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Timestamp: 2019-08-25 04:24:37+00:00

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Montag, 18.9.1995:
Olivia wurde für den OP vorbereitet.
Operationsbeginn.
Das Warten im Zimmer war unerträglich. Andererseits interpretierten wir die lange Operationsdauer auch als Unternehmung zur Rettung der Niere.
Operationsende.
Doktor Horcher erklärt uns kurz den Operationshergang. Die Operation dauerte ganze drei Stunden und die Niere musste entfernt werden.
Auf die Feststellung von Dr. Langer: „Es wäre eine schöne Nachricht gewesen, hätten Sie die Niere retten können.“ erwiderte Prof. Horcher kurz: „Wenn es Ihnen nicht reicht, tun Sie mir leid.“ Mich persönlich würdigte Prof. Horcher nicht eines Blickes. Olivia war auf die Intensiv verlegt worden, Erika könnte sie aber am Nachmittag kurz besuchen kommen, meinte der Chirurg.
Dr. Langer konnte über so viel Arroganz seines Kollegen nur den Kopf schütteln.
Er war verwundert, dass die Entfernung des Tumors samt Niere ganze drei Stunden in Anspruch nehmen konnte. Weiters vermutete er, dass seit Olivias Einlieferung die Ärzte ihr wohl nie die ganze Chemofuhre verabreicht hatten, denn sonst hätte das Kind wohl kaum eine so lange Operation überleben können.
Erika und ich warteten vor der Intensiv. Prof. Horcher erschien und begrüßte überfreundlich Erika. Mich ignorierte er wieder völlig. Als er Erika mit zu Olivia nehmen wollte, machte ich ihn auf mich aufmerksam, indem ich bemerkte, auch ich wolle zu meinem Kind. Er erwiderte knapp, dass auf Anweisung der Direktion mir der Zutritt verweigert worden sei. Wieder durfte ich nicht zu meinem eigenen Kind. Natürlich war mein gestriges Schreiben der Grund für diese neue Schikane.
Es war mir zu Ohren gekommen, dass das AKH für morgen eine Pressekonferenz angekündigt hatte, bei der wieder sämtliche ärztliche Schweigepflicht gebrochen werden sollte. Mein Rechtsanwalt versuchte, diese zu verhindern. Natürlich gelang auch dies nicht.
täglich alles - H. PILHAR: ‚OLIVIA WIRD NICHT CHEMOTHERAPIERT‘
Dienstag, 19.9.1995:
Die schulmedizinische Krebstherapie war für uns eine patientenverachtende Pseudotherapie, welche sich in ihrem Dogma sogar über grundlegende Menschen- und Patientenrechte hinwegsetzte und als Handlanger der Pharma- und Gerätelobby die Bevölkerung und somit die Patienten bewusst über bessere Krebstherapieformen uninformiert hielt, Ja sogar soweit ging, diese mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, wie Diffamierung, Terror und Lügen, unterdrückte.
Erika erzählte mir nach ihrem Besuch bei Olivia:
Olivia ging es soweit gut. Als sie mit den Schwestern gemeinsam ihren Verband wechselte, war Olivia sogleich derart entkräftet, dass sie einschlief. Bei Prof. Dr. Urbanek hatte sie wegen meines Besuchsverbotes vorgesprochen. Dieser schob die Verantwortung ab und meinte, dass wohl Prof. Horcher auf mich wütend wäre.
In den Medien war ausführlich von der Pressekonferenz berichtet worden.
Als Mag. Rebasso Herrn Hofrat Marady aufmerksam machte, dass für die Operation kein Pflegschaftsbeschluss vorlag, meinte dieser trocken. „Dann müssen Sie eben klagen.“
Das folgende Schreiben war an alle möglichen Reporter während der Pressekonferenz verteilt worden. Wir erhielten es über einen befreundeten Journalisten.
Pressegespräch „Olivia“:
Professor Gadner, Prof. Horcher, Dr. Krepler, Hofrat Marady, Prof. Pötter, Doz. Semsroth, Dr. Slavc, Prof. Urbanek, Dr. Wandl-Vergesslich, Dr. Zimpfer.
Krankheitsverlauf bei 6-jähriger Olivia:
Aufnahme 29.7.1995
Tumorbedingte Kachexie, schlechter Allgemeinzustand, Bauch durch einen großen Tumor stark vorgewölbt, Körpergewicht 27 kg bei Soll 27,5 kg (Tumormasse ca. 6 kg)
Leber und rechte Lunge durch den Tumor zusammengedrückt, Lungenentzündung rechts, feuchter Husten und Atemnot.
Wegen zunehmender Erschöpfung, Appetitlosigkeit und Atemnot sowie ausgeprägter Entzündungszeichen sind am 2. Behandlungstag folgende Maßnahmen erforderlich:
1. Ernährung durch Infusion
2. Therapie mit Antibiotika
3. Beginn einer Beatmung
Nach Auswertung klinischer Untersuchungen, Blutwerte sowie der Befunde der bildgebenden Verfahren, Festlegung der Diagnose. Nephroblastom / Wilmstumor (Größe ca. 6 Liter) mit Metastasen in der Lunge und Leber (Stadium IV)
Beginn der zytostatischen Therapie und Bestrahlung ab 2. Behandlungstag.
Psychologische Gesprächstherapie mit den Eltern / Familie, Physiotherapie.
Die Beatmung bzw. die Intubation kann innerhalb von 2 Wochen beendet werden, die Gabe von Zytostatika wird planmäßig fortgesetzt.
Schrumpfung des Tumors ab 2. Behandlungswoche bis auf 1 Zehntel des Ausgangsvolumens (ca. 450ml), Verschwinden der Metastasen aus der Lunge sowie Leber.
Entzündungszeichen im Blut sowie von Anfang an bestehende Lungenentzündung gehen unter Antibiotika zurück.
Das Mädchen kann ab 3. Behandlungswoche allmählich wieder trinken und essen.
In der 4. Behandlungswoche steht Olivia langsam aus dem Bett auf und macht kleine Spaziergänge mit der mitaufgenommenen Mutter auf der Station der Kinderklinik.
In der 5. Behandlungswoche Beginn des Schulunterrichtes an der Klinik.
Nach Beendigung des ersten Behandlungszyklus mit Zytostatika befindet sich Olivia in relativ gutem Allgemeinzustand, Körpergewicht beträgt 23,2 kg, das Blutbild ist ausgeglichen, es bestehen keine Infektionszeichen, die Funktion der linken Niere ist normal, die rechte Niere ist vom Tumor befallen, sonstige Vitalfunktionen wie Atmung, Verdauung und Kreislauf sind ausgeglichen.
In der 8. Behandlungswoche, am 18.9.1995, erfolgte eine erfolgreiche Entfernung der bösartigen Nierengeschwulst samt befallener rechter Niere.
Weitere zytostatische Therapie für das nächste halbe Jahr ist an der Klinik vorgesehen.
Prof. Urbanek
bild - 3 STUNDEN OPERATION, KREBSKIND OLIVIA JETZT GERETTET?
kurier - OLIVIA KREBSOPERATION GEGLÜCKT!
news - OLIVIAS ÄRZTE: 'SIE WIRD ES SCHAFFEN'
presse - OLIVIA WURDE OPERIERT
salzburger nachrichten - OLIVIAS OPERATION VERLIEF GUT
täglich alles - OLIVIA WURDE OPERIERT
Mittwoch, 20.9.1995:
Noch immer hatte ich Olivia nicht sehen dürfen. Welche Menschen waren das eigentlich, die Eltern von ihrem zwangstherapierten Kind fernhielten? Wer von denen konnte hierfür eigentlich noch die Verantwortung übernehmen? Keine rechtliche Verantwortung, ich meine die menschliche Verantwortung!
Ich versuchte, mit Dr. Heinz Zimper wieder in Kontakt zu kommen. Mit ihm hatte ich mich verstanden. Er hatte mir zwar letztlich sehr mit seiner Aussage von Tulln geschadet, aber ich hoffte auf seine menschliche Seite.
Als ich bei der BH anrief, gelangte ich zu Herrn Hofrat Marady. Diesem entfuhr am Telefon folgender Satz, als ich mich vorstellte „Ja, ich kenne Sie!“
Ich war wirklich begeistert! Herr Hofrat Marady, Inhaber der Obsorge meiner Tochter, hatte mich nicht vergessen. Ich war zu Tränen gerührt!
Bisher hatte sich Herr Hofrat Marady niemals freiwillig mit uns in Verbindung gesetzt und lediglich ein-, zweimal meine Tochter im Spital besucht. Ich selbst wollte ihn nicht mehr anrufen, da er mich dann wieder bei Gelegenheit falsch zitierte.
Herr Dr. Martin Zimper, Cousin von Herrn Dr. Heinz Zimper, setzte sich mit meinem Rechtsanwalt in Verbindung und bekundete Interesse an einer Verfilmung unserer Geschichte.
Auf Intervention von Erika durfte ich schließlich doch Olivia besuchen. Sie hatte Fieber und starke Schmerzen. Während einer Schwesternablöse bekam ich deren Gespräch mit. Diskutiert wurde über Olivias Parameterwerte, welche sämtliche von einem Computer aufgezeichnet wurden. Waren welche unter oder über einem Limit, wurde das entsprechende Medikament erhöht oder reduziert.
So einfach war das mit der schulmedizinischen Philosophie:
Der Mensch hat einer Maschine zu gleichen und ist er nicht willig, so gebrauchen wir Gewalt!
Internistisch-Onkologisches Sachverständigen-Gutachten:
Erstellt wurde dies vom AKH, Ass. Prof. Univ. Doz. Dr. Werner Scheithauer. Bemerkenswert in diesem Gutachten war der letzte Absatz, in dem der Arzt eine Empfehlung an das Gericht erteilt, nach welchem Paragraphen wir zu verurteilen wären!
Richter Zak meinte zwar mir gegenüber, dass ich diese Empfehlung außer Acht lassen könne, da der Gutachter hierbei einfach zu weit gegangen war, mir zeigte es aber, wie anmaßend gewisse Teile der Schulmediziner sein konnten. Manche fühlten sich wirklich als die „Götter in Weiß“.
Eine Morphiumverabreichung, welche bekanntlich im „Endstadium“ schulmedizinisch üblich ist, nach der Neuen Medizin aber selbst als häufigste Ursache für das Endstadium erkannt worden war, als „adäquate Behandlung“ zu bezeichnen, kommt meiner Meinung nach einer Befürwortung zur voreiligen Sterbehilfe gleich.
(ungeänderter Wortlaut, Auszug):
Da die Eltern Olivias trotz Erkennens akuter Krankheitssymptome eine adäquate und dringlich erforderliche ärztliche Behandlung und Spitalsunterbringung des Kindes über Wochen zu verhindern gewusst haben und da dadurch der Gesundheitszustand Olivias zunehmend gefährdet wurde, die Heilungschancen verringert wurden und sie über Wochen chronische - durch die gewaltige Größe des Tumors obligate Schmerzen und dadurch auch psychische Qualen erleiden musste, die erst im Krankenhaus Tulln bzw. Allgemeinen Krankenhaus adäquat (nach meinen Informationen zu diesem Zeitpunkt bereits mit Morphinpräparaten) behandelt wurden, liegt meines Erachtens eine gröbliche Vernachlässigung einer unmündigen und wehrlosen Person gemäß §92 vor.
Ass. Prof. Univ. Doz. or. Werner Scheithauer
Alles in Allem belastete uns dieses schulmedizinische Gutachten schwer.
kronen zeitung - OLIVIAS ÄRZTE WURDEN VOR OPERATION VON HAMER BEDROHT
kurier - OLIVIA VERTRAUT DEN ÄRZTEN, IHRE ELTERN HABEN ZWEIFEL
Nur schwer kann ich mir einen Kommentar zu den obigen Blättern verkneifen!
„täglich alles“: „TAPFERE OLIVIA NACH OPERATION VON BESORGTER MUTTER GETRÖSTET“
Donnerstag, 21.9.1995:
Ich erhielt von Freunden das österreichische Ärztegesetz und fand darin drei sehr interessante Punkte:
ÄrzteG §1:
... Verstößt der Arzt bei seiner Behandlung gegen auf medizinischwissenschaftlicher Erkenntnis aufbauende Regeln, begeht er einen Kunstfehler ieS. (Holzer/Posch/Schick, Arzthaftung 103 mwN in FN 73, Behandlungsfehler beruhen nicht auf Nichtwissen oder nicht Beherrschen von Kunstregeln, sondern auf Nachlässigkeit). Der Begriff der medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnis ist mit dem der anerkannten Schulmedizin nicht gleichzusetzen. ... Der Oberste Sanitätsrat beschließt jeweils, was als „wissenschaftlich erprobte Heilmethode“ anerkannt wird.
Demnach ist die irrtümliche Hodenentfernung an einem Patienten des AKH kein Kunstfehler, sondern Schlamperei. Und sollte jemals die Neue Medizin anerkannt sein, so ist rückblickend die herkömmliche Onkologie als Ganzes ein Kunstfehler.
Zu bemerken ist noch, dass ein Video einer Überprüfung der Neuen Medizin existiert, welche in Burgau unter Teilnahme vieler Ärzte sowie des Vertreters des Obersten Sanitätsrats Dr. Rauter aufgezeichnet wurde. Dieses Video zeigt, wie dieser Herr, wie ein Hase, unter den „Buh-Rufen“ aller aus dem Saal lief. Als die Überprüfung die Korrektheit der nach den Kriterien der Neuen Medizin überprüften anwesenden Patienten zeigte, weigerte sich dieser Herr einfach seine Unterschrift zu leisten! Weiter im Zitat:
... Der freiberuflich tätige Arzt ist nicht verpflichtet, nur anerkannte Behandlungs- und Heilmethoden anzuwenden; wendet er aber nicht anerkannte Methoden der medizinischen Wissenschaft an, hat er den Patienten besonders eingehend zu belehren (siehe Rz 21 zu § 22 ÄrztG) und seine Zustimmung einzuholen (siehe Rz 20 zu § 22 ÄrztG) §8 Abs 2 KAG verpflichtet alle in Krankenanstalten tätigen Ärzte, nur anerkannte Methoden der medizinischen Wissenschaft anzuwenden.
Hierin lag die Falle für mich, als ich überredet wurde, Olivia in die Klinik nach Tulln zu bringen. Hätte ich damals von diesem Paragraphen gewusst, ich hätte mich dazu niemals bereit erklärt.
Dagegen gestattet dieser Paragraph allen Ärzten, Patienten nach deren Aufklärung, außerhalb einer Klinik auch nach „nicht anerkannten Methoden der medizinischen Wissenschaft“ zu behandeln.
Zum sogenannten „Schulenstreit“ hat der OGH in seiner E. 16.3.1989, 8 Ob 825, 826/88 = Nrsp 1989/154 ua ausgeführt.
„... Ein Arzt handelt nicht fahrlässig, wenn die von ihm gewählte Behandlungsmethode einer Praxis entspricht, die von angesehenen, mit dieser Methode vertrauten Medizinern anerkannt ist, selbst wenn ebenfalls kompetente Kollegen eine andere Methode bevorzugt hätten. Eine Behandlungsmethode kann grundsätzlich so lange als fachgerecht angesehen werden, wie sie von einer anerkannten Schule medizinischer Wissenschaft vertreten wird. Anders wäre es, wenn ein gewichtiger Teil der medizinischen Wissenschaft und Praxis eine bislang akzeptierte Behandlungsmethode für bedenklich hält. Solange ein „Schulenstreit“ währt, sind beide Behandlungsmethoden als „gleichwertig“ heranzuziehen. „Obsiegt“ aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfahrung eine der beiden „Schulen“, so ist die Behandlungsmethode der „obsiegenden“ Schule als Maßstab heranzuziehen.“
Hier bleibt nur die Frage offen, wie es gelingen kann, den Status „Schulenstreit“ zu erreichen. Es gibt viele Ärzte, die die Neue Medizin als richtig erkannt haben und dies auch mit ihrer Unterschrift bestätigt haben. Es gibt auch eine städtische Kinderklinik unter der Leitung von Prof. Stammer, der nach wie vor zu der Neuen Medizin positiv steht. Hier möchte ich diesem Arzt meine Hochachtung aussprechen. Dr. Hamers Neue Medizin wurde aber derart öffentlich in den Schmutz gezogen, damit nicht der Umstand eines „Schulenstreites“ in der Bevölkerung bewusst werden konnte. Sehen Sie, wie die Medien arbeiten? Wer bleibt dabei als Dummer auf der Strecke? Sind es nicht wir selbst? Wir, die Patienten, die bei dieser Unterdrückung neuer Erkenntnisse zu Schaden kommen!
Noch einmal: Die Medien haben in der „Causa OLIVIA“ polemisiert. Sie haben mit allgemeinen Begriffen wie „Scharlatan“, „Sektenführer“, „Psychopath“, mit Bildern über die schmerzleidende Olivia usw. die Emotionen der Bevölkerung geweckt und gelenkt. Die Bevölkerung wurde an der Nase herumgeführt. Es wurde ganz bewusst von Fakten abgelenkt. Und im Stillen, hinter unserem Rücken, wurde beraten, wie dieses Problem am besten in den Griff zu bringen sei. Es durfte auf keinen Fall ein Funken an Glaubwürdigkeit der Neuen Medizin der Bevölkerung vermittelt werden. Trotz vielfachen Bemühens wurde seitens der Medien kein nach der Neuen Medizin erfolgreich Therapierter vorgestellt. Sämtliche Fälle wurden abgewiesen. Gibt das nicht zu denken?
Jetzt taucht die Frage nach dem „WARUM“ auf. Warum sollte man so belogen werden? Wäre es nicht logischer, dass alle, auch Ärzte, nach erfolgreichen Therapiewegen in der Krebsbehandlung förmlich lechzen und danach verlangen? Es ist auch so, zumindest fast so. Aber leider haben nicht alle daran Interesse. Und zu jenen, die kein Interesse daran haben, gehören zumindest einmal die Obersten der Pharmalobby und deren Freunde in den Medien, in der Politik und den Kammern, die sich in aller Ruhe und in „brüderlicher“ Eintracht ihre nächsten Schritte überlegen. Jene mutigen Ärzte, die es wagen, gegen die Oktroi der Pharmakonzerne Stellung zu beziehen, werden meist sogleich von ihrer eigenen Kammer zurechtgewiesen.
Herr Dipl. Ing. Wolfgang Fröhlich sandte mir ein bemerkenswertes Schreiben:
Sehr geehrter Herr Pilhar!
Ihre telefonisch geäußerten Bedenken über die Schulmedizin und über die Organisation in den österreichischen Spitälern teile ich. Besonders chaotisch geht es dort zu, wo Spitäler in einem engen Nahverhältnis zur Politik stehen, wie zum Beispiel in Wien. In den Fällen geht es in erster Linie ums „Absahnen“. Der Patient ist der unwichtigste Teil. Er wird vorwiegend als ewig nörgelnder Störenfried, der auch noch die „Frechheit“ besitzt, überleben und sogar auch noch genesen zu wollen, betrachtet.
Es gibt aber noch immer wieder Ärzte, die die Konsequenzen daraus ziehen und still und heimlich gegensteuern. Wenn sie es öffentlich täten, dann ginge es ihnen so wie es Dr. Hamer, Ihnen oder auch mir und vielen anderen ergangen ist. Zumindest wären sie ihren Posten los. „Fertig machen“ nennt man das in den Kreisen dieser furchtbaren, von niedrigsten Motiven geleiteten Menschen.
Ein bemerkenswertes Erlebnis hatte ich dazu erst vor einiger Zeit. Meinem siebenjährigen Sohn wurden im Wiener St. Anna-Kinderspital Polypen im Hals- Nasenbereich entfernt. Bei der Vorbesprechung, in der Ordination des Vorstandes der HNO-Abteilung des St. Anna-Kinderspitals, Prim. Dr. Stark, sagte ich zu ihm, dass ich für meinen Sohn keine Infusionen aus dem AKH wünsche. Er erwiderte spontan und ohne jede erkennbare Emotion: „Ach so, wegen dem Asbest!“
Meine Gattin zuckte zusammen. Ich gab daraufhin zu erkennen, dass ich es gewesen sei, der diesen Missstand aufgedeckt hatte, was bei Dr. Stark nicht ohne Wirkung blieb. Glaubhaft versicherte er mir dann, dass er, seit er von der Asbestfilterung erfahren habe, nur mehr Infusionen von der pharmazeutischen Industrie, die den strengen FDA-Regeln entsprechen würden und daher asbestfrei seien, an seine Patienten verabreichen würde, und nie welche aus dem Wiener AKH! - Nach dem Verlassen der Ordination sagte meine Gattin empört zu mir: „Sie haben es alle gewusst, und sie haben dich im Regen stehen lassen!“
So unangenehm der Nachgeschmack auch sein mag, Prim. Dr. Stark hat wenigstens gehandelt und so unzähligen Kindern eine Krebserkrankung erspart. Hingegen imitieren die meisten Ärzte die drei chinesischen Affen, und sie leben damit glücklich und zufrieden. Wer kein Gewissen hat, den kann es auch nicht drücken.
Mit besten Grüßen an Ihre Gattin und mit unendlich vielen Genesungswünschen für Olivia verbleibe ich Ihr
Die „Götter in Weiß“ ziehen einen „schwarzen Schatten“ hinter sich her!
Das Telefon lief heiß. Das deutsche Fernsehen meldete starkes Interesse. Ein „pro 7“-Team war bei mir zu Hause und wollte sofort Aufnahmen machen, was ich jedoch ablehnte. Für Live-Sendungen war ich zu haben, für manipulierbare Aufzeichnungen jedoch nicht.
Es wurde akzeptiert, und ich bekam die Zusage für die Live-Sendungen „Taff“ und „Explosiv“ als Studiogast.
Erika erzählte, dass sich Olivia schon wieder auf dem Weg der Besserung befand. Sie lachte schon wieder. Eventuell soll sie schon morgen wieder auf die Interne verlegt werden. Das war weniger begrüßenswert, denn dann würde auch wieder mit der Chemo begonnen werden.
In Gesprächen mit meinem Freund Sepp erkannte ich, dass auch bei ihm starke persönliche Veränderungen vor sich gingen. Er erfuhr durch unsere Geschichte Ungeheuerlichkeiten, die er sich noch vor wenigen Monaten nicht auszumalen imstande war.
Unser Rechtsanwalt bat in Form eines Schreibens um
• nunmehrigen besseren Dialog zwischen BH und uns und
• Einsichtnahme in die Krankengeschichte, CTs und Operationsvideos
kronen zeitung - OLIVIA WIRD WIEDER GANZ GESUND. HAMER WILL SICH JETZT STELLEN!
kurier - OLIVIA UND HAMERS EINFLUSS
news - OLIVIAS ÄRZTE: SIE WIRD's SCHAFFEN
presse - HEILER HAMER ZUR AUSSAGE BEREIT
salzburger nachrichten - GEERD RYKE HAMER STELLT SICH JUSTIZ
Feitag, 22.9.1995:
Ein Termin für die erste Filmbesprechung mit Dr. Martin Zimper wurde vereinbart. Erika und ich hatten absolut kein Interesse an einem Filmprojekt, vor allem nicht in dieser derzeitigen Situation. Meine Taktik war vielmehr die, in Erfahrung zu bringen, wie so ein Projekt ablaufen könnte. Ich war neugierig.
Mit meiner Schwester Silvia führte ich ein trauriges, hoffnungslosen Gespräch. Sie machte mich voll für die derzeitig schlechte Gemütsverfassung meiner Mutter verantwortlich. Meine Mutter litt sehr unter meiner Abweisung, so erklärte mir meine Schwester. Ich wusste es. Aber hatte ich wirklich meine Mutter von mir gewiesen? War es nicht sie selbst, die sich mit mir nicht identifizieren konnte, die mich nicht mehr verstand und sich gegen mich wandte? Hatte sie sich nicht intensiv in mein Familienleben eingemischt, ohne dass sie von mir darum gebeten wurde? Hatte ich nicht im Verlaufe der letzten Wochen ihr immer wieder meine Anschauung erläutert? Hatte dies irgendwelche Eindrücke bei ihr hinterlassen? Nein, sie blieb fest bei ihrer Meinung, Dr. Hamer gehöre in ein Gefängnis und Olivias einzige Rettung wäre diese verfluchte Pseudotherapie, diese Chemofolter, dieser langsame Vergiftungstod.
Derartige Gespräche mit meiner Familie zehrten sehr an meiner Substanz. Sie vertraten alle die Ansicht, dass es ja besser wäre, wenn Olivia zumindest noch ein, zwei Jahre zu leben hätte, als dass sie sofort gestorben wäre. Sie gaben sich mit ein, zwei Jahren zufrieden! Mir wurde übel. Meine direkten Blutsverwandten verstanden absolut nicht, was hier gespielt wurde!
Und so, wie sie zuvor mit den Schulmedizinern den nahen Tod Olivias prophezeiten, weissagen sie jetzt, dass sie es schaffen werde. Olivia würde diese Therapie mit 92%-iger Mortalität überleben, sagen sie. Ich brauchte daran nur zu glauben. Glaube! Was heißt „ich glaube“? „Ich glaube“ heißt doch, dass ich nichts weiß! Die Schulmedizin glaubt, dass der Patient zu der und der Erfolgsquote zählen wird. Die Schulmedizin hat zwar Statistiken zur Verfügung, kann aber den einzelnen Patienten niemals von vornherein zum Erfolg oder Misserfolg zuordnen. Dagegen hat die Neue Medizin fünf Naturgesetzmäßigkeiten, in die sich jeder Patient zu jedem Zeitpunkt einordnen lässt.
Eine Frau verspürt einen Knoten in ihrer Brust Die Schulmedizin verspricht ihr einen z.B. 70% Heilungserfolg und beginnt mit der Therapie. Die Frau überlebt die Folter der Therapie, man hatte ihr aber nicht erklärt, dass die z.B. 70% auf eine 5-jährige Überlebensrate bezogen waren. Die 10-jährige Überlebensrate der Therapie beträgt leider nur mehr z.B. 20%. (Sämtliche Zahlenwerte sind mit Vorsicht zu genießen, sowohl meine Beispiele, als auch die veröffentlichten offiziellen Zahlen. Dass veröffentlichte Zahlen bei weitem oftmals falsch interpretiert wurden und werden, kann man aus den verschiedensten Werken zu diesem Thema entnehmen, z.B. Dr. Dr. habil. Abel)
Dass die Überlebensrate mit den laufenden Jahren sinken muss, ist verständlich, denn immerhin ist die Chemotherapie schwer toxisch und hat bekanntlich fürchterliche Nebenwirkungen, an denen der Patient auch erst nach Jahren versterben kann. Wie gesagt, der Patient stirbt an den Folgen der Therapie, nicht unmittelbar an dem Krebs. Geben wir der Frau mit dem Knoten in der Brust noch eine Chance, Nehmen wir an, die Frau geht nicht zur Schulmedizin sondern zur Neuen Medizin. Sie lässt ein Gehirn-CT erstellen, und der Arzt der Neuen Medizin erkennt an hand dieses Tomogramms, dass sie schon längst ihren Konflikt bewältigen konnte und der Knoten in ihrer Brust bereits seit langer Zeit zum Stillstand gekommen war.
Er wird ihr sagen, liebe Frau, machen sie sich keine Sorgen, sie haben den Krebs schon längst besiegt. Die Frau kann nach Hause gehen, braucht keine Pseudotherapie und keine Operation über sich ergehen lassen und vor allem, sie kann noch 100 Jahre alt werden.
Mir ist auch eine amerikanischen Untersuchung bekannt, bei der sämtliche Verstorbene, egal ob sie an einem Unfall, an Altersschwäche oder sonst was gestorben waren, aufgeschnitten und nach vorhandenen Krebsen untersucht wurden. Halten sie sich fest: fast 99% aller untersuchten Leichname wiesen Krebsknötchen auf.
Ich kann wirklich nur jedem Leser empfehlen, die Bücher des Kölner Arztes zu lesen. Das Krebsgeschehen wird so logisch, so verständlich!
Und wenn als Folge einer Naturgesetzmäßigkeit ein Patient sterben sollte, so ist dagegen auch die Schulmedizin machtlos. Auch sie kann nicht gegen Naturgesetze wirken. Dieser Aspekt ist überhaupt pervers. Die Schulmedizin funktioniert auch nur exakt nach den Naturgesetzen, wie könnte sie auch anders? Naturgesetze wirken immer und überall gleichermaßen.
Sie wird gesund, sagen meine Verwandten. Kann ein Kind mit herausoperierter Niere, mit verstrahlten Eierstöcken und mit Langzeitschäden durch Vergiftung überhaupt jemals noch als gesund bezeichnet werden? Welchen Preis wird Olivia für den Unverstand anderer zu bezahlen haben?
Samstag, 23.9.1995:
Ich konnte nur schlecht schlafen. Gelsen60 quälten mich, aber auch die Aufregung vor dem Live-Auftritt trug das ihrige bei. Als der Wecker läutete, gönnte ich mir aber doch noch eine Stunde und sprang schließlich um 9:00 Uhr aus dem Bett. Die Kinder spielten bereits in ihrem Zimmer. Ich ließ die Wanne ein, um ein Bad zu nehmen, und anschließend fuhr ich zum Friseur in eine Nachbarortschaft. Die selbe Friseurin wie zuletzt nahm sich meiner an. Und wieder zerkaute ich ihr den Fall Olivia und versuchte, ihr Bild aus den Medien zu korrigieren. Es war aber nicht erkennbar, ob sie mir glaubte oder mich weiter als Spinner ansah.
Frisch herausgeputzt fuhr ich ins AKH zu Erika und Olivia. Dort besprach ich mit Erika eine Frageliste für Prof. Horcher. Herr Ehgartner von der Zeitung „ganze woche“ hatte uns darum gebeten, da ihm Prof. Horcher ein Interview verweigert hatte.
Olivias derzeitiges Zimmer war durch eine Videokamera überwacht. Ein ständiges Gefühl, beobachtet zu werden, beherrschte mich. Ob vielleicht sogar ein Mikro versteckt war?
Doktor Langer kam ebenfalls zu Besuch. Wir waren oft im Zwiespalt darüber, ob wir ihm uneingeschränkt vertrauen konnten oder nicht. Ich hatte ihn wirklich gerne, und nichts ließ ein berechtigtes Misstrauen ihm gegenüber aufkommen. Würde er aber dem ständig wachsenden Druck standhalten können? Kann er sich uns gegenüber weiterhin loyal verhalten? Es war tragisch. Jene Menschen, denen man vertraute, konnten unser Vertrauen missbrauchen, jene denen man misstraute, meinten es vielleicht gut mit uns. Dieser ständige Zweifel war schrecklich, und mein einziger Rückhalt war meine Intuition.
Wieder unterzog ich Dr. Langer einer kleinen Prüfung. Wie, so fragte ich ihn, erkläre er sich das Vordringen des Tumors „durch“ die Leber, wobei doch zumindest das hintere Bauchfell vor dem Tumor hergeschoben worden sein musste. Die Niere samt Tumor lag ja außerhalb des Bauchfells. Das Bauchfell selbst umschloss die Leber samt Gedärme. Die früheren CTs zeigten in der Leber einen großen, dunklen Fleck, welcher von den Schulmedizinern immer als der in die Leber drückende Tumor erklärt wurde. Doktor Langer gab eine ausweichende Antwort. Ich ließ nicht locker und meinte, dass auch Dr. Hamers Erklärung eines Sammelrohrkarzinoms an der rechten Niere für mich logischer sei als die schulmedizinische Erklärung eines Tumors, welcher gleichzeitig Gewebe bildet und Löcher frisst. Auch in der Schulmedizin wird zwischen tumorbildenden und löcherfressenden Krebsen unterschieden. Also müssen auch auf der rechten Niere zwei Krebsgeschehen gewesen sein. Doktor Langer gab zu, auch selbst von der Diagnostik des Dr. Hamer verblüfft zu sein.
Was sollte ich mit Dr. Langer anfangen? Erreichen konnte er in unserem Sinne wenig bis gar nichts. Menschlich schien er aber in Ordnung zu sein. War es seine Aufgabe, uns auszuhorchen?
Ich machte mich auf den Weg zum Flughafen. Kurz vor dem Einstieg in den Flieger nach Köln kam Herr Puschler. Er hatte mir diese Live-Sendung bei „rtl“ organisiert. Er selbst gab vor, persönlich eine Videokassette zum Sender „rtl“ bringen zu müssen. Irgendwie erschien er mir als interessanter Kerl. Er war nicht sonderlich attraktiv, eher groß mit Ansatz eines Bierbauches, ohne aber dick zu sein, und hatte struppiges, sonnengebleichtes Haar. Trotzdem erschien er oft als Interviewer im Fernsehen, so dass er sehr bekannt ist.
Ich war vorsichtig, das Gespräch während des Fluges entwickelte sich aber recht gut. Er gab mir den Tipp, bei der Sendung Gegenfragen zu stellen, z.B. „Wie hätten Sie reagiert, wenn ...“ usw. Er erzählte von seinen Erlebnissen als Reporter, die sicher nicht alle ungefährlich waren. Er hatte sich mit einem Kompagnon eine Firma aufgebaut, die für verschiedene Sender Beiträge aus der ganzen Welt erstellt und war daher auch viel unterwegs. Mit der Zeit wurde er mir sympathisch.
In Düsseldorf angekommen, wurden wir zum Sender chauffiert. Mein Betreten des Sendergebäudes wurde gefilmt, um später als Vorspann zur Sendung miteingeblendet zu werden. Bei der Maske lernte ich den Moderator und gleichzeitigen Chef der Sendung „Explosiv“, Herrn Boris Henn, kennen. Er erinnerte mich eher negativ an einen ehemaligen Schulkollegen, aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Dieser Mann hatte sicher größere Qualifikationen.
Die Maske war gründlich und ich entspannt. Im Studio musste ich mich aber zur Ruhe zwingen. Man fummelte mir das Mikro unters Hemd, während Herr Henn mich instruierte. Ich erbat mir, meine Mappe (Antichemo-Ordner) auf das Pult legen zu dürfen, wodurch ich mich sicherer glaubte. Dann mussten wir warten. Minuten, Sekunden und los ging es. Es war ein ungewöhnliches Gefühl vor laufender Kamera, live Rede und Antwort zu stehen.
Wie üblich versuchte man mich als erstes zu provozieren mit der Frage, ob ich ein schlechtes Gewissen hätte. Dies verneinte ich mit dem Hinweis zu wissen, dass von 100 Chemopatienten 92 sterben. Herr Henn insistierte weiter, dass doch durch die Chemo Olivias Tumor von 6 kg auf 450 g geschrumpft sei. Hier wies ich auf die Meinungsverschiedenheiten der Ärzte hin und dass nicht nur Dr. Hamer annahm, dass durch die Chemo nur die Leberschwellung zurückgegangen sei, der Nierentumor aber immer konstant war. Schließlich versuchte Herr Henn mich als „meistgehaßten Vater“ darzustellen. Ich ging jedoch gar nicht darauf ein.
Auch die dümmste Situation hat einmal ihr Ende! Schließlich gingen wir noch in ein Großraumbüro auf eine paar Zigaretten und einen Kaffee. Die Mitarbeiter dort hatten ein Durchschnittsalter von 30 Jahren und ein guter Teamgeist war zu spüren. In diesem Klima fühlte ich mich sogleich wohl. Ein Mitarbeiter von dort nahm mich in einem Taxi mit zu meinem Hotel.
An den Deutschen bewundere ich wohl am meisten deren perfekte Aussprache. Im Hotel erwartete ich Dr. Hamers Ankunft. Er verspätete sich aber und kam erst gegen 23:00 Uhr. Längere Zeit mussten wir nach einem Lokal mit offener Küche suchen und fanden schließlich einen Italiener. Doktor Hamer wollte Anfang Oktober Herrn Professor Becker, Dekan von Tübingen, um ein Schreiben bezüglich der voraussichtlichen Überprüfung Anfang Dezember bitten, um einen Stopp der Chemotherapie an Olivia zu erreichen. Wir plauderten noch eine Weile. Ich sagte ihm, dass von mir ein Foto existiere, von dem viele behaupteten, darauf würde ich seinem Sohn Dirk ähneln. Er bestätigte eine gewisse Ähnlichkeit.
Wie das Leben oft so spielt. Trotz des durchgemachten Horrors und trotz der noch zu erwartenden Schrecken fand ich das Leben lebenswert. Aber obwohl ich durch diese Geschichte Dr. Hamer zum Freund gewann und wesentlich zur Bekanntheit der Neuen Medizin beitrug, stellte ich mir oft die Frage, warum gerade unserer Familie eine derart schwere Aufgabe zugefallen war. Wie lange konnten wir das noch durchhalten? Wie hatten wir es bisher schaffen können? Woher nahmen wir unsere Kraft?
Am nächsten Morgen lernte ich beim Frühstück einen Kölner kennen. Er sprach mich einfach an. Normalerweise lebte er in Paris mit seiner Freundin und deren zwei Söhnen und regelte gerade hier, in seiner Heimatstadt, seine Scheidung. Er wollte so gerne noch einmal mit seiner Frau sprechen, sein Rechtsanwalt hatte ihm aber davon dringend abgeraten. Sein Scheidungsverfahren belastete ihn sehr. Mit seinem Bruder hatte er in Köln eine Tankstelle geführt, bis er selbst das Handtuch warf. Wegen Alkohols verlor er seinen Führerschein und vermutlich auch mehr. Er erklärte, sich nicht aufdrängen zu wollen, was ich auch nicht so empfunden hatte. Ich selbst war froh, einen Gesprächspartner gefunden zu haben. Er erzählte über die momentane Terrorhysterie in Paris, die in den Weltnachrichten vollständig vom Atombombenstreit verdrängt worden war. Zum Frühstück trank er gleich drei Glas Sekt. Geldprobleme hatte er keine. Vom Fall Olivia hatte er gehört, hatte sich aber noch nicht sehr damit befasst.
Etwas später kam Herr Puschler. Er erzählte, es wäre in der Zeitung „bild“ ein Foto von Olivia, kurz nach der Operation, veröffentlicht worden. Vermutlich stamme dieses Bild von einer bestochenen Krankenschwester aus dem AKH. Dies konnte ich jedoch nicht bestätigt finden.
Gegen 11:00 Uhr wurden wir abgeholt und zum Flughafen chauffiert. Im Flieger erlitt Herr Puschler eine Gallenkolik. Er war ziemlich arm dran. Verwundert hörte ich ihm zu, als er erklärte, er würde lieber unter den Schmerzen leiden, als sich einem Chirurgen auszuliefern. Vielleicht hatte Herr Puschler berufsbedingte Gründe, gegenüber den Ärzten vorsichtig zu sein, überlegte ich mir. Es war vorstellbar, dass er bereits recht kritisch innerhalb der Ärzteschaft recherchiert hatte, denn die Aufdeckungen des Dipl. Ing. Fröhlich waren ihm bekannt. In Wien angekommen, nahm er mich in seine Firma mit und zeigte mir das von der letzten Pressekonferenz des AKH aufgenommene Videomaterial und kopierte mir auch das letzte Bulletin. Interessant war zu hören, dass die dortigen Ärzte über Dr. Langer sehr abwertend gesprochen hatten. Doktor Langer hatte ja ebenfalls unser Einwandschreiben zur sofortigen Operation unterzeichnet. Sie erklärten, diesen Arzt nicht ernst nehmen zu können.
Später fuhr ich in das AKH. Erika erzählte, Prof. Horcher wollte „news“ zu ihr ins Zimmer lassen, was sie aber natürlich strikt ablehnte.
Es war eine unverschämte Vorgehensweise dieses Arztes, und es war zu vermuten, dass zwischen ihm und der Zeitung ein Abkommen getroffen worden war. Zweimal versuchte er sein Glück bei Erika. Zweimal verweigerte sie den Empfang der Journalisten.
Wir gingen noch auf einen Kaffee, und ich erzählte ihr, dass ich bei der nächsten Live-Sendung „Taff“ die Fröhlich-Geschichte vorbringen wolle.
Aus Erikas Augen glaubte ich erkennen zu können, dass ihr der offene Kampf zwischen uns und den Lobbyisten klar war. Sie ahnte ebenfalls, was noch alles auf uns zukommen würde.
Ich fuhr heim und legte mich recht bald schlafen.
60 Gelsen, österreichisch = Stechmücken
das neue - KREBSKINO OLIVIA: TUMOR-OPERATION GEGLÜCKT
die zwei - DIE KLEINE OLIVIA: ‚MAMI, WARUM HAT UNS PAPI NICHT MEHR LIEB?
Einen so widerlichen Artikel hatte ich schon lange nicht mehr gelesen. Mir wurde speiübel.
kurier - OLIVIA VERLIEß INTENSIVSTATION
täglich alles - OLIVIA VERLÄßT INTENSIVSTATION
Montag, 25.9.1995:
Um 6:30 Uhr lief der Wecker ab. Ich war wie gerädert und wollte einfach nicht aufstehen. Wenn Du die Sendung machen willst, dann steh jetzt auf, sagte ich mir und sprang aus dem Bett.
Großmutter zog gerade die Kleinen an, und ich schämte mich, dies nicht selbst zu tun. Gleichzeitig aber war ich froh, Großmutter für die Kinder zur Verfügung zu haben. Ich wählte meinen guten, alten Anzug, was ich normalerweise zu vermeiden trachtete und machte mich auf den Weg zum Flughafen.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, „pro 7“ hätte mir in letzter Minute noch abgesagt, um sich an mir für die entgangene Story des Pflughaupt zu rächen. Als ich aber vor den Lufthansa-Schalter trat, wurde mir unaufgefordert, ohne mich erst vorstellen zu müssen, das Ticket nach München überreicht. Ich war bekannt, daran konnte man nicht zweifeln. Die verbleibende halbe Stunde nützte ich für ein Getränk in einer Bar. Selbst der Zollbeamte schien mich zu kennen, denn er winkte mich mit einem Lächeln einfach durch. Bekanntheit hat auch kleine Vorteile.
Der Flug war wegen der großen Maschine angenehm kurz und ruhig. Obwohl ich noch keine Flugroutine hatte, hasste ich bereits die unruhigen, kleinen Fokkermaschinen. Am Münchner Flughafen suchte ich das Hotel auf, in dem mir ein Tageszimmer reserviert worden war. Die gesamte Anlage erschien mir recht futuristisch. Eine Glas-Stahl-Konstruktion, die sich in Form von langen überdachten Rollgängen bis einschließlich dem ziemlich entfernt gelegenen Hotel fortbaute. Das Hotel war imposant. Glas, Stahl und Stein, wohin man schaute. Die Aufzüge waren durch ihre transparente Bauweise eine reine Freude für einen Maschinenbauer.
Ich bewegte mich ziemlich souverän, als befände ich mich im Alltagstrott. Von „pro 7“ war alles gut organisiert worden. Mein Zimmer war luxuriös. Da ich noch ziemlich müde war, legte ich mich sogleich nach meiner Ankunft um 10:00 Uhr nieder und schlief bis 16:00 Uhr. Danach war ich fit und begab mich in die Hotelhalle, um mir einen Kaffee zu gönnen. Gegen eventuelle Nervosität nahm ich die Notfalltropfen von Bach, welche ungemein gut wirkten. Das Leben erschien mir ungewöhnlich verrückt.
Eine etwa 30-jährige Frau holte mich gegen 18:00 Uhr ab und brachte mich zum Sender. Sie zeigte mir die Redaktion, und wir konnten noch ca. eine halbe Stunde plaudern. Sie bewunderte meine absolute Ruhe. Dass ich eine kleine Geheimwaffe, meine Notfalltropfen, angewandt hatte, verschwieg ich ihr.
Schließlich begann die Sendung mit der Moderatorin Sabine Noethen. Sie stellte die erste Frage nach dem Filmvorspann. Zuerst gab ich aber meinen Kommentar zu diesem Vorspann ab und merkte, dass die Moderatorin sogleich nervös zu ihrem Team hinter die Kamera blickte, so als wollte sie mitteilen: „Da haben wir es. Er tut was er will!“
Sonst verlief die Sendung aber ruhig, Ich war völlig entspannt. Mein Vorhaben, die Fröhlich-Geschichte anzuschneiden, gelang mir jedoch nicht.
Von einem Mitarbeiter erhielt ich dann noch die vereinbarte Aufwandsentschädigung. Seine Nase schien dauernd zu laufen, denn er zog bei jedem gesprochenen Satz scharf die Luft ein. Die Nacht verbrachte ich in einem anderen Hotel.
18. Medizinisches Bulletin:
Die Spitalsbehandlung des Mädchens verläuft weiterhin planmäßig. Die Medikamente gegen Krebs werden wie vorgesehen verabreicht. Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit und leichte Reizung der Schleimhäute werden einerseits durch zusätzliche Ernährung mittels Infusion und Magensonde und andererseits mit lokalen Maßnahmen (Gurgeln, desinfizierende und anästhesierende Mittel für die Mundschleimhaut) angegangen. Der allgemeine Zustand von Olivia ermöglicht regelmäßige Schulbesuche und kurze Spaziergänge mit den Eltern. Olivia hat bereits Spielkameradinnen, die sich ebenfalls in Behandlung der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde im allgemeinen Krankenhaus Wien befinden, gefunden.
Univ. Prof Dr. R: Urbanek
ganze woche - ES LIEGT JETZT AN DEN ELTERN, WANN OLIVIA HEIM DARF
kurier - ZURÜCK ZUM MENSCHEN
salzburger nachrichten - PASTORALE QUALITÄT DER MEDIZIN HEBEN
Dienstag, 26.9.1995:
kurier - OLIVIA BEKOMMT SCHON WIEDER SCHULUNTERRICHT
news - OLIVIA, DAS ZWEITE LEBEN
Mittwoch, 27.9.1995:
Olivia hatte ein Pflaster rund um den Schlauch, welcher durch die Brust in die Herzvorkammer führte. Über diesen Schlauch wurde ihr die intravenöse Ernährung, die Chemo und sämtliches andere Zeug gespritzt. Die Operationsnarbe führte unterhalb der Rippe quer über den ganzen Bauch und wurde durch Klammern gehalten. Dies erinnerte an einen Reißverschluss und war schrecklich anzusehen. Endlich war der Verbandswechsel vorüber, ohne Erika wäre es wohl kaum ohne seelischen Schaden für Olivia abgegangen.
kronen zeitung - OLIVIA KANN SOGAR WIEDER ALLES ESSEN
Donnerstag, 28.9.1995:
Rechtsanwalt Gürtler:
Bei meinem Rechtsanwalt liefen die ersten konkreten Vorgespräche für das Filmprojekt. Der Autor des Drehbuchs, Dr. Martin Zimper, war mit seinem Anwalt gekommen. Schockierend war, dass das Filmprojekt auch ohne unser Einverständnis durchgeführt werden könnte. „Dann wäre es eben ein Rechtsstreit“, so Dr. Martin Zimper.
In einem Telefonat mit Richter Masizek äußerte dieser, dass ich diese ständigen Interviews unterlassen solle. Konkret störte ihn sehr der letzte TV-Auftritt bei „Taff“. Für den 13. Oktober wurde eine weitere Pflegschaftsverhandlung anberaumt.
Der Untersuchungsrichter, Richter Zak, teilte mit, dass nun das onkologische Gutachten eingetroffen sei und dies uns sehr belasten würde. Der Staatsanwalt hätte daher ein psychiatrisches Gutachten beantragt, um prüfen zu lassen, ob wir einen Vorsatz zur Kindesmisshandlung gehabt hätten oder nicht.
Der Staatsanwalt wiederum meinte, dass wohl kaum ein Vorsatz bestand und es diesbezüglich zu keiner Anklage kommen könne. Allerdings bestünde noch immer die Anzeige der Kindesentführung seitens der Bezirkshauptmannschaft. Diese Anzeige sollte der Bezirkshauptmann zurückziehen, meinte der Staatsanwalt.
Gespräch mit Dr. Heinz Zimper:
Eigentlich versuchte ich Dr. Heinz Zimper zu bewegen, seine Tullner Aussage vor Gericht über mich zu relativieren. Er hatte zu Protokoll gegeben, dass ich gedroht habe zu randalieren und Olivia sämtliche Nadeln rauszuziehen. Auch wollte ich, dass entsprechend seinem Versprechen die BH die Anzeige wegen Kindesentführung zurückzieht. Da ich mich mit ihm in der Zeit von Tulln recht gut verstanden hatte, glaubte ich, einiges erreichen zu können.
Aber Dr. Heinz Zimper stellte zur Bedingung, dass ich zuerst zu Prof. Dr. Friedrich wegen des psychiatrischen Gutachtens gehen und sämtliche Medienaktivitäten einstellen müsse. Auch sollte ich mich mit den Ärzten gutstellen und sie nicht ständig provozieren.
Damit meinte er meine Gegenargumente und Fragen gegenüber dem jeweiligen Arzt, mit dem ich das verlangte Vorgespräch führen musste, um überhaupt zu Olivia zu dürfen. Würde ich dies nicht alles erfüllen, könnte die BH auch nicht die Anzeige zurückziehen.
Ich entgegnete, dass das Schreiben von Prof. Friedrich deutlich seine Absicht erkennen lasse, mir mit diesem Gutachten zu schaden. Ich werde mich sicherlich nicht psychiatrisieren lassen. Außerdem hätte inzwischen das spanische Gericht offiziell die Erfolge des Dr. Hamer in der Krebstherapie anerkannt (gerüchteweise hatte ich von einem spanischen Urteil gehört), wie könne man somit überhaupt noch über die Frage eines Vorsatzes auf Misshandlung diskutieren? Als ich ihm vom Filmprojekt seines Cousins erzählte, gestand er, dass vielen mit uns einfach nur umspringen würden. Ich konnte erkennen, dass Dr. Heinz Zimper wieder tief bewegt über unser Schicksal war, trotzdem blieb er dabei, uns nicht helfen zu wollen. Welchem Druck musste dieser Mann ausgesetzt sein?
Ich war frustriert. Wir wurden nicht nur von den Ärzten und Behörden, sondern auch von den Medien und Filmemachern vergewaltigt. Der Film werde produziert - mit oder ohne unser Einverständnis! Dadurch wäre es wieder möglich, dem Volk eine Lüge aufzutischen, und wir müssten ohnmächtig zusehen.
Der einzige Lichtblick lag in dem richterlichen Beschluss aus Spanien über die prinzipielle Gleichheit der Therapien, von denen das Gericht keiner den Vorzug geben wollte.
Könnte sich das Blatt noch zu unseren Gunsten wenden? Hätten wir wirklich einen Rechtsstaat, so hätten wir nichts zu befürchten gehabt.
Aber Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Paar Schuhe.
Ein Termin am Arbeitsamt:
Als ich der Sachbearbeiterin erklärte, ich müsse auf unsere beiden anderen Kinder aufpassen, ging sie mit mir sofort zu ihrem Vorgesetzten. Dieser redete ziemlich aggressiv auf mich ein, er könne nicht bis auf den „St. Nimmerleinstag“ warten.
Das reichte mir. Ich unterbrach ihn genauso unhöflich und entgegnete, dass ich nicht annahm, Olivia müsse bis an den „St. Nimmerleinstag“ im AKH bleiben. Schließlich meinte er, unseren besonderen Umständen Rechnung zu tragen und mir bis Ende Oktober Zeit zu geben, dann aber werde das Arbeitsamt aktiv.
Achtung konnte ich diesem Beamten hinter seinem dicken Schreibtisch keine entgegenbringen.
news - OLIVIA: DAS 2. LEBEN
Freitag. 29.9.1995:
29.9.1995: Olivia von der Behandlung gezeichnet
29.9.1995: Olivia mit Mutter Erika
29.9.1995: Elisabeth zu Besuch bei Olivia
Nach Ansicht der zuständigen Untersuchungsrichterin ist es in Spanien kein Delikt, die Methoden von Dr. Hamer anzuwenden. Die Patientin habe sich freiwillig und im vollem Bewusstsein der Tragweite ihrer Entscheidung für die Neue Medizin entschlossen. Außerdem seien auch Fälle dokumentiert, in denen die Behandlung nach Hamer erfolgreich an Krebspatienten durchgeführt wurde. Kein einziger Paragraph des spanischen Gesetzbuches - so der Entscheid der Untersuchungsrichterin - verbiete die Heilmethoden des Dr. Hamer. Was als erster Freispruch der Neuen Medizin in Spanien gewertet werden kann, schließt auch den Verlauf der „Vernachlässigung der ärztlichen Aufsichtspflicht“ aus.
Die traditionelle Medizin - so die richterliche Begründung - kann nicht als einziger Maßstab dafür angesehen werden, welche Aufsicht und Behandlung ein Arzt seinen Patienten zukommen lässt.
kronen zeitung - OLIVIAS HEILUNG MACHT TÄGLICH FORTSCHRITTE
Samstag, 30.9.1995:
Er war begeistert über das spanische Urteil und meinte, dass unsere Familie dies bewirkt habe.
Gespräch mit Prof Ängstler61:
Mein Freund Sepp arrangierte mir dieses Treffen. Prof. Ängstler war eine weltweit anerkannte Persönlichkeit in der Psychiatrie und hatte bereits mehrere Schriften veröffentlicht. Sepp kannte diesen Herrn bereits seit vielen Jahren.
Ich erhoffte mir von diesem Psychiater ein positives Privatgutachten, damit ich dem Gericht zuvorkommen konnte. Dass Prof. Ängstler Schulmediziner war, war mir völlig klar, nur hoffte ich, ihn von der Neuen Medizin zumindest so weit überzeugen zu können, dass er die uns erfahrene Ungerechtigkeit erkennen konnte.
Meinen Sammelordner mit sämtlichen Unterlagen hatte ich mit, jedoch war der Professor absolut nicht davon beeindruckt. Er fragte mich, ob ich wirklich davon überzeugt war, dass Olivia nach Dr. Hamer eine Chance gehabt hätte?
Ich erklärte ihm meine Sorge, bei einem psychiatrischen Gutachten nicht fair behandelt zu werden. Dies versuchte er auszuräumen, der Gutachter hätte ja einen Eid geleistet usw. Es wurde mir klar, dass für Herrn Prof. Ängstler die Welt noch eine geregelte Ordnung besaß und war entmutigt, ihm von all den Ungeheuerlichkeiten weiterzuerzählen. Zuletzt gestattete er mir aber doch, ihn beim Richter als Gutachter vorzuschlagen. Ein Privatgutachten hätte seiner Meinung nach aber absolut keinen Stellenwert vor dem Gericht.
Als ich gehen wollte, wurde er herzlich. Er wollte meine Hand nicht mehr loslassen und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter mit der Bemerkung, ich solle nicht aufgeben.
61 Name geändert
Sonntag, 1.10.1995:
Erika wurde von ihrer Schwester Veronika abgelöst. Wir konnten einen Ausflug auf die Hohe Wand und mehrere Besuche bei Freunden unternehmen. Es war herrlich, wieder beisammen zu sein, ohne Olivia aber war es irgendwie bedrückend.
bild am sonntag - KREBSKIND OLIVIA: DAS ERSTE FOTO NACH DER RETTUNG!
esotera - EIN STREIT AUF LEBEN UND TOD
Montag, 2.10.1995:
Die „kronen“-Zeitung hatte die Bilder von „bild am sonntag“ gestohlen und veröffentlicht. Sitten herrschen in der Medienbranche...
Telefonat mit „news“-Chef, Herrn Fellner:
Er gab vor, das Kriegsbeil begraben und persönlich mit uns ein Interview führen zu wollen.
Wer hatte eigentlich das Kriegsbeil ausgegraben?
Telefonat mit „bild am sonntag“:
Es wurde uns bestätigt, dass „krone“ die Bilder gestohlen habe. Sie würden dagegen rechtlich vorgehen.
Besuch mit Dr. Leibold bei Olivia:
Er besprach sich kurz mit Prof. Dr. Urbanek. Somit war Dr. Leibold offiziell der die Therapie begleitende, homöopathische Arzt.
Ich konnte mit ihm ein sehr gutes und ausführliches Gespräch führen. Für ihn waren Olivias Unterleibsschmerzen die gleichen wie vor der Operation. Er werde sich einiges überlegen müssen und dann ein begleitendes Konzept schriftlich Prof. Dr. Urbanek unterbreiten.
Gespräch mit Prof. Dr. Urbanek:
Er belästigte uns mit dem Wunsch, der österreichischen Presse kostenlose Fotos von Olivia zur Verfügung zu stellen. Er habe wegen der Bildveröffentlichung in der deutschen Zeitung „bild am sonntag“ von der inländischen Presse starken Druck zu spüren bekommen. Diesem Wunsch verwehrten wir uns aber entschieden.
Er erlaubte mir, bei Olivia zu übernachten, ich müsse jedoch ein psychiatrisches Gutachten über meine Person von Prof. Friedrich erstellen lassen.
Doktor Langer war wieder einmal zu Besuch gekommen. Er war längere Zeit krank gewesen. Dieser Besuch von ihm, sollte für sehr lange Zeit der letzte bleiben. Warum er den Kontakt zu uns abbrach, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, vermuten aber Unangenehmes. Sämtliche Bemühungen unsererseits, mit ihm wieder sprechen zu können, blieben erfolglos. Es tat uns leid, diesen uns lieb gewordenen Arzt verloren zu haben.
Olivia hatte einen beschwerdefreien Tag. Ihr wurden wieder Medikamente über einen Perfusor62 zugeführt, dadurch war sie an das Bett gefesselt. Sonst schien sie jedoch guter Dinge zu sein.
Als uns Prof. Dr. Urbanek zu einem Gespräch heraus bat, brach Olivia sofort in Tränen aus. In dieser Zeit war das völlig normal bei ihr. Ihre Fixierung auf Erika war ungewöhnlich stark. Als ich mit Dr. Leibold und den anderen Kindern dann gehen wollte, steckten wir diesen Perfusor einfach ab (dieser lief dann mittels Akku weiter) und Olivia begleitete uns noch bis zum Lift. Der diensthabende Wachbeamte begleitete uns argwöhnisch.
Wenn Olivia ging, trat sie seit kurzem mit den Zehen zuerst auf. Die Ärzte bezeichneten dies als Spitzfuß und verordneten Olivia Kunststoffschienen, welche ihren Fuß in einem 90° Winkel zum Bein hielten. War dies bereits die Nerven und Muskeln schädigende Wirkung der Chemo?
Telefonat mit einem Freund aus Bremen:
Vor ein paar Wochen meldete sich ein etwa 26jähriger Mann und erzählte mir von seinem Leidensweg. Er hatte Knochenzysten, und die Ärzte wollten gleich über ihn herfallen. Obwohl er damals erst 17 Jahre alt war, konnte er dies ablehnen und ging zu Dr. Hamer. Heute sind seine damaligen Leidensgenossen schon alle tot, und er war vorsichtig geworden. Er nannte nicht einmal seinen Namen. Er hatte den Wunsch, uns zu helfen und wollte kommenden Samstag zu Besuch kommen.
62 Perfusor = Apparat zur Kontrolle und Regulation von Infusionen
krone - DIE ERSTEN FOTOS UNSERER TAPFEREN OLIVIA
täglich alles - SPANIEN: GERICHT WIES KLAGE GEGEN HAMER-ÄRZTE ZURÜCK

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 OGH