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Timestamp: 2018-08-19 21:25:42+00:00

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Säumnisbeschwerde – Einzel – Beschluss des BFG vom 30.07.2014, RS/3100003/2014
RS/3100003/2014-RS1 Permalink
Der Vorlagebericht der Abgabenbehörde ist ein Anbringen (§ 85 BAO), das die Entscheidungspflicht des Verwaltungsgerichtes über die Bescheidbeschwerde auslöst. Verletzt die Abgabebehörde die Verpflichtung zur Vorlage des Vorlageantrages an das Verwaltungsgericht, besteht für den Beschwerdeführer nach der derzeitigen Rechtslage keine Möglichkeit, die Beschwerdevorlage an das Verwaltungsgericht zu erwirken, da dadurch eine Entscheidungspflicht nicht verletzt wird. Eine diesbezüglich erhobene Säumnisbeschwerde ist zurückzuweisen, da die Abgabenbehörde, indem sie es unterlassen hat, den Vorlageantrag an das Verwaltungsgericht vorzulegen, keine Entscheidungspflicht verletzt hat.
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Mag. Richter in der Beschwerdesache Bf, Anschrift, gegen das Finanzamt Landeck Reutte, wegen Verletzung der Entscheidungspflicht betreffend Einkommensteuer 2010 den Beschluss gefasst:
Der Abgabepflichtige reichte am 3. Februar 2011 beim Finanzamt eine Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2010 ein. Mit Ausferigungsdatum vom 25. März 2011 erließ das Finanzamt nach Durchführung eines Vorhalteverfahrens einen Bescheid betreffend Einkommensteuer 2010. Da in diesem die geltend gemachten steuermindernden Aufwendungen nur zum Teil anerkannt wurden, erhob der Abgabepflichtige mit Einbringen vom 5. April 2011 Berufung. In der Berufungsvorentscheidung vom 13. April 2011 gab das Finanzamt dem Berufungsbegehren nur teilweise Folge, weshalb der Abgabepflichtige mit Eingabe vom 2. Mai 2011 einen Antrag auf Entscheidung über die Berufung durch die Abgabenbehörde zweiter Instanz einbrachte.
Das Finanzamt hat es sodannn verabsäumt, die Berufung dem UFS bzw. in weiterer Folge dem Verwaltungsgericht vorzulegen.
Mit Eingabe vom 9. April 2014 brachte der Abgabepflichtige beim Verwaltungsgericht Säumnisbeschwerde ein.
Nachdem das Finanzamt vom Verwaltungsgericht ersucht wurde, den Verfahrensstand mitzuteilen, wurde die Bescheidbeschwerde mit 29. April 2014 gemäß § 65 Abs. 1 BAO dem Verwaltungsgericht vorgelegt.
Gemäß § 260 Abs. 1 BAO (idF FVwGG 2012, BGBl I 2013/14), welcher gemäß § 284 Abs 7 lit b BAO sinngemäß anzuwenden ist, ist die Bescheidbeschwerde mit Beschluss zuzückzuweisen, wenn sie nicht zulässig ist.
Gemäß § 276 Abs. 6 BAO (idF vor FVwGG 2012, BGBl I 2013/14) hat die Abgabenbehörde erster Instanz die Berufung, über die eine Berufungsvorentscheidung nicht erlassen wurde oder über die infolge eines zeitgerechten Vorlageantrages von der Abgabenbehörde zweiter Instanz zu entscheiden ist, nach Durchführung der etwa noch erforderlichen Ermittlungen ohne unnötigen Aufschub der Abgabenbehörde zweiter Instanz vorzulegen. Die Abgabenbehörde erster Instanz hat die Parteien (§ 78) vom Zeitpunkt der Vorlage an den unabhängigen Finanzsenat unter Anschluss einer Ausfertigung des Vorlageberichtes zu verständigen. Erfolgt innerhalb von zwei Monaten ab Einbringung der Berufung oder des Vorlageantrages bei der Abgabenbehörde erster Instanz weder eine das Berufungsverfahren abschließende Erledigung der Abgabenbehörde erster Instanz, noch eine Aussetzung der Berufung nach § 281 oder eine Verständigung von der Vorlage der Berufung, so kann eine Partei (§ 78) bei dem unabhängigen Finanzsenat eine Vorlageerinnerung einbringen. Diese wirkt wie eine Vorlage der Berufung durch die Abgabenbehörde erster Instanz, wenn sie die Bezeichnung des angefochtenen Bescheides und Angaben über die Einbringung der Berufung enthält.
Der Vorlagebericht der Abgabenbehörde ist ein Anbringen (§ 85), das die Entscheidungspflicht des Verwaltungsgerichtes über die Bescheidbeschwerde auslöst. Verletzt die Abgabebehörde die Verpflichtung zur Vorlage der Beschwerde an das Verwaltungsgericht, besteht für den Beschwerdeführer nach der derzeitigen im Gegensatz zur vorangehenden Rechtslage (Rechtsmittelverfahren vor dem Unabhängigen Finanzsenat) keine Möglichkeit, die Beschwerdevorlage an das Verwaltungsgericht zu erwirken. Damit besteht eine Rechtsschutzlücke (vgl. Fischerlehner, Abgabeverfahren § 265 BAO, Anm 1).
Da das Finanzamt im Streitfall keine Entscheidungspflicht verletzt hat, indem sie es unterlassen hat, die Bescheidbeschwerde an das Verwaltungsgericht vorzulegen, war die Säumnisbeschwerde gemäße § 260 BAO (idF FVwGG 2012, BGBl I 2013/14) mangels Berechtigung zu ihrer Erhebung zurückzuweisen.
Eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist zulässig, da die Rechtsfrage, ob bezüglich der Erzwingbarkeit der Beschwerdevorlage an das Verwaltungsgericht für den Beschwerdeführer eine Rechtsschutzlücke besteht, durch die Rechtssprechung noch nicht geklärt ist.
ECLI:AT:BFG:2014:RS.3100003.2014
Findok-Nr: 101263.1, aufgenommen am: 03.09.2014 11:29:05, zuletzt geändert am: 10.02.2015, Dokument-ID: dc2f8821-a594-43dd-a920-c8f99b86085d, Segment-ID: b10311f7-c7b8-4f16-a7f0-66dd694b621f

References: § 65
 § 260
 § 284
 § 276
 § 281
 § 265
 § 260