Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/keine-grundsteuerbefreiung-fuer-islamischen-kulturverein-321074
Timestamp: 2020-04-02 21:59:23+00:00

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Kei­ne Grund­steu­er­be­frei­ung für isla­mi­schen Kul­tur­ver­ein | Rechtslupe
Keine Grundsteuerbefreiung für islamischen Kulturverein
Kei­ne Grund­steu­er­be­frei­ung für isla­mi­schen Kul­tur­ver­ein
Einem isla­mi­schen Kul­tur­ver­ein, der kei­ne Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ist, steht nach einem aktu­el­len Urteil des BUn­des­fi­nanz­hofs kei­ne Befrei­ung von der Grund­steu­er zu.
Die Beschrän­kung der vom Grund­steu­er­ge­setz gewähr­ten Grund­steu­er­be­frei­un­gen auf sol­che Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, die Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind, sowie auf jüdi­sche Kul­tus­ge­mein­den ist nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fas­sungs­ge­mäß, so dass die Grund­steu­er­be­frei­ung für einen isla­mi­schen Kul­tur­ver­ein, dem nicht der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­lie­hen ist, zu ver­sa­gen ist.
Der Gesetz­ge­ber ist, so der Bun­des­fi­nanz­hof berech­tigt, die beson­de­re Stel­lung der öffent­lich-recht­li­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zum Anlass für eine Grund­steu­er­be­frei­ung zu neh­men. Da der Kör­per­schaft­sta­tus grund­sätz­lich allen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten offen steht, liegt dar­in weder ein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz noch gegen den Grund­satz der reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Neu­tra­li­tät des Staa­tes. Auch die ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Reli­gi­ons­frei­heit ver­mit­telt kei­nen Anspruch auf eine Grund­steu­er­be­frei­ung.
Im Streit­fall schied auch die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Grund­steu­er­be­frei­ung nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3b GrStG bei Ver­fol­gung gemein­nüt­zi­ger Zwe­cke aus, weil der isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein sei­nen Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus ver­lo­ren hat­te.
Die Beschrän­kung der Grund­steu­er­be­frei­un­gen nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG auf sol­che Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, die Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind, sowie auf jüdi­sche Kul­tus­ge­mein­den ist nicht ver­fas­sungs­wid­rig.
Von der Grund­steu­er befreit ist gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrStG der Grund­be­sitz, der von einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ist, einem ihrer Orden, einer ihrer reli­giö­sen Genos­sen­schaf­ten oder einem ihrer Ver­bän­de für Zwe­cke der reli­giö­sen Unter­wei­sung, der Wis­sen­schaft, des Unter­richts, der Erzie­hung oder für Zwe­cke der eige­nen Ver­wal­tung genutzt wird. Den Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ste­hen nach Satz 2 der Vor­schrift die jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den gleich, die nicht Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind. Nach § 4 Nr. 1 GrStG unter­liegt fer­ner sol­cher Grund­be­sitz nicht der Grund­steu­er, der, sofern er nicht nach § 3 GrStG steu­er­be­freit ist, dem Got­tes­dienst einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ist, oder einer jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­de gewid­met ist.
Es bedarf für den Streit­fall kei­ner Ent­schei­dung, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen dem Got­tes­dienst gewid­me­ter Grund­be­sitz nicht nach § 4 Nr. 1 GrStG, son­dern bereits gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrStG befreit sein kann 1. Jeden­falls erfüllt der isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein auch dann, wenn er eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft im Sin­ne die­ser Vor­schrif­ten sein soll­te, die dar­in bestimm­ten Befrei­ungs­vor­aus­set­zun­gen des­halb nicht, weil er weder den Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts besitzt noch eine jüdi­sche Kul­tus­ge­mein­schaft ist.
Nach dem Wort­laut des § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG ist aus­schließ­lich ent­schei­dend, ob der isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein den Sta­tus einer öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaft (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV) hat. Die Befrei­ungs­vor­aus­set­zun­gen sind erst nach Erge­hen eines ent­spre­chen­den Ver­lei­hungs­akts 2 (vgl. auch Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 8 WRV), an dem es im Streit­fall fehlt, erfüllt. Ob der isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein einen sol­chen Sta­tus erhal­ten kann und will, ist hin­ge­gen uner­heb­lich. Abge­se­hen davon, dass er nach sei­nem Vor­brin­gen einen sol­chen Rechts­sta­tus ersicht­lich nicht anstrebt, reicht die blo­ße Mög­lich­keit zur Erlan­gung des Kör­per­schafts­sta­tus für die Gewäh­rung einer Grund­steu­er­be­frei­ung nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 oder § 4 Nr. 1 GrStG nicht aus 3.
Die Beschrän­kung der Grund­steu­er­be­frei­ung auf Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, die Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind, ver­letzt den isla­mi­schen Kul­tur­ver­ein nicht in sei­nem Grund­recht auf Gleich­be­hand­lung (Art. 3 Abs. 1 und 3 GG).
§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG sind als steu­er­li­che Begüns­ti­gungs­nor­men am Maß­stab des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes in sei­ner beson­de­ren Aus­prä­gung der Besteue­rungs­gleich­heit zu mes­sen 4.
Art. 3 Abs. 1 GG ist danach ver­letzt, wenn sich ein ver­nünf­ti­ger, sich aus der Natur der Sache erge­ben­der oder sonst ein­leuch­ten­der Grund für die gesetz­li­che Dif­fe­ren­zie­rung oder Gleich­be­hand­lung nicht fin­den lässt 5. Wei­ter­hin ist der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ver­letzt, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten oder Norm­be­trof­fe­nen im Ver­gleich zu einer ande­ren anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unter­schied­li­che Behand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen. Dafür kommt es wesent­lich dar­auf an, in wel­chem Maß sich die Ungleich­be­hand­lung von Per­so­nen oder Sach­ver­hal­ten auf die Aus­übung grund­recht­lich geschütz­ter Frei­hei­ten nach­tei­lig aus­wir­ken kann 6. Nähe­re Maß­stä­be und Kri­te­ri­en dafür, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­fall der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz durch den Gesetz­ge­ber ver­letzt ist, las­sen sich nicht abs­trakt und all­ge­mein, son­dern nur bezo­gen auf die jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sach- und Rege­lungs­be­rei­che prä­zi­sie­ren 7.
Das Gebot, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln, gilt auch für unglei­che Belas­tun­gen und unglei­che Begüns­ti­gun­gen 8. Ver­bo­ten ist daher ein gleich­heits­wid­ri­ger Begüns­ti­gungs­aus­schluss, bei dem einem Per­so­nen­kreis eine Begüns­ti­gung gewährt, einem ande­ren Per­so­nen­kreis die Begüns­ti­gung aber vor­ent­hal­ten wird 9.
Soweit steu­er­li­che Begüns­ti­gungs­nor­men –wie hier– auf eine steu­er­li­che Ent­las­tung von Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gerich­tet sind, hat der Staat die ihm durch den Grund­satz der reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Neu­tra­li­tät gesetz­ten Gren­zen zu beach­ten. Die­ser Grund­satz, der sich aus einer Zusam­men­schau der Art. 4 Abs. 1, Art. 3 Abs. 3, Art. 33 Abs. 3, Art. 140 GG i.V.m. Art. 136 Abs. 1, Abs. 4 und Art. 137 Abs. 1 WRV ergibt, ver­pflich­tet den Staat zu einer am Gleich­heits­satz ori­en­tier­ten Behand­lung der ver­schie­de­nen Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten 10. Die För­de­rung von Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten durch den Staat darf nicht zu einer Iden­ti­fi­ka­ti­on mit bestimm­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten oder zu einer Pri­vi­le­gie­rung bestimm­ter Bekennt­nis­se füh­ren 11.
Ob ein Ver­stoß der hier frag­li­chen Befrei­ungs­re­ge­lun­gen gegen Art. 3 Abs. 1 GG schon des­halb aus­schei­det, weil der Gesetz­ge­ber inso­weit einer gegen­über (ein­zel­nen oder allen) kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten auf­er­leg­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men ist, bedarf kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung. Zwar for­dert der Kor­po­ra­ti­ons­sta­tus des Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV für sich allein noch kei­ne (Grund-)Steuerbefreiung 12. Ob es sich aller­dings bei den hier frag­li­chen Grund­steu­er­be­frei­un­gen um vom Steu­er­ge­setz­ge­ber ledig­lich frei­wil­lig gewähr­te Bevor­rech­ti­gun­gen han­delt 13, erscheint zwei­fel­haft. Der inne­re Zusam­men­hang zwi­schen der Gewähr­leis­tung des Kör­per­schafts­sta­tus (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV), des kirch­li­chen Besteue­rungs­rechts (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 6 WRV), der Garan­tie der Staats­leis­tun­gen (Art. 140 GG i.V.m. Art. 138 Abs. 1 WRV) sowie des Kir­chen­gu­tes (Art. 140 GG i.V.m. Art. 138 Abs. 2 WRV) legt viel­mehr den Schluss nahe, dass die­se Ver­fas­sungs­ga­ran­ti­en in ihrer Zusam­men­schau auf die Siche­rung der mate­ri­el­len Aus­stat­tung der kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gerich­tet sind 14. Es kommt hin­zu, dass die § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG als Steu­er­ver­scho­nun­gen zu den "nega­ti­ven Staats­leis­tun­gen" im Sin­ne des Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 138 Abs. 1 WRV gehö­ren 15. Dabei gehört die Befrei­ung des Grund­be­sit­zes von Grund­steu­er zu den ältes­ten ein­fach­ge­setz­li­chen Ver­güns­ti­gun­gen zuguns­ten der Kir­chen 16. Die Grund­steu­er­be­frei­ung war seit jeher mit der Kir­che und –ab dem 19. Jahr­hun­dert– mit den kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ver­bun­den. Die­se Tra­di­ti­on füh­ren § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG fort.
Die Beschrän­kung der Grund­steu­er­be­frei­un­gen aus § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG auf kor­po­rier­te Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist jeden­falls unter Berück­sich­ti­gung des Sinn­ge­halts und der Funk­ti­on des gemäß Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV ver­bürg­ten Kor­po­ra­ti­ons­sta­tus mit Art. 3 Abs. 1 GG ver­ein­bar.
Die als Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts aner­kann­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten sind ange­sichts der reli­giö­sen und kon­fes­sio­nel­len Neu­tra­li­tät des Staa­tes nicht mit ande­ren öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten zu ver­glei­chen, die in den Staat orga­nisch ein­ge­glie­der­te Ver­bän­de sind 17. Der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV) ist ein Mit­tel zur Ent­fal­tung der Reli­gi­ons­frei­heit und soll die Eigen­stän­dig­keit und Unab­hän­gig­keit der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten unter­stüt­zen 18. Er bedeu­tet daher nur eine Her­aus­he­bung über ande­re Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, weil der Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts die Über­zeu­gung des Staa­tes von der beson­de­ren Wirk­sam­keit die­ser Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, von ihrer gewich­ti­gen Stel­lung in der Gesell­schaft und der sich dar­aus erge­ben­den Gewähr der Dau­er zugrun­de liegt (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV) 19. Den Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten mit Kor­po­ra­ti­ons­sta­tus kommt eine beson­de­re Bedeu­tung für das öffent­li­che Leben und die staat­li­che Rechts­ord­nung zu 20.
Die­se beson­de­re Rechts­stel­lung und Bedeu­tung der kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten recht­fer­tigt auch die in § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 bis 6 und § 4 Nr. 1 GrStG getrof­fe­nen Befrei­ungs­re­ge­lun­gen 21. Die­se Steu­er­be­frei­un­gen die­nen in Bezug auf den Grund­be­sitz den im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­den Auf­ga­ben der öffent­lich-recht­li­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und der ihnen gleich­zu­stel­len­den Ordens­ge­mein­schaf­ten 22.
Dem Vor­brin­gen des Klä­gers, der Kör­per­schafts­sta­tus recht­fer­ti­ge kei­ne Begüns­ti­gung der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten außer­halb des hoheit­li­chen Bereichs (z.B. durch Zuer­ken­nung des Besteue­rungs­rechts), kann nicht gefolgt wer­den. Viel­mehr darf der Staat die beson­de­re öffent­li­che Posi­ti­on der kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten im staat­li­chen und gesell­schaft­li­chen Leben zum Anlass für eine auch finan­zi­el­le För­de­rung in Gestalt einer Grund­steu­er­be­frei­ung neh­men. Er unter­stützt damit ihre –auch wirt­schaft­li­che– Eigen­stän­dig­keit sowie Unab­hän­gig­keit und trägt damit der hohen Bedeu­tung der mate­ri­el­len Aus­stat­tung einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft für die Frei­heit der Reli­gi­ons­aus­übung Rech­nung 23.
Die Beschrän­kung der hier frag­li­chen Befrei­ungs­re­ge­lun­gen auf Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten mit öffent­lich-recht­li­chem Kör­per­schafts­sta­tus ver­stößt auch nicht gegen den Grund­satz der reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Neu­tra­li­tät des Staa­tes. Weder beru­hen die­se Befrei­ungs­re­ge­lun­gen auf einer Iden­ti­fi­ka­ti­on des Staa­tes mit bestimm­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten noch bewir­ken sie eine Pri­vi­le­gie­rung bestimm­ter Bekennt­nis­se. Die in Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV nor­mier­ten Vor­aus­set­zun­gen des Kor­po­ra­ti­ons­sta­tus sind schon ihrem Wort­laut nach zunächst for­mal-orga­ni­sa­to­ri­scher Natur und als sol­che nicht etwa auf bestimm­te Bekennt­nis­se beschränkt. Ins­be­son­de­re ist der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nicht etwa den christ­li­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten vor­be­hal­ten, son­dern grund­sätz­lich eben­so für isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaf­ten offen 24. Soweit über den Wort­laut des Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV hin­aus wei­te­re unge­schrie­be­ne Ver­lei­hungs­vor­aus­set­zun­gen abge­lei­tet wer­den 25, zie­len die­se nicht auf die Bewer­tung oder Unter­bin­dung eines reli­giö­sen Bekennt­nis­ses. Die Öff­nung des Kör­per­schafts­sta­tus für alle Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV) ver­letzt daher nicht die reli­gi­ös-welt­an­schau­li­che Neu­tra­li­tät des Staa­tes, son­dern ver­wirk­licht sie 26. Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV ver­mit­telt in Bezug auf die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus glei­che Chan­cen für alle Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten 27. Ob eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft das Gleich­stel­lungs­an­ge­bot anneh­men oder Distanz zum Staat wah­ren möch­te, bleibt daher als "ihre Ange­le­gen­heit" (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 WRV) ihrer frei­en Ent­schei­dung gemäß ihrem (reli­giö­sen) Selbst­ver­ständ­nis über­las­sen.
Der Ein­wand des kla­gen­den isla­mi­schen Kul­tur­ver­eins, die Beschrän­kung der Grund­steu­er­be­frei­un­gen nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG auf für den Got­tes­dienst und der reli­giö­sen Unter­wei­sung die­nen­den Grund­be­sitz grei­fe auf­grund des vor­aus­ge­setz­ten Kor­po­ra­ti­ons­sta­tus in den "reli­giö­sen Kern­ge­halt" ein, geht fehl. Die hier frag­li­chen Grund­steu­er­be­frei­un­gen bewir­ken ledig­lich eine Begüns­ti­gung im Zusam­men­hang mit der Aus­übung der durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG geschütz­ten Reli­gi­ons­frei­heit. Eine Beein­träch­ti­gung oder Behin­de­rung der Reli­gi­ons­aus­übung bei Nicht­er­fül­lung der grund­steu­er­li­chen Befrei­ungs­vor­aus­set­zun­gen tritt jedoch nicht ein; ins­be­son­de­re wird die Frei­heit zur reli­giö­sen Ver­ei­ni­gung (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 2 und 7 WRV) nicht ein­ge­schränkt.
Damit ver­sto­ßen § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG auch nicht gegen die Garan­tie der reli­gi­ons­recht­li­chen Gleich­heit (Pari­tät), die eine sach­lich nicht gerecht­fer­tig­te recht­li­che Bes­ser­stel­lung der kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten im Ver­gleich zu klei­nen bzw. nicht kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten aus­schließt (z.B. Heckel in HdbSt­KR, a.a.O., § 20, S. 589, 605 ff.). Das Grund­ge­setz for­dert, über das in Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV ent­hal­te­ne Ange­bot zur Erlan­gung des Kor­po­ra­ti­ons­sta­tus hin­aus nicht, dass der Staat alle Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten sche­ma­tisch gleich zu behan­deln hat 28. Bereits der Gesamt­re­ge­lung des Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 WRV liegt eine reli­gi­ons­ver­fas­sungs­recht­li­che Dif­fe­ren­zie­rung inso­fern zugrun­de, als die "alt­kor­po­rier­ten", schon vor Erlass der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung als Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts aner­kann­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten die­sen Rechts­sta­tus behal­ten (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 Satz 1 WRV). Ande­ren Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist gemäß Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV die­ser Sta­tus auf Antrag zu ver­lei­hen, wenn sie durch ihre Ver­fas­sung und die Zahl ihrer Mit­glie­der die Gewähr der Dau­er bie­ten. Die durch den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schafts­sta­tus begrün­de­ten Unter­schie­de zu den pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten sind vor dem Hin­ter­grund der im Kör­per­schafts­sta­tus zum Aus­druck kom­men­den beson­de­ren Bedeu­tung die­ser Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten für das öffent­li­che Leben sach­lich begrün­det und ver­sto­ßen nicht gegen den Gleich­heits­satz 29.
Die Anknüp­fung des § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und des § 4 Nr. 1 GrStG an den Kör­per­schafts­sta­tus ver­letzt auch nicht etwa des­halb Art. 3 Abs. 1 GG, weil es dem Klä­ger in unzu­mut­ba­rer Wei­se erschwert wäre, trotz Erfül­lung der ent­spre­chen­den mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen den Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts zu erlan­gen 30.
Soweit der isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein gel­tend macht, er kön­ne nach sei­nem reli­giö­sen Selbst­ver­ständ­nis nicht Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts wer­den, erschlie­ßen sich aus sei­nem Vor­brin­gen die hier­für maß­ge­ben­den Grün­de nicht. Mit dem Hin­weis dar­auf, dass der Islam kei­ne Hier­ar­chie aus­bil­de und der Staat kaum auf recht­lich hand­lungs­fä­hi­ge und zur Ver­tre­tung der isla­mi­schen Glau­bens­an­ge­hö­ri­gen in einem bestimm­ten Gebiet legi­ti­mier­te Ver­bän­de als Ver­hand­lungs­part­ner sto­ße, sind im reli­giö­sen Selbst­ver­ständ­nis des Islam lie­gen­de zwin­gen­de Aus­schluss­grün­de zur Erlan­gung des Kör­per­schafts­sta­tus nicht hin­rei­chend belegt. Inso­weit schränkt der Klä­ger sein dies­be­züg­li­ches Vor­brin­gen selbst dahin­ge­hend ein, dass es der isla­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft "eher fremd" sei, den Kör­per­schafts­sta­tus anzu­stre­ben. Gegen eine nach dem reli­giö­sen Selbst­ver­ständ­nis des Islam aus­ge­schlos­se­ne Erlan­gung des Kör­per­schafts­sta­tus spricht zudem, dass in den letz­ten Jahr­zehn­ten zahl­rei­che –wenn auch letzt­lich erfolg­lo­se– Anträ­ge mus­li­mi­scher Ver­ei­ni­gun­gen auf Erlan­gung des Kör­per­schafts­sta­tus gestellt wor­den sind 31.
Der kla­gen­de isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein hat sich zudem –im Gegen­satz zu sei­nem Vor­brin­gen, sein reli­giö­ses Selbst­ver­ständ­nis sei mit einer kör­per­schaft­li­chen Struk­tur unver­ein­bar– als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein und damit als Kör­per­schaft 32, orga­ni­siert. Inso­weit ist von ihm nichts dazu vor­ge­tra­gen, aus wel­chen kon­kre­ten Grün­den auf der Grund­la­ge die­ser Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur die Erlan­gung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aus­ge­schlos­sen sein soll­te. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus nicht "an den Islam", son­dern unab­hän­gig von der Orga­ni­sa­ti­on und dem Orga­ni­sa­ti­ons­grad ande­rer isla­mi­scher Gemein­schaf­ten im Bun­des­ge­biet nur an eine kon­kre­te isla­mi­sche Gemein­schaft erfol­gen kann 33.
Wei­ter gehen­de Berech­ti­gun­gen des isla­mi­schen Kul­tur­ver­eins las­sen sich auch nicht dar­aus ablei­ten, dass Art. 4 Abs. 1 und 2 GG –über den Cha­rak­ter eines indi­vi­du­el­len Abwehr­rechts hin­aus­ge­hend– auch in einem posi­ti­ven Sin­ne gebie­ten, "Raum für die akti­ve Betä­ti­gung der Glau­bens­über­zeu­gung und die Ver­wirk­li­chung der auto­no­men Per­sön­lich­keit auf welt­an­schau­lich-reli­giö­sem Gebiet zu sichern" 34. Dar­aus ergibt sich nicht, dass dem Ein­zel­nen oder der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft Ansprü­che auf bestimm­te staat­li­che Leis­tun­gen garan­tiert wer­den 35; dies muss auch für die hier begehr­te Grund­steu­er­be­frei­ung gel­ten.
§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG ver­let­zen auch nicht den beson­de­ren Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 3 GG, nach dem nie­mand u.a. wegen sei­ner reli­giö­sen Anschau­ung benach­tei­ligt oder bevor­zugt wer­den darf. Art. 3 Abs. 3 GG ver­bie­tet eine Ungleich­be­hand­lung auf Grund der hier auf­ge­führ­ten Merk­ma­le, schließt jedoch sach­be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­run­gen in Anknüp­fung an reli­giö­se oder welt­an­schau­li­che Sach­ver­hal­te nicht aus 36. Nach die­sen Maß­stä­ben sind Befrei­ungs­re­ge­lun­gen des staat­li­chen Steu­er­rechts, die –wie § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG– nach dem Kör­per­schafts­sta­tus der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft dif­fe­ren­zie­ren, ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig. Eine "Bewer­tung einer Kon­fes­si­on" fin­det inso­weit auf­grund der reli­gi­ös-welt­an­schau­lich neu­tra­len Aus­ge­stal­tung der vor­ge­nann­ten Befrei­ungs­re­ge­lun­gen nicht statt.
Die den jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG gewähr­te Steu­er­be­frei­ung ver­letzt den Klä­ger eben­falls nicht in sei­nem Recht auf Gleich­be­hand­lung (Art. 3 Abs. 1 GG). Dies gilt selbst dann, wenn man, da Grund­be­sitz von Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ver­schie­de­ner Kon­fes­sio­nen ungleich besteu­ert wird, inso­weit den stren­ge­ren Prü­fungs­maß­stab des beson­de­ren Gleich­heits­sat­zes (Art. 3 Abs. 3 GG) anlegt. Die Befrei­ung des Grund­be­sit­zes jüdi­scher Kul­tus­ge­mein­den war zur Wie­der­gut­ma­chung natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unrechts zwin­gend erfor­der­lich.
Den jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den wur­de bereits durch preu­ßi­sches Gesetz über die Ver­hält­nis­se der Juden vom 23. Juli 1847 37 der Sta­tus als öffent­lich-recht­li­che Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ein­ge­räumt 38, womit auch eine Grund­steu­er­be­frei­ung ver­bun­den war 39. Die­ser Sta­tus wur­de ihnen von den Natio­nal­so­zia­lis­ten durch das Gesetz über die Rechts­ver­hält­nis­se der jüdi­schen Kul­tus­ver­ei­ni­gun­gen vom 28. März 1938 (RGBl I 1938, 338) wie­der aberkannt, was den Ver­lust der Grund­steu­er­be­frei­ung zur Fol­ge hat­te 40. Die­ser Ver­lust des Kör­per­schafts­sta­tus wur­de durch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Grund­steu­er­recht –eben­so im Erb­schaft­steu­er­recht (§ 13 Abs. 1 Nr. 16 Buchst. a ErbStG)– wie­der rück­gän­gig gemacht, indem der Grund­be­sitz der jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den aus­drück­lich neben dem Grund­be­sitz der öffent­lich-recht­li­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten befreit wur­de 41. Die Erwäh­nung der jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den und ihrer Ver­bän­de in der Geset­zes­fas­sung des vor­ma­li­gen § 4 Nr. 5 Buchst. b und c des GrStG i.d.F. des Geset­zes vom 10. August 1951 42 –als Vor­gän­ger­re­ge­lun­gen des jet­zi­gen § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrStG– wur­de zur Besei­ti­gung des ihnen ange­ta­nen Unrechts als erfor­der­lich ange­se­hen, "solan­ge ihre for­mel­le Aner­ken­nung als öffent­lich-recht­li­che Reli­gi­ons­ge­sell­schaft noch nicht in allen Län­dern wie­der erfolgt ist" 43.
Aus die­ser Vor­ge­schich­te ergibt sich, dass trotz der aus­drück­li­chen Erwäh­nung der jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den in § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 4 Nr. 1 GrStG die­sen kein Son­der­pri­vi­leg gegen­über den übri­gen nicht­kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ver­schafft wer­den soll­te. Der Gesetz­ge­ber woll­te daher nicht –wie der Klä­ger meint– die Befrei­ung auch sol­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zukom­men las­sen, die auf­grund ihrer reli­giö­sen Über­zeu­gung den Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nicht anstre­ben.
Hin­zu kommt, dass die Aberken­nung des Kör­per­schafts­sta­tus durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten inzwi­schen für nich­tig gehal­ten wird 44. Die damit zumin­dest für bereits im Jahr 1938 bestehen­de jüdi­sche Kul­tus­ge­mein­den über­flüs­sig gewor­de­ne aus­drück­li­che Befrei­ung des Grund­be­sit­zes rela­ti­viert die Gegen­über­stel­lung von jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den und isla­mi­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und führt letzt­lich zurück zur –gerecht­fer­tig­ten– Begüns­ti­gung von kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten im Ver­gleich zu den nicht­kor­po­rier­ten.
Nicht zu fol­gen ist dem kla­gen­den isla­mi­schen Kul­tur­ver­ein schließ­lich dar­in, der Gesetz­ge­ber habe sei­ne Grund­ent­schei­dung, Grund­be­sitz unab­hän­gig von den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Eigen­tü­mers mit Grund­steu­er zu belas­ten, nicht fol­ge­rich­tig umge­setzt, wenn er die Befrei­ung an die Gemein­nüt­zig­keit oder den Kör­per­schafts­sta­tus knüp­fe. Inso­weit miss­ver­steht er die Ein­ord­nung der Grund­steu­er als Real­steu­er (§ 3 Abs. 2 AO).
Für Real- oder Objekt­steu­ern ist cha­rak­te­ris­tisch, dass sie das Steu­er­ob­jekt ohne Rück­sicht auf die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der Betei­lig­ten und ihre per­sön­li­che Bezie­hung zum Steu­er­ob­jekt erfas­sen und bei den­je­ni­gen erho­ben wer­den, denen die­se Gegen­stän­de zuzu­rech­nen sind 45. Die Grund­steu­er belas­tet dem­ge­mäß das blo­ße Inne­ha­ben von Grund­be­sitz und greift damit auf die durch den Besitz soge­nann­ten fun­dier­ten Ein­kom­mens ver­mit­tel­te (abs­trak­te) Leis­tungs­kraft zu 46, ohne jedoch die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Eigen­tü­mers, die Aus­druck sei­ner per­sön­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit sein kön­nen, tat­be­stand­lich zur Kennt­nis zu neh­men. Es wer­den daher bei­spiels­wei­se weder das selbst­ge­nutz­te Wohn­ei­gen­tum ver­schont 47 noch fami­liä­re Ver­hält­nis­se (z.B. Anzahl der Kin­der) berück­sich­tigt 48.
Das schließt nicht aus, dass der Gesetz­ge­ber Grund­steu­er­be­frei­un­gen an Eigen­schaf­ten des Eigen­tü­mers knüpft, die nicht Aus­druck der per­sön­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit sind. Tat­säch­lich heben fast alle Grund­steu­er­be­frei­un­gen –teil­wei­se kom­bi­niert mit sach­li­chen Kri­te­ri­en– auf ein sol­ches Merk­mal des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers ab. Neben der hier strei­ti­gen Befrei­ung von Grund­be­sitz der "Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, die Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts sind", und der "jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den" (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 bis 6 und § 4 Nr. 1 GrStG) ent­las­tet der Gesetz­ge­ber z.B. auch den Grund­be­sitz einer "juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts" (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 3 GrStG), das "Bun­des­ei­sen­bahn­ver­mö­gen" (Nr. 2) oder Grund­be­sitz eines "Kran­ken­hau­ses" (§ 4 Nr. 6 GrStG). Ledig­lich ein­zel­ne Grund­steu­er­be­frei­un­gen set­zen aus­schließ­lich eine bestimm­te Nut­zung des Grund­stücks vor­aus, so z.B. bei den "Bestat­tungs­plät­zen" (§ 4 Nr. 2 GrStG), den "dem öffent­li­chen Ver­kehr die­nen­den Stra­ßen" (§ 4 Nr. 3 Buchst. a GrStG) oder dem "Grund­be­sitz, der für Zwe­cke der Wis­sen­schaft … genutzt wird" (§ 4 Nr. 5 GrStG). Mit der Steu­er­be­frei­ung des Grund­be­sit­zes der kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­den wird somit das Real­steu­er­prin­zip nicht sys­tem­wid­rig umge­setzt. Es kann daher uner­ör­tert blei­ben, ob ein sol­cher Ver­stoß über­haupt die Ver­fas­sung ver­let­zen kann und der isla­mi­sche Kul­tur­ver­ein aus einem sol­chen Ver­stoß einen Anspruch auf die begehr­te Steu­er­be­frei­ung ablei­ten könn­te.
Im Übri­gen berück­sich­tigt die­ser Ein­wand nicht aus­rei­chend die ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­te Grund­kon­zep­ti­on der Grund­steu­er ein­schließ­lich ihrer Steu­er­be­frei­un­gen. Denn bereits aus der Erwäh­nung einer Steu­er­art in Art. 106 GG ist zu schlie­ßen, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber die jewei­li­ge Steu­er nicht in allen Ein­zel­hei­ten, aber doch in ihrer übli­chen Aus­ge­stal­tung und ihrer his­to­risch gewach­se­nen Bedeu­tung bil­ligt und als zuläs­si­ge Form des Steu­er­zu­griffs aner­kennt 49. Zu den vom Ver­fas­sungs­ge­ber vor­ge­fun­de­nen und auf­ge­nom­me­nen Steu­ern gehört auch die Grund­steu­er (Art. 106 Abs. 6 GG) ein­schließ­lich des in §§ 3 und 4 GrStG ent­hal­te­nen Befrei­ungs­ka­ta­logs, der in sei­nen Grund­struk­tu­ren –unter Berück­sich­ti­gung der Ein­bet­tung in die jewei­li­ge Rechts­ord­nung– bereits lan­ge vor dem Inkraft­tre­ten des Grund­ge­set­zes bestand 50. Die­ser ver­fas­sungs­recht­li­che Rah­men kann nicht nach­träg­lich mit all­ge­mei­nen Struk­tur­er­wä­gun­gen bei­sei­te gescho­ben wer­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30. Juni 2010 – II R 12/​09
dazu Troll/​Eisele, Grund­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 9. Aufl., § 3 Rz 55[↩]
dazu z.B. P. Kirch­hof in Hand­buch des Staats­kir­chen­rechts –HdbSt­KR – , Bd. 1, 1994, § 22 S. 686[↩]
vgl. auch BFH, Urteil vom 06.06.1951 – III 69/​51 U, BFHE 55, 376, BSt­Bl III 1951, 148[↩]
BVerfG, Beschluss vom 07.04.2008 – 2 BvL 4/​05, BVerfGE 121, 108[↩]
BVerfG, Beschlüs­se vom 12.10.1951 – 1 BvR 201/​51, BVerfGE 1, 14; und in BVerfGE 107, 27, 47, m.w.N.[↩]
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 107, 27, 46, m.w.N.[↩]
BVerfG, Beschlüs­se vom 16.03.2005 – 2 BvL 7/​00, BVerfGE 112, 268; vom 03.09.2009 – 1 BvR 2539/​07, BFH/​NV 2009, 2115[↩]
BVerfG, Beschlüs­se vom 08.06.2004 – 2 BvL 5/​00, BVerfGE 110, 412; und in BVerfGE 121, 108[↩]
BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 110, 412; und in BVerfGE 121, 108[↩]
BVerfG, Beschluss vom 12.05.2009 – 2 BvR 890/​06, BVerfGE 123, 148[↩]
BVerfG, Beschlüs­se vom 31.03.1971 – 1 BvR 744/​67, BVerfGE 30, 415; und in BVerfGE 123, 148, m.w.N.[↩]
Isen­see in HdbSt­KR, a.a.O., § 35, S. 1025[↩]
so Wei­des in Fest­schrift der Rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät zur 600-Jahr-Fei­er der Uni­ver­si­tät zu Köln, 1988, S. 885, 888; v. Campenhausen/​de Wall, Staats­kir­chen­recht, 4. Aufl., S. 268[↩]
vgl. Hes­se, Jahr­buch des öffent­li­chen Rechts der Gegen­wart Bd. 10, 1961, S. 27 und 53; für Art. 140 GG i.V.m. Art. 138 Abs. 2 WRV vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 123, 148[↩]
Ham­mer in HdbSt­KR, a.a.O., § 36, S. 1096; Isen­see in HdbSt­KR, a.a.O., § 35, S. 1024 f., jeweils m.w.N.; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 28.04.1965 – 1 BvR 346/​61, BVerfGE 19, 1[↩]
vgl. BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 19, 1; und vom 30.09.2000 – 2 BvR 708/​96, NVwZ 2001, 318; fer­ner RG, vom 20.06.1925 – IV Tgb 83/​25, RGZ 111, 134; vom 10.10.1927 – IV Tgb 94/​27, Lam­mers-Simons in Die Recht­spre­chung des Staats­ge­richts­hofs für das Deut­sche Reich und des Reichs­ge­richts auf Grund Arti­kel 13 Absatz 2 der Reichs­ver­fas­sung, Bd. 1, S. 538; vom 13. Juli 1931 IV Tgb 354/​30, Lam­mers-Simons, a.a.O., Bd. 4, S. 306; dazu z.B. Wer­ner Weber, Die Ablö­sung der Staats­leis­tun­gen an die Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, 1948, S. 51 ff.[↩]
vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 17.02.1965 – 1 BvR 732/​64, BVerfGE 18, 385; in BVerfGE 19, 1; in BVerfGE 30, 415; vom 21.09.1976 – 2 BvR 350/​75, BVerfGE 42, 312; BVerfG, Urteil vom 19.12.2000 – 2 BvR 1500/​97, BVerfGE 102, 370[↩]
BVerfG, Urtei­le in BVerfGE 102, 370; vom 01.12.2009 – 1 BvR 2857/​07, 1 BvR 2858/​07, DVBl. 2010, 108[↩]
vgl. BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 18, 385; und vom 04.10.1965 – 1 BvR 498/​62, BVerfGE 19, 129; sowie BVerfG, Urteil vom 13.12.1983 – 2 BvL 13/​82 u.a., BVerfGE 66, 1[↩]
BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 19, 129; vom 04.05.1984 – 2 BvR 1837/​83, Ent­schei­dun­gen in Kir­chen­sa­chen seit 1964 (Kir­chE) 22, 88; BVerwG, Urtei­le vom 24.04.1987 – 7 C 24/​85, NVwZ 1987, 678; vom 15.11.1990 – 7 C 9/​89, BVerw­GE 87, 115; vgl. auch BFH, Urteil vom 16.05.1975 – III R 54/​74, BFHE 116, 176, BSt­Bl II 1975, 746; BGH, Urteil vom 17.10.1979 – 2 StR 791/​78, NJW 1980, 462[↩]
Ham­mer in HdbSt­KR, a.a.O., § 36, S. 1068; Korioth in Maunz/​Dürig, Komm. z. GG, Art. 140 Rz 21, Stand: Febru­ar 2003; Heckel, Vom Reli­gi­ons­kon­flikt zur Aus­gleichs­ord­nung, 2007, S. 123; Wei­des, a.a.O., S. 885, 887; Hei­nig, Öffent­lich-recht­li­che Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, Dis­ser­ta­ti­on, 2003, S. 199[↩]
so die Geset­zes­be­grün­dung zu § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrStG, BT-Drs. VI/​3418, S. 79[↩]
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 123, 148, m.w.N.; Ehlers in Sachs, Grund­ge­setz, 5. Aufl., Art. 140 Rz 9[↩]
vgl. z.B. Klo­e­pfer, DöV 2006, 45; Loschel­der in Esse­ner Gesprä­che, Bd. 20, S. 162[↩]
dazu BVerfG, Urteil in BVerfGE 102, 370; Ehlers in Sachs, a.a.O., Art. 140 GG/​Art. 137 WRV Rz 28, m.w.N.[↩]
vgl. BVerfG, Ent­schei­dun­gen vom 17.12.1975 – 1 BvR 63/​68, BVerfGE 41, 29; und in BVerfGE 102, 370; P. Kirch­hof in HdbSt­KR, a.a.O., § 22, S. 666, 682; Korioth in Maunz/​Dürig, a.a.O., Art. 140 Rz 31 f., Stand: Febru­ar 2003; Mor­lok in Drei­er, Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, Bd. III, 2. Aufl. 2008, Art. 140 Rz 42[↩]
v. Cam­pen­hau­sen in v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 5. Aufl. 2005, Art. 140 GG, Art. 137 WRV Rz 222; Mor­lok in Drei­er, a.a.O., Art. 140/​Art. 137 WRV Rz 99[↩]
BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 19, 1; und in BVerfGE 19, 129[↩]
Korioth in Maunz/​Dürig, a.a.O., Art. 140 GG, Art. 137 WRV Rz 66; Wei­des, a.a.O., S. 888[↩]
vgl. zu die­sem Merk­mal BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 19, 129; und vom 12.12.1978 – 1 BvR 1168/​77, Kir­chE 17, 128, HFR 1979, 182[↩]
vgl. Ant­wor­ten der Bun­des­re­gie­rung, BT-Drs. 14/​4530, S. 34 ff. und BT-Drs. 16/​5033, S. 26 f.[↩]
Palandt/​Heinrichs, BGB, 69. Aufl. 2010, Einf. v. § 21 Rz 14[↩]
St. Mückl in Hand­buch des Staats­rechts, Bd. VII, 2009, § 159 Rz 105[↩]
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 41, 29[↩]
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 123, 148; Kokott in Sachs, a.a.O., Art. 4 Rz 70, m.w.N.[↩]
Käst­ner in Dolzer/​VogelGraßhof (Hrsg.), BK, Art. 140 Rz 144[↩]
Preu­ßi­sche Geset­zes­samm­lung –GS– 1847, S. 263[↩]
RG, Urteil vom 07.07.1931 – III 414/​30, RGZ 133, 192[↩]
vgl. § 24 Buchst. g des Preu­ßi­schen Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes vom 14. Juli 1893, GS 1893, S. 152; Nöll/​Freund, Das Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz, 1910, § 24 Rz 22; Scholz, Grund­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 2. Aufl. 1954, § 4 Rz 60[↩]
vgl. bereits Richt­li­ni­en für die Durch­füh­rung der Grund­steu­er vom 19. Juli 1937, Nr. 26 Abs. 4, abge­druckt bei Dzie­ga­low­ski, Grund­steu­er­ge­setz vom 1. Dezem­ber 1936 mit Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen, 1937, S. 277[↩]
vgl. GrStG vom 10. August 1951, BGBl I 1951, 515 und Ände­rungs­ge­setz vom 24. August 1965, BGBl I 1965, 905[↩]
BT-Drs. I/​1787, S. 9[↩]
vgl. BVerwG, Urteil vom 15.10.1997 – 7 C 21/​96, BVerw­GE 105, 255, unter Ver­weis auf den Beschluss des BVerfG zur Nich­tig­keit der Aus­bür­ge­rung jüdi­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger vom 14.02.1968 – 2 BvR 557/​62, BVerfGE 23, 98[↩]
BVerfG, Beschluss vom 18.02.2009 – 1 BvR 1334/​07, HFR 2009, 611, NJW 2009, 1868, m.w.N.[↩]
BVerfG-Beschluss vom 06.12.1983 – 2 BvR 1275/​79, BVerfGE 65, 325, BSt­Bl II 1984, 72; BFH, Urteil vom 22.07.1987 – II R 204/​84, BFHE 150, 285, BSt­Bl II 1987, 725[↩]
BFH, Ent­schei­dun­gen vom 12.10.2005 – II B 36/​05, BFH/​NV 2006, 369; vom 19.07.2006 – II R 81/​05, BFHE 213, 222, BSt­Bl II 2006, 767[↩]
BFH, Beschluss vom 20.12.2002 – II B 44/​02, BFH/​NV 2003, 508[↩]
vgl. zur Erhe­bung der Gewer­be­steu­er bei Ver­scho­nung der Frei­be­ruf­ler: BFH, Urteil vom 18.09.2003 – X R 2/​00, BFHE 203, 263, BSt­Bl II 2004, 17, m.w.N.[↩]
vgl. z.B. zur Befrei­ung des Grund­be­sit­zes der kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in Preu­ßen: § 4 Buchst. e des Geset­zes betref­fend die ander­wei­ti­ge Rege­lung der Grund­steu­er vom 21. Mai 1861, GS 1861, S. 253, § 24 Buchst. g des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes vom 14. Juli 1893, GS 1893, S. 152, und § 4 Nr. 5 GrStG vom 1. Dezem­ber 1936, RGBl I 1936, 986[↩]
GrundsteuerIslam

References: § 3
 § 3
 § 4
 § 3
 § 4
 § 3
 § 4
 § 3
 § 3
 § 4
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 137
 § 3
 § 4

§ 3
 § 4

Art. 3
 Art. 4
 Art. 3
 Art. 33
 Art. 140
 Art. 136
 Art. 137
 Art. 3
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 137
 Art. 137
 Art. 138
 Art. 138
 § 3
 § 4
 Art. 140
 Art. 138
 § 3
 § 4
 § 3
 § 4
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 3
 Art. 137
 Art. 137
 § 3
 § 4
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 137
 § 3
 § 4
 Art. 4
 Art. 137
 § 3
 § 4
 § 20
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 137
 Art. 137
 § 3
 § 4
 Art. 3
 Art. 4

§ 3
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 Art. 3
 Art. 3
 § 3
 § 4
 § 3
 § 4
 § 4
 § 3
 § 3
 § 4
 § 4
 Art. 106
 § 3
 § 22
 § 35
 Art. 140
 Art. 138
 § 36
 § 35
 § 36
 Art. 140
 § 3
 Art. 140
 Art. 140
 § 22
 Art. 140
 Art. 140
 Art. 140
 Art. 137
 Art. 140
 Art. 140
 Art. 137
 § 21
 § 159
 Art. 4
 Art. 140
 § 24
 § 24
 § 4
 § 4
 § 24
 § 4