Source: https://www.rechtambild.de/2011/12/fotos-von-werbeplakaten-und-das-urheberrecht/
Timestamp: 2020-03-29 09:11:53+00:00

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Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 20. Juli 2015 Antworten
Hallo Herr Erbacher,
bitte daran denken, dass die Panoramafreiheit in Portugal andere Regelungen enthalten kann, als in Deutschland. Sofern sich das Merkmal "bleibend" auch dort wiederfindet muss die Frage gleichfalls gestellt werden und es dürfte sich im Grundsatz an dem orientieren, wie im Beitrag geschrieben wurde. Der Einzelfall müsste dann geprüft werden.
Bernhard Henselmann 22. Januar 2016 Antworten
Hallo Herr Wagenknacht,
Ihr Beitrag oben mit dem Beispiel des Werbeplakates zielt in der Diskussion um Panoramafreiheit u.a. auf das Merkmal "bleibend" ab. Wenn ich nun das gezeigte Wartehäuschen fotografieren (und das Foto veröffentlichen) möchte, werde ich kaum Gelegenheit haben, das Wartehäuschen ohne Werbeplakat zu fotografieren (da die Werbeunternehmen immer irgendein Plakat hinhängen werden), obwohl ein bestimmtes Plakat nicht "bleibend" wäre.
Damit könnte die mir zustehende "Panormafreiheit" leicht ausgehebelt werden.
Muss das Merkmal "bleibend" in einem solchen Fall nicht anders interpretiert werden?
Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 26. Januar 2016 Antworten
Hallo Herr Henselmann,
Sie zielen auf eine andere gesetzliche Bestimmung ab, das "Beiwerk" nach § 57 UrhG. Danach ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe von Werken zulässig, wenn sie als unwesentliches Beiwerk neben dem eigentlichen Gegenstand der Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe anzusehen sind. Das kann auch auf das Foto zutreffen, wie von Ihnen beschrieben - solange das Plakat als Beiwerk zu klassifizieren ist.
Bernhard Henselmann 27. Januar 2016 Antworten
danke für die Antwort. Ich hatte tatsächlich den §57 UrhG mit im Kopf, der aber nach dem BGH Urteil vom 17.11.2014 - I ZR 177/13 sehr eng auszulegen ist: "Darüber hinaus ist ein Werk als unwesentliches Beiwerk im Sinne von § 57 UrhG anzusehen, wenn ihm nach den Umständen des Einzelfalls keine auch noch so geringfügige inhaltliche Beziehung zum Hauptgegenstand der Verwertung zuzubilligen ist, sondern es durch seine Zufälligkeit und Beliebigkeit für diesen ohne jede Bedeutung ist. Eine derart nebensächliche Bedeutung kann dem mitverwerteten Werk regelmäßig nicht mehr zugewiesen werden, sobald es erkennbar stil- oder stimmungsbildend oder eine bestimmte Wirkung oder Aussage unterstreichend in das Hauptwerk oder den eigentlichen Gegenstand der Verwertung einbezogen wird, einen dramaturgischen Zweck erfüllt oder sonst – etwa für eine Film- oder Theaterszene – charakteristisch ist."
Auf welches öffentlich gezeigte Werbeplakat trifft das sicher nicht zu, wo Werbung doch meist "stimmungsbildend" sein will? Und zugegebenermaßen ist das Wartehäuschenfoto mit rausretuschiertem Werbeplakat, wie Sie es oben zur Illustration dieser Seite treffend verwendet haben, für ein "normales" Wartehäuschen-Foto ziemlich unschön.
Ein Werbeplakat-Urheber könnte sich also immer auf "nicht bleibend" nach §59 und "stimmungsbildend" nach §57 UrhG berufen. Ein Wartehäuschen-Foto dürfte somit nie genutzt werden.
Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 27. Januar 2016 Antworten
"Nie" würde ich nicht sagen. Aber ja, es kommt immer auf die konkrete Nutzung an; ggf. greift auch eine andere Ausnahme.
Juri Anders 21. November 2019 Antworten
ich möchte ein Wahlkampfmaterial der CDU aus dem Jahr 1999 "Was kostet uns der Euro" auf einen Artikel einbrennen und diesen verkaufen.
Rechtsanwalt Florian Wagenknecht 24. November 2019 Antworten
ja, wenn es eine Berechtigung wie das Zitatrecht, die Panoramafreiheit, oder eine Lizenz gibt. Aber immer auch die Urhebernennung beachten.

References: § 57
 §57
 BGH 
 § 57
 §59
 §57