Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20112,%2054
Timestamp: 2019-12-08 03:21:04+00:00

Document:
BGH, 03.07.1990 - XI ZR 302/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,461
BGH, 03.07.1990 - XI ZR 302/89 (https://dejure.org/1990,461)
BGH, Entscheidung vom 03.07.1990 - XI ZR 302/89 (https://dejure.org/1990,461)
BGH, Entscheidung vom 03. Juli 1990 - XI ZR 302/89 (https://dejure.org/1990,461)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1990,461) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Vollstreckungstitel - Wollstreckung - Sittenwidrige Ausnutzung
Keine. sittenwidrige Ausnutzung eines nicht erschlichenen Titels bei Vollstreckung nach Rückzahlung des Kapitals eines nichtigen Altratenkreditvertrages
ZPO § 700
BGHZ 112, 54
NJW 1991, 30
ZIP 1990, 1319
MDR 1991, 148
WM 1990, 1816
BB 1991, 378
DB 1990, 2319
Tatsachen, aus denen sich ergeben könnte, dass die Klägerin den Titel erschlichen hat und sich deshalb nach Treu und Glauben auf die Rechtskraft nicht berufen kann (vgl. BGHZ 101, 380, 383 ff.; 103, 44, 46 f.; 112, 54, 57;… BGH, Urt. v. 24. Juni 1993 - III ZR 43/92, NJW 1993, 3204, 3205; v. 11. Dezember 1995 - II ZR 220/94, ZIP 1996, 227, 228; v. 8. Februar 1996 - IX ZR 215/94, NJW-RR 1996, 826, 827), sind von dem Beklagten auch nicht ansatzweise dargelegt worden.
Es mag dahinstehen, ob es Extremfälle geben kann, in denen auf die - als Voraussetzung für die Anwendung des § 826 BGB grundsätzlich zu fordernden - zusätzlichen besonderen Umstände für die Sittenwidrigkeit deshalb verzichtet werden kann, weil die materielle Unrichtigkeit des Titels bereits so eindeutig und so schwerwiegend ist, daß jede Vollstreckung allein schon deswegen das Rechtsgefühl in unerträglicher Weise verletzen würde (vgl. dazu BGHZ 112, 54, 57).
Daraus hat das Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß gefolgert, daß der Darlehensvertrag wegen Verstoßes gegen die guten Sitten nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig sei (vgl. BGHZ 104, 102, 104 ff [BGH 24.03.1988 - III ZR 30/87]; 110, 336, 338 ff [BGH 13.03.1990 - XI ZR 252/89]; 112, 54, 56 [BGH 03.07.1990 - XI ZR 302/89];… BGH, Urt. v. 20. Februar 1990 - XI ZR 195/88, WM 1990, 534 f [BGH 20.02.1990 - XI ZR 195/88]).
Auch dies ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden (vgl. BGHZ 101, 380, 388 f [BGH 24.09.1987 - III ZR 187/86]; 112, 54, 56 f [BGH 03.07.1990 - XI ZR 302/89];… BGH, Urt. v. 18. Januar 1990 - III ZR 26/89, WM 1990, 421, 422) [BGH 18.01.1990 - III ZR 26/89] und wird von der Revision nicht angegriffen.
Die Gleichsetzung von Tatsache und deren Bewertung findet zudem rechtsdogmatisch keine Stütze und ist mit dem geltenden Recht nicht zu vereinbaren, da sie insbesondere bei den nicht seltenen Verfahren, die unter Heranziehung von Sachverständigen entschieden wurden, zu einer uferlosen Neuaufnahme bereits abgeschlossener Verfahren führen könnte (vgl. hierzu auch BGHZ 112, 54).
Die Umstände, auf denen die materielle Unrichtigkeit des Titels beruht, reichen jedoch für sich genommen hierzu nicht aus (BGHZ 101, 380, BGHZ 112, 54, BGHZ 151, 316, BGH NJW 1998, 2818, BGH NJW 2005, 1991).
Von dem Erfordernis besonderer Umstände kann allenfalls in Extremfällen abgesehen werden, wenn die materielle Unrichtigkeit des Titels aufgrund der Sittenwidrigkeit des Vertrags so eindeutig und schwerwiegend ist, dass jede Vollstreckung schon deshalb das Rechtsgefühl in schlechthin unerträglicher Weise verletzen würde (BGHZ 101, 380 zum Ratenkredit, BGHZ 112, 54, BGHZ 151, 316, offen gelassen in BGH NJW 1998, 2818).
Denn damals war die jetzt gültige 100%-Marktzinsüberschreitungsformel der höchstrichterlichen Rechtsprechung noch nicht sicher erkennbar, und auch das Gewicht zu beanstandener Klauseln in den Kreditbedingungen stand noch nicht fest (im Anschluß an BGHZ 112, 54 [BGH 03.07.1990 - XI ZR 302/89] = NJW 1981, 30 = LM § 697 BGB Nr. 124, in Abgrenzung zu BGH, NJW 1979, 808 = LM § 138 (Bc) BGB Nr. 19; NJW 1980, 2301 = LM § 138 (Bc) BGB Nr. 30).
Dieser Rechtsprechung folgend hat das Berufungsgericht geprüft, ob die Vollstreckungsbescheide deshalb materiell unrichtig sind, weil ihnen ein sittenwidriger Konsumentenkredit zugrunde liegt (vgl. BGHZ 112, 54, 56 f. [BGH 03.07.1990 - XI ZR 302/89] m.Nachw.).
Entsprechendes hat der Senat bereits für die Vollstreckung aus einem im Juli 1980 beantragten Vollstreckungsbescheid ausgeführt, dem ein Anspruch aus einem Kreditvertrag aus dem Jahre 1975 mit einer relativen Überschreitung des Marktzinses in Höhe von über 120% zugrunde lag (BGHZ 112, 54, 56 f.) [BGH 03.07.1990 - XI ZR 302/89].
Besondere Umstände können auch nicht mit der Begründung bejaht werden, die weitere Ausnutzung der Vollstreckungsbescheide verletze das Rechtsgefühl in unerträglicher Weise, weil die Beklagte insgesamt bereits mehr erhalten habe, als ihr bei Beurteilung der Rechtslage, wie das Berufungsgericht sie vorgenommen hat, zustünde (vgl. BGHZ 112, 54, 57 f.) [BGH 03.07.1990 - XI ZR 302/89].
OLG München, 13.04.2016 - 5 U 2408/15
Darlegung einer vorsätzlich sittenwidrigen Schädigung
AG Neuss, 22.08.2001 - 42 C 2461/01
Unterlassen einer Zwangsvollstreckung aus einem Versäumnisurteil wegen Darstellen …
LG Chemnitz, 22.11.2007 - 6 S 244/07

References: § 700
 § 826
 § 138
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 697
 § 138
 § 138