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Timestamp: 2020-08-04 03:04:04+00:00

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Anforderungen an einen Schuldspruch wegen besonders schweren Raubes bei Wegnahmeentschluss bzgl. des Geldes nach Beendigung der Nötigungshandlung (hier: Schläge und Tritte ins Gesicht) - Rechtsportal
2 StR 340/12
BGH, Beschluss vom 25.09.2012 - Aktenzeichen 2 StR 340/12
DRsp Nr. 2012/21989
1. Zwischen der Drohung mit oder dem Einsatz von Gewalt und der Wegnahme muss beim Raub eine finale Verknüpfung bestehen; Gewalt oder Drohung müssen das Mittel zur Ermöglichung der Wegnahme sein.2. An einer solchen Verknüpfung fehlt es, wenn eine Nötigungshandlung nicht zum Zwecke der Wegnahme vorgenommen wird, sondern der Täter den Entschluss zur Wegnahme erst nach Abschluss dieser Handlung fasst.3. Allein der Umstand, dass die Wirkungen der ohne Wegnahmeabsicht ausgeübten Gewalt noch andauern und der Täter dies ausnutzt, genügt für die Annahme eines Raubes nicht.
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Kassel vom 11. April 2012 im Fall II.1 der Urteilsgründe sowie im Gesamtstrafenausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.
Die Sache wird im Umfang der Aufhebung zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
StGB § 249 Abs. 1 ; StGB § 250 Abs. 2 Nr. 3a ;
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen besonders schweren Raubes sowie wegen räuberischer Erpressung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil richtet sich die auf die Rügen der Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel hat in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang mit der Sachrüge Erfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO .
Diese Feststellungen tragen den Schuldspruch wegen besonders schweren Raubes (§ 249 Abs. 1 , § 250 Abs. 2 Nr. 3a StGB ) nicht. Nach ständiger Rechtsprechung muss zwischen der Drohung mit oder dem Einsatz von Gewalt und der Wegnahme beim Raub eine finale Verknüpfung bestehen; Gewalt oder Drohung müssen das Mittel zur Ermöglichung der Wegnahme sein. An einer solchen Verknüpfung fehlt es, wenn eine Nötigungshandlung nicht zum Zwecke der Wegnahme vorgenommen wird, sondern der Täter den Entschluss zur Wegnahme erst nach Abschluss dieser Handlung fasst (vgl. BGH, Urteil vom 22. September 1983 - 4 StR 376/83, BGHSt 32, 88 , 92; Urteil vom 20. April 1995 - 4 StR 27/95, BGHSt 41, 123 , 124; Beschluss vom 16. Januar 2003 - 4 StR 422/02, NStZ 2003, 431 , 432; Beschluss vom 24. Februar 2009 - 5 StR 39/09, NStZ 2009, 325 ; Fischer, StGB , 59. Aufl., § 249 Rn. 6, 10 mwN). Hier hatte sich nach den Feststellungen der Angeklagte erst nach seiner letzten Gewaltanwendung zur Wegnahme entschlossen. Eine Äußerung oder sonstige Handlung des Angeklagten vor oder bei der Wegnahme, die eine - eventuell konkludent auf die vorausgehende Gewaltausübung Bezug nehmende - Drohung mit weiterer Gewalt beinhaltet, ist nicht festgestellt. Allein der Umstand, dass die Wirkungen der ohne Wegnahmeabsicht ausgeübten Gewalt noch andauern und der Täter dies ausnutzt, genügt für die Annahme eines Raubes nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 21. März 2006 - 3 StR 3/06, NStZ 2006, 508 ; Beschluss vom 24. Februar 2009 - 5 StR 39/09, NStZ 2009, 325f.).
Vorinstanz: LG Kassel, vom 11.04.2012
Zitieren: BGH - Beschluss vom 25.09.2012 (2 StR 340/12) - DRsp Nr. 2012/21989

References: § 249
 § 250
 § 349
 § 250
 § 249
 BGH