Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201999,%201373
Timestamp: 2019-03-21 12:58:48+00:00

Document:
BGH, 05.02.1999 - V ZR 353/97 - dejure.org
BGH, 05.02.1999 - V ZR 353/97
Privaturkunde, Auslegung, § 133 BGB;
§ 325 BGB <Fassung bis 31.12.01>, Schadenersatz wegen Nichterfüllung des gesamten Vertrages bei Teilunmöglichkeit
Urkunde - Vermutung - Auslegung - Beweislast
BGB § 125 § 133
Beweislast bei Urkundenauslegung
BGB §§ 133, 125
Beweislast der sich auf außerhalb einer Urkunde liegende Umstände berufenden Partei
NJW 1999, 1702
NZM 1999, 565
VersR 1999, 1373
WM 1999, 965
DB 1999, 1318
JR 2000, 292
Stattdessen spricht in Fällen eines schriftlichen Vertragschlusses dessen äußere Form prima facie gegen die Vereinbarung oder tatsächliche Gewährung eines - zudem angemessenen - Ausgleichs durch niedrigere Bemessung der ansonsten höher kalkulierten (Inklusiv-)Miete, wenn Art und Ausmaß der (vereinbarten) Kompensation weder im Wortlaut noch der Systematik der Mietvertragsurkunde zumindest ansatzweise ihren Niederschlag gefunden haben (vgl. BGH, Urt. v. 5. Februar 1999 - V ZR 353/97, NJW 1999, 1702;… Geimer, in: Zöller, a.a.O., § 416 Rz. 10).
Die Partei, die sich auf außerhalb der Urkunde liegende Umstände - sei es zum Nachweis eines vom Urkundstext abweichenden übereinstimmenden Willens der Beteiligten, sei es zum Zwecke der Deutung des Inhalts des Beurkundeten aus der Sicht des Erklärungsempfängers (§§ 133, 157 BGB) - beruft, trifft die Beweislast für deren Vorliegen (Senatsurt. v. 5. Februar 1999, V ZR 353/97, WM 1999, 965).
b) Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Vergleichsurkunde spricht zwar eine Vermutung (vgl. BGH, Urt. v. 5.2.1999 - V ZR 353/97, NJW 1999, 1702, 1703;… Urt. v. 18.1.2001 - I ZR 175/98, GRUR 2001, 1164, 1165 = WRP 2001, 931 - buendgens;… Urt. v. 13.12.2001 - IX ZR 306/00, Umdruck S. 17, jeweils m.w.N.).
Für Umstände außerhalb der Urkunde, die auf einen abweichenden Willen der Parteien deuten könnten, trägt die Beklagte die Beweislast (Senatsurt. v. 5. Februar 1999, V ZR 353/97, WM 1999, 965); dies ist die prozessuale Folge der Vermutung der Richtigkeit und Vollständigkeit der Urkunde (zutr. Demharter, EWiR 1999, 441).
d) Nach den bisher getroffenen Feststellungen kommt ein Schadensersatzanspruch aus §§ 440 Abs. 1, 325 BGB a.F. für den Fall anfänglichen Unvermögens in Betracht (vgl. BGHZ 110, 196, 200) wie auch - falls Unmöglichkeit nicht festzustellen, Verzug gegeben und eine Fristsetzung mit Ablehnungsandrohung erfolgt oder entbehrlich ist - ein Schadensersatzanspruch aus §§ 440 Abs. 1, 326 BGB a.F. Es ist davon auszugehen, daß der Beklagte bereits bei Abschluß des Kaufvertrages mit den Klägern außer Stande war, ihnen das Eigentum an der Wohnung Nr. 11 zu verschaffen (vgl. Senat, Urt. v. 5. Februar 1999, V ZR 353/97, NJW 1999, 1702, 1703;… auch Urt. v. 28. Februar 1997, V ZR 27/96, aaO).
Zu dem Fehlen des insoweit maßgebenden objektiven Interesses (Senat, Urt. v. 5. Februar 1999, V ZR 353/97, aaO) hat das Berufungsgericht keine Feststellungen getroffen.
Zwar steht einem Käufer, der Schadensersatz wegen Nichterfüllung fordert, als Mindestschaden grundsätzlich der Geldbetrag zu, der einer bereits geleisteten Kaufpreiszahlung entspricht (Senat, BGHZ 62, 119, 120; Urt. v. 5. Februar 1999, V ZR 353/97, aaO, 1704;… BGH, Urt. v. 25. März 1998, VIII ZR 185/96, NJW 1998, 2360, 2364).
Gleichermaßen hat derjenige, der ein ihm günstiges Auslegungsergebnis auf Umstände außerhalb der Urkunde stützt, diese Umstände zu beweisen (BGH, NJW 1999, 1702 [BGH 05.02.1999 - V ZR 353/97] ).
Es gilt daher der allgemeine Grundsatz, dass diejenige Partei, die aus einer rechtsgeschäftlichen Vereinbarung einen Anspruch für sich herleitet, die tatsächlichen Umstände einer für sie günstigen Auslegung darzulegen und zu beweisen hat (vgl. etwa BGH, Urteil vom 5. Februar 1999 - V ZR 343/97, WM 1999, 965 m.w.Nachw.).
Es müßten Umstände außerhalb der Urkunde gegeben sein, die die Vermutung der Vollständigkeit und Richtigkeit ihres Inhalts entkräften könnten (BGH, Urteil vom 5. Februar 1999 - V ZR 353/97, NJW 1999, 1702 = WM 1999, 965).
OLG Hamm, 14.03.2017 - 10 U 62/16
Das heißt, für die unter § 4 niedergelegte Vereinbarung gilt die Vermutung der Vollständigkeit und Richtigkeit mit der Folge, dass der Kläger für Umstände, die außerhalb dieser Urkunde liegen, beweispflichtig ist (vgl. BGH WM 1999, 965 ff- Juris-Rz. 8).
Überdies besteht in Bezug auf die über ein Rechtsgeschäft aufgenommenen Urkunden die Vermutung der Vollständigkeit und Richtigkeit (vgl. BGH, Urteil vom 23.02.1956 - II ZR 207/54, BGHZ 20, 109, 111; Urteil vom 05.02.1999 - V ZR 353/97, NJW 1999, 1702, 1703;… Hertel, in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2012, § 125, Rdnr. 96), die auch hier eingreift, da in der schriftlichen Vertragsurkunde lediglich von einem reparierten Unfallschaden die Rede ist.
OLG Brandenburg, 09.06.2016 - 5 U 60/14
Schenkungsvertrag: Zuständigkeit bei einem Anspruch auf Rückübertragung des …
OLG Köln, 25.08.1999 - 13 U 28/99
Prozessvergleich; Generalquittung ; Gegenseitiges Nachgeben; Beweislast ; …
OLG Köln, 10.02.2010 - 2 U 64/09
OLG Rostock, 16.12.2004 - 1 U 28/04
Patronatserklärung zwischen Vater und Sohn
BGH, 08.03.2001 - III ZR 110/00
Berufung - Annahmeverzug - Provisionsanspruch - Additionsfehler - …
OLG Hamm, 10.02.2009 - 10 W 121/08
formlos bindende Hoferbenbestimmung, Vorbehalt im Pachtvertrag
OLG Koblenz, 05.10.2004 - 3 U 391/04
Einwendungen des Mieters eines Betriebsgrundstücks gegen über dem fremdnützigen …
OLG Celle, 27.06.2001 - 9 U 79/00
GmbH & Co KG: Auslegung eines Teilungs- und Auseinandersetzungsvertrages: …
OLG Köln, 05.03.2003 - 5 U 86/02
Ankaufsuntersuchung bei Hengst fehlerhaft - SE-Ansprüche
LG Potsdam, 19.02.2007 - 2 O 399/06
Maklervertrag: Unterzeichnung einer Nachweisbestätigung durch den Maklerkunden
OLG Koblenz, 14.09.2004 - 3 U 391/04
AG Berlin-Charlottenburg, 10.07.2006 - 237 C 187/05
GW-Handel - Verkäufer oder Vermittler?

References: § 133

§ 325
 § 125
 § 133
 § 416
 § 4
 BGH 
 § 125