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Timestamp: 2017-11-19 21:30:05+00:00

Document:
VORIS Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz | 204.1-42500/0-396 | Verwaltungsvorschrift (Niedersachsen) | Tierschutz; Mindestanforderungen an die Haltung von Puten | i. d. F. v. 04.12.2014 | gültig ab 04.12.2014 | gültig bis 31.12.2019
Aktenzeichen: 204.1-42500/0-396
Normen: § 58a AMG 1976, § 2 TierSchG, § 11 TierSchG, § 16a TierSchG, § 4 TierSchNutztV
Fundstelle: Nds. MBl. 2014, 804
Mindestanforderungen an die Haltung von Puten
RdErl. d. ML v. 4. 12. 2014 – 204.1-42500/0-396 –
Fundstelle: Nds. MBl. 2014 Nr. 44, S. 804
RdErl. v. 23. 6. 2011 (Nds. MBl. S. 565)
1. Zur Auslegung einer den Anforderungen des § 2 Tierschutzgesetz (im Folgenden: TierSchG) entsprechenden Putenhaltung sind
die allgemeinen Bestimmungen der TierSchNutztV,
das Europäische Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen (ETÜ), Empfehlung in Bezug auf Puten (Meleagris gallopavo ssp.), angenommen am 21. 6. 2001 (Bek. vom 22. 2. 2002, BAnz. S. 4743), – im Folgenden: Europaratsempfehlungen – sowie
die Bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen – Stand März/September 2013 – (Anlage 1, im Folgenden: Bundeseinheitliche Eckwerte) mit den folgenden ergänzenden Maßgaben heranzuziehen.
Die zustände Behörde fragt mit der Anmeldung zur Schlachtgeflügeluntersuchung den geplanten Beginn (Uhrzeit) und die voraussichtliche Dauer der Verladung der Tiere ab.
Die zuständige Behörde kontrolliert stichprobenartig die ordnungsgemäße Durchführung der Verladung. Dabei ist darauf zu achten, dass die Tierhalterin oder der Tierhalter dafür Sorge trägt, dass das Einfangen und die Verladung der Tiere ordnungsgemäß durchgeführt wird. Als Tierhalterin oder Tierhalter i. S. des § 2 Nr. 1 TierSchG trägt sie oder er die Verantwortung für die Tiere, solange diese sich auf ihrem oder seinem Betrieb befinden. Hinsichtlich der Sachkunde der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fangkolonnen wird auf den Bezugserlass verwiesen.
Hinsichtlich der Bestandskontrolle durch die Tierhalterin oder den Tierhalter wird explizit auf Artikel 7 Nr. 2 der o. g. Europaratsempfehlungen hingewiesen.
Es ist darauf zu achten, dass in jedem Fall die Bestandsbeobachtung beim Auftreten von Federpicken und Kannibalismus intensiviert wird und die Tierhalterin oder der Tierhalter bereits bei den ersten Anzeichen von Federpicken und Kannibalismus reagiert und erforderliche Gegenmaßnahmen ergreift; insbesondere sind angepickte Tiere unverzüglich zu separieren.
Die Kontrollen der Tierhaltung und deren Ergebnisse sind gemäß § 4 Abs. 2 Satz 1 TierSchNutztV durch die Tierhalterin oder den Tierhalter zu dokumentieren. Dazu gehören z.B. die nach dem Feststellen kranker Tiere ergriffenen Maßnahmen. Neben festgestellten Auffälligkeiten (z.B. Auftreten von Federpicken oder Kannibalismus) sind auch die Verluste – getrennt nach „verendet aufgefundenen“ und „gemerzten“ Tieren – zu notieren. Die täglichen Verluste des laufenden Durchgangs sind zu addieren und der amtlichen Tierärztin oder dem amtlichen Tierarzt bei der Schlachtgeflügeluntersuchung vorzulegen.
Vor dem Hintergrund zunehmend extremer Wetterbedingungen wird auf die Einhaltung des aktualisierten „Merkblatts zur Vermeidung von Hitzestress bei Puten verwiesen“ (Anlage 2 der Bundeseinheitlichen Eckwerte). Neu ist beispielsweise auch für Hähne in Offenställen die Empfehlung der Einrichtung einer Sprühkühlung zur Vermeidung von Hitzestress.
Wenn die Beleuchtung nach tierärztlicher Indikation infolge des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus reduziert wurde und das Kannibalismusgeschehen abgeklungen ist, ist die Beleuchtungsintensität schrittweise wieder auf die Mindestlichtstärke von 20 Lux zu erhöhen. Dabei sind die Tiere genau zu beobachten. Wenn sich die Zahl der bepickten Tiere wieder erhöht, kann – nach tierärztlicher Indikation – ggf. erneut abgedunkelt werden.
Anregungen für eine Strukturierung des Stalles können einem Modellvorhaben des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) entnommen werden (siehe im Internet auf den Seiten der KTBL dort über den Pfad Tierhaltung > Tierart > Weitere > Geflügel > Mastputen-Strukturelemente (http://www.ktbl.de/index.php?id=538#c1323).
Bei der Einrichtung des Außenklimabereichs sind die „Empfehlungen für die Einrichtung und den Betrieb eines Außenklimabereiches in der Putenmast“ (Stand 5. 2. 2013) – Anlage 2 – zu beachten.
Zu Abschnitt 7
Die Erklärung zur Einhaltung der Bundeseinheitlichen Eckwerte sowie zur Teilnahme am Gesundheitskontrollprogramm ist der zuständigen Behörde für Einstallungen seit dem 1. 10. 2013 vorzulegen. Dabei erklärt sich die Tierhalterin oder der Tierhalter gleichzeitig damit einverstanden, dass die Daten in anonymisierter Form wissenschaftlich ausgewertet werden.
Die Teilnahme am Gesundheitskontrollprogramm kann von der Tierhalterin oder dem Tierhalter als Beitrag i. S. des § 11 Abs. 8 TierSchG genutzt werden. Dabei ist auch der Arzneimitteleinsatz ein geeigneter Tierschutzindikator – vgl. u. a. §§ 58a ff. AMG – sog. Antibiotika-Minimierungskonzept.
Die Ergebnisse des Gesundheitskontrollprogramms sind der amtlichen Tierärztin oder dem amtlichen Tierarzt bei der Schlachtgeflügeluntersuchung des Folgedurchgangs vorzulegen.
Die amtliche Tierärztin oder der amtliche Tierarzt überprüft im Rahmen der Schlachtgeflügeluntersuchung neben den Unterlagen des laufenden Durchgangs auch die Ergebnisse des Gesundheitskontrollprogramms des vorherigen Durchgangs; erforderlichenfalls sind von der zuständigen Behörde gemäß § 16a TierSchG die notwendigen Anordnungen zu treffen, um eine § 2 TierSchG entsprechende Haltung der Puten sicherzustellen.
Zu Abschnitt 8
1.7.1 Anlässlich der Schlachtgeflügeluntersuchung lässt sich die zuständige Behörde die für die Besatzdichte maßgeblichen Unterlagen vorlegen. Lediglich Tierhalterinnen oder Tierhalter, die sich zur Einhaltung des Gesundheitskontrollprogramms verbindlich verpflichtet haben und dies gegenüber der zuständigen Behörde belegen, dürfen die höheren Besatzdichten von 52 kg Lebendgewicht/m2 nutzbarer Stallgrundfläche bei Putenhennen bzw. 58 kg Lebendgewicht/m2 nutzbarer Stallgrundfläche bei Putenhähnen halten. Dabei ist sicherzustellen, dass die vorgenannten Besatzdichten auch in der Endphase der Mast nicht überschritten werden. Alle anderen Tierhalterinnen und Tierhalter haben – bis zum Inkrafttreten einer detaillierten Rechtsvorschrift übergangsweise – entsprechend der Bundeseinheitlichen Eckwerte – die Besatzdichte so zu planen, dass auch in der Endphase der Mastperiode bei Putenhennen 45 kg Lebendgewicht pro m2 nutzbarer Stallgrundfläche und bei Putenhähnen 50 kg Lebendgewicht pro m2 nutzbarer Stallgrundfläche nicht überschritten werden.
Sollte am Ausstallungstag die vorgenannte Besatzdichte überschritten werden, führt die zuständige Behörde eine Einzelfallprüfung durch. Erforderlichenfalls sind tierschutzrechtliche Maßnahmen auf der Grundlage des § 16a TierSchG zu treffen, dazu gehört u. a. die Anordnung der Reduktion der einzustallenden Tiere, um die Einhaltung der vorgeschriebenen Besatzdichte zu gewährleisten. Ggf. kommt die Einleitung von Straf- oder Bußgeldverfahren in Betracht.
Im Rahmen jeder Schlachtgeflügeluntersuchung ist von der zuständigen Behörde insbesondere auch zu prüfen, ob die Anforderungen des § 2 TierSchG eingehalten sind. Dieses ist z.B. nicht anzunehmen, wenn auffällig viele Tiere hochgradige Fußballen- oder Brusthautveränderungen aufweisen oder überdurchschnittlich hohe Verluste festgestellt werden, ohne dass hierfür von der Tierhalterin oder vom Tierhalter eine plausible Erklärung zu einer von ihr oder ihm nicht zu verantwortenden Ursache – wie z.B. ein nachweisbares Krankheitsgeschehen – gegeben werden kann. Andernfalls sind behördliche Maßnahmen nach § 16a TierSchG zu treffen. In diesem Zusammenhang ist insbesondere zu prüfen, ob eine deutliche Reduktion (mindestens 10 %) der Besatzdichte für den nachfolgenden Durchgang anzuordnen ist.
2. Dieser RdErl. tritt am 4. 12. 2014 in Kraft und mit Ablauf des 31. 12. 2019 außer Kraft.
die Niedersächsische Geflügelwirtschaft, Landesverband e. V.
die Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spitzenverbände c/o Niedersächsischer Landkreistag
Anlage 1: Bundeseinheitliche Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen
Anlage 1a: Managementempfehlungen zur Erhaltung der Fußballengesundheit bei Mastputen
Anlage 1b: Merkblatt zur Vermeidung von Hitzestress bei Puten
Anlage 2: Empfehlungen für die Einrichtung und den Betrieb eines Außenklimabereiches in der Putenmast (Stand: 05.02.2013)
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References: § 58
 § 2
 § 11
 § 16
 § 4
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 § 16
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