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Timestamp: 2020-08-04 14:58:20+00:00

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Ethno-Marketing im Sozialwesen - Diplom.de
Konzept für ein Projekt der kultursensiblen Altenpflege
Beuth Hochschule für Technik Berlin (Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften, Studiengang Betriebswirtschaftslehre)
1.1 Problemstellung, Fragestellung und Ziel der Arbeit
2 Pflegemarkt in Deutschland
2.1 Bevölkerungswandel in Deutschland
2.1.2 Auf dem Weg zur Seniorengesellschaft
2.2 Pflegebedürftigkeit älterer Menschen
2.3 Pflegeinfrastruktur in Deutschland
2.3.1 Ambulante Pflege
2.3.1.1 Ambulante Pflegedienste
2.3.1.2 Betreutes Wohnen
2.3.2 Stationäre Pflege
2.3.2.1 Teilstationäre Pflege
2.3.2.2 Kurzzeitpflege
2.3.2.3 Vollstationäre Pflege
3 Türkische Migranten in Deutschland
3.1 Deutschland als Einwanderungsland
3.1.1 Begriffsabgrenzung Ausländer - Migrant
3.1.2 Herkunft der Ausländer in Deutschland
3.1.3 Struktur der Ausländer in Deutschland
3.2 Merkmale der in Deutschland lebenden Türken
3.2.3 Familie und Wohnsituation
3.2.4 Einkommenssituation
3.2.5 Bildungssituation und Sprache
3.2.6 Religion
3.2.8 Konsumentenverhalten
3.2.9 Mediennutzung
3.3 Aus Gastarbeitern wurden Rentner
3.3.1 Historie der türkischen Gastarbeiter
3.3.2 Demografische Aspekte
3.3.3 Generationsunterschiede
3.3.4 Hilfebedarf und Inanspruchnahme öffentlicher Hilfe
3.3.5 Kultursensible Altenpflege
4 Grundlagen des Ethno-Marketings
4.1 Allgemeiner Kulturbegriff
4.2 Abgrenzung des Ethno-Marketings zu Interkulturellem Marketing
4.3 Definition und Geschichte des Ethno-Marketings
4.4 Ethno-Marketing für die Zielgruppe „Türken in Deutschland“ EXKURS: Erfolge und Misserfolge im Ethno-Marketing
5 Empirische Studie zum Thema „Kultursensible Altenpflege“
5.1 Problemstellung und Ziel der Untersuchung
5.2 Darstellung der Stichprobenstruktur
5.3 Repräsentativität der Befragung
5.4 Methoden der Datengewinnung
5.6 Datenanalyse und Interpretation der Ergebnisse
5.6.1 Soziodemografische Ergebnisse
5.6.1.1 Geschlechtsverteilung
5.6.1.2 Alter
5.6.1.3 Familiensituation
5.6.1.4 Geburtsland und Aufenthaltsdauer in Deutschland
5.6.1.5 Sprachkenntnisse
5.6.1.6 Religion
5.6.2 Ergebnisse des Frageblocks „Merkmale eines Pflegeheimes“
5.6.2.1 Analyse der Ergebnisse ausgewählter Merkmale
5.6.2.1.1 Merkmal „eigenes Bad“
5.6.2.1.2 Merkmal „Einzelzimmer“
5.6.2.1.3 Merkmal „TV- und Radiosender“
5.6.2.1.4 Merkmal „Probewohnen“
5.6.2.1.5 Merkmal „geschlechtsspezifische Betreuung“
5.6.3 Ergebnisse der Abfrage „Einzug in ein Pflegeheim“
6 Marketingkonzept für ein türkisches Pflegeheim in Berlin
6.1 Situationsanalyse
6.1.1 Analyse der globalen Umweltfaktoren (Makro-Umwelt)
6.1.2 Analyse der Marktgegebenheiten (Mikro-Umwelt)
6.1.3 Unternehmensanalyse
6.1.3.1 SWOT-Analyse
6.2 Strategisches Marketing
6.2.1 Marketingziele
6.2.1.1 Potentialbezogene Marketingziele
6.2.1.2 Markterfolgsbezogene Marketingziele
6.2.1.3 Wirtschaftliche Marketingziele
6.2.2 Marketingstrategien
6.2.2.1 Marktfeldstrategien
6.2.2.2 Marktstimulierungsstrategien
6.2.2.3 Marktparzellierungsstrategien
6.2.2.4 Marktarealstrategien
6.3 Operatives Marketing
6.3.2 Preispolitik
6.3.3 Distributionspolitik
6.3.4.1 Werbung
6.3.4.2 Verkaufsförderung
6.3.4.3 Public Relations
6.3.4.4 Persönlicher Verkauf
6.3.4.5 Direktmarketing
6.3.4.6 Mund-zu-Mund-Kommunikation
Abbildung 2: Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland von 1871 bis 2050
Abbildung 3: Vorausberechnung Pflegebedürftige in Deutschland bis 2020
Abbildung 4: Pflegestatistik 2005
Abbildung 5: Ausländische Bevölkerung nach Staatsangehörigkeiten in Deutschland
Abbildung 6: Alterspyramide der Gesamtbevölkerung und der ausländischen Bevölkerung
Abbildung 7: Altersstruktur der Türken in Deutschland
Abbildung 8: Kulturelle Homogenität und Heterogenität
Abbildung 9: Geschlechtsverteilung der Befragten
Abbildung 10: Altersverteilung der Befragten
Abbildung 11: Religionszugehörigkeit der Befragten
Abbildung 12: Ergebnisse des Frageblocks „Merkmale eines Pflegeheims“
Abbildung 13: Rangfolge der Merkmale
Abbildung 14: Detailliertes Ergebnis des Merkmales „eigenes Bad“
Abbildung 15: Detailliertes Ergebnis des Merkmales „Einzelzimmer“
Abbildung 16: Detailliertes Ergebnis des Merkmales „TV-/ Radiosender“
Abbildung 17: Detailliertes Ergebnis des Merkmales „Probewohnen“
Abbildung 18: Detailliertes Ergebnis des Merkmales „geschlechtsspezifische Betreuung“
Abbildung 19: Allgemeine Einstellung zum Einzug in ein Pflegeheim
Abbildung 20: Konzeptionspyramide
Abbildung 21: 4-Feld-Matrix der Boston Consulting Group
Abbildung 22: Strategietypologisierung in Anlehnung an Ansoff
Abbildung 23: Marktparzellierungsstrategien
Abbildung 24: Strategieprofil der SGE „stat. Pflege und Betreuung von türkischen Senioren“
Abbildung 25: Geburtsland der Befragten
Tabelle 1: Melderechtlich registrierte Ausländer in Tiergarten am 31.12.2006
Tabelle 2: Bewertung der Stärken und Schwächen der Vitanas Senioren Centren
Tabelle 3: Bewertung der Chancen und Risiken der Vitanas Senioren Centren
Tabelle 4: Familienstand der Befragten
Tabelle 5: Kinderanzahl der Befragten
Tabelle 6: Durchschnittliche Kinderanzahl je Altersgruppe
Tabelle 7: Aufenthaltsdauer der Befragten in Deutschland
Tabelle 8: Türkischkenntnisse der Befragten
Tabelle 9: Deutschkenntnisse der Befragten
Tabelle 10: Religionsausübung der Befragten
Migration und Alter - eine thematische Kombination, die angesichts des demografischen Wandels an Aktualität zunimmt, denn unsere Gesellschaft wird sowohl älter als auch vielfältiger. Die wachsende Zahl älterer Zuwanderer sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für den deutschen Pflegemarkt haben dazu geführt, dass Unternehmen sich mit den Bedürfnissen dieser Zielgruppe auseinandersetzen. Sie stehen vor der Herausforderung, den Anspruch alt gewordener Migranten[1] auf Beratung, Betreuung und Pflege sicherzustellen und entsprechende Versorgungsdefizite abzubauen. Allein zur Versorgung türkischer Senioren werden deutschlandweit geschätzte 80 Pflegeheime bis zum Jahr 2011 benötigt.[2]
Die erste Generation der Gastarbeiter kommt in ein Alter, in dem viele pflegebedürftig werden und die klassische Großfamilie, in der die Tochter zuhause bleibt, um die kranke Mutter zu pflegen, ist auch in ausländischen Familien längst nicht mehr der Normalfall. Der bestehende Hilfe- und Pflegebedarf kann oft nicht in ausreichendem Maße von den innerethischen und familiären Netzwerken aufgefangen werden, jedoch nutzen ältere zugewanderte Menschen bisher die Institutionen der deutschen Altenhilfe kaum. Fehlende Informationen, schlechte Erfahrungen, geringe Deutschkenntnisse sowie auch die Angst vor möglichen ausländerrechtlichen Konsequenzen sind oft große Barrieren. In Kooperation mit öffentlichen Stellen, Kommunen sowie Migrationsdiensten und -organisationen müssen neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit entwickelt werden. Die noch weit verbreitete „Warten-auf-Nachfrage“-Struktur der Altenhilfe wird der Lebenssituation älterer Menschen nicht gerecht. Gebraucht werden dagegen aufsuchende und gemeinwesenbezogene Ansätze in offenen, ambulanten und stationären Einrichtungen.
Für Träger von Pflegeheimen bestand bis Mitte 1996 nur selten Anlass, sich über einen möglichen Nachfragerückgang und damit über das Thema Marketing Gedanken zu machen. Von dem vereinzelten und geringfügigen Wettbewerb zwischen zwei vergleichbaren Einrichtungen abgesehen, gab es kaum Konkurrenz. Der Markt der stationären Pflege und Betreuung war ein Anbietermarkt mit recht stabilen und überschaubaren Bedingungen, gekennzeichnet durch Kontinuität in der Nachfrage, hohe Markteintrittsbarrieren für neue, insbesondere gewerbliche Anbieter und weitestgehende Übernahme der Kosten durch die Sozialleistungsträger.[3]
Mit dem Inkrafttreten der zweiten Stufe der Pflegeversicherung am 1. Juli 1996 mussten sich die Pflegeheime auf deutlich veränderte Rahmenbedingungen einstellen.[4] Die eingeführten gesetzlichen Reformen fördern, basierend auf den Grundsätzen der Wettbewerbsneutralität und der Marktöffnung, den Wettbewerb und lassen diesen ausdrücklich zu.[5] Es vollzieht sich ein tief greifender Wandel von einem Anbieter- zu einem Nachfragermarkt. Vor diesem Hintergrund wird die zentrale Bedeutung des Marketings dem Träger eines Pflegeheimes als einem wesentlichen Bestandteil der Unternehmenspolitik recht deutlich. Versorgungsverträge mit den Pflegekassen als Hauptfinanzierungsträger gewährleisten heute keine kontinuierliche Auslastung der Heimkapazitäten mehr. Das Unternehmen ist gefordert, unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken des Pflegemarktes und einer stets konkurrenzbezogenen Analyse der eigenen Stärken und Schwächen, innovative Marktstrategien zu entwickeln und Erfolgspotentiale frühzeitig am Absatzmarkt zu erkennen, aufzubauen, auszuschöpfen und langfristig zu sichern. Dabei kommt es darauf an, potentielle Kunden, also in erster Linie Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, mit einem deren Bedürfnissen und Wünschen entsprechenden sowie zeitgemäßen Angebot als kompetenter Dienstleister zu überzeugen und sich gegenüber den Mitbewerbern am Pflegemarkt durchzusetzen.
Gerade im Hinblick auf die steigende Zahl älterer Migranten und deren vermehrter Verbleib in Deutschland wird die Zahl der pflegebedürftigen Migranten in absehbarer Zeit weiter steigen und damit auch die Nachfrage nach professionellen Pflegeangeboten seitens dieser Zielgruppe. Dieser Bedarf wurde bereits von einigen Unternehmen im Pflegebereich erkannt und es wurden verschiedene Angebote geschaffen. Um diese Angebote bei der Zielgruppe bekannt zu machen, reicht es jedoch nicht aus, bestehende Marketingaktivitäten einfach zu übertragen, es ist vielmehr wichtig, diese zielgruppenspezifisch zu gestalten und den jeweiligen Besonderheiten anzupassen.
Die Grundlage eines ausdrücklich ethnischen Marketings, das sich von dem an der Bevölkerungsmehrheit ausgerichteten, allgemeinen Marketingkonzept abgrenzt, ist die Annahme, dass sich diese Zielgruppe in entscheidenden Merkmalen von anderen Konsumentengruppen unterscheidet. Dieses Konzept der Marktsegmentierung baut darauf auf, dass eine Konsumentengruppe aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften durch eigens auf sie abgestimmte Marketingmaßnahmen effektiver und zielgerichteter erreicht werden kann.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Nach der Einleitung gibt Kapitel 2 einen groben Überblick über den aktuellen Bevölkerungswandel in Deutschland und erläutert den Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und der wachsenden Pflegebedürftigkeit älterer Menschen. Des Weiteren werden die zwei Hauptsäulen der Pflegeinfrastruktur in Deutschland „Ambulante Pflege“ und „Stationäre Pflege“ näher betrachtet.
Kapitel 3 stellt zunächst eine Einführung in die Einwanderungsgeschichte in Deutschland dar. Zu Beginn erfolgt ein allgemeiner Überblick über die Herkunft und Struktur der in Deutschland lebenden Ausländer. Im Anschluss daran wird detailliert auf die Merkmale der in Deutschland lebenden Türken eingegangen. Des Weiteren erfolgt eine Beschreibung der aktuellen gesellschaftlichen Situation der türkischstämmigen Bevölkerung sowie der typischen Lebensumstände. Abschließend wird der Schwerpunkt auf die Betrachtung der älteren türkischen Migranten gelegt, deren Hilfebedarf sowie die Unterschiede zwischen den Generationen der in Deutschland lebenden Türken. Ein wichtiger Punkt hierbei stellt die kultursensible Altenpflege dar, auf die ebenfalls kurz eingegangen wird.
Die Grundlagen des Ethno-Marketings werden in Kapitel 4 dargestellt. Nach einer kurzen Definition des Kulturbegriffs erfolgt eine Abgrenzung zu interkulturellem Marketing. Es wird weiterhin auf die Geschichte des Ethno-Marketings eingegangen und die Besonderheiten von Deutschtürken als Marketing-Zielgruppe bzw. Konsumentengruppe werden thematisiert. Der kurze Exkurs berichtet über Erfolge und Misserfolge im Ethno-Marketing.
Die Besonderheiten und Bedürfnisse der älteren türkischen Migranten bilden die Basis für die empirische Untersuchung zum Thema „Kultursensible Altenpflege“ in Kapitel 5. Die Befragung von 82 Personen soll darüber Aufschluss geben, welche Merkmale eines Pflegeheimes bei der Auswahl eine wichtige Rolle spielen. Die zu bewertenden Merkmale wurden dabei bereits an die speziellen Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst und im Rahmen der kultursensiblen Altenpflege betrachtet. Nach einer allgemeinen Darstellung der Struktur der Stichprobe, der Repräsentativität und der Methode der Datengewinnung wird der Fragebogenaufbau beschrieben. Anschließend erfolgt eine detaillierte Datenanalyse und Interpretation der Ergebnisse.
Auf Basis der Ergebnisse der Befragung sowie der in Kapitel 4 genannten theoretischen Grundlagen des Ethno-Marketings wird im Kapitel 6 der Arbeit ein Marketingkonzept für ein Pflegeheim für Menschen aus der Türkei beschrieben, welches das Unternehmen Vitanas GmbH & Co. KGaA für das geplante türkische Pflegeheim in Berlin-Moabit nutzen könnte. Darin werden eine Situationsanalyse erstellt, anschließend Marketingziele und Marketingstrategien formuliert und schließlich operative Maßnahmen im Rahmen des Marketing-Mix entwickelt.
Unter Bevölkerung versteht man im Allgemeinen die Gesamtheit aller Personen, die in einem bestimmten Gebiet leben.[6] Die Bevölkerung jedes Landes ist ständigen Veränderungen unterworfen. Dies geschieht durch Geburten und Sterbefälle sowie durch Zu- und Abwanderungen gegenüber anderen Gebieten des gleichen Landes (Binnenwanderungen) bzw. gegenüber dem Ausland (Außenwanderungen). Die Summe aller vier Komponenten für ein bestimmtes Jahr oder für jeden anderen Zeitraum ist entweder positiv (Bevölkerungswachstum), negativ (Bevölkerungsschrumpfung) oder Null (Stagnation der Bevölkerung).
Demografie (Bevölkerungswissenschaft) ist die Lehre von der Struktur und Entwicklung einer Bevölkerung sowie von den dafür verantwortlichen Ursachen und den daraus möglicherweise erwachsenden künftigen Wirkungen. Dabei wird häufig unterteilt in einen mehr quantitativ und in einen primär qualitativ orientierten Zweig. Der quantitative Zweig (Demografie im engeren Sinn) konzentriert sich auf die Bevölkerungsstatistik, der qualitative Zweig (auch Bevölkerungsforschung genannt) untersucht die Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Bevölkerungsentwicklung, womit sich vor allem die Bevölkerungspolitik befasst.[7]
Mit demografischem Wandel ist die Summe jener Prozesse, die die Zusammensetzung und Zahl der Einwohner beeinflussen, gemeint.[8]
Der Begriff demografische Alterung bedeutet eine Zunahme des Durchschnittsalters der Bevölkerung, gemessen durch das so genannte Medianalter (Alter, das die Hälfte der Bevölkerung über- bzw. unterschreitet) oder durch den so genannten Altenquotienten - die Zahl der über 65-Jährigen in Prozent der 15- bis 65-Jährigen (alternativ: über 60-Jährige in Prozent der 20- bis 60-Jährigen).[9]
Nach Jahrhunderten des Bevölkerungswachstums zeichnet sich heute auf Grund des weltweiten, seit Jahrzehnten beobachteten Rückgangs der Geburtenraten ein Ende des Weltbevölkerungswachstums ab. Die Geburtenrate ist im Durchschnitt der Weltbevölkerung von 1955 bis 2000 von fünf Kindern je Frau auf 2,7 Kinder je Frau zurückgegangen. In Deutschland sank die Geburtenrate zwischenzeitlich drastisch von durchschnittlich 2,5 Kindern je Frau in der Nachkriegszeit auf 0,77 Kinder je Frau im Jahr 1994 als Folge der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche im Zuge der Wiedervereinigung. Inzwischen hat die Geburtenhäufigkeit wieder zugenommen und dürfte sich in Deutschland auf einem Niveau von 1,4 Kindern pro Frau langfristig stabilisieren. Derzeit zählt Deutschland 82,4 Millionen Einwohner. 2050 werden es noch knapp 69 Millionen bis 74 Millionen sein.[10]
Deutschland ist heute weltweit das Land mit dem vierthöchsten Durchschnittsalter der Bevölkerung (nach Japan, Italien und der Schweiz) und das Land mit dem dritthöchsten Anteil der Bevölkerung ab 60 Jahren (nach Italien und Griechenland).[11]
Die demografische Alterung beruht in erster Linie, wie bereits beschrieben, auf den in allen Ländern abnehmenden Kinderzahlen pro Frau und erst in zweiter Linie auf der weltweiten Zunahme der Lebenserwartung. Ein im Jahr 1910 geborener Junge in Deutschland hatte nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von 45 Jahren, ein Mädchen von 48 Jahren. Für die in den Jahren 1998 bis 2000 Geborenen wird dagegen mit 75 bzw. 81 Jahren gerechnet. Auch für die ältere Bevölkerung ist die durchschnittlich zu erwartende weitere Lebenszeit länger geworden. Heute kann ein 60-jähriger Mann im Durchschnitt damit rechnen, dass er noch 20 Jahre lebt. Eine Frau, die jetzt 60 Jahre alt ist, kann heute 24 weitere Jahre erwarten. Vor hundert Jahren betrug die fernere Lebenserwartung in diesem Alter lediglich 13 bzw. 14 Jahre.[12]
Wie sich diese Entwicklungen auf den Altersaufbau der Bevölkerung auswirken, lässt sich an den Bevölkerungsstrukturen für die Jahre 1910, 1950, 2001 und 2050 ablesen:
Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050 – Ergebnisse der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (2003)
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts hatte der Altersaufbau noch die Form einer Pyramide. Die Anteile der Kinder und Jugendlichen waren noch sehr hoch, die Anteile der älteren Menschen dagegen niedrig; der Altersaufbau war insgesamt gleichmäßig. Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich das Bild durch die steigende Lebenserwartung und den starken Rückgang der Geburten seit Ende der 60er Jahre grundlegend verändert: Am stärksten besetzt sind nicht mehr die jüngeren Jahrgänge, sondern die Altersjahrgänge zwischen 35 und 47 Jahren. Selbst die Anteile der bis 60-Jährigen sind – mit Ausnahme der schwächer besetzten Geburtsjahrgänge des Zweiten Weltkriegs – noch höher als die der Kinder und Jugendlichen. Diese Verschiebung der Altersstruktur zugunsten der Anteile älterer Menschen wird sich, wie die Bevölkerungspyramide für das Jahr 2050 zeigt, weiter fortsetzen. Die Basis der Bevölkerungspyramide wird zunehmend schmaler, so dass deren Gestalt beständig kopflastiger wird. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Form der umgekehrten Pyramide immer mehr durchsetzen. So werden 2050 die Altersjahrgänge der etwa 60-Jährigen am stärksten vertreten sein; der Anteil der 80-Jährigen wird dann höher sein als der Anteil der Neugeborenen (siehe Abbildung 1).
Das eigentliche Bevölkerungsproblem entwickelter Länder wie Deutschland ist ein gesellschaftliches und soziales Problem, das in erster Linie auf der Verschiebung der Altersstruktur durch die Gleichzeitigkeit von Bevölkerungswachstum bei den über 60-Jährigen und der Bevölkerungsschrumpfung bei den 20- bis 60-Jährigen und bei den unter 20-Jährigen beruht (siehe Abbildung 2).
Quelle: Statistisches Bundesamt und Bundesministerium des Innern: Der demografische Wandel in Deutschland – ein Überblick (2007)
Insbesondere für die Alterssicherung ist das Verhältnis der Bevölkerung im Rentenalter als Gruppe potentieller Empfänger von Leistungen der Rentenversicherung oder anderer Alterssicherungssysteme zur Bevölkerung im Erwerbsalter wesentlich. Diese Relation wird als Altenquotient bezeichnet. Für das derzeitige tatsächliche durchschnittliche Rentenzugangsalter von 60 Jahren lag dieser 2001 bei 44, das heißt 100 Menschen im Erwerbsalter (von 20 bis 59 Jahren) standen 44 Personen im Rentenalter (ab 60 Jahren) gegenüber. Die langfristige Betrachtung zeigt einen erheblichen Anstieg des Altenquotienten. Nach der Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird der Altenquotient bis 2050 bis auf 78 steigen. Eine Erhöhung des Renteneinstiegsalters würde zu einem deutlich geringeren Quotienten führen.[13]
Die mit dieser Überalterung einhergehende Veränderung des Bevölkerungsaufbaus wirkt sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche aus. Wenn man davon ausgeht, dass Menschen mit zunehmendem Alter auch einen erhöhten Pflegebedarf haben, wird besonders der Bereich der pflegerischen Versorgung eine immer größere Bedeutung bekommen. Im Jahr 2050 werden in Deutschland voraussichtlich neun Millionen Hochbetagte, das heißt Menschen, die 80 Jahre und älter sind, leben. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wird von derzeitig knapp 4% auf 12% steigen.
Das Risiko der Pflegebedürftigkeit steigt nach dem Erreichen des 80. Lebensjahrs auf rund 32%.[14] In Deutschland ist die gesetzliche Definition des Begriffs der Pflegebedürftigkeit in verschiedenen Gesetzen geregelt.
Pflegebedürftig im Sinne des § 14(1) Sozialgesetzbuch (SGB) XI sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Gewöhnliche und regelmäßige wiederkehrende Verrichtungen im Sinne des Absatzes 1 sind:
- im Bereich der Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- oder Blasenentleerung,
- im Bereich der Ernährung: mundgerechtes Zubereiten oder Aufnahme der Nahrung,
- im Bereich der Mobilität: selbständiges Aufstehen und zu Bett gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung,
- im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung: Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder Beheizen.
Gemäß § 35(1) Bundesversorgungsgesetz (BVersG) ist derjenige pflegebedürftig, der „für eine Reihe von häufig und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen zur Sicherung seiner persönlichen Existenz im Ablauf eines jeden Tages fremder Hilfe dauernd bedarf“.
Allgemein ausgedrückt bezeichnet Pflegebedürftigkeit einen Zustand, in dem eine Person dauerhaft nicht in der Lage ist, den Aktivitäten des täglichen Lebens selbständig nachzugehen und zur Bewältigung der Alltagsanforderungen aufgrund der eigenen körperlichen oder krankheitsbedingten Defizite Maßnahmen der Hilfestellung benötigt.
Der Begriff Pflegebedarf meint im Unterschied dazu die quantifizierbare Menge an Arbeitsaufwand zur Pflege einer Person.[15] Der individuelle Pflegebedarf eines Menschen wird auf Antrag im gesetzlich beschriebenen Rahmen der Pflegeversicherung vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ermittelt. In einem Gutachten wird festgestellt, ob jemand im Sinne des Gesetzes pflegebedürftig ist. Auf Basis dieses Gutachtens erfolgt die Eingruppierung in eine Pflegestufe.
Nach § 15(1) SGB XI sind pflegebedürftige Personen einer der folgenden drei Pflegestufen zuzuordnen:
Der Pflegebedarf für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung muss gemäß § 15(3) SGB XI wöchentlich im Tagesdurchschnitt:
Zur sozialen Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit dient die soziale Pflegeversicherung. Sie wurde zum 1. Januar 1995 mit dem SGB XI eingeführt und ist eine umlagefinanzierte Pflichtversicherung im Rahmen des deutschen Sozialversicherungssystems. Die Pflegeversicherung hat die Aufgabe, Pflegebedürftigen Hilfe zu leisten, die wegen der Schwere der Pflegebedürftigkeit auf solidarische Unterstützung angewiesen sind. Es gibt Leistungen bei häuslicher Pflege und bei stationärer Pflege. Die Höhe der Leistungen ist davon abhängig, welcher Pflegestufe der Betreffende angehört.
Im Dezember 2005 waren 2,13 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Gegenüber 2003 hat die Zahl damit um 2,5% zugenommen. Die Mehrheit (68%) waren Frauen. 82% der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter; 33% 85 Jahre und älter.[16]
Für die nächsten Jahre ist im Zuge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft auch ein Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen zu erwarten. Nach den Ergebnissen einer einfachen Vorausberechnung dürfte die Zahl auf 2,36 Millionen im Jahr 2010 steigen. Im Jahr 2020 sind etwa 2,83 Millionen Pflegebedürftige zu erwarten (siehe Abbildung 3).
Quelle: Statistisches Bundesamt: Sozialhilfe in Deutschland – Entwicklung, Umfang, Strukturen (2003)
Im Jahr 2005 wurden deutschlandweit mehr als zwei Drittel (68% bzw. 1,45 Millionen) der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Davon erhielten 980.000 Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, das bedeutet, sie wurden in der Regel zu Hause allein durch Angehörige gepflegt. Weitere 472.000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten. Bei ihnen erfolgte die Pflege jedoch zum Teil oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. 32% wurden in Pflegeheimen betreut (siehe Abbildung 4).[17]
Quelle: Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2005 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung; Deutschlandergebnisse (2007)
Gemäß § 3 SGB XI soll die Pflegeversicherung mit ihren Leistungen vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft der Angehörigen und Nachbarn unterstützen, damit die Pflegebedürftigen möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können. Generell gehen sowohl ambulante Pflegeleistungen wie auch Leistungen der teilstationären Pflege und der Kurzzeitpflege den Leistungen der vollstationären Pflege vor.
Die Versorgung mit vorpflegerischen Leistungen, Betreuungsleistungen bei demenziell erkrankten Menschen und hauswirtschaftlichen Hilfen wird bisher hauptsächlich von Familienangehörigen geleistet. In vielen Fällen funktionieren diese informellen Hilfesysteme auch bis heute sehr gut. So erhalten 92% der Pflegebedürftigen in Privathaushalten regelmäßige Unterstützungsleistungen durch ihre nächsten Angehörigen. Allerdings wird zukünftig diese traditionelle innerfamiliäre Versorgung und Unterstützung gerade auch angesichts wachsender Mobilität nicht mehr in dem bisherigen Maß möglich sein. Das Wohnen im Alter wird demzufolge mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden.
Über 90% der älteren Menschen leben in „normalen“ Wohnungen und diese werden auch in Zukunft die häufigste Wohnform im Alter sein. Um den heutigen Anteil zu Hause lebender älterer Menschen angesichts der demografischen Entwicklung in Zukunft zu halten, müssen jedoch erhebliche zusätzliche Anstrengungen unternommen werden. Hier gilt es
- zum einen die Wohnungen und das Wohnumfeld so zu gestalten, dass man auch bei Bewegungsbeschwerden und Hilfebedarf dort wohnen bleiben kann und
- zum anderen Hilfeangebote verfügbar zu machen, um bei Hilfs- und Pflegebedürftigkeit nicht in eine andere Wohnform wechseln zu müssen.
Ambulante Pflegedienste helfen bei der Pflege und Betreuung im eigenen Wohnumfeld. Sie bieten Grundpflege, das heißt Körperpflege, Ernährung und Mobilisation, leisten die aufgrund einer Krankheit vom Arzt verordnete medizinische Pflege und unterstützen in der Hauswirtschaft. Die größten Pflegedienste sind zumeist die von Verbänden der freien Wohlfahrtspflege und von Kirchen oder Gemeinden getragenen Sozialstationen. Daneben gibt es private Pflegedienste unterschiedlicher Größe. Die pflegerischen Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes können finanziell von der Pflegekasse unterstützt werden. Allerdings nur dann, wenn die Pflegebedürftigkeit durch den MDK bestätigt und durch die Pflegekasse anerkannt wurde.
Im Jahr 2005 gab es in Deutschland etwa 11.000 zugelassene ambulante Pflegedienste. Die Mehrzahl dieser Pflegedienste befand sich in privater Trägerschaft (58%). Der Anteil der freigemeinnützigen Träger betrug 41%. Öffentliche Träger hatten einen Anteil von lediglich 2%. Bundesweit wurden im Jahr 2005 rund 472.000 Leistungsempfänger der Pflegeversicherung durch ambulante Pflegedienste betreut.[18]
Beim Betreuten Wohnen werden altersgerechte Wohnangebote und Betreuungsleistungen in der Regel miteinander gekoppelt. Typischerweise mietet der Bewohner eine zentral gelegene barrierefreie und altengerechte Wohnung, meist in einer speziellen Wohnanlage. Darüber hinaus wird ein Paket von Grundleistungen des Betreuungsservices abgenommen, für die monatlich eine so genannte Betreuungspauschale zu entrichten ist. Diese Grundbetreuung umfasst in der Regel Beratungs- und Informationsleistungen sowie die Notrufsicherung. Zusätzlich werden Wahlleistungen, wie Mahlzeiten, Reinigungs- und Pflegeleistungen, angeboten, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden können und zusätzlich bezahlt werden müssen. Das Betreute Wohnen ist stärker auf das Wohnen als auf Pflege hin ausgerichtet.
Genaues statistisches Datenmaterial, wie viele ältere Menschen in betreuten Wohnanlagen leben, gibt es zurzeit nicht, da es für diese Wohnangebote keine Meldepflicht, wie z. B. für Heimeinrichtungen gibt.
In teilstationären Pflegeeinrichtungen betreuen professionelle Pflegekräfte hilfebedürftige Menschen entweder tagsüber über einen festgelegten Zeitraum oder während der Nacht. Gerade für Angehörige bedeutet diese Art der Pflege außer Haus meist eine große Entlastung. Sie schließt eine Lücke zwischen der ambulanten Betreuung durch Pflegedienste in der eigenen Wohnung und der stationären Pflege im Heim.[19]
In Fällen, in denen vorübergehend weder häusliche noch teilstationäre Pflege möglich ist, kann der Pflegebedürftige auch in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung aufgenommen werden. In der Kurzzeitpflege werden pflegebedürftige Menschen über einen begrenzten Zeitraum vollstationär versorgt. Die stationäre Kurzzeitpflege bietet vor allem dann Unterstützung, wenn es gilt, schwierige Phasen zu überbrücken. Alle Pflegebedürftigen, die normalerweise zu Hause betreut werden, haben ein Anrecht auf bis zu vier Wochen Kurzzeitpflege im Jahr.
Unter vollstationärer Pflege versteht man im Sinne der Pflegeversicherung Pflegeheime. Pflegeheime sind gemäß § 1(1) Heimgesetz (HeimG) Einrichtungen, die dem Zweck dienen, ältere Menschen oder pflegebedürftige oder behinderte Volljährige aufzunehmen, ihnen Wohnraum zu überlassen sowie Betreuung und Verpflegung zur Verfügung zu stellen, und die in ihrem Bestand von Wechsel und Zahl der Bewohner unabhängig sind und entgeltlich betrieben werden.
Bundesweit gab es im Dezember 2005 rund 10.400 nach SGB XI zugelassene voll- bzw. teilstationäre Pflegeheime. Die Mehrzahl der Heime (55% bzw. 5.700) befand sich in freigemeinnütziger Trägerschaft; der Anteil der privaten betrug 38% und ist somit niedriger als im ambulanten Bereich. Öffentliche Träger haben, wie auch im ambulanten Bereich, mit 7% den geringsten Anteil.[20] Die Heime der privaten Träger sind durchschnittlich kleiner als die der freigemeinnützigen Träger. Insbesondere öffentliche Träger tendierten zu großen Einrichtungen.
In den stationären Pflegeeinrichtungen wurden etwa 677.000 Leistungsempfänger der Pflegeversicherung betreut. Davon 644.000 in vollstationärer Pflege, 20.000 teilstationärer Pflege und 13.000 Kurzzeitpflege.[21] 78% der Heimbewohner waren Frauen. Der größte Teil der Heimbewohner hat die Pflegestufe II (43%), an zweiter Stelle (34%) stehen Bewohner mit der Pflegestufe I. 21% wurden der Pflegestufe III zugeordnet. Bei etwa 2% fehlte (noch) die Zuordnung zu einer Pflegestufe (siehe Abbildung 4).
Aufgrund verbesserter ambulanter Versorgungsmöglichkeiten in den Privathaushalten ist es älteren Menschen mit rein körperlichem Pflegebedarf erleichtert worden, in ihren vorhandenen Wohnungen zu verbleiben. Menschen mit stärkerer Demenz sind aber weiterhin vorwiegend auf eine Unterbringung im Pflegeheim angewiesen. Die Zahl der Demenzkranken ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und auch in den Pflegeheimen steigt der Anteil der Menschen mit Demenz stetig an. Inzwischen weisen etwa zwei Drittel der Bewohner von Pflegeheimen eine demenzielle Erkrankung auf.
Die Migrationsforschung versteht unter einem Migranten einen aus dem Ausland stammenden Zuwanderer, der in ein Zielland einreist, um dort für eine bestimmte Zeit oder dauerhaft zu bleiben.[22] Hinzuzufügen ist, dass es sich um eine legale Verlagerung des Lebensmittelpunktes handelt, die aus unterschiedlichen Motiven, z. B. sicherheits-, erwerbs- oder familienbedingt erfolgt. Sie geht in der Regel mit der Knüpfung neuer sozialer Netze und dem Eingehen neuer Bindungen im Aufnahmeland einher. Die folgenden Arten der Migration sind zu unterscheiden:
- Arbeitsmigration (Gastarbeitnehmermigration)
- Familien- und Ehegattennachzug
- Zugang von Asylbewerbern und Konventionsflüchtlingen
- Aufnahme von Kriegs-, Bürgerkriegs- und Defacto-Flüchtlingen
- Zuwanderung ausländischer Studierender und
Demgegenüber sind Ausländer Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikels 116(1) Grundgesetz (GG) sind, d. h. nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Dazu zählen auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Deutsche, die zugleich eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen, zählen nicht zur ausländischen Bevölkerung.
Am Ende des Jahres 2005 lebten rund 6,75 Millionen Ausländer in Deutschland, dies entspricht 8,2% der Gesamtbevölkerung.[23]
Dabei stellten gemäß dem Ausländerzentralregister die Staatsangehörigen aus der Türkei mit etwa 1.764.000 Personen (26,1%) die weitaus größte ausländische Personengruppe. Die zweitgrößte Nationalitätengruppe in Deutschland bildeten die italienischen Staatsangehörigen mit rund 541.000 Personen (8%), gefolgt von Personen aus Serbien und Montenegro mit 494.000 Personen (7,3%) (siehe Abbildung 5). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aller in Deutschland lebenden Ausländer betrug 16,8 Jahre.
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Ausländerzahlen (2005)
Von den über 6,7 Millionen in Deutschland lebenden Ausländern wurde jede fünfte Person (20,5%) in Deutschland geboren; hierbei handelt es sich um die so genannte zweite oder dritte Migrantengeneration.
Berlin ist mit einem Ausländeranteil von 13,9% nach Hamburg mit 14,2% das Bundesland mit der größten ausländischen Bevölkerung.[24]
Die ausländische Bevölkerung weist eine deutlich andere Geschlechts- und Altersstruktur auf. Sie umfasst einen höheren Männeranteil und ist erheblich jünger als die deutsche Bevölkerung. Dies ist für eine Zuwanderungsbevölkerung charakteristisch. Der größere Teil der ausländischen Personen ist männlichen Geschlechts (51,7%); der Frauenanteil beträgt 48,3%.
Im langfristigen Vergleich gesehen hat sich dieses Verhältnis seit 1970 aber erheblich verändert. Während die in den sechziger und zu Beginn der siebziger Jahre angeworbenen Arbeitskräfte überwiegend Männer waren, hat sich durch den Familiennachzug und die ausgeglichene Geschlechtsstruktur der heutigen Zuzugsbevölkerung die Geschlechterproportion in der ausländischen Bevölkerung normalisiert.
Bei der ausländischen Bevölkerung handelt es sich um eine deutlich jüngere Population als bei der deutschen. Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass im Allgemeinen junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren zuwandern. Andererseits trägt aber auch die höhere Kinderzahl der in Deutschland lebenden ausländischen Familien dazu bei, dass die Altersstruktur jünger ist als bei der deutschen Bevölkerung (siehe Abbildung 6).
Wie in Abschnitt 3.1.2 bereits beschrieben, stellen die in Deutschland lebenden Türken mit rund 1,76 Millionen die mit Abstand größte ausländische Bevölkerungsgruppe dar. Rechnet man die Deutschen türkischer Herkunft hinzu, steigt der reale Wert der türkischen Bevölkerung noch mal deutlich an, da im Zuge der erleichterten Einbürgerung viele türkischstämmige Bürger die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben. Der größere Teil der türkischen Bevölkerung in Deutschland ist männlichen Geschlechts (53%); der Frauenanteil beträgt 47%.[25]
Das durchschnittliche Alter der in Deutschland lebenden Türken liegt bei 34,6 Jahren.
Die größte Gruppe (22%) ist zwischen 25 und 35 Jahren, 19% sind zwischen 35 und 45 Jahre alt. Der Anteil der Personen über 65 Jahre beträgt 7% und liegt damit deutlich unter dem Seniorenanteil in der deutschen Bevölkerung (19%).[26]
Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländische Bevölkerung (2006), Stand 9. März 2007, Eigene Darstellung
Kernbegriff des türkischen Selbstverständnisses ist die Familie. Sie ist der Mittelpunkt türkischer Wertvorstellungen. In der familiären Hierarchie stehen die Großeltern ganz oben. Von den jüngeren Familienmitgliedern wird meistens bedingungsloser Respekt und Gehorsam gegenüber den Älteren erwartet. Das Mitspracherecht bei Entscheidungen in Familienangelegenheiten und der soziale Status steigen mit dem Alter und häufig auch mit der Anzahl der Kinder.
Die Haushaltsstruktur unterscheidet sich, zum Teil bedingt durch die Altersstruktur und unterstützt durch kulturelle Faktoren, ebenfalls deutlich von der deutschen Bevölkerung und ist relativ stabil. Türkischstämmige Migranten sind sehr viel stärker als Deutsche in familiäre Strukturen eingebunden: Sie sind zu mehr als drei Vierteln verheiratet (Deutsche nur zu 46%) und haben durchschnittlich 2,0 Kinder.[27] Nur 6% leben in Ein-Personen-Haushalten (Deutsche zu 36%), 15% leben in Zwei-Personen-Haushalten. Im Durchschnitt leben in den türkischen Haushalten 3,8 Personen, in den deutschen Haushalten sind dies nur 2,1 Personen.
Traditionell bewegen sich Männer und Frauen, auch räumlich, in getrennten Lebenswelten. Die männlichen Familienmitglieder verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit außerhalb des Hauses in Cafés und Vereinen. Für den Großteil der Frauen hingegen liegt der Lebensmittelpunkt innerhalb des Haushalts. Dieses „Innen-Außen-Prinzip“[28] verdeutlicht die geschlechterspezifische Rollenverteilung. Männer sind für die Außenwelt verantwortlich. Sie kümmern sich um die Finanzen und sozialen Kontakte zur Gesellschaft. Der Mann ist traditionell das Familienoberhaupt und fällt alle wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, gesundheitlichen und religiösen Entscheidungen. Frauen sind für die Innenwelt zuständig. Ihnen obliegen Organisation und Ablauf der Haushaltsführung, Kindererziehung und familiäre Kontakte. Diese männliche Dominanz im Familienkontext der Türken ist jedoch mit zunehmender Integration rückläufig.
Das durchschnittliche monatliche Haushaltsnettoeinkommen der türkischen Familien ist rückläufig und liegt derzeit bei 1.783 Euro. Es ist deutlich geringer als das deutscher Haushalte, und dies bei einer fast doppelt so hohen Anzahl der Personen in den Haushalten.[29]
Die Erwerbstätigenquote[30] liegt bei der deutschen Bevölkerung bei 65,4%.[31] Die der türkischen Staatsbürger wird mit 56% angegeben, sie liegt somit deutlich unter der der Deutschen, was in erster Linie auf die geringe Erwerbsbeteiligung der türkischen Frauen zurückzuführen ist, denn zwei Drittel der Frauen gehen keiner Erwerbstätigkeit nach, dagegen nur ein Drittel der Männer.
Aufgrund der ursprünglichen Rückkehrabsicht in die Türkei war das Sparen für Türken zentrales Ziel ihrer Erwerbstätigkeit in Deutschland. Durch die schrittweise Verlängerung der Aufenthaltsperspektive haben sich im Laufe der Jahre große Beträge an Spareinlagen angehäuft.
Ältere Migranten verfügen häufig über niedrige Renten, da sie meist spät in eine rentenrelevante Erwerbstätigkeit in Deutschland eintreten, auf kürzere Versicherungs- und Beitragszeiten sowie auf ein geringeres Erwerbseinkommen aus Beschäftigungsverhältnissen in wenig qualifizierten Berufen und auf eine überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit zurückblicken.
Die berufliche Stellung der türkischstämmigen Migranten spiegelt nach wie vor die Migrationsgeschichte und das geringe Schul- und Ausbildungsniveau der Migranten wieder. Mehr als die Hälfte (53%) der Vollzeit oder Teilzeit Erwerbstätigen arbeiten als an- und ungelernter Arbeiter, 16% sind Facharbeiter. Angestellte machen 21% aus.[32] In allen Altersgruppen liegt der Anteil der Frauen ohne qualifizierten Schulabschluss über dem der Männer, in den älteren Gruppen deutlicher als in den jüngeren, wobei generell der Anteil der Unqualifizierten mit dem Alter deutlich zunimmt.
Die Struktur der Nichterwerbstätigen zeigt erwartungsgemäß starke Geschlechtsunterschiede: 66% der nichterwerbstätigen Frauen sind Hausfrauen, dagegen sind nur 2% Hausmänner. Frauen sind zu wesentlich geringeren Anteilen (21%) als Männer arbeitslos (46%). Auch der Anteil der Rentnerinnen (5%) ist deutlich geringer als der der Rentner (40%). Hier macht sich bemerkbar, dass es sich bei den Arbeitsmigranten der ersten Stunde, die jetzt langsam in das Rentenalter kommen, hauptsächlich um Männer handelt und Frauen durchschnittlich jünger sind.[33]
Zentrale Voraussetzung für die Integration auf allen Ebenen sind gute Deutschkenntnisse. Ohne diese ist der Erwerb höherer Schul- und Ausbildungsabschlüsse kaum möglich und eine Einbindung in den Arbeitsmarkt zumindest erschwert. Aber nicht nur im Arbeitsleben, sondern auch im alltäglichen Zusammenleben sind Deutschkenntnisse von erheblicher Bedeutung. So steigt die Akzeptanz enorm, wenn die Möglichkeit der problemlosen sprachlichen Verständigung besteht.
Bis in die 80er Jahre und darüber hinaus wurde wegen der vermeintlich kurzen Aufenthaltsdauer und dem niedrigen Beschäftigungsniveau als ungelernte Arbeiter weder von Seiten der Migranten noch von Seiten der deutschen Bevölkerung auf den Spracherwerb Wert gelegt. Eine systematische Sprachförderung durch die Regierung fand nicht statt und das Niveau der Deutschkenntnisse blieb niedrig.
Im Zuge der Entwicklung der zweiten Generation glaubten sowohl die Migranten als auch die Mehrheitsgesellschaft, das Sprachproblem werde sich durch die Einbindung der Kinder in das deutsche Bildungssystem von selbst lösen. Doch eine gezielte Sprachschulung wurde nicht angeboten. Erst in den letzten Jahren wurde diesem Problem mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Defizitäre Sprachkenntnisse machen sich am ehesten im öffentlichen Leben bemerkbar, nämlich bei Behörden und Ämtern, am Arbeitsplatz sowie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Am wenigsten Probleme ergeben sich in der Familie, dem Freundeskreis, der Nachbarschaft und beim Einkaufen. Dort bewegen sich die Migranten überwiegend in einem türkischen Umfeld, während sie in Behörden und Ämtern zwangsläufig deutsch sprechen müssen. 57% sprechen in der Freizeit überwiegend türkisch, nur 10% überwiegend deutsch und 33% beide Sprachen in etwa gleichem Ausmaß.[34]
Mit 97% gehört die überwiegende Mehrheit der türkischen Migranten dem muslimischen Glauben an.[35]
Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken praktiziert einen toleranten Islam und achtet Andersgläubige. Unverkennbar sind jedoch Ablösungstendenzen innerhalb der türkischstämmigen Bevölkerung. Nur 13% gestalten ihr Leben vollständig und 30% überwiegend nach den Regeln des Islams. 27% befolgen diese nur noch teilweise und etwa 25% richten sich in ihrem Leben weniger oder überhaupt nicht danach.[36] Zu den gläubigen Moslems können vor allem die Angehörigen der ersten Generation gerechnet werden.
Wie bereits in Abschnitt 3.2.5 erwähnt ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration die Beherrschung der deutschen Sprache.
Die Migranten, die in der Zeit des Anwerbeabkommens zwischen 1961 und 1973 im erwachsenen Alter als Gastarbeiter und deren Angehörige zum Arbeitsaufenthalt nach Deutschland kamen, trafen auf eine geschlossene deutsche Gesellschaft, die die Migranten sozial unterschichteten, da sie in der Regel als an- und ungelernte Arbeiter in der verarbeitenden Industrie eingesetzt wurden. Ziel des Aufenthaltes war es, möglichst viel Geld zu verdienen und zu sparen, nicht jedoch, sozial aufzusteigen, oder sich beruflich weiterzuentwickeln, dies sollte nach der Rückkehr in die Türkei erfolgen. Es gab keine türkische Infrastruktur in Deutschland. Für den überwiegenden Teil der Migranten war der Aufenthalt scheinbar zeitlich begrenzt, von Integration oder auch nur dem Erlernen der deutschen Sprache war keine Rede. Für die Nachfolgegenerationen gelten ganz andere Rahmenbedingungen. Die türkische Bevölkerung hat sich eine eigenständige, parallele Infrastruktur aufgebaut. Türkische Kultur- und Sportvereine, Lebensmittelgeschäfte, Cafés, Restaurants, Diskotheken, Moscheen, Ärzte und Rechtsanwälte bieten insbesondere in Großstädten ein umfangreiches Angebot für die alltäglichen Bedürfnisse der Menschen.
Immer mehr junge Türken integrieren sich voll in die deutsche Gemeinschaft, viele nehmen auch die deutsche Staatsbürgerschaft an und richten ihren Freundeskreis danach aus. Sie haben heute kaum Probleme in Deutschland und nehmen als türkischstämmige Deutsche voll am gesellschaftlichen Leben teil.
Mit der Entscheidung für einen dauerhaften Wohnsitz in Deutschland ist die Sparquote der Türken stark zurückgegangen. Heute wird das zuvor angesparte Kapital konsumiert und investiert.
Als kritische und anspruchsvolle Verbraucher messen die meisten Türken den Produkteigenschaften „Qualität“ und „Leistung“ hohe Bedeutung zu. Sie sind auch extrem treue und markenbewusste Konsumenten. Die Marken der Marktführer haben für sie noch echten Vorbildcharakter.[37] Statussymbole sind für die soziale Stellung innerhalb der Kulturgemeinschaft sehr wichtig.
Es existieren deutliche Unterschiede im Konsumentenverhalten von Deutschen und Türken. Türken konsumieren anders. Während Türken eine hohe Priorität auf Vertrauen setzen, legen Deutschen großen Wert auf Sicherheit. Mit Türken muss man reden, eine persönliche Beziehung aufbauen. Für deutsche Konsumenten reicht es oft, sie durch Garantiebestimmungen zu überzeugen.[38]
Aufgrund der parallelen Medienlandschaft und Infrastruktur sind die innergemeinschaftliche Kommunikation und die Mund-zu-Mund-Propaganda sehr hoch. 26,5% der Türken geben an, ihre Informationen über Freunde, Bekannte und Verwandte erhalten zu haben.[39]
Die türkische Wohnbevölkerung ist die einzige ausländischstämmige Bevölkerungsgruppe in Deutschland, die über eine eigene Medienlandschaft verfügt. Diese Medien erreichen einen Großteil der türkischstämmigen Menschen und erfahren aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse und kultureller Bedürfnisse eine große Akzeptanz. Über zehn Fernsehkanäle, sieben Tageszeitungen, verschiedene Zeitschriften, türkische Internetseiten und neu entstehende Radiosender bieten hier ein umfassendes Angebot. Fast alle Migranten informieren sich über türkische Medien (97%), aber fast ebenso viele über deutsche (92%).[40]
Die wichtigste Rolle unter den Medien nimmt das Fernsehen ein, und zwar gleichermaßen das deutsche wie das türkische. 91% nutzen das deutsche und 95% das türkische Fernsehen zur Information. Das Radio wird eher in Deutsch als in Türkisch genutzt, wobei es generell bei der Informationsvermittlung nur eine untergeordnete Rolle spielt, da das Angebot an deutschsprachigen Radiosendern deutlich vielfältiger ist und eine höhere Reichweite aufweist. Türkische Radiosender sind zumeist auf regionale Ballungszentren begrenzt. Neben dem Fernsehen sind vor allem Tageszeitungen die zentralen Medien, die zur Informationsgewinnung verwendet werden. Hierbei liegen die türkischen Tageszeitungen mit 57% vor den deutschen, die von 42% der Migranten gelesen werden. Wochenzeitungen und Zeitschriften sind für die Informationsgewinnung wie das Radio nur für eine kleine Gruppe relevant. Das Internet in Deutsch wird inzwischen von einem Fünftel der Migranten als Informationsmedium genutzt, 15% informieren sich über türkische Internetseiten.[41] Der Konsum deutscher Medien ist in den Nachfolgegenerationen häufiger, dies geht aber nur zu einem geringen Teil zu Lasten der Nutzung türkischer Medien. Türkische Medien tragen dem erweiterten Informations- und Artikulationsbedürfnis auch der Folgegenerationen Rechnung.
Die große Migrationsphase der Arbeitsmigranten begann in Deutschland während der 50er Jahre, als Deutschland während der Zeit des Wirtschaftswunders einen Mangel an Arbeitskräften erfuhr und Gastarbeiter aus dem Ausland anwarb. Geplant war ein Rotationsprinzip: Ein zeitlich begrenzter Aufenthalt gefolgt von einer Rückkehr in die Heimat. Das Rotationsprinzip erwies sich für die Industrie als nicht effizient, weil dadurch die erfahrenen Arbeitskräfte durch neue unerfahrene ausgetauscht wurden. Die Unternehmen forderten gesetzliche Regelungen zur Verlängerung der Aufenthaltserlaubnisse.
Viele dieser Gastarbeiter holten in der folgenden Zeit ihre Familien nach und blieben für immer. Bis in die 70er Jahre kamen so über fünf Millionen Gastarbeiter und ihre Familien nach Deutschland, vorwiegend aus Italien, Spanien, dem ehemaligen Jugoslawien, Griechenland, Portugal und der Türkei. Heute versprechen sich viele der ehemaligen Gastarbeiter vom Leben in Deutschland ein hohes Maß an sozialer und gesundheitlicher Sicherung. Darüber hinaus erhoffen sich viele eine Versorgung durch ihre Kinder, von denen die meisten in Deutschland fest integriert sind und keinerlei Ambitionen hinsichtlich einer Auswanderung in die Heimat ihrer Eltern hegen.
Immer mehr Angehörige der ersten Migrantengeneration kommen ins Rentenalter. Obwohl Alter nicht zwangsläufig mit physischen und psychischen Abbau und Krankheit gleichzusetzen ist, so steigt doch die Wahrscheinlichkeit, mit zunehmendem Alter von gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen zu sein.
Die Gruppe der älteren Menschen mit Migrationshintergrund ist die relativ am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Während 1994 in Deutschland rund 400.000 Migrantinnen und Migranten 60 Jahre und älter waren, werden nach einer Modellrechnung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2010 rund 1,3 Millionen und bis 2030 sogar 2,8 Millionen ältere ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland wohnen.[42]
[1] Aus Gründen der Lesbarkeit werden in dieser Arbeit nahezu alle Begriffe in ihrer maskulinen Darstellungsweise verwendet, wobei die weibliche Form stets inbegriffen ist.
[2] Vgl. Der Spiegel (2001), Heft 11: Zerplatzte Träume, S. 54
[3] Vgl. Pantenburg: Marketingstrategien freigemeinnütziger Unternehmen im Altenhilfesektor (1996),
[4] Die Pflegeversicherung wurde zum 1. Januar 1995 mit dem Sozialgesetzbuch XI (SGB XI) als „fünfte Säule“ der Sozialversicherung eingeführt. Seit dem 1. April 1995 werden Leistungen für die häusliche Pflege, seit 1. Juli 1996 auch Leistungen für die stationäre Pflege gewährt.
[5] Vgl. Klie: Pflegeversicherung und Qualitätssicherung in der Pflege (1996), S. 82
[6] www.lexikon.meyers.de/meyers/bevölkerung
[7] www.lexikon.meyers.de/meyers/bevölkerungswissenschaft
[8] Vgl. Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (1996), S. 333
[9] Vgl. Informationen zur politischen Bildung (2004), Heft 282: Bevölkerungsentwicklung, S. 56
[10] Vgl. Statistisches Bundesamt: Im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene (2006), Pressestelle, Pressemitteilung vom 7. November 2006
[11] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation (2002), S. 55
[12] Vgl. Statistisches Bundesamt: Durchschnittliche weitere Lebenserwartung (Tabelle), Stand: 19. Oktober 2006
[13] Vgl. Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050 – Ergebnisse der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (2003), S. 31
[14] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation (2002), S. 98
[15] Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen e.V. (MDS): Richtlinien der Spitzenverbände der Pflegekassen zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches (2006)
[16] Vgl. Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2005 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung; Deutschlandergebnisse (2007), S. 4
[17] Vgl. Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2005 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung; Deutschlandergebnisse (2007), S. 4
[18] Vgl. Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2005 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung; 3. Bericht: Ländervergleich – ambulante Pflegedienste (2007), S. 4
[19] Vgl. Keller: Ratgeber Leben und Wohnen im Alter (2006),Stiftung Warentest, S. 81
[20] Vgl. Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2005 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung; Deutschlandergebnisse (2007), S. 7
[21] Vgl. Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2005 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung; Deutschlandergebnisse (2007), S. 8
[22] Vgl. Backes/Clemens: Lebensphase Alter (1998), S. 237
[23] Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Ausländerzahlen (2005), Tabelle Gesamtbevölkerung und Ausländer von 1951 bis 2005, S. 79
[24] Vgl. Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländische Bevölkerung, Ergebnisse des Ausländerzentralregisters (2006), Tabelle 2, S. 17, Stand: 9. März 2007
[25] Vgl. Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländische Bevölkerung (2006), Tabelle 12, Seite 84, Stand 9. März 2007
[26] Vgl. Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländische Bevölkerung (2006), Stand 9. März 2007
[27] Vgl. Zentrum für Türkeistudien: Türkeistämmige Migranten in Nordrhein-Westfalen (2006), S. 44
[28] Vgl. Valiente/Yetgin: Ethno-Marketing für die deutschtürkische Zielgruppe (2006), S. 63
[29] Quelle: Zentrum für Türkeistudien, 2006
[30] Die Erwerbstätigenquote bezeichnet die Erwerbstätigen als Anteil an der Gesamtbevölkerung der gleichen Altersgruppe.
[31] Vgl. Statistisches Bundesamt: Im Blickpunkt: Deutschland in der Europäischen Union (2006), S. 43
[32] Vgl. Zentrum für Türkeistudien: Türkeistämmige Migranten in Nordrhein-Westfalen (2006), S. 69
[33] Vgl. Zentrum für Türkeistudien: Türkeistämmige Migranten in Nordrhein-Westfalen (2006), S. 68
[34] Vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.: Türken in Deutschland II (2002), S. 12
[35] Vgl. Zentrum für Türkeistudien: Türkeistämmige Migranten in Nordrhein-Westfalen (2006), S. 46
[36] Vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.: Türken in Deutschland II (2002), S. 13
[37] Vgl. Horizont 08/2000: Raus aus der Nische (2000), S. 16
[38] Vgl. Valiente/Yetgin: Ethno-Marketing für die deutschtürkische Zielgruppe (2006), S. 90
[39] Vgl. Valiente/Yetgin: Ethno-Marketing für die deutschtürkische Zielgruppe (2006), S. 113
[40] Vgl. Zentrum für Türkeistudien: Türkeistämmige Migranten in Nordrhein-Westfalen (2006), S. 163
[41] Vgl. Zentrum für Türkeistudien: Türkeistämmige Migranten in Nordrhein-Westfalen (2006), S. 166
[42] Vgl. Bertelsmann Stiftung/Kuratorium Deutsche Altershilfe: Leben & Wohnen im Alter (2003), Band 1
Alexandra Sassy, geb.Dilong (Autor)
V225799
9783836613279
ethno-marketing migranten sozialwesen pflegemarkt
, 2007, Ethno-Marketing im Sozialwesen, Hamburg, Bedey Media GmbH, https://www.diplom.de/document/225799
Alexandra Sassy, geb.Dilong

References: § 14
 § 35
 § 15
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