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Timestamp: 2018-08-14 17:10:02+00:00

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daß fie, wenn irgend jemandem etwas Neues eingefallen
ift, fofort hinter diefem Hammel herlaufen ohne jede
Befinnung? Im allgemeinen gilt doch immer noch die
Definition: ,Ein Profeffor ift ein Menfch, der anderer
Meinung ift', und Volz ift mit feiner Meinung daher
durchaus nicht durchgedrungen. Wir hier z. B. am an-
deren Ende Deutfchlands haben uns wie hungrige Wölfe
auf feine Buch geftürzt und es nach allen Seiten zer-
fleifcht. War alfo P. Möller nötig? Nowack ift ein evi-
denter Beweis, daß er nicht nötig war. Der edle, frei-
gebige Verlag ift offenbar von P. Möller, der an der
Schreibwut leidet, von der Notwendigkeit überzeugt,
aber er hat offenbar keinen fachkundigen Berater zu-
gezogen. Wer wird das Buch eigentlich lefen? Der
Schleier ift leicht zu lüften: die Fanatiker auf dem Lande
oind in der Stadt, die weder das Geld noch die Zeit
haben, um fich Marti, Nowack etc. anzufchaffen, und die
doch wiffen möchten, was im liberalen Lager vorgeht.
Aber verlieht denn P. Möller die Kritik? Ich glaube
nicht, daß er fie verlieht. Es kommt doch eben ein
verzerrtes Bild bei feiner Darftellung heraus. Er hat vom
Baum der Erkenntnis nicht gegeffen, darum find feine
Augen noch verfchloffen — er ahnt vielfach gar nicht,
was feine Gegner eigentlich wollen. Ich empfehle alfo
fein Buch allen Kollegen, die den Stoff bereits kennen
und fich überzeugen wollen, wie ihre Anflehten dort
wiedergegeben find, auch eventuell eine kleine Richtig-
ftellung geeigneten Ortes unternehmen wollen. Ich em-
pfehle das Buch nicht — allen Lernenden, die müffen
die vielgefchmähten Kommentare felbft kennen lernen,
ebenfo auch die kleine aber fehr inftruktive Schrift von
Volz. Ich empfehle es am wenigften ftrebfamen Jüng-
lingen, die auf die akademifche Karriere mit heißem Be-
mühen losgehen. Da würden fie gerade lernen können,
wie fie es nicht machen follen. Ich empfehle es endlich
nicht jungen Paftoren, die in ihrem fernen Landflecken
fitzen, die follten lieber ein Buch wie das Volzifche ein-
mal wirklich durcharbeiten, davon hätten fie mehr.
Königsberg. Friedrich Giefebrecht.
mus. Der Individualismus und Peffimismus. Das reli-
giös-fittliche Ideal. Die meffianifche Hoffnung und der
Auferftehungsglaube. Schluß. Dann folgt noch eine Zeit-
tafel und das Regifter.
Das Werk kann Lernenden und Lehrenden nur
beftens empfohlen werden.
Königsberg. Fr. Giefebrecht.
Ewald, Prof. D. P., Die Briefe des Paulus an die Ephefer,
Koloffer und Philemon ausgelegt. (Kommentar zum
Neuen Teftament, herausgegeben von Prof. D. Th. Zahn.
Band X.) Leipzig, A. Deichertfche Verlagshandlung
Nachf. 1905. (443 S.) gr. 8° M. 8.50
Wer an diefen Band des Zahnfchen Kommentar-
werkes mit der Erwartung herantritt, hier eine von der
hiftorifch-kritifchen Theologie grundverfchiedene Arbeit
zu finden, der wird fehr bald enttäufcht. Freilich fehlt
es nicht an hämifchen Seitenhieben auf die ,Kritiker'
und ihre ,endlofen Mäkeleien' (z. B. S. 2Öf.. 33, 35, 129 u. ö.).
Aber man muß dem Verf. das Zeugnis geben, daß er
mit feinem Bemühen, fich ,allfeitig, fowohl was die
Sachen als was die Sprache anlangt, in die Situation der
erften Lefer zu verhetzen' (S. 443), felbft mitten im
Strome der neueren Kritik fleht und manche wertvollen
Beiträge zu ihrer Arbeit liefert, fo, um nur eins hervor-
zuheben, eine ganze Reihe guter Belege dafür, ,wie fehr
Paulus im Tone der vulgären Verkehrsfprache lebte'
(S. 270, vgl. S. 56L, 95, 158, 268f., 272, 354, 383t. u. ö.).
Mehrfach verfucht er fich in Konjekturen, von denen
vielleicht einige Beachtung verdienen. Zu Eph. 1 1 wird
die von ihm in der NkZ 1904 fchon vorgetragene Kon-
jektur wiederholt, daß der Fehler der textkritifch fo
merkwürdigen Stelle in xolq dyloiq xolq zu fuchen fei,
wofür urfprünglich xolq dyanrjxolq dageftanden haben
möge. Ich kann freilich nicht fagen, daß mich diefe
Vermutung mehr befriedigt als die bisher gemachten.
Eph. 5 14 ift er geneigt, ftatt Xtyei ein urfprüngliches
liytxs oder Itye anzunehmen, wodurch dann der Schein
eines Schriftzitates fortfiele. Die Bezeichnung des Epa-
phras als Ovvaixuälmxoq Phm. 23 möchte er durch
Ovvcuxuoq »Mitkämpfer' erfetzen, um die Schwierigkeit,
daß Kol. 4 10 vielmehr Ariftarch der Mitgefangene des
Paulus genannt wird, zu heben. Ewald meint, man habe
das Wort in Abbreviatur övpatxi/ gefchrieben. Kol. 2 15
konjiziert er ftatt djtexövodfisvoq djctx^vodfisvoq, was fo-
viel heißen foll als ,fchwächen', ,von fich weg fchwächen',
fodaß die Mächte fozufagen nicht mehr imftande find,
Gott Konkurrenz zu machen (?). So hat er denn auch
für Kol. 2 ig eine neue Konjektur: dftexQoxepe^ßaxevmv
.ungemeffen ins Leere tretend'.
In der Gefamtauffaffung der Briefe weicht Ewald an
manchen Punkten beträchtlich von den in der kritifchen
Lohr, Prof. D. Dr. Max, Alttestamentliche Religionsgeschichte.
(Sammlung Göfchen Nr. 292). Leipzig, G. J. Göfchen-
fche Verlagshandlung 1906. (147 S.) 160 Geb.M. — 80
Lohr hat hier, auf befchränktem Raum, einen fehr
foliden Beitrag zur altteftamentlichen Religionsgefchichte
geleiftet, beffer als die nueren, von Babel und Einfällen
abhängigen religionsgefchichtlichen Verfuche. Die Dar-
ftellung verläuft klar und in gutem Fortfehritt: § I die
Quellen, § 2 über den Offenbarungscharakter der alt-
teftamentlichen Religion, § 3 Sonftiges. — Darftellung
der altteftamentlichen Religionsgefchichte. A. Die isra-
elitifche Zeit, a) Beduinen-Religion, o) Vormofaifche
Zeit § 4—8, der Toten- und Ahnenkult, der Animismus, Theologie herrfchenden Anflehten ab. Nicht ohne Ge-
der Stammkult, Beurteilung des bisherigen, heilige Hand- fchick fucht er die Thefe durchzuführen, daß Eph. älter
hingen, Zeiten und Perfonen. ß) Mofaifche Zeit § 9—12, als Kol. fei, und zwar denkt er fich das Verhältnis fo,
Berfönlichkeit des Mofes, das Werk des Mofes nach daß Paulus die Gelegenheit benutzt, dem Tychikus, der
feinem hiftorifchen Hergang, das Werk des Mofes nach J den Onefimus feinem Herrn Philemon zurückbringen
feinem religiöfen Urfprung und Inhalt, Jahve und die j foll, einen Zirkularbrief für die kleinafiatifchen Gemeinden
vorjahviftifchen Gottheiten der israelitifchen Stämme. ; (Kol. 4 16) mitzugeben. Auf Grund inzwifchen ein-
b) Bauern-Religion, a) Vorprophetifche Zeit,§ 13—16, Js- j getroffener Nachrichten über Verwirrungen in Koloffae
raels Anfiedlung in Kanaan. Die religiöfen Folgen der- i habe er dann einige Zeit fpäter auch den Kol. gefchrieben.
felben. Die Reaktion gegen den Kanaanismus. Das | Mir fcheint doch die enge zeitliche Zufammengehörig-
Königtum in Israel, ß) Prophetifche Zeit, § 17—23. Die j keit von Kol. und Phm. d urch die fcharfe Wendung
Entftehung der Prophetie. Elias, Arnos, Hofeas, Jefaias, j gegen die Sklavenemanzipation Kol. 3 88—25 zweifellos
Jeremias. Die Reform des Jofias. zu fein. Es ift bezeichnend, daß Ewald bei der Kol. 3 25
B. Die jüdifche Zeit. Gemeinde-Religion. «) Exi- eigenartiger Weife dem Sklaven zugerufenen Warnung
ufche Zeit. § 24 Die Folgen des Exils, § 25 Ezechiel, ovx töxip JtQoOmxoh/fiipia die Prioritätsfra"e gegenüber
§ 26 Der zweite Jefaias. ß) Nachexilifche Zeit. § 27—36 j Eph. 6 9 gar nicht erörtert. Damit wird er recht haben
JJje Heimkehr der Exulanten. Haegai und Zacharia. daß Paulus unmittelbar, nachdem er den Koloffern aus-
Die Wirkfamkeit des Esra und des Nehemia. Gott und | einandergefetzt hat, wie Gott die uaycä und ißovölät
göttliche Wefen. Der Partikularismus und Univerfalis- i axcxövoaxo (215), fchwerlich in einem in diefelbe Genend

References: § 2
 § 3
 § 4
 § 9
 § 17
 § 24
 § 25

§ 26
 § 27