Source: http://dagmarwilde.de/sprachfoerderung/sprachfoerderung_eingang.html
Timestamp: 2018-12-10 17:16:54+00:00

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Sprache ist als Werkzeug des Denkens ein Schlüssel zum Bildungserfolg. Dabei geht es um alle Kinder - nicht allein um Kinder mit Migrationshintergrund. Die Auswertung der Orientierungsarbeiten in Klasse 2 durch die Ludwig-Maximilian-Universität München bestätigte die Ergebnisse von PISA und IGLU: Es ist nicht allein das Merkmal ndH, das die Leistungsentwicklung eines Schülers/einer Schülerin erklärt, sondern eine wesentlich Rolle für die Leistungsentwicklung spielen soziale und kulturelle Verhältnisse (Bildungsniveau, Berufsabschluss der Eltern, Buchbestand im Elternhaus). Soziale und kulturelle Herkunft sind in ihrer Wirkung gekoppelt - ndH spielt im Vergleich dazu eine geringere Rolle.
Sprachförderung muss frühzeitig vor der Schule beginnen und in der Schule systematisch fortgesetzt werden. Ein Gesamtkonzept dafür liegt in Berlin seit 2004 vor.
Art. 6 und 7 des Grundgesetzes haben zur Folge, dass die Entscheidung über einen Kitabesuch Elternrecht ist (auch wenn sprachliche oder entwicklungsbedingte Verzögerungen vorliegen). Es gilt zu erreichen, dass alle Eltern (mit und ohne Migrationshintergrund) aktiv daran mitwirken, dass ihr Kind optimale Lernanregungen erhält, die seine Sprachentwicklung und sein Weltwissen ebenso wie seine Persönlichkeitsentwicklung positiv unterstützen. Künftig wird ein kostenfreies letztes Kita-Jahr als Angebot an alle Eltern bereitstehen und damit allen Eltern das Angebot machen, ihr Kind zumindest ein Jahr vor der Einschulung einer verbindlichen institutionell eingerichteten Sprachförderung zuführen.
Es ist anzunehmen, dass der Prozentsatz der Kinder, die eine Kita besuchen, ansteigen wird (wobei er auch bisher bereits bei ca. 96% liegt). Kinder mit Sprachförderbedarf, die keine Kita besuchen, werden auch künftig zur Teilnahme an einem vorschulischen Sprachkurs verpflichtet.
Verpflichtende Sprachstandsfestellung nach Schulanmeldung
Regelungen bis Sommer 2008
Die Sprachstandsfeststellung erfolgte ab 2004 im letzten Quartal des Kalenderjahres vor Schuleintritt; entweder in der Kita oder - sofern ein Kind keine Kita besucht hat - in der Schule. Bei nicht hinreichender Sprachkompetenz erhalten Kita-Kinder eine gezielte Sprachförderung in ihrer Kita. Kinder, die keine Kita besuchen, nahmen bis Sommer 2008 im letzten halben Jahr vor Schulbeginn an verpflichtenden Sprachförderkursen an Schulen teil (SchulG § 55 (2), § 131 (2), GsVO § 6). Für die Kinder, die eine Kita besuchen, trifft die Qualitätsvereinbarung Tageseinrichtungen die Aussage, dass das Sprachlerntagebuch in den Kitas zukünftig als eine Maßnahme zur Sprachstandsfeststellung im Sinne des §55, Absatz 2 SchulG gilt. Voraussetzung hierfür ist, dass das Sprachlerntagebuch flächendeckend, fachkundig und konsequent eingesetzt wird. Entsprechende Fortbildungen zur Einführung und Anwendung des Sprachlerntagebuches werden bereits angeboten.
Sprachstandserhebungsinstrument "DeutschPlus"
Der Screening-Test "DeutschPlus" wird als Sprachstandserhebung (Sprachgebrauch und Sprachverständnis) seit 2004 im Rahmen der Schulanmeldung im November für Nicht-Kita-Kinder in der Schule - für Kita-Kinder ab Sommer in der Einrichtung - durchgeführt. Während das Sprachlerntagebuch der Kita ein prozessbegleitendes Instrument ist, stellt DeutschPlus zu einem herausgehobenen Zeitpunkt - nämlich im Rahmen der Schulanmeldung im November - fest, ob das Kind bereits eine bestimmte Stufe der Sprachaneignung erreicht hat, die es ihm erlaubt, im Unterricht zu lernen.
Teil I: Basisinformationen zur Sprachbeherrschung des Kindes, A Herkunft und Sprache, B Wie gut beherrscht das Kind die deutsche Sprache?
Teil II-A: Beobachtungssituation Passiver Wortschatz [Wimmelbild]
Teil II-B: Beobachtungssituation Aufgabenverständnis [Kuscheltier]
Teil II-C: Beobachtungssituation Aktive Äußerungen [Bildkarten]
Abbruch des Tests jeweils in Teil II sobald Sprachförderbedarf eindeutig erkennbar.
DeutschPlus eine Adaption des Instruments aus Niedersachsen "Fit für Deutsch", es wird in seit Frühjahr 2004 jährlich evaluiert, seit Herbst 2004 flächendeckend eingesetzt und in Bezug auf Schwellwert jeweils neu angepasst.
Bericht zur Sprachstandsfeststellung 2005
Ergebnisse der Sprachstandserhebung 2005
Von 24.340 Kita-Kindern hatten 5.930 (24,4 Prozent) Förderbedarf (Vorjahr: 22,6 Prozent). Unter den 1.140 Kindern, die keine Kita besuchten, hatten 566 (49,6 Prozent) Förderbedarf (Vorjahr: 50,1 Prozent).
Unter den 17.918 Kindern deutscher Herkunftssprache wurde bei 2.222 (12,4 Prozent) Förderbedarf festgestellt. Unter den 7.560 Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache bestand Förderbedarf bei 4.274 Kindern (56,5 Prozent).
Unter den 1.140 Kindern, die keine Kita besucht hatten, hatten von den 489 Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache 78,9 Prozent Förderbedarf. Von 649 Kindern deutscher Herkunftssprache ohne Kitabesuch hatten 27,7 Prozent (180 Kinder) Förderbedarf.
Informationen zur Auswertung der Sprachstandserhebung (im Pressehandout S. 25)
Sprachkurse an Schulen im Jahr 2006
Von den Kindern mit Förderbedarf wurden seit Anfang Februar 5.930 in ihrer Kita gefördert. Ca. 600 Kinder, die keine Kita besuchten, wurden in ca. 80 Kursen wohnortnah an den Grundschulen bzw. in einzelnen Fällen in Kitas gefördert.
Kurse an Schulen fanden zur Vorbereitung des Schuljahres 2006/07 ab 6. Februar 2006 an fünf Tagen in der Woche (mit Ausnahme der Schulferien) im Umfang von 3 Zeitstunden pro Tag statt. 2 Zeitstunden wurden von einer DaZ-Lehrkraft, 1 Zeitstunde von einer Erzieherin mit DaZ-Zusatzqualifikation (ehemalige Vorklassenleiterin) erteilt.
Die zusätzliche Stunde, die von Erzieherinnen geleitet wurde, diente der sprachanregenden Förderung im Spiel und im Miteinander in der Kindergruppe sowie der Förderung basaler Kompetenzen (motorische, personale, soziale Fähigkeiten), die Kindern fehlen, die keine Kita besuchen. Damit wurden Erfahrungen bezüglich der entwicklungsverzögerten Voraussetzungen der Kinder aus dem ersten Kurslauf 2005 aufgegriffen.
An bestimmten Standorten wurden die Vorkurse durch Kooperation mit den Volkshochschulen und den bestehenden Angeboten der Mütter- bzw. Elternkurse flankiert - positive Wirkungen auf das Interesse der Eltern am Spracherwerb ihrer Kinder werden berichtet.
Für die Sprachförderkurse vor Schuleintritt ist ein Gesamtkonzept erarbeitet worden, das Vorkurs und Schulanfangsphase verbindet.
Im Zentrum dieses didaktisch-methodischen Konzepts für die Sprachförderung steht das so genannte Sprachlerntagebuch, mit dem im Vorkurs begonnen und das in der Schulanfangsphase in Form der Lerndokumentation Sprache (auch als Kurzfassung) in erweiterter Form fortgeführt wird.
In einem vom Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) erarbeiteten Materialpaket (Materialien zum Sprachlernen in Vorkurs und Schulanfangsphase) für die Hand der Lehrkräfte, das zurzeit 7 (von insgesamt 14) Handreichungen enthält, sind die beim Spracherwerb relevanten Förderbereiche (basale Fähigkeiten, phonologische Bewusstheit) sowohl systematisch entfaltet als auch in Form von Lernszenarien für den Unterricht aufbereitet.
Weitere Materialien zur Förderung existieren darüber hinaus an allen Schulen, denn Sprachförderung ist Bestandteil des Anfangsunterrichts.
Anschlussfähigkeit der Förderung im Vorkurs und Fortführung der Förderung in der Schulanfangsphase ist über Materialien zum Sprachlernen in Vorkurs und Schulanfangsphase sowie Lernausgangslagenerhebung (LauBe) in den ersten sechs Wochen nach Schuleintritt hergestellt.
Vorkurse Februar - Juli 2006: Resümee
Eine früher einsetzende - somit längerfristigere - gezielte Sprachförderung wäre für alle Kinder wünschenswert. Selbstverständlich ist für alle Kinder eine Fortsetzung der Sprachförderung in der Schulanfangsphase erforderlich. Das Elternhaus muss hier aktiv mitwirken. Alle Maßnahmen, mit denen unter den Eltern für den Besuch der Kita geworben wird, sind hier von hoher Bedeutung.
In den Kursen zeigte sich,
dass es den Kindern mit Sprachförderbedarf nach DeutschPlus sowohl an grundlegendem Sprachverständnis als auch an Fähigkeiten zum aktiven Sprachgebrauch fehlte,
dass wichtige motorische und feinmotorische Fähigkeiten gering entwickelt waren,
dass Förderbedarf im Bereich sozialer und personaler Kompetenzen existierte.
Die Kinder nahmen regelmäßig und hoch motiviert am Kurs teil. Maßnahmen der Schule bzw. des Schulträgers zur Sicherung der Teilnahmepflicht waren überwiegend erfolgreich.
Neben gezielten Sprachlernszenarios wurden in den Kursen alle Angebote vorschulischer Einrichtungen bereitgestellt, die den aktiven und passiven Sprachschatz stimulierten:
Erzählen zu Bildern und beim Basteln, Spiele zum Spracherwerb, Vorlesen, Erzählen, Kleingruppengespräche, freies Spielen, Bewegungsspiele in der Turnhalle sowie gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge, Schulgartenbesuch, Einkaufen, Morgenkreis.
Eine Befragung der Kursleiter bestätigte die Konzeption der Kurse:
isolierte Vermittlung sprachlicher Normen, isoliertes Fördern des Wortschatzes oder des Satzbaus ist sinnlos;
gezielt einzubeziehen sind Angebote, die das Sprachhandeln in Alltagssituationen anregen und daraus Lernsituationen aufschließen: Miteinander-Sprechen, Einander-Zuhören, Verstehen des Gesprächspartners, Sich-Äußern;
als Material haben sich das vom LISUM Berlin erstellte Sprachlerntagebuch und die Handreichungen zum Sprachlernen, der Rahmenlehrplan DaZ sowie Angebote verschiedener Verlage bewährt;
die Sprachkurse waren geeignet, Schwellenängste von Kindern und Eltern gegenüber der Schule abzubauen.
Zu bemerken waren in allen Kursen
verlässliche Teilnahme, hohe Motivation und aktive Mitarbeit;
deutliche Entwicklungsfortschritte der Kinder, Wortschatz und Mitteilungsfreude wurden auch bei jenen Kindern deutlich erweitert, deren Sprachstruktur noch auf einfachstem Niveau lag;
starkes Interesse der Eltern an der Lernentwicklung der Kinder und positive Einschätzung der Ergebnisse der Elternarbeit seitens der Lehrkräfte (Angebote für Elterngespräche, Veranstaltungen etc. erzielten positive Resonanz).
Im Resümee waren deutliche individuelle Fortschritte beim Spracherwerb, im motorischen und feinmotorischen Bereich sowie im Bereich der Selbstsicherheit und Sozialkompetenz zu verzeichnen:
Die Sprachförderung trug zur Weiterentwicklung des aktiven Sprachschatzes und des Sprachverständnisses bei (vor allem im Bereich der Alltagskommunikation und der Wortschatzerweiterung).
Entwicklungsschritte außerhalb des sprachlichen Bereichs waren besonders deutlich im Bereich der Fein- und Grobmotorik, im Selbstvertrauen und in der Kontaktfähigkeit sowie in der Bereitschaft, sich zu konzentrieren.
Die Kurse trugen zur Erweiterung der personalen und sozialen Kompetenz bei. Die Kinder haben vom gemeinsamen Singen, Spielen ebenso wie vom Geschichten-Hören, Malen und Basteln profitiert. Vielfach erlebten sie erstmals Begegnungen mit Büchern. Der Umgang mit Material (Stifte, Spiele etc.) wurde den Kindern vertrauter.
Auswertung der Vorkurse 2006 - Bericht für die Schulen vom August 2006
Sprachstandserhebung und vorschulische Sprachförderung ab Sommer 2008
Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat am 13. März 2008 das Gesetz zur vorschulischen Sprach-förderung verabschiedet, das damit am 1. April 2008 in Kraft getreten ist.
Bei allen Kinder des Jahrgangs 2003, die in Berlin gemeldet sind (und im Schuljahr 2009/10 eingeschult werden) wurde der Sprachstand nunmehr bereits vor der Schulanmeldung festgestellt. Nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, wird der Sprachstand der Kinder, die keine Kita besuchen, bereits ein Jahr vor Schuleintritt in einer Kita festgestellt. Wird ein Förderbedarf festgestellt, wird das Kind nunmehr in einer Kita gefördert. Für Kinder, die eine Kita besuchen, findet die Sprachstandserhebung sowie die Förderung in der bereits besuchten Kita statt.
Eltern können, sofern ihr Einverständnis vorliegt, der Schulen mitteile, ob ihr Kind an einer Sprachstandsfeststellung /-förderung teilnimmt (oder teilgenommen hat). Nur mit Einverständnis der Eltern kann der Schule bei Schuleintritt auch das Sprachlerntagebuch übermittelt werden, das nähere Informationen über die Sprachentwicklung eröffnet.
Gem. § 7 Abs. 2 der Grundschulverordnung wird zu Beginn der Schulanfangsphase für jedes Kind die individuelle Lernausgangslage ermittelt, um eine gezielte Förderung zu ermöglichen. Kinder, die z.B. durch Auslandsaufenthalte nicht an der Sprachstandsfeststellung bzw. -förderung teilgenommen haben und sprachliche Defizite aufweisen, müssten spätestens dann erkannt werden und eine entsprechende Förderung erhalten.
Informationen zur Sprachstandserhebung und Sprachförderung ab 2008
Informationen zur Sprachstandserhebung "Deutsch Plus" und zur Sprachförderung vor Schulbeginn
Übersicht: Maßnahmen zur Sprachförderung in Kita und Schulanfangsphase
Sprachlerntagebuch für die Kita
Materialien zum Sprachlernen in Kita und Grundschule
Überlegungen zur Sprachbeobachtung und Sprachförderung am Schulanfang - Hans Brügelmann / Erika Brinkmann 2006
Broschüre "Schulbeginn 2008" - Informationen für Eltern (Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung)
Broschüre "Los geht's! Der erste Schultag" - Informationen zum Schulbeginn 2008 (Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung)
Materalien zur Sprachförderung in Berlin
Rahmenlehrplan und Handreichung DaZ (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin) - Der Rahmenplan für Deutsch als Zweitsprache und die Handreichungen enthalten zielgerichtete Hinweise, didaktisch-methodische Impulse und konkrete Unterrichtsanregungen für die vorschulische Sprachförderung.
Konzept "Integration durch Bildung" - Berlin
Konzept Deutsch als Zweitsprache - DaZ - Berlin
Materialien zur Sprachförderung allgemein
"Handlungsorientierter Unterricht mit Lernszenarien" Hölscher / Piepho/Roche - kostenlose Downloadmöglichkeit beim Finken-Verlag
Sprachförderung - Eine Scharnierstelle für die Kooperation von Kita und Grundschule.
Die Informationen auf dieser Seite spiegeln den Arbeitsstand bis Anfang 2008 wider. Ich nehme keine Aktualisierungen mehr vor, stelle die Materialien aber weiterhin hier zur Verfügung.

References: Art. 6
 § 55
 § 131
 § 6
 §55
 § 7