Source: http://www.takeover.ch/transactions/document/id/42
Timestamp: 2018-01-20 14:29:53+00:00

Document:
0171 / 01 - EIC Electricity SA (Zur Transaktion)
Die EIC Electricity SA („EIC“ oder „Zielgesellschaft“) ist eine Investmentgesellschaft mit Sitz in Genf. Die ordentliche Generalversammlung der EIC vom 14. März 2003 beschloss unter anderem, a) Art. 10 ihrer Statuten, mit welchem sie die Angebotspflicht wegbedungen hatte (sog. Opting Out), aufzuheben, b) das Aktienkapital von CHF 122'200'800 auf CHF 94'476'493.50 durch Nennwertreduktion sämtlicher Inhaberaktien von CHF 80 auf CHF 61.85 herabzusetzen, zwecks Minderung des Bilanzverlustes sowie c) das Aktienkapital von CHF 94'476'493.50 auf CHF 15'275'100 durch Nennwertreduktion sämtlicher Inhaberaktien von CHF 61.85 auf CHF 10 herabzusetzen; der Herabsetzungsbetrag von CHF 51.85 wurde den Aktionären in Form von Fondsanteilen EIC Energy Utility Fund („EIC Fund“) ausbezahlt. Der am 16. Mai 2003 von der Eidgenössischen Bankenkommission bewilligte EIC Fund ist ein Anlagefonds schweizerischen Rechts der Kategorie „Übrige Fonds“ im Sinn des Bundesgesetzes über die Anlagefonds. Ab 20. Juni 2003 wurden die 1'527'510 Inhaberaktien zu je CHF 10 Nennwert an der SWX Swiss Exchange („SWX“) und an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.
Die EIC bleibt als Gesellschaft mit Private-Equity-Beteiligungen bestehen.
Die Alpine Select AG (“Alpine” oder „Anbieterin“) ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zug. Ihr Aktienkapital beträgt CHF 156'800 und ist eingeteilt in 1'568'000 Namenaktien zu je CHF 0.1 Nennwert.
Alpine hält zusammen mit der Trinsic AG, Zug, der Hirst Meta Strategy Fund Ltd., Georgetown, USA, Daniel Sauter, Zug und Daniel Model, Salenstein 33.07 % an EIC.
Am 27. Juni 2003 kündigte Alpine in der Tagespresse und den elektronischen Medien an, dass sie den Aktionären der EIC ein öffentliches Kaufangebot von CHF 12.85 je EIC-Inhaberaktie unterbreite. Die Angebotsfrist läuft voraussichtlich vom 15. August 2003 bis zum 11. September 2003. Das Angebot wurde an folgende Bedingungen geknüpft: a) Alpine kann bei der EIC vor Publikation des Angebots eine Due-Diligence durchführen; b) bis zum Ablauf der Angebotsfrist tritt keine Wertverminderung resp. kein Ereignis ein, das zu einer dauerhaften Wertverminderung der Beteiligungen der EIC führt, die bei Anwendung unveränderter Bewertungsgrundsätze 10% des NAV (Basis von CHF 18.49) übersteigt; c) nach Ablauf der Angebotsfrist hält Alpine mindestens 80% aller bei Ende der Angebotsfrist ausgegebenen Inhaberaktien der EIC.
Ebenfalls am 27. Juni 2003 teilte die EIC mittels Ad hoc-Information mit, dass sie derzeit den Fair Value ihrer Investition in die Scandinavian Energy Finance Limited („SEFL“) überprüfe. Diese Überprüfung sei notwendig geworden, da bei der Implementierung einer neuen Tarifstruktur für die Kunden von vier Fernwärmeanlagen, die von der SELF finanziert worden seien, unerwartete Probleme aufgetreten seien. SEFL repräsentiere derzeit 37% des NAV der EIC.
Mit verfahrensleitender Anordnung vom 27. Juni 2003 forderte der Präsident der Übernahmekommission die EIC auf, zur Voranmeldung des Angebots der Alpine Stellung zu nehmen. Die Vernehmlassung erfolgte innert erstreckter Frist am 11. Juli 2003. Darin hielt die EIC im Wesentlichen fest, der heutigen Ad hoc- Information könne entnommen werden, dass die Anpassung des Fair Values von SEFL zu einer Reduktion des NAV der EIC auf CHF 16.19 geführt habe (retroaktiv per 30. Juni 2003). Damit sei eine Bedingung des Kaufangebots der Alpine nicht mehr erfüllt, da der NAV der EIC gegenüber der Basis von CHF 18.49 um mehr als 10% gesunken sei. Der Verwaltungsrat von EIC sei zur Zeit nicht bereit, der Durchführung einer Due-Diligence zuzustimmen. Ebenfalls gemäss Ad hoc-Information vom 11. Juli 2003 beabsichtige der Verwaltungsrat der EIC, keine Anlagen in neue Projekte mehr vorzunehmen, die bestehenden Private Equity Investments zu realisieren und der nächsten Generalversammlung die Liquidation der Gesellschaft zu beantragen. Gemäss ihren Berechnungen erweise sich schliesslich der Angebotspreis von CHF 12.85 als zu tief.
Am 14. Juli 2003 wurde der Alpine Frist bis zum 18. Juli 2003 angesetzt, um sich zur Eingabe der EIC vom 11. Juli 2003 vernehmen zu lassen. Fristgerecht stellte Alpine mit ihrer Stellungnahme folgende Anträge an die Übernahmekommission:
Zur Prüfung dieser Angelegenheit wurde ein Ausschuss bestehend aus Herrn Hans Caspar von der Crone (Präsident), Frau Maja Bauer-Balmelli und Frau Claire Huguenin gebildet.
1. Anspruch der Anbieterin auf Durchführung einer Due-Diligence-Prüfung?
1.1 Alpine macht geltend, dass der Verwaltungsrat von EIC gemäss Ad hoc-Information vom 11. Juli 2003 (vgl. hierzu lit. E. des Sachverhalts) beschlossen habe, die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft zu beenden und EIC geordnet zu liquidieren, wobei von einem Abschluss der Liquidation bis Ende 2005 ausgegangen werde. Diesen Liquidationsbeschluss hätte der Verwaltungsrat als Reaktion auf das Angebot der Alpine gefasst, und die Durchführung des Liquidationsplanes führe im Ergebnis dazu, dass die EIC-Aktionäre eine Liquidationsdividende (vermutlich) in Bargeld erhielten. Alpine mache dasselbe mittels öffentlichem Kaufangebot: Aktionäre, die das Angebot annehmen würden, erhielten Bargeld. Im übernahmerechtlichen Kontext bedeute somit diese durch die EIC als Reaktion auf das Alpine-Angebot ins Auge gefasste Liquidation aus Sicht des EIC-Aktionärs, dass ihm zwei „Angebote“ unterbreitet würden. Insofern bestünde ein kompetitiver Prozess zwischen der Zielgesellschaft und der Anbieterin: Das Angebot der Alpine könne infolge der Liquidationsplanung des Verwaltungsrats der EIC als gleichwertig mit der Liquidation bezeichnet werden. In einer solchen Situation garantiere Art. 30 BEHG dem EIC-Aktionär, dass er als Aktionär der Zielgesellschaft zwischen den verschiedenen Angeboten frei wählen könne. Diese freie Wahl setze voraus, dass die beiden „Angebote“ vergleichbar seien, was wiederum bedinge, dass Alpine ihr Angebot aufgrund derselben Information wie die EIC machen könne. Insoweit sei aus Art. 30 BEHG das Recht der Alpine abzuleiten, eine Due-Diligence-Prüfung durchführen zu können. Infolge der vorgegebenen Fallkonstellation zweier „Angebote“ seien zum anderen aber auch die Bestimmungen über konkurrierende Angebote analog anwendbar. Die Anwendbarkeit des Börsenrechts ergebe sich bereits daraus, dass ein faktischer Konnex zwischen den Liquidationsabsichten der EIC und dem öffentlichen Kaufangebot der Alpine bestehe.
2. Inhalt des Verwaltungsratsberichts der Zielgesellschaft
2.1 Nach Art. 29 Abs. 1 UEV-UEK hat der Bericht des Verwaltungsrats der Zielgesellschaft alle Informationen zu enthalten, die notwendig sind, damit die Empfänger des Angebots ihre Entscheidung in Kenntnis der Sachlage treffen können.
3. Abwehrmassnahmen der Zielgesellschaft
3.1 Ab der Veröffentlichung eines Angebots zeigt die Zielgesellschaft der Übernahmekommission jede Abwehrmassnahme, welche sie einzusetzen gedenkt, im Voraus an (Art. 34 UEV-UEK). Folgende Massnahmen des Verwaltungsrats einer Zielgesellschaft ausserhalb eines Beschlusses der Generalversammlung sind insbesondere gesetzeswidrig: Der Verkauf oder der Erwerb von Betriebsteilen mit einem Wert oder zu einem Preis von mehr als 10 % der Bilanzsumme (auf der Basis des letzten, gegebenenfalls konsolidierten Jahres- oder Zwischenabschlusses) sowie der Verkauf oder die Belastung von Betriebsteilen oder von immateriellen Werten, welche zum Hauptgegenstand der Offerte zählen und vom Anbieter als solcher bezeichnet werden (Art. 35 Abs. 2 lit. a und b UEV-UEK).
4.1 Gemäss Art. 10 Abs. 5 UEV-UEK erster Satz UEV-UEK hat sich das Angebot auf alle kotierten Beteiligungspapiere der Zielgesellschaft zu erstrecken, wenn es so viele Beteiligungspapiere umfasst, dass bei deren Erwerb eine Angebotspflicht ausgelöst würde. Dabei hat der Angebotspreis den Bestimmungen über Pflichtangebote zu entsprechen (Art. 10 Abs. 5 UEV-UEKletzter Satz UEV-UEK). Mit ihrem Angebot beabsichtigt Alpine, alle sich im Publikum befindenden EIC-Inhaberaktien zu erwerben. Das Angebot erstreckt sich somit auf alle kotierten Beteiligungspapiere der Zielgesellschaft. Folglich muss der Angebotspreis der Mindestpreisbestimmung von Art. 32 Abs. 4 BEHG entsprechen. Davon gehen denn auch sowohl die Anbieterin wie auch die Zielgesellschaft aus. Indessen sind sich die Parteien uneins, ob der von Alpine im Rahmen des vorliegenden öffentlichen Angebots offerierte Betrag von CHF 12.85 tatsächlich dem Mindestpreis im Sinn von Art. 37 Abs. 2 BEHV-EBK entspricht oder nicht.
4.2 Nach Art. 32 Abs. 4 BEHG i.V.m. Art. 37 Abs. 2 BEHV-EBK und Art. 9 Abs. 3 lit. a UEV-UEK muss der Angebotspreis zudem mindestens dem Durchschnitt der während der letzten 30 Börsentage vor Veröffentlichung des Angebots ermittelten Eröffnungskurse entsprechen. Relevanter Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Angebots ist hier die Publikation der Voranmeldung, d.h. der 27. Juni 2003.
Aufgrund der Tatsache, dass am 9. Juni 2003 (Pfingstmontag) und am 29. Mai 2003 (Auffahrt) kein Handel in Schweizer Franken stattgefunden hat und es sich damit bei diesen beiden Tagen nicht um Börsentage im übernahmerechtlichen Sinn handelt, erstreckt sich hier die massgebende Zeitperiode von 30 Börsentage vom 14. Mai 2003 bis zum 26. Juni 2003. Während dieser Zeitspanne wurden die Aktien der EIC an 27 Tagen gehandelt. Dies stellt eine genügende Liquidität für die Durchschnittsberechnung nach Art. 37 Abs. 2 BEHV-EBK dar (vgl. Empfehlung in Sachen Optic – Optical Technology Investments AG vom 22. Oktober 2002, E. 3.3 ff.). Bei der Berechnung des Werts einer EIC Inhaberaktie ist sodann die interne Kapitalumstrukturierung (vgl. hierzu lit. A. des Sachverhalts) zu berücksichtigen. Ab dem 20. Juni 2003 wurden die Inhaberaktien der EIC am Segment für Investmentgesellschaften der SWX sowie an der Frankfurter Wertpapierbörse im amtlichen Markt mit neuem Nennwert von CHF 10 gehandelt. Dies hat zur Folge, dass ab dem 20. Juni 2003 der jeweilige Eröffnungskurs um den im Sachverhalt genannten Herabsetzungsbetrag von CHF 51.85, welcher den Aktionären in Fondsanteilen EIC Fund ausbezahlt wurde, korrigiert werden muss. Demnach berechnet sich der Wert einer Inhaberaktie der EIC wie folgt:
Eröffnungskurs (korrigiert)
(korrigierter Faktor)
5.1 Die am 27. Juni 2003 veröffentlichte Voranmeldung enthält unter anderem die Bedingung, dass bis zum Ablauf der Angebotsfrist keine Wertverminderung resp. kein Ereignis eintritt, das zu einer dauerhaften Wertverminderung der Beteiligungen der EIC führt, die bei Anwendung unveränderter Bewertungsgrundsätze 10% des NAV (Basis von CHF 18.49) übersteigt. Ebenfalls am 27. Juni 2003 gab EIC die im Sachverhalt (lit. D.) erwähnte Überprüfung ihrer Investition in die SEFL bekannt. Mit Ad hoc-Information vom 11. Juli 2003 teilte EIC mit, dass der Fair Value ihrer Beteiligung an SEFL auf den 30. Juni 2003 um 38% reduziert werden müsse.
In ihrer Stellungnahme vom 11. Juli 2003 an die Übernahmekommission hält EIC fest, dass aufgrund dieser Überprüfung eine der Bedingungen des Kaufangebots der Alpine nicht mehr erfüllt sei, da der NAV gegenüber der Basis von CHF 18.49 um mehr als 10% gesunken sei. In Anbetracht dessen, dass eine Bedingung des öffentlichen Übernahmeangebots der Alpine nicht erfüllt sei, sei der Verwaltungsrat der Zielgesellschaft (zur Zeit) nicht bereit, einer Due-Diligence-Prüfung durch die Anbieterin zuzustimmen.
Die vorliegende Empfehlung wird in Anwendung von Art. 23 Abs. 3 BEHG am ersten Börsentag nach der Eröffnung an die Parteien, d.h. voraussichtlich am 28. Juli 2003, auf der Website der Übernahmekommission veröffentlicht.
Die Gebühr für diese Empfehlung wird mit der Empfehlung der Übernahmekommission betreffend die Prüfung des öffentlichen Übernahmeangebots der Alpine erhoben.
Die Gebühr für diese Empfehlung wird mit der Empfehlung der Übernahmekommission betreffend die Prüfung des öffentlichen Kaufangebots der Alpine Select AG für sämtliche sich im Publikum befindenden Inhaberaktien der EIC Electricity SA erhoben.

References: Art. 10
 Art. 30
 Art. 30
 Art. 29
 Art. 10
 Art. 32
 Art. 37
 Art. 32
 Art. 37
 Art. 9
 Art. 37
 Art. 23