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Berührungsstrom und Isolationswiderstand bei IT-Geräten - elektro.net
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Frage gestellt am 5. Juli 2016
In der Norm zur Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte heißt es, dass auf die Messung des Isolationswiederstandes und Berührungsstromes verzichtet werden kann, wenn es sich um Geräte der Informationstechnik handelt.
Nun stellt sich mir die Frage wie denn dann so eine Prüfung von z.B. einem PC oder einem Monitor auszusehen hat.
L. B., Niedersachsen
Antwort der Redaktion vom 21. Dezember 2017
Gemäß der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln (Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV) hat jeder Arbeitgeber die Pflicht seine Arbeitsmittel gemäß Abschnitt 2 und der zugehörigen Paragraphen §3 und §14 unter Beachtung einer entsprechenden Gefährdungsbeurteilung seine Arbeitsmittel vor Inbetriebnahme zu Prüfen als auch wiederkehrend zu prüfen.
In diesem Zusammenhang regelt DIN VDE 0701-0702:2008-06 die Prüfung nach Instandsetzung oder Änderung elektrischer Geräte sowie die Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte.
Bild 1: Prüfablaufschema für Geräte mit Schutzleiter und berührbaren leitfähigen Teilen, die am Schutzleiter angeschlossen sind; Schutzklasse-I-Gerät (Quelle: DIN VDE 0701-0702:2008-06 Anhang A Bild A.1)
In den meisten Fällen handelt es sich bei einer PC-Monitor-Einheit an Büroarbeitsplätzen um Geräte der Schutzklasse I, also um Geräte mit Schutzleiteranschluss. Gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Anhang A, Bild A.1 ist damit der in Abbildung 1 dargestellte Prüfablauf durch die zur Prüfung befähigte Person unter Beachtung von § 3 und §14 der BetrSichV umzusetzen.
Sollte es sich bei einem Gerät der Informationstechnik um ein Gerät der Schutzklasse II, also ohne Schutzleiteranschluss handeln, so ist der normativ geforderte Prüfablauf gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Anhang A, Bild A.2 umzusetzen.
Gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 5.4 und des in Abbildung 1 dargestellten Prüfablaufschemas ist bei Schutzklasse-I-Geräten immer eine Isolationsmessung erforderlich. Auch wenn es sich um ein Schutzklasse-II-Gerät handeln würde, wäre die Isolationswiderstandsmessung gemäß dem zugehörigen Prüfablaufschema (siehe auch DIN VDE 0701-0702:2008-06 Anhang A, Bild A.2) zunächst ebenfalls erforderlich.
Gemäß Anmerkung 3 zu DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 5.4 darf bei Geräten der Informationstechnik die Isolationsmessung entfallen, somit auch ungeachtet der Tatsache, ob es sich um ein Schutzklasse-I- oder ein Schutzklasse-II-Gerät handelt.
Für ein mögliches Gerät der Informationstechnik der Schutzklasse I muss dann im entsprechenden Prüfablaufschema (siehe Bild 1) die Durchführung der Messung des Isolationswiderstands nach DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 5.4, Anmerkung 3 mit »Nein« beantwortet werden.
Begründete Dokumentation des Entfallens der Isolationsmessung ist für den befähigten Prüfer Pflicht
Macht jedoch der befähigte Prüfer von dieser Ausnahme der DIN VDE 0701-0702 gemäß Abschn. 5.4, Anmerkung 3 Gebrauch, die Isolationswiderstandsmessung bei einem Gerät der Informationstechnik (z. B. an einem PC) entfallen zu lassen, so
muss er dies schriftlich im Prüfprotokoll, mit einer technisch nachvollziehbaren Begründung einhergehend, dokumentieren,
muss die Prüfung des Schutzleiterstromes und ggf. auch des Berührungsstromes (bei berührbaren leitfähigen Teilen, die nicht mit dem Schutzleiter verbunden sind) mit einer »aktiven Messung« unter Netzspannung durchgeführt werden.
Weiterer Prüfablauf entsprechend des geltenden normativen Prüfablaufschemas
Im weiteren Prüfablauf folgen dann für ein Schutzklasse-I-Gerät die weiteren Prüf­ab­läufe gemäß des rechten Hauptzweiges des zugrundeliegenden Prüfablaufschemas (siehe Abbildung 1), also
Messung des Schutzleiterstroms nach dem entsprechend des Prüfablaufschemas zugelassenen Messverfahren gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 5.5
Nachweis der Wirksamkeit weitere Schutzeinrichtungen gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 5.8
Abschließende Prüfung der Aufschriften gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 5.9
Funktionsprüfung gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 5.10 und abschließend dann die
Auswertung, Beurteilung, Dokumentation gemäß DIN VDE 0701-0702:2008-06 Abschn. 6.
Ferner gilt zu beachten, dass wenn die Geräte der Informationstechnik frei steckbare Anschlussleitungen (vorkonfektionierte Anschlussleitungen mit Schuko- und Kaltgeräte-Stecker) haben, diese als eigenständiges Betriebsmittel gelten und somit eine Isolationsmessung losgelöst vom zugehörigen Gerät der Informationstechnik möglich ist und auch durchgeführt werden muss.
Notwendigkeit von Isolationsmessungen und die derzeitige Diskussion bei den Regelwerk- und Normengebern
Auch wenn DIN VDE 0701-0702:2008-06 im Abschn. 5.4 mit der Anmerkung 3 derzeit noch – aufgrund der seit 2008 immer noch gültigen VDE-Bestimmung – die Möglichkeit zum Entfall der Isolationsmessung gibt, ist man sich in der Fachwelt der Regelwerk- und Normengeber zum jetzigen Stand der Technik einig, dass die Isolationsmessung mit eine der wichtigsten Messungen ist, um die technische Sicherheit eines elektrischen Betriebsmittels messtechnisch nachzuweisen und bewerten zu können.
Derzeit gibt es zahlreiche Stimmen, insbesondere auch aus berufsgenossenschaftlichen Kreisen, die die Isolationsmessung grundsätzlich auch bei Geräten der Informationstechnik bei Erstprüfungen und wiederkehrenden Prüfungen von ortsveränderlichen Betriebsmitteln gemäß §5 der DGUV Vorschrift 3 ohne Ausnahme fordern. In diesem Zusammenhang sei an dieser Stelle auch auf §2 Satz (10) der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verwiesen, wonach der Stand der Technik definiert ist und auch beim Prüfen von Arbeitsmitteln von zur Prüfung befähigten Personen berücksichtigt werden muss.
Prüfungen von ortveränderlichen Betriebsmitteln bzw. Geräten oder Arbeitsmitteln im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) setzen beim Prüfer eine gute fachliche Kenntnis und zugehörige Normenkenntnis voraus.
Nicht ohne Grund findet sich daher der Begriff der befähigten Person zum Durchführen von Prüfungen in den anerkannten Regeln der Technik und zugehörigen Gesetzen bzw. Regelwerken.
Befähigte Prüfer besitzen darüber hinaus die notwendige Praxiserfahrung um während der Durchführung der Prüfung die richtigen Prüfschritte auszuwählen und auch abschließend die Messergebnisse fachlich richtig beurteilen zu können.
PP16170

References: §3
 §14
 § 3
 §14
 §5
 §2