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Timestamp: 2019-12-14 19:02:57+00:00

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HAB – Handschriftendatenbank – Handschrift 103-weiss
Beschreibung von Cod. Guelf. 103 Weiss. (Heinemann-Nr. 4187)
Butzmann, Hans: Die Weissenburger Handschriften. - Frankfurt am Main: Klostermann, 1964. - (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: Neue Reihe, Bd. 10), S. 294–296
Handschriftentitel: Jonsbok
Entstehungszeit: XVI. Jh. (1570-80).
Heinemann-Nr. 4187
Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 90236514,T
Beschreibstoff: Pergament Ungewöhnlich starkes und steifes Pergament, stark gewellt und gebräunt. Am Ende fast geschwärzt. 59r Marginalnote des Schreibers Nytt eR þetta kalfskinn og rennur miog (Lesung ab og unsicher), „Neu ist dieses Kalbsfell, und es rinnt viel darin (die Tinte läuft aus?)".
Seitennummerierung: Gleichzeitige Blattzählung rechts oben über dem Text, beginnend 1r Blad fęnsta (lies „fremsta" oder „fyrsta"), bei jedem Hauptabschnitt neu anhebend, so 11r Blad 1.
Lagenstruktur: 15 Sexternionen, davon 2 auf 5 Bll. reduziert, 5 Quaternionen. Eingeschaltete Einzelbll.: 5, 28, 45, 58, 107.
Zustand: Zwischen Bl. 62 und 63 ist ein Einzelblatt verloren. Bl. 45 ist verbunden, es gehört nach Bl. 58.
Seiteneinrichtung: Textspiegel 14,5 × 10 cm, 23 (Haupthand) — 25 Zeilen.
Hände: Haupthand und zwei Nebenhände. Beginn der zweiten schlankeren und kleineren Hand 122r. Bl. 125 Kursive.
Schrift: Bastarda, groß, breite Züge, etwas ungefüge.
Rote Uberschriften und Kolumnentitel. Verzierte Anfangsbuchstaben schwarz, meist rot angestrichen. Größere Initialen s. u.
Größere Initialen finden sich am Anfang jedes Abschnittes. Die größte, F (Höhe 12,5 cm; Bl. 5r) ist auf schwarzem Grund ausgespart, gespalten und mit Ranken geziert, die sich aus den waagerechten Balken herausrollen und sich nach oben und unten über den Schaft hin wellig erstrecken; aus jeder Welle zweigt eine Blattvolute ab; rote Strichelungen. Ähnliche Gebilde, die — wie auch die Schrift — dem südlichen Formenschatz des XIV. Jahrhunderts entsprechen, 11r S in Gestalt eines geflügelten Drachen. Daneben auch Initialen aus geflochtenen Bändern (schwarz und rot) im kalligraphischen Stile der Kanzleien des XVI. Jahrhunderts. Auf den Rändern finden sich einige Zeichnungen: Bl. 50v unbeholfen, doch nicht ganz ohne Ausdruck: links ein gesatteltes Pferd, dann eine Person, die als rex bezeichnet ist, mit einem Kreuz auf dem Helm, also ein christlicher König, dann ein liegender Mann, auf welchem ein Hund canis steht, und endlich eine Katze mit Unterschrift kottur. Zwischen dem König und dem Hunde ist eingetragen bittu hann glappi fastara Beiße ihn fester, Glappi — dies wohl der Name des Hundes, nach dem ungedruckten Wörterbuche Jón Olafsons († 1779, Arnam. Samml. 433 fol.) ein Rascher, Unbedachter. 63v Vielgiebliges Gebäude, links daneben ein Mann; Unterschr. Aedem[sic] est hec. 82r ein gestikulierender Mann (Redner?).
Einband: Isländischer Einband aus kräftigen Holzdeckeln, der Rücken jünger: braunes Leder mit je vier Zungen, die in die Einhübe des Deckels eingepflockt sind. Schließe verloren.
Entstehung der Handschrift: Die Haupthand gleicht der Hand, welche eine im Jahre 1585 in Eyiafjörður (im Nordland) ausgestellte isländische Urkunde schrieb (Arnamagnäische Sammlung Fase. 58, Nr. 5).
Bl. 11r alter Besitzvermerk þessa logbok a Gudmundur Biarnar Son med riettu enn eingenn annar. Andere Namen 107v þat med kiennist eg Jon Pietur Son und þat med kennist eg eg[sic] Jon Magnusson. Die Namen Marias und des heil. Königs Olaf Bl. 1v, Z. 5—6 wurden von einem lutherischen Eiferer ausradiert.
Die Handschrift wurde im Jahre 1849 auf Wunsch von C. C. Rafn nach Kopenhagen ausgeliehen und dort von dem isländischen Rechtshistoriker Vilhjalmur Finsen beschrieben, s. die Lit.
Erwerb der Handschrift: Die Handschrift war nie in Weissenburg und nie in Blums Besitz. Sie ist wohl gleichzeitig mit Cod. Guelf. 9. 10 Aug. 4° (Eyrbryggia saga und Egils saga) und Cod. Guelf. 42. 7 Aug. 4° (Rimur) durch Herzog August um 1660 erworben und später versehentlich zu den Weissenburgern gestellt worden. 125v Stempel der Bibliotheque Nationale.
1r Jónsbók. Der Text gehört, wie die meisten jüngeren Handschriften, zur interpolierten Klasse,d.h. gesetzliche Bestimmungen aus den „rettarbœtr" („Rechtsbesserungen") werden in den Text eingesetzt. Jónsbók . . . og Rettarbœtr ed. Ölafur Halldörson, Kopenhagen 1904. Die einzelnen Abschnitte:
(1r) König Magnus' Brief.
(3r) þingfararbálkr.
(11r) Kristins dóms bálkr und Konungs þegnskylda. Beide Abschnitte in einer Kapitelfolge.
(19v) Mannhelgi. Die Kapitelzählung springt von 15 auf 17.
(57r) Kvenna giptingar.
(40v) Erf ðatal.
(53v) Framfærslubálkr. Kapitel 7 zweimal gezählt.
(61r) Landabrigði.
(65v) Búnaðarbálkr. Kapitelzählung 51 statt 52, 56 statt 57.
(97v) Rekabálkr.
(103r) Kaupabálkr.
(111r) Farmanna lǫg. Zählung springt von Kapitel 9 auf Kapitel 11.
(117r) þjófa bálkr. Neue Hand:
(122r) König Magnus' Rechtsbesserung 1274. Diplomatarium islandicum 2, 1895, 111-12.
(122r) König Hakons Rechtsbesserung 1303. Dipl. isl. 2, 337—39.
(123r) König Eiriks Rechtsbesserung 1280, § 7. Dipl. isl. 2, 202-03.
König HAKONS Rechtsbesserung 1313, § 3—5. Dipl. isl. 2, 585.
(125v) König Hakons Rechtsbesserung 1515, § 2—3. Dipl. isl. 2, 402.
König Hakons Rechtsbesserung 1309, Teilstück. Dipl. isl. 2, 366, Z. 18 bis 21.
König Magnus Rechtsbesserung 1280(?), Teilstück. Dipl. isl. 2, 163 (= 2, 402, §4).
(124r) König Eiriks Rechtsbesserung 1280, § 1. 2. 6. 13. 23. 25. 30. 32. Dipl. isl. 2, 196-200.
(124v) König Hakons Rechtsbesserung 1315. Dipl. isl. 2, 400—01. Neue Hand (Kursive).
(125r) König Eiriks Rechtsbesserung 1280, § 5. 8. 9. Dipl. isl. 2, 204-06.
König Magnus Rechtsbesserung 1542, Teilstück. Dipl. isl. 2, 765—66.
(125v) >R.B.E.< = Rettarbót Eiriks. Darauf 8 Zeilen Text, nicht identifizierbar.
>R.B.H.K.< = Rettarbót Hákonar kongs. Darauf 5 Zeilen Text = Dipl. isl. 2,416-17, Stück IV.
(121v) Schreibervers. Dextera scriptoris benedicta sit omnibus horis. Sit laus et gloria Christo amen amen finis.
(113r) Am unteren Rande in Kursive her vil eg heimskann telia / huern sem giptir sig / ad ei þeim elldi brenni / eg — Hier werde ich für dumm achten jeden, der sich verheiratet, daß nicht im Feuer brenne ich —, etwa zu ergänzen: ich wünsche für mich —.
(77r) Einschaltvermerk Hier er under ein klausa þar sem krossinn er. Hier ist unten ein Satz, wo das Kreuz ist. Weitere Marginalien wie Gud launi þier fyrer mig (97r), Jesus komi til min amenn (107v), post tergum trans ripam secundum weiteres unleserlich (111r), ad drecka — zu trinken (10r), vinsamleg heilsan freundlicher Gruß (125v) u. a.
Heinemann 4187.
Vilhjalmur Finsen in: Antiquarisk Tidsskrift. 1849/51, Kopenh. 1852, S. 102-05.
The Saga Manuscript 9. 10 Aug. 4to in the Herzog August Library Wolfenbüttel, Copenhagen 1956 (Manuscripta islandica ed. by Jon Helgason 5), S. V. XVI

References: § 7
 § 3
 § 2
 §4
 § 1
 § 5