unter ande­rem Rege­lun­gen zur Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen, zu den Kri­te­ri­en für die Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen, […] und zu Kos­ten­tra­gung, Auf­sicht, […] Finanz­kon­trol­le, Rech­nungs­prü­fung […] tref­fen" wer­de, wobei "die Auf­zäh­lung nicht abschlie­ßend" sei. Bei der Wahr­neh­mung die­ses Auf­trags habe der Gesetz­ge­ber zudem zu berück­sich­ti­gen, dass im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine Misch­ver­wal­tung als Regel­fall und die allei­ni­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch Kom­mu­nen als Aus­nah­me­fall vor­ge­se­hen sei 53.
Aus dem Hin­weis der Geset­zes­be­grün­dung auf die "zwin­gen­den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes" folgt hin­ge­gen, dass die Rege­lun­gen des Grund­ge­set­zes im Übri­gen zu beach­ten sind. Nament­lich will Art. 91e Abs. 3 GG nichts an der Ver­tei­lung der Sach­ge­setz­ge­bungs­zu­stän­dig­kei­ten durch die Art. 70 ff. GG ändern. Für die Abgren­zung gel­ten die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen. Besteht eine sach­li­che Ver­knüp­fung eines Rege­lungs­ge­gen­stands mit den Mate­ri­en ver­schie­de­ner Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­kei­ten, so ist zunächst auf die wesens­mä­ßi­ge und his­to­ri­sche Zuge­hö­rig­keit zu einem die­ser Sach­ge­bie­te abzu­stel­len 92. Teil­re­ge­lun­gen eines umfas­sen­den Rege­lungs­kom­ple­xes dür­fen dabei nicht aus ihrem Rege­lungs­zu­sam­men­hang gelöst und iso­liert betrach­tet wer­den. Kommt die Zuord­nung einer sol­chen Rege­lung Kom­pe­tenz­be­rei­chen in Betracht, so ist aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang zu erschlie­ßen, wo sie ihren Schwer­punkt hat. Dabei fällt ins­be­son­de­re ins Gewicht, wie eng die frag­li­che Teil­re­ge­lung mit dem Gegen­stand der Gesamt­re­ge­lung ver­bun­den ist. Eine enge Ver­zah­nung und ein gerin­ger eigen­stän­di­ger Rege­lungs­ge­halt der Teil­re­ge­lung spre­chen regel­mä­ßig für eine Zuord­nung zum Kom­pe­tenz­be­reich der Gesamt­re­ge­lung 93.
§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II – und die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der[↑]
Nach die­sen Maß­stä­ben ist die Kommnunal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II begrün­det. Soweit sich die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II und gegen § 6b Abs. 4 SGB II rich­ten sind sie unbe­grün­det.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II ist begrün­det. Die Rüge, das ange­grif­fe­ne Gesetz ver­sto­ße gegen die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der (Art. 70 GG), kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Rah­men der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de prü­fen. § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II greift in die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung ein. Der Sache nach stellt er eine Rege­lung des Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­rechts dar, für das aus­schließ­lich die Län­der zustän­dig sind.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts folgt die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de des Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG, auch wenn sie aus­schließ­lich gegen Rechts­nor­men gerich­tet wer­den kann, nicht den Regeln der abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen sich im Rah­men die­ses Ver­fah­rens des­halb nur ein­ge­schränkt dar­auf beru­fen, dass eine gesetz­li­che Rege­lung – über Art. 28 Abs. 2 GG hin­aus – auch sons­ti­ges Ver­fas­sungs­recht ver­letzt. Nament­lich ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht befugt, im Gefol­ge einer zuläs­si­gen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 91 BVerfGG die Begründ­etheits­prü­fung belie­big auf ande­re Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen aus­zu­wei­ten 94.
Mit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 91 BVerfGG gerügt wer­den kann jedoch, dass das ange­grif­fe­ne Gesetz unter Ver­stoß gegen die grund­ge­setz­li­che Ver­tei­lung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen zustan­de gekom­men ist, weil die Art. 70 ff. GG ihrem Inhalt nach geeig­net sind, das ver­fas­sungs­recht­li­che Bild der Selbst­ver­wal­tung mit­zu­be­stim­men. Nach Art. 70 GG gehö­ren Gemein­de­an­ge­le­gen­hei­ten grund­sätz­lich zur Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis der Län­der. Ein­grif­fe des Bun­des­ge­setz­ge­bers in das kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­recht sind hier­nach grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, soweit nicht die Ver­fas­sung beson­de­re Kom­pe­tenz­nor­men bereit­hält, die den Bund auch zu einer Ein­schrän­kung der gemeind­li­chen Selbst­ver­wal­tung berech­ti­gen 95. Das hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber nicht zuletzt durch die Auf­nah­me der Art. 84 Abs. 1 Satz 7 und Art. 85 Abs. 1 Satz 2 in das Grund­ge­setz unter­stri­chen.
§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II beschränkt die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung. Er ver­kürzt die von Art. 28 Abs. 2 GG gewähr­leis­te­te Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Gemein­den in ihrer kon­kre­ten gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung hin­sicht­lich der Art und Wei­se ihrer Wil­lens­bil­dung.
Die durch Art. 28 Abs. 2 GG ver­bürg­te Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit gestat­tet es den Kom­mu­nen, über ihre inter­ne Orga­ni­sa­ti­on und Wil­lens­bil­dung grund­sätz­lich selbst zu ent­schei­den. Sie umfasst das Recht zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Füh­rung der Geschäf­te und gewähr­leis­tet inso­weit eine grund­sätz­li­che Frei­heit von staat­li­cher Regle­men­tie­rung in Bezug auf die Art und Wei­se der Auf­ga­ben­er­le­di­gung 96. Art. 28 Abs. 2 GG ver­bürgt auch die Befug­nis der Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de, über "Ob", "Wann" und "Wie" bei der Wahr­neh­mung der ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben im Rah­men der Geset­ze grund­sätz­lich eigen­ver­ant­wort­lich zu ent­schei­den. Ändert der Gesetz­ge­ber daher die Vor­ga­ben für die inter­ne Orga­ni­sa­ti­on und Wil­lens­bil­dung von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den, greift er damit zugleich in die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit ein.
Dies ist bei § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II der Fall. Er bestimmt, dass der Antrag auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne unter ande­rem einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Mit­glie­der in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft bedarf. Damit erschwert er, ver­gli­chen mit den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen des Kom­mu­nal­rechts (vgl. Art. 45 Abs. 1 BayL­KrO; Art. 51 Abs. 1 Bay­GO, § 50 Abs. 1 GO-NW, § 35 KrO-NW, § 37 Abs. 6 GemOBW, § 32 Abs. 6 LKrOBW, § 39 Abs. 1 Thür­KO, § 112 Thür­KO), die Wil­lens­bil­dung in den Stadt­rä­ten und Kreis­ta­gen und greift damit in die de lege lata bestehen­de Aus­ge­stal­tung der kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit ein. Die Vor­schrift knüpft die Rea­li­sie­rung der vom Gesetz­ge­ber ein­ge­räum­ten Chan­ce, die Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein zu erbrin­gen, an zusätz­li­che Hür­den. Im Fall des Beschwer­de­füh­rers zu 1. käme, obwohl sich eine Mehr­heit des Kreis­ta­ges – 36 von 60 Mit­glie­dern – für den Antrag auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne aus­ge­spro­chen hat­te, eine Rea­li­sie­rung der gesetz­lich eröff­ne­ten Chan­ce schon des­halb nicht mehr in Betracht.
§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II ist der Sache nach eine Rege­lung des Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­rechts. Die­ses fällt als Teil des Kom­mu­nal­rechts in die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der. Etwas ande­res folgt weder aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG noch aus Art. 91e Abs.3 GG oder aus einer Kom­pe­tenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs.
Das Grund­ge­setz weist die Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit für das Kom­mu­nal­recht nicht dem Bund zu, son­dern belässt sie bei den Län­dern 97. Das Kom­mu­nal­recht in die­sem Sin­ne umfasst die Sum­me der Rechts­sät­ze, die sich mit der Rechts­stel­lung, der Orga­ni­sa­ti­on, den Auf­ga­ben sowie den Hand­lungs­for­men der kom­mu­na­len Kör­per­schaf­ten befas­sen. Dar­un­ter fällt auch das Gemein­de­ver­fas­sungs­recht 98 und ins­be­son­de­re die Art und Wei­se der kom­mu­na­len Wil­lens­bil­dung 99.
§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II ist eine Rege­lung des Kom­mu­nal­rechts. Er regelt das Zustan­de­kom­men von Beschlüs­sen in Stadt­rä­ten und Kreis­ta­gen und betrifft damit die inter­ne Wil­lens­bil­dung in den Kom­mu­nen, die Ver­wirk­li­chung des Mehr­heits­prin­zips und der Demo­kra­tie auf kom­mu­na­ler Ebe­ne (vgl. Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG) und in gewis­sem Umfang auch die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen den Orga­nen der in Rede ste­hen­den Kom­mu­ne. Die inter­ne Wil­lens­bil­dung in den Kom­mu­nen und das Zusam­men­wir­ken zwi­schen den unter­schied­li­chen Orga­nen der Kom­mu­ne wird in allen Län­dern in den jewei­li­gen Kom­mu­nal­ord­nun­gen gere­gelt (vgl. Art. 51 Abs. 1 Bay­GO, Art. 45 Abs. 1 BayL­KrO, § 50 Abs. 1 GO-NW, § 35 KrO-NW, § 37 Abs. 6 GemOBW, § 32 Abs. 6 LKrOBW, § 39 Abs. 1 Thür­KO, § 112 Thür­KO) und ist ein wesent­li­cher Teil des Kommunal(verfassungs)rechts. Die­ses bestimmt, wie die Wil­lens­bil­dung inner­halb einer Kom­mu­ne abzu­lau­fen hat und wie die Gewichts­ver­tei­lung zwi­schen Bür­ger­meis­ter und Gemein­de­rat bezie­hungs­wei­se Land­rat und Kreis­tag aus­zu­ge­stal­ten ist. Wäre dies anders, könn­te der Bund in allen Berei­chen, in denen er eine Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz besitzt, auch Vor­ga­ben über die Beschluss­fä­hig­keit der kom­mu­na­len Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten, die Form der Beschluss­fas­sung oder den Ablauf der Sit­zun­gen tref­fen. Die den Län­dern zuste­hen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für das Kom­mu­nal­recht lie­fe damit leer.
Die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für "die öffent­li­che Für­sor­ge" aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG ver­mag die ange­grif­fe­ne Rege­lung des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht zu stüt­zen.
Zwar ist der Begriff der "öffent­li­chen Für­sor­ge" im Sin­ne des Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht eng aus­zu­le­gen 100. Zu die­ser Mate­rie gehö­ren nicht nur Bestim­mun­gen dar­über, was die Trä­ger der Für­sor­ge an mate­ri­el­len Für­sor­ge­leis­tun­gen zu erbrin­gen haben und auf wel­che Wei­se dies gesche­hen soll. Der Rege­lungs­be­reich des Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG umfasst auch orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­schrif­ten über die Abgren­zung öffent­li­cher und pri­va­ter Trä­ger 101.
Bei der Bestim­mung der Reich­wei­te der aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG fol­gen­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz ist jedoch Zurück­hal­tung gebo­ten, wenn mit ihr Rege­lun­gen gerecht­fer­tigt wer­den sol­len, von denen nach dem Grund­ge­dan­ken der Art. 70 ff. GG anzu­neh­men ist, dass der Rege­lungs­ge­gen­stand im Wesent­li­chen oder weit­ge­hend in der Kom­pe­tenz der Län­der ver­blei­ben soll. Das gilt ins­be­son­de­re mit Blick auf das Kom­mu­nal­recht, das nicht nur zum "Haus­gut" jener Zustän­dig­kei­ten zäh­len dürf­te, das die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Län­der prägt und den Län­dern daher unent­zieh­bar ver­blei­ben muss, son­dern das der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber im Jah­re 2006 auch noch mit einem gene­rel­len Durch­griffs­ver­bot gegen Zugrif­fe des Bun­des abge­si­chert hat (Art. 84 Abs. 1 Satz 7, Art. 85 Abs. 1 Satz 2 GG). Damit hat er auch punk­tu­el­le Über­grif­fe des Bun­des, wie sie auf­grund sei­ner Zustän­dig­kei­ten zur Rege­lung des Ver­wal­tungs­voll­zugs nach der alten Rechts­la­ge mög­lich waren 102, aus­ge­schlos­sen. Im Hin­blick auf orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Rege­lun­gen ist zudem zu beden­ken, dass die Ver­fas­sung zwi­schen der mate­ri­el­len Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz in Art. 70 ff. GG und der Rege­lung von Behör­den­or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­wal­tungs­ver­fah­ren in Art. 83 ff. GG unter­schei­det und dies nicht durch eine exten­si­ve Inter­pre­ta­ti­on von dem Voll­zug die­nen­den Vor­schrif­ten wie Art. 91e GG unter­lau­fen wer­den darf.
Hier­an gemes­sen kann § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG gestützt wer­den. Das Erfor­der­nis einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Stim­men in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft der Kom­mu­ne regelt kei­ne rein orga­ni­sa­to­ri­sche Fra­ge bei der Erbrin­gung sozi­al­recht­li­cher Leis­tun­gen, son­dern die Art und Wei­se der Wil­lens­bil­dung auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Gegen die Annah­me, die Rege­lung kön­ne auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG gestützt wer­den, spricht zudem die Exis­tenz des Art. 91e GG selbst.
Das Erfor­der­nis einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Stim­men in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft der Kom­mu­ne regelt die Art und Wei­se der Wil­lens­bil­dung auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Mit der qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II sta­tu­iert der Gesetz­ge­ber ver­fah­rens­recht­li­che Anfor­de­run­gen an die Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen, also die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen sie zu einer recht­lich rele­van­ten Wil­lens­bil­dung in der Lage sind. Nach der Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers soll mit § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II "eine sorg­fäl­ti­ge und aus­führ­li­che poli­ti­sche Mei­nungs­bil­dung" sicher­ge­stellt wer­den, wel­che die Gewähr für "eine lang­fris­tig ange­leg­te, umfas­send aktiv unter­stütz­te und nach­hal­ti­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung" bie­tet. Dies stel­le sicher, dass für die allei­ni­ge Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben ein hoher Grad an Akzep­tanz vor­han­den und die für eine nach­hal­ti­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung unab­ding­ba­re Kon­ti­nui­tät der Ver­wal­tungs­struk­tu­ren gewähr­leis­tet sei 103. Wäre § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II gül­tig, ver­dräng­te er in sei­nem Anwen­dungs­be­reich die kom­mu­nal­recht­li­chen Rege­lun­gen über Form und Ver­fah­ren der Beschluss­fas­sung in den Gemein­de­rä­ten und Kreis­ta­gen und wür­de sie – da er den­sel­ben Gegen­stand mit unter­schied­li­chen Rechts­fol­gen regelt – nach Art. 31 GG bre­chen. Denn er weist den­sel­ben Rege­lungs­ge­gen­stand auf wie etwa Art. 51 Abs. 1 Bay­GO, Art. 45 Abs. 1 BayL­KrO, § 50 Abs. 1 GO-NW, § 35 KrO-NW, § 37 Abs. 6 GemOBW, § 32 Abs. 6 LKrOBW, § 39 Abs. 1 Thür­KO, § 112 Thür­KO und ver­gleich­ba­re Bestim­mun­gen, an deren kom­pe­tenz­recht­li­cher Zuläs­sig­keit kei­ne Zwei­fel bestehen. Ist die Fest­le­gung der Mehr­heits­er­for­der­nis­se in den kom­mu­na­len Reprä­sen­ta­tiv­kör­per­schaf­ten aber eine Rege­lung des Kom­mu­nal­rechts, dann kann sie nach der Sys­te­ma­tik der Art. 70 und Art. 72 Abs. 1 GG nicht zugleich eine sol­che des Sozi­al­rechts sein.
Dem steht auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur grund­sätz­lich wei­ten Inter­pre­ta­ti­on von Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG 104 nicht ent­ge­gen. Die dort ent­schie­de­nen Fäl­le betra­fen die Rege­lung des Zusam­men­wir­kens und Neben­ein­an­ders von öffent­li­cher Hand und Pri­va­ten und damit Rech­te und Pflich­ten in einem für­sor­ge­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis. § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II betrifft dage­gen nicht das Rechts­ver­hält­nis, in dem das Zusam­men­wir­ken von Bund und Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­den bei der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de näher aus­ge­stal­tet wird und Antrags­er­for­der­nis­se, Form­vor­schrif­ten oder Mit­wir­kungs­hand­lun­gen sta­tu­iert wer­den. Er regelt viel­mehr, nach wel­chen Regeln die inter­ne Wil­lens­bil­dung bei einem der Betei­lig­ten im Vor­feld des Zusam­men­wir­kens mit Bund und Län­dern zu erfol­gen hat. Das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Kom­mu­ne und Bund, das inso­weit allein mög­li­cher Anknüp­fungs­punkt für eine Rege­lung auf der Grund­la­ge von Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG sein könn­te, ist somit nicht Rege­lungs­ge­gen­stand der Norm, mag die­se auch reflex­ar­ti­ge Rück­wir­kun­gen auf die Inter­es­sen des Bun­des haben, indem sie dazu bei­tra­gen kann, die Anzahl der antrag­stel­len­den Kom­mu­nen zu begren­zen und das Risi­ko zu redu­zie­ren, dass sich ein­mal zuge­las­se­ne Opti­ons­kom­mu­nen aus der Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach § 6a Abs. 7 SGB II wie­der zurück­zie­hen.
Gegen die Annah­me, die orga­ni­sa­to­ri­sche bezie­hungs­wei­se ver­fah­rens­recht­li­che Rege­lung des § 6a Abs. 2 Satz 3 GG kön­ne auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG gestützt wer­den, spricht zudem die Stel­lung des Art. 91e GG im VIIIa. Abschnitt des Grund­ge­set­zes. Die Rege­lun­gen über die gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen und die Opti­ons­kom­mu­nen wur­den nach län­ge­rer Debat­te 105 an die­ser Stel­le ein­ge­fügt, weil es auch nach Auf­fas­sung des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers um eine Aus­nah­me vom grund­sätz­li­chen Ver­bot der Misch­ver­wal­tung ging, also um den Voll­zug des Zwei­ten Buches des Sozi­al­ge­setz­bu­ches und damit zusam­men­hän­gen­de Fra­gen der Ein­rich­tung der Behör­den und des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens. Dies unter­streicht die Sys­te­ma­tik des Grund­ge­set­zes, nach der die Ein­rich­tung der Behör­den und das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren gera­de kei­ne Fra­ge der Sach­ge­setz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen sind und schließt es aus, für eine den Voll­zug des mate­ri­el­len Sozi­al­rechts betref­fen­de Rege­lung auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG zurück­zu­grei­fen.
Eine Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des ergibt sich auch nicht aus Art. 91e Abs. 3 GG. Auf die­ser Grund­la­ge kann der Gesetz­ge­ber zwar die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den als Opti­ons­kom­mu­nen regeln, ins­be­son­de­re deren Anzahl sowie Kri­te­ri­en für die Zulas­sung fest­le­gen. Auf die Art und Wei­se der inter­nen Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen erstreckt sich sei­ne Rege­lungs­kom­pe­tenz jedoch nicht.
Nach Art. 91e Abs. 3 GG regelt das Nähe­re über das Zusam­men­wir­ken von Bund und Län­dern oder der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de bei der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf. Die Vor­schrift weist dem Bund eine aus­schließ­li­che Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zu und ent­hält zugleich einen Gesetz­ge­bungs­auf­trag, der bewusst weit gefasst wur­de und dem Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung einen gro­ßen Spiel­raum las­sen soll 91. In der Sache bezieht er sich, wie dar­ge­legt, auf die nähe­re Aus­ge­stal­tung der gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen (Art. 91e Abs. 1 GG), die Anzahl mög­li­cher Opti­ons­kom­mu­nen, das von ihnen zu durch­lau­fen­de Ver­fah­ren und – im Fal­le der Zulas­sung – die Kos­ten­tra­gung für die Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG).
Auch wenn die­se Auf­zäh­lung nicht abschlie­ßend ist, kann § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht auf Art. 91e Abs. 3 GG gestützt wer­den. Weder kann das Erfor­der­nis einer Zwei­drit­tel­mehr­heit in der zustän­di­gen Reprä­sen­ta­tiv­kör­per­schaft als Zulas­sungs­kri­te­ri­um ange­se­hen wer­den noch darf der Gesetz­ge­ber über den Rege­lungs­ge­halt von Art. 91e Abs. 1 und 2 GG hin­aus­ge­hen.
In der Begrün­dung zu Art. 91e GG hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber unter ande­rem betont, dass sich der Gesetz­ge­ber "an die zwin­gen­den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes zu hal­ten" habe 33 und damit deut­lich gemacht, dass Art. 91e GG nichts an der in Art. 70 ff. und 109 GG nie­der­ge­leg­ten Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen Bund und Län­dern ändern will. Art. 91e Abs. 3 GG erlaubt vor die­sem Hin­ter­grund zwar den Erlass von Vor­schrif­ten "zur Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen" und "zu den Kri­te­ri­en für die Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen". Inso­weit sind Rege­lun­gen über das Erfor­der­nis einer Antrag­stel­lung durch die kom­mu­na­len Trä­ger und das ver­fah­rens­mä­ßi­ge Zusam­men­wir­ken der Kom­mu­nen mit ande­ren Ver­wal­tungs­trä­gern – ähn­lich wie bei dem auf Art. 84 Abs. 1 GG gestütz­ten Erfor­der­nis des Ein­ver­neh­mens nach § 36 Abs. 1 Bau­GB – Teil der auf die Voll­zie­hung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be gerich­te­ten Rege­lung und gestal­ten die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen dem Bund und der Kom­mu­ne bezie­hungs­wei­se dem Land und der Kom­mu­ne näher aus. Der Rege­lungs­ge­halt von § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II betrifft dage­gen nicht die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen der antrag­stel­len­den Kom­mu­ne und dem Bund oder dem Land, son­dern die inter­ne Orga­ni­sa­ti­on der Kom­mu­nen. Mit dem Erfor­der­nis der Zwei-Drit­tel-Mehr­heit in den zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten regelt er die Moda­li­tä­ten ihrer Beschluss­fas­sung und modi­fi­ziert damit nicht nur die Anfor­de­run­gen an die demo­kra­ti­sche Wil­lens­bil­dung in den Kom­mu­nen, son­dern auch die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen ihren Orga­nen. Als in der Sache kom­mu­nal­recht­li­che Vor­schrift ist § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht von Art. 91e Abs. 3 GG gedeckt.
Dem Bund steht schließ­lich auch kei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs zu. Eine Kom­pe­tenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs ist von vorn­her­ein nur dann anzu­er­ken­nen, wenn eine Mate­rie ver­stän­di­ger Wei­se nicht gere­gelt wer­den kann, ohne dass zugleich eine dem Bund nicht aus­drück­lich zuge­wie­se­ne ande­re Mate­rie mit­ge­re­gelt wird, wenn also das Über­grei­fen in die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der uner­läss­li­che Vor­aus­set­zung für die Rege­lung der in Rede ste­hen­den Mate­rie ist 106. Die umfas­sen­de Rege­lung eines den Län­dern vor­be­hal­te­nen Bereichs ist dem Bund in kei­nem Fall eröff­net 107.
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier nicht gege­ben. Es liegt schon fern, dass eine Fra­ge der inter­nen Wil­lens­bil­dung der kom­mu­na­len Reprä­sen­ta­tiv­kör­per­schaf­ten eine zen­tra­le Bedeu­tung für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung durch soge­nann­te Opti­ons­kom­mu­nen haben soll­te. Mag das Antrags­er­for­der­nis sicher­stel­len, dass die Kom­mu­ne die Auf­ga­be aus eige­nem Antrieb über­nimmt, und dazu bei­tra­gen, dass sie sich an die­sem rechts­er­heb­li­chen Schritt fest­hal­ten las­sen muss, so ist die Fra­ge, auf wel­che Wei­se die dem Antrag zugrun­de lie­gen­den Beschlüs­se zustan­de kom­men, für die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nach­ran­gig und für die orga­ni­sa­to­ri­sche Aus­ge­stal­tung ins­ge­samt unbe­deu­tend. Schon der Blick auf die Rechts­la­ge vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 03.08.2010 zeigt, dass die Rege­lung des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II kei­nes­wegs uner­läss­lich ist, um eine Behör­den­struk­tur zu schaf­fen, die die Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de der Ziel­set­zung des Gesetz­ge­bers ent­spre­chend erfül­len kann 108. Nach § 6a Abs. 2 Satz 1 SGB II a.F. wur­den kom­mu­na­le Trä­ger auf Antrag vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Arbeit als Trä­ger im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 durch Rechts­ver­ord­nung zuge­las­sen, wenn sie sich zur Schaf­fung einer beson­de­ren Ein­rich­tung nach § 6a Abs. 6 SGB II a.F. und zur Mit­wir­kung an der Wir­kungs­for­schung nach § 6c SGB II, 2004 ver­pflich­tet hat­ten. Wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen wur­den zum dama­li­gen Zeit­punkt als nicht erfor­der­lich ange­se­hen. Voll­zugs­pro­ble­me haben sich dar­aus nicht erge­ben. Wie die münd­li­che Ver­hand­lung gezeigt hat, ist es auch nicht zu einem nen­nens­wer­ten Rück­zug von Opti­ons­kom­mu­nen gekom­men.
§ 6a Abs. 2 Satz 3 1.Halbsatz SGB II ver­letzt danach Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG in Ver­bin­dung mit Art. 70 GG. Im Hin­blick auf einen geord­ne­ten Geset­zes­voll­zug im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ist § 6a Abs. 2 Satz 3 1. Halb­satz SGB II für unver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz zu erklä­ren. Die Vor­schrift gilt für bestehen­de Zulas­sun­gen fort 109. Sie darf in neu­en Zulas­sungs­ver­fah­ren nach § 6a SGB II nicht mehr ange­wandt wer­den. Die bis­her ergan­ge­nen Zulas­sungs­ent­schei­dun­gen blei­ben unbe­rührt. Das gilt ins­be­son­de­re für die Zwei­te Ver­ord­nung zur Ände­rung der Kom­mu­nal­trä­ger-Zulas­sungs­ver­ord­nung vom 14.04.2011 110.
Ver­stößt eine Norm gegen das Grund­ge­setz, führt dies in der Regel zur Nich­tig­keit der ange­grif­fe­nen Vor­schrift. Die blo­ße Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung, ver­bun­den mit der Anord­nung einer teil­wei­sen Fort­gel­tung der ver­fas­sungs­wid­ri­gen Rege­lung kommt statt der gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Nich­tig­keit als Rechts­fol­ge dann in Betracht, wenn es aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den unab­ding­bar ist, eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Vor­schrift für eine Über­gangs­zeit fort­be­stehen zu las­sen, damit in die­ser Zeit nicht ein Zustand besteht, der von der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch wei­ter ent­fernt ist als der bis­he­ri­ge 111. Neben den Grund­rech­ten 112 wer­den vor allem das Rechts- und das Sozi­al­staats­prin­zip 113 als ver­fas­sungs­recht­li­che Grün­de aner­kannt, wel­che die befris­te­te Wei­ter­gel­tung einer nicht ver­fas­sungs­kon­for­men Rege­lung recht­fer­ti­gen kön­nen. Das kommt ins­be­son­de­re dann in Betracht, wenn mit der Nich­tig­erklä­rung der ange­grif­fe­nen Rege­lung ein recht­li­ches Vaku­um auf­trä­te und sowohl bei den Behör­den als auch bei den Rechts­un­ter­wor­fe­nen Unsi­cher­heit über die Rechts­la­ge ent­stün­de 114. Die Fest­stel­lung der Unver­ein­bar­keit einer Rechts­la­ge mit dem Grund­ge­setz darf auch nicht dazu füh­ren, dass der Ver­wal­tung zeit­wei­lig die Erfül­lung ver­fas­sungs­recht­li­cher Pflicht­auf­ga­ben man­gels hin­rei­chen­der gesetz­li­cher Grund­la­ge unmög­lich gemacht wird 115.
Danach ist § 6a Abs. 2 Satz 3 1. Halb­satz SGB II ledig­lich für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren, um zu ver­hin­dern, dass durch die Nich­tig­erklä­rung der ange­grif­fe­nen Rege­lung bei den betrof­fe­nen Behör­den und Rechts­un­ter­wor­fe­nen Unsi­cher­heit über die Rechts­la­ge ent­steht, und um eine wir­kungs­vol­le, durch das Sozi­al­staats­prin­zip gebo­te­ne Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zu ermög­li­chen. Die durch die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de gewähr­ten Leis­tun­gen decken wei­te Berei­che der Sozi­al­leis­tun­gen des Staa­tes ab. Bei einer Nich­tig­erklä­rung könn­ten die Auf­ga­ben ab sofort nicht mehr ein­heit­lich durch alle zuge­las­se­nen Opti­ons­kom­mu­nen wahr­ge­nom­men wer­den. Hier­von wären eine hohe Zahl von Leis­tungs­emp­fän­gern und die Mit­ar­bei­ter der Kom­mu­nen betrof­fen. Ohne die Auf­recht­erhal­tung der Rege­lung für die Ver­gan­gen­heit ist es nicht mög­lich, eine geord­ne­te Sozi­al­ver­wal­tung sicher­zu­stel­len 116.
Als Fol­ge der Über­gangs­re­ge­lung kann auch der Beschwer­de­füh­rer zu 1. der­zeit nicht als Opti­ons­kom­mu­ne zuge­las­sen wer­den. Er wird einen neu­en Antrag stel­len müs­sen 117.
§ 6a Abs. 2 Satz 4 SGBII – die 25%-Grenze und die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung[↑]
Im Übri­gen sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den unbe­grün­det. Gegen die Vor­schrift des § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II bestehen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die Rege­lung ist for­mell ver­fas­sungs­ge­mäß. Mit § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II füllt der Bun­des­ge­setz­ge­ber in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se den ihm ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­auf­trag aus. Die Fest­le­gung der Anzahl mög­li­cher kom­mu­na­ler Trä­ger auf 25 Pro­zent der zum 31.12 2010 bestehen­den Auf­ga­ben­trä­ger ver­stößt auch nicht gegen Art. 28 Abs. 2 GG. Der Gesetz­ge­ber hat das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren schließ­lich hin­rei­chend bestimmt aus­ge­stal­tet; die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 6a Abs. 3 SGB II ist inso­weit nicht zu bean­stan­den.
Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des für § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II ergibt sich aus Art. 91e Abs. 3 GG. Danach regelt das Nähe­re im Hin­blick auf Orga­ni­sa­ti­on und Ver­fah­ren bei der Erle­di­gung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be "Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de" ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf. Zum "Nähe­ren" gehört neben Rege­lun­gen über die Aus­ge­stal­tung des Zulas­sungs- und Ver­tei­lungs­ver­fah­rens sowie die Orga­ni­sa­ti­on der Auf­ga­ben­er­fül­lung auch die Fest­le­gung der Anzahl zuzu­las­sen­der Opti­ons­kom­mu­nen. In der Begrün­dung zu Art. 91e GG ist im Hin­blick auf Absatz 2 inso­weit aus­drück­lich davon die Rede, dass das Bun­des­ge­setz Rege­lun­gen über die Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen tref­fen wer­de 53. Mit § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II hat der Gesetz­ge­ber die Anzahl mög­li­cher Opti­ons­kom­mu­nen auf 25 Pro­zent fest­ge­legt und inso­weit das Nähe­re zu Art. 91e Abs. 2 GG gere­gelt. Dazu ist er durch Art. 91e Abs. 3 GG ermäch­tigt.
Art. 91e Abs. 3 GG eröff­net dem Gesetz­ge­ber einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum für die Aus­ge­stal­tung des Ver­wal­tungs­voll­zugs in allei­ni­ger Trä­ger­schaft der Kom­mu­nen. Des­sen Gren­zen über­schrei­tet § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II nicht.
Indem Art. 91e Abs. 3 GG den Bun­des­ge­setz­ge­ber ermäch­tigt, "das Nähe­re" zu regeln, räumt er ihm grund­sätz­lich einen nicht uner­heb­li­chen Spiel­raum bei der Aus­ge­stal­tung des Voll­zugs der Ver­wal­tungs­auf­ga­be "Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de" in allei­ni­ger Ver­ant­wor­tung der Kom­mu­nen ein 118. Inhalt­lich geben Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG aller­dings ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis vor: Die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen soll danach die Regel sein, die allei­ni­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch Opti­ons­kom­mu­nen die Aus­nah­me. Dies bele­gen sowohl der Wort­laut des Art. 91e GG als auch sei­ne sys­te­ma­ti­sche Stel­lung und sei­ne Ent­ste­hungs­ge­schich­te.
Bereits dem Wort­laut des Art. 91e GG lässt sich ent­neh­men, dass das Grund­ge­setz die Wahr­neh­mung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be "Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de" in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen als Regel­fall vor­sieht. In die­sem Sin­ne ist in Art. 91e Abs. 2 GG davon die Rede, dass der Bund zulas­sen "kön­ne", dass eine "begrenz­te Anzahl von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den" auf ihren Antrag und mit Zustim­mung der obers­ten Lan­des­be­hör­de die Auf­ga­ben nach Absatz 1 allein wahr­nimmt. Nicht nur die For­mu­lie­rung "eine begrenz­te Anzahl" weist dabei auf ein "Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis" 17 hin; auch die aus­drück­li­che Eröff­nung eines gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raums ("kann zulas­sen") unter­streicht dies.
Art. 91e GG stellt eine allein auf den Voll­zug der Ver­wal­tungs­auf­ga­be Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zuge­schnit­te­ne abschlie­ßen­de Spe­zi­al­re­ge­lung dar. Er wur­de bewusst in den Abschnitt VIIIa. "Gemein­schafts­auf­ga­ben, Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit" auf­ge­nom­men und ord­net aus­weis­lich des Art. 91e Abs. 1 GG grund­sätz­lich eine Misch­ver­wal­tung als Regel­fall an. Soweit Art. 91e Abs. 2 GG in die­sem Zusam­men­hang aus­nahms­wei­se auch einen Voll­zug durch Opti­ons­kom­mu­nen vor­sieht, stellt er die Grund­ent­schei­dung des Art. 91e Abs. 1 GG für den Voll­zugs­typ der Misch­ver­wal­tung nicht in Fra­ge. Art. 91e Abs. 2 GG ist inso­weit – anders als in der Lite­ra­tur zum Teil ange­nom­men wird 119 – kei­ne Norm, die einen Rück­griff auf die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen über die Lan­des­exe­ku­ti­on gemäß Art. 83 f. GG wie­der eröff­ne­te 17, son­dern eine spe­zi­fi­sche Aus­nah­me­vor­schrift von einer ihrer­seits abschlie­ßen­den Spe­zi­al­re­ge­lung.
Aus dem Wort­laut des Art. 91e Abs. 2 GG lässt sich eine kon­kre­te Anzahl mög­li­cher Opti­ons­kom­mu­nen nicht ablei­ten. Die mit § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II vor­ge­nom­me­ne Kon­kre­ti­sie­rung des von Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG vor­ge­ge­be­nen Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis­ses hält sich im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben.
Der Gesetz­ge­ber ist im Rah­men der Vor­ga­ben des Art. 91e Abs. 3 GG grund­sätz­lich frei, die Anzahl der mög­li­chen Opti­ons­kom­mu­nen auf­grund poli­ti­scher Dezisi­on fest­zu­set­zen. Soweit im Schrift­tum die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, die Fest­le­gung auf 25 Pro­zent sei will­kür­lich und daher ver­fas­sungs­wid­rig 120, ver­mag dies nicht zu über­zeu­gen. Zwar hat die Begren­zung auf 25 Pro­zent in der Tat ledig­lich in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en Nie­der­schlag gefun­den 121, nicht jedoch im Wort­laut des Art. 91e Abs. 2 GG. Auch las­sen sich der Norm über das Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis hin­aus kei­ne wei­te­ren Kri­te­ri­en für des­sen Kon­kre­ti­sie­rung ent­neh­men. Das macht die Bestim­mung des Art. 91e Abs. 2 GG jedoch nicht ver­fas­sungs­wid­rig, son­dern hat ledig­lich zur Fol­ge, dass der Gesetz­ge­ber im Rah­men der Ver­fas­sung und unter Beach­tung des Mehr­heits­prin­zips (Art. 42 Abs. 2 GG) nach sei­nen poli­ti­schen Prä­fe­ren­zen über die Kon­kre­ti­sie­rung des Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis­ses ent­schei­den kann. Er ist dabei recht­lich auch nicht an im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens getrof­fe­ne poli­ti­sche Abspra­chen gebun­den. Den auf die Ein­füh­rung eines 25-Pro­zent-Quo­rums zie­len­den Absichts­er­klä­run­gen in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en 14 kommt, für sich genom­men, inso­weit kein ver­fas­sungs­recht­li­cher Gehalt zu.
Mit dem Tat­be­stands­merk­mal der "begrenz­ten Anzahl" gibt Art. 91e Abs. 2 GG einen deut­li­chen Anhalts­punkt dafür vor, dass der Gesetz­ge­ber das Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis weit­ge­hend frei kon­kre­ti­sie­ren darf 122. Da sich das Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis bereits aus dem Neben­ein­an­der von Art. 91e Abs. 1 und 2 GG ergibt, wäre die Auf­nah­me die­ses unbe­stimm­ten Ver­fas­sungs­be­griffs nicht erfor­der­lich gewe­sen. Spe­zi­fi­schen Bedeu­tungs­ge­halt erfährt er daher nur, wenn er als die Bekräf­ti­gung der Befug­nis des Gesetz­ge­bers ver­stan­den wird, die Anzahl der zuzu­las­sen­den Opti­ons­kom­mu­nen weit­ge­hend nach poli­ti­schen Prä­fe­ren­zen zu bestim­men.
Mit der Fest­le­gung auf 25 Pro­zent hat der Gesetz­ge­ber die bereits im Ver­fah­ren zur Ein­füh­rung von Art. 91e GG avi­sier­te Ziel­grö­ße über­nom­men und den poli­ti­schen Erwar­tun­gen der Betei­lig­ten Rech­nung getra­gen. Dies ist nicht des­halb will­kür­lich, weil sich aus der Geset­zes­be­grün­dung kein wei­te­res über­zeu­gen­des Rege­lungs­mo­tiv für die Gewich­tung ergibt 123.
Es ist nicht ersicht­lich, dass § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II den von Art. 91e Abs. 2 GG gezo­ge­nen Kon­kre­ti­sie­rungs­spiel­raum über­schrei­tet 124. Dem Gesetz­ge­ber hät­te es zwar frei gestan­den, über das 25-Pro­zent-Quo­rum hin­aus zu gehen 125. Ver­fas­sungs­recht­lich ver­pflich­tet war er dazu jedoch nicht.
§ 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II bedarf auch kei­ner ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung im Lich­te von Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG. Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gewähr­leis­tet den Gemein­den. Art. 28 Abs. 2 Satz 2 den Gemein­de­ver­bän­den eine unter­schied­lich weit rei­chen­de und wehr­fä­hi­ge Auf­ga­ben­aus­stat­tung. Die­se wird durch die Kon­tin­gen­tie­rung der mög­li­chen Opti­ons­kom­mu­nen nicht berührt.
Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert den Gemein­den einen grund­sätz­lich alle Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft umfas­sen­den Auf­ga­ben­be­reich 126. Dazu gehö­ren die­je­ni­gen Bedürf­nis­se und Inter­es­sen, die in der ört­li­chen Gemein­schaft wur­zeln oder auf sie einen spe­zi­fi­schen Bezug haben 127, die also den Gemein­de­ein­woh­nern als sol­chen gemein­sam sind, indem sie das Zusam­men­le­ben und ‑woh­nen der Men­schen in der Gemein­de betref­fen 128. Ver­än­dert der Gesetz­ge­ber den Auf­ga­ben­be­stand der Gemein­den, so hat er den Vor­rang zu berück­sich­ti­gen, den Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG der Gemein­de­ebe­ne in den Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft ein­räumt. Dage­gen ist er in sei­ner Zuord­nung weit­ge­hend frei, wenn eine Auf­ga­be kei­nen oder kei­nen rele­van­ten ört­li­chen Cha­rak­ter besitzt; sie fällt dann von vorn­her­ein nicht in den Gewähr­leis­tungs­be­reich des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG 129.
Den Gemein­de­ver­bän­den ist das Recht der Selbst­ver­wal­tung nach Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG dage­gen im Hin­blick auf ihren Auf­ga­ben­be­stand nur ein­ge­schränkt gewähr­leis­tet. Anders als bei den Gemein­den beschreibt die Ver­fas­sung die Auf­ga­ben der Krei­se nicht selbst, son­dern über­ant­wor­tet ihre Fest­le­gung dem Gesetz­ge­ber 130. Des­sen Gestal­tungs­spiel­raum stößt, wie dar­ge­legt, bei der Aus­ge­stal­tung des Auf­ga­ben­be­reichs der Krei­se erst dort an Gren­zen, wo die ver­fas­sungs­recht­li­che Gewähr­leis­tung des Selbst­ver­wal­tungs­rechts der Krei­se ent­wer­tet wür­de. Der Gesetz­ge­ber darf Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG des­halb nicht dadurch unter­lau­fen, dass er den Krei­sen kei­ne Auf­ga­ben zuweist, die in der von der Ver­fas­sung selbst gewähr­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten. Er muss viel­mehr einen Min­dest­be­stand an Auf­ga­ben vor­se­hen, die die Krei­se unter Inan­spruch­nah­me der auch ihnen gewähr­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit erle­di­gen kön­nen 131. Ist dies der Fall, so liegt es im (poli­ti­schen) Ermes­sen des Gesetz­ge­bers, ob und inwie­weit er über den ver­fas­sungs­recht­lich gefor­der­ten Min­dest­be­stand an Auf­ga­ben hin­aus­geht.
Soweit die Kom­mu­ne nicht als Opti­ons­kom­mu­ne aner­kannt wor­den ist, berührt sie dies nicht in ihrer durch Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG geschütz­ten Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie. Die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ist kei­ne Auf­ga­be der ört­li­chen Gemein­schaft. Ihre unter­las­se­ne Über­tra­gung berührt Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG von vorn­her­ein nicht. Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft sind nur die­je­ni­gen Bedürf­nis­se und Inter­es­sen, die in der ört­li­chen Gemein­schaft wur­zeln, also den Gemein­de­ein­woh­nern gera­de als sol­chen gemein­sam sind, indem sie das Zusam­men­le­ben und ‑woh­nen der Men­schen vor Ort betref­fen 128. Für­sor­ge- und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de las­sen sich dar­un­ter nicht fas­sen. Die den Opti­ons­kom­mu­nen zusätz­lich zu über­tra­gen­den Auf­ga­ben nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB II betref­fen die Ein­glie­de­rung in Arbeit, die nor­ma­ler­wei­se Gegen­stand der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ist und von der Bun­des­agen­tur für Arbeit über­re­gio­nal und im Bun­des­ge­biet ein­heit­lich wahr­ge­nom­men wird. Etwas ande­res folgt auch nicht dar­aus, dass Ansprü­che auf Sozi­al­hil­fe durch die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de abge­löst wor­den sind, Sozi­al­hil­fe jedoch von den kreis­frei­en Städ­ten und Land­krei­sen nach Maß­ga­be der lan­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten in eige­ner Ver­ant­wor­tung geleis­tet wird (vgl. § 1 Abs. 1 Hes­si­sches Aus­füh­rungs­ge­setz zum Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch; § 1 Satz 1 Nie­der­säch­si­sches Gesetz zur Aus­füh­rung des Zwölf­ten Buchs des Sozi­al­ge­setz­buchs; § 1 Aus­füh­rungs­ge­setz zum Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch (SGB XII) – Sozi­al­hil­fe – für das Land Nord­rhein-West­fa­len; § 1 Thü­rin­ger Gesetz zur Aus­füh­rung des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch). Dass die­se Gebiets­kör­per­schaf­ten seit Jahr­zehn­ten ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe sind, macht die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nicht zu einer Ange­le­gen­heit der ört­li­chen Gemein­schaft 61. Der Schutz­be­reich des Art 28 Abs. 2 Satz 1 GG ist inso­weit nicht eröff­net 132.
Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie der Beschwer­de­füh­rer zu 3. bis 15. aus Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG nicht ver­letzt. Da das Recht der Selbst­ver­wal­tung den Gemein­de­ver­bän­den von vorn­her­ein nur nach Maß­ga­be der Geset­ze ein­ge­räumt ist, obliegt es grund­sätz­lich auch dem Gesetz­ge­ber, die Auf­ga­ben der Gemein­de­ver­bän­de fest­zu­le­gen. Der ihm dabei zukom­men­de Spiel­raum stößt erst dort an Gren­zen, wo durch die Zuwei­sung neu­er Auf­ga­ben, deren Ent­zug oder Nicht­zu­wei­sung die ver­fas­sungs­recht­li­che Gewähr­leis­tung der Selbst­ver­wal­tung ent­leert wür­de 133. Die Beschwer­de­füh­rer zu 3. bis 15. waren bis­lang nicht als kom­mu­na­le Trä­ger zuge­las­sen und haben ihre Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne erst­mals bean­tragt. Ihre Nicht­zu­las­sung stellt sich somit weder als Auf­ga­ben­ent­zug noch als eine Ände­rung ihres bis­he­ri­gen Auf­ga­ben­be­stan­des dar, die an Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG zu mes­sen wäre. Die Beschwer­de­füh­rer begeh­ren viel­mehr die Zuwei­sung einer neu­en Auf­ga­be. Dies könn­ten sie unter Beru­fung auf die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie nur ver­lan­gen, wenn ohne eine Zustän­dig­keit für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de die ihnen zukom­men­de Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie in ihrem Kern ent­wer­tet wäre. Das ist offen­sicht­lich nicht der Fall.
Eröff­net der Gesetz­ge­ber den Kom­mu­nen die Chan­ce auf eine bestimm­te Auf­ga­ben­zu­stän­dig­keit, so muss er aller­dings ein Ver­fah­ren vor­se­hen, das eine trans­pa­ren­te und nach­voll­zieh­ba­re Ver­tei­lungs- und Zulas­sungs­ent­schei­dung sicher­stellt. Der Gesetz­ge­ber muss­te die­ses Ver­tei­lungs­ver­fah­ren nicht im Ein­zel­nen aus­ge­stal­ten, son­dern konn­te dies auch dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­sen. § 6a Abs. 3 SGB II ist inso­weit eine aus­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge. Ob die Ver­ord­nung über das Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Eig­nung als zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (KtEfV) die­sen Anfor­de­run­gen genügt, bedarf im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren kei­ner Ent­schei­dung.
Ange­sichts der ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Kon­tin­gen­tie­rung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen durch § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II muss der Gesetz­ge­ber sicher­stel­len, dass die Ver­tei­lung der Zulas­sun­gen will­kürfrei, trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar bewäl­tigt wird und dem Gebot inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung ent­spricht 134. Die­ser aus der Grund­rechts­dog­ma­tik ent­lehn­te Gedan­ke eines Rechts­gü­ter­schut­zes durch Ver­fah­ren gilt mit Blick auf Art. 28 Abs. 2 GG auch im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang.
Der Gesetz­ge­ber muss das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren aller­dings nicht im Ein­zel­nen selbst aus­ge­stal­ten, son­dern kann dies auch dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­sen. Aller­dings muss er die wesent­li­chen Grund­zü­ge des Ver­fah­rens im Sin­ne von Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG selbst regeln.
Anders als in der Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 6a Abs. 3 bis 6 SGB II in der Fas­sung des Kom­mu­na­len Opti­ons­ge­set­zes vom 30.07.2004 hat sich der Gesetz­ge­ber für die (wei­te­re) Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen auf die Nor­mie­rung einer Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung in § 6a Abs. 3 SGB II beschränkt, die ein will­kürfrei­es, trans­pa­ren­tes und nach­voll­zie­ba­res Ver­tei­lungs­ver­fah­ren jeden­falls in den Grund­zü­gen vor­struk­tu­riert und die Rege­lung der Ein­zel­hei­ten dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­lässt 135. Hier­ge­gen ist ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu erin­nern.
§ 6a Abs. 3 SGB II ermäch­tigt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les, die Vor­aus­set­zun­gen der Eig­nung nach § 6a Abs. 2 Nr. 1 SGB II und deren Fest­stel­lung sowie die Ver­tei­lung der Zulas­sun­gen nach § 6a Abs. 2 und Abs. 4 SGB II auf die Län­der durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes zu regeln. Damit hat der Gesetz­ge­ber fest­ge­legt, dass der Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen eine Eig­nungs­prü­fung und ‑fest­stel­lung sowie ein Ver­tei­lungs­ver­fah­ren vor­an­zu­ge­hen haben, das an der best­mög­li­chen Erfül­lung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be aus­zu­rich­ten ist. Das genügt den Anfor­de­run­gen des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG, der nicht ver­langt, dass eine Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung so bestimmt wie irgend mög­lich ist, son­dern eine hin­rei­chen­de Bestimmt­heit aus­rei­chen lässt 136. Vor die­sem Hin­ter­grund reicht es, wenn sich – wie hier – das Aus­maß der Ermäch­ti­gung mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit aus dem begrenz­ten Zweck der Ermäch­ti­gung ergibt 137.
Ob das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren, das die Ver­ord­nung über das Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Eig­nung als zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de näher aus­ge­stal­tet, selbst den Anfor­de­run­gen an ein will­kürfrei­es, trans­pa­ren­tes und nach­voll­zieh­ba­res Zulas­sungs­ver­fah­ren genügt 138, und ob es ins­be­son­de­re nicht bun­des­recht­li­cher Rege­lun­gen über die Ver­tei­lung der mög­li­chen Opti­ons­kom­mu­nen auf die Län­der­kon­tin­gen­te bedarf, um ein will­kürfrei­es, trans­pa­ren­tes und dem inter­kom­mu­na­len Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ent­spre­chen­des Ver­tei­lungs­ver­fah­ren sicher­zu­stel­len, bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung. Denn die inso­weit mög­li­cher­wei­se unzu­rei­chen­de Ver­ord­nung ist nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens.
§ 6a Abs. 4 SGBII – und die unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung von Bund und Kom­mu­ne[↑]
Schließ­lich begeg­net auch die Vor­schrift des § 6b Abs. 4 SGB II kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz hier­für folgt eben­falls aus Art. 91e Abs. 3 GG. Mit der Schaf­fung einer unmit­tel­ba­ren Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne geht für die­sen Bereich eine Befug­nis des Bun­des ein­her, die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­wen­dung der ein­ge­setz­ten Mit­tel zu kon­trol­lie­ren.
Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des für § 6b Abs. 4 SGB II folgt aus Art. 91e Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Abs. 3 GG. In der Geset­zes­be­grün­dung zu Art. 91e Abs. 3 GG heißt es, dass in Bezug auf Art. 91e Abs. 2 das Bun­des­ge­setz unter ande­rem Rege­lun­gen zu Kos­ten­tra­gung, Auf­sicht, Finanz­kon­trol­le und Rech­nungs­prü­fung tref­fen wer­de 53. Nach dem Wil­len des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers soll­te der Bund folg­lich zu einer der­ar­ti­gen Rege­lung befugt sein.
Die Befug­nis des Bun­des zu einer finan­zi­el­len Kon­trol­le der Opti­ons­kom­mu­nen folgt zwar nicht schon aus der Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung des Bun­des. Mit der Schaf­fung einer unmit­tel­ba­ren Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne sind ihm jedoch zugleich Befug­nis­se ein­ge­räumt wor­den, die eine wirk­sa­me Finanz­kon­trol­le ermög­li­chen. Dies ver­letzt nicht die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung.
Dass den Bund eine Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung für Auf­ga­ben trifft, wel­che die zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­ger wahr­neh­men, zwingt, für sich genom­men, nicht dazu, ihm auch Finanz­kon­troll­be­fug­nis­se ein­zu­räu­men. Zwar wird im Schrift­tum mit Blick auf den Bun­des­rech­nungs­hof die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass Kon­troll­kom­pe­ten­zen nicht an die Ver­wal­tungs, son­dern an die Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung anknüp­fen 139. Mit Blick auf den Bun­des­rech­nungs­hof hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt es jedoch stets abge­lehnt, von der Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung auf eine Kon­troll­zu­stän­dig­keit zu schlie­ßen. Für die Reich­wei­te sei­ner Befug­nis­se gebe die Annah­me einer Finanz­ge­walt nichts her. Aus ihr erge­be sich ins­be­son­de­re nicht, dass der Bund Erhe­bungs­be­fug­nis­se im Hin­blick auf die Gesamt­heit der föde­ra­len Finanz­strö­me haben müs­se. Die Kom­pe­tenz des Bun­des, durch sei­nen Rech­nungs­hof Erhe­bun­gen im Län­der­be­reich durch­zu­füh­ren, fol­ge im Hin­blick auf Finanz­hil­fen nach Art. 104b GG den Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen des Bun­des 140. Dar­an ist auch im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang fest­zu­hal­ten.
Mit der Ein­fü­gung von Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG in das Grund­ge­setz hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne eta­bliert und damit eine Son­der­re­ge­lung geschaf­fen, die dem Bund spe­zi­fi­sche Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen zuweist und den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen über das Finanz­we­sen vor­geht. Sie ermäch­tigt den Bund auch zu einer effek­ti­ven Finanz­kon­trol­le über die Opti­ons­kom­mu­nen. Die Finanz­kon­trol­le des Bun­des ist strikt auf die Ver­wal­tung der von ihm zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de beschränkt. Sei­ne Kon­troll­be­fug­nis­se unter­schei­den sich inso­weit von jenen des Bun­des­rech­nungs­ho­fes und haben weder recht­lich noch fak­tisch auf­sichts­glei­che Wir­kung.
Der Gesetz­ge­ber hat die Unter­schei­dung zwi­schen den unter­schied­li­chen Kon­troll­for­men auf­ge­nom­men und die Befug­nis­se des Bun­des zur Finanz­kon­trol­le in § 6b Abs. 4 SGB II, jene des Bun­des­rech­nungs­ho­fes in § 6b Abs. 3 SGB II und die Auf­sichts­be­fug­nis­se des Bun­des und der Län­der in §§ 47, 48 SGB II gere­gelt.
Die Befug­nis­se des Bun­des im Rah­men der Finanz­kon­trol­le unter­schei­den sich von denen des Bun­des­rech­nungs­ho­fes und beschrän­ken sich auf die Gewähr­leis­tung der fis­ka­li­schen Inter­es­sen des Bun­des. Das kommt schon dar­in zum Aus­druck, dass die Befug­nis­se des Bun­des­rech­nungs­ho­fes in § 6b Abs. 3 SGB II, die des Bun­des aber in § 6b Abs. 4 SGB II nor­miert sind, ergibt sich aber auch aus dem unter­schied­li­chen Inhalt der Befug­nis­se bei­der Behör­den.
Die Finanz­kon­trol­le nach § 6b Abs. 4 SGB II bezieht sich aus­schließ­lich auf die fis­ka­li­schen Inter­es­sen des Bun­des. Sie ist in ihrem Anwen­dungs­be­reich und ihrer Ziel­set­zung enger als jene des Bun­des­rech­nungs­ho­fes, reicht hin­sicht­lich ihrer Befug­nis­se jedoch wei­ter. Ins­be­son­de­re gestat­tet sie es ihm, öffent­lich-recht­li­che Erstat­tungs­an­sprü­che gel­tend zu machen und im Wege der Ver­rech­nung durch­zu­set­zen. In der Begrün­dung zu § 6b Abs. 4 und Abs. 5 SGB II heißt es inso­weit, dass sich der Erstat­tungs­an­spruch in der Finanz­be­zie­hung zwi­schen Bund und zuge­las­se­nem kom­mu­na­len Trä­ger zuguns­ten der Wie­der­her­stel­lung der recht­mä­ßi­gen Ord­nung der Haus­hal­te aus­wir­ke. Somit wer­de im Zusam­men­wir­ken mit dem Prüf­recht des Bun­des nach § 6b Abs. 4 SGB II eine effek­ti­ve Finanz­kon­trol­le ermög­licht, wel­che die Finanz­in­ter­es­sen des Bun­des absi­che­re. Dazu wür­den in Satz 1 die gesetz­li­chen Prüf­be­fug­nis­se des Bun­des klar­ge­stellt, die jeder­zeit gewähr­leis­te­ten, dass eine Kos­ten­er­stat­tung nur erfol­ge, soweit die Auf­wen­dun­gen des zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gers auf einem gesetz­mä­ßi­gen Mit­tel­ein­satz beruh­ten 141.
Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les ist im Rah­men der Finanz­kon­trol­le somit befugt, die Wirt­schaft­lich­keit und Ord­nungs­ge­mäß­heit der von den zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gern ver­aus­gab­ten Bun­des­mit­tel anhand der vor­ge­leg­ten Jah­res­ab­schluss­rech­nung zu prü­fen und dabei auch die Gesetz­mä­ßig­keit der Aus­ga­ben zu kon­trol­lie­ren. Es darf zu die­sem Zweck Infor­ma­tio­nen vor Ort erhe­ben und auch ohne kon­kre­ten Anlass bei den zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gern Prü­fun­gen durch­füh­ren.
Die dem Bund durch § 6b Abs. 4 SGB II eröff­ne­te Finanz­kon­trol­le über die Opti­ons­kom­mu­nen unter­schei­det sich schließ­lich auch von der Rechts- und Fach­auf­sicht. Die Vor­schrift sta­tu­iert kei­ne Auf­sichts­be­fug­nis­se des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les. Sie dient nicht der Rück­kopp­lung des Geset­zes­voll­zugs an die Absich­ten des Gesetz­ge­bers und ins­be­son­de­re nicht der Gewähr­leis­tung eines grund­sätz­lich ein­heit­li­chen Geset­zes­voll­zugs, son­dern beschränkt sich aus­schließ­lich auf die Kon­trol­le der finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung, von der Mög­lich­keit des Art. 91e Abs. 2 GG Gebrauch zu machen 56. Die Befug­nis­se des Bun­des aus § 6b Abs. 4 SGB II erlau­ben es daher nicht, ver­tret­ba­re Rechts­auf­fas­sun­gen des zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gers zu bean­stan­den und auf die­ser Grund­la­ge Mit­tel vor­zu­ent­hal­ten oder Erstat­tungs­an­sprü­che durch­zu­set­zen; die Durch­set­zung einer ein­heit­li­chen Rechts­an­wen­dung ist viel­mehr der Rechts- und Fach­auf­sicht vor­be­hal­ten. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les ist auch nicht befugt, ein­zel­ne Opti­ons­kom­mu­nen von dem auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren für das Haus­halts, Kas­sen- und Rech­nungs­we­sen des Bun­des (HKR-Ver­fah­ren) aus­zu­schlie­ßen. Die­ses Ver­fah­ren dient der Unter­stüt­zung und Doku­men­ta­ti­on wesent­li­cher Tätig­kei­ten bei der Aus­füh­rung des Haus­halts­plans, der Abwick­lung des Zah­lungs­ver­kehrs, der Buch­füh­rung und der Rech­nungs­le­gung sowie der Bereit­stel­lung von tages­ak­tu­el­len Infor­ma­tio­nen über den Stand des Haus­halts­voll­zugs für alle bewirt­schaf­ten­den Dienst­stel­len und ermög­licht die auto­ma­ti­sier­te Bereit­stel­lung der im Haus­halts­ge­setz fest­ge­stell­ten Ein­nah­men, Aus­ga­ben und Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen sowie deren unter­jäh­ri­ge Ver­än­de­run­gen (wie Res­te­be­wil­li­gun­gen, Nach­trä­ge). Im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang dient es der Sache nach dazu, eine Vor­fi­nan­zie­rung der Leis­tun­gen für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de durch die Opti­ons­kom­mu­nen zu ver­mei­den. Da ein Aus­schluss vom HKR-Ver­fah­ren für die betrof­fe­nen kom­mu­na­len Trä­ger erheb­li­che wirt­schaft­li­che Belas­tun­gen und Risi­ken mit sich bräch­te und inso­weit Sank­ti­ons­cha­rak­ter besä­ße, ist er von § 6b Abs. 4 SGB II nicht gedeckt. Sank­tio­nen sind kenn­zeich­nend für die Auf­sicht, zu der Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG den Bun­des­ge­setz­ge­ber gera­de nicht ermäch­tigt.
Finanz­ho­heit der Gemein­den, Art. 28 GG[↑]
Ob ein Ein­griff in die Finanz­ho­heit der Gemein­den (Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3, 1. Halb­satz GG) und Gemein­de­ver­bän­de (Art. 28 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3, 1. Halb­satz GG) vor­liegt, wenn staat­li­che Stel­len über den Ein­satz der Finanz­mit­tel zu unter­rich­ten sind und ihnen Ein­sicht in Bücher und sons­ti­ge Unter­la­gen gewährt wer­den muss, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bis­lang offen gelas­sen, da etwai­ge Ein­schrän­kun­gen in den ent­schie­de­nen Fäl­len jeden­falls gerecht­fer­tigt waren 142. Das gilt auch hier, wo der Ein­griff in die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung mit Blick auf die gesamt­staat­li­che Bedeu­tung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de und den damit ver­bun­de­nen erheb­li­chen Ein­satz von Bun­des­mit­teln im öffent­li­chen Inter­es­se liegt.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 7. Okto­ber 2014 – 2 BvR 164/​11
Hartz IV – und die Aus­wahl der Opti­ons­kom­mu­nen Der Bund konn­te selbst ent­schei­den, wel­che Städ­te und Land­krei­se das Job­cen­ter in eige­ner Regie, unab­hän­gig von der Bun­des­agen­tur für Arbeit, betrei­ben kön­nen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beur­teil­te…
in der Fas­sung des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 03.08.2010[↩]
BT-Drs. 15/​1516[↩]
vgl. BT-Drs. 15/​1516, S. 41 f.[↩]
zu den Ein­zel­hei­ten vgl. BVerfGE 119, 331, 332 ff.[↩]
BT-Drs. 15/​2264; BR-Drs. 943/​03, Beschluss[↩]
vom 30.07.2004, BGBl I S.2014[↩]
vgl. BT-Drs. 15/​2816, S. 11 f.[↩]
vom 24.09.2004, BGBl I S. 2349[↩]
BVerfGE 119, 331 ff.[↩][↩]
BGBl I S. 944[↩]
BGBl I S. 1112[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 4[↩][↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 356 f.[↩]
BT-Drs. 17/​1554, S. 4[↩][↩][↩][↩][↩]
vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 4[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​182, S. 3; Hen­ne­ke, in: Schmidt-Bleib­treu/Klein/Hof­man­n/Hopf­auf, GG, 13. Aufl.2014, Art. 91e Rn. 18 ff.; ders., Der Land­kreis 2009, S. 55 ff., 111 ff.[↩]
vgl. Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 11[↩]
vgl. hier­zu Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn.20 f.; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 13, Mai 2011; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 11; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 13, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[↩]
BVerfGE 119, 331, 365 f.[↩]
vgl. BVerfGE 5, 85, 204 f.; 107, 59, 91 f.; 130, 76, 123 f.; 131, 316, 334[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 366[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 364 ff.; 127, 165, 191 f.[↩]
vgl. BVerfGE 34, 9, 19 f.[↩]
vgl. BVerfGE 63, 1, 38 ff.; 108, 169, 182; 119, 331, 364 ff.; 127, 165, 191; sie­he auch Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 13, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 364[↩]
BVerfGE 30, 1, 24 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 30, 1, 33, 39[↩]
vgl. Bay­VerfGHE 52, 104, 122 ff.; 53, 42, 60 ff.; Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, LVerfGE 12, 405, 424 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 109, 279, 310; 132, 195, 244 Rn. 118[↩]
BT-Drs. 17/​1554, S. 5[↩][↩][↩][↩]
vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 4; Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 48; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 31, Mai 2011; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 31, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 22; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 12[↩]
vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 48 f.; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 31 f., Mai 2011; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 23[↩]
vgl. Meh­de, in: Beck’scher OK-GG, Art. 91e Rn. 13, 1.06.2014; a.A. Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 35[↩]
vgl. Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 10[↩]
vgl. BVerfGE 39, 96, 109; 119, 331, 364[↩]
vgl. BVerfGE 86, 148, 215[↩]
vgl. BVerfGE 108, 169, 182; 119, 331, 364[↩]
vgl. BVerfGE 63, 1, 39; 119, 331, 365[↩]
vgl. BVerfGE 127, 165, 197; Bau­er, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2007, Art.20 Rn. 11c; Tru­te, in: Starck, Föde­ra­lis­mus­re­form, 2007, Rn. 147 und 149; Bur­gi, in: Hen­ne­ke, Kom­mu­nen in den Föde­ra­lis­mus­re­for­men I und II, 2008, S. 44, 45 ff.[↩]
BT-Drs. 16/​813, S. 7[↩]
vgl. Tru­te, a.a.O., Rn. 174[↩]
vgl. BVerfGE 11, 6, 18; 127, 165, 203[↩]
vgl. BVerfGE 22, 180, 210; 127, 165, 203[↩]
vgl. BVerfGE 39, 96, 109; 127, 165, 203[↩]
vgl. BVerfGE 127, 165, 221[↩]
vgl. BVerfGE 26, 172, 181 f.[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 5; sie­he hier­zu bereits BVerfGE 127, 165, 203 f.[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 5[↩][↩][↩][↩]
vgl. hier­zu BVerfGE 127, 165, 203 f.[↩]
vgl. Kahl, in: Hoff­mann-Rie­m/­Schmidt-Aßman­n/­Voß­kuh­le, Grund­la­gen des Ver­wal­tungs­rechts, Bd. III, 2. Aufl.2013, § 47 Rn. 12 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 127, 165, 203 f.[↩][↩]
vgl. Hufeld, in: Isensee/​Kirchhof, HStR III, 3. Aufl.2005, § 56 Rn. 10; Degen­hart, VVDStRL 55, 1995, S.190, 204; Schul­ze-Fie­litz, VVDStRL 55, 1995, S. 231, 234; Schwarz, DVBl 2011, S. 135, 136[↩]
vgl. Ber­gel, Rech­nungs­hö­fe als vier­te Staats­ge­walt, 2010, S. 30[↩]
vgl. BVerfGE 33, 303, 336; 45, 393, 399; 85, 36, 54; 97, 298, 313; BVerfG, Beschluss vom 27.04.2001 – 1 BvR 1282/​99, DVBl 2002, S. 400, 401; vgl. auch BVerw­GE 42, 296, 300; 64, 238, 245; 139, 210, 212; BVerwG, Urteil vom 27.04.1984 – 1 C 24/​82, NVwZ 1984, S. 585[↩]
vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 39; Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 9; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 15; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 27, Mai 2011; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 23, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 8; Luthe, ZfF 2011, S. 1[↩]
vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 10[↩][↩]
vgl. BVerfGE 21, 362, 372 f.; 26, 228, 244; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 45, 63, 78 f.; 61, 82, 100 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 83, 363, 393; zuvor bereits ähn­lich BVerfGE 76, 107, 119[↩]
vgl. Ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Bran­den­burg, LVerfGE 17, 103, 118; Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len, OVGE 53, 264, 270; Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 23.02.2012 – LVerfG 37/​10, NVwZ-RR 2012, S. 377, 379; Kempny/​Reimer, Die Gleich­heits­sät­ze, 2012, S. 26; Pieroth, in: Jarass/​Pieroth, GG, 12. Aufl.2012, Art. 28 Rn. 23[↩]
vgl. Ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Bran­den­burg, LVerfGE 17, 103, 118; Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 23.02.2012 – LVerfG 37/​10, NVwZ-RR 2012, S. 377, 379[↩]
vgl. Sächs­VerfGH, Urteil vom 25.09.2008 – Vf. 54-VIII-08 – NVwZ 2009, S. 39, 44; BbgVerfG, Urteil vom 16.09.1999 – VfG­Bbg 28/​98, NVwZ-RR 2000, S. 129, 132[↩]
vgl. auch BVerfGE 23, 353, 372 f.; 26, 228, 244; 76, 107, 119; 83, 363, 393 [↩]
vgl. StGH BW, ESVGH 49, 241, 256 ff.; Schoch, AfK 39, 2000, S. 225, 240; ders., in: Ehlers/​Krebs, Grund­fra­gen des Ver­wal­tungs­rechts und des Kom­mu­nal­rechts, 2000, S. 93, 127 f.; Mey­er, LKV 2000, S. 1, 4 f.[↩]
vgl. BVerfGE 33, 303, 336; 45, 393, 399; 54, 173, 192 ff.; 73, 280, 296; 85, 36, 54; BVerfGK 1, 292, 295[↩]
vgl. BVerfGE 53, 30, 65; 63, 131, 143; 65, 1, 44; 84, 34, 46; 90, 60, 95; stRspr[↩]
vgl. Geb­hardt, Das kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­recht, 2007, S. 55 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 86, 90, 107 f.; 110[↩]
vgl. VerfGH NW, OVGE 30, 306, 307; Nds.StGH, OVGE 33, 497, 499 f.; Thür­VerfGH, Urteil vom 28.05.1999 – VerfGH 39/​97, LKV 2000, S. 31; Sächs­VerfGH, Urteil vom 25.09.2008 – Vf. 54-VIII-08, NVwZ 2009, S. 39, 40; Geb­hardt, a.a.O., S. 55 ff. m.w.N.[↩]
vgl. dazu BVerfGE 79, 127, 150 f.; 83, 363, 383; 91, 228, 236; 110, 370, 400[↩]
vgl. BVerfGE 83, 363, 383; 119, 331, 353 f.[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 353 f.[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 354 unter Bezug­nah­me auf NWVerfGH, Urteil vom 22.09.1992 – VerfGH 3/​91, NVwZ-RR 1993, S. 486, 487; Urteil vom 12.12 1995 – VerfGH 5/​94, NVwZ 1996, S. 1100; Urteil vom 09.12 1996 – VerfGH 11, 12, 15, 34 u. 37/​95, NVwZ 1997, S. 793 f.; RhPf­VerfGH, Urteil vom 16.03.2001 – VGH 88/​00, NVwZ 2001, S. 912, 914; Sachs­An­hVerfG, Urteil vom 08.12 1998 – LVG 10 – 97, NVwZ-RR 1999, S. 393, 396; sie­he auch Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Rn. 100, Novem­ber 2012; Tettinger/​Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2010, Art. 28 Rn. 231[↩]
vgl. BVerfGE 21, 117, 129; 23, 353, 365; 83, 363, 383; 119, 331, 361[↩]
vgl. BVerfGE 91, 228, 237 f.[↩]
vgl. BVerfGE 91, 228, 239[↩]
vgl. BVerfGE 38, 258, 278 ff.; 52, 95, 117; 78, 331, 341; 83, 363, 382; 91, 228, 236[↩]
vgl. BVerfGE 21, 117, 129; 23, 353, 365; 83, 363, 383; 119, 331, 361; sie­he auch Th. J. Schmidt, Kom­mu­na­le Koope­ra­ti­on, 2005, S. 58[↩]
vgl. Schmidt-Jort­zig, in: von Muti­us, Fest­ga­be für von Unruh, 1983, S. 525, 527[↩]
vgl. BVerfGE 83, 363, 382; eben­so Schmidt-Jort­zig, in: von Muti­us, Fest­ga­be für von Unruh, 1983, S. 525, 531 m.w.N.; Löwer, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 28 Rn. 81 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 83, 363, 382; 91, 228, 238[↩]
vgl. BVerfGE 1, 167, 174 f.; 79, 127, 146; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 59, 216, 226; 76, 107, 118; 79, 127, 146; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 147; 91, 228, 239 f.[↩]
vgl. Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 39, Mai 2011; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 11[↩]
vgl. Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 39, Mai 2011[↩][↩]
vgl. BVerfGE 7, 29, 40; 36, 193, 203[↩]
vgl. BVerfGE 97, 228, 251 f.[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 356[↩]
vgl. BVerfGE 1, 167, 176; 56, 298, 310[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 362[↩]
vgl. BVerfGE 22, 180, 210; 77, 288, 299; vgl. auch BVerfGE 1, 167, 176; 26, 172, 181; 48, 64, 83; 56, 298, 310; 57, 43, 59; 58, 177, 191 f.[↩]
vgl. Uhle, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 70 Rn. 104, Okto­ber 2008[↩]
vgl. Bur­gi, Kom­mu­nal­recht, 4. Aufl.2012, § 1 Rn. 10[↩]
vgl. BVerfGE 88, 203, 329 f.; 97, 332, 341[↩]
vgl. BVerfGE 22, 180, 203; 106, 62, 133 f.[↩]
vgl. BVerfGE 22, 180, 209 f.; 77, 288, 299[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​1555, S. 18[↩]
vgl. BVerfGE 22, 180, 212 f.; 106, 62, 133 f.[↩]
vgl. Hen­ne­ke, in: Schmidt-Bleib­treu/Klein/Hof­man­n/Hopf­auf, GG, 12. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 16[↩]
vgl. BVerfGE 3, 407, 421; 8, 143, 149; 12, 205, 237; 15, 1, 20; 26, 246, 256; 26, 281, 300; 97, 228, 251; 98, 265, 299; 106, 62, 114 f.; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 61, 149, 205; 98, 265, 299; 106, 62, 115[↩]
eben­so Luthe, in: Hauck/​Noftz/​Voelzke, SGB II, § 6a Rn. 11, Dezem­ber 2010; ders., ZfF 2011, S. 1, 3[↩]
vgl. BVerfGE 103, 1, 1, 19 f.[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 382 f. m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 83, 130, 154; 92, 158, 186[↩]
vgl. BVerfGE 37, 217, 261; 73, 40, 101 f.; 119, 331, 383 f.[↩]
vgl. BVerfGE 37, 217, 261; 73, 40, 102; 92, 53, 74[↩]
vgl. BVerfGE 83, 130, 152 ff.; auch 51, 268, 290 f.[↩]
vgl. BVerfGE 103, 1, 20[↩]
vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 12; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 39, Mai 2011[↩]
vgl. Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 31, Mai 2011; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 31, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 48; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 22[↩]
Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 42; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 27, Mai 2011; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn.20[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 4; 17/​2192, S. 2[↩]
vgl. Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn.20[↩]
vgl. Meh­de, in: Beck’scher OK-GG, Art. 91e Rn. 26, 1.06.2014[↩]
vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 10; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 26, Fn. 102, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 9; Rixen/​Weißenberger, in: Eicher, SGB II, 3. Aufl.2013, § 6a Rn. 8[↩]
vgl. Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 26, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[↩]
vgl. BVerfGE 26, 228, 237 f.; 56, 298, 312; 59, 216, 226; 79, 127, 143[↩]
vgl. BVerfGE 8, 122, 134; 50, 195, 201; 52, 95, 120; 79, 127, 151 f.; 83, 363, 384; 86, 148, 220 f.; 110, 370, 400[↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 151 f.; 83, 363, 384; 86, 148, 220 f.; 110, 370, 400[↩][↩]
vgl. BVerfGE 79, 127, 152; 110, 370, 400[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 353 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 353[↩]
vgl. Rixen/​Weißenberger, in: Eicher, SGB II, 3. Aufl.2013, § 6a Rn. 8; vgl. auch Dyllick/​Lörincz/​Neubauer, NJ 2011, S. 15, 20[↩]
vgl. BVerfGE 119, 331, 352 ff.[↩]
vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, 2. Aufl. Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 47; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 28, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[↩]
vgl. Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 28, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[↩]
vgl. BVerfGE 8, 274, 312; 26, 228, 241; 55, 207, 226; 58, 257, 277; 62, 203, 210; 123, 39, 78[↩]
vgl. BVerfGE 4, 7, 22; 20, 296, 306; 28, 66, 86; 35, 179, 183; 38, 61, 84[↩]
vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, 2. Aufl. Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 47 Fn. 149[↩]
vgl. Kam­mer, DVBl 1990, 555, 558 f.; Mäh­ring, DÖV 2006, S.195, 203[↩]
vgl. BVerfGE 127, 165, 219 f.[↩]
vgl. BT-Drs. 17/​1555, S.19[↩]
vgl. BVerfGE 127, 165, 208[↩]
Im Brennpunkt Sozialrecht Verwaltungsrecht
JobcenterKommunales JobcenterOptionskommune

References: § 6

Art. 91
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§ 6

§ 6

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Art. 28
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 Art. 91
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 Art. 83
 Art. 104

Art. 91
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 § 44
 § 6
 Art. 106
 § 44
 Art. 28
 Art. 83
 Art. 83
 Art. 83
 Art. 83
 Art. 87
 Art. 83
 Art. 91
 § 6
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 Art. 28
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 Art. 91
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 § 44
 Art. 28
 Art. 83
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 86
 Art. 87
 Art. 125
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 83
 Art.20
 Art. 79
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 28
 Art. 83
 Art.20
 Art. 91
 Art. 79
 Art. 79
 Art. 79
 Art.20
 Art. 79
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 83
 Art. 104
 Art. 83
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 85
 Art. 91
 Art. 83
 Art. 84
 Art. 91
 § 48
 Art. 84
 Art. 84
 Art. 91
 § 48
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 104
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 91
 Art. 28
 Art. 106
 Art. 83
 Art. 83
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Art. 91
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 Art. 28
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 Art.19
 Art. 28
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 Art. 74
 Art. 91
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 Art. 70

§ 6
 § 6
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 § 91
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 Art. 28
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 § 39
 § 112
de lege lata

§ 6
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 § 6
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 Art. 91
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 § 1
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 § 6
 Art. 91
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 Art. 91
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