Source: http://vbe-sh.de/index.php?Link=detail&id=291
Timestamp: 2017-08-21 04:39:55+00:00

Document:
Stellungnahme des VBE zur Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung II
Zum neuen Schuljahr soll schon wieder eine neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung Anwendung finden. Es ist diesmal die dritte Veränderung innerhalb der letzten 2 Jahre, ohne dass die letzte ausgewertet werden konnte.
Mit der vorgelegten erneuten Veränderung der APO soll die ?Professionalität in der Ausbildung? verbessert werden, in dem eine ?intensivere Betreuung ... durch die Studienleiterinnen und Studienleiter neu geordnet werden? soll
-	durch strukturelle Veränderungen semesterübergreifender Ausbildungsgruppen,
-	durch Erhöhung der Anzahl der Beratungsbesuche unter angedachter Reduzierung der Ausgleichsstunden für die Ausbildungslehrkräfte und
-	durch flexible Regionalisierung der Ausbildungsangebote.
Darüber hinaus soll die bereits beschlossene Verkürzung der Ausbildung auf 18 Monate zum 1.8.2011 vorgezogen werden.
-	die Präsentation und Reflexion der Hausarbeit nicht mehr separater Teil der Prüfung sein,
-	der schriftliche Test zum Schul- und Dienstrecht entfallen
-	das Bestehen der Prüfung von mindestens ausreichenden Leistungen in allen Prüfungsteilen abhängig sein und
-	die Ausbildung auch an Ersatzschulen möglich werden.
Der VBE begrüßt alle Maßnahmen, die zur Professionalität des Lehrerberufes beitragen. Dazu gehört auch und insbesondere die Ausbildung zur Lehrkraft im Referendariat. Die jungen Kolleginnen und Kollegen müssen im Vorbereitungsdienst die Qualifikationen erwerben können, die sie für qualifizierten Unterricht und ein Bestehen im Beruf benötigen.
Professionalität mit (vorgezogener) Verkürzung des Ausbildungszeit auf 18 Monate und Erhöhung der Beratungsbesuche bei gleichzeitiger Reduzierung des Zeitbudgets in den Schulen (Ausgleichsstunden) erreichen zu wollen, ist widersinnig und kann vom VBE keinesfalls akzeptiert werden.
Hinzu kommt, dass in diesem Entwurf die Teilnahme der Ausbildungslehrkräfte an den Beratungsbesuchen verpflichtet wird, was isoliert betrachtet sinnvoll ist.
Kosten in der Ausbildung der Lehrkräfte sind Investitionen in die Zukunft der Schulen.
Verkürzung auf 18 Monate
Die Verkürzung der Referendariatszeit auf 18 Monate muss zurück genommen werden.
Wenn ?effektives Arbeiten in und mit auf begrenzte Dauer eingerichteten Gruppen bereits in der Ausbildung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst gelebt und erfahren werden? sollen, dann muss Zeit zur Verfügung gestellt werden ? insbesondere in der Ausbildung.
?Maßgeblich für die Dauer eines praxisorientierten Teils der Lehrerausbildung darf nur der Umfang der erforderlichen Inhalte sein.
Eine rein fiskalische Begründung (Dauer der Gesamtausbildung, Gewinnung von Ressourcen) ist aufgrund der hohen Anforderungen an den Lehrerberuf eine Abwertung des Lehrerberufs.
Darüber hinaus ist eine Kürzung der Ausbildungszeit bei gleichzeitigem Erhalt des Umfanges der Ausbildungsmodule eine Zumutung für eine qualitative Ausbildung und brennt die jungen Lehrkräfte aus, bevor sie im Schulbereich Fuß fassen können.?
Der VBE fordert nach wie vor, dass ein Gesamtkonzept für die Lehrerausbildung vom Studium bis zum Ende des Referendariats vorgelegt werden muss, damit Änderungen wie die der APO II nachvollzogen werden können.
Ferner zeigt sich in den Schulen, dass die Beratungsbesuche durch das IQSH dringend erhöht werden müssen,
Dieser Schritt ist richtig, darf aber nicht über eine Reduzierung des Ausbildungsbudgets in den Schulen erwirtschaftet werden. Die Ausbildung wurde vom IQSH auf die Schulen übertragen. Vor allem die Ausbildungslehrkräfte tragen seit dem die wesentliche Verantwortung für die Ausbildung der Lehramtsanwärter. Ihnen auch nur eine Ausgleichsstunde vorzuenthalten wird als Missachtung ihrer Arbeit bewertet.
Durch die Erhöhung der Beratungsbesuche verringert sich nicht der Zeitaufwand der Ausbildung in der Schule; im Gegenteil, er erhöht sich durch Teilnahme an diesen Gesprächen, damit abgestimmtes Zusammenarbeiten ermöglicht wird.
Auch in der Begründung zu den Änderungen wird das Qualifizierungsdreieck Studienleiter/in, Ausbildungslehrkraft und Lehrkraft im Vorbereitungsdienst gewollt (?lebendiger Austausch?), d.h. ein Nebeneinander wird nicht gewünscht.
Im Zusammenhang mit der Verkürzung auf 18 Monate wird aus diesem vernünftigen Schritt eine unverhältnismäßig hohe Belastung für die LiV.
Der VBE fordert schon jetzt, eine geplante Reduzierung des Zeitbudgets für Ausbildung zu unterlassen.
Die neue Fassung sieht vor, regionale Ausbildungsgruppen zu bilden. Die Regionen sind:
-	Nord (Schleswig-Flensburg, Flensburg, Nordfriesland)
-	Mitte (Kiel, Neumünster, Rendsburg-Eckernförde und Plön)
-	Südost (Segeberg, Ostholstein, Lübeck, Stormarn und Herzogtum Lauenburg)
-	Südwest (Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg).
Innerhalb dieser Regionalgruppen sollen feste Ausbildungsgruppen gebildet werden.
Dieses Vorgehen hat im Vergleich zu den aktuell landesweit stattfindenden Modulen große Vorteile. Die Fahrtkosten und die Fahrzeiten werden für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst deutlich verringert. Ein weiterer, großer Vorteil ist die Tatsache, dass es innerhalb der festen Regionalgruppen einfacher ist, Bindungen aufzubauen und gegenseitig unter den jungen Lehrkräften Unterstützungsangebote zu ermöglichen. Die Tatsache, dass eine Gruppe an sich bestehen bleibt und es lediglich durch neu beginnende, bzw. durch bestandene Prüfung ausscheidende Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zu einer Fluktuation kommt.
Nun gilt es, den regionalen Gruppen feste Studienleiter zuzuordnen, damit weitere positive Auswirkungen der Regionalisierung stattfinden können und es nicht mehr zu ungünstigen Konstellationen kommen kann ( 3 Semester Module, 3 unterschiedliche Studienleiter, zur Prüfung dann ein komplett neuer und somit auch fremder Studienleiter). Ebenso kann die feste Zuordnung der Studienleiter zu Regionalgruppen ermöglichen, gezielter auf die Bedürfnisse der einzelnen Lerngruppen einzugehen, da jetzt, im Gegensatz zum Ausbildungsverfahren mit Modulen, die Lernvoraussetzungen bekannt sind.
Der Bedarf an zusätzlichen Studienleiter/innen darf nicht zulasten der Unterrichtsversorgung gehen.
Zu den Veränderung im Einzelnen:
§ 5 Die Verkürzung der Dauer des Vorbereitungsdienstes ist zurückzunehmen. Sie führt zu einer unerträglichen Verdichtung der Ausbildung; ein Qualifizierungsgewinn ist mehr als fraglich. Die hohe Menge an Prüfungen (etwa 500 Prüfungen an 40 Tagen) beansprucht das gesamte letzte Halbjahr, so dass dann nur ein Jahr zur Verfügung steht.
Unter diesen Bedingungen ist keinem jungen Menschen die zweite Phase der Lehrerausbildung zuzumuten.
Die Einrichtung fester Ausbildungsgruppen im Rahmen der Regionalisierung wird begrüßt.
Eine Erhöhung der Anzahl der Beratungen wird begrüßt. Gleichwohl ist dieser Schritt vor dem Hintergrund der Verkürzung auf 18 Monate fragwürdig.
Die Teilnahme der Ausbildungslehrkraft ist in allen Beratungsbesuchen erforderlich.
Eine gleichzeitige Verringerung des Zeitbudgets für Ausbildung darf deshalb nicht erfolgen.
§ 12 Reflexion der Hausarbeit im Portfolio kann akzeptiert werden.
§ 13 (4) in Verbindung mit § 18: Da ein ?mangelhaft? in der Hausarbeit nun eine Prüfung ausschließt, ist es erforderlich, dass wieder ein Zweitkorrektor die Hausarbeit mit bewertet.
§ 15 alt in Verbindung mit § 20 (4) neu: Schulrecht
Dass der schriftliche Schulrechtstest wegfallen soll und Teil der mündlichen Prüfung wird, begrenzt den Umfang des abgeprüften Rechtswissens und verdichtet die Prüfungsinhalte am Prüfungstag.
§ 22 kein Prüfungsteil mangelhaft:
Ausrutscher sind nicht mehr erlaubt; die Prüflinge brauchen starke Nerven nach einem zermürbenden Referendariat (s.o.)

References: § 5

§ 12

§ 13
 § 18

§ 15
 § 20

§ 22