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Timestamp: 2019-07-20 18:34:41+00:00

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Bus gegen Bahn. Wandel und Entwicklung von Konzepten, Strategien ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Bus gegen Bahn. Wandel und Entwicklung von Konzepten, Strategien und Perspektiven in veränderten Wettbewerbssituationen
Bachelorarbeit, 2016
60 Seiten, Note: 2.0
X B Xue Bai (Autor)
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Buch für nur US$ 32,50
2 Bahn
2.1 Historischer Hintergrund
2.1.1 Industrialisierung
2.1.2 Anfänge des ÖPNV
2.2 Die deutsche Bahn AG
2.3 Neue Konzepte Bahn
2.3.1 Kundenoffensive DB
2.3.2 Erfolgskonzept Bahnhof
2.3.3 Flixtrain
2.3.4 HKX
3.1 Rechtlicher Hintergrund
3.2 Die verschiedenen Fernbusanbieter
3.2.1 MFB MeinFernbus
3.2.2 Postbus
3.2.3 Berlin Linien Bus
3.2.4 DeinBus.de
3.2.5 Eurolines
3.2.6 IC Bus
3.3 Strategie Verdrängung
4 Vergleich
4.1 Netz/Infrastruktur/Fahrplan
4.1.1 Ziele
4.1.2 Reisedauer
4.1.3 Taktfrequenz
4.1.4 Pünktlichkeit
4.2 Preisgestaltung
4.2.1 Fahrpreisanalyse
4.2.2 Bahncard
4.2.3 Besonderheiten
4.3 Service
4.3.1 Gepäck
4.3.2 Umbuchung und Stornierung
4.4 Umwelt
4.4.1 Emission am Fahrzeug
4.4.2 Emissionen durch Infrastruktur
4.5 Perspektiven
4.5.1 Zukunft Brennstoffzelle
4.5.2 Wasserstoff Betankung für Busse
4.6 Fazit
Formelverzeichnis
Mit dieser Ausarbeitung möchte ich auf die Konzepte, Strategien und Perspektiven eingehen welche sich eröffnen mit einer veränderten Wettbewerbssituation. Dabei spielt die Liberalisierung und die Änderung des Personenbeförderungsgesetzes (kurz: PBefG) im Jahre 2013 eine tragende Rolle. Um sich dem Thema anzunähern soll aber zunächst im Rahmen der Geschichte von Bus und Bahn ein Einblick in die Anfänge des ÖPNV (Öffentlicher Personen Nahverkehr) gegeben werden. So ist die Frage für den Leser interessant, welche Entwicklung sowohl Bus als auch Bahn in den frühen Jahren der Industrialisierung spielten und aus welchen Ländern hier die Fortschritte kamen. Mit diesem Wissen kann dann auch ein Vergleich der beiden Verkehrsmittel stattfinden, soweit das möglich ist. Dem Leser werden die teils völlig unterschiedlichen Konzepte von Bus- und Bahnunternehmen dargelegt.
Motivation für diese Arbeit war neben dem alltäglichen Kontakt mit beiden Verkehrsmitteln als Student auch der betriebswirtschaftliche Hintergrund. Besonders der sich rasant ändernde Markt der Fernbussanbieter in Deutschland ist faszinierend. Was der Endkunde zu guter Letzt wahrnimmt ist am ehesten der Preis den er zahlt für eine bestimmte Strecke. Welche Faktoren sich darin allerdings niederschlagen, bleibt dem einfachen Beobachter meist verschlossen. Deshalb soll in dieser Ausarbeitung ein Einblick gegeben werden auf die etwas weniger offensichtlichen Einflüsse auf die Konkurrenz zwischen Bus und Bahn.
Nicht ohne Grund wurden beispielsweise sehr aktuell Fernbusse in der Innenstadt von Köln verboten[1]. Welche Hintergründe dies hat und welche Konsequenzen das für die Busunternehmen birgt, wird ebenso erklärt wie auch im letzten Kapitel Perspektiven dargestellt werden, die sich für die Zukunft ergeben und vielleicht sogar ein besseres Zusammenspiel von Bus und Bahn möglich machen könnten.
Um den Konflikt von Bus gegen Bahn zu verstehen sollte zunächst ein Blick auf die Geschichte der beiden Fortbewegungsmittel geworfen werden. Wo wurden sie zuerst eingesetzt und in welchem Bereich haben sie sich etabliert?
Es ist interessant zu erwähnen, dass bei der Eisenbahn die erste geschichtlich bekannte Erwähnung sich keineswegs auf den Transport von Personen sondern vielmehr auf die „...Fortschaffung der Mineralien und Kohlen“[2]. Bereits 1801 fand man hier das Wort Eisenbahn, wohingegen im englischsprachigen Raum sogar noch knapp 70 Jahre vorher der Begriff Rial-road erschien[3]. Diese frühen Erwähnungen beziehen sich noch auf den Schienenweg, da die Fahrzeuge damals noch zu großen Teilen aus Holz und Kupfer bestanden. In dieser Ausarbeitung soll der Personentransport im Mittelpunkt stehen und der Wortstamm im Gütertransport dient hier nur der Vollständigkeit. Denn später am 17. März 1879 wurde ein Urteil vom deutschen Reichsgericht gefällt in dem es heißt:
„ Eine Eisenbahn ist ein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken auf metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtmassen, beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transportbewegung zu ermöglichen, bestimmt ist, und durch diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem zur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkräften (Dampf, Elektrizität, tierischer oder menschlicher Muskeltätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch schon der eigenen Schwere der Transportgefäße und deren Ladung, u s. w.) bei dem Betriebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßig gewaltige (je nach den Umständen nur in bezweckter Weise nützlich, oder auch Menschenleben vernichtende und die menschliche Gesundheit verletzende) Wirkung zu erzeugen fähig ist[4].“
Abbildung 1 : Der Adler von 1835 [5]
Direkt im ersten Satz ist zu erkennen, dass die Bahn nun auch vorrangig für den Transport von Personen genutzt wird. Bevor es zu diesem Urteil kam war es jedoch ein weiter Weg. So wurde viel der Entwicklung von Schienenfahrzeugen in England im Bereich des Kohleabbaus getrieben. Es gab bereits Mitte des 16. Jahrhunderts eine Art Schienensystem aus Holz. Während 1730 der einseitige Spurkranz von dem Engländer Ralph Allen erfunden wurde, der die Wagen sicher auf den Schienen halten sollte[6], wurde 1767 die Eisenschiene erfunden. Aufgrund von Umsatzproblemen goss Richard Reynolds, Besitzer der Coalbrookdale-Eisenhütte, seine Gusseisenbarren in Plattenform um sie zu lagern[7]. Um diese Platten sinnvoll einzusetzen wurden sie probehalber in den Tunneln als Schienen ausgelegt, deren Zweck sie perfekt erfüllten. So war die Bahn aus Eisen entstanden. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gab es dann viele Pferdeeisenbahnen, bei denen Pferde als Zugtiere für auf Eisenschienen fahrende Wagen zum Einsatz kamen. Die längste Strecke dieser Art führte von Budweis in Böhmen nach Linz in Österreich und erstreckte sich über erstaunliche 128 Kilometer3. In Deutschland entstand die erste Eisenbahn-Aktiengesellschaft unter den Namen der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn (PWE)[8]. Die ersten 13 Jahre wurde diese Strecke ausschließlich mit Pferden betrieben.
Sowohl England als auch Schottland spielten in der Industrialisierung um die Jahrhundertwende eine wichtige Rolle. Hier sah man zum ersten Mal dampfbetriebene Arbeitsmaschinen und folglich dann auch Dampfeisenbahnen. Während im Jahre 1794 der Amerikaner John Fitch ein Model einer fahrenden Dampfmaschine auf Schienen entwarf, konnten Nicholas Cugnot und Richard Trevithick 1801 jeweils einen Dampfwagen in nutzbarer Größe für den Straßenbetrieb. Wenig später kam Trevithick auch auf die Idee einen Dampfwagen für den Schienenbetrieb umzurüsten. Dieser Wagen wurde dann 1804 in Südwales in einem Kohlebergwerk eingesetzt. Damit fuhr vor nunmehr 200 Jahren das die erste Bahn, als selbstständig fahrendes Nutzfahrzeug[9].
Das erste Mal in der Weltgeschichte wurden am 13. Februar 1804 70 Personen und zehn Tonnen Fracht über eine Strecke von 15 Kilometer in vier Stunden und fünf Minuten transportiert3. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag also bei heute nicht mehr sehr beeindruckenden 3,67km/h.
Formel 1 : Geschwindigkeit der Bahn 1804
Diese erste Lokomotive wurde noch ohne Spurkränze betrieben und es dauerte zehn Jahre und brauchte viele Versuche unter anderem mit Zahnradbahnen, bis in der Kohlengrube von Wylam Collery die ersten wirklich brauchbaren Lokomotiven eingesetzt wurden die lediglich die Traktion aus der Reibung zwischen Rad und Eisenschiene zog und große Lasten transportieren konnte.
Die von dem Ingenieur George Stephenson aus England entwickelte Lokomotive „Nr. 1“ eröffnete 1825 die erste Bahnstrecke zur Personenbeförderung zwischen Stockton und Darlington. Hier betrug die Spurweite 1435mm[10]. Diese hat sich bis heute als Weltstandart gehalten. Als nächstes folgten viele Bahnstrecken wie zum Beispiel die zwischen Liverpool und Manchester, bei der eine Lokomotive mit dem Namen Rocket zum Einsatz kam, die mit einer beachtlichen Geschwindigkeit von 48km/h seine Waren ans Ziel brachte[11].Gänzlich neu war auf dieser Strecke auch ein nach Fahrplan geregelter Personenverkehr. Auch wenn bereits seit dem 17. Jahrhundert in Paris Pferdekutschen Omnibusse fahrplanmäßig eingesetzt wurden so ist doch der erste Dampfomnibus von 1833 aus London erwähnenswert, da dieser den Schritt in die Moderne vollzog[12].
Die Deutsche Bahn (DB) AG entstand 1994 durch die Fusion der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichbahn und ist heute ein global agierender Konzern mit weltweit rund 1.000 Tochterunternehmen, einem Jahresumsatz von knapp 40 Mrd. € und rund 287.000 Beschäftigten in aller Welt. Umsatzstärkste Geschäftsfelder sind neben dem Schienenpersonenverkehr der Nahverkehr im Bus, der Schienengüterverkehr, die Sparte Güterverkehr/-logistik sowie die für die Schieneninfrastruktur verantwortliche Abteilung DB Netze Fahrweg. Auch im Fernbusverkehr ist die DB tätig. So bietet sie mit dem IC Bus einige innerdeutsche Verbindungen sowie Fahrten nach Prag und Krakau an und ist mit dem Berlin Linien Bus auf innerdeutschen Verbindungen vertreten.[13]
Die Deutsch Bahn sieht die Konkurrenz durch Fernbusse mittlerweile allerdings auch und versucht durch neue Konzepte große Kundenabwanderungen zu vermeiden. „Die größte Kundenoffensive in der Geschichte des DB Fernverkehrs“[14] verspricht Verbesserungen sowohl im Fernverkehr, als auch im Serviceberiech. So sollen die Reisezeiten im Kernnetz verkürzt werden. Dies will man erreichen mit konsequenter Nutzung neuer Infrastruktur und dem Einsatz von den schnelleren ICE auf bisherigen IC Verbindungen14. Nach der Einführung von Wifi und kostenloser Sitzplatzreservierung in der ersten Wagenklasse sollen diese Services nun auch in der 2. Klasse angeboten werden. Außerdem werden 10 Großstädte (ab 100.000 Einwohner) neu an den Fernverkehr der DB angebunden und 30 besser angebunden.
Abbildung 2 : Die größte Kundenoffensive in der Geschichte des DB Fernverkehrs 14
Das Infrastruktursystem der Bahn umfasst neben dem Gleisnetzt auch die Bahnhöfe in fast jeder deutschen Stadt. Das möchte die Deutsche Bahn nutzen und ihre Bahnhöfe nicht nur als Zugangstor zum System Bahn, sondern auch als urbanen Einkaufs- und Dienstleistungszentrum anbieten. In ganz Deutschland werden von rund 5400 Bahnhöfen ca. 1000 kommerziell genutzt mit einer Mietfläche von über 1 Millionen Quadratmeter[15]. Zum Vorteil dieses Konzeptes kommt das Gesetzt über den Ladenschluss (LadSchlG). Gemäß §3 LadSchlG müssen
„…Verkaufsstellen zu folgenden Zeiten für den geschäftlichen Verkehr mit Kunden geschlossen sein: 1. an Sonn- und Feiertagen, 2. montags bis samstags bis 6 Uhr und ab 20 Uhr…“[16].
Jedoch sind von dieser Regel Bahnhöfe ausgenommen, was grade in Großstädten einen Vorteil darstellt:
„Abweichend von den Vorschriften gemäß § 3 LadSchlG dürfen Verkaufsstellen auf Personenbahnhöfen von Eisenbahnen und Magnetschwebebahnen, soweit sie den Bedürfnissen des Reiseverkehrs zu dienen bestimmt sind, an allen Tagen während des ganzen Tages geöffnet sein“[17]
Mit dieser Möglichkeit besteht also gewisser Weise dieses Konzept schon länger und das ist nicht unbedingt etwas Neues. Neu ist dagegen, dass die Bahn diese Tatsache bewirbt und die Bahnhöfe als zentrale Einkaufsmöglichkeit in den Städten aktiv bewirbt. Hiervon profitieren allerdings auch nicht-Bahnkunden.
Zum Jahresbeginn 2016 will der deutsche Fernbus-Marktführer MeinFernbus Flixbus auch Bahnfahrten anbieten. Zunächst in Österreich und Tschechien. Pläne für Deutschland gibt es noch nicht, aber ausgeschlossen sind meinfernzug oder flixtrain auch hierzulande laut Geschäftsführer Torben Greve nicht[18]. Die entsprechenden Internetdomains wurden von MeinFernbus bereits gesichert.
Um ein flächendeckendes Netzt zu erreichen kooperiert der Konzern dabei mit Privatbahnen der beiden Länder. Ein Ziel von MeinFernbus ist es unter Anderem kombinierte Fahrten mit Bus und Bahn anzubieten. Dabei kann der Kunde mit nur einem Ticket beziehungsweise einer Buchung beide Verkehrsmittel nutzen.
Der HKX war einer der wenigen Konkurrenzprodukte zur Deutschen Bahn AG im Schienen-Fernverkehr. Gegründet 2009 wurde hier nach intensiven Marktanalysen die Strecke Hamburg-Köln als einzige Verbindung gewählt und nach vielen Verschiebungen im Jahr 2012[19] schließlich auch angeboten. Die Verbindung ist auch Namensgebend für den Hamburg-Köln-eXpress. Die Fahrt wurde mit deutlich günstigeren Preisen verglichen mit der DB beworben. Bis Anfang 2014 wurde der HKX in dieser Form angeboten. Dann wurde der Betrieb aufgrund der gestiegenen Konkurrenz durch Fernbusse und ausbleibende Gewinne umgestellt[20]. Seit dem verkehrt der HKX auf derselben Strecke, beziehungsweise seit Dezember 2015 sogar noch verlängerten Strecke, als Nahverkehrszug. An dem Fahrplanangebot ändert sich für die Kunden also nichts. Durch diese Tarifumstellung ist es aber möglich mit Fahrkarten der DB auch den HKX zu nutzen. Umgekehrt ist es dafür auch möglich die Züge des HKX im Buchungssystem der DB zu finden. So profitieren beide Parteien. Ob dies die HKX GmbH wirtschaftlich retten kann wird die Zukunft zeigen.
Seit circa drei Jahren sind auf den Straßen immer mehr Fernbusse zu sehen. Dabei sind das nicht Reisebusse für Touristen, die es auch vorher gegeben hat. Vielmehr sind es auf den deutschen Autobahnen immer mehr Fernlinienbusse zu sehen, die nach einem festen Fahrplan der Bahn Konkurrenz machen. Doch warum tauchen die Fernbusse erst jetzt wieder auf? Ist vorher niemand auf die Idee gekommen auch das gut ausgebaute Autobahnnetz Deutschlands für den Personentransort zu nutzen?
Der Grund liegt, wie Eingangs bereits erwähnt im Personenbeförderungsgesetz (PBefG), welches bis 2013 den kommerziellen Betrieb von Linienbussen zwischen Großstädten verhinderte. Doch ist es nicht einfach so, dass das Gesetzt diese Art Busse einfach verbot und dem Schienenverkehr ein Monopol einräumte. Vielmehr war es bis 2010 eine Sache der Auslegung des § 13, Abs. 2 PBefG. Hier steht, dass es einzelnen Unternehmen untersagt ist Fernbuslinien einzurichten, wenn:
„…der beantragte Verkehr ohne eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsbedingungen Verkehrsaufgaben wahrnehmen soll, die vorhandene Unternehmen oder Eisenbahnen bereits wahrnehmen.“[21]
Wenn also eine Verbindung zwischen Städten bereits durch die Bahn gewährleistet ist so darf hier kein anderer Linienverkehr stattfinden, wenn dieser nicht eine wesentliche Verbesserung mit sich bringt. Eine schnellere Verbindung war solch eine Verbesserung, ein günstigerer Fahrpreis aber nicht. Auch gab es weitere Beschränkungen im PBefG, die besagten, dass es nicht möglich sei eine bestehende Verbindung aus einem bestehenden Liniennetz zu extrahieren und so Verbindungen lediglich auf sehr ertragreichen Strecken anzubieten. Auch wurden Anträge auf Streckenkonzessionen abgelehnt, wenn das Vorhandene Verkehrsunternehmen (hier also die Bahn) bereit war innerhalb einer Frist auszubauen21. Also war es, mit wenigen Ausnahmen, unmöglich Parallelverbindungen zur Bahn zu anzunieten.
Diese Ausnahmen waren sogenannte historisch gewachsene Busverbindungen, wie die Berlin Linien Bus GmbH die bereits 1947 gegründet wurde und Teile des überlasteten Verkehrs der Reichsbahn nach Berlin übernahm[22]. Während der deutsch-deutschen Teilung hatte sich BLB weitere „Großvaterrecht“ dazugekauft und war so vor der Liberalisierung des Fernbusmarktes Marktführer. Durch einfallsreiche Ideen bei der Betriebsart war es auch möglich Fernbusse zu betreiben, wie es DeinBus.de tat. Hier beschloss man bei der Gründung 2009 einfach besonderes nachgefragte Strecken als „Mitfahrzentrale mit Bussen“ anzubieten[23].
Am 26.10.2010 wurde vom Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) der oben genannte § 13 Abs. 2 des PBefG durch ein Urteil dahingehen ausgelegt, dass eine „wesentliche Verbesserung“ nun auch gegen ist, wenn:
„Die Fahrpreise im Busverkehr erheblich günstiger sind als die entsprechende Bahnverbindung.“[24]
Nach diesem Urteil gründeten sich weitere Fernbusunternehmen, wie die MeinFernbus GmbH. Angestoßen vom Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) wurde nun auch das PBefG von der Regierung überarbeitet und novelliert. Dabei wurde auch die 2009 bereits beschlossene Einarbeitung der EU-Norm Nr.1370/2007 in nationales Gesetzt realisiert. Diese Norm regelt europaweit Fragen rund um den ÖPNV und sollte eigentlich ohne Veränderungen für sich alleine in allen EU-Mitgliedsstaaten stehen. Sie bildet das europaweite Pendant zum PBefG in Deutschland. Dennoch wollte die große Koalition von CDU/CSU und SPD eine Einarbeitung ins nationale Gesetzt. Dieses Vorhaben verzögerte sich allerdings aufgrund von Interessenskonflikten und wurde schließlich erst 2012 statt 2011 umgesetzt[25].
Allerdings sind auch weiterhin Beschränkungen nach § 42a PBefG vorgesehen: Die Errichtung einer Fernbuslinie wird untersagt, wenn „…der Abstand zwischen diesen Haltestellen nicht mehr als 50km beträgt.“ Oder „zwischen diesen Haltestellen Schienenpersonennahverkehr mit einer Reisezeit bis zu einer Stunde betrieben wird.“[26] Ausnahmen sind ein nicht vorhandenes Nahverkehrsangebot oder keine Beeinträchtigung des vorhandenen Verkehrsmittels. Der § 42a soll den von den Ländern mitfinanzierten ÖPNV schützen und so nur private Fernbuslinien auf Strecken über 50km länge erlauben.
Einer der wichtigsten Player am Markt der Fernbusse ist natürlich MeinFernbus, mittlerweile gemeinsam mit flixbus. Aber auch andere Anbieter sollen hier beleuchtet werden. Um eine bessere Übersicht zu behalten sollen hier aber nur Anbieter aufgelistet werden, deren Streckennetz mindestens 20 Städte umfasst. Dabei sind sie der Größe nach sortiert, abgefangen bei dem kleinsten das das Kriterium erfüllt.
Die MFB MeinFernbus GmbH ist ein privates Fernbusunternehmen. Sie wurde im Juni 2011 in Berlin gegründet, bereits im April 2012 eröffnete die erste Fernbusverbingung ­– nach alter Rechtslage. Jeden Tag sind rund 270 grüne Fernbusse quer durch Deutschland unterwegs und steuern mehr als 200 ziele an. Noch bevor die Liberalisierung des Fernbusmarktes endgültig in Kraft trat, fuhrte die bereits mit 30 Bussen auf 8 Fernbusverbindungen 26 Städte an. Mit MeinFernbus gelangt man auch zu zahlreichen Zielen im europäischen Ausland, z. B. nach Wien, Zürich, Innsbruck. Am Januar 2015 MeinFernbus und FlixBus schließen sich zu einem Fernbusgiganten zusammen.[27]
Der Postbus ist ein Fernbus der Deutschen Post auf den Fernbus-Markt überträgt. Die bekannten gelben Busse stehen für einen starken Partner: der Post. Am 14. Januar 2013 startete das Unternehmen gemeinsam mit dem Partner ADAC. Hintergrund war der zuvor erstmals erfolgte Liberalisierung des Fernbusverkehrs in Deutschland. Und seit April 2015 ist die Deutsche Post Mobility GmbH in Bonn gegründetes. Der Postbus setzen etwa 90 junge Busse des Herstellers Scania ein, mit denen 120 der beliebtesten Stadt und Reiseziele Deutschlands angefahren werden. Im Jahr 2015 teilnähme Die Deutsche Post Mobility GmbH am GOGREEN Services an[28]. Die bei Transport entstehenden Treibhausgasemissionen werden durch Investitionen in Klimaschutzprojekte nach internationalen Standards ausgeglichen.[29]
[1] Vgl. www.zeit.de/mobilitaet/2015-10/fernbusse-koeln-busbahnhof, 20.12.2015
[2] Vgl. „Über den Gebrauch der Eisenbahn oder eisernen Wege zur Fortschaffung der Mineralien und Kohlen“, 1801
[3] Vgl. „Geschichte der Eisenbahn“, Ralf Rossberg, 1999
[4] Reichsgerichtsurteil 17.03.1879
[5] Vgl. www.spiegel.de/fotostrecke/vom-adler-bis-zum-ice-175-jahre-eisenbahn-in-deutschland-fotostrecke-62388-2.html, 20.12.2015
[6] Vgl. „Logistik - gestern, heute, morgen: Festschrift für Richard Vahrenkamp zur Vollendung des 65. Lebensjahres“, Christopf Sieperman, 10.11.2011
[7] Vgl. „Geschichte der Eisenbahn“, Ralf Rossberg, 1999
[8] Vgl. „Die Eisenbahn von Minden nach Köln“, Friedrich Harkort, 1833
[9] Vgl. „Special History Study: AMERICAN STEAM LOCOMOTIVES”, Steamtown, 2002
[10] Vgl. www.g-buschbacher.de/Weltgeschichte/chronologisch/1821_1840.html, 20.12.2015
[11] Vgl. www1.wdr.de/themen/archiv/stichtag/stichtag3886.html, 20.12.2015
[12] Vgl. www.britishmuseum.org, 20.12.2015
[13] Geschäftsbericht, Deutsche Bahn AG, 2013, Seite 22
[14] Vgl. „Mehr Bahn für Metropolen und Region“, Ulrich Homburg, Bahn AG, 2015, Seite 9
[15] Vgl. „Wir bauen und betreiben Bahnhöfe“, DB Station&Service AG, 2015
[16] LadSchlG §3 Abs. 1.
[17] LadSchlG §3 Abs. 3.
[18] Vgl. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/meinfernbus-flixbus-will-auch-bahnfahrten-anbieten-13969531.html, 23.12.2015
[19] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-K%C3%B6ln-Express, 20.12.2015
[20] Vgl. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/hkx-ein-bahn-konkurrent-knickt-ein-13010569.html, 02.01.2016
[21] PBefG §13, Abs. 2.
[22] Vgl. Berlin Linien Bus GmbH - Presseinformation vom 25.09.2013
[23] Vgl. https://www.deinbus.de/ueber-uns/idee.html, 02.01.2016
[24] Leitsatz des Urteils Az. 3c 14.09 BVerwG
[25] Vgl. „DB Mobility Logistics”, Seite 6
[26] PBefG, §42a
[27] Vgl. http://m.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/a-1012170.html, 03.01.2016
[28] Vgl. www.postbus.de/GoGreen, 03.01.2016
[29] Vgl. www.Postbus.de, 03.01.2016
Ende der Leseprobe aus 60 Seiten
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Xue Bai (Autor)
V377612
9783668563711
9783668563728
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bahn, wandel, entwicklung, konzepten, strategien, perspektiven, wettbewerbssituationen, Fernbus, Bus gegen Bahn, Bus
Xue Bai (Autor), 2016, Bus gegen Bahn. Wandel und Entwicklung von Konzepten, Strategien und Perspektiven in veränderten Wettbewerbssituationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377612
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