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Timestamp: 2020-01-21 22:42:36+00:00

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Deut­sche Ehe­schlie­ßung trotz nie­der­län­di­scher regis­trier­ter Part­ner­schaft | Rechtslupe
Deut­sche Ehe­schlie­ßung trotz nie­der­län­di­scher regis­trier­ter Part­ner­schaft
Ein Nie­der­län­der, der mit sei­ner deut­schen Ver­lob­ten in den Nie­der­lan­den bereits eine regis­trier­te Part­ner­schaft ein­ge­gan­gen ist, kann für die spä­ter geplan­te Ehe­schlie­ßu­ung in Deutsch­land von der Ver­pflich­tung befreit wer­den, ein Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis sei­nes nie­der­län­di­schen Hei­mat­staats vor­zu­le­gen.
Nach Art. 42 des Nie­der­län­di­schen Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches (Bur­ger­li­jke Wet­boek, im Fol­gen­den: BW 1) dürf­ten die­je­ni­gen, die eine Ehe ein­ge­hen woll­ten, nicht gleich­zei­tig eine regis­trier­te Part­ner­schaft ein­ge­gan­gen sein. Das Ver­bot erfas­se, wie sich aus der in Art. 80g BW getrof­fe­nen Rege­lung über die Umset­zung einer regis­trier­ten Part­ner­schaft in eine Ehe erge­be, nicht nur die Fäl­le, in denen die regis­trier­te Part­ner­schaft zu einer drit­ten Per­son bestehe. Viel­mehr sol­le nach nie­der­län­di­schem Recht ein Neben­ein­an­der von Ehe und regis­trier­ter Part­ner­schaft ver­hin­dert wer­den. Nach Art. 80c BW wer­de die regis­trier­te Part­ner­schaft durch die blo­ße Ein­ge­hung einer Ehe, d.h. ohne for­mel­le Umset­zung nach Art. 80g BW, nicht been­det.
Anders als es der Wort­laut des § 1309 Abs. 2 BGB ("kann") nahe­legt, han­delt es sich bei der Befrei­ung von der Bei­brin­gung eines Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­ses nicht um eine Ermes­sens­ent­schei­dung 2. Steht fest, dass ein Ehe­hin­der­nis nicht besteht oder ein nach dem Hei­mat­recht des Antrag­stel­lers bestehen­des Ehe­hin­der­nis nach deut­schem Recht unbe­acht­lich ist, ist die Befrei­ung zu gewäh­ren.
§ 1309 BGB bezweckt den Schutz der in den §§ 1306 bis 1308 BGB gere­gel­ten Ehe­ver­bo­te 3, indem die Vor­schrift den von ihr betrof­fe­nen Per­so­nen die Vor­la­ge eines gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Beweis­mit­tels auf­er­legt, wel­ches dem Stan­des­be­am­ten die Nach­prü­fung erleich­tern soll, ob das gemäß Art. 13 Abs. 1 EGBGB grund­sätz­lich maß­geb­li­che Hei­mat­recht eines Aus­län­ders sei­ne beab­sich­tig­te Ehe­schlie­ßung erlaubt 4.
Dem Antrag­stel­ler, des­sen Hei­mat­staat Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­se aus­stellt (vgl. Art. 49a BW), ist das Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis nur des­halb nicht erteilt wor­den, weil er mit sei­ner Ver­lob­ten in den Nie­der­lan­den bereits eine regis­trier­te Part­ner­schaft ein­ge­gan­gen ist. Die­se steht nach nie­der­län­di­schem Recht einer Ehe gleich (Art. 80b BW). Nach Art. 42 BW dür­fen die­je­ni­gen, die eine Ehe mit­ein­an­der ein­ge­hen wol­len, nicht gleich­zei­tig eine regis­trier­te Part­ner­schaft ein­ge­gan­gen sein. Umge­kehrt dür­fen gemäß Art. 80a Abs. 2 BW die­je­ni­gen, die eine regis­trier­te Part­ner­schaft ein­ge­hen, nicht gleich­zei­tig ver­hei­ra­tet sein. Ein Neben­ein­an­der von regis­trier­ter Part­ner­schaft und Ehe wird damit nach nie­der­län­di­schem Recht auch für die­sel­ben Part­ner aus­ge­schlos­sen 5. Aus Art. 80c Buchst. e) BW, wonach die regis­trier­te Part­ner­schaft unter ande­rem durch Umset­zung in eine Ehe erlischt, ergibt sich, dass es die­ses for­mel­len Umset­zungs­ak­tes bedarf und die regis­trier­te Part­ner­schaft nach nie­der­län­di­schem Recht nicht allein infol­ge der Ehe­schlie­ßung auto­ma­tisch endet.
Eine Befrei­ung von der Pflicht zur Vor­la­ge des Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­ses kommt hier allein nach § 1309 Abs. 2 Satz 3 BGB in Betracht, sofern auf den Antrag­stel­ler nach Maß­ga­be des Art. 13 Abs. 2 EGBGB aus­nahms­wei­se das deut­sche Recht anzu­wen­den ist.
Die Ver­lob­te des Antrag­stel­lers ist Deut­sche und hat ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land (Art. 13 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB).
Die in der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung vor­ge­nom­me­ne Prü­fung, ob die Ver­lob­ten die von Art. 13 Abs. 2 Nr. 2 EGBGB vor­aus­ge­setz­ten zumut­ba­ren Schrit­te zur Erlan­gung eines nie­der­län­di­schen Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­ses für den Antrag­stel­ler unter­nom­men haben, erweist sich als ergän­zungs­be­dürf­tig.
Der Antrag­stel­ler hat ein sol­ches Zeug­nis bei der zustän­di­gen nie­der­län­di­schen Gemein­de bean­tragt. Er hat sich zudem nach Ableh­nung die­ses Antra­ges bei dem für im Aus­land leben­de Nie­der­län­der zustän­di­gen Stan­des­amt nach den Rechts­wir­kun­gen einer Umset­zungs­ur­kun­de nach Art. 80c Buchst. e) BW erkun­digt, von dort aller­dings die Aus­kunft erhal­ten, die­se Urkun­den könn­ten nicht in einer "inter­na­tio­na­len Ver­si­on aus­ge­ge­ben" wer­den und wür­den erfah­rungs­ge­mäß nur von eini­gen weni­gen Gemein­den in Bel­gi­en aner­kannt.
Ob dem Antrag­stel­ler bei die­ser Sach­la­ge noch ange­las­tet wer­den kann, er habe (wei­te­re) zumut­ba­re Schrit­te zur Erfül­lung der nie­der­län­di­schen Ehe­vor­aus­set­zun­gen oder zur Besei­ti­gung des Ehe­hin­der­nis­ses der bestehen­den regis­trier­ten Part­ner­schaft unter­las­sen, bedarf einer Prü­fung, die sich auch dar­auf erstreckt, inwie­weit den Beson­der­hei­ten des nie­der­län­di­schen Rechts der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft auch auf ande­rem, den Antrag­stel­ler weni­ger belas­ten­den Wege Rech­nung getra­gen wer­den kann. Das gilt vor allem des­halb, weil ein mate­ri­el­les, ins­be­son­de­re im Biga­mie­ver­bot grün­den­des Ehe­hin­der­nis hier auch nach nie­der­län­di­schem Recht ersicht­lich nicht besteht, wie die Umset­zungs­re­ge­lung in Art. 80c Buchst. e) BW zeigt. Die Ver­wei­ge­rung des Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­ses beruht mit­hin allein auf dem Inter­es­se, den nach nie­der­län­di­schem Recht vor­ge­se­he­nen Ver­fah­rens­gang für die Umset­zung einer regis­trier­ten Part­ner­schaft in eine Ehe zu wah­ren. Zutref­fend ist des­halb im ange­foch­te­nen Beschluss aus­ge­führt, dass es den Ver­lob­ten schon mit Rück­sicht auf den in der Zeit bis zur Ehe­schlie­ßung ein­tre­ten­den Rechts­ver­lust nicht zuzu­mu­ten sei, zunächst ledig­lich ihre regis­trier­te Part­ner­schaft zu been­den.
Ob die Ver­lob­ten im Rah­men der Zumut­bar­keit i.S. des Art. 13 Abs. 2 Nr. 2 EGBGB den­noch dar­auf zu ver­wei­sen sind, ihre regis­trier­te Part­ner­schaft in den Nie­der­lan­den in eine Ehe umset­zen zu las­sen, um not­falls unter dann mög­li­cher Befrei­ung von der Pflicht zur Vor­la­ge eines Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­ses in Deutsch­land noch­mals zu hei­ra­ten, hängt wegen der bei Anwen­dung des Art. 13 Abs. 2 EGBGB gebo­te­nen Abwä­gung der grund­ge­setz­lich geschütz­ten Ehe­schlie­ßungs­frei­heit (Art. 6 Abs. 1 GG) mit dem in Art. 13 Abs. 2 EGBGB zum Aus­druck gebrach­ten öffent­li­chen Inter­es­se, nach Mög­lich­keit eine im Hei­mat­staat eines der Ver­lob­ten nicht aner­kann­te Ehe zu ver­hin­dern, auch davon ab, ob die in den Nie­der­lan­den ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft auf ande­rem Wege, etwa der Aner­ken­nung einer Ehe­schlie­ßung in Deutsch­land durch die nie­der­län­di­schen Behör­den, been­det wer­den könn­te 6.
Mit dem am 1.01.2012 7, d.h. zwei Tage vor Erlass des ange­foch­te­nen Beschlus­ses, in Kraft getre­te­nen Art. 88 BW Buch 10 8 hat das nie­der­län­di­sche Recht erwei­ter­te Mög­lich­kei­ten eröff­net, die Been­di­gung einer regis­trier­ten Part­ner­schaft durch Erklä­run­gen der Part­ner im Aus­land her­bei­zu­füh­ren, die von den nie­der­län­di­schen Behör­den aner­kannt wer­den kön­nen. Inso­weit wird zu prü­fen sein, ob der Antrag­stel­ler und sei­ne Part­ne­rin ihre ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft auch durch Rechts­ak­te in Deutsch­land, etwa eine ent­spre­chen­de Erklä­rung gegen­über dem deut­schen Stan­des­be­am­ten anläss­lich der Ehe­schlie­ßung, been­den kön­nen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Juli 2012 – IV AR (VZ) 1/​12
Steu­er­klas­se I – und der Begriff des "Lebens­part­ners" Unter dem u.a. in § 15 Abs. 1 Steu­er­klas­se I Nr. 1 ErbStG ver­wen­de­ten Begriff "Lebens­part­ner" sind nur Lebens­part­ner im Sin­ne des LPartG zu ver­ste­hen…
abge­druckt bei Bergmann/​Ferid/​Henrich, Inter­na­tio­na­les Ehe- und Kind­schafts­recht, Lose­blatt­samm­lung, Stand 2008, unter "Nie­der­lan­de"[↩]
Palandt/​Brudermüller, BGB 71. Aufl. § 1309 Rn. 11, 13 m.w.N.; vgl. schon zur frü­he­ren Rege­lung in § 10 EheG: BGH, Beschluss vom 12.05.1971 IV AR (VZ) 38/​70, BGHZ 56, 180, 184 m.w.N.[↩]
vgl. dazu Palandt/​Brudermüller, BGB 71. Aufl. vor § 1306 Rn. 13; Münch­Komm-BGB/­Coes­ter, 5. Aufl. Art. 13 EGBGB Rn. 61[↩]
Wah­len in juris­PK-BGB, 5. Aufl.2010 § 1309 Rn. 1; OLG Hamm NJW 1974, 1626 zu § 10 EheG[↩]
vgl. dazu auch Münch­Komm-BGB/­Coes­ter aaO Rn. 62[↩]
vgl. dazu Boe­le-Woel­ki, Ars Aequi 2012, 6855[↩]
vgl. Königl. Beschluss vom 28.06.2011, Staats­blad 2011 Nr. 340[↩]
Staats­blad 2011 Nr. 272[↩]

References: Art. 42
 Art. 80
 Art. 80
 Art. 80
 § 1309

§ 1309
 Art. 13
 Art. 49
 Art. 42
 Art. 80
 Art. 80
 § 1309
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 80
 Art. 80
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 13
 Art. 88
 § 15
 § 1309
 § 10
 § 1306
 Art. 13
 § 1309
 § 10