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Timestamp: 2019-08-23 08:53:22+00:00

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Medizinwelt | Homöopathie | Leitfaden Homöopathie | Prinzipien der klassischen Homöopathie
MedizinweltHomöopathieLeitfaden HomöopathieBuchkapitelPrinzipien der klassischen Homöopathie
B978-3-437-56353-9.00002-5
10.1016/B978-3-437-56353-9.00002-5
Herstellung flüssiger Potenzen
Herstellung von Globuli aus Verreibungen nach Hahnemann
Schema zur Herstellung von 50 000er-Potenzen
Herstellung von Globuli aus Verreibungen nach HAB (feste Arzneiausgangssubstanz)
Übersicht über die wichtigsten Potenzierungsverfahren nach Hahnemann
Tab. 2.1
C-Potenzen nach CK und ORG V 50 000er-Potenzen
(Q-Potenzen) nach ORG VI
Vorstufe bei Ausgangssubstanz:
Urtinktur bzw. C3-Verreibung C3-Verreibung
Verdünnungsschritte 1:100 1:50 000
Anzahl Schüttelschläge 2 (1833) bzw. 10 (1837) 100
Herstellungsschritte C3-Trit. oder C3-Dil. → C4-Dil. → C30-Dil. → C30-Globuli (später auch höhere Potenzen) C3-Trit. → Auflösung→ Q1-Vorstufe-Dil. → Q1-Globuli→ Q2-Vorstufe-Dil. → Q2-Globuliusw.
Phasen (fest/flüssig etc.) Fest oder flüssig
Fest (Globuli) Fest
Applikationsform/Dosierung Als Globuli trocken auf die Zunge oder als Auflösung Immer als Auflösung in Wasser oder Weingeist-Wasser-Mischung
Modifikationen Hahnemanns bei Arzneimittelherstellung und Dosierung
Tab. 2.2
1796 Dosierung: „mäßige Gaben“.
1801 Herstellung: 1 Gran des getrockneten Pflanzensaftes (z. B. Belladonnapresssaft) + 400 Tropfen Ethanol ergeben die am stärksten konzentrierte Lösung.
1 Tr. von dieser „starken“ Lösung + 300 Tr. ergeben die mittlere Lösung.
1 Tr. davon + 200 Tr. ergeben die „schwache“ Lösung. Das Mischen erfolgt durch „fleißiges Schütteln, minutenlanges Schütteln“.
Opium wird zur Einnahme so zubereitet: 1 Tr. Opium-Tinktur + 500 Tr. Ethanol., davon 1 Tr. + 500 Tr. Ethanol, was 1/5 000 000 Gran „Mohnsaft“-Tropfen entspricht.
Opium: 2 Tr. alle 4–8 Stunden. Bei Ipecacuanha werden 1/10–1/2 Gran der gepulverten Droge gegeben.
Von der schwachen Belladonna-Auflösung, die 1/24 000 000 Gran getrockneten Belladonna-Saftes enthält, werden 2–40 Tr. alle 72 Stunden zur Vorbeugung gegen Scharlach verabreicht.
1805 Warnung vor schneller Wiederholung der Arznei. Dosierung: die „kleinst mögliche Gabe“, z. B. von Mohnsaft 1/100 oder 1/1 000 Teil.
1810 Herstellung: 1 Tr. Tinktur + 1 Pfund Wasser werden durch starkes Umschütteln gemischt.
Dosierung: zweistündlich zu zwei Unzen, in einer „möglichst kleinsten Gabe“ oder in „kleinster Gabe“.
1814 Herstellung: 1 Tr. ethanolischer Extrakt der Bryonia-Wurzel wird über 12 Stufen verdünnt, jeweils drei Minuten stark geschüttelt.
Dosierung: 1 Tr. der 12. Verdünnung.
1815 Dosierung:
Bryonia: 1 Tr. als Einzelgabe, „eine der stärksten homöopathischen Gaben, einen vollen Tropfen ganzen Zaunrebenwurzelsaftes“.
Pulsatilla: „in einer sehr verkleinerten Gabe, d. i. einen halben Tropfen des Quadrillionstels eines starken Tropfens Pulsatille“.
1833 Herstellung: Potenziert wird mit zwei Schüttelschlägen bis C30.
Dosierung: 1 Globulus der C30 trocken auf die Zunge, evtl. alle sieben Tage über einen Zeitraum von 10–12 Wochen hinweg wiederholt; Gabe von Zwischenmitteln. Potenzierung bis C60, C150 und C300.
1837 Herstellung: Zur Potenzierung wird 10-mal geschüttelt, statt wie zuvor nur zweimal. Warnung vor Wiederholung derselben Arznei der gleichen Potenz.
Ein Globulus wird in 200, 300 od. 400 Tr. Ethanol mit 5–6-maligem Schütteln aufgelöst, davon werden 1, 2, 3, oder mehr Tr. mit einem Esslöffel Wasser in einer Tasse (worin kräftig umgerührt wird) verdünnt oder in einem Gläschen, das 5–6-mal geschüttelt wird.
Diese Lösung wurde ganz oder zur Hälfte ausgetrunken. Vor jeder neuen Zubereitung wurde wieder 5–6-mal geschüttelt. Zur Wiederholung desselben Arzneimittels verordnete Hahnemann absteigende Potenzen: C30, dann C24 usw.
1839 Herstellung: Potenzierung mit 10, 20, 50 und mehr starken Schüttelschlägen bis zur C50.
Dosierung: Auflösung in vielem Wasser und Einnahme in kleinen Portionen.
1842 Q-Potenzen
Herstellung: Verreibung bis C3, Auflösung und Potenzierung im Verhältnis 1:50 000 mit 100 Schüttelschlägen
Dosierung: Auflösung von Globuli, häufig wiederholte Einnahme teelöffelweise, wobei vor jeder erneuten Einnahme geringfügig weiter potenziert wird
Bezeichnung von Arzneimittelpotenzen
Tab. 2.3
Schreibweise Potenz
China Ø Urtinktur, von lat. origo
China TM Urtinktur, von franz. teinture mère
China C200 200. Potenz der Centesimal-Reihe (= 1:100-Reihe), Mehrglasmethode
China CH 200 In Frankreich übliche Bezeichnung für C200 nach Hahnemann (Mehrglasmethode)
China 200 200. Potenz der Centesimal-Reihe, vermutlich Einglasmethode
China K 200 200. Korsakoff-Potenz
China CK 200 200. Korsakoff-Potenz
China M 1 000. Potenz der Centesimal-Reihe
China 10 M XM = 10 000. Potenz der Centesimal-Reihe
China LM 50 000. Potenz der Centesimal-Reihe, darf nicht mit „LM“-Potenzen verwechselt werden, deshalb sollte für die 50 000er-Potenzen nur der Name „Q-Potenzen“ verwendet werden. (Cave: falscher Name im HAB)
China Q1 oder QI 1. Stufe der 1:50 000-Potenzreihe
China CM 100 000. Potenz der Centesimal-Reihe
China LM I Q1 der 1:50 000-Reihe
China LM XXX Q30 der 1:50 000-Reihe
Änderungen in der Nomenklatur
Tab. 2.4
In der Homöopathie gebräuchlicher Name HAB Monographie-Titel
Arsenicum album Acidum arsenicosum
Antimonium crudum Stibium sulfuratum nigrum (die Bezeichnung Antimonium crudum entfällt!)
Cantharis Lytta vesicatoria
Nux moschata Myristica fragrans
Unterschiede der Ausgangssubstanzen (2.4.8). Mit den in der linken Spalte aufgeführten Ausgangssubstanzen wurden die AMP durchgeführt. Diese liefern somit die Symptome, die der Materia medica zugrunde liegen
Tab. 2.5
Ausgangssubstanz der Arzneimittelprüfung Ausgangssubstanz der HAB-Monographie
Arnica: ganze frische Pflanze Arnica montana: getrocknete Wurzel
Arnica montana ex planta tota: ganze frische Pflanze (liefert somit das bessere Präparat)
Apis: frisch gewonnenes Bienengift Apis: Tinktur der ganzen Biene
Apisinum: getrocknetes Bienengift
Bryonia: Wurzel der Bryonia alba Bryonia: Wurzeln der Bryonia alba und B. cretica ssp. dioica
Causticum Hahnemanni: Präparation nach Hahnemanns Vorschrift, das den Forschungen des Verfassers zufolge aus einer verdünnten Kalilauge bestand Causticum Hahnemanni: Präparat darf nicht alkalisch sein und somit keine Kalilauge enthalten
Petroleum: rohes, unbehandeltes Petroleum, Potenzierung durch Verreibung Petroleum: rectifiziertes Petroleum, Potenzierung als Dilution
Übersicht über die Potenzreihen des HAB
Tab. 2.6
C-Potenzen D-Potenzen Q-Potenzen
Flüssige Arzneigrundsubstanz Urtinktur Urtinktur C3-Mischung
Feste Arzneigrundsubstanz C6-Verreibung bzw. Mischung D6-Verreibung bzw. Mischung C3-Verreibung
Verdünnungsschritte 1:100 1:10 1:50 000
Anzahl Schüttelschläge Mind. 10 Mind. 10 100
Globuligröße 3 (110–130/g) 3 (110–130/g) 1 (470–530/g)
Methoden Hahnemanns und seiner Zeitgenossen – Methoden des HAB
Tab. 2.7
Hahnemann und seine Zeitgenossen HAB (am Beispiel der
C-Potenzen)
Identität der Ausgangssubstanz: Übereinstimmung mit Prüfsubstanz Übereinstimmung Z. T. falsche Ausgangssubstanzen (Apis, Bryonia, Causticum, Petroleum etc.)
Nomenklatur Meist einheitlich Oft abweichend (z. B. Lytta vesicatoria)
Potenzierverfahren bei löslichen oder flüssigen AS (z. B. Iodium, Muriaticum acidum) gem. AMP → Verreibung Entfällt
→ Auflösung –
→ Flüssige Potenzierung → Flüssige Potenzierung
→ Globuli → Globuli
Anzahl Schüttelschläge Bei C-Potenzen 10 Bei C-Potenzen mind. 10
Verreibungsstufe vor Auflösung C3 → Verreibung bis C4, dann Verreibung oder Mischung bis C6
Frischpflanzenverreibung Ja Nein, stattdessen Mischen von Urtinkturen mit Lactose
Potenzierung flüssiger AS mit Lactose → Verreibung bis C3, dann Auflösung → Mischen bis C6, dann Auflösung
Potenzierung von Frischpflanzen und Frischpflanzenteilen → Verreibung bis C3 Keine Frischpflanzenverreibung, stattdessen → Urtinktur
→ Flüssig bis C30 → Flüssig bis C30
Potenzierung von Drogen und festen Ausgangssubstanzen → Verreibung bis C3 → Verreibung bis C4
– → Verreiben oder Mischen bis C6
Vorstufe zu Q-Potenzen aus
Festen Ausgangssubstanzen
→ Verreibung bis C3 → Verreibung bis C3
Frischpflanzen und Teilen
→ Verreibung bis C3 Keine Frischpflanzenverreibung, stattdessen → C3-Mischung der Urtinktur
Flüssigen Ausgangssubstanzen
→ Verreibung bis C3 → C3-Mischung der Urtinktur
Bei Verreibungen
Ca. 6 g Bis 1 000 g manuell
Bei Dilutionen
Ca. 100 Trp. Keine Angabe
Wiederverwendbarkeit der Potenziergläschen Nein Ja
Zusammensetzung der Globuli Saccharose und Stärke Saccharose
Globuligrößen Ca. 1 600/g bis ca. 334/g 470/g bis 2/g
Einglaspotenzen Hering, Jenichen, Korsakoff Nein
Grundsätze der Homöopathie18
Das Ähnlichkeitsgesetz nach Hahnemann18
Das Ähnlichkeitsgesetz von Hippokrates19
Das Ähnlichkeitsgesetz in anderen therapeutischen Disziplinen19
Das Ähnlichkeitsgesetz als Lebensgesetz19
Die geistartige Lebenskraft20
Die Arzneimittelprüfung (AMP)21
Die Arzneimittelherstellung in der Homöopathie24
Potenzierung und Wirkung homöopathischer Arzneimittel24
Ausgangssubstanzen homöopathischer Arzneimittel26
Die Arzneimittelherstellung nach Hahnemann26
Andere Potenzierverfahren34
Das Homöopathische Arzneibuch (HAB)36
Kritische Würdigung des HAB40
Geplante Änderungen des HAB43
Die Qualität homöopathischer Arzneimittel44
Arzneimittelrechtliches48
HomöopathiePrinzipienDie Homöopathie befasst sich, wie jede medizinische Methode, mit den drei grundlegenden Themen Krankheit, Heilmittel und Therapie (vgl. Organon, § 71).
Die Erforschung der Krankheit geschieht im individuellen Fall durch die klassische homöopathische Anamnese mit dem unverfälschten Spontanbericht und dem Nachfragen zur Vervollständigung. Ihr liegt die homöopathische Krankheitslehre mit der Klassifizierung von akuten und chronischen Krankheiten und der Einteilung letzterer in Psora, Sykose und Syphilinie zugrunde.
Die Erforschung der Arzneiwirkung geschieht durch die Arzneiprüfung am Gesunden, ergänzt durch die Toxikologie und die gesammelten Erfahrungen in der therapeutischen Anwendung. Ihr liegt das Ähnlichkeitsgesetz oder Simileprinzip zugrunde, nach dem die Arznei im Krankheitsfall heilt, was sie beim Gesunden hervorruft.
Die Anwendung homöopathischer Arzneien beruht auf dem Prinzip der kleinsten Dosis. Dazu wird die Arzneisubstanz potenziert und in seltenen Gaben verabreicht. Die Heilwirkung ist nicht die Erstwirkung, die in jedem Anwendungsfall gleich ist, sondern die Nachwirkung, die Antwort des Organismus auf den Arzneireiz. Diese muss individuell analysiert und beurteilt werden, bevor die nächste Gabe verabreicht wird.
Das Ähnlichkeitsgesetz nach Hahnemann
ÄhnlichkeitsgesetzHahnemann„Blos $Hahnemann, Samueljene Eigenschaft der Simileprinzip s. ÄhnlichkeitsgesetzArzeneien, eine Reihe spezifischer Krankheitssymptomen im gesunden Körper zu erzeugen, ist es, wodurch sie Krankheiten heilen, das ist, den Krankheitsreiz durch einen angemessenen Gegenreiz aufheben und verlöschen können.“ (Hahnemann, Heilkunde der Erfahrung)
„Wähle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll!“ (Hahnemann, Vorwort zum Organon)
Wird dem kranken Organismus – im Rahmen seiner Reaktionsfähigkeit – ein Reiz angeboten, der seiner Erkrankung ähnlich ist, werden seine Selbstheilungskräfte aktiviert. Der Weg zur Heilung wird eingeleitet. Eine gegensinnige Wirkung tut das Gegenteil: Für kurze Zeit werden Symptome vermindert, um anschließend unverändert oder verstärkt wieder zu erscheinen (1.1.1). In akuter Krankheit und grundsätzlich bei ausreichenden Selbst- oder Spontanheilungskräften kann Gesundheit sowohl ohne als auch mit gegensinnigem Arzneireiz eintreten. Bei chronischen Krankheiten ist eine Heilung nur aufgrund des Ähnlichkeitsprinzips möglich.
Vermutlich der früheste Hinweis auf dieses universale Heilgesetz ist in der Sage von Troja zu finden. Dort wird vom Überfall der Griechen auf Mysien in Kleinasien berichtet. Im Kampf verletzt Achill den mysischen König Telephos mit seinem Speer$Achill an der Flanke. Die Wunde wird sehr $Telephosschmerzhaft und heilt nicht. Kein Mittel hilft. Das Orakel des Apoll wird befragt und antwortet: Nur der Speer, der die Wunde geschlagen hat, vermag sie zu heilen. Achill gibt seinen Speer den Ärzten Podalirios und$Achill Machaon, die Späne von der Klinge $Podaliriosfeilen und sie auf die $Machaoneiternde Wunde streuen. In wenigen Stunden ist sie geheilt.
Das Ähnlichkeitsgesetz von Hippokrates
ÄhnlichkeitsgesetzHippokratesAus den Schriften des Hippokrates wurde oben zitiert (1.2.1). Dort wird das $HippokratesPrinzip Contraria contrariis für akute Krankheiten und das Prinzip SimiliaContraria contrariis similibus für chronische Krankheiten propagiert. Similia similibusGegensatzprinzip s. Contraria contrariisAuf welche Weise das Simile gefunden und angewendet wird, bleibt bei Hippokrates offen.Simile
Das Ähnlichkeitsgesetz in anderen therapeutischen Disziplinen
ÄhnlichkeitsgesetzNaturheilverfahrenDie Kneipp-Hydrotherapie$Kneipp, Sebastian wird als unspezifische Hydrotherapie, KneippscheReiztherapie angesehen. Kaltes Wasser hat allerdings den spezifischen Effekt, eine kurzfristige Verkrampfung der Muskulatur und Kribbelparästhesien hervorzurufen. Gezielt bei Leiden mit einer derartigen Symptomatik eingesetzt, wirkt der Wasserguss homöopathisch.
Ganz ähnlich ist auch das homöopathische Prinzip der Elektrotherapie bei Muskelspasmen und Parästhesien herzuleiten.
Die Chirotherapie oder Manuelle Medizin scheint rein Chirotherapiemechanisch zu wirken. Als Wirkprinzip wird die Lösung von Blockaden postuliert. Sie wird bei Beschwerden erfolgreich eingesetzt, die durch ÄhnlichkeitsgesetzManuelle Medizinphysikalische (mechanische oder thermische) Reize verursacht werden, aber auch bei Folgen einseitiger Muskelspannungen, die zu segmentalen Bewegungsstörungen führen. Der scheinbar mechanische Impuls der Chirotherapie kann dem Ähnlichkeitsprinzip zugeordnet werden.
Dass Trösten oder Beruhigen im Sinne einer Abwehr psychischer Symptome von Trauer oder Erregung nicht immer hilfreich sind, ist eine häufige Erfahrung. Schon im alten Griechenland wurde die Tragödie als therapeutisches Prinzip eingesetzt, was heute im Psychodrama seine Fortsetzung findet. Die paradoxe Intervention als Konfrontation mit pathologischen Verhaltens- oder Denkmustern hat ihre Effektivität gerade zur langfristigen Änderung solcher Muster gezeigt.
Das Ähnlichkeitsprinzip ist allerdings auch bei sehr vielen allopathisch angewendeten Substanzklassen zu erkennen. Sie werden zwar gegensinnig eingesetzt, ihr langfristiger Effekt ist aber oft eine Verstärkung der Symptomatik (Rebound-Effekt) oder das Hervorrufen ganz ähnlicher Erscheinungen (paradoxe Wirkung). Bekannt ist dies von Antiarrhythmika, Betablockern, Nitraten, Barbituraten, Benzodiazepinen, Amphetaminen, MAO-Hemmern, Neuroleptika, Muskelrelaxanzien, Cortison, Heparin, Laxanzien, Antazida und vielen anderen Wirkstoffen (Teixeira 1998).
Das Ähnlichkeitsgesetz als Lebensgesetz
Hahnemann gibt weitere Beispiele aus dem täglichen Leben (Organon § 26/Anm.):
$Hahnemann, Samuel„Wie kann in der Frühdämmerung der hell-leuchtende Jupiter dem Sehnerven des ihn Betrachtenden verschwinden? Durch eine stärkere, sehr ähnlich auf den Sehnerven einwirkende Potenz, die Helle des anbrechenden Tages!
Und den in seinem Heere Furcht erregenden, fernen Donner der feindlichen Kanonen? Durch das tief erbebende Brummen der großen Trommel! Für beides würde weder die Austheilung eines glänzenden Montirungsstücks, noch irgend ein dem Regimente ertheilter Verweis geholfen haben.
So wird auch Trauer und Gram durch einen neuen, stärkeren, jemand Anderm begegneten Trauerfall, sei er auch nur erdichtet, im Gemüthe ausgelöscht.“
Die Einwirkung von etwas Unähnlichem kann heftig sein, ist aber immer kurz und vorübergehend. Ein dauerhafter Impuls für einen lebenden Organismus, der zu einer wirklichen Änderung führt, sei es Krankheit oder Gesundung, kann nur von etwas Ähnlichem kommen. Heilung geschieht durch eine der Krankheit ähnliche Einwirkung.
Die geistartige Lebenskraft
Was unterscheidet einen Leichnam unmittelbar nach dem LebenskraftTod vom Lebenden? Wodurch geschieht Wundheilung, wenn die Ränder adaptiert wurden? Welches ist die treibende Kraft der Spontanheilung?
Die Anschauung Descartes', der Mensch sei eine Maschine, hatte gerade im $Descartes, René19. Jahrhundert ihren Gegenpol im Vitalismus, der die Idee einer Energie wieder aufgriff, welche VitalismusMaterie belebt. Sie war zu allen Zeiten und in allen Kulturen verbreitet, wurde von Aristoteles als formendes Prinzip dem stofflichen Prinzip gegenübergestellt und ist im Ayurveda als Prana, in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Chi bekannt. Sigmund Freud nannte sie – zumindest einen Teilaspekt – in $Freud, Sigmundder Psychoanalyse Eros, Wilhelm Reich Orgon-Energie.
Dem Konzept der $Reich, WilhelmLebensenergie, vis vitalis, wird oft eine romantische Lebensenergienaturphilosophische Schlichtheit vorgeworfen. Gerne würde man auf diese unsichtbare Kraft als Erklärung verzichten und meinen, mit der Entdeckung der Erbinformation im Zellkern und mit der weitgehend vollständigen Beschreibung biochemischer Vorgänge sei nun das Leben umfassend erklärt. Damit wird aber nur der materielle Aspekt des Lebens mit diesem selbst gleichgesetzt.
Jeder Vorgang in der Natur kann als Veränderung von Materie oder als Veränderung von Energie oder als eine Kombination von beidem beschrieben werden. Eine Trennung dieser zwei Aspekte ist künstlich, zur theoretischen Anschauung aber sinnvoll. Der Glaube, Materie könne sich ohne Energie verändern oder auch nur bestehen – und Energie sei außerhalb, transzendent oder metaphysisch – ist bei ernsthafter Betrachtung der Naturphänomene nicht haltbar. Lebensenergie nicht sehen zu können, ist kein Beweis für ihre Nichtexistenz.
All dies gilt für den Kosmos im Großen und das individuelle Leben im Kleinen gleichermaßen. Es gilt für gesunde Lebensvorgänge wie für Krankheit und Heilung.
„Im gesunden Zustande des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Körper (Organism) belebende Lebenskraft (Autocratie) unumschränkt und hält alle seine Theile in bewundernswürdig harmonischem Lebensgange in Gefühlen und Thätigkeiten […].“ (Organon, § 9)
„Wenn der Mensch erkrankt, so ist ursprünglich nur diese geistartige, in seinem Organism überall anwesende, selbstthätige Lebenskraft (Lebensprincip) durch den, dem Leben feindlichen, dynamischen Einfluß eines krankmachenden Agens verstimmt; nur das zu einer solchen Innormalität verstimmte Lebensprincip, kann dem Organism die widrigen Empfindungen verleihen und ihn so zu regelwidrigen Thätigkeiten bestimmen, die wir Krankheit nennen […].“ (Organon, § 11)
„[…] alle solche krankhafte Verstimmungen (die Krankheiten) könne auch … nicht anders von ihr [der Lebenskraft] entfernt werden, als durch geistartige (dynamische, virtuelle) Umstimmungskräfte der dienlichen Arzneien auf unsere geistartige Lebenskraft […].“ (Organon, § 16)
Kurz und knapp: Ein toter Organismus kann weder krank noch gesund werden. Nur das Lebendige Organismuswird krank und – bei geeigneter Einwirkung einer gesund machenden Energie – wieder gesund. Daher kann echte Heilung – die nicht gleichzusetzen ist mit Verdeckung von Symptomen, wohl aber mit der Behebung der Gesamtheit der Symptome – nur durch Einflüsse, konkret durch Arzneimittel bewirkt werden, wenn diese energetisch, also geistartig wirken. Dieses Prinzip gilt universell, es ist nicht an eine Weltanschauung oder einen Glauben gebunden. Man kann sich dessen unbewusst bedienen oder es bewusst und systematisch einsetzen. Die systematische Anwendung der energetischen, geistartigen Arzneiwirkung ist ein wesentlicher Aspekt der Homöopathie.
Wegen der Bedeutung der Arzneimittelprüfung für die Homöopathie sollen die wichtigsten Prinzipien in kompakter Form dargelegt werden. ArzneimittelprüfungDie doch Prüfung, Arzneimittelziemlich komplexen Abläufe AMP s. Arzneimittelprüfungund Hintergründe einer homöopathischen Arzneimittelprüfung (AMP) können hier nicht in vollem Umfang und mit allen Einzelheiten erläutert werden.
Versuche mit Arzneimitteln an Gesunden wurden in der Medizingeschichte schon vor Hahnemann durchgeführt (A. von Haller, A. von Störck). Dabei$Haller, Albrecht von standen aber andere Fragestellungen $Störck, Anton vonund Zielsetzungen im Vordergrund. Hahnemanns vermutlich aus Neugier erfolgter $Hahnemann, SamuelSelbstversuch mit SelbstversuchChinarindeChinarinde war noch Chinarindenversuchunsystematisch mit der Fragestellung Chinarindedurchgeführt, welche Symptome Chinarinde bei ihm als Gesunden erzeugen könne. Das Ergebnis führte ihn letztlich zur Entdeckung des Ähnlichkeitsgesetzes. Nach zahlreichen Erfahrungen mit weiteren ÄhnlichkeitsgesetzArzneimittelprüfungen konnte im Laufe der Zeit eine Systematik zu deren Durchführung festgelegt werden.
ArzneimittelprüfungZielsetzungDie Arzneimittelprüfung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen zur ArzneimittelPrüfungpraktischen Ausführung der Homöopathie, denn sie führt zur Materia medica homoeopathica. Der homöopathische Arzt bekommt Materia medicahomoeopathicadamit ein Instrumentarium, das ihm homöopathisches Heilen ermöglicht. Die bei der AMP am Gesunden erzeugten Symptome ermöglichen ein Vorauswissen, welche Krankheitssymptome das betreffende Arzneimittel bei der Anwendung am Kranken später heilen kann. Möglichst viele, so exakt wie möglich beschriebene Symptome von möglichst vielen Arzneimitteln sollten entdeckt werden. Hering riet eindringlich zur Durchführung von Arzneimittelprüfungen: die „unablässige Vermehrung des Arzneischatzes ist […] unsere stete Aufgabe. Und jeder kann hierzu beitragen, jeder muß es thun.“ Zur Erforschung der reinen Arzneiwirkung muss an Gesunden geprüft werden.
Voraussetzungen des zu prüfenden Arzneimittels
ArzneimittelprüfungVoraussetzungenGenaue Kenntnis des Arzneimittels in Bezug auf Identität, Reinheit und „Vollkräftigkeit“ (Organon, § 122). Zu wünschen wären noch: Kenntnis der topographischen Herkunft. Hering machte den sehr guten Vorschlag, von jeder $Hering, Constantingeprüften Arznei ein Rückstellmuster aufzubewahren. Leider sind bei einigen Arzneimitteln oben genannte Voraussetzungen nur unzureichend oder gar nicht erfüllt, z. B. Murex, Tarentula und einige Nosoden.
Voraussetzungen der Prüfer
Diese müssen gesund, glaubwürdig und gewissenhaft sein. Erforderlich ist auch, dass diese über „den nötigen Verstand“ und genügend Sprachgewandtheit verfügen, um ihre Symptome möglichst exakt beschreiben zu können. Sie müssen sich während der AMP an eine gesunde Lebensführung halten: Verzicht auf alle stark wirkenden Genussmittel und Gewürze, auf Anstrengungen des Geistes und Körpers, auf alle Ausschweifungen und „störenden Leidenschaften“ (Organon, §126).
ArzneimittelprüfungVorgehensweiseDie Erfahrung hat gezeigt, dass die Prüfung mit Arzneien „in ihrem rohen Zustande“ weniger gut verwertbare Symptome hervorbringt als mit potenzierten Arzneimitteln. Deshalb empfahl Hahnemann ab der 5. Auflage des Organon (ORG V) die 30. $Hahnemann, SamuelPotenz zur AMP. Laut § 128 der 6. Auflage des Organon (ORG VI) wird die „30ste(n) Potenz“ vorgeschrieben. Da ab ORG VI aber nur Q-Potenzen erwähnt werden, bedeutete dies, die Q30 zur AMP zu verwenden. Da die meisten AMPen aber mit C30 ausgeführt worden sind, stellt sich die Frage, ob Hahnemann tatsächlich die Q30 meinte oder nur vergessen hat, das Manuskript diesbezüglich exakter zu formulieren. In der Zeit nach Hahnemann wurden – vorwiegend in Nordamerika – auch zahlreiche Prüfungen mit Hochpotenzen durchgeführt.
Geprüft werden soll sowohl an männlichen als auch an weiblichen Prüfern, deren individuelle Symptome vor der Prüfung sorgfältig zu erheben sind (entsprechend einer Anamnese).
Dosierung: 4–6 Globuli in Wasser auflösen und mehrere Tage lang jeweils einmal nüchtern einnehmen. Bei zu schwacher Wirkung kann man täglich die Dosis steigern. Wichtig ist, dass sich die Prüfer allen erdenklichen, evtl. einflussnehmenden Modalitäten aussetzen (Temperatur, Ruhe, Bewegung, Nahrungsmittel, Sprechen, Husten, Niesen usw.), um so das Charakteristische der Symptome herauszufinden.
Die hervorgerufenen Symptome sollen sofort an Ort und Stelle notiert werden.
Mezger schlug zusätzlich eine Vor- und $Mezger, JuliusNachbeobachtungszeit unter Placebokontrolle vor. Er führte AMPen mit tieferen Potenzen, mit D5–D12 (die er als mittlere Potenzen bezeichnete), selten mit D15 durch. Symptome, die während einer interkurrenten, akuten Krankheit auftreten, sind (abweichend von Hahnemann) seiner Ansicht nach nicht zu verwerten.
Die Erfahrung zeigte,
dass nicht bei allen Prüfern dieselben Symptome erzeugt werden,
dass gleiche oder ähnliche Symptome bei verschiedenen Prüfern zu unterschiedlichen Zeiten erzeugt werden,
dass die Ansprechbarkeit (Erregbarkeit) der Prüfer auf die Arznei(reize) sehr unterschiedlich ist,
dass die denkbar verschiedenen Elemente: schwacher Prüfer/schwach wirkendes Arzneimittel – kräftiger Prüfer/stark wirksames Arzneimittel – in allen möglichen Kombinationen unterschiedliche Ergebnisse erzielen,
dass alle Arzneimittel spezifische Symptome erzeugen können,
dass erst an vielen Prüfern durchgeführte AMPen eine möglichst vollständige Symptomenreihe liefern können,
dass alle bei der AMP aufgetretenen Symptome, auch wenn es sich um wieder aufgetretene, aus der Vergangenheit bereits bekannte Symptome der Prüfer handelt, der Symptomenreihe des Arzneimittels zuzuordnen sind.
Die Summe aller aufgetretenen Prüfsymptome bildet die reine wahre Materia medica […] „Von einer solchen Arzneimittellehre sei alles Vermuthete, bloß Behauptete, oder gar Erdichtete gänzlich ausgeschlossen“. (Organon, § 144)
Obwohl bei dem einzelnen Prüfer im Verlauf der Arzneimittelprüfung nicht alle Symptome eines Arzneimittels erzeugt werden, hat nach Hahnemanns Ansicht prinzipiell jedes Arzneimittel umgekehrt die Tendenz, alle die ihm eigentümlichen Symptome, selbst die bei Gesunden selten hervorgerufenen Symptome, bei jedem kranken Mensch zu heilen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass dieser an einem Krankheitszustand leidet, die dem Arzneimittelbild ähnlich sind, was dann homöopathische Heilung bewirkt. Hahnemann traf bei der Auswertung der Prüfergebnisse $Hahnemann, Samuelgenaue Unterscheidungen zwischen Primärwirkungen einerseits und Gegen- bzw. Nachwirkungen anderseits. Die letzteren interpretierte er als Heilwirkung des Organismus. HeilwirkungWidersprüchliche Symptome, die bei OrganismusHeilwirkungverschiedenen Prüfern zu Beginn der Prüfung (als Primärwirkung) auftraten, bezeichnete er als Wechselwirkungen der Arznei. Nur als Erstwirkung entstandene Symptome sollten der „reinenErstwirkung, Arzneimittel“ Arzneiwirkung zugeschrieben werden, Symptome aus der Nachwirkung sollten eliminiert werden.
Nachwirkung, ArzneimittelHering, der ähnlich wie Hahnemann selbst über 100 $Hering, ConstantinArzneimittel geprüft hat, war ein entschiedener Gegner dieser Interpretationen und urteilte so, indem er ihm eine „ängstliche Sorgfalt, Erst- und Nachwirkungen zu scheiden“ unterstellte. Es gebe „keine sogenannte brauchbare Erstwirkung und unbrauchbare Nachwirkung“ und betrachtete beide als Arzneimittelwirkungen.
Hering machte die Beobachtung, dass die bei $Hering, ConstantinTiefpotenzprüfungen als Nachwirkung beobachteten Symptome bei Hochpotenzprüfungen als Erstwirkung auftreten. Symptome, die sowohl in der Erst- als auch in der NachwirkungErstwirkung, Arzneimittel auftreten, sind für die betreffende Nachwirkung, ArzneimittelArznei als besonders wichtig anzusehen. Die Symptome, die als Wechselwirkung auftreten, hielt er für weniger wichtig. Eine weitere Beobachtung war, dass spät auftretende und lang anhaltende Symptome ebenfalls äußerst wichtig sind und bei Verwendung im Krankheitsfall zu tiefgreifenden Heilungen führen, was von Bönninghausen bestätigt wurde.
Heutige Arzneimittelprüfungen
$Bönninghausen, Clemens vonZum einen ist fraglich, ob diese überhaupt notwendig und sinnvoll sind, bevor die zahlreichen Arzneimittelprüfungen, die sich unentdeckt in ca. 750 weltweit erschienenen homöopathischen Zeitschriften finden, systematisch ausgewertet sind.
Zum andern ist fraglich, ob Arzneimittelprüfungen in dieser Qualität, wie sie in der Hochzeit der Homöopathie durchgeführt worden sind, heutzutage überhaupt noch möglich sind. Mezger bemerkte schon in der ersten Hälfte des $Mezger, Juliusvergangenen Jahrhunderts, dass Arzneimittelprüfungen in der modernen Zeit erschwert und die Verhältnisse für deren Durchführung schlechter geworden sind.
Mögliche Gründe sind: modernes Leben, Stress, Umweltreize etc., außerdem die mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit heutiger Menschen, sich vorurteilsfrei auf die Beobachtung ihrer Phänomene einzulassen. Aus verschiedenen Gründen werden der Wert und die Zuverlässigkeit zeitgenössischer Arzneimittelprüfungen kontrovers diskutiert.
Genneper and Wegener, 2004
Miller and Klunker, 1998
Miller and Klunker, 1981
Die Arzneimittelherstellung in der Homöopathie
Potenzierung und Wirkung homöopathischer Arzneimittel
ArzneimittelherstellungArzneimittelWirkungPharmakologiehomöopathischeDer Herstellung ArzneimittelPotenzierunghomöopathischer Arzneimittel liegen Potenzierungallgemein gebräuchliche pharmazeutische Verfahrenstechniken zugrunde. Diese werden zusätzlich durch das Verfahren der Potenzierung oder Dynamisierung, wie es Hahnemann nannte, Dynamisierungwesentlich erweitert. Eine $Hahnemann, Samuelhomöopathische Behandlung ist prinzipiell auch ohne potenzierte Arzneimittel möglich, wenn das betreffende Arzneimittel geprüft ist und nach dem Ähnlichkeitsgesetz angewendet wird (2.1.1). Hahnemann selbst hat noch jahrelang nach Entdeckung des homöopathischen Prinzips mit nicht potenzierten Arzneimitteln therapiert. Durch die Anwendung potenzierter Arzneimittel werden die Möglichkeiten der Homöopathie allerdings wesentlich vergrößert und verbessert. So erlangen Bärlappsporen, die wegen ihrer „Unarzneilichkeit“ zum Bestäuben von Pillen verwendet wurden, erst durch Potenzierung ihre unter Lycopodium bekannte Wirksamkeit.
Der Vorgang der #LycopodiumPotenzierung wird oft auf die einfache Formel „verdünnt und verschüttelt“ gebracht. Diese Formel ist unvollständig, da es noch andere Potenziermethoden gibt. (Die verschiedenen Verfahren werden unten beschrieben.)
Die moderne Pharmakologie bedient sich u. a. zahlreicher Pharmakologienaturwissenschaftlicher Methoden der Biologie, Chemie, Biochemie und Physik, um möglichst genaue Vorstellungen von der Wirkungsweise von Pharmaka zu erlangen, sei es an einzelnen Zellen, Molekülen, isolierten Organen oder lebenden Organismen. Untersuchungen zu Resorption, Verteilung, Biotransformation, Pharmakokinetik, Elimination, Dosis-Wirkungs-Beziehungen, Rezeptor-Modellen usw. sollen helfen, die Wirksamkeit von Pharmaka vorhersehbarer und berechenbarer zu machen und die Sicherheit der Therapie zu verbessern. Die Pharmakologie wird aber trotz des Zugriffs auf naturwissenschaftliche Methoden nicht selbst zur Naturwissenschaft, da sie nicht wie Naturwissenschaft (Physik, Chemie) sichere Voraussagen treffen kann, denn die Phänomene des Krankseins und des Gesundwerdens entziehen sich weitestgehend der naturwissenschaftlich-technischen Mess- und Berechenbarkeit.
Da die Homöopathie kein Teil des naturwissenschaftlich-technischen Systems ist, sondern eine eigenständige phänomenbezogene Methode, können diese oben genannten Methoden der Pharmakologie nicht auf die Homöopathie angewendet werden. Sie sind somit nicht geeignet, die Wirkungsweise „homöopathischer Arzneimittel“ (gemeint sind hier Arzneimittel, die nach dem Ähnlichkeitsgesetz, potenziert oder nicht potenziert, angewendet werden) zu erklären.
Die Wirkung homöopathischer Arzneimittel ist sichtbar bzw. als Phänomen unmittelbar erfahrbar. Das „Wie“ der Wirkung (PhänomenologieWirkmechanismus) mag Spekulationen vorbehalten bleiben. Wohlwollende, gut gemeinte (auch naive) Erklärungsversuche zur Wirkungsweise wie die Formeln von Reiztherapie, Impulstherapie, Informationsübertragung, das Arndt-Schulz-Gesetz usw. entfernen sich weit von den Phänomenen und gehören ins Gebiet der Spekulation. Die Homöopathie täte gut daran, sich und die Wirkung ihrer Arzneimittel als phänomenorientierte Wissenschaft zu begreifen. Das hat sie bisher weitgehend versäumt.
Arzneimittel, potenziert oder nicht potenziert, lösen im Zuge einer Arzneimittelprüfung bei gesunden Prüfern (krankhafte) Phänomene – Prüfsymptome – aus, die zu den Krankheitsphänomenen des PrüfungssymptomeKranken (Symptomen) in Bezug gesetzt werden.
Die Einflüsse von Variationen der Arzneimittelherstellung – Verdünnungsschritte, Anzahl der Schüttelschläge, Phasenwechsel fest-flüssig beim Potenzieren – auf die Wirkung sowie die Wirkungsdauer können bestenfalls als Phänomene an Prüfern und Kranken erfahren werden. Theoretische Erwägungen zu Pharmakokinetik oder Metabolismus sind fehl am Platze und nicht hilfreich.
Anhand der umfangreichen homöopathischen Literatur ist leicht zu erkennen, dass die Homöopathie ihre eigene pharmakologische Forschung hat, nämlich u. a. die zahlreichen PharmakologieArzneimittelprüfungen und Hahnemanns – und die seiner Nachfolger – jahrzehntelange Versuche mit Varianten der Arzneimittelherstellung und -dosierung.
Durch die spezielle Bearbeitung von Ausgangssubstanzen und durch Modifikationen bei der Arzneimittelherstellung konnten unterschiedliche pharmakologische Wirkungen erzielt werden, z. B. werden Bärlappsporen, die als pharmakologisch wirkungslos erachtet werden, nach Verreibung arzneilich wirksam.
Auch die Homöopathie hat sich mit Fragen nach
der Wirkungsdauer,
den durch Arzneimittel am Kranken erzeugten Symptomen (Nebenwirkungen),
der Andidotierung bzw. Homöodotierung von Arzneimittelwirkungen (9.3.1) auseinanderzusetzen.
Diese erschließen sich aber unmittelbar aus der Beobachtung an Prüfern und Kranken, ohne den Um- und Irrweg über naturwissenschaftliche Theorien und Experimente im Labor zu machen.
Naturwissenschaftliche Modelle bzw. Versuche mit hochempfindlichen physikalischen Apparaten mögen für die Naturwissenschaft interessant sein und tatsächlich physikalische Ergebnisse liefern, aber eben ausschließlich physikalische. Informationen über chemisch-physikalisches Verhalten des Wassers, Cluster-Bildung etc. bleiben physikalisch und sind für die homöopathische Praxis irrelevant.
Abgesehen davon wurden bisher in der naturwissenschaftlich-technischen Forschung zur Homöopathie ohnehin die historischen Quellen unzureichend berücksichtigt, denn außer verdünnt und verschüttelt, wovon immer die Rede ist, findet man auch Potenzen, die nur durch Verdünnung, Verreibung oder Verschüttelung hergestellt sind.
Während die weitgehend spekulative, den Theorien unterworfene naturwissenschaftlich-technische Pharmakologie für die Homöopathie irrelevant ist, muss sich Pharmakologiedagegen die homöopathische Pharmazeutik naturwissenschaftlich-technischer Methoden bedienen, um die Qualitätssicherung (Identitätsprüfung, Reinheitsprüfung, Gehaltsbestimmung etc. von Arzneimitteln und Arzneigrundstoffen) in der Arzneimittelherstellung zu standardisieren.
Ausgangssubstanzen homöopathischer Arzneimittel
ArzneimittelherstellungAusgangssubstanzenArzneimittelAusgangssubstanzAls AusgangssubstanzAusgangsubstanzen (Arzneigrundsubstanzen) homöopathischer Arzneimittel dienen sowohl Stoffe, die schon lange Zeit vor Hahnemann medizinische Verwendung fanden, wie z. B. $Hahnemann, SamuelBelladonna und Chamomilla, als auch Stoffe, die erst mit der Homöopathie Eingang in die Medizin fanden wie z. B. Hepar sulfuris (Kalkschwefelleber) und Glonoinum (Nitroglyzerin). Verwendet werden:
Ganze frische Pflanzen, wie z. B. Aconitum napellus, Arnica montana.
Teile frischer Pflanzen, (Blätter, Blüten, Früchte, Rinde, Wurzeln) wie z. B. Colchicum autumnale (Zwiebelknolle), Cimicifuga racemosa (Wurzelstock), Viburnum opulus (Rinde), Sambucus (Blätter und Blütenstände).
Pflanzendrogen, wie z. B. China (Rinde), Cocculus (Samen), Nux vomica (Samen).
Drogen tierischen Ursprungs, wie z. B. Ambra (Absonderung des Pottwals), Cantharis (Spanische Fliege), Coccus cacti (Cochenille-Laus) und Sepia (Tinte des Tintenfischs).
Nosoden: Hering, der diese NosodenStoffgruppe in die Materia medica $Hering, Constantinhomoeopathica einführte, verstand darunter ausschließlich krankhafte Absonderungen wie z. B. Medorrhinum (gonorrhoisches Sekret). Die erweiterte Definition des HAB (Homöopathisches Arzneibuch 2.4.5) versteht unter Nosoden auch Krankheitserreger und deren Stoffwechselprodukte, Organpräparate und deren Zersetzungsprodukte und Extrakte aus Körperflüssigkeiten, wie z. B. Carcinosinum und Tuberculinum.
Stoffe mineralischen Ursprungs wie z. B. chemische Elemente (Aurum, Argentum, Plumbum, Sulfur etc.) und deren Verbindungen (Argentum nitricum, Arsenicum iodatum, Natrium sulfuricum etc.).
Stoffgemische: z. B. Ammonium carbonicum, Petroleum.
Synthetische Stoffe: z. B. Glonoinum (Nitroglyzerin), Carbolicum acidum.
Andere Ausgangssubstanzen: Pilze wie z. B. Agaricus muscarius und Flechten wie z. B. Sticta pulmonaria (Lobaria pulmonaria).
Die Arzneimittelherstellung nach Hahnemann
ArzneimittelherstellungHahnemannHahnemann hat mit seinen Methoden der $Hahnemann, SamuelArzneimittelherstellung seit Entdeckung der Homöopathie bis ins hohe Alter viel experimentiert und die Herstellungsvorschriften oft geändert. Es gibt von Hahnemann keine Pharmakopöe im eigentlichen Sinne. Seine Vorschriften zur Arzneimittelherstellung sind in seinen zahlreichen medizinischen Schriften niedergelegt – hauptsächlich in seinen Ausgaben des „Organon der Heilkunst“, in der „Reinen Arzneimittellehre“ und den „Chronischen Krankheiten“. Diese Vorschriften sind auch heute noch von großer Bedeutung, da viele wichtige Prüfungen mit Arzneimitteln durchgeführt wurden, die von ihm selbst oder anderen nach seinen Vorschriften hergestellt worden sind. Diese Arzneimittelprüfungen lieferten die Symptome für unsere Materia medica. Außerdem bilden sie die Grundlage der heutigen Pharmakopöen, auch wenn es hier leider z. T. große PharmakologiehomöopathischeAbweichungen zu den Vorgaben Hahnemanns gibt.
Die wichtigsten Herstellungsverfahren zeigt Tab. 2.1. Die Vorschriften werden hier vereinfacht wiedergegeben. Hahnemann schreibt z. B. „1 Tropfen zu 99 oder 100 $Hahnemann, SamuelTropfen“ und bei Verreibungen „1 + 100“ statt 1:100.
Zur flüssigen Potenzierung verwendete PotenzierungHahnemann Potenzenflüssige PotenzenGläschen ArzneimittelPotenzierungeiner Größe, die mit ca. 100 Tropfen Ethanol-Wassermischung nur zu ⅔ oder ¾ gefüllt waren. Verschüttelt wurde durch „starke Schüttelstöße mit der Hand gegen einen harten, aber elastischen Körper geführt […]. Etwa ein mit Leder eingebundenes Buch.“ Die Anzahl der Schüttelschläge oder -stöße variierte von 2 bis 100.Schüttelschläge, Potenzierung Als Vorstufen dienten Presssäfte frischer Pflanzen, Tinkturen als ethanolische Drogenauszüge und Auflösungen von Verreibungen. Da für jede Potenzstufe ein neues Glas benutzt wurde, wird diese Methode Mehrglasmethode genannt. Eine anschließende Wiederverwendung der Gläser lehnte Hahnemann strikt ab, was nach HAB dagegen zulässig ist.
Die Potenzierung in festem Medium erfolgte Potenzenfeste Potenzendurch Verreibung der Ausgangssubstanz mit Lactose (Milchzucker) in einem Porzellanmörser geeigneter Größe (die sich aus der zu verreibenden Gesamtmenge, ca. 6 g, ergab) mit Pistill; ein Porzellanspatel bzw. -löffel diente zum Abkratzen.
Herstellung von flüssigen Potenzen (Dilutionen Abb. 2.1)
Potenzenflüssige PotenzenMischen von Presssaft mit Ethanol im Verhältnis 1:1 ergibtDilution die Urtinktur, diese
im Verhältnis 2 + 98 Tropfen und 10-Urtinkturmal verschütteln ergibt C1,
1 Tropfen C1 mit 99 Tropfen 10-mal verschüttelt ergibt C2 usw. bis C30.
Herstellung von Verreibungen (Triturationen Abb. 2.2)
100 Gran (ca. 6 g,Trituration 1 Gran Verreibung s. Triturationentspricht ca. 60–62 mg) Milchzucker Granwerden in ca. drei gleiche Teile (entsprechend ca. 2 g) geteilt.
Ein Drittel wird in einer Reibschale kurz angerieben, dann werden 2 Gran, bei Flüssigkeiten 1 Tropfen, der zu verarbeitenden Ausgangssubstanz hinzugefügt, mit einem Spatel kurz gemischt und 6 Minuten verrieben, 4 Minuten mit einem Spatel abgeschabt, abermals 6 Minuten verrieben, wiederum 4 Minuten abgeschabt.
Dann wird das zweite Drittel Milchzucker hinzugefügt, kurz mit dem Spatel gemischt und 6 Minuten verrieben, 4 Minuten abgeschabt, wiederum 6 Minuten verrieben und 4 Minuten abgeschabt.
Schließlich wird das letzte Drittel Milchzucker hinzugefügt, 6 Minuten verrieben, 4 Minuten abgeschabt, 6 Minuten verrieben und dann 4 Minuten abgeschabt. Diese Potenzstufe erhält heutzutage die Bezeichnung C1, nach Hahnemann die Bezeichnung 1/100.
1 Gran der C1 wird, wie oben beschrieben, mit 100 Gran Milchzucker Granzur C2, bei Hahnemann als 1/10 000 bezeichnet, verrieben.
1 Gran der C2 wird, wie oben beschrieben, mit 100 Gran Milchzucker zur C3, bei Hahnemann als 1/1 000 000 bezeichnet, verrieben.
Zur Herstellung der C3-Verreibung sind also mindestens drei Stunden nötig.
Hahnemann bezeichnete eine C3 mit 1/1 000 000 oder nur mit I, analog wurde die C30 mit X bezeichnet.
Weitere Verarbeitung zu Dilutionen und Globuli (Abb. 2.3)
1 Gran C3-Verreibung in 50 Tropfen GlobuliWasser gelöst,Dilution mit 50 Tropfen GranEthanol versetzt und 10-mal verschüttelt ergibt C4-Dilution,
1 Tropfen C4 mit 99 Tropfen Ethanol-Wassermischung 10-mal verschüttelt ergibt C5 usw. bis C30, die mit X oder 1/x bezeichnet wurde.
Globuli werden durch Aufbringen der C30-Dilution auf unarzneiliche Globuli (aus Rohrzucker) hergestellt, die anschließend getrocknet und in Gläser gefüllt werden. Diese Globuli werden ebenfalls mit C30 gekennzeichnet.
50 000er-Potenzen, Q-Potenzen
Die 50 000er-Potenzen krönen den Abschluss von Q-PotenzenHahnemanns langjährigen Versuchen zur $Hahnemann, SamuelArzneimittelherstellung und stellen aus seiner Sicht das vollkommenste Verfahren dar (zur Entwicklungsgeschichte der Q-Potenzen 2.4.3). Ihre Herstellungsvorschrift findet sich im ORG VI, dessen Manuskript im Jahr 1842 fertig gestellt wurde. Der homöopathischen Ärzteschaft wurde dieses neue Potenzierverfahren allerdings erst im Jahr 1921, nach Haehls Edition der 6. Auflage, bekannt.
Abweichend von $Haehl, Richardfrüheren Vorschriften wird von allen Ausgangssubstanzen (Frischpflanzen, trockenen, festen und flüssigen Ausgangssubstanzen) nach der oben genannten Vorschrift immer zuerst eine C3-Verreibung hergestellt.
Q1: Ein Gran C3-Verreibung wird in 500 Tropfen einer Ethanol-GranWassermischung (Verhältnis 1 + 4) gelöst. 1 Tropfen dieser Lösung Q0 wird in einem Arzneiglas geeigneter Größe mit 100 Tropfen Ethanol 100-mal kräftig verschüttelt. Diese Potenzstufe ist die Q0∗. Mit dieser Lösung werden Globuli (100 wiegen 1 Gran, ca. 1 600 wiegen entsprechend 1 g) befeuchtet und anschließend getrocknet. Die Menge der Dilution und die Anzahl der Globuli sind so zu wählen, dass alle Globuli hinreichend benetzt werden. Diese Globuli werden mit Q1 bezeichnet.
Q2: 1 Globulus Q1 wird in 1 Tropfen Wasser gelöst und mit 100 Tropfen Ethanol 100-mal kräftig, wie oben beschrieben, geschüttelt. Mit dieser Lösung werden Globuli, die mit Q2 bezeichnet werden, wie oben beschrieben, befeuchtet und anschließend getrocknet.
Alle weiteren Potenzstufen werden auf dieselbe Weise hergestellt (Abb. 2.4). Hahnemann hat sie mit römischen Ziffern gekennzeichnet.
Hahnemanns Weg zu den Q-Potenzen
Der lange Weg von der Anweisung, „mäßige Gaben“ (1796, Hufelands Journal) zu verabreichen, bis zu dieser: „die Arznei-Auflösung [wird] vor jedem Male Einnehmen […] von Neuem potenziert“ (1842, Manuskript ORG VI), war geprägt vom intensiven Bemühen Hahnemanns, seine Arzneimittelherstellung und Dosierungslehre ständig zu verbessern. Dabei waren seine Ziele:
durch angemessene Dosierung und Stärke der Arzneimittelwirkung auf das Kranke positiv einzuwirken, ohne das Gesunde negativ zu beeinflussen,
schnellere Heilung zu erreichen durch häufigere Wiederholung der Arzneigaben,
Wiederholung der Arznei zu ermöglichen, ohne dem Patienten durch die Gabenwiederholung zu schaden.
In seinen früheren Schriften – vor der 6. Auflage des „Organon“ – warnte Hahnemann strikt vor allzu häufiger Wiederholung der $Hahnemann, SamuelArzneigaben, weil sie die Heilung erschwert oder gar verhindert.
Nach zahlreichen eigenen Versuchen und Varianten bei Arzneimittelherstellung und Dosierung (Tab. 2.2) und vermutlich durch andere Homöopathen wie Aegidi und Hering angeregt, $Aegidi, Karl Juliusentwickelte Hahnemann die neue $Hering, ConstantinVorschrift zur Herstellung und Dosierung der 50 000er-Potenzen.
Die Dosierung der Q-PotenzenDosierungQ-Potenzen nach ORG VI erfolgte so (zur Herstellung Q-PotenzenDosierung2.4.3):
Ein Globulus wird in 8, 15, 20, 30 oder 40 Esslöffel Wasser aufgelöst. Davon einen oder mehrere Teelöffel einnehmen. Vor jeder Einnahme ist 8-, 10-, 12-mal kräftig zu schütteln. Die Einnahme kann bei akuten Krankheiten von mehrmals stündlich bis alle sechs Stunden, bei langwierigen täglich oder jeden zweiten Tag erfolgen. Wenn die Auflösung nach ca. 7–15 Tagen verbraucht ist, wird eine neue Auflösung mit der nächsthöheren Q-Potenz zubereitet (§ 248).
Eine weitere Möglichkeit der Zubereitung und Dosierung ist die Auflösung eines Globulus in 7–8 Esslöffel Wasser. Diese Lösung wird stark geschüttelt, dann wird davon ein Esslöffel in einem Glas mit 8–10 Esslöffel Wasser verdünnt, stark umgerührt und davon dem Kranken „die bestimmte Gabe“ eingegeben (§ 248).
Mit dieser – gemessen sowohl an den bisherigen Herstellungs- als auch Dosierungsverfahren – außergewöhnlichen, ja sensationellen Neuerung konnten folgende wichtige Verbesserungen erreicht werden:
angemessene – milde – Arzneimittelwirkung, was sogenannte „Erstverschlimmerungen“ selten werden ließ,
unproblematische Wiederholbarkeit, weil jede Arzneigabe geringfügig weiter potenziert wird,
individuelle Anpassung der Dosierung an den Krankheitszustand.
Diese wesentlich verbesserte Methode wurde allerdings erst 1921, nachdem Haehl die 6. Auflage des Organon herausgegeben hatte, $Haehl, Richardder homöopathischen Ärzteschaft bekannt, fand aber lange keinen Eingang in die homöopathische Praxis.
Andere Potenzierverfahren
PotenzenD-PotenzenPotenzierungD-Potenzen Potenzenwurden 1836Dezimalpotenzen s. D-Potenzen von Vehsemayer D-Potenzenvorgestellt. Dieser erachtete ohne hinreichende $VehsemayerBegründung die Verdünnungsschritte der Methode Hahnemanns – 1:100 – als zu groß und bemängelte das Fehlen von Zwischenstufen, ungeachtet dessen, dass Hahnemann und seine langjährigen Schüler gute Erfahrungen mit den C-Potenzen gemacht hatten. Auch Hering hatte zuvor schon, allerdings aus anderen $Hering, ConstantinGründen, im Verhältnis 1:10 potenziert.
D-Potenzen werden in Analogie zu den C-Potenzen im Verhältnis 1:10 nach der Mehrglasmethode hergestellt und haben Eingang ins HAB gefunden.
Einglaspotenzen
ArzneimittelherstellungKorsakoffDer Laienhomöopath Semen Nikolajewitsch von EinglaspotenzenKorsakoff stellte 1832 ein $Korsakoff, Semen NikolajewitschHerstellungsverfahren vor, das später nach ihm benannt wurde. Er führte den Potenziervorgang ab der Urtinktur oder einer bestimmten Potenz (meist der C30-Dilution) in einem einzigen Potenziergefäß durch. Da nach dem Ausleeren des Gefäßes durch Adhäsion ein Rest an der Gefäßwand zurückbleibt, muss nur mit dem Hundertfachen des Rückstandes wieder aufgefüllt werden. PotenzenEinglaspotenzen
Vorgehen: Einfüllen, schütteln, ausleeren, einfüllen, schütteln, ausleeren usw.
Auch dieses Verfahren wurde zuvor schon von Hering im Regenwald von Surinam praktiziert. Es $Hering, Constantinbietet eine erhebliche Ersparnis an Glasgefäßen mit dem Nachteil, dass die Verdünnungsverhältnisse nicht so exakt einzuhalten sind, wie bei der Mehrglasmethode. Als Hochpotenzen fanden Einglas- oder Korsakoff-Potenzen weite Verbreitung. Sie werden meist mit dem Korsakoff-PotenzenZusatz „K“ bezeichnet (z. B. China K200). Auch Jenichen stellte seine Hochpotenzen nach dem $Jenichen, Julius CasparEinglasverfahren her, allerdings mit anderen Verdünnungsverhältnissen und einer speziellen Weise des Verschüttelns.
Wir können davon ausgehen, dass höhere Potenzen als C200 oder C1 000 meist nach der Korsakoff-Methode, die nach HAB nicht zulässig ist, hergestellt wurden.
Potenziermaschinen
Nach der Einführung der Einglaspotenzen wurden Potenziermaschineauch Potenziermaschinen entwickelt. Hier ist grundsätzlich zwischen Apparaturen, die das Vorgehen der Korsakoff-Methode maschinell durchführen (Sukkussionsmethode), und solchen, die nur verdünnen, ohne zu verschütteln (Fluxionsmethode), zu unterscheiden.
Sukkussionsmethode: verdünnt und Sukkussionsmethode, Potenzierungverschüttelt.
Fluxionsmethoden:
Fluxionsmethode, PotenzierungKontinuierliche Fluxionsmethode: ununterbrochenes Verdünnen
Diskontinuierliche Fluxionsmethode: Verdünnungsvorgang wird durch Ausleeren unterbrochen
Als Verdünnungsmedium diente meist Wasser. Erst die letzte Potenz, die dann auf Globuli aufgebracht wurde, wurde mit Ethanol hergestellt.
Maschinell hergestellte Hochpotenzen fanden vorwiegend in Nordamerika weite Verbreitung. Exemplarisch seien die folgenden Konstrukteure von Potenziermaschinen genannt:
Fincke: Hochpotenzen nach kontinuierlicher $Fincke, BernhardtFluxionsmethodeArzneimittelherstellungFincke
Skinner: Hochpotenzen nach diskontinuierlicher $Skinner, ThomasFluxionsmethodeArzneimittelherstellungSkinner
Kent: Hochpotenzen nach Sukkussionsmethode.$Kent, James TylerArzneimittelherstellungKent
Die breite Akzeptanz der nach diesen verschiedenen Verfahren hergestellten Hochpotenzen und die damit erzielten Heilerfolge zeigen, dass sich der Vorgang des Potenzierens nicht auf eine einfache Formel bringen lässt. Hahnemann war der Ansicht, dass das Verschütteln das $Hahnemann, SamuelWichtigste sei, Skinner dagegen vertrat die Meinung, dass $Skinner, ThomasVerdünnung allein das Ausschlaggebende sei.
Hersteller maschineller Hochpotenzen in Deutschland sind zurzeit keine bekannt – wohl aber außerhalb des Geltungsbereichs des deutschen Arzneimittelgesetzes. Gründe:
Das HAB lässt nur Mehrglaspotenzen zu.
Das HAB erlaubt maschinelles Potenzieren nur, wenn die Handbewegung des Verschüttelns maschinell nachgeahmt wird.
Bei ausländischen Arzneimittelherstellern sollte man auf genaue Deklaration der Herstellungsverfahren achten.
Tab. 2.3 gibt einen Überblick über die verschiedenen Potenzbezeichnungen. Die Kennzeichnung von Potenzen ist international nicht einheitlich:
Potenzbezeichnungen aus der sogenannten Kent-ReiheKent-Reihe (hergestellt nach Einglas-, z. B. Korsakoff-, Mehrglas- und Fluxionsmethode, z. B. F. C. nach Skinner, 6.1.2): 30, 200, M, XM, LM, CM, DM, MM.
Hochpotenzen werden manchmal auch mit 1M (1 m), 10M (10 m), 50M (50 m), statt M, XM, LM, bezeichnet.
D-Potenzen (Dezimal-Reihe) werden im angelsächsischen Sprachraum auch mit 30X, 30x bezeichnet.
1:50 000er-Potenzen = Q-Potenzen als Abkürzung von Quinquagiesmillesimal-Q-PotenzenPotenzen, werden auch mit Q3, Quinquagiesmillesimal-Potenzen s. Q-PotenzenQIII bezeichnet.
Die Bezeichnungen von Hochpotenzen mit lateinischen Ziffern stellen nicht die korrekte lateinische Schreibweise dar.
ArzneibuchHomöopathischesIn der langjährigen Geschichte HAB s. Arzneibuch, Homöopathischesder Homöopathie sind zahlreiche homöopathische Arzneibücher erschienen wie z. B. die von Hartmann, Caspari und $Hartmann, FranzSchwabe. Aus $Caspari, Carl GottlobSchwabes homöopathischen Arzneibüchern ging$Schwabe, Wilmar das HAB von 1934 hervor. Dieses erschien allerdings als Privatausgabe und wurde erst durch die damalige Apothekenbetriebsordnung für Apotheken verbindlich.
Eine 1976 vom Gesetzgeber erstmals einberufene HAB-Kommission wurde beauftragt, ein neues homöopathisches Arzneibuch auf den Grundlagen moderner Analytik und moderner Herstellungsmethoden zu entwerfen. 1978 erschien die erste Teilausgabe des HAB 1, das aufgrund einer Rechtsverordnung ArzneibuchDeutschesals Teil des Deutschen DAB s. Arzneibuch, DeutschesArzneibuchs (DAB) zu betrachten war und somit für das damalige Bundesgebiet rechtsverbindlich war. Arzneimittel mussten „den für sie geltenden Regeln des Arzneibuchs entsprechen“. Dieser Hinweis findet sich in der fünften Novelle des AMG (Arzneimittelgesetzes) nicht mehrArzneimittelgesetz (AMG).
Somit stellt das seit AMG s. Arzneimittelgesetz2001 als lose Blattsammlung erscheinende Homöopathische Arzneibuch lediglich eine „Sammlung anerkannter Regeln über die Qualität, Prüfung, Lagerung, Abgabe und Bezeichnung von Arzneimitteln und den bei Ihrer Herstellung verwendeten Stoffen“ dar. Dies eröffnet die Möglichkeit, andere als im HAB beschriebene Analyse- und Herstellungsverfahren einzusetzen, sofern diese einen anerkannten Standard repräsentieren. Allerdings kann wohl davon ausgegangen werden, dass pharmazeutische Unternehmer, die ihren Sitz im Geltungsbereich des AMG haben, ihre Analysen und ihre Herstellung nach HAB-Methoden ausrichten. Weichen Herstellungsmethoden vom geltenden HAB ab, müssen diese in der Kennzeichnung der homöopathischen Arzneimittel genannt werden.
Das HAB gliedert sich in einen allgemeinen Teil (Vorschriften, Methoden und Reagenzien), der auch zahlreiche Herstellungsregeln enthält, und einen speziellen Teil, der die Monographien homöopathischer, aber auch anthroposophischer und spagyrischer Arzneimittel umfasst.
Von den zahlreichen Herstellungsvorschriften werden im Folgenden nur die näher erläutert, die für die Homöopathie tatsächlich von Bedeutung sind.
Flüssige Zubereitungen (Dilutionen)
Dilutionen werden mit Ethanol unterschiedlicher DilutionKonzentrationen im Verhältnis 1:10 (D-Potenzen, Dezimalpotenzen) bzw. 1:100 (C-Potenzen, Centesimal-PotenzenC-Potenzen) gemischt und pro Potenzstufe Centesimal-Potenzen s. CPotenzenmindestens 10-mal geschüttelt. Dies gilt uneingeschränkt allerdings nur für Potenzen ab C2 und D2. Die Herstellung der C1 kann auch auf andere Weise erfolgen, z. B. 2 + 98 oder 3 + 97 Teile oder 10 Teile Urtinktur + 90 Teile, falls die Urtinktur der D1 Urtinkturentspricht. Die D1 kann in bestimmten Fällen der Urtinktur entsprechen. Der Grund dafür ist der unterschiedliche Saftgehalt bei pflanzlichen Arzneigrundstoffen, der durch Bestimmung des Trocknungsverlustes ermittelt wird.
Dilutionen können
direkt als Arzneiform appliziert werden – was Hahnemann allerdings ablehnte – oder
zur Herstellung von Globuli verwendet werden.
Da für jede Potenzstufe (im HAB „Verdünnung“ genannt) ein eigenes Behältnis verwendet werden muss, wird dieses Verfahren Mehrglasmethode genannt.
Verreibungen (Triturationen)
Mehrglasmethode, PotenzierungHandverreibungen werden wie folgt hergestellt:
1 TeilTrituration Arzneigrundstoff wird mit 9 bzw. 99 Teilen Lactose in einem Porzellanmörser geeigneter Größe 1 Lactose, TriturationStunde lang verarbeitet. Die erforderliche Lactosemenge wird in 3 gleich großen Anteilen zugegeben. Insgesamt wird 6 mal 6 Minuten verrieben und dazwischen 6 mal 4 Minuten mit einem Porzellanspatel abgeschabt.
Zur Herstellung dieser 1. Potenz (im HAB als „Verdünnung“ bezeichnet) wird also mindestens 1 Stunde Arbeitszeit aufgewendet.
Zur Herstellung der 2. Verdünnungsstufe wird 1 Teil der D1 bzw. C1 mit 9 bzw. 99 Teilen Lactose entsprechend obiger Anweisung mindestens 1 Stunde lang zur D2 bzw. C2 verarbeitet.
Für die weiteren Potenzen bis D4 und C4 wird entsprechend vorgegangen. Zur Herstellung von höheren Potenzen kann abweichend von diesem Verfahren nur gemischt oder verrieben werden. Verreibungen von größeren Mengen als 1 kg müssen durch Maschinenverreibung hergestellt werden.
Triturationen können direkt als Darreichungsform eingesetzt werden, oder sie dienen zur Herstellung von
Dilutionen, die dann flüssig weiter potenziert werden,
Q-Potenzen,
Flüssige Arzneigrundsubstanzen werden nur durch Mischen verarbeitet, nicht durch Verreiben, wie es nach Hahnemanns Vorschriften korrekt wäre.
Q-Potenzen (im HAB irreführend als LM-Potenzen bezeichnet)
Für die 50 000er-Potenzen sollte in Q-PotenzenAnalogie zu C-LM-Potenzen und D-Potenzen der Name Q-Potenzen für Quinquagiesmillesimal-Potenzen verwendet werden, da dies sprachlich richtig ist und Verwechslungen mit einer Potenz LM (= 50 000. Potenz) aus der Centesimalreihe vermieden werden.
Die Herstellung der Q-Potenzen erfolgt in folgenden Schritten:
Herstellung einer C3-Verreibung.
Auflösung in Ethanol-Wassergemisch.
100-mal schütteln.
Imprägnieren von ca. 50 000 Globuli der Größe 470–530 Globuli/g ergibt Q1.
Auflösen eines Globulus Q1.
Imprägnieren von ca. 50 000 Globuli ergibt Q2 usw.
Hier ist zu beachten, dass bei flüssigen Ausgangssubstanzen, z. B. Muriaticum acidum und Petroleum, keine echte Verreibung im Sinne Hahnemanns, sondern nur eine Mischung (s. o. Verreibung) als Vorstufe dient. Das Verdünnungsverhältnis 1:50 000 ergibt sich durch quantitatives Aufbringen von 2,5 ml Dilution auf ca. 50 000 Globuli der Größe 1. Bei Hahnemann ergab sich das Verdünnungsverhältnis durch die Kleinheit der verwendeten Globuli (ca. 1 666 Globuli/g).
Das HAB sieht zehn verschiedene Größen von Globuli aus GlobuliSaccharose vor: von Größe 1 (470–530 Globuli wiegen 1 g), bis Größe 10 (2 Globuli wiegen 1 g).
Standardmäßig sollen laut HAB-Vorschrift für C- und D-Potenzen Globuli der Größe 3 (110–130 Globuli wiegen 1 g), für Q-Potenzen Globuli der Größe 1 verwendet werden. Von Hahnemann wurden allerdings meist andere Globuligrößen benutzt.
Diese Streukügelchen aus Saccharose stellen die wichtigste Arzneiform der Homöopathie dar. Die Imprägnierung erfolgt durch gleichmäßiges Befeuchten von 100 Teilen Globuli mit 1 Teil Dilution der betreffenden Potenzstufe. Anschließend werden diese schonend getrocknet.
Die Herstellung von Globuli aus festen Arzneigrundsubstanzen erfolgt über die Zwischenschritte „flüssige Zubereitungen aus Verreibungen“ (Abb. 2.5).
Die feste Arzneigrundsubstanz wird bis zur C4 bzw. D4 nach oben beschriebener Vorschrift verrieben, die Stufen C5, C6 bzw. D5, D6 können dann durch Verreiben oder Mischen hergestellt werden, danach erfolgt die Auflösung der C6 bzw. D6 und die Potenzierung als Dilution bis zur gewünschten Potenz, die dann auf Globuli übertragen wird.
Tabletten werden aus Verreibungen mithilfe von Tablettierhilfsstoffen wie Stärke, Calciumbehenat und Natriumstearat gepresst. Hier ist zu beachten, dass bei flüssigen Ausgangsstoffen Verreibungen tatsächlich nur durch Mischen hergestellt werden und Verreibungen von festen Ausgangsstoffen ab C5 bzw. D5 durch Mischen oder Verreiben hergestellt werden können. Somit ist fraglich, ob Arzneimittel in Tablettenform im Sinne der Homöopathie korrekt potenziert sind.
Weitere Herstellungsvorschriften des HAB führen zu Arzneiformen, die in der Homöopathie weniger wichtig sind, wie beispielsweise Salben, Suppositorien und Parenteralia.
Kritische Würdigung des HAB
Das HAB wurde als eine Sammlung anerkannter Regeln über die Qualität, Prüfung, Lagerung, Abgabe und Bezeichnung von Arzneimitteln verfasst mit dem Ziel, dass die homöopathischen Arzneimittel den Anforderungen bezüglich der pharmazeutischen Qualität und Unbedenklichkeit genügen und nach definierten Regeln hergestellt werden.
Im Vorwort wird die Vorgehensweise der Verfasser wie folgt begründet: „Bedingt durch die besondere Anwendung homöopathischer Arzneimittel war es erforderlich, Regeln und Vorschriften aufzunehmen, die naturwissenschaftlich nicht begründbar sind; es handelt sich […] um historisch bedingte Regeln, die im Interesse gleich bleibender Zubereitungen beibehalten wurden.“ Diesem Anspruch wird das HAB leider nicht gerecht, indem nämlich gerade „historisch bedingte Regeln“ zu wenig oder gar nicht berücksichtigt wurden.
Zugegebenermaßen gibt es viele Probleme auf dem Sektor Herstellung homöopathischer Arzneimittel. Diese können aber nicht allein durch Anlegen naturwissenschaftlicher und pharmazeutisch-technischer Kriterien gelöst werden, sondern eben gerade nur im Zusammenhang mit genauer Berücksichtigung der historischen Quellen.
Folgende Abweichungen von wichtigen historischen Quellen finden sich im HAB:
Die langjährige Geschichte der Nomenklatur, homöopathischeHomöopathie hat eine eigene Nomenklatur hervorgebracht, die in ihrer umfangreichen Literatur wie den Repertorien, Materiae medicae usw. international verbreitet ist. Als Titel zahlreicher Monographien wurden im HAB „moderne“ Namen eingeführt und die bisher gebräuchlichen bestenfalls noch als Monographie-Untertitel zugelassen. Im Falle von Antimonium crudum darf dieser Name gar nicht mehr geführt werden. Tab. 2.4 liefert einige Beispiele.
Andere Ausgangssubstanzen und andere Potenzierung
Einige Ausgangssubstanzen in den HAB-Monographien weichen von den tatsächlich geprüften Ausgangssubstanzen ab (Tab. 2.5).
Folgende Arzneimittel werden nach HAB flüssig potenziert und nicht durch Verreiben bis C3, wie in Hahnemanns Literatur vorgegeben: Ammonium carbonicum, Ambra, Iodium, Lycopodium, Natrium chloratum, Petroleum und Sulfur.
Herstellungsvorschriften, die nicht mit den ursprünglichen Quellen übereinstimmen (Tab. 2.7)
Da es im Homöopathischen Arzneibuch keine Vorschrift zur Verreibung von Frischpflanzen gibt, ersetzen einige Hersteller diesen Schritt durch Verreiben – genauer: durch Mischen – von Urtinkturen. Dies wiederum ist insbesondere für Q-Potenzen bedeutsam, da hier immer von einer C3-Verreibung ausgegangen werden muss.
Verreibungen (Vorschrift 6) werden nur bis zur C4 bzw. D4 Triturationkorrekt verrieben, ab da darf verrieben oder nur gemischt werden (Tab. 2.6, 2.4.5).
Z. B. wird eine C30-Dilution, mit der dann Globuli befeuchtet werden, bei festen Ausgangssubstanzen durch Auflösen einer C6 hergestellt, wobei aber die Potenzen C5 und C6 verrieben oder nur gemischt werden.
Verreibungen dürfen bis zu einer Menge von 1 000 g von Hand hergestellt werden. Hahnemann dagegen hat nur eine Menge bis ca. 6 g von Hand verrieben. Größere Mengen – bis 1 000 g – können von Hand nicht genauso intensiv verrieben werden wie kleinere.
Verreibungen aus Urtinkturen und Lösungen (Vorschrift 7) werden nur durch Mischen, nicht durch einstündiges Verreiben pro Potenzstufe hergestellt. Dies hat zur Folge, dass Q-Potenzen aus flüssigen Ausgangssubstanzen wie z. B. Muriaticum acidum (im HAB Acidum hydrochloricum genannt) nicht korrekt hergestellt werden, da auch Muriaticum acidum bis C3 als Zwischenstufe für die Q1 korrekt verrieben werden muss. Da eine Vorschrift zur Verreibung von Frischpflanzen fehlt und stattdessen die Urtinktur nach Vorschrift 7 verarbeitet wird – also gemischt statt verrieben –, führt dies zu Q-Potenzen anderer Qualität als bei Befolgung von Hahnemanns Vorschrift in ORG VI.
Tabletten (Vorschrift 9) werden aus Verreibungen gepresst. Als Hilfsstoffe können Stärke und Calciumbehenat oder Magnesiumstearat, die beide homöopathisch nicht geprüft und somit nur fraglich als arzneilich indifferent anzusehen sind, zugesetzt werden. Außerdem können höhere Verreibungsstufen als C4 und D4, aus denen Tabletten gepresst werden, durch Mischen oder Verreiben hergestellt werden (Tab. 2.6).
Globuli (Tab. 2.7): Die kleinste Globuligröße des HAB ist Größe 1: Globuli470–530 Streukügelchen wiegen 1 g. Die von Hahnemann häufig benutzten kleinsten Globuli, aus Saccharose und Stärke bestehend, von denen ca. 1 600 1 g wiegen, fehlen. Für zukünftige Ausgaben des HAB wird die von Hahnemann benutzte Größe 0 aus Saccharose und Maisstärke eingeführt (2.4.7).
Die Herstellungsvorschrift für Q-Potenzen (Vorschrift 17, Tab. 2.6) weicht deutlich von der Hahnemanns in ORG VI ab. Eine geänderte Herstellungsvorschrift, die der Hahnemanns genauer entspricht, ist für zukünftige Ausgaben des HAB in Vorbereitung.
Eine Vorschrift zur Verreibung von Frischpflanzen fehlt. Die Vorschriften 1–3 beziehen sich auf die Herstellung von Tinkturen, nicht auf die von Triturationen (s. o.).
Vorschrift 7 für Verreibung flüssiger Ausgangssubstanzen führt nur zu Mischungen, nicht zu „echten“ dreistündigen Verreibungen (s. o.).
Die Verwendung einer anderen Globuligröße und eines geänderten Verfahrens zur Imprägnierung führt vermutlich zu anderen Verdünnungsschritten als bei Hahnemann.
Ferner enthält das HAB keine Vorschrift zur Herstellung von Einglaspotenzen und maschinellen Hochpotenzen. Dadurch wird deren Inverkehrbringen im Geltungsbereich des AMG als Fertigarzneimittel erschwert bzw. unmöglich.
Geplante Änderungen des HAB
In der nächsten Ausgabe des HAB ist eine neue Herstellungsvorschrift „Vorschrift 59: Q-Potenzen“ und die Einführung von Globuli aus Saccharose-Maisstärke der Größe 0 geplant, wobei 1 600–1 700 Globuli 1 g wiegen. Diese Änderungen wurden von der HAB-Kommission beschlossen, waren jedoch bei Drucklegung dieser Auflage des Leitfaden Homöopathie noch nicht veröffentlicht und somit noch kein gültiges Arzneimittelrecht.
Die Qualität homöopathischer Arzneimittel
Folgende Kriterien sind für die Qualität ArzneimittelQualitäthomöopathischer Arzneimittel bedeutsam:
Ausgangssubstanzen: Übereinstimmung mit tatsächlich geprüfter Arzneigrundsubstanz.
Verwendung von Frischpflanzen.
Art der Verschüttelung.
Chargengröße bei Verreibung und Verschüttelung.
Globuliqualität.
Reinigung von Arbeitsgeräten etc.
Qualität im Hinblick auf HAB-Vorschriften im Vergleich mit Hahnemanns Herstellungsvorschriften.
Das Arzneimittelgesetz (AMG), die Betriebsverordnung für Arzneimittelgesetz (AMG)pharmazeutische Unternehmer, die GMP-Regeln usw. sichern durch diese arzneimittelrechtlichen Grundlagen und deren Umsetzung einen hohen Qualitätsstandard bei der Arzneimittelherstellung. Die homöopathische Arzneimittelherstellung weist jedoch Besonderheiten auf, die durch das gesetzlich geforderte Qualitätssicherungssystem nicht hinreichend berücksichtigt werden. Für homöopathische Arzneimittel sind also darüber hinausgehende Qualitätskriterien zu beachten. Grundsätzlich sind hier sowohl Ausgangssubstanzen als auch Herstellungsverfahren ins Auge zu fassen. Dazu gehören insbesondere die im Folgenden genannten Themen.
Wenn die Arzneimittelprüfung mit Verreibungen aus Frischpflanzen durchgeführt wurde, sollten auch zur Arzneimittelherstellung Frischpflanzen verwendet werden. Eine schnellstmögliche Verarbeitung – oft vor Ort – wird durch kleine Chargengrößen ermöglicht.
Einfluss der Schüttelschläge
Hier sollte auf Anzahl, Schüttelschläge, PotenzierungStärke und deren mögliche Standardisierung geachtet werden (vgl. dazu Hahnemanns Variationen, 2.4.3). Im HAB sind für C- und D-Potenzen mind. zehn Schüttelschläge vorgeschrieben, ohne genauere Angabe.
Hahnemanns Herstellungsvorschriften sind für kleine Chargen konzipiert. Tatsächlich können kleine Fläschchen viel kräftiger geschüttelt werden als große und Handverreibungen mit kleinen Mengen können viel intensiver durchgeführt werden als mit großen. In kleinen Ansätzen kann die Arbeitsweise Hahnemanns und anderer alter Homöopathen viel originalgetreuer nachvollzogen werden.
Unterschiedliche Globuligrößen können zu Globuliunterschiedlichen Verdünnungsschritten führen.
Einmal zur Potenzierung benutzte Gläschen dürfen nach Hahnemanns Anweisung nicht wieder verwendet werden. Reibschale und Pistill müssen mehrfach ausgekocht werden. Besser noch ist nach Hahnemann deren anschließendes Ausglühen. Auf diese Weise kann die Kontamination verschiedener Arzneimittel verhindert werden. Diese Problematik wird im HAB nicht berücksichtigt.
Beim Imprägnieren der Globuli muss unbedingt darauf geachtet werden, dass eine Kontamination mit anderen Arzneimitteln vermieden wird. Dies kann durch Imprägnierung in geschlossenen Gefäßen erreicht werden, die ausschließlich für dieses eine Arzneimittel benutzt werden.
Qualitätskriterien bei Ausgangssubstanzen (Arzneigrundstoffen)
ArzneimittelAusgangssubstanzEine Ausgangssubstanzsichere Therapie auf derArzneigrundstoff s. Ausgangssubstanz Grundlage des Ähnlichkeitsgesetzes setzt voraus, dass das verordnete Arzneimittel demjenigen entspricht, das tatsächlich bei der Arzneimittelprüfung geprüft wurde. Ganz besonders wichtig ist also die größtmögliche Übereinstimmung des homöopathischen Arzneimittels mit dem Mittel, mit dem ursprünglich die Arzneimittelprüfung vorgenommen wurde; denn nur dann kann das homöopathische Arzneimittel beim Kranken die Symptome heilen, die das Mittel in der Arzneimittelprüfung beim Gesunden hervorgerufen hat. Diese Übereinstimmung wird durch das derzeitige pharmazeutische Qualitätssicherungssystem nicht erfasst. Hier wird zwar die Identitätsprüfung nach dem jeweils geltenden Arzneibuch gefordert, aber nicht die Übereinstimmung mit der Prüfsubstanz. Die Frage nach der Identität der Prüfsubstanz kann nur anhand der historischen Quellen und der Originalliteratur beantwortet werden. Obwohl bei vielen homöopathischen Arzneimitteln die Identität der geprüften Substanzen feststeht, bleiben bei zahlreichen Arzneimitteln allerdings hierzu noch Fragen offen.
Abweichungen zwischen heutigen Handelspräparaten und Prüfsubstanzen
Die folgenden Beispiele zeigen, dass es z. T. erhebliche Abweichungen zwischen geprüftem Arzneimittel (Substanz) und Arzneimitteln heutiger Herstellung nach HAB-Vorschriften gibt. Weitere Abweichungen ergeben sich durch moderne Präparationen (Synthesen), die sich stark von der historischen Herstellung der Ausgangssubstanzen unterscheiden.
Dabei stellen die Nosoden, z. B. Bacillinum oder Tuberkulinum, die Gruppe von Arzneimitteln mit den größten NosodenProblemen bei der Identifizierung und Standardisierung der Ausgangssubstanzen dar.
AMP-Grundlage (Hering): Aloe soccotrina.
Handelspräparate gem. HAB-Monographie: Kap-Aloe (Aloe ferox Miller).
Aloe #AloeAusgangssubstanzwurde von Hering geprüft und, ergänzt durch Symptome früherer Prüfer, in die Materia medica eingeführt. Seine Stammpflanze war Aloe von der Inselgruppe Sokotra, nach heutiger Nomenklatur vermutlich Aloe perryi Bak. Die HAB-Monographie schreibt dagegen Kap-Aloe vor (Stammpflanzen u. a. Aloe ferox Miller).
AMP-Grundlage (Hering): reines Bienengift, Tinktur.
Handelspräparate gem. HAB-Monographie: ganze lebende Bienen, Tinktur.
Apis #ApisAusgangssubstanzwurde von Hering geprüft und in die Materia medica eingeführt. Das Präparat des isolierten Bienengiftes, das er Apis nannte, hielt er für die einzig richtige Zubereitung. Die Verwendung von ganzen Bienen lehnte er wegen Verunreinigung durch Darminhalt und anhängende Blütenpollen ab. Die HAB-Monographie beschreibt unter Apis dagegen die Verwendung von ganzen Bienen, die lebend in Ethanol eingebracht werden. Die HAB-Monographie Apisinum schreibt „schonend getrocknetes Gift“ als Ausgangssubstanz vor. Also entspricht Apisinum der geprüften Substanz am ehesten.
AMP-Grundlage (Hahnemann): Zubereitung aus ganzer frischer Pflanze.
Handelspräparate gem. HAB-Monographie: Arnica montana (= getrocknete unterirdische Teile) Arnica montana ex planta tota (= ganze frische Pflanze).
Als #ArnicaAusgangssubstanzArnica-Zubereitungen sind sowohl Präparate aus der ganzen frischen Pflanze als auch aus der getrockneten Wurzel im Verkehr, wobei laut Hahnemann erstere vorzuziehen sind. Nach der HAB-Monographie Arnica montana wird die getrocknete Wurzel (diese entspricht der Standardregistrierung Arnica montana), nach der Monographie Arnica ex planta tota dagegen die Tinktur der ganzen frischen Pflanze verwendet. Dies sollte beim Rezeptieren beachtet werden.
Bacillinum/Tuberculinum Burnett
AMP-Grundlage (Burnett): Kaverneninhalt und angrenzendes Gewebe eines Tbc-Kranken, von Burnett selbst als Bacillinum bezeichnet.
Handelspräparate gemäß heutiger Monographie „Tuberculinum Burnett Nosode (Bacillinum Nosode)“: Kaverneninhalt von Schlachttieren.
AMP-Grundlage (Hahnemann): Bryonia alba.
Handelspräparate gem. HAB-Monographie: Bryonia alba und B. cretica ssp. Dioica.
Da #BryoniaAusgangssubstanzHahnemann Bryonia alba L. geprüft hat, leiten sich die $Hahnemann, Samuelmeisten Symptome der Materia medica von dieser Stammpflanze ab. Stattdessen wurde aber lange Zeit Bryonia cretica ssp. dioica (Jacq.) Tutin (= B. dioica Jacq.) verwendet. Im HAB ab Ausgabe 2000 sind in der Monographie Bryonia beide Stammpflanzen zulässig. Hier wird also neuerdings die Möglichkeit eröffnet, ein „Bryonia-Komplexmittel“ herzustellen.
AMP-Grundlage (Hahnemann): vermutlich Kalilauge.
Handelspräparate (früher): Ammoniaklösung.
Handelspräparate gem. HAB-Monographie: Destillat, frei von Kaliumionen und frei von alkalischen Verunreinigungen.
Causticum ist zweifellos das umstrittenste Präparat der Materia medica, über dessen Inhaltsstoffe viel spekuliert wurde.
Experimente des Verfassers, bei denen die Präparation Hahnemanns möglichst originalgetreu nachvollzogen wurde, ergaben, dass Kalilauge, die durch einen Siedeverzug ins Destillat geraten kann, der „geheimnisvolle“ Inhaltsstoff ist. Dies stimmt auch gut mit Hahnemanns Beschreibung seines Causticum überein: „[…] riecht wie Aetz-Kalilauge und schmeckt […] brennend […].“ (Chronische Krankheiten, 2. Aufl.). Ammoniumionen (aus einer verdünnten Ammoniaklösung), die in Handelspräparaten (vor Erscheinen einer HAB-Monographie) nachweisbar waren, dürfen nicht vorhanden sein.
In das neue HAB 2001 ist eine Monographie Causticum Hahnemanni aufgenommen worden. Dieses HAB-Causticum darf, trotz des Namens, nicht die von Hahnemann beschriebenen Eigenschaften aufweisen: alkalisch reagierende Verunreinigungen – wie z. B. Kalilauge – dürfen nicht anwesend sein (Nachweis durch Grenzwertprüfung).
Weitere Ausgangssubstanzen, deren historische Herstellungsverfahren von modernen abweichen, sind die folgenden:
Ammonium carbonicum stellte Hahnemann durch Sublimation her.
Silicea stellte $Hahnemann, SamuelHahnemann aus zerkleinertem Bergkristall oder weißem Sand her.
$Hahnemann, SamuelPhosphorus aus „Knochen-(Phosphor-)Säure“, wobei diese (wie der Name andeutet) wiederum aus Knochen gewonnen wurde.
Heute werden diese Substanzen durch andere chemische Verfahren gewonnen.
AMP-Grundlage (Pétroz): Saft von zerquetschten Meeresschnecken der Gattungen Purpura, Murex oder Buccinum.
Handelspräparate: Ausgangssubstanz: Saft der Hypobranchialdrüse unbekannter Arten.
Das Arzneimittel Murex #Murexgeht auf den Prüfer Pétroz zurück, der sein Präparat mit dem Phantasienamen „Murex purpurea“ bezeichnete. Eine unsinnige Bezeichnung, die bei keiner der sogenannten Purpurschnecken der Gattungen Purpura, Murex und Buccinum u. a. zu finden ist. Bis heute konnte leider nicht geklärt werden, von welcher Meeresschnecke das Sekret als Ausgangssubstanz zur Arzneimittelherstellung verwendet werden muss. Heute wird vermutlich das Sekret der Hypobranchialdrüse verschiedener Schnecken verarbeitet. Dieses Organ war allerdings zur Zeit der Prüfung noch nicht bekannt.
#Tuberculinum #Bacillinum
AMP-Grundlage: Sputum eines Tbc-Kranken.
Handelspräparate gem. DAB-Monographie Tuberculinum Koch: getrocknete humane oder bovine Stämme von Mycobacterium tuberculosis.
Burnett verwendete ein Präparat aus Kaverneninhalt und $Burnett, J. Comptonangrenzendem Gewebe eines an Tuberkulose verstorbenen Patienten und nannte es Bacillinum. Handelspräparate nach der Definition der Kommission D werden aus Kaverneninhalt und angrenzendem Gewebe, allerdings von Schlachttieren, hergestellt und als „Tuberculinum Burnett Nosode (Bacillinum Nosode)“ bezeichnet. Arzneimittelprüfungen wurden auch mit der Zubereitung aus dem Sputum von Tuberkulosekranken durchgeführt, die als Tuberculinum bezeichnet wurde. Das Handelspräparat Tuberculinum Koch nach DAB-Monographie wird aus getrockneten humanen oder bovinen Stämmen von Mycobacterium tuberculosis hergestellt. Beide oben genannten Handelspräparate entsprechen also nicht den geprüften Ausgangssubstanzen.
Auf weitere Nosoden soll hier nicht eingegangen werden. Generell sollte hinterfragt werden, von welchen Nosoden eine Arzneimittelprüfung vorliegt, um diese dann überhaupt nach dem Ähnlichkeitsgesetz anwenden zu können. Über die verwendeten Ausgangsubstanzen der einzelnen Handelspräparate sollte bei den betreffenden Herstellern Auskunft eingeholt werden.
AMP-Grundlage (Hahnemann): rohes, unbehandeltes Petroleum (Erdöl), potenziert als Trituration.
Handelspräparate gem. HAB-Monographie: rectifiziertes Petroleum, potenziert als Dilution.
Das #PetroleumAusgangssubstanzPetroleum Hahnemanns war roh, unbehandelt, „dünnflüssig und hellgelb von $Hahnemann, SamuelFarbe“, allerdings unbekannter Herkunft und wurde zur Arzneimittelprüfung durch Verreibung potenziert. Das HAB schreibt die Verwendung eines Petroleums vor, das durch fraktionierte Destillation (Siedebereich zwischen 180 und 220 °C) hergestellt und dann flüssig durch Verschütteln potenziert wird.
Haltbarkeit homöopathischer Arzneimittel
Gemäß § 10 AMG (Kennzeichnung der ArzneimittelHaltbarkeitFertigarzneimittel) muss auf jedem Fertigarzneimittel das ArzneimittelGesetz (AMG)Haltbarkeitsdatum mit dem Vermerk „verwendbar bis“ angeben werden. Von den im Geltungsbereich des AMG arzneimittelrechtlich zuständigen Behörden wird zurzeit üblicherweise nur eine maximale Verwendbarkeit von fünf Jahren akzeptiert. Dieser Zeitraum ergibt sich durch die nach dem pharmazeutischen Qualitätssicherungsstandard üblichen Untersuchungen. Dem Verfasser liegen keine Informationen über Untersuchungen zur tatsächlichen Verwendbarkeitsdauer von homöopathischen Arzneimitteln vor. Gemessen an der Arzneimittelwirkung am Kranken, scheinen sich homöopathische Arzneimittel auch über das angegebene Haltbarkeitsdatum hinaus als wirksam zu erweisen.
Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass homöopathische Arzneimittel bei sachgemäßer Aufbewahrung – vor Sonnenlicht, zu großer Hitze und Feuchtigkeit geschützt – durchaus über das angegebene Haltbarkeitsdatum hinaus therapeutisch wirksam sein können. Dies gilt vornehmlich für Globuli. Bei Dilutionen ist zu bedenken, dass diese durch das Schütteln beim Transport in ihrer Potenz verändert werden und dies zu unerwünscht höheren Potenzen führen kann, wovor schon Hahnemann gewarnt hat. Aus diesem Grund füllen einige Hersteller ihre Fläschchen mit Q-Potenz-Dilutionen bis zum Rand – ohne Luftblase – auf, um eine unerwünschte Potenzierung beim Transport zu vermeiden.
Arzneimittelrechtliches
ArzneimittelrechtHerstellung von Arzneimitteln durch den Arzt: ArzneimittelGesetz (AMG)Nach der Definition des AMG findet keine Unterscheidung zwischen homöopathischen und nicht-homöopathischen Arzneimitteln statt. Die Herstellung von Arzneimitteln durch den Arzt ist erlaubt, wenn diese nicht zur Abgabe an andere hergestellt werden. Zu beachten ist, dass auch z. B. das Abfüllen von Arzneimitteln, wozu das Zerdrücken von Globuli in Milchzucker und deren anschließendes Abfüllen in Pulverbriefchen gehört, aus arzneimittelrechtlicher Sicht Arzneimittelherstellung ist.
Abgabe von Arzneimitteln: Die Abgabe von apothekenpflichtigen Arzneimitteln, zu denen auch homöopathische Fertigarzneimittel zählen, an den Endverbraucher bleibt in Deutschland den Apotheken vorbehalten (Apothekenmonopol). Arzneimittel hat der Patient damit aus Apotheken zu beziehen. Die Abgabe durch den Arzt ist nur in Notfällen und für sehr kurze Anwendungszeit zulässig.
Rezeptieren: Ein Rezept zur Verordnung eines homöopathischen RezeptierenArzneimittels sollte zusätzlich zu den allgemein vorgeschriebenen Angaben folgende enthalten:
Name des Arzneimittels (cave HAB-Nomenklatur, z. B. Myristica fragrans statt Nux moschata, Natrium chloratum statt Natrium muriaticum u. a.; vgl. Änderungen in der Nomenklatur Tab. 2.4).
Darreichungsform, Potenz, Name des Herstellers, Dosierungsanleitung (cave Standardregistrierung, s. u.).
Arzneimittel nach Standardregistrierung: Homöopathische Fertigarzneimittel, die als sogenannte Standardregistrierung in den Handel kommen, müssen nach der betreffenden Standardmonographie, die im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wird, hergestellt und gekennzeichnet sein. Dadurch wird für jedes Arzneimittel dieser Monographie dieselbe Dosierungsanweisung vorgeschrieben. Hierbei ist zu beachten, dass diese für alle Potenzstufen gleich ist. Z. B. gilt die Anweisung „soweit nicht anders verordnet: 1–3-mal täglich 5–10 Streukügelchen einnehmen“ für Tief- und Hochpotenzen bei C-, D- und Q-Potenzen gleichermaßen. Um Irritationen bei Patienten und Dosierungsfehler durch diese zu vermeiden, sollten beim Rezeptieren entsprechende Hinweise angebracht werden.
Einfuhr ausländischer Arzneimittel: Die Einfuhr von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aus EU-Ländern durch Privatpersonen oder Apotheken ist möglich.
Einfuhr aus Drittländern nur auf Rezept (auch bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln) und nur durch Apotheken.
Einfuhr durch den Arzt: Der Arzt selbst darf Arzneimittel, die er für seine Berufspraxis benötigt, nicht selbst aus dem Ausland einführen (nur für seinen Privatgebrauch ist dies aus der EU bzw. EWR-Staaten zulässig).

References: § 71
 § 26
 § 9
 § 11
 § 16
 § 122
 §126
 § 128
 § 144
 § 10