Source: http://m.hensche.de/Urteile_Betriebsuebergang_Aenderung_Betriebskonzept_LAG-Nuernberg_4Sa36-08.html
Timestamp: 2018-04-24 17:52:56+00:00

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Akten­zeichen: 4 Sa 36/08
Es liegt kein Be­triebsüber­gang auf den neu­en Be­trei­ber ei­ner Werks­kan­ti­ne vor, wenn die­ser nicht mehr selbst vor Ort Spei­sen frisch zu­be­rei­tet und kei­ne Köche mehr ein­setzt, son­dern nur noch zen­tral zu­be­rei­te­te Spei­sen auf­gewärmt und aus­ge­ge­ben wer­den und sich hier­durch der Per­so­nal­be­darf hal­biert und auf Hilfs­per­so­nal be­schränkt. Es fehlt dies­bezüglich an der Wah­rung der be­trieb­li­chen Iden­tität des Kan­ti­nen­be­triebs.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Würzburg, Urteil vom 14.12.2007, 3 Ca 1067/07
3 Ca 1067/07
Fir­ma B...,
ver­tre­ten durch den Geschäftsführer C...,
- Bei­ge­tre­te­ne -
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r.:
Fir­ma D... ,
ver­tre­ten durch den Geschäftsführer E...
erlässt die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. Ju­li 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt R o t h und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr­mann und Beer
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Würz­burg vom 14.12.2007, Az.: 3 Ca 1067/07, wird auf Kos­ten der Be­ru­fungsführe­rin zurück­ge­wie­sen.
Die am 24.09.1979 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist bei der Be­klag­ten bzw. ih­rer Rechts­vorgänge­rin ab dem 05.08.2002 als Küchen­hil­fe beschäftigt und be­zog zu­letzt ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung in Höhe von EUR 1.280,--.
Sie be­fin­det sich seit dem 07.12.2003 we­gen der Ge­burt drei­er Kin­der fort­lau­fend in Mut­ter­schutz bzw. El­tern­zeit; dies zu­min­dest noch bis Sep­tem­ber 2009.
Die Be­klag­te be­wirt­schaf­te­te bis zum 31.12.2006 auf der Ba­sis der schrift­li­chen Ver­ein­ba­run­gen vom 11.11.1996 und 01.12.2002 (Ko­pi­en Bl. 86 – 89 d.A.) drei Be­triebs­re­stau­rants der ört­li­chen F... Nie­der­las­sung an drei un­ter­schied­li­chen Stand­or­ten im Würz­bur­ger Raum. Ent­spre­chend der Re­ge­lung in § 3 Abs. 4 der Ver­ein­ba­rung vom 11.11.1996, in den Kan­ti­nen­be­trie­ben selbst zu­be­rei­te­te Spei­sen an­zu­bie­ten, setz­te die Be­klag­te für die fri­sche Zu­be­rei­tung der Spei­sen vor Ort je­weils ei­nen Koch und ein bis zwei Küchen­hil­fen ein.
Die Fir­ma F... AG kündig­te das Ver­trags­verhält­nis mit der Be­klag­ten zum 31.12.2006. Mit Wir­kung ab dem 01.01.2007 über­nahm die Fir­ma B... die Be­wirt­schaf­tung der drei Be­triebs­re­stau­rants. Von die­ser Fir­ma wer­den je­doch kei­ne Spei­sen mehr vor Ort frisch zu­be­rei­tet son­dern in ih­rer Menü-Ma­nu­fak­tur zen­tral vor­ge­fer­tig­te Spei­sen le­dig­lich in den Kan­ti­neküchen in ei­nem so­ge­nann­ten Kon-vek­to­ma­ten auf­gewärmt und an­sch­ließend aus­ge­ge­ben. Dem­ent­spre­chend wer­den von die­ser Fir­ma in den Küchen kei­ne Köche mehr ein­ge­setzt son­dern aus­sch­ließlich Küchen­hilfs­per­so­nal.
Die Fir­ma B... teil­te der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 20.11.2006 (Ko­pie Bl. 6 d.A.) mit, dass auf­grund des geänder­ten Küchen- und Be­wirt­schaf­tungs­sys­tems und der da­mit zu­sam­menhängen­den un­ter­schied­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on des er­for­der­li­chen Per­so­nals von kei­nem Be­triebsüber­gang aus­ge­gan­gen wer­den könne. Die Be­klag­te ih­rer­seits teil­te den in den Be­triebs­re­stau­rants ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­tern mit Schrei­ben vom 27.11.2006 (Ko­pie Bl. 7 d.A.) mit, dass zum 01.01.2007 ein Be¬triebsüber­gang auf die Fir­ma B... statt­ge­fun­den ha­be. Sie kündig­te die Ar­beits­verhält­nis­se der bis­her ein­ge­setz­ten drei Köche/Köchin­nen und emp­fahl den drei ein­ge­setz­ten Küchen­hilfs­kräften, ih­re Ar­beits­kraft ab dem 01.01.2007 der neu­en Be­trei­be­rin an­zu­bie­ten. Dies teil­te sie der Fir­ma B... mit Schrei­ben vom 12.12.2006 (Ko­pie Bl. 4, 5 d.A.) mit und ver­wies in die­sem Schrei­ben auch auf den Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses der in El­tern­zeit be­find­li­chen Kläge­rin.
Nach­dem sich die Fir­ma B... der Kläge­rin ge­genüber ge­wei­gert hat­te, sie nach dem En­de der El­tern­zeit wei­ter­zu­beschäfti­gen, hat die Kläge­rin mit ih­rer am 29.05.2007 beim Ar­beits­ge­richt Würz­burg ein­ge­reich­ten Kla­ge den Fort­be­stand ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten gel­tend ge­macht.
Der Fir­ma B... (künf­tig: Bei­ge­tre­te­ne) hat sie mit Schrift­satz vom 10.10.2007 den Streit verkündet. Die­se Fir­ma ist dar­auf­hin sei­tens der Kläge­rin dem Rechts­streit bei­ge­tre­ten.
Das Ar­beits­ge­richt Würz­burg hat mit En­dur­teil vom 14.12.2007 der Kla­ge statt­ge­ge­ben.
Ge­gen das dem da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten am 14.01.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der nun­meh­ri­ge Pro­zess­be­vollmäch­tig­te mit Schrift­satz vom 16.01.2008, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ein­ge­gan­gen am 17.01.2008, Be­ru­fung ein­ge­legt und sie in­ner­halb der bis 14.04.2008 verlänger­ten Be­gründungs­frist mit Schrift­satz vom 07.04.2008, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ein­ge­gan­gen am 08.04.2008, be­gründet.
Die Be­klag­te meint, das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin sei mit Wir­kung zum 01.10.2007 auf die neue Be­trei­be­rin der Be­triebs­re­stau­rants über­ge­gan­gen, denn es ha­be zu die­sem Zeit­punkt ein Be­triebsüber­gang statt­ge­fun­den, dem die Kläge­rin nicht wi­der­spro­chen ha­be. Die neue Be­trei­be­rin ha­be die Be­wirt­schaf­tung der drei Werks­kan­ti­nen zu iden­ti­schen Ver­trags­be­din­gun­gen über­nom­men. Die Öff­nungs­zei­ten, Be­triebs­abläufe und An­ge­bots­pa­let­ten sei­en im We­sent­li­chen un­verändert ge­blie­ben. Ei­ne nen­nens­wer­te Ände­rung ha­be sich le­dig­lich dar­aus er­ge­ben, dass nicht mehr vor Ort fri­sche Spei­sen zu­be­rei­tet son­dern le­dig­lich vor­ge­fer­tig­te Spei­sen auf­gewärmt würden. Des­halb sei­en auch kei­ne Köche über­nom­men wor­den, sehr wohl aber – zu­min­dest zeit­wei­se – die bis­her ein­ge­setz­ten Küchen­hilfs­kräfte. Un­ter Berück­sich­ti­gung der bis­he­ri­gen höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung sei von der Wah­rung der Be­triebs­i­den­tität und da­mit dem Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs aus­zu­ge­hen. Der Be­triebs­zweck sei nämlich eben­so un­verändert ge­blie­ben wie der Kun­den­kreis und die zum Ein­satz kom­men­den sach­li­chen Be­triebs­mit­tel. Bei der Um­stel­lung von frisch zu­be­rei­te­ten auf vor­ge­fer­tig­te Spei­sen hand­le es sich um kei­ne we­sent­li­che Ände­rung des Be­triebs­kon­zepts. In die­sem Zu­sam­men­hang scha­de auch nicht, dass die bis­her dort täti­gen drei Köche/Köchin­nen nicht über­nom­men wor­den sei­en. Da die Kläge­rin selbst nicht mit der Zu­be­rei­tung der Spei­sen be­fasst ge­we­sen sei, sei ihr Ar­beits­be­reich bei der neu­en Be­trei­be­rin nach wie vor vor­han­den.
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Würz­burg vom 14.12.2007 - Az.: 3 Ca 1067/07 – wird wie folgt ab­geändert:
II. Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen. Die durch die Ne­benin­ter­ven­ti­on ver­ur­sach­ten Kos­ten trägt die Bei­ge­tre­te­ne.
Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt:
Die Be­ru­fung wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Zur Be­gründung trägt sie vor, von ei­nem Be­triebsüber­gang zum 01.01.2007 könne nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Die neue Be­trei­be­rin ha­be nämlich gra­vie­ren­de Ände­run­gen in der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on und den Be­triebs­me­tho­den da­durch vor­ge­nom­men, dass sie die Spei­sen nicht mehr durch ei­ge­ne Köche in den Kan­ti­nen zu­be­rei­ten las­se, son­dern zen­tral zu­be­rei­te­te Spei­sen nach ih­rer An­lie­fe­rung nur noch vor Ort erwärmt würden. Mit den drei Köchen sei ein Großteil der Be­leg­schaft nicht über­nom­men wor­den. Zwangsläufig würde auch ei­ne Viel­zahl von Küchen­gerätschaf­ten zur Zu­be­rei­tung von Spei­sen nicht mehr benötigt. Da­mit sei­en auch we­sent­li­che sach­li­che Be­triebs­mit­tel nicht über­nom­men wor­den.
Sie ist statt­haft, § 64 Abs. 1, Abs. 2 c ArbGG und auch in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO.
Das Erst­ge­richt hat mit zu­tref­fen­der Be­gründung der Kla­ge statt­ge­ge­ben, denn das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te nicht mit Wir­kung zum 31.12.2006. Ein Be­triebsüber­gang auf die Bei­ge­tre­te­ne und ein Ein­tritt die­ser Fir­ma in das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin mit Wir­kung zum 01.01.2007 gem. § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB hat nämlich nicht statt­ge­fun­den.
1. Das Erst­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs auf die Bei­ge­tre­te­ne bei der Be­klag­ten liegt, denn die­se hat sich auf die Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses mit der Kläge­rin in­fol­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs be­ru­fen (vgl. KR-Pfeif­fer, 8. Aufl., § 613 a BGB Rz 99-100 m.w.N.). Dies ent­spricht dem all­ge­mei­nen pro­zes­sua­len Grund­satz, dass je­de Par­tei die für sie güns­ti­gen Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen hat (vgl. hier­zu Zöller-Gre­ger, ZPO,
26. Aufl., vor § 284 Rz 17).
2. Bei wer­ten­der Be­trach­tung al­ler Ge­samt­umstände hat die Be­klag­te den Nach­weis nicht er­bracht, dass die Bei­ge­tre­te­ne un­ter Wah­rung der be­trieb­li­chen Iden­tität die bis­her von ihr be­wirt­schaf­te­ten Kan­ti­nen wei­ter­geführt hat und gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB in das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin ein­ge­tre­ten ist.
a. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Ur­teil vom 13.06.2006 – 8 AZR 271/05 – AP Nr. 305 zu § 613 a BGB; vom 11.12.1997 – 8 AZR 426/94 – AP Nr. 171 zu § 613 a BGB; vom 11.09.1997 – 8 AZR 555/95 – NZA 1998, 31; je­weils m.w.N.) setzt die Vor­schrift des § 613 a Abs. 1 BGB den rechts­geschäft­li­chen Über­gang ei­nes Be­trie­bes oder Be­triebs­teils auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber un­ter Wah­rung der Iden­tität der be­tref­fen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit vor­aus. Der Be­griff der wirt­schaft­li­chen Ein­heit be­zieht sich auf ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur auf Dau­er an­ge­leg­ten Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­ner Ziel­set­zung. Bei der Prüfung, ob ei­ne sol­che Ein­heit über­ge­gan­gen ist, müssen sämt­li­che den be­tref­fen­den Vor­gang kenn­zeich­nen­den Tat­sa­chen berück­sich­tigt wer­den. Da­zu gehören als Teil­as­pek­te der Ge­samtwürdi­gung na­ment­lich die Art des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens oder Be­trie­bes, der et­wai­ge Über­gang der ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel wie Gebäude und be­weg­li­che Güter, der Wert der im­ma­te­ri­el­len Ak­ti­ve im Zeit­punkt des Über­gangs, die et­wai­ge Über­nah­me der Haupt­be­leg­schaft, der et­wai­ge Über­gang der Kund­schaft so­wie der Grad der Ähn­lich­keit zwi­schen den vor und nach dem Über­gang ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten und die Dau­er ei­ner even­tu­el­len Un­ter­bre­chung die­ser Tätig­keit. Ei­ne Ein­heit darf al­ler­dings nicht nur als bloße Tätig­keit ver­stan­den wer­den. Die Iden­tität der
Ein­heit er­gibt sich auch aus an­de­ren Merk­ma­len, wie ih­rem Per­so­nal, ih­ren Führungs­kräften, ih­rer Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on, ih­ren Be­triebs­me­tho­den und ge­ge­be­nen­falls den ihr zur Verfügung ste­hen­den Be­triebs­mit­teln. Den für das Vor­lie­gen ei­nes Über­gangs maßgeb­li­chen Kri­te­ri­en kommt je nach der aus­geübten Tätig­keit und je nach den Pro­duk­ti­ons-und Be­triebs­me­tho­den un­ter­schied­li­ches Ge­wicht zu.
b. Im Rah­men der vor­zu­neh­men­den Ge­samtwürdi­gung kann sich die Be­klag­te hin­sicht­lich der Be­ja­hung ei­nes Be­triebsüber­gangs er­folg­reich auf die Teil­as­pek­te be­ru­fen, dass die Zweck­rich­tung der be­trieb­li­chen Tätig­keit die­sel­be ge­blie­ben ist, nämlich die Mit­ar­bei­ter der ört­li­chen Nie­der­las­sung der Fir­ma F... AG (nun­mehr G... AG) in den Be­triebs­kan­ti­nen kostengüns­tig zu ver­pfle­gen. Es hat sich in­so­weit auch an dem Kun­den­stamm nichts geändert. Es wer­den zu­dem die­sel­ben Räum­lich­kei­ten ge­nutzt und ei­ne Un­ter­bre­chung der be­trieb­li­chen Tätig­keit hat nicht statt­ge­fun­den.
c. Das wei­te­re Kri­te­ri­um für das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs, dass die im Rah­men des Be­wirt­schaf­tungs­ver­tra­ges von der Fir­ma G... AG zur Verfügung ge­stell­ten sach­li­chen Be­triebs­mit­tel (ins­be­son­de­re Kühlräume, die Küchen­ein­rich­tung, Küchen­geräte, Ge­schirr) die­sel­ben ge­blie­ben sind wie zur Zeit der Be­wirt­schaf­tung der Kan­ti­nen durch die Be­klag­te, kann nicht mit der er­for­der­li­chen Si­cher­heit fest­ge­stellt wer­den.
Die Kläge­rin hat dies­bezüglich be­haup­tet, dass auf­grund des Um­stan­des, dass von der Bei­ge­tre­te­nen die Spei­sen nicht mehr vor Ort frisch zu­be­rei­tet wer­den, von ihr ein Großteil der Be­triebs­mit­tel nicht über­nom­men wor­den sind, ins­be­son­de­re ei­ne Viel­zahl von Küchen­gerätschaf­ten.
Hier­von ist auch das Erst­ge­richt im Rah­men sei­ner Ge­samtwürdi­gung aus­ge­gan­gen.
Die Be­klag­te be­haup­tet in die­sem Zu­sam­men­hang zwar, dass die Be­wirt­schaf­tung der drei Werks­kan­ti­nen durch die Bei­ge­tre­te­ne zu iden­ti­schen Ver­trags­be­din­gun­gen er­fol­ge und sie in den bis­he­ri­gen Räum­lich­kei­ten auch die wei­te­ren Be­triebs­mit­tel (In­stal­la­tio­nen, Gerätschaf­ten und Ein­rich­tungs­ge­genstände) wei­ter ei­gen­wirt­schaft­lich nut­ze. Da dem vor­ge­leg­ten bis­he­ri­gen Ver­trag we­der die In­ven­tar­lis­te bei­lag noch von der Be­klag­ten die be­haup­te­ten iden­ti­schen Ver­trags­in­hal­te un­ter Be­weis ge­stellt wor­den sind, kann die­ser Teil­as­pekt nicht zu­guns­ten der Be­klag­ten berück­sich­tigt wer­den.
Ihm kommt im Rah­men der Ge­samtwürdi­gung auch nicht das ent­schei­den­de Ge­wicht zu. In­so­fern kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob Tei­le der Küchen­ein­rich­tung und der Gerätschaf­ten, die für die La­ge­rung von fri-
schen Le­bens­mit­teln und die Zu­be­rei­tung der Spei­sen vor Ort bis­her er­for­der­lich ge­we­sen sind und künf­tig nicht mehr benötigt wer­den, aus dem In­halt des Be­wirt­schaf­tungs­ver­tra­ges her­aus­ge­nom­men wor­den sind oder nicht.
d. Ge­gen die Wah­rung der bis­he­ri­gen be­trieb­li­chen Iden­tität und Bei­be­hal­tung der wirt­schaft­li­chen Ein­heit spre­chen die Umstände, dass in­fol­ge des Weg­falls der zen­tra­len Tätig­keit ei­ner Küche, nämlich des Zu­be­rei­tens von Spei­sen, sich we­sent­li­che Ar­beits­in­hal­te geändert ha­ben und da­mit auch wich­ti­ge As­pek­te der Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on und der Be­triebs­me­tho­den. Fer­ner hat sich das Ar­beits­vo­lu­men ganz er­heb­lich re­du­ziert, denn die bis­her von der Be­klag­ten ein­ge­setz­te Be­leg­schaft (3 Köche/ Köchin­nen und 3 Hilfs­kräfte) wur­de um die Hälf­te re­du­ziert. Dras­tisch verändert hat sich zu­dem das An­for­de­rungs­pro­fil des ein­ge­setz­ten Per­so­nals.
Das ge­sam­te qua­li­fi­zier­te Küchen­per­so­nal, das mit der rich­ti­gen Be­hand­lung und Be­ar­bei­tung der fri­schen Le­bens­mit­tel und mit der Zu­be­rei­tung der Spei­sen be­traut war, ist gänz­lich zum Weg­fall ge­ra­ten. So­wohl was die Quan­tität als auch die Qua­lität der Ar­beitstätig­keit an­langt, die in den Werks­kan­ti­nen zu ver­rich­ten ist, ist ei­ne we­sent­li­che Ände­rung ein­ge­tre­ten. Tätig­kei­ten, die ein qua­li­fi­zier­tes Fach­wis­sen er­for­dern sind er­satz­los ent­fal­len. Dies gilt hin­sicht­lich der Ein­la­ge­rung und Be­hand­lung fri­scher Le­bens­mit­tel (Fleisch, Fisch, Gemüse), die Ein­hal­tung dies­bezügli­chen Hy­gie­ne­stan­dards, die Vor­be­rei­tung die­ser Le­bens­mit­tel zur an­sch­ließen­den Zu­be­rei­tung, die Zu­be­rei­tung der Spei­sen selbst und de­ren Vor­hal­tung zur zeit­lich ge­straff­ten Aus­ga­be. Nach dem neu­en Be­wirt­schaf­tungs­kon­zept der Bei­ge­tre­te­nen müssen an­ge­lie­fer­te vor­ge­fer­tig­te Spei­sen nur noch kurz­zei­tig zwi­schen­ge­la­gert und auf­gewärmt wer­den um in un­mit­tel­ba­ren An­schluss aus­ge­ge­ben wer­den zu können.
Das Haupt­per­so­nal ei­ner Küche, nämlich das Koch­per­so­nal, mit sei­nem Fach­wis­sen und sei­nen tech­ni­schen Fer­tig­kei­ten ist nach die­sem Be­wirt­schaf­tungs­kon­zept nicht mehr er­for­der­lich. Der Küchen­be­trieb hat da­mit im Hin­blick auf das er­for­der­li­che Per­so­nal und sei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ne we­sent­lich an­de­re Struk­tur er­hal­ten. In­so­fern kann von ei­ner Wah­rung der be­trieb­li­chen Iden­tität des Kan­ti­nen­be­triebs nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Dem Weg­fall der Haupttätig­keit ei­ner Küche, der Zu­be­rei­tung von Spei­sen, und des Haupt­per­so­nals, nämlich dem Koch­per­so­nal, kommt im Rah­men der wer­ten­den Ge­samtwürdi­gung die ent­schei­den­de Be­deu­tung zu.
3. Von der dar­le­gungs- und be­weis­pflich­ti­gen Be­klag­ten wer­den kei­ne kon­kre­ten Tat­sa­chen dafür vor­ge­tra­gen, es sei le­dig­lich ein Be­triebs­teil, dem die Kläge­rin zu­ge­ord­net war, auf die Bei­ge­tre­te­ne rechts­geschäft­lich über­ge­gan­gen.
Auch bei dem Er­werb ei­nes Be­triebs­teils ist es er­for­der­lich, das die wirt­schaft­li­che Ein­heit ih­re Iden­tität bei dem Be­triebs­er­wer­ber be­wahrt. Be­triebs­tei­le sind Teil­ein­hei­ten (Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen) des Be­triebs. Es muss sich um ei­ne selbständi­ge, ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit han­deln, die in­ner­halb des be­trieb­li­chen Ge­samt­zwecks ei­nen Teil­zweck erfüllt. Der Teil­be­triebsüber­gang setzt vor­aus, dass die über­nom­me­nen Be­triebs­mit­tel be­reits bei dem frühe­ren Be­triebs­in­ha­ber die Qua­lität ei­nes Be­triebs­teils hat­ten (vgl. BAG vom 13.02.2003 – 8 AZR 102/02 – AP Nr. 245 zu § 613 a BGB; vom 24.04.1997 - 8 AZR 848/94 – NZA 1998, 253; vom 11.09.1997, aaO).
Von der Be­klag­ten wer­den kei­ne kon­kre­ten Tat­sa­chen dafür vor­ge­tra­gen, dass in­ner­halb der von ihr be­wirt­schaf­te­ten Kan­ti­ne mit ei­nem Per­so­nal­stand von we­ni­gen Mit­ar­bei­tern (re­gelmäßig ein Koch und ei­ne Hilfs­kraft) ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­hei­ten be­stan­den ha­ben. Nach ih­rem Sach­vor­trag ist das Hilfs­per­so­nal auch in der Küche ein­ge­setzt wor­den, um dort Ne­bentätig­kei­ten (Aufräum- Rei­ni­gungs- und Spültätig­kei­ten) aus­zuüben. In­so­fern sind Koch-und Hilfs­per­so­nal oh­ne ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Tren­nung in ei­ner be­trieb­li­chen Ein­heit ein­ge­setzt wor­den.
1. Die Be­klag­te hat die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen, § 97 Abs. 1 ZPO.
2. Hin­sicht­lich der Fra­ge der Wah­rung der be­trieb­li­chen Iden­tität bei der hier streit­ge­genständ­li­chen Ände­rung der Be­wirt­schaf­tungs­form ei­ner Kan­ti­ne wird dem Rechts­streit grundsätz­li­che Be­deu­tung gemäß § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG bei­ge­mes­sen.
Die Re­vi­si­on muss beim Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 9084 Er­furt, Post­an­schrift: Bun­des­ar­beits­ge­richt, 99113 Er­furt;
Te­le­fax-Num­mer: 0361 2636-2000 ein­ge­legt und be­gründet wer­den.
zur Übersicht 4 Sa 36/08

References: § 3
 § 64
 § 613
 § 613
 § 284
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 613
 § 97
 § 72