Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/medizinisches-versorgungszentrum-und-die-anerkennung-als-belegarzt-329856
Timestamp: 2020-07-15 06:20:10+00:00

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Medizinisches Versorgungszentrum und die Anerkennung als Belegarzt | Rechtslupe
Die Aner­ken­nung als Beleg­arzt im Sin­ne von § 121 Abs 2 SGB V ist per­so­nen­be­zo­gen; einem bestimm­ten, nament­lich benann­ten und hin­sicht­lich sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on iden­ti­fi­zier­ba­ren Arzt wird die Berech­ti­gung erteilt, neben ambu­lan­ten ver­trags­ärzt­li­chen Leis­tun­gen auch sta­tio­nä­re Leis­tun­gen zu erbrin­gen und zu Las­ten der ver­trags­ärzt­li­chen Gesamt­ver­gü­tung abzu­rech­nen. Des­halb ist es aus­ge­schlos­sen, einem Medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­trum (MVZ) ohne Bezug auf einen kon­kre­ten Arzt die Geneh­mi­gung zur Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit zu ertei­len. Auf der ande­ren Sei­te bie­ten die Öff­nung der Zulas­sung zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung auch für MVZen in § 95 Abs 1 Satz 2 SGB V und die Ver­wei­sung auf die für Ver­trags­ärz­te gel­ten­den Rege­lung in § 95 Abs 3 Satz 2 SGB V kei­ne hin­rei­chen­de Grund­la­ge für die Auf­fas­sung der Beklag­ten, wonach MVZen – anders als Ver­trags­ärz­te – gene­rell nicht beleg­ärzt­lich tätig sein könn­ten.
So hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in Über­ein­stim­mung mit dem Sozi­al­ge­richt Mar­burg [1] und – in der Beru­fungs­in­stanz – dem Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt [2] ange­nom­men, dass einem Medi­zi­ni­schem Ver­sor­gungs­zen­trum bezo­gen auf einen dort täti­gen Arzt die Geneh­mi­gung erteilt wer­den kann, dass die­ser Arzt beleg­ärzt­li­che Leis­tun­gen erbringt, die dann aller­dings (nur) von sei­nem MVZ abge­rech­net wer­den kön­nen. Anders kann der (mög­li­che) Wider­spruch zwi­schen der Bin­dung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit an den ver­trags­ärzt­li­chen Sta­tus und die grund­sätz­li­che Gel­tung aller Vor­schrif­ten für Ver­trags­ärz­te auch für MVZen (§ 72 Abs 1 Satz 2 SGB V) nicht auf­ge­löst wer­den. Hät­te der Gesetz­ge­ber – wie es der Auf­fas­sung der Beklag­ten ent­spricht – an der Bin­dung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit an den Zulas­sungs­sta­tus eines Ver­trags­arz­tes fest­hal­ten wol­len, hät­te dies im Zusam­men­hang mit den Vor­schrif­ten über das MVZ aus­drück­lich bestimmt wer­den müs­sen. Ob dies mit Art 3 Abs 1 GG ver­ein­bar wäre, bedarf kei­ner Ent­schei­dung, weil eine der­ar­ti­ge expli­zi­te Rege­lung nicht ergan­gen ist und sich die von der Beklag­ten ange­nom­me­ne Rechts­fol­ge auch nicht zwin­gend aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang der §§ 95, 121 SGB V ergibt.
Aner­ken­nung nur für Beleg­arzt oder auch für MVZ?
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt lässt offen, ob die Auf­fas­sung der Beklag­ten zutrifft, dass bei der Tätig­keit von Ver­trags­ärz­ten in einem MVZ nur die­sen und nicht (auch) dem MVZ selbst die Aner­ken­nung als Beleg­arzt zu ertei­len ist.
Wenn allein der im MVZ täti­ge Ver­trags­arzt und nicht das MVZ selbst im for­mel­len Sin­ne beleg­ärzt­li­che Leis­tun­gen erbringt, die­se Leis­tun­gen wohl nicht unter der Abrech­nungs­num­mer des MVZ abge­rech­net wer­den könn­ten. Das hät­te zur Fol­ge, dass die ambu­lan­ten Leis­tun­gen eines im MVZ täti­gen Ver­trags­arz­tes über das MVZ und die sta­tio­nä­ren Leis­tun­gen über eine eige­ne Abrech­nungs­num­mer erfasst wür­den. Ein sol­ches Neben­ein­an­der lie­fe auf eine Dif­fe­ren­zie­rung hin­aus, die im Gesetz zumin­dest typi­scher­wei­se nicht ange­legt ist. Es könn­ten sich auch Frik­tio­nen zur Recht­spre­chung des Senats erge­ben, wonach bei der Anwen­dung von Hono­rar­be­gren­zungs­re­ge­lun­gen die Ver­gü­tung aus beleg­ärzt­li­cher Tätig­keit mit zu berück­sich­ti­gen ist [3]. Jeden­falls ist es aus­ge­schlos­sen, einem als Ver­trags­arzt in einem MVZ täti­gen Arzt eine Beleg­arzt­an­er­ken­nung ohne Mit­wir­kung des MVZ zu ertei­len. Solan­ge ein Ver­trags­arzt in einem MVZ tätig wird, kann er auch eine Erwei­te­rung sei­nes Leis­tungs­spek­trums wie etwa die Berech­ti­gung zur Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit nicht ohne oder gegen sein MVZ errei­chen.
Auch der Annah­me, MVZen, in denen Ver­trags­ärz­te tätig sei­en, kön­ne zuguns­ten die­ser Ver­trags­ärz­te die beleg­ärzt­li­che Tätig­keit geneh­migt wer­den, wäh­rend das in einem MVZ, in dem nur ange­stell­te Ärz­te tätig sind, nicht mög­lich sei, ver­mag sich das Bun­des­so­zi­al­ge­richt dem nicht anzu­schlie­ßen. In einem MVZ kön­nen sowohl Ver­trags­ärz­te wie ange­stell­te Ärz­te tätig wer­den (§ 95 Abs 1 Satz 2 SGB V), und es leuch­tet nicht ein, wes­halb die­ser Sta­tus im Unter­schied zum Zulas­sungs­sta­tus des MVZ dar­über ent­schei­den soll, ob die im MVZ tat­säch­lich arbei­ten­den Ärz­te beleg­ärzt­lich tätig wer­den kön­nen oder nicht.
Beim Medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­trum ange­stell­te Ärz­te
Der per­so­nen­be­zo­ge­ne Cha­rak­ter der Beleg­arzt­an­er­ken­nung auch bei ange­stell­ten Ärz­ten in einem MVZ kommt ins­be­son­de­re dadurch zum Aus­druck, dass die recht­li­che Vor­ga­be, wonach die Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit nicht den Schwer­punkt der ver­trags­ärzt­li­chen Tätig­keit bil­den darf (§ 39 Abs 2 Satz 1 BMV‑Ä bzw. § 31 Abs 2 Satz 1 EKV‑Ä), sinn­ge­mäß sowohl auf das MVZ wie auf jeden Arzt zu bezie­hen ist, der beleg­ärzt­lich tätig wer­den will. Inso­weit folgt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht der Auf­fas­sung des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts [2], wonach für die Kon­kre­ti­sie­rung der Vor­ga­be des § 39 Abs 2 Satz 1 BMV‑Ä hin­sicht­lich des Über­wie­gens der ambu­lan­ten Tätig­keit nur auf den Zulas­sungs­sta­tus des MVZ abzu­stel­len sei. Danach könn­te das MVZ einen Arzt anstel­len, der aus­schließ­lich sta­tio­nä­re Leis­tun­gen erbringt, wenn nur im Gesamt­spek­trum des MVZ die ambu­lan­te Tätig­keit der sta­tio­nä­ren Tätig­keit quan­ti­ta­tiv über­le­gen ist. Das ist nicht mög­lich. Die in § 121 SGB V ange­leg­te begrenz­te Öff­nung der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung für Ver­trags­ärz­te darf nicht zur Fol­ge haben, dass fak­tisch aus­schließ­lich im sta­tio­nä­ren Bereich täti­ge Ärz­te for­mell ver­trags­ärzt­lich tätig sind. Die beleg­ärzt­li­che Tätig­keit muss für den ein­zel­nen Arzt, der sie aus­übt, ein Annex zu sei­ner schwer­punkt­mä­ßig ambu­lan­ten Tätig­keit sein. Dafür ist uner­heb­lich, ob ein Ver­trags­arzt sei­ne eige­ne Pra­xis führt, ob ein Arzt als Ver­trags­arzt in einem MVZ tätig ist oder ob er als ange­stell­ter Arzt in einem MVZ arbei­tet. Nur auf die­se Wei­se kann die von § 121 Abs 1 SGB V inten­dier­te effek­ti­ve Ver­zah­nung von ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Behand­lung durch einen Arzt gegen­über dem­sel­ben Pati­en­ten umge­setzt wer­den.
Im hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall sind daher nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in der Per­son des Dr. H. die Vor­aus­set­zun­gen des § 39 Abs 2 Satz 1 BMV‑Ä bzw. § 31 Abs 2 Satz 1 EKV‑Ä erfüllt, weil die­sem nach dem Beleg­arzt­ver­trag in der H.-Klinik nur ein Beleg­bett für sei­ne neu­ro­chir­ur­gi­sche Tätig­keit zur Ver­fü­gung steht. Das schließt aus, dass die sta­tio­nä­re Tätig­keit in Zukunft den Schwer­punkt der Betei­li­gung die­ses Arz­tes an der ver­trags­ärzt­li­chen Tätig­keit des kla­gen­den MVZ bil­det. Auf der ande­ren Sei­te erge­ben sich aus dem Umstand, dass Dr. H. nur ein Beleg­bett zur Ver­fü­gung steht, kei­ne Beden­ken gegen sei­ne Eig­nung zur Aus­übung der beleg­jähr­li­chen Tätig­keit. Aller­dings hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in Zusam­men­hang mit der Son­der­zu­las­sung zur Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit nach § 103 Abs 7 SGB V mehr­fach ent­schie­den, dass die Zulas­sungs­gre­mi­en eine sehr gerin­ge Zahl von Beleg­bet­ten als Indiz wer­ten dür­fen, dass eine beleg­ärzt­li­che Tätig­keit nicht ernst­lich gewollt ist [4]. Die­ser Aspekt spielt im Rah­men des Aner­ken­nungs­ver­fah­rens nach §§ 39, 40 BMV‑Ä bzw. §§ 31, 32 EKV‑Ä kei­ne Rol­le. Abge­se­hen davon, dass im Rah­men von Son­der­zu­las­sun­gen nach § 103 Abs 7 SGB V die Vor­ga­ben der Kran­ken­haus­pla­nung beach­tet wer­den und des­halb auch eine (ver­meint­lich) gerin­ge Zahl aus­ge­wie­se­ner Bet­ten in einer Beleg­ab­tei­lung hin­ge­nom­men wer­den müs­sen [5], liegt der erwähn­ten Recht­spre­chung die Erwä­gung zu Grun­de, das Unter­lau­fen von Zulas­sungs­be­schrän­kun­gen durch pro-for­ma-Beleg­arzt­tä­tig­kei­ten zu ver­hin­dern. Beleg­arzt­an­er­ken­nun­gen nach §§ 39, 40 BMV‑Ä bzw. §§ 31, 32 EKV‑Ä gegen­über bereits im jewei­li­gen Pla­nungs­be­reich zuge­las­se­nen Ärz­ten und MVZen beein­flus­sen den Ver­sor­gungs­grad in die­sem Pla­nungs­be­reich jedoch nicht.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 23. März 2011 – B 6 KA 15/​10 R
SG Mar­burg, Urteil vom 30.01.2008 – S 12 KA 1082/​06[↩]
Hess. LSG, Urteil vom 24.06.2009 – L 4 KA 17/​08[↩][↩]
BSG SozR 3 – 2500 § 121 Nr 4[↩]
BSGE 88, 6, 15 = SozR 3 – 2500 § 103 Nr 6 S 48; zuletzt BSG SozR 4 – 2500 § 103 Nr 5 RdNr 38 bis 41[↩]
BSG, SozR 4 – 2500 § 103 Nr 5 RdNr 41[↩]
ArztBelegarztKrankenhausMedizinisches VersorgungszentrumVertragsarzt

References: § 121
 § 95
 § 95
 § 31
 § 39
 § 121
 § 121
 § 39
 § 31
 § 103
 § 103
 § 121
 § 103
 § 103
 § 103