Source: https://judicialis.de/Bundesverwaltungsgericht_BVerwG-7-C-11-98_Urteil_25.03.1999.html
Timestamp: 2019-02-16 11:22:35+00:00

Document:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 25.03.1999 mit dem Az.: BVerwG 7 C 11.98	/* Banner Ads */
Aktenzeichen: BVerwG 7 C 11.98
Rechtsgebiete: VermG, GVO, AnmVO, GVVO
VermG	§ 1 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 2
VermG § 4 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 Buchst. a
AnmVO	§ 7 Abs. 3
GVVO § 2 Abs. 1 Buchst. a
BVerwG 7 C 11.98 VG 7 A 5.95
hat der 7. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 25. März 1999 durch den Präsidenten des Bundesverwaltungsgerichts Dr. Franßen und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Paetow, Dr. Bardenhewer, Kley und Herbert
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin vom 19. Juni 1997 wird zurückgewiesen.
Der Kläger beansprucht die Rückübertragung eines Grundstücks nach den Vorschriften des Gesetzes zur Regelung offener Vermögensfragen - VermG -.
Das umstrittene Grundstück gehörte früher dem Vater des Klägers. Dieser verließ die sowjetisch besetzte Zone im Jahre 1947. Das Grundstück wurde unter staatliche Verwaltung gestellt. Nachdem die Sparkasse einen zu Instandhaltungszwecken beantragten Kredit mangels ausreichender Sicherheiten abgelehnt hatte, wurde das Anwesen im Jahre 1982 nach den Vorschriften des Aufbaugesetzes in Volkseigentum überführt. Mit der im Wege des Ertragswertverfahrens berechneten Entschädigung wurden die Forderungen des staatlichen Verwalters und ein Teil der auf dem Grundstück lastenden Verbindlichkeiten beglichen.
Im Mai 1989 beantragten die Beigeladenen, die seit 1972 in dem Haus zur Miete wohnten, den Erwerb des Gebäudes. Die Mitmieter des als Zweifamilienhaus genutzten Anwesens erklärten, keine Einwände gegen den Verkauf zu haben. Mit notariellem Vertrag vom 8. Februar 1990 erwarben die Beigeladenen das Haus zu dem durch die Grundstücksbewertungsstelle ermittelten Preis. Der Magistrat von Berlin verlieh ihnen das gleichzeitig beantragte Recht zur Nutzung des volkseigenen Grundstücks mit Wirkung vom 1. März 1990. Die entsprechenden Grundbucheintragungen erfolgten am 7. Mai 1990. Am 6. Juni 1990 erwarben die Beigeladenen das Grundstück hinzu; dies wurde im August 1990 ins Grundbuch eingetragen. Seit Mitte 1990 nutzen die Beigeladenen das Anwesen auch zur Vermietung an Feriengäste.
Im August 1990 beantragte der Kläger als Erbe seines Vaters die Rückübertragung des Grundstücks und das Wiederaufgreifen des Genehmigungsverfahrens nach der Grundstücksverkehrsverordnung - GVVO - aufgrund § 7 der Verordnung über die Anmeldung vermögensrechtlicher Ansprüche - AnmVO -. Auf Ersuchen des Amtes zur Regelung offener Vermögensfragen, das dem Antrag auf Wiederaufgreifen des Genehmigungsverfahrens stattgegeben hatte, wurde im August 1991 zugunsten des Klägers im Grundbuch ein Widerspruch gegen die Richtigkeit der Eintragung der Beigeladenen als Eigentümer des Grundstücks eingetragen. Den Antrag auf Rückübertragung des Grundstücks lehnte das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen im November 1993 ab und stellte gleichzeitig die Entschädigungsberechtigung des Klägers fest. Zur Begründung führte es aus, daß das Grundstück zwar von einer Schädigungsmaßnahme nach § 1 Abs. 1 Buchst. b und § 1 Abs. 2 VermG betroffen, die Rückgabe jedoch nach § 4 Abs. 2 VermG wegen redlichen Erwerbs durch die Beigeladenen ausgeschlossen sei.
Nach erfolglosem Widerspruchsverfahren hat der Kläger Klage auf Rückübertragung des Grundstücks, hilfsweise auf Übertragung des Rückübereignungsanspruchs des Beklagten gegen die Beigeladenen, erhoben. Dazu hat er im wesentlichen geltend gemacht: Die Beigeladenen hätten trotz ihrer Eintragung im Grundbuch kein Eigentum erlangt, weil sein Antrag auf Wiederaufgreifen des Genehmigungsverfahrens aufschiebende Wirkung gehabt habe und ein Widerspruch im Grundbuch eingetragen worden sei. Eine Grundstücksverkehrsgenehmigung, deren Vorliegen er mit Nichtwissen bestreite, hätte daher nicht erteilt werden dürfen. Zumindest müsse ihm das Grundstück nach § 7 Abs. 3 der Grundstücksverkehrsordnung - GVO -zurückgegeben oder der Anspruch des Beklagten gegen die Beigeladenen auf Rückübereignung des Grundstücks übertragen werden. Lediglich hilfsweise berufe er sich darauf, daß er das Eigentum nicht durch die Enteignung nach dem Aufbaugesetz verloren habe, weil deren Voraussetzungen offenkundig nicht vorgelegen hätten und die Enteignung daher nichtig sei. Das Grundstück sei somit nicht Volkseigentum geworden und habe daher auch nicht durch den Magistrat von Berlin wirksam an die Beigeladenen veräußert werden können. Schließlich sei die Rückgabe auch nicht wegen redlichen Erwerbs ausgeschlossen. Da § 4 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a VermG den Rückgabeausschuß nachträglich auf die sogenannten Anbahnungsfälle erstreckt habe, habe die Vorschrift enteignende Wirkung und sei daher verfassungswidrig. Die Beigeladenen seien darüber hinaus aber auch unredlich gewesen. Bei dem Erwerbsgegenstand habe es sich um ein Zweifamilienhaus gehandelt, das nicht unter die Bestimmungen zum Verkauf von Eigenheimen gefallen sei. Die Beigeladenen hätten es auch - anders als sie seinerzeit angegeben hätten - nicht zum Eigenbedarf, sondern allein aus einem Vermieterinteresse heraus erworben, wie die gewerbliche Nutzung seit Mitte 1990 belege. Erwerben können hätten sie das Haus in der bevorzugten Wohnlage ohnehin nur, weil sie im Ministerium des Innern beschäftigt gewesen seien.
Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen und zur Begründung im wesentlichen ausgeführt: Die angegriffenen Bescheide seien rechtmäßig, weil die Beigeladenen das Wohnhaus, das dafür erteilte Nutzungsrecht an dem Grundstück und später auch dieses selbst nach § 4 Abs. 2 VermG redlich erworben hätten. Erwerb im Sinne dieser Vorschrift setze dabei nur voraus, daß zu dem auf die Rechtsübertragung zielenden Rechtsgeschäft die Eintragung ins Grundbuch hinzutrete. Mängel des zugrundeliegenden Gebäude- oder Grundstückskaufvertrages blieben außer Betracht, weil es nur darauf ankomme, daß dem Erwerber eine gemessen an der Rechtswirklichkeit der DDR unangreifbare Position verschafft worden sei. Dem Rechtserwerb durch die Beigeladenen stehe nicht entgegen, daß zuvor nicht wirksam Volkseigentum an dem Grundstück begründet worden sei; denn die Enteignung habe unabhängig davon, ob die Voraussetzung der einschlägigen Vorschriften des Aufbaugesetzes erfüllt gewesen seien, nach § 19 Satz 1 des Einigungsvertrages - EV - Bestand. Die Rechtsposition der Beigeladenen werde auch nicht durch den in § 4 Abs. 2 VermG bezeichneten Stichtag des 18. Oktober 1989 erschüttert; denn das Erwerbsbegehren datiere aus der Zeit davor. Soweit es um den Erwerb des Grundstücks selbst gehe, handele es sich um einen sogenannten Komplettierungskauf, für den die Stichtagsregelung nicht gelte. Der Antrag des Klägers auf Wiederaufgreifen des Genehmigungsverfahrens nach der Grundstücksverkehrsverordnung sei ebenfalls nicht erwerbshindernd gewesen. Derart weitreichende Rechtsfolgen seien mit der in § 7 Abs. 3 AnmVO angeordneten aufschiebenden Wirkung nicht verbunden; ansonsten wäre für die Anwendung des § 4 Abs. 2 VermG kein Raum mehr. Ein von § 4 Abs. 3 VermG erfaßtes unredliches Verhalten sei den Beigeladenen nicht vorzuwerfen.
Mit seiner Revision begehrt der Kläger vorrangig die Übertragung des Rückübereignungsanspruchs des Beklagten gegen die Beigeladenen auf sich, hilfsweise die Rückübertragung des Grundstücks. Dazu macht er geltend: Weder für den Gebäude- noch für den Grundstückskauf seien die erforderlichen Genehmigungen erteilt worden, so daß eine Rückabwicklung der Verträge nach schuldrechtlichen Grundsätzen erfolgen müsse. Sein Hauptantrag folge der in § 7 Abs. 3 GVO vorgeschriebenen Regelung. Soweit der Beklagte sich erstmals im Verfahren auf Zulassung der Revision darauf berufen habe, daß nach den Hinweisen und Erläuterungen des Finanzministeriums der DDR zum Nutzungsrechtsgesetz mit der Verleihung des Nutzungsrechts die Genehmigung zum Hauskauf als erteilt anzusehen gewesen sei, fehle es an entsprechenden Feststellungen der Vorinstanz. Es handele sich um Verwaltungsvorschriften, die vom Tatsachengericht nach den Regeln über Willenserklärungen auszulegen seien. Ähnliches gelte für die Behauptung, daß entsprechend den Hinweisen und Erläuterungen verfahren worden sei. Auch dies sei Tatsachenvortrag, der nach § 137 VwGO unbeachtlich sei. Zweifel an der geltend gemachten Verwaltungspraxis ergäben sich insbesondere daraus, daß die Beigeladenen mit Schreiben des Magistrats von Berlin vom 16. Januar 1990 darauf hingewiesen worden seien, daß ein Nutzungsrecht erst n a c h der Genehmigung des Kaufvertrages verliehen werde, und zudem in beiden Kaufverträgen unter Nr. 6 darauf aufmerksam gemacht werde, daß Voraussetzung für die Wirksamkeit der Verträge die staatliche Genehmigung sei. Selbst wenn aber eine Genehmigung erteilt worden sein sollte, sei diese durch das Wiederaufgreifen des Genehmigungsverfahrens rückwirkend außer Kraft getreten. Die Auffassung des Verwaltungsgerichts, diese Rechtsansicht führe zur vollständigen Unanwendbarkeit des § 4 Abs. 2 VermG, gehe daran vorbei, daß § 7 AnmVO nur die Erwerbsvorgänge erfasse, die nach dem 18. Oktober 1989 ohne Zustimmung des Berechtigten abgeschlossen worden seien. Im übrigen wiederholt der Kläger den Vortrag aus dem Klageverfahren.
Der Beklagte beantragt, die Revision zurückzuweisen. Er verteidigt die Ausführungen des angegriffenen Urteils und macht geltend, daß die erforderliche Genehmigung für den Gebäudekauf vorliege, weil nach Ziff. 2.2.3. der Hinweise und Erläuterungen zur Durchführung des Nutzungsrechtsgesetzes vom 31. Dezember 1986 mit der Verleihung des Nutzungsrechts die für den Verkauf eines volkseigenen Eigenheims erforderliche Grundstücksverkehrsgenehmigung als erteilt gelte. Dabei handele es sich um seinerzeit geltendes DDR-Recht, das auch von der Revisionsinstanz zu beachten sei.
Die Beigeladenen beantragen ebenfalls, die Revision zurückzuweisen, und berufen sich darauf, daß ihr Rechtserwerb im Einklang mit den in der DDR geltenden Vorschriften gestanden habe.
Die Revision ist nicht begründet. Dabei steht ihrem Erfolg nicht schon entgegen, daß der Kläger gegenüber der Vorinstanz Haupt- und Hilfsantrag ausgetauscht hat. Da wegen der Abweisung der Klage durch das Verwaltungsgericht dort auch der Hilfsantrag zur Entscheidung gestanden hat, kann das Auswechseln der Anträge nicht zu einer unzulässigen Klageänderung im Sinne des § 142 Abs. 1 Satz 1 VwGO führen, sondern allenfalls zu einer auch in der Revisionsinstanz erlaubten Beschränkung des Klagebegehrens nach § 264 Nr. 2 ZPO i.V.m. § 173 VwGO.
Der Erfolg bleibt der Revision jedoch versagt, weil das Verwaltungsgericht die Klage im Ergebnis zu Recht abgewiesen hat; denn der Kläger hat wegen redlichen Erwerbs der Beigeladenen weder einen Anspruch auf Grundstücksrückübertragung noch - mangels eines gegen die Beigeladenen bestehenden Rückübereignungsanspruchs des Beklagten - auf Übertragung eines solchen Anspruchs, gleichgültig in welchem Rangverhältnis diese Ansprüche erhoben werden; dabei kann dahingestellt bleiben, inwieweit in diesem Verfahren überhaupt ein an die Aufhebung der Grundstücksverkehrsgenehmigung knüpfender Anspruch nach § 7 Abs. 3 Satz 1 GVO geltend gemacht werden kann.
1. Nach der Rechtsprechung des Senats setzt redlicher Erwerb im Sinne des § 4 Abs. 2 Satz 1 VermG nicht voraus, daß das zugrundeliegende Rechtsgeschäft zivilrechtlich wirksam war. Maßgeblich ist vielmehr allein, ob dem Erwerber eine Eigentümerstellung verschafft wurde, die gemessen an der Rechtswirklichkeit der DDR unangreifbar war (Urteil vom 18. Januar 1996 - BVerwG 7 C 20.94 - Buchholz 428 § 4 VermG Nr. 25). Eine solche Position hatten die Beigeladenen erlangt. Dafür reicht es allerdings nicht aus - wie offenbar das Verwaltungsgericht meint -, daß die Beigeladenen ein entsprechendes Rechtsgeschäft abgeschlossen hatten und auf dessen Grundlage im Grundbuch eingetragen worden waren. Vielmehr konnte ein Erwerber - jedenfalls nach der Wende zu rechtsstaatlichen Verhältnissen in der DDR und somit auch zu dem Zeitpunkt des Gebäudeerwerbs im Mai 1990 - nur dann auf die faktische Unangreifbarkeit seiner Eigentümerstellung vertrauen, wenn ihm die für die Wirksamkeit des Rechtsgeschäfts nach § 2 Abs. 1 Buchst. a der Grundstücksverkehrsverordnung - GVVO - vom 15. Dezember 1977 (GBl I 1978, 73) notwendige Grundstücksverkehrsgenehmigung erteilt worden war (Urteil des Senats vom 31. Juli 1997 - BVerwG 7 C 28.96 - Buchholz 428 §4 VermG Nr. 44).
a) Obwohl das Verwaltungsgericht keine Feststellungen zu der Erteilung einer solchen Genehmigung getroffen hat, hatten die Beigeladenen dennoch eine Rechtsposition erreicht, in deren Bestand sie vertrauen konnten. Nach Abschnitt 2.2.3. der Hinweise und Erläuterungen des Ministeriums für Finanzen zur Durchführung des Nutzungsrechtsgesetzes vom 31. Dezember 1986 galt in Zusammenhang mit dem Verkauf volkseigener Eigenheime die nach der Grundstücksverkehrsverordnung erforderliche Genehmigung mit der Verleihung des Nutzungsrechts als erteilt. Dieselbe Regelung enthielt die von dieser Bestimmung in Bezug genommene Richtlinie des Ministeriums der Finanzen vom 10. April 1985 zur Durchführung des Gesetzes über den Verkauf volkseigener Eigenheime, Miteigentumsanteile und Gebäude für Erholungszwecke vom 19. Dezember 1973 (GBl I 578) - Eigenheimgesetz - unter Abschnitt 4. Ein gesondertes Genehmigungsverfahren sollte nicht erfolgen, vielmehr sollten bei der Verleihung des Nutzungsrechts alle Gesichtspunkte geprüft werden, die im Genehmigungsverfahren nach der Grundstücksverkehrsverordnung zu beachten waren. Die in diesen Bestimmungen angeordnete Fiktion erfaßt auch den von den Beigeladenen am 8. Februar 1990 und damit noch unter Geltung des Eigenheimgesetzes abgeschlossenen Gebäudekaufvertrag, nachdem ihnen das für die Nutzung des volkseigenen Grundstücks erforderliche Nutzungsrecht erteilt worden ist.
Die gegen die Berücksichtigung dieser Richtlinien erhobenen revisionsrechtlichen Einwände des Klägers greifen nicht durch. Dabei kann dahingestellt bleiben, ob die vom Ministerium der Finanzen stammenden Bestimmungen als Bestandteil der DDR-Rechtsordnung anzusehen sind, wovon offenbar der Beklagte ausgeht, oder als das förmliche Recht überlagernde Verwaltungsanweisungen. Da es ausschließlich darauf ankommt, ob die von den Beigeladenen erlangte Position in der Rechtswirklichkeit der DDR unangreifbar war, ist allein maßgeblich, ob es der Rechtspraxis entsprach, im Falle der Nutzungsrechtsbewilligung von einem zusätzlichen Genehmigungsverfahren nach der Grundstücksverkehrsverordnung abzusehen. Diese Rechtspraxis wird durch die erwähnten Hinweise und Erläuterungen belegt, deren Existenz unstreitig ist. Es bedarf auch keiner weiteren - dem Revisionsgericht nicht erlaubten - Nachforschungen dazu, ob diese Richtlinien befolgt wurden. Vielmehr liegt es auf der Hand, daß solche ministeriellen Anweisungen gerade unter Geltung der in der DDR herrschenden Verhältnisse beachtet wurden. Von dieser Erfahrung können und müssen auch die Verwaltungsgerichte ausgehen, solange im Einzelfall keine greifbaren Anhaltspunkte für das Gegenteil bestehen.
Solche Indizien ergeben sich weder aus dem Vortrag des Klägers noch aus dem Akteninhalt. Der Umstand, daß der Notar die Kaufvertragsparteien ausweislich Nr. 6 des Vertrages auf die Notwendigkeit einer staatlichen Genehmigung für dessen Wirksamkeit hingewiesen hat, deutet ebensowenig daraufhin, daß von der angeordneten Verfahrensweise kein Gebrauch gemacht wurde, wie das vom Kläger angeführte Schreiben des Magistrats von Berlin vom 16. Januar 1990, in dem die Beigeladenen darauf aufmerksam gemacht werden, daß n a c h der Genehmigung des Kaufvertrages ein Nutzungsrecht verliehen werde. Da im Rahmen der Nutzungsrechtsbewilligung die Voraussetzungen für die Erteilung der Grundstücksverkehrsgenehmigung zu prüfen waren, war die Verleihung des Nutzungsrechts in der Tat davon abhängig, daß der Kaufvertrag genehmigt werden konnte, wenn auch diese Genehmigung nicht mehr gesondert erteilt werden mußte. Materiell entfielen die Anforderungen der Grundstücksverkehrsordnung durch diese Verfahrensvereinfachung nicht; vielmehr wurde lediglich auf eine eigenständige Genehmigung im Hinblick auf das Nutzungsrecht verzichtet. In diesem materiellen Sinne können die den Beigeladenen erteilten Belehrungen verstanden werden, ohne daß ein Widerspruch zu den das Verfahren betreffenden ministeriellen Anweisungen entstehen muß. Im übrigen geht es hier nicht darum, ob vor der Verleihung des Nutzungsrechts eine Grundstücksverkehrsgenehmigung verlangt wurde, sondern darum, ob nach dessen Verleihung das Fehlen einer solchen Genehmigung negative Konsequenzen für den Bestand der Erwerberposition hatte. Dafür geben die vor und bei Abschluß des Kaufvertrages gegebenen Hinweise nichts her.
b) Die Beigeladenen sind auch nicht etwa deswegen bloße Bucheigentümer des Gebäudes geworden, weil - wie der Kläger geltend macht - die Enteignung des Grundstücks nach dem Aufbaugesetz nichtig war und der Magistrat von Berlin ihnen daher mangels Verfügungsbefugnis gar kein Eigentum verschaffen konnte. Insoweit ist wiederum nicht entscheidend, ob seinerzeit die Enteignungsvoraussetzungen des Aufbaugesetzes eingehalten worden sind; vielmehr kommt es allein darauf an, ob die damalige Enteignung faktisch wirksam war, d.h. ob der Kläger sich durch einen darauf gerichteten Akt in einer nach den Verhältnissen der DDR unangreifbaren Weise aus seinem Eigentum verdrängt sehen mußte (stRspr; zusammenfassend Beschluß vom 14. Januar 1998 - BVerwG 7 B 339.97 - Buchholz 428 § 1 VermG Nr. 134). Vor diesem Hintergrund ist auch die Regelung des Art. 19 Satz 1 EV zu sehen, nach der vorbehaltlich des Satzes 2 dieser Vorschrift alle Verwaltungsakte der DDR wirksam ergangen und auch weiterhin gültig sind, die nach der seinerzeitigen Staats- und Verwaltungspraxis der DDR ungeachtet etwaiger Rechtsmängel als wirksam angesehen und behandelt wurden (Urteil des Senats vom 20. März 1997 - BVerwG 7 C 23.96 - BVerwGE 104, 186 = Buchholz a.a.O. Nr. 108 m.w.N.).
Daß eine solche unangreifbare Eigentumsentziehung hier stattgefunden hat, kann auf der Grundlage der tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz nicht ernsthaft bezweifelt werden.
c) Ein wirksamer Erwerb der Beigeladenen ist schließlich auch nicht daran gescheitert, daß der Kläger das Wiederaufgreifen des Genehmigungsverfahrens beantragt hat und zu seinen Gunsten ein Widerspruch gegen das Eigentum der Beigeladenen in das Grundstück eingetragen worden ist. Der Senat hat bereits entschieden, daß die in § 7 Abs. 3 AnmVO angeordnete aufschiebende Wirkung ebenso wie die aufschiebende Wirkung eines gegen die Grundstücksverkehrsgenehmigung eingelegten Rechtsbehelfs keine weitergehenden Rechtsfolgen auslösen kann als eine Aufhebung der Grundstücksverkehrsgenehmigung selbst. Diese hat nach § 7 GVO (früher § 20 GVO) nur eine schuldrechtliche Rückabwicklung des Rechtsgeschäfts unter Wiederaufleben des mit der Eigentumsübertragung entfallenen Restitutionsanspruchs zur Folge (Urteil des Senats vom 28. August 1997 - BVerwG 7 C 63.96 - Buchholz 428 § 3 VermG Nr. 20).
2. Der somit rechtswirksame Erwerb des Gebäudes und des dafür verliehenen Nutzungsrechts durch die Beigeladenen war auch redlich im Sinne des § 4 Abs. 2 Satz 1 VermG. Obwohl der Erwerb erst nach dem 18. Oktober 1989 stattgefunden hat, bleibt diese Vorschrift hier nach § 4 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a VermG anwendbar, weil das Rechtsgeschäft nach den Feststellungen des Verwaltungsgerichts vor dem 19. Oktober 1989 schriftlich angebahnt worden ist. Den Bedenken, die der Kläger gegen die Verfassungsmäßigkeit dieser nachträglich in das Vermögensgesetz eingefügten Bestimmung äußert, ist der Senat bereits in seinem Beschluß vom 22. Februar 1996 - BVerwG 7 B 36.96 - (Buchholz 428 § 4 VermG Nr. 27) entgegengetreten. Auf die dortigen Ausführungen kann verwiesen werden. Es ist auch nicht erkennbar, daß das Verwaltungsgericht auf der Grundlage der von ihm insoweit getroffenen tatsächlichen Feststellungen die Redlichkeit der Beigeladenen nicht hätte bejahen dürfen. Zu Recht haben der Beklagte und im Anschluß daran das Verwaltungsgericht dem Umstand, daß das Haus als Zweifamilienhaus an die Beigeladenen verkauft worden ist, keinen Anhaltspunkt für ein unredliches Verhalten entnommen. Die Veräußerung eines volkseigenen Zweifamilienhauses stand - anders als der Kläger meint - durchaus im Einklang mit den Rechtsvorschriften der DDR. Als Eigenheim im Sinne des Eigenheimgesetzes galt nach § 1 Abs. 1 Satz 2, 2. Alternative der Durchführungsbestimmung zu diesem Gesetz vom 19. Dezember 1973 (GBl I S. 590) i.d.F. der 2. Durchführungsbestimmung vom 9. April 1985 (GBl I S. 109) auch ein Gebäude mit einer zweiten Wohnung, die als selbständige Wohnung vermietet werden konnte, also auch ein Zweifamilienhaus (vgl. Beschluß des Senats vom 3. April 1996 - BVerwG 7 B 5.96 - Buchholz 428 § 4 VermG Nr. 29).
Soweit der Kläger daneben geltend macht, die gewerbliche Nutzung des Hauses ab Mitte 1990 deute darauf hin, daß die beim Erwerb des Anwesens durch die Beigeladenen angegebene Eigennutzungsabsicht nur vorgeschoben worden sei, legt er ebenfalls keinen Gesichtspunkt dar, der die Vorinstanz hätte veranlassen müssen, die Redlichkeit der Beigeladenen anzuzweifeln. Es liegt auf der Hand, daß solche Rückschlüsse infolge der zwischenzeitlich eingetretenen grundlegenden Änderungen der staatlichen und - damit einhergehend - der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse nicht ohne weiteres gezogen werden können. Zum maßgeblichen Zeitpunkt ins Werk gesetzt hatten die Beigeladenen nach ihren Angaben, denen der Kläger im verwaltungsgerichtlichen Verfahren nicht entgegengetreten ist, jedenfalls nur den Umbau der Garage. Der damit bezweckte untergeordnete Nebenerwerb stellte die Eigennutzungsabsicht noch nicht in Frage.
Haben die Beigeladenen somit das Gebäude und das Nutzungsrecht redlich erworben, ist die vom Kläger begehrte Restitution nach § 4 Abs. 2 Satz 1 VermG ausgeschlossen. Das gilt auch im Hinblick auf die - fingierte - Grundstücksverkehrsgenehmigung, die oder deren Wirkungen der Kläger mit seinem Antrag auf Wiederaufgreifen des Verfahrens angegriffen hat; denn dieser Rechtsbehelf darf nicht - gleichgültig wie er einzuordnen ist - zum Ausschluß des in § 4 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a VermG zugelassenen redlichen Erwerbs führen (Urteil des Senats vom 28. August 1997 - BVerwG 7 C 63.96 - a.a.O.). Daraus ergibt sich zugleich, daß der spätere Erwerb des Grundstücks als sogenannter Komplettierungskauf nicht an der Stichtagsregelung des § 4 Abs. 2 Satz 2 VermG scheitert (stRspr; grundlegend Beschluß vom 24. Mai 1995 - BVerwG 7 B 51.95 - Buchholz 112 § 4 VermG Nr. 17).
Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Revisionsverfahren auf 422 700 DM festgesetzt.

References: § 1
 § 4
	§ 7
 § 2
 § 7
 § 1
 § 1
 § 4
 § 7
 § 4
 § 4
 § 19
 § 4
 § 7
 § 4
 § 4
 § 7
 § 137
 § 4
 § 7
 § 142
 § 264
 § 173
 § 7
 § 4
 § 4
 § 2
 §4
 § 1
 Art. 19
 § 7
 § 7
 § 20
 § 3
 § 4
 § 4
 § 4
 § 1
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4