Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.07.2006&Aktenzeichen=II%20ZR%20238/04
Timestamp: 2019-04-25 23:06:12+00:00

Document:
BGH, 10.07.2006 - II ZR 238/04 - dejure.org
AktG § 302; BGB §§ 364, 387; GmbHG §§ 30, 31, 32a, 32b
Aufrechnung gegen und vertragliche Anrechnung auf Verlustausgleichsanspruch im Vertragskonzern zulässig; Vorrang gegenüber Regeln über Eigenkapitalersatz bei GmbH
Anspruch einer abhängigen GmbH im Vertragskonzern auf Verlustausgleich; Wirksamkeit der Aufrechnung eines herrschenden Unternehmens in einem Vertragskonzern; Aufrechnung gegenüber Erstattungsansprüchen wegen verbotener Einlagenrückgewähr; Aufrechnungsverbot; Werthaltigkeit einer Forderung; Beweislast bezüglich der Werthaltigkeit
Aufrechnung gegen Verlustausgleichsanspruch einer abhängigen Gesellschaft bei Werthaltigkeit der Forderung des herrschenden Unternehmens
Zur Frage der Zulässigkeit der Aufrechnung gegen einen Verlustausgleichsanspruch nach § 302 Abs. 1 AktG (hier: im GmbH-Vertragskonzern)
AktG § 302; BGB § 364 § 387; GmbHG § 30 § 31 § 32a
Wirksamkeit der Aufrechnung im Vertragskonzern; Geltung der Eigenkapitalersatzregeln
Grundsätze des Eigenkapitalersatzes im GmbH-Vertragskonzern
Gesellschaftsrecht, Kapitalerhaltung, Konzernrecht, Verlustausgleich, Vertragskonzern
AktG § 302; BGB §§ 364, 387; GmbHG §§ 30, 31, 32a
Das herrschende Unternehmen kann gegen einen Verlustausgleichsanspruch der abhängigen GmbH entsprechend § 302 AktG aufrechnen, wenn die Gegenforderung vollwertig ist; die Aufrechnung ist ausgeschlossen, wenn die die Aufrechnungsforderung begründenden Leis
Aufrechnung mit Verlustausgleichsansprüchen
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 10.07.2006, Az.: II ZR 238/04 (Aufrechnung gegen einen entstandenen Verlustausgleichsanspruch der abhängigen Gesellschaft im Vertragskonzern)" von RA Prof. Dr. Jörg Rodewald, original erschienen in: BB 2006, 1877 - 1878.
Kurznachricht zu "Praxis- und Beraterhinweis zur Entscheidung des BGH vom 10.07.2006, Az.: II ZR 238/04 (Aufrechnung des Organträgers gegen Anspruch der Organgesellschaft auf Verlustausgleich)" von RA/Dipl.-Kfm. Ludwig Görden, FAStR, original erschienen in: GmbH-StB 2006, 254.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 10.07.2006, Az.: II ZR 238/04 (Aufrechnung gegen Verlustausgleichsanspruch)" von Dr. Rüdger Theiselmann, LL.M. oec., original erschienen in: GmbHR 2006, 931 - 933.
Zusammenfassung von "Verlustausgleich im GmbH-Vertragskonzern - Zugleich Besprechung BGH v. 10.7.2006 - II ZR 238/04, ZIP 2006, 1488" von RA Dr. Dr. Boris Schilmar, original erschienen in: ZIP 2006, 2346 - 2351.
Zusammenfassung von "Werthaltigkeit und Einredefreiheit als Parameter des Schutzes der abhängigen Gesellschaft" von Prof. Dr. Jens Petersen, original erschienen in: GmbHR 2006, 1246 - 1248.
Zusammenfassung von "Zivilrechtliches Verbot der Aufrechnung gegen einen Verlustausgleichsanspruch - Gefahr für die Anerkennung einer ertragsteuerlichen Organschaft?" von Dipl.-Volkswirt Wolfgang Neyer und StB Lisa Schlepper, original erschienen in: BB 2007, 413 - 419.
LG Gera, 02.12.2003 - 1 HKO 14/03
OLG Jena, 21.09.2004 - 8 U 1187/03
BGHZ 168, 285
NJW 2006, 3279
ZIP 2005, 531
ZIP 2006, 1488
DNotZ 2006, 938
WM 2006, 1585
BB 2006, 1759
BB 2006, 1877
DB 2006, 1778
NZG 2006, 664
Zwar sind zur Erfüllung des Verlustausgleichsanspruchs auch Leistungen an Erfüllung statt zulässig, sofern sie werthaltig sind (BGH, Urteil vom 10. Juli 2006 - II ZR 238/04, BGHZ 168, 285 Rn. 7), und kann das herrschende Unternehmen Geld- oder Sachmittel der abhängigen Gesellschaft unter vorher vereinbarter Anrechnung auf eine bestehende oder künftige Verlustausgleichsverpflichtung zur Verfügung stellen, wobei allerdings klar gestellt sein muss, ob die Leistung auf einen vorjährigen oder künftig entstehenden Anspruch zu verrechnen ist (BGH, Urteil vom 10. Juli 2006 - II ZR 238/04, BGHZ 168, 285 Rn. 12).
Dass für den schwächeren Anspruch auf Verlustausgleich nach § 302 AktG (vgl. BGH, Urteil vom 10. Juli 2006 - II ZR 238/04, BGHZ 168, 285 Rn. 9) etwas anderes gelten soll, ist nicht ersichtlich.
Zwar waren die Verlustausgleichsansprüche der Tochtergesellschaften der Schuldnerin, die in entsprechender Anwendung des § 302 AktG auch im Vertragskonzern mit der GmbH als abhängiger Gesellschaft bestehen (vgl. dazu: BGH, Urteil v. 10.7.2006, II ZR 238/04, Rn. 6;… Urteil v. 16.6.2015, II ZR 384/13, Rn. 18 ff.; jeweils zit. nach juris) im Sinne des § 271 Abs. 1 BGB bereits zum Bilanzstichtag 30.09.2009 fällig (…vgl. BGH, Urteil v. 16.6.2015, II ZR 384/13, Rn. 24;… Altmeppen, MüKo AktG, 4. Aufl. , § 302 Rn. 71 f.; Ziemons, Ziemons/Binnewies, Handbuch AG, 76. Lieferung, Ziff. 12.1057).
Unerheblich sind in diesem Zusammenhang auch Erwägungen zu einem auf Kapitalerhaltung und Gläubigerschutz gerichteten Regelungszweck des § 302 AktG (…vgl. dazu Altmeppen, a.a.O., § 302 Rn. 9 ff.;… Koch, a.a.O., § 302 Rn. 2 f.; BGH, Urteil v. 10.7.2006, II ZR 238/04, Rn. 8, zit. nach juris).
§ 302 AktG findet nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung auch im Vertragskonzern mit einer GmbH als abhängiger Gesellschaft analoge Anwendung (vgl. BGH NJW 2006, 3279; BGH NJW 2000, 210).
Es ist im Grundsatz zutreffend, dass der Ausgleichsanspruch nach allgemeiner Meinung auf eine Geldleistung gerichtet ist (vgl. BGH NJW 2006, 3279 m.w.N.).
Auch eine Leistung an Erfüllungs statt ist bei Geldforderungen grundsätzlich nicht ausgeschlossen (vgl. BGH NJW 2006, 3279).
Erforderlich ist, dass vorher eine eindeutige Zweckbestimmung oder Vereinbarung getroffen wurde (vgl. BGH NJW 2006, 3279).
d) Auch der Ansicht der Beklagten unter Verweis auf die Entscheidung des BGH (BGH NJW 2006, 3279), das Schuldverhältnis sei vorliegend aufgrund Leistung an Erfüllungs statt durch Befriedigung von Drittgläubigern, hier der B. AG, erloschen, § 364 Abs. 1 BGB, vermag der Senat nicht zu folgen.
Im Vertragskonzern mit einer GmbH als abhängiger Gesellschaft ist der Rechtsgedanke des § 302 AktG entsprechend anzuwenden (BGH, Urteil vom 10. Juli 2006 - II ZR 238/04, BGHZ 168, 285 Rn. 6; Urteil vom 11. Oktober 1999 - II ZR 120/98, BGHZ 142, 382, 384; Urteil vom 11. November 1991- II ZR 287/90, BGHZ 116, 37, 39; Urteil vom 14. Dezember 1987 - II ZR 170/87, BGHZ 103, 1, 4).
Die Schuldnerin und für sie die Klägerin als Insolvenzverwalterin kann unter diesen - für die rechtliche Beurteilung in der Revisionsinstanz zu unterstellenden - Voraussetzungen entsprechend § 31 Abs. 1 GmbHG die Auffüllung des Gesellschaftsvermögens bis auf eine die Stammkapitalziffer deckende Höhe verlangen (vgl. BGH, Urteil vom 10. Oktober 1983 - II ZR 233/82, ZIP 1983, 1448; Urteil vom 10. Juli 2006 - II ZR 238/04, BGHZ 168, 285 Rn. 19).
Einer Aufrechnung gegen einen bereits entstandenen Anspruch aus § 302 Abs. 1 AktG steht das Stichtagsprinzip nicht entgegen (BGH, Urteil vom 10. Juli 2006 - II ZR 238/04 -, BGHZ 168, 285-295, Rn. 13).
Daraus resultiert die in § 302 Abs. 1 AktG angeordnete Verlustausgleichspflicht des herrschenden gegenüber dem beherrschten Unternehmen, diese ist im Recht der GmbH entsprechend anzuwenden (…Zöllner/Beurskens in: Baumbach/Hueck, GmbHG 20. Auflage, Schlussanhang "Die GmbH im Unternehmensverbund", Rn. 128, 130; BGH 10. Juli 2006 - II ZR 238/04, NJW 2006, 3279, 3280 zu II. 2) a) der Gründe, Rn. 9).
Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH), wonach § 302 AktG im GmbH-Konzern zivilrechtlich analog anzuwenden ist (u.a. BGH-Urteil vom 10. Juli 2006 II ZR 238/04, BGHZ 168, 285, m.w.N.) ändere an dem Einbeziehungserfordernis nichts.
vgl. BGH, Urteil vom 16.06.2015 - II ZR 384/13 -, NJW-RR 2015, 1175-1178; Urteil vom 10.07.2006 - II ZR 238/04 -, BGHZ 168, 285-295; Beschluss vom 24.10.1988 - II ZB 7/88, BGHZ 105, 324.

References: § 302
 § 302
 § 302
 § 364
 § 387
 § 30
 § 31
 § 32
 § 302
 § 302
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 302
 § 302
 § 271
 § 302
 § 302
 § 302
 § 302

§ 302
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 364
 § 302
 § 31
 § 302
 § 302
 BGH 
 § 302