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Timestamp: 2019-05-20 08:55:32+00:00

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DAS URANTIA BUCH, Schrift 71. Die Entwicklung des Staates
DAS URANTIA BUCH - Schrift 71. Die Entwicklung des Staates
Schrift 71. Die Entwicklung des Staates
§ 1. Der embryonale Staat
§ 2. Die Evolution der repräsentativen Regierung
§ 3. Die Ideale des Staates
§ 4. Die fortschreitende Zivilisation
§ 5. Die Entwicklung des Wettbewerbs
§ 6. Das Gewinnmotiv
§ 7. Erziehung
§ 8. Das Wesen der Staatlichkeit
71:0.1 (800.1) DER Staat ist eine nützliche Entwicklung der Zivilisation; er stellt den eindeutigen Gewinn dar, den die Gesellschaft aus den Verwüstungen und Leiden des Krieges gezogen hat. Sogar die Staatskunst ist nur die angesammelte Technik zur Harmonisierung des wetteifernden Kräftemessens zwischen streitenden Stämmen und Nationen.
71:0.2 (800.2) Der moderne Staat ist die Institution, die im langen Ringen um Gruppenmacht überlebt hat. Die überlegene Macht hat schließlich obsiegt und ein Tatsachengeschöpf — den Staat — hervorgebracht, zusammen mit dem sittlichen Mythos der absoluten Verpflichtung des Bürgers, für den Staat zu leben und zu sterben. Aber der Staat ist nicht göttlichen Ursprungs; er ist nicht einmal das Produkt eines intelligenten menschlichen Willensaktes; er ist eine rein evolutionäre Institution und hatte eine ganz und gar automatische Entstehung.
71:1.2 (800.4) Die frühen Staaten waren klein, und alle waren das Ergebnis von Eroberungen. Sie entstanden nicht aus freiwilligen Zusammenschlüssen. Viele von ihnen wurden durch nomadisierende Eroberer gegründet, die über friedliche Hirten oder sesshafte Ackerbauer herfielen und sie überwältigten und versklavten. Solche aus Eroberungen hervorgegangene Staaten hatten zwangsläufig eine geschichtete Bevölkerung; unvermeidlich ergaben sich Klassen, und Klassenkämpfe sind immer selektiv gewesen.
71:1.3 (800.5) Die nördlichen Stämme der amerikanischen roten Menschen brachten es nie bis zu einem wirklichen Staatsgebilde. Sie überschritten nie eine lockere Stammeskonföderation, eine sehr primitive Staatsform. Einem Staat am nächsten kamen die konföderierten Irokesen, aber diese aus sechs Nationen bestehende Gruppe funktionierte nie ganz wie ein Staat und überlebte nicht, weil ihr gewisse für das moderne nationale Leben unerlässliche Dinge fehlten wie z. B.:
71:1.10 (800.12) 7. Versklavung Gefangener — sie adoptierten sie oder brachten sie um.
71:1.16 (801.4) 3. Bevölkerungskonzentration — Städte.
71:1.18 (801.6) 5. Sklaverei — Klassen von Staatsangehörigen.
71:1.23 (801.11) Der embryonale Staat wurde möglich durch den Rückgang der Blutsbande zugunsten der territorialen Bande, und solche Stammeszusammenschlüsse wurden gewöhnlich durch Eroberungen fest zementiert. Obwohl eine Souveränität, die über alle kleineren Kämpfe und Gruppendifferenzen hinausgeht, das Charakteristikum eines wahren Staates ist, so leben doch in den späteren Staatsorganisationen viele Klassen und Kasten als Überbleibsel der Klane und Stämme früherer Zeiten fort. Die späteren größeren Territorialstaaten hatten einen langen und erbitterten Kampf gegen diese kleineren blutsverwandten Klangruppen zu führen, wobei sich die Stammesregierung als nützlicher Übergang von der Familien- zur Staatsautorität erwies. In späteren Zeiten gingen viele Klane aus Handel und sonstigen industriellen Vereinigungen hervor.
71:1.24 (801.12) Das Scheitern staatlicher Integration hat einen Rückfall in die Regierungstechniken vorstaatlicher Zustände — wie den Feudalismus des europäischen Mittelalters — zur Folge. In jenem dunklen Zeitalter war der Territorialstaat zusammengebrochen, und es gab eine Rückkehr zu den kleinen, um Schlösser gruppierten Einheiten, ein neuerliches Erscheinen der Entwicklungsstadien von Klanen und Stämmen. Vergleichbare Halbstaaten existieren jetzt in Asien und Afrika, aber nicht alle von ihnen stellen evolutionäre Rückschritte dar; viele sind die embryonalen Kerne künftiger Staaten.
71:2.11 (802.5) 2. Gedankenfreiheit. Solange ein freies Volk nicht gebildet ist — nicht gelehrt worden ist, intelligent zu denken und weise zu planen — richtet Freiheit im Allgemeinen mehr Unheil als Gutes an.
71:2.16 (802.10) 7. Das Recht zu regieren. Es genügt nicht, angehört zu werden; das Petitionsrecht muss sich weiterentwickeln bis zur eigentlichen Regierungsführung.
71:2.19 (802.13) 10. Intelligente und geschulte Volksvertreter. Das Fortleben der Demokratie hängt von einer erfolgreichen repräsentativen Regierung ab; und die Bedingung dazu ist die Praxis, nur solche Persönlichkeiten in öffentliche Ämter zu wählen, die technisch geschult, intellektuell qualifiziert, der Gesellschaft gegenüber loyal und sittlich würdig sind. Nur unter solchen Voraussetzungen kann sich die Regierung eines Volkes — die durch das Volk und für das Volk regiert — halten.
4. Die fortschreitende Zivilisation
71:4.13 (804.13) 11. Förderung der Philosophie — der Weisheit.
71:4.14 (804.14) 12. Zunahme kosmischer Erkenntnis — der Geistigkeit.
71:4.15 (804.15) Und solch ein Fortschritt in den Leistungen der Zivilisation führt direkt zur Erfüllung der höchsten menschlichen und göttlichen Ziele irdischen Strebens — zur gesellschaftlichen Verwirklichung der Brüderlichkeit unter den Menschen und zum persönlichen Status der Gottesbewusstheit, die sich im höchsten Verlangen jedes Einzelnen äußert, den Willen des Vaters im Himmel zu tun.
71:4.17 (804.17) Idealismus kann auf einem sich entwickelnden Planeten niemals überleben, wenn die Idealisten jeder Generation es zulassen, durch die tieferstehenden Elemente der Menschheit ausgerottet zu werden. Und hierin besteht der große Test des Idealismus: Kann eine fortgeschrittene Gesellschaft jenen militärischen Bereitschaftsgrad aufrechterhalten, der sie vor jedem Angriff durch ihre kriegsliebenden Nachbarn sicher macht, ohne der Versuchung zu erliegen, diese militärische Stärke zu eigennützigem Gewinn oder nationaler Verherrlichung für offensive Operationen gegen andere Völker einzusetzen? Nationales Überleben verlangt Bereitschaft, und allein religiöser Idealismus kann verhindern, dass Bereitschaft zu Angriff missbraucht wird. Nur Liebe, Brüderlichkeit kann den Starken davon abhalten, den Schwachen zu unterdrücken.
71:6.1 (805.5) Die heutige, vom Gewinn diktierte Wirtschaft ist dem Untergang geweiht, es sei denn, zu den Beweggründen des Profits gesellten sich solche des Dienstes. Unbarmherziger Wettbewerb, der auf engstirnigem Eigennutz beruht, zerstört letztenendes sogar all das, was er zu erhalten sucht. Ausschließliche und eigennützige Gewinnmotivation ist mit christlichen Idealen nicht zu vereinbaren — und noch viel weniger mit den Lehren Jesu.
71:6.3 (805.7) Das Gewinnmotiv bei wirtschaftlichen Aktivitäten ist im Ganzen gesehen niedrig und einer fortgeschrittenen Gesellschaftsordnung völlig unwürdig; trotzdem ist es während der früheren Zivilisationsphasen ein unentbehrlicher Faktor. Man darf den Menschen das Motiv des Gewinns nicht wegnehmen, bevor nicht Motive wirtschaftlichen Strebens und sozialen Dienstes einer höheren Art, die keinen Gewinn abwerfen, ihr fester Besitz geworden sind — das transzendente Verlangen nach höchster Weisheit, faszinierender Brüderlichkeit und hohem geistigen Vollbringen.
71:7.2 (806.2) Im Idealstaat währt die Erziehung lebenslang, und die Philosophie wird manchmal zur Hauptbeschäftigung seiner Bürger. Die Bürger eines solchen Staatswesens bemühen sich um Weisheit durch Vertiefung ihrer Erkenntnis des Sinns menschlicher Beziehungen, der Bedeutungen der Realität, der Erhabenheit der Werte, der Ziele des Lebens und der Herrlichkeiten kosmischer Bestimmung.
71:7.9 (806.9) 4. Die Vornehmheit der Arbeit — Pflicht.
71:7.10 (806.10) 5. Die Motivierung durch Ziele — Sittlichkeit.
71:7.11 (806.11) 6. Die Liebe zum Dienst — Charakter.
71:7.12 (806.12) 7. Kosmische Schau — geistiges Wahrnehmungsvermögen.
71:8.3 (806.16) 1. Die Schaffung einer dreigeteilten Regierung mit Exekutiv-, Legislativ- und Justizzweig.
71:8.5 (807.1) 3. Die Abschaffung aller Formen von Sklaverei und menschlicher Hörigkeit.
71:8.7 (807.3) 5. Die Einführung universeller Erziehung — ein sich von der Wiege bis zum Grabe erstreckender Lernprozess.
71:8.11 (807.7) 9. Die Eliminierung versklavender Arbeit durch die Erfindung von Maschinen und die daraus resultierende Beherrschung des Maschinenzeitalters.
71:8.12 (807.8) 10. Der Sieg über die Dialekte — der Triumph einer universellen Sprache.
71:8.13 (807.9) 11. Das Aufhören von Krieg — internationale Beilegung nationaler und rassischer Differenzen durch kontinentale Gerichte der Nationen, die von einem höchsten planetarischen Tribunal präsidiert werden. Dieses rekrutiert sich automatisch aus den periodisch abtretenden Vorstehern der kontinentalen Gerichte. Die kontinentalen Gerichte sind mit Vollmacht ausgestattet; der Weltgerichtshof hat beratende — moralische — Funktion.
71:8.14 (807.10) 12. Eine die ganze Welt erfassende Bewegung der Suche nach Weisheit — die hohe Verehrung der Philosophie. Die Evolution einer Weltreligion, Vorbote des Eintritts des Planeten in die früheren Phasen der Verankerung im Licht und Leben.
71:8.15 (807.11) Das sind die Voraussetzungen für eine progressive Regierung und die Merkmale idealer Staatlichkeit. Urantia ist von der Verwirklichung dieser hohen Ideale weit entfernt, aber die zivilisierten Rassen haben einen Anfang gemacht — die Menschheit ist unterwegs zu höheren evolutionären Bestimmungen.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8