Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Arbeitnehmer_5AZR612-97.html
Timestamp: 2020-04-04 11:29:34+00:00

Document:
7 Sa 102/96 Ba­den-Würt­tem­berg
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob zwi­schen ih­nen, noch ein Ar­beits­verhält­nis be­steht und ob der Be­klag­te dem Kläger Vergütung für die Mo­na­te Ju­ni bis Sep­tem­ber 1995 schul­det.
Gemäß § 3 des Ein­brin­gungs­ver­tra­ges trat die S A GmbH & Co. KG in die Rech­te und Pflich­ten der am 1. Ja­nu­ar 1987 be­ste­hen­den Ar­beits­ver-
Am 2. April 1993 verpfände­te Herr A. H , der sei­ne Ehe­frau im Jahr 1992 be­erbt hat­te, An­tei­le an der S GmbH in Höhe von 6.400.990,00 DM (= 32 % des Ge­samt­ka­pi­tals) an die Lan­des­gi­ro­kas­se S . Die zur Verpfändung benötig­te Zu­stim­mung des Klägers er­teil­te die­ser. Nach § 4 Abs. 2 des Verpfändungs­ver­trags soll­ten die Stimm­rech­te der verpfände­ten An­tei­le ab Pfand­rei­fe ru­hen.
A. H 35,81 %
Kläger 63,79 %
P (Toch­ter des Klägers) 0,40 %
Am 1. Sep­tem­ber 1995 wur­de das Kon­kurs­ver­fah­ren so­wohl über das Vermögen der S A GmbH & Co. KG (Ge­mein­schuld­ne­rin) als auch über
Der Kläger hat vor­ge­tra­gen: Die Auf­fas­sung des Be­klag­ten, es ha­be seit länge­rer Zeit kein Ar­beits­verhält­nis mehr be­stan­den, tref­fe nicht zu. Der Um­stand, daß ein Teil der Stimm­rech­te des Herrn A. H ab dem 1. Fe­bru­ar 1994 ge­ruht ha­be, ha­be nichts an der Ar­beit­neh­mer­stel­lung geändert. Er, der Kläger, sei nach wie vor von der Geschäftsführung aus­ge­schlos­sen ge­we­sen. Die Möglich­keit, ge­stal­tend auf das Ge­sell­schafts­verhält­nis der Ge­mein­schuld­ne­rin Ein­fluß zu neh­men, ha­be nicht be­stan­den, da Ge­sell­schaf­ter­be­schlüsse nach den Ge­sell­schafts­verträgen ei­ner Mehr­heit von drei Vier­teln be­durft hätten. Er ha­be sich auch nicht En­de 1992 aus der be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on der Ge­mein­schuld­ne­rin „aus­ge­klinkt". Er sei sei­ner Ar­beits­pflicht bis zu­letzt voll nach­ge­kom­men, in­dem er wöchent­lich 36 St­un­den und so­gar mehr ge­ar­bei­tet ha­be. Er ha­be u. a. re­gelmäßig die Ver­si­che­rungs­an­ge­le­gen­hei­ten er­le­digt und in Scha­densfällen Gespräche mit den Be­tei­lig­ten und dem Ver­si­che­rungs­mak­ler­un­ter­neh­men geführt, und zwar von sei­nem Ar­beits­platz aus. Des­wei­te­ren ha­be er die Mo­nats­sta­tis­ti­ken „Ein­nah­men/Aus­ga­ben" so­wie die Mo­nats­be-
Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Der Kläger war zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung nicht mehr Ar­beit­neh­mer. Er hat kei­nen An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt für die Mo­na­te Ju­ni bis Sep­tem­ber 1995.
a) Ar­beit­neh­mer ist, wer auf­grund Ver­tra­ges in persönli­cher Abhängig­keit Diens­te er­bringt. Der Ar­beit­neh­mer un­ter­liegt dem Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers und ist in des­sen Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­glie­dert. Das auf dem Ar­beits­ver­trag be­ru­hen­de Wei­sungs­recht ist we­sent­li­cher Be­stand­teil ei­nes je­den Ar­beits­verhält­nis­ses (ständi­ge Recht­spre­chung, BAG Ur­tei­le vom 30. No­vem­ber 1994 - 5 AZR 704/93 - BA­GE 78, 343 = AP Nr. 74 zu § 611 BGB Abhängig­keit; vom 23. Ju­ni 1993
c) Der Kläger ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on auch nicht im Ju­ni oder Ju­li 1995 oder am 1. Sep­tem­ber 1995 mit der Be­stel­lung des Be­klag­ten zum vorläufi­gen Ver­gleichs­ver­wal­ter bzw. zum Kon­kurs­ver­wal­ter wie­der zum Ar­beit­neh­mer ge­wor­den. Ein even­tu­ell seit dem 1. Fe­bru­ar 1994 be­ste­hen­des frei­es Dienst­verhält­nis
ei­nen un­zulässi­gen Aus­for­schungs­be­weis, weil er, der Kläger, we­gen des Haus­ver­bo­tes kei­nen Zu­gang zu den Un­ter­la­gen ge­habt ha­be.
Die­se Be­haup­tun­gen sind un­sub­stan­ti­iert. Zum ei­nen hat der Kläger vom Be­klag­ten we­der vor noch während des Ver­fah­rens Vor­la­ge von oder Ein­sicht in ir­gend­wel­che Un­ter­la­gen ver­langt. Zum an­de­ren hat er auch nicht präzi­siert, aus wel­chen Un­ter­la­gen oder wel­cher Art von Un­ter­la­gen sich was er­ge­ben könn­te. Selbst wenn dem Kläger ge­naue Da­ten über Tref­fen mit Mit­ar­bei­tern des Ver­si­che­rungs­mak­lers und der Wirt­schafts­prüfungs­ge­sell­schaft nicht er­in­ner­lich wa­ren, so hätte er doch vor­tra­gen können und müssen, wie oft und in wel­chen Zeit­ab­schnit­ten es zu den an­ge­ge­be­nen Kon­tak­ten ge­kom­men ist. Dar­an fehlt es hier.
3. Im übri­gen war das Ver­hal­ten des Klägers im Pro­zeß da­hin zu ver­ste­hen, daß er sei­ne Be­weis­anträge nicht wei­ter ver­folgt hat. Ein Be­weis­an­trag kann grundsätz­lich bis zur Be­weis­auf­nah­me zurück­ge­nom­men wer­den. Das kann auch kon­klu­dent ge­sche­hen und sich z. B. dar­aus er­ge­ben, daß ei­ne Par­tei nach ei­ner vom Be­ru­fungs­ge­richt er­kenn­bar als erschöpfend ge­woll­ten Be­weis­auf­nah­me auf sei­ne frühe­ren Be­weis­anträge nicht mehr zurück­kommt (BAG Ur­teil vom 9. Fe­bru­ar 1978 - 3 AZR 260/76 - AP Nr. 7 zu § 286 ZPO; BGH Ur­teil vom 2. No­vem­ber 1993 - VI ZR 227/92 - NJW 1994, 329; BGH Ur­teil vom 28. Mai 1969 - V ZR 38/66 - MDR 1969, 746). So lie­gen die Din­ge hier. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat­te ei­ne um­fang­rei­che Be­weis­auf­nah­me durch­geführt und vier Zeu­gen gehört. Es sah da­mit al­le Be­weis­an­trit­te des Klägers als er­le­digt an. Die Par­tei­en er­hiel­ten Ge­le­gen­heit, zum Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me und zur Sa­che Ausführun­gen zu ma­chen. Der Kläger hat aber die ge­nann­ten Be­weis­anträge nicht wie­der­holt.
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References: § 3
 § 4
 § 611
 § 286
 BGH 
 BGH