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Timestamp: 2019-04-20 01:34:05+00:00

Document:
OLG Celle, 09.02.2010 - 1 Ws 37/10 - dejure.org
§ 119 StPO; §§ 137, 135, 136 NJVollzG
Rechtsgrundlage für Anordnungen zur Ausgestaltung der Untersuchungshaft in Niedersachsen nach der Föderalismusreform
Neufassung des Rechts der Untersuchungshaft; Konkurrierende Gesetzgebung; Nichtanwendbarkeit des § 119 Strafprozessordnung (StPO) auf Niedersachsen
Zum "Recht des Untersuchungshaftvollzugs" i. S. v. Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG (Dr. Nina Nestle; HRRS 2/2008, S. 57)
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des OLG Celle vom 09.02.2010, Az.: 1 Ws 37/10 (Keine Geltung des § 119 StPO für Untersuchungshaft in Niedersachsen)" von VorsRiOLG Dr. Norbert Kazele, original erschienen in: StV 2010, 258 - 261.
LG Hildesheim - 19 Js 30791/09
LG Hildesheim, 04.01.2010 - 26 KLs 19 Js 30791/09
StV 2010, 194
StV 2010, 258
a) Zwar vertritt das Oberlandesgericht Celle ( StV 2010, 194) - als für das Amtsgericht L., in dessen Bezirk sich die Justizvollzugsanstalt befindet, in der der Beschuldigte derzeit einsitzt, zuständiges Obergericht - die Auffassung, dass sich Anordnungen zur Ausgestaltung der Untersuchungshaft in Niedersachsen alleine nach den §§ 135 ff NJVollzG richten und § 119 StPO nF in Niedersachsen keine Anwendung finde.
Der Senat hat bereits mit Beschluss vom 9. Februar 2010 - 1 Ws 37/10 (= StV 2010, 194; Nds Rpfl 2010, 127; OLGSt StPO § 119 Nr. 38; FS 2010, 300) entschieden, dass die mit § 119 StPO n. F. vom Bundesgesetzgeber erlassene Regelung in Niedersachsen nicht mehr für den Bereich der Untersuchungshaft Anwendung findet, weil sie das Recht des Untersuchungshaftvollzugs betrifft und insoweit das Land Niedersachsen von der ihm seit der durch Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 28. August 2006 (BGBl. I 2863) im Zuge der sog. Föderalismusreform erfolgten Änderung des Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG zustehenden ausschließlichen Gesetzgebungskompetenz für das Recht des Untersuchungshaftvollzugs durch das Niedersächsische Justizvollzugsgesetz - NJVollzG - vom 14. Dezember 2007 (Nds. GVBl. Nr. 41/2007 S. 720) Gebrauch gemacht hat.
Antrag auf gerichtliche Entscheidung über eine Maßnahme im …
Gegenstand der Beschwerde ist nämlich eine gerichtliche Entscheidung über eine behördliche Maßnahme im Untersuchungshaftvollzug, deren Grundlage sich aufgrund der umfassenden Alleinzuständigkeit des Landes Niedersachsen für das Recht des Untersuchungshaftvollzugs (vgl. OLG Celle, StV 2010, 194) in § 167 NJVollzG befindet.
Die von der Beschwerdeführerin beantragte verfahrenssichernde Anordnung hat daher ihre Rechtsgrundlage in § 119 Abs. 1 Satz 1 und 2 Nr. 1 - 3, Abs. 2 Satz 2 StPO (vgl. KG, Beschlüsse vom 12. Februar 2010 - 4 Ws 12/10; 11. Februar 2010 - 3 Ws 74/10 - und 19. Januar 2010 - 3 Ws 17/10) und nicht in §§ 3 Abs. 1 Satz 1, 33 ff. UVollzG Bln (vgl. aber für Niedersachsen: OLG Celle, Beschluss vom 9. Februar 2010 - 1 Ws 37/10 - juris).
Anders als auf dem Gebiet des Unter-suchungshaftvollzuges (vgl. OLG Celle, StV 2012, 417; StV 2010, 194) ist das NJVollzG mangels insoweit vorhandener Gesetzgebungskompetenz des Landes für Maßnahmen im Vollzug der einstweiligen Unterbringung nicht anwendbar.
Zwar findet die Vorschrift des § 119 StPO in Niedersachsen aufgrund der insoweit vorgehenden Regelungen im NJVollzG keine Anwendung, soweit Beschränkungen in der Untersuchungshaft angeordnet werden (vgl. OLG Celle, StV 2010, 194).

References: § 119
 § 119
 Art. 74
 § 119
 § 119
 § 119
 § 119
 Art. 74
 § 167
 § 119
 § 119