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Timestamp: 2019-10-16 20:50:34+00:00

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unalex Case Collection BGH (DE) 22.01.2009 - IX ZB 42/06
unalex. Case Collection Case DE-1652
DE-1652
Case DE-1652
BGH (DE) 22.01.2009 - IX ZB 42/06
Art. 25, 31, 16(5) Lugano Convention 1988 – Measures defending against enforcement – Attachment of a debt and actions against third-party debtors – Proceedings to consider objections to enforcement under Swiss law – Judgment of a court – Notion de « décision » – Participación en el proceso – Conditions de la décision constatant la force exécutoire – Force exécutoire dans l'Etat de jugement
BGH (DE) 22.01.2009 - IX ZB 42/06, unalex DE-1652
fr - Commentaire du Règlement (CE) n° 44/2001 et de la Convention de Lugano (5 cit.)
it - Commento al Regolamento (CE) 44/2001 e alla Convenzione di Lugano (4 cit.)
An enforceable judicial decision from a Swiss court or the legal equivalent of such a decision constitutes an enforceable judgment within the meaning of Article 31(1) Lugano Convention without necessitating that enforcement proceedings be opened and proceedings to obtain a judicial vitiation of objection to enforcement be completed. (Headnote of the Court)
Whether a judgment is enforceable in the original State according to Article 31(1) Lugano Convention is determined according to the domestic procedural law of that State. A judgment is enforceable for the purpose of that provision if the formal prerequisites for enforcement are fulfilled. The actual prerequisites for enforcement are thereby irrelevant. Enforceability is not hindered by the fact that in the original State, before having recourse to the debtor's assets, the creditor has to bring proceedings in which it is determined whether grounds that arose after the pronouncement of the judgment bar enforcement.
A decree given by a Swiss court after the defendant's acknowledgement of debt, in which the court states that there is no need to rule on the action due to the acknowledgement and imposes costs on the respondent, constitutes a statutory surrogate for an enforceable final judgment and thus a judgment within the meaning of Article 25 Lugano Convention.
A debt collection procedure under Swiss law, by which the enforcement of an enforceable title is instituted, constitutes enforcement proceedings within the meaning of Article 16(5) Lugano Convention.
The applicant brought an action for payment before the Bezirksgericht of Zurich (CH) against the respondent, domiciled in Germany. Following the respondent's acknowledgement of debt, the court issued a decree stating that there was no need to rule on the action due to the acknowledgement, and imposed the costs on the respondent. The applicant applied to the competent German court for a declaration of enforceability of the decree in Germany. The lower courts dismissed the application on the grounds that the decree by the Bezirksgericht did not constitute an enforceable judgment within the meaning of Article 31 Lugano Convention. The applicant appealed to the BGH (DE).
The BGH (DE) allows the appeal. It holds that the decree by the Bezirksgericht is a statutory alternative to an enforceable judgment per curiam and thus constitutes a judgment for the purpose of Article 25 Lugano Convention. An enforceable judgment by a Swiss court, or a statutory alternative, constitutes an enforceable judgment for the purpose of Article31(1). This finding is not countered by the fact that according to Swiss law, before having recourse to the debtor's assets, the creditor has to initiate debt collection under which the debtor can still commence liquidation, payment, or prescription of the claim after pronouncement of the judgment. According to the ECJ's judgment of 29.04.1999 - C-267/97 – in Coursier, the term 'enforceable' in Article 31(1) refers solely to enforceability in formal terms, and not to the circumstances in which such decisions may be executed. The Swiss debt collection procedure already constitutes enforcement proceedings over which the courts of the State in which enforcement is sought have exclusive jurisdiction under Article 16(5) Lugano Convention. Therefore, the enforceability of the judgment, and thus the possibility of allowing its enforcement in another Contracting State, is not challenged.
I. Der Antragsteller begehrt die Vollstreckbarerklärung einer Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, die ergangen ist, nachdem der Antragsgegner mitgeteilt hatte, dass er die Klage des Antragstellers auf Verpflichtung des Antragsgegners zur Zahlung von CHF 2330,- zuzüglich Verzugszinsen von 5 % seit 27. Januar 2003 anerkenne. In der Verfügung wurde der Prozess als durch Anerkennung der Klage erledigt abgeschrieben und der Antragsgegner verurteilt, die Kosten von CHF 285,- und eine Umtriebsentschädigung von CHF 227,- zu bezahlen.
Das Landgericht hat den Antrag zurückgewiesen. Die dagegen fristgerecht erhobene Beschwerde hatte keinen Erfolg. Mit der Rechtsbeschwerde verfolgt der Antragsteller sein Begehren auf Vollstreckbarerklärung weiter.
II. Das gemäß § 15 Abs. 1 AVG, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthafte Rechtsmittel ist zulässig, weil die Frage grundsätzliche Bedeutung hat (§ 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO), ob ein rechtskräftiges vollstreckbares gerichtliches Urteil oder ein diesem gleichstehendes Surrogat nach schweizerischem Recht als vollstreckbare Entscheidung im Sinne des Art. 31 des Luganer Übereinkommens über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen vom 16. September 1988 (BGBl. 1994 II S. 2660; im Folgenden auch: LugÜ) anzusehen ist. Die Rechtsbeschwerde ist auch im Übrigen zulässig, insbesondere form- und fristgerecht eingelegt und begründet worden, § 15 Abs. 2 und 3, § 16 AVAG.
III. Die Rechtsbeschwerde ist begründet. Die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich ist gemäß § 8 AVAG für vollstreckbar zu erklären (§ 17 Abs. 3 AVAG).
1. Das Beschwerdegericht hat gemeint, die Voraussetzungen des Art. 31 Abs. 1 LugÜ lägen nicht vor, weil es an der Vollstreckbarkeit der vorgelegten Entscheidung in der Schweiz fehle. Zwar stelle die hier streitgegenständliche Verfügung nach Schuldanerkennung ein gesetzliches Surrogat eines vollstreckbaren gerichtlichen Urteils dar. Der Gläubiger müsse aber zunächst den Betreibungsweg beschreiten und dem Schuldner einen Zahlungsbefehl zustellen lassen. Auf einen – einem Widerspruch gegen einen Mahnbescheid vergleichbaren – Rechtsvorschlag des Schuldners müsse er das sogenannte definitive Rechtsöffnungsverfahren betreiben. Der Gläubiger könne beim Richter die definitive Aufhebung der Einstellungswirkung des Rechtsvorschlags verlangen, wobei der Schuldner – anders als beim provisorischen Rechtsöffnungsverfahren – nur mit Einwendungen gehört werde, welche die Tilgung, Stundung oder Verjährung der Schuld seit Erlass des Urteils beträfen. Bringe der Schuldner keine begründeten Einwendungen vor, werde der Rechtsvorschlag beseitigt und dem Gläubiger die definitive Rechtsöffnung erteilt; erst damit könne er in der Schweiz zur Vollstreckung im eigentlichen Sinne schreiten.
2. Diese Ausführungen halten rechtlicher Prüfung teilweise nicht stand. Das Beschwerdegericht hat den Begriff der vollstreckbaren Entscheidung in Art. 31 Abs. 1 LugÜ verkannt.
a) Auf das vorliegende Verfahren findet das Übereinkommen von Lugano Anwendung, da die Schweiz nicht Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften ist, Art. 54b Abs. 2 lit. c LugÜ.
b) Die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich stellt nach den Feststellungen des Beschwerdegerichts ein gesetzliches Surrogat eines vollstreckbaren gerichtlichen Urteils eines schweizerischen Gerichts dar. Dies wurde von der Rechtsbeschwerde nicht in Zweifel gezogen (vgl. auch § 80 Abs. 2 des Schweizerischen Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs, im Folgenden: SchKG). Gemäß Art. 25 LugÜ ist unter einer Entscheidung im Sinne dieses Übereinkommens jede von einem Gericht eines Vertragsstaates erlassene Entscheidung zu verstehen ohne Rücksicht auf die Bezeichnung.
c) Ein vollstreckbares schweizerisches Urteil oder ein ihm gleichgestelltes Surrogat stellt eine vollstreckbare Entscheidung im Sinne des Art. 31 LugÜ dar, die auf Antrag eines Berechtigten in Deutschland für vollstreckbar erklärt werden kann, ohne dass in der Schweiz der Betreibungsweg beschritten und die definitive Rechtsöffnung erwirkt worden sein muss.
(1) Wie sich der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs entnehmen lässt, betrifft der Begriff der Vollstreckbarkeit im Urteilsstaat lediglich die Vollstreckbarkeit in formeller Hinsicht, nicht aber die Voraussetzungen, unter denen die Entscheidung im Urteilsstaat tatsächlich vollstreckt werden kann (vgl. EuGH, Urt. v. 29. April 1999 Rs C-267/97 Eric Coursier/Fortis Bank SA, Sammlung 1999 S. 2543, 2571 Rn. 29). Diese Rechtsprechung ist zwar zu der mit Art. 31 LugÜ übereinstimmenden Bestimmung des Art. 31 EuGVÜ ergangen. Die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zum Brüsseler EWGÜbereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelsachen ist jedoch nach den Erklärungen der Vertreter der Regierungen der Unterzeichnerstaaten des Luganer Übereinkommens (BGBl. 1999 II S. 2700 ff) auch bei dessen Auslegung zu berücksichtigen (vgl. z.B. MünchKomm-ZPO/Gottwald, 2. Aufl. LugÜ Protokoll Nr. 2 Rn. 4, 5).
(2) Die verfahrensrechtliche Ausgestaltung des schweizerischen Betreibungsrechts steht der Vollstreckbarkeit im Sinne des Art. 31 LugÜ nicht entgegen. Die definitive Rechtsöffnung in diesem Sinne ist keine Voraussetzung der Vollstreckbarerklärung schweizerischer Titel in Deutschland.
aa) Nach schweizerischem Betreibungsrecht kann, wie das Beschwerdegericht festgestellt hat, der Schuldner nur mit Einwendungen gehört werden, welche die Tilgung, Stundung oder Verjährung der Schuld seit Erlass des Urteils betreffen. Bringt der Schuldner keine begründeten Einwendungen in diesem Sinne vor, wird sein Rechtsvorschlag beseitigt und dem Gläubiger die definitive Rechtsöffnung erteilt, womit dieser zur Vollstreckung im eigentlichen Sinne in der Schweiz schreiten kann. Damit entspricht dieses Verfahren funktional der deutschen Vollstreckungsgegenklage gemäß § 767 ZPO (Walter, ZZP 107 (1994), 301, 313; Keßler, Die Vollstreckbarkeit und ihr Beweis gemäß Art. 31 und 47 Nr. 1 EuGVÜ, S. 142). Das schweizerische Verfahren der definitiven Rechtsöffnung ist in derartigen Fällen deshalb ebenso wie die Vollstreckungsgegenklage nach § 767 ZPO ein Verfahren, das das Vollstreckungsverfahren im Sinne des Art. 16 Nr. 5 LugÜ zum Gegenstand hat (vgl. EuGH, Urt. v. 4. Juli 1985, Rechtssache 220/84, AS-Autoteile Service/Malhé, Sammlung 1985, 2267, 2277 f Rn. 12, 19).
bb) Da die definitive Rechtsöffnung nach schweizerischem Recht dem Zwangsvollstreckungsverfahren im Sinne des Art. 16 Nr. 5 LugÜ zuzurechnen ist, fehlt es bereits an der internationalen Zuständigkeit schweizerischer Gerichte, wenn die Vollstreckung im Hoheitsgebiet eines anderen Vertragsstaates durchgeführt werden soll (vgl. Keßler aaO S. 141/142 und die dort zitierte herrschende schweizer Rechtslehre; Walter, aaO S. 313). International zuständig sind ausschließlich die Gerichte im Vollstreckungsstaat. Dies schließt es aus, als Voraussetzung der Vollstreckbarkeit im Sinne des Art. 31 LugÜ die Durchführung des Verfahrens der definitiven Rechtsöffnung in der Schweiz zu verlangen. Denn ein solches Verfahren könnte dort mangels internationaler Zuständigkeit gar nicht durchgeführt werden. Eine Auslegung, die dies trotzdem fordert, wäre mit einer völkerrechtsfreundlichen Handhabung des Luganer Übereinkommens nicht vereinbar, weil sie die Vollstreckbarerklärung in anderen Vertragsstaaten ausschlösse.
cc) Der Schuldner kann die Einwendungen, die er im definitiven Rechtsöffnungsverfahren nach schweizerischem Recht erheben könnte, auch im deutschen Verfahren auf Vollstreckbarerklärung vorbringen. Er kann sie gemäß § 12 Abs. 1 AVAG im Verfahren der sofortigen Beschwerde vor dem Oberlandesgericht oder in einem späteren Verfahren nach Maßgabe des § 14 AVAG geltend machen.
3. Die Beschwerdeentscheidung ist auch nicht aus anderen Gründen richtig, § 17 Abs. 2 Satz 2 AVAG, § 577 Abs. 3 ZPO.
Die Auffassung des Landgerichts, es liege schon kein vollstreckbarer Titel vor, hat das Beschwerdegericht nach Prüfung des schweizerischen Rechts im Hinblick auf § 80 Abs. 2 SchKG für unzutreffend erachtet. Dies ist der Nachprüfung durch das Beschwerdegericht gemäß § 17 Abs. 1 AVAG entzogen.
4. Die Aufhebung der angefochtenen Entscheidungen erfolgt nur wegen Rechtsverletzung bei Anwendung des Rechts auf das festgestellte Sachverhältnis. Nach letzterem ist die Sache zur Endentscheidung reif. Das Rechtsbeschwerdegericht hat deshalb in der Sache selbst zu entscheiden, § 17 Abs. 2 AVAG, § 577 Abs. 5 ZPO.
Anerkennungshindernisse gemäß Art. 34 Abs. 2 LugÜ aus den in Art. 27 und 28 LugÜ angeführten Gründen sind nicht gegeben. Die erforderlichen Unterlagen nach Art. 46 ff LugÜ sind vorgelegt. Einwendungen nach § 12 Abs. 1 AVAG hat der Antragsgegner nicht geltend gemacht.

References: BGH 

BGH 

Art. 25

BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 15
 § 574
 Art. 31
 § 15
 § 16
 § 8
 Art. 31
 Art. 31
 Art. 54
 § 80
 Art. 25
 Art. 31
 Art. 31
 Art. 31
 Art. 31
 § 767
 Art. 31
 § 767
 Art. 16
 Art. 16
 Art. 31
 § 12
 § 14
 § 17
 § 577
 § 80
 § 17
 § 17
 § 577
 Art. 34
 Art. 27
 Art. 46
 § 12