Source: http://www.augenoptik-michael.de/firma/museum/museum_vorwort.htm
Timestamp: 2018-07-22 14:07:10+00:00

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Das Museum Vorwort
In der Schrift "Der Schatz d. Optik" von Jbn el Heitham erste Erwähnung, daß ein gläsernes Kugelsegment dazu dienen könne, einen Gegenstand vergrößert erscheinen zu lassen.
Im 13. Jh.
ins lateinische übersetzt und in Klöstern verbreitet entwickelte sich in allen Ländern die Brille.
In der 2. Hälfte des 13. Jh. wurden Brillen an mehren Stellen erwähnt.
Die 1. Brillen wurden von Mönchen gefertigt und benutzt.
Anfang des 14. Jh.
begann die Brillen fabrikation in Venedig, kurz darauf wurden auch in Spanien Brillen gefertigt.
wird in Deutschland der 1. Brillenmacher in Nürnberg erwähnt. Bis 1500 sind 12 Brillenmacher in Nürnberg genannt.
1. Brillenmacherinnung in Nürnberg.
Gründung der "königlich privilegierten optischen Industrie-Anstalt" von H. Duncker in Rathenow
Nun begann man Brillen und Gläser industriell herzustellen.Die Brillengläser wurden teilweise schon in den entsprechenden Fassungsformen , rund und oval, vorbearbeitet geliefert. Die Optiker waren auch Mechaniker und fertigten, reparierten und handelten sehr viele verschiedene Produkte.
Diese Betriebe nannten sich Opticus und Mechanicus, es wurden fast alle mechanisch physikalischen Geräte seiner Zeit gehandelt und repariert, was ja auch aus unseren alten Zeitungsanzeigen von 1877 ff hervorgeht.
So führte die Firma Michael und die Firma Heinrici in Zwickau nur wenige Wochen nach der Erfindung, die ersten Telefone ein.
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bildete sich dann der Optikerberuf heraus.
1905 wurde der "Centralverband der Inhaber optischer Geschäfte für Deutschland, Österreich, Ungarn und die Schweiz" gegründet und eine Berufsausbildung mit Gesellenprüfung organisiert.
aus "die Brille als optisches Instrument" Moritz v. Rohr 1921
"§ 178. Allgemeines zu dieser Aufgabe.
Man kann bei der Behandlung dieses Gegenstandes drei verschiedene Stufen unterscheiden; am ältesten sind wohl die Darstellungen, die technische Einzelheiten oder die Geschichte der Brille schildern, sodann kommt es zu Schriften (meistens ziemlich oberflächlicher Natur), um die Brillenbedürftigen über die Vorteile guter und die Nachteile schlechter Augengläser zu belehren, und erst ziemlich spät erscheinen eingehendere Zusammenfassungen für die Fachleute der Brillenverordnung und -anpassung. Es ist klar, daß für den vorliegenden Abschnitt auf den allgemein zusammenfassenden Inhalt Gewicht zu legen ist, denn Einzelschriften zur Brille sind auf den vorhergehenden Seiten genügend aufgeführt worden. - Zweifellos bedarf dieser Versuch einer solchen Darstellung noch mancher Erweiterung, doch muß er trotz seiner Unvollständigkeit gewagt werden, da man nur auf diese Weise die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf diesen Gegenstand lenken kann.
§ 179. Die Entstehung einer Brillenkunde um den Ausgang des 16. Jahrhunderts.
Die ersten Brillenschriften wurden durch den allgemeinen Anteil an Handwerk, und Gewerbe veranlaßt; man findet schon 1885 bei II TH. GARZONI, 1589 bei J. B. PORTA, um '1600 in der Regensburger Brillenmacherordnung und 1618 bei H. SIRTURUS technische Angaben, die uns heute die Bildung eines Urteils über die damalige Brillenherstellung gestatten. - Mit dem in einer Landessprache, der spanischen, verfaßten Brillenbuch des Geistlichen B. DAZA DE VALDES um ol 6 2 3 ersteigt die Kenntnis von der Brille die zweite Stufe, denn diese Schrift nimmt besonders auf den Träger Rücksicht und versucht, ihm auf bequeme Weise nützliche Kenntnisse beizubringen. Obwohl man in Paris die Bedeutung dieses Versuchs wohl einsah und eine sorgfältige Übersetzung davon abfaßte, kam es dort damals zu keiner Veröffentlichung, anscheinend darum, weil die in Spanien allgemeine Wertschätzung der Brille in ändern Ländern ihresgleichen nicht hatte. Dagegen wurden die Augengläser von den Ordensgeistlichen, deren Anteil an der ausübenden Optik damals wohl auf seiner Höhe war, sehr gewürdigt, und das führte zu recht brauchbaren Bearbeitungen in der Gelehrtensprache, dem Latein. Dafür liefert die des Prämonstratensers J. ZAHN um 1686 ein gutes Beispiel, dessen Brillenabschnitt dem heutigen Leser durch A. v. PFLUGK u. M. v. BOHR (38.) zugänglich gemacht worden ist. Ungefähr zu gleicher Zeit begannen gelehrte Altertumsfreunde in Italien - leider ohne tiefere Kenntnis des Gegenstandes - ihre Forscherarbeit, nämlich G. DATI und FR. REDI 'im 17., D. M. MANNI im 18. Jahrhundert, die in neuerer Zeit G. ALBERTOTTI (l.) zum Gegenstande einer lehrreichen Untersuchung gemacht hat.
§ 180. Das Aufkommen des Optikerhandwerks und seine Schriften zur Belehrung der Käufer.
Eine neue Zeit kann man auf diesem Gebiete damit kennzeichnen, daß sich im Westen und in der Mitte Europas ein Stand der Optiker herausbildet, der die ausübenden Mönche mehr und mehr ablöst und in der Landessprache kleine, ziemlich oberflächliche Lehrbücher veröffentlicht, die künftige Käufer als Leser voraussetzen. Hier ist auf CHR. G. HERTEL [l.) 1716, J. FR. MEY (l.) 1746, J. BISCHOFF 1786 in Deutschland, M. THOMIN 1746, 49 in Frankreich, J. AYSCOUGH (2,2.) 1780, 82, B.MARTIN 1754., die beiden ADAMS {!.) 1789 in England hinzuweisen. Indessen fehlte auch den Männern der Wissenschaft der Anteil an der Brille nicht ganz, und man mag- dafür z. B. auf J. R. LEÜTMANN 1728 in Deutschland und R. SMITH 1738 in England deuten, denen die medizinischen Schriftsteller anzureihen sind, von denen etwa FR. BOISSIER DE SAUVAGES 1768 angeführt sein mag. Immerhin ist unsere Kenntnis von Einzelheiten aus jener Zeit betrübend gering, da gerade die Fragen nach der Herstellung der Brillengläser, der Form und Anlage der Fassungen u. a. diese Schriftsteller so gut wie gar nicht gefesselt haben. Besser wird es damit, als der gewerbliche Schutz etwas häufiger nachgesucht wurde, und als England für längere Zeit die Führung im Brillenwesen übernahm. Es ist durch hervorragende Köpfe wie etwa W. H. WOLLASTON 1804, -13, G. B. AIRY (7.) 1825 und J. L HAWKINS (2.) 18SS6 glänzend vertreten,doch auch in Frankreich sind die Arbeiten von P. GALLAND (2.) und M. N. J. CHAMBLANT seit 18 S 3 offenbar von einer größeren Bedeutung gewesen, als man heute im einzelnen belegen kann; auch die Tüchtigkeit von werktätigen Optikern wie J. G. A. CHEVALLIER und GH. CHEVALIER hat eine beträchtliche Rolle gespielt. Die Zusammendrängung von Angebot und Nachfrage in den großen Hauptstädten dieser Länder förderte in hohem Maße das Verständnis für die Brille bei Brillenträgern, Optikern und Ärzten, und es gehört nicht zu den geringsten Hindernissen dieser Fortschritte im deutschen Sprachgebiet, daß hier eine ganz anders gerichtete politische Entwicklung der Bildung einer großen Hauptstadt entgegenwirkte. - In den ersten Jahrzehnten des 1 9. Jahrhunderts liefern die Schriften des Wiener Augenarztes J. BEER (l. 2.) manchen Einblick in den Stand des damaligen Brillenwesens; anderen deutschen Brillenschriften auch der damaligen Zeit nachzugehen hat M. v. ROHR (30.) sich bemüht: man wird dort manche,sonst schwer zugängliche Einzelheiten finden. - Jedenfalls mußte sich in dem deutschen Sprachgebiete die Brillenkenntnis erst sehr allmählich auf einen höheren Stand hinaufarbeiten: hinsichtlich der Technik taten A. und E. DUNCKER in Rathenow das ihrige, wozu die tüchtige Arbeit durch das Land verstreuter, handwerksmäßig arbeitender Optiker ebenfalls ihren Beitrag lieferte. Die Wissenschaft wird haupt sächlich durch gewerbliche Techniker wie .. DU Bois (2.) 1826 und besonders S. STAMPFER (2.) 1831, gelegentlich auch durch Liebhaber, wie etwa den Geistlichen A. A. MÄBTENS, recht ansehnlich vertreten. - Immerhin scheint, da sich die Augenärzte in diesem Abschnitt wohl überall ziemlich abseits hielten, bis in die 80er Jahre hinein die Kenntnis von der Brille im wesentlichen durch die Handwerksmeister in den Hauptstädten gepflegt worden zu sein.
§ 181. F. C. Donders und die Schulung der Augenärzte in der Brillenbestimmung.
Der neue Abschnitt, der sich um diese Zeit herausbildete, schob im Gegensatz dazu den Augenarzt und seine Tätigkeit bei der Brillenverordnung in den Vordergrund und die Anbahnung dieser folgenschweren Änderung ist in überwiegendem Maße F. G. DONDEBS und seinen Lehren zuzuschreiben, die 1864 und 66 in dem Handbuch über die Anomalien der Refraktion und der Akkommodation zusammengefaßt wurden. Wenn nun auch sicher nicht alles darin als neu hingestellte völlig neu war, so wurde es doch erst jetzt der allgemeinen Kenntnis zugänglich, und darum ist diese Schrift für die Brillenentwicklung von einer ganz ungemeinen Bedeutung. Wer seine Ausbildung auf diesem Gebiet in wesentlich späterer Zeit erhalten hat, kann sich schwerlich einen richtigen Begriff von der Umwälzung machen, die damals in der Brillenlehre hervorgebracht wurde. Als kennzeichnend sei erwähnt, daß W. v. ZEHENDER (2.) 1866 über die gleichen Gegenstände, wie sie in dem DoNDERsischen Handbuche desselben Jahres enthalten waren, eine Darstellung schrieb, die von den 462 Seiten des laufenden Jahrganges seiner Zeitschrift nicht weniger als 185 oder 2/5 in Anspruch nahm. - Da allgemein die Berücksichtigung der Akkommodation ebenso wie der Ausgleich des Augenastigmatismus als große und schwierige Neuerungen angesehen wurden, so gab auch der weitherzigste Fürsprech der Brillenoptiker in damaliger Zeit, der Königsberger Augenarzt K. A. BUROW, jeden Gedanken daran auf, diesen Fachleuten ein wirkliches Verständnis der schwierigeren Brillen zu vermitteln. Man sollte sich dabei übrigens auch daran erinnern, daß der Stand der Brillenoptiker um diese Zeit eine Übergangsstufe überwinden mußte: zu einem immer beträchtlicheren Teile bezog er seine Gläser und Gestelle von den großen Fabriken und hatte so die aus der Einzelarbeit folgende Findigkeit der älteren Meister verloren, ohne doch auf die Einzelanpassung bezogener Teile besonders geschult zu sein. - Auch die Brillenoptiker in ändern Ländern Europas legten, so weit man heute bei so beschränkter Kenntnis darüber eine Aussage wagen kann, die Waffen nieder und erkannten die Überlegenheit der Augenärzte an. Es scheint indessen, als habe die Freude an dem mathematisch-physikalischen Rüstzeug ihres Faches etwa seit den 80er Jahren bei den Augenärzten nachgelassen, und so war - nach den Brillenschriften zu schließen - der Stand der Brillenkenntnis um den Ausgang des 19. Jahrhunderts mindestens in Europa recht niedrig.
§ 182. Die Entstehung der großen amerikanischen Brillenwerke und die Bildungsbestrebungen der Ladenoptiker in Amerika und England.
Der Anstoß zu einer Änderung sollte von Nordamerika ausgehen. Hier hatten sich allmählich - der genaue Zeitpunkt ist dem Berichterstatter unbekannt; er mag nach . . SCHÖNEMANN (2.) auf das Ende der 70er Jahre fallen - ganz große Brillenbetriebe entwickelt, die, mit gut durchgearbeiteten Verfahren der Massenherstellung ausgerüstet, sowohl Brillengläser wie -gestelle in guter Ausführung auf den Markt brachten. Bei dem hohen Preise der Arbeit in jenem Wirtschaftsgebiete schliff der werktätige Optiker nur noch in einem immer mehr verschwindenden Maße die Gläser seiner Kunden selbst, vielmehr ging er allmählich dazu über, die Erzeugnisse der Glas- und Gestellwerke seinen Kunden sachverständig anzumessen. Es war mithin ein starker Anreiz vorhanden, die Brillenverordnung und -anpassung zum Hauptziel des Brillenoptikers zu machen, auf die Brillenherstellung in der alten Art aber ganz zu verzichten. Diese Arbeitsteilung, bei der die großen Brillenwerke die Anfertigung der Gläser und Fassungsteile, die Optiker Anpassung und Beratung sowie den Verkauf der fertigen Brillen und Klemmer für den einzelnen Kunden übernahmen, bildet den Hauptgrund für die in neuerer Zeit überall bemerkbare Spannung zwischen Augenarzt und Ladenoptiker. Im einzelnen werden sich die verschiedenen Stufen nicht mehr ermitteln lassen, daß aber solche Bestrebungen um das Ende des 19. Jahrhunderts dort weit verbreitet gewesen sein müssen, das kann man durch eine hierfür recht wichtige Schrift belegen. Ende Februar 1896 trat der Brillenfachmann GH. F. PRENTICE (2.) vor dem gesetzgebenden Körper des Staates New York einem Versuch entgegen, den die dortigen Augenärzte gemacht hatten,die übliche Brillenverordnung durch Optiker überhaupt zu untersagen. Er stütztesich dabei auf die Tatsache, daß der überwiegende Teil der Käufer die Kosten der Brillenverordnung durch einen Augenarzt scheue und daher die Beratung durch den Brillenoptiker erwarte, wie das tatsächlich durch Jahrhunderte die Übung gewesen sei. Zum Vorteil dieser so zahlreichen Brillenträger sei eine Schulung in der Verordnung mit wissenschaftlichen Hilfsmitteln und in der Gestellanpassung sehr zu empfehlen. Mit dieser Vertretung der Auffassung seiner Standesgenossen hatte PRENTICE Erfolg, und die Optiker erreichten dort und später in fast allen nordamerikanischen Staaten (gegenwärtig in 39 von 49) - ihr Ziel, nach Ablegung einer Prüfung vor einem staatlich eingesetzten Ausschuß gesetzlich als Brillenbestimmer anerkannt zu werden. Schon für diese letzte Darstellung kann auf M. v. ROHR (37.) verwiesen werden, und das gilt ebenfalls für die folgende Schilderung der Verhältnisse in England, die für Europa natürlich von größerer Bedeutung sind als die amerikanischen. -- In England setzten die erfolgreicheren Bestrebungen, den Stand der Brillenoptiker zu heben, 1891 ein mit der Begründung des wichtigen Fachblatts The Optician and Photographie Trade Revie'w (in neuester Zeit geändert in The Optician and ScientifiG Instrument Maker). Dieses Blatt stellte sich gleich von vorn herein in den Dienst der Brillenoptiker und wurde sehr zielbewußt geleitet. Das Ziel ist die Erreichung der gesetzlichen Anerkennung als .Brillenbestimmer und zu diesem Zwecke sei eine bessere Ausbildung des Nachwuchses zu erstreben. Die letzte Angelegenheit wurde um 1897/98 ihrer Lösung durch die Aufstellung von Prüfungsvorschriften zugeführt, die von zwei verschiedenen Stellen erlassen wurden. Die eine davon war die alte, seit 1624 bestehende Gilde der Brillenmacher, deren Anforderungen an die Prüflinge von dem Londoner Augenarzt G. LINDSAY JOHNSON aufgestellt worden waren, die andere ein neu gegründeter Fachverein, der eine einfachere Vorschrift erließ. Fernerhin gelang die Gründung einer Fachschule, Northampton Institute; und man vermochte auf diese Weise die Ausbildung des Londoner Brillenoptikers auf eine beachtenswerte Höhe zu bringen. - Es ist verständlich, daß sich die englischen Augenärzte zu einem Teile nicht mit diesen Vorgängen einverstanden erklärten, und aus dem angeführten Aufsatze läßt es sich entnehmen, daß namentlich im Anfang ein ziemlich heftiger Kampf geführt wurde. Später haben sich beide Teile mehr aneinander gewöhnt, und es kann wohl als ein Zeichen dafür an gesehen werden, daß in der Kriegszeit ein anderer, berufstätiger Augenarzt Londons, W. ETTLES, den Vorsitz der einen großen Optikergesellschaft geführt hat. - In neuester Zeit ist ein sehr eingehender Aufsatz über die Einwirkung der amerikanischen Brillengesetzgebung auf die amerikanischen Fachkreise von dem Augenarzt F. R. ALLPORT (2.) veröffentlicht worden.
§ 183. Die Entwicklung einer streng begründeten Lehre von der Brille und die Belehrungsmöglichkeiten für Augenärzte und Ladenoptiker.
Um den Ausgang des 19. Jahrhunderts war durch die Arbeiten FR. OSTWALTS und M, TSCHERNINGS die Bedeutung des Augendrehpunkts für die Anlage der Brille hervorgehoben worden, doch scheint es nicht, als hätten die Brillenwerke jener Zeit diese Anregung in irgend nennenswertem Maße aufgenommen; wo man auf eine Einwirkung dieser frühen Arbeiten stößt, sind es Ärzte, die sie empfunden haben. Die Bedeutung des Augendrehpunkts für die Unterstützung des blickenden Auges war der Jenaer Werkstätte durch A. GULLSTRAND 1902 vermittelt worden; sie hatte im nächsten. Jahre zur Berechnung und Herstellung einer schwachen Lupe geführt, die aber auch ihrerseits sich gegen den Widerstand der stumpfen Welt** nicht durchsetzen konnte. Immerhin hatte man in Jena so doch wenigstens das Handwerkszeug gerichtet, und als dann im Januar 1908 die Aufgabe der Brillenverbesserung im Ernst gestellt wurde, konnte man ohne weiteres ans Werk gehen. - Es ist ganz verständlich, daß man in den optischen Betrieben, die ihre Brillen durch eigene Rechenfachleute planen und mit größerer als der sonst üblichen Sorgfalt ausführen ließen, den Wunsch hegte, die .Fachleute über die Leistungen der neuen Formen aufzuklären. Besondere Hand- und Lehrbücher wurden von verschiedenen Seiten (auch im Hinblick auf den zu erweiternden Unterricht) geschrieben, und daneben wandte man sich zunächst an die Augenärzte, denen man durch kurze Lehrgänge die erweiterten Möglichkeiten näher zubringen suchte. Man sah aber bald ein, daß sich ohne eingehenden Unterricht der brillenverkaufenden Optiker keine plan-volle und sinngemäße Verwertung der neuen kostspieligen Augenhilfen erreichen lassen werde. Diese Kreise standen eben mit dem Eigenbenutzer in engster Fühlung und mußten, da sie auch die Anpassung besorgten, selbstverständlich um alle Einzelheiten der Anlage Bescheid wissen. Es bestand daher bei den fortgeschrittenen Brillenwerken eine starke Neigung, die Bildungsbestrebungen der Optiker zu unterstützen und ihnen einen tieferen Einblick in die Unterlagen zu gewähren, auf denen sich die Berechnung der Brille aufbaut. Wendet man sich nach dieser Vorbemerkung wieder den Fachvereinen und diesmal denen der heimischen Optiker zu, so wurde ein wirksamer Zusammenschluß der Brillenoptiker später erreicht als in England und gleicherweise auch eine ernsthafte Behandlung der Schulfrage. Da es hier auf diesen Punkt besonders ankommt, so werden die folgenden Bemerkungen am Platze sein. Im Spätherbst 1908 wurde in dem deutschen Fachverein mit Beratungen über eine Optikerschule begonnen, und sie wurde 1909 als "Fachschule für Optiker in Mainz des Deutschen Optiker-Verbandes" (CZfOuM 30. 173/4, 177/79) eröffnet. Als Lehrer waren ein Augenarzt, ein Physiklehrer und ein Optiker vorgesehen, zu denen später noch ein Schleifmeister kam. Im Jahre 1911 wurde von der CARL ZEISS-Stiftung das Anerbieten gemacht, in Jena die Schule des Deutschen Optiker-Verbandes zu errichten (s. dazu die Andeutung in GZfOuM 32. 244); indessen fand dieser Vorschlag keine Annahme, sondern 19'l 2 wurde die Anstalt* (CZfOuM 53. 298, 422) als "Deutsche Optiker-Schule, Technikum des Deutschen Optiker-Verbandes" nach Berlin verlegt und im Vergleich mit dem Mainzer Zustand eine viel reichlichere Besetzung der Lehrerstellen vorgenommen. In Übereinstimmung mit der oben geschilderten Stimmung in den Brillenbetrieben .wurde sie 1913 (GZfOuM 34. 236/7) durch die größeren optischen Werkstätten Deutschlands unterstützt, litt aber unter dem Kriege sehr. - Inzwischen hätte man in Jena die Notwendigkeit einer besseren Ausbildung der Brillenoptiker besonders dringend empfunden und hatte für die Meister Lehrgänge von kürzerer Dauer eingerichtet, deren erster im Oktober 1913 (CZfOuM 84. 342/3) abgehalten wurde. Im Laufe der Zeit stellte sich die Notwendigkeit einer besonderen Anstalt heraus, die der Weimarische Staat übernahm und 1918 als Optikerschule eröffnete; in ihrem Vorsitz waren sowohl Augenärzte als Brillenoptiker zu finden. Über die Entwicklung dieser und anderer Anstalten kann man Einzelheiten in ZfoO 7. 96, 8, 60/1 finden.
§ 184. Neuere Bestrebungen zur Brillengeschichte.
In dem gegenwärtigen Jahrhundert hat sich die lebhaftere Anteilnahme an der Brille auch durch umfangreichere Arbeiten zur Brillengeschichte zu erkennen gegeben. Abgesehen von den älteren zusammenfassenden Werken , von P. PANSIER (2,), J. ROÜYER (2.) 1901, E. BOCK (2.) 1903, A. HEYMANN (2.) 1911 sind zahlreiche Einzelarbeiten auf diesem Gebiet von G. ALBERTOTTI, R. GREEFF, 0. HALLAUER, ED. PERGENS, A. v. PFLUGK, M. v. ROHR herausgebracht worden. Es steht zu hoffen, daß man allmählich einiges Licht auf manche noch dunkle Stellen der Brillengeschichte wird fallen lassen und so die Lässigkeit früherer Zeiten zu einem Teile gut machen können."
** gemeint sind die Leute, die heute zu Fielmann, Mediamarkt und Co. rennen weil sie glauben, daß dort alles billiger ist. (Anm. d. Red.)
Und so ging es an der Jenaer Schule weiter
07.10.1918
Feierliche Eröffnung der Schule (Schillerstr. 6)
Direktor: Herr Gerhard Kloth
Dr. Hermann Pistor bekommt von der Staatsregierung den Titel Professor verliehen
Prof. Dr. Hermann Pistor übernimmt als Direktor die Leitung der Schule
ab 12.04.1920
Erste sechsmonatige Lehrgänge
ab 7.04.1921
Erster einjähriger Kurs
20.10.1924
Neubau der Carl-Zeiss Stiftung am Carl Zeiss Platz wird übernommen
20.04.1925
Erster Zweijähriger Lehrgang mit 39 Bewerbern. Weiterhin wurden auch Brillenkurse, Instrumentenkurse und Refraktionskurse angeboten. Bis 1927 besuchten 778 Studenten die Schule (davon 192 Ausländer) und erhielten den Titel Diplomoptiker.
Umbenennung der Schule in „Jenaer Fachhochschule für Optiker (Staatliche Anstalt)”. Die Absolventen bekamen nun die Berufsbezeichnung „Staatlich approbierter Augenoptiker"
Erneute Umbenennung in „Staatliche Ingenieurschule für Optik in Jena und Meisterschule des Augenoptikerhandwerks”, wodurch die Kursteilnehmer sich dann „staatlich geprüfter Augenoptiker” nennen durften.
Tod Hermann Pistors
nachfolgende Direktoren:
1951 - 1952: Willy Holstein
1952 - 1970: Hans Fischer
1970 - 1982: Eberhardt Klüger
1982 - 1986: Oskar Kiel
1986 - 1990: Fritz Ballhorn
1990 - 1997: Ulrich Kuske
seit 1997: Richard Brömel als Abteilungsleiter der Abteilung 4 des SBSZ
Der Schule wird die bis heute bestehende Bezeichnung "Fachschule für Augenoptik" verliehen und erhält den Namen "Hermann Pistor" um Pistors Verdienste an der Schule zu würdigen.
1972-1974 Studierte ich an der Fachschule.
Das Studium wird auf 3 Jahre ausgedehnt und die Absolventen erhalten die Berufsbezeichnung "Optometrist"
Der Titel "Optometrist" darf nicht mehr vergeben werden, deshalb kehrt man bei gleichbleibenden Lehrinhalten zur 2 jährigen Studiendauer zurück
Landesregierung und Ernst-Abbe Stiftung ziehen sich von der Schule zurück. Die Lehrkörper und Studenten bemühen sich um einen Fortbestand der Schule und erreichen die Eingliederung der Fachschule für Augenoptik "Hermann Pistor" in das Staatliche berufsbildende Schulzentrum Jena Göschwitz
neben der Fachschule wurde ein Bereich Augenoptik an der Fachhochschule Jena gegründet
Da die Augenoptikermeister in der DDR alle Fachschulabschluß hatten, wurden sie auch von den Augenärzten in ihrer Tätigkeit bei der Brillenglasbestimmung anerkannt. Augenärzte hatten keine wirtschaftlichen Interessen an dieser Tätigkeit. In vielen Polikliniken arbeiteten Augenoptikermeister. Die Augenärzte erledigten den medizinischen Teil, die Augenoptiker den augenoptischen Teil der Untersuchung. Kontaktlinsen wurden zu 99.9% von Augenoptikern angepaßt. Als Unterrichtsfach gab es die Kontaktlinsentechnik offiziell ab 1972 in Jena. Die Fertigung der Linsen lag zu 95% in Händen der Anpasser, auch die Anfertigung der dazu benötigten Geräte. (...mehr dazu hier)
In den alten Bundesländern und nach der Wende auch bei uns, machen die Augenärzte den Augenoptikern die Brillenglasbestimmung streitig. Es will halt jeder vom großen Kuchen möglichst viel. Auch versuchen die Augenärzte Brillen und Kontaktlinsen zu verkaufen oder Brillenberatung als IGEL-Leistung anzubieten, obwohl es dem Standesrecht entgegen steht und die Qualifikation natürlich auch fehlt. Eine zwei bis vierjährige Fach oder Hochschulausbildung kann man sich in einem Kurzlehrgang nicht aneignen, auch nicht wenn man Medizin studiert hat. Seit der Gesundheitsreform (2004) tauchen oft Zettel mit Gläserstärken auf, von Augenärzten ausgestellt, aber nicht unterschrieben oder mit abgedeckten Arztnamen, um bei fehlerhaften Werten nicht haftbar zusein. Bei der Grunduntersuchung beim Augenarzt ist eine Brillenglasbestimmung enthalten und wird auch von den Krankenkassen bezahlt. Jedoch nur um abzuklären ob das verschlechterte Sehen des Patienten auf eine Fehlsichtigkeit oder eine Augenkrankheit zurück zu führen ist. Dazu ist keine ausführliche Brillenglasbestimmung nötig. Wir Augenoptiker prüfen die Augen um möglichst optimales und komfortables Sehen zu erreichen.
In den letzten Jahren wurde an mehreren Fachhochschulen das Fach Augenoptik eingeführt, mit den Abschluß "Dipl.Ing. (FH)Augenoptik" . Daneben gibt es noch mehrere Fachschulen und Meisterlehrgänge. Der größte Teil der bundesdeutschen Augenoptiker"meister" hat nur den Abschluß eines Meisterlehrgangs. Meisterlehrgänge wurden in der DDR schon anfang der 50iger Jahre abgeschafft und es wurden zur Geschäftsführung und zur Augenprüfung nur Fachschulabsolventen zugelassen. Heute kann jeder Bäcker einen Optikerladen eröffnen, muß aber einen Meister anstellen (proforma). Verschiedene Verbände in der Augenoptik streben ein möglichst hohes Bildungsniveau an, natürlich auch damit die Augenoptik gegenüber der Augenmedizin besser da steht. Dem entgegen wurde ein neuer Beruf eingeführt, Brillenberater/in. Dies sollen Kräfte sein welche nur aufs teurere Verkaufen und nicht auf Augenoptik ausgebildet sind. Es werden auch vermehrt Lehrgänge für Gesellen/inen für die Augenprüfung und Kontaktlinsenanpassung angeboten (übrigens auch für Sprechstundenhilfen der Augenärzte). Diese dürfen dann im "Beisein" eines Meisters Brillen verordnen. Die Strategie der Augenoptikketten ist: mit billigen Angeboten locken und teuer verkaufen. Solange die Meisterlehrgänge weiter existieren, werden viele Kollegen diesen billigeren Weg einschlagen und sich dann eine flotte junge Brillenberaterin in den Laden stellen. Heute zählt nur wer sich und seine billigen Brillen teuer verkaufen kann und dabei den Kunden vorgauckelt er hätte ein Schnäppchen gemacht. Brillen und Kontaktlinsen bekommt man jetzt auch im Supermarkt, sie hängen zB. bei Globus neben den Hühneraugenpflastern.
Alle gezeigten Objekte sind Eigentum von Ulrich Walther.
Einzelne Exponate sind auf Nachfrage verkäuflich.
1. VIRTUELLES MUSEUM DER AUGENOPTIK http://www.optiker.at/archiv/archiv.htm
http://www.optiker-holz.de/neu/site/optische_sammlung.htm
Sammlernet Brillen:
Sammlernet Optik:
Sammlung historischer Ansichtskarten
Photos von alten Photoplatten 20iger Jahre

References: § 179

§ 180

§ 181

§ 182

§ 183

§ 184