Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/grunderwerbsteuerbefreiung-bei-umstrukturierungen-im-konzern-und-die-behaltensfristen-3201973?pk_campaign=feed&pk_kwd=grunderwerbsteuerbefreiung-bei-umstrukturierungen-im-konzern-und-die-behaltensfristen
Timestamp: 2020-08-09 05:24:33+00:00

Document:
Umwand­lungs­vor­gän­ge, bei denen eine betei­lig­te Gesell­schaft erlischt oder neu ent­steht, fal­len nach dem Wort­laut des § 6a Sät­ze 3 und 4 GrEStG nicht in den Anwen­dungs­be­reich des § 6a GrEStG. Eine vor oder nach der Umwand­lung nicht exis­ten­te Gesell­schaft kann die in § 6a Satz 4 GrEStG bestimm­ten zeit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Abhän­gig­keit aus recht­li­chen Grün­den nicht erfül­len, mit der Fol­ge, dass ent­ge­gen den Anfor­de­run­gen des § 6a Satz 3 GrEStG an dem Umwand­lungs­vor­gang auch (min­des­tens) eine Gesell­schaft betei­ligt wäre, die man­gels Ein­hal­tung der Nach­be­hal­tens­frist (im Fal­le des Erlö­schens) bzw. der Vor­be­hal­tens­frist (im Fal­le der Neu­grün­dung) nicht von dem herr­schen­den Unter­neh­men „abhän­gig“ wäre.
Die Finanz­ver­wal­tung ver­sucht, den Wider­spruch zwi­schen § 6a Satz 1 GrEStG einer­seits und den Sät­zen 3 und 4 der Vor­schrift ande­rer­seits mit­tels eines eige­nen Ver­bund­be­griffs zu lösen. Nach Tz.02.1 Abs. 2 der Erlas­se in BStBl I 2012, 662 ist für den jewei­li­gen Umwand­lungs­vor­gang ein ent­spre­chen­der „Ver­bund“ aus dem herr­schen­den Unter­neh­men und der oder den am Umwand­lungs­vor­gang betei­lig­ten abhän­gi­gen Gesellschaft(en) sowie den die­ses Betei­li­gungs­ver­hält­nis ver­mit­teln­den abhän­gi­gen Gesell­schaf­ten zu bestim­men. Umwand­lungs­vor­gän­ge, durch die ein sol­cher „Ver­bund“ begrün­det oder been­det wird, sind nach Tz.02.1 Abs. 3 Satz 1 der Erlas­se in BStBl I 2012, 662 nicht nach § 6a GrEStG begüns­tigt.
Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung fin­det weder im Wort­laut oder in der Sys­te­ma­tik des § 6a GrEStG noch in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en eine Stüt­ze. Die Vor­stel­lung des „Ver­bun­des“ ist dort weder begriff­lich noch kon­zep­tio­nell ange­legt. Es ist kein geset­zes­im­ma­nen­ter sach­li­cher Grund dafür ersicht­lich, z.B. die Ver­schmel­zung auf eine Schwes­ter­ge­sell­schaft bei Erfül­len der Nach­be­hal­tens­frist durch die auf­neh­men­de Gesell­schaft zu begüns­ti­gen, die Abspal­tung oder Aus­glie­de­rung auf eine neu gegrün­de­te Schwes­ter­ge­sell­schaft bei Erfül­len der Vor­be­hal­tens­frist durch die abge­ben­de Gesell­schaft hin­ge­gen nicht. Bei­de Umwand­lungs­vor­gän­ge sind ledig­lich das wirt­schaft­li­che und recht­li­che Spie­gel­bild des jeweils ande­ren Umwand­lungs­vor­gangs und fin­den inner­halb des Kon­zerns ohne Betei­li­gung Drit­ter statt. Das­sel­be gilt für die (ver­ti­ka­le) Ver­schmel­zung einer Toch­ter­ge­sell­schaft auf die Mut­ter­ge­sell­schaft oder einer Enkel­ge­sell­schaft auf die Toch­ter­ge­sell­schaft und ‑spie­gel­bild­lich- die Abspal­tung oder Aus­glie­de­rung auf sol­che Gesell­schaf­ten. Es ist kein Grund erkenn­bar, wes­halb die­se Umwand­lungs­vor­gän­ge nicht unter § 6a Sät­ze 3 und 4 GrEStG fal­len soll­ten, wenn man ‑wie die Finanz­ver­wal­tung- ein­zel­ne Umwand­lungs­vor­gän­ge auf der hori­zon­ta­len Ebe­ne zulässt.

References: § 6
 § 6
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