Source: https://m.hausarbeiten.de/document/109889
Timestamp: 2020-01-23 07:27:04+00:00

Document:
Referat (Handout) 2006 6 Seiten
„Heimerziehung bedeutet eine erwünschtermaßen – und gesetzlich festgelegte – zeitlich begrenzte stationäre, meist heilpädagogisch-psychologisch ausgerichtete Erziehung außerhalb des ursprünglichen und natürlichen familiären Lebensfeldes durch pädagogische Fachkräfte, wobei die betroffenen Kinder und Jugendlichen in der Regel in alters- und geschlechtsgemischten Gruppen in einer Art Lebensgemeinschaft zusammengeschlossen sind.“ (Schauder, S. 7)
- Wurzeln: Mittelalter (Findel- und Waisenhäuser, Klosterschulen, Hospitäler und Armenhäuser) ➔ geringer pädagogischer Anspruch, sondern vorrangig Sicherung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Wohnraum, medizinische Versorgung etc.), Erziehung zur „Arbeitsamkeit, Gottesfurcht und Demut“ (Günder 2003, S. 12)
- Nachkriegsentwicklung in BRD:
- aber auch humanitäre, sozialpädagogisch orientierte Konzepte, z.B. Kinderdörfer (Gründung in 40er Jahren) ➔ Zielsetzung: dauerhafte Beheimatung elternloser unversorgter Kinder in familiärem Rahmen mit „unqualifizierten“ Kinderdorfmüttern
- Ende der 60er Jahre: Heimkampagne ➔ Studentenbewegung machte auf unhaltbare Zustände aufmerksam; vor allem in Hessischen Heimen Aktionen, z.B. Massenentweichungen, die auf autoritären Erziehungsstil, Missachtung grundgesetzlich verankerter Rechte, unzureichende Bildungs- und Ausbildungschancen, unzureichende Entlohnung, unzureichend ausgebildetes Personal und Isolation abgelegener Heime aufmerksam machten
- Forderung nach Demokratie und Mitgestaltungsrechten der „Insassen“
- Verringerung der Gruppengröße
- tarifgerechte Entlohnung sowie Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieher(innen)
- Abschaffung von Stigmatisierungsmerkmalen, etwa Anstaltskleidung, Heime in abgelegener Lage etc.
- Abkehr von willkürlichen Einweisungskriterien wie „Verwahrlosung“
- veränderte Beurteilung der Problemlagen betreuter junger Menschen
- Heimerziehung in der DDR und Entwicklungen nach dem Beitritt zur BRD:
- 50er Jahre: Sozialisation innerhalb der Kleinfamilie = oberste Priorität ➔ Kleinfamilie = „Grundkollektiv der sozialistischen Gesellschaft“ (Bürger, S. 640)
- häufige Einweisungsgründe: Schulbummelei / Arbeitsbummelei und Jugendkriminalität
2. rechtliche Grundlagen & Finanzierung
- § 34 KJHG: Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform ➔ Formulierung verweist auf alternative Institutionen
- § 37 KJHG: Zusammenarbeit bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie
- § 38 KJHG: Vermittlung bei der Ausübung der Personensorge
- § 39 KJHG: Leistungen zum Unterhalt des Kindes oder des Jugendlichen
- § 40 KJHG: Krankenhilfe
- § 80 KJHG: Jugendhilfeplanung ➔ Kontakte zu Familie und sozialem Umfeld müssen möglich sein ➔ Einrichtung in erreichbarer Nähe
- §§ 91ff KJHG: Heranziehung zu den Kosten
- Kind/Jugendlicher und Eltern werden zu den Kosten der Hilfe herangezogen ➔ §§ 92, 93 KJHG
- Höhe: häusliche Ersparnis ➔ § 94 Abs. 2 KJHG ➔ Durchschnitt ca. 300 DM, max. 600-800 DM (vgl. Bürger, S. 655)
- Heranziehung nur im Rahmen der Bundessozialhilfebestimmungen
- „Restkosten“ tragen örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe (Jugendamt)
- Ein- bis Zweibettzimmer
- Bedarf größer als Angebot
- mögliche Gründe für Heimaufenthalt: Verhaltensstörungen, Schulprobleme, psychische Störungen, Umhertreiben und Weglaufen, Neigung zu Straftaten, Auffälligkeiten im sexuellen Bereich etc.
- häufig Alkoholprobleme oder andere Suchterkrankungen in der Familie, Scheidungswaisen, Partnerschaftskonflikte, psychische Störungen der Eltern, unterprivilegierte Bevölkerungsschichten[1], gescheiterte Pflegeverhältnisse, Überforderungen der Eltern,
- Heimeinweisung selten bei Erstkontakt mit Jugendamt ➔ Jugendhilfekarriere
- vorrangig 16- bis 18jährige in Institutionen; kleine Kinder vorwiegend in Pflegefamilien untergebracht
[1] z.B. Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut, Wohnungsnot

References: § 34
 § 37
 § 38
 § 39
 § 40
 § 80
 § 94