Source: https://www.grundeinkommen.ch/arbeitsplaetze-schaffen-ist-nicht-sozial/
Timestamp: 2019-10-14 22:42:37+00:00

Document:
«Arbeitsplätze schaffen ist nicht sozial» - grundeinkommen
Die Presse, Wien Mai 2017
«Der Schweizer Kaffeehausbetreiber Daniel Häni engagiert sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen und glaubt, dass seine Mitarbeiter dann trotzdem arbeiten würden. Konsumationszwang gibt es in seinem Kaffeehaus nicht.»
«Arbeitsplätze schaffen ist nicht sozial» PDF
Die Presse: Die Schweizer haben der Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen vor einem
Jahr eine Abfuhr erteilt. Wäre das in Österreich anders?
Daniel Häni: Die Schweizer haben den ersten Schritt gemacht, sich in aller Breite mit dieser Idee auseinanderzusetzen. Die erste Abstimmung hat ergeben, dass schon fast jeder Vierte dieser Idee zustimmen kann. Ich finde das beachtlich. Die Schweiz ist ein sehr konservatives Land. In Österreich wäre die Zustimmung womöglich größer. Die Idee muss allerdings breit diskutiert werden. Das Grundeinkommen kommt nicht von oben, sonst würde es seine Wirkung verfehlen. Wir müssen es erst lernen, einander die Existenz ohne Bedingungen zuzusprechen.
Das Existenzminimum bekommt man ja jetzt schon, wenn man alt, krank oder arbeitslos ist – auch in der Schweiz.
Ja natürlich, auch wir haben einen Sozialstaat Bismarck’scher Prägung. Aber man bekommt das Existenzminimum nicht ohne Bedingungen. Der nächste Entwicklungsschritt des Sozialstaats ist, uns die Existenz ohne Bedingungen zuzugestehen.
Sie betreiben ein Kaffeehaus. Haben Sie keine Angst, dass Ihre Mitarbeiter sagen: Ich nehme lieber das Grundeinkommen und arbeite nicht mehr?
Überhaupt nicht. Gerade im Gastgewerbe ist es wichtig, dass man die Arbeit macht, weil man will,
und nicht, weil man muss. Wer nicht gern im Kaffeehaus arbeitet, ist kein guter Gastgeber. Wir achten bei Bewerbungsgesprächen genau darauf, was das Motiv für die Arbeit ist. Wenn es nur das Geld ist, sagen wir ab.
Haben Sie auch Teilzeitmitarbeiter?
Die meisten arbeiten Teilzeit.
Da gibt es vielleicht welche, die weniger verdienen als das Grundeinkommen. Die würden das Grundeinkommen nehmen und nicht mehr kommen.
Wenn sie dann nicht mehr kommen, war anscheinend das Geld das Motiv zu arbeiten. Wenn sie aber weiterhin kommen, wissen wir, sie machen es wegen der Arbeit. Arbeit ist nichts Schlechtes. In der Arbeit entwickeln wir uns und finden Sinn. Umso mehr, wenn die Arbeit selbst gewählt ist. Deswegen ist die Bedingungslosigkeit der Existenz so wichtig, damit wir selbst entscheiden können.
Bei den Gegnern des Grundeinkommens ist es ja nicht nur so, dass sie das niemandem gönnen. Es gibt auch die Angst vor hoher Inflation und einem Anstieg der Staatsverschuldung.
Diese Ängste sind unbegründet. Das Grundeinkommen wäre nicht mehr Geld, sondern mehr Freiheit und damit mehr Macht beim Einzelnen. Dass diejenigen, welche eine solche Machtumverteilung nicht möchten, von Inflation und Staatsverschuldung sprechen, ist auch kein Wunder: Es ist nicht so chic zu sagen, man will die Macht nicht abgeben.
Gerade Gewerkschaften haben oft Vorbehalte gegen ein Grundeinkommen.
Die haben vielerorts noch einen alten Arbeitsbegriff. Für sie ist nur Erwerbsarbeit Arbeit. Sie wollen deshalb Arbeitsplätze erhalten. In der Politik gibt es den Werbespruch – übrigens von Rechten und Linken: „Sozial ist, was Arbeit schafft.“ Das Gegenteil ist wahr. Arbeitsplätze schaffen ist nicht sozial. Wenn Sie den Müll auf die Straße werfen, damit ihn andere aufheben, ist das asozial. Sozial ist, die Arbeit zu erledigen. Da sehen Sie, wie verdrehte Bilder wir im Kopf haben.
Was hat Sie bewogen, ein Kaffeehaus aufzumachen?
Wien und Berlin haben mich inspiriert. Ein Kaffeehaus ist ein Ort, wo Menschen über sich hinauswachsen können, wo Menschen einander begegnen. Bedingungslosigkeit ist eines unserer Merkmale: In unserem Kaffeehaus in Basel gibt es keinen Konsumationszwang. Wir haben tausend Gäste amTag.
Wie viel Prozent konsumieren nichts?
Das zählen wir nicht. Wir stellen nur fest, dass es ein Bedürfnis gibt, nicht konsumieren zu müssen. Ich kann es nur jedem empfehlen, der ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich führen will, Großzügigkeit zu zeigen. Die Leute lieben und schätzen Großzügigkeit, nicht Kleinlichkeit. In der Gastronomie gibt es viele Wechsel, aber unser Kaffeehaus floriert seit 18 Jahren.
Hätte sich in Ihrem Leben etwas verändert, wenn Sie von Anfang an das Grundeinkommen gehabt hätten?
Ich hatte das Glück, mit einem Schuss Anarchie im Blut geboren zu werden, und habe immer gemacht, was ich wollte. Ich kann also nur bestätigen, dass man Erfolg hat, wenn man sich nicht manipulieren lässt und an die eigenen Ideen glaubt. Wenn das alle anderen auch könnten, wäre mein Leben noch viel besser. Ich mache mir echt Sorgen, wenn ich in die Gesellschaft schaue und sehe, wie frustriert die Menschen sind. Viele leben wie im Halbschlaf oder gehen mit innerer Kündigung zur Arbeit. Neid und Angst werden großgeschrieben. Gäbe es ein Grundeinkommen, hätten die politischen Parteien, die mit der Angst und dem Neid Politik machen, viel weniger Zulauf.
Müsste man nicht gerade dann die Gesellschaft nach außen absichern, damit nicht die ganze
Welt einwandert?
Nein, das Grundeinkommen ist migrationsneutral. Aber natürlich braucht man dann eine Frist zur Berechtigung.
Käme es nicht zu einer Zweiteilung der Gesellschaft: in Leute, die von ihrer Arbeit leben, und solche, die in den Arbeitsmarkt gar nicht mehr reinkommen und denen man sagt: Gebt Ruhe, ihr habt eh das Grundeinkommen.
Diese Zweiteilung haben wir heute schon. Nur die Hälfte der Menschen sind im Erwerbsleben, die
anderen erhalten staatliche oder private Transferleistungen. Das Grundeinkommen würde einen Boden schaffen, der für alle gleich ist, und die Chancengleichheit würde zunehmen.
Schon jetzt tun sich junge Leute schwer, in den Arbeitsmarkt reinzukommen. Das ist auch ein psychologisches Problem. Wäre es nicht asozial zu sagen: Ihr kommt ohnehin nie rein, da habt ihr das Grundeinkommen.
Das ist eine verkehrte Welt, die Sie schildern. Heute wird den jungen Leuten versprochen, dass sie in den Arbeitsmarkt reinkommen, wenn sie sich anpassen, und dann kommen sie aber gar nicht rein. Wir müssen die Bildung revolutionieren, die jungen Leute zur Selbstermächtigung erziehen. Mit
dem Grundeinkommen würden sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen selbst zu fällen.
Und wenn sie die Entscheidung fällen: Ich lebe einfach von dem Grundeinkommen – bis es irgendwann wirklich zu spät ist?
Das ist ein korruptes Menschenbild, dass Menschen nicht arbeiten wollen, dass sie faul sind.
Sie müssen ja nicht grundsätzlich faul sein, sie wollen sich vielleicht nur die mühsame Jobsuche ersparen.
Heute drücken sich die Leute, weil das Sozialsystem verkehrt ist. Mit dem Grundeinkommen hängt man nicht mehr an diesem Gängelband. Sie können sofort mit dem beginnen, was Sie richtig finden.
Gäbe es dann nicht viele Künstler und wenige Leute, die putzen?
Wenn alle Menschen Künstler wären, wäre das ein großer Vorteil für die Gesellschaft. Kunst heißt ja
nicht malen oder Skulpturen hauen. Kunst heißt Qualität. Jeder Mensch soll in der Arbeit, in der er ist, etwa in einer Putzarbeit, so gut sein wie ein Künstler – mit höchster Hingabe und bestem Resultat.
18. Mai 2017 – AKTUELL / Christian Tod / Daniel Häni / Free Lunch Society / Interviews / Medienecho
29. Mai 2017 - 17:54
Was ist also gegen das BGE einzuwenden? Das es Wahlfreiheit bedeutet? Das es die Selbstbestimmung in den Vordergrund stellt? Das es uns unterstützt auf eigenen Beinen zu stehen und selbstständig zu denken? Das alles sind die Vorteile des BGE. Warum jemand dagegen etwas einzuwenden hat, erscheint mir nicht vernünftig. Das was der normalen Wirtschaft fehlt ist gerade die Kontrolle über die Zeit, sie macht eben gar kein effektives Zeitmanagement und spannt Menschen ein für ihre eigenen, egoistischen Zwecke, ohne der Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Dadurch gerade entsteht der entwurzelte Mensch. Gerade dadurch entfremden sich Menschen immer mehr voneinander. Und Arbeitsplätze zu schaffen ist nichts Besonderes, in Deutschland gibt es ja die Arbeitsbeschaffungmassnahmen und auch Leiharbeit. Also jemand für billiger und schlechtere Arbeitsbedingungen einzustellen, ist nichts Lobenswertes. Überall da, wo Selbstbestimmung beschnitten wird, entstehen Arbeitssoldaten, die auch noch stolz darauf sind, das sie alles brav machen, was Ihnen aufgetragen wird. Vom Menschsein ist das jedoch weit entfernt.
21. Mai 2017 - 10:17
Dass Markus Fenner seine persönliche Grenze in der geistigen Evolution des Bewusstseins erreicht hat und leider auf der für Ihn höchstmöglichen Stufe stehen geblieben ist beweisen seine verzweifelten Versuche sich einem neuen Paradigma einer sich jetzt rasant verändernden Welt entgegen zu stellen.
Auf einen Artikel von Enno Schmidt (Dez. 2014) habe ich schon vor Jahren in diesem Forum auf diese unaufhaltsame Tatsache hingewiesen.
http://www.grundeinkommen.ch/das-ist-mir-zu-philosophisch
19. Mai 2017 - 18:02
spannend finde ich, dass immer von allen anderen behauptet wird, die würden mit dem BGE nicht mehr arbeiten wollen. aber man selbst will natürlich weiter arbeiten…. irgendwie paradox und schade, dass hier alle so schlecht von ihren mitbürgern denken.
ich fände das BGE klasse.
es würde mir als selbständigerwerbende und einzelfirma sehr viel druck und existenzangst nehmen. ich könnte mit dem BGE besser zu meiner gesundheit schauen, müsste nicht mehr 100% arbeiten damits zum zahlen der rechnungen grad so reicht und mein zweites standbein könnte ich in ruhe auf- und ausbauen…. ich persönlich würde auch niemanden einstellen, der den job nur des geldes wegen macht.
ich hab ursprünglich wegen des geldes das KV gemacht und war totunglücklich in diesem job. trotz diverser branchen in 10 jahren, wirklich spass gemacht hats mir nie und ich war am ende ein wandelnder zombie…. drum hab ich berufsbegleitend eine zusätzliche ausbildung gemacht und dann über 1 jahr lang fast 150% gearbeitet, damit der übergang von angestellt zu selbständig irgendwann geklappt hat… mit dem BGE häte ich das ganze ohne burnout überstanden und hätte nie mehr als 100% arbeiten müssen.
nun muss ich leider aus gesundheitlichen gründen in meinem jetztigen job reduzieren, und bin dabei mir ein 2. standbein aufzubauen. ganz schön tricky das ganze. weil die kohle an allen ecken und enden fehlt trotz derzeit wieder über 100% arbeitspensum…..
19. Mai 2017 - 12:02
Ja, ja: „Schafft mehr Arbeitslosigkeit!“, „Was arbeit schafft, ist asozial!“, „Legt auch mal ’ne Pause ein, und mehr „Musse““, „Faulheit statt Fleiss“ – Diese und ähnliche Sprüche kennen wir von den Befürwortern zu ‚hauf. Es ist eigentlich eine unglaublich dekadente Verfahrensweise, das Wichtigste, das wir haben, nämlich Vollbeschäftigung (oder fast Vollbeschäftigung) zu verhunzen und zu fordern, dass wir das alles zerstören sollen, wo die Schweiz noch gut dasteht. Sie geben weg, was am Wertvollsten ist, Herr Häni, und sie tun es mit einer Inbrunst, die mir die Nackenhaare stehen lässt.
Wie konnte es so weit kommen, dass wir nicht mehr Arbeitsplätze schätzen, und Arbeitslosigkeit nun plötzlich lobpreisen? Da steckt eine ungeheure Anstrengung dahinter, Menschen so weit zu bringen, dass sie das tatsächlich glauben.
Ich denke, dass es die antiautroitäre Erziehung war, und ist, welche für solche wohlstandsverwahrloste Meme verantwortlich ist. Es sind Menschen, die niemals in ihrem Leben hart arbeiten mussten: Ihnen wurde immer wieder gesagt, zuerst von Eltern, dann von wohlmeinenden Sozialarbeitern: „Ihr müsst nicht! Wenn ihr nicht wollt, dann könnt ihr euch den ganzen Tag in der Sonne bräunen, und trotzdem an Ende des Tages euer Geld abholen!“ Das ist eigentlich ungeheuerlich, wenn ich bedenken, was ICH gehört habe von Eltern und Vorgesetzten. Ich konnte nicht einfach nicht wollen! Ich MUSSTE, ob ich nun wollte oder nicht!
Diese Sichtweise scheint diesen Befürwortern abhanden kommen zu sein. Sie wollen Wollen, was sie wollen, und nicht MÜSSEN, was sie SOLLTEN. Für eine solche Sichtweise habe ich nichts, aber wirklich Nichts übrig. Es ist eine ungeheure Frechheit unseren Vätern und Vorvätern gegenüber, die für diesen Reichtum der Schweiz gearbeitet und hart gearbeitet haben. Die wollten nicht einfach ein bedinungsloses GE, die Wollten Arbeit, und sie wollten die Welt für Ihre Kinder besser machen, als sie es hatten. Das man aber dahin kommt, zu meinen, dass nicht nur meine Kinder nicht müssen, sollten, sondern auch ICH SELBST nicht muss, ist mir ganz fremd!
Und jetzt zu den Künstlern:
Ja, Herr Häni: Wir brauchen nicht noch mehr Unrat auf den Flohmärkten und perverse Bilder auf öffentlichen Plätzen. Es gibt genug schlechte Künstler, die einfach drauflos legen, ohne Handwerksgeschick, ohne Konzepte und ohne ein Genie, wie vanGogh oder Vermeer zu sein.
Diese Bilder, dieser „Penner“ will niemand sehen! Es ist eine Verschwendung von Bäumen für die Leinwand, und von Öl für die Farben! Das letzte was die Schweiz braucht, ist noch mehr dieser wohstandsverwahrlosten Künstler!
Es gehört ein bisschen mehr dazu, ein Genie zu sein, als ein BGE! Mit BGE machen sie die Menschen im Gegenzug faul und träge und zerstören den Wirtschaftsplatz Schweiz, was ich gefährlich, dekadent und schlecht finde!
19. Mai 2017 - 14:24
herr fenner,
sie gehören zu den kapitalgläubigen die den erwirtschafteten mehrwert aus dem kapitaleinsatz genießen …
tuen sie das weiter und verwalten sie die noch wenigen arbeitsplätze für zu viele registrierte arbeitslose weiter…und vermehren sie die schön,mit noch mehr kapitaleinsatz…
also so weitermachen wie bissher…
das führt dann wieder zu vollbeschäfftigung wie zu zeiten des autobahnbaus…
gegenwart mit ihresgleichen ist schwere dumpfe abwarterei auf bessere zeiten{sowie ehemals eben}…
schön das sie mich an ihresgleichen noch einmal erinnern, der spätkapitalismus ist vorbei es lebe die zukunft…
ihr gernot hattig action…
19. Mai 2017 - 16:40
Sehr geehrter Herr Fenner
Sie dürfen gerne weiterarbeiten wie bisher und Ihre Werte vertreten.
Es scheint in Ihnen sehr viel Angst auszulösen, dass es Leute gibt, die offen genug sind, neue Wege auszudenken, zu diskutieren, Lösungen aufzuzeigen und nicht alles als gut ansehen, weil es schon immer so war, oder unsere Eltern/Grosseltern es hart erarbeiten mussten.
Offensichtlich vermuten Sie, dass mit dem BGE das nackte Chaos ausbrechen würde.
Lassen Sie anderen die Freiheit, über neue Wege nachzudenken, den Mut zu haben, etwas auszuprobieren, daran geht ja nicht gleich Ihre wohlgeordnete Welt unter.
Das Suchen und Anwenden von den in jedem Menschen innewohnenden Talenten und Fähigkeiten führt zu einer kreativeren, gleichwertigeren, freieren Gesellschaft und ich bin überzeugt, dass dadurch unsere Gesellschaft, unser gemeinsames Zusammenleben viel gesünder würde.
2. Juni 2017 - 10:04
Wenn unserer Vorfahren, die Freiheit gehabt hätten anstatt als Leibeigene arbeiten zu müssen wäre viel Elend erspart und wesentlich mehr Entwicklung erfolgt .
Erst durch den Abbau der Ausbeutung im Zeitalter der Industrialisierung – keine Kinderarbeit , stattdessen wurden aus allen Schichten Kinder in die Schulen gelassen – wurde das Wissen auf eine breitere Basis gestellt und hat somit wesentlich mehr Früchte getragen .
Zudem Van Gogh’s Bilder wollte zu Lebzeiten keiner haben – nicht Zeitgemäß . Erst nach seinem Tode wurde darin seine Leistung und eine neue Sicht der Dinge darin erkannt, von der heute Menschen, wie Herr Fenner profitieren und sich sogar darauf berufen .
Ich bin für das -Grundeinkommen , obwohl ich mich, seit meinem 16 Lebensjahr, hart arbeitend “ verselbständigt „habe .
Brave Bürgerin
16. September 2017 - 13:30
Ich war auch der Meinung, dass man nicht arbeitslos sein darf und um jeden Preis einen neuen Job annehmen muss. Ich wollte nicht, dass andere für mich zahlen müssen. Im Mai bekam ich noch Komplimente von meiner Coiffeuse, weil ich für mein Alter noch so wenige graue Haare hatte. Damals war ich arbeitslos. Dann fand ich einen neuen Job. Und ging nach einem halben Jahr wieder zum Coiffeur. „Die waren noch nie so weiss“, sagte meine Coiffeuse, denn es fiel ihr auf, wieviele graue Haare ich inzwischen bekommen hatte. Zufall? Wohl kaum! Stress verbraucht das Nervenvitamin B, das unter Anderem für die Haarpigmentierung zuständig ist. Und dies sind nur die sichtbaren Schäden, die ich mir zugefügt hatte, weil ich die Arbeitslosenkasse entlasten wollte und mir wieder einen Job angelacht hatte. Wer weiss, was ich mir mit meinem Gehorsams-Eifer sonst noch angerichtet habe. Ich bereue sehr, was ich mir angetan habe. Auf Vergebung kann ich nicht hoffen, diese Abnützungs-Prozesse sind nicht umkehrbar.
18. Mai 2017 - 23:49
Mir würde ein BGE sehr zustimmen da ich chronisch krank bin und auf dem ersten Arbeitsmarkt sowieso keine Chance habe. Nun habe ich seit einigen Jahren das Problem dass ich durch alle Amter geschickt werde. Jobcenter, Agentur für Arbeit, Renterträger, Amrsärtze… alle wissen bescheid, ich habe es schwarz auf weiss von Ärzten attestiert dass ich eben nicht vermittelbar bzw. nicht richtig arbeitsfähig bin(zu krank für ein normales Leben, zu gesund für das Sozialamt). Mit den Jahren habe ich mich damit abgefunden dass ich trotz guter beruflicher Qualifikationen nie richtig wie ein gesunder Mensch leben und arbeiten werde. So habe ich mich natürlich umorientiert und mir Orte und Möglichkeiten gesucht und gefunden wo ich trotzdem ein wertvoller Mitbürger der Gesellschaft sein kann und eben ehrenamtlich was machen kann, soweit es bei mir geht. An Motivation und Möglichkeiten hat es mir nie gefehlt und dass trotz mehreren Rehas etc. Ich finde es eben belastend auf dauer, diese Runden zu drehen ohne ein Ergebnis. Alle Beamten dennen ich regelmässig bei den Ämtern vor die Augen trete können meine Lage komplett nachvollziehen, aber aus gesetzlichen Gründen hat keiner die Autorität zu beschliessen dass ich aus diesem Kreislauf rauskommen kann. Mittlerweile reden auch die Mittarbeiter offen mit mir darüber dass ich kein Einzelfall bin, dass es immer mehr Menschen werden die diese Runden drehen, die den Staat unnötiger weise viel Geld kosten…. Und die Beamten sind natürlich auch schon richtig überbelastet. Ich hoffe sehr stark dass sich da mal bald was tut, und bin natürlich auch sehr dankbar allen die sich für ein BGE einsetzen, weil ich aus eigener Erfahrung sagen kann dass es viel Stress und Ärger vermeiden würde und das auch bei gesunden Menschen.
18. Mai 2017 - 22:36
Ich glaube, ein BGE würde vielen Menschen den Mut und eben auch die nötige Zeit geben, eine Geschäftsidee tatsächlich auszuprobieren, die ihnen im Kopf herumschwirrt, aber von der sie nicht wissen, ob sie ihnen in nützlicher Frist genug Geld zum Leben einbringen kann. Dadurch würden vielleicht in einem von 10 oder auch nur einem von 50 Fällen neue erfolgreiche Geschäfte und wiederum neue sinngebende Arbeitsplätze entstehen.
18. Mai 2017 - 18:14
Ich habe mit großem Interesse ihren Kommentar gelesen. Ich bin bereits 67 Jahre alt und kann nur sagen, daß ein bedingungsloses Grundeinkommen mich nicht davon abhalten könnte zu arbeiten. Ich glaube sogar, es würde mich zusätzlich motivieren. Der Mensch ist doch nicht grundsätzlich faul. Jeder hat Wünsche und möchte sich unter anderem in der Arbeit verwirklichen. In einem System, wo Arbeit nur unter wirtschaftlichem Zwang erfolgt, können Menschen sich nicht glücklich entfalten. Nun ist es in Deutschland erniedrigend an staatliche Transferleistungen zu kommen. Existenzängste mit einem unsinnigen Fragenkatalog zu beantworten ist eine schlechte Lösung und für die Bedürftigen erniedrigend. In Deutschland darf man quasi garnichts mehr besitzen- Das bedingungslose Grundeinkommen schafft genau diese krankmachenden Extenzängste ab, was zu höherem sozialem Frieden führt und zu glücklicheren Menschen. Die Digitalisierung, die Robotisierung und andere arbeitsvernichtende Technologien sind keine guten Ratgeber für Arbeit. Sie haben Recht, nicht wegem dem Geld sollte jeman arbeiten, sondern weil er Lust dazu hat. Die Qualität der Arbeit wächst dadurch. Ich könnte mir gut vorstellen, für so einen Mann wie Sie sich darstellen zu arbeiten, denn mit welchem Arbeitgeber kann man sich schon auf einer Ebene austauschen.

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