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13. Ökonomische Theorie der Verfassung + Exkurs EU-Verfassung
Veröffentlicht von:Marten Alpers
Präsentation zum Thema: "13. Ökonomische Theorie der Verfassung + Exkurs EU-Verfassung"— Präsentation transkript:
13. Ökonomische Theorie der Verfassung + Exkurs EU-VerfassungProf. Dr. Friedrich Schneider Johannes Kepler Universität Linz Tel.: , Fax: -8209 Institut für Volkswirtschaftslehre Altenbergerstraße 69 A-4040 Linz-Auhof 13. Ökonomische Theorie der Verfassung + Exkurs EU-Verfassung Kurs Public Choice WS 2012/13 WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
Ökonomische Theorie der Verfassung – Exkurs EU Verfassung INHALTEinleitung Das Konzept des Urzustands Einstimmigkeit Tausch und Eigeninteresse Werturteile Anwendung der Verfassungsökonomik Exkurs – EU Verfassung Anhang: Originaltext einer EU-Verfassung WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria1. Einleitung Die ökonomische Verfassungstheorie knüpft unter „Umgehung“ der Neoklassik an der klassischen politischen Ökonomie an. Die ökonomische Verfassungstheorie kann man als Teil der modernen Politischen Ökonomie, als Teilgebiet der ökonomischen Analyse des Rechts oder auch als Teil der modernen Institutionenökonomik betrachten. Bei der ökonomischen Theorie der Verfassung wird zwischen zwei Richtungen unterschieden: evolutionärer Ansatz (vor allem Friedrich August v. Hayek); vertragstheoretischer Ansatz (wichtigster Repräsentant: James M. Buchanan). WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria1. Einleitung (Forts.) Beiden Ansätzen liegt die Frage zu Grunde, wie die staatliche Rahmenordnung beschaffen sein sollte, damit die freien Individuen möglichst große Entfaltungsmöglichkeiten haben. Die Ausführungen dieses Kapitels beschränken sich jedoch lediglich auf den vertragstheoretischen Ansatz. In der ökonomischen Vertragstheorie der Verfassung geht es um die Frage, welche Regeln sich autonome, freie Individuen in einer von ihnen zu beschließenden Verfassung geben würden. Bezüglich der Motivation der Individuen gehen die Überlegungen auf David Hume zurück. Einer der wichtigsten Vorläufer des vertragstheoretischen Ansatzes ist der schwedische Ökonom Knut Wicksell mit seinen „Finanztheoretischen Untersuchungen“ (1896). WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria1. Einleitung (Forts.) Die klassischen Arbeiten von Adam Smith und Knut Wicksell betreffen die staatlichen Finanzen, da der Staat finanzielle Mittel zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt, was zur Einhebung von Steuern führt. Die Einhebung von Steuern bedeutet einen Eingriff in die Privatsphäre der Individuen, da ihnen vom Staat etwas „weggenommen“ wird. Zumindest aus liberaler Perspektive bedarf dies - im Gegensatz zu freiwilligen Tauschhandlungen - einer gesonderten Begründung. Wicksell hatte ein System der Staatsfinanzierung im Auge, welches genau wie der Markt auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung für die einzelnen Bürger beruht. Im Gegensatz dazu vertrat die traditionelle (deutsche) Finanzwissenschaft ein organisches Staatsverhältnis, nach welchem der Staat als solcher eigene Interessen hatte. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria1. Einleitung (Forts.) Viele Beiträge zur ökonomischen Verfassungstheorie, insbesondere auch jene von J.M. Buchanan beschäftigen sich vorwiegend mit öffentlichen Finanzen. Die ökonomische Verfassungstheorie geht allerdings weit darüber hinaus. Der Ansatz der ökonomischen Verfassungstheorie hat auch enge Verbindungen zur modernen politischen Philosophie, insbesondere zu den Arbeiten von John Rawls (1971) und Robert Nozick (1974). Beide vertreten von der Methodik her ebenfalls einen „ökonomischen“ Ansatz. John Rawls hat mit seinem „Unterschiedsprinzip“ die ökonomische Diskussion stark angeregt. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria1. Einleitung (Forts.) Diesem Ansatz und dem Ansatz der ökonomischen Theorie der Verfassung liegt die Idee des Urzustandes bzw. der Ebene des gesellschaftlichen Grundkonsenses zugrunde, in welchem gemeinsam die entscheidenden Verfassungsnormen in einer Situation unvollständiger Information beschlossen werden sollen. Durch die Informationsbeschränkung können sich die Individuen auf „faire“ Regeln einigen. Die folgenden Abschnitte stellen den Ansatz der ökonomischen Verfassungstheorie und auch einige Bereiche, auf welche er angewendet werden kann, vor. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
2. Das Konzept des UrzustandsEs geht in der ökonomischen Verfassungstheorie darum, welche Regeln sich rationale Individuen als Verfassung geben würden. Davor geht man von einem Zustand der Anarchie aus. Auch die extremsten Individualisten einigen sich auf Regeln, denen sich alle unterwerfen sollen und auch auf die Einsetzung eines so genannten „Schiedsrichters“, um ihre Situation zu verbessern. Dieser „Schiedsrichter“ (meistens der Staat) stellt eine Instanz dar, welche Recht durchsetzt. Gibt es so eine Instanz, dann wirft diese das Problem ihrer Kontrolle auf. Die ökonomische Verfassungstheorie beschäftigt sich mit beiden Problemen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
2. Das Konzept des Urzustands (Forts.)Es wird zwischen zwei Ebenen unterschieden: jene, auf welcher die allgemeinen Regeln festgelegt werden und jene, auf welcher nach diesen Regeln politische Entscheidungen getroffen werden. Die Ebenen unterscheiden sich jeweils durch die Information, die zur Verfügung steht: Auf der zweiten Ebene, jene des laufenden politischen Prozesses, verfügen die Individuen über die Informationen, über die man im Alltag verfügen kann. Die Information auf der ersten Ebene, also im Urzustand, ist künstlich beschränkt. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
2. Das Konzept des Urzustands (Forts.)Die Individuen wissen im Urzustand nicht, welche Rolle sie später im politischen Prozess spielen werden, wenn diese Regeln angewendet werden. Starkes Element der zeitlichen Unsicherheit (z.B Jahre). Daher haben die Individuen einen Anreiz (aufgrund der Informationsbeschränkung), sich für faire Regeln zu entscheiden, gerade wenn sie ihre eigenen Interessen verfolgen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
2. Das Konzept des Urzustands (Forts.)Das Konzept des Urzustands ist natürlich ein künstliches Gebilde. Es stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen eine solche Beschränkung der Information in einer realen Situation möglichst weitgehend erreicht werden kann. John Rawls charakterisiert seine Theorie als „ideale“ Theorie und verweist auf die Rolle von Spielregeln, wie beispielsweise im Sport: Vor einem Spiel, also bevor bestimmte Situationen eintreten, kann man sich auf Regeln einigen, die dann später vielleicht zum eigenen Nachteil angewendet werden. Dafür wird dann ein Schiedsrichter benötigt. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
2. Das Konzept des Urzustands (Forts.)Darüber hinaus gibt es politisch bzw. rechtlich relevante Situationen, in denen der so genannte „Schleier der Ungewissheit“ bedeutend/entscheidend ist: Wenn man beispielsweise von Entschädigungen für Körperverletzungen ausgeht, kann man sich einfach auf konkrete Summen einigen, wenn die Rollen der Betroffenen nicht bekannt sind. Solange man also nicht weiß ob man selbst einen Schaden erlitten oder einem anderen einen Schaden zugefügt hat. Wenn aber der Schaden dann eingetreten ist, so ist es kaum möglich, dass sich Schädiger und Geschädigter einigen. Gibt es keine zuvor getroffenen Regeln, dann müssen Gerichte, also unparteiische Schiedsrichter, die über die Höhe der Entschädigung auf Grund der Gesetze entscheiden. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria3. Die Einstimmigkeit Auf der Ebene des Grundkonsenses, also im Urzustand, wird grundsätzlich einstimmig entschieden. Man weiß nicht, wie man später von den so beschlossenen Regeln betroffen sein wird, deshalb haben alle Individuen im Grunde die gleichen Interessen. In bestimmten Situationen kann Einstimmigkeit auch vor dem Schleier der Ungewissheit erreicht werden. Dies ist z.B. der Fall, wenn es um die Bereitstellung von öffentlichen Gütern geht. Alle Beteiligten haben im Bezug auf diese Güter einen Nutzen zu verzeichnen. Aus diesem Grund kann ein Arrangement für die Aufteilung der Kosten dieser Bereitstellung gefunden werden, wobei kein betroffenes Individuum schlechter gestellt wird und mindestens eines besser gestellt ist. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
3. Die Einstimmigkeit (Forts.)Problematisch bei solchen Entscheidungen ist folgendes: Die Zurverfügungstellung eines öffentlichen Gutes stellt zwar alle betroffenen besser, bietet aber auch einzelnen Individuen die Möglichkeit durch ein Abweichen von dieser Übereinkunft einen zusätzlichen Vorteil zu erlangen. Diese Individuen profitieren von der Bereitstellung des öffentlichen Gutes, die nicht gefährdet ist, weil der eigene Beitrag nicht ins Gewicht fällt. Sie verschaffen sich einen eigenen Vorteil, wenn sie keinen Beitrag leisten. Wenn viele Individuen so denken und handeln hat dies zur Folge, dass das öffentliche Gut nicht bereit gestellt wird und somit alle Individuen schlechter gestellt werden. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
3. Die Einstimmigkeit (Forts.)Aus diesem Grund müssen neben den vereinbarten Regeln, auf der Ebene des Grundkonsenses auch Mechanismen beschlossen werden, sodass die Individuen im laufenden politischen Prozess von sich aus ein Interesse daran haben, sich an Regeln zu halten. Das Prinzip der einstimmigen Entscheidung hat den großen Vorteil, dass jedem einzelnen Individuum ein Widerspruchsrecht eingeräumt wird. Somit wird verhindert, dass das Individuum gegen seinen Willen zu einer Handlung gezwungen wird. Diese Vetoposition kann aber ausgenutzt werden. Müssen in einer Gruppe alle zustimmen, kann derjenige der als letzter zustimmt, für seine Zustimmung den höchsten Preis „heraushandeln“. Erkennen alle diese Möglichkeit, so kommt eine Einigung nicht zustande und das Gut kann somit nicht bereit gestellt werden. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
4. Tausch und EigeninteresseAuch die ökonomische Verfassungstheorie sieht die Verfassung als einen Vertrag, der zwischen den Bürgern und staatliche Institutionen geschlossen wird. Verträge sind Tauschbeziehungen, in denen die Vertragsteilnehmer Leistungen und Gegenleistungen vereinbaren. Somit ist auch die Annahme einer Verfassung ein Tausch: Die betroffenen Bürger geben in bestimmtem Umfang Freiheitsrechte ab und erhalten dafür beispielsweise Sicherheit. Dies ist eine Verallgemeinerung des Tauschparadigmas, welches üblicherweise auf Märkten angewendet wird. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
4. Tausch und Eigeninteresse (Forts.)Bei Tauschhandlungen wird den Individuen üblicherweise eigeninteressiertes Verhalten unterstellt. Dies gilt auch für die Verfassungsökonomik. Hierbei sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Die Theorie unterstellt den Individuen, die sich in der Situation des Urzustands befinden, eine bestimmte Motivation, nämlich gegenseitig desinteressierte Vernünftigkeit, wegen der Unsicherheit! Weiter stellt sich aber die Frage, welche Motivation die Entscheidungsträger im Urzustand jenen Individuen unterstellen, die später Akteure im laufenden politischen Prozess sind. Wenn man diesen Entscheidungsträgern gegenseitig desinteressierte Vernünftigkeit unterstellt, kann man annehmen, dass diese jenen anderen Akteuren die gleiche Motivation unterstellen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
4. Tausch und Eigeninteresse (Forts.)Das eben erwähnte geschieht in der ökonomischen Verfassungstheorie auch: Es wird davon ausgegangen, dass das Verhalten der Individuen im laufenden Prozess durch das ökonomische Verhaltensmodell hinreichend gut beschrieben werden kann, d.h. dass sie, in erster Linie ihre eigenen Interessen verfolgen. Dies ist aber nicht zwingend. Im laufenden politischen Prozess könnten die gleichen Individuen ganz andere Motivationen haben. Welche Motivation im Rahmen der ökonomischen Analyse des Rechts den handelnden Akteuren unterstellt wird, ist keine empirische Annahme. Mit der Annahme des Eigeninteresses soll nicht behauptet werden, dass sich die Individuen immer nach dem Modell des Homo Oeconomicus verhalten. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
4. Tausch und Eigeninteresse (Forts.)Durch die Annahme des Eigeninteresses sollen Verfassungsregeln auch dann zu akzeptablen Ergebnissen führen, wenn die Individuen sich nicht gegenseitig wohlwollend verhalten sondern strikt auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Dabei kann unterschieden werden zwischen der Motivation, die Regierenden unterstellt wird und der Motivation die für die Regierten angenommen wird. David Hume hat hier keinen prinzipiellen Unterschied gesehen. Er formulierte das Problem in folgender Weise: „Politische Autoren haben die Maxime formuliert, man solle beim Entwurf eines Regierungssystems und der Festlegung der verschiedenen Institutionen zur Überprüfung und Kontrolle in der Verfassung davon ausgehen, dass jeder Mensch ein Schurke sei, der bei all seinen Handlungen kein anderes Ziel außer seinen privaten Interessen verfolge. Gemäß diesem Interesse müsse er regiert und dadurch trotz seiner unstillbaren Habsucht und seines Ehrgeizes bewegt werden, zum öffentlichen Wohl beizutragen. Andernfalls, so wird behauptet, würden wir uns vergeblich der Vorteile jeder Verfassung rühmen und letzten Endes feststellen, dass die Sicherheit unserer Freiheiten und Besitztümer ausschließlich vom guten Willen unserer Herrscher abhingen; mit anderen Worten, wir hätten keinerlei Sicherheit dafür.“ WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
4. Tausch und Eigeninteresse (Forts.)B.S. Frey weist hingegen darauf hin, dass aus solchen Überlegungen resultierende allzu restriktive Beschränkungen des Handelns der Bürger ihr Engagement für das Gemeinwesen reduzieren können. Je mehr politische (Mitbestimmungs-)Rechte man ihnen einräumt, desto größer dürfte auch Ihr Engagement sein und desto größer sind die Beiträge, welche sie zur Erstellung des öffentlichen Gutes „Funktionsfähigkeit der Demokratie“ freiwillig aufzubringen bereit sind. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
4. Tausch und Eigeninteresse (Forts.)Sehr realistisch ist die Annahme von Anthony Downs, dass Politiker vor allem ihre eigenen Interessen verfolgen, dass sie deshalb ein Interesse an ihrer Wahl bzw. Wiederwahl haben und somit zum einen die Interessen ihrer Klientel im Auge haben, aber zum anderen auch die Interessen der Wähler berücksichtigen. Es geht bei der Verfassungsgebung darum, Regeln zu entwickeln bzw. Institutionen vorzuschlagen, welche die Machtbefugnisse, über welche in Regierung und Bürokratie tätige Individuen notwendigerweise verfügen, so zu begrenzen bzw. zu kanalisieren, dass diese für die Bürger tätig sind, und diesen möglichst wenig schaden. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria5. Werturteile Die Frage, auf welche Regeln sich die Individuen in der Situation des Urzustandes einigen würden, ist eine Frage, die prinzipiell wertfrei zu entscheiden ist. Das Konzept der Wertfreiheit wird hier in seiner modernen Variante verstanden, welche insbesondere durch Max Weber und Hans Albert geprägt wurde. Diese besteht aus zwei Behauptungen: Die Gültigkeit wissenschaftlicher Aussagen ist unabhängig von ihrer Genese. Es ist nicht möglich mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden Werturteilen das gleiche Maß an allgemeiner Akzeptanz zu verschaffen wie Tatsachenbehauptungen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria5. Werturteile (Forts.) Die Antwort auf die Fragen der Verfassungsökonomik hängt wesentlich von den Annahmen ab, die man über die Individuen sowie insbesondere über die Informationen macht, die ihnen in dieser Situation zur Verfügung stehen. Das impliziert noch keine Wertungen. Will man aber die Antworten auf die Frage, auf welche Regeln sich Individuen im Urzustand einigen würden, soweit sie überhaupt eindeutig möglich sind, als Argument in einem aktuellen Verfassungsdiskurs verwenden, muss man bestimmte Annahmen bzw. Werturteile als allgemein akzeptiert unterstellen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria5. Werturteile (Forts.) Drei bedeutende Werturteile: Der normative Individualismus Die Individuen sind die einzigen Träger von Werten der Gesellschaft. Es gibt keine Macht, die den Individuen Wertvorstellungen vorschreiben kann. Somit steht die ökonomische Verfassungstheorie in der der Tradition der Aufklärung. Zum einen können sich die Individuen sich mit ihren Wertauffassungen an bestimmten Instanzen oder Autoritäten orientieren, zum anderen kann der Staat Verhalten, welches bestimmten Normen entspricht, nicht erzwingen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria5. Werturteile (Forts.) Das Gleichheitsprinzip: Alle Individuen in einer Gesellschaft haben prinzipiell die gleichen Freiheiten, Rechte und Pflichten. Dabei dürfen „Grundfreiheiten nur um der Freiheit Willen eingeschränkt werden“ (J. Rawls) und dabei gilt wiederum: eine weniger umfangreiche Freiheit muss das Gesamtsystem der Freiheiten für alle stärken; eine geringere als gleiche Freiheit muss für die davon betroffenen annehmbar sein. Das Pareto – Prinzip Ein gesellschaftlicher Zustand A ist dem Zustand B dann vorzuziehen, wenn dadurch kein Individuum schlechter gestellt wird, aber zumindest eines besser gestellt wird. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria5. Werturteile (Forts.) Von diesen drei genannten Prinzipien wird jenes der Pareto-Optimalität am häufigsten kritisiert. Die Anwendung des Pareto-Kriteriums führt bestenfalls zur Unterscheidung zwischen „besseren“ und „schlechteren“ Lösungen, kaum aber zur Auszeichnung einer „besten“ Lösung. Vom Pareto-Kriterium muss das Kaldor-Hicks-Kriterium (= potentielle Pareto-Optimalität) unterschieden werden. Danach ist ein Zustand A dann einem Zustand B vorzuziehen, wenn diejenigen, die beim Übergang von B nach A verlieren, von den Gewinnern entschädigt werden könnten. Hier kann eine „beste“ Lösung ermittelt werden. Dieses Kriterium zielt nicht auf eine Maximierung des Gesamtnutzens sondern auf die Maximierung der aggregierten Zahlungsbereitschaft ab und wird im Rahmen der ökonomischen Analyse des Rechts häufig verwendet. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria5. Werturteile (Forts.) Bezüglich der zulässigen Möglichkeiten staatlicher Eingriffe in den Wirtschaftsablauf hängt die Position des Einzelnen davon ab, ob er eher „liberal -konservativ oder eher „sozialdemokratisch“ ist. Die Position des Einzelnen in dieser Frage hängt davon ab, wie die Argumente Freiheit, (Chancen-) Gleichheit, soziale Gerechtigkeit (Solidarität) und materieller Wohlstand in die Nutzenfunktion eingehen. Nur wenn man sich darüber einig wäre, wie die Nutzenfunktion der Individuen im Urzustand aussehen würde, ließe sich auch Einigkeit über die Verfassungsregeln erzielen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria5. Werturteile (Forts.) Die ökonomische Verfassungstheorie ist aber in einem anderen und zentralen Sinn wertfrei: Die Aussagen, die darüber gemacht werden, wie Individuen auf unterschiedliche Verfassungsregeln reagieren, sind unabhängig davon gültig (oder falsch), ob man die oben aufgelisteten (oder auch andere) Werturteile akzeptiert oder nicht. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der VerfassungsökonomikDas erste bedeutende Werk zur ökonomischen Verfassungstheorie war „Calculus of Consent“ von J.M. Buchanan und G. Tullock im Jahr 1967. Die darin enthaltenen Anwendungen beziehen sich zu einem großen Teil auf Entscheidungsregeln, also mit welchen Regeln bzw. Quoren in der Gesellschaft über welche Fragen entschieden werden soll: dies hängt einerseits von den externen Kosten ab, die durch kollektive Entscheidungen denjenigen Individuen auferlegt werden, die der Entscheidung nicht zustimmen; anderseits sind die Kosten der Einigung relevant. Die externen Kosten sinken mit zunehmendem Quorum. Die Kosten der Einigung steigen mit dem Anteil jener, die zustimmen müssen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Im Extremfall kann ein einziges Individuum als Diktator bestimmen. In diesem Fall sind die Einigungskosten minimal, die externen Kosten hingegen maximal. Im umgekehrten Fall erreichen die Einigungskosten ihr Maximum, wenn mit der Einstimmigkeitsregel jedem Individuum ein Vetorecht eingeräumt wird. In diesem Fall gibt es keine externen Kosten. Das optimale Quorum minimiert die Summe dieser beiden Kosten. Im Anschluss an das von J. Rawls vorgeschlagene Unterschiedsprinzip sind vor allem Verteilungsprinzipien diskutiert worden. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Danach wurde die Frage der Verteilungsgerechtigkeit zwar im Rahmen der Theorie gesellschaftlicher Entscheidungen weiter diskutiert, in den Arbeiten der Verfassungsökonomik hat sie aber eine vergleichsweise geringe Rolle gespielt. Gemeinsame Überzeugung ist, dass die Grundregeln, an denen sich die Umverteilung orientieren soll, auf der Verfassungsebene beschlossen werden sollen. Es kann trotzdem zu freiwilliger Umverteilung im laufenden politischen Prozess kommen: Freiwillige Umverteilung kann das Ergebnis altruistischer Präferenzen sein: Mein Nutzen steigt, wenn der Nutzen anderer steigt. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Freiwillige Umverteilung muss aber nicht unbedingt auf Altruismus zurückzuführen sein. Reiche können aus eigenem Interesse eine gleichmäßigere Einkommensverteilung anstreben, als sie durch das „reine“ Marktergebnis hervorgebracht wird. Denn auch die Reichen können von einer all zu ungleichen Einkommensverteilung negativ betroffen sein: wenn beispielsweise dadurch die Kriminalität steigt und zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen, oder wenn dadurch die Stabilität des demokratischen Systems gefährdet wird. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)James M. Buchanan beschäftigte sich in seinen Arbeiten mit der Frage, welche Regeln notwendig sind, um einen Missbrauch der Staatsmacht zu begrenzen. In diesem Zusammenhang wurden vor allem Probleme aus dem Bereich der öffentlichen Finanzen angesprochen. Drei zentrale Aspekte seien hier als Beispiel erwähnt: Staatsverschuldung Zweckbindung von Steuern Ökonomische Theorie des Föderalismus WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Die Staatsverschuldung: Der Übergang vom Prinzip des ausgeglichenen Haushalts zu einer antizyklischen Fiskalpolitik hat zu einem Anwachsen der öffentlichen Verschuldung in fast allen Industrieländern geführt. Eine antizyklische Politik ist prinzipiell sinnvoll, da sie Konjunkturschwankungen dämpfen kann. Problematisch ist, dass eine (demokratische) Regierung bzw. das Parlament zwar im Konjunkturabschwung gerne Defizite in Kauf nimmt, im Aufschwung jedoch die aufgenommenen Schulden kaum zurückzahlt. Dieser „Sperrklinken – Effekt“ führt zu einer ständig anwachsenden Staatsschuld. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Die Staatsverschuldung (Forts.): Das Problem ist, dass antizyklische Politik, wenn sie über die Legislaturperiode mit einem langfristig ausgeglichenen Haushalt vereinbar sein soll, als Handlungsträger, wohlwollende Diktatoren benötigt, nicht aber Politiker, deren oberstes Ziel die Wiederwahl ist. Es wären daher zusätzliche Institutionen, wie beispielsweise Schuldenbremsen, förderlich. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Zweckbindung von Steuern: Die traditionelle Theorie lehnt Zweckbindungen von öffentlichen Einnahmen ab. Grund dafür ist, dass so eventuell Steuermittel nicht dort eingesetzt werden, wo der Nutzen dieser Gelder am höchsten ist. Eine eigennützig handelnde Regierung wird in erster Linie ihre Klientel bzw. Interessensgruppen bedienen, da sie deren Unterstützung für die Wiederwahl benötigt. So können Zweckbindungen dazu führen, dass die Regierung gezwungen wird, sich stärker an den Präferenzen der Bürger zu orientieren. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Ökonomische Theorie des Föderalismus: Unterschiedliche Steuersätze können in den verschiedenen Gliedstaaten eines föderalen Systems zu Verzerrungen und in der Folge zu einem Effizienzverlust führen. Es wäre somit eine Steuerharmonisierung angebracht. Die Verfassungsökonomik hat eine ganz andere Perspektive entwickelt. Mit Steuerwettbewerb verbundene fiskalische Dezentralisierung kann: dazu führen, dass die Regierungen besser auf die Präferenzen der Individuen eingehen, Regierungen und Parlamente zu mehr Sparsamkeit zwingen, sowie Experimente in einzelnen Gliedstaaten ermöglichen, die im Falle ihres Gelingens von den anderen Gliedstaaten übernommen werden können und deren Kosten im Fall des Scheiterns vergleichsweise gering sind. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Ökonomische Theorie des Föderalismus (Forts.): Welcher Effekt überwiegt ist eine empirische Frage: Es geht u.a. um den Zusammenhang zwischen Föderalismus und Staatsquote. Die Ergebnisse für die Schweiz deuten darauf hin, dass Föderalismus eher zu einer Senkung der Staatsquote führt. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Der moderne Staat ist durch zwei Prinzipien gekennzeichnet, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, welche zueinander in einem Spannungsverhältnis stehen. Eine extrem ausgebaute direkte Demokratie kann dazu führen, dass vom Volk willkürliche Entscheidungen getroffen werden, die elementaren Menschen- bzw. Bürgerrechten eindeutig widersprechen. Als Beispiel sei hier die Einbürgerungsentscheidung vom in Pratteln und vom in Emmen genannt, bei denen Menschen türkischer bzw. jugoslawischer Herkunft trotz einer eindeutigen Empfehlung der Einbürgerungskommission an der Urne die Einbürgerung verweigert wurde. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
6. Anwendung der Verfassungsökonomik (Forts.)Auch in einer repräsentativen Demokratie kann dies geschehen, wie die Beibehaltung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten zeigt. Eine extrem weit ausgebaute Verfassungsgerichtsbarkeit, kann, wie das deutsche Beispiel zeigt, andererseits dazu führen, dass das Parlament selbst mit überwiegender Mehrheit bestimmte Entscheidungen nicht mehr so treffen kann, wie sie in anderen (Rechts-)Staaten getroffen werden, auch wenn diese keineswegs den allgemein anerkannten Menschenrechten widersprechen. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria7. Exkurs – EU Verfassung Im Exkurs wird auf den Vorschlag von Peter Bernholz, Friedrich Schneider, Roland Vaubel und Frank Vibert bezüglich einer Verfassung der Europäischen Union eingegangen werden. Idee: Nach der gescheiterten Einführung einer umfangreichen Europäischen Verfassung: Vorschläge einer minimalen Europäischen Verfassung; notwendig für das Funktionieren einer EU und 27 Mitglieder. Dieser Vorschlag besteht aus zehn Artikel: WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
7. Exkurs – EU Verfassung (Forts.)Artikel 1:	What the European Union stands for. Artikel 2: Membership. Artikel 3: The Protection of Rights. Artikel 4: The Internal Tasks of the Union. Artikel 5: The External Tasks of the Union. Artikel 6: The Scope and Form of Legislation. Artikel 7: Institutions. Artikel 8: The Council of Ministers. Artikel 9: Taking Decisions in the Union. Artikel 10: Final Provisions. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
7. Exkurs – EU Verfassung (Forts.)In Artikel 1 wird beschrieben für welche grundlegenden Ziele die Europäische Union eintritt: „The European Union aims to constitute and secure an area of freedom, peace, cooperation and the rule of law for its people.“ Artikel 2 dieses Verfassungsvorschlags betrifft die Mitgliedschaft bei der Europäischen Union. Im wesentlichen wird geregelt welche Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft und für dessen Aufrechterhaltung erfüllt werden müssen. Alle Bewerberstaaten sollen gleich behandelt werden! Artikel 3 betrifft den Schutz der Rechte der Bürger. Demnach resultieren diesbezügliche Rechte aus den innerstaatlichen Gesetzen. Zusätzlich unterstehen die Bürger dem Schutz der Europäischen Konvention für Menschenrechte. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
7. Exkurs – EU Verfassung (Forts.)Artikel 4 betrifft die internen Aufgaben der Europäischen Union wie beispielsweise freier Personen-, Güter-, Dienstleistungs- und Kapitelverkehr. Artikel 5 regelt die externen Aufgaben, wie etwa Maßnahmen gegen den internationalen Terrorismus, Verteidigungspolitik, internationale Verbrechensbekämpfung etc. In Artikel 6 wird die Gesetzgebung der Europäischen Union geregelt. Es wird beispielsweise festgelegt, dass die Gesetze der Europäischen Union einen legislativen Rahmen für die Gesetzgebung in den einzelnen Mitgliedstaaten liefern sollen. Die EU kann aber auch Maßnahmen durchsetzen die direkt in den einzelnen Mitgliedstaaten anwendbar sind. Bezüglich der Steuersysteme in den einzelnen Ländern ist anzumerken, dass die Mitgliedstaaten selbst die Entscheidungen zu treffen haben. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
7. Exkurs – EU Verfassung (Forts.)Artikel 7 beinhaltet Regelungen bezüglich der einzelnen Institutionen der Europäischen Union, wie der Europäische Rat, der Ministerrat, die Kommission, das Parlament, die Europäische Zentralbank, die Gerichtshöfe. Eine wesentliche Forderung in diesem Zusammenhang ist die Unabhängigkeit der EZB, die damit verantwortlich für die ihr gegebenen Ziele ist. Wenn die EZB von der Regierung und dem Parlament unabhängig ist, dann muss ihre demokratische Legitimierung aus der Verfassung abgeleitet werden können. Die Finanzierung der Europäischen Union wird in Artikel 8 geregelt. Die jährlichen Ausgaben der Union sollen einer Beschränkung unterliegen, welche als Anteil des BIP der Union ausgedrückt wird. Es soll weiter auch keine Steuerhoheit für die Union geben. Die Mittel sollen von den Mitgliedstaaten in Übereinstimmung mit ihrer relativen finanziellen Belastbarkeit aufgebracht werden. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
7. Exkurs – EU Verfassung (Forts.)Artikel 9 legt fest, wie in der Europäischen Union Entscheidungen getroffen werden: Europäischer Rat: qualifizierte Mehrheit (2/3) Ministerrat : qualifizierte Mehrheit (2/3) Europäisches Parlament: einfache Mehrheit Durch diese doppelte Mehrheit werden sowohl die Präferenzen der Bewohner der kleineren Mitgliedstaaten, als auch jene der größeren Staaten geschützt! Artikel 10 enthält die Möglichkeit der Einführung einer ein Referendum bezüglich eines Gesetzes oder einer Verordnung von einer qualifizierten Minderheit der nationalen Parlamente (1/3) oder der Bevölkerung der EU (1/4 von 1%), wenn dieses Gesetz oder die Verordnung verfahrensrechtliche, institutionelle oder materielle Grenzen verletzt. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
© Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria8. Anhang: Alle Artikel einer minimalen Europäischen Verfassung im Originalbeitrag (Englisch) Article 1. What the European Union stands for. The European Union aims to constitute and secure an area of freedom, peace, cooperation and the rule of law for its people. Article 2. Membership. (i) Any European State that respects the principles set out below in paragraphs (ii) and (iii) may apply to become a member of the Union. (ii) The applicant state must give evidence of its respect for fundamental human rights, respect the principles of a free and open market in the organisation of its economy and observe democratic principles in the organisation of its political life. (iii) Evidence of respect for fundamental human rights will be provided by the applicant being a member in good standing of the Council of Europe and a signatory of its Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(iv) Detailed arrangements for membership shall be based on the terms and conditions accepted by existing members, subject to periods of adjustment needed on both sides and any special conditions or exceptions that may be justified by the circumstances of the applicant. (v) Any member state may leave the Union at any time according to its own constitutional procedures. In this case, the Union and the seceding state shall maintain in force the free exchange of goods, services, capital and free movement of people unless the seceding state introduces a different policy in regard to the four freedoms with third countries. (vi) A member state may have its membership suspended if the European Court of Human Rights determines that it is in material and persistent breach of the European Convention on Human Rights. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)Article 3. The Protection of Rights. (i) The responsibility for protecting the rights that reside with their peoples rests, in the first instance, with the Member States and their constitutions. In addition, if domestic remedies have been exhausted, their peoples may call upon the protections offered by the European Convention of Human Rights of the Council of Europe to which their states are signatories. (ii) The European Union and its institutions hereby accede to the European Convention of Human Rights and its procedures. (iii) If a Union law or measure is found to be incompatible with the European Convention of Human Rights by the Court of Human Rights the law or measure shall be suspended. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)Article 4. The Internal Tasks of the Union. The Union and its Member States undertake the following tasks within the Union: (i) To ensure the free movement of persons, goods, services and capital without regard to nationality, the freedom of where to establish a business and the freedom for people to choose where to live in the Union. (ii) To permit the free use and full convertibility of currencies within the Union while supporting the duties of the European Central Bank to maintain price stability in the area where Member States have adopted the Euro as their currency. (iii) To submit their economic policies to mutual examination, to avoid excessive government deficits, to prohibit borrowing from the European Central Bank by official bodies, and to conduct economic policies favourable to an efficient allocation of resources so as to achieve sustainable and noninflationary growth. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(iv) To secure free competition by implementing effective rules against restrictive practices and by protecting it against distorting action of state institutions. (v) To secure the quality of the environment. Article 5. The External Tasks of the Union. (i) The Member States undertake to treat their external policies as a matter of mutual concern. (ii) The external policies embraced by this undertaking include foreign and security policy including measures against international terrorism, defence policy, aid policies, measures against international crime, global environmental policy and immigration policies. (iii) In carrying out these policies the Union is to work within the rules established by the United Nations, the World Trade Organisation and other relevant international organisations and will contribute to the building of international rules of good behaviour and the rule of law. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(iv) Individual Member States may maintain their own membership in such international organisations and are free to join with non members of the Union in other international alliances that contribute to the external tasks of the Union. (v) In its common trade policy the Union shall always strive for the free movement of goods, services and capital. The policy will be mandated by the Member States under the qualified majority procedure set out in Art. 9 below. Article 6. The Scope and Form of Legislation. (i) In carrying out its tasks, the Union will not legislate in cases where the public policy concerned can be carried out by Member States acting individually or in small groupings or where methods of coordination can be used that do not require the passage of Union laws. (ii) The laws of the Union shall provide general legislative frameworks, leaving to the Member States the choice and form of methods for achieving results with comparable effect (directives). The Union will also be able to enact measures that are directly applicable in all Member States (regulations). WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(iii) The laws of the Union will apply only to cross border transactions between members, will give priority to mutual recognition of laws in the Member States and shall not pre-empt Member State legislation in the same field other than on matters agreed in respect of external trade policy. (iv) The Union will have no powers to interfere with the freedom of contract unless such contracts restrain competition. (v) Matters concerning the tax systems of Member States or the rates and levels at which taxes are levied are to be decided within each Member State and not by the Union or its institutions. (vi) In cases where Union laws are envisaged they shall be prepared and implemented according to the following procedures: WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)Any proposed law with a significant economic effect (including those envisaged as part of an international treaty or commitment) must be supported by an assessment of its impact and a justification of why Union law rather than other methods of achieving comparable results including market remedies has to be chosen. The assessments must be made publicly available in time for independent peer review as well as democratic scrutiny. The assumptions on which the assessments have been carried out must also be made public so that the assessments can be reproduced in the scrutiny process. Article 7. Institutions. (i) The European Council. The European Council composed of the heads of government or of state of the Member States is the highest body in the Union. It will set the direction of the internal and external policies in the Union, define the general political guidelines for the future development of the Union and supervise the Commission. It has the exclusive right to propose legislation at the request of a chamber of parliament and may veto laws passed by the Parliament. The European Council may appoint a President for a period of office not to exceed four years and may also appoint High Representatives to assist it in carrying out its tasks. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(ii) The Council of Ministers. The Council of Ministers shall ensure that the objectives set out by the European Council are attained. Its members shall work with the Commission in helping to prepare draft legislation. It shall meet in different formations depending on the subject and each formation will consist of one minister or senior civil servant from each member state authorised to commit the government of that member state. The mutual review of the general economic policies of the Member States shall be ensured by the Ministers of Finance or of Economics. A General Affairs Council shall ensure together with the Commission that legislative preparation follows the procedures set out in Art. 6 above. (iii) The Commission. The Commission shall be fully associated with all activities of the Council in carrying out the general directions for the Union established by the European Council. More specifically it shall perform the following functions: It will help coordinate the departments and agencies of the governments of Member States in carrying out the internal tasks of the Union. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)It may be charged by the Council to act for the Union in carrying out selected external policy functions, such as negotiating international trade or environmental agreements. In such cases it will have a duty to act impartially on behalf of all Member States in carrying out its mandate. It will have a duty to ensure that the procedures for the making of Union laws (Art. 6) are followed, and shall ensure that systems are in place to monitor the effects of Union laws and to measure their results. In respect of the expenditures of the Union it shall have a duty to work with the Member States to ensure that expenditures go to the purposes intended. If it cannot be so assured it has a duty to suspend those expenditures. Each member state shall have the right to nominate a Commissioner for either a senior or junior post in the College of Commissioners. Special consideration is to be given to the representation of the nominees of smaller Member States in the senior posts. Member States may combine in order to make a joint nomination. No Commissioner shall be appointed for longer than two four year terms. In the event of incompetence or malfeasance the European Council may dismiss a Commissioner. The College shall agree on its own head from among its senior members. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(iv) Parliament The European Parliament comprises two chambers, the directly elected Assembly (First Chamber), and the Chamber of Parliamentarians (Second Chamber). The Second Chamber is a body composed of representatives of national parliaments determined by lot. The First and Second Chambers shall each have the right of taking the legislative initiative by requesting the Council to submit a proposal. The two chambers together shall have the right to summon Commissioners and heads of Union agencies, including the President of the ECB in order to hold hearings or inquiries into their actions. The Second Chamber shall ensure that national parliaments receive all proposals for Union legislation in sufficient time to hold their governments to account for their role in decisions to be taken in the Council and to ensure that the law making procedures set out in Art.6 above of the Union have been observed. The Second Chamber shall also help oversee the financial procedures set out in Art. 8 below and may suspend expenditures on particular items in the event of adverse audit findings by a national authority or Union institution. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)The Second Chamber shall have the power to block legislation. Following Council acceptance of the request and the proposal of a bill, the First Chamber may approve, amend within the scope of the legislation, or block the proposed law. Any amendments shall have been assessed under the procedures set out in Art. 6 above. The First Chamber shall not block laws proposed by the Council that simplify or annul previous Union laws. The membership of the First Chamber shall not exceed 500 and constituencies shall be approximately of equal size except that each member state shall have at least two members. Elections shall take place every four years. A Union-wide method of election may be proposed by both Chambers jointly subject to approval by the Member States according to their own constitutional procedures. (v) The European Central Bank. The primary objective of the European Central Bank shall be to maintain price stability in the Eurozone (and more specifically to keep the harmonised index of consumer prices published by the European Statistical Office between zero and two percent per annum). In carrying out this task it shall not seek or take instructions from any other institution or person. In particular it shall not take instructions with regard to the exchange rate. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)The members of the Governing Board shall have tenure up to the statutory retirement age. They are accountable for achieving the constitutional objective of price stability. If the inflation rate of the Euro exceeds 3 per cent per annum over a period of four years, the Governing Council may be dismissed by the two chambers of Parliament acting jointly. (vi) Courts. The European Court of Justice supported by the Court of First Instance shall interpret the laws of the Union with the exception of those involving the interpretation of human rights or the distribution of competencies between the Union and the Member States. Justices shall serve one eight year term without reappointment so as to guarantee their independence. The European Court of Human Rights shall hear all cases involving human rights aspects of EU laws and institutions in line with Article 3 above. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)A European Court of Review shall hear all cases potentially involving the distribution of competencies between the Union and the Member States. It shall be composed of justices designated by the highest courts of the Member States for a maximum period of 6 years. No person shall be a judge unless he or she is at the same time a judge of a supreme court of a member state. Any citizen, member state or institution of the Union may raise a case in the Court or request a preliminary ruling in advance of an actual case. The Court shall decide whether or not to accept a case or a request for a preliminary ruling. An Independent Competition Authority shall enforce the law against restrictive practices provided for in Article 4(iv). A Court of Auditors shall ensure that the processes of the institutions of the Union and of the Member States provide for the auditing of the expenditures and laws of the Union. These processes shall ensure that expenditures are for the purposes intended and provide value for money as well as measure whether the laws of the Union achieve the purposes intended within the costs intended. The Court shall carry out its own audits as a check on procedures. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)Article 8. The Financing of the Union. (i) The annual expenditures of the Union shall be decided within the limits established by a five year annual framework. The limit on the total shall be expressed as a proportion of the total GDP of the Union. (ii) The Union shall have no power to tax. Funding shall be provided by Member States in accordance with their relative capacity to pay as measured by the size of their gross public expenditures. (iii) The annual budget shall be in balance. Its composition shall be decided by the Council subject to the approval of the European Parliament. (iv) Funding levels for the five year frameworks shall be decided by the Member States, subject to the approval of appropriations by their parliaments. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)Article 9. Taking Decisions in the Union. In carrying out the tasks and duties contained in this treaty the following voting procedures shall apply: (i) The European Council and Council of Ministers will act by a qualified majority of two thirds of the Member States accounting for two thirds of the population of the Union with the following exceptions: the financing of the Union where Art. 8 above will apply; external policies, other than trade, where decisions shall be taken by consensus. (ii) As a further exception to these general rules, any member state may claim in all respects other than trade that a decision is against its vital national interests. In this case it may opt out from the decision if such action is supported by a majority of its voters in a referendum. (iii) Each chamber of the European Parliament shall take decisions by a simple majority of their membership. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(iv) Nothing in the rules and procedures set out above shall prevent the Union associating non- Member States with particular areas of policy. In addition, nothing shall prevent Member States forming more closely cooperating nonexclusive partnerships of varying sizes for different purposes. Union institutions may not be involved in such arrangements. However the European Council and the Commission must be kept fully informed. Article 10. Final Provisions. (i) Any citizens of the Member States of the Union may make a complaint of mal- administration by a Union institution to an Ombudsman appointed by the European Parliament. (ii) A qualified minority of the national parliaments (one third) or of the population of the European Union (one quarter of one percent) may petition for a referendum on any law or act of the Union that in their opinion violates the procedural, institutional or substantive limits established by this treaty and may also petition for the repatriation of any powers granted under this treaty. The result of a referendum shall be binding when supported by a two thirds majority of voters in a majority of Member States. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
8. Anhang: Artikel minimale EU-Verfassung (Forts.)(iii) Any increases to the limits of the financial framework of the Union (expressed as a proportion of the GDP of the Union, Art.8 above) shall require the support of a simple majority of voters in each of the net contributing Member States. (iv) If, in two thirds of the national parliaments of the Member States there is a vote in favour of amending a provision of this treaty, an inter- parliamentary conference of national parliaments shall be called to draft amendments. The amendments shall enter into force after being ratified in each member state in accordance with their constitutional requirements. WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
Quellen Ökonomische Theorie der Verfassung, Gebhard Kirchgässner, 2004Download (ideas.repec.org): An alternative constitutional treaty for the European Union, Peter Bernholz, Friedrich Schneider, Roland Vaubel & Frank Vibert, 2004 WS 2012/13 © Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Austria
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Universität StuttgartInstitut für Wasserbau, Lehrstuhl für Hydrologie und Geohydrologie Copulas (1) András Bárdossy IWS Universität Stuttgart. Über Projekt

References: Art. 9
 Art. 6
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 Art. 8
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