Source: http://www.fva-bw.de/forschung/wg/totholz/totholzkonzept_faq.php?faq=all
Timestamp: 2019-08-19 20:22:29+00:00

Document:
Die Erfassung einzelner Horst- und Höhlenbäume (außerhalb der HBG) mit MoHab (Mobile Habitatbaumgruppenerfassung) ist als Standard nicht vorgesehen, um den Umsetzungsaufwand nicht unnötig zu erhöhen. Sie ist aber technisch möglich und kann durchgeführt werden, wenn fachliche Argumente dafür sprechen. Ein erfasster Einzelbaum ersetzt jedoch nur in wenigen Ausnahmefällen die Auswahl einer Habitatbaumgruppe (z.B. starke Alt- oder Mittelwaldeiche, siehe AuT-Praxishilfe Eichenwälder). Eine Schnittstelle zur direkten Übertragung von bspw. kreisweiten Höhlenbaumkartierungen in InFoGIS ist derzeit nicht geplant. Mit der Umsetzung der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz soll ein umfangreiches Arteninformationssystem (Ziel 7) aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang wird die Frage nach der Schaffung von Schnittstellen zur Eingabe von Artinformationen neu diskutiert.
Ein Baum, der durch höhere Gewalt aus der HBG heraus fällt, bleibt ungenutzt. Wo er ein Hindernis für die Bewirtschaftung darstellt, spricht nichts dagegen, Stamm und Krone soweit notwendig zu teilen und beiseite zu rücken, beides verbleibt aber als liegendes Totholz in oder im Umfeld der HBG.
Durch die UFB erfolgt keine Folgeaufnahme der HBG, um Änderungen zu dokumentieren. Als Ausnahme kommt eine Korrektur z.B. einer durch technische Probleme bedingten Lageungenauigkeit in Betracht. Wenn die HBG keine stehenden Bäume mehr aufweist, soll sie gelöscht d.h. technisch "ungültig gesetzt" werden. Dies muss nicht zeitnah geschehen, sondern wenn bei einem konkreten Anlass (z.B. erneuter Hieb in betreffenden Bestand, Kalamität) das Verschwinden augenfällig wird. Durch die sogenannte „Historisierung“ von HBG ist es seit Kurzem möglich, HBG datentechnisch über den Einrichtungsstichtag hinaus verfolgen zu können. Im Sinne einer Zeitreihe werden sämtliche Änderungen an den Sachdaten der HBG automatisch in FOKUS abgelegt. Künftig können bei HBG-Auswertungen so nicht nur Informationen zu denjenigen Beständen ausgegeben werden, in welchen die HBG heute aktuell liegen, sondern auch zu denjenigen Beständen, in welchen die HBG vor der Forsteinrichtungserneuerung lagen.
Großhöhlenbäume sind im Durchschnitt sehr seltene Habitatrequisiten und dienen einer Reihe von Arten als Fortpflanzungsstätten, wobei einige dieser Arten (z.B. Raufußkauz, Hohltaube) nicht oder kaum auf andere Strukturen ausweichen können. Kleinhöhlen sind insgesamt deutlich häufiger und diejenigen Arten, die auf Kleinhöhlen als Fortpflanzungsstätte angewiesen sind, haben mehr Ausweichmöglichkeiten.
Zweifellos werden aber sowohl Großhöhlen als auch Kleinhöhlen von streng geschützten Arten als Fortpflanzungs- und Ruhestätten genutzt, insofern sind diese auch bei guter fachlicher Praxis dann unmittelbar geschützt, wenn durch einen Verlust die lokale Population einer streng geschützten Art erheblich beeinträchtigt wird (§ 44, Abs. 1 Nr. 1-3 BNatSchG i.V.m. § 44 Abs. 4 BNatSchG). Aufgrund der Seltenheit und Exklusivität wird aber nur bei den Großhöhlen unterstellt, dass deren Verlust geeignet ist, die lokale Population streng geschützter Arten zu beeinträchtigen (Einschränkung der Legalausnahme). Bei den viel häufigeren Kleinhöhlen reicht ein sporadischer zufälliger Verlust durch Holzernte im Rahmen guter fachlicher Praxis im Allgemeinen nicht aus, die lokalen Populationen streng geschützter Arten zu beeinträchtigen.
Voraussetzung dieser Argumentation ist freilich, dass "vorbeugende Schutzmaßnahmen" (§ 38 Abs. 2 BNatSchG) umgesetzt werden, die insgesamt den Schutz derjenigen Arten gewährleisten, die auf Groß- und Kleinhöhlen angewiesen sind und die geeignet sind, auf großer Fläche ein ausreichendes Angebot von Ruhe- und Fortpflanzungsstätten für Groß- und Kleinhöhlenbewohner zu sichern. Das AuT-Konzept erfüllt in diesem Sinn die Forderungen nach "kohärenten und koordinierten vorbeugenden Maßnahmen" (EuGH, Urt. v. 11.01.2007). Wenn allerdings bekannt ist, dass eine streng geschützte Art eine Fortpflanzungsstätte in einem bestimmten Baum mit Kleinhöhle hat (z.B. Wochenstube der Bechstein-Fledermaus), so ist dieser im AuT-Konzept genauso in einer HBG oder als Einzelbaum zu sichern wie ein Großhöhlenbaum.
Mit der Festlegung, dass das Qualitätskriterium "Auswahl von Habitatbaumgruppen" als erfüllt gilt, wenn in mehr als 80 % der betroffenen Bestände die Habitatbaumgruppen gemäß Sollwert ausgewiesen sind wird anerkannt, dass bei der Ausweisung von Habitatbaumgruppen durch die Berücksichtigung örtlicher Besonderheiten, insbesondere aus Gründen der Verkehrssicherung, der Arbeitssicherheit sowie in fichtenreichen Beständen aus Gründen des Waldschutzes die Umsetzung in der Praxis vom Sollwert abweichen kann.
Bei der Gewährung der Rücklage für die UFBen mit intensiver Erholungsnutzung (Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim und Stuttgart) werden die großen Anteile von Wäldern im gesetzlichen Erholungswald gesondert berücksichtigt.
Unterscheiden sich ansonsten Staatswaldflächen in besonderem, nachvollziehbaren Maß vom Landesdurchschnitt und führt dies im Ergebnis dazu, dass das Qualitätskriterium "Umsetzung Alt- und Totholzkonzept" nicht im allgemein gültigen Rahmen erfüllt werden kann, so sollte dies durch die betroffene untere Forstbehörde frühzeitig, spätestens jedoch bis Juli des jeweiligen Jahres, dem Fachbereich MLR 52 und der FVA in geeigneter Weise dargestellt werden: Die Meldung sollte die Information enthalten, wie viele HBG im gesamten Staatswald der UFB rein rechnerisch auszuweisen wären und wie viele HBG im laufenden Jahr unter Berücksichtigung von Einschränkungen (z.B. wegen des hohen Anteils fichtendominierter Bestände) voraussichtlich ausgewiesen werden können. Die gemeldete Anzahl an HBG wird bei der Auswertung für die Rücklagen-Gewährung zu Grunde gelegt. Weitere Details zur Gewährung der Rücklagen werden in den Technischen Hinweisen zur Herleitung des Erfüllungsgrads des Qualitätskriteriums "Umsetzung Alt- und Totholzkonzept“ erläutert (Schreiben des MLR vom 14.02.2011, Az 54-8661.00 bzw. 06.03.2012, Az 52-8850.28).
Die Ausweisung als Waldrefugium spricht nicht grundsätzlich gegen eine Nutzung für die Saatguternte.
Allerdings ist mit zunehmender Totholzanreicherung und Destabilisierung der Bäume im Waldrefugium damit zu rechnen, dass Aspekte der Arbeitssicherheit gegen eine weitere Saatgutgewinnung sprechen. Dies gilt es bei der Ausweisung von Waldrefugien in Saatguterntebeständen besonders abzuwägen.
Mit der Ausweisung von Waldrefugien (WR) wird für diese Waldflächen ein „dauerhafter Nutzungsverzicht aus Gründen des Artenschutzes“ festgelegt. Ausgeschlossen sind damit neben einer Holzernte auch Pflegeeingriffe zur ökonomischen Wertsteigerung bzw. zur Offenhaltung von Infrastruktureinrichtungen (z.B. Schuss- oder Leitungsschneisen). Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit sind im Randbereich von WR hingegen möglich, wenn dabei anfallendes Holz in den WR verbleibt. Bei notwendigen Infrastrukturmaßnahmen, die einer naturschutzfachlichen Zielsetzung dienen, wie z.B. der Erneuerung von Quellohren, muss sichergestellt werden, dass die Maßnahme mit der Zielsetzung des WR in Einklang steht. Mögliche Artvorkommen in den WR dürfen von der Maßnahme nicht beeinträchtigt werden. Wenn aufgrund einer akuten Gefährdung Waldschutzmaßnahmen erforderlich sind, müssen die entsprechenden FSC-Standards beachtet und eingehalten werden.
Sonstige Pflegeeingriffe mit arten- bzw. naturschutzfachlicher Zielsetzung sind in WR dann möglich, wenn hierbei folgende Kriterien berücksichtigt werden:
Die Maßnahme dient wichtigen, unaufschiebbaren naturschutzfachlichen Zielen, die nicht oder nur mit (noch) größerem Aufwand auf einer anderen Fläche umgesetzt werden können.
Das Ziel, alte, überstarke Bäume zu erhalten bzw. entstehen zu lassen sowie starkes Totholz anzureichern, darf durch den Eingriff nicht beeinträchtigt werden.
Das anfallende Holz verbleibt auf der Fläche.
Der Aufwand für eine Maßnahme ist angemessen oder wird durch Dritte (ehrenamtlicher Pflegeeinsatz) geleistet.
Es gibt einen konkreten naturschutzfachlich begründeten Anlass, die Maßnahme im betroffenen WR vorzunehmen (keine Standard-Pflegemaßnahmen!). Den Anlass geben könnten z.B. Beeinträchtigungen bekannt gewordener Fortpflanzungsstätten geschützter, streng geschützter oder prioritärer Arten (ASP-Maßnahmen). Hinweise auf Artvorkommen und geeignete Maßnahmen können die Oberen Naturschutzbehörden sowie die FVA geben.
Bei Pflegeeingriffen muss die Arbeitssicherheit unbedingt gewährleistet sein. Falls dies nicht sichergestellt ist, müssen Pflegemaßnahmen unterbleiben.
Das AuT-Konzept von ForstBW wurde mit Einführung im Staatswald (Februar 2010) zeitgleich dem Kommunalwald zur Übernahme empfohlen. Nur wenn ein Forstbetrieb das komplette AuT-Konzept übernimmt und umsetzt (siehe Anlage 1 Ökokonto-Verordnung, Ziff.1), kann er sich die Ausweisung von Waldrefugien (WR) als ökokontofähige Maßnahme im naturschutzrechtlichen Ökokonto gutschreiben lassen. Folgende Kriterien müssen hierbei erfüllt werden:
WR werden nach den im AuT-Konzept aufgelisteten Auswahlkriterien bestandesscharf abgegrenzt, insbesondere nach den Kriterien „Alter“ und „Wald mit ununterbrochener Waldtradition“.
WR haben eine zusammenhängende Mindestgröße von 1 ha und werden kartographisch erfasst.
Im räumlichen Verbund zu den WR werden HBG (in Umfang, Größe und Verteilung entsprechend den Hinweisen im AuT-Konzept) ausgewiesen und kartographisch erfasst.
Ökopunkte werden dabei ausschließlich für die WR anerkannt (4 Ökopunkte pro m²) - HBG sind als Trittsteine/Verbundelemente zu den WR jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil. Für HBG werden deshalb keine „Extra-Ökopunkte“ vergeben, weil es sich bei der Auswahl von HBG um eine (Pflicht-)Maßnahme handelt, die der Einhaltung der natur- und artenschutzrechtlichen Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes dient und damit Teil der ordnungsgemäßen Waldbewirtschaftung ist.
Innerhalb von Schonwäldern können Waldrefugien (WR) nur nach vorheriger Abstimmung mit den Regierungspräsidien (Referate 82, ggf. im Benehmen mit der FVA, Abt. Waldnaturschutz) und innerhalb von Naturschutzgebieten nur in Abstimmung mit den
Referaten 56 der Regierungspräsidien ausgewiesen werden. Bei der Erarbeitung von Vorschlägen durch die UFB sind die entsprechenden Verordnungen (Schonwald- bzw. Naturschutzgebietsverordnungen) zu prüfen. Die Ausweisung von WR darf den in den Verordnungen formulierten Schutzzwecken nicht widersprechen bzw. ist nur dann möglich, wenn sie einer mit dem Schutzzweck vereinbaren partiellen Alt- und Totholzanreicherung dient.
Waldgesellschaften bzw. Waldbiotope, zu deren Erhalt -entgegen der natürlichen Sukzession und eigendynamischen Entwicklung- eine dauerhafte Pflege notwendig ist, wie z.B. Eichen-Mittelwälder auf sekundären Eichenstandorten oder Reste von Hutewäldern, sollten nicht als WR ausgewiesen werden. Im Bereich von Verkehrswegen, Siedlungen, stark frequentierten Wander- und Waldwegen und Naherholungsbereichen ist mit WR ein Sicherheitsabstand von mindestens einer Baumlänge einzuhalten. Artvorkommen lichtliebender, pflegebedürftiger Arten z.B. des Artenschutzprogrammes (ASP) der LUBW können Ausschluss-Kriterium für die Ausweisung eines WR sein. Auch Bestände und Bestandesteile, bei denen nach Aufgabe der Bewirtschaftung mit einer Massenvermehrung und in der Folge Ausbreitung forstlicher Primärschädlinge zu rechnen ist, dürfen nicht als WR ausgewählt werden.
Die über die Mobile Habitatbaumgruppenerfassung (MoHab) dokumentierten HBG und Einzelbäume sowie die durch die Forsteinrichtung konkretisierten (!) WR sind in InFoGIS darstellbar. Entweder können die Schutzelemente getrennt voneinander als Einzelthema in der Rubrik „Forstliche Arbeitsthemen“ oder aber zusammen in der Rubrik „Forstliche Arbeitskarten“ dargestellt werden. Damit ist sowohl für Feinerschließungs- bzw. Erschließungsmaßnahmen als auch für die Darstellung besonders zu berücksichtigender Waldflächen (Arbeitssicherheit, Verkehrssicherungsaspekte) eine gute Planungsgrundlage geschaffen. Des Weiteren dient die Dokumentation der AuT-Schutzelemente der Darstellung naturschutzfachlich wichtiger Flächen und damit auch der Naturschutzleistungen von ForstBW.
Mit Inbetriebnahme der FOKUS-Version 8.4.3, die vermutlich am 11. Mai 2015 erfolgen wird, erfolgt für die mit mittels MoHab (Mobile Habitatbaumgruppenerfassung) erfassten HBG eine automatische Geoobjekterzeugung. Diese erfolgt zeitgleich mit dem Einlesen der Sachdaten und umfasst auch die Validierung der Koordinaten. Die mit dem PSION aufgenommenen HBG sind damit ohne den bisher notwendigen, zusätzlichen Arbeitsschritt des händischen Setzens eines Geoobjekts direkt in InFoGIS sichtbar. Hierbei ist zu beachten, dass die mit dem PSION erfassten HBG eine technisch bedingte Lageungenauigkeit von 15-30 m aufweisen können. Für die vor der Inbetriebnahme der neuen FOKUS-Version erfassten HBG erfolgt die Geoobjekterzeugung mittels eines entsprechenden Skriptes zentral durch den Benutzerservice Forst. HBG, deren mittels Skript automatisch erzeugte Koordinaten unplausibel sind (z.B. Lage außerhalb Waldes) werden zur weiteren Qualitätssicherung und ggf. Korrektur der Lage an die UFBen versendet.
WR sind nutzungsfreie, auf Dauer eingerichtete Waldflächen. In diesen plant die FE keine Nutzung. Der Nutzungsverzicht könnte über die Flächengröße des WR und den durchschnittlichen Nutzungsansatz/Jahr/ha errechnet werden.
Die Ausweisung von HBG wird bei der FE „qualitativ“ berücksichtigt: Es wird nicht der gesamte hiebsreife Vorrat in einem Stratum für die Nutzung geplant. Hierunter fällt vor allem Laubholz, das den Zieldurchmesser weit überschritten hat und sich als potentielle HBG eignet. Pro ha Hauptbestands-/Dauerwaldfläche werden je 0,1 ha (10 %) durch die FE nicht beplant. Multipliziert man diese Flächen mit dem durchschnittlichen Hauptnutzungs-Hiebssatz/Jahr/ha ergibt sich hieraus der rechnerische Nutzungsverzicht.
Die Nutzungsverzichte durch HBG und durch WR werden von der FE explizit nicht betriebsweise hergeleitet und ausgewiesen.
Bei Forsteinrichtungserneuerungen bzw. einem Stichtags-Wechsel werden die neuen Waldorte, sobald endgültige Sachdaten der Forsteinrichtung vorliegen, durch die Zentrale Sachbearbeitung von ForstBW (ZS-ForstBW) einmal jährlich im FOKUS Modul „Forsteinrichtung“ an die Habitatbaumgruppen übertragen. Hierzu werden die geographischen Mittelpunkte der Habitatbaumgruppen mit den aktualisierten Waldorten verschnitten. Die aktualisierten Waldorte werden von der ZS-ForstBW an den Habitatbaumgruppen mit einer neuen Folge (Grund = Forsteinrichtungserneuerung) abgespeichert.
Habitatbaumgruppen, deren Verschnitt mit neuen Waldorten aufgrund technischer Lageungenauigkeiten einen Betriebs-/UFB-Wechsel ergeben würden, werden von der ZS-ForstBW selektiert. Für diese werden die Sachdaten nicht automatisiert aktualisiert. Die UFBen müssen die Lage der Habitatbaumgruppen prüfen und ggf. korrigieren.
Die Ausweisung von Waldrefugien über Abteilungsgrenzen hinweg ist nicht möglich. Waldrefugien können hingegen über mehrere Bestandesgrenzen hinweg verlaufen. Bei Neuausweisung eines Waldrefugiums gilt die Regel, wo möglich zunächst die „alten Bestandesgrenzen“ zu nutzen. Eine Aussparung von „Pufferbereichen“ bspw. entlang von Fahrwegen im Wald ist nicht notwendig. Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit sind im Randbereich von Waldrefugien möglich, wenn das anfallende Holz auf der Fläche verbleibt.
Bei der Ausweisung von Waldrefugien über mehrere Bestandesgrenzen hinweg, sind die Angaben zur Größe der Waldrefugien zu beachten. Zur Erfüllung der gewünschten Trittstein- und Vernetzungsfunktion ist einer Vielzahl von kleineren, räumlich gut verteilten und durch Habitatbaumgruppen vernetzten Waldrefugien gegenüber einzelnen großen Waldrefugien der Vorzug zu geben. Waldrefugien sollten i.d.R. 1-3 ha, max. 10 ha bzw. in Ausnahmefällen max. 20 ha groß sein.
Waldrefugien werden auf Basis der Vorschläge der UFBen durch die Forsteinrichtung bestandesscharf abgegrenzt und kartographisch erfasst. Pro Jahr sollen im Staatswald Baden-Württemberg rund 1.000 ha Waldrefugien ausgewiesen werden. Hierzu wird -im Rahmen der mittelfristigen Zielvereinbarungsgespräche mit den Geschäftsführern von ForstBW- für jede UFB der Umfang der gesamten Nicht-Wirtschaftswaldflächen abgestimmt. Aufgrund der unterschiedlichen Verhältnisse der Betriebsteile, gibt es keine festgelegten Mittelwerte/Sollzahlen für die Anzahl/Größe der Waldrefugien je UFB. Schwankungen der Verteilung der Waldrefugien auf die einzelnen UFBen werden gesamtbetrieblich ausgeglichen.
Wenn von den UFB gewünscht, kann eine Beschilderung der Waldrefugien und/oder Habitatbaumgruppen an geeigneten Stellen mit hoher Besucherfrequenz, wie z.B. Waldparkplätzen, erfolgen. In Zusammenarbeit mit dem MLR 52 wurden von der FVA vier Prototypen für Waldrefugien- und Habitatbaumgruppen-Schilder, jeweils auf laub- bzw. nadelholzdominierte Wälder zugeschnitten, erarbeitet. Diese können von den UFBen bestellt und wenn gewünscht durch das jeweilige Landkreis-Logo „personalisiert“ werden. Die Schilder beinhalten -neben entsprechenden Gefahrenhinweisen- Hintergrundinformationen zu den Schutzelementen bzw. Zielen des Alt- und Totholzkonzepts. Eine Beschilderung impliziert dabei keine erhöhten Verkehrssicherungspflichten.
Nach § 44 (1) Nr.2 BNatSchG ist es verboten, „wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert“ (Störungsverbot). Forstbetriebsrelevante Schutzgüter sind in diesem Zusammenhang v.a. horst- und höhlenbrütende Vogelarten (v.a. Greife, Käuze und Spechte), Baumhöhlen nutzende Fledermausarten sowie einige baumbrütende Käferarten (Eremit, Heldbock, Alpenbock). Eine Störung liegt allerdings nur vor, wenn dadurch die jeweilige „lokale Population“ in ihrer Gesamtheit betroffen ist. Dies bedeutet für unsere Frage, dass der einzelne Horst- oder Brutbaum für den Populationserhalt von Bedeutung sein muss. Bei den aufgezählten Arten(-gruppen) kann dies der Fall sein, bei einigen ist es regelmäßig zu vermuten (z.B. Schwarzstorch, Eremit). Liegt eine Störung, z.B. durch die Fällung eines Horst- oder Brutbaumes, im Sinne des § 44 (1) Nr.2 BNatSchG vor, so kann dies gemäß § 69 Abs. 2 Nr. 2 als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Bei der Beurteilung einer Störung spielt es keine Rolle, ob die Fällung wissentlich (vorsätzlich) oder versehentlich erfolgt, die Erfüllung des bußgeldbewehrten Tatbestandes tritt also verschuldensunabhängig ein.
Das AuT-Konzept wird als „anderweitige Schutzmaßnahme“ nach § 44 Abs. 4 Satz 3 BNatSchG und als „präventives Konzept“ nach dem EU-KOM-Leitfaden (vgl. S. 36 des Leitfadens) angesehen. Setzt der Waldbewirtschaftende das AuT-Konzept um, ist davon auszugehen, dass die mit der Waldbewirtschaftung verbundenen unvermeidbaren Störungen von Anhang IV-Arten der FFH-Richtlinie oder von europäischen Vogelarten i.d.R. zu keiner Verschlechterung des Erhaltungszustandes der unter das AuT-Konzept fallenden Arten führen und damit auch kein Ordnungswidrigkeit i.S.d. § 69 BNatSchG vorliegt. Waldbesitzende sind also gut beraten, das AuT-Konzept von ForstBW oder aber ein anderweitiges, Alt- und Totholz im Wirtschaftswald förderndes Konzept umzusetzen. Das versehentliche Fällen eines unmittelbar artenschutzrechtlich geschützten Baumes kann durch ein vorsorgendes Konzept „abgepuffert“ und damit Rechtssicherheit für die tägliche Waldbewirtschaftung geschaffen werden.
Die „Verlegung“ von bestehenden Habitatbaumgruppen aus arbeits- oder verkehrssicherungstechnischen Gründen sollte ein Ausnahmefall sein. Schließlich soll in Habitatbaumgruppen -wie auch in Waldrefugien- ein ungestörter Alterungs- und Zerfallsprozess ablaufen können, der für viele an Alt- und Totholz gebundene Waldarten von essentieller Bedeutung ist. Erscheint eine „Verlegung“ der Habitatbaumgruppe an einen anderen Ort aus o.g. Gründen unumgänglich, so ist es möglich die betreffende Habitatbaumgruppe in Fokus auf „ungültig“ zu setzen. Hierfür muss in räumlicher Nähe eine „Ersatz-Habitatbaumgruppe“ ausgewiesen werden, welche ca. die gleiche Anzahl an Bäumen umfasst.
Waldrefugien (WR) werden im Zuge der Forsteinrichtung kartographisch abgegrenzt, bezüglich ihres Wald-Zustandes erfasst und dem Waldbesitzer bei der örtlichen Prüfung zusammen mit der Gesamtplanung zur Entscheidung vorgelegt. Eine Dokumentation der Entwicklung der Waldrefugien erfolgt insofern, dass bei der nächsten Einrichtung wieder der Zustand der WR (Inventurdaten) erhoben wird. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Auswahl der WR durch die unteren Forstbehörden nach bestem Wissen erfolgt und daher eine Nachsteuerung (bspw. Auflösung/Aufhebung eines nicht geeigneten WR) nur im Ausnahmefall erfolgt. Eine Aufhebung oder bspw. auch Verkleinerung eines WR ist durch die Neuausweisung bzw. Vergrößerung eines anderen WR flächenmäßig in jedem Fall auszusteuern.
Waldgesellschaften bzw. Waldbiotope, zu deren Erhalt eine dauerhafte Pflege notwendig ist, wie z.B. Eichenwälder sind nicht als Waldrefugien, sondern als Schonwälder auszuweisen. In diesen kann die Eiche auch entgegen der natürlichen Sukzession und eigendynamischen Entwicklung erhalten werden. Sofern ein Eichenbestand aus naturschutzfachlichen Kriterien (Bsp. Arten-Hotspot) doch als Waldrefugium ausgewiesen wurde, sind Pflegeeingriffe mit arten- bzw. naturschutzfachlicher Zielsetzung (Bsp. Entnahme von in die Kronen von Eichen-Habitatbäumen einwachsendem Buchen-Unterstand) unter bestimmten Umständen möglich.
Die gemäß § 44 BNatSchG gesetzlich geschützten Großhöhlen und Großhorstbäume sowie Bäume mit bekannten Fortpflanzungs- oder Ruhestätten von FFH-Anhang IV-Arten oder europäischen Vogelarten sind Teil des Alt- und Totholzkonzeptes Baden-Württemberg. Wo möglich werden diese als sogenannte „Kristallisationspunkte“ in die Habitatbaumgruppen integriert. Wo dies nicht möglich ist, bleiben Sie als Einzelbäume auf der Fläche.
Die einzelnen Habitatbäume sprechen häufig für sich, weshalb eine Markierung -im Gegensatz zur Markierung der Habitatbaumgruppen- nicht obligatorisch, jedoch wünschenswert ist. Empfohlen wird, die Einzelbäume wie auch die Habitatbaumgruppen mit einer weißen, umlaufenden Wellenlinie zu markieren. Häufig kommen jedoch auch „regionale Markierungspraktiken“ (z.B. Hirschhorn oder „H“ für Habitatbaum) zur Anwendung.
In der Mittelfristigen Zielvereinbarung ist die Laufzeit 5 Jahren enthalten. In den Mittelfristigen Planungen aus FoFIS ist jeweils der gesamte FE-Zeitraum von 10 Jahre enthalten. Daher kann es bei diesen Zahlen zu Unterschieden kommen. Hier also immer genau den Zeitraum beachten.
Ein zusätzlicher Unterschied ist, dass in der Mittelfristigen Zielvereinbarung schon die Fichten-Bestände mit nur 50% der Anforderung gerechnet werden. Im Jahresvollzug können Sie sehen, wieviel das für das jeweilige Jahr erfordert und der Anteil der Fichten-Bestände in HN/DW kann genau berechnet und von dem geforderten Soll-Wert abgezogen werden. Auch werden hier die Bestände, die in Erholungswald liegen mit nur 50% der Anforderung gerechnet.
Werden aus Gründen des Artenschutzes Maßnahmen wie z.B. Kroneneinkürzungen erforderlich, um die Verkehrssicherheit herzustellen, ist der Vorhabensträger, also der Verkehrssicherungspflichtige für die Maßnahmendurchführung und –finanzierung verantwortlich. Im Staatswald ist es der Staatsforstbetrieb. Die Naturschutzverwaltung muss im Hinblick auf die Erhaltungsmaßnahmen auch die wirtschaftliche Zumutbarkeit im Auge behalten, so dass solche Maßnahmen ggf. nur in besonderen Einzelfällen angeordnet werden können. Im Waldbereich mit seinen vielen Einzelbäumen stoßen solche Erhaltungsmaßnahmen an natürliche Zumutbarkeitsgrenzen. Bei einem besonderen Interesse der Naturschutzverwaltung kann es auch sein, dass die Naturschutzverwaltung die Kosten übernimmt.
Mit dem AuT-Konzept sind die aufgrund der Waldbewirtschaftung unvermeidbaren Tötungen, Verletzungen und Störungen streng geschützter Arten abgedeckt (Artenliste siehe Anhang 2 des AuT-Konzeptes). Dies sind die versehentlichen Fällungen, aber auch Fällungen im Interesse der Gesundheit des Menschen und der öffentlichen Sicherheit: Kann nur durch die sofortige Fällung eines Habitatbaumes eine Gefahr z.B. für die Waldarbeiter bei der Holzernte abgewendet werden, so stellt die Fällung keinen Verstoß dar.
Ansonsten gilt: Das Fällen von erkennbaren Habitatbäumen kann je nach Einzelfall zu einem naturschutzrechtlichen Verstoß führen – insbesondere bei Großhöhlen- und Großhorstbäumen - und ist daher zu unterlassen (denn diese sollten bzw. müssten i.d.R. in HBG oder WR integriert sein!). Dies gilt nicht für Habitatbäume mit häufigen Mikrostrukturen wie z.B. Kleinhöhlen von Spechten, die im Zuge der ordnungsgemäßen Holzernte, also bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes, gefällt werden. Bei diesen häufigen Arten kann davon ausgegangen werden, dass die lokalen Populationen so individuenreich sind, dass auch der regelmäßige Verlust einzelner Brutbäume nicht zu einer Verschlechterung führt.
Fazit: Die Freiheiten mit AuT-Konzept sind nicht wesentlich größer als ohne. Es besteht aber im Hinblick auf die relevanten Arten Rechtssicherheit, wenn es zu für die Waldbewirtschaftung typischen, unvermeidbaren Verstößen kommt.
Verkehrssicherungsmaßnahmen sind nicht Teil der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft, d.h. die Legalausnahme greift hier nicht und es gelten die Zugriffsverbote des § BNatSchG. Im Kontext des AuT-Konzeptes stellt sich die Frage i.d.R. nicht, da Habitatbaumgruppen mit ausreichendem Abstand zu öffentlichen Straßen und Einrichtungen (z.B. Waldspielplätzen) angelegt werden sollen. Die Berücksichtigung artenschutzrechtlicher Aspekte bei der Verkehrssicherung wird in der Broschüre „Leitfaden zur Verkehrssicherungspflicht“ von ForstBW (9/ 2014) im Kap. 4 detailliert abgehandelt.
Das Risiko, dass ein naturschutzrechtlicher Verstoß bei der Holzernte passiert, ist nicht ausschließbar, da Rechtsverstöße auch verschuldensunabhängig, also z.B. versehentlich, möglich sind, da es an einer anderweitigen Schutzmaßnahme i. S. des § 44 Abs. 4 S. 3 BNatSchG wie z.B. dem AuT-Konzept fehlt. Das Risiko kann aber durch folgende Maßnahmen reduziert werden:
Alle bekannten Habitatbäume mit Großhöhlen oder Horsten und bekannte Brutstätten von Fledermäusen und streng geschützten Käferarten (Heldbock, Eremit, Alpenbock) werden markiert und bei Fällarbeiten – möglichst noch mit einem Pufferbereich – geschont (= anderweitige Schutzmaßnahme).
Müssen derartige Habitatbäume im Interesse der Gesundheit des Menschen und der öffentlichen Sicherheit gefällt werden, sind hierfür Ausnahmegenehmigungen bei der UNB zu beantragen.
Müssen derartige Habitatbäume bei Gefahr im Verzuge (z.B. bei der Waldarbeit oder aus Verkehrssicherungsgründen) sofort gefällt werden, ist dies im Nachgang der unteren Naturschutzbehörde anzuzeigen. Sollten nach der Fällung erkennbar geschützte Arten betroffen sein, ist ein Artexperte zur Schadensbegrenzung hinzuzuziehen.
Bestände mit bekannten Zentren relevanter Artvorkommen, z.B. Wochenstubenkolonien von Bechsteinfledermäusen oder Cluster von Heldbockbrutbäumen, sollten von der weiteren Nutzung ausgenommen werden (= anderweitige Schutzmaßnahme).
Bei vermuteten bzw. wahrscheinlichen Artvorkommen ist es ratsam, vor Fällarbeiten z.B. in Althölzern oder entlang älterer Waldsäume Artexperten, zumindest aber die UNB hinzuziehen (=anderweitige Schutzmaßnahme).
In jedem Fall sollen alle Anstrengungen zur Vermeidung von Artenschutzrechtsverstößen gut dokumentieren werden (Aktenvermerke, Karten mit Fundpunkten, Fotos etc.)
Empfehlung: Sie schließen eine Berufshaftpflichtversicherung ab.

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