Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.10.2010&Aktenzeichen=XII%20ZR%20202/08
Timestamp: 2019-09-19 11:38:16+00:00

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BGH, 06.10.2010 - XII ZR 202/08 - dejure.org
https://dejure.org/2010,524
BGH, 06.10.2010 - XII ZR 202/08 (https://dejure.org/2010,524)
BGH, Entscheidung vom 06.10.2010 - XII ZR 202/08 (https://dejure.org/2010,524)
BGH, Entscheidung vom 06. Januar 2010 - XII ZR 202/08 (https://dejure.org/2010,524)
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§ 1578 Abs 1 S 1 BGB, § 1578b Abs 1 S 1 BGB, § 1578b Abs 1 S 2 BGB
Bei Fehlen ehebedingter Nachteile entscheidet Billigkeitsprüfung gem. § 1578b Abs. 1 BGB über Herabsetzung bzw. Befristung des nachehelichen Unterhalts - Berücksichtigung nachehelicher Solidarität
Berücksichtigung von einer Befristung des nachehelichen Unterhalts entgegenstehenden ehebedingten Nachteilen bei der Billigkeitsprüfung i.R.d. Bemessung des Unterhalts; Zu berücksichtigende Faktoren i.R.d. Billigkeitsabwägung bzgl. einer Herabsetzung des ...
Billigkeitsprüfung, Befristung, eheliche Nachteile, Kinderbetreuung
Familienrecht - Nachehelicher Unterhalt und ehebedingte Nachteile
Wer schon vorehelich um der (außerehelichen) Partnerschaft willen seinen Job aufgibt, erleidet dadurch keinen ehebedingten Nachteil i.S.v. § 1578 b BGB
Aufstockungsunterhalt bei 20jähriger Dauer unbegrenzt?
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 06.10.2010, Az.: XII ZR 202/08 (Aufstockungsunterhalt /Unerhaltsbegrenzung /Ehebedingte Nachteile/Ehedauer)" von der FuR-Redaktion, original erschienen in: FuR 2011, 35 - 39.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 06.10.2010, Az.: XII ZR 202/08 (Begrenzung des Aufstockungsunterhalts bei langer Ehedauer)" von RAin Gisela Kühner, original erschienen in: FamRB 2011, 3 - 4.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 06.10.2010, Az.: XII ZR 202/08 (Herabsetzung und Befristung des nachehelichen Unterhalts bei Fehlen ehebedingter Nachteile)" von RAin/FAinFamR Ulrike Börger, original erschienen in: NJW 2011, 147 - 151.
NJW 2011, 147
MDR 2010, 1389
FamRZ 2010, 1971
Bei der Anwendung von § 1578 b BGB ist indessen nach der Rechtsprechung des Senats auch eine über die Kompensation ehebedingter Nachteile hinausgehende nacheheliche Solidarität zu berücksichtigen (Senatsurteile vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 21;… vom 17. Februar 2010 - XII ZR 140/08 - FamRZ 2010, 629 Rn. 21 …und vom 30. Juni 2010 - XII ZR 9/09 - FamRZ 2010, 1414 Rn. 28).
Die Ehedauer gewinnt im Rahmen dieser Billigkeitsabwägung durch eine wirtschaftliche Verflechtung an Gewicht, die insbesondere durch Aufgabe einer eigenen Erwerbstätigkeit wegen der Betreuung gemeinsamer Kinder oder der Haushaltsführung eintritt (Senatsurteile vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 2 …und vom 11. August 2010 - XII ZR 102/09 - FamRZ 2010, 1637 Rn. 21).
Insbesondere in Fällen, in denen der unterhaltsberechtigte Ehegatte während der Ehezeit seine Erwerbstätigkeit aufgegeben hatte, um den gemeinsamen Haushalt zu führen oder die gemeinsamen Kinder zu betreuen, gewinnt auch die Ehedauer an Bedeutung (vgl. Senatsurteil vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 21 …und vom 11. August 2010 - XII ZR 102/09 - FamRZ 2010, 1637 Rn. 48).
Schon dieser Gesichtspunkt kann in Fällen, in denen keine ehebedingten Nachteile vorliegen, aus Billigkeitsgründen gegen eine Begrenzung des nachehelichen Unterhalts sprechen (…vgl. Senatsurteile vom 11. August 2010 - XII ZR 102/09 - FamRZ 2010, 1637 Rn. 48 und vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 33).
Weiterhin rechtfertigt eine lange Ehedauer für sich genommen insbesondere dann keinen fortdauernden Unterhalt nach den - die eigene Lebensstellung übersteigenden - ehelichen Lebensverhältnissen, wenn beide Ehegatten während der Ehe vollschichtig berufstätig waren und die Einkommensdifferenz lediglich auf ein unterschiedliches Qualifikationsniveau zurückzuführen ist, das bereits zu Beginn der Ehe vorlag (vgl. Senatsurteil vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 21).
§ 1578 b Abs. 1 Satz 1 BGB sieht deswegen eine Herabsetzung des nachehelichen Unterhalts lediglich bis auf den angemessenen Lebensbedarf vor, der nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes durch die eigene Lebensstellung ohne Ehe und Kindererziehung definiert ist (BGH FamRZ 2010, 1971; BGH FamRZ 2010, 629).
Eine Befristung des nachehelichen Unterhalts nach § 1578b Abs. 2 BGB kommt deswegen regelmäßig nur dann in Betracht, wenn der Unterhaltsberechtigte Einkünfte erzielt, die diesem angemessenen Lebensbedarf entsprechen, wenn also keine ehebedingten Nachteile (mehr) vorliegen (BGH FamRZ 2010, 1971).
Dabei gewinnt die Ehedauer durch eine wirtschaftliche Verflechtung an Gewicht, die insbesondere durch Aufgabe einer eigenen Erwerbstätigkeit wegen der Betreuung gemeinsamer Kinder oder der Haushaltsführung eintritt (BGH FamRZ 2012, 951; BGH FamRZ 2011, 713; BGH FamRZ 2010, 1971; BGH FamRZ 2010, 1637), was durch die am 01.03.2013 in Kraft getretene Neufassung des § 1578 b Abs. 1 BGB keine grundlegenden Änderungen erfahren hat (BGH FamRZ 2013, 853; BGH FamRZ 2013, 864).
Zudem sind deutlich vor der Ehe liegende Entwicklungen, die durch das voreheliche Zusammenleben veranlasst wurden, vom Vertrauen in den Bestand der Ehe grundsätzlich nicht geschützt und können daher keinen ehebedingten Nachteil begründen (BGH FamRZ 2010, 1238; BGH FamRZ 2010, 1971; BGH FamRZ 2011, 1377).
Insoweit können ehebedingte Nachteile keine Berücksichtigung mehr finden (…Senatsurteile vom 16. April 2008 - XII ZR 107/06 - FamRZ 2008, 1325 Rn. 43; vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 27 …und vom 2. März 2011 - XII ZR 44/09 - FamRZ 2011, 713 Rn. 30).
Dass die Ehefrau ohne die ehebedingte Berufspause ein höheres Endgehalt in ihrem erlernten Beruf als milchwirtschaftlich-technische Assistentin hätte erreichen können, hat sie im Rahmen ihrer sekundären Darlegungslast (vgl. Senatsurteil vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 23 und BGHZ 185, 1 = FamRZ 2010, 875 Rn. 20 ff.) nicht substanziiert.
Eine teilweise Herabsetzung des Unterhalts ist geboten, wenn dies der Billigkeit entspricht (Senatsurteil vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 35).
Ein ehebedingter Nachteil äußert sich in der Regel darin, dass der unterhaltsberechtigte Ehegatte nachehelich nicht die Einkünfte erzielt, die er ohne die Ehe und Kinderbetreuung erzielen würde (vgl. Senatsurteile vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 19 …und vom 20. Oktober 2010 - XII ZR 53/09 - FamRZ 2010, 2059 Rn. 22).
Die geraume Zeit vor Eheschließung aufgenommene Kinderbetreuung und ein damit verbundener Arbeitsplatzwechsel begründen keinen ehebedingten Nachteil (im Anschluss an Senatsurteile vom 6. Oktober 2010, XII ZR 202/08, FamRZ 2010, 1971; BGH, 26. Mai 2010, XII ZR 143/08, BGHZ 186, 1 = FamRZ 2010, 1238 und vom 2. Februar 2011, XII ZR 11/09, FamRZ 2011, 1377).
Dementsprechend hat der Senat entschieden, dass eine mehrere Jahre vor Eheschließung vollzogene berufliche Veränderung keinen ehebedingten Nachteil begründet, auch wenn diese durch das voreheliche Zusammenleben veranlasst worden war (Senatsurteil vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 25;… BGHZ 186, 1 = FamRZ 2010, 1238 Rn. 39;… vgl. auch Senatsurteil vom 2. Februar 2011 - XII ZR 11/09 - FamRZ 2011, 1377 Rn. 20).
Ebenso wenig vermögen die längere Zeit vor der Eheschließung getroffenen beruflichen Dispositionen des späteren Ehegatten für ihn einen ehebedingten Nachteil zu begründen, und zwar auch dann nicht, wenn diese unmittelbar durch das voreheliche Zusammenleben veranlasst worden waren (vgl. Senatsurteile vom 6. Oktober 2010 - XII ZR 202/08 - FamRZ 2010, 1971 Rn. 25 …und vom 2. Februar 2011 - XII ZR 11/09 - FamRZ 2011, 1377 Rn. 20).
OLG Frankfurt, 24.02.2011 - 2 UF 317/10
Aussetzung der Kürzung der Versorgung des Ausgleichspflichtigen nach § 33 …

References: § 1578
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 BGH 
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 § 33