Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=28.10.2014&Aktenzeichen=B%2014%20AS%2061/13%20R
Timestamp: 2019-10-14 12:05:51+00:00

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BSG, 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R - dejure.org
https://dejure.org/2014,31770
BSG, 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R (https://dejure.org/2014,31770)
BSG, Entscheidung vom 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R (https://dejure.org/2014,31770)
BSG, Entscheidung vom 28. Januar 2014 - B 14 AS 61/13 R (https://dejure.org/2014,31770)
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Grundsicherung für Arbeitsuchende; Einkommensberücksichtigung und -berechnung; Freibeträge beim Zusammentreffen von Erwerbseinkommen und steuerfreiem Einkommen aus ehrenamtlicher Tätigkeit
§ 11 Abs 1 S 1 SGB 2, § 11b Abs 1 S 1 Nr 6 SGB 2, § 11b Abs 2 S 1 SGB 2, § 11b Abs 2 S 3 SGB 2, § 11b Abs 3 S 1 SGB 2
SG Bayreuth, 29.12.2011 - S 5 AS 112/12
SG Bayreuth, 30.07.2013 - S 5 AS 112/12
Dies entspricht auch der Wertung in der Entscheidung des 14. Senats des BSG (vom 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R - SozR 4-4200 § 11b Nr. 6 RdNr 15 f) , der entschieden hat, dass § 11b Abs. 2 S 3 SGB II idF bis 31.12.2012 einen Mindestfreibetrag im Sinne einer Obergrenze für den Fall bestimmt, dass Einkommen aus Erwerbstätigkeit und aus privilegierter ehrenamtlicher Tätigkeit zusammentrifft.
Von diesem um den Werbungskostenfreibetrag bereinigten Einkommen (vgl. dazu BSG, Urt. v. 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R -, juris, RdNr. 25) in Höhe von ca. 560, 00 EUR ist der Freibetrag nach § 11b Abs. 2 S. 1 Nr. 6, Abs. 3 SBG II abzusetzen (…vgl. BVerwG, Urt. v. 16.11.2010 - 1 C 20.09 -, BVerwGE 138, 135 [147 f.], RdNr. 33 in juris).
Wie der Senat bereits entschieden hat, sind bei dem Zusammentreffen von Einkünften aus nicht privilegierter Erwerbstätigkeit iS von § 11b Abs. 2 Satz 1 SGB II und aus steuerprivilegierter (ehrenamtlicher) Tätigkeit iS von § 11b Abs. 2 Satz 3 SGB II die Absetzbeträge nach § 11b Abs. 2 SGB II zwar für jede Tätigkeit gesondert anzusetzen und können auch nebeneinander eingreifen (vgl BSG vom 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R - SozR 4-4200 § 11b Nr. 6 RdNr 14).
Danach ist von dem monatlichen Einkommen aus Erwerbstätigkeit für den Teil des monatlichen Einkommens, das den erhöhten Grundfreibetrag übersteigt und nicht mehr als 1000 Euro beträgt, ein weiterer Betrag von 20 % abzusetzen (vgl BSG vom 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R - SozR 4-4200 § 11b Nr. 6 RdNr 25 mit Verweis auf eine ansonsten mögliche Doppelprivilegierung von Einkommen).
Denn in Rechtsstreitigkeiten über schon abgeschlossene Bewilligungsabschnitte ist das zum damaligen Zeitpunkt geltende Recht anzuwenden (vgl. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R, Rn. 9, juris).
Diese Intention ist bei der Anhebung des Freibetrags auf 200 Euro durch Art. 8 des Ehrenamtsstärkungsgesetzes vom 21. März 2013 nochmals deutlich geworden (vgl. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R, Rn. 22 m. w. N., juris).
Beim Zusammentreffen von Einkünften aus Erwerbstätigkeit und aus steuerprivilegierter (ehrenamtlicher) Tätigkeit i. S. d. § 11b Abs. 2 Satz 3 SGB II sind nach der Rechtsprechung des BSG, welcher sich der Senat anschließt, Absetzbeträge nach § 11b Abs. 2 SGB II für jede Tätigkeit gesondert anzusetzen und können nebeneinander Anwendung finden (vgl. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R, juris).
Hiervon geht das BSG beim Zusammentreffen von Einkünften aus Erwerbstätigkeit und steuerfreien Einkünften i. S. v. § 11b Abs. 2 Satz 3 SGB II aus und verweist dazu auf die Formulierung im Wortlaut, dass der Betrag von 175 Euro "an die Stelle" des Betrages von 100 Euro tritt (vgl. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R, Rn. 20, juris).
Die Beklagte habe das Urteil des BSG vom 28. Oktober 2014, B 14 AS 61/13 R, zur Kenntnis genommen, sei jedoch an die fachlichen Weisungen gebunden.
Denn in Rechtsstreitigkeiten über schon abgeschlossene Bewilligungsabschnitte ist das zum damaligen Zeitpunkt geltende Recht anzuwenden (BSG; Urteil vom 28.10.2014, B 14 AS 61/13 R, RdNr 9).
22 Absetzbeträge nach § 11b Abs. 2 SGB II sind nach der überzeugenden Rechtsprechung des BSG (Urteil vom 28.10.2014, B 14 AS 61/13 R, RdNr 14) bei dem Zusammentreffen von Einkünften aus nicht privilegierter Erwerbstätigkeit i S von § 11b Abs. 2 Satz 1 SGB II und aus steuerprivilegierter (ehrenamtlicher) Tätigkeit i S von § 11b Abs. 2 Satz 3 SGB II für jede Tätigkeit gesondert anzusetzen und können auch nebeneinander eingreifen.
Zuletzt hat die Klägerin ihre Klage bezugnehmend auf die Entscheidung des Bundessozialgerichts (BSG) vom 28. Oktober 2014 (B 14 AS 61/13 R) damit begründet, dass die Freibeträge nach § 11b Abs. 2 Satz 1 SGB II und § 1 Absatz 7 der Arbeitslosengeld II-Verordnung kumulativ zu gewähren seien.
Der höhere Freibetrag nach § 11b Abs. 2 Satz 3 SGB II ist als Freibetragsobergrenze zu begreifen, denn nach dem Wortlaut tritt der Betrag von 175 Euro "an die Stelle" des Betrages von 100 Euro (vgl. BSG vom 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R -, SozR 4-4200 § 11b Nr. 6, Rn. 15 ff.).
Dieser Erwerbstätigenfreibetrag gilt nicht für die Teilnahme an Freiwilligendiensten bzw. steuerprivilegierte Tätigkeiten (vgl. LSG Niedersachsen-Bremen vom 11. März 2015 - L 13 AS 10/14 - juris Rn. 19, im Ergebnis BSG vom 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R - juris Rn. 24).
In Rechtsstreitigkeiten über abgeschlossene Bewilligungsabschnitte ist das zum damaligen Zeitpunkt geltende Recht anzuwenden (vgl. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R, juris).
Durch die Privilegierung solcher Einnahmen in Form eines erhöhten Grundfreibetrages sollte dem gesetzgeberischen Anliegen Rechnung getragen werden, die gesellschaftspolitisch wünschenswerte Wahrnehmung von ehrenamtlichen Aufgaben durch Leistungsempfänger auch wegen der damit verbundenen möglichen Verbesserung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt anzuerkennen ( BSG Urt. v. 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R Rn. 17).
Es ist jedoch kein nachvollziehbarer Grund ersichtlich, warum lediglich besser bezahlte ehrenamtliche Aufgaben von der Privilegierung des § 11b Abs. 2 S. 3 SGB II profitieren sollten ( BSG Urt. v. 28. Oktober 2014 - B 14 AS 61/13 R Rn. 18).
BSG, 25.08.2015 - B 4 AS 119/15 B
Dabei kann offen bleiben, ob die von ihr aufgeworfene Rechtsfrage nicht schon aufgrund der von ihr nicht ansatzweise in den Blick genommenen höchstrichterlichen Rechtsprechung zur Berechnung des zu berücksichtigenden Einkommens bei selbstständiger Erwerbstätigkeit (…vgl nur BSG SozR 4-4225 § 3 Nr. 5 RdNr 17 ff;… BSG Urteil vom 5.6.2014 - B 4 AS 49/13 R - RdNr 16, zur Veröffentlichung in SozR 4-4200 § 11 Nr. 66 vorgesehen) und zum Sinn und Zweck der Erwerbstätigenpauschale bzw zum Verhältnis der Erwerbstätigenpauschale zum Erwerbstätigenfreibetrag des § 11b Abs. 2 S 1 SGB II (…dazu BSG SozR 4-4200 § 11 Nr. 40 RdNr 19; BSG Urteil vom 28.10.2014 - B 14 AS 61/13 R - RdNr 25, zur Veröffentlichung in SozR 4-4200 § 11b Nr. 6 vorgesehen) geklärt ist oder sich beantworten ließe.

References: § 11
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 Art. 8
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