Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/besteuerung-geerbter-rentenzahlungen-328634
Timestamp: 2020-07-04 15:54:19+00:00

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Wer­den außer­halb des Son­der­rechts der Ver­mö­gens­über­ga­be gegen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen ver­ein­bart, greift der den Abzug als dau­ern­de Last (ohne Ver­rech­nung mit dem Wert einer erbrach­ten Gegen­leis­tung; sog. Wert­ver­rech­nung) oder als Leib­ren­te legi­ti­mie­ren­de Gesichts­punkt der "vor­be­hal­te­nen Ver­mö­gens­er­trä­ge" nicht ein; es gel­ten daher § 12 EStG und die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze des Ein­kom­men­steu­er­rechts unein­ge­schränkt. Zu die­sen gehört auch, dass das Ein­kom­men­steu­er­recht kei­ne Abzieh­bar­keit bzw. Steu­er­bar­keit "um der äuße­ren Form der Wie­der­kehr wil­len" kennt: Ist eine Leis­tung als Ein­mal­zah­lung nicht steuerbar/​abziehbar, wird sie es nicht dadurch, dass sie als zeit­lich gestreckt ver­ein­bart wird [2].
Die Klä­ge­rin kann sich auch nicht dar­auf beru­fen, dass die Finanz­ver­wal­tung unter Hin­weis auf das BFH-Urteil in BFHE 174, 73 [9] bis zum Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug gene­rell zuge­las­sen hat [10]. Der Gleich­heits­satz ver­mit­telt kei­nen Anspruch auf Anwen­dung einer rechts­wid­ri­gen Ver­wal­tungs­pra­xis und damit auf "Gleich­heit im Unrecht" [11].
Schließ­lich führt die Abschaf­fung des § 35 EStG a.F. auch nicht zu einer über­mä­ßi­gen Besteue­rung. Nach dem BFH-Urteil in BFHE 189, 413 [20] ist dem Grund­ge­setz kein Gebot zu ent­neh­men, dass Steu­ern auf das Ein­kom­men und den Gewer­be­er­trag auf höchs­tens 50% des Gesamt­be­trags der Ein­künf­te oder des zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens zu begren­zen sind. Der XI. Senat des BFH sah eine Gesamt­be­las­tung mit Ein­kom­men­steu­er und Gewer­be­er­trag­steu­er in Höhe von ca. 60% nicht als ver­fas­sungs­wid­rig an. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt [21] hat die hier­ge­gen erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de zurück­ge­wie­sen. Aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 2 GG las­se sich kei­ne all­ge­mein ver­bind­li­che, abso­lu­te Belas­tungs­ober­gren­ze in der Nähe einer hälf­ti­gen Tei­lung ("Halb­tei­lungs­grund­satz") ablei­ten. Im Streit­fall sei nicht erkenn­bar, dass eine ver­fas­sungs­recht­li­che Ober­gren­ze zumut­ba­rer Belas­tung durch Ein­kom­men- und Gewer­be­steu­er erreicht wäre. Das Ein­kom­men- und Gewer­be­steu­er­recht sei auch für hohe Ein­kom­men gegen­wär­tig nicht so aus­ge­stal­tet, dass eine über­mä­ßi­ge Steu­er­be­las­tung und damit eine Ver­let­zung der Eigen­tums­ga­ran­tie fest­ge­stellt wer­den kön­ne. Die­se Über­le­gun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts las­sen sich auf den Streit­fall über­tra­gen. Selbst wenn die Gesamt­be­las­tung der Klä­ge­rin mit Ein­kom­men­steu­er und Erb­schaft­steu­er mehr als die Hälf­te ihres zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens betra­gen wür­de, ist ihre steu­er­li­che Belas­tung nicht so hoch, dass der wirt­schaft­li­che Erfolg grund­le­gend beein­träch­tigt wird und damit nicht mehr ange­mes­sen zum Aus­druck kommt [22].
so auch FG Mün­chen, Urteil vom 27.10.2004 – 9 K 4542/​01, EFG 2005, 370; Gebel in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 3 Rz 178; Herzig/​Joisten/​Vos­sel, DB 2009, 584, 589 f.; Schmidt/​Hei­ni­cke, EStG, 29. Aufl., § 10 Rz 65 Stich­wort: Erb­schaft­steu­er; Schmidt/​Drenseck, a.a.O., § 12 Rz 52; Kulosa in Herrmann/​Heuer/​Raupach –HHR – , § 10 EStG Rz 104; P. Fischer in Kirch­hof, EStG, 9. Aufl., § 35b Rz 4; HHR/​Levedag, § 35b EStG Rz 37; Söhn, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 10 Rz D 371; Stei­ner in Lade­mann, EStG, § 10 Rz 154; a.A. Seifried in Rödl/​Preißer u.a., Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er, Kom­pakt-Kom­men­tar, 2009, § 23 Kap. 8.3; Szc­zes­ny in Tiedt­ke, ErbStG, 2009, § 23 Rz 17; Jüpt­ner in Fischer/​Jüptner/​Pahlke/​Wach­ter, ErbStG, 2. Aufl., § 23 Rz 91; Moench in Moench/​Wein­mann, § 23 ErbStG Rz 20; Meincke, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 15. Aufl., § 23 Rz 9; Pahl­ke in Christoffel/​Geckle/​Pahlke, § 23 ErbStG Rz 18; Bau­schatz in Korn, § 10 EStG Rz 142; offen­ge­las­sen von Jochum in Wilms/​Jochum, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, § 23 Rz 94; Jüli­cher in Troll/​Gebel/​Jülicher, a.a.O., § 23 Rz 29; Kapp/​Ebeling, § 23 ErbStG, Rz 26; Grie­sel in Daragan/​Halaczinsky/​Riedel, ErbStG, BewG, § 23 ErbStG, Rz 26; Esskan­da­ri, ZErb 2008, 323, 326[↩]
vgl. H 87 "Erb­schaft­steu­er" EStH bis 2004; seit H 10.3 EStH 2005 ist der ent­spre­chen­de Pas­sus ent­fal­len[↩]
BVerfG, Ent­schei­dung vom 09.12.2008 – 2 BvL 1 – 2/​07, 1 – 2/​08, BVerfGE 122, 210[↩]

References: § 12
 § 35
 Art. 14
 § 3
 § 10
 § 12
 § 10
 § 35
 § 35
 § 10
 § 10
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
 § 23
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 § 10
 § 23
 § 23
 § 23
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