Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F15-05-2012-6B_111-2012
Timestamp: 2016-10-28 17:53:12+00:00

Document:
6B_111/2012 (15.05.2012)
Vergewaltigung, sexuelle N�tigung; Willk�r,
des Kantons Z�rich, II. Strafkammer, vom 13. Dezember 2011.
X.________ und A.________ lernten sich am fr�hen Morgen des 5. Dezember 2010 nach dem Ausgang kennen. Die beiden fuhren per Taxi an die B.________-strasse in Z�rich-Wollishofen, wo X.________ vor�bergehend wohnte. Im Trocknungsraum kam es zu Vaginal- und Analverkehr. Dieser war nach Darstellung von A.________ unfreiwillig, nach jener von X.________ einvernehmlich.
Das Bezirksgericht Z�rich verurteilte X.________ am 24. Mai 2011 wegen Vergewaltigung und sexueller N�tigung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinviertel Jahren. X.________ erhob Berufung. Das Obergericht des Kantons Z�rich sprach ihn am 13. Dezember 2011 zweitinstanzlich vollumf�nglich frei. Es verpflichtete die Staatskasse, ihm Fr. 5'000.-- als Schadenersatz und Fr. 60'000.-- als Genugtuung zu bezahlen, je zuz�glich Zins zu 5 % ab dem Urteilsdatum.
C.a Gegen dieses Urteil erhebt die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Z�rich Beschwerde in Strafsachen (Verfahren 6B_122/2012). Sie beantragt, das angefochtene Urteil sei aufzuheben. Die Sache sei zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. X.________ beantragt mit Eingabe vom 12. April 2012, die Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft sei unter Kosten- und Entsch�digungsfolgen abzuweisen. Eventualiter sei ihm die unentgeltliche Rechtsvertretung zu bewilligen. Das Obergericht des Kantons Z�rich verzichtete auf eine Stellungnahme.
C.b X.________ erhebt gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Z�rich vom 13. Dezember 2011 ebenfalls Beschwerde in Strafsachen (Verfahren 6B_111/2012). Er beantragt, das Urteil sei hinsichtlich seiner Schadenersatz- und Genugtuungsanspr�che aufzuheben. Es seien ihm Fr. 39'354.35 als Schadenersatz und Fr. 100'000.-- als Genugtuung nebst Zins seit dem 13. Dezember 2011 zuzusprechen, unter Kosten- und Entsch�digungsfolgen zu Lasten der Staatskasse. Eventualiter sei ihm die unentgeltliche Prozessf�hrung und Verbeist�ndung zu bewilligen. Das Obergericht des Kantons Z�rich und die Oberstaatsanwaltschaft verzichteten auf eine Stellungnahme.
Die Verfahren 6B_111/2012 und 6B_122/2012 sind zu vereinigen und in einem Urteil zu behandeln. Zun�chst ist die Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft zu pr�fen, welche sich gegen den Freispruch richtet, anschliessend jene von X.________ in Bezug auf Schadenersatz und Genugtuung.
2. Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Z�rich im Verfahren 6B_122/2012
2.1 Die Oberstaatsanwaltschaft (Beschwerdef�hrerin) r�gt, die Vorinstanz w�rdige die Beweise in mehrfacher Hinsicht willk�rlich, sie verletze den Grundsatz der freien richterlichen Beweisw�rdigung (Art. 9 BV, Art. 10 Abs. 2 und Art. 350 Abs. 2 StPO) und in diesem Zusammenhang die Tatbest�nde von Art. 189 und Art. 190 StGB. Die Vorinstanz verfalle in Willk�r, indem sie nur auf einen Teil der Aussagen der Gesch�digten abstelle. Deren Aussagen seien grunds�tzlich glaubhaft. Deshalb sei vollumf�nglich von ihren Schilderungen auszugehen, wonach sie X.________ (dem Beschwerdegegner) wiederholt und auch w�hrend des Geschlechtsverkehrs gesagt habe, sie m�chte das von ihm ausgehende Verhalten (K�ssen, Ausziehen, Sex) nicht (Beschwerde S. 8). Ausserdem fehle eine Gesamtw�rdigung der Aussagen. Seien die Angaben des Beschwerdegegners und des mit ihm befreundeten Zeugen C.________ unglaubhaft, so f�hre dies zu einer erh�hten Glaubhaftigkeit der Aussagen der Gesch�digten (Beschwerde S. 5 bis S. 7). Schliesslich seien die Verletzungen der Gesch�digten und deren homosexuelle Orientierung in die Beweisw�rdigung einzubeziehen, was die Vorinstanz unterlasse (Beschwerde S. 7).
2.2 Wer eine Person zur Duldung einer beischlafs�hnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung n�tigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unf�hig macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 189 Abs. 1 StGB). Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs n�tigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unf�hig macht, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft (Art. 190 Abs. 1 StGB).
Die Tatbest�nde der sexuellen N�tigung gem�ss Art. 189 Abs. 1 StGB und der Vergewaltigung gem�ss Art. 190 StGB dienen dem Schutz der sexuellen Selbstbestimmung. Das Individuum soll sich im Bereich des Geschlechtslebens unabh�ngig von �usseren Zw�ngen oder Abh�ngigkeiten frei entfalten und entschliessen k�nnen. Die Tatbest�nde setzen voraus, dass der T�ter das Opfer durch eine N�tigungshandlung dazu bringt, eine sexuelle Handlung zu erdulden oder vorzunehmen. Es ist eine erhebliche Einwirkung auf die Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung erforderlich. Dabei ist der Lage des Opfers Rechnung zu tragen (BGE 131 IV 167 E. 3 und E. 3.1 S. 169 f. mit Hinweisen). Subjektiv erfordern die Tatbest�nde Vorsatz. Der T�ter muss wissen, dass das Opfer mit den sexuellen Handlungen nicht einverstanden ist. Es gen�gt jedoch auch ein Eventualvorsatz (BGE 87 IV 66 E. 3 S. 71).
Nach Art. 10 Abs. 2 StPO w�rdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen �berzeugung. Im Berufungsverfahren ber�cksichtigt es die im Vorverfahren und im Hauptverfahren erhobenen Beweise (Art. 350 Abs. 2 StPO). Dabei kann die aus der Beweisw�rdigung gewonnene vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung nur ger�gt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht, und wenn die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG; vgl. auch Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG). Offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willk�rlich ist (BGE 136 II 304 E. 2.4 S. 313 f. mit Hinweis). Willk�r bei der Beweisw�rdigung liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tats�chlichen Situation in klarem Widerspruch steht (BGE 136 III 552 E. 4.2 S. 560 mit Hinweisen). Dass eine andere L�sung oder W�rdigung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen w�re, gen�gt f�r die Annahme von Willk�r nicht (BGE 134 I 140 E. 5.4 S. 148 mit Hinweisen).
2.3 Die Beschwerdef�hrerin beanstandet die vorinstanzliche W�rdigung der Aussagen des Beschwerdegegners und des Zeugen C.________ im Gegensatz zur W�rdigung der Aussagen der Gesch�digten nicht. Die Vorinstanz erachtet die Aussagen s�mtlicher Verfahrensbeteiligter, d. h. jene des Beschwerdegegners, der Gesch�digten und des Zeugen C.________, zumindest teilweise als unglaubhaft. Dies betrifft insbesondere den Kerngehalt der Aussagen der Gesch�digten zu den sexuellen Handlungen im Trocknungsraum. Nach den vorinstanzlichen Erw�gungen sind die Aussagen der Gesch�digten zu den Stellungen und zum Zeitpunkt, wann sie den Beschwerdegegner aufgefordert habe, den Sex abzubrechen, wenig pr�zise. Dies sei mit deren Alkoholkonsum zu erkl�ren. Im Zweifel sei von der f�r den Beschwerdegegner g�nstigeren Variante auszugehen, wonach die Gesch�digte erst beim Analverkehr geschrien und der Beschwerdegegner sogleich aufgeh�rt habe (Urteil S. 9 ff. und S. 16 ff.).
Der Beschwerdef�hrerin ist insoweit beizupflichten, als sich aus den L�cken in den Schilderungen der Gesch�digten zu den Stellungswechseln nichts zur Glaubhaftigkeit der Aussagen ableiten l�sst, obwohl diese das Kerngeschehen betreffen. Beide Parteien machten hinsichtlich der Abfolge des Geschlechtsverkehrs �hnliche Angaben (act. 6 Einvernahme der Gesch�digten vom 5. Dezember 2010 S. 3 oben; act. 8 Einvernahme des Beschwerdegegners vom 6. Dezember 2010 S. 4 f.). Die Beweisw�rdigung, wonach sich der angeklagte Sachverhalt nicht zweifelsfrei erstellen lasse, ist aber im Ergebnis nicht zu beanstanden, weil sich die Gesch�digte anl�sslich ihrer zweiten Einvernahme 17 Tage nach dem Vorfall bereits nicht mehr an die einschneidenden Erlebnisse erinnern konnte (Urteil S. 11, S. 16 f.; act. 13 S. 5 Ziff. 39). Auch wenn Teile ihrer Aussagen glaubhaft sind, musste die Vorinstanz daraus nicht schliessen, dies gelte f�r den Rest. Nichts zu �ndern an der vorinstanzlichen W�rdigung vermag eine "Gesamtbetrachtung". Der Beweiswert der Aussagen der Gesch�digten erh�ht sich nicht dadurch, dass die Vorinstanz die Aussagen des Beschwerdegegners und des Zeugen C.________ als unglaubhaft wertet. Selbst bei Einbezug aller Aussagen lassen sich die angeklagten Tathandlungen nicht erh�rten, zumal der Beschwerdegegner gerade diese bestreitet und der Zeuge C.________ hierzu nichts sagen kann.
Der Einwand der Beschwerdef�hrerin, die Vorinstanz habe weitere erhebliche Beweismittel ausser Acht gelassen, so etwa die Verletzungen der Gesch�digten und deren Homosexualit�t (Beschwerde S. 7), trifft zwar zu. Indessen f�hrt dieser Mangel nicht zu einem schlechterdings unvertretbaren Beweisergebnis. Die Gesch�digte hat eine Sch�rfung am Knie sowie �usserlich an Anus und Vagina je einen kleinen Kratzer erlitten. Diese Verletzungen sind nicht derart gravierend, dass daraus zwingend auf eine Vergewaltigung geschlossen werden m�sste. Auch bei einvernehmlichem, heftigem Geschlechtsverkehr k�nnen derartige Verletzungen entstehen. Schliesslich bedeutet die grunds�tzliche sexuelle Neigung der Gesch�digten nicht, dass diese ausschliesslich homosexuelle Kontakte pflegte. Die vorinstanzliche Beweisw�rdigung ist im Ergebnis nicht geradezu willk�rlich, wenngleich einige Anhaltspunkte f�r die (andere) Deutung der Beschwerdef�hrerin sprechen.
2.4 Auf die R�gen der Beschwerdef�hrerin, mit welchen sie die Aussagen der Gesch�digten selbst w�rdigt, ohne Willk�r anhand des vorinstanzlichen Urteils aufzuzeigen (Beschwerde S. 3, S. 5, S. 6 und S. 8 f.), ist nicht einzutreten (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I 65 E. 1.3.1 S. 68 f. mit Hinweisen).
2.5 Soweit die Beschwerdef�hrerin r�gt, die Vorinstanz vermische im Rahmen ihrer Beweisw�rdigung Tat- und Rechtsfragen (Beschwerde S. 4, S. 5 und S. 7), ist nicht ersichtlich und nicht hinreichend dargetan, dass dieses Vorgehen zu einem schlechterdings unhaltbaren Beweisergebnis f�hrt. Darauf ist ebenfalls nicht einzutreten.
2.6 Auch der Einwand, die Vorinstanz gehe bei der Beweisw�rdigung von falschen Tatbestandsvoraussetzungen der Vergewaltigung und der sexuellen N�tigung nach Art. 189 und Art. 190 StGB aus, ist unbegr�ndet. Die Vorinstanz verlangt keine fortw�hrende Gegenwehr beim gesamten Geschlechtsakt (Urteil S. 7 bis S. 22). Sie l�sst aber die Ungenauigkeit der Aussagen der Gesch�digten zu den Stellungswechseln und die ungenutzten Fluchtm�glichkeiten (namentlich in der Stellung auf dem Beschwerdegegner), welche den Tathergang betreffen, in die Glaubhaftigkeitsbeurteilung einfliessen. Dieses Vorgehen verletzt kein Bundesrecht. Zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen sind nicht bloss die Tatbestandsmerkmale heranzuziehen. Gegenstand der richterlichen W�rdigung bildet die gesamte Aussage und deren Kontext (vgl. zur Aussageanalyse BGE 129 I 49 E. 5 S. 58 f.; 128 I 81 E. 2, E. 3c und 3d S. 84 ff.; je mit Hinweisen). Die R�gen erweisen sich als unbegr�ndet. Die Beschwerde 6B_122/2012 ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
3.1.1 X.________ (Beschwerdef�hrer) macht sinngem�ss eine Verletzung von Art. 429 Abs. 2 StPO (SR 321.0) bei der Ermittlung der Schadensh�he bzw. des Lohnausfalls geltend. Er sei nicht angeh�rt worden, wie hoch sein mutmassliches Einkommen gewesen w�re. Die Vorinstanz habe auch nicht gepr�ft, ob er tats�chlich Einsparungen gehabt oder ob er weiterhin Fixkosten wie seine Miete bezahlt habe (Beschwerde S. 5). Ausserdem fehlten im angefochtenen Urteil n�here Angaben zur Berechnung des Schadenersatzes, weshalb die aus dem Anspruch auf rechtliches Geh�r fliessende Begr�ndungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt sei.
3.1.2 Die Vorinstanz sch�tzt den Schaden gest�tzt auf Art. 42 Abs. 2 OR, weil der Beschwerdef�hrer zur Zeit seiner Inhaftierung stellenlos war. Davon zieht sie einen nicht n�her bezifferten Betrag f�r Kost und Logis ab, weil dem Beschwerdef�hrer Einsparungen entstanden seien. Sie spricht dem Beschwerdef�hrer pauschal eine Entsch�digung von Fr. 5'000.-- zu (angefochtenes Urteil S. 22).
3.1.3 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entsch�digung ihrer Aufwendungen f�r die angemessene Aus�bung ihrer Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO); auf Entsch�digung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b) sowie auf Genugtuung f�r besonders schwere Verletzungen ihrer pers�nlichen Verh�ltnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (lit. c). Die Strafbeh�rde pr�ft den Anspruch von Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte Person auffordern, ihre Anspr�che zu beziffern und zu belegen (Abs. 2).
3.1.4 Der Beschwerdef�hrer verlangte in seiner Berufungserkl�rung sowie im Pl�doyer vor Vorinstanz Schadenersatz und Genugtuung f�r den Fall seines Freispruchs. Die Schadenersatzforderung bezifferte er auf Fr. 39'354.35, davon Fr. 32'600.-- (373 Tage Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft x Fr. 87.60 Einkommen pro Tag) f�r den Erwerbsausfall und Fr. 6'754.35 f�r Anwaltskosten. Als Genugtuung beantragte er Fr. 300.-- pro Hafttag bzw. abgerundet Fr. 100'000.--. Die Vorinstanz erhob keine weiteren Beweise zur Schadensh�he.
Der Beschwerdef�hrer war im Zeitpunkt der Inhaftierung arbeitslos (Urteil S. 22). Der Schaden f�r den Erwerbsausfall h�ngt deshalb davon ab, wie lange der Beschwerdef�hrer ohne die Inhaftierung arbeitslos geblieben w�re, ob ihm w�hrend dieser Zeit Arbeitslosengelder entgangen sind, ob, ab wann bzw. zu welchem Einkommen er eine neue Anstellung gefunden h�tte und wie hoch die Einsparungen w�hrend der Haftdauer waren. Die Einsch�tzung des hypothetischen Einkommens ist anhand von Tatsachenfeststellungen vorzunehmen, z. B. der bisherigen Berufst�tigkeit, der Berufserfahrung und des durchschnittlichen Sal�rs der letzten Jahre (BGE 128 III 4 E. 4 c/bb S. 7 mit Hinweis). Im vorinstanzlichen Verfahren bezog der Beschwerdef�hrer zu seinem Einkommen Stellung. Er bezifferte den entgangenen Lohn bzw. das Arbeitslosengeld mit seinem fr�heren Einkommen, ohne dieses zu belegen. Er �usserte sich nicht zu den Tatsachen, welche einen Schluss auf sein hypothetisches Einkommen erlauben. So fehlen z. B. Belege �ber das bisherige durchschnittliche Einkommen der letzten Jahre vor der Inhaftierung, �ber die Berufserfahrungen, �ber h�ngige Bewerbungen oder Stellenbem�hungen, �ber die Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse, Abrechnungen der Arbeitslosengelder und ein Nachweis �ber deren K�rzung wegen der Haft. Die Vorinstanz h�tte diesen Fragen von Amtes wegen nachgehen m�ssen (Art. 429 Abs. 2 StPO). Auch zu den Einsparungen f�r Kost und Logis w�hrend der Haftdauer h�tte die Vorinstanz die notwendigen Beweise erheben m�ssen, z. B. indem sie dem Beschwerdef�hrer aufgefordert h�tte, sich hierzu zu �ussern und Belege einzureichen. Die Bestimmung des Schadenersatzbetrages f�r den Erwerbsausfall ohne die notwendigen Beweismittel verletzt Art. 429 Abs. 2 StPO.
Die vorinstanzliche Begr�ndung reicht auch nicht aus, um die Sch�tzung des Schadens nachzuvollziehen. Die Vorinstanz beziffert den Schadenersatz f�r den Erwerbsausfall nach Abzug der Einsparungen pauschal auf Fr. 5'000.--. Daraus ist nicht ersichtlich, wie sich dieser Betrag zusammensetzt, d. h. wie hoch die Vorinstanz den Erwerbsausfall (pro Tag und insgesamt) sch�tzt, und welche Summe sie f�r Kost und Logis abzieht (vgl. zur Begr�ndungspflicht: BGE 137 II 266 E. 3.2 S. 270 mit Hinweisen). Die R�gen erweisen sich als begr�ndet. Das angefochtene Urteil ist in Bezug auf den Schadenersatz aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
3.2.1 Der Beschwerdef�hrer r�gt, die Vorinstanz lasse das Honorar von Fr. 6'754.35 f�r die Zweitmeinung von Rechtsanwalt D.________ bei der Schadensh�he zu Unrecht ausser Acht. Zwischen ihm und Rechtsanwalt D.________ habe ein Auftragsverh�ltnis bestanden. Das Strafverfahren sei kausal f�r diese zus�tzlichen Anwaltskosten. Sein erster amtlicher Verteidiger habe ihn zu einem falschen Gest�ndnis �berreden wollen. Der Beizug des zweiten Anwalts f�r taktische Fragen sei �blich und erforderlich gewesen.
3.2.2 Die Vorinstanz erw�gt, der Beschwerdef�hrer habe seit Beginn des Verfahrens einen amtlichen Verteidiger gehabt, welcher ihn effektiv und erfolgreich vertreten habe. Zwar sei die Zweitmeinung eine Konsequenz des Strafverfahrens. Die entsprechenden Kosten stellten jedoch infolge der Gew�hrung der amtlichen Verteidigung keine notwendige Folge der Strafuntersuchung dar (Urteil S. 23).
3.2.3 Auf die Ausf�hrungen der Vorinstanz kann verwiesen werden (Art. 109 Abs. 3 BGG). F�r den Beizug eines weiteren Anwalts bestand kein Anlass. Der erste amtliche Verteidiger wurde nach dem Vertrauensverlust des Beschwerdef�hrers ausgewechselt. Somit bestand stets eine ordnungsgem�sse Vertretung. Zog der Beschwerdef�hrer einen weiteren frei gew�hlten Verteidiger bei, ohne dass dies notwendig war, durfte die Vorinstanz den entsprechenden Betrag unber�cksichtigt lassen. Die Auffassung, Rechtsanwalt D.________ sei f�r die angemessene Aus�bung der Verfahrensrechte im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO nicht erforderlich, ist bundesrechtskonform.
3.3 Die �brigen R�gen des Beschwerdef�hrers zur Schadensh�he k�nnen infolge teilweiser Gutheissung der Beschwerde offen bleiben.
4.1 Der Beschwerdef�hrer macht geltend, die Vorinstanz verstosse bei der Festsetzung der Genugtuung gegen das ihr zustehende Ermessen. Sie verletze Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 9 BV. Er habe Fr. 300.-- pro Tag ungerechtfertigt erlittene Untersuchungshaft bzw. insgesamt eine Summe von Fr. 100'000.-- beantragt. Die Vorinstanz reduziere den Ansatz auf Fr. 160.85 pro Tag, ohne dies n�her zu begr�nden. Aufgrund der Untersuchungshaft leide er psychisch und physisch. Es habe sich um einen gravierenden Tatvorwurf gehandelt. Dabei sei er im Ausland und nicht in Italien inhaftiert gewesen, wo er seinen Wohnsitz habe. Schliesslich spreche die lange Haftdauer f�r eine Erh�hung anstatt f�r eine Reduktion der Genugtuung.
4.2 Die Festlegung der Genugtuungssumme beruht auf richterlichem Ermessen. Das Bundesrecht setzt keinen bestimmten Mindestbetrag fest (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO). Bei der Aus�bung des Ermessens kommt den Besonderheiten des Einzelfalles entscheidendes Gewicht zu. Nach der bisherigen Rechtsprechung ist zun�chst die Gr�ssenordnung der in Frage kommenden Genugtuung zu ermitteln, wobei Art und der Schwere der Verletzung massgebend sind. In einem zweiten Schritt sind die Besonderheiten des Einzelfalles zu w�rdigen, die eine Verminderung oder Erh�hung der zuzusprechenden Summe nahelegen. Das Bundesgericht erachtet bei k�rzeren Freiheitsentz�gen Fr. 200.-- pro Tag als angemessene Genugtuung, sofern nicht aussergew�hnliche Umst�nde vorliegen, die eine h�here oder eine geringere Entsch�digung zu rechtfertigen verm�gen. Bei l�ngerer Untersuchungshaft (von mehreren Monaten Dauer) ist der Tagessatz in der Regel zu senken, da die erste Haftzeit besonders erschwerend ins Gewicht f�llt (vgl. BGE 113 IB 155 E. 3b S. 156 mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung bleibt auch f�r Anwendungsf�lle der eidgen�ssischen Strafprozessordnung aktuell.
4.3 Was der Beschwerdef�hrer gegen die Festsetzung der Genugtuung von rund Fr. 160.-- pro Hafttag vorbringt, ist nicht geeignet, eine Bundesrechtsverletzung darzutun. Die Vorinstanz wendet aufgrund der langen Haftdauer einen degressiven Tagesansatz an. Dies entspricht der konstanten Rechtsprechung (vgl. E. 4.2). Bei der Bemessung des weiteren immateriellen Schadens tr�gt die Vorinstanz den Besonderheiten des Einzelfalls Rechnung. Sie w�rdigt die schwere subjektive Betroffenheit des Beschwerdef�hrers, welche sich aus der geografischen Distanz zwischen Haftort und Wohnsitz, aus dem erschwerten Kontakt zu Familie und Freunden sowie aus dem gravierenden Tatvorwurf der Vergewaltigung ergibt. Die Bemessung der Genugtuung f�r weiteren immateriellen Schaden ist hinreichend begr�ndet und erweist sich angesichts des vorinstanzlichen Ermessens als bundesrechtskonform.
5.1 Die Beschwerde im Verfahren 6B_111/2012 ist teilweise gutzuheissen. Ziff. 3 des angefochtenen Urteils ist in Bezug auf den Schadenersatzbetrag aufzuheben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Im �brigen ist die Beschwerde 6B_111/2012 abzuweisen. Das Gesuch von X.________ um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist�ndung ist im Umfang seines Obsiegens gegenstandslos. Der Kanton Z�rich hat ihn f�r sein teilweises Obsiegen zu entsch�digen (Art. 68 Abs. 1 und Abs. 2 BGG). Soweit X.________ unterliegt, ist sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist�ndung abzuweisen, da seine Rechtsbegehren von Anfang an aussichtslos waren (Art. 64 Abs. 1 BGG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird X.________ in reduziertem Umfang kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Seine angespannte finanzielle Situation ist bei der Bemessung der Gerichtskosten geb�hrend zu ber�cksichtigen.
5.2 Die Beschwerde im Verfahren 6B_122/2012 ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Es sind keine Kosten zu erheben (Art. 66 Abs. 1 und Abs. 4 BGG). Der Kanton Z�rich hat X.________ f�r das bundesgerichtliche Verfahren angemessen zu entsch�digen (Art. 68 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird infolge Obsiegens gegenstandslos.
5.3 Die Parteientsch�digung f�r X.________ ist f�r die Verfahren 6B_111/2012 und 6B_122/2012 auf insgesamt Fr. 3'000.-- festzusetzen. Praxisgem�ss ist die Parteientsch�digung dem Rechtsvertreter von X.________ auszurichten.
Die Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Z�rich im Verfahren 6B_122/2012 wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
Die Beschwerde von X.________ im Verfahren 6B_111/2012 wird teilweise gutgeheissen. Ziffer 3 des Urteils des Obergerichts des Kantons Z�rich vom 13. Dezember 2011 wird in Bezug auf den Schadenersatzbetrag aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Die Gesuche von X.________ um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist�ndung in den Verfahren 6B_111/2012 und 6B_122/2012 werden abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden sind.
Die reduzierten Gerichtskosten von Fr. 800.-- im Verfahren 6B_111/2012 werden X.________ auferlegt. F�r das Verfahren 6B_122/2012 werden keine Kosten erhoben.
Der Kanton Z�rich wird verpflichtet, dem Rechtsvertreter von X.________ f�r die Verfahren 6B_111/2012 und 6B_122/2012 eine Parteientsch�digung von insgesamt Fr. 3'000.-- zu bezahlen.

References: Art. 10
 Art. 350
 Art. 189
 Art. 190
 Art. 189
 Art. 190
 Art. 10
 Art. 95
 Art. 105
 Art. 97
 BGE 
 Art. 189
 Art. 190
 BGE 
 Art. 429
 Art. 29
 Art. 6
 Art. 42
 Art. 429
 BGE 
 Art. 429
 Art. 29
 Art. 6
 Art. 9
 BGE