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WTO: Verhandlungsführung und Streitbeilegung
Veröffentlicht von:Rosamond Apel Geändert vor über 3 Jahren
Präsentation zum Thema: "WTO: Verhandlungsführung und Streitbeilegung"— Präsentation transkript:
1 WTO: Verhandlungsführung und Streitbeilegung
Kolloquium Universität Basel, Herbstsemester Raymond Saner, Universität Basel Richard Senti, ETH Zürich
2 Einige Hinweise für die Studierenden
Gliederung der Vorlesung: Block I	Überblick über Welthandelsordnung im Rahmen der WTO (Block I, erster Teil, 9. Oktober 2009, ). Senti Streitschlichtung, Rechtsgrundlagen, Prozedere (Block I, zweiter Teil, 16. Oktober 2009, ). Senti Block II	Verhandlungsführung: Theorie, Technik (10. November 2009, ). Saner Block III	Multilaterale WTO Verhandlungen, Fallbeispiele (10. November 2009, ). Saner Block IV	Präsentation der Gruppenarbeit 5. Dezember 2009, ) Saner/Senti Weitere Hinweise: Die in den Vorlesungen verwendeten Power points sind auf der Homepage der Abteilung „Aussenwirtschaft“ (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät) zu finden. Begleitende Literatur im Sinne eines Manuskripts: Senti, Richard (2007), WTO, Die heute geltende Welthandelsordnung, 6. A., 147 Seiten, Zürich, wird zu Beginn der Vorlesung abgegeben. Zusätzliche Hinweise finden Sie unter Am besten gehen Sie zu Alphabetic directorty of the WTO: Für die Streitschlichtungsfälle gehen sie im Directory auf <Disputes>, dann zu „Find disputes documents“ (year, subject, country). Please take the time and browse. Sie werden erstaunt sein, welche Fülle an (guten) Informationen Sie finden werden. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich vor oder nach den Vorlesungsstunden an mich. Oktober 2009 / RS
3 Begriffliche Abgrenzung Aussenhandelspolitische Instrumente
Integration – Kooperation Regionale Freihandelsabkommen (Zollunion, Zollgemeinschaft, Partnerschaftsabkommen, Präferenzabkommen) Rohprodukteabkommen Selbstbeschränkungsabkommen Tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse (NTB) Traditionelle Kontingente und Zollkontingente Zölle
4 Geschichtlicher Hintergrund des GATT Smoot-Hawley Tariff Act 1930 Herbert Hoover (Rep.) Anhebung der durchschnittlichen Zölle von 26% auf rund 50% Cordell Hull Program 1934 (Reciprocal Trade Agreements Act 1934) Franklin D. Roosevelt (Dem.) Beseitigung nichttarifärer Handelshemmnisse; Reduktion der Zölle um ca. 50% Nichtdiskriminierung zwischen Handelspartnern (mfn) Handelsverhandlungen nach dem Prinzip der Reziprozität
5 UNO Bretton Woods Institutions Intern. Trade Organization (ITO)
IMF IBRD Intern. Trade Organization (ITO) Zielsetzung Beschäftigung Entwicklung und Wiederaufbau Handelspolitik Wettbewerb Rohprodukte Organisation
6 UNO Bretton Woods Institutions Intern. Trade Organization (ITO)
IMF IBRD Intern. Trade Organization (ITO) Zielsetzung Beschäftigung Entwicklung und Wiederaufbau Handelspolitik Wettbewerb Rohprodukte Organisation GATT
7 Spezifische Merkmale des GATT 1948
Vertrag (nicht Organisation) Provisorium 23 GATT-Vertragspartner (Gründung), heute 153 WTO-Mitglieder Keine Organisation/Institution Schwache Vertretung der Dritten Welt Nur Güter, keine Dienstleistungen Ohne Rohprodukte- und Wettbewerbsregeln Bilaterale Handelsverhandlungen (bis KR) Zu Beginn keine Streitschlichtungsstelle (bis 1952) Weiterentwicklung über sog. Handelsrunden
8 Handelsrunden Runde: Genf 1947, Zollabbau
2. Runde: Annecy 1949, Zollabbau, neue Partner 3. Runde: Torquay 1950/51, Zollpräferenzen, neue Partner (u.a. BRD Deutschland) Runde: Genf 1955/56, unbedeutende Handelsergebnisse, Japan wird Partner Runde: Genf 1961/62 (Dillon-Runde), bescheidene Zollreduktionen 6. Runde: Genf 1964/67 (Kennedy-Runde), Zollabbau 30 bis 40 % 7. Runde: Genf 1973/79 (Tokio-Runde), Zollabbau, Dumping, Subventionen 8. Runde: Genf 1986/93 (Uruguay-Runde), Entstehen der WTO 9. Runde: Genf (Doha-Runde)
9 The Treaties of the WTO Multilaterale Abkommen GATT GATS TRIPS Gemeinsame Inhalte Zielsetzung Meistbegünstigung Inländerprinzip Reziprozität Tarifäre Handelshemmnisse Nichttarifäre Handelshemmnisse Begünstigung der Entwicklungsländer Umweltschutz Streitschlichtung Organisation Landwirtschaft Gesundheit Techn. Handelshemmn. Investitionen Dumping Zollwert Versandkontrolle Ursprungsregeln Einfuhrlizenzen Subventionen Schutzmass- nahmen Personenverkehr Finanzen Telekommunikation Übergangsregeln Plurilaterale Abkommen Handel mit zivilenLuftfahrzeugen Öffentliches Beschaffungswesen
10 Zielsetzung GATT - WTO Präambel des GATT
„…Erhöhung des Lebensstandards … Verwirklichung der Vollbeschäftigung … steigendes Realeinkommen … volle Erschliessung der Hilfsquellen der Welt …“ Präambel der WTO „…Erhöhung des Lebensstandards … Verwirklichung der Vollbeschäftigung … steigendes Realeinkommen … optimale Nutzung der Hilfsquellen der Welt im Einklang mit dem Ziel einer dauerhaften Entwicklung …, die den Schutz und die Erhaltung der Umwelt und zu diesem Zweck den verstärkten Einsatz von Mitteln umfasst, die mit den ihrem jeweiligen wirtschaftlichen Entwicklungsstand entsprechenden Bedürfnissen und Bestrebungen vereinbar sind“.
11 Meistbegünstigung / Most-Favored-Nation Clause mfn (Art. I GATT)
„Bei Zöllen und Belastungen aller Art …, beim Erhebungsverfahren …, bei allen Vorschriften und Förmlichkeiten …, werden alle Vorteile, Vergünstigungen, Vorrechte oder Befreiungen, die eine Vertragspartei für eine Ware gewährt, welche aus einem anderen Land stammt oder für dieses bestimmt ist, unverzüglich und bedingungslos für alle gleichartigen Waren gewährt, die aus den Gebieten der anderen Vertragsparteien stammen oder für diese bestimmt sind.“ Analog Art. II GATS und Art. 4 TRIPS
12 Ausnahmen von mfn Integrationsvereinbarungen Allgemeine Präferenzen
Dienstleistungen (Negativlisten) Waivers
13 1. Ausnahme von mfn: Integrationsvereinbarungen (Art. XXIV GATT, Art
1. Ausnahme von mfn: Integrationsvereinbarungen (Art. XXIV GATT, Art. V GATS) Grundsatz „Die Vertragsparteien erkennen an, dass es wünschenswert ist, durch freiwillige Vereinbarungen zur Förderung der wirtschaftlichen Integration…“. Art. XXIV.4. Voraussetzungen Zölle und Handelsvorschriften gegenüber nicht teilnehmenden Vertragspartnern „nicht höher oder einschränkender“ als vorher, („… shall not on the whole be higher or more restrictive than…“). Art. XXIV 5(a). 2.	Integration „für annähernd den gesamten Handel“ („… with respect to substantially all the trade in products originating in such territories …“). Art. XXIV 8(a). 3.	Notifizierung. Art. XXIV 7(a).
14 2. Ausnahme von mfn: Präferenzabkommen
Rechtliche Grundlagen Teil IV GATT (Art. XXXVI-XXXVIII GATT) GATT-Beschluss über das Allgemeine Präferenzensystem von 1971 (Generalized System of Preferences, GSP) Ermächtigungsklausel von 1979 (Enabling Clause) Individuelle Vereinbarungen zwischen einzelnen Handelspartnern
15 3. Ausnahme: Mfn-Ausnahmeregelung des GATS
Keine einheitliche Regelung wie im GATT Allgemeine Ausnahmen Grenzverkehr Integration (analog zu Art. XXIV GATT) Öffentliche Beschaffung Länderspezifische Ausnahmen -	Einreichung von sog. „Negativlisten“, d.h. Ausnahmelisten. Davon haben beim Inkrafttreten der WTO 61 Mitglieder Gebrauch gemacht.
16 4. Ausnahme: Waivers (erlaubte Ausnahmen)
Beispiele: Schweiz – Präferenzen für Albanien und Bosnien-Herzegowina, bis EG – Bananenmarktordnung, bis Kanada – CARIBCAN, bis EG – Afrikanische, Karibische und Pazifische Staaten (AKP-Staaten), bis (Neu Partnerschaftsabkommen (Assoziations Art. 310 EGV).
17 Inländerprinzip / National Treatment (GATT-Regelung: Art. III GATT)
„Waren, die aus dem Gebiet einer Vertragspartei in das Gebiet einer anderen Vertragspartei eingeführt werden, dürfen hinsichtlich aller Gesetze, Verordnungen und sonstigen Vorschriften über den Verkauf, das Angebot, den Einkauf, die Beförderung, Verteilung oder Verwendung im Inland keine weniger günstige Behandlung erfahren als gleichartige Waren inländischen Ursprungs …“
18 Inländerprinzip / National Treatment (Art. XIXff. GATS)
Das Inländerprinzip gilt nur für jene Dienstleistungen, die „aufgelistet“ sind (sog. „Positivlisten“) Art. XX GATS „Jedes Mitglied legt in einer Liste die spezifischen Bindungen fest, die es … eingeht… Bestimmungen, Beschränkungen und Bedingungen für den Marktzutritt, Bedingungen und Einschränkungen der Inländerbehandlung, Zusagen hinsichtlich weiterer Bindungen, ….
19 Reziprozität Traditionelle Reziprozität: Art. XXVIIIbis GATT
Aggressive Reziprozität: US Trade Act 1974: „regular 301“, Präsident muss Gegenmassnahmen ergreifen 1984: „super 301“, Verschärfung durch jährliche Liste allfälliger Vergehen 1988: „special 301“, Verschärfung durch Fristsetzung und Ausweitung auf geistige Eigentumsrechte Eine ähnliche (aggressive) Reziprozitätsbestimmung findet sich in der EU: Verordnung (EWG), Nr. 264/84 vom , in: EG, ABl. L 252 vom , S. 1ff.
20 Zollabbau im Rahmen GATT/WTO
Durchschnittliche Zollbelastung in Prozenten des Importwerts (exkl. Agrar und Erdöl) Gründung des GATT 2. Runde (Annecy) 3. Runde (Torquay) 1050/ 4. Runde (Genf) 5. Runde (Dillon) 1960/ 6. Runde (Kennedy) 7. Runde (Tokio) 8. Runde (Uruguay)
21 „GATT- gebundene“ Agrarzölle (Berechnung OECD)
Arithmetischer Durchschnitt (Zolllinien) Europa EU % Norwegen % Schweiz % Osteuropa Polen % Rumänien % Lateinamerika zw bis 80% Asien/Pazifik Indien % Südkorea % WTO (2001), Special Study 6, S. 49f.
22 Heutige Probleme der Entwicklungsländer
Präferenzen: Argumente dafür und dagegen? Sozialdumping: Gegenmassnahmen sinnvoll oder nicht? Protektionistische Agrarmärkte in den Industrieländern und protektionistische Industriegütermärkte in den Entwicklungsländern: Was spricht gegen eine Liberalisierung der Märkte? Zwangslizenzen: Wo liegen die Probleme?
23 GSP-Bedingungen in USA und EU (Auswahl)
Niedriges Einkommen Relativ offene Grenzen für IL (Gegenrecht); keine spezifischen Handelshemmnisse gegenüber IL Respektierung von geistigem Eigentumsrecht (keine Piraterie) Anerkennung der Menschenrechte und der ILO-Core Conventions (vor allem Arbeiterrechte, Verbot von Kinderarbeit) Politisch „genehm“ (USA: Ausschluss von Kuba, Iran, Burma) Nicht über 50% der totalen Importe eines Produkts Nicht (fast nicht?) in USA oder EU produziert
24 Die 8 Kern-Konventionen (Core Conventions) der ILO
Zwangsarbeit und Pflichtarbeit (1932) Vereinigungsfreiheit (1950) Recht zu kollektivem Verhandeln (1951) Gleiche Entschädigung von Mann und Frau (1953) Abschaffung der Zwangsarbeit (1959) Diskriminierungsverbot in der Beschäftigung (1960) Mindestalter in Beschäftigung (1976) Schlimmste Formen der Kinderarbeit (2000)
25 Art. XX GATT (Allgemeine Ausnahme)
Unter dem Vorbehalt, dass die folgenden Massnahmen nicht so angewendet werden, das sie zu einer willkürlichen und ungerechtfertigten Diskriminierung zwischen Ländern, in denen gleiche Verhältnisse bestehen, oder zu einer verschleierten Beschränkung des internationalen Handels führen, darf keine Bestimmung dieses Abkommens so ausgelegt werden, dass sie eine Vertragspartei daran hindert, folgende Massnahmen zu beschliessen oder durchzuführen: … b) Notwendige Massnahmen zum Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen, f) Massnahmen zum Schutz nationalen Kulturguts … g) Massnahmen zur Erhaltung erschöpfbarer Naturschätze …
26 The organization chart below can also be downloaded in a print-friendly pdf version:
27 Allgemeine GATT-Bestimmungen (ausgenommen Hauptelemente)
Art. XVIII	Entwicklungsartikel Art. XIX	Schutzartikel Art. XX	Allg. Ausnahmen Art. XXI	Sicherheit Art. XXIV	Integration Art. XXXVI	Handel und Entwicklung
28 WTO-Agrarabkommen (Agreement on Agriculture) / Allgemeine Hinweise
Im Bereich Agrarhandel hielten sich viele GATT-Vertragspartner nicht an die Bestimmungen des GATT 47 (z.B. USA, EU, Schweiz) 1985: GATT-Bericht, Neuregelung des Agrarbereichs 1986: Punta del Este-Konferenz: „More discipline and predictability to world agricultural trade“ (Marktzugang, mehr Disziplin im Subventions- und Kreditwesen, weniger Missbrauch im Gesundheitswesen …) Bedeutung des Agrarhandels: In den 1950er Jahren: ca.15-20% des Welthandels Heute: ca. 10%
29 Allgemeine Hinweise (Fortsetzung)
Die wichtigsten Exporteure (2006/2007, in % des Welt-agrarhandels)) USA und EU: je 10-15% Kanada ca. 5% Brasilien und China je etwa 3% Thailand, Argentinien und Australien je etwa 2.5%
30 Allgemeine Hinweise (Fortsetzung)
Die wichtigsten Importeure (2006/2007, in % des Welt-agrarhandels)) Japan 12% EU 10% USA 8% Mexiko, Südkorea und China je 1.5%
31 Rechtl. Grundlagen (Welthandelsordung)
Agreement on Agriculture der WTO (AA) Modalities for the Establishment of Specific Binding Committments unter the Reform Program (UR ) Die wichtigsten Inhalte des AA Marktzugang bzw. Marktöffnung („market access“) Neuausrichtung der Stützungsmassnahmen Abbau der Exportsubventionen
32 1. Marktöffnung Tarifikation Additionsmethode Differenzmethode
Zollreduktion: „…over the six-year periode commencing in the year 1995 on a simple average basis by 36% with a minimum rate of reduction of 15% for each tariff line …“ (par.4, Modalities) Alle neuen Zölle sind zu binden (par. 7, Modalities) Schutzmassnahmen möglich (vgl. Manuskript, S. 64ff.)
33 2. Stützungsmassnahmen Reduction of all product-related supports as price and marketing support measures as well as product-related direct payments by 20% in 6 years. Die Reduktionen beziehen sich nicht auf Stützungen, welche die Produktion nicht erhöhen, „Green Box“-Massnahmen (regional-, sozial- und umweltschutzbedingte Massnahmen) Pflichtlagerbeiträge Direktzahlungen
34 3. Abbau der Exportsubventionen
Export subsidies include direct payments by governments or their agents to exporting producers, processors and trader, government sale of agricultureal surplus at prices lying below the domestic level as well as transport supports to agriculture 36% auf der Basis 1986/90, über 6 Jahre (EL 24%)
35 Abkommen über sanitarische und phytosanitarische Massnahmen (SPS-Abkommen)
Art. XX GATT, vor allem Art. XX(b) GATT nochmals lesen Die 4 Bedingungen Notwendigkeitserfordernis (Art. 2.2 SPS-Abk.) Harmonisierungspflicht (Art. 3 SPS-Abk.) Äquivalenzprinzip (Art. 4 SPS-Abk.) Wissenschaftlichkeitsprinzip (Art. 5.1 und 5.2 SPS-Abk.)
36 Abkommen über technische Handelshemmnisse (TBT-Abkommen)
Technische Handelshemmnisse (im allgemeinen): Unterschiedliche Produktvorschriften, unterschiedliche technische Normen (Standards), unterschiedliche Anerkennung und Handhabung dieser Vorschriften und Normen oder Nichtanerkennung von im Ausland vorgenommener Prüfungen und Produktbewertungen. Technische Vorschriften („Technical regulations“) sind verbindlich. Allg. Rechtsvorschriften. Normen („Standards“) sind nicht verbindlich, freiwillige Regeln, meist von privaten Organisationen ausgearbeitet und empfohlen.
37 TBT-Abkommensinhalte
Art. 2 und 3: Bei Ausarbeitung der technischen Normen ist darauf zu achten, dass die Grundprinzipien (mfn usw.) eingehalten werden. Art. 4: Regierungen achten darauf, dass ihre Behörden auf regionaler und lokaler Ebene den Verhaltenskodex einhalten. Art. 5 bis 9: Anerkennung der Konformitätsbewertung anderer Handelspartner Art. 10 und 11: Gegenseitige Information und Zusammenarbeit Streitschlichtung der WTO
38 Weitere GATT-Zusatzabkommen
Abkommen über handelsrelevante Investitionsmassnahmen (TRIMS) Abkommen über Antidumping Zollwertabkommen Abkommen über Versandkontrolle Abkommen über Ursprungsregeln Abkommen über Importlizenzen Abkommen über Subventionen Abkommen über Schutzklauseln
39 Dienstleistungsabkommen (GATS)
Was ist eine Dienstleistung? Handelsanteile im Dienstleistungsbereich Die wichtigsten Elemente des GATS Die GATS-Nachverhandlungen
40 Die vier „modes“ der Dienstleistungen (Manuskript S. 97)
1. CROSS-BORDER SUPPLY (“mode 1”) Ein Architekt des Landes A arbeitet für einen Auftraggeber des Landes B 2. CONSUMPTION ABROAD (“mode 2”) Tourismus 3. COMMERCIAL PRESENCE (“mode 3”) Die Fima XY des Landes A unterhält eine Filiale im Land B (Banken, Versicherungen) 4. PRESENCE OF NATURAL PERSONS (“mode 4”) Eine natürliche Person des Landes A begibt sich zur Erledigung eines Auftrags ins Land B
41 GATS Die wichtigsten Elemente (Legal text im Internet)
Die “stand still clause” (Art. XVI) mfn und Negativlisten (Art. II) Inländerprinzip und Positivlisten (Art. XVII) Tansparenz (Art. III) Position der Nichtindustrieländer (Art. IV) Wirtschaftliche Integration (Art. V) Allgemeine Ausnahmen (Art. XIV) Das Aushandeln von “Specific Commitments” (Art. XIX) Die Nachverhandlungen (Annexes) Personenfreizügigkeit Finanzdienstleistungen Telekommunikation Air transport services
42 GATS mfn und Negativlisten (Art. II)
“With respect to any measure covered by this Agreement, each Member shall accord immediately and unconditionally to services and service suppliers of any other Member treatment no less favorable than that it accords to like services and service suppliers on any other country” Annex on Art. II (Ausnahmen) “This Annex specifies the conditions under which a Member, at the entry into force of this Agreement, is exempted from its obligations under par. 1 of Art. II”.
43 GATS Inländerprinzip und Positivlisten (Art. XVII)
“ … each Member shall accord to services and service suppliers of any other Member, in respect of all measures affecting the supply of services, treatment no less favorable than that it accords to its own like services and services suppliers.” Art. XX: Schedules of Specific Commitments Art. XXI: Modification of Schedules
44 GATS Tansparenz (Art. III)
“Each Member shall publish promptly … all relevant measures of general application …” Auskunftsstellen zu Gunsten der WTO-Handelspartner, insbesondere zu Gunsten der Entwicklungsländer
45 GATS Allgemeine Ausnahmen (Art. XIV)
(Lesen Sie zum Vergleich Art. XX GATT) “Subject to the requirement that such measures are not applied in a manner which would constitute a means of arbitrary or unjustifiable discrimination between countries where like conditions prevail, or a disguised restriction on trade in services, nothing in this agreement shall be construed to prevent the adoption or enforcement by any Member of measures: -	Necessary to protect public morals or to maintain public order, -	necessary to protect human, animal or plant life or health …”
46 Konventionen über geistiges Eigentum vor dem Entstehen des TRIPS
1883 Paris Convention for the Protection of Industrial Properties (PariserVverbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums, PVÜ) 1886 Berne Convention for Protection of Literary and Artistic Work (Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst) 1891 Agreement for the Protection of Trade Marks (Madrid) (Madrider Abkommen über die internationale Registrierung von Marken) 1925 Convention for the Protection of Industrial Designs (Den Haag) (Den Haager Abkommen über die internationale Hinterlegung gewerblicher Muster und Modelle) 1967/1970 World Intellectual Property Organization (WIPO) (Weltorganisation für Geistiges Eigentum)
47 Allgemeine Bestimmungen und Prinzipien des TRIPS
Ziele (Art. 7) Schutz und Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums, Vereinheitlichung der IP-Vorschriften, Ausnahmen der Erschöpfung (Art. 6). Wesen und Umfang der Pflichten (Art. 1.1 and 1.3) Minimalbestimmungen, Bezug auf „Staatsangehörige“. Mfn-Klausel (Art. 4 und 5) Ausnahmen: WIPO-Bestimmungen. Inländerprinzip (Art. 3) Ausnahmen: Radio- und Fernsehen. Allgemeine Ausnahmen (Art. 8) Vgl. Art. XX GATT
48 „Normen betreffend die Verfügbarkeit, den Umfang und die Nutzung von Rechten an geistigem Eigentum“ (II. Teil des TRIPS) Urheberrechte (Copyrights) Handelsmarken (Trademarks) Geographische Angaben (Geographical Indications) Gewerbliche Muster (Industrial Designs) Patente (Patents) Topographien, Integrierte Schaltkreise (Layout-Designs)
49 Urheberrecht und verwandte Rechte (Art. 9-14)
Bezug zu Berner Konvention Ausdrucksformen, und nicht Ideen, Verfahren, Arbeitsweisen oder mathematische Konzepte Computer Programme sollen geschützt sein Datensammlungen sollen geschützt sein Schutzdauer: Nicht unter 50 Jahren (allgemeine Regel) Ton- und Sendeunternehmen: Nicht unter 20 Jahren
50 Marken (Art. 15 – 21) Bezug zu Pariser Konvention
Subjekt: Alle Zeichen, jede Kombination von Zeichen, Wörter einschliesslich Personennamen, Buchstaben, Zahlen, Abbildungen, Farbkombinationen, Kombinationen von Zeichen Ausnahmen: Farbe, Ton, Aroma Schutzdauer: Nicht weniger als 7 Jahre, unbeschränkt verlängerbar Registrierung an Gebrauch gebunden (3 Jahre) Drittparteien dürfen registrierte Marken nicht verwenden (Lizenzen)
51 Geographische Angaben (Art. 22 – 24)
Geographische Angaben sind Angaben, „die eine Ware als aus dem Gebiet eines Mitglieds oder aus einer Region oder aus einem Ort in diesem Gebiet stammend kennzeichnen, wenn eine bestimmte Qualität, der Ruf oder eine sonstige Beschaffenheit der Ware im wesentlichen ihrem geographischen Ursprung zugeschrieben werden kann“. Besonderer Schutz für Weine und Spirituosen Ausnahmen: Used for at least 10 years (1994) Used in good faith preceding 1994 Identity with the term customary in common language (Gattungsware)
52 Industrielle Muster (Industrial Designs, Art. 24-26)
Industrielle Muster, Textil-Muster Schutz: To prevent third parties from making, selling or importing articles bearing or embodying a design which is a copy, or substantially a copy of the protected design Schutzdauer: Wenigstens 10 Jahre
53 Patente (Art ) Gegenstand: Any inventions, whether products or processes, in all fields of technology, which are new, involve an inventive step and are capable on industrial application Ausnahmen: Members may exclude from patentability measures which are necessary to protect human, animal or plant life or health or environment, diagnostic, therapeuting and surgical methods, plants and animals Ziel der Patentbestimmungen: Third parties are not allowed to make, use, sell or import the patented products Schutzdauer: 20 Jahre ab Anmeldung
54 Abkommen über den Handel mit zivilen Luftfahrzeugen (Agreement on Trade in Civil Aircraft)
Ziel: Freier Handel mit zivilen Luftfahrzeugen, Motoren, Bestandteilen (Liste im Anhang des Abkommens). Einheitliche Wettbewerbsbedingungen Ausnahmen: Fahrzeuge und Bestandteile für militärische Zwecke
55 Abkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (Agreement on Government Procurement)
Unterscheidung zwischen „Staatshandel“ und „öffentlicher Beschaffung“ Bedeutung der öffentl. Beschaffung: 15 bis 20% des BIP. Zurzeit eher rückläufig. Warum? Plurilaterales Abkommen: Aufzählung der Vertragspartner im Manuskript. Gegenwärtige Verhandlungen mit Albanien, Bulgarien, Georgien, Jordanien, Moldavien, Oman, Panama und Taiwan.
56 Öffentliche Beschaffung (Fortsetzung)
Ziele: Inländerprinzip mfn-Klausel Einheitliche Wettbewerbsbestimmungen Einheitliche Vergabeverfahren Offenes Verfahren Selektives Verfahren Freihändiges Verfahren
57 Streitschlichtung WTO
Organisation Aktivlegitimität Überblick 1995 bis 2006 Konsulatationen Art. XXII GATT Gegenstand einer Klage, Art. XXIII GATT Vermutung einer Vertragsverletzung Vermutung einer Benachteiligung „irgend eine andere Sachlage“
58 Dispute Settlement Disputes 1995 – October 2009
as complainant	as respondent Argentina Australia Canada China EU Japan Korea Switzerland USA Quelle: WTO Homepage: Dispute settlement, Disputes by country
59 Art. XXII GATT Article XXII Consultation
60 Nullification or Impairment
Art. XXIII GATT Nullification or Impairment 1.	If any contracting party should consider that any benefit accruing to it directly or indirectly under this Agreement is being nullified or impaired or that the attainment of any objective of the Agreement is being impeded as the result of (a)	the failure of another contracting party to carry out its obligations under this Agreement, or (b)	the application by another contracting party of any measure, whether or not it conflicts with the provisions of this Agreement, or (c)	the existence of any other situation, the contracting party may, with a view to the satisfactory adjustment of the matter, make written representations or proposals to the other contracting party or parties which it considers to be concerned. Any contracting party thus approached shall give sympathetic consideration to the representations or proposals made to it.
61 Streitschlichtungsverfahren (Überblick)
Verhandlungen zwischen Streitparteien Antrag an DSB bei Nichteinigung Panelverfahren Bildung des Panel Zwischenbericht Endbericht Entscheid des DSB Rekursverfahren (Berufungsverfahren) Bericht
62 Understanding on Rules and Procedures Governing the Settlement of Disputes
General Provisions (Art. XXII and XXIII), goal of satisfactory settlement (Art. 3) Consultations / 60 days (Art. 4) Establishment of the Panel Composition of the Panel Panel procedures / 6 months (Art.12-15) Adoption of the Panel Report (Art.16) The Appellate Review / 2 month (Art ) Implementation
63 Implementierung Zufriedenstellender Ausgleich: Abgeschlossen
Kein zufriedenstellender Ausgleich: Art. 21 DSU (zurück an Panel) Art. 22 DSU (Sanktionsmassnahmen, angemessen)
64 Art. 21.3 und 5 WTO-Streitschlichtungsverfahren (DSU)
Durchführung der Empfehlungen und Entschliessungen Vorgeschlagner Zeitraum, gebilligt vom DSB Von Parteien gemeinsam vereinbarter Zeitraum Angemessener Zeitraum, nicht über 15 Monate (Verlängerung möglich) Wenn eine Meinungsverschiedenheit über das Vorliegen oder die Übereinstimmung von Massnahmen besteht, die zu treffen sind, um die Empfehlungen und Entschliessungen zu erfüllen, wird ein solcher Streit durch Heranziehung dieser Streitbeilegungsverfahren entschieden, einschliesslich des Rückgriffs auf den ursprünglichen Untersuchungsausschuss…
65 Art. 22 DSU Ausgleich und Aussetzung von Zugeständnissen und anderen Verpflichtungen sind zeitlich befristete Massnahmen für den Fall, dass die Empfehlungen und Entschliessungen nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums erfüllt werden. Ziff. 2: Wenn kein zufriedenstellender Ausgleich erzielt werden konnte, „kann jede Partei, die das Streitbeilegungsverfahren angestrengt hat, vom DSB die Ermächtigung verlangen, gegenüber dem betreffenden Mitglied die Anwendung von Zugeständnissen oder anderen Verpflichtungen aus erfassten Abkommen auszusetzen. Ziff. 7: Der Schiedsrichter prüft nicht die Natur der auszusetzenden Zugeständnisse oder anderen Verpflichtungen, sondern stellt fest, ob der Umfang der Aussetzung dem Umfang der Zunichtemachung oder Schmälerung angemessen ist.
66 Stärken / Schwächen der WTO-Streitschlichtung
Vermutliche Stärken Verhinderung eines „Flächenbrands“ Lösung binnenpolitischer Probleme Verbindlichkeit (seit 1994) Vermutliche Schwächen Anerkennung fraglich Bilateralismus Fehlende Aktivlegitimität bei WTO Regelung der Beweislast Nicht Recht, sondern Ausgeglichenheit Angeblicher Widerspruch in Art. 21 und 22 DSU Art der Sanktionen Nicht-Öffentlichkeit der Verhandlungen
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Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel Die Erfolgsgeschichte der Handelsliberalisierung nach 1945. Frisst der Erfolg seine Kinder? Konferenz.

References: Art. 4
 Art. 310

Art. 2
 Art. 4
 Art. 5
 Art. 10
 Art. 24
 Art. 21
 Art. 22
 Art. 21
 Art. 22
 Art. 21