Source: https://www.educa.ch/de/guides/urheberrecht/fragen-antworten
Timestamp: 2020-01-28 19:00:12+00:00

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Ob im Schulunterricht, in Freizeit und Lageraktivitäten mit Schülerinnen und Schülern oder in der eigenen Freizeit - Lehrpersonen treffen immer wieder auf Situationen, die das Urheberrecht betreffen. In dieser Liste finden Sie eine Übersicht über die häufigsten Fragen zum Urheberrecht in der Schule. Sollten Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, bitten wir Sie, sich direkt an die Urheberrechtsgesellschaften zu wenden.
Ein Schriftsteller liest in der Klasse aus seinem Werk vor. Darf die Lesung aufgezeichnet und von der Lehrperson an einem Elternabend ausschnittweise wiedergegeben werden?
Nein. Das Urheberrechtsgesetz erlaubt die Aufzeichnung von Vorträgen höchstens für den privaten Gebrauch, nicht aber für schulische Zwecke. Wenn eine Lehrperson die Lesung des geladenen Autors aufzeichnen möchte, muss letzterer darüber informiert werden und dazu einwilligen.
Darf eine Lehrperson im Unterricht Filmausschnitte aus bzw. eine DVD vorführen?
Ja. Das Urheberrechtsgesetz erlaubt der Lehrperson im Unterricht mit ihrer Klasse jede Art von Werkverwendung. So dürfen sowohl Ausschnitte als auch ganze Werke im Unterricht vorgeführt werden. Entscheidend ist, dass die Vorführung zu Unterrichtszwecken dient und nicht reinen Unterhaltungscharakter hat.
Darf eine Lehrperson einen Themenabend auf dem Kulturkanal ARTE zum Thema Rassismus aufzeichnen und an einer schulinternen Fortbildung vorführen?
Ja. Die schulinterne Fortbildung stellt zwar einen Grenzbereich dar, da das Urheberrechtsgesetz streng genommen nur die Verwendung im Unterricht in der Klasse erlaubt. Indem sich eine Gruppe von Lehrpersonen zur Vorbereitung ihres eigenen Unterrichts aber auch in einer Art Klasse zusammenfindet, kann auch hier von einer Verwendung im Unterricht ausgegangen werden, welche von Gesetzes wegen erlaubt ist.
Darf die Kassette anschliessend im Lehrerzimmer allen zur Verfügung gestellt werden?
Ja. Die Kassette kann anschliessend im Lehrerzimmer allen für ihren Unterricht zur Verfügung gestellt werden. Beachten Sie dazu aber die aktuellen Informationen zum Gemeinsamen Tarif 7 auf www.suissimage.ch
Darf eine Lehrperson urheberrechtlich geschützte Texte und Bilder oder Musikstücke auf eine CD brennen und diese ihren Schülerinnen und Schülern verteilen?
Die Lehrperson darf, soweit es für den Unterricht in der eigenen Klasse bestimmt ist, Texte, Bilder oder Musikstücke auf eine CD aufnehmen. Sie muss jedoch sicherstellen, dass die hergestellten Exemplare nicht ausserhalb des eigenen Unterrichtes verwendet werden. Zum Unterricht in der eigenen Klasse zählt auch die Verwendung der CDs für Hausaufgaben.
Darf eine Lehrperson in der Schule Ausschnitte aus Lehrmitteln einscannen und in die schulinterne Datenbank eingeben, so dass auch andere Lehrpersonen diese Werke ansehen und ausdrucken können?
Dies ist von Gesetzes wegen erlaubt. Für die interne Information und Dokumentation darf ein Betrieb, eine Schule, eine Institution auch elektronische Vervielfältigungen von Ausschnitten von Werken herstellen und in einer internen Datenbank, die den Betriebsangehörigen bzw. den Schülerinnen/Schülern und Lehrpersonen zugänglich ist, speichern. Die Werke dürfen aber nur im Intranet der Schule und nicht im Internet, wie etwa der Homepage der Schule, eingegeben werden. Diese Werkverwendung ist im Gemeinsamen Tarif 9 geregelt. Die Kantone zahlen pro Schüler/Schülerin eine entsprechende Urheberrechtsentschädigung an die ProLitteris zu Handen der Urheber/Urheberinnen und anderen Rechtsinhaber/Rechtsinhaberinnen.
Bearbeitung von Werken Dritter
Was passiert, wenn eine Lehrperson z.B. eine Geschichte der Gebrüder Grimm mit eigenen Worten neu schreibt?
Die Werke der Gebrüder Grimm sind urheberrechtlich frei. Sie sind im «domaine public», da die Gebrüder Grimm seit mehr als 70 Jahren verstorben sind. Es ist erlaubt, ihre Werke zu nutzen. Es ist auch erlaubt, ihre Werke abzuändern und in eigenen Worten wiederzugeben. Es handelt sich um eine erlaubte Bearbeitung. Soweit nicht nur geringfügige Änderungen und Umgestaltungen vorgenommen werden, sondern die Geschichte neu geschrieben wird und es sich dabei um eine eigenständige geistige Schöpfung handelt, gilt diese neue Fassung als Werk zweiter Hand und geniesst selbstständig Urheberrechtsschutz (siehe Art. 3 URG). Die Person, die die Geschichte neu geschrieben hat, ist Urheber/Urheberin dieser neuen Fassung. Dies gilt auch für Übersetzungen eines Werkes.
Darf eine Lehrperson einen Abschnitt aus einem Buch einer Kollegin leicht verändern und in einem eigenen Lehrmittel verwenden?
Grosse wie kleine Abänderungen stellen einen Verstoss gegen die Werkintegrität dar. Nur der Urheber oder die Urheberin höchstpersönlich dürfen erlauben, dass ihre Werke abgeändert und bearbeitet werden dürfen (siehe Art. 11 URG). Die Kollegin muss also ihr Einverständnis erteilen.
Darf die Schulbibliothek Bücher, Filme, Computerspiele an ihre Schülerinnen und Schüler vermieten?
Ja, dies ist in bezug auf Bücher und Ton- bzw. Tonbildträger erlaubt und im Gemeinsamen Tarif 6 geregelt. Die Schulbibliothek bezahlt der ProLitteris auf Bücher, Tonträger und auf Tonbildträger einen prozentualen Anteil der eingenommenen Entschädigungen zuhanden der Urheber/Urheberinnen und Rechteinhaber/Rechteinhaberinnen. In bezug auf Computerprogramme muss die entsprechende Genehmigung beim Produzenten/bei der Produzentin eingeholt werden.
Eine Lehrperson mietet in der Schul- oder Gemeindemediathek ein Video. Darf sie dieses im Unterricht vorführen?
Ja. Das Gesetz erlaubt jede Werkverwendung durch die Lehrperson für ihren Unterricht in der Klasse. Diese Erlaubnis besteht unabhängig davon, ob und wo das verwendete Werkexemplar gekauft oder gemietet wurde.
Eine Schule möchte ihre Mediensammlung im schulinternen Netzwerk zentral speichern und anbieten. Ist dies erlaubt?
Anders als im Bereich der gesetzlichen Lizenz von Art. 19 URG und der darauf gestützten GT 8 III und GT 9 III dürfen die Schulen nicht nur Ausschnitte, sondern ganze Sendungen ab Radio und Fernsehen als einzige Quelle nutzen. Diese Nutzung ist nur möglich dank der Einwilligung der Rechteinhaber und ist zudem mit einer zusätzlichen Vergütungspflicht verbunden. Nicht erlaubt und nicht durch GT 9 Ziff. 6.3. abgedeckt ist das Vervielfältigen von ganzen im Handel erhältlichen Werken wie beispielsweise DVDs und Videos.
Darf eine Lehrperson ein erworbenes Computerprogramm für ihre Schülerinnen und Schüler kopieren?
Computerprogramme sind durch das Urheberrechtsgesetz geschützt. Nur wenn die Lehrperson über eine entsprechende Lizenz verfügt, darf sie ein Computerprogramm für ihre Schülerinnen und Schüler kopieren.
Besteht zwischen Computerprogrammen und anderen Werken ein Unterschied bezüglich des Urheberrechtes?
Alle Verwendungsbefugnisse an einem Programm, das im Rahmen eines Arbeitsvertrages geschaffen worden ist, stehen ohne weiteres dem Arbeitgeber zu. Schreibt dagegen ein Journalist/eine Journalistin im Rahmen eines Arbeitsvertrages verschiedene Zeitungsartikel, so gehen nur diejenigen Verwendungsbefugnisse am Artikel an den Verleger über, die nötig sind, um die Zeitung herauszugeben. Wenn der Verleger zum Beispiel die Zeitung im Internet publizieren möchte, muss er sich diese Rechte vertraglich vom Journalist/von der Journalistin abtreten lassen. Bei Computerprogrammen erlischt der Urheberrechtsschutz 50 Jahre nach dem Tod des Urhebers/der Urheberin des Computerprogrammes. Bei allen anderen Werken erlischt der Urheberrechtsschutz 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers/der Urheberin.
Darf eine Schule oder eine Universität Arbeiten der Schülerinnen bzw. der Studierenden im Internet vorstellen? Darf sie nur Ausschnitte oder die ganzen Arbeiten zeigen?
Die Schule/Universität muss die Studierenden bzw. die Vertreter der Schülerinnen und Schüler um Erlaubnis fragen, ob sie damit einverstanden sind, dass ihre Werke im Internet gezeigt werden. Ohne Einwilligung dürfen weder Ausschnitte noch ganze Werke im Internet verwendet werden.
Darf eine Schule auf der Homepage der Schule Texte, Bilder oder Filmausschnitte verwenden, die sie nicht selbst hergestellt hat?
Nein. Da diese Homepage für einen unbeschränkten Kreis von Personen zugänglich ist, ist für das Zugänglichmachen dieser Werke auf dem Internet die Einwilligung der Urheber/Urheberinnen und Rechteinhaber/Rechteinhaberinnen einzuholen. Die Rechte für die Musik können bei der SUISA eingeholt werden. Für Bild und Text können die Rechte teilweise über die ProLitteris lizenziert werden.
Dürfen die Schülerinnen und Schüler mit dem Schulcomputer aus Internet-Tauschbörsen Musik- oder andere Dateien herunterladen, um diese anschliessend auf CD zu brennen?
Nein, das ist verboten. Tauschbörsen funktionieren so, dass deren Teilnehmer/Teilnehmerinnen ihre Dateien (mit Musik, Filmen, Spielen usw.) allen übrigen Teilnehmern/Teilnehmerinnen der Tauschbörse zum Herunterladen zur Verfügung stellen. Dadurch werden urheberrechtlich geschützte Werke einem unbestimmt grossen Interessentenkreis zur Verfügung gestellt, was in jedem Fall über den gesetzlich erlaubten Eigengebrauch hinausgeht. Das Herunterladen von Dateien von einem solchen illegalen Angebot ist zwar nicht unzulässig. Es schadet allerdings den Künstlern, die man liebt.
Dürfen die Schülerinnen und Schüler in der Klasse oder im Pausenhof selbst gebrannte CDs, welche sie von im Handel erhältlichen Tonträgern kopierten, untereinander austauschen, einander verschenken oder verkaufen?
Das URG erlaubt nur im Rahmen des Familien- und engen Freundeskreises das Anfertigen (Brennen) und Weitergeben von selbst gebrannten CDs. Schul- und Klassenkameraden zählen in der Regel nicht zum engen Freundeskreis. Das massenhafte Vervielfältigen und Weitergeben von CD-Kopien innerhalb der Schülerschaft ist nicht erlaubt.
Dürfen die Schülerinnen und Schüler mit dem Schulcomputer im Handel erhältliche Musikaufnahmen auf den Server laden und im Internet einem breiten Publikum zum Download zur Verfügung zu stellen?
Mit dem Kauf einer CD erwirbt man zwar das Eigentum an der CD, aber nicht alle Rechte an den darauf enthaltenen Aufnahmen. Man darf sie nur für sich selbst, für den Familienkreis und für den engen Freundeskreis kopieren. Eine erworbene CD darf nicht auf einen Server geladen und im Internet als Musikdatei einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt werden.
Die Schülerinnen und Schüler möchten ein so genanntes Web-Radio organisieren und einmal wöchentlich im Internet ein «Radio-Programm» mit Musik veranstalten. Welche Rechte müssen hier geklärt werden?
Es sind die Rechte der Urheber/Urheberinnen, der Interpreten/Interpretinnen und der Phonogrammproduzierenden zu beachten. Die Rechte der Urheber/Urheberinnen können bei der SUISA eingeholt und abgegolten werden. SUISA zieht auch die Vergütungen für die Interpreten/Interpretinnen ein. Was die Rechte der Phonogrammproduzenten anbetrifft, muss man sich an die Schweizer Landesgruppe der IFPI wenden.
Eine Schülerin einer Kunstfachschule hat ein eigenes Bild verkauft: Muss ihr der Eigentümer des Werkes das Bild für eine Ausstellung zur Verfügung stellen?
Als Urheberin des Bildes hat die Schülerin das Recht zu verlangen, dass ihr das Bild für eine Ausstellung in der Schweiz zur Verfügung gestellt wird. Sie muss nachweisen, dass sie ein überwiegendes Interesse hat, zum Beispiel, weil es sich um eine wichtige Ausstellung handelt und das betreffende Werk wesentlich ist.
Darf jemand ein Originalbild eines Künstlers zerstören?
Als Eigentümer eines Originalwerkes, von denen keine weiteren Werkexemplare bestehen, muss zuerst geklärt werden, ob der Urheber/die Urheberin ein berechtigtes Interesse an der Werkerhaltung hat. In diesem Fall muss die Rücknahme des Bildes zum Materialwert angeboten werden. Wenn der Urheber/die Urhebern darauf verzichtet, darf das Originalwerk zerstört werden.
Dürfen die Medien, die über eine aktuelle öffentliche Ausstellung berichten, Bilder samt Gedichten eines Urhebers/einer Urheberin in Presseartikeln oder in Radio-/Fernsehbeiträgen verwenden?
Zur Information der Öffentlichkeit über aktuelle Fragen ist es erlaubt, die dabei wahrgenommenen Werke aufzuzeichnen, zu vervielfältigen und zu senden. Es ist in diesem Zusammenhang erlaubt, die Bilder und Gedichte im Rahmen eines aktuellen Zeitungsberichtes abzubilden und zu verbreiten oder in einem Radio-/Fernsehbeitrag zu benutzen. Wird erst einige Wochen nach der Ausstellung berichtet, gilt dies nicht mehr als aktuelle Berichterstattung.
Darf eine Lehrperson Musiknoten für das Schulorchester kopieren?
Nein, das ist nicht zulässig. Das Kopieren für ein Schulorchester geht in jedem Fall über den erlaubten Schulgebrauch hinaus. Dieser ist beschränkt auf das auszugsweise Kopieren durch die Lehrperson für die Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse.
Darf eine Schülerin Filmausschnitte oder Musik für ihre Maturarbeit verwenden?
Ja, wenn die verwendeten Werke bzw. Werkteile der Erläuterung oder Veranschaulichung des bearbeiteten Themas dienen, ist dies durch das Urheberrechtsgesetz erlaubt (Zitatrecht). Das Recht zum Zitieren ist aber keinesfalls ein Freipass für übermässige Verwendung von geschützten Werken. Die zitierten Werke müssen in engem Zusammenhang mit dem Thema stehen und der Umfang des Zitates muss dem Zweck des Zitats angemessen sein. Zudem ist das Zitat als solches zu bezeichnen und mit einem Hinweis auf die Quelle zu versehen. Und: Werke der bildenden Kunst (Grafiken, Gemälde, usw.) dürfen nicht ohne Einwilligung der Berechtigten verwendet werden - auch nicht als Zitat.
Darf eine Schülerin zur Überbrückung der Pausen bei einer Theateraufführung für Eltern am Klavier Lieder der Beatles aufführen?
Ja, der GT7 erlaubt das Aufführen von Musik an klassenübergreifenden Anlässen. Diese Erlaubnis gilt aber nur für Anlässe, an welchen Eltern mit persönlicher Einladung teilnehmen können. Sobald der Anlass öffentlich angekündigt und für ein unbestimmtes Publikum zugänglich ist, sind bei der SUISA die Aufführungsrechte einzuholen.
Darf man mp3-Musikdateien vom Internet laden und im (Musik)Unterricht verwenden?
Das reine Downloaden ist zulässig, soweit es dabei um den Schulgebrauch geht. Das Zurverfügungstellen der Dateien des eigenen Computers an einen unbestimmt grossen Interessentenkreis, wie es z.B. bei Tauschbörsen der Fall ist, geht über den gesetzlich erlaubten Eigengebrauch hinaus. Das reine Downloaden von solchen illegalen Angeboten ist zwar nicht unzulässig, schadet aber den Künstlern.
Darf eine Lehrperson mit der Klasse ein bestehendes Lied mit einem neuen Text versehen und an einer Theateraufführung für Eltern aufführen?
An Veranstaltungen zu musizieren, an denen Eltern teilnehmen, geht über den gesetzlich erlaubten Schulgebrauch hinaus. Ein bestehendes Lied mit einem neuen Text zu versehen ist zudem eine Bearbeitung und bedarf der Zustimmung des Berechtigten. Das ist in der Regel der Verlag oder, wenn das Lied nicht verlegt ist, der Urheber/die Urheberin. Liegt die Zustimmung vor, muss die Aufführung noch der SUISA angemeldet und abgerechnet werden. Im Rahmen des Schulgebrauchs, also innerhalb einer bestimmten Schulklasse, darf ein Lied neu getextet und so gesungen werden.
Nutzung von Text, Fotos und Bildern (unveränderte Übernahme von Werken)
Darf man in einer Dissertation oder in einem Lehrmittel, das man selbst geschrieben hat, fremde Fotos und Bilder einfügen?
Ausserhalb des Privatgebrauchs muss der Rechteinhaber/die Rechteinhaberin angefragt, wenn man deren Werke in irgendeiner Form nutzen möchte. In diesem Fall wird die ProLitteris angefragt, ob sie die Rechte des Malers/der Malerin oder des Fotografen/der Fotografin der betreffenden Bilder vertritt. Wenn dies der Fall ist, kann man über die ProLitteris eine Lizenz erhalten, diese Werke zu nutzen. Die ProLitteris verlangt neben einer Entschädigung auch den Vermerk des Namens des Urhebers/der Urheberin, den Titel des Werkes und den Hinweis © 20xx by ProLitteris, Zürich.
Dürfen die Schülerinnen und Schüler in Vorträge oder in eigene Arbeitsblätter fremde Fotos und Bilder einfügen?
Soweit es um eine Tätigkeit im Rahmen des Unterrichts in der Klasse geht, ist jede Werkverwendung durch den Lehrer/die Lehrerin und den Schüler/die Schülerin erlaubt. Der Schüler/die Schülerin darf in den eigenen Vortrag, den er oder sie vor der Klasse hält, fremde Bilder und Fotos einbauen. Der Vortrag darf auch im Intranet der Schule gespeichert werden. Sollten der Vortrag oder die Arbeitsblätter jedoch öffentlich zugänglich gemacht werden, wie beispielsweise auf der Homepageseite der Schule, sind vorgängig die Rechte einzuholen. Dies gilt auch für den Fall, dass der Vortrag öffentlich abgehalten wird und eine Kopie des Vortrages mit den Bildern abgegeben wird oder für den Fall, dass die Arbeitsblätter an Dritte ausserhalb der Schule abgegeben werden sollen.
Darf eine Lehrperson zur Information über aktuelle Fragen Ausschnitte aus Presseartikeln oder aus Radio-/Fernsehbeiträgen verwenden?
Zur Information über aktuelle Fragen dürfen Ausschnitte aus Presseartikeln und Radio-/Fernsehbeiträgen vervielfältigt werden. Der Ausschnitt und die Quelle sowie der Name des Urhebers bzw. der Urheberin müssen bezeichnet werden.
Darf eine Lehrperson mit der Klasse ein Theaterstück einüben und während des Unterrichts oder auch für andere Klassen während der Unterrichtszeit spielen?
Ja, wenn die Aufführung im Rahmen des Unterrichts stattfindet und keine aussenstehenden Personen zum Publikum gehören, ist diese Werknutzung als Schulgebrauch erlaubt.
Darf eine Lehrperson mit der Klasse ein Theaterstück einüben und Vorstellungen für die Eltern und Freunde ihrer Schülerinnen und Schüler geben?
Eine Veranstaltung, die Eltern, Freunden oder anderen Personen, die nicht zur Klasse gehören, offen steht, ist im Sinne des Gesetzes öffentlich. Die Lehrperson muss daher für diese Nutzung eine vorhergehende Bewilligung beim Rechtsinhaber/bei der Rechtsinhaberin oder deren Verwertungsgesellschaft einholen und für die Aufführung Rechte zahlen. Wenn zudem der existierende Text dieses Stücks bearbeitet wird, muss vorgängig beim Rechteinhaber/bei der Rechteinhaberin oder deren Verwertungsgesellschaft um die Erlaubnis zur Bearbeitung angefragt werden.
Urheber/in sein
Wer ist Urheber, wenn zwei Lehrpersonen zusammen eine Unterrichtseinheit entwickeln?
Haben mehrere Personen zusammen an der Schaffung eines Werkes mitgewirkt, so steht ihnen das Urheberrecht gemeinsam zu, sie sind Miturheber/Miturheberin. Ist nichts anderes vereinbart, so kann die entwickelte Unterrichtseinheit (soweit es sich dabei um ein urheberrechtlich geschütztes Werk handelt) nur genutzt werden, wenn beide einverstanden sind. Die Beiträge, die nicht gemeinsam geschrieben worden sind, sondern von einer Person stammen, dürfen von dieser unabhängig von der neu geschaffenen Unterrichtseinheit benutzt werden. Die Verwertung der Unterrichtseinheit darf aber dadurch nicht gefährdet werden.
Darf ein Professor das Vorlesungsmanuskript seines verstorbenen Vorgängers weiterführen und bearbeiten?
Nachdem die Rechte des Urhebers vererblich sind (siehe Art. 16 URG) und der Urheberrechtsschutz erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt (siehe Art. 29 URG), müssen die Erben des Professors angefragt werden, ob sie mit einer Bearbeitung und einer allfälligen Veröffentlichung der bisherigen Texte einverstanden sind und ob es erlaubt sei, das Lehrmittel weiterzuführen. Nur mit ihrer Erlaubnis kann das Manuskript weitergenutzt werden. Die erlaubte Weiterführung des Manuskripts über den bisherigen Teil hinaus ist eine eigenständige geistige Schöpfung mit individuellem Charakter und gilt als Werk zweiter Hand (siehe Art. 3 URG).
Eine Lehrperson schreibt für eine pädagogische Fachzeitschrift. Was muss sie tun, um eine Fotokopierentschädigung zu erhalten?
Die Lehrperson meldet sich bei der ProLitteris als Mitglied an. Die Mitgliedschaft ist unentgeltlich. Jedes Jahr meldet die Lehrperson der ProLitteris die von ihr neu publizierten Artikel und erhält dafür eine Fotokopierentschädigung. Dies ist im Verteilungsreglement der ProLitteris, das vom Institut für Geistiges Eigentum in Bern genehmigt ist, im Detail festgelegt.
Was muss man tun, um das eigene Werk urheberrechtlich zu schützen?
Ein Werk ist urheberrechtlich geschützt, sobald es geschaffen worden ist. Es gibt keine Registrierungspflicht wie bei Marken und Patenten, damit der Urheberrechtsschutz gegeben ist. Wer beweisen möchte, ein Werk geschaffen zu haben, kann das indirekt beweisen, indem er oder sie das Werk auf einem Träger (Textmanuskript samt Unterschrift und Datum, Leerträger samt Beiblatt mit Unterschrift und Datum) sich selbst per Post eingeschrieben zustellt und das Paket verschlossen aufbewahrt. Möglich ist auch die Hinterlegung bei Dritten (Bank, Rechtsanwalt, Notar). Sollte eine andere Person später behaupten, sie sei Urheberin des Werkes, so wird sie den Beweis, das Werk früher geschaffen zu haben als der wahre Urheber/die wahre Urheberin nicht erbringen können.
Ist eine Lehrperson selbst oder die Schule, bei der sie angestellt ist, Urheberin ihres Werkes?
Urheber/Urheberin ist die natürliche Person, die das Werk geschaffen hat (siehe Art. 6 URG). Der Urheber/die Urheberin kann vertraglich über die Urheberrechte verfügen. Es ist möglich, dass der Urheber/die Urheberin im Rahmen eines Arbeitsvertrages oder anderen Vertrages, zum Beispiel durch Anerkennung eines Schulreglementes bestimmte Nutzungsrechte an den Werken der Schule abtritt.
Ist das Geistige Eigentum ein Menschenrecht?
Ja. Art. 27 der UNO-Menschenrechtserklärung lautet: «Jeder Mensch hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich der Künste zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Wohlstand teilzunehmen.» «Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz der moralischen und materiellen Interessen, die sich aus jeder wissenschaftlichen, literarischen oder künstlerischen Produktion ergeben, deren Urheber er ist.»
Neben dem Menschenrecht auf freien Zugang zu künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen steht gleichwertig das Recht, als Urheberin/Urheber anerkannt zu werden und für die Nutzung des eigenen Werks einen angemessenen Lohn zu erhalten. Die Urheberrechtsgesetze suchen deshalb einen Ausgleich im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Allgemeinheit am möglichst freien Zugang zu künstlerischen Werken und dem Interesse des Urhebers/der Urheberin, für ihre Werke Anerkennung und eine angemessene Vergütung zu erhalten. Urheber/Urheberin und Allgemeinheit sind aufeinander angewiesen. Ein guter Schutz für die Urheber/Urheberinnen und ihre Werke ist gleichzeitig ein Gewinn für diejenigen, die am kulturellen Leben teilnehmen, weil eine angemessene Vergütung Urheber/Urheberinnen anspornt, weitere Werke zu schaffen.
Alle Werke, die eine geistige Schöpfung der Literatur oder Kunst darstellen und individuellem Charakter haben, sind geschützt. Ob ein Werk geschützt ist, muss an Hand dieser Kriterien im Einzelfall geprüft werden. Darunter fallen insbesondere literarische, wissenschaftliche und andere Sprachwerke, Werke der Musik, Werke der bildenden Kunst und Photographie, filmische, visuelle und audiovisuelle Werke (siehe Art. 2 URG). Auch Entwürfe und Teile aus Werken können Urheberrechtsschutz geniessen.
Ist eine Idee geschützt?
Ideen sind urheberrechtlich nicht geschützt.
Wer erhält das durch die Verwertungsgesellschaften eingenommene Geld? Wie geschieht die Verteilung?
Die Verwertungsgesellschaften verteilen das von ihnen eingenommene Geld an die ihnen angeschlossenen Kulturschaffenden, Verlage und Produzierenden (Mitglieder). In der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein geht das Geld direkt an diese, im Ausland wird es den jeweiligen Schwestergesellschaften überwiesen, die es an ihre Mitglieder weiterverteilen. Bei der Verteilung wird soweit möglich angestrebt, dass jeder Künstler/jede Künstlerin das erhält, was seine/ihre Werke eingespielt haben bzw. in welchem Masse die Werke genutzt wurden.
Wie lange darf ein Zitat sein?
Ein Zitat dient zur Erläuterung, als Hinweis oder zur Veranschaulichung. Die Länge des Zitats muss durch diesen Zweck gerechtfertigt sein (siehe Art. 25 URG). Ein Zitat kann daher mehr als nur einen Satz beinhalten. Das Zitat darf nur so lang sein, wie nötig um seinen Zweck zu erfüllen. Das Abschreiben ganzer Abschnitte oder gar ganzer Seiten aus einem Buch ist kein Zitat. Das Zitat muss als solches z.B. durch Anführungszeichen erkennbar sein.
Muss man die Quelle des Zitats angeben?
Nur veröffentlichte Werke dürfen zitiert werden. Die Quelle des Zitats muss genannt werden (siehe Art. 25 URG). Wenn die Quelle den Namen oder das Pseudonym des Urhebers/der Urheberin angibt, sind diese im Zitat anzugeben.
Was passiert, wenn jemand aus einem meiner Werke zitiert, ohne meinen Namen anzugeben?
Das vorsätzliche Unterlassen der Quellenangabe und der Urheberschaft ist auf Antrag der in ihren Rechten verletzten Person strafbar (siehe Art. 68 URG) und wird mit Busse bestraft. Auch zivilrechtliche Folgen wie etwa Schadenersatzforderungen, sind möglich.
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References: Art. 3
 Art. 11
 Art. 19
 Art. 16
 Art. 29
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 27
 Art. 2
 Art. 25
 Art. 25
 Art. 68