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1894 / 258 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger)
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Laut telegraphisher Meldung An das Ober - Kommando
dex Marine ist S. M. S. „Condor“, Kommandant
‘Korvetten : Kapitän Broeker, am 30. Oktober d. J. in
Coruña (Spanien) eingetroffen und wird heute nah Malta See gehen.
S. M. S. „Stein“, Kommandant Kapitän zur See von Wietersheim, ist am 30. Oktober d. J. in Neapel eingetroffen und beabsihtigt am 10. November d. J. nach Malta in See zu gehen.
Das Befinden Seiner Gen Hoheit dcs Erb- großherzogs ist nah einer Meldung aus Pegli andauernd günstig. Gestern fand die Uebersiedelung nah Kap St. Martin statt, wo ein längerer, eventuell auf Monate berechnecter Aufenthalt genommen werden wird.
Arolsen, 29. Oktober. Der auf den 22. Oktober cein- berufene Landtag der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont hielt alsbald nah der Eröffnungssißung seine erste öffentlihe Plenarsizung ab, in welcher er sih nah Prü- fung und Gültigfeitserklärung der Ersaßwahl des Abg. Bach- Rhoden konstituierte. Zum Präsidenten wurde der Gerichts- Rath Dr. Waldeck-Corbah und zum Vize-Präsidenten der Gerichts-Rath Dr. Mommsen-Pyrmont gewählt. Nach Er- ledigung einiger Formalien wählte der Landtag cine Depu- tation, bestehend aus dem Präsidium und dem Alters-Präsi- denten, mit dem Auftrage, Seiner Durchlaucht dem Fürsten zu Waldeck und Pyrmont zu Höchstdessen am 31. Mai d. J. erfolgten Verlobung mit Jhrer Durchlaucht der Prinzessin Bathildis ju Schaumburg-Lippe die Glückwünsche des Land- tags darzubringen.
Nach mehreren in der Zwischerzeit voraufgegangenen Ausschußberathungen fand am 27. Oktober die zweite und E naripung statt. Jn derselben machte der Präsident die ittheilung, daß die in der ersten Sizung gewählte Deputation Seiner Durchlaucht dem Fürsten zu Höchstdessen Verlobung die Glückwünsche des Landtags dargebracht habe und daß Seine Durchlaucht hierfür dem Landtag Höchstseinen Dank aussprechen lasse. Hierauf fand die Prüfung der Staatskassen-Rehnung vom Jahre 1892 statt, welche bei der laufenden Verwaltung mit einem Uebershuß von 2181 M 75 Z abschließt. Von den Uebersichten über das Domanial- Stammvermögen wurde Kenntniß genommen ; desgleichen von der Verwendung der aus Domanialmitteln jährlih herzuge- benden 12000 / zur Hebung des Pyrmonter Bades pro 1893, wobei der Wunsch ausgesprochen wurde, daß baldthunlichst ein entsprechender Theil der 12000 zur Einrichtung elektrischer Beleuchtung für die Hauptallee und den Brunnenplaß in Pyr- mont verwendet werden möge. Verschiedenen Verträgen über dea Austaush von Domanialgrundstücken wurde die Genehmi-
ng ertheilt, Der Antrag eines Abgeordneten, die durch die
Novelle zum Klassensteuergeseß vom 6. März 1893 beseitigte Bestimmung dieses Geseßes, wonach die Umlegungsbehörde nah Bedürfniß noch Zwischensäße gen die im Geseh fest-
geseßten Steuerstufen einzuschieben befugt ist, in das Klassen- steuergeseß wieder aufzunehmen, wurde angenommen und der Landes-Direktor ersuht, dem Landtag im Sinne dieses Antrags eine Vorlage zu machen.
Nachdem noch über einige Petitionen Beschluß gefaßt worden, erklärte der Landes-Direktor von Saldern im Aller- höchsten Auftrage Seiner Majestät des Königs von Preußen den Landtag der Fürstenthümer für geschlossen.
#4 Vom Präsidenten wurde noch ein dreifahes Hoch auf Seine Majestät den König von Preußen und auf Seine Durchlauht den Fürsten zu Waldeck und Pyrmont ausgebracht, in welches die Versammlung ein- ftimmte.
In der gestrigen Sißung der Bürgerschaft wurde das Budget ‘für 1895 vorgelegt. Die Ausgaben sind auf 72 166 926 6 veranschlagt, die Einna hmen auf 65696 514 M4 Die Deckung des Fehlbetrags von 6470412 M soll dur eine Erhöhung der Einkommensteuer erfolgen. Der Senat hat zu diesem Zweck die Ausarbeitung von Vorschlägen für ane entsprehende Abänderung der bestehenden Geseße an- geordnet.
In der gestrigen Sißung des öst erreichishen Abgcord- netenhauses brachten die Abgg. Spincic, Alfred Coro- nini und Genossen eine Juterpellation an das Gesammt- Ministerium darüber ein, ob cs geneigt sci, Erhebungen über die Angelegenheit der Straßentafeln in dem Küsten- lande zu machen, und nach deren Ergebniß das Nöthige zu veranlassen, um der Geseplichkeit Genüge zu leisten. Der Abg. Gregoric richtete eine Anfrage an den Präsidenten, ob die Meldung der „Neuen Freien Presse“ richtig sei, daß Freiherr von Chlumecki sih erboten habe, in der Straßentafel- Angelegenheit die Regierung zu einer deutlihen Erklärung zu veranlassen. Der Präsident Freiherr von Chlumeci er- klärte, er habe es in diesem Fall gethan und sei der Einladung des Minister - Präsidenten zu einer Besprehung gefolgt. Er habe dabei geglaubt, seiner Stellung gemäß zu handeln und nt wenn es auch keine Amtspflicht gewesen sei, zu erfüllen.
Bei den gestern in Prag vorgenommenen Ergänzung s- wahlen für das Stadtverordneten-Kollegium wurden 16 Jungezechen und 15 Altczehen gewählt. Außerdem haben 5 Stichwahlen stattzufinden, von denen eine für die Jungczechen, eine für die Altczechen gesichert ist. / l
Jn ganz Jstrien herrscht ruhige Stimmung ; bis gestern Mittag waren keinerlei beunruhigende Vorfälle bekannt ge- worden. Die Meldung der Zeitung „L’Jndependente“ über Fälle von Jnsubordination und von nationalen Reibungen unter dem Militär in Pirano sind vollständig erfunden. An Stelle des bisherigen Bezirkshauptmanns i} ein anderer nah Pirano entsendet worden.
Der Herzog von York ist nicht, wie gestern gemeldet wurde, nah Livadia abgereist, sondern hat nur den Prinzen und die Prinzessin von Wales bis zum Bahnhof be-
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Frankreich. Eine Note der „Agence Havas“ über die V erhaftung
cines französischen Offiziers wegen Hochverraths be- sagt: Ernste Erwägungen hätten die vorläufige Verhaftung eines Offiziers der französishen Armee veranlaßt, der verdächtig sei, dem Auslande einige Schriftstücke mitgetheilt zu haben, die zwar wenig wichtig, aber doch vertraulih seien. Die Untersuchung werde mit der bei Angelegenheiten solher Art angebrachten Diskretion geführt werden und die Lösung in ciner ganz kurzen Zeit erfolgen können. Wie der „Soir“ wissen will, wäre der Verhaftete ein Artillerie-Hauptmann Namens Dreyfus.
Der Schwurgerihtshof sprah den Geranten des „Zntransigeant“ von der Anklage der Beleidigung der Gerichts- behörde dur einen Artikel des Blattes frei, verurtheilte jedoh den Verfasser des Artikels Henri Rochefort in contumaciam zu drei Monaten Gefängniß und 500 Fr. Geldstrafe.
Gestern Vormittag 10 Uhr wurde in St. Petersburg folgendes Bulletin über das Befinden des Kaisers aus- gegeben : |
Der Kaiser {lief Nachts einige Stunden ; die Blutungen haben etwas nachgelassen ; im übrigen ift der Zustand unverändert.
Das am Abend 7 Uhr ausgegebene Bulletin lautete:
Der Kaiser nahm im Laufe des Tages wenig Nahrung zu ic. Die Erscheinungen im linken Lungenflügel und die Entzündung dauern fort. Athmung erschwert, Puls \{chwac, große allgemeine Schwäche.
Jn St. Petersburg riefen die Bulletins die tiefste Erregung hervor. Die Polizeibeamten, die auf den Haupt- straßen gedruckte Vervielfältigungen der Bulletins gratis vertheilten, wurden von den Volksmassen bestürmt, ebenso waren vor der Redaktion des „Regierungsboten“. wo die Ausgabe der Bulletins stattfindet, große Menschenmassen ver- sammelt. Die Theater waren fast leer, Militärs besuchen die- selben jeßt überhaupt nicht.
«Ftalien.
In der Nacht zum Mittwoch explodierten in Mai- land vor zwei Gebäuden, in denen Polizei-Abtheilungen unter- gebracht sind, zwei Bomben. Die beiden Gebäude und ein Kommunalschulgebäude wurden beschädigt. Menschen sind nicht e worden. Jnfolge der Explosion wurden 10 Anarchisten verhastet.
Jn Livorno sind fünf Mitschuldige Lucchesi's, der seiner Zeit den Redakteur Bandi ermordete, verhaftet worden. Die Untersuhung in dem Prozeß ergab, daß die Ermordung Bandi’'s auf ein anarchistishes Komplott zurückzuführen sei. :
__ Gestern fand in Rom unter dem Vorsiß des Papstes die dritte Konferenz über die offen talien Kirchen stait. Die Sißung, der dieselben Personen beiwohnten, die an den früheren Sigungen theilgenommen hatten, dauerte wei Stunden. Die vierte Sißung ist für den 5. November in Ausficht genommen.
Die Königin-Regentin hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ Sagasta mit der Neubildung des Kabinets beauftragt. :
Numänien. __ Die Herzogin von Sachsen-Coburg und Gotha ist vorgestern Abend von Bukarest nah Livadia abgereist.
Außerordentliche Versammlung der Ax. General - Synode.
Die gestrige dritte Sitzung wurde gegen 2 Uhr Nachmittags dur den Präsidenten Grafen von Schwerin mit einem Bericht über die Audienz des Präsidiums bei Seiner Majestät dem Kaiser und König und den darauf folgenden Empfang bei Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin eröffnet.
Erster Gegenstand der Tagesordnung war der Geseßentwurf, be- treffend die Vertretung der Kreis- und Provinzial-Synodal-Verbände in vermögensrehtlichen Angelegenheiten. Der Gesetzentwurf überweist die vermögensrechtliche Vertretung der Kreis-Synodal-Verbände bezw. Kreisgemeinden den Kreis-Synodal-Vorständen und die Vertretung der Provinzial-Synodal-Verbände bezw. Provinzialgemeinden den Kon- sistorien unter Mitwirkung des Provinzial-Synodal-Vorstands. Nach längerer Debatte nahm die General-Synode den Geseßentwourf ohne Abänderung an. —— Ein Äntrag der Brandenburgischen Provinzial-Synode, betreffend die Legitimation der als Pathen fungierenden, nicht zur Gemeinde gehörigen oder fremd zugezogenen Personen hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zur christlihen Kirche, wurde dem Ober-Kirchenrath mit dem Ersuchen überwiesen, geeignete Maßregeln in dieser Be- ziehung zu treffen. — Zu dem Antrag derselben Provinzial-Synode auf Revision des kirhlihen Zuchtgesetzes hinsihtlih des Ueberhand- nehmens christlih-jüdischer Mischehen {lug der Referent Redakteur Dr. Heffter nah ausführliher Motivierung folgende Beschlußfassung vor: „General-Synode wolle den Evangelischen Ober. Kirchenrath er- suchen, 1) zu erwägen, durch welche Maßnahmen dem Ueberhand- nehmen ristlih-jüdisher Mishehen wirksamer als bisher Einhalt geboten werden könne, und 2) ibn bitten, die Geistlichen und Aeltesten der evangelischen Landeskirde an ihre ernste Pfliht zur Bekämpfung der aus solchen Veischehen für das christlihe Familien- und Gemeinde- leben erwachsenden s{chweren Gefahren zu erinnern.“ General-Super- intendent D. Dryander beantragte die Annahme folgender Reso- lution: „General-Synode erwartet geaenüber dem hervorgetretenen Nothstand der jüdis{ch-christlicen Mischehen, daß Geistlihe und Gemeinde-Kirchenräthe allen Ernstes die ihnen zu Gebote stehenden Mittel der Seelsorge und Kirchenzuht anwenden, um dem Nothstande wirksam zu wehren.“ Bei der nah eingehender Debatte vorge- nommenen Abstimmung ergab ih die Annahme sowohl des Antrags Heffter wie auch des Antrags Dryander.
Hierauf wurde die Sitzung geschlossen und die nächste auf heute, Nachmittags 15 Uhr, anberaumt.
Nr. 44 der „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Ge- fundheitsamts8*“ vom 31. Oktober hat folgenden Inhalt : Gesund- heits\sttand und Gang der Volkskrankheiten (Cholera u. \. w.). — Zeitweilige Maßregeln gegen Cholera x. — Desgl. gegen Pest. Gesundheitsverhältnisse im Reg.-Bez. Stralsund, 1889/91. — Aus dem statistishen Handbuche von Prag, 1889/91. — WBevölkerungs- bewegung in Belgien, 1892. -— Gesundheitszustand in Japan, 1893. — Gesetzgebung u. st. w. (Baden.) Arzneimittel. — (Mecklenburg- Schwerin.) Schweineseuche 2. — (ODesterreih. Mähren.) Schlacht- häuser. — (Italien.) Diphtherie- Heilserum. — (Schweiz. Kanton Schaffhausen.) Ansteckende Kinderkrankheiten. — (Rumänien.) Sani- tätsgesez. (Schluß.) — Prüfungen der Medizinalpersonen. — (Por- tugal.) Wein und Olivenöl. — (Brasilien.) Bundes-Gesundheitsamt. — Gang der Thierseuchen in Ungarn, 3. Vierteljahr. — Zeitweilige Maßregeln gegen Thierfeuchen. (Deutsches Reich, Preußen, Sachsen, Hamburg, Belgien.) — Rechtsprehung. (Landgericht 1 Berlin.) Fahrlässige Körperverlezung durch Mercurius und Kampher ent-
baltende E — Vermischtes. (Sachsen.) Krankenkassenwesen, 1893. — (Java). Landesirrenanstalt zu Buitenzorg, 1892. — (Ohio). Aus dem Jahresberiht des Gesundheitsamts, 1891/92. — Wochen- tabelle über die Sterbefälle in deutshen Städten mit 40 000 und mehr Einwohnern. — Desgl. in größeren Städten des Auslandes. — Grkrankungen in Krankenbäusern deutscher Großstädte. — Desgl. in deutshen Stadt- und Landbezirken. — Witterung.
Nr. 43 A. des „Zentralblatts der Bauverwaltung f herausgegeben im M inisterium der öffentlichen Arbeiten, vom 31. Oktober, hat folgenden Inhalt: Das neue Königliche Theater in Wiesbaden. (Schluß.) — Verfahren zur Schwerpunkts- bestimmung von Trapezen. — Vermischtes: Die Einweihung des neuen Reichstagsgebäudes. — Eisenbahnfachwissenschaféliße Vorlesungen im Winterhalbjahr 1894/95. — Die Holzbaukunst Norwegens.
_ NaY S 4 des Preußischen Jagdpolizeigeseßes vom 7. März 1850 foll die Gemeindebehörde befugt sein, mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde aus dem Bezirk Einer Gemeinde mehrere für sich bestehende Jagdbezirke zu bilden, deren jedoch feiner eine geringere Fläche als 300 Morgen umfassen darf. Fn Bezug auf diese Bestim- mung hat das Neichsgericht, Feriensenat, durch Beschluß vom 28. Juli 1894 ge prechen, daß die Gemeindebehörde eine von ihr ohne die Zustimmung der Aufsichtsbehörde genehmigte Afterverpachtung, wodur thatsählih der verpahtete Gemeinde- Jagdbezirk in mehrere Jagdbezirke zerleat wird, deshalb fodann nit als nihtig anfechten kann. „Nach §12 Abs 3 des Jagt- polizeigeseßes vom 7. März 1850 sind dem Jagdpächter After- verpahtungen ohne Einwilligung des Verpächters nicht gestattet, und daraus folgt, daß dieser, wenn der Pächter dem zuwiderhandelt, nicht bloß gegen den Hauptpächter aus dem Vertrage wegen Vertragë- verleßung klagen, sondern au gegen den Unterpächter den Eingriff in das aus dem Eigenthum fließende Jagdre{t mit der negatorischen Klage zurückweisen darf. Im vorliegenden Fall hat die Beklagte unbe- stritten die Afterverpahtung genehmigt und is dadur der negato- rishen Klage verlustig gegangen ; sie hat daher das Afteryachtrecht des Klägers an dem ihm verpachteten Theile des Reviers an- zuerkennen und infolge dessen zu dulden, daß er das Iagdreht dort dem Vertrage gemäß ausübe. Die Beklagte hält die Afterverpahtung für ungültig und beruft fich hierbei auf den § 4 des Jagdpolizei- geseßes. Sie führt aus, daß die im § 4 erwähnte Zerlegung that- fächlih stattfinde, wenn der Pächter nur einen Theil des erpachteten Gemeindebezirks weiter verpachte, und die Gemeinde die Afterverpach- tung genehmige. Es kann dahingestellt bleiben, ob in einem solchen Verfahren eine Umgehung des im § 4 enthaltenen Verbots zu finden ist oder niht. Selb|t wenn man annehmen müßte, daß ein solches Abkommen eine Theilung des Jagdreviers im Sinne jener Gesetesvorschrift enthielte, so würde doch daraus weder die Nichtigfeit des Afterpahtvertrags, noch die Unwirksamkeit der Ratihabition gefolgert werden können. Dazu würde es eines ausdrücklihen Ausspruhs des Gesetzgebers bedürfen, der im JIagdpolizeigeseß nicht enthalten is. Der § 4 dieses Gesetzes regelt nur öfentlih-rechtliche Verhältnisse, wenn er zum Schuß derx Jagd und zur Erhaltung des Wildstandes die Theilung des Jagd- reviers der Willkür der Gemeinde entzieht und die Mitwirkung der staatlichen Aufsichtsbehörde vorschreibt. Es kann unerörtert bleiben, ob die Aufsichtsbehörde auf Grund des § 4 a. a. O. befugt ist, die Ausübung der Jagd auch im Falle der Afterverpachtung in den getheilten MNevieren den Pächtern zu untersagen; denn felbst wenn dies unter Umständen zutreffen und sie von dem etwaigen Rehte Gebrauh machen follte, fo würde doch der Pachtvertrag dadur nit aufgehoben, fon- dern nur dessen Erfüllung insofern beeinflußt werden, als der Anspruch des Pächters auf Ausübung der Jagd nunmehr in eine Interesfe- forderung überging. Im vorliegenden Fall handelt es sih bloß um das privatrehtlihe Verhältniß der Interessenten zu einander, und daraus ergiebt sich, daß die Beklagte, die durch Gemeindebeshluß die Afterpacht genehmigt hat, dem Asterpächter, so lange das Pachtver- hältniß dauert, die Ausübung der Jagd in dem ihm verpathteten MNevier gestatten muß. Auf die im § 4 a. a. O. enthaltene polizei- liche Vorschrift kann sie sih, ohne sih dem Vorwurf der Arglkist aus- zuseßen, nicht berufen.“ (133/94.)
Bergwerkskuxe sowohl neueren als auch des älteren Rechts sind, nah einem Urtheil des Ober-Verwaltungsgerihts, 11. Senats, vom 2. Juni 1894, hinsihtlich der Kommunal-Einkommenbesteuerung aus denselben als Kapitalvermögen zu erachten, und das Ein- kommen des Steuerpflichtigen aus dem Kuxe eines in einem anderen Orte befindlichen Bergwerks ist demnach in der Wohn sit gemeinde des Steuerpflichtigen kommunalsteuerpflihtig. — N. in der Stadt Qu. war für 1893/94 nah dem zur Staatssteuer ver- anlagten Gesammteinkommen von 17300 4 und einem Zuschlage bon 1122 % in Höhe von 573 # zur- Gemeinde-Einkommensteuer herangezogen werden. N. beanspruchte dagegen, daß 196 4 von der Steuer abgeseßt werden, weil dieser Betrag auf das ihm aus einem Kuxe der dem Gemeindebezirk N. angehörenden Braunkohlengrube C. — einer Gewerkschaft älteren Rehts — erwachsende Einkommen von 6000 Æ entfällt. Dieser Anspruch wurde vom Magistrat zu Qu. und vom Bezirksausshuß abgewiesen. Auf die Revision des W. be- stätigte das Ober-Verwaltungsgecicht die Vorentscheidung, indem es begründend ausführte: „. . . Anlangend die Nr. 2 des Art. 20 der Ausführungsanweisung vom 5. August 1891 zum Einkommensteuer- geseß, so enthält dieselbe freilich die Säße:
daß die unter der Herrschaft des älteren Rechts geschaffenen Kuxe, welche nah § 228 des Allg. Bergges. vom 24. Mai 1865 die Eigenschaft unbewegliher Sachen behalten haben, nah 8 231 daselbst den Grundstücken gleih zu achten,
daß daher ihre Erträgnisse als aus dem Grundbesiy ber- rührendes Einkommen zu behandeln seien.
Der im ersten Say enthaltenen Begründung ist indeß das Ober- Verwaltungsgeriht bereits in den Endurtheilen vom 15. Oktober 1889 und 7. Januar 1890 entgegengetreten, und es war an den dortigen Ausführungen umsomehr auch jeßt noch festzuhalten, als die ihnen entsprehende Auffassung neuerlich auch an derjenigen Stelle, von der aus die Anweisung vom 5. August 1891 ergangen ist, Ein- gang gefunden hat, in der Anmerkung 14 der Ausführungsanweisung vom 3. April 1894 (Art. 13 zum Ergänzvngssteuergeseß vom 14. Juli 1893), nämlih jener Sat der älteren Anweisung ausdrücklich zurückgezogen wird. Demnach steht der § 9 des Kommunalabgabengeseßes vom 27. Juli 1885, insoweit er vorschreibt, daß bei Einschäßung der Forensen in ihren Wohnsitßgemeinden der- jenige Theil des Gesammteinkommens außer Ansaß zu lassen ift, welcher aus außerhalb des Gemeindebezirks belegenen Grundetgen - thums fließt, dem Kläger als Besißer eines Kuxes älteren Rechts ht ur Seite. L823)
Antheil der einzelnen Regierungsbezirke an dem Gewerbfleiß in Preußen.
(Stat. Korr.) In einem Staat von der Ausdehnung Preußens, welcher große Abweichungen in. seiner ober- und unterirdishen Boden - beschaffenheit aufweist, ist dementsprehend auh der Antheil der cinzelnen Landestheile an der gewerblihen Thätigkeit ein sehr ver-
schiedener. Waren es einstmals reihlihe Wasserkräfte und die Holz- vorräthe ausgedehnter Waldungen, welche zur Ansiedelung gewerblicher Anlagen die erste PEUIEGs gaben, fo hat heute die treibende Kraft des Dampfes der Ausnuzung der Wasserfälle, die Kohle dem Holz längst den Nang abgelaufen, Es sind daher vor allem die Gegenden mit großen S âäßen guter Stein- und Braun- kohle, welche zu den Standpläßen unserer Großindustrie gewählt wurden, während gleidzeitig jedochß aud) die Großstädte wegen des Zusammenströmens tüchtiger und geschickter Arbeitskräfte daselbst wihtige Vorbedingungen für die Entstehung industrieller Unter- nehmungen bieten. Erklären {h vornehmlich hierdurch die erheblichen Verschiedenheiten in der Betheiligung der einzelnen Landestheile an dem Gewerbfleiß Preußens; so werden sie auch gemessen durch die Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen, welche dasclbst Aufstellung gefunden haben. Indem nun die, feststchenden Dampfmaschinen überwiegend in der Industrie Verwendung finden, die beweglichen (Lokomobilen) dagegen neben ihrer Benußung zu gewerblichen Zwecken immer mehr dazu bestimmt erscheinen, der Landwirthschaft den ‘Mangel an aus- reichenden und wvohlfeilen Arbeitskräften zu erseßen, so möge man von diesen Gesichtspunkten aus die folgende Uebersiht betrachfen, welche für die einzelnen preußishen Regierungsbezirke die Zabl und die Leistungsfähigkeit der feststehenden und beweglihen Dampf- maschinen — mit Ausnahme der von der Verwaltung der Landarmee und der, Kriegsmarine benußten sowie der Lokomotiven — zu Anfang des Jahres 1894 wiedergiebt. Es betrug: bei den feststehenden | bei den beweglichen Dampfmaschinen die. die Leistungs- E Leistungs- fähigkeit T A fähigkeit in Pferde-| “8 in Pferde- «D stärken stärken Königsberg 8 16 288 574 4 968 Gumbinnen : 6 746 256 2125 Danzig 888 15 499 546 4 986 Mate ) 10/247 667 6 238 Stadtkreis Berlin E 58 253 178 1 556 E N 59 609 770 9 155 Frankfurt D 51 665 556 5 872 Stettin V 29 831 538 5 420 Köslin 536 6131 307 3'079 t 19: 2648| 9224 2 440 Posen 863 16 405 672 6.213 Bromberg b: 12 850 497 4 620 Breslau 79 407 856 8 772 Liegniß 562 44 752 499 4 816 Oppeln 3 346 188 903 683 6 877 Magdeburg : 78 448 913 11 698 Merseburg 3614 84411 987 8 143 Erfurt E 9 982 141 1 099 Schleswig 92 195 34 687 742 8 156 YDannover 9 30 583 169 1 666 Hildesheim ( 38 377 346 3 976 Lüneburg 27 18 957 186 1 887 Ge 388 12075 86 898 Osnabrück S 25 021 148 L159 Aurich 26 9 120 97 684 Münster Ï 66 038 | 240 5 Minden GAT 18 018 390 Arnsberg ß 711 443 929 639 Cassel 14 687 433 Wiesbaden 1 163 31 930 310 Koblenz 890 29 121 199 Düsseldorf 7 579 317282 496 9 062 63 567 241 l 925 178 153 130 1520 82018 114 Sigmavingen -, 30 612 24 im Stäat., , 1224 2112250 | 144225 14F180:
Man sieht, daß den obigen Ausführungen gemäß unter den preußischen Regierungsbezirken hinsihtlich der Leistungsfähigkeit der feststehenden Dampfmaschinen der Regierungsbezirk Arnsberg allen anderen weit voransteht, daß an zweiter Stelle der Regierungsbezirk Düsseldorf, an dritter Oppeln, an vierter Trier folgt. In jedem dieser vier Negierungsbezirke, der Hauptsiße des preußishen Gewerbfleißes, betrug die Zahl der Pferdestärken der feststehenden Dampfmaschinen weit über 100 000; die Gesammtheit der Pferdestärken belief sich bei ihnen zusammen auf 1 128 267, d. h. auf über die Hälfte der Pferde- stärken aller feststehenden Dampfmaschinen des preußischen Staats mit obigen Auêënahmen.
Bei den beweglichen Dampfmaschinen behauptet der Regierungs- bezirk Magdeburg die Spitze; ihm folgen die Negierungsbezirke Potsdam, Breslau, Merseburg und Schleswig mit je über 8000 Pferdestärken. Die Gesammtzahl der Pferdestärken der beweglichen Dampfmaschinen in diesen fünf Negierungsbezirken betrug 45 924 oder nahezu ein Drittel der Pferdestärken aller beweglihen Dampfmaschinen Preußens mit den erwähnten Ausnahmen. “Im übrigen ergiebt sich, daß sich die beweglihen Dampfmaschinen im allgemeinen gleihmäßiger als die fest- stehenden über das Staatsgebiet vertheilen und sih niht in dem Maße wie legtere in bestimmten Gegenden anhäufen.
Die hiesige Gesellschaft für Erdkunde hält ihre November- Sißung am Sonnabend im Saal des Architektenhauses, Wilhelm- straße 92, mit folgender Tagesordnung ab: Wahl des Vorstandes für das Jahr 1895; Vorträge: von Erckert, Kaiferlich russischer General- Lieutenant a. D.: ‘Die Völker des Kaukasus; Dr. Futterer: Ein Ausflug in den Süd-Ural.
N die Negierungsbezirken Anzah!
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Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperruugs- Maßregeln.
Neg.-Bez. Posen. Durch Verfügung des Negierungs-Präsidenten vom 23. Oktober 1894 sind die am 3. September d. Î. angeordnete Schließung der Landesgrenze*), sowie das Verbot des Besuchs der Wochenmärkte seitens der russishen Händler, und dasjenige vom 1. September d. J., betreffend den Zuzug solcher Wallfahrer zu den firhlih-fatholishen Ablaßfesten, welhe niht dem Kirchspiel des Ablaßorts angehören“), endlich dasjenige des Zuzugs rufsisher land- wirthschaftlicher Arbeiter vom 15. September d. J. aufgehoben worden.
Deutsches Reich. Jn der Woche vom 22. bis 29. Oktober Mittags wurden, wie in den „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts* mitgetheilt wird, nachstehende Erkrankungen (und Todesfälle) gemeldet: D stpreußen: 1 (1) in Kosse, Landkreis Königs- berg. Weichselgebiet: 10 (2), davon 7 (2) in 2 Orten des Landkreises Elbing, 2 in der Stadt Elbing und 1 in Graudenz, Kreis Graudenz. Neße-Warthegebiet: 6 (1), sämmtlich in Nakel. Oberschlesien: Vom 21. bis 27. Oktober 8 (4), davon 9 (2) in 4 Orten des Kreises Kattowiy, 1 (1) im Kreise Neu- stadt und 2 (1) in einem Orte des Kreises Pleß.
Oesterreich-Ungarn. In Galizien wurden dem „Oest. San.-W.* zufolge in der Zeit vom 15. bis 21. Oktober 587 Er- krankungen (und 342 Todesfälle) festgestellt, in der Bukowina 7 (3).
Wien, 31. Oktober. Nach den gestern hier eingetroffenen Nach- rihten über den Stand der Cholera kanten in Galizien 112 Er- krankungen und 70 Todesfälle, in der Bukowina 1*Erkrankung und
1 Todesfall vor. *) Nr. 218 des „Reichs-Anzeigers“ vom 15. September 1894,
Frankreich. Im Depariement Finistère wurde eine Er- kfranfung in Plourin, ein Todesfall am 28. September in Pont- Croix festgestellt. Seitdem sind zufolge einer Mittheilung vom 17. SDftober weitere Fälle niht gemeldet worden.
Rußland. Dem Medizinal - Departement wurden bis zum 13. Vftober die nachstehend aufgeführten Erkrankungen und Todesfälle gemeldei: In St. Petersburg (Stadt) rom 22./9. bis 13./10. 70 bezw. 40; in St. Petersburg (sonst i. Gouv.) vom 16./9. bis 6./10. 74 bezw. 22; in Warschau (Stadt) vom 16 /9. bis 30 /9. 7 bezw. 9; in Warschau (sonst i. Gouv.) vom 16./9. bis 30./9. 17 bezw. 9; in
Kalisch vom 9./9. bis 29 /9. 109 bezw 56; in Lomza vom 16./9. bis
29./9. 1 bezw. 2; in Petrikau vom 16./9. bis 6./10, 199 bezw. 127; in Kielce vom 9./9. bis 22./9 231 bezw. 110; in Radom vom 9./9. bis 29./9. 105 bezw. 73; in Siedlez vom 16./9. bis 6./10. 82 bezw. 46; in Grodno vom 9./9. bis 22./9. 100 bezw. 49; in Kowno vom 16./9. bis 29./9. 23 bezw. 17; in Kurland vom 9./9. bis 22./9. 100 bezw. 48; in Livland vom 9./9. bis 29./9. 48 bezw. 32; in Estbland vom 9/9: Dis 29/9. 17 Bez. 125 in Lublin vom 2/9, bis 22/9, 194 bezw. 90; in Wolhynien vom 9./9. bis 29./9. 52 bezw. 24; in Podolien vom 16./9. bis 6./10. 941 bezw. 426; in Bessarabien vom 16./9. bis 29./9. 487 bezw. 231; in Taurien vom 13./9. bis 29./9. 27 bezw. 10; in Cherson vom 16./9. bis 6./10. 29 bezw. 24; in Poltawa vom 23./9. bis 29./9. 7 bezw. 4; in Kiew vom 16./9. bis 29./9, 44 bezw. 21; in Tschernigow vom 30./9. bis 6./10. 10 bezw. 6; in Mohilero vom 16./9. bis 22/9. 6 bezw. 4: in Minsk vom 16./9. bis 29./9. 88 bezw. 42; in Witebsk vom 16./9. bis 6./10. 88 bezw. 26; in Psfow vom 16./9. bis 6/10. 6 bezw. 1; in Twer vom 16./9. bis 29./9. 16 bezw. 10; in Nowgorod vom 16./9. bis 6./10. 48 bezw. 35; in Olonez vom 16./9. bis 29/9. 73 bezw. 39; in Archangel vom 16./9. bis 29./9. 197 bezw. 98; in Wologda vom 9./9. Bis 6./10. 8 bezro. 3; in Jaroslaw vom 16./9. bis 29./9. 111 bezw. 48; in Koslroma vom 16./9. bis 29./9. 76 bezw. 28; in Wladimir vom 16./9. bis 6./10. 279 bezw. 156; in Kaluga vom 10/9, bis 29/9. 9. Vew. 5 in Nar vou 9/9. bis 6./10. 301 bezw. 175; in Jekaterinoslaw vom 16./9. bis 6./10. 79 bezw. 46; in Tiflis vom 23./9. bis 29./9. 3 bezw. 1; in Baku vom 9./9. bis 15./9. 2 bezw. 2, und vom 23./9. bis 29./9. 2 bezw. 1; in Astrahan vom 9./9. bis 22./9. 78 bezw. 47; in Saratow vom 16./9. bis 29./9. 162 bezw. 96; in Tambow vom 16./9. bis
6./10 79 bezw. 47; in Samara vom 16./9. bis 6./10. 54 bezro. 28; |
in Ufa vom 4./19, bis 19./9. 6 bezw. 3; in Simbirsk vom 16./9. bis 6./10. 28 bezw. 16; in Pensa vom 23./9. bis 29./9. 14 bezw. 6; in Nishni -Nowgorod vom 16./9. bis 6./10, 69 bezw. 48: in Kasan vom 9./9. Bis 30./9. 68 bezw. 47; in Wjatka vom 9./9. bis 6./10. 7 bezw. 7; in Perm vom 9./9. bis 29./9, 113 bezw. 40; in Tobolék vom
Itach neueren amtlichen Nachrichten erkrankten (bezw. \tarben) an Cholera in den Gouvernetnents Kowno vom 30. September bis 13. DÉtober 26 (7), Kalisch vom 7. bis 18. Oktober 9 (7), Lublin vom 9. bis 19. Oktober 77 (36), Petrikau vom 11. bis 20: Ok- tober 53 (36), Warschau vom 12. bis 23. Oktober 16 (7), Olonez vom 30. September bis 6. Oktober 6 (5), Minsk vom 30. September bis 13. Oktober 50 (27); ferner vom 7. bis 13. Oktober în den Gouvernements St. Petersburg 4 (1), Witebsk 42 (11), N ow- gorod 7 (3), Pskow — (l). In der Stadt St. Petersburg find vom 15, bis 22. Oktober 6 Erkrankungen (4 Todesfälle) beobachtet, in Niga vom 27. September bis 23. Oktober 14 (8). Die Zahl der in Kurland vom Auftreten der Epidemie bis zum 13. Oktober angezeigten Fälle beträgt 480 mit 228 Todesfällen.
N tederlande. In der Zeit vom 13. bis 2. Oktober sind nach- stehende Erkrankungen (Todesfälle) vorgekomtnen: in Amsterdam (1) am 15. Oftober, 1 am 16., und (1) am 17.; in dem benachbarten Weesp 4 (3); in Südholland: in Noelofsarendsveen bei Leiden (2), in WadDdingsveen und in Kappelle an der Vel je 1; in Seeland: in Kondekerke am Nyn bei Vli)singen bis 20. Oktober 7 (4).
B elgien. Während der mit dem 13. Oktober abschließenden Woche find amtliher Mittheilung zufolge in der Provinz Lüttich 10 Todesfälle festgestellt worden, außerdem nur ein einziger, und zwar
in VEUAge: Flecktyphus.
INegierungsbezirk Marienwerder. Dem Krankenbause des Kreises Strasburg i. Westpr. wurde cine in dem 4 km von Strasburg entfernten Dorfe Cielenta am 14. September an Fleck- typhus erkrankte Arbeiterfrau überwiesen. Die Anfteckungsquelle fonnte nicht ermittelt werden.
& rankreich. Eine Epidemie, welche von Carhaix (Departement Sinistère) ausgegangen zu sein \{eint, hat sich auf mehrere Gemeinden des Departements ausgedehnt und zufolge einer Mit- theilung vom 17. Oktober 19 Todesfälle verursacht. Ferner werden
aus Roudouallec (Departement Morbihan) 25 E mit j
6 Todesfällen gemeldet. Die Ursache der Seuche wird hier der
\{chlechten Beschaffenheit des Trinkwassers zugeschrieben.
Tä gliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Nuhr und in Oberschlesien. An der Nuhr sind am 31. v. M. gestellt 12 074, nit rets zeitig geftellt 32 Wagen. In Oberschlesien sind am 30. v. M. gestellt 5398, nit recht- zeitig gestellt keine Wagen.
Berlin, 31. Oktober. Monatsbericht der ständigen Deputation der Woll- Interessenten. Das hiesige Geschäft in deutschen Wollen verlief im Oktober ruhiger als im September d. J. — Gegenüber einer Baisse von etwa 89/9 für Termin-Kammzug gegen Anfang dieses Monats, haben si die Preise für deutsche Wollen ziemlich auf ihrem vorherigen Standpunkt erhalten, was wohl darin feinen Grund findet, daß Qualitäten billig bleiben und nur noch in einen weit kleineren Quantum vertreten sind als voriges Jahr um die gleiche Zeit. Die Umsätze betrugen ctwa 4200 Ztr. Rückenwäshen und etwa 2600 Ztr. ungewashene Wollen ; von den Rückenwäschen ging ein Theil in die Kammgarnspinnereien. — Das Geschäft in Kolonial- Wollen war ruhiger als im vor- aufgegangenen Monat. Termin - Derouten und in Verbindung damit \{chwahe Londoner Auktions-Nachrichten drückten. Immerhin belaufen sih die Verkäufe auf etwa 3000 Ballen, zur Hälfte Kap- und zur Hâlfte Austral- und Buenos Aires-Wolle. Die Preise waren indessen niedriger und paßten sih den Londoner Werthen an.
— Ausweis liber den! Verkebr auf dem Bertinsxr Schhlachtviehmarkt vom 31. Oktober 1894. Auftrieb und Marktpreise nach Schlachtgewichht mit Ausnahme der Schweine, welhe nah Lebendgewicht gehandelt werden. Rinder. Auftrieb 615 Stück. (Durhschuittspreis für 100 kg.) I. Qual. —,— k, IT. Qual. —— M, III. Qual. 92—100 «A, 1V. Qual. 80— 88 A — Schweine. Auftrieb 7310 Stück. (Durchschnittspreis für 100 g.) Medlenburger 102—104 H, Landschweine : a. gute 98— 100 A, b. geringere 88—96 4, Galizier — #4, leihte Ungarn — e bei 20 9/6 Tara, Bakonyer 82—84 #4 bei 27,5 kg Tara pro Stück. — Kälber. Auftrieb 1093 Stück. (Durchschnittspreis für 1 kg.) T. Qual. 1,22—1,34 Æ, Il. Qual. 1,08—1,20 „4, III. Qual. 0,86—1,06 A — Schafe. Auftrieb 1002 Stück. (Durchschnitts- preis für 1 kg.) I. Qual. — M, Il. Qual. — #, IIl. Qual. —
— Vom rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahl- markt berichtet die „Rhein.-Westf. Ztg.“ : Die unerfreuliche Lage des Eisenmarktes hat in der leßten Woche fast unverändert an- gehalten, namentlih gilt dies für die Walzeijenindustrie; dech auch sür Roheisen ist, troßdem hier die Preise sih fest behaupten, die Lage nicht günstig, da die Käufer die in kritischen Zeiten stets wahrzu- nehmende Zurückhaltung beobachten; aber nur bei wenigen Werken hat die Verlegenheit zu billigen A für geringere Posten geführt. Nur für wenige Walzeisenartikel ist die Tendenz augen- blicklih nvoch verhältnißmäßig fest. — Auf dem Eisenerzmarkt- ift
keine wesecatlie Aenderung zu verzeichnen. Im Vordergrunde des Interesses steht im Siegerland augenblicklich die Vereinigung der Gruben, die am Sonnabend glückli zu stande gekommen ist. — Auf des Roheisfenmarkt herrscht troy mäßigen Absatzes die bisherige Festi feit in den Preisen, wozu die Hochöfen {on dur die Kohlenp eus Arbeitslöhne O Im übrigen sind Veränderungen der Marktlage nicht zu verzeichnen. Im Siegerlande scheint für Roheisen das Geschäft \sich belebt zu haben, denn bei dem Verein
den Verkauf von Roheisen gehen fortwährend belangreihe Aufträge ein. Im allgemeinen kann man den Absay jedoch keineswegs befriedigend nennen. — Auf dem Walzeisenmarkt hat das Aus- sehen sih in keiner Weise geändert, da die Käufer eine s\tetige Zurückhaltung beobachten und nur den nähsten Bedarf kaufen; Ab- [chlüsse für das erste Quartal des kommenden Jahres sind verhältniß- mäßig selten. Stabeisen geht nur schwach, da jeder Käufer un Kräften auf die Preise drückt. Aehnlich liegt die Sache für Bauträger; nur fommt noch dazu, daß der ausländische Wett- bewerb hierbei einen größeren Einfluß ausübt. Etwas freundlicher scheint sich die Lage für Bandeisen zu gestalten. Die Nachfrage in Grobblechen hat sch in unverändertem Umfange erhalten, an eine Erhöhung der Preise is aber nit zu denken. Für Fein lens ist die geringe Nachfrage wohl auf den Umstand zurückzu ühren, daß die Werke einander augenblicklich wieder unterbieten. Walzdraht, ge- j¿ogene Drähte und Drahtstifte sind im ganzen vernachlässigt : es fehlt an Ausfuhraufträgen, und auh der inländische Bedart ist s{chwach. N ieten leiden ebenfalls andauernd unter der Ungunst des Marktes. Die mäßige Beschäftigung der Maschinenfabriken und Konstruktionswerkstätten ist auch in der lezten Woche keiner regeren Thätigkeit gewichen. Auch die Eisengießcreien sind nur {wah und zu unlohnenden Preisen beschäftigt; etwas besser sind nur die Röhrengießereien daran. In der Geschäftslage der Babn- wagenanstalten ist keine Aenderung zu verzeichnen; vorläufig sind
sie durch Abwielung früherer Aufträge noch bes äftigt.
Königshütte i. Ober\chl., 31. Oktober. (W. T. B.) Die heute abgehaltene Generalversammlung des. Verbandes ober- \chlesischer Walzwerke vertagte eine endgültige Beschlußfassung wegen Verlängerung des Verbandes bis zum 12. November, weil die Verhandlungen wegen des Beitritts des Borsigwerks noch Spezial- berathungen erforderli} machen. Das Borsigwerk ist, vorbehaltlih einzelner Aus{ührungsbcstimmungen, prinzipiell dem Beitritt geneigt.
Oldenburg, 1. November. (W. T. B.) Gewinnziehung der Oldenburger 40 Thaler-Loose: 30000 Nr. 50536, 1200 46 Nr. 16386, je 600 4 Nr. 48568 50120 54811, je 300 A Nr. 20080 63720 70763 71291 107873, je 180 A Nr. 2903 30107 32189 44186 52370 60925 70722 80907 89197 117258.
Bremen, 31. Oktober. (W. T. B.) Börsen-Sthluß-Bericht. Raffiniertes Petroleum. (Offizielle Notierung der Bremer Petroleum-Börse.) Ruhig. Loko 4,95 Br. Baumwolle. Schwach. Upland middl. loïo 30 K. Schmalz. Fest. Wilcox 38 &, Armour fhield 37 4, Cudaby 38 4, Fairbanfs 32 §4. Sped. Fest. Short clear middl. loko 37. Taback. Unmnsaß: 23 Faß Virginy.
16. November, 1 Uhr. Ministerie van waterstaat, handel en nyverheid im Haag: Lieferung von Eisen-, Zink- und Kupfer- waaren u. |. w. für das Jahr 1895, Bedingungen bei den Buch- händlern Gebr. van Cleef im Haag, Spui 28 a, erhältlich.
19. NovemLer, 1 Uhr. Departement van Kolonien in einem der Lokale der Maatschappy tot Nut van ‘t Algemeen, N. Z. Vor- burgwal Nr. 212 in Amsterdam: In 61 Loofen. Lieferung von Kattun, Leinen, Flanell, Brot-, Kleider-, Schuhtaschen, Feldflaschen, Müßen, Lederwaaren u. f. w. Bedingungen bei den Buchhändkern Gebr. van Cleef im Haag, Spui 28 a, gegen 20 Cents pro Loos er- hâltlich.
20. November, 2 Uhr. Maatschappy tot Exploitatie van Staatsspoorwegen im Sentralbureau zu Ütredht, Moteelse Laan: Loos Nr. 670. Ueberdachung der Eisenbahnstation 's Hertogenbosch. Schäßung 315 000 Fl.. Bedingungen zur Einsichtnahme im obigen e (Dienst van Weg en Werken), ebenda auch fäuflih für 2,90 Fl.
19. November, 12 Uhr. Departement van Kolonien (Technisch Bureau): Loos Nr. 158. Lieferung von 96 Untergestellen für offene Güterwagen mit Bremse zum Zwecke der Eisenbahnen auf Java. Bedingungen zur Einsihtnahme im obigen Bureau und auch käuflich bei der Firma Martinus Nyhoff im Haag, Nobelstraat 18, für 3 Fl.
24. November, 2 Uhr. Bürgermeister und Magistrat im Rath- haufe zu Has felt (Prov. Overyssel): Lieferung des Ünterbaues nebst Zubehör für die Brücke über das Zwartewater in Hasselt. Schäßung | 39450 Fl. Bedingungen und Zeichnungen zur Einsichtnahme in der Gemeente-Secretarie zu Haffelt, ebenda auch fäuflih für 3 FI.
Bremen, 31. Oktober. (W. T. B.) Norddeutscher Llovd. Der Postdampfer „Köln“ hat am 29. Oktober Nachmittags St. Catherines Point passiert. Der Postdampfer , Weimar“ ist am 29. Oktober Vormittags in New-York angekommen. Der Reichs-Postdampfer „Oldenburg“ hat am 29, Oktober Nachmittags Ouessant passiert. Der Schnelldampfer „Werra“ hat am 29. Oktober Nachmittags die Reise von Gibraltar nah Genua fortgesezt. Der Schnelldampfer „Ems“ ist am 29. Oktober Abends auf der Weser angekommen. Der Postdampfer , Pfalz“ hat am 29. Oktober Vortnittags die Reise von Villa Garcia nah dem La Plata fortgeseßt. Der Postdampfer „Straßburg“ “hat am 29. Oktober Abends Santa Cruz passiert. Der Post- dampfer „,Willehad“ ist am 30. Oktober Nachmittags auf der We fer angekommen. i | 5
- 1. November. (W. T. B.) Der Schnelldampfer „Aller hat am 31. Oktober Nachmittags die Reise von Southampton nah Bremen fortgeseßt; er überbringt 323 Passagiere und volle La- dung. Der Schnelldampfer „Fv.lda* hat am 30. Oktober Nachmit- tags Punta Delgada passiert. Der Schnelldampfer „Spree* ist am 30, Oktober Vormittags von New-York nah der Weser abge- gangen. Der Scnelldampfer „Havel“ hat am 31. Oktöberx Nachmittags die Reise von Southampton nach New- York fortgeseßt. Der Postdampfer „ Braunschweig" hat am 31. Oktober Mittags St. Catherines Point passiert. Der Reichs-Postdampfer , Bayern * ist am 31. Oktober Nachmittags in Shanghai angekommen. Der Reichs-Postdampfer „Olden - burg it am 31. Oktober Nachmittags in Antwerpen angekommen. Der Reichs: Postdampfer „Gera“ is am 31. Oktober Nachmittags auf der Weser angekommen. :
Die 31, Oktober. (W. T. B.) Hamburg-Ameri- kanishe Packetfahrt-Aktiengesellshaft. Der Las eGellert* ist heute Vormittag in Cuxhaven eingetroffen.
Die erfte Aufführung vonMax Nordau?s neuem Schauspiel Die Kugel “ fand gestern beim Publikum eine sehr freundlihe Aufnahme; nah dem zweiten und den folgenden Akten mußte der Verfasser vor den Beifall Ps Zuschauern erscheinen. Max Nordau hat sich in seinen Arbeiten ols \charfer Beurtheiler seiner Zeitgenossen {on früher erwiesen; seia erstes Schauspiel „Das Recht zu lieben* o 5 von ernfter Üeberleganÿ der gefellschaftlihen Frage, die er behandelte, und das gleiche Urtheil darf über die gestrige Novität abgegeben werden. Kluge Erfindung, geistvolle Sprache und eine gewandte ra E ; Technik, die besonders im dritten Akt hervortritt, darf dieser jüngsten Schöpfung nahhgerühmt werden; aber der Dichter arbeitet mehr mit dem Kopf als mit dem Herzen; wenigstens vermag er starke sym-
pathishe Empfindung in der Seele der Zuschauer nicht zu erwecken.

References: §12
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 Art. 20
 § 228
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