Source: https://de.scribd.com/document/372315677/Ehrenamtliche-im-Strafvollzug
Timestamp: 2020-08-05 11:34:33+00:00

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Das Buch gibt die Einsicht in die Arbeit der Ehrenamtlichen im Strafvollzug in Bayern.
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Information En Zum Hessischen Bildungsurlaubsgesetz
Vorlesungsskript Strafvollzug 2015
311.0.de.pdf
Stadt Regensburg - Bei uns 1/2016
Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf eine geschlechterspezifische Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.
Diese Informationsbroschüre soll allen Interes­ sierten Auskunft über die Voraussetzungen und Inhalte der ehrenamtlichen Tätigkeit im bayerischen Justizvollzug geben. Ich hoffe sehr, dass sich möglichst viele Leser davon inspirieren lassen, auch ihre Erfahrungen und Fähigkeiten in eine ehrenamtliche Tätigkeit im bayerischen Justizvollzug einzubringen.
Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter bitte ich um eine Fortsetzung der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem bayerischen Justiz­ vollzug und seinen Bediensteten. Nur gemein­ sam lassen sich die schwierigen Aufgaben des Vollzugs erfolgreich meistern.
Für Ihren bewunderungswürdigen Einsatz darf ich Ihnen von ganzem Herzen danken.
Prof. Dr. Winfried Bausback, MdL Bayerischer Staatsminister der Justiz
Am 15. September 2013 hat Bayerns Bevölke­ rung nicht nur einen neuen Landtag gewählt, sondern auch im Rahmen eines Volksentscheids mit überwältigender Mehrheit entschieden, dass die Förderung des Ehrenamtes als neues Staatsziel in der Bayerischen Verfassung klar verankert werden soll.
Dies ist ein deutliches Signal und ein Hand­ lungsauftrag für den Freistaat Bayern, das Ehrenamt weiterhin kraftvoll zu unterstützen.
Ehrenamtliche Tätigkeit, in welchen Bereichen auch immer, kann nicht hoch genug geschätzt und gewürdigt werden.
Anders als in vielen anderen Bereichen der bunten Palette des Ehrenamts leisten die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Justizvollzug ihren Beitrag bei der Resozialisierung von Inhaftierten häufig abseits des Lichts der Öffentlichkeit.
Dabei ist gerade ihr Beitrag als bedeutsame Ergänzung zu den Resozialisierungsanstrengungen des bayerischen Justizvollzugs von wesentlicher Bedeutung für die Wiedereingliederung straffälliger Menschen in die Gesellschaft.
Dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter ihre Freizeit opfern und ihre Fähigkeiten und Erfahrungen bei der Überwin­ dung von Schwierigkeiten im Lebensalltag zur Verfügung stellen, um ihren straffällig gewordenen Mitmenschen den Weg in ein Leben ohne Straftaten zu erleichtern, bedeutet für diese eine wertvolle Zuwendung und zu­ gleich einen Ansporn, ihrem Leben einen Wendepunkt zu geben.
Interessieren Sie sich für die Situation und die Probleme von Gefangenen? Möchten Sie selbst bei der Lösung dieser Probleme mithelfen?
Als Mitarbeiter im Ehrenamt können Sie aktiv an der Betreuung von Gefangenen im bayerischen Justizvoll­ zug mitwirken.
• Gefangenen bei der Bewältigung persönlicher Schwierigkeiten helfen,
• die Haftentlassung vorbereiten,
• Hilfestellung nach der Haftentlassung geben und
• Vorurteile abbauen.
Durch Ihren persönlichen Beitrag können die Wiederein­ gliederung Straffälliger erleichtert und ihnen ein Leben ohne Straftaten möglich werden. Sie können auch dazu beitragen, Vorurteile gegenüber Strafentlassenen in der Öffentlichkeit abzubauen.
Das bedeutet, Gefangene regelmäßig zu besuchen, mit ihnen Briefkontakt zu halten oder sie bei Ausgängen zu begleiten. Dazu gehören auch die persönliche Hilfe­ stellung und Beratung in schwierigen Phasen, eventuell auch nach der Haftentlassung.
Ihre Erfahrungen aus dem Beruf, als Mutter, Vater, Ehe­ partner oder ganz allgemein als Mitbürger sind hier besonders wichtig. Sie können Rat und Unterstützung bieten. Sie können Vorbild in praktischer Lebensbewäl­ tigung sein. Sie können vor allem ein Beispiel dafür geben, die Normen und Regeln unserer Gesellschaft zu akzeptieren und mit ihnen zu leben.
Eine Beteiligung an der Gruppenarbeit mit Gefangenen ist möglich. Sie können an einer Gesprächs­, Bastel­, Sport­, Schach­ oder anderen Freizeitgruppe mitwirken. Dies hängt von Ihren Interessen, Ihren Fähigkeiten und den Möglichkeiten der jeweiligen Anstalt ab.
Sie können Gefangene durch Gespräche zur eigenver­ antwortlichen Vorbereitung der Entlassung motivieren, sie aber auch durch praktische Hilfe unterstützen. Die Suche nach Arbeit und Wohnung, notwendige Be­ hördengänge, die Schuldentilgung und das Herstellen oder Aufrechterhalten von sozialen Kontakten sind typische Probleme, vor denen Strafentlassene stehen.
Vielleicht sind Sie aufgrund eigener beruflicher oder persönlicher Kenntnisse und Erfahrungen besonders geeignet für die Lösung derartiger Probleme. Dann stellen Sie bitte diese Erfahrungen den Gefange­ nen zur Verfügung!
• Unterstützung bei der Suche eines geeigneten möblierten Zimmers
• Beratung bei der Frage der Finanzierung der Miete:
Reicht das eigene Einkommen? Besteht gegebenenfalls ein Anspruch auf Wohngeld? Wo muss dies beantragt werden?
Wenn Sie Gefangene betreuen, benötigen Sie Zeit, Belastbarkeit, Geduld und Toleranz, um sich mit ihrer Situation und ihren Problemen auseinander zu setzen. Sie sollten sich vor allem über die eigenen Möglichkeiten und Grenzen im Klaren sein.
• Warum wollen Sie Gefangene betreuen? Weil Ihnen am Selbstständig werden der Betroffenen liegt?
• Wie viel Zeit können und wollen Sie für die Betreuung aufwenden?
• Soll die Betreuung über die Entlassung hinaus andauern?
• Wo liegen Ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten, welche Angebote können Sie machen?
• Haben Sie Verständnis für die Notwendigkeiten des Strafvollzugs und für die Situation der Gefangenen?
Überprüfen Sie bitte selbstkritisch Ihre Motivation anhand dieser Fragen und suchen Sie das Gespräch mit bereits tätigen ehrenamtlichen Mitarbeitern, bevor Sie sich für die Übernahme einer Betreuung entscheiden.
Straffällige stammen häufig aus einer sozialen Umge­ bung, die sich von Ihren Lebensverhältnissen unter­ scheidet. Dies bedeutet, dass Sie sich auf abweichende Denk­ und Verhaltensweisen einstellen müssen. Bestimmte Äußerlichkeiten (z. B. Gefängnisjargon, Tätowierungen) sollten Sie nicht überbewerten.
Stellen Sie sich auf abweichende
Denk­ und Verhaltensweisen ein!
Neben dem Bemühen um Wiedereingliederung ist die Gewährleistung der Sicherheit und Ordnung der Anstalt eine Hauptaufgabe der Bediensteten. Die Arbeit im Jus­ tizvollzug wird gegenwärtig durch eine hohe Belegung der Justizvollzugsanstalten, durch Personalmangel und eine hohe Zahl ausländischer Gefangener erschwert.
Suchen Sie das Gespräch mit anderen erfahrenen ehrenamtlichen Mitarbeitern oder den Fachdiens­ ten in den Anstalten (Sozialdienst, Psychologen, Seelsorger) und lassen Sie sich beraten.
In den Justizvollzugsanstalt gibt es Ansprechpartner für ehrenamtliche Mitarbeiter, die Sie informieren und unterstützen können.
Nehmen Sie, wenn möglich, an Einführungsver­ anstaltungen für neue ehrenamtliche Mitarbeiter teil. Auch die Organisationen der Straffälligenhilfe bieten regionale Einführungsseminare an. Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der ehrenamt­ lichen Mitarbeiter berichtet regelmäßig in ihrer „LAG­Info“ über die Arbeit ehrenamtlicher Mitar­ beiter im bayerischen Justizvollzug.
Wenn Sie sich zur Betreuung von Gefangenen entschlossen haben, müssen Sie einen schrift­ lichen Antrag auf Zulassung als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Justizvollzugsanstalt, in der Sie mitarbeiten möchten, stellen. Die Betreuungsbeamten der jeweiligen Anstalt werden Sie dann zu einem Gespräch einladen und Sie dabei auch über Ihre Rechte und Pflich­ ten informieren.
• wer noch nicht 21 Jahre alt ist,
• gegen wen innerhalb der letzten fünf Jahre eine Frei­ heitsstrafe oder eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung verhängt oder vollzogen wurde,
• wer unter Bewährungs­ oder Führungsaufsicht steht,
• gegen wen ein Ermittlungs­ oder Strafverfahren anhängig ist,
• gegen wen aufgrund einer Sicherheitsüberprüfung Bedenken bestehen.
Diese und weitere Vorschriften finden Sie in den in dieser Information abgedruckten Verwaltungsvorschriften zu Art. 175 des Bayerischen Strafvollzugsgesetzes.
Bei der ersten Begegnung sind Sie und die Gefangenen wahrscheinlich unsicher. Welche Erwartungen haben Sie aneinander? Kann sich eine Vertrauensbeziehung entwickeln?
Die Betreuten werden Ihre Motivation vielleicht bald kritisch hinterfragen. Sie werden möglicherweise die Zusammenarbeit verweigern, wenn sie merken, dass die angebotene Hilfe nicht ihren, sondern mehr Ihren eige­ nen Bedürfnissen entspricht.
Machen Sie sich bitte gleich zu Beginn Ihrer Tätigkeit Gedanken darüber, welche Stellung Sie den Betreuten gegenüber einnehmen wollen und welche Rolle Ihnen möglicherweise von Gefangenen zugedacht wird:
Vermittler, Freund oder Berater? Sie sollten es vermei­ den, von Gefangenen als bloßer „Kumpel“ betrachtet zu werden und sich von ihnen auch nicht in die Rolle ihres Anwalts drängen lassen.
Welche Rolle nehmen Sie
gegenüber dem Betreuten ein?
Als eine Person, in die sowohl Gefangene als auch die Vollzugsanstalt Vertrauen setzen, laufen Sie mitunter Gefahr, von Gefangenen gegen Anstaltsbedienstete aus­ gespielt zu werden. Widersetzen Sie sich solchen Versu­ chen und bewahren Sie sich Ihre unabhängige Stellung.
• Um Unsicherheiten zu überwinden, sollten Sie gegen­ über den Betreuten in einem offenen Gespräch ein­ deutig Ihre Rolle als Helfer der Gefangenen und des Vollzugs klarstellen. Vor der Klärung von Sachfragen steht die Klärung Ihrer Beziehung zu den Gefangenen.
• Besprechen Sie die gegenseitigen Erwartungen und bemühen Sie sich dabei um Offenheit. Nur so kann sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickeln.
• Es ist empfehlenswert, sich gemeinsam mit den Gefan­ genen ein festes Ziel der Betreuung vorzunehmen. Dabei kann es hilfreich sein, dieses Ziel für beide zum Nachlesen schriftlich festzuhalten.
• Manche Gefangenen werden erwarten, dass Sie als Betreuer ihnen die Verantwortung für sich selbst ab­ nehmen. Vermeiden Sie diese „Helferfalle“. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die Gefangenen noch unselbstständiger werden.
• Besonders wichtig ist das Durchhalten des Helfers bei Schwierigkeiten und Enttäuschungen. Richten Sie sich auf eine „Taktik der kleinen Schritte“ ein und haben Sie vor allem Geduld. Bedenken Sie, dass Erwartungen, die Sie bei den Gefangenen geweckt haben, aber nicht erfüllen (etwa eine nicht eingehaltene Besuchsvereinbarung), bei Gefangenen zu Enttäuschungen führen und möglicher­ weise auch zu Lasten der Vollzugsbediensteten gehen. Diese können den daraus manchmal entstehenden Aggressionen der Gefangenen nicht ausweichen. Durch solche Erfahrungen werden die betreuten Ge­ fangenen in ihrer Entwicklung zurückgeworfen; nicht zuletzt leidet dadurch auch das Ansehen der ehrenamt­ lichen Betreuer.
Für weitere Informationen und spezielle Fragen stehen Ihnen die jeweiligen Ansprechpartner in Ihren Anstalten zur Verfügung. Das Gespräch mit einer Fachkraft gibt Ihnen die Möglichkeit,
• eine nüchterne und realistische Sichtweise Ihrer Beziehung zu den Betreuten zu erhalten,
• selbstverursachte Störungen im Betreuungsverhältnis zu erkennen,
• möglichen Fehlentwicklungen vorzubeugen und
• nicht als Einzelkämpfer bei Schwierigkeiten zu resignieren.
Die Zusammenarbeit zwischen den ehrenamt­ lichen Betreuern und der Vollzugsanstalt ist nicht immer frei von Problemen. Nur das koope­ rative Miteinander schafft die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wiedereingliederung.
• Informieren Sie sich bitte über die bestehenden Anstaltsregeln, die Hausordnung und Ihre Rechte und Pflichten. Sie verhindern damit unnötige Konflikte. Sich über Vorschriften hinwegzusetzen, hilft keinem, da Verstöße von Betreuern gegen die Anstaltsordnung auch auf die betreuten Gefangenen zurückfallen können.
• Bei Schwierigkeiten sollten Sie zuerst mit den Betreu- ungsbeamten reden und sie befragen, wenn Sie etwas nicht verstehen. Sie sollten sich auch nicht scheuen, berechtigte Kritik vorzutragen. Nur so können viele Missverständnisse vermieden oder geklärt werden.
Bedenken Sie, dass sich die Bediensteten oft im Spannungsfeld zwischen ihrem gesetzlichen Auftrag und den Erwartungen der Gefangenen bewegen.
Dies kann auch zu Spannungen zwischen Ihnen und den Bediensteten führen, wenn Sie nicht das Gespräch mit den betreffenden Beamten suchen.
• Regelmäßig, mindestens jedoch einmal im Jahr, sollten Sie mit den Betreuungsbeamten bzw. der Anstaltsleitung sprechen und über Ihre ehrenamtliche Tätigkeit berichten.
• Mit Einverständnis der Inhaftierten kann Ihnen die Anstaltsleitung die für Ihre Arbeit erforderlichen Infor- mationen aus der Gefangenenpersonalakte geben. Über diese Informationen und die Ihnen sonst bekannt gewordenen persönlichen Daten der Gefangenen müssen Sie Verschwiegenheit bewahren.
• Sie haben die Möglichkeit, zu Anträgen und Gesuchen der Inhaftierten Stellung zu nehmen. Dies wird von der Anstalt als Empfehlung betrachtet und entsprechend berücksichtigt.
Die Anstaltsleitung entscheidet darüber, wie oft und wie lange Sie die Gefangenen besuchen dürfen. Wenn nichts anderes bestimmt ist, dürfen Sie die Betreuten ohne Überwachung sprechen. Ihre Besuche werden nicht auf die Besuchszeit der Gefangenen angerechnet.
• Bringen Sie bitte bei jedem Besuch in der Vollzugsan­ stalt Ihren Personalausweis oder Reisepass mit. Sie durchlaufen beim Eintritt in die Anstalt alle normalen Kontrollen für Besucher. Ihre Handtasche, Aktenkoffer und vergleichbare Gegenstände werden im Schließ­ fach aufbewahrt.
• Sie dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis der Anstalts­ leitung von den Gefangenen nichts annehmen, ihnen nichts übergeben, ihnen keine Nachricht übermitteln und mit ihnen keine Geschäfte eingehen.
• In vielen Anstalten gibt es erfahrene ehrenamtliche Mitarbeiter und gut arbeitende Betreuungsgruppen. Nehmen Sie den Kontakt auf. Der Erfahrungsaustausch ist sehr wichtig, und die Gespräche in einer Gruppe können Ihnen den Einstieg in Ihre neue Aufgabe erleichtern.
Gesetzliche Bestimmungen und Verwaltungsvorschriften
Aufgaben des Vollzuges Art. 2 Bayerisches Strafvollzugsgesetz
Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten. Er soll die Gefangenen befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Be­ handlungsauftrag).
Ehrenamtliche Mitarbeit Art. 127 Bayerisches Strafvollzugsgesetz
(3) Zur Unterstützung bei der Erfüllung des Erziehungsauftrags sol ­ len nach Möglichkeit vertrauenswürdige Personen in der Anstalt mitarbeiten, die in der Lage sind, die Erziehungsmaßnahmen der Jugendstrafvollzugsanstalt sinnvoll zu ergänzen (ehrenamtliche Mitarbeiter).
Zusammenarbeit Art. 175 Bayerisches Strafvollzugsgesetz
(1) Alle im Vollzug Tätigen arbeiten zusammen und wirken daran mit, die Aufgaben des Vollzuges zu erfüllen. Die Sicherheit der Anstalt ist durch die erforderlichen organisatorischen Maßnah­ men und geeignete Behandlungsmaßnahmen zu gewährleisten.
(2) Die Anstalten arbeiten mit Behörden, Verbänden der freien Wohl­ fahrtspflege, Vereinen und Personen, deren Einfluss die Einglie­ derung der Gefangenen fördern kann, eng zusammen.
(4) Soweit erforderlich, ist zur Entlassungsvorbereitung insbesondere mit der Bewährungshilfe, den Aufsichtsstellen für die Führungs­ aufsicht und den Einrichtungen der Strafentlassenenhilfe frühzei­ tig Kontakt aufzunehmen.
Nr. 1 der Verwaltungsvorschriften zu Art. 175 Bayerisches Strafvollzugsgesetz
(1) Eine geeignete Person kann als ehrenamtlicher Mitarbeiter oder ehrenamtliche Mitarbeiterin
a) zur Betreuung eines oder einer bestimmten Gefangenen oder
mehrerer bestimmter Gefangener (ehrenamtlicher Betreuer oder ehrenamtliche Betreuerin) oder
b) sonst zur Mithilfe bei der Betreuung und Behandlung der Ge­
fangenen in der Anstalt zugelassen werden.
(2) Eine Person ist geeignet, wenn sie zur Mithilfe bei der Erfüllung des Behandlungsauftrags bereit und in der Lage ist, eine Gefähr­ dung der Sicherheit oder Ordnung der Anstalt oder ein sonstiger Missbrauch nicht zu befürchten ist und kein Ausschlussgrund (Satz 2) vorliegt. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter oder ehrenamtli­ che Mitarbeiterin darf nicht zugelassen werden,
a) wer noch nicht 21 Jahre alt ist,
b) gegen wen innerhalb der letzten fünf Jahre eine Freiheitsstrafe
oder eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung verhängt oder vollzogen wurde,
c) wer unter Bewährungs­ oder Führungsaufsicht steht,
d) gegen wen ein Ermittlungs­ oder Strafverfahren anhängig ist,
e) gegen wen aufgrund einer durchgeführten Sicherheitsüber­
prüfung Bedenken bestehen.
Unter den Voraussetzungen des Satzes 1 werden Personen bevor­ zugt, die in der Sozialarbeit erfahren sind oder die bei der ehren­ amtlichen Tätigkeit sonstige berufliche Kenntnisse oder Erfah­ rungen verwerten können.
(3) Über die Zulassung als ehrenamtlicher Mitarbeiter oder als ehren­ amtliche Mitarbeiterin entscheidet der Anstaltsleiter oder die An­ staltsleiterin auf schriftlichen Antrag des Bewerbers oder der Bewerberin. In der Regel ist eine Auskunft aus dem Zentralregister zu erholen. Bei gegebenem Anlass ist eine Sicherheitsüberprü­ fung durchzuführen. Wenn der Antragsteller oder die Antragstel­ lerin im öffentlichen Dienst beschäftigt ist oder als Beauftragter oder Beauftragte eines Verbands der freien Wohlfahrtspflege tätig wird, gilt Satz 2 nur, wenn ein besonderer Anlass zur Überprüfung besteht. Ob weitere Erhebungen durchzuführen sind, entscheidet der Anstaltsleiter oder die Anstaltsleiterin. Die Zulassung wird schriftlich, unter dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs und für die Dauer von höchstens einem Jahr erteilt. Verlängerungen sind zulässig. Die Zulassung ist zurückzunehmen oder zu widerrufen,
wenn sich ergibt, dass die Voraussetzungen für die Zulassung nicht vorgelegen haben oder entfallen sind. Die Zulassung ist fer­ ner zu widerrufen, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit eingestellt wird.
(4) Der ehrenamtliche Mitarbeiter oder die ehrenamtliche Mitarbei­ terin ist vor Aufnahme der Tätigkeit über die Aufgaben und Pflichten, die einschlägigen Vollzugsvorschriften, § 120 Strafge­ setzbuch, § 115 OWiG und das Verbot der Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten zu belehren. Die Belehrung ist zu doku­ mentieren. Die Aufnahme der Tätigkeit ist ferner davon abhängig zu machen, dass sich der ehrenamtliche Mitarbeiter oder die ehrenamtliche Mitarbeiterin schriftlich verpflichtet,
a) die in der Anstalt geltenden Vorschriften zu beachten,
b) mit den Vollzugsbediensteten eng zusammenzuarbeiten und
deren Anordnungen in Vollzugsangelegenheiten Folge zu leisten,
c) Kenntnisse, die er oder sie im Rahmen der ehrenamtlichen
Tätigkeit erlangt und aus denen sich der Verdacht einer erhebli­ chen Straftat, eine Gefährdung der Sicherheit oder Ordnung der Anstalt oder wichtige Hinweise für die Behandlung des oder der Gefangenen ergeben, unverzüglich dem Anstaltsleiter oder der Anstaltsleiterin oder dem oder der beauftragten Bediensteten mitzuteilen,
d) ohne ausdrückliche Erlaubnis des Anstaltsleiters oder der An­
staltsleiterin mit den Gefangenen keine Geschäfte einzugehen, von ihnen nichts anzunehmen, ihnen nichts zu übergeben und für sie keine Nachrichten oder Aufträge zu vermitteln,
e) die angeordneten Kontrollmaßnahmen zu dulden,
f) über vertrauliche Angelegenheiten, insbesondere über die per­
sönlichen Verhältnisse der Gefangenen, gegenüber Dritten – auch nach Beendigung der ehrenamtlichen Tätigkeit – Verschwie­ genheit zu bewahren.
g) dem Anstaltsleiter oder der Anstaltsleiterin mindestens einmal
im Jahr über die ehrenamtliche Tätigkeit zu berichten.
(5) Der Anstaltsleiter oder die Anstaltsleiterin entscheidet, ob die Kontakte des ehrenamtlichen Mitarbeiters oder der ehrenamtli­ chen Mitarbeiterin mit den Gefangenen überwacht werden.
(6) Den ehrenamtlichen Mitarbeitern dürfen Anstaltsschlüssel in der Regel nicht überlassen werden. Ausnahmen bedürfen der aus­ drücklichen Erlaubnis des Anstaltsleiters oder der Anstaltsleite­ rin.
(7) Der Anstaltsleiter oder die Anstaltsleiterin beauftragt einen oder mehrere Vollzugsbedienstete, die in der Anstalt tätigen ehren­ amtlichen Mitarbeiter bei der Erfüllung ihrer Aufgaben anzulei­ ten, zu beraten oder sonst zu unterstützen.
(8) Die ehrenamtlichen Betreuer (Abs. 1 Buchst. a) sollen die Einglie­ derung der Gefangenen insbesondere dadurch fördern, dass sie ihnen bei der Lösung oder Milderung ihrer persönlichen Schwie­ rigkeiten helfen, die Entlassung vorbereiten und den Gefangenen auch nach der Entlassung persönlichen Beistand leisten. Der An­ staltsleiter oder die Anstaltsleiterin entscheidet, wie oft und wie lange die ehrenamtlichen Betreuer die Gefangenen besuchen dürfen. Die Besuche ehrenamtlicher Betreuer werden auf die Mindestbesuchszeit der Gefangenen (Art. 27 Absatz 1 Satz 2, Art. 144 Abs. 2 Satz 1 BayStVollzG, Nr. 1 VV zu Art. 161 BayStVollzG) nicht angerechnet.
(9) Eine sonstige ehrenamtliche Tätigkeit in der Anstalt (Abs. 1 Buchst. b) kann insbesondere gestattet werden, wenn dadurch die allgemeine oder berufliche Bildung der Gefangenen, ihre so­ zialen Kontakte oder eine sinnvolle Freizeitgestaltung gefördert werden. Über die Durchführung entsprechender Veranstaltun­ gen entscheidet der Anstaltsleiter oder die Anstaltsleiterin. Er oder sie bestimmt auch, welche Gefangenen daran teilnehmen.
(10) Ein Verein oder eine sonstige Personengruppe darf nur in Aus­ nahmefällen zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Anstalt zugelassen werden. Die Zulassung der einzelnen Mitglieder eines Vereins oder einer sonstigen Personengruppe als ehren­ amtliche Mitarbeiter bleibt unberührt.
Für die ehrenamtlichen Betreuer besteht im Rahmen ihrer ehrenamt­ lichen Tätigkeit Versicherungsschutz nach den Vorschriften des Sieb­ ten Buches Sozialgesetzbuch (§ 2 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. a SGB VII). Zuständiger Versicherungsträger ist der Freistaat Bayern, vertreten durch die Bayerische Landesunfallkasse (§ 128 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII).
Bei Unfällen hat die Justizvollzugsanstalt, bei welcher die ehrenamt­ lichen Mitarbeiter jeweils zugelassen sind, eine Anzeigepflicht ge­ mäß § 193 SGB VII.
Verwaltungsvorschrift Nr. 3122.2.0­J vom 14. Juli 2009 (Erstattung der notwendigen Auslagen der ehrenamtlichen Mitarbeiter)
Der Anstaltsleiter kann einem ehrenamtlichen Betreuer auf Antrag die durch die Betreuung entstandenen notwendigen Auslagen für Fahrten und Postgebühren erstatten, wenn dies aufgrund der Tätigkeit des Betreuers gerechtfertigt ist. Auf die Erstattung der Auslagen für Fahrten und für Postgebühren besteht kein Rechtsan­ spruch. Andere Auslagen des Betreuers werden nicht erstattet.
Als Fahrten werden erstattet:
• bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel die Kosten der 2. Klasse,
• bei Benutzung eines privateigenen Kraftfahrzeugs eine Wegstreckenentschädigung von 0,20 Euro je Kilometer.
Die durch die Betreuung entstandenen notwendigen Auslagen für Fahrten und für Postgebühren dürfen nur gegen Vorlage von Einzelnachweisen erstattet werden. Die Erstattung der Auslagen soll vierteljährlich nachträg­ lich erfolgen.
Bayerischer Landesverband für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe e. V. (BayLGB) Geschäftsstelle: Manfred Drosta Prielmayerstraße 7, 80335 München, Telefon: 089/6903845 www.baylgb.de, info@baylgb.de
Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e. V. (LAG) Vorsitzende: Gaby Buß, Döbereinerstraße 11 a, 81247 München www.lag­strafvollzug­bayern.de, www.ehrenamt­im­strafvollzug.de information@ehrenamt­im­strafvollzug.de
Evang. Straffälligenhilfe des Evangelischen Hilfswerks München Leitung: Gerhard Gruber, Bodelschwingh­Haus, Schillerstraße 25, 80336 München, Telefon: 089/545941­0/­30 www.hilfswerk­muenchen.de, www.lag­strafvollzug­bayern.de (Region München) straffaelligenhilfe@hilfswerk­muenchen.de
Münchner Zentralstelle für Straffälligenhilfe (MZS) Haimhauser Straße 13, 80802 München, Telefon: 089/380156­0 www.kmfv.de, mzs@kmfv.de
Zentralstelle für Strafentlassenenhilfe Marienstraße 23, 90402 Nürnberg, Telefon: 0911/222855 www.strafentlassenenhilfe.de, kontakt@zfs­n.de
Arbeitskreis Resozialisierung der Stadtmission Nürnberg e.V. (ResoKreis) Einrichtungsleiter: Friedrich Leinberger Kraußstraße 5, 90443 Nürnberg, Telefon: 0911/376671­00 www.ak­reso.de, ak­reso@stadtmission­nuernberg.de
Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose u. Strafentlassene (ZBS) Wallgasse 3, 97070 Würzburg, Telefon: 0931/3210­213 www.christophorus­wuerzburg.de info.zbs@christophorus­wuerzburg.de
Diakonisches Werk Bayern der Evang.-Lutherischen Kirche in Bayern Referat Gefährdetenhilfe – Landesverband der Inneren Mission e. V. Pirckheimer Straße 6, 90408 Nürnberg, Telefon: 0911/9354­0 www.diakonie­bayern.de, info@diakonie­bayern.de
Diakonisches Werk Augsburg e. V. Straffälligen- und Strafentlassenenhilfe Spenglergässchen 7a, 86152 Augsburg, Telefon: 0821/45019­3712 www.diakonie­augsburg.de, info@diakonie­augsburg.de
Straffälligenhilfe des Diakonischen Werks Rosenheim Innstraße 72, 83022 Rosenheim, Telefon: 08031/3009­1028 www.diakonie­rosenheim.de, info@diakonie­rosenheim.de
Sozialdienst katholischer Frauen, Landesverband Bayern e. V. Bavariaring 48, 80336 München, Telefon: 089/538860­0 www.skfbayern.de, landesverband@skfbayern.de
Deutscher Caritasverband, Landesverband Bayern e. V. Lessingstraße 1, 80336 München, Telefon: 089/54497­0 www.caritas­bayern.de, info@caritas­bayern.de
Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe (LAG-S) im Landescaritasverband Geschäftsführerin: Lydia Halbhuber­Gassner, Telefon: 089/53886016 www.skfbayern.de, Halbhuber­Gassner@skfbayern.de
Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e. V. Charles­de­Gaulle­Straße 4, 81737 München, Telefon: 089/30611­0 www.paritaet­bayern.de, info@paritaet­bayern.de
Über diese Organisationen und die Justizvollzugs­ anstalten können Sie auch Auskünfte über weitere Einrichtungen und Gruppen erhalten, die auf örtlicher Ebene im Bereich der Straffälligenhilfe tätig sind.
Selbstverständnis ehrenamtlicher Mitarbeiter
„Wir haben uns für die Straffälligen entschieden, eine Randgruppe, die von der Gesellschaft ausgegrenzt wird.
Wir arbeiten in unserer Freizeit und unentgeltlich. Wir kommen aus unterschiedlichen Berufen und Altersgruppen. Wir sind für Inhaftierte Gesprächs­ partner, Bezugsperson und Begleiter.
Darüber hinaus versuchen wir, in der Öffentlichkeit Vorurteile abzubauen. Als Bürger dieser Gesell­ schaft, in deren Auftrag Strafvollzug geschieht, übernehmen wir somit in besonderem Maße Mit­ verantwortung.“
Eine ehrenamtliche Betreuerin bei der Fortbildungstagung 1994 in Straubing
Bayerisches Staatsministerium der Justiz Referat für Öffentlichkeitsarbeit Prielmayerstraße 7, 80335 München
umweltfreundlichem Recyclingpapier
Monika Grötzinger, Visualista, München
Gotteswinter und Aumaier GmbH, München
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[de].[Tageszeitung].-.Handelsblatt_Deutschlands.Wirtschafts.und.Finanzzeitung_(2016-10-04)
Miroslav Hnat

References: Art. 175
 Art. 2
 Art. 127
 Art. 175
 Art. 175
 § 120
 § 115
 Art. 144
 Art. 161
 § 193