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Timestamp: 2016-10-28 04:46:09+00:00

Document:
U 261/03 (03.12.2004)
U 261/03
Pr�sidentin Leuzinger, Bundesrichter R�edi und Lustenberger; Gerichtsschreiber Attinger
A.________, 1975, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Advokat Markus Schmid, Steinenschanze 6, 4051 Basel,
Z�rich Versicherungs-Gesellschaft, Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz, 8085 Z�rich, Beschwerdegegnerin
Die 1975 geborene A.________, gelernte Laboristin, war ab anfangs Oktober 1998 in einem Restaurant der Firma X.________ als Kassierin/Verk�uferin angestellt und bei der "Z�rich" Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: "Z�rich") obligatorisch gegen Unf�lle versichert. Am 22. November 1998 wurde sie am Steuer ihres Personenwagens in eine Auffahrkollision mit drei beteiligten Fahrzeugen verwickelt: Nachdem sie ihren Wagen als zweites Fahrzeug hinter einem Fussg�ngerstreifen angehalten hatte, konnte der hinter ihr fahrende Verkehrsteilnehmer seinen Personenwagen wegen Unaufmerksamkeit nicht mehr voll abbremsen. Er fuhr auf den Wagen der Versicherten auf und schob diesen in das Heck des davor stehenden Fahrzeugs. Wegen am folgenden Tag auftretender Nackenschmerzen suchte A.________ ihren Hausarzt Dr. S.________ auf, welcher ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS) diagnostizierte und eine vollst�ndige Arbeitsunf�higkeit bescheinigte. Vom 9. bis 11. Dezember 1998 unternahm die Versicherte an ihrer bisherigen Stelle einen - misslungenen - Arbeitsversuch. In der Folge ging sie keiner Erwerbst�tigkeit mehr nach. Die "Z�rich" richtete Taggelder aus und �bernahm die Heilbehandlung, so auch die station�ren Aufenthalte in der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ (vom 8. bis 29. April 1999) sowie in der Klinik f�r Neurologische Rehabilitation Q.________ (vom 6. bis 27. November 2000). Mit Verf�gung vom 10. Dezember 2001, best�tigt mit Einspracheentscheid vom 10. Mai 2002, stellte die "Z�rich" ihre Leistungen auf das Verf�gungsdatum hin ein, weil der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den noch vorhandenen gesundheitlichen Beschwerden verneint werden m�sse.
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt wies die gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 18. August 2003 ab. Gleichzeitig sprach das kantonale Gericht dem Rechtsvertreter der Versicherten zufolge Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung eine Entsch�digung von Fr. 2152.- aus der Staatskasse zu.
A.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Antrag auf Weiterausrichtung der gesetzlichen Leistungen �ber den 10. Dezember 2001 hinaus. �berdies l�sst sie auch f�r das letztinstanzliche Verfahren um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeist�ndung ersuchen.
Die "Z�rich" schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung verzichtet.
1.1 Unter s�mtlichen Verfahrensbeteiligten ist letztinstanzlich unbestritten, dass der f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers zun�chst vorausgesetzte nat�rliche Kausalzusammenhang (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, je mit Hinweisen) zwischen dem am 22. November 1998 erlittenen Verkehrsunfall und den �ber den 10. Dezember 2001 hinaus anhaltenden Beschwerden (neurasthenisches Syndrom [mit dysphorischer Verstimmung und rascher Ersch�pfung in Verbindung mit somatischen Beschwerden], anhaltende somatoforme Schmerzst�rung mit Beschwerden im Bereich der gesamten Wirbels�ule [mit pseudoradikul�rer Ausstrahlung in die unteren Extremit�ten], kribbelnden Missempfindungen und Schwellungen in beiden H�nden, wetterabh�ngigen Kniegelenksbeschwerden sowie Kopfschmerzen) mit Blick auf das in erster Linie heranzuziehende Gutachten des Neurologen und Psychiaters Dr. K.________, Chefarzt der Klinik f�r Neurologische Rehabilitation Q.________, vom 15. Januar 2001 (einschliesslich des zugeh�rigen neuropsychologischen Teilgutachtens) mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest im Sinne einer Teilkausalit�t gegeben ist. Von der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragten erg�nzenden medizinischen Abkl�rung der Unfallkausalit�t kann unter diesen Umst�nden abgesehen werden.
1.2 Die Vorinstanz hat sodann im angefochtenen Entscheid die Rechtsprechung zum f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers weiter vorausgesetzten ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle und den hernach andauernden Beschwerden mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 117 V 359) zutreffend wiedergegeben. Das kantonale Gericht hat �berdies richtig dargelegt, dass die Beurteilung der Ad�quanz in denjenigen F�llen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgepr�gten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, nach der f�r psychische Fehlentwicklungen nach Unf�llen geltenden Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vorzunehmen ist (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb, 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen; vgl. auch RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437). Gleiches gilt, wenn die im Anschluss an den Unfall auftretenden psychischen St�rungen nicht zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Traumas geh�ren. Erforderlichenfalls ist vorg�ngig der Ad�quanzbeurteilung zu pr�fen, ob es sich bei den im Anschluss an den Unfall geklagten psychischen Beeintr�chtigungen um blosse Symptome des erlittenen Traumas oder aber um eine selbstst�ndige (sekund�re) Gesundheitssch�digung handelt, wobei f�r die Abgrenzung insbesondere Art und Pathogenese der St�rung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren oder der Zeitablauf von Bedeutung sind (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80; Urteil F. vom 26. November 2001, U 409/00).
2.1 Dr. K.________ gelangte in seinem einl�sslichen neurologischen und psychiatrischen Gutachten vom 15. Januar 2001 zum Schluss, dass auf Grund der zwei Jahre nach dem Unfallereignis weiter anhaltenden Beschwerdesymptomatik, des zus�tzlichen Auftretens neuartiger Symptome sowie der Beschwerdeprogredienz nicht von einem typischen Verlauf nach erlittener "leichtgradiger HWS-Distorsion" ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle ausgegangen werden k�nne. Der Gutachter verweist neben dem Vorzustand bez�glich Nackenbeschwerden (beginnende Osteochondrose C5/6, initial linksseitige Unkarthrose) und vorbestehenden Kopfschmerzen (die Beschwerdef�hrerin wurde deswegen neun Tage vor dem Unfall neurologisch abgekl�rt, wobei das EEG einen Grenzbefund zu einer leichten unspezifischen Allgemeinver�nderung ergab) insbesondere auf das psychosoziale Umfeld und "Bew�ltigungsstrategien im Umgang mit schwierigen Situationen": Nach der 1994 bestandenen Lehrabschlusspr�fung konnte die Versicherte wegen einer Allergie nie als Laboristin arbeiten und fand in beruflicher Hinsicht auch anderweitig den Tritt nicht. Zufolge der Angaben gegen�ber dem Psychologen M.________, Rehabilitationszentrum Q.________, welcher das erw�hnte neuropsychologische Teilgutachten erstellte, �bte die Beschwerdef�hrerin "nach einem einj�hrigen psychischen Down (...) verschiedene Gelegenheitsjobs" aus. Die anschliessend begonnene Lehre als Medizinlaborantin habe 1996 mit der Entlassung der Versicherten geendet. Die Aufnahmepr�fung f�r eine �hnliche Schule habe die Beschwerdef�hrerin nicht bestanden, eine weitere in Angriff genommene Ausbildung in einer Abendschule von sich aus abgebrochen. �berdies ist den Akten zu entnehmen, dass sich die Versicherte im Zeitpunkt des Unfalls bei der Firma X.________ noch im Probearbeitsverh�ltnis befunden hat, welches in der Folge vonseiten der Arbeitgeberin gek�ndigt wurde. Nach Auffassung des neurologischen und psychiatrischen Experten Dr. K.________ ist die geschilderte psychosoziale Problematik im Wesentlichen daf�r verantwortlich, dass die berufliche Wiedereingliederung bisher scheiterte und es zu einer Chronifizierung der Beschwerdesymptomatik gekommen ist. Auch der Verfasser des neuropsychologischen Teilgutachtens erblickt in den verschiedenen psychosozialen Belastungsfaktoren "wie mangelnde monet�re Ressourcen und der in den letzten Jahren missgl�ckte Berufseinstieg (drohende Perspektivlosigkeit)" Gr�nde f�r eine (drohende) Chronifizierung der Schmerzen.
2.2 Im Hinblick auf diese medizinischen Beurteilungen ist davon auszugehen, dass sich im Anschluss an das beim Unfall erlittene Schleudertrauma der HWS eine anhaltende somatoforme Schmerzst�rung (ICD-10: F45.4) und ein neurasthenisches Syndrom (ICD-10: F48.0) entwickelt haben (S. 24 des Gesamtgutachtens vom 15. Januar 2001). Bei diesem Prozess wirkten gem�ss den Erkenntnissen des Neurologen und Psychiaters Dr. K.________ und des Psychologen M.________ insbesondere unfallfremde psychosoziale Faktoren mit, wobei das Unfallgeschehen selbst in den Hintergrund getreten zu sein scheint. Die diagnostizierten psychischen Leiden der Beschwerdef�hrerin bilden jedenfalls nicht Teil des typischen ("bunten") Beschwerdebildes nach HWS-Traumen (vgl. hiezu BGE 117 V 360 Erw. 4b und 382 Erw. 4b) und stellen daher nicht prim�re Folgen des Unfalls dar. Vielmehr handelt es sich um selbstst�ndige sekund�re Gesundheitssch�digungen. Es ist somit nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz im Ergebnis zum Schluss gelangte, dass der ad�quate Kausalzusammenhang nach Massgabe der in BGE 115 V 138 Erw. 6 und 407 Erw. 5 entwickelten und seither st�ndig angewandten Rechtsprechung des Eidgen�ssischen Versicherungsgerichts (vgl. BGE 129 V 183 Erw. 4.1) zu beurteilen ist, d.h. mit der Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten der unfallbezogenen Merkmale (BGE 117 V 367 Erw. 6a in fine; SVR 2003 UV Nr. 12 S. 36 Erw. 3.2.3).
3.1 Auf Grund des augenf�lligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen ist der Autounfall vom 22. November 1998 - in �bereinstimmung mit der Beschwerdef�hrerin und entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts - dem Bereich der mittelschweren Unf�lle und innerhalb dieses Rahmens eher den leichteren F�llen zuzuordnen (vgl. RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2 am Anfang). In diesem Zusammenhang gilt es festzuhalten, dass unfallanalytische Erkenntnisse und biomechanische �berlegungen allenfalls gewichtige Anhaltspunkte zur mit Blick auf die Ad�quanzpr�fung relevanten Schwere des Unfallereignisses zu liefern verm�gen; sie bilden jedoch rechtsprechungsgem�ss f�r sich allein in keinem Fall eine hinreichende Grundlage f�r die Kausalit�tsbeurteilung (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 mit Hinweisen). F�r die Bejahung der ad�quaten Kausalit�t w�re daher erforderlich, dass zumindest ein einzelnes unfallbezogenes Kriterium in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist oder dass die praxisgem�ss zu ber�cksichtigenden Merkmale in geh�ufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 117 V 367 Erw. 6b, 384 Erw. 4c, 115 V 140 Erw. 6c/bb, 409 Erw. 5c/bb).
3.2 Der Unfall ereignete sich bei objektiver Betrachtung weder unter besonders dramatischen Begleitumst�nden, noch war er durch eine besondere Eindr�cklichkeit gekennzeichnet. Ferner kann weder von einer schweren noch von einer im Hinblick auf die in Frage stehende Ad�quanzbeurteilung besonders gearteten Verletzung gesprochen werden. F�r eine �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert h�tte, fehlen jegliche Hinweise. Des Weitern kann insofern nicht von einer ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung gesprochen werden, als diese etwa ein Jahr nach dem Unfallereignis vom 22. November 1998 in immer st�rkerem Masse durch die psychogene Fehlverarbeitung bestimmt wurde und sich immer weniger gegen die prim�ren Unfallfolgen richtete. Dieser Wandel vom nach dem Unfallereignis bestehenden vielschichtigen somatisch-psychischen Beschwerdebild nach erlittenem HWS-Trauma zur davon klar abzugrenzenden sekund�ren Gesundheitssch�digung psychogener Natur (neurasthenisches Syndrom, anhaltende somatoforme Schmerzst�rung) vollzog sich nach der Aktenlage noch im Jahre 1999. Als Ausdruck der von Dr. K.________ als (f�r ein Schleudertrauma der HWS) "nicht charakteristisch" beurteilten Beschwerdeprogredienz erhob n�mlich der damals behandelnde Rheumatologe Dr. H.________ anl�sslich der Kontrolluntersuchung vom 29. September 1999 den Befund einer "massiven Verschlimmerung des Cervicalsyndroms" (�rztliches "Folgezeugnis" vom 3. Dezember 1999). Dieselben �berlegungen gelten auch im Hinblick auf die Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit. Aus rein somatischer Sicht h�tte die Beschwerdef�hrerin wohl rund ein Jahr nach dem Unfall wieder zu einer vollst�ndigen Leistungsf�higkeit am angestammten oder einem anderweitigen Arbeitsplatz zur�ckgefunden. Unter diesem Blickwinkel sind auch die unfallbezogenen Kriterien des schwierigen Heilungsverlaufs oder erheblicher Komplikationen und der k�rperlichen Dauerschmerzen zu verneinen. Die praxisgem�ss vorzunehmende Gesamtw�rdigung f�hrt nach dem Gesagten klarerweise zur Verneinung des ad�quaten Kausalzusammenhangs. Die - vorinstanzlich best�tigte - Leistungseinstellung seitens der "Z�rich" erfolgte demnach zu Recht.
Dem Gesuch um Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung kann entsprochen werden, da die hief�r nach Gesetz (Art. 152 in Verbindung mit Art. 135 OG) und Rechtsprechung (BGE 125 V 202 Erw. 4a und 372 Erw. 5b, je mit Hinweisen) erforderlichen Voraussetzungen erf�llt sind. Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 152 Abs. 3 OG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu im Stande ist.
Zufolge Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung wird Advokat Markus Schmid, Basel, f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) ausgerichtet.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt und dem Bundesamt f�r Gesundheit (BAG) zugestellt.

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
in fine
 Art. 135
 Art. 152