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Timestamp: 2020-02-17 04:16:18+00:00

Document:
Band 1 - Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum III - Online-Beteiligungsverfahren
Das Landschaftsprogramm formuliert Ziele und Maßnahmen des Naturschutzes auf landesweiter Ebene, die zu beachten sind. Das räumliche Zielkonzept des Naturschutzes, wie es das Landschaftsprogramm vorgibt, ist auf der regionalen Ebene zu konkretisieren. Es definiert für den Naturschutz zwei Räume mit unterschiedlichen Zielaussagen:
Räume für eine überwiegend naturnahe Entwicklung und
Räume für eine überwiegend naturverträgliche Nutzung.
Da der Landschaftsrahmenplan die Inhalte des Landschaftsprogrammes berücksichtigen und konkretisieren soll, wurden die Zielsetzungen generell übernommen, die Veränderungen der letzten Jahre jedoch berücksichtigt.
Räume für eine überwiegend naturnahe Entwicklung
Die Zielsetzung einer Sicherung und Entwicklung besonders schutzwürdiger, überwiegend naturnaher Lebensräume wird im vorliegenden Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum durch folgende Darstellungen konkretisiert:
Nationalpark „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“, der Teil des trilateralen UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer ist, bestehende Naturschutzgebiete,
Gebiete, die die Voraussetzung zur Unterschutzstellung nach § 23 BNatSchG als Naturschutzgebiet erfüllen,
Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung nach der FFH-Richtlinie,
Europäische Vogelschutzgebiete,
Gebiete mit besonderer Eignung für den Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystemes nach § 21 BNatSchG,
geschützte Biotope gemäß § 30 BNatSchG,
Meeresschutzgebiete gemäß Helsinki- und OSPAR-Übereinkommen, die gleichzeitig Meeresschutzgebiete gemäß Artikel 13 Absatz 4 MSRL sind,
bestehende und geplante geschützte Landschaftsbestandteile,
Flächen der Stiftung Naturschutz sowie
Ausgleichs- und Ökokontoflächen.
Räume für eine überwiegend naturverträgliche Nutzung
Die Zielsetzung einer Sicherung und Entwicklung von Landschaftsräumen mit besonderen standörtlichen Voraussetzungen, in denen ein verträgliches Miteinander von verschiedenen Nutzungs- und Naturschutzaspekten im Vordergrund steht, wird im Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum mit folgenden Bereichen benannt:
Wasserschutzgebiete,
Naturparke,
Naturerlebnisräume,
bestehende Landschaftsschutzgebiete und Gebiete, die die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung nach § 26 BNatSchG erfüllen,
Gebiete mit besonderer Erholungseignung,
„Entwicklungszone der UNESCO-Biosphärenreservate „historische Kulturlandschaften,
strukturreiche Agrarlandschaften,
Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Biodiversität,
Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung,
Gebiete des Vertragsnaturschutzes und
Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Avifauna.
Gemäß § 11 Absatz 1 BNatSchG werden die für die örtliche Ebene konkretisierten Ziele, Erfordernisse und Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf der Grundlage der Landschaftsrahmenpläne in Landschaftsplänen dargestellt. Die im Entwicklungsteil der Landschaftsrahmenpläne formulierten Ziele und Erfordernisse sind von den Gemeinden zu beachten. In die örtliche Landschaftsplanung sind insbesondere folgende Flächen zu übernehmen:
Flächen mit rechtlichen Bindungen nach den Vorschriften der Kapitel 4 des Bundes- und Landesnaturschutzgesetzes, für die Bindungen in den Landschaftsrahmenplänen vorgesehen sind oder die die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung erfüllen,
Flächen, die der Entwicklung von Nationalparken, Naturschutzgebieten, geschützten Landschaftsbestandteilen und geschützten Biotopen dienen und
Flächen, die nach Maßgabe der Landschaftsrahmenpläne erforderlich sind, um die nach Nummer 1 und 2 dargestellten Flächen so miteinander zu verbinden, dass zusammenhängende Systeme entstehen können (Biotopverbundsystem) und zwar
als Biotopverbundflächen, soweit die Flächen diese Funktion bereits erfüllen, in absehbarer Zeit erfüllen werden oder gemäß § 21 BNatSchG sollen,
als Eignungsflächen zum Aufbau des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystemes gemäß den Vorgaben der Landschaftsrahmenpläne, soweit sie nicht unter Buchstabe a) fallen.
Das Erfordernis der Anpassung der örtlichen Landschaftspläne an die übergeordneten Planungen gilt dabei für deren Neuaufstellung oder Fortschreibung. Nach § 9 Absatz 4 BNatSchG sind Landschaftspläne fortzuschreiben, sobald und soweit dies im Hinblick auf Erfordernisse und Maßnahmen im Sinne des § 9 Absatz 3 Satz 1 Nummer 4 BNatSchG erforderlich ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn wesentliche Veränderungen von Natur und Landschaft im Planungsraum eingetreten, vorgesehen oder zu erwarten sind. Landschaftspläne sollten grundsätzlich neu aufgestellt oder fortgeschrieben werden bei der Neuaufstellung oder wesentlichen Änderung eines Flächennutzungsplanes. Die Unteren Naturschutzbehörden können die Gemeinden hierbei frühzeitig beraten. Auf die §§ 1 bis 2 a Baugesetzbuch (BauGB) und die Funktion des Landschaftsplanes wird in diesem Zusammenhang Bezug genommen. Eine Überarbeitungspflicht bestehender Landschaftspläne ausschließlich zum Zweck der Anpassung an die Landschaftsrahmenpläne besteht auf der Grundlage der oben genannten gesetzlichen Bestimmungen nicht.
Tabelle 1: Stand der Landschaftsplanung der Gemeinden gibt eine Übersicht über den Stand der von den Gemeinden im Planungsraum aufgestellten oder sich in Bearbeitung befindlichen Landschaftspläne. Die meisten dieser Pläne sind inzwischen mehr als zehn Jahre alt und entsprechen nicht mehr den aktuellen gesetzlichen Anforderungen an die örtliche Landschaftsplanung. Weitere Aussagen, die das Thema Landschaftsplanung berühren, sind den Kapiteln 2.2.1 Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume und 5.1 Siedlung und Verkehr zu entnehmen.
Tabelle 1: Stand der Landschaftsplanung der Gemeinden
Kreis, kreisfreie Stadt Anzahl der Gemeinden Gemeinden mit Landschaftsplänen	(Stand: April 2014)
beschlossen / festgestellt im Verfahren % der Gemeinden
Dithmarschen 116 84 0 72,4
Steinburg 113 68 0 60,2
Pinneberg 49 46 0 93,9
Segeberg 96 74 0 77,1
Stormarn 55 52 0 94,5
Herzogtum Lauenburg 132 112 0 84,8
Hansestadt Lübeck 1 1 0 100,0
Ostholstein 36 26 0 83,3
Planungsraum III 598 464 4 78,3
Der Planungsraum umfasst mit den Kreisen Dithmarschen und Steinburg im Westen, dem schleswig-holsteinischen Nachbarraum um Hamburg mit den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg sowie dem Kreis Ostholstein und der Hansestadt Lübeck im Osten den flächenmäßig größten und bevölkerungsstärksten Teilraum Schleswig-Holsteins. In diesem sind alle drei naturräumlichen Haupteinheiten des Landes die Marsch, die Geest und das Östliche Hügelland vertreten.
Das Landschaftsprogramm für Schleswig-Holstein aus dem Jahr 1999 formuliert regionale Schutz- und Entwicklungsziele der Biotoptypen anhand naturräumlicher Regionen. Für diese sollen auf den nachgeordneten Planungsebenen landschaftliche Leitbilder sowie Leitbilder des Arten- und Biotopschutzes formuliert werden. Dieses ist in den festgestellten und veröffentlichten Landschaftsrahmenplänen erfolgt und wird im vorliegenden Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum fortgeschrieben. Ziele und Leitbilder können dem Kapitel 3 entnommen werden.
Aufbauend auf der Systematik der naturräumlichen Regionen erfolgt auf regionaler Ebene eine weitere Differenzierung, wobei die bundesweit einheitlich verwendete Systematik nach Meynen et al.1 zur Anwendung kommt. Danach gehört der Planungsraum im Wesentlichen zu den folgenden naturräumlichen Haupteinheiten:
Schleswig-Holsteinische Marschen und Nordseeinseln,
Unterelbe Niederung,
Schleswig-Holsteinische Geest,
Schleswig-Holsteinisches Hügelland,
Mecklenburgische Seenplatte und
Südwestliches Vorland der mecklenburgischen Seenplatte
Diese werden um die Bereiche „Nordseeküste mit Inseln“ und „Ostseeküste“ ergänzt (siehe Abbildung 1: Naturräumliche Gliederung (nach Meynen/Schmithüsen)).
Naturräumliche Haupteinheit „Schleswig-Holsteinische Marschen und Nordseeinseln“
Nordseeküste mit Inseln
Dieser Raum umfasst das Wattenmeer und die Vordeichbereiche entlang der Festlandküste Dithmarschens.
Zwischen der Küste und dem Wattgebiet besteht ein komplexes System ökologischer Vernetzungen. Das Ökosystem Wattenmeer mit den ausgedehnten Salzwiesenbereichen, Sänden und Küstenbiotopen nimmt hier eine Sonderstellung ein. Das im Rhythmus der Gezeiten trocken fallende oder überflutete Watt nimmt flächenmäßig den größten Teil der naturräumlichen Region ein.
Salzwiesen liegen beispielsweise vor dem Seedeich des Dithmarscher Festlandes, bei Trischen, vor Friedrichskoog sowie vor Neufeld und dem Wesselburener Koog. Der größte Teil der Salzwiesen an der Nordseeküste wird beweidet.
Die überwiegend vegetationsfreien Außensände Trischen und Blauort sind die einzigen weitgehend naturbelassenen Lebensräume an der Küste. Sie haben eine herausragende Bedeutung für Seevögel und Seehunde. Diese unbesiedelten Flachzonen sind zudem aufgrund des Zusammenwirkens verschiedener Kräfte und Einflüsse der regelmäßigen Umgestaltung unterworfen. Das Wattenmeer steht seit 1985 als Nationalpark unter Schutz. 2009 erklärten die Vereinten Nationen das Wattenmeer zum Weltnaturerbe der Menschheit.
Eiderstedter Marsch
Im Norden des Kreises Dithmarschen reicht ein Ausläufer der Eiderstedter Marsch südlich der Eider in den Planungsraum hinein.
Dithmarscher Marsch
Die Entwicklung der Marschen hängt eng mit dem Anstieg des Meeresspiegels während der nacheiszeitlichen Transgression zusammen. Die tief liegenden Gebiete vor dem Dithmarscher Geestrand wurden im Verlauf der Flandrischen Transgression relativ früh von der vordringenden Nordsee erreicht. Die Brandung der offenen Nordsee führte zur Entstehung steiler Kliffs. Die steigenden Wasserstände verursachten Abrasionsvorgänge an den Geestvorsprüngen, so dass dort vor etwa 4.000 Jahren eine Haken- und Nehrungsküste entstand. Besonders landschaftsbestimmend ist dabei die Geestkante zwischen St. Michaelisdonn und Burg, vor der sich Strandwälle (Donns) mit dazwischen liegenden Schilfsümpfen, vermoorten Niederungen und Seen bildeten. Auch die sich nach Süden anschließende Eddelaker Donn-Landschaft ist ein herausragendes Zeugnis der Entstehung der Dithmarscher Marsch.
Die Marsch ist in ihrer Entstehung und historischen Entwicklung wesentlich vom Faktor Wasser geprägt. In der heutigen Landschaft sind hiervon die zahlreichen kleineren und größeren Gewässersysteme übrig geblieben. Sie führen zum einen das Süßwasser des Binnenlandes der offenen Nordsee zu, zum anderen leiten sie bei Niedrigwasser das bei Hochwasser aufgelaufene Meerwasser sowie das rückgestaute Süßwasser des Hinterlandes wieder ab.
Der Naturraum zeigt das Bild einer ausgeprägten Kulturlandschaft.
Während früher in der alten Marsch weitgehend nur eine Nutzung als Dauergrünland möglich war, sind heute auch große Bereiche der alten Marschen in ackerbaulicher Nutzung. In der jungen Marsch ist eine Ackernutzung mit landesweiten Höchsterträgen möglich. Auch ökologisch wertvolle Feuchtgrünländereien sind erhalten geblieben. Als prägendes Landschaftselement der Dithmarscher Marsch ist in neuester Zeit die Windkraftnutzung hinzugekommen.
Wehlen oder Braken zählen zu den wenigen ungenutzten Lebensräumen der Marsch. Dieses sind Kleingewässer, die durch Deichbrüche hinter dem Deich entstanden sind.
Etwa 50 Kilometer vor der Eiderstedter Küste liegt die Buntsandsteininsel Helgoland, der im Osten die sogenannte Düne vorgelagert ist. Das Gebiet der Düne, das oberflächlich von nacheiszeitlich abgelagerten Sanden geprägt wird, besteht aus Kreide- und Muschelkalkschichten und war bis zum Jahre 1720 fest mit der Hauptinsel verbunden. Die mesozoischen Gesteine verdanken ihrer Hochlage der Aufwölbung über einem Salzstock. Faunistische Besonderheit sind die Brutplätze seltener Seevogelarten. So brüten bspw. an dem Lummenfelsen Arten wie die Trottellumme, die Dreizehenmöwe, der Basstölpel oder der Eissturmvogel.
Naturräumliche Haupteinheit „Unterelbeniederung“
Der Naturraum besteht aus dem Flusstal der Elbe mit Mündungsbereich (Ästuar) sowie der eingedeichten Marsch, die sich von der im Norden anschließenden Seemarsch deutlich unterscheidet. Er reicht vom Nord-Ostsee-Kanal bis Wedel, wo der Geestrand unmittelbar an die Elbe heranreicht. Die Elbmarschen werden von den Flüssen Stör, Krückau und Pinnau in drei Abschnitte gegliedert:
Die Wilstermarsch zwischen dem Nord-Ostsee-Kanal und dem Unterlauf der Stör,
die Krempermarsch zwischen Stör und Krückau und
die Haseldorfer Marsch südlich der Krückau, wovon die Seestermüher Marsch zwischen Krückau und Pinnau einen nördlichen Unterabschnitt bildet.
Der Übergang zur Geest wird durch einen deutlichen Geländeanstieg markiert. Es handelt sich hier um die ehemalige Begrenzung des Elbe-Urstromtales. Lediglich im Raum Münsterdorf/ Breitenburger Moor gibt es eine fließende Übergangszone zur Vorgeest. Großflächige Moore beidseitig des Nord-Ostsee-Kanals grenzen die Elbmarschen von den Marschen der Nordsee ab.
In dem einstigen Ästuargebiet entstanden tidebedingt Marschablagerungen und darin eingelagert Moore. Heute ist der Bereich durch die Eindeichung überwiegend nutzungsgeprägt. Lediglich in der Haseldorfer Marsch und im Vorland St. Margarethen sind Teile einer der letzten naturnahen und größtenteils tidebeeinflussten Flussuferlandschaften Deutschlands erhalten und unter Schutz gestellt worden. Von den ehemals großen Randmooren sind heute nur noch vergleichsweise wenige Flächen in einem halbwegs naturnahen Zustand erhalten. Einziger großer, noch von Mooren unterschiedlichen Typs und Erhaltungszustands geprägter Raum ist die Vaalermoor-Niederung. Sie erstreckt sich im Nordosten der Wilstermarsch bis an die Geestkante.
Charakteristisch für weite Marschbereiche sind die größeren Hauptentwässerungsgräben, die Wettern. Sie sind gelegentlich noch dem Verlauf nach an alte Strukturen, vor allem Priele, angelehnt. Zwischen den Wettern sorgt ein dichtes Grabennetz für die Entwässerung der Elbmarsch. Kennzeichnend ist auch die Entwässerung über aufwendige Schöpfwerksysteme in die Elbe oder in die oben genannten Zuflüsse sowie den Nord-Ostsee- Kanal.
Während die tief gelegene Wilstermarsch von Dauergrünland geprägt ist, dominieren in der Kremper Marsch und der Haseldorfer Marsch der Acker- und der Gemüseanbau. Ein besonderer landschaftlicher Reiz ergibt sich aus der Vielfältigkeit der Obstbaumkulturen mit Schwerpunkt in der Seestermüher Marsch mit teilweise älteren und extensiv genutzten Beständen. Landschaftlich bestimmend sind darüber hinaus die Vorländereien mit Inseln, Sänden und Süßwasserwatten sowie Bandweidenkulturen.
Das Elbufer ist durch Industrie- und Kraftwerksansiedlungen sowie Stromleitungstrassen geprägt, die sich weithin landschaftsbestimmend auswirken.
Naturräumliche Haupteinheit „Schleswig-Holsteinische Geest“
Eider-Treene-Niederung
Umrahmt von Teilen der Hohen Geest und der Vorgeest liegt im zentralen Schleswig-Holstein dieses etwa 560 km² große Niederungsgebiet. Es wird von den Flüssen Eider, Treene und Sorge durchzogen und öffnet sich nach Westen hin zur Nordsee. Im Planungsraum zählt im Norden des Kreises Dithmarschen die Landschaft entlang der Eider zwischen St. Annen und dem Gieselaukanal zu diesem Naturraum. Es handelt sich um das größte Feuchtgrünlandgebiet Schleswig-Holsteins, umfasst rund ein Drittel der Moorflächen des Landes. Die während der Weichseleiszeit nach Westen abfließenden Schmelzwasser hinterließen weite Schmelzwasserebenen. Diese wurden im Spätglazial durch Tal- und Dünenbildungen überprägt. Es kam zur Trennung der Gewässersysteme von Treene und Eider einschließlich der Sorge. Durch wiederholte Vermoorungen und Überschlickungen mit Gezeitensedimenten entwickelte sich ein Niederungsgebiet, das nur von einigen Geestinseln, den so genannten Holmen, unterbrochen wird. Erst nach den Sturmfluten von 1362 und 1634 setzten in meeres- und flussnahen Bereichen erneut geringmächtige, feinsandige Aufschlickungen ein. In flussferneren Gebieten entstanden aufgrund des hohen Grundwasserstandes Torfablagerungen. In der Eider-Treene-Sorge Region sind überwiegend Moore verbreitet, die an vielen Stellen zu Hochmooren aufgewachsen sind. Ein Beispiel bietet das Dellstedter Birkwildmoor mit einer Torfmächtigkeit von bis zu sechs Metern.
Durch die Eiderabdämmung bei Nordfeld wurde der sich ehemals bis Rendsburg auswirkende Tideeinfluss oberhalb der Schleuse unterbunden. Erst mit dem Bau des Eidersperrwerkes, das 1973 als größtes Küstenschutzbauwerk Deutschlands fertig gestellt wurde, sind große Teile der dahinter liegenden Niederung den Hochwasserereignissen der Nordsee entzogen worden, wobei gleichzeitig ökologisch hochwertige Lebensräume auf Dauer verloren gingen. Hohe Außenwasserstände mit gleichzeitig hohen Niederschlägen verursachen heute eine Entwässerungssituation, die zur Vermeidung ökonomischer und ökologischer Schäden einer genauen Regelung und Abstimmung bedarf.
Die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge zählt zu den letzten großen Niederungsgebieten Deutschlands. Durch die reiche Naturausstattung und die große biologische Vielfalt ist sie eine der herausragenden Landschaften des Landes. Sie ist Lebensraum der größten binnenländischen Ansammlung von Wiesenvögeln wie beispielsweise Kiebitz, Uferschnepfe, Bekassine oder Blaukehlchen und ist bekannt für ihren Weißstorchbestand. Im Winter, zu Zeiten des Vogelzuges, trifft man hier Goldregenpfeifer, Gänse, Sing- und Zwergschwäne. Für Zwergschwäne ist die Niederung auf ihrem Zug in die sibirischen Brutgebiete das wichtigste deutsche Rastgebiet.
Der Naturschutz hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, in der Eider-Treene-Sorge Region die Lebensräume der Tier- und Pflanzenarten in besonderem Maße zu erhalten, zu verbessern und ggf. wieder zu vernetzen. Dies war der Grund, dass seit den 1990er Jahren, auf der Grundlage verschiedener Landes- und EU-Programme, die Belange des Naturschutzes in die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung der Region integriert wurden. Viele Moore und Feuchtflächen wurden in diesem Kontext für Naturschutzzwecke gesichert und renaturiert. Insgesamt wurden in der Region bisher mehr als 17.000 Hektar Land für den Naturschutz gesichert, als Natura 2000 Gebiete ausgewiesen und/ oder in das Biotopverbundsystem eingebunden.
Heide-Itzehoer Geest
Der Altmoränenkomplex der Heide-Itzehoer Geest grenzt sich nach Westen und Süden deutlich durch zum Teil steil abfallende fossile Kliffs gegen die Dithmarscher und Wilster Marsch ab und weist für eine Altmoränenlandschaft eine relativ hohe Reliefenergie mit einigen bemerkenswerten Höhenzügen auf. Zu nennen sind hier als höchste Erhebungen im westlichen Teil des Planungsraumes der Bereich zwischen Welmbüttel und Röst mit einer maximalen Höhe von 79 Metern über dem Meeresspiegel bei Schrum und der 79 Meter hohe Stilker Berg bei Hennstedt (Kreis Steinburg) sowie der Wodansberg mit 36 Metern über dem Meeresspiegel, der Bereich westlich von Schenefeld sowie der Aukrug. Nach Süden bildet ein steiler weichseleiszeitlicher Erosionshang die Grenze zur Störniederung.
Flüsse wie Eider und Treene und vor allem die während der letzten Eiszeit aus dem östlichen Hügelland nach Westen abfließenden Schmelzwässer haben die Hochgebiete vielfach durchschnitten. So entstanden durch Talzüge voneinander getrennte oder inselartige, von Niederungen umgebene Bereiche.
Aufgebaut wird die Hohe Geest vorwiegend aus saalekaltzeitlichen Sanden, lehmigen Sanden und Lehmen. Die ursprüngliche Vegetation der Altmoränenlandschaft war der Eichen - oder Eichen-Buchen-Mischwald. In den Niederungen fanden sich Bruchwald sowie Moorvegetation. Verhältnismäßig hoch ist der heutige Waldanteil. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden große Heidelandschaften mit Nadelbäumen aufgeforstet und die landwirtschaftlichen Standorte melioriert. Reste alter Landnutzungsformen zeigen Kratt, beispielsweise bei St. Michaelisdonn und bei Reher sowie Heiden am Kliff bei Gudendorf. Von den ehemals großen natürlichen Waldflächen sind heute nur noch wenige erhalten. Hierzu gehören die Wälder östlich von Odderade mit dem Riesewohld oder die Wälder des Aukrugs.
Die Lundener Niederung im Norden des Kreises Dithmarschen im Übergang zur Eiderstedter Marsch ist mit der deutlich wahrnehmbaren Lundener Nehrung, auf der sich die langgezogene Siedlung erstreckt, von der Dithmarscher Marsch abgetrennt. Hohe Grundwasserstände haben hier zur Bildung großflächiger Niedermoor- und Schilfgebiete geführt, die heute hauptsächlich als Grünland genutzt werden und an vielen Stellen von Gehölzbeständen durchsetzt sind. Der von Schilf-Röhricht zugewachsene Steller See und der verlandende Mötjensee sind ökologisch besonders bedeutende Gebiete der Niederung.
Der Hamburger Ring als Teil der Hohen Geest bezeichnet keinen eigentlichen Naturraum, sondern stellt nach den natürlichen Verhältnissen im westlichen Abschnitt eine Fortsetzung der Barmstedt-Kisdorfer Geest und im Osten einen Teil des östlichen Hügellandes dar, während der südöstliche Teil in die Lauenburger Geest übergeht. Die naturräumlichen Bedingungen wurden in der Vergangenheit durch die Bebauung stark verändert.
Die Geest fällt zur Haseldorfer Marsch hin teilweise steil ab und tritt bei Wedel mit dem Elbsteilufer unmittelbar an die Elbe heran. Die Geest ist in diesem Gebiet durch kleine Wald-, Moor- und Heideflächen, ein zum Teil dichtes Knicknetz und durch das Binnendünengebiet Holmer Sandberge geprägt.
Zwischen Elmshorn und Wedel weist das Gebiet vorwiegend sandige Ablagerungen auf. Im Norden Hamburgs befindet sich die große Schmelzwassersandebene des Harksheider Sanders, der unter anderem von den Flüssen Pinnau und Alster umrahmt und von der Mühlenau und Tarpenbek durchflossen wird. Die alten Abflussrinnen der eiszeitlichen Schmelzwässer sind von Niedermooren ausgefüllt, auf denen teilweise Hochmoore emporgewachsen sind.
Eine lebhafte Oberflächengestalt weist der zum Jungmoränengebiet zählende Raum Ahrensburg-Groß Hansdorf-Siek (Rauhe Berge) auf.
Östlich von Hamburg wird die Landschaft von der Glinder Au mit ihren Niederungsbereichen, vom Tal der Bille, durch ein zum Teil dichtes Knicknetz und kleine Waldbestände geprägt.
Barmstedt-Kisdorfer Geest
Nördlich an den Hamburger Ring schließt die Geest von Barmstedt und des Kisdorfer Wohldes an die Störniederung und die Sandergebiete der Holsteinischen Vorgeest an. Der östliche Teil dieses Geestgebietes - der Kisdorfer Wohld - stellt eine zum Teil nord-südlich verlaufende Stauchmoränenstaffel dar, die sich durch lebhafte Geländeformen auszeichnet. Die höchste Erhebung ist der Rathkrügen mit 91 Metern über Normalnull.
An den Kisdorfer Wohld schließt westlich der ausgedehnte, saalezeitlich angelegte Kaltenkirchener Sander an. Südlich dieses Sanders liegt die Barmstedter Grundmoränenplatte, die nur sehr geringe Höhenunterschiede aufweist und sich bis nach Elmshorn und Pinneberg erstreckt. Sie ist durch die Täler der Krückau, der Ekholter Au und der Bilsbek, die ehemals Abflußrinnen des Schmelzwassers vom Kaltenkirchener Sander waren, gegliedert.
Südlich von Lentförden entstanden umfangreiche Hochmoorflächen (Grootmoor) und Heidegebiete (Nützener und Kaltenkirchener Heide).
Die Hauptwasserscheide zwischen der Nord- und Ostsee liegt östlich des Kisdorfer Wohlds zwischen Nahe und Sülfeld (Nienwohlder Moor, Sülfelder Moor; alter Alster-Beste-Kanal).
Holsteinische Vorgeest
Die Holsteinische Vorgeest ist im Westen deutlich durch die Erosionskante der weichselkaltzeitlichen Schmelzwasser der Stör von der Heide-Itzehoer Geest abgegrenzt. Weniger deutlich ist dagegen die nördliche und östliche Begrenzung ausgeprägt, die vom Stadtgebiet Neumünsters entlang der äußeren Linie der weichselzeitlichen Vereisung in den Raum Bornhöved und von dort südwärts bis zu den saalezeitlichen Moränen und Sandern der Barmstedt-Kisdorfer Geest an der Schmalfelder Au reicht. Hier befindet sich zwischen Bad Bramstedt und Boostedt ein Moränengebiet, das im Ketelvierth-Berg 73 Meter und in den Boostedter Bergen 93 Meter Höhe über Normalnull erreicht. Hieran schließt der Trappenkamper Sander an, auf dem die Stör entspringt.
Im südlichen Teil der Holsteinischen Vorgeest befindet sich die inselartig aus der Sanderfläche herausragende Altmoränenhochfläche des Segeberger Forstes. Der Wald besteht dort seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist heute das zweitgrößte Waldgebiet Schleswig-Holsteins.
Im Kreis Steinburg zählen die Störniederung, das Breitenburger Moor und die Münsterdorfer Geestinsel zum Naturraum Holsteinische Vorgeest. Weiter südlich geht die Vorgeest fließend in die Marsch über. Hier verwischt das Breitenburger Moor eine klare landschaftliche Abgrenzung. Sein Torfkörper liegt sowohl auf Marschenablagerungen als auch auf weichselzeitlichen Sandern und Talsandinseln der Stör. Während der frühen Nacheiszeit wurden entlang des südlichen Flussufers bei Willenscharen, Brokstedt, Rensing, Breitenburg und vor allem auf der Münsterdorfer Geestinsel verbreitet Dünen aufgeweht.
In den flachen Sandebenen (zum Beispiel Neumünsteraner Sander mit Podsol- und Gleyböden) überwiegen weichselzeitliche Schmelzwassersande und Kiese. Sie überlagern weiträumig saaleeiszeitliche Altmoränenstrukturen. Die für den Podsol typische Ortsteinschicht wurde im Zuge landwirtschaftlicher Strukturverbesserungen stellenweise durchbrochen (Tiefenumbruch), so dass die typischen Bodeneigenschaften nur noch eingeschränkt vorliegen. In niederschlagsarmen Perioden können die sandigen Geestböden schnell austrocknen. Auf Flächen ohne geschlossene Vegetationsdecke und bei entsprechenden Winden kommt es regelmäßig zu Bodenverwehungen.
Ein landschaftstypisches Element der Vorgeest ist der Knick. Allerdings sind nur noch in wenigen Gebieten Knicks in alter Dichte erhalten geblieben.
Die Vorgeest ist vergleichsweise dünn besiedelt. Der sandige Boden ist von geringer Güte und war früher für die Ansiedlung landwirtschaftlicher Betriebe wenig attraktiv. Gleichwohl werden die Flächen heute intensiv landwirtschaftlich genutzt.
Lauenburger Geest
Die Lauenburger Geest reicht vom Sachsenwald bis zum Stecknitztal und weist mit dem Haferberg bei Geesthacht mit 94 Metern über Normalnull die höchste Erhebung auf. Ein großer Teil der Geestplatte und der Geestränder ist mit Wäldern bedeckt, zum Beispiel im Sachsenwald, dem größten geschlossenen Waldgebiet Schleswig-Holsteins. Außerhalb der Wälder wird die Landschaft durch ein teils dichtes Knicknetz gegliedert.
Markant sind der Elbhang zwischen Geesthacht und Lauenburg sowie der Abfall der Geestplatte bei Börnsen mit schluchtartigen Einschnitten. Im Elbtal liegen bei Geesthacht die Dünen der Besenhorster Sandberge. Der Elbhang und das Elbtal selbst gehören dem Naturraum „Untere Mittelelbe-Niederung“ an, der elbabwärts ab Geesthacht in den Naturraum „Stader Elbmarschen“ übergeht. Beide Naturräume liegen mit räumlichem Schwerpunkt auf der südlichen Elbuferseite, so dass sie hier nicht weiter behandelt werden.
Die Lagegunst am Elbstrom führte bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit zur Besiedlung des elbnahen Raumes. Erwähnenswert ist die Ertheneburg bei Lauenburg, die den Übergang von der Elbniederung zum Hochufer sicherte. In neuerer Zeit entstanden städtische Zentren und Industrieansiedlungen bevorzugt in Elbnähe.
Naturräumliche Haupteinheit „Schleswig-Holsteinisches Hügelland“
Ostholsteinisches Hügel- und Seenland
Der relativ große Naturraum Ostholsteinisches Hügel- und Seenland reicht im Planungsraum von der Kreisgrenze Plöns bis zum Oldenburger Graben und zur Lübecker Bucht. Darüber hinaus erstreckt er sich südwärts bis in das Gebiet von Stormarn und Nordlauenburg hinein. Der Raum ist seiner Entstehungszeit nach einheitlich, im Einzelnen aber stark differenziert. Er gliedert sich im nördlichen Teil in die Teilräume
Holsteinische Schweiz,
Bungsberggebiet,
Oldenburger Graben und
Südost-Oldenburg.
Diese gehören nach der Systematik des Landschaftsprogrammes 1999 zur naturräumlichen Region „Nördliches Ostholsteinisches Hügelland“.
Die Holsteinische Schweiz wird wesentlich durch die vielen großen Seen inmitten einer kuppigen Moränenlandschaft geprägt. Der große Komplex in der zentralen Holsteinischen Schweiz reicht vom Großen Plöner See mit südlich vorgelagerten kleineren Seen bis zum Kellersee und zum Großen Eutiner See. Die Randlagen werden zu einem großen Teil von Wäldern eingenommen.
Die landschaftliche Situation hat zu Siedlungsschwerpunkten sowie einer entsprechenden Konzentration von Erholungssuchenden und Touristen in Plön, Malente und Eutin geführt. Hierdurch entsteht ein großer Erholungsdruck auf die Seen und die sie umgebenden Wälder.
Nach Osten schließen sich die Moränenzüge des Bungsberggebietes an. Große Waldgebiete und ausgeprägte Ackernutzungen definieren dieses Gebiet. Markante Landschaftselemente sind die von den Hochlagen sternförmig vor allem nach Norden und Südosten verlaufenden, zum Teil sehr tief eingeschnittenen Bachschluchten. Sie werden weitgehend von naturnahen Wäldern und Grünländereien eingenommen.
Der Oldenburger Graben quert das Land von der Hohwachter zur Lübecker Bucht. Es handelt sich um eine breite durch Schmelzwasser entstandene Rinne. Auf den hier abgelagerten glazifluviatilen und glazilimnischen Sedimenten haben sich großflächige Niedermoore entwickelt. Die ehemals weite, häufig überflutete Niederungslandschaft mit großen Wasserflächen, Röhrichten und Niedermooren wurde im 19. Jahrhundert zur Ostsee bedeicht und durch wasserbauliche Maßnahmen trockengelegt. Die Senkung des Wasserstandes und die landwirtschaftliche Nutzung führten zu erheblichen Sackungen der bis zu 17 Metern mächtigen Torfe und Mudden.
Im südlichen Teil des Naturraumes befinden sich folgende Teilräume:
Pönitzer Seenplatte,
Lübecker Becken,
Ahrensböker Moränengebiet,
Seengebiet der oberen Trave und
Stormarner Moränengebiet.
Sie bilden die naturräumliche Region „Südliches Ostholsteinisches Hügelland“.
Im südlichen Teil des Naturraumes gruppieren sich um das flache und tief gelegene, auf drei Seiten von beachtlichen Höhenzügen begrenzte, Lübecker Becken mehrere Großlandschaften. Im Norden grenzt die Pönitzer Seenplatte an, die durch zahlreiche kleinere Seen geprägt ist. Diese sind während des allmählichen Eisrückgangs als Zungenbecken entstanden. Diese Toteis- und Rinnenseen wurden in die eistektonische Stauchung des Gletschers einbezogen, der das Gletscherschurfbecken der Lübecker Bucht formte. Ein bemerkenswertes Geotop ist die Niedertaulandschaft um die Schwedenkuhle nordöstlich von Süsel. Darüber hinaus ist das vom Barkauer See bis zur Trave im heutigen Stadtgebiet Lübecks reichende glazifluviatil vorgeprägte Tal der Schwartau anzuführen.
Das Travetal selbst ist eines der besterhaltenen Beispiele subglazialer Abflussrinnen (Tunneltäler) in Schleswig-Holstein. Sein Unterlauf ist ein markanter Landschaftsteil im Lübecker Raum.
Das Ahrensböker Moränengebiet ist von einer Aufeinanderfolge zahlreicher Endmoränengabeln geprägt. Von Klenzau über Ahrensbök bis nach Bad Oldesloe erstreckt sich der größte schleswig-holsteinische Endmoränenzug.
Zahlreiche kleinere Seen mit zum Teil bemerkenswerten Vorkommen seltener Pflanzenarten liegen inmitten eines stark kuppigen, ackerbaulich genutzten Moränengebietes. Bestimmend ist aber auch die Konzentration von zahlreichen Verkehrsachsen wie Bahnlinien, mehrerer Bundesstraßen und der Autobahnen (A1 und A 20). Darüber hinaus wird der Raum durch den Tourismus geprägt. Hiermit verbunden ist die Erschließung des Küstenhinterlandes wie beispielsweise zwischen Timmendorfer Strand und Scharbeutz.
Markante landschaftliche Leitlinie ist das Schwartautal, in dem relativ große Wälder liegen. Sie erstrecken sich bis in die nördlichen Randlagen Lübecks. Zwischen Trave und Wakenitz schließt sich das große Waldgebiet des Lauerholzes an. Südöstlich des bebauten Stadtgebietes von Lübeck befinden sich größere Heidegebiete wie bspw. die Wulfsdorfer/ Grönauer Heide. Sie sind Lebensraum zahlreicher sehr seltener Arten, insbesondere der Wirbellosenfauna.
Das westlich anschließende Ahrensböker Moränengebiet ist in sich kaum durch markante Landschaftsstrukturen dafür aber in sich durch die Moränenstaffeln gegliedert. Großflächige Ackerschläge prägen die Landschaft. Insbesondere westlich von Ahrensbök treten zunehmend Wälder als Landschaftselemente auf.
Nordoldenburg und Fehmarn
Der Naturraum besteht aus den Teilräumen Fehmarn und Nordoldenburg. Kennzeichnend für diesen Naturraum sind die an der Oberfläche liegenden Grundmoränen. Bis auf das ebene Fehmarn weisen sie ein überwiegend welliges Relief auf. Bei Wandelwitz, dem Truppenübungsplatz Putlos und Heiligenhafen ragt ein Stauchmoränenkomplex als markante Erhebung aus der flachen Umgebung hervor.
Die überwiegend feinkornreichen und aus kalkreichem Lockergestein (Geschiebemergel), gebildeten Grundmoränendecken sind verhältnismäßig wenig verwittert und entkalkt. Häufig steht schon im oberen Meter unter Flur kalkhaltiges Moränenmaterial an. In dem nur mäßig bis gering wasserdurchlässigen Substrat entwickelten sich vorwiegend Übergänge zwischen Parabraunerden und Pseudogleyen. Im äußersten Nord-Osten (Halbinsel Großenbrode und Fehmarn) entstanden unter subkontinentalen Klimabedingungen staunasse Schwarzerden (Fehmaraner Schwarzerden). Diese stellen eine für Schleswig-Holstein einmalige Bodenentwicklung dar und weisen ein sehr hohes Ertragspotenzial auf.
Das Knicknetz der landwirtschaftlichen Nutzflächen ist weitmaschiger als in anderen Landesteilen. Dies liegt an der späten Verkoppelung der unabhängigen Fehmeraner Bauern und an der Größe der Güter im Nordoldenburgischen. Als Besonderheit sind noch die Steinwälle und Wallhecken rund um die Dörfer zu nennen. Sie geben zum Teil bis heute den Orten ihr typisches Gepräge. Ein weiteres charakteristisches Relikt der ackerbaulichen Nutzung sind die durch Entnahme von kalkreichem Boden zur Düngung der Felder entstandenen Mergelkuhlen. Zum Teil liegen diese in langen geraden Ketten in der Landschaft.
Die Böden der Moränenlandschaften werden weitgehend ackerbaulich genutzt. Die Dazendorfer Au als einziges größeres Fließgewässer Nordoldenburgs ist weitgehend ausgebaut. Die intensive Landnutzung führte zu einem Verlust an Übergangsbiotopen wie Säumen an Wegen, an Knicks oder an Gräben.
Von besonderer Bedeutung ist die Insel Fehmarn für den Vogelzug. Anders als an der Nordseeküste kommen hier überwiegend Sing- und Greifvögel aus dem skandinavischen Raum vor.
Naturräumliche Haupteinheit „Mecklenburgische Seenplatte“
Westmecklenburgisches Seen-Hügelland
Zu dieser naturräumlichen Einheit wird der Ratzeburger See mit den südlich angrenzenden Gebieten bis zum Gudower See gezählt. Hierbei handelt es sich um ein welliges bis flachkuppiges Jungmoränengebiet, in das Bachtäler eingeschnitten sind. In einigen Tälern liegen Flussseen kettenartig hintereinander gereiht. Hervorzugeben sind der Schaalsee mit einer Wasserspiegelhöhe von 35 Metern über Normalnull und einer Tiefe von 71,5 Metern und der Ratzeburger See, der mit rund 1.406 Hektar der größte See des Planungsraumes ist. Bemerkenswert ist zudem der relativ hohe Waldflächenanteil, insbesondere zwischen Mölln und Ratzeburg.
Naturräumliche Haupteinheit „Südwestliches Vorland der Mecklenburgischen Seenplatte“
Südwestmecklenburgische Niederungen (mit Sanderflächen und Lehmplatten)
Dieser Naturraum umfasst die Stecknitztal/ Delvenau-Niederung, die durch den Elbe-Lübeck-Kanal und umfangreiche Grünländereien geprägt ist, sowie das Gebiet östlich von Büchen mit dem Bergholzer und Segrahner Forst.
Der Raum umfasst alle von der Ostsee beeinflussten und geschaffenen Lebensräume im terrestrischen sowie aquatischen Bereich. Er reicht im Planungsraum von den Steilküsten bei Friederikenhof bis zum Priwall bei Travemünde.
Im Holozän entstanden marine Ablagerungen im Küstenbereich (zum Beispiel der Strandwall zwischen Haffkrug und Scharbeutz) und äolische Sedimente (zum Beispiel die Dünen in Timmendorfer Strand). Strömungen und Welleneinwirkungen gestalten die Küste ständig um. Im Gegensatz zur Nordseeküste spielen Ebbe und Flut kaum eine Rolle. Durch Winde auftretende Hochwasser und sporadische Sturmfluten haben jedoch eine erhebliche Wirkung. Abtragungsgebiete an den Steilküsten und Ablagerungsgebiete in geschützter Lage wechseln einander im Küstenverlauf ab. Charakteristisch für die Abtragungsbereiche sind aktive Kliffs mit meist schmalen und steinreichen Stränden. Bedeutende Abtragungsbereiche im Planungsraum sind vor allem die Steilküsten bei Johannistal/ Heiligenhafen sowie das Brodtener Ufer.
Den Steilküsten vorgelagert finden sich oftmals Flachwasserbereiche. Die in den Moränen enthaltenen Findlinge können vom Meer nicht weiter transportiert werden und verbleiben im flachen Wasser. Treten diese Findlinge gehäuft auf, entstehen Felsenküsten–Ökosysteme in den Flachwasserbereichen der Ostsee.
In einigen Kliffs kommen als geologische Besonderheit Schichten aus älteren Erdzeitaltern vor, wie bspw. Kieselgesteine („Heilghafener Gestein“) und Tone aus dem Eozän (Tarraston an der Ostküste Fehmarns). Für die Ablagerungsbereiche sind die Strandwälle, Strandhaken und Nehrungen, die zum Teil Niederungen und Buchten abschnüren, charakteristisch. Ökologisch bedeutsame Strandwall-Landschaften sind der Stein- und Graswarder mit der Eichholzniederung und die Westküste Fehmarns. Stellenweise sind diese Strandwall-Landschaften überdünt worden. Das am stärksten ausgeprägte Dünengebiet der Ostseeküste im Planungsraum ist die Weißenhäuser Brök. Zum Teil überdünte Strandwalllandschaften finden sich zudem beispielsweise nördlich von Dahme, zwischen Grömitz und Kellenhusen und an der Nordküste Fehmarns.
Potenziell natürliche Vegetation
Eine Übersicht der potenziell natürlichen Vegetation in ihrer regionalen Ausbreitung ist der Abbildung 2: Potenziell natürliche Vegetation zu entnehmen. Als potenziell natürliche Vegetation sind die Pflanzengesellschaften zu verstehen, die sich einstellen würden, wenn jede menschliche Einflussnahme unterbliebe. Dabei sind sowohl die heutigen Standortbedingungen als auch die derzeitigen regionalen Wildpflanzenbestände zugrunde zu legen. Die Kenntnis der potenziell natürlichen Vegetation ermöglicht es, bei landschaftspflegerischen Maßnahmen standortgerechte Pflanzen zu verwenden.
v17.1.2

References: § 23
 § 21
 § 30
 § 26
 § 11
 § 21
 § 9
 § 9