Source: http://www.post-und-telekommunikation.de/PuT/KEP_1993_2_Juli-Dez.php
Timestamp: 2017-08-20 17:14:10+00:00

Document:
Post und Telekommunikation, KEP 1993, Juli bis Dezember
Hier finden Sie den Geschäftsbericht 1993 der Deutschen Bundespost POSTDIENST. Auf dieser Seite finden Sie nach den datierten Nachrichten Auszüge aus dem Geschäftsbericht 1993.
„Fünf ist Trümpf”: Ab 1. Juli 1993 neue 5-stellige Postleitzahlen
Am 1. Juli 2013 war es so weit. Die Deutsche Bundespost POSTDIENST führte das 5-stellige Postleitzahlensystem ein. Es löst das 4-stellige System der Deutschen Bundespost aus dem Jahr 1961 in den alten Bundesländern und das 4-stellige Postleitzahlensystem der früheren Deutschen Post der ehemaligen DDR in den neuen Bundesländern ab. Nicht nur die Städte und Gemeinden in Deutschland bekamen neue Postleitzahlen, sondern erstmals auch Großkunden und Postfachinhaber.
Postleitzahlen-Übersicht
Die 1. Ziffer bezeichnet die Leitzone, die ersten beiden Ziffern die Leitregion.
Die grünen Linien sind die Grenzen der Bundesländer.
Quelle: Wikipedia / Stefan Kühn / CC0
Die Wiedervereinigung Deutschlands war der Startschuss für die Neustrukturierung des Postleitzahlensystems. Über 800 Städte in Ost und West verfügten über die gleiche Postleitzahl. Duisburg und Halle (Land) hatten beide die „4100”. Weitere Beispiele: 5300 Bonn und 5300 Weimar, 8600 Bamberg und 8600 Bautzen. So wurde von 1990 bis 1993 jeweils ein „W-” für West-Deutschland und ein „O-” für Ost-Deutschland vor die Postleitzahl gesetzt.
Die 5-stellige Postleitzahl setzt sich folgendermaßen zusammen: Die 1, Ziffer bezeichnet die Leitone, die beiden ersten Ziffern die Leitregion. Die Ziffern an der 3. bis 5. Stelle (Leitbereich) zeigen an, wo der Kunde wohnt, ob der Empfänger ein Großkunde ist oder ein Postfach gemietet hat. Die Postleitzahl beinhaltet also nicht nur Hausadressen, sondern sie codiert auch Postfach- und Großkundenadressen.
40 Millionen Postleitzahlenbücher stellte die Post den Haushaltungen und Unternehmen zu. Hier das Postleitzahlenbuch numerisch und das Postleitzahlenbuch alphabetisch.
Foto: Günter Schott
Durch die Einführung der 5-stelligen Postleitzahlen wird die Qualität des Brief- und Paketversands gesteigert. Die Briefsortierung in den geplanten und zum Teil schon im Bau befindlichen hochmodernen Briefzentren kann durch die 5-stelligen Postleitzahlen wirtschaftlicher und effizienter gestaltet werden. Die 5 Ziffern ermöglichen zudem eine feinere Abstimmung auf die im Aufbau befindliche Zustell-Logistik mit künftig 83 Brief- und 33 Frachtzentren.
Logistisches Mammutwerk - 40 Millionen Postleitzahlenbücher
Die Umstellung von den 4-stelligen auf die 5-stelligen Postleitzahlen war ein enormer Kraftakt. Schon das zur Einführung verteilte Postleitzahlenbuch war ein Rekord. Es wurde 40 Millionen Mal gedruckt - auf 38.000 Tonnen Papier. Alle Haushalte wurden Ende Mai 1993 mit dem 1,3 Kilogramm schweren Druckwerk beliefert. Außerdem mussten die Briefverteilmaschinen der Post umprogrammiert, die sogenannte Videocodierung umgerüstet und die Post-Mitarbeiter eingearbeitet werden.
Rund 60 Millionen Privatkunden, etwa 3 Millionen Geschäftskunden, den Post-Mitarbeitern, den Medien sowie den Firmen und Postdiensten im Ausland musste der Stichtag 1. Juli 1993 vermittelt werden. Schon im Sommer 1992 veröffentlichte der POSTDIENST eine erste Grundlageninformation für Medien, Politiker, Wirtschaft und Verbände. Auf Messen und Kongressen informierte die Post Datenverarbeitung-Verwender und -anbieter mit der Grundlogik des Systems.
Die Komikfigur Rolf warb mit flotten Sprüchen „Fünf ist Trümpf” in TV-Spots und Printmedien für die 5-stelligen Postleitzahlen.
© Uli Arndt
Im Januar 1993 startete die Post eine großangelegte Informationskampagne mit TV-Unterhaltungssendungen und TV-Spots. In den Printmedien machte sie die Öffentlichkeit mit Fachbeiträgen, Anzeigen, Faltblättern usw. mit dem Thema „Neue Postleitzahlen” vertraut.
Intensiv rührte die Komikfigur Rolf - die gelbe Hand mit 5 ausgestreckten Fingern und dem Slogan „Fünf ist Trümpf” - die Werbetrommel für „die Fünfstelligen”. Mit breitem Lachen und flotten Sprüchen warb die Zeichentrickfigur für die neuen Nummern - auf Drucksachen, im Fernsehen, auf Plakatwänden, als Plüschtier oder auf Frisbee-Scheiben. Zudem gelang es dem POSTDIENST, 7 der bekanntesten Regisseure - Hark Bohm, Vico von Bülow alias Loriot, Doris Dörrie, Helmut Dietl, Wolfgang Petersen, Michael Verhoeven und Carl Schenkel - zu gewinnen, in 45-Sekunden-TV-Spots für die neuen Postleitzahlen zu werben.
Zur Einführung der 5-stelligen Postleitzahlen erschien eine Sondermarke (Erstausgabe: 11. März 1993), hier mit dem Sonderstempel vom 1. Juli 1993: „Hand drauf! - Seit 1.7. gelten neue Postleitzahlen”.
© Motiv: Deutsche Bundespost POSTDIENST
Trotzdem waren viele Menschen skeptisch, einige Zeitungskommentatoren lehnten 5-stellige Postleitzahlen als „viel zu kompliziert” rundweg ab. Vor der Umstellung wurden von vielen Menschen eine nur niedrige Akzeptanzquote und Schwierigkeiten bei der betrieblichen Umstellung prophezeit.
Beides ist nicht eingetreten. Dank der umfassenden Werbe- und Informationskampagne gelang die Umstellung: Am 1. Juli 1993 trugen bereits 57 Prozent aller Briefsendungen die neuen Postleitzahlen, nach einer Woche 78 Prozent. Eine große Boulvardzeitung wendete dieses gute Ergebnis freilich ins Negativa und titelte „Jeder Siebte benützt die neue Postleitzahl nicht”. Dessen ungeachtet lagen nach 2 Wochen bereits weit über 90 Prozent aller Briefe am Tag nach der Einlieferung beim Empfänger. Ebenso sind alle Umstellungen im Postbetrieb zum 1. Juli 1993 ohne das befürchtete Chaos gelungen.
Einen Bericht über die Geschichte der 5-stelligen Postleitzahl von Heimo Thomas finden Sie im Register „Der Gastbeitrag”. POSTDIENST-Direktor Heimo Thomas war als Projektleiter mit seinem Team verantwortlich für die Entwicklung und Einführung des für Gesamtdeutschland gültigen Systems der 5-stelligen Postleitzahlen.
Informationen über die Geschichte der Postleitzahlen in Deutschland finden Sie bei Wikipedia unter https://de.wikipedia.org/wiki/Postleitzahl_%28Deutschland%29.
Die Rolf-TV-Spots und die TV-Spots der Regisseure - außer dem von Loriot - finden Sie hier.
Der Loriot-Postleitzahlen-Spot ist zu finden bei YouTube.
Die Generaldirektion der Deutschen Bundespost POSTDIENST informierte nicht nur die Öffentlichkeit über alle Facetten des neuen Postleitzahlensystems. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfuhren in einem ansprechend aufgemachten Magazin alles über Sinn und Zweck und die Hintergründe des neuen Systems. Hier der Titel des Magazins:
Die TV-Spot-Regisseure
Quelle: aus dem Mitarbeitermagazin zum Thema Postleitzahlen
Hier finden Sie die Gesamtausgabe des Magazins.
Deutsch-russische Kooperation bei Post und Telekommunikation
Die Minister für Post und Telekommunikation der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation, Dr. Wolfgang Bötsch und Dr. Wladimir B. Bulgak, unterzeichneten im Juli 1993 in Moskau eine Vereinbarung über die weitere Zusammenarbeit im Bereich des Post- und Fernmeldewesens.
Sie streben damit u.a. eine weitere Qualitätsverbesserung des Postverkehrs, insbesondere eine Verkürzung der Laufzeiten, die Befriedigung des wachsenden Bedarfs an modernen Telekommunikationsdiensten, eine Koordinierung der Funkfrequenzen und eine verstärkte Zusammenarbeit bei Fragen der Standardisierung an.
Neue Tarife für Frachtpost ab 1. Juli 1993
Zum 1. Juli 1993 erhöhte die Deutsche Bundespost POSTDIENST ihre Frachttarife um durchschnittlich 4,95 Prozent. Der Preis für ein Paket ist nun nicht mehr von der Entfernung abhängig, sondern ausschließlich vom Gewicht. Damit werden leichtere Pakete teurer, schwerere z.T. billiger. Beispiel: ein Paket bis 5 kg von Köln nach Berlin kostet statt bisher 6,10 DM ab 1. Juli 1993 6,90 DM.
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST will - wie in der Branche üblich - die Frachtpreise künftig jährlich prüfen und ggf. anpassen.
100. Postagentur in Lögow/Brandenburg eröffnet
Mitte September 1993 eröffnete die Deutsche Bundespost POSTDIENST im brandenburgischen Lögow bei Neuruppin die 100. Postagentur im Bundesgebiet. Bis Jahresende 1993 wird das Unternehmen im ländlichen Raum bei Lebensmittelgeschäften, Bäckereien oder Tankstellen im Rahmen eines Betriebsversuches insgesamt 500 Postagenturen einrichten. Damit will die Post auf dem Land besser präsent sein. Die Agenturen bieten etwa 90 Prozent der Postdienstleistungen einer herkömmlichen Poststelle an. Ein besonderer Vorteil der Postagenturen ist die lange Öffnungszeit der Partnergeschäfte und damit auch der dort eingerichteten Postagenturen.
Neue Mitglieder im Aufsichtsrat der Deutschen Bundespost POSTDIENST
Im September 1993 sind folgende neue Mitglieder des POSTDIENST-Aufsichtsrates berufen worden: Dr. Klaus Rauscher (44), Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, sowie als Vertreter des Bundes Hero Brahms (52), Vizepräsident der Treuhandanstalt, und der Intendant der Deutschen Welle, Dieter Weirich (48), als Vertreter der Anwender und Kunden.
Ausgeschieden sind Daniel Goeudevert, Hermann Hoffmann und Ulrich Kiel.
Auf 5 Jahre wiederberufen wurden Dr. Werner Dollinger als Vertreter des Bundes, Siglinde Porsch als Vertreterin der Anwender und Kunden sowie Christine Saurer und Horst Kissel als Vertreter des Personals.
Post testet Elektrofahrzeuge mit Zink-Luft-Energiesystem
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST wird 1995 und 1996 zusammen mit namhaften Partnern aus der Industrie einen Flächentest mit Elektrofahrzeugen auf Basis eines Zink-Luft-Energiesystems durchführen. Als Testgebiet ist Bremen vorgesehen.
Erste Tests mit einem Versuchsfahrzeug beim TÜV Bayern Sachsen verliefen erfolgreich. Die Leistungswerte der Zink-Luft-Batterien lagen weit über denen herkömmlicher Batterien. Interessant ist auch die ökologische Unbedenklichkeit. Während Elektrofahrzeuge mit einem Akkugewicht von 350 kg bisher eine Reichweite von rd. 40 km hatten, erlaubt die neue Technologie Fahrten von mindestens 300 km.
Jahresabschluss 1992 der Deutschen Bundespost POSTDIENST
Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit (also vor Steuern und Ablieferung): - 410 Millionen DM, davon alte Bundesländer: + 810 Millionen DM, neue Bundesländer: - 1.220 Millionen DM
Gesetzliche Ablieferung an den Bund (10 Prozent der Einnahmen): 2.212 Millionen DM
Jahresergebnis: - 2.622 Millionen DM
Während die Zahl der Briefsendungen im Westen um 956 Millionen (+ 7 Prozent) wuchs, stieg sie im Osten um 194 Millionen (+ 11,50 Prozent).
Eingelieferte Briefsendungen insgesamt: 17,3 Milliarden Stück.
Frachtpost:
643 Millionen eingelieferte Sendungen: Im Osten blieb die Zahl gegenüber 1991 nahezu konstant, im Westen 1,5 Prozent Zuwachs.
Umsatzerlöse und übrige Erträge:
66 Prozent der Umsatzerlöse entfielen auf Briefpost (16,8 Milliarden DM), 16 Prozent auf Frachtpost (4 Milliarden DM), auf Pressepost 4 Prozent (1 Milliarde DM) und 14 Prozent auf sonstige Erlöse (3,8 Milliarden DM). Erträge insgesamt: 25,6 Milliarden DM.
Im Jahresdurchschnitt 1992 waren bei der Deutschen Bundespost POSTDIENST 371.255 Kräfte beschäftigt, d.s. 13.785 weniger als 1991. Während die Beschäftigtenzahl im Westen geringfügig um 1.129 auf 305.530 stieg, ging sie im Osten um 14.914 (18,5 Prozent) auf 65.725 zurück.
Einzelheiten zum Geschäftsjahr 1992 finden Sie in der Chronik Juli - Dezember 1992 mit Auszügen aus dem Geschäftsbericht 1992. Und hier geht's zum Geschäftsbericht 1992 und zum Statistischen Jahrbuch 1992 der Deutschen Bundespost POSTDIENST
Aus dem Geschäftsbericht 1993 der Deutschen Bundespost POSTDIENST
Die Grafiken sind dem Geschäftsbericht 1993 entnommen / © Deutsche Bundespost POSTDIENST
Das Geschäftsjahr 1993 auf einen Blick
Der POSTDIENST ist wie die TELEKOM und die POSTBANK seit der Postreform I der Deutschen Bundespost ein eigenständiges Unternehmen. 1990 war das erste Geschäftsjahr. Mit der inzwischen verabschiedeten Postrefonn II wird der POSTDIENST zum 1. Januar 1995 als Deutsche Post AG zu einer Aktiengesellschaft mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung.
Der POSTDIENST versteht sich als ein Service-Unternehmen in der Kommunikations- und Transportwirtschaft. Als Dienstleister richtet es seine Angebote auf die Forderungen der privaten und gewerblichen Kunden aus.
Der POSTDIENST steht in vielen Bereichen im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft. Er erfüllt zudem den ihm vom Staat vorgegebenen Infrastrukturauftrag einer flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung.
Die grundlegenden Ziele des POSTDIENSTES sind:
Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus Zumwinkel: „Auch im Geschäftsjahr 1993 ist es dem Unternehmen gelungen, weitere Fortschritte zu erzielen und konsequent die Weichen für die weitere Zukunft zu stellen. In einem insgesamt schwierigen Marktumfeld konnte die Deutsche Buridespost POSTDIENST verbesserte Ergebnisse erreichen.
Auf den Postmärkten findet international ein tiefgreifender Wandel statt. Die große Herausforderung ist dabei, die Marktöffnung bei der Briefpost und den Abbau der Sonderlasten parallel von der Sache her außerdem schrittweise ohne Verwerfungen und im europäischen Gleichklang voranzubringen. Auf diese zukünftigen Markt- und Wettbewerbsbedingungen stellen wir uns beim POSTDIENST schon heute durch eine ebenso tiefgreifende strategische Neuausrichtung ein.”
Dr. Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bundespost POSTDIENST
Foto: Deutsche Bundespost POSTDIENST
UMSATZSTEIGERUNGEN 1993
Sowohl die Umsätze als auch das Ergebnis konnten im Berichtsjahr weiter deutlich gesteigert werden. Insgesamt wurden Erträge von 27,8 Milliarden DM erwirtschaftet und damit gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 6,5 Prozent erreicht. Die Umsatzerlöse lagen mit 23,7 Milliarden DM um knapp 8 Prozent über den Vergleichszahlen des Jahres 1992. Von den Umsatzerlösen entfielen 19,8 Milliarden DM (+ 8 Prozent) auf die Sparte Brief sowie 3,7 Milliarden DM (+ 5 Prozent) auf die Sparte Frachtpost.
Betrachtet man die einzelnen Dienstleistungsbereiche, so lag die Briefpost bei Umsatzerlösen von 13,7 Milliarden DM (+ 5,9 Prozent), die Infopost bei 3 Milliarden DM (+ 5,9 Prozent) und die Pressepost bei 1,2 Milliarden DM (+ 12,2 Prozent). Die Internationale Post erzielte Umsätze von 1,9 Milliarden DM. Sonstige Umsatzerlöse (z. B. Postrentendienst) betrugen 0,2 Milliarden DM. Die verbleibenden Erträge in Höhe von 4,1 Milliarden DM enthalten vor allem die Kostenerstattungen der beiden Schwesterunternehmen TELEKOM und POSTBANK für die 1993 erbrachten Service- und Verbundleistungen.
In allen wichtigen Geschäftsfeldern konnten trotz der Rezession gute Absatzerfolge erzielt werden. In der Sparte Brief wurden insgesamt 18,3 Milliarden Sendungen eingeliefert. Die Sendungszahl (Inland) bei der Briefpost lag bei 9,8 Milliarden, Infopost 5,7 Milliarden, Pressepost 2,4 Milliarden. Bei der inländischen Frachtpost wurde ein Sendungsvolumen von 616 Millionen erreicht. Im Frachtgeschäft, das durch intensiven Wettbewerb geprägt ist, blieb der Marktanteil unverändert bei gut 26 Prozent.
Die Aufwendungen (ohne Ablieferung und Steuern) sind gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent gestiegen und lagen bei 28 Milliarden DM. Obgleich auch 1993 deutliche Produktivitätsverbesserungen erzielt wurden, schlägt sich die hohe Personalintensität bei der Erbringung unserer Dienstleistungen weiterhin in Personalaufwendungen in Höhe von 21 Milliarden DM nieder (75 Prozent des Gesamtaufwandes).
Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnte im Jahr 1993 deutlich auf minus 173 Millionen DM verbessert werden. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Verbesserung von 58 Prozent. Das entsprechende Teilergebnis für die alten Bundesländer liegt 1993 bei 1.006 Millionen DM, eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um rund 25 Prozent (1992: 810, 1991: 665, 1990: 176 Millionen DM).
Nach Abzug der weiterhin umsatzbezogenen Ablieferung an den Bund in Höhe von 2,3 Milliarden DM (einschließlich der sonstigen Steuern in Höhe von 0,1 Milliarden DM) ist für Gesamtdeutschland ein Defizit von 2,5 Milliarden DM auszuweisen.
Da - anders als im Postverfassungsgesetz vorgesehen - die TELEKOM gegenwärtig nur einen Teil des Finanzausgleiches gewährt, bleibt ein Jahresfehlbetrag von 1.741 Millionen DM. Insgesamt wurden im Jahr 1993 1,9 Milliarden DM investiert. Davon entfiel ein großer Teil auf die Errichtung der neuen Frachtpostzentren. Für das laufende Jahr 1994 ist eine weitere erhebliche Steigerung der Investitionen geplant.
Bei der Bilanzsumme von 20,5 Milliarden DM lag die Eigenkapitalquote zum 31. Dezember 1993 bei 33 Prozent.
STRUKTURDEFIZITE IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN
In den neuen Bundesländern wurden Erträge von insgesamt 2,4 Milliarden DM erzielt. Obgleich rund 20 Prozent der deutschen Bevölkerung in den neuen Bundesländern lebt, konnte das Unternehmen hier lediglich 8,6 Prozent seiner Gesarnterträge erwirtschaften.
Auch wenn insgesamt bereits erhebliche Verbesserungen erreicht wurden, sind die Herausforderungen in Ostdeutschland noch nicht endgültig bewältigt. Wie in anderen Branchen auch, gibt es unverändert Probleme auf der Absatzseite, aber auch bei der Kostensituation.
Das Sendungsvolumen in den neuen Bundesländern liegt noch weit unter den Verhältnissen im Westen. Das Aufkommen bei den Briefsendungen erreicht pro Kopf der Bevölkerung nur knapp 40 Prozent des Westniveaus. Bei der Frachtpost sind nicht einmal 20 Prozent erreicht worden. Neben der aus den unzureichenden Sendungsmengen resultierenden geringen Umsatzkraft ist weiterhin die unbefriedigende Produktivität ursächlich für das Strukturdefizit. Das Unternehmen steuert mit Investitions-, Personalaustausch- und weiteren Verbesserungsprogrammen gezielt auf weitere Produktionsverbesserungen.
BESONDERE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE MITARBEITER
Das Unternehmen hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt. Es hat einen Weg der strategischen Neuausrichtung eingeschlagen, der von allen großes Engagement verlangt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben auch 1993 mit ihrem fachlichen Können, ihrer Einsatzbereitschaft und teilweise hoher Flexibilität die Grundlagen für die Erfolge des Unternehmens und die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation geschaffen. Nicht zuletzt ist hier auch den etwa 13.000 ausländischen Beschäftigten zu danken.
Zum Jahresende 1993 beschäftigte das Unternehmen insgesamt 362.716 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit ging der Personalbestand gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent zurück. In den neuen Bundesländern waren 57.290 und damit knapp 16 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Hier wurde die Beschäftigtenzahl gegenüber dem Jahresende 1992 um 7,7 Prozent gesenkt.
Mit annähernd 165.000, das sind 45 Prozent, stellen die Beamten nach wie vor die größte Beschäftigtengruppe, gefolgt von den Arbeitern (gut 41 Prozent), den Angestellten (10 Prozent) und den Nachwuchskräften (3 Prozent). Insgesamt knapp 28 Prozent aller Beschäftigten sind teilzeitbeschäftigt.
Das Unternehmen stellte 1993 4.296 neue Ausbildungsplätze zur Verfügung.
Trotz aller notwendigen Bemühungen um konsequente Rationalisierung wird das Dienstleistungsgeschäft auch in Zukunft personalintensiv bleiben. Hohe Dienstleistungsqualität kann nur mit fähigen, motivierten und freundlichen Mitarbeitern garantiert werden. Das Unternehmen wird auch künftig sichere und attraktive Arbeitsplätze anbieten können, wenn es gelingt, den begonnenen Weg erfolgreich weiterzugehen.
Neue unternehmensorientierte Personalführungsinstrumente sind auch 1993 weiterentwickelt und verstärkt eingesetzt worden. Qualifizierung, Managementförderung und leistungsorientierte Bezahlung sind Beispiele für die Bewältigung der personalpolitischen Herausforderungen.
STRATEGISCHE NEUAUSRICHTUNG MIT KLAREN ERF0LGEN
Die Postmärkte unterliegen international einem tiefgreifenden Wandel. Das Unternehmen muss sich ebenso tiefgreifend auf diesen Wandel einstellen. Dazu dient die strategische Neuausrichtung der Kerngeschäfte. Sie wurde auch 1993 konsequent fortgeführt.
Dabei orientieren sich die Bereichs- und Funktionalstrategien an den Grundzielen des Unternehmens:
Qualität im internationalen Spitzenmaßstab
Unternehmerische Organisation für Kunden und Mitarbeiter
Wirtschaftlich gesundes Unternehmen unter Berücksichtigung von Infrastrukturaufgaben.
Förderbänder in den neuen Frachtpostzentren
Foto Deutsche Bundespost POSTDIENST
Frachtpostkonzept: Realisierung steht kurz vor dem Abschluss
Die Umsetzung des Frachtpostkonzeptes, das der Öffentlichkeit Anfang 1991 präsentiert wurde, hat auch 1993 große Fortschritte gemacht. Schon jetzt sind 25 der insgesamt 33 künftigen Frachtpostzentren baufertig. Das erste Zentrum ist in Hagen-Fley in Betrieb genommen worden. Die anderen 24 werden jetzt ebenfalls zügig mit modernster computergesteuerter Technik ausgestattet und sind noch im laufenden Jahr betriebsbereit. 5 Zentren werden gegenwärtig gebaut, die verbleibenden 3 stehen unmittelbar vor Baubeginn. Zusätzlich richten wir rund 480 Zustellbasen ein, davon 96 in den neuen Bundesländern.
Moderne Logistik sichert Qualität
Mitte 1995 wird das modernste Frachtlogistik-System in Europa am Netz sein, mit dem der POSTDIENST durch Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Preiswürdigkeit überzeugen wird. Das Unternehmen ist sicher, damit seine Kunden zufriedenstellen und auch verlorene Kunden zurückgewinnen zu können. Schon jetzt haben die größten Kunden voll auf das neue Frachtkonzept gesetzt.
Briefpost: Mit „BRIEF 2000” auf dem richtigen Weg
Auch das neue Briefkonzept („BRIEF 2000”) wurde in wichtigen Teilen umgesetzt. Zum 1. April 1993 (bzw. bei Infopost zum 1. September) konnte ein neues Produkt-Preis-System eingeführt werden. Die Angebotspalette ist nun einfach, übersichtlich und transparent. Das Preissystem berücksichtigt die tatsächlichen Kostenstrukturen. Neue Formen der Entgeltermäßigung sind eingeführt worden.
Bei der Infopost wurden neue Produktverbesserungen eingeführt, mit denen der POSTDIENST auch weiterhin erfolgreich im Direktmarketing-Geschäft präsent sein wird.
Die neue 5-stellige Postleitzahl wurde zum 1. Juli 1993 gültig. Sie ist ein zentrales logistisches Grundelement für BRIEF 2000, ein wichtiger Baustein bei der Einführung hochautomatisierter Produktionsabläufe. Trotz anfänglicher Kritik und Skepsis in den Massenmedien war die Akzeptanz ausgesprochen gut. Sie erreichte bereits nach einer Woche über 75 Prozent. Heute (1994) liegt die Verwendungsquote bei über 96 Prozent. Die Qualität bei den Laufzeiten konnte auch in der Einführungsphase gehalten werden.
Paketannahme in der Postagentur
Die 1993 gestarteten neuen Netze für Presseprodukte und Infopost (Express-Logistik-Netz) sowie für Tageszeitungen (Schnellläufernetz) erweisen sich als äußerst erfolgreich.
Die geplante Optimierung des Filialnetzes konnte termingerecht in 1993 beendet werden. Die Schließung von zahlreichen Postfilialen war wirtschaftlich unerlässlich. Durch Zusammenlegung mit benachbarten Filialen konnte insgesamt der Servicegrad (verlängerte Öffnungzeiten) gesteigert werden.
Postagenturen erfolgreich getestet
Von den 20.000 Postfilialen werden mittlerweile mehr als 500 als private Agenturen betrieben. In diesem sehr erfolgreich verlaufenden Betriebsversuch werden fast alle postalischen Dienstleistungen beispielsweise durch Einzelhändler, aber auch durch Tankstellen angeboten.
Der neue Auftritt in ausgewählten Postfilialen, ein neues Einrichtungskonzept mit offenen Schalterzonen verbunden mit neuen Angeboten rund um Brief, Paket, Postbank und Telefon, kommt sehr gut an. Dieser „open service” wird bei der anstehenden Modernisierung des Filialnetzes ausgeweitet werden.
Modernste Technik durch Terminalisíerung
Die begonnene Terminalisierung aller Postfilialen wird Ende 1995 abgeschlossen sein. Das hochmoderne Informations- und Arbeitssystem bringt spürbare Vorteile für Servicepersonal und Postkunden.
Neue Geschäftsfelder für die Zukunft
Nachdem die Neuausrichtung des Kerngeschäftes auf dem richtigen Weg ist, wendet sich das Unternehmen verstärkt der Entwicklung neuer Geschäftsfelder zu. Mit neuen kundenorientierten Dienstleistungen werden in den kommenden Jahren erhebliche Umsatzpotenziale erschlossen und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
ePost steht hier stellvertretend für neue erfolgreiche Produkte. Dieser elektronische Briefservice verbindet modernste elektronische Datenübertragung mit bewährten postalischen Leistungen. Das Angebot Hauspostbearbeitung - um ein weiteres Beispiel zu nennen - bietet dem gewerblichen Kunden professionelle Hilfe bei der internen Postbearbeitung und entlastet ihn von Arbeiten, die nicht zu seinem eigentlichen Geschäft gehören.
KONSEQUENTE SPARTENAUSRICHTUNG
Auch die Funktionalstrategien in den Querschnittsbereichen Organisation, Personal und Finanzen werden planmäßig verwirklicht. Mit der übernommenen Behördenorganisation kann der POSTDIENST den Anforderungen der Zukunft nicht gerecht werden. Für ein Unternehmen im Wettbewerb sind leistungsfähige und wirtschaftliche Führungsstrukturen unerlässlich. Auf dem Weg zu einer konsequenten Spartenorganisation wurden 1993 weitere Stufen genommen.
Nur mit einer optimierten Spartenausrichtung können Markt und Kunden zielgerecht und effizien bedient werden. Die Termine für die endgültige Umsetzung auf allen Ebenen stehen fest. Ende 1995 werden alle Arbeitsplätze bis in alle Ämter und Direktionen hinein nach den Sparten Brief, Frachtpost und Postfilialen entflochten sein. Unterhalb der Generaldirektion wird es 23 Direktionen geben: 10 für Brief, 5 für Frachtpost und 8 für die Postfilialen. Es wird dann statt der heute 385 Postämter mit Verwaltung 169 Niederlassungen geben, die den 3 Sparten zugeteilt sind. Mit den Gewerkschaften sind die notwendigen Umsetzungsvereinbarungen geschlossen worden.
SCHWIERIGES UNTERNEHMENSUMFELD
Die Märkte, auf denen der POSTDIENST tätig ist, wandeln sich schnell und tiefgreifend. Unverändert nimmt die Intensität des Wettbewerbs zu. Neben dem direkten Wettbewerb durch private Paket-, Express- und Kurierdienste (teilweise auch durch ausländische Postunternehmen) sowie bei der nichtadressierten Massenkommunikation durch alternative Zustelldienste ist hier auf die zunehmende Substitution durch Telekommunikation hinzuweisen. In Deutschland sind bereits über 1 Million Faxgeräte installiert, über welche im letzten Jahr ca. 3 Milliarden Sendungen versandt wurden. Das Briefmonopol ist hier faktisch bereits relativiert.
Generell nimmt der Marktöffnungsdruck in Deutschland und Europa weiter zu. Das Unternehmen bekennt sich zum Wettbewerb als leistungsfähigem Grundprinzip unserer Marktwirtschaft. Es akzeptiert eine schrittweise weitere Marktöffnung, soweit sie im Rahmen der Postpolitik der Europäischen Union erfolgt. Jeder Liberalisierungsschritt, also jede weitere Verringerung der Postmonopole, muss aber im Einklang mit dem Abbau von Sonderlasten, politischen Vorgaben und Handlungsbeschränkungen erfolgen. Wettbewerb ist nur dann fair und wirkungsvoll, wenn für alle Wettbewerber die gleichen Regeln gelten.
Mit der inzwischen verabschiedeten Postreform II wird der POSTDIENST zum 1. Januar 1995 als Deutsche Post AG zu einer Aktiengesellschaft mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung.
Posthorn-Logo - Gebäudekennzeichnung 1993
AKTUELLE LAGE: GESCHÄFTSVERLAUF 1994 PLANMÄSSIG
Die ersten Ergebnisse und Trends des laufenden Jahres 1994 weisen auf der Absatzseite insgesamt auf eine stagnierende bis rückläufige Entwicklung hin. Maßgeblich ist hier in erster Linie die unverändert schwache Konjunktur. Der Unternehmensplan 1994 sieht Erträge von knapp 30 Milliarden DM vor.
50 Prozent Umsatzsteigerung in 5 Jahren
Seit Gründung des Unternehmens wird es damit innerhalb von 5 Jahren - ausgehend von 20 Milliarden DM - eine Umsatzsteigerung von 50 Prozent erreicht haben. Erstmals wird ein positives Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit erwartet.
Nachdem die Tarifverhandlungen über die sozialverträgliche Einführung der Brief- und Frachtpostkonzepte im März 1994 erfolgreich abgeschlossen werden konnten, kann hier die Realisierung planmäßig weitergehen. Die unverzichtbaren Personalanpassungen auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit werden über die natürliche Fluktuation sowie über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen erreicht werden.
Das Jahr 1993 war wiederum ein Jahr, in dem Umsatz und Ergebnisse deutlich verbessert werden konnten. Die strategische Neuausrichtung des Gesamtunternehmens kommt gut voran und zeigt bereits deutliche Erfolge.
Der POSTDIENST steht auf zahlreichen seiner Märkte voll im Wettbewerb. Das wettbewerbliche Umfeld wird mit Sicherheit nicht leichter, sondern eher turbulenter und noch sehr viel komplexer werden. Auf die Anforderungen der Kunden und des Wettbewerbs ist der POSTDIENST heute schon erheblich besser als vor einigen Jahren vorbereitet. Die jährlichen Verbesserungen und die strategische Neuausrichtung schaffen letztlich die entscheidenden Voraussetzungen, um im zunehmenden Wettbewerb zu bestehen.
Aus dem Geschäftsbericht 1993 der Deutschen Bundespost POSTDIENST:
Entwicklung der Unternehmensbereiche im Geschäftsjahr 1993
BRIEF: POSITIVE GESAMTENTWICKLUNG
Mit einer positiven Gesamtentwicklung schloss die Sparte Brief das Geschäftsjahr 1993 ab. Umsatzerlöse von fast 20 Milliarden DM bedeuten eine Steigerung von über 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Absatzsituation ist in den einzelnen Geschäftsfeldern durch eine stabile bis stagnierende Tendenz gekennzeichnet. Strategisch im Vordergrund stand die konsequente kunden- und marktorientierte Ausrichtung neuer Produkt- und Preiskonzepte durch das Konzept „BRIEF 2000”, dessen Basis das 1993 erfolgreich eingeführte 5-stellige Postleitzahlen-System ist.
Wichtigster Umsatzträger ist nach wie vor die Briefpost mit Umsatzerlösen von 13,7 Milliarden DM. Dies entspricht einer Steigerung von 5,9 Prozent. Die Infopost konnte mit einem Umsatz von 3 Milliarden DM ein Wachstum von fast 6 Prozent verzeichnen. Im Bereich der Massenkommunikation blieb das Sendungsaufkommen gegenüber 1992 insgesamt konstant. Einem Wachstum in den alten Bundesländern steht jedoch in gleicher Größenordnung ein Rückgang in den neuen Bundesländern gegenüber. Bei der Individualkommunikation (Brief) ist ein Rückgang von 2,4 Prozent zu verzeichnen.
Bei den eingelieferten Inlandssendungen insgesamt (Individual- und Massenkommunikation) wurde das Niveau des Vorjahres mit 14,3 Milliarden Sendungen in den alten Bundesländern gehalten. Der Mengenrückgang in den neuen Ländern führte im Gesamtergebnis zu einem Rückgang um 1,9 Prozent. Insgesamt wurden 1993 in Deutschland 15,5 Milliarden Inlandsbriefsendungen (Briefpost und Infopost) eingeliefert, gegenüber 15,8 Milliarden im Vorjahr.
Die Briefpost befindet sich trotz des Beförderungsvorbehalts in einem ausgeprägten Wettbewerb. In zunehmendem Maße konkurriert die Briefpost mit den Angeboten verschiedener Kurierunternehmen, aber auch verstärkt mit elektronischen Medien, deren Marktanteil stetig wächst. Die Infopost und die Postwurfsendungen stehen zusätzlich im Wettbewerb mit anderen Werbemedien. Trotz schwieriger Wirtschaftslage und einer unumgänglichen Preisanpassung bleibt diese Sendungsart ein attraktives Angebot für die werbungtreibende Wirtschaft.
ERFOLGREICHE EINFÜHRUNG DER NEUEN POSTLEITZAHL
Die umfangreichste und hinsichtlich Innen- und Außenwirkung sensibelste Aufgabe war 1993 die Einführung der neuen Postleitzahl. Der Erfolg dieses Projektes lässt sich leicht ablesen an der hohen Akzeptanzquote von 91 Prozent bereits einen Monat nach dem Einführungstermin am 1. Juli 1993.
Zum 1. Juli 1993 waren 26.424 gesamtdeutsche neue Postleitzahlen zu „implementieren”. Das bedeutete eine enorme Aufgabe für die Öffentlichkeitsarbeit und die Produktion. So musste ein temporärer Parallelbetrieb für Sendungen mit alter und neuer Postleitzahl organisatorisch und technisch geplant und realisiert werden. Mit hohem und engagiertem Einsatz gelang es trotz enormer Zusatzbelastungen, ein von manchen vorhergesagtes Chaos zu vermeiden. Darüber hinaus wurde die Laufzeitqualität kaum beeinträchtigt.
Hinweis: Im Register „Der Gastbeitrag” finden Sie die Geschichte der 5-stelligen Postleitzahl von Heimo Thomas
NEUES PRODUKTIONSKONZEPT „BRIEF 2000”
Wie schon 1993 werden auch die nächsten Jahre im Produktionsbereich der Briefpost in besonderem Maße durch die Einrichtung und Inbetriebnahme von 83 Briefzentren geprägt sein. Dieses Projekt verschafft dem POSTDIENST ein völlig neues Logistiksytem für die Briefsendungen. Optimierung der betrieblichen Abläufe, modernste Technologien und ein neues Transportnetz bilden die Grundlage für weitreichende Verbesserungen. Im Mittelpunkt steht der Aufbau von 83 hochautomatisierten Briefzentren, die zum Großteil neu errichtet werden.
Das neue Briefkonzept wird in mehreren Phasen realisiert. In der Pilotphase werden 2 Briefzentren mit den Standorten Greven bei Münster und Straubing errichtet, die sich seit Juli 1994 in der Anlaufphase befinden. Der Netzanschluss wird im Oktober 1994 sein. Ab diesem Zeitpunkt werden hier 100 Prozent der ein- und abgehenden Briefpost der Region bearbeitet werden. In den Pilot-Briefzentren können Technik und Organisation der betrieblichen Abläufe zur Serienreife entwickelt werden. Die Ergebnisse dieses Tests dienen als Grundlage für die Einrichtung des Gesamtsystems.
Die Regionen der weiteren Briefzentren sind bestimmt. 11 konkrete Standorte konnten inzwischen festgelegt werden. Bis zum Jahr 2000 wird die gesamte Betriebsstruktur eingeführt sein. Die Briefe werden dann schneller, zuverlässiger und kostengünstiger bearbeitet werden. Das bedeutet für die Kunden des POSTDIENSTES eine deutliche Qualitätsverbesserung und mehr Preisstabilität, die durch eine Einsparung von jährlich 1,8 Milliarden DM erreicht wird.
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Aus Wikipedia: Liste der Briefzentren
(Creative-Commons-Lizenz - CC-by-sa-3)
Anmerkung: In der Karte sind nicht die Namen der Briefzentren, sondern die Standorte eingetragen. In der folgenden Liste finden Sie Namen und Standorte.
Die Briefzentren werden nach der Verarbeitung ihrer täglichen Briefsendungsmengen in Größen eingeteilt:
Größe tägliche Sendungsmenge
S 450.000 - 750.000
M 750.000 - 1.500.000
L 1.500.000 - 2.250.000
XL 2.250.000 - 3.000.000
XXL 3.000.000 - 4.500.000
(IPZ) 3.000.000 - 5.000.000
Die nachfolgende Liste - Stand: 2000 - gibt die Größe bei Einführung der Briefzentren wieder. Seit den 2010er-Jahren wurden die Kapazitäten durch leistungsfähigere Verteilmaschinen erhöht. So ist beispielsweise das BZ Kempten (Allgäu) von S auf M aufgestiegen.
Postleitregion Bereich Standort Größe Betriebszeitraum
01 Dresden Ottendorf-Okrilla L 12. Januar 1996
02 Bautzen Bautzen S 30. April 1997
03 Cottbus Cottbus S 27. Oktober 1998
04 Leipzig Schkeuditz XL 17. April 1996
06 Halle (Saale) Hohenthurm L 31. August 1995
07 Gera Tinz (Gera) M 18. November 1997
08 Zwickau Reinsdorf M 17. April 1997
09 Chemnitz Chemnitz M 17. August 1995
10/11 Berlin-Zentrum Berlin-Tempelhof XXL 26. November 1997
12/15 Berlin-Südost Schönefeld XL 12. Januar 1996
13/14 (0-1)/16 Berlin-Nord/-Südwest Hennigsdorf L 12. Januar 1996
14 (2-9) Brandenburg (Südwesten) Stahnsdorf XL 2. Mai 1996
17 Neubrandenburg Neubrandenburg M 29. Apri 1998
18 Rostock Roggentin M 2. Mai 1996
19 Schwerin Schwerin M 3. November 1997
21 Hamburg-Süd Hamburg L 22. April 1996
23 Lübeck Lübeck M 12. Januar 1996
24 Kiel Kiel L 25. April 1996
25 Elmshorn Elmshorn M 13. November 1997
26 Oldenburg (Oldenburg) Oldenburg (Oldb) M 22. November 1996
27/28 Bremen Bremen XL 19. April 1996
29 Celle Celle S 25. April 1997
30/31 Hannover Pattensen XXL 27. November 1996
32/33 Herford Herford XL 25. April 1996
34 Kassel Kassel M 24. August 1995
35 Gießen Langgöns M 12. November 1997
36 Fulda Eichenzell M 13. November 1998
37 Göttingen Göttingen M 27. November 1997
38 Braunschweig Braunschweig L 29. November 1996
39 Magdeburg Sülzetal M 25. April 1996
40 Düsseldorf Langenfeld (Rheinland) XXL 20. November 1997
41 Mönchengladbach Mönchengladbach M 29. November 1996
42 Wuppertal Wuppertal L 4. Mai 1998 bis
28. November 2003 1)
44 Dortmund Dortmund L 24. April 1997
45 Essen Essen XL 7. Mai 1997
46/47 Duisburg Duisburg XL 12. Januar 1996
48 Münster Greven L 26. Oktober 1994
49 Osnabrück Osnabrück M 25. April 1996
51 Köln-Ost Köln L 12. Januar 1996
52 Aachen Aachen M 18. November 1996
53 Bonn Troisdorf L 4. Dezember 1996
54 Trier Trier-Ehrang M 30. April 1998
55 Mainz Mainz-Hechtsheim M 16. November 1998
56 Koblenz Koblenz M 12. Januar 1996
57 Siegen Freudenberg M 8. April 1998
58 Hagen Hagen L 17. November 1997
59 Hamm Werl M 10. November 1997
60/61 Frankfurt am Main Frankfurt-Gutleutviertel XXL 27. November 1996
62 Frankfurt am Main Flughafen Frankfurt am Main IPZ 2 24. September 1997
63 Offenbach am Main Offenbach am Main L 26. Mai 1997
65 Wiesbaden Mainz-Kastel L 2. Dezember 1996
66 Saarbrücken Saarbrücken L 26. April 1996
67 Ludwigshafen am Rhein Ludwigshafen am Rhein L 12. Dezember 1997
68/69 Mannheim Mannheim-Käfertal L 18. November 1996
73 Göppingen Salach M 28. November 1997
74 Heilbronn Heilbronn M 9. Dezember 1997
75 Pforzheim Pforzheim M 30. November 1998
76 Karlsruhe Grünwinkel M 22. November 1996
77 Offenburg Offenburg M 20. November 1998
78 Villingen-Schwenningen Villingen-Schwenningen M 7. Mai 1997
78 Freiburg im Breisgau Freiburg im Breisgau L 12. Januar 1996
82 Starnberg Starnberg M 22. April 1998
83 Rosenheim Kolbermoor M 17. April 1998
84 Landshut Landshut S 7. Mai 1998
85 Freising München-Flughafen L 24. April 1998
86 Augsburg Gersthofen M 12. Januar 1996
87 Kempten (Allgäu) Kempten (Allgäu) S 12. November 1998
L 5. Mai 1997 bis 31. Mai 2010 3
89 Ulm Neu-Ulm M 8. Juni 1998
92 Amberg Ebermannsdorf M 29. November 1996
93 Regensburg Regensburg M 4. Dezember 1998
94 Straubing Straubing M 29. August 1994
95 Bayreuth Bayreuth M 24. Oktober 1996
96 Bamberg Bamberg M 24. November 1997
97 Würzburg Würzburg L 12. Januar 1996
98 Suhl Suhl S 23. April 1998
99 Erfurt Erfurt L 22. November 1996
1) Nach der Auflösung des Briefzentrums 42 Wuppertal übernahmen die Briefzentren 40 (Düsseldorf), 45 (Essen) und 58 (Hagen) dessen Arbeit.
2) Das Internationale Postzentrum am Frankfurter Flughafen, eines der modernsten Briefzentren weltweit, ist für sämtliche Brief- und Paketsendungen aus dem und in das Ausland zuständig. Rund um die Uhr werden dort bis zu 5.000.000 Sendungen täglich bearbeitet. Die Niederlassung Internationale Post hat noch einen Standort in Niederaula, das IPZ 2.
3) Vergrößerung zum Monatswechsel Mai/Juni 2010
Fortsetzung: Auszüge aus dem Geschäftsbericht 1993 der Deutschen Bundespost POSTDIENST
EXTERNE LAUFZEITENKONTROLLE AUS KUNDENSICHT
Trotz dieser 1993 begonnenen gravierenden Umstrukturierung der Produktionsabläufe konnte die Laufzeitqualität der E+1-Post weiter stabilisiert werden. Das zuverlässige Laufzeitniveau in den alten Bundesländern lag bei durchschnittlich 90 Prozent (postinterne Messung), in den neuen Ländern konnte es kontinuierlich auf Westniveau gesteigert werden. Eine weitere Verbesserung der Qualität mit höherer Akzeptanz beim Kunden ermöglicht das 1994 eingeführte externe Messsverfahren. Diese Laufzeitenkontrolle ist ein deutlicher Beleg für die kundenorientierte Qualitätsarbeit im Briefdienst. Die Messungen erfolgen durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut und erstmals aus Kundensicht, also von der Einlieferung bis zum Empfang. Die Daten dieser ob]ekt1ven end-to-end-Messung werden künftig vierteliährlich veröffentlicht und sind für den POSTDIENST die Basis für seine Qualitätsverbesserungen.
Brief-Handverteilung
PRODUKTKONZEPT „BRIEF 2000” EINGEFÜHRT
„BRIEF 2000” beinhaltet neben dem Aufbau eines neuen Produktionssystems auch eine neue Produktlinie der Briefpost. Sie verknüpft eine klare Leistungsstruktur mit transparenten Preisen. Wenige Basisprodukte und Sendungsarten ersetzen die in der Vergangenheit in ihrer Vielfalt für den Kunden schwer überschaubare Briefproduktpalette.
Kostenorientierte Preise bestimmen neue Entgelte
Das neue Produkt-Preis-System ist zum 1. April 1993 für die Briefpost und zum 1. September 1993 für die Infopost in Kraft getreten. Das Tarifsystem wurde von einer weitgehend inhalts- und gewichtsabhängigen Tarifierung auf kostenorientierte Preise umgestellt, die sich an Format, Dicke und Gewicht orientieren. Die Entgeltstruktur wurde daher umfassend neu geordnet.
Die straffere und für den Kunden verständlichere Produktgestaltung durch neue, weitestgehend standardisierte Formatbegrenzungen ist zudem Voraussetzung für eine rationellere und schnellere Bearbeitung der Sendungen. „BRIEF 2000” ermöglicht erstmals die Berücksichtigung von Eigenleistungen des Kunden bei der Preisgestaltung. Es können Ermäßigungen für Freistempelung, Vorsortierung, maschinenlesbare Anschriften u.a. gewährt werden.
Einfache und transparente Produktstruktur
Auf dem Marktsegment der Individualkommunikation wird wie bisher der Brief als Hauptprodukt angeboten, allerdings in einer sehr viel transparenteren Produktstruktur. Der Kunde kann je nach Bedarf Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibriefe versenden und dies alles zu den besonders einfachen und transparenten Entgelten von 1, 2, 3 und 4 DM.
Auf dem Markt der Massenkommunikation wurde die Infopost neu eingeführt. Das Nachfolgeprodukt der Massendrucksache, das wie der Brief in 4 Basisprodukte unterteilt ist, bietet dem Kunden erweiterte Möglichkeiten für ein erfolgreiches Direktmarketing. So kann das Gewicht nicht nur nach festen Obergrenzen, sondern grammweise ganz nach Bedarf abgerechnet werden.
PRESSEPOST: NEUAUSRICHTUNG FORTGEFÜHRT
1993 wurde die im Vorjahr begonnene Neuausrichtung der Pressepost verstärkt fortgeführt. Neben einer verbesserten Qualität und der Einführung markt- und kostenorientierter Preise bei der Sendungsart „Postvertriebsstück” und den Vorbereitungen für die neue Sendungsart „Pressesendung” stand die Einführung des Express-Logistik-Netzes im Mittelpunkt.
Das neue Netz wurde im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Postleitzahlen mit einigen großen Zeitschriftentiteln implementiert und im Praxistest optimiert. Bis Ende 1993 nutzten bereits fast 400 Titel die verbesserten Leistungen des Express-Logistik-Netzes. Das Express-Logistik-Netz hat die Laufzeiten bis zum Leser in vielen Fällen verkürzt und generell zuverlässiger und planbarer gemacht.
„Schnellläufernetz” mit der EMS Kurierpost
Für überregionale Tageszeitungen, die einen zuverlässigen Overnight-Service mit einer Zustellung am Erscheinungstag benötigen, wurde in Kooperation mit der EMS Kurierpost GmbH ein Spezialnetz implementiert, das „Schnellläufernetz”. Der Start dieses neuen Leistungsangebotes zeigte, dass weit mehr Leser als zuvor am Erscheinungstag beliefert werden können.
Der Aufbau der neuen Netze ist neben der Qualitätsverbesserung ein wesentlicher Beitrag zur Straffung der Transportlogistik und trägt daher mittelfristig zu einer Senkung der Produktionskosten bei.
MARKT- UND KOSTENORIENTIERTE PREISE
Die Pressepost steht mit ihren Produkten und Preisen in vollem Wettbewerb zu alternativen Zustelldiensten. Dennoch profitierte auch 1993 eine bedeutende Anzahl von Verlagen mit leichtgewichtigen Objekten bei der Pressepost von einem Dienstleistungsangebot, das nach wie vor weit unterhalb der Preise lag, die bei privaten Zustellorganisationen zu entrichten waren.
Die Umsätze wurden 1993 um mehr als 10 Prozent auf 1,2 Milliarden DM gesteigert. Parallel zur Entwicklung des Pressemarktes dürfte das Absatzvolumen der wichtigsten Sendungsart der Pressepost, dem „Postvertriebsstück”, allerdings in den nächsten Jahren stagnieren.
Deshalb wurde für 1994 die Einführung einer neuen Sendungsart, der „Pressesendung” vorbereitet. Als „Pressesendung” sollen insbesondere solche Presseobjekte befördert werden, die zurzeit nicht im Abonnement, sondern im Einzelverkauf vertrieben werden. Dies betrifft insbesondere das Segment Romane, Comics, Rätsel, da ein Versand als „Brief” oder „Infopost” aus Sicht der Verlage unwirtschaftlich wäre. Das Entgelt für die „Pressesendung” liegt zwischen dem Entgelt für „Postvertriebsstück” und „Infopost”, sodass den Verlagen eine attraktive Sendungsart für ihr Abonnementgeschäft offensteht.
ePOST: DIE ELEKTRONISCHE POST
Der POSTDIENST hat 2 Dienstleistungen entwickelt, um künftige Entwicklungspotenziale auf diesem zukunftsträchtigen Wachstumsmarkt der elektronischen Kommunikation zu sichern, den Telebriefdienst und den elektronischen Briefservice (ePost).
Die Nachfrage im Telebriefdienst - Fax für jedermann - hat sich 1993 weiter positiv entwickelt. Die Zahl der Telebriefstellen konnte inzwischen auf 1.800 erweitert, der internationale Telebriefdienst auf 61 Länder ausgedehnt werden.
Briefzusteller starten in den Zustellalltag
Mit ePost ermöglicht der POSTDIENST seinen Kunden eine weitergehende Nutzung vorhandener Einrichtungen zur Informations- und Textverarbeitung. Die elektronischen Informationen werden per Datenfernübertragung oder Datenträger an die ePost-Station übermittelt. Von dort werden sie zu einer zielnahen ePost-Station weitergeleitet, in der sie ausgedruckt und als Briefe oder Infopost ausgeliefert werden.
Die erste Ausbaustufe des elektronischen Netzes mit Stationen in Berlin, Hannover, Leipzig, Nürnberg sowie Frankfurt am Main wurde 1993 fertiggestellt und in einer Testphase mit Pilotkunden erfolgreich erprobt. Im Endausbau wird das nationale ePost-System mit einem in Zusammenarbeit mit ausländischen Postunternehmen im Aufbau befindlichen Netz verbunden.
Im Geschäftsfeld Internationale Post wurde 1993 ein Gesamtumsatz von 1,9 Milliarden DM erzielt. Mit 1,3 Milliarden DM entfiel dabei der größte Anteil auf die Briefpost. Insgesamt wurden knapp 1 Milliarde ein- und abgehende Postsendungen bearbeitet.
Sowohl für internationale Brief- wie auch Frachtpostleistungen hat der POSTDIENST im Laufe des Jahres 1993 neue Produkt-Preis-Systeme eingeführt. Durch Wegfall der Luftpostzuschläge, Bildung weniger Entfernungszonen und Standardisierung der Produkte ist das Angebot wesentlich vereinfacht und den Kundenwünschen angepasst worden.
Mit einem Sofortprogramm Qualität für die gesamte Internationale Post und zahlreichen bilateralen Einzelverhandlungen mit den Postpartnern im Ausland konnte die Dienstleistungsqualität weiter gesteigert werden. So wurde ein neu entwickeltes Computersystem für die Post erfolgreich eingeführt und vom Weltpostverein als Weltstandard zur Verbreitung an weitere Postunternehmen auf der ganzen Welt ausgewählt.
Die Internationale Post ist ein hart umkämpfter Markt mit zahlreichen Wettbewerbern. Der POSTDIENST hat seine Marktposition 1993 durch bessere und preiswertere Dienstleistungen verteidigen können. Dieses gelang, obwohl Konkurrenten durch unfaires Remailing die Schwachstellen der internationalen Verrechnungssysteme ausnutzten und dem POSTDIENST und seinen Kunden erheblichen Schaden zufügten.
Ab 1994 wird die Dienstleistungsqualität im Zusammenschluss mit 20 weiteren Postunternehmen extern überprüft, um Schwachstellen aufzudecken und die Leistung der Öffentlichkeit dokumentieren zu können. Auch ein neues Logistikkonzept zur nachhaltigen Optimierung des Produktionssystems ist in der Planung.
PHILATELIE: UNGEBROCHENE FASZINATION
Attraktive neue Produkte rund um die Briefmarke förderten das ungebrochen starke Kundeninteresse an der Philatelie. Philatelistische Leckerbissen wie 2 Stempeleditionen zur Einführung der neuen 5-stelligen Postleitzahlen waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Aufgrund des Erfolgs wird die Reihe der „Bücher mit Briefmarken” 1994 fortgesetzt.
Begeistert aufgenommen wurde auch der philatelistische Weihnachtsmarkt der erstmals in 500 Postämtern in der Vorweihnachtszeit die gesamte Palette des Sammler-Service an offenen Thekenlandschaften „zum Anfassen” bot.
Das Ausgabeprogramm 1993 war geprägt durch die Herausgabe weiterer Serien und Sondermarken mit dem Schwerpunkt Deutschland und internationale Themen. 1993 war das Startjahr für die neue Serie „Bilder aus Deutschland”. Die erste „Kinderbriefmarke” wurde auf Anhieb Spitzenreiter in der Gunst der Öffentlichkeit. Internationale Akzente setzten im Jahresprogramm 1993 die 3 motivgleichen Gemeinschaftsausgaben mit ausländischen Postunternehmen. Auch bei ihren eigenen Marken zeigte die Deutsche Bundespost POSTDIENST Internationalität. So wurden mit Isaak Newton, Peter I. Tschaikowski, Max Reinhardt und Claudio Monteverdi auch 4 ausländische Persönlichkeiten von internationalem Rang geehrt.
DIE FRACHTPOST IST AUF DEM BESTEN WEG
Trotz eines sich verschärfenden Wettbewerbs auf dem Frachtmarkt konnte die Frachtpost national und international mit einer Steigerung von 3,6 Prozent auf 666,9 Millionen Sendungen im Jahr 1993 wiederum ein erfreuliches Mengenwachstum verzeichnen. Der Umsatz stieg um 5 Prozent auf über 4,2 Milliarden DM. Durch weitere Optimierung der Verteil~ und Transportlogistik wurde vor allem in den neuen Bundesländern ein Qualitätssprung erreicht. Der Countdown bis zum Start des neuen Produktionssystems der Frachtpost und der Einführung des neuen Standardproduktes „Post-Paket” am 1. Juli 1995 läuft nach Plan.
646 Millionen inländische Frachtpost-Sendungen
Die Zahl der nationalen Frachtpost-Sendungen stieg 1993 um 3,9 Prozent auf 646 Millionen an. Der Umsatz wuchs im gleichen Zeitraum um rund 5 Prozent auf ca. 3,7 Milliarden DM. Hinzu kommt ein Umsatz von über 0,5 Milliarden DM im internationalen Dienst. Erfreulich ist vor allem die Entwicklung in den neuen Bundesländern. Nachdem dort im Jahr 1992 noch konjunkturbedingte Mengenrückgange zu verzeichnen waren, war für 1993 ein klarer Aufwärtstrend bei den eingelieferten Frachtpostsendungen zu erkennen.
Der Wettbewerb auf dem Paketmarkt ist im Geschäftsjahr deutlich härter geworden. Der POSTDIENST konnte diesem Trend nicht zuletzt aufgrund neuer Vertriebsimpulse gegensteuern. Insbesondere wurden im Bereich der Geschäftskundenberatung sowohl im externen Auftritt wie bei der Organisation und Motivation der Vertriebsmannschaft deutliche Signale gesetzt.
Verkaufswettbewerb mit Incentive-Programm
Im Rahmen eines Verkaufswettbewerbs mit einem anspruchsvollen Incentive-Programm wurden die erfolgreichsten Geschäftskundenberater für ihren Einsatz besonders ausgezeichnet. Das Ergebnis dieser Aktivitäten waren beachtliche Akquisitionserfolge im Geschäftskundensegment. 2.500 neue Selbstbucher konnten gewonnen und damit enger an das Unternehmen gebunden werden.
QUALITÄT DER LAUFZEITEN VERBESSERT
Durch kontinuierliche Verbesserung der Produktionsabläufe und eine Optimierung der Transportlogistik gelang es auch 1993, die Qualität der Laufzeiten weiter zu steigern. Erfreulich ist vor allem, dass im 3. Jahr nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern die gleiche Qualität erreicht werden konnte wie in den alten Ländern. Die sehr guten Laufzeiten der Frachtpostsendungen werden inzwischen auch durch den Verband der Postbenutzer bestätigt.
KONZEPT FRACHTPOST: DER COUNTDOWN LÄUFT
1. Juli 1995: Start der neuen Frachtpost
Die Realisierung des Konzeptes Frachtpost läuft weiter planmäßig in Richtung auf den Stichtag 1. Juli 1995. An diesem Tag werden das neue Produktionskonzept mit den 33 Frachtpostzentren, den angeschlossenen rund 480 Zustellbasen und das neue Produktkonzept mit dem neuen Standardprodukt „Post-Paket” realisiert sein.
1993 konnten 25 der 33 Frachtpostzentren baulich fertiggestellt und mit dem Einbau der Verteiltechnik begonnen werden. Die restlichen Frachtpostzentren folgen Zug um Zug im Jahr 1994.
ERSTES FRACHTPOSTZENTRUM AM NETZ
Am 2. Mai 1994 hat das erste Frachtpostzentrum in Hagen den Betrieb aufgenommen. Ab Juli 1994 werden in jedem folgenden Monat weitere Frachtpostzentren in Betrieb gehen. Detaillierte Implementierungspläne regeln den reibungslosen Übergang der Produktion von den bestehenden Frachtbearbeitungsstellen in die neuen Frachtpostzentren und stellen sicher, dass keine Qualitätsverluste in der Übergangszeit entstehen werden.
Die Auslieferung der Frachtpostsendungen erfolgt im neuen System über sogenannte Zustellbasen, denen durchschnittlich 27 Zustellbezirke zugeordnet werden. Insgesamt werden im Bundesgebiet 477 Zustellbasen eingerichtet, davon 380 in den alten und 97 in den neuen Bundesländern (Stand: Juli 1994). 351 Zustellbasen werden in vorhandenen Immobilien untergebracht. Für weitere 126 Zustellbasen errichtet der POSTDIENST Neubauten. Bis Mitte 1994 sind von diesen neuen Zustellbasen bereits 28 fertiggestellt und im Rahmen der heutigen Zustellorganisation in Betrieb genommen worden.
Aus Wikipedia: Karte mit den Einzugsgebieten der Frachtpostzentren (ab 1999: Paketzentren) der Deutschen Post DHL Group (Stand 2015)
Lizenz für Karte und Liste: By NordNordWest (Own work) - CC BY-SA 3.0
Hinweis: Seit dem 1. Januar 2007 sind die Paket-Niederlassungen (Betriebsort der Frachtpost-/Paketzentren) aufgelöst und die Paketzentren als Abteilung 35 Stationäre Bearbeitung PAKET den jeweiligen Brief-Niederlassungen zugeordnet.
Liste der Frachtpostzentren (Stand 2012 )
Die Größenangaben beziehen sich auf den Stundendurchsatz an Sendungen seit dem Ausbau der Frachtpostzentren/Paketzentren nach dem Paketkonzept 2012.
Leitregion Frachtpostzentrum
Paketzentrum Niederlassung Brief Größe Betriebsaufnahme
01 Ottendorf-Okrilla Dresden M
04 Radefeld Leipzig M
08 Neumark Zwickau S
14 Nauen-Börnicke Berlin-Nord (Hennigsdorf) M
15 Rüdersdorf Berlin-Südost (Schönefeld) M
17 Neustrelitz Neubrandenburg S
21 Hamburg-Allermöhe Hamburg-Süd M
24 Neumünster Kiel S
29 Bremen-Hemelingen Bremen M
30 Anderten Hannover M
33 Bielefeld Herford M
34 Staufenberg Kassel M
39 Osterweddingen Magdeburg S
46 Dorsten Essen M
47 Krefeld Duisburg M
48 Greven Münster M
50 Köln Köln-West M
55 Saulheim Mainz M
56 Neuwied Koblenz M
58 Hagen Hagen M 02.05.1994
1. Frachtpostzentrum
63 Rodgau Frankfurt am Main M
67 Speyer Mannheim M
72 Eutingen Reutlingen S
73 Köngen Göppingen M
76 Bruchsal Karlsruhe M
77 Lahr Freiburg M
85 Aschheim Freising M
86 Augsburg / Gersthofen Augsburg M
89 Günzburg Ravensburg M
90 Feucht Nürnberg L
93 Regensburg Straubing M
97 Kitzingen Würzburg M
99 Nohra Erfurt M
NEUE ZUSTELLFAHRZEUGE
Zur Neuausrichtung des Produktionssystems gehört auch die Optimierung der Fahrzeugflotte. Im Dezember 1993 wurde nach einer europaweiten Ausschreibung ein Vertrag mit der Firma Mercedes-Benz über die Lieferung und Instandhaltung von 8.760 neuen Zustellfahrzeugen geschlossen. Die Investitionen dafür belaufen sich auf mehr als 500 Millionen DM. Der neu entwickelte Fahrzeugaufbau wird von der Firma Kögel in Sachsen gefertigt.
INTERNATIONALE FRACHTPOST: ATTRAKTIVE KILOTARIFE
Für seine Geschäftskunden im internationalen Dienst offerierte der POSTDIENST 1993 neue günstige und konkurrenzfähige Kilotarife, von denen bis Ende 1993 über 4.000 Unternehmen regelmäßigen Gebrauch machten. Für Versender mit großen Frachtpostsendungsmengen ins Ausland wurden der Betriebstest mit dem Consignment-Service auf Palettenbasis fortgesetzt und zahlreiche neue Kunden für dieses Produkt gewonnen.
Intensiviert wurde auch die Zusammenarbeit im Frachtpostbereich mit Postunternehmen anderer Länder.
POSTFILIALEN: SERVICE STÄRKEN, KOSTEN SENKEN
Mit 20.000 Postfilialen verfügt der POSTDIENST über ein großes und leistungsfähiges Distributíonsnetz. Aufgrund der Nachfrageentwicklung war dieses Netz in den letzten Jahren starken strukturellen Änderungen unterworfen, die eine strategische Neuausrichtung erforderlich machen. Das Jahr 1993 war gekennzeichnet von entscheidenden Weichenstellungen hin zu mehr Kundenorientierung und einer größeren Wirtschaftlichkeit.
Ein Beispiel für das neue Selbstverständnis des Postfilialbetriebs ist die 1993 gestartete Qualitätsoffensive. Im Rahmen des Projektes „Kundenorientierte Qualität” sollte unter Einbeziehung der Kreativität und der Ideen der Mitarbeiter eine verstärkte Ausrichtung auf die Kundenwünsche erreicht werden. Dazu wurde eine repräsentative Befragung bei privaten und gewerblichen Kunden durchgeführt. Aus der Analyse ergaben sich folgende Kundenanforderungen: optimale Öffnungszeiten, Kompetenz und Freundlichkeit der Mitarbeiter, geringe Bürokratie, kurze Wartezeiten und ein kundenorientiertes Erscheinungsbild.
Qualitätsteams in 6 Pilotämtern
Auf der Basis dieser Kundenumfrage wurden Ende 1993 in 6 Pilotpostämtern Qualitätsteams gebildet. Die Teamarbeit erwies sich als effektives Instrument, die Qualität in den Postfilialen zu verbessern und die Mitarbeiter zu einer andauernden Qualitätsarbeit zu motivieren. Die Qualitätsteams der Pilotämter haben insgesamt 150 qualitätsverbessernde Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt, die den genannten Kundenanforderungen und Kundenwünschen entsprechen. Für das Jahr 1994 ist vorgesehen, die bundesweite Einführung von Qualitätsteams vorzubereiten.
WIRTSCHAFTLICHKEIT DURCH NETZOPTIMIERUNG
Das Filialnetz des POSTDIENSTES ist seit Jahren geprägt von einer zu großen Zahl von Postfilialen und einem starken Nachfragerückgang nach Schalterdienstleistungen, der seit 1990 einen Umfang von annähernd 30 Prozent erreicht hat. Dies hat dazu geführt, dass die Gesamtnetzkosten in Höhe von jährlich ca. 4,5 Milliarden DM nur noch gut zur Hälfte gedeckt sind.
Vor diesem Hintergrund gehörte es auch 1993 zu den Hauptaufgaben der Sparte Postfilialen, bei Wahrung des Infrastrukturauftrags die Kosten zu senken und die Qualität zu verbessern. Kriterien für die Beibehaltung einer Postfiliale sind neben der Auslastung ein eigener Einzugsbereich von ca 2.000 Meter.
Im Zuge einer bundesweiten Überprüfung des vorhandenen Netzes in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern wurden 1993 zum Abbau von Überkapazitäten und zur Kostensenkung rund 1.000 kleinere Postfilialen mit Nachbarfilialen zusammengelegt.
ERFOLGREICHER BETRIEBSVERSUCH POSTAGENTUR
Angesichts notwendiger Schließungen von Postfilialen wird seit August 1993 bundesweit in Lebensmittelgeschäften, Schreibwarenläden oder Tankstellen vorwiegend an ländlichen Standorten ein neuer Vertriebsweg getestet: die Postagentur. Im Rahmen dieses Betriebsversuchs wurden zunächst rund 500 Postagenturen eingerichtet. Das Agenturkonzept erwies sich bereits in den ersten Monaten als voller Erfolg und zwar sowohl aus Sicht der Kunden und Agenturnehmer als auch aus Sicht des POSTDIENSTES.
Die Kunden honorieren den Qualitätsgewinn durch erheblich längere Öffnungszeiten und die Möglichkeit zu Verbundeinkäufen. Gleichzeitig schätzen sie den fast uneingeschränkten Service der Postagenturen. Den Agenturnehmern bringt ihre Zusammenarbeit mit dem POSTDIENST nicht nur eine entsprechende Vergütung ein, es wird auch ein zusätzliches Kundenaufkommen erschlossen.
Für den POSTDIENST sind die Postagenturen ein wirtschaftlicherer Vertriebsweg. Eine erste Analyse zeigt, dass die Leistungen im Vergleich zu eigenbetriebenen einschaltrigen Postfilialen bei deutlich besseren Öffnungzeiten zu erheblich niedrigeren Kosten erbracht werden.
Der Betriebsversuch wird fortgeführt und ist mit der Erwartung verbunden, dass so der durch anhaltenden Nachfragerückgang drohenden massiven Qualitätsverschlechterung und Verteuerung des Postfilialnetzes begegnet werden kann.
Durch eine Erweiterung des Produktangebotes und der Dienstleistungen wird versucht, den Nachfragerückgang mindestens teilweise zu kompensieren. In verschiedenen Postfilialen werden auf der Basis regionaler bzw. örtlicher Vereinbarungen - von Müllmarken oder Fahrausweisen bis zu Fotoannahme, Zeitschriften oder Konzertkarten - unterschiedliche Zusatzleistungen testweise verkauft.
Mit dem größten Partner der Postfilialen, der POSTBANK, wurde eine Projektgruppe gebildet, die sich mit der Einrichtung sogenannter Blauer Schalter beschäftigt, die ausschließlich Bankleistungen anbieten sollen. Im Rahmen dieses Projekts soll die Eröffnung der ersten „Blauen Schalter” noch 1994 erfolgen.
Zahlreiche Umstellungen betrieblicher Verfahren führen auch für die Kunden zu deutlichen Qualitatsverbesserungen. Dazu zählen u.a. der Ausbau des Netzes der ec-Geldautomaten oder die Einrichtung von Selbstbedienungs-Centern.
Auch in Zusammenarbeit mit der TELEKOM konnten der Kundenservice und die Wirtschaftlichkeit in den Postfilialen verbessert werden. Dazu gehören das Angebot von öffentlichen Selbstbedienungs-Fax-Einnchtungen oder der Austausch von Münztelefongeräten durch Kartentelefone.
DAS NEUE EINRICHTUNGSKONZEPT „open service”
Anhand des für die künftige Einrichtung von Postfilialen neu entwickelten Konzeptes „open service” erarbeitete eine Projektgruppe, unterstützt durch Architektur- und Designbüros, mehrere Lösungsvarianten für eine attraktive und funktionale Ausstattung der Postfilialen. Am 9. März 1993 nahmen die ersten beiden Filialen „open service” in Bad Honnef und Grömitz ihren Betrieb auf. Insgesamt wurden 14 Postfilialen in ganz Deutschland nach dem neuen Konzept umgestaltet. Weitere 9 Filialen werden noch bis Herbst 1994 folgen.
Die Aufhebung der voneinander abgegrenzten Einzelarbeitsplätze zugunsten einer durchgängigen Schaltertheke und der Wegfall der Sicherheitsverglasung ermöglichen eine bessere Kommunikation und eine persönlichere Kundenbedienung in einer freundlicheren Atmosphäre. Hinzu kommt die Verbesserung des Serviceangebots durch Postshops u.a. mit Schreibartikeln sowie Selbstbedienungsautomaten. Akzeptanzuntersuchungen bei den Pilotfilialen haben gezeigt, dass „open service” sowohl bei Kunden als auch bei Mitarbeitern auf positive Resonanz gestoßen ist. Die flächenweite Einführung erfolgt ab Ende 1994 vorrangig in den neuen Bundesländern.
EPOS: Schalterterminalisierung gestartet
Das Pilotprojekt Schalterterminalisierung bei 2 Postämtern ist im Jahr 1993 so erfolgreich verlaufen, dass in einer ersten Ausstattungsrate 1994 rund 7.000 Schalter mit dem Schalterterminalsystem EPOS 92 ausgestattet werden können. Weitere ausgewählte Standorte mit nochmals rund 10.000 Schaltern werden planmäßig bis Ende 1995 auf das neue DV-gestützte Arbeitsverfahren umgestellt. Das System ist darauf ausgerichtet, die Bedienung der eigenen und der Verbundpartner-Kunden effizient abzuwickeln sowie aktuelle Steuerungsdaten für das Unternehmensmanagement zu liefern.
POSTRENTENDIENST: NEUAUSRICHTUNG GESTARTET
Im Auftrag der Träger der gesetzlichen Renten- und Unfallversicherung sowie von Zusatzversorgungsleistungen leistete der Postrentendienst 1993 insgesamt rund 240 Millionen Zahlungen über 250 Milliarden DM in das Inland und 11 Millionen Zahlungen über 5,5 Milliarden DM in über 140 andere Länder. Der POSTDIENST erzielte durch diesen Service ca. 130 Millionen DM Umsatzerlöse.
Die Arbeiten der 8 regional zuständigen Rentenrechnungsstellen reichen von der Bestandspflege über Auszahlungen, Abrechnungen, Ermittlung statistischer Daten bis zur Kontrolle der Zahlungsvoraussetzungen.
Um den hohen Qualitätsanforderungen der Auftraggeber im technischen und rechtlichen Bereich langfristig gewachsen zu sein, wurde das strategische Projekt „Neuausrichtung des Geschäftsfeldes Postrentendienst” gestartet. Ziel des Projektes ist insbesondere die Umgestaltung gewachsener DV-Strukturen auf moderne Technologien, die Reduzierung manueller Tätigkeiten und die schnelle Reaktion auf neue Anforderungen der Auftraggeber.
Mitarbeiter: Das Engagement fördern
Den neuen Herausforderungen, die 1993 durch grundlegende organisatorische Änderungen und die begonnene Einführung der neuen Betriebskonzepte bestimmt wurden, haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des POSTDIENSTES mit großem Einsatz und Erfolg gestellt. Gefördert wurde das Engagement durch die Weiterentwicklung der personalpolitischen Instrumente, z.B. bei der Qualifizierung, der Managementförderung und der leistungsorientierten Bezahlung.
In fast allen Bereichen wurden die Aufgabenstellungen der Mitarbeiter nachhaltig geändert oder sie werden in den kommenden Jahren erneuert. Die Umwandlung zur „neuen Post” sowohl im Betriebsablauf wie im inneren Selbstverständnis zu unterstützen, ist die besondere Aufgabe der Personalarbeit. Insbesondere die Fortbildung muss diese Umwandlung mit aller Kraft unterstützen. Eine verstärkte Kundenorientierung, eine hohe Dienstleistungsqualität und die Ausrichtung des Unternehmens an betriebswirtschaftlichen Grundsätzen sind die vordringlichen Ziele, zu denen die Mitarbeiter den Weg kennen müssen.
Schon in Anbetracht der gewaltigen Mitarbeiterzahl ist es wichtig, in der Fortbildung modernste didaktische Methoden einzusetzen. Der POSTDIENST entwickelte dazu das „computerunterstützte Lernen im Postdienst (CLIP)”, das 1993 als eine wesentliche Lernmethodik in der Fortbildung etabliert wurde. CLIP ist eine der größten Multimedia-Anwendungen weltweit. Für unterschiedliche Zielgruppen wurden größtenteils in Eigenproduktion 22 Lernprogramme erstellt. Bisher nahmen mehr als l00.000 Lernende an diesen Qualifizierungsmaßnahmen teil. Für die Mitarbeiter in den Postfilialen wurde im Rahmen des Konzeptes „open service” ein spezielles Trainingsprogramm zur Weiterentwicklung der Verkaufskompetenz und des kundendienstlichen Verhaltens erfolgreich gestartet.
Ein weiterer Qualifizierungsschwerpunkt lag 1993 auf betriebswirtschaftlichen Fragestellungen. In Kooperation mit den privaten Hochschulen „European Business School” und „Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung” wurde den Führungskräften erfolgreich wirtschaftliches Grundlagenwissen vermittelt.
Die anforderungsgerechte, systematische Förderung und Nutzung der innerhalb des POSTDIENSTES vorhandenen Führungspotenziale ist das Ziel der 1993 vorangetriebenen Personalentwicklungsplanung. Ihre wesentlichen Inhalte sind die „Freiwillige Selbstauskunft”, die „Dezentrale Potenzialeinschätzung”, das „Personalentwicklungsseminar” und die Durchführung von „Managementförderkreisen”.
Die 1991 für Beamte des POSTDIENSTES eingeführte Leistungszulage hat sich auch in diesem Geschäftsjahr als ein überzeugendes Führungsinstrument zur Stärkung der Motivation und Qualitätssteigerung in allen Bereichen erwiesen. 1993 konnten erstmals Beamte, Angestellte und Arbeiter bundesweit, d.h. auch in den neuen Bundesländern, in den Genuss der Leistungszulage kommen. Die Lohnrunde West ergab für das Jahr 1993 eine Erhöhung der Vergütungen und Löhne einschließlich der Ausbildungsvergütungen sowie der Orts- und Sozialzuschläge um 3 Prozent. Für die Arbeiter und Angestellten in den neuen Bundesländern war bereits 1992 in der Lohnrunde Ost die stufenweise Anpassung der Löhne und Vergütungen auf schließlich 80 Prozent des Westniveaus zum 1. Juli 1993 tarifvertraglich vereinbart worden.
SOZIALVERTRÄGLICHE UMSETZUNG DER NEUEN KONZEPTE
Seit November 1992 werden mit den beim POSTDIENST vertretenen Gewerkschaften Tarifverhandlungen geführt, um die sozialverträgliche Umsetzung der Konzepte Frachtpost, BRIEF 2000 sowie der Spartenorganisation durch Tarifverträge verbindlich abzusichern. Vorgesehene Regelungsinhalte dieser Projekttarifverträge sind der Ablauf eines Sozialplanverfahrens, die Beteiligung der Personalvertretungen, der Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile und die Zumutbarkeit von Ersatzarbeitsplätzen für die Mitarbeiter.
ERFOLGREICHER 0ST-WEST-PERSONALAUSTAUSCH
Das 1992 für Führungskräfte aller Laufbahnen konzipierte Personalaustauschprogramm zwischen den alten und neuen Bundesländern wurde 1993 erfolgreich fortgeführt. Aufgrund der unvermindert regen Teilnahmebereitschaft war es bis Ende des Jahres möglich, insgesamt mehr als 3.200 Einsätze zu vermitteln.
Das Pesonalaustauschprogramm hat sich als ein Instrument zur Schaffung eines gleich hohen Leistungsstandards in Ost und West bewährt. Zur Qualitätssicherung und weiteren Realisierung der Unternehmenskonzepte wird der Personalaustausch auch im Jahre 1994 fortgeführt.
AUSBILDUNG/NACHWUCHSKRÄFTE
Der POSTDIENST geht im Personalbereich völlig neue Wege. Die Ausbildungsgänge für alle Unternehmenssparten zukunftsorientiert zu gestalten, ist dabei ein Schwerpunkt der Personalarbeit. Für den Bereich des bisherigen einfachen und mittleren Dienstes ist die Einführung einer Stufenausbildung vorgesehen, die in einer 1. Stufe innerhalb von 2 Jahren für Tätigkeiten des bisherigen einfachen Dienstes ausbildet. Qualifizierte Absolventen der 1. Stufe können im Rahmen des Bedarfs in die 2. Stufe übernommen und dort innerhalb eines weiteren Jahres für Tätigkeiten des bisherigen mittleren Dienstes ausgebildet werden.
Darüber hinaus wird derzeit im Wege eines Pilotprojektes die Eignung des neuen Ausbildungsberufes „Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation” erprobt. Für Tätigkeiten des bisherigen gehobenen Dienstes ist die Einführung einer Trainee-Ausbildung vorgesehen.
Wie im Vorjahr konnte das Unternehmen auch 1993 allen ca. 6.500 Auszubildenden einen Arbeitsplatz beim POSTDIENST im Anschluss an ihre Ausbildung anbieten. Der POSTDIENST hat in diesem Geschäftsjahr ca. 3.700 neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen.
GRÖSSTER ARBEITGEBER FÜR FRAUEN
Der POSTDIENST ist der größte Frauenarbeitgeber in Deutschland. Insgesamt sind 174.000 Frauen im Unternehmen tätig, was einem Anteil von 48 Prozent aller Beschäftigten entspricht. Mit 77 Prozent besonders hoch ist der Frauenanteil dabei in den neuen Bundesländern.
Der überwiegende Teil der Frauen arbeitet in der Verteilung, Sortierung, Zustellung, an den Schaltern und in der Verwaltung. Etwa 9.300 Frauen sind mit gehobenen Verwaltungsaufgaben betraut. 390 Frauen sind im Management des Unternehmens tätig.
Besonders hoch ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigung, was dem Wunsch, Familie und Beruf zu vereinbaren, entgegenkommt. Die große Arbeitszufriedenheit gerade bei teilzeitbeschäftigten Frauen belegen auch die 1992 und 1993 durchgeführten Mitarbeiterstudien.
Bei der Generaldirektion und allen Regionaldirektionen des Unternehmens sorgen Frauenbeauftragte dafür, die vom Unternehmen nachdrücklich unterstützte Chancengleichheit nicht nur zu propagieren, sondern auch zu verwirklichen.
SOZIALE AUFGABEN ALS VERPFLICHTUNG
Die Ausrichtung auf ein nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführtes Unternehmen erfolgt im Gleichklang mit der Neuorientierung des Personals. Positiv motivierte Mitarbeiter sind die Basis für den Unternehmenserfolg. Neben einer ausgeprägten innerbetrieblichen Information und Kommunikation sind die umfangreichen Sozialleistungen des POSTDIENSTES ein wesentlicher Motivationsanreiz.
Die Wohnungsfürsorge des Unternehmens ist hier ein Beispiel für viele. Sie konzentriert sich seit dem 1. Juli 1993 auf Großstädte und auf Produktionsschwerpunkte im Brief- und Frachtpostbereich. Damit wird Wohnungsfürsorge dort angeboten, wo es die größten Engpässe am Wohnungsmarkt und die höchsten Mieten gibt.
Verabschiedet wurde auch ein Konzept zur Neuorganisation des betriebsärztlichen Dienstes mit dem Ziel, die Leistungen der Postbetriebsärzte betriebsnäher und auch wirtschaftlicher anzubieten. In Angriff genommen wurde zudem in Abstimmung mit den Sozialpartnern eine Straffung der Organisation der Bundespost-Betriebskrankenkasse.
Die besondere Verpflichtung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spiegelt sich auch beim Arbeitsschutz wider. Die Unfallzahlen konnten beim POSTDIENST in den alten Bundesländern seit 1991 deutlich gesenkt werden. Dazu hat das ab 1992 eingeführte Anreizsystem mit Prämienzahlungen für solche Dienststellen, die Unfälle gegenüber dem Vorjahr vermeiden konnten, wirksam beigetragen. In den neuen Bundesländern musste trotz dieser Aktionen hingegen ein Anstieg der Unfälle konstatiert werden.
Nicht nur eine Sozialleistung, sondern auch eine gesellschaftspolitische Verpflichtung ist für den POSTDIENST der besondere Einsatz für Behinderte. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hat das Unternehmen auch 1993 mehr Schwerbehinderte beschäftigt, als es die gesetzliche Quote vorschreibt.
Aus dem Geschäftsbericht 1993: Bericht des Hauptpersonalrats (Auszug)
Im Jahr 1993 war ein weiterer Personalabbau von ca. 15.000 Kräften zu verzeichnen, der noch über die Reduzierung von Einstellungen und über die Fluktuation realisiert werden konnte. Da mit der Implementierung der Betriebskonzepte ca. 30.000 Arbeitsplätze wegfallen und ein großer Teil der Betriebsstätten verlagert werden, trat der Hauptpersonalrat für ein Personalkonzept zur sozialverträglichen Umsetzung der Maßnahmen ein.
Nein zur Lizenzvergabe der Infopost
Der Hauptpersonalrat sprach sich gegen eine Lizenzvergabe der Infopost an Versandhäuser usw. aus, da dies erhebliche negative Folgen für das Unternehmen und die Arbeitsplätze haben würde. Ein Personalabbau von ca. 40.000 Beschäftigten sowie eine Verteuerung der Briefe im reservierten Bereich wären nicht zu vermeiden. Eine derartige Maßnahme, die auch im Widerspruch zu den Vorschlägen der EG-Kommission zum Grünbuch steht, gilt es zu verhindern.
Postreform II
Die Bestrebungen des Bundesministers für Post und Telekommunikation zur Privatisierung der Postunternehmen nahmen 1993 Konturen an. Der Hauptpersonalrat forderte deshalb den Vorstand auf, für eine soziale Postreform II einzutreten.
Hierunter versteht der Hauptpersonalrat die gleichwertige Weiterbeschäftigung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Erhaltung erworbener Rechte aller Beschäftigten einschließlich der beruflichen Exspektanzen.
Der Jahresabschluss 1993 der Deutschen Bundespost POSTDIENST
zum Jahresabschluss 31. Dezember 1993 des öffentlichen Unternehmens Deutsche Bundespost POSTDIENST
(1) RECHTLICHE GRUNDLAGEN FÜR DIE AUFSTELLUNG DES JAHRESABSCHLUSSES
Das Unternehmen DBP POSTDIENST hat seinen Jahresabschluss nach § 44 Postverfassungsgesetz (PostVerfG) aufzustellen. § 44 PostVerfG bestimmt in Verbindung mit § 45 Abs. 1 und § 39 Abs. 2, dass bei der Erstellung des Jahresabschlusses die „Vorschriften über die Aufstellung des Jahresabschlusses” (Bilanzierungs-Richtlinie) zu beachten sind.
Die Bilanzierungs-Richtlinie DBP POSTDIENST wurde vom Aufsichtsrat im März 1992 mit dem Zusatz verabschiedet, dass die Ausübung von Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechten nicht zur Begründung von Forderungen gegenüber dem Bund nach einer zusätzlichen Eigenkapitalausstattung herangezogen werden kann.
Der Jahresabschluss weist das Gesamtvermögen des Unternehmens DBP POSTDIENST aus, bestehend aus den beiden selbstständig bilanzierenden Teilsondervermögen Verkehrsgebiet West (VGW) sowie Verkehrsgebiet Ost (VGO).
Vorjahreszahlen im Text sind in Klammern gesetzt. Soweit nichts anderes angegeben ist, sind sämtliche Beträge in Millionen DM dargestellt.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1993 hat das Unternehmen die kaufmännische Buchführung eingeführt. Es nutzt hierbei grundsätzlich Software der Firma SAP Walldorf (SAP). Hierdurch ist das bisherige Finanzbuchführungssystem der gehobenen Kameralistik abgelöst worden.
(2) ANPASSUNG DER GESETZLICHEN GLIEDERUNGSSCHEMATA
Die Gliederungen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung gehen von den Gliederungsvorschriften der §§ 266 und 275 HGB aus. Jedoch sind wegen der Besonderheiten der Deutschen Bundespost und aufgrund der fortgeführten DM-Eröffnungsbilanz für das VGO zusätzliche Posten - wie z. B. Sonderverlustkonto aus Rückstellungsbildung, Sonderrücklage und Sonderposten mit Rücklageanteil aus öffentlichen Investitionszuschüssen - auszuweisen.
Bei den Finanzanlagen wird der Posten „Ausleihungen für Wohnungsbauförderung” gesondert ausgewiesen. Es handelt sich dabei um eine Verbundaufgabe, die das Unternehmen DBP POSTDIENST für die gesamte Deutsche Bundespost (DBP) wahrnimmt und bilanziert.
Die Gewinn- und Verlustrechnung wurde um den Posten „Erträge aus Finanzausgleich” erweitert. Die Ergänzung beruht auf § 37 Abs. 3 PostVerfG, wonach zwischen den DBP-Unternehmen ein Finanzausgleich vorzunehmen ist, wenn ein Unternehmen die Aufwendungen aus den eigenen Erträgen nicht decken kann. lm Übrigen ist die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren gegliedert.
(3) ENTWICKLUNG DES ANLAGEVERMÖGENS
Als immaterielle Vermögensgegenstände wird von Dritten erworbene, anwendungsorientierte Software ausgewiesen.
Bei den Zugängen der Anlagen im Bau handelt es sich im Wesentlichen um Investitionen für das neue Frachtpostkonzept.
Eine Aufstellung über die verbundenen Unternehmen sowie die Beteiligungsunternehmen ist als Anlage 2 beigefügt. Gegenüber dem Vorjahr sind folgende Veränderungen eingetreten:
Die Deutsche Postphilatelie GmbH, Wermsdorf, wurde zum 1. Juli 1993 verkauft. Neu gegründet wurden die POSTDIENST Wohnbau GmbH (Grundungsdatum 19. März 1993) und die Deutsche PostConsult GmbH (Gründungsdatum 17. Dezenber 1993). An Erträgen sind von verbundenen Unternehmen und von Beteiligungsunternehmen insgesamt 2 Millionen DM (1 Million DM) zugeflosscn.
Von den in der Beteiligungsliste aufgeführten Beteiligungsunternehmen ist die PSG-Postdienst Service GmbH (PSG) im VGO bilanziert. Sie bietet insbesondere Dienstleistungen im Pressebereich an.
Von den Ausleihungen für Wohnungsbauförderung wurden 589 Millionen DM (573 Millionen DM) an verbundene Unternehmen gewährt. Des Weiteren betreffen von den Ausleihungen Wohnungsbauförderung 436 Millionen DM (440 Millionen DM) Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht.
(2) Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
Von den ausgewiesenen Forderungen in Höhe von 1.094 Millionen DM (3.540 Millionen DM) entfallen rd. 43 Millionen DM auf das DBP-Unternehmen TELEKOM. Von den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen haben alle Posten eine Restlaufzeit von bis zu 1 Jahr. Die Forderungen gegen verbundene Unternehmen in Höhe von 19.000 DM und die Forderungen gegen Beteiligungsunternehmen in Höhe von 333.000 DM bestehen aus Lieferungen und Leistungen.
(3) Wertpapiere
(4) Flüssige Mittel
(5) Sonderverlustkonto aus Rückstellungsbildung VGO
Gemäß § 17 Absatz 4 D-Markbilanzgesetz (DMBilG) war in der Eröffnungsbilanz zum 1. Juli 1990 in Höhe der erstmals gebildeten handelsrechtlichen Pflichtrückstellungen auf der Aktivseite der Bilanz ein Sonderverlustkonto aus Rückstellungsbildung als Bilanzierungshilfe gebildet worden. Das Sonderverlustkonto wurde im Geschäftsjahr entsprechend dem Verbrauch der betreffenden Rückstellungen um 10 Millionen DM abgeschrieben.
(6) Eigenkapital
Das Eigenkapital der DBP POSTDIENST beträgt am Bilanzstichtag 6.758 Millionen DM. Hiervon entfallen auf das VGW 7.509 Millionen DM, auf das VGO -751 Millionen DM. Das Eigenkapital hat sich um 1.741 Millionen DM infolge des nicht vollständig durchgeführten Finanzausgleichs vermindert, davon im VGW um 776 Millionen DM und im VGO um 965 Millionen DM. Um die Eigenkapitalbasis im VGO zu verbessern, ist der DBP POSTDIENST die 1992 für das VGO ermittelte Ablieferung in Höhe von 167 Millionen DM erlassen worden. Durch einen besonderen Bilanzposten wurde dem Rechnung getragen. Im Gj. 1993 wurde gemäß Haushaltsgesetz 1993 (§ 29 Abs. 4) die Ablieferung VGO an die Deutsche Bundespost TELEKOM zur Verstärkung ihres Eigenkapitals geleistet. Zusätzlich besteht eine Sonderrücklage gemäß § 17 Abs. 4 DMBilG. Sie wurde in Höhe des in der Eröffnungsbilanz zum 1. Juli 1990 erstmalig gebildeten Sonderverlustkontos bilanziert und unterliegt - unabhängig von der Entwicklung des Sonderverlustkontos - den Auflösungsbeschränkungen des DMBilG. Sie darf nur zum Ausgleich von Verlusten verwendet werden. Im Geschäftsjahr wurde die Rücklage in Höhe von 10 Millionen DM (23 Millionen DM) aufgelöst und beträgt nunmehr 607 Millionen DM (617 Millionen DM).
Nach dem PostVerfG soll die Eigenkapitalquote (Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital) mindestens 1 Drittel betragen. Bedingt durch den nur teilweise durch TELEKOM geleisteten Finanzausgleich wird die gesetzliche Sollvorgabe knapp erreicht. Die Eigenkapitalquote beträgt zum 31. Dezember 1993 = 33 Prozent.
(7) Sonderposten mit Rücklagenanteil aus öffentlichen Investitionszuschüssen für VGO
im 2. Halbjahr 1990 sind dem VGO öffentliche Fördermittel für die Durchführung von Infrastrukturverbesserungsmaßnahmen zugeflossen, die nicht von den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten abgesetzt, sondern als Sonderposten passiviert wurden. Die Auflösung des Sonderpostens erfolgte seit 1991 in Höhe der mittleren Nutzungsdauer der bezuschussten Anlagegüter; im Geschäftsjahr wurde die verbliebene Sonderrücklage in voller Höhe (16 Millionen DM) aufgelöst, da die bezuschussten Anlagegüter nicht mehr im Bestand sind.
(8) Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen
Die Pensionsrückstellungen umfassen in entsprechender Anwendung des Art. 28 EGHGB nur die unmittelbaren Pensionsverpflichtungen, soweit sie aus ab dem 1. Januar 1990 neu begründeten Anwartschaften von beamteten Mitarbeitern bzw. Beschäftigten des Leitungsbereichs und hieraus in den Jahren 1990 und später eingetretenen Versorgungsansprüchen einschließlich der Ansprüche auf Witwen- und Waisenrenten resultieren.
Die Verpflichtungen des POSTDIENSTES aus entsprechenden bis Ende 1989 erteilten Versorgungszusagen, für die keine Rückstellungen bestehen, betragen 47.991 Millionen DM (47.909 Millionen DM). Für nicht beamtete Mitarbeiter bestehen ferner mittelbare Versorgungszusagen über die Versorgungsanstalt der DBP (VAP). Die hieraus anteilig auf den POSTDIENST entfallenden mittelbaren Verpflichtungen, versicherungsmathematisch berechnet nach den Grundsätzen des § 6a EStG und nach Verrechnung des am Stichtag vorhandenen Kassenvermögens, sind ebenfalls nicht zurückgestellt; sie betragen 9.323 Millionen DM (9.852 Millionen DM). Daneben bestehen aufgrund aktueller Berechnungen mittelbare Verpflichtungen in Höhe von 943 Millionen DM infolge möglicher Satzungsänderungen der VAP hinsichtlich des Umfangs der Einbeziehung von Teilzeitkräften.
Ferner bestehen nicht passivierte pensionsähnliche Verpflichtungen (Beihilfen) gegenüber Ruhestandsbeamten und beamteten Pensionsanwärtern sowie deren Familienangehörigen und Hinterbliebenen, die sich überschläglich ermittelt auf 7 Milliarden DM belaufen.
(9) Rückstellungen für Ablieferungen an den Bund und für Steuern
DBP POSTDIENST ist als öffentliches Unternehmen von den üblichen Steuerpflichten befreit; stattdessen besteht derzeit die Ablieferungsverpflichtung an den Bund nach § 63 Abs. 1 PostVerfG. Folgende Besonderheiten waren im Gj. 1993 bei der Ablieferung zu beachten:
Gemäß § 63 Abs. 1 PostVerfG wurde die Ablieferung der Postunternehmen pauschal um 300 Millionen DM gemindert, davon entfallen auf POSTDIENST 84 Millionen DM.
Der Ablieferungsbetrag VGO (171 Millionen DM) musste an die Deutsche Bundespost TELEKOM geleistet werden. Nähere Erläuterungen hierzu erfolgten unter (6) Eigenkapital.
Zum Bilanzstichtag 1993 besteht gegenüber dem Bund eine Forderung aufgrund überhöhter Vorauszahlungen (Abschlagszahlungen). Steuerliche Außenprüfungen bei der DBP für Umsatzsteuer und abzuführende Lohnsteuer haben für zurückliegende Zeiträume zu erwartende Nachzahlungen an die Finanzverwaltung ergeben. Hierfür besteht eine Rückstellung von 44 Millionen DM (67 Millionen DM).
(10) Sonstige Rückstellungen
Die sonstigen Rückstellungen decken alle erkennbaren Risiken und enthalten Vorsorgen u. a. für Urlaubslöhne und -gehälter, Abgeltung von Überzeitarbeitsansprüchen, Aufwendungen im Rahmen von Tarifverträgen, Nachzahlungen von Sozialabgaben im VGO, Nachzahlungen an Teilzeitarbeiter, Beihilfen zu Krankheitskosten, Altlastensanierungen, unterlassene Instandhaltungen, Wiederherstellungsverpflichtungen bei Mietobjekten, Verluste aus der Vermietung von Wohnungen an Postangehörige, Brief-, Frachtpost-, Vertriebskonzept, Eigentumsansprüche Dritter auf Grundvermögen, Abbau und Wiederherstellungsverpflichtungen von Postzustellanlagen, Entgelterstattungen Pressepost sowie noch zu erbringende Leistungen für am Bilanzstichtag verkaufte Wertvorgaben für Freistempelmaschinen und Briefmarken. Die Zunahme der Rückstellungen um insgesamt 287 Millionen DM betrifft vor allem den Personalbereich sowie noch zu erbringende Leistungen.
C. ERLÃUTERUNGEN ZUR GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG
Zusammengefasst nach den wichtigsten Ertrags- und Aufwandsarten und unterteilt nach VGW und VGO zeigt die Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 1993 folgendes Bild:
Umsatzerlöse für Marktleistungen an die Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK sind mit 923 Millionen DM (1.O77 Millionen DM) enthalten; Kostenerstattungen aus Verbund- und Serviceleistungen an die Schwesterunternehmcn sind unter den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen.
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Erträge aus der internationalen Frachtpost nicht als Erträge Frachtpost, sondern unter den Umsätzen aus Sparte Brief als Erträge Internationale Post ausgewiesen. Auch bei den sonstigen Umsatzerlösen wurde der Ausweis geändert; im Wesentlichen wurden die Erträge aus Nachnahmesendungen auf die Sparten Brief und Frachtpost aufgeteilt.
Die Vorjahreszahlen sind entsprechend angepasst.
(3) Übrige Erträge
Die übrigen Erträge beinhalten fast ausschließlich „sonstige betriebliche Erträge”. Bestandsveränderungen liegen nicht vor. Andere aktivierte Eigenleistungen in Höhe von 8.355.000 DM entfallen mit 5.822.000 DM auf das VGW und 2.533.000 DM auf das VGO.
Seit dem Gj. 1992 werden die wertschaffenden Gehälter und Löhne nur aktiviert, soweit sie den hergestellten Wirtschaftsgütern direkt zugeordnet werden können. Die Zunahme im Geschäftsjahr 1993 steht im Zusammenhang mit den Investitionen für das neue Frachtpostkonzept.
Die sonstigen betrieblichen Erträge umfassen im Wesentlichen Erträge aus Verbund- und Serviceleistungen an die Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK in Höhe von 2.966 Millionen DM. Hiervon entfallen auf TELEKOM 1.359 Millionen DM und auf POSTBANK 1.607 Millionen DM.
Ferner enthalten die sonstigen betrieblichen Erträge 16 Millionen DM Erträge aus der Auf1ösung von Sonderposten mit Rücklageanteil.
(4) Materialaufwand
(5) Personalaufwand
(6) - (9)
(10) Ablieferungen an den Bund, Steuern
Die Ablieferungen des VGO wurden im Gj. 1993 gemäß § 29 Abs. 4 Haushaltsgesetz an die DBP TELEKOM zur Verstärkung des Eigenkapitals geleistet. In den sonstigen Steuern sind an pauschalen Lohnsteuern 102 Millionen DM (91 Millionen DM) enthalten.
(11) Finanzausgleich
Das Unternehmen DBP POSTDIENST schließt im Gj. 1993 mit einem Ergebnis nach Ablieferung an den Bund und Steuern von -2.467 Millionen DM ab.
Gemäß § 37 PostVerfG hat die DBP TELEKOM an die DBP POSTDIENST einen Finanzausgleich zu leisten, da die DBP POSTDIENST derzeit nicht in der Lage ist, die Aufwendungen aus den eigenen Erträgen zu decken. Die DBP TELEKOM hat 1993 im Hinblick auf den zu erwartenden Finanzausgleich an Abschlagzahlungen 581 Millionen DM geleistet; Forderungen in Höhe von 145 Millionen DM stehen noch offen. Aufgrund ihres 1993 erzielten Ergebnisses ist die DBP TELEKOM erneut nicht in der Lage, den Finanzausgleich in voller Höhe zu leisten.
(12) Erträge aus der Auflösung der Sonderrücklage gemäß § 17 Abs. 4 DMBilG
Die im VGO bestehende Sonderrücklage wurde im Gj. in Höhe von 10 Millionen DM zum Ausgleich von Verlusten aufgelöst.
(13) Bilanzergebnis
Der Jahresfehlbetrag beträgt 1.741 Millionen DM. Davon entfallen 776 Millionen DM (618 Millionen DM) auf das VGW und 965 Millionen DM (693 Millionen DM) auf das VGO.
Aufgrund einer zwischen den Unternehmen der DBP auf der Grundlage von § 37 Abs. 3 PostVerfG getroffenen Vereinbarung ist der Bilanzverlust des POSTDIENSTES von der DBP TELEKOM zulasten der Jahresüberschüsse nachfolgender Geschäftsjahre auszugleichen. Unter Berücksichtigung des für das Gi. 1992 nicht vollständig erhaltenen Finanzausgleiches beläuft sich die Verpflichtung der DBP TELEKOM zum Bilanzstichtag 31. Dezember 1993 auf 3.020 Millionen DM. Diese aus zukünftigen Jahresüberschüssen der Schwesterunternehmen zu bedienende Forderung des POSTDIENSTES war entsprechend den handelsrechtlichen Grundsätzen zum Bilanzstichtag noch nicht zu bilanzieren.
Im Durchschnitt des Berichtsjahres wurden 359.228 Mitarbeiter (ohne Auszubildende) beschäftigt, die in den folgenden Dienstverhältnissen standen:
Die Aufwendungen im Berichtsjahr betragen für den Aufsichtsrat 0,8 Millionen DM (0,7 Millionen DM) und für amtierende Mitglieder des Vorstandes 3,1 Millionen DM (3,1 Millionen DM) sowie für ehemalige Mitglieder des Vorstandes 0,2 Millionen DM (Vorjahr -).

References: § 44
 § 44
 § 45
 § 39
 § 37
 § 17
 § 17
 Art. 28
 § 6
 § 63
 § 63
 § 29
 § 37
 § 17
 § 37