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Timestamp: 2017-04-25 04:40:21+00:00

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Stuttgart Stadtrecht 1492 Nov. 6 :: Transkription Speer 2010 / 2016
Inhaltsverzeichnis[Editorial][Abs. 1][Abs. 2][Abs. 3][Abs. 4][Abs. 5][Abs. 6][Abs. 7][Abs. 8][Abs. 9][Abs. 10][Abs. 11][Abs. 12][Abs. 13][Abs. 14][Abs. 15] Von der belonung der richter:[Abs. 16][Abs. 17][Abs. 18][Abs. 19][Abs. 20][Abs. 21][Abs. 22][Abs. 23][Abs. 24][Abs. 25] Das fúro kain gúlt us guͤtern fúr fri solle verkouft
werden:[Abs. 26] Das klain gericht:[Abs. 27] Das ain ieder, der burger will werden, sin mannrecht solle
haben:[Abs. 28][Abs. 29] Der burger aide:[Abs. 30][Abs. 31] Der dienstknecht aide:[Abs. 32] Nieman sol iemands noch nit burger enthalten:[Abs. 33][Abs. 34] Strauf der, so vom amptman umb schulden vertaͤdingt werdent
und der taͤding nit lebend:[Abs. 35] Ordnung, wann uf iemanden oder sin guͦte clagen und verbott
gescheent, wie es sol gehalten werden:[Abs. 36] Von denen so die lút anstoussent oder betriegend und
ustroͤttend.[Abs. 37] Von denen die ire guͤter vorhin haft fúr ledig
verschribend:[Abs. 38] Das ainem ieden das guͦt, so er verkouft, umb die
schulde darumb versprochen sol haft sin:[Abs. 39] Ain ieder koͤufer sol dem verkoͤufer umb sine schulde
ain benuͤgen tun, es werd bedingt oder nit:[Abs. 40] Wie man den huszinse bezalen und was darum haft sin
soͤlle:[Abs. 41] Von denen, die iren schuldnern nit hand ze geben gelt oder
pfande:[Abs. 42] Kinder man und frowen geschlechts soͤllent nachts nit
nach brout geen:[Abs. 43] Von vertraͤgen die mit kinden gescheent etc.:[Abs. 44] Von den vaͤttern und muͤtern, die ain kind richlicher
dann das ander begaben oder sich zuͦ ainem fúr das ander verpflichten
woͤllent, wie es gescheen sol.[Abs. 45] Was ainer, der erst in gericht oder raut kompt, der statt
geben soll:[Abs. 46][Abs. 47] Vom fúwer ordnungen:[Abs. 48][Abs. 49][Abs. 50][Abs. 51][Abs. 52][Abs. 37][Abs. 54][Abs. 55][Abs. 56][Abs. 57][Abs. 58][Abs. 59][Abs. 60][Abs. 61][Abs. 62][Abs. 63][Abs. 64][Abs. 65][Abs. 66]
[Editorial] Quelle: Urkundenbuch der Stadt Stuttgart / bearb. von Adolf Rapp. - Stuttgart : Kohlhammer, 1912. - XXII, 680 S. (Württembergische Geschichtsquellen ; 13) S. 536 - 556.
Gegenüber der gedruckten Vorlage sind folgende Änderungen vorgenommen worden: Die Absätze wurden mit einer Zählung versehen, die rein formal auf den Absatzgrenzen des Drucks aufbaut und durchaus mögliche Zusammenfassungen von Absätzen unter systematischen Gesichtspunkten ausser Acht läßt. Der Herausgeber des Stuttgarter Urkundenbuchs unterscheidet bei Vokalen zwischen dem darübergeschriebenen senkrechten Strich und dem nach rechts oben führenden Strich. Hier wird das letztere diakritische Zeichen unterschiedslos für beide Fälle gebraucht.
[Abs. 1]
[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Vorrede]
Eberhard grave zuͦ Wirtemberg und zuͦ Mumpeligart
etc. der elter: Dem ersamen wol gelerten unserm vogt zuͦ
Stuͦtgarten und lieben getrúwen doctor Martin
Nútteln: Unsern gruͦs zuͦvor, ersamer wolgelerter lieber getrúwer.
Nachdem wir vil und mengerlai mangels und gebrechens in unser statt
Stuͦtgarten vorhanden sin durch taͤglich eroͤgen erfarent, habent wir
in willen und mainung, die in etwas wege fúrzekommen, etlich artickel begrifen
laßen, die wir úch hiemit zuͦschickent, mit befelhe die gemaind mit der
glogken und sust zuͦ versameln, und inen soͤlich artickel ordnungen und
satzungen, die als wir hoffent uns unsern erben und nachkommen, gemainer statt
Stuͦtgarten und aller erberkeit daselbs zuͦ guͦtem nutze und frommen
erschienen werdent, ze verkúnden und gepieten ze halten, ouch darob und daran
ze sinde, damit die strengklich gehalten und niemandem ichtzit darinn
nachgelaßen noch úbersehen werde. Das ist unser ernstlich mainung. Wir
woͤllent uns ouch des zuͦ úch genzlich versehen und daran verlaßen. Datum
Urach uf zinstag vor Sanct Martins tag des hailigen
bischofs anno etc. LXXXXIIͦ.
[Abs. 2]
[Übernommen in Tübingen Stadtrecht
1493 Vorrede]
Durch merung des communs diser unser statt Stuͦtgarten, das in kurzen ziten
gar merklich gewachsen ist, merent sich ouch irrungen und spene zwúschent inen
taͤglich, und werdent dardurch vogt und richtere gar in vil muͤ arbait
und versomnús irer geschaͤft gefuͤrt, und moͤgent doch dennocht
soͤlich irrungen und spene in zweien gerichtstagen bisher der wochen
gehalten rechtlich nit gehoͤrt noch entscheiden werden. Darumb und damit
die, so rechts nottúrftig werdent, und ire sachen fúrderlicher moͤgent
usgericht und dem gerichte sin laste etwas gemindert werden, so schaffen wir
dise nachvolgend ordnungen ze pruͤwchen.
[Abs. 3]
1493 Art. 1]
Zuͦm ersten, das der gerichtszwange und die sachen, darumb rechtlich
erkentnús gescheen sol, getailt werden soͤllent, also das vor ainem vogte
und ganzen gerichte soͤllent berechtet werden alle pinlich strauflich und
fraͤvelich hendel und darzuͦ alle burgerlich sachen, erbe, aigen,
koͤufe und anders úber X lb. hlr. beruͤrend.
[Abs. 4]
Was aber X lb. hlr. beruͤrt, und darunter bis uf X ß hlr., dieselben
usgeschloßen, das sol von aim vogt und vier richtern, von im dem vogt und aim
gerichte darzuͦ erwoͤlt, verhoͤrt und wie sich gepúrt entschaiden
[Abs. 5]
[Seite: S. 538]
Was aber antrifft X ß hlr. oder minder, und vom vogt guͤtlich nit hingelegt
wirt, das soͤllent die púttel hoͤren und rechtlich nach raut des vogts
oder der richter, wa si sich ainer sache fúr sich selbs nit versteend,
entschaiden, damit niemanden unrecht geschee.
[Abs. 6]
1493 Art. 2]
Des glich soͤllent vor inen den pútteln gerechtvertiget werden alle hendel,
die sich begebent zwúschent lichtvertigen personen als huͦren und buͦben;
die soͤllent si nach irem besten versteen und ouch nach raute entschaiden
und den selben lúten ouch fraͤvel und straufen den hendeln gemaͤß
erkennen und uflegen, damit das gericht mit soͤlichen schnoͤden
schandlichen sachen nit beladen werde.
[Abs. 7]
1493 Art. 3]
Item umb des willen das die gerichte iren rechten und ordentlichen gange
gewinnent und die ungehorsamen ir strauf habent und die so rechts bedoͤrfend
gefúrdert werdent, so haben wir geordnet und gesezt wider die ungehorsamen und
zum ersten wider den claͤger:
[Abs. 8]
Wann der claͤger rechts begerend fúrpieten laßen hat uf dem huse nit
erschint, so der vogt und die richtere versamelt nidersitzent, und der
antwúrter als der gehorsam gegenwuͤrtig ist, so sol der selb claͤgere
zuͦ pene geben VIII dn. Were aber der cleͣgere zum andern gerichte aber
der gestalt wie vor gelut hat sumig und ungehorsam, so sol er zu pene geben XVI
dn. und zum dritten gerichte, wa er alsdenn aber ungehorsam were, XXIITI dn.
und darzuͦ allwegen	siner widerpartie versompnús, ouch erber zerung und
schaͤden, nach erkantnuͦs vogts und gerichts, die gestalt und gelegenhait
der sachen froͤmbder und haimscher ermessen soͤllent, usrichten.	Belibe
aber ainer gar us und kem nit, weder im anfange des rechten, so vogt und
gerichte nidersitzent, noch darnach, ee das gerichte uf den selben tage
ufstúnde, so sol er zuͦ pene geben den ersten tag II ß, den andern tag V ß
und den dritten tag X ß hlr. und sinem widertaile ablegen zerunge und
schaͤden wie obstet. Und nit desterminder sol dem gehorsamen taile sin recht
ergeen und volzogen werden.
[Abs. 9]
So aber der cleͣger gehorsamplich erschint und der antwúrter nit
gegenwuͤrtig ist, so vogt und gerichte nidersitzend, so sol der antwúrter
den ersten tag geben zuͦ pene I ß, den andern II ß, und den dritten III ß
hlr. Belibe aber der antwúrter gar us und keme nit, die wile das gerichte
dennocht seß, so sol er geben die [Seite: S. 539]
hievorgeschriben großen pene wie der cleger, nemlich den ersten tag II ß, den
andern V ß und den dritten X ß hlr., und sinem widertaile somnús zerung und
schaͤden ablegen wie obstet, dem ouch alsdenn als dem gehorsamen nit
desterminder, unangesehen des antwúrters usbliben und ungehorsami, sin recht
ergeen und volstreckt werden sol.
[Abs. 10]
1493 Art. 4]
Zuͦ dem sol ain vogt allwegen macht und gewalt haben in sachen, die nit bait
haben moͤgent oder darinn muͦtwill oder sonder geverde gemerkt wirt, zum
ersten zum andern und zum dritten gerichte, bi ainem frevel clainem und großem
und, ob es in not oder nútze bedúchte, bi dem aide, zuͦm rechten zuͦ
[Abs. 11]
1493 Art. 5]
Item welichem, er sie cleͣger oder antwúrter, zuͦsteet etwas redlich
ursachen, darumb er vor gericht wie obstet nit erschinen mag, der sol die
erschainen vor vogt und gericht, und so ferr die von den selben fúr
genuͦgsam geachtet und geurtailt wirt, so soll er alsdenn umb das selb sin
usbliben kain pene geben.
[Abs. 12]
1493 Art. 8]
Item wann man fúrohin zuͦ Stuͦtgarten gericht halten will, so sol der
amptman am aubent davor allen und ieden richtern mornends des gerichts ze
warten die stattknechte, wie bisher der bruwch gewesen ist, sagen oder
gepieten, und denn mornends ain morgen zwei maͧle zͦ gericht lúten laßen.
Und sol das erst zaichen gelút werden bi ainer stunde vor der zit, in der der
amptman nidersitzen und richten will, und sol zum ersten ain lang zaichen gelút
und mit dem letsten zaichen verzogen werden, so lang das nach gemainer achtnug
vom ersten zaichen bis zum andern ain ieder richter ufsteen, sich antuͦn und
meß hoͤren moͤg. Und nach verschinung soͤlicher zit sol man das ander
und letst zaichen und das ouch ain guͦte wile lúten. Und wann das verlút
wirt, so sol ufgesezt werden ain fiertail ainer sandstunde, und ee das gar
uslouft, sol der amptman sich schicken nider zuͦ gerichte ze sitzen, und
welicher richter alsdenn nit in der gerichtstuben erschint, vor und ee das
viertail der sandstunde usgelofen ist, der sol, er hab denn sonder erloubung
oder werde durch eehaft noút, von vogt und gerichte fúr genuͦgsam erkennt,
entschuldigt, II ß hlr. unablaͤßlich zuͦ pene geben, und so er gar
usblipt oder one erloubung vom gerichte abgeit, V ß hlr. Aber wenn der amptman
bi gehorsami laßt gebieten, so sol aids verpflicht verstanden werden und
obgemelt geltpene davon nit entschuldigen noch dafúr gnuͦg sin.
[Abs. 13]
1493 Art.
Item abzestricken muͦtwillig umbtriben, so gar oft geschicht von denen,
die vil lieber rechtent und zuͦm win geend dann ire schulden bezalent, und
ouch zuͦ etwas straufe denen, die umb [Seite: S. 540]
clainer ungegrúndter ursachen willen die lút mit recht understeend anzefechten
und umbzetriben, so sol fúrohin ain ieder der zuͦ Stuͦtgarten rechten
will, er sie cleͣger oder antwúrter, im anfang und ingang des rechten, vor
und ee ichtzit von sinen wegen geredt wirt, in das gericht legen nemlich vor
dem ganzen gerichte III ß und vor dem undern gerichte II ß, und welicher die
sache mit recht erobert, der mag sin ingelegt gelt widernemmen, welicher aber
verlustig wirt, der sol das gelt von im ingelegt verloren haben.
[Abs. 14]
Item ain ieder, er sie cleͣger oder antwúrter, mag im selbs zuͦ recht
reden oder ain fúrsprechen mit im bringen, wen er will. Woͤlte er aber ain
fúrsprechen us dem ring haben, der sol im ouch zuͦgelaßen werden, doch
allain, und kainer von gericht an sin raut, usgenommen sachen libe leben und
die ere beruͤrend, darinn mag ain fúrsprech des gerichts ainen siner
mitgesellen an den raut siner partie nemen. Doch ist unser mainung, das die
partien, die vor dem undern gericht rechten werdent, inen selbs reden und die
sachen uf das kúrzest fúrtragen soͤllen als ferr das sin moͤge, damit die
sachen zuͦm kúrzisten usgericht werden moͤgent. Ob aber iemands sin sach
nit fúrtragen kúnde, dem sol ain fúrsprech vergúndt und gegeben
[Abs. 15] Von der belonung der richter:
Fúro die wil ain ieder arbaiter sins lons wirdig ist und der,
so die maisten arbait tuͦt, billich den maisten lone sol emphahen, so
soͤllent die richtere belonet werden wie hernach volget:
[Abs. 16]
Item die zwoͤlf richter soͤllent haben die XL lb. hlr., so das ampt inen
bisher gegeben hat, darumb soͤllent si inen in iren anligenden sachen wie
bisher rauten und die schúbe und wisungen von inen one witere belonung
[Abs. 17]
Den richtern gefelt I gulden von ainer ieden appellation, und I gulden von
ainer ieden appellation von undergang, die nit abgetriben wirt.
[Abs. 18]
Item ouch soͤllent inen gedihen und werden die X ß hlr., die da
gefallent von ainem ieden großen frevel, und die V ß hlr., die da gefallent von
ainem clain frevel, so die statt vormals ingenommen, und von ainer ieden
appellation vom ampt ain gulden und ain [Seite: S. 541]
gulden von ainer ieden urtail, die vom undergange geappelliert und vom gericht
creftig erkennt wirt, und darzuͦ die III ß gerichtgelts, mitsampt den penen
der ungehorsamen.
[Abs. 19]
Item ouch soͤllent die zwoͤlf richter in gemain haben, was fúrohin von
der statt insigel gefallen wirdet, úber ain zimlichs, so den siglern umb ir
arbait muͤ und wachs zuͦvor davon werden soͤll.
[Abs. 20]
Item also der statt insigel bisher under den richtern umbgegangen und oft ainem
worden ist, der nit hat kúnden schriben noch lesen, und nuͤ soͤlichs in
kúnftig zit schaden geperen moͤcht, ordnen und woͤllen wir das
soͤlichs fúrohin nit mer gescheen, sonder der statt insigel in ainer
guͦten behaltnús bewarnet, und der wochen nit mer denn etlich taͤge damit
besigelt werden soͤlle durch die, so von vogt und gerichte darzuͦ
beschaiden werdent, die ouch an statt in namen und von wegen vogts und
gerichts besiglen soͤllent. Darumb ouch fúrohin alle besiglungen, die da
gescheen soͤllent mit der statt insigel, uf vogt und gerichte und nit uf
sonder genant personen gestelt soͤllent werden.
[Abs. 21]
Stadtrecht 1493 Art. 95]
Item die sigler soͤllent fúrohin in namen vogts und gerichts neͣmen von
aim ieden ufgedruckten insigel I ß, von ainem anhangenden VIII dn., und von
ainem ieden urtailbriefe, der von inen oder von den undergengern usgeit, II ß,
und von niemanden ainichen briefe emphahen oder anneͣmen, er gebe denn das
sigelgelt damit.
[Abs. 22]
Item die sigler soͤllent fúrohin ain flißig ufmerken haben uf die, so iren
wibern und kindern unnottúrftiklich oder umb úppigs oder unnottúrftigs
vertuͤns willen mit gulten zinsen versetzen oder in andere wege beschwerent
oder sust verkoufent vertuwschent oder vermerzlent, also, wa si bedunkt
muͤtwillig oder unnottúrftig handlung die zuͦ schaden dienen mag inen
iren wibern oder kindern, da soͤllent si hinder vogt und gerichte und one
iren sondern befelhe nit siglen, sonder das anbringen und nach irem beschaid
[Abs. 23]
Das alle brief besonder ligende guͤter beruͤrend vom statschriber
geschriben und mit der statt insigel besigelt werden und sust von unwirden sin
soͤllent.
[Abs. 24]
Stadtrecht 1493 Art. 96]
Item bisher sind vil boͤuser sachen gescheen durch etlich, die unsern
statschriber diser unser statt und der statt insigel geflohen und bi andern
schribern geschriben, ouch ander denn der statt sigler zuͦ besigeln gepetten
habent, und in sonder so hand etlich ire guͤtere under diser unser statt
insigel haft gemacht und die darnach aber fúr ledig unverkúmmert verschriben
und die selben [Seite: S. 542]
briefe etwan bi andern schribern gemacht, ouch mit andern insigeln dann mit der
statt insigel besigelt, und erber lút damit beschalkt und betrogen. Soͤlichs
als ain unertraͤglich boushait falsch und betrug fúrzekommen und
abzestricken, setzen ordnen und woͤllent wir, das fúrohin alle briefe und
besonder ligende guͤtere mit versatzung oder sust in ainichen wege
beruͤrend, soͤllent bi unserm statschriber diser unser statt gemacht und
mit der statt insigel besigelt werden. Der statt sigler soͤllent ouch
nichtzit siglen dann das vom statschriber usgeit. So muͤssent die
aubentúrer, so mit obgemeltem betruge und falsche umbgeend, den schriber und
die siglere, die der ding acht haben soͤllent, entsitzen. Und welicher brief
nach verkúndung diser unser ordnung und willes anders usgeen wirt, der sol von
unwirden sin und daruf nichtzit gericht geurtailt noch gehalten und der
úberfarer diser unser ordnung und gepots darzuͦ wie sich gepúrt gestrauft
und im die strauf nit nachgelaßen werden.
[Abs. 25] Das fúro kain gúlt us guͤtern fúr fri solle verkouft
Stadtrecht 1493 Art. 97]
Item bisher sind vil guͤtere, in zwingen und bennen diser unser statt
Stuͦtgarten gelegen, uns und gemainer statt nit zuͦ clainem nachtaile und
schaden, mit zinsen und gúlten, der gar vil gegeben werdent lúten usserhalb
unser herrschaft gesessen, fúr stúren schatzungen und ander beschwerungen
verschriben, hart beschwert und beladen worden, und wúrdent fúro noch mer und
witer beschwert, wa hierinne nit fúrsehunge geschee. Soͤlichs fúrzekommen
und abzestricken, setzen ordnen und woͤllen wir, das fúrohin zins und gúlten
in unser statt Stuͦtgarten fúr stúren schatzungen und ander beschwerden nit
soͤllent verkouft noch ainicher briefe darumb gemacht noch versigelt werden.
Wir woͤllent ouch hie zuͦ Stuͦtgarten zinse und gúlten der gestalt nit
mer verkoufen noch geben laßen. Dann soͤltent die fúrus also wie bisher
verkouft werden, so keͣm es bald darzuͦ, das nieman kain aigen oder
zinsfrie guͦte hie zuͦ Stuͦtgarten fúnde, und das sich ouch der
guͤter vor beschwerden der zins nieman betragen moͤcht, dardurch si
zuͦ großem unbuwe kommen und egerden werden moͤchtent.
[Abs. 26] Das klain gericht:
Item die vier richter geordnet zuͦm vogt, die clain hendel rechtlich
uszerichten, hand taile mit den andern richtern an allen obgemelten stucken,
und soͤllent allweg vor und nach mittag wenn si beruͤft werdent zuͦ
rechter zit helfen handeln. Darumb soͤllent si vier in sonderhait zuͦ
lone haben nemen und emphahen die vierzig [Seite: S. 543]
pfund hlr. von uns herruͤrend, die bisher aim gericht worden sind, gepúrt ir
iedem jars X lb. hlr., und darzuͦ von aim ieden clain frevel den si erkennen
werdent V ß, die vormals der statt in iren seckel gedient hand, und das
gerichtgelt mitsampt dem, so us ungehorsami und versomnús vor inen gefallen
wirdet. Und hiemit werdent mer und baß belonet die, so die merern arbait
habent. Und soͤlichs geschicht ouch billich, dann in kains vernúnftigen
gemuͤt wirt erfunden, das der geschickt und der ungeschickt, der flißig und
der unflißig, und der der vil muͤ und arbait hat und der wenig arbaitend mit
glichem lone belonet und besúldet werden soͤllent.
[Abs. 27] Das ain ieder, der burger will werden, sin mannrecht solle
Stadtrecht 1493 Art. 99]
Item nachdem bisher vil unendlichs lichtvertigs folks von allen landen in dise
unser statt gezogen und kommen ist, und nuͤ das selb uns und gemainer statt
vil nachtails und beswerd bracht hat in vil weg unnout zuͦ erzelen, hand wir
gedaucht das selb durch gepúrliche mittel fúrzekommen, und darumb geordnet und
gesetzt, das fúrohin kain person in diser unser staͦtt Stuͦtgarten zuͦ
burger soͤlle ufgenommen werden, si hab denn irs manrechten guͦt briefe
und sigel. Die soͤllent behalten werden in der statt behaltnus uf das, ob
ainer hernach wider hinus ziehen woͤlt, das man wissen moͤge, was er mit
im herin braucht habe, und in ouch nach dem selben und nach dem er sich sither
gehalten hat, mit ainem manrechten, ob er des begeren wúrde, wider wisse
abzevertigen.
[Abs. 28]
Es soll ouch zuͦm andern darumb gescheen, das man wissen moͤge, waurfúr
ain ieder ze halten und waurzuͦ er nútz und ze bruwchen sie.
[Abs. 29] Der burger aide:
Stadtrecht 1493 Art. 100]
Item welicher fúrohin in unser statt Stuͦtgarten zuͦ ainem burger
ufgenommen wirt, der sol globen und ain aide sweren zuͦ Gott und sinen
hailigen, uns und unsern erben truw und holde ze sinde und diser unser statt
nutze und frommen ze schaffen und schaden ze warnen und ze wenden nach sinem
besten vermoͤgen, und darzuͦ uns und unsern amptlúten und der oberkait
diser unser statt und iren gepotten und verbotten gehorsam und gewertig ze
sinde, und nit von hinnen zu ziehen noch sich diser unser statt zuͦ
empfroͤmbden, er habe denn das burgerrecht zuͦvor unsern amptman und der
statt rechnern abkúndt und der statt ain gulden zuͦ abzuge bezalt, und
mengklich dem er ze tuͦnd ist entricht oder in benuͤgig gemacht, und ob
er mit iemanden under den stabe diser unser statt [Seite: S. 544]
Stuͦtgarten gehoͤrig ze tuͦnde hette, warumb das were, soͤlichs
daselbs mit recht uszerichten und bi dem selben rechten ze pliben, er woͤlte
sich dann davon beruͤfen, das mag und sol er tuͦn lut und innhalt der
ordnung von uns gemacht usgeschriben und verkúndt, alles getrúwlich und
ungevaͤrlich.
[Abs. 30]
Stadtrecht 1493 Art. 101]
Item welicher also zuͦ ainem burger ufgenommen wirt, der sol der benanten
unser statt umb das burgrecht von stunden an one verzuge vor und ee er insitzt
geben zwen gulden, und das burgrecht, wann er darnach wider hinwegziehen will,
mit ainem guldin, den er ouch bar bezalen sol, ufgeben wie obstet. Doch
moͤgent vogt und gerichte im annaͤmen und abzuge ains burgers zuͦ
ziten us redlichen vernúnftigen ursachen dispensieren und minder denn obstaut
oder gar nichtzit nemen. Welicher ouch fúrohin von Stuͦtgarten ziehen will,
der sol der statt geben zuͦ abzuge ain gulden, unangesehen ob er das
burgrecht ererpt oder erkouft habe und ob er vor diser unser ordnung und
satzung ain burger daselbs gewesen were, das sol in davor ouch nit
[Abs. 31] Der dienstknecht aide:
Wir woͤllent und gepietent ouch bi pen ains pfunds funf schilling hlr.,
unser statt Stuͦtgarten unablaͤßlicb zuͦ bezalen, das ain ieder sinen
knecht, der die nachgeschriben glúpt vormals nit getan hat, in den nechsten
acht tagen, nachdem er in gedingt hat, unserm amptman oder in sinem abwesen aim
burgermaister antwúrte, der gestalte das er dem selben in unserm namen globe bi
handgegeben truͤwen an ains geswornen aids statt, uns und unser statt
Stuͦtgarten, als lang er daselbs wonen werde, frommen und nutze ze schaffen
und schaden ze warnen und ze wenden, und unsern und unser amptlúten und der
oberkait diser unser statt gepotten und verbotten gehorsam und gewertig ze
sinde, und von hinnen nit ze ziehen, er hab denn mengklich dem er gelten
soͤlle entricht, und ob er ain stubenmaister oder stubenknecht wúrde und
ichtzit frevelichs ruͦgbars oder straufbars sehen oder hoͤren wúrde, das
selb unserm amptman vor sinem abschide endeckt und fúrbracht, und ob er mit
iemanden ichtzit ze tuͦnde úberkeͣme oder iemands [Seite: S. 545]
im, das selb vor dem stabe zuͦ Stuͦtgarten mit recht ze lútern und
uszerichten und dabi ze beliben, er woͤlle sich dann davon beruͤfen, das
sol er tuͦn lut der ordnung von uns gemacht, und der selben leben.
[Abs. 32] Nieman sol iemands noch nit burger enthalten:
Stadtrecht 1493 Art. 102]
Item witer habent wir geordnet und gesezt, woͤlicher hie zuͦ
Stuͦtgarten gesessen lút ufhoͤlt huset hofet oder herberget, die den
burgeraide obgeschriben nit getan hand, der selb sol von ieder persone, die er
also enthalten hat, geben I lb. V ß hlr. diser unser statt zuͦ pene; denn es
wonend vil lúte hie zuͦ Stuͦtgarten, die uns und der selben unser statt
weder gelopt noch geschworn hand, darus, wa es nit fúrkommen wúrde, moͤchte
vil unrauts erwachsen. Es ist ouch ain ursach, das gepott und verbott, so
zuͦ ziten von unsern und der benanten unser statt wegen gescheent, verachtet
werdent, das uns und obgemelter unser statt nit traͤglich noch ze dulden
[Abs. 33]
Herumb so verschaffen und woͤllent wir, das unser vogt zuͦ Stuͦtgarten
alle menschen daselbs wonend, der halb man nit ain claur gruntlich wissen hat,
das si ire manrecht und uns wie obstet gelopt und geschworn habent,
rechtvertigen und allen mangel, der deshalb an inen erfunden wirdet, erstatten
und erfollen solle, wie sich lut der ordnung gepúrt.
[Abs. 34] Strauf der, so vom amptman umb schulden vertaͤdingt werdent
und der taͤding nit lebend:
Stadtrecht 1493 Art. 103]
Item als ainem ieden amptman zuͦsteet sinen undertanen, die von iren
gloͤubigen, das ist von denen die inen umb schulden getrúwt geloupt und
gebaitet hand, angefochten genoͤt oder geschediget werden woͤllent, mit
guͤtlicher taͤding fúrstande und ufenthaltunge ze tuͦnde, und witer
zuge und zile zuͦ erlangen, also gepúrt sich ouch den undertanen, den
taͤdingen vom amptman gemacht ze leben und nachzekommen und die guͤtlich
zu volstrecken. So aber dasselb von vil undertanen oft verachtet und nit
gehalten wirdet und dasselb ouch nit mag erlitten werden, so habent wir
geordnet und gesezt: welicher sich fúrohin ain amptman und gericht samentlich
oder sonderlich ichtzit betaͤdingen laßt und der taͤding nit lept und
gnuͦg tuͤt, der sol darumb mit fanknus nach gestalt der sache gestrauft
werden und schuldig sin sinem gloͤubigen die underpfande im haft volgen ze
laßen und ze rumen, glicher wise als ob er die nach diser unser statt
Stuͦtgarten recht herkommen und gewonhait erlangt und ervolgt hette. Ob aber
der gloͤubig umb sine schulde kain underpfande hette, so sol der schuldner
der die taͤding nit helt im geben vergangne pfande, die er triben und
tragen, und [Seite: S. 546]
daruf er siner schulde wol bekommen moͤg, und sol witer kains pfendens
ufruͤfens vertaͤdingens verkúndens noch usbietens bedoͤrfen noch nout
sin kaineswegs, damit die gloͤubigen muͦtwilligs umbtribens und ufzugs
úberhaben werdent, doch hierinn unserm amptman sin taͤding schilling
vorbehalten. Und die wile us der noͧtturft soͤlich taͤdingen fúr
vergessen in ain buͦch geschriben werden muͤssent, so sol unser amptman
dasselb inschriben tuͦn und darumb von iedem taile zwen pfenning
[Abs. 35] Ordnung, wann uf iemanden oder sin guͦte clagen und verbott
gescheent, wie es sol gehalten werden:
Stadtrecht 1493 Art. 105]
Item bisher ist gewonhait und der bruwche zuͦ Stuͦtgarten gewesen, wann
uf iemands guͦte clagen und verbotte gescheen sind, so ist anfangs und vor
allen menschen der erst verbieter und darnach der ander und also fúr und fúr
ainer nach dem andern usgericht worden, als wit das guͦt hat moͤgen
raichen und dienen, und hand die andern, die vilicht mit besserer gerechtigkait
us unwissenhait soͤlichs verbietens des guͦts hernachkommen und bi den
letsten gewesen sind, ganz muͤssen mangeln und galt usgeen. So aber das selb
ganz unglich und der vernunft und billichait nit gemeͣß ist, so ist von uns
geordnet und gesezt, wann fúrohin ain soͤlicher unfale uf iemanden oder
iemands guͦte felt, das man daruf clagen oder verbieten laßen wirt, das denn
von unserm amptman daselbs alle cleͣger und verbieter aigentlich
ufgeschriben und zuͦ letst, wann zwen monat vom anfang der verbietung
verschinent, iedem gegeben werden soͤlle nach anzale siner schulde, als wit
das guͦte raichen mag, unangesehen das ainer der erst der ander der mittel
oder der letst verbieter ist gewesen, doch uns unsern erben und nachkommen
unser oberkait hierinn vorbehalten. Und ob iemands sonder gerechtigkait zuͦ
soͤlichem guͦte hette us verschribungen oder sust als von schulden wegen,
dar umb underpfand haft werent, ouch umb huszinse lidlone geurtailt und ander
der glich gefriet sachen, dem sol hiedurch sins rechten nichtzit benommen sin
noch werden, und sol ieder claͤger oder verbieter dem amptman geben zwen dn.
sich inezeschriben.
[Abs. 36] Von denen so die lút anstoussent oder betriegend und
ustroͤttend.
Stadtrecht 1493 Art. 106]
Item taͤglich wirt erfunden, das vil unnútzer lichtvertiger lút, [Seite: S. 547]
sich selb und ire kindere in verderben richtent, erber lút anstoussent, umb das
ir betriegent, und darnach ustraͤttent und vermainent denn wider inzekommen,
wann si woͤllent. So nuͦ soͤlichs nit mag noch sol gelitten werden,
und ouch unser mainung und will ist, das der burger aide obgeschriben nit
allain binden soͤlle die, so fúro zuͦ Stuͦtgarten burgere und
soͤlichen aide schweren werdent, sonder ouch die, so vormals daselbs burgere
gewesen und noch sind, und denn der selb aide under andern innhelt, das nieman
sich diser statt empfroͤmbden noch von hinnen ziehen soͤlle, er habe denn
sine schuldner entricht oder benuͤgig gemacht, so ordnen setzen und
woͤllent wir, welicher hinfúr der gestalt ustritt one gunden und erlouben
der oberkait, der sol wider sin aide getan, sin manrecht verwúrkt und sin
burgerrecht verloren haben, und wa er ergriffen wirt, angenommen und darumb an
sinem libe oder guͦte, wie sich nach gestalt der sachen gepúrt, gestrauft
werden. Welicher aber von ungehorsami wegen ustritt, der sol in die alten
sweren strauf gefallen sin und ouch sin ere und manrecht verwúrkt und das
burgerrecht verloren haben, und darumb mit im fúrgenommen und gehandelt werden,
als sich nach unserm willen und verschaffen wirt gepúren.
[Abs. 37] Von denen die ire guͤter vorhin haft fúr ledig
verschribend:[Übernommen in Tübingen
Stadtrecht 1493 Art.
Item ouch ist oft und dick erfunden und offentlich an den tag kommen, das
etlich ire guͤtere fúr zinsfri ledig unverkúmert aigen verschriben habent,
die doch davor andern zinsbar und haft gewesen sind. Wann aber soͤlich
boushait betruge und falsche ouch nit mag noch sol gestattet werden, so ist von
uns dawider gesezt und geordnet: welicher hinfúr in soͤlicher boushait
erfunden wirdet, der sol erlous und umb sin manrecht kommen sin, und darumb an
sinem libe oder leben, wie sich nach gestalt siner handlung gepúrt, gestrauft
[Abs. 38] Das ainem ieden das guͦt, so er verkouft, umb die
schulde darumb versprochen sol haft sin:[Übernommen in Tübingen
Item welicher ain ligend guͦte verkouft, borgs uf zile zuͦ bezalen,
dem sol, wie es vormals ouch gewesen und von alter herkommen ist, das selb
guͦte umb sin bekanntlich koufsumme und schulde vor mengklichem, vor
soͤlichem koufe uf dem selben guͦte nichtzit noch ainich gerechtigkait
daran oder darzuͦ habend, nach diser unser statt Stuͦtgarten bruwch und
herkommen haft sin, alle [Seite: S. 548]
wile im des selben koufgelts ichtzit unvergolten ussteet. Und ob soͤlichs im
koufe nit beredt were, dennocht sol es lut diser unser satzung gehalten werden.
Were oder wúrde aber in ainichem koufe luter abgeredt und beschlossen, das das
verkouft guͦte umb die koufsumme nit soͤlte haft sin, so sol das selb
gedinge, so sust nichtzit dawider ist, in creften beliben, angesehen das sich
ain ieder sins rechten begeben und verzihen mag, und das ouch dem, der ain ding
williklich und on nout tuͦt, nit unrecht geschicht.
[Abs. 39] Ain ieder koͤufer sol dem verkoͤufer umb sine schulde
ain benuͤgen tun, es werd bedingt oder nit:[Übernommen in Tübingen
Item welicher umb iemanden ichtzit borgs kouft ligends oder farends, der sol
dem verkoͤufer uf sin begere ain benuͤgen umb die kaufsumme tuͦn, es
werde bedingt oder nit bedingt, usgenommen so der verkoͤufer sich des
williklich verziht oder das nachlaßt.
[Abs. 40] Wie man den huszinse bezalen und was darum haft sin
soͤlle:
Stadtrecht 1493 Art. 111]
Item welicher hie zuͦ Stuͦtgarten ain huse bestet, gar oder ains tails
oder ichtzit darinn als laden oder anders, der sol zuͦ halbem jare halben
zins ze geben verfallen und schuldig sin den zuͦ bezalen, sin husherre
woͤlle im denn den mit guͦtem willen lenger ansteen laßen. Was ouch
iemands in ain huse oder laden etc. von im bestanden bringt, das alles
gemainlich und sonderlich nichtzit usgenommen sol dem husherren umb sin
huszinse vor menigklichem haft sin. Er mag ouch das alles umb sin huszinse
darinn behalten, und ob iemands ichtzit us sinem huszinse teͣte verendern
one wissen und willen des husherren, der sins huszinses dennocht nit entricht
were, der sol schinbarlich darumb gestrauft werden nach erkantnus vogts und
[Abs. 41] Von denen, die iren schuldnern nit hand ze geben gelt oder
pfande:
Stadtrecht 1493 Art. 113]
Item fúro habent wir gesezt und geordnet, welicher hie zuͦ
Stuͦtgarten sin schuldner nit hab zuͦ bezalen mit gelt oder pfanden oder
sine kind oder sin wib laß nach brot geen, das der selb nit solle zum win geen
weder firtag noch werktage, usgenommen hochzitlich schenkinen siner nechsten
frúnde. Wirt er aber bi dem win ergriffen, so sol er von stunden an in fenknus
gelegt und allain mit wasser und brote uf benuͤgen des amptmans darinn
gespiset [Seite: S. 549]
werden. Und heruf gebieten wir allen stattknechten pútteln winziehern und
andern gemainlich und sonderlich, bi gelúpten und aiden uns und zuͦ iren
diensten getan, ain flissig ufsehen uf die ding ze haben, und wa si ain
soͤlichen bi dem win oder bi spilen, darzuͤ er ouch verwandt sie, findent
oder erfarent gewesen sin, den obgemelter massen anzenemen und in gefangknus ze
legen. Und wirt der amptman von ains soͤlichen wegen, der nit zuͦ bezalen
hat, von sinem gloubigen, das ist von dem dem er gelten sol, ingeruͤft in in
fengknus ze legen, so sol der amptman das selb tuͦn uf des gloubigen costen,
der dem gefangen schuldner zimlich liferung sol geben nach beschaid des
amptmans, doch dem amptman vorbehalten macht und gewalte, ain schuldner us
vernúnftigen redlichen ursachen hievor ze fristen.
[Abs. 42] Kinder man und frowen geschlechts soͤllent nachts nit
nach brout geen:
Item bi obgemelter pene sol nieman unerloupt der oberkait nachts ainich kind
frowen oder mans geschlecht nach brot schicken oder geen laßen, und ob ain frow
die kain man hat ire kind frowen oder mans personen nachts nach brout schickte
oder geen ließ unerloupt, die sol obgemelter pene gemeß ouch gestrauft
[Abs. 43] Von vertraͤgen die mit kinden gescheent etc.:
Stadtrecht 1493 Art. 117]
Item sich erfindet in taͤglicher gerichtsuͤbung, das vil zanks und
rechtvertigung erwechst us den vertraͤgen und dem úberkomen, so die
personen, die us witwenstaute wider in die ee kumment, tuͦnd mit iren kinden
an statt der tailung, so si nach diser unser statt recht herkomen und gewonhait
mit inen tuͦn soͤltent, und entsteet soͤlicher zank gewonlich us dem,
das soͤlich vertrage nit gescheent vor gericht. So nu unsere gemuͤts und
willes ist soͤlich irrungen und rechtvertigungen abzestricken und
fúrzekomen, so setzent und gebent wir diser unser statt Stuͦtgarten fúr ain
gesetze und stattrecht, das ain ieder mensch baiderlai geschlechts, in dem
gerichtszwang der selben unser statt ietzo und hienach gesessen, der fúrohin us
dem witwenstaute wider in die ee komen und sich mit sinen kinden an statt
obgemelter tailung vertragen oder setzen will, das der selb soͤlichen
vertrage úberkomen oder satzung tuͦn soͤlle vor vogt und gericht, der
gestalt, das si erkennent soͤlichen vertrage úberkomen oder satzunge den
kinden zuͦ den selben ziten nútz und besser sin denn tailung, und welicher
vertrage úberkomen oder satzung also geschicht, der das oder die sol darnach
allwegen [Seite: S. 550]
wirden und kreften sin und beliben und durch kúnftig sachen zuͦ- oder
anfelle, die ainichem taile, es were den kinden oder iren eltern, nachtaile
geperen oder bringen moͤchtent, nit zerrút noch aberkennt werden. Wa aber
ainicher vertrage úberkomen oder satzung usserhalb der forme diser unser
satzung gemacht wirt, der sol fúr unwirdig und craftlous erkennt und gehalten
[Abs. 44] Von den vaͤttern und muͤtern, die ain kind richlicher
woͤllent, wie es gescheen sol.
Item wiewol natúrlich und ouch billich ist, das die kindere von iren eltern
versehen und begabt werdent ieglichs nach dem es sich frúntlich oder
unfrúntlich gehorsamlich oder ungehorsamlich erberlich oder unerberlich hat
gehalten, nochdenn fúrzekomen und abzestricken vil zanks und
rechtvertigung, so zuͦ ziten erwechst us dem, das ain kind fúr das ander
angesehen und begaubt wirt von vatter oder muͦter in witwenstaute ainhendig
und unabgetailt guͦte habend, so setzen wir diser unser statt Stuͦtgarten
fúr ain ordnung und stattrecht: Wann fúrohin ain vatter oder múter in
witwenstaute sich haltend und ainhendig unabgetailt guͦte habend ain sin
kind witer oder richlicher denn das ander begauben oder sich umb das sin zuͦ
ainem kinde fúr das ander verpflichten will pfrúndners wise oder sunst, das
soͤlichs gescheen soͤlle vor vogt und gericht, und so es von den selben
die das wesen der kinder und der eltern, ouch gestalt der sachen, aigentlich
und wol erlernen und ermessen soͤllent, durch ir erkantnus zuͦgelaussen
und bestetigt wirt, so sol es fúr wirdig und creftig gehalten und fúrter nit
aberkennt werden. Geschee aber fúrohin in disem fale ainich gabe oder
verpflicht usserhalb der forme diser unser ordnung und satzung, so sol die von
unwirden sin und fúr unkreftig und untougenlich geurtailt und gehalten
[Abs. 45] Was ainer, der erst in gericht oder raut kompt, der statt
Item wiewol gnuͦg schwer ist ain richter sin, so ist es doch [Seite: S. 551]
erlich ampt, darzuͦ ouch die e[r]bersten und vernúnftigsten lúte geprucht
und darumb ouch billich gewirdet und geeret werdent. So nun ain alter bruch
gewesen ist, welicher zuͦ ainem richter erwelt und genomen worden ist, das
der selb dem vogt und dem gericht hat ain costlich mal muͤssen geben, und
nuͦ der selb bruch ain zit still gestanden ist, so laussen wir zuͦ und
ist unser will und mainung, welicher fúrohin zuͦ ainem richter zuͦ
Stuͦtgarten erwoͤlt und angenomen wirt, der vormals kain richter gewesen
ist, das der selb für das obgemelt maul der statt geben soͤlle uf ir stuben
ain silberin becher vier gulden wert, der alda zuͦ eren dem selben richter
und den sinen ouch gemeiner statt allweg soͤll beliben und gebrucht und in
kain andern nutze bewendt werden. Welicher aber von núwem in den raut kompt,
der sol geben zwen guldin, und kompt er us dem raut in das gericht, sol er aber
zwen guldin geben, darumb ouch silbergeschirre gekouft und wie obstet gebrucht
und gehalten werden sol. Und nit dester minder moͤgent die richter und die
vom raut, wann ainer erstmals in gericht oder raut kompt, bi ainander essen und
dem núwen richter oder raute sin mal schenken.
[Abs. 46] Item durch dise ordnungen und satzungen woͤllent wir andern loblichen
gewonhaiten brúchen ordnungen und satzungen bis her zuͦ Stuͦtgarten
gehalten disen obgemelten unsern ordnungen und satzungen nit widerwertig
nichtzit enzogen noch abgenomen und uns unser oberkait in allen Sachen
vorbehalten haben.
[Abs. 47] Vom fúwer ordnungen:
Item die wil diser statt Stuͦtgarten der groͤssest schade von fúwr
zuͦsteen mag und man soͤlichen schaden ze verhuͤten und fúrzekomen
allergeflissest sin sol, so haben wir dise nachgeschriben ordnungen und
satzungen gemacht, durch der vlissig haltung wir hoffent obgemelten schaden ze
verhuͤten und ze fúrkomen.
[Abs. 48] Item wenn man sturm anschlecht fuwers oder ander sachen halb, so soͤllent
CXX mann, in sonderhait darzuͦ geordnet, mit harnasch und werinen wol
erzuͤgt, an den merkt ilends loufen und leben dem beschaid des houptmans der
inen allda zuͦkommen wirdet.
[Abs. 49] Item nieman sol in sinem huse oberhalb des fúwrs haben weder holz raif risach
reben spen noch strow, sonder allain unden im huse under dem fúr, und ouch nit
merer noch anders denn im vom vogt und gericht erlopt wirt.
[Abs. 50] [Seite: S. 552]
Item alle kemmit soͤllent gefegt gesúbert gemacht und gehalten werden der
gestalt das kain schad davon entsteen moͤg, dann wa ain kemmit wirt erfunden
also das es fegens oder ander sachen halb sorg uf im hat, da muͦß der
huswirt des selben huses zuͦ pen unablaͤsigklich der statt geben drúw
pfund fúnf schilling 5 heller als dick es also erfunden wirt.
[Abs. 51] Item es sol nieman unerloupt in sinem huse, es sie mezger gremper oder wer er
woͤll, weder schmelzen buwchen noch ander sachen bruchen, darzuͦ man
grosse fúr bruwchen und haben muͦß. Dann welicher das tuͦt oder in
woͤliches huse das geschicht tags oder nachts, es geschee durch in sin wib
kinder eehalten oder huslúte, der muͦß unablaͤssiglich der statt zuͦ
strauf und pene geben drúw pfund fúnf schilling heller, als oft und dick das
erfunden wirdet, und ob schad dardurch enstund, so wirt er witer gestraft nach
gestalt des handels und schades und erkantnus vogts und gerichts.
[Abs. 52] Item wenn fúr usgeit, so soll menigklich, der nit sondern beschaid und bevelh
hat, dem fúr zuͦloffen und helfen wasser tragen loͤschen und tuͦn was
er beschaiden wirt nach sinem besten vermoͤgen, als ob es sin aigen ding
were, bi gelúpten und aiden, und sol sich darinn noch daran nieman sins libs
vermúglicb sumen noch understeen uszetragen us sinem huse, das fúr were denn in
sinem huse ufgangen oder in dem vierden oder fúnften huse nechst bi im, und
soͤllent die winzieher zuͦm aller ersten laiteren und fúrhauken
zuͦtragen und darnach witer wie sich gepúrt helfen getrúwlich
arbaiten.
[Abs. 37] Item man sol wissen, wenn man sturm anschlecht, das menigklich damit bi sinem
aide gemant ist. Darumb sol ain ieder, als lieb im sin ere libe und leben sie,
die sturm nit verachten, dann von wiem es verachtet wirt, dem wirt ain straufe
im sinen kinden und frúnden unlittenlich und ze schwer engegen kumen, davor
wisse sich menigklich ze huͤten.
[Abs. 54] Item wann man brunst halb sturm anschlecht, so soͤllent alle keltern
geoffnet werden, bittenen und zúber zuͦ der notturft darus ze
[Abs. 55] Item welicher ain kelter hat, der sol fúrohin allwegen haben ain gerústen
karren und daruf ain laitfaß, das wasser halte und [Seite: S. 553]
beheb sie, uf das, wenn fúwr usgang, das man das alles gerúst und versehen
finde wie obstet. Und hat er selb ain roß, so soll er damit one alles verziehen
dem fúr zuͦfaren; hat er aber kain roß, so sol er fúrdern, das es von ainem
andern der ain roß habe nechst bi im fúrderlich geschee. Und in welches kelter
es nit also erfunden wirdet, der muͦß unablaͤssiglicb zuͦ pene und
straufe geben druw pfund und fúnf schilling heller, als dick der mangel
erfunden wirt.
[Abs. 56] Item welicher das erst faß mit wasser zuͦm fúwr bringt, er hab ain kelter
oder nit, dem will die statt geben ain pfund, dem andern fúnfzehen schilling,
dem dritten zehen schilling und dem vierden fúnf schilling heller, und welicher
ain laitfaß fuͤrt, das nit sin, sonder in ainer kelter genomen ist, der sol
sin lone halb geben dem, des faß er gefúrt hat.
[Abs. 57] Item alle becken schmid schriner und ander so mit fúr umbgeend und ieder in
sonderhait soͤllent ire fúr versorgen nach beschaid der fúwrschower oder der
den es bevolhen wirt, und soͤllent es dennocht bi dem selben nit pliben
laussen, sonder den allerhoͤchsten vlis ankeren ire fúr ze versehen zuͦ
bewaren und zuͦ versorgen tag und nacht mit kemiten und sunst in alle andere
nottúrftig wege, damit inen selbs und andern kain schade geschee. Si
soͤllent ouch die ding selbs versehen und nit an ire eehalten laussen kains
wegs, alles bi pen drier pfund fúnf schilling heller der statt gehoͤrig. Und
ob schade geschee, so sol es bi der strafe nit beliben sonder ain ieder, von
dem schad entsteet, witer gestraft werden nach gestalt des handels und schades
und erkantnus vogts und gerichts.
[Abs. 58] Item ain ieder wirt sol allwegen so er gest hat selb wachen und hievor beliben
bis alle gest an ir rúwe kument, oder sol zum minsten sin husfrow oder ain
geschworner eehalt, dem er getruwen mag, den gesten also uswarten und mit dem
hoͤchsten flis sorg und acht haben, das alle fúr und liecht versorgt
usgeloͤscht und versehen werdent.
[Abs. 59] Item es soͤllent ouch alle wirt und sust mengklick darob und daran sin,
das mit brinnenden liechtern one laternen in schúren stelle oder andere orte,
da der wandel sorglich ist, nit gegangen gewebert noch gewandelt werde kains
wegs, bi pene ains pfunds fúnf schilling hlr., der statt als oft es anders
erfunden wirdet unablaͤßlich zuͦ bezalen, [Seite: S. 554]
soͤllent alle richtere alle vom raute underkoͤufer winzieher púttel
waͤchter und alle der statt geschwornen bi aids verpflicht ruͤgen und von
mengklichem uf ir und ir iedes ervordern ingelaßen werden one alles
widersprechen, und ob sich ieman widern wúrde, dem sol man huse stall oder
schúren, darinn man denn das liecht sicht, ufstoussen und in darzuͦ als ain
úberfarer gelúpt und aide wie sich gepúrt straufen, und ob durch verachtung
dises gepots schad entstuͤnd, so soͤllent die veraͤchter dises gepots
nit mit obgemelter summ, sonder nach erkantnus vogts und gerichts gestrauft
[Abs. 60] Item alle eehalten soͤllent hohen fliß und sorg haben úber fuͤr und
liecht, die getrúwlich zuͦ bewaren und zuͦ versorgen, dann durch weliches
verwarlousen schade entsteen wirt, der wirt gestrauft an libe und guͦte, und
welicher hinfúr eehalten dinget ain oder mer, der sol im oder inen dise satzung
fúrhalten; welicher das nit tuͦt, der muß erstatten, was dardurch versumpt
[Abs. 61]
Fúro woͤllent und gebietent wir allen und jeglichen unsern undertanen zuͦ
Stuͦtgarten bi iren gelúpten und aiden, wa ufruͦren haͤder oder zenk
entsteen werdent, die selben getrúwlichen ze friden und niderzetrucken und die
partien zuͦ recht anzenemen und friden globen ze laßen und inen in
soͤlich gelúpte ze geben, sich umb soͤlich hendel one verzuge zuͦ
unserm amptman ze stellen und im die ze offnen. Und ob sich iemands widern
wúrde zuͦ recht ze globen, so sol man den selben zuͦ gehorsami dringen
und noͤten mit straichen und wie man mag, damit er globe wie sich gepúre.
Darzuͦ sol der selb, der sich widert friden und zuͦ recht ze globen, als
ain ungehorsamer von unserm amptman mit recht oder sust wie sich nach gestalt
der sach gepúrt gestrauft werden, der gestalt und so schinbarlich das es andern
ain exempel sie sich davor ze huͤten. Doch woͤllent wir hiemit niemanden
binden, sich in soͤlichen hendeln in gefaͤrlichait sins libs oder lebens
ze geben, alles ungeverlich.
[Abs. 62] Also und in der gestalt gebietent wir ouch allen und ieglichen bi iren
gelúpten und aiden, wa unsern amptlúten gericht raute andern geschwornen und
stattknechten von iemanden in dem, [Seite: S. 555]
inen und ir iedem von unsern oder gemainer statt wegen ze tuͦnde gepúrt,
widerstande geschúhe mit worten oder werken, den selben unervordert und
ervordert zuͦzeloufen, si getrúwlich ze retten und ze schirmen und getrúw
hilf und bistande ze tunde, damit die selben widerwertigen und ungehorsamen
gehandhapt gedempt nidergetruckt und gestrauft werdent, denn unsers willes und
gemúts ist die boͤusen und ungehorsamen ze straufen der gestalt, das die
guͦten vor inen in eren und wirden gruͦnen und beliben
moͤgent.
[Abs. 63] Fúro habent wir gesezt und geordnet, wenn und wie oft fúrohin den wingarten
ainich schad zuͦsteet, durch den der win an gelt ufschlahen mag, so oft
soͤllent alle die, die win ze schenken usruͤfen laßen habent, die
usgeruͤften wine ganz usschenken umb das gelt, darumb die ufgetan und
ufgeruͤft worden sient, und sol der selben win kainer zuͦgeschlagen in
andere faß getan noch sust verendert, sonder mengklichem uf nachvolgend mainung
davon gegeben werden, bis nichtzit mer im faß ist, bi pene und strauf die vogt
und gericht nach gestalt der sache und geverde erkennen soͤllent.
[Abs. 64] Item witer habent wir geordnet und gesezt, wenn es sich also begit, das
soͤlicher schade wie ietzo gelut hat den winreben zuͦsteet, so
soͤllent die winschenken und ander die durch sich selb oder ire eehaltent
win usmessent, niemanden mer wins geben denn so vil sie achten moͤgent er
denselben tag zuͦ sinem huspruwche nottuͤrftig sie und nit mer. Es sol
ouch alsdenn und in disem fale kain mensch mer wins fassen holen noch holen
laßen, denn es [!] uf den selben tag zuͦ sinem huspruwch bedarf ungeverlich.
Und so oft dises gepot úberfaren wirt, so oft sol der, der den win faßt holet
oder holen laßt, von ieglicher maͧße úber und wider dises gepotte geholet
und empfangen zuͦ pene und straufe geben X ß hlr. unablaͤßlich. Und die
straufe des winschenken sol steen zuͦ erkantnus vogts und
[Abs. 65] Mer ordnen woͤllen und setzen wir, das nieman weder holze pfaͤle
frúchten brout schmalz húnr aier visch noch ichtzit anders, nichtzit
usgenommen, das her gen Stuͦtgarten zuͦ merkt gefuͤrt oder [Seite: S. 556]
getragen wirt, vor diser statt in iren zwingen und bennen koufen soͤlle,
sonder sol mengklich alle ding ganz frie ber uf den merkt zuͦ failem koufe
kommen laßen, bi pene III lb. V ß hlr., die ain ieder so oft und dick er das
úberfert sol geben, aber uf dem meͣrkt mag ain ieder (die fúrkoͤufere
usgenommen) koufen was im noͧt ist wie sich gepúrt, ouch
ungeverlich.
[Abs. 66] Wir woͤllent und setzent ouch, das fúrohin der wochen nit mer denn an den
zweien wochenmerkten, nemlich am zinstag und am sambstag alleweg vor mittag,
zuͦ Stuͦtgarten pfande ufgeruͤft soͤllent werden, und zwen
richtere, die schriben und lesen kúndent, von vogt und gericht darzuͦ
geordnet, sich an den selben zweien tagen am merkt finden laßen und uf ains
ieden, der des an ir ain begert, ufruͤfen, nemlich wem warumb was und wie
vil ufgeruͤft werde, merken und acht haben und das aigentlich mit sampt dem
tag daruf es geschicht in ain registerlin verzaichnen, damit si baid und ir
ieder umb das ufruͤfen, daruf er gemerkt hat, úber kurz und úber lang zit
wisse ain lutere claure kuntschaft ze geben. Darumb sol ain ieder der
ufruͤfen laßt, dem richter der ufmerkt geben II dn., die mit anderm schaden
uf das ufgeruͤft guͦte moͤgent geschlagen werden, vil irrungen, die
sich sust mit dem ufruͤfen usserhalb diser ordnung begeben moͤchten,
abzestricken und fúrzekommen.

References: Art. 1
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 4
 Art. 5
 Art. 8
 Art. 95
 Art. 96
 Art. 97
 Art. 99
 Art. 100
 Art. 101
 Art. 102
 Art. 103
 Art. 105
 Art. 106
 Art. 111
 Art. 113
 Art. 117