Source: https://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit-vigilanz/pharmakovigilanz/uaw-datenbank/erlaeuterungen-uaw-datenbank/erlaeuterungen-uaw-db-node.html
Timestamp: 2018-01-24 11:54:51+00:00

Document:
PEI Erlaeuterungen UAW-Datenbank - freie Infos zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen
UAW-Da­ten­bank:
Erläuterungen zur UAW-Datenbank (DB-UAW)
Dieser Text erklärt, was bei Auseinandersetzung mit den gemeldeten Verdachtsfällen unerwünschter Wirkungen von für die Anwendung am Menschen vorgesehenen Impfstoffen und Sera von Bedeutung ist. Er erläutert Fachbegriffe und führt in die Thematik ein.
Spezielle Informationen zum Datenbankbereich Human-Impfstoffe
Verdachtsfälle von Nebenwirkungen in klinischen Prüfungen von Impfstoffen vor der Zulassung
Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen
Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach der Zulassung (Surveillance)
Meldungen nach Infektionsschutzgesetz (IfSG)
Welche Impfreaktionen sind meldepflichtig?
Meldungen nach Standesrecht
Meldungen nach dem Arzneimittelgesetz (AMG)
Bewertung eines Verdachtsfalls unerwünschter Wirkungen eines Impfstoffs (Impfkomplikation)
Kriterien der Weltgesundheitsorganisation
Vor- und Nachteile der passiven Überwachung (Surveillance)
Spezielle Informationen zum Datenbankbereich Sera
Bedeutung und Interpretation der angebotenen Daten
In der UAW-Datenbank sind die dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldeten Verdachtsfälle von Impfkomplikationen und von gemeldeten unerwünschten Arzneimittelwirkungen nach Verabreichung eines Serums ("Verdachtsfälle von Nebenwirkungen") aufgeführt. Sie beziehen sich auf in Deutschland für die Anwendung am Menschen zugelassene prophylaktische Impfstoffe und Sera.
Zurzeit finden Sie auf der Startseite der Datenbank einen Bereich für Impfstoffe und einen Bereich für Sera. Der Begriff Sera bezieht sich nach § 4 Absatz 3 des Arzneimittelgesetzes (AMG) auf Arzneimittel, die Antikörper, Antikörperfragmente oder Fusionsproteine mit einem funktionellen Antikörperanteil als Wirkstoff enthalten und wegen dieses Wirkstoffs angewendet werden. Sera gelten nicht als Blutzubereitungen im Sinne des Absatzes 2 oder als Gewebezubereitungen im Sinne des Absatzes 30. Als Sera bezeichnete Arzneimittel sind beispielsweise monoklonale Antikörper, intra-venös verarbreichte Immunglobuline (IVIG) oder Immunsera.
Diese Internetseite bietet Hilfestellungen und Informationen zur Interpretation der vorliegenden Daten an. Die oben verlinkte, öffentlich zugängliche UAW-Datenbank soll der Information der Fachkreise und der allgemeinen Bevölkerung dienen.
Bei der Auseinandersetzung mit den gemeldeten Verdachtsfällen unerwünschter Wirkungen von für die Anwendung am Menschen vorgesehenen Impfstoffen und Sera sind die folgenden Punkte von Bedeutung:
Grundsätzlich handelt es sich bei den vorliegenden Daten um gemeldete Verdachtsfälle. Ein in der Datenbank aufgeführtes Ereignis ist ein gemeldeter Verdachtsfall einer unerwünschten Reaktion auf ein Arzneimittel. Ein solcher Verdachtsfall bezieht sich auf ein Ereignis, das im Zeitraum nach der Einnahme oder Verabreichung eines Arzneimittels auftrat. Dies bedeutet also nicht ohne weiteres, dass ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Arzneimittel existiert.
Es sind nur gemeldete Verdachtsfälle aufgeführt, weshalb ein Rückschluss auf die Menge oder Schwere der tatsächlich eingetretenen Ereignisse nicht möglich ist. Einige Arzneimittel werden häufiger eingesetzt als andere. Einige unerwünschte Ereignisse werden möglicherweise bevorzugt gemeldet. Die Zahl der in der Datenbank aufgeführten Verdachtsfälle unerwünschter Ereignisse, die nach Einnahme oder Verabreichung eines Arzneimittels gemeldet wurden, erlaubt daher keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Häufigkeit von Nebenwirkungen eines Arzneimittels. Ein gemeldeter Verdachtsfall (Berichtsfall) kann mehrere unerwünschte Ereignisse beinhalten, z.B. Fieber, Kopfschmerzen, Krampfanfall.
In einigen Fällen wurden zusätzlich andere Arzneimittel verabreicht, die ebenfalls das unerwünschte Ereignis verursacht haben könnten.
Die aufgeführten Daten bedürfen einer medizinischen Interpretation und dürfen keinesfalls als Ersatz für eine ärztliche Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen eines Impfstoffs oder Serums betrachtet werden.
Die individuelle Nutzen/Risiko-Bewertung eines Arzneimittels für einen Patienten kann nur im Gespräch mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.
Die dargestellten Fälle lassen keine Rückschlüsse auf den Patienten oder die meldende Person/Institution zu, was aus Datenschutzgründen geboten ist.
Die in der Datenbank enthaltenen Informationen werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Es ist aber möglich, dass dem Paul-Ehrlich-Institut spezielle Meldungen bereits übermittelt und hier bewertet wurden, aber noch nicht in der aufgelisteten Datenbank enthalten sind.
Heute in Deutschland zugelassenene, aus fraktioniertem Plasma hergestellte Immunglobuline, die zu den Sera zählen, sind ebenso wie Blutprodukte sicher, d.h. das Risiko der Übertragung von z.B. Hepatitis B- und C-Virus und dem HI-Virus durch diese Arzneimittel ist äußerst gering. Diese sogenannte Virussicherheit der Arzneimittel wird im Wesentlichen gewährleistet durch eine sorgfältige Auswahl der Plasma- oder Blutspender, eine umfangreiche Testung des Ausgangsmaterials mittels modernster virologischer Methoden sowie eine effiziente Virusabreicherung und -inaktivierung im Rahmen der Herstellung. Verdachtsfälle einer Virusübertragung durch die genannten Arzneimittel werden vom Paul-Ehrlich-Institut intensiv recherchiert und unter anderem unter Verwendung eines Algorithmus bewertet (Schosser R, Keller-Stanislawski B, Nübling CM, Löwer J (2001): Causality assessment of suspected virus transmission by human plasma products. Transfusion 41: 1020-1029). In keiner der Meldungen in der Datenbank wurde vom Paul-Ehrlich-Institut ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der vermeintlichen Virusübertragung und der Gabe eines in Deutschland zugelassenen, aus fraktioniertem Plasma hergestellten Immunglobulins festgestellt.
Impfen ist eine der wirksamsten prophylaktischen Maßnahmen zum Schutz vor Infektionskrankheiten. So konnten durch konsequente Impfprogramme beispielsweise die Diphtherie und die Kinderlähmung (Polio) in Deutschland und vielen anderen Ländern nahezu vollständig zurückgedrängt werden. Die Ausrottung der Pocken gelang weltweit.
Bis zur Jahrhundertwende galten Infektionskrankheiten als die häufigste Ursache der Kindersterblichkeit. Noch um 1900 verstarben von 1000 lebend geborenen Kindern etwa 160 bis zum Alter von fünf Jahren an Infektionen wie Diphtherie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Polio, Keuchhusten (Pertussis) oder Masern. Auch neuere Impfungen tragen zu einem Rückgang von schweren, lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten im Kleinkindalter bei. Gleiches gilt auch für Impfungen für Erwachsene (z.B. Impfung gegen Grippe (Influenza), Impfung gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, Hirnhautentzündung, die durch Zeckenstich übertragen werden kann).
In den letzten Jahren ist in vielen Staaten, unter anderem auch in Deutschland, eine wachsende Sorge hinsichtlich realer und vermeintlicher Risiken von Impfungen zu beobachten. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Mehrzahl der in früheren Zeiten häufigen und gefürchteten Infektionen in der Tat aus dem Blickfeld verschwindet, was unter anderem ein Erfolg der Impfungen ist.
So gelangen immer wieder sehr seltene oder auch hypothetische unerwünschte Ereignisse in den Blick der Öffentlichkeit. Eine nachlassende Akzeptanz von Impfungen und dadurch resultierende sinkende Impfraten können aber die Gefahr eines erneuten Anstiegs der durch Impfungen vermeidbaren Krankheiten mit sich bringen.
Impfstoffe sind, wie alle anderen wirksamen Arzneimittel auch, nicht völlig frei von Nebenwirkungen. In äußerst seltenen Fällen können sie zu Gesundheitsstörungen und Erkrankungen führen. An die Sicherheit von Impfstoffen werden jedoch höhere Anforderungen gestellt als etwa an Arzneimittel zur Behandlung schwer erkrankter Personen, denn Schutzimpfungen werden zumeist bei gesunden Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern eingesetzt. Eine Zulassung eines Impfstoffs für eine bestimmte Personengruppe erfolgt daher nur, wenn ein positives Nutzen/Risiko-Verhältnis besteht.
In der folgenden Datenbank veröffentlicht das Paul-Ehrlich-Institut Daten zu gemeldeten Verdachtsfällen einer "über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung" (Verdacht auf Impfkomplikation, § 11 des Infektionsschutzgesetzes, IfSG), die seit Inkrafttreten des IfSG am 01.01.2001 gemeldet wurden. Ebenfalls veröffentlicht werden dementsprechende Daten zu Verdachtsfällen von schwerwiegenden Nebenwirkungen, die dem Paul-Ehrlich-Institut gemäß § 63b Arzneimittelgesetz (AMG) von Seiten des Zulassungsinhabers bzw. des pharmazeutischen Unternehmers aus Deutschland berichtet wurden. Es ist beabsichtigt, die entsprechenden Daten auch rückwirkend durch Eingabe der Verdachtsfallmeldungen für die Zeit bis zum 01.01.1992 zu erweitern. Schließlich enthält die Datenbank auch die Meldungen, die das Paul-Ehrlich-Institut von Seiten der Arzneimittelkommissionen der deutschen Ärzteschaft und der Apotheker erhalten hat. Damit ist ein umfassender Überblick gewährleistet.
Das Paul-Ehrlich-Institut möchte entsprechend seiner Leitprinzipien durch größtmögliche Transparenz im Hinblick auf die genannten Meldungen allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich aktuell über die Datenlage zu informieren. Es will damit einen Beitrag dazu leisten, die Impfaufklärung zu verbessern und zu erleichtern.
Umfangreiche prä- oder nicht-klinische und klinische Untersuchungen sowie moderne Herstellungs- und Prüfmethoden führen dazu, dass es sich bei Impfstoffen, die heute auf den Markt kommen, um sichere Arzneimittel handelt. In der Regel können durch die klinische Prüfung, die vor der Zulassung stattfindet und deren Ergebnisse in die Bewertung einfließen, die häufigsten Nebenwirkungen nachgewiesen werden.
Selbst relativ seltene Nebenwirkungen, die mit einer Häufigkeit von 1:1.000 bis 1:10.000 geimpfter Personen vorkommen, können damit erfasst werden, wenn die klinischen Prüfungen unter Einschluss einer entsprechend großen Anzahl von Probanden durchgeführt oder andere vergleichbare klinisch Erfahrungen herangezogen wurden. Diese Nebenwirkungen sind dann bei Markteinführung in der jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformation des Impfstoffs bereits aufgeführt. Lediglich sehr seltene Nebenwirkungen sind in der Regel vor der Zulassung nicht zu erkennen.
Gemäß EU-Vorgaben finden sich in der Fach- und Gebrauchsinformation von Impfstoffen folgende Häufigkeitsangaben:
Sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
Gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1.000 bis kleiner bzw. gleich 1/100
Selten: größer bzw. gleich 1/10.000 bis kleiner bzw. gleich 1/1.000
Sehr selten: kleiner bzw. gleich 1/10.000
Auch bei umfangreich klinisch geprüften Impfstoffen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sehr seltene Nebenwirkungen erstmals im Rahmen der breiteren Anwendung beobachtet werden. Daher ist es ganz besonders wichtig, Verdachtsfallberichte von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen zu den einzelnen Impfstoffen zu melden.
Meldeverpflichtungen zu Verdachtsfällen von Impfkomplikationen und Nebenwirkungen sind in Deutschland gesetzlich und standesrechtlich (Berufsordnung von Ärzten und Apothekern) festgelegt.
Das im Folgenden beschriebene Meldesystem wird als passive Überwachung (passive Surveillance) bezeichnet, im Gegensatz zur aktiven Überwachung von unerwünschten Ereignissen, beispielsweise im Rahmen klinischen Prüfungen oder beobachtender Studien nach der Zulassung (aktive Surveillance).
Erkenntnisse aus der passiven Überwachung sind nicht für statistische Auswertungen, z.B. hinsichtlich der Häufigkeit einer bestimmten Nebenwirkung, geeignet. Sie dienen der Arzneimittelsicherheit, indem sie die Möglichkeit bieten, Risikosignale zu erkennen und darauf zu reagieren.
Eine namentliche Meldepflicht durch eine(n) Ärztin/Arzt bzw. Heilpraktikerin/ Heilpraktiker an das örtliche Gesundheitsamt besteht nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 IfSG dann, wenn nach einer Impfung auftretende Krankheitserscheinungen in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten und die gesundheitliche Schädigung das übliche Ausmaß einer Impfreaktion überschreitet.
Die Gesundheitsämter sind nach § 11 Abs. 3 IfSG verpflichtet, die gemeldeten Verdachtsfälle der zuständigen Landesbehörde und der zuständigen Bundesober­behörde, dem Paul-Ehrlich-Institut, im Einklang mit den Bestimmungen des Datenschutzes in pseudonymisierter Form (personenbezogene Angaben sind unkenntlich zu machen) zu melden.
Das Paul-Ehrlich-Institut unterrichtet das Robert Koch-Institut, das eine infektionsepidemiologische Auswertung (§ 11 Abs. 2 IfSG) durchführt. Das Paul-Ehrlich-Institut wertet die Meldungen nach Registrierung in einer Datenbank dahingehend aus, ob sich auf Grund dieser Meldungen die Bewertung des Nutzen/Risiko-Verhältnisses des betreffenden Impfstoffes ändert und deswegen gegebenenfalls Maßnahmen, z.B. nach dem Arzneimittelgesetz, zu ergreifen sind.
Die Verpflichtung, den Verdacht einer "über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung" zu melden, wurde hauptsächlich deshalb in das Infektionsschutzgesetz aufgenommen, um gegebenenfalls die zur Klärung des Falles notwendigen Untersuchungen durch das Gesundheitsamt unverzüglich einzuleiten.
Auch den Betroffenen soll durch das Gesundheitsamt Hilfestellung angeboten werden.
Alle Verdachtsfälle von Impfkomplikationen sind meldepflichtig, mit Ausnahme folgender Fälle, die als Ausdruck der Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff anzusehen sind:
anhaltende Rötung, Schwellung oder Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle für die Dauer von 1-3 Tagen (gelegentlich länger)
Fieber < 39,5°C (bei rektaler Messung), Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Unruhe, Schwellung der regionären Lymphknoten für die Dauer von 1-3 Tagen
Symptome einer "Impfkrankheit", die 1-3 Wochen nach der Verabreichung abgeschwächter Lebendimpfstoffe auftreten, z.B. eine leichte Parotisschwellung, kurzzeitige Arthralgien oder ein flüchtiges Exanthem nach der Masern-, Mumps-, Röteln- oder Varizellen-Impfung oder gastrointestinale Beschwerden z.B. nach der oralen Rotavirus- oder Typhusimpfung.
Ausgenommen von der Meldepflicht sind auch Krankheitserscheinungen, denen offensichtlich eine andere Ursache als die Impfung zugrunde liegt. Alle anderen Impfreaktionen sollen gemeldet werden.
Nach § 6 der Berufsordnung für Ärzte ist der Arzt/die Ärztin verpflichtet, die ihm/ihr aus seiner ärztlichen Behandlungstätigkeit bekannt werdenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft mitzuteilen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) übermittelt dem Paul-Ehrlich-Institut die ihr zugehenden Meldungen zu Impfstoffen in pseudonymisierter Form.
Nach der Berufsordnung für Apotheker sind Apotheker/Apothekerinnen nach § 4 ebenfalls verpflichtet, die ihnen bekannt gewordenen Verdachtsfälle zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Arzneimittelkommission der deutschen Apothekerschaft zu melden. Die ihr zugehenden Meldungen werden dem Paul-Ehrlich-Institut in pseudonymisierter Form übermittelt.
Zusätzlich hat der pharmazeutische Unternehmer bzw. Zulassungsinhaber umfangreiche gesetzlich geregelte Meldeverpflichtungen bezüglich Verdachtsfällen von Nebenwirkungen, um zu gewährleisten, dass das Paul-Ehrlich-Institut seinen Amtsaufgaben im Bereich der Arzneimittelsicherheit nachkommen kann. Die ausführlichen Regelungen des Arzneimittelgesetzes sind auf den Internetseiten des Paul-Ehrlich-Instituts dargestellt.
Das Paul-Ehrlich-Institut registriert jede eingehende Meldung eines Verdachtsfalls einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung bzw. eine Nebenwirkung in einer Datenbank. Jede einzelne Meldung wird von einem Arzt/einer Ärztin im Paul-Ehrlich-Institut medizinisch bewertet.
Um eine medizinisch fundierte Bewertung vorzunehmen, klärt das Paul-Ehrlich-Institut folgende Fragen bzw. holt bei Meldungen manchmal fehlende Informationen zu ihrer Beantwortung ein:
Sind die mit der Meldung eines Verdachtsfalls übermittelten Informationen ausreichend, um eine Bewertung vornehmen zu können, ob bzw. mit welcher Wahrscheinlichkeit ein ursächlicher Zusammenhang des/der unerwünschten Ereignisse(s) mit der Impfung besteht? Wenn nein, müssen weitere Daten beim Meldenden erfragt werden?
Sind die Symptome als Nebenwirkung oder Impfkomplikation in der medizinischen Wissenschaft bereits bekannt?
Gibt es andere Impfstoffe, bei deren Anwendung geimpfte Personen eine ähnliche Reaktion gezeigt haben (Analogie)?
Ist/sind die unerwünschte(n) Impfreaktion(en) wissenschaftlich erklärbar und gibt es einen immunologischen Mechanismus, der die Reaktion erklärt (biologische Plausibilität)?
Gibt es Hinweise für eine Chargen-bezogene Häufung von Verdachtsfällen von unerwünschten Wirkungen eines bestimmten Impfstoffs?
Gibt es andere, plausible Ursachen für die Erkrankung bzw. Gesundheitsstörung (Vorerkrankungen des Patienten, Begleitmedikation, Auslandsaufenthalte usw.) ?
Ist das Intervall zwischen Impfung und beginnender Symptomatik schlüssig (zeitliche Plausibilität)?
Wurde der Impfstoff dem Patienten bereits zu einem früheren Zeitpunkt verabreicht und wurde die Impfung damals vertragen?
Trat die gleiche Reaktion zu einem späteren Zeitpunkt (bei Wiederimpfung oder ohne Wiederimpfung) erneut auf?
Weiterhin werden Kriterien, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgestellt wurden, zur Bewertung der gemeldeten Verdachtsfälle herangezogen. Die WHO unterscheidet die folgende Reaktionen bzw. Erkrankungen nach Impfungen:
Durch den Impfstoff verursachte unerwünschte Wirkungen, die durch die spezifischen Eigenschaften des Impfstoffes und durch die individuelle Reaktion des Impflings bedingt sind.
Durch den Impfstoff erstmals ausgelöste Reaktionen, die sich auch bei anderen Gelegenheiten ereignet hätten, bei denen die Impfung jedoch den Anstoß zum erstmaligen Auftreten der Erkrankung gibt.
Erkrankungen, die durch fehlerhafte Produktion, falsche Dosierung oder fehlerhafte Anwendung des Impfstoffs eintreten.
Erkrankungen, die rein zufällig mit der Impfung zusammentreffen und in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen.
Bei den in der Datenbank aufgeführten Meldungen handelt es sich um Verdachtsfälle. Angesichts der im Allgemeinen großen Anzahl von Personen, denen ein bestimmter Impfstoff verabreicht wird, ist damit zu rechnen, dass Erkrankungen bei einzelnen Impflingen auch rein zufällig nach einer Impfung auftreten. Dennoch werden auch solche Meldungen in der nachfolgend zugänglichen Datenbank gespeichert und sind daher auch in der hier angebotenen Listenansicht enthalten.
Die Vorteile der Erfassung von Meldungen zu Verdachtsfällen von unerwünschten Impfreaktionen (Impfkomplikationen, Nebenwirkungen, nicht ursächlich mit einer Impfung zusammenhängende Ereignisse) im Rahmen der passiven Surveillance liegen in der gleichzeitigen Überwachung aller Impfstoffe, so dass auch sehr seltene Reaktionen erfasst werden können. Auch existiert keine zeitliche Begrenzung, denn Berichterstattung, Erfassung und medizinische Bewertung sind permanente Vorgänge, solange ein Impfstoff zugelassen ist und angewendet wird.
Es werden alle Bevölkerungsgruppen, die geimpft werden, erfasst, auch solche Personengruppen, die in den klinischen Prüfungen vor der Zulassung unter Umständen nicht ausreichend vertreten waren, z.B. Patienten mit seltenen Grunderkrankungen.
Ein Nachteil der Erfassung von Verdachtsmeldungen zu Impfkomplikationen bzw. Nebenwirkungen ist es, dass Aussagen zur tatsächlichen Häufigkeit der Nebenwirkungen nicht möglich sind. Bekanntermaßen werden nicht alle Nebenwirkungen gemeldet. Dieses sogenannte "underreporting" hat zahlreiche Gründe, z. B. der Patient meldet sich nicht beim Arzt oder der Arzt stellt den Zusammenhang mit einer stattgefundenen Impfung nicht her (z.B. weil die Symptome einer Grunderkrankung zugeordnet werden).
Das genaue Ausmaß des "underreporting" lässt sich nicht exakt beziffern. Offenbar werden aber schwerwiegende Nebenwirkungen häufiger gemeldet als nicht schwerwiegende Nebenwirkungen. Außerdem werden schwerwiegende Nebenwirkungen nach Gabe eines neuen oder im Zentrum der Aufmerksamkeit stehenden Impfstoffs erfahrungsgemäß häufiger gemeldet als schwerwiegende Nebenwirkungen nach Gabe bereits länger im Markt befindlicher Impfstoffe. Man kann annehmen, dass die allgemeine Aufmerksamkeit bei neuen Arzneimitteln insgesamt höher ist als bei etablierten Arzneimitteln.
Außerdem ist die Zahl der tatsächlich verimpften Dosen und damit die Anzahl der exponierten Impflinge nicht exakt zu bestimmen. Lediglich näherungsweise können aus den vom Paul-Ehrlich-Institut im Rahmen der Chargenprüfung freigegeben Impfstoffdosen und/oder aus der Anzahl der vom Zulassungsinhaber bzw. pharmazeutischen Unternehmer auf den Markt gebrachten Impfstoffdosen entsprechende Daten ermittelt werden.
Manchmal wird in Veröffentlichungen eine sogenannte "Melderate" angegeben, als Maß für die Häufigkeit von Meldungen von Verdachtsfällen von unerwünschten Wirkungen (Nebenwirkungen bzw. Impfkomplikationen oder in keinem Zusammenhang mit der Impfung stehenden Ereignisse). Aber auch hier ergeben sich bei der Kalkulation Unschärfen. Die Melderate von Verdachtsfällen von unerwünschten Wirkungen im Hinblick auf die Gesamtzahl der verimpften Impfstoffdosen lässt sich nur ungefähr aus der Anzahl der Meldungen und der Anzahl der auf den Markt gebrachten Impfstoffdosen abschätzen.
Ganz besonders schwierig ist die Bewertung, ob ein unerwünschtes Ereignis mit einer Impfung in ursächlichem Zusammenhang steht. Ein bei einer solchen Bewertung in Betracht zu ziehender Faktor ist die Häufigkeit des Auftretens desselben Ereignisses bei nicht geimpften Personen. Jedoch können im Rahmen der Spontanerfassung keine Vergleichsdaten über das spontane Auftreten einer Erkrankung bei nicht geimpften Personen erhoben werden.
Insgesamt stellt das Meldesystem von Verdachtsfällen von Impfkomplikationen bzw. Nebenwirkungen jedoch trotz der dargestellten Begrenztheit eines der wichtigsten Frühwarnsysteme im Bereich der Arzneimittelsicherheit dar.
So kann es wertvolle Hinweise (Signale) auf seltene, bislang unbekannte Nebenwirkungen, auf eine Erhöhung der Häufigkeit von bekannten Nebenwirkungen, auf chargenbezogene Häufungen bestimmter Nebenwirkungen oder auf Veränderungen der Art und Schwere bekannter Nebenwirkungen geben.
Diese Signale sind dann in der Regel mit anderen Methoden, z.B. kontrollierten klinischen Studien, Sicherheitsstudien nach der Zulassung und/oder epidemiologischen Studien (Fall-Kontroll-Studien und Kohortenstudien) zu überprüfen. Um Signale früh erkennen zu können, ist es daher sinnvoll und erwünscht, dass bereits der Verdacht einer Nebenwirkung oder Impfkomplikation gemeldet wird.
Die Meldung von Verdachtsfällen ist also im Sinne des Verbraucherschutzes unverzichtbar, da auf diese Weise bisher unbekannte und/oder sehr seltene Signale hinsichtlich eines möglichen Arzneimittelrisikos rasch erkannt werden können.
Auf der Grundlage der Bewertung solcher möglicher Arzneimittelrisiken ergreift das Paul-Ehrlich-Institut die gebotenen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Risikovorsorge. Erforderlichenfalls werden die Landesgesundheitsbehörden einbezogen, um für ihren Zuständigkeitsbereich notwendige Maßnahmen anzuordnen.
Zum Zeitpunkt der Zulassung eines neuartigen Arzneimittels ist die Kenntnis über Nebenwirkungen auf Ergebnisse aus klinischen Prüfungen beschränkt, die grundsätzlich nur an einer begrenzten Anzahl von Personen (Patienten und gegebenenfalls gesunde Probanden) durchgeführt werden können. Diese Personen sind nach bestimmten Kriterien für die Teilnahme an der jeweiligen klinischen Prüfung ausgewählt worden. Diese Auswahl ist notwendig, um einerseits den Schutz der Gesundheit der teilnehmenden Personen zu gewährleisten und andererseits die Aussagekraft der Studienergebnisse zu erhöhen.
Bei neuartigen Arzneimitteln liegen demnach zum Zeitpunkt der Zulassung in der Regel nur begrenzte Erfahrungen zur breiten Anwendung vor. Weiterhin sind mögliche seltene Nebenwirkungen oder solche, die erst bei längerer Anwendung oder längere Zeit nach Absetzen des Arzneimittels auftreten, zum Zeitpunkt der Zulassung oft noch unentdeckt. Um z.B. sehr seltene Nebenwirkungen schon zum Zeitpunkt der Zulassung zu erkennen, wären klinische Prüfungen an sehr großen Patientengruppen über einen langen Zeitraum notwendig, was wiederum Zulassung und Anwendung von neuen innovativen Arzneimitteln deutlich verzögen würde. Betroffenen Patienten sollen jedoch zugelassene neuartige Arzneimittel schnellstmöglich zur Verfügung stehen, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.
Um den bei der Zulassung notwendigerweise begrenzten Kenntnisstand erweitern zu können, ist es besonders wichtig, auch nach der Zulassung Ereignisse, bei denen ein Verdacht auf das Vorliegen einer Arzneimittelnebenwirkungen besteht, zu melden ("Spontanberichte"). Meldeverpflichtungen zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen nach Sera sind in Deutschland gesetzlich und standesrechtlich geregelt (Arzneimittelgesetz bzw. Verordnung (EG) Nr. 726/2004 sowie Berufsordnungen von Ärzten und Apothekern, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, AkdÄ bzw. Bundesärztekammer und Bundesverband deutscher Krankenhausapotheker e.v., AKDA).
Jede Meldung eines Verdachtsfalls einer Nebenwirkung wird in einer Datenbank des Paul-Ehrlich-Instituts aufgenommen und von einem Arzt/einer Ärztin medizinisch bewertet.
Dabei ist zu beachten, dass die Rate der gemeldeten Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen nach der Zulassung für die Bewertung der Häufigkeit einer bestimmten Nebenwirkung nur begrenzt geeignet ist. Zum einen werden nicht alle Nebenwirkungen gemeldet. Die Gründe für dieses sogenannte "underreporting" sind vielfältig, so melden einige Patient das Auftreten von Nebenwirkungen nicht ihrem Arzt oder der Arzt stellt den Zusammenhang mit einer Arzneimittelanwendung nicht her (z. B. weil die Symptome einer Grunderkrankung zugeordnet werden). Das genaue Ausmaß des "underreporting" lässt sich nicht exakt beziffern. Zum anderen werden aber schwerwiegende Nebenwirkungen häufiger gemeldet als nicht schwerwiegende Nebenwirkungen. Außerdem werden schwerwiegende Nebenwirkungen nach Gabe eines neuen Arzneimittels erfahrungsgemäß häufiger gemeldet als schwerwiegende Nebenwirkungen nach Gabe bereits länger im Markt befindlicher Arzneimittel. Man kann annehmen, dass zudem die allgemeine Aufmerksamkeit bei neuen Arzneimitteln insgesamt höher ist als bei bekannten Arzneimitteln.
Zum anderen kann die Anzahl der behandelten Patienten und die Anzahl der verabreichten Dosen zumeist nur annäherungsweise ermittelt werden. Auch kann nur in Ausnahmen ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Arzneimittel und dem beobachteten unerwünschten Ereignis bewiesen werden.
Das Meldesystem von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen ist aber dennoch ein wichtiges Früherkennungssystem im Bereich der Arzneimittelsicherheit. Es kann wertvolle Hinweise (Signale) auf seltene, bislang unbekannte Nebenwirkungen geben, ebenso auf eine Erhöhung der Häufigkeit von bekannten Nebenwirkungen oder auf Veränderungen der Art oder Schwere bekannter Nebenwirkungen. Diese Signale können dann mit anderen Methoden, z.B. kontrollierten klinischen Studien, Sicherheitsstudien nach der Zulassung oder epidemiologischen Studien (Fall-Kontroll-Studien und Kohortenstudien), überprüft werden. Um Signale früh erkennen zu können, ist es daher sinnvoll und erwünscht, dass bereits der Verdacht einer Nebenwirkung gemeldet wird und nicht nur solche Signale, bei denen ein offensichtlicher ursächlicher Zusammenhang zwischen der Anwendung eines Arzneimittels und den beobachteten Symptomen besteht.
Auf der Grundlage der Bewertung von Arzneimittelrisiken trifft das Paul-Ehrlich-Institut die gebotenen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Risikovorsorge. Erforderlichenfalls wird die Europäische Arzneimittelagentur ("European Medicines Agency"; EMA) unterrichtet, die für nach der Verordnung (EG) Nr. 726/2004 EG zugelassene Arzneimittel zuständig ist.
Aktualisiert: 30.08.2016 Erstellt: 16.03.2007
Direkt melden (Verbraucher)

References: § 4
 § 11
 § 63
 § 6
 § 11
 § 6
 § 4