Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/zuschuesse-zu-den-fahrtkosten-zur-arbeit-346303
Timestamp: 2020-08-11 10:10:58+00:00

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Zuschüsse zu den Fahrtkosten zur Arbeit | Rechtslupe
Brin­gen Steu­er­pflich­ti­ge mit einer ent­spre­chen­den Behin­de­rung für die Wege zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te anstel­le der Ent­fer­nungs­pau­scha­len die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen für ein Kraft­fahr­zeug durch indi­vi­du­ell ermit­tel­te Kilo­me­ter­sät­ze in Abzug, sind die nach der Kraft­fahr­zeug­hil­fe-Ver­ord­nung für die Beschaf­fung des Kraft­fahr­zeugs sowie für eine behin­de­rungs­be­ding­te Zusatz­aus­stat­tung erhal­te­nen Zuschüs­se mit­tels einer Kür­zung der AfA-Bemes­sungs­grund­la­ge zu berück­sich­ti­gen.
Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Sät­ze 1 und 2 EStG sind Wer­bungs­kos­ten auch Auf­wen­dun­gen des Arbeit­neh­mers für die Wege zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te. Zur Abgel­tung die­ser Auf­wen­dun­gen ist für jeden Arbeits­tag, an dem der Arbeit­neh­mer die Arbeits­stät­te auf­sucht, eine Ent­fer­nungs­pau­scha­le für jeden vol­len Kilo­me­ter der Ent­fer­nung zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te von 0,30 EUR anzu­set­zen, höchs­tens jedoch 4.500 EUR im Kalen­der­jahr; ein höhe­rer Betrag als 4.500 EUR ist anzu­set­zen, soweit der Arbeit­neh­mer einen eige­nen oder ihm zur Nut­zung über­las­se­nen Kraft­wa­gen benutzt.
Aller­dings kön­nen Behin­der­te, deren Grad der Behin­de­rung min­des­tens 70 beträgt, für die Wege zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te anstel­le der Ent­fer­nungs­pau­scha­len die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen in Abzug brin­gen (§ 9 Abs. 2 Satz 3 Nr. 1 EStG). Auf­grund des­sen kann ein Steu­er­pflich­ti­ger mit einer ent­spre­chen­den Behin­de­rung die tat­säch­li­chen Wege­kos­ten nach sei­ner Wahl ent­we­der ohne Ein­zel­nach­weis nach pau­scha­lier­ten Kilo­me­ter­sät­zen oder nach indi­vi­du­el­len –anhand der nach­ge­wie­se­nen Fahr­zeug­auf­wen­dun­gen ermit­tel­ten– Kilo­me­ter­sät­zen berech­nen [1].
Bei der Ermitt­lung der tat­säch­li­chen Wege­kos­ten anhand von indi­vi­du­el­len Kilo­me­ter­sät­zen sind die gesam­ten Fahr­zeug­kos­ten zu berück­sich­ti­gen [2]. Zu den abzieh­ba­ren Wer­bungs­kos­ten gehört mit­hin gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 EStG auch die AfA, deren Bemes­sungs­grund­la­ge nach § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG die Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten sind.
Die Anschaf­fungs­kos­ten min­dern sich jedoch inso­weit, als der Steu­er­pflich­ti­ge Leis­tun­gen nach der Kraft­fahr­zeug­hil­fe-Ver­ord­nung für die Beschaf­fung eines Kraft­fahr­zeugs oder den Erwerb einer behin­de­rungs­be­ding­ten Zusatz­aus­stat­tung erhal­ten hat.
Denn gemäß § 255 Abs. 1 Satz 3 HGB sind von den Anschaf­fungs­kos­ten Anschaf­fungs­preis­min­de­run­gen abzu­set­zen. § 255 Abs. 1 HGB gilt mit sei­nem ein­heit­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten­be­griff glei­cher­ma­ßen im Bereich der Gewinn­ein­künf­te wie im Bereich der Über­schuss­ein­künf­te [3]. Die Bestim­mung des § 255 Abs. 1 Satz 3 HGB über Anschaf­fungs­preis­min­de­run­gen gilt nicht nur für Kauf­preis­nach­läs­se, son­dern nach dem Zweck der Akti­vie­rungs­norm ganz all­ge­mein für Ermä­ßi­gun­gen der Anschaf­fungs­kos­ten und damit für Rück­flüs­se von im Zusam­men­hang mit dem Erwerb geleis­te­ten Auf­wen­dun­gen, die nicht sofort abzieh­bar, son­dern auf die Zeit der Nut­zungs­dau­er des Wirt­schafts­guts zu ver­tei­len gewe­sen wären [4]. So ver­hält es sich etwa dann, wenn Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten zurück­ge­zahlt oder Anschaf­fungs­aus­ga­ben von Drit­ten erstat­tet oder ver­gü­tet wer­den, sofern hier­in nicht ein Ent­gelt für eine Leis­tung des Emp­fän­gers liegt [5]. Der Min­de­rungs­vor­gang muss mit dem Anschaf­fungs­ge­schäft so ver­bun­den sein, dass der Zufluss von Gütern in Geld oder Gel­des­wert als Ermä­ßi­gung (Rück­füh­rung) von Anschaf­fungs­kos­ten bewer­tet wer­den kann. Nicht not­wen­dig ist indes eine recht­li­che oder gar syn­al­lag­ma­ti­sche Ver­knüp­fung; aus­rei­chend ist viel­mehr ein wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang, der gege­ben ist, wenn der maß­ge­ben­de Anlass für den Min­de­rungs­vor­gang in der Anschaf­fung liegt [6].
Dem­entspre­chend min­dern die als Zuschuss für die Beschaf­fung eines Kraft­fahr­zeugs sowie für eine behin­der­ten­ge­rech­te Zusatz­aus­stat­tung gewähr­ten Leis­tun­gen nach der Kraft­fahr­zeug­hil­fe-Ver­ord­nung die Anschaf­fungs­kos­ten. Denn der maß­ge­ben­de Anlass für die Gewäh­rung der Kraft­fahr­zeug­hil­fe liegt in der Beschaf­fung eines Kraft­fahr­zeugs (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 KfzHV i.V.m. § 5 KfzHV) und in dem Erwerb einer behin­de­rungs­be­ding­ten Zusatz­aus­stat­tung (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 KfzHV i.V.m. § 7 KfzHV).
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juni 2012 – VI R 89/​10
BFH, Beschluss vom 05.05.2009 – VI R 77/​06, BFHE 225, 64, BStBl II 2009, 729, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 01.10.1982 – VI R 192/​79, BFHE 136, 488, BStBl II 1983, 17, Zin­sen für die Anschaf­fung eines Kraft­fahr­zeugs; Bergkem­per in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 9 EStG Rz 643[↩]
BFH, Urtei­le vom 26.02.2002 – IX R 20/​98, BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796; vom 19.12.2000 – IX R 100/​97, BFHE 194, 182, BStBl II 2001, 345; vom 21.01.1999 – IV R 27/​97, BFHE 188, 27, BStBl II 1999, 638; vom 19.07.1994 – VIII R 58/​92, BFHE 176, 317, BStBl II 1995, 362[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796; vom 14.07.1988 – IV R 78/​85, BFHE 154, 212, BStBl II 1989, 189[↩]
BFH, Urtei­le vom 07.12.2010 – IX R 46/​09, BFHE 236, 87, BStBl II 2012, 310; in BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796[↩]
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References: § 9
 § 9
 § 7
 § 255
 § 255
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 § 5
 § 7
 § 9