Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/ganswindt_faerberei_1889?p=558
Timestamp: 2019-04-23 22:46:30+00:00

Document:
Seifenbade schon bei 40° R. an; kräftige Färbungen erhält man in neu-
tralem Bade bei 65 bis 80° R.
Der wichtigste direkt rote Farbstoff ist das Fuchsin (vergl. § 66).
Dasselbe färbt aus neutraler Lösung. Man geht mit der Ware in das
lauwarme Färbebad ein und treibt bis zum Kochen. Das Bad wird aus-
gezogen. Bei Zusatz von wenig Seife zum Färbebade wird die Farbe leb-
hafter, aber das Bad wird nicht erschöpft. Die Farbe läuft in der Walke,
ist daher für ein walkechtes blaustichiges Rot nicht zu verwenden. Cerise, Gre-
nadine und Marron geben minderwertige mattere, mehr ins Gelbrote bis
Bordeauxrote gehende Färbungen. Vergl. auch § 66. Anwendung wie bei
Congo, dieser neue Benzidinfarbstoff hat gleichfalls die Fähigkeit,
Wolle in direktem neutralem Bade congorot zu färben.
Die Rothölzer geben mehr rotbraune bis braunrote Töne. Die rein
roten Färbungen, welche man erzielt, sind sehr wenig echt. Man erhält
eine solche z. B. aus Rotholz auf mit Alaun und Weinstein gebeizte
Wolle mit 50 bis 60 Prozent vom Gewicht der Wolle an Rotholz unter
Zusatz von sehr wenig Zinnchlorür und Gelbholz. -- Camwood und
Sandelholz geben ähnliche, mehr blaustichige Farben.
Die Eosinfarben (Eosin, Eosin B N, Erythrosin, Phloxin, Methyl-
eosin, Aethyleosin, Cyanosin, Rhodamin) geben alle möglichen roten Nüancen
von Blaurot durch Reinrot bis Gelbrot. Sie werden jedoch wenig mehr
verwendet, da man mit Azofarbstoffen dauerhaftere und billigere Farben er-
zielt. Will man sie aber anwenden, so ist kalkfreies Wasser die erste
Bedingung. Wolle färbt in einem solchen kalkfreien Bade zwar unge-
beizt, unter Zusatz von ganz wenig Essigsäure; bessere Farben aber erhält
man, wenn man mit Alaun und Weinsäure beizt. Eine normale Färbung
erfordert 1/2 bis 2 Prozent Farbstoff. Kertesz empfiehlt auch dann noch,
dem Färbebade 1 Prozent Essigsäure zuzusetzen.
Von weit größerer Wichtigkeit ist das Färben mit Alizarin. Das
Alizarin ist der Hauptvertreter jener Gruppe von Farbstoffen, welche die
Eigenschaft haben, mit verschiedenen Beizen verschiedene Farblacke zu geben.
Von den 4 Alizarinfarbstoffen gibt die reinsten roten Färbungen das An-
thrapurpurin oder Alizarin G D. Die Anwendung ist verhältnismäßig
einfach. Man beizt die Wolle mit 8 bis 12 Prozent vom Gewicht der
Wolle eisenfreiem Alaun (oder statt dessen 6 bis 10 Prozent schwefelsaurer
Thonerde) und 5 bis 8 Prozent Weinstein. Die Wolle wird 1 1/2 bis 2 Stun-
den gesotten, über Nacht in der Beize gelassen, am nächsten Morgen ge-
waschen und in das Färbebad gebracht. Dieses bereitet man sich, indem
man das Alizarin G D in gewöhnlichem, mit Essigsäure angesäuertem Wasser
löst. Man rechnet durchschnittlich auf 1000 l Wasser 1 l Essigsäure. Dieser
Zusatz hat den Zweck, das in Wasser nur schwer lösliche Alizarin vollständig
lösbar zu machen. Eine Ueberführung der Kalkverbindungen des Wassers
in essigsauren Kalk ist damit nicht beabsichtigt, denn selbst Kondensations-
wasser erfordert diesen Zusatz. Kalkhaltiges Wasser bindet natürlich die
Essigsäure bis zur erfolgten Sättigung; daher braucht hartes Wasser mehr
Seifenbade ſchon bei 40° R. an; kräftige Färbungen erhält man in neu-
Der wichtigſte direkt rote Farbſtoff iſt das Fuchſin (vergl. § 66).
Dasſelbe färbt aus neutraler Löſung. Man geht mit der Ware in das
gezogen. Bei Zuſatz von wenig Seife zum Färbebade wird die Farbe leb-
hafter, aber das Bad wird nicht erſchöpft. Die Farbe läuft in der Walke,
iſt daher für ein walkechtes blauſtichiges Rot nicht zu verwenden. Ceriſe, Gre-
Fuchſin.
Congo, dieſer neue Benzidinfarbſtoff hat gleichfalls die Fähigkeit,
roten Färbungen, welche man erzielt, ſind ſehr wenig echt. Man erhält
eine ſolche z. B. aus Rotholz auf mit Alaun und Weinſtein gebeizte
Zuſatz von ſehr wenig Zinnchlorür und Gelbholz. — Camwood und
Sandelholz geben ähnliche, mehr blauſtichige Farben.
Die Eoſinfarben (Eoſin, Eoſin B N, Erythroſin, Phloxin, Methyl-
eoſin, Aethyleoſin, Cyanoſin, Rhodamin) geben alle möglichen roten Nüancen
verwendet, da man mit Azofarbſtoffen dauerhaftere und billigere Farben er-
zielt. Will man ſie aber anwenden, ſo iſt kalkfreies Waſſer die erſte
Bedingung. Wolle färbt in einem ſolchen kalkfreien Bade zwar unge-
beizt, unter Zuſatz von ganz wenig Eſſigſäure; beſſere Farben aber erhält
man, wenn man mit Alaun und Weinſäure beizt. Eine normale Färbung
erfordert ½ bis 2 Prozent Farbſtoff. Kertész empfiehlt auch dann noch,
dem Färbebade 1 Prozent Eſſigſäure zuzuſetzen.
Von weit größerer Wichtigkeit iſt das Färben mit Alizarin. Das
Alizarin iſt der Hauptvertreter jener Gruppe von Farbſtoffen, welche die
Eigenſchaft haben, mit verſchiedenen Beizen verſchiedene Farblacke zu geben.
Von den 4 Alizarinfarbſtoffen gibt die reinſten roten Färbungen das An-
thrapurpurin oder Alizarin G D. Die Anwendung iſt verhältnismäßig
Wolle eiſenfreiem Alaun (oder ſtatt deſſen 6 bis 10 Prozent ſchwefelſaurer
Thonerde) und 5 bis 8 Prozent Weinſtein. Die Wolle wird 1 ½ bis 2 Stun-
den geſotten, über Nacht in der Beize gelaſſen, am nächſten Morgen ge-
waſchen und in das Färbebad gebracht. Dieſes bereitet man ſich, indem
man das Alizarin G D in gewöhnlichem, mit Eſſigſäure angeſäuertem Waſſer
löſt. Man rechnet durchſchnittlich auf 1000 l Waſſer 1 l Eſſigſäure. Dieſer
Zuſatz hat den Zweck, das in Waſſer nur ſchwer lösliche Alizarin vollſtändig
lösbar zu machen. Eine Ueberführung der Kalkverbindungen des Waſſers
in eſſigſauren Kalk iſt damit nicht beabſichtigt, denn ſelbſt Kondenſations-
waſſer erfordert dieſen Zuſatz. Kalkhaltiges Waſſer bindet natürlich die
Eſſigſäure bis zur erfolgten Sättigung; daher braucht hartes Waſſer mehr
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[510/0558] Seifenbade ſchon bei 40° R. an; kräftige Färbungen erhält man in neu- tralem Bade bei 65 bis 80° R. Der wichtigſte direkt rote Farbſtoff iſt das Fuchſin (vergl. § 66). Dasſelbe färbt aus neutraler Löſung. Man geht mit der Ware in das lauwarme Färbebad ein und treibt bis zum Kochen. Das Bad wird aus- gezogen. Bei Zuſatz von wenig Seife zum Färbebade wird die Farbe leb- hafter, aber das Bad wird nicht erſchöpft. Die Farbe läuft in der Walke, iſt daher für ein walkechtes blauſtichiges Rot nicht zu verwenden. Ceriſe, Gre- nadine und Marron geben minderwertige mattere, mehr ins Gelbrote bis Bordeauxrote gehende Färbungen. Vergl. auch § 66. Anwendung wie bei Fuchſin. Congo, dieſer neue Benzidinfarbſtoff hat gleichfalls die Fähigkeit, Wolle in direktem neutralem Bade congorot zu färben. 2. Indirekte rote Färbungen. a) Neutral rote. Die Rothölzer geben mehr rotbraune bis braunrote Töne. Die rein roten Färbungen, welche man erzielt, ſind ſehr wenig echt. Man erhält eine ſolche z. B. aus Rotholz auf mit Alaun und Weinſtein gebeizte Wolle mit 50 bis 60 Prozent vom Gewicht der Wolle an Rotholz unter Zuſatz von ſehr wenig Zinnchlorür und Gelbholz. — Camwood und Sandelholz geben ähnliche, mehr blauſtichige Farben. Die Eoſinfarben (Eoſin, Eoſin B N, Erythroſin, Phloxin, Methyl- eoſin, Aethyleoſin, Cyanoſin, Rhodamin) geben alle möglichen roten Nüancen von Blaurot durch Reinrot bis Gelbrot. Sie werden jedoch wenig mehr verwendet, da man mit Azofarbſtoffen dauerhaftere und billigere Farben er- zielt. Will man ſie aber anwenden, ſo iſt kalkfreies Waſſer die erſte Bedingung. Wolle färbt in einem ſolchen kalkfreien Bade zwar unge- beizt, unter Zuſatz von ganz wenig Eſſigſäure; beſſere Farben aber erhält man, wenn man mit Alaun und Weinſäure beizt. Eine normale Färbung erfordert ½ bis 2 Prozent Farbſtoff. Kertész empfiehlt auch dann noch, dem Färbebade 1 Prozent Eſſigſäure zuzuſetzen. Von weit größerer Wichtigkeit iſt das Färben mit Alizarin. Das Alizarin iſt der Hauptvertreter jener Gruppe von Farbſtoffen, welche die Eigenſchaft haben, mit verſchiedenen Beizen verſchiedene Farblacke zu geben. Von den 4 Alizarinfarbſtoffen gibt die reinſten roten Färbungen das An- thrapurpurin oder Alizarin G D. Die Anwendung iſt verhältnismäßig einfach. Man beizt die Wolle mit 8 bis 12 Prozent vom Gewicht der Wolle eiſenfreiem Alaun (oder ſtatt deſſen 6 bis 10 Prozent ſchwefelſaurer Thonerde) und 5 bis 8 Prozent Weinſtein. Die Wolle wird 1 ½ bis 2 Stun- den geſotten, über Nacht in der Beize gelaſſen, am nächſten Morgen ge- waſchen und in das Färbebad gebracht. Dieſes bereitet man ſich, indem man das Alizarin G D in gewöhnlichem, mit Eſſigſäure angeſäuertem Waſſer löſt. Man rechnet durchſchnittlich auf 1000 l Waſſer 1 l Eſſigſäure. Dieſer Zuſatz hat den Zweck, das in Waſſer nur ſchwer lösliche Alizarin vollſtändig lösbar zu machen. Eine Ueberführung der Kalkverbindungen des Waſſers in eſſigſauren Kalk iſt damit nicht beabſichtigt, denn ſelbſt Kondenſations- waſſer erfordert dieſen Zuſatz. Kalkhaltiges Waſſer bindet natürlich die Eſſigſäure bis zur erfolgten Sättigung; daher braucht hartes Waſſer mehr
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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 510. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/558>, abgerufen am 23.04.2019.

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