Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=01.07.2008&Aktenzeichen=XI%20ZR%20411/06
Timestamp: 2019-07-16 13:28:23+00:00

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BGH, 01.07.2008 - XI ZR 411/06 - dejure.org
https://dejure.org/2008,665
BGH, 01.07.2008 - XI ZR 411/06 (https://dejure.org/2008,665)
BGH, Entscheidung vom 01.07.2008 - XI ZR 411/06 (https://dejure.org/2008,665)
BGH, Entscheidung vom 01. Juli 2008 - XI ZR 411/06 (https://dejure.org/2008,665)
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Arglistige Täuschung durch den Vermittler eines Immobilienfonds als Voraussetzung für die Haftung einer Bank; Beweislast des Darlehensnehmers bzw. Anlegers bei der Haftung einer Bank für die arglistige Täuschung des Vermittlers eines Immobilienfonds; Anspruch aus vorsätzlichem Verschulden bei Vertragsverhandlungen gegen eine Bank bei arglistiger Täuschung eines Vermittlers von Immobilienfonds; Rückforderungsdurchgriff bei Vorliegen eines verbundenen Geschäfts
Keine Verschuldensvermutung für Anspruch gegen die finanzierende Bank wegen arglistiger Täuschung des Vermittlers
Keine Verschuldensvermutung bei Anspruch gegen die den Erwerb von Immobilienfonds finanzierende Bank wegen arglistiger Täuschung des Vermittlers
Rückforderungsdurchgriff bei verbundenen Geschäften; Haftung der kreditgebenden Bank für arglistige Täuschung des Fonds- und Kreditvermittlers über Fondsbeteiligung; Prospekthaftung
Zur Beweislast des durch falsche Angaben zum Erwerb einer Fondsbeteiligung bewogenen Darlehensnehmers, der die kreditgebende Bank für die arglistige Täuschung des Vermittlers und dessen vorsätzliches Verschulden bei Vertragsverhandlungen in Anspruch nimmt
BGB § 282 (a.F.)
Haftung der Bank für Täuschung durch Vermittler
Für die Behauptung einer arglistigen Täuschung trägt der Darlehensnehmer/Anleger die Beweislast
Beweislast bei Bankenhaftung: Anleger muss Vorsatz des Vermittlers beweisen! (IMR 2008, 358)
LG Stuttgart, 17.01.2006 - 8 O 343/05
NJW 2008, 2912
ZIP 2008, 1673
MDR 2008, 1226
NZM 2008, 698
VersR 2009, 1368
WM 2008, 1596
NZG 2008, 747 (Ls.)
Dieser an die Beweislastverteilung nach § 282 BGB aF (jetzt § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB) angelehnte Grundsatz gilt jedoch nicht, wenn der Schadensersatzanspruch - wie im Streitfall - Vorsatz voraussetzt (vgl. BGH…, Urteil vom 18. Dezember 2012 - II ZR 220/10, ZIP 2013, 412 Rn. 15; Urteil vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, ZIP 2008, 1673 Rn. 23;… Urteil vom 23. März 2010 - VI ZR 57/09, ZIP 2010, 1122 Rn. 38).
cc) Gegenteiliges ergibt sich auch nicht aus dem Senatsurteil vom 1. Juli 2008 (XI ZR 411/06, WM 2008, 1596, Tz. 23), dessen Aussagen zur Beweislast nicht die allgemeine Vorsatzhaftung nach § 276 BGB betreffen.
Ebenso scheidet vorliegend eine Zurechnung unter dem Gesichtspunkt eines verbundenen Geschäfts (vgl. BGH, Urt. v. 01.07.2008 - XI ZR 411/06 - NJW 2008, 2912, Tz. 19) aus.
Nach der Rechtsprechung des Senats (BGHZ 167, 239, Tz. 30; Urteile vom 5. Juni 2007 - XI ZR 348/05, WM 2007, 1367, Tz. 14, vom 19. Juni 2007 - XI ZR 142/05, WM 2007, 1456, Tz. 25 und vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, WM 2008, 1596, Tz. 19) muss sich die das Anlagegeschäft des Verbrauchers finanzierende Bank bei Vorliegen eines verbundenen Geschäfts im Sinne des § 9 VerbrKrG eine arglistige Täuschung des Vermittlers über das Anlageobjekt zurechnen lassen.
Im Ausgangspunkt zutreffend ist allerdings die Ansicht des Berufungsgerichts, dass allein unter dem Gesichtspunkt eines verbundenen Geschäfts im Sinne von § 9 Abs. 1 VerbrKrG (in der Fassung vom 17. Dezember 1990), dessen Vorliegen das Berufungsgericht rechtsfehlerfrei und von der Revisionserwiderung nicht angegriffen festgestellt hat (vgl. auch Senatsurteile BGHZ 167, 252, Tz. 15; vom 21. November 2006 - XI ZR 347/05, WM 2007, 200, Tz. 16; vom 5. Juni 2007 - XI ZR 348/05, WM 2007, 1367, Tz. 15; vom 18. Dezember 2007 - XI ZR 324/06, WM 2008, 967, Tz. 22 ff. und vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, WM 2008, 1596, Tz. 18), die Beklagte ohne das Hinzutreten weiterer, ihr zurechenbarer Umstände, nicht für Ansprüche der Kläger gegen Fondsinitiatoren, Gründungsgesellschafter oder sonstige Prospektverantwortliche wegen einer arglistigen Täuschung durch falsche Angaben im Vertriebsprospekt einzustehen hat.
a) Nach der Rechtsprechung des Senats (BGHZ 167, 239, Tz. 30; Urteile vom 5. Juni 2007 - XI ZR 348/05, WM 2007, 1367, Tz. 14, vom 19. Juni 2007 - XI ZR 142/05, WM 2007, 1456, Tz. 25 und vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, WM 2008, 1596, Tz. 19) muss sich die das Anlagegeschäft des Verbrauchers finanzierende Bank bei Vorliegen eines verbundenen Geschäfts im Sinne des § 9 VerbrKrG eine arglistige Täuschung des Vermittlers über das Anlageobjekt zurechnen lassen.
Dass Vorsatz im Rahmen der deliktischen Ansprüche grundsätzlich nicht nach § 282 BGB a.F. (jetzt § 280 BGB) vermutet wird, entspricht ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteile vom 13. Dezember 1984 - III ZR 20/83 - VersR 1985, 452 und vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06 - NJW 2008, 2912, 2914;… Palandt/Sprau, aaO, § 823 Rn. 81;… § 826 Rn. 10, 18).
Dieser an die Beweislastverteilung nach § 282 BGB aF (jetzt § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB) angelehnte Grundsatz gilt jedoch nicht, wenn der Schadensersatzanspruch - wie im Streitfall - Vorsatz voraussetzt (vgl. BGH, Urteil vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, ZIP 2008, 1673 Rn. 23;… Urteil vom 23. März 2010 - VI ZR 57/09, ZIP 2010, 1122 Rn. 38).
Wie auch die Revision nicht verkennt, hat der erkennende Senat bereits mehrfach entschieden, dass der finanzierenden Bank auch in Fällen eines verbundenen Geschäfts nur ein vorsätzliches Verhalten des Vermittlers zuzurechnen ist (…Senatsurteile vom 25. April 2006 - XI ZR 106/05, BGHZ 167, 239 Rn. 27 ff., vom 5. Juni 2007 - XI ZR 348/05, WM 2007, 1367 Rn. 21 und vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, WM 2008, 1596 Rn. 19; aA OLG Stuttgart, ZIP 2008, 1570, 1571 f.;… dem folgend Palandt/Sprau, BGB, 69. Aufl., § 705 Rn. 19b).
Dies schließt eine Irrtumserregung und damit eine arglistige Täuschung des Klägers durch die Prospektangaben denknotwendig aus (vgl. Senatsurteil vom 1. Juli 2008 - XI ZR 411/06, WM 2008, 1596 Rn. 21).

References: § 282
 § 282
 § 280
 § 276
 § 9
 § 9
 § 9
 § 282
 § 280
 § 823
 § 826
 § 282
 § 280
 § 705