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Tacheles Rechtsprechungsticker KW 43/2015 | Rechtsanwalt König in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht Rechtsanwalt in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht
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1. 1 BSG, Urteil vom 19.08.2015 – B 14 AS 1/15 R
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Rechtmäßigkeit der Aufforderung zur Beantragung einer vorzeitigen Altersrente – abschließende Regelung der UnbilligkeitsV – Ermessensentscheidung des Grundsicherungsträgers
2. 1 Landessozialgericht Hamburg, Beschluss vom 15.10.2015 – L 4 AS 403/15 B ER
1. Die Ausschlussnorm des § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB II ist europarechtlich unbedenklich (Rechtsprechung des EuGH, Urteil vom 11.11.2014 – C-333/13 "Dano"; Urteil vom 15.9.2015 – C-67/14 "Alimanovic").
Rechtstipp: im Ergebnis wohl ebenso: Bay LSG, Beschluss vom 01.10.2015 – L 7 AS 627/15 B ER
2. 2 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss v. 31.07.015 – L 25 AS 1911/14 B PKH – rechtskräftig
Gewährung von Prozesskostenhilfe – Aufrechnung nach § 42a Abs. 2 SGB II eines Darlehens für Stromschulden in Höhe von 10 Prozent – Erfolgsaussicht bejahend
1. Gegen § 42a Abs. 2 SGB II werden gewichtige verfassungsrechtliche Bedenken erhoben, die insbesondere damit begründet werden, die laufende Minderung der Leistung zur Deckung des Regelbedarfs wegen Aufwendungen für ein Darlehen negiere die vom BVerfG geforderte Möglichkeit, Ansparungen auf Regelbedarfsanteile vorzunehmen (vgl. etwa Sozialgericht Berlin, Beschluss vom 30. September 2011 – S 37 AS 24431/11 ER ; LSG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 18. November 2013 – L 10 AS 1793/13 B PKH ). Das BVerfG habe nur eine vorübergehende monatliche Kürzung der Regelleistung ausdrücklich verfassungsrechtlich nicht beanstandet (vgl. LSG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 23. April 2015 – L 7 AS 1451/14 ). Der 20. Senat des LSG Berlin-Brandenburg hat in seinem Urteil vom 12. März 2015 (L 20 AS 261/13 ) diese Bedenken zwar nicht geteilt, aber die Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung in Bezug auf die hier erörterte Rechtsfrage zugelassen, die beim Bundesssozialgericht unter dem Aktenzeichen B 4 AS 14/15 R anhängig ist.
2. 3 LSG BB, Urteil v. 25.08.2015 – L 37 SF 29/14 EK AS
Sozialgerichtliches Verfahren: Entschädigung wegen überlanger Dauer eines sozialgerichtlichen Verfahrens – Verzögerungsrüge war hier entbehrlich
2. Abweichung von der regelmäßig als angemessen anzusehenden Vorbereitungs- und Bedenkzeit von 12 Monaten (BSG, Urteile vom 03.0.2014 – B 10 ÜG 12/13 R – B 10 ÜG 2/14 R).
2. 4 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss v. 15.09.2015 – L 34 AS 1868/15 B ER – rechtskräftig
2. 5 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Urteil v. 17.09.2015 – L 31 AS 1571/15
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Einkommensberücksichtigung und -berechnung – Zufluss der Kindergeldnachzahlung für mehrere Monate in einem Monat – Mehrfachabsetzung des Pauschbetrages in Höhe von 30,00 Euro – Offen gelassen, ob die Nachzahlung des Kindergeldes als einmalige oder laufende Einnahme im Sinne der Alg II-V zu qualifizieren ist.
Fließt das Kindergeld im Rahmen einer Nachzahlung für mehrere Monate in nur einem Monat zu, ist für jeden Monatsbetrag die Versicherungspauschale von 30,- € abzusetzen. ( Anlehnung an BSG, 17.07.2014 – B 14 AS 25/13 R ).
2. 6 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss v. 14.10.2015 – L 19 AS 1627/15 B ER – rechtskräftig
Vollständiger Entfall von ALG II gem. § 31a Abs. 1 S. 3 SGB II ( wiederholte Pflichtverletzung ) – Prüfung der Rechtmäßigkeit eines angefochtenen Eingliederungsverwaltungsakts – Abwägung Aussetzungs- und Vollzugsinteresse – wichtiger Grund – fehlender Nachweis von Eigenbemühungen – Zulässigkeit der in dem Verwaltungsakt getroffenen Regelungen – Kostenübernahmeregelung – Verfassungsmässigkeit von Sanktionen
2. Durchgreifende Anhaltspunkte für eine Verfassungswidrigkeit der Sanktionsregelungen des SGB II hat der Senat nicht (vgl. Beschluss des Senats vom 28.03.2013 – L 19 AS 458/13 B; LSG Bayern, Beschluss vom 08.07.2015 – L 16 AS 381/15 B ER m.w.N. a. A. SG Gotha, Beschluss vom 26.05.2015 – S 15 AS 5157/14).
2. 7 Hessisches Landessozialgericht, Beschluss v. 18.09.2015 – L 7 AS 431/15 B ER
3. 1 SG Heilbronn, Beschl. v. 23.10.2015 – S 11 AS 2976/15 ER
3. 2 Sozialgericht Karlsruhe, Urteil v. 25.08.2015 – S 15 AS 997/15
Anmerkung: Vgl. dazu Bay LSG, Urteil vom 22.07.2015 – L 16 AS 502/14 – Bei der Anrechnung von Einkommen aus einer Erbschaft können Erbschaftskosten (Bestattungskosten) nach dem SGB II nur im Monat des Zuflusses berücksichtigt werden; LSG NSB, Beschluss vom 09.02.2015, L 11 AS 1352/14 B ER – Bei der Anrechnung von Einkommen aus einer während des laufenden SGB II Leistungsbezugs angefallenen Erbschaft sind die mit der Erzielung des Einkommens verbundenen notwendigen Ausgaben abzusetzen. Hierzu zählen auch die vom Leistungsempfänger getragenen Beerdigungskosten (§ 11b Abs 1 Satz 1 Nr 5 SGB II i.V.m. § 1968 BGB).
3. 3 SG Dortmund, Urt. v. 07.10.2015 – S 33 AS 1731/13
Rechtstipp: Ummeldung und Umstellung von Post- und Telekommunikationsanschlüssen sowie die notwendige Unterrichtung Dritter können als Umzugskosten übernommen werden (str., bejaht vom SG Dresden vom 6.6.2006 – S 23 AS 838/06 ER und vom11.01.2010 SG Speyer S 6 AS 239/08 ( auch Postnachsendeantrag) , SG Berlin vom 14.12.2010 – S 197 AS 26002/09; SG Mannheim vom 12.12.2011 – S 10 AS 4474/10: Postnachsendeantrag).
3. 4 Sozialgericht Neuruppin, Gerichtsbescheid vom 12.10.2015 – S 26 AS 259/11 und vom 16.10.2015 – S 26 AS 1976/13
OTC-Medikamente – Grundsicherung nach dem SGB II – unabweisbare laufende Bedarfe – erhöhte Aufwendungen für Arzneimittel
Anmerkung: Vgl. dazu Beschluss vom 29.01.2014 – L 7 AS 711/13 B – Bewilligung von Prozesskostenhilfe, denn vorliegend liegen zu der Rechtsfrage, ob und unter welchen Voraussetzungen apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Medikamente (OTC [over the counter]-Präparate) von der Krankenkasse oder aber als Mehrbedarf nach § 21 SGB II vom Job-Center zu übernehmen sind, wiederstreitende Entscheidungen vor.
Rechtstipp: LSG NRW, Beschluss vom 04.06.2014 – L 7 AS 357/13 B – rechtskräftig – Kosten für nicht verschreibungspflichtige Medikamente als auch für nicht verordnungsfähige Arzneimittel können einen Anspruch auf Mehrbedarf im Sinne von § 21 Abs. 6 SGB II auslösen.
3. 5 SG Nordhausen, Urteil v. 09.07.2014 – S 22 AS 4109/12
1. Die nach § 28 Abs. 1, 5 SGB II als Bedarf für Bildung und Teilhabe zu berücksichtigende "schulische Angebote ergänzende angemessene Lernförderung" ist nicht auf Nachhilfe im engeren Sinne und für einen kurzfristigen Zeitraum beschränkt. Erfordert – wie bei der Teilleistungsschwäche Legasthenie – die Art der Störung eine besondere Form der Lernförderung, ist diese ebenfalls davon umfasst, und zwar auch dann, wenn sie notwendig längere Zeit in Anspruch nimmt.
Rechtstipp: Auch das Training für Legastheniker ist eine Lernförderung i. S. des § 28 Abs. 5 SGB II. Dies wird von der Rechtsprechung weitgehend anerkannt (vgl. LSG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 12.01.2015 – L 2 AS 622/14 B ER; Schleswig-Holsteinisches LSG, Beschluss vom 26. März 2014 – L 6 AS 31/14 B E; LSG Niedersachsen-Bremen Beschluss vom 28. Februar 2012 – L 7 AS 43/12 B ER; LSG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 13. Mai 2011 – L 5 AS 498/10 B ER ).
4. 1 Bayerisches Landessozialgericht, Urteil v. 22.09.2015 – L 8 SO 149/12
Sozialhilfe – Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung – Mehrbedarf wegen kostenaufwändiger Ernährung – isolierter Antrag
5. 1 SG Landshut, Endurteil vom 14.10.2015 – S 11 SO 36/15

References: § 7
 § 42
 § 42
 § 31
 § 1968
 § 21
 § 21
 § 28
 § 28