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Timestamp: 2017-04-24 13:07:18+00:00

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Vieselbach	Zur Chronik der Kirchgemeinde Vieselbach
Ältestes Kirchenbuch (bis zur Gegenwart weitergeführt)
Vieselbacher Pfarrer
1566 Johann Maurer
1605 Lucas Beisselius
1609 Theodoricus Zuerstenus
1619 Caspar Berlisäus
1636 Johannes Ringenus
1640 Martinus Rotscherus
1647 Martinus Alberti
1652 Samuel Giepens
1657 Tobias Schenk
1662 Johannes Planerus
1668 Simon Weisse
1701 Johannes Henricus Sigel
1712 M. Johannes Fridericus Graff
1715 Johann Georg Nauert 1718 M. Johannes Melchior Hildebrand 1736 M. Johannes Andreas Lozzen
1739 M. Johannes Henricus Riedel
1772 Carl Henrich Rambach
1788 M. Wilhelm Heinrich Thieme
1828 - 1832 Pfarrer Sachse
1832 - 1849 Pfr. Thümmel
1850 - 1890 Pfr. Knote
1891 - 1905 Pfr. Gustav Zunkel
1905 - 1919 Krippendorf
1920 - 1921 Genzel
1921 - 1964 Hermann Zunkel
1964 - 1973 Superintendent Gottfried Feldmann
1973 - 1994 Charlie Heinicke.
Hochstedt ist seit Oktober 1673 oder seit 1743 Filialort von Vieselbach (die erste Eintragung ist mit Bleistift, die zweite mit Tinte).
[Vorbemerkung: Nur bei den ersten 50 Seiten dieses Buches handelt es sich um eine Chronik für die Jahre 1772 bis 1803. Danach wurde das Buch nur noch benutzt für Abschriften von Rundschreiben und Gesetzen. Die Eintragungen beginnen im Jahr 1772, als Vieselbach noch zu Erfurt und damit zum Kurfürstentum Mainz gehörte:]
Am 9. August 1772 bin ich, Carl Heinrich Rambach - nach der mir vom Rat aufgetragenen und unter göttlichem Beistand abgelegten Probe-Predigt - von der ganzen Gemeinde einmütig zum Nachfolger des Pfarrers gewählt worden. Die Gutachter waren Herr Johannes Hieronymus Vilhauer, später zweiter Pfarrer in Sömmerda, und Herr Johann Caspar Tramsdorf, späterer Pfarrer in Schwandorf.
Am 10. Sonntag nach Trinitatis hielt ich meine Antritts-Predigt. Am 14. Sonntag erfolgte die Einführung mit der Verleihung der Pfarrstelle durch Dr. Hochwürden Magister Beßler, in Gegenwart des hochangesehen Senatsabgeordneten, des Juristen Herrn D. Rumpel, und des Herrn Bürgermeisters Dr. Schroeder.
Am 7. November 1772 sind der Kirche von Maria Katharina Kaiser zehn Gulden für die Bekleidung des Altars geschenkt worden, und nachdem die von ihrem Stiefsohn Johann Heinrich Kaiser der Kirche gespendeten 4 Gulden 21 Groschen dazu genommen worden sind, ist das blaue Altartuch angefertigt worden.
Im Jahre 1773 ist das Turmdach für 25 Gulden repariert worden. In diesem Jahr habe ich damit angefangen, in den Betstunden am Sonntag und während der Woche die Bibel zu lesen. Maria Juditha verwitwete Weißbach hat auf ihrem Totenbett verfügt, daß der Altar bekleidet werden sollte, wozu sie ausdrücklich zehn Gulden gespendet hatte. Ihr Erbe, Johann Heinrich Fressel, hat auch ihrem Willen entsprochen und das Altartuch aus Kattun machen lassen.
Nachdem der bisherige Kirchenvorsteher[1], der 1. Bürgermeister Johann Nikolaus Gläser, im Jahre 1777 gestorben war, habe ich den hiesigen Herrn Landvogt, Herrn Traugott Friedemann Groß, zum Kirchenvorsteher gewählt. Dies geschah in der folgenden Art: Ich ließ den anderen Kirchenvorsteher zu mir kommen und sprach, ich hätte an die Stelle des verstorbenen Kirchenvorstehers den Herrn Vogt Groß gewählt, ob er etwas dagegen einzuwenden hätte? Als er nichts gegen meine Wahl einzuwenden hatte, ließ er den Herrn Vogt alsbald zu mir einladen und meldete ihm unser Wahl. Den anderen Tag gingen wir, ich und der neu gewählte Herr Kirchenvorsteher, ins Kirchen-Ministerium[2]. Nachdem ich die Frage des Herrn Senior Boch (?), ob der neue Herr Kirchenvorsteher nach Vieselbacher Herkommen gewählt worden sei, mit „Ja“ beantwortet hatte, wurde er bestätigt. Die Gebühren betrugen 14 Groschen und ich bekam 10 Groschen für meinen Weg.
„Weil sämtliche Landgeistlichen im Jahr 1778 beim hochwürdigen Rat eine Eingabe gemacht hatten wegen des halben Gnadenjahrs für ihre Witwen wie auch wegen einer ausreichenden Witwenkasse, wird denselben hiermit folgender Bescheid gegeben: Zwar wurde die erbetene Gestattung eines halben Gnadenjahres abgeschlagen, jedoch es wurde die Verordnung zum Besten ihrer Witwen gemacht, daß von nun an der ganze Sterbemonat und noch darüber hinaus sechs Wochen der Predigerwitwe zugute kommen sollen. Dabei geht man davon aus, daß alle Landgeistlichen ihr christlich gegebenes Versprechen genau erfüllen und während der Nichtbesetzung der Pfarrstelle das Amt nach erfolgter Anweisung ordentlich versehen werden. Im anderen Fall behält man sich vor, bei entstandenen begründeten Klagen, die zum Besten der Predigerwitwen geschehene Verfügung wieder aufzuheben. Was aber die Einrichtung einer Witwen-Kasse angeht, so kann man zwar eine derartige gute Anstalt als ein privates Werk geschehen lassen, jedoch darf niemand zum Beitritt genötigt werden, sondern alles muß freiwillig geschehen. Einstimmiger Beschluß, Erfurt, den 10. November 1777, im Auftrag des Herrn Senior und Ratsherrn des laufenden Jahres, H. F. Hermstedt, städtischer Schreiber.“
Durch einen Ministerialerlaß 14. Mai 1777 ist die übliche Schmauserei aus Anlaß des Schulexamens abgeschafft worden. Der Erlaß hat folgenden Wortlaut: „Dem Pfarrer zu Vieselbach wird auf seinen erstatteten Bericht der Bescheid erteilt, daß das Geld, das aus der Kirchenkasse zum Schulexamen gegeben wird, nicht zu Schmausereien, sondern für Papier, Fleißgeld und Bücher für die Schulkinder angewandt werden soll. Einstimmiger Beschluß, das hochwürdige Ministerium wie oben, J. Welz, Schreiber des hochwürdigen Ministeriums.“
In der Nacht vom 23. zum 24. Juni war vom häufigen Regen ein solches Hochwasser zusammengelaufen, daß die Kirche davon angefüllt war und der Gottesdienst nicht eher gehalten werden konnte, bis das Wasser wieder aus dem Gotteshause geschafft war. Das dauerte bis halb 11 Uhr. Daher fiel der Nachmittagsgottesdienst weg und in Hochstedt wurde vom Pfarrer gar kein Gottesdienst gehalten. Im Jahre 1779 ist in der Nacht vom zum [Datum fehlt] ein solcher Frost gewesen, daß das Getreide zum Teil ganz, zum Teil aber auch halb erfroren ist. Bei einigen Ähren war die Blüte schon heraus, bei andern aber noch in den Ähren, aber in beiden Fällen sind die Ähren erfroren. Der Schaden ist in der hiesigen Flur auf 1500 Gulden geschätzt worden. Von der gnädigen Herrschaft ist auch die Schätzung befohlen worden, und es sind auch von der Kurfürstlichen Kammer Kommissare aufs Land geschickt worden. Aber es ist kaum so viel (von den Abgaben) erlassen worden, daß es - nach Abzug der Kosten - auf jeden Einwohner einige Halblitermaße ausgemacht hat.
Am 15. März 1779 ist das Schulexamen das erste Mal ohne Schmauserei gehalten worden, entsprechend dem Befehl seiner Kurfürstlichen Majestät vom 14. Mai 1778. Das Examen geschah in folgender Ordnung:
Es war mir von seiner Kurfürstlichen Majestät die Verwendung der Examensgelder frei überlassen worden. Daher machte ich eine vernünftige Einteilung, wie die Examensgelder verwendet werden sollten. Diese las ich den beiden Kirchenvorstehern vor. Da sie dieselbe genehmigten, verkündigte ich die aufgestellte Ordnung vier Wochen vor dem Examen von der Kanzel.
Die Ordnung war wie folgt: 1) alle Kinder, sie seien reich oder arm, bekommen Bibeln
2) alle armen Kinder, deren Eltern nicht vermögend sind, ihren Kindern die nötigen Schulbücher zu kaufen, erhalten nach und nach ihre Schulbücher. Die Eltern der Kinder, die Bücher verlangen und wohlgemerkt bedürftig sind, müssen sich aber von dem Tag an, an dem es von der Kanzel verkündigt worden ist, innerhalb von acht Tagen im Pfarrhaus melden und um die nötigen Bücher bitten, damit der Pfarrer aufzeichnen kann, wie viel und was für Bücher zu kaufen sind. Die Kinder, deren Eltern sich nicht melden, werden auch keine Bücher erhalten, sondern man wird ihr Stillschweigen als ein Zeichen ansehen, daß sie im Stande sind, aus ihrem eigenen Vermögen ihren Kindern die nötigen Bücher zu kaufen und also dieser Beihilfe nicht bedürfen.
3) Es soll ein bestimmter Teil Geld und Papier alljährlich den Kindern gegeben und nach dem Fleiß der Kinder ausgeteilt werden. Alljährlich soll abgekündigt werden, wann sich die Eltern wegen der Bücher für ihre Kinder zu melden haben. So ist dann auch wirklich die Austeilung geschehen. Das Verzeichnis der Schulkinder, die Bücher erhalten haben: Bibeln haben bekommen: Johann Andreas Hildebrand, Johann Gerbord Fischer. Johanna Magdalena Feldtrapp, Margaretha Barth, Martha Magdalena Ritter.
Gesangbücher haben erhalten: Anna Elisabeth Kaiser, Martha Catharina Gölitz, Johann Georg König, Johann Adam Weber, Johann Christoph Ritter.
Johann Nikolaus Kühlmorgen hat einen Katechismus erhalten, Anna Catharina König ein Psalmbuch und Juditha Martha Elisabeth Weber ein Psalmbuch und Evangelienbuch.
In der ersten Klasse haben die Kinder, die keine Bücher erhielten, jedes einen Groschen und 4 Bogen Papier erhalten, in der 2. Klasse jedes 9 Heller und 6 Bogen Papier, in der 3. Klasse jedes 8 Heller und 4 Bogen Papier. Die Buchstabierenden haben 6 Heller und 3 Bogen Papier bekommen. Die ABC-Schützen haben 4 Heller und 2 Bogen Papier erhalten.
Der Pfarrer hat bekommen 8 Buch Papier
Der Herr Vogt als Kirchenvorsteher 4 Buch Papier
Der andere Kirchenvorsteher Johann Heinrich Höpfner 4 Buch Papier
Der Herr Schulmeister 4 Buch Papier
Der Bürgermeister Heinrich Kommer 2 Buch Papier
Der Oberaltarmann Caspar Ludewig 1½ Buch Papier
Der Schütze ½ Buch Papier.
Am 13. Dezember starb der Kirchenvorsteher und Schulaufseher Johann Heinrich Höpfner, Auf die auf Seite 14 beschriebene Art und ohne Widerrede ist als Kirchenvorsteher Meister Franz Brühl von mir und dem Herrn Vogt am 7. Februar 1780 im Geistlichen Ministerium bestätigt worden. Die Gebühren betrugen 14 Groschen für das Ministerium und 10 Groschen für den Pfarrer.
Im Jahre 1780 ist das Schulexamen wie im Jahre 1779 gehalten worden. Folgende Kinder haben Bücher bekommen: Bibeln: Martha Magdalena Praus, Anna Elisabeth Kaiser, Martha Katharina Gölitz.
Gesangbücher: Anna Christina Zinnis, Judith Weinhold, Judith Martha Elisabeth Weber.
Psalmen: Johann Adam Weber, Zacharias Müller, Johann Caspar Kühlmorgen, Martha Weinhold.
Katechismus: Johann Georg König, Heinrich Christian Engelbrecht.
Evangelien-Buch: Anna Catharina König.
Die Kinder, die keine Bücher erhielten, haben bekommen:
In der ersten Klasse jedes 1 Groschen 4 Heller und 8 Bogen Papier
In der zweiten Klasse jedes 1 Groschen und 5 Bogen Papier
In der dritten Klasse 8 Heller und 3 Bogen Papier
In der vierten Klasse 6 Heller und 2 Bogen Papier.
Meister Franz Brühl als Kirchenvorsteher 4 Buch Papier
Der Bürgermeister 2 Buch Papier
Der Ober-Altarmann Heinrich Christian Engelbrecht 1 Buch Papier
Am 30. März 1780 kam eine von Ihrer Majestät geschickte Bau-Kommission hier an, die die vollständige Reparatur des Turms und der Schule prüfen sollte. Die Herren Kommissare waren: Seiner Majestät Stadtjurist, der Herr Professor Ritesel, der Herr Ratsmeister Welz als Schreiber Ihrer Majestät und der Landmesser Herr Schnell. Gegenwärtig waren auch Pfarrer Linde[3], der Herr Vogt als Kirchenvorsteher und Meister Franz Brühl als Kirchenvorsteher und der Herr Schulmeister. Die Mahlzeit, die der Pfarrer besorgen mußte, kam auf 5 Taler. Die Gebühren für die Herren Kommissare betrugen 4 Gulden, für den Ministerialdiener Franke 12 Groschen und 8 Groschen für die ........[?]. Mit (einer Kutsche) mit vier Ackerpferden wurden sie abgeholt und auch wieder heim gefahren.
Bei dieser Gelegenheit wurde auch über die Beschwerde des Schulmeisters wegen der abgeschafften Mahlzeit beim Schulexamen beschlossen, jedoch mit Zustimmung des Pfarrers und der Kirchenvorsteher: Beim Schulexamen sollen zusätzlich 3 Gulden 16 Groschen von der Gemeinde und 7 Gulden von der Kirche dazu gegeben worden. Sie sollen wie folgt verwendet werden: Der Pfarrer 1 Gulden, beide Kirchenvorsteher je 1 Gulden, dem Schulmeister 18 Groschen, dem Bürgermeister und dem Ober-Altarmann je 12 Groschen, das Übrige soll für die Kinder verbleiben für Bibeln, Papier und Geld.
Am 24. Februar 1780 hat Johann Andreas Petri als Taufzeugin für sein neugeborenes Töchterchen eine Frau Anna Magdalena verwitwete Weißbach gebeten. Aber weil sie sich weigerte, die heilige Handlung zu verrichten (weshalb siehe im Kirchenbuch von 1780, Seite 74), ließ er seine Schwester das Kind (zur Taufe) heben[4]. Er brachte folgende Ursache vor: Er und seine Frau und die Hebamme und seine Schwester glaubten, weil die erbetene Person es nicht gern getan hätte, so könnte sie dem Kinde einen Zauber[5] antun, denn zum Beispiel hat sie nicht ordentlich alle Worte nachgebetet (O altmodischer Aberglaube, wie lange bleibst du noch als Bodensatz im Sinn der Menschen![6]).
Am 23. September 1780 ist Johann Gerbord Gisen, sonst ein ganz ordentlicher Einwohner, des morgens gegen 1 Uhr plötzlich gestorben. Er litt unglücklicherweise unter Fallsucht (Epilepsie), die dann auftrat, wenn er sich erhitzte und das Blut in Wallung brachte. Nun hatte Herr Groß, Besitzer des Hofgut, der ganzen Gemeinde, wegen der Hochzeit seiner ältesten Tochter vier Tonnen Bier spendiert. Die Einwohner tanzten dazu. Alles geschah am Nachmittag des 22. September. Dieser Gisen hatte auch mit getanzt und sich durch den Trunk und Tanz erhitzt. Des Nachts 12 Uhr bekam er einen Anfall und war in einer Viertelstunde tot. In der Leichenpredigt wurde hart gegen die Ausschweifungen und gegen den Ungehorsam gegen das Wort des Herrn geredet, zumal sie vorher am 18. in der Kirchweih-Predigt nach Epheser 5,15 ermahnt worden waren, sich sittsam und christlich zu verhalten.
8. November 1780: In diesem Monat kam vom Kurfürsten eine Brandversicherungs-Verord­nung heraus, in der besonders der § 16 wichtig war: „Wir ermahnen besonders die geistlichen und weltlichen Amtspersonen, die verantwortlich sind für die ihrer Pflege und Verwaltung untergebenen Gebäude. Sie müssen es sich bei Zuwiderhandlung selbst zurechnen lassen, wenn sie bei unglücklichen Brandereignissen wegen der Entschädigung rechtlich belangt werden und zum Ersatz verurteilt werden. Durch diese Vorsorge hätte so etwas verhütet werden können.“
Das Ministerium gab deswegen am 16. September diese Verordnung für alle Gemeinden auf dem Lande heraus: „Nachdem vom Kurfürsten zu Mainz eine Feuerversicherung gnädig veröffentlicht worden ist, und nach deren Artikel 16 auch geistliche Häuser versichert werden können, so wird allen Pfarrern und Kirchenvorstehern auf dem Lande befohlen, mit Zuziehung der bürgerlichen Gemeinde wohl zu überlegen, ob sie sich wegen der Kirch- und Schulgebäude auf diese Versicherung einlassen wollen. Natürlich muß geprüft werden, ob die Kirchenkasse im Stande ist, die damit verknüpften Beiträge zu leisten, und so dann ist eine preiswerte Schätzung der Kirche und der kirchlichen Gebäude einzusenden. Die bürgerliche Gemeinde aber hatte sich schon entschlossen, weder Kirche noch kirchliche und kommunale Häuser zu versichern, ungeachtet der Tatsache, daß sie der Herr Amtmann von Gudenius[7] selbst zur Versicherung freundlich und ernstlich ermahnt hatte. Also ist in Vieselbach nicht ein einziges Haus versichert worden.
Man hat aber den Pfarrer nicht um Rat gefragt. Dieses konnte er auch in dieser kritischen Sache gar wohl geschehen lassen, denn nun - mag der Fall kommen wie er will - so ist der Pfarrer gesichert. Aber dem Ministerium ist es berichtet worden.
Schließlich hat man auf den ausdrücklichen Befehl der Regierung doch Kirche, Pfarrhaus, Schule und Brauhaus versichert (weil alle Verantwortlichen für den Schaden gerade stehen sollten und aus ihren eigenen Mitteln bei einem sich ereignendem Unglücksfall die kirchlichen und kommunalen Häuser wieder aufbauen sollten). Ich weiß aber nicht, wie hoch die Versicherungssumme und der Beitrag war, weil man mich nicht gefragt hat, sondern ich habe dieses alles erfahren, als die Sache schon gelaufen war.
Wenn zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem 4. Adventsonntag kein anderer Tag ist, sondern die Weihnachtsfeiertage unmittelbar auf den 4. Advent folgen, so ist am Freitag vorher (nach dem 3. Advent) keine Wochenpredigt. Dieser Fall hat sich in diesem Jahr den 22. Dezember ereignet, und ist zur Nachricht hier eingetragen worden.
Am 24. Februar 1780 gab es mit der Familie des mit Johann Heinrich Höpfner einen Streit über einen Kirchenplatz, in dem ich aber recht behielt. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: Der Kirchenvorsteher Johann Heinrich Höpfner hatte zwei Frauenplätze, einen für seine Frau, den anderen für die Magd. Gleich nachdem er gestorben war, meldete sich sein Sohn und einziger Erbe Johann Heinrich Höpfner als Anwärter auf diese beiden Sitze. Aber ich erklärte ihm, daß er nach unserer Kirchenstuhlordnung nur einen Platz, nämlich für seine künftige Frau erhalten könne (siehe Stuhlordnung Nr.....). Er fand sich auch damit ab und versprach mit Mund und Handschlag, auf den Platz zu verzichten. Sobald ich aber den Platz an eine andere Frau verkauft hatte, ließ er sich von einer streitliebende Person anreizen, mir durch den Herrn D.[8] eine Schrift von 2½ Bogen zuzuschicken, in der er mich eines widerrechtlichen Handelns beschuldigen wollte. Doch da ich das Gegenteil bewies, wurde Höpfner im Ministerium abgewiesen und mußte alle Kosten bezahlen.
Am 22. Februar 1781 erlaubte das Ministerium in einem amtlichen Schreiben, daß bis auf Widerruf aus der Kirchenkasse jährlich 2 Meißener Gulden ausgegeben werden dürfen. Sie sollen zugute kommen der Martha Elisabeth Feldtrapp, ein bejammernswürdiges elendes Mädchen, die nicht reden und nicht gehen kann, alle Glieder am ganzen Leibe zittern, der Speichel läuft ihr zum Munde heraus; sie hat eine Zunge, die den ganzen Mund einnimmt, so daß sie sich die Hostie selbst in den Mund stecken und den Kelch selbst zum Munde führen muß. Das amtliche Schreiben wurde unter obigem Datum geschrieben und mir zugestellt.
Am 14. März 1781 wurde der Altarmann[9] des Jahres 1779 vom Kurfürstlichen Amt Azmannsdorf wegen der Kirch-Rechnung mit einer Strafe von 50 Reichstalern belegt, aber sie wurde auch auf Befehl der Kurfürstlichen Regierung wieder erlassen. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Im Jahr 17..... [Datum fehlt] wurde vom Kurfürstlichen Amt Azmannsdorf ein Regierungserlaß veröffentlicht, in welchen mit harten Ausdrücken verboten wurde, eine Kirch-Rechnung zur Prüfung und Feststellung an das Ministerium zu geben. Eine Strafe von 50 Reichstalern wurde angedroht, wenn sich einer erfrechen würde, es doch zu tun. Nun geschah es, daß der hiesige Schulmeister Sebald Heinrich Schwarz, ein überaus bissiger und böswilliger Mann, die Kirchrechnung in seinem Hause umänderte, aber nicht auf dem Entwurf verbesserte, den er in Gegenwart des Pfarrers und der Kirchenvorsteher richtig angefertigt und auch bereits zur Prüfung übergeben hatte. Er brachte nämlich Gelder in die Einnahme, die nicht in dieselbe gehörten und ließ in der Ausgabe 38 Meißener Gulden boshaft und vorsätzlicher Weise aus, so daß dem Altarmann 41 Meißener Gulden fehlten. Diese vom Schulmeister mit Willen gemachte Unordnung mußte dem Ministerium als Richter in Kirchensachen gemeldet werden. Und da ich in meinem Berichte vom 7. Februar die gemachte Unordnung bereits erwähnt hatte[10], so mußte freilich auch die verfälschte Kirchrechnung mit überschickt werden. Der Schulmeister wurde hierauf mehrmals vorgeladen, aber er kam nicht und schützte Krankheiten vor, obwohl er nicht die geringsten Schwierigkeiten innerhalb der Zeit (nämlich vom 7. Februar bis zum 14. März) gehabt hat. Am 12. März ging er in die Stadt. Am 13. erhielt der Altarmann vom Kurfürstlichen Amt eine Vorladung, von Amtswegen zu erscheinen[11]. Als er am 14. erschien, wurde er gefragt, wo er seine Kirchrechnung hätte. Er antwortete: „Sie liegt schon im Ministerium!“ Da wurde er mit einer Strafe von 50 Reichstaler belegt. Es half da auch weiter keine mündliche Vorsprache. Er bekam die Strafverfügung, weil er den Kurfürstlichen Regierungserlaß vom ....... 17...[Datum fehlt] übertreten hatte, so wurde er doch - unter Vorbehalt des Schadensersatzes - um 50 Reichstaler gestraft und sollte die Strafe binnen 14 Tagen (bei Androhung der Zwangsvollstreckung) bei der Staatskasse hinterlegen. Das Ministerium nahm sich der Sache an und übergab sie dem Herrn Dr. Hommel. Und da die Rechnung nicht zur Prüfung und Bestätigung übergeben worden war, also auch der Kurfürstliche Regierungserlaß vom Altarmann nicht übertreten worden war, so wurde die dem Altarmann vom Amt zuerkannte Strafe auf Befehl der Kurfürstlichen Regierung wieder erlassen.
Das Kurfürstliche Amt hatte sich nämlich von falschen Anklägern hintergehen lassen, hatte die Sache nicht gehörig untersucht, sondern hat sie vorangetrieben und hat oberflächlich und übereilt gestraft, Hierauf ging die Sache an das Ministerium. Der Schulmeister wurde befragt, wer dem Amte gemeldet habe, daß der Altarmann die Rechnung ins Ministerium getragen hat. Aber der Schulmeister entschuldigte sich mit der Unwissenheit. Nach Überprüfung der Sachen wurde ihm auferlegt, die Rechnung nach der Vorschrift des Pfarrers zu berichtigen, und dabei das wegzulassen, was nicht in die Einnahme gehört, und das Fehlende in der Ausgabe hinzuzusetzen. Er aber verlangte deswegen einen Bescheid des Ministeriums, den er auch am 22. März erhielt. Allein er verfertigte die Rechnung dennoch nicht, so daß sich also der Altarmann abermals genötigt sah, deswegen Klage beim Ministerium zu führen. Darauf wurde am 17. Mai dem Pfarrer Pastor in einem amtlichem Schreiben befohlen, zu berichten, warum der Schulmeister seit so langer Zeit die Kirchenrechnung der lutherischen Gemeinde nicht in Ordnung gebracht hat? Auf erstatteten gehorsamsten Bericht wurde dem Schulmeister den 22. März bei 5 Reichstalers Strafe aufgegeben, die Rechnung binnen acht Tagen zu berichtigen, und zwar in Gegenwart des Pfarrers und der Kirchenvorsteher. Darauf bat er sich eine Frist von drei Wochen aus, die ihm auch durch ein amtliches Schreiben des Ministeriums vom 31. Mai gestattet wurde. Darauf änderte er endlich am 9. Juni die Rechnung im Beisein des Pfarrers und der Kirchenvorsteher ab, aber die verfälschten Bogen wollte er nicht umschreiben. Als er aber die Rechnung überreichte, hatte er sie abermals nicht nach dem im Beisein des Pfarrers und der Kirchenvorsteher abgeänderten Exemplar gemacht, sondern das Geld, das er aus der Einnahme streichen sollte, wieder in Einnahme gebracht. Wobei er sich auf ein amtliches Schreiben des Ministeriums vom 24. Juni berief, das er sich durch falsche Angaben erschlichen und noch dazu falsch ausgelegt hatte. Dieses wurde abermals dem Ministerium am 18. Juli gehorsamst berichtet. Worauf die Sache dieses Jahr liegen blieb und die Rechnung nicht berichtigt wurde.
Am 8. März 1781 wurde vom Ministerium die Anrede des Pfarrers umgeändert und der peinliche Titel „Pastor Ehrn usw.“ davor gesetzt, doch nur bei den Aufschriften der Erlasse gebraucht, um dem Herrn Pfarrer zu schmeicheln.
Am 26. April 1781 ist das Schulexamen nach der vom Ministerium am 30. März des Vorjahres ergangenen Verordnung gehalten worden.
Die große Halle’sche Bibel zu je 18 Groschen empfingen: Johann Nicolaus Kühlmorgen, Johann Adam Weber, Anna Christina Zinkeis, Magdalena Kaiser. Die übrigen Kinder erhielten nur Papier und Geld.
Die in der ersten Klasse jedes 1 Groschen und 8 Bogen Papier
zweiten 9 Heller und 6 Bogen Papier
dritten 6 Heller und 4 Bogen Papier vierten 4 Heller und 2 Bogen Papier Der Pfarrer hat bekommen 1 Gulden und 2 Buch Papier
Der Herr Vogt als Kirchenvorsteher 12 Groschen und 1 Buch Papier
Meister Franz Brühl als Kirchenvorsteher 12 Groschen und 1 Buch Papier Der Herr Schulmeister 18 Groschen und 1 Buch Papier
Der Bürgermeister 6 Groschen und ½ Buch Papier
Der Ober-Altarmann 6 Groschen und ½ Buch Papier.
Es waren 31 Kinder.
16. Januar 1782: Am 11. Dezember des Vorjahres wurde abermals eine gehorsame Eingabe und Bitte an das Ministerium wegen der noch nicht berichtigten Kirchenrechnung aus dem Jahre 1779 gemacht. Der Schulmeister wurde auch vom Ministerium dazu per amtlichem Schreiben angehalten. Am 20. Dezember aber machte er neue Einwendungen, bei denen er fälschlich vorgab, er habe alles in der Kirchenrechnung der lutherischen Gemeinde nach dem Erlaß des Ministeriums eingerichtet. Diese Einwendungen wurde mir am gleichen Tage mitgeteilt mit dem angehängtem Befehl, wenn die Angaben des Schulmeisters richtig seien, die Kirchenrechnung ohne weiteren Aufschub verlesen zu lassen. Darauf wurde am 15. Januar berichtet, daß die Angaben des Schulmeisters falsch und unbegründet seien, und es wurde gebeten, ihn doch ernstlich und bei Strafe anzuhalten, die Rechnung den Erlassen gemäß zu berichtigen.
Hierauf wurden der Pfarrer, die Kirchenvorsteher, der Schulmeister und der Altarmann vorgeladen und dem Schulmeister - nachdem er als halsstarrig hart ermahnt wurde und er als ein Stöhner erkannt wurde - nochmals ernstlich befohlen, die Rechnung den Erlassen gemäß zu berichtigen und die verfälschten Bogen umzuschreiben. Er erhielt auch deswegen den 31. Februar ein deutliches und nachdrückliches amtliches Schreiben.
Als dieses ihm am 22. des Monats vorgelesen wurde, entschuldigte er sich wegen dringender Amtsgeschäfte in der Schule und daß er vor Ostern die Rechnung nicht anfertigen könne. Die­ses wurde am 6. März an das Ministerium per amtlichem Schreiben berichtet. Am 11. April war die Rechnung noch nicht fertig. Deswegen mußte abermals ein Bericht übergeben und Beschwerde erhoben werden, die auch am 11. April erfolgte. Darauf kam abermals ein amtliches Schreiben vom 18. April, man solle dem Schulmeister deutlich machen, daß er innerhalb von acht Tagen die Rechnung zu berichtigen habe. Wenn nicht, so sei sie auf Kosten des Schulmeisters von einem anderen in Ordnung zu bringen. Darauf hat er die Rechnung endlich angefertigt und die verfälschten Bogen umgeschrieben, so daß dieselbe endlich am 21. Juli (dem 8. Sonntag nach Trinitatis) der Gemeinde vorgelesen wurden. Johann Nicolaus Lippold, einer der eifrigsten Verfechter und Anhänger des Schulmeisters, hat die Rechnung zu sich genommen, um sie durchzusehen, hat sie aber noch nicht zurückgegeben.
Am 11. März 1782 ist das Schul-Examen abermals wie im Vorjahrgehalten worden. Halle’sche Bibeln zu je 18 Groschen haben erhalten: Johann Georg König, Anna Marie Engelbrecht, Juditha Christina Weichelt, Juditha Martha Elisabeth Vogt. Die übrigen Kinder haben Geld und Papier erhalten im vorigen Jahr. Auch der Pfarrer, der Kirchenvorsteher Ludwig, der Bürgermeister und der Altarmann haben das Festgesetzte erhalten. Kinder waren es dieses Jahr 29 und 4 Neuzugänge.
Am 9. Oktober 1782 wurde Heinrich Kommer, Einwohner und Vormundschafts-Verwandter[12] von hier, von Johann Herbord Ludwig gebeten, Pate bei seinem neu geborenen Söhnchen zu werden. Er war der Bruder des Vaters der Mutter des Kindes. Er war aber von dieser Familie auf verschiedene Weise beleidigt worden, wozu auch mancherlei Geklatsche durch Frauen und besonders durch Mägde[13] kam. Das führte dazu, daß er zwar das Kind bei der Taufhandlung hielt, aber nicht beim Taufessen erschien. Weil ich von seinem Vorhaben erfuhr, ließ ich ihn vor der Taufe zu mir kommen, stellte ihm vor Augen, wie er bei dieser heiligen Handlung alle Feindschaft beiseite legen und sich als einen guten versöhnlichen Christen zeigen müßte, der vergeben und vergessen könnte, usw. Er antwortete: Er habe in seinem Herzen keinen Haß und keine Feindschaft gegen seine Verwandten beiderseits und habe allen Verdruß verziehen und vergeben, den man ihm angetan habe. Aber er habe davon abgesehen auch ein Wort gesprochen, das zwar niemandem etwas schade, aber das er doch halten wolle, weswegen er nicht bei dem Gastmahl erscheinen könnte. Alle weiteren Vorhaltungen waren fruchtlos. Er tat, was er beschlossen hatte: brachte das Kind zur Taufe und ging wieder nach Hause.
Am 10. November 1787 starb der Schulmeister Sebald Heinrich Schwarz plötzlich an einem Schlaganfall. Er war 53 Jahre lang als Lehrer an der hiesigen Schule. Am 3. Adventsonntag wurde an die Stelle des verstorbenen Schulmeisters Schwarz der bisherige Schulmeister in Waltersleben, Johann Thomas Höke, durch einmütige Wahl hierher berufen. Er hat die Berufung auch angenommen. Die geschehene Wahl der Gemeinde ist vom Ministerium den Donnerstag darauf bestätigt worden, so daß der Schulmeister am 1. Weihnachtsfeiertag hier seinen ersten Dienst tat.
Am 3. September 1787 wurde der seitherige Pfarrer Carl Heinrich Rambach wegen seines ungesitteten und unzüchtigen Lebenswandels von seinem Amte beurlaubt. Die Vertretung wurde vom einem damaligen Mitarbeiter des Ministeriums dem Magister Friedrich Wilhelm Heinrich Thieme übertragen worden, so daß er sämtliche Besoldung bezogen hat, sowohl das Grundgehalt als auch die Gebühren von Amtshandlungen.
Am 14. Januar 1788 (einem Sonntag) starb der seitherige Kirchenvorsteher und Schulaufseher Meister Johann Franz Brühl. An seiner Stelle wurde von dem amtierenden Pfarrer Magister Friedrich Wilhelm Heinrich Thieme der Vormundschaftsverwandte Johann Andreas Fischer gewählt. Die Wahl wurde am 14. Februar vom Ministerium bestätigt. Dabei wurden 14 Groschen an das Ministerium be­zahlt und dem amtierenden Pfarrer 8 Groschen.
Im Jahr 1788 wurde damit angefangen, die neue Schule zu erbauen. Am 23. Januar 1788 war eine sehr große Überschwemmung, bei der das Wasser fast 75 Zentimeter hoch durch das Dorf strömte und der Hasenbach so hoch ging, daß das Wasser bei dem auf den Krümling[14] stoßenden 1¾ Ar großen Pfarrstück über das Ufer trat und nach dem Dorf zuströmte. Ebenso erhielt auch der Hochstedter Bach eine ungewöhnlicher Höhe.
Am 6. September 1788 wurde der Pfarrer Carl Heinrich Rambach durch ein von der juristischen Fakultät in Göttingen eingeholtes Urteil seines Pfarramtes völlig enthoben und zur Bezahlung sämtlicher Kosten verurteilt.
Am 30. November 1788, dem ersten Adventssonntag, wurde ich, Magister Friedrich Wilhelm Heinrich Thieme, der bisherige Stellvertreter, von den beiden Gemeinden zu Vieselbach und Hochstett durch einstimmige Wahl zum Pfarrer gewählt. Am 2. Adventssonntag wurde vom evangelischen Stadtrat[15] darüber abgestimmt. Am 17. Dezember wurde ich im Rathaus feierlich in das Amt eingesetzt.
Am 25. Mai 1788 starb der Schulmeister Johann Thomas Höke an der Auszehrung. Am 8. Juni ist Johann Philipp Kämmerer, Schulmeister in Obernissa, an die Stelle des verstorbenen Schulmeisters Höke gewählt worden und am 19. Juni die Wahl vom Ministerium bestätigt worden.
Am 1. Januar 1789 (dem Neujahrstag) habe ich, Magister Friedrich Wilhelm Heinrich Thieme, meine Antrittspredigt gehalten.
Am 23. März 1789 wurde das übliche Schulexamen gehalten. Es erhielten an Aufwandsentschädigung:
Der Pfarrer 1 Gulden 2 Bücher Papier
Beide Kirchenvorsteher 1 Gulden (jeder 12 Groschen) 2 Bücher (jeder ein Buch)
Der Schulmeister 18 Groschen 2 Bücher
Die beiden Altarleute 12 (jeder 6 Groschen) jeder ½ Buch
Der Bürgermeister 6 Groschen ½ Buch
Der Schütze 6 Groschen ½ Buch
Johann Nikolaus Sachse 1 Bibel
Johann Michael Schmidt 1 Bibel.
Die Kinder erhielten Papier, Brötchen und Brezeln.
Am 17. März 1789, dem Sonntag Rogate, wurde ich durch eine abgeordnete Rats-Kom­mis­sion feierlich in der Kirche als Pfarrer eingesetzt. Dabei waren als Kommissare anwesend: Herr Senior Beßler, Herr Ratsmeister Fischer, Herr Dr. Brückner, Herr Schreiber Zache und als Assistenten Herr Pfarrer Klöppel aus Niederzimmern und Herr Pfarrer Tromsdorf aus Azmannsdorf. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 29 Gulden 20 Groschen.
Im Jahre 1789 ist der vordere Giebel am Pfarrhaus und die Wohnstube neu gebaut worden. Für die Wohnstube und die Studierstube sind neue Fenster angeschafft worden und die Studierstube hat einen neuen Dielenbelag erhalten.
Am 16. September 1789 schlug der Blitz bei Johann Georg Bezold ein, zündete aber nicht: es entstand aber hierauf ein so heftiger Regen, daß das Wasser in der Nacht zwischen dem 17. und 18. das ganze Dorf in den tiefer gelegenen Gebieten überströmte und die Flut ganze 24 Stunden lang anhielt, so daß das Wasser auf fast 60 Zentimeter stieg. Überhaupt war dieses Jahr durch Überschwemmungen gekennzeichnet.
Erlaß vom 4. Februar 1790: „Die Trauungen wurden bisher schon sehr früh am Tag von dem Pfarrer zu Vieselbach, Magister Thieme, vorgenommen. Dies wird ihm jetzt ausdrücklich untersagt, weil es der überall eingeführten Übung entgegen ist. Die Trauungen müssen jedesmal am Sonntagnachmittag stattfinden, es sei denn, es würde eine stille[16]Trauung in der Woche verlangt. Auch die Beerdigungen sind ohne die geringste Ausnahme am Tage vorzunehmen. Einstimmiger Beschluß des Ministeriums in Erfurt vom 4. Februar 1790. Wels, Schreiber des Ministeriums.“
Anmerkung: Dieser Erlaß war durch den Schulmeister[17] Johann Philipp Kämmerer veranlaßt und durch lügenhafte Vorspiegelungen erschlichen worden. Der Pfarrer hat dazu die sachdienlichen Erläuterungen eingeschickt, daß nämlich die Frühtrauungen - es sei am Sonntag oder in der Woche früh - nur dann geschähen, wenn eine Ausnahmegenehmigung von allen Aufgeboten beim Ministerium eingeholt wurde und man sich hierbei nach der allgemeinen hergebrachten Übung richte. So ist durch das Stillschweigen des Ministeriums der erste Teil des obigen Erlasses außer verbindliche Kraft gesetzt worden.
In der Frage der Nachtbegräbnisse reichten der Pfarrer und die beiden Kirchenvorsteher die Gegendarstellung ein, daß es von jeher üblich hier üblich gewesen sei, daß jeder seine Toten habe in der Stille[18] beerdigen lassen können, wann es ihm beliebt. Daraufhin erfolgte ein zweiter Erlaß folgenden Inhalts:
18. Februar 1790: „Auf die Eingabe des Pfarrers und der Kirchenvorsteher zu Vieselbach, die dortigen Abendbegräbnisse betreffend, wird hiermit folgender Bescheid erteil: Nirgends auf dem Lande sind ohne besondere Ursachen und deswegen beantragter Erlaubnis die Abendbegräbnisse gestattet. Deshalb ist das, was in diesem Falle in Vieselbach bisher geschehen sein mag, seither ohne Vorwissen des Ministeriums mißbräuchlich geschehen. Man kann auch aus guten Gründen die Abendbegräbnisse auf dem Lande nicht zulassen. So werden der Pfarrer und die Kirchenvorsteher hiermit nochmals angewiesen, alle Beerdigungen am Tage vorzunehmen. Beschluß des Ministeriums in Erfurt 18. Februar 1790, im Auftrag Wels, Schreiber des Ministeriums.“
Und dabei ist es geblieben, obwohl mehrmals von dieser Vorschrift befreit worden ist, wie die Folgezeit zeigt. Der Schüler-Chor[19] hat dann gegen Johann Heinrich Kämmerer Klage erhoben wegen der ihnen bei Hochzeiten zu zahlenden Gebühren. Der Schulmeister erhielt zwar vom Ministerium die Auflage, ihnen die Gebühren zu entrichten. Es erfolgte auf seine weitere Weigerung sogar am 18. Februar ein Erlaß zum sofortigen Vollzug. Aber weil er diesen Erlaß nicht respektierte und die Schüler die Sache nicht weiter betrieben, so ist die Angelegenheit liegen geblieben. So ist nicht ausgemacht worden, ob jemand aus der Gemeinde, der mit Ausnahmegenehmigung in der Stille heiratet, verpflichtet sei, den Einsatz des Chores zu bezahlen oder nicht.
Am 12. April 1790 wurde das Schulexamen wie gewohnt gehalten. Bibeln haben erhalten Johann Georg Kaiser, Johann Heinrich Weisbach, Marie Sophie Susanne Groß, Anna Barbara Weisbach, Anna Maria Fressel[20], Judith Mina König, Johann Gerhard Leipold.
Am 31. August 1790 wurde dem Pfarrer auf seine Bitte hin die Erlaubnis zur Beerdigung seines verstorbenen Töchterchens erteilt und er ließ dasselbe früh um 2 Uhr beerdigen.
Am 21. Dezember erhielt der Landvogt Groß die Erlaubnis, sein verstorbenes Söhnchen in aller Stille zu beerdigen, und es geschah dies früh um 4 Uhr.
Am 18. Januar 1791 wurde dem Pfarrer auf seine Bitte hin die Erlaubnis zur nächtlichen Beerdigung seiner Frau erteilt, und er ließ sie abends 9 Uhr zur Erde bestatten.
Am 4. April 1791wurde das Schulexamen gehalten.
Pfarrer 1 Gulden 2 Bücher Papier
Ludwig Groß, Kirchenvorsteher 12 Groschen 1 Buch Papier
Johann Andreas Fischer, Kirchenvorsteher 12 Groschen 1 Buch Papier
Schulmeister Kämmerer 18 Groschen 2 Buch Papier
Bürgermeister 6 Groschen ½ Buch Papier
Ober-Altarmann 6 Groschen ½ Buch Papier
Unter-Altarmann 6 Groschen ½ Buch Papier
Schütze 6 Groschen ½ Buch Papier.
Bibeln haben erhalten: Johann Georg Ludewig, Johann Andreas Ludewig, Anna Maria Engelbrecht, Regina Christina Brühl, Anna Martha Lippold, Anna Magdalena Engelbrecht, Juliana Maria Katharina Schmidt, Maria Friederike Gräf. Alle Kinder erhielten Papier, Brötchen und ein Brezeln.
Am 19. März 1792 ist das Schulexamen auf gleiche Weise wie 1791 gehalten worden. Martha Justina Weißbach erhielt eine Bibel. Die Kinder erhielten das Übliche.
10. August 1792: Auf eine vom Pfarrer bei der Kurfürstlichen Regierung gemachten Eingabe wegen des Gras-Anteils auf dem Pfarrrieth, weil die hiesige Bauernschaft sich weigerte, seinem Knecht[21] etwas von dem Gras abzugeben, ist der folgende Bescheid erteilt worden: Auf die von Herrn Pfarrer Thieme bei der Kurfürstlichen Regierung übergebenen Eingabe ist mit Datum vom 7. August des Jahres der folgende Bescheid erteilt worden: „Amt Azmannsdorf. Wenn derjenige, der das Pferd übernommen hat, die Gemeindefrohn verrichtet, so ist ihm der Gras-Anteil nicht zu entziehen. Dies wird dem Herrn Pfarrer hierdurch nachrichtlich bekannt gemacht, Erfurt, den 10. August 1792, Kurfürstliches Amt Azmannsdorf, Pingel, Schreiber.“
Am 28. Oktober 1792 wurde nach der eingereichten Anfrage wegen des Baus des Kirchendaches und der Chortreppe vom Ministerium der folgende Bescheid erteilt: „Dem Pfarrer und den Kirchenvorstehern wird auf den erstatteten Bericht hin der Bescheid erteilt, daß das baufällige Kirchendach und die Treppe tüchtig repariert werden und auch mit Zungenziegeln belegt werden können. Dazu wird hiermit die Zustimmung erteilt. Es wird aber auch empfohlen, alle mögliche Ersparnis dabei anzuwenden. Erfurt, den 28. Oktober 1792. Einstimmiger Beschluß des Ministeriums, im Auftrag Dr. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“
Am 15. November 1792 ist durch einen gedruckten Ministerial-Erlaß die Absage an den Teufel[22] in der Taufformel abgeschafft und damit auch die drei hierauf Bezug nehmenden Fragen in der Taufformel und die sonst beim Taufstein übliche Anrede: „Liebe Freunde! Ihr habt dieses Kindlein usw.“. Es soll gleich mit dem apostolischen Glaubensbekenntnis begonnen werden und die drei Fragen angeschlossen werden: „Willst du in diesem Glauben bis an dein Ende treu verbleiben und dein ganzes Leben nach der Lehre Jesu einrichten? Willst du allen Sünden und Lastern als Werken des Teufels von Herzen entsagen und sie in göttlicher Kraft zu vermindern suchen? Willst du auf diesen Glauben und auf dieses dein getanes Versprechen getauft sein?“[23]
Am 6. Dezember 1792 hat der Freibauer[24] Heinrich Polykarp Groß, ein Mann von äußerst schwarzem und boshaftem Charakter, eine Eingabe beim Ministerium gemacht. Weil ich mir seine Grobheit und Bosheiten, mit denen er seine Mitmenschen zu behandeln gewohnt ist, nicht gefallen lassen wollte und daher allen Umgang mit ihm aufhob, hat er beim Ministerium um die Erlaubnis nachgesucht, sich einen anderen Beichtvater in der Stadt wählen zu dürfen. Dies hat er dann auch beim Ministerium erreicht, trotz aller deswegen gemachten Einwendungen von meiner Seite, vermutlich auf Betreiben des Pfarrers Gebhard (Schande über jenen Menschen). Seitdem hat er sich von unseren religiösen Versammlungen gänzlich abgesondert und als ein öffentlicher Kirchenverächter betragen.
Am 11. März 1793 ist das Schulexamen wie üblich gehalten worden. Bibeln haben erhalten: Christian Groß, Johann Heinrich Ludewig, Johann Andreas Ackermann, Johann Herbord Engelbrecht, Anna Margaretha Weber. Die Kinder erhielten das Übliche.
Am 20. März 1793 starb das Töchterchen des Landvogts Groß. Der Pfarrer beantragte beim Ministerium die Erlaubnis zum Nachtbegräbnis. Daraufhin wurde folgender Bescheid erteilt wurde: „Auf den eingereichten Bericht des Pfarrers zu Vieselbach wird hiermit der Bescheid erteilt, daß das verstorbene Töchterchen des Landvogts Groß gegen Erlegung doppelter Gebühr für die Amtshandlung und 8 Groschen für den Erlaß in der Stille beerdigt werden kann. Erlaß des evangelischen Ministeriums, Erfurt, den 20. März 1793, Dr. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“
Am 17. September 1793 ist Franz Jacob Flietners Kind wegen der Kirchweih früh in aller Stille beerdigt worden.
Am 20. September 1793 ist Anna Elisabetha Petri, Frau des Johann Andreas Petri, wegen Armut ebenfalls abends in der Stille beerdigt worden, ohne daß eine Sondererlaubnis eingeholt wurde; das ist auch nicht beanstandet worden.
Am 11. Oktober 1793 kam eine Kurfürstliche Regierungskommission hierher. Sie kam bei dem Landvogt Groß zusammen. Sie bestand aus dem Herrn Regierungsrat (ohne Titel) Bachmann, dem Amtmann Heinemann, dem Regierungssekretär Bleckert. Sie wollte die vom Pfarrer von neuem wegen des Gras-Anteils vom Pferderieth eingereichten Beschwerden abschließend verhandeln. Außer den oben genannten Herrn Kommissaren befanden sich dabei: Als Kläger der Pfarrer und als Beklagte der Landvogt Groß, die Vormundschaftsverwandten Johann Andreas Fischer, Johann Nikolaus Lippold, Caspar Flietner, Johann Georg Bezold, Johann Heinrich Kummer, Johann Andreas Lippold und der Schulmeister Johann Philipp Kämmerer.
Bei der Besprechung in der Kommission wurde der Streit in der Weise verglichen, daß dem Pfarrer für das Frei-Pferd der Gras-Anteil ganz unentgeltlich und von Rechtswegen zugeteilt werden sollte. Würde er aber zwei oder mehrere Pferde halten, so sollte er für jedes Pferd einen Anteil vom Pferderieth bekommen, wenn er die in der Gemeinde sich ergebenden Fronarbeiten mit demselben ableisten würde. In diesen Kompromiß willigte auch die gesamte anwesende Vormundschaft[25] ein. Er wurde von der Kommission zu Protokoll genommen und als ein auf ewige Zeiten geltendes Recht niedergeschrieben und festgesetzt. Die Kommissionsgebühren betrugen 8 Gulden 16 Groschen, wovon der Pfarrer die Hälfte und die Gemeinde die Hälfte bezahlt haben.
Anmerkung: Von dieser Zeit an ist auch dem Pfarrer jederzeit der Anteil für das zweite Pferd ohne Weigerung gegeben worden. Die Nachfolger sollten in Zukunft darauf achten und dies erworbene Recht ohne alle Nachsicht festhalten, wie auch den oben genannten Regierungserlaß, daß in den Fall, daß der Pastor einen Knecht halten würde, ihm der Anteil auf das Frei-Pferd gegeben werden müsse.
Am 16. Januar 1794 legte der seitherige Kirchenvorsteher Herr Johann Andreas Fischer auf Verhetzung des Freibauers Groß sein Amt nieder. Dem Pfarrer wurde vom Ministerium der Auftrag zur Wahl eines neuen Kirchenvorstehers, wie es im hiesigen Orts Brauch ist, gegeben. Demzufolge wurde dann auch vom Pfarrer ohne Zuziehung und Befragung des anderen Kirchenvorstehers Friedemann Traugott Groß oder auch der Vormundschaft oder Gemeinde der wohlehrengeachtete Johann Heinrich Höpfner, christlicher Einwohner von hier, gewählt; Am 20. Februar wurde er dem Ministerium zur Bestätigung vorgestellt und die Wahl ohne Aufschub bestätigt und ungeachtet des vom Landvogt Groß geschehenen Protestes. Die Gebühren betrugen 14 Groschen und dem Pfarrer 8 Groschen[26].
Am 19. Februar 1794 übergab der seitherige Kirchenvorsteher und Landvogt Friedemann Traugott Groß ein Protestschreiben gegen die Wahl des neuen Kirchenvorstehers Höpfner, in dem er zugleich um die vorzeitige Entlassung aus seinem Kirchenvorsteheramte nachsuchte.
Am 13. März 1794 erhielt der Pfarrer einen Erlaß des Ministeriums, in dem ihm der Gebrauch der großen Schulstube zur Unterweisung der Kinder in der Fastenzeit für die Zukunft untersagt wurde, obwohl er die seit der Erbauung der neuen Schule zu diesem Zweck benutzt, und selbst das Jahr vorher durch einen Erlaß des Ministeriums bestätigt worden war. Seit dieser Zeit hat er die folgenden Jahre die Kinder, die zum heiligen Abendmahl vorbereitet werden sollten, in seiner Wohnung unterrichtet.
Am 13. März 1794 wurde wegen des am 17. Februar in aller Stille begrabenen verstorbenen, eine Woche alten Kindes Johann Georg Venus, die der saubere Schulmeister Kämmerer beim Amt gemeldet hatte, die nächtliche Beerdigung der Verstorbenen bei 5 Gulden Strafe verboten Am 28. März 1794 erschien eine Ministerialkommission wegen der Kirchenreparatur. Sie bestand aus dem Herrn Dr. Hommel, Pfarrer Ritschel, Bauinspektor Schmidt, Schreiber Dr. Eccard. Die Gebühren betrugen 6 Gulden 16 Groschen. Am 8. Mai erteilte das Ministerium auf den Bericht der Baukommission den Bescheid, daß nur einstweilen das Dach ausgebessert werden sollte.
Am 30. März 1794 wurde das Schulexamen gehalten.
Kirchenvorsteher Höpfner 12 Groschen 1 Buch Papier
Schulmeister 18 Groschen 2 Buch Papier
Zweiter Bürgermeister 6 Groschen ½ Buch Papier
Bibeln haben erhalten: Johann Heinrich Weisbach, Johann Georg Fressel, Johann Timotheus Engelbrecht, Dorothea Magdalena Weber, Christina Barbara Engelbrecht, Anna Katharina Peter. Die Kinder erhielten Papier, Brötchen und Brezeln.
Am 2. November 1794 wurde Das Söhnchen des Landvogts Groß abends in aller Stille begraben. Der Pfarrers war aber von den näheren Umständen nicht unterrichtet. Die vom Landvogt selbst beantragte Ausnahmegenehmigung war vom Ministerium verweigert worden. Der Landvogt aber verheimlichte das und hinterging den Pfarrer mit der Behauptung, die Erlaubnis erhalten zu haben. Der Pfarrer konnte deswegen keine Meldung machen. Die Sache ist aber auch vom Ministerium nicht untersucht worden. Am 5. Mai 1795 ist der Landvogt Friedemann Traugott Groß seines Amtes als Kirchenvorsteher vom Ministerium entlassen worden.
Am 23. Februar 1795 habe ich, weil dem Pfarrer der weitere Gebrauch der großen Schulstube im Jahr zuvor untersagt worden war, dieses Jahr zum ersten Mal nur diejenigen Kinder in den Fastenunterricht aufgenommen, die das erste Mal zum Heiligen Abendmahl gehen. Einige Mitglieder haben es zwar gewagt, beim Ministerium dagegen Beschwerde zu führen. Aber nachdem die Gründe dagegen vorgebracht wurden, sind sie zum Stillschweigen angewiesen worden. Es ist dabei geblieben, daß künftig der Pfarrer nur die Kinder in den Unterricht zu nehmen hat, die fähig sind, zum Heiligen Abendmahl zu gehen.
Am 13. März 1795 wurden die Pfarrer auf dem Lande durch ein Rundschreiben vom Ministerium benachrichtigt, daß nach einem Kurfürstlichen Erlaß die katholischen Einwohner an protestantischen Orten die Gebühren für Trauungen, Kindtaufen und Begräbnissen an den protestantischen Pfarrer und die anderen zur Kirche gehörenden Personen zu zahlen haben.
Am 16. März 1795 wurde das Schulexamen wie üblich gehalten. Bibeln haben erhalten: Herbord Feldrappe, Johann Adam Hase, Eva Gräf. Die Kinder erhielten die üblichen Gaben.
Heinrich Christian Engelbrecht ist zum Kirchenvorsteher gewählt worden, hat das Amt aber nicht angenommen. Hierauf wurde Franz Jakob Flietner gewählt, der das Amt ebenfalls abgeschlagen hat. Dies wird hiermit als Nachricht festgehalten, um sich vor diesen Leuten zu hüten.
Am 1. Februar 1796 ist der Vormundschaftsverwandte Johann Andreas Lippold vom Pfarrer zum Kirchenvorsteher gewählt und am 4. Februar im Ministerium bestätigt worden. Die Gebühren betrugen 14 Groschen, dem Pfarrer 8 Groschen.
Am 7. März 1796 ist das übliche Schulexamen gehalten worden.
Dem Pfarrer 1 Gulden 2 Bücher Papier
Kirchenvorsteher Lippold 12 Groschen 1 Buch Papier
Dem Schulmeister 18 Groschen 2 Buch Papier
Dem 2. Bürgermeister 6 Groschen 1 Buch Papier
Dem Ober-Altarmann 6 Groschen ½ Buch Papier
Dem Schützen 6 Groschen ½ Buch Papier.
Statt der Bibeln sind diesmal den die Schule verlassenden Kindern neue Gesangbücher gegeben worden. Das waren Johann Christian Weber, Martha Christiana Susanna Groß, Juliana Margaretha Kämmerer, Susanna Benigna Flietner, Johann Georg Weisbach, Johann Heinrich Ludewig, Martha Engelbrecht, Johanna Sophie Gräf. Die Kinder empfingen Papier, Brötchen und Brezeln.
Am 15. Mai 1796, dem ersten Heiligen Pfingstfeiertag, wurde das neue Gesangbuch in den öffentlichen Gottesdiensten ohne allen Widerstand der Gemeinde eingeführt, was daher zum rühmlichen Andenken aufgezeichnet worden ist.
Am 14. April 1796 wurde die verstorbene Ehefrau des Landvogts Groß gegen die ausdrückliche Verweigerung der Ausnahmegenehmigung begraben, um die der Pfarrer im Namen des Vogts gebeten hatte. Der Landvogt Groß beharrte - ungeachtet alles Protestierens des Pfarrers - auf der nächtlichen Beerdigung, weil die Leiche bereits in Verwesung übergehe. Es wurde daher sogleich am anderen Tag, dem 15. April, vom Pfarrer Bericht erstattet über das Benehmen des Landvogts. Jedoch anstatt den Landvogt zur Verantwortung zu ziehen, schickte das Ministerium dem Pfarrer einen Erlaß zu, in dem es ihn zur Strafe von 10 Gulden verurteilte, weil er das Begräbnis zugelassen hatte, das er seiner ihm auferlegten Pflicht nach hätte ablehnen müssen. Durch einen neuen Erlaß bestätigte das Ministerium noch den ersten und belegte auch zugleich den Schulmeister mit 9 Gulden Strafe. Als dagegen von neuem eine Eingabe gemacht wurde und auf rechtliche und unparteiische Untersuchung gedrungen wurde, so beharrte dessen allen ungeachtet das Ministerium auf seinem einmal gefällten Machtspruch, so daß der Pfarrer und der Schulmeister sich genötigt sahen, gegen die Bedrückungen des Ministeriums den an evangelischen Stadtrat zu appellieren, wo sie dann von aller Strafe völlig frei gesprochen wurden.
Im Jahre 1796 ist das Kirchdach mit Zungenziegeln neu belegt worden und es wurden sechs neue Dachfenster darin angebracht.
Am 23. September 1796 wurde die Ehefrau des Freibauern Heinrich Polykarp Groß früh in der Stille begraben, nachdem er beim Ministerium auf seine Gesuch folgenden Ausnahme-Erlaß erhalten hatte: „Dem Freibauern Groß zu Vieselbach wird auf dessen Gesuch hiermit der Bescheid erteilt: Den gegebenen Umständen nach und wenn derselbe gemäß seinem Angebot die Pfarrgebühren doppelt zahlen wird, nämlich dem Pfarrer 2 Laubthaler, dem Schulmeister 1 [? Währungsbezeichnung] und der Kirche 10 Gulden, so kann das Begräbnis seiner verstorbenen Frau abends in der Stille vorgenommen werden. Erlaß Erfurt, den 6. August 1796, D. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“ Dies ist auch von ihm befolgt worden.
In diesem Jahre 1796 ereignete sich folgender besonderer Fall wegen eines Kirchenplatzes. Es starb nämlich am 8. April Anna Margarethe Lies. Für deren Kirchenplatz meldete sich
- am 8. April ihr Enkel, Meister Johann Herbord Lippold
- am 10. April ihre Enkelin Susanna Sophia Lippold
- am 11. April ihre leibliche Tochter Anna Margarethe Lippold, die Frau des Kirchenvorstehers, die leibliche Mutter der beiden obengenannten - am 11. April wieder ihre Tochter, die bereits genannte Susanna Sophia Lippold.
Nun entstand Streit zwischen den beiden Geschwistern. Der Bruder berief darauf, daß er sich zuerst gemeldet habe. Um dieses Recht war er allerdings gekommen durch das Melden seiner Mutter als der leiblichen Tochter der Verstorbenen. Als sich dann die Schwester gleich nach ihrer Mutter wieder meldete, so glaubte sie, in das Recht der ersten Meldung eingetreten zu sein. Als nun keiner dem anderen nachgeben wollte, so wurde die Sache an das Ministerium berichtet und darüber folgendes entschieden:
„Auf den erstatteten Bericht des Pfarrers zu Vieselbach wird hiermit der Bescheid erteilt, daß der Kirchenplatz der verstorbene Frau Lies ihrer leiblichen Tochter Anna Margaretha Lippold zugeschrieben wird. Dafür ist sie verpflichtet, ihren bisherigen Kirchenplatz der Kirche zur weiteren Verlosung zurück zu geben. Er ist ihrer Schwiegertochter Magdalena Lippold zuzuschreiben, wenn im dortigen Ort die Verheirateten von den Unverheirateten abgesondert sitzen und ein solcher Stuhl niemals an einen Unverheirateten verlost werden kann. Es wäre denn, daß die unverheiratete Tochter der Frau Lippold vorhat, sich zu verheiraten; in diesem Fall kann der leiblichen Tochter als Blutsverwandten der Kirchenplatz ihrer Mutter nicht entzogen werden. Erlaß Erfurt, den 17. Nov. 1796, D. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“
Am 26. März 1797 ist das Schulexamen wie üblich gehalten worden, doch sind diesmal keine Bücher an die die Schule verlassenden Kinder gegeben worden, weil die Kirchenkasse zu sehr erschöpft war. Übrigens haben die Schulkinder wie sonst das Ihrige empfangen. Am 19. Juli 1797 ist hier und in Hochstedt eine General Kirchen- und Schulvisitation[27] gewesen, wobei als Kommissare erschienen: Herr Senior Magister Engelhard, Herr Stadtjurist Schorch, Herr Pfarrer Reinhard aus der Barfüßerkirche, Herr Dr. Eccard, Schreiber des Ministeriums.
Der Gottesdienst nahm um 10 Uhr seinen Anfang in folgender Ordnung:
1.) Komm heiliger Geist
2.) Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit
3.) Ehre sei Gott in der Höhe
4.) Allein Gott in der Höh sei Ehr
5.) Intonation: Wir loben Gott den Vater usw. und das Kollektengebet
6.) Ach bleib mit deiner Gnade
7.) Buße
8.) Hierauf hielt der Herr Senior Engelhard eine kurze Rede von den verschiedenen Wirkungen des Wortes Gottes 9.) Darauf ward vom Schreiber Herr Dr. Eccard die Erläuterung über die Absicht dieser Visitation verlesen
10.)Mußte der Vieselbacher Schulmeister Kämmerer die Schulkinder lesen lassen und sie
unterrichten[28] 11.)Hierauf mußte der Hochstedter Schulmeister Veiz [?] das Gleiche tun
12.)Prüfte ich als Pfarrer die ledigen Burschen
13.)Der Herr Senior prüfte die Frauen und der Herr Pfarrer Reinhard die Männer.
Während der Prüfung befragte zuerst der Herr Stadtjurist mich als Pfarrer, darauf die Schulmeister, so dann die Kirchenvorsteher beider Gemeinden, worauf 14.) der Herr Senior wieder eine kurze Rede hielt
15.) Herr Gott dich loben wir
16.) Intonation: Herr lehre uns tun usw. 17.) Kollekte und Segen
18.) Laß mich dein sein und bleiben
Von den zu bezahlenden Kommissionsgebühren und Aufwandsentschädigungen, die bezahlt werden mußten, mußten beide Kirchengemeinden die Hälfte und die (bürgerliche) Gemeinde die andere tragen, so daß die die Vieselbacher Kirche 2/6
die Vieselbacher Gemeinde 2/6
die Hochstedter Kirche 1/6
die Hochstedter Gemeinde 1/6
gab. Sämtliche Kosten betrugen aber 24 Gulden 4 Groschen und noch 3 Gulden für Kaffee und ein kleines Mittagsbrot, das der Pfarrer ausrichtete.
Genauere Aufstellung der Kosten bei der Generalvisitation:
Herrn Senior, Kommissionsgebühren und Aufwandsentschädigung 4 Gulden Herrn Stadtjurist 4 Gulden
Herrn Pfarrer Reinhard 3 Gulden Schreiber (des Ministeriums) 3 Gulden Ministerialdiener 1 Gulden 12 Groschen
Ortspfarrer 1 Gulden 2 Kirchenvorsteher zu Vieselbach 1 Gulden 1 Kirchenvorsteher zu Hochstedt 12 Groschen
Dem Schulmeister zu Vieselbach 12 Groschen
Dem Schulmeister zu Hochstedt 12 Groschen
Dem Landvogt zu Vieselbach 12 Groschen
Dem 1. Bürgermeister zu Hochstedt 12 Groschen
Für Pferdemiete 2 Gulden 12 Groschen
Trinkgeld für den Knecht 8 Groschen
Für Verfügungen 1 Gulden Dem Marstallknecht 8 Groschen
Summa 24 Gulden 4 Groschen
Am 29. Juni 1797 wurde auf eine Anfrage beim Ministerium wegen Bezahlung der Gebühren für Amtshandlungen durch katholische Einwohner folgender Bescheid gegeben: „Dem Pfarrer zu Vieselbach, Pfarrer Magister Thieme, wird auf dessen Anfrage hiermit der Bescheid erteilt: Die Gebühren bei Beerdigungen katholischer Einwohner sind jedesmal nach der 3. Klasse anzusetzen, es wäre denn, daß ganz arme Personen begraben würden, da wären dann weniger Gebühren zu fordern. Erlaß Erfurt, den 29. Juni 1797, Dr. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“
Am 30. Juli 1797 starb der seitherige Kirchevorsteher Johann Heinrich Höpfner. Dieser hat 150 Meißener Gulden für die hiesige Schule vermacht, wie aus nachfolgenden Auszug aus dessen Testamente zu sehen ist:
„Auszug aus Johann Heinrich Höpfners Testament vom 28. Juli 1797: Schließlich legte der Verfasser des Testaments fest, daß der hiesigen Schule 150 Meißener Gulden vermacht werden sollen. Die Aufteilung soll so erfolgen, daß von 50 Meißener Gulden der jeweilige Schulmeister die jährliche Zinsen beziehen soll, um desto mehr Fleiß auf die Erziehung der Kinder zu verwenden, die Zinsen von den übrigen 100 Meißener Gulden aber sollen für die armen Schulkinder angewendet werden, um für diese die nötigen Schulbücher anzuschaffen. Darüber hinaus soll ihnen zur Aufmunterung eine Belohnung für ihren gezeigten Eifer bei dem Schulexamen verabreicht werden. Jedoch soll kein Kirchenvorsteher befugt sein, davon für sich einen Abzug zu machen, sondern alles soll für die Kinder verwendet werden. Jährlich soll bei der Vorlage der Rechnung dargestellt werden, wie die Verteilung geschehen ist. Daß vorstehender Auszug mit dem vom 28. Juli 1797 zu Vieselbach in des Johann Heinrich Höpfners Haus errichteten Testament Wort für Wort gleichlautend sei, solches wird hierdurch nach vorheriger Vergleichung der Punkte von Amtswegen attestiert. Erfurt, den 1. August 1797, Kurfürstliches Amt Azmannsdorf, für die Richtigkeit, Pingel, Schreiber.“
16. Juli 1797: In diesem Jahre sind zwei neue Gesangbücher für die Kirche angeschafft worden, eins für den Pfarrer und eins für den Schulmeister, und dazu ein Gebetbuch; sie bleiben als Inventar in der Kirche.
Die Gebühren für Amtshandlungen beim Begräbnis des Herrschaftlichen Revierjägers Löberl, der katholischer Religion war und nach Dittelstedt überführt und dort beerdigt worden ist, sind nach der Vorschrift des evangelischen Ministeriums zu Erfurt auf folgende Weise aufgeteilt worden, nämlich dem Pfarrer 16 Groschen, dem Schulmeister 8 Groschen, den Läutern 10 Groschen, dem Kreuzträger 1 Groschen, insgesamt 1 Gulden 11 Groschen. Anmerkung: Seine Erben mußten aber durch das Kurfürstliche Amt Azmannsdorf dazu angehalten werden.
Am 21. Oktober 1797 hat der Jäger Wolf von hier die Gebühren für die Taufe seines Kindes vorschriftsmäßig gezahlt, obwohl er katholischer Religion war und sein Kind von dem Herrn Pater Joseph Hamilton vom Schottenkloster in seiner Wohnung hat taufen lassen.
Am 4. November 1797 ist an die Stelle des verstorbenen Kirchenvorstehers und Schulaufsehers Johann Heinrich Höpfner wieder vom Pfarrer der wohlehrengeachtete Johann Nikolaus Lippold gewählt und die Wahl vom Ministerium bestätigt worden.
Am 19. März 1798 ist das Schulexamen wie üblich gehalten worden. Dabei haben die anwesenden gegenwärtigen Personen die übliche Aufwandsentschädigung erhalten, so wie die Kinder das übliche Papier, Stollen und Brezeln, aber keine Bücher aus der Kirchenkasse, weil diese zu sehr erschöpft ist.
Am 4. Mai 1799 wurde das Schulexamen gehalten. Dabei erhielten die anwesenden Personen
die übliche Aufwandsentschädigung und die Kinder Papier, Stollen und Brezeln. Zugleich empfingen - dem Willen des Schenkenden entsprechend - zum erstenmal Bücher im Wert von 100 Meißener Gulden aus den Zinsen der Höpfnerschen Schenkung[29] folgende Kinder: Eine Bibel Anna Dorothea Schmidt und Barbara Elisabetha Weber, ein Gesangbuch Margaretha Elisabetha Schmidt, einen Katechismus Justina Susanna Gräf, Johann Kaspar Weber sen.,
Johann Heinrich Reinhard und Andreas Engelbrecht, ein Evangelienbuch Johann Nikolaus Krauße und Johann Ernst König. Auch wurden bei dieser Gelegenheit von diesen Zinsen zwölf Exemplare des Lesebuchs für die Schulen von Rochow zum Inventar der Schule gekauft.
Am 18. Juli 1799 wurde auf eine Anfrage der Kirchenvorsteher, ob dem Schulmeister die für die Besorgung der Turmuhr ausgeworfenen 18 Metzen[30] Korn in Naturalien oder nach dem Preis am Michaelistag[31] zu bezahlen sei, folgender Bescheid erteilt: „Die dem Schulmeister in Vieselbach für die Besorgung der Turmuhr ausgesetzten 18 Metzen sind dem Schulmeister jährlich in Naturalien am Michaelistag zu entrichten. Einstimmiger Beschluß des Ministeriums, Erfurt den 18. Juli 1799, D. Eccard, Schreiber des Ministeriums.
Am 24. März 1800 wurde das Schulexamen wie üblich gehalten und aus der Höpfnerschen Schenkung empfingen folgende Kinder Bücher: Ein Gesangbuch Johann Nikolaus Krauße, Justina Susanna Gräf und Anna Margaretha Brömmert[32], einen Katechismus Johann Christoph Lippold, Johann Martin Brömmert und Juditha Krauß. Am 19. März 1800 ist die Predigerwitwen-Versorgungseinrichtung vom Stadtrat feierlich bestätigt worden, wie aus den beigefügten Gesetzen zu ersehen ist. Auf das von dem Pfarrer Beyer zu Sömmerda, in seinem und der anderen Landprediger Namen erfolgten Gesuch zur Errichtung einer Witwen und Waisen-Versorgungseinrichtung für Landprediger[33] wird vom Stadtrat hiermit die behördliche Einwilligung nicht nur erteilt, sondern auch schließlich der von dem Pfarrer überreichte Entwurf von Seiten des Stadtrat mit gesetzlicher Kraft wie folgt bestätigt:
1. Beim Todesfall eines Landpredigers erhalten dessen Witwe oder Kinder von jedem Mitglied zwölf Groschen zu den Begräbniskosten, die von einem Todesfall zum anderen im voraus bezahlt werden, um zum Auszahlen gleich bereit zu liegen. Sind aber weder Witwe noch Kinder, sondern nur Verwandte vorhanden, so fallen diese zwölf Groschen weg.
2. Auf jede Witwe oder deren Kinder bis zum 20. Lebensjahr bezahlt jedes Mitglied der Gesellschaft einen jährlichen Beitrag von 4 Groschen, der in der Woche vor dem 1. Advent eingesammelt und vor Weihnachten verteilt wird.
3) Auch aus der Kirchenkasse wird vom evangelischen Ministerium nach dem Verhältnis des Kirchenvermögens ein zu bestimmender jährlicher Beitrag von 1 oder 2 oder 4 Gulden für die Versorgungseinrichtung gegeben und zu gleichen Teilen unter die Witwen verteilt. Sollte aber eine Gemeinde zu arm sein, um auch nur einen Gulden jährlich entrichten zu können, so wird sie vom Ministerium so lange frei gestellt, bis sie wieder besser dasteht. 4) Da die (bürgerlichen) Gemeinden auf dem Lande bisweilen den bedürftigen Prediger-Witwen mancherlei Unterstützungen geben mußten, die aber künftig wegfallen, so ist es billig, daß auch diese zur Versorgungseinrichtung etwas beitragen. Da aber im Augenblick nichts darüber bestimmt werden kann, so bleibt es vorerst den Pfarrern überlassen, ob sie die Gemeindevorsteher ihres Ortes zu einem freiwilligen Beitrage bewegen vermögen, der ihnen nicht allein gestattet, sondern auch höchsten Ortes gebilligt werden dürfte. 5) Da ihre Kurfürstliche Gnaden zu Mainz aus Höchstlandesväterlicher Milde zur Versorgungseinrichtung auch ein Kapital von 390 Gulden zu schenken gnädigst geruht haben, so soll dasselbe gegen Zinsen ausgeliehen werden und diese Zinsen jährlich mit verteilt werden.
6) Es wäre jedoch ein höchst ungleiches Verhältnis, wenn die ersten Witwen, deren Männer noch gar keine oder wenig Beiträge gegeben hätten, nicht nur die erwähnten Zinsen, sondern auch die ganze Summe der Beiträge aus den Kirchenkassen und vielleicht auch der Gemeinden allein bekämen. In diesem Falle erhielte die erste Witwe vielleicht 150 Gulden und mehr jährlich, dagegen die späteren Witwen, deren Männer vielleicht 30 oder 40 und mehrere Jahre ihre Beiträge haben entrichten müssen, kaum den 15. Teil davon. Deshalb soll zur Ermittelung eines gerechten Verhältnisses eine Mittelzahl einstweilen angenommen werden und der Anteil der ersten Witwen danach bestimmt werden. Die laufende Witwenzahl könnte in der Folgezeit zwischen 10 und 20 liegen, die Mittelzahl wäre also 15 Witwen. Demnach sollen die ersten Witwen, so lange bis die Zahl auf 15 angewachsen ist, jede jährlich den 15. Teil der Zinsen der von den Kirchenkassen und Gemeinden gegebenen Beiträge erhalten, und das Übrige soll zu dem obigen Kapital mit dazu geschlagen werden. Jedoch geschieht dieses nicht länger, als bis die Zahl der Witwen auf 15 angestiegen ist. Es wird von da an nichts mehr zurückgelegt, sondern alles zu gleichen Teilen verteilt, auch dann, wenn die Zahl der Witwen wieder unter 15 fiele.
7) Die Landgeistlichkeit wählt aus ihrer Mitte einen Vorsteher, der die Rechnung führt und diese jährlich an vier zu wählende Abgeordnete gibt und an einem geeigneten Ort in Erfurt oder anderswo ablegt, worauf die Rechnung dem Stadtrat zu weiterer Einsicht und Bestätigung vorgelegt wird. 8) Der Vorsteher behält seine Stelle mindestens fünf Jahre, kann sie aber auch länger behalten, wenn er Lust dazu hat und wieder gewählt wird. Die vier Abgeordneten aber bleiben lebenslang, wenn sie fähig sind, können jedoch auch ihre Stelle an andere abtreten, wenn sie begründete Ursache haben. Es wird vorläufige Wahl des Vorstehers in der Person des Pfarrers Schreiber zu Udestädt hierdurch genehmigt.
9) Wenn ein Landprediger nach Erfurt berufen wird, kann er seine bisherige Verbindung mit der Versorgungseinrichtung fortsetzen, unter der Voraussetzung, daß er die auf seine Person kommenden jährlichen Beiträge weiter bezahlt. Jedoch können nach seinem Ableben dessen hinterlassene Witwe und Kinder auf nichts weiter Anspruch erheben als auf die von jedem Mitglied der Versorgungseinrichtung zu den Begräbniskosten zu bezahlenden zwölf Groschen und den jährlich zu entrichtenden Beitrag von vier Groschen. Somit haben sie an den aus den Kirchenkassen der Versorgungseinrichtung zufließenden Beiträgen und deren Verteilung keinen Anteil. Will indessen ein nach Erfurt berufener Landprediger, daß seine einst zu hinterlassende Witwe und Kinder auch an den zuletzt genannten Beiträgen Anteil haben soll, so muß er verbindlich erklären, daß er außer seinen sonstigen Beiträgen - auf Lebenszeit oder solange er Mitglied der Versorgungseinrichtung bleibt - aus seinem eigenen Vermögen an die Versorgungseinrichtung jährlich bezahlen will, was von der Kirchenkasse seiner bisherigen Landgemeinde dahin entrichtet worden ist[34].
10) Es wird verordnet, daß diejenigen bisherigen Landprediger, die freiwillig in die Versorgungseinrichtung eintreten, in dieser auch bis zu ihrem Ableben verbleiben müssen und in keinem anderen Falle austreten können, als wenn sie etwa außer Land oder in die Stadt berufen werden sollten, wobei sich von selbst versteht, daß dergleichen austretende Mitglieder die bis dahin eingezahlten Beiträge nicht zurück verlangen können.
Die künftigen Landprediger sind zwar nicht gleich mit Erhaltung des Pfarramts verpflichtet beizutreten, sondern es wird ihnen hierzu eine zweijährige Frist gestattet. Nach deren Ablauf aber sind sie verpflichtet, Mitglied in der Versorgungseinrichtung zu werden. Wenn sie sich allerdings noch vor Ablauf dieser zwei Jahre verheiraten sollten, dann müssen sie mit ihrer Verheiratung auch der Versorgungseinrichtung beitreten.
11) Ferner wird verordnet: Wenn ein Landprediger vor Johannistag[35] stirbt, sollen dessen hinterlassene Witwe oder Kinder die festgesetzte Pension beziehen an Weihnachten des Jahres, in dem ihr Mann oder Vater verstorben ist. Wenn aber der Todesfall erst nach dem Johannistage erfolgt, erlangen die Witwe oder Kinder erst Weihnachten des darauf folgenden Jahres die Pension. 12) Sollte sich eine Pfarrwitwe wieder verheiraten, so verliert sie ihren Anspruch auf das Witwengehalt, es sei denn, daß aus der ersten Ehe pensionsberechtigte Kinder vorhanden sind; in diesem Fall haben die Kinder das festgelegte Gehalt weiter zu beziehen. In gleicher Weise ist es auszuhalten, wenn ihr zweiter Ehemann ein nie mit der Versorgungseinrichtung verbundener Landprediger gewesen sein sollte, sie das doppelte Witwengehalt bekommt, wenn dieser stirbt, nämlich eins wegen ihrer Kinder aus erster Ehe und das andere wegen ihrer eigenen Person und etwaiger Kinder aus der zweiten Ehe.
13) Im Übrigen wird den Mitgliedern der Versorgungseinrichtung alle eigenmächtige Abänderung dieser Gesetze als auch der Beschluß künftiger neuerer Gesetze hiermit ausdrücklich und mit der Bemerkung untersagt, daß dergleichen Abänderungen und neue Bestimmungen - so wie es ohnehin Rechtens - für null und nichtig zu achten sind. Vielmehr werden dieselben angewiesen, wenn solche Fälle vorkommen, die schuldig geziemende Anzeige davon hierher zu machen und eine obrigkeitliche Verfügung abzuwarten.
Erfurt, den 19. März 1800, der Stadtrat, G. A. Graberg, derzeit Erster Bürgermeister.
Auf Festlegung des Ministeriums muß aus der Kirchenkasse beigetragen werden von Vieselbach 1 Gulden 8 Groschen und von Hochstedt 1 Gulden.
12. Februar 1801: Vom Bau des Scheunendaches: „Dem Pfarrer und den Kirchenvorstehern wird auf ihren erstatteten Bericht folgender Bescheid erteilt: Weil der Bauzustand so ist, wird hiermit die Zustimmung erteilt, das Scheunendach auf dem dortigen Pfarrgehöft mit Ziegeln decken zu lassen. Dabei ist jedoch eine genaue Aufsicht und Ersparung unnötiger Kosten zu beachten. Erlaß Erfurt, den 12. Februar 1801, D. Eccard, Schreiber des Ministeriums”.
12. März 1801: Gemäß eines bei Zustellung des Bußgebets übersendeten Rundschreibens wurde das Fest „Maria Verkündigung“, das an sich auf den 25. März fiel, auf den Sonntag Judika, den 22. März, zurückverlegt und gefeiert.
Am 16. März 1801 wurde das Schulexamen wie üblich gehalten. Es empfingen Bücher aus der Höpfnerschen Schenkung: Je einen Katechismus erhielten Johann Philipp Flietner, Justine Wilhelmine Susanna Kämmer, Dorothea Sophie Reinacker, Margarethe Elisabeth Schmidt , Barbara Elisabeth Weber, Johann Nikolaus Krauße, Johann Kaspar Weber senior, Johann Ernst König, Markus Herbert Kämmerer, Johann Kaspar Valentin König, Johann Christoph Lippold, Justina Susanna Gräf, Dorothea Maria Walther, Judith Christine König, Johann Georg Wagner, Susanna Sophia Weber, Johann Kaspar Weber junior und Johann Herbert Lippold. Ein Syrach-Buch[36] erhielten Anna Margaretha Brömmert, Anna Margaretha Kaiser, Judith Martha Elisabeth Weber, Anna Elisabeth Sturm und Katharina Wolf, ein ABC-Buch erhielt Anna Regina Susanna Kraus. 1) Am 24. März 1802 wurde bei Übersendung des Bußgebets vom Ministerium eine vom evangelischen Stadtrat genehmigte neue Kirchenplatzordnung zugesandt und davon dem Pfarrer und beiden Kirchenvorstehern je ein Exemplar ausgehändigt und befohlen, für jedes einen Groschen in die Kirchrechnung zu geben.
2) Es wurde befohlen, keine fremden Religionsangehörigen ohne vorherige sorgfältige Befragung über die Ursache ihres Übertritts zur evangelischen Kirche anzunehmen und darüber vorher einen Bericht an das Ministerium zu erstatten.
3) Es sollen bei jeder Anfertigung der Kirchrechnung zugleich die in der Kirche vorhandenen Geräte genau aufgeführt werden.
Am 29. März 1802 wurde das Schulexamen wie üblich gehalten. Es empfingen Bücher aus der Höpfnerschen Schenkung: Je ein Gesangbuch erhielten Juditha Christine König, Susanna Sophia Weber, Anna Margaretha Kaiser und Martha Elisabetha Gräf. Ein Evangelium erhielten Johann Fabian Feldrappe, Johann Georg Wagner und Johann Herbord Kämmerer. Einen Katechismus erhielten Juditha Martha Elisabetha Kraus, Anna Elisabetha Sturm, Johann Martin Brömmer und Johann Georg König und ein Syrach-Buch Johann Georg Kämmerer. Am 22. Mai 1802 wurde durch einen vom Ministerium herumgeschickten Umlauf eine Verordnung des evangelischen Stadtrat bekannt gemacht, kraft dessen allen Schullehrern bei schwerer Strafe untersagt wurde, die Kinder mit Ohrfeigen oder Stockschlägen auf die Fingerspitzen oder durch sonstige harte Strafen zu mißhandeln, vielmehr bei körperlichen Züchtigungen nur mit der Rute zu züchtigen.
Am 20. August 1802 haben die Königlich-Preußische Majestät Friedrich Wilhelm III. die Stadt Erfurt und ihren Gebieten durch den Generalleutnant der Kavallerie von Voß [?] und den Generalleutnant der Infanterie Grafen von Wartensleben in Besitz nehmen lassen[37].
21. August 1802: „Die Herren Pfarrer werden ersucht, die an die Kirchtüren angeschlagenen Königlich-Preußischen Plakate über die Inbesitznahme und Generalbegnadigung nächsten Sonntag von der Kanzel zu verlesen und wieder anzuheften[38] und sogleich nächsten Montag hierher zu berichten, wie es geschehen ist. Erfurt, den 27 August 1802, Königlich-Preußisches vorläufiges Amt Azmannsdorf, Turin, Dr.“
25. August 1802: „Die Herren Pfarrer werden ersucht, die an die Kirchentüren angeschlage­nen Königlich-Preußische Verordnung über die Fahnenflucht, herausgegeben in Hildesheim mit dem Datum 6. Juni 1802, vier Sonntage nacheinander und von da an alle drei Monate von der Kanzel zu verlesen. Erfurt, den 25. August 1802, Königlich-Preußisches vorläufiges Amt Azmannsdorf, Heinemann, Dr.“
Am 13. Juni 1803 ist der Kirchenvorsteher und Schulaufseher Friedrich Heinrich Christian Gross im Ministerium bestätigt worden. Er war anstelle des am 18. November 1802 verstorbenen Kirchvorstehers und Schulaufsehers Johann Nikolaus Lippold gewählt worden. Die Gebühren für die Bestätigung betrugen 14 Groschen und der Pfarrer erhielt 10 Groschen Aufwandsentschädigung.
Am 21. März 1803 wurde das Schulexamen wie üblich gehalten. Aus der Höpfnerschen Stiftung empfingen folgende Kinder Bücher: Ein Evangelium erhielten Susanna Gräf und Sophia Susanna Weber. Ein Gesangbuch erhielten Dorothea Elisabetha Lippold, Juditha Martha Elisabetha Krauß und Johann Christoph Lippold. Einen Katechismus erhielten Jakob Wagner,
Anna Regina Krauß, Maria Sophia Wenzel und Sophia Barbara Brommer.
7. April 1803: „In den Königlich-Preußischen Staaten ist aus landesväterlicher Fürsorge zur Aufnahme und Wohlfahrt des Staates eine Bank gegründet worden. Damit soll erreicht werden, daß die ganze Vermögensmasse im Staat in beständigem Kreislauf gehalten wird. Es soll auch zum Besten der Staatsbürger sein, besonders aber zum Nutzen von Prozeß-Parteien und derjenigen, welche wegen ihres Alters, Abwesenheit oder geschwächten Seelenkräfte ihrem Vermögen vorzustehen nicht fähig sind. Diese Bank ist von König Friederich II. durch die Verordnungen mit dem Datum vom 18. Juli und 1. November 1768 in Berlin, auch 31. März 1769, für sich und seine Nachfolger ausdrücklich garantiert worden. Bei dieser Bank müssen gerichtliche und vormundschaftliche Einlagen, ebenso sämtliche den Stiften, Hospitälern, Kirchen, Schulen, Witwenkasse und allen anderen Stiftungen und öffentlichen Anstalten gehörende Gelder zinslos untergebracht werden, sofern sie nicht gegen höhere Bankzinsen angelegt werden können mit genügender, durch Hypotheken gesicherter Sicherheit. Die neu erworbenen preußischen Gebietes sollen von jetzt an auch an dieser Wohltat Anteil haben. Daher wird das evangelische Ministerium hiermit angewiesen, nunmehr augenblicklich die etwa vorrätigen und nicht schon zur Auszahlung stehenden gerichtlichen und vormundschaftlichen Einlagen, so wie die vorrätigen Gelder, die den Stiften, Hospitälern, Waisenhäusern, Kirchen, Schulen und allen anderen milden Stiftungen und öffentlichen Anstalten gehören und über die das evangelische Ministerium die Aufsicht führt, an das Bankhaus nach Magdeburg abzusenden und absenden zu lassen. Dabei wird dem Ministerium als Richtlinie bekannt gemacht
1) Das Bankhaus nimmt nur vollrichtiges Gold nach dem preußischen Passivgewicht sowie grobes preußisches Umlaufgeld an, allerdings nicht unter 50 Gulden und über 50 Gulden nur nach jeweils zehn Tagen.
2) Bei der Absendung muß jedesmal in dem Schreiben vermerkt werden, ob es gerichtliche oder vormundschaftliche Gelder sind, weil sich danach der Zinsfuß richtet. Auch bei den Geldern, die religiösen Körperschaften gehören, ist die Körperschaft oder die Anstalt, der sie eigentlich gehören, ebenfalls genau anzugeben wegen des Zinsfußes.
3) Die vormundschaftlichen Einlagen und Gelder der milden Stiftungen genießen nur Portofreiheit, wenn sie unter öffentlichem Siegel und unter der Rubrik von regierungsamtlichen Banksachen gesandt werden. Dagegen müssen aber die übrigen sich für Einlage bei der Bank vorgesehenen Gelder frankiert werden 4) Das evangelische Ministerium ist für den Zinsverlust haftbar, der aus der Unterlassung der Befolgung dieser Auflage entsteht 5) Besonders wird dem evangelischen Ministerium nochmals zur Wiederholung bekannt gemacht, daß die etwa auf bloße Schuldscheine und ohne genügsame Sicherheit ausgeliehenen Schuldscheine und Kapitalien augenblicklich gekündigt und eingezogen werden müssen. Im anderen Fall muß es aus dem eigenen Vermögen dafür haften und ist noch besonders deshalb verantwortlich.
Zugleich wird dem Ministerium eröffnet, daß mit dem 1. Juni die allgemeine Bankeinlagenordnung für die Ober- und Untergerichte in den Königlich-Preußischen Staaten, gedruckt 1803 in Berlin bei Decker, eingeführt werden wird. Es wird daher sehr zweckmäßig sein, wenn das evangelische Ministerium sich bei Zeiten mit den Vorschriften dieser Ordnung bekannt macht. Sollte übrigens wegen Anwendung der in dieser Verordnung enthaltenen Vorschriften Zweifel entstehen, so ist deshalb bei der unterzeichneten Kommission anzufragen.
Erfurt, den 7. April 1803, Königlich-Preußische allerhöchstverordnete Spezialorganisationskommission, Schulze, Borth, Zweitens das hiesige evangelische Ministerium, Ditmar.“
9. April 1803: „Das evangelische Ministerium hat zur Verhütung alles für das Kirchenvermögen zu befürchteten Schadens - und der daher für deren Verwalter und Aufseher erwachsen könnende Verantwortung - an sämtliche Kirchenvorstände in der Stadt als auch auf dem Lande die unverzügliche Verfügung zu erlassen, daß die kirchlichen Gebäude bei der neuerdings vorhandenen Feuerversicherungs-Anstalt nach wie vor versichert werden müssen. Erfurt, den 9. April 1803, auf Befehl des evangelischen Ministeriums[39], D. Zache.“
16. April 1803: „Den bei den evangelischen Gemeinden hiesigen Gebiets angestellten Pfarrern wird die beiliegende Verordnung der Königlich-Preußischen Organisationskommission hiermit aus dem Grunde mitgeteilt, um als Erstes eine Abschrift davon zu nehmen, so dann unter Zuziehung der Kirchenvorsteher den Inhalt dieses Befehls genau zu erwägen und hierüber innerhalb von 8 Tagen auf jeden Fall Bericht zu erstatten. Besonders werden die Pfarrer und Kirchenvorsteher auf die in Nummer 9 enthaltenen Vorschriften aufmerksam gemacht, weil im Unterlassungsfall die Pfarrer und Kirchenvorsteher den Schaden der Kirche ersetzen müssen, wie es schon mehrmals in Erlassen des Ministeriums betont wurde. Außerdem wird die beiliegende Verfügung des evangelischen Stadtrats über die Feuerversicherung der kirchlichen Gebäude hiermit zugleich nachrichtlich bekannt gemacht. Erfurt, den 10. April 1803, auf Befehl, D. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“
28. April 1803: „Da von der Königlich-Preußischen von ganz oben verordneten Spezial-Organisations-Kommission unterm 4. dieses Monats verfügt worden ist, daß in den Lutherischen Kirchen eigene Kirchensiegel angeschafft werden sollen, so wird dies der evangelischen Geistlichkeit auf dem Lande hiermit zur weiteren Veranlassung bekannt gemacht. Dies ist gleich in die Wege zu leiten und innerhalb von 8 Tagen ist hierher zu berichten, wie es geschehen ist. Erlaß aus dem Ministerium, Erfurt den 28. April 1803, D. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“
16. Mai: „Da nach der Verordnung des Stadtrats die Kirchensiegel nach einem allgemeinen und gleichartigen Muster angefertigt werden müssen, das den Kirchenvorstehern noch bekannt gemacht werden wird, so sind die bereits gefertigten Siegel dem Ministerium einzuliefern, und es ist mit der Bestellung der übrigen bis auf weitere Anweisung abzuwarten. Erlaß, Erfurt, den 16. Mai 1803, D. Eccard, Schreiber des Ministeriums.“
[Ab jetzt fehlen die Seitenzahlen in dem Buch, so daß nach Paragraphen zitiert wird. Es werden nur noch Zirkularschreiben und Befehle kopiert. Deshalb wird ab jetzt nur noch deren Inhalt wiedergegeben. Vieselbach gehört inzwischen zum Großherzogtum Sachsen-Weimar[40]. Der Superintendent Linke hat seinen Sitz in Udestedt].
Im Jahr 1828:
§ 1: Bei Schulmeister ist anzugeben, ob sie verheiratet sind und Kinder haben.
§ 2: Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach ist gestorben.
§ 3: Am 29. Juni wird Carl Friedrich neuer Großherzog (Abkündigung und Gebet).
§ 4: Die neue Großherzogin ist schwanger, wird den Untertanen mitgeteilt.
§ 5: Eine Gedächtnispredigt für den verstorbenen Großherzog wird angeordnet.
§ 6: Bestattung Carl Augusts, über die Gedächtnispredigten ist zu berichten.
§ 7: Haussammlung für eine Schulwohnung in Münchenrode.
§ 8: Huldigung für den neuen Großherzog (Abkündigung, Dankgebet).
§ 9: Geistig behinderte Kinder sollen mit in die Schule aufgenommen werden.
§ 10: Im Schreibunterricht soll ein bestimmtes Buch verwendet werden.
Am 17. Oktober ist Schulvisitation in Vieselbach und Hochstedt (Adjuvantenchor).
§ 11: Pfarrer und Schullehrer sind nicht von Abgaben bei freudigen Anlässen befreit.
§ 12: Die Großherzogin ist von einem Kind entbunden worden, Fürbitte wird angeordnet.
§ 13: Für den 8. Dezember wird ein Bußtag angeordnet.
§ 14: Kollekte für eine Ort zur Widerherstellung des Kirchturms.
Wenn kein Neujahrssingen stattfindet, muß die Schule gleich nach Neujahr beginnen.
§ 15: Der Neujahrsschmaus der Adjuvanten darf in keiner Schule gehalten werden.
Im Jahr 1829:
§ 16: Landeskollekte für Ziegenhain, aber auch Hinweis auf die eigene Landesanstalt.
§ 17: Zur Eröffnung des Landtags soll ein Einschub ins Kirchengebet gemacht werden.
§ 18: Die Kirche zu Hochstedt hat nach geschehener Teilung der Erfurter Landprediger an
den weimarischen Witwenfonds zu zahlen (2. März)
§ 19: Die Schulmeister haben eine Baumschule einzurichten und darüber zu berichten.
Ein Verein zur Beaufsichtigung der Strafentlassenen wurde gegründet.
§ 20: Die Herzogin Maria Luise hat sich mit einem Prinzen von Preußen vermählt.
§ 21: Hauskollekte zum Aufbau eines neuen Pfarrhauses in Großmölsen.
§ 22: Ein Gesetz über die Abhaltung der Bußtage ist in Arbeit.
§ 23:Verwahranstalten für Kinder im vorschulpflichtigen Alter werden geplant. § 24: Für die Herstellung der Kirche in Neustädt in der Diözese Apolda wird gesammelt.
§ 25: In die Examensberichte gehören auch Gesangsbildung, Orgelspiel des Lehrers usw.
§ 26: Ungewöhnliche Todesfälle und Selbstmorde sind gesondert zu melden.
Es gibt in Weimar eine Erziehungsanstalt für verlassene und verwahrloste Kinder.
§ 27: Es wird geprüft, ob die Eigenbewirtschaftung des Pfarrlandes sich noch lohnt.
§ 28: Über das Naturaleinkommen der Pfarrer soll eine Aufstellung eingereicht werden.
§ 29: Bestattet ausnahmsweise ein evangelischer Pfarrer einen Katholiken, muß er dem katholischen Pfarrer Nachricht geben (Regel: am Heimatort durch eigenen Pfarrer).
§ 30: Die Geistlichkeit wacht darüber, daß die Hebammen ihren Pflichten nachkommen.
Bei Tod der Mutter muß ein Arzt die wirkliche Todesursache feststellen.
§ 31: Die Geistlichen im Amt Vieselbach haben nur ein Tabelle über Geburten, Eheschließungen und Todesfälle einzureichen, die Liste der (lebenden) Einwohner stellt
das Justizamt auf[41] § 32: Die Geistlichen sollen sich um die Strafentlassenen kümmern (Ermahnungen, usw.). § 33: Im Jahr 1830: § 34: Eine Liste der bis zum zehnten Lebensjahr gestorbenen Kinder ist zu erstellen.
§ 35: Die Höhe des Schulgeldes muß mitgeteilt werden, Hirtenkinder sind schulpflichtig.
§ 36: Eine Landeskollekte für Neustadt an der Orla wird erhoben und ist abzukündigen.
§ 37: Die verwitwete Großherzogin Louise ist am 18. Februar gestorben (Trauergeläut).
§ 38: Schulpflicht besteht, bis die Kinder in Christentum, Lesen und Schreiben fest sind.
§ 39: Am zweiten Weihnachtstag wird kein Aufgebot vorgenommen (Ausnahme: Sonntag).
Handwerker dürfen keine Neujahrsgeschenke einfordern (Nachtwächter, Türmer, usw.).
§ 40: Am 23. April ist in Weimar die Zirkularpredigt zu halten (vom Pfarrer aus Vieselbach ?)
§ 41: Mit dem Augsburgischen Bekenntnis soll vertraut gemacht werden (Jubiläum!).
§ 42: Bei Taufen darf kein „Unbestatt“(Schaden, Last) mehr stattfinden. Es geht dabei um die
hohe Zahl der Paten (5 bis 7), aber in Vieselbach wird immer nur einer genommen.
§ 43: Herzogin Ida ist schon hoch schwanger, die überschickte Fürbitte ist zu veranlassen.
§ 44: Soldaten brauchen am Wohnort keine Stolgebühren zu zahlen, wohl aber ihre Bräute.
§ 45: Kündbare Schulden sollen in vom Gläubiger unkündbare umgewandelt werden.
§ 46: Schulkinder müssen unbedingt in der Obstbaumkultur unterwiesen werden, der Lehrer
muß jährlich im einzelnen über den Bestand an Bäumen im Schulgartens berichten
(ein Muster der Meldung ist beigefügt), die Pfarrer müssen alles überwachen.
§ 47: Das Beichtgeld soll abgeschafft werden gegen eine „billigmäßige“ Entschädigung
§ 48: Bei der Taufe eines unehelichen Kindes gibt es nur einen Paten, es wird nicht geläutet.
§ 49: Vorschläge zur Jubiläumsfeier des Augsburgischen Bekenntnisses werden gemacht.
§ 50: Die Prinzessin Amalia Maria da Gloria Augusta ist geboren worden (Fürbitte!).
§ 51: Den 6. Juli ist in Vieselbach, den 12. in Hochstedt Schulvisitation (Geläut!).
§ 52: Bericht über Pläne für die Feier der Übergabe des Augsburgischen Bekenntnisses. § 51: Eine Statistik über Verlobte, die vor der Ehe zusammen waren, ist aufzustellen.
§ 52: Das Staatshandbuch und die Kirchenzeitung sind bestellt und bezahlt (Zählung falsch!).
§ 53: Bestimmungen über Aufgebote werden in Erinnerung gerufen (Preuß. Landrecht).
§ 54: Pension für Lehrerwitwen, Kollekte für das Falksche-Institut, totgeborene Kinder.
§ 55: Bei unehelichen Müttern ist zu prüfen, ob sie das Kind allein aufziehen kann.
§ 56: Aussagen des Preußischen Landrechts über Ehegelöbnisse (und Einsprüche).
§ 57: Kollekte für eine Kirchturmuhr und unveränderte Beiträge für das Falksche Institut.
§ 58: Am 3. Dezember wird (nach Vorschrift) ein allgemeiner Buß- und Bettag gehalten.
§ 59: Die Geistlichen sollen sagen, ob sie mit dem neuen Pfarrwitwen-Institut zufrieden sind.
§ 60: Eine Hauskollekte für Karnsche (?) ist abzukündigen und zu übersenden.
§ 60: Die Neujahrstabellen sollen in Zukunft nach dem Kirchenjahr gefertigt werden.
Der Ephoralbotenlohn beträgt 2 Gulden 7 Groschen 5 Heller und ist von beiden
Gemeinden zu tragen.
Im Jahr 1831:
§ 62: Eine Landeskollekte für die Schule in Braunsdorf usw. soll veranstaltet werden.
§ 63: Der Bestand der Kirchenkasse soll bei der Hauptlandschaftskasse deponiert werden.
§ 64: Meldung der bei den Kirchen vorhandenen Obligationen an den Superintendenten. § 65: Verhaltensmaßnahmen angesichts der aus Rußland drohenden Cholera-Gefahr.
§ 66: Am 8. Juli ist in Vieselbach (7 Uhr) und Hochstedt (2 Uhr) Schulvisitation.
§ 67: Landeskollekte für Wohlsborn und Dienstedt (ausführliches „Patent“).
§ 68: Eine Aufstellung sämtlicher Grundstücke, Pensionen, Zins und Pacht ist einzureichen.
Die Gemeinden sollen wegen immer drohender werdenden Gefahr ermahnt werden.
§ 69: Die Pfarrer werden ermächtigt, 14 Tage Kartoffelferien eintreten zu lassen.
§ 70: Am 20. Sonntag nach Trinitatis gibt es eine „Betenkollekte“ für Eichelborn und Hain(?).
§ 71: Das Reformationsfest wird in Zukunft am Sonntag vorher oder nachher gefeiert.
§ 72: „Bußtagspatent“ für den am 2. Dezember abzuhaltenden Bußtag; Schulberichte.
§ 73: Die zwei Tabellen, die Anfang des Jahres angefertigt werden sollen, sind einzureichen.
Im Jahr 1832:
§ 74: Bei Ehescheidungen ist das Vorzeigen des gerichtlichen Bescheids ausreichend.
§ 75: Trauungen durch preußische Pfarrer ohne Bescheinigung aus dem weimarischen Gebiet.
§ 76: Hinweise auf Veröffentlichungen (besonders über die Schule) und Bitte um Beachtung.
§ 77: In den letzten drei Wochen der Fastenzeit sind keine Trauungen erlaubt.
§ 78: Bußtagspatent und Vorbeugung der Trunksucht (Errichtung eines Nichtigkeitenzinses).
§ 79 und § 80: „Betenkollekte“ und Hauskollekte (Kötheritz Diözese Neustadt).
§ 81: Am 20. Juli ist Schulvisitation in Vieselbach (3 Uhr) und Hochstedt (8 Uhr).
§ 82: In der Schule soll auf die „Leutirmethode“ (?) die Buchstabiermethode folgen.
Anweisungen zur Zensurtabelle und Inhalt der Schulberichte (auch Betragen der Kinder)
Die Vorschriften über Aufgebote und Trauungen von 1816 sind neu zu beachten.
§ 83: Pfarrer Cassius (?) ist Adjunkt der Schulaufsicht geworden, „Verehrungen“.
Im Jahr 1833: § 84: Hauskollekte für Schule in Münchenbernsdorf, Erinnerung an die Baumschultabellen.
§ 85: Kollekte wegen des Schulbaus in Ollendorf.
§ 86: Uneheliche Kinder erhalten den Namen der Mutter, müssen aber nicht unter diesem
Namen in die Schule eingeführt werden oder in die Militärrolle aufgenommen werden.
§ 87: Am 4. Juli ist Schulvisitation in Vieselbach (7Uhr) und Hochstedt (4 Uhr).
§ 88: Am 5. Sonntag nach Trinitatis ist Hauskollekte für den Aufbau der Schule zu Süßenborn
§ 89: Das Gesetz über Rettungsmittel bei aufgefundenen Verunglückten wird eingeschärft. § 99: Die Bücher der Großherzogin werden unter den Einwohnern zum Lesen weitergegeben. § 100: Pfarrwitwen sollen nicht um Verlängerung der Gnadenfrist nachsuchen.
§ 104: Eine Trauung ist nur möglich mit Erlaubnis der inländischen Ortspolizeibehörde.
§ 105 bis § 110: Weitere Papiere, die bei einer Trauung vorgelegt werden müssen.
Jetzt werden weiterhin nur noch Zirkularschreiben zitiert, allerdings nur noch mit Datum. Es geht weiter um Bestimmungen über die Trauung, uneheliche Kinder, Schulsachen, Statistik, Impflisten, Kapitalien, Währungsumstellung, Nachtläuten, Baumschule, Waisenkinder, Beichtwesen, Taufzeugnisse, Totenscheine, Kirchenbuchführung.
Konkretes über das Kirchspiel Vieselbach ist darin kaum enthalten, jedenfalls war bei der Durchsicht wenig festzustellen. Interessant ist nur eine Liste der impffähigen Kinder in Vieselbach im Jahre 1839:
Dorothea Elisabetha Mathilde, Tochter des Maurers Joh. Friedr. Görbing, geboren 28. Januar
Maria Christiane, Tochter des Amtskopisten Max. Herm. Rehbein, geboren am 26. Februar
Johann Heinrich Friedrich Artur, Sohn des Sattlermeisters F. Tischner, geboren am 9. März
Johann Heinrich Sohn des Anspänners Stegmann, geboren am 15. März
Maria Louise, Tochter des Amtsactuars Carl Aug. Leidenfrost, geboren am 26. April
Maria Dorothea Christiana, Tochter des Amtsdieners Ferd. Lingel, geboren am 31. Mai
Friedrich Louis, Sohn der Catharine Görbing, geboren am 29. Juli
Johann Jacob Balthasar, Sohn des Tagelöhners Chr. Franz Hesse, geboren am 14. September
Friedrich Christian Louis, Sohn des Leinewebermeisters Dan. Martin Brömer, geb. am 5.10. Wilhelmine Friederike Emilie, Tochter des Apothekers Joh. Wilh. Andr. Engelhardt (3.11.)
Emilie Therese, Tochter des Bäckermeisters Friedr. Wilh. Pfeiffer, geboren am 6. November
Franz Christ. Martin, Sohn des Schneidermeisters Joh. Casp. Hartmann, geboren am 12.11.
Johann Georg Theodor, Sohn des Musikus Joh. Nikol. Großkopf, geboren am 17. November
Anna Juliana Maria, Tochter des Tagelöhners Simon Sickel, geboren am 27. Dezember.
Von diesem Jahrgang sind bis zum vierten Lebensjahr keine Kinder verstorben außen dem Kind: Friedrich, Sohn des Schuhmachers Joh. Georg Weldig, geboren am 29. September, der nach fünf Tagen gestorben ist. Vieselbach, am 10. Januar 1840,Thümmel, Pfr.
Interessant ist an dieser Liste, daß im Vergleich zu den alten Namen alle Namen neu sind bis auf den Namen Brömmer. Auch ist erstaunlich, daß nur wenige „einfache“ (sozial schwache) Familien vertreten sind.
Weiterhin ist noch bemerkenswert die Visitation der Schule in Vieselbach (8 Uhr) und Hochstedt (2 Uhr) am 10.10.1856, bei der auch eine Versäumnisliste vorzulegen war. Auch die Kirchen worden im gleichen Jahr visitiert. Die letzte Eintragung in dem Buch ist von 1881.
Vieselbacher Namen in der Zeit vor 1800:
Ackermann, Barth, Bezold (2x), Brömmer (4x), Brühl (2x), Engelbrecht (11x), Feldrappe (3x), Fischer (3x), Flietner (4x), Fressel (3x), Gisen, Gläser, Gräf (8x), Gölitz (2x), Groß (7x), Haase, Hildebrand, Höpfner (3x), Kämmerer (5x), Kaiser (7x), König (12 x), Kommer (Kummer), Krauße (oder: Kraus)(8x), Kühlmorgen (3x), Lies (2x), Lippold (16x), Ludwig (6x), Müller, Peter (oder Petri), Praus, Reinhard, Ritter (2x), Sachse, Schmidt (5x),
Sturm (2x), Vogt, Wagner (3x), Walther, Weber (16x), Weichelt, Weinhold (2x), Weisbach (7x), Wenzel, Wolf (2x), Zinnis, Zinkeis.
[Anmerkung: Die Übertragung der Chronik in Computerschrift ist nach bestem Vermögen erfolgt. Aber es ist nicht ausgeschlossen, daß eine falsche Übertragung erfolgt. In einigen Fällen ist angemerkt, wo solche schwer deutbaren Stellen sind. Ein zweiter Bearbeiter könnte sicherlich noch das eine oder andere herausfinden. Insofern ist diese Arbeit nur ein erster Entwurf. Bei der Übertragung ins heutige Deutsch wurden die langen Sätze oft aufgeteilt, die Wortstellung verändert, manche Ausdrücke wurden auch zusammengezogen. Die lateinischen Stellen wurden so gut es ging übertragen, heute nicht mehr gebräuchliche Ausdrücke mit Hilfe des Historischen Wörterbuches von Siefert gedeutet. Fachausdrücke wurden dem heutigen Sprachgebrauch angepaßt, auch wenn dadurch eine geringe Sinnverschiebung eintrat. Der heutige Leser sollte aber wenigstens eine gewisse Ahnung erhalten von dem, was gemeint ist.
Peter Heckert, 21. April 2004.]
Turmknopfurkunden
Geschehen den 9. September 1740
Heute ist dieser Knopf, nachdem er den 25. August dieses Jahres durch Meister Friedrich Wicke (?) aus Erfurt abgenommnen und repariert wurde, wieder durch denselben unter Gottes gnädigem Schutz glücklich aufgesetzt worden. Der erwähnte Meister Friedrich Wicke bekommt wegen seiner deswegen gehabten Mühe und Arbeit 6 Reichstaler und zusätzlich ein Paar neue Schuhe und ein Paar neue Strümpfe. Das Geld dazu wurde teils aus der Gemeindekasse genommen, teils haben die am Ende einzeln aufgeführten Personen etwas freiwillig dazu gegeben. Desgleichen haben ihm die Frauen ein schönes Hemd aus Leinenstoffen verehrt, nicht weniger die jungen Frauen ein Halstuch und ein Band. Nicht gerechnet wurde dabei, was er sonst noch bekommen hat. Gott behüte diesen Turm und unser dabei stehendes liebes Gotteshaus vor Feuer und allem Schaden bis auf unser spätern Nachkommen. Wie oben. Sebald Heinrich Schwartz, derzeit Schullehrer und Gemeindeschreiber.
Um etwas über unsre jetzt gängigen Münzsorten zu sagen, so muß man wissen, daß das vor nicht gar langer Zeit noch gebräuchliche kurfürstlich-sächsische, lüneburgische und kurfürstlich-brandenburgische und anderes gutes Geld fast gar verschwunden ist, und wir uns jetzt fast nur mit Pfennigen und halben Pfennigen behelfen müssen, wie die beiliegenden Stücke zeigen (1894 wurden Geldstücke nicht mehr vorgefunden).
Die Reparatur dieses Turms wie auch das Abnehmen und Wiederaufsetzung des Knopfes ist geschehen unter dem hohen Schutz und friedlichen Regiment unseres gnädigsten Landesvaters ihrer Kurfürstlichen Gnaden zu Mainz, Philipp Karl, und unter ihrer Hochwürdigen Gnaden, des Herrn Statthalters Anselm Franoisci (?) von Marsberg, wie auch unserer lieben Stadt­obrigkeit, des hochedlen und hochweisen Rats in Erfurt als Patrone der Kirche.
Ferner geschah die Reparatur unter dem Seniorat ihrer Hochwürden Herrn D. Johann Lorenz Pfeifer, unter dem Herrn Regierungsrat und Zentmann (?) Herrn D. Joachim Andreas Meier und des Herrn Amtsadjunkt Herrn D. Friedrich Leberecht Meier, die die Aufsicht über die hiesige zu dem Amt Azmannsdorf gehörende Gemeinde haben, und unter der jetzigen Kirch- und Schulinspektion, des Herrn Johann Heinrich Riedel (als Pfarrer), des Herrn Landwirts Heinrich Schopper und des Herrn Johann Bernhard ......(Das letzte Wort ist nicht zu deuten, es handelt sich aber wohl nicht um einen Namen, vielleicht ist es ein lateinisches Wort. „Seniorat“ bezeichnet die kirchliche Leitung des Gebiets Erfurt).
Derjenige Gott, der im Himmel sitzt, segne unsere gnädigste Herrschaft, hochgebietende Obrigkeit, ja das ganze Stadt und Land, besonders auch unsere Kirche und Gemeinde. Er bewahre sein Haus in Gnaden vor Schaden. Er lasse uns, so oft wir die Spitze des Turms erblicken, kräftig darauf hingewiesen, daß wir nicht nach dem trachten, was auf Erden ist, sondern nach dem was droben ist. Auch soll er uns darauf hinweisen, daß wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige eifrig suchen und selig finden mögen. Er wolle solches tun um Christi willen. Amen.
Unterzeichnet in Vieselbach, den 9. September 1740, Sebald Heinrich Schwartz, zur Zeit Schullehrer.
Aufstellung über das, was ein jeder zur Abnahme und Aufsetzung des Knopfes freiwillig gegeben hat:
Taler gute Groschen Pfennige
Hans Lippolt jun 1 4
Hans Nicolaus Hym (?) 1 4
Hans Thomas Kühleinerz 1
Herr Voigt Heinrich Schopper 8
Herr Nicolaus Lippolt 1 4
Meister Joachim Weber 1 4
Herr Christoph Lippoldt 1 4
Herr Bernhard Ludwig 1 4
Herr Konrad Engelbrecht 1 4
Andreas Kühleinerz 8
Meister Michael Tierbach 1
Nicolaus Weber 8
Herr Letsch 8
Der Wirt Johann Nicolaus Linße 1 4
Herr Nicolaus Wagner, der Müller 2
Johann Nicolaus Ludwig 1 4
Caspar Müller 1 4
Hans Kayser 1 4
Herr Eßger, Herrschaftlicher Jäger 4
Hans Friedrich Linße 1 4
Valentin Laube 1 4
Nicolaus Ehrhardt 8
Philipp Wackernagel 1
Hanß Christoph Kohlstedt 4
Herr Johann Bernhardt Flietner 4
Simon Schmidt 8
Nicolaus Engelbrecht 8
Andreas Höpfner 1 4
­­­­­­­­­­­­­­­­----------------------------------------
Michael Michel 8
Heinrich Kicher (?) 1 4
Nicolaus Kühleinerz 1 4
Anna Christine Lippolt 1 4
Herbord Kommer 4
Hans Weißbach 1 4
Herr Nicolaus Lober 8
Herr Adam Kommer 1 4
Herbord Kayser 1 4
Herr Michael Randolph (?) 8
Herbord Laube 8
Nicolaus Laube, der Bäcker 8
Herr Andreas Schmidt 1 4
Johann Nicolaus Freßel 1 4 Herr Lorentz Engelbrecht 1 4
Sebald Heinrich Schwartz, Schuldiener 2
Georg Weißbach 1 4
Hans Adam Ludwig 2
Nicolaus Weißbach, Baumeister 2
Christoph Freßel 1
Hans Lippoldt sen, Spritzenmeister 4
Hans Heinrich Höpfner, Heimbürge (?) 4
Nicolaus Gläßer 1 4
Andreas Peter 4
Summe: 3 Taler 16 Gutegroschen 8 Pfennige.HERR Michael Rudolph
(Die Liste ist insofern interessant, als man die Namen mit heute noch vorhandenen Namen vergleichen könnte. Wenn einer ein besonderes Amt hatte, wurde das extra vermerkt. „Meister“ bezeichnet wohl einen Handwerksmeister. Die Höhe der Spende sagt wohl auch etwas über das Vermögen bzw. den gesellschaftlichen Rang aus)
Im Namen der Heiligen Dreieinigkeit Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.
Der Turm war sehr baufällig geworden, so daß nicht nur der Schiefer alt und mürbe geworden war und allenthalben abfiel. Auch die Schalung war fast überall verfault, besonders waren die Schwel­­len und viele Kreuz-Balken verfault. Man mußte Sorge haben, der Schade würde immer größer und am Ende unheilbar werden. Deshalb haben Pastor und Kirchen-Inspek­to­ren sich entschlossen, den Turm nicht nur mit Schwellen zu versehen, ganz neu zu schalen und ganz mit neuem Schiefer zu belegen, sondern sie waren auch eines Sinnes, zu besserem Zierrat desselben, eine Wetterfahne dran machen zu lassen (Das Wort „Wetterfahne“ steht nicht im Text, müßte sich aber sinngemäß ergeben). Das Problem wurde zunächst dem ehrwürdigem Ministerium gehorsamst berichtet und um Zustimmung zu diesem Bau gebeten. Das Ministerium hatte den Schaden durch ein Bau-Kommission besichtigen lassen. Daraufhin wurde die Zustimmung erfreulicherweise erteilt. Hierauf wurde in der Pfarrwohnung im Beisein der Kircheninspektion und Vormundschaft, von dem Herrn Oberleutnant und Bau-Inspektor Neithardt der Vertrag mit dem Zimmerarbeiter und Schieferdecker geschlossen:
- Meister Johann Ernst Neumeister, herrschaftlich privilegierter Schieferdecker in Erfurt, bekommt 112 Taler für das Abnehmen des Schiefer und der Schalung, für die Neu-Eindeckung des Turmgangs mit Schiefer, für die Abnahme und das Wiederaufsetzen des Knopfes und für die Besorgung des Handlangers. Er wird von den Einwohnern, so lange er am Turm arbeitet, mit seinem Handlanger kostenlos gespeist. - Meister Franz Brühl von Vieselbach erhält für das Überziehen der Schwellen und Neueinziehen der Kreuz-Balken wie auch für die Anfertigung des Simses 12 Taler. - Meister Hieronymus Lippold erhält für die Neu-Schalung des Turms 24 Taler.
Als nun am 7. Mai des Jahres 1783 der Knopf abgenommen war, stellte sich heraus, daß dieser von oben schadhaft war: das Wasser war eingedrungen und hatte die Spindel beschädigt, so daß die Spindel auf eine Länge von 45 Zentimeter abgeschnitten werden mußte. Da es nun ein breiter, schwerer, unansehnlicher Knopf war, wurde vom Pastor und den Kirchen-Inspek­toren beschlossen, einen neuen ansehnlichen machen zu lassen. Er sollte mit einer neuen Fahne geziert werden, in welcher ein Heiliger zu sehen sein sollte, mit einem fliegenden Mantel, ein Kreuz in der Hand haltend und von Laubwerk umgeben. Die Urkunden in dem abgenommenen Knopf waren vom Jahr 1740. In diesem Jahr war der Knopf auch abgenommen worden, weil er schadhaft gewesen war. Nachdem endlich der Turm unterschwellt, geschalt, ganz neu und sauber gedeckt war, ist auch der neue vergoldete Knopf (39 Pfund schwer) wieder aufgesetzt worden. Er hat eine schöne Fahne, auf dessen Stange ein vergoldeter Stern sitzt, der sich so wie die Fahne umdreht. Mit dabei waren eine vom Kursächsischen Ministerium freundlicherweise abgeordnete Kommission und viele feiernde Zuschauer. Nach dem Ende des Gottesdienst hielt der Ortspfarrer eine Rede. Zu allgemeiner Freude und Vergnügen der hiesigen Einwohner wurde der Knopf unter Trompeten- und Paukenschall aufgesetzt. Weil der Herr die Arbeiter in seinen Schutz genommen hatte, hat niemand den geringsten Schaden genommen. Dieses geschah am 4. November im Jahr Christi unsres göttlichen Erlösers 1783. Der ganze Bau aber kostete 500 Taler. Dieses Geld ist aus der Kircheneinkasse genommen worden.
Dieses alles wurde angefangen und glücklich vollbracht unter dem landesväterlichen Schutz des hochwürdigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich Karl Joseph, des heiligen Stuhls zu Mainz Erzbischof, des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation Erzbistum und Kurfürstentum, unseres allerseits gnädigsten Kurfürsten und Herrn. Ferner unter dem Regiment seiner Freiherrlichen Excellenz Karl Theodor Anton Maria von Dalberg, unseres gnädigsten Herrn Statthalters. In E. (Erfurt (?): Hochedler und Hochweiser Rat von kurfürstlicher Seite war Herr D. Christian Christoph Brüheim; der andere Bürgermeister, der oberste Ratsmeister, Herr Sigismund Leberecht Hedelich war in diesem Jahr gestorben und dessen Stelle noch nicht wieder besetzt.
(Hier fehlt eine Zeile in der Kopie)
............als wohlverdienter Senior des geistlichen Amtes und Pastor an der St. Michaelis-Kirchen, und seiner hochedelgeborenen Magnifizenz Herrn D. Heinrich Wilhelm Schorch, rechtmäßig eingesetzter städtischer Rechtsvertreter. Pastor in Vieselbach war Herr Karl Heinrich Rambach aus Erfurt (der auch zugleich Pfarrer in Hochstedt war, denn seit 1743 ist dieser Ort mit dem hiesigen vereinigt gewesen), Schulmeister war Herr Sebald Heinrich Schwartz aus Großen-Melzen (?). Herr Traugott Friedrich Groß war Landvogt und Kircheninspektor, Meister Franz Brühl war der andere Kirchen-Inspektor und Vormundschaftsverwender (?). Zu diesen letzteren gehören auch Johann Andreas Fischer, Caspar Flietner, Johann Nicolaus Lippold, Heinrich Kommer und Johann Georg Bezolt. Der Gemeinde-Schultheiß in dieser Zeit war Heinrich Christian Engelbrecht. Einwohner sind zu dieser Zeit 52 Eheleute, 3 Witwer, 24Witwen, 21 junge Männer, 31 junge Frauen, 29 Jungen, 31Mädchen, 11auswärtige Knechte und 15 auswärtige Mägde. Sämtliche im Ort befindliche Einwohner sind 265, Häuser sind es 77, wovon aber 11 unbewohnt sind.
Gott bewahre unsern Ort, Pfarrhaus, Schule und Gotteshaus in allen Gnaden vor Feuer, ansteckenden Seuchen und allem anderen Schaden.
Dieses Jahr ist an Merkwürdigkeiten sehr reich. Es haben sich nicht nur große und fürchterliche Erdbeben ereignet, welche auf der Insel Sizilien die große und herrlich handelnde Stadt Messina gänzlich bis auf drei Gebäude und viele tausend Einwohner verschlungen und die gegenüberliegende Provinz Kalabrien sehr betroffen.
(Hier fehlt in der Kopie ein Zeile)
... ums Leben gekommen. Auch hat man von großen Überschwemmungen gehört, welche Venedig und Frankreich erlitten. Es ist auch zu melden, daß der Papst in diesem Jahr 1783 dem römischen Kaiser in seiner Residenzstadt Wien besucht, wo doch sonst der Kaiser zum Papst nach Rom hat kommen müssen. Nach beendetem Krieg, welchen England mit Spanien, Frankreich, Holland und Nordamerika über acht Jahre zu Wasser geführt hat, hat es den Anschein, als wenn zwischen dem Römischen Kaiser Joseph II., vereinigt mit Rußland, und zwischen dem Türkischen Sultan ein Krieg entstehen würde. Dabei ist merkwürdig, daß die christlichen Mächte dem türkischen Kaiser den Krieg ankündigten. Der Römische Kaiser forderte alle die Länder zurück, die ehemals von Türken dem Römischen Reich waren entrissen worden, und suchte noch viele andere Freiheiten und Vorrechte zu erlangen. Rußland nahm, ehe noch der Krieg ausbrach, die ganze Insel Krim und die Insel Kuban in Besitz („Römischer Kaiser“ = Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation = deutscher Kaiser mit Sitz in Wien).
Insbesondere aber ist merkwürdig, daß der Römische Kaiser in seinen Landen viele Klöster aufhebt, die Güter derselben einziehet und überhaupt weil alles, was Dummheit und Aberglauben bestärkt und fortpflanzt, soll von der Kanzel verbannt sein. Dagegen sollen Bibel, Christus und Moral gepredigt werden. Er erlaubt den Evangelisch-Lutherischen oder den dem Augsburgischen Bekenntnis Verwandten viele Freiheiten in seinen Landen. Sie dürfen sich neu die Kirchen aufbauen und werden in der freiem Religionsausübung geschützt und erhalten Lehrer und Seelsorger. Sie dürfen Güter ankaufen und werden zu Ehrenämtern zugelassen (Hier wird Bezug genommen auf das Toleranzedikt Josephs II. für Österreich). So der
..............diesem großen Kaiser folgen andere Könige und Fürsten in vielen Stücken nach. Ferner ist im Jahr 1783 eine bedenkliche Witterung gewesen. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai fiel wider alle Vermutung starker Schnee, der früh morgens ½ Elf Uhr (?) noch auf den Bäumen lag. Es war vorher einige Tage die angenehmste Witterung gewesen. Den 7. Mai fing es an zu regnen und war sehr kalt dabei. Des abends nach acht Uhr entstand ein starkes Donnern und Blitzen, und die Nacht fiel ein solcher starker Schnee, daß nicht nur von den Bäumen die Zweige - bisweilen die stärksten Zweige - ab(brachen) und von den Erlen und Nadelhölzern die Gipfel ausbrachen, sondern auch ganze und starke Bäume wurden von der Last des Schnees zu Erden gedrückt, so daß die Wurzel den Erdboden oft eine Elle hoch aufhob. Was von Weiden nicht abbrach, wurde bis zur Erde gebogen. Die Bäume standen in voller Blüte. Es bestand die Gefahr, daß sich der Schnee hoch auflegen und Schaden verursachen könnte. In Wäldern war die Verwüstung unbeschreiblich. Da die Sonne um diese Jahreszeit aber schon sehr hoch steht, lag der Schnee an manchen Orten nicht über 24 Stunden. Doch gab es in unseren Gegenden kein großes Wasser.
...........ging auch blutrot unter. Schon des abends 6 Uhr nahm sie das blutrote Aussehen an, und man konnte sie mit bloßen Augen lange Zeit unverletzt betrachten, denn sie warf um diese Zeit nicht einen einzigen Strahl von sich, mithin auch keinen Schein auf die Erde: Ehe sie sich zum gänzlichen Untergang neigte, machte sie der Nebel ganz unsichtbar. Der Mond ging ebenfalls blutrot auf, und da er voll war, hatte derselbe das Ansehen der blutrot auf und nieder gehenden Sonne, so daß man einen Himmelskörper mit dem anderen hätte verwechseln können. Unfehlbar kam es von dem starken Nebel her, der sich des Abends und des Morgens zeigte.
Dieser Nebel, der beinahe acht Wochen dauerte, brachte uns große Dürre: oft eine durchdringende Hitze, und in den acht Wochen, in denen der Nebel sich zeigte, keinen Regen. Das Sommerfeld, besonders die Gerste, blieb auf den spät gesäten Äckern sehr zurück, und einige Sommerfrüchte litten große Not. Manches Gewächs verdorrte, manches blieb zurück. Das Obst fiel häufig von den Bäumen, jedoch stand die Niederfrucht gut, so daß wir zwei Zentner (? Wahrscheinlich eine größere Mengeneinheit) auf den Acker und höher bekommen haben, und auch gibt es 5 und 5 ½ Scheffel ins Maß.
Der Frost und danach der Nebel legten sich so sehr auf, daß in manchen Gegenden die Blätter an den Bäumen sowie das Getreide weiß wurden, verwelkten, abfielen und die Bäume wie verdorrt standen.
Auch haben an einigen Orten die Raupen viel Schaden getan und die Bäume ganz kahl abgefressen, wovon aber der hiesige Ort - der Herr sei gepriesen - befreit war.
Die Grünernte ist wohl geraten und viel Heu erlangt worden. Endlich schien es, als man sich die ....................(?)
............und sehr langsam sich unserem Orte näherte, die Nacht durch ganz selten donnerte, und des morgens früh 6 Uhr mit einem feuchten, anhaltenden, durchdringenden und alles erquickenden Regen sich etwas stärker hören ließ und acht Tage nacheinander alle Tage schwere Gewitter und Regen erschienen, doch ohne allen Schaden in unserem und den benachbarten Orten.
Obwohl sich gleich nach dem Gewitter der bisherige alltägliche Nebel fast gänzlich verzog, so daß auch die Sonne und auch der Mond ihren Schein wieder bekamen, so zeigte er sich doch einige Zeit hernach wieder, obgleich nicht in der Stärke und von gleicher Wirkung: Er verdunkelte den Schein der Sonne und des Mondes nicht, und wie er uns das erste Mal Dürrung brachte, so brachte er das zweite Mal Regen, jedoch nicht anhaltend, so daß nichts verdorben ist. Die Zeitungen meldeten, daß der erste Nebel sich über beinahe ganz Europa verbreitete und in manchen Gegenden jämmerliche Prophezeiungen verursacht habe.
Der Preis des Getreides war in diesem Jahr 1783 folgender: Weizen das Malter 16 auch 17 Taler
Roggen 12 Taler
Gerte 7 Taler
Hafer 5 Taler.
Geld, so zu unserer Zeit gebräuchlich war, waren:
- Französische Laubtaler zu 1 Taler 15 Gutegroschen
- Ganze Conventionstaler verschiedene Schläge zu 1 Taler 10 Gutegroschen
- Verschiedene Schläge Fürstlich 2/3 Stücke zu 17 Gutegroschen - Fürstlich 1/3 Stücke zu 8 Gutegroschen 6 Pfennige
- Preußische 4 und 2 Gutegroschen-Stücke
- Fürstliche Sechser
- Weimarische Dreier
- Kurfürstliche und Mainzer Kupfer-Dreier
- Kurfürstliche und Gothaische Kupfer Zweier und
- beinahe alle gültigen Kupfer-Pfennige.
Die Namen aller Einwohner des Ortes lauten:
Herr Traugott Friedemann Groß, Kurfürstlich-Mainzischer Landvogt und Kirchen- und Schulinspektor
Meister Franz Brühl, Kirchen- und Schulinspektor sowie Vormundschaftsverwender
Johann Andreas Fischer, Vormundschaftsverwender
Caspar Flietner, Vormundschaftsverwender Johann Nicolaus Lippolt, Vormundschaftsverwender Heinrich Kommer, Vormundschaftsverwender
Johann Georg Bezold, Vormundschaftsverwender
Heinrich Christian Engelbrecht, Gemeinde-Heimbürg
Johann Georg Ludewig
Johann Ernst Bloß
Johann Heinrich Kaiser sen.
Johann Michael Sachse
Johann Bernhardt Weber
Zacharias Meinhold
Heinrich Nikolaus Schwabe (?)
Johann Nikolaus Schwabe (?)
Johann Hieronymus Lippold
Johann Caspar Feldtreppe
Johann Ernst Engelbrecht
Johann Nikolaus Schönemann
Johann Caspar Ludewig
Johann Andreas Lippold
Johann Heinrich Kaiser jun.
Johann Heinrich Hase
Johann Herbord Brühl
Heinrich Weißbach
Johann Christoph Göliz
Johann Christoph Weber
Johann Heinrich Bechler
Johann Georg Zinkeisen (?)
Johann Joachim Weber
Johann Nikolaus Letsch
Johann Andreas Weißbach
Johann Christoph Freßel
Johann Nikolaus Hebenstreit
Johann Heinrich Freßler
Johann Georg Engelbrecht
Johann Anton Weißbach
Johann Michael Engelbrecht, derzeit Flurschütz
Johann Nikolaus Ludewig, derzeit Tagwächter
Johann Michael Ulla (?), derzeit Bäcker
Carsten Lorenz Wengel, derzeit Hutemann.
(Die Namen sind nicht immer sicher zu lesen, eine Klärung könnten die Kirchenbücher bringen. Die Liste zeigt auch die soziale Schichtung im Ort. Der „Landvogt“ wird wohl nur ehrenhalber aufgeführt und dürfte seinen Sitz in Erfurt gehabt haben, denn es wird ja auch ein örtlicher Bürgermeister aufgeführt). Sämtliche Weiber machten zusammen dem Schieferdecker, Herrn Neumeister, ein Geschenk von 5 Talern 16 Gutegroschen 10 Pfennig. Davon wurde ihm ein schönes neues Leinenhemd, ein Paar seidene Strümpfe und ein Paar Schuh gekauft. Da das gesammelte Geld nicht ausreichte, wurde aus der Kirchenkasse ein Zuschuß gegeben.
Die Frau des Herrn Heinrich Polycarpos Groß (des Beisitzers des hiesigen Freigerichts) und die Frau des Vogtes gaben Herrn Neumeister ein vortreffliches Seidentuch. Auch die jungen Frauen haben Herrn Neumeister ein schönes seidenes Tuch mit einem schönen seidenen Band gegeben.
Die Gemeinde erhielt zu ihrer Erfrischung aus der Kirchenkasse drei Kannen und aus der Gemeinde zwei Kannen Bier. Sie vergnügte sich mit Musik und beendete den Tag freudenvoll.
Im Namen des allein wahren Gottes, des Vaters, unsres Herrn und Heilandes Jesu Christi und des Heiligen Gottesgeistes, Amen.
Da die Fahne auf dem Turm wacklig geworden war, weil die eine Feder ganz zersprungen war und die andere zur Hälfte, mußte sie zusammen mit dem Knopf abgenommnen und wieder ausgebessert werden. Als das geschehen war, wurden Knopf und Fahne an 2. August 1804 durch den privilegierten Schieferdecker in Erfurt, Meister Johann Ernst Neumeister, wieder aufgesetzt.
Das geschah unter der Regierung unsres allergnädigsten Königs und Herrn Friedrich Wilhelm III., König in Preußen und Kurfürst zu Brandenburg, an welchen bei der Verstaatlichung und Verteilung der geistlichen Kur- und Fürstentümer 1802 das Erfurter Gebiet zusammen mit der Stadt unter den Namen eines Fürstentums gefallen war. Gouverneur von Erfurt war seine hochgräfliche Exzellenz, der Graf von Wartensleben, Generalleutnant des in Erfurt stehenden Regiments zu Fuß.
Der Weizen kostete 34 Taler das Maß
das Korn 26
die Gerste 18
der Hafer 16
Gängige Münzsorten waren vor allem:
- Französische ganze und halbe Laubtaler zu je 15 (Gutegroschen ?)
- Brabanter ganze und halbe Viertel Kronentaler zu je 1 Taler, 14 und 19 Gutegroschen, 6 Pfennige
- 20- und 10-Kronenstücke zu je 5 Gutegroschen 8 Pfennige und 2 Gutegroschen 10 Pfennige
- Konventionstaler, ganze und halbe, 1 Taler 10 Gutegroschen und 17 Gutegroschen
- Groschen und Sechser von allerlei Schlag (Münzprägung)
- Kupfer-Dreier und Pfennige.
Als Kassen-Geld galt Preußisch „grob Courant“:
- Laubtaler 1 Taler 13 Gutegroschen 6 Pfennige
- Kronentaler 1 Taler 12 Gutegroschen 6 Pfennige
- 20-Kreuzer zu je 5 Gutegroschen 6 Pfennige
- 10-Kreuzter 2 Gutegroschen 9 Pfennige
- Konventionstaler 1 Taler 9 Gutegroschen.
(Die Währungsverhältnisse sind wie immer undurchsichtig. „Kassen-Geld“ bedeutet wohl, daß man in der Praxis die Münzen anders bewertete, als sie offiziell gelten sollten).
Pfarrer in Vieselbach und Hochstedt war Herr Friedrich Wilhelm Heinrich Thieme, aus Vippach-Edelhausen gebürtig, Schulmeister Johann Philipp Kämmerer, aus Fehra (?) gebürtig.
Kircheninspektoren waren: 1. Johann Andreas Lippold, der zugleich Vormund, Feldmesser und Brauermeister war, 2. Friedrich Christian Groß.
Oberschultheiß: Johann Georg Bezold
Vormünder: Heinrich Christian Engelbrecht, Johann Franz Jakob Flietner, Johann Herbord Fischer, Johann Andreas Weißbach, Johann Herbord Brühl.
Gemeindeschultheiß: Johann Ernst Bloß.
(„Vormundschaftsverwandler“ sind wohl das, was man heute „Pfleger“ nennt, die also eine Pflegschaft übernehmen, die man früher „Vormundschaft“ nannte). Die Kosten der Reparatur des Turm und der Reparatur und Wiederaufsetzung der Fahne wurden zu einem Drittel von der Gemeinde getragen. Sie zahlte zwölf Taler, so daß die Gesamtkosten 36 Taler betragen haben müssen, von denen nach dem Vertrag 27 Taler an den Schieferdecker und das Übrige an den Schlosser für die Reparatur der Fahne ging.
Der allmächtige und allgütige Vater, der schon so viele Jahre dieses Haus und Turm für Unglücksfällen behütet, wolle ferner in Gnaden darüber wachen und jeden Unfall von demselben wie von unserem ganzen Ort abwenden. Er möge vorzüglich die Herzen der Gemeindeglieder mit Liebe und Eifer für das Haus Gottes erfüllen, damit sie nirgends lieber hingehen und sein mögen als an dem Orte, wo Gottes Ehre wohnt. So werden Segen und Glück von der guten Vaterhand Gottes täglich auf unseren Ort herabströmen und auf alle, die einst ankommen werden in den ewigen Wohnungen des Friedens, um dem Allvater in Verbindung mit allen heiligen Engeln und vollendeten Gerechten ein ewiges Halleluja zu singen. Das gebe unser Gott in seiner ewigen Liebe durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.
Gott schütze und segne diesen Bau! Gott segne die Gemeinde Vieselbach heut und allezeit!
Am 7. Juni 1894 zog über dem hiesigen Ort ein schweres Gewitter. In den Nachmittagsstunden, etwa gegen 5 Uhr, fuhr ein Blitzschlag in den Turm. Er beschädigte den den Schiefer und die Schalung bis zur Uhrglocke, durchfuhr dann im Inneren des Turms die alte Turmuhr und verlief sich dann im Turm, ohne größeren Schaden anzurichten. Der Schaden wurde auf etwa 450 Reichsmark geschätzt und wurde der Gemeinde aus der Landesbrandkasse ersetzt.
In demselben Jahr war im Mai die alte, längst zu kleine und baufällige Kirche abgebrochen worden. Ende Juni begann der Wiederaufbau des neuen Gotteshauses. Der Grundstein wurde am 21. Juli feierlich gelegt (ein Schriftstück in den Grundmauern der Sakristei besagt alles Nähere darüber). Die Richtfeier wird am heutigen Tage begangen. Die Fertigstellung der neuen Kirche wird für den Sommer 1895 erwartet.
Am 25. Juni wurde zur näheren Untersuchung des Blitzschadens durch Schieferdecker Kaufmann zu Weimar und dessen Gehilfen der Turmknopf und die Wetterfahne herabgenommen. Dabei stellte sich durch eine Inschrift auf der Fahne heraus, daß das alte Gotteshaus den Namen „Zum heiligen Kreuz“ führt. Nach Reparatur aller Schäden am Turmdach sind Turmknopf und Wetterfahne neu vergoldet und verziert durch die Schieferdecker unter zahlreicher Teilnahme der Gemeinde feierlich wieder befestigt worden.
An diese Feier schloß sich das Richtfest der neuen Kirche an. Mit Gottes Hilfe ist es möglich gewesen, den Bau trotz äußerst ungünstiger Witterung während dieses Sommers und Herbstes noch vor Winter unter Dach zu bringen. Gott Lob sind bisher größere Unfälle nicht vorgekommen. Gott der Allmächtige helfe und fördere weiter, was wir mit seiner gnädigen Hilfe begonnen haben! Er gebe seinen Segen allen, die Arbeiter sind an diesem seinem Hause und die den Bau zu leiten und auszuführen berufen sind, damit dieser Gemeinde nun bald ein würdig Gotteshaus entstehe zu seiner Ehre und der Gemeinde zum bleibenden Segen! Möge es bald aus dieses Hauses Räumen erschallen und draußen in Häusern und Herzen zur Wahrheit werden: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Amen.
Solches den Nachkommen zur Nachricht: Vieselbach, zur Zeit etwa 1100 Einwohner, am 3. Dezember 1894. Der Kirchgemeindevorstand: G. Funkel, Pfarrer, J. Mäder, 1. Lehrer, Th. König, Bürgermeister, G. Ludewig, Landwirt.
Nachdem im Frühjahr 1909 dieser Turmknopf durch Blitzschlag beschädigt worden war , ist er im September desselben Jahres nach dem Kirchweihfest durch Dachdeckermeister Paul Ott aus Hopfgarten heruntergenommen und wiederhergestellt worden. Dabei erhielt er eine neue Vergoldung. Auch am Blitzableiter wie an einigen Schieferplatten des Turms machten sich Reparaturarbeiten notwendig. Die Kosten in Höhe von 386, 50 Mark trug die Landesbrandkasse. Der Knopf kam wieder auf den Turm am 18. Oktober 1909.
Im Anfang des Jahres 1909 tobte ein schreckliches Erdbeben und Süditalien und Sizilien, welchem die Stadt Messina und unzählige Menschenleben zum Opfer fielen. In Vieselbach wurde 1909 das Werk der Wasserleitung fertiggestellt. Außerdem ist am 2. Osterfeiertag dieses Jah­res auf dem Friedhof die neuerbaute Leichenhalle nebst Kapelle feierlich eingeweiht worden. Der hochbetagte Bürgermeister Theodor König legt sein Amt mit Schluß des Jahres nieder. An seine Stelle tritt Kaufmann und Landwirt Paul Große. Das Filial Hochstedt wird seit dem 1. Januar 1908 von Azmannsdorf verwaltet. Vieselbach zählt jetzt 1184 Einwohner, darunter 1176 Evangelische. Seine Königliche Hoheit der Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen verlobte sich am 10. Oktober 1909 mit Ihrer Hoheit Prinzessin Carla Feodora von Sachsen-Meiningen.
(Bei der Kopie für das Jahr 1909 ist auf der Rückseite das Bruchstück eines Textes erhalten, das wahrscheinlich zum Jahr 1909 gehört - wegen der Schrift und des Bürgermeisters-. Offenbar fehlt hier aber noch Text in der Kopie)
...........kein Unglücksfall vorgekommen! Gott schütze auch ferner diese Gemeinde und ihr schönes Gotteshaus.
Der Kirchenvorstand: Wilhelm Krippendorf, Großherzoglicher Kirchenrat, Superintendent und Pfarrer, Karl Grober, Lehrer und Ortsschulaufseher
Theodor König, Bürgermeister
Hermann Ludewig, Landwirt
Otto Koch, Lehrer
Heinrich Stegmann, Landwirt
Karl Haase, Landwirt.
Orgel Linderbach
6. Am 30. Julius beschloß die Gemeindeversammlung einstimmig, der Kirche eine neue Orgel aus Gemeindemitteln bauen zu lassen. Der Orgelbauer Schulze aus Paulinzella übernahm den Bau. Die Kosten betrugen 800 Gulden. An freiwilligen Beiträgen dazu sind eingegangen 100 Gulden von dem hiesigen Einwohner Nikolaus Kramer. Die alte Orgel übernahm Schulze zu 50 Gulden, so daß also die Gemeinde 650 Gulden aus ihren Mitteln zu gewähren hatte.
Die Aufsteller der Orgel hatten während der Dauer der Aufstellung der Orgel, nämlich 5 Wochen hindurch freie Beköstigung, die von verschiedenen Gemeindegliedern - und zwar unentgeltlich - gewährt wurde. Die Prüfung und Übernahme der Orgel geschah durch den Herrn Schulmeister Schulze in Udestedt, der die Orgel für durchaus gelungen und preiswürdig erklärte. Anwesend dabei war auch der Herr Justizamtmann Bartholomä aus Vieselbach, welcher für diese Angelegenheit ein sehr lebendiger Interesse an den Tag legte. Personalien des am 9. August 1736 in Jesu selig verstorbenen Johann Ernst Beithahnes Was etwa von unserem selig verstorbenen Mitbruder Hans Ernst Beithahn noch nicht erwähnt wurde, das ist nichts anderes als der Anfang, Fort- und Ausgang seines irdischen Lebens. Vom Anfang seines zeitlichen Lebens ist zu sagen, daß er von christlichen und ehrlichen Eltern aus einem reinen und keuschen (?) Ehebette geboren wurde und zu Eliilphleben (?) an der Lengwitz den 17. Mai 1678 glücklich zur Welt geboren wurde. Der Vater war David Beithan, die Mutter Magdalena geborene Stolmag (?). Und da seine Eltern wohl wußten, daß ihr Söhnlein in Sünden empfangen und geboren ist, sind sie bedacht gewesen, es zu einem Christen wiedergebären zu lassen durch das Bad der Wiedergeburt, das heißt durch die Taufe. Deren Zeuge ist Johann Ernst Greßer gewesen, damaliger Kirchenältester und Musiker von hier.
Als die Fähigkeit des Verstandes sich merklich äußerte, wurde der selig Verstorbene zur Erbauung des wahren Christentums fleißig in die Schule geschickt, wo er auch in allen nötigen Stücken Fortschritte machte, so daß er zur rechten Zeit mit Ruhm zum ersten Mal das Heilige Abendmahl hat genießen können.
Sobald er seine Schuljahre beendete, hat er sich in Arbeiten, häuslichen Geschäften und anderen, dem Landwirt zustehenden Verrichtungen wohl geübt, solange bis er seine Mannesjahre erreicht hat. Dann hat er sich hierher nach Großmölsen begeben, um sich niederzulassen und seinen eigenen Haushalt zu gründen. Deswegen ist er auch - nicht ohne göttliche Fügung - mit der dama­ligen Jungfer Anna Catharina Straubig ein christliches Eheverlöbnis eingegangen und hat sich am Dienstag vor dem Martinstag 1701 daraufhin öffentlich verheiraten lassen. Mit dieser ersten Frau hat er zwei Söhne gezeugt, so noch - solange Gott will - am Leben sind.
Hierauf geschah es, daß Gott ihm sein Weib den 14. Oktober 1715 durch den Tod von der Seite nahm. Dadurch wurde er bewogen, sich zum andern Mal mit der damaligen Jungfer Elisabeth Bischof, des ehrsamen Meister Bischof, Schneiders in Neumark (?), leibliche Tochter, ehelich zu verloben. Am 24. November 1716 ließ er sich im erwähnten Neumarck verheiraten. In dieser anderen Ehe hat er mit seiner Frau 2 Söhne und 2 Töchter gezeugt, die ebenfalls als trauernde Waisen noch leben.
Nun ist der Fortgang seines Lebens und Christentums auch noch etwas zu berühren: So ist bekannt, daß er mit seinem Weib jederzeit gelebt hat, wie es sich einem treuen Ehegatten geziemt. Seine von Gott ihm geschenkten Kinder hat er zu allem Guten erzogen. Er hat sich mit jedermann, so viel ihm möglich gewesen ist, friedlich und schiedlich vertragen. Er hat den Gottesdienst jederzeit fleißig und mit Andacht besucht, dabei aber sich öfters als ein armer Sünder zur Rechten Zeit im Beichtstuhl eingefunden und das Heilige Abendmahl zur Vergebung seiner Sünden, Stärkung seines Glaubens und Versicherung des Ewigen Lebens genossen, bis er kürzlich wegen plötzlicher Schwachheit des Leibes aus der Kirche hat gehen und sich zu Bett legen müssen.
Das gibt Gelegenheit, endlich auch noch den Abschied des selig verstorbenen Mitbruders aus diesem mühseligen Leben zu erwähnen. Die Todesursache ist nichts anderes als ein wegen eines widerwärtigen Soldaten erweckter Zorn und Widerwillen, der ihm so schädlich gewesen ist, daß er so bald geklagt hat und Hitze und große Kopfschmerzen empfunden hat. Den schnellen Angriff der Krankheit hat man versucht, durch Verschreibung heilsamer Mittel zu beheben. Aber es hat nichts gefruchtet, sondern es sollte vielmehr gefährlicher werden.
Als er nun im voraus merkte, daß er von seinem Lager nicht wieder hoch kommen würde, weil Hitze und Kopfschmerzen überhand genommen hatten, bestellte er sein Haus. Er bedachte vor seinem Ende nicht nur die Seinigen, sondern vielmehr und am meisten sorgte er für seine arme Seele. Er ließ sich durch den wohlehrwürdigen Herrn Magister Saltzmann - weil sein eigner Seelsorger sehr unpäßlich krank darniedergelegen hat - kurz vor seinem Tode auf die Himmelsreise schicken, mit Unterricht aus Gottes Wort und Gebrauch des Heiligen Abendmahls. In diesem Sinne war auch sein seliger Ausgang unter Beteiligung seiner Familie und Umstehender. Er ist im Geiste Jesu, seines Erlösers und Seligmachers, sanft eingeschlafen, gestern um die Mittagszeit, nachdem er sein irdisches Lebens gebracht hat auf 58 Jahr 3 Monat und einen halben Tag. Votum.
[Anmerkungen: Die Übertragung ist ohne Gewähr geschehen. Vor allem die Eigennamen sind nicht sicher zu erkennen. Die Schreibung wurde der heutigen angepaßt und die Kommas entsprechend verändert. Aber die Struktur der Sprache wurde nicht angepaßt.
Hier handelt es sich wohl weniger um eine Beerdigungspredigt, sondern eher um eine „Parentation“, die der Lehrer zu verfassen und zu verlesen hatte. Dazu griff er auf sein Wissen zurück, zog aber auch die Kirchenbücher zu Rate. Deshalb ist der Stil wohl so formelhaft, weil er keine allzu großen Unterschiede machen durfte. Für diese Arbeit erhielt der Lehrer eine gesonderte Vergütung. Die Predigt – wenn eine solche noch gehalten wurde – hielt der Pfarrer, wenn nicht gar der Lehrer allein die Beerdigung hielt (dann nur liturgisch, ohne Predigt).
„Martini“ ist der 11. November. „copulieren“ heißt „heiraten“, die gleiche Bedeutung hat „zusammen sagen“.
„aus der Kirche gehen“ meint „nicht mehr in die Kirche gehen können“. Mit dem Votum am Schluß ist wohl eine feststehende Redewendung gemeint].
Inventarverzeichnis der Kirche zu Wallichen
Bestimmung der Gegenstände Bemerkungen
A. Immobilien.
1. Kirche nebst Turm, auf dem zwei Glocken und eine Turmuhr sind. In der Kirche eine Orgel.
Feldgrundstücke Katastermäßige Beschreibung
1.) 19 ¾ Ar 19 Ruthen Artland 9 ¾ Ar 23 ¼ Ruthen Gebr. im Thale 2 ¾ Ar 30 ¼ Ruthen Gebr. des.
2.) 2 Ar 2 ¼ Ruthen Wiesen 1 ½ Ar 5 Ruthen Gebr. auf dem Liedenberge
2 ¼ Ar 21 ¼ Ruthen Gebr. daselbst 1 Ar 21 Ruthen Gebr. und 9 Ruthen Wiese im Bohnenfeld
½ Ar 2 ¼ Ruthen Wiese hinter der Mühle
1 ½ Ar Wiese auf der Koppel, dafür nach der Flurbereinigung: Nr. 135 „An der Niederzimmer’­schen Grenze“, 5 ha 12 a 95 qm.
1.) Steuer- und Zinsfreiheit der Kirchengrundstücke
2.) Frondienste der Ortsbürger, wofür aber der Arbeiter mit Gespann pro Tag 5/16 Heller, der Handarbeiter 1/16 Heller pro Tag erhält (Anmerkung: abgeschafft)
Gerätschaften, Altar- und Kanzelbekleidungen ...usw.
1. Zwei zinnerne Altarleuchter
2. eine zinnerne Taufkanne im Kirchenschrank in der Schule aufbewahrt
3. ein neusilberner Kelch
ein neusilberner Hostienteller
4. eine Hostienschachtel
5. eine neue blaue Altardecke daselbst
6. drei Vorhänge hinter dem Altar
7. drei Vorhänge hinter der Kanzel
8. eine neue Kanzelbekleidung desgl.
9. eine alte blaue Altarbekleidung und Kanzelbekleidung auf dem Altar
10. ein seidenes Tuch im Kirchenschrank in der Schule
(ursprünglich: drei seidene Tücher, 2 davon sind unbrauchbar)
11. eine schwarze Altarbekleidung
12. eine schwarze Kanzelbekleidung im Kirchenschranke
12a. eine Altar- und Kanzelbekleidung von rotem Tuch (gewidmet von Witwe Friderike
Deinhardt im Jahre 1870)
13. ein hölzernes Kruzifix
14. ein hölzerner Stuhl in der Sakristei (gestrichen)
14a. ......... (gestrichen)
15. ein alter Tisch in der Sakristei
16. ein Tauftisch mit Schüssel von Messing und gehäkelte Bekleidung und rotem Unterfutter die Schüssel und Bekleidung im Kirchenschranke
17. ein Traubänkchen
18. ein eisernes Kruzifix
19. zwei gläserne Vasen mit Blumen (künstl.) für den Altar
20. zwei Porzellan- Vasen mit (künstl.) Blumen (gestrichen)
21. ein Klingelbeutel
22. ein hölzernes Kreuz (gestrichen) abhanden gekommen
23. drei Bänke auf der Chorempore
24. drei Bänke für die untere Empore
25. ein schwarzes Bahrtuch im Altarkasten
26. eine Bahre für Erwachsene
27. eine Bahre für Kinder
28. ein Chorrock von Schirling
29. ein Schrank zur Aufbewahrung der heiligen Gefäße und Altarbekleidungen (Kirchen-
Sakristei, gestrichen) steht in der Schule
30. ein Leuchter in der Sakristei von Metall (gestrichen)
31. ein Chorrock von Tuch.
Bücher und gedruckte Sachen
1.) ein neues Choralbuch von Töpfer
2.) „ „ „ .......... (gestrichen)
3.) eine Bibel in 4. mit Lederband und Goldschnitt
4.) eine weimarische Kirchenagende von 1771 (überschrieben: Kirchengebete von 1699)
sämtlich zum Gebrauch in der Kirche
5.) eine gothaische Kirchenagende von 1724
6.) ein weimarisches Gesangbuch in der Sakristei (überschrieben: Gesangbuch)
7.) ein weimarisches Gesangbuch auf der Chorempore
8.) Biblische Betrachtungen auf alle Sonn- und Feiertage des Jahres, Leipzig 1838
9.) das neue Evangelienbuch vom Jahre 1824, in der Sakristei
10.) das weimarische Kirchenbuch, 2 Teile in 1 Band, mit Goldschnitt, in der Sakristei
11.) Kirchen- und Schulblatt 1864 vollständig, 1865 fehlt Nr. 19, 1866 fehlt....1872 fehlt Nr. 2
12.) Gerok: Predigten, Evangelien, 1874
13.) 1 Band (?) Predigt von Müllensichen (?)
14.) 3 Stück Chor-Agenden
15.) 2 Stück Chormelodien-Bücher
16.) 1 Stück Choralmelodienbuch von Niese
17.) 1 neues Familienregister
18.) 1 Halleluja (Kirchenmusikstück) in den Händen des Lehrers
19.) 4 Stück neue Kirchenordnung in den Händen der Kirchenvorstandsmitglieder
Akten nicht erfaßt
Zur Kirchenmusik gehörige Gegenstände, Instrumente und Musikalien und sonstige Geräthschaften nicht erfaßt 2 Pauken, welche dem früher bestehenden Schülerchor gehören. Diese sind im Jahr 1870 verkauft worden und dafür ein Waschkessel in die neue Küche des Schulhauses angeschafft worden.
Ferner im Jahr 1898 folgende Bücher: 20.) Liebig, Vorspiele, 1.2., Kern, Organist 6 (in den Händen des Lehrers), Müller, Orgelstücke 6
21.) 1 Schöllden (?), Gesangbuchkonkordanz
22.) 1 Gesangbuch für den Organisten
23.) 2 neue Musikstücke (Palme, Meister) für den Organisten, 1900 angeschafft
24.) 1 neue Altar- und Kanzelbekleidung von rotem Plüsch
25.) 2 neue blecherne Sammelbüchsen in die Kirche zur Aufnahme der sonntäglichen Opfer-
26.) 1 Reukauf, Religionsunterricht, in den Händen des Lehrers
27.) 1 Arper, Agende I
28.) 1 „ „ III
29.) 1 „ „ II
30.) Arper, Agende „Aus tiefer Not“.
[Anmerkung: Das Inventarverzeichnis ist ursprünglich offenbar von 1853, ist aber später ergänzt und überarbeitet worden, zuletzt wohl 1900. Sequestration bedeutet in diesem Zusammenhang wohl „Flurbereinigung“
„iuxto“ bedeutet „zusammen mit“, „d.a.“ bedeutet „de anno“= „vom Jahre“„vacat“ bedeutet „fehlt“ (entweder „nicht vorhanden“ oder „nicht aufgeführt“].
[1] Im Original steht hier „Inspector“, also so etwas wie „Kirchenaufseher“. Dieses Amt läßt sich am ehesten mit dem heutigen Amt des Kirchenvorstehers vergleichen, jedoch ist es doch etwas schwergewichtiger, weil es nur zwei Kircheninspektoren gab, die aber nicht von der Gemeinde gewählt wurden, sondern vom Pfarrer, und zwar aus dem Kreis der Persönlichkeiten am Ort, zum Beispiel war der Vogt auch Kircheninspektor.
[2] Das „Geistliche Ministerium“ in Erfurt war kein Ministerium im heutigen Sinne, obwohl es für einen ganzen Landesteil des Kurfürstentums Mainz zuständig war. Es ist eher mit der Leitung einer Superintendentur zu vergleichen oder mit dem Vorstand der Kreissynode. Der Vorsitzende war der Senior.
[3] oder „Buida“
[4] Die Patin war offenbar anwesend, aber der Vater gab das Kind zur Taufhandlung schnell seiner Schwester
[5] das Wort heißt „Tut“ oder so ähnlich
[6] Offenbar eine Anmerkung des Pfarrers
[7] Name nicht sicher zu lesen
[8] Name auch im Original nur abgekürzt
[9] Kirchendiener, offenbar jährlich wechselnd
[10] Im Original steht hier nur der Hinweis auf eine bestimmte Seite, der Text wurde sinngemäß ergänzt
[11] Der Altarmann erhält wohl die Strafe, weil er die schon geprüfte Rechnung noch einmal beim Ministerium eingereicht hat, weil sie zu seinen Ungunsten gefälscht war
[12] Es ist nicht so recht deutlich, um welches Amt es sich hier handelt. Vielleicht ging es wirklich um Vormundschaftsdinge im heutigen Sinne oder die Befugnisse waren doch weiter gespannt
[13] Ein Wort ist hier unleserlich
[14] Nicht sicher zu lesen
[15] Der Stadtrat in Erfurt hatte offenbar zwei Unterabteilungen, eine katholische und eine evangelische. In „Religionsangelegenheiten“ stimmte dann jeweils nur eine Abteilung ab und nahm Amtshandlungen vor. Die Bezeichnung „Stadtrat A.C.“ bedeutet „Stadtrat Augsburgischer Konfession“
[16] Im Original steht „solenn“, was an sich „feierlich, prunkvoll“ bedeutet. Im kirchlichen Sprachgebrauch ist aber eher das Gegenteil gemeint.
[17] Dem Schulmeister wird hier noch eine negative Bezeichnung zugelegt, deren Übersetzung aber nicht möglich ist
[18] „in der Stille“ heißt offenbar auch „bei Nacht“
[19] Im Original steht hier „Adjuvanten-Chor“, eine Einrichtung in allen Gemeinden zur damaligen Zeit, bestehend aus Schulkindern, die vom Lehrer angeleitet wurden und bei Amtshandlungen in der Kirche sangen.
[20] Im Original steht zwar „Fersel“, aber sonst erscheint der Name nur als „Fressel“.
[21] Im Original steht „Ahrltmann“. Es handelt sich wohl um den Knecht oder Pächter des Pfarrers (siehe auch Erwähnung am Ende von 1793). Der Streit geht wohl darum, ob auch das Pferd des Pfarrers Anteil am Gras der Gemeinde erhält. [22] Der Fachausdruck ist „Exorzismus“ und steht so im Original
[23] Die Absage an den Teufel wird abgeschafft und die dabei üblichen Fragen werden durch drei andere Fragen ersetzt
[24] Wohl Inhaber eines Freigutes, der nicht den üblichen Lasten (Steuer, Fron) unterlag, also wohl so etwas wie ein Großbauer oder sogar Gutsbesitzer
[25] Hier wird deutlich, daß „Vormundschaft“ doch so etwas wie eine Gemeindevertretung gewesen sein muß
[26] Der Pfarrer hat die Gebühren nicht gezahlt, sondern erhalten
[27] Besuch einer Gruppe von Vorgesetzten, die den Zustand der Gemeinde überprüfen
[28] das heißt vor allem: den Katechismus abfragen
[29] Jetzt erhalten die Schüler nur noch etwas aus dieser Schenkung, nichts mehr aus der Kirchenkasse
[30] Eine Metze war im Großherzogtum Weimar 4,8 Liter
[31] Der Michaelistag ist der 29.September
[32] Spätere Namensform „Brömmer“
[33] Die Witwen der Stadtpfarrer waren offenbar anders abgesichert
[34] Er muß also aus eigenen Mitteln das weiter bezahlen, was bisher die Gemein­de getragen hat
[35] Der Johannistag ist der 24. Juni
[36] wahrscheinlich das Buch „Jesus Sirach“, eines der Zusätze zum Alten Testament
[37] Durch den Reichsdeputationshauptschluß wurden die geistlichen Gebiete in Deutschland säkularisiert und anderen Landesherren zugeschlagen. Betroffen war auch das Bistum Mainz, dessen thüringische Gebiete an Preußen gingen. Der Pfarrer hat sich noch nicht an den richtigen Sprachgebrauch gewöhnt und schreibt zunächst „Preußische Königliche Majestät“, verbessert sich aber dann durch Darübersetzen von Zahlen
[38] von „affigo“
[39] Eigentlich „Dnn S.S.“ = dominus sanctus, eigentlich „heiligster Herr“
[40] Folge des Wiener Kongresses von 1815 ?.
[41] Das Amt ist also nicht mehr in Azmannsdorf].

References: § 16

§ 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12

§ 13

§ 14

§ 15

§ 16

§ 17

§ 18

§ 19

§ 20

§ 21

§ 22

§ 23
 § 24

§ 25

§ 26

§ 27

§ 28

§ 29

§ 30

§ 31
 § 32
 § 33
 § 34

§ 35

§ 36

§ 37

§ 38

§ 39

§ 40

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§ 43

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§ 45

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§ 51

§ 52
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§ 52

§ 53

§ 54

§ 55

§ 56

§ 57

§ 58

§ 59

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§ 63

§ 64
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§ 66

§ 67

§ 68

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§ 86

§ 87

§ 88

§ 89
 § 99
 § 100

§ 104

§ 105
 § 110