Source: http://www.wikimannia.org/Wechselmodell
Timestamp: 2013-12-05 06:20:45+00:00

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Ein "echtes" Wechselmodell liegt vor, wenn die Betreuungszeiten (entweder durch freiwillige Vereinbarung der Eltern oder nach einem entsprechenden Entscheid des Familiengerichts in einem Umgangsverfahren) möglichst genau hälftig zwischen Mutter und Vater aufgeteilt werden.
Andere Bezeichnungen sind Paritätsmodell (von lat.: paritas‚ Gleichheit), "paritätische Doppelresidenz", "Doppelresidenzmodell", "abwechselnde Beherbergung", "alternierende Obhut", "Bilokationsprinzip", auf Englisch "Joint Custody" und "Shared Parenting". Außerdem wird zuweilen von "hälftiger Betreuung" gesprochen.
2 Gesellschaftliche Entwicklungen, Erkenntnisse der Sozialisationsforschung
3 Weitere Argumente für die hälftige Betreuung
4 Räumliche Nähe der Wohnsitze
5 Studien und Meinungen von Befürwortern
6 Veranstaltungen und Initiativen zum Thema
7 Konsens und gute Kommunikation
8 Das Bundesverfassungsgericht zur Weigerungshaltung von Müttern
9 Aktuelle Gesetzeslage
9.1 Zuerst ein Blick über die Grenzen
9.2 Deutschland verharrt in tradierten Klischees
9.3 Blockadehaltung des Gesetzgebers
9.4 Regelungsbedarf beim Kindergeld, Melde- und Unterhaltsrecht
9.5 Ein Vorschlag zur Güte
10.1 Nord-Süd-Gefälle bei den Oberlandesgerichten
10.2 Die Frage der Verfassungsmäßigkeit
10.3 Drei Affen in Karlsruhe
11 Akzeptanz hälftiger Betreuung
12 Die Argumente der Gegner
12.1 Der Deutsche Bundestag sorgt sich ums Spielzeug
12.2 Das Bundesjustizministerium redet Klartext
12.3 Es ist zum Weinen
13 Die Folgen des status quo
13.1 Kinder als Hauptleidtragende
13.2 Belastung der Volkswirtschaft
14 Mögliche Konsequenzen bei Verweigerung hälftigen Umgangs
15 Rechtsfolgen bei "unechten" Wechselmodellen
16 Geht's eigentlich noch?
Kritik des Begriffs Auch wenn der Begriff "Wechselmodell" allgemein gebräuchlich ist, so ist er doch unpräzise und auch unglücklich gewählt. Kritiker des Begriffs wenden ein, Wechselmodelle gäbe es viele. Selbst der beim Residenzmodell richterlich verordnete, standardmäßige Kurzbesuch, der alle zwei Wochen von Freitag bis Sonntag stattzufinden hat, sei streng genommen ein Wechselmodell, weil die Kinder hier ebenfalls, wenn auch nur für zwei Übernachtungen, vom Haushalt des betreuenden Elternteils in den des umgangswahrnehmenden Elternteils wechseln. Weiter wäre die Bezeichnung gerade aus Sicht der Väter, die eine hälftige Betreuung anstreben, problematisch, weil das Wort negative Assoziationen wecken könne.
Tatsächlich bringt der Begriff "Wechselmodell" die paritätische Doppelresidenz unterschwellig in Misskredit, weil seine Verwendung genau die Vorurteile derjenigen bedient, die solche Modelle teils auf das heftigste bekämpfen. Ohne jeden wissenschaftlichen Nachweis behaupten Gegner, Kinder bräuchten einen "Lebensmittelpunkt" und sprechen von den "armen Kinder", die beim Wechselmodell "hin und her zigeunern" und "immer wieder ihre Köfferchen packen" müssten. Im Ausland werden deutlich positivere Ausdrücke verwendet, die das Element der Beherbergung und nicht den Wechsel betonen, und es gibt Mutmaßungen, dass der Begriff Wechselmodell bei uns von interessierten Kreisen bewusst eingeführt wurde, um diese Form der Umgangsgestaltung allein schon durch eine unvorteilhafte Bezeichnung in Misskredit zu bringen.
Gesellschaftliche Entwicklungen, Erkenntnisse der Sozialisationsforschung Durch die gesellschaftlichen Leitmilieus wird seit längerem um die verstärkte und vermehrte Teilhabe von Männern am Familienleben bzw. an der Kindererziehung und Hausarbeit geworben und eine paritätische Verteilung der beruflichen und familialen Aufgaben zwischen den Geschlechtern gefordert. Und in der Tat ist in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Männer ("Aktive Väter") gewachsen, die sich, diesem Postulat entsprechend, stärker als früher üblich bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder sowie im Haushalt engagieren. Insofern entspricht es sowohl dem Engagement dieser Väter als auch dem heutigen Leitbild der gleichgestellten Teilhabe von Frauen und Männern an Beruf, Familie, Hausarbeit und gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme, wenn Kinder nach einer Trennung der Eltern in einer paritätischen Doppelresidenz betreut werden.
Im Übrigen hat sich in der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie und der Bindungsforschung in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass Väter für die gesunde Entwicklung und eine gute Sozialisation von Kindern nicht weniger wichtig sind als Mütter.
Der "Deutsche Kinderärztekongress" hat im Jahr 2007 festgestellt, dass in Deutschland mittlerweile jedes dritte bis fünfte Kind psychisch gestört ist.[1] Diese gesellschaftliche Katastrophe wird nicht selten durch Trennungskriege und untaugliche Umgangsmodelle provoziert. Weiters weisen auch die inzwischen von vielen Experten aufgezeigten negativen Folgen des Bildungsmatriarchats in Kindergärten und Schulen in die Richtung, dass gerade im Fall von Trennung/Scheidung der Eltern die Notwendigkeit besteht, den Kindern ihren Vater als männliche Identifikationsfigur zu erhalten. Dies geht aber nur durch fortgesetzte gleichwertige Teilhabe an der Erziehung.
Weitere Argumente für die hälftige Betreuung Ein mittlerweile unbestrittener Vorteil des paritätischen Wechselmodells (der selbst in "Contra-Urteilen" erwähnt wird) liegt darin, dass Überforderungen vermieden werden, wie sie häufig bei überwiegend allein betreuenden Elternteilen auftreten.
Einen anderen Grund, der für eine hälftige Verteilung des Umgangs spricht, hat das OLG Köln[2] hervorgehoben. Dort heißt es, die Kinder würden das Gefühl brauchen, beide Elternteile seien für sie verantwortlich.
Hauptkriterium für einen hälftigen Umgang sollte der eindeutig feststellbare Wille der Kinder sein. Zeigen diese klar den Wunsch, von beiden Elternteilen betreut zu werden, geht von der Entscheidung, diesem Wunsch zu entsprechen, eine enorm wichtige Signalwirkung aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Wunsch dem Fairnessgedanken entspringt (vergl. OLG Brandenburg)[3] oder andere Gründe hat. Wichtig ist, dass der Kindeswille respektiert wird. Eine deutliche Aufwertung hat der Kindeswille auch durch jüngere Entscheidungen des BVerfG erfahren. Beispielhaft seien die Beschlüssse vom 18.05.2009[4] und vom 20.6.2009[5] genannt. Insbesondere die erstgenannte Entscheidung betont - ebenso wie das OLG Brandenburg - eindringlich die Berücksichtigung des Kindeswillens als elementare Voraussetzung für die Sozialisation des Kindes.
Klar geboten ist eine hälftige Betreuung durch den Vater, wenn dieser deutlich mehr Zeit hat bzw. über seine Zeit freier verfügen kann. Das OLG Düsseldorf würdigt diesen Aspekt in einem Urteil vom 14.3.2011[6], wo es heißt: zugunsten des Vaters falle ins Gewicht, dass er dem Kind geringfügig bessere Rahmenbedingungen bieten könne. So habe er bei seiner beruflichen Tätigkeit ein höheres Maß an Zeitautonomie und könne diese Flexibilität zugunsten des Kindes nutzen. Umgekehrt begründete das OLG Stuttgart[7] die Ablehnung eines vom Vater beantragten Wechselmodells damit, die Mutter sei nicht berufstätig und könne sich deshalb - anders als der erwerbstätige Vater - umfänglich den Kindern und ihrer Betreuung widmen.
Ist letzteres nicht der Fall, sollte die Betreuung durch den eigenen Vater Vorrang haben vor einer häufig von Müttern in Anspruch genommenen Fremdbetreuung. Hierzu sei die zentrale, vom Bundesfamilienministerium beauftragte Studie zur Erziehung erwähnt (Familiale Erziehungskompetenzen - Beziehungsklima und Erziehungsleistungen in der Familie als Problem und Aufgabe, Juventa-Verlag 2005, ISBN 3-7799-0321-0). Der Betreuung durch die Eltern gegenüber dem Besuch von Kindergarten oder Schule wird dort besondere Bedeutung beigemessen. Mit Blick auf sehr junge Kinder schreibt das OLG Köln in einem Beschluss, die Möglichkeit der tatsächlichen und persönlichen Betreuung sollte gerade bei Kleinkindern berücksichtigt werden.[8]
in etwa paritätische Wahrnehmung der Betreuung bereits vor der Trennung (mit der Einrichtung einer paritätischen Doppelresidenz würde dann dem Kontinuitätsprinzip entsprochen)
allein betreuende Mütter neigen oft dazu, diverse Entscheidungen, die laut § 1687 BGB an sich im gegenseitigen Einvernehmen erörtert werden müssten, ohne Rücksprache mit dem Vater zu treffen und enthalten ihm wichtige Informationen über Angelegenheiten vor, die sich überwiegend im Alltag bzw. in der Woche abspielen (z. B. zur Schule, zu Arztbesuchen bzw. Krankheiten und deren Behandlung, partiell auch zum Umgang mit Freunden). Dagegen bekommt bei einem Wechselmodell auch der Vater von diesen Dingen sehr viel mehr unmittelbar selber mit. Im Übrigen funktioniert die Weitergabe solcher Informationen bei gleichberechtigter Umgangswahrnehmung aus naheliegenden Gründen im Allgemeinen besser, da dann beide Elternteile zu einem angemessenen Austausch motiviert werden.
Die besten Argumente für das paritätische Wechselmodell überhaupt liefert indessen die Negativbilanz des Residenzmodells. Während die Kinder alleinerziehender Mütter bei Schulabbrechern, Drogenkonsumenten und jugendlichen Straftätern deutlich überrepräsentiert sind - laut der Diplompsychologin Ursula Kodjoe haben 86 % der jugendlichen Insassen von Gefängnissen eine Kindheit ohne Vater erlebt[9]; im Übrigen sei auch hier wieder auf den Beitrag "Vaterlosigkeit" verwiesen - werden bei Kindern, die im Paritätsmodell aufwachsen konnten, sehr viel seltener Phänomene wie soziale Anpassungsschwierigkeiten, Gewaltttätigkeit oder fatalistische Selbstaufgabe verzeichnet.[10][11]
Räumliche Nähe der Wohnsitze Auch Gerichte, die dem paritätischen Wechselmodell gegenüber aufgeschlossen sind, befürworten es, wenn das Kind durch den Wechsel nicht jedes Mal quasi von einem sozialen Umfeld in ein anderes wechseln muss. Von daher sollten die Eltern so nahe beieinander wohnen, dass die Kindern von beiden Elternteilen aus den gleichen Kindergarten oder dieselben Freunde und Vereine o. ä. erreichen können. Spätestens mit Eintritt der Schulpflicht wird dieses Kriterium essenziell (es sei denn, ein Wechsel wird in halbjährigem Rhythmus praktiziert, aber das sind in der Tat seltene Ausnahmen). Zumindest wenn Mütter ein Wechselmodell beantragen, wird dieser Sachverhalt von Gutachtern aber auch schon mal anders beurteilt (mehr dazu siehe im Abschnitt "Ein 'Residenzmodell-deluxe' für Mutti" im Beitrag Residenzmodell.
Studien und Meinungen von Befürwortern In jüngerer Zeit haben sich folgende Forschungsprojekte mit den Auswirkungen des Wechselmodells auf das Kindeswohl befasst:
Heute hier, morgen dort? - Das Wechselmodell im Familienrecht - Eine Pilotstudie, Diplomarbeit Michael Frigger, Universität Bielefeld März 2008 [12]
Das Doppelresidenzmodell nach elterlicher Scheidung - Akzeptanz in Österreich, Diplomarbeit Angela Spies, Universität Wien Juli 2010 [13]
Die Gestaltung von Familienleben bei räumlicher Trennung der Schumpeter-Nachwuchsgruppe [14]
An mehreren Orten zuhause: Multilokales Familienleben nach Trennung und Scheidung; Projekt: Multilokalität von Familie der Schumpeter-Nachwuchsgruppe [15]
Die Betreuung im 50/50-Wechselmodell und das Kindeswohl: Gesetzliche Regelungen, das Kind als sozialer Akteur und altersbedingte Schwierigkeiten; von Dr. Gry Mette D. Haugen, Norwegian University of Science and Technology, Social Research AS, Trondheim; [16]
Alternative Betreuungsformen nach elterlicher Scheidung – das "Wechselmodell" von Ass.-Prof. Dr. Harald Werneck, Universität Wien [17]
existiert keine einzige Studie, welche die Vorzüge des Residenzmodells belegt. Dafür gibt es unzählige Statistiken über die aktuellen Nöte von und die Spätfolgen bei Trennungskindern, die mutmaßlich fast ausnahmslos bei alleinerziehenden Müttern aufgewachsen sind. Viele dieser Kinder sind bzw. waren mit dieser Lösung so glücklich, dass sie später den Kontakt zu ihren Müttern abbrechen oder nur noch auf Sparflamme unterhalten, was gewiss kein Indiz für die Wahrung des Kindeswohls ist.[18]
Sehr lesenswert ist ein Interview mit Dr. Michaela Schier, Nina Bathmann, Diane Nimmo und Anna Proske, welche für die unter Nr. 3 und 4 genannten Forschungsvorhaben verantwortlich zeichnen.[19] Hinweise auf weitere Studien finden sich im Beitrag zum Thema "Wechselmodell" bei Wikipedia.
Erfreulicherweise zeigt sich auch eine wachsende Zahl von Anwälten paritätischen Wechselmodellen gegenüber aufgeschlossen. Beispielhaft sei "iScheidung - Lexikon A-Z Familienrecht" genannt.[20]
Skeptischen Familienrichtern, Sachverständigen, Verfahrensbeiständen, Anwälten und nicht zuletzt Müttern sei ganz dringend die Lektüre des aus dem Jahre 1997 stammenden Aufsatzes von Wera Fischer anempfohlen.[21]
Veranstaltungen und Initiativen zum Thema Von Vereinen, in denen sich von ihren Kindern abgeschnittene bzw. bei der Teilhabe an der Erziehung diskriminierte Väter zusammengefunden haben, werden mittlerweile vermehrt Veranstaltungen zum Thema "paritätische Doppelresidenz" angeboten.
So organisiert der VAfK seit einigen Jahrem regelmäßig in verschiedenen Städten Fachtagungen, wo die Vorzüge des hälftigen Umgangs erläutert werden und über die Verbreitung im Ausland sowie die dort geltenden gesetzlichen Regelungen informiert wird. Erfreulicherweise ist bei diesen Anlässen auch ein steigendes Interesse von Familienrichtern und Vertretern der Jugendämter zu verzeichnen. Besonders bemerkenswert ist die zunehmende Zahl weiblicher Teilmehmer, wie zuletzt bei der Tagung am 14.09.2012 in Köln. Darunter dürften - neben Anwältinnen und anderen beteiligten Professionen - auch Mütter sein, die im Interesse ihrer Kinder auf gütlichem Wege ein Wechselmodell implementieren wollen sowie mutmaßlich solche, die von ihren Ex-Partnern auf ähnlich üble Weise entsorgt wurden, wie dies vielfach unter umgekehrter Rollenverteilung geschieht.
In seiner jüngsten Pressemitteilung vom 02.11.2012 macht der VAfK nochmals seine Auffassung deutlich, wonach die paritätische Doppelresidenz in Deutschland zur Regel bzw. vom Gesetzgeber jedenfalls als die ideale Betreuungsform anerkannt werden sollte, dies übrigens unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet waren oder nicht. Dazu wird angemerkt, die derzeitige Praxis der Familiengerichte, Kindern einem Hauptaufenthalts-Elternteil (in der Regel der Mutter) zuzuweisen und dem anderen Elternteil beschränkte Umgangszeiten “zu gewähren", entspräche nicht den Vorgaben des Grundgesetzes und der UN-Kinderrechtskonvention.[22] Auf weitere Aspekte geht das Positionspapier "Paritätische Doppelresidenz" ein.[23]
Konsens und gute Kommunikation Leider vertreten noch viele der sogenannten "Professionellen" unreflektiert die Auffassung, zur Durchführung eines Wechselmodells seien gegenseitiges Einvernehmen über die Umgangsregelung und ein reger Informationsaustausch essentielle Voraussetzungen. Diese Haltung ist im günstigsten Fall naiv, oft sogar schlicht und ergreifend verlogen, denn: Es ist allgemein bekannt, dass konservative Richter die Kinder regelmäßig den Müttern zusprechen, wenn keine Einigung der Eltern gelingt. → Hauptartikel: Strukturkonservative Familiengerichte
Neutrale Forschungen haben die schon früher von objektiven Jugendamtsmitarbeitern und Mediatoren geäußerte Ansicht bestätigt: Väter sind nach der Trennung genuin bindungstoleranter als Mütter.[24] [25]
Der belgische Kinder- u. Familienpsychologe Jan Piet H. de Man befürwortet das Wechselmodell gerade auch für hochstrittige Paare. Sein zentrales Argument ist, ein Machtgleichgewicht zwischen den Eltern würde am ehesten die Voraussetzungen für eine Eindämmung elterlicher Konflikte schaffen[26] Den gleichen Standpunkt vertritt der renommierte Sachverständige und führende Verfechter des Ansatzes der "lösungsorientierten Begutachtung" Uwe Jopt. Auch die Erfahrungen der Familienberatungsstelle "FamThera" aus Leipzig deuten auf eine deeskalierende Wirkung, wenn beide Elternteile das Gefühl haben, sie könnten eine verantwortungsvolle Rolle für ihr Kind einnehmen.[27] Und schließlich wird sogar in dem Beitrag von Fichtner/Salzgeber, aus dem ablehnend gesonnene Richter so gerne zitieren, ausdrücklich betont, ein Wechselmodell könne für hochkonflikthafte Eltern sinnvoll sein[28] (diese Feststellung wird indessen von konservativen Richtern regelmäßig unterschlagen, was sehr viel über ihre Redlichkeit aussagt). Wie weiter unten zu lesen ist, wächst allerdings die Zahl der Familienrichter, die sich vom idiotischen Konsensdogma abwenden. Das ist sehr zu begrüßen. Noch begrüßenswerter wäre es allerdings, wenn auch in den Beratungsstellen die Scheuklappen fallen würden, denn jene sind häufig die erste Anlaufstelle. Wäre hier mehr Aufgeschlossenheit und Bereitschaft zum Umdenken zu verzeichnen, könnte dies dazu beitragen, die Eskalation vieler Trennungskonflikte schon im Vorfeld zu verhindern. Hauptnutznießer wären die Kinder.
Das Bundesverfassungsgericht zur Weigerungshaltung von Müttern Eine Umfrage des Bundesjustizministeriums[29], die auch im Beschluss 1 BvR 420/09 der 1. Kammer des Bundesverfassungsgerichts[30] erwähnt wurde, sowie ein im Anschluß daran in Auftrag gegebenes Forschungsvorhaben haben Folgendes ergeben.
Befragt, warum sie in nichtehelichen Lebensgemeinschaften die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge verweigern, wurden von Müttern am häufigsten kindeswohlferne Gründe genannt wie "Die Mutter möchte die Alleinsorge behalten, um allein entscheiden zu können" und "Die Mutter möchte nichts mehr mit dem Vater zu tun haben und lehnt daher jeden Kontakt auch in Angelegenheiten des Kindes ab".
Die Ergebnisse der Untersuchungen sind unschwer auf die Motive der Mütter übertragbar, welche sich dem paritätischen Wechselmodell verweigern. Sie geben Anlass zu der Vermutung, dass es exakt dieselben Motive sind, die Mütter auch zum Widerstand gegen einen vom Vater gewollten hälftigen Umgang bewegen.
Aktuelle Gesetzeslage Zuerst ein Blick über die Grenzen In etlichen Ländern der westlichen Welt wurde das Paritätsmodell inzwischen gesetzlich verankert, so beispielsweise in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, Tschechien, Slowakei, Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanien, Griechenland, USA, Kanada und Australien. Einzelheiten hierzu enthält das unten empfohlene Buch von Frau Sünderhauf.
Deutschland verharrt in tradierten Klischees Hierzulande läßt dieser Schritt auf sich warten, Deutschland ist mal wieder Schlusslicht. Eine gesetzliche Regelung zum Paritätsmodell als mögliche Option wäre aber dringend geboten, denn auch wenn sich die Eltern zuvor die Erziehungsleistungen geteilt haben und selbst bei Vätern, die den Part des Hausmanns innehatten, scheitert eine gütliche Vereinbarung hälftigen Umgangs im Trennungsfall bislang noch häufig am Widerstand von Müttern. Neben den zuvor genannten Motiven mögen hierbei auch der Ärger über erlittene Kränkungen, Rachsucht und nicht zuletzt finanzielle Beweggründe eine Rolle spielen. Im Folgenden machen solche Männer dann die paradoxe Erfahrung, dass gerade die Funktionsträger der sozialen, beratenden, verwaltenden und juristischen Berufe bei der Gestaltung von familiären Nachtrennungsverhältnissen oft reflexhaft genau im Sinne jener vergangenen und tradierten Rollenklischees und Familienbilder reagieren, die im krassen Widerspruch zum geführten Geschlechtsrollendiskurs und zur gesellschaftlichen Wirklichkeit der heute gelebten Lebens- und Familienmodelle stehen. So sagt beispielsweise die oben erwähnte, auch als Gutachterin tätige Psychologin Ursula Kodjoe, trotz des mittlerweile vorhandenen Wissens, nach dem Väter für ihre Kinder nicht weniger wichtig seien als Mütter, würden Familienrichter und Mitarbeiter des Jugendamts oft immer noch starr den Grundsatz vertreten, Kinder gehörten zur Mutter.[9]
Dieses nicht hinterfragte Denken huldigt dem Familienbild der 1950iger Jahre, wobei seine Wurzeln noch einige Jahre weiter zurückreichen. So betonte schon Adolf Hitler, nicht die Sorge für das Wohl des Kindes sei in erster Linie ausschlaggebend, sondern die Mutter habe ein "ethisches Recht auf ihre Kinder".[31] Von löblichen Ausnahmen abgesehen lässt sich insbesondere die Richterschaft in weiten Teilen Deutschlands offenbar immer noch von diesem Glaubenssatz des Führers leiten. Anders ist die geradezu autistische geistige Starre nicht mehr zu erklären, mit der sich die Mehrzahl der deutschen Familienrichter weigert, die aktuellen Forschungsergebnisse pro-Wechselmodell zur Kenntnis zu nehmen. Bei den Jugendämtern sieht es vielerorts leider nicht besser aus.
Blockadehaltung des Gesetzgebers Zwischenzeitlich sind die Vorzüge des Paritätsmodells nun wirklich durch genügend Studien aufgezeigt worden, während es keinerlei wissenschaftliche Nachweise zu den Vorteilen des Residenzmodells gibt, dafür aber, wie oben gesagt, sehr deutliche Indizien, die auf seine schädlichen Auswirkungen auf die Kinder schließen lassen. Gerade mit Blick auf diesen Umstands ist es angesichts der alarmierenden Zahlen, die aus anderen Ländern - insbesondere den USA und Großbritannien - sowie auch hierzulande aus einzelnen Untersuchungen schon seit Jahren vorliegen, längst überfällig, dass seitens des Bundesfamilienministeriums in Verbindung mit dem Bundesjustizministerium im Rahmen einer Studie untersucht würde, wie oft Kinder, die im Residenzmodell aufgewachsen sind, im Kindesalter bzw. auch als Jugendliche oder junge Erwachsene gravierende Schulprobleme haben, mit dem Gesetz in Konflikt geraten oder therapeutischer Hilfe bedürfen.
Dessen ungeachtet ist es derzeit leider naiv, auf Hilfe des Gesetzgebers zu hoffen. Wie im entsprechenden Beitrag ausgeführt, hat das Wechselmodell bei allen im Bundestag vertretenen Parteien keine Chance. Entweder scheitert es am konservativen Heimchen-am-Herd-Denken oder an feministischer Ideologie, welche die in den letzten Jahrzehnten errungenen Besitzstände der Frauen verbissen verteidigen möchte, selbst wenn es nachgewiesenermaßen zu Lasten der Kinder geht. Im Übrigen verdient gerade die Anwaltschaft bestens an dem Irrsinn, der Jahr für Jahr zigtausendfach vor deutschen Familiengerichten stattfindet, und die Berufsgruppe der Juristen stellt nun mal die meisten Mitglieder des Parlaments.
Als Tribut an den feministischen Zeitgeist steht das Bundesjustizministerium seit Oktober 1998 ununterbrochen unter weiblicher Leitung (außerdem war Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bereits von Mai 1992 bis Januar 1996 Justizministerin) und vertritt unverhohlen eine Politik, die Frauen bevorzugt. Beim zweiten Ministerium, das an einer Gesetzesänderung in Richtung Wechselmodell mitwirken müsste, ist bereits die Bezeichnung - Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - verräterisch, lässt sie doch erkennen, dass Väter von ihm nicht repräsentiert werden (männliche Bundesbürger tauchen nur indirekt als Jugendliche oder Senioren auf, die für Familienväter in Betracht kommenden Altersgruppen sind nicht erwähnt).
Regelungsbedarf beim Kindergeld, Melde- und Unterhaltsrecht Wenn Eltern ein paritätisches Wechselmodell praktizieren, darf bis dato für das Kind melderechtlich nur ein Hauptwohnsitz eingetragen werden, obwohl es faktisch zwei hat. Das Kindergeld ist ebenfalls unteilbar an einen Elternteil auszuzahlen, einen Anspruch auf anteiliges Kindergeld für beide Elternteile gibt es noch nicht. Auch die Fragen nach dem Bestehen und der Höhe von Kindesunterhalt sind bislang durch kein Gesetz geregelt.
Ein Vorschlag zur Güte Damit Kindern auch nach einer Trennung bzw. Scheidung Mutter UND Vater nicht nur rechtlich, sondern auch praktisch als gleichwertige Bezugspersonen erhalten bleiben, wäre dringend eine entsprechende Gesetzesnovelle geboten. Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf, Professorin für Familienrecht an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, plädiert für eine Reform des Bürgerlichen Gesetzbuches, mit dem Ziel, gerichtliche Möglichkeiten einer Anordnung der Betreuung im Wechselmodell gesetzlich vorzusehen. Dazu hat die Verfasserin des unten empfohlenen Fachbuchs einen konkreten Gesetzgebungsvorschlag entwickelt.[32]
Rechtsprechung Im Gegensatz zur lähmenden Blockadehaltung aller politischen Parteien sind immerhin Teile der Rechtsprechung in Bewegung geraten und insbesondere auf Ebene der Amtsgerichte gibt es vermehrt Beschlüsse, durch die Paritätsmodelle auch gegen den Willen von Müttern implementiert werden. Die Erfolgschancen hängen bis dato allerdings noch stark vom Wohnort ab. Die Texte der Beschlüsse verschiedener Oberlandesgerichte werden in der Rubrik "Familienrecht (Urteile)" im Portal Familienrecht wiedergegeben. Eine Einführung bietet der
Nord-Süd-Gefälle bei den Oberlandesgerichten Südlich einer Linie, die etwa von Köln nach Dresden verläuft, ist es zumindest auf Ebene der Oberlandesgerichte bislang nicht möglich, eine hälftige Betreuung gegen den Willen der Mutter durchzusetzen. Hier urteilen im katholisch-konservativen Milieu verhaftete Gerichte nach dem Schema, dass ein paritätisches Wechselmodell nur angezeigt sei, wenn das Konfliktniveau zwischen den Elternteilen niedrig ist und die Kommunikation sowie Kooperation besonders gut klappt (weiter nördlich folgt zumindest das OLG Hamm allerdings leider auch noch dieser simplen Logik, wie der schlimme und zugleich abgrundtief dämliche Beschluss vom 16.02.2012 zeigt). Mütter haben damit praktisch ein Vetorecht, wenn sie den Lebensmittelpunkt für sich wollen. Sie müssen nur für eine Verschlechterung der Kommunikation sorgen - an sich reicht es schon, eine schlechte Kommunikation lediglich zu behaupten - um ihren Willen durchzusetzen.
Eben weil diese Spruchpraxis für Mütter Anreize schafft, den Streit mit dem Vater zu schüren bzw. sich Gesprächen zu verweigern, haben etliche Familiengerichte (Amtsgerichte) und - zumindest nördlich der eben erwähnten Linie - auch bereits diverse Oberlandesgerichte sowie das Kammergericht Berlin Paritätsmodelle gegen den Willen von Müttern durchgesetzt.
Das KG Berlin betont hierzu, im Wechselmodell müssten die Eltern kommunizieren lernen und eine Übertragung der Alleinsorge würde wegen der Aufhebung des rechtlichen Gleichgewichts erhebliche negative Auswirkungen auf das Kindeswohl haben, weil sich der Vater dann vor dem Hintergrund, dass ein gleich gutes Verhältnis des Kindes zu beiden Elternteilen vorhanden und sein Alltag von häufigen Kontakten zu Mutter und Vater geprägt ist, als Verlierer fühlen und das Verhältnis der Eltern sich dadurch verschlechtern würde. Dieser entscheidende Aspekt wird von immer mehr Fachleuten gewürdigt. Beispielhaft sei hier auf den Artikel "Wenn ein Elternteil nicht will, kann man nichts machen!?" von Christine Knappert hingewiesen.[33]
Das OLG Düsseldorf äußert sinngemäß, Konflikte seien für die Entscheidungsfindung nur insoweit maßgeblich, als dass ihre Ursache in der Wechselbetreuung liege. Streitigkeiten der Eltern, die aus nicht aufgearbeiteten Konflikten auf der Paarebene herrührten, hätten außen vor zu bleiben. Weiter heißt es in dem Urteil wörtlich: "Zwar beeinträchtige die hauptsächlich vom Kindesvater ausgehende Neigung beider Eltern, sich gegenseitig zu kontrollieren, die Kooperationsfähigkeit und führe zu einer relativen Gefährdung des Kindeswohls. Bei der Übertragung der elterlichen Sorge oder des Aufenthaltsbestimmungsrechts sei aber zu befürchten, dass die Machtkämpfe zwischen den Eltern weitergehen und die gegenwärtige Belastung des Kindes durch die Kooperationsdefizite sich noch verstärken werde." ... "Bei einer Übertragung des Sorgerechts oder des Aufenthaltsbestimmungsrechts auf einen Elternteil erwartet der Senat deshalb keine Verringerung des Streitpotentials und keine Entlastung des Kindes." Zu Gunsten des Antragsteller vermerkte das Gericht, er sei "bereit, die Wechselbetreuung fortzusetzen und auf eine Verbesserung der Kooperation und Kommunikation zwischen den Eltern hinzuwirken."
Zwei weitere Beschlüsse pro Wechselmodell vom OLG Celle und vom OLG Köln ergingen im Jahr 2008. Außerdem gibt es einen Beschluss des OLG Jena vom 22.08.2011 sowie noch einen zweiten, ganz aktuellen Beschluss vom KG Berlin.
Die Frage der Verfassungsmäßigkeit Während in anderen Ländern der westlichen Welt inzwischen die Weichen per Gesetz in Richtung des paritätischen Wechselmodells gestellt wurden - dies oft unabhängig davon, wie sehr sich der Vater vor der Trennung an der Versorgung und Förderung seiner Kinder beteiligt hat - müssen Väter in Deutschland bei fehlendem Einverständnis der Mutter den Klageweg beschreiten, wenn sie hälftigen Umgang erreichen wollen. Dabei sagen ihnen ihre Anwälte, sie sollten stets nur mit dem Kindeswohl argumentieren, dürften aber auf keinen Fall eigene Ansprüche erkennen lassen oder den Eindruck erwecken, es ginge ihnen ja nur ums Prinzip bzw. darum, eigene Interessen durchzusetzen. Dieser Rat ist insoweit berechtigt, als dass Vätern, die sich nicht an diese Devise halten, zumindest von strukturkonservativen Richtern sofort genau diese Beweggründe unterstellt werden. Standardmäßig kommt dann der Generalvorwurf hinzu, sie wollten ja bloß der Mutter schaden. Andere Juristen sind da etwas ehrlicher. So fragt beispielsweise Dr. Mandla von der Uni Halle, ob es nicht den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG und das Elternrecht des Vaters nach Art. 6 Abs. 2 GG verletzt, wenn dem Recht von Vätern auf Familienleben regelmäßig ein geringeres Gewicht beigemessen wird als dem der Mutter.[34]
Natürlich haben auch Väter ein Recht auf Familienleben, und das sollte man(n) nicht schamhaft verschweigen. Entscheidend ist jedoch, dass sich die Wahrnehmung dieses Rechts oft mit dem Willen der Kinder deckt, wenn jene enge Bindungen an den Vater haben, weil sie beispielsweise vor der Trennung intensiv von ihm betreut und gefördert wurden. Insofern käme es den Kindern zu Gute, wenn man Vätern zugesehen würde, ihr Grundrecht auf Familienleben auch tatsächlich so auszuüben, wie es Müttern selbstverständlich gewährt wird. Dessen ungeachtet werden Väter allzu oft unter Verwendung des abstrakten Rechtsbegriffs "Kindeswohl" mit Hilfe fadenscheiniger, pseudowissenschaftlicher Gutachten weitgehend vom Umgang mit ihren Kindern abgeschnitten. Dabei berühren die Ausführungen der „Sachverständigen“, mit denen sie die Erwartungshaltung voreingenommener Richter bedienen, nicht selten ein weiteres Grundrecht. Bei Vätern, die sich mit der Mutter die Versorgung und Erziehung geteilt haben oder sie als Hausmann überwiegend geleistet haben, wird die Übernahme dieser Aufgaben bzw. der Rolle des Hausmanns negativ konnotiert und auf abgefeimte Weise dazu mißbraucht, um ihnen eine mangelnde berufliche und soziale Integration, Selbstbezogenheit und eine Abkehr von der äußeren Welt nachzusagen, um eine mangelnde Erziehungsfähigkeit zu begründen.
Hierin liegt jedoch eine klare Verletzung des Art. 2 Abs. 1 GG, der das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert. Wenn die Inanspruchnahme dieses Grundrechts indessen dazu führt, dass der Rechtsausübende in der Folge hinsichtlich der Wahrnehmung bzw. des Schutzes eines anderen Grundrechts (Art. 6 Abs. 2 und 3 GG) beschnitten wird, ist die Ausübung des Grundrechts nach Art. 2 Abs. 1 beschränkt, weil jeder, der seine Lebensführung nicht einer willkürlich interpretierbaren gesellschaftlichen Normierung unterordnet, damit rechnen muss, des - zumindest für Mütter und Väter - vielleicht wichtigsten Grundrechts überhaupt verlustig zu werden. Außerdem ist gleichzeitig wieder Art. 3 Abs. 1 GG tangiert, weil es als sicher gelten kann, dass noch kein Sachverständiger einer nicht berufstätigen Mutter mit entsprechender Begründung die Erziehungsfähigkeit abgesprochen hätte.
Wie im Folgenden ausgeführt wird, hat das Bundesverfassungsgericht solchen Überlegungen zwischenzeitlich eine klare Absage erteilt. Wenn Mütter einen hälftigen Umgang ablehnen, ist es offenbar unerheblich, wenn Grundrechte von Vätern verletzt werden.
Drei Affen in Karlsruhe Das Bundesverfassungsgericht hatte zwar in einem Beschluss vom 20.6.2009 [35] gesagt, zur gemeinsamen Ausübung der Elternverantwortung genüge ein Mindestmaß an Übereinstimmung. Weiter hieß es, das Sachverständigengutachten hätte gerade auf die negativen Folgen der Übertragung der Alleinsorge auf die Kindesmutter hingewiesen und im Interesse der Kinder empfohlen, der Mutter nicht das Instrument der Alleinsorge zur Lösung ihrer persönlichen Probleme in der Beziehung zum ehemaligen Partner und zur Befriedigung ihres Bedürfnisses nach Abgrenzung in die Hand zu geben. Es gebe für sie dann keinen Anlass mehr für Elterngespräche. Sie könnte sich dem Kindesvater dann vollständig entziehen, was nicht im Interesse der Kinder wäre.
Mit Datum vom 29.06.2012 wurde eine Verfassungsbeschwerde zum Wechselmodell eingereicht, die auf die Einrichtung einer paritätischen Doppelresidenz gegen den Willen der Mutter abzielte. In ihrem Beschluss vom 12.11.2012 haben sich die Karlsruher Richter eindeutig positioniert: über die betreffende Beschwerde ist nicht einmal verhandelt worden, sondern ihre Annahme wurde ohne Angabe von Gründen abgelehnt, obgleich es in den vorangegangenen Verfahren vor dem AG Cochem und dem OLG Koblenz zu glasklaren, zum Teil haarsträubenden Missachtungen von Verfahrensrecht und Verstößen gegen die eigene Rechtsprechung des BVerfG gekommen war. So genügte die Begründung zum Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts nicht im Entferntesten den vom BVerfG in diversen Urteilen definierten Maßstäben. Des Weiteren war der Kindeswille entgegen verschiedener Urteile aus Karlsruhe auf grobe Weise missachtet worden. Nicht nur angesichts der oben erwähnten, vom Bundesverfassungsgericht selbst festgestellten Motive von Müttern ist diese Entscheidung absolut unverständlich, zeigt aber einmal mehr, dass in Karlsruhe politische Richter sitzen, die niemals etwas entscheiden werden, das der in den Parteien vorherrschenden Meinung zuwiderläuft. Das Gleiche passierte in mindestens einem weiteren Fall: Auch hier wurde die Verfassungsbeschwerde eines Vaters mit Beschluss vom 11.04.2013 ohne jegliche Begründung nicht zur Entscheidung zugelassen.[36]
Wechselmodelle auch gegen den Willen der Mutter werden von renommierten Familienrechtlern als eine der wichtigsten, noch offenen Fragen im deutschen Familienrecht betrachtet. Vor diesem Hintergrund und angesichts der erheblichen, in den beiden vorgenannten Beschwerden aufgezeigten Verletzungen von Grundrechten und Verfassungsrecht ist es ausgesprochen erbärmlich, wenn sich das höchste deutsche Gericht in Schweigen hüllt. Stattdessen verhalten sich seine Richter wie die sprichwörtlichen drei Affen, die vor offensichtlichem Unrecht Augen und Ohren verschließen und zu feige oder zu opportunistisch sind, um ihm entgegenzutreten.
Akzeptanz hälftiger Betreuung Auch wenn in den oben erwähnten Ländern paritätische Wechselmodelle nicht verbindlich vorgeschrieben sind, sondern lediglich als eine mögliche bzw. die prinzipiell ideale und damit privilegierte Art der Umgangsgestaltung im Gesetz berücksichtigen, so entscheiden sich dennoch beispielsweise in den USA rund 25 % der Eltern für das Paritätsmodell. Dieser Prozentsatz entspricht in etwa der Zahl, die einschlägige Studien bei uns als besonders engagierte Väter ausgemacht haben. In Belgien wird die Doppelresidenz derzeit in 27 % der Nachtrennungsfamilien praktiziert. Bei uns sind es Schätzungen zufolge erst 10 bis höchstens 15 %. Den Kindern vieler, an sich bereitwilliger Väter wird also ein hälftiger Umgang mit dem Vater verwehrt, dies oft gegen den erklärten Willen der Kinder.
Die Argumente der Gegner Zahlreiche Gegner des Wechselmodells behaupten unisono, Kinder würden einen festen Lebensmittelpunkt benötigen. Diese Ansicht war jedoch zu keiner Zeit wissenschaftlich evaluiert und gilt inzwischen durch jüngere pädagogische und kinderpsychologische Erkenntnisse sogar als widerlegt.
Der Verweis auf die Belastungen der Kinder durch die häufigen Wechsel ist dann, wenn ein Wechsel im wöchentlichen Rythmus praktiziert bzw. angestrebt wird, völlig irrational, denn die Anzahl der Wechsel beträgt hier genauso viele wie beim Residenzmodell, nämlich auf zwei Wochen gerechnet exakt zwei. Beim Wechsel im Zwei-Wochen-Turnus gibt es sogar nur halb so viele Wechsel wie bei der "klassischen" Umgangsregelung. Aber auch eine größere Zahl von Wechseln wird von vielen Kindern, die sich kürzere Intervalle ausdrücklich wünschen, keineswegs als negativ empfunden. Zumindest bei räumlicher Nähe der elterlichen Wohnsitze sind keine objektiven Probleme vorhanden und den diesbezüglichen Einwänden von Gegnern mangelt es regelmäßig an Logik und Stichhaltigkeit.
Schließlich ist immer wieder zu hören, Vätern ginge es nur darum, sich vor Unterhaltszahlungen zu drücken. Wünsche nach Einrichtung einer paritätischen Doppelresidenz werden aber überwiegend von Vätern geäußert, die sich bereits vor der Trennung überdurchschnittlich intensiv bei der Versorgung und Erziehung ihrer Kinder engagiert haben und gegenüber diesem Personenkreis ist ein solcher Generalverdacht schlichtweg abwegig und eigentlich sogar unanständig.
Ansonsten sei zu Gegenargumenten wiederum auf den Beitrag "Wechselmodell" bei Wikipedia verwiesen.
Der Deutsche Bundestag sorgt sich ums Spielzeug Ausgerechnet der Deutsche Bundestag überrascht mit besonderen geistigen Höhenflügen. Die Stellungnahme des zuständigen Ausschusses auf eine Online-Petition an den deutschen Bundestag.[37] belegt, auf welch unterirdischen Niveau sich die Politik mit dem Thema auseinandersetzt. Die Ablehnungsgründe der Parlamentarier kreisten tatsächlich um so intellektuell gewichtige Erwägungen, dass beim Wechselmodell zu befürchten sei, das Lieblingsspielzeug des Kindes könnte möglicherweise nicht immer in der jeweiligen Wohnung verfügbar sein. Selbst dieses schwachsinnige „Argument“ ließe sich gleich mit mehreren Erwiderungen aus dem Weg räumen.
Im Übrigen beweisen solche Äußerungen deutlich die Blockadehaltung, mit der sich von feministischem Gedankengut durchdrungene Politiker und Ministerialbeamte gegen eindeutige Erkenntnisse der Forschung sperren, obgleich deren Umsetzung das Wohl der Kinder befördern würde. Stattdessen sollen die Besitzstände von Müttern um jeden Preis gewahrt werden. Dazu muss man wissen, dass ca. 10 Prozent - exakt 63[38] - der zur Zeit 620 Bundestagsabgeordneten Anwälte sind. Die überwiegende Mehrzahl von ihnen wird auch im Bereich Familienrecht tätig (gewesen) sein und nicht wenige dürften zu der Art von AnwältInnen gehören, die ihren Mandantinnen dabei behilflich sind, erziehungswillige Väter mit allen nur erdenklichen Mitteln (z. B. Gewaltvorwürfe, Umgangsboykott) zu entsorgen.
Das Bundesjustizministerium redet Klartext Auf eine Anfrage des Verfassers antwortete das Bundesministerium der Justiz mit Datum vom 13.12.2012. In dem Schreiben heißt es
Zitat: «Die früheren Partner suchen die Distanz voneinander und sind häufig auch in Angelegenheiten des Kindes nicht mehr bereit, miteinander zu kooperieren. Hier mit staatlichen Normen einzugreifen, ist ein schwieriges und hochsensibles Unterfangen, das niemals in vollem Umfang gelingen kann. Der Gesetzgeber hat jedoch jedoch in den letzten Jahren kontinuierlich daran gearbeitet, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gut und flexibel wie möglich auszugestalten.»
Bodenloser Blödsinn! Was bitte hat der Gesetzgeber denn seit 1998 getan, als die heuchlerische Hohlformel von der gemeinsamen Sorge ins Gesetz aufgenommen wurde? Gar nichts! In der Realität entstehen Konflikte ausschließlich dadurch, dass Väter ihre Bindungen an die Kinder auch nach einer Trennung pflegen und ihre erzieherische Verantwortung weiter wahrnehmen möchten. Vätern braucht man - wie von Fachleuten überwiegend festgestellt wird - in der Regel nicht zu erklären, dass gute Kontakte zur Mutter für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. Deshalb sind es aktive Väter, die ein Wechselmodell begehren und allein dadurch ihre Bereitschaft zur Kooperation in Angelegenheiten des Kindes beweisen. Genauso regelmäßig sind es Mütter, die sich einem hälftigen Umgang verweigern. Die oben genannten Studien zeigen die positiven Effekte hälftigen Umgangs für Trennungskinder auf; die im Beitrag "Vaterlosigkeit" erwähnten Forschungsergebnisse belegen die gleichrangige Bedeutung des Vaters bei der Erziehung und die extrem negativen Auswirkungen für Kinder, wenn Väter - so wie es beim Residenzmodell der Fall ist - nicht mehr an der Erziehung mitwirken können. Vor diesem Hintergrund laufen die zitierten Sätze im Klartext darauf hinaus, dass man im Ministerium dem Bedürfnis von Müttern nach Abgrenzung - welches vom Bundesverfassungsgericht zu Recht als "kindeswohlfernes Motiv" bezeichnet wurde - einen höheren Stellenwert beimisst als dem Kindeswohl. Das schreit nun wirklich zum Himmel!
Väter, die ein Wechselmodell wollen, nehmen damit zwangsläufig eine Fortdauer der Kontakte mit ihren Ex-Partnerinnen auf sich. Letzteres ist für viele dieser Männer alles andere als erfreulich, sondern kostet sie häufig ein nicht geringes Maß an Überwindung. Um ihrer Kinder willen bemühen sie sich jedoch, traumatische Widerfahrnisse aus der Trennungsphase hintenan zu stellen und sind dazu bereit, trotz teilweise brutaler Entgleisungen im Scheidungskrieg - siehe dazu den Abschnitt "Krieg" im Beitrag "Umgangsverfahren" - weiter mit der Kindsmutter zu verkehren. Nach Aussage des Ministeriums (und den Erfahrungen der Praxis) ist diese Bereitschaft bei vielen Müttern ZUM SCHADEN IHRER KINDER offenbar nicht vorhanden. Mit seinen Ausführungen räumt das Ministerium den Animositäten von Frauen, die ihre eigenen Befindlichkeiten über die Bedürfnisse ihrer Kinder stellen, eindeutig Vorrang vor dem Kindeswohl ein. Eine solche Haltung ist rational nicht mehr vermittelbar.
Das ist richtig. Aber natürlich vertraut man im Ministerium darauf, dass die biederen Damen und Herren, die in deutschen Gerichtssäälen göttergleich über das Wohl und Wehe von Kindern entscheiden dürfen, in ihrer großen Mehrheit weiterhin am Mutterkult festhalten und der Gesetzgeber unterlässt es ganz bewusst, die Diskriminierung von Vätern durch die Spruchpraxis deutscher Gerichte zu unterbinden. Nach dem nützlichen Hinweis, dass ein Wechselmodell ja freiwillig vereinbart werden könne, wird dann klar gesagt, es bestünden jedoch Bedenken, das Wechselmodell als Regelfall für den Fall der Nichteinigung von Eltern bei Trennung und Scheidung gesetzlich festzuschreiben. Es folgt der übliche Sermon von den Vorteilen, denen erhebliche Nachteile gegenüberstünden. Das Kind könne bei ständig wechselnden Aufenthalt dadurch belastet werden, dass Kleidung, Schulbücher oder Spielzeug nicht da wären, wo sie gebraucht würden. Letzteres sei nur bei Konsens und eines "gemeinsamen Kooperationswillens" hinsichtlich der Durchführung der wechselseitigen Betreuung sichergestellt. Abstimmungsmängel und Streit über die Einzelheiten der Durchführung würden vor allem das Kind treffen. Was für ein Quatsch! Als ob es nicht leicht möglich wäre, diese Dinge zu regeln. Kleidung und Spielsachen können von beiden Elternteilen preiswert erworben werden ("Babybasar") und selbst Schulbücher kann man günstig gebraucht kaufen und so zur Not doppelt vorhalten, wenn eine kooperationsunwillige Mutter immer wieder Störungen provoziert. Der Rest des Schreibens verdient keine Erwähnung. Fazit: Wenn ein Kind vielleicht mal einen Tag auf den Lieblingspullover verzichten muss, bedeutet das also ein größeres Risiko als die psychischen Schäden, der Kindern durch Väterentbehrung droht? Angesichts von solchem Geschwätz, dass immerhin aus einem Bundesministerium kommt, braucht man sich nicht mehr zu wundern, warum das Ansehen der Politik einen Tiefstand erreicht hat.
Es ist zum Weinen Hier die sprachlich und intellektuell aufschlussreiche Meinungsäußerung der Verfahrensbeiständin Johanna W. aus dem Forum "Jurathek"[39]
50/50 ist nach meinen Erfahrungen nichts halbes und nix ganzes und ist für so kleine Kinder massiv nachteilig, weil sie einen festen Lebensmittelpunkt brauchen, selbst ältere Kinder - nicht nur meine - fanden das irgendwie dann zum Ko*** weil sie immer alles zweimal erzählten, wobei die Lösungen immer zeit und personen versetzt waren. Dann fanden sie es alle ätzend und uncool, immer bestimmte Sachen von einem zum anderen zu schleppen - auch das unterschiedliche Erziehungsverhalten fanden sie ätzend. Meine Große meinte mal, gut dass sie bei hauptsächlich gelebt hat, der Papa würde ihr alles erlauben und sie würde dann nie wissen, was unten und oben ist und was links und rechts. Ich war früher mal dafür, bis ich in meinem privaten Umfeld das erste Drama erlebte, das sich beruflich bei Gerichtsverfahren immer wiederholt. Es muss einen festen Lebensmittelpunkt geben - soviele Absprachen und so eine intensive Kooperation der Eltern, die hier notwendig wäre, gibt es nicht - sonst hätten sie sich ja nicht getrennt. Und dann eine zweijährige eine Woche da eine Woche da?? neeeeeeeeeeeee ne ne ne ne ne ne nicht gut!!»
Die Folgen des status quo Weil sich immer mehr Väter bereits vor einer Trennung aktiver als früher an der Versorgung und Förderung ihrer Kinder beteiligen, hat das Interesse an einer paritätischen Betreuung auch nach einer Trennung deutlich zugenommen und wird mutmaßlich angesichts der ungebrochen ansteigenden Scheidungszahlen weiter steigen. Wie oben gesagt, wächst erfreulicherweise auch die Zahl der Mütter, die um ihrer Kinder willen in eine zeitlich gleiche Verteilung des Umgangs einwilligen (bezeichnend ist, dass die beiden unten empfohlenen Bücher von Müttern geschrieben wurden).
Kinder als Hauptleidtragende Dennoch bleibt vielen Vätern aufgrund des Fehlens einer klaren gesetzlichen Regelung pro-Wechselmodell nichts anderes übrig, als vor Gericht zu ziehen, um eine angesichts der Umstände bestmögliche Umgangsregelung zu erreichen. Unter den sich oft über Jahre hinziehenden Verfahren - das Phänomen der Prozessverschleppung ist in Familiensachen ziemlich häufig - leiden in erster Linie die Kinder. Wie im Beitrag Umgangsverfahren aufgezeigt, wächst die Zahl der Verfahren weiter an; das Placebo der Einführung des gemeinsamen Sorgerechts nur auf dem Papier ist wirkunglos verpufft.
Nach den Aussagen beteiligter Professionen (so z. B. der bereits erwähnten Frau Kodjoe) wird der Krieg um die Kinder zunehmend verbissener geführt. Hierbei kämpfen auch immer mehr Väter mit harten Bandagen, wie beispielsweise in einem Forum des neugegründeten Vereins "Mütterlobby" deutlich wird.[40] Mittlerweile dürfte die Zahl der Kinder, die durch eine aus üblen Schlammschlachten resultierende, erbitterte Feindschaft ihrer Eltern oder ein völliges Verschwinden der Väter aus ihrem Leben traumatisiert wurden, über eine Million betragen. Allein das Ziel, solche schlimmen Auseinandersetzungen zu beenden, unter denen alle Beteiligten leiden, müsste Grund genug sein, die paritätische Doppelresidenz als Option gesetzlich festzuschreiben. Diese Forderung findet immer mehr namhafte Unterstützer, so beispielsweise den bereits oben genannten, auch als Gerichtsgutachter tätigen Prof. Uwe Jopt.
Belastung der Volkswirtschaft Das Fehlen einer gesetzlichen Regelung, wonach Väter das Recht haben, sich nach Trennung/Scheidung in einem paritätischen Wechselmodell weiter um ihre Kinder zu kümmern, verursacht durch mittlerweile ca. 100.000 sorge- bzw. umgangsrechtliche Verfahren pro Jahr einen nicht unerheblichen volkswirtschaftlichen Schaden. Anwälte und Gerichtskosten werden häufig über die Prozesskostenhilfe finanziert. In beinahe jedem Verfahren fallen zumindest mal Anwaltshonorare von 700-1.000 € an (vielfach bleibt es jedoch nicht bei diesem Betrag, weil Väter in die zweite Instanz gehen und darüber hinaus oft weitere Honorare für nachfolgende Verfahren - z. B. wegen Streitigkeiten über Details der Umgangs- bzw. Ferienregelung oder ähnliches - zu zahlen sind). Hinzu kommen 350 bzw. 550 € pro Kind für den Verfahrensbeistand an. In wieviel Prozent der Fälle ein Gutachten - Kosten mindestens 5.000 €, oft noch deutlich mehr - beauftragt wird, ist zwar nicht bekannt. Entsprechend der zunehmenden Heftigkeit der Auseinandersetzungen um Sorge bzw. Umgang dürfte die Zahl dieser Beauftragungen aber recht hoch sein. Von daher lässt sich leicht ausrechnen, dass der Steuerzahler jährlich mit Millionenbeträgen in einem gehoben dreistelligen Bereich belastet wird. Freuen tuts allein Anwälte, Sachverständige und Verfahrensbeistände. Hinzu kommen Kosten für die psychologische Behandlung von Kindern und ausgegrenzten Elternteilen. Bei letzteren dürften außerdem die häufig infolge psychischer Probleme eintretende Erwerbslosigkeit und Frühverrentungen ganz erheblich zu Buche schlagen.
Der größte volkswirtschaftliche Schaden resultiert aber wohl aus den Leistungen, die der Staat für alleinerziehende Mütter bzw. deren Kinder aufbringen muss. Aus verschiedenen Gründen zahlt etwa die Hälfte der an sich zu Kinds- und oft auch Ehegattenunterhalt verpflichteten Väter überhaupt nicht, ein weiteres Viertel zahlt weniger als sie müssten. Nicht wenige tun dies aus Protest gegen ihre rechtliche Diskriminierung durch das deutsche Familienunrecht und Frustration über die unzureichenden Umgangskontakte. An ihrer Stelle muss ersatzweise der Staat in die Breche springen. Wäre hälftiger Umgang der Regelfall, würde ein größerer Teil der Lebenshaltungskosten für die Kinder mutmaßlich sehr gerne unmittelbar von den Vätern übernommen. Im Gegenzug wären Mütter nicht mehr auf staatliche Zahlungen angewiesen und hätten überdies sehr viel mehr Zeit, um sich durch Erwerbstätigkeit selbst zu unterhalten und zur materiellen Versorgung ihrer Kinder beizutragen.
Mögliche Konsequenzen bei Verweigerung hälftigen Umgangs Abgeneigte Mütter verschaffen sich in puncto Umgangsfrequenz zwar kurzfristig einen zeitlichen Vorteil. Ab dem Alter, in dem der Wille des Kindes zu berücksichtigen ist, büßen sie dann aber ihren Umgang oft ganz ein, wenn das Verhältnis zum Kind wegen der Missachtung seines Willens tief zerrüttet ist. Das Zerwürfnis währt möglicherweise ein Leben lang. Viele alleinerziehende Mütter haben nach dem Auszug ihrer Kinder keinerlei Kontakt mehr mit ihnen. Ein Beispiel aus dem wahren Leben: Die Mutter hat sich dem von allen drei Kindern gewollten paritätischen Umgang starrsinnig verweigert und wurde dabei von erkenntnisresistenten Richtern und sonstigen "Professionellen“ unterstützt. Nach dem endgültigen Scheitern auf dem "Rechts"weg schaffte der älteste Sohn Fakten und zog eigenmächtig zum Vater; die zuständige Richterin war so human, seinen Entschluss per Vergleich abzusegnen. Anfänglich besuchte er seine Mutter noch. Jene konnte seine Entscheidung indessen nicht akzeptieren und setzte ihn noch massiver unter Druck als schon zuvor. In der Folge lehnte der Junge jeglichen Kontakt zu seiner Mutter ab. Daraufhin manipulierte die Mutter ihre Tochter dahingehend, ihrerseits die Besuche beim Vater zu verweigern; die Geschwister sehen sich nun überhaupt nicht mehr. Bereits zuvor war das ehemals zu großen Hoffnungen berechtigende Mädchen nur noch ein Schatten ihrer selbst, hatte sich ihren Willen nehmen lassen und regelmäßig auf die Seite der Mutter geschlagen, wenn jene den ältesten Sohn fertigmachte. Letzterer haßt seine Schwester dafür nunmehr abgrundtief. Das dritte Kind - der jüngste Sohn - steht inmitten dieses Scherbenhaufens und rebelliert seit geraumer Zeit ebenfalls schon wütend gegen die Mutter. Gründlicher kann man Familienzerstörung wahrlich kaum noch betreiben. Hätten die Geistesgrößen der deutschen Familiengerichtsbarkeit paritätischen Umgang zugestanden, wäre die Situation heute wahrscheinlich weitaus besser. Dagegen erfrischt die Intelligenz der Aussagen aus Österreich: "Klar zeigt sich, dass der gemeinsame Weg für das Kind langfristig auch der Mutter zugutekommt. Wenn die Väter mit ihren Kindern Freizeit wie Alltag teilen dürfen, entlastet das auch die Mütter und sie erleben eine spürbare Erleichterung. Oft gehe es nur darum, den Müttern die Ängste zu nehmen. Manche fürchten, dass ihr Kind sich von ihnen abwenden könnte, weil es vielleicht den Papa lieber mag. Das ist aber falsch. Je mehr man loslässt, desto eher bleiben die Kinder, und das sogar bis zum Erwachsenenalter", so die Landesleiterin von Rainbows Tirol, Barbara Baumgartner.[41]
Rechtsfolgen bei "unechten" Wechselmodellen Häufig wird in gerichtlichen Umgangsregelungen die Betreuung etwa im Verhältnis 1/3 zu 2/3 oder auch 40 zu 60 aufgeteilt. Juristen und Sozialwissenschaftler sprechen dann von flexiblen oder "unechten" Wechselmodellen und die letztgenannte Bezeichnung deutet auf die für Betroffene erheblichen Rechtsfolgen hin, wenn die Betreuung nicht annähernd hälftig wahrgenommen wird.
Nach derzeitiger Rechtslage hat der weniger betreuende Elternteil schwerwiegende Nachteile. So kommt der Elternteil, welcher das Kind auch nur geringfügig mehr als 50 % der Zeit betreut, nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in den Genuss der vollen Unterhaltszahlungen, während beim "echten" Wechselmodell beide Eltern anteilig nach ihren Vermögens- und Einkommensverhältnissen Barunterhalt leisten müssen. In der Praxis heben sich die wechselseitigen Ansprüche in etwa auf oder der Besserverdiener hat nur noch einen sehr geringen Betrag zu zahlen. Außerdem erhält er die gerichtliche Vertretungsmacht und das Kindergeld, weil bei ihm der Wohnsitz der Kinder einzutragen ist.
Natürlich können, zumindest was den Kindesunterhalt angeht, auch bei "unechten" Wechselmodellen außergerichtliche Vereinbarungen getroffen werden, wonach beispielsweise der Elternteil, welcher das Kind zu 60 % betreut, das Kindergeld bekommt, dafür aber auf Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils verzichtet.
Geht's eigentlich noch? Während weder SPD noch FDP irgendwelche Initiativen unternehmen, um Väter nach einer Trennung beim Sorge- und Umgangsrecht endlich mit Müttern gleichzustellen, setzen sich führende Politiker beider Parteien für die volle Gleichstellung homosexueller Paare beim Adoptionsrecht ein. Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, Ansgar Dittmar, sagte dazu, Frau Merkel würde sich bewusst gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes stellen.[42] Was die gleichberechtigte Wahrnehmung der Elternrolle nach Trennung/Scheidung angeht, gilt diese Einschätzung leider für alle im Bundestag vertretenen Parteien. Vor diesem Hintergrund muten die Vorstöße der Politiker schon ein wenig kurios an.
Literatur Petra Wagner und Ina Kiesewetter: Eine Woche Mama, eine Woche Papa[43], Kreuz Verlag 2012, ISBN 978-3-451-61088-2[44]
Hildegund Sünderhauf: Wechselmodell. Rechtsfragen und psychologische Forschung in der Co-Elternschaft., Springer VS, Verlag für Sozialwissenschaften 2013, ISBN 3-531-18340-0[45]
Zitate Zitat: «Das Paritätsmodell kann ja nicht funktionieren, weil es das fundamentale Prinzip "Geld ist wichtiger als ein Vater" untergräbt.»[46]
"Nur das Familienwohl verwirklicht das Kindeswohl." "Familie und staatliches Gesetz passen schlecht zueinander. Das verbindende Prinzip der Familie ist die Liebe, das des Staates die Gesetzlichkeit. Dem Staat ist es nie gelungen, ein Familienrecht zu schaffen, das der Familie gerecht wird." "Um häusliche Verhältnisse, also die Familienverhältnisse, konnte vor einem Gericht nicht gestritten werden. Haus und Familie waren somit ursprünglich autonom und gerade dadurch Grundlage des Gemeinwesens." "Die Verrechtlichung ist Verstaatlichung der Familienverhältnisse und Auflösung der Familie in einzelne Rechtsverhältnisse. Das hat der Familie und dem Staat mehr geschadet als genützt." "Es kennzeichnet den totalen Staat, dass er die Menschen auch in den Familien reglementiert und das Familienprinzip zurückdrängt." "Die Ordnungsmacht beansprucht heutzutage auch in der Familie allein der Staat. Damit hat der Staat das wohl wichtigste Element der Gewaltenteilung beseitigt und sich vollends zum totalen Staat entwickelt." [47]
Einzelnachweise ↑ Befreiungsbewegung für Männer, S. 153]
↑ Beschluß II-8 UF 189/10 vom 14.3.2011
↑ 9,0 9,1 Referate in Ton vom 3. Antifeminismus-Treffen am 3. November 2012
↑ Heute hier, morgen dort? - Das Wechselmodell im Familienrecht, Diplomarbeit Michael Frigger
↑ Das Doppelresidenzmodell nach elterlicher Scheidung - Akzeptanz in Österreich, Diplomarbeit Angela Spies
↑ Psychologische Begutachtung im Familienrecht: Effekte entscheidungsorientierter vs. lösungsorientierter Begutachtung auf die Trennungsfamilie - Erfahrungen und Ansichten aus Elternsicht“ (Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades „Dr.phil.“ der Fakultät Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Bielefeld, Julia Zütphen, 2010, Seite 237+238
↑ [Das integrierte Wechselmodell - ein Weg zur tragfähigen Kinderbetreuung durch getrennte Eltern FamThera - Institut für Familientherapie und systemische Beratung, Leipzig]
↑ WGvdL-Forum (Archiv 2): Umfrage des Bundesministeriums der Justiz bei Jugendämtern und Rechtsanwälten zur gemeinsamen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern am 29. Januar 2009
↑ [ http://archiv.jurathek.de/showthread.php?t=114063 Jurathek: Gutachten wieviel Wert legt ein Richter darauf und was wiegt der Verfahrenspfleger]
Querverweise Kindeswille
Netzverweise Wikipedia: Paritätsmodell
2. Rang ergab am 19.1.2013 die Google-Suche nach "Wechselmodell" für diesen Artikel. 4. Rang ergab am 10.2.2012 die Google-Suche nach "Paritätsmodell" für diesen Artikel. TrennungsFAQ: Hälftige Kinderbetreuung: Phantasie oder durchführbar?
Trennung und das Wechselmodell: Die Doppelresidenz, das Zwei-Familienmodell oder die hälftige Betreuung - Väterradio (21. April 2005) Trennung vom Partner und wie das mit den Kindern regeln? Trennungen sind schmerzliche Prozesse, die Wut und Trauer hervorbringen. Es ist schwer die Trennung zu bewältigen. Man kann sich als Paar trennen, aber nicht aus der Elternfunktion. Es geht auch anders, es geht auch fair. In Frankreich nennt man die faire Elternschaft Doppelresidenz, in Deutschland das paritätische Wechselmodell. Dieses Zwei-Familienmodell bedeutet, das Kind hat zwei gleichwertige Familien. Internationale Studien zeigen, dass dies die beste aller Möglichkeiten für das Kind ist. Aus diesem Grunde hat Frankreich diese Möglichkeit in das Gesetz aufgenommen. In Deutschland allerdings ist diese Form nicht erwünscht. Es gibt viele Fragen an die heutige Politik bezüglich der Melde-, Steuer-, Wohngeld-, und Unterhaltsgesetzgebung.
Familie zwischen Eigen- und Fremdbetreuung: Bericht vom 5. deutschen Väterkongress in Karlsruhe - Väterradio (20. September 2012) Gäste: Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf: Professorin für Familienrecht an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Autorin des Buches "Wechselmodell: Psychologie - Recht - Praxis", 2012; Hans-Georg Nelles: Sozialwissenschaftler, Erwachsenenbildner und Organisationsberater
Das integrierte Wechselmodell - ein Weg zur tragfähigen Kinderbetreuung durch getrennte Eltern - FamThera Institut für Familientherapie und Systemische Beratung, 2008 (6 Seiten, 102 KB)
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References: § 1687
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 2
 Art. 2
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