Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Hamm&Datum=2015-03-25&Aktenzeichen=31%20U%20155%2F14
Timestamp: 2018-11-17 18:18:47+00:00

Document:
OLG Hamm, 25.03.2015 - I-31 U 155/14 - dejure.org
OLG Hamm, 25.03.2015 - I-31 U 155/14
Darlehen, Verbraucherdarlehen, Widerrufsrecht, Verwirkung, Vertragsaufhebung
Widerrufsrecht des Darlehensnehmers bei nicht ordnungsgemäßer Belehrung trotz einvernehmlicher Aufhebung des Vertrags
Verbraucherdarlehensvertrag - Widerruf nach Vertragsaufhebung
BGB § 346; BGB § 355; BGB § 357; BGB § 242
Widerrufsrecht des Darlehensnehmers auch bei Vertragsaufhebung möglich
BGB §§ 242, 346, 355, 357; BGB-InfoV a. F. § 14
Auch vorzeitig abgelöstes Darlehen kann widerrufen werden
Darlehenswiderruf: Verbraucherrechte
Widerruf auch nach vorzeitiger Ablösung des Darlehens möglich
Widerruf auch nach Vertragsaufhebung des Darlehens noch möglich
Widerrufsrecht des Verbrauchers trotz einvernehmlicher Vertragsaufhebung
Verwirkung und zum Widerruf nach Aufhebungsvereinbarung
Rückforderung von Vorfälligkeitsentgelt bei Darlehenswiderruf auch bei Aufhebung des Vertrags möglich
BGB §§ 242, 346, 355, 357
Keine Verwirkung des Widerrufsrechts bei einvernehmlicher Aufhebung eines Verbraucherdarlehensvertrags
ZIP 2015, 1113
MDR 2015, 934
Die wohl herrschende Auffassung und die überwiegende obergerichtliche Rechtsprechung geht von einer Anwendbarkeit des Widerrufsrechts auch auf einvernehmlich abgelöste oder gekündigte Verbraucherdarlehensverträge aus, wenn der Verbraucher bei der Ablösung in Unkenntnis seines fortbestehenden Widerrufsrechts handelte (OLG Hamm…, Urteil vom 04.11.2015, 31 U 64/15, Juris Rn. 24; OLG Hamm, Urteil vom 25.03.2015, I-31 U 155/14, Juris Rn. 15;… OLG Zweibrücken, Hinweisbeschluss vom 10.05.2012, 7 U 84/09, Juris Rn. 11; OLG Frankfurt…, Beschluss vom 10.03.2014, 17 W 11/14, Juris Rn. 13;… BeckOK-BGB/Müller-Christmann, 38. Ed. 2015, Rn. 13;… ganz allgemein für die Anwendung beim gekündigten Vertrag Palandt/Grüneberg, 75. Aufl. 2016, § 355 BGB, Rn. 2;… jurisPK-BGB/Hönninger, 7. Aufl. 2014, § 355 BGB, Rn. 10).
Die vom Kläger in Bezug genommenen Entscheidungen des Landgerichts Essen vom 09.10.2014 (6 O 214/14), die daran anknüpfende Endscheidung des OLG Hamm vom 25.03.2015 (31 U 155/14) sowie die Entscheidung des OLG Stuttgart vom 29.09.2015 (6 U 21/15, juris-Tz. 34), die eine Anpassung der Belehrung an den Einzelfall für erforderlich und eine Sammelbelehrung für unzulässig halten, rechtfertigen mit Blick auf die Vorgaben des Bundesgerichtshofs keine abweichende Entscheidung.
Es wird auch angenommen, dass eine von den Parteien vereinbarte Aufhebungsvereinbarung eines Verbraucherdarlehensvertrages der späteren Ausübung des Widerrufsrechts regelmäßig nicht entgegensteht (vgl. OLG Hamm Urteil vom 25.03.2015 - I- 31 U 155/14, ZIP 2015, 1113, Tz. 15; OLG Koblenz Urteil vom 29.08.2016 - 8 U 1049/15, ZIP 2016, 1765, Tz. 49).
Denn die Widerrufsbelehrung der Beklagten ist primär an den damaligen gesetzlichen Anforderungen der §§ 355 11, 358 V BGE$ a. F. und nicht etwa an der Musterbelehrung zu messen (vgl. z. B. BGH, Urteil vom 23.06.2009 - XI ZR 156/08; wohl allg. Meinung z. B. OLG Stuttgart Urteil vom 29.04 2015, Gz. 9 U 176/14; das wird übersehen von OLG Hamm, Urteil vom 25.03.201i - 31 U 155/14, Rz. 10, das sich allein mit dieser Frage befasst, ohne zuvor einen Belehrungsfehler festzustellen).
Sie hat vielmehr entgegen der Ausfüllanleitung der Musterbelehrung Satz 2 ebenso wie die Sätze 11 und 12 der Musterbelehrung sowie den Zusatz in Gedankenstrichen in Satz 9 in ihrer Belehrung belassen und somit eine Art "Sammelbelehrung" für alle möglichen verbundenen Geschäfte erstellt (…für die Zulässigkeit einer solchen Sammelbelehrung und das Eingreifen der Gesetzlichkeitsvermutung in einem solchen Fall auch bei Nichtvorliegen eines verbundenen Geschäfts z. B. OLG Düsseldorf vom 12.06.2015, 22 U 17/15, Juris-Rz. 73; ähnlich OLG Bamberg, 522 Il-Hinweis vom 01.06.2015, 6 U 13/15 a. A. OLG Hamm vom 25.03.2015, 31 U 155/14).
Ein Widerspruch zur Entscheidung des OLG Hamm vom 25.03.2015, 31 U 155/14, besteht schon deshalb nicht, weil dort - ohne Revisionszulassung - nur die Gesetzlichkeitsvermutung der Musterbelehrung behandelt wurde, ohne einen Belehrungsfehler festzustellen.
Es ist schon deswegen zu verneinen, weil die Beklagte die Situation des ewigen Widerspruchsrechts selbst dadurch herbeigeführt hat, dass sie die Klägerin nicht ordnungsgemäß über ihr Widerspruchsrecht belehrt hat (BGH…, Urteil vom 07.05.2014, IV ZR 76/11, Juris Rn. 39; BGH…, Urteil vom 29.07.2015, IV ZR 384/14, Juris Rn. 31, jeweils zum Widerruf eines Versicherungsvertrages; vgl. auch OLG Hamm…, Beschluss vom 25.08.2014, I-31 U 74/14, Juris Rn. 14; OLG Hamm, Urteil vom 25.03.2015, I-31 U 155/14, Juris Rn. 16; Bülow, WM 2015, 1829, 1831).
Soweit die anderslautende obergerichtliche Rechtsprechung auch daran anknüpfen will, dass eine Widerrufsbelehrung erteilt war und der Verbraucher daher "grundsätzlich" über das ihm zustehende Widerrufsrecht in Kenntnis gesetzt war, verkennt sie, dass die mit der unterlassenen oder nicht ordnungsgemäßen Widerrufsbelehrung verbundenen Nachteile grundsätzlich der Geschäftspartner des Verbrauchers zu tragen hat (BGH…, Urteil vom 18.10.2004, II ZR 352/02, Juris Rn. 23 zum HaustürWG; vgl. auch OLG Hamm…, Beschluss vom 25.08.2014, I-31 U 74/14, Juris Rn. 14; OLG Hamm, Urteil vom 25.03.2015, I-31 U 155/14, Juris Rn. 16; OLG Oldenburg…, Urteil vom 28.05.2009, 14 U 60/08, Juris Rn. 50).
Schließlich folgt aus § 355 Abs. 2 BGB a.F., dass der Unternehmer es bei fehlender oder fehlerhafter Widerrufsbelehrung jederzeit selbst in der Hand hat, durch eine Nachbelehrung den Fristbeginn herbeizuführen, was der Möglichkeit entgegensteht, durch bloßes Abwarten in den Genuss des für die Verwirkung erforderlichen Vertrauenstatbestands kommen zu können (vgl. OLG Hamm…, Beschluss vom 25.08.2014, I-31 U 74/14, Juris Rn. 14; OLG Hamm, Urteil vom 25.03.2015, I-31 U 155/14, Juris Rn. 16; OLG Oldenburg…, Urteil vom 28.05.2009, 14 U 60/08, Juris Rn. 50;… Palandt/Grüneberg, BGB, 75. Aufl. 2016, § 355 Rn. 107;… Soergel/Pfeiffer, a.a.O.; Bülow, WM 2015, 1829, 1831).
Unabhängig davon bliebe ein Widerrufsrecht selbst dann von der sog. Aufhebungsvereinbarung unberührt, wenn die Darlehensverträge hierdurch aufgehoben worden wären (ebenso OLG Hamm, Urteil vom 25.03.2015 - 31 U 155/14, juris Rn. 15 m.w.N.;… Urteil vom 04.11.2015 - 31 U 64/15, juris Rn. 24 m.w.N.; OLG Frankfurt…, Beschluss vom 02.09.2015 - 23 U 24/15, juris Rn. 23).
Verwirkung des Widerrufsrechts für einen Darlehensvertrag; Darlehensvertrag; …
LG Rottweil, 19.08.2016 - 2 O 156/15
Kreditfinanzierter Autokauf: Zulässigkeit der bankseitigen Veräußerung eines Pkw …

References: § 346
 § 355
 § 357
 § 242
 § 14
 § 355
 § 355
 § 355
 § 355