Source: http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.04.0019%3Asmythp%3D102
Timestamp: 2018-07-16 05:09:43+00:00

Document:
Raphael Kühner, Friedrich Blass, Ausführliche Grammatik der Griechischen Sprache, chapter 102
Böot. Paradigmen: F. γνώμᾶ, γνώμᾶς, (γνώμα^ι, γνώμαε） γνώμη, γνώμᾶν; pl. (γνώμαι, γνώμαε) γνώμη (Accent?), γνωμάων, (γνώμαις, γνώμαες) γνώμης, γνώμᾶς; M. πολίτᾶς, πολίτᾶο, (πολίτα^ι, πολίταε) πολίτη, πολίτᾶν. Gen. Pl. πολιτά̂ων. Über η st. αι, als: ἱππότη st. ἱππόται, εὐεργέτης st. εὐεργέταις s. § 26, S. 131; α^ι ist als Grundform auch für den Dativ anzusetzen, entsprechend dem οι in der II. Deklination. Man hält dies αι οι für urspr. Lokativ; es findet sich auch im Arkadischen, jedoch nicht im Kyprischen, auch nicht im Thessalischen, wo das ι früh abfällt. Zu vergleichen ist das dem Böotischen benachbarte Euböische, welches analog etwa vom 4. Jahrhundert ab auslautendes ωι und ηι in οι, ει wandelt (Bechtel, Inschr. des ion. Dial. S. 9); hier kann also von altem Lokativ keine Rede sein, und darf es auch im Böotischen u. s. w. um so weniger, als diese Dialekte ωι ᾶι überhaupt nicht (oder nicht mehr) kennen. Die kontrahierte Form des Gen. Pl. auf ᾶν findet sich regelmässig beim Artikel τᾶν; κορᾶν Arist. Ach. 849 ist nicht echt böot.; thess. ist -άουν (ᾶν, οῦν); arkad. -ᾶν. Die Nominativendung der Mask. auf α^ st. ᾶς wird von den Grammatikern den Böotiern, Thessaliern, Lesbiern, Eleern u. a. beigelegt; Bsp. bisher nur πυθιονικα ὀλυμπιονικα auf der Inschrift von Thespiä D.-I. 791 b, neben zahlreichen anderweitigen Belegen für ᾶς, die sich auch im Thessalischen u. s. w. finden; bei dem τελεστά der eleischen Inschr. D.-I. 1149 möchte Schreibfehler vorliegen.1) Jene böot. Formen wird man mit Ὀρσοτρίαινα^, Εὐτρίαινα^ν, Ἀγλαοτρίαινα^ν, χρυσοχαῖτα^ bei dem Böotier Pindar zusammenstellen; es scheint sich die Regel zu ergeben, dass die mit Femin. der I. Dekl. zusammengesetzten Wörter kein ς im Nom. annahmen, den Vokal aber im Nom., Akk., Vok. verkürzten. Vgl. § 103, 5. Der Gen. Sg. der Mask. zeigt thessal. -α; im Arkadischen und Kyprischen ist -αο in αυ zusammengezogen (einzeln kypr. -αο und -ω), welche Endung in Tegea auch die Feminina ergriffen hat (doch τᾶς).
Dor. Paradigmen: γνώμᾶ, G. γνώμᾶς, D. γνώμᾳ, A. γνώμᾶν; Mask. N. Ἀτρείδᾶς, G. Ἀτρείδᾶ, D. Ἀτρείδᾳ, A. Ἀτρείδᾶν, V. Ἀτρείδᾶ; Theokr. 4, 62 ὤνθρωπε φιλοῖφα; Plur. N. γνώμαι (Akk. oben § 80, 3), G. γνωμᾶν, D. γνώμαις, A. γνώμᾶς (γνώμανς, γνώμα^ς); auch die Adjektive weiblichen Geschlechts haben im Genetiv Plur. ᾶν, als: ἀμφοτερᾶν (= ἀμφοτέρων). Kurze Nominative b. Pindar (vgl. oben 2): Πέλλανα^ att. Πελλήνη; Ἀλκιμίδα^ N. 6, 68 st. -δας nach dem Versmass geändert; so Vokat. Εὐξενίδα^ N. 7, 70 von -δας. B. [Theokr.] 27, 51 steht Vokat. κῶρα. — Den Gen. Ψύλλας auf e. Korkyr. Inschr. (C. I. Gr. 1845 = Dial.-I. 3206) leitet Ahrens II, p. 225 mit Recht v. d. Fem. Ψύλλα ab und nicht von Ψύλλας, wie der Nomin. daselbst an einer Stelle gelesen wird.2) — Die Eigennamen, die in der gewöhnlichen Sprache auf λαος, att. λεως ausgehen und der II. Dekl. angehören, gehen dorisch auf λᾶς (G. α_, D. ᾳ) aus und gehen nach der I. Dekl., als: Μενέλᾶς, Ἀρκεσίλᾶς, Ἰόλᾳ Pind.; vgl. (Νικόλᾶ Herod. VII, 137), Μενέλᾶ (Gen.) Eur. Andr. 487 ch., Μενέλᾳ Troad. 212 ch., Μενέλᾶν Rhes. 257 ch.; auch in Athen haben sich solche Namen früh eingebürgert, § 114, Anm. 6. — Über den Akk. Pl. auf ανς st. ᾶς b. Kret. u. Argiv. s. § 38, 3 und über α^ς st. ᾶς s. ebendas. Das Eleische bietet neben ᾶς auch αις αιρ (vgl. lesb.; der Rhotakismos auch in den anderen Endungen mit ς, § 29, b), Meister, Dial. II, 60.(Smyth 214)
1 Bechtel zu D.-Inschr. 3025, Z. 19 f., Baunack, Stud. I, 233 (Meister II, 272) suchen auch auf dorischem und thessalischem Gebiete eine solche Flexion der Mask. zu erweisen, wonach dieselben im Nom. α, im Gen. ας hatten, also den Fem. ganz gleich wurden. Mask. auf α bezeugt Eustath. 1457, 19 ff. (nach Eudaimon von Pelusion): Κόπαινα, Name eines Illyriers in einem Epigramm; Μύριλλα, Beiname eines Syrakusers bei Sophron (θηλυνκὰ ἐπώνυμα [Beiname] Hdn. II, 635). Bei den inschr. Belegen Bechtels aber ist das das Schlimme, dass sich nichts von Regel dabei herausstellt, sondern dieselbe Inschrift 3025, die τοῦ Φάγας, τοῦ Αἰγιπύρας, τοῦ Ἀραίας aufweist (Ortsnamen; einmal daneben τᾶς Αἰγιπ.), hat bei männlichen Eigennamen dutzendweise die regelmässige Flexion ᾶς ᾶ.
2 Vgl. Anm. 1 auf p. 372.

References: § 26
 § 103
 § 80
 § 114
 § 38
 § 29