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Timestamp: 2018-02-20 17:49:16+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 7 ABR 8/03
Schlag­worte: Betriebsratsbüro, Betriebsrat: Internetzugang
Akten­zeichen: 7 ABR 8/03
Ent­scheid­ungs­datum: 03.09.2003
Leit­sätze: Der Be­triebs­rat kann nach § 40 Abs 2 Be­trVG ei­nen An­spruch ge­gen den Ar­beit­ge­ber ha­ben, die ihm zur Verfügung ge­stell­ten Per­so­nal­com­pu­ter an das In­ter­net an­zu­sch­ließen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Elmshorn
7 ABR 8/03
1 TaBV 16/02
3. Sep­tem­ber 2003
In dem Be­schlußver­fah­ren
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Anhörung vom 3. Sep­tem­ber 2003 durch die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl als Vor­sit­zen­de, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Pods und Dr. Zwan­zi­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Güner und Dr. Zum­pe be­schlos­sen:
Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluß des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein vom 31. Ok­to­ber 2002 - 1 TaBV 16/02 - wird zurück­ge­wie­sen.
A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet ist, die dem Be­triebs­rat zur Verfügung ge­stell­ten Per­so­nal­com­pu­ter an das In­ter­net an­zu­sch­ließen.
Die Ar­beit­ge­be­rin ist auf dem Ge­biet der Elek­tro­tech­nik, Elek­tro­nik, Re­ge­lungs­tech­nik, Meßtech­nik, EDV, Op­tro­nik, Me­cha­nik und En­er­gie­tech­nik tätig. Sie beschäftigt in ih­rem Be­trieb in W 644 Mit­ar­bei­ter. Mehr als 90 Ar­beitsplätze sind mit Per­so­nal­com­pu­tern aus­ge­stat­tet, die über ei­nen Zu­gang zum In­ter­net verfügen. Für die Nut­zung des In­ter­nets hat die Ar­beit­ge­be­rin ei­nen so­ge­nann­ten Flat­rate-Ver­trag ab­ge­schlos­sen.
An­trag­stel­ler ist der für das Werk W ge­bil­de­te Be­triebs­rat, der aus 11 Mit­glie­dern be­steht. Die bei­den frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der verfügen in ih­ren Büros je­weils über ei­nen Per­so­nal­com­pu­ter. Nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin im No­vem­ber 2001 ab­ge­lehnt hat­te, dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net-An­schluß zur Verfügung zu stel­len, lei­te­te die­ser das vor­lie­gen­de Be­schlußver­fah­ren ein.
Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, das In­ter­net sei als In­for­ma­ti­ons­quel­le er­for­der­lich, um sich das für die Er­le­di­gung der Be­triebs­rats­ar­beit not­wen­di­ge Fach­wis­sen an­zu­eig­nen. Er benöti­ge das In­ter­net auch, um sich mit an­de­ren Be­triebsräten und der im Be­trieb ver­tre­te­nen Ge­werk­schaft aus­zu­tau­schen.
Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt
die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, dem Be­triebs­rat ei­nen Per­so­nal­com­pu­ter mit Bild­schirm zur Verfügung zu stel­len und den An­schluß an das In­ter­net zu ermögli­chen so­wie et­wai­ge lau­fen-de Kos­ten zu über­neh­men,
die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, die be­reits vor­han­de­nen Per­so­nal­com­pu­ter der frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der im Be­triebs­ratsbüro an das In­ter­net an­zu­sch­ließen und et­wai­ge lau­fen­de Kos­ten zu über­neh­men.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Ab­wei­sung der Anträge be­an­tragt und ge­meint, ein In­ter­net-An­schluß sei zwar nütz­lich und zweckmäßig, für die sach­ge­rech­te Wahr­neh­mung der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­rats aber nicht er­for­der­lich.
Das Ar­beits­ge­richt hat dem Hilfs­an­trag des Be­triebs­rats statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der Rechts­be­schwer­de ver­folgt die Ar­beit­ge­be­rin die Ab­wei­sung des Hilfs­an­trags wei­ter. Der Be­triebs­rat be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Rechts­be­schwer­de.
B. Die Rechts­be­schwer­de ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu Recht an­ge­nom­men, dass die Ar­beit­ge­be­rin nach § 40 Abs. 2 Be­trVG ver-pflich­tet ist, die be­reits vor­han­de­nen Per­so­nal­com­pu­ter der frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der an das In­ter­net an­zu­sch­ließen und et­wai­ge lau­fen­de Kos­ten zu über­neh­men.
I. Nach § 40 Abs. 2 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat für die lau­fen­de Geschäftsführung sach­li­che Mit­tel im er­for­der­li­chen Um­fang zur Verfügung zu stel­len. In § 40 Abs. 2 Be­trVG in der ab 28. Ju­li 2001 gel­ten­den Fas­sung ist aus­drück­lich be­stimmt, daß der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat auch In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik in er­for­der­li­chem Um­fang zur Verfügung stel­len muß. Die Prüfung, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel für die Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben er­for­der­lich und des­halb vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu stel­len ist, ob­liegt dem Be­triebs­rat. Die­se Ent­schei­dung darf er nicht al­lein an sei­nem sub­jek­ti­ven Bedürf­nis aus­rich­ten. Von ihm wird ver­langt, daß er bei sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und die sich ihm stel­len­den Auf­ga­ben berück­sich­tigt. Da­bei hat er die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­amts und be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, auch so­weit sie auf ei­ne Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht ge­rich­tet sind, ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen (BAG 12. Mai 1999 - 7 ABR 36/97 - BA­GE 91, 325 = AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 65 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 87, zu B 111 2 der Gründe).
Die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats über die Er­for­der­lich­keit des ver­lang­ten Sach­mit­tels un­ter­liegt der ar­beits­ge­richt­li­chen Kon­trol­le. Die­se ist auf die Prüfung be­schränkt, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel auf Grund der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on der Er­le­di­gung ei­ner ge­setz­li­chen Auf­ga­be des Be­triebs­rats dient und ob der Be­triebs­rat nicht nur die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft berück­sich­tigt hat, son­dern bei sei­ner Ent­schei­dung auch be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rech­nung ge­tra­gen hat. Dient das je­wei­li­ge Sach­mit­tel der Er­le­di­gung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben und hält sich die In­ter­es­sen­abwägung des Be­triebs­rats im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums, können die Ge­rich­te die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats nicht durch
ih­re ei­ge­ne er­set­zen (BAG 11. No­vem­ber 1998 - 7ABR 57/97 - AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 64, zu B 2 der Gründe).
II. Zu den sach­li­chen Mit­teln und der In­for­ma­ti­ons­tech­nik iSd. § 40 Abs. Be­trVG gehört auch das In­ter­net. Der Be­triebs­rat durf­te den Zu­gang zum In­ter­net an­ge­sichts der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und der sich ihm stel­len­den ge­setz­li­chen Auf­ga­ben als Mit­tel zur In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung für er­for­der­lich hal­ten. Dem Ver­lan­gen des Be­triebs­rats ste­hen be­rech­tig­te be­trieb­li­che In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin nicht ent­ge­gen.
1. Zu den Sach­mit­teln iSd. § 40 Abs. 2 Be­trVG gehören die Hilfs­mit­tel, die ge­eig­net sind, dem Be­triebs­rat die zur Erfüllung sei­ner ge­setz­li­chen Auf­ga­ben not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen zu ver­mit­teln. Da­zu zählen ua. ar­beits­recht­li­che Ge­set­zes­tex­te, ent­spre­chen­de Kom­men­ta­re, Fach­li­te­ra­tur und Zeit­schrif­ten. Die dem Be­triebs­rat nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ob­lie­gen­den Auf­ga­ben las­sen sich sach­ge­recht nur durch lau­fen­de und ak­tu­el­le Un­ter­rich­tung über die ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs-recht­li­chen Ent­wick­lun­gen in Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung so­wie ins­be­son­de­re durch die dar­aus ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se über mögli­che Hand­lungs­spielräume lösen. Sol­che In­for­ma­tio­nen kann sich ein Be­triebs­rat nicht al­lein durch Un­ter­rich­tung in den ein­schlägi­gen Ge­set­zen oder de­ren Erläute­run­gen in Kom­men­ta­ren ver­schaf­fen. Viel­mehr ist er zur ver­ant­wort­li­chen Wahr­neh­mung sei­ner Be­fug­nis­se auch auf die Un­ter­rich­tung durch an­de­re Veröffent­li­chun­gen an­ge­wie­sen, in de­nen die­se The­men nach neu­es­tem Stand fach­lich dar­ge­stellt wer­den (BAG 21. April 1983 - 6 ABR 70/82 - BA­GE 42, 259 = AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 20 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 53, zu 1113 a der Gründe; 29. No­vem­ber 1989 - 7 ABR 42/89 - AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 32 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 63, zu II 2 a der Gründe; 26. Ok­to­ber 1994 - 7 ABR 15/94 -AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 43 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 72, zu B 1 der Gründe). Al­ler­dings kann der Be­triebs­rat nicht oh­ne Rück­sicht auf be­trieb­li­che Be­lan­ge oder be­triebs­rats­be­zo­ge­ne Not­wen­dig­kei­ten den Zu­gang zu je­der In­for­ma­ti­ons­quel­le ver­lan­gen, die sich mit The­men sei­ner ge­setz­li­chen Auf­ga­ben­stel­lung be­faßt. Viel­mehr ver­langt die nor­ma­ti­ve Wer­tung des § 40 Abs. 2 Be­trVG ei­ne sach­ge­rech­te Abwägung der Be­lan­ge bei­der Be­triebs­par­tei­en. Da der Be­triebs­rat je­doch sei­ne Geschäfte grundsätz­lich ei­genständig und ei­gen­ver­ant­wort­lich führt, ist er in der Ent­schei­dung darüber frei, auf wel­che Wei­se er sich die zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen ver­schafft (BAG 25. Ja­nu­ar 1995 - 7ABR 37/94 - AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 46 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 73, zu B 4 der Gründe).
Da­nach han­delt es sich bei dem In­ter­net um ei­ne Quel­le, die ge­eig­net ist, dem Be­triebs­rat die zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen zu ver­mit­teln. Über das In­ter­net kann er sich nicht nur auf dem schnells­ten Weg über die ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ent­wick­lun­gen in Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung un­ter­rich­ten, die von den Ge­setz­ge­bungs­or­ga­nen und Ge­rich­ten im In­ter­net dar­ge­stellt wer­den. Darüber hin­aus kann sich der Be­triebs­rat mit Hil­fe der im In­ter­net zur Verfügung ste­hen­den Such­ma­schi­nen zu ein­zel­nen be­trieb­li­chen Pro­blem­stel­lun­gen um­fas­send in­for­mie­ren, oh­ne auf Zu­falls­fun­de in Zeit­schrif­ten oder Zei­tun­gen, ver­al­te­ten Kom­men­tie­run­gen oder länge­re Zeit zurück­lie­gen­den Ge­richts­ent­schei­dun­gen an­ge­wie­sen zu sein.
2. Der Be­triebs­rat durf­te den An­schluß der be­reits vor­han­de­nen Per­so­nal­com­pu­ter an das In­ter­net an­ge­sichts der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­se als Mit­tel zur In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung für er­for­der­lich hal­ten. Sei­ner Ent­schei­dung ste­hen be­rech­tig­te be­trieb­li­che In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin, ins­be­son­de­re ihr In­ter­es­se an der Be­gren­zung der Kos­ten­tra­gungs­pflicht, nicht ent­ge­gen.
a) Von der Prüfung, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel für die Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben er­for­der­lich ist, kann auch nach der Neu­fas­sung von § 40 Abs. 2 Be­trVG nicht ab­ge­se­hen wer­den. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts kann der Be­triebs­rat den Zu­gang zum In­ter­net auch nicht un­abhängig von des­sen Er­for­der­lich­keit auf Grund der tech­ni­schen Ent­wick­lung und des Aus­stat­tungs­ni­veaus der Ar­beit­ge­be­rin be­an­spru­chen.
aa) Durch die seit 28. Ju­li 2001 gel­ten­de Fas­sung des § 40 Abs. 2 Be­trVG wird dem Be­triebs­rat kein An­spruch auf Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­tech­nik oh­ne ei­ne be­son­de­re Prüfung der Er­for­der­lich­keit ein­geräumt. Be­reits nach dem Wort­laut von § 40 Abs. 2 Be­trVG ste­hen Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­tech­nik gleich­ran­gig ne­ben Räum­en, sach­li­chen Mit­teln und Büro­per­so­nal. Die­se hat der Ar­beit­ge­ber je­weils im er­for­der­li­chen Um­fang zur Verfügung zu stel­len. Die Neu­fas­sung des § 40 Abs. 2 Be­trVG dient le­dig­lich der Klar­stel­lung (BT-Drucks. 14/5741 S. 41). Wie bis­her be­zweckt § 40 Abs. 2 Be­trVG mit der Prüfung der Er­for­der­lich­keit ei­nes sach­li­chen Mit­tels, die übermäßige fi­nan­zi­el­le Be­las­tung des Ar­beit­ge­bers durch den Be­triebs­rat zu ver­hin­dern. Da­mit ließe sich nicht in Ein­klang brin­gen, ge­ra­de in dem kos­ten­in­ten­si­ven Be­reich mo­der­ner Büro­tech­nik an­ders als bei den übri­gen Sach­mit­teln auf die Prüfung der Er­for­der­lich­keit zu ver­zich­ten.
bb) Der er­for­der­li­che Um­fang ei­nes Sach­mit­tels be­stimmt sich nicht aus­sch­ließlich nach dem Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers. We­der aus § 40 Abs. 2 Be­trVG noch aus dem Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 78 Be­trVG oder aus dem Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit des § 2 Be­trVG folgt die Pflicht des Ar­beit­ge­bers, dem Be­triebs­rat die­sel­ben Sach­mit­tel zur Verfügung zu stel­len, wie sie von ihm be­nutzt wer­den (BAG 17. Fe­bru­ar 1993 - 7 ABR 19/92 - BA­GE 72, 274 = AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 37 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 69, zu B 112 e der Gründe). Die Geschäfts­lei­tung ei­nes Be­triebs ver­folgt an­de­re Zie­le als die lau­fen­de Geschäftsführung des Be­triebs­rats. So­weit sich die Auf­ga­ben von Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat je­doch berühren, et­wa bei der be­trieb­li­chen Mit­wir­kung und Mit­be­stim­mung, kann der Ein­satz mo­der­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel auf Ar­beit­ge­ber­sei­te den er­for­der­li­chen Um­fang der dem Be­triebs­rat zur Verfügung zu stel­len­den Sach­mit­tel be­ein­flus­sen (BAG 11. März 1998 - 7 ABR 59/96 - BA­GE 88, 188 = AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 57 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 81, zu BI 3 c der Gründe).
Zwar sind im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin mehr als 90 Ar­beitsplätze mit Per­so­nal­com­pu­tern aus­ge­stat­tet, die über ei­nen Zu­gang zum In­ter­net verfügen. Die Nut­zung des In­ter­nets an et­wa 15 % der Ar­beitsplätze im Rah­men der von der Ar­beit­ge­be­rin ver­folg­ten Be­triebs­zwe­cke läßt aber kei­nen Schluß dar­auf zu, ob auch der Be­triebs­rat die­ses Sach­mit­tel für sei­ne lau­fen­de Geschäftsführung benötigt.
cc) Der Be­triebs­rat kann den An­spruch auf Zu­gang zum In­ter­net auch nicht auf die fort­schrei­ten­de tech­ni­sche Ent­wick­lung und den all­ge­mei­nen Ver­brei­tungs­grad der Nut­zung des In­ter­nets stützen. Die all­ge­mei­ne Üblich­keit der Nut­zung ei­nes tech­ni­schen Hilfs­mit­tels be­sagt nichts über die Not­wen­dig­keit, die­ses auch zur Bewälti­gung der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­rats ein­zu­set­zen. Die fort­schrei­ten­de tech­ni­sche Ent­wick­lung ist im Rah­men von § 40 Abs. 2 Be­trVG nur von Be­deu­tung, wenn sie sich in den kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­sen nie­der­ge­schla­gen hat, die vom Be­triebs­rat im Rah­men sei­ner Prüfung, ob ein Sach­mit­tel für die Er­le­di­gung sei­ner Auf­ga­ben er­for­der­lich ist, zu berück­sich­ti­gen sind.
b) Der Be­triebs­rat durf­te den Zu­gang zum In­ter­net als Mit­tel zur In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung an­ge­sichts der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­se für er­for­der­lich hal­ten. Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Ar­beitsplätze in dem Be­trieb in W zum größten Teil mit Per­so­nal­com­pu­tern aus­ge­stat­tet. Auch die bei­den frei­ge­stell­ten Mit­glie­der des Be­triebs­rats verfügen in ih­ren Büros je­weils über ei­nen Per­so­nal­com­pu­ter. An mehr als 90 Ar­beitsplätzen be­steht ein Zu­gang zum In­ter­net. An­ge­sichts die­ser elek­tro­ni­schen In­fra­struk-
tur des Be­triebs sind für den vom Be­triebs­rat ver­lang­ten Zu­gang zum In­ter­net kei­ne zusätz­li­chen In­ves­ti­tio­nen oder tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen not­wen­dig. Ge­genüber an­de­ren Mit­teln der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung er­weist sich das In­ter­net da­durch als über­le­gen, daß es den Stand der ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung fast ta­ges­ak­tu­ell wie­der­gibt und den Zu­griff auf an­de­re In­for­ma­ti­ons­quel­len in um­fas­sen­der Wei­se ermöglicht. Ge­genüber Ge­set­zes­kom­men­ta­ren, Zeit­schrif­ten, Zei­tun­gen oder an­de­ren Er­kennt­nis­quel­len bie­tet das In­ter­net die ein­zi­ge Möglich­keit, In­for­ma­tio­nen zeit­nah und gebündelt zu ge­win­nen. Die Nut­zung des In­ter­nets dient da­her nicht aus­sch­ließlich der ef­fek­ti­ve­ren Ge­stal­tung der Be­triebs­rats­ar­beit, son­dern ei­ner sach­ge­rech­ten, um­fas­send an den ak­tu­el­len Ge­ge­ben­hei­ten ori­en­tier­ten Tätig­keit des Be­triebs­rats. Ei­ne Zeit- oder Ar­beits­er­spar­nis ist da­mit nicht oh­ne wei­te­res ver­bun­den. Des­halb kommt es auf die Fra­ge, ob der Be­triebs­rat oh­ne den Zu­gang zum In­ter­net be­stimm­te Rech­te und Pflich­ten ver­nachlässi­gen müßte, nicht an. Dem In­ter­es­se des Be­triebs­rats an der Nut­zung des In­ter­nets als In­for­ma­ti­ons­quel­le ste­hen be­rech­tig­te be­trieb­li­che In­ter­es­sen nicht ent­ge­gen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest-ge­stellt, daß durch den An­schluß der bei­den vor­han­de­nen Per­so­nal­com­pu­ter der frei-ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der an das In­ter­net kei­ne zusätz­li­chen Kos­ten für die Ar­beit­ge­be­rin ent­ste­hen. An­de­re be­trieb­li­che Be­lan­ge, die der In­ter­net­nut­zung durch den Be­triebs­rat ent­ge­gen­ste­hen könn­ten, hat die Ar­beit­ge­be­rin nicht gel­tend ge­macht.
Zum­pe
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