Source: https://www.streifler.de/artikel/13-gmbh-die-unterbilanzhaftung-_9197
Timestamp: 2019-12-12 01:13:10+00:00

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<strong>Bitte beachten Sie auch folgenden Artikel:</strong><br /><ul> <li><a href="artikel/bsp/39-gmbh-haftung-ehemaliger-gesellschafter-bei-fehlendem-stammkapital-_9196">Haftung ehemaliger Gesellschafter bei fehlendem Stammkapital</a></li></ul>Bei der Entstehung der GmbH muss diese über ein Vermögen verfügen, das die Höhe des Stammkapitals hat (Unversehrtheitsgrundsatz). In der Vergangenheit wurde dies durch das Vorbelastungsverbot sicher gestellt, nach welchem die Vorgesellschaft lediglich Geschäfte tätigen durfte, die für die Gründung der GmbH notwendig waren. Der BGH hat das Vorbelastungsverbot gekippt und an seiner Stelle die Unterbilanzhaftung eingeführt, sodass nunmehr auch eine allgemeine Geschäftstätigkeit vor Gründung der GmbH möglich ist.<br /><br />Die Unterbilanzhaftung ist nicht gesetzlich geregelt, es handelt sich um eine höchstrichterliche Rechtsfortbildung, die vom BGH geschaffen wurde. Sie basiert auf dem Unversehrtheitsgrundsatz und stellt eine eigenständige Anspruchsgrundlage dar. Allerdings handelt es sich um eine reine Innenhaftung. Dies bedeutet, dass die Gläubiger der Gesellschaft sich nicht an die Gesellschafter selbst wenden können. Vielmehr müssen sie sich an die Gesellschaft selbst wenden, welche ihr Kapital im Wege der Innenhaftung von ihren Gesellschaftern bezieht. Die Anwendung als reine Innenhaftung, wie sie vom BGH vertreten wird, wurde teilweise stark kritisiert.<br /><br />Nach der Unterbilanzhaftung haften die Gründer einer GmbH für vor ihrer Gründung entstandene Schäden persönlich. Gleiches gilt für vor der Eintragung beigetretene Gesellschafter. Grund dafür ist eine wirksame Verbindlichkeit der Vor-GmbH, denn bei Gründung der GmbH gehen Rechte und Pflichten (also auch Verbindlichkeiten) der Vor-GmbH auf die GmbH über. Vor-GmbH und GmbH sind daher identisch. <br /><br /><u>Voraussetzungen</u><div style="margin-left: 40px;">1) Es bedarf mindestens einer wirksamen Verpflichtung der Vor-GmbH, durch welche die Höhe des Vermögens nicht mehr die Höhe des Stammkapitals erreicht. Nur aus einer solchen würde die Vor-GmbH haften. Da deren Rechte und Pflichten auf die GmbH übergehen, haftet auch die GmbH nur im Rahmen wirksamer Verbindlichkeiten.<br /><br />2) Die Gründer müssen der Geschäftsaufnahme vor Gründung zugestimmt haben. Nur dann können ihnen Verbindlichkeiten auch zugerechnet werden. Anderes gilt jedoch, wenn ein bereits bestehendes Unternehmen in die Gesellschaft eingebracht wird.</div><div style="margin-left: 40px;">Wurde die Zustimmung nicht gewährt, so hat der Geschäftsführer nur die Vertretungsmacht bezüglich der für die Gründung notwenigen Geschäfte.<br />Eine von der Rechtsprechung abweichenden Auffassung lehnt das Bedürfnis nach einer Zustimmung ab, da die Vertretungsmacht des Geschäftsführers nach § 37 Abs.2 GmbHG nicht nach außen beschränkt werden darf. Folgt man dem, ist der Geschäftsführer im Innenverhältnis zu den Gesellschaftern möglicherweise Regelungen unterworfen, die ihn aber nicht daran hindern, im Rechtsverkehr darüber hinaus gehende Geschäfte wirksam zu tätigen.</div><div style="margin-left: 40px;"><br />3) Der maßgebliche Zeitpunkt für die Entstehung der Unterbilanzhaftung ist die Eintragung in das Handelsregister. Zu diesem Zeitpunkt muss das Vermögen mindestens die Höhe des Stammkapitals haben. Was davor oder danach mit dem Vermögen geschieht, ist nicht von Belang.<br />Der <a href="artikel/bsp/wirtschaftliche-neugruendung-3a-ausgleich-einer-unterbilanz-_8734">BGH hat in seinem Urteil vom 6. März 2012 (Az: II ZR 56/10)</a> entschieden, dass auch bei einer wirtschaftlichen Neugründung einer GmbH, d.h. wenn die ursprüngliche GmbH ihre Geschäftstätigkeit aufgegeben hat und nun als Mantel verkauft wird, damit der Erwerber mit ihr erneut geschäftlich tätig werden kann, eine Unterbilanzhaftung möglich ist.</div><br /><u>Art und Umfang der Haftung</u><br />Grundsätzlich muss der gesamte Verlust unabhängig vom Entstehungsgrund ausgeglichen werden, eine Haftungsbeschränkung etwa auf die Höhe des Stammkapitals genügt nicht.<br />Nicht von der Haftung des Gesellschafter erfasst sind allerdings die Kosten für die Gründung selbst, diese dürfen nicht auf die Gesellschafter abgewälzt werden. Die Höhe des Anspruchs wird durch die Aufstellung einer Vermögensbilanz des gesamten Unternehmens aufgestellt.<br /><br />Die Gesellschafter haften anteilig, d.h. entsprechend ihrem übernommenen Geschäftsanteil. Um das Kapital der Gesellschaft aufzubringen, dürfen insbesondere die Regelungen des § 19 GmbHG angewendet werden. Es können nach § 20 GmbHG Verzugszinsen gefordert werden und der nicht zahlende Gesellschafter nach § 21 GmbHG kaduziert, d.h. ausgeschlossen, werden, sodass neben den Rechtsvorgängern des Gesellschafters nach erfolgloser Versteigerung des Anteils auch die Mitgesellschafter persönlich haften. <br /><br />Wird aus einem anderen Grund als der Zahlung eines Gesellschafters aufgrund seiner Unterbilanzhaftung die Höhe des Stammkapitals erreicht, so geht der Anspruch gegen den Gesellschafter aus Unterbilanzhaftung nicht unter. Er besteht weiterhin, sodass sich Gesellschafter trotz erfolgreicher Kapitalaufbringung nicht der Haftung entziehen können.<br /><br /><u>Verhältnis zur Verlustdeckungshaftung</u><br />Die Gesellschafter sind vor Entstehung der GmbH, also vor ihrer Eintragung, zur Deckung aller entstehenden Verluste verpflichtet. Mit der Eintragung in das Handelsregister wird die Verlustdeckungshaftung durch die Unterbilanzhaftung ersetzt. Die Anspruchsgrundlage ändert sich, die Ansprüche bleiben ihrem Inhalt nach aber bestehen.<br />Beide Ansprüche richten sich auf die Innenhaftung der Gesellschafter, sodass sich Gläubiger der Vor-GmbH nicht an die Gesellschafter selbst wenden können.<br /><br /><u>Verhältnis zur Deckungshaftung, § 9 Abs.1 GmbHG</u><br />Die Deckungshaftung nach § 9 Abs.1 GmbHG betrifft grundsätzlich nur einen Gesellschafter. Dieser muss eine Sacheinlage (z.B. in Form von Computern, Grundstücken, Patenten o.ä.) geleistet haben, deren Wert höher geschätzt wurde als er in Wirklichkeit ist. Der Gesellschafter hat dann seinen Anteil nicht vollständig geleistet und muss selbst für die Differenz in Geld aufkommen. In diesem Fall haften die Gesellschafter nicht anteilig, sondern immer nur der betroffene Gesellschafter selbst.<br /><br /><u>Verjährung</u><br />Die Verjährung wurde 2004 neu geregelt und beträgt nun nach § 9 Abs.2 GmbHG 10 Jahre seit der Eintragung. Auf die Verlustdeckungshaftung ist § 9 Abs.2 GmbHG entsprechend anzuwenden, sodass auch hier der Anspruch innerhalb von 10 Jahren nach Eintragung verjährt.<br /><br /><a href="anwalt/bsp/anwaelte/rechtsanwalt-dirk-streifler-partner-_4">Rechtsanwalt Dirk Streifler</a><br />Theresa K. Klemm<br /><br /><form action="" name="ihsnu692853719"> </form>
Haftung ehemaliger Gesellschafter bei fehlendem Stammkapital
Bei der Entstehung der GmbH muss diese über ein Vermögen verfügen, das die Höhe des Stammkapitals hat (Unversehrtheitsgrundsatz). In der Vergangenheit wurde dies durch das Vorbelastungsverbot sicher gestellt, nach welchem die Vorgesellschaft lediglich Geschäfte tätigen durfte, die für die Gründung der GmbH notwendig waren. Der BGH hat das Vorbelastungsverbot gekippt und an seiner Stelle die Unterbilanzhaftung eingeführt, sodass nunmehr auch eine allgemeine Geschäftstätigkeit vor Gründung der GmbH möglich ist.
Die Unterbilanzhaftung ist nicht gesetzlich geregelt, es handelt sich um eine höchstrichterliche Rechtsfortbildung, die vom BGH geschaffen wurde. Sie basiert auf dem Unversehrtheitsgrundsatz und stellt eine eigenständige Anspruchsgrundlage dar. Allerdings handelt es sich um eine reine Innenhaftung. Dies bedeutet, dass die Gläubiger der Gesellschaft sich nicht an die Gesellschafter selbst wenden können. Vielmehr müssen sie sich an die Gesellschaft selbst wenden, welche ihr Kapital im Wege der Innenhaftung von ihren Gesellschaftern bezieht. Die Anwendung als reine Innenhaftung, wie sie vom BGH vertreten wird, wurde teilweise stark kritisiert.
Nach der Unterbilanzhaftung haften die Gründer einer GmbH für vor ihrer Gründung entstandene Schäden persönlich. Gleiches gilt für vor der Eintragung beigetretene Gesellschafter. Grund dafür ist eine wirksame Verbindlichkeit der Vor-GmbH, denn bei Gründung der GmbH gehen Rechte und Pflichten (also auch Verbindlichkeiten) der Vor-GmbH auf die GmbH über. Vor-GmbH und GmbH sind daher identisch.
1) Es bedarf mindestens einer wirksamen Verpflichtung der Vor-GmbH, durch welche die Höhe des Vermögens nicht mehr die Höhe des Stammkapitals erreicht. Nur aus einer solchen würde die Vor-GmbH haften. Da deren Rechte und Pflichten auf die GmbH übergehen, haftet auch die GmbH nur im Rahmen wirksamer Verbindlichkeiten.
2) Die Gründer müssen der Geschäftsaufnahme vor Gründung zugestimmt haben. Nur dann können ihnen Verbindlichkeiten auch zugerechnet werden. Anderes gilt jedoch, wenn ein bereits bestehendes Unternehmen in die Gesellschaft eingebracht wird.
Wurde die Zustimmung nicht gewährt, so hat der Geschäftsführer nur die Vertretungsmacht bezüglich der für die Gründung notwenigen Geschäfte.
Eine von der Rechtsprechung abweichenden Auffassung lehnt das Bedürfnis nach einer Zustimmung ab, da die Vertretungsmacht des Geschäftsführers nach § 37 Abs.2 GmbHG nicht nach außen beschränkt werden darf. Folgt man dem, ist der Geschäftsführer im Innenverhältnis zu den Gesellschaftern möglicherweise Regelungen unterworfen, die ihn aber nicht daran hindern, im Rechtsverkehr darüber hinaus gehende Geschäfte wirksam zu tätigen.
3) Der maßgebliche Zeitpunkt für die Entstehung der Unterbilanzhaftung ist die Eintragung in das Handelsregister. Zu diesem Zeitpunkt muss das Vermögen mindestens die Höhe des Stammkapitals haben. Was davor oder danach mit dem Vermögen geschieht, ist nicht von Belang.
Der BGH hat in seinem Urteil vom 6. März 2012 (Az: II ZR 56/10) entschieden, dass auch bei einer wirtschaftlichen Neugründung einer GmbH, d.h. wenn die ursprüngliche GmbH ihre Geschäftstätigkeit aufgegeben hat und nun als Mantel verkauft wird, damit der Erwerber mit ihr erneut geschäftlich tätig werden kann, eine Unterbilanzhaftung möglich ist.
Art und Umfang der Haftung
Grundsätzlich muss der gesamte Verlust unabhängig vom Entstehungsgrund ausgeglichen werden, eine Haftungsbeschränkung etwa auf die Höhe des Stammkapitals genügt nicht.
Nicht von der Haftung des Gesellschafter erfasst sind allerdings die Kosten für die Gründung selbst, diese dürfen nicht auf die Gesellschafter abgewälzt werden. Die Höhe des Anspruchs wird durch die Aufstellung einer Vermögensbilanz des gesamten Unternehmens aufgestellt.
Die Gesellschafter haften anteilig, d.h. entsprechend ihrem übernommenen Geschäftsanteil. Um das Kapital der Gesellschaft aufzubringen, dürfen insbesondere die Regelungen des § 19 GmbHG angewendet werden. Es können nach § 20 GmbHG Verzugszinsen gefordert werden und der nicht zahlende Gesellschafter nach § 21 GmbHG kaduziert, d.h. ausgeschlossen, werden, sodass neben den Rechtsvorgängern des Gesellschafters nach erfolgloser Versteigerung des Anteils auch die Mitgesellschafter persönlich haften.
Wird aus einem anderen Grund als der Zahlung eines Gesellschafters aufgrund seiner Unterbilanzhaftung die Höhe des Stammkapitals erreicht, so geht der Anspruch gegen den Gesellschafter aus Unterbilanzhaftung nicht unter. Er besteht weiterhin, sodass sich Gesellschafter trotz erfolgreicher Kapitalaufbringung nicht der Haftung entziehen können.
Verhältnis zur Verlustdeckungshaftung
Die Gesellschafter sind vor Entstehung der GmbH, also vor ihrer Eintragung, zur Deckung aller entstehenden Verluste verpflichtet. Mit der Eintragung in das Handelsregister wird die Verlustdeckungshaftung durch die Unterbilanzhaftung ersetzt. Die Anspruchsgrundlage ändert sich, die Ansprüche bleiben ihrem Inhalt nach aber bestehen.
Beide Ansprüche richten sich auf die Innenhaftung der Gesellschafter, sodass sich Gläubiger der Vor-GmbH nicht an die Gesellschafter selbst wenden können.
Verhältnis zur Deckungshaftung, § 9 Abs.1 GmbHG
Die Deckungshaftung nach § 9 Abs.1 GmbHG betrifft grundsätzlich nur einen Gesellschafter. Dieser muss eine Sacheinlage (z.B. in Form von Computern, Grundstücken, Patenten o.ä.) geleistet haben, deren Wert höher geschätzt wurde als er in Wirklichkeit ist. Der Gesellschafter hat dann seinen Anteil nicht vollständig geleistet und muss selbst für die Differenz in Geld aufkommen. In diesem Fall haften die Gesellschafter nicht anteilig, sondern immer nur der betroffene Gesellschafter selbst.
Die Verjährung wurde 2004 neu geregelt und beträgt nun nach § 9 Abs.2 GmbHG 10 Jahre seit der Eintragung. Auf die Verlustdeckungshaftung ist § 9 Abs.2 GmbHG entsprechend anzuwenden, sodass auch hier der Anspruch innerhalb von 10 Jahren nach Eintragung verjährt.

References: BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 37
 § 19
 § 20
 § 21
 § 9
 § 9
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 BGH 
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 § 37
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 § 19
 § 20
 § 21
 § 9
 § 9
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