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Timestamp: 2017-10-21 21:24:27+00:00

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Akten­zeichen: 7 AZR 795/06
Leit­sätze: Auf § 14 Abs 1 S 2 Nr 2 Tz­B­fG kann nur die Be­fris­tung des ers­ten Ar­beits­ver­trags gestützt wer­den, den der Ar­beit­neh­mer im An­schluss an sei­ne Aus­bil­dung oder sein Stu­di­um ab­sch­ließt. Ei­ne Ver­trags­verlänge­rung ist mit dem in die­ser Vor­schrift nor­mier­ten Sach­grund nicht möglich.
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 10. Ok­to­ber 2007 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dörner, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Busch und Zwis­ler für Recht er­kannt:
Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 13. Ju­ni 2006 - 13 Sa 124/06 - auf­ge­ho­ben.
Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 9. De­zem­ber 2005 - 5 Ca 7566/05 - ab­geändert:
Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf Grund der in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung mit Ab­lauf des 23. Ju­li 2005 ge­en­det hat.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf Grund Be­fris­tung am 23. Ju­li 2005 ge­en­det hat.
Die Kläge­rin ab­sol­vier­te an der Fach­hoch­schu­le ei­ne Aus­bil­dung zur Büro­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kauf­frau, die sie am 23. Ju­li 2003 er­folg­reich ab­schloss. Nach ei­nem Er­lass des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­ne­ren vom 31. Ja­nu­ar 2001 kann mit ehe­ma­li­gen Aus­zu­bil­den­den nach be­stan­de­ner Ab­schluss­prüfung ein auf 24 Mo­na­te be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ab­ge­schlos­sen wer­den. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten am 15. Au­gust 2003 ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag, nach des­sen § 1 die Kläge­rin ab dem 24. Ju­li 2003 bei der Fach­hoch­schu­le „nach § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes (Tz­B­fG) ... i.V.m. Pro­to­koll­no­tiz Nr. 1 zu Nr. 1a SR 2 y BAT we­gen Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des (Be­fris­tung im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung, um den Über­gang des Ar­beit­neh­mers in ei­ne An­schluss­beschäfti­gung zu er­leich­tern)“ als Zeit­an­ge­stell­te bis zum 23. Ju­li 2004 ein­ge­stellt wur­de. Nach § 2 des Ar­beits­ver­trags be­stimm­te sich das Ar­beits­verhält­nis nach dem BAT und den die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträgen in der für den Be­reich des Bun­des je­weils gel­ten­den Fas­sung, ins­be­son­de­re nach den SR 2y BAT. Durch Ände­rungs­ver­trag vom 25./26. Mai 2004 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en die Ver­trags­verlänge­rung bis zum 26. Ja­nu­ar 2005. Mit ei­nem wei­te­ren Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 wur­de die Ver­trags­lauf­zeit bis zum 23. Ju­li 2005 verlängert.
Mit der am 12. Au­gust 2005 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin die Fest­stel­lung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses be­gehrt und ge­meint, die Be­fris­tun­gen sei­en man­gels ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds un­wirk­sam. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG lägen nicht vor.
1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten über den 23. Ju­li 2005 hin­aus als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis fort­be­steht,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu 1) zu den bis­he­ri­gen, ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te in der Fach­hoch­schu­le wei­ter­zu­beschäfti­gen.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin den Kla­ge­an­trag zu 1) wei­ter. Die Be­klag­te be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
Die Re­vi­si­on ist be­gründet und führt un­ter Auf­he­bung des Be­ru­fungs­ur­teils und Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung zu der Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf Grund der in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung mit Ab­lauf des 23. Ju­li 2005 ge­en­det hat. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die zulässi­ge, als Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zu ver­ste­hen­de Kla­ge zu Un­recht als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Die in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 23. Ju­li 2005 ist un­wirk­sam, da sie nicht durch ei­nen sach­li­chen Grund nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt ist.
I. Die Kla­ge ist zulässig. Bei der Kla­ge han­delt es sich trotz des nicht an den Vor­ga­ben des § 17 Satz 1 Tz­B­fG ori­en­tier­ten An­trags­wort­lauts um ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge, mit der die Kläge­rin die Fest­stel­lung be­gehrt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht auf Grund der in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­te Be­fris­tung am 23. Ju­li 2005 ge­en­det hat. Die Kläge­rin macht al­lein die Un­wirk­sam­keit der zu die­sem Zeit­punkt ver­ein­bar­ten Be­fris­tung gel­tend. Wei­te­re Be­en­di­gungs­tat­be-
stände oder -zeit­punk­te sind zwi­schen den Par­tei­en nicht im Streit. Dem hat der Se­nat bei der Te­n­o­rie­rung Rech­nung ge­tra­gen.
Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat nicht auf Grund der in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 23. Ju­li 2005 ge­en­det. Die Be­fris­tung ist un­wirk­sam. Die Be­fris­tung kann nach der Pro­to­koll­no­tiz Nr. 6 Buchst. a zu Nr. 1 SR 2y BAT nicht auf § 14 Abs. 2 Tz­B­fG gestützt wer­den. Die Be­fris­tung ist auch nicht nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt. Die Vor­schrift ge­stat­tet nur den ein­ma­li­gen Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags im An­schluss an die Aus­bil­dung, nicht je­doch des­sen Verlänge­rung.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht nur die in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 23. Ju­li 2005 der Be­fris­tungs­kon­trol­le un­ter­zo­gen. Dies ent­spricht der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats, wo­nach bei meh­re­ren auf­ein­an­der fol­gen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen grundsätz­lich nur die in dem zu­letzt ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tung der ge­richt­li­chen Kon­trol­le un­ter­liegt (st. Rspr. seit BAG 8. Mai 1985 - 7 AZR 191/84 - BA­GE 49, 73 = AP BGB § 620 Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr. 97 = EzA BGB § 620 Nr. 76, zu II der Gründe; vgl. auch BAG 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 AZR 95/06 - EzA BGB 2002 § 620 Nr. 12, zu II 1 der Gründe mwN). Nur aus­nahms­wei­se kann auch die in ei­nem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tung der ge­richt­li­chen Kon­trol­le un­ter­zo­gen wer­den, wenn die Par­tei­en dem Ar­beit­neh­mer bei Ab­schluss des letz­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags das Recht vor­be­hal­ten ha­ben, die in dem frühe­ren Ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tung ge­richt­lich über­prüfen zu las­sen (vgl. et­wa BAG 6. Au­gust 2003 - 7 AZR 33/03 - AP BGB § 620 Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr. 253 = EzA BGB 2002 § 620 Hoch­schu­len Nr. 1, zu I 1 der Gründe mwN) oder wenn es sich bei dem letz­ten Ver­trag um ei­nen un­selbständi­gen An­nex zu dem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trag han­delt, mit dem das bis­he­ri­ge be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nur hin­sicht­lich sei­nes End­zeit­punkts mo­di­fi­ziert wer­den soll­te (BAG 15. Fe­bru­ar 1995 - 7 AZR 680/94 - AP BGB § 620 Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr. 166 = EzA BGB § 620 Nr. 130, zu I 1 und I 2 der Gründe). Bei­de Aus­nah­me­tat­bestände lie­gen im Streit­fall nicht vor. Die Par­tei­en ha­ben bei Ab­schluss des Ände­rungs­ver­trags vom 9. De­zem­ber 2004 kei­nen Vor­be­halt ver­ein­bart, der ei­ne Über­prüfung der vor­an­ge­gan­ge­nen Be­fris­tun­gen ermögli­chen könn­te. Bei den Ände­rungs­verträgen vom 25./26. Mai 2004 und vom 9. De­zem­ber 2004 han­delt es sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht um An­nex­verträge zu dem Erst­ver­trag vom 15. Au­gust 2003.
a) Ein An­nex­ver­trag liegt nicht be­reits dann vor, wenn der letz­te und der vor­letz­te Ver­trag in den Ver­trags­be­din­gun­gen übe­rein­stim­men und die zu erfüllen­de Ar­beits­auf­ga­be die glei­che bleibt (BAG 21. Ja­nu­ar 1987 - 7 AZR 265/85 - AP BGB § 620 Hoch­schu­le Nr. 4 = EzA BGB § 620 Nr. 89, zu I 2 der Gründe). Es müssen viel­mehr be­son­de­re Umstände hin­zu­tre­ten. Die­se sind an­zu­neh­men, wenn der An­schluss­ver­trag le­dig­lich ei­ne verhält­nismäßig ge­ringfügi­ge Kor­rek­tur des im frühe­ren Ver­trag ver­ein­bar­ten End­zeit­punkts be­trifft, die­se Kor­rek­tur sich am Sach­grund für die Be­fris­tung des frühe­ren Ver­trags ori­en­tiert und al­lein in der An­pas­sung der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Ver­trags­lauf­zeit an erst später ein­tre­ten­de, zum Zeit­punkt des vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trags­schlus­ses nicht vor­her­seh­ba­re Umstände be­steht. Den Par­tei­en darf es nur dar­um ge­gan­gen sein, die Lauf­zeit des al­ten Ver­trags mit dem Sach­grund der Be­fris­tung in Ein­klang zu brin­gen (BAG 15. Fe­bru­ar 1995 - 7 AZR 680/94 - AP BGB § 620 Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr. 166 = EzA BGB § 620 Nr. 130, zu I 2 der Gründe; 20. April 2005 - 7 AZR 293/04 - Rn. 20, NZA 2005, 933).
b) Hier­nach han­delt es sich bei den Verlänge­rungs­verträgen vom 25./26. Mai 2004 und vom 9. De­zem­ber 2004 nicht um un­selbständi­ge An­nex­verträge. Die Ände­rung des Fris­ten­des um je­weils ca. sechs Mo­na­te stellt be­reits kei­ne verhält­nismäßig ge­ringfügi­ge Kor­rek­tur der in dem Erst­ver­trag ver­ein­bar­ten einjähri­gen Ver­trags­lauf­zeit dar. Außer­dem er­folg­te durch die Ände­rungs­verträge kei­ne An­pas­sung der Ver­trags­lauf­zeit an Umstände, die bei Ab­schluss des Erst­ver­trags am 15. Au­gust 2003 nicht ab­seh­bar wa­ren. Nach dem ei­ge­nen Vor­brin­gen der Be­klag­ten war von An­fang an ge­plant, die Ver­trags­lauf­zeit bis zu ei­ner Ge­samt­dau­er von zwei Jah­ren aus­zu­deh­nen, so­fern Haus­halts­mit­tel zur Verfügung stan­den und die Leis­tun­gen der Kläge­rin während des zunächst auf ein Jahr be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses den An­for­de­run­gen ent­spra­chen. Die Ver­trags­verlänge­rung war da­her be­reits bei Ab­schluss des Erst­ver­trags am 15. Au­gust 2003 ab­seh­bar.
2. Die Be­klag­te kann sich zur Recht­fer­ti­gung der in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 23. Ju­li 2005 nicht auf § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­ru­fen. Im An­wen­dungs­be­reich des BAT, der auf Grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en an­zu­wen­den ist, kann ei­ne Be­fris­tung nur auf § 14 Abs. 2 Tz­B­fG gestützt wer­den, wenn im Ar­beits­ver­trag an­ge­ge­ben ist, dass es sich um ei­ne Be­fris­tung nach die­ser Vor­schrift han­delt. Dar­an fehlt es.
a) Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en sind auf Grund der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung in § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 15. Au­gust 2003 die Vor­schrif­ten des BAT ein­sch­ließlich der SR 2y an­zu­wen­den. Nach der Pro­to­koll­no­tiz Nr. 6 Buchst. a zu Nr. 1 SR 2y BAT ist im Ar­beits­ver­trag an­zu­ge­ben, ob es sich um ein Ar­beits­verhält­nis nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG han­delt. Im An­wen­dungs­be­reich des BAT genügt es da­her zur Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung nicht, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ob­jek­tiv vor­la­gen. Er­for­der­lich ist viel­mehr die An­ga­be im Ar­beits­ver­trag, dass es sich um ein Ar­beits­verhält­nis nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG han­delt. Die Nicht­be­ach­tung des Zi­tier­ge­bots führt da­zu, dass der Ar­beit­ge­ber die Be­fris­tung nicht auf § 14 Abs. 2 Tz­B­fG stützen kann (BAG 28. März 2007 - 7 AZR 318/06 - NZA 2007, 937, zu II 1 a der Gründe; 27. Sep­tem­ber 2000 - 7 AZR 390/99 - BA­GE 95, 377 = AP BAT § 2 SR 2y Nr. 20 = EzA BeschFG 1985 § 1 Nr. 20, zu B II 3 der Gründe; 1. De­zem­ber 1999 - 7 AZR 449/98 - BB 2000, 1525, zu II der Gründe).
b) Da­nach kann sich die Be­klag­te zur Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung nicht auf § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­ru­fen. We­der in dem Aus­gangs­ver­trag vom 15. Au­gust 2003 noch in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ist an­ge­ge­ben, dass es sich um ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG han­delt. Bei­de Verträge ver­wei­sen aus­sch­ließlich auf den in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG nor­mier­ten Sach­grund.
3. Die in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 23. Ju­li 2005 ist nicht nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt. Die Be­fris­tung er­folg­te nicht im An­schluss an die Aus­bil­dung der Kläge­rin, da die Kläge­rin nach Be­en­di­gung ih­rer Aus­bil­dung be­reits auf Grund des Ar­beits­ver­trags vom 15. Au­gust 2003 seit dem 24. Ju­li 2003 bei der Be­klag­ten an­ge­stellt war. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG lässt ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts und der Be­klag­ten nur den ein­ma­li­gen Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags im An¬schluss an die Aus­bil­dung zu, nicht je­doch des­sen (mehr­fa­che) Verlänge­rung.
a) Nach § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG ist die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist. Ein sach­li­cher Grund liegt nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG vor, wenn die Be­fris­tung im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um er­folgt, um den Über­gang des Ar­beit­neh­mers in ei­ne An­schluss­beschäfti­gung zu er­leich­tern. Vor­aus­set­zung für die Be­fris­tung ist da­her, dass sie im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um er­folgt.
aa) Aus dem Tat­be­stands­merk­mal „An­schluss“ in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG er­gibt sich, dass es sich um die Be­fris­tung des ers­ten Ar­beits­ver­trags han­deln muss, den der Ar­beit­neh­mer nach dem En­de der Aus­bil­dung oder des Stu­di­ums ab­sch­ließt. Ein zwi­schen­zeit­li­ches Ar­beits­verhält­nis schließt da­her ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG aus (eben­so Böwer Tz­B­fG § 14 Rn. 117; Ha­ko/Mest­werdt 3. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 68; ErfK/Müller-Glöge 7. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 49; Mei-nel/Heyn/Herms Tz­B­fG 2. Aufl. § 14 Rn. 26; Sie­vers Tz­B­fG 2. Aufl. § 14 Rn. 130; aA für kurz­fris­ti­ge zwi­schen­zeit­li­che Ge­le­gen­heits­jobs: An­nuß/Thüsing/Masch­mann Tz­B­fG 2. Aufl. § 14 Rn. 38; Rolfs Tz­B­fG § 14 Rn. 25; Hromad­ka BB 2001, 621, 623). Be­stand nach der Aus­bil­dung be­reits ein Ar­beits­verhält­nis, er­folgt die Be­fris­tung nicht, wie es § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG vor­aus­setzt, im An­schluss an die Aus­bil­dung, son­dern im An­schluss an die zwi­schen­zeit­li­che Beschäfti­gung.
Die­se am Wort­laut der Vor­schrift ori­en­tier­te Aus­le­gung ent­spricht auch de­ren Sinn und Zweck. Die­ser be­steht dar­in, Be­rufs­anfängern den Be­rufs­start zu er­leich­tern (BT-Drucks. 14/4374 S. 19), in­dem es ih­nen ermöglicht wird, im Rah­men ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses Be­rufs­er­fah­rung zu sam­meln und da­durch ih­re Ein­stel­lungs­chan­cen auf dem Ar­beits­markt zu ver­bes­sern. Die­ser Zweck ist er­reicht, so­bald der Ar­beit­neh­mer das ers­te - be­fris­te­te oder un­be­fris­te­te - Ar­beits­verhält­nis nach dem Stu­di­um oder der Aus­bil­dung ein­geht. Da­mit ist der Start in das Be­rufs­le­ben er­folgt und der Ar­beit­neh­mer kann sich un­ter Be­ru­fung auf die in dem Ar­beits­verhält­nis er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung um ei­ne An­schluss­beschäfti­gung bemühen. Ei­ne wie­der­hol­te Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG ist des­halb nach dem Norm­zweck nicht zulässig (eben­so Mei­nel/Heyn/Herms aaO; ErfK/Müller-Glöge aaO). Bei je­dem wei­te­ren - be­fris­te­ten oder un­be­fris­te­ten - Ar­beits­ver­trag han­delt es sich be­reits um die nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG an­zu­stre­ben­de An­schluss­beschäfti­gung, für die die Be­fris­tungsmöglickeit nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG ge­ra­de nicht vor­ge­se­hen ist.
bb) Da § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG nur den ein­ma­li­gen Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nach dem En­de der Aus­bil­dung oder des Stu­di­ums zulässt, kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts und der Be­klag­ten ein nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag auch nicht mit dem in der Vor­schrift nor­mier­ten Sach­grund „verlängert“ wer­den. Ei­ne Ver­trags­verlänge­rung, dh. die während der Lauf­zeit ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en, mit der der Be­en­di­gungs­zeit­punkt des Ar­beits­verhält­nis­ses
hin­aus­ge­scho­ben wird, enthält - eben­so wie der Neu­ab­schluss ei­nes wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags - ei­ne ei­genständi­ge Be­fris­tung. Denn das Ar­beits­verhält­nis soll nicht zu dem ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen, son­dern zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt en­den. Die Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags un­ter­schei­det sich vom Neu­ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nur da­durch, dass der Fol­ge­ver­trag noch während der Lauf­zeit des zu verlängern­den Ver­trags ab­ge­schlos­sen wird und aus­sch­ließlich der Be­en­di­gungs­zeit­punkt geändert wird, die übri­gen Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen hin­ge­gen un­verändert bei­be­hal­ten wer­den. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen Ver­trags­verlänge­rung und Neu­ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ist be­fris­tungs­recht­lich nur von Be­deu­tung, wenn ei­ne ge­setz­li­che Vor­schrift zwar ei­ne Ver­trags­verlänge­rung, nicht aber den Neu­ab­schluss ei­nes wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags zulässt wie zB § 14 Abs. 2 Tz­B­fG. An­sons­ten ist es für die Be­fris­tungs­kon­trol­le un­er­heb­lich, ob die Be­fris­tung in ei­nem Verlänge­rungs­ver­trag im vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Sin­ne ver­ein­bart wird oder in ei­nem neu ab­ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG sieht die Verlänge­rung ei­nes im An­schluss an die Aus­bil­dung oder das Stu­di­um ab­ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nicht vor.
cc) Ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung ist nicht des­halb ge­bo­ten, weil die Be­fris­tung im An­wen­dungs­be­reich der SR 2y BAT ver­ein­bart wur­de und die­se Ta­rif­vor­schrif­ten so­wohl die mehr­fa­che Verlänge­rung als auch den mehr­fa­chen Neu­ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zu­las­sen. Sach­grund­be­fris­tun­gen im An­wen­dungs­be­reich der SR 2y BAT müssen den An­for­de­run­gen des § 14 Abs. 1 Tz­B­fG genügen, da nach § 22 Abs. 1 Tz­B­fG von die­ser Be­stim­mung nicht zu Un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ab­ge­wi­chen wer­den darf. Des­halb ist auch im An­wen­dungs­be­reich der SR 2y BAT die Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags mit dem Sach­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG nicht zulässig. Aus dem­sel­ben Grund kann auch der Er­lass des BMI vom 31. Ja­nu­ar 2001, wo­nach mit ehe­ma­li­gen Aus­zu­bil­den­den nach be­stan­de­ner Ab­schluss­prüfung ein auf 24 Mo­na­te be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag ab­ge­schlos­sen wer­den kann, die Be­fris­tungsmöglich­keit nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG nicht zu Guns­ten der Be­klag­ten er­wei­tern. Da­von ab­ge­se­hen ist in dem Er­lass von der Verlänge­rung ei­nes nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nicht die Re­de.
b) Nach die­sen Grundsätzen ist die in dem Ände­rungs­ver­trag vom 9. De­zem­ber 2004 ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 23. Ju­li 2005 nicht nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt. Bei dem Ände­rungs­ver­trag han­delt es sich nicht um die
ers­te, son­dern um die drit­te Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags nach dem Ab­schluss der Aus­bil­dung der Kläge­rin. Die­se kann nicht auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Tz­B­fG gestützt wer­den.
zur Übersicht 7 AZR 795/06

References: § 14
 § 1
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 § 2
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 § 17
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 § 620
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 § 22
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