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Timestamp: 2020-07-16 16:52:14+00:00

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Uni li semesterdokumentation lichtensteig final 180305 qt by lichtensteig - Issuu
LICHTENSTEIG MINI.STADT IM TOGGENBURG STÄDTEBAULICHE SZENARIEN UND PROJEKTE ZUR RÄUMLICHEN ENTWICKLUNG DER GEMEINDE LICHTENSTEIG
WINTERSEMESTER 2017/2018 ENTWURF BACHELOR 3.0 – 6.0 DOZENT: MICHAEL WAGNER
AUSGANGSLAGE 008
AUFGABE 020
PERIMETER UND ABLAUF
STADTAU
ARCHIPELAGO 036
UNTERE PLATTEN
LEARNING FROM L16 068
STÃ&#x201E;DTLI IM PULS 090
VORSTADT OST
ANKOMMEN IN LICHTENSTEIG 134
STADTNAH WOHNEN NATURNAH LEBEN 162
UNTERE PLATTEN IMPRESSUM
006 AUSGANGSLAGE
Bis anhin erfolgte die ortsbauliche Entwicklung vor allem auf der grünen Wiese am Ortsrand. Aktuell ist die Nachfrage allerdings eher gering und durch die Revision des Raumplanungsgesetzes rückt die Entwicklung innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets immer stärker in den Fokus. Dies erfordert in Zukunft eine aktivere Rolle der Gemeinde in der Innenentwicklung. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung stellt sich dabei aber zunächst ganz allgemein die Frage, wie der Ort zukünftig entwickelt werden soll. Wie lässt sich bei geringer Nachfrage an peripherer Lage die räumliche Entwicklung möglichst sinnvoll steuern und wie können dabei möglichst hochwertige räumliche, urbane und nachhaltige Qualitäten geschaﬀen werden? Im Rahmen dieses Entwurfsstudios wurden anhand von drei ausgewählten Nachbarschaften in der Gemeinde Lichtensteig beispielhaft mögliche Potenziale für Eigentümerinnen und Bürger aufgezeigt. Zunächst wurden in Gruppen plausible Entwicklungsszenarien für die drei Nachbarschaften durchgespielt, bewertet und ausgewählt. Alleine oder in Zweierteams wurden anschliessend konkrete ortsbauliche und architektonische Konzepte und Projekte innerhalb dieser Szenarien weiterentwickelt und entworfen. Es galt dabei, durch stringentes, visionäres Denken und scharfes Beobachten die komplexen Problemstellungen auch unkonventionell zu durchdringen und in der fachübergreifenden Auseinandersetzung zu lösen. Das Entwurfsstudio wurde von der Gemeinde initiiert und ist als Teilschritt in ihre übergeordnete Entwicklungsstrategie eingebettet. Von den Studierenden wurden ortsbauliche und architektonische Entwicklungsstrategien erarbeitet, um Innenentwicklungspotenziale zu veranschaulichen, Denkanstösse im Hinblick auf wünschenswerte Veränderungsprozesse zu liefern und im besten Fall auch konkrete Impulse für Eigentümerinnen und Eigentümer zu geben. Die erarbeiteten Projekte haben wir in der vorliegenden Broschüre dokumentiert und im März 2018 im Rahmen einer öﬀentlichen Informationsveranstaltung vor Ort in Lichtensteig der interessierten Bevölkerung präsentiert.
010 GEMEINDEPORTRAIT
Das 50 Kilometer lange Tal Toggenburg erstreckt sich von Wil nach Wildhaus. Eine Gemeinde davon ist Lichtensteig, die sich auf einer Fläche von 2.82 Quadratkilometer übersichtlich und kompakt präsentiert. Der höchst gelegene Gemeindepunkt, beim Köbelisberg, beﬁndet sich auf 1‘146 Meter über Meer (m.ü.M.) und der Tiefste in der unteren Platte (591 m.ü.M.). Die Gemeinde stösst direkt an den Fluss Thur an. Geschichtlich bedingt nennt sich Lichtensteig auch Stadt oder ‘Städtli’. Einzigartig ist der historisch geprägte Stadtkern, der als Mahnmal der Lichtensteiger Geschichte angesehen wird und unter Bundesschutz steht. Gemeinde Lichtensteig Fläche Koordinaten Höhe Höchster Punkt Tiefster Punkt Einwohner Einwohnerdichte Einfache Steuern Kanton Kanton Wahlkreis Staat
2.82 km2 47°19’’0’ N / 9°5’’0’ O 625 m. ü. M. Beim Köbelisberg (1’146 m. ü. M.) Untere Platten (591 m. ü. M.) 1’882 (31. Dezember 2016) 678 Einwohner pro km2 CHF 3’343’075 (total) CHF 1’761.35 (pro Einw.) St. Gallen (SG) Toggenburg Schweiz
Geschichtliche Meilensteine 1228 Erste urkundliche Erwähnung als befestigter Ort der Grafen von Toggenburg 1440 Bevölkerung erhält Stadtrechte eigene Verwaltung, Marktrechte, eigenes Gericht, Privilegien 1803 Lichtensteig wird Bezirkshauptort und somit Zentrum des Toggenburgs Während des 19. Jahrhunderts: Gründung der Bank Toggenburg (Gründungsort UBS), Errichtung Verkehrsknoten mit Toggen-burgerbahn Wil-Ebnat, Vergrösserung der Gemeindeﬂäche, erste Industriebetriebe treten in Toggenburger Wirtschaft ein, Gründung Toggenburger Museum, Zentrum historischer Einrichtung 1976 Gründung Fotoﬂohmarkt, Eröﬀnung Fredys mechanisches Musikmuseum 1989 Erste Durchführung der Jazz-Tage 2003 Eröﬀnung Erlebniswelt Toggenburg
Früher war Lichtensteig Gerichts-, Verwaltungs- und Markthauptort und gehörte zu den steuergünstigsten Gemeinden im Kanton. Heute ist die Gemeinde geprägt von Kultur und Kulinarik sowie erwähnt von der Altstadt, welche in den letzten Jahren laufend erneuert wurde. Es ﬁnden sich auﬀällig viele Kulturbetriebe in Lichtensteig. Unter anderem werden vier Museen, ein Kleinkunsttheater, zwei Kulturlokale oder zwei Galerien betrieben. Zudem strahlen diverse Anlässe gegen aussen, wie zum Beispiel die Jazztage, der Photoﬂohmarkt oder der Lange Tisch. Die Firma Kägi Söhne AG ist die grösste Arbeitgeberin und produziert mit rund 100 Angestellten die weltbekannten Waﬀeln. Weltruhm geniesst auch der Käser Willi Schmid, der Produkte in die besten Restaurants auf allen Kontinenten liefert. Lichtensteig ist aber auch geprägt vom Niedergang der Textilindustrie, dem Strukturwandel in der Altstadt u.a. mit Laden- und Restaurantschliessungen sowie dem ﬁnanziellen Niedergang. In den letzten Jahren wurden diverse Massnahmen getroﬀen, um die Abwärtsspirale aufzuhalten. Beteiligungsprozess 140 Personen haben 2013 Ideen für die künftige Entwicklung von Lichtensteig ersonnen. Diese Erkenntnisse ﬂossen direkt in den Strategieprozess des Gemeinderates ein. Verschiedene konkrete Projekte konnten bereits erfolgreich umgesetzt werden. Nachfolgend einige Ausführungen zu einzelnen entstandenen Arbeitsgruppen: • Die Arbeitsgruppe Energie hat dafür gesorgt, dass Lichtensteig im Jahr 2015 das Energiestadtlabel erworben hat. Bereits wurden erste grosse Projekte umgesetzt, wie zum Bespiel der neue HolzschnitzelWärmeverbund beim Schulareal. Neu ist die Arbeitsgruppe in der Energiekommission organisiert. • Die Arbeitsgruppe blühendes Lichtensteig hat verschiedene öﬀentliche Flächen neu gestaltet. Unter anderem den Begegnungsplatz Obere Platten, die Rabatte beim Obertorplatz oder die Haltestelle Loreto. Im Areal Flötzli wurde ein gemeinschaftlicher Rebberg erstellt. • Die Arbeitsgruppe Sanierung Kalberhalle hat die Sanierungsplanung des Veranstaltungslokals vorangetrieben. Das Projekt wurde im Sommer 2017 umgesetzt. • Zusammen mit der Arbeitsgruppe Spiel- und Begegnungsplatz wurden verschiedene Spielplätze komplett erneuert.
012 KOMMUNALE STRATEGIEN
Mit der Revision des Raumplanungsgesetzes (2013) wird die Entwicklung innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets in den Fokus gestellt. Zurzeit wird die kantonale Planungsgesetzgebung diesen Umständen angepasst. Die neue übergeordnete Gesetzgebung ermöglicht und fordert eine aktivere Rolle der Gemeinde in der Innenentwicklung. Über 90 Prozent aller schweizerischen Gemeinden haben weniger als 10‘000 Einwohner und Einwohnerinnen. In diesen kleineren und mittleren Gemeinden beﬁnden sich über zwei Drittel der Siedlungsﬂächenreserven der Schweiz. Sie spielen eine Schlüsselrolle für die erfolgreiche Umsetzung der Innenentwicklung. Die Erarbeitung eigener Vorstellungen über eine wünschbare Gemeindeentwicklung, ein proaktives Eingreifen bei strategisch wichtigen Belangen zur Erreichung der festgelegten Ziele sowie die Etablierung geeigneter Verfahren, welche auf die gestiegenen Anforderungen des revidierten Raumplanungsgesetzes ausgerichtet sind, bilden wichtige Elemente für das Gelingen der Innenentwicklung. Oft stehen dafür aber nur knappe Ressourcen zur Verfügung. Die Qualität der Lösungen hängt vom Engagement der Gemeinden ab. Dabei ist es wichtig, dass lokales Wissen frühzeitig mit einbezogen wird, Prozesse kontinuierlich weitergeführt werden und die politischen Entscheidungsträger, beispielsweise durch eine aktive Bodenpolitik, den Bauherrschaften einen Schritt voraus sind. Mini.Stadt Lichtensteig Strategie 2025 Die Gemeinde Lichtensteig hat zusammen mit den Einwohnern eine übergeordnete Strategie erarbeitet. Darin werden Ziele und eine Vision für die Entwicklung der Gemeinde bis 2025 deﬁniert. Diese Gesamtstrategie bildet die wesentliche Grundlage für die räumliche Entwicklung der Gemeinde. Netzwerk Altstadt In der Altstadt hat man bereits vor einigen Jahren zusammen mit dem Netzwerk Altstadt und den Eigentümern in der Altstadt Massnahmen getroﬀen, lanciert, sowie planungsrechtlich gesichert, die dazu führen, dass nun laufend Entwicklungen im Bestand angestossen werden und die historische Bausubstanz zweckmässig genutzt und erhalten wird. Vorarbeiten zur Innenentwicklung In den letzten Monaten hat der Gemeinderat einige Potenziale zur Innenentwicklung auch ausserhalb der Altstadt ermittelt. Dabei ging es insbesondere darum, die Potenziale zu beschreiben und zu beurteilen. Weiter ging es darum, die Bewohner von Lichtensteig auf das Thema Innenentwicklung einzustimmen sowie dabei Chancen aufzuzeigen. Dafür wurde eine Online-Umfrage sowie eine öﬀentliche Veranstaltung mit Podiumsdiskussion und
Diskussionsrunden in Gruppen durchgeführt. Die wesentlichen Resultate wurden in einem internen Bericht zuhanden des Gemeinderats zusammengefasst. Die Gemeinde versucht in diesem Rahmen, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie sie mittel- bis langfristig ihre räumliche Entwicklung gezielter steuern kann. Immobilien- und Portfoliostrategie Die Gemeinde Lichtensteig hat bezüglich des Immobilienmarkts mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie besitzt Liegenschaften, die unternutzt sind oder leer stehen. In diesem Zusammenhang hat die Firma Wüest Partner eine Analyse und Strategie erarbeitet (Pilot ehemaliges Oberstufenschulhaus). Unter anderem ergaben sich daraus folgende Erkenntnisse: • Hoher Anteil an Kleinhaushalten • Deutlich höherer Anteil an progressiven Haushalten im Vergleich zur Region • Hoher Mietwohnungsanteil mit hohem Leerstand • Hoher Anteil an Büro- und Industrieﬂächen • Lichtensteig kulturelles Zentrum der Region • Positive politische Rahmenbedingungen • Anbindung an öﬀentlichen Verkehr negativ • Bestehende Stärken bündeln • Kommerzielle Risiken • Viele Zupendler aus dem regionalen Umfeld Empfehlungen Lichtensteig zu positionieren als: • Attraktiver Wohn- und Arbeitsort für die berufstätige Mittelschicht • Attraktiver Lebensraum für Personen in der Nachfamilienphase der gehobenen Mittelschicht • Ländlicher Mittelpunkt der Nerds • Hauptort mit überregionaler Ausstrahlung für authentische, kulinarische Produkte Revision der Ortsplanung Mit der Revision der Ortsplanung möchte die Gemeinde ihre Planungsinstrumente der übergeordneten geänderten Gesetzgebung anpassen. Planungsmassnahmen im Bestand wollen hinsichtlich des öﬀentlichen Innteresses gut begründet sein. Nur so kann der Grundsatz der Rechtsgleichheit und der Zweckmässigkeit gewahrt werden. Zentrales Instrument in dieser Hinsicht wird die kommunale Richtplanung sein. In der Richtplankarte werden die Entwicklungsgrundsätze gebietsbezogen festzuhalten sein. Das Entwurfsstudio wird als Bestandteil der Ortsplanungsrevision verstanden und in die Phase der Auswertung der Planungsgrundlagen und der Deﬁnition der Revisionsstrategie eingebettet. Auf deren Basis soll dann 2018 mit der Erarbeitung und Anpassung der Planungsinstrumente begonnen werden.
014 LAUFENDE PROJEKTE
In verschiedenen Gebieten stehen grössere Entwicklungen an, die kürzlich planungsrechtlich gesichert wurden oder planungsrechtlich gesichert werden: Steigrüti Im Rahmen eines Workshopverfahrens, das durch die Gemeinde, den Ortsplaner und den Architekten Christian Wagner (Chur), begleitet wurde, konnte eine Bebauungsstudie zu einem Richtprojekt weiterentwickelt und mit einem Sondernutzungsplan gesichert werden. Das Richtprojekt sieht eine Bebauung mit drei Wohn- und Gewerbebauten längs der Loretostrasse vor. Darin sind die Gewerbeﬂächen im Erdgeschoss der Strasse zugewandt, die Wohnungen in den Obergeschossen werden von der rückliegenden Seite her erschlossen. Die Idee der Gewerbebox zeichnet sich durch erdgeschossig gelegene Gewerbeﬂächen und darüber liegende Wohnﬂächen aus, die auch als eine Einheit genutzt werden können. Weiter oben am Hang sind sechs Wohnhäuser vorgesehen. Insgesamt sind ca. 80 Wohnungen geplant.
Austrasse Der GrundeigentÃ¼mer der Baulandreserve beabsichtigt die zeitnahe Ã&#x153;berbauung seiner Liegenschaften in haushÃ¤lterischer Bauweise (vor allem Wohnnutzung). Im Hinblick auf die landschaftsrÃ¤umlich sensible Lage an der Thur und die benÃ¶tigten Abweichungen von der Regelbauweise wurde ein Sondernutzungsplan erarbeitet, der auf einem Richtprojekt aufbaut. Hof Die Stickerei im Gebiet Hof wurde eingestellt. Die ehemalige Blockfabrik wird heute nur noch teilweise gewerblich genutzt. Angesichts der GrÃ¶sse, der Erschliessung, der Lage inmitten eines Wohngebiets und der geringen Nachfrage nach solchen Gewerbeï¬&#x201A;Ã¤chen ist das Gebiet kÃ¼nftig fÃ¼r eine industrielle Nutzung nur noch bedingt geeignet. Die GrundeigentÃ¼mer der beiden Betriebsareale haben darum eine Umwidmung des Gebiets beantragt. In einem partizipativen Verfahren, an dem auch die umliegenden EigentÃ¼merinnen und EigentÃ¼mer und insbesondere die Altstadtkommission beteiligt waren, wurde ein Bebauungskonzept fÃ¼r den nÃ¶rdlichen Teil und eine Machbarkeitsstudie fÃ¼r den sÃ¼dlichen Teil entwickelt. Der nÃ¶rdliche Teil des Gebiets soll fÃ¼r eine Wohnnutzung entwickelt werden. Im sÃ¼dlichen Bereich soll eine gemischte Nutzung mit Wohnen und Gewerbe ermÃ¶glicht werden. Zurzeit liegen der Teilzonen- und Sondernutzungsplan auf, welche die Umnutzung der Areale sichern. Fein-Elast Die Fein-Elast AG betreibt die Zwirnerei an der Thur bei der StadtbrÃ¼cke. Der Der Wegzug der Zwirnerei erfolgte per Ende September 2017. In einer Nutzungsstudie wurden Wohn- und Gewerbenutzungen plausibilisiert. Zurzeit liegt ein Teilzonenplan auf, der die Ã&#x2013;ï¬&#x20AC;nung des Areals fÃ¼r Wohn- und Gewerbenutzungen sichert. Sobald weitere AbklÃ¤rungen zur konkreten Nutzungsstrategie vorliegen und die bauliche Umsetzung vertieft wurde, soll die Nutzungsstrategie mit einem Sondernutzungsplan gesichert werden.
Visualisierung Entwicklungsprojekt Austrasse (Quelle: WPP Architektur Raum Umwelt AG, Einsiedeln)
Entwicklungsprojekt Hof Situationsplan (Quelle: Martin Klauser Landschaftsarchitekt BSLA)
Ansicht Entwicklungsprojekt Fein-Elast (Quelle: Egger BauConsulting AG, Au)
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Situationsplan und Ansicht SteigrÃ¼ti (beide Abbildungen: ARGE D+D Projekt Consult AG, ZÃ¼rich/Uster und Iten Landschaftsarchitekten GmbH, UnterÃ¤geri)
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016 WEITERE RAHMENWERKE
Nachfragesegmente im Wohnungsmarkt Gemäss dem Konzept ‘Nachfragesegmente im Wohnungsmarkt’ von Fahrländer Partner und sotomo werden die Schweizer Haushalte in ein soziokulturelles Raster eingeteilt und entsprechenden Nachfragesegmenten zugewiesen. Die Haushalte eines Nachfragesegments werden beispielhaft beschrieben sowie deren Wohneigenschaften analysiert und benannt. Weitere Informationen dazu sind unter https://www.fpre. ch/de/produkte/nachfrage-wohnung/ zu ﬁnden. Im Gemeindecheck zum Wohnungsmarkt werden die Haushalte in der Gemeinde hinsichtlich der oben genannten Nachfragesegmente analysiert und Prognosen für die Zukunft projiziert. Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) Das Ortsbild von Lichtensteig ist als schützenswert eingestuft. Im ISOS werden die ortsbildrelevanten Siedlungsteile von Lichtensteig beschrieben (siehe tabellarische Übersicht rechts) und hinsichtlich ihrer ortsbaulichen Qualität bewertet. Im Rahmen der angelaufenen Ortsplanungsrevision gilt das Inventar als wesentliche Grundlage im Bereich Kulturschutz. Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler BLN Die Thurlandschaft (Thur plus Vorland) zwischen Lichtensteig und Schwarzenbach ist im Bundesinventar erfasst: «Die Thurlandschaft ist geprägt durch tief in die hügelige Molasselandschaft eingeschnittene, zum Teil schluchtartige Täler mit ausgeprägten Talmäandern der Thur. Senkrecht aufsteigende Felswände aus Nagelﬂuh und Sandsteinverleihen den Tälern zuweilen eine kastenartige Prägung.»
Eigentum von Fahrländer Partner AG, Zürich
Gemeindecheck Wohnen: Stadt Lichtensteig 1. Quartal 2016
Lichtensteig (BFS: 3374)
Lichtensteig (FPRE: SG242)
Agglomeration BFS
Kern ausserhalb von Agglomerationen
Gemeindetyp BFS
Industrielle Gemeinde
Toggenburg (BFS: 58)
FPRE-Region
FPRE-Raumtyp Fusionen:
Ländlicher Raum -
BLN 1414 Thurlandschaft zwischen Lichtensteig und Schwarzenbach Kanton
Bütschwil-Ganterschwil, Jonschwil, Kirchberg, Lichtensteig, Lütisburg, Mosnang, Neckertal, Oberhelfenschwil, Wattwil, Wil
Fluviatil geprägte Landschaft westlich von Unterrindal
BLN 1414 Thurlandschaft zwischen Lichtensteig und Schwarzenbach
Zusammenfluss von Thur und Necker bei Lütisburg
Brücken über die Thur bei Lütisburg
Flussaue des Neckers
Prallhang des Neckers südlich von Lütisburg
Themen 1 Bevölkerung 2 Nachfragersegmente 3 Einkommen, Kaufkraft und Steuern 4 Lebensphasen 5 Wohn- und Lebensqualität 6 Umzugsverhalten 7 Wohnungsmarkt und Immobilien 8 Leerwohnungen 9 Marktwerte, Marktmieten und Preisniveaus 10 Lage (Erreichbarkeit und Pendler) 11 Bauzonenreserven, öV-Güteklassen 12 Perspektiven 2030 (Szenario «Raumplanung wie bisher») 13 Perspektiven 2030 (Szenario «restriktive Raumplanung») Fahrländer Partner AG Raumentwicklung
Cover Gemeindecheck Wohnen
Cover BLN 1414
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018 AUFGABE
Anhand von drei vorgeschlagenen Perimetern galt es, Entwurfsstudien für mögliche räumliche Entwicklungsrichtungen zu erarbeiten. Diese Studien dienen zur Veranschaulichung der Innenentwicklungspotenziale und geben Denkanstösse im Hinblick auf wünschenswerte Veränderungsprozesse. Die Ergebnisse aus den Arbeiten der Studierenden können auf zwei Ebenen LQGLH3UD[LVHLQÀLHVVHQ(LQHUVHLWVLQ die Richtplanung hinsichtlich der künftigen raumstrukturellen Ausrichtung, andererseits insbesondere auch in die Kommunikation, als Anregungen für Gespräche mit Eigentümerinnen und Eigentümern im Hinblick auf konkrete Arealentwicklungen.
020 PERIMETER UND ABLAUF
Die im Rahmen des Entwurfsstudios erarbeiteten Studien bauen auf den Erkenntnissen aus den Vorarbeiten zur Innenentwicklung auf und ergänzen diese kritisch bzw. entwickeln diese weiter. Es wurden insbesondere neue attraktive Wohnangebote entwickelt. Um daraus Strategien und Potenziale für lokale Entwicklungen abzuleiten, wurden auch die funktionalen und räumlichen Verﬂechtungen der Gemeinde mit ihrem Umland berücksichtigt und deren mögliche zukünftige Entwicklungen in Entwürfen getestet. Nicht nur städtebauliche, sondern auch landschaftliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche und energetische Aspekte wurden in diesem Rahmen betrachtet und gestaltet. Ziel von Innenentwicklungsprojekten ist es, das ganze Potenzial der Innenentwicklung in all ihren Facetten zu aktivieren. Nicht die Frage nach dem theoretischen Bauzonenpotenzial ist für Planung und Politik die entscheidende Grösse, sondern vielmehr die Frage nach der ‹richtigen› Dichte. Die höchste Dichte ist nicht immer die beste. Wenn zusätzliche Dichte zu stark abnehmender Attraktivität führt, kann das langfristige Ergebnis negativ ausfallen – für das betreﬀende Gebiet wie auch für das Image der gesamten Gemeinde. Im Rahmen der Vorarbeiten zur Innenentwicklung wurden die Innenentwicklungspotenziale bewertet. Bei den vorliegenden Perimetern, beziehungsweise Teilen davon, wird das Potenzial als hoch eingeschätzt. Entsprechend konzentriert sich die Gemeinde auf diese Gebiete und versucht, Entwicklungsprojekte anzustossen. Für die drei ausgewählten Perimeter (und evtl. auch andere Gebiete) werden deshalb konkrete städtebauliche Entwurfsversuche und -tests unternommen und mögliche städtebauliche Projekte entworfen. Die Arbeit im Entwurfsstudio über das Semester war in die vier Phasen Inventar und Analyse, Städtebauliche Vision und Strategischer Entwurf I und II gegliedert. Das Integrationsfach Landschaft war sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Abgaben, Pin-Ups und Kritiken komplett in die Entwurfsaufgabe integriert.
022 VORSTADT
Das Gebiet umfasst rund 400 Meter des Strassenzugs entlang der nördlichen Einfallsachse direkt vor der Altstadt. Die strassenanliegenden Gebäude reagieren sehr unterschiedlich auf die Strasse (zugewandt / abgewandt, nahe / mit Abstand, etc.) Auf der Seite der Thur (südseitig) wird die erste Bautiefe mehrheitlich von älteren Häuser geprägt, einige vor 1920 erbaut. Dabei fällt insbesondere das nördlich gelegene Gebäudeensemble mit dem eng zueinander gestellten Gebäude auf, sowie das direkt südlich davon liegende Brauereiareal: Das Areal wird geprägt von dem Gebäudeensemble Restaurant und Brauereigebäude. Das Hauptgebäude des Restaurants ist vor 1920 erbaut worden. Das Brauereigebäude wurde in verschiedenen Etappen bis in die 1970er Jahre erstellt. Das Restaurant wurde zwischenzeitlich erneuert und erweitert. Das Brauereigebäude wirkt ursprünglich. Die Einwohnerdichte ist entsprechend der Nutzung tief. Das Gebiet ist heute der zweigeschossigen Wohnund Gewerbezone zugewiesen. Die Gebäude sind in einer Zeile parallel ans Thurufer gestellt. Zwischen Strasse und Gebäudezeile ist ein befestigter Vorplatz aufgespannt. Die Gebäudezeile wird dominiert vom stattlichen Brauereigebäude Burt, welches heute noch als Getränkehandel genutzt wird. Viele Räume stehen jedoch leer. Das Gebäude ist daher stark unternutzt. Südlich schliesst das Restaurant Bodega Noi an. Hangseitig (östlich) beﬁndet sich nördlich des Abschnittes eine Zeilen- und Terrassenbebauung aus den 1970er und 1980er Jahren. Diese folgen ältere gut erhaltene Gebäude, die näher an der Altstadt liegen, auch näher an der Strasse gebaut sind und eng in dörﬂicher Manier zueinanderstehen. Nutzung Die Auseinandersetzung mit potenziellen zukünftigen Nutzungen im Bearbeitungsgebiet ist relevant. Dabei sollen im Hinblick auf die Lage im Ort und die angrenzenden Nutzungen (z.B. Restaurant NOI in der Brauerei) mögliche Nutzungsvarianten ausgelotet werden. Hinsichtlich einer möglichen Wohnnutzung stellt sich insbesondere die Frage nach der passenden Bewohnerzielgruppe Baustruktur Gemäss Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) ist der Erhalt der ortsbaulichen Struktur des Strassenzugs anzustreben. Die Anordnung und Gestalt der Bauten und Freiräume sollen bewahrt werden. Für die Struktur wesentliche Elemente und Merkmale sind integral zu erhalten. Neubauten haben sich gut einzugliedern. Beim nördlichen Gebäudeensemble steht darüber hinaus der Erhalt der Substanz im Vordergrund. Dasselbe gilt auch für den südlichsten Teil des Strassenabschnittes. Die wünschenswerte bauliche Charakteristik des Strassenzuges ist aufzuzeigen. Im Hinblick auf die ortsbaulichen Strukturen, welche in den Vorarbeiten zur
Innenentwicklung identiﬁziert wurden, ist der Strassenzug der Vorstadt mit eingebundenem öﬀentlichen Strassenraum zuzuordnen. Diesbezüglich stellt sich die Frage nach dem Beitrag, den zukünftige Entwicklungen hier zur Schärfung der ortsbaulichen Struktur leisten können. Freiraumstruktur Im Hinblick auf neue Nutzungen stellt sich insbesondere die Frage nach der zweckmässigen Choreograﬁe des Freiraums hinsichtlich privaten, halbprivaten/halböﬀentlichen und öﬀentlichen Bereichen resp. hinsichtlich introvertierten und extrovertierten Freiräumen. Im Hinblick auf die Einfügung ins Strassenbild ist eine adäquate Freiraumgestaltung gefordert, da die strassenanliegenden Freiräume und Bauten insbesondere auch von der Strasse her wahrnehmbar sind. In diesem Zusammenhang gilt es insbesondere auch, Grünraumstrukturen zu prüfen, die der gewünschten Charakteristik des Strassenraums entsprechen. Erschliessung Die Loretostrasse ist die Ortseinfahrt zu Lichtensteig von Wil her. Aufgrund der Umfahrungsstrasse ist sie kaum von Durchfahrtsverkehr talauf- und talabwärts belastet. Über sie führt eine regionale Veloroute. Die Erschliessung und Parkierung ist möglichst bodensparend und eﬃzient zu gestalten. Oberirdisch sollen möglichst nur Besucher und Kundenabstellplätze oﬀen angeboten werden. Im Hinblick auf verschiedene Nutzungsarten, bei welchen eine zeitlich gestaﬀelte Belegung der Abstellplätze absehbar ist, ist eine Mehrfachnutzung der Parkplätze zu prüfen. Gegenüberstellung mit planungsrechtlichen Vorgaben Im Rahmen der Ortsplanungsrevision wird auch die Zonenzuweisung, respektive die zugrundeliegende Regelbauweise (vgl. Art. 9 BauR, Art. 15 ﬀ ) zu überprüfen sein. Dabei stellt sich die Frage, ob eine künftig sinnvolle Bebauung einer Anpassung bedarf. Die Studien sollen Hinweise dazu geben. Beim anliegenden Wald ist zu berücksichtigen, dass bei Neubauten ein Waldabstand von 15 Metern (gegenüber Stockgrenze, 13 Metern ab Waldgrenze) gilt. Die Gemeinde kann diesen maximal auf 10 Meter reduzieren. Für bestehende Bauten, welche näher am Wald stehen, gilt grundsätzlich die Bestandesund Erweiterungsgarantie.
Bearbeitungsperimeter Vorstadt Quelle: geoportal.ch (Zugriff: 20.06.2017)
024 STADTAU
Das Quartier Stadtau liegt westlich des Zentrums (Altstadt) und topograﬁsch gesehen direkt unter der Altstadt, etwas höher als die Thur. Dreiseitig umschlossen vom bewaldeten Thurufer und der ansteigenden Geländekante im Osten, bildet das Quartier eine eigene Siedlungskammer. Die Gebäude sind unterschiedlich alt, mehrheitlich aber vor 1960 gebaut. Einige Gebäude haben bereits bauliche Veränderungen erfahren. DieGebäudereihe entlang der nördlichen Gebietsgrenze ist heute der dreigeschossigen Bauzone zugeordnet und wird mehrheitlich durch parallel zum Wald gestellte und nach Süden ausgerichtete Geschosswohnungsbauten genutzt. Im Übrigen ist das Gebiet mehrheitlich der zweigeschossigen Wohnzone zugewiesen und wird vor allem durch freistehende (Doppel-)Einfamilienhäuser und kleinere Mehrfamilienhäuser genutzt. Der Freiraum ist geprägt durch private, stark begrünte Gärten. Eine Ausnahme bildet der erneuerte Spiel- und Begegnungsplatz (Biberburg) im südwestlichen Teil des Quartiers. Die Altersstruktur ist ausgewogen. Die Parzellen werden gut ausgenutzt. Das Gebiet ist stark durchgrünt. Nutzung Da die Parzellenstruktur sehr kleinteilig ist, stellt sich die Frage nach grösseren Erneuerungsvorhaben zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Es ist entsprechend nicht von einer gesamthaften Quartierserneuerung auszugehen. Vielmehr wird es sich um Einzelmassnahmen auf ausreichend grossen Parzellen oder auf z. B. zwei zusammengeschlossenen Grundstücken handeln. Es stellt sich beispielsweise die Frage, für welche (neuen) Wohnformen das Quartier Chancen bietet. Baustruktur Gemäss Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) wird das Quartier Stadtau als durchgrüntes Quartier beschrieben, welches, in Bezug auf die angrenzenden Ortsbildteile – der evang. Kirche und der Altstadt vorliegende siedlungsgliedernden Freiräume, ein empﬁndlicher Teil des Ortsbilds darstellt. Die Eigenschaften des Gebiets, welche für die anliegenden Ortsbildteile wesentlich sind, sind zu erhalten. Im Rahmen der Vorarbeiten zur Innenentwicklung wurde das Gebiet als Quartier beschrieben, das zwischen dem Thurraum und der Altstadt vermittelt. Diesbezüglich stellt sich die Frage, was bei der Weiterentwicklung des Gebiets strukturell zu beachten ist, insbesondere im Hinblick auf eine dichtere Bauweise. Freiraumstruktur Aufgrund der Nähe zur Thur wird das Areal vom Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler als Bestandteil der Thurlandschaft zwischen Lichtensteig und Schwarzenbach (BLN-Gebiet Nr. 1414) erfasst. Der Freiraum ist geprägt durch private, stark begrünte Gärten. Eine Ausnahme bildet der erneuerte Spiel- und Begegnungsplatz (Biberburg) im südwestlichen Teil des Quartiers. Problematisch
ist, wie nachfolgend erwähnt, wenn die fragmentartige Erneuerung und Weiterentwicklung des Gebiets unkoordiniert, sowie zulasten der Qualität des Freiraums und demzufolge zulasten des Quartiercharakters passiert. Entsprechend sind identitätsbildende Freiraumelemente zu erhalten, zu stärken und allenfalls neu zu schaﬀen. Quartieridentität Eine fragmentartige Erneuerung und Weiterentwicklung des Gebiets sollte nicht unkoordiniert zu Lasten der Nachbarschaft sowie der Qualität hinsichtlich des Quartiercharakters passieren. Es sollen architektonische Elemente wie auch Freiraumelemente, welche das Gebiet zusammenhalten und identitätsstiftend wirken können, untersucht werden. Dichtere Bauweisen sollten darüber hinaus auch immer mit Qualitätssteigerungen einhergehen (z.B. gemeinschaftliche Anlagen, Infrastruktur, etc). Erschliessung Die Erschliessung und Parkierung ist möglichst bodensparend und eﬃzient zu gestalten. Oberirdisch sollen möglichst nur Besucher und Kundenabstellplätze oﬀen angeboten werden. Über das Stadtauquartier wird ein Teil des Thurraums zugänglich gemacht. Diesem Zugang ist Rechnung zu tragen. Bei der Stadtaustrasse stellt sich die Frage, ob und welchen Beitrag sie für den Zusammenhalt und die Identität des Quartiers leisten kann. Naturgefahren Der Hang zur evangelischen Kirche ist durch Rutschungen gefährdet. Es handelt sich dabei um eine geringe Gefährdung, die mit Objektschutzmassnahmen minimiert werden kann. Planerische Massnahmen (grössere Hangsicherungen, Freihaltung von Hangbereichen) sind nicht angezeigt. Entlang des Lederbachs ist mit allfälligen Hochwassern zu rechnen. Innerhalb eines Abstandes von rund 10 Metern ab Gewässerrand ist im Abschnitt nördlich der Stadtaustrasse mit Überschwemmungen zu rechnen. Gegenüberstellung mit planungsrechtlichen Vorgaben Im Rahmen der Ortsplanungsrevision wird auch die Zonenzuweisung respektive die zugrundeliegende Regelbauweise (vgl. Art. 9 BauR, Art. 15 ﬀ ) zu überprüfen sein. Dabei stellt sich die Frage, ob eine künftig sinnvolle Bebauung einer Anpassung bedarf. Die Studien sollen Hinweise dazu geben. Gemäss BauG (Baugesetz) sind 25 Meter Gewässerabstand zur Thur zu wahren. Im Hinblick auf die Gewässerraumfestlegung nach Gewässerschutzverordnung wären allfällige abweichende Abstände möglich. Insbesondere im Bereich der heutigen Gärtnerei scheinen solche plausibel, da dieser Bereich gegenüber der Thur stark erhöht ist. Beim Lederbach ist von einem Gewässerraum von 11 Metern Breite auszugehen. Eine ungleiche Verteilung des Gewässerraums auf die Ufer soll nicht die Regel sein.
Bearbeitungsperimeter Stadtau Quelle: geoportal.ch (Zugriff: 20.06.2017)
026 PLATTEN
Das Quartier, beziehungsweise der Ortsteil Platten liegt rund 1.5 km nördlich des Zentrums (Altstadt) entlang der Ortseinfahrt (Loretostrasse) zu Lichtensteig. Westlich stösst es an das Vorland der Thur. Östlich der Loretostrasse liegt es in Hanglage. Der Siedlungsteil liegt in einer vom übrigen Siedlungsgebiet gegliederten Geländekammer. Der westlich der Loretostrasse gelegene Bereich ist vorwiegend der Wohnzone zugewiesen. Dabei sind die drei Mehrfamilienhauszeilen der dreigeschossigen und die anliegende Bebauung der zweigeschossigen Bauweise zugeteilt. Im Bereich der Kapelle Loreto, unmittelbar an der Loretostrasse liegend, ist ein Teil der Bebauung der dreigeschossigen Wohn- und Gewerbezone zugewiesen, wird jedoch vorwiegend zu Wohnzwecken genutzt. Im Gegensatz zu den nördlich liegenden Bebauungen sind diese Gebäude im Strassenraum der Ortseinfahrt präsent. Die Wohnbebauungen westlich der Loretostrasse sind nach einheitlichen Mustern Mitte des letzten Jahrhunderts entstanden und wirken aufgrund der einfachen und reduzierten Architektursprache wohltuend ruhig. Die Freiräume sind grosszügig. Es bestehen erhebliche Ausnützungsreserven. Bei den Mehrfamilienhäusern ist augenfällig, dass mehrere Wohnungen leer stehen. Die Altersstruktur ist eher ausgeglichen. Bei den nördlich liegenden Zweifamilienhäusern ist der Anteil an älteren Personen ausgeprägter. Eine wesentliche Intensivierung über Ersatzbauten hat indes (noch) nicht stattgefunden. Dennoch hat die Einheitlichkeit gelitten. Nutzung Bei den Liegenschaften des südlichen Teils wird die «Marktauglichkeit» in Frage gestellt. Leerstehende Wohnungen können darauf hindeuten, dass der angebotene Wohnstandard nicht mehr den Bedürfnissen entspricht. Es wird davon ausgegangen, dass sich dieses Problem (auch in anderen Quartieren der Gemeinde) mit dem Überangebot von Mietwohnungen in diesem Standardsegment noch verschärfen wird. Deshalb sollen markttaugliche Wohnangebote und -strategien ausgelotet werden. Baustruktur Die Bebauungsstruktur im südlichen Teil erscheint hinsichtlich der Grundkonzeption nach wie vor zeitgemäss. Es wird vermutet, dass Anpassungen der Wohnungsgrundrisse und allenfalls Erweiterungen (z.B. zusätzliches Wohngeschoss) möglich sind. Eine Grobbeurteilung aufgrund der Ausnützung, den aktuellen Mietpreisen und der Einschätzung der Grundsubstanz der Gebäude weist darauf hin, dass ein Abbruch und entsprechende Neubauten wirtschaftlich eher nicht interessant sind. Die baulichen Entwicklungsmöglichkeiten sollen ausgelotet werden.
Quartieridentität Da die Parzellenstruktur des nördlichen Teils sehr kleinteilig ist, stellt sich die Frage nach grösseren Erneuerungsvorhaben zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Es ist entsprechend nicht von einer gesamthaften Quartierserneuerung auszugehen. Problematisch erscheint eine fragmentartige Erneuerung des Quartiers, wenn diese unkoordiniert zu Lasten der Nachbarschaft sowie der Qualität des Freiraum und des Quartiercharakters geht. Für das gesamte Gebiet sind die identitätsstärkenden architektonischen und freiräumlichen Elemente zu untersuchen. Dichtere Bauweisen sollten darüber hinaus auch immer mit Qualitätssteigerungen einhergehen (z.B. gemeinschaftliche Anlagen oder Infrastrukturen). Erschliessung Die Erschliessung und Parkierung ist möglichst bodensparend und eﬃzient zu gestalten. Oberirdisch sollen möglichst nur Besucher und Kundenabstellplätze oﬀen angeboten werden. Über das Quartier Untere Platten wird ein Teil des Thurraums zugänglich gemacht, der vor allem im Sommer Nacherholungssuchende anzieht. Es stellt sich dabei insbesondere die Frage nach geeigneten Parkierungsmöglichkeiten. Gegenüberstellung mit planungsrechtlichen Vorgaben Im Rahmen der Ortsplanungsrevision wird auch die Zonenzuweisung respektive die zugrundeliegende Regelbauweise (vgl. Art. 9 BauR, Art. 15 ﬀ ) zu überprüfen sein. Dabei stellt sich die Frage, ob die skizzierten Entwicklungsmöglichkeiten Anpassungen bedürfen. Die Studien sollen Hinweise dazu geben.
Bearbeitungsperimeter Platten Quelle: geoportal.ch (Zugriff: 20.06.2017)
028 ARCHIPELAGO
FLORIAN HEEB JULIAN STEPPERGER STEFAN VERLING
Ein Archipel ist eine Region, die aus einer Inselgruppe und den Gewässern zwischen den Inseln besteht. In diesem räumlichen Entwicklungsszenario wurde die Idee des Archipelago so angewendet, dass sich die Gemeinde Lichtensteig zukünftig in kleinen Quartiersinseln mit starker Identität und eigenem Charakter in einem grünen Landschaftsmeer entwickeln könnte. Dabei ging es vor allem darum, die Gemeinde in räumlicher Hinsicht attraktiver zu machen und damit auch Antworten auf die Stagnation der Bevölkerungsentwicklung zu ¿QGHQ'DEHLZXUGHGHU)RNXVQLFKWQXU auf die einzelnen Quartiere, sondern auch auf deren Übergang und Einbettung in die umgebende Landschaft gelegt. Dafür wurden mögliche Entwicklungsszenarien für die Quartiere Untere Platten und Stadtau sowie Ideen für die Aufwertung verschiedener siedlungsnaher Freiräume erarbeitet.
Landschaftsraum Toggenburg
Attraktive Lage im voralpinen Toggenburg Lichtensteig liegt an einer Hügelkette, die sich durch einzelne Plateaus und Buchten auszeichnet. Diese sind gut besonnt und bieten eine schöne Aussicht.. Wiesen und (Schutz-)Wälder umringen die von einzelnen Hügelkuppen geprägte Stadt. Das Siedlungsgebiet ist stark fragmentiert. Die Einbettung in die Landschaft sorgt für attraktive, grosszügige Grünräume. Einige grüne Siedlungszwischenräume könnten durch aktivierende Massnahmen besser belebt werden. Die Thur ﬂiesst von Süden nach Norden entlang der westlichen Gemeindegrenze. Einige Quartiere haben direkten Flusszugang, die gesamte Umgebung kann als Naherholungsgebiet betrachtet werden. Monopolare Ausrichtung auf die historische Altstadt Die Altstadt thront auf einer Hügelkuppe, und war bis vor ca. 80 Jahren der hauptsächliche Siedlungsraum von Lichtensteig. Das historische Städtli ist ein identitätsstiftendes Symbol für die gesamte Gemeinde und eine attraktive Touristenattraktion in der Region. In den übrigen Quartieren sind wenig räumliche Qualitäten vorhanden.
Thurlandschaft bei Lichtensteig
Ehemals wichtiger Industriestandort Die Wirtschaftsmotoren und wichtigen regionalen Arbeitgeber aus der Industrialisierung, wie beispielsweise die Firma Fein-Elast, geben nach und nach Ihre Produktion auf. Andere Fabrikationsgebäude wie z. B. die Stickerei im Quartier Hof oder Thurotex an der Thur haben inzwischen andere Nutzer gefunden oder werden demnächst umstrukturiert. Die grossen, leerstehenden Fabrikgebäude trüben teilweise die Quartiersatmosphäre. Luftaufnahme Städtli
Fein-Elast an der Thur
Lichtensteig ist viel mehr als das Städtli Neben der Alstadt sind verschiedene Siedlungsfragmente entstanden, die aufgrund der landschaftlichen Trennungen ihre eigene räumliche Identität und Atmosphäre entwickelt haben. Familien schätzen das grosszügige Wohnangebot und junge Erwachsene die günstigen Mietpreise. Personen im Vorpensionsalter suchen Ruhe an den Siedlungsrändern. Allen gemeinsam ist die unmittelbare Nähe zur Natur, die fast immer gleich vor der Haustüre beginnt. Fragmentierte Quartiere mit unterschiedlichen Identitäten Aufgrund der landschaftlichen Fragmentierung sind die einzelnen Quartiere stark voneinander abgegrenzt. Ein siedlungsräumlicher Zusammenhang ist kaum erkennbar. Die Siedlungsfragmente, die über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts entlang der Hauptstrasse entstanden, sind wenig dicht bebaute Quartiere mit jeweils speziﬁschen Identitäten. Ihre Vielfalt trägt zu einer abwechslungsreichen, sozial und kulturell diversen Gemeinde bei. Die Übergänge zwischen Landschafts- und Siedlungsraum sind oft ﬂiessend. Teilweise besteht
erhebliches Verdichtungspotential. Die Quartiere sind ausschliesslich Ăźber die Hauptstrasse mit dem StĂ¤dtli verbunden und meist durch landschaftliche Elemente wie Waldstreifen, HĂźgelkanten oder Graswiesen voneinander getrennt. Dank der Umfahrungstrasse ist Lichtensteig eine ruhige Gegend mit dĂśrďŹ&#x201A;ichem Charakter. Hohe Dominanz des motorisierten Individualverkehrs (trotz guter Anbindung an das ĂśďŹ&#x20AC;entliche Verkehrsnetz) Die Hauptstrasse verbindet alle Ortsteile, das Langsamverkehrsnetz ist derzeit nur rudimentĂ¤r ausgebaut. Die Ă&#x2013;V- bzw. Bahnverbindungen sind grundsĂ¤tzlich gut. Der Bahnhof beďŹ ndet sich allerdings auf der anderen Seite der Thur auf Wattwiler Gemeindegebiet und ist in 10 Minuten Gehdistanz vom StĂ¤dtli aus erreichbar. Durch das fragmentierte, wenig dichte Streusiedlungsgebiet und die ausgeprĂ¤gte Topographie gestaltet sich die Feinerschliessung als schwierig, was zu einer hohen AbhĂ¤ngigkeit der Bewohner vom Individualverkehr fĂźhrt
Verkehr auf Einbahnstrasse im StĂ¤dtli
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Aktive, interessierte BĂźrger formen die Gemeinde mit Die Einwohnerinnen und Einwohner identiďŹ zieren sich besonders stark mit dem StĂ¤dtli und partizipieren intensiv in ihrer Gemeinde. Die aktive Rolle der Gemeinde hinsichtlich der Einbindung der BevĂślkerung ist vielversprechend und lĂ¤sst darauf hoďŹ&#x20AC;en, dass sich die Tendenz weiter verstĂ¤rkt.
Strassennetz von Lichtensteig
Wirtschaft und Raumplanung OrtsbildprĂ¤gende GebĂ¤ude wie beispielsweise die Brauerei oder die ehemalige Stickerei stehen aktuell leer. Bei vielen WohngebĂ¤uden, wie z. B. in den Unteren Platten oder im Hof besteht Sanierungsbedarf. Aufgrund eines fehlenden Raumordnungskonzepts oder stĂ¤dtebaulichen Leitbilds war die Raumplanung in der Vergangenheit stark marktgetrieben und hat zu einer ausgeprĂ¤gten Zersiedelung gefĂźhrt. GrĂśssere Entwicklungsprojekte sind schwierig zu realisieren, da der Markt nur begrenzt aufnahmefĂ¤hig ist. Demographischer Wandel und Stagnation der BevĂślkerung Vor allem junge Menschen wandern aus der Gemeinde ab. Zugleich nimmt die betagte WohnbevĂślkerung zu. Dies fĂźhrt wiederum zu einem ungĂźnstigen VerhĂ¤ltnis von starken und schwachen Steuerzahlern und zu einer geringeren Auslastung der ĂśďŹ&#x20AC;entlichen Infrastrukturen wie Schulen, Wasserversorgung oder Gemeindeverwaltung. Transformationsbedarf beim GebĂ¤udestand Vor allem in Platten und im StĂ¤dtli bestehen aktuell viele LeerbestĂ¤nde und GebĂ¤ude mit erheblichem Sanierungs- und Renovationsbedarf. Bei anderen Quartieren handelt es sich um reine Wohnquartiere mit EinfamilienhĂ¤usern im GrĂźnen und attraktiver Aussicht in die Land-
PodiumsgesprĂ¤ch zur Innenentwicklung (Quelle: Tagblatt)
Projektsitzung in Lichtensteig
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schaft. Viele der Bauten weisen hohen Sanierungsbedarf auf, weshalb viele Wohnangebote nicht mehr der Nachfrage entsprechen. Dadurch und aufgrund möglicher Vererbungen, ist in naher Zukunft mit einer erhöhten Transformation des Bestands zu rechnen. Zukunft Innenentwicklung und Lebensqualität Lichtensteig zeigt bisher starke Zersiedlungstendenzen. Mit dem neuen Raumplanungsgesetz werden aber neue Voraussetzungen geschaﬀen. Ein Teil der bestehenden grossen Bauzonenreserven muss voraussichtlich ausgezont werden. Damit verlagert sich der Fokus auf die Innenentwicklung und es gilt, innere Verdichtungspotentiale zu erkennen und zu nutzen. Um die Attraktivität für Ansässige und neue Einwohnerinnen und Einwohner zu steigern, ist eine Diversiﬁzierung der Quartiersidentitäten anzustreben. Nachbargemeinden verdichten bereits seit einigen Jahren, doch die entstandenen Bauten sind aus baukultureller Sicht oft mangelhaft. Lichtensteig hat diese Entwicklung vielleicht ‹verschlafen›, was gleichzeitig aber auch als Standortvorteil betrachtet werden kann, da weniger ‹Bausünden› entstanden sind. Miteinbezug der Landschaft in die Siedlungsentwicklung Eine weitere Herausforderung ist die Aktivierung und Belebung des öﬀentlichen Raums. Die ressourcenreiche Landschaft kann zu einem Teil des Alltagserlebnisses gemacht werden. Der Ausbau des Langsamverkehrsnetzes und eine bessere Verknüpfung der Quartiere untereinander sowie mit der umgebenden siedlungsnahen Landschaft wären mögliche Ansätze dafür.
Städtli Lichtensteig
Einfamilienhäuser in Stadtau
Städtli - das historische Zentrum Das historische Städtli am südlichen Rand des heutigen Gemeindegebiets stammt aus dem Mittelalter und ist das identitätsstiftende Symbol für die gesamte Gemeinde. Die meisten Aufwertungsaktivitäten sind deshalb im und um das Städtli geplant, wie beispielsweise die Jazztage. In den übrigen Quartieren sind wenig öﬀentliche, räumliche Qualitäten vorhanden, so auch entlang der Hauptstrasse, die beispielsweise kaum urbane Qualitäten aufweist und als unattraktive Lage mit geringer Nachfrage gilt. Heute kann das aus der Landschaftsstruktur heraus entstandene Siedlungskonglomerat als Wohnquartier der Gemeinde Wattwil verstanden werden.
Bildungsquartier Östlich vom Städtli liegt das Bildungsquartier mit grossen Unterrichtsgebäuden, Turnhalle und verschiedenen Einzelbauten. Rundherum sorgen ältere Einfamilienhäuser mit ihren kleinen, gepﬂegten Vorgärten, Aussicht auf die Thurebene und unmittelbarer Nähe zur Kirche und zum Städtli für eine idyllische Atmosphäre und bilden einen grünen Ring um das Bildungsquartier.
Stadtau – Durchgrüntes Wohnquartier an der Thur Auf einer Halbinsel unterhalb des Städtli liegt das Wohnquartier Stadtau, dass von Bäumen und Privatgärten geprägt ist. Durch seinen direkten Thurzugang und den einfachen Architekturstil wirkt es beinahe wie ein Feriendorf. Das Bild ist geprägt von älteren, teils renovationsbedürftigen Einfamilienhäusern. Im Norden stehen einige Mehrfamilienhäuser. Die Atmosphäre im Quartier wirkt privat, der öﬀentliche Raum verfügt kaum über Aufenhaltsqualitäten.
Wohnquartiere in Hanglage Typisch für Lichtensteig ist das Bild der ruhig am Hang gelegenen Einfamilienhausquartiere, die für die Aussicht nach Westen orientiert sind und rundum fast ausschliesslich an Wald und Wiese grenzen. Sie weisen eine geringe Dichte auf, werden oft durch Familien bewohnt und weisen ein durchschnittliches Alter auf. Die Ausrichtung und Körnung der Gebäude ist einheitlich, der Zustand der Bausubstanz variiert leicht von älteren Bauten aus den 1970er Jahren bis zum Neubau.
Untere Platten – Durchmischtes Wohnquartier im Grünen Das Quartier hat durch seine Einbettung in die Landschaft und die Ausrichtung nach Südwesten eine ruhige, idyllische Atmosphäre. Es ist gezeichnet durch den grossﬂächigen Zugang zur Thur sowie den grossen Anteil an privaten, bunten Gärten. Die naturnahe Schrebergartenoase hat eine gute Bevölkerungsmischung. Untere Platten ist das Gartenquartier, wo die Menschen im grünen Leben und ihre Freizeit oft im Freien verbringen. Die Wohnmöglichkeiten sind für Mieter wie auch für Wohneigentümer mit einem grünen Daumen gleichermassen attraktiv. Vor allem Outdoor-Freunde, denen ein eigener Garten wichtig ist, schätzen die Ruhe und die Nähe zur Natur. Familien können ihre Kinder draussen spielen und aufwachsen lassen.
Heterogene Mischquartiere entlang der Hauptstrasse Entlang der Hauptstrasse beﬁnden sich einige sehr heterogene Quartiere mit unterschiedlichen Gebäudetypologien und -qualitäten. Hier haben sich Wohnen und Gewerbe über die Jahre durchmischt: von denkmalgeschützten Villen und Bauernhäusern, über alte Garagen bis hin zu Neubauten oder heruntergekommenen Wohnblöcken. Die Atmosphäre ist entsprechend nicht speziell angenehm, Aufenhaltsqualitäten sucht man vergebens.
Luftaufnahme Meienberg
036 SZENARIO
Das Archipel Lichtensteig
Die Idee des Archipels wurde vom deutschen Architekten Oswald M. Ungers zusammen mit Rem Koolhaas und weiteren Architekten in den 1970er Jahren auf West-Berlin angewandt. Dort diente ihnen das Archipelago-Konzept als Anleitung, um die stattﬁndende Schrumpfung qualitativ einzusetzen. Nicht erhaltenswerte Siedlungen oder Quartiere sollten der Natur überlassen werden. Nach und nach würden schliesslich kleine Quartiersinseln um sogenannte Landmarks in einem grünen Landschaftsmeer entstehen. Diese Inseln sollten durch Verkehrslinien miteinander verbunden bleiben. Das Strassennetz und auch die weitere öﬀentliche Infrastruktur, wie beispielsweise Spitäler, Säle etc. würden Teil des Landschaftsmeeres werden (vgl. Hertweck, Kollhoﬀ, Koolhaas, Marot, Riemann, & Ungers, 2013). In Lichtensteig sind wir zwar mit mit einer anderen Ausgangslage konfrontiert, der Ansatz könnte sich aber dennoch als produktiv erweisen. Hier ist das Siedlungsgebiet bereits stark fragmentiert, Grünräume trennen einzelne Quartiere, die umgebende Landschaft domi-
niert die Wahrnehmung der Siedlungslandschaft. Auf weiteres Wachstum kann aktuell nicht gezählt werden. Das Konzept dient hier also vor allem dazu, bestehende Eigenschaften zu verstärken und die Gemeinde damit in räumlicher Hinsicht attraktiver zu gestalten und die Vitalität der einzelnen Quartiere zu stärken. Dabei haben wir uns nicht nur mit dem Siedlungsgebiet sondern auch den landschaftlichen Räumen dazwischen sowie den Übergängen und Rändern befasst. Exemplarisch wurden zwei Quartiere vertieft ausgearbeitet (Stadtau und Untere Platten). Weil die Schnittstellen und die Verbindungen der einzelnen Quartiere ein elementarer Bestandteil des Ansatzes sind, wurde hier bei der Ausarbeitung ein weiterer Schwerpunkt gelegt (siehe Zoom-In Landschaft).
038 ZOOM-IN LANDSCHAFT
JULIAN STEPPERGER
Landschaftskarte Lichtensteig
Bedeutung der Landschaft Im Sinne des Archipelago-Ansatzes gibt es in Lichtensteig verschiedene Quartiersinseln. Diese Inseln sind von einer attraktiven Landschaft umgeben. Diese Landschaft ist somit das Bindeglied zwischen den einzelnen Bereichen. In den Freiräumen dazwischen sollen Aufenthaltsbereiche mit hoher Qualität zur Erholung im Grünen entstehen. Die Landschaft hat die Aufgabe, das ganze Archipelago zusammen zu halten und die Schnittstellen zwischen den Quartieren zu beleben. Um das Ortsbild aufzuwerten, ist eine Attraktivitätssteigerung dieser landschaftlichen Zwischenräume zwingend erforderlich. Denn die Landschaft ist in Lichtensteig das dominierende Element, mit einem grossen Potenzial für die Naherholung. Wegverbindungen Um die Landschaft aktiv wahrnehmen zu können, soll unter anderem ein Panoramaweg entstehen. Dieser setzt sich aus einem Höhenweg und dem Thurweg zusammen und umrundet die ganze Gemeinde.
Die Einwohnerinnen und Einwohner können dadurch ihr Lichtensteig in einem neuen Licht sehen. Der Weg führt zu schönen Plätzen mit Aussicht auf die Quartiersinseln und die Thurlandschaft sowie zu verschiedenen Freizeitangeboten in der Landschaft. Das vorhandene Wegenetz soll für diese Intervention genutzt und teilweise ergänzt werden. Durch weitere Ergänzungen des Wegebestands entsteht ein feinmaschiges Langsamverkehrsnetz. Dieses soll die Verbindung zwischen den einzelnen Quartieren sicherstellen und gleichzeitig eine Verbindung zu den Attraktionen in der Landschaft schaﬀen. Durch kleine Eingriﬀe und den Einbezug des Bestands kann so eine wertvolle Vernetzung der Quartiere untereinander und mit der umgebenden Landschaft erreicht werden.
Hauptstrasse und Velopoints Die Haupstrasse ist die Hauptverkehrsachse in Lichtensteig und bildet heute die einzige Verbindung zwischen den einzelnen Quartiersinseln. Um den Aufenthalt an dieser Strasse attraktiver zu gestalten, soll der Weg für den Langsamverkehr weiter ausgebaut werden. Dafür wird an breiten Stellen der asphaltierte Bürgersteig durch einen Kiesweg daneben erweitert, um dem Langsamverkehr mehr Platz und Sicherheit geben zu können. Für die Vernetzung der Quartiere untereinander und mit der Altstadt sollen zudem Velopoints entlang der Hauptstrasse und in den Quartieren geschaﬀen werden. An diesen Stationen können Elektrofahrräder ausgeliehen und nach Gebrauch wieder abgegeben werden. Dadurch sind weite Strecken im Siedlungsgebiet schneller zu schaﬀen und das Auto bleibt öfters stehen. Die einzelnen Quartiere rücken durch die gesteigerte Erreichbarkeit mehr zusammen. Die kleinen Stationen sind so im Siedlungsgebiet verteilt, dass sie für alle Einwohnerinnen und Einwohner in maximal fünf Minuten zu Fuss erreichbar sind. An der Hauptstrasse gibt es einige grössere Velopoints, um dem dort höheren Bedarf gerecht werden zu können. Freizeit, Naherholung und Landschaftsbild Die landschaftlichen Zwischenräumen sollen in Zukunft durch Naherholungs- und Freizeitangebote bereichert werden. Das Angebot in den Bereichen Kultur, Sport und Gastronomie soll erweitert und somit die Schnittstellen zwischen den Quartiersinseln aufgewertet werden. In den drei behandelten Freiräumen werden besonders viele Nutzungen untergebracht, um diese Bereiche verstärkt zu beleben und wahrnehmbarer zu machen. Damit werden die bereits vorhandenen Qualitäten gestärkt. Die Angebote sollen die ganze Gemeinde aufwerten und den Ort auch für neue Einwohnerinnen und Einwohner unterschiedlicher Alters- und Kulturgruppen attraktiver machen.
Feinmaschiges Wegenetz fÃ¼r den Langsamverkehr
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Velopoints entlang der Hauptstrasse und in den Quartieren
Durchgrünter Siedlungszwischenraum
Schnitt neuer Fuss- und Veloweg in zweiter Reihe
Schnitt Kirche St. Loretto
Kägi-Hain Die natürliche Grenze durch die Topographie und den Waldbestand wird durch die Weiterführung der Baumpﬂanzung im Bereich der Kägifabrik verstärkt. Dadurch wird auch die Fabrik in den Grünzug eingebettet. Der Fussgänger-Galerie-Vorbau der St. Loretto Kirche wird entfernt, damit die Kirche und die sie umgebenden Grünräume besser wahrgenommen werden können. Durch eine weitere Treppe kann die Kirche so aus beiden Strassenrichtungen erreicht werden. Dadurch wird die Kirche auch für Vorbeifahrende besser in Szene gesetzt. Die verbleibende Betonwand der Kirche wird zusätzlich durch Kletterpﬂanzen begrünt. Im Bereich der Fabrikantenvillen sind weitere Baumpﬂanzungen vorgesehen. Der Weg für den Langsamverkehr soll von der Hauptstrasse weg in die zweite Reihe umgeleitet werden. Dadurch müssen die Fussgänger die Strasse nicht mehr überqueren, um auf der anderen Seite weiter auf dem Bürgersteig laufen zu können. So kann eine bessere Vernetzung der Quartiere gewährleistet werden.
Von der Wiese zum Park zur Landschaft
Aussicht von der neuen Langsamverkehrsterrasse
Schnitt Hauptstrasse mit neuer Langsamverkehrsterrasse
Landschaftserlebnispark Die bestehende natürliche Zäsur im Siedlungsgebiet mit grosser Wiese in Hanglage wird durch die Ergänzung des Baum- und Buschbestands deutlicher hervorgehoben und in Wert gesetzt. Um die für Fussgänger und Velofahrer unattraktive Situation entlang der Terrainstützmauer aus Beton zu entschärfen, wird der Weg für Fussgänger und Fahrradfahrer auf die ﬂussoriente Seite der Hauptstrasse verlegt. Von hier bietet sich ein schöner Blick auf die unterhalb gelegene Wiesen-Parklandschaft und die grünen Hügel der gegenüberliegenden Talseite. So kann dieser Abschnitt der Hauptstrasse nicht nur für den Transit sondern auch als Aufenthaltsbereich genutzt werden. Das am Fluss gelegene Industriegebäude erhält einen vorgelagerten Baumﬁlter, verschiedene Fusswege durch die Wiese werten diese zu einem attraktiven Naherholungsbereich auf. Sie wird begehbar und erlebbar, ein neuer Vitaparcours und verschiedene andere Freizeitangebote laden Einwohnerinnen, Einwohner und Gäste von Lichtensteig zur Nutzung der umgedeuteten, neu gewonnenen Grünräume ein.
Umnutzung und Flussbezug der Spinnerei
Brücken über Landschaftsraum
Grünzug um die Altstadt
Schnitt Begrünung der Brücke
Schnitt Umnutzung Spinnerei
Lederbachtal Der Lederbach verläuft zwar an zentraler Lage unmittelbar neben der Altstadt bis zur Thur, ist heute aber kaum wahrnehmbar. Hier liegt ein grosses Potenzial für die Aufwertung der Gemeinde verborgen. Das Tal könnte durch Wege, Brücken und Freizeitangebote an verschiedenen Stellen besser hervorgehoben werden und dadurch mehr in das Bewusstein der Bevölkerung rücken. Ein Rückbau der drei Häuser an der Brücke vor der Altstadt wäre vermutlich die eﬀektivste Massnahme für eine verbesserte Wahrnehmung des Lederbachtals. Dadurch böte sich nicht nur ein besserer Blick auf das grüne Tal selbst, sondern auch auf die gegenüberliegenden Hügel, und vor allem käme dadurch die historische Altstadt besser zur Geltung. Die heute stark versiegelte Brücke könnte durch eine Öﬀnung stärker begrünt werden. Der attraktive Grünraum zwischen Altstadt und Stadtau hat grosse Qualitäten und könnte in Zukunft für alle Altersklassen und soziale Schichten optimal als Naherholungsgebiet genutzt werden.
Fazit Um eine Attraktivitätssteigerung der Gemeinde zu erlangen, ist es nötig, auch die Schnittstellen zu beachten. Dabei gilt es, die vorhandenen Qualitäten im Siedlungsgebiet Lichtensteig herauszuﬁltern und dort anzusetzen. Durch den Fokus auf die bereits vorhandenen landschaftlichen Qualitäten wird es mit einfachen Mitteln möglich, die losen Quartiere im Siedlungsgebiet besser miteinander zu vernetzen. Gelingt es, die grünen Siedlungszwischenräume Grünräume stärker zu beleben, so rücken diese auch stärker in die Wahrnehmung der Bevölkerung und können zu einer Steigerung der Lebensqualität beitragen. Die bestehenden Freizeit- und Erholungsangebote in der Landschaft können so ergänzt werden und sich gesamthaft positiv auf das Image der Gemeinde auswirken. Dabei scheint es wichtig, ein möglichst breites Angebot an Freizeitangeboten zu haben, um alle Alters- und Kulturgruppen anzusprechen. Das Freizeitangebot sollte den bestehenden Gegebenheiten angepasst werden und möglichst nur durch kleine Eingriﬀe verbessert werden, ohne zu stark in die Naturräume eingreifen zu müssen. Die behandelten drei Fokusräume erhalten so jeweils einen sehr speziﬁschen Charakter erhalten und sind individuell auf die umgebenden Quartiere zugeschnitten. Anstatt die bis anhin unbebauten Grünﬂächen im Siedlungsgebiet als störende Zäsuren wahrzunehmen, werden sie dadurch zu eigenständigen, aktiven und attraktiven Bestandteilen der Siedlungslandschaft.
046 ZOOM-IN STADTAU
Dieser Entwicklungsansatz für das Quartier Stadtau ist Teil des Archipelago-Ansatzes und beschränkt sich auf das Quartier sowie seine Schnittstellen zu anderen Quartieren und der angrenzenden Landschaft. Das Quartier Stadtau kann bereits heute als Siedlungsinsel in der Landschaft von Lichtensteig gelesen werden. Nachfolgend geht es deshalb insbesondere darum, die bestehenden Potenziale im Quartier zu stärken und vorhandene Deﬁzite abzubauen, um gesamthaft die Lebensqualität im Quartier zu steigern. Dafür wurde ein gewünschter zukünftiger Soll-Zustand deﬁniert (Vision) und eine Strategie erarbeitet, wie sich dies umsetzen liesse. Anhand verschiedener Interventionen lässt sich die Machbarkeit des Entwicklungsansatzes exemplarisch nachvollziehen. Aufgrund der dreiseitigen Umschliessung durch den Fluss Thur wirkt Stadtau wie eine Halbinsel. Die dichten Waldränder, die fast das gesamte Quartier säumen, verstärken diesen Inselcharakter. Das Gelände fällt zur Thur hin ab. Der idyllische Thurzugang, als natürlich wirkende Auenlandschaft mit ruhigem Fluss, hohen Bäumen, grünen Wiesen
und Felsbrocken zeichnet Stadtau aus. Die ruhige und wohltuende Atmosphäre lädt vor allem an sonnigen Sommertagen zum Entspannen und Schwimmen ein. Das Quartier ist ebenso stark durchgrünt und von vielen privaten Gärten mit dichter Vegetation geprägt. Mehrheitlich bestimmen Einfamilienhäuser (und einige wenige Mehrfamilienhäuser) das Erscheinungsbild. Die Erschliessung erfolgt durch nur eine Strasse, die als ‹Flaschenhals› den Zugang und die Zufahrt zum Quartier gewährleistet. Die fördernswerten Potenziale des Quartiers sind sein Halbinselcharakter, der Thurzugang, die durchgrünte, ruhige Atmosphäre und die unmittelbare Nähe des Quartiers zur Altstadt. Als Deﬁzit ist der unattraktive, unbelebte Strassenraum identiﬁziert worden. Um Stadtau weiterzuentwickeln, sind folgende Herausforderungen zu meistern: die Erhaltung der Grünﬂäche aufgrund möglicher verdichteter Bauweise, die heterogene Parzellenstruktur, die Mehrfamilienhäuser im nördlichen Teil des Quartiers sowie der Zonenplan und das Baureglement (Gebäudelängen und -höhen, Strassenabstände, Ausnutzung, Nutzungsplanung, etc).
Luftaufnahme Stadtau
Thurzugang Stadtau
Vision Um die Quartiersinsel Stadtau an der Thur in Zukunft massvoll aufzuwerten und zu verdichten, ohne die vorhandenen Freiraumqualitäten zu verlieren, wird ein sorgfältig ausdiﬀerenziertes Transformationskonzept vorgeschlagen. Neu säumen hohe Bäume den Strassenbereich und führen die umliegende Auenlandschaft auch im Inneren der Halbinsel weiter. Liebevoll gepﬂegte, private Gärten säumen die neue Ringstrasse. Diese wird als Begegnungszone aufgewertet und soll für Fussgänger und Velofahrerinnen übersichtlicher gestaltet werden. Auch wenn Stadtau mit seinen Wohnqualitäten besonders Familien anspricht, so treﬀen dort in Zukunft BewohnerInnen verschiedener Generationen aufeinander. Strategie und Umsetzungsmassnahmen • Kompensation der durch die zu erwartende kontinuierliche Verdichtung resultierenden Abnahme des Grünﬂächenanteils im öﬀentlichem Raum (innerer Baumbestand entlang) • Bestehende Qualitäten der Quartiersinsel stärken und ergänzen (z.B. Auﬀorstung der Waldränder) • Steuerung zukünftiger baulicher Transformationen durch neues Regelwerk, um die Anknüpfung an die umliegende Auenlandschaft, eine höhere Bevölkerungsdichte sowie eine beruhigte und aufgewertete Begegnungszone zu ermöglichen (durch Einführung speziﬁscher Bauzonen-Regeln).
Visionsplan Stadtau
Parzellenarrondierung fĂźr neue StrassenfĂźhrung FĂźr die Erstellung der neuen StrassenfĂźhrung treten zwei GrundstĂźcke im Norden FlĂ¤che ab. Dadurch kann die bestehende Treppe durch eine fĂźnf Meter breite Strasse ersetzt wird. Aufgrund der steilen TopograďŹ e bedarf es nordseitig einer StĂźtzmauer. ParzellenflĂ¤che fĂźr Arrondierung 128 m 2
ParzellenflĂ¤che fĂźr Arrondierung 104 m 2
EinfĂźhrung Begegnungszone mit Einbahnverkehr Durch die Parzellenarrondierung wird eine Ringstrasse eingefĂźhrt. Mittels der EinfĂźhrung des Einbahnstrassenverkehrs und der Begegnungszone wird das Quartier verkehrsberuhigter.
Parzellenarrondierung fĂźr neue StrassenfĂźhrung
ErgĂ¤nzung Baumbestand im ĂśďŹ&#x20AC;entlichen Raum Um die begrĂźnte AtmosphĂ¤re und den GrĂźnbestand im Quartier zu erhalten, wird der Baumbestand ergĂ¤nzt. Die LĂźcken in den WaldrĂ¤ndern werden aufgeforstet. Um den Verlust an BĂ¤umen durch die verdichtete Bebauung im Quartier vorzeitig auszugleichen, wird im die Vegetation mittels BĂ¤umen im Strassenraum rechtzeitig ergĂ¤nzt.
EinfĂźhrung Begegnungszone mit Einbahnverkehr
BegrĂźnung Strassenraum Die BĂ¤ume im Strassenraum werden auf ĂśďŹ&#x20AC;entlichem Grund angepďŹ&#x201A;anzt. Sie stehen in bekiesten Baumscheiben an den Seiten der Ringstrasse, die durch das Quartier fĂźhrt. Durch die Anordnung der BĂ¤ume an den Strassenseiten beruhigt sich der Verkehr.
Parzellenstruktur vorher
Parzellenstruktur nachher
&SHĂ&#x160;O[VOHEFT#BVNCFTUBOETBMTnBO kierende Massnahme im Ăśffentlichen Raum
BegrĂźnung Strassenraum
Einführung der neuen Bauzonen W2- und W3-Stadtau, Nutzungsanpassungen und Parzellentausch Die neuen Zonen W2-Stadtau und W3-Stadtau ersetzen die bestehenden Zonen W2, W3 und WG2. Die Parzellen der Gärtnerei und des Einfamilienhauses an der Thur werden umparzelliert und umgezont. Das Grundstück des Mehrfamilienhauses beim Thurzugang wird mit dem Grundstück des Spielplatzes abgetauscht. W2-Stadtau W3-Stadtau
Ergänzung Baureglement W2
W2 -Stadtau
W3Stadtau
Gebäudeabstand auf gleicher Parzelle
Ringstrassenabstand
Bauregelwerk W2
Erschliessungsreglement für W2-Stadtau und W3-Stadtau Die Erschliessungsﬂäche pro Gebäude darf maximal 12.5% der unbebauten Grundstücksﬂäche betragen und aus maximal 50% Hartbelag bestehen. Ausnahmen bilden dabei Tiefgaragen-Erschliessungen. Einordnung Um den Halbinselcharakter zu unterstreichen, werden die Waldränder aufgeforstet, so dass das Quartier vollständig in einem Auenwaldring eingebettet liegt. Der öﬀentliche Naherholungsraum entlang der Thur kann durch die Auszonung der unteren Parzelle klarer vom Siedlungsraum der Quartiersinsel diﬀerenziert werden. Durch die Massnahmen wird die Quartiersidentität für die Zukunft erhöht und optimiert. Der Strassenraum mit der neuen Begrünung steigert die Aufenthaltsqualität im Quartier und sorgt für eine Verschmelzung von Natur und Siedlung. Durch den neuen Zonenplan und das Baureglement wird eine gezielte Innenverdichtung ermöglicht. Im ganzen Quartier Stadtau werden ca. 52% neue Wohnﬂächen geschaﬀen. Dadurch entsteht Platz für etwa 85 neue Einwohnerinnen und Einwohner in der durchgrünten Quartiersinsel Stadtau. Durch die Umparzellierung, den ergänzten Zonenplan und das angepasste Baureglement erfährt Stadtau insgesamt eine deutliche Attraktivitätssteigerung. Dadurch ist mittel- bis langfristig voraussichtlich auch ein kontinuierlicher Anstieg der Immobilienpreise zu erwarten.
15 m 4m
Bauregelwerk W3
052 ZOOM-IN UNTERE PLATTEN STEFAN VERLING
Privatgärten und belebte Grünräume entlang der Quartierstrasse
Das Quartier Untere Platten weist punktuell Verdichtungsmöglichkeiten auf und lässt einige Fragen zum Thema Umstrukturierung oﬀen. Einige Gebäude sind sanierungsbedürftig. Deshalb ist es nötig, eine ortsplanerische Stossrichtung vorzugeben, um An-, Um- und Neubauten in eine gewünschte Entwicklungsrichtung lenken zu können. Durch die Einbettung in die Umgebung, die Ausrichtung nach Nordwesten sowie die topographische Lage unterhalb der Hauptstrasse ist die Atmosphäre im Quartier ruhig und beinahe idyllisch. Es zeichnet sich durch einen grossﬂächigen Zugang zur Thur sowie einen grossen Anteil an privaten, bunten Gärten aus. Die Bevölkerung der naturnahen Schrebergartenoase ist gut durchmischt: Untere Platten ist ein Quartier, in dem die Menschen im Grünen leben und ihre Freizeit gerne im Freien verbringen. Die Wohnmöglichkeiten sind für Mieter wie auch für Wohneigentümer mit einem grünen Daumen gleichermassen attraktiv. Vor allem OutdoorFreunde, für die ein eigener Garten wichtig ist, schätzen hier die Ruhe und die Nähe zur Natur. Familien können ihre Kinder draussen spie-
len und aufwachsen lassen. Die periphere Lage am nördlichen Rand der Gemeinde ist aber auch eine grosse Herausforderungen für die zukünftige Entwicklung des Quartiers. Die Abhängigkeit vom Individualverkehr ist selbst bei Kleineinkäufen gross, das Quartier liegt abgeschnitten vom Rest der Gemeinde an der Thur. Weiter erschwert die kleinteilige Eigentümerschaft grössere Interventionen und Überbauungslösungen. In Zukunft soll eine noch bessere Bevölkerungsdurchmischung angestrebt werden, so dass unterschiedliche Zielgruppen über verschiedene Einkommensklassen und Generationen hinweg Platz im Gartenquartier ﬁnden. Der Fokus liegt dabei auf der Aufwertung der naturnahen Freizeit- und Erholungsräume und den privaten Gärten als gemeinsame Nenner. Dazu soll auch der motorisierte Individualverkehr kontinuierlich durch attraktiven Langsamverkehr abgelöst werden. So kann zukünftig die Identiﬁkation der Bevölkerung mit ‹ihrem› Quartier verbessert und das Archipelago von Lichtensteig um eine weitere attraktive Insel angereichert werden.
Strassenbild in Untere Platten
Parkierungslösung
Anonyme Zwischenräume
Die grosse Grünﬂäche bei Steigrüti ist das nördliche Eintrittstor von Lichtensteig. Dieser erste Kontakt soll die Gemeinde im Grünen repräsentativ vertreten und deshalb in Zukunft nicht bebaut werden. Wir haben deshalb auf eine qualitative innere Verdichtung gesetzt, was uns aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten innerhalb des Siedlungsgebiets naheliegend schien. Die Baureservezone Steigrüti wäre aus unserer Sicht ideal, um die ohnehin notwendigen Auszonierungen vorzusehen. Mit ﬂankierenden landschaftsgestaltenden Massnahmen könnte die grüne Bucht ausserdem einfach aufgewertet werden. Im direkt unterhalb gelegenen Quartier Untere Platten bestehen beispielsweise strukturelle Herausforderungen, die zuerst angegangen werden sollten, bevor weiteres wertvolles Grünland verbaut wird. Für eine eﬃziente Aufwertung des Quartiers Untere Platten gilt es, auf der bestehenden Heterogenität des Gebäudebestands aufzubauen. Durch die Privatisierung der Zwischenräume können diese eine wichtige Rolle für die räumliche Entwicklung des Quartiers übernehmen und zur Belebung beitragen. Es sollen weiterhin genügend Anreize für eine bauliche Veränderung geschaﬀen werden, damit in Zukunft erschwingliche, attraktive Wohnangebote im Grünen entstehen können. Die Heterogenität der EinwohnerInnen und der Wohnangebote soll bestehen bleiben und mit zusätzlichen Angeboten angereichert werden. Aus ökonomischen Gründen soll grundsätzlich der Bestand für An- und Umbauten genutzt werden. Die Parkmöglichkeiten entlang der Quartiersstrasse werden entfernt, um das Strassenbild aufzuwerten, den Blick auf die Thurlandschaft frei zu geben sowie Platz für private Gärten zu schaﬀen. Durch den Ausbau der bestehenden Parkgaragen und neuer oberirdischer Parkplätze im Norden des Quartiers werden die wegfallenden Parkplätze kompensiert. Die Zwischenräume werden durch private Gärten neu genutzt und die Schnittstellen von privatem zu öﬀentlichem Raum werden mit Bäumen, Sträuchern
Potenziale • Unteres Plateau nahe Thur, Wald & Gemeindegrenze • Zahlreiche Grünräume (private Gärten, Umgebung) • Einfache Architektur, ruhiger Charakter • Heterogene Einwohnergruppen und Bautypologien • Ruhiges, reines Wohngebiet • BewohnerInnen: Ausgeglichen bis ältere Personen • Mehrfamilien-Reihenhausblocks gehören einem Eigentümer • Ausnutzungsreserven
Deﬁzite • Heruntergekommene Mehrfamilienhäuser mitten im Quartier • Heterogener Gebäudebestand: Anbauten, Garagen, etc. • Anonyme, ungenutzte Zwischenräume • Parkierungsproblem vor allem im Sommer • Erschliessung naturnahe Gebiete
Visionsplan Untere Platten
und weiteren Pﬂanzen neu gestaltet. Zur Erweiterung des Langsamverkehrs wird ein feinmaschiges Wegenetz erstellt, das die Anbindung der Naturräume ermöglicht und Begegnungsräume mit Aufenthaltsqualität schafft. Aus den Bestandsparzellen entstehen durch Abparzellierung kleinere Grundstückﬂächen, was die Erstellung von MiniEinfamilienhäusern mit Garten ermöglicht. Das bestehende Wohnangebot wird durch Wohnungen und Häuser zur Miete und zum Kauf, sowie durch klein- und mittelgrosse Flächenangebote diversiﬁziert (z.B. Maisonette- oder Atelierwohnungen). Ergänzend werden quartiersbereichernde Gemeinschaftsnutzungen wie beispielsweise eine Kinderkrippe vorgeschlagen. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen für die Qualität privater Grünräume sensibilisiert werden, damit diese zunehmend als Gärten genutzt werden und das Erscheinungsbild des Quartiers aufwerten.
Schnitte Untere Platten
Parkierung in Tiefgaragen und auf Parkfeldern Die Parkplätze entlang der Quartierstrasse werden entfernt und zu Grünzonen umgenutzt. Die nun freien Flächen auf den einzelnen Parzellen werden in private Gärten umgewandelt und die Parkﬂächen seitlich der Strasse werden mit Bäumen und Büschen begrünt. Die neu geschaﬀenen Aufenthaltsqualitäten werten das Strassenbild deutlich auf. Die bestehenden Garagenﬂächen bei den drei Reihenblöcken werden ausgebaut, um den zukünftigen Bedarf der BewohnerInnen abzudecken. Dabei bietet es sich an, die Hanglage zu nutzen und dort die Erweiterung umzusetzen. Zusätzlich können im Norden von Untere Platten weitere Parkfelder vor allem für Besucher (wie etwa Wanderer, Familien) entstehen. Die Sommergäste können nun diese Parkfelder benutzen, um der Parkplatznot und dem Andrang gerecht zu werden.
Parkierung vorher/nachher
Kleinere Parzellengrössen Die aktuell grossen Parzellen bedingen relativ hohe Investitionsvolumen. Eine feinkörnigere Aufteilung und Verwertung in kleineren Grundstücken macht eine kontinuierliche Aufwertung des Quartiers wahrscheinlicher. Die Gebäudehöhe könnte dabei bei zwei bis drei Geschossen belassen werden. Bei den Mehrfamilien-Reihenhausblöcken gäbe es die Möglichkeit, die je vier Bestandswohnungen zu jeweils zwei Maisonette-Wohnungen zusammenzufassen und gleichzeitig den Boden für diese zwei Parteien abzuparzellieren.
Parzelleneinteilung vorher/nachher
Aufwertung des Gartenquartiers durch vielfältige Wohnangebote Durch die neuen Parzellengrössen ist ein vielseitiges Wohnangebot auch mittels An- und Umbau möglich. Mini-Einfamilienhäuser zu ca. 110 Quadratmetern mit Garten, oder Wohnungen mit mietbarem Gartenabschnitt, stehen damit neu zur Verfügung. Diese können als Kauf- wie auch als Mietobjekt angeboten und etappenweise umgesetzt werden, was den Investoren oder Eigentümern zeitlich Raum gibt. Die meisten Objekte sind mit mittelgrossen Wohnﬂächen von 80 bis 110 Quadratmetern ausgestattet, wobei ein kleines Angebot im Norden auch grosszügigere Wohnﬂächen bis zu 180 Quadratmetern ermöglicht. Durch die grösseren Grundrisse verschwinden bestehende Geschosswohnungen zu 60 m2, wodurch sich die vorhandenen Bauﬂächen eﬃzienter nutzen lassen. Die Anzahl der Wohneinheiten steigt um 14 auf 114 Stück und die Gesamtwohnﬂäche nimmt um über die Hälfte auf 12’560 Quadratmeter zu. Die drei grossen Reihenhausblöcke erhalten durch einen Anbau von drei Metern nach Südwesten zusätzliche Wohnﬂächen. Dadurch erhöht sich die durchschnittliche Wohnungsﬂäche von 85 auf 105 Quadratmeter und sorgt für zeitgemässe Wohnungsgrundrisse.
Gebäudetypologien vorher/nachher
Belebung Grünräume und Wegenetz Zur Erschliessung der sehr attraktiven Thurlandschaft und der umgebenden Natur dient ein feinmaschiges Wegenetz. Dieses verbindet das Quartier mit der Hauptstrasse und die einzelnen Hauseingänge sowie die privaten Gärten untereinander. Durch letztere kann das Quartiersbild kontinuierlich aufgewertet werden. Unterschiedliche Gärten mit vielfältiger Bepﬂanzung dominieren neu die Räume zwischen den Gebäuden. Zusätzlich unterstreicht die Begrünung des Strassenrands mit Parkbänken, Grillplätzen und publikumsintensiven Nutzungen, wie beispielsweise einem Café, die entwickelte neue Identität des Gartenquartiers Untere Platten. Die Privatisierung der Zwischenräume erscheint ökonomisch wie auch ökologisch im Sinne der Pﬂege und des Unterhalts sinnvoll.
Ausweitung der privaten Gärten vorher/nachher
Fazit Zur Aktivierung der räumlichen Entwicklungspotenziale im Quartier Untere Platten haben sich insbesondere die Strassenraumgestaltung, die Aktivierung und Begrünung der Zwischenräume sowie die Schaffung von neuen Wohnangeboten durch Abparzellierung und Anbau als produktive Ansätze erwiesen. Dabei stand immer auch der Grundgedanke der Quartiersaufwertung im Vordergrund. Eine Priorisierung der vorgeschlagenen Massnahmen liegt vordergründig nicht auf der Hand, erst im Verbund entfalten die entwickelten Massnahmen ihre volle Wirkung. Mit den erarbeiteten Verdichtungsmassnahmen wäre es möglich, durch eine feinere Parzellierung sowie durch kleinräumigere Wohnungsangebote etwa 14% mehr Wohneinheiten beziehungsweise ca. 50% mehr Wohnﬂäche als heute zu realisieren. Es handelt sich also eher um eine horizontale Verdichtung, eine vertikale wird aufgrund der angestrebten Quartiersidentität nicht empfohlen. Durch die Schärfung der Quartiersidentität soll mittel- bis langsfristig die Lebensqualität der Einwohner gesteigert werden. Untere Platten soll sich so zu einem Gartenquartier mit zahlreichen Privatgärten, grünen Zwischen- und Strassenräumen und einem engmaschigen Wegenetz entwickeln. Wie rasch und ob sich dadurch ein Zuzug von Einwohnerinnen und Einwohnern einstellen wird, ist von vielen Faktoren abhängig. Aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge lässt sich diese Frage deshalb nicht abschliessend beantworten.
Belebung der Zwischenräume und Steigerung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
060 LEARNING FROM L16
HARIS MEMIC CHRISTOPH MÜLLER MICHAEL VOGT
Bis vor einigen Jahren war die Hauptstrasse L16 die Haupttransitachse im Toggenburg und galt deshalb als unattraktiv für Wohnnutzungen. Seit dem Bau der Umfahrungsstrasse 1983 hat sich dies zwar grundlegend geändert, trotz des schwindenden Durchgangsverkehrs haben sich Fussgänger und Velofahrerinnen diesen Teil der Stadt aber nicht zurückerobert. Auch viele der Liegenschaften entlang der Strasse wurden nicht verändert. Hier liegt ein enormes Potenzial verborgen: Die Hauptstrasse könnte in Zukunft wieder zur vitalen Lebensader der Gemeinde werden. Durch die Konzentration der Entwicklung entlang der Hauptstrasse könnte die Aufenthaltsqualität entlang des Strassenraums verbessert und die dahinterliegenden ruhigen Wohnquartiere im Grünen nicht nur entlastet, sondern auch kontinuierlich aufgewertet werden. Anhand von Transformationsstrategien für die Quartiere Platten, Loretto und Hof lässt sich exemplarisch nachvollziehen, wie durch neue Wohnnutzungen und gemeinschaftsorientierte Angebote vorhandene Nutzungsreserven und schlummernde Potenziale aktiviert werden könnten.
LEARNING FROM L16
1228 - Erste urkundliche Erwähnung 1400 - Graf Donat erteilt Stadtrechte 1468 - Verwaltungshauptsitz von Toggenburg 1798 - Lichtensteig stellt den 1. Kantonalpräsidenten und erklärt sich frei 1803 - Lichtensteig wird Bezirkshauptstadt im neuen Kanton St.Gallen 1874 - Erschließung der Gebiete Hof, Loreto, Lederbach und Platten 1978 - Parter mit Adelburg in D 1998 - Lichtensteig stellt die 1. Kantonspräsidentin in St.Gallen
1425 - 1. Schule 1828 - Abriss des Ober- und Untertors zur besseren Verkehrsführung 1870 - Gründung der Toggenburger Bahn Wil-Ebnat 1910 - Anbindung zur Bodensee-Toggenburg Route 1968 - Bau einer Abwasserreinigungsanlage 1970 - Bau einer Schwimmanlage 1974 - Alterswohnung Dreilinden 1983 - Bau einer Umfahrungsstrasse 1999 - Turnhalle 2000 - Parkhaus
Anzahl Einwohner 2000
Industrieboom in St.Gallen
Starke Zunahme von Handel und Verkehr Bauflaute (ca. 10 Gebäude)
Kägi baut Lagerhalle
1035 - Erste Erwähnung des Geschlechts T.
1468 - L. an Abtei St. Gallen verkauft
1798 - Kanton St.Gallen wird gegründet
Evtl. aufgrund der fixen Wechselkurse für deutsche Mark und Franken
1200-1468
1468-1798
Vorgeschichte UBS
1976 - 1. Fotoflohmarkt 1985 - 1. Sommernachtsfest 1986 - Toggenburger Museeum 1989 - 1. Jazztage seit 1990er: Weihnachtsmarkt, Weinund Kürbisfest, Kunst-Tage
1863 - Gründung der Toggenburger Bank 1912 - Fusion mit der Bank in Winterthur 1928 - Mitglied in der UBS
1816 - 1. Spinnerei von Aloys Mrty 1868 - Weberei Stählin 1902 - Adolf Leemann Stickereien 1934 - Bäckerei «zum Hecht» (Fam. Kägi) 1954 - Kägihalle 1976 - Fredis mech. Musikinstrumente Museum 1996 - Valora Holding kauft Kägi 2005 - Kägi Glücksshop
Bauboom in Lichtensteig
+30% bewohnte Gebäude +60% bei Wohnungen
Abwanderung, weniger Steuereinnahmen, Leerstand
Steuergünstigste Gemeinde in Toggenburg
Nachwirkungen vom Zusammenbruch der Textilindustrie 1975 Landflucht, Globalisierung, Urbanisierung
1980-2071
Die Siedlungsentwicklung Lichtensteigs begann im 13. Jahrhundert mit den Grafen von Toggenburg. Der kleine Ort erhielt aufgrund seiner Bedeutung als Umschlagplatz für Textilprodukte Stadtrechte. Es entwickelte sich das ‹Städtli›, das bis heute seinen mittelalterlichen Charme behalten konnte. Mit der industriellen Revolution stiegen die Bevölkerungszahlen in Lichtensteig an, die Quartiere entwickelten sich jedoch nicht um den historischen Ortskern herum, sondern entlang der Hauptstrasse, die das gesamte Toggenburg erschloss. 1879 hatte Lichtensteig etwa 1’450 Einwohnerinnen und Einwohner. Zu dieser Zeit wurden die Quartiere St. Loretto, Hof und Platten eingemeindet. Seither hat sich das Gemeindegebiet nicht mehr markant verändert. Mit dem Bau der Bodensee-ToggenburgBahn 1910 wurde Lichtensteig zu einem Verkehrsknotenpunkt. Der Keilbahnhof führt die Gleise von St. Gallen und Wil zusammen und leitet sie nach Wattwil weiter. Ab den 1970er Jahren wurde intensiv gebaut. Das ist wohl auf die damalige ansprechende Steuerlage Lichtensteigs zurückzuführen. Um den Ort von dem mittlerweile starken Durchgangsverkehr zu entlasten, wurde in den 1980er Jahren der Bau einer Umfahrungsstrasse in die Wege geleitet. Die 1983 fertiggestellte Umfahrungsstrasse lenkte forthin den Transitverkehr an Lichtensteig vorbei. Dies führte zu markant weniger Verkehr auf der Hauptstrasse. Grössere Infrastrukturen wurden seitdem nicht mehr realisiert, es kamen lediglich einige Gebäude hinzu. Währendessen veränderte sich die Gesellschaft: weg von der Industrie- und hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Die südlich von Lichtensteig gelegene Gemeinde Wattwil konnte sich in diesem Transformationsprozess besser positionieren, nicht zuletzt wegen ihrer topographischen Vorteile für gewerbliche Bauten. Die Summe dieser Einﬂüsse bewirkt seit Ende der 1990er Jahre einen kontinuierlichen Rückgang der Bevölkerung in Lichtensteig. Viele jüngere ziehen in urbanere Gebiete, die Stadt altert und wird unattraktiver, was zu einem kontinuierlich hohen Leerstand führt. Insbesondere an ‹schlechten› Lagen, wie zum Beispiel entlang der Hauptstrasse, sind Impulse für eine Aufwertung nötig.
Infrastruktur Eisenbahn Autobahn Kantonsstrasse Strasse
Siedlungsstruktur Öffentliches Gebäude Mischnutzung Stadtkern Wohnen EFH Wohnen MFH Gewerbe / Handel / Dienstleistung /Industrie Erholung und Sport Landwirtschaft / ausserhalb Bauzone
Landwirtschaft / Umgebung Wald Acker, Wiese, Weide, Landwirtschaft Gewässer 4JFEMVOHTnÊDIF Erholungsgebiete
Landmarks Lichtensteig
GelĂ¤ndekanten, Wald, GewĂ¤sser
068 SZENARIO
In diesem Szenario spielt die Hauptstrasse die grösste Rolle. Sie soll (wieder) zur eigentlichen Lebensader Lichtensteigs werden. Durch die Konzentration der Entwicklung und die Intensivierung entlang der Hauptstrasse können die ruhigen Wohnquartiere im Grünen nicht nur entlastet, sondern auch nach und nach aufgewertet werden. Die Aufenthaltsqualität entlang des Strassenraums soll verbessert und so ein Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität erreicht werden. Dies bedarf einerseits einer strukturellen Wandlung einiger bestehender Bebauungen. Darüber hinaus sollen vorhandene Nutzungsreserven aktiviert und unternutzte Gebäude transformiert werden. Dies soll vor allem durch neue Wohnnutzungen und gemeinschaftsorientierte Angebote geschehen. Für die Zoom-Ins wurden exemplarisch drei Orte gewählt, die dafür grosse Potenziale aufweisen: Der neue Ortseingang in Platten/Steigrüti, der Abschnitt zwischen der Kapelle St. Loretto und dem siedlungstrennenden Grünraum oberhalb der Erlebniswelt Toggenburg und das mischgenutzte Gebiet rund um die ehemalige Brauerei Burth.
In Loretto sind beispielsweise bereits verschiedene Nutzungen vorhanden, die für eine erhöhte Nutzungsintensität sorgen (z. B. Kägi und Städtlichäsi) und mit dem ehemaligen Gasthaus, den Fabrikantenvillen und der Kapelle St. Loretto bestehen identitätsstiftende historische Gebäude. Ausserdem bestehen grosse Ausnutzungsreserven. In Platten liegt der Fokus auf einer Neuparzellierung, aus der sich eine Bebauung gemäss dem übergeordneten Szenariokonzept entwickelt. Dafür werden Ersatzneubauten vorgeschlagen. Eine neue Durchwegung des gesamten Ortsteils erleichtert die Fortbewegung zu Fuss. Ausserdem wird vorgeschlagen, die Geschwindigkeit auf der Hauptstrasse auf 30 Kilometer pro Stunde zu reduzieren, um die Sicherheit entlang der Strasse zu erhöhen und bessere Voraussetzungen für die Belebung des öﬀentlichen Raums zu schaﬀen.
070 ZOOM-IN PLATTEN
In Platten soll die Gemeinde einen wahrnehmbaren neuen Ortseingang erhalten. Durch die Steigerung der atmosphärischen Intensität könnte der Ortseingang hier ähnlich spürbar werden wie im Süden der Gemeinde. Es wird vorgeschlagen die drei Bestandsgebäude durch eine neue Überbauung zu ersetzen. Ihr Abbruch bedeutet zwar einen ökonomischen Wertverlust, bietet aber auch die Chance, nicht nur eine bessere Verbindung zwischen Ober- und Unterplatten zu schaffen, sondern das Quartier auch zum Auftakt der Gesamtgemeinde umzuwidmen. Die neue Situation ermöglicht eine dichtere Bebauung entlang der L16, die sich von der Strasse weg zu Einfamilienhäusern ausdünnt. Durch eine zusätzliche Strasse in Unterplatten wird auch die Erschliessung der Wohnhäuser zwischen der Hauptstrasse und dem Ortsrand möglich. Gleich am Ortseingang weitet sich der Raum zu einer Begegnungszone, welche zwei Gewerbenutzungen und alle anliegenden Wohnbauten erschliesst. Alle neuen Durchwegungen führen hier durch.
Situation vorher/nachher: Ersatzneubauten formulieren den Ortseingang neu
Parzellierung vorher/nachher: Neue kleinere Parzellen farbig gekennzeichnet
Die neue Durchwegung in Platten fĂśrdert die MobilitĂ¤t zu Fuss und mit dem Velo
074 ZOOM-IN LORETTO
Das Quartier verfügt bereits über identitätsstiftende Gebäude und Nutzungen, wie etwa die Kapelle, das Gasthaus, die Firma Kägi, die Käserei oder die ehemaligen Fabrikantenvillen. Das Problem heute ist hier, dass man sich ungern zu Fuss oder mit dem Velo in diesem Gebiet bewegt, da es keine attraktive Langsamverkehrsführung gibt. Dies soll sich durch den neuen Masterplan ändern. Das Konzept gliedert sich in zwei Haupteingriﬀsbereiche: Die Kulinarikmeile und das neue Wohnquartier Loretto. Die Kulinarikmeile wird eine Begegnungszone mit einem vielfältigem Angebot lokaler Produkte. Ausserdem gibt es ein Café, Büroﬂächen und genügend Parkplätze. Die Bushaltestelle solll ebenfalls integriert werden. Das Wohnquartier beﬁndet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstrasse und ist durch eine neue Passage in der zweiten Reihe erschlossen, die immer wieder attraktive Ausblicke auf die gegenüberliegende Talseite eröffnet. Auch hier ist vorgesehen, eine Begegnungszone einzuführen. In den Erdgeschossen der Neubauten beﬁnden sich überwiegend öﬀentlichkeitswirksame Nutzungen, während in den darüberliegenden
Geschossen der Neubauten Wohnungen ein hohes Mass an Lebensqualität mit fantastischer Aussicht bieten. Die Betongalerie der St.-Loretto-Kapelle soll entfernt werden, um die Quartierseinfahrt oﬀener zu gestalten. Ausserdem ist eine neue Treppe zur Kapelle hinauf geplant, was eine beidseitige Erschliessung ermöglicht. Für die Beläge der neuen öﬀentlichen Bereiche wurden in Analogie zur Altstadt Pﬂastersteine gewählt. Die Passage in zweiter Reihe weitet sich vor den Wohnbauten zu einer dorfplatzähnlichen Vorzone.
Ehemalige Fabrikantenvillen (unter Denkmalschutz)
Zwei Entwicklungsschwerpunkte: Kulinarikmeile und Wohnquartier
Ehemaliges Gasthaus Loretto mit Kapelle im Hintergrund
Loretostrasse im Bereich Loretto
Öffentlichkeitswirksame Nutzungen
Phasierung für die Umsetzung In einem ersten Schritt werden die leeren Parzellen bebaut. Auf den Parzellen, wo bereits Gebäude stehen, wird in Koordination mit den Eigentümern eine neue Parzellierung vorgenommen, um das Projekt realisieren zu können. In Phase zwei werden die Parzellen im Wohnquartier zusammengelegt, um das Projekt realisieren zu können. So kann die gemeinsame Tiefgarage gebaut werden. Gleichzeitig können nun auch das Café und der Getränkehandel mit den darüberliegenden Büros erbaut werden. Die Kulinarikmeile ist jetzt schon aktiv. In der dritten Phase wird die neue Wohnüberbauung wieder unter den Eigentümern aufgeteilt. Die Passage verbindet nun die Kulinarikmeile mit dem Wohnquartier Loretto. Das ist die letzte Phase des Masterplans. Die vierte Phase zeigt mögliche zukünftige Entwicklungen, die durch die beiden Eingriﬀe ausgelöst werden könnten. Dies verdeutlich auch eindrücklich das Potenzial dieses Entwicklungsschwerpunkts.
Schnitt Passage - Hauptstrasse - Kulinarikmeile (CafĂŠ)
Schnitt durch das Wohnquartier Loretto
Schnitt Wohnquartier - Hauptstrasse
Ansicht Kulinarikmeile
Schnitt Wohnquartier - Hauptstrasse - Kulinarikmeile
080 ZOOM-IN NEUHOF
Am Beispiel des Quartiers Hof um die ehemalige Brauerei Burth lässt sich exemplarisch nachvollziehen, wie sich der Wandel entlang der Hauptstrasse von Lichtensteig gestalten könnte. Die Nachbarschaft besteht aktuell aus mehreren, grösseren, in die Jahre gekommenen Mehrfamilienhäusern, stark unternutzten, historisch wertvollen Gebäuden und dem ehemaligen Brauereigebäude. Dessen Vorplatz bietet eine hervorragende Möglichkeit für die Umdeutung des Quartiers. So können neue Zielgruppen angesprochen und durch attraktive gemeinschaftliche Angebote vor Ort verwurzelt werden. Der Hof dient nicht nur als Bühne, sondern durch die Brauerei auch als Landmarke mit zahlreichen ausgezeichneten Eigenschaften. So wird der spektakuläre Ausblick über die Thurlandschaft von einem einmaligen Standpunkt aus angeboten. Zur Aktivierung werden neue Nutzungen, wie z. B. die neue Braustube, angeboten. Im weithin sichtbaren Brauturm kann in Form von Visual Learning die Brauerei besichtigt werden. Aufgrund der Diﬀerenz zwischen dem bestehendem Angebot in der Altstadt und den hier geplanten, jugendlicheren Nutzungen und
Angeboten entsteht keine Konkurrenz, sondern eine sich unterstützende Gemeinschaft. So sollen mit der alternativen Bespielung des Hofs sowohl Einheimische als auch neu Zuziehende angesprochen werden. Der diverse Wohnungsmix bietet von der Patchwork-Familienwohnung bis zum Business-Wohnatelier eine Vielzahl von Räumen für unterschiedliche Lebensentwürfe. Urban im Geiste, aber mit vielen Vorzügen des Landlebens. In den Erdgeschossen der Neubauten sind alle gemeinschaftlichen Räume vorgesehen: von Veloräumen, über Waschküchen bis hin zur gemeinsamen Sauna oder Werkstatt, hier bleibt kein Wunsch unerfüllt.
Schnitt durch Hauptstrasse, Ansicht thurseitig
Schnitt durch Hauptstrasse, Ansicht hangseitig
084 STÄDTLI IM PULS
PIA ALGE EDA DEMIR SIMON EGGER MANPREET RECKENDORFER Die Altstadt von Lichtensteig ist attraktiv und erhaltenswert. Dennoch gelingt es aktuell nur mit Mühe, die Vitalität des Städtlis aufrecht zu erhalten. Für die Zukunft wäre wünschenswert, wenn sich die Stadt als Zentrum für urbanes Leben im ländlichen Umfeld des Toggenburgs etablieren könnte. Damit dies geschieht, gilt es, im und um das Städtli die nötige kritische Menge an Einwohnerinnen und Einwohnern ansiedeln zu können, um ein attraktives und belebtes Zentrum zu schaffen. Deshalb wurden in diesem Entwicklungsszenario insbesondere die Verdichtungspotenziale in den Quartieren unmittelbar um die Altstadt herum ausgelotet. Dafür wurden Massnahmen zur inneren Verdichtung der Vorstädte Nord und Ost sowie in Stadtau getestet und exemplarische Projektvorschläge ausgearbeitet, die an zentralen Lagen attraktive Wohnangebote für unterschiedliche Zielgruppen schaffen könnten.
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Bereits ergriďŹ&#x20AC;ene Massnahmen und durchgefĂźhrte $U Projekte zur Aufwertung der WohnqualitĂ¤t im StĂ¤dtli 6WDGWEUXJJ Im Rahmen ihrer Strategie â&#x20AC;šMini.Stadt 2025â&#x20AC;ş hat sich die Gemeinde $U fĂźr ihre kĂźnftige Weiterentwicklung das Ziel gesetzt, sich vermehrt auf 6WDGWEUXJJ ihre bereits vorhandenen Potentiale zu besinnen. In Zusammenarbeit mit Fachexperten wurde eine Gesamtstrategie erstellt, an der sich auch die BĂźrgerinnen und BĂźrger aktiv beteiligen konnten. Es wurden verschiedene Themen, wie beispielsweise die Sanierung und Aufwertung von AltstadtgebĂ¤uden, eine einladende AtmosphĂ¤re in den Altstadtgassen, die Anregung des stockenden Wohnungsmarkts, die Umnutzung von LeerstĂ¤nden oder auch eine bessere Gestaltung des ĂśďŹ&#x20AC;ent)OĂ&#x152;W]OL lichen Verkehrs unter die Lupe genommen. Als Basis fĂźr die zukĂźnftige Weiterentwicklung der â&#x20AC;šMini.Stadt 2025â&#x20AC;ş dienen nun vor allem )OĂ&#x152;W]OL die drei Instrumente Stadtanalyse, Wohnstrategie und Gassenclub (zur Einbindung von EigentĂźmerInnen in den Entwicklungsprozess). Die im Auftrag des Gemeinderats Lichtensteig im Jahre 2010 erstellte Stadtanalyse ist die Basis zur Beurteilung weiterer Entwicklungsschritte im Ortskern. Sie setzt das Hauptaugenmerk auf die Folgen des Strukturwandels und deďŹ niert Handlungsfelder. Dabei haben sich drei zentrale Themen herauskristallisiert: die Wohnnutzung, die Ladennutzung und die Nutzung des ĂśďŹ&#x20AC;entlichen Raums. Im StĂ¤dtli stehen viele FlĂ¤chen leer, ein Grossteil der ErdgeschossďŹ&#x201A;Ă¤chen sind ohne intensive bauliche Massnahmen nicht mehr werthaltig zu vermieten. FĂźr die GeschĂ¤fte lassen sich kaum Ersatznutzungen ďŹ nden. Daraus lĂ¤sst sich folgern, dass der Ertrag der Liegenschaften vorerst aus den ObergeschossďŹ&#x201A;Ă¤chen kommen muss und grĂśssere Investitionen in erster Linie in die Wohnnutzung gesteckt werden sollten (vgl. Stadtanalyse Lichtensteig, 2010). Die Lebensmittelversorgung wird durch einen Volg, Metzgereien, einen KĂ¤seladen und kleinere BĂ¤ckereien sichergestellt. Kundschaft ist vor allem die lokale BevĂślkerung. Die Analyse legt nahe, die Angebote mĂśglichst am bereits belebten Postplatz am Oberen Tor zu konzentrieren. Die mittelalterliche Altstadt mit ihren historischen Bauten und engen Gassen wird zurzeit hauptsĂ¤chlich vom Verkehr dominiert und lĂ¤dt deshalb nicht dazu ein, sich hier lĂ¤nger aufzuhalten. In den engeren, 
Historische Bausubstanz im StĂ¤dtli
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Das StĂ¤dtli: Klares Alleinstellungsmerkmal im Toggenburg Lichtensteig und speziell seine Altstadt ist einzigartig im Toggenburg. Seit Lichtensteig 1400 zur Stadt erhoben wurde, war es Jahrhunderte lang der kulturelle und wirtschaftliche Hauptort des Tals. Die alte, denkmalgeschĂźtzte Baustruktur im StĂ¤dtli ist jedoch auf BewohnerInnen und NutzerInnen angewiesen, die den Bestand wertschĂ¤tzen und ďŹ nanziell in der Lage sind, in die GebĂ¤ude zu investieren. Die 6WDGWDX Herausforderung besteht darin, die vorhandenen QualitĂ¤ten in Wert /LFKWHQVWHLJ zu setzen und die vorhandenen Potenziale zu stĂ¤rken, damit Lichten6WDGWDXauch in Zukunft eine wichtige Rolle im Toggenburg spielen kann. steig 
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STĂ&#x201E;DTLI IM PULS
verkehrsfreien Gassen fehlt es an Aktivitäten. Als Hauptaufgaben im öﬀentlichen Raum wurden deshalb folgende Aufgaben identiﬁziert: die Aufwertung der öﬀentlichen Gassenräume durch Sommergastronomie, die Belebung der Plätze und Gassen mit kulturellen Veranstaltungen, die Belebung des Städtlis durch mehr Bewohnerinnen und Bewohner und ein harmonischeres Nebeneinander mit dem Verkehr. In Bezug auf das Wohnen ist das Hauptziel vor allem die Sicherstellung des Wohnens im Städtli und damit ein Werterhalt der Bausubstanz. Die Wohnstrategie von 2010 hält beispielsweise fest: «Durch die hohe bauliche Dichte werden Aussenräume und Besonnung immer wichtiger. Gerade gefährdete Liegenschaften sind auf kleine Aufwertungen mittels Balkonen oder Dachterrassen angewiesen. Auch der Gassenraum lässt sich aufwerten.» Eigentümerinnen und Eigentümer, die sich nicht aktiv an der Entwicklung beteiligen, sollen durch sogenannte Gassenclub sensibilisiert werden. An Versammlungen mit den Eigentümern stellte sich heraus, dass sie sich grundsätzlich in ihren Anliegen einig sind, und dass ein gemeinsames Vorgehen von den meisten begrüsst wird (vgl. Stadtentwicklungsbroschüre, 2010). Schrumpfende Einwohnerzahlen Lichtensteig hat eine aktive und oﬀene Bevölkerung, die von der Gemeinde tatkräftig unterstützt wird. Das lässt sich an vielen kleinen Initiativen und Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Chössi Theater erkennen. Die Bevölkerung nimmt aber derzeit durch Abwanderung und mangelnden Zuzug, wie im gesamten Toggenburg, kontinuierlich ab. Es stellt sich die Frage, wie ein weiteres Schrumpfen der Einwohnerzahlen verhindert werden kann. Veränderung der Nachfrage Derzeit leben gut 60% der Bevölkerung in Lichtensteig in einem Einfamilienhaus. Nur 45% erachten dies jedoch auch zukünftig als ideale Wohnform für sich. Rund ein Drittel der Bevölkerung wohnt aktuell in Miete, nur 12% möchten das aber auch in Zukunft für sich. Doch wo und wie soll in Zukunft gelebt werden? Gut ein Viertel der Bevölkerung könnte sich vorstellen, in alternativen Wohnangeboten wie beispielsweise Clusterwohnungen, betreutem Wohnen oder in Wohngemeinschaften zu leben. 17% hätten gerne eine Eigentumswohnung. Über die Hälfte der Bevölkerung ist der Meinung, dass solche alternativen Wohnangebote fehlen, 22% vermissen ein breiteres Angebot an Eigentumswohnungen und nur ca. ein Viertel der Bevölkerung glaubt, dass es zusätzliche Einfamilienhäuser oder Mietwohnungen braucht. Vertraut man diesen Zahlen, so sollten in Zukunft vermehrt betreute Wohnangebote, Eigentumswohnungen für Singles und Doppelverdiener ohne Kinder oder Wohngemeinschaften und Clusterwohnungen angeboten werden. 40% der Bevölkerung würden in der nahen
STÄDTLI IM PULS
Zukunft gerne umziehen, für zwei Drittel ist es dabei durchaus denkbar, aus Lichtensteig wegzuziehen. Es stellt sich also die Frage, was geboten werden müsste, damit die Menschen gerne in Lichtensteig bleiben. Betrachtet man die Lebensphasen der Befragten, so stellt sich heraus, dass mehr als die Hälfte bereits pensioniert sind (28.5%) bzw. die Kinder bereits ausgezogen sind (25.4%). 38% stehen mitten im Leben, haben/wollen Kinder oder leben schon länger alleine. Nur 7.2 sind Junge, die sich gerade im Beruf etablieren, in einer Ausbildung sind und erst vor kurzem bei den Eltern ausgezogen sind oder immer noch bei ihnen wohnen. Dies erklärt die steigende Nachfrage nach Eigentumswohnungen (ohne Kinder nimmt der Wunsch nach einem Einfamilienhaus ab) und gemeinschaftlichen Wohnformen (speziell fürs Alter). Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass auch junge Menschen, die ihre erste eigene Wohnung beziehen wollen, in Lichtensteig fündig werden sollten. (Alle Zahlenangaben aus: Strittmatter Partner AG, Umfrage zur Innenentwicklung vom 23. Mai 2016 unter 193 Teilnehmenden).
Die Daseinsfürsorge und die meisten Einkaufsmöglichkeiten liegen ausserhalb Lichtensteigs In Lichtensteig gibt es einen Wochenmarkt, den Volg und einige kleine Geschäfte, wie die Metzgerei, die zwei Käseläden oder den Floristen. Das Warenangebot ist aber für viele zu klein, so dass viele lieber in die Nachbargemeinde Wattwil fahren, wo mehrere grosse Lebensmittelketten ihre Filialen betreiben. Für die Belebung der Altstadt ist das abträglich, aber vermutlich nur schwer zu beeinﬂussen. Topograﬁe und Zersiedelung als Hemmschuhe für den Langsamverkehr und die öﬀentlichen Verkehrsverbindungen Durch die Topograﬁe und seine Lage direkt an der Thur bietet Lichtensteig landschaftlich viele Qualitäten. Vom gesamten Siedlungsgebiet aus ist man in wenigen Minuten in der Natur und die nach Sü den und Westen ausgerichteten Wohngebiete an den Hängen bieten  unverbaubare Aussicht. Die durch die Topograﬁe fragmentierten Sied lungsgquartiere bringen aber auch Probleme mit sich. So sind bei spielsweise das Quartier Platten oder die Einfamilienhausquartiere  an den Hügeln schlecht an die Altstadt angebunden. Die meisten Lichtensteiger leben nicht im Städtli und – meist durch die Topograﬁe bedingt – auch nicht in fussläuﬁger Entfernung. Für tägliche Erledigungen steigen diemeisten ins Auto. In Zukunft sollte deshalb darauf geachtet werden, die Fussläuﬁgkeit in ganz Lichtensteig zu  verbessern und die öﬀentlichen Verkehrsverbindungen zu stärken. 
Diﬀerenz zwischen Angebot und Nachfrage   im Wohnungsmarkt: unterschiedlicher Leerstand Lichtensteig hat gute Wohnlagen und genügend Platz innerhalb des  Siedlungsgebiets, um möglichen Zuzügern und Investoren Raum zu bieten. Speziell im Bereich  der Umnutzung von Leerständen oﬀenbaren sich in dieser Hinsicht grosse Potentiale. Der zur Verfügung  stehende Wohnraum entspricht jedoch nicht der Nachfrage. Dafür braucht es neue Ideen! Niemand sollte aufgrund mangelnden Angebots an passendem Wohnraum aus Lichtensteig und speziell aus  dem Städtli und seiner näheren Umgebung wegziehen müssen. 
090 SZENARIO
Lichtensteig soll in Zukunft eine konstante, und im besten Fall leicht steigende Bevölkerungsanzahl erreichen, und der hohe Bevölkerungsaustausch minimiert werden. Damit kann sich die Stadt als Zentrum für urbanes Leben im ländlichen Umfeld des Toggenburgs etablieren. Der meiste Zuzug soll im und rund um das Städtli erfolgen. Sowohl für junge Leute, die ihre erste Wohnung beziehen, als auch für Familien, Paare und ältere Personen soll dazu der passende Wohnraum angeboten werden können. Niemand sollte aufgrund von mangelndem Angebot an passendem Wohnraum aus Lichtensteig und speziell aus dem Städtli und seiner nahen Umgebung wegziehen müssen. Dies kann unter anderem durch neue Konzepte für den bestehenden Leerstand in den historischen Gebäuden im Städtli erreicht werden (Raum für Innovative fördern). Alle Bedürfnisse des täglichen Bedarfs sollen im und rund um das Städtli im Attraktivitätsgürtel befriedigt werden können, damit es nicht mehr nötig ist, mit dem Auto nach Wattwil zu fahren. Dafür werden durch ein neues Mobilitäts- und Erreichbarkeitskonzept (vielleicht auch mit Car-Sharing, E-Bikes, etc.) die Quar-
tiere besser miteinander und insbesondere besser mit der Altstadt verknüpft. Durch kleine Eingriﬀe im gesamten Ortsgebiet soll die Bevölkerung ausserdem stärker auf die schon bestehenden Qualitäten aufmerksam gemacht werden, und attraktive öﬀentliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität geschaﬀen werden. Dies umfasst auch den Lichtensteiger Bahnhof: Er soll nicht länger Niemandsland sein, sondern stärker genutzt und zu einem wichtigen Verbindungselement der Gemeinde werden.
Für uns ist nach diesem Semester klar, dass die Gemeinde Lichtensteig sich und ihrer Geschichte treu bleiben sollte, wenn sie auch in Zukunft eine aktive Rolle im Toggenburg spielen möchte. Das Städtli bietet dafür durch seine Einzigartigkeit eine grosse Chance und sollte auf jeden Fall gestärkt werden. Mit den bereits unternommenen Initiativen, wie beispielsweise dem Gassenclub oder der Stadtanalyse, sind bereits wichtige Schritte in die richtige Richtung erfolgt. Diese Ansätze gilt es konsequent weiterzuführen und umzusetzen. Das Städtli für sich alleine ist jedoch zu klein, um sich nur aus sich selbst heraus zu stärken. Für seine Belebung braucht es mehr Menschen, die in fussläuﬁger Distanz wohnen. Auch in Zukunft wird es vermutlich nicht möglich sein, im Bereich Einzelhandel mit Wattwil in Konkurrenz zu treten. Das ist aber auch nicht nötig. Es gibt viele Nischen, die Lichtensteig sehr viel besser ausfüllen kann. Die verschiedenen kulturellen Angebote und die engagierte Bevölkerung zeigen dies deutlich. Dennoch kann das alles nicht ohne eine Bevölkerungszunahme in fussläuﬁger Entfernung ums Städtli passieren. Deshalb haben wir uns in unserem Szenario vor allem auf die Gebiete Vorstadt Nord, Vorstadt Ost und Stadtau konzentriert. Durch ihre Lage in unmittelbarer Umgebung der Altstadt haben diese Quartiere aus unserer Sicht die grössten Potenziale im Bereich der Innenverdichtung. Hier kann und sollte sich in Zukunft etwas verändern. Oder es wird sich voraussichtlich – wie in Stadtau – aufgrund des Alters der vorhandenen Bausubstanz ohnehin etwas ändern. Dafür sollte die Gemeinde bereits heute die richtigen Spielregeln aufstellen, damit vorhandene Qualitäten gezielt erhalten und ergänzt werden können und die Identität der Quartiere durch die zu erwartende Transformation gestärkt werden kann. Stadtau mit seiner kleinteiligen Eigentümerstruktur und den vielen privaten Gärten ist ein zentral gelegenes, hochwertiges Wohnquartier im Grünen. Derzeit werden die hier im Baureglement erlaubten maximalen Volumen nicht ausgeschöpft. Um den Quartierscharakter beibehalten zu können, sollten die bestehenden Freiﬂächen auch in Zukunft erhalten bleiben. Aufgrund unserer Testentwürfe erachten wir hier deshalb eine Verdichtung in Form von Aufstockungen und höheren Ersatzneubauten für sinnvoll. Die Atmosphäre in der nördlichen Vorstadt wird stark von der Loretostrasse geprägt. Neue Wohnnutzungen entlang der Strasse halten wir für möglich und sinnvoll, da bereits durch einfache Regelwerke, wie z. B. die Verschiebung des Strassenabstands auf sieben Meter von der Strasse, Platz für eine Vorgartenzone geschaﬀen werden kann. Dadurch kann die Aufenthaltsqualität sowohl auf öﬀentlicher wie auch auf privater Seite massiv erhöht und damit auch der Strassenraum besser belebt werden.
„Lichtensteig soll in Zukunft eine konstante Bevölkerungsanzahl erreichen, und der hohe Bevölkerungsaustausch minimiert werden.“ „Niemand sollte aufgrund von mangelndem Angebot an passendem Wohnraum aus Lichtensteig und speziell aus dem Städtli und seiner nahen Umgebung wegziehen müssen.“
„...urbanes Leben im ländlichen Umfeld des Toggenburgs etablieren...“
In der östlichen Vorstadt verhält es sich ähnlich. Auch hier dominiert derzeit der Autoverkehr die Atmosphäre entlang der Strasse und im Quartier. Um dies zu verbessern, schlagen wir im Sinne unseres Szenarios zur Unterstützung des Städtlis vor, die Postgasse in östlicher Richtung zu verlängern und damit eine zweite Bebauungsreihe einzuführen. Die neu entstehende Gasse führt die Atmosphäre der bestehenden Postgasse weiter und bietet Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Passanten attraktive Aussenräume mit hohem Identiﬁkationswert. Um die Quartiere der Gemeinde noch besser auf die Altstadt auszurichten, schlagen wir ausserdem ein umfassendes Freiraumkonzept vor, das den Platz vor dem Obertor als Hauptplatz von Lichtensteig aufwertet und die Stadt besser mit den attraktiven Naherholungsräumen entlang der Thur verwebt.
094 ZOOM-IN VORSTADT NORD PIA ALGE
Kommt man von Norden nach Lichtensteig, ist ein eigentlicher Dorfanfang schwerlich auszumachen. Erst nach der landschaﬂichen Zäsur oberhalb der Erlebniswelt Toggenburg beginnt mit der nördlichen Vorstadt ein wahrnehmbarer Siedlungszusammenhang. Doch die vielen ungenutzten Flächen beidseits der Strasse im Bereich der ehemaligen Brauerei wirken nicht einladend. Das Quartier könnte durch neue Wohnhäuser mit dazugehörenden privaten Gärten, die wie in der weiteren Vorstadt die Strasse säumen, attraktiver gestaltet werden. Der Strassenraum würde lebendiger wirken und die Vorstadt könnte sich zu einem, das Städtli stützenden, charakterstarken Quartier von Lichtensteig entwickeln. Heute stellt sich das Vorstadt-Quartier sehr heterogen dar: von der Altstadt her kommend, durchquert man entlang der Loretostrasse zunächst einen Bereich mit Einzelgebäuden, die nahe an der Strasse stehen. Durch die Topograﬁe und die deshalb teilweise in den Hügel eingelassene Strasse stehen diese sehr unterschiedlich zum Strassenraum. Manche Häuser beﬁnden sie sich durch eine Mauer abgetrennt
bis zu drei Metern über dem Strassenniveau. Vor allem hangseitig ist die Bebauung dicht, während es zur Thur unbebaute Abschnitte gibt. Nach Norden hin stehen die Gebäude insgesamt etwas lockerer. Auch dort beﬁnden sich jedoch einige der charakteristischen Einzelgebäude. Diese Struktur wird im Bereich der ehemaligen Brauerei (heute Burth Getränke) beidseits der Strasse unterbrochen. Im Gegensatz zu den eben passierten, freistehenden Wohngebäuden, die sich (zum Teil auch mit Vorgarten) mit ihrer Vorderfassade zur Strasse hin orientieren, steht man hier zwischen Parkplätzen, Brachﬂächen und Rückfassaden. Insbesondere die fünf Wohnblocks, die grösstenteils aus den 1970er Jahren stammen, wirken so, als hätten sie nur Hinterhöfe. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass es über einen längeren Abschnitt von circa 150 Metern nur eine grössere Zufahrt zum Parkplatz gibt. Die etwa 80 Bewohnerinnen und Bewohner haben zumindest atmosphärisch keinerlei Anreiz, nicht direkt von der Haustüre ins Auto zu steigen und wegzufahren. Die Grünﬂächen werden wenig genutzt. Auf der anderen Strassenseite bei der ehemaligen Brauerei, bietet sich
ein Ă¤hnliches Bild. Auch hier dominiert ein Autoparkplatz die grosse freie FlĂ¤che vor dem GetrĂ¤nkelager und dem Restaurant. Der Turm der Brauerei sticht aus dem GebĂ¤udeensemble heraus. Der Raum vor dem Restaurant und der Vorplatz des GetrĂ¤nkelagers wirken wenig einladend und sind derzeit viel zu gross. Ein kleiner Spielplatz und die BegrĂźnung entlang der Strasse lockern den Vorplatz zwar etwas auf, lassen aber keine AufenthaltsqualitĂ¤ten entstehen. Etwas nĂśrdlich davon beďŹ ndet sich ein GebĂ¤udeensemble, das zum Teil vor 1920 erbaut wurde. Dieses bildet, von Norden her kommend, den eingangs erwĂ¤hnten â&#x20AC;šzweiten Ortseingangâ&#x20AC;ş von Lichtensteig. Das Ensemble kann als bauliche Landmarke gelesen werden und gliedert sich mit seiner feinkĂśrnigen Bebauung und seinen VorgĂ¤rten gut in die Vorstadt ein. Das Gebiet Hof bzw. Vorstadt ist auch in Bezug auf die Nutzungen heterogen aufgebaut. Es lassen sich grob sechs Bereiche identiďŹ zieren: Wohnen in EinfamilienhĂ¤usern (1), Wohnen in MehrfamilienhĂ¤usern (2), Gewerbe/Handel (3), ehemalige Stickerei Hof (4), Wohnen in strassenbegleitenden EinfamilienhĂ¤usern (5) und Wohnen in EinfamilienhĂ¤usern am Hang (6). FĂźr den vorliegenden Entwurf wurde der Fokus auf die ersten drei Bereiche gelegt, weil hier aufgrund der GebĂ¤udesubstanz und der bestehenden Nutzungen voraussichtlich das grĂśsste Transformationspotenzial schlummert. FĂźr das Areal der ehemaligen Stickerei gibt es ausserdem bereits einen Bebauungsplan und in den Einfamilienhausgebieten am Hang und an der Strasse wird sich vermutlich in Zukunft nur wenig verĂ¤ndern. Um Lichtensteig im Sinne unserer Vision fĂźr die Zukunft zu entwikkeln, sollen im AttraktivitĂ¤tsgĂźrtel rund um das StĂ¤dtli hochwertige Wohnangebote geschaďŹ&#x20AC;en werden. Diese sollten fĂźr mĂśglichst viele Zielgruppen erschwinglich und nutzbar sein. Der Charakter der dem StĂ¤dtli vorgelagerten Vorstadt soll erhalten und geschĂ¤rft werden, um Schritt fĂźr Schritt ein feinkĂśrniges, abwechslungsreiches Quartier mit wahrnehmbarem, eigenstĂ¤ndigem Charakter zu schaďŹ&#x20AC;en. Die heutigen grossen Wohnblocks sollen nach und nach kleinteiligeren Ersatzneubauten weichen, die den Bewohnerinnen und Bewohnern eine bessere IdentiďŹ kation mit â&#x20AC;šihremâ&#x20AC;ş Quartier ermĂśglichen sollen. 6
Innerhalb des Betrachtungsperimeters lassen sich TFDITVOUFSTDIJFEMJDIF#FSFJDIFJEFOUJm[JFSFO
Luftbild Hof und Vorstadt mit Blick in Richtung Norden
Luftbild Hof und Vorstadt mit Blick in Richtung Altstadt
STĂ&#x201E;DTLI IM PULS Zum StĂ¤dtli zugehĂśrige GebĂ¤ude
zum StĂ¤dtli gehĂśrende GebĂ¤ude kleine Volumen mit unterschiedlichsten Dachformen groĂ&#x;e Volumen
Kleine Volumen mit unterschiedlichen Dachformen
Heterogener Strassenraum Ă&#x153;ber weite Strecken ist die Loretostrasse von kurzen, abwechslungsreichen Fassaden, die ganz unterschiedlich zur Strasse stehen, gesĂ¤umt. Im Bereich des GetrĂ¤nkelagers Burth und den Wohnblocks Ă¤ndert sich das Bild: Der Strassenraum wirkt hier sehr gross und offen.
KĂśrnung der Bebauung Analog zur Nutzung der GebĂ¤ude in der Vorstadt Ă¤ndern sich auch deren Volumetrien. Die fĂźr die Vorstadt charakteristischen freistehenden WohngebĂ¤ude mit GiebeldĂ¤chern und Gauben prĂ¤gen das Quartier vor allem im mittleren und nĂśrdlichen Bereich.
Andere (SĂ OnĂ&#x160;DIFO
Privat genutzte (SĂ OnĂ&#x160;DIFO
privat genutzte GrĂźnďŹ&#x201A;Ă¤chen restliche GrĂźnďŹ&#x201A;Ă¤chen
Versiegelte FlĂ¤chen Die versiegelten FlĂ¤chen entlang der Strasse sind fast ausschliesslich fĂźr den motorisierten Verkehr angelegt worden. Vor allem im Bereich des GetrĂ¤nkelagers und der Wohnblocks nimmt diese FlĂ¤che, Ă¤hnlich wie bei der Platzabfolge vor der Altstadt, sehr viel Raum ein.
Verschiedene Wohnungen - Diverse Bewohnerschaft Die verschiedenen Wohnungstypen sorgen dafĂźr, dass unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden kĂśnnen. Insgesamt entsteht neuer Wohnraum fĂźr etwa 85 neue Bewohnerinnen und Bewohner.
*UÂ QĂ lFKHQ "OEFS-PSFUPTUSBTTFmOEFOTJDIWJFMFQSJWBUF(Ă&#x160;SUFO EJFEBT0SUTCJME CFSFJDIFSO%JFJOEJFTFN4DIFNBBMTSFTUMJDIF(SĂ OnĂ&#x160;DIFOCFUJUFMUFO FlĂ¤chen sind mehrheitlich reines AbstandsgrĂźn, das weder von den BewohnerInnen noch von den PassantInnen genutzt wird.
privat genutzte Grünﬂächen andere PrivatGrünﬂächen genutzte
(SàOnÊDIFOOFV Andere GrünnÊDIFOOFV
Parzellenstruktur Um den vorgeschlagenen Entwurf umzusetzen, müssen sich zwei Eigentümer einigen und ihre Parzellen neu aufteilen, damit weiterhin die geltenden Grenzabstand eingehalten werden können. Auf der Seite der Brauerei würde ebenfalls eine Parzellenänderung nötig.
Private Gärten &JO(SPTTUFJMEFS"VTTFOnÊDIFOTPMMJO;VLVOGUGàSQSJWBUF(ÊSUFOHFOVU[U werden können, weil sie einen wichtigen Beitrag für das Ortsbild und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum leisten können. Zusätzlich wird das Wohnen im Erdgeschoss entlang der Strasse dadurch attraktiver.
Erschliessung Autos Ein Grossteil der Parkplätze wird neu unterirdisch untergebracht. Sammelzufahrten zu den Tiefgaragen reduzieren die dafür benötigten versiegelten Flächen auf ein Minimum. Dadurch werden die Aussenräume im Quartier attraktiver und können intensiver genutzt werden.
Erschliessung Fussgänger %JFGVTTMÊVmHF&STDIMJFTTVOHEFSOFVFO(FCÊVEFFSGPMHUKFXFJMTEJSFLU von der Strasse. Dadurch entstehen mehr Schnittpunkte zwischen privatem und öffentlichem Raum, dieser wird stärker belebt und die Gebäude erhalten eine zum öffentlichen Raum ausgerichtete Frontfassade.
Gebäudetyp A 2 Maisonetten mit 148 m28PIOnÊDIFVOE(BSUFO 2 Wohnungen mit 74 m28PIOnÊDIF
Gebäudetyp C 1 Wohnung mit 149 m28PIOnÊDIFVOE(BSUFO 3 Wohnungen mit 149 m28PIOnÊDIF
Gebäudetyp B 1 Wohnung mit 126 m28PIOnÊDIFVOE(BSUFO 2 Wohnungen mit 126 m28PIOnÊDIF
Gebäudetyp D 2 Wohnungen mit 74 m28PIOnÊDIFVOE(BSUFO 4 Wohnungen mit 74 m28PIOnÊDIF 1 Wohnung mit 149 m28PIOnÊDIF
Der Entwurf beinhaltet acht neue Wohngebäude mit unterschiedlichen Wohnungsangeboten in verschiedenen Grössen. Diese reichen von kleinen Wohnungen für Singles und Paare (70 m2) bis hin zu grosszügigen Wohnungen mit Garten (150 m2), die als Alternative zu den sonst in Lichtensteig verbreiteten Einfamilienhäusern konzipiert sind. Dieser breite Mix an Wohnungsformen soll möglichst viele unterschiedliche Mieter und Käufer ansprechen. Insbesondere grosse Wohnungen mit Garten zur Miete sind in Lichtensteig derzeit nicht vorhanden, werden aber nachgefragt. Die Gebäude stehen alle durchschnittlich sieben Meter von der Strasse entfernt, um genügend Platz für die Vorgärten zu bieten und damit den Strassenraum zu einem attraktiven öﬀentlichen Raum mit hoher Qualität zu machen. Auf eine einheitliche Flucht wird verzichtet, um den lebendigen, oﬀenen und abwechslungsreichen Charakter der Vorstadt zu erhalten und zu stärken. Die Parkplätze beﬁnden sich jeweils unter den Gebäuden, wobei sich jeweils die Gebäude auf einer Parzelle die Garagen teilen. So braucht es weniger Einfahrten, allerdings mehr als heute, wo alle fünf Gebäude durch eine Strasse erschlossen werden. Die Gebäude werden alle von der Loretostrasse aus erschlossen. Zusammen mit den privat genutzten Vorgärten kann so der Strassenraum besser belebt werden. Die Gebäudehöhen passen sich hangseitig mit vier und zur Thur hin mit drei Geschossen in die umliegende Bebauung ein. Die Ausnutzungsziﬀer beträgt hangseitig 0.4 und thurseitig 0.65.
102 ZOOM-IN VORSTADT OST EDA DEMIR
Das Gebiet des Bearbeitungssperimeters liegt östlich der Altstadt an der Bürgi- und Wasserﬂuhstrasse. Auf der gegenüberliegenden südlichen Strassenseite beﬁndet sich das Schulareal, während nördlich davon das Freibad angrenzt. Auf dem Areal beﬁnden sich vorwiegend Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen. Sie wurden in den 1960er bzw. 1970er Jahren gebaut. Die Gebäude sind nach Süden zur Strasse hin ausgerichtet. Auﬀallend ist der tiefe Freiraum zwischen Strasse und Gebäuden. Dieser wird für das Parken und als Abstandsgrün genutzt. Es ist davon auszugehen, dass sich in den nächsten Jahren bei den meisten Gebäuden aufgrund ihrer Bausubstanz und dem Alter die Frage nach werterhaltenden, den Raum aufwertenden Investitionen stellen wird. Der Aussenraum des zur Strasse hin ausgerichteten Quartiers ist sehr zurückhaltend gestaltet. Mit der Einführung einer zweiten Bauzeile parallel zur Strasse und dem nördlich liegenden Freibad wird die Vorstadtzone in diesem Entwurf sowohl auf atmosphärischer als auch auf architektonischer Ebene
neu deﬁniert. Mit der Neuaufteilung der Parzellen gelingt es, durch Ersatzneubauten einen wesentlichen Beitrag zur inneren Verdichtung zu leisten. Entlang der Bürgistrasse können so acht Reiheneinfamilienhäuser und in der zweiten Bauzeile drei neue Mehrfamilienhäuser entstehen. Die dazwischen liegende neue Begegnungszone bietet, anstelle von parkenden Autos und anonymem Abstandsgrün, einen belebten Zwischenraum mit hoher Aufenthaltsqualität.
Bauperiode keine Anagbe
vor 1919 1919-1945
2001-2010 nach 2010
1946-1960 1961-1970 1971-1980
Renovation Renoviert nach 1990
Gebäudesubstanz (Quelle: Strittmatter und Partner AG)
Situation heute Der Raum zwischen der Strasse und den Wohnhäusern wird vorwiegend von parkenden Autos dominiert. Obwohl auch eine grosszügige Fläche begrünt ist, kann sie aufgrund der fehlenden Abgrenzung zur Strasse hin nicht aktiv genutzt werden. Sowohl durch die vorbeifahrenden als auch durch die parkenden Autos und auch aufgrund der steilen Hanglage im Norden ist die Qualität der öﬀentlichen Räume im Gebiet bescheiden. Der öﬀentliche Raum wird fast komplett von den parkenden und vorbeifahrenden Autos eingenommen. Für die Anwohnerinnen und Anwohner bestehen keine attraktiven Aufenthaltsräume oder sonstigen Aufenthaltsqualitäten.
Strassenansicht B-B Bestand
Schnitt A-A Bestand
Parzellierung Bestand
Parzellierung Neu
Die östliche Vorstadtzone fungiert als Ein- bzw. Ausfahrt zum Städtli und verfügt aktuell über keine besonderen räumlichen Qualitäten. Um Lichtensteig um die Altstadt herum zu verdichten, liegt hier ein grosses Potenzial verborgen. Der Entwurf zielt auf eine Aufwertung des Quartiers ab. Dazu orientiert sich die neue Situation an der bestehenden Postgasse, deren räumliche Konﬁguration weitergestrickt wird. So resultiert für die Eigentümer eine werterhaltende, bzw. wertsteigernde Massnahme, die besser als die heutigen Bauten auf die zukünftige Nachfrage reagieren kann. Eine kleinteiligere Parzellenstruktur erlaubt ausserdem, besser auf die Immobilienmarkt-Situation eingehen zu können. Durch die Anordnung privater Gärten entlang der Strasse erfährt auch der Strassenraum eine Aufwertung. Insbesondere mit Blick auf das gegenüberliegende Schulareal ist eine Aufwertung des Ortsbilds hier wünschenswert. Die neue Gasse in der zweiten Reihe wird zum Wohnhof für die Anlieger. Alle Eingänge, auch die der Reiheneinfamilienhäuser sind hier angeordnet. Für die Parkierung werden Ein- und Ausfahrten jeweils am östlichen und westlichen
Für die Ausfahrt aus der Tiefgarage wird die Zufahrtsstrasse des denkmalgeschützten Einfamilienhauses bis zum westlichen Mehrfamilienhaus in der zweiten Zeile erweitert
Weiterführung der Postgasse Bürgistrasse
Private Gärten der Einfamilienhäuser
Strassenraum Bestand
Übersicht Grundkonzept
Ende der Mehrfamilienhauszeile vorgesehen. Die Gesamtmassnahme sorgt für eine bessere Lesbarkeit der städtebaulichen Situation und klärt viele Raumbezüge. Alle öﬀentlichen Räume erhalten eine hohe Aufenthaltsqualität. Der Langsamverkehr kann in der Gasse prioritär geführt werden. Durch die höhere Dichte und Ausnutzung wird ausserdem dem Postulat der inneren Verdichtung Rechnung getragen. Der Fussweg in die Altstadt ist attraktiv und führt dazu, dass das Quartier zu einer Stütze der Altstadt werden kann.
Strassenansicht B-B neu
Schnitt A-A neu
Neue private Vorgartenzone der Reiheneinfamilienhäuser entlang der Bürgistrasse
Neuer Gassenbereich in der zweiten Reihe als Begegnungszone mit vielen Hauseingängen
Die Mehrfamilienhäuser sind unterschiedlich gross. Hier kann ein diverser Wohnungsmix angeboten werden. Die sieben Reiheneinfamilienhäuser sind in ihrem Volumen gleich, die Fläche der jeweiligen privaten Gärten variiert.
110 ZOOM-IN STADTAU
Im Quartier Stadtau ist aufgrund der bestehenden Bauordnung in Zukunft eine kontinuierliche Verdichtung zu erwarten. Dabei sollten die heutigen Qualitäten des durchgrünten Quartiers aber nicht verloren gehen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Freiﬂächenziﬀer nicht übermässig verringert wird. So kann der durchgrünte Charakter des ruhigen Wohnquartier erhalten bleiben und mittel- bis langfristig mit einer Wertsteigerung gerechnet werden. Dafür sollte auch auf eine qualitativ hochwertige Bebauung wertgelegt werden. Die Strassen sollen verkehrsberuhigt werden und die Aufenthaltsqualität im öﬀentlichen Raum könnte mit einfachen Mitteln gesteigert werden. Die Thurnähe und der vorhandene Waldbestand sind Alleinstellungsmerkmale des Quartiers. Sie sollten unbedingt gesichert und aufgewertet werden. Zentrumsnah in einer durchgrünten Siedlung zu wohnen, entspricht der Vision eines urbanen Lebensstils in ländlicher Umgebung. Stadtau soll sich in Zukunft zu einem lebendigen, abwechslungsreichen Quartier mit hoher Lebensqualität entwickeln, in dem die Menschen die Qualitäten der Natur zu schätzen wissen. Hochwertige und zeitgemässe Architekturen sollen den Charakter der Einwohnerinnen und Einwohner und die Ambition der Gemeinde widerspiegeln hier zu leben und nicht nur zu wohnen. Dazu wurde ein abwechslungsreicher Wohnungsmix entwickelt, der für unterschiedliche Zielgruppen attraktiv sein kann. So kann auch eine soziale Durchmischung im Quartier gewährleistet bleiben. Die Wohnungen haben nicht nur einen schönen Ausblick, sondern viele auch einen, nur wenige Meter entfernten, direkten Zugang zum Wasser. Balkone und Terrassen sind in Richtung Wald und Sonne orientiert. Die Siedlung ist kinderfreundlich und bietet für Erwachsene attraktive Räume, um soziale Interessen zu pﬂegen. Es kann gemeinsam gearbeitet und entwickelt werden. Auch Menschen, die nicht direkt im Quartier leben, können einen Beitrag zur Belebung leisten. Es besteht das Angebot für Familien, ihre Kinder in der neuen Wald- und Wiesenkrippe in Obhut zu geben. In der natürlichen Umgebung können die Kinder abwechslungsreiche Tage verbringen. Ein kleiner zentraler Platz bietet die Möglichkeit, das tägliche Treiben in der Siedlung zu beobachten. Dort steht die Skulptur eines regionalen Künstlers.
Versiegelte Flächen zwischen den Gebäuden
Spielplatz und Zugang zum Naturraum an der Thur
Nebengebäude der Gärtnerei
Der ‹Eingang› von Stadtau mit Blick auf die Altstadt
Grundstücksgrenzen, private Gärten, unterschiedliche Wohnformen
Das Quartier Stadtau liegt nordwestlich mehrere Höhenmeter unterhalb der Altstadt. Die Thur umﬂiesst die ansteigende Geländekante des Quartiers an der Nord-, West- und Südseite. Östlich steigt die Topographie steil an bis auf die Höhe der Loretostrasse, die durch die Gemeinde führt. Durch den steilen Hang wird Stadtau zu einer eigenen Siedlungskammer. Die Nordund Südufer fallen steil zum Wasser ab und sind dicht bewaldet. Von Osten nach Westen fällt das Terrain stetig ab. An der niedrigsten Stelle beﬁndet sich der einzige gesicherte Zugang zur Thur mit vereinzelten Baumgruppen. Fluss und Wald umfassen das Quartier rundum. Das Quartier ist im wesentlichen in zwei Bauzonen aufgeteilt: Im nördlichen Teil sind dreigeschossige Bauten erlaubt. Dort beﬁnden sich drei parallel angeordnete Mehrfamilienhäuser aus unterschiedlichen Baujahren. Ein viertes Gebäude ist ein Doppeleinfamilienhaus. Im südlichen Teil des Quartiers sind zweigeschossige Bauten erlaubt. Hier stehen mehrheitlich DoppelEinfamilienhäuser und kleinere Mehrfamilienhäuser. Manche davon haben dank der Topographie auch drei Geschosse. Das Quartier wirkt aufgrund der vielen privaten Gärten gut durchgrünt. Die Anordnung der Gebäude folgt mehrheitlich einem orthogonalen Muster, das zwischen den 1920er und 1960er Jahren entstanden ist. Im Gegensatz zum nördlichen Teil ist hier die Einwohnerdichte niedriger. Mit seinen grossﬂächigen Grünräumen gehört Stadtau zu den attraktiv durchgrünten Wohngebieten in Lichtensteig.
Die Topographie sorgt fĂźr eine ausgezeichnete Lage von Stadtau
Stadtau liegt nahe an der Altstadt und am Bahnhof
Wie eine Halbinsel ist Stadtau von der Thur umspĂźlt
Mitte und Osttyp
Südtyp
Westtyp
Volumetrien, Orientierung und Wohnungsmix Maisonette, Garconniere, Wohngemeinschaften, öffentliche Nutzungen, Dachgeschosswohnungen, Familienwohnungen, 1.5 bis 7-Zimmer-Wohnungen
Massnahmen zur Umsetzung Dieser ortsbauliche Entwurf für Stadtau soll die versteckten Potenziale des Quartiers aufdecken. In Zukunft soll hier innere Verdichtung möglich sein, ohne bestehende Qualitäten zu zerstören. Dafür wurde ein detailliertes Regelwerk erarbeitet, mit dem die Entwicklung qualitätsvoll gelenkt werden kann. Charakter des Quartiers durch sorgsame Neuordnung sichern Für die Weiterentwicklung des Quartiers sind einige Landabtausche und Parzellenarrondierungen vorgesehen. Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen Wohn- und Grünzone. Der bestehende Gemüseanbau wird vergrössert. Auch wird der Baumbestand mehrheitlich beibehalten. Waldabstand wird stellenweise vergrössert, bleibt aber in den meisten Fällen gleich. Ein respektvollerer Abstand der Gebäude zur Thur wird vorgeschlagen. Aufwertung öﬀentlicher Räume Mit einer Mindestdistanz von sechs Metern zur Strasse ist es möglich, attraktive Vorgartenﬂächen zu sichern. Die Eingänge bleiben unversiegelt und sind mit den Einfahrten zur Strasse orientiert. Das Quartier wirkt dadurch belebter. Die Strassen werden verkehrsberuhigt und dienen auch als Aufenthaltsort für die QuartierbewohnerInnen und als Bewegungsraum für Kinder. Eine Begrünung entlang der Strasse stärkt den durchgrünten Charakter von Stadtau. Es gibt keine räumlichen Niveauunterschiede zwischen Gehweg und Fahrbahn. Der niveaugleiche Ausbau sorgt für gleichberechtigte Nutzung. Das Naherholungsgebiet an der Thur soll mit einem Kinderspielplatz für den daneben liegenden Waldorfkindergarten und einem Vitapark aufgewertet werden. Ein neuer Quartiersplatz wird zum Treﬀpunkt und sozialen Zentrum. Weitere Massnahmen Durch die Lockerung der Regeln für die Dachgestaltung können Dachloggias und steilere Dächer gebaut werden. Auf qualitativ hohe Baustandards soll besonderen Wert gelegt werden. Ein Car-, Velo- und E-Bike-Sharing-System soll für die Einwohnerschaft installiert werden. Die Mindestmasse nach Baugesetz bleiben gleich, mit der Ausnahme von der Raumhöhe, die neu mindestens 2.50 m betragen soll.
Verdichtungsanreize fĂźr die GrundstĂźckseigentĂźmer Aus der bestehenden Wohnzone W2 wird eine Wohnzone W3 mit einer Ausnutzungsziffer von 0.6. Es gelten neu folgende Bauregeln:
W3 mit AZ = 0.6 NBY%BDIGFOTUFSnĂ&#x160;DIF WPO%BDInĂ&#x160;DIF
â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ t â&#x20AC;˘
max. 23% DachloggialĂ¤nge von DachlĂ¤nge
Grenzabstand klein: 3.5 m / gross: 5 m Min. GebĂ¤udeabstand: 10 m Max. GebĂ¤udelĂ¤nge: 13 m Max. GebĂ¤udehĂśhe: 11 m Max. FirsthĂśhe: 14 m 4BUUFMEBDIQnJDIU	"VTSJDIUVOHGSFJXĂ&#x160;IMCBS
Max. Balkonauskragung von Fassade: 2.50 m und max. 1.50 m Auskragung Ăźber Grenzabstand
Aus der bestehenden Wohnzone W3 wird eine Wohnzone W3+ mit einer Ausnutzungsziffer von 0.8. Es gelten neu folgende Bauregeln: â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ â&#x20AC;˘ t â&#x20AC;˘
Grenzabstand klein: 3.5 m Grenzabstand gross: 5 m Min. GebĂ¤udeabstand: 13 m Max. GebĂ¤udelĂ¤nge: 36 m Ab 23m GebĂ¤udelĂ¤nge Fassaden min. 2.5 m staffeln Max. GebĂ¤udehĂśhe: 11 m Max. FirsthĂśhe: 15 m 4BUUFMEBDIQnJDIU	"VTSJDIUVOHGSFJXĂ&#x160;IMCBS
min. 10m GebĂ¤udeabstand fĂźr jeden gefĂ¤llten Baum, einen Baumersatz
W3+ mit AZ = 0.8 NBY%BDIGFOTUFSnĂ&#x160;DIF WPO%BDInĂ&#x160;DIF max. 23% DachloggialĂ¤nge von DachlĂ¤nge min. 13m GebĂ¤udeabstand fĂźr jeden gefĂ¤llten Baum, einen Baumersatz
Schwarzplan mit zukünftig maximal möglicher Bebauung
W3 Wohnzone
W2 Wohnzone
W3+ Wohnzone
W2 Wohn-/Gewerbezone
W3 Wohn-/Gewerbezone
Zonenplan Bestand
Privates Grün Wald
Vorgeschlagene Parzellenarrondierungen
Belebung durch Spielstrasse
Gemeinsamer GemĂźsegarten
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Uni li semesterdokumentation lichtensteig final 180305 qt

References: Art. 9
 Art. 15
 Art. 9
 Art. 15
 Art. 9
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