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Timestamp: 2020-06-01 04:59:53+00:00

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Bitte um Verlegung eines Beurkundungstermins - und die Notarkosten | Rechtslupe
Bitte um Verlegung eines Beurkundungstermins - und die Notarkosten
Die blo­ße Bit­te um Ver­le­gung eines Beur­kun­dungs­ter­mins stellt sich auch aus dem objek­ti­vier­ten Emp­fän­ger­ho­ri­zont des Notars regel­mä­ßig nicht als eigen­stän­di­ges Ersu­chen um amt­li­ches Tätig­wer­den dar, son­dern ledig­lich als not­wen­di­ge Mit­wir­kung an der Vor­be­rei­tung der Beur­kun­dung.
Kos­ten­schuld­ner ist nach § 29 Nr. 1 GNotKG, wer dem Notar den Auf­trag erteilt oder den Antrag gestellt hat. Unter dem – hier inter­es­sie­ren­den – Begriff des Auf­trags ist jedes an den Notar gerich­te­te Ansu­chen zu ver­ste­hen, das auf die Vor­nah­me einer nota­ri­el­len Amts­tä­tig­keit gerich­tet ist [1]. Einer aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung bedarf es nicht.
Der Beur­kun­dungs­auf­trag kann auch durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten erteilt wer­den [2]. Maß­geb­lich ist, ob das Ver­hal­ten für den Notar nach Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te (§§ 133, 157 BGB) den Schluss zulässt, es wer­de ihm ein Auf­trag mit der gesetz­li­chen Kos­ten­fol­ge erteilt; dies kann nur unter Her­an­zie­hung und Wer­tung aller Umstän­de des Ein­zel­falls beur­teilt wer­den [3].
Einen Auf­trag erteilt regel­mä­ßig jeden­falls der­je­ni­ge, der durch sein Ansu­chen unmit­tel­bar die nota­ri­el­le Amts­tä­tig­keit ver­an­lasst, etwa indem er den Notar um die Fer­ti­gung eines Ent­wurfs oder erst­mals um einen Beur­kun­dungs­ter­min bit­tet. Ein sol­cher Auf­trag kann auch anzu­neh­men sein, wenn bereits durch einen ande­ren Kos­ten­schuld­ner Beur­kun­dungs­auf­trag erteilt wur­de. So kann die Amts­tä­tig­keit des Notars etwa dadurch ver­an­lasst wer­den, dass ein wei­te­rer Betei­lig­ter den Notar um Ände­run­gen an dem Ent­wurf des zu beur­kun­den­den Ver­tra­ges bit­tet [4].
Ob im Ein­zel­fall eine Auf­trags­er­tei­lung vor­liegt, ist Ergeb­nis tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung und unter­liegt daher nur einer ein­ge­schränk­ten Über­prü­fung durch das Rechts­be­schwer­de­ge­richt. Die­ses kann ledig­lich prü­fen, ob der maß­geb­li­che Rechts­be­griff ver­kannt, Aus­le­gungs­re­geln, Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt oder wesent­li­che Umstän­de nicht beach­tet wor­den sind [5].
Ein sol­cher Rechts­feh­ler liegt hier nicht vor.
Das Beschwer­de­ge­richt legt sei­ner Wür­di­gung zugrun­de, dass der Umstand, dass die P. GmbH bereits einen Beur­kun­dungs­auf­trag erteilt hat­te, der Annah­me eines wei­te­ren Auf­trags durch die Antrag­stel­le­rin nicht ent­ge­gen­steht. Meh­re­re Auf­trag­ge­ber des­sel­ben Geschäfts sind jeweils Kos­ten­schuld­ner und haf­ten dem Notar nach § 32 Abs. 1 GNotKG als Gesamt­schuld­ner. Zutref­fend geht es wei­ter davon aus, dass die blo­ße Ent­ge­gen­nah­me des von ande­rer Sei­te beauf­trag­ten und von dem Notar gefer­tig­ten Ver­trags­ent­wurfs für sich genom­men eben­so wenig als Auf­trag im Sin­ne von § 29 Nr. 1 GNotKG ange­se­hen wer­den kann [6] wie die schlich­te Bestä­ti­gung des von der Gegen­sei­te vor­ge­schla­ge­nen und durch den Notar mit­ge­teil­ten Beur­kun­dungs­ter­mins.
Frei von Rechts­feh­lern ist auch die Annah­me des Beschwer­de­ge­richts, ein Auf­trag sei nicht dadurch erteilt wor­den, dass die Antrag­stel­le­rin um Ver­le­gung des vor­ge­schla­ge­nen Beur­kun­dungs­ter­mins auf einen ande­ren, mit der P. GmbH abge­spro­che­nen Ter­min gebe­ten hat. Die blo­ße Bit­te um Ver­le­gung eines Beur­kun­dungs­ter­mins stellt sich auch aus dem objek­ti­vier­ten Emp­fän­ger­ho­ri­zont des Notars regel­mä­ßig nicht als eigen­stän­di­ges Ersu­chen um amt­li­ches Tätig­wer­den dar, son­dern ledig­lich als not­wen­di­ge Mit­wir­kung an der Vor­be­rei­tung der Beur­kun­dung. Woll­te man in jeder Ver­ein­ba­rung eines Beur­kun­dungs­ter­mins unab­hän­gig von den Umstän­den des Ein­zel­fal­les einen eigen­stän­di­gen Beur­kun­dungs­auf­trag erbli­cken, so wäre der­je­ni­ge, der zu einem von dem Notar mit­ge­teil­ten Beur­kun­dungs­ter­min ver­hin­dert ist, ange­sichts der Kos­ten­fol­ge gehal­ten, Kon­takt mit dem Notar zu ver­mei­den und die Ter­mins­ver­le­gung aus­schließ­lich mit dem­je­ni­gen zu ver­ein­ba­ren, der den Beur­kun­dungs­auf­trag erteilt hat. Die Haf­tung für die Kos­ten der Beur­kun­dung kann aber nicht davon abhän­gen, auf wel­che Art und Wei­se die Ver­le­gung des Ter­mins für die­se Beur­kun­dung ver­ein­bart wor­den ist.
Der Ansicht des Notars, in der vor­be­halt­lo­sen Ver­ein­ba­rung eines (neu­en) Beur­kun­dungs­ter­mins müs­se ein eigen­stän­di­ger Beur­kun­dungs­auf­trag gese­hen wer­den, ist zudem ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass ein ent­spre­chen­der Vor­be­halt recht­lich unwirk­sam wäre. Der Notar han­delt bei der Aus­übung der Urkund­s­tä­tig­keit aus­schließ­lich als Trä­ger eines öffent­li­chen Amtes, dem die Rechts­su­chen­den nicht als Ver­trags­part­ner, son­dern in einem öffent­lich­recht­li­chen Ver­hält­nis als Ver­fah­rens­be­tei­lig­te gegen­über­tre­ten [7]. Der Auf­trag im Sin­ne von § 29 Nr. 1 GNotKG ist daher eine grund­sätz­lich bedin­gungs­feind­li­che Ver­fah­rens­hand­lung. Die Erklä­rung eines Kos­ten­schuld­ners, die Kos­ten der von ihm beauf­trag­ten Amts­tä­tig­keit des Notars nicht über­neh­men zu wol­len, wäre unbe­acht­lich [8].
Ent­ge­gen der Ansicht des Notars ergibt sich durch die­ses Ver­ständ­nis der Auf­trags­er­tei­lung im Kos­ten­recht auch kein Wer­tungs­wi­der­spruch zu den Rege­lun­gen der Bun­des­no­tar­ord­nung über die Amts­pflich­ten des Notars.
Die­se sind nicht not­wen­dig auf den Auf­trag­ge­ber im kos­ten­recht­li­chen Sin­ne beschränkt. Auf­trag­ge­ber im Sin­ne der Bun­des­no­tar­ord­nung ist viel­mehr auch der­je­ni­ge, dem gegen­über der Notar selb­stän­dig und aus­drück­lich Amts­pflich­ten über­nimmt [9]. Amts­pflich­ten kön­nen folg­lich auch gegen­über Per­so­nen bestehen, die nicht Kos­ten­schuld­ner des Notars sind.
Ande­re Grund­la­gen für eine Kos­ten­schuld der die Ver­le­gungs­bit­te Äußern­den kom­men nicht in Betracht. Sie haf­tet nicht nach § 30 GNotKG, da es zu der beab­sich­tig­ten Beur­kun­dung nicht gekom­men ist. Die Antrag­stel­le­rin haf­tet auch nicht gemäß § 29 Nr. 3 GNotKG für die Kos­ten­schuld eines ande­ren kraft Geset­zes, nament­lich nicht für die Kos­ten­schuld der P. GmbH, die die­se auf­grund des von ihr erteil­ten Beur­kun­dungs­auf­tra­ges trifft. Eine sol­che gesetz­li­che Haf­tung ergibt sich ins­be­son­de­re nicht aus § 448 Abs. 2 BGB. Die­se Rege­lung begrün­det kei­ne Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Käu­fers gegen­über dem Notar, son­dern betrifft allein das Innen­ver­hält­nis zwi­schen den Par­tei­en des Kauf­ver­trags [10]. Die Kos­ten­re­ge­lung in § 448 Abs. 2 BGB setzt zudem vor­aus, dass der Kauf­ver­trag wirk­sam wird [11].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Janu­ar 2017 – V ZB 79/​16
Beck­OK-KostR/­Be­cker, 15. Ed., GNotKG, § 4 Rn. 2; Neie in Bormann/​Diehn/​Sommerfeldt, GNotKG, 2. Aufl., § 4 Rn. 2[↩]
vgl. OLG Cel­le, NdsR­pfl 2015, 374 f.; OLG Köln, Jur­Bü­ro 1997, 604 f. jeweils noch zu § 2 Nr. 1 Kos­tO; Beck­OK-KostR/­Tous­saint, 15. Ed., GNotKG, § 29 Rn. 7; Leiß in Fackelmann/​Heinemann, GNotKG, § 29 Rn.19; LK-GNotKG/Hei­t/­Gen­s­ke, 2. Aufl., § 29 Rn. 10[↩]
vgl. OLG Cel­le, NdsR­pfl 2015, 374; OLG Köln, Jur­Bü­ro 1997, 604 f.; OLG Stutt­gart, DNotZ 1986, 761, 763; Bay­O­bLGZ 1979, 93, 95; LK-GNotKG/Hei­t/­Gen­s­ke, 2. Aufl., § 29 Rn. 10; Leiß in Fackelmann/​Heinemann, GNotKG, § 29 Rn.19[↩]
vgl. OLG Cel­le, NdsR­pfl 2015, 374, 375; LG Chem­nitz, NotBZ 2016, 272; Leiß in Fackelmann/​Heinemann, GNotKG, § 29 Rn. 21[↩]
st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 14.02.2014 – V ZR 102/​13, NVwZ 2014, 967 Rn. 9; Urteil vom 01.03.2013 – V ZR 92/​12, NJW 2013, 1946 Rn. 15; BGH, Beschluss vom 14.01.2014 – II ZB 5/​12, WM 2014, 618 Rn. 30 mwN[↩]
vgl. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 21.05.2013 – 8 W 1982/​1219; OLG Bre­men, NotBZ 2012, 36, 37; Bay­O­bLGZ 1979, 93, 96; Leiß in Fackelmann/​Heinemann, GNotKG, § 29 Rn.19; Notar­kas­se, Streif­zug durch das GNotKG, 11. Aufl., Rn. 569; a.A. LG Köln, RNotZ 2008, 562[↩]
BGH, Urteil vom 14.11.2002 – III ZR 87/​02, BGHZ 152, 391, 394[↩]
NK-GK/­Leiß, § 29 GNotKG Rn. 7[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 21.11.1996 – IX ZR 182/​95, BGHZ 134, 100, 112 f.; Urteil vom 15.04.1999 – IX ZR 328/​97, NJW 1999, 2183, 2184[↩]
Bay­O­bLG, MDR 1994, 947, 948; Glä­ser in Korin­ten­berg, GNotKG, 19. Aufl., § 29 Rn. 33; Neie in Bormann/​Diehn/​Sommerfeldt, GNotKG, 2. Aufl., § 29 Rn. 31[↩]
BGH, Urteil vom 09.11.2012 – V ZR 182/​11, NJW 2013, 928 Rn. 15[↩]
"Equal pay" – und der arbeits­ver­trag­li­che Ver­weis auf einen… Eine nach § 9 Nr. 2 AÜG zur Abwei­chung vom Gebot der Gleich­be­hand­lung berech­ti­gen­de Ver­ein­ba­rung haben Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer nicht dadurch getrof­fen, dass der Arbeits­ver­trag…
BeurkundungKostenschuldnerNotarkosten

References: § 29
 § 32
 § 29
 § 29
 § 30
 § 29
 § 448
 § 448
 § 4
 § 4
 § 2
 § 29
 § 29
 § 29
 § 29
 § 29
 § 29
 § 29
 § 29
 § 29
 § 29
 § 9