Source: http://www.milger.de/plagiat.htm
Timestamp: 2018-03-21 01:26:03+00:00

Document:
Guttenberg Plagiat - Vorsatz und Strafbarkeit
In Sachen Guttenberg - die verschleierte Straftat
Nur 22 Urheberrechtsverletzungen und bedingter Vorsatz
Methode Guttenberg Strafanzeige Buch Der Bescheid & Pressemitteilung
In der Pressemitteilung wird auf die Vermarktung der "Doktorarbeit" als Fachbuch nicht eingegangen. Im Bescheid zwangsläufig schon. Darin heißt es, es sei zu berücksichtigen, " dass dem Beschuldigten hinsichlich der Urheberrechtsverstösse nur ein Handeln mit bedingtem Vorsatz nachzuweisen war und dass er aus der Tat unter Berücksichtigung des von ihm geleisteten Druckkostenzuschusses keinen wirtschaft­lichen Vorteil gezogen hat und seine Ämter von einer Doktorarbeit nicht abhängig waren." Das sollte sie Presse nicht erfahren. Entsprechend milde waren die Rekationen. Bedingter Vorsatz, hier spricht die Verteidigung des Beschuldigten. Ein Justizskandal? Doch nicht in Bayern. Siehe Bescheid und Pressemitteilung
Bescheid der Staatsanwaltschaft - ein Plädoyer pro Guttenberg
Um 170 Euro betrogen ist marginal, nur bedingter Vorsatz nachzuweisen
Zwei unterschiedliche Plädoyers pro Guttenberg: Die Pressemitteilung und ein Bescheid der Staatsanwaltschaft Hof zu einer Anzeige wegen gewerblicher Urheberrechtsverletzung durch die Vermarktung der Dissertation als Fachbuch
Nach 9 Monaten Ermittlung erhebt die Staatsanwaltschaft Hof keine Anklage. Urheberrecht sei wohl verletzt worden, aber fremde Autoren seien nur marginal geschädigt worden Nach einer Absprache mit zu Guttenberg hat dieser 20.000 Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe überwiesen, noch bevor die Erklärung veröffentlicht wurde - mit richterlicher Zustimmung.
Die Pressemitteilung ist nur von Verstößen in der Dissertation die Rede. Unterschlagen wird ein Absatz aus dem Bescheid, der es in sich hat.
Für die Frage der Art und Weise des Verfahrensabschlusses im Allgemeinen und der Höhe der Geldauflage nach § 153a Abs. 1 StPO im Besonderen war ferner zu be­rücksichtigen, dass dem Beschuldigten hinsichtlich der Urheberrechtsverstöße nur ein Handeln mit bedingtem Vorsatz nachzuweisen war ...
Wie erinnerlich, hatten die Gutachter der Prüfungskommission bewusste Täuschung", also klaren Vorsatz konstatiert. Und weiter wird zur Entlastung ausgeführt:
... dass er aus der Tat unter Berücksichtigung des von ihm geleisteten Druckkostenzuschusses keinen wirtschaft­lichen Vorteil gezogen hat und seine Ämter von einer Doktorarbeit nicht abhängig waren.
In den Gründen des Bescheids über die Einstellung des Verfahrens heißt es, sei bei wissenschaftlichen Schriftstücken der wissenschaftliche Inhalt nicht urheberrechtsfähig ... Hieran gemessen unterfallen sehr viele Plagiatstellen nicht dem strafrechtlichen Schutz des § 106 des UrhG.
Das mag für Abfassung der als Dissertation eingereichten Schriftstücks zutreffen. Hier liegt nur ein Übertreten wissenschaftlicher Standards vor, insofern die Stellen nicht als Zitate gekennzeichnet wurden. Hätte zu Guttenberg sie durchweg gekennzeichnet, wäre die Arbeit auf den ersten Blick als Dissertation abgelehnt worden. Zitate über mehrere Seiten, die Übernahme von Gliederungen, sind nicht üblich. Üblich ist es, einige Zeilen zu zitieren, und ansonsten die Argumentation der herangezogenen Arbeit mit eigenen Worten zusammenzufassen. Die Zitate in wissenschaftlichen, nicht gewerblichen Arbeiten sind nicht honorarpflichtig. Das gilt für den Druck der Pflichtexemplare. Der Text wurde aber als Fachbuch von einem kommerziellen Verlag verlegt und 2008 gedruckt.
Karl-Theodor zu Guttenberg: Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU. Duncker & Humblot, Schriften zum internationalen Recht, Nr. 176; Berlin 2009
Es erschien am 15. Januar 2009, wurde vom Buchhandel zum Preis von 88 Euro verkauft und war bei Aufdeckung der Plagiatsaffäre vergriffen. (Auflage 400). Er wurde auch als E-Book für 80 Euro verkauft, wie oft wäre zu ermitteln gewesen. In kommerziell vertrieben Textwerken ist die wörtliche Übernahme von Textpassagen anderer Autoren prinzipiell honorarpflichtig.
Im den Gründen des Bescheids mit wenigen Sätzen auf die Buchausgabe eingegangen. Etwa dieser:
Besonders war es ferner zu berücksichtigen ... dass er aus der Tat unter Berücksichtigung des von ihm geleisteten Druckkostenzuschusses keinen wirtschaftlichen Vorteil gezogen hat.
Betrachten wir nur die Druckausgabe.
Umsatz: 35.200
Buchhändler 40 Prozent 14.080
Verlag setzt um 21.120
Druck * 4.700
Reinerlös rund 16.400
Handlungsk. 15 Prozent. 2.400
Verbleiben v. St rund 14.000
* Kalkulation Verlag Lindemann, Offset & Digitaldruck, 475 Seiten, Softcover, 400 Exemplare.
Im Verlagsvertrag wird in der Regel ein Vorschuss vereinbart, bei unsicherer Einschätzung des Absatzes auch ein Druckkostenzuschuss. Nach Verkauf der Auflage wird beides verrechnet.
Die Vermarktung als Buch hat Gewinn abgeworfen, sie war gewerbsmäßig im Sinn der §§ 106 -108a UrhG. Die plagiierten Autoren wurden um ihren Honoraranteil betrogen. Eine entsprechende Strafanzeige wurde bei der Staatsanwaltschaft in Hof gestellt, aber nur teilweise berücksichtigt. 113 Js 3484/11. Hof, 11.03.2011
Als Honorar werden in der Regel 10 Prozent des Umsatzes vereinbart. Was Herr zu Guttenberg vertraglich vereinbart und kassiert hat, wäre zu ermitteln. Die Honoraranteile der plagiierten Autoren sind in jedem Fall auszuzahlen. Der Anteil der Autorin Sonja Volkmann-Schluck beträgt mindestens 170 Euro. Das ist, für in der Regel geringverdienende Autoren keineswegs marginal.
Der Verlag konnte die Honorare nicht auszahlen, weil Herr zu Guttenberg weder die Urheber noch den Umfang der Zitate gemeldet hat. Die Abrechnung erfolgt entweder direkt oder über die VG-Wort. Zitate bis zu 0,1 Prozent des Gesamtvolumens des Werkes werden honoriert. Bei Frau Volkmann-Schluck waren es mindestens 5 Prozent.
Verlagsvertrag (gültige Norm)
(3) Der Autor versichert, dass er allein berechtigt ist, über die urheberrechtlichen Nutzungsrechte an seinem Werk zu verfügen.
Mit seiner Unterschrift hat zu Guttenberg die Autoren um ihr Honorar betrogen. Es handelt sich um einen Betrag 4-stelligen Bereich. Um die Rechte von Verlagen und Berufsautoren zu schützen, wäre ein abschreckendes Urteil eines Gerichts dringend nötig gewesen. Die Begründung der Staatsanwaltschaft qualifiziert die Tat als Kavaliersdelikt. Sie liest sich wie ein Plädoyer der Verteidigung Guttenbergs. Und gerät so zur Anleitung, es beim Unterschreiben von Verlagsverträgen nicht so genau zu nehmen.
Während die Fachleute der Prüfungskommission uneingeschränkten Vorsatz festgestellt haben, befindet die Staatsanwaltschaft, dem Beschuldigten war ... nur ein Handeln mit bedingtem Vorsatz nachzuweisen. Demnach war zu Guttenberg beim Unterschreiben des Vertrages überzeugt, die Übersicht nicht verloren zu haben.
Die Chronik - schon mal freigesprochen
Staatsanwalt ermittelt pro Guttenberg - mit Erfolg
Die Prüfungskommission der Universität Bayreuth bestätigte methodisches und umfangreiches Plagiieren. Zweite Chance im Blick? Der Staatsanwalt in Hof sieht noch immer kein öffentliches Interesse für eine Strafverfolgung - trotz einer Anzeige nach § 106 UrhG und § 108aUrhG (gewerbmäßiges Plagiieren) mit dem Aktenzeichen Js 3484/11 siehe: Eine Strafanzeige
Am 11. Mai spricht die auflagenstarke Frankenpost Herrn zu Guttenberg vorsorglich frei: "Des Betrugs ... hat sich Guttenberg zumindest im strafrechtlichen Sinn auf keinen Fall schuldig gemacht. Dies würde voraussetzen, dass er zu seiner Bereicherung das Vermögen eines anderen geschädigt hätte. Joachim Dankbar". Das sieht offenbar Oberstaatsanwalt Reiner Laib zu Hof ganz ähnlich. Er sagte zu dapd: "Unsere Ermittelungen laufen noch, aber wir hoffen, im Sommer eine Zwischenbilanz vorlegen zu können." Hoffen ... Sommer ... Zwischenbilanz ... Entscheidung über Anklageerhebung nach Guttenbergs Wahl zum CSU-Vorsitzenden? Oder nach Verjährung? Im Ernst. Hier bahnt sich offenbar ein Justizskandal an. Laib wartet (so er selbst) auf Anzeigen von Autoren, die sich durch das Plagiieren ihrer Texte in der "Doktorarbeit" geschädigt sehen. Dabei ist klar, dass niemand rechtlich begründen kann, welcher Schaden ihm durch Zitieren in einer wissenschaftlichen Arbeit entstanden ist. Dadurch entsteht kein Honoraranspruch. Das weiß der Staatsanwalt ganz genau. Trotzdem ermittelt er wegen "nicht- gewerblicher Urheberrechtsverletzung". (Amtliche Mitteilung). Er kann also alle diesbezüglichen Anzeigen abweisen. Die Vorbereitungen dazu scheinen im Gang zu sein: Die bayerische Justiz sucht laut SPIEGEL (11.04) nach einem Präzedenzfall, um die Promotionsarbeit betreffend öffentliches Interesse zu verneinen. Das wäre eine Pro-Guttenberg-Ermittlung.
Es besteht ein öffentliches Interesse, zum Schutz von Autoren und Verlagen
Zu ermitteln ist nach § 106 Urhg: Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke und § 108a UrhG: Gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung: Handelt der Täter in den Fällen der §§ 106 - 108 gewerbsmäßig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe. (2) Der Versuch ist strafbar.
Die Herren Dankbar und Laib können sich mit einem Klick bei Amazon vergewissern, dass die "Doktorarbeit" auch als Buch im Handel war. Auflage 400,- . Preis 88, Euro. Der Verlag zahlt in der Regel 10 Prozent des Erlöses an den Autor. Hier also an Herrn zu Guttenberg. Im Buch wurden die Texte der plagiierten Autoren nach §§ 106 und 108a verwertet. Einige plagiierte Autoren wurden um dreistellige Honoraranteile geschädigt. Eine entsprechende Strafanzeige hat Laib offenbar unter dem Stapel von 80 Anzeigen begraben, die alle die Doktorarbeit betreffen. Bahnt sich hier eine Strafvereitelung im Amt an? Das Buch wird übrigens bei Amazon jetzt für 1.200 Euro angeboten.
Stand 14. Oktober 2011
Verfahren fast beendet - keine Bestrafung- keine Akteneinsicht - Strafanzeige nach §§ 106, 108a UrhG offenbar unterschlagen
Zeit Online: Laut Ermittelungen der Leipziger Volkszeitung ist das von der Staatsanwaltschaft Hof eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg fast beendet. Der zuständige Oberstaatsanwalt Reiner Laib sagte der Zeitung: "Unsere Ermittlungen sind im Wesentlichen abgeschlossen." Akteneinsicht würde aber derzeit nicht gewährt. Nach Informationen der Zeitung ... dürfte zwar der Schuldvorwurf des Verstoßes gegen das Urheberrecht gegeben sein - zu einer Bestrafung solle es aber nicht kommen. Im Gespräch sei stattdessen offenbar eine Zahlung an eine soziale oder gesellschaftspolitische Einrichtung.
Ein Deal? Man hat verhandelt - Provinzanwalt ohne Furcht und Tadel
Zeit Online: Bereits im Sommer habe zu Guttenberg dem Bericht zufolge gegenüber Gesprächspartnern erklärt, man habe sich mit den Behörden prinzipiell "geeinigt", am Ende würde es für ihn "sehr gut ausgehen". Bei einer Einstellung des Verfahrens ohne Anklage oder Strafbefehl gilt zu Guttenberg, der sich derzeit in den USA aufhält, als nicht vorbestraft.
Bayerische Ermittelungen - man verhandelt noch
Welt Online: Nach gleichlautenden Informationen von "Welt Online" und der "Leipziger Volkszeitung" könnte Guttenberg straffrei ausgehen. Allerdings sagte Laib: "Das kann ich so nicht bestätigen. Wir werden uns zu gegebener Zeit äußern." Bis dahin bitte er noch um Geduld... Die "Leipziger Volkszeitung" berichtet mit dem Verweis auf Personen, die am Verfahren beteiligt sind, dass derzeit noch verhandelt werde, ob Guttenberg zu einer Zahlung verpflichtet werden soll.
Laib: Noch mehr als wenige Tage aber weniger als mehrere Wochen
Welt Online: Die Ermittlungen hatten sich immer wieder verzögert. Noch im Mai, als die Universität Bayreuth gerade in einem Gutachten Guttenberg vorsätzliche Täuschung attestiert und eines seiner Plagiatopfer Strafanzeige gestellt hatte, hatte die Staatsanwaltschaft Hof ein Ergebnis für Ende Juni, Anfang Juli dieses Jahres angekündigt. Seither hatte sich die Arbeit verzögert. Mal hieß es: wegen Krankheit, mal wegen Urlaubs." Sprecher Reiner Laib kündigte ... an, dass das Ergebnis demnächst bekannt gegeben werden soll. "Es ist keine Sache von wenigen Tagen, aber auch keine von mehreren Wochen mehr."
Ein Provinzanwalt führt die Journalisten an der Nase herum, wenn er nicht gerade krank ist oder im Urlaub, und im bayerischen Justizministerium klopfen sie sich wohl vor Spaß auf die Schenkel.
Zeit-Online: Eigentlich sollte das Verfahren bereits vergangenen Monat abgeschlossen sein. Die Verzögerungen seien der Urlaubs- und Krankheitssituation innerhalb der Behörde geschuldet, hieß es. "Zu Verzögerungen seitens des Herrn zu Guttenberg ist es sicherlich nicht gekommen", sagte Oberstaatsanwalt Laib. Zu Vermutungen, auch politische Wünsche hätte bei dem verspäteten Abschluss eine Rolle gespielt - sagte Laib: "Politische Pressionen sind uns keine bekannt."
Justizministerium dementiert Absprache
Stand 28. Oktobber
Eine einzige Zeitung bleibt am Ball: Die MainPost
Im Ermittlungsverfahren gegen den früheren CSU-Star und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen etwaiger Verletzungen des Urheberrechts gibt es nach Darstellung des bayerischen Justizministeriums keinen "Deal" mit dem Beschuldigten oder dessen Verteidigern. Weder die Staatsanwaltschaft Hof noch die Generalsstaatsanwaltschaft Bamberg hätten eine solche Vereinbarung getroffen, auch mit dem Ministerium habe es keine Absprachen gegeben, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der Vizepräsidentin des Landtags, Christine Stahl.
Die rechtspolitische Sprecherin der Grünen hatte Aufklärung darüber verlangt, wie eine von Guttenberg in einem Zeitungsinterview geäußerte Aussage zu verstehen sei, man habe sich mit den Behörden geeinigt, und es würde "sehr gut ausgehen". In der Antwort des Ministeriums heißt es dazu lapidar: "Die Frage, wie das genannte Zitat des Beschuldigten zu verstehen sei, kann vor diesem Hintergrund (kein "Deal" mit der Staatsanwaltschaft, keiner mit dem Ministerium, Anm. d. Red.) nicht beantwortet werden."
Da keiner das Rätsel lösen will oder kann, bleibt für Christine Stahl nur eine Möglichkeit: "Einer sagt die Unwahrheit." Sollte die Auskunft des Justizministeriums zutreffend sein, dann fragt sich die grüne Abgeordnete, was denn den Freiherrn reite, solche Behauptungen in die Welt zu setzen. Stahl hält es für "nicht abwegig, dass Herr Guttenberg einen Zuträger aus dem Justizministerium besitzt, der ihm heimlich vorab Informationen zum Ausgang seines Verfahrens gesteckt hat."
Das Ermittlungsverfahren zieht sich seit bald acht Monaten hin. Die juristische Aufarbeitung von Guttenbergs Doktorarbeit ist nicht einfach. Ein Plagiat begeht, wer sich bewusst die Urheberschaft an einem fremden Werk anmaßt. Strafbar macht sich nach Paragraf 106 Urhebergesetz nur, wer vorsätzlich ein Werk (geistigen Eigentums) vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt. Ihm droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.
Die Tat wird nur auf Antrag eines der Urheber verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält. Der Würzburger Rechtsanwalt Werner Nied, ein Spezialist auf dem Gebiet, neigt dazu, das öffentliche Interesse im "Fall Guttenberg" wegen des Schutzes der Wissenschaft zu bejahen.
Doch es gibt nicht nur den Schutz der Wissenschaft, sondern nach Ansicht von Beobachtern auch den Schutz der Regierungspartei CSU, in der der Wunsch nach einem politischen Comeback des Freiherrn groß ist. Christine Stahl, rechtspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, ist besorgt, dass die Justiz mit zweierlei Maß misst. Andreas Fischer, rechtspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, hält in dem Zusammenhang die Weisungsgebundenheit der Staatsanwälte für problematisch.
KT hat sich in die USA abgesetzt - ganz entspannt
BILD am 7. Mai. Ex-Minister zu Guttenberg - Universität Bayreuth wirft ihm "vorsätzliche Täuschung" vor .... Ein Vertrauter zu BILD:" Er ist völlig entspannt, weil für ihn das entscheidende Urteil von der Staatsanwaltschaft kommt." Fällen Staatsanwälte fällen in Bayern neuerdings Urteile? Gar günstige" Was weiß der "Freiherr" (BILD)? Wer hält ihn über die "Ermittlungen" auf dem Laufenden? Der Oberstaatsanwalt hat das Resultat der Vorermittelungen für den Sommer 2011 angekündigt. Leere Worte. Neuer Termin: Ende September. Am 4. Oktober: Schweigen. Inzwischen hat sich zu Guttenberg nach Greenwich, Conneticut (USA) abgesetzt und laut BILD eine Villa für mehr als 3 Millionen Euro erworben. Seine Wahrheitsliebe kann er nun beim US-Think-Tank (Denkfabrik) CSIS - Center for Strategic and International Studies unter Beweis stellen - unbezahlt. Das Zentrum vermittelt aber hochdotierte Vorträge. Was ist das CSIS? Auskunft auf CSIS-facebook-Seite: Founded by David M. Abshire and Admiral Arleigh Burke at the height of the Cold War, CSIS was dedicated to finding ways for America to sustain its prominence and prosperity as a force for good in the world. Geründet von ... auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges um für Amerika Wege zu finden, seine Vorrangstellung sein Wohlergehen zu unterstützen als eine Kraft für das Gute in der Welt. Spiegel online: Guttenberg Vordenker in den USA. Er wurde als herausragender Staatsmann (Distinguished Statesman) begrüßt. Der Präsident John Hamre: Es ist mir eine Ehre, Minister Guttenberg am CSIS zu begrüßen. Wer würde es wagen, einen solchen Mann anzuklagen - einen Vorkämpfer für das Gute in der Welt? Ober er einer Vorladung nach Hof folgen würde, darf bezweifelt werden.
Erster Auftritt - Vortrag in Halifax
Spiegel Online 16. November 2011, Vortrag bei Sicherheitstagung
Guttenberg kehrt auf die internationale Bühne zurück - Von Matthias Gebauer
... Am kommenden Wochenende wird Guttenberg ... in Halifax sprechen und viel Interesse auf sich ziehen: Erstmals seit seinem Rücktritt als Verteidigungsminister und CSU-Abgeordneter im März dieses Jahres wagt sich Guttenberg im fernen Kanada auf die internationale Bühne und in die Öffentlichkeit zurück ... Angekündigt als "angesehener Staatsmann" soll der über seine in weiten Teilen abgeschriebene Doktorarbeit und seine fehlende Einsicht gestolperte Ex-Minister auf einem der Panels des Forums über die weltweite Wirtschaftskrise parlieren. 75 Minuten sind angesetzt, mit auf der Bühne sitzt ein prominenter Menschenrechtler. Für die Macher der Konferenz spielt die etwas peinliche Vorgeschichte Guttenbergs keine größere Rolle. Im Programmheft wird er zwar korrekt nicht mehr mit einem akademischen Titel genannt. Diesen hatte er nach der Affäre rasch abgelegt. Guttenberg wird nun wie andere ehemalige Parlamentarier mit dem Prädikat "honorable" versehen.
"honorable", klein geschrieben, zu deutsch also ehrenhaft, honorig, wäre es wegen seiner Kopiertätigkeit und deren fortgesetzten Verleugnung der reine Hohn. Nein, Guttenberg wird auf der Website des Forums mit "Honorable" angeredet. The Honorable Karl-Theodor zu Guttenberg served as German minister of defense from 2009 to 2011...
Hier ist Honorable eine Anrede, quasi ein Titel, etwa für einen Konsul, einen Richter oder einen Missionschef. Ersatz für "Dr". Wer ihn ernannt hat, ist unklar. Er selbst?
Zu Guttenberg redete am 19. Nov. auf dem Sicherheits-Forum über die Gefahren der Finanzkrise. Foreign Affairs über das Forum:
The Halifax International Security Forum, to be held November 18-20 in Halifax, Nova Scotia, has established itself as a must-attend event for thoughtful leaders who deal with defense and security issues. A dynamic and innovative conference held in an informal setting, it features unscripted discussions between panelists and participants on sensitive topics that other conferences shy away from. Foreign Affairs is proud to be involved with the conference for the first time.
Noch ein Ersatzttitel: Überschrift zu seiner Kurzvita auf der Website des Forums:
Karl-Theodor zu Guttenberg, Distinguished Statesman, Center for Strategic and International Studies
Die Gründe für seinen Rücktritt und die Plagiatsaffaire werden dezent verschwiegen.
The Honorable Karl-Theodor zu Guttenberg served as German minister of defense from 2009 to 2011 ... As Distinguished Statesman at the Center for Strategic and International Studies, he leads a new transatlantic dialogue initiative in Washington, D.C. Mr. Zu Guttenberg has published numerous articles in national and international papers and magazines on foreign, economic and security policy.
Welche Publikationen, wann erschienen, von wem geschrieben? Wieder nur Angabe?
Das neue Heim der Guttenbergs in den USA. Die Abendzeitung Nürnberg: Jetzt hat er als Nachbarn: Sängerin Diana Ross, Diven Glenn Close und Meryl Streep und Hollywood-Gigant Jack Nicholson. Über das "nette Häuschen" (die BUNTE) schreibt die AZ: Die Villa - sie soll 3,2 Millionen Euro gekostet haben - steht in einem Naturschutzgebiet und hat 17.000 Quadratmeter Grund. Auf 540 Quadratmetern Wohnfläche sind sechs Schlafzimmer und acht Bäder untergebracht.
Neu: Der Freiherr droht mir mit einer Klage
Die Makler in Greenwich bieten hunderte von Villen diesen Kalibers an. Auf eine habe ich getippt. Die Adresse habe ich in einem satirisch gehaltenen Video zitiert, als Hinweis für den Staatsanwalt, falls es ihm an einer zustellungsfähige Adresse mangele. War natürlich als Scherz gedacht. Aber bingo, er scheint wirklich dort zu residieren. 14 Monate später hat ein User offensichtlich die Adresse benutzt. Angesichts der Beliebtheit des Freiherrn stammt der Brief wahrscheinlich von einem Bewunderer und enthielt wohl einen Hinweis mit Link auf mein Video. Damit war es ganz einfach, meine Email-Adresse zu finden. Also hätte von Guttenberg mir eine Mail zukommen lassen können, er wohne tatsächlich dort und wolle postalisch in Frieden gelassen werden. Ich hätte natürlich die Adresse sofort entfernt. Gegner und Fans sollen gefälligst selbst zusehen, wie sie ihre Botschaften an den Mann bringen. Aber nein, keine Email, er läßt mir per Anwalt eine Unterlassungserklärung zugehen. Das in Deutschland geltende Abmahnungsrecht bevorzugt Vermögende und macht Normalverdiener parktisch wehrlos. Kurz, der mit den besten Anwälten bewehrte Freiherr könnte mich in einem Prozess fertig machen. Sein Anwalt stellt mir an Kosten für das Unterlasuungsbegehren 1.800 Euro in Rechnung. So gegen Männer mit Format mit ihren Kritikern um. Ja, und Spass verstehen sie auch nicht.
WIKIPEDIA: Kompilation (lat. compilatio, Plünderung) ist eine Bezeichnung für eine aus Zitaten anderer Werke zusammengestellte wissenschaftliche oder literarische Arbeit. Der Begriff wurde erstmals von Cicero in seinen Briefen spöttisch für eine Aktensammlung verwendet. Kompilation = Zusammenstellung von Plagiaten ist der Oberbegriff, er bildet ZGs Vorgehen mit der nötigen Schärfe ab Plagiat von lat. plagium, Raub der Seele
Herr Karl Theodor zu Guttenberg - laut herrschender Meinung hat er geschummelt, gemauschelt, gemogelt, ein wenig aus Versehen abgeschrieben, Kennzeichungen und Fußnoten verbaselt. Er selbst sagte, er habe "gravierende handwerkliche Fehler gemacht". Nun hat er aber doch nur "die Übersicht verloren" - so seine jüngste Äußerung.
Oder hat er mit Vorsatz, methodisch und systematisch aus eigenen und kopierten urheberrechlich geschützten Texten anderer eine Montage (Kompilation) hergestellt? Seine Vorgehensweise offenbart sich schon in der vierseitigen Einleitung.
Es gelingt Herrn zu Guttenberg mit Hilfe der Texte von sieben Autoren eine durchaus lesbare Einleitung zusammenzustellen. Dabei unterschlägt er 11 Anführungszeichen, 11 Abführungszeichen und 11 Fußnoten.
Aber er kopiert nicht plump, schreibt nicht stur ab. Siehe: Methode Guttenberg.
Das Buch betreffend kommt die VG-Wort ins Spiel, aber die hält sich heraus. Siehe Brief an VG-Wort.
Es geht mir nicht um die Person. Herr zu Guttenberg tut mir im Grunde leid, der Schaden, den er sich selbst zugefügt hat, kann aber größer nicht werden. Er wird, wenn die bayerische Justiz überhaupt tätig wird, wegen gewerblicher Urheberrechtsverletzung nach § 106 UrhG höchstens zu einer Geldstrafe verurteilt, und zwar so, dass er nicht als vorbestraft gilt. Sein größter Fehler war es, das Buch in den Handel zu bringen. Damit wurden für die plagiierten Autoren Honorare fällig, die der Verlag aber wegen fehlender Kennzeichnung nicht auszahlen konnte. Wenn Herr zu Guttenberg straffrei ausgeht, wird sein Fall zum Präzedenzfall, auf den sich jeder berufen kann, der beim gewerblichen Plagiieren erwischt wird. Zum Schaden aller Urheber. Die Rechtsgrundlage des Abrechnungsverfahrens der Verwertungsgesellschaft Wort (VG-Wort) steht auf dem Spiel.
Die meisten Autoren werden ohnehin schlecht bezahlt, sie sind auf solche Tantiemen angewiesen. Dass sie keine Lobby haben, erweist sich auch im Fall Guttenberg. Medien und Politik befassen sich eifrig mit den moralischen Verfehlungen beim Schreiben der Doktorarbeit - vom Buch und der VG-Wort ist nie die Rede. Objektiv ist das ein Ablenkungsmanöver, das es der Staatsanwaltschaft erleichtert, ein "öffentliches Interesse" zu verneinen. Daher habe ich eine Strafanzeige gestellt, die sich auf die Veröffentlichung der Arbeit als Buch bezieht. Im Interesse aller Urheber. Siehe:
Übrigens: In einer Einleitung formuliert der Autor einer wissenschaftlichen Arbeit gewöhnlich sein Vorhaben. Mit eigenen Argumenten und Worten. Aber eigentlich geht es nicht um redlich oder unredlich. Es geht um Geld.
Seiten 65 und 66
Rötlich: Text der Autorin Sonja Volkmann- Schluck. Herr zu Guttenberg hat rund 20 Seiten mit ihrem Text gefüllt. Das Buch hat rund 400 urheberrechtlich relevante Seiten. Auflage 400, Ladenpreis 88 Euro. Honorar in der Regel 10 Prozent vom Umsatz = rund 3.500,- Euro. 20 Seiten Volkmann-Schluck - ihr Anteil 5 Prozent = 175 Euro. Konnte der Verlag ihr nicht überweisen, weil ZG die Übernahme nicht gemeldet hat. Er hat sie zu seinen Gunsten betrogen. Von der Staatswaltschaft wäre zu ermitteln, ob ZG nicht ein höheres Honorar ausgehandelt hat und/oder ob der Verlag das Buch gar zur Verwertung bei der VG-Wort gemeldet hat.
Rot - Seiten mit Texten von Volkmann-Schluck. Zusammen mit den Fragmenten kommt man auf mehr als 20 Seiten.
Das ganze buch - das ganze Ausmaß - rot: Texte der plaggierten Autoren. Grafiken siehe Link.

References: § 153
 § 106
 § 106
 § 108
 § 106
 § 108
 § 106