Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20248/81
Timestamp: 2019-12-06 18:08:51+00:00

Document:
BGH, 20.09.1983 - VI ZR 248/81 - dejure.org
https://dejure.org/1983,514
BGH, 20.09.1983 - VI ZR 248/81 (https://dejure.org/1983,514)
BGH, Entscheidung vom 20.09.1983 - VI ZR 248/81 (https://dejure.org/1983,514)
BGH, Entscheidung vom 20. September 1983 - VI ZR 248/81 (https://dejure.org/1983,514)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1983,514) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
BGB § 823 Abs. 2; EGBGB Art. 2
Schadenersatz bei Einsturz eines Konsolgerüstes auf einer Baustelle - Mitschaffung der Gefahrenlage durch Übernahme der örtlichen Bauaufsicht - Überprüfung eines Gerüstes auf Tragfähigkeit durch den Architekten, der den Auftrag zur Änderung des Standgerüstes gegeben hat ...
NJW 1984, 360
VersR 1983, 1141
BauR 1984, 77
Er ist dann verpflichtet, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer zu verhindern (vgl. Senatsurteile vom 6. Oktober 1970 - VI ZR 223/69, VersR 1971, 84, 85; vom 20. September 1983 - VI ZR 248/81, VersR 1983, 1141, 1142 …und vom 13. März 2007 - VI ZR 178/05, aaO).
Neben dieser so genannten "sekundären" Verkehrssicherungspflicht, die sich grundsätzlich darauf beschränkt, erkannte oder erkennbare baustellentypische Gefahrenstellen zu beseitigen (vgl. Senatsurteil vom 20. September 1983 - VI ZR 248/81 - aaO;… OLG Schleswig aaO), treffen den bauleitenden Architekten "primäre" Verkehrssicherungspflichten, wenn er selbst Maßnahmen an der Baustelle veranlasst, die sich als Gefahrenquelle erweisen können, sei es, dass die Auftragserteilung schon unmittelbar Gefahren für andere begründen kann oder dass solche Gefahren nicht von vornherein ausgeschlossen sind (vgl. Senatsurteile vom 10. Juni 1975 - VI ZR 131/73 - VersR 1975, 949, 950; vom 20. September 1983 - VI ZR 248/81 - aaO).
Nachdem der Beklagte, der schon als Rohbauunternehmer verkehrssicherungspflichtig war (Senatsurteil vom 7. Mai 1974 - VI ZR 38/74 - VersR 1974, 972), die Funktion als "verantwortlicher Bauleiter" ausübte und damit öffentlich-rechtlich für die ordnungsgemäße Einrichtung und den sicheren Betrieb der Baustelle und der Betriebssicherheit der Baustelleneinrichtung verantwortlich war (§ 76 Abs. 1 S. 1 BayBauO a.F.), muß angenommen werden, daß er auch zivil rechtlich die Aufgabe der Baustellensicherung übernommen hatte (Senatsurteile vom 6. Oktober 1970 - VI ZR 223/69 - VersR 1971, 84 = BauR 1971, 64, 65 und vom 20. September 1983 - VI ZR 248/81 - VersR 1983, 1141 = BauR 1984, 77).
Im Übrigen würde selbst dann, wenn man sie als Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB ansähe, sich ihr Schutzbereich nur auf den Kreis der versicherten Personen, nicht aber auf außenstehende Dritte wie die Klägerin beziehen (BGH, NJW 1984, 360, 362, juris Tz. 14;… BayObLG, a.a.O., juris Tz. 34).
Er war deshalb verpflichtet, sich selbst von der Sicherheit, der Standfestigkeit und der Belastbarkeit des Gerüsts zu überzeugen (vgl. Senatsurteil vom 20. September 1983 - VI ZR 248/81 - VersR 1983, 1141, 1142 = BauR 1984, 77, 78).
Denn dem Berufungsgericht ist darin zu folgen, daß der Zweitbeklagte nicht verpflichtet war, jedes einzelne Bauholz daraufhin zu überprüfen, ob es den erforderlichen Güteklassen entsprach (vgl. Senatsurteil vom 20. September 1983, aaO).
Für die Entscheidung des Streitfalles kann es dahinstehen, ob der Zweitbeklagte, wie der Kläger gemeint hat, mit der Ausführung der dem landeskirchlichen Amt für Bau- und Kunstpflege aufgrund der Dienstanweisung des Landeskirchenamtes vom 24. Juli 1967 obliegenden Aufgaben zu einem verantwortlichen Bauleiter im Sinne des § 60 NdsBauO geworden ist, oder ob er etwa nur die örtliche Bauaufsicht geführt hat (zu den Verkehrssicherungspflichten, die diese Personen betreffen, vgl. BGHZ 68, 169, 173 ff und Senatsurteil vom 20. September 1983 - VI ZR 248/81 - VersR 1983, 1141, 1142 m.w.N. = BauR 1984, 77, 78).
Er war deshalb verpflichtet, sich selbst von der Sicherheit, der Standfestigkeit und der Belastbarkeit des Gerüsts zu überzeugen (vgl. Senatsurteil vom 20. September 1983, aaO).
Die sekundäre Verkehrssicherungspflicht eines Bauleiters beschränkt sich grundsätzlich darauf, erkannte oder erkennbare baustellentypische Gefahrenstellen zu beseitigen (vgl. BGH in VersR 1983, 1141 - 1143).
Der Bauleiter im Sinne der Landesbauordnung hat auf jeden Fall eine allgemeine Pflicht zur Sicherung des Verkehrs auf der Baustelle (vgl. BGH NJW 1984, 360; VersR 1971, 84).
OLG Nürnberg, 23.12.1994 - 6 U 1885/94
Pflicht zur Gefahrenabwehr auf der Baustelle: Architekt - Unternehmer
LG Mainz, 13.01.1995 - 7 O 199/93
Schnellbindender Beton im Kanalnetz - Wer haftet?

References: § 823
 Art. 2
 § 823
 § 60
 BGH 
 BGH