Source: http://www.plettenberg-lexikon.de/stiftungen/meuser.htm
Timestamp: 2018-04-25 04:35:17+00:00

Document:
C. Meuser'sche Stiftung
Plettenberger Stiftungen werden gerne
genutzt - aber die Stifter kennt kaum jemand
Stiftungsgeld für Springbrunnen, Sportler, Krankenhaus und erwerbsunfähige Mitbürger
Die Stiftung wurde im Jahr 2001 von den Eheleuten Dr. Annerose Iber-Schade und Norbert Iber errichtet. Stiftungszweck ist die Förderung von Einrichtungen und Organisationen, die benachteiligten Kindern und Jugendlichen medizinische, finanzielle und/oder ideelle Unterstützung gewähren. Das Stiftungsvermögen beläuft sich auf ca. 540.000 Euro, das Fördervolumen beträgt ca. 15.000 Euro.
Am Institut für Musiktherapie der privaten Universität Witten/Herdecke unterstützt die Stiftung die Behandlung von behinderten, kranken oder in ihrer Entwicklung verzögerten Kindern.
Das Stifterehepaar beim Stiftertag 2003 in Berlin (Bild: DSZ / Ausserhofer)
Die Wilhelm Seissenschmidt'sche Stiftung
Zu den bekanntesten Stiftungen heimischer Gönner, die durch erfolgreiches Wirken zu stattlichen Vermögen gekommen sind, gehört die "Wilhelm Seißenschmidt'sche Stiftung". Unter diesem Namen war das Krankenhaus an der Wilhelm-Seißenschmidt-Straße (heute, im Jahre 2010, "Matthias-Claudius-Haus") bis in die 1970er Jahre bekannt. Lange Jahre hatte man in Plettenberg für den Bau eines Krankenhauses gesammelt (seit 1887 auch durch C. Meuser, siehe unten), doch es kam nicht genügend Geld zusammen, um an eine Realisierung denken zu können. Weihnachten 1893 schenkte Wilhelm Seissenschmidt dann der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg das Grundstück sowie den erforderlichen Betrag zu Bau und Einrichtung des Krankenhauses. Am 2. Dezember 1894 wird das Haus eingeweiht.
Als zweitälteste Stiftung ist eine weitere "Seissenschmidtsche Stiftung" in Plettenberg bekannt. Dabei handelt es sich um ein von dem Ehepaar Wilhelm Seißenschmidt im Jahre 1899 gestiftetes, mit den bereitgestellten 30.000 Mark errichtetes Gebäude an der Einmündung Dingeringhauser Weg/Grafweg ("Karlsplatz"). Im Jahre 1900 erfolgte die Einweihung im Beisein des Stifters und Erbauers, der den Schlüssel für das Gebäude an Bürgermeister Posthausen überreichte. Weil gemäß Stiftung nur sozial schwache Bürger in dem Haus untergebracht werden durften, nannte der Volksmund das Gebäude schnell »Armenhaus«.
Dieses von Heinz Wever gemalte Porträt von Wilhelm Seissenschmidt hängt im Matthias-Claudius-Haus und trägt die Unterschrift: Fabrikant Wilhelm Seissenschmidt stiftete dieses Haus im Jahre 1894 als Evangl. Krankenhaus.
Der Schriftzug "W. Seißenschmidt'sche Stiftung" sollte dauerhaft am gestifteten Gebäude sichtbar sein. Er wurde in den 1960er Jahren beseitigt. Bekannt ist das Gebäude an der Ecke Grafweg/Dingeringhauser Weg unter dem Namen "Armenhaus". Foto: Archiv H. Hassel
In der Schenkungsurkunde heißt es unter den Punkten 3 und 4 übrigens: "In dem Haus sollen nur arbeits- und erwerbsunfähige Personen Aufnahme finden, worüber der Magistrat zu entscheiden hat, letzterem steht auch allein die Verwaltung zu". Einer Maßgabe der Stiftung von Wilhelm Seißenschmidt wurde später nicht mehr gefolgt: "Die anzubringende Inschrift 'W. Seißenschmidtsche Stiftung" ist dauernd zu unterhalten". Irgendwann in den 1960er Jahren verschwand die Stifter-Aufschrift vom Gebäude, 1981 sollte nach der Planung für die Neugestaltung des Karlsplatzes das Haus sogar abgerissen werden, die Pläne fanden aber keine Mehrheit im Rat.
Im Herbst 2011 wurde das Gebäude mit einem neuen Anstrich versehen. Bei dieser Gelegenheit wurde das "Armenhaus" auch wieder mit dem Schriftzug "W. Seissenschmidt Stiftung" versehen.
Sanitätsrat Dr. Adolf Engelhard-Stiftung
Amtsgericht Iserlohn VR 40256 (früher Amtsgericht Plettenberg):
Sanitätsrat Dr. Adolf Engelhard-Stiftung Unterstützungsverein der Firma Seissenschmidt AG e.V. Rechtsform: eingetragener Verein, Eintragsdatum: 25.06.1937
Die William Edenborn-Stiftung
Der am 20. März 1848 in Plettenberg geborene William Edenborn (14.5.1926 in Winfield (Louisiana) hieß ursprünglich Wilhelm Emde. Er war das dritte Kind der Familie des Schneiders und Handelsmannes Johann Jacob Emde aus Plettenberg. Nach der Volksschule erlernte er das Drahtzieherhandwerk und wanderte 1866 im Alter von 18 Jahren in die USA aus. Dort nannte er sich William Edenborn. Mit seiner Geburtsstadt Plettenberg blieb der Erfinder und Unternehmer Edenborn im engen Kontakt. Sein Reichtum gestattete es ihm, der Plettenberger Bevölkerung mehrfach finanziell zu helfen. 1911 stiftete er den nach ihm benannten "Edenborn-Sportplatz" (damals der erste Fußballplatz für die im gleichen Jahr gegründete Sportvereinigung Plettenberg 1911, heute Tennisplatz).
Darüber hinaus spendete er einmal 100.000 und ein anderes Mal sogar 1.000.000 Mark der Stadt. Aus den Zinsen dieses Kapitals wurden, seinem Wunsche entsprechend, besonders bedürftige Plettenberger Bürger sowie kindereiche Familien unterstützt.
Auf Bitten des Bürgermeisters gewährte Edenborn der Stadt Plettenberg 1924 ein Darlehen von 25.000 Dollar. In Würdigung seiner Persönlichkeit und seinen großzügigen Unterstützungen wurde er 1920 Ehrenbürger der Stadt Plettenberg.
Die Vorwerck - Seissenschmidt-Stiftung
Amtmann Otto Heinrich Vorwerck (*29.03.1854 Soest †1926 Bad Reichenhall) war nicht nur Mitbegründer der SGV-Abteilung Plettenberg und zwei Jahre deren Vorsitzender, er war auch Stifter der Jahn-Turnhalle an der Bahnhofstraße. Mit-Stifterin war seine Ehefrau Ida geb. Seißenschmidt (einzige Tochter des Karl S., sie stiftete im Januar 1913 das Grundstück zur Halle). Ida starb am 02.1951 in Bad Reichenhall im Alter von 83 Jahren, wurde aber in Plettenberg beigesetzt. Die Grundsteinlegung für die Jahn-Turnhalle erfolgte am 23.05.1914.
Eine der wenigen Stiftungen, die man auch heute noch durch die Inschrift am Gebäude erkennen kann: die 1914 gebaute Jahn-Turnhalle an der Bahnhofstraße. Foto: Hassel
Die Hohage-Stiftung
Zu den nahezu unbekannten Plettenberger Stiftern gehört Adolf Hohage, *26.10.1872 Plettenberg †Sept. 1934 Jersey City (USA). Dass es diese Stiftung gibt, erfuhr der Chronist per Zufall in den 1990er Jahren. Hohage war Fabrikant, ihm gehörte die Hälfte von Lülings-Hausstelle (Parz. 44/344), die andere Hälfte gehörte dem Kaufmann Friedrich Heßmer. Viel mehr weiß man nicht über den Stifter. Hohage ist ausgewandert nach New Jersey in die USA. Er vermachte der Ev. Kirchengemeinde Plettenberg im August 1934 den Betrag von 28.000 Reichsmark in Form von Wertpapieren (Pfandbriefe, Obligationen), die er in Deutschland angelegt hatte, als Stiftung.
Dr. Bürger, Richter in Hamm und Presbyter der Evangl. Kirchengemeinde Plettenberg (aus Hülschotten) schuf 1996 erstmals eine Satzung für die "Hohage-Stiftung" in der Evang. Kirchengemeinde. Die Stiftung steht nach genau festgelegten Regelungen den Pfarrern der Gemeinde zur Unterstützung hilfsbedürftiger Familien zur Verfügung und soll aktuell einem Wert im siebenstelligen Euro-Bereich entsprechen.
Die Anneliese Ohm-Stiftung
Für die Bürger völlig überraschend kam 2006 die Kunde von der Anneliese-Ohm-Stiftung, die den Sportlern im Stadtbiet zugedacht ist. Der Beschluss zur Stiftungsgründung fiel am 19. Juli 2006. Doch zunächst gab es Kritik am "Zweck der Stiftung" durch die Oberfinanzdirektion. Der Vorstand des Stadtsportverbandes, als Dachorganisatiuon aller sporttreibenden Vereine im Stadtgebiet, entschied sich schließlich für die Annahme einer redaktionellen Änderung der Stiftungssatzung. Danach darf kein Sportverein und keine Sportveranstaltung direkt gefördert werden; vielmehr gilt der Grundsatz einer stets gleichen Förderung aller SSV-Mitgliedsvereine. Seit dem 12. Februar 2007 liegt die vom Regierungspräsidenten gezeichnete Anerkennungsurkunde der Anneliese-Ohm-Stiftung vor. Wer Anneliese Ohm war und warum sie den heimischen Sport in ihrem Testament bedacht hat, interessierte bislang nicht wirklich . . .
Die Mendritzki-Stiftung
Es war ein historischer Moment, als am 15.12.2006 in der Kanzlei des Notars Joachim Schade nach 112 Jahren die Evang. Kirchengemeinde ihren Anteil am Krankenhaus an die Mendritzki-Stiftung übergab. Für die Mendritzki-Stiftung war der Stifter, Unternehmer Reinhold Mendritzki, persönlich zur Vertragsunterzeichnung erschienen (Foto re.). In der "Mendritzki-Stiftung" werden die Aktivitäten der Initiative Krankenhaus Plettenberg und das Engagement Reinhold Mendritzkis gebündelt. Die schon im April 2006 gegründete „Reinhold-Mendritzki-Stiftung“ investierte 1,3 Millionen Euro für die Krankenhaus-Anteile. Die Stiftung ist seitdem Partner der Stadt Plettenberg. "Gesellschafterinnen" sind mit einem Anteil von 50,15 % die Stadt Plettenberg und mit einem Anteil von 49,85 % die Mendritzki-Stiftung.
Bürgermeister Klaus Müller stellte bei der Überreichung des Ehrenringes, der "höchsten Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat", u. a. fest: "Er ist geradezu das Musterbild eines Unternehmers, der sich seiner Firma wie auch seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleichsam gegenüber verpflichtet sieht und darüber hinaus auch das Engagement gegenüber dem Gemeinwesen, gegenüber seiner zur Heimat gewordenen Stadt Plettenberg, nicht vermissen lässt.
Die Friedrich-Wilhelm-Berges-Stiftung
Friedrich Wilhelm Berges Hanne-Liese Berges
Hanne-Liese Berges (*04.10.1922 †30.06.2009) vermachte 2009 in ihrem Testament eine Summe von ca. 16 Millionen Euro zur Gründung einer Stiftung, die den Namen ihres Vaters Friedrich Wilhelm Berges-Stiftung trägt. Zweck der Stiftung ist die Beschaffung von Mitteln zur Förderung von älteren Menschen, der Altenhilfe und der Krankenpflege. Als Empfänger sind das Matthias-Claudius-Haus und die Altenpflegestation des Krankenhauses auserkoren. Die Stiftungserlöse dürfen aber nicht für Investitionen oder den Unterhalt verwendet werden, sondern nur für Dinge, die den Bewohnern den Aufenthalt angenehmer machen. Wer aber war Hanne-Liese Berges? Die Stiftung wurde mit großem Wohlwollen begrüßt, an der Stifterin, die 1978 in der Firma Rasche Nachfolgerin ihres Vaters als Geschäftsführerin wurde, hat offensichtlich niemand Interesse . . .
Meldung im Süderländer Wochenblatt vom 24.12.1907
Quelle: Stadtarchiv Vermögensssachen Akte C 312, Annahme einer Stiftung des Fabrikanten Meuser, angefangen 1910; Text: H. Hassel, 19.01.2010
Die "C. Meuser'sche Stiftung"
Er war erster Ehrenbürger der Stadt, langjähriger Vorsitzender des Verschönerungsvereins (Vorläufer des SGV), Stadtverordneter, Firmenchef des zeitweilig zweitgrößten Betriebes im Stadtgebiet, Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Plettenberger Schützengesellschaft, setzte sich für den Bau eines Krankenhauses ein, unterstützte die Armen und vermachte in seinem Testament der Stadt Plettenberg 4000 Mark für den Unterhalt der Wege und Bänke sowie des Springbrunnens im Hestenberg. Die Stadt versprach, das Geld zinsbringend in der "C. Meuser'schen Stiftung" anzulegen und den Zinsertrag "im Sinne des Stifters" zu verwenden.
Carl Meuser wurde am 03.03.1832 in Plettenberg geboren. Er war der Sohn des Drechslers und Bäckers Johann Peter Meuser (1784-1840), der aus Altenstedten bei Königsberg nach Plettenberg gekommen war. Sohn Carl Meuser hatte ursprünglich das Sattlerhandwerk erlernt. Dann erfand er einen Beschlag für Liegestühle, die er zunächst in einer Kleinwerkstatt am Kirchplatz herstellte. 1857 heiratete er Caroline Gregory (sie war 1865 Königin auf dem Schützenthron) und gründete im selben Jahr einen Industriebetrieb für Bau- und Möbelbeschläge. Da er keine Wasserrechte besaß, musste er seinen Betrieb mit Dampfkraft ausstatten. Mittels eines Dynamos konnte er mit Hilfe der Dampfkraft als einer der ersten im Stadtgebiet sogar Strom erzeugen.
Der Magistrat der Stadt Plettenberg dankt August Walle für die 4000 Mark, die der, wie in C. Meusers Testament festgelegt, für Wege, Bänke und den Springbrunnen im Hestenberg, als Schenkung überreicht hat. Die Stadt bestätigt, sie habe damit die "C. Meuser'sche Stiftung" eingerichtet.
Fabrikant Meuser engagiert sich auch in der Stadtverordneten-Versammlung (1864-1871), wird dann sogar Mitglied des Magistrats (was einem ehrenamtlich tätigen Beigeordneten entspricht) und lenkt in dieser Funktion 30 Jahre lang (1871-1901) die Geschicke der Stadt entscheidend mit. Eines seiner Hobbys ist die Anlegung von Wanderwegen im nahen Hestenberg. Er lässt Bänke aufstellen und legt den Springbrunnen an. Zu der Zeit ist er Vorsitzender des Verschönerungsvereins Plettenberg, dem Vorläufer des SGV.
In jener Zeit (1869-1893) ist er auch Vorsitzender der Plettenberger Schützengesellschaft, wird 1893 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Lange vor der Gründung der Lenne Elektrizitätswerke lässt er einmal eine Elektroleitung von seiner Fabrik an der Kaiserstraße zum Wieden legen, damit man dort das Schützenfest erstmalig bei elektrischer Beleuchtung feiern kann. Seit 1887 sammelte Meuser Spenden für den Bau eines Krankenhauses. Auch zeigte er sich gegenüber seinen Arbeitern und den Armen der Stadt sehr großzügig, indem er ihnen immer wieder Geldbeträge und Heizmaterial (Kohlen) zukommen lässt. 1895 ist er auch Mitbegründer der Plettenberger Straßenbahn AG. Die Stadtväter wissen den unermüdlichen Einsatz von Carl Meuser zu würdigen: anläßlich seiner Goldenen Hochzeit am 19.03.1907 ernennt man ihn zum ersten Ehrenbürger der Stadt.
In dieser Zeit, genau am 30. November 1907, setzt Carl Meuser gemeinschaftlich mit seiner Frau Caroline sein Testament auf. Als Carl Meuser am 25.07.1910 stirbt, erfährt die Stadt Plettenberg, dass sie in seinem Testament bedacht wurde. Mit Schreiben vom 9. August 1910 informiert das Königliche Amtsgericht wie folgt:
In der Testamentssache des verstorbenen Fabrikbesitzers Carl Meuser hierselbst überreichen wir anliegend Abschrift des am 9. August 1910 eröffneten Testamentes vom 30. November 1907.
gez. v. Wieck
Auf der Rückseite dieses Schreibens ist der Magistratsbeschluss vom 4. Oktober 1910 festgehalten. Er bringt Licht in das Verfahren und macht deutlich, warum die Stadt über den Testamentsinhalt informiert wurde:
Der verstorbene Fabrikant Carl Meuser hat in dem mit seiner Gemahlin unterm 30. November 1907 errichteten Testament dem Erben, Prokurist August Walle hier, aufgegeben, der Stadtgemeinde Plettenberg ein Kapital von 4000 M. zur Instandhaltung der Wege und des Springbrunnens im Hestenberg zu zahlen. In der Annahme, dass Herr August Walle das Erbe antritt, wird das Geschenk des Herrn Meuser gerne und dankend angenommen.
Bürgermeister Köhler Beigeordneter v. Banchet Ratsherr Carl Reinländer
Die Firma Meuser/Walle von der Kaiserstraße aus gesehen im Jahre 1977.
Am 10. Oktober 1910 fragt Bürgermeister Köhler im Namen der Stadt Plettenberg beim Königlichen Amtsgericht nach, "ob Prokurist August Walle das Erbe angetreten hat?". Die Antwort des Königlichen Amtsgerichtes (gez. Tillmann) lautet: "Wir stellen fest, dass Herr August Walle nicht als Erbe, sondern als Vermächtnisnehmer durch eigenhändiges Testament des C. Meuser eingesetzt ist. Erbe ist die Witwe Meuser."
Hat das Königliche Amtsgericht recht? Ein Blick in den Wortlaut des Testamentes hilft weiter. In den insgesamt 8 Paragraphen, die für alle Eventualitäten vorsorgen, wird zunächst unter der Überschrift "Testament der Eheleute Carl Meuser und Caroline geb. Gregory" festgestellt, dass die beiden "hiermit folgendes gemeinschaftliches Testament" errichten:
§ 1 besagt, "dass der Längstlebende alles erhält".
§ 2 Nach dem Tode des Längstlebenden werden
1. Prokurist August Walle
2. Landwirth Eduard Schumacher zu Wallefeld bei Ründeroth
3. Landwirth August Schumacher zu Dorrenberg bei Ründeroth
4. die Witwe Frau Postmeister Fr. W. Weiß zu Plettenberg.
zu Erben und erhalten die vier Genannten alles, außer die Fabrik. Sollten Todesfälle bei den vier Genannten eintreten, treten die Rechtsnachfolger an ihre Stelle. Jeder der vier erhält eine Stimme und 1/4 des Vermögens.
§ 4 Sollte der Ehemann vorher sterben, so erhält August Walle das Fabrikgeschäft, welches unter dem Namen C. Meuser betrieben wird, mit sämtlichen Aktiven und Passiven.
§ 5 hier schreibt der Erblasser fest, dass, falls der § 4 eintritt, also Carl Meuser vor seiner Ehefrau sterben sollte, sie von August Walle jährlich 4000 M in monatlichen Raten zu bekommen hat.
§ 6 Die Verpflichtung des Erblasser übernimmt Herr August Walle der Witwe Herm. Weiß geb. Meuser zustehenden monatlich 100 M zukommen zu lassen. Außerdem die Instandhaltung der Wohnung ohne Rechnung zu übernehmen, solange sie lebt.
§ 7 Zu der Fabrik, welche Herr August Walle nach dem Tod des Ehemannes Carl Meuser sofort übernimmt, gehören
1. die gesamte Fabrik nebst Pferdestall und dem anschließenden Garten an der Mauer, wobei ein Weg so freizuhalten ist, dass er von einem Pferdewagen mit Kohlen befahren werden kann. Der oben besagte Garten bleibt jedoch der Ehefrau Meuser, so lange sie lebt, zu ihrem ungestörten Besitz.
2. Ferner gehören zu der Fabrik die beiden doppelten Wohnhäuser am Grafweg nebst Hofraum und Garten, desgleichen 3. die Kleinbahn-Aktien der Plettenberger Straßenbahn im Betrag von 12.400 M.
Das sind die beiden doppelten Meuser-Wohnhäuser am Grafweg, die mit zur Fabrik und damit zu dem von Carl Meuser an seinen Prokuristen August Walle vererbten Nachlass gehörten.
Und nun kommt der Moment, in dem die Stadt Plettenberg bedacht wird: Die Zahlungsverpflichtung, die Herrn August Walle hiermit auferlegt wird, sind eine Auszahlung von 15.000 Mark innerhalb 3 Jahren an das Evangelische Krankenhaus zu Plettenberg. Ferner 4000 Mark der Stadt Plettenberg zur Erhaltung der Wege, Bänke im Hestenberger sowie Springbrunnen.
Unter § 8 legen Carl und Caroline Walle abschließend fest, wie "bei Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten oder Streitigkeiten" zur verfahren ist: dann soll das Los entscheiden. Unmißverständlich der Schlusssatz: "Ein Prozess ist nicht gestattet, es wird derjenige, welcher den Klageweg bescheitet, als Erbe ausgeschlossen."
Am 31. Januar 1911 heißt es in der Sitzung des Magistrats: "Dem Vernehmen nach hat Herr Walle jetzt das Vermächtnis angetreten." Daraufhin schreibt Bürgermeister Köhler noch am gleichen Tag an den Kaufmann Walle wegen der "der Stadt Plettenberg zugedachten Schenkung" und will wissen, "ob Sie das Vermächtnis auf Grund des Testamentes vom 30.11.1907 übernommen haben?" Die Antwort fällt wohl positiv aus, denn am 7. Februar 1911 lautet der entsprechende Ratsbeschluss: "Nachdem Ratsherr (!) August Walle mitgeteilt hat, dass er das Vermächtnis des Herrn Karl Meuser aus dem Testament übernommen hat, wird die Schenkung gerne angenommen." Das wird mit Schreiben vom 17. Februar 1911 durch die Herren Köhler, von Banchet, Walle und Reinländer mitgeteilt. Auch die Stadtverordnetenversammlung fast am 1. März 1911 den Beschluss, die Schenkung "mit dem Ausdruck herzlichen Dankes" entgegenzunehmen. Unterschrift: Ernst Koch, Geck, C. Myläus jr., H. Solms. - Hermens, Schriftführer.
Die Firma Meuser von der Kreuzung Grafweg/Herscheider Straße aus gesehen im Jahre 1968.
Inzwischen hat Bürgermeister Köhler sich bemüht, die "landesherrliche Genehmigung zur Annahme der Schenkung" zu bekommen. Die Antwort: Eine solche Genehmigung ist nicht erforderlich, weil die Schenkung den Betrag von 5000 Mark nicht übersteigt. Nun scheinen alle formalen Hindernisse aus dem Weg geräumt. Doch in den nächsten Monaten passiert nichts. Erst am 25. Juli 1913 bekommt die Stadt Plettenberg ein Schreiben von der Firma C. Meuser, Inhaber August Walle, unterschrieben "in Vertretung Paul Walle", in dem man versichert, dass der Betrag von 4000 M "bis Anfang August ausgezahlt wird, da zu diesem Zeitpunkt die Beträge zur Verfügung stehen."
Magistrat und Verwaltung sind ungeduldig. Schon am 2. August fragen sie bei der Verwaltung nach, "ob Walle gezahlt hat". Hat er noch nicht. Laut Schreiben vom 15. August 1913 muss das Geld dann direkt ins Rathaus gebracht worden sein, denn in dem Brief mit C-Meuser-Briefkopf heißt es: "Überreiche Ihnen hiermit das Vermächtnis für die Stadt Plettenberg in Höhe von 4000 Mark."
Und nun wird aus der Schenkung ganz plötzlich eine Stiftung, denn der Beigeordnete von Banchet verpflichtet die Stadt Plettenberg wie folgt:
Herr August Walle, wir bestätigen Ihnen bestens dankend den Empfang des von dem Verstorbenen, Herrn C. Meuser, der Stadt Plettenberg ausgestellten Vermächtnisses in Höhe von 4000 Mark. Dasselbe ist bei der hiesigen städtischen Sparkasse als "C. Meuser'sche Stiftung" zinsbar angelegt worden, nur werden die Zinsen im Sinn des Stifters verwendet werden.
2. Die Stadtkasse ist angewiesen, 4000 M. bei der hiesigen Städt. Sparkasse als Stiftung anzulegen."
Was aus der Stiftung und dem Stiftungskapital geworden ist? Fragen Sie mal nach - bei der Stadtverwaltung oder bei der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis . . .

References: § 1

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§ 6

§ 7
 § 8