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Timestamp: 2016-09-27 07:23:51+00:00

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Chullee Chang:
Ökologischer Landbau in Südkorea Stand und Entwicklungschancen
Chullee Chang: Ökologischer Landbau in Südkorea Stand und Entwicklungschancen
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2.1 Entstehung des ökologischen Landbaus
Ökologischen Landbau gibt es in Südkorea erst seit ca. 30 Jahren (Choi 1988). Um seine Situation zu verstehen, ist es notwendig, seine Entstehungsgeschichte bzw. seine Wurzeln und die Rahmenbedingungen für die Entstehung zu kennen. Für die Entstehung des ökologischen Landbaus speziell in Südkorea werden drei Gründe bzw. Einflusssphären identifiziert:
die Orientierung am internationalen Leitbild, wie IFOAM-Basisrichtlinien und Codex-Alimentarius von FAO,
der ökologische Landbau in den Vereinigen Staaten von Amerika und
der ökologische Landbau in Japan.
Vorausschickend ist festzustellen, dass es eine generelle Besonderheit des Bewirtschaftungssystems Ökologischen Landbau
ist, dass er einerseits eine bestimmte Erzeugungsmethode für Nahrungsmittel ist und andererseits Teil eines Lebensstils oder einer agrarpolitischen bzw. weltanschaulichen/philosophischen Bewegung ist und aus dieser auch entstanden ist. Damit hat er von vornherein einen komplexeren Ansatz, der erklärt, warum Diskussionen zum ökologischen Landbau oft auch emotional geführt werden. Ein Beispiel für die Entstehung des ökologischen Landbaus aus weltanschaulichen Gründen geben die Länder Westeuropas. Hier gibt es ökologischen Landbau seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Seit den 80er Jahren hat sich der ökologische Landbau weltweit etabliert. Gründe sind nun vor allem ↓28
der Wunsch nach umweltfreundlicheren Bewirtschaftungsmaßnahmen, da durch die "High-Input"-Landwirtschaft gravierende Umweltschäden verursacht wurden (Abb. 2.1.1) und
die wachsende Nachfrage von Verbrauchern nach Produkten des ökologischen Landbaus (Abb. 2.1.2).
Durch die Globalisierung der Wirtschaft entstand die Notwendigkeit, ein international gültiges Leitbild für den ökologischen Landbau zu entwickeln, das gegenwärtig vor allem für exportierende und die importierenden Industrieländer Bedeutung hat. Dennoch sind für die länderspezifische Entstehung und Ausprägung des ökologischen Landbaus auch nationale Bedingungen wichtig. Das soll zunächst am Beispiel der Entstehung und Entwicklung des ökologischen Landbaus in Westeuropa gezeigt werden, wobei zugleich deutlich werden soll, woraus die Industrieländer bei der Leitbildformulierung ihre Stärke beziehen. Im Weiteren werden die Geschichte des ökologischen Landbaus in den Vereinigen Staaten von Amerika und in Japan skizziert und ihr Einfluss auf die Entstehung in Südkorea dargestellt.
Abb. 2.1.1: Düngerverwendung in der Welt
Abb. 2.1.2: Pro-Kopf-Ausgaben für Bio-Produkte 1997 und 2000 und die Zunahme während dieser Zeit
2.1.1 Entstehung des ökologischen Landbaus in Westeuropa
Der ökologische Landbau in Westeuropa entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zur Geschichte des ökologischen Landbaus liegen allerdings erst wenige wissenschaftliche Arbeiten vor. Hervorzuheben ist die Dissertation von Vogt (2000) zur Geschichte des ökologischen Landbaus im deutschsprachigen Raum. Er präzisiert den wissenschaftlichen Ansatz von Gerber et al. (1996), Haccius und Lünzer (1998) sowie von Schaumann (1995/96). Die Arbeiten von Conford (1995;1998) thematisieren die Entwicklung in Großbritannien. Die genannten Autoren fassen die Ursprünge des ökologischen Landbaus in drei Punkten zusammen:
Ursprung des gesamten heutigen ökologischen Landbaus bildet der 1924 von Rudolf Steiner gehaltene "Landwirtschaftliche Kurs" und die darauf beruhende Biologisch-Dynamische
Der Organisch-Biologische
Landbau (Methode Müller-Rusch) entstand innerhalb der Aktivitäten der "Schweizerischen Bauernheimatbewegung" in den 50er Jahren, u.a. beeinflusst durch die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise.
Die Ansätze des organisch-biologischen Landbaus bilden die Grundlage der heutigen Konzepte des Ökologischen Landbaus und damit der existierenden Anbauverbände mit Ausnahme von Demeter.
Vogt (2000) erweiterte diese Kernpunkte durch folgende Aussagen:
Neben der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise entstand in den 20er Jahren im Rahmen der "Lebensreform-Bewegung" ein zweites ökologisches Landbausystem, der sogenannte Natürliche Landbau.
Das Gedankengut des natürlichen Landbaus aus den 20er und 30er Jahren wurde in den 50er und 60er Jahren im Biologischen Landbau weitergeführt.
Die Geschichte der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise stellt keine stetige, aufeinander aufbauende Entwicklung dar, sondern ist durch Brüche gekennzeichnet.
Er identifiziert fünf Landbausysteme, deren Einteilung auf einer inhaltlich konzeptionellen Ebene - anhand unterschiedlicher Auffassungen zu a) Natur, b) Bodenfruchtbarkeit und Hu-muswirtschaft, c) Nahrungsmittelqualität sowie d) Alltags- und Lebensarbeit erfolgt (Abb. 2.1.3).
Abb. 2.1.3: Abfolge der ökologischen Landbausysteme im deutschsprachigen Raum
Es lassen sich fünf verschiedene Gründe für die Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, besonders in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ableiten: ↓32
a) Wandel von einer Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft
Die Wurzeln des ökologischen Landbaus in Europa reichen in das naturwissenschaftlich fundierte Weltbild der Aufklärung des 18. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert, wo ökologische Aspekte eine wichtige Rolle spielten (Schaumann 2002). Die - bis dato - notwendige Beachtung von ökologischen Zusammenhängen, wie sie in der Fruchtfolgegestaltung sehr deutlich zum Ausdruck kommt, wurde durch Entwicklung und Einsatz von externen Betriebsmitteln in ihrer Bedeutung für den ökonomischen Betriebserfolg relativiert. Die Entstehung von eigenen Industriezweigen als vor- und nachgelagerte Bereiche der eigentlichen Primärproduktion ist dafür Beleg. D.h., Durch das Entstehen der agrochemischen Industrie und der Landmaschinenindustrie war die Herstellung und Einführung von Betriebsmitteln möglich, die ursprünglich aus dem landwirtschaftlichen Betrieb selbst gekommen sind. Dazu gehörten der Ersatz bzw. die Ergänzung der Wirtschaftsdünger durch leichtlösliche mineralische N-Düngemittel und der zunehmende Einsatz von Maschinen, die die tierische Zugkraft ablösten. Diese Zeit ist praktisch die Geburtsstunde der konventionellen Landwirtschaft. Infolge der Technisierung und Chemisierung traten zeitverzögert ungewollte negative Effekte, wie Verlust bäuerlicher Traditionen und ökologische Schäden an Böden und dem Naturhaushalt (Bodenverdichtung, Kontamination mit Dünger etc.) auf.
b) Krise in der Landwirtschaft in der Zwischenkriegszeit
Die ökonomische Situation der Landwirte in Deutschland gestaltete sich in der Zeit zwischen den Weltkriegen äußerst kritisch. Obwohl nach dem ersten Weltkrieg die voll entwickelte Produktionskapazität der Stickstoffindustrie frei wurde und meist synthetische Stickstoffdünger in den Landbau drängten, blieben die Erträge zunächst um 40 % hinter denen der Vorkriegszeit zurück (Roemer 1927). Gleichzeitig erfuhren die deutschen Landwirte die Konkurrenz durch Nahrungsmittelimporte. Die allgemeine wirtschaftliche Lage zwang viele Landwirte zum Aufgeben der Landwirtschaft.
c) Entwicklung der Mikrobiologie
Mit der Begründung und Entwicklung der Mikrobiologie und speziell der Bodenbiologie durch Pasteur, Hellriegel und Francé wurde eine wissenschaftlich begründete Grundlage für Bodenfruchtbarkeitskonzepte auf der Basis der ökologischen Funktion von Bodenorganismen geschaffen (Siebeneicher 1995a). 1911 veröffentlichte Roaul H. Francé sein Buch »Edaphon«. Sir Albert Howard, der Begründer des ökologischen Landbaus in England, machte Anfang des Jahrhunderts seine ersten Beobachtungen über den ursächlichen Zusammenhang zwischen Pflanzenernährung und Pflanzengesundheit (Siebeneicher 1995b).
d) Ganzheitliche Naturauffassungen
Mit dem Einzug des technischen Fortschritts in die Landwirtschaft, erschienen Naturprozesse nunmehr überschaubar und beherrschbar; wandelten sich Pflanzen und Tiere in Produktionsorganismen. Wie Schaumann et al. (2002) feststellt, hatten die wissenschaftlich gebildeten Vertreter des Landbaus den naturwissenschaftlichen Materialismus vom Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts in sich aufgenommen und waren von ihnen überzeugt:
"Das Bewusstsein konzentrierte sich ganz auf das Wirken mit Stoffen, und irgendwelche andere Faktoren wurden aus dem Bewusstsein mehr oder weniger verdrängt. Der Reduktionismus war nicht nur Forschungsmethode, sondern hatte zu einer materialistischen Weltanschauung geführt, die alles Nichtmaterielle ausblendete." Damit wurden Naturvorgänge, die nur komplexer Art sind, also auf Wechselbeziehungen beruhen, zu "Ursachen-Wirkungs-Beziehungen" simplifiziert.
Dagegen wandten sich um die Jahrhundertwende romantische Naturphilosophien ebenso, wie die neu entstandenen Wissenschaftskonzepte der Ökosystemlehre (Odum 1971; Tansley 1935) und auf geisteswissenschaftlicher Ebene die Entwicklung des anthroposophischen Naturbildes durch Rudolf Steiner (Schaumann 1996). Besonders die Anthroposophie stellte sich zum Ziel, die sinnlich erkennbare Welt mit der übersinnlichen Welt zu verbinden. Gleichzeitig gab es mit der Lebensreform Bestrebungen, der Entfremdung von der Natur durch Urbanisierung und Industrialisierung entgegenzuwirken. Ein Beispiel ist die Gründung "der vegetarischen Obstbau-Siedlung Eden e.G." bei Oranienburg im Jahre 1893 (Schaumann et al. 2002).
e) Fernöstliche Ackerbaukulturen
Die durch den technischen Fortschritt im 19. Jahrhundert ermöglichte rasante Entwicklung von Eisenbahn, Telegraphie und Dampfschiff führte zu einer schnellen und besseren Kommunikation in der Welt. Gleichzeitig stieg das Interesse an fremden Ländern. In der Landwirtschaft wurden in dem bereits beschriebenen Kontext (Entwicklung von Stickstoffindustrie, Landmaschinenindustrie und Kenntnisse aus der Bodenbiologie) Informationen über fernöstliche Ackerbaukulturen aufgenommen. Berichte über die chinesische Bodenbewirtschaftung und Düngung gab es schon längere Zeit (King (1911) 1984; Reinau 1925). So schreibt Justus von Liebig (1862) in »Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie«: ↓37
"... Die Grundlage des chinesischen und japanischen landwirtschaftlichen Betriebes ist der vollständige Ersatz aller dem Boden in den geernteten Feldfrüchten entzogenen Pflanzennährstoffe ..." Sir Albert Howard entwickelte während seiner Tätigkeit als "Erster Regierungs-Botaniker der Regierung von Indien" am Institut in Pusa das Indore-Kompostverfahren (Siebeneicher 1995b). Howard ließ sich dabei von den Erfahrungen aus der chinesischen und japanischen Bodenbewirtschaftung leiten, wonach pflanzliche und tierische Stoffe gemeinsam verkompostiert werden. Außerdem sollten Stadtabfälle nutzbar gemacht werden, um dem Gesetz des Kreislaufs der Stoffe zu genügen. Die Kompostrohstoffe sind, wenn notwendig, durch Gründüngung mit Ernte der oberirdischen Pflanzenteile zu ergänzen. Das Indore-Verfahren wurde 1931 als »The Waste Products of Agriculture: Their Utilization as Humus (Oxford University Press 1931)« publiziert. ↓38
Der heutige ökologische Landbau im deutschsprachigen Raum ist aus den beiden Richtungen, biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise und organisch-biologischem Landbau entstanden. Bekannt ist die besondere Stellung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, deren Hintergrund ausgeprägt philosophisch determiniert ist und mit einem Nichtlandwirt Rudolf Steiner als Gründer der Bewegung (Sattler 1995). Organisch-biologischer (bzw. natürlicher) Landbau hatte sowohl den Aspekt der ökonomischen Unabhängigkeit als auch die besondere Qualität der erzeugten Nahrungsmittel berücksichtigt (Simon 1995). Die Bezeichnung "Ökologischer Landbau" bzw. die Kurzform "Ökolandbau" kam erst in den 70er Jahren auf, insbesondere nach Gründung der Stiftung Ökologie und Landbau (Schaumann et al. 2002). Unter diesem Oberbegriff werden alle anderen Bezeichnungen wie "biologischer", "naturgemäßer", "alternativer" und "Organischer" Landbau zusammengefasst. Vielfach erscheinen diese Begriffe noch in den Eigennamen der deutschen Anbauverbände. Auch die unterschiedlichen Prioritäten, die von den Begründern der Richtungen des ökologischen Landbaus in Europa gesetzt wurden, sind im heutigen Leitbild des ökologischen Landbaus zusammengeführt. Ausdrücklich wird von Willer et al. (2002) hervorgehoben: ↓39
"Der ökologische Landbau ist eine ganzheitliche, moderne Form der Landbewirtschaftung. Die ökologische Agrarkultur ist, um eine nachhaltige, möglichst umweltgerechte Erzeugung von gesunden Lebensmitteln im weitest möglichen Einklang mit der Natur bemüht und ist damit zukunftsorientiert."
Nach 1989 wurde ökologischer Landbau von der europäischen Agrar- und Umweltpolitik instrumentalisiert. In der EU-Verordnung 2092/91 sind die Richtlinien für die Produktion und Vermarktung ökologischer Nahrungsmittel für die EU-Mitgliedstaaten rechtsverbindlich definiert (AID 1996). Gleichzeitig wird vorgeschrieben, welche Kriterien ökologisch erzeugte Importgüter aufweisen müssen. Nach diesen Vorschriften muss in den exportierenden Ländern produziert werden.
Dieser Zusammenhang zwischen den Forderungen der Verbraucher in den Importländern und den daraus entstehenden Konsequenzen der produzierenden Exportländer hat dazu geführt, dass sich weltweit ein Standard bei der Erzeugung und Verarbeitung ökologisch erzeugter Produkte entwickelt hat. Die Kontrollorganisationen müssen bei der IFOAM akkreditiert sein. Für Korea bedeutet das, um mit Importen auf dem heimischen Markt wettbewerbsfähig zu sein, muss sich die nationale Standards der Erzeugung und Zertifizierung denen ausländischer Erzeugnisse anpassen.
2.1.2 Entstehung des ökologischen Landbaus in den USA
Die Vereinigen Staaten von Amerika sind der wichtigste Handelspartner für Südkorea. Dadurch werden viele Entwicklungen in der Wirtschaft und im gesellschaftlichen Leben aus den Staaten von Südkorea übernommen. Aus diesem Grund hat das Leitbild der US-amerikanischen ökologischen Landwirtschaft Bedeutung für die Ausprägung des ökologischen und umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea.
Obwohl die USA als Wirtschaftsmacht schlechthin gelten, wo der wissenschaftlich-technische Fortschritt auch die landwirtschaftliche Produktivität bestimmt, gab es schon frühzeitig erste Impulse zur Entwicklung des ökologischen Landbaus. So erhielt Ehrenfried Pfeiffer in den 90er Jahre einen Lehrstuhl für ökologischen Landbau und brachte die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise von Europa in die Neue Welt (Pfeiffer 1938). Im Bild der Öffentlichkeit dominierte jedoch die industrialisierte Landwirtschaft.
Der heutige ökologische Landbau in den Vereinigen Staaten von Amerika, der Impulse für die Entwicklung in Südkorea gab, entwickelte sich Ende der 70er Jahre. Das war eine Folge aus der zu diesem Zeitpunkt herangereiften ökonomischen und ökologischen Krise der US-amerikanischen Landwirtschaft. Die Ursachen dafür lagen vor allem in der Außenhandelspolitik der USA: in den 70er Jahren war durch die wirtschaftliche Entwicklung der osteuropäischen bzw. Entwicklungsländer und die in den Ländern sich häufig ergebenden Missernten die Nachfrage nach den US-amerikanischen Agrarprodukten gestiegen. Außerdem wurden seit Ende der 60er Jahre die Verluste im Außenhandel immer größer. Die Regierung Nixons hat deshalb gleich nach ihrem Amtsantritt den Export, insbesondere von Agrarprodukten gefördert, um Ausgaben und Einnahmen ins Gleichgewicht zu bringen. So betrug bereits im Jahr 1981 in den USA das gesamte Exportsvolumen der Agrarprodukte 45,1 Mrd. Dollar. Bezogen auf das Jahr 1970 steigerte es sich dann um das 6,1-fache (7,4 Mrd. Dollar) (Park et al. 2000). ↓41
Im Bezug auf diese Export- und Agrarpolitik nahm zur Ausdehnung der Anbaufläche die Rodung zu. Gleichzeitig wurde der Anbau bestimmter Getreidearten mit Hochleistungssorten favorisiert, was zu Monokulturen führte. Dazu steigerte der Einsatz der modernen Agrartechniken, wie große Maschinen, chemische Dünger und synthetische Pflanzenschutzmittel die Produktivität rasch. Allerdings ergaben sich aus der Intensivierung und dem falschen Einsatz dieser Agrartechniken auch negative ökologische Folgen. Beispielsweise betrug in den 70er Jahren in den USA die durchschnittliche Bodenerosion ca. 5,4 Tonnen/acre2 und Jahr (USDA 1981). Damit wurden etwa 20 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Bodenerosion beeinträchtigt. Außerdem führte die Ausdehnung der bewässerten Agrarfläche (51 Mio. acre im Jahre 1978) zum Austrocknen und zur Verschmutzung von Grundwasser (NRC 1989).
Neben den qualitativen Beeinträchtigungen der Agrarfläche durch Verringerung der Bodenfruchtbarkeit, kam es auch zur quantitativen Abnahme der landwirtschaftlich genutzten Fläche, besonders in den Deltas mit hoher natürlicher Bodenfruchtbarkeit im Unterlauf der großen Flüsse. Nach NALS3 (1980) war allein durch Verstädterung und Versandung eine Agrarfläche von etwa 3 Mio. acre jährlich verloren gegangen. Mit dieser Tendenz wurde nicht nur der Export der Agrarprodukte, sondern auch die Selbstversorgung der Bevölkerung in den USA bedroht.
Die erste Ölkrise im Jahre 1974 und die weltweite Krise der 70er Jahre führten zur Erhöhung der Kosten für Produktionsmaterialien. Dazu nahm seit 1982 die Exportsumme der Agrarprodukte wieder ab. Durch die Deflationspolitik wurde außerdem die Inflation niedrig gehalten; der Zinsfuß hat sich erhöht. Dadurch wurde der Bodenpreis rasch gesunken. Aus diesen Gründen war Anfang der 80er Jahre die wirtschaftliche Lage der vielen Agrarbetriebe, u.a. kleiner Familienbetriebe in den USA sehr kritisch (Shin 1995).
Organischer Landbau (organic farming)
Mit diesen veränderten Bedingungen für die Landwirtschaft nahm seit Ende der 70er Jahre in den USA das Interesse am ökologischen Landbau zu. Damit schlugen viele Landwirte und Agrarwissenschaftler der Bundesregierung eine Förderung und Verbreitung der ökologischen Landwirtschaft vor. Zunächst wurden 1979 vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in 69 ökologisch wirtschaftenden Betrieben in 23 Staaten der USA die technischen und ökonomischen Besonderheiten des ökologischen Landbaus untersucht. Im Ergebnis der Studie wurde ökologischer Landbau ("organic farming") wie folgt definiert:
"Organic farming is a production system which avoids or largely excludes the use of synthetically compounded fertilizers, pesticides, growth regulators, and livestock feed additives. To the maximum extent feasible, organic farming systems rely upon crop rotations, crop residues, animal manures, legumes, green manures, off-farm organic wastes, mechanical cultivation, mineral-bearing rocks, and aspects of biological pest control to maintain soil productivity and tilth, to supply plant nutrients, and to control insects, weeds, and other pests (USDA 1980)."
Diese Definition von USDA hat die Konzeption des "Yuki-Landbaus", der 1991 vom südkoreanischen Agrarministerium beschrieben wurde, beeinflusst. Die genannte Studie (USDA 1980) trug dazu bei, dass der ökologische Landbau Aufmerksamkeit in allen Bereichen, wie Wissenschaft, NGO, Politik etc. erregte. Nach Aufforderung durch viele Bauern- und Umweltorganisationen hat 1982 der Abgeordnete Weaver im Staat Oregon einen Gesetzantrag zum organischen Landbau in den Kongress eingebracht (Shin 1995). Allerdings wurde der Antrag aufgrund mangelnden Interesses von USDA nicht angenommen. Die Ergebnisse weitergehender Diskussionen zwischen Wissenschaftlern, Forschern und Politikern wurden 1985 als "the 1985 Farm Bill (Food Security Act of 1985)" im Parlament durchgesetzt. Damit wurde in den Vereinigen Staaten von Amerika die erste gesetzliche Basis für den ökologischen Landbau aufgebaut. Das Ziel des Gesetztes ist es, theoretische und praktische Untersuchungen zum ökologischen Landbau zu systematisieren und den Landwirten diese Forschungsergebnisse zur Verfügung zu stellen (USDA 1985). USDA hat damit laut Gesetz den Auftrag, die Forschung über den ökologischen Landbau durchzuführen. ↓44
Nachhaltige Landwirtschaft mit geringem Produktionsmitteleinsatz (LISA)
Der "Food Security Act of 1985" überzeugte auch viele Politiker von der Bedeutung des ökologischen Landbaus. Dadurch war bei der Festsetzung von "the 1990 Farm Bill (The Food, Agriculture, Conservation, and Trade Act Amendments of 1990)" schon mehr Verständnis für den ökologischen Landbau vorhanden, so dass der Abschnitt für ökologischen Landbau zusätzlich vorgeschrieben wurde (USDA 1990). In diesem Agrargesetz wird der ökologische Landbau durch den Begriff "low-input sustainable agriculture (LISA)" erweitert. Damit sollen auch ökonomische Effekte betont werden. Im ursprünglichen Verständnis von organic farming wurde dieses Bewirtschaftungssystem eher als politischer Gegenentwurf gegenüber die Bodenfruchtbarkeit schädigenden Techniken der modernen konventionellen Landwirtschaft verstanden. Der Begriff "nachhaltige Landwirtschaft" wurde erstmals 1980 von Wes Jackson vom Landinstitut in Salina verwendet, um im Bezug auf dem Ressourcenschutz und der Verbesserung der Lebensqualität für Bauern ein alternatives Bewirtschaftungssystem zu beschreiben (Diver 1993). In "the Food, Agriculture, Conservation, and Trade Act Amendments of 1990 " wird die nachhaltige Landwirtschaft ("sustainable Agriculture") wie folgt beschrieben:
"sustainable agriculture means an integrated system of plant and animal production practices having a site-specific application that will, over the long term:
- satisfy human food and fiber needs - enhance environmental quality and the natural resource base upon which the agricultural economy depends ↓47
- make the most efficient use of nonrenewable resources and on-farm resources and integrate, where appropriate, natural biological cycles and controls ↓48
- sustain the economic viability of farm operations - enhance the quality of life for farmers and society as a whole (USDA 1990)." ↓49
In diesem Kontext umfasst die nachhaltige Landwirtschaft alle Bewirtschaftungssysteme, die diese Kriterien erfüllen, wie organischer, alternativer, regenerativer, ökologischer Landbau (Rawson 1995). Hierbei besteht ein großer Unterschied zwischen dem nachhaltigen und ökologischen Landbau darin, dass bei der nachhaltigen Landwirtschaft der Einsatz chemisch-synthetischer Betriebsmittel, wie leichtlöslicher mineralischer Dünger und Pestizide erlaubt ist (GAO 1992; Greence and Calvin 1997). Die nachhaltige Landwirtschaft mit geringem Produktionsmitteleinsatz (LISA) wird somit wie folgt definiert:
"Low-input agriculture is defined as a production activity that uses synthetic fertilizers or pesticides below rates commonly recommended by the Extension Service. It does not mean elimination of these materials. Yields are maintained through greater emphasis on cultural practices, IPM (Integrated Pest Management), and utilization of on-farm resources and management (USDA 1990)." ↓50
Diese amerikanische Definition des nachhaltigen Landbaus bzw. LISA wurde bei der Festsetzung des "Gesetzes über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft (1997)" in Südkorea herangezogen. Die Einflüsse auf den top-down-Ansatz der südkoreanischen Regierung zur Entwicklung des ökologischen Landbaus entstammen also aus Orientierungen der Agrarpolitik der USA in den 80er und 90er Jahren.
2.1.3 Entstehung des ökologischen Landbaus in Japan
Japan ist ein benachbartes Land Südkoreas, so dass die beiden Länder politisch, wirtschaftlich und kulturell miteinander sehr eng verbunden sind. So ist zu erklären, dass der japanische "Yuki-Landbau" die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Südkorea ebenfalls mitbeeinflusst hat. Deshalb hat der ökologische Landbau beider Länder eine große Ähnlichkeit im bezug auf die Hintergründe seiner Entstehung und seines Entwicklungsprozesses.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Japan ein intensives wirtschaftliches Wachstum durch die Industrialisierung angestrebt. Das bedeutete für die Landwirtschaft die Mechanisierung und den Einsatz von Agrarchemikalien zur Modernisierung und Erhöhung der Produktivität. Der Einsatz dieser modernen Betriebsmittel hatte aber auch verschiedene unerwünschte Nebenwirkungen. Besonders durch die Anwendung von hochgiftigen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln kamen Vergiftungsunfälle der Bauern häufig vor (Kato 1990). Dazu haben Skandale über Nahrungsmittelverseuchung durch Pflanzenschutzrückstände in Agrarprodukten in den 60er Jahren die ganze japanische Gesellschaft in Unruhe versetzt. Beispiele sind durch Arsen vergiftete Milch der Nahrungsmittelfirma Morinaka (1955), die Erkrankung Minamata durch Quecksilberntoxikose in Reis (1962 und 1964) und die Erkrankung Itai-Itai durch Vergiftung mit Kadmium (1968) (Kim 1994). Es wurden außerdem verschiedene Bücher, die über direkte bzw. indirekte Schäden der Mineraldünger und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel berichten, herausgegeben. Insbesondere der Roman »Huku Gou Osen () 4« von von Ariyoshi, der seit Oktober 1974 in Fortsetzungen in der Zeitung Asahi erschien, erregte großes Aufsehen in der Öffentlichkeit (Shin 1995). Der Roman führt viele Beispiele zu Schäden durch Pestizide an und macht damit auf Probleme der modernen Agrartechniken aufmerksam. ↓51
Das heißt, es wurden zuerst die Verbraucher sensibilisiert, in dem Sinne, dass "Lebensmittel" plötzlich giftig oder zumindest gesundheitlich bedenklich waren. Dadurch wurde das Interesse auf andere landwirtschaftliche Bewirtschaftungssysteme, die auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, gelenkt. Damit gibt es einen Unterschied in der Entstehungsgeschichte des modernen ökologischen Landbaus zu Westeuropa: Während die Theorien des ökologischen Landbaus in Westeuropa vor allem mit Problemen aus der Sicht der Erzeuger, z.B. Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, begründet wurden, entwickelten sie sich in Asien, wie in Japan und Südkorea, eher als Verbraucherbewegung bezüglich der Versorgung der gesunden Nahrungsmittel.
Es entstanden seit Anfang der 60er Jahre überall in Japan durch Initiative von Verbrauchern die Agrarbewegungen, sogenannte "Anbau ohne chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel-Bewegung" und verschiedene Umweltbewegungen (FFTC 1992). Aus diesen Bewegungen stammt japanischer Ökolandbau. Es gab damals aber noch kein staatliches Interesse bzw. politische Unterstützungen der japanischen Regierung, so dass sich verschiedene Begriffe und Theorien aus der Praxis entwickelten und zur Anwendung kamen. Speziell zwei ökologische Wirtschaftsweisen, nämlich der Organische
und der Natürliche
Landbau waren der wichtigste Anlass für die Bewegung des japanischen ökologischen Landbaus. Beide Formen wurden später in Südkorea durch Bücher oder Seminare für die Bauern bzw. Organisationen des ökologischen Landbaus bekannt. Im Folgenden werden beide Formen erläutert.
Organischer Landbau: "
(Yuki)"-Landbau
Vor dem beschriebenen gesellschaftlichen Hintergrund der Lebensmittelskandale wurde 1971 der Japanische Bauernverband für organischen Landbau (JOAA; Japanese Organic Agriculture Association) gegründet. Seitdem wird in Japan der Begriff "Yuki (= Organischer)-Landbau" verwendet (Tsukiji 1989). Nach der Definition von JOAA ist der organische Landbau:
"das Bewirtschaftungssystem, bei dem während der ganzen Prozesskette von der Produktion bis zum Verbrauch der Gebrauch von künstlichen Chemikalien und radioaktiven Stoffen wie chemischen Düngern und synthetischen Pflanzenschutzmitteln usw. generell verboten ist und hierfür regionale Ressourcen und natürliche Produktionsfähigkeit des Bodens aktiv verwendet werden (Shin 1995)."
Der organische Landbau in Japan hat mehrere Ziele: Er will Schäden aus der modernen hochindustrialisierten Landwirtschaft, wie Umweltverschmutzung und Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit verhindern. Hohe Produktionskosten durch die Abhängigkeit von externen Energiequellen sollen minimiert werden. Außerdem soll zwischen Bauern und Verbrauchern eine Vertrauensbeziehung aufgebaut werden. Aus letzterem resultierte die Direktvermarktungsbewegung der 80er Jahre in Japan (Furusawa 1988). Derzeit gibt es im ganzen Land ca. 1.600 Organisationen für die Direktvermarktung von Ökoprodukten (KVOL 2003). Außerdem hat sich der organische Landbau von JOAA als Sozialbewegung entwickelt. Daher sind sowohl Bauern und Agrarwissenschaftler als auch Natur- und Geistwissenschaftler von verschiedenen Wissenschaftsbereichen Vereinmitglieder (Kokumin-Seikatsu-Center 1981). Der Verein JOAA ist damit die größte Organisation für ökologischen Landbau in Japan. JOAA war für Südkorea der wichtigste Impulsgeber für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Südkorea. So wurden in den 70er Jahren durch Vertreter (Kotani, Yogoi etc.) von JOAA viele Landwirte und Verbände in Südkorea in die Theorie und Praxis des Yuki-Landbaus eingeweiht. Besonders für die beiden südkoreanischen Verbände "Jeong-Nong" und "KVOL" war JOAA vorbildlich (Choi 1988). Sie arbeiteten miteinander an der Entwicklung der Organisationsstrukturen der ökologischen Landwirtschaft in Südkorea mit. Beispielsweise organisierten sie gemeinsame Seminare und Schulungen, und tauschten wissenschaftliche Meinungen und Erfahrungen sowie Informationen zur landwirtschaftlichen Praxis aus.
Natürlicher Landbau: "
(Shizen)"-Landbau
Im Allgemeinen werden zum "Shizen"-Landbau die natürliche Wirtschaftsweise von Mokichi Okada und die "Nichts-tun"-Landwirtschaft von Masanobu Fukuoka gezählt.
a) Natürliche Wirtschaftsweise von Mokichi Okada
Die natürliche Wirtschaftsweise von M. Okada wurde 1935 erstmals bekannt (Shin 1995). Okada ist der Begründer der Sekte Welterlösung. Seine natürliche Wirtschaftsweise baut daher auf religiösen Gedanken auf. D.h., die Anpassung an die Natur und den Ablauf der Naturprozesse ist der Leitgedanke im natürlichen Landbau. Diese Wirtschaftsweise wurde bis zum Jahr 1950 mit "Munouyaku-Nougyo (: Anbau ohne chemischen Dünger)" bezeichnet. Um die ausschließliche Verwendung von Kompostmaterialien aus der Natur zu betonen, wird sie seit 1950 als "Shizen-Nougyo (: Natürlicher Landbau)" genannt. Im Jahre 1953 wurde der Verband für natürlichen Landbau gegründet. Er wurde 1985 als Stiftung "Internationales Institut für Forschung und Entwicklung des Natürlichen Landbaus (ICRDNF: International Center for the Research and Development of Natural Farming)" eingetragen. Nach der Anweisung von ICRDNF wird der natürliche Landbau wie folgt beschrieben:
"Der natürliche Landbau ist eine nachhaltige und systematisierte Anbaumethode. Im natürlichen Landbau ist die Erhaltung bzw. Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit Grundlage der Landbewirtschaftung. Der Boden steht im Mittelpunkt und schließt den Kreis im Kreislaufgeschehen eines landwirtschaftlichen Betriebes. Diese Stoffkreisläufe sollen beachtet werden. Ein stabiles Gleichgewicht im Agrarökosystem ist aufzubauen. Dadurch sollen alle Lebewesen einschließlich der Menschen in der Harmonie gedeihen (Seo et al. 1992)."
Damit haben der organische (Yuki) und natürliche (Shizen) Landbau wesentlich viele Gemeinsamkeiten. Es gibt doch einige Unterschiede. Der wichtigste besteht darin, dass beim natürlichen Landbau zusätzliche Düngungsarbeiten nicht erfolgen. D.h., allein durch den Anbau der Gründüngungspflanzen und die Bodendeckung mit Natursubstanzen, wie Stroh, Blättern, Berggräsern, soll der Bodenfruchtbarkeit erhalten bzw. verbessert werden, und die Kulturpflanzen ernährt werden. In diesem Sinne werden tierische Wirtschaftsdünger nicht erlaubt.
Die Theorie des natürlichen Landbaus von M. Okada wurde durch H.G. Jo nach Südkorea eingeführt. Er hat in den 60er Jahren bei mehrmaligen Besuchen in Japan die Praxis des natürlichen Landbaus kennen gelernt und studiert. Seitdem bemüht er sich um die Entwicklung des natürlichen Landbaus in Südkorea. Eine Besonderheit seiner südkoreanischen Form des natürlichen Landbaus ist die Anwendung von speziellen Materialien zur Verbesserung der Aktivität der Mikroorganismen im Boden. Es wird dabei ↓57
fünf Basismaterialien: a) Pflanzensaft, b) Chinesische Heilkräuter, c) Milchsäurenbazillus, d) einheimische Mikroorganismus und e) Enzyme und drei Zusatzmaterialien: a) Aminosäure aus Fisch, b) Kalzium und c) Essig aus Reis eingesetzt (Jo 1998). Hierbei sollen die Materialien möglichst aus der Natur besorgt werden.
b) "Nichts-tun"-Landwirtschaft von Masanobu Fukuoka ↓58
Die Theorie der "Nichts-tun"-Landwirtschaft von M. Fukuoka beruht ebenfalls auf dem Schutz des Ökosystems und der Nutzung seiner natürlichen Produktionsfähigkeit. Vom natürlichen Landbau von Okada unterscheidet sie sich aber insofern, als die Natur bei dem natürlichen Landbau von Fukuoka von Eingriffen durch den Menschen weitestgehend frei ist (Fukuoka 1982). Die Methode dieser Wirtschaftsweise ruht auf vier Grundpfeilern: a) keine Bodenbearbeitung, b) keine Dünger, c) kein Unkrautjäten und d) keine Schädlingsbekämpfungsmittel (Fukuoka 1985). Darum wird seine Wirtschaftsweise als "Nichts-tun"-Landwirtschaft bezeichnet. In Südkorea wurde diese Form als "Taepyong (: unbekümmerte)-Landwirtschaft" von Young Mun Lee entwickelt (Lee 1999).
Zertifizierungssystem der Ökoprodukte in Japan
Bis 1992 gab es in Japan keine staatliche Gesetzgebung für den ökologischen Landbau und die Zertifizierung. Ökologisch wirtschaftende Bauern haben deswegen ihre Produkte in Selbstorganisation mit den Verbrauchern bzw. Verbraucherorganisationen vermarktet. Dabei erfolgte die Zertifizierung der Produkte aus ökologischem Landbau auf Grund unterschiedlicher Leitlinien der verschiedenen Erzeugerverbände (APO 1994). Damit war eine Kennzeichnungsvielfalt der Ökoprodukte verbunden. Die unterschiedlichen Logos der privaten Zertifizierungsorganisationen waren allerdings vielen Verbrauchern nicht ausreichend bekannt und führten damit zu erheblichen Unsicherheiten. ↓59
Mit den wachsenden heimischen Märkten für Ökoprodukte hat das japanische Landwirtschaftsministerium "Richtlinien für Zeichen der Öko-Waren" verabschiedet, die im April 1993 in Kraft getreten sind. Nach diesen Richtlinien werden ökologisch erzeugte Agrarprodukte mit "Yuki"-Produkte bezeichnet, was auf Deutsch "organische Produkte" bedeutet. Die Richtlinien definieren die "Yuki"-Waren als
"Erzeugnisse, die in den gesamten Produktionsprozessen ohne Anwendung von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie künstlichen Materialien zur Bodenverbesserung hergestellt wurden (Shin 1995)."
Wie in Tab. 2.1.1 dargestellt, werden allerdings nach diesen Richtlinien auch diejenigen Produkte mit "Yuki" bezeichnet, die zwar umweltschonender produziert wurden als herkömmliche Produkte, die aber keine Ökoprodukte im eigentlichen Sinne sind (Willer und Yussefi 2001). Diese Klassifizierung der japanischen Richtlinien für Zeichen der Öko-Waren wurde teilweise für "das Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten von NAQS (1992)" in Südkorea zum Muster genommen. Die Tatsachen, dass in den Zertifizierungssystemen von Japan und Südkorea fast nur der Verzicht auf Einsatz von Agrarchemikalien berücksichtigt wird, und dass die Produkte nach Intensität des Einsatzes von chemischen Betriebsmitteln eingestuft werden, beruhen vor allem auf den Hintergrund der Entstehung des ökologischen Landbaus in Japan und Südkorea. D.h., in beiden Ländern war aufgrund der Interessen der Verbraucher an Gesundheits- bzw. Ernährungsfragen und der wachsenden Nachfrage nach hochwertigen, gesundheitlich unbedenklichen Lebensmitteln der ökologische Landbau entstanden; die Größe des Öko-Sektors ist aber noch erst gering: 0,09 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Japan (1999); 0,05 % in Korea (1998) (Willer and Yussefi 2004).
Tab. 2.1.1: Klassifizierung von ökologisch produzierten Agrarerzeugnissen in Japan und in Südkorea
"Richtlinien für Zeichen der Öko-Waren" von japanischem Landwirtschaftsministerium1)
Anbau ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel (mindestens 3 Jahre)
Anbau ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel (nach der Ernte der Vorfrüchte bis zur Ernte der zutreffenden Kulturpflanze)
Anbau mit reduzierten Anwendungsmengen von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln (max. 50 % der konventionellen Aufwandmenge)
"Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten" von NAQS2)
Anbau ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, aber mit chemischen Düngemitteln
Anbau mit wenigen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (max. 50 % der Standardanwendungsmenge)
Quelle: 1) Shin 1995, 2) NAQS 1999
Zusammenfassend ist festzustellen, dass der südkoreanische Ökolandbau in bezug auf seine Theorien und praktischen Formen wichtige Impulse aus dem japanischen ökologischen Landbau bezogen hat.
2.1.4 Entstehung des ökologischen (bzw. umweltfreundlichen) Landbaus in Südkorea ↓61
Der ökologische Landbau in Südkorea entwickelte sich aus zwei Richtungen, sogenannten "Bottom-up" und "Top-down"-Ansätzen. Nach denen unterscheiden sich Begriff und Definition sowie Anbauform des ökologischen Landbaus.
Ökologischer Landbau aus dem "Bottom-up"-Ansatz: "Organischer (Yuki)" Landbau
Die ökologische Landbaukonzeption aus dem Bottom-up-Ansatz entstand überwiegend unter dem Einfluss des organischen und natürlichen Landbaus in Japan (vgl.
Abschnitt 2.1.3). Sie wurden in den 60er und 70er Jahren durch die Eigeninitiative von verschiedenen Bauern bzw. Organisationen begründet. Die Wurzeln liegen aber bereits in Formen der traditionellen Landwirtschaft begründet und werden von F.H. King
beschrieben. King unternahm 1909 als Leiter der Abteilung für Bodenbearbeitung des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums eine Forschungsreise nach China, Korea und Japan, um die ostasiatischen Ackerbaukulturen zu erfahren. In seinem Buch »Farmers of forty centuries or Permanent Agriculture in China, Korea and Japan«, das im Jahre 1911 nach seinen Studienreisen entstand, hat er traditionelle Anbaumethoden der drei Länder für die Pflanzen- und Bodenbehandlung, die Be- und Entwässerung, die Düngung sowie die Schädlingsbekämpfung beschrieben (King 1911). Besonders bemerkenswert erschien ihm die sorgfältige Nutzung und Pflege der natürlichen Produktionsgrundlage bei den asiatischen Anbausystemen, wobei er in Bezug auf die Bodenfruchtbarkeit die traditionellen Verfahren der Kompostwirtschaft und der Reststoffverwertung besonders bewertete. ↓62
Tatsächlich waren bis zum 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in der südkoreanischen Landwirtschaft solche traditionellen Anbauformen noch üblich. Chemische Dünger und Pestizide wurden kaum verwendet. Die Fruchtbarkeit des Bodens und Ertragssicherung wurden allein durch die Wieder- oder Weiterverwendung von organischen Reststoffen, wie z.B. Ernterückstände, Wirtschaftsdünger, erhalten. Mit der Industrialisierung und dem agrarpolitischen Ziel, eine hohe Selbstversorgung zu erreichen, nahm seit den 60er Jahren die Einsatzmenge von Agrarchemikalien in der südkoreanischen Landwirtschaft rasch zu (Abb. 2.1.4). Damit begann in Südkorea die Entwicklung der konventionellen Landwirtschaft.
Abb. 2.1.4: Jährliche Anwendungsmenge der Dünge- und Pflanzenschutzmittel pro Hektar in Südkorea
Zu jener Zeit entstand auf anderer Seiten der südkoreanischen Landwirtschaft ebenfalls die "Grassroots"-Bewegung durch einige Pionierbauern, die sich bewusst dem organischen Landbau zuwandten. Die Mitglieder dieser Bewegung hatten schon seit Anfang der 70er Jahre
die Monatsschrift »Der Boden und Die Gesundheit«, die von der japanischen wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für organischen Landbau (JOFRA: Japan Organic Farming Research Association) herausgegeben wird, abonniert und gemeinsam studiert (Choi 1988). Weiterhin haben sie 1975 den Kurs über organischen Landbau organisiert. Er fand von dem 20. bis 23. September im Hof "Pulmuone" in Buchon/Korea statt. Dabei wurde der Vortrag über japanische organische Landwirtschaft von Junichi Kotani gehalten. Er ist Begründer des Bauernverbandes "Aino (Landliebe)". Mit dem Abschluss des Kurses haben 1976 die Teilnehmer den Verband "Jeongnong (Richtige Landwirtschaft)" begründet. Damit ist Jeongnong der erste Verband für den ökologischen Landbau in Südkorea.
Aufbauend auf dem Leitgedanken des Verbands Aino, haben die Bauern des Verbands Jeongnong ihre Höfe organisch bewirtschaftet. Die Grundgedanken von Aino beruhen vor allem auf dem christlichen Glauben, d.h. "Liebe" (Jeongnong 1983). Das organische Landbaukonzept des Verbandes Jeongnong ist daher zum einen als landwirtschaftliches System, zum anderen als religiöse/philosophische Bewegung zu verstehen. D.h., um das Leben der Menschen bzw. anderer Lebewesen und den Naturgesetz zu respektieren und zu schützen, verzichten die Mitgliedbauern von Jeongnong auf den Gebrauch von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Neben den bäuerlichen Mitgliedern vom Verband Jeongnong gab es einige Pionierbauern, die sich bereits vor den 70er Jahren mit ökologischer Landwirtschaft beschäftigt haben. Beispielsweise hat T.B. Kang in den 50er Jahren nachdrücklich betont, dass dem Boden organische Substanzen jährlich zugeführt werden müssen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten (Choi 1988). B.G. Shin hat 1962 erstmals in Südkorea nach ökologischer Wirtschaftsweise Bananen angebaut. Dabei hat er die Bedeutung von organischem Dünger erwähnt. Die Ansichten dieser Bauern wurden aber damals so angesehen, dass sie sich der Ernährungssicherheit entgegenstellen, welche das wichtigste agrarpolitische Ziel der 50er und 60er Jahre war. Dadurch konnten sie sich nicht weiterentwickeln.
Der organische Landbau hat sich in den 80er Jahren
durch "die Bewegung für Direktvermarktung der Bioprodukte" der religiösen Organisationen und Umweltgruppen entwickelt (Yangpyong 2000). Sie war die einer von damaligen Umweltbewegungen. Mit dieser Bewegung bildeten sich verschiedene Verbraucherorganisationen des ökologischen Landbaus (Seo et al. 1992): z.B. Hansalim (1986), Kyongsilyeon-Jongnong-Saenghyop (1989) Minwoohyoe (1989). Sie haben bei der Ausdehnung des ökologischen Landbaus in Südkorea eine wichtige Rolle gespielt. D.h., neben dem gemeinsamen Kauf ist durch ihre verschiedenen Aktivitäten, wie Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucheraufklärung, die Vermarktung der Ökoprodukte in Südkorea aktiv geworden.
Ökologischer Landbau aus dem "Top-down"-Ansatz: "Umweltfreundlicher" Landbau Während sich der Bottom-up-Ansatz für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Südkorea eher aus einem religiösen/philosophischen Hintergrund im Zusammenhang mit der Einsicht in Naturprozesse ergab, erhält die Entwicklung des Top-down-Ansatzes einen wichtigen Impuls durch die Änderungen der gesellschaftlichen und landwirtschaftlichen Bedingungen in den 90er Jahren.Die immer schärfer werdenden Umweltprobleme und die durch Pestizide verseuchte Nahrungsmittelskandale haben Anfang der 90er Jahren
die gesamte südkoreanische Gesellschaft beunruhigt (Siehe S. 3 ff.).
Ergebnisse des WTO-Agrarhandelsabkommens bedrohten außerdem die Existenz der südkoreanischen Bauern (Siehe S. 1 ff.). In der Folge nahm ein gesellschaftliches Interesse am ökologischen Landbau zu.Damit beschloss die südkoreanische Regierung einen umweltfreundlichen Landbau zu fördern.Darin wurde der ökologische Landbau als ein Bestandteil einbezogen. Als erster Schritt der Förderung des umweltfreundlichen Landbaus gründete im März 1991 das südkoreanische Agrarministerium ein "Komitee für Planung und Entwicklung des organischen Landbaus", der aus 20 Mitgliedern von Bauern, Produzent- und Verbraucherorganisationen sowie Wissenschaftlern und zuständigen Behörden besteht. Die vom Komitee vorgeschlagenen politischen Aufgaben zur Förderung des umweltfreundlichen Landbaus sind: ↓65
Untersuchung zum Stand des ökologischen Landbaus in Südkorea,
Entwicklung der Technik für umweltfreundliches Bewirtschaftungssystem,
Zertifizierung der ökologisch hergestellten Produkte und Entwicklung des Markts für Produkte aus ökologischem Landbau (Kim 1994).
Seit dem Juli 1992 wird als ein Teil der "Maßnahmen für die strukturelle Verbesserung der Landwirtschaft und Fischerei (1991)" und "Maßnahmen für die Entwicklung von Bauern- und Fischerdorf (1992)" das Zertifizierungssystem der Qualität von konventionellen Agrarprodukten durchgeführt (NAQS 2000b). Darin wurde 1993 die Richtlinie für die Kontrolle der Qualität von Agrarprodukten aus umweltfreundlichem Landbau zusätzlich nachgetragen. Damit können sich umweltfreundlich produzierte Agrarerzeugnisse von den konventionellen unterscheiden. Das bedeutet den staatlichen Schutz der umweltfreundlich wirtschaftenden Bauern und auch der Verbraucher.
Der nächste weitreichende Schritt war die Ankündigung der südkoreanischen Regierung im Rahmen "der Agrarumweltpolitik für das 21ste Jahrhundert (1996)". Danach soll bis zum Jahr 2004 die Anwendungsmenge der chemischen Düngemittel auf 40 % und die der Pflanzenschutzmittel auf 50 % der bisherigen Ausbringungsmengen reduziert werden (MAF 1996).
Weiterhin wurde 1997 ein Biogesetz, d.h. "Gesetz über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft" verabschiedet und war am 14. Dezember 1998 in Kraft getreten (MAF 1999a). Damit wurde erstmals in Südkorea eine rechtliche Basis für den ökologischen Landbau aufgebaut. Nach dem Gesetz werden verschiedene Förderungsprogramme für den umweltfreundlichen Landbau durchgeführt.
2.2 Konzeption des umweltfreundlichen Landbaus
Ökologischer Landbau ist im weltweiten Kontext gesehen, noch eine junge und kleine Bewegung. Deshalb sind noch viele synonym gebrauchte Begriffe in der Literatur und im öffentlichen Sprachgebrauch üblich. Ökologischer Landbau hat in den meisten Ländern unterschiedliche Hintergründe in Bezug auf Entstehung und Zeitraum. Besonderheiten der landwirtschaftlichen und sozialen Situation der Länder spiegeln sich demzufolge in Definitionen und Begriffen wider. Beispielsweise war in Europa die Furcht vor den Folgen einer industrialisierten Landwirtschaft und damit einer gleichzeitigen Entfremdung von Naturprozessen, bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Auslöser für die Entstehung der Bewegung des natürlichen Landbaus (Könemann), der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise (Steiner) und des organisch-biologischen Landbaus (Müller und Rusch) (vgl. Abschnitt 2.1.1). Das Hauptaugenmerk lag dabei immer auf der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und der Berücksichtigung natürlicher Stoffkreisläufe – also etwas, dass heute mit ökologischer Nachhaltigkeit definiert wird. Ein weiteres Ziel der verschiedenen Bewegungen und Richtungen war immer auch die Produktion vollwertiger, gesundheitlich unbedenklicher Nahrungsmittel. Heute werden in die Definition des ökologischen Anbaus diese Ziele, d.h. Umweltschutz und Produktion der gesunden Nahrungsmittel einbezogen.
Schließlich erordert der globalisierte Handel nicht nur eine inhaltliche, sondern auch eine sprachliche Übereinkunft, damit eine internationale Zertifizierung für Produkte aus ökologischem Landbau möglich ist. Deshalb wurden die vielfältigen Definitionen zum ökologischen Landbausystem in den Basisrichtlinien der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) und im Codex Alimentarius von FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) vereinheitlicht (Tab. 2.2.1).
Durch den Einfluss des japanischen organischen Landbaus (vgl. Abschnitt 2.1.3) setzte sich in Südkorea die japanische Terminologie "Yuki ()"-Landbau durch: "Yuki ()". Yuki ist die japanische und koreanische Bezeichnung der chinesischen Schriftzeichen "", was eine direkte Übersetzung der englischen Bezeichnung "organic" ist. Allerdings werden auch gegenwärtig noch eine Reihe von unterschiedlichen Begriffen zum Yuki ()-Landbau in Südkorea synonym verwendet: Sa-Yeon (; natürliche) (Nonghyup 2000; Hwang 2001), Saeng-Tae (; ökologische) (Gyunong-Undong-Center 2000; Munhwa-Ilbo 2004), Dae-Chae (; alternative) (Kim 1993; Hansalim 1994; KTV 2004), Jae-Saeng (; regenerative) (Park et al. 2000), Ji-Souk (; nachhaltige) (Kang 1992; Kim und Song 1994; KASA 2001), Jeo-Tu-Ip (; low-put) (MAF 2000c; Park et al. 2000; Choi 2001), Whan-Kyong-So-Hwa (; umweltgerechte) (Park et al. 2001; NAIS 2001), Whan-Kyong-Bo-Jeon (; umweltschonende) (Chung 1992; Oh 1995; Kwon 1997) sowie Chin-Whan-Kyong (; umweltfreundliche)-Landbau (Gong und Seo 1998; Park et al. 2001), und der konventionellen Landwirtschaft gegenübergestellt. Diese verschiedene Begriffe erklären sich daraus, dass der japanische "Yuki-Landbau" durch Eigeninitiativen von verschiedenen koreanischen Bauern und Organisationen in Korea eingeführt wurde (vgl. Abschnitt 2.1.4), so dass nach ihren ökologischen und ökonomischen sowie sozial-philosophischen Aspekten das Yuki-Anbausystem unterschiedlich genannt und definiert wird. Gegenwärtig werden von den genannten Begriffen in Südkorea die Bezeichnungen "organischer", "natürlicher" und "umweltfreundlicher" Landbau relativ dominant verwendet.
Organischer Landbau: "Yuki (
)"-Landbau
Die Definition von organischer Landwirtschaft ist in Südkorea nicht einheitlich und wird von den unterschiedlichen Vertretern des organischen Landbaus unterschiedlich ausgelegt:
- Vertreter des Anbauverbands
Im Tagungsband des Symposiums zum Thema "Umweltschutz und landwirtschaftliche Entwicklung" definiert J.Y. Chung von KVOL (Koreanischer Verband für organischen Landbau) den organischen Landbau wie folgt:
"Der organische Landbau ist eine lebensfördernde Landwirtschaft. ...... im Boden leben zahlreiche Mikroorganismen und Insekten. Um ein optimales Pflanzenwachstum und natürliche Erträge zu ermöglichen, sind ihre biologische Aktivität und natürliche Lebensprozesse zu fördern. Hierfür ist der Kompost, der aus tierischen Ausscheidungen, Stroh und Gräsern hergestellt ist, auf dem Feld auszubringen. ...... der organische Landbau zielt auf die Produktion gesundheitlich unbedenklicher Nahrungsmittel und auf die Minimierung der Umweltbelastung durch den Missbrauch von Agrarchemikalien, wie Pestiziden und synthetischen Düngern (Chung 1992)5." Nach den Angaben vom Verband "Hansalim" lautet die Definition zum organischen Landbau wie folgt:
"Der organische Landbau ist ein wiederbelebendes Bewirtschaftungssystem, wobei der natürliche Kreislauf des Ökosystems, Symbiose und Kräfte der Selbstregulation in der Landwirtschaft zu schonen sind. Er beinhaltet den termingerechten Anbau, die Wahl der dem Standort angepassten Kulturarten, die Anwendung des reifen Kompost und die Vielfältigkeit in der Fruchtfolge. Diese Methode wurde von den der Natur zugrundgelegten Prinzipien gelernt. So ist die Durchführung des organischen Landbaus ein Respekt vor der Natur (Hansalim 2001)6."
In den Definitionen wird der organische Landbau als System der landwirtschaftlichen Produktion verstanden, das ohne Anwendung von Agrarchemikalien durchgeführt wird und stattdessen viel mehr organische Düngemittel anwendet, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Der Begriff "Organischer" Landbau wird demnach in engem Zusammenhang mit Kompostwirtschaft verwendet.
Die unklare Definition findet sich auch bei den Verbrauchern. Y.H. Kim (1999b) hat eine umfassende Untersuchung zur Meinung der Verbraucher über organische Produkte durchgeführt. Aus der Untersuchung ergab sich, dass ein Teil der befragten Verbraucher (26,4 %) die Produkte aus organischem Landbau als "ohne Pflanzenschutzmittel hergestellte Agrarerzeugnisse" versteht. Weiterhin haben 21,5 % der Befragten die organischen Produkte bloß als "nicht verseuchte Nahrungsmittel" bezeichnet. Diese vagen Definitionen der Verbraucher sind Ausdruck der Tatsache, dass in Südkorea die "organischen" Agrarprodukte noch wenig bekannt sind.
- Staatliche Vertreter
Bis 1991 gab es in Südkorea keinen vom Staat festgelegten Begriff und Definition zum organischen Landbau. Mit der Entwicklung der Produktion und Vermarktung der organischen Agrarerzeugnisse war ein einheitlicher Begriff und Definition erforderlich. Das südkoreanische Agrarministerium gab hierfür am 20. August 1992 in der zweiten Ratssitzung des Komitees für Planung und Entwicklung des organischen Landbaus die Definition zum organischen Landbau heraus. Die erste offizielle Definition ist wie folgt:
"Die organische Landwirtschaft ist ein System der landwirtschaftlichen Produktion, wobei ohne den Einsatz von chemischer Düngemittel, chemisch-synthetischer Pflanzenschutz- und Unkrautbekämpfungsmittel, Wachstumsregulatoren sowie Zusatzstoffen für Futtermittel allein natürliche Stoffe bzw. Materialien wie organische Substanzen, natürliches Steinmehl und Mikroorganismen verwendet werden (Choi 1997)7."
Dabei wurde ebenfalls der Begriff "Yuki(organischer)-Landbau" verwendet. Die Definition orientierte sich an der Konzeption von "organic farming" des US-amerikanischen Agrarministeriums in Rahmen von "Report und Recommendations on Organic Farming (1980)" und "the 1985 Farm Bill (Food S
curity Act of 1985)" (vgl. Abschnitt 2.1.2).
Natürlicher Landbau: "Sayeon (
)"-Landbau Nach den Angaben des koreanischen Verbandes für natürlichen Landbau (KNFA; Korean Natural Farming Association) ist die natürliche Landwirtschaft:
"ein Anbausystem, das durch die Minimierung vom Einsatz der zugekauften Dünger und Pflanzenschutzmittel sowie Futtermittel die Produktionskosten reduziert. D.h. die Kompostierung der tierischen Ausscheidungen durch Gärung mit Sägemehl trägt zur Reduzierung von Einsatzkosten organischer Zukaufsdünger sowie von zusätzlichen Kosten zur Entsorgung der Abfälle aus der Tierhaltung bei. Weiterhin ist die Nutzung der einheimischen Mikroorganismen die wichtigste Maßnahme zur Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und zur Förderung des kräftigen Wachstums der Pflanzen. Hierbei ist die Anwendung der zusätzlichen Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu verzichten (Kim 1994).8"
Diese Definition und Theorie des natürlichen Landbaus von KNFA basieren auf den "Shizen (natürlichen)"-Landbau von M.Okada (vgl. Abschnitt 2.1.3). Der Leitgedanke der natürlichen Wirtschaftsweise von Okada und KNFA ist die Stoffkreislaufwirtschaft in der Natur. Dieser Gedanke resultiert aus den Grundideen, dass alle für die Bewirtschaftung nötige Materialien in der Umgebung/Natur vorhanden sind und dass das Feld nicht von Menschen, sondern aus den Naturprozessen selbst bewirtschaftet wird (Cho 1994).
Im Vergleich zu dem japanischen "Shizen"-Landbau von Okada wird im koreanischen "Sayeon"-Landbau der Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung zugelassen. Außerdem werden bestimmte Materialien aus der Natur, sogenannte Basis- und Zusatzmaterialien (Siehe S. 28), als Betriebsmittel wie Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt.
Umweltfreundlicher (bzw. umweltgerechter) Landbau: " Chin-Whan-Kyong (
Die südkoreanische Regierung definiert im Rahmen der "Agrarumweltpolitik für das 21ste Jahrhundert (1996)" einen umweltgerechten
Landbau, der den organischen und natürlichen Landbau einschließt. Er wird wie folgt definiert:
"Der umweltgerechte Landbau ist ein landwirtschaftliches System, das landwirtschaftliche Produktion in der Harmonie mit der Natur nachhaltig ermöglicht. Er zielt gleichzeitig auf ökonomische Sicherung, Umweltschutz und Produktion gesunder Nahrungsmittel (MAF 1996)9."
Es ist dabei bemerkenswert, dass nicht mehr der Begriff "Organischer (Yuki)"-Landbau verwendet wird, sondern "Umweltgerechter". Dieser Begriff und seine Definition beziehen sich vorüberwiegend auf die Konzeption der nachhaltigen Agrarkultur (LISA) von "the 1990 Farm Bill (The Food, Agriculture, Conservation, and Trade Act Amendments of 1990)" (vgl. Abschnitt. 2.1.2). Ziel von LISA ist es, chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel unter Kontrolle einzusetzen, und damit nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit der Landwirtschaft, sondern auch die ökonomische Rentabilität zu sichern. Der umweltgerechte Landbau ist daher als Oberbegriff aller Landbauformen, die umweltschonender arbeiten als das konventionelle Bewirtschaftungssystem, zu betrachten.
1997 wurde von der südkoreanischen Regierung "ein Gesetz für die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft" verabschiedet, das am 26. Januar 2001 revidiert wurde (MAF 1997; 2001b). Dabei veränderte sich der Begriff "umweltgerechter" Landbau in "Chin-Whan-Kyong (umweltfreundlichen)"-Landbau. Im Zertifizierungssystem des Kontrollamts für Agrarprodukte (NAQS; National Agricultural Products Quality Management Service) werden die Agrarprodukte aus diesem Chin-Whan-Kyong-Landbau wie folgt definiert:
"Umweltfreundliche Agrarprodukte sind die Erzeugnisse, die ohne chemische Betriebsmittel, z.B. chemische Dünger, Pestizide und Pharmazeutika oder mit zugelassener Minimummenge produziert werden, um die Umwelt zu schützen und um die Verbraucher mit gesundheitlich unbedenklichen und hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen (NAQS 2001b)10."
Tab. 2.2.1: Die Definition der umweltfreundlichen Landwirtschaft in Südkorea und die Internationalen Definitionen von IFOAM und FAO
Basisrichtlinien
von IFOAM1)
"Ökologischer Landbau umfasst alle landwirtschaftlichen Systeme, die Lebensmittel und Fasern umwelt-, sozial und wirtschaftlich verträglich erzeugen. Als Schlüssel für die erfolgreiche Produktion gilt die lokale Bodenfruchtbarkeit. Ökologischer Landbau respektiert die natürliche Ertragsfähigkeit von Pflanzen, Tieren und Landschaften. Er zielt darauf hin, die Qualität von Landwirtschaft und Umwelt in allen Bereichen zu verbessern. Im ökologischen Landbau ist die Anwendung von externen Betriebsmitteln stark reduziert, es werden keine chemisch-synthetischen Düngemittel, Pestizide und Arzneimittel angewendet. Vielmehr werden die Gesetze der Natur genutzt, um die Erträge zu erhöhen und die Widerstandskraft gegen Krankheiten zu stärken. Ökologischer Landbau wird nach weltweit akzeptierten Prinzipien praktiziert, die innerhalb lokaler sozio-ökonomischer, geoklimatischer und kultureller Gegebenheiten umgesetzt werden." Codex
Alimentarius2)
"Organic agriculture is holistic production management systems which promotes and enhances agroecosystem health, including biodiversity, biological cycles, and soil biological activity... Organic production systems are based on specific and precise standards of production which aim at achieving optimal agro-ecosystems which are socially, ecologically and economically sustainable. Terms such as "biological" and "ecological" are also used in an effort to describe the organic system more clearly. Requirements for organically produced foods differ from those for other agricultural products in that production procedures are an intrinsic part of the identification and labelling of, and claim for, such products."
Gesetz für
die Förderung der umweltfreundlichen
"Die umweltfreundliche Landwirtschaft ist ein System der landwirtschaftlichen Produktion, das sowohl gesunde Nahrungsmittel produziert, als auch unsere kulturelle und natürliche Landschaft erhält. Die Nachhaltigkeit findet sich in der Methode der Einhaltung der empfohlenen Anwendungshinweise von Pflanzenschutzmitteln, der Anwendungsmenge der Düngemittel sowie der Nutzung der geeigneten Zusatzstoffe für Futtermittel.11
Quelle: 1) IFOAM 2000, 2) FAO 1999, 3) MAF 2001b
Zur Verdeutlichung wird in Tab. 2.2.1 die Definition der gegenwärtig in Südkorea offiziell verwendete Begriff zum ökologischen Landbau, d.h. "Umweltfreundlicher Landbau (Chin-Whan-Kyong Nongup)", mit den international gültigen Definitionen gegenübergestellt.
2.2.2 Anbaurichtungen des umweltfreundlichen Landbaus
Der umweltfreundliche Landbau wird in Südkorea in vier folgenden Anbaurichtungen klassifiziert:
Yuki (
): Anbau ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel (mindestens 3 Jahre)
Jeonwhangi (
): Anbau ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel (mindestens 1 Jahr)
Mu-Nongyak (
): Anbau ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, aber mit wenigen chemischen Düngemitteln (max. 50 Prozent der Standardanwendungsmenge)
Jeo-Nongyak (
): Anbau mit wenigen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (max. 50 Prozent der Standardanwendungsmenge)
Diese Klassifizierung bezieht sich auf "das Zertifizierungssystem der Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft" des südkoreanischen Kontrollamts für die Qualität der Agrarprodukte (NAQS) (vgl. Abschnitt 2.5.3). Das Zertifizierungssystem besteht aber erst seit dem Juli 2001, deshalb waren während der Untersuchung der vorliegenden Arbeit statistische Daten bezüglich dieser Klassifizierung kaum verfügbar. Aus diesem Grund werden in folgenden Abschnitten im Rahmen "des Zertifizierungssystems der Qualität von Agrarprodukten", das bis zum Juni 2001 zur Kontrolle der Agrarprodukte aus dem umweltfreundlichen Landbau durchgeführt wurde (vgl. Abschnitt 2.5.1), allein die drei Anbaurichtungen beachtet: "Yuki", "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak".
In beiden Kontrollsystemen erfolgt die Zertifizierung neben der Zulassung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und leichtlöslichen Düngemitteln in der Produktion, nach dem Grad des Schutzes von Boden und Wasser sowie nach dem Anteil an Rückständen der Pflanzenschutzmittel in den Agrarprodukten (vgl. Tab. 2.5.1)
Die graduelle Abstufung beim Einsatz von Agrochemikalien zur Produktion soll den konventionell wirtschaftenden Bauern die Umstellung erleichtern. Betrachtet man diese verschiedenen Anbaurichtungen im Vergleich zur IFOAM-Definition des ökologischen Landbaus, so entspricht nur die Anbaurichtung "Yuki" den international verbindlichen Standards. In der Praxis sind diese theoretisch gut erklärbaren Prämissen eher verwirrend und schwer einführbar.
Schon bei der Entstehung des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea schlossen sich gleichgesinnte Landwirte zu Verbänden zusammen. Ziel der Gruppierungen waren vor allem der Austausch von Informationen und Erfahrungen sowie die gemeinsame Vermarktung zur Sicherung des Absatzes. Mit dem gestiegenen Interesse an Umweltschutz und gesunden Nahrungsmitteln beteiligen sich derzeit weitere Organisationen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen am umweltfreundlichen Landbau. 1994 schlossen sich die Verbände und Organisationen in "dem Bund der Organisationen für umweltfreundlichen Landbau (
)" zusammen. Dem Bund gehören gegenwärtig 27 Organisationen an (MAF 2002): "Bürger-LK ()", "Forschungsgesellschaft für umweltschonend-natürlichen Landbau ()", "Gossam-Agrarkooperativgenossenschaft ()", "Hanbat-Salim-LK ()", "Hansalim ()", "Hojeo-LK ()", "Institut für Forschung der koreanischen landwirtschaftlichen Gesellschaft ()", "Institut Heuksalim ()", "Kangwhado Bauernunion für umweltfreundlichen Landbau ()", "Koreanischer akademisch-industrieller Forschungsverein für nachhaltige Landwirtschaft ()", "Koreanischer buddhistischer Verein Sun-Nong ()", "Koreanische katholische Bauernunion ()", "Koreanischer Verband für Kompost-Landwirtschaft ()", "Koreanischer Verband für natürlichen Landbau ()", "Koreanischer Verband für organischen Landbau ()", "Praxis für Yamagishism ()", "Pulmu-LK ()", "Union für Bukhankang-Organischer Landbau-Bewegung ()", "Verband Jeongnong ()", "Vereinigung der Verbraucher-Lebenskooperativgenossenschaften (LK) ()", "Wonju-Hansalim-LK ()", "Yaejang-LK ()", "Zentrale für Einheimischer Weizen-Bewegung ()", "Zentrale für Paldang-Organischer Landbau-Bewegung ()", "Zentrale für Refarm-Bewegung ()", "21ste Jahrhundert-Agrargenossenschaft (21 )", "21ste Jahrhundert-Bund der Lebens-Kooperativgenossenschaften (21 )" (MAF 1999). ↓82
Der Bund der Organisationen für umweltfreundlichen Landbau vertritt die gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit und Behörden,
gibt durch sein Bulletin »Hwankyong-Nongup12« den Mitgliedern aktuelle Informationen zum umweltfreundlichen Landbaus und
unterstützt die Zusammenarbeit zwischen Mitgliedern (Yu 1998; MAF 1999).
Die oben genannten Organisationen unterscheiden sich nach dem Schwerpunkt ihrer Aktivitäten allgemein in "Erzeugerverbände" und "Organisationen für Vermarktung". In diesem Abschnitt werden die bedeutendsten vorgestellt. 2.3.1 Erzeugerverbände
Zu den Erzeugerverbänden der umweltfreundlichen Landwirtschaft in Südkorea werden "Kangwhado Bauernunion für umweltfreundlichen Landbau", "Koreanischer Verband für natürlichen Landbau", "Koreanischer Verband für organischen Landbau", "Verband Kwangrok", "Praxis für Yamagishism", "Union für Bukhankang-Organischer Landbau-Bewegung", "Verband Jeongnong", "Zentrale für Paldang-Organischer Landbau-Bewegung", "Zentrale für Refarm-Bewegung", "21ste Jahrhundert-Agrargenossenschaft" etc. zugeordnet (Jeong et al. 1998; MAF 2002). Ihr Gruppierungszweck ist, die Erfahrungen und Kenntnisse der Bauern zu bündeln und weiter zu entwickeln. Daraus ergeben sich die Möglichkeiten, die die Grenzen einzelbetrieblicher Bewirtschaftung überschreiten. Der Verband Jeongnong und der koreanische Verband für organischen Landbau arbeiten hierfür besonders aktiv.
Verband Jeongnong ↓84
Der Verband Jeongnong wurde 1976 in Buchon als eine Initiative von Bauern gegründet (vgl. Abschnitt 2.1.4). Er hat derzeit sieben regionale Arbeitsgemeinschaften auf der ganzen Landesebene und dabei etwa 600 Mitgliedsbetriebe (Hankook-Ilbo 2003). Im Verband Jeongnong stehen im Mittelpunkt der Erfahrungsaustausch zwischen den umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben und die Diskussion über aktuelle Probleme im umweltfreundlichen Anbau.
So organisiert der Jeongnong zahlreiche Seminare der Mitglieder und regelmäßige interne Treffen. Weiterhin werden jährlich einmal sein Bulletin »Jeongnong Hoebo
13« und zweimonatlich Informationsblätter »Jeongnong Sosikj
i« herausgegeben (Jeongnong 1995).
Um die Vermarktung der Mitgliedsbetriebe zu fördern, hat der Verband Jeongnong 1987 die "Jeongnong Vermarktungszentrale" eingerichtet (Jeongnong 2004a). Seit 1990 arbeitet sie mit der Verbraucherorganisation "Bürger Allianz für ökonomische Gerechtigkeit" zusammen.
Der Verband Jeongnong bemüht sich außerdem seit 1995 um die Verbreitung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise von R. Steiner. Hierfür gibt er jährlich »Kalender für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise« heraus. 1999 nahm der Jeongnong an der internationalen biologisch-dynamischen Forschertagung in der Schweiz teil. Im Jahre 2000 wurde das Buch »Saengmyong Yeokdong Nongup Jungpokjae Ipmun
15« verlegt (Jeongnong 2004b).
Koreanischer Verband für organischen Landbau ↓86
"Die koreanische Forschungsgemeinschaft für organischen und natürlichen Landbau" wurde 1978 in Seoul gegründet, nennt sich seit 1993 "Koreanischer Verband für OrganischenLandbau (KVOL)" (Choi 1988). Der KVOL hat sich inzwischen im ganzen Land entwickelt. Er ist der größte Erzeugerverband des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea, d.h. 257 regionale Arbeitsgemeinschaften und etwa 29.100 Mitglieder (Einzelpersonen) (KVOL 2004a).
Gründungsziel von KVOL sind der Umweltschutz und die Produktion gesunder Nahrungsmittel. Hierbei arbeitet der koreanische Verband für organischen Landbau schwerpunktmäßig an der Beratung und Ausbildung. Seit 1980 führt er zahlreiche Informations- und Bildungsseminare durch. Die meisten werden offen gestaltet, so dass auch Nichtmitglieder an den Veranstaltungen teilnehmen. Bis zum Jahr 2000 haben daran insgesamt ca. 22.600 Personen teilgenommen (KVOL 2004b).
Der KVOL gibt monatlich sein Bulletin »Gungang Gua Sayon Nongup16« heraus. 1987 wurde die Vermarktungsstelle "Yuki-Agrarprodukte" gegründet. Sie übernimmt die Vermarktung der Mitglieder (Seo et al. 1992). Seit 1982 arbeitet der koreanische Verband für organischen Landbau im internationalen Netzwerk der Organisation des ökologischen Landbau (International Federation of Organic Agriculture Movements) mit (IFOAM 2004).
2.3.2 Organisationen für Vermarktung der umweltfreundlichen Agrarprodukte
Da in Südkorea der Markt für die Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau noch nicht strukturiert ist, hat die Direktvermarktung eine große Bedeutung. In der Anfangsphase des umweltfreundlichen Landbaus (70er Jahre) erfolgte die Vermarktung überwiegend durch Bauernbetriebe selbst. Ein großer Teil dieser Direktvermarktung wird seit den 80er Jahren durch verschiedene Organisationen übernommen. Die Organisationen sind hauptsächlich in zwei Gruppen, nämlich Verbraucherorganisationen und Vermarktungsfirmen, einzuteilen.
Mit dem Ziel, gesunde Nahrungsmittel zu verbreiten, wurde 1977 in Seoul die Verbraucherorganisation "Forschungsgemeinschaft für Pflege der Volksgesundheit (FPVG; )" gegründet (Choi 1988). Sie ist die erste Verbraucherorganisation für umweltfreundlichen Landbau in Südkorea. Nach der Gruppierung "FPVG" gründeten Verbraucher weitere Organisationen, die die Vermarktung der umweltfreundlichen Agrarprodukte übernehmen: "Hansalim (, 1986)", "Landleben von Achinae (, 1981)", "Vereinigung der Verbraucher-Lebenskooperativgenossenschaften (LK) (, 1983)", "VK von Frauenverband Minwoo (, 1989)", "VK von Kreditgenossenschaft Hanwoori (, 1992)", "Zentrale für LK (, 1987)" etc. (Kwon 1997; Jeong et al. 1998; Yu 1998; MAF 2002). ↓88
Neben den Organisationen beteiligen sich zahlreiche Verbraucherorganisationen, die schon seit langem für verschiedene Sozialbewegungen (z.B. Frauen-, Erziehungs-, Umweltbewegung) bestehen, an der Direktvermarktung der Agrarprodukte aus dem umweltfreundlichen Landbau: "Institut für Lebensfragen ()", "Koreanischer Bund für Verbraucher ()", "Koreanischer Frauenverband ()", "Koreanisches Haus für Verbraucherschutz ()", "Koreanische Verbraucher-Kooperativgenossenschaft ()", "Sekretariat für Lebenskooperativ-Bewegung von YMCA Seoul (YMCA )", "Verbandunion für Verbraucherschutz ()", "Verbraucher-Bürger-Allianz ()", "Vereinigung der Verbraucher-Kooperativgenossenschaften ()", "Zentrale für Verbraucherbewegung ()" etc. (Seo et al. 1992). Die Aufgabe dieser Organisationen ist vorrangig auf die Verbraucheraufklärung ausgerichtet. Mit der Zunahme des Marktvolumens der umweltfreundlichen Produkte sind neben den Verbraucherorganisationen die fachlichen Vermarktungsorganisationen erforderlich. Hierfür entstanden die Vermarktungsfirmen, wie "Orga Whole Foods AG ()", "Nulpurun ()", "Nokmichon ()" etc. (Park H.T. et al. 1999). Sie kaufen die umweltfreundlichen Agrarerzeugnisse direkt vom Betrieb an, und liefern dann entweder an Verkaufsstellen (z.B. große Supermärkte und Kaufhäuser) oder verkaufen selbst in eigenen Fachgeschäften. Dadurch ergeben sich bei der Vermarktung über solche Firmen mehr Vermarktungskosten als über die Verbraucherorganisationen. Aufgrund der positiven Entwicklung des umweltfreundlichen Landbaus ist jedoch anzunehmen, dass solche Vermarktungsfirmen in Südkorea weiter zunehmen werden.
Hansalim ↓89
J.I. Park hat 1986 in Seoul das Geschäft "Hansalim Nongsan (Hansalim Agrarprodukte)" eröffnet und die Direktvermarktung der Agrarprodukte (Reis und Gemüse) aus dem umweltfreundlichen Landbau versucht (Hansalim 2004a).
"Han (= Eins) + Salim (= Wiederbelebung)" bedeutet eine gemeinsame Wiederbelebung. D.h., das "Hansalim Nongsan" hatte zum Ziel, den Verbrauchern gesunde Nahrungsmittel zu verkaufen und den Bauern wirtschaftlichen Erfolg zu sichern. Dabei wurde die Direktvermarktung als wichtigstes Mittel, dieses Ziel verwirklichen zu können, betrachtet.
Das "Hansalim Nongsan" hat sich inzwischen auf der ganzen Landesebene entwickelt und wurde 1994 als Verbraucherorganisation "Hansalim", die dem südkoreanischen Agrarministerium untergeordnet ist, autorisiert (Hansalim 2004a). Die "Hansalim" ist derzeit die größte Verbraucherorganisation des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea. Sie hat mehr als 30.000 Mitglieder und übernimmt die Direktvermarktung von verschiedenen umweltfreundlichen Produkten (etwa 350 Artikeln). Durch den alle zwei Wochen erscheinenden Infobrief »Hansalim« werden den Verbrauchern aktuelle Informationen über diese Produkte mitgeteilt (Hansalim 2004b).
Außerdem führt die Hansalim neben der Direktvermarktung andere Sozialbewegungen, z.B. "Umweltschutz-Bewegung" und "Gemeinsames Leben von Stadt und Dorf-Bewegung" durch. "Recyclingprogramm von Haushaltsabfällen der Mitglieder" und verschiedene Veranstaltungen, wie Hofbesichtigung und Mai-Fest ("Dan-O-Chuk-Jae"), sind Beispiele hierfür (Hansalim 2004c).
Orga Whole Foods AG
Die "Orga Whole Foods AG" ist eine Tochterfirma der "Pulmuone AG". Die Pulmuone AG wurde von der "Lebensgemeinde Pulmuone", die 1978 in Kyonggi/Yangju von K.S. Won aufgebaut wurde, eingerichtet. "Gemeinsame Arbeit", "Gemeinsames Eigentum" und "Gemeinsames Essen" waren Gründungsziel der Lebensgemeinde (Choi 1988).
Die Gemeindemitglieder haben, basierend auf dem kirchlichen Glauben, ihre Höfe umweltfreundlich bewirtschaftet. Seit 1981 versuchten sie ihre Produkte über ihr gemeinsames eigenes Laden "Pulmuone Mugonghae Nongsanmul Jikpanjang
17" in Seoul direkt an den Endverbrauchern zu verkaufen (Hankook-Ilbo 2003a).
1984 wurde die Gemeinde Pulmuone als "Pulmuone Aktionsgesellschaft" eingetragen. Inzwischen hat sie ihre Aktivität in verschiedenen Bereichen entfaltet. Um die Technik des umweltfreundlichen Landbaus zu entwickeln, hat 1988 die Pulmuone AG ein Forschungsinstitut gegründet. Außerdem erfolgt seit 1993 Zusammenarbeit mit ausländischen Firmen (USA, Japan, China) (Pulmuone 2004).
Neben den frischen Agrarprodukten aus dem umweltfreundlichen Landbau werden derzeit von der Pulmuone AG zahlreiche Nahrungsmittel sowie Gesundheitsfördermittel, Kosmetik, Trinkwasser usw. hergestellt. Mit zunehmenden Arten und Mengen der Produkte entstand die Direktverkaufstelle "Pulmuone Mugonghae Nongsanmul Jikpanjang" 1987 als spezielle Vermarktungsfirma für umweltfreundlichen Landbau "Natural House Sayeon Gungang AG". Sie nennt sich seit 2004 "Orga Whole Foods AG". Die Vermarktungsfirma übernimmt sowohl den Verkauf der Produkte von Pulmuone AG als auch die Vermarktung der umweltfreundlichen Agrarprodukte von anderen Betrieben. Dadurch werden etwa 1.800 umweltfreundliche Produktartikeln vermarktet (Munhwa-Ilbo 2003). 2.3.3 Weitere Organisationen
Neben den Erzeugerverbänden und Verbraucherorganisationen sowie Vermarktungsfirmen sind folgende weitere Organisationen im umweltfreundlichen Landbau engagiert:
Umweltschutzvereine und Naturschutzverbände: "Forschungsring für Umweltschäden ()", "Freiwillige Dienstgesellschaft für Naturschutz ()", "Freunde der Natur ()", "Koreanischer Verein für Giftkontrolle ()", "Koreanischer Verein für Naturschutz ()", "Naturschutz-Bürgerallianz ()", "Umwelt-Kameradengesellschaft ()", "Umweltschäden Verbannung Bewegungsunion ()", "Umweltschutz Rat ()", "Verein für Umweltschonung ()", "Zentralrat für Naturschutz ()" etc. (Seo et al. 1992)
Religiöse Organisationen: "Koreanischer buddhistischer Verein Sun-Nong ()", "Koreanische evangelische Bauernunion Jeon-Nong ()", "Koreanische katholische Bauernunion ()", "Zentrale für Einheimischer Weizen-Bewegung ()" etc. (Kwon 1997; MAF 2002)
Wissenschaftliche Institute:"Forschungsgesellschaft für umweltschonend-natürlichen Landbau ()", "Institut Du-Rae für umweltfreundlichen Landbau ()", "Institut Heuksalim ()", "Koreanischer akademisch-industrieller Forschungsverein für nachhaltige Landwirtschaft ()", "Koreanischer Verband für Kompost-Landwirtschaft ()", "Koreanischer Verein für Agrarchemie ()" etc. (MAF 2002)
Diese Initiativen und Institutionen unterstützen die Erzeugerverbände und Verbraucherorganisationen in der Produktion und Vermarktung der umweltfreundlichen Agrarprodukte. Außerdem führen sie wissenschaftliche Arbeiten zur umweltfreundlichen Agrarkultur durch. Durch den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt wurde in den letzten Jahren die Entwicklung des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea beschleunigt. Dabei hat beispielsweise das Institut "Heuksalim" eine zentrale Rolle gespielt. Institut Heuksalim ↓96
Durch die Initiative von Landwirten und Wissenschaftlern wurde 1991 in Goesan "die Goesan Mikroorganismen Forschungs-gesellschaft" gegründet (Heuksalim 2004a). Sie wurde am 10. Juni 1993 als Institut "Heuksalim" aufgebaut.
Das Heuksalim ist ein privates Institut für Bodenuntersuchung. Sein Name bedeutet die Wiederbelebung des Bodens18. Ziel des Instituts ist die Förderung der standortgerechten Anbausysteme. Das Institut Heuksalim macht es sich hiermit zur Aufgabe, die Theorie und Praxis der umweltfreundlichen Agrarkultur zu erforschen und gewonnene Erkenntnisse zu verbreiten. So gibt das Heuksalim aktuelle Versuchs- und Forschungsergebnisse in der monatlich erscheinenden Zeitschrift »Heuksalim« sowie in zahlreichen Forschungsberichten heraus und führt regelmäßig Informationsseminaren durch (Heuksalim 2004b).
Außerdem ist das Institut Heuksalim die erste private Zertifikatinstitution, die vom staatlichen Kontrollamt für Agrarprodukte (NAQS) ernannt wurde. So übernimmt das Heuksalim seit dem Januar 2002 die Zertifizierung der umweltfreundlichen Agrarprodukte. Dabei wurden bis zum Mai 2002 insgesamt 385 Betriebe vom Heuksalim zertifiziert (Heuksalim 2004c).
Das Institut Heuksalim arbeitet weiterhin mit dem internationalen Dachverband des ökologischen Landbaus (IFOAM) zusammen (IFOAM 2004).
2.4.1 Umfang der Produktion
Entwicklungsstand des umweltfreundlichen Landbaus
Die aktuellsten Zahlen zum umweltfreundlichen Landbau insgesamt liegen von 1998 vor. Nach dem Bericht des südkoreanischen Kontrollamtes für Qualität der Agrarerzeugnisse (NAQS; National Agricultural Products Quality Management Service) wirtschafteten zu diesem Zeitpunkt 13.056 Agrarbetriebe auf einer Fläche von 10.718 ha umweltfreundlich (NAQS 1999). Dies entspricht einem Flächenanteil von 0,56 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Südkoreas sowie einem Anteil von 0,9 % der landwirtschaftlichen Betriebe.
Seit 1989 hat der umweltfreundliche Landbau in Südkorea eine erfreuliche Entwicklung genommen und ist in seinem Umfang kontinuierlich angestiegen (Abb. 2.4.1). Bezogen auf das Jahr 1989 erhöhte sich damit 1998 die Anzahl der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe um das 7-fache; die umweltfreundlich bewirtschafteten Fläche um das 17-fache. Ursachen für dieses dynamische Wachstum sind die steigende Nachfrage der Verbraucher nach gesunden Nahrungsmitteln (vgl. Abschnitt 2.6.1) und die Förderungspolitik (vgl. Abschnitt 2.7.1), die es seit 1991 gibt. Abb. 2.4.1: Entwicklung des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea
Umfang der Produktion nach Anbaurichtungen
Der umweltfreundliche Landbau unterscheidet sich nach verschiedenen Anbaurichtungen in Anbau "Yuki", "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak" (vgl. Abschnitt 2.2.2). Die Anbaurichtung "Jeo-Nongyak", d.h. Anbau mit wenigen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (PSM), verbreitet sich derzeit am meisten. 1998 wirtschafteten ca. 76,7 % der umweltfreundlichen Betriebe im Anbau "Jeo-Nongyak" (Abb. 2.4.2); ca. 80,5 % der umweltfreundlich genutzten Fläche wurden nach dieser Anbaurichtung bewirtschaftet (Abb. 2.4.3). Der Anbau mit wenigen PSM dehnte sich in den letzten drei Jahren (1996 - 1998) auf das 2,2-fache bei der Anzahl der Betriebe (10 013 Betriebe) und auf das 1,7-fache bei den Flächen (8 624 ha) aus (Tab. A1).
Demgegenüber betrug 1998 der Anteil der "Yuki"-Betriebe, die ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel wirtschaften, an den gesamten umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben nur 9,5 %, die Ausdehnung auch war marginal. Die Fläche sind von 1996 auf 1998 sogar zurückgegangen, damit lag 1998 der Anteil der nach der Anbaurichtung "Yuki" bewirtschafteten Fläche an den gesamten umweltfreundlich genutzten Landflächen bei 8,4 %.
Solche Tendenz findet sich auch bei der Anbaurichtung "Mu-Nongyak". D.h., die Anzahl der Betriebe im Anbau ohne Anwendung von chemisch-synthetischen PSM nahm in den letzten Jahren jährlich zu. Der Umfang des Anbaus "Mu-Nongyak" reduzierte sich 1997 jedoch auf 1.806 Betriebe (13,8 %) und 1.192 ha LF (11,1 %).
Diese Entwicklung des umweltfreundlichen Landbaus resultiert daraus, dass sich der umweltfreundliche (bzw. ökologische) Landbau in Südkorea noch in der Entwicklungsphase befindet. Die Bauern befürchten, dass bei sofortigem Verzicht auf externen Hilfsmitteln zu hohe Ertragseinbußen die Folge sind. Deshalb wollen die meisten Betriebe im Zeitraum der Umstellung vom konventionellen zum "Yuki (ökologischen)"-Anbau die Anwendungsmenge an chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln allmählich reduzieren.
Abb. 2.4.2: Entwicklung der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe nach Anbaurichtungen (vgl. Tab. A1)
Abb. 2.4.3: Entwicklung der umweltfreundlich bewirtschafteten Fläche in Hektar nach Anbaurichtungen (vgl. Tab. A1)
2.4.2 Bodennutzung und Tierhaltung
Die meisten konventionellen Agrarerzeugnisse werden im umweltfreundlichen Landbau produziert. Dabei unterscheiden sich jedoch die Anbaustrukturen der beiden Bewirtschaftungssysteme Bodennutzung und Tierhaltung.
Anbaustrukturen im umweltfreundlichen Bewirtschaftungssystem
Der Reisanbau ist eine typische Bodennutzungsart in der südkoreanischen Landwirtschaft. Er ist ebenfalls im umweltfreundlichen Landbau weit verbreitet. 1998 wurden ca. 3.377 ha LF für den umweltfreundlichen Reisanbau genutzt (vgl. Tab. A2). Das waren 32 % der gesamten umweltfreundlich bewirtschafteten Fläche (Abb. 2.4.4 links). Allerdings ist der Anteil geringer, als in der gesamten südkoreanischen Landwirtschaft, wo die Hälfte der LF für die Reisproduktion genutzt wurde (Abb. 2.4.4 rechts).
Im umweltfreundlichen Landbau nimmt der Gemüsebau eine herausragende Position ein. Er machte 1998 mit 36 % den höchsten Anteil an der gesamten umweltfreundlich genutzten Ackerfläche aus. Außerdem nahm die Menge von umweltfreundlich produzierten Gemüsen etwa 63 % der gesamten Produktionsmenge von Agrarerzeugnissen aus dem umweltfreundlichen Landbau ein (Abb. 2.4.5 links). Dabei wurden vergleichsweise mehr Blattgemüsearten (z.B. Kopfsalat, Sesamblätter, Gänseblümchen, Chinesischer Lauch etc.) angebaut, da im Allgemeinen der Anbau solcher Gemüsearten nicht so abhängig von chemischen Betriebshilfsmitteln ist wie Wurzel- und Fruchtgemüsearten. Obstanbau Neben dem Gemüsebau ist auch der Anteil des Obstanbaus in der umweltfreundlichen Bodennutzung im Vergleich zur Landwirtschaft insgesamt recht hoch. Der Anteil des Obstanbaus an den umweltfreundlich bewirtschafteten Flächen betrug 24 %, während er in der südkoreanischen Landwirtschaft insgesamt nur bei 8,3 % der Ackerflächen lag. Diese überdurchschnittliche Bedeutung des Gemüse- und Obstbaus im umweltfreundlichen Landbau ergibt sich vor allem daraus, dass in den letzten Jahren in Südkorea die Essgewohnheiten sich geändert haben und dass die Nachfrage speziell nach diesen Nahrungsmitteln gestiegen ist.
Abb. 2.4.4: Verhältnis von umweltfreundlich und konventionell bewirtschafteten Flächen in der Bodennutzung im Jahre 1998 (vgl. Tab. A2)
Abb. 2.4.5: Verhältnis der Produktionsmenge von Agrarerzeugnissen aus dem umweltfreundlichen Landbau und gesamten Landwirtschaft in der Bodennutzung im Jahre 1998 (vgl. Tab. A2)
Im Vergleich zur Pflanzenproduktion ist in Südkorea die Bedeutung der umweltfreundlichen Viehhaltung noch gering. D.h., nur eine sehr kleine Anzahl von Betrieben hält Vieh umweltfreundlich. Das dient in erster Linie der Bereitstellung von organischem Dünger oder der Selbstversorgung. Eine eigene Vermarktung der tierischen Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau erfolgte bislang kaum. Ursachen sind:
Es fehlen Schlachthöfe oder Schlachtbetriebe, die ausschließlich umweltfreundlich produziertes Schlachtvieh aufkaufen und verarbeiten. Die umweltfreundliche Schlachtviehproduktion muss damit häufig konventionell abgesetzt werden. Aus diesem Grund besteht für die Betriebe des umweltfreundlichen Landbaus bei der Vermarktung tierischer Produkte kein größerer Preisanreiz im Vergleich zur gesamten Landwirtschaft. Die Einhaltung der Vorschriften für die umweltfreundliche Tierhaltung ist beispielsweise auf Basis der eigenerzeugten Futtermittel kaum zu erreichen.
Die Verbraucher von Produkten aus dem umweltfreundlichen Landbau haben im Allgemeinen einen niedrigen Fleischkonsum. Dies dürfte einerseits auf die Überzeugung der Verbraucher zurückzuführen sein, vegetarische Ernährung sei gesünder. Andererseits dürften aber auch Kostengründe für den niedrigen Fleischkonsum entscheidend sein.
Anbaustrukturen nach den Anbaurichtungen
Die Anbaustruktur der umweltfreundlichen Landwirtschaft stellt zwischen den Anbaurichtungen, d.h. "Yuki", "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak" eine radikale Abweichung dar (Abb. 2.4.6 und Abb. 2.4.7). Wie im Abschnitt 2.4.1 dargestellt, verbreitet sich derzeit im umweltfreundlichen Landbau in Südkorea der Anbau "Jeo-Nongyak (= mit wenigen PSM)" am meisten. Diese Anbaurichtung ist für den Obstanbau von besonders großer Bedeutung. D.h., 1998 haben 2.217 Betriebe (ca. 90 %) im Anbau "Jeo-Nongyak" Obst produziert (Tab. A3), dabei wurden 2.413 ha LF (ca. 93 %) mit wenigen PSM bewirtschaftet. Dies ist zunächst damit eng verbunden, dass allgemein der Befalldruck von Krankheiten und Schädlingen im Obstanbau relativ hoch ist. Die zweite Erklärung liegt darin, dass der umweltfreundliche Landbau in Südkorea sich noch in der Entwicklungsphase befindet, so dass die für dieses Bewirtschaftungssystem alternative Anbautechnik sich noch nicht so weit entwickelt hat. Aus diesen Gründen ist im umweltfreundlichen Obstanbau der absolute Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel häufig schwer. Im Gegensatz dazu hat bei Sonderkulturen der Anbau "Yuki" und "Mu-Nongyak" vergleichsweise große Bedeutung. D.h., etwa 38 % (= 219 Betriebe) der gesamten Betriebe mit umweltfreundlichen Sonderkulturen haben ohne Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ihre Produkte produziert; 40 % (= 236 Betriebe) "ohne Einsatz von chemisch-synthetischen PSM". Dieser hohe Anteil ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Teil von umweltfreundlichen Sonderkulturen für die Arzneihilfsmittelproduktion ist, und damit chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel wesentlich wenig oder nicht eingesetzt werden. ↓105
Abb. 2.4.6: Umweltfreundlich bewirtschaftete Fläche nach Bodennutzungsarten und Anbaurichtungen im Jahre 1998 (vgl. Tab. A3)
Abb. 2.4.7: Anzahl der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe nach Bodennutzungsarten und Anbaurichtungen im Jahre 1998 (vgl. Tab. A3)
2.4.3 Regionale Verteilung der "umweltfreundlichen" Betriebe
Eine vollständige Statistik zur regionalen Verteilung der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe liegt bisher nicht vor. Um dennoch einen Überblick über die regionale Entwicklung des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea zu erhalten, wurden deshalb Daten vom südkoreanischen Kontrollamt für die Qualität der Agrarerzeugnisse (NAQS) zum Stand der Zertifizierung der "umweltfreundlichen" Betriebe genutzt. Nach den Angaben von NAQS (1998) liegt der Schwerpunkt des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea vorrangig in den Provinzen "Gyongki", "Gyongbuk", "Jeonnam" und "Gangwon" (Abb. 2.4.8). Der größte Teil (ca. 27 %) der umweltfreundlich anerkannten Betriebe in Südkorea liegt in der Provinz Gyongki
. Hier befindet sich in den Landkreisen Namyangju, Yangju, Yangpyong und Hanam eine auffällige Konzentration des Gemüsebaus - insbesondere Anbau von Kopfsalat, Gänseblümchen und Grünkohl. Dabei überwiegt die Anbaurichtung "Yuki" (Abb. 2.4.9 und Abb. 2.4.12). Die Entwicklung des umweltfreundlichen Landbaus in diesen Regionen ist vornehmlich auf die folgenden Tatsachen zurückzuführen: Die genannten Landkreise gehören zum "Wasserschutzgebiet des Paldang-Sees". Seit 1995 gibt es für die umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe in diesem Gebiet eine staatliche Förderung (vgl. Exkurs 5).
Die Landkreise liegen in der Nähe der Hauptstadt Seoul, in der 15 Millionen Einwohner wohnen und eine große Kaufkraft vorhanden ist. Die umweltfreundlichen Betriebe in diesem Gebiet haben somit bessere Absatzmöglichkeiten. ↓107
Neben dem "Yuki"-Gemüsebau verbreitet sich in Gyongki auch der Reisanbau in der Anbaurichtung "Mu-Nongyak". D.h. ein Drittel der Betriebe, die 1998 ohne Anwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln umweltfreundlich Reis produzierten, befindet sich in Yeoju (Abb. 2.4.13). Das größte Anbaugebiet für umweltfreundlich angebauten Reis in Südkorea entfällt allerdings auf den Landkreis Hongsung
in der Provinz Chungnam (Abb. 2.4.12).
Dort wurde 1996 die Arbeitsgemeinschaft für umweltfreundlichen Landbau gegründet. 1998 haben 30 Mitgliederbetriebe ca. 50 Tonnen "Yuki"-Reis erzeugt (NAQS 1998). Inzwischen hat sich in Hongsung das "Dorf für umweltfreundlichen Landbau - Mundang entwickelt. Im Jahr 2003 haben 473 Dorfmitgliedsbetriebe in 26 Arbeitsgruppen die Reisfelder auf ca. 600 ha ohne Anwendung von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet, und damit wurden ca. 4.000 Tonnen "Yuki"-Reis produziert (Nundang2004). Diese eindrucksvolle Entwicklung liegt vor allem an der aktiven Pionierarbeit des Gründers der Arbeitsgemeinschaft, H.R. Ju und der kooperativen Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedbetrieben. Der Gründer Ju führt seit 1979 in Hongsung als Mitglied des Verbands "Jeongnong" umweltfreundlichen Landbau durch. Seine langjährigen Erfahrungen mit dem umweltfreundlichen Bewirtschaftungssystem und seine dabei erhaltenen Kenntnissen haben den Nachbarbetrieben große Impulse gegeben.
Weiterhin liegen etwa 18 % der 1998 umweltfreundlich anerkannten Betriebe in der Provinz Gyongbuk
. Sie befinden sich vorwiegend in den Landkreisen Sangju, Yeongyang, Kimcheon, Sungju und Cheongsong. Dort konzentrieren sich besonders die Betriebe, die in der Anbaurichtung "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak" wirtschaften. D.h. etwa 44 % der umweltfreundlichen Betriebe in Kyongbuk wirtschafteten 1998 ohne Anwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln; etwa 47 % mit wenigen chemisch-synthetischen PSM. Dabei wurde hauptsächlich der Gemüse- und Obstanbau praktiziert. In Sangju werden zahlreiche Gemüsearten, z.B. asiatische Petersilie, Kopfsalat, Endivien, Chicorée, Grünkohl, Sojabohnensprossen, ohne Anwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln angebaut (Abb. 2.4.13). In Yeongyang wird durch den reduzierten Einsatz von PSM "Jeo-Nongyak"-Paprika produziert (Abb. 2.4.14). Weiterhin werden in Kimcheon, Sungju und Cheongsong "Jeo-Nongyak"-Obst, z.B. "Jeo-Nongyak"-Trauben und Äpfel erzeugt.
Die Provinz Jeonnam
ist die große Kornkammer Koreas und gehört ebenfalls im umweltfreundlichen Landbau zu den großen Reisanbaugebieten. Der umweltfreundliche Reisanbau wird dort in allen drei Anbaurichtungen praktiziert. Der Schwerpunkt in der Anbaurichtung ist jedoch regional unterschiedlich. Beispielsweise verbreitet sich in Bosung und Jangsung vornehmlich der "Yuki"-Reisanbau (Abb. 2.4.12), während in "Haenam" hauptsächlich der "Mu-Nongyak"-Reisanbau betrieben wird (Abb. 2.4.13). Im Vergleich dazu überwiegt in Yeosu der "Jeo-Nongyak"-Reisanbau (Abb. 2.4.14). Auf die Provinz Gangwon
entfallen etwa 12 % der gesamten umweltfreundlichen Betriebe in Südkorea. Die Gangwon liegt in den Hochgebirgsgebieten. Aufgrund standörtlicher Bedingungen werden dort vor allem verschiedene Hackfrüchte angebaut. Insbesondere werden in
Abb. 2.4.8: Regionale Verteilung der "umweltfreundlich" anerkannten Betriebe in Südkorea (Stand: 31.08.1998) (vgl. Tab. A4)
Abb. 2.4.9: Regionale Verteilung der "Yuki" anerkannten Betriebe in Südkorea (Stand: 31.08.1998) (vgl. Tab. A4)
Abb. 2.4.10: Regionale Verteilung der "Mu-Nongyak" anerkannten Betriebe in Südkorea (Stand: 31.08.1998) (vgl. Tab. A4)
Abb. 2.4.11: Regionale Verteilung der "Jeo-Nongyak" anerkannten Betriebe in Südkorea (Stand: 31.08.1998) (vgl. Tab. A4)
Abb. 2.4.12: Regionale Verteilung der "Yuki" anerkannten Betriebe nach den Produkten ↓110
Abb. 2.4.13: Regionale Verteilung der "Mu-Nongyak" anerkannten Betriebe nach den Produkten Abb. 2.4.14: Regionale Verteilung der "Jeo-Nongyak" anerkannten Betriebe nach den Produkten Hoengsung und Pyongchang "Mu-Nongyak"-Kartoffeln (Abb. 2.4.13) sowie in Kangrung "Jeo-Nongyak"-Kartoffeln in großen Mengen produziert (Abb. 2.4.14). 2.5 Kontrolle der Erzeugung von umweltfreundlichen Agrarprodukten
Um den Verbraucher vor Irreführung und Täuschung zu schützen, um den Handel transparenter zu machen und um damit Geschäftsabschlüsse zu erleichtern, muss eine wirksame Überwachung und Kontrolle der Erzeugung umweltfreundlicher Agrarprodukte durchgeführt werden. Vom Dezember 1993 bis Juni 2001 erfolgte in Südkorea diese Überwachung mit Hilfe eines dualistischen Kontrollsystems: dem "Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten" und dem "Anmeldungssystem zur Kennzeichnung von Agrarprodukten". Da aber diese Dualität des Systems häufig zur Verwirrung für die Verbraucher und zur doppelten Arbeitsbelastung für die Landwirte führte, wurden die beiden Systeme vereinheitlicht (Kim H. 1998). So wird seit dem 1. Juli 2001 die Kontrolle im Rahmen des "Zertifizierungssystems der Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft" durchgeführt.
2.5.1 Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten
Im Juli 1992 wurde in Südkorea ein Zertifizierungssystem zur Überprüfung der Qualität von Agrarprodukten auf der gesetzlichen Grundlage des "Gesetzes über die Förderung der Verarbeitungsindustrie von landwirtschaftlichen Agrarerzeugnissen und Produkten aus Aquakultur bzw. die Kontrolle der Qualität der Agrarprodukte" eingeführt. Das System beinhaltete die Zertifikation von a) Produktionsweisen, b) Produktionsgebiet, c) Produktionsjahr, d) Sortennamen, e) Gewicht der Produkte, f) Klassennorm und g) Inhaltsstoffen (NAQS 1996). Dabei wurden seit dem 1. Dezember 1993 die "umweltfreundlichen" Agrarerzeugnisse als Produkte aus der jeweiligen speziellen Produktionsweise zertifiziert. Zuständig für die Durchführung der Zertifizierung war NAQS (National Agricultural Products Quality Management Service). Die zertifizierten Produkte erhielten das Etikett "品 (Pum)19". Zertifizierungskategorien
Die Zertifizierung der Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau erfolgte entsprechend den Anbaurichtungen für umweltfreundliche Produktion: "Yuki", "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak" (vgl. Abschnitt 2.2.2). Damit wurden die umweltfreundlichen Agrarerzeugnisse nach den in Tab. 2.5.1 dargestellten Kriterien in den drei Kategorien klassifiziert. Die drei Tab. 2.5.1: Leitlinien für die Zertifizierung der Agrarprodukte aus dem umweltfreundlichen Landbau nach den Kategorien
Kategorie "Yuki"
Kategorie "Mu-Nongyak"
Kategorie "Jeo-Nongyak"
Keine Kontaminationsgefahr der Umgebung
Anbau ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel seit mindestens 3 Jahre
Verschmutzungssubstanzen im Boden unter der kritischen Norm für die "Bodenverschmutzung" (vgl. Tab. A5)
Gehalt an organischer Substanz des Bodens von mindestens 3% (ausschließlich des Reisanbaus)
Fluss bzw. See
Entsprechend der kritischen Norm für den "Schutz der Gesundheit von Menschen" (vgl. Tab. A6a und A6b)
Klasse I -II im Rahmen der Norm für den "Schutz der Lebensumgebung" (Klasse I-IV bei Reisanbau)
Bessere Wasserqualität als die von landwirtschaftlich genutztem Wasser im Rahmen von einem "Gesetz über Grundwasserschutz" (vgl. Tab. A7)
Keine Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel (Fungizide, Pestizide, Herbizide und Wachstumsregulatoren)
Keine Anwendung leicht löslicher chemischer Düngemittel
Keine Anwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (Fungizide, Pestizide, Herbizide und Wachstumsregulatoren)
Einhaltung der vorgeschriebenen Anwendungsmenge der Düngemittel
Mit mindestens 50 % weniger als der vorgeschriebenen Menge der chemisch-synthetischen PSM (ebenfalls keine Anwendung innerhalb 30 Tagen vor der ersten Ernte)
Produktkontrolle nach Ernte
Keine Bestrahlungsbehandlung bzw. keine Anwendung von zugelassenen toxischen Substanzen während der ganzen Produktionsprozesse (Anbau, Ernte, Verarbeitung, Lagerung, Verpackung und Vermarktung)
Kein Nachweis von Rückständen der Pflanzenschutzmittel im Produkt (bei unvermeidbaren Fällen z.B. bei Dispergierung: max. 10 % der zulässigen Menge von PSM im Agrarprodukt, die nach § 7.1 des "Gesetzes über Hygiene der Nahrungsmittel" vom Gesundheitsministerium genehmigt ist.)
Keine Bestrahlungsbehandlung bzw. keine Anwendung von zugelassenen toxischen Substanzen während der ganzen Produktionsprozesse
Zulässige Rückstandsmenge von PSM im Agrarprodukt von max. 50% der Norm, die nach § 7.1 des "Gesetzes über Hygiene der Nahrungsmittel" vom Gesundheitsministerium genehmigt ist.
Quelle: NAQS 1999a
Kategorien waren durch unterschiedliche Etikettierung an den agrarischen Erzeugnissen für den Verbraucher erkennbar (Abb. 2.5.1).
Abb. 2.5.1: Etiketten für zertifizierte Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau nach dem "Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten"
Der Antrag wurde von den Landwirten nach Kulturarten getrennt gestellt. Für die Antragstellung waren dem Kontrollamt für die Qualität der Agrarerzeugnisse (NAQS) folgende Unterlagen einschließlich Antragformular vorzulegen:
Anbau- und Vermarktungsplan
Einzelne Angaben über die Produktionsprozesse bei der Zertifizierung der Arbeitsgemeinde
Memorandum des Antragstellers
Empfehlungsbrief des Verbands für umweltfreundlichen Landbau
Weitere Informationen (z.B. Skizze von Feldern) (MAF 1998a).
Die Prüfung der Unterlagen und die anschließende Zertifizierung wurden von den Inspektoren von NAQS nach 10 Positionen gemäß dem Artikel 13 der "Verordnung über die Zertifizierung der Qualität von Agrarprodukten" durchgeführt. Diese Positionen sind:
Qualifikation des Produzenten
Bekanntheit des Produktionsgebietes
Popularität der Produkte bzw. des Betriebs
Standortbedingungen Anbautechnisches Niveau Ausstattung der Produktionsmittel bzw. -einrichtungen
Eignung zur eigenen Kontrolle der Qualität der Produkte
Interesse an der Qualitätskontrolle der Agrarprodukte
Ausstattung der Technik und Einrichtungen zur Kontrolle der Qualität der Agrarprodukte (NAQS 1993).
Jede Position wurde mit einer Note von 1 bis 4 bewertet. Ergaben sich aus der Prüfung: keine Position mit 4, nur zwei Positionen mit 3 und fünf Positionen mit 1, wurde der Antrag zugelassen (MAF 1998a).
Durch den regelmäßigen Besuch des Prüfers von NAQS wurden alle Prozessschritte im Anbau untersucht. Dabei wurde kontrolliert, ob der Boden sorgfältig bearbeitet, die zugelassenen Sorten angewendet sowie die empfohlenen Anwendungsmengen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln eingehalten wurden. Außerdem wurden die Untersuchungen bei den Ernte-, Verarbeitung- und Lagerungsprozessen, z.B. die Kontrolle der Vermischung mit Produkten aus konventionellem Landbau durchgeführt (NAQS 1999b). Neben der Produktionskontrolle erfolgten jährlich zweimal Marktuntersuchungen. Dazu gehören die Kontrolle von Rückständen der Pflanzenschutzmittel in den Agrarerzeugnissen und der Inhaltsstoffe der Produkte sowie die Überprüfung der Korrektheit der Kennzeichnung, wie Nachahmungen und Fälschungen (NAQS 1999b).
- Anzahl der anerkannten Betriebe
Seit der Einführung des Zertifizierungssystems nimmt in Südkorea die Anzahl der "umweltfreundlich" anerkannten Betriebe ständig zu (Abb. 2.5.2). In den letzten Jahren (1996-2000) hat sich die Anzahl der anerkannten Betriebe in der Kategorie "Yuki" um das 2,2-fache gesteigert; in der Kategorie "Mu-Nongyak" bzw. "Jeo-Nongyak" um das 4,4-fache und das 2,6-fache.
Im Jahre 2000 wurden 2.451 Betriebe umweltfreundlich anerkannt (Tab. 2.5.2). Dabei lag die Anzahl der "Yuki"-Betriebe allein bei 356 (14,5 %). Die meisten anerkannten Betriebe gehörten zu den Kategorien "Mu-Nongyak" (43,3 %) und "Jeo-Nongyak" (42,2 %).
Abb. 2.5.2: Entwicklung der Anzahl "umweltfreundlich" anerkannter Betriebe nach Zertifizierungskategorien
Tab. 2.5.2: Anzahl der "umweltfreundlich" anerkannten Betriebe nach Zertifizierungskategorien im Jahre 2000
Mu-Nongyak
Jeo-Nongyak
Quelle: NAQS 2001a
- Produktionsmenge von kontrollierten Agrarerzeugnissen
Die Menge an "umweltfreundlich" kontrollierten Produkten zeigt in allen Kategorien ein dynamisches Wachstum (Abb. 2.5.3). Im Vergleich zur Entwicklung der Betriebszahl hat sich im gleichen Zeitraum (1996-2000) die Produktionsmenge von kontrollierten Agrarerzeugnissen in der Kategorie "Jeo-Nongyak" im größten Maße entwickelt (= das 11,1-fache); um das 7,4-fache in der Kategorie "Mu-Nongyak" und um das 3,8-fache in der Kategorie "Yuki". Der Grund dafür ist, dass im Anbau "Jeo-Nongyak" vergleichsweise größere Flächen bewirtschaftet werden, während im Anbau "Yuki" und "Mu-Nongyak" aufgrund hohen Arbeitsaufwands beim Pflanzenschutz der Betriebszuwachs beschränkt ist.
Abb. 2.5.3: Entwicklung der Produktionsmenge "umweltfreundlich" kontrollierter Produkte nach Zertifizierungskategorien
- Kulturarten
Die Zertifizierung betrifft vor allem den Gemüsebau. Im Jahre 2000 wurden 13.581 Tonnen "Mu-Nongyak"-Gemüse unter Kontrolle produziert (Tab. 2.5.3). Weiterhin wurden 7.695 Tonnen Gemüse aus dem Anbau "Jeo-Nongyak" und 5.733 Tonnen aus dem "Yuki" zertifiziert. Hierbei wurden verschiedene Gemüsearten, wie Gurken, Melonen, Tomaten, Salat, Chinakohl etc. in allen Kategorien erzeugt. Demgegenüber umfasst der kontrollierte Getreideanbau nur den Reisanbau. Die Produktionsmenge von Reis aus kontrolliertem Anbau nimmt in den drei Kategorien jährlich zu. Auch die Produktion von umweltfreundlich kontrolliertem Obst wächst ständig. Sie erfolgt vor allem in der Kategorie "Jeo-Nongyak". Im Jahre 2000 hat sich die Produktionsmenge von Obst, das mit der reduzierten Anwendungsmenge von chemisch-synthetischer PSM angebaut wurde, mit 4.806 Tonnen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. ↓120
Die Zertifizierung von veredelten Produkten erfolgt erst seit 1999. Die gesamte Produktionsmenge wurde in der Kategorie "Yuki" hergestellt. Demgegenüber werden die meisten kontrollierten Sonderkulturen in der Kategorie "Mu-Nongyak" produziert. Die Produktionsmenge der als "Mu-Nongyak" zertifizierten Sonderkulturen hat sich im Jahre 2000 auffällig gesteigert. Sie betrug 2.167 Tonnen. Die meisten Sonderkulturen sind Pilzarten.
Tab. 2.5.3: Entwicklung der Produktionsmenge von "umweltfreundlich" kontrollierten Produkten nach Kulturarten und Zertifizierungskategorien (in Tonne)
Quelle: NAQS 2001aG: Getreide, O: Obst, Gm: Gemüse, S: Sonderkulturen, H: Hackfrüchte, V: Veredlungsprodukte
2.5.2 Anmeldungssystem zur Kennzeichnung von Agrarprodukten
Von März 1997 bis Juni 2001 mussten Betriebe, die ihre Produkte mit einen Vermerk über den umweltfreundlichen Anbau auf den Verkaufsetiketten kennzeichnen wollen, dies im Rahmen des "Anmeldungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten" an NAQS melden. Gesetzliche Grundlage dafür war das "Gesetzes über die Förderung der Verarbeitungsindustrie von landwirtschaftlichen Agrarerzeugnissen und Produkten aus Aquakultur bzw. die Kontrolle der Qualität der Agrarprodukte" (§ 13, 14, 15 und 18) (MAF 1993b). Das System wurde jedoch nicht obligatorisch durchgeführt.
Für die Kennzeichnung waren eigene grafische Gestaltungen erlaubt. Die schriftlichen Angaben wurden aber auf die gesetzlichen Bestimmungen beschränkt. D.h., die umweltfreundlich erzeugten Agrarprodukte wurden in vier Arten unterschieden. Sie trugen jeweils unterschiedliche Bezeichnungen (Tab. 2.5.4). Dabei wurden andere ähnliche Begriffe, wie "natürlich", "ungekünstelt", "unverschmutzt", "unbedenklich"etc. nicht zugelassen (Yangpyong 2000). Tab. 2.5.4: Arten von umweltfreundlichen Agrarprodukten und ihre Bezeichnungen im Anmeldungssystem zur Kennzeichnung von Agrarprodukten
Arten von umweltfreundlichen Agrarprodukten
Agrarprodukte aus dem Anbau "Yuki"
Yuki - Agrarprodukt
Yuki - ⃝⃝⃝1)
Agrarprodukte, die während der Umstellung
auf Anbau "Yuki" erzeugt wurden
Yuki - Agrarprodukt in Umstellungsphase
Yuki - ⃝⃝⃝1) in Umstellungsphase
Agrarprodukte aus dem Anbau "Mu-Nongyak"
Mu-Nongyak - Agrarprodukt
Mu-Nongyak - ⃝⃝⃝1)
Agrarprodukte aus dem Anbau "Jeo-Nongyak"
Jeo-Nongyak - Agrarprodukt
Jeo-Nongyak - ⃝⃝⃝1)
Quelle: Yangpyong 2000 1) ⃝⃝⃝: Name von Kulturarten, z.B. Yuki-Reis
Reichten Landwirte Anmeldeformulare bei der regionalen Kontrollbehörde NAQS ein, wurde zunächst überprüft, ob die angegebenen Produkte den Bestimmungen für die Kennzeichnung der umweltfreundlichen Produkte entsprechend (Tab. 2.5.5) produziert wurden. Wenn alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt wurden, erhielten die Landwirte die Berechtigung, ihre Produkte mit einer in Tab. 2.5.2.1 angegebenen Bezeichnungen zu verkaufen. Um die Einhaltung der Bestimmungen zu sichern, inspizierten die Kontrolleure von NAQS zweimal je Quartal die Produktionsprozesse (KISRS 1998). Außerdem wurden auf dem Markt unangemeldete Kontrollen der gekennzeichneten Produkte durchgeführt. Bei groben Verstößen gegen die Bestimmungen verloren die Landwirte die Berechtigung zur Kennzeichnung von "umweltfreundlichen" Agrarprodukten.
2.5.3 Zertifizierungssystem zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft
Seit dem 1. Juli 2001 wird in Südkorea im Rahmen des "Gesetzes über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft (1997)" das neue Zertifizierungssystem für die Produkte aus anerkanntem umweltfreundlichem Landbau durchgeführt. Hierfür wird das neue Prüfzeichen für umweltfreundliche Produkte verwendet. Ziel des neuen Systems ist, umweltfreundlich erzeugte Produkte eindeutig zu kennzeichnen, damit sie leicht und sicher zu erkennen sind und besser vermarktet werden können (MAF 2001a). Tab. 2.5.5: Gesetzliche Bestimmungen zur Kennzeichnung von umweltfreundlichen Agrarerzeugnissen
Arten von umweltfreundlichen Agrarerprodukten
Produktion auf dem Feld, das mindestens 3 Jahre ohne Anwendung von chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet wurde.
Keine Bestrahlungsbehandlung bzw. keine Anwendung der toxischen Substanzen während des gesamten Produktionsprozesses einschließlich Vermarktung
Einhaltung der zulässigen Rückstandsmenge von Pflanzenschutzmitteln im Produkt: max. 10 % der Norm, die nach § 7.1 des "Gesetzes über Hygiene der Nahrungsmittel" vom Gesundheitsministerium genehmigt ist.
Agrarprodukte, die während der Umstellung auf Anbau "Yuki" erzeugt wurden
Produktion auf dem Feld, das mindestens 1 Jahr ohne Anwendung von chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet wurde.
Produktion ohne Anwendung von chemisch-synthetischer PSM, aber mit der vorgeschriebenen Anwendungsmenge von Düngemitteln
Produktion mit der vorgeschriebenen Anwendungsmenge von Düngemitteln und mit mindestens 50 % weniger als der vorgeschriebenen Menge der chemisch-synthetischen PSM (ebenfalls keine Anwendung von PSM innerhalb 30 Tagen vor der ersten Ernte)
Einhaltung der zulässigen Rückstandsmenge von Pflanzenschutzmitteln im Produkt: max. 50 % der Norm, die nach § 7.1 des "Gesetzes über Hygiene der Nahrungsmittel" vom Gesundheitsministerium genehmigt ist.
Quelle: NAQS 1999
Das "Zertifizierungssystem zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft" entstand aus den in den vorhergehenden Abschnitten (2.5.1 und 2.5.2) erläuterten zwei Systemen: dem "Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten" und dem "Anmeldungssystem zur Kennzeichnung von Agrarprodukten". Im neuen System erfolgt die Zertifizierung und Kennzeichnung der umweltfreundlichen Produkte gemäß dem § 8.1 der "Verordnung über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft" in vier Klassen (Tab. 2.5.6) wie im Anmeldungssystem zur Kennzeichnung von Agrarprodukten. Besonders hervorzuheben ist, dass nunmehr auch die Zertifizierung für Erzeugnisse aus umweltfreundlicher tierischer Produktion eingeschlossen ist.
Alle Erzeugungs-, Vermarktungs- und Verarbeitungsbetriebe können das neue Zeichen verwenden, wenn sie die Vergabebedingungen nach folgenden Gegenständen der Kontrolle erfüllen (Tab. 2.5.7). Die Einhaltung der Bedingungen wird hauptsächlich vom staatlichen Kontrollamt für die Qualität der Agrarerzeugnisse (NAQS) überprüft. Aufgrund zunehmender Antragstellungen auf Zertifizierung von Produkten/Betrieben wird jedoch ein Teil seiner Tätigkeiten inzwischen von privaten Kontrolleinrichtungen übernommen. Dabei werden die privaten Kontrolleinrichtungen von NAQS im Rahmen der "Verordnung über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft (§ 11)" zugelassen und überwacht (MAF 1998b). Derzeit gibt es in Südkorea sechs zugelassene private Kontrolleinrichtungen: "Institut Heuksalim (Januar 2002)", "Koreanische Gesellschaft für die Wiederherstellung - Doalnara (Mai 2002)", "Komitee für die Förderung des umweltfreundlichen Landbaus - Yangpyong 21 (August 2002)", "Verband der Veredlungsindustrie einheimischer Bohnen (November 2002)", "Koreanischer Verband für organischen Landbau (Juli 2003)" und "Koaks (Dezember 2003)" (NAQS 2002b).
Tab. 2.5.6: Klassifizierung der umweltfreundlichen Agrarerzeugnisse im Rahmen des "Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft" Zeichen
Agrarprodukteaus dem Anbau "Yuki"
Yuki angebautes Agrarprodukt
Yuki angebautes ⃝⃝⃝1)
Yuki - tierisches Produkt
Yuki - ⃝⃝⃝*)
Yuki tierisches Produkt ⃝⃝⃝1)
Agrarprodukte, die während der Umstellung aufAnbau "Yuki" erzeugt wurden
Yuki - Agrarprodukt in der Umstellungsphase
Yuki - ⃝⃝⃝1) in der Umstellungsphase
Yuki angebautes Agrarprodukt in der Umstellungsphase
Yuki - tierisches Produkt in der Umstellungsphase
Yuki tierisches Produkt ⃝⃝⃝1) in der Umstellungsphase
Mu-Nongyak angebautes Agrarprodukt
Mu-Nongyak angebautes ⃝⃝⃝1)
Jeo-Nongyak angebautes Agrarprodukt
Jeo-Nongyak angebautes ⃝⃝⃝1)
Quelle: NAQS 2002a
⃝⃝⃝1) : Name von Kulturarten, z.B. Yuki - Reis
Tab. 2.5.7: Kontrolle von Produktionsverfahren und -prozessen zur Zertifizierung der umweltfreundlichen Produkte und zur Nutzung des Prüfzeichen (Anhang 3 der "Verordnung über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft")
Gegenstände der Kontrolle
Pflanzliche Agrarerzeugnisse
Tierische Agrarerzeugnisse
Zustand von Feldern, Wasser, Saatgut
Pflege mit der Qualität des Erntegutes
Aufstallungsform und Haltungsbedingungen
Aufzuchtsverfahren
Fütterung und Tierernährung
Gesundheit und Tiermedizin
Entsorgung von tierischen Ausscheidungen
Quelle: MAF 1998b
Für die praktische Umsetzung bedeutete das, dass im Jahre 2001 im Rahmen des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft insgesamt 4.762 Betriebe zertifiziert und anschließend zur Nutzung des Prüfzeichens berechtigt wurden (Tab. 2.5.8). Dabei wurden ca. 88.056 Tonnen umweltfreundliche Agrarprodukte mit dem Prüfzeichen produziert. Tab. 2.5.8: Stand der Zertifizierung von umweltfreundlichen Agrarprodukten 2001
Yuki -Agrarerzeugnisse
in der Umstellungs-phase
Mu-Nongyak-Agrarerzeugnisse
Jeo-Nongyak-Agrarerzeugnisse
Sonder-kulturen
Veredlungs-produkte
Quelle: NAQS 2002c
2.6 Vermarktung "umweltfreundlicher" Agrarprodukte
2.6.1 Angebot
Ein Bio-Markt gibt es in Südkorea seit 1981. In jenem Jahr wurden erstmalig im Laden "Pulmuone Mugonghae Nongsanmul Jikpanjang" von der Lebensgemeinde Pulmuone Produkte aus umweltfreundlichem Landbau verkauft (Siehe S. 48). Dabei wurden zunächst nur einige Yuki-Gemüsearten in kleiner Menge umgesetzt. Durch die starke Zunahme der Anzahl umweltfreundlich wirtschaftender Betriebe in der Folgezeit (vgl. Abschnitt 2.4.1) und das zunehmende Interesse der Verbraucher an Lebensmittelsicherheit hat sich inzwischen ein Markt für umweltfreundliche Agrarprodukte bezüglich Produktmenge bzw. -palette etabliert.
Marktumfang 1998 wurden in Südkorea insgesamt rd. 155.229 Tonnen umweltfreundliche Agrarprodukte erzeugt (Tab. 2.6.1). Davon wurden etwa 80 % als "umweltfreundliche" Produkte vermarktet; die anderen 20 % wurden nicht - z.B. aufgrund Selbstversorgung - nicht vertrieben. Damit betrug im Jahre 1998 das Marktvolumen für umweltfreundliche Produkte ca. 68,6 Mio. Euro (Nongminsinmun 2000).
Abb. 2.6.1: Stand und Entwicklung des Marktvolumens für "umweltfreundliche" Produkte in Südkorea (Schätzung von KVOL ab 1999 mit einem jährlichen Wachstum von 35%)
Der Markt für umweltfreundliche Produkte in Südkorea ist allerdings immer noch relativ klein. D.h., der Anteil der umweltfreundlichen Produkte am gesamten Lebensmittelmarkt lag im Jahre 1998 bei ca. 1 % (Nongminsinmun 2000). Der Markt für umweltfreundliche Produkte gehört jedoch zu einer Wachstumsbranche. So hat der Umsatz der umweltfreundlich erzeugten Produkte in Südkorea in den letzten Jahren am Wert zwischen 10 bis 30 % jährlich zugenommen. Für die Zukunft wird diese jährliche Wachstumsrate sogar mit 35 % beziffert (Chung 1999). Im Vergleich zu 1996 könnte sich damit bis zum Jahr 2005 der Umsatz um mehr als das Elffache steigern und dann bei etwa 560,6 Mio. Euro liegen (Abb. 2.6.1).
Wie bereits im Abschnitt 2.4.2 dargestellt, liegt der Schwerpunkt der Produktion im umweltfreundlichen Landbau in Südkorea mengenmäßig auf Gemüse, gefolgt von Obst und Reis. Derzeit werden diese Produkte allgemein mit gutem Erfolg vermarktet. So wurde der Umsatz von umweltfreundlich produziertem Gemüse für das Jahr 1998 auf ca. 24,7 Mio. Euro geschätzt. Der Umsatz von Reis und Obst aus dem umweltfreundlichen Landbau wurde mit ca. 22 Mio. und 16,5 Mio. Euro beziffert (Tab. 2.6.1). Dabei wurde das Gemüse meistens als frisches Gemüse verkauftet. Demgegenüber wurden Reis und Obst nicht nur als frische Produkte, sondern auch als veredelte wie Babynahrung, Brot, Keks und Saft vermarktet (Foto 2.6.1). Gegenwärtig herrschen in Südkorea besonders für umweltfreundliche Babynahrung gute Marktbedingungen. So beträgt der jährliche Umsatz bei Babynahrung aus umweltfreundlichen Produkten ca. 67,8 Mio. Euro (USDA 2002).
Tab. 2.6.1: Produktionsmenge und Umsatz der "umweltfreundlichen" Agrarprodukte nach Produktarten im Jahre 1998
Produktionsmenge (Tonen)1)
Umsatz (Euro)2)
24.696.000
14.014 21.952.000 Obst
16.464.000
Quelle: 1) Yangpyong 2000, 2) USDA 2000
Der gesamte Umsatz an umweltfreundlichen Verarbeitungsprodukten ist aber noch sehr gering, und nimmt 2 % vom Gesamtumsatz ein (USDA 2000). Die Gründe hierfür liegen vor allem in den allgemeinen Produktionsbedingungen für den umweltfreundlichen Landbau in Südkorea. D.h., obwohl die Anzahl der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe und die umweltfreundlich bewirtschafteten Flächen in den letzten Jahren stets zugenommen haben, sind sie noch unzureichend, um die kontinuierliche Belieferung mit Rohstoffen für die Verarbeitung zu gewährleisten. Das führt oft zu Unregelmäßigkeiten im Angebot. Um unterschiedliche Verbrauchergewohnheiten und -bedürfnisse zu bedienen soll die Verarbeitung der verschiedenen Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau weiter entwickelt werden. Foto 2.6.1: Verschiedene Gemüsearten aus dem umweltfreundlichen Landbau im Regal der Lebensmittelabteilung von Kaufhaus (links) und Babynahrung aus umweltfreundlichem Reis und Obst (rechts)
Der Import von umweltfreundlichen Produkten in Südkorea ist in den letzten Jahren stark angestiegen, obwohl der Umsatz noch gering ist. Er betrug im Jahre 1999 schätzungsweise rd. 2 Mio. Euro (USDA 2000). Die wichtigsten importierten Ökoprodukte waren Cerealien, Saft, Gebäck, Naturheilmittel und Biofleisch. Dabei stammten ca. 50 % aus Europa. Mittlerweile bieten die USA jedoch preislich noch günstigere Öko-Produkten an (USDA 2002). Es wird angenommen, dass der Import von umweltfreundlich erzeugten Produkten in den nächsten Jahren weiter schnell zunehmen wird, weil die Deckung einer wachsenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Verarbeitungsprodukten aus heimischer Erzeugung zukünftig schwierig wird. Aus diesem Grund müssen in Südkorea dringend Bestimmungen über Kontrolle und Anerkennung für importierte Öko-Produkte festgesetzt werden. Weiterhin muss als Marketingstrategie eine günstigere Preisgestaltung berücksichtigt werden.
Südkorea exportierte bislang unbedeutende kleine Mengen an Agrarprodukten aus dem umweltfreundlichen Landbau. So wurden "Yuki"-Obst und Gemüse nach Japan exportiert (USDA 2002).
2.6.2 Absatzwege
Zurzeit vollzieht sich bei der Vermarktung der umweltfreundlichen Agrarprodukte ein Wandel unterstützt durch ein steigendes Angebot an Produkten und zunehmendes Interesse der Verbraucher an "umweltfreundlichen" Lebensmitteln: Neue Absatzwege werden erschlossen, die Anzahl der Einkaufsstätten steigt. Im folgenden Abschnitt werden diese Möglichkeiten des Absatzes bzw. Einkaufs der Produkte aus umweltfreundlichem Landbau ermittelt.
Der Markt für umweltfreundliche Erzeugnisse ist auf der Erzeugerebene deutlich vielseitiger organisiert als der Markt für konventionelle Produkte. Gegenwärtig werden in Südkorea acht unterschiedliche Vermarktungsformen wahrgenommen (Abb. 2.6.2).
a) Direktabsatz an den Endverbraucher
Der direkte Absatz an den Endverbraucher ist weltweit die traditionelle Vermarktungsform im ökologischen Landbau. Sie hat ebenfalls bei der Vermarktung der umweltfreundlichen Produkte in Südkorea große Bedeutung.
Foto 2.6.2: Wochenmarkt von der "Zentrale für Paldang - Organischer Landbau-Bewegung" in Yangsuri/Provinz Gyonggi (Er findet jeden Freitag statt.) ↓131
Unter Direktabsatz wird eine Absatzform verstanden, bei der Produzenten ihre Erzeugnisse unmittelbar an den Verbraucher, d.h. ohne jegliche Einschaltung von Erfassungs- oder Zwischenhandel, verkaufen (AID 1997). Der Direktabsatz der Ware an den Endverbraucher erfolgt über Ab-Hof-Verkauf im Hofladen, Verkauf auf dem Wochen- bzw. Bauermarkt oder die Belieferung von Privatkunden. Die Vorteile dieser Direktvermarktung liegen vor allem im Kontakt der Produzenten mit den Verbrauchern und in der günstigen Preisgestaltung für die beiden durch Ausschaltung der Handelsstufen. Die direkte Vermarktung bedeutet allerdings einen hohen Arbeitsaufwand, weil bei dieser Selbstvermarktung die Erzeuger oft die Verarbeitung, die Verpackung und auch die Lieferung an die Endverbraucher übernehmen sollen.
b) Vertragsproduktion
Eine Vertragsproduktion ist der Absatz an verarbeitende Betriebe bzw. den Handel. Dabei können Erzeuger den Aufwand für die Verarbeitung und Verpackung sowie den Transport einsparen. Mit den Verarbeitern wird Vertragsanbau vereinbart. ↓132
Mittlerweile nimmt die Anzahl der Unternehmen, die sich für die Produktion von umweltfreundlichen Lebensmitteln interessieren, zu. Beispiele hierfür sind Babykosthersteller ("Namyang AG", "Pasteur Milk AG", "Ildongfoodis AG", "Maeil AG", "Seoul Milk AG") und Safthersteller ("Pulmuone AG", "Woongin Foods AG"). Sie spielen als Großabnehmer eine bedeutende Rolle bei der Ausweitung des Konsums der umweltfreundlichen Produkte.
c) Vermarktung über die Erzeugergemeinschaften
Im umweltfreundlichen Landbau gibt es eine Vielzahl von Erzeugergemeinschaften wie "Haksa Hof", "Praxis für Yamagishism", "Union für Bukhankang-Organischer Landbau-Bewegung", "Zentrale für Paldang-Organischer Landbau-Bewegung" etc. (vgl. Abschnitt 2.3.1). Ein Großteil der umweltfreundlichen Produkte wird über solche Erzeugerzusammenschlüsse vermarktet. Neben der Möglichkeit der anbautechnischen Beratung für die Produktion bringt die Mitgliedschaft in einer Erzeugergemeinschaft bei der Vermarktung eine Reihe von Vorteilen mit sich. Zu nennen sind vor allem die Absatzsicherheit und der geringe eigene Vermarktungsaufwand. D.h., durch die Gründung der Erzeugergemeinschaft werden Aufgaben, wie Sammeln von Marktinformationen, Produktentwicklung, Verpackung, Vertrieb, Vertragsverhandlungen und Werbung verteilt und rationeller gelöst.
Einige Erzeugergemeinschaften haben eigene Vermarktungseinrichtungen gegründet und sich auf die Vermarktung umweltfreundlich erzeugter Produkte spezialisiert. D.h., sie übernehmen neben dem Absatz von Mitgliedsbetrieben, die Vermarktung anderer umweltfreundlicher Betriebe, um die Erzeugnisse zu großhandelsfähigen Einheiten zusammenfassen zu können. Darüber hinaus produzieren sie entsprechend der Verbraucherwünsche verschiedene Verarbeitungsprodukte. Zu den Vermarktungseinrichtungen werden beispielsweise "Saenong AG" von "Zentrale für Paldang - Organischer Landbau- Bewegung" gezählt.
d) Vermarktung über die Verbraucherorganisationen
Der Absatz über die Verbraucherorganisationen ist gegenwärtig in Südkorea die bedeutendste Vermarktungsform für umweltfreundliche Produkte. Zu den Verbraucherorganisationen werden vor allem die im Abschnitt 2.3.2 erwähnten zahlreichen Verbraucher-Lebens-Kooperativgenossenschaften (VLKG) gezählt.
Im Vergleich mit dem Einzelhandel wird bei der Direktvermarktung bei dieser Vermarktungsform ein organisierter Handel zwischen der Verbraucherorganisation und Erzeugern bzw. -gemeinschaften abgeschlossen. Dabei geht es um den gemeinsamen Kauf von mehreren Haushalten und die Distribution. Die Vermarktung über die VLKG erfolgt also in folgender
Weise: zunächst bestellen die Mitglieder die gewünschten Waren ihrer VLKG, wobei durch Infobriefe von der VLKG die Auskunft zu aktuellen Einkaufsmöglichkeiten mit Angeboten, z.B. Produktarten und -preis sowie Herkunft der Produkte zu erhalten sind (Foto 2.6.3 oben). Dann kaufen die VLKG nach den bestellten Produktarten und -mengen direkt von Erzeugern bzw. Erzeugergenossenschaften die Waren ein. Die gekauften Waren werden über eine "Abo-Kiste" regelmäßig - allgemein 1-2mal die Woche - zu den Mitgliedern nach Hause geliefert (Foto 2.6.3 unten).
Foto 2.6.3: Infobrief von VLKG (oben), Lieferfahrzeug (mittel) und "Abo-Kiste" (unten)
Die Vorteile der Vermarktung über VLKG liegen vornehmlich in der für die Kunden günstigen Preisgestaltung und im gegenseitigen Verständnis zwischen Landwirten und Verbrauchern, das mit verschiedenen Programmen von VLKG wie Betriebsbesichtigungen gefördert wird (vgl. Abschnitt 2.3.2). Diese Vermarktungsform ist ebenfalls mit einigen Problemen verbunden. Es ist oft schwierig, Produkte in der gewünschten Menge und Zeit einzukaufen. Mit der zunehmenden Anzahl der Mitglieder erhöhen sich die Kosten für die Lieferung. Aus diesen Gründen richten mittlerweile immer mehr VLKG eigene Läden ein: z.B. "Zentrale für Einheimische Weizen-Bewegung", "Hanmaum-Gemeinde", "Hansalim", "Jeongnong-VLKG", "Minuhoe", "Durae" etc. e) Absatz an die landwirtschaftlichen Kooperativgenossenschaften (LKG)
Eine weitere wichtige Vermarktungsmöglichkeit für umweltfreundliche Agrarprodukte ist der Absatz an die landwirtschaftlichen Kooperativgenossenschaften (LKG). Der Zusammenschluss der landwirtschaftlichen Kooperativgenossenschaften (NACF; National Agricultural Cooperative Federation) hat 1995 in der Zusammenarbeit mit dem Rathaus Seoul die "Vermarktungsstelle für umweltfreundliche Agrarprodukte" als eine Maßnahme zur "Förderung der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe in Paldang Wasserschutzgebieten für Trinkwasserversorgung" (Siehe Tab. 2.7.1) eingerichtet (Kim Y.T. 1998). Diese Vermarktungsstelle übernimmt den Transport der umweltfreundlichen Produkte, die in den Paldang Wasserschutzgebieten von regionalen LKG erfasst wurden. Die Waren werden dann in "Hanaro-Mart" und "Pamas-Market", die vom NACF betrieben werden, verkauft. Dabei ist der Vermarktungsweg im Vergleich zu den anderen Absatzwegen lang, die Vermarktungsmarge ist jedoch gering, weil der gesamte Vermarktungsprozess von Anfang bis Ende durch den NACF durchgeführt wird. ↓136
f) Absatz an die Vermarktungsfirmen
Mit der zunehmenden Nachfrage der Verbraucher nach umweltfreundlichen Lebensmitteln entstanden die fachlichen Vermarktungsfirmen für umweltfreundliche Produkte wie "Orga Whole Foods AG", "Nulpurun", "Nokmichon" (vgl. Abschnitt 2.3.2). Im Allgemeinen kaufen sie von Erzeugern die umweltfreundlichen Erzeugnisse und liefern sie dann entweder an die Sonderverkaufsstellen für umweltfreundliche Lebensmittel in großen Supermärkten und Kaufhäusern sowie an die Restaurants oder verkaufen sie in den eigenen Fachgeschäften selbst. Bei dieser Absatzform besteht meistens zur Sicherung des Angebots ein Vertrag zwischen den Erzeugern und den Vermarktungsfirmen wie beim Vertragsanbau (Park et al. 1999).
Daneben haben einige andere Firmen Eigenmarken für den Bereich von umweltfreundlichen Produkten geschaffen (z.B. "
" von Samyang AG, "
" von Dongwon AG), mit denen sich Lebensmittel aus dem umweltfreundlichen Landbau vom Restsortiment abheben sollen. Durch aktive Medienarbeit und strenge Kontrolle der Qualität der Produkte erhalten solche Marken einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad und ein gutes Image.
Seit einiger Zeit führen außerdem die Vermarktungsfirmen, z.B. "Orga Whole Foods AG" zur Erschließung einer breiten Kundenschicht auch das Online-Marketing (www.orga.co.kr) durch. Auf diesem Weg kann sich der Verbraucher nicht nur über Einrichtungen der Vermarktungsfirmen in seiner Nähe informieren, sondern auch umweltfreundliche Lebensmittel direkt bei den Lieferdiensten bestellen. Neben diesen Vermarktungsfirmen werden mittlerweile bei vielen Landwirten bzw. Erzeugergemeinschaften Agrarprodukte aus dem umweltfreundlichen Landbau über das Internet bezogen. Weitere wichtige Internet-Adressen für Online-Shopping der umweltfreundlichen Lebensmittel sind:
www.62nong.com
www.efarm.co.kr
www.vegefood.co.kr
www.hansalim.co.kr
www.hanifood.co.kr
www.addfarm.com
www.mugonghae.com
www.saal-nara.co.kr
www.daldong.co.kr
www.jeunr.com
www.gmfmart.com
www.62mart.co.kr
g) Absatz an Großverbraucher und Gastronomie
Unter den Großabnehmern spielen Gastronomie, Großküchen und Kantinen eine bedeutende Rolle. Gegenwärtig gehören in Südkorea zu solchen Großabnehmern die Restaurants "
Blusketa
N-Zle
" sowie "
CJ Food System AG
Seit 2000 führt in Seoul die Vermarktungsfirma "Orga Wohle Foods AG" die italienische Restaurants "Blusketa" und "Arangio", die Speisen mit Agrarprodukten aus dem umweltfreundlichen Landbau vorbereiten und anbieten. Im Jahre 2002 wurde außerdem als Kettengeschäft in der Zusammenarbeit mit der Kantine Service Agentur "ECMD AG" das Restaurant "N-Zle" eröffnet (Jaeil-Kyongjae 2003). Dieses wurde 2003 um zwei weitere N-Zle erweitert. "CJ Food System AG" ist das Unternehmen für die Versorgung von Großküchen. 2002 hat es die Eigenmarke für umweltfreundlichen Lebensmittel "
Sanmalgum
" geschaffen und liefert Agrarprodukte aus dem umweltfreundlichen Landbau an die Schul- und Betriebskantinen sowie Großküchen in Seoul (Maeil-Kyongjae 2003a). Es wird angenommen, dass in den nächsten Jahren der Absatz an diese Großabnehmer besonders bei einer deutlichen Ausweitung des umweltfreundlichen Landbaus zunehmen wird. ↓139
h) Konventioneller Markt Als ein großes Problem bei der Vermarktung von Produkten aus dem umweltfreundlichen Landbau wird häufig die Schwierigkeit beim Aufbau des Absatzweges für umweltfreundliche Produkte genannt (Park et al. 1996; Park et al. 1999; Yoon und Lee 2000). Dadurch wird ein hoher Anteil der umweltfreundlich erzeugten Agrarprodukte über den konventionellen Markt abgesetzt, d.h. hier werden umweltfreundliche Produkte als solche nicht deklariert und zu konventionellen Preisen verkauft. Nach Angaben von Park und Jeong (2000) wurden 1998 ca. 16,1 % der gesamten umweltfreundlich erzeugten Agrarprodukte über konventionelle Absatzwege vermarktet. Eine der Ursachen dafür ist die ungenügende Struktur des Erfassungsgroßhandels von umweltfreundlichen Erzeugnissen, weil man derzeit vom Erzeuger Waren nicht in einem Umfang beziehen kann, der die Erfassungskosten erträglich macht. Daher können sich oft Betriebe mit einer geringen Absatzmenge den Markt für umweltfreundliche Produkte nicht sichern. Die zweite Ursache liegt darin, dass die meisten Händler und Verbraucher die Zertifizierung der umweltfreundlichen Agrarprodukte noch nicht kennen. Damit können Betriebe das Vertrauen in ihre umweltfreundlichen Erzeugnisse nicht gewinnen.
Diese Probleme dürften jedoch in der nächsten Zeit dadurch gelöst werden, dass die Anzahl der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe und damit die Menge der umweltfreundlichen Agrarprodukte zunimmt und dass durch weitere Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucheraufklärung das Verständnis der Verbraucher für umweltfreundlich produzierte Agrarerzeugnisse verbessert wird. ↓140
Abb. 2.6.2: Vermarktungsformen und -kanäle von umweltfreundlichen Produkten in Südkorea
In Südkorea ist es mittlerweile fast überall ohne großen Aufwand möglich, umweltfreundlich erzeugte Produkte zu kaufen. Nach den Angaben von Park und Jeong (2000) und NACF (2000) gab es 1998 in Südkorea insgesamt 517 Einkaufsstätten, in denen Lebensmittel aus umweltfreundlichem Landbau angeboten wurden (Abb. 2.6.3). Hierbei waren sie vor allem in der Stadt Seoul und ihrem Umkreis (ca. 62 %) sowie anderen Großstädten (ca. 23 %) zu finden, weil dort Umweltprobleme häufig diskutiert wurden, und weil vergleichsweise mehr Verbraucher mit hoher Kaufkraft konzentriert waren.
Abb. 2.6.3: Anzahl der Einkaufsstätten für umweltfreundliche Lebensmittel in Südkorea 1998
a) Laden von Verbraucher-Lebens-Kooperativgenossenschaft (VLKG)
1998 gab es in Südkorea 67 VLKG-Läden (Abb. 2.6.3). Damit betrug der Anteil an den gesamten Einkaufsstätten für umweltfreundliche Lebensmittel etwa 12,9 %. Seit 1998 werden auf der Grundlage des "Gesetzes über Lebenskooperativgenossenschaft" immer mehr Verbraucher-Lebens-Kooperativgenossenschaften, die sich mit der Vermarktung der umweltfreundlichen Agrarprodukte beschäftigen, gegründet (ECOOP 2002). Dabei steigert sich ebenfalls die Zahl der VLKG-Läden ständig.
Mit der Vermarktung über die Läden von VLKG ist aber die Kundenschicht bislang noch auf die Mitglieder von VLKG beschränkt. Die meisten VLKG leiden außerdem an einem Kapitalmangel. Aus diesen Gründen haben sie bei der Führung des eigenen Ladens Schwierigkeiten, z.B. technische Ausstattungen wie Lager- bzw. Kühlanlagen anzuschaffen und die Auswahl und Präsentation der Produkte zu verbessern. Um diese Situation zu verbessern, sind weitere Öffentlichkeitsarbeit und finanzielle Unterstützung mit staatlichen Förderprogrammen erforderlich. Exkurs 1: Fallbeispiel für die Vermarktung über VLKG-Laden - "Kaufstelle von Hanmaum-Gemeinde"
Foto 2.6.4: Laden von der VLKG "Hanmaum" in Kwangju/Jeonnam
Die VLKG "Hanmaum (ein Herz)" wurde 1990 in Jangsung/Jeonnam von S.D. Nam gegründet (J.K. Park und H.S. Park 1997). Der Begründer war der Pfarrer der Gemeinde "Baekun". Als eine Form von Pastoraldienst hat er die Vermarktung der umweltfreundlichen Produkte begonnen und sich damit um die Einkommenssicherung der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe und die Versorgung der Verbraucher mit gesunden Nahrungsmitteln bemüht.
1994 wurde in Kwangju/Jeonnam der erste eigene Laden "Hanmaum" geöffnet (Hanmaum 2004). Die Zahl der Läden ist mittlerweile auf insgesamt 20 Läden angestiegen. Derzeit gehören zur VLKG ca. 3000 Verbrauchermitglieder und 60 Erzeugermitglieder. In den Läden wurden hauptsächlich Reis und Gemüsearten verkauft. Diese wurden von Erzeugermitgliedern in erster Linie direkt abgesetzt. Zur Erweiterung der Kundenschicht organisiert die VLKG "Hanmaum" verschiedene Veranstaltungen für Verbraucher wie Hofbesichtigung und Lehrprogramm für Schüler. Sie gibt außerdem Infobroschüren heraus.
b) Hanaro-Mart bzw. Pamas-Market von LKG
Bis 1998 wurden in Seoul 68 Hanaro-Mart und Pamas-Market aufgebaut. In diesen wurden insgesamt ca. 840.000 Euro umgesetzt. 1999 steigerte sich der Umsatz auf 1,3 Mio. Euro (NACF 2000).
Als ein Vorteil von Hanaro-Mart und Pamas-Market ist vor allem das hohe Vertrauen der Verbraucher in diese Einrichtungen zu nennen, weil sie von der staatlichen NACF (National Agricultural Cooper
tive Federation) geführt werden. Allerdings sind aufgrund der kleinen Produktionsregion die Produktarten und -mengen oft nicht genügend, um einen großen und festen Kundenkreis anzuziehen. Deswegen ist beim Förderungsprogramm der NACF für die Vermarktung der umweltfreundlichen Agrarprodukte die Einzugs- oder Produktionsregion auszuweiten. Außerdem ist durch Vermieten der Verkaufstelle im Hanaro-Markt bzw. Pamas-Market ein Direktverkauf der Landwirte zu ermöglichen. Durch einen Liefervertrag mit Vermarktungsfirmen bzw. deren Großhandel sollte ein vielfältiges Produktsortiment bereitgestellt werden. Exkurs 2: Fallbeispiel für die Vermarktung über Hanaro-Mart bzw. Pamas-Market -
"Hanaro-Mart" in Yongsan/Seoul
Der Hanaro-Mart in dem Bezirk "Yongsan" ist ca. 250 m2 groß (MAF 2002). Er liegt in einem dichtbesiedelten Ballungsgebiet, in dem viele Verbraucher mit hohem Einkommensniveau wohnen. Dadurch zeichnet sich dort die Tendenz zum großen Lebensmittelkonsum aus umweltfreundlichem Anbau ab, obwohl die Preise manchmal mehrfach höher als die Preise der konventionellen Lebensmittel sind.
Foto 2.6.5: Hanaro-Mart im Bezirk Yongsan
Im Hanaro-Mart in Yongsan werden überwiegend Gemüsearten, z.B. Kopfsalat, Chicorée, Sesamblätter, Möhren, Tomaten, Erdbeeren, verkauft, die in den Landkreisen "Namyangju", "Yangju" und "Kwangju" erzeugt wurden. Der durchschnittliche Monatsumsatz wird dort mit etwa 6.500 Euro beziffert. Zur Verbraucheraufklärung bietet der Hanaro-Mart in Yongsan den Verbrauchern die Möglichkeit einer Hofbesichtigung, die jeden Donnerstag von der LKG veranstaltet wird, an.
c) Fachgeschäfte für umweltfreundliche Lebensmittel Obwohl der Anteil von Fachgeschäften an den Einkaufsstätten insgesamt noch gering ist (5,8 %) (Abb. 2.6.4), werden seit den letzten Jahren mit zunehmender Nachfrage der Verbraucher vor allem in Großstädten mehr und mehr Fachgeschäfte für umweltfreundliche Lebensmittel ausgebaut. Darüber hinaus geht dabei derzeit der Trend hin zu größeren und modernen Läden mit einem vollständigen Lebensmittelsortiment. Das ermöglicht "One-Stop-Shopping". D.h., für den Einkauf muss der Verbraucher nicht mehrere Einkaufsstätten aufzusuchen. Als Beispiele hierfür sind "Orga", "Starsuper", "Guachon-Saengmyongsarang", "Bundang-Saenggimaul", "Gutenmorgen" und "Efarm" zu nennen. Exkurs 3: Fallbeispiel für die Vermarktung über Fachgeschäfte für umweltfreundliche Lebensmittel - "Orga" im Bezirk Daechi/Seoul
Foto 2.6.6: Filliale "Orga" in Daechi
2001 richtete die "Orga Whole Foods AG" das Fachgeschäft "Orga" für umweltfreundliche Lebensmittel ein. Inzwischen gibt es sieben Filialen. Davon ist die Filiale "Daechi" mit einer Ladengröße von 660 m2 die größte Einkaufsstätte für umweltfreundliche Lebensmittel in Südkorea (Edaily 2003).
In Orga Daechi ist eine ausgesprochen breite Produktpalette erhältlich: Neben den frischen Produkten wie Gemüse, Obst und Getreide sowie Fleisch und Fisch werden dort unterschiedliche veredelte Produkte (z.B. Marmeladen, Gebäck, Saft, Tiefkühlprodukte usw.) und importierte Ökoprodukte (z.B. Ice cream, cereal, jam, drink etc.) angeboten (Munhwa-Ilbo 2003). Es wurde auch eine Backstube und ein Imbissstand eingerichtet. Ein Fachmann für Lebensmittelwissenschaft ist angestellt, um die Verbraucher zu beraten. Der Umsatz von Orga Daechi wurde auf ca. 13 Mio. Euro für 2003 geschätzt (Edaily 2003).
Foto 2.6.7: Breite Produktpalette (links) und Backstube in Orga Daechi (rechts)
d) Kaufhaus, Discounter und Großsupermarkt
In letzter Zeit interessiert sich auch der konventionelle Lebensmittelhandel zunehmend für ein Marktsegment der umweltfreundlichen Agrarprodukte. Also wurde das Wachstum des Marktes über Kaufhäuser (z.B. Lotte, Sinsaegae), Discounter (z.B. Walmart, E-Mart, Carrefour) und Großsupermärkte gestärkt: Der Anteil der Kaufhäuser macht knapp 21,1 % der Einkaufsstätte für umweltfreundliche Lebensmittel insgesamt aus; Discounter 21,3 % und Großsupermarkt 25,7 % (Abb. 2.6.3).
Die zunehmende Bedeutung dieser Absatzwege bei der Vermarktung von umweltfreundlichen Produkten ist vornehmlich auf die Erschließung einer breiten Kundenschicht und die geringe Risikobereitschaft der Händler zurückzuführen. Es gibt aber auch kritische Stimmen, da hoher Materialaufwand für die Verpackung und hoher Energieaufwand für weite Transportwege sowie fehlender Kundenkontakt in Kauf genommen werden müssen. Mit dem wachsenden Marktumfang für umweltfreundliche Agrarprodukte kommt allerdings der Vermarktung über diesen konventionellen Handel eine große Bedeutung zu.
Exkurs 4: Fallbeispiel für die Vermarktung über Kaufhaus, Discounter und Großsupermarkt - Die Abteilung "Purum" vom Kaufhaus Lotte in Sogong/Seoul
Mit dem zunehmenden Interesse der Verbraucher nach den "Well-being" Produkten richten Kaufhäuser in Südkorea in rascher Folge Sonderabteilungen für umweltfreundliche Lebensmittel ein. Um das Image der umweltfreundlichen Lebensmittel zu betonen, werden sie mit eigener Kennzeichnung überschrieben: z.B. "Purum" vom Kaufhaus Lotte, "Organic" vom Kaufhaus Shinsaegae und "Yukinong Haus" vom Kaufhaus Hyundai.
Der Kaufhaus Lotte hat im April 1993 in Sogong/Seoul die Abteilung für umweltfreundliche Lebensmittel "Purum" eröffnet. Ihre Größe beträgt ca. 100 m2. Dort gibt es ein großes Sortiment von umweltfreundlichen Lebensmitteln: d.h. etwa 150 einheimische frische Produktarten wie Gemüse und Obst aus dem umweltfreundlichen Anbau und ca. 100 importierten Ökoproduktarten (Maeil-Kyongjae 2003b). Dabei bestehen die meisten importierten Produkte aus den verarbeiteten Lebensmitteln, die aus Großbritannien, Deutschland, Italien und Kanada sowie USA stammen.
Foto 2.6.8: Die Abteilung "Purum" für umweltfreundliche Lebensmittel im Kaufhaus Lotte in Sogong/Seoul
Obwohl die Preise der umweltfreundlichen bzw. ökologischen Lebensmittel in Purum allgemein 20-30 % höher als die Preis der konventionellen Agrarprodukte in der anderen Lebensmittelabteilung sind, werden sie mit Erfolg verkauft. Seit der Geschäftöffnung wird um 40 % der Umsatz monatlich erhöht. Er beziffert sich für Dezember 2003 auf ca. 13.600 Euro (Jungang-Ilbo 2003). Die Purum wurde inzwischen in 11 anderen Filialen in Seoul eröffnet.
2.6.3 Preisgestaltung
Umweltfreundlich erzeugte Agrarprodukte sind teurer als die konventionell hergestellten,
da durch vollständigen oder teilweisen Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel das Risiko eines Ertragsausfalles größer ist,
da die Vielseitigkeit der Betriebe größeren Arbeitszeitaufwand und höhere Kosten verursacht und da die Verarbeitung und Vermarktung der Agrarerzeugnisse aus dem umweltfreundlichen Landbau häufig von den Erzeugern selbst übernommen werden.
Derzeit sind in Südkorea die meisten Lebensmittel aus dem umweltfreundlichen Landbau teurer als die konventionellen (Tab. 2.6.2). Im Gegensatz zu pflanzlichen Produkten werden aber die umweltfreundlich erzeugten tierischen Produkte meistens auf dem konventionellen Markt zu konventionellen Preisen abgesetzt, weil in Südkorea noch kein Markt für tierische Erzeugnisse aus umweltfreundlichem Landbau existiert.
Die Preisaufschläge für Agrarprodukte aus dem umweltfreundlichen Pflanzenbau betragen durchschnittlich etwa 20 bis 30 Prozent. Diese werden jedoch bei kleinerem Angebot oft überschritten. Wie in Tab. 2.6.2 dargestellt, werden 23,5 % der umweltfreundlich erzeugten Blattgemüse mit einem Aufschlag von mehr als 40 % abgesetzt; ebenso 18,2 % der Wurzelgemüse, 12,8 % der Fruchtgemüse und 8,0 % des Reises.
Demgegenüber kommt es - allerdings zu einem geringen Prozentansatz - vor, dass umweltfreundliche Produkte billiger als konventionelle verkauftet werden. D.h., 8,8 % der Blattgemüse, 6,4 % der Fruchtgemüse und 3,0 % der Wurzelgemüse sowie 4,0 % des Reises aus dem umweltfreundlichen Anbau werden zu niedrigeren Preisen vermarktet als die Agrarerzeugnisse aus dem konventionellen (Tab. 2.6.2). Das liegt hauptsächlich daran,
dass die umweltfreundlich wirtschaftenden Landwirte häufig an Großabnehmer, wie Vermarktungsfirma und Verarbeitungsunternehmen mit einem Vertrag, ihre Produkte absetzen, um den Vertriebsweg zu sichern. Dabei können die durch Verträge festgelegten Preise der umweltfreundlichen Produkte dann niedriger sein, wenn die Preise der konventionellen Agrarprodukte durch die Verminderung der Ernteerträge z.B. durch Unwetter rapid steigen.
dass die äußerlichen Eigenschaften (z.B. Farbe und Größe) von umweltfreundlichen Agrarerzeugnissen oft als ungünstig bewertet werden (Kim, Y.H. 1999a; Nonghyup 2000).
dass aufgrund mangelnder Kenntnisse des Zertifizierungssystems für umweltfreundliche Agrarprodukte die Lebensmittel aus umweltfreundlichem Anbau teilweise nicht als solche anerkannt werden. Dieses Anerkennungsproblem besonders häufig in der Vermarktung der Produkte, die in den Anbaurichtungen "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak" erzeugt wurden, vor (Seo et al. 1992).
Eine Verbesserung der Vermarktungssituation ist durch die Etablierung des Zertifizierungssystems und die Strukturierung des Marktes für umweltfreundliche Lebensmittel zu erwaren.
Tab. 2.6.2: Vergleich von Erzeugerpreisen der umweltfreundlichen Agrarprodukte zu konventionellen in Prozent (konventionell = 100 %)
0 - 10 % höher
10 - 20 % höher
20 - 40 % höher
mehr als 40 % höher
Quelle: Park et al. 1999
Während sich auf dem konventionellen Markt der Preis allgemein durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage entwickelt, werden in Südkorea Preise für umweltfreundliche Produkte durch Verhandlungen zwischen den Erzeugern (bzw. -gemeinschaften) und Verbrauchern (bzw. -gemeinschaften) oder Händlern so bestimmt, dass geringe Erträge durch höhere Preise betriebswirtschaftlich kompensiert werden können. Mit Ausnahme von einigen saisonabhängigen Gemüsearten bleiben diese festgesetzten Preise allgemein das ganze Jahr hindurch stabil.
Der Markt für umweltfreundlich erzeugte Produkte ist durch eine geringe Preistransparenz gekennzeichnet (An und Im 1996). Dies ist überwiegend auf die verschiedenen einzelnen Preisverhandlungen zwischen den Erzeugern und Verbrauchern zurückzuführen. Daher wird derzeit versucht, durch Absprache miteinander die Preise zu vereinheitlichen (MAF 1998c). Nach den Absatzwegen gibt es trotzdem noch unterschiedliche Preise für gleiche Produktarten (Tab. 2.6.3): d.h., im Allgemeinen sind die umweltfreundlichen Agrarprodukte beim Bezug in den Kaufhäusern etwa 10 bis 300 % teurer als beim Kauf über Verbraucherorganisationen. Das ergibt sich nicht durch hohe Erzeugerpreise beim Absatz in den Kaufhäusern, sondern vielmehr durch die zusätzlichen Vermarktungskosten, z.B. für die Einstellung von Verkäufern, Verpackung und Ausstellung. Dadurch liegen in den Kaufhäusern die Verbraucherpreise für Produkte aus umweltfreundlichem Landbau mindestens 10 bis 30 %, gegebenenfalls bis zu ca. 700 % (für Zwiebeln) über den konventionellen Preisen. Dagegen kosten beim Kauf über Verbraucherorganisationen einige Produktarten (Mangold, Rettich und Kartoffeln) sogar weniger als die konventionellen. Das ist vor allem durch die Ausschaltung der Zwischenhandelsstufen bei Selbstvermarktung bedingt. Die Tatsache, dass es je nach unterschiedlichem Absatzweg eine große Preisschwankung gibt, zeigt, dass durch die Entwicklung rationeller Vermarktungsstrukturen auch bei der Vermarktung umweltfreundlicher Produkte günstigere Preisgestaltungen möglich sind. Tab. 2.6.3: Verbraucherpreise für umweltfreundliche Agrarprodukte nach Absatzwegen Produktart
Umweltfreundliche Agrarprodukte
Agrarprodukte 3)
Verbraucherorganisation1)
Kaufhaus 2)
Euro/8 kg
Euro/300 g
Euro/200 g
Euro/2 kg
Euro/30 Stück
Quelle: Kim und Seo 1996 1) Preise von Hansalim-VLKG 2) Durchschnittliche Preise von Kaufhäusern in Seoul3) Statistik von SVKA (Südkoreanische Vermarktungskorporation für Agrarprodukte) in Stand 31. 01. 1996
2.6.4 Nachfrage
Seit den letzten Jahren wächst in Südkorea die Nachfrage nach Produkten aus umweltfreundlicher Erzeugung (Kotzsch 1987; Sohn und Chung 1997; KVOL 1998). Dazu wurden einige Studien zum Markt für umweltfreundliche Produkte und zu Kundenstruktur durchgeführt. In diesem Abschnitt werden Ergebnisse der Studien zur Nachfrage nach umweltfreundlichen Lebensmitteln zusammengefasst.
Eine Studie von Kim und Sohn (1999), bei der 842 haushaltsführende Personen in Seoul und in der Provinz Gyonggi befragt wurden, ergab, dass ca. 62,2 % der in der Befragung Interviewten Lebensmittel aus umweltfreundlichem Anbau gekauft haben. Dabei waren die meisten Bio-Kunden im Alter von 40-Jahren (72,7 %) und 30-Jahren (69,0 %). Deutlich unter dem Durchschnitt lagen die 20-Jahren (46,3 %).
Als Hauptmotive, die umweltfreundlichen Produkte zu kaufen, wurden in erster Linie gesundheitliche Gründe (84,7 %) und besserer Geschmack (48,8 %) genannt. Das Umweltbewusstsein (30,5 %) spielte vergleichsweise eine untergeordnete Rolle. Die Gründe hierfür erklärt die USDA-Studie (2002) mit der Tatsache, dass das Interesse der Koreaner an Gesundheits- und Ernährungsfragen außerordentlich hoch ist. Im Vergleich dazu greifen in den USA die Verbraucher deshalb vornehmlich zu Bioprodukten, um einen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz zu leisten (Barrett 1998).
In der Studie wurden als Hindernisse für den Kauf von umweltfreundlichen Produkten vor allem die zu geringe Zahl an Einkaufsstätten (56,7 %) angesprochen, gefolgt vom hohen Preis (51,4 %), Zweifel an der Qualität (34,8 %) und keine Möglichkeiten zum Kauf von umweltfreundlichen Produkten (17,7 %). Als Schlussfolgerung ergibt sich daraus, dass Absatzmöglichkeiten weiter entwickelt werden müssen, um Konsumenten für umweltfreundliche Lebensmittel auszuweiten. Dazu muss eine Verbraucheraufklärung durch Öffentlichkeitsarbeiten erfolgen, um die Gründe dafür zu erklären, warum die Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau teurer als die konventionellen Lebensmittel sind.
Schließlich zeigt die Studie, dass etwa 49,2 % dieser befragten Biokunden Kaufhöfe nutzen, um Lebensmittel aus umweltfreundlichem Anbau einzukaufen. Ein Drittel kaufen umweltfreundliche Produkte in Hanaro-Mart bzw. Pamas-Markt von LKG. Ein Zehntel zieht den Bezug über Verbraucherorganisationen durch Lieferung vor.
Laut der Marktforschung von Y.H. Kim (1999a) kaufen etwa die Hälfte der Biokunden im Durchschnitt ein Mal pro Monat umweltfreundliche Lebensmittel, wobei ca. 8,3 % Intensivkunden sind. Darüber hinaus beabsichtigten nach der Studie von Yoon (1999) ca. 65,6 % von diesen Biokonsumenten, beim Lebensmitteleinkauf für umweltfreundliche Produkte mehr Geld auszugeben. Dabei lag die tolerierte Aufpreisbereitschaft für umweltfreundliche Produkte bei ca. 50 Prozent. Außerdem gaben in einer vergleichbaren Studie von H. Kim (1993) etwa 60,5 % der Biokunden an, in Zukunft mehr umweltfreundliche Lebensmittel kaufen zu wollen. Hierfür haben Gemüse (67,7 %) die höchste Käuferreichweite, gefolgt von Reis (15,7 %), Obst (11,3 %), Sonderkulturen wie Heilkräuter (3,1 %) und Hackfrüchte (1,2 %). Die bevorzugte Einkaufsstätte für die Zukunft bilden die Fachgeschäfte und Supermärkte (Yoon 1999). Gründe sind, dass in Fachgeschäften die umweltfreundlichen Produkte in einem breiten Sortiment angeboten werden und dass Supermärkte näher in Wohnbereich liegen. 2.7 Umweltfreundliche Agrarpolitik in Südkorea 2.7.1 Förderprogramme für umweltfreundlichen Landbau
Mit dem Ziel, die nachhaltige Landwirtschaft zu gestalten, wird seit 1991 in Südkorea der umweltfreundliche Landbau mit einer Reihe von Maßnahmen gefördert. Hierfür wurde bis 1996 eine staatliche Beihilfe in Höhe von rd. 664 Mio. Euro gewährt (Tab. 2.7.1). Trotz der vielen Investitionsmittel wurde jedoch bei den Förderprogrammen hinsichtlich umweltschonender Auswirkungen das geplante Ziel nicht erreicht (Oh 1996; Kim, G.H. 1999). Dies ist in der kurzen Geschichte der südkoreanischen Agrarumweltpolitik darauf zurückzuführen, dass Ziele und Ausrichtungen der Förderprogramme zu allgemein formuliert wurden, und dass damit die Maßnahmen nicht konsequent durchzuführen waren.
Tab. 2.7.1: Förderprogramme für Ausweitung des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea von 1991 bis 1996 (Millionen Euro)
Nutzung der tierischen Exkremente als Ressourcen für Düngung
Errichtung von Entsorgungsanlagen für das aus der Tierhaltung abgelassene Abwasser als Flüssigdünger
Entsorgung von landwirtschaftlichem Abwasser
Unterstützung der Kleinbauern bei der Produktion von Agrarerzeugnissen mit hoher Qualität
Unterstützung der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe in Wasserschutzgebieten für Trinkwasserversorgung
Quelle: Oh 1999
Aus diesen Gründen war die Änderung des Paradigmas der umweltfreundlichen Agrarpolitik erforderlich. Im Juli 1996 kündigte das südkoreanische Landwirtschaftsministerium die "Agrarumweltpolitik für das 21ste Jahrhundert" an. Damit wurden mittel- bzw. langfristige Regelungen für eine umweltfreundliche Landwirtschaft getroffen. Die Umsetzung dieser Politik ist in drei Phasen vorgesehen (MAF 1996):
die Etablierungsphase (1996-2000)
die Entwicklungsphase (2001-2005) die Stabilisierungsphase (2006-2010).
Als einen Schritt zur Umsetzung der Beschlüsse erließ die südkoreanische Regierung am 13. Dezember 1997 das "Gesetz zur Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft". Damit wurde die rechtliche Basis für die Unterstützung der Produktion und Verarbeitung sowie Vermarktung von Agrarprodukten aus umweltfreundlichem Landbau geschaffen. D.h., in dem Gesetz ist die Priorität für die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft deutlich festgelegt:
"Der Landwirtschaftsminister muss nach Verhandlung mit der zuständigen verwaltenden Organisation alle fünf Jahre ein Konzept für die Förderung des umweltfreundlichen Landbaus vorlegen, um das umweltschützende Bewirtschaftungssystem zu entwickeln (Artikel 6, Abschnitt 1)20."
Das Konzept soll neben dem Ziel und Ausrichtung der Agrarförderung für Umweltschutz im landwirtschaftlichen Bereich die folgenden Maßnahmen beinhalten:
sachgemäße Anwendung der Betriebsmittel bzw. Reduzierung der Anwendungsmenge von Agrochemikalien,
Entwicklung der umweltfreundlichen Anbautechnik,
Förderung von Territorium für umweltfreundlichen Landbau,
Erhöhung der Produktion und Vermarktung sowie des Konsums,
Betonung der gemeinnützigen Funktionen der Landwirtschaft,
Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit und Beschaffung der finanziellen Mittel zur Durchführung der Förderungsprogramme (MAF 1997).
Im November 1998 wurde auf Antrag des "Komitees für Reform der Agrarpolitik" das "agrarpolitische Konzept für die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft" entworfen, in der die oben genannten Punkte berücksichtigt sind. Das Hauptziel des Konzepts ist eine Agrarkultur im Einklang mit der Natur. Folgende weitere Einzelziele werden dabei verfolgt:
die landwirtschaftliche Produktivität zu verbessern,
gesunde Nahrungsmittel zu erzeugen,
umweltfreundliche Landwirtschaft auszudehnen und sich an der internationalen Tendenz im ökologischen Landbau aktiv zu beteiligen (MAF 1999a). Die Förderung ist dahingehend auszurichten:
gemeinnützige Funktionen der Agrarwirtschaft, u.a. den Umweltschutz zu verbessern,
nachhaltige Landwirtschaft durch Schutz der natürlichen Ressourcen, wie Boden und Wasser anzustreben,
eine Erzeugungs- und Verteilungskette für gesundheitlich unbedenkliche Agrarprodukte aufzubauen,
die Agrarstruktur durch den Gebrauch erneuerbarer Ressourcen, wie landwirtschaftlicher Reststoffe zu verbessern und umweltfreundlich wirtschaftende Betriebe direkt zu unterstützen (MAF 1999a).
Im Wesentlichen lassen sich die Förderprogramme in drei Schwerpunkten untergliedern: Reduzierung der landwirtschaftlichen Umweltbelastung
Erhaltung bzw. Verbesserung der Agrarumwelt Unterstützung von umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben. Ein ausführlicher Überblick über die Förderprogramme wird in Tab. 2.7.2 gegeben.
Auf dieser Basis erarbeitet das südkoreanische Landwirtschaftsministerium jährlich "einen Förderungsplan für umweltfreundlichen Landbau". Im Förderungsplan für 2000 wurde festgelegt, dass bis zum Jahr 2002 der Anteil der umweltfreundlich erzeugten Produkte an den gesamten Agrarerzeugnissen im Vergleich von 0,8 % im Jahr 1999 um 3 % erhöht werden soll (Kwon 2002). Dafür wurde das Budget zur Förderung des umweltfreundlichen Landbaus für das Jahr 2000 auf 136 Mio. Euro veranschlagt (Tab. 2.7.3). Davon beliefen sich die Ausgaben im Rahmen der "Unterstützung von umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben" auf 20,9 Mio. Euro. Der Anteil am gesamten landwirtschaftlichen Budget machte allein ca. 15,4 % aus. Zur Ausweitung des umweltfreundlichen Landbaus sollte das Budget für diesen Förderschwerpunkt erhöht werden, weil der Einstieg in die umweltfreundliche Wirtschaftsweise für die Landwirte schwierig ist. D.h., aufgrund des in der Regel geringeren Ertragsniveaus müssen sie Einkommenseinbußen in Kauf nehmen. Sie dürfen außerdem bei der Umstellung auf umweltfreundlichen Anbau erst nach einer Umstellungszeit von zwei bis drei Jahren ihre Ware als "umweltfreundliche Produkte" zu einem höheren Preis verkaufen. Bei der finanziellen Unterstützung der Betriebe soll der Schwerpunkt besonders auf das Direktzahlungsprogramm gelegt werden, weil als Folge des GATT-Agrarabkommens die Senkung der Preisunterstützung für die Agrarprodukte vorgegeben wird (Pompe 2000). Die WTO empfiehlt deshalb die Förderung einzelner Maßnahmen in Form von Direktzahlungen.
Tab. 2.7.2: Konzept für die Förderung der umweltfreundlicher Landwirtschaft durch Förderprogramme
Reduzierung der landwirt-schaftlichen Umweltbelastung
Verbreitung von INM21 - Technik
Reduzierung auf 10 % der Anwendungsmenge von chemischen Düngemitteln im Jahre 1999(Reduzierung auf 40 % bis zum Jahr 2010)
Förderung von Düngung mit sachgemäßer Dosierung nach Bodenuntersuchung
Verbreitung von IPM22 - Technik
Reduzierung auf 10 % der Anwendungsmenge von chemischen Pflanzenschutz- und Unkrautregulierungsmitteln im 1999 (Reduzierung auf 50 % bis zum Jahr 2010)
Entwicklung von umweltfreundlichen Pflanzenschutz- und Unkrautregulierungsmitteln
Nutzung der tierischen Exkremente als Ressourcen
Investitionsförderung für die Errichtung von Anlagen zur Verarbeitung der tierischen Exkremente
Produktion der organischen Düngemittel
Entsorgung von weggeworfenen Vinyl und Flasche der Pflanzenschutzmittel von Feldern
Annahme wiederverwendbarer Materialien mit Vergütung (0.9 - 3,6 Cent/kg)
Unentgeltliches Annahme von nicht-wiederverwendbaren Stoffen
Erhaltung bzw. Verbesserung
der Agrarumwelt
Schaffung "grüner" Felder im Winter
Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch Anbau von Gründüngungspflanzen im Winter
geplante Unterstützungsfläche: insgesamt 55.000 ha/Jahr
Produktion von Kompost in der Sommerzeit
Kompostierung von erneuerbaren Ressourcen zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und zum Bodenschutz
geplante Unterstützungsmenge: insgesamt 11 Mill. Tonnen/Jahr
Rechtzeitige Ausbringung von Mitteln zur Bodenverbesserung
Ausbringen von Kieselsäure bzw. Kalk auf Böden mit niedrigem pH-Wert bzw. mit wenigem Gehalt von verbrauchbarer Kieselsäure
geplante Unterstützungsmenge: 622.000 Tonnen/Jahr
Verbesserung von Böden mit niedriger Produktivität, wie Sandboden
geplante Unterstützungsfläche: 10.000 ha
Prämienhöhe: 1.022 Euro/ha - 1.874 Euro/ha und Jahr
Verbesserung der Qualität von landwirtschaftlich verbrauchten Wasser
Untersuchung der Qualität von landwirtschaftlich zu verbrauchendem Wasser
Unterstützung von umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben
Direktzahlung für umweltfreundlichen Landbau
Prämienhöhe: 446 Euro/ha und Jahr
Unterstützung der Kleinbauern bei Produktion von Agrarerzeugnissen mit hoher Qualität
Prämienhöhe: 0,2 Millionen Euro/Siedlungsgelände
Bildung von Territorium für umweltfreundlichen Landbau
Prämienhöhe: 0,9 - 1,8 Millionen Euro/Siedlungsgelände
Bildung von Musterdörfern für umweltfreundlichen Landbau
Reisbau mit IPM und INM-Verfahren
ca. 38 700 Euro/Dorf
Aktive Vermarktung von umweltfreundlichen Agrarprodukten
Kennzeichnung von umweltfreundlichen Agrarprodukten und damit Aufbau des Vertrauens der Verbraucher
Quelle: MAF 1998d Tab. 2.7.3: Budget des südkoreanischen Landwirtschaftministeriums zur Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft für das Jahr 2000
landwirtschaftlichen Umweltbelastung
Kapitalunterstützung für den Bau von Einrichtungen zur Behandlung der tierischen Exkremente
Produktion organischer Düngemittel, z.B. aus tierischen Exkrementen
Rechtzeitige Versorgung mit Betriebsmitteln zur Bodenverbesserung
Untersuchung der Qualität von landwirtschaftlich verbrauchtem Wasser
Unterstützung von umweltfreundlich wirtschaftenden
Bildung von Musterdörfern für den umweltfreundlichen Landbau
Bildung von Territorium für den umweltfreundlichen Landbau
Ausbildung und Weiterbildung zu umweltfreundlichen Landbau
Unterstützung bei der Vermarktungsorganisation
Unterstützung bei der Direktvermarktung
Quelle: MAF 1999b
2.7.2 Direktzahlungsprogramm für umweltfreundlichen Landbau
Im Rahmen der "Verordnung über Direktzahlungen für Agrarproduzenten", die im Februar 1997 auf der Grundlage des "Sondergesetzes zur Umsetzung der WTO-Agrarverhandlung" beschlossen wurde, besteht seit 1999 in Südkorea das "Direktzahlungsprogramm für umweltfreundlichen Landbau". Ziel dieses Förderprogramms ist, das Einkommen der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe abzusichern und dadurch einen Anreiz für die Ausdehnung nachhaltiger Bewirtschaftungssysteme, die insbesondere den Belangen des Natur- bzw. Umweltschutzes Rechnung tragen, zu schaffen (MAF 1999a). Die Direktzahlung ist daher sowohl als eine Kompensation des sinkenden Einkommens für einen Betrieb, der extensive Bewirtschaftungsrichtlinien einhält, wie auch als Entgelt an die Landwirtschaft für Dienste, welche diese der Gesellschaft leistet, zu verstehen.
Bei Teilnahme an diesem Programm können Landwirte Zahlungen in Höhe von ca. 446 Euro/ha/Jahr für die Dauer von max. 5 Jahren erhalten (MAF 2000a). Von den Landwirten sind dabei folgende Bedingungen zu erfüllen:
- Lage des Betriebes
Gegenstand des Förderprogramms sind im Wesentlichen die Betriebe in Naturschutzgebieten, wie in Wasserschutzgebieten für die Trinkwasserversorgung und Sonderschutzgebieten sowie in Naturparks, weil dort die Bewirtschaftungsmaßnahmen stark eingeschränkt werden. 1997 betrug in Südkorea die Anzahl der Betriebe in den Naturschutzgebieten 57.374 und umfasste eine Fläche von 70.019 ha LF (Tab. 2.7.4). Tab. 2.7.4: Anzahl der Betriebe und landwirtschaftlich genutzte Fläche in Naturschutzgebieten Südkoreas im Jahre 1997
Wasserschutzgebiete für die Trinkwasserversorgung
Quelle: Lee 2001 ↓166
- Betriebsstruktur
Um eine leistungsfähige Verwaltung zu ermöglichen und um vergleichsweise größere Auswirkungen des Umweltschutzes zu gewährleisten, werden bevorzugt Arbeitsgemeinschaften und Agrargenossenschaften bzw. -firmen gefördert. Eine Arbeitsgemeinschaft soll aus mehr als 5 Betrieben bestehen und die Betriebsgröße sollte mindestens 1.000 m2 LF betragen (MAF 2000a).
In dem Programm wird ausschließlich die Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln gefördert. Seit 2004 erfolgt auch die Förderung für tierische Produkte im Rahmen des Musterprogramms "Direktzahlung für umweltfreundliche Tierhaltung von 2004 bis 2005" (MAF 2004a). Das ist eine Erprobungsphase und soll nach Evaluierung des Programms weitergeführt werden. ↓167
Die einzelnen Anträge der Mitgliederbetriebe sollen mit dem Betriebsplan für fünf Jahre vom Vertreter der Arbeitsgemeinde dem Stadt-/Landkreisamt vorgelegt werden. Dann erfolgen Standortbesichtigungen durch den Prüfer und anschließend die Auswahl der Betriebe. Die Betriebsleiter der ausgewählten Betriebe müssen an den Ausbildungsseminaren teilnehmen, die vom Stadt-/Landkreisamt und staatlichem Forschungsinstitut für Agrartechnik sowie vom Kontrollamt für die Qualität der Agrarerzeugnisse (NAQS) und Zusammenschluss für landwirtschaftliche Genossenschaften (NACF) organisiert werden (MAF 2000a). Bevor die Subvention tatsächlich ausgezahlt wird, werden zweimal - vor der Aussaat und nach der Ernte - Untersuchungen zu chemischen Bodenparametern durchgeführt und nach der Ernte eine Untersuchung der Ernteprodukte. Dabei sind die Bestimmungen für die Produktion im umweltfreundlichen Landbau (vgl. Tab. 2.5.1) einzuhalten (MAF 1997).
Stand zur Durchführung des Direktzahlungsprogramms Das Direktzahlungsprogramm für umweltfreundlichen Landbau hat in Südkorea bislang eine große Akzeptanz gefunden. Im Jahre 1999 wurde es von 21.105 Betrieben beantragt. Davon wurden 18.008 Betriebe mit 10.572 ha LF gefördert. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Betriebe mit Reisanbau. D.h., im Jahre 1999 lag die Anzahl der Betriebe mit Reisanbau bei 13.887. Damit machten sie ca. 77 % der gesamten Anzahl der Betriebe aus (Abb. 2.7.1). Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Reis das Grundnahrungsmittel Südkoreas ist, so dass in Südkorea der Reisanbau durch Preisunterstützung als staatliche Aufgabe gefördert wurde, aber nach der WTO-Agrarverhandlung solche Unterstützung nicht mehr erfolgen darf und dass damit der Schwerpunkt der staatlichen finanziellen Unterstützung in der Landwirtschaft vor allem auf die Betriebe mit Reisanbau gelegt ist. Darüber hinaus wird seit 2001 ein "Direktzahlungsprogramm für Reisanbau" gesondert durchgeführt (Gyongnam KIAST 2001).
Seit 1999 werden jährlich rd. 4,9 Mio. Euro an die umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe direkt ausgezahlt. Nach dem Förderungsplan des südkoreanischen Landwirtschaftsministeriums für umweltfreundlichen Landbau soll die Förderungshöhe in den nächsten Jahren beträchtlich angehoben werden. Danach stehen in den kommenden vier Jahren jährlich 20 Mio. Euro zur Verfügung (Jeju RDA 2001).
Abb. 2.7.1: Anzahl der am Direktzahlungsprogramm teilnehmenden Betriebe nach Kulturarten im Jahre 1999
Diese finanzielle Hilfe durch Direktzahlung hat neben der Ausweitung des umweltfreundlichen Landbaus positive ökologische Wirkungen gebracht. D.h., nach dem Bericht des Landwirtschaftsministeriums (2000b) wurden im Jahre 1999 in Betrieben, die am Direktzahlungsprogramm für umweltfreundlichen Landbau teilnahmen, insgesamt ca. 30 % weniger chemische Düngemittel angewandt. Ebenso wurden chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel 1 bis 3 mal weniger ausgebracht als in den konventionell wirtschaftenden Betrieben (4 bis 6 mal). Allerdings sind auch einige Schwächen im Programm erkennbar. Beispielsweise ist derzeit die Prämienhöhe einheitlich gestaltet. Um einen besonderen finanziellen Anreiz für "Yuki"-Betriebe zu gewährleisten, sollten die Prämien differenziert werden. Diese Differenzierung könnte nach Nutzungsarten und Standortqualität als auch nach Anbaurichtungen errechnet werden.
Wie erwähnt, hat durch das Förderungsprogramm die Produktion der umweltfreundlichen Agrarprodukte stark zugenommen. Da dabei die Vermarktung dieser Produkte nicht berücksichtigt wurde, führt die sprunghafte Erhöhung der Produktionsmenge häufig zu Absatzproblemen am betroffenen Standort (Gyongnamdomin-Ilbo 1999; Nongohminsinmun 1999). Dementsprechend müssen Förderungsmaßnahmen zur Verbesserung der Vermarktung von Produkten aus dem umweltfreundlichen Landbau mit erfolgen.
2 Maßeinheit für Feldmaß (= 4.047 m2)
3 National Agricultural Lands Study
4 Die Übersetzung lautet "Zusammengesetzte Verschmutzung".
5 6 7 8 9 10 11 12 »Umweltfreundlicher Landbau«
13 »Bulletin Jeongnong«
14 »Infobrief Jeongnong«
15 »Die Einführung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise«
16 »Die Gesundheit und der natürliche Landbau«
17 "Direktverkaufstelle für unverschmutzte Agrarprodukte von Pulmuone"
18 d.h. Heuk (= der Boden) + Salim (= Wiederbelebung)
19 "Pum" bedeutet die Spitzenklasse.
20 § 6.1 21 Integrated Nutrient Management 22 Integrated Pest Management
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References: § 7
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 § 6