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Timestamp: 2017-10-21 17:24:30+00:00

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Wing Tsun - Selbstverteidigung auf DRAGOS WING TSUN . com - WT-Infos
INFOS ZUM WING TSUN PORTAL
Inhalt und Ziele des Portals
Inhalt und Ziele des Wing Tsun Portals
Inhalte und Ziele des Wing Tsun Portals
Auf den folgenden Seiten erwartet Sie eine Fülle von Eindrücken und Informationen. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Wing Tsun und schöpfen Sie aus dem Vollen! Unser Portal dient hierbei folgendem Zweck:
Treffpunkt für Wing Tsun Beginner und WT-Profis
DRAGOSWINGTSUN.com versteht sich als Portal und Anlaufstelle für alle Freunde des WingTsun (WingChun,VingChun,VingTsun etc). Es richtet sich gleichsam an Beginner und erfahrene WT-Techniker/-Lehrer. Während wir Beginnern den Einstieg in die faszinierende Welt der Kampfkunst erleichtern möchten, soll der bereits erfahrene Kampfkunstfreund die Möglichkeit erhalten, seine Ausbildung durch Aneignung ihm fehlender Inhalte zu vervollständigen.
DRAGOS WING TSUN-eLearning (distance learning)
Während den letzten 10 Jahren widmete sich Dai-Sifu Martin Dragos der Verfeinerung seines Systems und dem Ausbau der WT-Masters-Academy (Intensivausbildungen). Dieses Angebot wurde nun ergänzt um das eLearning (Online-Fernkurs) der DRAGOS WING TSUN ONLINE ACADEMY. So kann der Lernende die Inhalte seiner Ausbildung im Vorfeld, sowie lernbegleitend sichten. Durch Updates bleibt er stets über neueste Entwicklungen informiert.
Vergleich der Systeme - WT vs DWT
Das Bessere ist des Guten Feind, so sagt man. Dennoch wollen wir die Ursprünge und den Ausgangspunkt unserer Entwicklungen nicht verleugnen. So kann der geneigte Besucher in der Rubrik Open Source Gallery Anregungen aus dem Bereich des klassischen WingTsun erhalten und an Hand der DWT-Online-Academy-Kostproben auch Inhalte des komplexeren DRAGOS WING TSUN® einsehen.
Wing Tsun-Seminare
Wählen Sie selbst die für Sie richtige Ausbildungsvariante: Bootcamp, Intensiv-Woche, WE-Seminare, Einzelunterricht - oder buchen Sie uns für ein internes Gastseminare vor Ort in Ihrer Schule.
Tutorielles Lernen durch Kooperationspartner
Um wirklich Fortschritte zu machen, müssen Theorie und Praxis verschmelzen. Verfallen Sie nicht in die Sammlermentalität vieler WT-Treibender - es bringt nichts. Nur durch praktisches Erfahren gelangen wir zu umfassenden Einsichten. Gerade weil Wing Tsun zu den komplexeren Kampfkünsten zählt, lassen sich, im Alleingang bestritten, entsprechend viele Fehler machen. Wer jedoch das Rad neu erfindet, verliert wertvolle Lebenszeit. Zeit, die er nutzen könnte, um auf einem bestehenden Fundament aufzubauen. Indem wir uns einem Lehrer anvertrauen setzen wir uns auf die Überholspur, denn nichts beflügelt den eigenen Fortschritt mehr, als das praktische angewandte Beispiel des Lehrers. Unsere Partner (Tutoren) ermöglichen Ihnen die Teilnahme an einem Trainingsangebot in Nähe Ihres Wohnortes.
DRAGOS WING TSUN LEAGUE
Was ist DRAGOS WING TSUN LEAGUE?
Bündnis von Kampfkunst-Enthusiasten
Willkommen bei DRAGOS WING TSUN LEAGUE!
DRAGOS WING TSUN LEAGUE (engl. "league"; Liga, Klasse) ist ein Bündnis enthusiastischer Wing Tsun-Lehrer, welche das Ziel verfolgen, die gemeinsame Kampfkunst DRAGOS WING TSUN (DWT) in kooperativer Weise zu verbreiten. Neben der Begeisterung zum DWT eint sie auch ein Wertesystem von Tugenden, welches der Entwicklung des Charakters, bzw. der Erhebung und Kultivierung des Menschen zu höheren Ebenen verfolgt. Der Mensch wird so zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft und ergründet sein wahres Selbst.
Jeder unserer Partner begreift sich als Teamspieler und nimmt seine Aufgabe als verantwortungsvoller Lehrer ernst. Herzloses, egoistisches Handeln und Falschheit lehnen wir ab. Gewaltbereite und aggressive Zeitgenossen haben bei uns nichts zu suchen! Wir begreifen das Leben als ständigen Fluss neuer Erfahrungen und persönlichen Wachstums. Die Bereitschaft, ständig an sich zu Arbeiten und neues Wissen aufzunehmen, führt schließlich zu innerem Wachstum und Zufriedenheit. Wir wollen jene, welche verlernt haben, ihr menschliches Potenzial zu kultivieren und zu entfalten, anleiten, ebenfalls das Beste aus sich zu machen. Mit eigenem Beispiel voran gehend wollen wir Menschen zu einer positiven Lebensweise verhelfen. Wenn es gelingt, auf den folgenden Seiten dieser Webpräsenz das Feuer der Wing Tsun-Begeisterung auch in Ihnen zu entfachen, ist ein guter Anfang getan - die Reise kann beginnen.
Es geht los - Sie erleben die Entstehung eines neuen Wing Tsun-Netzwerkes (Startschuss Oktober 2016)
Die meisten WT-Organisationen sind Gewinn- und Wachstumsorientiert. Ellbogenmentalität, Missbrauch von Machtstrukturen, Territorialkonflikte und Anfeindungen gegenüber Marktteilnehmern und anderen Kampfkünsten sind DER Standard in WT-Kreisen. Diese Negativ-Entwicklung ist meist das Resultat von Nachahmung entsprechender Vorbilder (Gurus). Oft sind es gerade die größten WT-Verbände, die wie Strukturvertriebe arbeiten und schnelles Wachstum um jeden Preis praktizieren. Ihre Vielzahl an Filialen besteht zu einem Großteil aus schnell angelernten Kräften("Wenigwissern"). DRAGOS WING TSUN LEAGUE distanziert sich von dieser Art der Organisationskultur!
Das im Folgenden entstehende Netzwerk (Bündnis) stellt qualitative und ethische Überlegungen an den Ausgangspunkt jeder Zusammenarbeit. Die Qualifikation zum DWT-League-Partner erreicht man nicht in Schnellkursen über Nacht oder mittels unseriöser Online-Prüfungen, in welchem der Lehrer den Schüler nie anfasst. Was zählt, sind tatsächliche Fähigkeiten. Nur Personen, welche sich durch respektvolles und menschliches Verhalten hervorheben, werden in den Kreis der Tutoren aufgenommen. Wir umgeben uns lieber mit einem familiären Kreis leidenschaftlicher und engagierter Enthusiasten, als mit einer Armee von Ellbogenmenschen.
Das Wing Tsun-Ausbildungskonzept
DRAGOS WING TSUN LEAGUE-Ausbildungskonzept
In 5 Schritten zum WingTsun-Erfolg
Viele Wege führen nach Rom, so sagt man. Und tatsächlich, Sie können frei wählen, wie sie die Inhalte dieses WT-Portals und das Trainingsangebot erschließen und festigen wollen. Wir wollen aber jene, welche unserem Urteil vertrauen, an die Hand nehmen und ihnen den unserer Ansicht nach besten Weg aufzeigen.
Das DRAGOS WING TSUN LEAGUE-Ausbildungskonzept basiert auf dem Zusammenspiel von Wing Tsun Online-Academy und Live-Seminaren.
Schritt 1 - Programmerwerb: Erwerben Sie eines der Programm-Module der DWT-Online-Academy. Anhand der Kostproben der Open Source Gallery (siehe Punkt DWT 3.0: Auszüge und Kostproben der DWT-Online-Academy) bekommen Sie einen Vorgeschmack dessen, was Sie in den Programm-Modulen erwartet. Sie können die Module online erwerben oder zum ermäßigten Preis auf einem unserer Seminare.
Schritt 2 - Sichtung der Programminhalte: Sehen Sie sich die Lehrvideos der Online-Academy an. So erhalten Sie neben Abläufen auch ein Verständnis der zugrundeliegenden Theorien. Skeptiker werfen manchmal ein, man könne ein Kung Fu System nicht aus Videos lernen - dazu ein klares "jain"! Richtig ist vielmehr, dass ohne Kenntnis der Konzepte und Ideen kein praktisches Umsetzen möglich ist. Die Theorie des Wing Tsun steht somit an erster Stelle - und Lehrvideos können diese zu einem großen Teil vermitteln. Eine oft übersehene Frage ist letztlich, ob es zu einem Erkenntnisprozess kommt. Bevor wir etwas anwenden, müssen wir die Idee dahinter verstehen und deren praktische Anwendung sehen. Das Verstehen der Idee ist der Schlüssel zur Selbstkorrektur. Wir gelangen von der Ebene der reinen Imitation zur höheren Ebenen des selbständigen Handelns. Es ist das Verstehen der Dinge, welches uns befähigt, eigene Fehler zu korrigieren und während des Lernens auf Kurs zu bleiben, selbst wenn wir nicht ständig einen Lehrer an unserer Seite haben.
Schritt 3 - Nehmen Sie parallel zur Online-Schulung an Seminaren teil!: Egal, ob Sie direkt bei Cheftrainer Dai-Sifu Martin Dragos oder bei einem der angeschlossenen WT-Tutoren (z.B. Teilnahme an Abendklassen oder Privatunterricht) lernen, hier erhalten Sie Korrekturen und den nötigen Feinschliff. Die Online-Academy umfasst zwar den Kern der Ausbildungsinhalte (Corevideos), jedoch gibt es noch weit mehr zu lernen als wir in Videos vermitteln könnten.
Schritt 4 - Prüfungen (optional): Im weiteren Verlauf können Sie optional auch Prüfungen ablegen. Bei DRAGOS WING TSUN LEAGE ist das Prüfungswesen wie folgt geregelt: die Prüfung der Grundlagen- bzw. Basic-Stufen (entsprechen den Schülergraden) obliegt dem Tutor, Prüfungen der Techniker-Stufen werden ausschließlich von Cheftrainer Dai-Sifu Martin Dragos vorgenommen. Die Kooperation zwischen Dai-Sifu Martin Dragos und den Partner-Tutoren beinhaltet zudem, dass Sie spätestens ab Techniker-Stufe an der Intensivausbildung (WT-Masters-Academy bzw. Master-Class) des Cheftrainers teilnehmen. Dadurch werden einheitliche Standards und die Qualität der Ausbildung zusätzlich gesichert.
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns von so genannten Online-Prüfungen aufgrund der Unseriösität distanzieren. Sie wollen, dass man Sie in der realen Welt respektiert - und genau dies wollen auch wir. Aus diesem Grund honorieren wir nur echte Leistungen.
Schritt 5 - Werden Sie Partner! (optional): Für jene, welche sich durch eine Prüfung beim Cheftrainer qualifiziert haben, eröffnet sich die Möglichkeit, eine Partnerschaft als Tutor einzugehen. Sie können so Ihr Hobby haupt- oder nebenberuflich zum Beruf machen. Neben Image und einer bekannten Marke profitieren Sie neben der Vermittlung von Interessenten auch von umfassenden Hilfestellungen und Know-How für die Verwirklichung Ihres Wing Tsun(Schul-)Projekts.
Keimsysteme des WingTsun
Die Keimsysteme des WingTsun
Historische Quellen der Entstehung
WingTsun (mandarin-chinesisch “Yong Chun”, kant. “Wing Chun” ‚Ewiger Frühling‘, eine dem Buddhismus entlehnte Metapher für “ewiges Leben” ) ist eine südchinesische Kampfkunst, deren Ursprünge bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen. Im Englischen wird vor allem die Schreibweise Wing Chun verwendetet. Um sich aus markenrechtlichen Gründen von anderen Schulen und Organisationen abzugrenzen sind heute zahlreiche Schreibweisen in Gebrauch, z.B. Dragos WingTsun, Avci WingTsun, Wing Chung, Wing Shun, WingTsung, Wing Tsjun, Wing Tsiun, Wyng Tjun, Ving Tsun, Wing Tzun, , Wing Tjuen, Ving Chun, aber auch gänzlich andere Namen, wie z.B. Senmotic.
Die legendären Ursprünge ihrer Entstehung gehen hauptsächlich von der buddhistischen Meisterin Ng Mui hervor. Nüchtern betrachtet kann jedoch festgestellt werden, dass aller Wahrscheinlichkeit 3 Ursprungsstile bei der Entstehung des WingTsun Einfluss nahmen:
Das “Tai Chi”, welches durch den Taoismus geprägt ist; hier finden wir Aspekte des Nachgebens und des Borgens gegnerischer Kraft, sowie die Verwendung des Gefühls- und Tastsinns, welches durch ein spezielles Gefühlstraining entwickelt wird
Ling-Lom
Das “Ling-Lom” (“Luft-Affe-Stil”), welches als Vorläufer des modernen Thai-Boxens gilt; der raffinierte Einsatz von Knie- und Ellbogentechnik, Simultantechniken für Angriff und Verteidigung, die dem Training an der WingTsun-Holzpuppe ähneln, sowie dem Einsatz “relativer Kraft”, einer Methode, welche dazu dient, Nachteile gegenüber einem schnelleren oder stärkeren Gegner auszugleichen, indem man den Bewegungen des Gegners jeweils die eigenen Bewegungen so hinzufügt, dass dieser unweigerlich für unsere Sicherheit sorgt.
“Hung-Gar-Kuen”, einem Kung-Fu-Stil, welcher Tierimitationen beinhaltet und aus welchem auch die Waffen des WingTsun hervorgingen, bevor dessen Prinzipien modifiziert wurden. In der “BiuTze” (“Stechenden-Finger-Form” des WingTsun) sehen wir beispielsweise sehr schön die Imitation der Schlangen-Bewegung mit ihren eleganten, wellenartig-schnappenden Charakterzügen, während Bewegungen mit ausgestreckten Armen tendenziell dem “Kranich-Stil” des Hung-Gar zuzuordnen sind usw.
Einteilung der Kampfkünste
Wo liegt der Fokus im Wing Tsun?
Ob sich die Ursprünge aller Kampfkünste auf die rein pragmatische Dimension des Selbstschutzes und der Verteidigung zurückführen lassen, bleibt ein ungeklärtes Rätsel. Vieles spricht dafür, dass dem nicht so ist. Zwar lassen sich die Kampfkünste grob in 5 Gruppen hinsichtlich ihrer verfolgten Zielsetzungen einteilen. Doch bei näherer Betrachtung sind die Übergänge fließend. Eine Gewichtung liegt daher im Blickwinkel des Betrachters.
Nachfolgend eine mögliche Einteilung:
Entwicklung der Physis
Systeme, welche auf körperliche Fitness und Kraft setzen, kennzeichnen sich über die Entwicklung von Willensstärke und Kraft. Sie sind letztlich auf den buddhistischen Einfluss zurück zu führen. Beispielsweise sind das Tea-Kwon-Do oder das moderne Karate direkte Nachfahren der harten chinesischen Kung Fu-Stile.
Gesundheitlich orientierte Stile
Ohne Gesundheit geht es nicht. Man muss kein Arzt sein, um dies zu verstehen. So ist die Entwicklung und Stärkung innerer, wie äußerer Aspekte der Gesundheit nicht nur der Schlüssel für ein langes Leben, sondern Grundvoraussetzung für nachfolgendes Kung Fu-Training. Zu den bekanntesten gesundheitlich orientierten Systemen gehört z.B. das “Tai Chi”, welches durch seinen meditativen Charakter und fließenden Bewegungen bekannt ist. Das so genannte “Kampf-Tai-Chi” zählt, aufgrund Verbot und Verfolgung der Meister während der chin. Kulturrevolution, heute zu den nahezu vergessenen Künsten.
Akrobatik, Ästhetik und Dramaturgie als Selbstzweck
Salopp als Opernsysteme bezeichnen wir heute jene Stile, welche sich für theatralische und spektakuläre Darbietungen eigenen. Sie wurden ursprünglich innerhalb der chinesischen Peking-Oper zur Inszenierung eindrucksvoller Kampfszenen eingesetzt. Zu den bekanntesten heutigen Schauspielern, welche die harte Ausbildung der Peking-Oper absolvierten und ihr akrobatisches Geschick in die Filmwelt einbrachten zählen Filmgrößen wie z.B. “Jackie Chan”, “Samo Hung” oder “Jet Li”.
Die Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit ist die Domäne der Kampfsysteme. Gerade Wing Tsun gilt heute als effektives System zur Selbstverteidigung, das gern von Spezialeinheiten der Polizei und des Militärs eingesetzt wird.
Kunst kommt von Können. Nach Jahrzehnten des Trainings stellt sich bei Talent und Fleiß schließlich ein hoher Grad des Könnens ein - hier beginnt Kampfkunst. Wen die Faszination des Kennenlernens der eigenen geistig-körperlichen Möglichkeiten einmal ergriffen hat, der kommt davon nicht mehr los. Dies ist ganz und gar positiv gemeint. Die Beschäftigung mit Kampfkunst ist eine nicht endende Reise zu sich selbst - ein Schachspiel für Körper, Geist und Seele. Selbstredend kann ein Kampfkünstler sich auch verteidigen, denn diese Ebene hat er gewissermaßen schon überwunden.
Die Geschichte des Wing Tsun von den Entstehungslegenden bis zur Neuzeit
Über die Entstehung des WingTsun gibt es zahlreiche Mythen und nur wenige überprüfbare Tatsachen. Die Anfänge seiner Wurzeln sollen bis ins Shaolin-Koster zurückgehen. Der Legende nach versuchte die buddhistische Nonne “Ng Mui” (chin. Wu Mei) eine Kampfkunst für körperlich Benachteiligte zu schaffen, welche sich die Eigenarten des harten Shaolin-KungFu zu Nutze machen sollte. Dieses Wissen gab sie an ein Mädchen namens “Yim WingTsun” weiter, welche sich dadurch erfolgreich gegen einen ansässigen Banditen, der sie bedrängte, zur Wehr setzen konnte. Andere Quellen erwähnen, dass sich einst eine kleine Gruppe fähiger Kämpfer traf, um in Tai Tak Lan in der “Halle des ewigen Frühlings” ihr Wissen gegenseitig auszutauschen um sich gegenseitig zu inspirieren.
Unabhängig der unterschiedlichen Entstehungslegenden, scheint jedoch Konsens darauf zu bestehen, dass sich alle WingTsun-Stile auf eine Operntruppe namens “Rote Dschunke” beziehen. Eine der historisch nachweisbaren Personen, die von Schauspielern der Roten Dschunke lernten und im späteren Verlauf maßgeblich an der Entwicklung des WingTsun beteiligt waren, war der Kräuterarzt “Leung Jan”. Die frühesten schriftlichen Aufzeichnungen verweisen auf das Jahr 1854 und werden vom “Foshan Museum” belegt.
Das WingTsun, welches wir in seiner heute bekanntesten Form kennen, geht vor allem aus den Überlieferungen von Yuen Kay Shan und Yip Man zurück. Wobei die Yuen Kay Shan-Linie stärker den taoistisch-nachgiebigen Verhaltensweisen zuzuordnen ist, während die Yip Man-Linie versucht, eigene Kraft und Chancen durch günstige Winkel, Positionen und Hebelmechanismen zu steigern.
Die 5 “Älteren”
Nach mündlichen Überlieferungen war das südliche Shaolin-Kloster während der Mandschu-Herrschaft (1644-1911) dem damaligen Kaiser Kangzi ein Dorn im Auge, da vermutet wurde, dass es Mitgliedern von Geheimbünden Unterschlupf bot.
In Folge wurde das südliche Shaolin-Kloster durch Brand zerstört. Das nördliche Shaolin-Kloster indes blieb verschont und existiert noch heute. Zu den fünf wichtigsten Meistern, die dem Zugriff entfliehen konnten gehören: die buddhistische Meisterin Ng Mui, der Kloster-Abt Chi Shim, Pak Mei, Fung To Tak und Miu Hin – sie wurden fortan die “5 Älteren” genannt. Um den Mandschus zu entkommen, nahmen sie eine Tarnidentität an und trennten sich teilweise. Beispielweise nahm Abt Chi Shim eine Identität als Koch auf der “Roten Dschunke” an. Dies war ein Transportschiff für Operntruppen, welches üblicherweise rot gestrichen war. Ng Mui ließ sich am Tai-Leung-Berg im “Tempel des weißen Kranichs” nieder.
Auf einem Marktplatz eines nahe gelegene Dorfes machte Nonne Ng Mui mit Yim WingTsun und ihrem Vater Yim Yee Bekanntschaft, welche dort Tofu verkauften. Ein im Ort bekannter Schläger namens Wong hielt um die Hand der heranwachsenden Tochter an und bedrängte sie fortwährend. Als sich die Situation zuspitzte, entschloss sich Ng Mui, dem Mädchen zu helfen. Sie nahm WingTsun zu sich in den Weißen-Kranich-Tempel und bildete sie innerhalb von 3 Jahren zur Meisterin aus. Zurückkehrend in ihr Dorf konnte sie den wiederum aufdringlich werdenden Schwerenöter Wong schließlich in einem Kampf bezwingen, wodurch sie fortan in Ruhe gelassen wurde. Ng Mui benannte den Namen der Kunst nach ihrer Schülerin: WingTsun. Seither wurde die Kampfkunst von Generation zu Generation innerhalb der Familien und Clans im Verborgenen weitergegeben, weshalb man sie lange Zeit als geheimes System betrachten konnte.
Die Entstehung der Geheimbünde
Während der Mandschu-Zeit (1644 – 1911) wurden die Chinesen auf einschneidende Weise unterdrückt. Man zwang sie, ihr gesamtes Kulturerbe zu vergessen. Vielen Riten, Sitten, Bräuchen und Gepflogenheiten durfte fortan nicht mehr nachgegangen werden. Männer mussten als Zeichen der Unterwerfung ihren Kopf scheren und einen Zopf tragen. Da all diese Regelungen einen gravierenden Einschnitt in die Lebensgewohnheiten der Chinesen darstellten, organisierte man sich untergründig in sogenannten Geheimbünden bzw. Geheimgesellschaften. Dort wurde das Kulturerbe weiterhin gepflegt und der Widerstand organisiert. Man schätzt, dass es zur damaligen Zeit rund 3600 verschiedene Geheimgesellschaften gab. Zu den bekanntesten dieser „Hung Moon“ gehörten der weiße Lotus, die Tongs, die Triaden, die Boxer und die chinesische Mafia. Wer nachweislich Mitglied einer Geheimgesellschaft war, wurde mit dem Tode bestraft. Jede Hung Moon wurden von einem Geheim-Logen (Druiden) und einem Sifu (Kung-Fu Lehrer) geführt, wobei letzterer für die Kampfausbildung der Patrioten verantwortlich war.
Ng Mui gilt als Ahnherrin des WingTsun. Im Laufe ihres Lebens zog sie im Lande umher, gründete mehrere Geheimbünde und bildete in ihrer Funktion als Sifu Patrioten in der Kampfkunst aus. Der Gesamtstil des WingChun ist das kollektive Produkt Generationen von Kampfkunstlehrern und Meistern.
Neuere Geschichte – Yip Mans Einfluss auf das heutige WingTsun
Die meisten Varianten des WingTsun, die wir heute vorfinden, gehen auf Yip Man (1893–1972) zurück. Auf der Flucht vor den japanischen Besatzern floh er 1949 von China nach Hongkong. Zu seinen wohl bekanntesten Schülern gehörte der Schauspieler Bruce Lee.
Yip Man lernte die Kampfkunst als kleiner Junge von seinem Lehrer Chan Wah Shun. Später übernahmen Chan Wah Shuns Schüler Ng Chung So und angeblich ein Sohn von Chans Lehrer namens Leung Bik die Ausbildung. Die Existenz Leung Biks gilt heute als umstritten. Es wird vermutet, dass Yip Man diese erfand und als Vorwand und Legitimation heranzog, um Teile des Systems zu verändern oder anderweitige Einflüsse in das System aufzunehmen, was zum damaligen Zeitpunkt ein “Abweichen von der Linie” darstellte.
Die philosophische Grundlagen des Wing Tsun
Philosphische Quellen des Wing Tsun
Die Entstehung des WingTsun wurde durch verschiedene philosophische Strömungen beeinflusst. Manche davon widersprechen sich gar teilweise. Für die pragmatisch veranlagten Chinesen war dies jedoch durchaus vereinbar.
Schon zu Beginn seiner Ausbildung reift im Schüler die Erkenntnis, dass es ohne das eigene Bemühen keinen Fortschritt gibt. Der Schüler, nicht der Lehrer muss geduldig mit dem Partner oder allein vor dem Spiegel immer wieder an sich arbeiten. Mancher kämpft gar Jahre mit seinen Unzulänglichkeiten. Nur durch beständiges und unermüdliches Üben kann er die WingTsun-typischen filigranen Bewegungen erlernen und sich Gleichgewicht, Standfestigkeit, Koordination, Entspannung, richtiges Atmen und auch das richtige Sehen aneignen. Die Philosophie die dahinter steht, möchte uns zur Selbständigkeit, Konzentration, Willensstärke und richtigem Bemühen, aber auch zur Entschlossenheit z.B. in einer Verteidigungssituation erziehen. Willensstärke ist das Ziel.
Der Taoismus ist eine Naturphilosophie und lehrt uns, Kraft nicht mit Gegenkraft zu begegnen, sondern sie für sich nutzbar zu machen. Weichheit und Nachgiebigkeit besiegen hierbei rohe Kraft. Starrheit und feste Pläne führen nicht zum Ziel und behindern uns. Im Training erfahren wir am eigenen Leibe die Harmonie zwischen Gegensätzen, welche sich einstellt, wenn wir die WingTsun-Prinzipien umsetzen: extrem weiche absorbierende Abwehrbewegungen und federartige, aber hart geführte Gegenangriffe mit geborgter Kraft. Zu jedem Augenblick und völlig unabhängig voneinander müssen unsere Gliedmaßen die Dynamik von wechselweiser Anspannung und Entspannung beherrschen. Die taoistischen Prinzipien lassen sich auch in alltägliche Situationen erfolgreich übertragen.
Der Konfuzianismus beinhaltet das gegenseitige Treue- und Respektsverhältnis zwischen Lehrer und Schüler oder zwischen Älterem und Jüngerem. Der Schüler soll den Lehrer achten und auf dessen Ratschläge hören. Der Lehrer wiederum muss sich dieser Anerkennung als würdig erweisen und sich dem Jüngeren annehmen, sowie ihm die für seine Entwicklung notwendige Hilfe und Rat zukommen lassen. Das eigene Beispiel des Lehrers soll den Schüler leiten. Gutes Benehmen und die Einhaltung der Etikette (z.B. Verbeugungen bei Begrüßung oder nach Belehrungen) gehören zum guten Ton. Ein Schüler der sich über diese elementaren Regeln des gegenseitigen Respekts hinwegsetzt, kann von seinem Lehrer langfristig nicht akzeptiert werden und muss die Schule verlassen.
WingTsun-Stilrichtungen
Bekannte Wing Tsun Stilrichtungen
Zu den bekanntesten klassischen Wing Tsun-Stilrichtungen gehören:
• Yip Man Stil
• Yuen Kay Shan Stil
• Yiu Choi Stil
• Pan Nam Stil
weniger bekannt dagegen:
• Pao Fa Lien Stil
• Yuen Chai Wan Stil
• Yip Kin Stil
Es gibt zudem verschiedene Unter- und Hybridstile, welche Einflüsse anderer Kampfkünste mit ins System nahmen.
DRAGOS WING TSUN ist ein evolutionärer Ansatz, welcher in Vergessenheit geratene Aspekte des Wing Tsun wieder vereint.
Es verbindet altbewährtes Wissen mit neuen Ansätzen, um die "Missing Links" und Schwachstellen des Systems zu kompensieren.
Die Wing Tsun-Handlungsdimensionen
So funktioniert WingTsun
Im Folgenden soll die Arbeitsweise des WingTsun anhand fünf verschiedener Ebenen bzw. Handlungsdimensionen erläutert werden:
1. Die strategische Dimension
"Treffen und nicht getroffen werden – des WT höchstes Glück auf Erden". Dieser Spruch sagt im Wesentlichen, worum es bei der strategischen Dimension des WT geht: im WT verhalten wir uns idealer Weise so, dass die Waffen des Gegners nicht zum Einsatz kommen oder uns nicht erreichen, während wir die unsrigen einzusetzen versuchen, um ihn auszuschalten. Diesem Leitgedanken untergeordnet sind taktische Maßnahmen, die sich auf die Einteilung der in einem Kampf entstehenden Szenarien in angreifende oder flüchtende Verhaltensweisen beziehen.
Auch in der Natur z.B. im Tierreich, lassen sich Konfliktsituationen letztlich grob auf die beiden Verhaltensweisen Angriff oder Flucht zurückführen. Während im WingTsun angreifende Maßnahmen zuvorkommenden und präventiven Charakter haben (im Sinne eines im Ansatz an der Entfaltung hindernd), sind verteidigende Maßnahmen stets mit einem ausweichenden oder entgehenden Verhalten verbunden, um einer Kollision zu entgehen.
Ein Verhalten, welches eine Abweichung von diesen beiden "idealen" Verhaltensweisen darstellt, wird im WingTsun als "Notlösung" kategorisiert. Beispiele hierfür wären z.B. das Verlieren des Gleichgewichts, einbrechende Positionen, Situationen, in denen wir isoliert oder gefesselt werden, verpasstes Timing, unausweichliche Kollisionen, Simultanangriff durch mehrere Angreifer etc. Für die Lösung dieser Notfälle müssen wir oft von den idealen Arbeitsweisen abweichen (z.B. Verzicht auf Gleichzeitigkeit von Angriff und Verteidigung zugunsten eines Deckungsschutzes bei unausweichlicher Kollision), um die Situation überhaupt noch in den Griff zu bekommen und das Blatt zu wenden. Vor allem die "BiuTze-Form" beinhaltet viele Bewegungsmuster, welche Notlösungen zum Inhalt haben.
2. Die energetische Dimension
Im WingTsun wird der Umgang mit Kräften wie folgt eingeteilt:
• Maßnahmen, welche helfen, eigene Kraftpotenziale voll auszuschöpfen, zu entfalten und zu übertragen: hierzu zählt beispielsweise die Kenntnis über körpermechanische Zusammenhänge, die notwendige Muskelinnervierungsfolge für ab-und aufwärts gerichtete Bewegungen, sowie horizontal ausgeführte Bewegungsmuster, der Einsatz des eigenen Körpergewichts, das Prinzip des Erzeugens von Kraft durch aufrichtende (sich vom Boden stemmende) Bewegungen, Isometrik zur Vordehnung von Muskeln u.v.a.m.
• Maßnahmen, welche dazu beitragen, Kräfte des Gegners für uns nutzbar zu machen: hierzu zählen das Ausnutzen der Angriffswucht eines sich nähernden Gegners zur Verstärkung der eigenen Schlag-und Trittkraft, das Verwenden gegnerischer Bewegungen in der Art, dass wir dessen Gleichgewicht rauben oder das Beschleunigen eigner Bewegungen mit Hilfe des Gegners.
• Maßnahmen, welche notwendig sind, um Aktionen des Gegners zu entschärfen, unwirksam zu machen oder sie zu neutralisieren: einen sich in tiefer Körperhaltung nähernden Gegner müssen wir beispielsweise durch eine ähnlich tiefe Haltung spiegeln, um die selben Kraftpotenziale aufbringen zu können. Insbesondere der Grundsatz "Gleiches mit Gleichem" tritt hierbei zu Tage. Gerade bei unausweichlichen Kollisionen ist es der Implus des Angriffs, der insgesamt auf uns einwirkt und der nur durch einen ebenso großen Gegenimpuls beantwortet werden kann. Dies sehen wir beispielweise sehr schön bei den Waffenanwendungen. Führt der Gegner z.B. eine schwere Waffe mit großer Kraft, während wir nur leichte Doppelschwerter haben, müssen wir die eigene Geschwindigkeit im Moment des Aufpralls entsprechend erhöhen, um einen Ausgleich zu schaffen (Impulskompensation).
3. Die mechanische Dimension
Die mechanische Dimension des WingTsun beinhaltet das Gesetz von Ursache und Wirkung während der Kampfeshandlung. Druck- und Zugbewegungen des Gegners wirken sich direkt mechanisch auf unseren Körper und Gliedmaßen aus. Obwohl unsere Arme und Beine im WT elastischen Charakter aufweisen – vergleichbar dem gebogenen Ast eines Baumes, der, wenn man ihn spannt, Federkraft speichern und sie bei Entladung wieder zurückgeben kann – stellt die "Nachgiebigkeit" durch federartige Bewegungen auch eine mechanische "Unschärfe" dar. Zum Vergleich stelle man sich ein Präzisionsuhrwerk vor, welches gehärtete Zahnräder aus Edelstahl verwendet. Diese wiederum sind in Edelsteinen gelagert. Da die Toleranzen der verwendeten Komponenten sehr präzise gearbeitet und auf das Tausendstel genau hergestellt wurden, läuft so eine Uhr sehr genau. Und nun ersetzen wir lediglich eines der Zahnräder durch einen Werkstoff, der gummiartig-weich ist und nachgibt. Sie können davon ausgehen, dass diese Uhr dann nicht mehr so genau geht.
Ebenso ist es im WingTsun. Unser Körper hat durch seine Sehnen und Gelenke bereits ein großes Kraftabsorptionspotenzial. Wir sehen das sehr schön auch bei den so genannten "Chi-Demonstrationen", welche auf chinesischen Kindergeburtstagen zur Unterhaltung der Gäste vorgeführt werden, wie z.B. dem Zerschlagen von Backsteinen mittels Hammer auf einem Kopf. Die Wirbelsäule des Menschen federt hier die Wirkung des Schlages derart ab, dass dem mutigen Assistenten letztlich nichts passiert. Generell gilt, je präziser es uns gelingt, die gegnerischen Handlungen in direkte Mechanik umzuwandeln, desto schneller können wir diese für uns nutzbar machen.
Das Märchen von der grenzenlosen "Weichheit"
Leider vertrauen viele WingTsun Schüler blind ihren Lehrern, statt sich durch eigene praktische Übungen ein Bild davon zu machen, was wirklich machbar ist und was nicht. Lehrer, welche völlige Kraftlosigkeit und grenzenlose "Weichheit" predigen, versuchen lediglich eigene Unzulänglichkeiten, bzw. körperliche Schwächen zu rechtfertigen und über die Tatsache hinwegzutäuschen, dass sie selbst nicht mehr über die notwendige Mindestkraft verfügen, welche für die Ausübung von WT notwendig ist. Weichheit beinhaltet stets nachgiebiges Verhalten und hat an sich nicht mit Schwäche nichts zu tun! Weshalb sollte man sich beispielsweise schwach und kraftlos verhalten, wenn man tatsächlich stärker ist? Weshalb sollte eine starke Feder sich (freiwillig) von einer schwachen biegen lassen? Im WT kommen wir unserem Gegner entweder zuvor oder weichen ihm mittels perfektem Timing aus, so dass ein Nachgeben nicht notwendig wird. In der Praxis kommt es aber sehr oft zu unausweichlichen Kollisionen, die dazu führen, dass wir ein Werkzeug benötigen, um diese Art des "Notstandes" bewältigen zu können. Daher benötigen wir hier eine spezifische Mindestkraft.
Wir unterscheiden grundsätzlich 3 Bewältigungsansätze, mit denen wir uns bei Kollisionen schützen können. Jedes dieser Ergebnisse basiert rein auf Mechanik und nicht etwa auf einer zusätzlichen Entscheidung im Augenblick der Kollision, da wir für derartige Entscheidungen niemals die Zeit haben. Die Einzige Ausnahme hiervon ist die "Pattsituation", dh. keiner der Kämpfer verliert sein Gleichgewicht oder wird getroffen. Diese Situation entsteht so gut wie immer bei jenen Kollisionen, welche den Gegner NICHT durchringen, dh. die Kontrahenten stehen so weit voneinander entfernt, dass sich keine Möglichkeit der echten Verdrängung und Kraftverdichtung einstellen kann. Die Ergebnisse der Kollisionen, von welchen im Folgenden die Rede sein soll, spielen sich allesamt in einer Distanz ab, in der ein Gegner uns tatsächlich mit seinem Schlag an Kopf oder Körper erreicht bzw. "durchdringt".
Nach einer Kollision, welche unvermeidbar ist, kann Folgendes geschehen:
1. Wir verdrängen die Arme des Gegners erfolgreich: in diesem Fall bleiben wir geschützt und der Gegner wird getroffen. Dies kommt dem Prinzip der Gleichzeitigkeit von Angriff und Verteidigung gleich. Physikalisch gesehen können zwei Körper nicht zum selben Zeitpunkt am gleich Ort sein, so dass es für uns einfach darum geht, selbst immer auf der idealen "Angriffsbesetzungslinie" zu sein.
2. Der Angriff des Gegners ist so stark, dass dieser unseren Arm verdrängt:
Für den Fall, dass unsere Arme genügend Seitenstabilität aufweisen, führt der Versuch, sich selbst auf der idealen Angriffslinie zu bewegen dazu, dass der Gegner uns durch seinen Angriff "vor sich herschiebt" bzw. uns zur Seite verdrängt. Dies entspricht der so genannten "relativen" Arbeitsweise. Mit anderen Worten: was der Gegner vor sich herschiebt, kann er nicht erreichen. Ein wenig kommt dies dem Gleichnis nahe, bei welchem ein Mann auf einem Esel sitzt, wobei er eine Karotte an eine Schnur gebunden hat, welche er an einem Stock befestigt und dem Esel vorhält. Der Esel, der versucht, die Karotte zu fassen, setzt sich in Bewegung und kann diese im weiteren Verlauf nicht erreichen. Die Verdrängung unseres Körpers durch den Gegner führt hier in aller Regel zum Verlust unseres Gleichgewichts, jedoch auch (automatisch) zu unserer Sicherheit. Die Nachgiebigkeit erfolgt also in erster Linie durch unseren zur Seite verdrängten Körper und einer sich hieraus ergebenden und zugleich notwendigen Schrittarbeit, welche das verlorene Gleichgewicht wieder auffängt. Vorteil dieses idealen Nachgiebigkeitsverhaltens ist, dass wir Angriffsabsicht und Verteidigung im Sinne eines Überdruckventils zeitgleich ausführen können, ohne, dass eine Entscheidung für das Nachgeben gefällt werden muss. Wir denken schlicht nur an den eigentlichen Angriff, welcher auf der optimalen Linie der Verdrängung geführt wird.
In der Praxis sieht es so aus, dass wir den Impuls, welcher auf uns wirkt und zunächst zum Verlust unseres Gleichgewichts führt, bereits im nächsten Augenblick wieder durch eine Zugbewegung an den Gegner zurückgeben, was diesen entweder aus dem Gleichgewicht bringt oder uns auf ihn zurück wirft (Reborn-Power-Prinzip). So verwendet (oder wieder aufgeladen) geht buchstäblich nichts im geschlossenen Energiekreislauf zwischen Angreifer und Verteidiger verloren. Die Wucht, welche wir beim Verlust des eigenen Gleichgewichts durch den Gegner erfahren wird damit zur verstärkenden Wirkung unseres Konterschlags. Im Gegensatz dazu würde uns ein schwach (oftmals fälschlich als "weich" bezeichneter") geführter eigener Angriff gefährden, da wir den Gegner weder mit starker Wirkung treffen könnten, noch die Vorteile einer mechanischen Rückwirkung nach Kollisionsfall zu nutzen im Stande wären.
3. Unsere Gliedmaßen brechen ein:
Dieses auch als "Poon-Sao" bzw. "Faltenden Arme" bezeichnete Phänomen tritt ein, wenn unsere eigenen Arme nicht die notwendige Seitenstabilität aufweisen. Bei ähnlichen oder gar gleichen Voraussetzungen hinsichtlich Kraft und Reichweite beider Gegner ist es vor allem das unterschiedliche Timing, welches dazu führt, dass der Arm des Kontrahenten uns früher erreicht, als wir dies einkalkuliert haben. Der "gestrecktere" Arm des Gegners kann aufgrund seiner Muskelüberlappung mehr Kraft erzeugen (zum Vergleich: beispielsweise können Sie eine schwere Hantel mit gestreckten Armen leichter nach oben drücken oder halten, als das gleiche Gewicht mit gewinkelten Armen) oder hat eine günstige Ausgangsposition. Dies ist z.B. der Fall, wenn der Gegner von innen schlägt, so dass dieser sich vom Boden wegdrücken und somit mehr Kraft erzeugen kann. Brechen unsere Arme ein, sind wir gezwungen, das nächste Gelenk schützend vor unseren Körper zu schieben. Meist ist dies der Ellbogen. Das "Falten" oder Einbrechen unserer Arme ist jedoch riskant, da wir innerhalb des schmalen Zeitfensters, da der Ellbogen die neue schützende Position noch nicht eingenommen hat, ungeschützt sind. Es mag zwar nur Bruchteile einer Sekunde dauern, die schützende Ellbogenbewegung umzusetzen, in Anbetracht eines ggf. schnell und explosiv geführten Schlages durch den Gegner ist jedoch auch diese Zeit (relativ) knapp.
Ein weiterer Nachteil, welcher sich aufgrund des Einbrechens ergibt, ist das Nichteintreten ökonomischen Handelns. Anstelle des "mit einer Bewegung beide Arme des Gegners kontrollieren" (1 gegen 2-Prinzip), tritt ein bloßes 1:1-Prinzip ein, dh. ohne ökonomischen Vorteil. Das Einbrechen der eigenen Gliedmaßen wird daher als "Notlösung" klassifiziert.
Definition der Mindestkraft
Es ist nur ein Werbegag, wenn jemand behauptet, man könne sich kraftlos wirksam und effektiv verteidigen. Falls Sie das auch glauben – wachen Sie auf! Wirklich sicher im mechanischen Sinne sind Sie erst, wenn Sie sich die für WingTsun notwendige Mindestkraft angeeignet haben. Dies definiert sich aus der Seitenstabilität für jede Bewegung, die Sie ausführen und welche Sie im Falle einer Kollision vom Gegner (durch dessen größere Kraft) verschiebt und damit in Sicherheit bringt. Sie müssen also den Schlag des Gegners niemals aufhalten, sondern sich im Falle einer unvermeidbaren Kollision genau genommen mit der Seitenstabilität der gegnerischen Gliedmaßen messen, wobei sie im Unterlegenheitsfall eine Körperverschiebung erfahren. Dieser körperliche Trainingszustand entspricht in etwa dem eines mittel trainierten Athleten und muss von einem untrainierten Menschen erst mühsam erworben werden! Dies ist ein hohes Ziel, aber für einen Menschen zumindest erreichbar, egal, ob Frau oder Mann. Nicht jeder mag sich mit diesem Gedanken anfreunden und viele sind durch die Versprechen falscher Großmeister vorbelastet bzw. leben diesbezüglich in einer Traumwelt.
Definition der Höchstkraft
Die Höchstkraft, dh. das maximale Maß an eingesetzter Kraft, welche wir während unserer Handlungen einsetzen können, ist im DRAGOS WING TSUN durch das übergeordnete Prinzip der (inneren) Balance limitiert. Dieses Phänomen wird auch als "Innere Kraft" bezeichnet. Vereinfacht gesagt geht es hierbei um den Verzicht des Beugens der Körperachse zur Nutzung von Schwerkraft (dh. kein Vor- oder Zurücklehnen). Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: stellen Sie sich auf einen rutschigen oder "wackeligen" Untergrund (liegende Flaschen, Drahtseil, auf Bällen stehend, auf Eis stehend usw.). Führen Sie nun Zug- oder Druckbewegungen an einem Partner aus. Schnell stellen Sie fest, sobald sie sich vor- oder zurücklehnen und der Gegner den Kontakt löst, verlieren Sie Ihr Gleichgewicht. Durch diese Übung wird das Prinzip sichtbar. In Konsequenz bedeutet dies, dass Sie lernen müssen, Kraft und Bewegung aus dem inneren des Körpers zu erzeugen.
4. Die Dimension der Informationsverarbeitung
Vereinfachungsmodelle der Wahrnehmung können uns im Kampf wertvolle Zeitvorteile schaffen. Gerade in der visuellen Phase des Vorkampfes und Einleitung von Verteidigungshandlungen würde die Vielzahl an möglichen Angriffsmustern unsere Wahrnehmung überfordern. Mit Hilfe der strategischen Einteilung des Körpers in drei zu schützende Ebenen (zwei Ebenen des Rumpfes und die den Beinen zugeordnete tiefe Ebene) können wir im WingTsun die Entscheidungs- und Wahrnehmungszeit halbieren. Wenn wir uns angewöhnen, 3 Ebenen grundsätzlich zu schützen, muss lediglich die Entscheidung "Innen oder Außen" durchgeführt werden, so dass wir es sozusagen "nicht weiter beachten" müssen, auf welcher Ebene ein Angriff uns erreicht.
Auch für den Notfall einer unausweichlichen Kollision spielt die Fähigkeit, gehirngerecht mit schnell eintreffenden Informationen umgehen zu können, eine besondere Rolle. Sie können es selbst überprüfen: Ein Mensch kann zum selben Zeitpunkt jeweils nur an eine Sache denken. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass wir auch im WT kein Wunder vollbringen können, welches über diese informationstechnische Hürde hinausgeht. Ein wirkliches "System" beruht daher auf der Fähigkeit, auf Entscheidungsnotwendigkeiten weitgehend zu verzichten. In keinem Moment des Kampfes haben wir weniger Zeit über Handlungen nachzudenken als in solchen Momenten, da ein gegnerischer Angriff unausweichlich ist und uns somit schon fast erreicht hat. Hier ist daher einzig die mechanische Lösung möglich und sinnvoll, da sie uns freimacht, eine Entscheidung für das Nachgeben fällen zu müssen. Angriff und Verteidigung (durch defensive Verschiebungen) finden im selben Moment und ohne weitere Entscheidungen statt.
5. Die ethische Dimension
Wer kennt nicht die Worte chinesischer Weisheitslehrer, die da sagen: vermeide lieber einen sinnlosen Kampf, als zu kämpfen, verletze lieber, als zu töten und töte nur, um nicht selbst getötet zu werden. Dies hat nichts mit Feigheit zu tun, sondern stellt zugleich auch den klügsten Weg dar, uns vor (juristischen, gesundheitlichen etc.) Folgeproblemen zu schützen. Es ist zugleich ein Zeichen der Achtung gegenüber sich selbst und anderen. Wir leben in einer Zeit, in der wir am besten fahren, wenn wir die Regeln der Gesellschaft respektieren, statt willentlich Probleme zu verursachen. Dadurch, dass ein WingTsun-Lehrer seinen Schülern gefährliche Techniken an die Hand gibt, kommt ihm auch eine besondere Verantwortung zu. Zu seinen Aufgaben gehört es daher auch, dass er seine Schüler zu einem Bewusstsein erzieht, welches das Leben unterstützt und zugleich jene ethischen Grundsätze vermittelt, die das harmonische Miteinander innerhalb der Gesellschaft fördern. Neben reinen Kampftechniken sollte das Training des Schülers daher auch Präventions- und Deeskalationstraining beinhalten, mit dessen Hilfe sich anbahnende Konflikte ggf. bereits in der Entstehungsphase entschärfen lassen. Der Lehrer selbst sollte diese Grundsätze leben und mit seinem eigenen Beispiel vorangehen.
6. Die juristische Dimension
Im Falle einer Notwehrsituation werden wir uns stets auch der juristischen Seite gegenübergestellt sehen. Im Strafgesetzbuch lesen wir hierzu folgendes:
(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden (vgl. § 227 BGB, § 32 Strafgesetzbuch, § 15 OWiG).
Eine Notwehrhandlung, die diesen gesetzlichen Kriterien entspricht, ist ein gerechtfertigter Eingriff in die Rechtsgüter des Angreifers und damit kein strafbares Unrecht. Sämtliche Individualrechtsgüter (etwa die unter § 34 StGB aufgeführten Rechtsgüter Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum) werden vom Notwehrparagraphen abgedeckt. Nicht notwehrfähig sind Angriffe auf Rechtsgüter der Allgemeinheit, weil die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung allein Aufgabe der zuständigen staatlichen Organe ist und sonst das staatliche Gewaltmonopol untergraben würde. Die einzige Ausnahme hierzu stellt das Widerstandsrecht des Art. 20 Abs. 4 GG dar. Da dem Notwehrrecht das oben genannte Rechtsbewährungsprinzip zu Grunde liegt, erfolgt hier grundsätzlich keine Rechtsgüterabwägung. Lediglich bei einem krassen Missverhältnis der Rechtsgüter darf das Notwehrrecht nicht angewandt werden.
Ein besonderer Knackpunkt wird stets die objektive Beweislage sein. Falls möglich, sollten Sie Zeugen einbeziehen und auch körpersprachlich untermauern, dass ihrerseits kein Wille zur Aggression vorlag. Entscheidend für den Richter wird später auch die Frage sein "wer ging zuerst auf wen los?". Auch vor Überschreitung der Notwehr muss an dieser Stelle gewarnt werden. Wer einen am Boden liegenden Gegner weiterhin attackiert, wird aufgrund fahrlässigen oder vorsätzlichen Handelns abgestraft. Auch die Verhältnismäßigkeit der Mittel spielt eine große Rolle. Als Grundsatz gilt hier "Gleiches mit Gleichem", um sich in angemessenen Bahnen zu bewegen.
Fazit: die juristischen Vorgaben sind leider meist von der Realität des wirklich Umsetz- und Machbaren weit entfernt. Dem Anwender von Selbstverteidigung werden geradezu übermenschliche Fähigkeiten und die souveräne Beherrschung solcher Situationen unterstellt. Dabei ist gerade das halbherzige Vorgehen in Notwehrsituationen ein Garant für sich in Folge als noch schwieriger zu bewältigen erweisende Konflikte und Eskalationen. Bleibt nur die ernüchternde pragmatische Empfehlung: entweder Sie halten sich nach Möglichkeit aus Konflikten heraus oder Sie arbeiten an Ihren Fähigkeiten zur Selbstverteidigung so hart, dass Sie in Notwehrsituationen tatsächlich souverän zu handeln im Stande sind.
Charakteristika des Wing Tsun-Systems
Wing Tsun-Handtechniken
Ein typisches Erkennungszeichen des traditionellen WingTsun sind “Kettenfauststöße” (Lin Wan Kuen), welche eine Aneinanderreihung kurz hintereinander geführter Schläge darstellt. Im DRAGOSWINGTSUN® wird indes zwischen körpereinsatzlosen und körperunterstützten (hackenden) Kettenfaustschlägen unterschieden. Erste kommen zum Einsatz, wenn es uns gelingt, die Arme des Gegners auszuschalten (z.B. durch Fixierung) oder wir dessen Gleichgewicht im Vorfeld stören konnten (Gegner fliegt uns entgegen). Letztere üben während des Schlagvorganges eine zusätzliche Kontrolle auf den Armen des Gegners aus, indem sowohl der vor- als auch der zurückziehende Arm gleitende oder herab schlagende Wirkung ausübt. WingTsun ist bekannt für seinen Reichtum an ausgeklügelten Handtechniken. Da die Tritte in den meisten Organisationsstrukturen zu den fortgeschrittenen Programmen gehören, ist der Einsatz der Beintechniken meist nur wenigen Menschen bekannt.
Neben den Kettenfauststößen zählen vor allem die Handerscheinungsformen "Bong-Sao" ("Schwingen-Hand"; Isolations- und Defensivschutzhaltung), "Tan-Sao" ("Hand-nach-oben-Hand"; Isolations-, Befreiungs-, Öffnungs- und Defensivschutzhaltung) und "Fook-Sao" ("Aufliegende Hand"; Kontroll- und Defensivschutztechnik) zu den am häufigsten verwendeten Bewegungsmustern - sie gelten als Keime des Systems.
Tritt- und Beintechniken des WT
Das klassische WT-System kennt acht Trittmuster, welche aus den Grundfunktionen Stoppen, Stampfen und Fegen hervorgehen. Im Einzelnen:
• "Chang Gerk" (liegender Tritt)
• "Wang Gerk" (Seitwärtstritt)
• "Hau Gerk" (Rückwärtstritt)
• "Chai Gerk" (Stampftritt)
• "Tae Gerk" (Sprungtritt)
• "Gam Gerk" (Fixierungstritt)
• "Souh Gerk" (Fegetritt)
Weitere wichtige Beintechniken sind:
• "Bong Gerk" ("Schwingenfuß"; Defensivschutz- und Kontrollbewegung mit nach innen weisender Kniehaltung)
• "Tan Gerk" ("Nach oben zeigendes Bein"; Defensivschutzhaltung- und Kontrollbewegung mit nach außen weisender Kniehaltung)
• "Lan Gerk" ("Riegel-Bein")
• "Au Gerk" (Verankerungen durch Einhaken)
• "Gan Gerk"; auch Cham Gerk genannt (schneidendes, absenkendes Bein)
• "Huen Gerk" (Zirkelfußbewegung)
• "Pak Gerk" ("Schlagendes Bein"; eine ablenkende oder öffnende Bewegung)
• "Tai Gerk" ("Hebendes Bein"; hakenartige Verwendung des Vorfußes zur Erzeugung von Öffnungen)
• "Jap Gerk" ("Dazwischengehendes Bein"; isolatives und immobilisierendes Eindringen zwischen gegnerische Beinhaltung)
Hohe Tritte werden nur in Ausnahmefällen und unter Ausnutzung bestimmter Umstände ausgeführt. Die meisten Trittanwendungen des Systems zielen auf tiefere Körperregionen wie Oberschenkel, Unterleib, sowie Knie- und Sprunggelenk. Dahinter steckt die Idee, dass tiefe Tritte durch den Gegner nicht nur schwerer abzuwehren sind, sondern auch, dass diese Ziele empfindliche Schwachstellen darstellen.
Statisches Vorkampfverhalten: der klassische WT-Kämpfer steht während der Kampfanbahnung statisch und regungslos. Er “erwartet” seinen Gegner und lässt diesen soweit an sich herankommen, bis eine so genannte “Kritische Distanz” erreicht wird (Magnetic-Field-Theorie). Dies steht im krassen Gegensatz zu anderen Kampfkünsten, wo man durch Bewegung versucht, bereits in der Phase der Kampfannäherung den Gegner daran zu hindern, sich auf den wirksamsten Punkt für den Angriff einzustellen.
Fließende Bewegungen sind ein weiteres Charakteristikum des WingTsun. Die Bewegungen sind hierbei ständig im Fluss, so dass der Gegner Schwierigkeiten hat, sich darauf einzustellen.
Schnelle Schrittarbeit mit hohen Ständen, Einsatz der Adduktorenmuskulatur zur Schrittstabilisierung, dem Auffangen von Körperschwung oder zur Einleitung von Ausweichbewegungen sind ebenfalls kennzeichnend für das WT. Traditionsgemäß beinhaltet das waffenlose WingTsun nur sehr wenige Schritte: einfache Nachstell- und Verfolgungsschritte, Wendungen und Zirkelschritte.
Das DRAGOSWINGTSUN® (DWT) sieht in der traditionellen Selbstlimitierung auf Bestehendes und die hieraus erwachsene Schrittarmut einen historischen Entwicklungsstillstand. Schrittarbeit dient stets der Umsetzung von Funktionen im Rahmen der Anwendung. Eine Erweiterung der Funktionsvielfalt lässt daher meist parallel die Entstehung neuer Schrittmuster hervorgehen. Das DWT zeichnet sich insofern durch einen hohen Reichtum an Schritt- und Beintechniken aus.
Grundsätzlich dienen Formen dem Konservieren und Verinnerlichen häufiger Bewegungsmuster. Das klassische WingTsun kennt 6 Formen:
Siu Nim Tao-Form
Die “Vereinfachte Form” oder oft auch als “Kleine-Idee-Form” stellt eine didaktische Maßnahme dar, gehirngerecht an das Erlernen des Systems heranzugehen. In der klassischen Variante dieser Form steht der Übende seitens der Beine regungslos und nur mit Spannung der Adduktoren. Durch die Reduktion des Bewegungsumfanges auf nur eine Hand kann er sich voll auf jedes Detail konzentrieren. Im wissenschaftlichen Sinne sprechen wir von der “Zerlegung einer Technik”, dh. durch die Auflösung komplexer Bewegungen in seine einzelnen Bestandteile werden diese leichter erlernbar. Gerade für Lernbeginner ist dies wichtig und sinnvoll.
Die in der Form enthaltenen Bewegungsmuster sind keine fertigen Anwendungen, sondern vergleichbar mit Werkzeugen. Jedes Werkzeug hat vielfältige Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten. So wie Sie beispielsweise mit einem Messer Butter auf eine Scheibe Brot schmieren, eine Nuss knacken oder jemanden verletzen könnten, so sind auch die in den Formen enthaltenen Bewegungsmuster generell freihaltend in ihren Anwendungsmöglichkeiten, dh. nicht auf einen einzelnen Verwendungszweck begrenzt.
Die Siu Nim Tao (auch “Siu Ling Tao”) genannt, lernt man in 3 Stufen, wobei es Schritt für Schritt zu einem Integrationsprozess verschiedener Aspekte kommt. Nach Abschluss dieses Vorganges sieht die Form des Fortgeschrittenen anders aus, als die des Anfängers – sie enthält die synthetisierte Summe der zuvor zerlegten und einzeln gelernten Teile und bleibt dennoch eine vereinfachte Form (alles wird mit nur einem Arm oder dasselbe mit beiden Armen gleichzeitig ausgeführt).
Phase 1: Der Schüler lernt zunächst den reinen Bewegungsablauf der Form OHNE Körpermechanik des Rumpfes, da alles andere ihn zunächst überfordern würde.
Phase 2: Er integriert nun Schritt für Schritt die Innervationsfolgen der Rumpfmuskulatur für horizontale, abwärts und aufwärts gerichtete Bewegungen, was zu Wendungen, dem Absenken des Körpers und dem Einsatz der streckenden Muskelgruppen für Aufwärtsbewegungen führt.
Phase 3: Der Lernende setzt an verschiedenen Stellen der Form Isometrik ein, welches in erster Linie stabilisierende Eigenschaften für verschiedene Situationen trainiert, die ohne diese Zutat nicht bewältigt werden könnten (z.B. "Überraschungskollisionen" auf engstem Raum). Als positiven Nebeneffekt stellt diese zugleich ein Krafttraining dar.
Cham Kiu-Form
Die Cham-Kiu-Form oder auch “Suchende-Arme-Form” genannt, erhielt ihren Namen durch die in der Form enthaltenen Techniken der Überbrückung und Kontaktaufnahme mit den Armen des Gegners. Schwerpunkt der Form ist jedoch die Vermittlung der häufigsten Bewegungsmuster für Isolationen (in Form von Hebeln), dessen Bewältigung, sowie das Brechen des Gleichgewichts durch Würfe. Im DRAGOSWINGTSUN® wurden diese Muster durch das Szenario der Bewältigung verlorenen Gleichgewichts ergänzt. Gleiches gilt für die Biu Tze-Form.
Biu Tze-Form
Innerhalb der WingTsun-Gemeinde streitet man sich oft darüber, ob die Biu Tze eine reine Angriffs- oder Notlösungs-Form sei. Ersteres wird oft von kommerziell orientierten Verbänden propagiert, um die Idee eines dramaturlogischen Aufbaus der Formen aufrecht zu halten, gemäß dem Motto: Siu Nim Tao schlägt Cham Kiu, Cham Kiu schlägt Siu Nim Tao, Biu Tze schlägt Cham-Kiu, Holzpuppe schlägt Biu Tze etc. Der Lernende wägt sich somit in einer Machtphantasie und kann es kaum erwarten, den nächsten Ausbildungsschritt zu erklimmen, um über andere zu triumphieren. Dies ist ziemlicher Unfug, da die Formen in ihrer Funktion zusammenarbeiten und nicht etwa konkurrieren. Wie bei einem Fahrzeug gleichsam Getriebe, Lenksystem und Motor nicht etwa konkurrieren, sondern nur zusammen ein sinnvolles und funktionierendes Gesamtwerk ergeben, so gilt dies auch im WingTsun. Bremse schlägt eben nicht Motor und Motor nicht Getriebe, um diese hier rückwirkend nochmals als Beispiel zu nennen - selbstredend ein Unsinn.
Die Biu Tze mit ihren Schlangen imitierenden geschmeidigen Bewegungen ist ursprünglich ein Konzept zur Bewältigung mehrerer Angreifer und weiterer “Notfälle”. Dies macht erklärbar, weshalb die eingesetzten Bewegungen einer “inneren” Aggressivität bedürfen. Sehen wir uns mehreren Angreifern ausgesetzt, muss jeder einzelne Schlag ein sofortiges und einschneidendes Ergebnis bringen. Der Einsatz von K.O.-Waffen wie Ellbogen oder gefährlichen Handtechniken (Stiche zu den Augen, Kantenschläge zu Kehlkopf etc.) wird beim Vorliegen einer extremen Notfallsituation zur Notwendigkeit. Daher gilt beides: die Biu Tze ist sowohl eine Notlösungsform und enthält zugleich gefährliche Angriffsmuster.
Mok Yan Chong-Fat-Holzpuppen-Form
Das Training an der WingTsun Holzpuppe gehört zu den herausragendsten Erkennungsmerkmalen des Systems. Der "Hölzerne Mann" simuliert hierbei einen Gegner, wobei der Übende verschiedenste Techniken und Manöver ausübt. Die Holzpuppe gibt dem Übenden hierbei nicht nur die Möglichkeit, gefährliche Techniken zu trainieren und seinen Trainingszustand auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu halten, sondern er profitiert zudem von den korrigierenden Eigenschaften des Gerätes. Voraussetzung hierfür sind baulich “stimmige” Maße. Da man für das Erlernen der WingTsun-typischen nachgiebigen Eigenschaften (im WT geben wir in erster Linie mit dem ganzen Körper und nicht mit den Gliedmaßen nach) des WingTsun einen Übungspartner benötigt, dessen Seitenstabilität größer ist, als die eigene, ist die Holzpuppe ein nahezu unverzichtbarer Schlüssel für das Erlangen eines hohen technischen Niveaus. Weitergehende Informationen zu diesem Thema finden unter Holzpuppe.co – alles über die Holzpuppe des WingTsun.
Die letzten beiden Formen sind den Waffengattungen Langstock (“Lok Dim Boon Kwan”) und den Zwillings- bzw. Doppelmessern (“Bat Cham Do”) zugeordnet.
Grundsätzlich ist die Zusammenstellung von Formen schlicht ein didaktisches Werkzeug und als solches erweiterbar. Im DRAGOSWINGTSUN® gibt es daher noch weitere Formen:
• Faust-Form (Sammlung reiner Schlagtechniken)
• Schritt- und Trittform (Nicht-klassische Form; Training an der Tripodial-Puppe)
• Bodenkampf-Form (grundlegende Bodenkampf-Muster)
Chi Sao – die Übung der “Klebenden Hände”
Chi-Sao ist die Seele des WingTsun, dh. jener Teil, der die in den Formen enthaltenen Muster zum Leben erweckt. Die Übung der “Klebenden Arme” beinhaltet das Flussprinzip des Wassers und der elastischen Federkraft. Beide sind aus der Beobachtung von Naturphänomenen hervorgegangen und werden gemeinhin dem Taoismus zugeordnet. Somit beschreibt Chi-Sao auch die Harmonie zwischen Gegensätzen, bzw. die sich gegenseitig bedingenden Elemente von Gegensatzpaaren (Yin und Yang; stark und schwach, hart und weich usw.). Nüchtern betrachtet verhalten wir uns im WingTsun wie Wasser, das nicht nur fließt, sondern zudem “intelligent” fließt. Ein Hindernis wird nicht einzig dadurch überwunden, indem wir warten, bis es verschwindet, sondern indem wir Maßnahmen ergreifen, die den “Weiterfluss” ermöglichen, wie z.B. das Ändern von Winkeln, Beseitigung von Deckungen oder das Erzwingen von Öffnungen ("Door-Opener-Strategie"; Ablenken durch Schmerz).
Chi-Sao-Sektionen
In den so genannten “Chi-Sao-Sektionen” werden die häufigsten Fluss- und Verhaltensmuster des Chi-Sao exemplarisch konserviert und dokumentiert. Allein der waffenlose Teil des DRAGOSWINGTSUN® beinhaltet 19 dieser Lernabschnitte, welche konservierte Anwendungen des Chi-Sao umfasst. Gerade jener Schüler, welcher ganz am Anfang seiner Ausbildung steht, benötigt Struktur und Orientierung anhand praktischer Beispiele. Ein Lehrer, welcher nur “völlig frei und wahllos” mit dem Schüler trainiert, übt zwar für sich selbst richtig, da er sich von jeglicher Konvention löst, bestiehlt den Schüler aber zugleich in dessen Entwicklung, da dieser zunächst ein Fundament benötigt, welches auf Nachvollziehbarkeit und innerer Konsistenz beruht. Dies ist vergleichbar einem Haus ohne Fundament - es würde einstürzen. Mit anderen Worten: wer ins Wasser geworfen wird, lernt nicht automatisch schwimmen, sondern kann ebenso gut auch untergehen! Dem Schüler sollte daher die Chance gegeben werden, systematisch alles mit auf den Weg zu bekommen, was Generationen vor ihm bereits erdacht und für ihn konserviert haben. Andernfalls müsste jeder Schüler das Rad stets neu erfinden - eine Vergeudung von Zeit und Energie. Der Schüler, welcher die Chi-Sao-Sektionen vollständig erlernt hat, kann seine Kreativität besser einsetzen – nämlich für die Weiterentwicklung des Gelernten! Nur so entwickelt sich das System von Generation zu Generation weiter, vergleichbar dem jap. “Kaizen”.
Die Waffen des WingTsun
Glaubt man historischen Überlieferungen, so entstand WingTsun zunächst im waffenlosen Kontext. Erst später wurden die Waffen mit konzeptorischen Anpassungen dem System hinzugefügt.
Zu den traditionellen Waffen gehören:
• “Lok Dim Boon Kwan” – der Langstock des Systems
• “Bat Cham Dao” – die Zwillings- bzw. Doppelmesser
Lok Dim Boon Kwan (Langstock)
Der Legende nach entspringen die Waffen dem Hung-Gar-KungFu, welches aus dem Shaolin-Kloster stammt. Die dortigen Mönche waren vor allem berühmt für ihre Stock-Kampfkunst. Als Leute des Friedens vermieden sie scharfe Waffen, weshalb der Stock die ideale Alternative darstellte. Auch heute sehen wir in zahlreichen Vorführungen des Shaolin-KungFu den leichten Stock, der meist aus einem Rosenholz-Stab besteht.
Der im WingTsun benutze Langstock war ursprünglich ein Fortbewegungsmittel und hat eine konische Form. Er diente zum Anschieben und Abstoßen von Booten (Der Legende nach die “Rote Dschunke”, einer fahrenden Operntruppe, welche im geschichtlichen Kontext des WingTsun von Bedeutung ist). Aufgrund seines Gewichts und Eigenschaften, wurden die Langstocktechniken zwingend modifiziert, da der schwere Stock nicht dieselben physischen Eigenschaften hat, wie der leichte Stab des Shaolin-Klosters. Auch Prinzipien wie die des Klebens, der Nachgiebigkeit, das Verdrängungs- und Keilprinzip, sowie die “Relative Kraft” wurden eingebunden.
Die Lok Dim Boon Kwan-(“Sechs-und-ein-halber-Punkt”)Langstock-Form ist eine der anspruchsvollsten Disziplinen des WingTsun. Der im traditionellen WingTsun ausgebildete Schüler kann seine gewohnte Entspanntheit, Nachgiebigkeit und wenig entwickelte Muskulatur auf einmal nicht mehr einsetzen. Die Gesetze der Physik zwingen den Schüler umzudenken. Daher stehen am Anfang der Ausbildung Kräftigungsübungen, die ihn befähigen, den schweren Stock überhaupt sicher und präzise zu greifen und zu bewegen. Erst danach befasst er sich mit taktischen Manövern.
Im WingTsun ist der Langstock der eigentliche Lehrer für den fortgeschrittenen Schüler. Aufgrund der Einfachheit der Geometrie lassen sich viele Prinzipien und Einsichten finden und in den waffenlosen Teil des Systems übertragen. Im DRAGOSWINGTSUN® wurde dies konsequent umgesetzt, weshalb bereits der Anfänger die integrierten Waffenschritte und Körpermechaniken erlernt. Von den positiven Auswirkungen, welche durch die Rückwirkung der Waffenprinzipien auf den waffenlosen Systemteil entstehen, kann nun bereits der Anfänger des DWT profitieren.
Als generelle Faustregel kann gesagt werden, dass fortgeschrittenes WingTsun immer Körperarbeit beinhaltet. Gerade beim Auftreten großer Kräfte und einfacher Geometrien treten Gesetze besonders gut ans Licht. Die relative Arbeitsweise ist aufgrund der auftretenden Trägheitswiderstände die einzige Chance, einen schnelleren Gegner dennoch zu überlisten.
Der Name der Form rührt von dem Umstand her, dass die in ihr enthaltenen Stichbewegungen jeweils ein rundes Loch beim Eintritt in eine Wand (aus Papier) hinterlassen, jedoch die diagonal nach vorn gehende Bewegung des “Half Fence” (chin. “Boon Je Kwun” – eine keilförmig eingesetzte Notfalltechnik) einen halbmondförmigen Abdruck, sprich den “halben Punkt” hinterlässt. In der chinesischen Kampfkunst gehen Poesie und Wissenschaft stets einher. Daher findet man hier oft blumenhafte und ungewöhnliche Ausdrücke.
Der Aufbau des Langstock-Trainings gliedert sich in folgende Schritte:
• Kraftübungen für einfache Manöver
• Schrittübungen mit tiefen Ständen
• Zielübungen an statischen und bewegten Zielen
• Langstock-Form; die traditionelle Langstockform beinhaltet 24 Bewegungen, wovon sich viele wiederholen
• Chi-Kwan – Gefühlstraining mit dem Langstock
• Einfache Manöver für Angriff, Verteidigung und Notlösungsszenarien
• Freikampf (Lat-Kwan)
Bat Cham Dao (Doppelmesser)
Die “Acht Wege der Messer” zählen im WingTsun zu den am besten gehüteten Geheimnissen. Der Legende nach stammen ihre Wurzeln aus dem Hung Gar-KungFu und enthalten Entsprechungen des waffenlosen WT-Systems. Mit dem Ausdruck “Vater und Mutter Messer” ist gemeint, dass die WT-spezifischen Messer so geformt sind, dass sie zwei sich ergänzende Hälften ergeben, wenngleich die Schmetterlingsmesser des Hung-Gar-Kuen nicht diese Eigenart aufweisen. Diese Bauart lässt sich historisch darauf zurück führen, dass zur Zeit der Entstehungsgeschichte (während der Mandschu-Dynastie) das Tragen von Waffen für die Bevölkerung verboten war und eine derart gestaltete Waffe leichter am Körper verborgen werden konnte.
Mit den acht Wegen sind die 8 Schnittrichtungen gemeint, welches eine willkürliche aber ebenso oft benutzte Einteilung der Bewegungsrichtungen vieler Waffen- und Schwertkünste ist. Der Zahl 8 kommt im Buddhismus eine besondere Bedeutung zu, da sie für die Unendlichkeit steht. Die Bat Cham Dao enthält daher 8 Sätze. Einige Sätze sind hierbei speziellen Waffengattungen zugeordnet, z.B. befasst sich der 7. Satz der Messer mit der Bewältigung flexibler Waffen.
Tipps zur Wing Tsun-Schulenwahl
Tipps für die Wahl der richtigen (WingTsun-)Schule
Drum prüfe, wer sich ewig bindet - so treffen Sie gute Entscheidungen für Ihre WT-Zukunft
Für denjenigen, der Kampfkunst erlernen möchte, stellt sich die Frage nach der für ihn geeigneten Schule und der Art des Systems. Dies ist eine nicht zu unterschätzende und wegbereitende Angelegenheit. Denn bevor man viel Geld und Zeit investiert, sollte man sich fragen, ob die jeweilige Kampfkunst und Schule das leisten kann, was man sich von ihr verspricht. Folgende Fragen dienen Ihnen als erste Orientierung.
Die Wahl einer für Sie geeigneten Kampfkunst
Was bezwecken Sie mit dem Erlernen von Kampfkunst? Nicht jede Kampfkunst hat den selben Fokus. Hier eine kleine Auswahl:
• Suchen Sie Spaß und Faszination bzw. eine interessante Freizeitbeschäftigung?
• Möchten Sie sich effektiv verteidigen, so dass der Selbstschutz im Vordergrund steht?
• Streben sie körperliche Fitness in Form von Kraft, Kondition und Verbesserung der Beweglichkeit an?
• Liegt ihr Interesse eher in Meditation und innerer Ruhe?
Oder ein bisschen von Allem? Selbst bei jenen Kampfkünsten, von denen man annimmt, sie seien einem der oben genannten Zielen zuzuschreiben, kann dies in der Praxis dennoch ganz anders aussehen. Auch im WingTsun, welches (ursprünglich) ein Kampfsystem war, sehen wir heute Tendenzen in die verschiedensten Richtungen.
Die Wahl des Lehrers, Schule oder Verbandes
Es hilft nichts, Sie müssen schlichtweg an einem Probetraining teilnehmen, um sich ein erstes Bild zu machen. Aber Vorsicht, anfängliche Begeisterung sollte Sie nicht dazu verleiten zu versäumen, sich zeitig wichtige Fragen zu stellen, die über kurz oder lang von Bedeutung sein könnten:
• Handelt es sich um einen Schnellkurs oder bietet der Lehrer auch regelmäßigen Unterricht (z.B. 2-3 x pro Woche) mit weiterführenden Ausbildungsangeboten an?
• Verfügt der Lehrer über eine langjährige Erfahrung und ist tatsächlich ein Meister in seinem Fach? Lassen Sie sich nicht durch bloße Bekleidung, Urkunden oder Titel täuschen. Die Zahl der Scharlatane, selbsternannten Großmeister und WingTsun-Business-Haie ist beachtlich!
• Gibt es Referenzen über den Lehrer oder fähige Absolventen seiner Schule? Wie viele Ausbilder hat er selbst zu Meistern gemacht?
• Wird der eigentliche Unterricht vom Meister persönlich abgehalten oder nur von angelernten Hilfskräften?
• Sind Prüfungen Pflicht? Und: müssen Sie dazu zu entfernten Orten Reisen? Was kosten diese extra?
• Werden die tatsächlichen Kosten einer weiterführenden Ausbildung von Anfang an konkret genannt oder heruntergespielt?
In dubiosen WingTsun-Kreisen kosten weiterführende Ausbildungen der Techniker- und Praktikerlaufbahn oft ein kleines Vermögen. Preise von EUR 50.000 – 100.000,- sind hier keine Seltenheit (ja, sie haben richtig gelesen!). Diese anfangs gern verschwiegenen Kosten werden bei unseriösen Verbänden gern unterschlagen oder heruntergespielt, nach dem Motto “Das kommt alles später und liegt noch in weiter Ferne” oder “Die Kosten verteilen sich ja auf einen langen Zeitraum, da fiele das gar nicht ins Gewicht”. Aber im Ernst: kaufen Sie sich lieber für dieses Geld einen Kleinwagen oder eine Wohnung und bestehen Sie gleich zu Beginn der Ausbildung auf die Offenlegung aller Kosten des weiteren Verlaufs (bis hin zur Meisterstufe). Sollten Sie nur ausweichende Antworten erhalten, suchen Sie so schnell es geht das Weite!
Noch ein paar weitere sinnvolle Fragen, die sie sich stellen sollten:
• Handelt es sich um eine Sekte? Nein, das ist keine lächerliche Frage, sondern leider in WingTsun-Kreisen ein ernstes Problem. Wie erstaunt wären Sie, wenn Sie nach einer Weile des Trainings feststellen müssten, dass Ihnen Ihr Lehrer vorschreibt, mit wem Sie sozial Umgang haben dürfen oder dass Ihnen die Ausübung anderer Kampfkünste verboten wird? In manchen Organisationen wird einem gar die Mitgliedschaft in Scientology- oder Freimaurerlogen obligatorisch "nahegelegt", da sonst das Beschreiten höherer Ausbildungsstufen nicht beschritten werden darf.
• Versucht man Sie früh in ein Marketing-Schema zu pressen und nach kürzester Zeit als Assistent oder Schulleiter einzusetzen? Nicht selten kommt es vor, dass
Mitglieder, die dies nicht möchten, von Heute auf Morgen "links liegen gelassen" und nicht mehr gefördert werden.
• Verhält sich der Lehrer unnahbar und gottgleich wie ein Guru, schmückt sich mit allerlei Titeln oder ist er zugänglich und bescheiden?
• Ist der Lehrer wirklich an Ihrem Fortschritt interessiert? Beantwortet er jede Frage sofort und umfassend oder vertröstet er Sie auf “später”, da dies nicht “Ihr
Programm” sei?
• Gibt es verbandspolitisch-kommerziell motivierte Restriktionen und Wartezeiten, bevor eine neue Stufe erlernt werden darf?
Der letzte Punkt zählt wohl zu den schwärzesten Kapiteln der WT-Branche: wertvolle Lebenszeit der Mitglieder wird durch “Wartezeiten” vergeudet, welche nur den Sinn haben, das Mitglied möglichst lange und unfertig im Ausbildungsprozess zu halten. Dadurch wird mehr verdient und zugleich verhindert, dass Konkurrenz aus den eigenen Reihen die Organisationsstruktur gefährdet. Durch bewusstes Verhindern des Lernfortschritts entstehen riesige Schulenstrukturen, da die Lehrer sich stets "unfertig und unfähig" fühlen und ihrem Guru daher über Jahrzehnte folgen, gemäß dem Motto: "ich habe ja noch so viel zu lernen, ich bin ja so klein". Ein abgekartetes Spiel und psychologischer Trick.
Beispielsweise belaufen sich die “Wartezeiten” eines der größten WingTsun-Verbände Europas für das Erlernen des kompletten Systems auf rund 30 Jahre! Konkret sieht das so aus:
12 Schülergrade á 3 Monate (Trainings- und) Wartezeit bis zur nächsten Prüfung = 3 Jahre
1. Technikergrad = 1,5 Jahre Wartezeit
2. Technikergrad = 2 Jahre Wartezeit
3. Technikergrad = 3 Jahre Wartezeit
4. Technikergrad = 4 Jahre Wartezeit
5. Praktikergrad = 5 Jahre Wartezeit
6. Praktikergrad = 6 Jahre Wartezeit
7. Praktikergrad = 7 Jahre Wartezeit
Gesamt = ca. 31,5 Jahre!!
Es ist keinesfalls so, dass die “Programme” nach oben hin länger oder schwieriger wären und eine längere Trainingszeit rechtfertigen würden. Das Gegenteil ist der Fall: je mehr Erfahrung Sie gewinnen, desto leichter lernen Sie die folgenden Stufen. Dies entspricht einer natürlichen Lernkurve. Ein fortgeschrittener Schüler der Technikerstufe könnte jede Folgestufe binnen weniger Tage inhaltlich erfassen und nach 3 Monaten schon fließend ausführen.
Wenn Sie diesem Schema nun gegenüberstellen, dass man das komplette WT-System – ohne diese künstlichen Hürden - in Wahrheit, selbst als völliger Beginner, binnen 2 Jahren erfassen und es innerhalb von 5 Jahren meistern kann, wird der blanke Wahnsinn solcher Lebenszeit zerstörenden Geschäftsgebaren deutlich. Lassen Sie so etwas nicht mit sich machen und suchen Sie Alternativen!
Leider verfallen viele an Kampfkunst Interessierte dem Denkfehler, bzw. Herdentrieb, indem Sie eine Organisation wählen, die "möglichst groß” ist und viele Ableger hat. Diese “Bequemlichkeit” hat ihren Preis. Haben Sie sich schon mal überlegt, warum diese Organisationen so groß sind? Antwort: weil Sie durch das künstliche Verzögern des Lernprozesses innerhalb ihrer Strukturen Abhängigkeiten schaffen, welche die Leute bei der Stange halten. Man könnte meinen, jeder entscheidet selbst, ob er sich das antut oder nicht. Aber: durch die Investition von Zeit und Geld entsteht in zunehmendem Maße eine Bindung und im Falle einer Absicht, sich zu trennen, ein “Schmerz” darüber, so viel Energie investiert zu haben. Daher schaffen nur wenige den “Absprung”. Das Ganze ist durchaus vergleichbar mit einer Sucht! Zugleich fühlen Sie sich, wie oben beschrieben, unfertig und unvollkommen und bleiben daher dem Verband erhalten. Ein Ausbilder, der den gesamten Ausbildungsprozess schnell durchlaufen würde, hätte keinen Grund, weiterhin dort zu bleiben und sich den Regeln des Verbandes mit den damit einher gehenden Kosten (Lizenzen) zu unterwerfen.
Es tut mir leid, falls Sie als Laie und Anfänger diese Zeilen lesen und Ihre Begeisterung auf WingTsun dadurch zunächst getrübt wird. Damit Sie auch im späteren Verlauf Ihrer Ausbildung den Spaß am WingTsun nicht verlieren, sollten Sie daher im Vorfeld weise und vorausschauend sein und genau hinsehen, mit wem bzw. welcher Art von Schule oder Verband Sie sich einlassen!
Tipp: Lassen Sie sich nicht darauf ein, Mitgliedsverträge mit langer Laufzeit schon nach 1 oder 2 Probetrainings zu unterschreiben. In den ersten Trainingseinheiten sind Sie naturgemäß begeistert und “heiß” auf das, was noch kommt. Gerade hier versuchen viele Business-Haie der Branche effektiv zu verkaufen und langfristige Verträge an den Mann zu bringen. Bestehen Sie lieber auf eine außergewöhnliche 1-monatige Probezeit zu etwas höheren Konditionen und entscheiden Sie sich erst dann für eine etwaige Mitgliedschaft! Erst so können Sie wirklich sehen, was geboten wird, ob der Lehrer auch über einen längeren Zeitraum seine Versprechen und die Qualität des Unterrichts aufrecht hält und welche Dynamiken es innerhalb der Schule gibt. Letztlich müssen Sie auch mit den Leuten, die dort trainieren auskommen und diese ebenfalls etwas kennenlernen. Nach ca. 1 Monat können Sie Ihre rosarote Brille abnehmen und werden klarer sehen – es lohnt sich!
WAS IST DRAGOSWINGTSUN®?
Dai-Sifu Martin Dragos
Vom Nationaltrainer der EWTO in Slowenien zum eigenen Verband
Dai-Sifu Martin Dragos (geb. 1968) betreibt seit seinem 6. Lebensjahr Kampfkunst, wovon er sich die ersten 25 Jahre seiner WT-Ausbildung dem Kernspecht- und Leung Ting-WT-System verschrieben hatte. Erwähnenswert sei hier Giuseppe Schembri (EWTO-Cheftrainer Schweiz), der ihn binnen 9 Jahren bis zum Abschluss des waffenlosen Teils des Systems führte. Von 1994 bis 2000 war er slowenischer Nationaltrainer der EWTO und gründete nach seinem freiwilligen Ausscheiden seinen eigenen Verband „DRAGOS DEFENCE CLUB".
Ernennung zum WingTsun-Meister
Ab 2001 setze Sifu Dragos seine Studien bei Sergio Iadarola fort, um seine Ausbildung zu komplettieren. 2003 erfolgte die Ernennung zum Meister. Obwohl seine bisherige Ausbildung umfassend und lückenlos war, erkannte Sifu Dragos über die Jahre jedoch, dass das klassische WT-System, welches er von seinen Lehrern gelernt hatte, eine Vielzahl von "Missing-Links" (konzeptorische Schwachstellen und Unzulänglichkeiten) aufwies. Diese "nicht optimalen Eckpunkte" beruhten seiner Ansicht nach auf der traditionsbedingten Weiterführung ineffektiver und nie hinterfragter Muster, sowie fehlender Aspekte. Neben der technischen Seite, war es jedoch vor allem die tiefe Enttäuschung über zwischenmenschliche Aspekte, die ihn dazu bewegte, endgültig von seinen Lehrern Abstand zu nehmen.
Evolution contra Tradition
Nach Sifu Dragos Ansicht sind es vor allem die falsch verstandenen Traditionen und die Eitelkeit vieler Meister, die eine Weiterentwicklung des Systems bereits seit Generationen hemmt. Seiner Beobachtung zufolge sind es vor allem die Chinesen, die sich zur Tradition verpflichtet fühlen, ja geradezu darin „gefangen" zu sein scheinen. Dieses Phänomen wird auch als „Nicht-Abweichen-Von-Der-Linie" beschrieben. Nach Ansicht von Sifu Dragos darf die Bewahrung und Konservierung angesammelten Wissens nicht zum Selbstzweck werden, sondern bedarf auch einer ständigen Überprüfung nach Sinn und Funktion. Die permanente Veränderung zum Besseren muss als Teil einer evolutionären Schaffenskultur begriffen werden.
Wer das Denken ausschließlich dem Lehrer überlässt, hat keine Chance auf Weiterentwicklung. Gefährlich ist auch die Einstellung, wonach andere besser denken könnten als man selbst. Anfänge sind immer holprig. Kommt der Stein durch gute Gewohnheiten jedoch ins Rollen, ist alles möglich! Wir leben in einer Zeit, in der wir, wie nie zuvor in der Geschichte, Zugang zu unterschiedlichsten Wissensbereichen haben. Auch ist uns der Zugriff auf Eindrücke sämtlicher existierender Kampfkünste möglich. Dies ist heute selbstverständlich. In früheren Zeitepochen war dies jedoch nicht der Fall. Wer die Tatsache verkennt, dass sich die unterschiedlichen Wissensbereiche zur Inspiration und Weiterentwicklung nutzen lassen, vergeudet wertvolle Potenziale. Nicht nur im WT gilt: die Kampfkünste wachsen zusammen!
Hinterfragung des "traditionellen Weges" / Entstehung von Geheimkult
Der traditionell asiatische Weg der Kampfkünste besagt: "weiche niemals von der Quelle ab, bleibe der Linie treu". In ihrer Vorstellung findet eine Verschmutzung und Verwässerung statt, je weiter man sich von der so genannten "Quelle" entfernt. Auf den ersten Blick scheint dies Sinn zu ergeben - nicht jedoch in Bezug auf Wissenschaft und Evolution! Gerade im Wing Tsun, welches den Anspruch erhebt, ein wissenschaftliches System zu sein, geht es nicht um Konservation um jeden Preis, sondern eine sich ständig weiter entwickelnde Idee. Nur erhaltenswerte Elemente schaffen es in die nächste Runde und bleiben für Folgegenerationen erhalten. In den Augen Sifu Dragos beraubt sich der Einzelne durch das Abgeben von Verantwortung und Kreativität an seine Ahnherren der Chance zur eigenen Entwicklung. Dabei ist Evolution die eigentliche Konstante. Sie ist überall und allgegenwärtig. Jede ernstzunehmende Kampfkunst ist das Ergebnis von in Generationen gewachsener Erfahrungen, welche jeweils nach Überprüfung Zugang zum System fanden. Ignorieren und verhindern wir diese Dynamik, bleiben wir in unserer Entwicklung stehen.
Leider neigen speziell die chinesischen Kampfkünste dazu, Informationen zurückzuhalten, um einen Vorteil gegenüber dem Schüler zu erwirken. Sie sehen in ihm immer zugleich auch einen potenziellen Konkurrenten für die Zukunft. Dieses altmodische Denkmodell stammt aus einer Zeit, in welcher eine Person einfach dadurch eine Schule übernehmen konnte, indem sie einen Lehrer herausforderte und den Kampf gewann. Zudem lernten die Chinesen Fremde meist nur als Besatzer und Bedrohung für die eigene Kultur kennen. Die obige Misstrauenshaltung ist also durchaus verständlich.
Interessanter Weise ist es jedoch genau diese Haltung, welche auch heute noch von Nicht-Chinesen ohne eigenes Hinterfragen kopiert wird. Das Ergebnis ist ein Geheimkult. Wird dies über Generationen fortgesetzt, wird tendenziell immer weniger Wissen an die Folgegeneration übergeben. Die Folge: das System verkümmert.
Entwicklung des DRAGOSWINGTSUN®-Systems
Innerhalb von 40 Kampfkunst- und anteilig 30 WingTsun-Jahren legte Sifu Dragos den Grundstein für sein eigentliches Werk, die Entwicklung des DRAGOSWINGTSUN® (DWT). Dieser Prozess war weniger beabsichtigt, sondern vielmehr das Ergebnis einer früh erworbenen Geisteshaltung, welche sich parallel zu seiner Ingenieurslaufbahn vollzog und zu seiner treibenden Kraft wurde: die Erforschung immer besserer Wege für die Umsetzung des WT in die Praxis. Dieser "Kaizen"-Weg (Kaizen; jap.,"Veränderung zum Besseren") vollzog sich vor allem in den letzten 10-15 Jahren seines Schaffens und schuf ein WT-System mit einem bis dato nicht gekannten Qualitätsniveau. Vor allem der Langstock brachte aufgrund seiner einfachen Geometrie und bei Verwendung einer schweren Gewichtsqualität grundlegende Erkenntnisse, die sich auch auf das waffenlose System übertragen ließen. In der angewandten Praxis wurde schließlich schonungslos über Bord geworfen, was nicht gegen einen körperlich weit überlegenen Angreifer funktionierte. Das Extrem ist unser Lehrmeister - es bringt jene Dinge ans Licht, die zuvor im Dunkeln lagen.
Das DWT-System zeichnet sich heute aus durch die kampfsystematische Einteilung aller Szenarien in Angriff, Verteidigung und Notlösung, das Lösen von Problemen durch Denken in Funktionen, der Integration isometrischer Strukturen, das Nutzen gegnerischer Ressourcen durch Anwendung der "Relativen Kraft", die Vereinfachung von Entscheidungen während der visuellen Vorkampfphase, die Integration von Waffenschrittarbeit in den unbewaffneten Teil des Systems und der Realisierung eines auf Mechanik beruhenden echten Automatismus bei unausweichlichen Kollisionen.
Die Erfahrung zeigt, dass das Erlernen des DRAGOSWINGTSUN® vom Schüler ein weitaus höheres Maß an Körperbeherrschung erfordert (und fördert), als dies für das Erlernen von klassischem WT der Fall ist. Gelingt es dem Schüler jedoch, durch Fleiß und Energie diese Hürde zu meistern, erreicht er ein bislang unbekanntes Niveau der Kampfkunst.
WT-Masters-Academy - Intensivstudiengang für Enthusiasten
Nach der Gründung des Intensivstudiengangs der "WT-Masters-Academy" (Intensiv-Klassen und Bootcamps) im Jahr 2004 wurde Sifu Dragos schnell klar, dass die Fortsetzung seines DRAGOS DEFENCE CLUB-Verbandswesens unvereinbar wurde mit den Grundsätzen der WT-Masters-Academy. Er löste seinen Verband auf, um sich fortan auf die Intensivausbildungs-Seminare zu konzentrieren. Während „traditionelle" Verbände ihre Mitglieder in einer Ausbildungsschleife halten, die durchaus 20-30 Jahre dauern kann, konnte fortan jedermann verbandsoffen und ohne Bindungszwang, das WT-System binnen 1-3 Jahren einschließlich der Waffen erlernen und - entsprechendes Engagement vorausgesetzt - binnen 5-7 Jahren meistern.
Vater der Liberalisierungsbewegung
In Wing Tsun-Kreisen gilt Dai-Sifu Martin Dragos als Initiator der sog. "Liberalisierungsbewegung". Ihm gelang es als erster, die auf Geheimkult und Monopol basierenden Strukturen der großen WT-Verbände zur Auflösung zu bringen. Seither hat sich das Bild der Branche maßgeblich verändert. Die Möglichkeit unabhängig zu sein, wurde in einem solchen Ausmaß von WT-Enthusiasten aus aller Welt wahrgenommen, dass dies für jene etablierten Verbände, welche immer noch an ihren alten Geheimkultmustern festhielten, zur Existenzfrage wurde. Gewaltandrohungen und Herausforderungen waren die Folge. Sifu Dragos ließ sich hierdurch aber niemals beeindrucken oder vom eingeschlagenen Weg abbringen. Seither haben viele Verbände sein Konzept kopiert.
Durch die nun geschaffene Möglichkeit, das DRAGOS WING TSUN-System weltweit für jedermann online zugänglich zu machen, vollzog sich ein weiterer Schritt in Richtung länderübergreifende Liberalisierung. Für Dai-Sifu Martin Dragos ist dies zugleich auch ein Signal dafür, dass es an der Zeit ist, das Ruder an jene fortgeschrittenen Techniker und Meister abzugeben, die sich in den letzten Jahren durch Fleiß hervorgetan haben.
Obgleich Sifu Dragos in den letzten 10 Jahren bewusst von einer Verbandstätigkeit Abstand nahm, um den Intensivausbildungen seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen, ändern sich nun die Parameter. Mit Hilfe des DRAGOS WING TSUN LEAGUE-Instruktoren-Netzwerkes sollen künftig weltweit geschulte Tutoren zum verlängerten Arm des Cheftrainers werden. Dabei ist es unerheblich, ob diese im DRAGOSWINGTSUN®-Verband organisiert sind oder in Eigenregie tätig sind. Die Beherrschung und Förderung der DWT-Kampfkunst sind das Kriterium und der gemeinsame Nenner der künftigen Tutoren. Der Partner, welcher als Tutor tätig wird, ermöglicht dem Online-Schüler vor Ort den praktischen Trainingsanschluss. Updates und den roten Faden bezüglich der Trainingsinhalte werden durch die Online-Academy vorgegeben. Weitere Infos hierzu unter der Rubrik "Partnerprogramm".
DRAGOS WING TSUN-Kampfsystematik
Aufbau der DRAGOS WING TSUN-Kampfsystematik
Angriffs-, Verteidigungs- und Notlösungskonzept
Zu den wichtigsten strategischen Säulen des DRAGOS WING TSUN® gehört die Einteilung der Kampfsituationen in Angriffs-, Verteidigungs- und Notlösungskonzept. Die beiden ersten Modi gelten hierbei als Verhaltensweisen idealer Bedingungen, während Notlösungen uns zum "Verstoß gegen die Regeln der Kunst" zwingen. Mit anderen Worten: besondere Situationen verlangen manchmal besondere Lösungen. Sowohl Angriffs-, als auch Verteidigungskonzept verfolgen die Maxime "Treffen, aber nicht getroffen werden", wobei die Strategie, dieses umzusetzen jeweils auf unterschiedliche Weise umgesetzt wird.
Übersicht der logischen Schritte
Angriffs- und Verteidigungskonzept beinhalten die folgenden logischen Schritte:
Angriffskonzept
Das Angriffskonzept beinhaltet die Strategie des "Zuvorkommens". Hierbei greifen wir in das Kampfgeschehen in der Weise ein, daß wir die Entfaltung und Entstehung des gegnerischen Angriffs verhindern, bzw. im Keim unterbinden. Ein Seitens des Gegners nicht erfolgter Angriff ist letztlich für uns nicht mehr gefährlich. Diese Vorgehensweise bedarf Entschlossenheit und einer gewissen Aggression im Handeln. Gefordert sind zudem Explosivität, Schnelligkeit, sowie das Erkennen von Chancen und Schlüsselmomenten.
Angriffskonzepte finden meist durch Störung des gegnerischen Timings statt, indem wir dafür sorgen, dass die gegnerische "Kalkulation" für das Eintreten bestimmter Ereignisse falsch ist, z.B. durch Verändern von Standpunkt, Rhythmus, Geschwindigkeit, Körperspannung und Haltung.
Verteidigungskonzept
Das Verteidigungskonzept ist zunächst einmal ein Konzept des Reagierens auf einen gegenwärtig stattfindenden Angriff, dh. Annäherung, Einleitung zum Schlag oder Tritt seitens des Gegners sind bereits im Gange. Die Maxime des Verteidigungskonzeptes zielt hierbei auf die Vermeidung der Kollision ab. Nur durch Kollisionsvermeidung hat auch der kräftemäßig Unterlegene die Chance, auch stärksten Angriffen zu entgehen und diesbezüglich "kraftlos" handeln zu können. Wir erreichen dies durch Ausweichbewegungen zur Seite oder durch rückwärts gerichtete Bewegung. Gelingt es uns, das perfekte Timing für kollisionsvermeidende Maßnahmen umzusetzen, "erreichen" uns die Waffen des Gegners schlichtweg nicht.
Kraft wird schließlich nur noch für die Wirkung des meist zeitgleich stattfindenden Konterschlags selbst (auf weniger vitale Regionen) benötigt. Nur das Angreifen wirklich vitaler Ziele (Unterleib, Kehlkopf, Augen etc.) benötigen wir nur wenig Kraft, doch stellt sich für den Einzelnen die Frage, ob er wirklich bereit ist, so weit zu gehen. Nicht selten sehen wir uns in einer Verteidigungssituation in gedanklicher Vorwegnahme eines juristischen Nachspiels gehemmt und schrecken vor "verteidigungstechnisch wirksamen" Maßnahmen zurück.
Notlösungskonzept
Der Prozess der idealen Verhaltensweisen für Angriff und Verteidigung kann durch überraschend eintretende Ereignisse gestört werden. Solange das "ideale Vorgehen" durch Angriffs- oder Verteidigungskonzept nicht möglich ist, wird unser Handeln durch geeignete Notlösungsmaßnahmen ersetzt. Wir bleiben also nur so lange im Notfallkonzept, bis sich wieder eine Chance zum Handeln im Idealmodus ergibt. Die Grafik der "Kampfsystematischen Matrix" zeigt den Zusammenhang:
Beispiele für Notfälle und Störungen
Zu den häufigsten Notfallereignissen zählen:
• Ausweichender oder sich zurückziehender Gegner
• Unausweichlichkeit vor Tritten oder Schlägen
• Verlieren des Gleichgewichts
• Einbrechen der eigenen Arme
• Auflaufen auf oder Nicht-Überwinden-Können gegnerischer Deckungen
• Gefesselt oder immobilisiert werden
• Isolationen, Verlieren der Ausrichtung
• Vom Gegner Unterlaufen werden
• Simultanangriffe (mehrere Gegner)
Prinzipien und Strategien (Kuen Kuits)
Übersicht der DRAGOSWINGTSUN®-KUEN KUITS
Prinzipien und Strategien
Kuen Kuits ("Worte der Weisheit") ist ein aus dem klassischen Wing Chun stammender Begriff. Er steht für eine Sammlung aus Merksätzen, Prinzipien und Empfehlungen. Die Tabelle zeigt die Wichtigsten von ihnen im Überblick:
Einteilung aller Szenarien in Angriff, Verteidigung und Notlösung
Beim Angriffskonzept kommen wir einem Angreifer zuvor, indem wir diesen an der Ausführung und Entfaltung seiner Waffen hindern. Die Bewegungen des eigenen Körpers sind in der Regel geradlinig und zum Gegner ausgerichtet. Kraftquelle ist neben der eigenen Bewegung vor allem der Trägheitswiderstand des Gegners, den wir mittels "relativer Arbeitsweise" nutzen (wir ziehen uns an diesen heran).
Das Verteidigungskonzept beinhaltet ausweichendes Verhalten zur Seite oder im Rückwärtsgehen zum Zwecke der Kollisionsvermeidung und Kräfteentschärfung. Gleichzeitigkeit von Angriff und Abwehr richten sich gegen den Gegner selbst oder seine Waffen.
Als Notlösungen bezeichnen wir Ansätze, in welchen wir uns aufgrund von Versäumnissen oder Fehler außerhalb der idealen Bedingungen befinden und daher nur noch (passiv) reagieren können. Hierbei ist es teilweise notwendig, die allgemeinen DWT-Prinzipien außer Acht zu lassen - geht nur darum, das Blatt noch zu wenden. Zu den wichtigsten Notlösungssituationen zählen: Verlust des Gleichgewichts, einbrechende Positionen, unausweichliche Kollisionen, Fesselungen, Isolationen, Konfrontation durch mehrere Angreifer etc.
Strategischer Ablauf des Angriffskonzepts
Ablauf des Angriffskonzepts
1. Annäherung mit 3-Ebenen-Deckungsschutz bis zur Handlungsgrenze; Anmerkung: dies ist der Punkt, an dem wir zum ersten mal in der Lage sind, den Gegner zu erreichen, um ihn zu beeinflussen – bei einem Gegner, der z.B. in einer Auslage steht, ist dies meist ab Erreichen seines Handgelenks der Fall.
2. Vorisolation der gegnerischen Waffen: hierbei müssen alle potenziellen Waffen des Gegners unter Kontrolle gebracht oder geschwächt werden. Meist geschieht dies durch einen Zugimpuls, welcher den Gegner in eine Drehung versetzt, so dass einer seiner Arme sich zu uns verkürzt.
3. Unser eigentlicher Angriff mit einer an das Kampfbild angepassten Schlagtechnik. Dies ist vergleichbar einem Puzzle, wobei wir im Moment des Schlagens eine Berechnung und Abschätzung vornehmen, ob ein potenzieller Angriff des Gegners uns von außen oder innen erreicht. Entsprechend müssen wir die eigene Ellbogenposition und die eingesetzte Handtechnik hierauf abstimmen.
4. --> sollte Punkt 3 nicht zum Ergebnis führen: erneute Isolation, Brechen der „Zentrallinie” mit Schlag
5. Fixierung oder „Schwebende Kontrolle“ mit Finalschlag, je nach Umstand
Strategischer Ablauf des Verteidigungskonzepts
Der Ablauf des Verteidigungskonzepts
Jeder Zwischenschritt kann ggf. bereits das Ende eines Kampfes bedeuten. Falls der Gegner unseren jeweiligen Schritt verkraftet, neutralisiert oder pariert, wird der nächste notwendig.
1. Isolation und Kollisionsvermeidung durch ausweichendes oder rückwärtsgehendes Verhalten.
2. Zeitgleicher Gegenangriff mit oder ohne Ausschalten der gegnerischen Waffen
3. Brechen der „Zentrallinie” (Gleichgewichtsachse) mit Schlag
4. Fixierung oder „Schwebende Kontrolle“ mit Finalschlag, je nach Umstand
Strategische Ansätze im Notfall
Die nachfolgende Liste der Notfälle ist nicht vollständig und beinhaltet nur die häufigsten Szenarien und Lösungsansätze:
Bei Verlust des Gleichgewichts: auffangende Schrittarbeit, Mitreiß-Gegenimpulse, Anker- und Hakentechniken zur Stabilisierung, Falltechnik
Bei Einbruch der Position: Kontrolle durch das übergeordnete/nächste Gelenk (Poon-Sao-Effekt)
Unausweichliche Kollisionen: Ablenkungen in Vor- oder Rückwärtsbewegung, Körperrotationen, Verwendung gleitender Oberflächen, Verteilung der Drucklast auf größeren Oberflächen, Nutzen des Stark-Schwach-Gefälles (Leverage; z.B. starkes Körperteil gegen schwaches Körperteil)
Fesselungen: spezielle Befreiungstechniken
Isolation: Defensivschutz-Taktiken mit anschließender Wiederausrichtung und Konter
Simultanangriff durch mehrere Angreifer: alle Maßnahmen zielen darauf ab, zu jedem Zeitpunkt des Kampfverlaufs nur mit jeweils einem Angreifer zu tun zu haben, z.B. durch Flucht, Verwendung (menschlicher) Schutzschilde und Hindernisse. In seltenen Fällen können auch Simultantechniken eingesetzt werden.
Kraftquellen, Potenzialverstärker
• Nutzung der eigenen Körperträgheit für die Verstärkung von Vorwärtsbewegung
• Nutzung gegnerischer Trägheit für Be- und Entschleunigung
• Nutzen gegnerischer Vorwärtsbewegung zur Verstärkung der eigenen Schlagkraft
• Nutzen der Gewichtskraft für Abwärtsbewegungen jedweder Art
• Nutzen des Bodens für aufrichtende Bewegungen im Allgemeinen und alle Innenbewegungen im Speziellen
• Isometrische Vordehnung
• Innere Muskelspannung (Tonus; Feder- bzw. Auf- und Entladeeffekt)
• Beschleunigung durch Zentripedaleffekte
• Verstärkung und Verdichtung von Kräften durch Konzentration bzw. Verringerung des Oberflächenquerschnitts
• Nutzen des Verdrängungseffektes beim Bewegen entlang der Angriffsbesetzungslinie
• Wirkungsverstärkung durch Änderung des Hebelarmes
• Innervation aus der Körpermitte, dem "Dan Tien"
• Nutzen der Atemmuskulatur zur Kraftverstärkung
• Nutzung mentaler Techniken
Allgemeine Grundsätze und Handlungsmaximen
• Die Einteilung von Innen und Außen (konvex/konkav)
• Das taktische Einteilen allen Handelns in Angriff, Verteidigung und Notlösungsstrukturen
• Der 3-Ebenen-Schutz für Defensivstrukturen
• Die Strategie der Vermeidung mechanischer Unschärfe
• Die Strategie der Favorisierung mechanischer Unschärfe
• Der Einsatz von Vordehnung und Isometrik (Kompensation der Reaktioszeitunschärfe)
• Die Strategie der 1-Chancen-Limitierung
• Die Strategie des gebrochenen Rhythmus (visueller Bereich)
• Die Meidung von Bodenkampf
• Dynamische (anpassende, hängende, halb stehende) Kontrolle des Gegners
• Fixierende "erdende" Kontrolle des Gegners
• Das Rauben von Gleichgewicht durch Brechen der Zentrallinie
• Die Strategie des Rückwärtsgehens
• Die Strategie der Annäherung zum Einsatz von KO-Waffen
• Die Strategie der Vorisolation
• Taktische Ansätze der Täuschung und Verschleierung der Absichten
• Das Erzeugen von Stabilität durch Schwerpunktsabsenkung
• Die Maxime des Ausgehens von Extrema
• Die Verwendung von Vibration und Rotation zur Erzeugung von "Ungriffigkeit"
• Peripheres Sehen zur Erweiterung des Wahrnehmungsfeldes
• Das Gebot des "Räumlichen Sehen" (Vermeidung des "Zyklopenblicks"; 3-D-Fähigkeit)
• Das Gebot des Nicht-Bewegens des Kopfes
• Der Einsatz von "Ellbogen-Kraft"
• Das Prinzip der Federkraft (Elastizität)
• Das Prinzip des ökonomischen Vorteils; "2:1-Prinzip"
• Das Prinzip der energetischen Spiegelung
• Das Prinzip der relativen Kraft
• Das Prinzip der Nachgiebigkeit (Weichheit)
• Das Prinzip der Härte (Unnachgiebigkeit)
• Das Prinzip des Schwingens
• Das Prinzip der Zersplitterung von Kräften
• Das Prinzip der Kräftekonzentration
• Das Prinzip der Trägheitsnutzung für Be- und Entschleunigung (Reborn Power)
• Das Prinzip der Absichtslosigkeit / Passivität
• Das Prinzip der Verdrängung (Angriffsbesetzungslinie)
• Das Prinzip “Hand vor Fuß” (Erklärungsmodell für relative Arbeitsweisen nach Kollisionen)
• Das Prinzip “Fuß vor Hand” (Innervationsfluss bei der Erzeugung von Kraft für aktive Bewegungsmuster)
• Das Prinzip des mechanisch erzeugten Automatismus
• Das Prinzip der Bewegungsverkettung (Weiterverwendung vorangegangener Bewegungen)
• Das Prinzip der favorisierenden Seite (Stärkenfavorisierung)
• Das Prinzip der Ganzkörpernachgiebigkeit durch Schrittarbeit
• Das Prinzip der Antizipation / Partizipation
• Das Keilprinzip
• Das Diagonalitäts- und Deckungsprinzip
• Das Prinzip der idealen Körperstatik
• Die Strategie der Informationsverdichtung
• Das Prinzip der vereinfachten Wahrnehmung
• Das Prinzip der Zusammenfassung von Funktionsabläufen
• Das Prinzip der Vorverinnerlichung von Abläufen
• Das Prinzip des überbestimmten Simultanschutzes
• Das Prinzip der Strukturanpassung für Angriff und Verteidigung
• Das Gebot der Mindestkraft
• Das Gebot der Höchstkraft
• Das Prinzip der Modellverinnerlichung (Bild statt Wort; Formelvermeidung)
• Das Prinzip der mentalen Einstimmung
• Das Prinzip der Hebelwirkung
• Das Prinzip der Verwendung von Stärke gegen Schwäche
• Das Prinzip der Verwendung von Schwäche gegen Stärke
• Das Prinzip der Veränderung von Konsistenz
• Das Prinzip der Universallösung: dieses in WT-Kreisen sehr bekannte Prinzip ist kein Bestandteil des DRAGOSWINGTSUN®! Die "Universallösung" ist im Grunde ein Vereinfachungsansatz, der in den meisten klassischen WingTsun-Schulen für Laien und Anfänger konzipiert wurde. Im DWT wird dieser Ansatz durch die Einteilung der Kampfmodi in Angriff, Verteidigung und Notlösung ersetzt. Eine Universallösung kann es genau genommen nicht geben, da die Voraussetzungen im Kampf sehr unterschiedlich sein können und eine Anpassung an die jeweils zu treffende Taktik erfordert.
Taktische Prinzipien
Die taktischen Kampfprinzipien sind ein Erklärungsmodell für systematisches Handeln (vergleichbar dem Ablauf eines Computerprogramms). Die ursprünglichen klassischen Prinzipien wurden im DWT ab Punkt 3 modifiziert und präzisiert:
1. Ist der Weg frei, stoße vor.
2. Ist der Weg versperrt, halte Kontakt (bleibe kleben).
3. Ist der Gegner nicht überwindbar oder zu stark, gib nach wie folgt:
3a.) Nach Patt-Situationen: indem du den Gegner aktiv ins Leere gehen lässt und dabei selbst aus der Angriffsflucht gehst
3b.) Nach durchdringenden Kollisionen: indem du dich durch eigenen Angriff vom Gegner verschiebst*
4. Zieht sich der Gegner zurück, folge ihm, indem du dich an ihn heranziehst (entspricht dem Prinzip der “Relativen Kraft”).
* Bei Verschiebungen geht es nicht darum, sich von den in unsere Richtung weisenden Kraftanteilen/Vektoren gegnerischer Kräfte im Sinne eins Wegschiebens zu entfernen; die vorwärts gerichteten Kräfte des Gegners bleiben unbeachtet und passieren im Erfolgsfall unseren Körper! Entscheidend ist vielmehr die Seitenstabilität unserer Technik. Die Seitenstabilitäten beider Kontrahenten, welche dazu dienen, den Angriff auf der Angriffsbesetzungslinie zu halten, sind es, die letztlich gegeneinander antreten. Grundlage für den Verschiebungseffekt ist das "Prinzip der alleinigen Raumbesetzung" (dh. zwei Körper können denselben Raum nicht zur gleichen Zeit beanspruchen).
Grundlegende Einteilung
Im DWT unterscheiden wir:
• Innere Kräfte: Kräfte, welche sich im inneren des Körpers selbst bilden und Anwendung finden, z.B. innere Spannung (Federkraft), das Zusammenspiel aktiver Bewegungen mittels druck- und zugfester Strukturen, Einsatz des Zwerchfells und Atemmuskulatur, Einsatz von Isometrik, das Nutzen eigener Körperträgheit.
• Äußere Kräfte: hierzu zählen alle Einflüsse außerhalb unseres Körpers, z.B. Gravitation, Bewegungen und Einwirkungen durch den Gegner, gegnerische Trägheitswiderstände
• Relative Kraft: hierbei geht es um das Ausnutzen gegnerischer Bewegungen während Druck oder Zug, bzw. Schlag oder Rückzug. Durch die Überlagerung unserer eigenen Bewegungen zu jener des Gegners, erhalten wir einen "relativen" Vorteil und überholen diesen sozusagen. Auf diese Weise kann uns selbst ein schneller Gegner nicht erreichen oder uns entkommen. Stets entsteht durch sein eigenes Mitwirken ein Vorteil für uns. Dai-Sifu Martin Dragos entwickelte diese Vorgehensweise bei seiner Suche nach einem echten auf mechanischer Grundlage basierenden Automatismus. In DWT-Kreisen dient hierbei als Erklärungsmodell die Metapher vom "Wettlauf der Schnecke mit einem Rennpferd": die langsame Schnecke gewinnt jedes Rennen, obgleich das Pferd absolut betrachtet schneller ist. Damit dies gelingt, muss sie auf dem Pferd sitzen! Da die Geschwindigkeit der Schnecke sich stets zur der des Pferdes addiert, gewinnt sie, da sie relativ betrachtet schneller ist.
Die klassischen Kraftprinzipien wurden im DWT verfeinert:
1. Mache dich frei von deiner eigenen Kraft, indem du nur jene Muskeln einsetzt, die du im jeweiligen Moment benötigst.
2. Mache dich frei von der Kraft deines Gegners, indem du verhinderst, dass seine Kräfte an dir wirken können (z.B. durch Ablenkungen oder dem Prinzip des Nachgebens (vergleichbar einem Überdruckventil).
3. Nutze die Kraft des Gegners, indem du seine Angriffswucht zur Wirkungsverstärkung (Gegner läuft direkt in unseren Schlag oder Tritt) oder zur eigenen Be- oder Entschleunigung nutzt (“Reborn-Power-Prinzip”).
4. Füge deine Kraft hinzu, wenn der Moment des höchsten Trägheitswiderstandes gekommen ist.
Unterschiede zu anderen Systemen
Unterschiede des DRAGOSWINGTSUN® zu anderen Systemen
Gegenüberstellung DWT zu klassischem WT
Eine komplexe Kampfkunst mit bloßen Worten zu umschreiben ist unmöglich. Wirklich repräsentativ ist daher nur der lebendige Eindruck. Wir empfehlen Ihnen daher den Besuch eines unserer WE-Seminare, auf welchem wir auf alle Aspekte des DWT durch praktische Beispiele eingehen. Um dem geneigten Leser jedoch erste Anhaltspunkte zu geben, seien hier die wichtigsten Merkmale des DWT aufgeführt:
Echter Automatismus
Im Rahmen seiner Ausbildung entwickelt der Lernende die notwendige Mindestkraft, welche die Voraussetzung für einen echten Automatismus schafft. Erst ab dem Erreichen dieser Schwelle, können wir von einem wirklichen System sprechen, da die Fülle der Entscheidungen auf einen einzigen Gedanken reduziert werden kann. Unter Berücksichtigung der mentalen Grenzen des menschlichen Geistes liefert das DRAGOSWINGTSUN® als einziges System eine Systematik, nach welcher ein Gedanke alle weiteren Entscheidungen im Moment einer Kollision überflüssig macht. Unser Handeln wird dadurch im entscheidenden Moment frei von anfälligen "Wenn-Dann-Schritten".
Es gibt ein Drei-Ebenen-Modell für den simultanen Schutz von Rumpf und Beinen. Eine reaktionstechnische Unterscheidung der Relationen „Hoch/Tief“ entfällt. Stattdessen wird nur ein einziger Entscheidungsschritt für die Innen-/Außenanpassung benötigt. Durch Vermeidung des klassischen "Vier-Felder- bzw. Quadranten-Modells" sparen wir 50%, bzw. bei Einbeziehung der Beine(6 Felder-Modell) gar 2/3 der ursprünglichen Reaktionszeit.
Körperwaffen-Anpassung für das Innen-/Außen-Prinzip
Im DRAGOSWINGTSUN® wenden wir das Innen-/Außen-Prinzip der (Körper-)Waffenanpassung über alle Distanzen an. Dies beinhaltet gleichsam den kontaktlosen, wie auch den Kontaktbereich des waffenlosen und bewaffneten Teils des Systems.
Angepasste- statt Universal-Lösung
Eine „Universallösung“ im Sinne eines immer gleichen "Vorgehens durch Hand und Fuß" verstößt gegen logische Gesetze des Kampfes. WingTsun als natürliches System lebt von Flexibilität und Anpassung. Daher gilt es, sich den Erfordernissen und Möglichkeiten einer Kampfsituation jeweils anzupassen. Da ein Kampfgeschehen jeweils unterschiedliche Ausgangslagen beinhalten kann, muss zwischen defensiven, offensiven und solchen Situationen unterschieden werden, in welchen wir uns jenseits idealer Bedingungen behaupten müssen (sogenannte „Notlösungen“).
Jeder dieser drei Modi (Angriffs-, Verteidigungs- und Notlösungskonzept) erfordert daher unterschiedliches Vorgehen hinsichtlich Körperarbeit, Kraftnutzung und Strategie. Die Gesamtkonzeption dieser drei Modi wird im DRAGOSWINGTSUN® durch die so genannte „Kampfsystematik“ beschrieben. Alle Modi stehen in einem logischen Zusammenhang in Verbindung.
Die Umsetzung des Systems hat im DRAGOSWINGTSUN® einen mechanischen Charakter. Die Funktionen beruhen auf elastischen, aber auch Druck- und Zugfesten Bewegungselementen, wobei klar definiert ist, welche Situationen und Umstände die jeweiligen Eigenschaften erfordern oder im Sinne eines Automatismus hervorbringen. Genau zu wissen, was in jedem Moment des Kampfes getan werden muss, hat oberste Priorität.
Das "Vier-Schritte-Modell"
Jeder Kampf wird durch ein 4 Schritte-Modell bewältigt. Diese sind:
1. Verhinderung des Wirkens eines (potenziellen) Schlages durch ausweichendes (Verteidigungskonzept) oder zuvorkommendes Verhalten (Angriffskonzept)
2. Kontrolle durch Isolation oder Fesselung; der Gegner soll im weiteren Verlauf keine Gelegenheit haben seine Waffen zu benutzen
3. Brechen des Gleichgewichts
4. Dynamische Kontrolle mit Finalschlag; die Kontrolle erfolgt idealerweise "schwebend", dh. Gegner wird nicht zu Boden gelassen
Eine-Chancen-Limitierung
Im gesamten Prozess erhält der Gegner keine zweite Chance für einen Angriff: nach dem ersten Kontakt wird durch den Einsatz von Brückenkonzepten eine dynamische Verbindung erzeugt, bei welcher der Gegner in Folge seine Waffen nicht mehr einsetzen kann. Dadurch wird ein unkontrollierter Schlagabtausch (der zwangsläufig zur Informationsüberlastung und Trefferrisiko führen würde) vermieden.
Stärken-Konzentration
DRAGOSWINGTSUN® beinhaltet das Einbeziehen und Nutzen eigener Stärken und Anlagen. Die Beachtung der Händigkeit spielt daher eine große Rolle.
Relative-Kraft / Relativ-Geschwindigkeit
Im DRAGOSWINGTSUN® gilt der Grundsatz, dass wir uns niemals auf bloße Schnelligkeit oder strukturelle Vorteile (wie z.B. Gleichzeitigkeit) verlassen. Stattdessen wird ein einkalkulierter Schutz vor Folgeangriffen in die eigenen Handlungen einbezogen. Absolute Stärken- und Geschwindigkeitsvorteile eines Gegners werden durch das „Prinzip der relativen Kraft“ zum eigenen Vorteil genutzt. Kraft und Bewegungen eines Gegners wird hierbei als Vehikel für das Erreichen eines Vorteils verwendet, indem wir diese zu unserer Bewegung hinzufügen. Wir kennen Relativ-Kraft sowohl für Druck-, als auch für Zugbewegungen.
Energetische Anpassung / Spiegelung
Zur Neutralisierung und Schwächung der Angriffsvorhaben eines Gegners verwenden wir im DRAGOSWINGTSUN® den Grundsatz der „Energetischen Spiegelung“ des Angreifers, welchem dem Prinzip „Gleiches mit Gleichem“ abgeleitet ist.
Reborn-Power-Prinzip
Je schwerer eine Masse ist, desto träger verhält sie sich in Bezug auf Beschleunigungen. Dieses Naturphänomen wird im DRAGOSWINGTSUN® durch das „Reborn-Power-Prinzip“ beschrieben. Es gestattet uns, unseren Körper mit Hilfe des Gegners zu be- oder entschleunigen, wodurch wir in Relation zu ihm mehr Kraft und Geschwindigkeit entwickeln können als er. Das Prinzip geht Hand in Hand mit "Relativer Kraft". Beispielsweise können wir die Körperträgheit eines Gegners zur eigenen Beschleunigung nutzen. Die zuvor investierte Stoßbewegung, welche den Gegner nicht erreichte und uns unser Gleichgewicht verlieren ließ, ist insofern nicht vergeudet. Stattdessen erfahren wir, entsprechende Trägheit vorausgesetzt, nach dem Mitreißen eine Verstärkung und Beschleunigung in Richtung des Gegners. Wir erhalten sozusagen zurück, was wir zuvor an Energie hineingesteckt haben, daher der Ausdruck "Wiedergeborene Kraft".
Integration der Waffenschrittarbeit in den waffenlosen Teil des Systems
Im DRAGOSWINGTSUN® erfolgt Nachgeben in erster Linie durch Schrittarbeit, welche sich dadurch auszeichnet, dass keine Entscheidungen getroffen werden müssen. Gerade die sogenannte „Weichheit“ ist in WT-Kreisen ein geflügeltes Wort, dass so gut wie immer mit „Schwäche“ verwechselt wird - und dies mit fatalen Folgen.
Die Integration der traditionell erst ab den Waffenprogrammen gelehrten Schritte in den waffenlosen Teil des Systems erfolgt im DRAGOSWINGTSUN® ab der ersten Unterrichtsstunde. Dies bedeutet, dass der Lernende einmal Erlerntes nicht wieder „vergessen“ oder über Bord werfen muss, sondern die „Endversion“ inhaltsübergreifend von Anfang an lernt.
Hierarchie von Kollisionsereignissen
Im DRAGOSWINGTSUN® unterscheiden wir zwischen verschiedenen Ergebnissen nach Kollisionen, welche sich in einer Kollisionshierarchie wiederspiegeln:
a.) Pattsituationen:
Keiner der Kontrahenten verliert sein Gleichgewicht. Es kommt zu einer Neutralisierung der jeweiligen Waffen.
b.) Kollision mit Gleichgewichtsverlust und Verschiebung
Einer der Kontrahenten erweist sich als stärker. Der schwächere Part kann seine Positionen halten und wird in Folge davon aus der Angriffslinie des Gegners "verschoben".
c.) Kollisionen mit einbrechenden Gliedmaßen ("Poon-Sao"):
Einer der Kontrahenten ist stärker als der andere. Durch zu spätes Innervieren der Muskeln beim Schlagen, unstimmiges Timing oder Auftreffen des gegnerischen Schlages auf die der "Armschwäche" zugeordneten Partien des unserer Gliedmaßen können diese "einknicken" bzw. gefaltet werden (Poon-Sao). Die nächste Gelenkinstanz übernimmt dann im Sinne eines Notfallschutzes ablenkende und schützende Funktionen. Der eingebrochene Arm springt danach in seine Ausgangslage zurück, um Folgeangriffe auszuführen etc.
Ausgeklügelte Schrittarbeit
Eines der Erkennungsmerkmale des DRAGOSWINGTSUN® ist sein Reichtum an Schritt- und Beinarbeit. Dies ermöglicht es dem Anwender sehr differenziert auf die verschiedensten Situationen eines Kampfes einzugehen.
Entschlüsselung der Formen
Die Formen des DWT gelten als wichtiger Lernschritt für das Aneignen grundlegender Bewegungsmuster. Diese Muster sind vergleichbar mit Werkzeugen, welche für unterschiedlichste Zwecke verwendet werden können. So wie man z.B. mit einem Brotmesser Butter streichen, einen Apfel schälen, eine Nuss knacken oder eine Schraube drehen könnte, so sind auch die Bewegungsmuster der Formen in ihrer Anwendungsmöglichkeit nicht auf einen einzelnen Verwendungszweck begrenzt. Alle Formen sind darauf ausgerichtet sich durch Zusammenspiel ihrer Muster synergetisch zu ergänzen. Funktional betrachtet beinhaltet jede Form gewissen Schwerpunkte:
Siu Nim Tao-Form: Die Siu Nim Tao ("Vereinfachte Form") ist ein didaktisches Vehikel. Durch Zerlegung von Gesamtbewegungen in einfachere Strukturen und dem Arbeiten mit meist nur einem Arm, kann unser Gehirn Abläufe leichter verarbeiten. Die Form dient der Aneignung grundlegender Bewegungsmuster und dem Kennenlernen der Innervations- und Kraftschöpfungsmechanismen für Aufwärts-, Horizontal- und Abwärtsbewegungen, sowie Kombinationen hieraus. Durch präzises Lokalisieren und das Zusammenspiel aller Körperteile wird ein Optimum der Wirkung erreicht.
Cham Kiu-Form: Die Cham Kiu-Form beinhaltet Muster zur Überbrückung von Distanzen, Isolation, Wurf und Wurfvereitelung.
Biu Tze-Form: Die Form beinhaltet im Schwerpunkt Notlösungsansätze für die Szenarien Gleichgewichtsverlust, unausweichliche Kollision, Einbrechen von Positionen, Befreiung aus Fesselungen und Griffen, sowie Ansätze gegen Simultanangriffe durch mehrere Gegner. Aufgrund der "inneren" Gefährlichkeit einzelner Muster (Ellbogen, Fingerstiche, Kantenschläge) wird sie in WT-Kreisen fälschlich oft als Angriffsform gesehen. Der Einsatz gefährlicher Techniken ist jedoch in entsprechenden Notlagen ein Muss, nicht jedoch Selbstzweck des DWT.
Bewahrung des Wissens / Chancengleichheit für alle
DRAGOSWINGTSUN® wird in sogenannten „Lektionen“ vermittelt. Diese sind keine „toten Abläufe“, sondern stellen exemplarische Anwendungen der Formeninhalte dar. Mit Hilfe dieser didaktischen Vermittlungsmethode erarbeitet sich der Lernenden Schritt für Schritt alle Aktions- und Reaktionsmuster des Systems und wird tutoriell durch die Aspekte und Wissenshierarchien des Systems geführt. Vorteil dieser Systematik ist, dass wertvolles Wissen selbst über Generationen nicht verloren geht, sondern jeder Schüler den gesamten Wissensschatz vermittelt bekommt.
Im Gegensatz hierzu handelt ein Lehrer, der seinen Schülern nur seine persönliche Note und favorisierten Inhalte vermittelt, den Schülern gegenüber fahrlässig und unverantwortlich, da dieser Prozess beinhaltet, dass mit jeder Generation weiteres Wissen verloren geht. Nur die systematische Strukturierung und Bewahrung des Wissens, z.B. in Lektionen, kann diesem Prozess entgegenwirken. Dies gilt vor allem in der heutigen Zeit, da ein Ausbilder oft viele Menschen unterrichtet und nicht wie zu feudalen Zeiten nur einen oder wenige.
INFOS FÜR VERBANDSGEPLAGTE
Überheblichkeit - Markenzeichen der vieler WingTsun-Verbände
Die WT-Kultur der Arroganz
Die teuerste Kampfkunst der Welt
WingTsun, die "teuerste Kampfkunst der Welt", macht süchtig nach mehr, mehr und noch mehr. Ein sehr bekannter chinesischer WingTsun-Großmeister formulierte das Verhältnis seiner Schüler zu ihm wie folgt: "Have you ever seen a drug addict?" (Haben Sie je einen Drogenabhängigen gesehen?). Er verwendet dies als prahlerische Geste zur Unterstreichung seines Wertes. Das Herabsehen auf andere - auch gegenüber anderen Kampfkünsten - ist in WT-Kreisen leider der Regelfall, nicht die Ausnahme. Es sind die kranken Machtphantasien dubioser "Großmeister", welche die Saat der Arroganz an die nächste Schülergeneration weitergeben. Unnahbar und Selbstverliebt schreiten sie durchs Leben. WT war (ursprünglich) eine hochentwickelte Kampfkunst und effektive Selbstverteidigung. Wenn ein WT-Lehrer jedoch aufgrund seiner technischer Überlegenheit anderen gegenüber für sich einen höheren Wert als Mensch ableitet, so ist dies mehr als lächerlich. Wir alle haben unsere Talente und Fähigkeiten, auf die wir stolz sein können und kein Mensch ist an sich wertvoller als ein anderer. Derlei Arroganz und Wichtigtuerei ist daher unangebracht.
Der überbewertete Anspruch technischer Überlegenheit
Die Kampfkünste wachsen zusammen. Nie zuvor hatten wir durch verschiedenste Medien und Publikationen so großen Zugang zu Wissensquellen, die es früher nicht gab. Die gegenseitige Befruchtung der Kampfkünste hat dazu geführt, dass es heute viele effektive Systeme zur Selbstverteidigung gibt. Der Anspruch des WT als "effektivste Kampfkunst der Welt" ist daher unangebracht, unbeweisbar und selbstverliebt. Heute sehen wir, dass die großen WT-Verbände dazulernen und Anleihen aus anderen Kampfkünsten übernehmen, selbst wenn dies nicht zugegeben wird. Mehr Bescheidenheit wäre also angebracht.
Menschenverachtung und Sektentum
Der herablassende Umgangston zwischen Lehrer und Schüler wirkt auf den Neuling, der sich vertrauensvoll in die Hände eines WT-Lehrers begibt zu Recht befremdlich:
• "Stell keine Fragen!"
• "Das gehört nicht zu deinem Programm!"
• "Du darfst außerhalb der Schule mit niemandem trainieren!"
• "Du darfst "Außenstehende" keinerlei Bewegungen zeigen!"
• "Du darfst keine anderen Kampfkünste trainieren!"
• "Wir bestimmen deinen sozialen Umgang außerhalb der Schule!"
• "Du musst Prüfungen ablegen!"
• "Wenn du als Ausbilder den Verband verlässt, musst du eine hohe Ablösesumme bezahlen!"
• "Du erhältst eine Anerkennung als Meister nur, wenn du einen (Knebel)Vertrag unterschreibst"
• "Du darfst deinen Ausbilder nie ohne Erlaubnis anfassen!"
• "Du musst dich verbeugen und die Ausbilder mit Titeln ansprechen, auch außerhalb der Schule!"
• "Du musst Privatstunden nehmen, um voran zu kommen!"
• "Du musst für einen Sifu-Titel bezahlen!"
• "Du musst an separaten Vorbereitungslehrgängen teilnehmen, um Prüfungen abzulegen!"
• "Bei Austritt verfallen all deine Graduierungen!"
Dies ist nur ein kleiner Auszug von Regeln, die stellvertretend in vielen WT-Schulen üblich sind. Die Vielzahl der Verbote erinnern an Sektenstrukturen und werden mit dem beschönigenden Begriff "traditionell chinesisch" abgetan, so als sei dies etwas Erstrebenswertes. In Wahrheit beinhalten all diese Regeln bloß eine Gängelung und Kontrolle des Schülers, welche nicht zuletzt der Machterhaltung und dem Erreichen kommerzieller Ziele dient. Ehrerbietung und Respekt dürfen keine Einbahnstraße sein. Ein Lehrer, der vom Schüler Respekt fordert, muss sich selbst durch vorbildliches Verhalten als würdig erweisen.
Geheimkult
Geheimkult im WingTsun
Das traurige Markenzeichen des WT
Geheimkult im Wing Tsun
Der so genannte „Geheimkult“, den man bis heute in der WT-Branche findet, entspringt zunächst historischen Wurzeln. Meist ging es in der Geschichte des WingTsun darum, dass die Kampfkunst nicht in falsche Hände (z.B. an Besatzer) geraten sollte. Zudem galt es, besonders in Kriegszeiten, die Identität der Begründer oder der aus ihnen hervorgehenden Nachfolger und Meisterschüler geheim zu halten. Diese Haltung teilte auch der verstorbene Großmeister Yip Man. Überlieferten Anekdoten zufolge lehnte er es ab, seinem später zu Weltruhm kommenden Schüler Bruce Lee, in die letzten Geheimnisse des Systems einzuweihen, da dieser die Kunst in den USA an Ausländer weitergab.
Der Geheimkult, dem wir heute in der WT-Branche begegnen, ist hingegen von anderer Natur. Er gründet sich vor allem auf den Erhalt wirtschaftlicher Interessen und Sicherung von Kundenbeständen. Aus unternehmerischer Sicht scheint dies tüchtig und klug. Der Kunde indes wird jedoch betrogen, da er von falschen Tatsachen ausgeht und sich in Obhut eines wohlwollenden Lehrers sieht. Durch Zurückhaltung und Regelung des Wissensflusses werden, ohne dass dies dem Schüler bewusst ist, Abhängigkeiten geschaffen. Dies ist die Kehrseite des sogenannten Verbandswesens. Dieser expandiert und besteht nur so lange, wie es gelingt, bestehende Mitglieder zu halten und neue zu rekrutieren. Böse Zungen behaupten gar, dass den meisten WT-Verbänden nichts daran liege, dass ein Schüler das Ziel seiner Reise - das WT-System vollständig zu erlernen - je erreicht wird.
Scheinheile WT-Welten
Scheinheile Wing Tsun-Welten - so werden Sie hinters Licht geführt
Ein kleiner Schwenk aus der psychologischen Trickkiste unseriöser WingTsun-Gurus:
Die Wing Tsun-Familie, die keine ist
Im alten China gab es lange Zeit keine öffentlichen Schulen. Die Wing Tsun-Kampfkunst wurde nur innerhalb der Familien und Clans weitergegeben. Entsprechend sorgte sich der "Sifu" (väterlicher Lehrer) um alle Belange des Schülers. Neben der technischen Ausbildung umfasste dies auch Unterkunft, Nahrung und moralische Bildung. Im Gegenzug wurde Gehorsam und Loyalität erwartet. So romantisch dies auch klingen mag, so wenig hat die heutige Realität der WT-Branche mit derlei Vorstellungen zu tun. Obgleich versucht wird, eine Brücke zu alten Traditionen zu knüpfen, indem man von Familiensystem spricht und Anreden wie "Sifu"(Vater-Lehrer), "Si-Hing"(älterer Bruder), "Si-Dai"(jüngerer Bruder) etc. verwendet, Gestern der Achtung und Unterwerfung benutzt(Verbeugungen, Tee-Zeremonie, Vermeidung von bestimmten Körperhaltungen etc.) , wird man schnell eines Besseren belehrt, sobald man aus der Reihe tanzt. Der Begriff "Familiensystem" wird zum reinen Lippenbekenntnis:
• Selbst wenn man Jahrzehnte treues Mitglied war, aber einmal knapp bei Kasse ist, wird man abgemahnt oder des Unterrichts verwiesen
• Hat man viele Jahre lang für seinen Sifu Wing Tsun-Schulen aufgebaut und verlässt die Organisation, wird man dennoch verleumdet, geächtet und Unwahrheiten werden verbreitet
• Hat jemand freundschaftlichen Kontakt zu einem Ex-Mitglied, wird ihm Misstrauen entgegengebracht und er wird abgemahnt
• Interessiert man sich für andere Kampfkünste, wird man kritisiert und ermahnt
• Für "Ehrentitel" des Sifu muss man bezahlen (welch Ehre...)
So geht das weiter. Einzig der monetäre Faktor zählt. Vom "Geist der Kampfkünste" keine Spur. Spätestens hier sollte der aufgeweckte Mensch erkennen, welche Komödie hier gespielt wird. Interessanter Weise sind es die emotionalen Bindungen, bzw. der bis zum Ende gehegte Glaube an die fürsorgliche Vaterfigur, welche das Aufwachen aus der Trance verhindert.
Den Schüler als künftigen Konkurrenten sehen
Für eine Organisation, welche ihre wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund stellt, hat die Sicherung und Maximierung ihrer Einkünfte oberste Priorität. Ein Lehrer, der in einem Schüler nur einen potenziellen Konkurrenten sieht, wird das Zepter seiner Macht niemals aus der Hand geben - und zugleich dafür sorgen, dass dieser Schüler niemals das Ziel seiner Reise erreicht. Präventiv werden daher verschiedene Kontrollmechanismen an ihm angewendet. Diese sind so versteckt und perfide, dass sie nicht als solche wahrgenommen werden:
Der Glaube, klein und bedeutungslos zu sein
"Du bist nichts, ich bin alles!" - auf diese Formel läuft der Glaubenssatz hinaus, den der Schüler verinnerlichen soll, damit er seinem Sifu treu bleibt. Dem Schüler wird zunächst auf der körperlich-technischen Ebene gezeigt, wie "gering" er ist. Selbst wenn er aufsteigt in die Liga der Ausbilder, so weiß er zwar mehr, als seine Mitschüler, fühlt sich aber dennoch stets unfertig, unvollkommen und hat 1000 Fragen. Es ist das Zurückhalten von Informationen über tieferliegende Zusammenhänge, welche den Wissensdurst in ihm am Leben halten. Auch wundert er sich, dass er selbst als Praktikergrad seinem Sifu nicht annähernd das Wasser reichen kann, obwohl er aus eigener Erfahrung weiß, dass die eigenen Schüler, wenn man sein Wissen aus vollen Stücken weitergibt, nach wenigen Jahren annähernd so gut sind wie man selbst. Etwas läuft also verkehrt, aber er weiß nicht was. Dabei merkt er nicht, wie der Gottvater ihn technisch immer aufs Neue in die Irre führt. Alle Theorien werden nach einigen Jahren verworfen und müssen umgelernt werden. Tragende Säulen etablierter Konzepte werden über Nacht als vereinfachtes Wissen deklariert. Das Katz- und Mausspiel ähnelt einem Fitnesstrend - schnelllebig, sprunghaft. Nach einigen Jahren weiß der Schüler schließlich nichts mehr, ist verwirrt und immer noch handlungsunfähig. Er hat allerlei gesehen und gesammelt, kann aber nichts anwenden. Er fragt den Sifu, was er tun soll?: "Du bist noch nicht so weit - trainiere weiter".
Künstliche Hürden
Aufsteiger, Talentierte und unternehmerisch denkende Menschen, sind dem Cheftrainer nicht willkommen. Wer sich selbst "gut" findet und erkennt, dass er sich durch gute Leistungen von der Masse abhebt, wird zum "Wackelkandidaten" - er muss durch einen künstlichen Prozess am Vorankommen gehindert werden. Das probate Mittel hierzu sind "Mondpreise" und "Wartezeiten". An der ersten Hürde scheitern schon viele, denn nicht jeder hat mehrere Tausend Euro für eine TG-Ausbildung übrig. Und selbst die gutbetuchten Besserverdiener können sich den Aufstieg nicht erkaufen, da sie an der Wartezeiten-Hürde scheitern. Hätte man ihm bei Beginn der Ausbildung gesagt, dass gut 25-30 Jahre vergehen werden, bevor er bestimmte Ausbildungsinhalte überhaupt "sehen" darf, hätte er sich vielleicht nicht für das WT entschieden. Vernichtung von Lebenszeit pur.
Unterbindung von Kommunikation
Obgleich manche Organisationen tausende Anhänger haben, gibt es keine echte Kommunikation der Mitglieder untereinander. Einseitige Informationen durch Rundschreiben oder Bekanntmachungen sind alles. Die Mitglieder sollen sich nicht verbinden und unliebsame Wahrheiten erfahren.
Gesetzeswidrige Knebelverträge
Ab den höheren Stufen der Praktiker-Ebene wird das Klima noch rauer. Die Signalwirkung eines die Organisation verlassenden Meisterschülers auf andere ist immens. Kein höherer Ausbilder darf daher "zu beliebt" sein oder eine besonders tragende Rolle spielen. Meistertitel werden nur nach Unterzeichnung einseitiger Verträge gegeben. Der Unterzeichner muss sich einem Knebelvertrag unterwerfen, aus welchem er angeblich nur durch Zahlung hoher Ablösesummen und untragbarer Zugeständnisse herauskommt. Diese oft gesetzeswidrigen Werke hinterlassen im Unterzeichner stets einen Zweifel daran, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Eine Kopie des Vertrages erhält er jedoch nie. Diese wird ihm unter fadenscheinigen Gründen nicht ausgehändigt. Der Vertrag ist dann plötzlich nicht mehr auffindbar, wurde von der Frau des Gurus verloren oder ging in der Wäsche kaputt (diese erheiternden Erklärungen beruhen auf wahren Geschehnissen!) - best practice à la WT.
Finanzielle Fehler vermeiden
Wie sie die grössten finanziellen Fehler im Rahmen Ihrer WingTsun-Ausbildung vermeiden
Eigentore sind im Wing Tsun meist hausgemacht
Die Angst vor dem eigenen WT-Lehrer
"Du sollst neben mir keine anderen Götter haben". Nein, wir sind nicht in der Bibelstunde. Vielmehr ist diese Formulierung in etwa das, was in den meisten Verbänden von ihren "Jüngern" erwartet wird. Wer dabei "erwischt wird", wie er über den Tellerrand sieht, bekommt Ärger, wir abgemahnt oder ausgeschlossen. Man stelle sich das einmal vor: erwachsene "reife" Menschen werden kurzerhand auf ein kindliches Niveau zurechtgestutzt. Diese Angst vor dem eigenen Lehrer ist es, welche den Wunsch und Hilfeschrei nach Anonymität erklingen lassen. Mancher WingTsun-Enthusiast, welcher bedingt durch Wissensdurst und gleichzeitiger Furcht vor dem Erwischtwerden in eine DVD-Sammel-Mentalität verfallen ist, besitzt nicht selten eine stattliche Bibliothek sämtlicher auf dem Markt verfügbarer Titel. Bei genauerem Betrachten stellt er irgendwann fest, dass er für das gleiche Geld eine vollwertige Ausbildung in der realen Welt hätte erhalten können.
Enttarnen Sie WT-Wölfe im Schafspelz
Der begeisterte Laie, welcher nichtsahnend und hochmotiviert mit einer Kampfkunst beginnt, ist sich meist nicht darüber bewusst, dass er im Begriff ist, einen langjährigen Pfad einzuschlagen, deren Weichen er am Anfang weise legen sollte. Es ist die Dynamik des "wer investiert ist motiviert" , welche ihn in Folge mit jedem Jahr - vergleichbar einem "schwarzen Loch" immer weiter in den Bann und Sog ziehen wird, wodurch ein Lösen aus etablierten Strukturen so gut wie unmöglich wird. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht doch Besseres findet! Schauen Sie nicht nur auf die Höhe des Monatsbeitrags, sondern vor allem auf die versteckten Kosten. Die meisten Wing Tsun-Verbände strotzen nur so davon. Neben dem monatlichen Schulbeitrag entstehen meist folgende Zusatzkosten:
• Verbandsmitglieds-Jahresgebühren
• Prüfungsgebühren
• Seminargebühren
• Schuluniform
• Fahrt und Übernachtungskosten für den Besuch von Seminaren und obligatorischen Prüfungslehrgängen; viele Prüfungen sind nur beim Großmeister oder deren Assistenten belegbar. Die Anreise ist daher meist unvermeidbar.
• Programmgebühren für höhere Programme; dies ist der mit Abstand größte Block. Einer der derzeit größten Wing Tsun-Verbände nimmt beispielsweise EUR 3000,- "Programmgebühr" für das Erlernen der Holzpuppen-Form (Einstiegsgebühr, bzw. Genehmigung für das Lernen, ohne eigentlichen Unterricht), sowie EUR 8000,- für das Erlernen der Messer-Form. Diese Kosten werden am Anfang der Ausbildung bewusst verschwiegen oder, falls man dies zufällig herausfindet, heruntergespielt gemäß dem Motto "das verteilt sich ja auf 25 Jahre" oder "das liegt in weiter Ferne" usw.
Eine Wing Tsun-Ausbildung kostet bei den etablierten Verbänden heute nicht selten EUR 50.000,- und mehr. Vergleichen Sie nicht nur Preise, sondern ziehen Sie stets die „Realpreise“ heran, welche die versteckten Kosten berücksichtigen. Lassen Sie sich daher zusätzlich zum Mitgliedsvertrag alle später entstehenden Kosten schriftlich im Vorfeld auflisten und bestehen Sie auf Einbindung in den Ausbildungsvertrag. Nur so lassen sich spätere Überraschungen vermeiden. Sie werden sehen, wie schnell sich die Gesichtsfarbe und Laune Ihres Gegenübers ändert, wenn er "die Hosen herunterlassen" und diese Dinge offenlegen muss.
Kultur der Verdummung
Kultur der Verdummung im Wing Tsun
So höhlt man das Wing Tsun-System von innen heraus aus
Vererbung des Unwissens
Beispiel-Dialog zwischen Lehrer (Sifu) und Schüler (To-Dai):
Schüler: "Si-Fu, warum darf ich diese oder jene Technik nicht üben?"
Lehrer: "Dafür hast du noch kein "Gefäß". Stell jetzt keine Fragen und übe weiter".
Kommt Ihnen dieser Dialog bekannt vor? Sie haben eine Frage, bekommen aber keine Antwort. Zudem sind Fragen grundsätzlich nicht erwünscht. Man reduziert Sie auf das Hörigkeitsniveau eines Kindes. In Ihrem Kopf entstehen viele Fragezeichen und Verwirrung. Man vertröstet Sie auf „später“, aber später kommt nie. Nach ungefähr 10 Jahren sind sie dann endlich genauso schlau wie vorher. Die „Vererbung des Unwissens“ hat nun Fuß gefasst. Und da man Ihnen nahelegt, doch eine Schule zu eröffnen, damit Sie sich die teure Ausbildung in Ihrem Verband mit Hilfe von Nebeneinkünften auch leisten können, geht das Spiel in die nächste Runde. Jetzt beginnt der innere Konflikt und Schmerz, der dazu führt, dass Sie sich und ihre Assistenten oder Schüler belügen müssen und so tun, als wüssten Sie immer bescheid, wenn Ihre eigenen Schüler Fragen stellen. Sie geben die gleiche Antwort: „Übe jetzt und stell keine Fragen - das kommt später“.
Das Märchen von der wahren Quelle
Im Gespräch mit Angehörigen verschiedener Verbände, auf die Frage hin, was sie denn "bei der Stange halten" würde, obgleich sie schlecht behandelt werden und nur langsam lernen, hört man häufig: "Ich möchte den Kontakt zur wahren Quelle nicht verlieren". Nicht zu fassen! Falls Sie sich oder jemand anderen an dieser Stelle wiedererkennen, sollten Sie sich mal darüber Gedanken machen, ob eine Quelle, die nicht sprudelt, per Definition überhaupt eine Quelle ist?! Das bewusste Vorenthalten von Informationen, die leichtfertige Weitergabe von Halbwissen durch unqualifizierte Lehrer, das sture Verschließen der „Meister“ gegenüber Neuem, eine falsch verstandene Bewahrung von Tradition, die ungeprüfte Übernahme von Wissen, sowie die bewusste Fortsetzung des Geheimkultes führt mit jeder neuen Schüler- und Lehrergeneration zu einer „Wissensverfallsspirale“ und verarmenden Entwicklung. Erschwerend kommt hinzu, dass Kommerzgedanke und der Kampf um Marktanteile bis heute das Bild der Szene bestimmen und dieser Umstand zum Erliegen eines fruchtbaren Erfahrungsaustausches beiträgt. Die sogenannte "Quelle" wird zu einer austrocknenden "Pfütze".
Es ist ein Naturgesetzt, wonach Qualität und Quantität nur selten einhergehen. Nicht nur ist es schwierig, grosse Scharen schnell angelernter Ausbilder zu wirklich qualifizierten Lehrern zu machen. Vielmehr wird dieser Fokus bewusst gewählt, um Abhängigkeiten zu schaffen. Denn wer sich "unreif und unfertig" fühlt, hat noch viel zu lernen und reiht sich ein in die Struktur. Nur die Fortgeschrittenen und Erfahreneren Wing Tsun-Ausbilder werden in den Augen des Gurus zum "Problem". Sie müssen durch Knebelverträge und Preishürden am Wachstum gehindert werden. Daher beobachtet man geradezu astronomische Preise ab den Lehrstufen der Meistergrade. Machiavelli lässt grüßen! Wenn Sie also das nächste mal den prahlerischen Worten eines Gurus lauschen und ihn "Wir sind die grössten, wir haben die meisten Schulen" sagen hören, so seien sie Gewiss, dass Größe hier mit Niveauverlust erkauft ist. Selbstredend bleibt es jedem anheimgestellt, sich für Größe oder Qualiät zu entscheiden. Mudus vult decipi - die Welt will betrogen werden, also sei sie es.
NOTWEHRPARAGRAPHEN
Notwehr im Wing Tsun
Paragraph 32 StGB - Notwehr -
Juristisch für die Notwehr entscheidend ist die Frage, wo der Angriff beginnt. Der Gesetzgeber verlangt von Ihnen nicht, dass Sie warten, bis die Faust des Übeltäters Ihnen das Nasenbein gebrochen hat. Sie dürfen juristisch und müssen selbstverteidigungstechnisch mit Ihrer verhältnismäßigen Verteidigung einsetzen, sobald der Angriff beginnt. Das heißt, z.B., wenn der Gegner zum Schlag ausholt, zum Tritt sein Gleichgewicht verlagert oder zur Angriffsvorbereitung die Distanz in deutlich erkennbarer feindlicher Absicht verändert.
Ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung, wer Angreifer und wer Verteidiger ist, wird die Frage sein: Wer ging zuerst auf wen los?
Um dies eindeutig zu klären, empfehle ich meinen Schülern, zunächst einmal demonstrativ zurückzugehen, um auch den Zeugen zu dokumentieren, dass kein Angriffswille Ihrerseits besteht. Dringt der Gegner jetzt in eindeutiger Absicht auf Sie ein, ist klar, wer der Angreifer und wer der Verteidiger ist. Um sich einwandfrei als Verteidiger ausweisen zu können, müssen Sie auf den Beginn des Angriffs warten. Dann aber müssen Sie wie ein Sprinter vom Startblock in diesen Angriff hinein. Sie sollten dem Gegner, der vor Ihnen mit dem Schlag beginnt, mit Ihrem eigenen Stoß zuvorkommen, dh. dessen Angriffshandlungen durch eigenes
hineingehen ausnutzen.
Überschreitet der Verteidiger die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.
Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigt wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.
1. Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib oder Freiheit eine rechtswidrige Tat begeht, um die Gefahr von sich, einem Angehörigen oder einer anderen ihm nahestehenden Person abzuwenden, handelt ohne Schuld. Dies gilt nicht, soweit dem Täter nach den Umständen, namentlich, weil er die Gefahr selbst verursacht hat oder weil er in einem besonderen Rechtsverhältnis stand, zugemutet werden konnte, die Gefahr hinzunehmen; jedoch kann die Strafe nach 49 Abs. 1 gemildert werden, wenn der Täter nicht mit Rücksicht auf ein besonderes Rechtsverhältnis die Gefahr hinzunehmen hatte.
2. Nimmt der Täter bei Begehung der Tat irrig Umstände an, welche ihn nach Absatz 1 entschuldigen würden, so wird er nur dann bestraft, wenn er den Irrtum vermeiden konnte. Die Strafe ist nach Paragraph 49 Abs. 1 zu mildern.
Paragraphen zu Sexualdelikten
Paragraph 177 StGB (Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung)
Paragraph 178 StGB Sexuelle Nötigung
1. Wer einen anderen mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben nötigt, außereheliche sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft.
2. In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.
3. Verursacht der Täter durch die Tat leichtfertig den Tod des Opfers, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

References: § 227
 § 32
 § 15
 § 34
 Art. 20
In dubio