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Timestamp: 2018-06-21 14:05:13+00:00

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SIS 18 02 74 - Wiederbepflanzungsrechte im Weinbau - SIS-Datenbank Steuerrecht
Wiederbepflanzungsrechte im Weinbau: 1. Wiederbepflanzungsrechte im Weinbau sind immaterielle Wirtschaftsgüter. Sie vermitteln dem Erzeuger das Recht, nach Rodung einer zulässig bestockten Rebfläche diese wieder mit Rebstöcken zu bepflanzen, und verkörpern damit letztlich das unionsrechtlich beschränkte Recht, Wein zu erzeugen. - 2. Es handelt sich bei diesen Rechten jedenfalls bis zum 30.6.2011 nicht um abnutzbare Wirtschaftsgüter. Denn zu diesem Zeitpunkt war ein Ende der Beschränkung des Weinbaus in der EU nicht absehbar. - Urt.; BFH 6.12.2017, VI R 65/15;	SIS 18 02 74
Unternehmensbereich > Gewinnermittlung > Land- und Forstwirtschaft / Gewinnermittlung
BFH 06.12.2017, VI R 65/15 (ECLI:DE:BFH:2017:U.061217.VIR65.15.0)
-/- in NWB 14/2018 S. 920
S. Abele in BB 16/2018 S. 881
[VO (EWG) Nr. 1162/76]
[VO (EWG) Nr. 454/80]
[VO (EWG) Nr. 822/87]
[VO (EG) Nr. 1493/1999]
[VO (EG) Nr. 1234/2007]
[WeinG] § 6
vor: FG Rheinland-Pfalz, 19.05.2015, SIS 15 14 72, Landwirtschaft, Weinbau, Immaterielles Wirtschaftsgut, Nutzungsdauer, Absetzung für Abnutzung
Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 19.5.2015 5 K 2429/12 wird als unbegründet zurückgewiesen.
Die Klägerin und Revisionsklägerin (Klägerin) ist eine GbR, die einen Weinbaubetrieb führt. Den für das Streitjahr (2010) erklärten Gewinn stellte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt - FA - ) zunächst erklärungsgemäß fest. Der Bescheid stand nach § 164 Abs. 1 der Abgabenordnung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung.
Die nach erfolglosem Vorverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) aus den in EFG 2015, 1349 = SIS 15 14 72 veröffentlichten Gründen ab.
Sie beantragt, das Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 19.5.2015 5 K 2429/12 sowie den Änderungsbescheid für 2010 über die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen vom 5.7.2012 und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung vom 8.10.2012 aufzuheben.
II. Die Revision ist unbegründet und daher zurückzuweisen (§ 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung - FGO - ). Das FG hat im Ergebnis zutreffend entschieden, dass die von der Klägerin hinsichtlich der Wiederbepflanzungsrechte begehrte Absetzung für Abnutzung (AfA) nicht in Betracht kommt.
a) Nach ständiger Rechtsprechung umfasst der Begriff des „Wirtschaftsguts“ in Anlehnung an den Begriff „Vermögensgegenstand“ im Handelsrecht nicht nur Sachen und Rechte i.S. des Bürgerlichen Gesetzbuchs, sondern auch tatsächliche Zustände und konkrete Möglichkeiten, d.h. sämtliche Vorteile für den Betrieb, deren Erlangung sich der Kaufmann etwas kosten lässt, die also aus der Sicht eines potentiellen Betriebserwerbers einen eigenständigen Wert haben (z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 10.3.2016 IV R 41/13, BFHE 253, 337, BStBl II 2016, 984 = SIS 16 14 18; vom 21.10.2015 IV R 6/12, BFHE 252, 267, BStBl II 2017, 45 = SIS 16 06 01, und vom 12.2.2015 IV R 29/12, BFHE 249, 177, BStBl II 2017, 668 = SIS 15 08 31; jeweils m.w.N.).
b) Danach handelt es sich bei den streitbefangenen Wiederbepflanzungsrechten um immaterielle Wirtschaftsgüter (Krumm, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 13 Rz B 225; Kanzler in Herrmann/Heuer/Raupach - HHR -, § 55 EStG Rz 43; HHR/Anzinger, § 5 EStG Rz 1790, Stichwort „Wiederbepflanzungsrechte im Weinbau“; HHR/Paul, § 13 EStG Rz 66; Leingärtner/Wendt, Besteuerung der Landwirte, Kap. 29a, Rz 135; Felsmann, Einkommensbesteuerung der Land- und Forstwirte, Rz A 20m; von Schönberg, DStZ 2001, 145, 154; Bayerisches Landesamt für Steuern S 2149.2.1-20/1 St 32, juris, sowie FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 23.3.2007 4 K 2827/04, EFG 2007, 1066 = SIS 07 18 84). Denn sie vermitteln dem Erzeuger das Recht, nach Rodung einer zulässig bestockten Rebfläche diese wieder mit Rebstöcken zu bepflanzen (Rathke/Boch, Weinrecht, 2012, § 6 Rz 5). Damit verkörpern sie letztlich das Recht auf Weinerzeugung. Ein gedachter Erwerber wäre bereit, für diesen (dauerhaften) Vorteil ein besonderes Entgelt zu entrichten. Dies ist zwischen den Beteiligten zu Recht nicht streitig.
a) Ein immaterielles Wirtschaftsgut ist abnutzbar, wenn seine Nutzung unter rechtlichen oder unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zeitlich begrenzt ist (z.B. BFH-Urteile vom 21.2.2017 VIII R 56/14, BFHE 257, 112, BStBl II 2017, 694 = SIS 17 08 45, wirtschaftlicher Vorteil aus einer Vertragsarztzulassung; in BFHE 252, 267, BStBl II 2017, 45 = SIS 16 06 01, Zahlungsansprüche nach der GAP-Reform 2003; vom 16.10.2008 IV R 1/06, BFHE 226, 37, BStBl II 2010, 28 = SIS 09 30 15, betriebsgebundene Zuckerrübenlieferrechte, m.w.N.; vgl. auch BFH-Urteile vom 19.10.2006 III R 6/05, BFHE 215, 222, BStBl II 2007, 301 = SIS 07 06 39, Domain-Name; vom 28.5.1998 IV R 48/97, BFHE 186, 268, BStBl II 1998, 775 = SIS 98 18 18, Belieferungsrecht; vom 29.4.2009 IX R 33/08, BFHE 225, 361, BStBl II 2010, 958 = SIS 09 29 10, Milchlieferrecht, und vom 17.3.2010 IV R 3/08, BFHE 229, 159, BStBl II 2014, 512 = SIS 10 18 68, Zuckerrübenlieferrecht). Bei zeitlich begrenzten Rechten kann ausnahmsweise von einer unbegrenzten Nutzungsdauer ausgegangen werden, wenn sie normalerweise ohne weiteres verlängert werden, ein Ende also nicht abzusehen ist. Im Zweifel ist jedoch nach dem Grundsatz der Vorsicht von einer zeitlich begrenzten Nutzung auszugehen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 252, 267, BStBl II 2017, 45 = SIS 16 06 01, und in BFHE 226, 37, BStBl II 2010, 28 = SIS 09 30 15, m.w.N.).
b) Ausgehend von diesen Grundsätzen waren die streitbefangenen weinbaulichen Wiederbepflanzungsrechte am maßgeblichen Bilanzstichtag als nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter anzusehen (Krumm, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 13 Rz B 225; HHR/Paul, § 13 EStG Rz 66; Leingärtner/Kanzler, Besteuerung der Landwirte, Kap. 24, Rz 49; Felsmann, Einkommensbesteuerung der Land- und Forstwirte, A Rz 20n, B 576f; von Schönberg, DStZ 2001, 145, 154; Bayerisches Landesamt für Steuern S 2149.2.1-20/1 St 32).
aa) Dabei kann der Senat dahinstehen lassen, ob er der Auffassung des FG folgt, nach der Wiederbepflanzungsrechte, die - wie vorliegend - zeitnah zum Anschaffungs- und Übertragungszeitraum ausgeübt werden, weinrechtlich erlöschen (Rathke/Boch, Weinrecht, 2012, § 6 Rz 15; HHR/Anzinger, § 5 EStG Rz 1790, Stichwort „Wiederbepflanzungsrechte im Weinbau“; Krumm, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 13 Rz B 225; Kirsch, Wiederbepflanzungsrecht in der Zwangsversteigerung, Der Deutsche Rechtspfleger 1998, 192; anderer Ansicht Felsmann, Einkommensbesteuerung der Land- und Forstwirte, A Rz 20q f.), mit dem neu bestockten Grundstück verschmelzen (Kleeberg, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 55 Rz G 12; HHR/Kanzler, § 55 EStG Rz 43; Leingärtner/Kanzler, Besteuerung der Landwirte, Kap. 24, Rz 49; von Schönberg, DStZ 2001, 145, 154) und auf diesem Grundstück eine zeitlich unbeschränkte weinbauliche Nutzungsmöglichkeit vermitteln, so dass ein die Abschreibung rechtfertigender Werteverschleiß schon deshalb ausscheidet.
(1) Seit dem 27.5.1976 ist der Anbau von Wein auf dem Gebiet der EU beschränkt. Er ist nur in ausgewiesenen Anbaugebieten und auch dort nur im Rahmen der zur Verfügung stehenden Anpflanzungsrechte möglich (Verordnung (EWG) Nr. 1162/76 des Rates vom 17.5.1976, ABlEG Nr. L 135, S. 32; Art. 30a der Verordnung (EWG) Nr. 454/80 des Rates vom 18.2.1980, ABlEG Nr. L 57, S. 7). Die Einführung eines generellen Neuanpflanzungsverbots sollte der zunehmenden Überproduktion (insbesondere von Tafelweinen geringer Qualität) entgegenwirken und ursprünglich nur für den Zeitraum vom 1.12.1976 bis zum 30.11.1978 gelten. Der Anbaustopp wurde allerdings stets verlängert (z.B. durch Art. 6 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 822/87 des Rates vom 16.3.1987, ABlEG Nr. L 84, S. 1, bis zum 31.8.1990, Art. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1493/1999 des Rates vom 17.5.1999, ABlEG Nr. L 179, S. 1, bis zum 31.7.2010 und durch Art. 85f und 85g der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 des Rates vom 22.10.2007 i.d.F. der Verordnung (EG) Nr. 491/2009 des Rates vom 25.5.2009, Amtsblatt der Europäischen Union - ABlEU - L 154, S. 1, bis zum 31.12.2015 mit der Möglichkeit der Verlängerung bis zum 31.12.2018). Nach der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17.12.2013 (ABlEU L 347, S. 671) änderte sich die unionsrechtliche Rechtslage insofern, als das bisherige System der Pflanzungsrechte zum 1.1.2016 durch ein Genehmigungssystem für Rebpflanzungen abgelöst wurde und das leicht modifizierte Weinanbauverbot im Jahr 2030 auslaufen soll (Art. 61 ff. der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17.12.2013, ABlEU L 347, S. 671). Mit dem Weingesetz i.d.F. vom 16.7.2015 (BGBl I 2015, 1207) hat der nationale Gesetzgeber diese Vorgaben umgesetzt und u.a. in § 6a WeinG i.d.F. vom 16.7.2015 (BGBl I 2015, 1207) die Voraussetzung dafür geschaffen, dass alte Wiederanpflanzungsrechte ab dem 15.9.2015 auf Antrag bei den zuständigen Landesstellen in entsprechende Genehmigungen (Wiederbepflanzungsgenehmigungen) umgewandelt werden können. Allerdings ist deren Verkehrsfähigkeit durch den Systemwechsel eingeschränkt worden. Sie sind nicht mehr flächen-, sondern ab dem 1.1.2016 betriebsgebunden (§ 6 Abs. 4, § 6a Abs. 2 WeinG i.d.F. vom 16.7.2015, BGBl I 2015, 1207) und konnten deshalb nur noch bis zum 31.12.2015 auf einen anderen Betrieb übertragen werden.

References: § 6
 § 164
 § 13
 § 55
 § 5
 § 13
 § 6
 § 13
 § 13
 § 6
 § 5
 § 13
 § 55
 § 55
 Art. 30
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 85
 § 6
 § 6