Source: https://www.alumnat-sankt-michael-boppard.de/geschichte/
Timestamp: 2019-02-20 05:58:08+00:00

Document:
Geschichte - Alumnat St. Michael in Boppard
Direktoren, Schwestern, Erzieher, Personal
Alumnat St. Michael in Boppard (1904-1983)
Zunächst stand hier ein Text, den ich mühsam aus öffentlichen Quellen recherchiert habe, und auf dessen Abfassung ich ob der Mühe im Vorfeld einigermaßen stolz war. Ich habe den Text unter kleinen Tränen gelöscht, denn nachträglich habe ich von der Festschrift des Herrn Achim Machwirth zum 100-jährigen Jubiläum des Alumnats (2004) erfahren, die nachstehend zu lesen ist. Eine überaus lesenswerte, umfassende Geschichte des Alumnats. Zeitgeschichte in Reinkultur, weil ganz viele Aspekte einfließen: Der Zusammenhang der Gründung des Alumnats mit dem Ausbau des Kant-Gymnasium zum "Vollgymnasium" in der Gründerzeit, die anderweitige Nutzung in der Zeit des Nationalsozialismus, der Wiederaufbau danach. Besonders hervorzuheben die mit vielen Details belegten, fast immerwährenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Meinen herzlichen Dank an Herrn Dechant Hermann Josef Ludwig als Initiator der Festschrift und an Herrn Achim Machwirth als Autor, die mir gemeinsam die Genehmigung zur Veröffentlichung der Festschrift an dieser Stelle erteilt haben.
Vor der Festschrift noch eine kleine Skizze zur Stiftung Katholische Jugendbetreuung in Boppard, aus der das Alumnat letztlich hervorgegangen ist (Skizze kann per Klick vergrößert werden).
DAS ALUMNAT SANKT MICHAEL ZU BOPPARD AM RHEIN
Jean Baptiste Berger - Pfarrer von Boppard
In den Rheinanlagen der Stadt Boppard steht gegenüber dem Ebertor das Denkmal des Pfarrers und Dichters Jean Baptiste Berger. Als Dichter ist Berger bekannt unter dem Namen Gedeon von der Heide.
Die Stadt Boppard hat dieses Denkmal im Jahre 1914 errichten lassen. Es ist nach einer Fotografie gearbeitet. Jean Baptiste Berger trägt die Kleidung eines Geistlichen des 19. Jahrhunderts. Der weit geöffnete Mantel reicht bis zu den Knöcheln, die Füße stecken in hohen Stiefeln. Die wallenden Haare hängen bis zu den Schultern herab, die rechte Hand ist in die Weste geschoben, die linke locker in die Seite gestemmt. Die große und beeindruckende Gestalt strahlt Selbstbewusstsein aus. Bei städtischen und staatlichen Behörden hieß der Pfarrer von Boppard auch „Imperator von Boppard“. Der Eindruck, den das Denkmal auf den Betrachter macht, bestätigt diesen Namen.
Der Verlag der Bopparder Volkszeitung hatte „zum Besten des Gedeon - Denkmals“ eine Lebensbeschreibung mit einer Auswahl der Gedichte Bergers mit dem Titel „Gedeon von der Heide - Der Sänger von Boppard“ herausgegeben, die in mehreren Auflagen gedruckt wurde. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Broschüre trugen zur Finanzierung des Denkmals. bei.
Jean Baptiste Berger war von 1833 - 1888 Pfarrer der Pfarrei St.Severus in Boppard. Er kam am 19.12.1806 als jüngster Sohn des Textilkaufmannes Johann Peter Berger und seiner Ehefrau Clara Elisabeth Berger, geb. Abitabile, in seinem Elternhaus in der Firmungsstraße in Koblenz zur Welt. Am 20.12.1806 wurde er in der Kastor-Kirche getauft. Koblenz und das linke Rheinufer gehörten damals zu Frankreich. 1794 waren französische Revolutionstruppen in Koblenz einmarschiert. 1801 musste das Deutsche Reich im Friedensvertrag von Lunéville das linke Rheinufer an Frankreich abtreten. Am 6. August 1806 hatte Kaiser Franz II. nach einem Ultimatum Napoleons auf die Kaiserkrone verzichtet, das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ hatte damit zu bestehen aufgehört.
Jean Baptiste besuchte das ehemalige Koblenzer Jesuiten-Gymnasium und studierte nach Abschluss des Gymnasiums ab 1825 in Rom am Kollegium zur Verbreitung des Glaubens, der Propaganda fidei, Philosophie und Theologie. 1829 rief ihn die Militärpflicht in seine Heimat zurück, Koblenz und das Rheinland waren nach dem Wiener Kongress 1815 dem preußischen Staat zugeschlagen worden. Jean Baptiste wollte eigentlich Missionar werden. Da aber seine Vorgesetzten in Rom ihm den Rat gaben, in seinem Heimatbistum als Seelsorger zu arbeiten, gab er diesen Plan auf und schloss das Studium 1829/1830 am Priesterseminar in Trier ab. Weihbischof Johann Heinrich Milz weihte ihn am 6. März 1830 in der Kastor-Kirche zu Koblenz zum Priester.
Zunächst arbeitete Berger als Kaplan in Vallendar. Aber schon am 3.11.1830 ernannte ihn der Bischof Josef Ludwig Alois von Hommer zum Kaplan in der Pfarrei St.Severus in Boppard und am 14. Mai 1833 zum Pfarrer in Boppard. Dieses Amt übte Berger bis zu seinem Tode am 6. Januar 1888 aus.
Schon als Schüler des ehemaligen Jesuitengymnasiums hatte Jean Baptiste Berger Gedichte und Vorträge zu besonderen Anlässen verfasst. Das Schreiben war und blieb ihm neben seiner Arbeit als Seelsorger seine liebste Beschäftigung. Wenn er eine Ansprache zu halten hatte, nutzte er oft die Gelegenheit, seine Gedanken in Versen vorzutragen. Etliche seiner Gedichte, die er 1846 erstmals veröffentlichte, wurden zu Volksliedern und fanden Eingang in Lieder- und Gesangbücher seiner Zeit. Noch heute sind sein „Lied vom gold´nen Wanderstab“ (Glaube, Hoffnung, Liebe) und das Rheinlied „Muß dich lassen, schöner Rhein“ weithin bekannt. Sein Pfingstlied „Geist der Erkenntnis“ wird in Boppard immer noch voller Begeisterung gesungen. Ab 1853 veröffentlichte Berger seine Gedichte unter dem Namen „Gedeon von der Heide“. Seine Werke lassen einen tiefen Glauben, eine romantisch verklärte Liebe zum Rhein, zu seiner Heimat und zu seinem Vaterland erkennen. Seine Marienlieder zeugen von einer innigen Verehrung der Muttergottes.
Berger nahm aber auch regen Anteil am kulturellen und politischen Geschehen seiner Zeit. Er wandte sich in vielen Schriften gegen den Geist der Aufklärung, trat für die innere Stärkung der katholischen Kirche ein und protestierte in der Zeit des Kulturkampfes, der Auseinandersetzung zwischen der preußischen Staatsregierung und der katholischen Kirche, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Bevormundung der Kirche durch den Staat.
Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung verfolgte er mit großem Interesse und wachsender Sorge. Er sah die Not seiner Mitmenschen, er erkannte die sozialen Probleme seiner Zeit und suchte das Leid zu lindern, das durch die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen über die Menschen hereinbrach. Er resignierte nicht, sondern half selbstlos, wo er konnte. Er packte die Aufgaben, die sich ihm als Seelsorger stellten, tatkräftig und, wenn es denn sein mußte, auch mutig gegen Widerstände ankämpfend, an. Dabei scheute er keine Auseinandersetzungen, auch nicht die mit der staatlichen und städtischen Obrigkeit.
Stiftung „Katholisches Waisenhaus“
Das Bopparder „Hospital zum Hl.Geist“ diente seit seiner Gründung in der Zeit der Kreuzzüge der Unterstützung notleidender Menschen, es war eine „allgemeine Wohltätigkeitsanstalt für Arme“.(1) Ab 1821 erweiterte es seinen Arbeitsbereich und nahm auch „Pfründner“, das waren Kranke und Alte, die arm und pflegebedürftig waren, auf.
Pfarrer Berger war zu der Überzeugung gekommen, dass die Arbeit des Hospitals verbessert werden könnte. Nach langen Planungen und Verhandlungen und mit Unterstützung des damaligen Stadtbürgermeisters Josef Syrée, der Vorsitzender der Hospital-Kommission war, gelang es ihm, den Orden der Schwestern vom hl. Karl Borromäus für die Übernahme der Krankenpflege im Hospital zu gewinnen. Am 19. September 1855 konnte der Vertrag unterzeichnet werden, schon am 21. September trafen die ersten drei Schwestern in Boppard ein. Mit Datum vom 1. Oktober 1855 übernahmen die Borromäerinnen die Leitung des „Hospitals zum Hl.Geist“.
Nun fanden neben Kranken und pflegebedürftigen Alten bald auch Waisenkinder, die bisher auf Kosten der Stadt in Familien untergebracht waren und deren Versorgung und Erziehung oft recht mangelhaft waren, Unterkunft, Verpflegung und Betreuung im Hospital. In seiner Waisenhauschronik schreibt Berger: „Heute, wo ich dies schreibe, das ist am 24. Januar 1859, sind in dem Hause 67 Personen untergebracht, das heißt Kranke, Altersschwache und Waisenkinder; alle sind wohl gebettet, und wer das Haus, betritt, steht fast wie geblendet vor der Ordnung und Reinlichkeit, die da herrscht, und kann es kaum fassen, wie das alles in so kurzer Zeit zu solchen Umwandlungen gekommen.“ (2)
Die Schwestern wirkten segensreich in Boppard. Sie eröffneten im Hospital noch eine „Kleinkinder-Bewahrschule“ und eine „Nähschule“. Bald reichten die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr aus, und Berger konnte nun die Verwirklichung eines Planes, den er schon zu seiner Studienzeit in Rom gefaßt hatte, in Angriff nehmen.
Am 16.11.1856 schlug er von der Kanzel aus seiner Gemeinde die Gründung eines katholischen Waisenhauses zur Linderung der Not der Waisenkinder und der verwahrlosten Kinder der Stadt unter Leitung der Borromäerinnen vor. „Dass die Errichtung eines Waisenhauses für unsere Stadt ein dringendes Bedürfnis, ja von unabweislicher Notwendigkeit ist, bedarf wohl keiner näheren Auseinandersetzung; und nicht allein im höheren geistlichen Interesse einer christlichen Gemeinde, sondern im wohlverstandenen Interesse selbst der bürgerlichen oder Zivilgemeinde liegt es, den Segen ins Auge zu fassen, der durch die Errichtung eines Waisenhauses ihr zufließt.“ (3)
Der Vorschlag wurde in Boppard mit großem Interesse und Zustimmung aufgenommen. Berger nahm mit unermüdlichem Eifer die Finanzierung des Hauses in Angriff. Am 9. Juni 1863 konnte der Grundstein für das Waisenhaus gelegt werden, am 7. Mai 1864 wurden der „Stiftung Katholisches Waisenhaus“ die Korporationsrechte verliehen, die „landesherrliche Genehmigung“ ist mit „Wilhelm“ gezeichnet. ( Wilhelm war der damalige preußische König. Am 18.1.1871 wurde er als Wilhelm I. in Versailles zum ersten Kaiser des Zweiten Deutschen Kaiserreiches ausgerufen.) Schon am 3. September 1865 konnte das Waisenhaus feierlich eröffnet werden. Der 7. Mai 1864 gilt auch als Gründungstag des Haushaltungspensionates St.Carolus, das dem Waisenhaus zunächst angegliedert war und sich im Laufe der Jahre zu einer eigenständigen Anstalt entwickelte.
Verwaltet wurde die „Stiftung Katholisches Waisenhaus“ von einem Vorstand, der aus dem jeweiligen katholischen Pfarrer von Boppard, dem Bürgermeister als Präsidenten der Hospital-Kommission, zwei Mitgliedern des katholischen Kirchenrates und zwei katholischen Mitgliedern des Gemeinderates bestand.
Berger starb 1888. Seine Stiftung aber lebte, wuchs und wirkte weiter zum Wohle der Jugend und der ganzen Stadt Boppard.
1896 wurde das Josefshaus als Waisenhaus für Knaben gegründet und ebenfalls von den Schwestern der Kongregation des hl. Karl Borromäus betreut. Im Laufe der Jahre ging die Zahl der Waisenkinder zurück. Deshalb nahmen die Schwestern auch Schifferkinder in das Waisenhaus auf. So wurde aus dem Waisenhaus das Schifferkinderheim St.Clara. Schließlich beschloss das Kuratorium 1901, am Knabenwaisenhaus „St.Josef“ das Alumnat „St.Michael“ als neuen Zweig der „Stiftung Katholisches Waisenhaus“zu errichten.
Das Alumnat „St.Michael“
Am 16. Mai 1900 hatte der Stadtrat von Boppard den Beschluss gefasst, ein neues Schulgebäude für das Progymnasium zu bauen, wenn die Regierung den Antrag der Stadt auf die Umwandlung des Progymnasiums in ein Vollgymnasium genehmigen würde. Die Regierung stimmte dem Antrag zu, die Stadt vergab den Auftrag zur Planung des Neubaues, Ostern 1902 wurde die erste Obersekunda eingerichtet.
Für viele Kinder war in damaliger Zeit der Besuch einer höheren Schule nicht möglich, da es kein Gymnasium in der Nähe ihres Heimatortes gab und Verkehrsverbindungen zu weiter entfernten Schulorten fehlten. So war in Boppard der Plan entstanden, ein Haus für diese Kinder zu schaffen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, das städtische Gymnasium zu besuchen. Diesen Plan griff das Kuratorium der „Stiftung Katholisches Waisenhaus“ auf und beschloss die Gründung eines Heimes für auswärtige Schüler. Damit sollte zugleich der Bestand des neuen Gymnasiums gesichert werden. Der Bau des Alumnates und die Erweiterung des Progymnasiums zu einem Vollgymnasium in Boppard stehen also in einem engen Zusammenhang.
Der Vorsitzende des Kuratoriums war der jeweilige Pfarrer von Boppard, dies war seit 1895 Jakob Paulus aus Schweich (1850 - 1917). Am 15. August 1901 fasste das Kuratorium unter dem Vorsitz von Pfarrer Paulus den Beschluss, das Gelände zwischen dem Josefshaus, das zur Stiftung gehörte, und dem Rhein, wo Josef Henzler ein Sägewerk betrieb, zu kaufen und darauf das Gebäude des Alumnates „St. Michael“ zu errichten. Da die Kaufsumme, die Pfarrer Paulus mit Josef Henzler vereinbarte, den vom Kuratorium genehmigten Betrag um 8oo M überschritt, zahlte der Vorsitzende diese Summe aus eigener Tasche. Die Planung des neuen Gebäudes übertrug das Kuratorium den Architekten Beyerle und Mockenhaupt. Josef Mockenhaupt hatte auch den Auftrag, den Neubau des Gymnasiums zu errichten.
Nun galt es, die erforderlichen Gelder für das geplante Objekt herbeizuschaffen. Unermüdlich und erfolgreich waren Pfarrer Paulus und die Mitglieder des Kuratoriums mit dieser Aufgabe beschäftigt. Darlehen wurden aufgenommen bei der Landesbank in Düsseldorf, bei der Kreissparkasse St.Goar und auch von Privatleuten, die die Stiftung unterstützen wollten. Jakob Paulus drängte auf eine schnelle Errichtung des Neubaues und hoffte auf baldige Einnahmen, da die Darlehen bedient werden mussten. Noch vor Ostern 1903 konnten die Grundmauern hochgezogen werden. Lange vor Fertigstellung des Hauses lagen auch schon die ersten Anmeldungen für das neue Internat vor.
Es entstand ein mächtiger Bau im Renaissancestil mit drei Vollgeschossen. Die durch Fenster und rote Sandsteinquader gegliederte Front zum Rhein hin trägt zwei parallele, geschwungene und mit je einer Sandsteinkugel gekrönte Giebel. Zwischen ihnen steht die überlebensgroße Bronzefigur des hl. Michael, dessen Namen das Haus trägt. Das durchlaufende Satteldach hinter den Giebeln ist mit einem achteckigen, verschieferten Dachreiter mit geschweifter Haube gekrönt. Im westlichen Giebel ist ein dreiseitig gebrochener Erker vorgebaut. Die spitzbogigen Maßwerkfenster des Erkers mit farbiger Verglasung sind die Fenster der Hauskapelle im dritten Geschoss. Diese ist ein fast quadratischer Raum mit neun gotischen Kreuzgewölben, die von vier Säulen getragen werden. Im Anschluss an das mittlere Raumquadrat hat die Kapelle zur Rheinseite hin eine konchenähnliche Ausbuchtung, die an der Außenfront als Erker zu sehen ist.
J. Schmitt berichtet in der Hauszeitschrift „Der Freunde-Kreis“: „Im Knabenwaisenhaus waren, so gut es ging, 18 Gymnasiasten untergebracht. Vier Barmherzige Schwestern aus der Kongregation der Trierer Borromäerinnen bemühten sich, den Studenten die engen Räume heimisch zu machen. Vor allem war es die eifrige Oberin, Schwester Eugenie, die alle ihre Kräfte einsetzte, das Werk zur Durchführung zu bringen. Mit den Gymnasiasten und ihrem Studienpräfekten saß Tag für Tag am selben Mittagstisch ein junger Architekt, Josef Mockenhaupt. Vor Jahren war auch er einmal ein Bopparder Pennäler, nun war er berufen, das hochragende Alumnat und das neue Gymnasialgebäude zu schaffen. . . .
Eines Tages war der jugendliche Baumeister verschwunden. Nach einigen Tagen ging ein Raunen durch die Alumnäter: „Dr.Mockenhaupt hat einen riesigen Erzengel Michael bestellt, der soll hoch oben auf das Haus.“ (4)
Initiator und treibende Kraft bei der Erweiterung der Stiftung war Pfarrer Paulus. Josef Savelsberg, Direktor der Alumnates von 1915 - 1935, schreibt über Jakob Paulus anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Anstalt in der Hauszeitschrift „Der Freunde-Kreis“: „Der vertrauende Mut eines seeleneifrigen Priesters ließ das Alumnat entstehen. Genährt wurde dieser Mut von der Sorge um das Wohl der studierenden Jugend, und fürwahr, je größer die Sorge, desto größer der Mut, je größer die Schwierigkeiten, die sich dem Bau des Hauses entgegenstellten, desto größer die Entschlossenheit, die irdische und himmlische Mächte bestürmte und so das Werk schuf und festigte.
Die Sorge eines selbstlosen Mannes um die Ehre Gottes und das Heil der Menschen ist ein Werk des Geistes, diese Sorge und alles Ringen und Streben, das sie begleitet, ist voll des Geistes. Nicht im augenblicklichen Gelingen offenbart sich der Geist, sondern im Glauben an die große Idee, in der zähen Hingabe an das Ideal, in dem ungebrochenen Mut, der die Lage beherrscht und vorwärts stürmt. Dass dieser Weg des Geistes ein Martyrium sein kann, darf nicht wundern. Pfarrer Paulus, der Erbauer des Alumnates, ist unentwegt diesen Weg gegangen.
Dreizehn Jahre wachte der geistliche Gründer über der werdenden Anstalt, sie blieb bis an seinen Tod das Kind seiner liebenden Sorge. Wir aber glauben und hoffen, dass der Geist des Gründers auch heute noch in verklärter Liebe sorgt um sein Werk.“ (5)
Im September 1904 wurde das Alumnat Sankt Michael feierlich eröffnet. Etwa 80 Schüler konnte es aufnehmen. Am 8. September zogen die ersten 23 Gymnasiasten in das neue Gebäude ein. Darunter waren 17 Schüler, die man schon vor Fertigstellung des Neubaues aufgenommen und im Knabenwaisenhaus St.Josef untergebracht hatte, da die Zahl der Waisenkinder zurückgegangen und das Haus nicht mehr voll belegt war.
Die Schwestern aus der Trierer Kongregation der Borromäerinnen sorgten in allen Zweigen der „Stiftung Katholische Jugendbetreuung“ für das leibliche Wohl der ihnen anvertrauten Jugend. So wurde ihnen, „welche für gute Verpflegung der Schüler sowie für Ordnung und Reinlichkeit in der Anstalt beste Gewähr bieten“ (6), auch die Haushaltsführung des Alumnates übertragen. Hier arbeiteten sie segensreich über 50 Jahre.
Zu Beginn des Betriebes betrug der Pensionspreis ausschließlich der Ferien 600.- Mark im Jahr. Für die Besorgung der Wäsche wurde zusätzlich ein Betrag von 12,50 M erhoben.
Beim Eintritt in das Haus hatte jeder Schüler mitzubringen:
1. An Kleidung: einen Sonntags- und zwei Werktagsanzüge, 3 Paar Schuhe und 1 Paar Pantoffeln
2. An Leibwäsche: 6 Taghemden, 2 Nachthemden, die nötigen Unterkleider, Kragen,
Taschentücher, 6 Handtücher, 6 Servietten, 6 Leintücher, 4 Kissenbezüge.
3. 1 Becher, Serviettenring, Kleiderbürste, Regenschirm, Toilettengegenstände.
Bettwäsche, Handtücher und Servietten besorgte das Haus auf Wunsch gegen eine Vergütung von
25 Mark im Jahr. (6)
Der jeweilige Leiter des Internates war ein geistlicher Direktor, den das Kuratorium wählte und der Bischof von Trier ernannte. Ihm zur Seite standen helfend und beratend die Erzieher und Mitglieder des Kuratoriums.
Die Satzung der Waisenhausstiftung musste wegen des neuen Zweiges der Stiftung ergänzt werden. Dabei wurden auch die Befugnisse des Direktors festgelegt:
1. Der Direktor des Alumnates ist für alle Angelegenheiten, welche die neue Anstalt für Gymnasialschüler betreffen, sitz- und stimmberechtigtes Mitglied des Waisenhausausschusses.
2. Die innere Leitung des Hauses steht dem Direktor zu. Die Entscheidung über Aufnahme und Entlassung der Schüler erfolgt durch den Direktor vorbehaltlich der Genehmigung des Vorstandes.
3. Sollte mit der Zeit die Anstellung einer Hilfskraft für die innere Leitung der Anstalt notwendig oder ratsam erscheinen, so kann eine solche Anstellung nur mit Zustimmung des Direktors bezüglich der Wahl der Person und der Befugnisse derselben erfolgen.
4. Als Gehalt bezieht der Direktor die Summe von 1.800 M jährlich neben vollständig freier Station
Sollte der Direktor in den ersten Jahren der Entwicklung der Anstalt durch Mitübernahme einer besoldeten Unterrichts- oder Seelsorgestelle den hierfür entfallenden Betrag in sein Gehalt einrechnen wollen, so nimmt die Waisenhausverwaltung diese Vergünstigung in Anbetracht der hohen Belastung des Hauses dankbar an.
Wie man sieht, erwartete das Kuratorium viel Idealismus von den zukünftigen Leitern des Alumnates.
Die Direktoren des Alumnates:
1904 - 19o5 Jakob Bechtel (Kommissarischer Leiter)
1905 - 1910 Peter Königs
1910 - 1912 Adolf Brückert
1912 - 1915 Adolf Caroli
1915 - 1935 Josef Savelsberg
1935 - 1939 Otto Krage
1949 - 1952 Alois Friedrich
1952 - 1956 Josef Krieger
1956 - 1965 Ernst Vierbuchen
1965 - 1968 Johannes Hain
1968 - 1973 Wilhelm Meidt
1973 - 1979 Ronald Schildbach
1980 - 1983 Hans-Peter Kneip und Peter Kraft (Kommissarische Leiter)
Das Alumnat war eine katholische Einrichtung. Voraussetzung für die Aufnahme war ein „Sittenzeugnis“ des Heimatpfarrers des Bewerbers. Klein zitiert aus der Satzung der Waisenhausstiftung:
„Die Anstalt hat den Zweck, katholischen Schülern des hiesigen Gymnasiums neben körperlicher Pflege eine sorgfältige Beaufsichtigung ihrer häuslichen Studien und eine gute sittlich-religiöse Erziehung zu geben sowie ihnen während der Studienzeit das elterliche Haus nach Kräften zu ersetzen.“ (7)
Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem städtischen Gymnasium war eine Voraussetzung für das Gelingen der Erziehung und den schulischen Erfolg der Zöglinge. Beide Anstalten trugen gemeinsame Verantwortung und ergänzten sich in ihrer Arbeit. Um die Bedeutung der Zusammenarbeit auch nach außen zu dokumentieren und den beiderseitigen Informationsfluss zu gewährleisten, wurde der jeweilige Leiter des Gymnasiums in das Kuratorium der Stiftung berufen, der Direktor des Alumnates wiederum war Mitglied des Schulausschusses des Gymnasiums. Der erste Vertreter des Gymnasiums im Kuratorium war Dr. Karl Menge.
1931 feierte das Gymnasium sein 25-jähriges Jubiläum als Vollgymnasium. Aus diesem Anlass schreibt „Der Freunde-Kreis“: „Gymnasium und Alumnat sind auf Grund ihrer Wesen und ihrer Richtung Weggenossen, denen ein großes Ziel vorgesteckt ist, das beide verbindet, beide anspornt und beseelt: Bildung und Erziehung der ihnen anvertrauten Jugend. Sollen die Weggenossen das Ziel erreichen, müssen sie wie Freunde Hand in Hand gehen.“ (8)
Erziehung ist eine der schönsten, der schwierigsten und zugleich eine der wichtigsten Aufgaben in jeder Gesellschaft. „Pflege und Erziehung des Kindes sind das natürliche Recht der Eltern und die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht“, so heißt es in Art.6, 2,3 GG. Die Väter des Grundgesetzes haben die Erfahrungen ungezählter Generationen in die Verfassung aufgenommen. Die Aussage des Art.6 GG hat zu allen Zeiten ihre Gültigkeit. Das Erziehungsrecht und die Erziehungspflicht liegen bei den Eltern. Wenn sie ihr Kind einem Internat anvertrauen, übertragen sie diese Aufgabe den angestellten Erziehern. Während des Heimaufenthaltes müssen die Erzieher den von ihren Familien getrennten Kindern die Eltern und das Zuhause ersetzen, ihnen Unterkunft gewähren und für ihr leibliches und seelisches Wohl sorgen. Sie tragen Verantwortung für Schutz und Geborgenheit, müssen die geistige und körperliche Entwicklung fördern und für Bildung und Erziehung Sorge tragen. Die Schulzeit ist die Zeit, in der das Fundament gelegt wird, das das weitere Leben eines Menschen bestimmt. So übernimmt jeder Erzieher Verantwortung für das Glück und die Zukunft der von den Eltern dem Internat anvertrauten jungen Menschen.
In das Alumnat St.Michael wurden Jungen „aus geordneten Verhältnissen“ aufgenommen Hier lebten und arbeiteten in manchen Jahren mehr als 80 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von etwa 10 - 20 Jahren unter einem Dach zusammen mit ihren Betreuern und Erziehern. Wenn man diese Altersspanne bedenkt, wird klar, dass die Erziehung nicht leicht war und Pädagogen erforderte, die sich voll und ganz und rund um die Uhr ihrer Aufgabe stellten, die mit Liebe und viel Verständnis zu führen vermochten. Da waren zum einen die Kleinen zu betreuen, die noch der ordnenden und sorgenden Hand der Mutter bedurften, die oft unter der Trennung vom Elternhaus litten und Erzieher brauchten, die sich „mütterlich“ um sie kümmerten. Daneben gab es die Jugendlichen, die schon mal ihre Grenzen austesten wollten, deren Freiheitsdrang aber nicht gebrochen werden durfte, sondern in eine Bahn gelenkt werden musste, die das soziale Zusammenleben in der Hausgemeinschaft ohne größere Konflikte ermöglichte. Die jungen Erwachsenen schließlich sollten zur Mündigkeit erzogen werden, damit sie, wenn sie nach der Reifeprüfung das behütende und beschützende Alumnat verließen, ihr Leben selbst in die Hand nehmen und eigenverantwortlich gestalten konnten.
Gute Umgangsformen, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft wurden im täglichen Miteinander geübt. Im Alumnat St. Michael als einer katholischen Einrichtung war das christliche Menschenbild Richtschnur der pädagogischen Arbeit. Erziehung zum Glauben, zur Wahrheit und zur Verantwortung in der Gesellschaft und die Pflege der Freundschaft zählten zu den wichtigsten Erziehungszielen. Der „Geist der Ordnung“ sollte den jungen Menschen zur „inneren Freiheit“ und auf den „Weg zu Gott“ (Savelsberg) führen. Die Erziehung konnte nur erfolgreich sein, wenn jeder Zögling sich in der Gemeinschaft des Hauses so sicher und getragen fühlte wie in der eigenen Familie. Josef Savelsberg schreibt: „Das feste Zusammenstehen nach außen muss Tradition werden. Es ist die Liebe zum Kreis, in dem man lebt, zu dem Haus, dessen schützendes Dach einen beherbergt. Diese Haltung muss von der Familie auf die neue Gemeinschaft übertragen werden.“ (9)
Die Erfüllung des Erziehungs- und Bildungsauftrages eines Internates gelingt nur im Zusammenwirken und in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit des Internates mit der Schule und dem Elternhaus. Fehlt diese Zusammenarbeit, ist der Erfolg gefährdet. Unstimmigkeiten, Mißverständnisse und selbst Mißtrauen können sich einstellen. Die Kinder sind dann die Leidtragenden. Erziehung gelingt nur, wenn die Eltern die Bemühungen der Heimerzieher begleiten und unterstützen. Regelmäßige Mitteilungen des Internates über Betragen, Fleiß und Fortschritte der Zöglinge und feste Elternbesuchs- und Elternsprechtage lieferten den Eltern der Alumnen die nötigen Informationen und sicherten die Zusammenarbeit zwischen Internat und Elternhaus.
Der junge Mensch braucht Vorbilder, um erwachsen zu werden. Das gelebte Vorbild war und ist Voraussetzung für das Gelingen der Erziehung. Dies galt für alle, die im Hause lebten und arbeiteten. Sie mussten füreinander Vorbild sein, einer für den anderen einstehen. Die Gestaltung des Alltages, das Zusammenleben der Zöglinge mit den Erziehern und dem Personal des Hauses und die in der Gemeinschaft gelebten Werte boten den jungen Menschen Orientierung und erleichterten so die Sinnfindung des eigenen Lebens. Welchen Einfluss das gelebte Vorbild in der Erziehung hat und wie wichtig es deshalb ist, mag man daraus ersehen, dass viele Geistliche aus dem Alumnat hervorgingen. Allein zwischen 1915 und 1934, in dieser Zeit war Josef Savelsberg der geistliche Leiter des Hauses, ergriffen 15 Abiturienten den Priesterberuf.
Das tägliche Leben bedarf einer festen Ordnung, der Alltag einer so großen Gemeinschaft kann nur mit klaren Strukturen gemeistert werden. Eine Tagesordnung mit für alle verbindlichen „Ritualen“ erleichterte die Arbeit und das tägliche Miteinander. Der Morgen begann mit der hl. Messe in der Hauskapelle. Am Vormittag besuchten die Schüler den Unterricht des Gymnasiums. Der Nachmittag war dem Studium, dem Spiel, der Erholung und der Pflege der Gemeinschaft vorbehalten. Die Zeit nach dem gemeinsamen Mittagessen bis 15.00 Uhr diente der Ruhe und der Entspannung.
Um 15.00 Uhr rief die Glocke alle Schüler in den Studiersaal. Nach einem kurzen Gebet begaben sich alle an ihre Plätze und begannen mit dem Studium. Unter strenger Aufsicht wurden im „Silentium“ die Hausaufgaben angefertigt. War Hilfe notwendig, leistete sie der die Aufsicht führende Erzieher. Er überprüfte die schriftlichen Hausarbeiten und fragte die mündlichen Aufgaben ab. Wer nicht genügend gelernt oder seine schriftlichen Hausaufgaben nicht sorgfältig gemacht hatte, „durfte“ während der Freizeit nacharbeiten. So musste Tag für Tag gelernt werden, und nur so konnten die Schüler zu geregeltem und gewissenhaftem Arbeiten geführt werden.
Neben dem schulischen Lernen mussten sportliche Interessen geweckt und soziale und kreative Kompetenzen entwickelt werden. So war die Planung der Freizeitgestaltung eine besondere Herausforderung für die Erzieher. Auch die arbeitsfreie Zeit sollte ja verantwortungsvoll genutzt werden, um keine Langeweile aufkommen zu lassen, jeden Müßiggang zu vermeiden und die Alumnen vor den Lockungen und Bedrohungen der Welt zu bewahren. Junge Menschen brauchen eine sinnvolle Beschäftigung. Dies war zunächst zum Ausgleich für die Arbeit in der Schule und für die Schule die sportliche Betätigung. Fußball, Handball und Faustball standen auf der Tagesordnung. Daneben gab es ausgedehnte Wanderungen und Radtouren in die nähere und weitere Umgebung. Schiffsfahrten, Ausflüge mit der Bahn und später auch mit dem Bus standen in den Sommermonaten häufig auf dem Programm. Sie dienten dem Kennenlernen der Heimat, ihrer Geschichte und ihrer Kultur. Die Schüler der Oberstufe unternahmen schon größere Reisen, z.B. nach Süddeutschland.
Musische Begabungen wurden gefördert. Musik, bildende Kunst, Gesang und Theater gehörten zum Alltag. Musikalisch begabte und interessierte Kinder erhielten die Möglichkeit, das Spielen eines Instrumentes zu erlernen. An den Abenden wurde gemeinsam gespielt, es gab Lichtbildvorführungen, Dichterlesungen, Volkslieder- und Kammermusikabende, oft mit jungen Künstlern aus dem Hause. Konzerte und Theateraufführungen wurden ebenfalls regelmäßig besucht.
Die christlichen Feste im Jahreskreislauf wurden gefeiert, die Schola des Hauses trug zur festlichen Gestaltung der Messfeiern bei. Advent und Fastenzeit standen jeweils unter einem besonderen Motto. Die Namenstage der Schüler und Erzieher wurden nicht vergessen und waren für die Betroffenen Feiertage, an denen sie einmal im Mittelpunkt des Geschehens standen. Das Fest des Namenspatrons des Hauses, St.Michael, war ein besonderer Festtag, der meist mit einem Hauskonzert verbunden wurde. Die Schüler der Oberstufe fuhren regelmäßig zu Exerzitien nach Bornhofen, Maria Laach oder Schönstatt. Alle Veranstaltungen mussten geplant und organisiert werden, eine Arbeit, in die die Alumnen eingebunden waren. Auch dies förderte den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft und trug dazu bei, dass sich die Schüler im Alumnat „zu Hause“ und für das Haus verantwortlich fühlten.
Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des Alumnates schreibt Josef Savelsberg über die pädagogische Arbeit im Alumnat: „Der junge Mensch soll arbeiten und lernen. Harte Aufgabe! Sie soll ihm jedoch nicht versüßt, sondern ihm menschlich nahegebracht werden. Sie soll ihm nicht so sehr Wissen geben, als vielmehr ihn zur Zucht des Geistes und des Willens führen. Wer kennt die Freuden und Leiden der Arbeit im jungen Gymnasiasten! Die tiefsten Erlebnisse der Schule spielen sich so manches Mal in dem verborgensten Winkel des Seele ab. Junges Blut gärt und hat viel mit sich selbst zu tun. Wir können nicht Geist und Herz genug haben, das zu erfassen und zu würdigen.
Hier hilft viel und gut der Geist der Ordnung. Nach Ordnung verlangt der Alumne, wenn er auch oft genug dagegen angeht. Die Ordnung ist eine unsichtbare Führerin für den jungen Menschen. Sie kann ihn zur Freiheit führen. Im inneren Leben des Alumnates müssen aber auch der Zwang, der Befehl, die Strafe Geist atmen, mehr noch Liebe. Nur dann führen sie zur inneren Freiheit. Des Geistes Krone aber ist die Hinwendung zu Gott, der Quelle des Geistes. Das Alumnat soll eine Stätte übernatürlichen Lebens sein, eine Stätte des Gebetes und der Gnade. Der Knabe und Jüngling aber soll still und ständig in diese übernatürliche Sphäre hineinwachsen, auf dass er frei atme und sich frei bewege. Alle sollen vor Gott hintreten, doch jeder mit seinem Herzen, alle sollen die Kirche lieben mit diesem Herzen, nicht nur anerkennen.“ (10) Diese anspruchsvollen Vorgaben waren gewiss nicht Tag für Tag zu erreichen. Menschliche Unzulänglichkeit ließ sich nicht aus dem Alltag im Alumnat verbannen. Aber es gab hochgemute Ideale, nach denen zu streben allen aufgegeben war. Wünschen wir unseren Schulen und Bildungsstätten, dass sie sich wieder mehr auf die Erziehung besinnen und etwas von dem Geist der Ordnung und der Liebe atmen.
Die wechselvolle Geschichte des Alumnates
Rund 80 Jahre diente das Alumnat St. Michael der Erziehung und Bildung. Viele junge Menschen hat es in dieser Zeit begleitet und auf einen guten Weg geführt. Die Bilanz der vergangenen 8o Jahre weist Höhen und Tiefen, Erfolge, aber auch Misserfolge und Enttäuschungen auf. Menschliche und pädagogische Probleme, finanzielle Engpässe und wirtschaftliche Not gehörten zum Alltag. Mehr als einmal in seiner langen Geschichte stand das Haus vor dem Aus. Geplant war es einst für die auswärtigen Schüler des Bopparder Gymnasiums. Es gab Zeiten, in denen rund ein Drittel der Schüler des Bopparder Gymnasiums im Alumnat wohnte. In den letzten Jahren seines Bestehens aber ging die Zahl der Gymnasiasten immer mehr zurück. Schüler aller Bopparder Schulen bevölkerten schließlich das Haus, darunter auch Kinder, die eigentlich einer besonderen Zuwendung und Betreuung bedurften. Für diese Aufgabe aber war das Haus nicht konzipiert, diese Aufgabe konnte es nicht bewältigen.
Das Kuratorium wählte in seiner Sitzung vom 22. Juli 1904 den Pfarrer von Stadtkyll, Herrn Alois Henseler, zum Direktor des Hauses. Michael Felix Korum aber, der Bischof von Trier, gab Herrn Henseler wegen Priestermangels nicht frei. Deshalb wurde zunächst der damalige Bopparder Kaplan Jakob Bechtel mit der Leitung des Internates und der Aufsicht über die Schüler betraut. Kaplan Bechtel bezog eine Wohnung im neuen Alumnatsgebäude. Alban Hörsch, ein Priester, der bislang im Priesterseminar in Versailles gearbeitete hatte, unterstützte Kaplan Bechtel einige Monate bei seiner Arbeit. Da sich nach längerem Suchen kein geeigneter Bewerber für das Amt des Direktors fand, beschloss das Kuratorium am 22. Februar 1905, die Stelle des geistlichen Leiters mit einem Jahresgehalt von 1.800 M bei freier Station in der Kölner und Coblenzer Volkszeitung auszuschreiben. Auf die Anzeige hin gingen 16 Bewerbungen ein. Aus diesen wählte das Kuratorium einstimmig Peter Königs, Kaplan in Koblenz. Die bischöfliche Behörde ernannte Herrn Königs zum ersten geistlichen Direktor des Alumnates St. Michael. Am 24. April 1905 übernahm er die Leitung des Hauses.
Der neue Zweig der Stiftung entwickelte sich zunächst zur vollen Zufriedenheit des Kuratoriums. Nach kurzer Zeit beherbergte das Internat schon 50 Alumnen. Pfarrer Paulus äußerte im Juni 1905 die Hoffnung, dass bei weiterem Zuwachs an Schülern Zinsen und Amortisation vom Hause selbst erwirtschaftet werden könnten. Fünf Borromäerinnen, unter ihnen die Oberin, Sr. Eugenie, betreuten das Haus und seine Bewohner. Mit großer Hochachtung erwähnt Direktor Savelsberg Sr.Eugenie, die eine besondere Liebe zu den Schülern und dem Haus entwickelte und „die Tradition der sorgenden Liebe des Gründers über dessen Tod hinaus“ trug.
Im Schuljahr 1905/1906 stieg die Zahl der Schüler im Alumnat auf 54 an. Die Mehrzahl der Kinder kam aus Orten im ländlichen Raum der Mosel, des Hunsrücks und der Eifel, in deren Nähe kein Gymnasium war. Die Familien der Kinder gehörten zum größten Teil dem wohlhabenden Mittelstand an (Anhang 1), die Eltern legten auf eine gute Erziehung und Schulbildung des Nachwuchses großen Wert. Die zunächst erfreuliche Entwicklung der Schülerzahlen in diesem Jahre wurde aber dadurch getrübt, dass im Laufe des Jahres bis zum Ende des Schuljahres 27 Schüler das Alumnat wieder verließen. Die Gründe für diese Anfangsschwierigkeiten waren vielfältiger Natur. Zum einen funktionierte offensichtlich trotz aller Bemühungen die Organisation des Internatsbetriebes noch nicht reibungslos, es fehlte den Erziehern an Erfahrung. Zum anderen konnte sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das die Gemeinschaft eines Internates trägt, in der kurzen Zeit noch nicht entwickeln. Schließlich hatte man offensichtlich auch Schüler aufgenommen, die sich nicht in die Gemeinschaft einordneten, und solche, die für den Besuch eines Gymnasiums nicht geeignet waren und deren Eltern in der Unterbringung in einem Internat die letzte Chance für eine erfolgreiche Schullaufbahn ihrer Zöglinge sahen. Diese Kinder wurden baldigst wieder aus dem Heim entlassen. So finden sich als Begründung für diese Maßnahme in den Personalakten die Bemerkungen: „Wegen unsittlicher Reden vom Gymnasium und Alumnat entfernt“, „Wegen Unbotmäßigkeit entlassen“ und „Wegen geistiger Unfähigkeit entlassen“.
Internatserzieher müssen oft die Erfahrung machen, dass sie Schüler erfolgreich zum Abitur bringen sollen, die von ihrer Arbeitshaltung oder ihrer Begabung her für ein Gymnasium eigentlich nicht geeignet sind. Mit Blick auf die politische Entwicklung schreibt H. Bauer im Jahre 1931 über diese Schüler: „Mit einer gewissen Vorsicht pflegt man die neuen Schüler für die Oberklassen zu empfangen. Manchmal hat sich diese Vorsicht in ein schönes Vertrauensverhältnis gewandelt, aber nur - manchmal. Oft war es so: Der „Herr“ Sohn hat früher viel gebummelt, er muss unter Aufsicht arbeiten, und nun müssen alle Sinne der Aufsichtführenden darauf gerichtet sein, ihm jede Möglichkeit zu nehmen, sich der Aufsicht und so der Arbeit zu entziehen. So „durchgepeitscht“ verlässt er das Gymnasium, um endlich „weitergepeitscht“ das Volk zu „peitschen.“ (10)
Schon im Schuljahr 1905/1906 stieg die Zahl der Heimbewohner wieder an. Sie erreichte im Schuljahr 1909/1910 mit 81 Schülern einen ersten Höhepunkt. Die wirtschaftliche Situation des Hauses hatte sich stabilisiert. Zum 1.Oktober 1907 wurde Direktor Königs auch die wirtschaftliche Leitung des Internates übertragen. Neben der geistlichen Leitung trug er nun auch die Verantwortung für die Finanzen des Hauses. 1908 war er für drei Monate beurlaubt, um sein Oberlehrer-Examen zu machen. Während dieser Zeit vertrat ihn der Bopparder Kaplan Brückert.
Der Sägemüller Peter Josef Henzler betrieb neben dem Alumnat zur Fischergasse hin, der heutigen Michael-Bach-Straße, noch ein kleines Sägewerk. Dieser Betrieb störte die Arbeit im Alumnat ganz erheblich. Henzler wollte das Grundstück verkaufen und bot es1908 der Stiftung zum Preise von 25.000 M an. Das Kuratorium hatte großes Interesse an dem Gelände. Da man über die nötige Summe nicht verfügte, lehnte der Vorstand zunächst das Angebot ab, verhandelte aber mit dem Sägewerksbesitzer, um einen günstigeren Preis zu erreichen. Am 13. März 1909 konnte der Kaufvertrag unterschrieben werden. Das Grundstück mit einer Fläche von nicht ganz 93 Ruten (1289 qm) kostete nun nur noch 18.000.- M. Den Ankauf finanzierte die Stiftung mit einem Kredit der Kreissparkasse St.Goar. Zwei Drittel des Grundstückes wurden als Nutzgarten angelegt, der Rest wurde zum Spielplatz ausgebaut. Durch Flächentausch mit der Stadt konnte die Grenze begradigt und mit einer Mauer gesichert werden.
Ostern 1910 übernahm Direktor Königs in Koblenz-Lützel die Stelle des Pfarrvikars. Das Kuratorium wählte mit Zustimmung der bischöflichen Behörde Kaplan Adolf Brückert als Nachfolger. Kaplan Brückert hatte Herrn Königs schon im Jahre 1908 für einige Monate vertreten. Herr Junk, Religionslehrer am Bopparder Gymnasium, unterstützte den neuen Leiter als Erzieher und Betreuer bei den Hausaufgaben. Adolf Brückert erhielt bei freier Station ein Gehalt von 1.500 M im Jahr. Der Pensionspreis von 600 M war im Jahre 1910 nicht mehr kostendeckend und musste auf 700 M pro Jahr angehoben werden. Als Grund vermerkt das Protokoll neben der Verteuerung der Lehrmittel auch die gestiegenen Ansprüche der Schüler.
Das Alumnat erlebte in den folgenden Monaten die erste große Krise. Die Zahl der Heimbewohner war durch „verschiedene widrige Einflüsse“ von 1910 bis 1913 von 81 auf 30 gesunken. Der Tiefststand war am 22. April 1912 mit 26 Schülern. Das Haus war in seiner Existenz bedroht. Die wirtschaftliche Lage des Hauses war katastrophal. Die Einnahmen reichten nicht mehr zur Deckung der Kosten. In dieser Notlage beschloss das Kuratorium, dass der Alumnatsdirektor Schüler nur noch mit Zustimmung des Kuratoriums entlassen durfte. Alle Mitglieder des Kuratoriums wurden aufgefordert, nach Möglichkeiten zu suchen, wieder mehr Schüler in das Alumnat zu bringen. Der Vorstand unterrichtete die bischöfliche Behörde über die Notlage und bat um Unterstützung bei der Werbung für das Internat. Die Personalkosten wurden gesenkt, die Schulden stiegen. Die Stadt wurde um Unterstützung angegangen. Sie musste ein Interesse am Fortbestand des Alumnates haben, denn ohne die Schüler aus dem Internat wäre das Vollgymnasium in seinem Bestand gefährdet gewesen. Die beiden Schwestern des Pfarrers Paulus, die ihm den Haushalt führten, boten dem Kuratorium zur Überbrückung der Notlage ihre Ersparnisse von 6000.-M zu einem Zinssatz von 3,5 % an. Das Kuratorium nahm das Angebot an und hoffte auf eine Besserung der Lage im kommenden Schuljahr.
Adolf Brückert verließ im Jahre 1912 das Alumnat. Am 11.April richtete das Kuratorium an die bischöfliche Behörde in Trier die Bitte, einen „geeigneten geistlichen Leiter“ für das Alumnat zu ernennen. Die Behörde schlug den Kaplan von St.Paulus in Trier, Adolf Caroli, vor, den das Kuratorium einstimmig wählte. Adolf Caroli wurde auch zum wirtschaftlichen Leiter des Hauses gewählt, diese Aufgabe übte er „ehrenamtlich“, d.h. ohne zusätzliche Bezahlung, aus, wobei ihn eine Schwester der Borromäerinnen bei der Buchführung unterstützte.
Am 11. Juni 1912 kam Bischof Dr. Michael Felix Korum zur Visitation und Spendung der Firmung nach Boppard und stellte seinen Besuch im Alumnat in Aussicht. Das Kuratorium hoffte auf Unterstützung des Bistums und beschloss, dem hohen Gast einen würdigen Empfang zu bereiten und „die junge Studienanstalt seiner väterlichen Protektion zu empfehlen“.
Die Bemühungen um mehr Schüler zeigten erste Erfolge. Bis zum Schuljahr 1915 stieg ihre Zahl wieder auf 54 an. Im August 1915 wechselte die Leitung des Hauses. Josef Savelsberg wurde der neue Alumnatsdirektor. Es wird berichtet, dass er die Stelle in Boppard erhielt, weil im Bistum gerade keine Kaplanstelle für ihn frei war. Zur gleichen Zeit arbeitete der Volksschullehrer Hermann Bauer als Erzieher im Alumnat St.Michael. Er unterstützte den neuen Leiter des Hauses bei seiner verantwortungsvollen Arbeit und war ihm lange Jahre ein treuer Helfer und Weggefährte. Beide wirkten sehr erfolgreich und segensreich zum Wohle der Jugend. Als Hermann Bauer Boppard verließ, um eine Lehrerstelle in der Eifel zu übernehmen, blieb die enge Beziehung zum Alumnat und den Alumnen bestehen.
Die Zahl der Schüler nahm stetig zu, wenn auch nun der Krieg die ersten Spuren in der Schülerliste hinterließ. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war ja die Kriegsbegeisterung in Deutschland noch groß, alle erwarteten einen schnellen Sieg, und viele wollten ihren Teil dazu beitragen. Schon im ersten Kriegsschuljahr 1914/1915 verließen 5 Schüler das Alumnat und meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Schüler der Oberprima, die es besonders eilig hatten, dem Vaterland zu Hilfe zu eilen, konnten das Kriegsabitur ablegen. In den Listen der Jahre bis 1918 finden wir nun immer wieder den Vermerk „zum Grundwehrdienst einberufen“ oder „zum Heeresdienst eingezogen“.
Pfarrer Paulus starb am 6. Februar 1917. Schon am 30. April wurde der neue Pfarrer Bernhard Baptist Porten in sein Amt eingeführt. Wegen des Krieges verzichtete man auf größere Feierlichkeiten. Die finanzielle Lage des Alumnates hatte sich entspannt. Die Bilanz des Jahres 1918 wies sogar einen kleinen Gewinn aus. Zum ersten Mal schloss man für alle Schüler eine Unfall- und Haftpflichtversicherung ab. 1919 beherbergte das Haus 75 Schüler. Schulden und Hypotheken waren weiterhin drückend, ein Ende der Schulden und Hypotheken war zwar noch nicht abzusehen, man schaute aber voller Optimismus in die Zukunft.
Eine Folge des Krieges war die zunehmende Teuerung, die eine längerfristige Planung bald unmöglich machte. In den Jahren 1919 bis 1923 musste der Pensionspreis laufend den gestiegenen Kosten angepasst werden. 1920 betrug er schon 4.000.-M pro Jahr. Ebenso mussten das Gehalt des Direktors, die Löhne der Angestellten und das Kleidergeld der Schwestern wegen der steigenden Preise laufend erhöht werden. Der Direktor erhielt 1920 ein Gehalt von 3000.-M und eine Aufwandsentschädigung von 1.000.- M im Jahr.
Zur Begleichung verschiedener Schulden und zur Installation von elektrischem Licht in allen Gebäuden wurde 1921 bei der Landesbank Düsseldorf ein Darlehen in Höhe von 90.000.- M aufgenommen. Die elektrische Lichtanlage installierte die Fa. Nik.Stang aus Boppard zu einem Preise von 21.000.-M, hinzu kamen noch die Kosten für Lampen und Beleuchtungskörper, die ebenfalls die Fa. Stang lieferte.
Die Besetzung des Rheinlandes und die nun einsetzende galoppierende Inflation mit ihrem Höhepunkt im August 1923 führten zu einer Verarmung der Bevölkerung und machten auch dem wirtschaftlichen Aufschwung des Alumnates St.Michael ein vorläufiges Ende. Der Pensionspreis stieg von 10.000.-M im Jahre 1921 über 3.600.-M pro Monat im September 1922 auf 104.000.-M im April 1923. Die Lebensmittelpreise änderten sich noch schneller. Z.B. musste für ein Pfund Kartoffeln, das 1914 4 Pf. gekostete hatte, im Jahre 1918 14 Pf., im Jahre 1922 80 M und im November 1923 50.000.000.000.-M gezahlt werden. Ein Wirtschaftsplan war in solchen Zeiten nicht mehr möglich. Schließlich berechnete die Heimleitung die Unterbringungskosten in Dollar oder Goldmark und forderte von den Eltern den nach dem Devisenkurs errechneten Gegenwert in Mark. Aber auch dieser Wert änderte sich so schnell, dass er bei Eingang der Zahlung meist schon wieder überholt war. Eltern, die über Naturalien verfügten, viele Kinder kamen ja aus Geschäftshaushalten und landwirtschaftlichen Betrieben, konnten den Pensionspreis auch in Form von Lebensmittellieferungen entrichten.
Die Inflation trieb besonders den Mittelstand in Armut und traf damit das Alumnat, da die meisten Schüler aus mittelständischen Familien kamen. Diese konnten die Internatskosten nicht mehr tragen und holten ihre Kinder nach Hause. Die Zahl der Schüler sank auf 23 im Schuljahr
1922/23. Entsprechend der Teuerung mussten auch das Gehalt des Direktors, die Löhne der Angestellten und das Kleidergeld der Schwestern weiter angehoben werden. Im September 1922 wurde das Gehalt des Direktors auf 16.000.-M pro Jahr festgesetzt, dazu erhielt er noch eine Teuerungszulage von 8.000.-M, im April 23 betrug das Gehalt schon 75.000.-M pro Monat.
Schuldner profitierten von der rapiden Geldentwertung. Das Kuratorium nutzte die Zeit der Inflation, um das Darlehen der Landesbank Düsseldorf vorzeitig zurückzuzahlen. Erst nach der Einführung der Rentenmark am 15.11 1923 normalisierten sich die Verhältnisse wieder. Am 30.8.1924 löste die Reichsmark die Rentenmark ab. Ab dem 30. Juni 1925 zahlten die Eltern nur noch 100 M pro Monat, der Direktor erhielt ein Monatsgehalt von 200.-M bei freier Station.
Die Schülerzahlen stiegen wieder an. Im Schuljahr 1925/26 wohnten 81 Alumnen im Hause, darunter viele Jungen aus dem Saargebiet. Der Grund dafür war die Abtrennung des Saarlandes vom Reich nach dem Versailler Friedensschluss. Im Saarland war das französische Schulsystem eingeführt worden. Viele Eltern wollten sich damit nicht anfreunden und schickten ihre Kinder zum Schulbesuch ins Deutsche Reich, so auch nach Boppard.
Die Reichsmark hatte wieder einen Wert. Die finanzielle Lage besserte sich von Jahr zu Jahr. Auf Initiative H. Bauers wurde ein Freundeskreis der Ehemaligen gegründet und 1928 die Monatszeitschrift „Der Freunde-Kreis“ ins Leben gerufen. Sie war als Bindeglied zwischen Internat, Elternhaus und Ehemaligen gedacht. Schüler und Erzieher berichteten über das Geschehen in Schule und Internat. Viele Beiträge behandelten Fragen zur Erziehung und religiöse Themen. Die Aufsätze über Geschichte und Kultur der Heimat sind heute noch des Lesens wert. Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft musste die Zeitschrift ihr Erscheinen einstellen.
1929 konnte für die Kapelle ein neuer Altar angeschafft werden. Unter dem Reliquiar wurde in einer Flasche eine Urkunde eingemauert. Der lateinische Text lautete in der Übersetzung:
„Im Jahre des wiederhergestellten Heiles 1929, am 16. 9., als Papst Pius XI. ruhmreich in Rom regierte, als Herr Dr. Kaster die Pfarrei Boppard leitete, als Josef Savelsberg dieses Haus führte, wobei der Lehrer H. Bauer und die Oberin Engelberta Backes mit 10 Schwestern ihn unterstützten, als sich 62 Zöglinge hier aufhielten, wurde dieser Altar, dessen Plan Bruder Aloysius Gelsam vom Benediktinerkonvent Laach entwarf und dessen Gestalt der Steinmetz Diensberg aus Niedermendig ausführte, errichtet, wobei fast alle Zöglinge und deren Eltern zu den Kosten beitrugen zur höheren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen.“
1929 konnte das Alumnat St.Michael sein 25-jähriges Bestehen feiern. Das Kuratorium hatte einen neuen Vorsitzenden, denn am 27.Juli 1929 war Dr.Johannes Kaster als neuer Pfarrer in Boppard eingeführt worden. Man nutzte die Veranstaltungen, um für das Alumnat zu werben und die Arbeit des Hauses ins rechte Licht zu rücken. Die Feierlichkeiten begannen am Samstag, dem 28. September 1929, mit einem Requiem für die gefallenen und verstorbenen Schüler und Freunde des Alumnates und endeten am Abend des 30.September mit sportlichen Vorführungen. Die von Musik und Gesang der Schüler begleiteten kurzen Vorträge in der Festversammlung am 29. September wurden in verschiedenen Sprachen gehalten. Dies und die Themen der Ansprachen spiegeln den hohen Anspruch, den man an sich selbst und an das Haus stellte, wider. Die Festvorträge behandelten folgende Themen: Die Treue zur Familie (lateinische Rede), Die Treue zur Erziehungsgemeinschaft (griechische Rede), Die Treue zur Schule und Wissenschaft (französische Rede), Die Treue zur Pflicht ( englische Rede), Die Treue zur Religion (italienische Rede), Die Treue zur Nation (spanische Rede), Die Treue zur Väterart (hebräische Texte aus dem Alten Testament), Die Treue zum Ideal (deutsche Rede). Josef Savelsberg, der Direktor des Hauses, schloss seine Ansprache mit den Worten: „Eines können und müssen wir glauben: Das Alumnat,
gestärkt und gefestigt in 25 Jahren, geht mutig und vertrauend auf Gottes Führung der Zukunft entgegen.“
1929 verließ H. Bauer das Alumnat, um in Drees in der Eifel, einem „weltverlorenen Dorf“, als Lehrer zu arbeiten. Er blieb aber dem Hause, seinen Schülern und dem Personal noch viele Jahre eng verbunden.
Die Wirtschaftsblüte von 1926 bis 1929 hatte die Menschen aufatmen lassen. Nun aber neigte sich die Zeit des kurzen Konjunkturaufschwunges wieder ihrem Ende zu. Das Reich war überschuldet, viele Bürger hatten über ihre Verhältnisse gelebt. Im Winter 1929 /1930 zählte man schon 3.000.000 Arbeitslose. Die Folgen der wirtschaftlichen und politischen Krise machten sich auch im Alumnat bemerkbar. Wieder einmal konnten viele Eltern die Kosten für die Unterbringung ihrer Kinder in einem Internat nicht mehr tragen. Die Folge war, dass ab dem Schuljahr 1929/1930 die Schülerzahlen kontinuierlich zurückgingen.
Weitere Probleme taten sich auf. 1930 forderten die Finanzbehörden von der „Stiftung Katholisches Waisenhaus“ Grundvermögensteuer. Da die finanzielle Lage die Zahlung der Steuer nicht zuließ, versuchte man, sie durch eine überarbeitete Satzung zu umgehen. Die neue Satzung vom 25.März 1930 musste deutlich machen, dass der Zweck der Stiftung nie auf Gewinnerzielung ausgerichtet war. Die „Stiftung Katholisches Waisenhaus“ erhielt den Namen „Stiftung Katholische Jugendbetreuung Boppard“. In § 1, Absatz 2 hieß es nun: „Als wesentliches Kennzeichen der als milde Stiftung unter Einbringung des damaligen Vermögens geschaffenen, durch den nachfolgenden Zuwachs in ihrem Vermögen verstärkten und als milde Stiftung in den späteren Erweiterungen fortbestehenden Einrichtung ist gemäß Vorstehendem stets im Auge zu behalten, dass ihr Betreuungsdienst nicht des Erwerbes, d.h.eigenwirtschaftlicher Zwecke halber stattfinden, sondern ausgesprochenermaßen Wohltat an der ausbildungs- und erziehungsbedürftigen Jugend, in diesem Sinne und auch sonst hilfsbedürftigen Jugend, sein soll.“ § 3b legte die Aufgaben des Zweiges „Alumnat St. Michael“ fest. Hier hieß es: „Es lässt - alles in unmittelbarer Wahrnehmung des mit § 1 zum Ausdruck gebrachten Hauptzweckes der Stiftung - katholischen Schülern des Gymnasiums und etwaiger anderer höherer Lehranstalten von Boppard Unterkunft, Verpflegung und Beaufsichtigung zuteil werden. Bei dieser Betreuung wird es in Verbindung mit der religiös-sittlichen Festigung der dem Hause zugeführten Jugend die allgemein wissenschaftliche und gesellschaftliche Ausbildung der Betreuten fördern,...“ -
Die neue Satzung beeindruckte die Finanzbehörden offensichtlich nicht. Sie bestanden weiterhin auf der Zahlung von Grundvermögensteuern. Die Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt zogen sich viele Jahre hin und endeten erst mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches.
Die Katastrophe aber kam mit der Regierung der Nationalsozialisten. Zunehmende Not und steigende politische Unruhen hatten ab 1930 immer mehr Menschen in die Arme der NSDAP getrieben. So wurde sie im Juli 1932 zur stärksten Partei. Im Frühjahr 1933 übernahm sie die Regierung. Die Kirchen und kirchlichen Einrichtungen wurden nun von den neuen Machthabern mit größtem Mißtrauen beobachtet und kontrolliert. Die Eltern wurden unter Druck gesetzt, viele hatten nicht mehr den Mut, ihre Kinder einem katholischen Internat anzuvertrauen. Sie mussten Repressalien der nationalsozialistischen Behörden befürchten. Die Schülerzahlen gingen weiter zurück und sanken im Jahre 1938 bis auf einen Tiefststand von 29 Schülern. Bei dieser politischen Konstellation konnten auch Werbeanstrengungen zu keinem Erfolg führen. Harte Sparmaßnahmen mussten eingeleitet werden.
Für den Fall, dass das Alumnat nicht von der Grundsteuer befreit werden sollte, beschloss das Kuratorium im Jahre 1934 die Einstellung des Betriebes und teilte dies den zuständigen Behörden mit. Dies beeindruckte die Finanzbehörden aber in keiner Weise. Der Antrag des Vorstandes, die rückständigen Steuerschulden niederzuschlagen und die laufenden Steuerforderungen zu stunden, wurde abgelehnt. Ab 1. Januar 1935 forderte das Finanzamt auch noch eine Umsatzsteuer, die allerdings auf den Pensionspreis umgelegt werden durfte und deshalb von den Erziehungsberechtigten zu tragen war. Da die Stiftung die Forderungen von Steuern und Abgaben nicht zahlen konnte, standen Pfändungen ins Haus. Bei der Stadt waren Schulden aus der Lieferung von Strom, Wasser und Gas entstanden. Auch die städtischen Behörden zeigten wenig Entgegenkommen und bestanden auf einer grundbuchlichen Absicherung der ausstehenden Beträge. In der Sitzung vom 27. Juni 1935 beschloss das Kuratorium die Aufnahme eines Darlehens von 3.000.- RM, um den laufenden Verpflichtungen nachkommen zu können. Die Lage aber besserte sich keineswegs. Im Januar 1936 forderte das Finanzamt Steuererklärungen für Umsatz-, Körperschaft- und Vermögensteuer. Rechtsmittel wurden eingelegt, die Verfahren zogen sich ohne Ergebnis Jahre hin.
Anfang des Jahres 1935 verließ Josef Savelsberg das Haus und übernahm eine Pfarrstelle. Als Nachfolger wurde der Kaplan Otto Krage aus Hilbringen gewählt und von der bischöflichen Behörde bestätigt. Er erhielt bei freier Station eine monatliche Entschädigung von 100 M. Während der Schulferien war er mit Ausnahme der Osterferien freigestellt.
Im Jahre 1939 schien das Ende des Alumnates St. .Michael gekommen zu sein. Die Nationalsozialisten standen auf dem Höhepunkt ihrer Macht und nutzten sie ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz aus. Am 30. April 1939 musste der Vorstandsvorsitzende Dr.Kaster dem zu einer Dringlichkeitssitzung einberufenen Kuratorium mitteilen: „Gemäß Ministererlass an die Oberpräsidenten können in Zukunft keine Schülerheime der Art geduldet werden, wie das Alumnat gemäß Verfassung der Stiftung ist.“ Das Alumnat musste geschlossen werden. Die Regierung „bat“, das Alumnatsgebäude für die benachbarte Lehrerbildungsanstalt anmieten zu können. Zugleich wies sie aber darauf hin, „dass im Falle der Unmöglichkeit einer freiwilligen Vereinbarung die vorgesehenen gesetzlichen Maßnahmen zur Inbesitznahme des Gebäudes in Erwägung gezogen werden müssten.“ Rechtsmittel gegen die Anordnung der Regierung gab es nicht.
Der Bitte des Kuratoriums, mit Rücksicht auf die Schüler und ihre Eltern die Betriebserlaubnis des Internates bis zum Schuljahresende am 1.4.1940 zu verlängern, wurde nicht stattgegeben. Zum 8. Mai 1939 wurde das Alumnatsgebäude beschlagnahmt und musste bis zum 15. Mai geräumt werden. Das Gebäude wurde in die Lehrerbildungsanstalt einbezogen. Die neuen Besitzer übernahmen das Inventar zu einem Preise von 7.301,90 RM und zahlten „großzügig“ einen jährlichen Mietzins von 14.000.- RM. Die Schüler und die Schwestern mussten das Haus verlassen. Ein Teil der Schüler ging zu den Eltern zurück, ein Teil wurde in Bopparder Familien untergebracht. Die alte Stadtmauer zwischen den beiden Höfen ließen die neuen Herren zum Teil abtragen und schufen so eine Verbindung zu dem benachbarten Gebäude der LBA. Das Josefshaus blieb den Schwestern und dem Personal als Unterkunft. Die Hauskapelle, mit der die Leitung der LBA zunächst nichts anzufangen wusste, diente als Lagerraum für das nicht vermietete Inventar. Im Jahre 1944 versuchten die Nationalsozialisten mehrfach, auch die Kapelle in die „Vermietung“ einzubeziehen. Der Versuch misslang, da der Verwaltungsrat die Angelegenheit hinauszögerte und die Zeit der nationalsozialistischen Regierung sich ihrem Ende zuneigte.
Alle von der katholischen Kirche getragenen gemeinnützigen Einrichtungen waren der Regierung der Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Das Alumnatsgebäude in Boppard war ja bereits beschlagnahmt. Der Verwaltungsrat, der weitere Zwangsmaßnahmen der Regierung gegen die Stiftung befürchten musste, wollte wenigstens für den Fall des Eigentumsüberganges des Alumnatsgrundstückes in eine andere Hand die bestehenden Anprüche durch Grundbucheintragung sichern und den Einfluss der Kirchengemeinde auf das Stiftungsvermögen wahren. Dazu musste die
Stiftungssatzung ergänzt werden. In den Jahren 1940 und 1941 erhielt § 13 der Satzung, der die Verwendung des Stiftungsvermögens bei Auflösung der Stiftung regelte, den Zusatz: „Bei Auflösung der Stiftung fällt das Vermögen an die katholische Pfarrgemeinde (Kirchengemeinde) Boppard.“ Für den Fall, dass die Finanzbehörden bei Übergang des Stiftungsvermögens an die Kirchengemeinde die Steuerfreistellung nicht gewährten, wurde es dem Verwaltungsrat anheimgestellt, einen anderen Anfallberechtigten zu benennen und die Satzung so zu ändern, dass die Gemeinnützigkeit erhalten blieb.
Die Satzungsänderungen waren für den Fall der Enteignung gedacht, der jedoch nicht mehr eintrat, da die politische Lage sich änderte. Im Mai 1945 waren die Schrecken des Dritten Reiches zu Ende. Das Alumnat kam wieder in den Besitz der Stiftung und diente zunächst noch als Hilfskrankenhaus und Altersheim. Alte Menschen aus dem Altersheim St. Josef in Koblenz waren hierher evakuiert. Doch schon am 1. September 1948 konnten die ersten 9 Schüler wieder in das Alumnat einziehen, durch Zugänge im Laufe des Schuljahres stieg die Zahl auf 65 an. Mit der Aufnahmes des Betriebes stellten sich sogleich auch die finanziellen Sorgen wieder ein. Durch die Währungsreform vom 20.6.1948 hatten viele der im Hause untergebrachten alten Leute ihre Sparguthaben verloren. Sie konnten ihren finanziellen Verpflichtungen kaum noch nachkommen. Die monatlichen Beiträge für Unterkunft und Verpflegung gingen nur sehr zögerlich ein. Lebensmittel mussten auf Kredit gekauft werden. Bald hatte das Haus wieder Schulden. Um bei den Lieferanten nicht in Misskredit zu geraten, genehmigte das Kuratorium im Juli 1949 eine Kreditaufnahme von 5.000.- DM bei der Kreissparkasse , um wenigstens die bei Bopparder Lieferanten aufgelaufenen Lebensmittelschulden bezahlen zu können.
Am 10. Januar 1950 konnte der eigentliche Internatsbetrieb wieder aufgenommen werden. Direktor des Hauses wurde Alois Friedrich. Sein Gehalt betrug bei freier Station zunächst 100.- DM und stieg ab 1.August 1950 auf 150.- DM monatlich. In Hause waren 46 Schüler und noch 39 alte Leute untergebracht. Die Gymnasiasten zahlten einen Pensionspreis von 90.- DM pro Monat, Geschwister erhielten eine Ermäßigung.
Der Wiederaufbau war schwierig. Es herrschte allgemeiner Geldmangel, es fehlte an den einfachsten Dingen des Alltages. Immer wieder musste improvisiert werden. Bevor man das Internat hatte öffnen können, mussten viele Reparaturen durchgeführt und Neuanschaffungen getätigt werden. So hatten sich in kurzer Zeit Schulden von etwa 26.000.- DM angesammelt. Der Verwaltungsrat sah sich genötigt einzuschreiten und ordnete an, dass die Leitung des Alumnates Anschaffungen und Sonderausgaben nur noch mit Genehmigung des Vorsitzenden des Kuratoriums tätigen durfte. Am 10.1.1950 beschloss der Verwaltungsrat, alle Zahlungsrückstände der Pensionäre und der Schüler sofort einzuziehen.
Ein weiterer Grund für die wirtschaftliche Misere war die Tatsache, dass die Verwaltung des Hauses von wirtschaftlicher Betriebsführung weit entfernt war. Die Personalkosten waren entschieden zu hoch. Am 1. April 1951 waren im Hause 72 Schüler und 24 alte Leute untergebracht, dafür waren neben dem Direktor ein Hilfslehrer, neun Schwestern vom Orden des hl. Karl Borromäus, 11 Angestellte und Arbeiter und 13 Lehrmädchen beschäftigt. Bis Anfang Dezember 1950 hatte sich das Haus sogar noch einen Nachtwächter erlaubt. Wenn auch die Löhne niedrig waren und man alle möglichen Sparmaßnahmen ergriff, stiegen die Schulden weiter an und erreichten 1952 mit 28.000.- DM Lieferantenschulden und 10.000.- DM Darlehensschulden bei der Kreissparkasse die Höhe von 38.000.- DM. Das Kuratorium sah sich wieder einmal genötigt, die Notbremse zu ziehen und für alle Ausgaben über 200.- DM eine besondere Genehmigung des Vorstandes vorzuschreiben.
Im September 1951 war Erich Krummeich als neuer Pfarrer der Pfarrei St.Severus eingeführt worden. Das Kuratorium hatte damit wieder einen neuen Vorsitzenden. Am 20. Mai 1952 wurde Josef Krieger Nachfolger von Alois Friedrich. Die Belegzahlen entwickelten sich erfreulich und stiegen kontinuierlich an. Wie nach dem 1.Weltkrieg war der Anteil der Schüler aus dem Saargebiet besonders groß. Das Saarland war 1946 aus der französischen Besatzungszone ausgegliedert worden und bildete nach der Verfassung von 1947 mit Frankreich eine Wirtschafts-, Währungs- und Zollunion. Die Reisenden und ihr Gepäck wurden an den Grenzen streng kontrolliert, selbst die Wäschepakete der Schüler wurden von den Zöllnern nach verbotenen Einfuhren untersucht. Doch die Eltern nahmen diese Umstände in Kauf, um ihren Kindern das Zentralabitur zu ersparen.
Schlechte Nachrichten kamen aus Trier. Das Mutterhaus der Borromäerinnen und die bischöfliche Behörde teilten mit, dass die Schwestern von der Kongregation des hl.Karl Borromäus im August/September 1952 wegen Schwesternmangels aus dem Alumnat abgezogen werden müssten. Daraufhin erklärte das Kuratorium, dass das Alumnat aus Kostengründen mit Laienkräften nicht zu führen wäre. Der Vorstand verhandelte deshalb mit dem Mutterhaus der Borromäerinnen, um die Schwestern dem Internat zu erhalten. Die Bemühungen hatten den Erfolg, dass die Schwestern bis Ende September 1954 blieben.
1953 endete der Prozess um die Wiedergutmachung der Schäden, die durch die Beschlagnahmung des Hauses durch die Nationalsozialisten entstanden waren, mit einem Vergleich. Die Stiftung erhielt eine einmalige Abfindung von 10.000.- DM und aus dem Lastenausgleichsfonds ein langfristiges Darlehen von 20.000.- DM. Diese Zahlungen brachten zwar eine vorläufige Erleichterung der finanziellen Notlage, reichten aber nicht zur wirtschaftlichen Gesundung. Deshalb musste der Pensionspreis, der seit 195o auf 115.- DM gestiegen war, auf 150.- DM pro Monat angehoben werden. Die Pensionäre und Pensionärinnen zahlten bei Unterbringung in einem Zimmer mit mehreren Personen 140.- DM, für ein Einzelzimmer betrugen die Kosten 150.- DM. Gleichzeitig wurden weitere Einsparmaßnahmen ins Auge gefasst. Um das Personal zu entlasten und eine Arbeitskraft einzusparen, wurde beschlossen, dass die Schüler für die Ordnung auf den Zimmern und das Bettenmachen selbst verantwortlich sein sollten.
1954 waren im Hause bis zu 86 Schüler untergebracht. Beschäftigt wurden zeitweise 42 Arbeiter und Angestellte. Das Alumnat war also personell überbesetzt. Im Eigentum der Stiftung stand damals noch ein Weingut mit etwa 19.000 tragenden Stöcken. In Zeiten der Not hatte man immer wieder auf Gewinne aus dem Weinverkauf gehofft. Doch diese blieben aus, die Arbeitslöhne fraßen die Erträge auf. Ende des Jahres 1954 wurde ein eigener Verwalter für das Weingut eingestellt. Da die Rentabilität des Betriebes sich in den folgenden Jahren nicht besserte, kündigte der Verwalter seinen Vertrag. 1958 wurde das Weingut verpachtet. Der Pächter aber war überfordert. Mangelhafte Pflege der Weinberge und Misswirtschaft im Keller erbrachten einen Wein minderer Qualität, der unverkäuflich war. Dies wiederum führte zur fristlosen Kündigung des Pachtvertrages 1962 und zu langwierigen Prozessen. Für die Teilnahme am Umlegungsverfahren im Bopparder Hamm fehlte schließlich das Geld. Die Weinbergsparzellen wurden verkauft.
Die harten Sparmaßnahmen führten allmählich zu einer Besserung der finanziellen Lage. Die Wirtschaftsführung war Sache der Schwester Oberin, für die Buchführung und kaufmännische Leitung wurde ein Buchhalter eingestellt, um eine bessere Übersicht über Einnahmen und Ausgaben zu erhalten. Zur Ablösung der Schulden stellte das Bistum ein Darlehen von 20.000.- DM zur Verfügung und befreite damit den Verwaltungsrat von seinen drückenden Sorgen. Die Lage besserte sich, die Bilanz des Jahres 1954 wies einen Buchgewinn von 14.906,67 DM aus.
Die Schwestern vom hl. Karl Borromäus, die das Haus seit seinem Bestehen betreut hatten, verließen im September 1954 zum großen Bedauern aller Betroffenen „St. Michael“. Caritas-Schwestern übernahmen ihre Aufgabe. Dies führte zu einer starken Steigerung der Personalkosten. Die Besoldung aller Angestellten wurde auf den Caritas-Tarif umgestellt. Die im Haus beschäftigten Lehrmädchen erhielten nun erstmals Lehrverträge und ein monatliche Vergütung von 10.-DM im ersten und 15.- DM im zweiten Lehrjahr. Zu Weihnachten 1954 gab es eine weitere Neuerung: Alle Angestellten erhielten je nach Betriebszugehörigkeit eine Weihnachtsgratifikation. Diese Kostenerhöhung belastete die Haushalte der kommenden Jahre. Da die Belegzahlen sich aber erfreulich entwickelten, konnte man wieder an Investitionen denken und die dringend notwendige Erneuerung der Einrichtungen in Küche und Waschküche sowie kleinere Umbaumaßnahmen in Angriff nehmen. Als erstes wurde die Kapelle, der Mittelpunkt des Hauses, renoviert.
Im Frühsommer 1956 fiel Herr Direktor Krieger für drei Monate wegen Krankheit aus und wurde durch Kaplan Jacob Saxler vertreten. Im August schied er ganz aus dem Dienst des Hauses aus und übernahm eine Pfarrstelle in Hönningen an der Ahr. Ein Nachfolger musste gewählt werden. Schon am 17. September 1956 wurde Kaplan Ernst Vierbuchen als neuer Direktor des Alumnates eingeführt. Pfarrer Krummeich versprach ihm bei der Einführung die tatkräftige Hilfe des Kuratoriums. Die Zukunft des Hauses schien gesichert, es war gut ausgelastet. Am 1.1.1957 beherbergte es 77 Gymnasiasten.
In den vergangenen Jahren hatte das Geld selbst für bescheidenste Renovierungen gefehlt. Der Investitionsstau war gewaltig. Nun galt es, das Internat zu modernisieren und den gestiegenen Ansprüchen anzupassen. Tatkräftig ging der neue Leiter an die Arbeit und erstellte einen Zeitplan für die Renovierung des Hauses, die Erneuerung seiner Einrichtung und die Neugestaltung der Außenanlagen. Als erstes wurden 1957 die Flure mit Kunststoff belegt. Die Böden waren nun leichter zu pflegen. So konnte man Personal und damit Kosten einsparen. Im Sommer wurde der Eingangsbereich an der Pforte umgebaut. Nach Plänen des Architekten Pilz wurde die Wand durchbrochen und mit großen Scheiben versehen. Der Eingang war nun heller. Der Pförtner hatte eine bessere Übersicht und Kontrolle über alle, die das Haus verließen oder betraten. In den Sommerferien 1957 erhielten das Treppenhaus und die Flure einen neuen Anstrich und die Halle neue Tapeten. Schließlich entstand durch freiwilligen Arbeitsdienst der Alumnen in Gemeinschaftsarbeit aus dem unansehnlichen Schuttabladeplatz oberhalb des Gebäudes ein blühender Garten mit Springbrunnen.
Alle Arbeiten verschlangen viel Geld. Der Pensionspreis stieg im Oktober 1957 auf 170.- DM pro Monat. Im Herbst fand wie immer der „Elterntag“ statt. Solche Tage waren wichtig für die Zusammenarbeit von Elternhaus, Schule und Internat und wurden gut genutzt. Die Erziehungsberechtigten konnten sich über die Leistungen und die Entwicklung ihrer Kinder informieren, sie konnten Wünsche äußern, Mißstände kritisieren und Verbesserungsvorschläge machen. Willkommen waren sie aber auch als „wohltätige Spender“, denn zur Verwirklichung der weiteren Pläne musste Geld locker gemacht werden. So gab es am Nachmittag eines jeden Elterntages Theateraufführungen, Musikvorträge, Verlosungen und Versteigerungen. Die Einnahmen aus diesen Veranstaltungen besserten die Kassenlage auf und ermöglichten manche zusätzliche Anschaffung.
Dank eifrigen Sammelns konnte 1958 mit der Anlage eines Tennisplatzes an der Stelle des alten Gemüsegartens begonnen werden. Es gelang wieder, die Schüler für diese Arbeiten zu gewinnen. Sie wirkten in ihrer Freizeit eifrig mit Hacke, Schaufel und Schubkarre mit. Die Baufirma Gerharz aus Bad Kreuznach, ein Sohn der Familie Gerharz war Internatsschüler im Alumnat, leistete tatkräftige Hilfe und stellte kostenlos Bagger und LKW zur Verfügung. Sechs Eisenbahnwaggons Schlacke wurden gesiebt und verarbeitet, dazu noch Lavalit aus Ochtendung und Ziegelmehl aus Hahn im Taunus.
Im Sommer 1958, als die Schüler in den Ferien weilten und das Haus frei war, nahmen die Caritas-Schwestern Ferienkinder auf und betreuten sie. Die zusätzlichen Einnahmen waren willkommen. Nach den Ferien konnte ein neuer Altar für die Kapelle in Auftrag gegeben werden. Der Altar aus blau-grauem Lahnmarmor ist heute noch Mittelpunkt der Kapelle. Er wurde nach den Plänen des Laacher Mönches Pater Theodor Bogler angefertigt. Der Mensa-Stein allein wog 24 Zentner, jeder Fuß nochmals 12 Zentner. So dauerte der Transport durch das Treppenhaus zur Freude der Schüler 3 Tage. Die unter dem Reliquiar eingemauerte Urkunde trägt folgenden Text:
„Am 16. September 1959 wurde der im Jahre 1929 errichtete Altar abgebrochen und durch eine einfache Tischform aus blau-grauem Lahnmarmor ersetzt. Dieser Altar wurde angefertigt in Maria Laach unter Leitung von Pater Theodor Bogler.
Wir stehen in der Zeit, in der Johannes XXIII. Papst ist, Matthias Wehr Bischof von Trier, E. Krummeich Pfarrer von Boppard und Ernst Vierbuchen Direktor des Alumnates, Rosa Schumacher Oberin der Caritas-Schwestern.
Augenblicklich befinden sich in diesem Hause 76 Schüler. Der Altar konnte errichtet werden durch
den Fleiß und die Opferbereitschaft der Schwestern und des Personals zur größeren Ehre Gottes.“
Das Reliquiar unter dem Altar enthält Reliquien der Heiligen Don Bosco, Dominicus Savio und Vinzenz Pallotti.
Das Tabernakel mit Emailarbeit, zwei Ciborien, eine Monstranz, ein Hängekreuz über dem Altar und große Kerzenständer lieferte der Künstler E.Weinert aus Köln. Diese Gerätschaften und ein elektrisches Harmonium für die Kapelle stiftete eine der Pensionärinnen, die im Hause lebten. Seit Jahren hatten die Schwestern im Ruhestand lebende Damen aufgenommen. Diese erhielten einen festen Wohnsitz im Alumnat oder Josefshaus, wurden im Hause verpflegt, im Falle einer Krankheit versorgt und im Alter gepflegt. Sie verbrachten ihren Lebensabend in der Gemeinschaft mit den Schülern und dem Personal. Die Damen, die noch arbeiten konnten oder wollten, machten sich nützlich und waren zufrieden, dass sie noch gebraucht wurden. So nahmen sie am Leben im Hause teil, gehörten zur Gemeinschaft und mussten nicht in der Furcht leben, in ein Altersheim abgeschoben zu werden. Die Pensionskosten, die sie zahlten, kamen der Kasse des Alumnates zugute.
Die Ausstattung der Kapelle wurde nach und nach vervollständigt. Die Holzstatuen der Muttergottes und des hl.Josef stammten aus früherer Zeit. Die Kapellenfenster wurden nach Entwürfen E.Vierbuchens geschaffen und mit dem Geld finanziert, das die Schüler durch Verkauf und Versteigerung handwerklicher Arbeiten an den Besuchstagen der Eltern eingenommen hatten. Die Erkerfenster zeigen Christus als Lehrer, flankiert von Maria und Johannes. Im rechten Fenster der Frontseite sehen wir einen Adler und einen Engel, Symbole der Evangelisten Johannes und Matthäus, im linken Fenster die Symbole der Evangelisten Markus und Lukas, einen Löwen und einen Stier.
Der Kreuzweg, bestehend aus Kupfer-Email-Platten in der Größe von 14 x 12 cm, war eine Gemeinschaftsarbeit der Schüler, die sie in den Wintermonaten 1962/63 nach Vorlagen E.Vierbuchens angefertigt hatten. Die barocke Statue des hl. Michael mit der Seelenwaage war ein Geschenk des Herrn Ernst Gerharz aus Bad Kreuznach. Er hatte die aus der Zeit um 1680 stammende Statue bei einer Fahrt durch Tirol in Schwaz entdeckt und für das Alumnat erstanden. Nach Restaurierung in der Benediktiner-Abtei St. Peter wurde der Patron des Hauses mit Erfolg nach Deutschland „geschmuggelt“, da es einen freien Grenzverkehr zwischen Österreich und der Bundesrepublik noch nicht gab und man die bei der Ausfuhr fälligen Zollgebühren sparen wollte. Am Himmelfahrtstag 1964 wurde St.Michael feierlich geweiht und in einer Prozession mit Fackeln,
Feuerwerk und Blasorchester in die Kapelle gebracht und aufgestellt.
In den Osterferien 1959 wurde weiter renoviert. Das Direktorzimmer erhielt einen Balkon, wiederum ein Geschenk des Herrn Gerharz aus Bad Kreuznach. Ein elektrischer Speiseaufzug wurde eingebaut und ersetzte den mit einem Strick gezogenen Kasten, der die Überprüfung durch den TÜV nicht mehr bestanden hatte. Die Studiersäle wurden freundlich und einladend hergerichtet, 70 neue Schülertische und die entsprechende Anzahl an Stühlen für die Studiersäle wurden angeschafft. Die alte Gartenterrasse musste einer Garage weichen. Mit der Renovierung des Daches wurde begonnen, im Laufe der kommenden 5 Jahre wurde die gesamte Dacheindeckung erneuert.
Die alte, noch mit Koks betriebene Dampfheizung erforderte während der gesamten Heizperiode die ständige Überwachung durch einen „Heizer“, der sie mit Koks beschickte und Asche und Schlacken entsorgte. Diese Arbeit war mit viel Staub und Schmutz verbunden. Zuschüsse des Bistums und des Landes ermöglichten es, die veraltete und unwirtschaftliche Anlage durch eine moderne Heizung zu ersetzen. Die Arbeiten brachten unvorstellbaren Lärm und Schmutz mit sich und waren eine ständige Herausforderung für das Putzpersonal. Nach Pfingsten 1961 begann die Fa. Arthur Richter mit der Demontage der maroden Anlage. Heizkörper, Heizkessel und Rohre wurden herausgerissen und durch neue ersetzt. Überall mussten neue Durchbrüche geschlagen werden, überall wurde gebohrt, gehämmert und geschweißt. Der Staub zog durch alle Ritzen und Türen. Ende September waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Kosten betrugen über 70.000.- DM. Das Land gab einen verlorenen Zuschuss von 35.000.- DM, das Bistum stellte ein Darlehen von 25.000.- DM zur Verfügung. Im Winter zeigte sich, dass sich die Investitionen gelohnt hatten. Alle im Hause waren froh über die angenehme Wärme, die die saubere und gut funktionierende Heizung spendete.
Das Jahr 1961 nennt Direktor Vierbuchen „ein Erfolgsjahr“. Das Haus war mit 74 Schülern gut belegt und machte im Inneren einen freundlichen und gepflegten Eindruck. Durch ein Darlehen des Bistums über 25.000.- DM, einen verlorenen Zuschuss des Landes von 35.000.- DM und nicht zuletzt durch sparsames Wirtschaften konnten alle eingehenden Rechnungen bezahlt werden und weitere Arbeiten im Außenbereich in Angriff genommen werden. Der Außenputz wurde erneuert, dabei erhielt das Sprechzimmer nach Süden ein Blumenfenster. In den Sommerferien begannen die Firmen Kirch, Bröder und Mohr mit den Arbeiten, die zügig vorangingen, aber noch nicht abgeschlossen waren, als die Schüler aus den Ferien zurückkehrten. Die Kosten der Außenrenovierung betrugen rund 120.000.- DM.
Um das Haus herum tat sich noch manches. Im Garten entstand ein kleines Treibhaus. Der Hof an der alten Stadtmauer, der immer einen ungepflegten und wenig einladenden Eindruck gemacht hatte, wurde planiert und asphaltiert und erhielt Spielfelder für Volley- und Basketball. Die Arbeiten führte die Fa.Monnerjahn aus Emmelshausen durch. Die Kosten betrugen rund 12.600.- DM und konnten in Raten bezahlt werden. Ein Sohn des Firmeninhabers war Schüler des Internates.
Die gute Belegung des Hauses, Ostern 1960 waren 75 Schüler im Alumnat untergebracht, zusätzliche Einnahmen aus verschiedenen Grundstücksverkäufen und nicht zuletzt sparsames Wirtschaften hatten die finanziellen Engpässe der vergangenen Jahre vergessen lassen. In der Sitzung vom 5. Juli 1960 konnte das Kuratorium mit Befriedigung feststellen, dass die Finanzlage des Alumnates als gut angesehen werden kann.
Schüler müssen sinnvoll beschäftigt sein und auch etwas tun, was ihnen Freude macht. Deshalb wurde 1962 eine hauseigene Blaskapelle gegründet. Das Interesse war groß, viele Freiwillige meldeten sich, die ein Instrument erlernen wollten. Sie zahlten für den Unterricht 5.-DM im Monat. Pit Scholtes wurde als Lehrer und Dirigent verpflichtet. Im Dezember 1961 konnten gebrauchte Instrumente angeschafft werden. Den Kauf hatte die Fa. Schellenberg in Trier durch einen langfristigen günstigen Finanzierungsplan ermöglicht. Die Schüler übten eifrig und traten bei den häuslichen Feiern auf. Aber leider hielt die Begeisterung für die Blasmusik nicht lange an. Schon bald wurde die Kapelle wieder aufgelöst, die Instrumente wurden dem Musikverein „Rheinklang“ in Bad Salzig leihweise überlassen und 1974 schließlich verkauft.
1962 gab es eine weitere Umstellung. Anfang des Jahres verließen die Caritasschwestern, die seit September 1954 für die Hauswirtschaft zuständig waren, das Alumnat. Zur allgemeinen Erleichterung und Freude gelang es Herrn Direktor Vierbuchen, Schönstätter Marienschwestern für St. Michael zu gewinnen. Am 2. Februar 1962 übernahmen sie die wirtschaftliche Leitung des Internates. Eine der Schwestern wurde ausschließlich für die Betreuung der jüngsten Schüler abgestellt.
Die Renovierungen im Gebäude gingen weiter. Durch Teilung des Lesezimmers entstand für die Schwester Oberin ein eigenes Büro. Das Schwesternzimmer erhielt neue Möbel. Das Lesezimmer und die Aula wurden 1962 renoviert. Das alte Wirtschaftsgebäude zwischen Alumnat und Josefshaus, das baufällig war und bei dem Reparaturen unwirtschaftlich gewesen wären, musste abgerissen und neu errichtet werden. Auch hier halfen die Bistumskasse und das Land mit Zuschüssen von je 4.500.-DM. Es entstand ein Stall für 10 Schweine und 100 Hühner. So konnten die Küchenabfälle noch zum Wohle aller genutzt werden. Man hielt an der Tradition fest, wirtschaftlich aber war das Halten von Schweinen und Hühnern nicht mehr. Die Dacheindeckung, die immer wieder schadhaft geworden war, wurde 1964 erneuert.
Ende 1963 mussten die Pflegekosten den gestiegenen Preisen angepasst und auf 240.- DM pro Monat angehoben werden. Hinzu kamen 10.- DM für Heizung, 2.- DM für die Unfallversicherung, 5.- DM für die jeweiligen Sonderveranstaltungen und 1.- DM für die Benutzung der Hausbibliothek.
1928 hatte Direktor Josef Savelsberg die Schülerzeitschrift „Der Freunde Kreis“ ins Leben gerufen. Während des Dritten Reiches durfte die Zeitung nicht mehr herausgegeben werden. Nun wurde die alte Tradition wieder aufgenommen. Der 15. Februar 1965 ist der Gründungstag einer neuen Schülerzeitung mit dem Namen „Flammenschwert“. Sie erschien von nun an in Abständen von zwei bis drei Monaten und berichtete über die Ereignisse im Hause, brachte Berichte und Gedichte, Buchbesprechungen und kritische Beiträge aller Art. Die Schülerredaktion war mit Begeisterung bei der Sache, Schüler und Eltern nahmen die neue Zeitung gut an. Finanziert wurde sie mit den Einnahmen aus Anzeigen und Zuschüssen des Hauses.
Neben den Pensionärinnen, die gegen Bezahlung im Alumnat wohnten und hier ihren Lebensabend verbrachten, waren auch ehemalige Hausangestellte, die nun im Ruhestand lebten, im Hause untergebracht. Ihre Rente reichte nicht zu einem Leben in einem Altersheim, da sie in ihrer aktiven Zeit nur geringe Einkommen hatten. Deshalb konnten sie ihre Wohnung im Alumnat oder Josefshaus beibehalten. Sie machten sich noch nützlich, soweit es in ihren Kräften stand. Auf Vorschlag des Direktors Ernst Vierbuchen erhielten diese vier Damen freies Wohn- und Pflegerecht bis an ihr Lebensende. Das Kuratorium fühlte sich verantwortlich für die ehemaligen Angestellten und berücksichtigte bei diesem Beschluss, dass die Hausangestellten in früheren Jahren sehr schlecht bezahlt worden waren.
Am 19. Juni 1965 wurde Direktor Ernst Vierbuchen, der seit 1956 das Haus geleitet hatte, verabschiedet, da er auf Wunsch des Bischofs die Pfarrei St. Paulin in Trier übernahm. Sein Nachfolger wurde Kaplan Johannes Hain, der selbst einmal Schüler des Alumnates gewesen war. An der Abschieds- und zugleich Einführungsfeier am 20.6.1965 nahmen neben den Schülern und Angestellten des Hauses die Mitglieder des Kuratoriums, Angehörige des neuen Direktors und Prälat Dr. Hansen aus Trier teil. Mit Dank stellte der Vorsitzende des Kuratoriums fest: „Herr Direktor Vierbuchen hat das Haus sozusagen von Grund auf erneuert und hat das Alumnat auf eine gesunde finanzielle Grundlage gestellt“.
Ostern 1966 kamen Schwester Adelheid als neue Oberin und Schwester Ditmara als neue Jungenschwester. Zum 1.Mai 1966 ging Pfarrer Erhard Josef Krummeich in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Nikolaus Wolfers.
Johannes Hain, dessen Gehalt ab 1.1.67 die Bistumskasse übernahm, setzte die unter Direktor Vierbuchen begonnene Umgestaltung und Modernisierung des Hauses fort. In den Osterferien 1966 wurde der Eingangsbereich neu gestaltet. Der Rasen erhielt eine Einfassung. Für die drei Aufenthaltsräume wurden neue Möbel angeschafft. Die große Treppe in Treppenhaus erhielt einen pflegeleichten Linoleumbelag. Das gesamte Dachgeschoss wurde umgebaut. An die Eltern der Schüler erging ein Spendenaufruf für Kruzifixe in allen Zimmern, Studiersälen und im Speisesaal. Die Kreuze lieferte die Werkstatt des Klosters Maria Laach. Für die Wände in den Gängen wurden große, auf Holzplatten aufgezogene Bilder angeschafft.
In einem weiteren Bauabschnitt wurden die Renovierungsarbeiten des Hauses fortgeführt. Die Schlafräume der Unterstufe im 2.Stock und die beiden Krankenzimmer erhielten neue Fenster, neue Türen, neue Vorhänge und neue Möbel. Für die Jungenschwester richtete man im 2.Stock ein kleines Apartement mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und Toilette ein. Im Obergeschoss des kleinen Seitenflügels entstanden zwei große Einzelzimmer, ein Doppelzimmer und ein abgeschlossenes Apartement mit Wohnraum und Bad mit Toilette für den Jugendleiter. Die Schwester Oberin bekam in der Kammer über der Kapelle einen hellen und sauberen Wirtschaftsraum mit großen Einbauschränken. Im Stock darunter erhielt der Sakristeieingang neue Türen, die Wohnung der Schwester Oberin wurde ebenfalls renoviert und erhielt eine Abschlusstür. Schließlich konnten auch noch die Spülküche im 1. Stock und die Essensausgabe renoviert und modernisiert werden.
Unvorhergesehene Probleme traten bei den Umbauarbeiten in den Waschräumen auf. Die Handwerker bauten zusätzlich 16 neue Waschbecken ein und stellten dabei fest, dass die Installationen in den Wasch- und Toilettenräumen marode waren und erneuert werden mussten. Alle Abfluss- und Wasserleitungen wurden herausgerissen und durch neue ersetzt. Im zweiten Stock entstand ein neuer Waschraum für die Unterstufe mit vielen Waschbecken. Die Toilettenanlage trennte man vom Waschraum ab. Im ersten Stock wurde eine neue Toilettenanlage eingerichtet, darunter entstand eine Toilette für Gäste und Personal. Auch die alte Duschanlage im Keller musste erneuert werden. Die einzelnen Duschen erhielten Trennwände, Mischbatterien und Entlüftungen wurden eingebaut.
Das Erdgeschosss und der erste Stock erhielten je ein Gästezimmer. Die Personalräume im Josefshaus waren ebenfalls renovierungsbedürftig und wurden neu hergerichtet, ebenso der große Schlafraum der Hausmädchen. Die gesamten Renovierungskosten beliefen sich auf 234.221.-DM.
Sie überstiegen damit die geplanten Kosten um über 70.000.- DM. Das Kuratorium genehmigte die zusätzlichen Ausgaben, stellte aber klar, dass „größere Ausgaben in Zukunft vorher genehmigt werden müssen“. Die Bistumskasse Trier steuerte 1967 einen Betrag von 60.000.- DM und 1968 noch einmal 45.000.- DM bei, das Land gab 1967 einen Zuschuss von 45.000.- DM. Den Rest musste das Alumnat selbst tragen und erwirtschaften. Dies war möglich, da das Haus in diesen Jahren durchweg voll belegt war.
Der Mangel an gutem Personal machte sich im Heim immer stärker bemerkbar. Die Schönstätter Marienschwestern hatten zwei Schwestern abgezogen, im Hause war nur die Schwester Oberin verblieben. Die letzten beiden Helfer aus dem Gymnasium hatten das Internat verlassen. Seit Gründung des Alumnates hatten viele Referendare hier gewohnt und als Erzieher und Betreuer neben ihrem Beruf erfolgreich gearbeitet. Durch das Kurzschuljahr wurden am Gymnasium keine Referendare ausgebildet. Nun fehlten sie. Direktor Hain beantragte die Einrichtung eine Jugendleiterstelle, die bischöflichen Behörde genehmigte die Einstellung, eine fachlich qualifizierte Persönlichkeit ließ sich jedoch nicht finden. Die Bemühungen um neue Mitarbeiter blieben praktisch ohne Erfolg. In der größten Not sprang Ronald Schildbach aus den Vereinigten Staaten, Student am Goethe-Institut, als Erzieher bis Juni 1967 ein.
Auf die Eltern konnte sich „St.Michael“ weiterhin verlassen. Sie waren großzügig. Mit Spenden konnte im Herbst 1967 ein Spezialbelag für den Tennisplatz finanziert werden. Die Fa. Kessler, ein Sohn des Firmeninhabers war Schüler des Alumnates, richtete den Platz zu einem Sonderpreis von 10.000.- DM her. Schließlich wurde noch aus dem mittlerweile unwirtschaftlich gewordenen Hausgarten eine Spiel- und Liegewiese.
Die Renovierung des Hauses war nun weitgehend abgeschlossen. Ein offenes, einladendes Haus mit freundlichen Räumen und funktionaler Einrichtung war entstanden. In diesem Lebensraum konnten sich junge Leute wohlfühlen. Dies hatte positive Auswirkungen auf die Erziehung und das Leben in der Hausgemeinschaft. Aber neue Probleme taten sich auf. Im Herbst 1967 bestand die Gefahr, dass das Provinzialat in Metternich die Schwestern abziehen würde. Dies hätte das vorzeitige Ende des Hauses bedeutet. Die Gefahr ließ sich noch einmal abwenden.
Die Personalprobleme nahmen von Jahr zu Jahr zu. Es wurde immer schwieriger, qualifizierte Erzieher für das Alumnat St.Michael zu gewinnen. Als Folge dieses Notstandes trat ein viel größeres Problem auf. Die schulischen Leistungen der Internatsschüler entsprachen nicht mehr den Erwartungen des Gymnasiums und der Eltern. Dies schadete dem Ansehen des Alumnates bei den Eltern, an der Schule und in der Stadt. Der Ruf des Alumnates stand auf dem Spiel. Also musste hier dringend Abhilfe geschaffen werden.
Das Wohlbefinden der Schüler im Heim und die Zufriedenheit der Eltern mit dem Internat hingen nicht zuletzt auch von dem schulischen Erfolg ab, und der musste wieder besser werden. Das häusliche Studium wurde reorganisiert. Die Gymnasiasten mussten wieder mehr arbeiten, die Erzieher überprüften den Fleiß bei den Hausarbeiten der Schüler Tag für Tag. Keiner durfte den Studiersaal verlassen, ohne dass seine schriftlichen Arbeiten kontrolliert und die mündlichen Aufgaben abgefragt waren. Schwache Schüler bekamen Nachhilfeunterricht. Leistungsstarke Gymnasiasten der Oberstufe halfen tatkräftig mit. Sie betreuten und unterstützten leistungsschwächere Schüler der Unterstufe bei ihren Hausaufgaben. Dies war eine harte Arbeit, die Anstrengungen aber lohnten sich. Die tägliche Beaufsichtigung und strenge Kontrolle der Alumnen und ihrer Studien führten bald zu ersten Erfolgen. Die Schulnoten besserten sich, Arbeitseifer und Leistungsbereitschaft der Jungen nahmen wieder zu, die Zahl der Sitzenbleiber nahm wieder ab.
Ziel der Erziehung war es auch, die jungen Menschen zur Übernahme von Verantwortung und zur Mitarbeit in der Hausgemeinschaft zu gewinnen. Dies machte das Zusammenleben und die Zusammenarbeit von Erziehern und Schülern leichter und war zugleich eine wichtige Erfahrung für die spätere Übernahme von Verantwortung in Familie und Gesellschaft. „Mehr Mitbestimmung“ erwarteten die Alumnatsschüler, „mehr Verantwortung“ forderte die Leitung des Hauses. Die Jungen erhielten Mitspracherechte bei der Gestaltung ihres Alltages und ihrer Freizeit. Der Sprecher der Gemeinschaft wurde nicht mehr vom Direktor ernannt, sondern von allen Schülern gewählt. Jede Klasse durfte einen Klassensprecher wählen. Der Direktor oder der Sprecher des Hauses rief die Klassensprecher zu einer Sitzung zusammen, wenn anstehende Fragen und Probleme besprochen und Beschlüsse gefasst werden sollten.
Mehr Mitsprache bedeutet aber auch mehr Freiheit. Der Ruf nach mehr Freiheit wurde immer lauter. Bei den Erziehern setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Jugendlichen, die im Internat nach einer festen Tagesordnung lebten, nicht auch noch ihre Freizeit verplant haben wollten, sondern diese möglichst frei und nach eigenen Vorstellungen zu nutzen wünschten. Nun wurden ihnen Wahlmöglichkeiten für die Nutzung ihrer freien Stunden angeboten. Sie durften selbst Vorschläge machen und Anregungen zur Freizeitgestaltung geben. Ziel dieser Maßnahmen war es, die jungen Menschen schrittweise zu mehr Freiheit und zum verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Freizeit und ihrer Freiheit zu führen.
Die Jungen der Oberstufe richteten aus eigener Initiative und mit großem Engagement, viel Phantasie und Arbeit 1967 die Kellerbar „Zum Steigbügel“ ein. Sie erhielten die Erlaubnis, einen Tanzkurs zu belegen, sie durften ganz offen Freundschaften zu Mädchen pflegen und erhielten nun ihre Briefe, ohne befürchten zu müssen, dass diese geöffnet und gelesen würden. Die Verbindung zu dem Mädcheninternat Marienberg wurde enger. Ein Tanzkurs begründete manche engere Freundschaft. Beide Internate luden sich gegenseitig mehrmals im Jahr zu Parties ein. Die Schwester Oberin und die Heimleiterin des Marienbergs hatten viel Verständnis für die Interessen und Wünsche der jungen Leute. Schließlich wurde auch der Ausgang am Abend verlängert. Ab dem 16. Lebensjahr hatten die Schüler Ausgang bis 22 Uhr, ab dem 18. Lebensjahr bis 24 Uhr. Das gegenseitige Vertrauen und die Offenheit nach außen machten vielen, die sich im Alumnat eingeengt und unfrei fühlten, das Leben erträglicher und leichter. Das „Mehr“ an Freiheit hat sich bewährt.
In der Sitzung des Kuratoriums vom 13.September 1968 stellte Pfarrer Wolfers als Vorsitzender Wilhelm Meidt als neuen Direktor des Alumnates vor. Die Bilanz für das Jahr 1967 wies noch einen Gewinn aus. 1969 mussten die Pflegekosten auf 290.- DM pro Monat angehoben werden, da die Kosten, insbesondere die für Löhne und Gehälter und die Preise für Handwerkerleistungen, stark angestiegen waren. Zum 1.4.1969 konnte endlich ein neuer Jugendleiter eingestellt werden. Für 1970 genehmigte das Kuratorium die Renovierung der Studiersäle der Mittelstufe und ein neues Dach für das Josefshaus.
Ronald Schildbach, der schon 1966 und 1967 einige Monate im Alumnat gearbeitet hatte, studierte 1970 in Heidelberg und war in dieser Zeit ein immer wieder gern gesehener Gast und Helfer. 1971 kehrte er in die Staaten zurück, aber schon 1972 rief ihn Direktor Meidt als Mitarbeiter an das Alumnat. Als im Frühjahr 1973 Direktor Meidt die Pfarrstelle in Bad Salzig übernahm, stand kein Priester mehr als Nachfolger zur Verfügung. Deshalb wählte das Kuratorium mit Zustimmung der bischöflichen Behörde Herrn Schildbach zum neuen Leiter des Hauses. Er war damit der erste Laiendirektor und gleichzeitig der letzte Direktor des Alumnates St.Michael. Mit viel pädagogischem Optimismus arbeitete er mit den Erziehern für die ihm anvertrauten Schüler und für das Internat. Aber schon bald zeigte sich, dass das Alumnat in seiner Existenz gefährdet war und in der bisherigen Form keine Zukunft mehr hatte.
Die Schließung des Internates
Spätestens Mitte der siebziger Jahre machte die sinkende Geburtenrate in der Bundesrepublik allen Internaten zu schaffen. Die Nachfrage nach Heimplätzen nahm allgemein ab. Diese Entwicklung wurde noch dadurch verstärkt, dass überall im Lande neue Gymnasien gegründet worden waren. Nun hatten selbst Schüler aus den entlegensten Orten des Landes die Möglichkeit, von ihrem Elternhaus aus eine höhere Schule zu besuchen. Von diesem abnehmenden Interesse an Heimplätzen blieb auch das Alumnat St.Michael nicht verschont. Die Schülerzahlen gingen zurück. Die Einnahmen deckten nicht mehr die laufenden Kosten.Die wirtschaftliche Lage des Hauses verschlechterte sich dramatisch. Nur mit Zuschüssen des Bistums konnte die Zahlungsfähigkeit gewährleistet bleiben.
Die Zeiten hatten sich geändert. Tiefgreifende soziale, kulturelle, ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen wirkten sich auf das gesamte Schulwesen aus. Bewährte Erziehungsprinzipien, der innere Zusammenhang von Bildung und Erziehung, waren auf einmal in Frage gestellt. Das verwertbare Wissen über Technik, Wirtschaft und Umwelt galt nun als nutzbringender als eine Bildung, die neben dem Wissen Werte und Orientierungshilfe für ein ganzes Leben zu vermitteln versuchte. Eine neues pädagogisches Zeitalter wurde gepredigt, nun sollte alles besser werden. Aber das Gegenteil trat ein. Eine schleichende Erosion von Bildung und Erziehung führte immer häufiger zu schulischen und persönlichen Problemen bei Kindern und Heranwachsenden, die diese und viele ihrer Eltern überforderten. Dies führte nicht zuletzt zu dem Bildungs- und Erziehungsnotstand, vor dem wir heute stehen.
Das Alumnat geriet in eine Krise, von der es sich nicht mehr erholen sollte. Die pädagogische Arbeit wurde von Tag zu Tag schwieriger, die Erfolge waren unbefriedigend. Das Personal war unzufrieden und wechselte oft. Das Ansehen des Hauses in der Stadt und bei den Schulen der Stadt sank auf einen neuen Tiefpunkt. Die Klagen über das Verhalten der Schüler, über die Ordnung im Hause, über Schmutz und mutwillige Zerstörungen nahmen immer mehr zu. Auch die Eltern waren unzufrieden mit den Zuständen im Haus, waren unzufrieden mit dem Erfolg ihrer Kinder in der Schule, unzufrieden mit ihrer Erziehung und Betreuung. Selbst viele Kinder fühlten sich nicht mehr „zu Hause“ in ihrem Heim. Fristlose Kündigungen häuften sich.
In der Sitzung des Kuratoriums mit dem neu gewählten Elternbeirat vom 4. Dezember 1973 forderten die Eltern „bessere und ausreichende Erzieher und Erzieherinnen und Bemühungen für ein besseres Image“ der Schüler in der Stadt Boppard. Um den finanziellen Engpass zu überbrücken, befürwortete der Elternbeirat eine Erhöhung der monatlichen Zahlungen und schlug weitere Geldbeschaffungsmöglichkeiten bis hin zu Bettelbriefen an Eltern, Landesbehörden und ehemalige Schüler des Hauses vor. Ein nachhaltiger Erfolg dieser Maßnahmen blieb aus. Das Bischöfliche Generalvikariat musste für das Jahr 1974 zur Finanzierung der laufenden Ausgaben einen Zuschuss von 40.000.- DM bereitstellen.
Die Erzieher versuchten, die negative Entwicklung zu stoppen und die Schüler weiter in die Verantwortung zu nehmen, indem man ihnen weitere Rechte zugestand. Die Satzung für die Schülervertretung im Alumnat wurde wieder überarbeitet. Jede Klasse wählte für ein halbes Jahr einen Klassensprecher, der die Interessen seiner Klasse zu vertreten hatte. Die Vollversammlung wählte drei mindestens 16 Jahre alte Schüler in das Schülergremium, das die Beschlüsse des Schülerausschusses an den Alumnatsrat weiterleiten musste. Alle Klassensprecher und das Schülergremium bildeten den Schülerausschuss, das beschlussfassende Organ der Schülerschaft. Der Direktor, die Erzieher und das Schülergremium bildeten den Alumnatsrat, der für die Durchführung der Beschlüsse die Verantwortung trug. Daneben gab es noch einen Fernsehausschuss, der bei der Aufstellung des täglichen Fernsehplanes ein Mitspracherecht hatte.
Durch verstärkten Einsatz und Mithilfe von Schülern der Oberstufe bemühte sich die Leitung des Alumnates, das Fehlen von Erziehern auszugleichen. Aber auch die weitere Demokratisierung, die Mitbestimmung und Übernahme von Mitverantwortung der Schüler in den einzelnen Gremien konnte die negative Entwicklung nicht aufhalten, die erzieherischen Probleme nicht lösen. Alle ergriffenen Maßnahmen konnten den langsamen, aber stetigen wirtschaftlichen Niedergang nicht umkehren. Unter den gegebenen Bedingungen hatte das Alumnat keine Zukunft mehr.
Das Haus war nicht mehr voll belegt. Ein weiteres Sinken der Schülerzahlen musste mit allen Mitteln gestoppt werden, sollte das Haus sich finanziell tragen und erhalten bleiben. Man änderte die Konzeption des Hauses, das Alumnat St.Michael stand nun Schülern aller Bopparder Schulen ohne Berücksichtigung ihrer Konfession offen. Im Entwurf für den neuen Hausprospekt hieß es nun:
„Das Alumnat St. Michael ist ein katholisches Internat für Schüler, die das Staatliche Kant-Gymnasium, das Staatliche Aufbaugymnasium, die Realschule, die Hauptschule und die Berufsfachschule in Boppard besuchen.“ Die Belegzahlen stabilisierten sich zwar vorübergehend, aber die Öffnung des Hauses für Schüler aller Altersgruppen und aller Bopparder Schulen brachte neue Probleme mit sich. Die Schüler, die das Heim nun beherbergte, beanspruchten mehr Zuwendung und Hilfe. Die Erzieher waren überfordert.
Die gesellschaftlichen Veränderungen machten sich im Alumnat bemerkbar. Seit Bestehen des Hauses kam die große Mehrheit der Schüler aus dem gut situierten Mittelstand (vgl.Berufe der Eltern des Jahrganges 1905/06, Anhang 1). Dies hatte sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. In vielen Familien waren nun beide Elternteile berufstätig. Sie hatten wenig Zeit für die Erziehung ihrer Zöglinge und brachten sie deshalb in einem Internat unter. Auch der Anteil der Kinder von Alleinerziehenden, die auf Erwerbsarbeit angewiesen waren, nahm ständig zu (vgl. Berufe der Eltern des Jahrganges 1979/1980). Da das Haus nicht mehr voll belegt war, nahm man schließlich auch Schüler auf, die von Sozialämtern betreut wurden, weil sie zu Hause zu verwahrlosen drohten. Mitte der siebziger Jahre war die Hälfte der Eltern der im Alumnat St.Michael untergebrachten Kinder als sozial schwach einzustufen.
Wenn man schließlich noch bedenkt, dass es schon immer auch leistungsunwillige und leistungsunfähige Schüler gab, deren Eltern, die wenig Zeit für ihre Kinder, aber die nötigen Mittel hatten, in der Internatserziehung die letzte Chance sahen, die Erziehungs- und Leistungsdefizite ihrer Zöglinge auszugleichen, mag man ermessen, vor welcher unlösbaren Aufgabe die Erzieher im Hause St.Michael standen.
Ab 1976 nahm das Haus auch Bopparder Kinder, deren Eltern berufstätig waren und wenig Zeit für Erziehung und Betreuung hatten, als Externe auf. Zwei Schwestern der Borromäerinnen halfen ihnen und beaufsichtigten sie bei ihren Hausaufgaben. Diese Arbeit übernahmen die Schwestern ohne Bezahlung, um das Alumnat zu unterstützen.
1979 verließ die Oberin, Schwester Adelheid, als letzte der Schönstätter Marienschwestern das Alumnat. Zum Ende des Schuljahres 1979/80 kehrte Ronald Schildbach enttäuscht in die Vereinigten Staaten zurück. Nach seinem Weggang wurde kein neuer Direktor mehr berufen. Die beiden Mitarbeiter Hans-Peter Kneip und Peter Kraft führten das Haus gemeinsam bis zu seiner Schließung am 31.7.1983.
Die Änderung der Zielsetzung des Alumnates und die Aufnahme von Schülern aller Schularten der Stadt Boppard zeigten keine auf Dauer befriedigenden Perspektiven für das Haus auf. Auch der letzte Versuch, durch Anzeigen in der „Rhein-Zeitung“ und im „Paulinus“ neue Schüler zu gewinnen, zeigte keinen Erfolg. Im Schuljahr 1980/81 hatte das Alumnat 36 Heimbewohner und 23 externe Schüler. Bei 7 der 36 Kinder waren beide Elternteile berufstätig, 9 Kinder stammten aus geschiedenen Ehen, 10 hatten einen alleinerziehenden Vater oder eine alleinerziehende Mutter, 2 waren Vollwaisen. Im Schuljahr 1981/1982 hatte das Alumnat 43 Heimbewohner und 14 externe Schüler. 24 Schüler besuchten die Hauptschule, 14 das Gymnasium, 6 die Berufsfachschule, 6 die Grundschule, 4 das Aufbaugymnasium und 2 die Realschule.
Das einst für Gymnasiasten gegründete Alumnat war zu einem Kinderheim mit vielen sozialen Härtefällen geworden. Unter den gegebenen Bedingungen war es unmöglich, diese Kinder zu betreuen, zu erziehen und ihnen eine Heimstatt zu geben Ein Heer von Erziehern wäre notwendig gewesen. Das nötige Fachpersonal aber stand nicht zur Verfügung.
Der jährliche Regelzuschuss des Bistums betrug 40.000.- DM. Das rechnerische Defizit belief sich im Jahre 1982 auf 300.000.- DM. In den vergangenen 15 Jahren waren nur noch die Instandhaltungsarbeiten durchgeführt worden, die unumgänglich waren, für weitere Investitionen hatte das Geld gefehlt. Der im Lauf der Jahre entstandene Reparaturstau wurde auf 1.500.000.- DM geschätzt. Aus dieser Lage sah das Kuratorium unter dem Vorsitz von Pfarrer Werner Assmann keinen Ausweg mehr und beschloss nach langer Beratung und Rücksprache mit dem Bischöflichen Generalvikariat am 12.3.1982, das Alumnat St.Michael zum Ende des Schuljahres 1981/82 zu schließen und das Gebäude einem anderen, dem Ziel der Stiftung entsprechenden Zweck zuzuführen. In einem Schreiben vom 19.3.1982 wurde der Beschluss den Eltern und Erziehungsberechtigten der Schüler des Alumnates mitgeteilt.
Am 20.4.1982 beschloss das Kuratorium:
Das Alumnat St.Michael soll ein katholisches Pfarr- und Jugendbildungszentrum werden mit drei Aufgabengebieten:
1. Pfarrzentrum
3. Jugendbegegnungsstätte
Nun galt es, eine einvernehmliche Lösung für die noch vorhandenen Schüler und das Personal zu finden. Die betroffenen Eltern protestierten heftig. In Briefaktionen wurden Kuratorium und Bischöfliches Generalvikariat bestürmt, das Alumnat nicht zu schließen. Erst als allen Beteiligten die aussichtslose wirtschaftliche Situation des Hauses klar wurde, fand man einen Kompromiss. Damit die Eltern die weitere Schullaufbahn ihrer Kinder in Ruhe planen konnten und Härtefälle vermieden wurden, blieb das Internat bis zum Schuljahresende 1982/83 geöffnet. 17 Schüler beherbergte das Alumnat im letzten Jahre seines Bestehens.
Die Jugendbegegnungsstätte St.Michael
Die Stiftungssatzung der Stiftung „Katholische Jugendbetreuung“ musste der Änderung des Stiftungszweckes angepasst und neu konzipiert werden. Dazu bedurfte es der Zustimmung des Bischöflichen Generalvikariates und der Genehmigung der Bezirks-Regierung Koblenz.
§ 1 der alten Satzung lautete: „Die „Stiftung Katholische Jugendbetreuung Boppard“ ist eine gemeinnützige, wohltätige Stiftung auf religiöser Grundlage, die ihrem Hauptzweck nach in ihren verschiedenen Zweigen - Verwaltungsabteilungen - die Bewahrung der ihr anvertrauten Jugend vor Schutzlosigkeit und sittlicher Gefahr unter Förderung ihrer inneren Entwicklung zum Ziele hat. Damit ist sinnrichtig als unentbehrliches Hilfsmittel zum erwähnten Hauptzweck verbunden die Förderung des Erwerbes der entsprechenden geistigen Kenntnisse und der nötigen Fertigkeiten.“
Nach der neuen Satzung ist die Stiftung eine kirchliche Stiftung. § 1 der neuen Satzung lautet nun:
„Die „Stiftung Katholische Jugendbetreuung zu Boppard“ hat entsprechend dem Willen des Stifters die Aufgabe, ihr Vermögen in zeitgemäßer Weise für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen durch die Katholische Kirchengemeinde und durch die Schwestern vom hl .Karl Borromäus einzusetzen. Sie steht nach dem Willen des Stifters unter dem Schutz der Gottesmutter Maria sowie des hl. Johannes und der hl. Clara.“
Nun galt es, eine Konzeption für die ins Auge gefasste neue Einrichtung zu entwickeln und die Satzung der neuen Zielsetzung anzupassen.
In der als Orientierungshilfe entwickelten Konzeption hieß es u.a.:
„Die Jugendbegegnungsstätte Alumnat in Boppard ist eine Einrichtung der außerschulischen Jugendarbeit in Trägerschaft der Kath. Kirchengemeinde St.Severus, Boppard. Sie dient somit sowohl der außerschulischen Jugendarbeit als auch der Begegnung und Freizeitgestaltung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 25. Lebensjahr.
Die Besucherstruktur des Hauses wird nicht auf eine bestimmte Gruppe ausgerichtet. Es steht allen Jugendlichen offen, gleich welcher sozialen oder konfessionellen Herkunft.
Ziel der offenen Arbeit in der Jugendbegegnungsstätte ist die Bildung von Gruppen; die Jugendlichen sollen zur Übernahme von Verantwortung und Entscheidung angeleitet werden.
Es wird eine die Jugendarbeit flankierende Elternarbeit angestrebt.
Das Haus erhält einen Leiter bzw. eine Leiterin, die Jugendlichen wählen in einer Vollversammlung drei Vertreter in das Hausparlament, ein Pädagogischer Beirat wirkt bei der Aufstellung des Finanzplanes mit und trägt Mitverantwortung in der pädagogischen Arbeit. Die Fachaufsicht liegt beim Bischöflichen Generalvikariat, und die Dienstaufsicht hat der Pfarrer der Pfarrei St.Severus.“
In den folgenden Jahren wurde die Konzeption des Hauses noch mehrfach überdacht und überarbeitet. Die Pläne zum Umbau und zur Finanzierung des Hauses wurden zügig vorangetrieben. Dies war der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten, des Kuratoriums der Stiftung, des Verwaltungsrates der Pfarrgemeinde, des Pfarrgemeinderates St.Severus, des Bischöflichen Generalvikariates, der Stadt Boppard, der Kreisverwaltung des Rhein-Hunsrück-Kreises und der Bezirksregierung Koblenz, zu danken.
Zur Finanzierung der neuen Einrichtung trugen neben der Pfarrei St.Severus das Bistum, die Stadt Boppard, der Rhein-Hunsrück-Kreis und das Land Rheinland-Pfalz bei. Die Stiftung „Katholische Jugendbetreuung“ verkaufte ihre nicht mehr benötigten Grundstücke, das Josefshaus und die Gebäude des Schifferkinderheimes und Kindergartens St.Clara. Die Kirchengemeinde St.Severus übernahm die Betriebsträgerschaft für alle Einrichtungen im ehemaligen Alumnat außer dem Schwesternkonvent. Die Schwestern vom hl. Karl Borromäus zogen mit einem kleinen Konvent in das Haus ein, der in verschiedenen Einrichtungen arbeitet und die lange und segensreiche Tradition fortsetzt, die ihr Orden unter Pfarrer J.B.Berger im Jahre 1855 begonnen hatte.
Mit der Jugendbegegnungsstätte, die allen Jugendlichen offen steht, ging ein lang gehegter Wunsch der Bopparder Jugend in Erfüllung. Die Stadt beteiligt sich mit 50 % an den Unterhaltungs-, Sach- und Personalkosten. Ihr war die Sorge um das lange geforderte Haus der Jugend genommen. Für die Jugendbegegnungsstätte wurde Wolfgang Stemann zum 1.5.1989 als erster hauptamtlicher Jugendpfleger eingestellt. Die Schülerbetreuung und Aufgabenhilfe und die sprachliche Förderung der Aussiedlerkinder aus dem Bopparder Übergangswohnheim übernahmen die Schwestern vom hl. Karl Borromäus.
Mit dem Kindergarten St.Clara und dem Pfarrzentrum bietet das ehemalige Alumnat nun einen Ort der Begegnung für die ganze Pfarrgemeinde, für Kinder und Jugendliche, für Erwachsene und Alte.
Das Schifferkinderheim, das der Planung nach ebenfalls im ehemaligen Alumnat untergebracht werden sollte, war im Jahre 1988 geschlossen worden, da kaum noch Nachfrage nach Heimplätzen bestand und eine wirtschaftliche Führung nicht mehr möglich war. In der Stadt war der Ruf nach einem Kinderhort schon lange laut geworden. Die Planungen konnten aufgenommen und bald mit Erfolg abgeschlossen werden. Im ehemaligen Alumnat wurde auch ein Kinderhort eröffnet und damit der gesellschaftlichen Entwicklung unserer Zeit Rechnung getragen.
Am 10. September 1989 fand im Rahmen des Pfarrfestes im Beisein zahlreicher Ehrengäste die feierliche Einweihung des neuen Pfarrzentrums statt. Dechant Wilhelm Meidt, der selbst einmal Direktor des Alumnates St.Michael gewesen war, segnete das Haus. Die Festansprache hielt Dr. F. W. Geeb, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates. Er sagte u.a::
„Zu Beginn meiner Ausführungen habe ich auch den heutigen Tag als einen Tag der Hoffnung und Zuversicht bezeichnet. Ich bin hoffnungsvoll und zuversichtlich, dass das Gemeindezentrum St.Michael seiner Bestimmung in Zukunft voll gerecht werden wird. Wir haben dieses Haus geöffnet für die Kinder, die Jugend, die Erwachsenen und die Alten, ja für die ganze Pfarrgemeinde und auch für solche, die sich nicht unbedingt zu ihr zählen. In vielfältiger Weise ist das Haus inzwischen mit Leben erfüllt worden, und das heutige Pfarrfest zeigt uns wieder einmal, dass wir glücklich sein sollten, eine solche Stätte der Begegnung zu besitzen. Das heißt aber nicht, dass wir nunmehr unsere Hände in den Schoß legen könnten. Bereits heute stehen wir vor neuen Fragen, die für uns als Gemeinde eine Herausforderung bedeuten.“
Das Haus „St Michael“ ist heute eine Stätte der Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung und der Begegnung für Jung und Alt. Stadt und Kirchengemeinde haben für Kinder und Jugendliche große Leistungen vollbracht. Sie fördern die Erziehung, sie entlasten die Familien, sie unterstützen die Alleinerziehenden und bieten den jungen Menschen einen Ort der Begegnung. Wir blicken in diesen Tagen auf 100 Jahre Alumnat St.Michael zurück. 100 Jahre standen das Haus und seine Erzieher im Dienste der Jugend. Sie haben in dieser Zeit viele junge Menschen betreut und geleitet. Das Alumnat „St.Michael“ hat während dieser Jahre Höhen und Tiefen gesehen. In seiner ursprünglichen Konzeption als Haus für die studierende Jugend war es nicht mehr zu halten. Die Pfarrgemeinde St.Severus hat jedoch einen Weg gefunden, das Haus weiterhin für die Jugend und die Erziehung junger Menschen offen zu halten. Wir wünschen dem Hause, dass es den Geist der Ordnung und der Liebe atmet, den J. Savelsberg für das Alumnat gefordert hat, damit es segensreich zum Wohle der Stadt Boppard wirken kann.
Wir wünschen den Erziehungsberechtigten, die dem Hause ihre Kinder anvertrauen, dass sie sich immer bewusst bleiben, dass Erziehung und Bildung vom Kindergarten bis zum Abitur und Beruf nur gelingen kann, wenn alle Beteiligten zu ihrer Erziehungsverantwortung stehen und Hand in Hand diese Aufgabe bewältigen, dass sie aber nie vergessen, dass keine kirchliche und keine staatliche Institution die Erziehung der Eltern, ihre Liebe und Fürsorge ersetzen kann. Wünschen wir unseren Kindern, dass ihnen immer der Schutzraum in der Familie erhalten bleibt, den sie für ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung brauchen.
Das Gemeindezentrum St. Michael besteht bald 15 Jahre. In dieser Zeit ist es als Stätte der Begegnung zu einer festen Einrichtung in der Stadt Boppard geworden. Das Haus beherbergt neben der Jugendbegegnungsstätte einen Kindergarten, einen Kinderhort und einen Schwesternkonvent der Borromäerinnen.
In der Kindertagesstätte St.Klara werden z.Zt. in 6 Gruppen 132 Kinder im Alter von 3 - 6 Jahren betreut. Daneben bietet die Kindertagesstätte für 50 Kinder Ganztagsplätze. Auf Wunsch der Eltern können die Kinder im Hause ein Mittagessen erhalten. Die Kinder kommen aus 8 Nationen, viele von ihnen beherrschen die deutsche Sprache nicht und müssen deshalb besonders gefördert werden. Damit leistet das Haus eine wichtige Integrationsarbeit und erleichtert diesen Kindern den Übergang in die Grundschule. Bechäftigt werden neben der Leiterin 15 Mitarbeiterinnen im Gruppendienst, 2 Anerkennungspraktikantinnen und 3 Vorpraktikantinnen ( Stand 1.2.2004). Für das Mittagessen sorgt eine Köchin.
Nationalitäten der Kinder der Kindertagesstätte:
deutsch 75 deutsch-russisch 33
türkisch 7 jugoslawisch 5
kroatisch 3 dänisch 1
koreanisch 1 marokkanisch 1
dt./italienisch 1 dt./englisch 1
dt./japanisch 1 dt./türkisch 2
dt./österreichisch 1
Bekenntnis der Kinder der Kindertagesstätte: r. kath. 58
evang. 34
moslem. 17
orthod. 3
o.Bek 18
Stand 1.2.2004
Der Kinderhort St.Michael besteht seit 1990. Die „Tageseinrichtung für Schulkinder“ ist von 8.00 Uhr - 17.30 Uhr geöffnet und hat Platz für 40 Kinder im Alter von 6 - 16 Jahren. Die Kinder erhalten im Hause ein Mittagessen und werden bei den Hausaufgaben und in der Freizeit betreut. Der Hort ist in erster Linie für die Eltern gedacht, denen die nötige Zeit für ihre Kinder fehlt. Deshalb ist das Haus auch während der Ferien geöffnet.
Die Jugendbegegnungsstätte (JBS) ist ein offenes Haus für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Hier treffen sie sich zum Diskutieren, zum Arbeiten, Musizieren und Spielen., hier stehen ihnen Computer zur Verfügung, über die sie im Internet surfen können. Die JBS arbeitet eng mit den Schulen der Stadt und der Nachbargemeinden zusammen und organisiert mit ihnen Schulanfangs- und Schulendtage und Berufs- und Lebensfindungsprojekte. Sie bietet Fahrten zu den Europäischen Jugendtreffen der Brüdergemeinde von Taizé, zu Katholiken- und Kirchentagen an und organisiert erlebnispädagogische Freizeiten in den Ferien.
Die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus sind dem Hause seit seinem Bestehen eng verbunden. 4 Schwestern wohnen hier in einem kleinen Konvent und arbeiten zum Wohle der Stadt und der Pfarrgemeinde St.Severus. Sie betreuen Schulkinder bei ihren Hausaufgaben, bereiten Spätaussiedler auf die Taufe, Erstkommunion und Firmung vor und besuchen alte, einsame und hilfsbedürftige Menschen. Die Schwestern sorgen auch für die Hauskapelle, in der sie täglich zum Lobe Gottes beten und singen.
Das Gemeindezentrum St. Michael findet Gemeindeleben statt. Hier treffen sich Jung und Alt, hier versammeln sich die verschiedensten Gruppen der Pfarrgemeinde St.Severus, hier beraten Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat, hier üben der Kirchenchor und der Sing- und Instrumentalkreis. Die Räume stehen auch für Vorträge und Seminare und Erste-Hilfe-Kurse zur Verfügung.
Schließlich wird in dem Hause auch gefeiert. Viele Feste, Empfänge und Basare finden im Hause und um das Haus statt. So ist das ehemalige Alumnat St. Michael zu einem Ort der Begegnung für die ganze Pfarrgemeinde geworden und aus dem Leben der Stadt Boppard nicht mehr wegzudenken.
Schülerzahlen im Alumnat:
1904 34 Schuljahr 1905/06 54
Schuljahr 1906/07 77 1907/08 64
1908/09 67 1909/10 81
1910/11 79 1911/12 55
1912/13 30 1913/14 44
1914/15 54 1915/16 61
1916/17 61 1917/18 68
1918/19 75 1919/20 75
1920/21 80 1921/22 70
1922/23 23 Ostern 1923 27
1924/25 27 1925/26 81
1926/27 73 1927/28 77
1928/29 58 1929/30 65
1930/31 62 1931/32 53
1932/33 48 1933/34 43
1934/35 30 1935/36 32
1936/37 29 1937/38 29
1938/39 40 1939/40 37
Am 8.Mai 1939 wurde das Alumnatsgebäude von der Gestapo beschlagnahmt. Am 1. September 1948 wurde das Alumnat mit zunächst 9 Schülern wieder eröffnet, im Laufe des Schuljahres 1948/49 kamen 56 Schüler hinzu.
Bestand am 1.1.1950 40 Zugänge 44 Abgänge 15
1951 59 51 32
1952 64 47 38
1953 73 37 48
1954 64 41 30
1955 73 36 34
1956 76 42 41
1957 77 36 45
1958 64 44 37
Schulanfang Ostern 1959 Bestand 76 Zugänge 8 Abgänge 46
1960 75 5 33
1961 74 4 21
1962 78 ./. 24
1963 83 ./. 24
1964 81 3 16
1965 85 ./. 27
Zugänge und Abgänge beziehen sich auf das laufende Schuljahr, die Abgänge enthalten auch die Abiturienten.
Ostern bis Dezember 1966 78 Zugang Dezember 66 9 Abgänge 16
August 67 Bestand 80 Abgänge 1967/68 14
68 85 1968/69 26
69 85 1969/70 25
70 86 1970/71 27
71 76 1971/72 21
72 66 1972/73 16
73 70 1973/74 21
74 60 1974/75 16
75 67 1975/76 31
76 72, davon 3 Externe 1976/77 18
77 70, davon 3 Externe 1977/78 22
78 76, davon 5 Externe 1978/79 19
79 68, davon 10 Externe 1979/80 38
80 54, davon 22 Externe 1980/81 20
81 57, davon 14 Externe 1981/82 2
Von diesen 57 Schülern besuchten nur 14 das Gymnasium, 24 die Hauptschule Boppard, der Rest verteilte sich auf die anderen Schulen der Stadt.
Im letzten Schuljahr beherbergte das Alumnat noch 17 Schüler. Zum Ende des Schuljahres 1982/83 schloss es seine Pforten.
Berufe der Eltern der Schüler des Schuljahrgangs 1905/06:
Weingutsbesitzer 8
Fabrikant 2
Ferner: Hotelier, Bürgermeister, Küfer, Förster, Metzger, Wirt, Winzer, Brauereibesitzer, Landwirt, Apotheker
Berufe der Eltern der Schüler des Schuljahrgangs 1979/80:
Kauffrau 2
EDV-Techniker 2
Lohnrechner 2
Ferner: Maschinenbauingenieur, Seemann, Fachlehrerin, Arbeiter, Immobilienkaufmann, Vermittlerin, Kaufm.Angestellte, Chemiker, Fremdsprachenkorrespondentin, Offizier, Heilpraktiker, Landwirt, Kfz-Mechaniker, Artist, Technischer Angestellter, Anstreicher, Küchenmeister, Brauerei-Repräsentant, Forstwirt, Masseurin, Rentner, Regierungsrat, Verkäufer, Geschäftsführerin, Telefonistin, Niederlassungsleiter, Sekretärin, Kraftfahrer, Tankwart, Lehrerin, Verwaltungsangestellte, Bundesbahn-Sekretär, Abteilungsleiterin, Grafiker, Installateur, Traffic-Agent
(1) J.Klein, Geschichte von Boppard, a.a.0. S. 313
(2) J.B.Berger, Chronik des Kath .Waisenhauses
(3)... J.B.Berger, Chronik des Kath. Waisenhauses
(4) J.Schmitt, Treues Gedenken - In: Der Freunde - Kreis, 2.Jahrgang, Heft 5
(5) J.Savelsberg, Vom Geist des Alumnates - In: Der Freunde - Kreis, 2.Jahrgang, Heft 5
(6) J.Klein, Geschichte von Boppard, a.a.O. S.251/252
(7) J.Klein, Geschichte von Boppard, a.a.O. S.251
.(8) Der Freunde-Kreis, 3.Jahrgang, Heft 5/6
(9) J.Savelsberg, Tradition und Gemeinschaft, - In: Der Freunde - Kreis, 2.Jahrgang, Heft 2
(10) J.Savelsberg, Vom Geist des Alumnates - In: Der Freunde - Kreis, 2.Jahrgang, Heft 5
(11) H.Bauer, Volk und Führer - In: Der Freunde - Kreis, 4.Jahrgang, Heft 5
Protokollbuch - Register der Beratschlagungen über die Verwaltung des von dem Pfarrer Johann Baptiste Berger zu Boppard gegründeten Katholischen Waisenhauses
Sitzungsprotokolle der Sitzungen vom 27.Juni 1900 bis zum 14.April 1970
Chronik des Alumnates St. Michael zu Boppard,
begonnen von Direktor Ernst Vierbuchen, weitergeführt von Sr. Helena
Jean Baptiste Berger, Chronik des Kath.Waisenhauses - In Rund um Boppard 1956, Heft 21 f.
Gedeon von der Heide - der Sänger von Boppard, Boppard 1914
Josef Klein, Geschichte von Boppard, Boppard 1909
Dr. F. Pauly, Boppard - St. Severus - Beiträge zur Geschichte der Pfarrei, Boppard 1987
B.J. Kreuzberg, 125 Jahre Niederlassung der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl
Borromäus in Boppard am Rhein, Boppard 1980
Wer war Johann Baptiste Berger? In: Bopparder Persönlichkeiten, VVV-Heft, Boppard 1992
Dr. Franz Werner Geeb, Vom Alumnat zum Gemeindezentrum - In: Rund um Boppard 1989,
Sr. Helena, Das Alumnat St. Michael - In: Schule und Leben, Boppard 1980
Sr. ena, Ein Pädagoge aus Amerika im Alumnat St. Michael -
In Schule und Leben, Boppard 1981
Dr. Paul Kämpchen, Lied zum Heiligen Geist in Boppard noch lebendig - In: Rund um Boppard
1957, Heft Nr. 40
Dr. Paul Kämpchen, Gedeon von der Heide - ein kämpferischer Pfarrer und Dichter - In: Rund um
Boppard 19. ., Heft Nr. ...
Josef Savelsberg, Tradition und Gemeinschaft - In: Der Freunde Kreis, 2.Jahrgang, Heft 2
Josef Savelsberg, Vom Geiste des Alumnates - In: Der Freunde - Kreis, 2.Jahrgang, Heft 2
J.Schmitt, Treues Gedenken - In: Der Freunde - Kreis, 2.Jahrgang, Heft 5
Ergänzend zu dem Artikel von Herrn Machwirth nachstehend nur zwei Bilder der beiden im Renaissance-Stil erbauten Gebäude (Alumnat und Kant-Gymnasium [Altbau]), die auch dem architektonischen Laien, wie ich es einer bin, in der Gegenüberstellung nachvollziehbar machen, dass es sich um denselben Architekten gehandelt haben könnte (tatsächlich: gehandelt hat).
Nachstehend ein Bild zur "Bestuhlung" des Speisesaals mit Thonet Stühlen im Jahr 1918.
Speisesaal des Alumnats 1918 (mit den berühmten Thonet-Stühlen, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Thonet)

References: Art.6
 Art.6
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 § 3
 § 1
 § 13

§ 1
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