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Timestamp: 2019-09-19 05:02:00+00:00

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„“Es geht seinen dialektisch-logischen Gang…“ | Philosophenstübchen-Blog
„“Es geht seinen dialektisch-logischen Gang…“
Posted by Annette Schlemm under Wissenschaft | Schlagwörter: Dialektik, Hegel, Philosophie |
Noch einmal zur Entwicklung bei Hegel
(als Grundlage für alles, was wir geschichtsphilosophisch aus dem Hegelbezug von Karl Marx herauslesen können…)
1. Logische „Entwicklung“
1.1. Die logische Aufeinanderfolge der Kategorien wird von Hegel in den drei Sphären der Logik unterschiedlich genannt. Im Bereich des Seins nennt er das Aufeinanderfolgen „Übergehen in Anderes“, im Bereich des „Wesens“ wird es „Scheinen in Anderes“ und erst die Bewegung des Begriffs in der Begriffslogik ist eine „Entwicklung“ (Hegel HW 8: 308, Z § 161)
Ewige Treppe (Spencer, Krauze 1996: 57)
1.2. Jede Negation lässt sich betrachten unter dem Blickwinkel des „Übergehen in Anderes“, des „Scheinens in Anderes“ und der begriffslogischen „Entwicklung“.
I. Seinslogischer „Übergang“: Der erste Zustand verschwindet, der neue entsteht.
z.B.: Flüssigkeit wird zu Gas. (Verschiedenheit, gleichgültig)
z.B.: Feudalismus wird durch andere Herrschaftsstrukturen gekennzeichnet als Kapitalismus.
II. Wesenslogische Beziehung/ Reflexion: Das Etwas und sein Anderes bleiben.
z.B. Gasförmigkeit ist der andere Aggregatzustand, der zum Zustand der Flüssigkeit gehört. (Unterschiedlichkeit, Beziehung gegeneinander)
z.B. Der Kapitalismus entstand auf Grundlage der im Feudalismus geschaffenen Grundlagen – er ist dessen Anderes.
III: Begriffslogische „Entwicklung“: alle Daseinsformen und Momente erweisen sich als Momente der Selbstentwicklung des Begriffs. (HW 8: § 161 Z: 308)
z.B. Es ist die „Natur“ des Wassers, in unterschiedlichen (einander negierenden) Aggregatzuständen zu existieren.
z.B. Es ist die Natur menschlicher Gesellschaft, in unterschiedlichen, einander negierenden konkret-historischen Formen wirklich zu sein.
1.3. Die Bewegung der Kategorien in der „Wissenschaft der Logik“ begründet sich aus der übergreifenden Gesamtheit (gegenüber dieser haben alle Zwischenschritte einen Mangel, sie sind „noch nicht die Wahrheit“ und diese Differenz zum wahren Ganzen treibt das Ganze an.) Das Hegelsche System der Bewegung stellt sich deshalb dar als „Kreis von Kreisen“ (Hegel HW 8: 60).
(Spencer, Krauze 1996: 90)
1.4 Die Entwicklung des Begriffs folgt der Logik: Etwas, das erst an sich ist (der Möglichkeit nach, als Anlage, noch nicht wirklich) wird für sich, d.h. verwirklicht sich, wird zur Wirklichkeit. Z.B.:
Mensch an sich vernünftig, das Baby aber noch nicht wirklich – Erwachsener ist auch wirklich vernünftig.
Keim der Pflanze hat an sich den Trieb, sich zu entwickeln; im Keim ist alles „eingehüllt und ideell“ enthalten – Das „vorherbestimmte Ende ist die Frucht“
(In Natur betrifft die Verwirklichung ein Individuum der nächsten Generation, in der Gesellschaft (Geist) bezieht sich die Verwirklichung auf dasselbe Individuum (Geist = ganze Gattungsgeschichte?)
das Treibende des Fortgangs ist der Mangel, den das Endliche gegenüber seinem Begriff noch hat (vgl. HW 5: 51),
nur Formänderung desselben Inhalts (HW 18: 40): Inhalt: Vernunft, Form: vom Ansich zum Fürsich
Vorgang: „das, was innerlich, an sich ist, aus sich herauszuziehen und sich gegenständlich zu werden.“ (HW 18: 40)
„Das Ansich regiert den Verlauf“ (ebd.: 41) (Keim der Pflanze „hat den Trieb, sich zu entwickeln; er kann es nicht aushalten, nur an sich zu sein. Der Trieb setzt die Existenz heraus. “ (ebd.: 41))
1.5. Stellen bei Hegel, die explizit auf die Zeitlosigkeit der logischen Entwicklung verweisen:
Hegel fasste die Philosophie als „zeitloses Begreifen“ auf, das sich nicht mit der schlechten Unendlichkeit der Abfolge endlicher Dinge beschäftigt (vgl. HW 9 § 248 Z: 26).
Auch das Negieren einer Qualität ist bei Hegel kein zeitlicher Vorgang (vgl. HW 8 § 109 Z: 228) und
die Beispiele von Zustandsänderungen (Aggregatzustände von Wasser, Oxydationsstufen von Metallen, Tonunterschiede) meinen keine zeitliche, gar entwicklungsgemäße, Aufeinanderfolge.
Die „Knotenlinie von Maßen auf einer Skala des Mehr und Weniger“ (HW 5: 437) behauptet kein zeitliches Nacheinander.
1.6. Alle Kritiken Hegels, die diese Kreisförmigkeit der Hegelschen Philosophie kritisieren (Schelling: „rotarischer Bewegung … entkommen“ (SW XIII: 274), Bloch: „Wunde des Panlogismus“ (SO: 205)), identifizieren die logische Entwicklung fälschlicherweise mit der zeitlich-historischen Entwicklung.
(Die nebenstehende Abbildung zeigt diese irrtümliche Identifizierung von logischer mit zeitlich-historischer Entwicklung)
1.7. Vergleiche Marx:
Es wäre […] untubar und falsch, die ökonomischen Kategorien in der Folge aufeinander folgen lassen, in der sie historisch die bestimmenden waren. Vielmehr ist ihre Reihenfolge bestimmt durch die Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen Gesellschaft aufeinander haben und die gerade das umgekehrte von dem ist, was als ihre naturgemäße erscheint oder der Reihe der historischen Entwicklung entspricht. (MEW 42: 41) (vgl. Schlemm 2002)
2. Zeitlich-historische Entwicklung
2.1. Selbstverständlich gehören auch zeitliche Veränderungen zu Gegenständen, über die Hegel philosophiert.
Wenn es um die Weltgeschichte als konkreteste Wirklichkeit des Geistes (Hegel: VLPG: 29) bzw. als „Darstellung des Geistes […], wie er sich das Wissen dessen, was er an sich ist, erarbeitet“, (ebd.: 31) geht, so geht es selbstverständlich auch um zeitliche Entwicklungen;
ebenso wie in der Geschichte der Philosophie, in welcher die menschliche Erkenntnis dem Weg der Selbsterkenntnis des absoluten Geistes folgt: „Das Verhältnis aber der früheren zu den späteren philosophischen Systemen ist im allgemeinen dasselbe wie das Verhältnis der früheren zu den späteren Stufen der logischen Idee, und zwar von der Art, daß die späteren die früheren als aufgehoben in sich enthalten.“ (HW 8: § 86 Z2: 184)
2.2. Obwohl es Parallelen zur logischen Entwicklung gibt (die „im allgemeinen“ ebenso verläuft) ist im Fall der zeitlichen Entwicklung zu unterscheiden zwischen dieser genannten logischen Entwicklung (die der Hegelschüler Erdmann „ewige Entwicklung“ nennt) und der historischen Entwicklung.
Hegel selbst verweist in der „Philosophie des Rechts“ dass ein „äußerliches Entstehen“ nicht mit dem „Entstehen aus dem Begriff“ verwechselt werden darf (HW 7: 37).
2.3. Entwicklung in der Natur
Nichtorganische Natur: in der Natur geschieht nichts Neues unter der Sonne, und insofern führt das vielförmige Spiel ihrer Gestaltungen eine Langeweile mit sich.“ (HW 12: 74)
meint: es geschieht zwar vieles, aber ohne „Trieb zur Perfektibilität“ (der dann im gesellschaftlichen Bereich dazu kommt).
Organische Natur: Keim der Pflanze hat den Trieb, sich zu entwickeln; im Keim ist alles „eingehüllt und ideell“ enthalten (HW 18: 41) -> Es entsteht als „vorherbestimmtes Ende […] die Frucht“.
Bei der Entwicklung des natürlichen organischen Individuums drängt sich nichts zwischen den Begriff und dessen Realisierung hinein, die Entwicklung geschieht auf eine unmittelbare, gegensatzlose und ungehinderte Weise (HW 12: 75).
2.4. Geschichte der Philosophie
Das „Muster“ für die Parallelität von Logischem und Historischem liefert Hegels „Geschichte der Philosophie“ (HW 18 – HW 20).
Es geht dabei um die Geschichte des inneren Inhalts, nicht um die äußerliche Geschichte „ihres Entstehens, Verbreitens, Blühens, Verkommens, Wiederauflebens, eine Geschichte ihrer Lehrer, Beförderer, auch Bekämpfer…“ (HW 18: 26)
Hier gilt: „daß die Aufeinanderfolge der Systeme der Philosophie in der Geschichte dieselbe ist als die Aufeinanderfolge in der logischen Ableitung der Begriffsbestimmungen der Idee“ (ebd.: 48).
Dies ist aber keine allgemeine Methode, sondern ist für die Geschichte der Philosophie begründet mit der „besonderen Natur ihres Gegenstandes“ (ebd.: 25). Hier gilt nun:
Das Historische zeigt „die unterschiedenen Stufen und Entwicklungsmomente in der Zeit, in der Weise des Geschehens, an diesen besonderen Orten, unter diesem und jenem Volke, unter diesen politischen Umständen […] – kurz, unter dieser empirischen Form…“ (ebd.: 48)
Das Logische stellt „die gedachte, erkannte Notwendigkeit der Bestimmungen“ (ebd.) dar.
Die Identität von Logischem und Historischem setzt also die Entkleidung des Historischen von ihren nicht dem Begriff entsprechenden Äußerlichkeiten voraus. Das ist natürlich nur möglich, wenn wir „die Erkenntnis der Idee schon mitbringen“ (ebd.: 49).
Vgl. Marx: „Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen“ (MEW 42: 39).
2.5. Entwicklung in der Gesellschaft
Erste Differenz zur Organismengeschichte: Das „vorherbestimmte Ende“ wird nicht in einem zweiten Individuum erreicht, sondern im selben Geist.
Zweite Differenz zur Organismengeschichte: Im Bewusstsein und im Willen spielen sich Widersprüche ab, welche die Entwicklung im Geistigen zu einem „harten und unendlichen Kampf gegen sich selbst“ (HW 12: 76) machen, wobei „harte unwillige Arbeit gegen sich selbst“ erforderlich ist.
2.6. Die Hauptvoraussetzung der Hegelschen Geschichtsphilosophie ist, „dass Vernunft in der Geschichte sei“ (HW 10: 352; vgl. HW 12: 23).
„Der einzige Gedanke, den die Philosophie mitbringt, ist aber der einfache Gedanke der Vernunft, daß die Vernunft die Welt beherrsche, daß es also auch in der Weltgeschichte vernünftig zugegangen sei.“ (HW 12: 20)
„Es hat sich also erst aus der Betrachtung der Weltgeschichte selbst zu ergeben, daß es vernünftig in ihr zugegangen sei, daß sie der vernünftige, notwendige Gang des Weltgeistes gewesen, des Geistes, dessen Natur zwar immer eine und dieselbe ist, der aber in dem Weltdasein diese seine eine Natur expliziert. Dies muß, wie gesagt, das Ergebnis der Geschichte sein. Die Geschichte aber haben wir zu nehmen, wie sie ist; wir haben historisch, empirisch zu verfahren.“ (HW 12: 22)
2.7. Zur Methode der „Philosophie der Geschichte“
das bedeutet explizit nicht, dass „ein Grundsatz, eine Wahrheit nur abstrakt festgehalten“ werden darf (HW 12: 24)
nötig ist eine „Vereinigung des Konkreten mit dem Allgemeinen“, die konkreten geschichtlichen Wege erkennen und auf das allgemeine Prinzip beziehen (ebd.: 26)
Das erfordert das Zusammengehen von Logisch-dialektischem und Empirischem: dass Stufen einander aufheben, ist logisch-dialektisch, die bestimmten Besonderheiten jedes Volkes müssen empirisch aufgenommen werden (ebd.: 87)
Wichtig für Herausarbeiten das Wesentlichen ist das, was in Richtung auf das Bewusstsein der Freiheit geht (ebd.: 88)
2.8. Hegel unterscheidet für die Weltgeschichte A) den Fortgang entsprechend eines leitenden Prinzips und B) zufällige Geschehnisse; Marx „geschichtliche“ und „naturwüchsige“ Bedingungen.
2.8.A) das leitende Prinzip der Weltgeschichte ist „der Geist selbst, der nach seinem Wesen der Begriff der Freiheit“ (HW 12: 76).
Die Weltgeschichte stellt “den Stufengang der Entwicklung des Prinzips, dessen Gehalt das Bewußtsein der Freiheit ist“ (ebd.)
Als Triebkraft der Entwicklung erweist es sich, dass das Unvollkommene „das sogenannte Vollkommene, als Keim, als Trieb in sich hat“ (ebd.: 78). Hegel ergänzt hier: „Ebenso weist wenigstens reflektierterweise die Möglichkeit auf ein solches hin, das wirklich werden soll…“ (ebd.).
2.8.B) Geschichtsperioden, in denen aller Gewinn vernichtet wurde und wieder von vorne angefangen werden musste (ebd.: 76), sind für Hegel nur „äußerliche Zufälligkeiten“.
Auch Marx unterscheidet zwischen „naturwüchsigen“ und „geschichtlichen“ Momenten. Jene Momente, die der durch das Wesen bestimmten „inneren Logik“ entsprechen, nennt er „geschichtliche“; ihnen gehen die „naturwüchsigen“ voraus:
„Durch den Prozeß der Produktion selbst werden sie [die Voraussetzungen und Bedingungen der Produktion] aus naturwüchsigen in geschichtliche verwandelt, und wenn sie für eine Periode als natürliche Voraussetzung der Produktion erscheinen, waren sie für eine andre ihr geschichtliches Resultat.“ (MEW 42: 32)
2.9. Die historische Entwicklung der Menschheit ist für Hegel also durch die Aufeinanderfolge von kulturgeschichtlichen Verwirklichungsformen der Menschheit („Volksgeister“) bestimmt, bei denen:
die zu verwirklichende Anlage in der Vervollkommnung des „Bewussteins der Freiheit“ besteht, was für Hegel identisch ist mit Vernunft,
das Ziel in seiner konkreten Ausgestaltung nicht vorbestimmt ist (unbestimmte Perfektibilität),
die Wege dahin durch zufällig verursachte Um- und Irrwege sowie einen „harten und unendlichen Kampf gegen sich selbst“ realisiert werden,
wobei sich tendenziell die Anlage in Richtung Freiheit/Vernunft durchsetzt.
2.10. Die List der Vernunft:
„Es ist das Besondere, das sich aneinander abkämpft und wovon ein Teil zugrunde gerichtet wird. Nicht die allgemeine Idee ist es, welche sich in Gegensatz und Kampf, welche sich in Gefahr begibt; sie hält sich unangegriffen und unbeschädigt im Hintergrund. Das ist die List der Vernunft zu nennen, daß sie die Leidenschaften für sich wirken läßt, wobei das, durch was sie sich in Existenz setzt, einbüßt und Schaden leidet. Denn es ist die Erscheinung, von der ein Teil nichtig, ein Teil affirmativ ist. Das Partikuläre ist meistens zu gering gegen das Allgemeine, die Individuen werden aufgeopfert und preisgegeben.“ (HW 12: 49)
3. Nutzen dieser Entwicklungsphilosophie für vorausdenkendes Handeln
3.1. Prüfen der Annahme, „dass Vernunft in der Geschichte sei“
3.2. Wenn nein/ja, was heißt das?
3.3. Hegel:
„Der Zweck der Philosophie ist […], die Gleichgültigkeit zu verbannen und die Notwendigkeit der Dinge zu erkennen, so daß das Andere als seinem Anderen gegenüberstehend erscheint“ (Hegel HW 8: § 119 Z1: 246).
„Aber das Beschränkte kann durch seine eigene Wahrheit, die in ihm liegt, angegriffen und mit dieser in Widerspruch gebracht werden; es gründet seine Herrschaft nicht auf Gewalt Besonderer gegen Besondere, sondern auf Allgemeinheit; diese Wahrheit, das Recht, die es sich vindiziert, muß ihm genommen und demjenigen Teile des Lebens, das gefordert wird, gegeben werden.“ (Hegel 1799/1800, Fragment „Der immer sich vergrößernde Widerspruch…“ (in Kimmerle 1990: 274-277)
Kimmerle entsprechend Hegel:
Kimmerle: „Das bestehende Leben, das die äußeren Beschränkungen auferlegt, kann nur dadurch „angegriffen“ werden, daß es auf seine eigene Lebendigkeit hin angesprochen und verpflichtet wird. So gerät es mit sich selbst „in Widerspruch“. (Kimmerle 1990: 280)
Es geht darum, „aus der Kritik der alten Welt die neue [zu] finden“ (MEW 1: 344).
Anhang: Darstellung dieser Zusammenhänge (pdf)
Hegel (HW): Hegel, Georg Friedrich, Wilhelm: Werke in 20 Bänden. Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag 1970.
Schlemm, Annette (2002): Das Problem des Verhältnisses Logisches – Historisches. In Internet: http://www.thur.de/philo/hegel/hegel4.htm
Schlemm, Annette (2008): Dass nichts bleibt, wie es ist…(III). Dialektik der Entwicklung. In Internet: http://www.thur.de/philo/hegel/hegelvortrag2.htm
Schlemm, Annette (2010): Zeittheorie bei Schelling und Bloch V. Kleiner Exkurs zu Schellings Kritik an Hegel, In Internet: https://philosophenstuebchen.wordpress.com/2010/05/17/zeittheorie-bei-schelling-und-bloch-v/
4 Antworten to “„“Es geht seinen dialektisch-logischen Gang…“”
Michael Rahnfeld Says:
Besten Dank für die schöne Site. Ich habe
eine Frage: Die oft zitierte Metapher Hegels
„ein Kreis von Kreisen“ bereitet mir
Kopfzerbrechen – könnten Sie mir eine
klar verständliche Interpretation geben?
Oktober 3, 2010 at 3:05 pm
eine „klar verständliche Interpretation“ wird meistens falsch (das haben wir bei den vereinfachten „Dialektik-„Lehrgängen im Marxismus-Leninismus leider erleben müssen).
Eine nicht ganz hegel-konforme strukturelle Erklärung der Struktur des Hegelschen Systems hab ich mal auf der Seite
Das Hegel-Sierpinski-Dreieck versucht. Da taucht auch der „Kreis von Kreisen“ auf. Wichtig sind folgende Hinweise:
Kategorien bei Hegel sind nie fest definiert, sondern ergeben sich aus der Vorgeschichte der Fragestellung (sie stellen Lösungen vorher aufgetretener Widersprüche dar) und haben eine Nachgeschichte (sie entwickeln eine eigene Widersprüchlichkeit, die zu neuen Stufen vorantreibt) (Genaueres dazu)
Dabei gibt es keinen festen Anfang, der unabhängig vom Weg und dem Ende vorausgesetzt werden könne. Sondern dass der Anfang richtig gewählt ist (z.B. bei Hegel das „reine Sein“, im Marxschen Werk „Das Kapital“ die „Ware“) kann sich erst aus dem gesamten System heraus rechtfertigen. Auf diese Weise „beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz“.
Die Kreisförmigkeit (für den „Großen Kreis“ und alle „kleinen Kreise“) ergibt sich auch daraus: Der Gegenstand ist von Anfang bis Ende Derselbe. Es geht darum, ihn immer besser zu begreifen. Was wir am Anfang nur als abstrakte Identität erkennen, haben wir am Ende als konkrete Totalität begriffen. Aber eine konkrete Totalität im „kleinen Kreis“ ist nur der Ausgangspunkt für den weiteren Weg auf dem „großen Kreis“, der letztlich das „Sich-Selbstverstehen von Allem“ bedeutet.
Vortrag: Entwicklung in der Dialektik Hegels « Philosophenstübchen-Blog Says:
[…] „rote Faden“ des Vortrags ist schon hier im Blog vorgestellt worden. […]
Menschliche Verhältnisse begreifen I4 « Philosophenstübchen-Blog Says:
Februar 17, 2013 at 12:53 pm
[…] Unterscheidung von Tendenz und Kontingenz in der Zusammenfassung und die entsprechenden Hinweise im dazugehörigen Text), Marx unterscheidet für die tendenzsetzenden Gründe „geschichtliche Bedingungen“ und für […]
Mai 19, 2010 at 9:26 pm
Schlagwörter: Dialektik, Hegel, Philosophie

References: § 161
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 § 248
 § 109
 § 86
 § 119