Source: http://palikanon.com/khuddaka/jataka/j510.htm
Timestamp: 2017-03-25 07:49:22+00:00

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510 Ayoghara-Jataka
Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 510. Die Erzählung von Ayoghara (Ayoghara-Jātaka)
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, auch mit Beziehung auf die große Weltentsagung. Damals aber sagte er ebenfalls: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon hat der Vollendete die große Weltentsagung betätigt“, und erzählte hierauf folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, empfing die erste Gemahlin des Königs Brahmadatta eine Leibesfrucht. Nachdem die Zeremonie der Empfängnis [1] gefeiert und ihre Frucht zur Reife gelangt war, gebar sie zur Zeit der Morgendämmerung einen Sohn. In ihrer früheren Existenz aber hatte eine Nebenbuhlerin von ihr den Wunsch sich vorgenommen: „Ich will die von dir geborenen Kinder auffressen dürfen“; diese war nämlich selbst unfruchtbar und hatte aus Hass gegen die Mutter der Kinder diesen Entschluss gefasst. Deshalb war sie als Dämonin wiedergeboren worden. Die andere aber war die erste Gemahlin des Königs geworden und hatte ihren Sohn geboren. Damals aber bekam die Dämonin die Erlaubnis zu ihrem Tun. Vor den Augen der Königin kam sie daher, schrecklich anzusehen, riss den Knaben an sich und entfloh. Die Königin schrie laut: „Eine Dämonin hat meinen Sohn an sich genommen und ist damit fortgelaufen.“ Die andere aber fraß schmatzend den Knaben auf wie eine Zwiebelknolle; nachdem sie dann die Königin mit verschiedenen Handbewegungen u. dgl. geängstigt und erschreckt hatte, entfernte sie sich wieder.
§1. „Wenn eine Nacht zum ersten Male im Mutterschoß geruht der Knabe,
liegt er wie die wachsende Wolke
und kehrt nicht um in der Entwicklung [4].
§2. Nicht wenn man kämpft, nicht wenn man kräftig schreit [5],
entgeht man drum dem Altern und dem Tod; unter Geburt und Tod hier leidet alles. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§3. Ein vierteiliges [6] Heer, furchtbar zu schauen, die Reichsfürsten besiegen und bezwingen; den Tod jedoch können sie nicht besiegen. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§4. Von Elefanten, Pferden, Wagen, Fußvolk umgeben können viele sich befreien,
doch können sie sich nicht vom Tode retten. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§5. Mit Elefanten, Pferden, Wagen, Fußvolk zerstören und vernichten tapfre Helden, den Tod jedoch können sie nicht zerstören. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§6. Zornige Elefanten vor Wut schäumend zertreten ganze Städte, töten Leute, den Tod jedoch können sie nicht zertreten. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§7. Die Bogenschützen, die geschickten, klugen, die weithin treffen, auf das Auge zielen, sie können dennoch nicht den Tod verwunden. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§8. Seen vergehn mit Felsen und mit Wäldern, nach langer Zeit vergeht das alles hier und alles wird zerstört im Lauf der Zeiten; drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§9. Von allen hier, ob Männer oder Frauen,
ist unbeständig hier der Wesen Leben
wie Trinkers Kleid [7] und wie ein Baum im Sande;
drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§10. Wie Früchte von dem Baum die Menschen fallen jung sowie alt durch ihres Leibs Zerstörung, Frauen und Männer in des Lebens Mitte; drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§11. Nicht glänzt dies Leben wie der Sterne König [8], denn was verschwunden, das kehrt nicht zurück; für 's Alter bleibt nicht Freude mehr noch Glück. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§12. Dämonen und Unholde und Gespenster mit ihrem Atem töten sie voll Zorn die Menschen; mit ihrem Atem können sie den Tod nicht töten. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§13. Dämonen und Unholde und Gespenster kann man, auch wenn sie zornig sind, versöhnen; den Tod jedoch, ihn kann man nicht versöhnen. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§14. Die Übeltäter, Feinde und Verletzer die Kön'ge strafen, wenn von Schuld sie hören; den Tod zu strafen sind sie nicht im Stande. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§15. Die Übeltäter, Feinde und Verletzer können die Kön'ge auch mit sich versöhnen; den Tod jedoch können sie nicht versöhnen. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§16. Die Krieger nicht und auch nicht die Brahmanen, die Reichen nicht und die durch Kraft Berühmten, nicht finden Mitleid sie beim Herrn des Todes; drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§17. Die Löwen, Tiger und Panter besiegen, wer ihnen widersteht, und fressen ihn;
den Tod jedoch können sie nicht verzehren. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§18. Die Gaukler, die in dem Theater spielen, täuschen die Augen aller Zuschauer;
den Tod jedoch, ihn können sie nicht täuschen. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§19. Die Giftschlangen voll Zorn mit starkem Gifte, sie beißen Menschen und sie töten sie; doch nicht vermögen sie den Tod zu beißen. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§20. Wenn die Giftschlangen in der Wut gebissen, so machen Ärzte unwirksam ihr Gift;
nicht können sie dies bei des Todes Gift. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§21. Dhammantarī, Vetaranī und Bhoja [9] machten das Gift der Schlangen unwirksam; doch sind sie tot, man hört nur noch von ihnen. Drum ist es mein Entschluss: ich lebe heilig.
§22. Die Zauberer, die starken Zauber kennen, machen sich unsichtbar durch ihre Mittel; des Todes Blick jedoch sie nicht entgehen. Drum ist es mein Beschluss: ich lebe heilig.
§23. Tugend fürwahr beschützt den Tugendhaften, die wohl gepflegte Tugend bringt das Glück. Dies ist der Nutzen wohl gepflegter Tugend: nicht kommt zu Strafen [10], wer in Tugend lebt [11].
§24. Nicht haben Tugend und Untugend
beide den nämlichen Erfolg;
die Untugend bringt in die Hölle,
die Tugend aber führt zum Heil [12].“ —
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen und hinzugefügt hatte: „So, ihr Mönche, hat auch früher schon der Vollendete die große Weltentsagung betätigt“, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals waren die Eltern die Familie des Großkönigs, die Versammlung war die Buddhaschar, der weise Ayoghara aber war ich.“
[1] Nach Feststellung der Empfängnis wurde eine Zeremonie gefeiert, um die Frucht in göttlichen Schutz zu stellen.
[1a] D.h. Eisen.
[2] Ein andrer Name für Kuvera, den Gott des Reichtums. Er ist zugleich der Fürst der Dämonen.
[3] Im ganzen gibt es 136 Höllen, 8 größere und 128 kleinere, zu welch letzteren die beiden genannten gehören.
[4] Der Kommentator fügt folgende Verse hinzu (vgl. dazu Milinda-Panha S. 421):
„Zuerst entsteht der kleine Fötus,
vom Fötus kommt der Embryo; vom Embryo entsteht das Fleisch
und aus dem Fleisch entsteht das Feste; vom Festen darauf Leib und Schenkel, Haupthaare, Körperhaar und Nägel.
Und alles, was die Mutter sein
an Trank und Speise zu sich nimmt,
davon ernährt sich dort der Mann,
der in der Mutter Schoß gekommen.“
[5] Der Kommentator erklärt zwar „vassita“ als „samannagata“, aber die wörtliche Bedeutung gibt auch einen guten Sinn.
[6] Bestehend aus Elefanten, Reitern, Wagen und Fußvolk.
[7] Nach dem Kommentator: weil der Trinker oft sein Gewand für Branntwein verkauft.
[8] Der Mond.
[9] Nach dem Kommentator die Namen von berühmten Ärzten.
[10] Gemeint sind die oben am Ende des Jātaka 509 genannten vier Strafexistenzen. [Hölle, Tiere, büßende Geister, Dämonen]
[11] Diese Strophe steht auch in der Einleitung zum Jātaka-Buche (bei Fausböll Band I, S. 31), sowie in den Theragatha 303, und im Kommentar zum Dhammapadam S. 126.
[12] Auch im Kommentar zum Dhammapadam S. 99 und Theragatha S. 35 zitiert.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17

§18

§19

§20

§21

§22

§23

§24