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Timestamp: 2017-03-27 14:27:57+00:00

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BUN­DES­VER­FASSUN­GS­GERICHT - 2 BvR 398/07 -
In dem Ver­fah­renüberdie Ver­fas­sungs­be­schwer­de
1. un­mit­tel­bar ge­gena) den Be­schluss des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 7. Fe­bru­ar 2007 - 3 ZB 06.204 -,b) das Ur­teil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts Re­gens­burg vom 14. De­zem­ber 2005 - RN 1 K 05.1329 -,
2. mit­tel­bar ge­gen§ 2 Abs. 1 Satz 1 der Ar­beits­zeit­ver­ord­nung vom 25. Ju­li 1995 (<Bay> GVBl S. 409), zu­letzt geändert durch Ver­ord­nung vom 27. Ju­li 2004 (<Bay> GVBl S. 347)
hat die 1. Kam­mer des Zwei­ten Se­nats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts durchden Vi­ze­präsi­den­ten Has­se­mer,die Rich­ter Di Fa­biound Land­au
gemäß § 93b in Ver­bin­dung mit § 93a BVerfGG in der Fas­sung der Be­kannt­ma­chung vom 11. Au­gust 1993 (BGBl I S. 1473)am 30. Ja­nu­ar 2008 ein­stim­mig be­schlos­sen:
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom- - 2 -
Der Be­schwer­deführer wen­det sich ge­gen die Verlänge­rung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit von Be­am­ten des Frei­staats Bay­ern auf 42 Wo­chen­stun­den ab dem 1. Sep­tem­ber 2004.
1. Der Be­schwer­deführer ist Be­am­ter. Er stand bis En­de 2006 als Re­gie­rungs­ober­inspek­tor im Dienst des Frei­staats Bay­ern. Seit dem 1. Ja­nu­ar 2007 ist er Körper­schafts­be­am­ter der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bay­ern Süd. Durch Ände­rungs­ver­ord­nung vom 27. Ju­li 2004 (<Bay> GVBl S. 347) wur­de die Be­stim­mung des § 2 Abs. 1 Satz 1 der Ver­ord­nung über die Ar­beits­zeit für den baye­ri­schen öffent­li­chen Dienst vom 25. Ju­li 1995 - AzV - (<Bay> GVBl S. 409) geändert und die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit für Be­am­te des Frei­staats Bay­ern, die das 50. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben, mit Wir­kung vom 1. Sep­tem­ber 2004 von 40 auf 42 St­un­den an­ge­ho­ben. Im März 2005 wand­te sich der Be­schwer­deführer an sei­nen Dienst­herrn und be­an­trag­te - im Hin­blick auf die Ar­beits­zeit­verlänge­rung - aus­glei­chen­de Dienst­be­frei­ung, hilfs­wei­se ei­ne ent­spre­chen­de Gut­schrift der Mehr­ar­beit auf sei­nem Ar­beits­zeit­kon­to. Nach­dem die­se Anträge im Ver­wal­tungs- und im Wi­der­spruchs­ver­fah­ren ab­schlägig be­schie­den wor­den wa­ren, er­hob der Be­schwer­deführer Kla­ge, die das Ver­wal­tungs­ge­richt Re­gens­burg mit Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005 ab­wies. Den hier­ge­gen ge­rich­te­ten An­trag des Be­schwer­deführers auf Zu­las­sung der Be­ru­fung lehn­te der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof mit Be­schluss vom 7. Fe­bru­ar 2007 ab.
2. Mit der am 22. Fe­bru­ar 2007 er­ho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügt der Be­schwer­deführer Verstöße ge­gen Art. 1, Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1 und Abs. 3, Art. 12, Art. 19 Abs. 2 und Abs. 4, Art. 20 Abs. 3 und Art. 25 GG. Er trägt un­ter an­de­rem vor, er wer­de durch die Ar­beits­zeit­verlänge­rung ge­genüber sei­nen an­ge­stell­ten Kol­le­gen, für die ei­ne an­de­re (güns­ti­ge­re) Ar­beits­zeit­re­ge­lung gel­te, gleich­heits­wid­rig be­nach­tei­ligt. Außer­dem wer­de hier­durch in rechts­wid­ri­ger Wei­se in den Kern­be­reich sei­nes Selbst­be­stim­mungs­rechts aus Art. 2 Abs. 1 GG ein­ge­grif­fen. Durch die Ar­beits­zeit­verlänge­rung wer­de ihm ein Teil sei­ner Frei­zeit ge­nom­men. Da­bei sei dies der Teil sei­nes Le­bens, der sei­ne Persönlich­keit im We­sent­li­chen aus­ma­che.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom­men. Die An­nah­me­vor­aus­set­zun­gen des § 93a Abs. 2 BVerfGG sind nicht erfüllt. Die An­nah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, der kei­ne grundsätz­li­che ver­fas­sungs­recht­li­che Be­deu­tung zu­kommt, ist auch nicht zur Durch­set­zung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG ge­nann­ten Rech­te an­ge­zeigt. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat kei­ne hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Er­folg (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>; 96, 245 <248>).
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist je­den­falls un­be­gründet. Die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Re­gens­burg und des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ver­let­zen den Be­schwer­deführer nicht in sei­nen ver­fas­sungsmäßigen Rech­ten. Die Verlänge­rung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit von Be­am­ten des Frei­staats Bay­ern, die das 50. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben, auf 42 Wo­chen­stun­den ab dem 1. Sep­tem­ber 2004 be­geg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken.
1. Die Ar­beits­zeit­verlänge­rung verstößt nicht ge­gen Art. 33 Abs. 5 GG.
a) Es exis­tiert kein her­ge­brach­ter Grund­satz des Be­rufs­be­am­ten­tums im Sin-ne des Art. 33 Abs. 5 GG, der be­sagt, dass die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits-zeit ei­nes Be­am­ten 40 St­un­den nicht über­schrei­ten darf (vgl. BVerfGE 44, 249 <263>; BVerfGK 7, 401 <403>; BVerwG, Ur­teil vom 28. No­vem­ber 2002 - BVerwG 2 CN 1/01 - NVwZ 2003, S. 617 <618>). Viel­mehr ent­spricht es den her­ge­brach­ten Grundsätzen des Be­rufs­be­am­ten­tums, dass ein Be­am­ter sei­ne gan­ze Persönlich­keit für den Dienst­herrn ein­zu­set­zen und die­sem - grundsätz­lich auf Le­bens-zeit - sei­ne vol­le Ar­beits­kraft zur Verfügung zu stel­len hat (BVerfGE 21, 329 <345>; 55, 207 <240>; 99, 300 <317>). Ein­heit­li­che ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen, die die Ar­beits­zeit der Be­am­ten fest­leg­ten, be­stan­den da­her bis in die Wei­ma­rer Zeit hin­ein nicht. Noch im Jah­re 1938 be­lief sich die re­gelmäßige Ar­beits­zeit der Be­am­ten auf 51 St­un­den in der Wo­che (vgl. BVerfGE 55, 207 <240>). Die Ver­ord­nung über die Ar­beits­zeit der Bun­des­be­am­ten in ih­rer ursprüng­li­chen Fas­sung vom 15. Ju­ni 1954 (BGBl I S. 149) sah ei­ne re­gelmäßige Wo­chen­ar­beits­zeit von 48 St­un­den vor.
b) Es steht dem­nach grundsätz­lich im Or­ga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen des Dienst­herrn, die Ar­beits­zeit der Be­am­ten fest­zu­le­gen. Die­ses Or­ga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen fin­det sei­ne Gren­ze na­ment­lich in dem her­ge­brach­ten Grund­satz der Fürsor­ge- - 4 -
pflicht des Dienst­herrn ge­genüber sei­nen Be­am­ten (vgl. BVerfGE 8, 332 <356 f.>; 43, 154 <165>). Da­nach muss der Dienst­herr bei der Fest­le­gung der Wo­chen­ar­beits­zeit die wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­sen der Be­am­ten berück­sich­ti­gen. Er darf die Wo­chen­ar­beits­zeit ins­be­son­de­re nicht auf ein Maß fest­le­gen, das die Be­am­ten übermäßig be­las­tet oder gar ge­eig­net ist, ih­re Ge­sund­heit zu gefähr­den (vgl. BVerfGK 7, 401 <402 f.>). Er hat grundsätz­lich auch ei­ne ge­wis­se Par­al­le­lität zu den Dienst­zei­ten im öffent­li­chen Dienst im Übri­gen zu wah­ren.
c) Die Verlänge­rung der re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit für Be­am­te des Frei­staats Bay­ern ab dem 1. Sep­tem­ber 2004 ist da­nach im Hin­blick auf Art. 33 Abs. 5 GG nicht zu be­an­stan­den. Der Dienst­herr hat den In­ter­es­sen sei­ner Be­am­ten an der Ver­mei­dung ei­ner übermäßigen Be­las­tung und da­mit dem Fürsor­ge­ge­dan­ken Rech­nung ge­tra­gen, in­dem er - im Rah­men ei­nes Stu­fen­mo­dells - für älte­re Be­am­te ei­ne kürze­re re­gelmäßige Ar­beits­zeit von 41 oder 40 St­un­den in der Wo­che fest­ge­schrie­ben und auch ju­gend­li­che und schwer­be­hin­der­te Be­am­te von der 42-St­un­den-Wo­che aus­ge­nom­men hat, vgl. § 2 Abs. 1 Satz 1, § 11 Abs. 1 Satz 1 und § 12 Abs. 1 Satz 1 AzV. Ei­ne Ge­sund­heits­ge­fahr geht von ei­ner re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 42 St­un­den nicht aus.
d) Die Ar­beits­zeit­verlänge­rung verstößt auch nicht ge­gen das durch Art. 33 Abs. 5 GG ab­ge­si­cher­te Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Die Verlänge­rung der Wo­chen­ar­beits­zeit, mit der ei­ne An­pas­sung der Be­sol­dungs­bezüge nicht ver­bun­den war, kann auf der Grund­la­ge der her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­ruf­be­am­ten­tums schon nicht als (mit­tel­ba­re) Be­sol­dungs­verkürzung und da­mit als recht­fer­ti­gungs-bedürf­ti­ger Ein­griff in die Ali­men­ta­ti­on an­ge­se­hen wer­den. Die Ali­men­ta­ti­on des Be­am­ten stellt nämlich - an­ders als der Lohn aus ei­nem pri­vat­recht­li­chen Dienst-ver­trag - kein Ent­gelt für ei­ne kon­kre­te Dienst­leis­tung dar. Dienst­bezüge, Ru­he­ge­halt und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung sind viel­mehr die Ge­gen­leis­tung des Dienst­herrn dafür, dass sich ihm der Be­am­te mit sei­ner gan­zen Persönlich­keit zur Verfügung stellt und gemäß den je­wei­li­gen An­for­de­run­gen sei­ne Dienst­pflicht nach Kräften erfüllt (BVerfGE 21, 329 <345>; 99, 300 <317>; 114, 258 <288>). Die­ses be­son­de­re, her­aus­ge­ho­be­ne Verhält­nis zwi­schen Dienst­pflicht und Ali­men­ta­ti­on schließt es aus, die gewähr­te Ali­men­ta­ti­on auf die ge­leis­te­ten Ar­beits­stun­den um­zu­le­gen und ei­ne Ar­beits­zeit­verlänge­rung gleich­zei­tig als Be­sol­dungskürzung zu be­grei­fen (vgl. BVerfGE 55, 207 <240 f.>; an­ders Leis­ner-Egen­sper­ger, ZBR 2004, S. 333 ff.). Eben­so wie nicht je­de Her­ab­set­zung der Ar­beits­zeit in der Ver­gan­gen­heit ei­ne Ver­min­de­rung der Be­sol­dung nach sich ge­zo­gen hat, ist der Dienst­herr auch bei ei­ner Erhöhung der Ar­beits­zeit grundsätz­lich nicht ver­pflich­tet, - 5 -
ei­nen zusätz­li­chen Vergütungs­an­spruch zu gewähren, so­lan­ge die Be­sol­dung sich im Rah­men des An­ge­mes­se­nen hält (vgl. BVerfGE 55, 207 <241>; BVerwG, Be­schluss vom 14. Ok­to­ber 1994 - BVerwG 2 NB 2/94 - ju­ris).
2. Die Ar­beits­zeit­verlänge­rung ver­letzt den Be­schwer­deführer auch nicht in sei­nem Recht aus Art. 12 Abs. 1 GG. Es kann of­fen blei­ben, ob Art. 12 Abs. 1 GG hier ne­ben Art. 33 Abs. 5 GG über­haupt An­wen­dung fin­det. Denn auch wenn man dies be­jaht, so ist die in Re­de ste­hen­de Ar­beits­zeit­verlänge­rung als Be­rufs­ausübungs­re­ge­lung im Rah­men des Art. 12 Abs. 1 GG doch je­den­falls durch Art. 33 Abs. 5 GG ge­recht­fer­tigt (vgl. BVerfGE 39, 334 <369>).
3. Die Ar­beits­zeit­verlänge­rung verstößt auch nicht ge­gen Art. 2 Abs. 1 GG. Art. 2 Abs. 1 GG tritt im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang im We­ge der Spe­zia­lität hin­ter die Gewähr­leis­tun­gen der Art. 33 Abs. 5 und ge­ge­be­nen­falls Art. 12 Abs. 1 GG zurück (vgl. BVerfGE 70, 1 <32>; 89, 1 <13>; 105, 252 <279>).
4. Die Ar­beits­zeit­verlänge­rung ver­letzt den Be­schwer­deführer auch nicht in sei­nem Recht aus Art. 3 Abs. 1 GG. Der Be­schwer­deführer wird ge­genüber An­ge-stell­ten im öffent­li­chen Dienst des Frei­staats Bay­ern, für die ei­ne an­de­re (güns­ti­ge­re) Ar­beits­zeit­re­ge­lung gilt, nicht gleich­heits­wid­rig be­nach­tei­ligt. Das Recht der Be­am­ten und das der Ar­beit­neh­mer - auch der­je­ni­gen im öffent­li­chen Dienst - un­ter­schei­den sich auch im hier be­trof­fe­nen Be­reich der Ar­beits­zeit­re­ge­lung grund­le­gend von­ein­an­der (vgl. BVerfGE 52, 303 <345 f.>; 63, 152 <166 ff.>). Die Ar­beits­zeit der Be­am­ten wird seit je­her ein­sei­tig durch den Dienst­herrn fest­ge­setzt, die Ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer im öffent­li­chen Dienst wird durch die Ta­rif­par­tei­en aus­ge­han­delt und ver­ein­bart. Die­se Un­ter­schie­de zwi­schen den bei­den Ord­nungs­sys­te­men sind grundsätz­lich ge­eig­net, die Un­gleich­be­hand­lung im Hin­blick auf die wöchent­li­che Ar­beits­zeit zu recht­fer­ti­gen.
5. Von ei­ner wei­te­ren Be­gründung der Nicht­an­nah­me­ent­schei­dung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG ab­ge­se­hen.
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 Art. 3
 Art. 12
 Art. 19
 Art. 20
 Art. 25
 Art. 2
 § 93
 § 90
 Art. 33
 Art. 33
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 § 11
 § 12
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