Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=12.04.2011&Aktenzeichen=II%20ZR%20197/09
Timestamp: 2020-06-04 08:27:19+00:00

Document:
BGH, 12.04.2011 - II ZR 197/09 - dejure.org
https://dejure.org/2011,579
BGH, 12.04.2011 - II ZR 197/09 (https://dejure.org/2011,579)
BGH, Entscheidung vom 12.04.2011 - II ZR 197/09 (https://dejure.org/2011,579)
BGH, Entscheidung vom 12. April 2011 - II ZR 197/09 (https://dejure.org/2011,579)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2011,579) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 134 BGB, § 426 Abs 1 BGB, § 426 Abs 2 BGB, Art 1 § 1 Abs 1 RBerG, § 1 Abs 1 RBerG
Gesellschaftsgründung zwecks Einziehung der Ausgleichsansprüche gem. § 426 Abs. 1 u. 2 BGB gegen sanierungsunwillige Kommanditisten einer Publikums-KG; Nichtigkeit der im Gesellschaftsvertrag erteilten Ermächtigung zur gerichtlichen Geltendmachung
Zur Prozessführungsbefugnis einer GbR aus sanierungswilligen Kommanditisten für Klage gegen sanierungsunwillige Kommanditisten
Rechtsberatungsgesetz; Ermächtigung zur Einziehung von Ausgleichsansprüchen; geschlossener Immobilienfonds
Auftrag an eine zur Sanierung einer Publikums-KG gegründete BGB-Gesellschaft, Ausgleichsansprüche aus § 426 Abs. 1 und 2 BGB gegen sanierungsunwillige Kommanditisten einzuziehen, als unerlaubte Ermächtigung zur Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten
Ermächtigung einerPublikums-KG zur Einziehung der Ausgleichsansprüche sanierungsunwilliger Kommanditisten ist wegen Verstoßes gegen das RBerG nichtig
Nichtige Klausel in Gesellschaftsvertrag (Immobilienfonds)
Zur Unzulässigkeit der einer GbR erteilten Ermächtigung zur gerichtlichen Geltendmachung wegen § 1 Abs. 1 RBerG
Ermächtigung einer Publikums-KG zur Einziehung der Ausgleichsansprüche sanierungsunwilliger Kommanditisten ist wegen Verstoßes gegen das RBerG nichtig
RBerG Art. 1 § 1 Abs. 1; BGB §§ 134, 426; HGB § 171 Abs. 1
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 12.04.2011; Az.: II ZR 197/09 (Ermächtigung einer Publikums-KG zur Einziehung der Ausgleichsansprüche sanierungsunwilliger Kommanditisten ist wegen Verstoßes ...)" von RA/FAHandels-/GesR/FAInsR/FAArbR Volker Römermann, original ...
Kurznachricht zu "Zur kollektiven Durchsetzung von Ansprüchen geschädigter Kapitalanleger mittels BGB-Gesellschaften" von RA Dr. iur. Marius E. Mann, MBA, M.Jur. (Oxford), original erschienen in: ZIP 2011, 2393 - 2398.
LG Hamburg, 20.07.2006 - 403 O 78/06
BB 2011, 1553
DB 2011, 1269
Wie das Berufungsgericht zutreffend erkannt hat, erfolgte die Abtretung an die Schuldnerin trotz deren Bezeichnung als "Kauf" zu Einziehungszwecken, weil ein Kaufpreis nur für den Fall des Erfolgs der Klage bezahlt und die Zedenten an den eingezogenen Beträgen beteiligt werden sollten (vgl. BGH, Urteil vom 28. Februar 1985 - I ZR 191/82, WM 1985, 1214, 1215; vom 27. November 2000 - II ZR 190/99, WM 2001, 310 f; Beschluss vom 5. November 2004 - BLw 11/04, WM 2005, 102;… Urteil vom 25. November 2008 - XI ZR 413/07, WM 2009, 259 Rn. 16 f; vom 12. April 2011 - II ZR 197/09, WM 2011, 1076 Rn. 15).
(1) Die Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten erfolgt nach ständiger Rechtsprechung geschäftsmäßig, wenn der Handelnde beabsichtigt, sie - sei es auch nur bei sich bietender Gelegenheit - in gleicher Art zu wiederholen und dadurch zu einem dauernden und wiederkehrenden Teil seiner Beschäftigung zu machen (BGH…, Urteil vom 28. Februar 1985, aaO; vom 17. Februar 2000 - IX ZR 50/98, WM 2000, 1343, 1345;… vom 27. November 2000, aaO S. 311;… vom 14. November 2006 - XI ZR 294/05, BGHZ 170, 18 Rn. 8; vom 12. April 2011, aaO Rn. 17).
Die Abtretung von Forderungen zur Einziehung erfolgt hingegen geschäftsmäßig, wenn der Zessionar diese Tätigkeit für eine nicht zu überblickende Vielzahl von Personen anbietet (BGH…, Urteil vom 25. November 2008, aaO Rn. 24; vom 12. April 2011, aaO Rn. 18 f).
Sie können deshalb unter den Voraussetzungen des § 426 Abs. 1 BGB von ihren wie sie als Treugeber beteiligten Mitgesellschaftern anteiligen Ausgleich verlangen, sofern diese der (mittelbaren) Außenhaftung für die getilgten Verbindlichkeiten unterliegen (vgl. BGH, Urteil vom 12. April 2011 - II ZR 197/09, ZIP 2011, 1202 Rn. 15).
Die - auch in der Revisionsinstanz von Amts wegen zu prüfende (vgl. BGH, Urteile vom 12. April 2011 - II ZR 197/09, NJW 2011, 2581 Rn. 10;… vom 7. Juli 2008 - II ZR 26/07, WM 2008, 1615 Rn. 12; jeweils m.w.N.) - Prozessführungsbefugnis d. VN ist gegeben.
Geschäftsmäßigkeit erfordert eine selbständige, mit Wiederholungsabsicht erfolgende Tätigkeit, die nicht nur aus besonderen Gründen als Gefälligkeit ausgeübt wird (std. Rspr., BGH, Urteil vom 26.07.2001, III ZR 172/00; Urteil vom 17.02.2000, IX ZR 50/98; Urteil vom 12.04.2011, II ZR 197/09, jeweils m.w.N.).
Unerheblich ist, ob die Tätigkeit entgeltlich oder unentgeltlich oder für einen größeren Personenkreis ausgeübt wird (BGH, Urteil vom 12.04.2011, II ZR 197/09 a.a.O.).
Diese Bewertung wird bestätigt durch den Umstand, dass sich anlässlich der Schaffung des Gesetzes zur Einführung von Kapitalanleger-Musterverfahren der Gesetzgeber ausdrücklich die Bündelung von Individualansprüchen durch - der hiesigen Klägerin von der Interessenlage vergleichbare - Interessengemeinschaften im Wege der Einziehungsermächtigung als mögliche Alternative abgelehnt hat, da eine solche Tätigkeit nach Art und Umfang über ein Gelegenheitsgeschäft hinausgehe und damit als geschäftsmäßig i.S.v. Art. 1 § 1 Abs. 1 Rechtsberatungsgesetz anzusehen ist (vgl. BGH, Urteil vom 12.04.2011, II ZR 197/09, zitiert aus JURIS mit Hinweis auf den Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Einführung von Kapitalanlegermusterverfahren, BT-Drs. 15/5091, S. 14).
Eine grundsätzliche Bedeutung oder ein Bedürfnis nach einer Entscheidung des Revisionsgerichts zur Fortbildung des Rechts besteht jedenfalls deshalb nicht mehr, weil der Senat mit Urteil vom 12. April 2011 (II ZR 197/09, ZIP 2011, 1202) entschieden hat, dass die Ermächtigung zur Einziehung von Forderungen der Gesellschafter einer Anlagegesellschaft gegen ihre Mitgesellschafter durch eine dazu gegründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die keine Erlaubnis nach dem Rechtsberatungsgesetz hat, nach § 134 BGB in Verbindung mit dem mittlerweile außer Kraft getretenen Art. 1 § 1 RBerG nichtig ist.
Die Forderungseinziehung soll auch geschäftsmäßig erfolgen (vgl. BGH, Urteil vom 12. April 2011 - II ZR 197/09, ZIP 2011, 1202 Rn. 16 ff.).
Soweit das LG auf die beiden Entscheidungen des BGH vom 12.04.2011 (II ZR 197/09) und 19.07.2011 (II ZR 86/10) abgestellt habe, habe er dargelegt, dass es Unterschiede zwischen dem vom BGH diskutierten Sachverhalt und dem Schadensersatzanliegen der von ihm betreuten Geschädigten-Pool GbR gebe.
Der Bundesgerichtshof habe mit zwei Entscheidungen vom 12.04.2011 (Az. II ZR 197/09) und 19.07.2011 (Az. II ZR 86/10) die Unzulässigkeit einer solche Prozessführung festgestellt.
Spätestens aufgrund der Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vom 12.04.2011 (Az. II ZR 197/09) sowie vom 19.07.2011 (Az. II ZR 86/10) war für den Beklagten absehbar, dass zum Zeitpunkt der Berufungseinlegung nach höchstrichterlicher Rechtsprechung die Durchführung dieses Rechtsmittels hoch risikoreich, wenn nicht sogar aussichtslos war.
Mit den Entscheidungen des Bundesgerichtshof vom 12.04.2011 (Az. II ZR 197/09) sowie vom 19.07.2011 (Az. II ZR 86/10) stand der Rechtsauffassung des Landgerichts eine höchstrichterliche Rechtsprechung entgegen.
Die auch in der Revisionsinstanz von Amts wegen zu prüfende (vgl. BGH, Urteile vom 12. April 2011 - II ZR 197/09, NJW 2011, 2581 Rn. 10;… vom 7. Juli 2008 - II ZR 26/07, WM 2008, 1615 Rn. 12; jeweils m. w. N.) Prozessführungsbefugnis d. VN ist gegeben.
Wie der Bundesgerichtshof bereits mit Urteil vom 12. April 2011 (Az. II ZR 197/09; NJW 2011, 2581 ff.; zitiert nach: juris) und nochmals mit Urteil vom 30. Oktober 2012 (Az. XI ZR 324/11; NJW 2013, 59 ff.; zitiert nach: juris) zutreffend entschieden hat, ist die Ermächtigung zur Einziehung von Forderungen der Gesellschafter einer Anlagegesellschaft gegen ihre Mitgesellschafter durch eine dazu gegründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die keine Erlaubnis nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz hat, nach § 134 BGB in Verbindung mit Art. 1 § 1 RBerG a. F., bzw. in Verbindung mit § 2 Abs. 2 S. 1, 2. Alt. RDG nichtig.
Das gilt auch dann, wenn Zahlungsansprüche aus einer Beteiligung an einem Fonds gegen die Verantwortlichen des Fonds geltend gemacht werden sollen und diese Ansprüche in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts eingebracht werden (BGH, Urteil vom 30.10.2012, Az. XI ZR 324/11; NJW 2013, 59 ff.; zitiert nach: juris; BGH, Beschluss vom 19.07.2011, Az. II ZR 86/10; GWR 2012, 12;… zitiert nach: juris Rz. 2; BGH, Urteil vom 12.04.2011, Az. II ZR 197/09; NJW 2011, 2581 ff.; zitiert nach: juris; OLG Düsseldorf, Urteil vom 14.04.2010, Az. 15 U 1/09; NJW- Spezial 2010, 529;… zitiert nach: juris Rz. 37).
Die Klägerin verfolgt nach ihrem Gesellschaftszweck und Gesellschaftsvertrag das Ziel der geschäftsmäßigen Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten (vgl. zu allem Nachstehenden insbes. BGH, Urteil vom Urteil vom 30.10.2012, Az. XI ZR 324/11; NJW 2013, 59 ff.; zitiert nach: juris;… OLG Düsseldorf, a. a. O., juris Rz. 41 ff.; BGH, Urteil vom 12.04.2011, Az. II ZR 197/09; NJW 2011, 2581 ff.; zitiert nach: juris).

References: § 134
 § 426
 § 426
 § 1
 § 1
 § 426
 § 426
 § 1
 Art. 1
 § 1
 § 171
 BGH 
 § 426
 Art. 1
 § 1
 § 134
 Art. 1
 § 1
 BGH 
 BGH 
 § 134
 Art. 1
 § 1
 § 2