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Timestamp: 2019-10-23 15:07:26+00:00

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Steueroptimierende Gestaltungen des Arbeitnehmereinsatzes von Deutschland in die USA
M V Michelle Vonrath (Autor)
2.1 Begriff des Arbeitnehmereinsatzes
2.2 Problematik der Doppelbesteuerung
2.3 Klärung der Ansässigkeit nach Art. 4 DBA USA
2.4 Entsendung bei Aufrechterhaltung und Aufgabe des deutschen Wohnsitzes
3. Vorteilhafte Gestaltung der Entsendevereinbarung
3.1 Vergleich der Einkommensteuerbelastung in Deutschland und in den USA
3.3 Payroll-Split
3.4 Vergütung in Form von Unternehmensanteilen
3.5 Deferred compensations
3.6 Festlegung der optimalen Entsendungsdauer
4.2 Zusam
Abbildung 1: Berechnung der gewichteten Anwesenheitsdauer (look back formula)
Abbildung 2: Federal Federal Income Tax
Abbildung 3: Vergleich der Einkommenssteuerbelastung
III . Abkürzungsverzeichnis
Die vorliegende Bachelorthesis beschäftigt sich mit steueroptimierenden Gestaltun- gen des Arbeitnehmereinsatzes von Deutschland in die USA
Im Zuge der weltweiten Globalisierung wird die internationale Zusammenarbeit immer intensiver. Nicht nur große Unternehmen und Konzerne weisen komplexe, internationale Verflechtungen auf. Die Globalisierung ist mittlerweile auch bei deutschen mittelständischen Unternehmen angekommen. Durch diesen Entwick- lungstrend gewinnen grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten immer mehr an Bedeutung. Dazu gehört auch der Personaleinsatz im Ausland. Vor allem deutsche Fach und Führungskräfte werden immer häufiger im Ausland eingesetzt. Die USA ist außerhalb der EU der wichtigste Handelspartner für Deutschland.1 Dies spiegelt sich auch in der Einsetzung von deutschen Arbeitnehmern in den USA wider. Die meisten deutschen Mitarbeiterentsendungen gehen in die USA, nach Asien oder Großbritannien.2 Gründe für den Einsatz sind aus Unternehmenssicht der Austausch von Fachwissen (Know-how), die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Unternehmenseinheiten, der Ausgleich eines Mangels an qualifizierten Fachkräften und eine Förderung der Mitarbeiterweiterbildung. Demgegenüber stehen die Be- weggründe des Arbeitnehmers, sich auf den Auslandseinsatz einzulassen. Diese sind die Optimierung des Nettoeinkommens, die Aufrechterhaltung des deutschen Lebensstandards und die berufliche Fort- und Weiterentwicklung im Ausland. Wird der Arbeitnehmer schlechter gestellt als vorher, wird er dem Auslandseinsatz nicht zustimmen. Des Weiteren treten durch die Entsendung ins Ausland vielfältige ar- beits-, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Probleme auf, für die eine Antwort gefunden werden muss. Gleichzeitig ist der Arbeitgeber bemüht, die Entsendungs- kosten möglichst gering zu halten, während der Arbeitnehmer auf einen höheren Nettogehaltszufluss hofft. Um die Erwartungen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Einklang zu bringen, ist die steuerliche Handhabung der Personalentsendung von hoher Bedeutung.
Aus der Darlegung der grundsätzlichen Problematik leitet sich Zielsetzung und Aufbau der vorliegenden Bachelorthesis ab. Ziel ist es, zuerst die theoretischen Grundlagen zu schaffen, darauf aufbauend die verschiedenen Varianten der Steuer- reduzierung vorzustellen und nachfolgend auf ein Fallbeispiel anzuwenden.
Die Bachelorthesis ist in drei Teile untergliedert. Im ersten Teil wird der Arbeit- nehmereinsatz in die allgemeine Unternehmensbesteuerung eingeordnet. Dieser Teil widmet sich der Darstellung von theoretischen Grundlagen und Definition we- sentlicher, zum Verständnis der nachfolgenden Diskussion notwendiger Fachbe- griffe. Zu Anfang werden die verschiedenen Arten des Arbeitnehmereinsatzes vor- gestellt und definiert. Es gilt besonders hervorzuheben, dass im Rahmen dieser wis- senschaftlichen Arbeit immer von der Entsendung ausgegangen wird. Im nächsten Schritt wird die Problematik der Doppelbesteuerung diskutiert. In diesem Rahmen werden die Begriffe der Doppelbesteuerung, der Minderbesteuerung und der unbe- schränkten- und beschränkten Steuerpflicht definiert und voneinander abgegrenzt. Nachfolgend wird die Frage der Ansässigkeit, zuerst in Deutschland und dann in den USA, geklärt. Abschließend erfolgt eine Darbietung der steuerlichen Folgen, die zunächst eine Aufrechterhaltung des inländischen Wohnsitzes und nachfolgend seine Aufgabe mit sich bringt. Besonderer Fokus liegt auf dem Artikel 15 DBA USA über unselbstständige Arbeit.
Im zweiten Teil werden die Varianten vorgestellt, die im Rahmen der Entsendever- einbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer zu steuereffizienten Effekten führen und somit eine steueroptimierende Gestaltung garantieren. Beson- derer Fokus wurde auf die in den USA äußerst populären stock options gelegt.
Im dritten Teil werden die im vorherigen Teil vorgestellten Varianten auf ein kon- kretes Fallbeispiel angewendet.
Abschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung der Bachelorthesis.
Unter den Begriff des Arbeitnehmereinsatzes fallen sämtliche Optionen des Arbeit- gebers, seinen Arbeitnehmer außerhalb der Grenzen des eigenen Unternehmens einzusetzen.3 Im Rahmen dieser Bachelorthesis geht es um den grenzüberschreiten- den Arbeitnehmereinsatz. Die gebräuchlichen Begrifflichkeiten des grenzüber- schreitenden Arbeitnehmereinsatzes sind Dienstreise, Abordnung, Delegation, Ver- setzung und Entsendung. Die Definitionen können je nach arbeitsrechtlicher oder steuerrechtlicher Betrachtungsweise unterschiedlich ausfallen. In manchen Fällen liegt auch keine gesetzliche Definition zugrunde, sodass in der Literatur teils nicht konkordante Bezeichnungen und zeitliche Abgrenzungen zu finden sind.4
Aus steuerlicher Sicht wird gemäß der deutschen Finanzverwaltung lediglich zwi- schen der Dienstreise und der Entsendung unterschieden.5
Im Sinne der einschlägigen Steuergesetze liegt eine Dienstreise vor, „wenn der Ar- beitnehmer vorübergehend außerhalb seiner regelmäßigen Arbeitsstätte tätig wird“6. Des Weiteren sollte die Dienstreise einen zeitlichen Rahmen von drei Mo- naten nicht überschreiten. Die auswärtige Tätigkeitsstätte darf auch während der drei Monate im steuerrechtlichen Sinne nicht als regelmäßige Tätigkeitsstätte gel- ten. Der ausländische Arbeitsort gilt nicht als regelmäßige Arbeitsstätte, wenn der Arbeitnehmer jederzeit wieder ins Inland zurück beordert werden kann, sofern er nicht in den geschäftlichen Ablauf der ausländischen Geschäftseinheit eingegliedert wird und folglich ausschließlich den Weisungen der inländischen Geschäftseinheit unterliegt.7
Der Begriff der Entsendung wird in einem BMF Erlass vom 9. November 2011 definiert. Bei einer Entsendung, vereinbart der Arbeitnehmer mit seinem Arbeitge- ber, für eine befristete Zeit bei einem verbundenen Unternehmen zu arbeiten. Mit diesem Unternehmen muss er einen arbeitsrechtlichen Vertrag schließen oder das Unternehmen muss als wirtschaftlicher Arbeitgeber anzusehen sein.8 Der Begriff des wirtschaftlichen Arbeitgebers wird zu einem späteren Zeitpunkt näher beleuch- tet. Neben dieser Definition nehmen die Verwaltungsgrundsätze eine negative Ab- grenzung vor. Eine Entsendung liegt nicht vor, wenn der Arbeitnehmer zur Erfül- lung einer Werk- oder Dienstleistungspflicht für das deutsche Unternehmen tätig wird und seine Arbeitsvergütung Preisbestandteil der Werks- oder Dienstleistung ist.
Die Begriffe Abordnung, Delegation und Versetzung inkludieren eine tieferge- hende Definition der Entsendung, vor allem hingehend des zeitlichen Rahmens. Eine Abordnung liegt bei einer Entsendungsdauer von drei bis sechs Monaten vor. Bei einer Delegation handelt es sich um eine Entsendung, die auf sechs Monate bis zwei Jahre angelegt ist. Die Versetzung ist die langfristigste Form der Entsendung mit einer Veranschlagung von mehr als zwei Jahren.
Bei der Abbestellung handelt es sich nicht um eine Form der Entsendung, da es sich nicht um eine vorübergehenden Einsatz im Ausland, sondern um einen dauerhaften Einsatz handelt. Eine Rückkehr in das Heimatunternehmen ist nicht geplant.9
Im weiteren Verlauf dieser Bachelorthesis wird bei den folgenden Ausführungen davon ausgegangen, dass es sich bei dem Arbeitnehmereinsatz von Deutschland in die USA um eine Entsendung handelt, ausgenommen es wird ausdrücklich auf eine andere Form des grenzüberschreitenden Arbeitnehmereinsatzes hingewiesen.
In diesem Gliederungspunkt erfolgt ein Einstieg in die für das Thema dieser wis- senschaftlichen Arbeit relevanten Terminologie. Betrachtet werden die Begriffe der Doppelbesteuerung und der Minderbesteuerung. Nachfolgend wird der Unterschied zwischen unbeschränkter und beschränkter Besteuerung erläutert.
Bei der Mitarbeiterentsendung von Deutschland in die USA kommt es regelmäßig dazu, dass die souveränen Steuerhoheiten beider Staaten berührt werden. Dadurch kann es zu einer Doppel- oder Minderbesteuerung kommen, wobei es beide auf- grund ihrer wettbewerbsverzerrenden Einflüsse auf die internationalen Märkte zu verhindern gilt. Der Terminus der Doppel- und Minderbesteuerung ist nicht ein- heitlich definiert, wobei sich für die Doppelbesteuerung in der neueren Literatur eine einheitliche Definition herauskristallisiert.10 Demnach ist „der Tatbestand der Doppelbesteuerung.. dann erfüllt, wenn derselbe Steuerpflichtige mit denselben Einkünften oder Vermögenswerten gleichzeitig in zwei oder mehreren Staaten zu gleichen oder vergleichbaren Steuern herangezogen wird.“11 Des Weiteren wird zwischen der wirtschaftlichen und rechtlichen Doppelbesteuerung differen- ziert. Eine rechtliche Doppelbesteuerung liegt vor, wenn die erhobene Steuer gleichartig ist und Steuerobjekt, Steuersubjekt und Besteuerungszeitraum identisch sind. Konstitutives Merkmal einer wirtschaftlichen Doppelbesteuerung ist, dass dieselben Einkommens- und Vermögensteile bei abweichenden Steuersubjekten ei- ner komparablen Steuer unterliegen. Im Vergleich zur steuerlichen Doppelbesteu- erung ist bei der wirtschaftlichen Doppelbesteuerung keine strenge Steuersubjekti- dentität vorausgesetzt.
Die Minderbesteuerung wird in der Literatur wesentlich uneinheitlicher einge- grenzt. Oftmalig wird unter der Minderbesteuerung eine missbräuchliche und un- zulässige Steuerreduzierung im Rahmen von internationalen Belastungsunterschie- den verstanden. In weiteren Definitionen werden vor allem Steuerlastreduktionen als Minderbesteuerungen klassifiziert, die mit den Grundsätzen einer gleichmäßi- gen und wettbewerbsneutralen Unternehmensbesteuerung nicht konform sind, irre- levant, ob die Ursache in einer lückenhaften Abstimmung der Steuersysteme der Staaten oder der missbräuchlichen Ausnutzung von Steuersystemunterschieden durch die Steuerpflichtigen begründet liegt.
Zusammenfassend handelt es sich bei einer Doppelbesteuerung um eine finanzielle Mehrbelastung für den Steuerpflichtigen, während Minderbesteuerung eine finan- zielle Erleichterung darstellt. Beide lassen sich vor allem durch das Abschließen von Doppelbesteuerungsabkommen verhindern.
Im nachfolgenden Abschnitt werden die für diese Bachelorthesis signifikanten Be- grifflichkeiten der unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht erläutert.
Gemäß völkerrechtlicher Grundsätze kann ein Staat lediglich Steuern erheben, wenn er über einen konkreten Anknüpfungsmoment verfügt. Allgemein wird zwi- schen der persönlichen und der sachlichen Bindung zum steuererhebenden Staat differenziert. Eine persönliche Bindung zu einem Staat liegt bei natürlichen Perso- nen entweder durch die Nationalität (Nationalitätsprinzip), durch den Wohnsitz o- der den gewöhnlichen Aufenthalt (Wohnsitz- oder Ansässigkeitsprinzip) vor. Wird der Steuerpflichtige mindestens einem dieser Charakteristika gerecht, gilt er als Steuerinländer.
Eine sachliche Beziehung zu einem Staat liegt vor, wenn der Steuerpflichtige in diesem Staat Einkommen erwirtschaftet oder eine Belegenheit von Vermögen vor- liegt. Diese Form der Anknüpfung wird als Quellen- oder Ursprungsprinzip be- zeichnet. Der Steuerpflichtige, der mindestens eines der beiden Merkmale erfüllt, gilt als Steuerausländer.
Erhebt ein Staat Steuern auf Grund der persönlichen Bindung, führt dies zur unbe- schränkten Steuerpflicht. Durch die unbeschränkte Steuerpflicht muss der Steuer- pflichtige sein gesamtes Welteinkommen im Inland versteuern. Dies bedeutet, dass er mit jeglichem Einkommen und Vermögen aus dem In- und Ausland im Staat steuerpflichtig ist, indem er der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegt. Es handelt sich hierbei um das Welteinkommens- oder Universalitätsprinzip.
Im umgekehrten Falle, wenn der Staat Steuern lediglich basierend auf der sachli- chen Bindung erhebt, wird eine beschränkte Steuerpflicht begründet. In diesem Falle besteuert der Staat nur das Vermögen oder das Einkommen, was auf seinem Gebiet belegen ist oder erwirtschaftet wird. Diese Vorgehensweise wird als Terri- torialitätsprinzip bezeichnet.12
In diesem Gliederungspunkt liegt der Fokus auf der Klärung, ob der zu entsendende Arbeitnehmer eine Ansässigkeit in Deutschland, in den USA oder womöglich in beiden Staaten begründet. Es handelt sich hierbei um eine signifikante Fragestel- lung, da mit der Ansässigkeit die unbeschränkte Steuerpflicht einhergeht. Zuerst werden die Kriterien der Ansässigkeit nach deutschem- und US- amerikanischem Steuerrecht dargestellt. Nachfolgend wird dargelegt, welche Handlungsoptionen es angesichts einer doppelten Ansässigkeit darlegen.
Um die Frage der Ansässigkeit zu beantworten, muss Artikel 4 DBA USA konsul- tiert werden. Kongruent zum OECD MA erfolgt in diesem Artikel keine Definition der Ansässigkeit. Es erfolgt lediglich ein Verweis auf das innerstaatliche Recht der Vertragsstaaten. Dies bedeutet, dass die Klärung nach einer deutschen Ansässigkeit gemäß deutschem Recht und die, der US-amerikanisch nach US-amerikanischem Recht erfolgt. Zielsetzung dieser Regelung ist, dass eine Person, die in einem Ver- tragsstaat der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegt, auch dem Abkommens- schutz unterliegt.13
Zunächst wird die deutsche Ansässigkeit geprüft, welche in §8 AO und §9 A0 ge- regelt wird. §8 AO definiert den Wohnsitz. Eine Person begründet einen deutschen Wohnsitz, wenn sie auf deutschem Staatsgebiet eine Wohnung innehat und die Ab- sicht hat, diese zu nutzen und beizubehalten. §9 AO definiert den gewöhnlichen Aufenthalt.14 “ Als gewöhnlicher Aufenthalt (im Gegensatz zum vorübergehenden Aufenthalt) wird ein zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten bezeichnet. Kurzfristige Unterbrechungen werden bei der Berechnung der Aufenthaltszeit nicht berücksichtig.“15 Erfüllt der Arbeitnehmer die Kriterien des deutschen Wohnsitzes oder des gewöhnlichen Aufenthaltes, ist er nach §1 Abs. EstG unbeschränkt Einkommenssteuerpflichtig.16
Die Prüfung der Ansässigkeit in den Vereinigten Staaten ist weitaus komplizierter. Gemäß Sec. 7701(b)(1)(A) IRC gibt es für Personen, die nicht im Besitz der ame- rikanischen Staatsangehörigkeit sind, zwei verschiedene Varianten, um als ansässig zu gelten. In den USA ansässige Ausländer werden im US-Recht als resident aliens bezeichnet.17
Das erste Verfahren, nennt sich green card test (Sec. 7701(b)(1)(A)(i) IRC).18 Bei der green card handelt es sich um ein amerikanisches Einwanderungsvisum mit un- befristeter Einreiseerlaubnis. Sie ist nicht nur ein Arbeitsvisum, sondern stellt eine Daueraufenthaltsgenehmigung dar19. Es gilt an dieser Stelle hervorzuheben, dass generell nach amerikanischem Recht allein die erstmalige Einreise in Kombination mit dem Besitz der green card eine Ansässigkeit in den USA begründet. Irrelevant ist die spätere, tatsächliche Aufrechterhaltung eines amerikanischen Wohnsitzes. Durch den Besitz der green card gilt die Person automatisch als ansässig.20 Diese Regelung wird jedoch durch das DBA USA annulliert. Die Protokollbestimmung Nr.2 zu Art. 4 Abs.1 regelt ausdrücklich, dass der alleinige Besitz der amerikani- schen Staatsangehörigkeit oder der green card nicht zur Ansässigkeit führt. Die An- sässigkeit ist nur gegeben, wenn die Person einen gewöhnlichen Aufenthalt oder eine ständige Wohnstätte begründen kann oder sich länger in den USA aufhält. An- knüpfungspunkt ist somit der tatsächliche körperliche Aufenthalt, auf welchen im folgenden Abschnitt tiefer eingegangen wird. Diese Erkenntnis hat zur Folge, dass der green card test für einen Arbeitnehmereinsatz von Deutschland in die USA ir- relevant ist.21
Von Bedeutung ist jedoch die zweite Variante: der substantial presence test (Sec. 7701(b)(3)IRC). Hier steht die körperliche Anwesenheit im Vordergrund. Eine Per- son, die in den letzten drei Kalenderjahren mindestens 183 Tage körperlich in den USA anwesend war, gilt als in den USA ansässig. Hält sich der Entsendete im lau- fenden Kalenderjahr mehr als 183 Tage in den Vereinigten Staaten auf, sind die beiden vorherigen Jahre irrelevant und er gilt automatisch als ansässig. Erfüllt er dieses Kriterium nicht, kann er dennoch als ansässig gelten, wenn er im laufenden Kalenderjahr mindestens 31 Tage und in den letzten drei Jahren zusammengerech- net wenigstens 183 Tage körperlich anwesend war. Um die Anwesenheitsdauer zu berechnen erfolgt eine unterschiedliche Gewichtung der letzten drei Jahre anhand der look back formula (Sec.7701(b)(3)(A)(i) IRC)22
Abbildung 1: Berechnung der gewichteten Anwesenheitsdaue
(look back formula)23
Körperliche Anwesenheit besteht, wenn sich eine Person zu irgendeinem Zeitpunkt des Tages auf US-amerikanischem Staatsgebiet aufhält. Zu dieser Regelung gibt es einige Ausnahmen. Eine für den Fall der Entsendung aus Deutschland relevante Ausnahme ist, dass Aufenthaltstage, in denen nur eine Durchreise mit geringerem Aufenthalt als 24 Stunden und ohne Nachgang von wirtschaftlichen Interessen auf US-amerikanischen Boden, nicht mit einberechnet werden (Sec. 7701(b)(7)(C). Des Weiteren werden auch Krankheitstage, die die Abreise des Entsendeten verzö- gern, nicht berücksichtigt, wenn die Krankheit durch den Aufenthalt in den USA verursacht wurde (Sec. 7701(b)(3)(D)IRC)24
Von besonderer Bedeutung bei der Betrachtung des substantial presence tests, vor allem vor dem Hintergrund der Entsendung von Deutschland in die USA, ist, dass es gem. Sec. 7701(b)(3)(B) IRC möglich ist, eine Befreiung von der Anwendung des Verfahrens zu beantragen.25 Dies ist interessant, wenn es für den Arbeitnehmer günstiger wäre sein Einkommen in Deutschland zu versteuern. Auf dieses Thema wird explizit in Abschnitt 3.2 eingegangen. Die Befreiung kann nur genehmigt wer- den, wenn die Person im laufenden Kalenderjahr weniger als 183 Tage körperlich anwesend war. Außerdem muss der Arbeitnehmer in Deutschland einen Steuer- wohnsitz (tax home) und eine engere Beziehung (closer connection) nachweisen können. Der Steuerwohnsitz wird als Ort der regelmäßigen Geschäftstätigkeit defi- niert. Die Tätigkeit kann eine selbstständige, nichtselbstständige oder auch eine ge- werbliche Tätigkeit sein. Lässt sich der Steuerwohnsitz nicht bestimmen, kann auch der ständige Wohnsitz (permanent home) als dieser gelten. Der Begriff der engeren Beziehung wird nicht weiter definiert, jedoch existiert eine Richtlinie der US-ame- rikanischen Finanzverwaltung. Anknüpfungspunkt gemäß dieser Richtlinie ist der Mittelpunkt der Lebensinteressen anhand familiärer und gesellschaftlicher Aspekte. Zu prüfen ist, wo sich der ständige Wohnsitz und vor allem die Familie befindet. Der Ort, an dem sich persönliche Gegenstände wie Auto, Bekleidung und Möbel befinden und wo Mitgliedschaften zu politischen, religiösen oder kulturellen Orga- nisationen bestehen.26 Diese Aufzählung ist jedoch nur eine Orientierungshilfe, es können weitere Kriterien für die Bestimmung aufgenommen werden. Die Prüfung ist immer einzelfallabhängig. Eine Befreiung ist nicht möglich, wenn ein Antrag auf ein Einwanderungsvisum gestellt worden ist. Unter diesen Umständen gilt der Steuerpflichtige bei Erfüllung des substantial presence tests grundsätzlich als an- sässig.27
Die Ansässigkeit in den USA hat eine steuerliche Gleichstellung mit den US-Staats- bürgern zur Folge (Sec.1 i.V.m. Sec. 871(a)(b) i.V.m. Sec. 7701(b)(1)(B) IRC), die ansässige Person gilt somit als Steuerinländer und ist mit ihrem Welteinkommen unbeschränkt steuerpflichtig (Sec. 61(a) IRC). Ausländer ohne Ansässigkeit unter- liegen lediglich der beschränkten Steuerpflicht und sind folglich nur mit Einkünften aus amerikanischen Quellen steuerpflichtig.28
In den vorherigen Abschnitten wurde die Ansässigkeit nach deutschem und US- amerikanischem Recht untersucht. Im Falle der Entsendung von Deutschland in die USA kann es schnell dazu kommen, dass eine Person in beiden Staaten als ansässig gilt und eine Doppelbesteuerung droht. Dieses Problem löst Art. 4 Abs. 2 DBA USA. Einem der beiden Wohnsitzstaaten muss der Vorrang erteilt werden. Welcher dies ist, wird mit Hilfe eines Kriterienkataloges entschieden. Zuerst wird geprüft, in welchem Staat die Person über eine ständige Wohnstätte verfügt. Verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, wird geprüft, zu welchem Staat die Person engere persönliche und wirtschaftliche Interessen pflegt (Mittelpunkt der Lebensinteressen). Ist der Mittelpunkt der Lebensinteressen nicht bestimmbar, ist die Person im dem Staat ansässig, in dem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat. Hat sie in keinem oder in beiden Staaten einen gewöhnlichen Aufenthalt, gilt sie in dem Staat ansässig, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt. Besitzt die Person beide oder keine Staatsangehörigkeit der Staaten, regeln die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten die Frage in gegenseitigem Einvernehmen. Der Art. 4 Abs. 2 wurde wortwörtlich aus dem OECD-Musterartikel 4 Abs. 2 übernommen.
Wurde der Ansässigkeitsstaat mit Hilfe des Kriterienkatalogs bestimmt, gilt dieser als alleiniger Wohnsitzstaat.29
1 Vgl. Endres, Dieter et al., DBA Deutschland/USA Doppelbesteuerungsabkom
2 Vgl. Exp
3 Vgl. Födisch, Wilfried, Arbeitnehmereinsatz im Aus
4 Vgl. Hofmann, Karl W./ Nowak, Hans/ Rohrbach, Thomas, Auslandsentsend
5 Vgl. Zehetmair, Martin, Steuerfragen bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausla
Sicht der beteiligten Unternehm
6 R 37 Abs. 2 u
7 Vgl. Jacobs, Otto H., Internationale Unternehmensbesteuerun
8 Vgl. Görl, Maximilian, Steuerliche Probleme bei der Mitarbeiterentsendu
9 Vgl. Wacker, Wilhelm H., Steuerliche Probleme bei der Entsendung von Führungskräften ins Auslan
10 Vgl. Jacobs, Otto H., Internationale Unternehmensbesteuer
11 Jacobs, Otto H., Internationale Unternehmensbesteue
12 Vgl. Jacobs, Otto H., Internationale Unternehmensbesteuer
13 Vgl. Debatin, Helmut, Endres, Dieter, Das neue Doppelbesteuerungsabkommen USA/Bundesre- publik Deutschlan
14 Vgl. Djanani, Christina/ Brähler, Gernot/ Lösel, Christian, Ertragsteu
15 Djanani, Christiana/ Brähler, Gernot/ Lösel, Christian, Ertragsteue
16 Vgl. Djanani, Christiana/ Brähler, Gernot/ Lösel, Christian, Ertragsteue
17 Vgl. Kroschel, Jörg, Die Federal Income Tax der Vereinigten Staaten von Ameri
18 Vgl. Dörnberg, Richard L., International Taxation in a Nutshe
19 Vgl. Frederichs, Jan, Das Visa-Recht der Vereinigten Staaten
20 Vgl. Besch, Christoph, Steuern in den U
21 Vgl. Debatin, Helmut/ Endres, Dieter, Das neue Doppelbesteuerungsabkommen USA/Bundesre- publik Deutschla
22 Vgl. Besch, Christoph, Steuern in den U
23 Djanani, Christiana/Brähler, Gernot/ Lösel, Christian, Arbeitnehmerentsendung in die U
24 Vgl. Lambrecht, Claus, Die beschränkte und unbeschränkte Steuerpflicht im Bereich der U.S.- amerikanischen Bundessteue
25 Vgl. Besch, Christoph, Steuern in den U
26 Vgl. Betram, Frank, Die steuerliche Behandlung des Wohnsitzes bei Entsendung deutscher Ar- beitnehmer in die US
27 Vgl. Striegel, Andreas, Grundlagen des US-amerikanischen Steuerrech
28 Vgl. Djanani, Christiana, Internationales Steuerrec
29 Vgl. Debatin, Helmut/ Endres, Dieter, Das neue Doppelbesteuerungsabkommen USA/Bundesre-publik Deutschlan
Michelle Vonrath (Autor)
V489706
9783668970878
9783668970885
Expats, Mitarbeiterentsendung
Michelle Vonrath (Autor), 2016, Steueroptimierende Gestaltungen des Arbeitnehmereinsatzes von Deutschland in die USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489706

References: Art. 4
 §8
 §9
 §8
 §9
 §1
 Art. 4
 Art. 4
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