Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F08-01-2015-5A_736-2014
Timestamp: 2016-10-25 06:55:53+00:00

Document:
5A_736/2014 � � Urteil vom 8. Januar 2015
A.________ (geb. 1977) und B.________ (geb. 1975) sind die nicht miteinander verheirateten Eltern von C.________ (geb. 2004). Im Mai 2006 trennten sich die Eltern. C.________ lebte daraufhin bei der Mutter, welche auch das alleinige Sorgerecht innehatte, und besuchte den Vater jedes zweite Wochenende.
B.a.�Vom 19. bis 23. Oktober 2009 sowie vom 3. bis 8. Oktober 2010 war A.________ wegen Alkoholsucht in station�rer Behandlung. Dazwischen besuchte sie von November 2009 bis Januar 2010 eine Tagesklinik. Nach einem R�ckfall unterzeichneten die Kindseltern am 29. Juni 2011 eine Vereinbarung, wonach sich A.________ einer station�ren Therapie unterziehen wollte und das Kind bis auf weiteres bei B.________ und dessen neuer Lebenspartnerin leben sollte. Am 30. Juni 2011 beantragte B.________ zus�tzlich die �bertragung der alleinigen elterlichen Sorge an sich selbst.
B.b.�Seit dem 3. Juli 2011 wohnt C.________ bei B.________.
B.c.�A.________ begab sich am 18. Juli 2011 in station�re Behandlung in der Psychiatrischen Klinik D.________ (bis 2. September 2011). Es folgte eine ambulante psychiatrische Betreuung und bis Sommer 2012 eine Begleitung durch die Institution "E.________" in F.________.
B.d.�Mit Entscheid vom 28. Juli 2011 errichtete die Vormundschaftsbeh�rde F.________ eine Erziehungsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1, Abs. 2 und Abs. 3 ZGB und ernannte eine Beist�ndin. Gleichzeitig nahm die Beh�rde von der Parteivereinbarung vom 29. Juni 2011 Kenntnis und verf�gte, eine R�ckkehr zur Mutter bed�rfe der beh�rdlichen Genehmigung gem�ss Art. 310 ZGB.
C.a.�Am 21. M�rz 2012 beantragte A.________ die R�ck�bertragung der Obhut.
C.b.�Die Vormundschaftsbeh�rde holte bei G.________ ein kinderpsychologisches Gutachten �ber C.________ ein, welches am 26. November 2012 erstattet wur de.
C.c.�Am 24. Januar 2013 wie derholte B.________ seinen Antrag auf �bertragung der alleinigen elterlichen Sorge an sich.
C.d.�Die fortan zust�ndige Kindes- und Erwachsenenschutzbeh�rde F.________ (nachfolgend KESB) beauftragte den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst D.________ mit einer erneuten familienpsychologischen sowie kinder- und jugendpsychiatrischen Begutachtung. Das Gutachten von H.________ und Dr. med. I.________ datiert vom 22. November 2013 (nachfolgend Gutachten).
C.e.�Mit Entscheid vom 28. April/2. Mai 2014 wies die KESB den Antrag von A.________ auf R�ck�bertragung der Obhut ab. Die Obhut werde gest�tzt auf Art. 310 Abs. 2 ZGB bei B.________ belassen. Sodann regelte die KESB das Besuchs- und Ferienrecht und ernannte J.________ als neuen Beistand. Das Begehren von B.________ auf �bertragung des Sorgerechts wies die KESB ebenfalls ab.
D.a.�Gegen diesen Entscheid erhob A.________ Beschwerde an das Obergericht des Kantons Thurgau. Sie bekr�ftigte ihren Antrag auf R�ck�bertragung der Obhut. C.________ sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme unverz�glich in ihre Obhut zu geben.
D.b.�B.________ schloss mit Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2014 im Wesentlichen auf Abweisung der Beschwerde. Sodann beantragte er erneut die alleinige elterliche Sorge f�r C.________.
D.c.�Das Obergericht wies die Beschwerde mit Urteil vom 23. Juli 2014 ab und auferlegte die Verfahrenskosten A.________. Auf den Antrag von B.________ betreffend elterliche Sorge trat das Obergericht nicht ein.
Mit Eingabe vom 19. September 2014 gelangt A.________ (Beschwerdef�hrerin) an das Bundesgericht. Sie verlangt, ihr sei die Obhut �ber C.________ zur�ckzu�bertragen. Eventualiter sei mit der R�ck�bertragung der Obhut eine Familientherapie anzuordnen. Subeventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Ausserdem beantragt sie die unentgeltliche Rechtspflege.
Das Bundesgericht hat die Akten der Vorinstanzen, aber keine Vernehmlassungen eingeholt.
1.1.�Angefochten ist ein kantonal letztinstanzlicher Endentscheid (Art. 75 Abs. 1, Art. 90 BGG) �ber eine Kindesschutzmassnahme, mithin eine �ffentlich-rechtliche Angelegenheit in unmittelbarem Zusammenhang mit Zivilrecht (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 6 BGG) ohne Verm�genswert. Die Beschwerdef�hrerin ist als Kindsmutter gem�ss Art. 76 Abs. 1 BGG zur Beschwerde berechtigt und die Beschwerdefrist ist eingehalten (Art. 100 Abs. 1 BGG). Insofern ist die Beschwerde in Zivilsachen zul�ssig.
1.2.�Mit Beschwerde in Zivilsachen k�nnen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 f. BGG ger�gt werden. Unter Vorbehalt des Bereichs der verfassungsm�ssigen Rechte wendet das Bundesgericht das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es kann die Beschwerde daher auch aus andern als den geltend gemachten Gr�nden gutheissen oder den Entscheid mit einer Begr�ndung best�tigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (zu den Voraussetzungen der Motivsubstitution BGE 136 III 247 E. 4 S. 252 mit Hinweis).
�Hingegen ist das Bundesgericht an den festgestellten Sachverhalt grunds�tzlich gebunden (Art. 105 Abs. 1 BGG). Diesbez�glich kann einzig vorgebracht werden, er sei offensichtlich unrichtig festgestellt worden (Art. 97 Abs. 1 BGG), wobei "offensichtlich unrichtig" mit "willk�rlich" gleichzusetzen ist (BGE 133 II 249 E. 1.2.2 S. 252; 133 III 393 E. 7.1 S. 398). Hierf�r gilt das strenge R�geprinzip (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 255). F�r die Geltendmachung der Verletzung von verfassungsm�ssigen Rechten (inkl. Willk�r) gilt ebenfalls das R�geprinzip (BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254).
2.1.�Seit dem 1. Juli 2014 sind neue Bestimmungen �ber die elterliche Sorge in Kraft (AS 2014 357). Das angefochtene Urteil erging nach deren Inkrafttreten (23. Juli 2014). Die Vorinstanz h�tte daher die Anwendbarkeit des neuen Rechts pr�fen m�ssen. Allerdings stellt sich vor Bundesgericht die Frage einer Ab�nderung der elterlichen Sorge nicht (mehr), da der Beschwerdegegner seinerseits keine Beschwerde gef�hrt hat. Umstritten ist die Frage, ob der Junge wieder bei der Beschwerdef�hrerin leben kann. Diesbez�glich ist f�r den Ausgang des Verfahrens nicht relevant, ob auf das alte oder das neue Recht abgest�tzt wird. Angesichts der Bed�rfnisse des konkreten Falles wird daher nach folgend auf die Terminologie nach altem Recht zur�ckgegriffen.
2.2.�Wird den sorgerechtsberechtigten Eltern in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 ZGB die Obhut �ber ein Kind entzogen, hat dies zur Folge, dass das Obhutsrecht der Eltern auf die Vormundschaftsbeh�rde �bergeht, welche �ber den Aufenthaltsort des Kindes bestimmt. Der Obhutsentzug hat dabei keinerlei Auswirkungen auf die elterliche Sorge, welche bei den Eltern verbleibt. Ihnen bleibt lediglich die Aus�bung eines Teilgehalts der Sorge - n�mlich das Recht �ber den Aufenthalt des Kindes zu entscheiden - verwehrt (BGE 128 III 9 E. 4a S. 10 mit Hinweis; zur Definition der Obhut vgl. auch BGE 136 III 353 E. 3.2 S. 356). Der Obhutsentzug durch die Vormundschaftsbeh�rde F.________ hatte mithin keinen Einfluss auf das (alleinige) Sorgerecht der Beschwerdef�hrerin, welches diese nach wie vor innehat.
2.3.�Der Beschwerdegegner ist zwar der leibliche Vater des betroffenen Kindes, er ist indes nicht sorgerechtsberechtigt. Damit kann ihm keine (rechtliche) Obhut zukommen. Durch die Unterbringung des Kindes bei ihm erhielt er lediglich eine faktische Obhut, welche gleich zu behandeln ist, wie die Unterbringung bei Pflegeeltern (BGE 120 Ia 260 E. 2a S. 263 mit Hinweis). Die rechtliche Obhut f�r das Kind liegt bei der zust�ndigen KESB. Die Vorinstanz hat damit zu Recht nicht die Argumentation der ersten Instanz �bernommen, welche eine Wiederherstellung der Obhut der Beschwerdef�hrerin abgelehnt hatte, weil es keine "Anhaltspunkte f�r einen Entzug der Obhut gegen�ber dem Kindsvater" gebe. Wie bereits ausgef�hrt, kam dem Beschwerdegegner keine rechtliche Obhut zu. Daran �ndert nichts, d ass der Beschwerdegegner gest�tzt auf Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB die gemeinsame elterliche Sorge beantragen kann.
3.1.�Die Vorinstanz hielt fest, es sei unbestritten, dass eine intakte Mutter-Kind-Beziehung bestehe. Auch h�tten die Gutachter eine allgemeine Erziehungsf�higkeit der Beschwerdef�hrerin best�tigt. Gem�ss diesen habe sie bis Anfang/Mitte des Jahres 2008 einen f�r das Kind f�rderlichen Entwicklungsrahmen bieten k�nnen. Danach habe der Junge durch ihre Alkoholerkrankung jedoch eine schwere Entwicklungsst�rung erlitten. Dies habe dazu gef�hrt, dass er einen besonders feinf�hligen Umgang, einen stark strukturierten Alltagsablauf, intensive schulische F�rderung und allgemeine Lebensstabilit�t ben�tige. Zum Zeitpunkt der Begutachtung habe sich in allen Teilbereichen eine deutlich abgemilderte Entwicklungsst�rung bis hin zur teilweise vollst�ndigen Aufholung der Defizite pr�sentiert. Der Junge selbst habe gem�ss Gutachter einen neutralen Standpunkt eingenommen. Er habe seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, bei ungef�hr gleich verteilter Betreuungszeit durch seine Eltern, seinen Lebensmittelpunkt bei seiner Mutter haben zu d�rfen, weil er es f�r nat�rlich halte, wenn ein Kind bei seiner Mutter aufwachse, was die Gutachter allerdings als "wahrscheinlich von Erwachsenen eingebrachte Formulierung und Denkweise", welche vom Kind �bernommen worden sei, bezeichnet h�tten.
�Im Zusammenhang mit der fr�heren Alkoholerkrankung sei die Beschwerdef�hrerin nach wie vor in ambulanter psychiatrischer Behandlung bei Dr. med. K.________. Dieser habe ausgef�hrt, bis zu seinem letzten Kontakt mit der Beschwerdef�hrerin im April 2013 seien ihm keine Alkoholr�ckf�lle bekannt. Er habe die Beschwerdef�hrerin immer stabiler werdend wahrgenommen. Die Gutachter h�tten der Beschwerdef�hrerin ebenfalls aktuell eine ausreichende Stabilit�t attestiert; allerdings bestehe in Zukunft das Risiko eines R�ckfalls. Ein solcher k�nne gem�ss Gutachter nicht mit einer dauerhaften Vernachl�ssigung von C.________ gleichgesetzt werden. Eine dadurch eventuell notwendige erneute Ver�nderung der Versorgungslage w�re aber ein grosses Risiko f�r die Fortsetzung der positiven Entwicklung des Jungen. Die Gutachter h�tten daher f�r den Fall einer R�ckgabe eine intensive therapeutische Begleitung von Mutter und Kind empfohlen.
�Zusammengefasst befand die Vorinstanz, das nach wie vor bestehende Risiko eines R�ckfalls und die gegebenenfalls damit verbundenen Auswirkungen auf den Jungen st�nden den Interessen der Kontinuit�t entgegen. Im Hinblick auf den Gesundheitszustand des Jungen seien wiederholte Umplatzierungen zu vermeiden. Die Beschwerdef�hrerin habe nicht �berzeugend dargelegt, dass sie die besonderen Bed�rfnisse des Kindes bedienen k�nne. Daf�r spreche auch, dass sie mit dem Jungen Probleme diskutiert habe, welche auf die Erwachsenenebene geh�rten, was zu einer vermeidbaren Belastung des Jungen gef�hrt habe. Weitere �rztliche Berichte oder Belege, welche die Alkoholabstinenz best�tigen w�rden, habe sie nicht eingereicht (z.B. Antabus-Therapie, regelm�ssige Haaranalyse). Die R�ck�bertragung der Obhut sei zu Recht abgelehnt worden.
3.2.�Die Beschwerdef�hrerin wirft dem Obergericht vor, es habe den Entscheid mit Argumenten begr�ndet, auf die es im Rahmen von Art. 310 Abs. 3 ZGB nicht ankomme (der Beschwerdegegner sei in der Lage, den Jungen pers�nlich bzw. mindestens im gleichen Umfang wie die Beschwerdef�hrerin pers�nlich zu betreuen; die Beziehung zwischen dem Beschwerdegegner und dem Kind sei gut und intakt). Sodann �bersehe es, dass sich vorliegender Fall wesentlich von Pflegeverh�ltnissen, welche von Art. 310 Abs. 3 ZGB ins Auge gefasst w�rden, unterscheide. Die vorgenommene Gewichtung sei offensichtlich falsch. Namentlich habe die Vorinstanz ihr Recht als leibliche Mutter, ihr Kind weiterhin selbst zu betreuen, zu pflegen und zu erziehen, nicht ber�cksichtigt. Ebensowenig ihre F�higkeit, f�r eine kindeswohlgerechte Betreuung und Erziehung zu sorgen. Ihr sei eine allgemeine Erziehungsf�higkeit attestiert worden und auch, dass sie bis zu ihrer Erkrankung einen f�rderlichen Entwicklungsrahmen geboten habe. Sie habe trotz Fremdplatzierung weiterhin eine intakte Beziehung zum Sohn und habe diese Beziehung stets gepflegt.
�In Bezug auf die Alkoholabh�ngigkeit verfalle die Vorinstanz ebenfalls in Willk�r, indem sie lediglich auf das Gutachten sowie eine Best�tigung von Dr. med. K.________ vom 8. M�rz 2013 verweise, daraus auf ein R�ckfallrisiko schliesse und behaupte sie habe keine weiteren Belege eingereicht. Am 23. September 2013 habe Dr. med. K.________ den Gutachtern berichtet, bis zum April 2013 seien keine Alkoholr�ckf�lle bekannt. Sie lebe seit ihrem Klinikaustritt im September 2011 abstinent, in einer stabilen Beziehung und das Risiko f�r einen R�ckfall sei minimal. Selbst wenn sie erneut alkoholabh�ngig w�rde, k�nne gem�ss Gutachten mittels Anordnung einer therapeutischen Begleitung sichergestellt werden, dass sie den Bed�rfnissen des Jungen gerecht werden k�nnte und damit dessen positive Entwicklung gew�hrleistet w�re. Auch soweit die Vorinstanz bezweifle, dass sie (generell) den besonderen Bed�rfnissen von C.________ im Alltag gerecht werden k�nnte, h�tte der Vorschlag der Gutachter aufgegriffen werden m�ssen, dass einer allf�lligen Gefahr mittels einer intensiven therapeutischen Begleitung begegnet werden k�nne. Darauf sei die Vorinstanz nicht einmal eingegangen.
3.3.�Hat ein Kind l�ngere Zeit bei Pflegeeltern gelebt, so kann die Kindesschutzbeh�rde den Eltern seine R�cknahme untersagen, wenn diese die Entwicklung des Kindes ernstlich zu gef�hrden droht (Art. 310Abs. 3 ZGB). Diese Bestimmung ist grunds�tzlich auch auf die R�cknahme von Kindern, welche bei einem nicht sorgerechtsberechtigten Elternteil leben, anwendbar (vgl. Urteil 5C.28/2007 vom 3. April 2007, in: FamPra 2007, 718).
�Eine Neu-, Um- oder R�ckplatzierung des Kindes hat sich an dessen Wohl auszurichten und bedingt eine Abw�gung zwischen den auf dem Spiel stehenden Interessen. F�r eine R�ckplatzierung gem�ss Art. 310 Abs. 3 ZGB gelten nicht die gleichen Kriterien wie f�r den Obhutsentzug gem�ss Art. 310 Abs. 1 ZGB. Eltern, die sich trotz einer Fremdplatzierung um den Aufbau und die Pflege einer pers�nlichen Beziehung zu ihrem Kind bem�ht haben, brauchen nicht zu bef�rchten, dass Art. 310 Abs. 3 ZGB mit Erfolg gegen ihre ernsthafte Absicht, das Kind eines Tages wieder selbst zu betreuen und zu erziehen, angerufen werden k�nnte; entscheidend f�r die Frage der Zur�cknahme durch die Mutter ist dabei, ob die seelische Verbindung zwischen ihr und dem Kind intakt ist und ob ihre Erziehungsf�higkeit und ihr Verantwortungsbewusstsein eine R�ck�bertragung der Obhut rechtfertigen (BGE 111 II 119 E. 5 und E. 6 S. 123 ff.; Urteile 5A_473/2013 vom 6. August 2013 E. 6, in: FamPra.ch 2013, 1064; 5C.28/2007 vom 3. April 2007 E. 2.2, in: FamPra 2007, 718). Bei der Gewichtung der vorstehenden Interessen sind der Anspruch des Elternteils auf pers�nliche Betreuung und das Interesse des Kindes an stabilen Beziehungen gegeneinander abzuw�gen (BGE 111 II 119 E. 5 und 6 S. 124 f.). Dabei steht dem Sachgericht typischerweise ein Ermessen im Sinne von Art. 4 ZGB zu, bei dessen �berpr�fung das Bundesgericht Zur�ckhaltung �bt (BGE 132 III 97 E. 1 S. 99; 135 III 121 E. 2 S. 123 f.; spezifisch im Zusammenhang mit der R�ckgabe der Obhut: Urteil 5A_473/2013 vom 6. August 2013 E. 6, in: FamPra.ch 2013, 1064).
3.4.�Soweit die Beschwerdef�hrerin Kritik am vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt �bt, vermag sie keine Willk�r darzutun (Art. 97, 105 Abs. 2BGG; vgl. auch vorstehend E. 1.2). Bez�glich Beweis ihrer Abstinenz gibt es offenbar - wie im angefochtenen Urteil festgehalten - nur bis April 2013 Aussagen behandelnder �rzte. Dass sie aktuellere Beweismittel vorgelegt habe oder beispielsweise eine Antabus-Therapie absolviere (vgl. E. 3.1 in fine), bringt sie nicht vor. Bez�glich Kindesanh�rung vom 5. Februar 2013 kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden, wenn sie die vorinstanzliche Darstellung (der Junge habe nicht klar und deutlich ge�ussert, er wolle bei ihr leben) als aktenwidrig r�gt. Zwar hat der Junge ausgesagt, er wolle "ein bisschen mehr" bei seiner Mutter bleiben, und dass ihm bei seiner Mutter vieles besonders gut gefalle. Etwas Spezielles gebe es nicht zu erw�hnen. Bei seinem Vater gefalle ihm besonders gut, dass es im Garten ein grosses Trampolin habe. Als Grund bei der Mutter zu sein, f�gte er sp�ter namentlich die Hoffnung an, bei ihr nicht allein zu sein, weil die Mutter nicht so viel arbeite wie der Vater. Bei diesem sei er an drei Tagen eine Stunde alleine. An anderer Stelle sagte er, er k�nne nicht sagen, ob er zu Mama oder Papa gehen solle; er w�rde sich auf beide ein bisschen freuen. Auch aus dem Gutachten geht hervor, dass der Junge zu beiden eine gute Beziehung hat.
�Soweit die Beschwerdef�hrerin Kritik an der vorgenommenen Interessenabw�gung �bt, ist ihr insofern zuzustimmen, als es vorliegend nicht um eine Abw�gung geht, welcher Elternteil die Obhut besser wahrnehmen k�nnte (vgl. zur Begr�ndung E. 2.3). Das heisst allerdings nicht, dass �berlegungen zur Vater-Kind-Beziehung sowie zur Situation am heutigen Aufenthaltsort im Urteil �berhaupt keinen Niederschlag finden d�rfen. Diese sind Indizien zur Ermittlung der Kindesinteressen (E. 3.3). Zu ber�cksichtigen sind s�mtliche Interessen der Beschwerdef�hrerin (namentlich, ihr Kind wieder bei sich zu haben) wie auch des Kindes (bei seiner Mutter aufzuwachsen, die begonnene positive Entwicklung fortsetzen zu k�nnen u.a.).
3.4.1.�Das Gutachten vom 22. November 2013 hatte sich sowohl zur Frage der Obhut als auch zur Frage des (vor erster Instanz noch strittigen) Sorgerechts zu �ussern. Die Gutachter H.________ und Dr. med. I.________ kamen zum Schluss, der Junge habe zu beiden Eltern eine �hnlich gute und emotional tragf�hige Beziehung entwickeln k�nnen. Sollte der Junge weiterhin beim Vater leben, hielten sie keine weiteren Massnahmen f�r n�tig, empfahlen jedoch, ihm diesfalls auch die elterliche Sorge zu �bertragen (zumindest die gemeinsame). Auf die Frage, welche Auswirkungen eine R�ck�bertragung der elterlichen Obhut auf die Kindsmutter haben w�rde, f�hrten sie aus, im Zeitpunkt der Begutachtung habe jener eine ausreichende Stabilit�t bezogen auf ihre Alkoholabh�ngigkeitserkrankung und ausreichend gute Kompetenzen bezogen auf ihre Erziehungsf�higkeit attestiert werden k�nnen. In die Zukunft geblickt sei ein entwicklungsbezogenes Risiko zu sehen, falls diese einen R�ckfall erleiden sollte. Dies w�re zwar nicht gleichzusetzen mit einer dauerhaften Vernachl�ssigung, eine eventuell notwendige erneute Ver�nderung der Versorgungslage w�re jedoch ein grosses Risiko f�r die Fortsetzung der positiven Entwicklung des Jungen. Falls die Kindsmutter die Obhut zur�ckerhalte, sei neben der Aufrechterhaltung der Beistandschaft eine intensive aufsuchende therapeutische Begleitung der Beschwerdef�hrerin und des Jungen angezeigt. So k�nnte auch das Risiko reduziert werden, dass sie durch die zus�tzlichen Belastungen mit Erziehungsaufgaben w�hrend des Alltags destabilisiert w�rde (im Sinne eines m�glichen Alkoholr�ckfalls). Sie betonten zudem die grunds�tzliche Wichtigkeit �rtlicher und sozialer Kontinuit�t, wobei sie dem Kindsvater die Aufrechterhaltung eines f�rderlichen Rahmens attestieren. Weiter unterstrichen sie, dass die Beschwerdef�hrerin durch die Gestaltung ihrer Besuchskontakte (Konzentrieren auf positive Zeit, aktive Gestaltung mit beziehungsorientierten Angeboten) eine wichtige Beziehungspartnerin f�r die Absicherung der Gesamtentwicklung des Jungen sei und so zum aktuell positiven Trend und zur �berwindung der Entwicklungsr�ckst�nde des Jungen beitrage. Die Folgen f�r das Kind im Falle eines R�ckfalls mit erneuter Vernachl�ssigung und/oder Umplatzierung sch�tzten die Gutachter als "grosses Risiko f�r die Fortsetzung der positiven Entwicklung" des Jungen ein.
3.4.2.�Auch Dr. med. K.________ hatte gegen�ber den Gutachtern formuliert, solange die Beschwerdef�hrerin abstinent sei, erg�ben sich aus seiner Sicht keine Einschr�nkungen der Erziehungsf�higkeit. M�gliche Alkoholr�ckf�lle mit Wiederaufnahme regelm�ssigen Trinkens bezeichnete er indes als "katastrophal" f�r die Erziehungsf�higkeit.
3.4.3.�Eine erneute Alkoholabh�ngigkeit w�re mithin als ernsthafte Gef�hrdung des Kindeswohls zu betrachten. Wenn die Vorinstanz befand, das Risiko eines R�ckfalls sei zum gegebenen Zeitpunkt (unausgesprochen: auch mit Familientherapie) noch zu gross, um die Kindesschutzmassnahme aufzuheben, so hat sie das ihr zustehende Ermessen nicht verletzt.
�Zeigt sich die Situation der Beschwerdef�hrerin weiter stabil, respektive ist ihre Abstinenz hinreichend erstellt, ist die Angelegenheit neu zu beurteilen. Ver�ndern sich die Verh�ltnisse, sind Kindesschutzmassnahmen der neuen Lage anzupassen (Art. 313 Abs. 1 ZGB); erweist sich eine Massnahme als nicht mehr n�tig, ist sie aufzuheben oder durch eine mildere zu ersetzen (BGE 120 II 384 E. 4d S. 386 mit Hinweis).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Beschwerdef�hrerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Da die Beschwerde aber nicht als von Anfang an aussichtslos bezeichnet werden kann, ist dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege f�r das bundesgerichtliche Verfahren zu entsprechen (Art. 64 Abs. 1 BGG). Dem Beschwerdegegner ist kein entsch�digungspflichtiger Aufwand entstanden (Art. 68Abs. 1 BGG).
Der Beschwerdef�hrerin wird die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt und es wird ihr Rechtsanw�ltin Brigitte Largier-Elsener als Rechtsbeistand beigegeben.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'500.-- werden der Beschwerdef�hrerin auferlegt, indes vorl�ufig auf die Gerichtskasse genommen.
Rechtsanw�ltin Brigitte Largier-Elsener wird aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 1'500.-- ausgerichtet.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Obergericht des Kantons Thurgau, der Kindes- und Erwachsenenschutzbeh�rde F.________ sowie Beistand J.________ schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 308
 Art. 310
 Art. 310
 Art. 90
 Art. 76
 Art. 95
 BGE 
 BGE 
 Art. 310
 BGE 
 Art. 12
 Art. 310
 Art. 310
 Art. 310
 Art. 310
 Art. 310
 Art. 4
in fine