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Timestamp: 2020-07-09 11:15:34+00:00

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HOAI-Referentenentwurf 2013 liegt vor - HOAI.de - Forum
HOAI.de - Forum : HOAI-Novelle 2013 : HOAI-Referentenentwurf 2013 liegt vor
IP: Logged HOAI-Referentenentwurf 2013 liegt vor
Mit Schreiben vom 06.03.2013 hat das BMWi den Referentenentwurf der neuen HOAI 2013 den Verbänden und Kammern zur Stellungnahme vorgelegt. Diese sind nun aufgefordert, kurzfristig ihre Stellungnahmen zum Referentenentwurf abzugeben. Bereits am 21. März 2013 soll im BMWi die Verbändeanhörung zur HOAI-Novelle stattfinden.
http://www.hoai-2013.info/
12.03.2013 at 11:02 Uhr
IP: Logged Re: HOAI-Referentenentwurf 2013 liegt vor
Danke für die Info, das schauen wir uns mal an.
12.03.2013 at 16:36 Uhr
Der Verband, dem ich angehöre, hat den Text vor einiger Zeit schon herumgeschickt. Aus meinem Bereich sind mir einige Dinge aufgefallen, die fragwürdig sind. Ich bitte um öffentliche Diskussion.
Man hat Fernwärmenetze durch Erwähnung des Begriffs nun integriert. Bislang war das nicht so. Darüber gab es in der Vergangenheit hinsichtlich der Einordnung oft unterschiedliche Auffassungen (gesamtes Projekt Tiefbau und Fernwärmerohrleitungsanlage als ein Ingenieurbauwerk oder Tiefbau als Ingenieurbauwerk, Rohrleitungsanlage, Kabelleerrohre, Trinkwasser- und Gasleitungen als Technische Ausrüstung).
Die örtliche Bauüberwachung wurde jetzt deutlich als besondere Leistung eingeordnet. Am Status hat sich zur letzten HOAI nichts geändert. Nur ist sie jetzt sauber als besondere Leistung aufgelistet. Leider ist sie kaum kalkulierbar außer nach Stunden-, Halb- oder Ganztagessätzen, Bauabrechnung separat. Die alte Lösung aus HOAI 1996 mit 2,1 bis 3,2 Prozent der Baukosten war nicht kostendeckend, geschweige denn gewinnbringend oder gar lukrativ, zumal die öffentlichen AGs nie mehr als 2,1 % bezahlen wollten.
Die Aufteilung der Teilleistungspunkte wurde neu geordnet.
Anstatt vorher für Ausführungsplanung 18 Prozentpunkte sind es nun 22 Punkte. Dafür ist das Prüfen und Anerkennen der Werks- und Montageplanung der Auftragnehmer Grundleistung geworden, was vorher nicht so war.
Dagegen hat man die Genehmigungsplanung auf zwei Punkte reduziert, was mit Sicherheit nicht auskömmlich ist, wenn man z. B. einen Lüftungsbauantrag stellen muss.
Die größte Auffälligkeit für mich ist die, das neben anderen Verschiebungen (Objektüberwachung 35 anstatt 33 Punkte) vor allem die Leistungsphase 9 nur mit 1% angerechnet wird. Bei beispielsweise einem Honorar von 50.000 EUR wären das bei einem Vollauftrag ganze 500 EUR. Dafür kann man in der Regel nicht mehr als einen Ortstermin mit Vor- und Nachbereitung abhalten. Wie werden dann die anderen Termine der vier Jahre Gewährleistungsfrist abgedeckt und wie die Überwachung und Organisation der Beseitigung des Mangels? M.E. sollte das eine besondere Leistung werden.
Unbefriedigend ist auch der Umstand, dass man die Objektüberwachung nicht klarer definiert hat. Wer nimmt z. B. die Baukoordination für z. B. Baureinigung, Aufstellung der Baucontainer, Verteilung von Strom- und Wasserkosten, Steuerung der tageweisen Einsätze einzelner Handwerker vor, alles das, was der Bauleiter des GUs macht. Wer macht das bei einer Einzelgewerkvergabe? Das ist die typische Leistung eines Bauleiters, der nicht nach HOAI abgerechnet werden müsste. Das könnte man mit Tagessätzen oder stundenweise abrechnen.
Die Tafelwerte (TGA) wurden nach meiner Prüfung bei verschiedenen Beträgen der anrechenbaren Kosten um bis zu 30 % angehoben, was z. T. durch das Prüfen und Anerkennen der Werks- und Montageplanung reduziert wird, die mit vier Punkten in die Ausführungsplanung eingegangen ist.
Die heute übliche modulare Beauftragung für erstens Entwurfsplanung, zweitens Ausführungsplanung und Ausschreibung mit Vergabe und drittens Objekt- und Bauüberwachung wurden nicht übergreifend kommentiert. Das drückt sich z. B. problematisch bei dem neuerdings in die Ausführungsplanung integrierten Vorgang „Prüfen und Anerkennen der Pläne der Auftragnehmer“ aus. Wer soll das prüfen (und vergütet bekommen), wenn modular beauftragt wird und der Ausführungsplaner nicht mehr im aktuellen Boot ist?
Dipl.-Ing. (FH) Christian Tietje
Gießen 1983
27.03.2013 at 10:13 Uhr
ich fürchte, wir sind da alle nicht in der Lage, etwas direkt an der Endfassung der HOAI 2013 zu ändern. Wir werden damit leben müssen. Trotzdem vielleicht ein paar Anmerkungen zu den von Ihnen angesprochenen Punkten:
Fernewärmenetze sind wie Wasser- oder Abwasserentze Einrichtungen, die nicht nur ein Objekt als technische Ausrüstung versorgen. Ihre Einordnung als Ingenieurbauwerk ist daher systematisch folgerichtig. Das Ansehen der Erdarbeiten als Ingenieurbauwerk und der Leitungen als Technische Ausrüstung würde ich für unsinnig empfinden - schließlich ist eine FW-Leitung keine technische Ausrüstung des Erdreichs. Da muss man wohl immer die funktionalen Abhängigkeiten sehen - was ist das Objekt und was ist die TA dazu.
Die ÖBÜ ist nun schon seit 4 Jahren frei honorierbar. Ich empfehle eine Pauschale für eine definierte Bauzeit, bei der auch der Aufwand zur Schlussrechnungsprüfung eingerechnet ist, sowie zusätzlich nach einer ebenfalls zu vereinbarenden Karenzzeit (honorarfreie Bauzeitüberschreitung) einen Fixbetrag je weitere Woche. Siehe hierzu auch http://www.hoai.de/forum/viewtopic.php?TopicID=1840&page=0#6774.
Die Genehmigungsplanung im Sinne der Lph. 4 beinhaltet nicht die ganzen fachtechnischen Berechnungen, die gehören bereits in Lph. 3.
In Lph. 9 soll zukünftig die Mängelbeseitigung in allen Leistungsbildern als Besondere Leistung vergütet werden, das dürfte ein großes Problem lösen, einfach mal im Entwurf und der Begründung nachlesen.
Die Themen Baureinigung, Aufstellung der Baucontainer, Verteilung von Strom- und Wasserkosten, Steuerung der tageweisen Einsätze einzelner Handwerker sollte man so weit wie mögllich auf ausführende Unternehmen verlagern, die das dann bezahlt bekommen. Warum soll das denn alles ein Bauüberwacher machen (und warum müssen überhaupt Kosten des Strom- und Wasserbezugs, die der AG sowieso zahlt, erst auf Handwerker umgelegt werden)? Ansonsten: wöchentliche Baubesprechungen mit verbindlichen Erledigungsvermerken.
Übrigens: auch die Bauzeit von TGA-Gewerken kann man vertraglich regeln, bei ungewöhnlich langen Bauzeiten, die von vornherein bekannt sind, kann man auch mehr Honorar vereinbaren (siehe der og. Link).
Zu den Planprüfungen, die nun in Lph. 5 erbracht werden sollen: wenn man mit Leistungen beauftragt wird, die erst nach Lph. 5 beginnen, muss man vertraglich festhalten, wer diese Prüfleistungen erbringt. D.h. Sie dürfen den Ausführungsplaner nicht "aus dem Boot lassen". Schließllich bekommt der ja auch Geld dafür.
Konsequenz für das alles: man muss wesentlich mehr als früher schon bei Vertragsabschluss den Auftraggeber mit vertraglichen Regelungen konfrontieren, die der vielleicht gar nicht sehen will und die man bislang aus akquisitorischen Gründen (Auftrag überhaupt bekommen) vielleicht auch gerne weggelassen hat.
Bei einer neuen HOAI-Fassung gilt darum wieder einmal: Vertragsinhalte klar kommunizieren, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen und dem Auftraggaber verdeutlichen, dass es nicht ohne Regeln geht - er will sich ja auch auf etwas berufen können.
Dass das alles mit noch mehr Aufwand "außerhalb der eigentlichen Planung" verbunden wird, ist klar. Vielleicht trösten ja die überfälligen Honorartafelwerterhöhungen etwas darüber hinweg...
27.03.2013 at 23:30 Uhr
Ergänzung: ich habe mich mittlerweile vertieft mit dem Referentenentwurf befasst. Neben vielen echten Verbesserungen sind mir allerdings zwei Themenbereiche aufgefallen, die bei sorgsamer redaktioneller Bearbeitung eigentlich nicht sein müssten. Da bleibt nur zu hoffen, dass nach den Stellungnahmen der Verbände entsprechende Überarbeitungen stattfinden.
1. Es gibt eine Vielzahl von unsinnigen Verweisen auf Pragraphen, die nichts mit der Sache zu tun haben. Offensichtlich wurden da Paragraphen noch eingefügt oder ihre Nummerierung geändert und die Verweise dann nicht angepasst. Bei der HOAI 2009 gab es sowas auch schon bis in die Endfassung, da haben sich dann manche Autoren in diversen Veröffentlichungen darüber ausgelassen, ob die Verweise ins Leere vielleicht absichtlich vom Verordnungsgeber so gewollt waren ...
2. Neben der Wiedereinführung anrechenbarer Kosten für mitverwendete Bausubstanz wurden die Zuschläge bei Umbauten und Modernisierungen reduziert. So weit so gut, nur hat man sprachlich dabei unnötige Einschränkungen eingeführt, die zu Unkarheiten bei anderen Voraussetzungen führen. Ein Beispiel:
§ 35 Abs. 1 HOAI 2009: "Für Leistungen bei Umbauten und Modernisierungen kann für Objekte ein Zuschlag bis zu 80 Prozent vereinbart werden. Sofern kein Zuschlag schriftlich vereinbart ist, fällt für Leistungen ab der Honorarzone II ein Zuschlag von 20 Prozent an."
§ 6 Abs. 2 Satz 2-4 Referentenentwurf HOAI 2013: "Der Umbau- oder Modernisierungszuschlag ist unter Berücksichtigung des Schwierigkeitsgrads der Leistungen schriftlich zu vereinbaren. Die Höhe der prozentualen Wertspanne auf das Honorar ist in den jeweiligen Honorarregelungen der Leistungsbilder der Teile 2 bis 4 geregelt. Sofern keine schriftliche Vereinbarung getroffen wurde, gilt ein Zuschlag von 20 Prozent ab einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad als vereinbart."
§ 36 Abs. 1 Referentenentwurf HOAI 2013: "Für Umbauten und Modernisierungen von Gebäuden kann bei einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad gemäß § 6 Abs. 2 S. 3 ein Zuschlag von 20 bis 33 Prozent auf das ermittelte Honorar schriftlich vereinbart werden."
Die amtliche Begründung erläutert zu "ab einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad" in § 6, dass der Zuschlag von 20% bei den Honorarzonen 3, 4 und 5 gelten soll, wenn nichts anderes vereinbart wurde, während bei Hz 1 und 2 ohne Vereinbarung kein Zuschlag gewährt wird.
Zu § 36 Abs. 1 meint die amtliche Brgründung lediglich "Die Wertspanne greift für Umbauten und Modernisierungen von Gebäuden mit einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad (Honorarzone 3). Maßgeblich ist der Schwierigkeitsgrad der konkreten Umbau- oder Modernisierungsmaßnahme."
Der Text in § 36 Abs.1 könnte somit wörtlich heißen und damit bedeuten, dass lediglich bei einem Objekt der Hz 3 ein Zuschlag von 20-33% vereinbart werden kann, also
- bei Hz 3 kein geringerer (0 bis <20%)
- und vor allem, dass bei den Hz 1, 2, 4 und 5 keine Regelung in der HOAI getroffen ist, d.h. von 0 is x % kann alles vereinbart werden.
Mein Fazit: solche Formulierungen (hier nur beispielhaft wiedergegeben, es gibt im Referentenentwurf noch mehr solcher Unklarheiten) geben leider nicht die Klarheit, die sich viele gewünscht hatten. Es bleibt also zu hoffen, dass das sprachlich eindeutig nachgebessert wird, um es Auftraggebern und Auftragnehmern zu erleichtern, sich im Rahmen der HOAI um ein angemessenes Honorar zu bemühen und es nicht wieder den Gerichten zu überlassen, solche redaktionellen Patzer auszulegen.
05.04.2013 at 12:16 Uhr

References: § 35

§ 6

§ 36
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