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Timestamp: 2020-01-27 18:35:40+00:00

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Flücht­lings­ei­gen­schaft von Tibe­tern | Rechtslupe
Flüchtlingseigenschaft von Tibetern
Flücht­lings­ei­gen­schaft von Tibe­tern
In Chi­na droht nach wie vor den Tibe­tern kei­ne Grup­pen­ver­fol­gung in Anknüp­fung an ihre Volks­zu­ge­hö­rig­keit.
Nach der Teil­nah­me an Aktio­nen für die Frei­heit Tibets in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land besteht für tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge aus der Volks­re­pu­blik Chi­na grund­sätz­lich die beacht­li­che Gefahr einer Ver­fol­gung durch den chi­ne­si­schen Staat jeden­falls dann, wenn eine ille­ga­le Aus­rei­se, eine Asyl­an­trag­stel­lung und ein mehr­jäh­ri­ger Aus­lands­ver­bleib hin­zu­kom­men und wenn die Mög­lich­keit besteht, dass das exil­po­li­ti­sche Enga­ge­ment den chi­ne­si­schen Behör­den bekannt­ge­wor­den ist.
Tat­säch­lich sicher vor asyl­re­le­van­ten Über­grif­fen sind neu aus Chi­na ankom­men­de tibe­ti­sche Flücht­lin­ge in Nepal grund­sätz­lich nicht.
In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Fall begehrt die Klä­ge­rin die Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft. Sie ist nach ihrem Vor­brin­gen chi­ne­si­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge tibe­ti­scher Volks­zu­ge­hö­rig­keit. Wie sie wei­ter ange­ge­ben hat, reis­te sie am 27.11.2008 mit dem Flug­zeug von Nepal und auf wei­ter unge­klär­te Wei­se in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein. Am 15.12.2008 stell­te sie einen Antrag auf Aner­ken­nung als Asyl­be­rech­tig­te. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat mit Urteil vom 25.02.2010 die Beklag­te ver­pflich­tet, zuguns­ten der Klä­ge­rin fest­zu­stel­len, dass ein Abschie­bungs­ver­bot für Chi­na und Nepal gemäß § 60 Abs. 2 Auf­en­thG besteht. Dage­gen ist die Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft abge­lehnt wor­den. Hier­ge­gen hat die Klä­ge­rin Beru­fung ein­ge­legt.
Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs hat die Klä­ge­rin zu dem gemäß § 77 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG maß­geb­li­chen Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung einen Anspruch auf die Fest­stel­lung, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 60 Abs. 1 Auf­en­thG in ihrer Per­son hin­sicht­lich des Staa­tes Volks­re­pu­blik Chi­na und auf Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft gemäß § 3 Abs. 1 AsylVfG vor­lie­gen (§ 113 Abs. 5 Satz 1 VwGO).
Nach § 3 Abs. 1 AsylVfG ist ein Aus­län­der Flücht­ling im Sin­ne des Abkom­mens über die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge vom 28. Juli 1951 – Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on (GFK) -, wenn er in dem Staat, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit er besitzt oder in dem er als Staa­ten­lo­ser sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat­te, den Bedro­hun­gen nach § 60 Abs. 1 Auf­en­thG aus­ge­setzt ist. Nach § 60 Abs. 1 Satz 1 Auf­en­thG darf in Anwen­dung die­ses Abkom­mens ein Aus­län­der nicht in einen Staat abge­scho­ben wer­den, in dem sein Leben oder sei­ne Frei­heit wegen sei­ner Ras­se, Reli­gi­on, Staats­an­ge­hö­rig­keit, sei­ner Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten sozia­len Grup­pe oder wegen sei­ner poli­ti­schen Über­zeu­gung bedroht ist. Für die Fest­stel­lung, ob eine Ver­fol­gung nach Satz 1 vor­liegt, sind Art. 4 Abs. 4 sowie die Art. 7 bis 10 der Richt­li­nie 2004/​83/​EG vom 29. April 2004 über Min­dest­nor­men für die Aner­ken­nung und den Sta­tus von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen oder Staa­ten­lo­sen als Flücht­lin­ge oder als Per­so­nen, die ander­wei­tig inter­na­tio­na­len Schutz benö­ti­gen, und über den Inhalt des zu gewäh­ren­den Schut­zes 1 ergän­zend anzu­wen­den (§ 60 Abs. 1 Satz 5 Auf­en­thG).
Nach Art. 2 lit. c 2 ist Flücht­ling unter ande­rem der­je­ni­ge Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge, der aus der begrün­de­ten Furcht vor Ver­fol­gung wegen sei­ner Ras­se, Reli­gi­on, Staats­an­ge­hö­rig­keit, poli­ti­schen Über­zeu­gung oder der Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten sozia­len Grup­pe sich außer­halb des Lan­des befin­det, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit er besitzt, und den Schutz die­ses Lan­des nicht in Anspruch neh­men kann oder wegen die­ser Furcht nicht in Anspruch neh­men will.
Die Tat­sa­che, dass ein Antrag­stel­ler bereits ver­folgt wur­de oder einen sons­ti­gen ernst­haf­ten Scha­den erlit­ten hat bezie­hungs­wei­se von sol­cher Ver­fol­gung oder einem sol­chen Scha­den ernst­haft bedroht war, ist ein ernst­haf­ter Hin­weis dar­auf, dass die Furcht des Antrag­stel­lers vor Ver­fol­gung begrün­det ist bezie­hungs­wei­se dass er tat­säch­lich Gefahr läuft, ernst­haf­ten Scha­den zu erlei­den, es sei denn, stich­hal­ti­ge Grün­de spre­chen dage­gen, dass der Antrag­stel­ler erneut von sol­cher Ver­fol­gung oder einem sol­chen Scha­den bedroht wird, Art. 4 Abs. 4 3.
Art. 4 Abs. 4 3 ist Aus­druck des auch der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zum Asyl­grund­recht zugrun­de lie­gen­den Gedan­kens, die Zumut­bar­keit der Rück­kehr danach dif­fe­ren­zie­rend zu beur­tei­len, ob der Antrag­stel­ler bereits ver­folgt wor­den ist oder nicht 4. Die Nach­weis­erleich­te­rung, die einen inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen erlit­te­ner Ver­fol­gung und befürch­te­ter erneu­ter Ver­fol­gung vor­aus­setzt 5, beruht zum einen auf der tat­säch­li­chen Erfah­rung, dass sich Ver­fol­gung nicht sel­ten und Pogro­me sogar typi­scher­wei­se in glei­cher oder ähn­li­cher Form wie­der­ho­len 6. Zum ande­ren wider­spricht es dem huma­ni­tä­ren Cha­rak­ter des Asyls, dem­je­ni­gen, der das Schick­sal der Ver­fol­gung bereits erlit­ten hat, wegen der meist schwe­ren und blei­ben­den – auch see­li­schen – Fol­gen das Risi­ko einer Wie­der­ho­lung auf­zu­bür­den 7.
Die Richt­li­nie 2004/​83/​EG modi­fi­ziert die­se – asyl­recht­li­che – Nach­weis­erleich­te­rung in Art. 4 Abs. 4. Der der Pro­gno­se zugrun­de zu legen­de Wahr­schein­lich­keits­maß­stab bleibt unver­än­dert, auch wenn der Antrag­stel­ler bereits Vor­ver­fol­gung oder einen ernst­haf­ten Scha­den im Sin­ne des Art. 15 (RL 2004/​83/​EG) erlit­ten hat 8. Der in dem Tat­be­stands­merk­mal „… tat­säch­lich Gefahr lie­fe …“ des Art. 2 lit. e 3 ent­hal­te­ne Wahr­schein­lich­keits­maß­stab ori­en­tiert sich an der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te. Die­ser stellt bei der Prü­fung des Art. 3 EMRK auf die tat­säch­li­che Gefahr ab 9; das ent­spricht dem Maß­stab der beacht­li­chen Wahr­schein­lich­keit 10.
Art. 4 Abs. 4 3 pri­vi­le­giert den Vor­ver­folg­ten bezie­hungs­wei­se Geschä­dig­ten auf ande­re Wei­se: Wer bereits Ver­fol­gung bezie­hungs­wei­se einen ernst­haf­ten Scha­den erlit­ten hat, für den strei­tet die tat­säch­li­che Ver­mu­tung, dass sich frü­he­re Hand­lun­gen und Bedro­hun­gen bei einer Rück­kehr in das Her­kunfts­land wie­der­ho­len wer­den. Die Vor­schrift misst den in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Umstän­den Beweis­kraft für ihre Wie­der­ho­lung in der Zukunft bei 11. Dadurch wird der Vor­ver­folg­te bezie­hungs­wei­se Geschä­dig­te von der Not­wen­dig­keit ent­las­tet, stich­hal­ti­ge Grün­de dafür dar­zu­le­gen, dass sich die ver­fol­gungs­be­grün­den­den bezie­hungs­wei­se scha­dens­stif­ten­den Umstän­de bei Rück­kehr in sein Her­kunfts­land erneut rea­li­sie­ren wer­den. Es gel­ten nicht die stren­gen Maß­stä­be, die bei feh­len­der Vor­ver­fol­gung anzu­le­gen sind 12. Dem­je­ni­gen, der im Her­kunfts­staat Ver­fol­gung erlit­ten hat oder dort unmit­tel­bar von Ver­fol­gung bedroht war, kommt die Beweis­erleich­te­rung unab­hän­gig davon zugu­te, ob er zum Zeit­punkt der Aus­rei­se in einem ande­ren Teil sei­nes Hei­mat­lan­des hät­te Zuflucht fin­den kön­nen 13. Die Ver­mu­tung kann aber wider­legt wer­den. Hier­für ist erfor­der­lich, dass stich­hal­ti­ge Grün­de die Wie­der­ho­lungs­träch­tig­keit sol­cher Ver­fol­gung bezie­hungs­wei­se des Ein­tritts eines sol­chen Scha­dens ent­kräf­ten 14.
Als Ver­fol­gung im Sin­ne des Art. 1 A GFK gel­ten nach Art. 9 Abs. 1 RL 2004/​83/​EG Hand­lun­gen, die auf­grund ihrer Art oder Wie­der­ho­lung so gra­vie­rend sind, dass sie eine schwer­wie­gen­de Ver­let­zung der grund­le­gen­den Men­schen­rech­te dar­stel­len, ins­be­son­de­re der Rech­te, von denen gemäß Art. 15 Abs. 2 EMRK kei­ne Abwei­chung zuläs­sig ist oder in einer Kumu­lie­rung unter­schied­li­cher Maß­nah­men, ein­schließ­lich einer Ver­let­zung der Men­schen­rech­te, bestehen, die so gra­vie­rend ist, dass eine Per­son davon in ähn­li­cher wie der unter lit. a) beschrie­ben Wei­se betrof­fen ist.
Zum Zeit­punkt ihrer Aus­rei­se war die Klä­ge­rin kei­ner Grup­pen­ver­fol­gung auf­grund ihrer tibe­ti­schen Volks­zu­ge­hö­rig­keit aus­ge­setzt. Unter die­sem Gesichts­punkt kann ihr die Beweis­erleich­te­rung des Art. 4 Abs. 4 3 nicht zugu­te­kom­men.
Die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me einer Grup­pen­ver­fol­gung sind in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung grund­sätz­lich geklärt 15. Die Gefahr eige­ner Ver­fol­gung für einen Aus­län­der, der die Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft nach § 3 AsylVfG in Ver­bin­dung mit § 60 Abs. 1 Auf­en­thG begehrt, kann sich nicht nur aus gegen ihn selbst gerich­te­ten Maß­nah­men erge­ben (anlass­ge­präg­te Ein­zel­ver­fol­gung), son­dern auch aus gegen Drit­te gerich­te­ten Maß­nah­men, wenn die­se Drit­ten wegen eines asyl­erheb­li­chen Merk­mals ver­folgt wer­den, das er mit ihnen teilt, und wenn er sich mit ihnen in einer nach Ort, Zeit und Wie­der­ho­lungs­träch­tig­keit ver­gleich­ba­ren Lage befin­det (Grup­pen­ver­fol­gung). Dabei ist je nach den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten auch zu berück­sich­ti­gen, ob die Ver­fol­gung allein an ein bestimm­tes unver­füg­ba­res Merk­mal wie die Reli­gi­on anknüpft oder ob für die Bil­dung der ver­folg­ten Grup­pe und die Annah­me einer indi­vi­du­el­len Betrof­fen­heit wei­te­re Umstän­de oder Indi­zi­en hin­zu­tre­ten müs­sen. Die Annah­me einer alle Grup­pen­mit­glie­der erfas­sen­den grup­pen­ge­rich­te­ten Ver­fol­gung setzt – abge­se­hen von den Fäl­len eines (staat­li­chen) Ver­fol­gungs­pro­gramms 16 – fer­ner eine bestimm­te „Ver­fol­gungs­dich­te“ vor­aus, wel­che die „Regel­ver­mu­tung“ eige­ner Ver­fol­gung recht­fer­tigt 17. Hier­für ist die Gefahr einer so gro­ßen Viel­zahl von Ein­griffs­hand­lun­gen in flücht­lings­recht­lich geschütz­te Rechts­gü­ter erfor­der­lich, dass es sich dabei nicht mehr nur um ver­ein­zelt blei­ben­de indi­vi­du­el­le Über­grif­fe oder um eine Viel­zahl ein­zel­ner Über­grif­fe han­delt. Die Ver­fol­gungs­hand­lun­gen müs­sen viel­mehr im Ver­fol­gungs­zeit­raum und Ver­fol­gungs­ge­biet auf alle sich dort auf­hal­ten­den Grup­pen­mit­glie­der zie­len und sich in quan­ti­ta­ti­ver und qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht so aus­wei­ten, wie­der­ho­len und um sich grei­fen, dass dar­aus für jeden Grup­pen­an­ge­hö­ri­gen nicht nur die Mög­lich­keit, son­dern ohne wei­te­res die aktu­el­le Gefahr eige­ner Betrof­fen­heit ent­steht. Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer Grup­pen­ver­fol­gung ist fer­ner, dass die fest­ge­stell­ten Ver­fol­gungs­maß­nah­men die von ihnen Betrof­fe­nen gera­de in Anknüp­fung an asyl­erheb­li­che Merk­ma­le tref­fen. Ob eine in die­ser Wei­se spe­zi­fi­sche Ziel­rich­tung vor­liegt, die Ver­fol­gung mit­hin „wegen“ eines der in § 60 Abs. 1 Auf­en­thG genann­ten Merk­ma­le erfolgt, ist anhand ihres inhalt­li­chen Cha­rak­ters nach der erkenn­ba­ren Gericht­etheit der Maß­nah­me selbst zu beur­tei­len, nicht nach den sub­jek­ti­ven Grün­den oder Moti­ven, die den Ver­fol­gen­den dabei lei­ten 18. Dar­über hin­aus gilt auch für die Grup­pen­ver­fol­gung, dass sie mit Rück­sicht auf den all­ge­mei­nen Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät des Flücht­lings­rechts den Betrof­fe­nen einen Schutz­an­spruch im Aus­land nur ver­mit­telt, wenn sie im Her­kunfts­land lan­des­weit droht, das heißt wenn auch kei­ne inner­staat­li­che Flucht­al­ter­na­ti­ve besteht, die vom Zufluchts­land aus erreich­bar sein muss.
Ob Ver­fol­gungs­hand­lun­gen gegen eine bestimm­te Grup­pe von Men­schen in deren Her­kunfts­staat die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­fol­gungs­dich­te erfül­len, ist auf­grund einer wer­ten­den Betrach­tung im Sin­ne der Gewich­tung und Abwä­gung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de und ihrer Bedeu­tung zu ent­schei­den. Dabei muss zunächst die Gesamt­zahl der Ange­hö­ri­gen der von Ver­fol­gungs­hand­lun­gen betrof­fe­nen Grup­pe ermit­telt wer­den. Wei­ter müs­sen Anzahl und Inten­si­tät aller Ver­fol­gungs­maß­nah­men, gegen die Schutz weder von staat­li­chen Stel­len noch von staats­ähn­li­chen Herr­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen im Sin­ne von § 60 Abs. 1 Satz 4 lit. a und b Auf­en­thG ein­schließ­lich inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen zu erlan­gen ist, mög­lichst detail­liert fest­ge­stellt und hin­sicht­lich der Anknüp­fung an ein oder meh­re­re unver­füg­ba­re Merk­ma­le im Sin­ne von § 60 Abs. 1 Satz 1 Auf­en­thG nach ihrer objek­ti­ven Gericht­etheit zuge­ord­net wer­den. Alle danach gleich­ge­ar­te­ten, auf eine nach den­sel­ben Merk­ma­len zusam­men­ge­setz­te Grup­pe bezo­ge­nen Ver­fol­gungs­maß­nah­men müs­sen schließ­lich zur ermit­tel­ten Grö­ße die­ser Grup­pe in Bezie­hung gesetzt wer­den, weil eine bestimm­te Anzahl von Ein­grif­fen, die sich für eine klei­ne Grup­pe von Ver­folg­ten bereits als bedroh­lich erweist, gegen­über einer gro­ßen Grup­pe ver­gleichs­wei­se gering­fü­gig erschei­nen kann 19.
Die dar­ge­leg­ten Maß­stä­be für die Grup­pen­ver­fol­gung bean­spru­chen auch nach Inkraft­tre­ten der Richt­li­nie 2004/​83/​EG Gül­tig­keit. Das Kon­zept der Grup­pen­ver­fol­gung stellt der Sache nach eine Beweis­erleich­te­rung für den Asyl­su­chen­den dar und steht inso­weit mit den Grund­ge­dan­ken sowohl der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on als auch der Richt­li­nie 2004/​83/​EG in Ein­klang. Die rele­van­ten Ver­fol­gungs­hand­lun­gen wer­den in Art. 9 Abs. 1 RL 2004/​83/​EG und die asyl­erheb­li­chen Merk­ma­le als Ver­fol­gungs­grün­de in Art. 10 RL 2004/​83/​EG defi­niert 20.
Im Zeit­punkt der Aus­rei­se der Klä­ge­rin (zwei­tes Halb­jahr des Jah­res 2008) unter­la­gen die Volks­zu­ge­hö­ri­gen der Tibe­ter kei­ner Grup­pen­ver­fol­gung.
Am 30.10.2007 erklär­te das Aus­wär­ti­ge Amt gegen­über dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach 21, tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge müss­ten in Chi­na nicht mit Maß­nah­men gegen Leib, Leben oder Frei­heit ein­zig aus dem Grund rech­nen, dass sie tibe­ti­scher Volks­zu­ge­hö­rig­keit sei­en, solan­ge sie nicht gegen die ein­schlä­gi­gen Reli­gi­ons­be­stim­mun­gen ver­stie­ßen und sich nicht poli­tisch gegen die Regie­rung enga­gier­ten. Die Unru­hen vom März 2008 führ­ten nach der Aus­kunfts­la­ge inso­weit zu kei­ner durch­grei­fen­den Ände­rung. Unter dem 15.07.2008 teil­te das Aus­wär­ti­gen Amt dem Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg mit 22, ihm lägen kei­ne Anhalts­punk­te für ein staat­li­ches Ver­fol­gungs­pro­gramm gegen tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge vor, weder ein­ge­lei­tet noch kurz bevor­ste­hend. Aus die­sen Erkennt­nis­sen lässt sich für den Zeit­punkt der Aus­rei­se der Klä­ge­rin im Juli 2008 nicht auf eine Grup­pen­ver­fol­gung der Grup­pe der Tibe­ter schlie­ßen. Ein staat­li­ches Ver­fol­gungs­pro­gramm lässt sich nicht fest­stel­len. Nach den Erkennt­nis­sen des Aus­wär­ti­gen Amts wur­de die Volks­grup­pe der Tibe­ter nicht gezielt allein wegen eines unver­än­der­li­chen Merk­mals ver­folgt. Die Anzahl der fest­zu­stel­len­den Über­grif­fe lässt nicht auf die aktu­el­le Gefahr eige­ner Betrof­fen­heit eines jeden Grup­pen­mit­glieds schlie­ßen.
Nach den über­zeu­gen­den indi­vi­du­el­len Ein­las­sun­gen der Klä­ge­rin zu den Gescheh­nis­sen vor ihrer Aus­rei­se war sie aller­dings einer Ver­fol­gungs­hand­lung im Sin­ne des Art. 9 Abs. 1 RL 2004/​83/​EG und damit einer anlass­ge­präg­ten Ein­zel­ver­fol­gung aus­ge­setzt. Die Klä­ge­rin hat bei der Bun­des­amts­an­hö­rung wie auch vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt von Ver­ge­wal­ti­gun­gen durch chi­ne­si­sche Poli­zis­ten am 05., 09. und 15.07.2008 berich­tet. In die­sem Zusam­men­hang hät­ten die Beam­ten geäu­ßert, ihr – beson­ders im März 2008 poli­tisch akti­ver und im Juni 2008 tot auf­ge­fun­de­ner – Bru­der sei ein Reak­tio­när, und ihr Onkel sol­le auf­hö­ren, den Ruf der Poli­zei zu zer­stö­ren. Wenn er damit nicht auf­hö­re, wer­de die Poli­zei dafür sor­gen, dass man „ihren Leich­nam nicht fin­de“.
Bei den geschil­der­ten Erleb­nis­sen han­delt es sich um Vor­gän­ge im Ver­fol­ger­land, hin­sicht­lich derer sich die Klä­ge­rin in einem sach­ty­pi­schen Beweis­not­stand befin­det und für die daher eine „Glaub­haft­ma­chung“ im Rah­men der – gleich­wohl nach Maß­ga­be des § 108 Abs. 1 VwGO gebo­te­nen – rich­ter­li­chen Über­zeu­gungs­bil­dung genügt 23. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat aus­weis­lich der Ent­schei­dungs­grün­de sei­nes Urteils bei der Anhö­rung der Klä­ge­rin den Ein­druck gewon­nen, dass die Dar­stel­lung der Ver­ge­wal­ti­gun­gen durch Poli­zei­be­am­te einen „wah­ren Kern“ ent­hal­ten habe. Dar­an ände­re sich nichts dadurch, dass die Über­grif­fe der Zahl und den Umstän­den nach mög­li­cher­wei­se über­trie­ben geschil­dert wor­den sei­en. Die Klä­ge­rin habe mit einem gewis­sen Ernst und einer noch spür­ba­ren Betrof­fen­heit von dem Vor­fall berich­tet. Ihr Vor­brin­gen erschei­ne glaub­haft. Die Klä­ge­rin sei bei ihrer Schil­de­rung den Trä­nen nahe gewe­sen. Die­sem Ergeb­nis der erst­in­stanz­li­chen Beweis­erhe­bung schließt sich der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof an. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts liegt es grund­sätz­lich im Ermes­sen des Beru­fungs­ge­richts, ob es einen im ers­ten Rechts­zug gehör­ten Zeu­gen oder Betei­lig­ten erneut ver­nimmt. Es kann des­sen schrift­lich fest­ge­hal­te­ne Aus­sa­ge auch ohne noch­ma­li­ge Ver­neh­mung zu dem unver­än­dert geblie­be­nen Beweis­the­ma selb­stän­dig wür­di­gen. Von der erneu­ten Anhö­rung des Zeu­gen oder Betei­lig­ten darf das Beru­fungs­ge­richt nur dann nicht abse­hen, wenn es die Glaub­wür­dig­keit des in ers­ter Instanz Ver­nom­me­nen abwei­chend vom Erstrich­ter beur­tei­len will und es für die Beur­tei­lung auf den per­sön­li­chen Ein­druck von dem Zeu­gen oder Betei­lig­ten ankommt 24. Zu einer abwei­chen­den Glaub­wür­dig­keits­be­ur­tei­lung sieht das Gericht indes kei­nen Anlass. Es bestehen kei­ne Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen zu den als Grund der Aus­rei­se genann­ten Vor­fäl­len im Hei­mat­land der Klä­ge­rin, die eine erneu­te Anhö­rung gebö­ten 25.
Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ord­net die Ver­ge­wal­ti­gun­gen durch Poli­zis­ten jedoch inso­weit recht­lich anders ein als das Ver­wal­tungs­ge­richt, als er sie – ohne dabei die Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen in Fra­ge zu zie­hen – dem Anwen­dungs­be­reich des § 60 Abs. 1 Auf­en­thG zuord­net. Die von der Klä­ge­rin geschil­der­ten Ver­ge­wal­ti­gun­gen stel­len rele­van­te Ver­fol­gungs­maß­nah­men dar. Es han­delt sich inso­weit um die Anwen­dung phy­si­scher bezie­hungs­wei­se sexu­el­ler Gewalt im Sin­ne von § 60 Abs. 1 Satz 1 und 5 Auf­en­thG, Art. 9 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 lit. a RL 83/​2004/​EG. Es besteht auch die erfor­der­li­che Ver­knüp­fung zwi­schen den in Art. 10 RL 83/​2004/​EG genann­ten Grün­den und den in Art. 9 Abs. 1 RL 83/​2004/​EG als Ver­fol­gung ein­ge­stuf­ten Hand­lun­gen 26. Die Ver­ge­wal­ti­gun­gen knüpf­ten an die „Ras­se“ der Klä­ge­rin im Sin­ne von Art. 10 Abs. 1 lit. a RL 83/​2004/​EG an. Der Begriff der „Ras­se“ umfasst nach die­ser Bestim­mung ins­be­son­de­re die Aspek­te Haut­far­be, Her­kunft und Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten eth­ni­schen Grup­pe. Der Senat ist davon über­zeugt, dass nach dem Ergeb­nis der vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me die Ver­ge­wal­ti­gun­gen in der im Rah­men von § 60 Abs. 1 Auf­en­thG erfor­der­li­chen Wei­se mit der tibe­ti­schen Volks­zu­ge­hö­rig­keit der Klä­ge­rin ver­knüpft sind. Das Ver­wal­tungs­ge­richt war inso­weit sinn­ge­mäß der Auf­fas­sung, die Über­grif­fe sei­en als Akte amt­li­cher Will­kür anzu­se­hen, die durch den tibe­tisch-chi­ne­si­schen Dau­er­kon­flikt – gera­de im Kli­ma der all­ge­mei­nen Unru­he und Gereizt­heit des Jah­res 2008 – begüns­tigt wor­den sei­en, die Klä­ge­rin aber nicht „aus poli­ti­schen Grün­den“ getrof­fen hät­ten. Dies sieht der Senat anders. Es muss zwar davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sexu­el­le Über­grif­fe durch chi­ne­si­sche Beam­te als Will­kür­ak­te in ganz Chi­na vor­kom­men. Berich­te über Fol­ter und Miss­hand­lung etwa in chi­ne­si­schen Gefäng­nis­sen sind bezo­gen auf das gan­ze Land bekannt 27. Gera­de für Tibet wird von Miss­hand­lun­gen, auch sexu­el­ler Art bezie­hungs­wei­se in Form von Ver­ge­wal­ti­gun­gen, berich­tet 28. Aus­ge­hend von der Fest­stel­lung des Ver­wal­tungs­ge­richts, dass die Klä­ge­rin jeden­falls auch des­halb Opfer der Ver­ge­wal­ti­gun­gen wur­de, weil sie (als Tibe­te­rin) in den tibe­tisch-chi­ne­si­schen Kon­flikt ver­wi­ckelt war, knüpf­ten die Taten aber in ihrem Fall durch­aus an die Zuge­hö­rig­keit zu der eth­ni­schen Grup­pe der Tibe­ter an.
Die Taten sind der Volks­re­pu­blik Chi­na zure­chen­bar. Ver­fol­gun­gen Drit­ter sind dem Staat zuzu­rech­nen, wenn er nicht mit den ihm an sich zur Ver­fü­gung ste­hen­den Kräf­ten Schutz gewährt; hier­bei ist frei­lich zu beden­ken, dass es kei­ner staat­li­chen Ord­nungs­macht mög­lich ist, einen lücken­lo­sen Schutz vor Unrecht und Gewalt zu garan­tie­ren 29. Bei ver­ein­zel­ten Exzess­ta­ten von Amts­wal­tern kann in Betracht kom­men, dass die­se dem Staat nicht zuge­rech­net wer­den kön­nen 30. Der blo­ße Umstand, dass bestimm­te Maß­nah­men der Rechts­ord­nung des Her­kunfts­staats wider­spre­chen, berech­tigt aber noch nicht dazu, sie als Amts­walter­ex­zes­se ein­zu­stu­fen. Viel­mehr bedarf es ent­spre­chen­der ver­läss­li­cher tat­säch­li­cher Fest­stel­lun­gen, die auf blo­ße Ein­zel­ex­zes­se hin­deu­ten 31. Andern­falls bleibt das Han­deln der Sicher­heits­or­ga­ne dem Staat zure­chen­bar 32. Aus­ge­hend davon blei­ben die hier in Rede ste­hen­den Hand­lun­gen der Poli­zis­ten dem Staat Volks­re­pu­blik Chi­na zure­chen­bar. Ver­läss­li­che tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen, die auf blo­ße Ein­zel­ex­zes­se hin­deu­ten, hat die Anhö­rung nicht erbracht 33.
Unter die­sen Umstän­den spre­chen kei­ne stich­hal­ti­gen Grün­de dage­gen, dass die Klä­ge­rin bei einer Rück­kehr in die Auto­no­me Regi­on Tibet erneut von sol­cher Ver­fol­gung wie vor ihrer Aus­rei­se bedroht wäre. Allein der zeit­li­che Abstand seit dem Tod ihres Bru­ders lässt einen der­ar­ti­gen Schluss nicht zu, zumal die erlit­te­nen Ver­ge­wal­ti­gun­gen erst nach der Tötung des Bru­ders ein­setz­ten.
Die Klä­ge­rin kann auch nicht auf eine inlän­di­sche Flucht­al­ter­na­ti­ve (§ 60 Abs. 1 Satz 4 a. E. Auf­en­thG) ver­wie­sen wer­den. Eine sol­che setzt vor­aus, dass der Schutz­su­chen­de in den in Betracht kom­men­den Gebie­ten vor poli­ti­scher Ver­fol­gung hin­rei­chend sicher ist und ihm jeden­falls dort auch kei­ne ande­ren Nach­tei­le und Gefah­ren dro­hen, die nach ihrer Inten­si­tät und Schwe­re einer asyl­erheb­li­chen Rechts­guts­be­ein­träch­ti­gung aus poli­ti­schen Grün­den gleich­kom­men. Auf einen lan­des­in­ter­nen Ver­gleich zum Aus­schluss nicht ver­fol­gungs­be­ding­ter Nach­tei­le und Gefah­ren kommt es im Rah­men des § 60 Abs. 1 Auf­en­thG dabei nicht an 34.
Die Klä­ge­rin wäre bei einer Rück­kehr nach Chi­na – abge­se­hen von den Nach­flucht­grün­den (sie­he dazu unten) – im gan­zen Staats­ge­biet zumin­dest von ande­ren Nach­tei­len und Gefah­ren bedroht, die nach ihrer Inten­si­tät und Schwe­re einer asyl­erheb­li­chen Rechts­guts­be­ein­träch­ti­gung aus poli­ti­schen Grün­den gleich­kom­men. Nach Aus­kunft der Tibet Initia­ti­ve Deutsch­land e.V. vom 28.02.2006 zu dem Asyl­ver­fah­ren B 5 K 05.30078 haben Tibe­ter ohne Chi­ne­sisch­kennt­nis, zu denen die Klä­ge­rin gehört, kei­ne Chan­ce, sich eine Lebens­grund­la­ge auf­zu­bau­en. Sie fie­len über­all auf und mach­ten sich „ver­däch­tig“. Auch unter gewöhn­li­chen chi­ne­si­schen Bür­gern sei­en die Res­sen­ti­ments gegen­über den Tibe­tern sehr groß. Nur durch eine beson­ders gro­ße Anpas­sung an die chi­ne­si­sche Kul­tur und Ideo­lo­gie könn­ten die­se Res­sen­ti­ments abge­schwächt wer­den, doch dazu sei die Beherr­schung der chi­ne­si­schen Spra­che Vor­aus­set­zung. Laut Aus­kunft des Aus­wär­ti­gen Amtes vom 15.07.2008 an das Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg 22 ist das Aus­maß von Ver­fol­gungs­hand­lun­gen gegen tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge all­ge­mein sehr viel höher als gegen ande­re Volks­grup­pen (mit Aus­nah­me von uigu­ri­schen Volks­zu­ge­hö­ri­gen). Vom Anstieg der oft­mals will­kür­li­chen Kon­troll­maß­nah­men in jüngs­ter Zeit sei­en tibe­ti­sche Volks­an­ge­hö­ri­ge beson­ders betrof­fen. So sei am 09.07.2008 eine bri­ti­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge tibe­ti­scher Her­kunft, die in Peking als Sprach­do­zen­tin tätig gewe­sen sei, mor­gens auf dem Weg zur Arbeit von Sicher­heits­kräf­ten auf­ge­grif­fen und (ohne erkenn­ba­re Anhalts­punk­te) unter dem Vor­wurf sepa­ra­tis­ti­scher Tätig­kei­ten auf der Stel­le und unter Poli­zei­be­glei­tung aus­ge­wie­sen wor­den. Nach die­ser Erkennt­nis­la­ge schei­det eine inlän­di­sche Flucht­al­ter­na­ti­ve für die Klä­ge­rin man­gels Zumut­bar­keit aus.
Unab­hän­gig von einer Vor­ver­fol­gung muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Klä­ge­rin nun­mehr aus beacht­li­chen Nach­flucht­grün­den von Ver­fol­gung bedroht wird.
Es besteht aller­dings nach wie vor kei­ne Situa­ti­on, in der die Klä­ge­rin für den Fall ihrer Rück­kehr eine begrün­de­te Furcht vor Ver­fol­gung unter dem Gesichts­punkt einer der­zeit bestehen­den Grup­pen­ver­fol­gung von Tibe­tern gewär­ti­gen müss­te. Die Lage für tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge in Chi­na – soweit sie für die Beur­tei­lung des Schutz­ge­suchs der Klä­ge­rin von Bedeu­tung ist – stellt sich im Novem­ber 2011 im Hin­blick auf eine mög­li­che Grup­pen­ver­fol­gung im Wesent­li­chen unver­än­dert dar. So gibt das Aus­wär­ti­ge Amts in sei­ner Aus­kunft vom 16.06.2010 35 an das Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg an, hin­sicht­lich der mit Schrei­ben vom 15.07.2008 dar­ge­stell­ten Situa­ti­on („kei­ne Anhalts­punk­te für ein staat­li­ches Ver­fol­gungs­pro­gramm gegen tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge“) hät­ten sich bezüg­lich der Gefahr­dung tibe­ti­scher Volks­zu­ge­hö­ri­ger kei­ne Ände­run­gen erge­ben. Der Report 2011 von amnes­ty inter­na­tio­nal gibt ledig­lich an, Tibe­ter sei­en „wei­ter­hin Repres­sio­nen aus­ge­setzt“. Für eine sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung von Tibe­tern allein wegen ihrer eth­ni­schen Zuge­hö­rig­keit gibt es danach auch zum jet­zi­gen Zeit­punkt kei­ne Anhalts­punk­te.
Die Klä­ge­rin ist aber wegen ihrer den chi­ne­si­schen Behör­den mög­li­cher­wei­se bekannt­ge­wor­de­nen Teil­nah­me an Aktio­nen für die Frei­heit Tibets in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Ver­bin­dung mit ihrer ille­ga­len Aus­rei­se aus Chi­na, der Asyl­an­trag­stel­lung und ihrem mehr­jäh­ri­gen Ver­bleib im Aus­land einer dro­hen­den „Ein­zel­ver­fol­gung wegen Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit“ aus­ge­setzt.
Die Viel­falt mög­li­cher Ver­fol­gungs­ge­fähr­dun­gen ver­bie­tet es, die Zuge­hö­rig­keit zu einer gefähr­de­ten Grup­pe unbe­rück­sich­tigt zu las­sen, weil die Gefähr­dung unter­halb der Schwel­le der Grup­pen­ver­fol­gung liegt. Denn die Gefahr poli­ti­scher Ver­fol­gung, die sich für jeman­den dar­aus ergibt, dass Drit­te wegen eines Merk­mals ver­folgt wer­den, das auch er auf­weist, kann von ver­schie­de­ner Art sein: Der Ver­fol­ger kann von indi­vi­du­el­len Merk­ma­len gänz­lich abse­hen, sei­ne Ver­fol­gung viel­mehr aus­schließ­lich gegen die durch das gemein­sa­me Merk­mal gekenn­zeich­ne­te Grup­pe als sol­che und damit grund­sätz­lich gegen alle Grup­pen­mit­glie­der betrei­ben. Dann han­delt es sich um eine in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 36 und des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 37 als Grup­pen­ver­fol­gung bezeich­ne­tes Ver­fol­gungs­ge­sche­hen. Das Merk­mal, das sei­nen Trä­ger als Ange­hö­ri­gen einer miss­lie­bi­gen Grup­pe aus­weist, kann für den Ver­fol­ger aber auch nur ein Ele­ment in sei­nem Feind­bild dar­stel­len, das die Ver­fol­gung erst bei Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de aus­löst. Das vom Ver­fol­gungs­staat zum Anlass für eine Ver­fol­gung genom­me­ne Merk­mal ist dann ein mehr oder min­der deut­lich im Vor­der­grund ste­hen­der, die Ver­fol­gungs­be­trof­fen­heit des Opfers mit­prä­gen­der Umstand, der für sich allein noch nicht die Annah­me poli­ti­scher Ver­fol­gung jedes ein­zel­nen Merk­mals­trä­gers recht­fer­tigt, wohl aber bestimm­ter unter ihnen, etwa sol­cher, die durch wei­te­re Beson­der­hei­ten in den Augen des Ver­fol­ger­staa­tes zusätz­lich belas­tet sind. Löst die Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten Volks- oder Berufs­grup­pe oder zum Kreis der Ver­tre­ter einer bestimm­ten poli­ti­schen Rich­tung, wie hier, nicht bei jedem Grup­pen­an­ge­hö­ri­gen unter­schieds­los und unge­ach­tet sons­ti­ger indi­vi­du­el­ler Beson­der­hei­ten, son­dern – jeden­falls in man­chen Fäl­len – nur nach Maß­ga­be wei­te­rer indi­vi­du­el­ler Eigen­tüm­lich­kei­ten die Ver­fol­gung des Ein­zel­nen aus, so kann hier­nach eine „Ein­zel­ver­fol­gung wegen Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit“ vor­lie­gen 38.
Zur Behand­lung von Per­so­nen, die nach Chi­na zurück­keh­ren, ent­hält der Lage­be­richt des Aus­wär­ti­gen Amtes Anga­ben. Soweit Rück­füh­run­gen aus Deutsch­land erfolgt sei­en, hät­ten die zurück­ge­führ­ten Per­so­nen die Pass­kon­trol­le unbe­hin­dert pas­sie­ren und den Flug­ha­fen pro­blem­los ver­las­sen bezie­hungs­wei­se ihre Wei­ter­rei­se in Chi­na antre­ten kön­nen. Ver­ein­zel­te Nach­ver­fol­gun­gen von Rück­füh­run­gen durch die deut­sche Bot­schaft in Peking hät­ten kei­nen Hin­weis dar­auf erge­ben, dass abge­lehn­te Per­so­nen, allein weil sie einen Asyl­an­trag gestellt hät­ten, poli­tisch oder straf­recht­lich ver­folgt wür­den. Ein Asyl­an­trag allein sei nach chi­ne­si­schem Recht kein Straf­tat­be­stand. Aus Sicht der chi­ne­si­schen Regie­rung kom­me es pri­mär auf die Gefahr an, die von der ein­zel­nen Per­son für Regie­rung und Par­tei aus­ge­hen könn­te. For­ma­le Aspek­te wie etwa Mit­glied­schaft in einer bestimm­ten Orga­ni­sa­ti­on oder eine Asyl­an­trag­stel­lung sei­en nicht zwangs­läu­fig ent­schei­dend. Per­so­nen, die Chi­na ille­gal, das hei­ße unter Ver­let­zung der Grenz­über­tritts­be­stim­mun­gen ver­las­sen hät­ten, könn­ten bestraft wer­den. Es han­de­le sich um ein eher gering­fü­gi­ges Ver­ge­hen, das – ohne Vor­lie­gen eines davon unab­hän­gi­gen beson­de­ren Inter­es­ses an der Per­son – kei­ne poli­tisch begrün­de­ten, schwe­ren Repres­sa­li­en aus­lö­se. Nach § 322 chin. StGB kön­ne das heim­li­che Über­schrei­ten der Gren­ze unter Ver­let­zung der Geset­ze bei Vor­lie­gen erns­ter und schwer­wie­gen­der Tat­um­stän­de mit Frei­heits­stra­fe bis zu einem Jahr, Gewahr­sam oder Über­wa­chung und zusätz­lich einer Geld­stra­fe bestraft wer­den. Es wer­de nach bis­he­ri­gen Erkennt­nis­sen in der Pra­xis aber nur gele­gent­lich und dann mit Geld­bu­ße geahn­det 39. Der Lage­be­richt des Aus­wär­ti­gen Amtes befasst sich auch mit exil­po­li­ti­schen Akti­vi­tä­ten. Beson­de­re Auf­merk­sam­keit wid­me die chi­ne­si­sche Füh­rung füh­ren­den Mit­glie­dern der Stu­den­ten­be­we­gung von 1989, soweit sie noch im Aus­land aktiv sei­en. Dies gel­te auch für bekann­te Per­sön­lich­kei­ten, die öffent­lich gegen die chi­ne­si­sche Regie­rung oder deren Poli­tik Stel­lung bezö­gen und eine ernst zu neh­men­de Medi­en­re­so­nanz in Deutsch­land oder im west­li­chen Aus­land her­vor­rie­fen sowie für Ange­hö­ri­ge eth­ni­scher Min­der­hei­ten, sofern sie nach chi­ne­si­schem Ver­ständ­nis als „Sepa­ra­tis­ten“ ein­zu­stu­fen sei­en. Eine Über­wa­chung oder sogar Gerichts­ver­fah­ren gegen die­se Per­so­nen sei­en bei Rück­kehr in die Volks­re­pu­blik Chi­na nicht aus­zu­schlie­ßen. Akti­vi­tä­ten der uigu­ri­schen Exil­or­ga­ni­sa­tio­nen stün­den unter beson­de­rer Beob­ach­tung der chi­ne­si­schen Behör­den (ein­schließ­lich der Aus­lands­ver­tre­tun­gen). Ins­be­son­de­re: die Ost­tur­ki­sta­ni­sche Uni­on in Euro­pa e.V., der Ost­tur­ki­sta­ni­sche (Uigu­ri­sche) Natio­nal­kon­gress e.V. sowie das Komi­tee der Alli­anz zwi­schen den Völ­kern Tibets, der Inne­ren Mon­go­lei und Ost­tur­ki­stans. Auf­klä­rung über und Bekämp­fung der von extre­men Ver­tre­tern der uigu­ri­schen Min­der­heit getra­ge­nen Ost­tur­ki­stan-Bewe­gung zähl­ten zu den obers­ten Prio­ri­tä­ten des Staats­schut­zes. Anhän­ger die­ser Bewe­gung wür­den mit unnach­gie­bi­ger Här­te poli­tisch und straf­recht­lich ver­folgt. Mit­glie­der uigu­ri­scher Exil­or­ga­ni­sa­tio­nen hät­ten bei ihrer Rück­kehr nach Chi­na mit Repres­sio­nen zu rech­nen. Von detail­lier­ten Kennt­nis­sen des Minis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit über Mit­glie­der der exil­po­li­ti­schen uigu­ri­schen Orga­ni­sa­tio­nen sei aus­zu­ge­hen. Die Betei­li­gung an einer Demons­tra­ti­on für die Belan­ge einer als staats­ge­fähr­dend bewer­te­ten Orga­ni­sa­ti­on wie der Ost­tur­ki­stan-Bewe­gung rei­che aus, um sich nach chi­ne­si­schem Recht straf­bar zu machen. Eine Füh­rungs­funk­ti­on in einer sol­chen Orga­ni­sa­ti­on wir­ke straf­ver­schär­fend. Das Straf­maß für eine sol­che Per­son rich­te sich dabei danach, wie schwer­wie­gend die von den Ange­schul­dig­ten aus­ge­hen­de Gefahr für den Bestand des Staa­tes aus Sicht der straf­ver­fol­gen­den Behör­den ein­zu­schät­zen sei. Auch in den aus euro­päi­scher Sicht „fried­li­chen Unab­hän­gig­keits­be­stre­bun­gen“ ein­zel­ner Orga­ni­sa­tio­nen sehe die chi­ne­si­sche Füh­rung Angrif­fe auf die staat­li­che Ein­heit Chi­nas und damit eine Gefähr­dung für die all­ge­mei­ne Sicher­heit. Gewalt­frei­es Ein­tre­ten für eine Sache schüt­ze nicht vor har­ten Stra­fen. Es sei­en bis­her kei­ne Fäl­le von ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern oder Vor­stands­mit­glie­dern exil­po­li­ti­scher uigu­ri­scher Orga­ni­sa­tio­nen aus Deutsch­land bekannt gewor­den, die nach Chi­na zurück­ge­kehrt sei­en. Berich­tet wer­de jedoch über Fäl­le von Abschie­bun­gen nach Chi­na aus ande­ren Län­dern Asi­ens mit anschlie­ßen­der Fol­ter oder Ver­ur­tei­lung 40. Spe­zi­ell zu exil­po­li­ti­schen Akti­vi­tä­ten tibe­ti­scher Volks­zu­ge­hö­ri­ger ver­hält sich der Lage­be­richt nicht.
Im Lage­be­richt vom 08.11.2005 41 ist aller­dings noch aus­ge­führt, im Mai 2003 sei­en 18 tibe­ti­sche Per­so­nen, die von Tibet nach Nepal geflüch­tet gewe­sen sei­en – trotz inter­na­tio­na­ler Pro­tes­te – durch nepa­le­si­sche Behör­den unter Anwen­dung von Gewalt nach Chi­na abge­scho­ben wor­den, anstatt ihnen wie bei frü­he­ren Fäl­len die Aus­rei­se nach Indi­en zu gestat­ten. Dies sei offen­sicht­lich auf Grund mas­si­ven chi­ne­si­schen Drucks gesche­hen. Die Per­so­nen sei­en in Chi­na zunächst vor­über­ge­hend in Haft gewe­sen. Als Grund der Ver­haf­tung sei offi­zi­ell „ille­ga­ler Grenz­über­tritt“ (ohne not­wen­di­ge Papie­re) genannt wor­den. Die Per­so­nen sei­en inzwi­schen wie­der frei. Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen berich­te­ten jedoch über gra­vie­ren­de Repres­sa­li­en und Fol­ter wäh­rend der Haft in chi­ne­si­schen Gefäng­nis­sen.
Laut Aus­kunft vom 24.01.2008 an das Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg 42 sind nach Ein­schät­zung des Aus­wär­ti­ges Amtes für tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge bei Rück­kehr nach Chi­na Maß­nah­men gegen Leib, Leben oder Frei­heit nicht aus­zu­schlie­ßen, wenn sie im Aus­land aktiv und öffent­lich für die Unab­hän­gig­keit Tibets von Chi­na ein­ge­tre­ten sind, zum Bei­spiel in Form von Teil­nah­me an Demons­tra­tio­nen. Dem Aus­wär­ti­gen Amt sei­en aller­dings in jün­ge­rer Zeit kei­ne ent­spre­chen­den Fäl­le bekannt gewor­den. Die­se Hand­lun­gen sei­en gemäß Arti­kel 103 chin. StGB mit Stra­fe bis zu zehn Jah­ren bewehrt, gemäß Art. 10 a.a.O. könn­ten Aus­land­s­ta­ten nach Rück­kehr in Chi­na ver­folgt wer­den.
In dem Gut­ach­ten der Tibet Initia­ti­ve Deutsch­land e.V. vom 18.07.2002 an das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter 43 heißt es unter ande­rem, es sei nicht bekannt, ob bereits asyl­su­chen­de Tibe­ter aus Deutsch­land zurück­ge­schickt wor­den sei­en. Tibe­ter, die nach ihrer Flucht und einem Auf­ent­halt in Indi­en oder Nepal „frei­wil­lig“ nach Tibet zurück­kehr­ten, müss­ten jedoch genau­so heim­lich, wie sie Tibet ver­las­sen hät­ten, auch dort­hin zurück­keh­ren. Wenn sie beim Grenz­über­tritt „erwischt“ wür­den, ver­schwän­den sie in Gefäng­nis­sen und Arbeits­la­gern, oft unauf­find­bar. Dass die Haft­be­din­gun­gen in Chi­na, die Fol­ter mit ein­schlös­sen, eine Lebens­ge­fahr dar­stell­ten, sei bekannt. Selbst nach der Frei­las­sung wür­den Gefan­ge­ne bestän­dig bespit­zelt und drang­sa­liert und bei jedem wirk­li­chen oder angeb­li­chen Vor­komm­nis, wie zum Bei­spiel einer Demons­tra­ti­on, Pla­ka­tie­rung etc., unter dem Ver­dacht der „Gefähr­dung der natio­na­len Sicher­heit“ erneut ver­haf­tet. Die glei­che Behand­lung sei auch bei Tibe­tern zu erwar­ten, die ver­sucht hät­ten, im Aus­land Asyl zu bekom­men.
In der Stel­lung­nah­me der Tibet Initia­ti­ve Deutsch­land e.V. vom 28.02.2006 zum Asyl­ver­fah­ren B 5 K 05.30078 wird aus­ge­führt, (eine Tibe­te­rin müs­se) sogar schon des­halb, weil sie in Deutsch­land einen Antrag auf Asyl gestellt habe, (…) in Chi­na mit straf­recht­li­chen Maß­nah­men rech­nen. Tibe­ter, die das Land auf dem Flucht­weg ver­las­sen hät­ten, wür­den nicht als Flücht­lin­ge, son­dern als ille­ga­le Immi­gran­ten ange­se­hen. In Chi­na droh­ten ihnen wegen Lan­des­ver­rats schwe­re Stra­fen. Dage­gen dro­he ein sol­ches Schick­sal Han-Chi­ne­sen nicht. Sie wür­den im schlimms­ten Fall mit Geld­stra­fen belegt. Ein Bei­spiel für die Fol­gen, die tibe­ti­schen „Rück­keh­rern“ blüh­ten, sei der Fall einer Grup­pe von 18 tibe­ti­schen Jugend­li­chen, die im Jahr 2002 in Nepal wegen feh­len­der Papie­re inhaf­tiert wor­den sei­en. Nach­dem sie meh­re­re Mona­te im Dili Bazar Gefäng­nis von Kathmandu/​Nepal geses­sen hät­ten, sei­en sie am 31.05.2003 von chi­ne­si­schen Beam­ten dort abge­holt wor­den. Mit Ein­ver­ständ­nis der nepa­li­schen Behör­den sei­en sie zur Gren­ze gebracht und von dort nach Tibet repa­tri­iert wor­den. Ein jun­ger Flücht­ling der Grup­pe, der sich habe frei kau­fen kön­nen, habe erneut die Flucht ris­kiert und befin­de sich in Indi­en. Sein Bericht bezeu­ge, wie es den jugend­li­chen Tibe­tern ergan­gen sei und mache deut­lich, wie groß die Gefahr für alle sei, die repa­tri­iert wür­den.
Vom Gut­ach­ter Prof. Dr. Oskar Weg­gel liegt eine Stel­lung­nah­me an das Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach vom 11.02.2007 44 vor. Dar­in heißt es, Tibe­ter, die sich aktiv für die Unab­hän­gig­keit Tibets von Chi­na ein­setz­ten, müss­ten mit Maß­nah­men gegen Leib, Leben oder Frei­heit rech­nen (S. 2). An ande­rer Stel­le wird aus­ge­führt, Per­so­nen, die aus dem Aus­land zurück­kehr­ten, stie­ßen zumeist auf geball­tes Miss­trau­en – und zwar sogar dann, wenn sie die Volks­re­pu­blik Chi­na mit offi­zi­el­ler Geneh­mi­gung ver­las­sen hät­ten. Sei­en sie uner­laubt aus­ge­reist, hät­ten sie ohne­hin einen der in Kapi­tel 6, Abschnitt 3 (§§ 308 – 323 chin. StGB) auf­ge­führ­ten Straf­tat­be­stän­de erfüllt. So wer­de bei­spiels­wei­se gemäß § 322 chin. StGB mit bis zu einem Jahr Gefäng­nis bestraft, wer uner­laubt die Staats­gren­ze über­tre­te. Auch Per­so­nen, die mit behörd­li­cher Erlaub­nis das Land ver­las­sen hät­ten (und dann wie­der zurück­ge­kehrt sei­en), hät­ten nicht sel­ten mit Sank­tio­nen zu rech­nen. Ver­haf­tet wor­den sei­en bei­spiels­wei­se im Juni und im August 2004 meh­re­re aus Indi­en zurück­keh­ren­de Tibe­ter (Zahl unbe­kannt), ohne dass in der Öffent­lich­keit dafür Grün­de ange­ge­ben wor­den wären. Im Juni 2004 sei­en vier Rück­keh­rer fest­ge­nom­men wor­den (genau­er Grund unbe­kannt). Im Novem­ber 2003 sei ein Rück­keh­rer zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den, weil er Schrif­ten des Dalai Lama mit sich geführt habe. Wer im Aus­land gar an Demons­tra­tio­nen oder Flug­blatt­ak­tio­nen teil­ge­nom­men habe, sei über­dies im Sin­ne des § 103 chin. StGB (Spal­tung des Staa­tes) schul­dig. Mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit habe er dann die dort auf­ge­führ­ten Gefäng­nis­kon­se­quen­zen zu tra­gen (S. 2).
Nach dem Gut­ach­ten des Kle­mens Lud­wig vom 23.05.2011 an das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart 45 ist das Min­des­te, womit Tibe­ter rech­nen müs­sen, die nach ille­ga­lem Ver­las­sen in das Hoheits­ge­biet der Volks­re­pu­blik Chi­na zurück­keh­ren, eine ver­schärf­te Über­wa­chung. Auf­grund der weit ver­brei­te­ten Will­kür sei­en auch Maß­nah­men, die den Cha­rak­ter von poli­ti­scher Ver­fol­gung hät­ten, wie Inhaf­tie­rung und even­tu­el­le Fol­ter, nicht aus­zu­schlie­ßen 46. Die Stel­lung eines Asyl­an­trags in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (oder anders­wo) wer­de von den Behör­den der Volks­re­pu­blik Chi­na zwar als feind­li­cher Akt betrach­tet, doch zei­ge die Pra­xis, dass asyl­su­chen­de Chi­ne­sen – sofern sie nicht ver­folg­ten Grup­pen wie Falun Gong oder der rom­treu­en katho­li­schen Kir­che ange­hör­ten – in der Regel bei einer Rück­kehr unbe­hel­ligt blie­ben. Für asyl­su­chen­de Tibe­ter lie­ge der Fall auf­grund der beson­de­ren Will­kür anders. Für sie kön­ne ein Asyl­an­trag auch als „sepa­ra­tis­ti­sche Hal­tung“ aus­ge­legt wer­den, so dass von einer Ver­fol­gung aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne. Die Maß­nah­men reich­ten von Ver­hö­ren über Ver­haf­tung bis hin zu Haft­stra­fen und Fol­ter 47.
Die genann­ten sowie alle wei­te­ren vor­lie­gen­den und aus­ge­wer­te­ten Erkennt­nis­se (sie­he dazu im Fol­gen­den) recht­fer­ti­gen den Schluss, dass für die Klä­ge­rin auf­grund des Nach­flucht­ge­sche­hens mit beacht­li­cher Wahr­schein­lich­keit eine Ver­fol­gungs­ge­fahr besteht.
Die Klä­ge­rin ist zur Über­zeu­gung des Gerichts ille­gal aus Chi­na aus­ge­reist. Nach der per­sön­li­chen Anhö­rung der Klä­ge­rin ver­mit­tel­ten die Anga­ben zu ihrer Aus­rei­se im Jah­re 2008 den Ein­druck, dass die geschil­der­te Art der Aus­rei­se zumin­dest in ihren Grund­zü­gen wah­ren Erleb­nis­sen ent­spricht und auf selbst gewon­ne­nen Orts­kennt­nis­sen beruht. Man­che Ein­zel­hei­ten wur­den zwar bloß vage, ste­reo­typ und wenig nach­voll­zieh­bar dar­ge­stellt. Dies trübt das gewon­ne­ne Bild aber nicht ent­schei­dend, zumal ent­ge­gen der Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts nach der Erkennt­nis­la­ge eine lega­le Aus­rei­se aus Chi­na für tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge kei­nes­wegs unpro­ble­ma­tisch – und damit die Müh­sal einer ille­ga­len Grenz­über­que­rung auch nicht von vorn­her­ein unnö­tig – ist. So ist eine lega­le Aus­rei­se nach der Aus­kunft des Tibet Infor­ma­ti­on Net­work vom 24.07.2006 (Nr. 3) – obwohl „im Prin­zip mög­lich“ – fak­tisch mit vie­len Schi­ka­nen ver­bun­den und oft schlicht­weg unmög­lich. Nach Aus­kunft der SFH vom 28.01.2009 48 kön­nen Tibe­ter das Land kaum noch ver­las­sen. Nach Infor­ma­tio­nen des U.S. Depart­ment of Sta­te wer­den Pass­an­trä­ge von Tibe­tern häu­fig abge­lehnt; manch­mal kön­ne dies durch Bestechung geän­dert wer­den, manch­mal blei­be es bei der Ableh­nung 49. Auch nach einer wei­te­ren Quel­le ist es für Tibe­ter gene­rell – unab­hän­gig von ihrer poli­ti­schen Mei­nung – schwie­rig, einen Rei­se­pass zu erhal­ten 50. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof wer­tet auch die­se Erkennt­nis­se als Indiz dafür, dass die Klä­ge­rin tat­säch­lich ille­gal aus­ge­reist ist. Nach Abschluss ihres Rei­se­wegs hat die Klä­ge­rin in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land einen Asyl­an­trag gestellt und sich anschlie­ßend hier für einen mehr­jäh­ri­gen Zeit­raum – mitt­ler­wei­le über drei Jah­re – auf­ge­hal­ten.
Die Klä­ge­rin hat sich zudem nach ihren Anga­ben im Bun­des­ge­biet jeden­falls in fol­gen­der Wei­se für die Ange­le­gen­hei­ten der Tibe­ter öffent­lich betä­tigt: Am 10.03.2009 nahm sie – belegt mit Fotos von die­ser Ver­an­stal­tung – an einer von der Tibe­t­in­itia­ti­ve Deutsch­land e.V. und dem Ver­ein der Tibe­ter in Deutsch­land e.V. orga­ni­sier­ten Mahn­wa­che vor dem chi­ne­si­schen Gene­ral­kon­su­lat in Frank­furt am Main teil. An der Mahn­wa­che waren nach Anga­ben der Klä­ge­rin ca. 70 Per­so­nen betei­ligt, wobei Trans­pa­ren­te für die Frei­heit Tibets und tibe­ti­sche Fah­nen gezeigt wur­den. Es gab Sprech­chö­re für die Frei­heit Tibets und für den Dalai Lama. Die tibe­ti­schen Teil­neh­mer san­gen tibe­ti­sche Lie­der. Aus dem Gene­ral­kon­su­lat her­aus sol­len die Teil­neh­mer foto­gra­fiert wor­den sein. Anschlie­ßend nahm die Klä­ge­rin am glei­chen Tag an einer Kund­ge­bung ab 16 Uhr auf dem Frank­fur­ter Römer­berg teil. Am 29.08.2009 betei­lig­te sich die Klä­ge­rin – eben­falls belegt mit Fotos sowie mit einer Teil­nah­me­be­stä­ti­gung der Tibet Initia­ti­ve Deutsch­land e.V., datie­rend vom glei­chen Tag – an einer Akti­on zum „Inter­na­tio­na­len Tag der Ver­schwun­de­nen“ auf dem Mari­en­platz in Mün­chen. Am 14.10.2009 war die Klä­ge­rin Teil­neh­me­rin einer Mahn­wa­che für die Frei­heit Tibets in Frei­burg. Hier­zu hat sie das Ein­la­dungs­schrei­ben der Orga­ni­sa­to­ren vom 12.10.2009 vor­ge­legt. Am 10.03.2011 nahm die Klä­ge­rin – wie­der­um foto­gra­fisch doku­men­tiert – an einer Kund­ge­bung anläss­lich des Jah­res­ta­ges der Nie­der­schla­gung des Volks­auf­stan­des in Tibet vor dem Gene­ral­kon­su­lat Chi­nas teil. Die Teil­neh­mer der Kund­ge­bung sol­len aus dem Gene­ral­kon­su­lat her­aus foto­gra­fiert und gefilmt wor­den sein.
Das bei der Klä­ge­rin gege­be­ne Nach­flucht­ge­sche­hen begrün­det jeden­falls in der Gesamt­schau mit beacht­li­cher Wahr­schein­lich­keit die Gefahr einer poli­ti­schen Ver­fol­gung in der Volks­re­pu­blik Chi­na. Die Erkennt­nis­la­ge hat sich gegen­über dem Stand bei Erlass des Urteils des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 19.03.2002 51 in eini­gen wesent­li­chen Punk­ten ver­än­dert. In der genann­ten Ent­schei­dung wur­de noch davon aus­ge­gan­gen, dass weder ein exil­po­li­ti­sches Enga­ge­ment (unter­ge­ord­ne­ter Art) noch eine ille­ga­le Aus­rei­se, eine Asyl­an­trag­stel­lung oder ein Zusam­men­tref­fen die­ser Gesichts­punk­te eine beacht­li­che Ver­fol­gungs­ge­fahr begrün­de. Hier­an ist nicht unein­ge­schränkt fest­zu­hal­ten. Für tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge aus der Volks­re­pu­blik Chi­na besteht aus jet­zi­ger Sicht nach der Teil­nah­me an Aktio­nen für die Frei­heit Tibets in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die beacht­li­che Gefahr einer Ver­fol­gung durch den chi­ne­si­schen Staat jeden­falls dann, wenn eine ille­ga­le Aus­rei­se, eine Asyl­an­trag­stel­lung und ein mehr­jäh­ri­ger Aus­lands­ver­bleib hin­zu­kom­men und wenn die Mög­lich­keit besteht, dass das exil­po­li­ti­sche Enga­ge­ment den chi­ne­si­schen Behör­den bekannt­ge­wor­den ist 52. Hier­von ist im Fall der Klä­ge­rin aus­zu­ge­hen. Ins­be­son­de­re erscheint es mög­lich, dass chi­ne­si­sche Behör­den belas­ten­de Daten über die Klä­ge­rin gesam­melt haben, nach­dem sie mehr­mals öffent­lich in der Nähe des chi­ne­si­schen Gene­ral­kon­su­lats für ein unab­hän­gi­ges Tibet demons­triert hat 53. Ob bereits allein eine ille­ga­le Aus­rei­se aus der Volks­re­pu­blik Chi­na tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge einer beacht­li­chen Ver­fol­gungs­ge­fahr aus­setzt, kann offen blei­ben 54. Dem Lage­be­richt des Aus­wär­ti­gen Amtes lässt sich ent­neh­men, dass der chi­ne­si­sche Staat Ange­hö­ri­gen eth­ni­scher Min­der­hei­ten beson­de­re Auf­merk­sam­keit wid­met, sofern sie nach sei­nem Ver­ständ­nis als „Sepa­ra­tis­ten“ ein­zu­stu­fen sind. Ent­schei­den­der Anknüp­fungs­punkt für eine Ver­fol­gungs­ge­fahr bei tibe­ti­schen Volks­zu­ge­hö­ri­gen ist der Sepa­ra­tis­mus­ver­dacht 55. Ist die­ser Ver­dacht aus Sicht chi­ne­si­scher Behör­den stark, droht mit beacht­li­cher Wahr­schein­lich­keit die Gefahr poli­ti­scher Ver­fol­gung. Der schwer­wie­gends­te Aus­lö­ser für einen Sepa­ra­tis­mus­ver­dacht ist nach Aus­wer­tung der dem Senat vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen die exil­po­li­ti­sche Betä­ti­gung. Dies betont ins­be­son­de­re die Aus­kunft des Aus­wär­ti­gen Amtes vom 24.01.2008 an das Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg, wonach für tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge bei Rück­kehr nach Chi­na Maß­nah­men gegen Leib, Leben oder Frei­heit nicht aus­zu­schlie­ßen sind, wenn sie im Aus­land aktiv und öffent­lich für die Unab­hän­gig­keit Tibets von Chi­na ein­ge­tre­ten sind, zum Bei­spiel in Form von Teil­nah­me an Demons­tra­tio­nen. Sol­che Hand­lun­gen – ent­spre­chen­de Aus­land­s­ta­ten könn­ten nach Rück­kehr in Chi­na ver­folgt wer­den – sei­en gemäß Arti­kel 103 chin. StGB mit Stra­fe bis zu zehn Jah­ren bewehrt. Die Aus­kunft stellt nicht dar­auf ab, dass nur expo­nier­te Ver­tre­ter der tibe­ti­schen Exil­ge­mein­de bedroht sei­en. Soweit es an Refe­renz­fäl­len fehlt, kann dies nicht als Beleg für das Feh­len einer beacht­li­chen Gefahr die­nen, da Rück­füh­run­gen von Tibe­tern nach Chi­na nicht bekannt sind und es damit auch an Bei­spie­len für eine ver­fol­gungs­freie Rück­kehr fehlt. Auch der Gut­ach­ter Prof. Dr. Oskar Weg­gel hebt in sei­ner Stel­lung­nah­me vom 11.02.2007 56 her­vor, dass Tibe­ter, die sich aktiv für die Unab­hän­gig­keit Tibets von Chi­na ein­setz­ten, mit Maß­nah­men gegen Leib, Leben oder Frei­heit rech­nen müss­ten. Ob ein exil­po­li­ti­sches Enga­ge­ment bei pro-tibe­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen der von der Klä­ge­rin besuch­ten Art für sich genom­men für Tibe­ter grund­sätz­lich – auch wenn kei­ne expo­nier­te Stel­lung und kein aus­ge­prägt „poli­ti­sches Wesen“ beschei­nigt wer­den kön­nen – bereits eine Ver­fol­gungs­ge­fahr her­vor­ruft, muss nicht ent­schie­den wer­den 57. Denn zahl­rei­che Erkennt­nis­quel­len besa­gen, dass ein Sepa­ra­tis­mus­ver­dacht auch durch die Gesichts­punk­te ille­ga­le Aus­rei­se, Asyl­an­trag­stel­lung und mehr­jäh­ri­ger Aus­lands­ver­bleib her­vor­ge­ru­fen bezie­hungs­wei­se ver­stärkt wer­den kann 58. Betrach­tet man die bei der Klä­ge­rin bestehen­den Gefähr­dungs­mo­men­te in ihrer Sum­me, so muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Klä­ge­rin als (ver­meint­li­che) Sepa­ra­tis­tin in Chi­na mit beacht­li­cher Wahr­schein­lich­keit von Ver­fol­gung bedroht ist. Dabei wird nicht ver­kannt, dass man­che Quel­len im Zusam­men­hang mit einer ille­ga­len Aus­rei­se nur die Gefah­ren schil­dern, die sich für Per­so­nen erge­ben, die an der Gren­ze zu Nepal auf­ge­grif­fen oder direkt von dort zurück­ge­führt wer­den. Auch stellt der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Rech­nung, dass man­che der aus­ge­wer­te­ten Quel­len der tibe­ti­schen Exil­be­we­gung nahe­ste­hen und daher teils eher ein­sei­tig gehal­ten sind. Gleich­wohl ergibt sich auch bei ent­spre­chen­der Her­ab­stu­fung des Beweis­werts sol­cher Erkennt­nis­mit­tel noch das hier zugrun­de­ge­leg­te Gefähr­dungs­bild. Die beacht­li­che Wahr­schein­lich­keit einer Ver­fol­gung lässt sich auch nicht mit Ver­weis auf die Aus­kunft des Aus­wär­ti­gen Amtes vom 15.07.2008 (bestä­tigt mit wei­te­rer Aus­kunft vom 16.06.2010) ver­nei­nen. Dabei han­delt es sich um die Ant­wort auf die Anfra­ge des VG Regens­burg vom 02.07.2008 59, ob tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge, die ihr Hei­mat­land ille­gal ver­las­sen, in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Asyl bean­tragt haben und sich bereits län­ge­re Zeit hier auf­hal­ten, damit rech­nen müs­sen, dass ihnen – unab­hän­gig von bekannt­ge­wor­de­ner exil­po­li­ti­scher Betä­ti­gung – staats­feind­li­ches Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen wird mit der Fol­ge, wegen Lan­des­ver­rats mit schwe­ren Stra­fen bezie­hungs­wei­se Fol­ter bedroht zu sein. In der Stel­lung­nah­me heißt es unter ande­rem, soweit Rück­füh­run­gen aus Deutsch­land erfolgt sei­en, hät­ten die rück­ge­führ­ten Per­so­nen die Pass­kon­trol­le unbe­hin­dert pas­sie­ren und den Flug­ha­fen pro­blem­los ver­las­sen bezie­hungs­wei­se ihre Wei­ter­rei­se in Chi­na antre­ten kön­nen. Bei den Aus­füh­run­gen in der Aus­kunft vom 15.07.2008 fällt auf, dass sie wört­lich mit einer Text­pas­sa­ge des Lage­be­richts über­ein­stim­men, die all­ge­mein für das Her­kunfts­land Volks­re­pu­blik Chi­na for­mu­liert wur­de. Der Beweis­wert der Aus­kunft bezo­gen auf tibe­ti­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge erscheint ange­sichts des­sen gering, dass die spe­zi­ell auf Tibe­ter ein­ge­hen­den Stel­lung­nah­men durch­ge­hend einen ande­ren Aus­sa­ge­ge­halt haben, näm­lich in mehr oder weni­ger star­ker Form auf Gefähr­dun­gen ver­wei­sen. Es erscheint ange­sichts der Fra­ge­stel­lung zwar nahe­lie­gend, dass die Aus­kunft sich auch auf Tibe­ter bezie­hen soll­te, jedoch zeich­net sie sich durch man­geln­de Dif­fe­ren­zie­rung aus, zumal Refe­renz­fäl­le für die Rück­füh­rung von Tibe­tern nach Chi­na nicht bekannt sind. Hin­zu kommt, dass die Klä­ge­rin sich – anders als in der Fra­ge­stel­lung zu der Aus­kunft vor­ge­ge­ben – wie­der­holt exil­po­li­tisch betä­tigt hat. Auch die vom Bun­des­amt zitier­te Aus­sa­ge 60, es kön­ne als eher unwahr­schein­lich ange­se­hen wer­den, dass Bean­tra­gung von Asyl in Kom­bi­na­ti­on mit der Volks­zu­ge­hö­rig­keit allein Anlass sei, die Per­son wegen poli­ti­scher Delik­te straf­recht­lich zu belan­gen, ent­schei­dend sei, ob die­se Per­son sich vor oder nach der Aus­rei­se für die Inter­es­sen der eth­ni­schen Min­der­heit poli­tisch enga­giert oder gar die Unab­hän­gig­keit der von die­ser Min­der­heit bewohn­ten Gebie­ten gegen­über den chi­ne­si­schen Behör­den oder in der all­ge­mei­nen Öffent­lich­keit befür­wor­tet habe, spricht nicht gegen eine Bedro­hung der Klä­ge­rin. Denn sie hat sich mehr­fach in der Öffent­lich­keit für die Unab­hän­gig­keit Tibets ein­ge­setzt.
Die Ver­fol­gungs­ge­fahr ist auch nicht unbe­acht­lich, weil sie (auch) auf dem eige­nen Nach­flucht­ver­hal­ten der Klä­ge­rin beruht.
Nach § 28 Abs. 1a AsylVfG kann eine Bedro­hung nach § 60 Abs. 1 Auf­en­thG auf Ereig­nis­sen beru­hen, die ein­ge­tre­ten sind, nach­dem der Aus­län­der das Her­kunfts­land ver­las­sen hat, ins­be­son­de­re auch auf einem Ver­hal­ten des Aus­län­ders, das Aus­druck und Fort­set­zung einer bereits im Her­kunfts­land bestehen­den Über­zeu­gung oder Aus­rich­tung ist. Art. 5 Abs. 2 3, der mit § 28 Abs. 1a AsylVfG in deut­sches Recht umge­setzt wird, besagt, dass die begrün­de­te Furcht vor Ver­fol­gung oder die tat­säch­li­che Gefahr, einen ernst­haf­ten Scha­den zu erlei­den, auf Akti­vi­tä­ten des Antrag­stel­lers seit Ver­las­sen des Her­kunfts­lan­des beru­hen kann, ins­be­son­de­re wenn die Akti­vi­tä­ten, auf die er sich stützt, nach­weis­lich Aus­druck und Fort­set­zung einer bereits im Her­kunfts­land bestehen­den Über­zeu­gung oder Aus­rich­tung sind. Für sub­jek­ti­ve Nach­flucht­tat­be­stän­de, die bereits wäh­rend des Erst­ver­fah­rens ver­wirk­licht wor­den sind, greift damit kein Fil­ter. Für die Flücht­lings­an­er­ken­nung müs­sen die­se – anders als bei der Asyl­an­er­ken­nung gemäß § 28 Abs. 1 AsylVfG – nicht ein­mal auf einer fes­ten, bereits im Her­kunfts­land erkenn­bar betä­tig­ten Über­zeu­gung beru­hen. Erst in dem (erfolg­lo­sen) Abschluss des Erst­ver­fah­rens liegt eine ent­schei­den­de zeit­li­che Zäsur; für nach die­sem Zeit­punkt selbst geschaf­fe­ne Nach­flucht­grün­de wird ein Miss­brauch der Inan­spruch­nah­me des Flücht­lings­schut­zes in der Regel ver­mu­tet 61. Im flücht­lings­recht­li­chen Erst­ver­fah­ren – wie hier – ist die Aner­ken­nung sub­jek­ti­ver Nach­flucht­grün­de dage­gen nicht begrenzt 62. Art. 5 Abs. 2 3 über­nimmt nicht die Ein­schrän­kun­gen des deut­schen Asyl­rechts; Kon­ti­nui­tät ist bloß ein Indiz für die Glaub­wür­dig­keit 63.
Dem Schutz­be­geh­ren der Klä­ge­rin steht der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät des inter­na­tio­na­len Flücht­lings­schut­zes nicht ent­ge­gen.
Die Rege­lung des § 27 AsylVfG ist von vorn­her­ein nicht ein­schlä­gig, weil die­se in Fäl­len einer ander­wei­ti­gen Sicher­heit vor Ver­fol­gung in einem sons­ti­gen Dritt­staat nur die Aner­ken­nung als Asyl­be­rech­tig­ter nach Art. 16a Abs. 1 GG, nicht aber den Abschie­bungs­schutz für Flücht­lin­ge nach § 60 Abs. 1 Auf­en­thG aus­schließt 64.
Auch der Flücht­lings­schutz nach der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on ist indes vom Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät des Kon­ven­ti­ons­schut­zes sowohl im Ver­hält­nis zum Schutz durch den Staat oder die Staa­ten der Staats­an­ge­hö­rig­keit des Betrof­fe­nen als auch im Ver­hält­nis zum ein­mal erlang­ten Schutz in einem ande­ren (Dritt-)Staat geprägt. Er ver­mit­telt grund­sätz­lich kein Recht auf freie Wahl des Zufluchts­lan­des und ins­be­son­de­re kein Recht auf freie Wahl eines Zweit- oder Dritt­zu­fluchts­lan­des 65, son­dern stellt inso­weit ledig­lich sicher, dass der Flücht­ling nicht in den Ver­fol­ger­staat abge­scho­ben oder der Gefahr einer sol­chen Abschie­bung in einem Dritt­staat (Ket­ten­ab­schie­bung) aus­ge­setzt wer­den darf (Refou­le­ment-Ver­bot). Hat der Flücht­ling bereits aus­rei­chen­de Sicher­heit vor Ver­fol­gung in einem ande­ren Staat gefun­den, kann er – unbe­scha­det des in jedem Fal­le unbe­dingt zu beach­ten­den Ver­bots der Abschie­bung in den Ver­fol­ger­staat – dar­über hin­aus grund­sätz­lich nicht mehr sei­ne Aner­ken­nung als Flücht­ling sowie das damit ver­bun­de­ne qua­li­fi­zier­te Auf­ent­halts­recht in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (§ 25 Abs. 2 Auf­en­thG) bean­spru­chen. Die­ser Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät kommt bei­spiels­wei­se auch in dem Aus­schluss­grund nach Art. 1 E GFK zum Aus­druck, nach dem das Abkom­men nicht auf eine Per­son anzu­wen­den ist, die von den zustän­di­gen Behör­den des Lan­des, in dem sie ihren Auf­ent­halt genom­men hat, als eine Per­son aner­kannt wird, wel­che die Rech­te und Pflich­ten hat, die mit dem Besitz der Staats­an­ge­hö­rig­keit die­ses Lan­des ver­knüpft sind 66. Abge­se­hen von die­sem in der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on für eine beson­de­re Kon­stel­la­ti­on aus­drück­lich gere­gel­ten Aus­schluss von der Flücht­lings­ei­gen­schaft folgt aus dem Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät des inter­na­tio­na­len Flücht­lings­schut­zes aber auch, dass eine Flücht­lings­an­er­ken­nung in einem Zweit- oder Dritt­zu­fluchts­land nicht ver­langt wer­den kann, wenn der Aus­län­der bereits in einem sons­ti­gen Dritt­staat vor poli­ti­scher Ver­fol­gung tat­säch­lich sicher war und vor­aus­sicht­lich auch sicher blei­ben wird und wenn sei­ne Rück­füh­rung oder Rück­kehr in die­sen Staat mög­lich ist 67.
Die Klä­ge­rin hat sich nach ihrer Aus­rei­se aus Chi­na eige­nen Anga­ben zufol­ge län­ger als drei Mona­te in Nepal auf­ge­hal­ten. Mit Rück­sicht auf den Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät kommt es des­halb dar­auf an, ob sie in Nepal vor asyl­re­le­van­ten Über­grif­fen tat­säch­lich sicher war und wei­ter­hin sicher wäre und ob sie nach Nepal zurück­keh­ren kann. Dies muss ver­neint wer­den. Nach Aus­kunft der Schwei­ze­ri­schen Flücht­lings­hil­fe räumt die nepa­le­si­sche Regie­rung tibe­ti­schen Flücht­lin­gen nicht immer das Recht ein, einen Asyl­an­trag zu stel­len oder in Nepal zu blei­ben, außer für die kur­ze Zeit des Tran­sits in einen Dritt­staat 68. Neu ankom­men­den tibe­ti­schen Flücht­lin­gen sei es ver­bo­ten, im Land zu blei­ben 69. Es sol­len auch Fäl­le bekannt sein, in denen Flücht­lin­ge an die chi­ne­si­schen Behör­den aus­ge­lie­fert wur­den 70. Nepa­le­si­sche Behör­den ver­lang­ten, dass tibe­ti­sche Flücht­lin­ge inner­halb von zwei Wochen das Land ver­lie­ßen 71. Die­se Erkennt­nis­se wer­den bestä­tigt durch die Stel­lung­nah­me der Tibet Initia­ti­ve Deutsch­land e.V. vom 28.02.2006 zum Asyl­ver­fah­ren B 5 K 05.30078 (S. 3). Auch dort heißt es, dass es für Tibe­ter, die nicht schon sehr lan­ge in Nepal leb­ten, unmög­lich sei, dort zu blei­ben (ob dies die Mög­lich­keit der Wei­ter­rei­se nach Indi­en beinhal­tet, wird nicht gesagt). Von ande­rer Sei­te wird bekräf­tigt, tibe­ti­sche Flücht­lin­ge sei­en in Nepal von Rück­schie­bung bedroht 72.
Nichts Gegen­tei­li­ges ergibt sich aus den Erkennt­nis­sen des Aus­wär­ti­gen Amtes. Im Lage­be­richt vom 08.11.2005 73 heißt es, im Mai 2003 sei­en 18 tibe­ti­sche Per­so­nen, die von Tibet nach Nepal geflüch­tet sei­en – trotz inter­na­tio­na­ler Pro­tes­te – durch nepa­le­si­sche Behör­den unter Anwen­dung von Gewalt nach Chi­na abge­scho­ben wor­den, anstatt ihnen wie bei frü­he­ren Fäl­len die Aus­rei­se nach Indi­en zu gestat­ten. Dies sei offen­sicht­lich auf Grund mas­si­ven chi­ne­si­schen Drucks gesche­hen. Die Per­so­nen sei­en in Chi­na zunächst vor­über­ge­hend in Haft gewe­sen. Als Grund der Ver­haf­tung sei offi­zi­ell ille­ga­ler Grenz­über­tritt (ohne not­wen­di­ge Papie­re) genannt wor­den. Die Per­so­nen sei­en dann wie­der frei­ge­las­sen wor­den. Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen hät­ten jedoch über gra­vie­ren­de Repres­sa­li­en und Fol­ter wäh­rend der Haft in chi­ne­si­schen Gefäng­nis­sen berich­tet. Seit der Abschie­bung der Flücht­lin­ge am 31.05.2003, die auf Grund ihrer Ein­ma­lig­keit inter­na­tio­na­les Auf­se­hen erregt habe, sei­en die nepa­le­si­schen Behör­den zu dem vor­her übli­chen Ver­fah­ren zurück­ge­kehrt und hät­ten zuge­si­chert, es auch in Zukunft anzu­wen­den. Dies bedeu­te in der Pra­xis, dass alle von den Behör­den in Nepal auf­ge­grif­fe­nen tibe­ti­schen Flücht­lin­ge zunächst dem UNHCR-Büro in Kath­man­du über­stellt und von dort nach Indi­en wei­ter­ge­lei­tet wür­den. Die­se Zusi­che­rung sei nach Kennt­nis der deut­schen Bot­schaft Kath­man­du auch wei­test­ge­hend ein­ge­hal­ten wor­den, abge­se­hen von eini­gen Fäl­len mit kri­mi­nel­lem Hin­ter­grund (Schmug­gel, Dro­gen­han­del). Danach bestä­tigt sich, dass es im Mai 2003 zu einer Rück­füh­rung von Tibe­tern von Nepal nach Chi­na gekom­men ist. Zwar ist im Wei­te­ren (noch) von „Ein­ma­lig­keit“ des Vor­falls sowie von der Pra­xis die Rede, auf­ge­grif­fe­ne Tibe­ter dem UNHCR-Büro in Kath­man­du zu über­stel­len und von dort nach Indi­en wei­ter­zu­lei­ten. Eine recht­li­che oder auch nur tat­säch­li­che Ver­fes­ti­gung die­ser Pra­xis, die eine Sicher­heit vor poli­ti­scher Ver­fol­gung gewähr­te, lässt sich dem aber nicht ent­neh­men. Dies gilt umso mehr, als in spä­te­ren Lage­be­rich­ten des Aus­wär­ti­gen Amtes die zitier­ten Aus­füh­run­gen feh­len, eine ande­re Quel­le aus neue­rer Zeit aber die Gefahr der Rück­füh­rung nach Chi­na betont.
Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 3. Novem­ber 2011 – A 8 S 1116/​11
ABl. EU Nr. L 304 S. 12 – RL 2004/​83/​EG[↩]
RL 2004/​83/​EG[↩]
RL 2004/​83/​EG[↩][↩][↩][↩][↩][↩][↩]
BVerfG, Beschluss vom 02.07.1980 – 1 BvR 147, 181, 182/​80 – BVerfGE 54, 341, 360 f.; BVerwG, Urteil vom 31.03.1981 – 9 C 237.80, Buch­holz 402.24 § 28 Aus­lG Nr. 27[↩]
BVerwG, Urteil vom 18.02.1997 – 9 C 9.96, BVerw­GE 104, 97,101 ff.[↩]
BVerwG, Urteil vom 27.04.1982 – 9 C 308.81, BVerw­GE 65, 250, 252[↩]
BVerwG, Urteil vom 18.02.1997, a.a.O. S. 99[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 27.04.2010 – 10 C 5.09, BVerw­GE 136, 377, und vom 01.06.2011 – 10 C 25.10, InfAuslR 2011, 408; vgl. EuGH, Urteil vom 02.03.2010 – Rs. C‑175/​08 u.a., Abdul­la, NVwZ 2010, 505 Rn. 84 ff.[↩]
„real risk“; vgl. nur EGMR, Urteil vom 28.02.2008 – Nr. 37201/​06, Saa­di, NVwZ 2008, 1330 Rn. 125 ff.[↩]
BVerwG, Urteil vom 18.04.1996 – 9 C 77.95, Buch­holz 402.240 § 53 Aus­lG 1990 Nr. 4 und Beschluss vom 07.02.2008 – 10 C 33.07, ZAR 2008, 192[↩]
(EuGH, Urteil vom 02.03.2010 – Rs. C‑175/​08 u.a., Abdul­la, a.a.O., Rn. 92 ff.[↩]
EGMR, Urteil vom 28.02.2008 – Nr. 37201/​06, Saa­di, a.a.O., Rn. 128[↩]
BVerwG, Urteil vom 19.01.2009 – 10 C 52.07, BVerw­GE 133, 55 = NVwZ 2009, 982, 985[↩]
BVerwG, Urteil vom 27.04.2010 – 10 C 5.09, a.a.O.[↩]
vgl. BVerwG, Urtei­le vom 18.07.2006 – 1 C 15.05, BVerw­GE 126, 243, 249, Rn. 20 ff. und vom 01.02.2007 – 1 C 24.06, Buch­holz 402.242 § 60 Abs. 1 Auf­en­thG Nr. 30, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. hier­zu BVerwG, Urteil vom 05.07.1994 – 9 C 158.94, BVerw­GE 96, 200, 204[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 18.07.2006 a.a.O. Rn. 20[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 05.07.1994, a.a.O.[↩]
BVerwG, Urteil vom 21.04.2009 – 10 C 11.08, NVwZ 2009, 1237 Rn. 15[↩]
BVerwG, Urteil vom 21.04.2009, a.a.O. Rn. 16; vgl. zur Grup­pen­ver­fol­gung zuletzt auch VGH Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 27.09.2010 – A 10 S 689/​08 und vom 09.11.2010 – A 4 S 703/​10; Beschluss vom 04.08.2011 – A 2 S 1381/​11[↩]
Gz. 508 – 516.80/45113[↩]
Gz. 508 – 516.80/45438[↩][↩]
BVerwG, Urteil vom 16.04.1985 – 9 C 109.84, BVerw­GE 71,180[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 20.11.2001 – 1 B 297.01, Buch­holz 402.25 § 1 AsylVfG Nr. 251[↩]
vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 12.06.2003 – 1 BvR 2285/​02, NJW 2003, 2524, und vom 22.11.2004 – 1 BvR 1935/​03, NJW 2005, 1487; BGH, Urteil vom 09.03.2005 – VIII ZR 266/​03, NJW 2003, 1583, 1584; jeweils zu § 529 ZPO[↩]
vgl. Art. 9 Abs. 3 und Art. 2 lit. c RL 83/​2004/​EG[↩]
vgl. etwa amnes­ty inter­na­tio­nal, ai Report 2011, S. 134[↩]
TID e.V., Stel­lung­nah­me vom 28.02.2006, S. 2, und Aus­wär­ti­ges Amt vom 10.03.2006, Nr. 5, an VG Bay­reuth – B 5 K 05.30078; BAMF, Volks­re­pu­blik Chi­na – Tibe­ter im Kon­flikt mit dem Staat, März 2008, S. 8[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 10.07.1989 – 2 BvR 502/​86, 2 BvR 1000/​86, 2 BvR 961/​86 – BVerfGE 80, 315, 334, 336; Beschluss vom 23.01.1991 – 2 BvR 902/​85, 2 BvR 515/​89, 2 BvR 1827/​89 – BVerfGE 83, 216, 235[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 10.07.1989, a.a.O. 352[↩]
vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 20.05.1992 – 2 BvR 205/​92, NVwZ 1992, 1081, 1083 und vom 08.06.2000 – 2 BvR 81/​00, InfAuslR 2000, 457, 458[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.05.2003 – 2 BvR 134/​01, DVBl 2003, 1260 m.w.N.[↩]
vgl. zu den in Betracht kom­men­den Ver­fol­gungs­ak­teu­ren auch § 60 Abs. 1 Satz 4 lit. a)-c) Auf­en­thG[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 29.05.2008 – 10 C 11.07, BVerw­GE 131, 186 = NVwZ 2008, 1246[↩]
Gz. 508 – 516.80/46446[↩]
vgl. etwaB­VerfG, Beschluss vom 23.01.1991, a.a.O.[↩]
vgl.BVerwG, Urteil vom 20.06.1995 – 9 C 294.94, NVwZ-RR 1996, 57 m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 22.02.1996 – 9 B 14.96, DVBl 1996, 623 m.w.N.[↩]
Lage­be­richt des AA vom 10.07.2010, Stand Juni 2010, S. 36[↩]
Lage­be­richt des AA vom 10.07.2010, Stand Juni 2010, S. 26[↩]
Stand Okto­ber 2005, S. 22[↩]
RN 11 K 06.30224[↩]
1 K 1254/98.A[↩]
AN 14 K 05.31454[↩]
A 11 K 4958/​10[↩]
S. 12 GA[↩]
eben­falls S. 12 GA[↩]
Situa­ti­on eth­ni­scher und reli­giö­ser Min­der­hei­ten, S. 3[↩]
Inter­na­tio­nal Reli­gious Free­dom Report July-Decem­ber 2010, Tibet, sec. II[↩]
Kle­mens Lud­wig, Gut­ach­ten vom 23.05.2011 S. 7[↩]
A 6 S 150/​01, aus der älte­ren Recht­spre­chung auch ande­rer Ober­ge­rich­te[↩]
ähn­lich VG Wies­ba­den, Urteil vom 12.10.2006 – 2 E 717/05.A; VG Stutt­gart, Urteil vom 01.10.2007 – A 11 K 141/​07; VG Bay­reuth, Urteil vom 20.12.2007 – B 5 K 07.30034; VG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 23.10.2009 – A 6 K 3223/​08[↩]
vgl. Gut­ach­ten von Tibet­In­fo­Net an VG Bay­reuth vom 24.07.2006 Rn. 5, wonach Bot­schafts­an­ge­hö­ri­ge alle wesent­li­chen Demons­tra­tio­nen gegen das Régime beob­ach­ten[↩]
ver­nei­nend: Sächs. OVG, Urteil vom 26.06.2008 – A 5 B 263/​07; beja­hend Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Schweiz, Urteil vom 07.10.2009 – E‑6706/​2008, S. 9 ff.,14; eben­so Urteil vom 27.01.2010 – D‑7334/​2009, S. 12; abruf­bar über http://www.bvger.ch/; Fol­ter­ge­fahr beja­hend VG Bay­reuth, Urteil vom 17.12.2007 – B 5 K 07.30073; ent­schei­dend oder zumin­dest auch auf einen län­ge­ren Aus­lands­ver­bleib als sol­chen abstel­lend VG Mainz, Urteil vom 13.08.2008 – 7 K 779/​07.MZ; VG Gie­ßen, Urteil vom 04.11.2008 – 2 E 3926/07.A; VG Würz­burg, Urteil vom 20.11.2009 – W 6 K 08.30173[↩]
sie­he Gut­ach­ten Kle­mens Lud­wig vom 23.05.2011, S. 12: dro­hen­de Ver­fol­gung bei „sepa­ra­tis­ti­scher Hal­tung“; eben­so: Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Schweiz, Urteil vom 07.10.2009 a.a.O.,14[↩]
an VG Ans­bach, S. 2[↩]
beja­hend VG Würz­burg, Urteil vom 22.06.2007 – W 6 K 07.30033; VG Karls­ru­he, Urteil vom 06.05.2009 – A 1 K 2242/​08; VG Min­den, Urteil vom 20.01.2010 – 4 K 2087/​07.A; VG Trier, Urteil vom 01.09.2011 – 5 K 366/​10.TR; Asyl­ge­richts­hof Öster­reich, Ent­schei­dung vom 04.06.2009 – C1 313330 – 1/​2008/​8E, abruf­bar über http://www.ris.bka.gv.at/; für den Fall einer bereits vor Aus­rei­se aus­ge­üb­ten und im Aus­land fort­ge­setz­ten poli­ti­schen Betä­ti­gung auch VG Ans­bach, Urteil vom 19.03.2008 – AN 14 K 05.31454[↩]
neben den an ande­ren Stel­len bereits genann­ten etwa TID e.V. vom 18.07.2002; Gott­wald vom 16.11.2004 an VG Mainz; Aus­wär­ti­ges Amt vom 10.03.2006 an VG Bay­reuth; Tibet­In­fo­Net vom 24.07.2006 an VG Bay­reuth[↩]
RN 4 K 08.30072[↩]
amnes­ty inter­na­tio­nal vom 17.05.2010 an VG Regens­burg[↩]
BVerwG, Urteil vom 18.12.2008 – 10 C 27.07, BVerw­GE 133, 31 = NVwZ 2009, 730, 731[↩]
BVerwG, Urteil vom 05.03.2009 – 10 C 51.07, BVerw­GE 133, 221 = NVwZ 2009, 1167, 1168 f.; Urteil vom 24.09.2009 – 10 C 25.08, BVerw­GE 135, 49 = NVwZ 2010, 383, 385; Mall­mann, ZAR 2011, 342[↩]
vgl. Begrün­dung der Kom­mis­si­on vom 12.09.2001, KOM 2001, 510 end­gül­tig, S. 18; Marx, Hand­buch zur Qua­li­fi­ka­ti­ons­richt­li­nie, § 28 Rn. 3 u. § 29 Rn. 12; anders und unklar hin­ge­gen Hail­bron­ner, AsylVfG, § 28 Rn. 29, ähn­lich Rn. 32 u. 34, wonach „Nach­wei­se“ dafür vor­lie­gen müs­sen, dass der Aus­län­der sei­ne Über­zeu­gung bereits im Hei­mat­land gehabt hat; sie­he fer­ner zu „Sur place“-Flüchtlingen Hand­buch des UNHCR Nr. 94 – 96[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 08.02.2005 – 1 C 29.03, BVerw­GE 122, 376 = NVwZ 2005, 1087; Ott in GK AsylVfG, § 27 Rn. 16; zur Vor­gän­ger­vor­schrift: BVerwG, Urteil vom 06.04.1992 – 9 C 143.90, BVerw­GE 90, 127 = NVwZ 1992, 893 m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 08.02.2005, a.a.O., m.w.N.[↩]
vgl. hier­zu auch Art. 12 Abs. 1 b RL 2004/​83/​EG, wonach ein Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ger oder Staa­ten­lo­ser von der Aner­ken­nung als Flücht­ling aus­ge­schlos­sen ist, wenn er von den zustän­di­gen Behör­den des Lan­des, in dem er sei­nen Auf­ent­halt genom­men hat, als Per­son aner­kannt wird, wel­che die Rech­te und Pflich­ten, die mit dem Besitz der Staats­an­ge­hö­rig­keit die­ses Lan­des ver­knüpft sind, bzw. gleich­wer­ti­ge Rech­te und Pflich­ten hat, vgl. fer­ner Hand­buch des UNHCR Nr. 144 bis 146[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 08.02.2005, a.a.O.; zustim­mend Ott, a.a.O., § 27 Rn. 16[↩]
vgl. SFH, Nepal: Situa­ti­on von Tibe­te­rIn­nen in Nepal, 22.10.2004, S. 5, unter Beru­fung auf UNHCR[↩]
vgl. SFH, a.a.O., S. 3[↩]
vgl. SFH, a.a.O., S. 4[↩]
vgl. SFH, a.a.O., S. 6[↩]
Kle­mens Lud­wig, 23.05.2011, S. 11 f.[↩]
Stand Okto­ber 2005, S. 22 f.[↩]
ChinaFlüchtlingsstatusTibet

References: § 60
 § 77
 § 60
 § 3
 § 3
 § 60
 § 60
 Art. 4
 Art. 7
 Art. 2
 Art. 4

Art. 4
 Art. 4
 Art. 15
 Art. 2
 Art. 3

Art. 4
 Art. 1
 Art. 9
 Art. 15
 Art. 4
 § 3
 § 60
 § 60
 § 60
 § 60
 Art. 9
 Art. 10
 Art. 9
 § 108
 § 60
 § 60
 Art. 9
 Art. 10
 Art. 9
 Art. 10
 § 60
 § 60
 § 322
 Art. 10
 § 322
 § 103
 § 28
 § 60
 Art. 5
 § 28
 § 28
 Art. 5
 § 27
 Art. 16
 § 60
 Art. 1
 § 28
 § 53
 § 60
 § 1
 § 529
 Art. 9
 Art. 2
 § 60
 § 28
 § 29
 § 28
 § 27
 Art. 12
 § 27