Source: http://www.juricom.de/tacheles-rechtsprechungsticker-kw-272015/
Timestamp: 2018-06-23 21:54:11+00:00

Document:
Tacheles Rechtsprechungsticker KW 27/2015 | Rechtsanwalt König in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht Rechtsanwalt in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht
Home Tacheles Rechtsprechungsticker KW 27/2015
1. 1 BSG, Urteil vom 25.06.2015 – B 14 A S 30/14 R
2. 1 Landessozialgericht Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 01.06.2015 – L 2 AS 80/15 B ER – rechtskräftig
2. 2 Landessozialgericht Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 05.06.2015 – L 4 AS 242/15 B ER – rechtskräftig
2. 3 Landessozialgericht Baden-Württemberg, Beschluss vom 29.06.2015 – L 1 AS 2338/15 ER-B
Anmerkung: a. A. Sächsisches LSG, Beschluss vom 14.04.2014 – L 7 AS 239/14 B ER
2. 4 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 29.06.2015 – L 2 AS 587/15 B ER und – L 2 AS 588/15 B – rechtskräftig
Leistungsausschluss nach § 7 Abs. 5 Alt. 1 SGB II – Eingliederungsvereinbarung – Zusicherung i. S. v. § 34 SGB X
2. Denn ein Grundsicherungsträger kann sich in einer Eingliederungsvereinbarung rechtswirksam, d.h. ohne Berücksichtigung des Vorliegens der Tatbestandsvoraussetzungen der §§ 7 ff. SGB II weder zu einer Gewährung von Arbeitslosengeld II gemäß § 19 Abs. 1 Satz 1 SGB II verpflichten noch kann er diese – auf der Grundlage von § 34 SGB X wirksam zusichern (siehe umfassend dazu BSG, Urteil vom 02.04.2014, Az. B 4 AS 26/13 R ).
2. 5 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 22.06.2015 – L 19 AS 717/15 B ER – rechtskräftig
Kein Leistungsausschluss wegen Aufenthalts zur Arbeitsuche bei Nichtvorliegen eines materiellen Aufenthaltsrechts im Inland – Unionsbürger
Anmerkung: vgl. hierzu Beschluss des Senats vom 11.03.2015 – L 19 AS 195/15 B
2. 6 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 24.06.2015 – L 19 AS 360/15 B ER – rechtskräftig
Gewährung von ALG II im Rahmen der Folgenabwägung für rumänische Antragsteller – keine Mietschuldenübernahme – ernsthafte Bewerbungsbemühungen sind zu belegen bzw. zu konkretisieren ( Bejahend )
1. Der Senat folgt insoweit nicht der in der Rechtsprechung vertretenen Auffassung, wonach die Formulierung in § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 SGB II „deren Aufenthaltsrecht sich allein aus dem Zweck der Arbeitsuche ergibt“ nicht auf das Bestehen eines materiellen Aufenthaltsrechts zur Arbeitsuche abstellt sondern im Sinne des einzig denkbaren Grundes für ein Aufenthaltsrecht zu verstehen und dieses Aufenthaltsrechts vor Einleitung von aufenthaltsbeendenden Maßnahmen zu vermuten ist (vgl. Senatsbeschluss vom 20.03.2015 – L 19 AS 196/15 B ER; siehe zur identischen Vorschrift des § 23 Abs. 3 S. 1 2 Alt. SGB XII: BSG, Urteil vom 18.11.2014 – B 8 SO 9/13 R; a.A. LSG NRW, Urteil vom 28.11.2013 – L 6 AS 130/13).
2. Der „Anordnungsgrund“ bei der einstweiligen Zuerkennung von unterkunftsbezogenen Grundsicherungsleistungen nach § 86b Abs.2 SGG ergibt sich weder aus der Vermeidung von Mietschulden/ Mehrkosten noch aus dem Risiko einer im Zeitablauf schwieriger werdenden Abwendung eines Wohnungsverlustes, sondern aus der konkret und zeitnah drohende Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit. Ein Anordnungsgrund ist damit im Regelfall erst bei Nachweis der Rechtshängigkeit einer Räumungsklage gegeben. Selbst eine fristlose Kündigung reicht für die Bejahung der Eilbedürftigkeit regelmäßig nicht aus.
Anmerkung: ebenso f. rumänische Antragsteller: LSG NRW, Beschl. v. 24.06.2015 – L 19 AS 360/15 B ER – Die Antragsteller haben ein materielles Aufenthaltsrecht zur Arbeitsuche, auf dessen konkrete Feststellung im Einzelfall es für die Prüfung des hieran anknüpfenden Leistungsausschlusses nach § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 SGB II ankommt.
2. 7 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 17.06.2015 – L 7 AS 704/15 B ER und – L 7 AS 705/15 B – rechtskräftig
1. Erscheint aufgrund der psychischen Erkrankung die Erwerbsfähigkeit zumindest fraglich, ist Allerdings das Jobcenter – über den Wortlaut von § 44a Abs. 1 Satz 7 SGB II hinaus – ohnehin verpflichtet, auch bei Zweifeln an der Erwerbsfähigkeit der Antragstellerin in Ermangelung einer Abstimmung mit dem Leistungsträger nach dem SGB XII Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts zu erbringen (Urteil des Senats vom 23.04.2015 – L 7 AS 1451/14 ).
2. Der Generalanwalt empfiehlt dem EuGH (Rn. 126 des Schlussantrags), die Vorlagefrage des BSG dahingehend zu beantworten, dass Art. 24 Abs. 2 der Richtlinie 2004/38 dahin auszulegen ist, dass er der Regelung eines Mitgliedstaats entgegensteht, die Staatsangehörige anderer Mitgliedstaaten, die eine Arbeit im Aufnahmemitgliedstaat suchen, nachdem sie in den dortigen Arbeitsmarkt eingetreten waren, von bestimmten „besonderen beitragsunabhängigen Geldleistungen“ im Sinne von Art. 70 Abs. 2 der Verordnung 883/2004 automatisch und ohne individuelle Prüfung ausschließt, während Staatsangehörige des Aufnahmemitgliedstaats, die sich in der gleichen Situation befinden, diese Leistungen erhalten.
2. 8 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 19.06.2015 – L 19 AS 909/15 B ER – rechtskräftig
Aufforderung zur Beantragung von Altersrente – Bescheid des JC ist wegen fehlerhafter Ermessensausübung rechtswidrig – Ermessenfehlgebrauch – aufschiebende Wirkung der Klage
1. Auch die Aufforderung zur Stellung des Rentenantrags steht im Ermessen des Leistungsträgers (vgl. Beschluss des Senats vom 26.01.2015 – L 19 AS 1969/14 B – m.w.N.).
Anmerkung: S. a. zum Ermessenfehlgebrauch – Überprüfung einer Ermessensentscheidung – Abwägungsdefizit – LSG NRW, Beschluss vom 26.01.2015 – L 19 AS 1969/14 B ER
2. 9 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 17.06.2015 – L 6 AS 833/15 B ER – rechtskräftig
1. Dem Antragsteller stehen die beantragten vorläufigen Leistungen nach § 328 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 (Nr. 2) SGB III zu (im Ergebnis ebenso LSG Berlin-Brandenburg Beschluss vom 27.05. 2014 – L 34 AS 1150/14 B ER ).
2. Der Leistungsanspruch aus § 22 Abs. 1 S. 1 SGB II erstreckt sich auch auf die anteilige kommunale Nutzungsgebühr der Antragstellerinnen für die u.a. mit den Eltern/Großeltern bewohnte Unterkunft als eine Geldleistung für angemessene Unterkunftsaufwendungen. (vgl. bereits LSG für das Saarland 13.04.2010 – L 9 AS 18/09 ).
3. Kein Abwarten der Räumungsklage wegen Mietrückständen, denn schon zu einem früheren Zeitpunkt können wesentliche Nachteile zu gewärtigen sein, die ein Zuwarten bis zur Entscheidung in der Hauptsache unzumutbar erscheinen lassen ( (LSG NRW Beschluss vom 29.01.2015 – L 6 AS 2085/14 B ER).
2. 10 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 30.04.2015 – L 32 AS 1916/13
2. 11 Bayerisches Landessozialgericht, Beschluss vom 29.05.2015 – L 7 AS 365/15 B ER
2. 12 Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Urteil v. 23.06.2015 – L 7 AS 750/13
Normen: § 8 SGB X, § 31 SGB X, § 44 SGB X – Schlagworte: Bescheidung mehrerer Überprüfungsanträge in einem Bescheid, Zulässigkeit gesonderter Widersprüche und Klagen, F+B-Gutachten, Göttingen
3. Es ist der Klägerin grundsätzlich freigestellt, den dann „vollumfänglichen“ Widerspruchsbescheid mittels nur einer Klage anzugreifen, oder aber gegen jede einzelne Regelung im Sinne des § 31 SGB X gesondert Klage zu erheben. Die so einzeln erhobenen Klagen sind daher weder wegen anderweitiger Rechtshängigkeit nach § 202 SGG in Verbindung mit § 17 Abs. 1 Satz 2 GVG noch mangels Rechtsschutzbedürfnisses unzulässig (wie hier: Thüringer Landessozialgericht, Beschluss vom 24. Juli 2012 – L 4 AS 1353/11 B).
3. 1 Sozialgericht Leipzig, Urteil vom 16.06.2015 – S 24 AS 2264/14 – Die Berufung wird zugelassen.
1. Die Regelung des § 31a Abs. 2 S. 1 SGB II, die bei einer ersten Pflichtverletzung eine Minderung i. H … v. 100 % des maßgebenden Regelbedarfs vorsieht, verstößt insbesondere nicht gegen das aus Art. 1 GG i. V. m. dem Sozialstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 1 GG) hergeleitete Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum (a. A … u. a. SG Gotha, Beschluss vom 26.05.2015 – S 15 AS 5157/14 – beim Bundesverfassungsgericht unter dem Aktenzeichen 1 BvL 7/15 geführt ).
2. § 31a Abs. 2 S. 1 SGB II ist auch im Hinblick auf den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG – entgegen den in der rechtswissenschaftlichen Literatur geäußerten kritischen Stimmen (vgl. statt vieler Berlit, in: LPK-SGB II, 5. Auflage, § 31a Rn. 6 ff. m. w. N …) – nicht verfassungswidrig.
Anmerkung: S. a. SG Aachen, Beschluss vom 16.06.2015 – S 14 AS 513/15 ER – 100% Sanktion für über 25 jährigen Leistungsbezieher nicht rechtswidrig – Das derzeit geltende Sanktionsrecht nach den § 31 ff. SGB II verstößt nicht gegen das aus Art. 1 Grundgesetz i. V. m. dem Sozialstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 1 GG) hergeleitete menschenwürdige Existenzminimum.
S. a. SG Leipzig bestätigt Kürzung des „Hartz IV“-Regelbedarfs um 100% – zu SG Leipzig , Urteil vom 16.06.2015 – S 24 AS 2264/14
S. a. 01.07.2015 – Kürzung des „Hartz IV“-Regelbedarfs um 100% wegen Pflichtverletzung eines Unter-25-Jährigen ist rechtmäßig – Pressemitteilung SG Leipzig
S. a. Aufsatz von Prof. Dr. Uwe, Berlit, abgedruckt in info also 5/2013 – Sanktionen im SGB II – nur problematisch oder verfassungswidrig?
3. 2 Sozialgericht Aachen, Beschluss vom 16.06.2015 – S 14 AS 513/15 ER
100% Sanktion für über 25 jährigen Leistungsbezieher nicht rechtswidrig – Eingliederungsvereinbarung – Nachweis der Eigenbemühungen – Pflicht einer Dokumentation von sechs Bewerbungen monatlich nicht nachgekommen – Bewerbungskosten – Verfassungswidrigkeit des Sanktionsrechts – Kenntnis der Rechtsfolgen wegen einer bereits zuvor verwirkten 100%igen Leistungskürzung wegen einer identischen Pflichtverletzung – Aufhebung der Bewilligungsentscheidung nach § 48 SGB X
SG Aachen bestätigt Kürzung des „Hartz IV“-Regelbedarfs um 100%
3. Das derzeit geltende Sanktionsrecht nach den § 31 ff. SGB II verstößt nicht gegen das aus Art. 1 Grundgesetz i. V. m. dem Sozialstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 1 GG) hergeleitete menschenwürdige Existenzminimum (vgl. dazu BVerfG v. 09.02.2010 – 1 BvL 1/09).
4. Auch in der Rechtsprechung wurde die Verfassungsmäßigkeit des Sanktionsrechts bisher nicht durchschlagend in Frage gestellt (vgl. BSG, Urteil vom 29.04.2015 -B 14 AS 19/14 R; BSG v. 09.11.2010 – B 4 AS 27/10 R; Landessozialgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 09. September 2009 – L 7 B 211/09 AS ER ; LSG Berlin-Brandenburg v. 08.10.2010 – L 29 AS 1420/10 B; LSG Niedersachsen-Bremen v. 21.04.2010 – L 13 AS 100/10 B ER; Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 16. Dezember 2008 – L 10 B 2154/08 AS ER ).
3. 3 Sozialgericht Frankfurt, Urteil vom 11.06.2015 – S 26 AS 795/13 – (in Anlehnung an BSG, Urt. v. 09.11.2010 – B 4 AS 27/10 R)
Nichtwahrnehmung eines Meldetermins – Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – Vorlage einer Reiseunfähigkeitsbescheinigung ( hier bejahend ) – Beweislast des Hilfebedürftigen – Schweigepflichtentbindungserklärung
3. 4 SG Gießen, Urteil vom 05.05.2015 – S 22 AS 629/13
4. 1 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 26.03.2015 – L 15 SO 285/13
VO zur Durchführung des § 90 Abs 2 Nr 9 des SGB XII – Schonvermögen
5. 1 Sozialgericht Detmold, Beschluss vom 02.04.2015 – S 2 SO 102/15 ER – rechtskräftig
6. BFH, Urt. v. 05.02.2015 – III R 19/14: Rückwirkender Aufenthaltstitel bringt kein rückwirkendes Kindergeld
BFH, Urt. v. 05.02.2015 – III R 19/14
Kindergeldberechtigung nicht freizügigkeitsberechtigter Ausländer – Maßgeblichkeit des tatsächlichen „Besitzes“ eines aufenthaltsrechtlichen Titels – Aussetzung des Klageverfahrens wegen vor dem BVerfG anhängiger Musterverfahren
Erteilt die Ausländerbehörde rückwirkend einen Aufenthaltstitel, der nach § 62 Abs. 2 EStG zur Inanspruchnahme von Kindergeld berechtigt, so hat dies kindergeldrechtlich keine Rückwirkung. Für den Anspruch auf Kindergeld ist vielmehr der „Besitz“ eines solchen Aufenthaltstitels erforderlich. Dies setzt voraus, dass der Kindergeldberechtigte den Titel im maßgeblichen Anspruchszeitraum tatsächlich in den Händen hält.
„Sowohl der Deutsche Städtetag als auch der Deutsche Landkreistag kritisierten die unterschiedliche Behandlung von jungen und älteren Arbeitslosen. Schon im Interesse der Verwaltungsvereinfachung sollten künftig auch für die Älteren die strengeren Regelungen der Unter-25-Jährigen gelten, forderte die Vertreterin des Städtetages. BDA und ZDH schlossen sich der Forderung an.“

References: § 7
 § 34
 § 19
 § 34
 § 7
 § 23
 § 86
 § 7
 § 44
 EuGH 
 Art. 24
 Art. 70
 § 328
 § 22
 § 8
 § 31
 § 44
 § 31
 § 202
 § 17
 § 31
 Art. 1
 § 31
 Art. 3
 § 31
 § 31
 Art. 1
 § 48
 § 31
 Art. 1
 § 90
 § 62