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Timestamp: 2020-05-30 19:21:11+00:00

Document:
Streitjahre: 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004
Aktenzeichen: V R 2/16
ECLI: ECLI:DE:BFH:2019:U.050919.VR2.16.0
Normen: § 4 Nr 8 Buchst e UStG 1999, § 4 Nr 8 Buchst h UStG 1999, § 1 Abs 3 KAGG, § 6 Abs 1 InvG, §§ 6ff WpHG, Art 13 Teil B Buchst d Nr 6 EWGRL 388/77, Art 1 Abs 2 EWGRL 611/85, Art 4 Abs 1 EWGRL 611/85, Art 4 Abs 2 EWGRL 611/85, Art 7 Abs 1 EWGRL 611/85, Art 8 Abs 1 EWGRL 611/85, § 6 WpHG
Zitiervorschlag: BFH, Urteil vom 05. September 2019 – V R 2/16 –, BFHE nn, BStBl II 2020, 109
(Zum Begriff des "Sondervermögens" i.S. von Art. 13 Teil B Buchst. d Nr. 6 der Richtlinie 77/388/EWG)
1. "Sondervermögen" i.S. von Art. 13 Teil B Buchst. d Nr. 6 der Richtlinie 77/388/EWG sind Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) i.S. der Richtlinie 85/611/EWG und diesen Organismen ähnliche Fonds(Rn.25).
2. Ähnlich in diesem Sinne sind Fonds, die gleiche Merkmale aufweisen wie OGAW und vergleichbare Umsätze tätigen oder diesen zumindest so weit ähnlich sind, dass sie mit ihnen im Wettbewerb stehen, was zumindest voraussetzt, dass das nationale Recht eine besondere staatliche Aufsicht für solche Vermögen vorsieht(Rn.26)(Rn.32).
1. Ein gemeinsames Konto und Depot der Gesellschafter von Fondgesellschaften (hier in der Form von GbR) bei einem Brokerhaus in den USA lässt die Annahme einer OGAW (Art. 7 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 1 Richtlinie 85/611/EWG) nicht zu(Rn.31).
2.Die allgemeine Aufsicht durch das BaWe (bis 30.04.2002) bzw. das BaFin (ab 01.05.2002) stellt keine besondere Aufsicht i.S. des EuGH-Urteils vom 09.12.2015 C-595/13, Fiscale Eenheid X (EU:C:2015:801) dar(Rn.32).
BStBl II 2020, 109
DStR 2019, 2473-2476 (Leitsatz und Gründe)
UR 2019, 929-932 (Leitsatz und Gründe)
BFH/NV 2020, 75-77 (Leitsatz und Gründe)
MwStR 2020, 34-37 (Leitsatz und Gründe)
DStRK 2020, 8 (Leitsatz und Gründe)
HFR 2020, 275-277 (Leitsatz und Gründe)
BB 2019, 2837 (Leitsatz)
StE 2019, 741-742 (Leitsatz)
BFH/PR 2020, 51-52 (Leitsatz)
NZG 2020, 160 (Leitsatz)
DStZ 2020, 70-71 (Kurzwiedergabe)
StuB 2020, 118 (Leitsatz)
RIW 2020, 168 (Leitsatz)
ZIP 2020, 619 (Leitsatz)
UVR 2020, 99 (Kurzwiedergabe)
ZBB 2020, 134 (Leitsatz)
vorgehend FG Köln, 9. Dezember 2015, Az: 3 K 1076/11, Urteil
Christoph Wäger, BFH/PR 2020, 52 (Anmerkung)
Philipp Thiele, DStRK 2020, 8 (Anmerkung)
JH, DStZ 2020, 71 (Anmerkung)
Robert Prätzler, jurisPR-SteuerR 8/2020 Anm 5 (Anmerkung)
Tillmann Kempf, MwStR 2020, 37-38 (Anmerkung)
jh, StuB 2020, 118 (Anmerkung)
ms, UVR 2020, 99-100 (Anmerkung)
Vergleiche EuGH, 9. Dezember 2015, Az: C-595/13
Vergleiche EuGH, 13. März 2014, Az: C-464/12
Vergleiche EuGH, 7. März 2013, Az: C-424/11
Vergleiche EuGH, 7. März 2013, Az: C-275/11
Vergleiche BFH, 11. Oktober 2007, Az: V R 22/04
Vergleiche EuGH, 4. Mai 2006, Az: C-169/04
Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Köln vom 09.12.2015 - 3 K 1076/11 aufgehoben.
Die Revision des FA ist begründet. Sie führt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Abweisung der Klage (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--).
1. Art. 13 Teil B Buchst. d Nr. 6 der Richtlinie 77/388/EWG ermächtigt die Mitgliedstaaten, den Begriff "Sondervermögen" zu definieren (vgl. Urteile des Gerichtshofs der Europäischen Union --EuGH-- Fiscale Eenheid X vom 09.12.2015 - C-595/13, EU:C:2015:801, Rz 31; Wheels Common Investment Fund Trustees u.a. vom 07.03.2013 - C-424/11, EU:C:2013:144, Rz 16; ATP PensionService vom 13.03.2014 - C-464/12, EU:C:2014:139, Rz 40).
Nach nationalem Recht, auf das Art. 13 Teil B Buchst. d Nr. 6 der Richtlinie 77/388/EWG verweist, sind die Verwaltungsleistungen der Klägerin --wovon die Beteiligten zu Recht übereinstimmend ausgehen-- nicht von der Umsatzsteuer befreit, weil die Voraussetzungen von § 4 Nr. 8 Buchst. h UStG nicht erfüllt sind. Die Klägerin selbst ist weder eine Kapitalanlagegesellschaft, deren Gegenstand die Verwaltung von Sondervermögen nach dem Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) in der für die Streitjahre 1998 bis 2003 gültigen Fassung ist, noch eine Kapitalanlagegesellschaft, deren Gegenstand die Verwaltung von Sondervermögen nach dem Investmentgesetz (InvG) in der für das Streitjahr 2004 gültigen Fassung ist, weil ihr Unternehmensgegenstand nicht die Bildung eines Sondervermögens im Sinne des KAGG bzw. InvG umfasst.
Das ist nicht der Fall, weil die fünf GbR für die Ausübung ihrer Tätigkeit weder einer Zulassung bedurft haben (Art. 4 Abs. 1 der OGAW-Richtlinie) noch die zuständigen Stellen der Verwaltungsgesellschaft die Zulassung erteilt, die Vertragsbedingungen genehmigt oder der Wahl der Verwahrstelle zugestimmt haben (Art. 4 Abs. 2 der OGAW-Richtlinie). Die Aufsicht über den Wertpapierhandel durch die BaFin vollzieht sich seit 01.05.2002 nach §§ 6 ff. des Gesetzes über den Wertpapierhandel (Wertpapierhandelsgesetz --WpHG--). Zuvor kam diese Aufgabe dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) zu. In §§ 6 ff. WpHG ist weder eine Zulassung der Verwaltungsgesellschaft noch eine Genehmigung von Vertragsbedingungen noch die Zustimmung zur Wahl der Verwahrstelle vorgesehen.

References: § 4
 § 4
 § 1
 § 6
 § 6
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 8
 Art. 13
 Art. 13
 § 4