Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=28.02.2008&Aktenzeichen=7%20B%2012.08
Timestamp: 2019-03-24 16:29:41+00:00

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BVerwG, 28.02.2008 - 7 B 12.08 - dejure.org
Abfallbeseitigungsgesetz; Altanlage; Bodenschutz; Deponie; Gefahr; Gefahrenabwehr; Grundstückseigentümer; Haftung; Inanspruchnahme; Notwendigkeit; Ordnungsrecht; Rückwirkung; Sanierungspflicht; Störungsbeseitigung; unmittelbare Verursachung; Unverhältnismäßigkeit; Verhaltensstörer; Verhaltensverantwortlicher; Verwirkung; Zeitpunkt; Zurechnung
Begriff der bestehenden Deponie i.S.d. § 35 Abs. 1 Kreislaufwirtschaftsgesetz und Abfallgesetz (KrW-/AbfG); Anforderungen an die Haftung eines Grundstückseigentümers als Verhaltensverantwortlicher wegen Abschluss eines Pachtvertrages mit dem Zweck der Ermöglichung einer Ablagerung von "Ölabfall" und "übelriechenden Industrieabfällen" in einer Sandgrube ohne abdichtende Erdschichten; Voraussetzungen einer Durchgriffsverantwortlichkeit i.S.d. § 4 Abs. 3 S. 4 Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG); Voraussetzungen an das Bestehen einer Rückwirkung der Sanierungspflicht eines Verhaltensverantwortlichen; Zeitliche Bemessung der Unverhältnismäßigkeit einer Inanspruchnahme eines Verhaltensverantwortlichen
Sanierungspflicht des früheren Verpächters als Verursacher
VG Bayreuth, 30.04.2002 - B 2 K 00.1208
NVwZ 2008, 684
Vielmehr hängt die Frage, ob ein Grundstückseigentümer auch als Verhaltensverantwortlicher haftet, ebenfalls davon ab, ob sein Verhalten die Gefahr "unmittelbar" herbeigeführt, also bei einer wertenden Zurechnung die polizeirechtliche Gefahrenschwelle überschritten hat (vgl. BVerwG, NVwZ 2008, 684).
vgl. BVerwG, Beschluss vom 28. Februar 2008 - 7 B 12.08 -, juris, Rn. 3 (= NVwZ 2008, 684); OVG NRW, Beschluss vom 26. März 2007 - 20 B 61/07 -, juris, Rn. 17 (= NWVBl. 2007, 400), in dem den Kläger betreffenden Eilrechtsschutzverfahren; Schoeneck, in: Sanden/Schoeneck, a. a. O., § 4 Rn. 31; Versteyl, in: Versteyl/Sondermann, BBodSchG, 2. Aufl. 2005, § 4 Rn. 42 f.
Dass ordnungsrechtliche Befugnisse zur Gefahrenabwehr nicht verwirkt werden können, entspricht der Rechtsprechung des beschließenden Senats (Beschluss vom 28. Februar 2008 - BVerwG 7 B 12.08 - Buchholz 451.222 § 4 BBodSchG Nr. 6 Rn. 7; vgl. auch VGH Mannheim, Urteil vom 1. April 2008 - 10 S 1388/06 - NVwZ-RR 2008, 696 m.w.N.).
vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 12. April 2006 - 7 B 30.06 -, juris, Rn. 4 und vom 28. Februar 2008 - 7 B 12.08 -, NVwZ 2008, 684 = juris, Rn. 3; OVG NRW, Beschluss vom 26. März 2007 - 20 B 61/07 -, NWVBl. 2007, 400 = juris, Rn. 17, Urteil vom 20. Mai 2015, a. a. O., Rn. 96; Schoeneck, in: Sanden/Schoeneck, Bundes-Bodenschutzgesetz, 1998, § 4 Rn. 31; Versteyl, in: Versteyl/Sondermann, BBodSchG, 2. Auflage 2005, § 4 Rn. 42 f.
Personen, die entferntere, nur mittelbare Ursachen für den eingetretenen Erfolg gesetzt, also nur den Anlass für die unmittelbare Verursachung durch andere gegeben haben, sind in diesem Sinn keine Verursacher (BVerwG, Beschl. v. 28.02.2008 - BVerwG 7 B 12.08 -, juris RdNr. 3).
vgl. hierzu BVerwG, Beschlüsse vom 28. Februar 2008 7 B 12.08 , NVwZ 2008, 684, und vom 12. April 2006 - 7 B 30.06 -, AbfallR 2006, 143.
Davon geht sinngemäß auch das Bundesverwaltungsgericht aus (U.v. 16.3.2006 - 7 C 3.05 - DVBl 2006, 1114/1118; B.v. 28.2.2008 - 7 B 12.08 - Rn. 7).
Die Unverhältnismäßigkeit der Inanspruchnahme eines Verhaltensverantwortlichen bemisst sich nicht nach einer starren zeitlichen Grenze, sondern nach einer einzelfallbezogenen Würdigung des Sachverhalts unter Abwägung der Bedeutung des öffentlichen Schutzguts mit den entgegenstehenden Belangen des Verhaltensverantwortlichen (BVerwG, B.v. 28.2.2008 - 7 B 12.08 - Rn. 7).
Das Oberverwaltungsgericht hat zur Frage der Verhaltensverantwortlichkeit des Klägers unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des beschließenden Senats (vgl. BVerwG, Beschluss vom 28. Februar 2008 - 7 B 12.08 - Buchholz 451.222 § 4 BBodSchG Nr. 6 Rn. 3) ausgeführt, dass es entscheidend auf das Vorliegen eines hinreichend engen Wirkungs- und Ursachenzusammenhangs zwischen dem Überschreiten der Gefahrengrenze und dem Verhalten einer Person ankomme, der es gerechtfertigt erscheinen lasse, die Pflichtigkeit dieser Person zu bejahen.
Selbst wenn man darüber hinaus davon ausginge, dass die Befugnis zur Anordnung und Durchsetzung des Anschlusszwangs - anders als ordnungsrechtliche Befugnisse zur Gefahrenabwehr (vgl. BVerwG, Beschl. v. 7. August 2013 - 7 B 9.13 -, zit. nach JURIS, m.w.N. und Beschl. v. 28. Februar 2008 - 7 B 12.08 -, zit. nach JURIS) - lediglich grundsätzlich nicht der Verwirkung unterliegt (so OVG Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 16. Juni 2016 - 15 A 1068/15 -, zit. nach JURIS), ist weder geltend gemacht noch sonst ersichtlich, warum hier ein Ausnahmefall gegeben sein sollte.
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Verursacherhaftung aufgrund der Eigenschaft als Leitungsperson in dem Unternehmen

References: § 35
 § 4
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