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Timestamp: 2020-05-26 06:27:58+00:00

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BVerwG, 2 B 90.13: Dienstzeit, Beamtenverhältnis, Rechtseinheit, Schulausbildung
Urteil des BVerwG vom 06.05.2014, 2 B 90.13
Aktenzeichen: 2 B 90.13
Dienstzeit, Beamtenverhältnis, Rechtseinheit, Schulausbildung
BVerwG 2 B 90.13 OVG 1 A 38/13
hat der 2. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 6. Mai 2014 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Domgörgen und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Hartung und Dr. Kenntner
gestützte Beschwerde (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 und 2 VwGO) der Beklagten ist unbegründet.
21. Der 1955 geborene Kläger stand als technischer Fernmeldehauptsekretär im
Dienst der Beklagten. 1973 ging der Kläger kurz vor der Beendigung des
10. Schuljahres von der Realschule ab. Anschließend absolvierte er von September 1973 bis August 1976 die Ausbildung zum Fernmeldehandwerker. Nach
einer mehrjährigen Tätigkeit als Angestellter bei der Deutschen Bundespost
wurde er zum 1. November 1985 zum Beamten auf Probe ernannt. Auf seinen
Antrag hin versetzte ihn die Beklagte mit Ablauf des 31. August 2010 in den
Ruhestand. Den Antrag des Klägers, seine Ausbildungszeit zum Fernmeldehandwerker als weitere ruhegehaltfähige Dienstzeit anzuerkennen, lehnte die
Beklagte ab. Die nach erfolglosem Widerspruch erhobene Klage hat das Verwaltungsgericht abgewiesen. Das Oberverwaltungsgericht hat die Beklagte dagegen verpflichtet, über den Antrag des Klägers auf Anerkennung seiner Ausbildungszeit zum Fernmeldehandwerker als weitere ruhegehaltfähige Dienstzeit
unter Berücksichtigung der Rechtsauffassung des Gerichts erneut zu entscheiden. Im Übrigen hat es die Berufung des Klägers zurückgewiesen. Zur Begründung hat es im Wesentlichen ausgeführt:
3Für die Auslegung von § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 BeamtVG sei maßgeblich, ob die Ausbildung nach den laufbahnrechtlichen Regelungen, die zur
Zeit ihrer Ableistung gegolten hätten, neben der allgemeinen Schulbildung zur
Übertragung des ersten statusrechtlichen Amtes als allgemeine normative Einstellungsvoraussetzung erforderlich gewesen sei. Allein das Abstellen auf diesen Zeitraum gewährleiste, dass der später in das Beamtenverhältnis übernommene Beamte annähernd die Versorgung erhalte, die er beziehen würde,
wenn er sich während der Zeit, in der er die besondere Eignung für die Wahrnehmung seines späteren Amtes erlangt habe, bereits im Beamtenverhältnis
befunden hätte. Die zum Zeitpunkt der Ausbildung des Klägers maßgeblichen
Bestimmungen hätten den erfolgreichen Abschluss der Hauptschule und daneben den Nachweis der erforderlichen technischen Befähigung, etwa durch eine
bestandene Gesellenprüfung in einem der jeweiligen Fachrichtung entsprechenden Handwerk, erfordert. Dementsprechend handele es sich bei der Ausbildung zum Fernmeldehandwerker um eine außer der allgemeinen Schulbildung vorgeschriebene Ausbildung, deren nach Vollendung des 17. Lebensjahres verbrachte Mindestzeit nach § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BeamtVG als ruhegehaltfähige Dienstzeit anerkannt werden könne.
„ob bei Beamten des mittleren technischen Dienstes, die ab 1980 in ein Beamtenverhältnis übernommen wurden und die keine mittlere Reife vorweisen konnten, eine vor 1980 durchgeführte Lehre als ruhegehaltfähige Dienstzeit anerkannt werden kann.“
des Revisionsgerichts erheblich sein wird (stRspr., u.a. Beschluss vom 2. Oktober 1961 - BVerwG 8 B 78.61 - BVerwGE 13, 90 <91 f.>). Die von der Beschwerde der Sache nach aufgeworfene Frage nach dem für die Anwendung
von § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 BeamtVG maßgeblichen Recht rechtfertigt die Zulassung der Revision nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO nicht. Denn
sie ist in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts im Sinne des Urteils des Oberverwaltungsgerichts geklärt.
6Im Beamtenversorgungsrecht ist grundsätzlich das bei Eintritt des Versorgungsfalls geltende Recht maßgeblich (Urteile vom 25. August 2011 - BVerwG 2 C
22.10 - Buchholz 239.1 § 5 BeamtVG Nr. 20 Rn. 8 und vom 26. November 2013
- BVerwG 2 C 17.12 - IÖD 2014, 66 Rn. 7). Nach § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1
BeamtVG in der Fassung des am 25. März 2010 in Kraft getretenen Gesetzes
zur Unterstützung der Fachkräftegewinnung im Bund und zur Änderung weiterer dienstrechtlicher Vorschriften vom 15. März 2012 (BGBl I S. 462) kann die
nach Vollendung des 17. Lebensjahres verbrachte Mindestzeit der außer der
allgemeinen Schulbildung vorgeschriebenen Ausbildung als ruhegehaltfähige
Dienstzeit berücksichtigt werden. Wird aber die allgemeine Schulbildung durch
eine andere Art der Ausbildung ersetzt, so steht diese nach § 12 Abs. 1 Satz 2
BeamtVG mit der Folge der Schulbildung gleich, dass diese Zeit nicht zu berücksichtigen ist.
7Die Frage, ob der betreffende Bewerber in das Beamtenverhältnis berufen werden kann (§ 7 BBG und § 7 BeamtStG), bestimmt sich nach den zum Zeitpunkt
der Ernennung geltenden Bestimmungen, insbesondere den laufbahnrechtlichen Regelungen. Dagegen ist für die Frage der Berücksichtigung von Zeiten
als ruhegehaltfähig nach Maßgabe von § 12 Abs. 1 Satz 1 und 2 BeamtVG das
zur Zeit der jeweiligen Ausbildung maßgebliche Recht entscheidend. Welche
Ausbildung im Sinne des § 12 Abs. 1 BeamtVG vorgeschrieben ist und ob sie
eine in erster Linie geforderte allgemeine Schulbildung ersetzt, ergibt sich aus
den laufbahnrechtlichen Regelungen zur Zeit der Ableistung der jeweiligen
Ausbildung (Urteile vom 28. April 1983 - BVerwG 2 C 97.81 - Buchholz 235
§ 28 BBesG Nr. 8 S. 12, vom 26. September 1996 - BVerwG 2 C 28.95 -
Buchholz 239.1 § 12 BeamtVG Nr. 11 S. 4, vom 29. September 2005 - BVerwG
2 C 33.04 - Buchholz 239.2 § 23 SVG Nr. 4 Rn. 9 und vom 11. Dezember 2008
- BVerwG 2 C 9.08 - Buchholz 239.1 § 12 BeamtVG Nr. 17 Rn. 21 sowie Beschlüsse vom 20. Juli 1989 - BVerwG 2 B 33.88 - Rn. 4 und vom 5. Dezember
2011 - BVerwG 2 B 103.11 - Rn. 11). Durch die Berücksichtigung der nach
Vollendung des 17. Lebensjahres verbrachten Mindestzeit der außer der allgemeinen Schulbildung vorgeschriebenen Ausbildungszeiten oder Zeiten praktischer hauptberuflicher Tätigkeiten sollen die Unterschiede ausgeglichen werden, die dadurch entstehen könnten, dass für einzelne Laufbahnen einer Laufbahngruppe eine längere Ausbildung als für andere Laufbahnen oder eine praktische hauptberufliche Tätigkeit vorgeschrieben ist. Auf diese Weise sollen
Nachteile der Laufbahnverzögerung durch Erfüllung der vorgeschriebenen
Laufbahnerfordernisse gegenüber solchen Beamten vermieden werden, die
unmittelbar nach dem Schulabschluss in das Beamtenverhältnis eintreten und
damit bereits von einem früheren Zeitpunkt an ruhegehaltfähige Dienstzeiten
erwerben können. Entscheidend ist, dass der Beamte nicht in der Lage war, die
durch die vorgeschriebene Ausbildung oder hauptberufliche Tätigkeit entstehende Verzögerung zu vermeiden, so dass auf die Vorschriften abzustellen ist,
die zur Zeit der Ausbildung galten (Urteil vom 28. April 1983 a.a.O.).
8Dabei ist gerade in Bezug auf das Vorbringen der Beschwerde zu beachten,
dass die Regelungen des § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 BeamtVG insoweit einheitlich anzuwenden sind. Die Frage, ob eine andere Art der Ausbildung
die allgemeine Schulausbildung ersetzt (z.B. das Erfordernis des Realschulabschlusses durch den erfolgreichen Abschluss der Hauptschule sowie einer Berufsausbildung), darf deshalb nicht isoliert nach den zum Zeitpunkt der Berufung in das Beamtenverhältnis maßgeblichen Vorschriften beantwortet werden.
93. Zugunsten der Beklagten geht der Senat davon aus, dass mit der Beschwerde auch geltend gemacht wird, das Urteil des Oberverwaltungsgerichts weiche
im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO von Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts ab und beruhe auf dieser Abweichung. Auch diese Rüge führt
10Eine Divergenz im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO setzt voraus, dass das
Bundesverwaltungsgerichts nicht anwendet, weil es ihn für unrichtig hält
310 § 133 VwGO Nr. 26 S. 14, vom 3. Juli 2007 - BVerwG 2 B 18.07 -
Buchholz 235.1 § 69 BDG Nr. 1 Rn. 4 und vom 28. Oktober 2008 - BVerwG 2 B
53.08 - juris Rn. 3). Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor.
11Den in der Beschwerdebegründung angeführten Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts kann entgegen der Beschwerde nicht der abstrakte
Rechtssatz entnommen werden, hinsichtlich der Frage, ob die allgemeine
Schulausbildung durch eine andere Art der Ausbildung im Sinne von § 12
Abs. 1 Satz 2 BeamtVG ersetzt werde, sei grundsätzlich auf das zum Zeitpunkt
des Eintritts in die jeweilige Beamtenlaufbahn geltende Beamtenrecht und damit
insbesondere auf die insoweit maßgeblichen Laufbahnvorschriften abzustellen.
12Die Urteile des Senats vom 19. September 1991 (- BVerwG 2 C 34.89 -
Buchholz 240 § 28 BBesG sowie - BVerwG 2 C 37.89 - n.v.) betreffen die Festsetzung des Besoldungsdienstalters des jeweiligen Klägers und befassen sich
mit der Auslegung des § 28 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BBesG in der Fassung der Bekanntmachung des Bundesbesoldungsgesetzes vom 13. November 1980
(BGBl I S. 2081). Die Zulassung der Revision wegen Divergenz setzt aber voraus, dass das Oberverwaltungsgericht in Anwendung derselben Rechtsvorschrift von einem vom Bundesverwaltungsgericht aufgestellten abstrakten
13Das Urteil vom 26. September 1996 (- BVerwG 2 C 28.95 - Buchholz 239.1
§ 12 BeamtVG Nr. 11 S. 4 f.) entspricht in Bezug auf die Bewertung der vom
Kläger des dortigen Verfahrens absolvierten Lehre als nach § 12 Abs. 1 Satz 2
BeamtVG nicht zu berücksichtigende Ausbildungszeit entgegen der Annahme
der Beschwerde den oben dargelegten Grundsätzen. Denn das Bundesverwaltungsgericht hat ausgeführt, dass diese Lehre zusammen mit dem erfolgreichen
Abschluss der Volksschule den nach den zum Zeitpunkt der beruflichen Ausbildung maßgeblichen laufbahnrechtlichen Vorschriften regelmäßig geforderten
Mittelschulabschluss ersetzte. Auch im Beschluss vom 5. Dezember 2011
(- BVerwG 2 B 103.11 - Rn. 11) hat der Senat auf die laufbahnrechtlichen Regelungen abgestellt, die zum Zeitpunkt der Ableistung der Ausbildung für die
Übertragung des ersten statusrechtlichen Amtes maßgeblich waren.
14Die Beschwerde zieht auch den Senatsbeschluss vom 13. Januar 1992
(- BVerwG 2 B 90.91 -) heran. Dieser betrifft zwar § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und
Satz 2 BeamtVG und nimmt auch ausdrücklich Bezug auf die oben angeführten
Senatsurteile vom 19. September 1991 (- BVerwG 2 C 34.89 sowie BVerwG
2 C 37.89 -). Dem Beschluss ist aber keine ausdrückliche Stellungnahme zu der
Frage zu entnehmen, ob es für die Vorbildungsvoraussetzungen auf die
Rechtslage zum Zeitpunkt der Absolvierung der Lehre oder auf den Rechtszustand zum Zeitpunkt der Berufung in das Probebeamtenverhältnis ankommt.
Aus dem Beschluss des VGH Mannheim vom 25. April 1991 (- 11 S 2509/89 -),
der Gegenstand des Senatsbeschlusses vom 13. Januar 1992 ist, kann aber
wohl entnommen werden, dass der Senat tatsächlich die Rechtslage zum Zeitpunkt der Berufung in das Beamtenverhältnis als maßgeblich angesehen hat.
Der Senat hat in seinem Beschluss vom 13. Januar 1992 hinsichtlich des Zugangs zu den Laufbahnen des mittleren Dienstes auf § 17 Nr. 1 BBG in der
Fassung des am 1. September 1976 in Kraft getretenen Zweiten Gesetzes zur
Änderung beamtenrechtlicher Vorschriften vom 18. August 1976 (BGBl I
S. 2209) abgestellt („mindestens der Abschluss der Realschule“). Nach dem
Beschluss des VGH Mannheim hatte der dortige Kläger, ein Lokomotivführer,
seine Lehre zum Elektroinstallateur aber bereits in der Zeit von Dezember 1974
bis Ende Januar 1976 absolviert.
15Dennoch scheidet die Zulassung der Revision wegen Divergenz aus. Eine Abweichung im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO liegt nicht vor, wenn das Berufungsgericht einer Rechtsansicht entgegengetreten ist, die das Bundesverwaltungsgericht zwar in der Vergangenheit vertreten hat, inzwischen aber nicht
mehr vertritt (Beschluss vom 5. Mai 1999 - BVerwG 4 B 35.99 - NVwZ 2000,
65 f.; Kopp/Schenke, VwGO, 19. Aufl., § 132 Rn. 18). Die Zulassung der Revision wegen Divergenz dient der Wahrung und Erhaltung der Rechtseinheit.
Diese Rechtseinheit ist aber nicht mehr gefährdet, wenn die Entscheidung, von
der abgewichen wird, zwischenzeitlich überholt ist (Urteil vom 11. April 2002
- BVerwG 4 C 4.01 - BVerwGE 116, 169 <173> = Buchholz 310 § 127 VwGO
Nr. 11 S. 7). Dies ist auch gegeben, wenn das Revisionsgericht die vereinzelte,
seiner früheren Spruchpraxis widersprechende Rechtsprechung wieder aufgegeben hat und nunmehr wieder in Übereinstimmung mit der früheren ständigen
Rechtsprechung entscheidet. So liegt es hier. Der Senat hat nach seinem Beschluss vom 13. Januar 1992 mehrfach, übereinstimmend mit der früheren
ständigen Rechtsprechung entschieden, dass die laufbahnrechtlichen Regelungen zur Zeit der Ableistung der jeweiligen Ausbildung maßgeblich sind (Urteile
vom 26. September 1996 - BVerwG 2 C 28.95 - Buchholz 239.1 § 12 BeamtVG
Nr. 11 S. 4, vom 29. September 2005 - BVerwG 2 C 33.04 - Buchholz 239.2
§ 23 SVG Nr. 4 Rn. 9 und vom 11. Dezember 2008 - BVerwG 2 C 9.08 -
Buchholz 239.1 § 12 BeamtVG Nr. 17 Rn. 21 und Beschluss vom 5. Dezember
2011 - BVerwG 2 B 103.11 - Rn. 11).
Streitwerts beruht auf § 47 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 und § 52 Abs. 1 und GKG.
BeamtVG § 12 Abs. 1 Satz 1 und 2 VwGO § 132 Abs. 2 Nr. 2
Beschluss des 2. Senats vom 6. Mai 2014 - BVerwG 2 B 90.13 -
I. VG Saarlouis vom 09.10.2012 - Az.: VG 2 K 17/11 - II. OVG Saarlouis vom 05.07.2013 - Az.: OVG 1 A 38/13 -
Dienstzeit, Beamtenverhältnis, Rechtseinheit, Schulausbildung, Beamtenrecht, Erhaltung, Übertragung, Realschule, Bestätigung, Bekanntmachung

References: § 12
 § 12
 § 12
 § 132
 § 5
 § 12
 § 12
 § 7
 § 12
 § 12

§ 28
 § 12
 § 23
 § 12
 § 12
 § 132
 § 132
 § 133
 § 69
 § 12
 § 28
 § 28

§ 12
 § 12
 § 12
 § 17
 § 132
 § 132
 § 127
 § 12

§ 23
 § 12
 § 47
 § 52
 § 12
 § 132