Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bverwg/2010-08-20/bverwg-2-b-4710
Timestamp: 2017-09-19 21:14:39+00:00

Document:
BVerwG, 20.08.2010 - BVerwG 2 B 47.10 - Rechtsgrundsätzliche Frage im Zusammenhang mit einer Gewährung von Beihilfe zu Aufwendungen für das Präparat GO-ON Amp. 2,5 | anwalt24.de
Beschl. v. 20.08.2010, Az.: BVerwG 2 B 47.10
Referenz: JurionRS 2010, 23371
Aktenzeichen: BVerwG 2 B 47.10
OVG Nordrhein-Westfalen - 14.04.2010 - AZ: OVG 3 A 1245/08
§ 4 Abs. 1 Nr. 7 S. 1 BVO NRW
BVerwG, 20.08.2010 - BVerwG 2 B 47.10
Hängt nach der Beihilfeverordnung in Nordrhein-Westfalen die Beihilfefähigkeit eines Präparats ausdrücklich von dessen arzneimittelrechtlicher Zulassung ab, kommt es nicht darauf an, ob ein Präparat materiell-rechtlich den Arzneimittelbegriff erfüllt.
Die Klägerin begehrt Beihilfe zu Aufwendungen für das Präparat GO-ON Amp. 2,5 mg. Während das Verwaltungsgericht ihrer Klage stattgegeben hat, hat das Berufungsgericht die Klage abgewiesen, weil das Präparat nicht über die nach § 4 Abs. 1 Nr. 7 Satz 1 BVO NRW erforderliche arzneimittelrechtliche Zulassung verfüge.
Die Beschwerde sieht sinngemäß als grundsätzlich klärungsbedürftig im Sinne des § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO an, ob das Präparat ein beihilfefähiges Arzneimittel ist, d.h. ob für die Beihilfefähigkeit auf die arzneimittelrechtliche Zulassung eines Präparates oder auf einen materiell-rechtlichen Arzneimittelbegriff abzustellen sei.
Die Revisionszulassung wegen grundsätzlicher Bedeutung gemäß § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO setzt voraus, dass die Rechtssache eine konkrete, in dem zu entscheidenden Fall erhebliche Frage des revisiblen Rechts aufwirft, die im Interesse der Einheitlichkeit der Rechtsprechung oder der Rechtsfortbildung der Klärung in einem Revisionsverfahren bedarf (Beschluss vom 2. Oktober 1961 - BVerwG 8 B 78.61 - BVerwGE 13, 90 <91> = Buchholz 310 § 132 VwGO Nr. 18; stRspr). Diese Voraussetzungen sind nicht erfüllt. Die mit der Beschwerde aufgeworfene Frage lässt sich anhand des eindeutigen Wortlautes der hier einschlägigen Rechtsvorschriften beantworten.
Durch die 21. Änderungsverordnung vom 22. November 2006 ist in § 4 Abs. 1 Nr. 7 Satz 1 BVO NRW die Voraussetzung der arzneimittelrechtlichen Zulassung für die Beihilfefähigkeit eines Arzneimittels eingefügt worden. Der Wortlaut der Vorschrift ist insoweit eindeutig (:"Die von Behandlern ... schriftlich verordneten zugelassenen Arzneimittel," ...). Hierauf hat auch das Berufungsgericht abgestellt. Die Vorschrift ist vom Gesetzgeber in Gesetzesrang erhoben worden. Hängt aber nach einer mit Gesetzesrang versehenen Vorschrift der Beihilfeverordnung in Nordrhein-Westfalen die Beihilfefähigkeit eines Präparats ausdrücklich von dessen arzneimittelrechtlicher Zulassung ab, kommt es nicht darauf an, ob ein Präparat materiell-rechtlich den Arzneimittelbegriff erfüllt.
Soweit die Beschwerde darauf verweist, dass der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Urteil vom 11. März 2010 - 10 S 3090/98 - die Beihilfefähigkeit des Präparates GO-ON bejaht habe, übersieht sie, dass Rechtsgrundlage für die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshof Baden-Württembergs nicht die Beihilfevorschriften des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem ausdrücklichen Ausschluss nicht zugelassener Arzneimittel, sondern die Satzung der Postbeamtenkrankenkasse war, die in ihrem § 33 Abs. 1 Satz 1 eine solche Einschränkung auf zugelassene Arzneimittel nicht enthielt.

References: § 4
 § 4
 § 132
 § 132
 § 132
 § 4
 § 33