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Timestamp: 2020-08-04 19:30:41+00:00

Document:
Nachweis eines aufgrund des körperlichen und psychischen Zustands nicht zu ersetzenden Nachteils durch eine Räumungszwangsvollstreckung - Rechtsportal
BGH, Beschluss vom 12.07.2017 - Aktenzeichen XII ZR 46/17
DRsp Nr. 2017/10123
Die Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 719 Abs. 2 ZPO ist als ein letztes Hilfsmittel des Vollstreckungsschuldners anzusehen, dem regelmäßig der Erfolg zu versagen ist, wenn der Schuldner es versäumt hat, im Berufungsrechtszug einen Vollstreckungsschutzantrag gemäß § 712 ZPO zu stellen, obwohl ihm ein solcher Antrag möglich und zumutbar gewesen wäre.
1. Wird Revision gegen ein für vorläufig vollstreckbar erklärtes Urteil eingelegt, so ordnet das Revisionsgericht auf Antrag an, dass die Zwangsvollstreckung einstweilen eingestellt wird, wenn die Vollstreckung dem Schuldner einen nicht zu ersetzenden Nachteil bringen würde und wenn nicht ein überwiegendes Interesse des Gläubigers entgegensteht (§ 719 Abs. 2 ZPO ). Im Verfahren über die Nichtzulassungsbeschwerde gilt dies entsprechend (§ 544 Abs. 5 Satz 2 ZPO ).
2. Ungeachtet dessen, dass die Nichtzulassungsbeschwerde des Beklagten wegen Nichterreichens der nach § 26 Nr. 8 EGZPO erforderlichen Beschwer von mehr als 20.000 € unzulässig sein dürfte, kommt eine Einstellung der Zwangsvollstreckung schon deshalb nicht in Betracht, weil die besonderen Voraussetzungen für eine solche Einstellung (§ 719 Abs. 2 ZPO ) nicht gegeben sind.
a) Die Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 719 Abs. 2 ZPO wird von der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs als ein letztes Hilfsmittel des Vollstreckungsschuldners angesehen, dem regelmäßig der Erfolg zu versagen ist, wenn der Schuldner es versäumt hat, im Berufungsrechtszug einen Vollstreckungsschutzantrag gemäß § 712 ZPO zu stellen, obwohl ihm ein solcher Antrag möglich und zumutbar gewesen wäre (st. Rspr. vgl. Senatsbeschlüsse vom 4. Juni 2008 - XII ZR 55/08 - NJW-RR 2008, 1038 ; vom 6. Juni 2006 - XII ZR 80/06 - NJW-RR 2006, 1088 ; vom 4. September 2002 - XII ZR 173/02 NJW-RR 2002, 1650 und vom 3. Juli 1991 - XII ZR 262/90 - FamRZ 1991, 1176 ). An dieser Voraussetzung für eine Einstellung der Zwangsvollstreckung fehlt es hier.
b) Der Beklagte hat im Berufungsrechtszug den erforderlichen Antrag nach §§ 712 , 714 ZPO , dass ihm das Berufungsgericht auch bei seiner Entscheidung Vollstreckungsschutz gewähren solle, nicht gestellt. Dafür, dass ihm die Stellung eines solchen Antrags nicht möglich oder nicht zumutbar war, ist weder etwas vorgetragen noch sonst ersichtlich.
Vorinstanz: LG Schweinfurt, vom 26.07.2016 - Vorinstanzaktenzeichen 11 O 230/13
Vorinstanz: OLG Bamberg, vom 24.04.2017 - Vorinstanzaktenzeichen 4 U 149/16
Zitieren: BGH - Beschluss vom 12.07.2017 (XII ZR 46/17) - DRsp Nr. 2017/10123

References: § 719
 § 712
 § 26
 § 719
 § 712
 BGH