Source: https://www.ihre-vorsorge.de/expertenforum/archiv/detail/arbeitsunfaehigkeit-und-privat-krankenversichert.html
Timestamp: 2019-04-21 03:15:11+00:00

Document:
Arbeitsunfähigkeit und privat krankenversichert | Ihre Vorsorge
Arbeitsunfähigkeit und privat krankenversichert
PrinzFerdinand
ich lese neu hier und habe schon einige gute Informationen aus dem Forum gezogen. Danke an alle Experten.
Leider sind die Informationen, die ich hier lese, für mich wohl schlecht und ich möchte wissen, was mache ich jetzt. &#34;Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen&#34;.
- schon lange privat krankenversichert
- bis vor einigen Monaten arbeitsunfähig gewesen, insgesamt waren das 22 Monate. Das heißt, vorher gearbeitet, krank geworden und lange krank geblieben, wieder gesund und offiziell wieder zur Arbeit, aber aufgrund der langen Zeit war dann die Kündigung klar.
- dann ein paar Monate gearbeitet, bis Kündigungszeit um. Und jetzt arbeitslos.
- Im Kontoauszug der DRV taucht die Zeit der Arbeitsunfähigkeit nicht auf. Hatte ich mir aktuell schicken lassen.
- niemand hat mir gesagt, dass ich mich privat bei der Rentenversicherung weiter versichern soll, ich wusste das auch nicht, also habe ich auch nichts gemacht. Wenn ich hier lese, dass ich wohl den EM-Rentenanspruch in der Zeit verloren habe, dann bekomme ich einen Schock.
Der Rentenversicherung die Zeit der Krankheit durch die Bestätigung meiner privaten Krankenversicherung belegen? Würde dann die Zeit in irgendeiner Form angerechnet? Las hier was von 35 Jahren.
Rückwirkend lässt sich das nicht korrigieren. Eine Anerkannung dieser Zeit ist nicht möglich.
Eine Erwerbsminderungsrente gibt es aber, wenn man in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung 3 Jahre mit Pflichtbeiträgen hat.
Ihrer Aussage nach war die &#34;Lücke&#34; 22 Monate - 24 sind erlaubt.
Durch zeitablauf wandert die Lücke ja aus dem 5-Jahreszeitraum raus, sollten Sie also jetzt rentenversicherungspflichtig sein, ist Ihnen &#34;nur&#34; finanziell etwas entgangen.
&#34;Der Nachweis kann durch alle geeigneten Unterlagen geführt werden (§ 21 SGB X). In Betracht kommen hierbei vorrangig Bescheinigungen der Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, des Krankenhauses, des Arztes, des Zahnarztes oder des Arbeitgebers bei Personen, die keinen sofortigen Anspruch auf Geldleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung haben.&#34;
Krankengeldbezug/gesetzliche Krankenkasse ist nicht Voraussetzung für die Anerkennung der Krankheitszeit/Arbeitsunfähigkeit als Anrechnungszeit.
PrinzFerdinand, bitte mit der DRV im Rahmen einer Kontenklärung in Verbindung setzen und die Zeit in geeigneter Weise belegen.
Die Zeit kann im Falle von PrinzFerdinand NICHT als rentenrechtliche Zeit anerkannt werden!
§ 4 (3) SGB VI:
&#34;Auf Antrag versicherungspflichtig sind Personen, die
2. nur deshalb keinen Anspruch auf Krankengeld haben, weil sie nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind ... für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit ..., wenn sie im letzten Jahr vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit ... zuletzt versicherungspflichtig waren, längstens jedoch für 18 Monate.&#34;
§ 58 (1) SGB VI:
1. wegen Krankheit arbeitsunfähig gewesen sind ...&#34;
§ 58 (3) SGB VI:
&#34;Anrechnungszeiten wegen Arbeitsunfähigkeit ... liegen bei Versicherten, die nach § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 versicherungspflichtig werden konnten, erst nach Ablauf der auf Antrag begründeten Versicherungspflicht vor.&#34;
§ 58 (2) SGB VI:
&#34;Anrechnungszeiten nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 bis 3a liegen nur vor, wenn dadurch eine versicherte Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit oder ein versicherter Wehrdienst oder Zivildienst oder ein versichertes Wehrdienstverhältnis besonderer Art nach § 6 des Einsatz-Weiterverwendungsgesetzes unterbrochen ist;...&#34;
Die ersten 18 Monate sind keine Anrechnungzeit, weil Versicherungspflicht hätte beantragt werden können. Ab dem 19. Monat kann nicht als Anrechnungszeit berücksichtigt werden, weil der Anschluß an die Versicherungspflicht von der Beschäftigung nicht gegeben ist.
Hallo PrinzFerdinand,
dem Beitrag von Knut Rassmussen kann ich nur zustimmen. Im Zweifel sollten Sie sich an eine Auskunfts- und Beratungsstelle Ihres Rentenversicherungsträgers wenden. Dort kann man Sie individuell unter Berücksichtigung Ihrer bisherigen Versicherungsbiographie beraten. Ihre nächstgelegene Beratungsstelle finden Sie im Übrigen z. B. unter http://www.ihre-vorsorge.de/beratungsstellen.html
Gesetzestext (3) Anrechnungszeiten wegen Arbeitsunfähigkeit oder der Ausführung der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben liegen bei Versicherten, die nach § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 versicherungspflichtig werden konnten, erst nach Ablauf der auf Antrag begründeten Versicherungspflicht vor.
Kommentierung der DRV Bund (für alle frei im Internet eingestellt)
§ 58 Abs. 3 SGB VI findet Anwendung (vergleiche Abschnitt 8). Es ist daher stets zu prüfen, ob das Recht auf Antragspflichtversicherung gemäß § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB VI gegeben ist. Ist dies der Fall, kommt die Berücksichtigung einer Anrechnungszeit erst nach Ablauf der auf Antrag begründeten Versicherungspflicht in Betracht. Dies gilt auch für den Fall, dass der Antrag auf Versicherungspflicht gemäß § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB VI verspätet gestellt worden ist. Ist die Pflichtversicherung trotz der gegebenenfalls hierfür gegebenen gesetzlichen Voraussetzungen nicht beantragt worden, kann die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit oder Leistung zur medizinischen Rehabilitation oder - ab 01.07.2001 - zur Teilhabe am Arbeitsleben nicht als Anrechnungszeit berücksichtigt werden.
K.R. und ...,
Sie haben beide Recht. Ich hatte die §§ und Kommentierung nur kurz überflogen ...und im Hinterkopf, dass da jemand vor Kurzem seine Krankheitszeit (während ALO ohne Leistungsbezug mit vorübergehender Abmeldung) allein über med. Unterlagen als AZ anerkannt bekommen hat - war eine GKV-Familienversicherte).
Das mit der Antragsbeitragszahlung hatte ich so ein wenig aus den Augen verloren ;-)
Vielen Dank an all die netten Antwortschreiber für die raschen und ausführlichen Informationen.
Eine Frage noch, die eher ein Kommentar von mir ist: Erwartet man wirklich von mir, dass ich das weiß? Mein Eindruck ist, würde ich 100 privat Krankenversicherte fragen, würden 99 sagen, hätte ich nicht gewusst. = In diese Falle läuft als doch praktisch jeder, oder?
Man muss auch Bedenken, bei einer Erkrankung denkt man erstens an die und nicht an die Rente und nicht jeder weiß zu einem frühen Zeitpunkt nach den 6 Wochen Lohnfortzahlung, wie das weiter geht, dass das also definitiv so lange dauert.
Jegliche Anrechnungszeittatsache ist ein sogenannter Überbrückungstatbestand. Dies bedeutet, dass nur die ersten 18 Monate Ihrer Arbeitsunfähigkeit eine rentenrechtliche Lücke darstellen. Für die weitere Zeit der Arbeitsunfähigkeit müsste aber eine anrechenbare Anrechnungszeit wegen Arbeitsunfähigkeit entstehen. Der Anrechnungsausschluß liegt ab da nicht mehr vor, und die bisherige AU überbrückt die Lücke, so dass als weitere Voraussetzung eine Beschäftigung unterbrochen ist.
Für eine entsprechende Anrechnung müssen Sie aber tatsächlich die gesamte Zeit der Arbeitsunfähigkeit ggü dem RV-Träger nachweisen.
&#34;Eine Frage noch, die eher ein Kommentar von mir ist: Erwartet man wirklich von mir, dass ich das weiß?&#34;
Zu wissen, dass Kranken- und Rentenversicherung zwei verschiedene Paar Stiefel sind, die beide geregelt sein müssen (ob DRV oder private Absicherung), sollte man aber von jemand, der sich selbständig macht, erwarten können!
sorry, dass ich hier widersprechen muss. Aber die Berücksichtigung einer Anrechnungszeit ist hier aufgrund § 58 Abs. 3 SGB VI ausgeschlossen - wie bereits auch von Knut Rassmussen genannt: &#34;... Ist die Pflichtversicherung trotz der gegebenenfalls hierfür gegebenen gesetzlichen Voraussetzungen nicht beantragt worden, kann die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit oder Leistung zur medizinischen Rehabilitation oder - ab 01.07.2001 - zur Teilhabe am Arbeitsleben nicht als Anrechnungszeit berücksichtigt werden.&#34;
siehe Betreff:-)
Hallo sowat,
wieso &#39;selbständig macht&#39; ?
PF ist als abhängig Beschäftigter in der PKV (siehe Eingangsbeitrag). Und die meisten in dieser Kombination werden es leider nicht wissen, dass der EM-Schutz bei extrem langen Krankheitszeiten ohne umgehende Beitragszahlung verloren gehen kann.
Ihrem &#34;Kommentar&#34; stimme ich grundsätzlich zu.
Einen Vorwurf könnte man aber Ihrer PKV machen.
Die PKV sollte doch die gesetzlichen Regelungen kennen und Sie darauf hinweisen (oder hat man dies gemacht und Sie haben es übersehen?)
Wie Wolfgang schon schrieb, ich bin/war &#34;abhängig Beschäftigter&#34; und habe mich gedanklich mit Geld für die Firma verdienen beschäftigt, nicht mit Sozialrecht. Aber, wie es ja in der Juristerei heißt &#34;Unwissenheit schützt vor Strafe nicht&#34;.
@Wolfgang und Paula
Danke für die Unterstützung. Von meinem Arbeitgeber (in dem Thema überfordert) und von der privaten Krankenversicherung kam dazu kein Hinweis. Hatte die PKV nur &#34;im Nacken&#34;, erst wollten die das nicht anerkennen, dann alle paar Monate Gutachter. Ich selber habe lange Zeit gesagt (immer wieder neu): &#34;In 6-8 Wochen ist das weg&#34;. War aber nicht so.
&#39;das wird schon wieder&#39; und &#39;dumm gelaufen/Unwissenheit&#39; ...Sie gehören zu den ehrlich erkennenden Menschen, die die Schuld nicht bei anderen/gar dem Staat suchen. Alle Achtung !! ...aber das ging ja auch schon aus Ihrem ersten Beitrag hervor - auch wenn da leider nichts mehr zu retten war.
Auf Ihre Ausgangsfrage zurückkommend - Sie sind alo, die Lücke beträgt erst 22 Monate. Bei Alo mit Leistungsbezug läuft die Pflichtversicherung weiter - erhält den bestehenden EM-Schutz. Sofern noch vor/nach Ende der Alo-Leistung wieder eine versicherungspflichtige Beschäftigung folgt, besteht der EM-Schutz weiter, die Lücke von 22 Mon. schwitzt sich aus.
Kritisch wirds, Alo-Leistungsbezug/Pflichtbeitragszeit in der Rentenversicherung läuft aus - ALG II / Hartz 4 folgt ...auch hier sind Sie grundsätzlich erst mal pflichtversichert in der DRV.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie ganz schnell wieder ins &#39;normale&#39; Erwerbsleben zurückfinden - und ggf. zeitnah nachfragen, wo die Haken/Rente/etc. liegen könnten.

References: § 4

§ 58

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 § 6
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