Source: https://www.bauprofessor.de/leistungsverzeichnis/
Timestamp: 2020-04-01 21:06:58+00:00

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Das Leistungsverzeichnis (LV) bildet zusammen mit der Baubeschreibung die Grundlage für die Angebotskalkulation. Das LV ist häufig nach Leistungsbereichen gegliedert und stellt dabei den Kontext für die Sprache aller am Bau Beteiligten her. Das LV besteht aus einer Vielzahl von Einzel- bzw. Teilleistungen, die wiederum als Positionen inhaltlich unterschiedlich strukturiert werden.
Im Allgemeinen wird als Struktur des LV folgende Grundgliederung aus den GAEB-Regelwerken herangezogen:
Lose (gemäß VOB Teil A in den Abschnitten 1 bis 3 nach § 5 sowie § 5 EU und § 5 VS, jeweils Abs. 2 - sowie unter Vergabe nach Losen)
Positionen (Teilleistungen), Positionsindex
Gewerk, Titel und Untertitel stellen als Typ den LV-Bereich dar.
Für die eindeutige Identifizierung der einzelnen Teilleistungen innerhalb des LV werden Ordnungszahlen (OZ) benutzt. Diese werden aufsteigend vergeben und ermöglichen es, Teilleistungen eindeutig in ein LV einzuordnen und einen sauberen Bezug zur Bauabrechnung herzustellen. Die Ordnungszahl dient der eindeutigen Kennzeichnung einer Teilleistung im LV. Je nach eingestellter LV-Struktur setzt sich die Ordnungszahl aus den Teil-OZ der vorangestellten LV-Bereiche und der Teil-OZ der Position zusammen.
Nicht gesondert aufzuführen sind im LV jene Leistungen, die nach den Vertragsbedingungen, den Technischen Vertragsbedingungen oder der gewerblichen Sitte grundsätzlich nach § 2 Abs. 1 VOB/B zu der geforderten Leistung gehören.
Das Leistungsverzeichnis bildet die Grundlage für die spezielle Form der Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis in der VOB Teil A bei nationalen Ausschreibungen im Unterschwellenbereich nach § 7 b im Abschnitt 1 (Basisparagrafen) sowie nach § 7 b EU im Abschnitt 2 bei bei Erreichen der Schwellenwerte und nach § 7 b VS im Abschnitt 3 der VOB/A bei verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen.
In einem Leistungsverzeichnis können verschiedene Positionsarten auftreten und unterschieden werden. Mit Hilfe der einzelnen Positionsarten lässt sich ein variables Angebot erstellen. Dabei müssen jedoch die einzelnen Teilleistungen technisch und wirtschaftlich in Verbindung stehen bzw. einheitlich sein. Grundsätzlich sollten im LV unter einer Ordnungszahl nur solche Leistungen aufgenommen werden, die nach ihrer technischen Beschaffenheit und für die Preisbildung als in sich gleichartig anzusehen sind. Ungleiche Leistungen sind nur dann zusammenzufassen, wenn eine Teilleistung gegenüber einer anderen für die Bildung eines Preises ohne nennenswerten Einfluss ist. In der Baupraxis ist es aber sehr verbreitet, sogenannte Mischpositionen auszuschreiben. Eine Leistungsposition als Mischposition im LV kann verschiedene Einzelvorgänge umfassen, beispielsweise ausgeschriebene "Einzelfundamente in m³, umfassend sowohl das Betonieren als auch Schalen" und "Rechteckstützen aus Beton in lfd. m, umfassend das Betonieren nach m³ und Schalen in m²".
Die Aufstellung eines LV kann erfolgen auf Grundlage:
des STLB-Bau - Dynamische BauDaten als ein interaktives Werkzeug zur standardisierten Beschreibung von Bauleistungen, wonach die Bauvorhaben des Bundes sowie der Hochbauverwaltungen der Länder verbindlich auszuschreiben sind,
des STLK - Standardleistungen im Straßen- und Brückenbau als eine nach Leistungsbereichen gegliederte Sammlung von standardisierten, datenverarbeitungsgerechten Texten zur Beschreibung von Standardleistungen im Straßen- und Brückenbau,
des STLK-W für Wasserbau mit Leistungstexten zu Leistungen im Wasserbau,
des STLB-BauZ (Zeitvertragsarbeiten) mit Standardtexte für regelmäßig wiederkehrende Bauunterhaltungsarbeiten, für die der Bieterwettbewerb nach dem Aufgebotsverfahren und dem Abgebotsverfahren vorgesehen wird.
von freien Texten bzw. individuellen Datenbanken verschiedener Softwareanbieter.
Bei der Aufstellung sind auch die Hinweise in den Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATV) in den DIN-Vorschriften zu den einzelnen Gewerken in der VOB Teil C (jeweils im Abschnitt 0) zu berücksichtigen, weiterhin die Abrechnungseinheiten für die Mengenangaben zu den einzelnen Leistungspositionen im LV jeweils im Abschnitt 0.5 der jeweiligen DIN.
Außer dem Text als Beschreibung einer Leistungsposition werden im LV im Vordersatz auch jeweils die Menge mit der Mengeneinheit ausgewiesen. Für den vom Bieter auzugebenden Einheitspreis (EP) und Gesamtbetrag je Leistungsposition sind weitere Spalten vorgesehen. Ein ohne Ausweis von Preisen aufgestelltes LV wird als Blankett bezeichnet.
Demgegenüber werden im Angebots-LV in den Spalten Preise ausgewiesen, für die einzelnen Positionen des LV jeweils im "Netto"-Ausweis. Dabei ist der EP für die angegebene Soll-Menge als "unveränderlich" anzusehen, demgegenüber der Gesamtbetrag als eine veränderliche Größe von der späteren Ist-Menge.
Am Ende des LV erfolgt in der Regel eine wertmäßige Zusammenstellung z. B. nach Leistungstiteln, Gewerken u. a. und die Aufaddierung zur "Angebotssumme netto - ohne Umsatzsteuer". Sofern für den Auftraggeber als Leistungsempfänger nicht Steuerschuldnerschaft zur Umsatzsteuer maßgebend ist, ist noch die Umsatzsteuer mit dem zurzeit geltenden Satz hinzuzurechnen. Im Ergebnis liegt dann die "Angebotssumme brutto - mit Umsatzsteuer" vor.
In der Regel wird zu einer Ausschreibung mit LV für die Bauausführung ein Einheitspreisvertrag vereinbart. Wird jedoch für die Ausführung ein Pauschalvertrag vorgesehen, dann beschränkt sich das Kalkulations- und folglich Preisrisiko lediglich auf das Mengenrisiko, wenn der Bieter vor Abgabe und Kalkulation seines Angebots nicht die wichtigsten Mengenaussagen im Ausschreibungs-LV überprüft hätte.
Beispiel: Leistungsverzeichnis als Blankett
Euro Gesamtbetrag
01.0020 1,000 St
Baum fällen D 10-30 cm H 5-10 m
Baum fällen, Betula (Birke), als Einzelbaum, Stammholz in Stücke von 1 m Länge aufarbeiten und außerhalb des Baugeländes in messbaren Stapeln lagern, Förderweg bis 0,5 km, Durchmesser über 10 bis 30 cm, Baumhöhe über 5 bis 10 m, alles Holz. .......... nur Einh.-Preis
01.0030 100,000 m³
Boden für Streifenfundamente ab Geländeoberfläche profilgerecht lösen, laden und fördern, Deponierung wird gesondert vergütet, Arbeiten mit Gerät, Aushubtiefe bis 1,25 m, Breite über 0,75 bis 1 m, Transport über öffentliche Straßen, Förderweg bis 10 km, Bodenklasse 4 DIN 18300. .......... ..........
Summe 01 Erdarbeiten ..........
02.0010 700,000 m²
Außenwand MD 30cm Mz SFK 20 RDK 1,8
Mauerwerk der Außenwand, Mauerziegel, DIN 105 oder nach Zulassung, Mz, Festigkeitsklasse 20, Rohdichteklasse 1,8, Mauerwerksdicke 30 cm, MG II, 5 DF (240/300/113), Höhe bis 2,75 m, Ausführung im Erdgeschoss. .......... ..........
02.0020 700,000 m²
Außenwand MD 30cm KS SFK 20 RDK 1,8
Mauerwerk der Außenwand, Kalksandstein, DIN 106, KS, Festigkeitsklasse 20, Rohdichteklasse 1,8, Mauerwerksdicke 30 cm, Mauermörtel MG II, 5 DF (240/300/113), Höhe bis 2,75 m, Ausführung im Erdgeschoss. .......... nur Einh.-Preis
Summe 02 Mauerarbeiten ..........
01......Erdarbeiten EUR..........
02......Mauerarbeiten EUR..........
Angebotssumme netto (ohne Umsatzsteuer) EUR..........
Umsatzsteuer in EUR in Höhe von ….% EUR..........
Angebotssumme brutto (mit Umsatzsteuer) EUR..........
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 § 7
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