Source: https://www.haufe.de/recht/deutsches-anwalt-office-premium/pruettinggehrlein-zpo-kommentar-zpo-17-allgemeiner-c-gerichtsstand-des-sitzes-17-i_idesk_PI17574_HI13251207.html
Timestamp: 2020-03-30 11:04:34+00:00

Document:
Prütting/Gehrlein, ZPO Kommentar, ZPO § 17 – Allgemeiner ... / C. Gerichtsstand des Sitzes (§ 17 I) | Deutsches Anwalt Office Premium | Recht | Haufe
Prütting/Gehrlein, ZPO Kommentar, ZPO § 17 – Allgemeiner ... / C. Gerichtsstand des Sitzes (§ 17 I)
Der allg Gerichtsstand der passiv parteifähigen Personen wird durch deren Sitz bestimmt. Der Sitz iSd § 17 entspricht dem Wohnsitz der natürlichen Personen in § 13, folgt aber anderen Grundsätzen (vgl Karlsr JurBüro 15, 206). Wo sich der Sitz einer Person befindet, ist vorrangig dem materiellen Recht zu entnehmen (§ 17 I 1; Rn 7). Enthält dieses keine Regelung, fingiert § 17 I 2 den Sitz am Ort der Verwaltung (Rn 9). Der Sitz iSd § 17 gilt zugleich als gewöhnlicher Aufenthalt (vgl BGH NJW-RR 05, 148; WM 17, 1944; KG ZInsO 14, 742; § 110 ZPO Rn 4).
I. Sitz (§ 17 I 1)
Der Sitz der juristischen Personen des Öffentlichen Rechts ist grds im Errichtungsakt genannt (zur Bestimmung durch Satzung vgl BGH JZ 60, 444 [BGH 22.10.1959 - II ZR 83/58]; BSGE 52, 203 [BSG 08.10.1981 - 2 RU 20/81]; MüKoZPO/Patzina Rz 12). Bei den juristischen Personen des Privatrechts wird der Sitz durch die Satzung bestimmt (zB § 5 AktG, § 4a GmbHG, §§ 24, 57 BGB, § 80 BGB). Kapitalgesellschaften können dabei ihren Sitz frei bestimmen (§ 4a GmbHG; § 5 AktG). Die Deutsche Post AG, die Deutsche Postbank AG und die Deutsche Telekom AG haben ihren satzungsmäßigen Sitz in Bonn (s die Satzungen im Anh zu § 11 II PostUmwG), die Deutsche Bahn AG jetzt in Berlin. Doppelsitze bei juristischen Personen des Privatrechts ähnl den Doppelwohnsitzen bei natürlichen Personen (§ 13 Rn 6) sind grds unzulässig (hM; vgl für die Aktiengesellschaft: BayObLG NJW-RR 86, 31 f [BayObLG 24.05.1985 - BReg. 2 Z 61/84]; MüKoAktG/Heider § 5 Rz 47; Hüffer, § 5 Rz 10; für die GmbH: Baumbach/Hueck/Fastrich § 4a Rz 6; Roth/Altmeppen/Roth § 4a Rz 10; für den Verein: MüKoBGB/Reuter § 24 Rz 6 f; Palandt/Ellenberger § 24 Rz 2). Für eine Anstalt des Öffentlichen Rechts soll anderes gelten (BayObLG NJW-RR 01, 28 f [BayObLG 19.07.2000 - 3Z BR 162/00]). Ist ein Doppelsitz ausnahmsweise zulässig, kann die Person an jedem Sitz verklagt werden; für die Fiktion des § 17 I 2 ist kein Raum (vgl LG Berlin WM 94, 1246; Zö/Schultzky Rz 9; aA ArbG Berlin 24.3.03, 96 Ca 4277/03; Musielak/Heinrich Rz 10; Bork ZIP 95, 609). Zum Doppelsitz der Bundesministerien s § 18 Rn 4.
2. Sonstige passiv parteifähige Personen
II. Ort der Verwaltung
(§ 17 I 2). Ist ein Sitz nach § 17 I 1 (Rn 6 ff) nicht vorhanden, fingiert § 17 I 2 als Sitz den Ort, wo die Verwaltung geführt wird. Das gilt auch, wenn ein Sitz nicht eindeutig feststellbar ist (vgl KG KGR 08, 310 ff; Zö/Schultzky Rz 10). Der Ort der Verwaltung ist ›der Tätigkeitsort der Geschäftsführung und der dazu berufenen Vertretungsorgane, also der Ort, wo die grundlegenden Entscheidungen der Unternehmensleitung effektiv in laufende Geschäftsführungsakte umgesetzt werden‹ (BGHZ 97, 269, 272; NJW 09, 1610, 1611; hM; vgl auch Zö/Schultzky Rz 10; Musielak/Heinrich Rz 10; St/J/Roth Rz 15). Davon sind die Orte abzugrenzen, an denen bloße Ausführungshandlungen vorgenommen werden wie Produktionsstätten oder Zweigniederlassungen (KG KGR 08, 310, 312; Köln ZIP 07, 935 f; Musielak/Heinrich Rz 10). § 17 I 2 kann eine Rolle bei BGB-Außengesellschaften spielen, wenn diese keinen gesellschaftsvertraglichen Sitz haben (vgl BGH 21.1.09 – Xa ARZ 273/08). Lässt sich auch ein Verwaltungsort iSd § 17 I 2 nicht eindeutig feststellen, so kann auf § 36 I Nr 3 zurückgegriffen werden (BGH 21.1.09 – Xa ARZ 273/08; Celle OLGR 01, 198 f; Zö/Schultzky Rz 5). Soweit früher bei der

References: § 17
 § 17
 § 17
 § 13
 § 17
 § 17
 BGH 
 § 110
 BGH 
 § 5
 § 4
 § 80
 § 5
 § 11
 § 5
 § 5
 § 4
 § 4
 § 24
 § 24
 § 17
 § 18
 § 17
 § 17
 § 17
 BGH 
 § 17
 § 36