Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4286.htm
Timestamp: 2018-12-11 23:05:43+00:00

Document:
4.286 Kirchhalde
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Kirchhalde« vom 27. Februar 1998 (GBl. v. 30.03.1998, S. 204).
Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Langenenslingen, Gemarkung Emerfeld, Landkreis Biberach, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kirchhalde«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 8 ha.
(2) Es umfaßt die Parzellen 37 und 39 bis 46 auf dem Gewann Kirchhalde, die Parzellen 295 bis 298 sowie 309 bis 312, 315/1 und 316 und 319 einschließlich der Wegparzelle 315 auf Gewann Rainäcker, die Parzelle 308 auf Gewann Pfannenstiel und die Parzellen 580/1, 630/1 sowie 631 bis 633 auf dem Gewann Burghalde.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 28. August 1997 im' Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, Konrad‑Adenauer‑Str. 20, und beim Landratsamt Biberach in Biberach, Rollinstr. 9, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der landschaftstypischen und kulturhistorisch bedeutsamen Wacholderheiden und Kalkmagerweiden als prägendes Landschaftselement auf dem ‑ mit Ausnahme des dorfnahen Wirtschaftsgrünlandes ‑ einzigen nicht mehr bewaldeten Hang im Warmtal.
1. Schutz und Erhaltung der auf stark beweideten Flächen vorhandenen Magerwiesen (Mesobrometum erecti) bzw. des Enzian‑Schillergrasrasens (Gentiano Koelerietum) und der frühlingsenzianreichen Halbtrockenrasen (Gentiano vemae-Brometum);
2. Schutz und Erhaltung der Flächen als Habitat der artenreichen und bedrohten Pflanzen‑ und Tiergemeinschaften der Halbtrockenrasen, Trockenrasen und Gebüsche im Verbund als trockenwarme Biotope mit wertvoller, gefährdeter Flora und Fauna. Ziel sind Erhaltung und Schutz des Gebiets als Zufluchtsort für zahlreiche licht‑ sowie wärmeliebende Pflanzen und Tierarten, die in unserer heutigen Landschaft kaum noch Lebensraum finden;
3. Schutz der Heidefläche vor Umbruch, Aufforstung und anderen Nutzungsintensivierungen;
4. Schutz der landschaftsprägenden Schönheit und Eigenart, die im Naturraum eine Besonderheit darstellt und als Relikt der früheren Wirtschaftsweise von hohem landeskulturellem Wert ist;
5. Erhalt der Funktion als Erholungsraum mit hohem Erlebniswert.
(2) Schutzziel ist die dauerhafte Sicherung der Heide durch weitere Nutzung als extensive Schafweide oder zumindest durch Pflege als Magerrasen, sowie die Abwendung von Gefährdungen durch Umnutzungen.
2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern; ausgenommen sind Leitungen öffentlicher Versorgungsträger und öffentliche Verkehrsanlagen (einschließlich Feldwegen), wenn bei ihrer Planung Einvernehmen mit der für Befreiungen zuständigen Naturschutzbehörde hergestellt wird;
3. Bodenbestandteile abzubauen, Grabungen, Sprengungen oder Bohrungen vorzunehmen oder die Bodengestalt in sonstiger Weise, insbesondere durch Boden‑ oder Materialablagerungen, zu verändern;
4. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern können;
5. Abfälle oder sonstige Gegenstände, insbesondere Dung oder Ernterückstände, zu hinterlassen, zu lagern oder zu behandeln;
6. Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;
7. zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswanderungen, Sportveranstaltungen) durchzuführen;
10. Hunde frei laufen zu lassen;
11. außerhalb von Straßen und befestigten Wegen zu reiten;
12. die Wege zu verlassen;
13. das Gebiet außerhalb von Straßen oder befestigten Wegen mit Fahrrädern zu befahren;
14. das Gebiet außerhalb von Straßen und befestigten Wegen mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühlen, zu befahren;
15. Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;
16. Pflanzen oder Pflanzenteile, insbesondere Bäume, Hecken, Gebüsche, Feldgehölze im Ganzen oder Teile davon auszugraben, abzupflücken, abzusägen oder in sonstiger Weise zu beschädigen, zu roden oder zu zerstören; ein schonender Rückschnitt von Hecken und Gebüschen ist außerhalb der Vogelbrutperiode (vom 1. März bis 30. September) zulässig;
17. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;
19. wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Nist‑, Brut‑, Laich‑, Wohn‑, Rast‑, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang von Tieren geeignete Vorrichtungen zu errichten, zu betreiben oder mit sich zu führen;
20. Störungen an den Lebens‑, Brut‑ und Wohn‑ oder Zufluchtstätten wildlebender Tiere, insbesondere durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu verursachen;
21. gebietsfremde Tiere auszusetzen oder anzusiedeln;
22. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Ackerland umzubrechen;
23. Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen können, anzuwenden;
24. Düngemittel zu verwenden.
1. die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen, wobei
1.4 Feldraine, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen; ein schonender Rückschnitt von Hecken und Gebüschen ist außerhalb der Vogelbrutperiode (vom 1. März bis 30. September) zulässig;
1.5 Die Verwendung von Düngemitteln nur auf Wirtschaftsgrünland, Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist. Bei der Anwendung ist entlang der Flurstücksgrenzen von Parzelle 319, jeweils senkrecht zur Grundstücksgrenze, ein Biotopschutzabstand von 10 m einzuhalten;
1.6 die Anwendung von Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie von Wirkstoffen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen und Tieren beeinflussen, nur auf Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist;
1.7 landwirtschaftliche Erzeugnisse oder andere Wirtschaftsstoffe sowie Feldmieten, Fahrsilos oder ähnliche Einrichtungen nur auf intensiv genutzten Flächen gelagert oder angelegt werden dürfen.
Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben worden war, bleibt unberührt, soweit nicht diese Verordnung Beschränkungen auferlegt;
2. die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen. wobei
2.1 die Bewirtschaftung sich an den Ansprüchen der schutzwürdigen Flora und Fauna ausrichten soll;
2.2 Neuaufforstungen nicht zulässig sind;
2.3 Holzlagerplätze nicht auf wertvollen Flächen angelegt werden dürfen;
2.4 Tothölzer, Höhlenbäume und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall zu erhalten sind;
3. die Jagd entsprechend dem Landesjagdgesetz ordnungsgemäß auszuüben, wobei
3.1 zusätzliche Hochsitze nicht errichtet werden dürfen, abgängige oder nicht mehr genutzte Ansitze zu entfernen oder durch einfache Leitern aus naturbelassenen Hölzern in unmittelbarem Anschluß an Gehölze zu ersetzen sind;
3.2 keine neuen Wildäcker und Futterstellen und, innerhalb geschützter Biotope nach § 24a NatSchG, keine neuen Kirrungen eingerichtet und unterhalten werden dürfen;
3.3 für die natürliche Wiederverjüngung des Waldes tragbare Wildbestände hergestellt werden sollen;
3.4 das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf, es sei denn, um zur Unterhaltung bestehender oder zur zulässigen Errichtung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material zu befördern oder erlegte Tiere größeren Gewichts zu bergen;
4.2 die auch nur kleinflächige Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken. nicht zulässig ist;
4.3 Feldraine, Hecken, Gebüsche. Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen;
4.4 die Verwendung von Düngemitteln nicht zulässig ist;
4.5 Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;
5. die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen und Wege, Eisenbahnanlagen, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen fortzusetzen, wobei Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;
6. Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile zugelassen oder angeordnet werden, insbesondere für die im Pflegeplan vorgesehenen Arbeiten, durchzuführen; für Waldflächen ist das Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt herzustellen;
(2) Die zulässigen Handlungen sind so auszuüben, daß sie den Schutzzweck (§ 3) mit größtmöglicher Rücksicht beachten und im Rahmen der Möglichkeiten fördern. Errichtungs‑, Unterhaltungs‑ und Instandsetzungsarbeiten sollen nicht in der Vogelbrutzeit vom 1, März bis 31. Juli ausgeführt werden.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 1, 2, 4 und 5 verbotenen Handlungen vornimmt.
Die Verordnung des Landratsamts Biberach über das Landschaftsschutzgebiet »Riedlinger Alb« vom 25. Februar 1963 tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.
TÜBINGEN, den 27. Februar 1998

References: § 28
 § 2
 § 24
 § 64
 § 4
 § 5