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Timestamp: 2019-06-19 02:49:44+00:00

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Sozialversicherungslexikon > B > Be > Beitragssätze
§§ 241 ff., 249b SGB V
§§ 158, 172 Abs. 3, 3a SGB VI
§ 341 SGB III
Die Beiträge in der Sozialversicherung werden als Prozentsatz (Beitragssatz) der für den jeweiligen Versicherten maßgebenden beitragspflichtigen Einnahmen (z.B. Arbeitsentgelt) erhoben.
In der gesetzlichen Krankenversicherung sind der allgemeine und der ermäßigte Beitragssatz gesetzlich geregelt. Der allgemeine Beitragssatz beträgt für alle Krankenkassen einheitlich seit dem 01.01.2015 14,6 % und gilt für Mitglieder, die bei Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts oder einer Sozialleistung für mindestens sechs Wochen haben. Besteht kein Anspruch auf Krankengeld, ist der Beitragssatz entsprechend zu ermäßigen. Der ermäßigte Beitrag beträgt seit dem 01.01.2015 14,0 %.
Bei Wehr- und Zivildienstleistenden werden die Beiträge pauschal berechnet (§ 244 SGB V). Der Arbeitgeber einer geringfügig entlohnten Beschäftigung hat für Versicherte, die in dieser Beschäftigung versicherungsfrei oder nicht versicherungspflichtig sind, einen Beitrag i.H.v. 13 %, bei Beschäftigung im Haushalt von 5 %, des Arbeitsentgelts dieser Beschäftigung zu tragen. Soweit der Finanzbedarf einer Krankenkasse durch die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht gedeckt ist, hat sie in ihrer Satzung zu bestimmen, dass von ihren Mitgliedern ein Zusatzbeitrag in Höhe eines Prozentsatzes der Einnahmen erhoben wird. Für einige Personenkreise ist unabhängig von einer Satzungsregelung der durchschnittliche Zusatzbeitrag von 0,9 % (2019) zu erheben.
In der Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sind die Beitragssätze ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben. Sie betragen seit dem 01.01.2019 in der Pflegeversicherung 3,05 % (zuzüglich eines Zuschlags von 0,25 % für Kinderlose) sowie seit dem 01.01.2018 in der Rentenversicherung 18,6 %. In der Arbeitslosenversicherung beträgt der Beitragssatz seit dem 01.01.2019 2,5 % der gesetzliche Beitragssatz von 2,6 % ist durch Rechtsverordnung um 0,1 % abgesenkt. Für geringfügig entlohnte Beschäftigte, die in dieser Beschäftigung rentenversicherungsfrei oder von der Versicherungspflicht befreit sind, tragen die Arbeitgeber einen Beitragsanteil zur Rentenversicherung i.H.v. 15 % des Arbeitsentgelts, bei Beschäftigung im Privathaushalt i.H.v. 5 %.
Die Krankenkassen ziehen die Insolvenzgeldumlage ein. Der Beitragssatz beträgt seit dem 01.01.2018 0,06 %.
Rentenversicherungspflichtige Minijobs
In der Krankenversicherung gilt für versicherungspflichtig Beschäftigte der allgemeine Beitragssatz (Beitragsgruppe 1000), wenn bei Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich für mindestens sechs Wochen ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht. Nach § 241 SGB V beträgt der allgemeine Beitragssatz seit dem 01.01.2015 14,6 %.
Besteht kein Anspruch auf Krankengeld, ist der Beitragssatz entsprechend zu ermäßigen. Nach § 243 SGB V beträgt der ermäßigte Beitragssatz seit dem 01.01.2015 14,0 %.
Diese Regelung erfasst insbesondere folgende Personengruppen:
Arbeitnehmer, die eine Rente wegen voller Erwerbsminderung, Erwerbsunfähigkeit oder Vollrente wegen Alters aus der gesetzlichen Rentenversicherung (oder eine vergleichbare Leistung) beziehen (§ 50 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB V);
Arbeitnehmer, die ein nach den beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen gezahltes Ruhegehalt (oder eine vergleichbare Leistung) beziehen (§ 50 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB V);
Vorruhestandsgeldbezieher (§ 50 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB V);
Arbeitnehmer während der Freistellungsphase der Altersteilzeit.
Der ermäßigte Beitragssatz gilt auch für
versicherte Arbeitnehmer, die bei Arbeitsunfähigkeit nicht für mindestens sechs Wochen Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts haben (Ausnahme: für Heimarbeiter gilt der allgemeine Beitragssatz) sowie
Versicherte, die eine Rente aus einer öffentlich-rechtlichen Versicherungseinrichtung oder Versorgungseinrichtung ihrer Berufsgruppe oder von anderen vergleichbaren Stellen beziehen, die ihrer Art nach einer Erwerbsminderungsrente, Vollrente wegen Alters oder Beamtenpension entspricht.
Arbeitnehmer, die wegen der Befristung ihrer Beschäftigungsverhältnisse auf einen kürzeren Zeitraum als zehn Wochen (unter Beachtung einer vierwöchigen Wartezeit i.S.d. § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG)) keinen Anspruch auf Lohn- oder Gehaltsfortzahlung für mindestens sechs Wochen haben,
Arbeitnehmer, die "berufsmäßig" Beschäftigungen von weniger als einer Woche ausüben (unständig Beschäftigte i.S.d. § 27 Abs. 3 Nr. 1 SGB III),
in Heimarbeit Beschäftigte, sofern kein Entgeltfortzahlungsanspruch durch eine Tarifvertragsregelung i.S.d. § 10 Abs. 4 EFZG vorgesehen ist.
Hauptberuflich selbstständig Erwerbstätige und Arbeitnehmer, die im Fall der Arbeitsunfähigkeit keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung für sechs Wochen haben, können jedoch einen "gesetzlichen" Krankengeldanspruch wählen und zahlen dann den allgemeinen Beitragssatz. Andere Versicherte, die auf einen Krankengeldanspruch angewiesen sind oder einen höheren Krankengeldanspruch wünschen, können einen Krankengeld-Wahltarif nach § 53 Abs. 6 SGB V wählen.
Der Arbeitgeber hat für geringfügig entlohnte Beschäftigte (450-EUR-Job - Pauschalbeiträge) einen Krankenversicherungsbeitrag von 13 % zu zahlen (§ 249b SGB V). Für im Privathaushalt Beschäftigte beträgt der Beitrag 5 %. Der Beitrag ist an die Minijobzentrale (§ 28i Satz 5 SGB IV) abzuführen.
Soweit der Finanzbedarf einer Krankenkasse durch die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht gedeckt ist, hat sie in ihrer Satzung zu bestimmen, dass von ihren Mitgliedern ein Zusatzbeitrag erhoben wird. Der Zusatzbeitrag ist einkommensabhängig als Vomhundertsatz der beitragspflichtigen Einnahmen festzusetzen und der Höhe nach nicht begrenzt. Bei der Einführung bzw. Erhöhung des Zusatzbeitrags steht den Mitgliedern ein Sonderkündigungsrecht zu; auch wenn das Kündigungsrecht fristgemäß ausgeübt wird, ist der Zusatzbeitrag bis zum Ende der Mitgliedschaft zu entrichten.
Das Bundesministerium für Gesundheit legt nach Auswertung der Ergebnisse des Schätzerkreises die rechnerische Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes für das Folgejahr fest und gibt diesen Wert in Prozent jeweils bis zum 01.11. eines Kalenderjahres im Bundesanzeiger bekannt. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag für das Kalenderjahr 2019 beträgt 0,9 %. Er gilt für folgende Personengruppen:
Behinderte Menschen in Werkstätten und Anstalten, wenn das tatsächliche Arbeitsentgelt den gesetzlichen Mindestbetrag nicht übersteigt,
Auszubildende, die monatlich nicht mehr als 325,00 EUR erhalten sowie
Der Beitragssatz in der Pflegeversicherung ist gesetzlich geregelt und beträgt ab dem 01.01.2019 3,05 %. Für kinderlose Mitglieder, die das 23. Lebensjahr vollendet haben, wird dieser Beitragssatz um 0,25 % erhöht. Dies gilt nicht, wenn das Mitglied vor dem 01.01.1940 geboren ist. Die Elterneigenschaft des Mitglieds ist der beitragsabführenden Stelle nachzuweisen. Der Zuschlag ist erstmals nach Ablauf des Monats zu zahlen, in dem das kinderlose Mitglied das 23. Lebensjahr vollendet. Das Mitglied trägt den Beitragszuschlag allein. Er wird i.R.d. Gesamtsozialversicherungsbeitrags erhoben, sodass kein zusätzliches Beitragsabführungsverfahren erforderlich ist.
3. Renten- und Arbeitslosenversicherung
In der Rentenversicherung beträgt der Beitragssatz seit dem 01.01.2018 18,6 %, in der Arbeitslosenversicherung seit dem 01.01.2019 2,5 %. Diese Beitragssätze sind gesetzlich festgelegt. In der Arbeitslosenversicherung ist der gesetzliche Beitragssatz von 2,6 % durch Rechtsverordnung um 0,1 % vermindert.
Für versicherungsfreie geringfügig entlohnte Beschäftigte ist ein Beitrag zur Rentenversicherung i.H.v. 15 % des tatsächlichen Arbeitsentgelts vorgesehen, für im Haushalt Beschäftigte 5 %. Der Betrag ist vom Arbeitgeber allein aufzubringen und an die Bundesknappschaft abzuführen (§ 28i SGB IV) und im besonderen "Beitragsnachweis für geringfügig Beschäftigte" aufzuführen (Beitragsgruppe 0500). Ein Arbeitslosenversicherungsbeitrag fällt nicht an.
4. Rentenversicherungspflichtige Minijobs
Bei versicherungspflichtigen geringfügig entlohnten Beschäftigungen sind vom Arbeitsentgelt 18,6 % an Beiträgen für die Rentenversicherung zu berechnen. Der Arbeitgeber trägt hiervon 15 % bzw. für im Haushalt Beschäftigte 5 %. Der Arbeitnehmer trägt 3,6 %, bzw. bei im Haushalt Beschäftigten 13,6 %. Dabei ist zu beachten, dass für die Beitragsberechnung der Beiträge des Arbeitnehmers eine Mindestbemessungsgrundlage von 175,00 EUR zugrunde zu legen ist (Beitragspflichtige Einnahmen - Mini-Jobs).
5. Entwicklung der Beitragssätze
ALV in %
KV (durchschnittlicher Beitragssatz in %)
01.01.1970 - 31.12.1971 17,0 1,3 ./.
01.01.1972 - 31.12.1972 17,0 1,7 ./. 6,2
01.01.1973 - 31.12.1973 18,0 1,7 ./. 8,4
01.01.1974 - 31.12.1974 18,0 1,7 ./. 9,2
01.01.1975 - 31.12.1975 18,0 2,0 ./. 9,5
01.01.1976 - 31.12.1976 18,0 3,0 ./. 10,5
01.01.1977 - 31.12.1978 18,0 3,0 ./. 11,3
01.01.1979 - 31.12.1979 18,0 3,0 ./. 11,4
01.01.1980 - 31.12.1980 18,0 3,0 ./. 11,2
01.01.1981 - 31.12.1981 18,5 3,0 ./. 11,4
01.01.1982 - 31.12.1982 18,0 4,0 ./. 11,8
01.01.1983 - 31.08.1983 18,0 4,6 ./. 12,0
01.09.1983 - 31.12.1983 18,5 4,6 ./. 11,8
01.01.1984 - 31.12.1984 18,5 4,6 ./. 11,8
01.01.1985 - 31.05.1985 18,7 4,4 ./. 11,4
01.06.1985 - 31.12.1985 19,2 4,1 ./. 11,8
01.01.1986 - 31.12.1986 19,2 4,0 ./. 11,8
01.01.1987 - 31.12.1987 18,7 4,3 ./. 12,2
01.01.1988 - 31.12.1989 18,7 4,3 ./. 12,6
01.01.1990 - 31.12.1990 18,7 4,3 ./. 12,9
01.01.1991 - 31.03.1991 18,7 4,3 ./. 12,8
01.04.1991 - 31.12.1991 17,7 6,8 ./. 12,2 West; 12,8 Ost
01.01.1992 - 31.12.1992 17,7 6,3 ./. 12,2 West; 12,8 Ost
01.01.1993 - 31.12.1993 17,5 6,5 ./. 12,5 West; 12,7 Ost
01.01.1994 - 31.12.1994 19,2 6,5 ./. 13,4 West; 12,5 Ost
01.01.1995 - 31.12.1995 18,6 6,5 1,0 13,4 West; 12,5 Ost
01.01.1996 - 30.06.1996 19,2 6,5 1,0 13,2 West; 12,8 Ost
01.07.1996 - 31.12.1996 19,2 6,5 1,7 13,4 West; 13,3 Ost
01.01.1997 - 31.12.1997 20,3 6,5 1,7 13,4 West; 13,3 Ost
01.01.1998 - 31.12.1998 20,3 6,5 1,7 13,3 West; 13,7 Ost
01.01.1999 - 31.03.1999 20,3 6,5 1,7 13,6 West; 14,0 Ost
01.04.1999 - 31.12.1999 19,5 6,5 1,7 13,5 West; 13,9 Ost
01.01.2000 - 31.12.2000 19,3 6,5 1,7 13,5 West; 13,9 Ost
01.01.2001 - 31.12.2001 19,1 6,5 1,7 13,5 West; 13,8 Ost
01.01.2002 - 31.12.2002 19,1 6,5 1,7 13,5
01.01.2003 - 31.12.2003 19,5 6,5 1,7 14,0
01.01.2004 - 31.12.2004 19,5 6,5 1,7 14,3
01.01.2005 - 30.06.2005 19,5 6,5 1,7 und 0,25 Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder nach Vollendung des 23. Lebensjahres 14,3
01.07.2005 - 31.12.2005 19,5 6,5 wie vor 14,2
01.01.2006 - 31.12.2006 19,5 6,5 wie vor 13,3
01.01.2007 - 31.12.2007 19,9 4,2 wie vor 13,3
01.01.2008 - 30.06.2008 19,9 3,3 wie vor 13,9
01.07.2008 - 31.12.2008 19,9 3,3 1,95 und 0,25 Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder nach Vollendung des 23. Lebensjahres 13,9
01.01.2009 - 30.06.2009 19,9 2,8 wie vor 15,5 (bundeseinheitlicher Beitragssatz)
01.07.2009 - 31.12.2009 19,9 2,8 wie vor 14,9
01.01.2010 - 31.12.2010 19,9 2,8 wie vor 14,9
01.01.2011 - 31.12.2011 19,9 3,0 wie vor 15,5
01.01.2012 - 31.12.2012 19,6 3,0 wie vor 15,5
01.01.2013 - 31.12.2013 18,9 3,0 2,05 und 0,25 Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder nach Vollendung des 23. Lebensjahres 15,5
01.01.2014 - 31.12.2014 18,9 3,0 wie vor 15,5
01.01.2015 - 31.12.2015 18,7 3,0 2,35 und 0,25 Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder nach Vollendung des 23. Lebensjahres 14,6
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 0,9
01.01.2016 - 31.12.2016 18,7 3,0 wie vor 14,6
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 1,1
01.01.2017 - 31.12.2017 18,7 3,0 2,55 und 0,25 Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder nach Vollendung des 23. Lebensjahres 14,6 Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 1,1
01.01.2018 - 31.12.2018 18,6 3,0 2,55 und 0,25 Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder nach Vollendung des 23. Lebensjahres 14,6 Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 1,0
ab 01.01.2019 18,6 2,5 3,05 und 0,25 Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder nach Vollendung des 23. Lebensjahres 14,6 Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 0,9

References: § 341
 § 241
 § 243
 § 3
 § 27
 § 10
 § 53