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Timestamp: 2016-10-22 05:29:21+00:00

Document:
II. �ffentlichrechtlichen Abteilung, Hartmann, M�ller
A.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Paul Brantschen, Oberstadt 16, Postfach 1368, Schaffhausen,
(Berufsaus�bung; Disziplinarmassnahme), hat sich ergeben:
"Im �brigen darf ich Sie in Kenntnis setzen, dass
sich mein Mandant - entsprechend ihrem 'Vorbild' - vorbeh�lt, Kopien dieses Schreibens an die interessierten
Auf Anzeige der Mieter hin sprach das Obergericht des Kantons Schaffhausen (im Folgenden: Obergericht) mit Entscheid vom 19. Januar 2001 eine Verwarnung gegen A.________ aus. Mit jenem "Hinweis" habe er sich "ein aufsichtsrechtlich unzul�ssiges Verhalten zu Schulden kommen lassen".
Als nicht standeswidrig erachtete das Obergericht hingegen die �bernahme des (betreffenden) Mandates gegen�ber den Anzeigern als ehemaligen Klienten, hielt indessen fest, dies bewege sich "zumindest am Rande des standesrechtlich verp�nten Verhaltens". Einen weiteren gleichartigen Vorwurf befand es als nicht erwiesen. Es auferlegte A.________ die Verfahrenskosten, reduzierte sie aber auf Fr. 400.--, weil "zwei von drei erhobenen R�gen aufsichtsrechtlich nicht relevant" gewesen seien.
B.- A.________ hat am 15. Februar 2001 staatsrechtliche Beschwerde "wegen Verletzung von Art. 8 BV (Rechtsgleichheit), Art. 9 BV (Verletzung des Willk�rverbotes), Art. 16 Abs. 1 und 2 BV (Meinungsfreiheit), Art. 27 (Wirtschaftsfreiheit) sowie Art. 29 BV (Verletzung des rechtlichen Geh�rs)" eingereicht mit dem Antrag, den Entscheid des Obergerichts aufzuheben.
C.- Das Obergericht des Kantons Schaffhausen hat, unter Hinweis "auf die Erw�gungen im angefochtenen Entscheid" auf eine Stellungnahme verzichtet.
1.- Die ausgesprochene Verwarnung ist eine Disziplinarmassnahme ("Ordnungsstrafe"). Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als Hoheitsakt. Da es sich um einen kantonal letztinstanzlichen Endentscheid handelt und auf Bundesebene kein anderes Rechtsmittel offen steht, ist die staatsrechtliche Beschwerde zul�ssig (Art. 86 Abs. 1 und Art. 87 in Verbindung mit Art. 84 Abs. 2 OG). Der Beschwerdef�hrer wird durch die umstrittene Massnahme und die Kostenfolge in rechtlich gesch�tzten eigenen Interessen betroffen und ist daher zur Beschwerde legitimiert (Art. 88 OG; vgl. BGE 103 Ia 426 E. 1b S. 428 f.). Auf seine fristgerechte Eingabe ist somit unter Vorbehalt von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG einzutreten: Danach pr�ft das Bundesgericht auf staatsrechtliche Beschwerde hin nur klar und detailliert erhobene R�gen hinsichtlich konkreter Verletzungen verfassungsm�ssiger Rechte; auf nicht substantiierte Vorbringen und rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt es nicht ein (vgl. BGE 125 I 492 E. 1b S. 495, mit Hinweisen). Dabei gen�gt nicht, wenn der Betroffene einfach im Rahmen pauschaler Vorbringen behauptet, der angefochtene Entscheid sei verfassungswidrig; er muss vielmehr deutlich und in Auseinandersetzung mit der Begr�ndung der kantonalen Instanz dartun, inwiefern dies der Fall sein soll (BGE 110 Ia 1 E. 2a S. 3 f.). R�gt der Beschwerdef�hrer - wie hier -, das Willk�rverbot sei verletzt, kann er sich nicht damit begn�gen, den angefochtenen Entscheid einfach als unhaltbar zu bezeichnen und ihm seine Sicht der Dinge entgegenzustellen; er hat vielmehr anhand der beanstandeten Subsumtion im Einzelnen klar darzulegen, inwiefern dieser an einem qualifizierten und offensichtlichen Mangel leidet (vgl. BGE 124 I 247 E. 5 S. 250). Soweit die Eingabe diesen Anforderungen nicht gen�gt, ist auf die Vorbringen des Beschwerdef�hrers nicht einzugehen.
2.- a) Das Obergericht beaufsichtigt die Berufsaus�bung der im Kanton praktizierenden Anw�lte (� 16 Abs. 1 des Dekrets vom 30. Juni 1930 betreffend das Anwaltswesen, Anwaltsdekret, AD; Fassung gem�ss �nderung vom 13. Dezember 1999).
Es kann gem�ss � 17 AD folgende Ordnungsstrafen aussprechen:
"Verwarnung, R�ge, Ordnungsbusse bis zu Fr. 5'000.--, vor�bergehende Einstellung im Beruf, Entzug des Patents. " Das Schaffhauser Anwaltsrecht umschreibt die Berufspflichten des Anwalts nicht im Einzelnen, sondern in � 16 Abs. 2 AD mittels einer Generalklausel, die wie folgt lautet:
"Der Anwalt �bt seinen Beruf gewissenhaft aus, wird
der Achtung und der Vertrauensw�rdigkeit gerecht,
b) Das Obergericht wertet die streitige Passage im Schreiben des Beschwerdef�hrers vom 4. April 2000 als Verstoss gegen diese Bestimmung. Damit habe Druck auf die Adressaten ausge�bt werden sollen, die zuvor im Schreiben geltend gemachten pekuni�ren Forderungen anzuerkennen. Es sei "aber klarerweise nicht erlaubt, dem (Prozess)Gegner anzudrohen, er werde bei unbeteiligten Dritten angeschw�rzt, um ihn in der Sache selbst gef�giger zu machen. " Dies sei "Einsatz eines unerlaubten Mittels zur Erreichung eines an sich erlaubten Zweckes" (E. 2e/bb des angefochtenen Entscheids).
3.- Der Beschwerdef�hrer macht geltend, das Obergericht habe die sich aus dem rechtlichen Geh�r ergebende Begr�ndungspflicht verletzt. Auch wenn die Begr�ndung des Entscheids durch das Obergericht eher knapp gehalten ist, kann im Rahmen der nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG (vgl. E. 1) rechtsgen�glich erhobenen R�gen nicht gesagt werden, dass sie den sich aus Art. 29 Abs. 2 BV abzuleitenden Anforderungen (vgl. BGE 124 II 146 E. 2a S. 149) nicht entspricht; sie enth�lt insbesondere Ausf�hrungen zur Rechtswidrigkeit des Verhaltens des Beschwerdef�hrers.
4.- Der Beschwerdef�hrer r�gt weiter, f�r eine Disziplinarmassnahme fehle es an einer gen�genden gesetzlichen Grundlage. �berdies habe das Obergericht � 16 Abs. 2 AD willk�rlich ausgelegt und angewendet. Auch verletze der angefochtene Entscheid die Wirtschaftsfreiheit und die Meinungsfreiheit.
a) Wird ein Anwalt f�r �usserungen, die er im Rahmen seiner beruflichen T�tigkeit macht, mit einer Sanktion belegt, so kann er sich auf die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) und insbesondere auch auf die Meinungsfreiheit (Art. 16 BV) berufen (BGE 125 I 417 E. 3b und 4a S. 422; 124 I 310 E. 3a S. 313; 108 Ia 316 E. 2 S. 318, je mit Hinweis).
Allerdings sind Einschr�nkungen zul�ssig, sofern sie auf einer gen�genden gesetzlichen Grundlage beruhen, im �ffentlichen Interesse liegen und verh�ltnism�ssig sind (Art. 36 BV).
b) Um als gesetzliche Grundlage f�r die Einschr�nkung von Grundrechten gelten zu k�nnen, muss eine Vorschrift so pr�zise formuliert sein, dass der B�rger sein Verhalten danach ausrichten kann. Er muss die Folgen eines bestimmten Verhaltens mit einem den Umst�nden entsprechenden Grad von Gewissheit erkennen k�nnen. Es ist aber zu beachten, dass sich absolute Genauigkeit bei der Formulierung von Gesetzen nicht erreichen l�sst. Deshalb, aber auch um ver�nderten Verh�ltnissen Rechnung tragen zu k�nnen, sind Gesetze mitunter unausweichlich mehr oder weniger vage formuliert, ohne dass dies zu beanstanden w�re. Dies gilt namentlich f�r das Disziplinarrecht der Rechtsanw�lte (vgl. BGE 108 Ia 316 E. 2b/aa S. 319; Urteil des Europ�ischen Gerichtshofes f�r Menschenrechte vom 26. April 1991 i.S. Ezelin, S�rie A, Vol. 202, Ziff. 45).
Der Beschwerdef�hrer wendet ein, das Bundesgericht habe in diesem Zusammenhang - etwa in BGE 108 Ia 316 - erkl�rt, was ein Anwalt tun d�rfe, ergebe sich im Einzelnen aus den Standesregeln, der Praxis der Aufsichtsbeh�rden und der Rechtsprechung des Bundesgerichts. Zu dem ihm vorgeworfenen Verhalten best�nden jedoch weder derartige Regeln noch eine bekannte Praxis. � 16 Abs. 2 AD stelle daher keine gen�gende gesetzliche Grundlage dar.
Diese R�ge geht fehl. Zu gleichartigen Regelungen in anderen Kantonen hat das Bundesgericht wiederholt ausgef�hrt, es sei nicht verfassungswidrig, die Berufspflichten im Gesetz nur generalisierend zu umschreiben, da es nicht m�glich sei, die verschiedenen auf die Wahrung der Vertrauensw�rdigkeit des Anwalts hinzielenden Obliegenheiten einzeln und abschliessend aufzuz�hlen (BGE 106 Ia 100 E. 7a S. 107; 108 Ia 316 E. 2b/aa S. 319). Eine andere, nachfolgend zu behandelnde Frage (siehe insbes. E. 4c/cc) ist, ob das dem Beschwerdef�hrer angelastete Verhalten gegen die in � 16 Abs. 2 AD generalklauselartig umschriebenen Berufsregeln verst�sst.
c) Der Beschwerdef�hrer r�gt, das Obergericht habe den Sachverhalt willk�rlich "verdreht". Die beanstandete Textpassage habe nicht als Drohung gegolten. Seine Vorgehensweise sei mit den in � 16 Abs. 2 AD umschriebenen Berufsregeln vereinbar.
Vorliegend geht es um einen leichten Eingriff in die genannten Grundrechte; der Beschwerdef�hrer wird weder in seiner T�tigkeit als Rechtsanwalt noch in seiner �usserungsfreiheit empfindlich eingeschr�nkt. Daher untersucht das Bundesgericht die Auslegung und Anwendung des kantonalen Rechts nur unter dem beschr�nkten Gesichtswinkel der Willk�r (BGE 125 I 417 E. 4c S. 423, mit Hinweis; zum Begriff der Willk�r BGE 125 I 166 E. 2a S. 168; 125 II 129 E. 5b S. 134, je mit Hinweisen).
aa) Im Schreiben vom 4. April 2000 machte der Beschwerdef�hrer f�r seinen Mandanten vor allem eine Schadenersatzforderung �ber Fr. 15'000.-- geltend. Unmittelbar vor dem strittigen Satz f�hrte er dazu aus:
"Mein Mandant l�dt sie ein, diesen Betrag bis
11. April 2000 auf das ihnen bekannte Konto zu �berweisen oder aber ihm eine Kopie Ihrer Schadenmeldung an Ihre Versicherung zukommen zu lassen.
an Ihre Versicherung erfolgen, beh�lt sich mein
ausdr�cklich vor.
Zudem d�rfte Ihnen nicht entgangen sein, dass die
beiden bei Mietantritt vollen T�nke praktisch
leer sind. Ich darf Sie daher einladen, zus�tzlich
� Fr. 43.45) bis 11. April 2000 zu �berweisen.. "
Im daran anschliessenden Absatz folgte auf den dem Beschwerdef�hrer vorgehaltenen Textteil:
diesem Schreiben zu erm�glichen, erfolgt dieses
dass mein Mandant Sie einl�dt, von jeder telefonischen
bb) Der Beschwerdef�hrer bringt vor, der beanstandete Satz habe keinerlei Zusammenhang mit dem Zahlungsbegehren gehabt, vor allem sei nicht gedroht worden, das Schreiben bei unterbleibender Zahlung an interessierte Dritte weiterzugeben. Es habe sich um eine blosse Mitteilung gehandelt, dass sich sein Mandant die Weitergabe des Schreibens an Dritte als "Retorsionsverhalten" �berlege, nachdem die Mieter etwa die Bank des Mandanten dauernd mit inhaltlich unwahren Schreiben bedient h�tten. Damit habe einzig erreicht werden sollen, dass es die Gegner ihrerseits k�nftig unterlassen, Schreiben an Gesch�ftspartner seines Mandanten weiterzugeben. Demgegen�ber erblickte das Obergericht aus dem Gesamtzusammenhang des Schreibens und der Satzeinleitung "Im �brigen" eine Verbindung zwischen den erhobenen Forderungen und dem inkriminierten Passus.
Die vom Obergericht vorgenommene Interpretation ist nicht willk�rlich: Wie bei �usserungsdelikten ist entscheidend, wie der fragliche Satz vom unbefangenen Leser im Gesamtzusammenhang verstanden wird (vgl. BGE 124 IV 162 E. 3b/bb S. 167, mit Hinweisen; 117 IV 193 E. 3 S. 198 ff.).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdef�hrers kann der als Satzeinleitung verwendete Terminus "Im �brigen" nicht einzig als "Hinweis auf etwas Anderes, bei welchem es an der N�he" zum Vorstehenden fehlt, verstanden werden. Gerade eine der vom Beschwerdef�hrer zitierten Fundstellen aus W�rterb�chern macht deutlich, dass mit der betreffenden Einleitung auch ein enger Zusammenhang zu den vorangegangenen Ausf�hrungen bestehen kann im Sinne von "was sonst noch davon zu sagen �brig ist". Der Eindruck der Verbindung wird alsdann dadurch best�rkt, dass der inkriminierte Passus unmittelbar nach den Fristansetzungen bez�glich der verschiedenen Forderungen folgt, ja sogar als einziger Satz zwischen den genannten Terminen und dem im gleichen Absatz befindlichen Hinweis steht, dass angesichts der angesetzten Fristen das Schreiben auch per einfache Post zugestellt werde.
Ausserdem wird gerade die Weitergabe des Schreibens des Beschwerdef�hrers vorbehalten, in welchem es im Grunde ausschliesslich um jene Geldforderungen geht; ein direkter Bezug zu von den Mietern angeblich fr�her Dritten vorgelegten Schriftst�cken ist nicht ersichtlich. Schliesslich hat der Beschwerdef�hrer im Schreiben vom 4. April 2000 auch nicht explizit erkl�rt, die Gegner sollten es unterlassen, sich k�nftig an Gesch�ftspartner des Mandanten zu wenden. Bei der vom Beschwerdef�hrer in seiner Beschwerdeschrift behaupteten Interpretation h�tte ein solcher ausdr�cklicher Hinweis indes, vor allem bei Formulierung durch einen Anwalt, nahe gelegen; das Fehlen einer entsprechenden Aufforderung spricht gegen die Darstellung des Beschwerdef�hrers und f�r die vom Obergericht vorgenommene Auslegung des Satzes. Damit ist die vom Obergericht vorgenommene Deutung als Drohung, um den Gegner in Bezug auf die erhobenen Geldforderungen gef�giger zu machen, haltbar. Wie das Obergericht richtig festgestellt hat, ist hierbei unbeachtlich, dass das Untersuchungsrichteramt des Kantons Schaffhausen mit Einstellungsverf�gung vom 26. April 2000 den Passus anders interpretierte. Insbesondere kommt es nicht darauf an, dass dem Beschwerdef�hrer ein strafrechtlich relevantes Verhalten nachgewiesen wird. Die Disziplinaraufsicht dient nicht dazu, begangenes strafrechtliches Unrecht zu vergelten, sondern soll das rechtsuchende Publikum bzw. die Rechtspflege sch�tzen und die anwaltliche Standesw�rde wahren (Felix Wolffers, Der Rechtsanwalt in der Schweiz, Diss. Bern 1986, S. 173 ff.; Handbuch �ber die Berufspflichten des Rechtsanwaltes im Kanton Z�rich [im Folgenden:
Handbuch], 1988, S. 3 ff. u. S. 20). Zu keiner anderen Wertung f�hrt auch der Umstand, dass das streitige Schreiben nach Ablauf der genannten Frist angeblich nicht an Dritte versandt wurde.
cc) Die Aufnahme des inkriminierten Satzes in das Schreiben vom 4. April 2000 hat das Obergericht sodann als gegen die in � 16 Abs. 2 AD umschriebenen Berufspflichten verstossend betrachtet, weil es sich um den "Einsatz eines unerlaubten Mittels" handelte. Es w�re einzig zul�ssig gewesen, den Mietern eine Klage auf Schadenersatz anzudrohen.
Der Beschwerdef�hrer wendet dagegen sinngem�ss ein, es gebe weder Standesregeln noch eine Praxis, die das ihm vorgeworfene Verhalten untersagen w�rden.
Der Anwalt ist zur Wahrung der Standesw�rde verpflichtet und hat insoweit die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln zu beachten, die im Interesse des rechtsuchenden Publikums und des geordneten Ganges der Rechtspflege das Vertrauen in seine Person und in die Anwaltschaft insgesamt gew�hrleisten sollen (BGE 106 Ia 100 E. 6b S. 104 f.). Verlangt wird nicht nur die Beachtung der geltenden Gesetze.
Vielmehr sollen keine Zweifel hinsichtlich der Ehrenhaftigkeit, der Unbescholtenheit und der Rechtschaffenheit des Anwalts bestehen (vgl. Ziff. 2.2. der Standesregeln der Rechtsanw�lte der Europ�ischen Gemeinschaft vom 28. Oktober 1988; Walter Fellmann/Oliver Sidler, Standesregeln des Luzerner Anwaltsverbandes, 1996, N. 3a zu Art. 4, S. 19).
Diese traditionellen Werte des Anwaltsstandes sind daher f�r den Anwalt gleichzeitig Standespflichten (Fellmann/Sidler, a.a.O., S. 20). Demnach hat der Anwalt nicht nur ungesetzliche Mittel zu unterlassen, sondern auch gesetzeskonforme Vorkehren, wenn sie im konkreten Fall in rechtsmissbr�uchlicher, nicht dem eigentlichen Zweck entsprechender oder unverh�ltnism�ssiger Weise ausge�bt werden (Martin Sterchi, Kommentar zum bernischen F�rsprecher-Gesetz, 1992, N. 5e zu Art. 11, S. 51). Zu Letzteren werden u.a. Drohungen gegen�ber der Gegenpartei gerechnet, wenn zwischen dem angedrohten Nachteil und dem angestrebten Ziel kein sachlicher Zusammenhang besteht (Sterchi, a.a.O., N. 5e/bb, S. 52; Handbuch, a.a.O., S. 170 ff.). Diese Verhaltensweise ist n�mlich geeignet, das Vertrauen in die Anwaltschaft zu ersch�ttern.
Nach dem Gesagten ist nicht willk�rlich, wenn das Obergericht die Drohung, die Gegner bei Dritten anzuschw�rzen, als unerlaubtes Mittel betrachtete, um die Geldforderungen durchzusetzen. Dass die Gegner ihrerseits den Mandanten angeblich auch schon bei Dritten in Misskredit zu bringen versucht hatten, rechtfertigte nicht ein entsprechendes Verhalten des Beschwerdef�hrers; als Anwalt ist diesem bekannt, wie dagegen gegebenenfalls in geeigneter und gezielter Weise vorgegangen werden kann. Nicht relevant ist, ob der Beschwerdef�hrer "an die Wirkungen der (angeblichen) Drohung selber glaubte", weshalb das Obergericht entgegen dessen Ansicht weder zu kl�ren hatte, wie es sich damit verhielt, noch hiezu eine gesonderte Begr�ndung abzugeben hatte. Auch das Argument, der Beschwerdef�hrer sei nicht in der Lage gewesen, sein Verhalten als rechtswidrig zu erkennen, weshalb von einem entschuldbaren Rechtsirrtum auszugehen sei, vermag nicht durchzudringen. Zum einen darf grunds�tzlich vorausgesetzt werden, dass einem Anwalt die sich aus den Standespflichten ergebenden Verhaltensregeln gel�ufig sind (vgl. BGE 108 Ia 316 E. 2b/aa S. 319). Zum andern sieht der Beschwerdef�hrer selbst das Einbeziehen von Dritten als verp�ntes Verhalten an. Ihm musste demnach klar sein, dass das In-Aussicht-Stellen der Weitergabe des Schreibens vom 4. April 2000 an Dritte im vorliegenden Zusammenhang nicht mit der Standesw�rde zu vereinbaren war.
Ausserdem kann nicht nur die vors�tzliche, sondern auch die fahrl�ssige Begehungsweise geahndet werden (vgl. Handbuch, a.a.O., S. 28). Wenn dem Beschwerdef�hrer nicht bewusst gewesen w�re, dass er sich standeswidrig verhielt, so w�re ihm zumindest anzulasten, dass er dann nicht die Vorsicht beobachtete, zu der er nach den Umst�nden und nach seinen pers�nlichen Verh�ltnissen als Anwalt verpflichtet war.
Neben der Sache liegt ferner der Einwand, die Gegner h�tten "durch entsprechende zivilrechtliche Schritte" gegen die Drohung vorgehen k�nnen (vgl. Sterchi, a.a.O., S. 93, N. 1).
dd) Der Beschwerdef�hrer wendet schliesslich ein, das Obergericht habe �bersehen, dass nicht er selbst, sondern sein Mandant sich vorbehielt, das betreffende Schreiben an Dritte zu versenden. Es habe sich um einen von seinem Mandanten gew�nschten Hinweis gehandelt, den er "ausdr�cklich als entsprechendes Statement seines Mandanten" weiterleitete. Damit scheint der Beschwerdef�hrer der Auffassung zu sein, die erw�hnten Berufspflichten tr�fen ihn nicht, wenn er nicht aus eigenem Antrieb, sondern instruktionsgem�ss handle. Der Anwalt ist jedoch nicht das willenlose Werkzeug seines Klienten. Wohl ist er Verfechter von Parteiinteressen und als solcher einseitig f�r seinen jeweiligen Mandanten t�tig. Das Unabh�ngigkeitsgebot ist f�r die Aus�bung des Anwaltsberufs aber grundlegende Voraussetzung, und es ist auch im Verh�ltnis zum eigenen Klienten massgebend.
Der Anwalt, der seine Unabh�ngigkeit dem Klienten gegen�ber nicht zu wahren vermag, ist auch den Beh�rden der Rechtspflege gegen�ber nicht vertrauensw�rdig. Diese k�nnen, wenn dem Anwalt die Unabh�ngigkeit abgeht, nicht darauf vertrauen, dass er seine T�tigkeit korrekt aus�ben und seine Stellung nicht zu verfahrensfremden Zwecken missbrauchen w�rde (BGE 106 Ia 100 E. 6b S. 105). Den Standespflichten seines Berufes kann der Anwalt jedenfalls nicht dadurch entgehen, dass er geltend macht, den Instruktionen des Klienten gem�ss gehandelt zu haben.
ee) Im Hinblick auf obige Ausf�hrungen geht auch die R�ge des Beschwerdef�hrers fehl, das Obergericht habe die beantragten Beweise bez�glich seines entsprechenden Vorbringens nicht erhoben: Da es unter anderem nicht darauf ankam, ob der Beschwerdef�hrer auf Weisung seines Mandanten handelte, und ausserdem entscheidend ist, wie der Passus vom unbefangenen Leser verstanden wird, brauchte das Obergericht insbesondere nicht den Mandanten als Zeugen einzuvernehmen.
d) Zu pr�fen bleibt, ob die als willk�rfrei erkannte Auslegung und Anwendung des Gesetzes unter den konkreten Umst�nden vor der Wirtschaftsfreiheit und Meinungsfreiheit standh�lt, d.h. ob sie sich auf ein hinreichendes �ffentliches Interesse st�tzen kann und verh�ltnism�ssig ist. Dies untersucht das Bundesgericht im Rahmen der rechtsgen�glich erhobenen R�gen (vgl. E. 1) frei (BGE 125 I 417 E. 5 S. 425, mit Hinweis).
Zu den �ffentlichen Interessen, denen die Berufspflichten und die zu deren Einhaltung bestimmte �ffentlichrechtliche Aufsicht �ber die Rechtsanw�lte dienen sollen, geh�rt in Verbindung mit dem Schutz des Publikums und der Wahrung der Funktionsf�higkeit der Justiz auch die Gew�hrleistung der Vertrauensw�rdigkeit des Anwaltsstandes (Wolffers, a.a.O., S. 111 f.; Handbuch, a.a.O., S. 3 ff.; vgl. auch E. 4c/cc hiervor). Unter diesem Gesichtspunkt h�lt es vor Art. 16 und Art. 27 in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 BV stand, das vom Obergericht ger�gte Verhalten des Beschwerdef�hrers als pflichtwidrig anzusehen. Nachdem die Annahme der Verletzung einer Berufspflicht verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist und das Obergericht dem Beschwerdef�hrer die mildeste Disziplinarmassnahme auferlegte, erweist sich die Verwarnung weder als unverh�ltnism�ssig noch ist darin ein Ermessensmissbrauch zu erblicken.
Der Beschwerdef�hrer wiederholt in diesem Zusammenhang im Wesentlichen seine zur Auslegung und Anwendung von � 16 Abs. 2 AD erhobenen R�gen. Diese kommen hier jedoch insbesondere im Hinblick auf das Mass der Disziplinierung nicht mehr zum Tragen. Bei festgestellter Pflichtwidrigkeit kann der Betroffene nicht verlangen, dass es allein mit dem Verfahren vor der Aufsichtsbeh�rde ohne jegliche Disziplinarmassnahme sein Bewenden hat. Damit w�rde er ohne triftigen Grund demjenigen gleichgestellt, gegen den ein aufsichtsrechtliches Verfahren eingeleitet wurde, bei dem sich die erhobenen Vorw�rfe jedoch als unbegr�ndet herausstellen. Zu keinem anderen Ergebnis f�hrt, dass der zus�tzliche Vorwurf der Mandats�bernahme fallen gelassen wurde; es bleibt bei dem einen Verstoss gegen Berufspflichten. Die Verwarnung trifft den Beschwerdef�hrer auch nicht schwer, erweist sich aber als geeignet und notwendig, um den Pflichtverstoss zu ahnden und die Disziplin innerhalb des Anwaltsstandes aufrechtzuerhalten (vgl. Sterchi, a.a.O., S. 93, N. 1).
5.- Der Beschwerdef�hrer macht schliesslich geltend, das Obergericht verletze die Rechtsgleichheit (Art. 8 BV), weil es keine standesrechtlichen Sanktionen gegen die Vertreterin der Anzeiger ergriffen habe, welche angeblich etwas "wider besseres Wissen behauptet" haben soll. Diese R�ge st�sst ins Leere. Unter anderem handelt es sich nicht um einen gleichartigen Vorwurf gegen die Vertreterin der Anzeiger, wie derjenige gegen den Beschwerdef�hrer, und es wurde deswegen zudem keine Beschwerde im Sinne von � 17 Abs. 1 AD eingereicht. Ausserdem hat der Beschwerdef�hrer nicht hinreichend dargelegt (vgl. Art. 90 Abs. 1 lit. b OG und E. 1), dass die Vertreterin der Anzeiger tats�chlich wider besseres Wissen gehandelt h�tte. Das Obergericht hat in diesem Zusammenhang auch nicht die Begr�ndungspflicht und das rechtliche Geh�r (Art. 29 BV) verletzt, weil es auf die Anregung des Beschwerdef�hrers hin, "von Amtes wegen zu pr�fen", die Anzeiger und ihre Vertreterin "mit einer Busse wegen tr�lerischer Prozessf�hrung i.S.v. Art. 136 ZPO zu belegen", nicht zumindest eine abweisende Ziffer ins Dispositiv aufgenommen hat. Abgesehen davon, dass das Verhalten der Anzeiger und ihrer Vertreterin nicht Verfahrensgegenstand war und es dem Beschwerdef�hrer insoweit zudem an einem rechtlich gesch�tzten Interesse fehlt, hat das Obergericht in seiner Begr�ndung (S. 10) ausgef�hrt, dass und warum die Anzeige gegen den Beschwerdef�hrer keineswegs als mutwillig bezeichnet werden k�nne.
6.- Die staatsrechtliche Beschwerde erweist sich damit als unbegr�ndet, soweit auf sie einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der unterliegende Beschwerdef�hrer die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen (Art. 156 Abs. 1, Art. 153 und Art. 153a OG). Parteientsch�digungen werden nicht geschuldet (vgl. Art. 159 OG).
3.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer sowie dem Obergericht des Kantons Schaffhausen schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 8
 Art. 9
 Art. 16
 Art. 27
 Art. 29
 Art. 87
 Art. 84
 BGE 
 Art. 90
 BGE 
 BGE 
 Art. 90
 Art. 29
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 4
 Art. 11
 BGE 
 Art. 16
 Art. 27
 Art. 36
 Art. 90
 Art. 136
 Art. 153
 Art. 153
 Art. 159