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Timestamp: 2018-11-21 04:20:04+00:00

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Die angemietete Gaststätte – und die Abstandszahlung für das Inventar
31. Oktober 2018 | Umsatzsteuer
Dies ist frei von Rechtsfehlern und entspricht sowohl der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs, wonach für die Annahme einer Geschäftsveräußerung die Übernahme des Inventars und des Warenbestands ausreicht, wenn der Erwerber selbst über die erforderliche Immobilie verfügt25 als auch den Grundsätzen des EuGH-Urteils Schriever18. Es liegt die Ausnahme 2 der Fallgruppe 2 vor. Der Übernehmer verfügt selbst über das für den Betrieb notwendige Ladenlokal. Dass dies nicht deshalb der Fall ist, weil er das Eigentum an der Gaststätte von der Vermieterin erworben hat, sondern weil er die Gaststätte von der Vermieterin gepachtet hat, ist für die Frage, ob der Erwerber selbst über die erforderliche Immobilie verfügt, unerheblich; denn es kommt nur auf den Besitz an26. Die Nutzungsüberlassung der Immobilie darf auch durch einen Dritten erfolgen, ohne dass es darauf ankäme, welche Vereinbarung zuerst getroffen wurde27.
Diese Auslegung ist zudem aufgrund des vom EuGH betonten Grundsatzes, dass auch Veräußerer, die nur Inhaber eines Mietrechts an dem Lokal sind, eine Geschäftsveräußerung vornehmen können müssen28, geboten.
Weder das Finanzgericht noch der Bundesfinanzhof weichen damit vom EuGH, Urteil X24 oder den BFH, Urteilen in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616 und in BFHE 250, 240, BStBl II 2015, 908 ab, an denen der Bundesfinanzhof festhält; denn den dortigen Streitfällen lagen anders gelagerte Sachverhalte zugrunde.
Der Streitfall X29 betraf die Veräußerung einer 30 %-Beteiligung an der A BV von der – X BV an die D plc. Der EuGH entschied, dass die Inhaberschaft von Anteilen an einem Unternehmen (im Gegensatz zur Inhaberschaft von Vermögenswerten dieses Unternehmens) nicht hinreiche, um eine selbständige wirtschaftliche Tätigkeit fortführen zu können30. Etwas anderes gelte jedoch, wenn die Beteiligung mit unmittelbaren oder mittelbaren Eingriffen in die Verwaltung der Gesellschaft einhergeht, an der die Beteiligung erworben worden ist, sofern die Eingriffe die Durchführung von Transaktionen einschließen, die der Mehrwertsteuer unterliegen, und der Gesellschaftsanteil Teil einer eigenständigen Einheit ist, die eine selbständige wirtschaftliche Betätigung ermöglicht, und diese Tätigkeit vom Erwerber fortgeführt wird31. Der Umstand, dass andere Anteilseigner ihre Anteile ggf. auch an die D plc. veräußert haben, war hierfür irrelevant32.
Bezüglich des Urteilsfalls in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616 hat der Bundesfinanzhof bereits oben unter II. 2.c cc dargelegt, aus welchen Gründen keine Abweichung vorliegt. Einer nach der Rechtsprechung des EuGH und BFH unzulässigen Einbeziehung von Leistungen der Verpächterin33 bedarf es vorliegend nicht, weil das vom vorherigen Betreiber erworbene Inventar ein hinreichendes Teilvermögen ist. Daran, dass bei dem Erwerb eines Warenbestandes und der Geschäftsausstattung unter gleichzeitiger Vermietung des Ladenlokals an den Erwerber eine Geschäftsveräußerung im Ganzen gegeben sein kann, hat der Bundesfinanzhof in Rz 30 des BFH, Urteils in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616 festgehalten.
Auch der Streitfall in BFHE 250, 240, BStBl II 2015, 908 betraf einen anders gelagerten Sachverhalt34; Gegenstand der dortigen Entscheidung war ein Verpachtungsunternehmen, bei dem die Fortführung der Verpachtungstätigkeit die Übertragung von Grundbesitz, Inventar und Gesellschaftsanteilen erforderte. Die Übertragungen erfolgten von verschiedenen (selbständigen) Veräußerern an verschiedene (selbständige) Erwerber. Die Übertragung des Inventars reichte unter diesen Umständen nicht zur Fortführung der bisherigen unternehmerischen Tätigkeit aus35. Dies ist im Streitfall36, die keine Verpachtungsunternehmen betreffen, hingegen der Fall.
Nach der Rechtsprechung des BFH und EuGH muss der Erwerber beabsichtigen, den übertragenen Geschäftsbetrieb oder Unternehmensteil fortzuführen. Nicht begünstigt ist die sofortige Abwicklung der übernommenen Geschäftstätigkeit37. Das Unionsrecht fordert aber nicht, dass der Begünstigte vor der Übertragung eine wirtschaftliche Tätigkeit derselben Art ausgeübt haben müsste wie der Übertragende38. Der Erwerber darf den von ihm erworbenen Geschäftsbetrieb z.B. in seinem Zuschnitt ändern oder modernisieren39.
Das Finanzgericht hat nach diesen Grundsätzen zu Recht angenommen, dass der Übernehmer den erworbenen Unternehmensteil (Gastronomiebetrieb X) fortgeführt hat. Er hat den Gastronomiebetrieb X an gleicher Stelle unter demselben Namen weiterbetrieben. Die Annahme des Finanzgericht, die Durchführung von Renovierungsarbeiten aufgrund der Beratung durch das Ordnungsamt führe nicht dazu, dass der Übernehmer die Tätigkeit nicht habe fortführen können, trifft ebenfalls zu; denn die Möglichkeit zur Unternehmensfortführung ohne großen finanziellen Aufwand ist nicht erforderlich40. Auch ist die Annahme des Finanzgericht zutreffend, es sei unschädlich, dass der vorherige Betreiber in M ein weiteres Lokal betrieben habe, da eine vollständige Einstellung der wirtschaftlichen Tätigkeit des Veräußerers nicht zu den Voraussetzungen einer Geschäftsveräußerung im Ganzen gehört41.
Der Bundesfinanzhof hat keine Zweifel i.S. des Art. 267 Abs. 3 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union an der zutreffenden Auslegung des Art.19 MwStSystRL, so dass es keiner Vorlage an den EuGH bedarf. Die unionsrechtlichen Grundsätze sind durch das EuGH-Urteil Schriever18 hinreichend geklärt.
Anschluss an BFH, Urteil vom 18.01.2012 – XI R 27/08, BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842; Abgrenzung vom BFH, Urteil vom 04.02.2015 – XI R 42/13, BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616↩
vgl. BFH, Urteile vom 15.04.2015 – V R 46/13, BFHE 250, 253, BStBl II 2015, 947; vom 13.12 2017 – XI R 3/16, BFHE 261, 84, BFH/NV 2018, 697, Rz 25↩
vgl. BFH, Urteile vom 02.04.1998 – V R 34/97, BFHE 185, 536, BStBl II 1998, 695; vom 16.09.2015 – XI R 47/13, BFH/NV 2016, 428, Rz 54; EuGH, Urteile Genius Holding vom 13.12 1989 – C-342/87, EU:C:1989:635, Neue Juristische Wochenschrift 1991, 632; Kreuzmayr vom 21.02.2018 – C-628/16, EU:C:2018:84, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung -HFR- 2018, 337, Rz 43↩
vgl. BFH, Urteil vom 06.07.2016 – XI R 1/15, BFHE 254, 283, BStBl II 2016, 909, Rz 29, m.w.N.↩
z.B. vgl. EuGH, Urteil SKF vom 29.10.2009 – C-29/08, EU:C:2009:665, BFH/NV 2009, 2099, Rz 36 ff.; BFH, Urteil in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616, Rz 25↩
EuGH, Urteile Zita Modes vom 27.11.2003 – C-497/01, EU:C:2003:644, Umsatzsteuer-Rundschau -UR- 2004, 19, Rz 40; Schriever, EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848, Rz 25; SKF, EU:C:2009:665, BFH/NV 2009, 2099, Rz 37; BFH, Urteile vom 18.01.2012 – XI R 27/08, BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842; und vom 19.12 2012 – XI R 38/10, BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 33↩
vgl. EuGH, Urteile Zita Modes, EU:C:2003:644, UR 2004, 19, Rz 32 und 34 f., und Schriever, EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848, Rz 22↩
vgl. BFH, Urteile in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 35; vom 04.02.2015 – XI R 14/14, BFHE 250, 240, BStBl II 2015, 908, Rz 26↩
vgl. z.B. BFH, Urteile in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 45; in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616, Rz 20↩
vgl. EuGH, Urteil – X vom 30.05.2013 – C-651/11, EU:C:2013:346, HFR 2013, 754, Rz 53; s.a. Abschn.01.5 Abs. 6 Satz 2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses; Stadie, Umsatzsteuergesetz, § 1 Rz 133, 135↩
vgl. EuGH, Urteil X, EU:C:2013:346, HFR 2013, 754, Rz 47; BFH, Urteile in BFHE 250, 240, BStBl II 2015, 908, Rz 29 f.; in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616, Rz 25 f.↩
vgl. BFH, Urteil vom 27.01.2011 – V R 38/09, BFHE 232, 278, BStBl II 2012, 68, Rz 53↩
vgl. BFH, Urteile vom 05.06.2014 – V R 10/13, BFH/NV 2014, 1600, Rz 10; in BFHE 250, 240, BStBl II 2015, 908, Rz 27↩
vgl. EuGH, Urteil Schriever, EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848, Rz 32; BFH, Urteil vom 12.08.2015 – XI R 16/14, BFHE 251, 275, BFH/NV 2016, 346, Rz 25↩
vgl. BFH, Urteile in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842, Rz 26; vom 03.07.2014 – V R 12/13, BFH/NV 2014, 1603, Rz 15; in BFHE 251, 275, BFH/NV 2016, 346, Rz 32↩
BFH, Urteil in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616, Rz 22↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842, Rz 26, zu Ladeneinrichtung und Warenbestand↩
EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848↩↩↩
EuGH, aaO., Rz 26 und 32↩
EuGH, aaO., Rz 27↩
EuGH, aaO., Rz 28↩
EuGH, aaO., Rz 29↩
EuGH, aaO., Rz 30↩
EU:C:2013:346, UR 2013, 582↩↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842, Rz 26↩
EuGH, Urteil Schriever, EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848, Rz 36↩
vgl. insoweit zutreffend BFH, Urteil vom 03.12 2015 – V R 36/13, BFHE 251, 556, BStBl II 2017, 563, Rz 19 und 21↩
EuGH, Urteil Schriever, EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848, Rz 30↩
EU:C:2013:346, UR 2013, 582, Rz 10, 25 ff.↩
EuGH, aaO., Rz 35 f., 39 f.↩
EuGH, aaO., Rz 37 f.↩
EuGH, aaO., Rz 44 ff.↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616, Rz 29↩
so ausdrücklich auch BFH, Urteil in BFHE 250, 240, BStBl II 2015, 908, Rz 36↩
BFH, Urteil in BFHE 250, 240, BStBl II 2015, 908, Rz 33 f.↩
wie im Fall Schriever, vgl. EuGH, Urteil Schriever, EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848, Rz 29 und 36; BFH, Urteil in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842, Rz 26↩
EuGH, Urteil Zita Modes, EU:C:2003:644, UR 2004, 19, Rz 44; BFH, Urteile vom 30.04.2009 – V R 4/07, BFHE 226, 138, BStBl II 2009, 863, unter II. 2.a, Rz 25; in BFHE 235, 571, BStBl II 2012, 842, Rz 19; in BFHE 240, 366, BStBl II 2013, 1053, Rz 34↩
EuGH, Urteil Zita Modes, EU:C:2003:644, UR 2004, 19, Rz 45↩
vgl. BFH, Urteile vom 23.08.2007 – V R 14/05, BFHE 219, 229, BStBl II 2008, 165, unter II. 1.b, Rz 31; vom 29.08.2012 – XI R 10/12, BFHE 239, 359, BStBl II 2013, 221, Rz 22↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 239, 359, BStBl II 2013, 221, Rz 22↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 254, 283, BStBl II 2016, 909, Rz 42, m.w.N.↩
Unternehmenspacht oder Unternehmensveräußerung?
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References: EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 267
 Art.19
 EuGH 
 § 1