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Timestamp: 2017-11-20 11:54:16+00:00

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20.11.2017, 12:54 Uhr » Home » Medien » Fachartikel
… und was die Betriebssicherheitsverordnung damit zu tun hat
Akzente 4.2016 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation
Ein Unternehmen hat eine Idee für ein neues Produkt. Bis zur ersten Auslieferung ist einiges zu tun. Geeignete Maschinen müssen beschafft und sinnvoll angeordnet werden, damit es später bei den Arbeitsabläufen nicht doch noch irgendwo klemmt. Hier hilft die neue Betriebssicherheitsverordnung. Ihre Ausführungen zur Gefährdungsbeurteilung und zu Schutzmaßnahmen sind sehr konkret.
Wenn der Wurm einmal drin ist, bleibt er oft drin – auch wenn die erkannten Schwachstellen beseitigt wurden. Das liegt daran, dass bei einer Änderung des Arbeitsystems, z. B. bei der Einbindung neuer Maschinen, oft unsystematisch vorgegangen wird. Dadurch treten möglicherweise neue Probleme an anderer Stelle auf. Ausschuss, Sachbeschädigungen, Produktionsausfall oder im schlimmsten Fall Personenschäden können die Folge sein.
All das kann vermieden werden, wenn man Ausführung und Aufstellung neuer Maschinen sehr genau und vollständig gedanklich durchspielt. Die Aufstellung betrifft zunächst die Arbeitswege zwischen den Produktionsschritten, aber auch die Anordnung an Verkehrswegen mit Blick auf Stellplätze für Verpackungsmaterial und Fertigprodukt inklusive der damit zusammenhängenden Transporttätigkeiten. Und natürlich müssen die Tätigkeiten gut ausgeführt werden können. Heißt: Die Maschinen müssen ergonomisch günstig gestaltet und angeordnet sein, so dass Belastungen und Fehlbeanspruchungen vermieden werden. Und es gibt noch ein paar weitere Punkte, über die man sich Gedanken machen muss.
Hier kommt die Betriebssicherheitsverordnung ins Spiel
Zu diesen Überlegungen gibt die novellierte Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) ein systematisches Vorgehen vor. Der Abschnitt 2 "Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen" enthält konkrete Hinweise
zur Auswahl geeigneter Arbeitsmittel und deren sicheren Verwendung,
zur geeigneten Gestaltung des Arbeits- und Fertigungsverfahrens mit Blick auf die vorgesehene Verwendung sowie
zur Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten.
Konkret bedeutet auch: In Abschnitt 2 werden die unterschiedlichen Aspekte der Verwendung von Arbeitsmitteln behandelt – und zwar mit Blick auf das tatsächliche Unfallgeschehen und auch auf besondere Betriebszustände. Zur Verdeutlichung ein Beispiel, wie Sie idealerweise vorgehen können.
Das Beispiel "Neuer Snack in Tüten"
Ihr Unternehmen beabsichtigt, ein neues Gebäck mit einer vertikalen Schlauchbeutelmaschine abzupacken und von Hand weiter zu verpacken. Als Arbeitsablauf haben Sie Folgendes vor Augen: Über ein Band gelangen die Snacks in die Waage und von dort in die Schlauchbeutelmaschine. Die gefüllten Tüten laufen über ein Band zum Packtisch.
Konzentrieren Sie sich im Weiteren einmal nur auf die Waage. Im den 12 Paragrafen von Abschnitt 2 der BetrSichV wird in § 3 "Gefährdungsbeurteilung" anschaulich aufgezählt, was bei der Gestaltung des Arbeitssystems zu betrachten ist – einschließlich der Wechselwirkungen zwischen den Arbeitssystem- Elementen und den ergonomischen Zusammenhängen.
Die Waage muss auf einer neuen, möglichst kleinen Stahlbühne über der Beutelmaschine stehen, da sonst kein Platz vorhanden ist. Der Zugang zur Bühne soll über eine abnehmbare Leiter erfolgen, weil beim ungestörten Normalbetrieb niemand rauf auf die Bühne steigen muss. Die ergonomischen Anforderungen für einen seltenen Zugang erfüllt eine einhängbare Treppenleiter. Ein gefahrloser Aufenthalt an der Waage ist mit einer normgerecht ausgeführten Bühne – dreiteiliges Geländer, Durchgangssperre am Zutritt usw. – gewährleistet. Hier haben Ihnen die Inhalte von § 5 "Anforderungen an die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel" und § 6 "Grundlegende Schutzmaßnahmen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln" geholfen, an alles zu denken.
Überlegungen über den Normalbetrieb hinaus
Zurück zu § 3 "Gefährdungsbeurteilung". In Absatz 2 geht es um "vorhersehbare Betriebsstörungen und die Gefährdung bei Maßnahmen zu deren Beseitigung". Hier berücksichtigt die BetrSichV auch das Unfallgeschehen bei der Lebensphase Störungsbeseitigung und lenkt unsere Aufmerksamkeit darauf.
Eine solche vorhersehbare Betriebsstörung kann bei diesem Beispiel eine Verklemmung an einer Klappe sein. Um an diese Störung heranzukommen und sie zu beseitigen, braucht man wegen der Bauhöhe der Waage einen Klapptritt. Jetzt aber reicht das Geländer der Bühne als Absturzsicherung für denjenigen, der auf dem Tritt steht, nicht mehr aus. Lösbar ist dieses Problem mit einer einfachen und kostengünstigen technischen Maßnahme gegen Absturz: ein höheres Geländer. So wird auch dem TOP-Prinzip bei der Anwendung von Schutzmaßnahmen entsprochen. Übrigens: Die Aufzählung in § 9 "Weitere Schutzmaßnahmen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln" weist uns auf Schutzmaßnahmen gegen Absturz hin.
Betrachten Sie die Tätigkeit der Störungsbeseitigung. Nach Ihrer Abschätzung muss nur wenig Produkt ausgeräumt werden, was gefahrlos ohne weitere Hilfsmittel vom Klapptritt aus erledigt werden kann. Unter diesen Voraussetzungen sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Andernfalls wären z. B. Befestigungsmöglichkeiten so zu planen, dass ein geeigneter Sammelbehälter mitgenommen und während der Produktentnahme günstig platziert werden kann.
Die Aufzählungen in § 6 Absatz 3 helfen Ihnen, an alle Lebensphasen der Maschinenverwendung zu denken. So wird Ihre Aufmerksamkeit auf die Instandhaltung und die Prüfung von Arbeitsmitteln gelenkt. Die Anforderungen an diese beiden Lebensphasen sind in § 10 und § 14 beschrieben.
Bei den Überlegungen zur Instandhaltung und Prüfung der Waage auf der Bühne stoßen Sie auf den Platzbedarf für diese Arbeiten. Ihre Beurteilung ergibt: Der Platz auf der Bühne reicht nicht. Mit einem Rollgerüst neben der Bühne würde es aber reichen. Daher wird das Geländer steckbar ausgeführt. So steht im Bedarfsfall eine ausreichend große Fläche ohne Hindernisse zur Verfügung. Ob es reicht, die Rollen am Gerüst festzustellen oder ob weitere Maßnahmen gegen Wegrollen getroffen werden müssen, das überlegen Sie noch.
Überlegungen zu Gefährdungen durch Energien, Ingangsetzen, Stillsetzen
§ 8 der BetrSichV beschreibt "Schutzmaßnahmen bei Gefährdungen durch Energien, Ingangsetzen, Stillsetzen". Ist gefährliche elektrische Aufladung hier relevant? Ein Blick in die Betriebsanleitungen hilft uns hier weiter. Die Hersteller solcher Maschinen – hier Band und Waage – bereiten daher in der Regel Möglichkeiten vor, dass geeignete technische Maßnahmen zur Ableitung elektrischer Aufladung umgesetzt werden können (z. B. Anschlussbolzen für Potenzialausgleich). Es bleibt lediglich zu prüfen, ob der Potenzialausgleich richtig montiert ist (Sichtkontrolle, Messprotokoll der Durchlässigkeit).
Das Messprotokoll ist die Dokumentation der Wirksamkeitskontrolle. Bleibt noch die Frage zu klären, ob die Durchlässigkeit durch Vibration beeinträchtigt wird. Das muss gegebenenfalls durch Nachmessen überprüft werden. Welche Aspekte hier eine Rolle spielen, kann man in § 14 "Prüfung von Arbeitsmitteln" nachlesen.
Weitere noch zu durchdenkende Aspekte im Zusammenhang mit Störungsbeseitigung, Instandhaltung und Wartung sind:
Das Ingangsetzen der Maschine muss sicher verhindert werden können.
Vom Bedienort der Starteinrichtung muss feststellbar sein, ob sich Personen im Gefahrbereich befinden.
Voraussetzung, um den ersten Punkt zu erfüllen, ist in der Regel ein abschließbarer Hauptschalter. Diese technische Maßnahme muss aber noch um organisatorische und persönliche Regelungen zur Verwendung von Schlössern ergänzt werden.
Der Ort des Hauptschalters hängt auch davon ab, wie häufig er benutzt werden muss. Muss bei Instandhaltung/ Wartung oft wieder eingeschaltet werden und befindet sich auf der Bühne kein Schalter, bedeutet das: Der Instandhalter muss zum Einschalten immer wieder die Treppenleiter hinunter. Das ist eine zusätzliche Unfallgefahr und außerdem lästig. Und wie Menschen sich verhalten, wenn ihnen etwas lästig ist, das wissen Sie.
Für den zweiten Punkt haben Sie eine ganz einfache Lösung: Sie schaffen an der Bühne eine Aufhängung für die Treppenleiter. Dort hat die Leiter ihren festen Platz und ist platzsparend und außerhalb des Verkehrswegs untergebracht, wenn sie nicht gebraucht wird. Die Aufhängung der Leiter wird so platziert, dass man sie vom Bedienort der Starteinrichtung sehen kann. Hängt die Leiter in ihrer Halterung, dann ist wohl keiner oben.
Auch beste Umsetzung braucht eine Generalprobe
Zu den Grundpflichten nach § 4 BetrSichV gehört es, Arbeitsmittel erst nach durchgeführter Gefährdungsbeurteilung zu verwenden. Und erst dann, wenn Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik durchgeführt wurden und die Verwendung nach dem Stand der Technik sicher ist. Bei der Generalprobe vor dem ersten Maschineneinsatz müssen alle notwendigen Prüfungen einschließlich der Wirkungskontrolle der getroffenen Schutzmaßnahmen durchgeführt und dokumentiert werden.
Bei der Unterweisung der Beschäftigten vor Ort können Sie sich davon überzeugen, dass die veränderte Geländerhöhe hoch genug ist und die Ausräumarbeiten mit dem Auftritt wie geplant klappen. Ganz nebenbei sehen Sie die Prüfplakette auf dem Tritt und auf der Treppenleiter. So einfach kann Wirksamkeitskontrolle sein.
Ihre Gefährdungsbeurteilung mit Hilfe der Betriebssicherheitsverordnung hat für den betrachteten Bereich der Waage die Voraussetzungen für reibungslose, ergonomische und sichere Arbeitsprozesse geschaffen. Analog gehen Sie bei der Schlauchbeutelmaschine vor. Und dann kann es losgehen mit dem neuen Snack in Tüten.
Novellierte Betriebssicherheitsverordnung vom 3. Februar 2015: Auf der BGN-DVD für Mitgliedsbetriebe bzw. BGN-DVD für Nichtmitglieder und online über: www.bgn.de, Shortlink = 888
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References: § 3
 § 5
 § 6
 § 3
 § 9
 § 6
 § 10
 § 14

§ 8
 § 14
 § 4