Source: http://www.bz-duisburg.de/DU_historisch_heute/galeria%20Kaufhof.htm
Timestamp: 2018-10-22 21:15:28+00:00

Document:
Galeria Kaufhof und der Denkmalschutz
60 Jahre Kaufhaus: Galeria, Merkur, Horten
Für das Kaufhaus Kaufhof (ehem. Merkur, Horten) Düsseldorfer Str. 32-34, wurde am 30.05.2006 durch den Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Amt für Denkmalpflege (LVR/RhAD) der Antrag auf Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Duisburg gestellt.
Heute, September 2018, fusionierten die beiden größten deutschen Kaufhausketten Karstadt und Kaufhof. Die Zukunft der beiden Häuser in Duisburg ist ein wenig ungewiss, grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass das Duo weiterhin die Innenstadt beleben wird.
Der vorliegende Unterschutzstellungstext, zu dem das LVRIRhAD mit Schreiben vom 26.06.2006 das gemäß § 21 Abs. 4 DSchG NRW erforderliche Benehmen hergestellt hat, benennt alle wesentlichen, das Denkmal konstituierenden Elemente und liefert die Begründung für die Unterschutzstellung im Sinne von § 2, Abs. 1 DSchG NRW: „Denkmäler sind Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen.“
Das Kaufhaus mit seiner vorgehängten Gitterfassade ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen. Seine Erhaltung und Nutzung liegen aus wissenschaftlichen, insbesondere architekturgeschichtlichen sowie städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse.
Die Anhörung des Eigentümers erfolgte am 04.07.2006. Der Eigentümer äußerte seine Bedenken in einem Antwortschreiben zur Anhörung am 13.09.2006. Auf Anregung des Stadtentwicklungsdezernten sollte daraufhin ein unabhängiges Zweitgutachten in Auftrag gegeben werden. Das mit Schreiben vom 27.04.2007 eingegangene Gutachten von Dr. Silke Langenberg vom Lehrstuhl Prof. Dr. Uta Hassler/ETH Zürich bestätigt den Denkmalwert, beschränkt ihn allerdings auf die beiden Umfassungswände mit der vorgehängten Gitterfassade aus Kunststein-Elementen. Das Benehmen des LVRIRhAD zum geänderten Schutzumfang erfolgte am 04.07.2007.
Die vorläufige Eintragung der Umfassungswände mit zweiseitig vorgehängter Gitterfassade in die Denkmalliste gern. § 4 DSchG NW erfolgte am 01.07.2007.
Gegen diesen Bescheid legte der Eigentümer mit Schreiben vom 10.07.2007 Widerspruch ein, der mit Schreiben vom 02.08.2007 begründet wurde. Der Widerspruch wurde am 09.11.2007 der Bezirksregierung Düsseldorf zur Entscheidung vorgelegt. Bis heute (Stand 10.07.2008) liegt noch kein Bescheid vor.
Am 31.08.2007 stellte die Metro-Group einen Abbruchantrag. Die Bewertung und der Bescheid des Abbruchantrages konnte noch nicht erfolgen, da Ende 2007 ein
Fassadenwettbewerb durch die Metro-Group ausgelobt wurde. Das Stadtentwicklungsdezernat hat der Antragstellerin gegenüber zugesagt, dass das Wettbewerbsergebnis, das im Herbst 2008 erwartet wird, in die Abwägung desdenkmalrechtlichen Erlaubnisverfahrens maßgeblich einfließen wird.
Der Schutz von Baudenkmälern ist nach dem DSchG NRW zweistufig gestaltet. Es ist zu trennen zwischen der konstitutiven Begründung des Denkmalschutzes durch die Eintragung
( 3 DSchG NRW) und den Wirkungen des Denkmalschutzes ( 7 DSchG NRW). Auf der ersten Stufe, die allein Gegenstand des aktuellen Verfahrens (Unterschutzstellung) ist, findet eine Interessensabwägung nicht statt. Hier ist allein die Denkmaleigenschaft ausschlaggebend; einen Ermessensspielraum gibt es nicht. Individuelle Belange der Eigentümer oder der Nutzungsberechtigten wie z.B. Nutzungsinteressen und Vermögensverhältnisse sind im Unterschutzstellungsverfahren rechtlich unerheblich. Steht fest, dass es sich um ein Baudenkmal handelt, so muss eine Eintragung erfolgen ( 3, Abs. 1).
Die Untere Denkmalbehörde hat im Benehmen mit dem LVRIRhAD als weisungsunabhängige Gutachterbehörde den Denkmalwert der Vorhangfassade des Kaufhofs festgestellt. Da das Objekt die Voraussetzungen des o. zit. § 2, Abs. 1 DSchG NRW erfüllt, ist die Eintragung vorzunehmen. Durch das DSchG NRW ist darüber hinaus zwingend vorgeschrieben, auch solche denkmalwerten Objekte unter Schutz zu stellen, deren Erhaltung aus anderen Gründen nicht möglich sein wird.
Wirtschaftliche Interessen und Möglichkeiten, Fragen der künftigen Nutzung bzw. Umnutzung, lnstandsetzungs- und Sanierungsvorhaben sowie weitere Veränderungswünsche finden erst in der zweiten Stufe des Denkmalschutzgesetzes, dem Erlaubnisverfahren nach § 9 DSchG NRW Berücksichtigung. Hier werden auch andere
öffentliche Belange abgewogen. Das Ergebnis einer Abwägung kann letztlich auch die Beseitigung eines Denkmals verlangen, wenn andere öffentliche Belange die des Denkmalschutzes überwiegen.
1958 nach Plänen von Harald Loebermann und Helmut Rhode als Kaufhaus Merkur für den Horten Konzern errichtetes Gebäude mit zweiseitig vorgehängter Gitterfassade aus
Kunststein-Rahmenelementen („Kettenhemd“). Für Deutschland prototypischer Gebäudetyp des Kaufhauses als kubisch geschlossene Blockarchitektur mit teppichartig ornamentierter Vorhangfassade (,‚Wabenfassade“) über durchfenstertem Erdgeschoss.
Das Denkmal umfasst die Außenwände des Gebäudes an seinen beiden Hauptschauseiten entlang Düsseldorfer Straße und Friedrich-Wilhelm-Straße einschließlich der vorgehängten Gitterfassade aus Kunststein-Rahmenelementen. Das Innere des Gebäudes, Raumstrukturen sowie ortsfeste und bewegliche Ausstattung sind aus dem Schutzumfang ausgenommen.
Das Kaufhaus an der Düsseldorfer Straße 32-36 / Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße wurde 1958 (Bauantrag) als Kaufhaus Merkur errichtet. Architekten waren Helmut Rhode und
Harald Loebermann. Die Kaufhauskette Merkur war seit 1953 eine Marke des Horten-Konzerns.
Es handelt sich um ein sechs Geschosse aufragendes, streng blockhaftes Gebäude, welches als Stahlbetonskelettbau mit zweiseitig vorgehängter und bis auf wenige Unterbrechungen ungeteilter Gitterfassade aus Kunstwerksteinen über einem weitgehend in Schaufenster aufgelösten Erdgeschoss konzipiert wurde. Die zwei zur Straßenkreuzung Düsseldorfer Straße und Friedrich-Wilhelm-Straße orientierten Hauptschauseiten mit ihren Vorhangfassaden kaschieren sowohl die Mehrgeschossigkeit des kastenförmigen Aufbaus als auch verschiedene in der hinteren Fassade angeordnete Fensteröffnungen des Warenhauses. Deutlich ablesbar sind nur acht gleichformatige große Stahlfenster im 4. Obergeschoss, welche als Band beziehungsweise eine durchgehende Öffnung in die Vorhangfassade eingeschnitten sind und ursprünglich der natürlichen Belichtung des dahinter befindlichen Gastronomiebereiches dienten.
Zur Düsseldorfer Straße hin ist ein Glockenspiel angebracht. Das Erdgeschoss liegt etwas zurück, so dass die „Box“ darüber in der Ansicht gleichsam zu schweben scheint. Die Vorhangfassade besteht aus 12 cm tiefen, aus hellem Kunststein gebildeten rechteckigen Rahmenelementen, welche laut Baubeschreibung von 1958 aus vier mit einem Kunststoffkleber auf Epoxydharzbasis miteinander verklebten Teilen gebildet und — mit kleinen Abstandelementen - versetzt zueinander angeordnet sind. Abgefangen wird die Vorhangfassade geschossweise über an den Decken angesetzte Kragsteine aus Stahlbeton. Zusätzliche Sicherung erfolgt durch vertikale Drahtanker hinter der vorderen „Haut“. Laut Baubeschreibung sollten außerdem verschiedene horizontale und vertikale Dehnungsfugen Spannungen in der vorgehängten Fassade verhindern, die dahinter liegenden Fassadenflächen dunkelgrau bis schwarz gestrichen werden. Momentan ist die Konstruktion der Vorhangfassade an verschiedenen Stellen durch nachträglich eingefügte Stahlkonsolen unterstützt, die hintere Fassade blau gefasst.
Die Fassade erscheint in ihrer Gestalt ansonsten unverändert und ihre Konstruktion grundsätzlich original vorhanden. Die Fassadenstruktur, häufig umgangssprachlich als „Kettenhemd“ bezeichnend, ist bis auf obere und untere Abschlussbänder und die dünnen Rahmungen der wenigen Fensterausschnitte ohne weitere horizontale oder vertikale Unterteilung (auch nicht an den Gebäudekanten) und besitzt daher ausgesprochen großflächigen Charakter. Optische Wirkung und funktionale Begründung dieser Gestaltung werden in der zeitgenössischen Baubeschreibung treffend charakterisiert: „Vor die eigentliche Front des Kaufhauses wird eine durchbrochene Fassadenhaut aus Kunststeinen gelegt. Es wird hierdurch erreicht, daß ein klarer Baukörper gebildet wird, und daß hinter der durchbrochenen Fassade die Fenster des Kaufhauses nach den Bedürfnissen der inneren Nutzung eingebaut werden können.“ Ein Indiz dafür, dass es sich um eine bautechnisch innovative und ungewöhnliche Lösung handelte, ist die Tatsache, dass das Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg vor Genehmigung von den Architekten noch eine Detailbeschreibung der vorgesehenen Technik anforderte, und dass offenbar im Vorfeld diverse wissenschaftliche Gutachten hierzu angefertigt wurden.
Die an der Fassade bereits vorgenommenen Sicherungsmaßnahmen unterstützen die ursprüngliche Konstruktion, ersetzen sie aber nicht. Die für die Bedeutung des Gebäudes wesentliche äußere Gestaltung ist augenscheinlich weitgehend original und anschaulich erhalten.
Das Kaufhaus Düsseldorfer Str. 32-36 ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, da es ein charakteristisches und anschaulich erhaltenes Beispiel einer Baugattung darstellt, die symbolhaft für Umstände und Erfolg des „Wirtschaftswunders“ steht und somit einen wichtigen, historisch abgeschlossenen Abschnitt der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte in Deutschland verkörpert.
Warenhäuser stellen eine heute mittlerweile rund 150 Jahre alte Bauaufgabe dar, die mehrere Phasen durchlaufen hat. Das hier behandelte Objekt ist zeitlich in der dritten Phase, dem Wiederaufbau der Warenhausunternehmen nach weitgehender Zerstörung ihres Bestandes im Zweiten Weltkrieg, zuzuordnen (zur Einteilung Irrgang 1980). Direkte bauliche
Vorläufer sind in Deutschland die um die Jahrhundertwende erstmals entstandenen großen Warenhauspaläste der ersten und die in der Zwischenkriegszeit Ideen und Konzepte der Moderne aufgreifenden Warenhäuser der zweiten Generation. Die dritte Generation ist gekennzeichnet vom wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands. Alte und neue Unternehmen, z.T. aus „arisiertem“ Besitz erwachsen oder wiedererstanden, überzogen große und auch kleinere Städte mit Filialen. Vor allem die Horten-Häuser mit ihren charakteristischen Fassaden, ein prägnantes Beispiel für modernes „Corporate ldentity“ in der Architektur, sind „zu einem Signum des in Erfüllung gegangenen deutschen Wirtschaftswunders“ geworden (Mönninger, S. 199), da sie die unerwartet schnell gewachsene Massen-Kaufkraft, zunächst in der Bundesrepublik, später auch in der DDR repräsentierten.
Inzwischen gilt jedoch die prägende Zeit des Kaufhauses selbst in Großstädten als weitgehend beendet, sind Einzelhandels-Discounter einerseits, Einkaufszentren neuen Typs andererseits an seine Stelle getreten. Bezeichnenderweise ist im letzten Jahrzehnt eine Fülle von Studien und Artikeln erschienen, die sich dem Kaufhaus als wirtschafts- und kulturgeschichtlichem Phänomen und Symbol widmen.
Als gegen Ende der 50er Jahre entstandenes Warenhaus zeigt der Duisburger Merkur-Bau die sowohl baulichen als auch gestalterischen Zeichen der neuen Planungstheorien sowie die Auswirkungen des wirtschaftlichen Aufschwunges auf den Warenhausbau und dessen Ausstattung, zumal als letztes erhaltenes Zeitzeugnis dieser Bauaufgabe in der Duisburger
Innenstadt nach Abbruch des 1948-50 erbauten ersten Horten-Warenhauses an der Königstraße.
Das Kaufhaus ist bedeutend für Duisburg, erstens bezogen auf örtliche Verhältnisse im Sinne der oben dargelegten Bedeutung für die Geschichte des Menschen, zweitens und vor
allem, weil Duisburg innerhalb der bundesrepublikanischen Kaufhausgeschichte sowie der Geschichte des Horten-Konzerns eine zentrale Rolle spielt.
Das inzwischen abgebrochene Karstadt-, vormals Horten-Kaufhaus an der Königstraße (1948-50) war nach übereinstimmender Meinung in der Literatur der erste Kaufhaus-Neubau nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland. Bauherr war das wiedererstandene Unternehmen von Helmut Horten, dessen Unternehmerkarriere 1936 ebenfalls in Duisburg begonnen hatte.
Die Kaufmannsfamilie Horten ist seit 1710 in Kempen / Niederrhein nachweisbar. Der Kaufhaus-Konzerngründer Helmut Horten (1909-1 987) entstammte einem Juristen- und Beamtenzweig der Familie; sein Vater war Senatspräsident am Oberlandgericht Köln, sein Großvater Reichsgerichtsrat am Reichsgericht Leipzig. Er selbst erhielt im Tietz-Warenhaus Düsseldorf eine Ausbildung zum Textilkaufmann. 1936 wurde er Abteilungsleiter in einem (bereits „arisierten“) Textilkaufhaus in Köln. Im selben Jahr kaufte Horten sein erstes eigenes Kaufhaus, das Kaufhaus Alsberg in Duisburg - wie die weiteren, die in rascher Folge hinzu kamen, jüdischer Besitz (Wattenscheid, Gevelsberg, Königsberg, Marienburg und Marienwerder). Durch Kriegszerstörungen und Verluste im ehemaligen Ostdeutschland zunächst schwer getroffen, begann mit der Duisburger Neueröffnung 1950 die beispielhafte Nachkriegskarriere Hortens.
1953 erwarb er die Mehrheit an der in den 1930er Jahren enteigneten, nach 1945 aber vorübergehend wieder in Besitz der (jüdischen) Familie Schocken befindlichen „Merkur“-Kaufhauskette. Ein Jahr später kam die DEFAKA-Kette von Jakob Michael, einem ebenfalls jüdischen, nach Amerika ausgewanderten Unternehmer, hinzu. Zahlreiche Zweigniederlassungen, mit einem Schwerpunkt zunächst in zentralen Orten am Niederrhein, ließen die Helmut-Horten-GmbH zum zeitweilig viertgrößten Kaufhauskonzern in Deutschland (hinter Kaufhof, Hertie und Karstadt) wachsen: Ende der 50er Jahre existierten je 22 DEFAKA und Merkur-Kaufhäuser unter ihrem Dach (später alle schrittweise in Horten umbenannt). Horten galt vor allem als sehr dynamisches, innovationsfreudiges Unternehmen: so erweiterte man in den 1950/60er Jahren als erste das Warenangebot um Lebensmittelläden und fachgeschäftartige Abteilungen.
1969 wurde der Konzern in eine AG umgewandelt; Helmut Horten verkaufte seine Anteile bereits bis 1972 an ein Bankenkonsortium und zog sich in die Schweiz zurück. Kurz vor Hortens Tod 1987 entfachte der Schriftsteller F.C. Dellus eine heftige öffentliche Debatte, als er in einem Werk die (zweimalige) Grundlegung von Konzern und Reichtum des Kaufhausgründers auf (z.T. zwangsweise „arisiertem“) jüdischem Besitz anprangerte und als ein Symbol der Schattenseiten von deutscher Politik und „Wirtschaftswunder“ im 20. Jahrhundert beschrieb.
Zu Duisburg, „wo sich das Zentrum seiner unternehmerischen Aktivitäten befand“ (wichtige Duisburger Persönlichkeiten wie Ernst Wilhelm Bohle, Hans Gatermann und Wilhelm Großhans waren dem Unternehmen verbunden), hat Horten auch intensive gesellschaftliche Bindungen gepflegt. „Vor allem für Duisburg ... wurde Horten nach dem Krieg ein wichtiger Förderer. Er wurde Mitglied des Duisburger Clubs Raffelberg, dem er u.a. einen centre court für große Tennisturniere bauen ließ, förderte den Fußball, den Duisburger Karneval und stiftete dem Duisburger Zoo einen Elefanten. Lediglich der Wunsch, in Duisburg ein Kabarett nach Berliner Vorbild zu installieren, konnte nie ausgeführt werden“ (Zitat aus wikepdia Artikel zu H. Horten).
Dynamik und lnnovationskraft des Horten-Konzerns drückten sich auch im frühen und konsequenten Streben nach Markenidentität durch Design und Architektur aus. Die bald sprichwörtliche „Horten-“ oder „Eiermann-Wabe“ wurde nicht nur das Logo des Hauses, sondern ganz allgemein standen die charakteristischen Horten-Häuser lange Jahre als — bewundertes und geschmähtes - Synonym für Kaufhausarchitektur: die „Kaufhauskiste“ mit vorgehängter Wabenfassade. Und das Kaufhaus an der Düsseldorfer Straße, das Horten für seine neue, von Schocken erworbene Marke „Merkur“ errichten ließ, nachdem das Haus an der Königstraße 1955 an das Konkurrenzunternehmen Karstadt verkauft worden war, war deutschlandweit der Prototyp dieses Gebäudetyps.
Zum Zeitpunkt der Errichtung des hier behandelten Gebäudes sind sowohl die Person Helmut Horten als auch sein Unternehmen bedeutend für die Stadt Duisburg. Die Tatsache, dass Horten seinen Firmensitz wenige Jahre zuvor — 1955 - nach Düsseldorf verlegt, ändert an dieser Tatsache nichts. Das an Karstadt veräußerte Warenhaus an der Königstraße,
welches im Jahr 2005 abgebrochen wurde, hatte als erster großer Warenhausneubau der Nachkriegszeit sicher einen hohen Wert für die Stadt Duisburg, v.a. aber auch regionale Bedeutung. (Zum Zeitpunkt des Abbruchantrages waren die Tatbestandsvoraussetzungen gemäß § 2 DSchG NRW nicht in Form eines Gutachtens nachgewiesen, so dass eine rechtliche Basis für eine Unterschutzstellung nicht gegeben war). Die Eröffnung des ersten Bauabschnitts nach nur 100 Tagen Bauzeit wird von Horten als herausragende Wiederaufbauleistung zu Werbezwecken vermarktet und der Bau entsprechend publiziert. Die 1950 bis 1952 als Muschelkalkverblendung ausgeführte Fassade des Gebäudes (Entwurf Emil Fahrenkamp) ist beispielhaft für zahlreiche nachfolgende Warenhausbauten.
Für das Horten-Unternehmen selbst scheint 1958 jedoch die Errichtung des vollkommen neuartigen und in die Zukunft weisenden Hauses an der Düsseldorfer Straße Priorität gehabt zu haben. Das neue Duisburger Warenhaus stellt genau wie der „Bau der 100 Tage“ an der Königstraße das erste, in Deutschland realisierte Gebäude des neuen Warenhaustyps dar. Die Eröffnung des Merkur-Hauses in Duisburg bei gleichzeitiger Aufgabe des bekannten Warenhauses an der Königstraße zeigt den Aufbruch des Unternehmens in eine neue Phase. Dass dieses Gebäude nicht in einer anderen Stadt sondern eben in Duisburg errichtet wird, zeigt die Verbundenheit des Unternehmens zur Stadt beziehungsweise, welche Bedeutung ihr von Seiten des Unternehmens Ende der 50er Jahre beigemessen wird.
An der Erhaltung und Nutzung des Kaufhaus-Gebäudes in Duisburg, Düsseldorfer Str. 32-36 besteht ein öffentliches Interesse aus wissenschaftlichen, hier architekturgeschichtlichen Gründen, da es sich um den Prototyp eines bedeutenden und bekannten Gebäudetyps in Deutschland handelt, des Kaufhauses als kubisch geschlossene Blockarchitektur mit teppichartig ornamentierter Vorhangfassade (,‚Wabenfassade“) über durchfenstertem Erdgeschoss. Der Fassade des Duisburger Merkur-Warenhauses kommt als in Deutschland zum ersten Mal in dieser Form errichteter Warenhausfassade sowie auch im Diskurs um die Urheberrechte an dieser Konzeption und Gestaltung eine Schlüsselrolle zu.
Das Duisburger Kaufhaus ist in zeitgenössischen Architekturzeitschriften offenbar nicht publiziert worden. Es blieb daher überregional lange unbeachtet, seine Rolle als Prototyp der Wabenfassade wurde vielmehr durch die unmittelbar nachfolgenden Horten-Kaufhäuser des berühmten Architekten Egon Eiermann für Stuttgart und Heidelberg in den Hintergrund gedrängt. So galt Eiermann auch bis vor kurzem als „Erfinder“ der volkstümlich bezeichnenderweise auch nach ihm benannten Fassadenlösung („Eiermann-Wabe“). Erst in den letzten beiden Jahrzehnten hat die Forschung herausarbeiten können, dass der Duisburger Bau und seine Architekten Helmut Rhode und Harald Loebermann die eigentlichen Vorreiter dieser Konzeption waren.
Architekturgeschichtliche Darstellungen der Kaufhausgeschichte konzentrieren sich häufig auf die Anfänge (z.B. der berühmte Schinkel-Entwurf von 1827) bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts. Kennzeichnend für diese Phase ist der zumeist repräsentative und ästhetisch unmittelbar ansprechende Charakter dieser Gebäude, oft palastartig prachtvoll und aufwendig dekoriert, verbunden mit innovativen, jedoch überwiegend im Inneren verborgenen bautechnischen Lösungen (z.B. frühe Skelettkonstruktionen; Eisen und Glas als Baumaterialien in Galerien und Hallen u.ä.).
Nach dem Zweiten Weltkrieg findet in dieser Hinsicht eine bezeichnende Veränderung statt. Zwar kann z.T. weiterhin von durchaus innovativen bautechnischen Lösungen gesprochen werden (z.B. bei der Vorhangfassade), die maßgebliche gestalterische Entwicklung bewegt sich aber weg von Repräsentationsbauten hin zu funktionalistischen Entwürfen, welche die betriebstechnischen Erfordernisse des Bautyps innen wie außen weitergeben - mit zwischen Radikalität und Banalität pendelnder Haltung: die sprichwörtliche Warenhaus-“Kiste“.
Ab 1950 gab es in Deutschland wieder Kaufhaus-Neubauten durch rasch wieder kapitalkräftige Konzerne. Innerhalb der wieder aufgebauten Innenstädte wurden die Kauf- und Warenhäuser mit ihrem umfassenden Warenangebot zum Symbol des Wirtschaftswunders. Gestalterisch waren die ersten Jahre noch unentschieden und man bediente sich verschiedener Formensprachen, von traditionalistisch (Natursteinfassaden) bis funktionalistisch-modern (Skelett-Konstruktionen mit Rasterfassade). In den zeitgenössischen Architekturzeitschriften werden Kauf- und Warenhäuser ab Mitte der 1950er Jahre vermehrt behandelt, als sich mit der „curtain wall“ eine neue eigenständige lkonographie herauszubilden begann. Für eine kurze Zeit waren es Konstruktionen aus horizontalen Fenster-/Brüstungsbändern, die das Erscheinungsbild bestimmten. Berühmt wurde die von der Kaufhof-Bauabteilung (Architekten: Hermann Wunderlich/Reinhold Klüser) entwickelte Aluminium/Glas- Rasterfassade in zwei unterschiedlichen Grüntönen, die zum Markenzeichen der Häuser dieses Konzerns wurde. Fassaden dieses Typs sind inzwischen als wichtige architektonische Zeugnisse ihrer Zeit erkannt und stehen z.B. in Köln bereits unter Denkmalschutz.
Während sowohl konstruktive Rasterfassaden als auch Fenster-Brüstung-Curtain-Walls noch einer vertrauten Auffassung von Fassadengestaltung entsprachen, die die großen Volumina der Gebäude zu mildern versuchte, entstand gegen Ende der 1950er Jahre aus der Kombination der Möglichkeiten der curtain-wall und den funktionalen Gegebenheiten des Kauf- und Warenhauses eine neue Formensprache: die teppichmusterartig ornamentierte Vorhangfassade (fast) ohne Fensteröffnungen, die zumindest in den Obergeschossen ohne sichtbare Geschoss- oder Stützenrasterteilungen auskam. Das Warenhaus wurde damit monumentalisiert, auf eine funktionale Urform mit zugleich hohem Signal- und Wiedererkennungswert zurückgeführt.
Die dahinter stehenden funktionalistischen Überlegungen schilderte die Bauwelt 1958 so: „Im vorigen Jahrhundert ordnete man in großen Warenhäusern einen zentralen Lichthof an, um die Verkaufsräume ausreichend zu beleuchten. Der dadurch entstandene Verlust an Verkaufsfläche in den oberen Geschossen war aber verhältnismäßig groß, so dass man später auf unwirtschaftliche Lichthöfe verzichtete, um die große Fläche der Obergeschosse besser zum Verkauf nutzen zu können. Vollkommen verglaste Außenwände brachten aber für den inneren Betrieb des Kaufhauses erhebliche Nachteile. Ein Kaufhaus mit seinen großen ungeteilten Räumen hat nur wenige Wandflächen. Diese Wände sind aber für die Aufstellung von Schränken und Regalen sehr wichtig. Bei der Ausdehnung des Grundrisses großer Warenhäuser reichte die natürliche Belichtung selbst bei ganz in Glas aufgelösten Fassaden für die tiefen Räume nicht aus. Muss man aber die Verkaufsräume künstlich belichten, so kann man auch an den wertvollen Frontwänden Regale aufstellen. (...) In künstlich belichteten Verkaufsräumen ist man von den Zufälligkeiten des Tageslichts (...) unabhängig. Außerdem lassen sich Heizung und Lüftung in einem geschlossenen Bau leichter regeln.“
Nach Vorläufern in den USA war ein viel publiziertes und beachtetes Vorbild das Kaufhaus Bienenkorb in Rotterdam (1957, Architekten: Marcel Breuer, A. Elzas, D. Schwartzman; New York! Amsterdam): ein konsequent kastenförmiger Kubus, dessen Travertinfassade in den Obergeschossen nur durch kleine Schlitzfenster geöffnet wurde und ansonsten ein ornamentales Bienenwabenmuster trug. Beim Merkur-Kaufhaus in Duisburg als dem Prototyp dieser Bauweise in Deutschland handelt es sich zwar noch nicht um das stilisierte „H“ der späteren Horten-Fassade, sondern um ein kettenhemdartiges Raster aus kleinen rechteckigen, durch Abstandstücke versetzt zueinander angeordneten Kunststeinrahmen, trotzdem müssen Rhode und Loebermann als die „Erfinder“ des später zumeist „Eiermann Wabe“ genannten Prinzips gelten. Egon Eiermann besorgte bei seinen Entwürfen für die Horten- bzw. Merkur-Häuser in Heidelberg und Stuttgart (1959) die Verfeinerung des Entwurfgedankens in Form von stilisierten „H“-Keramikelementen, deren Netz allerdings i.d.R. durch eine Hängekonstruktion aus Stahlstäben verstärkt werden musste. (Dabei ist festzuhalten, dass die von Horten seit den 60er Jahren immer wieder verwendeten, das stilisierende „H“ darstellenden Fassadensteine nicht auf einen Entwurf Egon Eiermanns, sondern ein von Helmut Rhode für die Düsseldorfer Hauptverwaltung gestaltetes, wenig später auch als Markenzeichen des Unternehmen geschütztes Türdrücker-Motiv zurückgehen).
Während der Duisburger Bau in der überregionalen Publizistik nicht wahrgenommen wurde, gab es um die Heidelberger und vor allem die Stuttgarter Planungen Eiermanns heftige Diskussionen, bei denen diese neue Art und Weise der Kaufhaus-Gestaltung kritisiert und verteidigt wurde. In Stuttgart war Anlass die Tatsache, dass zugunsten der Kaufhaus-,,Kiste“ das berühmte Schocken-Kaufhaus von Erich Mendelsohn beseitigt werden sollte. Eiermann sah sich genötigt, seinen Entwurf öffentlich zu verteidigen. Er tat dies nicht mit ästhetisch gestalterischen, sondern allein mit den oben geschilderten funktionalen Argumenten - was allerdings gemäß lmmo Boyken in seinem Fall nicht restlos überzeugt, hatte Eiermann die maschen- oder wabenartige Fassadenstruktur doch schon vorher an einem anderen prominenten Gebäude verwendet: der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Festzuhalten bleibt, dass der Eiermann-Entwurf fortan als Standard von Horten verwendet wurde und seine beträchtliche imagefördernde Signalwirkung bis heute, lange nach Ende des Horten-Konzerns bewahrt hat.
Auch wenn die denkmalpflegerische Problematik des Mendelsohn-Abrisses in Stuttgart in diesem Zusammenhang ohne Belang ist, ist hier schon angelegt, was in der Folgezeit bei der Beurteilung dieser Kaufhausarchitektur immer auch eine Rolle spielte: die Meinung, dass es sich hierbei um ein maßstabs- und gestaltloses Niedergangsphänomen der Baukultur handele (,‚Das Kaufhaus Schocken in Stuttgart, das den Zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder überstanden hat, aber 1960 abgerissen und durch ein Betonwaben-Monstrum von geradezu bösartiger Hässlichkeit ersetzt wurde, . ..“; Gottfried Knapp in der Süddeutschen Zeitung v. 16.02.2000). Zwar gab es um 1960 gerade in Fachkreisen viele Verteidiger dieser radikalen funktionalistischen Idee, doch hinzu kam, dass Bauten dieser Art oft bewusst rücksichtslos in vorhandene Altstadt- oder Altbaustrukturen hineingestellt wurden. Der architektonische und städtebauliche Zeitgeist bot hierfür noch eine breite Grundlage - auch wenn die Bauwelt schon 1961 fragte, ob dies noch etwas mit Baukunst“ zu tun habe. Nur vereinzelt regten sich grundsätzliche Bedenken - so in Münster, als dort 1962 ebenfalls eine Horten-Wabenfassade in der wieder aufgebauten Altstadt errichtet werden sollte (Entwurf: Hentrich & Petschnigg). Z.T. heftige Auseinandersetzungen folgten in vielen anderen Städten, die heute schon wieder Teil einer Geschichte der Stadtplanung und der städtebaulichen Denkmalpflege sind. Die Kaufhauskonzerne gingen teilweise dazu über, Fassaden und Baukörper wieder zu untergliedern. Doch schon 1962 bemerkte Helmut Hentrich dazu, dass das schlichte Hinzufügen einiger vertikaler oder horizontaler Streifen innerhalb der Hortenfassade das Problem nicht löse und zudem zu architektonisch schlechteren Lösungen führe als das wenigstens „ehrliche“ Grundmodell. Architekturkritiker stellten in den 1970er!BOer Jahren fest, dass Kompromiss-Lösungen wie z.B. das signethafte Anbringen einer kleinen Waben-Fläche an einer ansonsten „angepassten“, natursteinernen Fassade schlechter und lächerlicher seien als das radikale Original. Der Kritiker Falk Jäger schildert 1980 in der Deutschen Bauzeitung süffisant das Beispiel des damaligen Horten- Neubaus in Andernach, wo der Konzern eine solche Kompromiss-Fassade bauen wollte, die Stadt selbst aber auf einer großflächigen Wabenfassade bestand und diese auch durchsetzte (noch dazu an einem Bau, der außer als Kaufhaus zur Hälfte auch als Rathaus der Stadt dient!).
Bis dahin weitgehend unbekannt, haben erstmals die Dissertation von T. lrrgang 1980 und der darauf basierende Artikel von F. Jäger in der Deutschen Bauzeitung 1980 die architekturgeschichtliche Bedeutung des Duisburger Merkur-Kaufhauses aufgezeigt. Seither ist es in der Fachliteratur vielfach erwähnt und abgebildet worden:
H.G. Pfeiffer (1996), S. 76f: „Um von dem mit 50 KM/h durch die Straßenschluchten der Städte fahrenden Kunden wahrgenommen zu werden, bedurfte es einer Fassadengestaltung, die sich vom architektonischen Umfeld als Blickfang abhob und zugleich über Merkmale verfügte, die auch andernorts eine Wiedererkennung zuließen. Hier leistete Helmut Rhode Pionierarbeit. Seine erstmals 1958 am Merkur-Gebäude in Duisburg eingesetzte Gitterwerkfassade ... erfüllte diese Ansprüche. ‚Dieser netzartigen Vorhangfassade (Fassadentyp 3), die sich als zweite Haut 40 cm vor der eigentlichen Fassade befindet, kommt für die Erscheinungsformen der folgenden Jahrzehnte eine Art Schlüsselfunktion zu.‘“ (Abb. S. 77)
H. Frei (1997), S. 148: „1955 übernahm diesen Bau [ Horten-Haus in Duisburg von 1950; Verf.] die Rudolph Karstadt AG, während Horten in Duisburg ein anderes Warenhaus errichtete, das einen der interessantesten Geschäftsbauten der Nachkriegszeit darstellte und unter dem Namen ‚Merkur‘ firmierte.
Charakteristisch sollte seine oft verschmähte, aber künstlerisch höchst anspruchsvolle wie gleichzeitig praktische Vorhangfassade werden.“ (Abb. S. 149) F. Hoebel (2004), S. 191: „Mit der Fassade des Kaufhauses Merkur in Duisburg (Harald Loebermann und Helmut Rhode, 1958) aus Kunststeinwaben war eine Richtung gewiesen, deren weitere Erprobung Helmut Horten mehreren Architekten gleichzeitig übertrug, so auch Egon Eiermann bei dem Stuttgarter Haus.“
W. Pehnt (2005) S. 320: „Im Westen hielten strukturierte Keramik- oder Kunststoffelemente Einzug, seitdem Egon Eiermann und andere Architekten sich nicht zu schade gewesen waren, für die Warenhauskette Merkur/Horten diese flirrenden, bald aber langweilenden Kunststoffhäute zu entwerfen. Der Konzern nutzte sie als leicht erkennbares Markensignet im Stadtbild. Früheste Horten-Filiale scheint das Kaufhaus Merkur in Duisburg (1958) von Harald Loebermann und Helmut Rhode gewesen zu sein.“ (in diesem derzeit aktuellsten Standardwerk zur deutschen Architekturgeschichte im 20. Jahrhundert ist das Kaufhaus eines von lediglich sieben erwähnten Bauwerken in Duisburg).
Die noch stark antikapitalistisch-kulturkritisch beeinflusste und sachlich etwas schwammige Bewertung Pehnts kann stellvertretend für ältere Meinungen stehen, die außer acht lässt, dass diese funktional sowie warenästhetisch verdichtete Architektur inzwischen durchaus verbreitet differenziertere Beurteilung erfährt. Spezielle Ausprägungen, die tatsächlich auch direkte Bezüge zur zeitgenössischen Op-Art aufweisen wie die ehem. Centrum- und Konsument-Kaufhäuser in Dresden und Leipzig, stehen nicht nur unter Denkmalschutz, aktuelle Abrisspläne sind auch überregional auf breite Kritik gestoßen. Aber auch die einfachere bzw. frühere Variante, vielerorts akut gefährdet oder bereits beseitigt, findet inzwischen sachliche Würdigung nicht nur als kultur- und architekturgeschichtliches Phänomen, sondern auch wegen ihrer architektonischen Qualitäten (z.B. aktuell ehem. Centrum-Kaufhaus in Suhl, ehem. Horten in Hamm, Diskussionen und Presseartikel in Viersen 2000). Auch die jüngsten Ausstellungen zur deutschen Architekturgeschichte im 20. Jahrhunderte gaben diesem Bautyp entsprechenden Raum.
Am Rande sei erwähnt, dass auch funktional ähnlich gelagerte Kulturbauten wie z.B. Museen öfter das gleiche Prinzip eines streng kubischen Baukörpers mit in Fenstern aufgelöstem, zurückversetztem Erdgeschoss und einer vollständig geschlossenen Obergeschoss-“Box“ (eventuell durch Materialwahl oder Ornament gestaltet) verwendeten. Ein frühes, mit dem Kaufhaus Merkur etwa zeitgleiches Beispiel ist der — denkmalgeschützte — Erweiterungsbau des Kestner-Museums in Hannover (1958-61), auch die (abgerissene) Kunsthalle und das Römisch-Germanische-Museum in Köln können als jüngere Bauten der 1960er Jahre angeführt werden.
Architekturgeschichtlich begründetes Erhaltungsinteresse besteht ferner, da es sich bei Helmut Rhode um einen renommierten Architekten handelt, und um sein erstes Projekt in einer Baugattung, mit der er und sein Büro später international bekannt werden sollten.
Helmut Rhode wurde am 24.10.1915 in Berlin geboren. An der dortigen TU absolvierte er auch sein Architekturstudium, bei den Professoren Hans Poelzig, Hermann Jansen und Heinrich Tessenow. Ein Wohnhaus in Hochheim am Main war 1938 das erste nach seinem Entwurf ausgeführte Gebäude. Noch im selben Jahr ließ sich Rhode in Düsseldorf nieder. Nach einer kurzen Phase im Büro von Helmut Hentrich und Hans Heuser machte er sich 1950 selbständig. Unter seinen späteren Namen Rhode, Kellermann, Wawrowsky bzw. ab
1971 „RKW“ wuchs sein Büro zu einer der großen deutschen Architektengemeinschaften, mit Hauptsitz ist Düsseldorf.
Überregional bekannt machten Rhode die Verwaltungsgebäude der ARAG-Versicherung (1956) und der Horten AG am Seestern in Düsseldorf (1961), letzteres das erste Großraumbüro in Deutschland, das heute unter Denkmalschutz steht. Zahlreiche weitere Verwaltungsgebäude großer Unternehmen und Verbände folgten. Besonderes Profil erlangten Rhode und später RKW im Kaufhaus-, Warenhaus- und Einkaufszentrumbau. Hier verzeichnet das Büro eine seit 1958 bis heute fortbestehende Tradition, die es zu einem führenden Planer in diesem Sektor in Deutschland machten (es ist sicher bezeichnend, das zwei in den letzten fünf Jahren erschienene Standardwerke zu dieser Baugattung mit Werkbeschreibungen des Büros RKW verbunden worden sind). Das Kaufhaus Merkur in Duisburg von 1958 steht dabei am Anfang einer Entwicklung, die über zahlreiche kleinere Gebäude wie Karstadt in Rheydt, die DEFAKA-Häuser in Krefeld und Stuttgart oder auch das Horten-Gebäude in Viersen hinführte zu Dimensionen wie der vielbeachteten Ladenstraße „Galerie Kleiner Markt“ in Saarlouis und dem CentrO in Oberhausen, für dessen Generalplanung ebenfalls RKW verantwortlich zeichnen.
Am 06.10.1995 ist Rhode knapp achtzigjährig in Düsseldorf gestorben.
An der Erhaltung und Nutzung des Kaufhaus-Gebäudes in Duisburg, Düsseldorfer Str. 32-36 besteht ein öffentliches Interesse aus städtebaulichen Gründen, da der große, einheitlich strukturierte Bauköper in Ecklage an einer vielbefahrenen Straße und vor allem die Hauptansichtsseiten der Vorhangfassade (Düsseldorfer Straße / Friedrich-Wilhelm-Straße) erhebliche Prägekraft und Dominanz auf ihre Umgebung besitzen.
Neben der raumprägenden Größe des Hauses verbunden mit seiner gut sichtbaren Lage sind als Wirkqualitäten auch die von Pehnt angesprochene optische Flimmerwirkung der scheinbar ins Unendliche gesteigerten Kleinstruktur der Fassade einerseits, die von Pfeiffer angedeutete Ausrichtung auf den vorbeifahrenden Autofahrer andererseits anzuführen.
In diesem Zusammenhang wird auch auf die Darstellung der wissenschaftlichen, architekturgeschichtlichen Gründe verwiesen, die für eine Unterschutzstellung sprechen, insofern als die hier angesprochene städtebauliche Wirkkraft und Dominanz des Gebäudes — gemessen an der umgebenden Bebauung - in Großflächigkeit und Detailgestaltung der
Fassade sowie deren Fernwirkung zu suchen ist.
- Gutachten des Landschaftsverbandes Rheinland! Rheinisches Amt für Denkmalpflege vom 30.05.2006 gemäß 22 (3) Denkmalschutzgesetz NRW zum Denkmalwert gemäß § 2 (1)
Denkmalschutzgesetz NRW.
- Gutachten von Dr. des Silke Langenberg! ETH Zürich vom 25.04.2007 zum Denkmalwert des ehemaligen Merkur-Warenhauses in Duisburg
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- Helmut Frei: Tempel der Kauflust. E Geschichte der Warenhauskultur. Leipzig 1997.
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- Petra Ralle: K equenz Abriss. Das (un)vermeidbare Ende des Kaufhauses Schocken von Erich Menoc in Stuttgart, Stuttgart 2002.
- Annemarie Jaeggi (Hg.): Egon Eiermann (1 904-1 970). Die Kontinuität der Moderne, Osifildern-Ruit 2004, darin S. 190-193: Friederike Hoebel: Kaufhaus Merkur Stuttgart, 1959-
1961; und S. 74-82 dies.: „Im unzertrennlichen Zusammenklang des Außen und Innen“. Eine Betrachtung cer räumlichen Fassaden von Egon Eiermann.
- Anna Minta: Der Silberwürfel kann gefallen. Fall eines DDR-Riesen: In Dresden wird der Abriß des Centrum-Warenhauses geplant. In: FAZ 15.12.2005. (s.a. http:llwww.centrum warenhaus-dresden.de).
- Matthias Grünzig: Suhl — Dem ehemaligen Centrum-Warenhaus droht der Abriss. In: Bauwelt 2006 H.12, S. 4. II. Horten / Duisburg
- o.T. (Festschrift zur Einweihung des Kaufhauses Horten in Duisburg, 20.09.1950), Privatbesitz. - Schreiben d. Architekten H. Rhode an das Bauaufsichtsamt d. Stadt Duisburg v.
25.07.1958, betr. Fassade des Kaufhauses Merkur Duisburg (Hausakte der Stadt Duisburg / im Archiv d. Verf.). - Jakob Hermes: Die Kempener Kaufmannssippe Horten. In Heimatkalender Kreis Kempen
Der Kunde ist König. Zumindest im Einzelhandel.
* Galeria Kaufhof/Kaufhof (114 Filialen inklusive Lust for Life, Sportarena)
Auf dem belgischen Markt besitzt die Kaufhof Warenhaus AG 100 % der Inno S.a.r.l., die mit 15 Warenhäusern der Marke * Galeria Inno vertreten ist," berichtet die Internetenzyklopädie Wikipedia.

References: § 21
 § 2
 § 4
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 § 9
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