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Timestamp: 2020-08-11 15:25:23+00:00

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Heilpädagogische Förderlehrer - und ihre Eigenschaft als Lehrkraft | Rechtslupe
Heilpädagogische Förderlehrer - und ihre Eigenschaft als Lehrkraft
Heil­päd­ago­gi­sche För­der­leh­rer – und ihre Eigen­schaft als Lehr­kraft
Lehr­kräf­te iSd. Anla­ge D.7 TVöD-V sind Per­so­nen, bei denen die Ver­mitt­lung von Kennt­nis­sen iSv. theo­re­ti­schem Wis­sen und Fer­tig­kei­ten iSd. prak­ti­schen Hand­ha­bung des Erlern­ten im Rah­men eines Schul­be­triebs der Tätig­keit das Geprä­ge gibt. Eine „uni­ver­si­tä­re Aus­bil­dung“, wie sie Leh­rer im enge­ren Sin­ne auf­wei­sen, ist dafür nicht erfor­der­lich.
Auch heil­päd­ago­gi­sche För­der­leh­rer kön­nen Lehr­kräf­te in die­sem Sin­ne sein. Inso­weit kommt es allein auf die im kon­kre­ten Ein­zel­fall prä­gend aus­ge­üb­te Tätig­keit an. Dabei kann auch die Ver­mitt­lung von Kennt­nis­sen und Fer­tig­kei­ten bei der Durch­füh­rung von prak­ti­schen Übun­gen Unter­richt sein.
Vor­aus­set­zung für die Stel­lung als Lehr­kraft iSd. Anla­ge D.7 TVöD‑V ist jedoch, dass eine selb­stän­di­ge und eigen­ver­ant­wort­li­che Ver­mitt­lung von Kennt­nis­sen und Fer­tig­kei­ten und nicht nur eine unter­richts­be­glei­ten­de Unter­stüt­zung der zustän­di­gen Lehr­kraft erfolgt. Dies muss der Tätig­keit ihr Geprä­ge geben, dh. mehr als die Hälf­te der Gesamt­ar­beits­zeit der Lehr­kraft ein­neh­men, wobei Zusam­men­hangs­tä­tig­kei­ten hin­zu­zu­rech­nen sind [1].
Auch schei­det die Ein­ord­nung der heil­päd­ago­gi­sche För­der­leh­re­rin als Lehr­kraft selbst dann, wenn sie über­wie­gend in einer SVE iSd. Art.19 Abs. 3, Art. 22 Abs. 1 Bay­EUG, § 78 der Schul­ord­nung für die Volks­schu­len zur son­der­päd­ago­gi­schen För­de­rung (Volksschulordnung‑F, VSO‑F) vom 11.09.2008 [2] ein­ge­setzt wird, nicht bereits des­halb aus, weil die dort betreu­ten Kin­der nur „für den Schul­be­trieb vor­be­rei­tet wer­den“.
Mit der Ver­wen­dung der Bezeich­nung „Schul­be­trieb“ in der Pro­to­koll­erklä­rung zu Nr. 1 Anla­ge D.7 TVöD‑V haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en nur die for­mel­le Ein­glie­de­rung in einen Betrieb ver­langt, der dem schu­li­schen Bereich und nicht einer betrieb­li­chen Aus­bil­dung zuzu­ord­nen ist [3]. Auf die Art des in dem Betrieb ver­mit­tel­ten Lehr­stof­fes kommt es nicht an [4]. Dar­um unter­fie­len auch die Jugend­lei­te­rin­nen und Sozi­al­päd­ago­gen, Sozi­al­ar­bei­ter und Erzie­her, Kin­der­gärt­ne­rin­nen, Hort­ne­rin­nen und Kran­ken­gym­nas­ten, die an Schul­kin­der­gär­ten oder in Vor­schul­klas­sen für schul­pflich­ti­ge Kin­der tätig waren, den Son­der­re­ge­lun­gen für Lehr­kräf­te, sofern die­se Betrie­be orga­ni­sa­to­risch in den Grund­schul­be­reich ein­ge­glie­dert waren. Das galt auch dann, wenn die Schul­ge­set­ze nicht aus­drück­lich bestimm­ten, dass die betref­fen­den Ein­rich­tun­gen zu den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len gehör­ten [5].
Ein davon abwei­chen­der Rege­lungs­wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en des TVöD, die den Begriff der Lehr­kraft in der Pro­to­koll­erklä­rung zu Nr. 1 Anla­ge D. 7 TVöD‑V wort­gleich mit der Pro­to­koll­no­tiz zu Nr. 1 der Son­der­re­ge­lun­gen für Ange­stell­te als Lehr­kräf­te (SR 2l I BAT/​BAT‑O) defi­niert haben, lässt sich der Anla­ge D.7 TVöD‑V nicht ent­neh­men. Dem­entspre­chend sind nach all­ge­mei­ner Ansicht im Schrift­tum Vor­klas­sen und Schul­kin­der­gär­ten dem all­ge­mein­bil­den­den Schul­be­reich iSd. Anla­ge D.7 TVöD‑V zuzu­ord­nen, sofern sie in den Grund­schul­be­reich ein­ge­glie­dert sind [6]. Für die nach Art. 22 Abs. 1 Satz 2 Bay­EUG iVm. § 79 Abs. 1 VSO‑F in die För­der­schu­len als all­ge­mein­bil­den­de Schu­len ein­ge­glie­der­ten SVE gilt nichts ande­res.
Wäre die heil­päd­ago­gi­sche För­der­leh­re­rin Lehr­kraft iSd. Anla­ge D.7 TVöD‑V, grif­fe die Vor­be­mer­kung Nr. 5 der Anla­ge 1a zum BAT (im Fol­gen­den Vor­be­mer­kung Nr. 5). Danach gilt die Anla­ge 1a nicht für Ange­stell­te, die als Lehr­kräf­te – auch wenn sie nicht unter die Son­der­re­ge­lun­gen 2l I BAT/​BAT‑O fal­len – beschäf­tigt sind, soweit nicht ein beson­de­res Tätig­keits­merk­mal ver­ein­bart ist. Für die Bestim­mung des Begriffs der „Lehr­kraft“ iSd. Vor­be­mer­kung Nr. 5 ist die mit der Pro­to­koll­erklä­rung zu Nr. 1 Anla­ge D.7 TVöD‑V inhalts­glei­che Pro­to­koll­no­tiz zu Nr. 1 der SR 2l I BAT/​BAT‑O her­an­zu­zie­hen [7]. Auch für die Fra­ge, ob ein Arbeit­neh­mer unter die Vor­be­mer­kung Nr. 5 fällt, kommt es dar­um weder auf den jewei­li­gen Rechts­trä­ger noch auf die gesetz­li­che Grund­la­ge des Schul- und Lehr­be­triebs oder die Art des jewei­li­gen Lehr­stof­fes an [4]. Eine Lehr­kraft iSd. Anla­ge D.7 TVöD‑V ist dar­um stets auch eine Lehr­kraft iSd. Vor­be­mer­kung Nr. 5.
Eine tarif­li­che Rege­lung, die eine Ein­grup­pie­rung unter eine nor­ma­tiv wir­ken­de Rege­lung und die dar­aus fol­gen­de Über­lei­tung in den TVöD‑V ermög­lich­te, bestün­de damit für die heil­päd­ago­gi­sche För­der­leh­re­rin nicht, wenn sie Lehr­kraft iSd. TVöD‑V wäre. Der BAT regel­te die Ein­grup­pie­rung von Lehr­kräf­ten nicht. Eine Ent­gelt­ord­nung für den Bereich der VKA bestand im Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts noch nicht. Die von der heil­päd­ago­gi­sche För­der­leh­re­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ange­spro­che­nen Richt­li­ni­en über die Ein­grup­pie­rung der an Schu­len in Bay­ern im Arbeit­neh­mer­ver­hält­nis beschäf­tig­ten staat­li­chen Lehr­kräf­te und sons­ti­gen staat­li­chen Beschäf­tig­ten fan­den man­gels Inbe­zug­nah­me kei­ne Anwen­dung auf das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en [8] und hät­ten ohne­hin kei­nen tarif­li­chen Norm­cha­rak­ter [9]. Der blo­ße Umstand, dass sich die Höhe der Ver­gü­tung der Lehr­kräf­te, für die eine ein­zel­ver­trag­li­che Ein­grup­pie­rung gefun­den ist – sei es auf­grund einer Inbe­zug­nah­me von Leh­rer­ein­grup­pie­rungs­richt­li­ni­en oder auf­grund einer auto­no­men Ver­ein­ba­rung unter Anleh­nung an den TVöD, unter Berück­sich­ti­gung des § 19 TVÜ-VKA aus der Anla­ge A zum TVöD‑V ergibt, führt ent­ge­gen der von der heil­päd­ago­gi­sche För­der­leh­re­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­tre­te­nen Ansicht nicht dazu, dass eine tarif­lich nor­mier­te Ent­geltre­ge­lung für Lehr­kräf­te im Bereich der VKA besteht. Es fehlt an unmit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­den Tarif­be­stim­mun­gen zur Ein­grup­pie­rung selbst.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. Mai 2016 – 6 AZR 259/​15
BAG 13.01.2016 – 10 AZR 672/​14, Rn. 32 ff.[↩]
Baye­ri­sches GVBl. S. 731[↩]
vgl. BAG 21.03.1984 – 4 AZR 42/​82, BAGE 45, 233; Spo­ner in Sponer/​Steinherr TV‑L Stand März 2008 § 44 Nr. 1 Rn. 4[↩]
BAG 18.05.1988 – 4 AZR 765/​87 19, BAGE 58, 283[↩][↩]
vgl. für einen in das all­ge­mei­ne Schul­sys­tem ein­ge­glie­der­ten Schul­kin­der­gar­ten BAG 18.05.1988 – 4 AZR 765/​87, BAGE 58, 283; Nie­der­schrifts­er­klä­run­gen der BAT-Kom­mis­si­on vom 21.10.1971 zu TOP 25 sowie vom 30.05.1972 zu TOP 10, zitiert nach Kla­ßen in Sponer/​Steinherr TV‑L Stand August 2013 § 44 Nr. 1 Rn. 33[↩]
Kla­ßen in Sponer/​Steinherr TV‑L Stand August 2013 § 44 Nr. 1 Rn. 33; Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TVöD Stand Janu­ar 2008 § 51 BT‑V [VKA] Rn. 15; Breier/​Dassau/​Kiefer/​Lang/​Langenbrinck TVöD Stand April 2011 TVöD‑V Anla­ge D Erl. 4 zu Nr. 1 Rn. 10[↩]
BAG 24.11.1999 – 4 AZR 744/​98, zu 1 a der Grün­de[↩]
vgl. BAG 27.02.2014 – 6 AZR 931/​12, Rn. 16; 4.10.1978 – 4 AZR 191/​77 24[↩]
vgl. für die Leh­rer­ein­grup­pie­rungs­richt­li­ni­en der TdL BAG 6.10.1981 – 4 AZN 352/​81, BAGE 36, 241[↩]
HeilpädagogeHeilpädagögische FörderlehrerLehrerÖffentlicher DienstTVöDTVöD-V

References: Art.19
 Art. 22
 § 78
 Art. 22
 § 79
 § 19
 § 44
 § 44
 § 44
 § 51