Source: https://insideparadeplatz.ch/2013/12/12/hedgefund-snb-wer-stoppt-den-wahnsinn/
Timestamp: 2019-11-17 22:59:09+00:00

Document:
„Hedgefund“ SNB: Wer stoppt den Wahnsinn?
Notenbank tiefrot – Devisenbestand nähert sich Höhe BIP – grösstes Risiko fürs Land – nix mehr für Kantone?
12.12.2013 Lukas Hässig	101	101 Kommentare	1
Heute spricht die SNB zur Lage der Nation. Sie dürfte erneut vor Immobilien-Blasen und Auslandkrisen warnen.
Das wahre Problem könnten die Währungshüter der Schweiz hingegen einmal mehr verschweigen. Die SNB ist selbst zum „single most important risk factor“ des Landes geworden.
Per Ende November sass die Notenbank gemäss Währungsfonds auf 436 Milliarden Devisen. Rund die Hälfte, also 220 Milliarden, hält sie in Euro. Damit ist die Notenbank faktisch ein Hedgefund.
Die gigantischen Devisenanlagen haben bald die Höhe der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes erreicht. Dieses liegt bei knapp 600 Milliarden.
Schon minime Kursdifferenzen bei Euro und Dollar, mit rund 25 Prozent die zweitwichtigste Anlagewährung der Notenbank, genügen, um das SNB-Resultat hin- und herzuschletzen.
Für 2013 steuert die SNB auf einen hohen Verlust zu. Das folgt aus dem letzten Zwischenergebnis und der seitherigen Entwicklung an den Märkten.
Für die Zeit von Januar bis September vermeldete die SNB einen Verlust von über 6 Milliarden Franken; dies vor allem wegen ihrem Gold, mit dem die Zentralbank fast 11 Milliarden verlor.
Das gehört zu einer Notenbank, die immer noch auf rund 1’000 Tonnen Gold sitzt. Bedrohlicher ist etwas anderes: die magere Ausbeute bei den gigantischen Fremdwährungen.
Dort machte die SNB nur gerade 4 Milliarden Nettogewinn in 9 Monaten, resultierend aus Plus und Minus bei Zinsen und Dividenden sowie Kursschwankungen bei den Wertpapieren in den jeweiligen Währungen.
4 Milliarden auf über 400 Milliarden Devisen – das ist ein Rinnsal.
Von Ende September bis jetzt hat sich die Lage zuungunsten der Notenbank entwickelt. Der Euro blieb zwar praktisch stabil, der Dollar ging hingegen um 2 Prozent zurück.
Besonders schlecht siehts beim Gold aus. Die Unze hat sich weiter um über 5 Prozent auf gut 1’250 Dollar entwertet. Im 12-Monatsvergleich crashte das Edelmetall um über einen Viertel.
5 Prozent Verlust auf 40 Milliarden Gold, wie per Ende September ausgewiesen, gibt ein Minus von 2 Milliarden. Weitere gut 2 Milliarden kommen beim Dollar hinzu. Und auch beim Yen, der immer wichtiger wird, droht ein Loch von 2 Milliarden (siehe Hinweis in Kommentar).
Je nachdem, wie die SNB mit ihren Wertpapieren abschneidet und wie der Rest des Jahres verläuft, steigt der Verlust der Zentralbank weiter an. Er könnte auch sinken. Aber 10 Milliarden Minus fürs ganze 2013 wären derzeit keine Überraschung.
Damit geht der SNB das Geld aus, das sie für Bund und Kantone bereithaben sollte. Die Ausschüttungsreserve, die entscheidend ist für eine Gewinnverteilung an die öffentliche Hand, lag per Ende 2012 bei knapp 4 Milliarden.
Ein hoher Milliardenverlust im 2013 würde diese Reserve tief ins Minus drücken. Damit würde nicht einmal mehr der kleine Rest, den die SNB in ihrer aktuellen Politik fürs Land vorsieht, ausgeschüttet werden können.
Seit Ende 2011 gilt die Regelung, dass die Zentralbank pro Jahr 1 Milliarde an die öffentliche Hand abliefert; allerdings nur unter der Voraussetzung einer „positiven Ausschüttungsreserve“.
Schon diese Regelung, die bis 2015 in Kraft ist, war eine deutliche Verschlechterung für die Schweizer Bevölkerung. Zuvor schüttete die SNB im Normalfall 2,5 Milliarden aus.
Der jetzt drohende Totalausfall könnte zu politischem Aufruhr führen. Einige Kantone haben Budgetprobleme. Die Stadt Winterthur musste gar radikal ihre Ausgaben begrenzen.
Die vermeintlich sichere Gewinnlieferantin SNB verschärft die finanziell klamme Lage vieler Körperschaften im Land. Für grosse Infrastruktur- und andere Projekte könnte das Geld an einigen Orten plötzlich fehlen.
Ursache des SNB-Ausfalls ist die riskante Schwächung des Frankens gegenüber dem Euro. Ab 2010 verkaufte die Bank massenhaft Franken gegen Euro. Als das nichts mehr nützte, band sie den Franken im September 2011 an die Einheitswährung an.
Seither stiegen die bereits zuvor riesigen Bestände in Euro weiter an. Per Ende 2010 wies die SNB 112 Milliarden in Euro aus. Nun sind es doppelt so viel.
In einem Video-Interview mit der NZZ wies der frühere UBS-Chefökonom Klaus Wellershoff, der heute Privatberater ist, diese Woche auf die Gefahren der Euro-Anbindung der Notenbank hin.
Wellershoff erwähnte die schleichend steigenden Inflationswerte der Schweiz. Diese hätten sich auf der Produktionsseite in den letzten Monaten von sehr tiefem Niveau aus stetig erhöht. Umgekehrt sank die Inflation in Euroland.
Traditionell hat die Schweiz einen „Inflationsbonus“. Die Eidgenossenschaft hatte seit vielen Jahren rund 2 Prozent weniger Geldentwertung als das benachbarte Europa, entsprechend tiefer lagen die Nominalzinsen.
Nun könnte sich diese Zins- und Inflationsdifferenz mehr und mehr auflösen. Angesichts der riesigen Eurobestände der SNB ist wenig wahrscheinlich, dass sich der Trend rasch wieder kehrt. Die Schweiz hat laut Wellershoff die Geldmenge doppelt so stark ausgeweitet wie die Europäer.
Das Worstcase-Szenario wäre, wenn die Europäische Zentralbank weiter massiv Euros ins System presst, mit dem Ziel einer Schwachwährung, um Exporte aus „Old Europe“ heraus zu erleichtern.
In diesem Fall könnte die SNB sich gezwungen sehen, ihre schon jetzt weit überdimensionierten Eurobestände noch mehr auszubauen, um zu verhindern, dass der Franken gegenüber dem Euro erneut hochschnellt.
Am Ende ist die Schweiz die mit Abstand grösste Gläubigerin des Euroraums. Alles auf Euro, lautet dann die Losung.
Damit wäre die Schweiz mitten im Krisenmodus. Sie hätte sich die Probleme, die sie durch die Anbindung fernhalten wollte, durch die Hintertüre ins Land geholt.
2. Februar 2014 / 14:20
SNB-Führung soll sofort demissionieren!
@Hudi Pfupf
Wie unsinnig ihre Argumentation und die der Nationalbank ist, zeigt auch folgende Überlegung:
Sie schreiben, bei einer Geldemission würde die Bilanz der SNB beidseitig gleichviel verlängert. Dadurch entstünde gleichermassen Eigenkapital und Fremdkapital der SNB. Deshalb könne die SNB mit ihrer „Geldschöpfung“ beliebig viel Euros und Dollars kaufen.
Eigenkapital ist aber der Überschuss des Vermögens über die Schulden bzw. der Überschuss der Aktiven über die Passiven.
Wenn Aktiven und Passiven bei einer Geldemission gleichviel zunehmen, so steigt dadurch das Eigenkapital keineswegs, da die Aktiven nicht stärker zunehmen als die Passiven. Konklusion: Durch „Geldschöpfung“ entsteht kein Eigenkapital, sondern nur Fremdkapital. Deshalb kann die SNB nicht beliebig viel Euros kaufen, wie Sie und die SNB behaupten.
Würden Sie, „Hudi Pfupf“, alleine diesen Fehler begehen, so könnte man darüber einfach den Kopf schütteln und vergessen.
Das Dramatische an der Sache ist aber, dass nicht nur Sie, sondern auch die Führung der Nationalbank denselben Unfug behauptet wie Sie.
Dadurch gefährdet die SNB unsere ganze Volkswirtschaft.
Das Unverständliche ist, dass offenbar niemand in unserem Lande diesen fundamentalen Fehler, den Sie und die SNB begehen, einsieht und mit seinem Namen dazu steht.
Ich wiederhole einmal mehr meine Forderung: Die Führung unserer Nationalbank soll nun sofort demissionieren – bevor sie unsere Volkswirtschaft in den Abgrund reisst!
28. Januar 2014 / 09:15
Die SNB kann praktisch beliebig CHF schöpfen und damit Euro, USD etc. kaufen, um den CHF zu schwächen. Es handelt sich um eine reine Bilanzausweitung. Dem höheren Fremdkaptial steht ein höheres Eigenkapital gegenüber. Durch Abwertung des CHF Fremdkapitals und der daraus resultierenden Aufwertung des in Fremdwährung angelegten Eigenkapitals (Devisenbestände) provitiert die SNB langfristig. Solange sie eine unabhängige Nationalbank mit eigener Währungspolitik ist und bleibt, kann sie damit den Wert des CHF steuern.
Schwächen der eigenen Währung aus einer Position der Stärke ist einfach möglich und lukrativ. Das umgekehrte ist wesentlich schwieriger und kostspielig( aktuelle EM Währungskrise). Zum Schwächen gibt es noch diverse härtere Werkzeuge für den Notfall als nur reine Geldpolitik.
Die Gegenspieler in Sachen CHF Aufwertung sind aktuell Anleger (Banken, Hedgefonds, Private (Dr. Meyer?), Unternehmen, etc), die davon ausgehen, dass der CHF an Wert gewinnt oder Wert besser speichert als die Währungen, gegen die sie CHF kaufen. Steigt das Risiko der SNB und für die Schweiz tatsächlich langfristig an, so wird der Markt das einpreisen, in dem er CHF realativ abwertet (dient dem Ziel der SNB). Eine Immobilienkrise aufgrund der zu lockeren Geldpolitik wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich den CHF ebenfalls deutlich unattraktiver machen. Das wirkt sich positiv auf den Wert der Devisienbestände der SNB aus, was in der damit verbundenen Krisenzeit äusserst positiv sein wird. In einer solchen Phase baut die SNB ihre Bestände wieder ab um den Wert des CHF zu erhalten…. Die aktuelle Politik der SNB ist quasi eine Versicherung…solange es der Schweiz ausserordentlich gut geht und der CHF stark bleibt, kostet sie etwas, aber wenn die Schweiz Probleme kriegt und der CHF abwertet, dann werden die Fremdwährungsdevisen sich stabilisierend auswirken.
Sollten die USA und der Euroraum bis zu diesem Zeitpunkt weiter auf Abwertung ihrer Währungen setzen, so sollte die SNB irgendwann darauf übergehen, mit den neu geschöpften Devisen die Filetstücke dieser Wirtschaftsräume aufzukaufen (die besten Firmen, Technologien, Infrastrukturen) oder sich damit Rohstoffe für die nächsten 100 Jahre zu sichern. Andere Staatsfonds machen das bereits. Vereinfacht Papiergeld gegen reale Werte.
Als Steuerzahler bin ich dankbar für alle globalen Anleger, die aktuell CHF kaufen. Sie finanzieren zukünftige Gewinne der SNB zu unseren Gunsten. Die SNB wird dabei Mass halten, zumal sie ihre Stärke nicht gegenüber anderen Staaten ausnutzen darf. Insgesamt wirkt sie damit stabilisierend (akutell stützt sie mit ihrer Politik den Euro und etwas den USD) und das nützt dem globalen Finanzsystem (das langfristig auf seine absoluten Grundaufgaben reduziert werden sollte).
Mit etwas gesundem Menschenverstand lässt sich dies nachvollziehen, ohne sich in Details zu verlieren.
29. Januar 2014 / 20:42
Die SNB kann praktisch beliebig CHF schöpfen und damit Euro, USD etc. kaufen, um den CHF zu schwächen. Es handelt sich um eine reine Bilanzausweitung. Dem höheren Fremdkapital steht ein höheres Eigenkapital gegenüber.
Der Buchungssatz beim Kauf von Fremdwährungen finanziert durch Giroguthaben der Banken lautet:
Giroguthaben der Banken sind aber nicht Eigenkapital, sondern Fremdkapital der SNB.
Sie begehen den gleichen Fehler wie unsere SNB und insbesondere SNB-Chef Jordan.
Solche Fehler sind eine Blamage für unsere SNB und eine grosse Gefahr für unsere Volkswirtschaft.
Pingback: » Blog Archive » Inside Paradeplatz: BNS: un pas de plus vers la faillite
10. Januar 2014 / 08:54
30. Dezember 2013 / 11:31
@Hannes Anderegg
Re: Die kleingedruckte Wahrheit im Referat von SNB-Chef Thomas Jordan
Da ferienbedingt abwesend, konnte ich Ihnen nur stichwortartig per Smartphone antworten. Ihr Kommentar ist aber dermassen tendenziös geschrieben zugunsten der Nationalbank, dass ich hier nochmals darauf zurückkommen möchte.
„Das alles ändert allerdings nichts daran, dass es sich um Guthaben der Geschäftsbanken bei der SNB handelt. Aber das weiss und sagt ja auch die SNB!
Dieses Zitat kommt aus dem viel zitierten Referat von Herrn Jordan in Basel:
“Das Fremdkapital der SNB in der Regel hauptsächlich aus den in Verkehr gesetzten Banknoten und den Sichtguthaben der Banken bei der SNB, den sogenannten Giroguthaben. Diese Sichtguthaben entsprechen einem Kredit der Geschäftsbanken an die SNB.”
Ich kann mir nicht helfen, aber man kann doch diesen Satz nicht ins Gegenteil verdrehen!
Ob es Frau Fassbind vom SRF auch versteht, weiss ich natürlich nicht. Aber ist sie wirklich relevant? Ich meine nein.
Zuerst finde ich, wenn man zitiert, so sollte man korrekt zitieren:
„Diese Sichtguthaben entsprechen einem Kredit der Geschäftsbanken an die SNB“ steht für sich alleine in einer kleingedruckten Fussnote (Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital, Thomas Jordan, Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel, S.5).
Das kommt in Ihrem Kommentar in keiner Weise zum Ausdruck.
Dieser Satz ist absolut entscheidend! Er widerspricht dem gesamten Referat von Jordan! Jordan widerlegt sich damit selbst!
Und Jordan erwähnt ihn deshalb lediglich in einer Fussnote.
Auch diese Begebenheit belegt einmal mehr, dass die SNB gegenüber der Öffentlichkeit „mit gezinkten Karten spielt“.
Dieser Satz gehört nicht in eine Fussnote, sondern er gehörte in den Titel des Referats von Thomas Jordan. Zum Beispiel:
„Die SNB finanziert sämtliche Euros mit Krediten der Geschäftsbanken!“
„Negatives Eigenkapital der SNB wird sich eins zu eins auf die kreditgebenden Geschäftsbanken übertragen!“
„Bei negativem Eigenkapital der SNB können die kreditgebenden Geschäftsbanken Konkurs gehen“
Das wären ehrliche Titel oder Untertitel zu einem Referat bezüglich der Frage: „Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital?“
– nicht ein verdrückter Satz in einer Fussnote, der im gesprochenen Referat möglicherweise nicht einmal erwähnt wurde.
„Ich kann mir nicht helfen, aber man kann doch diesen Satz nicht ins Gegenteil verdrehen!“
Damit unterstellen Sie mir, ich würde den Satz von Jordan ins Gegenteil verdrehen.
Nein! SNB-Chef Jordan verdreht mit diesem Satz sein ganzes Referat! Er widerlegt damit sich selbst!
In seinem ganzen Referat kommt Jordan zum Schluss, dass die SNB auch mit negativem Eigenkapital „uneingeschränkt handlungsfähig bleibe“.
Durch sein ganzes Referat hindurch behauptet Jordan, die SNB könne „nicht illiquide“ werden und „sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen“. Deshalb sei negatives Eigenkapital der SNB unbedenklich.
Das ist die Konklusion aus seinem ganzen Referat!
Um den eigenen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können, benötigt man entsprechendes Vermögen. In der Fachsprache ausgedrückt: Um die Schulden auf der Passivseite der Bilanz vermindern zu können benötigt man entsprechendes Vermögen auf der Aktivseite.
Beide Seiten der Bilanz werden bei einer Schuldentilgung gleichviel verkürzt.
Wenn die SNB nun ihre Schulden bei den Geschäftsbanken tilgen möchte, so kann sie nicht weitere Kredite bei den Geschäftsbanken aufnehmen und dann behaupten, sie hätte damit ihre Schuld gegenüber den Banken beglichen!
Beide Seiten der Bilanz würden dadurch nicht verkürzt, sondern verlängert! Die Gesamtschuld der SNB würde nicht verringert, wie Jordan behauptet, sondern vergrössert!
Unsinniger geht es nicht mehr!
Das ganze Referat hindurch argumentiert Jordan, durch Emission von Notenbankgeld (Schaffung von Liquidität“) könne die SNB Schulden tilgen.
Er betrachtet damit die Giroguthaben der Banken bei der SNB nicht als ein Kredit der Banken an die Wirtschaft, sondern als Kredit der SNB an die Banken.
Und dann widerspricht er in einer Fussnote, Notenbankgeld (Giroguthaben der Banken und Banknoten) sei ein Kredit der Banken an die SNB.
Bemerkt Jordan diesen Widerspruch denn nicht?
Dabei geht es mittlerweile um 450 Milliarden Staatsschulden – in den letzten drei Jahren von drei Leuten eingegangen – trotz Schuldenbremse!
Von drei Leuten, welche die Faktenlage entweder nicht verstehen oder vollkommen verdrehen. Aus Unvermögen oder aus Absicht?
Und dann lassen Sie mich bitte noch auf ihren Satz zurückkommen:
„Ob es Frau Fassbind vom SRF auch versteht, weiss ich natürlich nicht. Aber ist sie wirklich relevant? Ich meine nein.“
Wie bereits gesagt: Ich empfinde es als billig, nun Frau Marianne Fassbind die alleinige Schuld in die Schuhe zu schieben bezüglich ihrer Fehlinformation am Schweizer Fernsehen.
Dass das Schweizer Fernsehen Fehlinformationen bezüglich der Nationalbank verbreitet, sehen auch Sie offenbar ein. Aber ob es die Nationalbank auch einmal einsehen und zugeben wird?
Es ist nicht nur Frau Fassbind, welche Notenbankgeld (Giroguthaben der Banken bei der SNB sowie Banknoten) als Kredite der SNB an die Wirtschaft interpretiert anstatt umgekehrt als Kredite der Geschäftsbanken an die SNB.
Warum haben Sie beispielsweise nicht auch Herrn Prof. Dr. Ammann vom Bankeninstitut erwähnt, der am Fernsehen ebenfalls behauptet, bei den Giroguthaben der Banken bei der SNB handle es sich um Kredite der SNB an die Banken?
Weshalb haben Sie nicht die vielen Medienmitteilungen erwähnt, wo Notenbankgeld fälschlicherweise als Kredit der SNB an die Wirtschaft dargestellt wird.
Und noch viel wichtiger ist die Frage: Weshalb greift die Nationalbank nicht ein, wenn am Fernsehen offensichtliche Kapitalfehler (im wahrsten Sinne des Wortes) verbreitet werden? Die SNB ist ja nicht zu schüchtern, „Verfügungen“ zu erlassen.
Ist eine kapitale Fehlinformation bezüglich 450 Milliarden nicht wichtig genug?
Und noch eine weitere Frage: Wie hätte das Schweizervolk reagiert, wenn Frau Marianne Fassbind am Fernsehen die Wahrheit gesagt hätte, nämlich dass die Nationalbank hunderte Milliarden Franken Staatsschulden bei den Banken aufgenommen habe, um den Euro zu stützen?
Auch der Bundesrat ordnet Banknoten irreführend als Vermögen der SNB ein (liquide Mittel, Antwort auf SVP-Motion) anstatt als Fremdkapital der SNB (Fussnote im Referat Jordan).
Anschlussfrage: Wie hätte das Parlament reagiert, wenn der Bundesart auf die SVP-Motion korrekt geantwortet hätte, dass die SNB sehr wohl insolvent werde könne und dass in diesem Fall die Steuerzahler die SNB rekapitalisieren müssen. Und falls das nicht gelinge, die kreditgebenden Banken Konkurs gehen könnten?
Aus all diesen Überlegungen folgere ich: Es ist kein Zufall, dass Jordan lediglich in einer Fussnote die Wahrheit zugibt: Bei den Giroguthaben der Banken handelt es sich um Schulden der SNB!
Mit freundlichen Grüssen und ein guter Rutsch ins Neue Jahr!
30. Dezember 2013 / 12:09
Er betrachtet damit die Giroguthaben der Banken bei der SNB nicht als ein Kredit der Banken an die SNB, sondern als Kredit der SNB an die Banken.
Hannes Anderegg
23. Dezember 2013 / 21:29
Zuerst möchte ich Sie fragen, ob Sie mit mir einverstanden sind, dass es sich bei den Giroguthaben der Banken bei der SNB um passive Kredite der SNB handelt und nicht um aktive, wie die SNB behauptet?
Diese Unterscheidung ist absolut zentral für das Verständnis, was passiert, wenn das Eigenkapital der SNB in den Negativbereich fällt.
Sie haben im Interview auf Telebasel sinngemäss gesagt, dass die Geschäftsbanken bei der SNB ein Konto haben, das sogenannte Girokonto. Geschäftsbanken gäben der Notenbank Kredit, so wie wenn wir (Zuschauer) Geld auf ein Konto bei einer Geschäftsbank überweisen. Und dann gehe die Notenbank und würde mit diesem Kredit Euro kaufen.
Nun, offensichtlich mögen Sie Buchungssätze.
1. Wie lautet denn der Buchungssatz für den Geschäftsfall, wo eine Geschäftsbank Geld auf ihr Girokonto bei der SNB überweist und der SNB damit Kredit gewährt? (Bitte keine Einzahlung von Banknoten verbuchen, da dies ja nur ein Passiventausch ist.)
2. Wie lautet der Buchungssatz für Geschäftsfall, wo die SNB mit dem Kredit der Geschäftsbannken Euros kauft?
Ich bin kein Notenbankexperte, aber ich ging bisher davon aus, dass dies ein und derselbe Geschäftsfall ist.
Ich dachte, dass die Geschäftsbanken, welche mit der SNB einen Devisenswap abschliessen, für die Lieferung der Euros eine Gutschift auf dem Girokonto erhalten.
Oder als sie noch Repogeschäfte tätigte, die SNB für die gedeckte Forderung, welche sie aus dem Repogeschäft auf ihre Bücher nahm, eine Gutschrift auf dem Girokonto vornahm.
Sie sehen das offenbar anders?!
Für zwei klärende Buchungssätze (1. Kreditgewährung der Geschäftsbank an die SNB, 2. Kauf der Euros mit dem Kredit der Geschäftsbanken) wäre ich Ihnen dankbar.
24. Dezember 2013 / 09:59
Besten Dank für Ihre Anschlussfrage.
1, Es geht nicht darum, ob ich Buchungssätze mag oder nicht. Buchungssätze bringen Ordnung in die Geldtheorie und die ist absolut entscheidend. Ansonsten wird irgendetwas behauptet, was nicht stimmt. Z.B. Die SNB könne einfach Geld drucken und damit „unbeschränkt“ Euros kaufen (Baltensperger) und im Falle von negativem Eigenkapital auch einfach Banknoten drucken (Jordan) usw.
Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten: Geldtheorie besteht aus Buchungssätzen und Bilanzanalyse (Titel meiner Vorlesungen an der Universität Bremen: „Bilanzanalyse und Zentralbankpolitik“).
2, Sie haben Recht: Punkt eins und zwei gehören mit grosser Wahrscheinlichkeit zusammen. Die Zentralbanken kaufen von den Geschäftsbanken Euros und sind diesen dann den Betrag in Schweizerfranken schuldig. Im Endeffekt lautet der Buchungssatz auf jeden Fall:
Es ist genauso, wie wenn ein Kunde mit Euros zur Bank geht und diese auf seinem Schweizerfrankenkonto gutschreiben lässt.
Das Entscheidende ist, dass die Gegenpartei eine Einzahlung tätigt, welche die Bank dann gutschreibt. Die Bank hat dann eine Schuld. Das ist entscheidend. In welcher Währung die Einzahlung erfolgt ist nicht Matchentscheidend. Für das Erklären von Giroguthaben ist es einfacher, wenn ich von derselben Währung ausgehe und nicht noch ein Devisengeschäft einbaue.
3, Sie bringen „Devisenswaps“ ins Spiel. Würde die SNB Devisenswaps abschliessen, so würde sie Devisen kaufen und auf Termin gleich wieder verkaufen. Das wären dann gesicherte Devisenanlagen. Gemäss Notenbankgesetz wäre auch vorgesehen, dass die SNB hauptsächlich gesicherte Devisengeschäfte tätige.
Das gefährliche an den gegenwärtigen Devisenanlagen der SNB ist aber, dass diese nicht gesichert, sondern ungesichert sind. Zum Währungsrisiko kommt dann zusätzlich noch das ungesicherte Schuldnerrisiko (europäische Staatsanleihen).
Auch die Repo-Pensionsanlagen wären gesicherte Anlagen in Obligationen. D.h. die SNB würde Schweizer Obligationen kaufen und auf Termin gleich wieder verkaufen. Diese Repo-Pensionsanlagen sollten gemäss Nationalbankgesetz das Hauptinstrument der SNB-Geldpolitik darstellen.
Aber die SNB hat sämtliche gesicherten Repos verkauft und damit ungesicherte Devisenanlagen gekauft!
Die SNB verstösst damit gegen das Nationalbankgesetz. Zudem hat sie das Hauptinstrument der Geldpolitik aus ihrer Hand gegeben. Wie will die SNB die Zinsen in der Schweiz steuern, wenn sie hierzulande gar keine Investitionen mehr besitzt?
Sie haben mich gefragt, was ich als Notenbankpräsident tun würde?
Natürlich würde ich das Portfolio der SNB sofort so umschichten, dass es den Vorschriften gemäss Bundesverfassung und Nationalbankgesetz entspricht. Das gegenwärtige Portefeuille verstösst sowohl gegen Verfassung und Gesetz!
4, Sie schreiben:
Ich dachte, dass die Geschäftsbanken, welche mit der SNB einen Devisenswap abschliessen, für die Lieferung der Euros eine Gutschrift auf dem Girokonto erhalten.
Nein, Herr Anderegg. Ich sehe das überhaupt nicht anders. Ich sehe das genauso wie Sie.
Die Nationalbank sieht das anders! Sie sieht es falsch!
Wenn die Banken der SNB einen Vermögenswert übergeben (Devisen, Repos oder auch z.B. Gold), so schreibt die SNB diesen Banken die betreffenden Guthaben gut. „Guthaben“ bedeutet ja, dass man etwas „zugute hat“.
Ich habe am Fernsehen den Vergleich gebracht mit einem Kunden, der eine Einzahlung tätigt (gleich in welcher Währung). Er hat dann auf seinem Konto ein Guthaben.
Die entscheide Frage lautet nun aber: Wer hat von wem etwas zugut?
Logisch: Der Kunde von der Bank bzw. die Geschäftsbanken von der SNB. Nicht umgekehrt!
Die SNB stellt die Guthaben der Banken aber dar, als hätte sie, die SNB, von den Geschäftsbanken etwas zu gut!
Das ist eine Verdrehung der Rechtslage durch unsere Nationalbank!
Mit Verweis auf die angebliche Geldschöpfung behauptet ja die SNB, sie gewähre den Banken günstige Kredite, bzw. „billiges Geld“ (siehe TF-Sendungen). Die SNB bezeichnet sich deshalb auch als „lender of last resort“. Das würde heissen, dass die SNB den Banken aktive Kredite gewährt.
Das ist falsch: Die SNB ist Schuldnerin. Die SNB verdreht die Rechtslage.
Und wohlgemerkt: Es geht jetzt bereits um 450 Milliarden Franken!
Die SNB behautet, dabei handle es sich um ihr Vermögen. Nein! Die Giroguthaben der Banken sind Schulden der SNB – Staatsschulden!
3. Januar 2014 / 19:11
23. Dezember 2013 / 20:02
@Logik-Interessierte
Die angebliche „Geldschöpfung“ wird interpretiert als Kredit der Notenbank an die Wirtschaft („lender of last resort“).
Kredite, welche die SNB gewährt, gehören zum Vermögen der SNB.
Das Eigenkapital ist der Überschuss des Vermögens (Aktiven) über die Schulden (Passiven).
Wenn also die SNB behauptet, sie könne durch „Geldschöpfung“ Vermögen schaffen so behauptet sie gleichzeitig, sie könne durch Geld drucken Eigenkapital schaffen.
Die SNB kann demzufolge negatives Eigenkapital nicht aufstocken, indem sie einfach Banknoten druckt, wie SNB und Bundesrat behaupten.
Die SNB kann deshalb sehr wohl insolvent werden.
Konklusion: Die Steuerzahler werden für die Verluste der SNB aufkommen müssen.
Falls sie das nicht innert nützlicher Frist können, werden die kreditgebenden Banken möglicherweise Konkurs gehen aufgrund der hohen Abschreibungen auf ihren SNB-Guthaben.
27. Dezember 2013 / 10:10
Sie schreiben, Sie sähen den Vorgang, wie die Saldi auf die Girokonten kämen, gleich wie ich. Nur die SNB sähe es anders.
Ich bin mir nicht sicher, ob wir beide das wirklich gleich sehen. Das liegt vor allem am Vergleich mit dem Privatkunden, der eine Einzahlung auf sein Konto bei einer Geschäftsbank macht. Ich finde diesen Vergleich unpassend.
Wenn ich Geld auf mein Konto bei der Bank einzahle, so ist doch dieses Geld bereits im Umlauf. Bevor ich es bei Bank X einzahlen kann, musste ich es bei Bank Y abheben, oder ich lasse es gleich direkt überweisen, oder eine Drittperson, vielleicht mein Arbeitgeber, überweist mir das Geld. Aber in allen Fällen gab es dieses Geld doch schon, bevor ich es einbezahlt habe. Es lag wohl auf irgendeinem andern Bankkonto oder unter meiner Matratze.
Die Liquidität hingegen, welche die Geschäftsbanken auf ihren Girokonten horten, und die sich zwischen 2007 und 2013 von unter 10 Mrd. auf über 300 Mrd. Franken erhöht hat, also diese 300 Mrd. Franken, haben die Banken doch nicht im klassischen Sinn bei der SNB einbezahlt. Diese 300 Mrd. sind erst durch die Währungstransaktionen der SNB entstanden. Für mein Empfinden ist das ein fundamentaler Unterschied. Die Banken haben doch nicht „ihr“ Geld zur SNB gebracht – sie waren lediglich bereit, sich für die Devisenverkäufe an die SNB Franken auf ihren Konten gutschreiben zu lassen.
Gut, man könnte natürlich argumentieren, irgendjemand habe „seine“ Euros und Dollars zur SNB gebracht… Aber das sind wahrscheinlich eher ausländische Banken, welche unsere beiden Grossbanken als Korrespondenzbanken benutzen. Die Schweizer Banken hatten ja 2007 kaum Euros und Dollars mit einem Exposure im Gegenwert von 300 Mrd. Franken auf ihren Büchern.
Also ich kann es drehen und wenden wie ich will, ich finde Ihren Vergleich einfach nicht stimmig. Aber er gibt dennoch zu interessanten Überlegungen Anlass.
Das alles ändert allerdings nichts daran, dass es sich um Guthaben der Geschäftsbanken bei der SNB handelt. Aber das weiss und sagt ja auch die SNB!
„Das Fremdkapital der SNB in der Regel hauptsächlich aus den in Verkehr gesetzten Banknoten und den Sichtguthaben der Banken bei der SNB, den sogenannten Giroguthaben. Diese Sichtguthaben entsprechen einem Kredit der Geschäftsbanken an die SNB.“
27. Dezember 2013 / 21:35
Einmal bezeichnet die SNB Notenbankgeld als Kredit der SNB an die Wirtschaft (Geldschöpfung) und dann wieder umgekehr als Kredit der Wirtschaft an die SNB. Frau Fassbind die Schuld in die Schuhe schieben ist m.E. billig.
Wie Geldschöpfung funktioniert habe ich hier schon oft erklärt (Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung).
23. Dezember 2013 / 08:05
Weil das Thema immer wieder auftaucht: Niemand, der etwas von der Sache versteht, behauptet (oder hat jemals behauptet), mit dem Druck von Geld könne das Eigenkapital der SNB aufgestockt werden. Auch die SNB behauptet das nicht, einer unglücklichen Formulierung im Text eines Referates zum Trotz.
Konkret geht es um folgende Sätze im Referat: „Denn mit „Geld drucken“ kann Eigenkapital, wie gesagt, nicht nachhaltig aufgestockt werden. Die Geldschöpfung erlaubt lediglich, den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachzukommen.“
Das Wort „nachhaltig“ ist fehl am Platz, denn man könnte daraus unkorrekterweise schliessen, dass mit „Geld drucken“ das Eigenkapital nicht-nachhaltig aufgestockt werden kann. Dabei kann das Eigenkapital mit „Geld drucken“ gar nicht aufgestockt werden. Korrekt ist, dass die Geldschöpfung der SNB erlaubt, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
Das Referat trägt den Titel „Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital?“, und abgesehen von der erwähnten Formulierung ist es durchaus lesenswert.
(In Klammern für Logikinteressierte: Die Formulierung „das EK kann mit „Geld drucken“ nicht nachhaltig aufgestockt werden“, ist korrekt, aber irreführend. Korrekt deshalb, weil dies aus der Tatsache folgt, dass das EK mit „Geld drucken“ überhaupt nicht aufgestockt werden kann, weder nachhaltig noch nicht-nachhaltig. Wie wenn ich sage: „In der Stadt Zürich dürfen 16-Jährige kein Auto lenken.“ Das ist auch korrekt, aber irreführend, da man daraus schliessen könnte, ausserhalb der Stadt Zürich sei es erlaubt.)
23. Dezember 2013 / 09:51
Leider macht es sich “moneymoney“ einmal mehr zu einfach – wie unsere Nationalbank auch.
Ich finde, die Nationalbank selbst sollte hier einmal Stellung nehmen!
Zahlungsverpflichtungen nachkommen bzw. Zahlungsverpflichtungen „bedienen“ wie sich SNB-Chef Jordan im besagten Referat ausdrückt, bedeutet, die Zahlungsverpflichtungen zu reduzieren.
Daraus würde folgen, dass die Schulden der SNB auf der Passivseite ihrer Bilanz abnehmen. Die Bilanz würde verkürzt.
Wenn aber die SNB Notenbankgeld emittiert, so reduziert sie ihre Schulden nicht, sondern sie vergrössert diese im Gegenteil.
Die Passivseite wird dadurch keineswegs verkürzt, sondern im Gegenteil verlängert.
Das ist der Beweis dafür, dass die Behauptung von SNB-Chef Jordan nicht stimmt, wonach die SNB durch „Geld drucken“ ihre Zahlungsverpflichtungen jederzeit „bedienen“ könne.
Und übrigens: Durch das ganze Referat hindurch behauptet Jordan x-mal, dass die SNB durch „Geld drucken“ („Schaffung von Liquidität“ usw.) negatives Eigenkapital wieder aufstocken könne.
Und wenn der Bundesrat in seiner Antwort auf die SVP-Motion antwortet, die SNB könne nie „illiquide werden in Franken“, so verwechselt auch er Vermögen und Schulden der SNB miteinander: „Liquide Mittel“ werden immer – ich wiederhole – immer auf der Aktivseite verbucht.
Die Banknoten der SNB werden hingegen auf der Passivseite der SNB Bilanz verbucht. Banknoten stellen somit Schulden der SNB dar und können nie und nimmer zu den „liquiden Mitteln“ der SNB gezählt werden, wie die SNB und der Bundesrat das tun.
Last but not least: Die SNB stellt die Giroguthaben der Banken bei der SNB als Kredite der SNB an die Banken dar anstatt umgekehrt als Kredite der Banken an die SNB. Siehe diverse Tagesschau-Sendungen. Auch diesbezüglich verwechselt unsere Nationalbank ihre Aktiven mit ihren Passiven.
Im Blog zu meinem Beitrag „Unsere Nationalbank ist Volksverführern hörig“ auf Inside Paradeplatz habe ich für einen Kommentator das betreffende Referat von Jordan Punkt für Punkt analysiert.
Ich erlabe mir, diese Analyse hier nochmals zu posten.
Die Nationalbank und „moneymoney“ sollten sich einmal die Mühe nehmen, meine Analyse einmal zu lesen.
Analyse (Zitat):
Ich habe mir aber die Mühe genommen, das ganze Referat von SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan Punkt für Punkt zu analysieren (12 Punkte).
(“Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital?”, Statistisch Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel)
Mein Vorwurf, die Schweizerische Nationalbank verwechsle in ihrer Bilanz Aktiva und Passiva bzw. Eigenkapital und Fremdkapital, richtet sich in erster Linie an die Wirtschaftswissenschaft (Geldtheorie).
Dort wird seit Jahrzehnten behauptet, eine Zentralbank könne „Geld schöpfen“, indem sie den Banken günstige Kredite gewähre. Die Banken würden dann diese Kredite multiplizierend an die Wirtschaft weitergeben.
Am Anfang des sogenannten „Geldschöpfungsmultiplikators“ stünde also immer eine Kreditgewährung der Notenbank an die Geschäftsbanken.
Geld wird demzufolge als Aktivkredit, d.h. Vermögen, der Notenbank interpretiert. Das Eigenkapital ist nichts anderes als der Überschuss des Vermögens über die Schulden.
Könnte die SNB also durch „Geld drucken“ (Ausdehnung der Notenbankgeldmenge) ihre Aktivkredite (Aktiven) beliebig erhöhen, so würde das konsequenterweise auch bedeuten, dass sie auf diese Art und Weise beliebig Eigenkapital schaffen könnte.
Grund: Notenbankgeld wird als Kredit der SNB an die Banken interpretiert (Aktivkredit, Vermögen). Und je mehr die SNB „Geld schöpft“, bzw. „Banknoten druckt“, desto mehr Vermögen bzw. Eigenkapital würde sie schaffen.
Diese Behauptung ist tatsächlich „ungeheuerlich“ – sie zieht sich aber durch das ganze Referat von Jordan hindurch.
Die Geldtheorie wird in der Schweiz geldpolitisch umgesetzt durch die Schweizerische Nationalbank. Diese wird dadurch ebenfalls zur Ansprechpartnerin.
An exponierter Stelle befindet sich das Direktorium. Namentlich SNB-Chef Prof. Dr. Jordan.
Jordan kolportiert in seinem Referat die Behauptung, die SNB könne uneingeschränkt „Liquidität“ (liquide Mittel) schaffen, in mannigfacher Weise. D.h. er geht durch sein ganzes Referat hindurch davon aus, dass die SNB unbeschränkt „Liquidität“, sprich „Vermögen“ schaffen könne.
Daraus abgeleitet folgt konsequenterweise, dass er davon ausgeht, dass die SNB „unbeschränkt“ Eigenkapital schaffen könne.
1. In der Zusammenfassung seines Referats auf S.13 sagt Jordan wörtlich:
Daraus folgt konsequenterweise, dass Eigenkapital mit „Geld drucken“ aufgestockt werden könne, wenn auch „nicht nachhaltig“.
Eigenkapital kann aber nur mit Eigenkapital aufgestockt werden, nicht mit Fremdkapital.
Ergo: Jordan betrachtet Banknoten mit Selbstverständlichkeit als Eigenkapital der SNB.
Und wohlverstanden: Es handelt sich hier um die Zusammenfassung seines Referats. Und Jordan betont auch: „wie gesagt“. Es handelt sich also nicht um einen einmaligen „Versprecher“. Das ganze Referat basiert auf diesem „ungeheuerlichen“ Fehler.
2. Gleich im nachfolgenden Satz begeht Jordan einen weiteren „kapitalen“ Überlegungsfehler (im wahrsten Sinne des Wortes):
Er sagt: „Die Geldschöpfung erlaubt lediglich, den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachzukommen.“
Zur Erinnerung: Unter der angeblichen „Geldschöpfung“ wird verstanden, dass die SNB „Geld drucke“ sprich auch „Banknoten drucke“.
Könnte die SNB tatsächlich mit „Geldschöpfung“ den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachkommen, so könnte es überhaupt nie zu negativem Eigenkapital der SNB kommen. Das wäre in diesem Fall gar kein Thema.
Da die SNB alle Schulden durch die angebliche „Geldschöpfung“ begleichen könnte, könnte es auch gar keine Schulden der SNB geben – und somit kein negatives Eigenkapital.
Negatives Eigenkapital entsteht ja dadurch, dass die Schulden (Zahlungsverpflichtungen) grösser sind als das Vermögen. Und auch dieser Fall ist nur denkbar, wenn die SNB ihre Bilanz nicht deponiert, sobald das Eigenkapital der SNB aufgebraucht ist und negativ zu werden droht.
Weiter: Könnte die SNB sämtliche Schulden jederzeit durch „Geldschöpfung“ (Druck von Banknoten) begleichen, wie das Jordan behauptet, so müsste das Eigenkapital der SNB auch gar nie sinken. Die SNB könnte ja einfach „Geld schöpfen“.
Es macht aber keinen Sinn, zu behaupten, dass das Eigenkapital von beispielsweise 90 Milliarden auf 50 Milliarden fällt (heutiger Zustand) und dann weiter auf null und dort „stehenbleibt“ bzw. nicht weiter sinken kann. Es müsste logischerweise auch weiterfallen können.
Könnte die SNB ihre Schulden durch „Geldschöpfung“ jederzeit begleichen, so müsste sie nur Banknoten drucken, sobald das Eigenkapital sinken würde.
Weiter: Könnte die SNB durch Geldschöpfung das Eigenkapital am Sinken hindern, so könnte sie dieses auch „unbeschränkt“ aufstocken durch Geldschöpfung (Drucken von Banknoten).
Weiter: Könnte die SNB durch „Geldschöpfung“ Eigenkapital schaffen, so könnte sie unendlich viel Eigenkapital schaffen und damit „unbeschränkt“ Euros aufkaufen und den Euro stützen bzw. den Franken schwächen.
Das ist es, was ich als „Volksverführung“ betitle. Ja, die SNB könnte damit „die ganze Welt aufkaufen“.
Wenn die SNB das könnte, könnten dies die anderen Notenbanken aber auch. Hat also die EZB eine andere Vorstellung vom Wechselkurs, so wäre es vermessen, davon auszugehen, dass die SNB stärker ist als die EZB.
Wir könnten diese Überlegungen jetzt noch weiter ausführen. Sie verdeutlichen aber alle, dass die Behauptung des Ziehvaters von Prof. Jordan, von Prof. Baltensperger, die SNB hätte keine Limiten, den Franken zu schwächen, weil sie Banknoten drucken könne, fern der Realität ist.
Selbst wenn Banknoten Eigenkapital der SNB wären, würde diese Aussage nicht einmal Sinn machen.
3. Sie schreiben in Ihrem Kommentar:
„Jordan sagt doch auch, dass Eigenkapital nur über Gewinne aufgestockt werden kann…“
Das Wort „nur“ habe ich nirgends gefunden im Referat von Jordan.
Im Gegenteil. In seinem ganzen Referat weist Jordan mehrmals auf zwei Wege hin, wie die SNB negatives Eigenkapital der SNB aufzustocken gedenke:
Er argumentiert: „Zum einen kann eine Zentralbank nicht in Liquiditätsprobleme geraten. Zum anderen erwirtschaftet sie längerfristig immer wieder Gewinne…“ (S. 5)
Jordan schweben also zwei Wege vor zu Aufstockung von negativem Eigenkapital:
a) Geldschöpfung, Schaffung von „Liquidität“ durch Druck von Banknoten.
b) Gewinne zurückbehalten (Seigniorage)
Da die SNB auf ihren Banknoten (Obligationsscheine der SNB) keine Zinsen (Passivzinsen) zu bezahlen hat, selber aber Aktivzinsen und ev. positive Kursveränderungen auf ihrem Vermögen verbuchen kann, kann sie möglicherweise einen Gewinn erwirtschaften.
Weil die Konsumenten auf ihren Banknoten, die sie halten, keinen Zins erhalten (technisch praktisch unmöglich) ist es aber nicht mehr als korrekt, dass die SNB einen Teil ihres Gewinns an Bund und Kantone abliefert (dafür habe ich mich bereits an der GV 1996 in Bern eingesetzt, was dann auch geschah).
Wenn die SNB nun einfach keine Gewinne mehr ausschüttet, um ihre Devisenverluste zu decken, so enthält sie dem Volk vor, was dem Volk gehört.
Kommt hinzu, dass bei einem Einbruch des Euro schnell ein Verlust in einem zwei- bis dreistelligen Milliardenbetrag entstehen kann. Durch Zinsdifferenz kann es Jahrzehnte dauern, bis dieser Verlust wieder erwirtschaftet ist.
Zudem ist kaum davon auszugehen, dass nach einem Einbruch des Euros, dieser sich bald wieder erholt. Man kann also nicht mit Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass die SNB bald nach ihren Verlusten wieder hohe Gewinne verbuchen würde, mit denen sie das negative EK der SNB wieder aufstocken könnte.
Was Jordan sagt ist etwa Folgendes: Fällt der Euro, so wird das Eigenkapital der SNB negativ. Der Euro wird dann aber wieder steigen. Und mit diesen Gewinnen (Seigniorage) kann dann das negative Eigenkapital wieder aufgestockt werden.
Diese Argumentation ist nicht durchdacht, weil es auch sein kann, dass der Euro fällt und nicht wieder steigt. In diesem Fall bleibt das Loch im Eigenkapital der SNB bestehen.
4. Kommen wir nun zum Hauptargument von Jordan, wie er negatives Eigenkapital wieder aufstocken will – zur angeblichen „Geldschöpfung“ bzw. zur angeblichen Schaffung von „Liquidität“ („liquide Mittel“), womit die SNB sämtliche Verbindlichkeiten jederzeit „bedienen“ könne.
Hier einige Zitate aus dem Referat:
„Zum einen kann eine Zentralbank nicht in Liquiditätsprobleme geraten. Zum anderen erwirtschaftet sie längerfristig immer wieder Gewinne…“ (S. 5)
„Zentralbanken haben kein Liquiditätsproblem“ (Untertitel, S. 5)
„Ein erster Grund für die Sonderstellung einer Zentralbank liegt darin, dass es bei ihr keine Liquiditätsengpässe – also kurzfristige Zahlungsprobleme – gibt. Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann.“ (S.5)
„Da ein Liquiditätsengpass in eigener Währung unmöglich ist, stellt sogar eine Situation, in der eine Zentralbank negatives Eigenkapital ausweist, für ihre Geschäftspartner kein Problem dar.“ (S.6)
„Denn im Unterschied zu anderen Unternehmen und Banken könnte sie auch in diesem Fall den künftigen Forderungen in eigener Währung immer nachkommen.“ (S.6)
„Zum anderen besteht bei negativem Eigenkapital kein rechtlicher Zwang zur Sanierung, geschweige denn zur Liquidation…“(S.7)
„Erstens kann eine Zentralbank auch bei vorübergehend negativem Eigenkapital nicht in eine Situation geraten, in der sie nicht mehr imstande ist, ihre Schulden vollumfänglich zu begleichen. Damit bleibt sie uneingeschränkt handlungsfähig.
Zweitens fallen bei der SNB in normalen Zeiten Überschüsse an, die zu einer kontinuierlichen Äufnung bzw. Wiederherstellung des Eigenkapitals beitragen.“
Gerade dieses letzte Zitat von Jordan belegt, dass er davon ausgeht, dass negatives Eigenkapital der SNB in erster Linie durch die sogenannte angebliche Geldschöpfung (Schaffung von „Liquidität“) wieder aufgestockt werden soll.
5. Rufen wir uns in Erinnerung: Die angebliche „Geldschöpfung“ durch die Zentralbank wird dadurch ausgelöst, indem die Zentralbank den Banken „günstige Kredite gewährt“ (die Wirtschaft mit „billigem Geld versorgen“, „lender of last resort“).
Die Banken geben dann diese günstigen Kredite an die Wirtschaft weiter. Das ist gemäss Lehrbuch (herrschender Lehre) „Geldschöpfung“.
Geld (Notenbankgeld) wird demzufolge als ein Aktivkredit der SNB an die Wirtschaft (Banken) interpretiert. Ein Aktivkredit gehört zum Vermögen.
Wird das Vermögen der Notenbank gemäss herrschender Lehre durch Geldschöpfung vergrössert, so nimmt die Aktivseite der SNB-Bilanz zu.
Daraus folgt, dass das Eigenkapital der SNB steigen müsste, da das Eigenkapital den Überschuss des Vermögens über die Verbindlichkeiten darstellt.
Notenbankgeld wird demzufolge fälschlicherweise als Vermögen (Aktivum der SNB) und damit als Eigenkapital der SNB interpretiert.
Wenn also Jordan argumentiert, die SNB könne aufgrund der „Geldschöpfung“ jeder Verbindlichkeit nachkommen durch „drucken von Banknoten“, so folgt daraus, dass er die bei der Geldschöpfung emittierten Banknoten als Eigenkapital der SNB interpretiert.
6. Immer wieder behauptet Jordan, die SNB könne nicht in „Liquiditätsschwierigkeiten“ geraten. Die SNB könne ihre Verbindlichkeiten fortwährend bedienen usw.
Ein Liquiditätsengpass der SNB sei unmöglich. Die SNB hätte „keine Zahlungsprobleme“ usw.
„Verbindlichkeiten „bedienen“ heisst, die Verbindlichkeiten abzubauen. Die Passivseite wird dadurch verkürzt.
Entscheidend: Wenn die SNB jedoch „Geld druckt“, so wird die Passivseite der SNB-Bilanz keineswegs verkürzt, sondern im Gegenteil verlängert!
Daraus folgt: Die SNB kann durch Geld drucken ihre Verbindlichkeiten keineswegs „bedienen“ bzw. abbauen, wie Jordan behauptet. Im Gegenteil: Durch Geld drucken (Geldschöpfung) werden die Verbindlichkeiten der SNB nur noch vergrössert.
Die SNB kann allenfalls eine Umschuldung vornehmen und die Giroguthaben der Banken bei der SNB durch Banknoten ersetzten.
Allerdings ist fraglich, ob die Banken das akzeptieren müssen (Kollokationsplan!). Zudem muss man sich auch das Chaos vorstellen, wenn hunderte Milliarden Franken Banknoten in den Umlauf geschleust würden. Der Zahlungsverkehr würde zusammenbrechen!
Zudem sind Banknoten und Giroguthaben analog zu bewerten bei entsprechendem Vermögen der SNB. Der Austausch von Giroguthaben in Banknoten macht somit keinen Sinn. Er würde nur den Zahlungsverkehr zum Erliegen bringen und der Wirtschaft zusätzlich schaden.
7. Um eine Verbindlichkeit abzubauen, benötigt die SNB Vermögen, d.h. Aktiven (wie jedes andere Unternehmen auch). Fällt der Wert des Vermögens der SNB aber unter Wert ihrer Verbindlichkeiten, so kann auch eine Nationalbank durch Geldschöpfung (Geld drucken) kein Vermögen schaffen.
Denn Notenbankgeld sind Schulden der SNB.
Die Fehlargumentation von Jordan basiert auf der Verwechslung von Eigenkapital und Fremdkapital. Er stellt Banknoten als Eigenkapital der SNB dar und die Giroguthaben der Banken als Kredite der SNB an die Banken (Aktivkredite) anstatt umgekehrt als Fremdkapital der SNB (Passivkredite).
8. Jordan interpretiert auch den Ausdruck Liquidität falsch. Er interpretiert den Notenumlauf als Vermögend der SNB und damit als Eigenkapital der SNB anstatt als Fremdkapital der SNB:
Da der Bundesrat in seiner Antwort auf die SVP-Motion diesen Fehler ebenfalls begeht, soll er hier nochmals erläutert werden:
Bei „Liquidität“ handelt es sich immer – ich wiederhole – immer um Vermögen in der Bilanz.
Es gibt nur liquides Vermögen – keine liquiden Schulden. Liquidität zeigt an, wie schnell ein Vermögenswert dazu gebraucht werden kann, Schulden zu begleichen.
Ein Wertpapier stellt immer nur Liquidität aus Sicht des Gläubigers dar – niemals aus Sicht des Schuldners.
Hält ein Leser / eine Leserin einen Geldbetrag auf einem Girokonto bei seiner / ihrer Bank, so stellt dieser Betrag Liquidität aus Sicht des Lesers / de Leserin dar.Nie und nimmer aber Liquidität aus Sicht der Bank. Die Bank darf mit den Kundengeldern keine eigenen Schulden begleichen.
Genauso darf die SNB nie und nimmer Schulden begleichen mit den Giroguthaben der Banken bei der SNB!
Wenn aber Jordan behauptet, die SNB könne durch Geldschöpfung (Giroguthaben der Banken bei der SNB) sämtliche Schulden begleichen, so verwechselt er Aktiven und Passiven bzw. Eigenkapital und Fremdkapital der SNB miteinander.
Er interpretiert den Notenumlauf fälschlicherweise als „Liquidität“ der SNB anstatt als Schulden der SNB.
Notenbankgeld ist nicht – ich wiederhole – nicht zur „Liquidität“ (nicht „liquide Mittel“) der SNB zu zählen.
Durch Drucken von Banknoten kann die SNB nicht selber eigene Liquidität („liquide Mittel“) schaffen, weil der Notenumlauf eben nicht zu den „liquiden Mitteln“ der SNB gehört. Das geht aus der Verbuchung des Notenumlaufs hervor.
Hingegen gehören die Devisenanlagen zu den „liquiden Mittel“n der SNB (links oben in der SNB-Bilanz verbucht). Aber die SNB kann beispielsweise keine Euros drucken.
Deswegen kann die SNB sehr wohl illiquide werden!
Denselben Fehler begeht unser Bundesrat in seiner Antwort auf Motion der SVP („Einführung einer Verschuldungslimite für die Nationalbank“).
9. Jordan beruft sich in seinem Referat auf das Gesetz, wonach Banknoten „gesetzliches Zahlungsmittel“ seien.
„…hat die SNB zudem von Gesetzes wegen das Recht, ausstehende Forderungen mit der Schöpfung von Franken sozusagen „aus dem Nichts“ zu begleichen…“ „Dank dieser autonomen Geldschöpfungsmöglichkeit, dem Notenmonopol, gerät die SNB nie in Liquiditätsengpässe.“ (S. 6)
Was Jordan übersieht ist folgendes:
Banknoten sind gesetzliches Zahlungsmittel in der Schweiz für sämtliche Marktteilnehmer – ausser für die SNB selbst.
Ein einfaches Beispiel: Ein Gutschein von z.B. Jelmoli ist ein Gutschein für sämtliche Marktteilnehmer, die einen solchen Gutschein besitzen – ausser für Jelmoli selbst. Für Jelmoli ist und bleibt dieser ein Schuldschein.
Genauso verhält es sich mit den von der SNB emittierten Banknoten:
Diese stellen ein Zahlungsmittel dar für sämtliche Marktteilnehmer ausser für die Nationalbank selbst. Für die SNB ist eine Banknote ein Schuldschein. Deshalb wird sie auf der Passivseite verbucht.
Auch hier interpretiert Jordan eine Banknote fälschlicherweise als Vermögen (Eigenkapital) der SNB anstatt als Schuld (Fremdkapital) der SNB.
10. Jordan behauptet in seinem Referat auch, die Marktteilnehmer hätten gegenüber der SNB nicht das Recht, eine Banknote gegen einen Vermögenswert zurückzugeben.
Kauft eine Notenbank Devisen so lautet der Buchungssatz
Gemäss Nationalbankgesetz darf die SNB höchsten 4 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten der SNB als Mindestreserve einfordern. Dieser Betrag ist laut Angaben auf der SNB-homepage bereits um das 20-fache übertroffen.
Die SNB hat also nicht das Recht, so hohe zinslose Giroguthaben der Banken auf immer einzufordern oder zurückzubehalten.
Daraus folgt: Die Banken haben das Recht, ihre Giroguthaben zu einem grossen Teil abzuziehen. Genauso wie jeder Marktteilnehmer über sein Girokonto bei einer Bank verfügen kann.
„Guthaben“ heisst ja, man hat etwas zugute. Ansonsten wäre das kein „Guthaben“.
Der Buchungssatz lautet dann:
Notenumlauf / Gold
Nicht das Recht, von der SNB Gold zu beziehen, garantiert für den Werterhalt des Vermögens der SNB. Es ist die Bilanz, welche dafür garantiert, dass das Vermögen der SNB noch mit seinem erforderlichen Wert vorhanden ist.
11. Aufgrund der Verwechslung von Vermögen und Schulden der Nationalbank bzw. aufgrund der Verwechslung von Eigenkapital und Fremdkapital der SNB kommt Jordan in seinem Referat zum Schluss:
„Eine Zentralbank kann im Normalfall damit über die Zeit aus eigener Kraft wieder ein positives Eigenkapital erreichen. Deshalb besteht weder eine Sanierungspflicht noch ein Sanierungsbedarf.“ (S. 11)
Da die SNB im Falle von negativem Eigenkapital dieses nicht wieder aus eigener Kraft aufstocken kann, wie Jordan meint, weil Notenbankgeld nicht zum Vermögen (bzw. zum Eigenkapital der SNB zählt) wird die SNB bei negativem Eigenkapital sehr wohl zum Sanierungsfall.
Diesen Punkt haben wir ja schon früher miteinander diskutiert.
Zuerst wird der Steuerzahler die SNB rekapitalisieren müssen und / oder die Geschäftsbanken müssen ihre Kredite an die SNB entsprechend abschreiben, was zum Konkurs von Geschäftsbanken führen kann.
12. Bitte beachten Sie auch, dass SNB-Chef Jordan auf seiner Folie Nr. 2 negatives Eigenkapital auf der falschen Seite der Bilanz verbucht. Auf der Passivseite anstatt auf der Aktivseite.
Sie sehen: Im Referat von SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan verwechselt dieser nicht nur einmal Eigenkapital und Fremdkapital der SNB miteinander. Sein ganzer Vortrag basiert auf diesem „ungeheuerlichen“ Fehler.
Die Schlussfolgerung von Jordan: „Die Nationalbank hat auf Basis der heutigen Bilanzstruktur eindeutig kein strukturelles Bilanzproblem.“ ist eine auf Irrtümern beruhende Illusion.
Dasselbe gilt auch für seine weitere Aussage dass: „… die SNB auch bei negativem Eigenkapital vollumfänglich handlungsfähig bliebe…“ (S.11)
Zudem stellt sich unverändert die Frage, wie die SNB die Zinsen in der Schweiz steuern will, wenn sie in der Schweiz 99 mal mehr Schulden hat als Vermögen (momentaner Stand).
Die SNB stuft ihre finanzielle Situation und damit ihre Handlungsfähigkeit offensichtlich vollkommen falsch ein.
21. Dezember 2013 / 23:40
Sie gehen ja sehr hart ins Gericht mit den SNB-Verantwortlichen, und fordern den geschlossenen Rücktritt von Direktorium und Bankrat.
Ich frage Sie – wer soll denn deren Nachfolge antreten? Die Notenbanker der zweiten SNB-Führungsriege werden ja sehr wahrscheinlich dieselben „Wissenslücken“ haben.
Und beim Bankrat würden Politiker auf Politiker folgen – die ja – so ist es zu vermuten – allesamt nicht wegen ihrem Sachverstand ins Gremium gewählt werden.
Würden Sie die Aufgabe übernehmen?
Gibt es andere fähige Leute im Land, oder sind Sie der einzige, der etwas versteht von Geldpolitik?
Was wären Ihre wichtigsten Entscheide um das Ruder herumzureissen, wenn Sie Herrn Jordan beerben würden?
Wie sähe langfristig Ihre Geldpolitik zum Nutzen des Landes und deren Bevölkerung aus?
Wie würden Sie die Öffentlichkeitsarbeit der SNB verbessern, damit nicht weiterhin unfähige Professoren und Journalistinnen dem Volk Dummheiten erzählen?
22. Dezember 2013 / 20:15
In Ihrem Kommentar schimmert durch, dass auch Sie erkennen, dass in der Schweiz an der Basis ein Umdenken bezüglich SNB und Mindestkurs stattfinden muss.
Deshalb wäre es mir wichtiger, dass Sie zuerst auf diesen Widerspruch zu sprechen kämen anstatt auf die Frage, wer das Problem letztlich lösen kann.
Der Leitartikel von Herr Lukas Hässig lautet: Hedgefund SNB: Wer stoppt den Wahnsinn?
Es wird also jemand gesucht, der diesen Wahnsinn stoppt.
Wenn die ganze Schweiz davon überzeugt ist, dass die SNB einfach Banknoten drucken kann, um damit Euros zu kaufen, wie die SNB behauptet, so kann eine einzelne Person dagegen nicht viel ausrichten.
Das Problem wird in diesem Fall erst dann erkannt, wenn die Banken ihre Giroguthaben bei der SNB abschreiben müssen und Konkurs gehen, oder wenn die Steuern massiv steigen, um die Verluste der SNB zu bezahlen.
Es muss wirklich an der Basis ein Umdenken stattfinden. Erst wenn das Schweizervolk mehrheitlich erkannt hat, dass es im Falle von horrenden Verlusten der Notenbank diese Schulden über Steuern selber wird bezahlen müssen, wird es möglich sein, das Steuer bei der SNB „herumzureissen“.
Nur – dann könnte es bereits zu spät sein. Deshalb wäre es mir ein grosses Anliegen, dass Sie Stellung nehmen zur Frage, wie die SNB ihre Euros finanziert: Mit Eigen- oder mit Fremdkapital?
Wer kann das Steuer bei der SNB noch „herumreissen“?
Das Direktorium um SNB-Chef Jordan? Dieses Direktorium (mit Philipp Hildebrand) hat uns ja das Ganze eingebrockt. Es ist ja dieses Direktorium, das unermüdlich verkündet, es werde „unbeschränkt“ weiter Euros kaufen und mit „Geld drucken“ finanzieren. Dieses Direktorium hat nichts gelernt und ist auch nicht bereit, von seiner naiven Geldtheorie abzulassen.
Kann dieses Direktorium über den eigenen Schatten springen? M.E. stehen SNB-Direktorium und SNB-Bankrat einer offenen Diskussion und einem Paradigmenwechsel in der Geldtheorie und Geldpolitik im Weg. Sie sollten deshalb m.E. zurücktreten.
Punkto Politiker ist doch Folgendes erkennbar: Während früher landauf landab alle behaupteten, die SNB könne ja einfach Geld drucken und beliebig Franken anbieten, sind diese Stimmen rar geworden. Ich möchte fast behaupten, sie sind ganz verstummt.
Diese Diskussion hier auf Inside Paradeplatz hat also doch etwas bewirkt. Nach Neuwahlen werden voraussichtlich auch vermehrt Politiker öffentlich dazu stehen, dass es eine Illusion ist, dass die SNB mit Geld drucken Eigenkapital schaffen kann.
Aber bis zu den Neuwahlen dauert es noch. Möglicherweise ist bis dahin der Euro bereits nach unten ausgebrochen.
Das einzige, was ich hier tun kann, ist, Basisarbeit zu verrichten. Mit Leuten wie Sie diskutieren und Sie davon überzeugen, dass die SNB sämtliche Euros bisher mit Staatsschulden gekauft hat und in Zukunft auch mit Staatsschulden kaufen wird – trotz Schuldenbremse.
Die Diskussion hier zeigt, dass es immer mehr Leute gibt, die ganz genau verstehen, was ich sage und mir auch Recht geben. Wenn eine breite Basis das verstanden hat, können wir weiterschauen.
Wie eine Geldpolitik der SNB zum Nutzen des ganzen Landes aussehen müsste, habe ich an der GV 1996 der SNB und in vielen Zeitungsartikeln damals skizziert (u.a. „Die SNB-Investitionspolitik ist zu überdenken“, FuW, 31. Januar 1996).
Damals zeigt ich, dass die SNB anstatt im Ausland vermehrt im Inland investieren sollte, um hierzulande die Wirtschaft anzukurbeln.
Leider hat dann Philipp Hildebrand drei Monate später auch in einem ganzseitigen Artikel in der FuW das Gegenteil geschrieben: Die SNB solle sich in der Schweiz billig verschulden und das so aufgenommene Kapital im Ausland hochverzinslich anlegen.
Damit zeigte er, dass er nicht verstanden hatte, was die Aufgabe einer Notenbank ist. Er propagierte hochriskante „currency carry trades“. Und das Resultat seiner Spekulationen sehen wir heute.
An Tele Basel wurde mir die Frage gestellt, ob ich diesen Job annehmen würde.
Ich stehe noch heute zu dem, was ich dort geantwortet habe.
Aber die Zeit drängt!
19. Dezember 2013 / 20:35
Ich habe die Diskussion hier interessiert verfolgt. Aber die vielen, teils widersprüchlichen Aussagen haben mich etwas verwirrt. Ich hab’s versucht, etwas zu sortieren.
Kann mir einer der Spezalisten hier im Forum sagen, ob die folgenden Aussagen richtig oder falsch sind? Besten Dank!
1. Das Fremdkapital der SNB in der Regel hauptsächlich aus den in Verkehr gesetzten Banknoten und den Sichtguthaben der Banken bei der SNB, den sogenannten Giroguthaben. Diese Sichtguthaben entsprechen einem Kredit der Geschäftsbanken an die SNB.
2. Im Falle der SNB setzt sich Eigenkapital aus Rückstellungen für Währungsreserven, Ausschüttungsreserve und Aktienkapital zusammen.
3. In der Betriebswirtschaftslehre ist Liquidität die Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts, seine fälligen Verbindlichkeiten jederzeit (fristgerecht) und uneingeschränkt begleichen zu können.
4. Makroökonomisch bezeichnet Liquidität die vorhandene Geldmenge, wobei M0, M1, M2 oder M3 gemeint sein kann. Die Geldmenge wird von der Konjunktur, insbesondere von der Geldumlaufgeschwindigkeit und der Geldpolitik der Zentralbank beeinflusst.
5. Die Geldmenge M0 umfasst das von der Zentralbank geschaffene Geld. Sie wird in der Schweiz Notenbankgeldmenge genannt und besteht aus dem Notenumlauf sowie den Giroguthaben der Banken bei der Nationalbank.
20. Dezember 2013 / 07:56
Da ich beruflich zur Zeit überlastet bin, kann ich Ihnen nicht sofort antworten.
Ich werde versuchen, Ihnen heute im Verlaufe des späteren Nachmittags Antwort zu geben.
20. Dezember 2013 / 08:12
@ Hannes Anderegg
1. Richtig. Notenumlauf (etwa 60 Mrd. per Ende Oktober 2013) und Giroguthaben der Banken (318 Mrd.) sind die wichtigsten Positionen auf der Passivseite der SNB-Bilanz.
2. Eigenkapital (etwa 58 Mrd.) wird am besten verstanden als Differenz zwischen den Aktiven (bei der SNB v.a. Devisenanlagen und Gold) und den Passiven. Die Rückstellungen werden auch zum Eigenkapital gerechnet, sie beruhen auf Art. 30 des Nationalbankgesetzes: „Die Nationalbank bildet Rückstellungen, die es erlauben, die Währungsreserven auf der geld- und währungspolitisch erforderlichen Höhe zu halten.“
3. Ja, das sehe ich auch so.
4. Die verschiedenen Geldmengendefinitionen entsprechen unterschiedlichen Graden an Liquidität. Es gibt einerseits das Zentralbankgeld M0, das von der Zentralbank geschaffen wird. Dann gibt es die verschiedenen Formen von Geld, die von Nicht-Banken gehalten werden (M1 bis M3). M1 (Bargeld, Sichteinlagen, Postkontoguthaben) kann direkt für Zahlungen verwendet werden. M2 enthält beispielsweise noch Spareinlagen. Die SNB kontrolliert nur M0, die Höhe von M1 etc. hängt, wie sie schreiben, von verschiedenen Einflussfaktoren ab.
20. Dezember 2013 / 09:03
Vielen Dank, Moneymoney. Sie haben alle Punkte kurz und präzis beantwortet. Leider ist zu befürchten, dass Herr Dr. Meyer trotzdem auf seiner Deutungshoheit bestehen wird.
20. Dezember 2013 / 10:29
@ Dr. B. Lugosi
Danke fürs Feedback. Ich denke über diese Punkte sollte noch weitgehend Einigkeit bestehen. Die Differenzen beginnen, wenn es um die Implikationen geht.
20. Dezember 2013 / 20:30
Bereits bei Punkt 1 beginnt die Meinungsverschiedenheit:
„Diese Sichtguthaben entsprechen einem Kredit der Geschäftsbanken an die SNB.“
Entscheidend ist, dass es sich um Kredite der Geschäftsbanken an die Notenbank handelt und nicht – ich wiederhole – nicht um Kredite der Notenbank an die Geschäftsbanken.
Unsere SNB bezeichnet sich selber aber als „lender of last resort“, das heisst „Kreditgeberin der letzten Instanz“.
Die SNB betrachtet die Giroguthaben der Banken damit fälschlicherweise als Kredite der SNB an die Banken.
Die Giroguthaben der Banken bei der SNB werden am Schweizer Fernsehen ausschliesslich als Kredite der SNB an die Banken dargestellt anstatt umgekehrt als Kredite der Banken an die SNB.
Ich poste Ihnen hier einen Link zu einer Reportage des Schweizer Fernsehens kurz nach dem sogenannten „Franken-Rütli“, als der Bundesrat der SNB den „Wunsch der Wirtschaft“ überbrachte, am Devisenmarkt zu intervenieren.
http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/08/10/Wirtschaft/SNB-verschaerft-Massnahmen-gegen-Frankenstaerke
Wenn Sie die beiden Kurzbeiträge von 10vor10 sowie Tagesschau ansehen, so werden Sie feststellen: Sowohl der befragte Bankenprofessor Ammann, wie auch die Fernsehjournalistin Marianne Fassbind betrachten die Giroguthaben der Banken bei der SNB fälschlicherweise als Kredite der SNB an die Banken.
Prof. Amman antwortet auf die konkrete Frage, was denn „Sichtguthaben“ bedeute:
„Das heisst, dass die Schweizerische Nationalbank den Geschäftsbanken, z.B. UBS, CS, und anderen Banken Geld zur Verfügung stellt gegen einen Zins…“
Die SNB wäre somit Kreditgeberin, die den Banken „billiges Geld“ zu einem „günstigen Zins“ ausleiht.
Das ist eine Irreführung: Es handelt sich umgekehrt um Kredite der Banken an die SNB.
Ammann und Fassbind verdrehen die Rechtslage: Sie stellen die SNB bezüglich der Giroguthaben der Banken als Gläubigerin dar anstatt als Schuldnerin.
Das ist eine schwerwiegende Irreführung der Rechtslage, hinter der unsere Nationalbank steckt!
Es gibt noch weitere solche Ausstrahlungen am Schweizer Fernsehen. Aus Platzgründen kann ich hier nicht alle wiederholen. Einige finden Sie im Blog zu meinem Standpunkt Beitrag auf Inside Paradeplatz „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung“.
Der Kommentator moneymoney hat auch auf Ihre Frage geantwortet.
Er gibt Ihnen bezüglich Punkt 1 Recht. Aber er weicht dem Ausdruck „Kredit der Banken an die SNB“ aus.
Er schreibt einfach:
„…die Giroguthaben … sind die wichtigsten Positionen auf der Passivseite der SNB-Bilanz.“
Und er gibt Ihnen Recht. Korrekterweise hätte er aber hervorheben müssen, dass die SNB die Giroguthaben der Banken umgekehrt als Kredite der SNB an die Banken interpretiert – im Gegensatz zu Ihrer Definition.
Er weicht also dem entscheidenden Punkt aus. Er weiss, warum.
Und nun zu Ihrem Punkt 2:
„Im Falle der SNB setzt sich Eigenkapital aus Rückstellungen für Währungsreserven, Ausschüttungsreserve und Aktienkapital zusammen.“
Es ist logisch, dass Sie hier von den Passiven in der SNB-Bilanz schreiben.
SNB-Chef Jordan behauptet aber umgekehrt, bei den Währungsreserven handle es sich nicht um das Eigenkapital auf der Passivseite der SNB-Bilanz, sondern um die Devisenanlagen auf der Aktivseite:
“… Währungsreserven auf der Aktivseite unserer Bilanz …”
(Jordan, Vortrag vor der Statistischen Gesellschaft des Kantons Bern, Seite 4).
Sie sehen, auch hier verwechselt unsere Nationalbank Aktiven und Passiven der SNB miteinander.
Moneymoney gibt Ihnen erneut Recht, ohne dass er auf diesen fundamentalen Irrtum der SNB hinweisen würde.
Kommen wir zu den Punkten 3 und 4, die zusammengehören:
„Liquidität“ ist die Definition dafür, wie schnell ein Vermögenswert dazu benutzt werden kann, eine Verbindlichkeit zu begleichen.
Bei Liquidität handelt es sich somit immer – ich wiederhole – immer um ein Aktivum bzw. um Vermögen.
Es gibt keine „liquiden Schulden“. Das wäre ein Widerspruch in sich selbst – genauso wie ein „viereckiger Kreis“ und dergleichen.
Es ist korrekt: Auch die Geldmengenaggregate M1 – M3 gehören zur Liquidität.
Aber aufgepasst! Diese Geldmengenaggregate stellen nur dann Liquidität dar, sofern es sich um Aktiven handelt – niemals, wenn es sich um Passiven handelt.
Hier liegt einer der schlimmsten Fehler in der naiven Geldtheorie!
Wenn Sie auf Ihrem Bankkonto (z.B. Lohnkonto) ein Guthaben von 10’000 Franken besitzen, so stellt dieser Betrag Liquidität aus Ihrer Sicht (Herr Anderegg) dar.
Diese 10’000 Franken stellen aber nie und nimmer „Liquidität“ aus Sicht Ihrer Bank dar. Ihre Bank darf mit Ihrem Guthaben niemals eigene Schulden begleichen.
Genauso verhält es sich mit sämtlichen Geldmengenaggregaten: Diese können einerseits Liquidität und damit Vermögen darstellen (aus Sicht des Gläubigers) und andererseits aber auch Schulden aus Sicht des Schuldners.
Auch die SNB darf mit den Giroguthaben der Banken keine eigenen Schulden „bedienen“, wie SNB-Chef Jordan in seinem Referat vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschafrt Basel irreführend behauptet.
Was ist das für ein SNB-Chef?
Genauso, wie in der Betriebswirtschaftslehre (Buchhaltung) unterschieden wird zwischen „Aktivdarlehen“ und Passivdarlehen“ genauso sollte man beginnen, in der Geldtheorie zu unterscheiden zwischen
a)	„Aktiven Geldmengenaggregaten“ und
b)	„Passiven Geldmengenaggregaten“
Weil die Geldtheorie nicht zwischen „aktivem Geld“ und „passivem Geld“ unterscheidet, kommt es zu diesem schwerwiegenden Fehler, welcher SNB und Bundesrat begehen:
Sie ordnen den Notenumlauf der SNB und die Giroguthaben der Banken der Liquidität und damit dem liquiden Vermögen der SNB zu anstatt den Schulden der SNB.
Es geht hier nicht um „Wortklauberei“. Nein, es geht darum, dass erkannt wird, dass es sich bei den Giroguthaben der Banken bei der SNB um Schulden der SNB handelt und nicht um Liquidität, sprich Vermögen der SNB.
Daraus folgt wiederum, dass die SNB ihre Gesamtschulden bzw. negatives Eigenkapital nicht wieder aufstocken kann durch Emission von Notenbankgeld. Grund: Notenbankgeld gehört selber zu den Schulden der SNB.
Wie die Geldmenge entsteht, habe ich in meinem Artikel „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung“ ausführlich beschrieben.
Es ist nicht die Notenbank, welche „Geld schöpft“, sondern es ist die Realwirtschaft. Ich habe die Emission von Geld verglichen mit der Ausstellung eines Geburtsscheins.
Es macht keinen Sinn, wenn ein Arzt einen Geburtsschein ausstellt, ohne dass ein Kind geboren wurde. Wenn also die Notenbanken behaupten, sie könnten das Wirtschaftswachstum ankurbeln mit einer „lockeren Geldpolitik“ – sprich mit einer erhöhten Geldemission , so wäre das vergleichbar mit der Behauptung, das Bevölkerungswachstum könne vergrössert werden, indem mehr Geburtsscheine ausgestellt würden – unabhängig davon, wie viele Kinder geboren würden.
Jeder Buchungssatz bei einer Geldemission besteht aus einem Vermögenswert auf der linken Seite und dem Geldaggregat auf der rechten Seite.
Daraus folgt: Ein Geldemittent kann nur dann Geld emittieren, wenn die Wirtschaft einen entsprechenden Vermögenswert geschaffen hat, den sie dem Geldemittenten übergeben kann.
Zum Schluss möchte ich noch ein kurzes Wort sagen zu meinen Mitkommentatoren hier: Moneymoney, Dr. Lugosi und Klaus Kastner.
Sie loben sich gegenseitig – einer den andern – Eigenlob – sie bezichtigen mich, es sei zu befürchten, ich bestünde auf meiner „Deutungshoheit“ usw.
Klaus Kastner geht sogar soweit und rät, ich solle SNB-Chef Jordan „doch auch einmal einen Fehler gestatten“ – nämlich die Verwechslung von Eigenkapital und Fremdkapital.
„Gestatten Sie doch diesem Mann einen Fehler!
Ich solle also Herr Jordan gestatten, 450 Milliarden Franken Fremdkapital mit 450 Milliarden Franken Eigenkapital zu verwechseln?
Dabei handelt es sich um 450 Milliarden Staatsschulden!
Wo denken diese SNB-Befürworter hin?
Oberflächlicher und liederlicher geht es nicht mehr. Sie haben sich ganz auf das Niveau der SNB heruntegelassen!
Unsere Nationalbank ist mit Volksverführern umgeben!
Ich denke nicht, dass man als Volkswirtschafter noch tiefer fallen kann als diese Fürsprecher unserer Nationalbank gefallen sind.
Und was tut unsere Schweizerische Nationalbank angesichts der Diskussion hier auf Inside Paradeplatz?
Sie versteckt sich in ihrem Schneckenhäuschen.
Der Titel des obigen Kommentars von Lukas Hässig und seine Einleitung sagen alles.
Die Führungsmannschaft dieser Nationalbank ist unfähig!
Ich empfehle der Direktion und dem SNB-Bankrat, möglichst bald geschlossen zurückzutreten – bevor der Schaden an der Schweizer Volkswirtschaft irreparabel gross geworden ist.
Direktion und Bankrat hatten dem Bundesrat im Fall Hildebrand ja gedroht, geschlossen zurückzutreten – also sollen sie es jetzt besser tun, anstatt in unverantwortlicher Weise unsere Wirtschaft und unser Land zu gefährden.
21. Dezember 2013 / 09:28
Sehr geehrte Diskutanten, sehr geehrter Herr Dr. Meyer!
> „Bei Liquidität handelt es sich somit immer – ich wiederhole – immer um ein Aktivum bzw. um Vermögen.“
In Bezug auf CHF-Forderungen sind die CHF die Liquidität schlechthin.
CHF sind jederzeit ein Aktivum.
Wer CHF-Scheine als Banknoten bezeichnet, der betreibt Leserverdummung.
Banknoten der SNB wären in der Tat für die SNB keine Liquidität. Solche Banknoten wären Schuldscheine der SNB.
CHF-Geldscheine sind aber selbstverständlich auch für die SNB pure Liquidität. Geldscheine sind keine Schuldscheine, sie sind das Geld selber. Staatspapiergeld.
Es ist wirklich erstaunlich, dass dieser einfache Zusammenhang nicht verstanden wird.
Besonders deshalb, weil hier auf Inside Paradeplatz die Fakten detailliert beschrieben wurden.
Banknoten sind keine Geldscheine, und Geldscheine sind keine Banknoten.
Herr Dr. Meyer schreibt weiterhin:
> „Es gibt keine “liquiden Schulden”. Das wäre ein Widerspruch in sich selbst – genauso wie ein “viereckiger Kreis” und dergleichen.“
Nur, Herr Dr. Meyer, warum ziehen Sie dann nicht die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis?
Eine Banknote, die nicht eingelöst werden kann, ist nämlich ebenso ein logischer Widerspruch in sich selbst.
Wie von mir mehrfach mit den entsprechenden Bilanzen dargestellt, sind die Geldscheine jederzeit ein Aktivum, sie befinden sich jederzeit in eine Aktiva-Kasse.
Die von Ihnen, Herr Dr. Meyer, während der Diskussionen genannten Beispiele (Gutscheine eines Warenhauses, Obligationen von Nestlé) sind in keinster Weise vergleichbar mit einem Geldschein. Selbstverständlich löst das Warenhaus die Gutscheine ein, ebenso selbstverständlich zahlt Nestlé den Obligationsbetrag bei Fälligkeit.
Die SNB muss einen Geldschein nicht einlösen, weil es eben keine Banknote ist.
Die CHF-Geldscheine sind das Geld selber.
Die Schweizer Franken sind aus Papier.
Nicht alles, was aus Papier ist, ist eine Banknote.
Erweisen sie sich als mutig Lernende!
Weil keine Banknoten im Spiel sind, sollten sie auch nicht von Banknoten sprechen.
21. Dezember 2013 / 14:17
@Hardy, Student
Banknoten sind einlösbar.
Beweis Buchungssatz
Notenumlauf an Devisenanlagen
22. Dezember 2013 / 11:45
Mit einem Buchungssatz beweisen zu wollen, dass CHF-Bargeld einlösbar ist, ist absurd. Der genannte Buchungssatz würde zwar das Einlösen von CHF-Bargeld beschreiben, aber CHF-Bargeld ist eben gerade NICHT einlösbar.
Probieren Sie es aus, oder lesen Sie das Gesetz, oder besuchen Sie eine Einführungsvorlesung über Geldtheorie und Geldpolitik (aber mit offenen Ohren).
Mit dem Quatsch, den Sie, Herr Meyer, hier verbreiten, verhindern Sie eine ernsthafte Diskussion über die Themen rund um die SNB-Politik, die tatsächlich wichtig sind.
Sorry, aber ich glaube Sie erweisen Ihrer Sache (der kritischen Beurteilung der SNB-Politik) einen Bärendienst, wenn Sie so offensichtlichen Unsinn behaupten wie dass CHF-Bargeld einlösbar ist.
22. Dezember 2013 / 18:47
Bitte berücksichtigen Sie, dass ich nicht alles x-mal wiederholen kann.
Doch: Banknoten sind durch das Bankensystem bei der Nationalbank einlösbar. Das beweist der obige Buchungssatz.
Ich warte übrigens immer noch auf Ihren Buchungssatz, mit dem Sie beweisen können, dass die SNB negatives Eigenkapital aufstocken kann durch Drucken von Banknoten.
Zudem hat Herr Anderegg gefragt, ob es richtig sei, dass die Giroguthaben der Geschäftsbanken Kredite an die SNB darstellten.
Ich habe gezeigt, dass das richtig ist, dass aber die SNB das Gegenteil behauptet (Fernsehsendungen).
Sie verschweigen diesen Widerspruch, obwohl Sie sich bezüglich dieser Frage hier in die Diskussion eingeschaltet haben.
19. Dezember 2013 / 11:26
Präzisierung zu meiner Antwort an Herrn Kastner:
„Liquidität“ wird auf der Aktivseite verbucht und gehört damit zum Vermögen. Und das Eigenkapital ist der Überschuss des Vermögens (Aktiven) über die Schulden (Passiven).
Der Ausdruck „Liquidität“ im ordentlichen Sinne kann somit als Bestandteil des Eigenkapitals betrachtet werden.
Der Fehler der SNB und des Bundesrates besteht aber darin, dass sie den Banknotenumlauf der SNB fälschlicherweise als „Liquidität“ der SNB darstellen und somit dem Vermögen der SNB zuordnen anstatt den Schulden.
Die „Liquidität“, so wie die SNB und der Bundesrat den Ausdruck gebrauchen (Notenumlauf, Giroguthaben der Banken bei der SNB), kann allerdings nicht dem Eigenkapital der SNB zugeordnet werden.
Da haben Sie Recht, Herr Kastner.
Deshalb kann negatives Eigenkapital der SNB nicht durch Drucken von Banknoten wieder aufgestockt werden.
Der Steuerzahler muss für die SNB-Verluste aufkommen.
Das ist die genaue Erklärung des Fehlers von SNB und Bundesrat.
Ja – einverstanden – das ist kompliziert – sollte aber trotzdem verstanden werden können – insbesondere, da es sich um dreistellige Milliardenbeträge handelt.
Von hochbezahlten Fachleuten und Entscheidungsträgern erwarte ich aber, dass sie das verstehen!
19. Dezember 2013 / 08:01
Bravo. Es ist das erste Mal, dass jemand von den „eingefleischten Zentralbank-Fans“ offen zugibt, dass „ein SNB-Direktor“ (SNB-Chef Jordan) „einmal einen Fehler gemacht hat“. (nämlich die Bezeichnungen von Banknoten als Eigenkapital der SNB).
Gerne verzeihe ich Herrn Jordan diesen Fehler, wie Sie es wünschen – vorausgesetzt, er sieht diesen Fehler auch ein und gibt ihn zu. Und auch der Bundesrat sollte diesen Fehler nun endlich einsehen.
Bitte lesen Sie das Referat von Jordan genau. Dann sehen sie, dass sein ganzes Referat auf diesem Fehler beruht.
Nicht nur sein Referat, sondern die ganze Rechtfertigung des Mindestkurses durch die SNB basiert auf diesem Fehler.
Nicht genug: Auch der Bundesrat begeht diesen Fehler in seiner Antwort auf die SVP-Motion.
Sie schreiben: „Eigenkapital und Liquidität“ sind doch nicht dasselbe. Auch da haben Sie endlich begriffen, was ich sage.
Unser Bundesrat und die SNB behaupten aber im Gegenteil, das Eigenkapital der SNB könne mit der Schaffung von „Liquidität“ (Banknoten drucken) wieder aufgestockt werden.
Demzufolge setzten Nationalbank und Bundesrat Eigenkapital und die Liquidität einander gleich.
Sie sind also bereits weiter als unsere Nationalbank und unser Bundesrat.
17. Dezember 2013 / 21:47
63, 64, 65 – und immer weiter geht das lustige Kommentierspiel. Ich hab schon fast ein bisschen Mitleid.
18. Dezember 2013 / 07:52
Sehr geehrte Frau Niggli (wieder einmal mit einer anständigen Wortwahl)
Ja, es ist enervierend: Es gibt Leute, die können und wollen einfach nicht verstehen.
Aber bitte beklagen Sie sich deshalb bei der Nationalbank und beim Bundesrat – nicht bei mir. Diese haben die irrige Meinung in Umlauf gesetzt, die Notenbank könne im Falle von negativem Eigenkapital einfach Banknoten drucken und so das Eigenkapital wieder aufstocken.
Da es sich aber um zwei bis dreistellige Milliardenbeträge handelt, ist es entscheidend, zu verstehen, dass das nicht möglich sein wird. Die Realität sieht anders aus:
Die Steuerzahler werden dies bezahlen müssen. Andernfalls gehen die Banken in der Schweiz Konkurs. Oder die Schweiz muss der EU beitreten, den Euro einführen oder eine Währungsreform durchführen.
Was haben Sie lieber?
Früher oder später wird das Schweizervolk plötzlich überrascht sein, dass es die horrenden Verluste der SNB selber bezahlen muss, da es keine „wunderbare Geldschöpfung“ gibt, woran die Nationalbank, der Bundesart und offenbar auch Sie immer noch glauben.
Dann wird die Diskussion in diesem Land erst recht losgehen. Machen Sie sich schon jetzt darauf gefasst: Ich empfehle Ihnen dann einfach keine Medien mehr zu verfolgen.
Ich habe SNB-Chef Jordan weiter unten einige Fragen gestellt, aber leider immer noch keine Antworten erhalten.
Vielleicht könnten Sie ja dort einmal nachhaken, damit das Schweizervolk von der SNB und vom Bundesrat endlich einmal korrekt informiert wird.
Oder ziehen Sie es vor, Sand in die Augen gestreut zu bekommen?
Wenn Sie sich gerne als Hofnärrin hier betätigen und immer wieder „lustige“ oder „anrüchige“ Zwischenbemerkungen hier „in die Runde“ posten, so ist das Ihre Sache. Ich störe mich nicht gross daran.
Der fachlichen Diskussion helfen Sie damit aber nicht.
18. Dezember 2013 / 08:23
Mitleid mit wem?
– Mit Marc Meyer? Da er hundert Mal das Gleiche schreiben „muss“
– Mit den Lesern? Da sie hundert Mal das Gleiche lesen „müssen“
– Mit den anderen Kommentatoren wie Blue Sky und Klaus Kastner? Da sie in sehr guten Beiträgen immer wieder versuchen, die Irrtumer von Herrn Meyer richtigzustellen, er aber einfach nicht darauf eingeht. (Ich habe es in Kommentaren zu einem anderen Artikel auch versucht, aber aufgegeben….)
18. Dezember 2013 / 09:53
Dass „Blue Sky“ mir im zentralsten Punkt Recht gibt, übersehen Sie.
Auch er bestätigt, wie andere Kommentatoren auf den diversen Blogs hier zum Thema auch, dass die SNB negatives Eigenkapital nicht aufstocken kann durch Drucken von Banknoten.
Die Nationalbank und der Bundesrat behaupten das aber.
Also was ist Ihre Lösung, wie die SNB negatives Eigenkapital wieder aufstocken kann?
Schreiben Sie hier Ihre Lösung. Mit Buchungssatz.
16. Dezember 2013 / 12:41
Da Ihre Antwort an Herrn Kastner weiter unten „unterzugehen droht“ möchte ich hier oben nochmals kurz darauf zu sprechen kommen:
Sie kommen zum Schluss, dass
a)	Mit Geld drucken negatives Eigenkapital der SNB nicht aufgestockt werden kann.
b)	Der Steuerzahler für die Schulden der SNB aufkommen muss.
c)	Da dies (b) politisch aber kaum durchsetzbar ist, bleibt nur: Die SNB muss ihre Verluste über zurückbehaltene Gewinne kompensieren.
Lassen Sie mich dazu wie folgt Stellung nehmen:
a)	Es erleichtert mich, dass von offensichtlich kompetenter Seite her einmal mehr bestätigt wird, dass negatives Eigenkapital nicht mit Geld drucken aufgestockt werden kann, wie SNB-Chef Jordan und der Bundesrat behaupten.
Die Korrektur dieser Fehlargumentation ist das Hauptanliegen all meiner Beiträge hier.
b)	Ich bin mit Ihnen einverstanden, dass es politisch auf grossen Widerstand stossen wird, die Steuern dermassen massiv anzuheben, um möglicherweise horrende Verluste der SNB über Steuern zu finanzieren – und das innert nützlicher Frist. (Schuldenbremse!)
Darauf haben SNB-Chef Jordan in seinem Referat in Basel und der Bundesrat in seiner Antwort auf die SVP Motion leider nicht hingewiesen.
Der SNB-Bankrat schaut tatenlos zu.
c)	Bezüglich Punkt C bin ich mit Ihnen nicht einverstanden: Die SNB erzielt Gewinne, weil sie auf ihren Banknoten keine Passivzinsen zu bezahlen hat (technisch nicht möglich).
Die daraus entstehende Seigniorage gehört aber dem Volk. Deshalb habe ich mich an der GV der SNB 1996 dafür eingesetzt, dass die SNB ihre Gewinne teilweise ausschütten muss. Das geschah dann auch.
Nun, „Blue Sky“, stellen Sie sich bitte vor: Die SNB kaufe weiter „unbeschränkt“ Euros (wie von der SNB glaubhaft angedroht im Falle einer erneuten Euro-Schwäche) und finanziere diese Euros mit Notenbankgeld.
Angenommen die Schulden der SNB wachsen deshalb auf 1 Billion (heute 450 Milliarden).
Wenn nun Euro und Dollar um 20 Prozent fallen, so resultiert für die SNB ein Verlust von 200 Milliarden Franken. Bei einem angenommenen Verlust von 200 Milliarden fällt das Eigenkapital der SNB auf minus 150 Milliarden Franken.
Wenn die SNB jedes Jahr 1.5 Milliarden Franken Gewinne zurückbehält, so dauert es also 100 Jahre, bis die SNB ihr negatives Eigenkapital wieder aufgestockt hat.
Und auch das nur, wenn der Euro nicht weiter fällt. Die SNB sitzt dann möglicherweise aber immer noch auf ihren fallenden Euros und Staatsanleihen.
Sie sehen, Ihre Argumentation, die SNB könne negatives Eigenkapital praktisch nur über Gewinne wieder aufstocken ist nicht realistisch.
Und so müssen wir wieder zurückbuchstabieren:
a)	Die SNB muss rekapitalisiert werden durch die Steuerzahler
b)	Falls das politisch und wirtschaftlich nicht durchsetzbar ist, müssen die Banken ihre Kredite an die SNB entsprechend wertberichtigen und können deshalb Konkurs gehen.
Folgendes muss an dieser Stelle aber deutlich festgehalten werden: Weder die SNB noch der Bundesrat haben auf diese für die Schweiz möglcherweise schwerwiegenden Folgen des Mindestkurses aufmerksam gemacht.
Deshalb habe ich das hier nachgeholt
16. Dezember 2013 / 21:47
Sie glauben nicht daran, dass – falls es so weit käme – die SNB über einbehaltene Gewinne rekapitalisiert werden könnte, und sind überzeugt davon, dass die Geschäftsbanken ihre Forderungen gegenüber der SNB abschreiben müssten.
Ok, denken wir das mal durch. Angenommen, die SNB kauft weiter EUR (und USD), bis sie Schulden im Gegenwert von 1 Mrd. Franken auf ihrer Bilanz hat. Dann hätte sie Devisenanlagen mit einem Einstandswert von ebenfalls rund 1 Mrd. auf den Büchern.
Gehen wir ebenfalls davon aus, dass sie die aktuelle Währungsallokation in etwa beibehält: Rund 50% EUR, rund 25% USD, Rest in diversen andern Währungen.
Gehen wir schliesslich davon aus, dass nicht nur der EUR, sondern auch der USD und alle andern Währungen gegenüber dem CHF um 20% an Wert einbüssen. Dann verzeichnet die SNB, wie Sie vorrechnen, einen Verlust von 200 Mrd. Franken. Sie hätte einen Verlustvortrag von 150 Mrd. und negatives Eigenkapital von 150 Mrd. Franken.
An diesem Punkt ist mir nicht klar, von welchen weiteren Annahmen Sie ausgehen. Persönlich vermute ich, dass man die Devisenanlagen im Gegenwert von inzwischen noch 800 Mrd. Franken nicht so einfach wieder verkaufen kann.
Also gehen wir davon aus, dass die SNB die Anlagen vorerst mal behält?
Sie rechnen hoch, dass es bei 1,5 Mrd. zurückbehaltenen Gewinnen pro Jahr 100 Jahre dauern würde, bis der Verlustvortrag von 150 Mrd. abgetragen wäre. Ich denke, ich darf 1,5 Mrd. zurückbehaltene Gewinne mit 1,5 Mrd. erzielten Gewinnen gleichsetzen, weil die SNB in einem solchen Szenario kaum mehr Gewinnausschüttungen an Bund und Kantone vornehmen würde.
Diese Frist von 100 Jahren ist Ihr Kernargument dafür, dass der Gesetzgeber die Verluste auf die Gläubigerbanken überwälzen würde, welche dann ihrerseits Wertberichtigungen (Abschreibugnen) verbuchen müssten und daher selber (substanzielle) Verluste ausweisen müssten.
Nun, 1,5 Mrd. Gewinn auf einem Portfolio von 800 Mrd. Marktwert entspräche einer annualiserten Rendite von weniger als 2 Promille. Und zwar durchschnittlich 2 Promille Rendite während 100 Jahren! Mit Verlaub, Herr Dr. Meyer, das finde ich schon eher unrealistisch. Natürlich kann man pessimistisch sein, und natürlich können die Zinsen weiterhin tief bleiben. Aber 100 Jahre lang lediglich 2 Promille Rendite auf einem Portfolio mit der Währungs- und Assetallokation der SNB, das erachte ich als sehr unwahrscheinlich! Sie offenbar nicht?!
Ich bin kein Prophet, deshalb überlasse ich es den Lesern, die Rechnung vielleicht auch noch mit einer etwas optimistischeren Rendite zu machen. Man braucht nicht ins andere Extrem zu kippen, um bald wieder in der Nähe meiner Aussage zu landen – ich sprach von Jahren und vielleicht Jahrzehnten mit ausbleibenden Gewinnausschüttungen (und dachte eher an zwei als an zehn Jahrzehnte). Darum bleibt der Auswerg Rekapitalisierung über einbehaltene Gewinne für mich das wahrscheinlichste Szenario.
Aber vielleicht sind Sie auch davon ausgegangen, dass die SNB einen Grossteil Ihrer Devisenbestände bald wieder abbaut, was das langfristige Ertragspotenzial natürlich verkleinern würde. Das fände ich eigentlich auch erstrebenswert, nur ist mir schleierhaft, wie das ohne gehen soll, ohne dass der Franken dabei deutlich stärker wird.
17. Dezember 2013 / 18:42
Mein Hauptargument besteht darin, dass Verluste der SNB und damit verbunden negatives Eigenkapital der SNB nicht getilgt werden können, indem die Notenbank einfach Banknoten druckt.
Sie haben diesen Fehler in der Argumentation von SNB und Bundesrat auch erkannt und als „ungeheuerlich“ bezeichnet (siehe Blog zum Beitrag „Unsere Nationalbank ist Volksverführern hörig“).
Bundesrat und SNB behaupten gegenüber dem Schweizervolk, die SNB könne Verluste eliminieren und Schulden (Staatsschulden) begleichen (bedienen), indem die SNB einfach Banknoten drucke.
Sobald das Schweizervolk diesen „ungeheuerlichen“ Fehler erkannt hat, wird das eine heftige Debatte in unserem Lande auslösen.
Hier sind wir erst am Anfang dieser Debatte.
Um die Schulden der SNB zu bezahlen und negatives Eigenkapital wieder aufzustocken, stehen m.E. fünf Möglichkeiten in Vordergrund:
1.	Die kreditgebenden Banken nehmen Wertberichtigungen auf ihren SNB-Guthaben vor. Das kann zu deren Konkurs führen.
2.	Die Steuerzahler rekapitalisieren die SNB über zusätzliche Steuern.
3.	Die SNB behält ihre Gewinne solange zurück, bis das negative Eigenkapital wieder aufgestockt ist.
4.	Die Schweiz führt den Euro ein oder wird Mitglied der EU, um bei den Beitrittsverhandlungen einen Kurs von 1.20 aushandeln zu können, um so die Schulden der SNB zu beseitigen.
5.	Währungsreform
Nationalbank und Bundesrat haben sich mit diesen Möglichkeiten offenbar noch überhaupt nicht auseinandergesetzt (ausser Punkt 3) oder sie dem Schweizervolk verschwiegen.
Sie stellen sich nun auf den Standpunkt, dass negatives Eigenkapital der SNB aufgestockt werden könne allein durch Rückbehalt der SNB-Gewinne.
Ausgangspunkt für unsere diesbezüglichen Berechnungen müssen die Aussagen der SNB sein: Diese hat mehrmals angekündigt, die SNB werde „unbeschränkt“ Euros kaufen, sofern dieser drohe, unter 1.20 zu fallen.
Was heisst unbeschränkt?
Im Jahre 2010 hat die SNB innert weniger Wochen rund 200 Milliarden Euros gekauft bei rund 1.40 und der Euro ist trotzdem abgestürzt.
Später, im Jahre 2011, hat die SNB nochmals rund 200 Milliarden Euros gekauft innerhalb weniger Monate, wobei es ihr gelang, den Mindestkurs zu verteidigen.
Wir müssen aber davon ausgehen, dass es früher oder später wieder zu einem Bärenmarkt kommt, was den Euro stark belasten kann. Zudem beinhaltet der Euro starke Risiken.
Die Kreditfähigkeit der SNB ist zu klein, um gegen das Devisengefüge (Crossrates) weltweit ankämpfen zu können.
Gemäss Presseberichten habe der frühere SNB-Präsident Hildebrand gegenüber dem Bundesrat sogar angedeutet, dass ein Eurokurs von 60 Rappen möglich sei.
Wir haben also zwei Unbekannte:
1.	Wir wissen nicht wieviel Euros die SNB kaufen wird. Da sie aber gedroht hat, „unbeschränkt“ Euros zu kaufen, können das vielleicht sogar 5 Billionen sein innerhalb der nächsten 10 Jahre. Möglich.
2.	Wir wissen nicht, wie stark der Euro noch fällt. Sollte der Euro aber auf 0.60 abstürzen, so entspräche das einem Verlust von 2.5 Billionen Schweizerfranken.
Zugegeben: Das ist ein „Worst-case-Szenario“. Aber es ist nicht unrealistisch. Es leitet sich ab von dem, was die SNB bisher gesagt hat.
Angenommen, die ausländischen Investoren wollten nun ihre Gewinne auf ihren Frankenpositionen realisieren. Dazu müssten die Geschäftsbanken ihre Giroguthaben bei der SNB zurückfordern.
Da aber der SNB 2.5 Milliarden Vermögen auf ihrer Aktivseite fehlen, kann sie den Banken deren Guthaben nicht vollumfänglich zurückzahlen. Sie ist illiquide.
Sie müsste sich also über Schuldverschreibungen verschulden, um das benötigte Kapital für die Finanzierung ihrer Euros zu erhalten. Das könnte zu einem massiven Anstieg der Zinsen in unserem Lande führen.
Kommt hinzu, dass die Bonität der Schweiz voraussichtlich früher oder später von Standard & Poor’s sowie Moodie’s stark zurückgestuft wird, sobald erkannt wird, dass der Schweizerstaat eine Garantie für die Notenbank abgegeben hat, welche ihrerseits 5 Billionen Schulden hat.
(Diese Garantie ergibt sich aus Ihrer Argumentation, weshalb der Steuerzahler bei negativem Eigenkapital die SNB rekapitalisieren müsse).
Konklusion: Aufgrund des markant gestiegenen Zinsniveaus in der Schweiz kann die SNB keinen positiven Zinsensaldo erwirtschaften. Im Gegenteil: Sie wird möglicherweise sogar einen negativen Zinsensaldo erwirtschaften.
Es gibt dann keine „Seigniorage“ mehr. Zudem gehörte die Seigniorage sowieso dem Volk und ist diesem nicht vorzuenthalten.
Das Gold wird zu diesem Zeitpunkt aufgrund der SVP-Initiative möglicherweise unverkäuflich sein. Allfällige Gewinne auf dem Gold können also nicht mithelfen, die SNB-Schulden zu tilgen.
Zugegeben: Das ist ein wirklich dramatisches Szenario – aber nochmals: Es basiert auf den Äusserungen der Nationalbank selbst!
Und es gibt kein Garantie, dass das nicht so eintreffen kann.
Wenn der Euro tief bleibt, so erwirtschaftet die SNB somit auch keine Gewinne mehr.
Konklusion: Die SNB kann ihre Gewinne überhaupt nie mehr zurückzahlen. Die Schweiz ist bankrott.
Es muss eine Währungsreform durchgeführt werden oder die Schweiz tritt der EU bei oder führt den Euro ein.
Blue Sky: Bitte beachten Sie, dass Ihnen bei Ihrer Berechnung ein Fehler unterlaufen ist: 1.5 Milliarden von 800 Milliarden sind knapp 0.2 Prozent, d.h. 200 Promille und nicht 2 Promille.
Im Anschluss an das dubiose „Franken-Rütli“ schrieb die NZZ. Man sei sich einig gewesen, dass man in einem Währungskrieg sich befinde. Und: „Die SNB werde am nächsten Tag losschlagen“. Tönt kriegerisch.
Die SNB hat einen „Währungsblitzkireg“ vom Zaun gerissen mit Ihrer Untergrenze. Wenn man in einen Krieg zieht, so sollte man sich mit dem „worst case“ auseinandersetzen.
Was haben Bundesrat und SNB aber gemacht? Sie haben dem Schweizervolk „Sand in die Augen gestreut“ und behaupten, die SNB könne einfach „Banknoten drucken“.
17. Dezember 2013 / 21:27
„Blue Sky: Bitte beachten Sie, dass Ihnen bei Ihrer Berechnung ein Fehler unterlaufen ist: 1.5 Milliarden von 800 Milliarden sind knapp 0.2 Prozent, d.h. 200 Promille und nicht 2 Promille.“
Mir unterlaufen selten Rechnungsfehler, und wenn, dann nicht beim Primarschulstoff…
0.2 Prozent [%] = 2 Promille [‰]
http://www.einheiten-umrechnen.de/Prozent+in+Promille+umrechnen.php
17. Dezember 2013 / 21:43
BlueSky ist überzeugend!
Damit wir beide nicht ständig im Kreis reden (und damit Sie mir nicht laufen erklären müssen, was ich ohnehin weiß), halte ich fest, was ich weiß:
* Ich weiß, was der Unterschied zwischen Aktiva und Passiva in einer Bilanz ist.
* Ich weiß, dass Eigenkapital = Vermögenswerte (Aktiva) abzgl. Schulden (Passiva). Und ich weiß, dass Banknoten Passiva der SNB sind.
* Ich weiß, dass ‚liquide Mittel‘ auf der Aktivseite sind. Ich weiß aber auch, dass es eine ‚verfügbare Liquidität‘ gibt. Wenn ein Kreditnehmer verbindlich zugesagte und unkündbare Kreditlinine hat, dann zählt der nicht genutzte Kreditrahmen zur ‚verfügbaren Liquidität‘. Bei einer Notenbank ist das Äquivalent die Fähigkeit, Landeswährung zu schöpfen.
* Ich weiß, dass man Schulden nicht reduziert, indem man neue Schulden macht. Ich weiß aber auch, dass man neue Schulden machen kann, um fälligwerdende Schulden zu bezahlen. Jede Treasury macht das ununterbrochen (auch der Staat). Will man die Gesamtschulden reduzieren, dann muss man Vermögenswerte reduzieren und/oder neues Eigenkapital von außen bringen (oder Gewinne machen und einbehalten).
* Ich weiß, dass ich nie gesagt habe, dass Banknoten Teil des Vermögens einer Notenbank sind (weil Passiva). Banknoten sind buchhalterisch Passiva einer Notenbank, sie stellen jedoch seit Aufhebung des Goldstandards keine Forderung gegen die Notenbank dar. Ein kleiner reality check gefällig? Gehen Sie mit einer 100 CHF Note zur SNB und fordern sie das Geld zurück. Man wird Ihnen bestenfalls eine neue 100 CHF Note geben (falls die alte beschädigt ist).
Ich stimme Ihnen ja zu, dass die SNB mit ihrer Kursstützungsstrategie ein gewaltiges Risiko fährt. Das weiß die SNB selbst am besten, sonst hätte sich nicht 50 Mrd.CHF Rückstellungen für dieses Risiko gebildet. Sollte dieses Risiko einmal so richtig im negativen Sinn schlagend werden, dann würde das das Schweizer Finanzsystem ganz gewaltig ins Schleudern bringen.
Ich stimme Ihnen ja zu, dass die Schöpfung von Landeswährung etwas mit Inflation zu tun hat. ABER: wer Geld schöpfen kann, kann nicht illiquide werden.
Dass die SNB bei Überschuldung Konkurs anmelden muss, ist m. E. gesetzlich nicht klar geregelt. Ich stimme Ihnen zu, dass sich hier die SNB äußern sollte (vielmehr die Regierung). Ich halte aber die Ausführungen von BlueSky für sehr überzeugend.
Eine Frage hat auch BlueSky nicht angesprochen: könnte, theoretisch, die SNB mit einem negativen Eigenkapital operieren? Die EZB könnte es.
Rein ökonomisch und rechtlich betrachtet, könnte die EZB alle 10.000 Mrd. EUR, die es angeblich an europäischen Staatsanleihen gibt, aufkaufen und sofort einen Forderungsverzicht aussprechen. Sie würde dann locker und fröhlich mit einem negativen Eigenkapital von 10.000 Mrd.EUR bis zum St.-Nimmerleinstag weiterfahren. Politisch wäre das wahrscheinlich nicht durchsetzbar. Jetzt werden Sie sagen, dass das denkunmöglich ist. Ist es auch. Aber theoretisch wäre es möglich.
18. Dezember 2013 / 00:46
Besten Dank für den Hinweis. Es tut mir Leid – es ist mir hier tatsächlich ein Rechnungsfehler unterlaufen.
Ihnen ist auch ein Rechenfehler unterlaufen – sie schreiben von 1 Mrd. Schulden der SNB anstatt von 1 Billion Schulden der SNB.
Deshalb schicke ich Ihnen nicht gleich eine Rechentabelle, wie Sie da tun…
Das kann vorkommen – auf beiden Seiten. Ist aber nicht Match-entscheidend.
Es ändert überhaupt nichts an der Sache:
Die SNB wird einen grossen Verlust auf ihren Währungsreserven trotzdem kaum über zurückbehaltene Gewinne finanzieren können, wie Sie behaupten.
1, Die zurückbehaltenen Gewinne gehören dem Volk. Die SNB gibt in diesem Fall dem Volk nicht, was dem Volk gehört. Der Steuerzahler bezahlt einfach indirekt die Verluste der SNB über höhere Steuern.
2. Sie gehen von der Annahme aus, dass im Falle von negativem Eigenkapital der SNB die Banken ihr Kapital weiterhin zinslos der SNB zur Verfügung stellen. Das ist nicht realistisch.
Es muss angenommen werden, dass die Banken ihre Giroguthaben bei der SNB zu einem grossen Teil abziehen, falls diese negatives Eigenkapital ausweist. Möglicherweise ziehen sie bis zu den Mindestreserven sogar all ihr Kapital ab.
Die SNB ist dann illiquide und insolvent – kann überhaupt keine Zinsen mehr verdienen. Sondern muss nur noch Zinsen bezahlen auf ihren Schulden.
D.h. Sie können zur Berechnung der Rendite nicht eine Basis von 800 Milliarden heranziehen.
Ihre diesbezügliche Annahme ist also vollkommen unrealistisch.
3. Ist der Franken stark gestiegen, so ist damit zu rechnen, dass auch die ausländischen Investoren ihre Schweizerfranken abstossen (Gewinnmitnahmen). D.h. die Banken fordern ihre Guthaben von der SNB ebenfalls zurück.
Die SNB muss also ihre Euros zu einem tiefen Kurs zurückwechseln. Das ergibt das negative Eigenkapital. Da nützt es der SNB auch nichts, wenn im Anschluss daran der Euro dann wieder steigen sollte. Die Verluste sind bereits realisiert (zum schlechten Kurs für die SNB).
4. Zudem ist damit zu rechnen, dass die SNB sich dann über hochverzinsliche Schuldverschreibungen wird finanzieren müssen (sofern sie an solche gelangt). Sie wird dann höchst wahrscheinlich einen negativen Zinsensaldo erwirtschaften. D.h. ihre Verluste steigen noch mehr.
5. Sie gehen von der unrealistischen Annahme aus, dass der Euro dann während 20 Jahren nicht mehr weiter fällt.
Wenn mein obiger Kommafehler der einzige Fehler ist, den Sie gefunden haben, so hat die Schweiz ein richtig grosses Problem vor sich:
Das Schweizervolk wird erkennen müssen, dass es über Steuern die Verluste der SNB wird finanzieren müssen. Davon wurde bisher noch überhaupt nicht gesprochen – weder von der SNB noch vom Bundesrat.
Das können Verluste von einem zweistelligen Milliardenbetrag bis hin zu einer Billion werden – abhängig davon, wie viele Euros die SNB kauft und wann sie diese dann abstosst (falls überhaupt je einmal).
Das Schweizervolk hat das offenbar bis jetzt noch nicht realisiert – wird es aber früher oder später einmal realisieren. Nirgends gibt es eine Diskussion darüber – ausser auf Inside Paradeplatz. Früher oder später wird diese Diskussion dann gesamtschweizerisch einsetzen.
Bundesrat und SNB haben dies bisher verschwiegen und behaupten, die SNB könne einfach Banknoten drucken – aber damit sind Sie ja offensichtlich mit mir einverstanden – und das ist der wichtigste Punkt.
Deshalb also danke ich Ihnen hier für Ihre „Schützenhilfe“ im allerwichtigsten Punkt, den es zu klären gibt!
18. Dezember 2013 / 01:42
„Blue Sky ist überzeugend!“
Ihnen ist wohl entgangen, was Blue Sky Ihnen am 15. Dezember geschrieben hat:
„Und damit ich es auch noch erwähnt habe: Mit dem “Drucken von Banknoten” kann die SNB negatives Eigenkapital selbstverständlich nicht kompensieren.“
Aus diesem Satz geht hervor, dass Blue Sky mir im allerwichtigsten Punkt Recht gibt:
Die SNB kann mit dem Drucken von Banknoten (sprich mit der Schaffung von Liquidität, bzw. mit der angeblichen „Geldschöpfung“) keine Schulden zurückzahlen.
Sie hingegen schreiben:
ABER: wer Geld schöpfen kann, kann nicht illiquide werden.
Ihre Aussage ist der Aussage von „Blue Sky“ diametral entgegengesetzt.
Aber es gibt noch weitere Unstimmigkeiten in ihrem Beitrag:
„Wenn ein Kreditnehmer verbindlich zugesagte und unkündbare Kreditlinie hat, dann zählt der nicht genutzte Kreditrahmen zur ‚verfügbaren Liquidität‘. Bei einer Notenbank ist das Äquivalent die Fähigkeit, Landeswährung zu schöpfen.“
Die Geschäftsbanken haben lediglich die Pflicht, Mindestreserven bei der SNB zu halten (4 % der kurzfristigen Verbindlichkeiten). Diese Marke ist bereits um das 20fache überschritten. Die SNB hat von den Geschäftsbanken also keinerlei weitere „unkündbare“ Kreditlinie, wie Sie behaupten.
Sie haben Recht: Schulden können nicht mit anderen Schulden zurückbezahlt werden. Das wäre lediglich eine Umschuldung. SNB-Chef Jordan behauptet aber, die SNB können durch Geldschöpfung (Drucken von Banknoten) ihre Verbindlichkeiten jederzeit „bedienen“ bzw. abbauen (siehe Referat Jordan von der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel).
Und „Geld schöpfen“ bzw. Banknoten Drucken heisst, dass die SNB Schulden aufnimmt.
Sie sagen richtig, dass Banknoten nicht Teil des Vermögens einer Notenbank sind. Sie sagen aber auch, dass man Vermögenswerte reduzieren muss, um die Gesamtschulden zu reduzieren. Auch das ist richtig.
Daraus folgt, dass man mit dem Drucken von Banknoten (Liquidität, Geldschöpfung) die Gesamtschulden nicht reduzieren kann. Die SNB behauptet aber, sie könne das.
„ABER: wer Geld schöpfen kann, kann nicht illiquide werden.“
Hier sehen Sie Ihren Widerspruch: „Geld schöpfen“ heisst, der Geldemittent verschuldet sich. Verlängert die Passivseite.
Banknoten – Liquidität – sind aber Aktiven.
Durch Geld schöpfen kann die SNB aber keine Banknoten bzw. Liquidität schaffen. Bzw. umgekehrt: Wenn die SNB Banknoten druckt (Geld schöpft), so schafft sie dadurch kein Vermögen, womit sie ihre Schulden begleichen könnte.
Sie behaupten, Banknoten stellen keine Forderung gegenüber der Notenbank dar. Das behauptet auch unsere Notenbank.
Notenbankgeld (Banknoten und Giroguthaben der Banken) sind rechtlich dasselbe.
Fordern die Geschäftsbanken ihre Giroguthaben teilweise zurück, so lautet der Buchungssatz
Giroguthaben / Devisenanlagen
Wollen die Banken den Notenumlauf reduzieren, so heisst der Buchungssatz:
Daraus folgt: Will die Wirtschaft ihre Guthaben bei der SNB oder den Notenumlauf reduzieren, so muss die Notenbank sehr wohl Vermögenswerte herausgeben.
Dass ich persönlich das nicht kann ist klar: Die SNB geschäftet nur mit Banken, nicht mit Privaten.
Wenn Sie behaupten, die EZB könne mit negativem Eigenkapital wirtschaften, so bedeutet das, dass die Geschäftsbanken ihre Guthaben bei der EZB entsprechend werden abschreiben müssen.
Das bedeutet, das Bankensystem würde zusammenbrechen. Dann kann auch die EZB nicht mehr „wirtschaften“. Sie benötigt je Kredite von den Banken.
Sie behaupten, die EZB könne für 10 Billionen Staatsanleihen aufkaufen. Das kann sie nur, wenn sie von den Geschäftsbanken dafür 10 Billionen Kredit erhält.
Beide Seiten der Bilanz müssten um 10 Billionen verlängert werden.
10 Billionen negatives Eigenkapital würden resultieren, wenn diese 10 Billionen Staatsanleihen der EZB wertlos würden.
Die kreditgebenden Banken müssten dann ihre Forderungen an die EZB abschreiben und würden selber Konkurs gehen.
Ich denke nicht, dass da irgendjemand Betroffener „locker und fröhlich“ wäre, wie Sie das schildern.
Die EZB kann dann auch nicht einfach „Geld schöpfen“.
Weil bei der Geldschöpfung beide Seiten der Bilanz wiederum verlängert würden.
Das negative Eigenkapital bliebe somit bestehen. Selbst „Blue Sky“ würde mir diesbezüglich Recht geben.
18. Dezember 2013 / 22:27
Mit diesem Beitrag streiche ich die Segel. Sie scheinen nicht in der Lage zu sein, Ihre persönliche Antenne von „Senden“ auf „Empfang“ umzustellen.
BlueSky sagt, dass man mit Gelddrucken kein Eigenkapital schaffen kann. Ich sage, wer Geld schöpfen kann, kann nicht illiquide werden. Sie sagen, dass BlueSky mich damit widerlegt. Tja, können sie entweder nicht lesen und nicht vestehen, was BlueSky sagt und was ich sage? Eigenkapital und Liquidität sind doch zwei verschiedene Dinge!
Die ‚unkündbare Refinanzierungsmöglichkeit‘ einer Notenbank ist ihre Fähigkeit, Landeswährung zu schöpfen. Bitte begreifen Sie das doch ein für allemal! Ist Ihnen nicht bewußt, dass die Geldmenge einer Landeswährung ein geschlossener Kreis ist, den nur die Notenbank vergrößern oder verkleinern kann? Wenn die CS 100 Mrd.CHF von der SNB abzieht, weil sie der SNB nicht mehr traut, dann platziert sie diese 100 Mrd.CHF nicht mehr bei der SNB, sondern bei — tja, bei wem denn? Wohl bei einer anderen Bank, die etwas mit 100 Mrd.CHF anfangen kann. Und wie kommt dieses Geld zur anderen Bank? Indem die SNB das Konto von Bank A belastet und das Konto von Bank B erkennt.
Sie haben sich so verzweifelt darauf eingeschossen, dass sie einen SNB Direktor gefunden haben, der einmal einen Unsinn gesagt hat (mit Gelddrucken Eigenkapital schaffen). Gestatten Sie doch diesem Mann einen Fehler!
Meine Güte! Jetzt habe ich mir vorher die Mühe gemacht, Ihnen zu sagen, was ich weiß, damit Sie Ihren Unterreicht nicht laufend wiederholen müssen – und Sie wiederholen Ihren (überflüssigen) Unterricht trotzdem. Also wenn das kein Grund ist, aus der Diskussion auszusteigen, dann weiß ich nicht…
16. Dezember 2013 / 09:20
Lassen Sie mich nochmals kurz auf Ihren despektierlichen Kommentar zurückkommen:
Wenn Sie die den Kommentar von „Blue Sky“ sorgfältig lesen, so hat die Diskussion hier offensichtlich doch einiges bewirkt.
Es zeigt sich mehr und mehr, dass die SNB negatives Eigenkapital nicht „aufstocken“ kann durch Drucken von Banknoten, wie die SNB behauptet.
Die SNB kann somit illiquide werden.
Das widerspricht der Argumentation der SNB und des Bundesrates diametral.
Konklusion: Bei negativem Eigenkapital müssen also die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für möglicherweise horrende Verluste der SNB aufkommen. U.a. Sie und ich.
Können sie das nicht, so müssen die Banken ihre Investitionen bei der SNB entsprechen wertberichtigen.
Die von mir hier ausgelöste Diskussion führt also zu einem vollkommen anderen Ergebnis, als SNB und Bundesrat behaupten.
Allein das war die Diskussion hier wert – ob Ihnen das nun passt oder nicht.
16. Dezember 2013 / 07:54
Besten Dank für Ihre klärenden Worte.
Es geht in Ihrem Kommentar also um die Frage, wie die politische Lösung aussieht:
a) Müssen die Banken ihre Forderungen bei der SNB wertberichtigen oder
B) Muss der Steuerzahler die SNB rekapitalisieren.
Beide Wege werden im Vortrag von SNB-Chef Jordan nicht angesprochen. Er geht davon aus, dass die SNB mit „Geldschöpfung“ (Schaffung von Liquidität, Drucken von Banknoten) nagatives Eigenkapital wieder aufstocke.
Ihr Beitrag zeigt aber erneut, dass diese Vorstellung eine Illusion ist.
Es wird ein volkswirtschaftlicher Schaden entstehen, wobei noch nicht endgültig geklärt ist, wie dieser zu bezahlen ist: Sicher aber nicht durch drucken von Banknoten, wie die SNB behauptet.
Bleibt nur: Durch Wertberichtigungen bei den Banken oder durch zusätzliche Steuern.
15. Dezember 2013 / 22:17
Ich war mal anfänglich anderer Meinung, aber mittlerweile geht mir die phantasielose Sturheit von Herrn Dr. Meyer dermassen auf den (nicht vorhandenen) Sack, dass ich nur noch diesen einen Weihnachtswunsch habe: nämlich dass dieses endlos kommentierende perpertuum mobile einen sehr, sehr ausgedehnten Boxenstopp mache!
16. Dezember 2013 / 07:59
Schade. Aber Ihre einfache (um nicht zu sagen, primmitive) Wortwahl zeigt vieles. Wissenschaftliche Argumente bringen Sie keine.
Trotzdem wünsche ich Ihnen schöne Weihnachten.
Das Thema wird aktuell bleiben (auch wenn ich nicht schreibe) – es geht um 450 Milliarden Staatsschulden – Tendenz „unbeschränkt“ steigend.
http://www.finews.ch/news/banken/13967-nimmt-die-banque-cic-suisse-unversteuertes-franzoesisches-geld-an
14. Dezember 2013 / 15:22
Und übrigens Herr Kastner: Dieselben Überlegungen gelten auch für die EZB.
Fällt das Eigenkapital der EZB in den negativen Bereich, so müssen jene Kreditinstitute, welche der EZB Kredite gewährt haben, diese entsprechend abschreiben.
D.h. negatives Eigenkapital der EZB überträgt sich eins zu eins auf die kreditgebenden Banken.
Das wird zu Konkursen bei diesen kreditgebenden Banken führen.
Das ist buchhalterische beweisbar.
14. Dezember 2013 / 18:50
Sagen Sie mir bitte konkret, worauf sich Ihre Aussage stützt, dass die der EZB kreditgewährenden Banken bei einem negativen Eigenkapital der EZB diese Kredite abschreiben müssten.
Erstens: abschreiben muss eine Bank einen Kredit erst dann, wenn sämtliche Einforderungsmöglichkeiten/Verwertung von Sicherheiten ausgeschöpft sind. In der Zwischenzeit macht sie Wertberichtigungen. Der endgültige Ausfall wird gegen die Wertberichtigung verbucht.
Zweitens: Bevor eine Bank eine Wertberichtigung und/oder Abschreibung macht, wird sie sicherlich den Kredit fälligstellen. Sobald eine Bank ihren EZB Kredit fällig stellt, wird die EZB den Betrag auf jedes Konto überweisen, dass die Bank angibt.
Bei der SNB bin ich mir aufgrund des SNB Gesetzes nicht sicher, was im Falle einer Überschuldung geschehen muss. Diese Frage ist nach wie vor nicht beantwortet.
Bei der EZB kann ich Ihnen mit Sicherheit sagen, dass sie rein ökonomisch und de jure kein positives Eigenkapital benötigt, um normal zu funtionieren. Politische ist das vielleicht nicht ‚durchstehbar‘, aber das ist ein anderes Thema.
Gäbe es kein anderslautendes Aktienrecht, könnte jede Firma mit einem negativen Eigenkapital operieren, solange ihr die Liquidität nicht ausgeht.
15. Dezember 2013 / 10:57
@Klaus Kastner, Dr. Meyer
Es wäre bei den Schweizer Banken mit ihren Forderungen ggü. der SNB genauso wie bei europäischen Banken mit deren Forderungen ggü. der EZB.
Die Banken müssten dann Wertberichtigungen (und nicht Abschreibungen) verbuchen, wenn sie davon ausgehen müssen, dass sie ihre Forderungen nicht vollständig einbringen können, anders ausgedrückt, dass es wahrscheinlicher ist als nicht, dass sie auf den Forderungen ggü. der SNB Verluste realisieren müssen.
Wären Art. 725 ff OR auf die SNB anwendbar, und müsste die SNB ihre Bilanz bei negativem Eigenkapital deponieren, und würde ein Berner Konkursgericht die Liquidation der SNB beschliessen, und würde ein Berner Konkursamt danach die Liquidation vollstrecken, ja dann müssten die Banken tatsächlich davon ausgehen, dass ein Teil ihrer Forderungen verloren ist und Wertberichtigungen verbuchen.
Wie ich in einem früheren Beitrag beschrieben habe, wird das aufgrund der Rechtslage nicht passieren. Zwar ist die SNB subsidiär dem OR unterstellt, aber gerade das NBG regelt den Fall der Liquidation explizit, warum Art. 725 ff nicht zur Anwendung gelangen würden.
Der Gesetzgeber wäre am Zug und müsste per Bundesbeschluss eine Lösung ausarbeiten. Nur wenn sich im Zuge der politischen Lösungfindung konkretisieren würde, dass die öffentliche Hand nicht bereit ist, die SNB zu rekapitalisieren, und statt dessen Gläubiger (in grossem Umfang) und Aktionäre (in bescheidenem Ausmass) bluten lassen würde, erst dann müssten die Banken ihre Forderungen wertberichtigen.
Somit ist letztlich die Frage zu beantworten, was die Politik machen würde. Das wissen wir natürlich alle nicht. Würde der Gesetzgeber per Bundesbeschluss ein Verfahren absegnen, das letztlich genau dieselben Folgen hat wie die Anwendung von Art. 725 ff mit anschliessender Liquidation gemäss dem Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKg), nämlich einen Übertrag des Risikos auf die Gläuber und Aktionäre? Derselbe Gesetzgeber, der (vielleicht sogar wohlweislich) dafür gesorgt hat, dass die SNB – obwohl Aktiengesellschaft – nicht über ein klassisches Konkursverfahren liquidierbar ist, weil das Gläubiger und Aktionäre (und die gesamte Schweizer Wirtschaft) mit in den Abwärtsstrudel ziehen würde?
Nein, das halte ich für äusserst unwahrscheinlich. Ich wiederhole mich, aber ich glaube, es gäbe keine Alternative dazu, dass die öffentliche Hand die SNB rekapitalisieren würde, und dass die Banken keine Verluste auf ihren Forderungen erleiden würden.
Basierend auf all diesen Überlegungen halte ich das „Szenario Dr. Meyer“ (negatives Eigenkapital der SNB = sofortige Abschreibungen bei den Geschäftsbanken) für völlig unrealistisch.
15. Dezember 2013 / 12:03
Sie schreiben: „Bei der EZB kann ich Ihnen mit Sicherheit sagen, dass sie rein ökonomisch und de jure kein positives Eigenkapital benötigt, um normal zu funktionieren.“
Fällt das Eigenkapital eines Unternehmens (privat oder staatlich) in den negativen Bereich, so haben die Gläubiger entsprechende Abschreibungen vorzunehmen.
Der einzige Unterschied zwischen einem privaten und einem staatlichen Unternehmen ist der, dass bei staatlichen Unternehmen vorerst noch der Steuerzahler haftet.
Sie betonen aber, dass bei der EZB de jure kein positives Eigenkapital notwendig sei und dass die EZB bei negativem Eigenkapital nicht rekapitalisiert werden müsse (Ihr Kommentar vom 14. Dezember, 12 Uhr 01).
In diesem Fall bestünde somit keine Staatsgarantie für die EZB. Daraus folgt: Die Gläubigerbanken tragen somit das ganze Risiko selber.
Sie haben Recht: Gelingt es den Gläubigerbanken, ihre Investitionen bei der EZB rechtzeitig abzustossen (bevor das Eigenkapital der EZB) negativ wird, so sind keine Abschreibungen zu tätigen.
Damit die EZB aber den Gläubigerbanken deren Guthaben gutschreiben kann, muss die EZB ihrerseits ihre Investitionen vorher rechtzeitig veräussern.
Wird aber beispielsweise das Rating von Griechenland, Spanien, Italien oder aber auch Frankreich überraschend zurückgestuft, so kann es durchaus sein, dass die EZB auf Ihren Investitionen Verluste erleidet.
In diesem Fall kann die EZB ihren Gläubigerbanken deren Guthaben auch nicht mehr vollumfänglich gutschreiben.
Das Vermögen der EZB fällt dann unter Wert ihrer Verbindlichkeiten.
Konklusion: Die EZB erleidet negatives Eigenkapital.
Ihre Schulden bei den Gläubigerbanken kann die EZB nun auch nicht durch Emission von Notenbankgeld begleichen, wie Sie meinen, („Liquidität“) da Notenbankgeld selber eine Schuld der EZB darstellt. Durch Vergrösserung der Schulden kann man die Gesamtschuld nicht tilgen.
Das ist mit einem einfachen Buchungssatz belegbar. Mit einer beidseitigen Verlängerung der EZB-Bilanz kann das negative Eigenkapital auf der Vermögensseite nicht ausgebucht werden. Und eine Geldemission besteht nun einmal aus einer beidseitigen Verlängerung der Bilanz.
Konklusion: Wenn die Gläubigerbanken ihre Investments bei der EZB „fair and true“ bewerten, so haben sie diese entsprechend abzuschreiben. Das negative Eigenkapital der EZB überträgt sich dann eins zu eins auf die kreditgebenden Banken.
Das kann bei diesen Dimensionen zum Konkurs von Gläubigerbanken wie z.B: der Deutschen Bank führen (ich nehme an, die Deutsche Bank gewährt der EZB auch Kredite).
Ein einfaches Beispiel: Gewährt eine Bank einen Immobilienkredit und der Wert der Immobilie fällt unter den Wert des Kredites, so ist der betreffende Kredit entsprechend abzuschreiben. Es sei denn, die Banken bewerten unkorrekt.
Das wäre dann eine Blase, die früher oder später um so schmerzlicher platzen würde. Beispiele: Auslösung der Immobilienkrise in den USA die dann zum Auslöser der Finanzkrise wurde. Nur: Im Fall von Überbewertung der EZB-Investitionen wird die Schockwelle noch um ein Vielfaches grösser sein.
Ich weiss, meine Gedanken hier sind unbequem. Aber sie können buchhalterisch eindeutig belegt werden. Früher oder später wird sich auch die Führung der EZB damit auseinandersetzen müssen – spätestens dann, wenn Staatsanleihen von Ländern wie Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich, Irland, Portugal usw. in ihrem Wert stark fallen.
Ihr Statement, die EZB werde auch bei negativem Eigenkapital „normal funktionieren“ ist eine Illusion: Das ganze Bankensystem kann zusammenkrachen.
16. Dezember 2013 / 08:51
Die Ausführungen von „Blue Sky“ sind interessant.
Sie selber haben aber betont, dass die EZB nicht rekapitalisiert werden müsse.
Ergo bleibt nur, dass die kreditgebenden Banken ihre Forderungen gegenüber EZB wertberichtigen müssen. Das kann zum Konkurs von Banken führen.
Die Diskussion ist nun an einem interessanten Punkt angelangt: Dass die Notenbanken mit „Geld schöpfen“ negatives Eigenkapital wieder aufstocken können (wie SNB-Chef Jordan behauptet) scheint hier niemand mehr ernsthaft zu behaupten.
Und bereits diese Erkenntnis ist entscheidend.
14. Dezember 2013 / 15:08
@SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan
Gerne würde ich eine Antwort von Ihnen haben auf meine weiter unten gestellte Frage.
14. Dezember 2013 / 14:52
Doch – die SNB kann illiquide werden.
Banknoten stellen nie und nimmer „liquide Mittel“ aus Sicht der SNB dar.
Die „liquiden Mittel“ der SNB bestehen aus Euro, Dollars, Gold etc. Und die SNB kann keine Euros und Dollars drucken noch kann sie Gold fördern.
„Liquide Mittel“, „Liquidität“, stellt per definitionem Vermögen der SNB dar. Nicht Schulden. Banknoten der SNB sowie die Giroguthaben der Banken bei der SNB sind aber Passiven, sprich Schulden der SNB – nicht Vermögen und deshalb auch nicht „liquide Mittel“ oder „Liquidität“ der SNB.
Ein Wertpapier ist immer nur Liquidität aus Sicht des Gläubigers – niemals aus Sicht des Schuldners. Bitte überlegen Sie sich das einmal.
Wenn Sie auf Ihrem Konto bei Ihrer Bank einen Betrag verbucht haben, so stellt dieser „Liquidität“ aus Ihrer Sicht dar – aber nie und nimmer Liquidität aus Sicht Ihrer Bank. Die Bank darf mit ihrem Vermögen nicht ihre eigenen Schulden bezahlen.
Genauso darf die SNB mit den Giroguthaben der Banken bei der SNB nicht eigene Schulden bezahlen. Und sie darf auch mit Banknoten keine eigenen Schulden bezahlen. Das sind ja bereits ihre Schulden.
Bei Notenbankgeld – Banknoten und Giroguthaben der Banken bei er SNB – ist die SNB Schuldnerin – nicht Gläubigerin.
Herr Kastner: Sie verdrehen die Rechtslage, wenn Sie behaupten, bei Notenbankgeld sei die SNB Gläubigerin. Wenn Sie Banknoten als „Liquidität“ und damit als Vermögen der SNB bezeichnen, so stellen Sie die SNB als Gläubigerin dar – sie ist aber Schuldnerin.
Mit anderen Worten: Weder Banknoten noch Giroguthaben der Banken bei der SNB stellen Liquidität aus Sicht der SNB dar. Sie sind „Liquidität“ aus Sicht der Konsumenten und der Banken – nicht aber aus Sicht der SNB.
Die SNB kann ihre Schulden nicht vermindern, indem sie noch mehr Schulden macht.
Wären Banknoten tatsächlich Vermögen der SNB, wie Sie und die SNB das behaupten, so wären sie auch Eigenkapital der SNB.
Das ist sehr wohl entscheidend. Da aber Banknoten Fremdkapital der SNB sind, wie auch die Giroguthaben der Banken bei der SNB, können Banknoten und die Giroguthaben der Banken bei der SNB nicht zum liquiden Vermögen der SNB gezählt werden.
Das ist buchhalterisch beweisbar.
Konklusion: Fällt das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich, so ist die SNB illiquide – insolvent. Sie kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Und sie kann nur solange zusätzliche Schulden machen durch Emission von Banknoten, wie es Konsumenten gibt, die hunderte Milliarden Banknoten benötigen.
Das ist aber eine Illusion Herr Kastner. Oder denken Sie im Ernst, dass in Griechenland, wo Sie sich aufhalten, inskünftig mit Schweizerfranken Banknoten bezahlt werden wird? Das ist doch eine Illusion.
Und selbst wenn das so wäre, so wären mit dieser neuerlichen Geldemission die alten Schulden der SNB nicht beseitigt (beidseitige Verlängerung der SNB-Bilanz). Resultat: Inflation bis Hyperinflation, sowie Konkurs der Geschäftsbanken wegen Abschreibungen ihrer Guthaben bei der SNB.
Deshalb muss die SNB Konkurs anmelden, wenn ihr Eigenkapital negativ wird. Ansonsten muss der Steuerzahler die SNB rekapitalisieren, oder die Banken gehen Konkurs oder wir müssen der EUR beitreten.
Eine diesbezügliche Einschätzung hätte ich aber nun gerne von SNB-Chef Prof. Jordan.
14. Dezember 2013 / 11:47
Ganz so dramatisch ist es nicht. Immerhin hat die SNB rund 50 Mrd.CHF Rückstellungen für Verluste aus Devisenbewertungen, die sie in Anspruch nehmen könnte. Ob diese Rückstellungen auch für Goldbewertungsverluste in Anspruch genommen werden könnten, ist eine Frage, die ich hier schon einmal gestellt habe, die jedoch nicht beantwortet wurde.
Trotzdem ist der Tenor des Artikels nicht falsch. Die SNB hat wegen ihrer Kursstützungsstrategie enorme Risken eingefahren. Die möglichen Kosten dieser Risken müssten verglichen werden mit den möglichen Verlusten, die die Schweizer Wirtschaft bei einer fortgesetzen Aufwertung des CHF erfahren hätte können.
Aber man muss schon die ganze Sache in Perspektive bringen. Mag schon sein, dass die Devisenanlagen der SNB die Höhe des Schweizer BNP erreicht haben. Aber das ist nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Auslandsvermögen der SNB sind nur ein Teil, fast nur ein Bruchteil, der gesamten Auslandsvermögen der Schweiz.
Die Bruttoauslandsvermögen der Schweiz liegen derzeit bei über 3.600 Mrd. CHF. Das sind rund 6-mal das BNP. Keine schwache Leistung!
Ein großer Teil davon fällt natürlich auf die SNB Kursstützungsstrategie und der größte Teil hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Schweiz ein Veranlagungsland für Ausländer ist, welche Veranlagungen wieder im Ausland investiert werden müssen.
Aber ein ebenso wichtiger Teil führt darauf zurück, dass die Schweiz enorme Leistungsbilanzüberschüsse fährt (über 10% des BNP). Leistungsbilanzüberschüsse haben zwingenderweise als Konsequenz, dass die Nettoauslandsvermögen steigen.
14. Dezember 2013 / 14:57
…. und zwingenderweise haben die Leistungsbilanzüberschüsse auch den Effekt, dass die eigene Währung stark ist und bleibt.
Dagegen kann die SNB nichts ausrichten. Es ist strukturell bedingt.
Die Schweiz müsste mehr konsumieren und vor allem im eigenen Land investieren, damit der Überschuss in ein Defizit schlägt (und die Währung autom. schwächt). Das Investitionsdefizit in die Infrastruktur schätze ich auf rund 100% des CH-BIP.
Dank der SNB-Politik wird es für die Schweiz immer mehr binär: Entweder gibt’s einen immensen Kollateralschaden oder einen riesigen Wachstumsschub (mit Inflation und realer Geldentwertung).
14. Dezember 2013 / 11:30
@Herrn Professor Doktor Thomas Jordan, Präsident Direktorium Schweizerische Nationalbank
Offene Frage an SNB-Chef Prof. Dr. Thomas Jordan:
Sehr geehrter Herr Professor Jordan
Der obige Artikel von Herrn Lukas Hässig prognostizierte:
„Heute spricht die SNB zur Lage der Nation. Sie dürfte erneut vor Immobilien-Blasen und Auslandkrisen warnen.
Das wahre Problem könnten die Währungshüter der Schweiz hingegen einmal mehr verschweigen. Die SNB ist selbst zum “single most important risk factor” des Landes geworden.“
Und überfliegt man die Kommentare in der Presse und am Fernsehen, so bekommt Herr Hässig leider Recht.
Und was besonders irritierend ist: Kein einziger Journalist hielt es für nötig oder wagte sich, die SNB auf das horrende Risiko ihrer Auslandanlagen anzusprechen.
Die Frage, was die SNB zu tun gedenke, sofern der Euro falle und das Eigenkapital der SNB in den negativen Bereich fällt, wurde nicht angesprochen.
An Ihrem Vortrag vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel sagten Sie, die SNB bleibe auch mit negativem Eigenkapital „uneingeschränkt handlungsfähig“.
In seiner Antwort auf die SVP-Motion „Einführung einer Verschuldungslimite für die SNB“ stellt sich auch der Bundesrat auf diesen Standpunkt.
Sie zeigten zwei Wege auf, wie die SNB gedenke, negatives Eigenkapital wieder aufzustocken.
a)	Durch Drucken von Banknoten
b)	Durch Rückbehalt allfälliger Gewinne (Seigniorage)
Dass diese beiden von Ihnen angedachten Möglichkeiten untauglich sind, habe ich in meinem Artikel „Die SNB ist Volksverführern hörig“ auf Inside Paradeplatz deutlich aufgezeigt.
Hauptargument: Banknoten gehören nicht zum Eigenkapital der SNB, wie Sie und Ihr Direktorium meinen, sondern im Gegenteil zum Fremdkapital der SNB.
Konklusion: Die SNB kann negatives Eigenkapital nicht durch Drucken von Banknoten wieder in den positiven Bereich bringen, wie Sie und die Nationalbank das behaupten.
Nun zu meiner konkreten Frage an sie, Herr Professor Jordan:
Wie wird die SNB rekapitalisiert im Falle von negativem Eigenkapital?
a)	Wird der Steuerzahler die SNB rekapitalisieren müssen?
b)	Lässt man die kreditgebenden Schweizerbanken Konkurs gehen, weil sie ihre Guthaben bei der SNB entsprechend abschreiben müssen.
c)	Wird man der EU beitreten, um bei den Beitrittsverhandlungen einen Kurs von 1.20 aushandeln zu können, um so die SNB-Schulden zu tilgen?
Da ich 100 Prozent berufstätig und nicht Journalist bin, kann ich jeweils an den SNB-Konferenzen leider nicht teilnehmen. Meine Fragen an Sie kann ich Ihnen deshalb auch nicht an Ihren Pressekonferenzen stellen.
Und da ich von der Schweizerischen Nationalbank in den vergangenen 20 Jahren (1993) nie eine Antwort erhielt, stelle ich meine Frage hier an Sie und bitte Sie höflich um eine diesbezügliche Antwort.
(1993 sandte ich der SNB erstmals mein Buch „Arbeitslosigkeit – die grosse Verantwortung der Wirtschaftswissenschaft“; 1997 folgte meine Dissertation „Geld – eine Obligation der Notenbank“. Die SNB behandelt mich aber leider „wie Luft“).
14. Dezember 2013 / 12:01
Durch das „Drucken von Banknoten“ bleibt die SNB, wie jede andere Notenbank auch, immer liquide. Hat mit Eigenkapital überhaupt nichts zu tun, ABER: die SNB kann NIE illiquide werden!
Durch „Rückbehalt allfälliger Gewinne“ kann die SNB selbstverständlich, wie jede andere Firma auch, ihr Eigenkaptial stärken (bzw. ein negatives Eigenkapital abbauen).
Die einzige Frage ist – ich habe Sie hier schon mehrmals gestellt, sie wurde jedoch nie konkret beantwortet – ob die SNB vom Eigenkapital her konkursfähig ist. Muss sie bei negativem Eigenkapital Konkurs anmelden (wie eine normale Firma/Bank) oder nicht? Muss sie in einem solchen Fall rekapitalisiert werden oder nicht? Wo genau steht das? Normale Notenbanken, wie z. B. auch die EZB, müssen weder positives Eigenkapital haben noch rekapitalisiert werden. Es gibt keine Konkursmöglichkeit und auch keine Nachschußpflicht. Im Zweifel würde ich behaupten, dass dies für die SNB genauso gilt, weil sie eine öffentlich-rechtliche Aufgabe erfüllt.
15. Dezember 2013 / 00:44
Sie haben folgende Frage aufgeworfen:
„Die einzige Frage ist – ich habe Sie hier schon mehrmals gestellt, sie wurde jedoch nie konkret beantwortet – ob die SNB vom Eigenkapital her konkursfähig ist. Muss sie bei negativem Eigenkapital Konkurs anmelden (wie eine normale Firma/Bank) oder nicht? Muss sie in einem solchen Fall rekapitalisiert werden oder nicht? Wo genau steht das? Normale Notenbanken, wie z. B. auch die EZB, müssen weder positives Eigenkapital haben noch rekapitalisiert werden. Es gibt keine Konkursmöglichkeit und auch keine Nachschußpflicht. Im Zweifel würde ich behaupten, dass dies für die SNB genauso gilt, weil sie eine öffentlich-rechtliche Aufgabe erfüllt.“
Die Frage wurde in diesem Blog auch schon mal diskutiert, nämlich hier: https://insideparadeplatz.ch/2013/11/19/unsere-nationalbank-ist-volksverfuehrern-hoerig/#comments
Da der Blog schwer überschaubar ist, ist mein damaliger Beitrag in den vielen andern Posts untergegangen. Ich wiederhole meine Position darum nochmals:
Grundsätzlich sind die Bestimmungen des Obligationenrechts (OR) auf die SNB subsidiär anwendbar. Das heisst, das OR greift immer dann, wenn weder Art. 99 BV noch das Nationalbankgesetz (NBG) eine Regel enthalten.
Gern wird bei der Frage der Konkursfähigkeit der SNB auf Art. 29 NBG verwiesen. Art. 29 NBG regelt nach meinem Dafürhalten aber lediglich, nach welchen Regeln Bilanz und Erfolgsrechnung zu erstellen sind. Selbst wenn hier das NBG noch etwas Interpretationsspielraum offen lässt, die Materialien zum Gesetz, namentlich die Botschaft des Bundesrats über die Revision des NBG (http://www.snb.ch/de/mmr/reference/snb_legal_docum_brbotschaft/source) wird in Abs. 2.4.2.1 deutlich: Art. 29 NBG verweist auf Art. 957-964 OR sowie Art. 662 ff. OR, nicht aber auf Art 725 ff. OR. Das ist entscheidend, da Art. 957-964 OR und Art. 662 ff. OR zwar regeln, nach welchen Grundsätzen eine Überschuldung festzustellen ist, allerdings erst Art. 725 ff. OR festlegen, wie die Organe einer Unternehmung auf die Überschuldung zu reagieren haben (mit dem „Deponieren der Bilanz“).
Es ist somit nicht Art. 29 NBG, sondern, Art. 32 NBG, welcher Hinweise auf das Liquidationsverfahren im Falle der Nationalbank liefert. Auch wenn weder der Gesetzestext noch die Materialien (wieder die erwähnte Botschaft, Abs. 2.4.2.4) darauf schliessen lassen, dass die Verfasser an den Fall einer Liquidation als Folge einer Überschuldung gedacht haben, so ist unbestreitbar, dass zur Auflösung der Nationalbank ein Bundesbeschluss (der eidgenössischen Räte) benötigt wird. In diesem Bundesbeschluss müsste letztlich auch die Frage geklärt werden, ob die Verluste wie bei einem normalen Unternehmen auf die Gläubiger (die Banken und letztlich jeder, der eine Banknote der SNB im Portemonnaie hat) und die Aktionäre überwälzt würden, oder ob die öffentliche Hand mit einer Rekapitalisierung einspringen würde.
Weil sie nicht Art. 725 OR untersteht, muss die SNB bei negativem Eigenkapital also nicht automatisch Konkurs anmelden. Sie müsste ihre Bilanz nicht deponieren und dürfte ihren gesetzlichen Auftrag und die damit verbundene Geschäftstätigkeiten weiterführen. Man mag das verwundert zur Kenntnis nehmen, aber die Folgen eines normalen Konkursverfahrens mit Liquidation aller Aktiven wären m.E. weitaus gravierender. Alle Aktiven müssten (mit noch grösseren Verlusten) innert kurzer Zeit liquidiert werden, was faktisch den Geldkreislauf des Landes eindampfen würde.
Dem Gesetzgeber bliebe meines Erachtens nichts anderes übrig, als die SNB in irgendeiner Form zu rekapitalisieren. Persönlich sehe ich keine Alternative dazu, dass letztlich Bund und Kantone zur Kasse gebeten. Ich bezweifle aber, dass die öffentliche Hand Geld einschiessen würde, um das Eigenkapital wieder aufzustocken – das könnte ja nur über massive und sprunghafte Steuererhöhungen finanziert werden. Es würde wohl darauf hinauslaufen, dass Bund und Kantone über Jahre (oder vielleicht Jahrzehnte) keine Gewinnausschüttungen mehr erhalten würden. Diese Einnahmenausfälle müssten letztlich auch mit Steuererhöhungen (oder Leistungsabbau) kompensiert werden, aber der Schock wäre kleiner, weil sich die Auswirkungen in den Kassen der öffentlichen Hand auf viele Jahre verteilen würden.
Und damit ich es auch noch erwähnt habe: Mit dem „Drucken von Banknoten“ kann die SNB negatives Eigenkapital selbstverständlich nicht kompensieren.
15. Dezember 2013 / 20:45
Vielen Dank, dass Sie die Faktenlage ‚SNB Konkursfähigheit‘ umfassend beleuchtet haben. Das ist jetzt einmal etwas, woran man sich orientieren kann!
13. Dezember 2013 / 16:35
Die Schweiz AG überlebt nur weil die SNB – zu Recht oder nicht, mit oder ohne Milliarden Forex – als ultimate Holding der Risiken des hiesigen Finanz-miss-konstrukts noch einigermassen über internationale Kredibilität verfügt.
Würde die wirtschaftliche Überlebenschance der Schweiz an den irren offenen Wetten* und dem Verlustpotential unserer Übergrossbanken gemessen, inklusive ZKB, wäre der CHF unaufhaltbar auf ’skid row‘.
Gewisse Leute wollen sich eben partout über die ‚peanuts‘ der SNB aufregen, die Nebenbilanzen unserer UBS, CS, ZKB geflissentlich übersehen. So be it.
*Über 80’000 Milliarden vs 500 Milliarden SNB Bilanzsumme
13. Dezember 2013 / 17:03
Die ausländischen Investoren legen ihr Kapital nicht bei der SNB an in Form von Banknoten, sondern bei den Schweizer Banken in Form von Kundenguthaben.
Da besitzen Sie als Fremdkapitalgeber bei einem allfälligen Einbruch des Euro eine ungleich viel höhere Sicherheit als wenn sie in Banknoten der SNB investieren würden (Kollokationsplan).
Ihre Behauptung, die SNB besitze bei den internationalen Investoren eine höhere Kredibilität ist damit widerlegt.
Was sie ebenfalls übersehen ist, dass die Schweizer Geschäftsbanken der SNB Kredit gewähren und nicht umgekehrt.
Ihre Argumentation ergibt somit keinen Sinn.
Das gilt auch für Ihre seit Monaten in diesem Forum geäusserte Behauptung, bei 450 Milliarden Staatsschulden der SNB handel es sich um „peanuts“.
Wenn der Fiskus von den Steuerzahlern zusätzliche hunderte Milliarden Franken wird einfordern müssen, um die SNB zu rekapitalisieren, dann werden auch Sie kaum mehr von „peanuts“ sprechen.
Wir werden ja sehen (es sei denn, die SNB werde doch noch vernünftig).
14. Dezember 2013 / 12:09
Sie sprechen im Vorbeigehen einen Punkt an, der m. E. ganz wesenentlich ist. Historisch ist die Schweiz ein Veranlagungsland für Ausländer. Wenn diese Auslandsveranlagungen in Depots bei Schweizer Banken gehen, ist das kein großes Problem. Falls es Verluste gibt, müssen die Depotinhaber dafür gerade stehen.
Sofern diese Auslandsveranlagungen jedoch direkt im Bankensystem sind, müssen die Schweizer Banken ihrerseits diese Gelder wieder im Ausland veranlagen.
Ein Finanzzentrum hat den Vorteil, dass es viel Geld aus dem Ausland bekommt und dabei gut verdienen kann. Es hat den Nachteil, dass es dieses Geld wieder im Ausland investieren muss und damit ist Risiko verbunden. Zypern läßt grüßen.
Wie ich schon oben erwähnt habe, entsprechen die Bruttoauslandsvermögen der Schweiz derzeit über 3.600 Mrd.CHF. Davon macht die SNB nur einen Bruchteil aus.
12. Dezember 2013 / 23:34
Fragen und (mögliche) Antworten bez. Geld/Währungen.
Frage: Ist mein/unser Geld sicher?
Antwort: von Herr Voltaire (1694-1778):
Frage: Wie kann ich mein/unser Geld sichern?
Antwort: von Herr Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)
Frage: Gibt es ein Gesetz oder eine Institution (FIxA) die mein/unser Geld sichert?
Antwort: von Herr Publius Cornelius Tacitus (58-120)
„Corruptissima re publica plurimae leges.“ „Je verdorbener der Staat, desto mehr Gesetze hat er.“
Frage: Gibt es Politiker die mir/uns helfen mein/unser Geld zu sichern?
Antwort: von Herr Konrad Adenauer (1876-1967)
Frage: Wie viel ist mein/unser Geld in 5-10 Jahren wert?
Antwort: von Herr John Lennon (1940-1980)
13. Dezember 2013 / 10:37
„Drei große Erfindungen wurden seit Anbeginn der Zeiten gemacht: das Feuer, das Rad und die Zentralbank.“
Dazu kommt noch in der Neuzeit: das Internet!
Johnny Zinslos
12. Dezember 2013 / 22:56
ich empfehle Ihnen als Lektüre die Eidg. Exportstatistik und dann werden Sie sich über die grossen Exporterfolge Richtung USA wundern.
13. Dezember 2013 / 07:49
@Johnny Zinslos
Exporte nach USA im Jahre 2011: 21.3 Mrd Fr.
Importe von den USA im Jahre 2011: 9.2 Mrd Fr.
Exporte nach USA im Jahre 1991: 7.2 Mrd Franken
Exporte nach USA 2012: 23.5 Mrd
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/06/05/blank/data.html
12. Dezember 2013 / 19:48
Wie oft im Leben kann man nicht alles haben. Im vorliegenden Fall heisst das, dass ein Mindestwechselkurs des CHF bei einer hohen Nachfrage nach Schweizer Franken nun halt mal hohe Devisenbestände zur Folge hat und man sich nachher nicht darüber beschweren sollte, wenn bei Wechselkursschwankungen nebst Gewinnen auch Verluste entstehen können. Das Gleiche gilt auch für Gold. Als dieses an Wert zugelegt hat, haben alle gejubelt. Nun hat der Wind eben gedreht, tough shit!
Das Euroschwankungsproblem können wir nur lösen, indem wir entweder die Verteidigung der CHF-Untergrenze aufgeben (was wirtschaftlich vermutlich nicht zu vertreten ist angesichts der schleichenden Deindustrialisierung der CH) oder eben den EURO übernehmen. Vielleicht wäre Letzteres ja das Beste.
13. Dezember 2013 / 01:39
Diese Sichtweise ist m.E. nicht ganz vollständig. Sie vergessen das Instrument der Zinspolitik, mit welcher die Attraktivität des Haltens einer Währung beeinflusst werden kann. Vor dem aktuellen Tiefzinsumfeld konnte die SNB die Aufwertung des Frankens damit Steuern, dass mit dem Halten von Franken anstelle EUROS oder Dollars eine viel tiefere Verzinsung in Kauf genommen werden musste. Da die EURO und USD Geldmarktzinsen nun bei praktisch Null angekommen sind, ist die Attraktivität den „sicherern“ Franken zu halten massiv gestiegen und hätte demnach die SNB schon längst eine negative Verzinsung für Frankenguthaben ausländischer Korrespondenzbanken einführen müssen. Damit würde Sie das Ziel erreichen, die Spekulative Nachfrage nach dem CHF einzudämmen und zusätzlich den Anreiz erhöhen, dass die gehaltenen Franken Guthaben in den inländischen Kapitalmarkt fliessen und somit die Realwirtschaft unterstützt. Darüber hinaus könnten mit den Negativzinsen Erträge generiert werden, mit welchen das stark gebeutelte Schweizerische Bankensystem unterstützt werden könnte.
Mag sein, dass solche Massnahmen aussenpolitisch nicht nur positiv aufgenommen würden, jedoch erscheint es klar, dass wir als kleine Volkswirtschaft mit eigener Währung genau dieses Instrumentarium einsetzen müssen, um unsere Unabhängigkeit zu wahren. Das halten einer Untergrenze mit unlimitierten Devisenkäufen funktioniert langfristig nicht und ist gleichbedeutend mit der Übernahme des EUROs als Landeswährung, womit sich die SNB dann wohl selbst Überflüssig macht.
Es ist an der Zeit, dass die Politik diesen Misstand erkennt und ihren Einfluss geltend macht, denn diese Marschrichtung entspricht wohl weder dem Volkswillen noch dem Auftrag des Notenbank für langfristige Stabilität und Unabhängigkeit zu sorgen!
12. Dezember 2013 / 14:23
Herr doktor, in ihrem kommentar an @beobachter
sagen sie nichts über die negativen folgen der schweizer exportwirtschaft, wenn der euro nicht auf den mindestkurs fr. 1.20 gebunden worden wäre. wenn dies nicht gemacht worden wäre, so würde der euro auf weit unter fr. 1.20
absacken – und dann adios mit unserer wirtschaft. die bindung auf fr. 1.20 ist ja nur gemacht worden, damit dieser kurs nicht noch mehr sinkt. Ist doch ganz klar, oder nicht?
12. Dezember 2013 / 15:49
Das ist schlicht panikmachende Propaganda. Der Import der Rohstoffe wäre viel billiger und entsprechend würde dies sich auch auf die Produktkosten auswirken (die Schweiz ist extrem von ausländischen Rohstoffen abhängig!). Die Lebenshaltungskosten wären tiefer: zum Wohle der Bürger. Der Euro war schon bei 1.60 – und sein Absaufen auf 1.20 hat absolut nichts geschadet. Ganz abgesehen davon: Was nützt uns das, wenn wir dem Ausland gegen Kredit, den es nie wird zurückzahlen können, Waren ver“kaufen“, sprich: verschenken? Eines aber sieht man: Wenigstens die Hirnwäsche funktioniert tadellos.
12. Dezember 2013 / 15:59
Jedermann ist froh, wenn er seine Produkte teuer verkaufen kann.
Die hohe Nachfrage nach Gütern aus der Schweiz führt auch zu einer hohen Nachfrage nach Schweizerfranken. Deshalb ist der Franken hoch.
Der hohe Franken ist also das Resultat der starken Exportwirtschaft.
Er gefährdet die Exporte also nicht, sondern er ist im Gegenteil das Resultat der hohen Exporte.
Unsere Exporte boomen. Wir haben einen hohen Exportüberschuss.
Der starke Franken ist auch verantwortlich dafür, dass die Zinsen in unserem Lande tief sind. Davon profitiert auch die Exportindustrie.
Auch führt der starke Franken zu tiefen Importpreisen.
Vor diesem Hintergrund machen die massiven Währungskäufe der Nationalbank gar keinen Sinn.
Seit Einführung des Euro im Jahre 1999 ist dieser rund 25 Prozent gefallen. Das sind pro Jahr etwas mehr als 1.5 Prozent.
Das darf nicht dramatisiert werden. Der Dollar ist weitmehr gefallen und trotzdem exportiert die Schweiz mehr in die USA als je zuvor.
Wie gesagt, hohe Exporte führen zu einem starken Franken.
Also freuen wir uns doch vielmehr darüber als „den Teufel an die Wand zu malen“.
Erst die Paninkkäufe der SNB in Devisen bringen die Schweizer Wirtschaft in grösste Gefahr.
12. Dezember 2013 / 17:31
Abselut Richtig!!
12. Dezember 2013 / 13:43
Dass das weltweite Abwerten weitergehen wird ist angesichts der Staatsverschuldungen so sicher wie das Amen in der Kirche.
Dass die Schweizer Sparer zugunsten der Exportwirtschaft – ohne gefragt zu werden – abgezockt werden ist ebenfalls eine bittere Wahrheit in diesem Spiel der Nationalökonomie.
Ich bin davon überzeugt, dass die Transformation der SNB in einen richtigen Staatsfonds der einzige Weg wäre, hier ncoh mit einem blauen Auge davon zu kommen. Mit Schuldpapieren maroder Staaten und Euros werden wir ansonsten zum Gehilfen der korrupten Euro-Regierungen und sanieren gleich Südeuropa mit: Neutral sind wir da schon lange nicht mehr..
12. Dezember 2013 / 23:18
Es können nicht alle abwerten. Irgendeine Währung muss steigen. Es geht ja um Relationen.
Ein Staatsfonds macht nur Sinn, wenn dieser finanziert wird durch Eigenkapital.
Sicher aber nicht, wenn er finanziert wird mit hunderten Milliarden Franken Staatschulden, wie das bei der SNB der Fall ist.
Und das noch bei einer vom Volk beschlossenen Schuldenbremse!
13. Dezember 2013 / 10:23
Dann finden Sie es vernünftiger diese Staatsschulden in Form von Euro zu halten?
12. Dezember 2013 / 13:08
Es wird Monopoly gespielt bis zum Zusammenbruch. Nur diesmal werden nicht die bösen Banker sondern gewisse Politiker und die Notenbank schuld sein ! Frau Widmer-Schlumpf, Herr Hildebrand und Herr Jordan werden sich aber sicher auf dieses Szenario bereits vorbereitet haben.
12. Dezember 2013 / 13:02
Unsere Nationalbank hält uns alle „zum Narren“
Das Schweizer Fernsehen titelt heute im Anschluss an die heutige vierteljährliche Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB):
„Trotz tiefer Teuerung und solidem Wachstums der Schweizer Wirtschaft behält die Nationalbank ihre sehr lockere Geldpolitik bei.“
http://www.srf.ch/news/wirtschaft/nationalbank-bleibt-bei-nullzinspolitik
Was heisst „lockere Geldpolitik“?
Gemäss Nationalbankgesetz würde das heissen, dass die SNB viel Liquidität, d.h. viel Kapital über sogenannte „Repo-Pensionsanlagen“ in die Schweiz investiert.
Tatsache ist aber, dass die SNB überhaupt keinen einzigen Franken in Repopensionsanlagen in der Schweiz investiert.
Von Ihrem Vermögen von rund 500 Milliarden Franken investiert sie nicht einmal 1 Prozent in der Schweiz. Über 450 Milliarden investiert sie im Ausland! Sie betreibt eine „lockere Geldpolitik“ zugunsten des Auslandes.
Merken das die Politiker eigentlich nicht?
Die SNB führt in unserem Lande also überhaupt keine „lockere Geldpolitik“, wie sie behauptet. Im Gegenteil sie macht in der Schweiz zur Schulden.
Schweizer Fernsehen und NZZ bemerken das natürlich auch nicht und verbreiten munter die Falschaussagen der SNB, ohne kritisch darüber nachzudenken.
Unsere Nationalbank hält uns alle offenbar „zum Narren“.
Auch bestehe keine Deflationsgefahr sagt sie. Trotzdem nimmt sie 450 Milliarden Staatsschulden auf, um die angebliche Deflation zu bekämpfen.
Ich kann Herrn Hässig nur beipflichten: Wie lange hält dieser Wahnsinn an?
12. Dezember 2013 / 12:21
Als die SNB begonnen hat zur Eindämmung der Wechselkursbedingten Auswirkungen der EURO Krise via EURO Käufe zu intervenieren, habe ich bereits einen Leserbrief in einer grossen Tageszeitung verfasst und darauf hingewiesen, dass diese Vorgehensweise extrem riskannt ist und sich die SNB des falschen Instrumentes bedient.
Die richtige Vorgehensweise wäre die Einführeung einer Negativverzinsung für Schweizerfrankenguthaben ausöändischer Korrespondenzbanken gewesen, um die Flucht in den Schweizerfranken unattraktiv zu machen. Damit hätte die SNB und die schweizer Geschäftsbanken im CHF Zinsengeschäft wieder Geld verdient und die Aufwertung des Frankens hätte ohne grosse Risiken Eingedämmt werden können.
Verfolgt man die aktuellen Diskussionen in der EURO Zone, so denkt nun die EZB nach ihrem letzten Zinsschritt über die Einführung eines Negativen Zinses für bei der EZB gehaltene EURO Guthaben nach, um aus ihrer Sicht die Transmission in die Realwirtschaft zu beschleunigen.
Diese Vorgehensweise könnte zum Super-GAU bei der SNB führen und ihr Milliardenverluste bescheren, wenn sie nicht proaktiv handelt und der EZB zuvorkommt.
Die Folgen wären gravierend und die Sichtweise von Herrn Jordan, dass die SNB auch mit negativem Eigenkapital operieren kann würde einem Praxistest unterzogen, der m.E. für die öffentliche Hand und die schweizerische Realwirtschaft gravierende Folgen hätte.
Meines Erachtens Importiert die SNB mit der gewählten Politik die EURO Krise gehebelt in die Schweiz und bringt die Stabilität unseres Finanzsystems arg in Gefahr.
12. Dezember 2013 / 11:39
Die Kommentare hier warnen die SNB alle grossmehrheitlich. Und die Begründungen zu den Warnungen des falschen SNB Weges sind fundiert. Es sind hier nicht wirre Schreiberlinge vertreten sondern Leute, die die Sache fundiert angehen.
LEIDER liest dies bei der SNB keiner. Herr Hässig: senden Sie diese Kommentare doch der SNB, dass diese aufwacht, sofern die das Rückgrat dazu haben
12. Dezember 2013 / 10:27
Es dürfte sich bereits auch in der Schweiz herumgesprochen haben, daß der € crashen wird. Langsam, aber sicher. Siehe die gesetzliche Regelungen in D wegen Haftung bei Bankenpleiten und jetzt auf europäischer Ebene die Bankensuperhaftung.
Bereits am Freitag, 7.Mai 2010, verkündete die Bundeskanzlerin beim Chef-Treffen in Brüssel, daß ja im April Griechenland und der € gerettet worden seien, aber D sich auf Maastricht zurückziehe (der Vertrag wurde aber schon bei der „Rettungsaktion“ gebrochen) und keine weitere Haftung übernommen werde.
Da hat aber der französische Rumpelstilz der Deutschen die Leviten gelesen.Und der Italiener rief auch gleich den Summers in Amerika an.
Kurzum: die meisten €-Länder haben bereits Ersatzwährungen (nationale) gedruckt.
Bekannt ist nur, daß es mit den neuen Frankenscheinen „drucktechnische“ Probleme wegen des Papiers gebe. Seit mehr als 5 Jahren.
Also, so dumm ist die SNB gar nicht, sie sorgt vor und sie weiß ganz genau, daß auch die Schweiz bei einem Währungswechsel zur Kasse gebeten wird.
12. Dezember 2013 / 10:18
In den letzten 4 Wochen hat die SNB sicherlich einen schönen Teil der Euro am Markt verkauft.
Man sieht dies ganz klar am Verlauf der Wechselkurse in der Zeit 11. November bis gestern.
Der Euro ist gegenüber dem USD in der Spitze 3.91% gestiegen. In der selben Zeit ist der Franken gegenüber USD 4.65% gestiegen.
Somit hätte der Euro gegenüber Euro um 0,74% steigen sollen. Der Anstieg war hingegen über 1% gestiegen.
Die SNB kennt ihr Problem und versucht es bestmöglich zu managen.
Die Zahlen könnten am Ende besser aussehen als erwartet.
12. Dezember 2013 / 11:25
Träum weiter. Die SNB ist derart im alten (falschen) Fahrwasser und fährt die Schweiz an den Abgrund. Unbelehrbar. Die haben nichts verkauft. Die kaufen nicht nur Währungen ohne Ende, sondern machen auch Verluste ohne Ende. Jeder Stift würde es besser machen. Common sence ist bei der SNB ein Fremdwort. Falsche Eitelkeit ohne Rücksicht auf Verluste ist angesagt. Ganze Führungscrew müsste rasch ausgewechselt werden.
Wie schon andere hier erwähnten. Das grösste Bankenrisiko ist die SNB.
12. Dezember 2013 / 13:11
naja, common sense ist ja wohl nicht nur für die SNB ein Fremdwort… 🙂
12. Dezember 2013 / 10:15
Der Schweizer Franken ist so hoch weil der Euro immer billiger wird, da in den Euroländern immer billiger produziert und gearbeitet wird. Da immer mehr Euro gedruckt und ins System gepumpt werden wie bei den Amis oder den Japanern, bleibt uns bald nichts mehr anderes übrig als auch Schweizer Franken zu drucken, aber ob dies die Lösung sein kann, bezweifle ich stark. Also gibt’s nichts anderes als in den sauren Apfel zu beissen und die Euro wieder los zu werden und Schweizer Franken zu kaufen, auch wenn das für eine gewisse Zeit bedeutet dass der Schweizer Franken auf vielleicht 1Euro gleich 0,8CHF steigen wird. Wass das für die Schweizer wirtschaft bedeutet muss sich nicht erwähnt werden. Folgender Inhalt zeigt die Situation auf: aus Wikipedia Goldpreis:
Der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises schrieb 1912 in „Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“ über den Preis für durch Kredit geschaffenen Wohlstand: „Das wiederkehrende Auftreten von Boom-Perioden mit nachfolgenden Depressionsperioden ist das unvermeidliche Ergebnis der ständig wiederholten Versuche, den Marktzins durch Kreditexpansion zu senken. Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.
Was zeigt uns das: Diese Systeme die die USA, der EURO, Japan, können nicht funktionieren. Und wenn man einen Schweizer Franken bindet, macht man indirekt voll und ganz mit, zuerst mit richtigen gültigem Schweizer Franken und irgendwann hat man keine Kohle mehr also beginnt man auch zu drucken, aber eben es ist keine Lösung.
Der Knall kommt für alle, es ist nur die Frage wann und wie hart.
12. Dezember 2013 / 09:47
Man kann es drehen und wenden wie man will. Die Schweiz wurde zum 3. Rettungsschirm Europas.
Nun sollte man den Grossteil des Geldes so schnell wie möglich in Aktien Weltweit investieren und einen Staatsfond auf die beine Stellen, der uns und unsere nächsten Generationen mit Dividenden versorgt. Der buchhalterische Wert der Anlagen ist ja eingtlich egal, wichtig ist, dass wir den Wert unseres stabilen Vaterlandes in Realwerte parkieren.
Eigentlich ist es ja krass was abgeht: Die Welt kauft schweizer Franken frisch ab der Presse und gibt uns Euro dafür (Papier gegen Papier). Diese 500 Mia sind eigentlich der Wert unserer Stabilität. Nun sollte diese nicht in Staatsschulden (Papier) parkiert werden, sonder in Unternehmen. Nur diese werden uns auch in Zukunft mit Dividenden versorgen, egal ob in EURO, Gold oder Edelsteinen.
Rechnet aus, wievielmal die SNB die Zurich Verischerungen kaufen könnte…und was dies an Dividenden generieren würde…
12. Dezember 2013 / 11:37
Genau so! Hoffe, die entscheidenden Stellen wachen auch noch auf und veranlassen dies. Fürchte allerdings, dass der Staatsfonds zu spät auf den Beinen stehen wird.
12. Dezember 2013 / 12:04
so einfach ist es ja auch nicht. erst einmal sind die Aktien hoch, eher sehr hoch bewertet und die verluste waeren wohl noch groesser. zudem werden weder die eu noch die USA davor zurueckschrecken die steuern zu erhoehen und so ihr fiskalproblem auf die aktionaere zu uebertragen.
dazu kommt noch wer wuerde den staatsfonds fuehren? die snb? oder vielleicht unsere vertrauenswuerdigen banken? UBS, CS, ZKB, BKB……
die waehrungspositionen abzubauen und aktiv umzuschichten ist wohl die einzig vernuenftige loesung. der rest fuehrt vom regen in die Traufe…
12. Dezember 2013 / 13:49
Herr Jordan kauft lieber Nokia. Die sind nicht profitabel, aber dafür höchst volatil 😉
12. Dezember 2013 / 09:21
lassen Sie doch die Artikel über die SNB. Man kann die SNB nicht als Bank betrachten… auch wenn sie so heisst. Der SNB geht das Geld nicht aus! Die Aufgabe der SNB ist nicht Geld zu erwirtschaften wie ein Hedgefund. Da stehen volkswirtschaftliche Aufgaben im Vordergrund und von denen haben Sie glaub nicht eine so grosse Ahnung…
Machen Sie doch bitte einmal eine Besichtigung/Rundgang in der SNB und lassen Sie sich alles genaustens erklären. Vom Ausleihen des Gelder, den Girokonti, den Devisen- und Goldbeständen, Abhängikeiten der Devisenkurse etc. Ich bin mir sicher, dass Sie danach ganz ander argumentieren werden.
Es ist schon ein bisschen bemühend… wenn der Goldpreis steigt, kommt ein kritischer Kommentar worin steht, die SNB hätte die Goldbestände nicht abbauen dürfen, sinkt der Goldpreis, sind die Bestände zu gross…
Und dann auch noch den Herrn Wellershoff mit einem Sätzli zu zitieren, dass hinten und vorne nicht hinein passt.
Zum Glück ist bald Weihnachten, dann können Sie auch mal Pause machen.
12. Dezember 2013 / 11:30
Schönreden bringt nichts! Ihre „Argumente“ sind derart falsch.
Die SNB muss endlich eine Kehrtwendung um 180 Grad machen.
Die Gewinne sind auf Jahre weg und auch die Gelder die aus Gewinnen an die Schweiz und die Kantone fliessen sollten.
Wir sind derzeit, danke dem Hochrisiko SNB, bald gleich weit wie Griechenland und USA und die anderen maroden Länder.
12. Dezember 2013 / 13:14
Der einzige sinnvolle Kommentar. Hier haben viele noch nicht verstanden was das Ziel einer Zentralbank ist. Jedes Quartal muss ich Artikeln über Gewinne und Verluste der SNB lesen. Bitte hört auf solchen blödsinn zu schreiben und geht nochmals über die Bücher
12. Dezember 2013 / 09:15
Das Problem war nicht die Anbindung des CHF an den EUR bei 1.20 sondern das es offensichtlich nicht mehr möglich ist diese EUR, auch bei über 1.23, wieder los zu werden. Die SNB, eine dank EWS und Hildebrand völlig verpolitisierte Nationalbank, hält sich nicht an ihre volkswirtschaftliche Aufgaben, ist auf Irrwegen und wurde das grösste Risiko für die Schweiz.
12. Dezember 2013 / 11:31
Bravo! Guter Kommentar!!!
12. Dezember 2013 / 08:56
Interessant ist, dass nun offenbar auch Klaus Wellershoff vorsichtig wird bezüglich der Euro-Anbindung.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass Wellershoff in der entscheidenden Aufbauphase der gigantischen Devisenanlagen der SNB ein glühender Verfechter dieser Devisenkäufe war.
In der Handelszeitung vom 17. März 2011, S. 7, gab Wellershoff seine Sicht der Dinge. Er redete die SNB schön.
Für Herrn Wellershoff war bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Welt in bester Ordnung. Die Kritik an der SNB käme von den Grossbanken, als Folge der geplanten strengeren Bankenregulierungen in der Schweiz.
Eine Partei am rechten Rande des politischen Spektrums habe sich angeschlossen. Für unbefangene Beobachter bleibe ein bitterer Nachgeschmack.
Die SNB sei Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Der Präsident des Direktoriums der SNB, Philipp Hildebrand habe Finanzstabilität garantiert. Bestnoten also für Herrn Dr. Hildebrand von Herrn Dr. Wellershoff.
Warum jetzt die späte Kehrtwende von Herrn Wellershoff?
Offenbar hat auch Wellershoff nun begriffen, dass die SNB zum grössten „Too Big To Fail“ Risiko in unserem Lande geworden ist.
12. Dezember 2013 / 13:36
Genau. Ich versteh ihn auch nicht. Würde gerne wissen, wie er heute zu Mindestlohn und bedingungsloses Grundeinkommen steht.
Im weiteren wird die Suppe jedoch einmal mehr nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.
Spätestens nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und folglich Kündigung der PFZ etc., wird es für den CHF wieder Luft nach unten geben und damit den Handlungsspielraum der SNB erweitern.
Man darf also beruhigt in die Festtags-Ferien gehen. Jordan macht einen sehr guten Job bis anhin. Muss man liken.
12. Dezember 2013 / 08:29
Durch Fehlen von Visionen muss SNB bald Hilfe holen? Oder Reserven-Auflösungen?
Nicht umsonst strapaziert die Notenbank bei jeder Gelegenheit a) das Anpassen der Kapitaldecke bei den Grossbanken und b) warnt vor einem (Super-)Gau im Immobilien-Sektor.
Auf beiden Schauplätzen würde die SNB massiv gefordert sein, sollten die Deiche brechen!
Nur logisch, dass unter solchen Umständen die Notenbank nicht in der Lage sein wird, schwindende Gewinne an die Kantone auszuschütten.
Fazit: Der Schweizer Franken ist zur Zeit massiv überbewertet.
12. Dezember 2013 / 08:18
Was nicht erwähnt ist, dass die SNB grössere Teile der Euro Position über Verkäufe von EUR gegen den JPY in Long JPY Positionen gewandelt hat. Auf diesen JPY Beständen verliert die SNB im laufenden Jahr ja nur knapp 20%.
Oazapft is!!
12. Dezember 2013 / 08:58
Es gibt keine „free lunch“, alles hat ein Preis. Zudem vergisst man sehr oft in der Finance, dass Risiken ähnlich wie die Energie in der Physik sind: man kann Risiken „transformieren“ (transferieren) aber nicht eliminieren! Das war die grösste Illusion vor der Krise, dass alles Versicherbar ist(Hedging).
12. Dezember 2013 / 09:08
Sehr interessanter Aspekt, den ich in dieser Form zum ersten Mal höre!
12. Dezember 2013 / 09:18
Die SNB geht Risiken ein, die gar nicht nötig wären.
Mit ihren Panikkäufen in Fremdwährungen setzt sie unsere ganze wirtschaftliche und politische Zukunft aufs Spiel.
Zudem sind die Devisenkäufe volkswirtschaftlich kontraproduktiv.
Bei einer Depression in der Schweiz müsste die SNB in der Schweiz investieren und nicht im Ausland.
Zudem übersieht die SNB, dass der starke Franken das Resultat einer hohen Nachfrage nach Schweizer Gütern ist.
Die tiefen Zinsen und Importreise sind auch die Frucht des starken Frankens.
All das übersehen Sie und die SNB.

References: Art. 30
 Art. 725
 Art. 725
 Art. 725
 Art. 99
 Art. 29
 Art. 29
 Art. 29
 Art. 957
 Art. 662
 Art. 957
 Art. 662
 Art. 725
 Art. 29
 Art. 32
 Art. 725