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Timestamp: 2019-10-23 17:04:00+00:00

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Warum darf Bier aus einer großen Brauerei nicht schmecken? - Seite 2 - hobbybrauer.de
Beitrag von Tozzi » Freitag 6. Juli 2018, 01:28
Der Mensch neigt nunmal gerne zur Schwarz/Weiß Malerei.
Das zeigt sich immer wieder, ob es nun die Politik betrifft (aktuell Flüchtlingsproblematik oder auch Donald Trump, der es geschafft hat, so zu polarisieren, dass sich tiefe Gräben mitten durch Familien ziehen) oder eben Bier.
Da wird ganz schnell jeder Syrer zum zumindest potenziellen Islamisten und Vergewaltiger gestempelt (wenn er noch keiner ist, weiß er es halt selber ganz einfach noch nicht) und alle Großbrauereien verkörpern am Ende doch nur AB Inbev und damit indirekt Monsanto, BASF und so weiter.
Jedes Körnchen Wahrheit wird zum Gebirge aufgeblasen, und es interessieren nur noch "alternative" Fakten.
Man bedient sich aus dem Internet mit den "Fakten" die man selber schon lange für richtig hält, ob das nun realistisch der Wahrheit entspricht oder nicht, scheiß egal. Hauptsache es passt zum eigenen Weltbild, dann muss man nicht mehr so viel nachdenken.
Industriebier = Böse Plörre, Craft Beer = Cooles Heldenwerk, am besten noch Biodynamisch, Fair Trade und Vegan.
Leider ist es aber halt auch so, dass der Konzentrationsprozeß in der Brauereiwirtschaft inzwischen tatsächlich weit fortgeschritten ist und einzelne Unternehmen wie AB Inbev eine Macht angesammelt haben, die Angst macht.
Der Verbraucher ist natürlich letztlich alles andere als unschuldig an diesem Prozess (Geiz ist geil), aber auch da macht man es sich zu einfach.
Wer wirft den ersten Stein.
Wir sind verwöhnt hier in Deutschland, was Bier betrifft.
Wir sind aufgewachsen zwar mit wenig Vielfalt, aber durchaus annehmbarer Qualität.
Der daraus entstehende Preiskrieg, der letztlich zu immer mehr Konzentration geführt hat, war abzusehen.
Von den 5 klassischen Münchner Brauereien gibt es noch eine einzige (Augustiner), die weder direkt noch indirekt AB Inbev als Mehrheitseigner hat.
Diese Bastion ist als letzte gefallen, der gesamtdeutsche Markt (Pils) ist schon lange nicht mehr mittelständisch (von ein paar Ausnahmen wie Flensburger abgesehen).
Bier ist in Bayern fast billiger als Wasser, zumindest wenn man es in Flaschen kauft.
In anderen Ländern hat die "Craft" Beer Szene einen klaren Vorteil, ob man jetzt die USA nimmt, oder Frankreich, Italien oder sogar Indien.
Das Bier dort war langezeit schlichtweg ungenießbar.
Gleichzeitig war es dort niemals ein Billig Produkt.
Man ist bereit, ein paar Euro mehr für ein gutes Produkt zu bezahlen, und es gibt auch die entsprechenden Vertriebswege.
Ist Pilsner Urquell ein Industriebier?
Jener Abklatsch den man hier kaufen kann, klares Ja. Eins der schlimmsten und ekligsten (meiner Meinung nach).
In Pilsen selbst wird es noch ungefiltert und unpasteurisiert mit Pferdekutschen ausgeliefert (selbst so gesehen vor 3 Tagen).
Edelstahlkegs, keine Holzfässer allerdings.
Das alles mit Skepsis zu sehen oder zumindest zu hinterfragen, ist mMn ein klarer Fall.
Monopole sind nie gut für den Verbraucher. Zumindest schon mal nicht, was die Qualität betrifft. Preiskriege auch nicht.
Vorkommnisse wie die bedauernswerte Entscheidung von Beavertown führen dann endgültig zu teils dann auch irrationalen Freund/Feindbildern.
Würde ich es anders machen? Ganz klar: Nein!
Wenn ich eine Brauerei eröffne und AB Inbev bieten mir einen 8-oder neunstelligen Betrag, dann müsste ich doch wirklich saublöd sein, das abzulehnen (oder genug Knete übrig haben dass ich sagen kann, schleicht's euch).
Schmecken darf es (das "Industriebier").
Aber auch ich gebe mein Geld lieber den Kleineren (wenn sie die gleiche oder höhere Qualität bieten, und das muss nicht unbedingt zum selben Preis sein).
Es gilt, die Vielfalt zu erhalten und neuen (oder auch traditionellen) Unternehmen eine Chance zu geben, bzw. zu erhalten, auf einem extem umkämpften Markt.
Dazu tragen wir Hobbybrauer bei, mindestens schon mal in unserem unmittelbaren Umfeld.
Wir schaffen "Awareness" und öffnen Augen.
Und trotzdem werde ich keine MInute drauf verschwenden, ein Gutmanns oder Augustiner zu klonen.
Das krieg ich im Getränkeladen um die Ecke billiger und es schmeckt mir.
Und mit Sicherheit hat das auch dazu begetragen, dass die Amis eben schon recht lange Tradition im Heimbräu haben.
Die, die wir 1991 heimgeschickt haben, haben das Weißbier und das Helle garantiert vermisst...
Beitrag von Alt-Phex » Freitag 6. Juli 2018, 03:03
Wir befinden uns mitten in einer Sommelier Apokalypse, plötzlich ist jeder zum Bierexperten mutiert. (Leider kann man die nicht einfach wie in Walking Dead über den Haufen knallen.) Wirklich Plan von der Materie haben die wenigsten. Gestern noch das Becks aus der Pulle genuckelt und jetzt "Craftbeer Jünger" mit nem Chili-Gurken-IPA aus dem Teku Glas. Und so mancher selbsternannter Sommelier pusht sich in den sozialen Medien als Kenner der "Craftbier Revolution" hoch, ohne auch nur das geringste von Bier oder geschweige denn vom brauen zu verstehen. Da werden dann sogar Biere verissen die nicht mal selber verkostet wurden. Gehts noch?
Das ist alles recht amüsant und ich komme da manchmal aus dem Lachen nicht raus. Nüchtern betrachtet kann einem da aber auch Angst und Bange werden. Das Thema wird teilweise so ernst und emotional aufgebauscht, man könnte glatt von Craftbier-Populismus reden. Ein besonders gutes Beispiel, das man auch hier im Forum beobachten konnte, sind die "Craftbiere" vom Lidl. Die werden auch verrissen ohne objektiv verkostet worden zu sein. Vom Discounter darf das nämlich erst recht nicht schmecken. Vermutlich geben die Leute aber nur zuviel Geld für die teure Hipster-Brühe (Das Gegenteil von Industrie Plörre!!) aus und können sich keinen Urlaub mehr leisten. Sonst hätten die mitbekommen das solche Biere in Italien und Spanien zum Standard Sortiment der Discounter gehören. Und die sind nicht schlecht. Das wird hier genauso normal werden, ob die "Crafties" das wollen oder nicht.
Und wenn manche Craftbierbude ein "normales" Bier unter anderem Label verkaufen muss, wel sie sonst der Shitstorm dieser Möchtegern Bierkenner ereilen würde, dann wird es langsam Zeit mal drüber nachzudenken doch die Schrotflinte auszupacken...
Beitrag von §11 » Freitag 6. Juli 2018, 03:21
Freitag 6. Juli 2018, 00:33
Ja, zumindest treten sie da sehr geballt auf
Beitrag von Boludo » Freitag 6. Juli 2018, 06:28
Freitag 6. Juli 2018, 03:03
Das nennt man Dunning Kruger Effekt, einer meiner Lieblingseffekte:
Beitrag von olibaer » Freitag 6. Juli 2018, 09:54
Naja Peter,
dazu müsste Hobbybrauer zunächst und mehrmals hintereinander in der Lage sein einen beinahe identischen CO2-Gehalt, getrennt und unterscheidlich nach Flaschen-, Fass- und ggf. Dosenbier, einzustellen - natürlich RHG-Konform(kein Zucker, keine Zwangskarbonisierung).
Alleine an dieser Hürde werden schon die meisten scheitern.
Als Topping sollte die Trübung in den unterschiedlichen Gebinden über das MHD hinweg gleichmäßig erhalten bleiben.
Die Hefe aus dem Flaschenbier sollte beim einschenken bitteschön keine Klümpchen bilden, sollte nicht zu viel aber immer gleich viel sein, und das Fassbier sollte über den MHD-Zeitraum nicht ausklaren und "zapfbar" bleiben.
Selbstverständlich ist solch ein Bier mikrobiologisch einwandfrei, schmeckt & riecht immer gleich gut und hält den Schaum.
Was ich hier beschreibe ist eine Mindestanforderung und zugleich eine Erwartungshaltung vom Konsumenten - selbst an Kleinstbetriebe.
Bin ich nicht in der Lage sie so oder ähnlich zu erfüllen, landet ein Großteil der Charge als Reklamation wieder auf dem Brauereihof und/oder wird am Stammtisch/Dorffest/Heimatfest "verrissen". Das Bier ist durch: tolle Schüttung hin, tolle Hefe her.
Achja: Im Sommer sollte es natürlich längere Sonneneinstrahlung und/oder 40-60°C unter der LKW-Plane aushalten und im Winter eine Schockfrostung hier und da.
Dazu müssen die Vertriebswege nicht einmal besonders lang sein. So manch' heimischer "Bierkutscher" neigt dazu am Vorabend "vorzuladen" und stellt den "Bock" dann vor der Haustüre ab. Im Sommer scheint die Sonne drauf, im Winter friert die Ware ein.
So viel zum Thema "mithalten" und "falsch machen" - du vergleichst getrennte Welten
Beitrag von chaos-black » Freitag 6. Juli 2018, 10:02
Hm das ist schon echt interessant. Hier wird von den kleinen das gleiche wie von den großen erwartet, während ich in Irland den Eindruck bekommen habe dass die Individualität des einzelnen Sudes geschätzt wird. Gemäß "It is not a bug, it's a feature!" dient es der Abgrenzung von den großen Guinness, Smithwicks, Heineken und Co dass sich unterschiedliche Chargen unterscheiden können. Das wird dann eben als handwerklicher wahrgenommen - schließlich unterscheiden sich die Rohstoffchargen auch.
Beitrag von olibaer » Freitag 6. Juli 2018, 11:14
Freitag 6. Juli 2018, 10:02
... Das wird dann eben als handwerklicher wahrgenommen - schließlich unterscheiden sich die Rohstoffchargen auch.
Sehe ich auch so, allerdings funktioniert das in seinen Abweichungen nur sehr eingeschränkt - vielleicht im Verbund mit viel inhaltlicher Kommunikation und sehr spezifisch verortet(Pub o.ä.).
Selbst auf einem "Dorffest" kann ich keinem ein (Weiß)bier ohne Schaum, mit zu wenig Kohlensäure, mit Hefebrocken und vielleicht noch leicht angesäuert, als handwerkliches "feature" verkaufen. Das endet am Pranger.
Man muss ja die inhaltlichen "Sprünge" Hobbybrauer->Industriebrauer gar nicht so weit wählen.
Wer als Hobbybrauer, selbst mit viel Erfahrung, plötzlich für 50 Hochzeitsgäste ein Wunschbier brauen soll, merkt doch recht schnell, dass man in der eigenen Wahrnehmung in eine ganz neue Welt eintaucht, obwohl finanziell nichts auf dem Spiel steht und man, nüchtern betrachtet, nichts zu verlieren hat.
Wer sich inmitten solch einem Szenario wieder findet, denkt jetzt schon ganz anders ... und wir sind immer noch beim Hobby ;-)
Beitrag von bierhistoriker.org » Freitag 6. Juli 2018, 11:47
Wir befinden uns mitten in einer Sommelier Apokalypse, plötzlich ist jeder zum Bierexperten mutiert. (Leider kann man die nicht einfach wie in Walking Dead über den Haufen knallen.)
Dieser Satz liegt sehr gut im Rennen um die ignoranteste Aussage des Jahres!
PS: Wenn das das Niveau der 2019er Convention sein wird, sind gerade zwei Doppelzimmer im Schloss Romrod freigeworden und ihr könnt die Wettbewerbsbiere selbst beurteilen, weil ja alle so riesige Experten sind
Beitrag von bierhistoriker.org » Freitag 6. Juli 2018, 11:57
... auch die Moderatoren haben sich auf dieser Plattform vermehrt wie die Kaninchen.....
Zeit für die Schrotflinte???
PS : Wo ist Erlenmeyer? Titanic 3
Ist das hier jetzt zur bierigen "AFD-Hetzplattform" geworden?
Beitrag von afri » Freitag 6. Juli 2018, 12:11
Freitag 6. Juli 2018, 11:47
Wie bist du denn drauf? Zum Glück kann man in Deutschland frei seine oder ihre Meinung sagen/posten, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Am besten natürlich nett, aber so kann ich auch diese Beiträge tolerieren, wie du sie abgesondert hast. Die finde ich nämlich leicht daneben.
Achim (im übrigen Alt-Phex' Meinung teilend)
Beitrag von bierhistoriker.org » Freitag 6. Juli 2018, 12:17
Freitag 6. Juli 2018, 12:11
Also wenn jemand schreibt, dass man bestimmte Leute leider nicht "über den Haufen schießen kann", dann hat man die Grenze der Meinungsfreiheit wahrscheinlich und die des guten Geschmackes eindeutig überschritten!
... und auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil!
Ich habe nur die Terminologie des Vorredners benutzt, sonst nichts!
Beitrag von Johnny H » Freitag 6. Juli 2018, 12:39
Ich finde, dass Du hier ganz eindeutig über das Ziel hinausschießt, Jürgen.
Komm bitte runter. Diese Eskalation, die m.E. jetzt von Dir ausgeht, muss echt nicht sein.
Beitrag von tauroplu » Freitag 6. Juli 2018, 12:57
Beitrag von Boludo » Freitag 6. Juli 2018, 12:59
Ich glaub ich weiß, was Alt-Phex meint und ich glaub ich weiß, was Jürgen meint, und beide haben Recht, sprechen aber über was komplett anderes.
Es gibt schon Leute, die meinen wunder was, nur weil die die Ausbildung gemacht haben und wissen trotzdem recht wenig. Diese Leute meinte wohl Bernd
Aber man muss da wirklich aufpassen und darf nicht so tun, wie wenn alle Bier Sommeliere Schwätzer sind. Es gibt wirklich viele ganz excelente Sommeliere und diese Leute sind unglaublich wichtig und transportieren das Thema Bier in die Gesellschaft und sehr viele sind wirklich genial und ich ziehe den Hut vor ihnen.
Zuletzt geändert von Boludo am Freitag 6. Juli 2018, 13:10, insgesamt 1-mal geändert.
Beitrag von Paule » Freitag 6. Juli 2018, 13:00
Naja so quickly auch nicht, hat schon fast 60 Beiträge gedauert.
Beitrag von tauroplu » Freitag 6. Juli 2018, 13:02
Nee, gerechnet vom Post von Altphex bis jetzt ging es schon recht schnell
Beitrag von gulp » Freitag 6. Juli 2018, 13:06
Freitag 6. Juli 2018, 09:54
Puh Oli,
da machst du ja wieder ein Faß auf. So wie das von mit dasteht hast du natürlich Recht, in fast allen Punkten. Ich ergänze mal um ein wichtiges Wort:
Wer als Hobbybrauer beim Weißbier nicht mit den "Großen" geschmacklich mithalten kann, macht definitiv etwas falsch.
Mit gestrippter Gutmann Hefe aus frischen Flaschen und einem guten Rezept ist das recht einfach zu erreichen.
Absolut richtig. Meine Welt ist nun mal die des Hobbybrauers.
Im übrigen habe ich keine Lust mich hier immer nach "allen Regeln der Braukunst" korrekt auszudrücken. Das kommt halt zuweilen etwas flapsig oder gar grantig daher, dafür aber auch einigermaßen belebend, hoffe ich.
Die anderen Punkte, wie Reproduzierbarkeit, oder Hitzebeständigkeit, weil bezechte Bierfahrer den Lastwagen in die Sonne stellen, müssen mich als Hobbybrauer nicht interessieren.
Allerdings habe ich schon lange kein Weissbier mehr gebraut, Saison ist für mich inzwischen wesentlich interessanter.
Peter, der gerne das helle Tucher Weizen trinkt.
Beitrag von Paule » Freitag 6. Juli 2018, 13:09
Freitag 6. Juli 2018, 12:59
Freitag 6. Juli 2018, 13:02
Naja die Wortwahl von Alt-Phex war recht provozierend.
Das Thema wird teilweise so ernst und emotional aufgebauscht, man könnte glatt von Craftbier-Populismus reden.
Es ist doch nur deshalb so emotional, weil Bier oder auch Craftbier wieder ein riesen Thema in der Gesellschaft ist. Da haben die "Craftbeer Jünger" (scheren wir sie doch einfach alle über einen Kamm ) auch einen großen Anteil dran. Ich finds gut. Die Leute reden wieder drüber. Klar gibt es immer welche, die weniger und manche die mehr von der Materie verstehen. Aber Hauptsache finde ich, dass der Begriff Bier mal wieder vom Staub befreit wurde.
Ein besonders gutes Beispiel, das man auch hier im Forum beobachten konnte, sind die "Craftbiere" vom Lidl.
Die Geschichte mit den Lidl Bieren kann man auch genau andersherum sehen. Hier im Forum und auch in sozielen Medien wurden sie verkostet, bewertet und meist bei ok/gar nicht mal so übel eingestuft. Gibt immer 2 Seiten...
Beitrag von grüner Drache » Freitag 6. Juli 2018, 13:18
Ich denke, diese Eskalation ist durch die Frage, warum Bier aus einer großen Brauerei dem "Craft-beer-Jünger" nicht schmecken darf schon vorgegeben.
Hier sind sicher sehr viele Leute mit einem enormen Wissen über Bier vertreten, und es gibt auch die Haltung alles ganz fachlich und wissenschaftlich begründen und darlegen zu können - schließlich sind wir ja ein Fachforum
Ich habe selber den Versuch unternommen, den Begriff. "craft-beer" irgendwie zu retten - und bin damit gescheitert ...
Vielleicht hätte ich dazu sagen müssen, dass auch den Begriff selber für undefinierbar halte...
er beschreibt für mich eher eine Art Trend, eine Epoche, eine Bewegung, eine Begeisterung.
Sicher trägt die Craftbeerwelle auch seltsame Blüten, wie meinetwegen die ganzen auffälligen Somelier.
Aber muss man denn hier so bierernst drauf reagieren?
Ich finde nicht, und kann das auch begründen:
" Weil man sich damit möglicherweise um ne geile Zeit bringt !
Ich glaube nämlich daran, dass es die Craftbeerwelle gibt, und finde es spannend in dieser Zeit zu Leben.
Egal ob ich das jetzt wissenschaftlich begründen kann oder nicht...
Vielleicht kann man die crafteer-Welle als Bewegung, als Epoche verstehen wenn man sich folgendes Zitat anschaut:
Ein Höhepunkt den man nie wieder erlebt. San Francisco mitte der 60iger, war eine besondere Zeit und ein besonderer Ort um dazuzugehören. Aber keine Erklärung, keine Wortkombination oder Musik oder Erinnerung könnte an das Gefühl heranreichen zu wissen, dass man dabei war und in jener Ecke der Zeit, und in der Welt gelebt hat, was immer das bedeutet. Es herrschte Wahnsinn in jeder Richtung, zu jeder Stunde, man konnte überall Funken erzeugen. Es herrschte ein fantastisches, universelles Gefühl, dass was immer wir taten richtig war, dass wir gewinnen würden. Und dass denke ich war der Haken. Dieses Gefühl des unvermeitlichen Sieges über des Alten und des Bösen, nicht in einem fiesen oder militerischen Sinne, dass hatten wir nicht nötig. Unsere Energien würden sich einfach durchsetzten. Wir hatten den Moment auf unserer Seite,wir ritten auf den Kamm einer hohen und wunderschönen Welle. Und jetzt nicht ganz 5 Jahre später, kann man auf einen steilen Hügel in Las Vegas klettern, und nach Westen sehn,und wenn man die richtigen Augen hat, kann man die Hochwassermarke sehn, den Ort wo sich die Welle schließlich brach und zurückrollte."
(aus dem Film:
fear and loathing in las Vegas)
Es gibt heute auch noch ellenlange Diskussion darüber, ob damals was passiert ist, und was das gebracht hat und ob die Zeit irgendetwas verändert hat.
Solche Diskussionen sollte man mit dem nötigen Abstand führen, jetzt geht es darum entspannt zu bleiben.
Ich finde diese Dinge wie die Markennamenschutzrechtkakke zeigt das nur zu gut
Also, beruhigt Euch, schönes Wochenende!
Beitrag von Felix83 » Freitag 6. Juli 2018, 13:39
Durch solche eskalativen Diskussionen hier im Forum über Craft und die Bedeutung kam ich übrigens auf meine spezielle Nische mit der Brauerei. Ich wollte einfach nicht in diese Grabenkämpfe als Firma mit einsteigen. Hab auch extra einen Abschnitt auf der Webseite, der sich mit der Diskussion beschäftigt und den Begriff Craft sogar kritisch diskutiert.
Daher die Idee, sich auf "normale" Casual Biertrinker zu konzentrieren, aber diese extremen Leute (Ich hasse das neumodische Zeugs <-> Craft ist das einzig echte Bier) auch möglichst mit abzuholen.
Einfach mit Bieren, die zwar "craftig" sind, aber dennoch gut schüttbar, eine Alternative zum Standardpils darstellen und vom Fass erhältlich sind, speziell für Partys und kleine Runden.
Ich hatte diese Diskussion noch nie mit irgendjemand, weil das Bier einfach für alle gut passt und die Craftneulinge trotzdem erkennen, dass es was ganz anderers ist, die Craft Fetischisten aber auch nicht vergrault.
Darum gehts eigentlich. Einen gemeinsamen Nenner finden, anstatt sich gegenseitig schlecht zu reden. Is wie Tozzi oben geschrieben hat. Alles ist nur noch extrem.
Beitrag von flying » Freitag 6. Juli 2018, 13:58
Freitag 6. Juli 2018, 11:57
Sind doch schon ein paar weniger geworden...also pack die Büchse wieder ein..
Beitrag von §11 » Freitag 6. Juli 2018, 14:15
Ich glaube sogar das ihr beiden ziemlich aneinander vorbeiredet
Bernd und ich haben oft unseren Spaß an „selbsternannten“ Biersommeliers, die weder eine Ausbildung zum Sommelier haben, noch Ahnung vom Brauen, sich aber toll verkaufen und dann scheinbar in der Lage sind das Bier auch ohne Verkostung bewerten zu können. Da kommen dann Aussagen rum wie das ein Maisel zu billig ist um gut sein zu können
Scheinbar ist es aber hier wie im politischen Populismus, wer am lautesten schreit und verbal Tiefschläge verteilt, der findet Gehör. Unter den Blinden ist der Einäugige halt König
Ist wie zur WM, wo wir 80 Millionen Bundestrainer haben, so haben wir beim Bier plötzlich nur noch Braumeister und Michael Jacksons.
Und in Romrod trinkt ihr dann mal ein Bier zusammen, das ist nämlich ein weiterer positiver Effekt von Bier. Es verbindet.
Beitrag von Alt-Phex » Freitag 6. Juli 2018, 14:33
Bei mir schwingt in solchen Diskussionen halt immer etwas Ironie und Sarkasmus mit. Sorry, ich schreib es nächstes mal extra dazu.
Beitrag von olibaer » Freitag 6. Juli 2018, 15:58
Freitag 6. Juli 2018, 13:06
Was genau ist an "Hefestripping" aus Fremdflaschen für den Hobbybrauer einfach - nichts. Ein riesen Aufwand mit ungewissem Ausgang.
Im übrigen habe ich keine Lust mich hier immer nach "allen Regeln der Braukunst" korrekt auszudrücken.
Mag ja sein, dass du keine "Lust" mehr hast, bedingt aber auch, dass du aufhörst Bälle ins Spiel zu kegeln, deren Flugbahn du nicht einschätzen kannst
Beitrag von nrtn » Freitag 6. Juli 2018, 16:53
Hier wird sich sogar im 2-wöchentlichen "wir sind uns alle einig dass Kaufbier auch ok ist" Thread gestritten :)
Was steht denn für nächste Woche an? Backofenflaschen oder Steril-gibt-es-nicht? [/übertriebener Sarkasmus]
Beitrag von gulp » Freitag 6. Juli 2018, 18:18
Stimmt, in letzter Zeit ist das immer schwieriger geworden. Früher war das mal einfach:
https://hobbybrauer.de/modules.php?name ... &tid=19003
Der Ausgang ist genau so gewiss, oder ungewiss wie der mit Trockenhefe. Freilich ist es besser Trockenhefe im Ärmel zu haben, falls das Strippen misslingt.
Der war gut. Einen Schei.. werde ich aufhören. Um bei dem Bild zu bleiben: Bälle, deren Flugbahn schwer zu berechnen sind, landen oft im Tor
Und beim nächsten Treffen hocken die "Blödmänneken, einschließlich mir " dann alle wieder an einem Tisch und glotzen seelig in ihr Bierglas.
Beitrag von olibaer » Samstag 7. Juli 2018, 12:16
Freitag 6. Juli 2018, 18:18
Das ist es, was uns ausmacht - wir können das noch. Eine ganz wunderbare Tradition
Beitrag von Johnny H » Samstag 7. Juli 2018, 15:19
Strippen halte ich für deutlich(!!) schwieriger, und den Ausgang ungewisser als die Arbeit mit Trockenhefe. Letztere ist, sofern man einige wenige Grundregeln beachtet, doch fast narrensicher im Umgang. Bei Striphefe hingegen ist es mit herkömmlichen Mitteln quasi unmöglich, den Zustand abzuschätzen.
Diesbezüglich besteht ein Riesenunterschied zu zwischen Strip- und Trockenhefe, und erst vor zwei Jahren habe ich mir mit einer Gutmann-Striphefe, die auch in einem Starter nicht ankommen wollte, um ein Haar einen Sud versaut. Unter anderem deswegen, weil ich mich auf die "einfache" (sic!) Faustregel von vier Flaschen pro 20l verlassen habe.
Beitrag von dpjBrau » Mittwoch 11. Juli 2018, 16:55
Geht es wirklich darum Oli? - Bei mir zu mindestens nicht. Ich weiß, dass es für mich nicht möglich ist 2 absolut identische Biere zu brauen. Dafür gibt es bei mir zu viele unbekannte bzw. schlecht/nicht kontrollierbare Faktoren. Ein gutes Weizen bekomme ich trotzdem hin (zu mindest wenn ich denen glauben darf, die es gerne trinken). Jedes anders, aber doch ähnlich. - Natürlich gibt es hervorragende Weizen zu kaufen, aber ich will gar nicht mit einer Braurei konkurieren.
ich bekommme bei den großen Konzernen insoweit Bauchweh, weil diese ein überall trinkbares Bier brauen und da bleiben zwangsläufig die Vielfalt und die regionale Eigentümlichkeit mit auf der Stecke. Wenn ein Bier in Australien genauso schmecken soll wie in LA oder in Alaska oder in München etc. , dann bleibt nicht viel Spielraum für Regionalität. Die Biere sind alle nicht schlecht, Braufehler findet man da garantiert nicht. - Nur ist es eben auch so, dass Craft-Bier ein Label für Qualität ist. - Aber das Label "Hobbygebrautes" eben auch nicht. Neben bei denke ich, dass einige Brauer auch das Label Craft-Bier für sich entdeckt haben, um richtig Geld zu verdienen und die Qualität nicht die erste Geige spielt.
Beitrag von Boludo » Mittwoch 11. Juli 2018, 17:05
Craft hat null mit Qualität zu tun. Reinheitsgebot auch nicht. Hobbygebraut erst recht nicht.
Beitrag von Schlafwagenschaffner » Mittwoch 11. Juli 2018, 21:34
Definiere doch bitte mal Qualität.
Beitrag von Tozzi » Mittwoch 11. Juli 2018, 21:40
Ein etwas schwieriges, aber wie ich finde trotz allem sehr gutes Buch zum Thema:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zen_und_d ... _zu_warten
Beitrag von flying » Donnerstag 12. Juli 2018, 14:27
Qualität hat immer was mit Kontext zu tun. Man definiert für einen Stil gewisse Parameter und wenn diese nicht getroffen werden ist die Qualität schlecht. Mit gutem oder schlechtem Geschmack hat selbst das nichts zu tun. Vereinfacht ausgedrückt. Ein super Weißbier ist ein qualitativ extrem schlechtes Pils, wenn man so will.
Ich hab schon sehr warm vergorene Untergärige getrunken. Sehr viele Ester. Eines davon war mit Holzchips versetzt und schmeckte toll nach Birne und Holznoten. Richtig geiles Zeuch. Qualitativ gesehen, gemessen am Bierstil aber ein totaler Reinfall.
Und um die Sache auf die Spitze zu treiben kommt jetzt der Clou. Wer sagt denn was Qualität ist oder nicht? Da kommt meinetwegen jetzt jemand der groß, stark und gutausehend ist. Charismatisch und eloquent. Ein Method- Acting- Halbgott mit Tekuglas. Der trinkt so ein Bier, findet es gut und beschreibt es voller sprachlicher Schönheit und führt noch einen Ausdruckstanz darum aus..
Voila...ein neuer Qualitätsmaßstab ist geboren!
Beitrag von Bierwisch » Donnerstag 12. Juli 2018, 14:57
Immer wieder schön euch "zuzuhören"...
Beitrag von Fauntleroy » Samstag 14. Juli 2018, 16:46
Neue Kategorie: Der Wutbrauer.
Beitrag von uli74 » Samstag 14. Juli 2018, 20:56
Beitrag von §11 » Samstag 14. Juli 2018, 23:49
ich bekommme bei den großen Konzernen insoweit Bauchweh, weil diese ein überall trinkbares Bier brauen und da bleiben zwangsläufig die Vielfalt und die regionale Eigentümlichkeit mit auf der Stecke.
Absolut! Das ist mein Punkt. Aber dann sollte man diese Kritik beim Namen nennen und nicht das Bier schlecht machen.
Es wäre ehrlich zu sagen ich trinke das Becks IPA nicht weil ich auch in Zukunft viele kleine regionale Brauereien will. Aber auf was es leider immer rausläuft ist:“ das Becks IPA ist die letzte Plörre und schmeckt Scheisse.“
Das ist aber im Grunde genauso verlogen wie Siegelhopfen und Küstengerste.
Beitrag von Sura » Sonntag 15. Juli 2018, 01:17
Wenn es die Empfindung ist, warum ist das verlogen?
Wenn ich Essen gehe, und ich sehe vor der Bestellung das die Küche ein Dreckhaufen ist und die Klos nicht geputzt, dann wird mir das Essen NIE schmecken, egal wie lecker es hätte sein können. Die Gedanken und Gefühle, die man mit einem Essen verbindet, helfen oder stören beim Geschmacksempfinden.
Darum schmeckt der (billige) Wein im Urlaub am Strand so toll.
Darum mag mein Kleiner keine Lasagne mehr, weil er das wohl mit seiner Magen-Darm Krankheit vom letzten Jahr verbindet. (Klappt also auch bei Kleinkindern)
Und Autosuggestion klappt halt auch bei Kaufbieren: Mich spricht das Wort Küstengerste an, egal wie unsinnig es ist, und schon schmeckts mir als Nordlicht besser. Siegelhopfen dagegen klingt in meinen Ohren arrogant und überheblich, und darum mag ich das entsprechende Bier schon mal garnicht. Das ist aber nicht verlogen. Das ist einfach so.
Beitrag von gulp » Sonntag 15. Juli 2018, 01:34
Siegelhopfen dagegen klingt in meinen Ohren arrogant und überheblich, und darum mag ich das entsprechende Bier schon mal garnicht. Das ist aber nicht verlogen. Das ist einfach so.
Siegelhopfen ist nichts schlimmes und hat mit Arroganz so gar nichts zu tun. Das schützt vor Qualitätsverfälschung: https://hvg-germany.de/de/qualitaetssic ... nftsgesetz
Natürlich war da Franken wieder mal führend. Das älteste Hopfensiegel kommt aus Spalt aus dem 16. Jahrhundert.
Beitrag von Sura » Sonntag 15. Juli 2018, 07:33
Sonntag 15. Juli 2018, 01:34
Siegelhopfen ist nichts schlimmes und hat mit Arroganz so gar nichts zu tun. Das schützt vor Qualitätsverfälschung: https://hvg-
Das meine ich ja: Es ist nichts schlimmes, ich weiss es, aber trotzdem klingt es in meinen Ohren in der entsprechenden Werbung nach: "Ällabätsch! Wir sind die einzigen mit dem tollen Siegelhopfen den sonst nieeeeemand hat, und darum ist das Bier auch das beste, selbst wenn andere wollten, sie könnten ja garnicht!"
Beitrag von olibaer » Freitag 20. Juli 2018, 10:51
Mittwoch 11. Juli 2018, 21:34
Tatsächlich schwierig - ich versuchs mal allgemein für einen undefinierten Haltbarkeitszeitraum, über die Stile hinweg und an eine eigene Erwartungshaltung gerichtet:
bildet/hat/hält Schaum
ist gleichmäßig, moderat oder wie gewünscht in der Trübung
ist nicht ungewollt sauer, salzig oder alkalisch
riecht/schmeckt nicht alt, fremd oder oxidiert
ist angenehm karbonisiert
ist sortentypisch
Beitrag von Schlafwagenschaffner » Freitag 20. Juli 2018, 13:45
Freitag 20. Juli 2018, 10:51
über die Stile hinweg und an eine eigene Erwartungshaltung gerichtet:
Beim letzten Punkt liegt der Hase im Pfeffer. Wobei "ist angenehm karbonisiert" auch individuell unterschiedlich ist.
Ansonsten gibt es von allen Arten von Brauern (Profis oder Hobby oder Crafter) Biere die diese Punkte erfüllen.
Beitrag von §11 » Freitag 20. Juli 2018, 16:09
Qualität hat in meinen Augen viel mit Selbstreflexion zu tun. Will ich ein Münchner Hell brauen und es kommt ein oxidiert- dunkles Sauerbier raus muss ich halt auch ehrlich zu mir selbst sein können und mir nicht einreden es schmeckt trotzdem gut.
Wenn ich während einem Marathon den Weltrekord im Kugelstoßen aufstelle, hab ich den Marathon trotzdem nicht gewonnen
Es gibt aber darüber hinaus durchaus Messgrößen die ich als objektiv bewerte. Biet hat als Lebensmittel einige wertgebende Inhalsstoffe. Wenn ich die zum Beispiel durch Oxidation aus dem vorher vollwertigen Lebensmittel entferne, leidet für mich die Qualität des Bieres.
Beitrag von Malzwein » Freitag 20. Juli 2018, 20:27
und mir nicht einreden es schmeckt trotzdem gut
Das muss ich mir nicht einreden, wenn es schmeckt und auch der Weltrekord im Kugelstoßen ist eine tolle Sache. Manchmal bringt der Zufall erstaunlich gute Ergebnisse. Aber wenn das nicht das Ziel war, ist da etwas "suboptimal" .
Geplante und gleichbleibende Ergebnisse wären für mich eines der brauchbaren Qualitätskriterien. Daran hapert es auch bei den meisten Hobby- Köchen, Bäckern, Brauern... und bei manch einem Profi ist da auch noch Luft nach oben.
Beitrag von Mehrbier » Montag 23. Juli 2018, 20:38
Die Definition eines Craftbieres ist in meinen Augen eben genau das was der Name aussagt, nicht mehr und nicht weniger.
Das Craftbier (ich bleibe jetzt einfach bei der Schreibweise) ist handwerklich produziert und das ist alles was es aussagt. Der Übergang zum industriellen ist fließend und es gibt auch mischformen.
Dem Ganzen jetzt Stempel wie „Qualität“ aufdrücken zu wollen geht vollständig an diesen Bezeichnungen vorbei und ist nicht sinnvoll. Craftbier sagt nur aus wie das Bier hergestellt wurde. Wobei diese Bezeichnung nicht geschützt ist und deshalb auch missbräuchlich verwendet werden kann.
Auf Grund dieser Aussagen sehe ich kein Problem darin ein industriell gebrautes Bier zu mögen. Dass einige Menschen ein sehr einfaches Weltbild pflegen sollte nicht ausschlaggebend sein.
Beitrag von §11 » Montag 23. Juli 2018, 21:52
OK. Dann sag ich aber mal kaezerisch wir haben praktisch kein Craftbeer, zumindest nicht im kommerziellen Massstab.
Was heisst denn handwerklich bei der Bierherstellung? Ich hab das Glueck zwei Berufe "gelernt" zu haben. Ich bin Schreiner und ich bin Brauer. Beim Schreiner ist die Unterscheidung zwischen Handwerk und Industrie sehr einfach. Wie der Name sagt, ist ein handwerklich gefertigtes Moebel mit der Hand gemacht (jetzt koennte man auch hier schon streiten ob dann z.B. eine Kreissaege erlaubt ist?). D.h. im Gegensatz zum industriell gefertigten Moebel, bei dem Maschinen die Hauptarbeit Machen und der Schreiner zum Handlanger degradiert wird, spielt er beim handwerklich gefertigten Moebel die Hauptrolle und Maschinen unterstuetzen ihn. Das ist mir klar und ich sehe den Unterschied.
Doch wie sieht das in der kommerziellen Brauerei aus? Ob das Sudwerk nun 1hl oder 1000hl hat, wird die Muehle ziemlich sicher durch einen Motor angetrieben, die Maische per Ruehrwerk bewegt und die Ventile und Prozesse (wie Temperatursteuerung) durch irgendeine Form der Automation gesteuert. Was unterscheidet nun hier das handwerklich gefertigte Bier vom industriell gefertigten?
Beitrag von Mehrbier » Montag 23. Juli 2018, 22:20
Mit deiner Darstellung gebe ich dir recht. Es gibt im kommerziellen Maßstab kein reines Carftbier. Deshalb schrieb ich auch dass der Übergang fließend ist.
Ich glaube dass dort Tendenzen entscheiden, in welche Richtung ein Bier geht. Wieviel Kontakt gibt es zum Produkt? Wie wird gemessen (per Hand oder digital)? Werden Messwerte von Computern oder Menschen bestimmt?
Der Ausstoß spielt sicherlich auch eine Rolle (wieviele Hektoliter kann man ohne oder mit wenigen insdustriellen Hilfmitteln handhaben?).
Wie wir wissen können die modernen Hilfmittel im Beruf Fluch und Segen sein. Ich tausche dabei Komfort gegen viele neue Fehlerquellen.
Als Beispiel möchte ich eine Erfahrung mit einem Azubi Brauer und Mälzer nennen, der genervt vor einem Bildschirm im Sudhaus saß und sagte: „Solange man den Alarm wegklicken kann ist es kein wirklicher Alarm und ich muss nicht nachgucken gehen.“ An der Stelle fehlt mir der Kontakt zum Produkt.
Der Schreiner im Handwerk sieht das Produkt nicht nur durch Maschinen rauschen, er fühlt es in seinen Händen, erkennt die Beschaffenheit. So ähnlich sehe ich es auch beim echten Craftbier.
Beitrag von Felix83 » Dienstag 24. Juli 2018, 00:49
Aber das ändert doch nichts an der Qualität des Produkts. Ok, man kann deine Idee weiterführen. Wenn bei den Großen dann standardmäßig pasteurisiert wird, geht sicherlich etwas verloren.
Beitrag von §11 » Dienstag 24. Juli 2018, 02:24
Aber Mb (leider hat er sonst keinen Namen) wollte ja den Begriff eben nicht auf die Qualität beziehen.
Dem Ganzen jetzt Stempel wie „Qualität“ aufdrücken zu wollen geht vollständig an diesen Bezeichnungen vorbei und ist nicht sinnvoll.
Beitrag von Felix83 » Dienstag 24. Juli 2018, 11:17
Ja, das Wort Qualität war deplatziert. Ich meinte eher, was es am Produkt an sich ändert, ob jetzt von Hand oder automatisch gemessen und gesteuert wird. Wie du auch schon sagtest. Das wollte ich nur ergänzen mit dem einzigen Unterschied, bei dem dann wirklich ein anderes Produkt rauskommt. Wenn industriell pasteurisiert wird, was Craft Brauer eben nicht machen (können). Filtrieren können sie ja, zumindest die etwas größeren Craft Brauereien.
Es gibt natürlich viele andere Produkte, bei denen sich Craft (nach Mehrbiers Definition) und Industrie deutlich auswirkt auf das Produkt z.B. Fertigpizza und eine richtige Pizza aus dem Holzbackofen von einem begnadeten Pizzabäcker.

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