Source: http://www.ausbildung.info/node/205
Timestamp: 2019-01-22 16:57:42+00:00

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Wie lange und wann du während der Ausbildung arbeiten darfst, ist durch das Arbeitszeitgesetz (kurz ArbZG, PDF-Download) geregelt. Das ArbZG unterscheidet nach Art der Arbeit, deiner Ausbildungsbranche und deinem Alter.
Zusätzlich gelten verschiedene Tarifverträge für diverse Berufsgruppen und Branchen, Gewerkschaften haben oft noch weitere Leistungen für Arbeitnehmer_innen ausgehandelt.
Und zu guter Letzt gibt es auch noch zahlreiche Ausnahmeregelungen. Um die für dich geltenden Arbeitszeiten zu bestimmen, musst du also sehr genau nachlesen!
Die wichtigsten Regelungen und Gesetzestexte zu deiner Arbeitszeit findest du in den folgenden Abschnitten. Wenn dann noch Fragen offen sind, kannst du dich jederzeit an deine Interessenvertretung wenden.
In jedem Betrieb muss es einzeln für jede_n Arbeitnehmer_in eine Zeiterfassung der geleisteten Arbeitszeit geben, die auch alle Überstunden erfasst.
Traditionell funktioniert das über eine Stempeluhr, die über Eingaben jeweils am Anfang und am Ende des Arbeitstages deine geleisteten Zeiten festhält - entweder elektronisch oder durch eine Karte.
Manche Arbeitgeber erfassen die Zeiten handschriftlich oder per Software (z.B. mit Excel-Tabellen).
Deine im Betrieb verbrachte Zeit gilt als Arbeitszeit - ob du sie nun als flexible Arbeitszeit oder in Schichtarbeit leistest und unabhängig davon, ob du eine Vollzeit- oder Teilzeitberufsausbildung absolvierst.
Berechnet werden all deine regulären Tätigkeiten für den Arbeitgeber, also auch:
Schreiben deines Berichtshefts nach der regulären Betriebsarbeit
Wechsel zwischen Alltagskleidung und vorgeschriebener Arbeitsschutz- oder Dienstkleidung (wenn diese so auffällig oder unpraktisch ist, dass du sie noch nicht auf dem Weg zur Arbeit tragen kannst)
Deine Zeit in der Berufsschule oder in anderen Ausbildungsmaßnahmen kann komplett oder teilweise auf deine Arbeitszeit angerechnet werden. Deine Pausen musst du allerdings abziehen!
Grundsätzlich darfst du pro Woche maximal 40 Stunden arbeiten, davon maximal acht Stunden pro Tag und an maximal fünf Tagen in der Woche. Nicht erlaubt ist die Arbeit an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen!
Für die Berufsschule muss dich dein Arbeitgeber freistellen und dir außerdem die Unterrichtszeit auf deine Arbeitszeit wie folgt anrechnen:
ein Schultag (über fünf Unterrichtsstunden, jeweils 45 Minuten) entspricht einem Arbeitstag von acht Stunden
eine Schulwoche (mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen) entspricht einer Arbeitswoche von 40 Stunden
Alle zusätzlichen ausbildungsrelevanten Verpflichtungen rechnen ebenfalls als Arbeitszeit - zum Beispiel eine Prüfung.
Deine erste Erholungspause darfst du spätestens nach viereinhalb Stunden Arbeitszeit nehmen. Jede Pause muss mindestens 15 Minuten dauern. In dieser Zeit darfst du machen, was du willst - so etwas wie Bereitschaftsdienst ist in deiner Pause also unzulässig!
30 Minuten Pause, wenn du viereinhalb bis sechs Stunden arbeitest
60 Minuten Pause, wenn du mehr als sechs Stunden arbeitest
Falls in deinem Betrieb Schichtarbeit notwendig ist, gibt es je nach Branche unterschiedliche Höchstgrenzen pro Schicht:
im Bergbau / unter Tage maximal 8 Stunden
im Gaststättengewerbe, in der Landwirtschaft, in der Tierhaltung sowie auf Bau- und Montagestellen maximal 11 Stunden
in allen anderen Branchen maximal 10 Stunden
Zwischen Ende und Beginn von aufeinanderfolgenden Arbeitstagen stehen dir mindestens zwölf Stunden Freizeit zu.
Dein Betrieb darf dich grundsätzlich nur zwischen sechs Uhr morgens und 20 Uhr abends beschäftigen, danach gilt für dich Nachtruhe.
Sobald du 18 Jahre alt bist, sind deine Arbeitszeiten im Arbeitsrecht für Erwachsene und im dazu verabschiedeten Arbeitszeitgesetz (kurz ArbZG, PDF-Download) geregelt. Lies dazu auch unsere Gesetzestexte zu Arbeitszeiten (siehe Abschnitt unten)!
Grundsätzlich darfst du pro Woche maximal 48 Stunden arbeiten, davon maximal acht Stunden pro Tag und an maximal sechs Tagen in der Woche.
Der Samstag zählt dabei als regulärer Arbeitstag, falls im Tarifvertrag nichts anderes steht. Nicht erlaubt sind allerdings Sonn- oder Feiertage!
Deine erste Erholungspause darfst du spätestens nach sechs Stunden Arbeitszeit nehmen und jede Pause muss mindestens 15 Minuten dauern. In dieser Zeit darfst du machen, was du willst - so etwas wie Bereitschaftsdienst in der Pause ist unzulässig!
Überstunden sind in vielen Branchen üblich, in der Gastronomie und Hotellerie gelten sie sogar als „ungeschriebenes Gesetz“ - häufig auch noch ohne jeden Ausgleich!
Jetzt die gute Nachricht: Grundsätzlich sind für Auszubildende keine Überstunden vorgesehen - die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit sollte ausreichen, um einen Beruf zu erlernen!
Im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern_innen müssen Auszubildende also nur freiwillig und auch nur solche Überstunden leisten, die tatsächlich zur Ausbildung dienen. Eine ausbildungsbeauftragte Person muss also gleichzeitig anwesend sein!
Zur "ausbildungsgerechten Beschäftigung" findest du weitere Infos unter dem gleichnamigen Abschnitt im Menü zu deinen Rechten in der Ausbildung.
Übrigens muss dir im Gegenzug entweder ein entsprechender Zuschlag bezahlt oder dir gestattet werden, deine Überstunden „abzufeiern“. In diesem Fall tauschst du dein Überstundenkontingent gegen zusätzliche Freizeit.
Auch bei Überstunden gelten die Regelungen von Jugendarbeitsschutzgesetz (kurz JArbSchG, PDF-Download) und Arbeitszeitgesetz (kurz ArbZG, PDF-Download).
Lies unsere Infos auf dieser Seite am besten komplett und halte unbedingt die für dich vorgeschriebenen Arbeitszeiten ein!
Falls sich dein Betrieb nicht an gesetzliche Vorgaben hält oder dich unter Druck setzt, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.
Dazu solltest du dir allerdings unbedingt Unterstützung bei deiner Interessenvertretung holen: Wenn dein Verhalten als Arbeitsverweigerung ausgelegt wird, riskierst du womöglich eine fristlose Kündigung!
Du möchtest und sollst etwas lernen und hast daher das Recht, deine Arbeitszeit im Betrieb zu verbringen. Wenn du nach Hause geschickt wirst, z. B. weil es gerade nichts zu tun gibt, darfst du das als bezahlte Freistellung sehen.
Lass dir so etwas also nicht als Minusstunden abziehen und wende dich ggf. an deine Interessenvertretung!
Gesetzestexte zu deinen Arbeitszeiten
§19 BBiG - Minusstunden (altersunabhängig)
Für Auszubildende unter 18 Jahren:
§8, 16, 17 und 18 JArbSchG - Arbeitszeit pro Tag und Woche
§9 JArbSchG - Berufsschulzeit
§10 JArbSchG - Prüfungen oder Ausbildungsmaßnahmen
§11 JArbSchG - Pausen
§12 JArbSchG - Schichtzeit
§13 JArbSchG - Tägliche Freizeit
§14 JArbSchG - Nachtruhe
Für Auszubildende ab 18 Jahren:
§3, 9, 10 und 11 ArbZG - Arbeitszeit pro Tag und Woche
Arbeitszeitgesetz, PDF-Download
§4 ArbZG - Pausen
§5 ArbZG - Tägliche Freizeit

References: §19

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§3

§4

§5