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Timestamp: 2016-10-21 11:26:20+00:00

Document:
U 224/06 (11.01.2007)
U 224/06
P.________, 1950, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Jean Baptiste Huber, Bundesplatz 6, 6304 Zug,
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Schwyz vom 15. M�rz 2006.
Der 1950 geborene, seit 1996 als Gesch�ftsf�hrer bei der Firma A.________ t�tige P.________ ist aufgrund seines Arbeitsverh�ltnisses bei der Helsana Versicherungen AG, Z�rich, (im Folgenden: Helsana), obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Gem�ss Unfallmeldung vom 16. Januar 2003 zog er sich am 7. November 2002 beim Entsorgen eines Kartons in eine Mulde ein linksseitiges, akutes ischioradikul�res L5-Syndrom zu (Bericht des Zentrums f�r medizinische Radiologie, R�ntgeninstitut, vom 11. November 2002). Mit Verf�gung vom 8. M�rz 2005 stellte die Helsana ihre bis dahin erbrachten Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) auf den 1. M�rz 2003 ein, da die geklagten Beschwerden mit dem Unfall nicht mehr in einem Kausalzusammenhang st�nden. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 5. Oktober 2005 fest.
P.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides sei die Helsana zu verpflichten, ihm auch nach dem 1. M�rz 2003 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Die Helsana und das Bundesamt f�r Gesundheit haben auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz �ber das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Mit diesem Gesetz ist die bisherige organisatorische Selbstst�ndigkeit des Eidgen�ssischen Versicherungsgericht aufgehoben und dieses mit dem Bundesgericht fusioniert worden (Seiler, in Seiler/von Werdt/ G�ngerich, Kommentar zum BGG Art. 1 N 4 und Art. 132 N 15). Das vorliegend Urteil wird daher durch das Bundesgericht gef�llt. Weil der angefochtene Entscheid jedoch vor dem 1. Januar 2007 ergangen ist, richtet sich das Verfahren noch nach dem bis zum 31. Dezember 2006 in Kraft gewesenen Bundesgesetz vom 16. Dezember 1943 �ber die Organisation der Bundesrechtspflege (OG) (Art. 131 Abs. 1 und 132 Abs. 1 BGG; noch nicht in der Amtlichen Sammlung ver�ffentlichtes Urteil B. vom 28. September 2006 [I 618/06] Erw. 1.2).
2.1 Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach Art. 6 UVG, zum Unfallbegriff nach Art. 4 ATSG sowie die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t; BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen) richtig wiedergegeben. Darauf wird verwiesen.
2.2 Wie die Vorinstanz des Weitern zutreffend anf�hrte, entspricht es im Bereich des Unfallversicherungsrechts einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenver�nderungen entstehen, und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besondern Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht f�llt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere sowie geeignet war, eine Sch�digung der Bandscheibe herbeizuf�hren, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikul�res Syndrom) unverz�glich und mit sofortiger Arbeitsunf�higkeit aufgetreten sind. In solchen F�llen hat die Unfallversicherung praxisgem�ss auch f�r Rezidive und allf�llige Operationen aufzukommen. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgel�st, nicht aber verursacht, �bernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgel�sten Beschwerdeschub, sp�tere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Br�ckensymptome gegeben sind (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190 [Urteil N. vom 7. Februar 2000, U 149/99], RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 [Urteil N. vom 8. Februar 2000, U 138/99]; Urteil H. vom 18. August 2000, U 4/00; vgl. auch Debrunner, Orthop�die, orthop�dische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 880 unten; Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von R�ckensch�den, Bern 1990, S. 54 insbesondere S. 56; Baur/Nigst, Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 162 ff.; Mollowitz, Der Unfallmann, 11. Aufl. Berlin 1993, S. 164 ff.).
3.1 Laut Sachverhaltsschilderung des Beschwerdef�hreres anl�sslich der Unfallmeldung vom 16. Januar 2003 ist er w�hrend eines B�roumzugs beim F�llen einer Mulde ausgerutscht. Erg�nzend f�hrte er bei der protokollarischen Einvernahme durch den Schadensinspektor der Helsana am 26. Februar 2003 aus, er habe sich beim Entsorgen eines schweren Kartons gestreckt und in diesem Moment sei er ausgerutscht, wobei, da er sich leicht nach hinten habe lehnen m�ssen, ein Sturz auf den R�cken unvermeidbar gewesen sei. Dass - ausgehend von dieser Sachlage - ein Unfall im Rechtssinne vorliegt (zur rechtsprechungsgem�ssen Bejahung eines ungew�hnlichen �usseren Faktors bei Vorliegen einer unkoordinierten Bewegung - d.h. einer St�rung der k�rperlichen Bewegung durch etwas "Programmwidriges" wie Stolpern, Ausgleiten, Anstossen oder ein reflexartiges Abwehren eines Sturzes etc.: BGE 130 V 118 Erw. 2.1; RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100 Erw. 2d, 1999 Nr. U 345 S. 422 Erw. 2b; vgl. Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 176 f.), steht ausser Frage und ist unter den Parteien unstrittig, obwohl offenbar gegen�ber dem Hausarzt Dr. med. H.________, Facharzt FMH f�r Allgemeinmedizin, kein Ausrutschen erw�hnt wurde und dieser nicht von unfallbedingten Beschwerden ausging (Angaben vom 24. September 2003).
3.2 Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass das Unfallereignis vom 7. November 2002 auf keinen Fall (mit oder ohne Sturz) geeignet war, eine Sch�digung der Bandscheiben im Lumbalbereich herbeizuf�hren. Denn eine gesunde Bandscheibe ist derart widerstandsf�hig, dass unter Gewalteinwirkung eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt w�rde (Mollowitz, a.a.O., S. 165). �bereinstimmend legten alle Gutachter dar, dass der Unfall vom 7. November 2002 von seiner Art und Schwere her nicht geeignet war, eine vollkommen gesunde Bandscheibe so zu sch�digen, dass es zu einem Diskusvorfall kommen konnte. Das Ereignis sei dagegen sehr wohl geeignet gewesen, eine vorher bereits gesch�digte Bandscheibe schmerzhaft werden zu lassen (Gutachten des Dr. med. E.________, Facharzt f�r Chirurgie, vom 12. November 2003). Dr. med. Z.________, Facharzt f�r Neurochirurgie FMH, diagnostizierte in seinem Aktengutachten vom 28. M�rz 2003 ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei Diskopathie L4/L5 (krankheitsbedingt), Status nach Verhebetrauma mit oder ohne Sturz auf den R�cken am 7. November 2002 und Traumatisierung der Diskushernie L4/L5 (abgeheilt). Dr. med. E.________, welcher den Versicherten im Auftrag der Helsana am 8. November 2003 untersucht und begutachtet hatte, stellte die Diagnose eines mittelgradigen, chronischen lumbovertebralen und lumboradikul�ren, linksbetonten Schmerzsyndroms bei Traumatisierung einer vorbestehenden foraminalen Diskushernie L4/5 links sowie eines beginnenden sekund�ren, leichten thorakovertebralen Schmerzsyndroms. Der ebenfalls vom Unfallversicherer beauftragte Dr. med. W.________, Facharzt f�r Neurochirurgie FMH, Zentrum f�r Neurologische Gutachten, f�hrte sodann in der Expertise vom 21. Januar 2005 aus, dass eine degenerativ ver�nderte Wirbels�ule mit multi-etageren Diskusprotrusionen, auch lumbal L4/5 (gem�ss MRI-Befund vom 11. November 2002) bestanden habe. Er stellte ein chronisches, invalidisierendes, lumbor�dikul�res Schmerzsyndrom mit sensomotorischer Beeintr�chtigung L5 links, mit Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsst�rung sowie eine Cervicobrachialgie (aktuell eher im Hintergrund), Status nach Nierenspende an die Ehefrau und eine Urik�mie mit rezidivierenden Gichtanf�llen fest.
3.3 Damit stellt sich die Frage, ob der durch den streitigen Unfall (bloss) ausgel�ste Beschwerdeschub �ber den Monat Februar 2003 hinaus weiterhin andauerte. Unter Ber�cksichtigung des Umstandes, dass ein solcher Schub im g�nstigsten Fall nach Stunden oder Tagen, manchmal aber erst nach Wochen oder Monaten spontan abklingen kann (Bauer/Nigst, a.a.O., S. 163), ist vorab anhand (fach)�rztlicher Unterlagen zu kl�ren, auf welches Leiden die nach dem Unfallereignis aufgetretenen R�ckenbeschwerden zur�ckzuf�hren waren und ab welchem Zeitpunkt ein Abklingen des diesbez�glichen Beschwerdeschubs anzunehmen ist.
3.4 Die Vorinstanz gelangte in einl�sslicher W�rdigung der umfangreichen medizinischen Akten, insbesondere gest�tzt auf die Gutachten der Dres. med. Z.________ und W.________ (vom 28. M�rz 2003 und 21. Januar 2005), zum Schluss, dass ab 1. M�rz 2003 mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit kein behandlungsbed�rftiger, nat�rlich kausal auf das Unfallereignis vom 7. November 2002 zur�ckzuf�hrender Gesundheitsschaden mehr vorlag und ein Status quo sine vel ante erreicht gewesen sei. Dieser Auffassung ist beizupflichten. Aus dem Umstand, dass der Beschwerdef�hrer vor dem Ereignis offenbar nicht an R�ckenbeschwerden gelitten hat und voll arbeitsf�hig war, kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten. Gest�tzt auf die gutachterlichen Aussagen der Dres. med. Z.________, E.________ und W.________ ist davon auszugehen, dass das Geschehen vom 7. November 2002 die kernspintomografisch am 11. November 2002 objektivierte foraminale Diskushernie L4/l5 ausl�ste, nicht aber verursacht hat und der Versicherte zudem an einem stummen, symptomlosen (pathologischen) Vorzustand litt (Aktengutachten des Dr. med. Z.________ vom 28. M�rz 2003, Gutachten des Dr. med. E.________ vom 12. November 2003, Expertise des Dr. med. W.________ vom 21. Januar 2005).
3.5 Wie das kantonale Gericht zutreffend darlegte, ist hinsichtlich der Frage, ab welchem Zeitpunkt ein Abklingen des diesbez�glichen Beschwerdeschubs anzunehmen ist, auf die schl�ssigen Darlegungen der Gutachter Dr. med. Z.________ und Dr. med. W.________ abzustellen. Die vom Zentrum f�r neurologische Gutachten (am 21. Januar 2005) erstellte Expertiese beantwortet die gestellten Fragen umfassend, ber�cksichtigt die vom Beschwerdef�hrer beklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den Vorakten erstellt und ist in der Darlegung der medizinischen Zust�nde und Zusammenh�nge einleuchtend. Ebenso werden die gezogenen Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise hergeleitet. Das Gutachten wird damit den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an eine beweiskr�ftige medizinische Stellungnahme (BGE 125 V 352 Erw. 3a) gerecht. Ihm ist - als einem vom obligatorischen Unfallversicherer eingeholten Gutachten externer Spezial�rzte - volle Beweiskraft zuzuerkennen, falls keine konkreten Indizien gegen die Zuverl�ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb). Auch der Umstand, dass Dr. med. Z.________ ein Aktengutachten verfasst hat, legt keine abweichende Betrachtungsweise nahe; denn einem Aktengutachten kommt voller Beweiswert zu, wenn sich der Experte, wie hier, auf Grund vorhandener Unterlagen mit ausreichenden, auf pers�nlichen Untersuchungen des Versicherten beruhenden �rztlichen Beurteilungen ein gesamthaft l�ckenloses Bild machen kann (in RKUV 1988 Nr. U 56 S. 370 publizierte Erw. 5b des in BGE 114 V 109 auszugsweise ver�ffentlichten Urteils B. vom 29. April 1988, U 10/87; RKUV 2001 Nr. U 438 S. 345 [Urteil A. vom 31. Juli 2001, U 492/00]). Dr. med. Z.________ legte einleuchtend dar, weshalb vorliegend - unter der Annahme einer Diskopathie - die einfache Kontusion der LWS nicht wie normalerweise in einem zeitlichen Rahmen von zwei bis vier Wochen abheilte, sondern erfahrungsgem�ss von einer Verz�gerung der Heilung bis zu vier Monaten auszugehen war. Diese Annahme deckt sich mit den Angaben des erstbehandelnden Prof. Dr. med. S.________, Abteilung f�r Transplantations-Immunologie & Nephrologie, Spital X.________, welcher am 25. Februar 2002 nur noch leichte R�ckenschmerzen erw�hnte und von einer vollen Arbeitsf�higkeit ab 18. Februar 2003 ausging. Ebenso wenig besteht aufgrund der gesamten Aktenlage Zweifel an der �rztlichen Feststellung des Dr. med. Z.________, dass sich die im Inspektionsbericht vom 26. Februar 2003 geschilderten Restbeschwerden (nach l�ngerem Sitzen, Stehen oder Gehen bestehen Schmerzen und Kribbeln im linken Bein) mit der vorbestehenden Diskushernie allein erkl�ren lassen. Gegen�ber dem Schadensinspektor gab der Beschwerdef�hrer sodann an, dass er bei gen�gend Schonung seit Ende Dezember 2002 sehr viel weniger Schmerzen habe. Dr. med. W.________, welcher den Versicherten am 6. Dezember 2004 untersuchte, gelangte mit einleuchtender Begr�ndung zum gleichen Schluss wie Dr. med. Z.________, wobei er das Ereignis im Sinne eines schmerzausl�senden Momentes l�ngstens bis Ende Februar 2003 f�r die vorhandenen Schmerzen verantwortlich sah und das Vorliegen einer psychischen Komponente im Sinne einer Schmerzverabeitungsst�rung vermutete. Ebenso findet sich im Bericht der Klinik Y.________, vom 17. November 2004, die der Beschwerdef�hrer erstmals im Dezember 2002 zur schmerztherapeutischen Intervention aufsuchte, der Hinweis auf eine chronische Schmerzkrankheit, was die Klinik zur �berweisung des Versicherten zwecks Schmerztherapie (mit Beginn im Mai/Juni 2004) an das Zentrum Q.________, veranlasste. Die Ausf�hrungen des Dr. med. E.________ in seinem Gutachten vom 12. November 2003 sind hingegen wenig �berzeugend. Dieser erachtete einen Kausalzusammenhang zwischen den nach dem 1. M�rz 2003 bestehenden Schmerzen und dem Unfallereignis weiterhin als gegeben, da die Akten, die Untersuchung und die Angaben des Patienten daf�r spr�chen, dass die Sch�digung noch nicht abgeklungen sei, wobei er anf�hrte, dass ohne das Ereignis die Wirbels�ule wahrscheinlich noch �ber Jahre, wenn nicht �berhaupt immer, schmerzfrei geblieben w�re, ohne dies allerdings n�her zu begr�nden. Der Gutachter blieb sodann in seinen Schlussfolgerungen (auch zur Arbeitsunf�higkeit) vage und konnte nicht schl�ssig darlegen, warum eine leicht traumatisierte Diskushernie, wie vorliegend, eine solch nachhaltige, langandauernde Sch�digung zu bewirken verm�chte.
3.6 Wenn Unfallversicherer und kantonales Gericht gest�tzt hierauf geschlossen haben, dass das Unfallereignis vom 7. November 2002 mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit nur f�r einen bis Ende Februar 2003 dauernden Beschwerdeschub kausal war, l�sst sich dies nicht beanstanden, womit es beim vorinstanzlichen Entscheid sein Bewenden hat.

References: Art. 1
 Art. 132
 Art. 6
 Art. 4
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