Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=III%20ZR%20237/84
Timestamp: 2019-03-25 08:48:34+00:00

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BGH, 22.05.1986 - III ZR 237/84 - dejure.org
Amtspflicht des Vormundschaftsrichters den Sachverhalt aufzuklären - Belastung des Grundbesitzes eines Minderjährigen mit hohen Grundpfandrechten zur Absicherung eines Betriebskredits - Beweislast für die Ursächlichkeit der amtspflichtwidrigen Genehmigung bei der Schadensentstehung - Anforderungen an das Bejahen des Verschuldens des Vormundschaftsrichters
NJW 1986, 2829
NJW-RR 1986, 1387 (Ls.)
FamRZ 1986, 970
VersR 1986, 994
Rpfleger 1987, 18
Jeder Beamte muß die zur Führung seines Amtes notwendigen Rechts- und Verwaltungskenntnisse besitzen oder sich verschaffen (Senatsurteile vom 22. März 1979 - III ZR 22/78 = NJW 1979, 2097, 2098 und vom 22. Mai 1986 - III ZR 237/84 = NJW 1986, 2829, 2831;… Beschluß vom 29. Oktober 1987 - III ZR 251/86 = BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 - Verschulden 6).
a) Bei der Beurteilung der Frage, ob die vormundschaftsgerichtliche Genehmigung bei sorgfältiger Prüfung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Vaters des Klägers abzulehnen gewesen wäre, hat das Berufungsgericht allerdings zutreffend die Rechtsprechung des Senats zugrunde gelegt, wonach der durch eine Amtspflichtverletzung Geschädigte den Nachweis zu führen hat, daß ihm durch die Amtspflichtverletzung ein Schaden entstanden ist, er also bei amtspflichtgemäßem Verhalten des Amtsträgers finanziell besser stehen würde (Senatsurteil vom 22. Mai 1986 aaO. S. 2831).
Eine solche tatsächliche Vermutung für die Schadensursächlichkeit ist bisher bei amtspflichtwidrigem Verhalten von Vormundschaftsrichtern nur für die Verletzung von Aufsichts- und Überwachungspflichten über den Vormund angenommen worden, wenn eine ordnungsgemäße Beaufsichtigung an sich geeignet war, den Schaden zu verhindern (vgl. Senatsurteil vom 22. Mai 1986 aaO. S. 2832).
Die Frage, wie die Entscheidung über die Genehmigung bei pflichtgemäßem Handeln des Bezirksnotars ausgefallen wäre oder hätte ausfallen müssen, betrifft die haftungsausfüllende Kausalität, so daß dem Kläger als Geschädigtem die Beweiserleichterungen des § 287 ZPO zugute kommen (Senatsurteile vom 22. Mai 1986 aaO. S. 2831 und vom 8. Juni 1989 - III ZR 63/88 - NJW 1989, 2945, 2946; BGH, Urteil vom 27. Mai 1993 - IX ZR 66/92 - WM 1993, 1513).
Derartige Beweiserleichterungen können zum Beispiel dann bis zur Umkehr der Beweislast gehen, wenn die Beweislage des Geschädigten durch eine Fürsorgepflichtverletzung seines Dienstherrn oder die Mitwirkung eines voreingenommenen Prüfers an einer Prüfungsentscheidung entscheidend verschlechtert worden ist (Senatsurteil vom 3. März 1983 - III ZR 34/82 - NJW 1983, 2241, 2242 [BGH 03.03.1983 - III ZR 34/82]; vgl. Senatsurteil vom 22. Mai 1986 aaO. S. 2832).
Wie der Senat bereits entschieden hat (Senatsurteil vom 22. Mai 1986 aaO.), können diese Grundsätze jedoch nicht auf einen Fall wie denjenigen, über den hier zu befinden ist, übertragen werden.
Auch hatte die hier verletzte Amtspflicht zur sorgfältigen Sachaufklärung nicht zum Gegenstand, Beweismaterial zu beschaffen und bereit zu halten, das für den vorliegenden Amtshaftungsprozeß erheblich ist (vgl. Senatsurteil vom 22. Mai 1986 aaO.).
Ideelle Belange, die bei der von dem Vormundschaftsrichter geforderten Gesamtschau neben den materiellen Interessen des Minderjährigen zu berücksichtigen sind (Senatsurteil vom 22. Mai 1986 aaO. S. 2830;… Gernhuber/Coester-Waltjen, Lehrbuch des Familienrechts 4. Aufl. § 60 IV 8), dürften im Falle des Klägers zurücktreten.
Eine solche tatsächliche Vermutung für die Schadensursächlichkeit ist in der Rechtsprechung bei amtspflichtwidriger Verletzung von Aufsichts- und Überwachungspflichten von Vormundschaftsrichtern über den Vormund angenommen worden, wenn eine ordnungsgemäße Beaufsichtigung an sich geeignet war, den Schaden zu verhindern (vgl. Senatsurteil vom 22. Mai 1986 - III ZR 237/84 - NJW 1986, 2829, 2832).
Derartige Beweiserleichterungen (bis hin zur Umkehr der Beweislast) können z.B. dem durch eine Fürsorgepflichtverletzung seines Dienstherrn oder die Mitwirkung eines voreingenommenen Prüfers in Beweisnot geratenen Geschädigten (Senatsurteil vom 3. März 1983 - III ZR 34/82 - NJW 1983, 2241, 2242) oder dem bei einer Auswahlentscheidung nicht mitberücksichtigten "außenstehenden" Bewerber (Senat BGHZ 129, 226, 234) zugebilligt werden (vgl. auch die Senatsurteile vom 22. Mai 1986 aaO …und vom 6. Oktober 1994 aaO).
Darlegung verringern (BGH, Urteil vom 22.05.1986 - III ZR 237/84, juris Rn. 32 ff., NJW 1986, 2829;… Urteil vom 06.10.1994 - III ZR 134/93, juris Rn. 17 ff., NJW-RR 1995, 248;… Urteil vom 06.04.1995 - III ZR 183/94, juris Rn. 20, BGHZ 129, 226).
Denn im Rahmen des § 19 BNotO - wie des § 839 BGB (vgl. dazu BGH, Urt. v. 22. Mai 1986 - III ZR 237/84, NJW 1986, 2829, 2831) - gehört der Eintritt eines Vermögensschadens in den Bereich der haftungsausfüllenden Kausalität (BGHZ 58, 343, 349 [BGH 02.05.1972 - VI ZR 193/70] m.w.N.;… BGH, Urt. v. 5. März 1974 - VI ZR 222/72, aaO; v. 20. Februar 1975 - VI ZR 129/73, VersR 1975, 540, 541; v. 29. September 1981 - VI ZR 2/80, VersR 1982, 158, 160; Senatsurt. v. 14. März 1985 - IX ZR 26/84, ZIP 1985, 1143, 1146;… Haug a.a.O. Rdn. 845; Riederer von Paar DNotZ 1985, 25, 29).
Für die Frage, ob der Klägerin die begehrte Baugenehmigung zu erteilen gewesen wäre und ihr mithin infolge der Pflichtverletzung der Genehmigungsbehörde ein Vermögensschaden entstanden ist, ist der Maßstab des § 287 ZPO anzulegen, da es sich hierbei im Rahmen des § 839 BGB um eine Beurteilung der haftungsausfüllenden Kausalität handelt (BGH, Urt. v. 22.05.1986, Az.: III ZR 237/84, NJW 1986, 2829, 2831;… Beschl. v. 29.06.1989, Az.: III ZR 206/88, BGHR ZPO § 287 Tatsachenablauf 1;… vgl. zu § 19 BNotO: BGH, Urt. v. 9.07.1992, Az.: IX ZR 209/91, NJW 1992, 3237, 3241;… BGH, Urt. v. 09.06.1994, Az.: III ZR 37/93, Rn. 15, juris).
Soweit das Oberlandesgericht Karlsruhe (FamRZ 1973, 378/379) eine andere Auffassung vertreten hat, sieht der Senat im Hinblick auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (NJW 1986, 2829/2830 und WM 1995, 64/65) keinen Anlaß für eine Vorlage gemäß § 28 Abs. 2 FGG .
(1) Die Entscheidung über die Erteilung oder Versagung der vormundschaftsgerichtlichen Genehmigung setzt die Aufklärung des Sachverhalts voraus (BGH NJW 1986, 2829 /2830; BayObLGZ 1995, 230/237).
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References: § 839
 § 287
 § 60
 § 19
 § 839
 § 287
 § 839
 § 287
 § 19
 § 28