Source: https://www.hwk-kassel.de/existenzgruendung/betriebsuebernahme/was-tun-wenn-der-meisterbrief-fehlt/
Timestamp: 2020-07-06 21:18:06+00:00

Document:
Was tun, wenn der Meisterbrief fehlt - Handwerkskammer Kassel
Wer einen Meisterbrief besitzt, kann ohne weiteres sein eigenes Handwerksunternehmen gründen. Daneben gibt es eine Reihe von Regelungen, die es ermöglichen, auch ohne abgelegte Meisterprüfung im Handwerk selbstständig zu werden.
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der Technische Betriebsleiter
die Ausnahmebewilligung (§ 8 HwO)
die Ausübungsberechtigung (§ 7b HwO)
die Ausnahmebewilligung (§ 9 HwO i.V.m. EU / EWR-Handwerk-Verordnung)
die Ausübungsberechtigung (§ 7a HwO)
Voraussetzung für die Ausübung eines zulassungspflichtigen Handwerks ist regelmäßig die Eintragung in die Handwerksrolle. Für den Einzelunternehmer, der selbst über eine einschlägige Meisterprüfung verfügt stellt dies kein Problem dar.
Unternehmen, deren Inhaber jedoch nicht selbst über den Meisterbrief oder eine gleichgestellte Qualifikation verfügen, können einen technischen Betriebsleiter anstellen, der die Voraussetzungen für die Eintragung in die Handwerksrolle besitzt.
Die Handwerksordnung (§ 8 Abs. 1 HwO) nennt eine Reihe von Ausnahmen, bei denen auf den Meisterbrief auf Antrag verzichtet werden kann. Selbstverständlich werden meistergleiche Kenntnisse und Fertigkeiten für das Gewerk vorausgesetzt
Mögliche Ausnahmegründe sind:
Bereits bestandene Prüfung nach § 42 HwO oder § 53 Berufsbildungsgesetz vorhanden, bspw. Industriemeisterprüfung
Gesundheitliche Gründe / Behinderungen
andere, der Meisterprüfung vergleichbare Prüfung liegt bereits vor
Ausübung einer Spezialtätigkeit zum Beispiel Autoverglasung als Teil des Kraftfahrzeugtechniker- und Glaser-Handwerks
Liegt nach diesen Bestimmungen ein Ausnahmefall vor und hat der Antragsteller den Nachweis der erforderlichen Befähigung erbracht, so ist die Ausnahmebewilligung zu erteilen. Sie kann auch befristet erteilt werden. In diesen Fällen ist im Anschluss noch die Meisterprüfung abzulegen.
»(1) In Ausnahmefällen ist eine Bewilligung zur Eintragung in die Handwerksrolle (Ausnahmebewilligung) zu erteilen, wenn die zur selbständigen Ausübung des von dem Antragsteller zu betreibenden Handwerks notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten nachgewiesen sind; dabei sind auch seine bisherigen beruflichen Erfahrungen und Tätigkeiten zu berücksichtigen. Ein Ausnahmefall liegt vor, wenn die Ablegung der Meisterprüfung zum Zeitpunkt der Antragstellung oder danach für ihn eine unzumutbare Belastung bedeuten würde. Ein Ausnahmefall liegt auch dann vor, wenn der Antragsteller eine Prüfung aufgrund einer nach § 42 oder § 53 Berufsbildungsgesetzes erlassenen Rechtsverordnung bestanden hat.« (§ 8 Abs 1 HwO)
Ausnahmebewilligug nach § 8 HwO
Ausübungsberechtigung für Altgesellen
Seit 2004 hat der Gesetzgeber eine »Altgesellenregelung« (§ 7b HwO) in die Handwerksordnung aufgenommen. Wer also langjährig und in leitender Stellung in einem Handwerk gearbeitet hat, kann ebenfalls die Eintragung in die Handwerksrolle beantragen. Die Voraussetzungen im Einzelnen:
bestandene Gesellenprüfung im beantragten Handwerk oder verwandten Handwerk oder eine Abschlussprüfung in einem entsprechend anerkannten Ausbildungsberuf
mindestens sechsjährige Gesellenzeit in diesem Handwerk
davon mindestens vier Jahre in leitender Stellung
Nachweis der betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Kenntnis
»Eine leitende Stellung ist dann anzunehmen, wenn dem Gesellen eigenverantwortliche Entscheidungsbefugnisse in einem Betrieb oder in einem wesentlichen Betriebsteil übertragen worden sind. Der Nachweis hierüber kann durch Arbeitszeugnisse, Stellenbeschreibungen oder in anderer Weise erbracht werden.« (§ 7b HwO)
Antrag Ausübungsberechtigung nach § 7b
Für Staatsangehörige aus der Europäischen Union, dem europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz kann ebenfalls der Antrag auf eine Ausnahme bewilligt werden, wenn neben den meistergleichen Kenntnissen und Fertigkeiten, folgende Voraussetzungen vorliegen (§ 9 HwO):
sechs Jahre als Selbständiger oder Betriebsleiter oder
drei Jahre als Selbständiger oder als Betriebsleiter, wenn eine mindestens dreijährige Ausbildung vorliegt oder
vier Jahre ununterbrochen als Selbständiger, fünf Jahre als Arbeitnehmer, nicht länger als zehn Jahre zurückliegend oder
fünf Jahre ununterbrochen als Betriebsleiter, davon mindestens drei Jahre mit technischer Verantwortung und mit der Verantwortung für mindestens eine Abteilung des Unternehmens und außerdem eine mindestens dreijährige Ausbildung im beantragen Handwerk
Für ergänzende Fragen stehen Ihnen unsere Ansprechpartner gerne zur Verfügung
Antrag Ausnahmebewilligung nach § 9 HwO
»Wer ein Handwerk nach § 1 betreibt, erhält eine Ausübungsberechtigung für ein anderes Gewerbe der Anlage A oder für wesentliche Tätigkeiten dieses Gewerbes, wenn die hierfür erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten nachgewiesen sind; dabei sind auch seine bisherigen beruflichen Erfahrungen und Tätigkeiten zu berücksichtigen.« (§ 7a Abs. 1 HwO)
Antrag Ausübungsberechtigung nach § 7a HwO
Seite aktualisiert am 10. Dezember 2019 , online seit 20. Juli 2015

References: § 42
 § 53
 § 42
 § 53
 § 8
 § 7
 § 9
 § 1
 § 7