Source: https://www.hausarbeiten.de/document/334989
Timestamp: 2018-07-16 01:05:12+00:00

Document:
Einsatz „Brand“. Brandursachen, strafrechtliche Bestimmungen, ... | Hausarbeiten publizieren
2 Was ist Feuer? - Voraussetzungen für Brände
3 Brandursachen
3.1 Natürliche Brandursachen
3.1.1 Blitzschlag
3.1.2 Sonneneinstrahlung
3.1.3 Sonstige natürliche Ursachen
3.2 Technische Brandursachen
3.2.1 Elektoenergie
3.2.2 Sonstige technische Ursachen
3.3 Selbstentzündung
3.3.1 Chemische Selbstentzündung
3.3.2 Biologische Selbstentzündung
3.4 Menschliches Verhalten
4 Strafrechtliche Bestimmungen
5.1 Branddelikte in Deutschland
5.2 Ausgewählte phänomenologische Aspekte NRW
5.2.1 Übersicht - Branddelikte in Nordrhein-Westfalen
5.2.2 Aufklärungsquote Branddelikte NRW
6 Zuständigkeiten und Aufgaben Polizei vs. Feuerwehr
6.1 Aufgabenabgrenzung von Feuerwehr und Polizei
6.2 Aufgabenpriorisierung
7 Erster Angriff bzw. Sicherungsangriff
7.1 Kriminalistische Grundsätze des Ersten Angriffs bei Brandfällen
7.2.1 Sofortmaßnahmen
7.2.2 Subjektiven Befunde
7.2.3 Objektive Befunde
7.2.4 Schriftliche Arbeiten
Anhang „Handout“
Da in der deutschen Sprache durch den generischen Maskulin beide Geschlechter gleichermaßen mit einbezogen werden, wird in dieser Arbeit auf ein angehängtes „Innen“ und dergleichen verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter
Brände sind Ereignisse, welche immer im Blickpunkt der Öffentlichkeit und im Interesse der Medien stehen. Hierbei sind meist nicht nur große finanzielle Schäden zu beklagen, oft stehen auch Gefahren für Leib und Leben im Vorder- grund. Stets stellt sich bei solchen Ereignissen die Frage der Ursache. War es Brandstiftung oder hatte der Brand eine andere Ursache. Regelmäßig sind Brandlagen, komplexe Einsatzlagen die durch die Kräfte der Polizei, der Feu- erwehr, des Rettungsdienstes etc. gemeinsam bewältigt werden müssen. Zu klären ist: Welche Brandursachen sind auslösende Faktoren für diese Ereignis- se? Welche Sanktionen sieht das Strafrecht für Delikte vor, die mit der Verur- sachung von Bränden in Verbindung stehen? Welche Maßnahmen trifft die Po- lizei am Brandort? Brandspuren und Brandermittlungen bleiben im Rahmen dieser Arbeit unberücksichtigt, da diese zu komplex sind und als eigenes The- ma abgehandelt werden kann.
Zur Klärung dieser Fragen werden mittels einer Dokumenten- und Literaturanalyse, Grundlagenliteratur sowie Aufsätze aus kriminalistischen Fachzeitschriften ausgewertet.
Als Voraussetzung für Feuer benötigt es zunächst einen brennbaren Stoff, der in den Aggregatzuständen fest, flüssig oder gasförmig auftreten kann. Dieser brennbare Stoff verbindet sich mit Sauerstoff und gibt dabei Wärme ab, was als exotherme Reaktion bezeichnet wird. „Der Brand ist ein Oxidationsvorgang, der unter Feuererscheinung abläuft. Damit ein solcher Vorgang überhaupt ein- treten kann, müssen mehrere Voraussetzungen gemeinsam vorliegen: ein brennbarer Stoff, eine Zündquelle mit ausreichender Energie, Sauerstoff.“1 Für die Polizei ist die Frage nach der Zündquelle entscheidend.
Brände können verschiedene Ursachen haben, neben vorsätzlicher oder fahrlässi- ger Brandstiftung kommt auch ein technischer Defekt, eine Selbstentzündung durch eine chemische oder biologische Reaktionen, sowie andere natürliche Brandursachen in Betracht. Unter folgendem Abschnitt werden die gängigen Brandursachen kurz dargestellt, die Aufzählung ist jedoch nicht abschließend.
Unter die häufigste natürliche Brandursache fällt der Blitzschlag. Dieser entwickelt sich üblicherweise bei Gewittern. Der Blitz Überschreitet hier- bei die Feldstärke in den Wolken einen bestimmten Wert, hat dies einen Ladungsausgleich in Form eines Blitzes zur Folge. Dabei sind sowohl elektrostatische Entladungen zwischen Wolken bzw. Wolkenteilen, dem so genannten Wolke-Wolke-Blitz als auch zwischen den Ladungsträgern Wolke und Erde, dem sogenannten Wolke-Erde-Blitz möglich.2 Nur letz- tere kommen als Brandursache in Betracht. Hierbei kommen zwei Mög- lichkeiten in Frage, der direkte und der indirekte Blitzschlag. Ein direkter Blitzschlag kann die Entzündung brennbarer Materialien, die Verdamp- fung brennbarer Flüssigkeiten und Zündung des Gemisches Dampf-Luft, die Zündung bestehender Dampf-Luft/Gas-Luft Gemische, Überhitzen und Schmelzen von Stromleitern oder das Überhitzen elektronischer Bauteile zur Folge haben. Der indirekte Blitzschlag verursacht eine Überspannung in Stromversorgungsleitungen.3
Sonneneinstrahlung allein führt nicht zum Brand, jedoch werden durch die entstehende Hitze alle Arten von Selbstentzündungen begünstigt. Hinsicht- lich der Sonneneinstrahlung sind jedoch optische Effekte, Reflexion oder Brechung von Sonnenstrahlen zu berücksichtigen. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte Brennglaseffekt. Dabei werden einfallenden Sonnenstrah- len durch die Sammellinsenwirkung eines Brennglases auf einen Punkt gebündelt, treffen diese gebündelten Strahlen auf leicht brennbare Stoffe, kann eine Selbstentzündung die Folge sein. Aus diesem Grund sind bei der Klärung von Brandursachen auf Gegenstände wie Lupen, Brillengläser, Kugelvasen, Glaskugeln oder Hohlspiegel zu achten, welche diesen Brennglaseffekt unter oben beschriebenen Umständen hervorrufen können. Nicht alle Glasgegenstände sind für diesen Effekt geeignet, Materialien wie Glasbausteine, Glasziegeln, Flaschenböden oder Glasscherben verfü- gen nicht über eine geeignete Form und scheiden aus diesem Grund als Brandursache aus.4
Zu sonstigen natürlichen Brandursachen zählen bspw. Umstände die mit der Witterung in Zusammenhang stehen. „Wind und Sturm können ein sich entwickelndes oder bereits bestehendes Feuer anfachen, insbesondere bei Wald-, Moor- oder Heidebränden.“5
Frost und Wasser können Rohrleitungen oder Dichtungen von Gasanlagen oder ähnlichen Installationen beeinträchtigen, was einen Verlust der Dich- tigkeit zur Folge hat. Kann hier das Gas oder ein anderer brennbarer Stoff entweichen, besteht hier ebenfalls die Möglichkeit der Brandentstehung.6
Gleiches gilt für Erschütterungen, wie beispielsweise Erdbeben, Sprengungen oder Bauarbeiten.
Auch Tiere zählen unter diesen Abschnitt. Tiere als Brandverursacher spielen häufiger als angenommen eine Rolle. „Gelegentlich entstehen Brände dadurch, dass Tiere brennende Kerzen, Infrarotstrahler oder andere Wärmegeräte umstoßen, oder umgekehrt, brennbare Materialien in die Nä- he von Zündquellen schleppen.“7 Auch Schadnagerfraß spielt eine Rolle, so können durch das Annagen elektrischer Leitungen, Kurzschlüsse verur- sacht werden. „Auch wenn der Brand nicht sofort ausbricht, so kann doch die Beschädigung der Isolation von elektrischen Leitern zu einer punktuel- len Widerstandserhöhung und damit zur Temperaturerhöhung führen.“8
Dynamische Elektrizität führt zu Elektrowärme. So wird beim Fließen von elektrischem Strom in einem Leiter Wärme erzeugt. Bei fachgerechter In- stallation, wie ausreichender Querschnitt der Leitung und ordnungsgemä- ßer Absicherung hat dies keinen extremen Aufheizvorgang zur Folge. Dies kann jedoch durch Alterung, äußere Einflüsse, Knickung, Einschlagen von Nägeln beeinträchtigt werden, was im Nachgang zu Defekten und Isolati- onsfehlern und somit zu gefährlichen Fehler-, Kriechströmen und/oder Kurzschlüssen führen kann. Im Ergebnis kann es aufgrund dieser Gege- benheiten zu einer extremen Erwärmung und somit auch zum Brand kom- men.9
Technische Brandursachen sind äußerst different und vielfältig, im Folgenden sollen nur zwei von ihnen kurz angesprochen werden.
So zählt beispielsweise zu den sonstigen technischen Ursachen die Entste- hung von Reibungswärme, hierbei wird mechanische Energie in Wärme umgesetzt, bleibt dabei die notwendige Kühlung aus, kommt es unweiger- lich zum Brand. Beispiele hierfür gibt es unzählige, wie blockierte Brem- sen oder Metallteile die bei Verkehrsunfällen über die Straße schleifen und Funkenflug und ggf. die Entzündung von Benzin zur Folge haben.10
Weitere technische Ursache kann der Funkenschlag bei Stoß- und Schlag- vorgängen sein. Geraten diese Funken in leicht entzündliches Brennmate- rial, wie Putzwolle, Holzstaub etc. können diese eine Brandentwicklung zur Folge haben.11
„Die Selbstentzündung oder Selbsterwärmung ist ein Vorgang, bei dem sich in einem brennbaren Stoff die Temperatur ohne äußeren Einfluss erhöht. Auslöser dieser Erwärmung sind exotherme Reaktionen, Zerfallsreaktionen, Polymerisation und zusätzlich verminderter Wärmeabfuhr an die Umgebung.“12 Dies kann sich als chemischer, physikalischer oder mikrobakterieller Prozess darstellen, welcher in unterschiedlicher Dauer vollzogen wird.
Bei einer chemischen Selbstentzündung verbinden sich unter normalen Umwelteinflüssen bestimmte Stoffe mit Luftsauerstoff und setzten hierbei Wärme frei. Dabei wird eine derart hohe Temperatur erreicht, dass es zur Selbstentzündung kommt. Eines der bekanntesten Beispiele ist ein Leinöl getränkter Lappen, dieser benötigt nur wenige Stunden für die Aufheizung bis zur Entzündungstemperatur. Es gibt eine unzählige Liste von Stoffen welche mit Luftsauerstoff reagieren, außer Leinöl und anderen selbst- trocknenden Ölen gehören auch weißer/gelber Phosphor, bestimmte Me- tallpulver (Aluminium, Nickel, Kobalt etc.) oder gebrannter Kalk, nur um einige zu nennen.13
Unter einer biologischen Selbstentzündung ist die Heuselbstentzündung zu verstehen. So muss einem Scheunenbrand oder der Brand eines Strohscho- bers nicht zwingend eine Brandstiftung durch Fremdeinwirkung zugrunde liegen. Bei größeren Anhäufungen biologischen Materials kommt es zu thermo-biologischen Prozessen. Wird bspw. frisches Heu eingebracht und weist dieses noch eine Feuchte auf, die im Gleichgewicht mit der im Heustock vorhandenen Luft zu einer relativen Luftfeuchtigkeit von > 85 % führt, so findet biologische Aktivität von Pilzen und Bakterien sowie je nach Alter des Heus, Atmung noch lebender Graszellen statt. Hierbei wird Energie in Form von Wärme freigesetzt, die zum Anstieg der Temperatur innerhalb des Heustockstocks führt. Dieser Vorgang benötigt jedoch meh- rere Wochen um ausreichende Temperatur für einen Brand zu erreichen.
Brände können natürlich auch durch menschliches Verhalten bzw. Fehlverhalten verursacht werden. Diese Verhaltensweisen lassen sich unter folgenden fünf Punkten zusammenfassen.
„1. Der Verursacher kennt die Zusammenhänge nicht und wird selbst von den Folgen überrascht.
2. Der Verursacher kennt die Zusammenhänge, ist aber der Meinung sie be- herrschen zu können, ohne dass dies der Fall ist.
3. Der Verursacher kennt die Zusammenhänge handelt aber unachtsam und nachlässig.
4. Der Verursacher kennt die Zusammenhänge, verliert aber die Kontrolle und kann die Abläufe nicht mehr beherrschen.
5. Der Verursacher kennt die Zusammenhänge und bringt die Abläufe be- wusst in Gang.“14
„Für vorsätzliche Branddelikte sind die wesentlichen Rechtsvorschriften § 306 StGB (Brandstiftung) und § 306 a StGB (Schwere Brandstiftung) sowie die Er- folgs- bzw. Vorsatzqualifikation des § 306 b StGB (Besonders schwere Brandstif- tung) und § 306 c StGB (Brandstiftung mit Todesfolge).“15 Als Grundtatbestand steht hier der § 306 StGB im Vordergrund, nur wenn die Tatbestandsmerkmale dieser Rechtsnorm erfüllt sind, handelt es sich um Brandstiftung. Hierzu ist es er- forderlich das eines der in § 306 StGB genannten fremden Objekte aus eigener Kraft weiter brennen „und dabei ganz oder teilweise zerstört wird.“16
1 Holzmann, Wolfgang (2008): Brandermittlung. 1. Aufl. Hilden: Verl. Dt. Polizeilitera- tur (Lehr- und Studienbriefe Kriminalistik /Kriminologie, 10). S. 28
2 vgl. Holzmann 2008, S. 28
3 vgl. Ungerer, Markus E. (2007): Grundlagen Brandursachen. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Verlag für Polizeiwissenschaft (Brandursachen, Module für Gefahren, Schutz, Ersten Angriff und Ermittlung / Hrsg. Wolfgang Gabler ; Modul 4). S. 21
4 vgl. Holzmann 2008, S. 72-73
5 ebd., S. 73
6 vgl. Ungerer 2007, S. 22-29
7 Holzmann 2008, S. 74
8 Ungerer 2007, S. 155
9 vgl.Holzmann 2008, S. 74-78
10 vgl. ebd. S. 78-79
11 vgl. ebd. S. 78-79
12 Ungerer 2007, S. 145
13 vgl.Holzmann 2008, S. 81-83
15 Frings, Christoph (2015): Sicherungsangriff bei Brandermittlungen - Ein Studienbe- gleitskript zum Modul 2.1. In: Polizei - Studium - Praxis : PSP Jg. 5 (Heft 3), S. 14
16 Frings 2015, S. 14
Stefanie Handwerg (Autor)
V334989
9783668250482
9783668250499
Brandursachen Brandstiftung Branddelikte Zuständigkeiten Erster Angriff Sicherungsangriff Feuerwehr Polizei Aufgaben Polizei vs. Feuerwehr Zuständigkeiten Polizei vs. Feuerwehr Zahlen und Fakten Branddelikte
Stefanie Handwerg (Autor), 2016, Einsatz „Brand“. Brandursachen, strafrechtliche Bestimmungen, Zuständigkeiten Polizei vs. Feuerwehr, Sicherungsangriff, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/334989
Symbole der freiwilligen Feuerwehr in Norddeutschland
Symbole der freiwilligen Fe...
Die Kronzeugenregelung und die ihr entgegenstehenden strafrechtlich...
Am Beispiel von Legalitätsp...

References: § 306
 § 306
 § 306
 § 306
 § 306
 § 306