Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Widerruf_Aufhebungsvertrag_BAG_2AZR177-03.html
Timestamp: 2018-08-20 01:34:46+00:00

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Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bran­den­burg vom 30. Ok­to­ber 2002 - 7 Sa 386/02 - wird auf Kos­ten der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen.
1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung vom 28. Ja­nu­ar 2002 be­en­det wor­den ist, son­dern un­verändert über den 28. Fe­bru­ar 2002 hin­aus fort­be­steht,
und Ent­ste­hungs­ge­schich­te grundsätz­lich nicht auf ar­beits­recht­li­che Auf­he­bungs­verträge an­wend­bar sei.
gel­ten­den Fas­sung an­zu­wen­den ist. Dem­ent­spre­chend wer­den auch die „al­ten“ Dau­er­schuld­verhält­nis­se dem neu­en Recht un­ter­stellt. Da­durch soll ver­hin­dert wer­den, dass al­tes und neu­es Recht auf un­be­stimm­te Zeit par­al­lel gilt (BT-Drucks. 14/6040 S. 273). Um den Par­tei­en aber die Möglich­keit zu ge­ben, ih­re Verträge den geänder­ten Re­ge­lun­gen an­zu­pas­sen (vgl. Pa­landt/Hein­richs Art. 229 BGB § 5 EGBGB Rn. 7; Arm­brüster/Wie­se DStR 2003, 344) fin­det das BGB in sei­ner neu­en Fas­sung erst ab dem 1. Ja­nu­ar 2003 An­wen­dung. Die­se ge­setz­li­che Aus­ge­stal­tung ent­spricht der aus zahl­rei­chen Über­g­angs­be­stim­mun­gen be­kann­ten Re­ge­lan­knüpfung, nach der Dau­er­schuld­verhält­nis­se re­gelmäßig ge­wan­delt wer­den (Heß aaO S. 147; Pa­landt/Hein­richs BGB Art. 232 § 1 EGBGB Rn. 1).
NJW 2002, 253, 255; BGH 27. Mai 1999 aaO). Zu der­ar­ti­gen Umständen zählt ins­be­son­de­re ei­ne nachträgli­che Ver­ein­ba­rung über die Be­en­di­gung des zu­grun­de lie­gen­den Ver­tra­ges (BGH 27. Mai 1999 aaO; Pa­landt/Hein­richs aaO Art. 232 § 1 EGBGB Rn. 7).
465, 466; Reich­hold ZTR 2002, 202, 203; Rieb­le/Klumpp ZIP 2002, 2153, 2155; be­ja­hend: bei­spiels­wei­se Kitt­ner/Zwan­zi­ger/Bach­ner ArbR § 104 Rn. 81; ErfK/Müller-Glöge § 620 BGB Rn. 13; Bo­em­ke DB 2002, 96, 97; Gott­hardt Ar­beits­recht nach der Schuld­rechts­re­form München 2002 Rn. 173; Grund­stein FA 2003, 41, 42; Preis Son­der­bei­la­ge NZA Heft 16/2003, 19, 23 f.; Rei­ne­cke DB 2002, 583, 587; Reu­ter in Eck­art /Delbrück Re­form des deut­schen Schuld­rechts Ba­den-Ba­den 2003, 99, 105; Sin­ger RdA 2003, 194, 195). Auch kann da­hin­ste­hen, ob die Be­en­di­gungs­ver­ein­ba­rung über­haupt - oder nur bei Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung oä. - ei­ne ent­gelt­li­che Leis­tung im Sin­ne der Norm zum Ge­gen­stand hat oder es sich viel­mehr um ein nicht von der Norm er­fass­tes Verfügungs­geschäft han­delt (ei­ne ent­gelt­li­che Leis­tung - un­ter Hin­weis auf den "ac­tus con­tra­ri­us" - be­ja­hen Gott­hardt aaO Rn.177; Hümme­rich/Holt­hau­sen NZA 2002, 173, 178; Löwisch FS Wie­de­mann S. 316; Schleu­se­ner NZA 2002, 949, 951; vgl. auch Kitt­ner/Zwan­zi­ger/Bach­ner aaO § 104 Rn. 83 f. mwN; ab­leh­nend bei­spiels­wei­se LAG Rhein­land Pfalz 23. Ju­li 2003 - 9 Sa 444/03 - aaO; Bau­er NZA 2002, 169, 170; Lieb aaO S. 1238; Rieb­le/Klumpp ZIP 2002, 2153, 2159; Reu­ter aaO S. 108).
Rn. 13; Bau­er NZA 2002, 169, 171; Brors DB 2002,2046,2048; Hens­s­ler RdA 2002, 129, 135; Kie­n­ast/Schmiedl DB 2003, 1440, 1442; Lieb FS Ul­mer S. 1238; Preis Son­der­bei­la­ge NZA Heft 16/2003 S. 19, 30; Reu­ter in Eck­art/Delbrück Re­form des deut­schen Schuld­rechts Ba­den-Ba­den 2003, 99, 108; Reich­hold ZTR 2002, 202, 204; Rieb­le/Klumpp ZIP 2002, 2153; Schaub/Linck Ar­beits­rechts-Hand­buch § 122 Rn. 2; Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis Rn. 34; Schwerdt­ner FS Hon­sell S. 371, 377; LAG Hamm 1. April 2003 - 19 Sa 1901/02 - NZA RR 2003, 401, 402).
(5) Sch­ließlich kommt hin­zu, dass ein un­be­fris­te­tes Wi­der­rufs­recht nach § 355 Abs. 3 Satz 3 BGB im Fal­le ei­ner nicht ord­nungs­gemäßen Be­leh­rung sich nicht mit dem Be­schleu­ni­gungs­in­ter­es­se in ar­beits­recht­li­chen Be­en­di­gungs­strei­tig­kei­ten, wie es bei­spiels­wei­se in §§ 4, 7 KSchG, § 17 Tz­B­fG zum Aus­druck kommt, ver­ein­ba­ren ließe (Bau­er NZA 2002, 169, 172; Rieb­le/Klumpp ZIP 2002, 2153, 2154; aA Hümme­rich AnwBl 2002, 671, 678).
an­ge­bahnt und ab­ge­schlos­sen wer­den. Die aus­drück­li­che, nach­fol­gen­de Be­zug­nah­me auf Fern­ab­satz­verträge und Verträge im elek­tro­ni­schen Geschäfts­ver­kehr macht aber deut­lich, dass der Ge­setz­ge­ber mit der ge­nann­ten „Aus­strah­lungs­wir­kung“ nur die im Ge­setz ge­nann­ten und nicht an­de­re, nicht erwähn­te Schuld­verhält­nis­se in völlig an­de­ren Rechts­ma­te­ri­en ge­meint und nur für die­se spe­zi­el­len Ver­trags­ty­pen ein Wi­der­rufs­recht schaf­fen woll­te.
(3) Hin­zu kommt, dass der Ge­setz­ge­ber - an­ders als beim Haustürwi­der­rufs­ge­setz, das oh­ne sub­stan­ti­el­le Ände­run­gen in das BGB ein­gefügt wor­den ist (Pa­landt-Hein­richs BGB § 312 Rn. 1) - an an­de­rer Stel­le nämlich bei der Ein­glie­de­rung des AGB-Ge­set­zes in das BGB durch den Weg­fall der Be­reichs­aus­nah­me deut­lich ge­macht hat, dass be­stimm­te Re­ge­lun­gen des BGB nun­mehr auf die Ar­beits­verhält­nis­se er­streckt wer­den sol­len. So hat er ne­ben der aus­drück­li­chen Re­ge­lung in § 310 Abs. 4 BGB nF auch in den Ma­te­ria­li­en zu §§ 474 ff. BGB nF dar­auf ver­wie­sen, dass Per­so­nen nicht des­halb aus dem Ver­brau­cher­be­griff aus­ge­nom­men wer­den sol­len, weil sie ei­ne Sa­che kau­fen, die sie in ih­rer Tätig­keit als Ar­beit­neh­mer benöti­gen, und zwar auch dann nicht, wenn Verkäufer der Ar­beit­ge­ber ist (BT-Drucks. 14/6040 S. 243).
cc) Sch­ließlich spre­chen ent­schei­dend der Sinn und Zweck der Re­ge­lung des § 312 BGB nF ge­gen ei­ne An­wen­dung des Wi­der­rufs­rechts auf ar­beits­recht­li­che Auf­he­bungs­verträge. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ist ei­ne dem Haustürgeschäft ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on beim Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags im Be­trieb grundsätz­lich nicht ge­ge­ben.
(2) Den in § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 3 BGB nF en­u­me­ra­tiv auf­geführ­ten Haustürgeschäften ist ei­ne be­stimm­te Ver­triebs- und Ver­mark­tungs­art ge­mein­sam. Dies macht schon der ge­setz­li­che Un­ter­ti­tel 2 „Be­son­de­re Ver­triebs­for­men“ deut­lich. Den ge­setz­li­chen Tat­beständen ist ge­mein­sam, dass die Ver­trags­schluss­si­tua­ti­on außer­halb von Geschäftsräum­en, dh. außer­halb fes­ter - für den Ver­brau­cher öffent­lich zugäng­li­cher - Ver­kaufs- und La­denräume statt­fin­det (BT-Drucks. 14/6040 S. 166; zum Gan­zen: HK-BGB/Schul­te/Nölke § 312 Rn. 7). Der Er­folg der in § 312 BGB nF ge­nann­ten Rechts­geschäfte ba­siert für den An­bie­ter im We­sent­li­chen auf der für den Ver­trags­schluss be­son­de­ren Si­tua­ti­on, in der dem Ver­brau­cher sug­ge­riert wird, es han­de­le sich um ein be­schränk­tes An­ge­bot, das nur so­fort an­ge­nom­men wer­den könne (Brors DB 2002, 2046, 2047; Rieb­le/Klumpp ZIP 2002, 2153, 2159). Der Ver­brau­cher hat auf Grund der Si­tua­ti­on kei­ne Möglich­keit, Qua­lität und Preis des An­ge­bots mit an­de­ren An­ge­bo­ten zu ver­glei­chen (BT-Drucks. 10/2876, S. 6). Ihm ste­hen kei­ne hin­rei­chen­den In­for­ma­tio­nen für ei­ne ra­tio­na­le Ent­schei­dung zur Verfügung. Will er sich das Rechts­geschäft nicht ent­ge­hen las­sen, muss er kon­tra­hie­ren. Dem­ent­spre­chend will § 312 BGB nF dem Ver­brau­cher die Möglich­keit eröff­nen, sich die Ver­gleichs­in­for­ma­tio­nen zu be­schaf­fen. Er will da­mit die In­for­ma­ti­ons­asym­me­trie - nachträglich - durch ei­nen Un­ter­rich­tungs­an­spruch und ein be­fris­te­tes Wi­der­rufs­recht kor­ri­gie­ren (Reu­ter in Eck­art/Delbrück Re­form des deut­schen Schuld­rechts Ba­den-Ba­den 2003, 99, 104). § 312 BGB nF schafft dem­nach ei­nen si­tua­ti­ons­be­zo­ge­nen Ver­brau­cher­schutz (Preis Son­der­bei­la­ge NZA Heft 16/2003 S. 19, 30; Reu­ter aaO S. 108 ff.). Da­bei dif­fe­ren­ziert § 312 Abs.1 Satz 1 BGB nF nach ein­zel­nen, ty­pi­sier­ten Si­tua­tio­nen. Während in § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 3 BGB nF die Über­rum­pe­lungs­ge­fahr im Vor­der­grund steht, trägt die Nr. 2 des § 312 Abs. 1 Satz 1 BGB nF primär dem Um­stand Rech­nung, dass sich der Ver­brau­cher si­tua­tiv den Ver­hand­lun­gen nicht ent­zie­hen kann. Für § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB nF ist die im Ge­setz ge­nann­te - ört­li­che - Si­tua­ti­on, in der die Ver­trags­an­bah­nung statt­fin­det, ent­schei­dend für den Über­rum­pe­lungs- und Über­ra­schungs­ef­fekt. Nur für die­sen ty­pi­sier­ten Fall hält der Ge­setz­ge­ber ei­nen ge­ne­rel­len Kun­den­schutz für er­for­der­lich. Des­halb kann das Wi­der­rufs­recht bei Auf­he­bungs­verträgen nach § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB nF nicht mit dem Hin­weis be­jaht wer­den, der Ar­beit­neh­mer könne sich den Ver­trags­ver­hand­lun­gen, die an sei­nem Ar­beits­platz statt­fin­den, ggf. nur schwer ent­zie­hen (aA Schleu­se­ner NZA 2002, 949, 951). Fin­det die Ver­trags­an­bah­nung bzw. der Ver­trags­schluss in ei­nem „re­gulären“ Geschäfts­lo­kal, dh. an ei­nem für den Ver­trag ty­pi­schen Ort statt, schützt
§ 312 BGB nF den Ver­brau­cher ge­ra­de nicht, auch nicht vor ei­nem über­le­ge­nen Wis­sen oder be­son­de­ren „Ver­hand­lungsküns­ten“ des Ver­trags­part­ners.
geschützt wer­den als ein Ar­beit­neh­mer beim Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges, bei dem re­gelmäßig sei­ne ge­sam­te exis­ten­ti­el­le Le­bens­grund­la­ge be­trof­fen sei (so zB Kitt­ner/Zwan­zi­ger/Bach­ner ArbR § 104 Rn. 82), nicht wei­ter und kann ein ge­setz­lich nicht be­ste­hen­des Wi­der­rufs­rechts nicht be­gründen.
I. Wal­ter Dr. Ro­eckl
zur Übersicht 2 AZR 177/03

References: Art. 229
 § 5
 Art. 232
 § 1
 BGH 
 Art. 232
 § 1
 § 104
 § 620
 § 104
 § 122
 § 355
 § 17
 § 312
 § 310
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312
 § 312

§ 312
 § 104