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Timestamp: 2020-04-01 14:47:44+00:00

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Urheberrecht für historische Bilder - frag-einen-anwalt.de
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| 06.01.2008 12:05 |
ich pflege die Internetseite eines Vereins, der sich mit amerikanischer Geschichte befasst. Ich würde nun z.B. gern Bilder historischer Persönlichkeiten auf dieser Webseite, die keinerlei kommerziellen Zwecken dient, verwenden.
Ich weiß, dass Fotografen das Urheberrecht an von ihnen erstellten Aufnahmen haben und man Menschen nicht ohne ihre Einweilligung auf einer Websteite darstellen darf. Abraham Lincoln z. B. ist seit 1865 tot, und der Fotograf, der ihn zu Lebzeiten fotografierte, ist mit Sicherheit ebenfalls tot. Was ist nun also mit den Bildern? Darf man sie, wenn man sie im Internet gefunden hat, auf einer eigenen Seite verwenden? Ich gehe davon aus, dass ich Bilder aus Büchern nicht kopieren darf, weil dann das Urheberrecht beim Verlag liegt.
Ich stelle diese Frage im Vorfeld, weil ich weder mir noch dem Verein Ärger einhandeln möchte.
06.01.2008 | 13:42
vielen Dank für Ihre Anfrage(n). Vorweg möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass es sich bei folgender Antwort lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung handelt und diese eine umfassende Begutachtung auf keinen Fall ersetzen kann. Dies vorausgeschickt beantworte ich Ihre Frage(n) wie folgt:
Zu unterscheiden sind die Begriffe (1) „Recht am eigenen Bild“ und (2) „Bildrecht.“
( 1 ) Nach § 23 KunstUrhG dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, dass er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Das Einwilligungserfordernis ist allerdings nach § 23 Absatz 1 KunstUrhG bei sogenannten Personen der Zeitgeschichte eingeschränkt. In der deutschen Rechtsprechung hat sich dabei eine Unterscheidung zwischen „absoluten Personen der Zeitgeschichte“ und „relativen Personen der Zeitgeschichte“ eingebürgert.
( 2 ) Das Bildrecht steht im Zusammenhang mit den Urheberrechten des Urhebers bzw. Lichtbildners für seine Fotografien. Diesbezüglich mache ich auf die Bestimmung(en) des § 72 Urheberrechtsgesetz, insbesondere auf § 72 Abs. 3 Urheberrechtsgesetz aufmerksam:
§ 72 Urheberrechtsgesetz
(1)“Lichtbilder und Erzeugnisse, die ähnlich wie Lichtbilder hergestellt werden, werden in entsprechender Anwendung der für Lichtbildwerke geltenden Vorschriften des Teils 1 geschützt.
(3) 1Das Recht nach Absatz 1 erlischt fünfzig Jahre nach dem Erscheinen des Lichtbildes oder, wenn seine erste erlaubte öffentliche Wiedergabe früher erfolgt ist, nach dieser, jedoch bereits fünfzig Jahre nach der Herstellung, wenn das Lichtbild innerhalb dieser Frist nicht erschienen oder erlaubterweise öffentlich wiedergegeben worden ist. 2Die Frist ist nach § 69 zu berechnen.“
Ich hoffe, Ihnen eine hilfreiche erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben.
Für Rückfragen stehe ich über die kostenfreie Nachfragefunktion gerne zur Verfügung.
Nachfrage vom Fragesteller	06.01.2008 | 16:57
vielen Dank für die rasche Beantwortung - und das an einem Sonntag!
Habe ich Ihre Zitate richtig verstanden, dass historische Bilder aus dem 19. Jahrhundert keinem Urheberrecht mehr unterliegen, da seit der ersten Veröffentlichung dieser Bilder ja ein erheblicher Zeitraum über den genannten 50 Jahren vergangen ist?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.01.2008 | 18:36
Eine Entscheidung des OLG Hamburg vom 05.11.1998 Az.: 3 U 175/98 - "Wagner-Familienfotos", im folgenden via Wikisource nachlesbar, zeigt anschaulich, wie kompliziert die Schutzfristberechnung ist.
Grundsätzlich erlischt das Urheberrecht gemäß § 64 UrhG 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.
Die Urheberrechte an (einfachen) Lichtbildern erlöschen in der Regel nach bereits zitiertem § 72 Abs. 3 UrhG fünfzig Jahre nach dem ersten Erscheinen des Bildes.
Bei einer Nicht-Veröffentlichung innerhalb von fünfzig Jahren nach der Herstellung erlischt die Schutzfrist.
In seltenen Fällen kann sich jedoch eine hundertjährige Schutzfrist ergeben.
Das ist zwar bei oberflächlicher Lektüre des § 72 Abs. 3 UrhG zunächst nicht eindeutig. Ergibt sich jedoch daraus, dass besagte 50 – jährige Schutzfrist ERST mit der VERÖFFENTLICHUNG des/der Fotos beginnt.
Beispiel: Ein Lichtbild aus dem Jahr 2000 wird knapp vor der Fünfzigjahresfrist im Jahre 2050 erstmals veröffentlicht und genießt dann Schutz bis Ende 2100.
Weiterführende Hinweise finden Sie auch bei Wikipedia .
Alles in allem sollten Sie bei Veröffentlichung von hundertjährigen Fotos wohl auf der sicheren Seite sein. Empfehlenswert ist dennoch bei den/der Quelle(n) jeweils anzufragen.
"Danke, die Frage wurde ausführlich und verständlich beantwortet. Sowas braucht man als juristischer Laie! "
Danke, die Frage wurde ausführlich und verständlich beantwortet. Sowas braucht man als juristischer Laie!
Bildrechte im Internet - Bilder ohne Genehmigung vom eigenen Lieferanten benutzt

References: § 23
 § 23
 § 72
 § 72

§ 72
 § 69
 § 64
 § 72
 § 72