Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/krankheitskosten-als-aussergewoehnliche-belastungen-3107528
Timestamp: 2020-02-29 04:06:06+00:00

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Krank­heits­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen | Rechtslupe
In stän­di­ger Recht­spre­chung geht der BFH davon aus, dass Krank­heits­kos­ten ‑ohne Rück­sicht auf die Art und die Ursa­che der Erkran­kung- dem Steu­er­pflich­ti­gen aus tat­säch­li­chen Grün­den zwangs­läu­fig erwach­sen. Aller­dings wer­den nur sol­che Auf­wen­dun­gen als Krank­heits­kos­ten berück­sich­tigt, die zum Zweck der Hei­lung einer Krank­heit (z.B. Medi­ka­men­te, Ope­ra­ti­on) oder mit dem Ziel getä­tigt wer­den, die Krank­heit erträg­li­cher zu machen, bei­spiels­wei­se Auf­wen­dun­gen für einen Roll­stuhl 2.
Der Steu­er­pflich­ti­ge hat die Zwangs­läu­fig­keit von Auf­wen­dun­gen im Krank­heits­fall in einer Rei­he von Fäl­len for­ma­li­siert nach­zu­wei­sen. Bei krank­heits­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen für Arz­nei, Heil- und Hilfs­mit­tel (§§ 2, 23, 31 bis 33 SGB V) ist die­ser Nach­weis nach § 64 Abs. 1 Nr. 1 ESt­DV i.d.F. des Steu­er­ver­ein­fa­chungs­ge­set­zes (StVer­einfG) 2011 durch eine Ver­ord­nung eines Arz­tes oder Heil­prak­ti­kers zu füh­ren.
Die­sem for­ma­li­sier­ten Nach­weis­ver­lan­gen ist auch im Streit­fall Rech­nung zu tra­gen. Denn nach § 84 Abs. 3f ESt­DV i.d.F. des StVer­einfG 2011 ist § 64 Abs. 1 ESt­DV i.d.F. des StVer­einfG 2011 in allen Fäl­len, in denen ‑wie vor­lie­gend- die Ein­kom­men­steu­er noch nicht bestands­kräf­tig fest­ge­setzt ist, anzu­wen­den. Weder die in § 33 Abs. 4 EStG i.d.F. des StVer­einfG 2011 nor­mier­te Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung noch der auf ihrer Grund­la­ge ergan­ge­ne § 64 Abs. 1 ESt­DV i.d.F. des StVer­einfG 2011 begeg­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken 7.
Nach die­sen Maß­stä­ben sind Auf­wen­dun­gen für die bio­me­cha­ni­schen Funk­ti­ons­ana­ly­sen und das FPZ ana­ly­se­ge­stütz­te Wir­bel­säu­len­trai­ning nicht zum Abzug als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen zuzu­las­sen.
Bei den Auf­wen­dun­gen für die bio­me­cha­ni­schen Funk­ti­ons­ana­ly­sen und das Wir­bel­säu­len­trai­ning kann es sich, sofern man zuguns­ten des Klä­gers über­haupt das Vor­lie­gen von Krank­heits­kos­ten annimmt, allen­falls um Auf­wen­dun­gen für Heil­mit­tel im Sin­ne einer phy­si­ka­li­schen The­ra­pie (Bewe­gungs­the­ra­pie, Kran­ken­gym­nas­tik gemäß § 19 der Heil­mit­tel-Richt­li­nie) han­deln 8. Vor­lie­gend waren die Zwangs­läu­fig­keit der strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen inso­weit aber nicht in der nach § 64 Abs. 1 Nr. 1 ESt­DV gebo­te­nen Form nach­ge­wie­sen. Denn der Steu­er­pflich­ti­ge hat­te kei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung eines Arz­tes oder eines Heil­prak­ti­kers vor­ge­legt.
Zivil­pro­zess­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen Bei den Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses spricht eine Ver­mu­tung gegen die Zwangs­läu­fig­keit. Sol­che Kos­ten sind nur zwangs­läu­fig, wenn auch das die Zah­lungs­ver­pflich­tung oder den Zah­lungs­an­spruch adäquat…
BFH, Urtei­le vom 17.07.1981 – VI R 77/​78, BFHE 133, 545, BSt­Bl II 1981, 711; vom 13.02.1987 – III R 208/​81, BFHE 149, 222, BSt­Bl II 1987, 427; vom 20.03.1987 – III R 150/​86, BFHE 149, 539, BSt­Bl II 1987, 596; aus neue­rer Zeit z.B. BFH, Urteil vom 18.06.2015 – VI R 68/​14, BFHE 250, 166, BSt­Bl II 2015, 803[↩]
zur Kran­ken­gym­nas­tik als Heil­mit­tel, s. auch BSG, Urteil vom 13.09.2011 – B 1 KR 23/​10 R, BSGE 109, 116[↩]

References: § 64
 § 84
 § 64
 § 33
 § 64
 § 19
 § 64