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Timestamp: 2019-10-22 10:34:24+00:00

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Kindesunterhalt | für volljährige Kinder
Standort: Startseite > Kanzleiprofil > Infothek > Leitfaden zum Unterhalt > Unterhaltsansprüche > Kindesunterhalt > Unterhalt für volljährige Kinder > Prüfungsschema > Ausbildungsunterhalt > Unterhalt für Studenten > Ausbildungsfinanzierung > Erwerbsobliegenheit der Kinder > anteilige Haftung der Elten > Unterhaltsverfahren ab Volljährigkeit > Unterhaltsabänderungsverfahren
Kindesunterhalt ab dem 18. Lebensjahr. Was ändert sich, wenn das Kind volljährig wird?
Es ändert sich so gut wie alles: Sowohl der Inhalt des > Unterhaltsanspruchs als auch das > Verfahren zur Durchsetzung des Kindesunterhalts. Es gibt jede Menge Fragen für alle Betroffenen (Kind und Eltern). Hier finden Sie die Antworten.
Wegweiser zum Kindesunterhalt ab Volljährigkeit
Warum Kindesunterhalt bei Volljährigkeit?
Unterhaltsberechnung ab Volljährigkeit des Kindes
Wer bezahlt? - Anteilige Elternhaftung
Wieviel ist zu bezahlen? - Unterhaltsbedarf volljähriger Kinder
Steigende Eigenverantwortung und Kindesunterhalt
Staatliche Hilfen für behinderte volljährige Kinder
Wenn Kinder im Inland studieren
FAQ zum Kindesunterhalt ab Volljährigkeit
Ab welchem Zeitpunkt sind Veränderungen wegen Volljährigkeit zu beachten?
Gibt es Unterhaltsansprüche, dem dem Volljährigenunterhalt vorgehen?
Welche Ausbildung haben die Eltern zu finanzieren?
Wie wird das BAföG berücksichtigt?
Wie wird eigenes Vermögen des volljährigen Kindes berücksichtigt?
Ab wann müssen volljährige Kinder arbeiten gehen?
Wann ist der Volljährigenunterhalt verjährt?
Wann ist der Volljährigenunterhalt verwirkt?
Wo finde ich Rechtsprechung zum Volljährigenunterhalt?
Wir berechnen für Sie den Volljährigenunterhalt professionell (> Mehr). Wenn Sie den Anspruch des volljährigen Kindes auf Unterhalt selbst ermitteln wollen, benötigen Sie dafür das richtige > Prüfungsraster.
Wie jeder Unterhaltsanspruch wird auch der Unterhalt für volljährige Kinder von einem System getragen, der zu einem > Prüfungsschema mit sechs Prüfungsebenen führt
Die nachfolgend dargestellten Besonderheiten beim Kindesunterhalt für volljährige Kinder werden im Prüfungsschema an systematisch richtiger Stelle beachtet.
Welches Datematerial zur Anspruchsprüfung in der Praxis erforderlich ist, erfahren Sie beim Thema > Kindesunterhalt in der Praxis
Welche Besonderheiten bei der > gerichtlichen Durchsetzung oder Abänderung des Kindesunterhalts wegen Volljährigkeit zu beachten sind, erfahren Sie > hier
Ab welchem Stichtag greift der Volljährigenunterhalt?
Die Veränderungen im Unterhaltsanspruch des Kindes treten mit dem Tag der Volljährigkeit ein; nicht erst Ende des Monats, in dem das Kind 18 Jahre alt wird. § > 1612a Abs.3 BGB bezieht sich nur auf den > Minderjährigenunterhalt. Der Volljährigenunterhalt beginnt also mit dem 18. Geburtstag des Kindes und nicht erst am Ersten des Monats, in den der Geburtstag fällt oder gar erst am Ersten des folgenden Monats. Der Unterhalt bis zum Tage der Volljährigkeit ist in der Weise zu berechnen, dass die monatliche Unterhaltsrente mit dem Kalendertag multipliziert und durch die Anzahl der Tage im Monat dividiert wird (BGH, Urteil v. 24.02.1988 - IVb ZR 3/87; Erdrich, Praxishandbuch FamR, Nov. 2017, Teil I, > Rn 173).
Anspruchsgrundlage zum Verwandtenunterhalt - § 1601 BGB
Die Basis des Unterhaltsanspruchs nach § 1601 BGB ...
Das > Alter des Kindes spielt für den Unterhaltsanspruch keine Rolle; allein das > Verwandtschaftsverhältnis, d.h. das > Abstammungsverhältnis (§ 1589 Abs.1 S.1 BGB) zwischen Eltern und Kind entscheidet darüber, ob ein Unterhaltsanspruch nach § > 1601 BGB besteht oder nicht (> Mehr). In Extremfällen können Eltern lebenslänglich zum Unterhalt ihrer volljährigen Kinder verpflichtet sein (Hinweis: zum möglichen Vorrang alternativer Unterhaltsansprüche > hier). Mit Vollendung des 18. Lebensjahres wird das Kind voll geschäftsfähig (§ > 106 BGB). Das > Sorgerecht der Eltern entfällt. Doch ändert die Volljährigkeit des Kindes (§ 2 BGB) nichts an der familiären Beziehung zwischen Eltern und Kind (= Abstammung).
Alternative Unterhaltsansprüche des volljährigen Kindes
Gerade bei volljährigen Kindern können sich alternative Unterhaltsansprüche gegen weitere unterhaltspflichtige Personen einstellen. Wenn das volljährige Kind heiratet oder ein eigenes Kind zu versorgen hat, tritt der Volljährigenunterhalt in ein Konkurrenzverhältnis zum Anspruch auf > Ehegattenunterhalt oder > > Betreuungsunterhalt (z.B. Studentin wird schwanger). Wie das Gesetz diese Konkurrenzen löst und wann alternative Unterhaltsansprüche dem Volljährigenunterhalt vorgehen, erfahren Sie
Steigende Eigenverantwortung mit Kindesalter: 18 - 21 oder älter?
PRIVILEGIERT VOLLJÄHRIGES KIND
Unter 21 - Allgemeine Schulausbildung - Wohnen bei den Eltern
Nach Erreichen der Volljährigkeit leben viele Kinder noch bei ihren Eltern oder bei einem Elternteil. Sie befinden sich noch in > allgemeiner Schulausbildung. Abgesehen von der Tatsache, dass sie nun als voll geschäftsfähig gelten, hat sich noch keine Eigenverantwortung beim Kind entwickelt. Der Gesetzgeber reagiert auf diese Gegebenheit und stellt solche Kinder in wesentlichen Bereichen den minderjährigen Kindern gleich: man spricht von > privilegiert volljährigen Kindern im Sinne des § > 1603 Abs.1 S.2 BGB. Für die Gruppe solcher Kinder - die nicht älter als 21 Jahre sein dürfen - gelten besondere Regeln:
Grundsätze für privilegiert volljährige Kinder:
Die > gesteigerte Leistungsfähigket der Eltern bleibt bestehen. Ist § > 1603 Abs.2 BGB einschlägig können die Eltern nicht den > angemessenen Selbstbehalt, sondern nur den > notwendigen Selbstbehalt von ihrem Einkommen in Abzug bringen. Mehr zur Leistungsfähigkeit & Selbstbehalt der Eltern bei anteiliger Elternhaftung > hier
volljährige privilegierte Kinder befinden sich auf > gleicher Rangstufe wie minderjährige Kinder (§ 1609 BGB).
Zur Elternhaftung für volljährige privilegierte Kinder neben minderjährigen Kindern > hier
Grundsätze für nicht privilegiert volljährige Kinder:
Die > gesteigerte Leistungsfähigkeit der Eltern entfällt (> Mehr). Damit steigt der notwendige Selbstbehalt der Eltern auf den angemessenen > Selbstbehalt (mehr dazu > Mehr)
Das > Vermögen der Eltern muss nicht mehr für Unterhaltsleistungen an das Kind verbraucht werden (mehr zum Schonvermögen > hier)
Für Eltern, die mit Unterhaltsansprüchen weiterer Unterhaltsgläubiger (weitere Kinder & Ehegatten) konfrontiert sind, ist der > Rangabfall des volljährigen Kindes von Rangstufe I (§ > 1609 Ziff.1 BGB) auf Rangstufe IV (§ > 1609 Ziff.4 BGB) von erheblicher Bedeutung für die Frage, ob das volljährige Kind wegen fehlender Leistungsfähigkeit der Eltern noch unterhaltsberechtigt ist (> Mehr).
Zur Elternhaftung für nicht privilegiert volljährigen Kindern neben vorrangigen Kindern > hier
Das behinderte volljährige Kind:
Zum möglichen > Vorrang staatlicher Hilfeleistungen für behinderte volljährige Kinder > Mehr
Unterhaltsbedarf - Wie hoch ist der Unterhaltsanspruch?
wenn das Kind volljährig ist ...
Bei der > Bedarfsermittlung - wenn es also um die Höhe des Unterhaltsanspruchs geht - zeigen sich nun die gravierendsten > Veränderung gegenüber dem Unterhalt für > minderjährige Kinder. Grund dafür ist die nun geltende > anteilige Haftung bei der Eltern für den Barunterhalt des Kindes. Je nachdem welche > Lebensstellung vorhanden ist, d.h. ob das volljährige Kind noch bei einem Elternteil lebt, ausgezogen ist oder welches Einkommen beide Eltern besitzen, kommen unterschiedliche > Bedarfsermittlungsmethoden zur Anwendung:
Bedarfermittlungsmethoden:
Die Bedarfsermittlungsmethoden im > Überblick
Volljähriges Kind lebt bei einem Elternteil: Bedarfsermittlung bei > abgeleiteter Lebensstellung
Volljähriges Kind lebt im eigenem Haushalt: Bedarfsermittlung bei > eigener Lebensstellung
Volljähriges Kind mit "reichen Eltern": Bedarfsermittlung bei > gehobener Lebensstellung
Beispiel: Volljähriges Kind wohnt bei einem Elternteil (abgeleitete Lebensstellung)
Beispiel: Volljähriges Kind ist bei Eltern ausgezogen (eigene Lebensstellung)
Ausbildungsbedarf vs. Erwerbsobliegenheit des Kindes
für volljährige Kinder Die Eltern schulden ihren Kindern nicht nur die Finanzierung der > allgemeinen Schulausbildung, sondern auch eine "angemessene Vorbildung zu einem Beruf" (= Ausbildungsanspruch gem. § > 1610 Abs.2 BGB).
> Ausbildungsanspruch:
Der > Ausbildungsbedarf des Kindes und damit die Pflicht der Eltern zur > Ausbildungsfinanzierung endet erst mit Abschluss einer berufsqualifizierenden Ausbildung. Das gilt auch über das Erreichen der Volljährigkeit hinaus. Dieser (Beruf-)Ausbildungsanspruch ist Hauptgrund dafür, warum volljährige Kinder nicht > arbeiten müssen, bis sie eine Berufsqualifikation erreicht haben. Der Ausbildungsanspruch besteht nicht grenzenlos, wie Beispiele aus der Rechtsprechung zum Bummelstudium oder Ausbildungsabbruch zeigen.
> Erwerbsobliegenheit:
Auch Kinder trifft die Erwerbsobliegenheit. Kann sich das Kind nicht auf einen Ausbildungsanspruch oder sonstigen > Erwerbshinderungsgrund berufen, muss das volljährige Kind versuchen, seinen Lebensunterhalt mit eigenem Erwerbseinkommen selbst zu bestreiten. > Verstößt das Kind gegen seine Erwerbsobliegenheit, wird ihm > fiktives Einkommen zugerechnet. In diesem Umfang wird die > Bedürftigkeit des volljährigen Kindes nach Unterhalt herabgesetzt.
Vermögenseinsatz des volljährigen Kindes!
Solange ein Kind minderjährig ist, muss es sein vorhandenes Vermögen grundsätzlich nicht zur Deckung seines Unterhaltsbedarfs verbrauchen (> Schonvermögen des minderjährigen Kindes ). Ab Volljährigkeit ändert sich das.
Haftung beider Elternteile
Der Grundsatz der > Gleichwertigkeit von Barunterhalt und Naturalunterhalt für das Kind spielt keine Rolle mehr. Ab Volljährigkeit haften beide Elternteile > anteilig und ausschließlich auf > Barunterhalt für das Kind. Für den bisher allein barunterhaltspflichtigen Elternteil bedeutet dies meist eine Verringerung der Unterhaltsverpflichtung und Anlass, jetzt tätig zu werden (> Abänderungsverfahren der Eltern).
Wegweiser zur anteiligen Unterhaltshaftung für volljährige Kinder > hier
Beispiel: Haftungsquotenberechnung > hier
Was haben Eltern und Kinderjetzt zu tun? > hier
Achtung! - Verjährung & Verwirkung!
> Unterhaltsrückstände > verjähren in drei Jahren (§§ > 195, 197 Abs.2 BGB). Anders als beim Kindesunterhalt für Minderjährige müssen volljährige Kinder nun beachten, dass die Verjährung ihrer offenen und rückständigen Unterhaltsansprüche ab Vollendung des 21. Lebensjahres nicht mehr > gehemmt ist (§ > 207 Abs.1 Nr.2 b BGB).
Solange das Kind minderjährig war, wurde es gesetzlich (§ > 1611 Abs.2 BGB) gegen mögliche Verwirkung des Unterhaltsanspruchs geschützt. Ab Volljährigkeit haben Kinder wegen § > 1611 Abs.1 BGB darauf zu achten, dass Ihnen nicht der Entzug des Unterhaltsanspruchs wegen > illoyalem Verhalten gegenüber den unterhaltspflichtigen Eltern droht.
Natürlich gibt es eine Flut von Rechtsprechung zum Volljährigenunterhalt. Auf Beispiele aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung mit grundsätzlicher Bedeutung möchten wir hier hinweisen. Weitere Rechtsprechungsbeispiele finden Sie an passender Stelle auf unseren Internetseiten:
BGH, Urteil vom 26.10.2005 – XII ZR 34/03
Zur Anrechnung von, Kindergeld, Ausbildungsvergütung und abgeleiteter Lebensstellung volljähriger Kinder
BGH, Urteil vom 9.01. 2002 - XII ZR 34/00
Zur Barunterhaltspflicht beider Elternteile gegenüber privilegiert volljährigen Kindern
Veränderungen im Unterhaltsverfahren
zwischen Eltern und ihren volljährigen Kindern
Ab 18 ist das Kind voll > geschäftsfähig. Die gesetzliche Vertretung des Kindes durch die Eltern oder einen Elternteil findet mit Wegfall des > Sorgerechts sein Ende. Das hat Konsequenzen für die Spielregeln im > Unterhaltsverfahren zwischen den volljährigen Kindern und ihren Eltern. Die Zeiten, in denen sich ein Elternteil um die Realisierung des Unterhaltsanspruch des Kindes gekümmert hat bzw. kümmern musste (> Klagebefugnis), sind vorbei. Der Anspruch des Kindes auf Naturalunterhalt entfällt (> Mehr). Alle Beteiligten müssen realisieren, dass nun beide Elternteile auf Barunterhalt haften (> Mehr; Berechnungsbeispiel > hier). Die veränderte Rechtslage führt zu neuen verfahrensrechtlichen Herausforderungen auf allen Seiten.
Thema "Höhe des Volljährigenunterhalts"
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat sich die Höhe der Unterhaltsverpflichtung eines Elternteils ab Volljährigkeit des Kindes verändert.
Damit besteht Anlass den Volljährigenunterhalt neu zu berechnen. Informationen zur Berechnung und Prüfung finden Sie
Thema "Auskunft"
Die Bemessungsgrundlagen zur Ermittlung des Volljährigenunterhalts sind vollkommen anders als beim Minderjährigenunterhalt. > Vermögen des Kindes, > Einkommen beider Elternteile etc. werden jetzt relevant.
Somit wird das Thema > Auskunft mit neuen Aspekten relevant
Thema "Unterhaltstitel aus Zeiten der Minderjährigkeit
Bisher allein barunterhaltsplichtige Eltern müssen bei bestehenden (jetzt "falschen") > Alt-Titeln an eine Korrektur der Unterhaltsverpflichtung im Wege eines > Abänderungsverfahren denken.
Lautet der > Alt-Titel auf den Namen eines Elternteils, ist der Alt-Titel ohne Titelumschreibung (gem. § 120 Abs.1 FamFG i.V.m. § 727 ZPO) auf den Namen des volljährigen Kindes nicht vollstreckbar
Thema "neue Spielregeln für ein Unterhaltsverfahren":
Ab Volljährigkeit muss das Kind sich selbst um die Durchsetzung seines Volljährigenunterhalts kümmern > Mehr
Die > örtliche Zuständigkeit des Familiengerichts ist für Unterhaltsanträge volljähriger Kinder nicht automatisch am Ort des gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes (§ > 232 Abs.1 Ziff.2 FamFG). Handelt es sich nicht um ein > privilegiert volljähriges Kind, muss nach § 232 Abs.2 FamFG die Zuständigkeit weiter geprüft werden. Meist wird das Gericht am gewöhnlichen Aufenthaltsort eines unterhaltspflichtigen Elternteils zuständig sein.
Thema "laufendes Unterhaltsverfahren":
Wird das Kind während eines laufenden Kindesunterhaltsverfahrens zwischen den Eltern volljährig, muss der antragstellende Elternteil an den > familienrechtlichen Ausgleichsanspruch denken > Mehr;
Der ursprüngliche Verfahrensantrag des > ex-klagebefugten Elternteils muss über Antragsumstellung an die veränderte neue verfahrensrechtliche Situation (Klagebefugnis des Elternteils entfällt) angepasst werden; andernfalls wird das Gericht - mit entsprechend negativer Kostenentscheidung - den ursprünglichen Antrag des ex-klagebefugtenElternteils als unbegründet zurückweisen.
Die Antragstellerin (ex-klagebefugte Mutter) erklärt den Antrag, den Antragsgegner (Vater) zu verpflichten, an die Antragstellerin Unterhalt für das (jetzt volljährige) Kind K zu zahlen in der Hauptsache für erledigt. Außerdem beantragt die Antragstellerin, den Antragsgegner zu verpflichten, rückwirkend ab ... (Monatsanfang) bis einschließlich ... (Datum/Monatsende) erbrachte Barunterhaltsleistungen in Höhe von ... an die Antragstellerin zu bezahlen (= familienrechtlicher Ausgleichsanspruch).
Thema "Unterhaltszahlung an volljährige Kinder":
Häufig wird gefragt, ob der > Barunterhalt für das nun volljährige Kind immer noch zu Händen des bisherigen Elternteils zu bezahlen ist. Antwort: grundsätzlich nein; Eltern haben kein Sorge- und damit kein Vertretungsrecht mehr in Bezug auf die persönlichen Angelegenheiten des Kindes. Eine gesetzliche Vertretung des Kindes mit (automatischer) Geldempfangsvollmacht eines Elternteils (§ > 1612 Abs.2 S.2 BGB) gibt es nicht mehr. Beide Elternteile haben entsprechend Ihrer > Haftungsquoten den Unterhalt mit schuldbefreiender Wirkung (per Banküberweisung oder Barzahlung gegen Quittung) direkt an das Kind zu bezahlen. An einen Elternteil kann nur dann schuldbefreiend zu Gunsten des volljährigen Kindes gezahlt werden, wenn der Elternteil eine vom volljährigen Kind ausdrücklich bestätigte Geldempfangsvollmacht vorweisen kann. Gibt es Alternativen zur monatlichen Geldrente?
Problemlage Auskunft
bei Unterhalt für volljährige KinderEin nicht ganz einfach zu lösendes Problem ist die Beschaffung der erforderlichen Auskünfte zur Ermittlung des Volljährigenunterhalts. Das unterhaltsrelevante Einkommen und Vermögen beider Elternteile und des volljährigen Kindes müssen bekannt sein. Doch wer schuldet in diesem Dreiecksverhältnis wem die notwendigen Auskünfte und Belege? Die Unwissenheit über die Rechtslage zur Auskunft kann sich als absoluter "Hemmschuh" zur Durchsetzung des Kindesunterhalts entpuppen. Folgende Grundsätze sind zu beachten:
Auskunftsanspruch des volljährigen Kindes:
Das volljährige Kind ist auf Auskunft zum unterhaltsrelevanten Einkommen und Vermögen beider Eltern angewiesen, um seinen Unterhaltsanspruch darlegen und > beweisen zu können. Will das volljährige Kind Unterhalt gegen einen Elternteil geltend machen, muss es dem in Anspruch genommenen Elternteil das Einkommen des anderen Elternteils mitteilen, denn beide Eltern haften ab Volljährigkeit für den Kindesunterhalt nur > anteilig. Ohne Kenntnis des (Gesamt-)Einkommens beider Eltern kann das volljährige Kind seinen Unterhaltsbedarf nicht > schlüssig darlegen (Ausnahme: Unterhaltsermittlung erfolgt > konkret oder Kind hat > eigene Lebensstellung erreicht). Ein Auskunftsanspruch des Kindes gegen seine Eltern ergibt sich aus § > 1605 BGB.
Auskunftsansprüche der Eltern untereinander:
Will ein Elternteil seine -> Haftungsquote im Verhältnis zum anderen Elternteil ermitteln oder prüfen, ist er auf Auskunft über das Einkommen und Vermögen des anderen Elternteils angewiesen. Doch kann dafür der eine Elternteil direkt vom anderen Elternteil > Auskunft verlangen? Ein solcher Auskunftsanspruch gegen den anderen Elternteil ist für ein > Unterhaltsabänderungsverfahrens mit dem volljährigen Kind meist nicht erforderlich. Denn hier ist es Aufgabe des volljährigen Kindes zum unterhalhaltsrelevanten Einkommen und Vermögen des anderen Elternteils > vorzutragen. Nur ausnahmsweise, wenn ein Elternteil gegen den anderen Elternteil einen familienrechtlichen Ausgleichsanspruch geltend machen will und dafür auf Auskunft zum Einkommen des anderen Elternteils angewiesen ist, kommt ein direkter Auskunftsanspruch im Verhältnis zwischen den Eltern in Betracht.
-> Unterhaltstitel zu Gunsten des Kindes, die aus der Zeit der Minderjährigkeit stammen (sog. > Alt-Titel), verlieren ab Volljährigkeit nicht Ihre > Vollstreckbarkeit. Nicht selten werden von volljährigen Kindern die Vollstreckung aus (Alt-)Titeln weiter betrieben, obwohl sich die Rechtslage zu Gunsten des Unterhaltsschuldners komplett verändert hat. Werden ohne besondere Maßnahmen überhöhte Unterhaltsleistungen auf "falsche" (Alt-)Titel bezahlt, können diese nicht > zurückgefordert werden. Was ist dagegen zu tun?
Grundsätzlich wird ein > familienrechtlicher Ausgleichsanspruch zwischen den Eltern bei > anteiliger Haftung für den Unterhalt des volljährigen Kindes anerkannt, wenn ein Elternteil (überobligatorisch) allein für den Unterhalt eines gemeinsamen ehelichen Kindes aufgekommen ist, obwohl auch der andere dem Kind unterhaltspflichtig war. Der Ausgleichsanspruch ergibt sich aus der Notwendigkeit, die Unterhaltslast im Verhältnis zwischen den Eltern entsprechend ihrem Leistungsvermögen gerecht zu verteilen (vgl. OLG Köln, Urteil vom 14.08.1998 - 4 UF 251/87; BGH NJW 1988, 1720; BGH NJW 1989, 2817). Um diesen Ausgleichsanspruch geltend zu machen, kann ein > Auskunftsanspruch zwischen den haftenden Eltern erforderlich sein, um einen familienrechtlichen Ausgleichsanspruch zu berechnen (BGH, Beschluss vom 17. April 2013 -XII ZB 329/12, Rn 8)
Mit Volljährigkeit wird das Kind voll geschäftsfähig. Sämtliche Verfahren zum Kindesunterhalt können nicht mehr durch einen Elternteil betrieben werden. Das Kind muss sich nun selbst um seinen Unterhaltsanspruch kümmern (> Klagebefugnis des volljährigen Kindes). Auch die Hemmschwellen für eine Klage gegen die Eltern sind anders.
Wegen der > anteiligen Haftung der Eltern hat das volljährige Kind gegen jeden Elternteil ein gesondertes Verfahren zur Realisierung des jeweiligen Haftungsanteils zu führen. Er kann einen Haftungsanteilsanspruch gegen einen Elternteil grundsätzlich nicht an den anderen Elternteil abtreten, denn hier steht das Abtretungsverbot des § 400 BGB entgegen. Dieses Abtretungsverbot greift nur ausnahmsweise nicht, wenn der abtretungsempfangende Elternteil, sich gegenüber dem volljährigen Kind, zur Erbringung einer wertmäßig gleichwertigen Gegenleistung verpflichtet.
Für ein > Unterhaltsverfahren gegen die Eltern benötigt das volljährige Kind einen eigenen Anwalt (> Anwaltszwang). Dieser darf nicht mit dem Anwalt des bisher klagebefugten Elternteils identisch sein
Eine > Beistandschaft des Jugendamts findet mit Volljährigkeit ihr Ende. An deren Stelle kann nun die > Volljährigenberatung durch die Jugendämter (§ 18 Abs. 4 SGB VIII) treten.
Unterhaltstitel, die aus den Zeiten der Minderjährigkeit stammen (sog. Alt-Titel), bleiben vollstreckungsfähig, müssen aber umgeschrieben werden
Achtung! Ohne Auskunft und Belege zum Einkommen beider Eltern (> Problemlage Auskunft) kann das volljährige Kind keinen Anspruch auf > anteilige Elternhaftung geltend machen.
Ein Unterhaltsantrag ist nur schlüssig vorgetragen, wenn das volljährige Kind es zu den Haftungsquoten, dh. zum Gesamteinkommen beider Eltern ausreichend vorträgt (> schlüssiger Unterhaltsantrag).
Der Ausbildungsanspruch volljähriger Kinder
DIJuF-Themengutachten, Geltendmachung von Kindesunterhalt nach Trennung der verheirateten Eltern (§ 1629 Abs.3 BGB),
Was haben zahlungspflichtige Eltern bis zur Klärung der neuen Unterhaltspflichten gegenüber dem volljährigen Kind zu tun?, unser Az.: 12/17 (D3/450-18); Az.: 93/16 (D3/736-16); Az.: 49/16 (D3/782-16)
> Verfahren des Kindes: Unterhalt wegen Volljährigkeit, Haftungsanteil der Eltern wegen fiktiven Einkünften etc., unser Az.: 179/14
> Abänderungsverfahren eines Elternteils: wegen Erreichen der Volljährigkeit, unser Az: 247/13; Verwirkung nach § 1611 Abs.1 BGB, unser Az: 188/15;
> Internationales Unterhaltsrecht: Unterhalt für volljähriges Kind in der Schweiz, unser Az.: 185/15
> Anteilige Elternhaftung: Haftungsanteil der Eltern bei weiteren minderjährigen Kindern, unser Az.: 26/16; 93/16 (D3/725-16)
Fragenkatalog zum Volljährigenunterhalt, unser Az.: 185/15 (D3/391-16)
AG Duisburg - 57 F 220/15, Unterhalt für volljähriges Kind bei Auslandsstudium, unser Az.: 214/15 (D3/865-16)

References: § 1601
 § 1601
 § 120
 § 727
 § 232
 BGH 
 BGH 
 § 400
 § 1611