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Timestamp: 2018-03-22 21:22:17+00:00

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NCI Aktuell Archiv: Mai 2007
NCI Aktuell Archiv Mai 2007
Donnerstag 31.5.2007
Nein, nicht mehr?
Nach allem was uns die Firma zumutet, kein Wunder! Sollen Sie oder Ihre Kollegen ihren Arbeitsplatz verlieren und sollen Sie trotzdem motiviert Ihren Kampfgeist ausleben und Ihrem Projekt zu Höhenflügen verhelfen? Vielleicht sollen Sie es auch nur zu einem schnellen Abschluss bringen, damit Ihr Arbeitsplatz umso schneller ausgegliedert oder ins Ausland verlagert werden kann? Fragen Sie sich auch, warum Sie Überstunden und Samstagsarbeit leisten sollen, Ihren Urlaub verschieben und Ihr Projekt ins Zentrum Ihres Lebens rücken sollen, wo doch Ihre Zukunftsperspektive so existentiell unsicher ist? Wenn die Firma von Ihnen Loyalität verlangt, muss sie diese selber bieten, mit Personalabbau bietet sie das Gegenteil - ein schlechter Tausch!
Wie wäre es, wenn wir nicht mehr mit 150 % Einsatz arbeiteten, sondern nach unseren vertraglichen 7 oder 8 Stunden nach Hause gingen, ohne Rücksicht auf die noch so "dringenden" Arbeiten. Morgen ist auch noch ein Tag und nächste Woche. Wussten Sie, dass die Leistungskurve schon nach der siebten Stunde rasant abfällt? Warum nach der vertraglichen Arbeitszeit dann mehr Fehler produzieren, statt die Arbeit ausgeruht qualitativ besser zu erledigen und das eigene Leben nach der Arbeitszeit genießen? Wann haben Sie gemeinsam mit Ihrer Frau / Ihrem Mann oder den Kindern unter der Woche etwas unternommen? Vielleicht ist die Zeit dazu reif, das Zentrum unseres Lebens wieder bei Familie und Freunden zu sehen, wo unser Arbeitsplatz doch eine sichere Perspektive missen lässt.
Leiden auch Sie unter vermehrten Erkältungserkrankungen, Stress, Schlaflosigkeit, Magen-Darm- oder Herz-Kreislaufproblemen oder diagnostiziert der Arzt bei Ihnen gar Burn-out oder eine Depression?
Und damit schleppen Sie sich jeden Tag zur Arbeit? Macht das Ihren Arbeitsplatz sicherer?
Sorgen Sie lieber für Ihre Gesundheit, denn wenn Ihr Arbeitsplatz entfällt, werden Sie krank noch weniger in der Lage sein, einen neuen zu finden.
Natürlich kann auch die kalte Wut in Ihnen hochsteigen wegen der groben Ungerechtigkeit, dass Sie die besten Ihrer Jahre der Firma gewidmet haben und sie Ihnen jetzt den Stuhl vor die Tür stellt. Das führt vielleicht dazu, dass Sie wirklich nur noch Ihren Job erledigen und nicht noch wie üblich mit anpacken wo gerade Unerledigtes wartet, das aber für den Fortgang des Projektes nötig ist.
Ach und wussten Sie, dass sie dem Gesetz nach Ihrem Arbeitgeber nur eine Leistung mittlerer Güte für Ihr Gehalt schulden? Haben Sie nicht auch ein "gut" bei den bisherigen Leistungsbeurteilungen oder in Zwischenzeugnissen stehen? Das sieht so aus, als ob Sie ständig eine bessere Leistung liefern, als Ihnen bezahlt wird. Na, ja seit ERA und den diversen Einzelvereinbarungen ist der Unterschied zwischen Bezahlung und Leistung vielleicht noch größer.
Zahlen Sie beim Kaufmann auch immer ein Viertel mehr für Ihren Einkauf als er in Summe ausmacht, sozusagen als freiwillige Spende? Nein - und im Job?
Dann zeigen wir der Firma doch, dass sie genau das bekommt was sie verdient! Denken Sie als Unternehmer in eigener Sache, der nur dann investiert, wenn es sich auch lohnt.
Wenn uns die Firma sichere Arbeitsplätze bietet als Gegenleistung für beste Arbeit und großen Einsatz, dann erwidern wir die Loyalität, die uns die Firma erweist, wenn wir jedoch vom Management nur als Kostenfaktor und als Beschäftigte auf Zeit gesehen und behandelt werden, reduziert sich verständlicherweise unsere Motivation auf die von "Beschäftigten auf Zeit", die vielleicht morgen schon nicht mehr zu dieser Firma gehören.
In jedem Fall müssen nur wir - die Mitarbeiter - Fehlentscheidungen des Managements mit der einzigen Währung bezahlen, die wir besitzen - mit unserem Arbeitsplatz!
Auch Lothar Pauly stolpert über die Siemens-Korruptionsaffäre.
Obwohl er ja nur ein relativ kurzes Gastspiel als Com-Chef hatte.
Laut FAZ , Focus und DPA-AFX ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch gegen Pauly, der deswegen am Donnerstag seinen jetzigen Posten als Vorstand für den Geschäftskundenbereich T-Systems der Deutschen Telekom niedergelegt hat.
Siemens zahlt 3000 Euro Anwerbeprämie für neue Mitarbeiter!
Das ist die gute Nachricht! Gesucht werden bis zu 1000 neue hochqualifizierte Mitarbeiter, vor allem Maschinenbauingenieure und Verfahrenstechniker, aber auch Kaufleute mit Hochschulabschluss, und zwar für PG (Power Generation). (Das ist die schlechte Nachricht für NSN-Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze akut bedroht sind.)
In einem Mitarbeiterbrief zum "Mitarbeiter werben Mitarbeiter"-Programm heißt es: "Ihre Empfehlung ist uns 3000 Euro wert". Begründet wird die ungewöhnliche Personalsuchaktion mit einem gravierenden Mangel an Ingenieuren in Deutschland: "Der Personalbedarf sei angesichts des überaus gut laufenden Geschäfts nicht mehr zu decken."
Wie gesagt: Nicht bei Nokia-Siemens-Networks!
In der Com-Sparte begann im Jahr 2002 der fortgesetzte Stellenabbau wenige Wochen nachdem Kopfprämien für neue Mitarbeiter ausgelobt wurden. Wünschen wir den PG-Kollegen, dass es ihnen nicht ähnlich ergeht...
Dienstag 29.5.2007
Siemens erwägt Generalumbau mit Schaffung einer Holding-Struktur.
Für aufmerksame NCI-Homepage-Leser keine Überraschung: Wir sagen das schon seit 4 Jahren voraus, die Zeichen waren ja kaum mehr zu übersehen in diesen Zeiten ständiger Ausgliederungen.
Laut "Welt" vom 26.5. will der Aufsichtsrat in Absprache mit dem künftigen Siemens-Chef Peter Löscher das bisherige System von Zentralvorstand und operativ tätigen Bereichsvorständen auflösen; dies scheine "bereits ausgemachte Sache zu sein", das Kontrollgremium sei sich hier generell einig. An Stelle der alten Organisation denken Aufsichtsräte über Holdingformen etwa nach dem E.on- und Bayer-Modell nach. Federführend für diesen beabsichtigten Umbau seien mal wieder Cromme und Ackermann. Wen wundert’s.
Und warum, wieso, weshalb, wozu? No surprise: "Der Vorteil der Holdingstruktur ist die Möglichkeit, einzelne Geschäftsbereiche schnell zu verkaufen", wird ein Aufsichtsrat zitiert. Danke! Und so bestätigt Cromme auch: "Es besteht Einigkeit im Vorstand ... dass es Randaktivitäten geben wird, die nicht unbedingt auf Dauer zu Siemens gehören müssen".
Auch der "Tagesspiegel" berichtet unter Berufung auf mehrere Aufsichtsräte, die neue Führung (Löscher/Cromme) wolle die Unternehmensstrategie noch deutlicher auf die Entwicklung des Aktienkurses hin ausrichten, mit einem extrem ehrgeizigen Kursziel von 140 Euro; ob dazu allerdings, wie schon immer von Analysten gefordert, die Konzentration auf ein noch engeres Portfolio und der Ausverkauf von allem anderen zielführend ist, darf bezweifelt werden, das hat auch Klaus Kleinfeld schon nicht geschafft. Genau darauf dürfte es aber wohl hinauslaufen: Aus dem Aufsichtsrat will der Tagesspiegel erfahren haben, die neue Führung sei "sich einig, dass Siemens in seiner heutigen Form viel zu breit aufgestellt ist."
Es sieht also ganz danach aus, als hätten sich mit Crommes Machtergreifung die Analysten mit ihren altbekannten Umbau-Forderungen durchgesetzt. Mag sein, dass dadurch tatsächlich ein paar kurzfristige Spekulationsgewinne drin sind, aber ob damit das Unternehmen wohl auch langfristig besser dasteht?
Es bedeutet schlicht die Abkehr vom "Gemischtwarenladen Siemens", oder man könnte auch sagen, vom Tausendfüßler, bei dem immer noch 999 Beine trugen, wenn eines mal schwächelte. Auf alle Fälle wird das Unternehmen dadurch anfälliger, und gut für sichere Arbeitsplätze ist es mit Sicherheit auch nicht gerade.
Eine Million Zugriffe auf die NCI-Homepage!
Nach knapp viereinhalb Jahren hatten wir nun bereits den millionsten Lesezugriff auf unsere NCI-Homepages. (Details zur Historie). Diese Homepage ist nur unser sichtbarstes von mehreren Instrumenten der direkten Mitarbeiter-Vernetzung: Dahinter steht unser Mitarbeiternetz NCI.
Das Siemens-Management selbst gab unfreiwillig die Initialzündung für die Entstehung dieses Netzwerkes, das ohne einen so besonders rücksichtslosen (und auch nicht unbedingt rechtmäßigen) Stellenabbau wie damals in Mch-H wohl kaum entstanden wäre. Und seitdem wird man uns nicht mehr los...
Auch wenn NCI nicht nur aus seiner Homepage besteht, so sind doch Information und Öffentlichkeit über das Internet besonders wichtige Eckpfeiler unserer Arbeit: Wir arbeiten für eine gut informierte Belegschaft, die ihre Rechte genau kennt und auch weiß, wie sie diese nötigenfalls durchsetzen kann. Zugleich stellen wir eine gewisse Öffentlichkeit her; gerne erinnern wir uns an das empörte Zitat eines Siemens-Anwalts nach einem Kündigungsschutzprozess "ich kann hier kein Wort mehr sagen ohne dass es nachher weltweit im Internet nachlesbar wäre": Genau so ist es! Seitdem funktioniert das Prinzip des "leisen Stellenabbaus" nicht mehr, und das ist gut so.
Dass gerade in Zeiten von Stellenabbau und Ausgliederung eine gut informierte Belegschaft nicht in jedermanns Interesse ist, war spätestens dann zu merken, als die Firma Siemens ihren Mitarbeitern den Lesezugriff auf die bisherige NCI-Homepage sperrte; übrigens hatten wir niemals mehr Lesezugriffe als unmittelbar nach diesem unfreiwilligen Kompliment...
Nach dieser Zugriffssperre und der Umgestaltung der NCI-Homepage www.nci-net.de zum Arbeitnehmerportal "NCI InWaChRo News" bauten wir unsere bisherige NCI-Betriebsratshomepage www.nci-br.de zu einer zweiten, auch von Siemens aus noch zugreifbaren NCI-Homepage aus, mit etwas stärkerem Fokus nun auf aktuelle Vorgänge in unseren Münchner Betrieben bei Siemens und den diversen Siemens-Ausgliederungen wie z.B. Nokia Siemens Networks. Seitdem bieten wir also Interessantes auf zwei parallelen Internetseiten, mit Informationen u.a. zu Arbeitsrecht, Kündigungen, Betriebsübergängen, Mobbing, beE, ERA, Trennungsgesprächen, einem Diskussionsforum, und einer Seite mit den bisherigen Sendungen unserer monatlichen Radiosendung "NCI on Air" bei Lora München, sowie natürlich aktuellen Artikeln und Veranstaltungshinweisen.
Da wir unseren millionsten Besucher nicht kennen, können wir ihm/ihr leider keine echten Blumen überreichen, daher wenigstens ein virtueller Blumenstrauß.
Nach Entlassungswellen: Personaldecke zu dünn!
Eine Online-Befragung von 312 Fach- und Führungskräften durch das Institut für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF) in Hamburg bestätigt, auf was auch wir immer wieder hinweisen: Viele Firmen können vom derzeitigen Aufschwung nicht profitieren, weil sie Aufträge wegen Personalmangel nicht bearbeiten können. 48 Prozent der Unternehmen beklagen, dass sie bereits Aufträge verloren haben, weil ihre Personaldecke zu dünn war. Der Grund liegt im massiven Arbeitsplatzabbau der vergangenen Jahre.
Fatal wirken sich diese kurzsichtigen Managemententscheidungen derzeit insbesondere im produzierenden Gewerbe aus. Dort wird bevorzugt darüber geklagt, dass die Unternehmen nicht die geeigneten Fachleute - vor allem Ingenieure - finden. Trotz deutlicher Auftragszuwächse in den letzten zwölf Monaten wurden aber ausgerechnet in diesem Sektor in sechs von zehn Betrieben weiterhin Menschen entlassen. Diese Firmen haben den Aufschwung anscheinend verschlafen.
Das Risiko einer über das Ziel hinausschießenden Rationalisierung wird von vielen Managern unterschätzt. Bereits vor sechs Jahren musste laut der Frühjahrsumfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IDW) jedes zweite Unternehmen wegen Produktionsengpässen Aufträge ablehnen. Seitdem haben die Manager der in Deutschland tätigen Unternehmen nicht allzu viel hinzugelernt. Allerorten wurde weiter gespart, rationalisiert, freigesetzt ...
Handelsblatt: "Und wer soll jetzt die Arbeit machen?"
Wirtschaftswoche: "Entlassungswellen stellen sich als Fehler heraus."
Montag 28.5.2007
Erst ERA - dann Mapping und nun?
Im Herbst 2006 wurden Sie als TarifmitarbeiterInnnen bei SN GmbH & Co. KG nach ERA eingruppiert und im Frühjahr 2007 für die neue Organisation von NSN GmbH & Co. KG gemappt und sind ab 01.04.2007 Mitarbeiter, bzw. Mitarbeiterin dieser neuen Gesellschaft.
Dieses Mapping soll sicherstellen, dass Sie in der neuen Organisation eine adäquate, ihrer bisherigen Tätigkeit und Qualifikation entsprechende, neue Aufgabe erhalten werden. Ein Mapping ist keine Versetzung, sondern quasi eine vorläufige Information über Ihre neue Tätigkeit bei NSN nach erfolgter Versetzung.
Sorgen bereitet nun dem BR, dass einige der „neuen“ Vorgesetzten, weil Sie als Mit-arbeiterinnen noch gar nicht versetzt sind, von Ihnen verlangen, sich auf diese „neue“ Stelle gem. Mapping zu bewerben.
Das kann es nicht sein! Was passiert denn, wenn dieser neue Vorgesetzte Ihre Be-werbung ablehnt? Will er Sie als Mitarbeiterinnen etwa loswerden?
Was passiert denn, wenn plötzlich Ihre neue Stelle bei NSN 2 oder 3 Entgeltgruppen unter Ihrer heutigen Entgeltgruppe liegt?
Werden Sie dann persönlich abgruppiert?
Und das mit Einbuße der Ausgleichs- und Überschreiterzulagen?
Nehmen Sie die Aufforderung zur Bewerbung auf Ihre neue Position bei NSN nicht einfach hin – mit dem GBR wurde ein Mapping vereinbart, um möglichst schnell und komplikationslos die neue Struktur abzubilden, nicht mehr und nicht weniger.
Sie sind bis jetzt weder offiziell versetzt, noch müssen Sie sich auf ihre Stelle bewer-ben. Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht Ihnen gegenüber und das schließt auch Ihre qualifizierte Beschäftigung mit sinnvoller Arbeit mit ein.
Bewahren Sie die Nerven und melden uns das Ansinnen Ihrer "neuen" Vorgesetzten, sich bewerben zu müssen. Und: Sollten Sie keine, Ihrer Qualifikation und der alten SN Organisation entsprechende Arbeit mehr haben, lassen Sie uns das schnellstens wissen.
Dagegen müssen wir gemeinsam dann etwas tun - aber ohne Ihre aktive Mithilfe können wir bei konkreten Fällen dieser Art nicht unterstützend tätig sein.
Melden Sie sich beim BR Ihres Vertrauens!
Bedenken Sie: Der Grat zwischen Mapping und Mobbing ist sehr steil und schmal!
Freitag 25.5.2007
Ausgliederungen aus NSN: Es fängt schon an.
Wenn auch noch nicht bei uns. Noch nicht. Siehe www.eetimes.com
"Communications software company Aricent has bought, for an undisclosed sum, the cellular basestation development group of Nokia Siemens Networks located at Southwood, near Farnborough, England. The company will retain 100 of the software designers working on GSM and EDGE development at the R&D centre. The move is indicative of the shift to outsourcing many communications research functions both in the wireless and wireline sector."
Der Wirtschaftsausschuss hat die Aufgabe, wirtschaftliche Angelegenheiten zu beraten und den Betriebsrat zu informieren (BetrVG §106(1,2). Er tritt monatlich einmal zusammen, BetrVG §108(1)).
Zusätzlich zu den Vertretern von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite im WA können weitere sachkundige Arbeitnehmer hinzugezogen werden (BetrVG §108(2),2).
Zu den wirtschaftlichen Angelegenheiten im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes gehören (BetrVG §106(3)):
Fabrikations- und Arbeitsmethoden, insbesondere Einführung neuer Arbeitsmethoden;
die Einschränkung oder Stillegung von Betrieben oder Betriebsteilen;
der Zusammenlegung oder die Spaltung von Unternehmen oder Betrieben;
sonstige Vorgänge und Vorhaben, welche die Interessen der Arbeitnehmer des Unternehmens berühren können.
Schlussendlich bleibt es die Entscheidung des Unternehmers, ob er am Standort Deutschland in die Entwicklung neuer Produktlinien investieren will oder nicht.
Eine Chance zur langfristigen Sicherung unserer Arbeitsplätze dürfte jedoch nur dann bestehen, wenn die gewählten Arbeitnehmervertreter ihre gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben auch wahrnehmen und im monatlich tagenden Wirtschaftsausschuss immer wieder Beratungen über das zukünftige Produktions- und Investitionsprogramm einfordern.
Wie wichtig dieser Aspekt derzeit ist, zeigt sich auch in einer Einschätzung der AUB-Betriebsräte am Standort München St.-Martinstraße: In einem AUB-Flugblatt wurde behauptet, dass 75% des zukünfigen Produktportfolios von Nokia kommen werden.
Um Massenentlassungen in Deutschland abzuwenden und neue Stellen in Deutschland zu schaffen sind möglicherweise besondere Maßnahmen erforderlich.
Deshalb sollten die in den Wirtschaftsausschuss delegierten Arbeitnehmervertreter die monatlich stattfindenden Sitzungen gemeinsam mit der Belegschaft und den Betriebsräten vorbereiten. Im Vordergrund der Beratungen im Wirtschaftsausschuss sollte das zukünftige Produktions- und Investitionsprogramm mit zukunftsträchtigen Produktportfolios für unsere Betriebe stehen. Dann wäre es möglicherweise auch seltener erforderlich, Beratungen zum Thema Personalabbau durchzuführen.
Mittwoch 23.5.2007
Gedanken über Angst, Vertrauen - Rückblick eines Betroffenen.
Spätestens seit 2002 stellen wir fest, dass unser Management (zu Zeiten Siemens AG) die Belegschaft nur noch als kaufmännischen Kostenfaktor sieht. Trotz anderslautender Bekundungen.
Als Ergebnis dieser Einstellung können wir beobachten, dass eine permanente Diskussion bzw. Information über sogenannte "Restrukturierungen" stattfindet. Was auch immer darunter zu verstehen ist, unser hochheiliges (Siemens)Management versteht unter dem Begriff "Restrukturierung" allem Anschein nach nichts anderes als Personalabbau (=Kostensenkungsmaßnahme). Eine ziemlich einseitige und - wie ich meine - fantasielose, verantwortungslose und gewöhnliche Betrachtungsweise.
Für den hohen Anspruch dieser Menschen an das (Kostenfaktor) Personal, und damit wohl an sich selbst (schließlich sind Manager ja g’scheiter, sonst wären sie nicht in den Positionen, wo sie gerade sind) und auch angesichts des Kostenfaktors, den unser Management kraft Amtes darstellt, ein Armutszeugnis.
Der permanente Diskurs dieser (Damen und) Herren mündet also nun seit Ende 2002 in regelmäßigem Rhythmus in Entlassungen und Abbauwellen (zum Wohle der Shareholder, sollten die Betroffenen doch bitteschön Verständnis aufbringen und sich mit Hartz 4, 5 und so zufrieden geben). Kann man ja wirklich verlangen.
Diese Art der überaus sensiblen, Menschen und Individuen beachtenden Vorgehensweise steigert logischerweise das Vertrauen in die Integrität unseres hoch gelobten Managements, so wie es halt auch zu Großvaters Zeiten mal war. Das Vertrauen und die Motivation des gemeinen Homo Sapiens (=Mitarbeiter) wird als gegeben betrachtet.
Kleinere Verstöße (Peanuts) gegen die Texte im Betriebsverfassungsgesetz und des Bürgerlichen Gesetzbuches sind seither an der Tagesordnung und werden zum Wohle von Sharholder Value und Managergehälter gerne in Kauf genommen. Die paar Aufmüpfler, Phantasten und Widersprüchler werden einfach kalt gestellt.
Ein kleiner, rückblickender Verweis auf die überaus erfolgreichen Entlassungen in 2003 sei in diesem Zusammenhang gestattet.
Diese selbstverständlich weitsichtige, verantwortungsvolle, sowohl auf den Mitarbeiter (=Homo S.) als auch Shareholder und Managementgehälter abgestimmte Führungskultur des Hauses Siemens, die dem arbeitenden Menschen (=Abhängiger) Sicherheit und Vertrauen gibt und jegliche Angst durch "Offenheit und Gesetzestreue" (so, oder ähnlich beim Webcast im Mai dargestellt) nimmt, wird nun also, das ist zumindest mein Eindruck, mit in die (unsere?) neue Company mitgenommen.
Auf dass wir weiterhin ein tolles und entspanntes Arbeitsklima haben, bei dem Unsicherheit, Misstrauen und Angst Fremdwörter sind, wo ein gutes und vernünftiges Miteinander (sogar mit Vorgesetzten) möglich ist. Bei dem die Arbeitnehmervertreter frühzeitig in die Planungen und mitbestimmungspflichtigen Aktionen eingebunden werden, zum Wohle des großen Ganzen.
Damit wir auch weiterhin in einer Firmenkultur leben, in der Werte wie Ehrlichkeit und Offenheit was gelten.
Nicht damit noch jemand auf die Idee kommen könnte, die beiden Netzwerksparten könnten bewusst und systematisch eliminiert werden.
Dienstag 22.5.2007
Flugblatt zum Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks.
In einem aktuellen Flugblatt von IG Metall und NSN-Gesamtbetriebsrat wird mit massivem Widerstand gedroht.
"Jetzt liegt es am NSN-Management. Es muss die Personalabbauzahl von fast 25% und die Drohung mit Ausgliederungen zurücknehmen! Gerade das deutsche Management muss Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen und die Pläne aus Espoo und Helsinki stoppen. Gleichzeitig sind die per Gesetz garantierten Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte zu achten und entsprechend zu handeln. Das Signal der Betriebsräte und der IG Metall an das Management lautet: Über diese Horrorzahlen werden die Betriebsräte nicht verhandeln!"
Das deutsche Management hat sich in der Angelegenheit bisher noch nicht bewegt; kein Wunder, wer glaubt diese Zahlen seien einseitig aus Finnland angeordnet worden, macht es sich zu einfach. Denn woher kommt wohl diese Abbauzahlen-Vorgabe? Sie ist eine Konsequenz aus Rendite-Vorgaben der ach so fürsorglichen NSN-Mütter (Nokia und Siemens), die so hoch gesetzt wurden, dass das Management anscheinend selber nicht mehr dran glaubt diese ohne zusätzliches Offshoren und Ausgliedern realisieren zu können; deshalb bleibt es nicht "nur" beim Bereinigen von Überlappungen bei Produktportfolio und Zentralfunktionen, und deshalb blieb es auch nicht bei den lange behaupteten 10-15%.
Es sind auch die Siemens-Interessenvertreter im siebenköpfigen NSN-Entscheidergremium, die diese Renditeforderungen der Mutterfirmen und damit zugleich auch diesen ihrer Meinung nach dafür erforderlichen hohen Stellenabbau durchprügeln.
Wenn wir daran etwas ändern wollen, brauchen wir also nicht erst nach Finnland zu schauen, sondern liegen genau richtig, wenn wir das Management von "Mutter Siemens" in die Verantwortung nehmen.
Sonntag 20.5.2007
Heckmann räumt ein, dass die Siemens Altersvorsorge gefährdet sein könnte.
Ralf Heckmann, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Vizeaufsichtsratschef von Siemens räumt in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ein, dass bei Siemens wegen der drohenden Strafzahlungen als Folge der Korruptionsaffäre sogar die betriebliche Altersvorsorge nicht mehr sicher ist. Wörtlich sagt Heckmann im Interview: "Die Leute haben sogar Angst um Ihre Altersvorsorge. Wird sie wie vereinbart ausgezahlt, oder geht Siemens dann auch da dran?" und auf die Frage der SZ: "Erwarten Sie das?" antwortet Heckmann: "Ausgeschlossen ist nichts".
Ende der Hängepartie: Peter Löscher neuer Siemens-Zentralvorstandsvorsitzender.
Überraschung! Mit ihm hatte kaum einer gerechnet.
Ein Österreicher an der Siemens-Spitze - warum auch nicht, schließlich führt ja auch ein Schweizer die Deutsche Bank.
Hoffentlich ist der österreichische Führungsstil ein wenig sozialer - zumindest hat Peter Löscher schon mal versprochen, mit ihm gebe es keine Kahlschlagpolitik.
Peter Löscher hat in seiner beruflichen Laufbahn u.a. Stationen bei Kienbaum, Hoechst / Aventis, General Electric und Merck zu verzeichnen. Die GE-Erfahrung wird ihm sicher helfen, den GE-Konkurrenten Siemens zu führen; hoffen wir, dass er seine Erfahrung aus Pharmaunternehmen nicht dazu verwendet, uns bittere Pillen zu verabreichen, wenn er bei Siemens umsetzt, was er bei Unternehmensberater Kienbaum in Sachen Sanierung gelernt hat. Schließlich ist Siemens ja kein Sanierungsfall - und dabei bleibt es nun hoffentlich auch.
Gemäß heutigem einstimmigem Beschluss des Aufsichtsrats wird Peter Löscher sein neues Amt zum 1.7.2007 antreten und Klaus Kleinfeld ablösen.
Wir wünschen Peter Löscher viel Erfolg - und messen diesen Erfolg an der Sicherheit unserer Arbeitsplätze.
Korruptionsaffäre: Geht es mittlerweile schon um drei Milliarden Euro?
Focus-Money will aus Justizkreisen erfahren haben, dass sich die im Zusammenhang mit der Siemens-Korruptionsaffäre gefundenen verdächtigen Zahlungen auf mittlerweile drei Milliarden Euro belaufen, davon allein eine Milliarde aus dem Com-Bereich. Bisher war lediglich von 420 Millionen die Rede. Sollte sich das bestätigen, seien weitere erhebliche Bilanzkorrekturen erforderlich.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen noch bis zu vier Jahre andauern, Anklage soll in den ersten Verfahren aber bereits Ende 2007 erhoben werden.
Laut Reuters wollte die Staatsanwaltschaft diesen Bericht nicht bestätigen.
Samstag 19.5.2007
Auferstehungs-Gemeinde
Eine von der Passionskirche München organisierte "Auferstehungs-Gemeinde" soll als lose Gruppe Vorruheständler, Ausgegliederte, beE’ler etc. zusammenzuführen, die ihre (mitunter nicht ganz freiwillig gewonnene) Zeit nutzen wollen, nützliche Projekte anzuschieben. Kollegen, die Zeit, Energie und noch nicht zu viel Frust haben, um etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen.
Was kann man sich unter solchen Projekten vorstellen? Zum Beispiel eine Datenbank für gemeinnützige Arbeit, Lobbyarbeit für erweiterte Bibliotheksöffnungszeiten, Literaturarbeit mit dem Computer, Server für theologische Doktorarbeiten aus Schwellenländern in denen traditionelle Publikationswege zu teuer sind, Webdesign für gemeinnützige Organisationen, Mixed-Copyright Wikis, ...
Wer macht mit? Bitte bei Susanne Schatz (Dr.Susanne.Schatz@gmx.de) oder Toni Göller (toni.goeller@gmx.de) melden!
Freitag 18.5.2007
"Mapping" und Versetzungen.
Bei Versetzungen innerhalb eines Betriebes darf der Betriebsrates nach §99 BetrVG die Zustimmung verweigern. Bei Versetzungen zwischen Betrieben (z.B. von Mch P nach Mch H) kann auch der aufnehmende Betriebsrat widersprechen. Um Versetzungen zu verschleiern, benutzen die Arbeitgeber manchmal andere Begriffe wie z.B. Umzüge oder "mapping". Woran kann der Arbeitnehmer erkennen, ob es sich dabei um eine mitbestimmungspflichtige Versetzung handelt, welcher er und der BR gegebenenfalls widersprechen können? Die Versetzung ist im §95 BetrVG definiert:
Was versteht man unter einem anderen Arbeitsbereich? Das sind z.B.:
andere Abteilung,
anderer Arbeitsort,
Zu den erheblichen Änderungen der Umstände zählen z.B.:
erhebliche Veränderungen der Arbeitsumgebung (z.B. vom Tester zum Programmierer)
erhebliche Veränderungen der Umgebungseinflüsse (z.B. vom Büro in eine lärmende Halle)
Für eine Versetzung reicht aus, wenn einer dieser Punkte zutrifft und keine Bagatelle ist. Die meisten der obigen Punkte sind leicht zu beweisen (andere Abteilung, Ort, Umgebungseinflüsse). Eine andere Tätigkeit, Arbeitsaufgabe oder Arbeitsumgebung muss aus dem Vergleich der alten mit der neuen Stellenbeschreibung gewonnen werden. Ein deutlicher Hinweis auf eine Versetzung ist hier eine notwendige Einarbeitung, welche über eine übliche Weiterbildung hinausgeht.
Für den Betriebsrat ist, unabhängig vom Arbeitsvertrag (z.B. AT/ÜT), ausschließlich die Definition des BetrVG maßgebend. Die (einzigen!) Widerspruchgründe sind im §99 BetrVG Abs. 2 Ziffer 1 bis 6 formuliert und müssen genau und konkret belegt werden. Wenn der BR der Versetzung widerspricht, kann sich der Arbeitgeber die Zustimmung vom Arbeitsgericht ersetzen lassen.
Der Einzelne kann darüber hinaus unabhängig vom Betriebsrat gegen eine Versetzung im Rahmen des individuellen Rechts aus dem Arbeitsvertrag vorgehen, sofern die Versetzung dem Arbeitsvertrag widerspricht.
Sollten Sie von einer ungerechtfertigten Versetzung betroffen sein, dann sind Sie leider gezwungen, für die Dauer der arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen der Versetzung Folge zu leisten, sofern eine einstweilige Verfügung dagegen erfolglos war. Sonst riskieren Sie eine verhaltensbedingte Kündigung wegen Arbeitsverweigerung.
Im Zuge der Entlassungen im Jahre 2003 durften etliche Mitarbeiter und der BR der Siemens AG auch Arbeitsgerichtserfahrungen zum Thema Versetzungen sammeln:
Berichte Prozesstabelle
Die Entscheidungen sind im Tarif und im AT/ÜT Bereich unterschiedlich ausgefallen. In der Regel kann gesagt werden, dass in München beschäftigte tarifliche Mitarbeiter bayernweit versetzt werden dürfen und AT/ÜT deutschlandweit. Die individuelle soziale Situation spielt bei der Zumutbarkeit einer Versetzung auch eine Rolle.
Weitere wichtige und nützliche Hinweise zum Thema Versetzungen findet man hier
Mittwoch 16.5.2007
Laut Compliancemagazin und Wirtschaftswoche soll nun doch (trotz problematischer Doppelfunktion) Aufsichtsratschef Cromme Interims-Vorstandschef bei Siemens werden, um Reitzle genügend Zeit zu geben, seine Angelegenheiten bei Linde zu ordnen, bevor er den Zentralvorstands-Vorsitz bei Siemens übernimmt; dessen Dementi sei rein taktischer Natur gewesen.
Cromme habe auch vor, den Konzern radikal umzubauen, und plane noch in seiner Amtszeit eine Rückstellung von fünf Milliarden Euro für Risiken, die aus Strafen im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre resultieren könnten.
Grüne fordern Auftragsverbot für Siemens
Die bayrischen Landtagsgrünen fordern wegen der Korruptionsaffäre einen Ausschluss des Konzerns von allen öffentlichen Aufträgen sowie die Schaffung eines Anti-Korruptionsregisters. Dieses soll demnach aber nicht nur bei Korruption, sondern auch bei Straftatbeständen im Kontext mit Hungerlöhnen, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit ziehen.
Ob man nicht nach gleichem Strickmuster auch ein Anti-Offshoringregister aufmachen könnte, ebenfalls mit Drohung des Entzugs öffentlicher Aufträge bei Verlagerung von Jobs aus Deutschland in Niedriglohnländer?!
Montag 14.5.2007
Korruption und etwas hilflose Versuche dagegen zu rudern
Ist schon eigenartig, was da so alles abläuft, und wirkt eher panisch-hilflos als professionell.
Jetzt sind schon 7 von 10 Siemens-Sparten im Korruptionsverdacht. Lauter "Einzelfälle"?
Kleinfeld muss gehen, um die SEC zu beruhigen. Als Bauernopfer? Klappt nicht: Die spricht jetzt schon vom schlimmsten Korruptionsfall ihrer Geschichte. Und ermittelt natürlich entsprechend weiter. Glaubte wirklich jemand ernsthaft, dies durch Kleinfelds Rücktritt verhindern zu können?
Von Pierer musste gehen, weil er (AR-Chef) früher mal ZV-Chef war. Bessere Kontrolle durch Ämter-Trennung. Klappt nicht: Cromme soll jetzt sogar beides gleichzeitig werden. Zeitweise wenigstens.
Nach den Führungskräften machen nun auch alle AT-Mitarbeiter eine 1-stündige Online- Schulung mit, in denen sie etwas über die Rechtslage erfahren. Aber: Glaubt jemand ernsthaft, es sei bisher nur deshalb zu Korruptionsfällen gekommen, weil die Verantwortlichen mangels Schulung die Gesetze nicht kannten? Dass sie gar nicht gewusst hätten, dass sie etwas Illegales tun?
Im Kontext mit der AUB-Affäre stellte nun LMU-Professor Rieble sogar noch in den Raum, Betriebsräte künftig für ihr Ehrenamt zu entlohnen, um so die Wahrscheinlichkeit einer Bestechlichkeit zu reduzieren. So richtig verstanden hat er es wohl auch nicht: Bei der AUB-Affäre ging es nicht um die Bestechlichkeit einzelner Betriebsräte, sondern dass sich ein Arbeitgeber mit seinen Finanzmitteln eine eigene Betriebsräte-Organisation in Konkurrenz zur Gewerkschaft aufbauen konnte. Rieble geht sogar so weit, Betriebsräte dürften keine Aufsichtsratsmitglieder werden. Wegen eines angeblichen Interessenkonfliktes.
Da wird wohl einiges in einen Topf geworfen, was da nicht hineingehört.
Alles in allem: Jede Menge Show-Aktionismus, man tut ja sooo viel. Aber ob man auch das richtige tut?
Regelung im Gleichbehandlungsgesetz europarechtswidrig
Nach einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Osnabrück ist die Regelung des §2 Abs. 4 AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz), nach der dieses Gesetz nicht auf Kündigungen anzuwenden sei, europarechtswidrig.
In konkreten Fall wurden in einem Interessenausgleich für die Sozialauswahl bei einer Kündigungswelle Altersgruppen "zur Sicherung einer ausgewogenen Personalstruktur" (nach §1 Abs. 3 KSchG) gebildet. Ohne diese Gruppen wären weniger ältere Mitarbeiter zur Kündigung ausgewählt worden.
In dieser Regelung sah das Gericht daher eine Altersdiskriminierung und kassierte den gesamten Interessenausgleich und Sozialplan.
Als Entscheidung der ersten arbeitsrechtlichen Instanz ist das natürlich noch kein Grundsatzurteil, aber zumindest eine interessante Bestätigung der juristischen Kritik am neuen AGG.
Cromme mal zwei?
Laut Pressemeldungen ist im Aufsichtsrat heftig in Diskussion, dass wegen Zerwürfnissen im Vorstand Aufsichtsratschef Cromme vorübergehend (bis ein Kleinfeld-Nachfolger gefunden ist) auch Siemens-Konzernchef werden möge, um so Kleinfeld früher schon ablösen zu können. Damit würde Cromme zum wiederholten Male gegen seine eigenen Spielregeln verstoßen und sogar steigern, wass er selbst zuvor Heinrich von Pierer vorgeworfen hat: Während von Pierer wenigstens nur hintereinander ZV-Vorsitzender und AR-Vorsitzender war, wäre Cromme beides gleichzeitig, dürfte sich also selbst kontrollieren.
Aufsichtsratschef Cromme schaut Zentralvorstandschef Cromme auf die Finger. Ob das wohl wirklich der bessere Weg zur Verhinderung bzw. Aufklärung von Korruptionsfällen wäre?
Deutsche Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert
Während Firmen wie NSN massiv Personal in Deutschland abbauen, um mit dem gesparten Geld einen Aufbau in Niedriglohnländern finanzieren zu können, ergab eine aktuelle Erhebung des Schweizer Management-Instituts IMD, dass die deutsche Wirtschaft ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert hat. Sie kletterte in nur einem Jahr von Rang 25 auf Platz 16 - und liegt damit nur noch knapp hinter China. Das ist der größte Sprung aller 55 untersuchten Volkswirtschaften. Deutschland rangiert danach vier Plätze vor Großbritannien und zwölf Plätze vor Frankreich.
Für die Bewertung wurden 323 Kriterien herangezogen. Dazu gehören harte Faktoren wie das Wirtschaftswachstum oder die Infrastruktur, aber auch Rahmenbedingungen wie die Motivation der Beschäftigten, Sprachkenntnisse oder die Ausgaben für die Gesundheit.
Dienstag 8.5.2007
Gewerkschaftsvertreter bezeichnen das NSN-Management als Gesetzesbrecher.
Auf außerordentlichen Betriebsversammlungen in München zum verordneten Stellenabbau bei NSN in Deutschland sprachen Gewerkschaftsvertreter von einem "bewussten Gesetzesbruch", weil laut Betriebsverfassungsgesetz ein Stellenabbau erst mit dem Betriebsrat hätte verhandelt werden müssen (inclusive der Möglichkeit, Alternativen vorzuschlagen, bevor die Entscheidung schon final gefällt ist), und das ist nicht geschehen: Die Abbauzahl "2800-2900" wurde uns nur noch zur Kenntnis gegeben, als eine Zahl über die man nicht mehr diskutieren könne; das ist keine Beratung sondern allenfalls ein Diktat. Der Arbeitgeber will mit dem GBR nur noch über die Abbaumethoden verhandeln, die Abbauzahl selbst ist hingegen vom NSN-Managegment längst schon ohne vorherige Beratung mit dem BR entschieden worden. Ein Vorgehen, das der GBR nicht akzeptieren wird.
Spontandemo bei Nokia Siemens Networks (NSN) in der St.-Martin-Straße.
Mit reichlich Pressebegleitung setzte sich am Dienstag nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung ein großer Menschenzug von der Versammlung zum Gebäude, in dem das NSN-Management sitzt, in Bewegung. Ca. 1.200 Leute versammelten sich dann unter der Rotunde, dem Prachtgebäude in der St.-Martin-Straße. Die Betriebleitung stand dabei, als Horst Schön, der Betriebsratsvorsitzende der St.-Martin-Straße, die Forderung verlas, die Personalabbaupläne zurück zu nehmen und unternehmerische Alternativen zum geplanten Abbau vorzulegen.
mehr bei InWaChRo www.tagesschau.de www.tagesspiegel.de www.igmetall-bayern.de
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Fotos: rk (8.5.2007)
Montag 7.5.2007
Analyse der FAQs zum Stellenabbau von NSN.
In einer sehr interessanten Artikelserie der NCI InWaChRo-News werden die englischen FAQs zum NSN-Stellenabbau (die wesentlich ausführlicher sind als die deutschen FAQs) detailliert analysiert.
Mit dem Schluss, dass der Stellenabbau in Deutschland und Finnland zugleich auch der Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer wie China, Indien, Brasilien, Indonesien und Pakistan dient, und Siemens diese Abbaupläne auch schon vor der SN-Ausgliederung kannte.
Mittwoch 2.5.2007
Siemens-Zentralvorstand: Aus 10 mach 3 ?
Laut Börsenzeitung vom 2.5.07 will der neue Aufsichtsratschef Cromme den Siemens-Zentralvorstand von derzeit 10 auf nur noch 3 Mitglieder schrumpfen (Konzern-, Finanz- und Personal-Vorstand). Der Bereichsvorstand hingegen dürfte daraus eher gestärkt, da weniger eng an die Zentrale gebunden hervorgehen.
Muss kein Fehler sein; aufhorchen lässt aber die Formulierung "will ... den Konzern in eine klassische Holding-Struktur überführen"; was wir ja schon lange prognostizieren, angesichts der zahlreichen Ausgliederungen. Eine Siemens AG, die nur noch von München aus nach Bedarf diverse firmenexterne Satelliten steuert, beschäftigt natürlich viel weniger fest angestellte Mitarbeiter, volkswirtschaftlich wäre sowas katastrophal.
Vom "Heuschrecken"-Vorgehen (lukratives Zerschlagen in lauter kleine Trümmer, die dann ausgewrungen und wieder verscherbelt werden), wie es tlw. die Presse Herrn Cromme als Absicht unterstellt, würde sich das dann auch nicht mehr sehr unterscheiden.
Übrigens dürfte die Verkleinerung des Zentralvorstands nicht nur Zentralvorstände, sondern auch "normale" Mitarbeiter ihre Jobs kosten, lt. tz München vom 2.5.07 sollen in der Münchner Konzernzentrale mehrere hundert Beschäftigte abgebaut werden.

References: §106
 §108
 §108
 §106
 §99
 §95
 §99
 §2
 §1