Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Beschaeftigung_an_Sonntagen_Feiertagen_unzulaessig_Verwaltungsgericht_Hessen_8C1776-12.N_u.html
Timestamp: 2019-08-25 22:20:09+00:00

Document:
VGH Hes­sen, 12.09.2013 - 8 C 1776/12.N
Die in § 1 Abs. 1 Nr. 1, 4, 5, 8, 9 und 10 der Ver­ord­nung über die Zu­las­sung der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern an Sonn- und Fei­er­ta­gen (Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung - Bed­Ge­wV -) vom 12. Ok­to­ber 2011 (GVBl. I Sei­te 664) ge­trof­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen sind un­wirk­sam.
Das Ur­teil ist we­gen der Kos­ten vorläufig voll­streck­bar. Der An­trags­geg­ner kann die Voll­stre­ckung durch Si­cher­heits­leis­tung in Höhe der fest­ge­setz­ten Kos­ten ab­wen­den, wenn nicht die An­trag­stel­ler Si­cher­heit in glei­cher Höhe leis­ten.
Die An­trag­stel­ler hal­ten ei­ni­ge Be­stim­mun­gen der am 2. No­vem­ber 2011 in Kraft ge­tre­te­nen Ver­ord­nung über die Zu­las­sung der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern an Sonn- und Fei­er­ta­gen (Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung - Bed­Ge­wV -) vom 12. Ok­to­ber 2011 (GVBl. I Sei­te 664) für ver­fas­sungs­wid­rig und be­geh­ren, die­se Be­stim­mun­gen für un­wirk­sam zu erklären.
§ 1 die­ser Ver­ord­nung hat fol­gen­den Wort­laut:
" (1) Ab­wei­chend von § 9 des Ar­beits­zeit­ge­set­zes dürfen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer an Sonn- und Fei­er­ta­gen in den fol­gen­den Be­rei­chen beschäftigt wer­den, so­weit die Ar­bei­ten nicht an Werk­ta­gen durch­geführt wer­den können:
1. in Vi­deo­the­ken und öffent­li­chen Bi­blio­the­ken im Sin­ne von § 5 Abs. 1 des Hes­si­schen Bi­blio­theks­ge­set­zes vom 20. Sep­tem­ber 2010 (GVBl. I S. 295) ab 13 Uhr für bis zu sechs St­un­den,
2. im Be­stat­tungs­ge­wer­be,
3. in Ga­ra­gen und Parkhäusern,
a) Braue­rei­en,
b) Be­trie­ben zur Her­stel­lung von al­ko­hol­frei­en Ge­tränken oder Schaum­wein so­wie
c) in Be­trie­ben des Großhan­dels, die die Er­zeug­nis­se der in Buchst. a und b ge­nann­ten Be­trie­be ver­trei­ben, zur Be­lie­fe­rung der Kund­schaft
je­weils vom 1. April bis 31. Ok­to­ber für bis zu acht St­un­den,
5. in Fa­bri­ken zur Her­stel­lung von Roh- und Spei­se­eis und Be­trie­ben des Großhan­dels, die de­ren Er­zeug­nis­se ver­trei­ben, zur Be­lie­fe­rung der Kund­schaft vom 1. April bis 31. Ok­to­ber für bis zu acht St­un­den,
6. im Im­mo­bi­li­en­ge­wer­be mit der Be­glei­tung und Be­ra­tung von Kun­den bei der Be­sich­ti­gung von Häusern und Woh­nun­gen für bis zu sechs St­un­den,
7. in Mus­ter­haus-Aus­stel­lun­gen mit ge­werb­li­chem Cha­rak­ter für bis zu sechs St­un­den,
8. im Buch­ma­cher­ge­wer­be zur An­nah­me von Wet­ten für Ver­an­stal­tun­gen für bis zu sechs St­un­den,
9. in Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men mit der Ent­ge­gen­nah­me von Auf­trägen, der Aus­kunfts­er­tei­lung und der Be­ra­tung per Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on,
10. in Lot­to- und To­to­ge­sell­schaf­ten mit der elek­tro­ni­schen Geschäfts­ab­wick­lung für bis zu acht St­un­den.
(2) Die Aus­nah­men nach Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 bis 9 gel­ten nicht am Neu­jahrs­tag, Palm­sonn­tag, Kar­frei­tag, Os­ter­sonn­tag, Os­ter­mon­tag, 1. Mai, Him­mel­fahrts­tag, Pfingst­sonn­tag, Pfingst­mon­tag, Fron­leich­nams­tag, Volks­trau­er­tag, To­ten­sonn­tag so­wie am ers­ten und zwei­ten Weih­nachts­tag.
(3) Die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern an Sonn- und Fei­er­ta­gen nach Abs. 1 Nr. 9 ist der Auf­sichts­behörde vor der erst­ma­li­gen Beschäfti­gung an­zu­zei­gen. Die An­zei­ge muss ins­be­son­de­re ent­hal­ten:
1. An­ga­ben zur Not­wen­dig­keit der Ar­bei­ten,
2. die Zahl der Beschäftig­ten und
3. die Ar­beits­zei­ten der Beschäftig­ten an Sonn- und Fei­er­ta­gen.
We­sent­li­che Verände­run­gen sind an­zu­zei­gen."
Mit Schrift­satz ih­res Be­vollmäch­tig­ten vom 27. Au­gust 2012, der am 3. Sep­tem­ber 2012 beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ein­ge­gan­gen ist, hat die An­trag­stel­le­rin zu 1. den vor­lie­gen­den Nor­men­kon­troll­an­trag ge­stellt. Mit Schrift­satz ih­res Be­vollmäch­tig­ten vom 22. Ok­to­ber 2012, der am 29. Ok­to­ber 2012 beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ein­ge­gan­gen ist, sind die An­trag­stel­ler zu 2. und 3. die­sem An­trag bei­ge­tre­ten.
Die An­trag­stel­le­rin zu 1. macht gel­tend, sie sei als Ge­werk­schaft mit 168.000 Mit­glie­dern in Hes­sen, von de­nen 6.700 in Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men tätig sei­en, an­trags­be­fugt, da sie gel­tend ma­chen könne, durch die an­ge­grif­fe­ne Ver­ord­nung oder de­ren An­wen­dung in ei­ge­nen sub­jek­ti­ven Rech­ten ver­letzt zu sein oder in ab­seh­ba­rer Zeit ver­letzt zu wer­den. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und der Ver­wal­tungs­ge­rich­te könne sie sich auf den Sonn­tags­schutz gemäß Art. 140 GG i. V. m. Art. 139 Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (WRV) be­ru­fen, da die­ser ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz auch die sich aus den Grund­rech­ten - hier Art. 9 Abs. 1 und 3 GG - er­ge­be­nen Schutz­pflich­ten des Staa­tes kon­kre­ti­sie­re. Der Sonn­tags­schutz aus Art. 139 WRV die­ne nach die­ser Recht­spre­chung nicht nur der Re­li­gi­ons­frei­heit, son­dern auch der Ver­wirk­li­chung an­de­rer Grund­rech­te, ins­be­son­de­re der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit. Da sich Träger der durch den Sonn­tags­schutz kon­kre­ti­sier­ten Grund­rech­te zur Be­gründung der Be­schwer­de­be­fug­nis im Rah­men ei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf Art. 139 WRV be­ru­fen könn­ten, ste­he ih­nen auch die An­trags­be­fug­nis im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren zu. Die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit sei auch durch die von ihr für ver­fas­sungs­wid­rig ge­hal­te­nen Grund­rech­te kon­kret tan­giert. Die ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung nach Art. 9 Abs. 3 GG sei nicht auf ei­nen Kern­be­reich be­schränkt, son­dern er­fas­se sämt­li­che ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen, ins­be­son­de­re auch die Or­ga­ni­sa­ti­on von Streiks, De­mons­tra­tio­nen und ähn­li­chen Maßnah­men. Für ei­ne Viel­zahl der­ar­ti­ger ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­scher Betäti­gun­gen sei ein kol­lek­ti­ver frei­er Tag zwin­gen­de Vor­aus­set­zung. Dies kom­me auch schon dar­in zum Aus­druck, dass zahl­rei­che Ver­an­stal­tun­gen von Ge­werk­schaf­ten und ins­be­son­de­re De­mons­tra­tio­nen re­gelmäßig an Sonn- bzw. Fei­er­ta­gen stattfänden.
Der An­trag­stel­ler zu 2., ein Zu­sam­men­schluss von 20 evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­den im Ge­biet der Stadt D-Stadt, und der An­trag­stel­ler zu 3., der aus ins­ge­samt 40 Kir­chen­ge­mein­den im Oden­wald mit rund 64.000 Ge­mein­de­mit­glie­dern be­steht, lei­ten ih­re An­trags­be­fug­nis aus ih­rer körper­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer durch kirch­li­ches Recht be­gründe­ten Auf­ga­be her, die Ge­mein­den zu ver­net­zen und Kon­tak­te nach außen her­zu­stel­len.
Zur Be­gründet­heit ih­rer Anträge führen die An­trag­stel­ler aus, § 1 Abs. 1 Nr. 1, 4, 5, 8, 9 und 10 Bed­Ge­wV sei­en schon des­halb ungültig, weil die dar­in vor­ge­se­he­ne Lo­cke­rung der Sonn- und Fei­er­tags­ru­he ent­ge­gen der bun­des­ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung in § 13 Abs. 1 , Abs. 2 Satz 1 Ar­beits­zeit­ge­setz (Arb­ZG) nicht zur Ver­mei­dung er­heb­li­cher Schäden er­for­der­lich sei und auch die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 Arb­ZG nicht erfüllt sei­en. Da­nach zulässi­ge Aus­nah­men dürf­ten nicht das ge­ne­rel­le Kon­zept und den Kern­be­reich der Sonn- und Fei­er­tags­ru­he gefähr­den. Ei­ne Ar­beit trotz des Sonn- und Fei­er­ta­ges sei da­her nur im In­ter­es­se der Gewähr­leis­tung an­de­rer Rechtsgüter mit gleich- oder höher­wer­ti­gem Ver­fas­sungs­rang zulässig. Für kei­ne der be­an­stan­den­den Aus­nah­me­re­ge­lun­gen be­ste­he das nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 a Arb­ZG er­for­der­li­che be­son­ders her­vor­tre­ten­de Bedürf­nis der Bevölke­rung für ei­ne tägli­che oder an die­sem Tag er­fol­gen­de Be­darfs­be­frie­di­gung. Die­ses be­son­de­re Bedürf­nis könne nicht schon dann an­ge­nom­men wer­den, wenn die Bevölke­rung ein vor­han­de­nes An­ge­bot an Sonn- und Fei­er­ta­gen be­grüßen und nut­zen würde. Viel­mehr müsse von der Mehr­heit der Bevölke­rung bzw. von ei­nem we­sent­li­chen Teil der Bevölke­rung bei Feh­len ei­nes ent­spre­chen­den An­ge­bots ein ech­ter Man­gel emp­fun­den wer­den, was in der Recht­spre­chung z. B. für die Ver­sor­gung mit ak­tu­el­len Pres­se­er­zeug­nis­sen an­er­kannt wor­den ist. Da­mit sei­en die von den An­trag­stel­lern be­an­stan­de­ten Aus­nah­me­re­ge­lun­gen nicht ver­gleich­bar. Dies wird für die ein­zel­nen be­an­stan­de­ten Aus­nah­me­re­ge­lun­gen näher aus­geführt; in­so­weit und we­gen der Ausführun­gen zu gerügten Abwägungsmängeln wird we­gen der Ein­zel­hei­ten auf die Sei­ten 17 ff. der An­trags­schrift vom 27. Au­gust 2012 Be­zug ge­nom­men.
§ 1 Abs. 1 Nr. 1, 4, 5, 8, 9 und 10 Bed­Ge­wV vom 12. Ok­to­ber 2011 (GVBl. I S. 664) für un­wirk­sam zu erklären.
Er hält den An­trag der An­trag­stel­le­rin zu 1. für un­zulässig und ist der Auf­fas­sung, sämt­li­che Anträge sei­en je­den­falls un­be­gründet.
Der An­trag­stel­le­rin zu 1. feh­le so­wohl die An­trags­be­fug­nis als auch ein Rechts­schutz­bedürf­nis für ih­ren Nor­men­kon­troll­an­trag. An­ge­sichts der im Ar­beits­zeit­ge­setz selbst ge­re­gel­ten zahl­rei­chen Aus­nah­men vom Sonn­tags­ar­beits­ver­bot könne sie we­gen der ge­rin­gen Zahl der von den an­ge­foch­te­nen Ver­ord­nungs­be­stim­mun­gen be­trof­fe­nen Beschäftig­ten nicht mit dem Ar­gu­ment gehört wer­den, or­ga­ni­sier­te oder nicht­or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer könn­ten we­gen der Ver­hin­de­rung in­fol­ge Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit nicht an ih­ren Ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men. Es ob­lie­ge der An­trag­stel­le­rin zu 1. selbst, ih­re Ver­an­stal­tun­gen so zu ter­mi­nie­ren, dass es auch dem durch Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit be­trof­fe­nen Kreis von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern möglich sei, an ih­ren Ver­an­stal­tun­gen teil­zu­neh­men. Das Rechts­schutz­bedürf­nis feh­le der An­trag­stel­le­rin zu 1., weil sie nicht kon­kret dar­ge­legt ha­be, wel­che Ver­an­stal­tun­gen sie in Zu­kunft so ter­mi­nie­ren wol­le, dass sie mit den in der Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung ge­re­gel­ten Aus­nah­men vom Sonn- und Fei­er­tags­ar­beits­ver­bot in Kon­flikt ge­rie­ten. We­gen der zahl­rei­chen Aus­nah­men von die­sem Ver­bot, die be­reits im Ar­beits­zeit­ge­setz selbst ge­re­gelt sei­en, sei nicht er­kenn­bar, wel­che recht­li­chen oder tatsächli­chen Vor­tei­le ei­ne Ungültig­keits­erklärung in Be­zug auf die an­ge­foch­te­nen Ver­ord­nungs­be­stim­mun­gen für die An­trag­stel­le­rin zu 1. brin­gen könn­te.
Die Nor­men­kon­troll­anträge al­ler An­trag­stel­ler sei­en je­den­falls un­be­gründet, da die an­ge­grif­fe­ne Ver­ord­nung sich im Rah­men der Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung in § 13 Abs. 2 Arb­ZG hal­te, in ei­nem ord­nungs­gemäßen Ver­fah­ren zu­stan­de ge­kom­men sei und die an­ge­grif­fe­nen Be­stim­mun­gen in § 1 Abs. 1 Bed­Ge­wV mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar und ma­te­ri­ell rechtmäßig sei­en. Mit dem In­kraft­tre­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes im Jahr 1994 sei­en für ein­zel­ne Wirt­schafts­zwei­ge Aus­nah­men vom Beschäfti­gungs­ver­bot an Sonn- und Fei­er­ta­gen nicht mehr im sel­ben Um­fang wie nach frühe­rer Rechts­la­ge möglich. Zwar sei­en durch das Ar­beits­zeit­ge­setz we­sent­li­che Re­ge­lungs­ge­genstände aus § 105e Ge­wO in den Ka­ta­log des § 10 Abs. 1 Nr. 1 - 16 Arb­ZG über­nom­men wor­den, so dass in den dort ge­nann­ten Be­rei­chen Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit kraft Ge­set­zes auch oh­ne Er­tei­lung von Ein­zel­aus­nah­men möglich sei. Die­ser Ka­ta­log sei je­doch nicht ab­sch­ließend und berück­sich­ti­ge ins­be­son­de­re nicht die Ände­rung des Wirt­schafts- und Ar­beits­le­bens auf­grund der Ent­wick­lung der In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie ein­sch­ließlich des da­mit ein­her­ge­hen­den Wan­dels ge­sell­schaft­li­cher Verhält­nis­se und Wert­vor­stel­lun­gen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der An­trag­stel­ler be­ste­he für die Be­reit­stel­lung ei­ni­ger Dienst- und Ver­sor­gungs­leis­tun­gen, die nicht von § 10 Arb­ZG er­fasst sind, ein an­zu­er­ken­nen­der Be­darf in der Bevölke­rung an Sonn- und Fei­er­ta­gen, so dass ergänzen­de Aus­nah­me­re­ge­lun­gen er­for­der­lich ge­we­sen sei­en, die der An­trags­geg­ner im Ver­ord­nungs­we­ge un­ter An­wen­dung des "ihm zu­ste­hen­den ge­setz­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raums" ge­re­gelt ha­be. Da­bei ha­be der An­trags­geg­ner ent­ge­gen der Auf­fas­sung der An­trag­stel­ler nicht ei­nen von den Ländern er­ar­bei­te­ten Mus­ter­ent­wurf für ei­ne Ver­ord­nung nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 a Arb­ZG blind über­nom­men, son­dern ei­ne um­fas­sen­de Abwägung hin­sicht­lich der ein­zel­nen in die Ver­ord­nung auf­zu­neh­men­den Tat­bestände vor­ge­nom­men, in­dem er sich dar­an ori­en­tiert ha­be, dass zum ei­nen der Aus­nah­men­ka­ta­log des § 10 Arb­ZG dem so­ge­nann­ten Bedürf­nis­ge­wer­be nicht ge­recht wer­de und sich zum an­de­ren seit In­kraft­tre­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes ganz gra­vie­ren­de Verände­run­gen des Frei­zeit- und Ver­brau­cher­ver­hal­tens der Bevölke­rung so­wie der Rah­men­be­din­gun­gen der öko­no­mi­schen Verhält­nis­se er­ge­ben hätten. Da­bei sei zu berück­sich­ti­gen ge­we­sen, dass vor Er­lass der Hes­si­schen Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung ei­nem an­zu­er­ken­nen­den Be­darf der Bevölke­rung an be­stimm­ten Dienst­leis­tun­gen an Sonn- und Fei­er­ta­gen nur durch Er­tei­lung von Dul­dun­gen oder Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen auf zwei­fel­haf­ter Rechts­grund­la­ge ha­be ent­spro­chen wer­den können. Da fast al­le an­de­ren Bun­desländer be­reits ähn­li­che Tat­bestände re­geln­de Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nun­gen er­las­sen hätten, sei bei der Vor­be­rei­tung der an­ge­grif­fe­nen Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung ins­be­son­de­re die Über­le­gung ein­zu­be­zie­hen ge­we­sen, Schäden in Ge­stalt von Wett­be­werbs­nach­tei­len für die hes­si­sche Wirt­schaft ab­zu­bau­en und zu ver­mei­den.
Vor Er­lass der Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung ha­be ei­ne Verbände­anhörung statt­ge­fun­den, an der auch die An­trag­stel­le­rin zu 1. und der Be­auf­trag­te der Evan­ge­li­schen Kir­chen in Hes­sen am Sitz der Lan­des­re­gie­rung be­tei­ligt wor­den sei­en und de­ren Er­geb­nis­se in die Abwägung des An­trags­geg­ners ein­ge­flos­sen sei­en. Die An­trag­stel­ler berück­sich­tig­ten nicht hin­rei­chend, dass dem Ge­bot des Sonn-und Fei­er­tags­schut­zes auch mit § 1 Abs. 1 Bed­Ge­wV da­durch Rech­nung ge­tra­gen wor­den sei, dass
Ar­beit­neh­mer in den ge­nann­ten Be­rei­chen an Sonn- und Fei­er­ta­gen nur beschäftigt wer­den könn­ten, so­weit die Ar­bei­ten nicht an Werk­ta­gen durch­geführt wer­den könn­ten. Durch § 1 Abs. 2 Bed­Ge­wV sei hin­sicht­lich ei­ni­ger Aus­nah­men vom Ar­beits­ver­bot an Fei­er­ta­gen der be­son­de­re Schutz der sog. ho­hen Fei­er­ta­ge gewähr­leis­tet wor­den. Für ei­ni­ge Be­rei­che sei­en die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen auf we­ni­ge St­un­den an Sonn- und Fei­er­ta­gen be­grenzt wor­den.
We­gen des Vor­brin­gens des An­trags­geg­ners zu den ein­zel­nen vor­ge­se­hen Beschäfti­gungs­be­schränkun­gen und zu den von den An­trag­stel­lern an­ge­grif­fe­nen Aus­nah­me­tat­beständen im Ein­zel­nen wird auf die An­trags­er­wi­de­rung der Be­vollmäch­tig­ten des An­trags­geg­ners vom 10. Ja­nu­ar 2013 (Bd. I Bl. 105 ff. GA) und die die­sem Schrift­satz als An­la­ge bei­gefügte Ver­gleich­s­ta­bel­le zum Er­geb­nis der durch­geführ­ten Verbände­anhörung (Bd. I Bl. 135 ff. GA) so­wie auf den Schrift­satz der Be­vollmäch­tig­ten des An­trags­geg­ners vom 27. Au­gust 2013 (Bd. II Bl. 214 ff. GA) und auf die mit die­sem Schrift­satz vor­ge­leg­ten An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
Die An­trag­stel­ler sind mit Schrift­satz ih­rer Be­vollmäch­tig­ten vom 28. Fe­bru­ar 2013 (Bd. I Bl. 148 ff. GA), auf den we­gen der Ein­zel­hei­ten ver­wie­sen wird, den Zwei­feln des An­trags­geg­ners an der Zulässig­keit des Nor­men­kon­troll­an­trags der An­trag­stel­le­rin zu 1. und sei­nen Ausführun­gen zur Be­gründet­heit der Anträge al­ler An­trag­stel­ler ent­ge­gen­ge­tre­ten.
Die Nor­men­kon­troll­anträge sind zulässig.
Ih­re Statt­haf­tig­keit er­gibt sich aus § 47 Abs. 1 Nr. 2 Vw­GO i. V. m. § 15 des Hes­si­schen Ge­set­zes zur Ausführung der Vw­GO (Hes­sAGVw­GO). Da­nach ent­schei­det der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren nach § 47 Vw­GO über die Gültig­keit im Rang un­ter dem Lan­des­ge­setz ste­hen­der Rechts­vor­schrif­ten, auch so­weit die­se nicht in § 47 Abs. 1 Nr. 1 Vw­GO ge­nannt sind. Die an­ge­grif­fe­ne Ver­ord­nung ist ei­ne im Rang un­ter dem Lan­des­ge­setz ste­hen­de Rechts­norm.
Die An­trag­stel­le­rin zu 1. ist als Ver­ei­ni­gung i. S. d. § 61 Nr. 2 Vw­GO be­tei­lig­tenfähig, weil ihr ein Recht zu­ste­hen kann, ins­be­son­de­re die Rech­te auf Ver­ei­ni­gungs- und Ko­ali­ti­ons­frei­heit ( Art. 9 Abs. 1 und 3 GG ).
Die An­trag­stel­le­rin zu 1. ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des An­trags­geg­ners an­trags­be­fugt, weil sie gel­tend macht, durch die an­ge­grif­fe­nen Rechts­vor­schrif­ten oder de­ren An­wen­dung in ab­seh­ba­rer Zeit in ih­ren Rech­ten ver­letzt zu wer­den ( § 47 Abs. 2 Satz 1 Vw­GO ). Zu Recht ver­tritt sie un­ter Be­ru­fung auf das Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 1. De­zem­ber 2009 - 1 BvR 2857/07 und 1 BvR 2858/07 - (BVerfGE 125, 39; ju­ris) die Auf­fas­sung, durch die an­ge­grif­fe­ne Ver­ord­nung in ih­rem Grund­recht auf Ko­ali­ti­ons­frei­heit aus Art. 9 Abs. 3 GG i.V.m. Art. 140 GG und Art. 139 WRV ver­letzt zu wer­den. In die­ser Ent­schei­dung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt be­tont, dass der Grund­rechts­schutz sich nicht in sei­nem klas­si­schen Ge­halt als sub­jek­ti­ves Ab­wehr­recht erschöpfe, son­dern aus den Grund­rech­ten viel­mehr auch ei­ne Schutz­pflicht des Staa­tes für das geschütz­te Rechts­gut ab­zu­lei­ten sei (Rn. 134). Art. 139 WRV sei ein re­li­giöser, in der christ­li­chen Tra­di­ti­on wur­zeln­der Ge­halt ei­gen, der mit ei­ner de­zi­diert so­zia­len, welt­lich-neu­tral aus­ge­rich­te­ten Zweck­set­zung ein­her­ge­he (ju­ris Rn. 141). Zum ei­nen knüpfe er an die an­er­kann­ten re­li­giösen Fei­er­ta­ge in ih­rer über­kom­me­nen christ­li­chen Be­deu­tung als ar­beits­freie Ru­he­ta­ge an (Rn. 142). Gleich­zei­tig kom­me ihm aber auch die Auf­ga­be zu, Schutz vor ei­ner weit­ge­hen­den Öko­no­mi­sie­rung des Men­schen zu bie­ten. Mit der Gewähr­leis­tung rhyth­misch wie­der­keh­ren­der Ta­ge der Ar­beits­ru­he kon­kre­ti­sie­re Art. 139 WRV über­dies das So­zi­al­staats­prin­zip. Die Sonn- und Fei­er­tags­ru­he förde­re und schütze da­her nicht nur die Ausübung der Re­li­gi­ons­frei­heit. Die Ar­beits­ru­he die­ne viel­mehr auch der psy­chi­schen und phy­si­schen Re­ge­ne­ra­ti­on und da­mit der körper­li­chen Un­ver­sehrt­heit - Art. 2 Abs. 2 GG -, dem Schutz von Ehe und Fa­mi­lie - Art. 6 Abs. 1 GG - so­wie der ef­fek­ti­ven Wahr­neh­mung der Ver­samm­lungs­frei­heit ( Art. 9 Abs. 1 GG ). Der Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie könne schließlich ein be­son­de­rer Be­zug zur Men­schenwürde bei­ge­mes­sen wer­den, weil sie dem öko­no­mi­schen Nut­zen­den­ken ei­ne Gren­ze zie­he und dem Men­schen um sei­ner selbst wil­len die­ne (BVerfG a.a.O., ju­ris Rn. 141 ff.). Glei­ches gilt nach Auf­fas­sung des Se­nats für die An­wen­dung des
Art. 53 der Ver­fas­sung des Lan­des Hes­sen (HV), der mit Art. 139 WRV wört­lich übe­rein­stimmt.
Die so­zia­le Be­deu­tung des Sonn- und Fei­er­tags­schut­zes und da­mit der ge­ne­rel­len Ar­beits­ru­he im welt­li­chen Be­reich re­sul­tiert we­sent­lich aus der syn­chro­nen Tak­tung des so­zia­len Le­bens. Der zeit­li­che Gleich­klang ei­ner für al­le re­gelmäßigen Ar­beits­ru­he ist da­her ein grund­le­gen­des Ele­ment für die Wahr­neh­mung der ver­schie­de­nen For­men so­zia­len Le­bens und be­trifft ins­be­son­de­re Fa­mi­li­en und ge­sell­schaft­li­che Verbände. Die Ar­beits­ru­he an Sonn- und Fei­er­ta­gen ist da­mit we­sent­li­cher Be­stand­teil der Rah­men­be­din­gun­gen des Wir­kens po­li­ti­scher Par­tei­en, der Ge­werk­schaf­ten und sons­ti­ger Ver­ei­ni­gun­gen. In­so­weit kommt ihr we­sent­li­che Be­deu­tung für die Ge­stal­tung der Teil­ha­be im All­tag ei­ner ge­leb­ten De­mo­kra­tie zu (vgl. BVerfG a.a.O., ju­ris Rn. 145).
Da­von aus­ge­hend wird auch die An­trag­stel­le­rin zu 1. durch die vom An­trags­geg­ner mit der an­ge­grif­fe­nen Ver­ord­nung fest­ge­setz­ten Aus­nah­men vom Ar­beits­ver­bot an Sonn- und Fei­er­ta­gen in ih­ren Rech­ten berührt und mögli­cher­wei­se ver­letzt, weil die Sonn­tags­ru­he auch dem Schutz ih­rer In­ter­es­sen dient.
Der An­trag­stel­le­rin zu 1. kann nicht mit Er­folg ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, sie be­ru­fe sich rechts­miss­bräuch­lich auf ei­ne Ver­let­zung ih­res Grund­rechts aus Art. 9 GG , weil sie ih­re Be­trof­fen­heit von den an­ge­grif­fe­nen Aus­nah­me­be­stim­mun­gen um­ge­hen könne, in­dem sie Kund­ge­bun­gen und an­de­re von ihr ge­plan­te Ver­an­stal­tun­gen so ter­mi­nie­re, dass von den an­ge­grif­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer dar­an teil­neh­men könn­ten. Auf­grund ih­rer von Art. 9 Abs. 1 und 3 S. 1 GG geschütz­ten Ver­ei­ni­gungs­frei­heit kann die An­trag­stel­le­rin zu 1. im Rah­men ih­res sat­zungsmäßigen Auf­trags in pla­ka­ti­ver und öffent­lich­keits­wirk­sa­mer Form auf die aus ih­rer Sicht ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern an Sonn- und Fei­er­ta­gen hin­wei­sen. Das mit der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit Hand in Hand ge­hen­de Grund­recht der De­mons­tra­ti­ons­frei­heit gem. Art. 8 GG gewähr­leis­tet den Grund­recht­strägern über­dies das Selbst­be­stim­mungs­recht über Ort, Zeit­punkt, Art und In­halt der Ver­an­stal­tung (BVerfG, Be­schluss vom 14. Mai 1985 - Brok­dorf II - 1 BvR 233/81, 1 BvR 341/81 -, ju­ris Rn. 61; Sächs. OVG, Be­schluss vom 1. No­vem­ber 2010 - 3 B 291/10 -, ju­ris Rn. 22). Es liegt auf der Hand, dass von ei­ner Ge­werk­schaft or­ga­ni­sier­te De­mons­tra­tio­nen und an­de­re Ver­an­stal­tun­gen ge­gen die Zu­las­sung verstärk­ter Ar­beit­neh­mer­beschäfti­gung an Sonn- und Fei­er­ta­gen be­vor­zugt in ört­li­cher und zeit­li­cher Nähe zu den be­an­stan­de­ten Beschäfti­gun­gen durch­geführt wer­den, um der Öffent­lich­keit zu zei­gen, dass die kri­ti­sier­ten Missstände Rea­lität sind.
Sch­ließlich hat die An­trag­stel­le­rin zu 1. auch ein Rechts­schutz­bedürf­nis für ih­ren Nor­men­kon­troll­an­trag, weil sie durch die be­an­trag­te Ungülti­gerklärung ver­schie­de­ner Be­stim­mun­gen der Be­darfs­ge­wer­be­ord­nung kon­kre­te Vor­tei­le zu­min­dest in tatsäch­li­cher Hin­sicht er­lan­gen würde.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kommt es in­so­weit für die Zulässig­keit der Nor­men­kon­trol­le maßgeb­lich dar­auf an, ob der An­trag­stel­ler gel­tend ma­chen kann, durch die Rechts­vor­schrift in sei­nen Rech­ten ver­letzt zu sein oder ver­letzt zu wer­den. Ist die­se Hürde ge­nom­men, so ist re­gelmäßig auch von ei­nem Rechts­schutz­in­ter­es­se aus­zu­ge­hen, es sei denn, das Ge­richt müss­te in ei­ne Norm­prüfung ein­tre­ten, die für den An­trag­stel­ler im Er­geb­nis wert­los wäre ( BVerwG, Ur­teil vom 23. April 2002 - 4 CN 3.01 - ju­ris Rn. 10). Dies ist bei dem Nor­men­kon­troll­an­trag der An­trag­stel­le­rin zu 1. schon des­halb nicht der Fall, weil ihr durch ei­ne Ungülti­gerklärung der von ihr be­an­stan­de­ten Be­stim­mun­gen der Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung der per­so­nel­le und sach­li­che Auf­wand er­spart bleibt, der sonst mit der Or­ga­ni­sa­ti­on und Durchführung von Kund­ge­bun­gen und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen ge­gen ver­mehr­te Sonn­tags­ar­beit ver­bun­den wäre.
Dem kann der An­trags­geg­ner nicht mit Er­folg ent­ge­gen­hal­ten, an­ge­sichts der be­reits durch den Bun­des­ge­setz­ge­ber selbst in § 10 Abs. 1 Arb­ZG zu­ge­las­se­nen Aus­nah­men vom Ver­bot der Sonn-und Fei­er­tags­ar­beit fie­len die Aus­wir­kun­gen der wei­ter ge­hen­den Aus­nah­men auf­grund der an­ge­grif­fe­nen Ver­ord­nung sta­tis­tisch nicht ins Ge­wicht. Zwar dürf­ten die per­so­nel­len Aus­wir­kun­gen bei ein­zel­nen an­ge­grif­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen - et­wa § 1 Abs. 1 Nr. 8 und 10 Bed­Ge­wV (Buch­ma­cher­ge­wer­be, To­to- und Lot­to­ge­sell­schaf­ten oh­ne An­nah­me­stel­len) - tatsächlich sta­tis­tisch ge­ring sein. Bei an­de­ren Aus­nah­men - ins­be­son­de­re nach § 1 Abs. 1 Nr. 4, 5 und 9 Bed­Ge­wV
(Ge­tränke­indus­trie und -großhan­del, Spei­se­e­is­fa­bri­ken und ent­spre­chen­der Großhan­del, sog. Call­cen­ter) zeigt aber schon die von der Lan­des­re­gie­rung selbst für ih­re Ver­ord­nung ge­ge­be­ne Be­gründung, auf die später noch näher ein­zu­ge­hen ist, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber selbst hier mit er­heb­li­chen zah­lenmäßigen Aus­wir­kun­gen rech­net, vor al­lem bei dem boo­men­den Ver­sand­han­del per In­ter­net, der sich in­zwi­schen zu ei­ner ei­ge­nen pros­pe­rie­ren­den Han­dels­bran­che ent­wick­le.
Auch die Nor­men­kon­troll­anträge der An­trag­stel­ler zu 2. und 3. sind aus den schon dar­ge­stell­ten Gründen statt­haft. Sie sind auch im Übri­gen zulässig.
Mit der am 29. Ok­to­ber 2012 beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ein­ge­gan­ge­nen Bei­tritts­erklärung ih­rer Be­vollmäch­tig­ten und der da­mit ver­bun­de­nen An­trag­stel­lung ha­ben auch sie die einjähri­ge An­trags­frist nach Verkündung der an­ge­grif­fe­nen Ver­ord­nung am 1. No­vem­ber 2011 (GVBl. I S. 664) ge­wahrt. Ob die De­ka­na­te da­mals in­ner­kirch­lich be­rech­tigt und fähig wa­ren, die­se Rech­te vor ei­nem staat­li­chen Ge­richt oh­ne die nach § 26 Abs. 2 Nr. 6, Abs. 3 Nr. 2 der De­ka­nats­syn­oda­l­ord­nung (DSO) vom 26. No­vem­ber 2003 (ABl. 2004 S. 87, Ab­druck Bd. I Bl. 166 ff. GA), zu­letzt geändert am 24. No­vem­ber 2012 (ABl. 2013 S. 38, 54) er­for­der­li­che Ge­neh­mi­gung der Kir­chen­lei­tung gel­tend zu ma­chen, kann da­hin­ste­hen. Denn die er­for­der­li­chen Ge­neh­mi­gun­gen sind mit Schrei­ben der Kir­chen­lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che in Hes­sen und Nas­sau vom 23. Au­gust 2013 (Bd. II Bl. 255 ff. GA) er­teilt wor­den und ma­chen die der An­trag­stel­lung zu­grun­de lie­gen­den Be­schlüsse bei­der De­ka­nats­syn­odal­vorstände rück­wir­kend wirk­sam (§ 26 Abs. 3 DSO; § 184 Abs. 1 BGB ana­log).
Die An­trag­stel­ler zu 2. und 3. sind als ju­ris­ti­sche Per­so­nen be­tei­lig­tenfähig ( § 61 Nr. 1 Vw­GO ). Nach Art. 16 S. 1 der Ord­nung der Evan­ge­li­schen Kir­che in Hes­sen und Nas­sau (KO) in der Fas­sung vom 20. Fe­bru­ar 2010 (ABl. S. 118), geändert am 23 No­vem­ber 2012 (ABl. 2013 S. 5, Ab­druck Bd. I Bl. 163 ff. GA) bil­den die Kir­chen­ge­mein­den ei­nes zu­sam­menhängen­den Ge­biets das De­ka­nat, das Ver­ant­wor­tung für die kirch­li­chen Hand­lungs­fel­der in sei­nem Ge­biet trägt (Art. 17 S. 3 KO). Nach Art. 1 Abs. 4 des Ver­trags der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen in Hes­sen mit dem Lan­de Hes­sen vom 18. Fe­bru­ar 1960 (ra­ti­fi­ziert und veröffent­licht mit § 1 des Kir­chen­ge­set­zes vom 26. April 1960, ABl. S. 41, so­wie § 1 Abs. 1 und 2 des Ge­set­zes vom 10. Ju­ni 1960, GVBl. S. 54) sind die Kir­chen, die Kir­chen­ge­mein­den und die aus ih­nen ge­bil­de­ten Verbände Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Mit­hin sind die an­trag­stel­len­den De­ka­na­te ju­ris­ti­sche Per­so­nen.
Die An­trags­be­fug­nis der bei­den De­ka­na­te ( § 47 Abs. 2 S. 1 Vw­GO ) er­gibt sich un­mit­tel­bar aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG i.V.m. Art. 140 GG und Art. 139 WRV , da sie gel­tend ma­chen, durch die an­ge­grif­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in ih­rem Ver­ant­wor­tungs­be­reich selbst, ge­genwärtig und un­mit­tel­bar ver­letzt zu sein. Es er­scheint möglich, dass die Got­tes­diens­te in den zu ih­ren Verbänden gehören­den Kir­chen­ge­mein­den und ih­re ei­ge­nen re­li­giösen Ak­ti­vitäten durch mit der Ver­ord­nung er­laub­te Mehr­ar­beit an Sonn- und Fei­er­ta­gen be­ein­träch­tigt wer­den. Auf Art. 53 HV braucht hier nicht ge­son­dert ein­ge­gan­gen zu wer­den.
Das Rechts­schutz­bedürf­nis der An­trag­stel­ler zu 2. und 3. er­gibt sich oh­ne Wei­te­res aus den schon erwähn­ten mögli­chen Störun­gen der Got­tes­diens­te der ih­nen an­gehören­den Kir­chen­ge­mein­den, zu­mal ei­ni­ge der an­ge­grif­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen nicht ein­mal den Schutz der Haupt­got­tes­dienst­zei­ten gewähr­leis­ten.
Die Nor­men­kon­troll­anträge sind auch be­gründet.
Zwei­fel am ord­nungs­gemäßen Zu­stan­de­kom­men der an­ge­grif­fe­nen Ver­ord­nung sind nicht dar­ge­legt und nicht er­sicht­lich.
§ 1 Abs. 1 Nr. 1, 4, 5, 9 und 10 Bed­Ge­wV sind je­doch ins­ge­samt un­wirk­sam, weil sie oh­ne hin­rei­chen­de Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge er­gan­gen sind.
Für § 1 Abs. 1 Nr. 4 Bed­Ge­wV (Ge­tränke­indus­trie und -großhan­del), § 1 Abs. 1 Nr. 5 Bed­Ge­wV (Fa­bri­ken für Roh- und Spei­se­eis so­wie ent­spre­chen­der Großhan­del) und § 1 Abs. 1 Nr. 9
Bed­Ge­wV (Call­cen­ter) gilt dies schon des­halb, weil der Ver­ord­nungs­ge­ber hier auch die An­trag­stel­ler im grund­rechts­re­le­van­ten Be­reich be­las­ten­de we­sent­li­che Grund­ent­schei­dun­gen ge­trof­fen hat, die nicht ihm zu­ste­hen, son­dern dem (hier: Bun­des-) Ge­setz­ge­ber vor­be­hal­ten sind (Ja­rass in: Ja­rass/Pie­roth, Grund­ge­setz, 12. Aufl. 2012, Rn. 44 ff. zu Art 20 m.w.N.). Nach der sog. We­sent­lich­keits­theo­rie muss der par­la­men­ta­ri­sche Ge­setz­ge­ber in grund­le­gen­den nor­ma­ti­ven Be­rei­chen al­le we­sent­li­chen Ent­schei­dun­gen selbst tref­fen und darf sie nicht an­de­ren Norm­ge­bern über­las­sen, ins­be­son­de­re nicht dem Han­deln und der Ent­schei­dungs­macht der Exe­ku­ti­ve (Ja­rass, a.a.O., Rn 47 f. m.w.N.). Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat hier­zu in sei­nem Ur­teil vom 11. März 2008 - 1 BvR 2074/05 u.a. - (BVerfGE 120, 378 = ju­ris Rn. 93 ff.) aus­geführt:
"...Die Ermäch­ti­gung zur au­to­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­er­fas­sung muss den rechts­staat­li­chen An­for­de­run­gen der Be­stimmt­heit und Klar­heit ei­ner ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung genügen. Dem wer­den die an­ge­grif­fe­nen Nor­men nicht ge­recht.
... Das Be­stimmt­heits­ge­bot soll si­cher­stel­len, dass der de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Par­la­ments­ge­setz­ge­ber die we­sent­li­chen Ent­schei­dun­gen über Grund­rechts­ein­grif­fe und de­ren Reich­wei­te selbst trifft, dass Re­gie­rung und Ver­wal­tung im Ge­setz steu­ern­de und be­gren­zen­de Hand­lungs­maßstäbe vor­fin­den und dass die Ge­rich­te ei­ne wirk­sa­me Rechts­kon­trol­le durchführen können. Fer­ner er­lau­ben die Be­stimmt­heit und Klar­heit der Norm, dass der be­trof­fe­ne Bürger sich auf mögli­che be­las­ten­de Maßnah­men ein­stel­len kann (vgl. BVerfGE 110, 33 [BVerfG 03.03.2004 - 1 BvF 3/92] <52 ff.>; 113, 348 <375 ff.>). Der Ge­setz­ge­ber hat An­lass, Zweck und Gren­zen des Ein­griffs hin­rei­chend be­reichs­spe­zi­fisch, präzi­se und nor­men­klar fest­zu­le­gen (vgl. BVerfGE 100, 313 <359 f., 372>; 110, 33 <53>; 113, 348 <375>; BVerfG, NJW 2007, S. 2464 [BVerfG 13.06.2007 - 1 BvR 1550/03; 1 BvR 2357/04; 1 BvR 603/05] <2466>).
Das Be­stimmt­heits­ge­bot steht in en­ger Be­zie­hung zum Par­la­ments­vor­be­halt (vgl. BVerfGE 56, 1 [BVerfG 08.01.1981 - 2 BvL 3/77] <13>; 83, 130 <152>). Die­ser soll si­cher­stel­len, dass Ent­schei­dun­gen von sol­cher Trag­wei­te aus ei­nem Ver­fah­ren her­vor­ge­hen, das der Öffent­lich­keit Ge­le­gen­heit bie­tet, ih­re Auf­fas­sun­gen aus­zu­bil­den und zu ver­tre­ten, und die Volks­ver­tre­tung da­zu anhält, Not­wen­dig­keit und Aus­maß von Grund­rechts­ein­grif­fen in öffent­li­cher De­bat­te zu klären (vgl. BVerfGE 85, 386 [BVerfG 25.03.1992 - 1 BvR 1430/88] <403 f.>; 108, 282 <312>). Die kon­kre­ten An­for­de­run­gen an die Be­stimmt­heit und Klar­heit der Ermäch­ti­gung rich­ten sich nach der Art und Schwe­re des Ein­griffs (vgl. BVerfGE 110, 33 [BVerfG 03.03.2004 - 1 BvF 3/92] <55>). Die Ein­griffs­grund­la­ge muss dar­um er­ken­nen las­sen, ob auch schwer­wie­gen­de Ein­grif­fe zu­ge­las­sen wer­den sol­len. Wird die Möglich­keit der­ar­ti­ger Ein­grif­fe nicht hin­rei­chend deut­lich aus­ge­schlos­sen, so muss die Ermäch­ti­gung die be­son­de­ren Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen wah­ren, die bei sol­chen Ein­grif­fen zu stel­len sind (vgl. BVerfGE 113, 348 [BVerfG 27.07.2005 - 1 BvR 668/04] <377 f.>; 115, 320 <365 f.>).
Die glei­che Auf­fas­sung ver­tritt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in ständi­ger Recht­spre­chung und be­grenzt da­bei die Norm­set­zungs­be­fug­nis des durch Ge­setz ermäch­tig­ten Ver­ord­nungs­ge­bers im Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren. In sei­nem Ur­teil vom 3. Ju­li 2002 - 6 CN 8.01 - ( BVerw­GE 116, 347 = ju­ris Rn.31) hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus­geführt:
"...Aus dem rechts­staat­li­chen und de­mo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­sys­tem ( Art. 20 Abs. 1 und 3 , Art. 28 Abs. 1 GG ) folgt, dass in ei­nem Ge­setz, durch das die Exe­ku­ti­ve zum Er­lass von Rechts­ver­ord­nun­gen ermäch­tigt wird, In­halt, Zweck und Aus­maß der er­teil­ten Ermäch­ti­gung be­stimmt wer­den. Das Par­la­ment soll sich sei­ner Ver­ant­wor­tung als ge­setz­ge­ben­de Körper­schaft nicht da­durch entäußern können, dass es ei­nen Teil der Ge­setz­ge­bungs­macht der Exe­ku­ti­ve überträgt, oh­ne die Gren­zen die­ser Kom­pe­ten­zen be­dacht und die­se nach Ten­denz und Pro­gramm so ge­nau um­ris­sen zu ha­ben, dass schon aus der Ermäch­ti­gung er­kenn­bar und vor­her­seh­bar ist, was dem Bürger ge­genüber zulässig sein soll. Das Er­for­der­nis hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit stellt die not­wen­di­ge Ergänzung und Kon­kre­ti­sie­rung des aus dem De­mo­kra­tie- und Rechts­staats­prin­zip fol­gen­den Grund­sat­zes des Vor­be­halts des Ge­set­zes dar. Wel­che Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen im Ein­zel­nen erfüllt sein müssen, hängt von den Be­son­der­hei­ten des je­wei­li­gen Re­ge­lungs­ge­gen­stan­des so­wie der In­ten­sität der Maßnah­me, na­ment­lich der Grund­rechts­re­le­vanz der Re­ge­lung ab (vgl. BVerfGE 58, 257, 277 f. [BVerfG 20.10.1981 - 1 BvR 640/80] ; BVerw­GE 110,
253, 255 f. )."
Bei den Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in § 1 Abs. 1 Nr. 4, 5, und 9 Bed­Ge­wV han­delt es sich um grund­rechts­re­le­van­te Grund­ent­schei­dun­gen im Sin­ne die­ser Recht­spre­chung. Für wei­te Tei­le der Ge­tränke­indus­trie und Eis­fa­bri­ken ein­sch­ließlich des zu­gehöri­gen Großhan­dels wird Sonn- und Fei­er­tags­beschäfti­gung im Som­mer­halb­jahr bis zu acht St­un­den frei­ge­ge­ben, so dass die­se Ta­ge hin­sicht­lich der mögli­chen Ar­beits­zeit et­wa zur Hälf­te den Werk­ta­gen na­he­zu gleich­ge­stellt wer­den (vgl. § 3 Arb­ZG ). Für Call­cen­ter er­folgt die Frei­ga­be ganzjährig und völlig oh­ne Be­gren­zung der zulässi­gen Ar­beits­zeit. Von die­sen Re­ge­lun­gen sind ab­seh­bar sehr vie­le Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer be­trof­fen, wie sich auch der Be­gründung der Lan­des­re­gie­rung für die Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung ent­neh­men lässt (sie­he dort S. 6 f., Bd. II Bl. 239 f. GA). Dies gilt vor al­lem für Call­cen­ter, wo­mit nach die­ser Be­gründung Be­ra­tungs- und Auf­trags­diens­te ("On­line­diens­te, E-Com­mer­ce, Rei­se­bu­chun­gen, On­line-Ban­king, In­for­ma­ti­ons- und Nach­rich­ten­re­cher­che") ge­meint sind (a.a.O., S. 7).
Ei­ne so weit­ge­hen­de Frei­ga­be der Ar­beit­neh­mer­beschäfti­gung an Sonn- und Fei­er­ta­gen ist durch die Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung in § 13 Abs. 2 Nr. 2 a , Abs. 2 S. 1 Arb­ZG nicht ge­deckt und könn­te nach der We­sent­lich­keits­theo­rie auch gar nicht ver­fas­sungs­kon­form an ei­nen Ver­ord­nungs­ge­ber de­le­giert wer­den. Zu die­ser ge­staf­fel­ten Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung für die Lan­des­re­gie­run­gen ist in der Be­gründung des Ge­setz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung für ein Ar­beits­zeit­rechts­ge­setz vom 13. Ok­to­ber 1993 aus­geführt (BT-Drs. 12/5888, S. 30 zum da­ma­li­gen Art. 1 § 12 Abs. 2 des Ge­setz­ent­wurfs):
"Die Lan­des­re­gie­run­gen sol­len die Möglich­keit er­hal­ten, ei­ne Rechts­ver­ord­nung in den Fällen des Ab­sat­zes 1 Nr. 2 a [wort­gleich mit § 13 Abs. 1 Nr. 2 a Arb­ZG ] zu er­las­sen, so­weit die Bun­des­re­gie­rung von ih­rer Ermäch­ti­gung nicht Ge­brauch macht. Ei­ne Lan­des­ver­ord­nung kommt ins­be­son­de­re dann in Fra­ge, wenn das Re­ge­lungs­bedürf­nis re­gio­na­ler Art ist."
Mit die­sem Vor­schlag hat die Bun­des­re­gie­rung mit na­he­zu glei­cher Be­gründung an ih­ren Ent­wurf ei­nes Ar­beits­zeit­ge­set­zes vom 9. Ja­nu­ar 1985 an­ge­knüpft (BT-Drs. 10/2706, S. 21 zum da­ma­li­gen § 9 des Ge­setz­ent­wurfs), das da­mals nicht ver­ab­schie­det wur­de.
Auch wenn der Text der ge­staf­fel­ten Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung in § 13 Abs. 1 und 2 Arb­ZG die Reich­wei­te der Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Lan­des­re­gie­run­gen nicht aus­drück­lich be­grenzt, gibt doch der Hin­weis auf ein "Re­ge­lungs­bedürf­nis re­gio­na­ler Art" in der Be­gründung des Ge­setz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung ei­nen An­halts­punkt dar­auf, dass der Ge­setz­ge­ber - ähn­lich wie bei der kon­kur­rie­ren­den Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz ( Art. 72 Abs. 1 und 2 GG ) - lan­des­recht­li­che Re­ge­lun­gen nur da zu­las­sen woll­te, wo nicht zur Her­stel­lung gleich­wer­ti­ger Le­bens­verhält­nis­se im Bun­des­ge­biet oder zur Wah­rung der Rechts- und Wirt­schafts­ein­heit im ge­samt­staat­li­chen In­ter­es­se ei­ne bun­des­recht­li­che Re­ge­lung er­for­der­lich ist. Dass bei den meis­ten der in­zwi­schen durch Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nun­gen der Lan­des­re­gie­run­gen ge­re­gel­ten Aus­nah­men vom Ver­bot der Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit ein Bedürf­nis für bun­des­ein­heit­li­che Rechts­set­zung ge­se­hen wur­de, zeigt der Um­stand, dass der Länder­aus­schuss für Ar­beits­schutz und Si­cher­heits­tech­nik schon 1996 - zwei Jah­re nach In­kraft­tre­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes - ei­nen Mus­ter­ent­wurf für Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nun­gen er­stellt hat, an dem sich die Lan­des­re­gie­run­gen seit­her ori­en­tiert ha­ben (vgl. das vom An­trags­geg­ner vor­ge­leg­te Re­de­ma­nu­skript von Herrn So­zi­al­mi­nis­ter Grütt­ner vor dem Hes­si­schen Land­tag zur Initia­ti­ve der LIN­KEN ge­gen ei­ne Aus­wei­tung der Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit, LT-Drs. 18/4294; Bd. II Bl. 243 ff., S. 2 f.). Ob § 13 Abs. 1 und 2 Arb­ZG ei­ne Kom­pe­tenz der Lan­des­re­gie­run­gen ent­nom­men wer­den kann, an­stel­le der primär zuständi­gen Bun­des­re­gie­rung suk­zes­si­ve na­he­zu bun­des­ein­heit­li­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen zu schaf­fen, bleibt da­hin­ge­stellt.
Ei­ner der­art sub­si­diär ge­stal­te­ten Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung kann je­den­falls nicht die oh­ne­hin dem Ge­setz­ge­ber vor­be­hal­te­ne Be­fug­nis ent­nom­men wer­den, Fra­gen grundsätz­li­cher Art mit Grund­rechts­be­zug im Ver­ord­nungs­we­ge zu re­geln. Dies gilt um­so mehr, als dem Bun­des­ge­setz­ge­ber von An­fang an der all­ge­mein­kun­di­ge Um­stand be­kannt war, dass die
Ge­tränke­indus­trie und Eis­fa­bri­ken so­wie die ent­spre­chen­den Großhan­dels­un­ter­neh­men im Som­mer­halb­jahr bun­des­weit mit ei­ner erhöhten Nach­fra­ge ins­be­son­de­re an Wo­chen­en­den zu rech­nen ha­ben. Dass er gleich­wohl die­se Be­rei­che nicht in den Aus­nah­men­ka­ta­log des § 10 Arb­ZG auf­ge­nom­men hat, ist ein wich­ti­ges In­diz dafür, dass hier auch von Ge­set­zes we­gen dem Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge höhe­res Ge­wicht bei­ge­mes­sen wird als den wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen die­ser Ge­wer­be­be­trie­be, die die Fol­gen des Ar­beits­ver­bots an die­sen geschütz­ten Ta­gen bis­lang of­fen­sicht­lich or­ga­ni­sa­to­risch bewälti­gen konn­ten.
Auch hin­sicht­lich der Call­cen­ter hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber bis­lang kei­nen Hand­lungs­be­darf für ei­ne Li­be­ra­li­sie­rung des Ar­beits­zeit­rechts ge­se­hen, ob­wohl hier­zu anläss­lich zahl­rei­cher Ände­run­gen des Ar­beits­zeit­ge­set­zes - zu­letzt durch Art. 3 Abs. 6 des Ge­set­zes vom 20. April 2013 (BGBl. I S. 868, 914) - Ge­le­gen­heit be­stan­den hätte und hier seit Jah­ren in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne auf­grund ent­spre­chen­der Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nun­gen an­de­rer Bun­desländer, mögli­cher­wei­se aber auch we­gen der Dul­dung il­le­ga­ler Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern an Sonn- und Fei­er­ta­gen durch die Ge­wer­be­auf­sicht ei­ne bun­des­weit wir­ken­de fak­ti­sche Aushöhlung des Schutz­ge­bots für die­se Ta­ge statt­ge­fun­den hat­te. Die Fra­ge, ob dem Druck der Wirt­schaft und ei­ner stei­gen­den Zahl von In­ter­net­nut­zern nach­ge­ge­ben und die­se Pra­xis dau­er­haft le­ga­li­siert wer­den soll, ist we­gen ih­rer schwer­wie­gen­den Be­deu­tung nicht nur für die Wahr­neh­mung der von den An­trag­stel­lern gel­tend ge­mach­ten Grund­rech­te, son­dern auch für die Wett­be­werbs­struk­tu­ren in vie­len Wirt­schafts­zwei­gen nur durch den zuständi­gen (Bun­des-) Ge­setz­ge­ber zu ent­schei­den, der aber of­fen­bar bis­her kei­nen An­lass für ei­ne ent­spre­chen­de Ein­schränkung des Schut­zes von Sonn- und Fei­er­ta­gen ge­se­hen hat.
Auch die Aus­nah­me­re­ge­lung in § 1 Abs. 1 Nr. 1 Bed­Ge­wV für Vi­deo­the­ken und öffent­li­che Bi­blio­the­ken hält der Se­nat für un­wirk­sam.
Zwar dürf­te hier kei­ne Ent­schei­dung von grund­le­gen­der Be­deu­tung im Sin­ne der We­sent­lich­keits­theo­rie ge­trof­fen wor­den sein. Zum ei­nen ist da­von nur ei­ne über­schau­ba­re Zahl von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern be­trof­fen, weil Vi­deo­the­ken an­ge­sichts der tech­ni­schen Möglich­kei­ten mit re­la­tiv we­nig Per­so­nal aus­kom­men und öffent­li­che Bi­blio­the­ken - in kom­mu­na­ler oder kirch­li­cher Träger­schaft ( § 5 Abs. 1 Hes­si­sches Bi­blio­theks­ge­setz vom 20. Sep­tem­ber 2010, GVBl. I. S. 295) aus ta­rif­li­chen Gründen bzw. we­gen des Ein­sat­zes eh­ren­amt­li­cher Kräfte an Wo­chen­en­den kaum mit be­zahl­tem Per­so­nal ar­bei­ten. Zum an­de­ren ist durch Ände­rungs­ge­setz vom 2. Fe­bru­ar 2010 (GVBl. I S.10) mit § 6 Abs. 2 Nr. 5 Hes­si­sches Fei­er­tags­ge­setz die Öff­nung von Vi­deo­the­ken und Bi­blio­the­ken an Sonn- und Fei­er­ta­gen ab 13:00 Uhr er­laubt wor­den, wo­durch der Lan­des­ge­setz­ge­ber ei­nen re­gio­na­len Be­zug für die Aus­nah­me­re­ge­lung in § 1 Abs. 1 Nr. 1 Bed­Ge­wV ge­schaf­fen hat­te.
Je­doch fehlt es in­so­weit of­fen­sicht­lich an dem Tat­be­stands­merk­mal, dass die Aus­nah­me­re­ge­lung "zur Ver­mei­dung er­heb­li­cher Schäden" ge­trof­fen sein muss ( § 1 Abs. 1 und 2 S. 1 Bed­Ge­wV ). Zwar ist dem An­trags­geg­ner ein­zuräum­en, dass so­wohl bei Vi­deo­the­ken­be­trei­bern - in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht durch Um­satz­ein­bußen - als auch bei po­ten­ti­el­len Kun­den bzw. Nut­zern von Vi­deo­the­ken und öffent­li­chen Bi­blio­the­ken - durch die ent­gan­ge­ne Möglich­kei­ten be­stimm­ter Frei­zeit­ge­stal­tun­gen -"Schäden" ma­te­ri­el­ler bzw. im­ma­te­ri­el­ler Art ent­ste­hen können, wenn die­se Ein­rich­tun­gen an Sonn- und Fei­er­ta­gen nicht in Be­trieb sind. Dass die­se Schäden "er­heb­lich" sein sol­len, ist je­doch nicht nach­voll­zieh­bar. Denn Um­satz­ein­bußen der Be­trei­ber wer­den großent­eils durch die Er­spar­nis von Auf­wen­dun­gen für die Be­zah­lung der an Sonn- und Fei­er­ta­gen ein­ge­setz­ten Ar­beits­kräfte und die Ver­la­ge­rung der Nach­fra­ge auf Werk­ta­ge kom­pen­siert. Die Nut­zer der Ein­rich­tun­gen können sich auf de­ren Sch­ließung an Sonn- und Fei­er­ta­gen durch ei­ne ge­ringfügi­ge Ver­hal­tensände­rung ein­stel­len, in­dem sie ih­re Vor­be­rei­tun­gen für die Ge­stal­tung die­ser Ta­ge - wie et­wa beim Ein­kauf benötig­ter Le­bens­mit­tel - schon am Sams­tag oder ei­nem an­de­ren ar­beits­frei­en Tag tref­fen. Ei­ne sol­che Ver­hal­tensände­rung ist nicht "er­heb­lich", auch nicht für Be­rufs­pend­ler, die ih­ren Wo­chen­end­be­darf an Vi­deo­auf­zeich­nun­gen und Le­se­stoff am Ort ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit de­cken und bei­des zu Hau­se kon­su­mie­ren können, so dass sie auf ei­ne sonn-und fei­ertägli­che Be­treu­ung am Wohn­ort nicht an­ge­wie­sen sind. Für Vi­deo­the­ken-Nut­zer be­steht außer­dem die Möglich­keit, auf in­ha­ber­geführ­te Be­trie­be aus­zu­wei­chen, die an Sonn- und Fei­er­ta­gen öff­nen dürfen.
In Be­zug auf Präsenz­bi­blio­the­ken kommt hin­zu, dass der (Bun­des-) Ge­setz­ge­ber mit der Aus­nah­me­re­ge­lung für "wis­sen­schaft­li­che Präsenz­bi­blio­the­ken" in § 10 Abs. 1 Nr. 7 Arb­ZG zu er­ken­nen ge­ge­ben hat, dass er nur die Wahr­neh­mung des Grund­rechts aus Art. 5 Abs. 3 GG für wich­tig ge­nug hält, in die­sem Be­reich den grund­recht­lich gewähr­leis­te­ten Schutz der Sonn- und Fei­er­tags­ru­he ein­zu­schränken. Die­se Ein­schränkung ist auch für Vi­deo­the­ken zu be­ach­ten, zu­mal dem Ver­ord­nungs­ge­ber das vom An­trags­geg­ner in An­spruch ge­nom­me­ne "ge­setz­ge­be­ri­sche Er­mes­sen" nicht zu­steht.
Auch die in § 1 Abs. 1 Nr. 10 Bed­Ge­wV ge­trof­fe­ne Aus­nah­me­re­ge­lung "in To­to- und Lot­to­ge­sell­schaf­ten mit der elek­tro­ni­schen Geschäfts­ab­wick­lung für bis zu acht St­un­den" ist un­wirk­sam.
Zwar ist auch hier wohl kei­ne dem Ge­setz­ge­ber vor­be­hal­te­ne Grund­satz­ent­schei­dung ge­trof­fen wor­den, weil sich die Aus­nah­me­re­ge­lung auf ei­ne über­schau­ba­re Zahl von Beschäftig­ten und sehr spe­zi­el­le, weit­ge­hend au­to­ma­ti­sier­te Ar­beits­vorgänge be­zieht.
Je­doch fehlt es auch in­so­weit of­fen­sicht­lich an dem Tat­be­stands­merk­mal, dass die Aus­nah­me­re­ge­lung "zur Ver­mei­dung er­heb­li­cher Schäden" ge­trof­fen sein muss ( § 1 Abs. 1 und 2 S. 1 Bed­Ge­wV ). In der Be­gründung der Lan­des­re­gie­rung für die Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung wird die Er­for­der­lich­keit die­ser Aus­nah­me­re­ge­lung mit ei­nem drin­gen­den Bedürf­nis der Bevölke­rung für ei­ne zeit­na­he Aus­wer­tung von To­to- und Lot­to­er­geb­nis­sen und der im On­line-Ver­fah­ren bun­des­weit statt­fin­den­den Spiel­ver­trags­ab­wick­lung be­gründet (S. 8 der Be­gründung, Bd. II Bl. 241 GA). Wes­halb mit ei­ner um ei­nen Tag verzöger­ten Er­mitt­lung von Ge­win­nern und Quo­ten und mit de­ren ent­spre­chend später statt­fin­den­den Be­nach­rich­ti­gung bzw. Veröffent­li­chung ein Scha­den ver­bun­den sein soll, der zu­dem er­heb­lich sein müss­te, wird je­doch nicht be­gründet und ist auch nicht nach­voll­zieh­bar. Durch ei­ne der­ar­ti­ge Verzöge­rung könn­te al­len­falls die Wer­be­wirk­sam­keit der Veröffent­li­chung der Quo­ten lei­den, was aber - wenn über­haupt - kein er­heb­li­cher Scha­den wäre. Denn die in­ten­si­ven Wer­be­maßnah­men der To­to- und Lot­to­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land als Nutz­nießer ei­nes - der­zeit durch ei­ne Kon­zes­si­ons­re­ge­lung über­la­ger­ten - staat­li­chen Sport­wet­ten­mo­no­pols sind oh­ne­hin uni­ons- und ver­fas­sungs­recht­lich höchst pro­ble­ma­tisch und bedürfen im In­ter­es­se ei­ner kohären­ten Bekämp­fung der Spiel­sucht drin­gend der Über­prüfung ( EuGH, Ur­teil vom 8. Sep­tem­ber 2010 - C-316/07 u.a. -, NVwZ 2010, 1409 [EuGH 08.09.2010 - Rs. C-316/07; Rs. C-358/07; Rs. 359/07; Rs. C-360/07; Rs. C-409/07; Rs. C-410/07] = ju­ris Rn. 103; BVerfG, Ur­teil vom 28. März 2006 - 1 BvR 1054/01 -, BVerfGE 115, 276 = ju­ris Rn 132 ff. m.w.N.; BVerwG, Ur­teil vom 24. No­vem­ber 2010 - 8 C 13.09 -, NVwZ 2011, 549 = ju­ris Rn. 50 und 66 m.w.N.).
Sch­ließlich ist auch § 1 Abs. 1 Nr. 8 Bed­Ge­wV , der im Buch­ma­cher­ge­wer­be die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern an Sonn- und Fei­er­ta­gen zur An­nah­me von Wet­ten für Ver­an­stal­tun­gen für bis zu sechs St­un­den zulässt, we­gen nicht hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit von der Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung in § 13 Abs. 2 Nr. 2 a , Abs. 2 S. 1 Arb­ZG nicht ge­deckt und da­her ent­ge­gen der Auf­fas­sung des An­trags­geg­ners un­wirk­sam.
Auch in­so­weit hat der Ver­ord­nungs­ge­ber zwar im Hin­blick auf die ge­rin­ge Zahl der be­trof­fe­nen Ar­beits­kräfte und die Be­son­der­hei­ten die­ses Ge­wer­bes kei­ne dem Ge­setz­ge­ber vor­be­hal­te­ne Grund­satz­ent­schei­dung ge­trof­fen. In ih­rer Be­gründung für die Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung hat die Lan­des­re­gie­rung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Buch­ma­cher­ge­wer­be ein Be­stand­teil der im Übri­gen nicht ge­werb­li­chen, re­gelmäßig an Sonn- oder Fei­er­ta­gen statt­fin­den­den und durch § 10 Arb­ZG pri­vi­le­gier­ten Renn­sport­ver­an­stal­tun­gen sei (S. 7 der Be­gründung, Bd. II Bl. 240 GA). Ge­meint wa­ren hier aber of­fen­bar nur Pfer­de­ren­nen, bei de­nen - an­ders als bei den To­to- und Lot­to­ge­sell­schaf­ten - Wet­ten nicht an Werk­ta­gen an­ge­nom­men wer­den können, weil erst am Ver­an­stal­tungs­tag fest­steht, wel­che Pfer­de an den Ren­nen teil­neh­men. An­ders als bei den To­to-und Lot­to­ge­sell­schaf­ten hat der Ver­ord­nungs­ge­ber hier die auf­schieb­ba­re Aus­wer­tung der Wet­ten nicht in die Aus­nah­me­re­ge­lung ein­be­zo­gen und mit ei­ner Be­gren­zung auf sechs St­un­den die an Sonn- und Fei­er­ta­gen zulässi­ge Beschäfti­gungs­zeit recht deut­lich von der ge­setz­lich zulässi­gen Ar­beits­zeit an Werk­ta­gen ( § 3 Arb­ZG ) ab­ge­setzt, um da­durch dem Schutz der prin­zi­pi­el­len Sonn-
und Fei­er­tags­ru­he Rech­nung zu tra­gen.
Dass die Aus­nah­me­re­ge­lung in § 1 Abs. 1 Nr. 8 Bed­Ge­wV in­so­weit "zur Ver­mei­dung er­heb­li­cher Schäden" ge­trof­fen wor­den ist und "zur Be­frie­di­gung ... an die­sen Ta­gen be­son­ders her­vor­tre­ten­der Bedürf­nis­se der Bevölke­rung er­for­der­lich ist ( § 1 Abs. 1 und 2 S. 1 a Bed­Ge­wV ), er­gibt sich dar­aus, dass Pfer­de­wet­ten gar nicht mehr ver­an­stal­tet und an­ge­bo­ten wer­den könn­ten, wenn nicht die Wett­an­nah­me an den Ver­an­stal­tungs­ta­gen nach Be­kannt­wer­den der Star­ter­fel­der ermöglicht würde.
§ 1 Abs. 1 Nr. 8 Bed­Ge­wV kann nach Auf­fas­sung des Se­nats gleich­wohl nicht als gülti­ge Aus­nah­me­re­ge­lung an­ge­se­hen wer­den, weil sie nicht auf zer­ti­fi­zier­te bzw. kon­zes­sio­nier­te Buch­ma­cher be­schränkt ist, die aus­sch­ließlich Pfer­de­wet­ten ab­sch­ließen und ver­mit­teln dürfen (Hahn in: Fri­auf, Ge­wO, Stand: Ju­li 2013, Rn. 31 f. zu § 33 h Ge­wO ; vgl. auch § 27 Glück­spiel­staats­ver­trag - GlüStV -). Auch der im Tat­be­stand der Vor­schrift ver­wen­de­te Be­griff "Ver­an­stal­tun­gen" lässt nicht er­ken­nen, dass aus­sch­ließlich die An­nah­me von Pfer­de­wet­ten pri­vi­le­giert wer­den soll. Viel­mehr ist die Aus­nah­me­re­ge­lung auch auf Buch­ma­cher an­wend­bar, die ih­re Tätig­keit nach ei­ner Ge­wer­be­an­mel­dung oh­ne Er­laub­nis ausüben können (Heß in: Fri­auf, a.a.O., Rn. 5 f. vor § 14 Ge­wO m.w.N.) oder - so­weit es sich um Glücks­spie­le ein­sch­ließlich sons­ti­ger Sport­wet­ten han­delt - mit ei­ner Kon­zes­si­on nach § 4a GlüStV Wet­ten auch auf an­de­re Er­eig­nis­se als Sport­ver­an­stal­tun­gen ab­sch­ließen und ver­mit­teln dürfen, oh­ne dass je­weils vor­her­seh­bar ist, dass die­se Er­eig­nis­se aus­sch­ließlich an Sonn- und Fei­er­ta­gen statt­fin­den und Wet­ten dar­auf nur am Ver­an­stal­tungs­tag ab­ge­schlos­sen wer­den können. Da­durch ge­winnt die Aus­nah­me­be­stim­mung zu­dem ei­ne tat­be­stand­li­che Wei­te, die die Befürch­tung be­gründet, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber (auch) sei­ne oben be­schrie­be­ne be­grenz­te Ermäch­ti­gung über­schrit­ten hat.
Die Kos­ten des Ver­fah­rens hat der An­trags­geg­ner als un­ter­lie­gen­der Be­tei­lig­ter zu tra­gen ( § 154 Abs. 1 Vw­GO ).
Das Ur­teil ist we­gen der Kos­ten mit Ab­wen­dungs­be­fug­nis des An­trags­geg­ners für vorläufig voll­streck­bar zu erklären ( § 167 Abs. 2 Vw­GO ana­log, 708 Nr. 10, 711 ZPO.
Die Re­vi­si­on ist we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che zu­zu­las­sen ( § 132 Abs. 2 Nr. 1 Vw­GO . Nach un­wi­der­spro­che­nem Vor­trag der An­trag­stel­le­rin zu 1. Ist das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren bun­des­weit das ers­te, in dem ei­ne Be­darfs­ge­wer­be­ver­ord­nung ei­ner Lan­des­re­gie­rung der Nor­men­kon­trol­le un­ter­wor­fen wird.
Streit­wert­be­schluss:
Der Streit­wert wird ent­spre­chend den Emp­feh­lun­gen des Streit­wert­ka­ta­logs für die Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit auf 5.000,- € fest­ge­setzt (NVwZ 2004, 1327; Nr. 35.5 Nor­men­kon­trol­le), da die An­trag­stel­ler kein wirt­schaft­li­ches In­ter­es­se an der Ent­schei­dung ha­ben ( § 52 Abs. 2 GKG ).
Der Be­schluss ist un­an­fecht­bar ( §§ 66 Abs. 3 S. 3 , 68 Abs. 1 S. 5 GKG ).
zur Übersicht 8 C 1776/12.N

References: § 1

§ 1
 § 9
 § 5
 Art. 140
 Art. 139
 Art. 9
 Art. 139
 Art. 139
 Art. 9
 § 1
 § 13
 § 13
 § 13

§ 1
 § 13
 § 1
 § 105
 § 10
 § 10
 § 13
 § 10
 § 1
 § 1
 § 47
 § 15
 § 47
 § 47
 § 61
 Art. 9
 § 47
 Art. 9
 Art. 140
 Art. 139
 Art. 139
 Art. 139
 Art. 2
 Art. 6
 Art. 9

Art. 53
 Art. 139
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 8
 § 10
 § 1
 § 1
 § 26
 § 184
 § 61
 Art. 16
 Art. 1
 § 1
 § 1
 § 47
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 139
 Art. 53

§ 1
 § 1
 § 1
 § 1
 Art. 20
 Art. 28
 § 1
 § 3
 § 13
 Art. 1
 § 12
 § 13
 § 9
 § 13
 Art. 72
 § 13
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 § 6
 § 1
 § 1
 § 10
 Art. 5
 § 1
 § 1
 § 1
 § 13
 § 10
 § 3
 § 1
 § 1

§ 1
 § 33
 § 27
 § 14
 § 4
 § 154
 § 167
 § 132
 § 52