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Timestamp: 2020-03-30 09:00:36+00:00

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Befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis – und die Aus­le­gung der Befris­tungs­ab­re­de | Rechtslupe
Befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis – und die Aus­le­gung der Befris­tungs­ab­re­de
Eine Zweck­be­fris­tung erfor­dert eine unmiss­ver­ständ­li­che Eini­gung dar­über, dass das Arbeits­ver­hält­nis bei Zweck­er­rei­chung enden soll, wobei der Zweck nach § 14 Abs. 4 TzB­fG schrift­lich ver­ein­bart sein muss 3.
Die Aus­le­gung der Befris­tungs­ab­re­de des Dienst­ver­trags rich­tet sich nach den für All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gel­ten­den Aus­le­gungs­re­geln, wenn das äuße­re Erschei­nungs­bild der Befris­tungs­ab­re­de eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung dafür begrün­det, dass es sich um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung iSv. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB han­delt 4.
All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ihrem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wobei nicht die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zugrun­de zu legen sind 5. Ansatz­punkt für die nicht am Wil­len der jewei­li­gen Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Linie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der typi­scher­wei­se an Geschäf­ten die­ser Art betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wobei der Ver­trags­wil­le ver­stän­di­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner beach­tet wer­den muss 6.
Die For­mu­lie­rung, "die Wei­ter­be­schäf­ti­gung erfolgt wäh­rend der Zeit der der Beur­lau­bung von Herrn PD Dr. S, längs­tens bis 31.03.2013" deu­tet dar­auf hin, dass ledig­lich der Befris­tungs­grund doku­men­tiert und kei­ne eigen­stän­di­ge (Zweck-)Befristungsvereinbarung getrof­fen wer­den soll­te 7. Ansons­ten hät­te es nahe­ge­le­gen, die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses bei Ende der Beur­lau­bung von Dr. S kla­rer zum Aus­druck zu brin­gen, etwa durch For­mu­lie­run­gen wie "ist befris­tet für die Dau­er der Beur­lau­bung" 8 oder "endet mit der Beur­lau­bung" 9. Die­ses Ver­ständ­nis wird durch sys­te­ma­ti­sche Gesichts­punk­te bestä­tigt. In § 1 Abs. 2 des Dienst­ver­trags ist fest­ge­hal­ten, dass der befris­te­ten Wei­ter­be­schäf­ti­gung der Sach­grund der Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 TzB­fG zugrun­de liegt. Die­se Anga­be wird durch die nach­fol­gen­de Rege­lung in § 1 Abs. 3 des Dienst­ver­trags kon­kre­ti­siert. Dem­ge­gen­über sind die Dau­er des Arbeits­ver­hält­nis­ses in § 1 Abs. 1 und des­sen Been­di­gung in § 1 Abs. 4 des Dienst­ver­trags gere­gelt. Nach § 1 Abs. 1 ist der Dienst­ver­trag zum 31.03.2013 befris­tet. Nach § 1 Abs. 4 endet das Dienst­ver­hält­nis auto­ma­tisch mit Ablauf des 31.03.2013, ohne dass es einer Kün­di­gung bedarf. Eine Ver­ein­ba­rung, dass das Arbeits­ver­hält­nis auch mit dem Ende der Beur­lau­bung von Dr. S been­det wird, ist in § 1 Abs. 4 dage­gen nicht getrof­fen. Daher kann § 1 Abs. 3 des Dienst­ver­trags aus Sicht eines durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders nicht als Ver­ein­ba­rung einer Zweck­be­fris­tung ver­stan­den wer­den.
BAG 11.09.2013 – 7 AZR 107/​12, Rn. 17; 22.04.2009 – 7 AZR 768/​07, Rn. 11 und 17[↩]
BAG 29.06.2011 – 7 AZR 6/​10, Rn. 15, BAGE 138, 242[↩]
BAG 15.05.2012 – 7 AZR 35/​11, Rn. 23; 29.06.2011 – 7 AZR 774/​09, Rn. 28[↩]
vgl. BAG 9.12 2015 – 7 AZR 68/​14, Rn. 12; 25.06.2015 – 6 AZR 383/​14, Rn. 23, BAGE 152, 82[↩]
vgl. BAG 19.02.2014 – 7 AZR 260/​12, Rn. 15[↩]
vgl. BAG 29.06.2011 – 7 AZR 6/​10, Rn. 16, BAGE 138, 242[↩]
vgl. BAG 22.04.2009 – 7 AZR 768/​07, Rn. 17[↩]
Befristetes ArbeitsverhältnisBefristungBefristungsabredeZeitbefristungZweckbefristung

References: § 14
 § 305
 § 1
 § 14
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