Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bfh/2011-10-19/xi-r-40_09
Timestamp: 2017-11-20 00:48:14+00:00

Document:
BFH, 19.10.2011 - XI R 40/09 - Umsatzsteuerermäßigung bzw. Umsatzsteuerbefreiung für Leistungen einer ausländischen Theatergruppe | anwalt24.de
Urt. v. 19.10.2011, Az.: XI R 40/09
Referenz: JurionRS 2011, 34970
FG Baden-Württemberg - 04.08.2008 - AZ: 6 K 370/05
§ 4 Nr. 20 Buchst. a S. 1 UStG
§ 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG
BFH/NV 2012, 798-801
HFR 2012, 528-530
NWB 2012, 1723
NWB direkt 2012, 565
PFB 2012, 173
StuB 2012, 372
StX 2012, 284
UStB 2012, 103
UVR 2012, 162
Die Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 20 UStG entspricht der Vorschrift des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. n der Sechsten Richtlinie 77/388/EWG des Rates vom 17. Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Umsatzsteuern (Richtlinie 77/388/EWG - vgl. dazu BFH-Urteil vom 4. Mai 2011 XI R 44/08, BFHE 233, 367, [BFH 04.05.2011 - XI R 44/08] unter II.1.b).
Entgegen der Auffassung des FG entspricht ein derartiger "Versagungsgrund" auch weder dem Sinn und Zweck der Vorschriften, noch lassen sich aus der Entstehungsgeschichte entsprechende Anhaltspunkte ableiten. Nach der Rechtsprechung wendet sich ein "Theater" in der Regel an eine unbestimmte Zahl von Zuschauern (vgl. z.B. Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts --BVerwG--- vom 31. Juli 2008 9 B 80/07, Umsatzsteuer-Rundschau --UR-- 2009, 25, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung --HFR-- 2009, 313; BFH-Urteil in BFHE 233, 367, [BFH 04.05.2011 - XI R 44/08] unter II.1.a bb). Das jeweilige Geschlecht des Publikums ist dabei unmaßgeblich.
(1) Das FG hat in den Entscheidungsgründen seines Urteils ausgeführt, dass insoweit lediglich eine dem Unternehmen eines "Theaters" vergleichbare Einrichtung in Betracht komme. Ein Theater i.S. von § 4 Nr. 20 Buchst. a Satz 1 UStG wendet sich in der Regel an eine unbestimmte Zahl von Zuschauern und hat die Aufgabe, der Öffentlichkeit Theaterstücke in künstlerischer Form nahezubringen (vgl. z.B. BVerwG-Beschluss in UR 2009, 25, [BVerwG 31.07.2008 - BVerwG 9 B 80.07] HFR 2009, 313; BFH-Urteil in BFHE 233, 367, [BFH 04.05.2011 - XI R 44/08] unter II.1.a bb, m.w.N.). Die Klägerin hält auch eine Vergleichbarkeit der Auftritte des Ensembles "X" mit einem "Chor" für möglich.
Auch wenn die Prüfung, ob der Unternehmer eine Einrichtung betreibt, die einer solchen i.S. des § 4 Nr. 20 Buchst. a Satz 1 UStG gleichartig ist, sich teilweise inhaltlich mit der Prüfung der Kultusbehörden überschneiden kann (vgl. z.B. BVerwG-Urteile in UR 2007, 304, [BVerwG 11.10.2006 - BVerwG 10 C 4.06] HFR 2007, 598, BFH/NV Beilage 2007, 325, unter 3.; vom 11. Oktober 2006 10 C 7/05, UR 2007, 307, HFR 2007, 1249, BFH/NV Beilage 2007, 322, unter II.3.c bb), steht insoweit bindend fest, dass das Ensemble "X" denselben kulturellen Stellenwert wie die ausdrücklich in der gesetzlichen Bestimmung genannten Einrichtungen hat (vgl. BFH-Urteil in BFHE 233, 367, unter II.1.a aa). Dies bedeutet, dass die im Streitfall unstreitig vorliegende "erotisierende Wirkung" der Auftritte des Ensembles "X" bei der anschließenden Gleichartigkeitsprüfung betreffend die "Einrichtung" i.S. von § 4 Nr. 20 Buchst. a Satz 1 UStG keiner den kulturellen Stellenwert der Gruppe einschränkenden Wertung zugänglich ist.
Das FG wird ferner in Rechnung stellen müssen, dass weder der Wortlaut noch der Zweck von § 4 Nr. 20 Buchst. a UStG den Schluss zulassen, die Steuerbefreiung solle nur solchen Einrichtungen zugutekommen, die "auf einem hohen Niveau" arbeiteten (vgl. BVerwG-Beschluss in UR 2009, 25, [BVerwG 31.07.2008 - BVerwG 9 B 80.07] HFR 2009, 313).

References: § 4

§ 12
 § 4
 Art. 13
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4