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Timestamp: 2020-05-30 20:54:25+00:00

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1875 / 116 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger)
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erlassen, welche zunächst die bekannten Vorgänge und die Motive
derselben rekapitulirt und dann wie fol s d o Wi M
Wir erachten es für Pflicht unseres Ante E erg zu warnen vor thörihten Gerüchten und unbegründeken Ginflüsterungen, welche darauf hinauslaufen, den konfessionellen Frieden zu stören und das Vertrauen zu den wohlwollenden und gerechten Absichten der Königlichen Staatsregierung zu untergraben. Es ift der feste Wille Sr. Majestät des Kaisers und Königs, allen Glaubensbekenntnissen in gleichem Maße seinen starken Schuß zu leihen und nicht im Mindesten zu dulden, daß eine Konfesfion zu Gunsten der anderen unterdrückt werde. Wie die Evangelischen, so werden daher auch die Katholiken — Römisch-Katholische wie Alt-Katholiken — in Preußen alle Zeit vertrauen düxfen.. auf den Schuß des Staates für die Freiheit des religiösen Bekonütuisses, für die Ausübung des Gottesdienstes und für die Wahrung ihrex Rechte; während andererseits erwartet werden muß, daß auch die katholischen Unterthanen Sr. Majestät, der welt- lichen Obrigkeit und den Geseßen des Staates, unter dessen Schuß sie leben, den durch Gottes Wort gebotenen Gehorsam nicht versagen werden. Die öffentlichen Schulen find eine Einrichtung des Staates, dazu bestimmt, die heranwahsende Jugend in nüßlichen Kenntnissen zu unterweisen und sie zur Vaterlandsliebe und zur Gottesfurcht zu erziehen. In den Heilswahrheiten der katholishen Religion aber werden die fatholischen Kinder in den Schulen durch katho- lijhe vorschriftèmäßig geprüfte — Lehrer unterwiesen, und als Leitfaden dient der von dem _Herrn Fürstbischof zu Breslau empfohlene Disözesan - Katehismus und es ist daher einleuchtend, daß in den fatholishen Religionsstunden Nichts gelehrt werden kann, was mit den Glaubenssäßen der katho- lischen Kirche niht im Einklange ftände. Zur Leitung des Religions- unterrichts in den Schulen werden neben den mit der Staatsaufsicht betrauten Schul-Jnspektoren die Pfarrer zugelassen, und nur solche Geistliche, welche den Geseßen des Staates den s{chuldigen Gehorsam versagen oder den Zwecken der Schule entgegenwirken, müssen hiervon ausgeschlossen werden. Wir dürfen hiernah vertrauen, daß die katho- lische Vevölkerung in Oberschlesien finnlosen Gerüchten gegenüber ihre Besonnenheit nicht verleugnen und in ihrer — in guten wie in bösen Tagen — bewährten Treue zum Könige und in der Liebe zum preußi- schen Vaterlande sich nit beirren lassen werde.
Königliche Regierung. v. Hagemeister.
Vayern. München, 18. Mai. Die Delegirten - Versammlung des bayerishen Veteranen- und Kriegervereins hatte gestern ein Huldigungstelegramm an Se. Majestät den König nah Schloß Berg abgesandt. Hierauf ist noch im Laufe des Nahmittags folgendes Antworttelegramm an den ersten Vorstand des Vereins, Hauptmann a. D. v. Puch- beckh, hier eingetroffen: „Se. Majestät der Kö:1ig entbieten dem Delegirtentag dés Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenver- eins huldvolle Grüße, und wünschen dem bereits rasch empor- geblühten Verein kräftiges Gedeihen. v. Eisenhardt, Staatsrath.“— General v. d. Tann hat, außer der jüngsten Besichtigung der neuen Geschüße im Artillerie-Hauptdepot Ingolstadt, in Beglei- tung des Obersten Muck vom Generalstab auch das Terrain zwischen Ingolstadt und Neuburg in genauen Augenschein ge- nommen ; dort sollen nämlich in diesem Herbst die Armee-Corps- Manöver stattfinden. :
— 20, Mai. (W. T. B.) Nach hier eing:gangener Mel- dung ist die verwittwete Königin Amalie von Griechen- land, Tochter des verstorbenen Großherzogs Paul Friedrich August von Oldenburg, geboren am 21. Dezember 1818, heute Mittag in Bamberg, wo sie ihren Wohnsiß genommen hatte, gestorben.
Sessen. Darmstadt, 19. Mai. Die Erste Kam-
Lautath 11x thrvor houtigen Sißung zunächst : 10troffo; 5 ov (But wurf eines Berggesezes; aus der Berathung ist hervorzu-
heben, daß nunmehr noch zwei Dissense gegenüber den Beschlüssen der Zweiten Kammer bestehen, und zwar einmal bezüglih der Ausübung des Schürfens in der Nähe von Gebäuden, \odann bezüglih der Uebernahme von dem Besizer einzelner Gemarkun- gen dur die Anlage des Bergwerks entstehenden Lasten Sei- tens des Bergwerkseigenthümers. Sodann wurde Beitritt zu den Beschlüssen der Zweiten Kammer beschlossen in Bezichung auf die Gesezentwürfe wegen Ausführung des Reichsimpf- geseßes, wegen des Bauplans und der Erweiterung der Stadt Mainz, sowie wegen der Taggelder der Ständemitglieder. In Beziehung auf den An- irag Dumont wegen Aufhebung der Dienstkautionen der Notare, Anwalte, Gerichts\hreiber und Gerichtsvollzieher und in Beziehung auf den Antrag Heinzerling wegen Erlasses einer für das ganze Großherzogthum gültigen Bauordnung wurde in Uebereinstimmung mit der Zweiten Kammer ein zustimmender Beschluß gefaßt. Eine Petition verschiedener niht promovirter Kreiswundärzte um fernere Gestattung des Impfens oder Zu- billigung einer Entschädigung wurde vor der Hand auf \ih be- ruhen gelassen. Das Gleiche ersolgte mit den verschiedenen Pro- positionen und Anträgen in Betreff des Straßenbaurbesens. Die Regierungsvorlage bezüglich der darlehensweisen Subventionirung derjenigen Gemeinden in Starkenburg und Rheinhessen, die an die hessishe Ludwigsbahn in Folge des Geseßes vom 14. August 1867 Beiträge zu den Kosten für das zum Eisenbahnbau nöthige Gelände zu leisten haben, wurde zustimmend erledigt. /
Betreffs der Petitionen der Civilpensionäre um Pensions- erhöhung wurde der frühere Beschluß, die Regierung zu ermäch- tigen, den vor 1874 penfionirten Beamten im Falle individueller Bedürftigkeit eine Pensionsaufbesserung um ein Sechstel mit der Maßgabe zu gewähren, daß die erhöhte Penfion niht mehr be- tragen dürfe, als wenn die Pensionirung erst seit 1864 ein- getreten wäre, in Uebereinstimmung mit der Zweiten Kammer auf das Jahr 1875 beschränkt. Bezüglich der Petition der katho- lishen Bürger von Biebelnheim um Unterstüßung der dasigen kleinen fatholischen Konfessions\{hule beharrte die Erste Kammer auf ihrem früheren willfahrenden Beschluß auch gegenüber dem ablehnenden Votum der Zweiten Kammer,
— Dem „Fr. I.“ zufolge steht es nunmehr fest, daß der dermalige (21.) Landtag nähsten Freitag, den 21. Mai, in einer auf Vormittag 11 Uhr anberaumten gemeinschaftlichen Sigzung beider Kammern geschlossen werden wird. Der Schluß erfolgt nicht durch den Großherzog persönlich, sondern dur den Minister-Präsidenten Hofmann. Morgen hält die Zweite Kam- mer noch eine legte kurze Sizung. Hervorzuheben is, daß das Mandat der in der leßten Sizung der Zweiten Kammer aus- geloosten Mitglieder keineswegs von selbst mit dem Schluß des Landtages, sondern erst mit der Anordnung der Neuwahlen er- list, welche leßtere indessen, sicherem Vernehmen nach, ganz in der Kürze stattfinden foll.
Jugenheim, 18. Mai. Heute fand die Konfirmation des dritten Sohnes Sr. Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Alexander von Hessen, des Prinzen Heinrich von Battenberg, Durchlaucht, in der hiesigen Ortskirche dur den früheren Erzieher und Lehrer der Prinzen von Battenberg, Pfarrer Dr. Hager, in feierliher Weise statt. Der Konfirmation \chloß fich sogleih die erste Kommunion des Neukonfirmirten. an.
P P. 1 Ta a die Relommunikation der Zweiten Kanmnzor
An der Kommunion nahmen Theil die Durhlauchtigsten Eltern des Prinzen, die konfirmirten Brüder, sowie Se. Erlaucht der Graf zu Erba-S{hönberg nebst Durhlauchtiger Gemahlin. Der Feier wohnten aüßerdem noch bei Ihre Großherzoglih König- lihen Hoheiten Prinz und Prinzessin Carl, fowie Prinz Wil- helm; Se. Königliche Hoheit der Großherzog war durh ein
leihtes Unwohlsein verhindert, bei der Feier ebenfalls anwesend
zu sein, ließ aber dem jungen Prinzen nah geschehener Kon- firmation das Großkreuz des Philipps-Ordens mit Schwertern Überreichen.
Sachsen-Meiningen-Hildburghausen. Meiningen, 19. Mai. Das neue Bolks\chulgeseß, welh:s am 13. ver- öffentliht worden ist und mit dem 1. Juni in Wirksamkeit tritt, stimmt in vielen Punkten mit dem weimarishen überein. Da- gegen wird z. B. für die Dirigenten der gegliederten Schulen die Vereinigung des Rektorenamtes mit dem geistlihen Berufe für zuläsfig erklärt; im Uebrigen is die Schule von der Kirche, mit Ausnahme des Religionsunterrihtes, getrennt. Die Bei- träge aus den Kirchenkassen zu den Schullasten fallen weg, es ist aber zur Ablösung das Zehnfache des Jahresbeitrages an die Schulkassen abzugewähren. Neben den Orts\hulen können noch Konfessions\hulen, jedoch nur auf Kosten der betreffenden Konfession, fortbestehen. Die Orts-Schulauffiht übt der Schul- vorstand dur einen von ihm Beauftragten; die Bezirksaufsicht übt der Kreis-Schulinspektor, der mit dem Landrath und in den größeren Städten mit dem Bürgermeister das Schulamt bildet. Das Schulgeseß ordnet die Vorbildung, Anstellung, die Gehalts- und Pensionsverhältnisse der Lehrer, regelt die Errichtung von Kleinkinder-, Fortbildungs- und Mittelschulen, sowie die Stel- lung von Rettungs- und Privat-Unterrichtsanstalten.
Desterreih-Ungarn. Wien, 20. Mai. mittags besichtigten der Kaiser und die Erzherzoge Kronprinz Rudolf, Karl Ludwig und Wilhelm den vom Malteser-Ritter- Orden im Kaiserin-Elisabeth-Westbahnhofe aufgestellten ersten Sanitätseisenbahnzug.
— (W. T. B.) Heute empfing der Kaiser den russischen Botschafter v. Nowikow, der sich nah Ems begiebt, in beson- derer Audienz,
21. — Mai. (W. T. B.) Die heutige „Amtszeitung“ veröffentlicht die Kaiserlihen Handschreiben, betreffend die Er- nennung Chlumecky's zum Handels-Minister, des Grafen Mannsfeld zum Ackerbau-Minister und die Enthebung des seitherigen Handels-Ministers Banhans von seinem Posten. Von leßterer heißt es, daß sie auf eigenes Ansuchen des Ministers aus Gesundheitsrücksichten und unter voller Anerkennung seiner ireuen und vorzüglihen Dienste erfolge und daß der seitherige Handels-Minister unter Vorbehalt der Wiederverwendung im Dienste in den zeitweiligen Ruhestand übernommen werde.
(Hr. v. Chlumecky hatte {hon seit der Beurlaubung des Handels-Ministers Banhans, welhe im Zusammenhange mit dessen Auftreten als Zeuge im Prozesse Ofenheim zu Ende Fe- bruar d. I. erfolgte, als „Leiter des Handels-Ministeriums“ fungirt. Dr. Banhans, als verfassungstreuer Abgeordneter dem böhmishen Landtage angehörend und von diesem in das Abge- ordnetenhaus des Reichsraths gewählt, war als Sektionschef unter Gisfra in das Ministerium des Innern getreten; in dem Ministerium Hasner war er Ackerbau-Minister gewesen; in dem Ministerium Auersperg, welhes am 25. November 1871 ein-
fleBegdBr T Mer Tre P. SlndAS Sandelsportefeuille von Mannsfeld is am 20. Juli 1842 geboren, ältester Sohn des erblihen Reichsraths Fürsten Joseph von Colloredo-Manns- feld und Rittmeister in der Reserve des 9. Husaren-Regiments Fürst Franz von Liechtenstein; er hat \ih bisher der Bewirth- \hastung seiner böhmischen Herrschaft Dobritsh gewidmet.)
Lemberg, 20, Mai. (W. T. B) “In der heutigen Sizung des Galizishen Landtages wurde von dem Abg. Krzyzanowski auf die durchaus unzulänglihe Pflege, welche der deutshen Sprache in den Landes\chulen gewidmet werde, hinge- wiesen und demnächst im Namen sämmtlicher ruthenishen und bäuerlihen Abgeordneten der Antrag eingebracht, daß der Unter- richt in der deutshen Sprache fortan in den Bolks\hulen einen obligaten Lehrgegenstand zu bilden habe, daß außerdem aber in den unteren Klassen der Mittelshulen wenigstens ein Lehrfach, in den höheren Klassen der Mittelschulen wenigstens zwei andere Lehrfächer in deutscher Sprache vorgetragen werden sollen.
Zara, 19. Mai. Nach einem feierlichen Gottesdienste fand heute Mittags die Eröffnung des Landtages statt. 21 Ab- geordnete waren anwesend.
— Das heutige „Amtsblatt“ veröffentlicht die Liste der durh den Banus ernannten Beamten bei der politischen Verwaltung. Morgen werden die durh Se. Majestät bereits vollzogenen Ernennungen sämmtlicher Richter und die Liste der vom Banus ernannten Justizbeamten veröffentliht werden. Einer Banalverordnung vom heutigen Tage zufolge treten die neukreirten politishen Behörden und Gerichtshöfe erster Instanz, unter gleichzeitiger Auflassung der bestehenden Komitate, Komitats- bezirisbehörden, Königlichen Komitatsgerihtshöfe, Komitats- bezirksgerichte und städtishen Gerichte mit 31. Mai ins Leben.
Pest, 19. Mai. Das Oberhaus nahm den Bericht des Finanzaus\husses über die 1870er Schlußrechnung und über die Shlußrechnung des Eisenbahnanlehens, ferner die Kon- zessionsgeseßentwürfe über die Tothmegyer-Surany-Tirnauer und Arad-Körösthaler Eisenbahn so wie die Gesezentwürfe bezüglich der Regelung der Nachtragsforderungen der Bauunternehmer der Nordostbahn und der ersten ungarish-galizishen Bahn un- verändert an. Hierauf begann die Verhandlung über den Ge- seßentwurf, betreffend die Vollmachtsertheilung zur Regelung der \{hwebenden Angelegenheit der nothleidenden Bahnen. Die De- batte wird morgen fortgeseßt.
— Das Unterhaus begann die Berathung über die von dem Aus\huß befürworteten Anträge zur Revision der Hausordnung.
Niederlande. Haag, 17. Mai, Das Erwiderungs- Memoire der Regierung auf den vorläufigen Bericht, welcher über die in den Sektionen der Zweiten Kammer der General- staaten stattgehabte Vorberathung des Geseßentwurfes für pro- visorishe Vorkehrungen bezüglih des niederlä ndis\schen Münzwesens erstattet worden, is bereits erschienen. Die Re- gierung erkennt an, daß dieser Geseßzentwurf ein Schritt sei zu der alleinigen Goldwährung, hält indeß dafür, daß fie zu der alleinigen Goldwährung noch nicht rathen könne; nah Verlauf eines Jahres werde man im Stande sein können, einen definitiven Beschluß zu fassen; zu großer Befriedigung gereihe der Re- gierung die günstige Beurtheilung, welhe in den Sektionen der als Provisorium aufgestellte Vorschlag für freie Anmünzung von Gold neben der beschränkten Silberwährung gefunden.
Gestern Vor-
Die Regierung modifizirt ihren Entwurf dahin, daß für Privat- rechnung blos Goldstücke von 10 Gulden sollen geprägt werden könnten ; beim Uebergange zur alleinigen Goldwährung würden Goldftücke von 5 Gulden unentbehrlih sein. In Amsterdam hat sih ein aus Mitgliedern des Gemeinderathes und angesehenen Handelsleuten bestehendes Comité gebildet, welches \ich dem in Kurzem erwarteten Präsidenten der Transvaalschen Repu- blik, Herrn Burgers, zur Verfügung stellen wird, behufs mög- lihster Erleichterung seiner Aufgabe, einen Handelsvertrag mit den Niederlanden abzuschließen.
— 20. Mai. (W. T. B.) Nach einem der Regierung zugegangenen Telegramm aus Atchin vom 15. d. M. i| Toekoe Daoed von den Häuptlingen mehrerer Bezirke zum Sultan ernannt worden.
Belgien. Brüssel, 21. Mai. (W. T. B.) Das „Echo du Parlement“ theilt einen Erlaß des Bürgermeisters von Brüssel mit, wonach die für nächsten Sonntag angekündigte Wall fahrt in der Umgebung von Brüssel niht statthaben wird.
Großbritannien und Jrland. London, 20. Mai. (W. T. B) In der heutigen Sitzung des Unterhauses ecividerte der Premier Disraeli auf die Anfrage O'Sullivans, betreffend die Rede des deutshen Botschafters, Grafen Münster, im Nationalklub: Seiner Anficht nach seien die Bemerkungen Graf Münsters lediglih privater und persön- licher Natur gewesen. Der Nationalklub sei auch keine eigentli politische, sondern viel eher eine Art religiöser Vereinigung. Was die Frage anbetresfe, ob die Anwesenheit eines auswärtigen Ge- sandten in einem politishen Klub und das Halten einer Rede, wie der von O'Sullivan erwähnten mit dem diplomatishen Gebrauche im Einklang stehe, so möchte er zwar zugeben, daß das dem gewöhnlichen diplomatischen Brauche nicht entspreche, aber es \ei doch ein allgemeiner Brauch und er wünsche denselben nit zu beeinträchtigen, da er es eines englishen Ministers für durchaus unwürdig halte, die Freiheit der Rede unter irgend welchen Um- ständen zu beshränken. Was die speziellen von O'Sullivan an- geführten Aeußerungen des Grafen Münster anbelange, so würde der Leßtere bei einem Besuche Irlands finden, daß fih zwiswen den Verhältniffen der Katholiken in Deutschland und in Irland niht wohl eine Parallele ziehen laf}e.
— Großbritanniens Staatseinkünfte vom 1. April bis zum 15. d. Mts. betrugen amtlihen Ausweisen zu- folge 9,877,394 Pfd. Sterl. gegen 8,886,918 in der entsprechen- den Periode des Vorjahres, und die Ausgaben im gleichen Zeit- raume überstiegen 113 Millionen Pfd. Sterl., von welcher Summe nahezu 6 Millionen zur Zahlung der Zinsen auf die Nationalshuld verausgabt wurden.
Frankreich. Paris, 21. Mai. (W. T. B.) Das „Journal officiel“ enthält die Mittheilung, daß die Bevollmäch- tigten von 17 Staaten, unter diesen auch der Vertreter Deuts\{h- lands, gestern hier die internationale Uebereinkunft, be- treffend die Feststellung des Metermaßes, unterzeichnet haben. In die Konvention ift eine \pezielle Bestimmung aufge- nommon, wonach den übrigen Regierungen der \pätere Beitritt zu der Uebereinkunft offen gelassen wird.
— Der deutsche Botschafter, Fürst Hohenlohe, ist gestern wieder hier eingetroffen. — Der Kaiserlihe Prinz, Louis Napo- leon, hat den Deputirten Raoul Duval wegen seiner kürzlich in Belleville gehaltenen Rede beglückwünsht. — Wie aus par- lamentarischen Kreisen verlautet, hätten nunmehr sämmtliche Mit- glieder der Dreißiger-Kommission das ihnen für diese Keifsan orthoiste Mandgt niedergelegt und ftände die Wahl einer neuen Kommission von 54 Biglleveru zur Vort- berathung der konstitutionellen Ergänzungsgeseße und des Wahl: geseßes bevor.
Der im Auszuge mitgetheilte Gesehentwurf, be- treffend den Senat, hat folgenden Worllaut:
Act. 1. Ein wenigstens sechs Wochen vorher erlassenes Dekret des Präsidenten der Republik bestimmt den Tag, an welchem die Wahlen für den Senat stattfinden, und gleichzeitig den Tag, an welchem die Delegirten der Gemeinderäthe gewählt werd-.n sollen. Zwischen der Wahl der Delegirten und jener der Senatoren muß mindestens ein Zeitraum von einem Monat liegen,
Art. 2. Jeder Gemeinderath wählt einen Delegirten. Die Wahl erfolgt ohne D-batte in geheimer Abstimmung, mit absoluter Stimmenmehrheit. Nach zwei Wahlgängen genügt die relative Mehr- heit; bei Stimmengleichheit gilt der Aeltere für gewählt. Wenn der Maire dem Gemeinderath n'cht angehört, so führt er zwar den Vor- siß, stimmt aber niht mit. An demielben Tage und auf dieselbe Art wird ein Stellvertreter gewählt, welher, wenn der Delegirte ab- lchnt oder verhindert ift, an dessen Stelle tritt.
Art. 3. In den Gemeind n, in welchen eine Gemeindekommission besteht, sollen die Bürger zur Ernennung eines neuen Gemeinderatls einberufen werden, welcher dann gemäß Art. 2 einen Delegirten und einen Stellvertreter wählt,
Art. 4, Wenn der Delegirte bei der Wahl nicht zugegen war so wird ihm dieselbe binnen vierundzwanzig Stunden dur den Maire angezeigt. Er muß binnen fünf Tagen seine Annahme erklären. Wenn er sich weigert oder {weigt, fo wird an seiner Statt der Stellvertreter als Delegirter der Gemeinde auf die Liste gesett.
Art. 5. Das Protokoll über die Wahl des Delegirten und Stell vertreters wird sofort an den Präfektcn geleitet, Es muß die etwa von einem oder mehreren Mitgliedern des Gemeinderaths erhobenen Proteste gegen die Regelmäßigkeit der Wahl enthalten. Eine Ab- {rift diescs Protokolles wird an der Mairie anges{lagen, Jeder Wähler der Gemeinde kann binnen drei Taçen einen Protest beim Präfekten einbringen.
Art. 6. Ueber die Proteste entsheidet der Präfekturrath. Wenn die Wahl des Delegirten umgestoßen wird, so rückt der Stellvertreter für ihn auf. Wenn die Wahl beider umgestoßen wird, so schreitet der Gemeinderath an einem von dem Präfekten zu bestimmenden Tage zu neuen Wahlen.
Art. 7. Spätestens aht Tage vor der Wahl der Senatoren entwirft der Präfekt die Liste der Wähler des Departements in alphabetischer Ordnung, Kein Wähler darf mehr als eine Stimme haben: Die Liste ist für Jedermann zugänglich, sie kann abgeschrie- ben und veröffentlicht werden,
Art. 8, Die Abgeordneten, General- und Arrondissementsräthe, deren Wahl noch nicht bestätigt, aber doch von der betreffenden Zäh- A Pana lion verkündet worden is, nehmen an der Senatorwahl
Art. 9. Jn - den drei Departements von Algerien besteht der Wahlêörper aus: 1) den Abgeordneten, 2) den Generalräthen, welche französische Bürger find, 3) den Delegirten, welche von den in jedem Gemeinderathe sitzenden -französishen Bürgern aus den wahlberech- tigten französfishen Bürgern der Gemeinde gewählt werden. :
Art. 10. Den Vorsiß im Wahlkollegium führt der Präsident des Gerichtes erster Jnstanz ‘der Departewentshauptstadt. Jhm stehen die beiden ältesten und die beiden jüngsten Wähler zur Seite und dieses Bureau ernennt einen Sekretär aus den Wählern,
Art. 11. Das Bureau vertheilt die Wähler nach dem Alphabet in Sektionen von je mindestens 100 Köpfen, versieht dieselben mi! Präsidenten und Sekretären und eutscheidet Über alle Schwierigkeiten und Streitfragen bei der Wahl.
Art. 12. Der erste Wahlgang beginnt um aht und {ließt um
- 12 Uhr, der zweite beginnt um 2 und {ließt um 4 Uhr, der dritte
E E P ats L E ine S 4A Tae: L gt A E E E
FZZRE
wenn ein solcher nöthig ift, beginnt um 6 und {ließt um 8 Uhr. f
Die Ergebnisse werden von dem Bureau abgezählt und noch an dem- selben Tage von dem Vorsitzenden verkündet. es 4 E Art. 13. Damit Jemand in einem dec beiden ersten Wahlgänge ewählt sei, dazu ist erforderli: 1) absolute Stimmenmehrheit, 2) eine ahl gleich mindestens einem Viertel der einge)chriebenen Wähler. Im dritten Wahlgang genüge relative Mehrheit und bei Stimmen- gleichheit gilt der Aeltere für gewählt.
Art. 14. Vom Tage der Ernennung der Delegirten ab können Wählerversammlungen für die Ernennung der Senatoren unter Be- obachtung der Vorschriften des Geseßes vom 6. Juni 1868 abge- halten werden. An diesen Versammlungen dürfen nur Wähler Theil nehmen, welche berechtigt waren, die Delegirten zu ernennen.
Art. 15. - Die Delegirten erhalten eine Reiseentshädigung, über deren Bemessung ein Reglement das Nähere bestimmen wird.
Art, 16, Jeder Delegirte, der ohne triftigen Grund an einem der Wahlgänge nicht Theil nimmt oder, wenn er verhindert war, dies viht rechtzeitig dem Stellvertreter angezeigt hat, verfällt einer Geld- strafe von 50 Fr. Dieselbe Strafe trifft den rechtzeitig benachrichtigten Stellyertreter, welcher bei der Wahloperation auêgeblieben ift.
Art. 17. Jeder Versuch, einen Wähler durch Bestehung zu heeinflussen oder vom Votum Aàbzuhalten, wird mit Gefängniß von drei Monaten bis zwei Jähren und einer Geldbuße von 50 bis 500 ör. oder nur mit ciner dieser beiden Strafen geahndet.
Art. 18. Nicht wählbar für den Senat sind in ihren Departe- ments während der Dauer ihrer Amtsführung und noch sechs Monate nachher: 1) die Präfekten, Generalsefretäre und Unter-Präfekten, 2) die Mitglieder der Staatsanwaltschaften, 3) die Generalzahlmeister und die Finanzeinnehmer. j
Art. 19. Wenn die Zahl der Senatoren eines Departements durch Tod oder Rücktritt auf die Hälfte reduzirt ist, so müssen die
- erledigten Stellen- binnen dreck-Monatet wi&- befeyt weren.
Art. 20. Die Nationalversammlung wählt ihre Senatoren in öffentliher Sißung mittelst Listenskrutiniums und mit absoluter Ma- jorität. Zuvor beauftragt die Nationalversammlung eine Kommis- sion, bestehend aus einzelnen Mitgliedeznn jedes Bureaus, mit der Ausarbeitung einer Kadidatenliste. Dieselbe enthält in alphabetischer Ordnung anderthalbmal soviel Namen, als Senatoren zu wählen find. Doch kann die Nationalversammlung auch Kandidaten wählen, welche nicht auf der Liste ‘der Kommission stehen. i /
Art 21. Auf dieselbe Weise verfährt der Senat bei der Er- seßung der nach Art. 7 des Geseßes vom 25. Februar 1875 ernann- ten Senatoren.
Art. 22. Die Mitglieder des Senats erhalten dieselle Indem- nität, wie die Mitglieder des Abgeordnetenhauses.
Art. 23. Im Uebrigen gelt.n für die Wahl des Senats alle Bestimmungen des Wahlgeseßes, welche nicht mit dem gegeawärtigen Gesetze in Widerspruch stehen.
Urt. 24 (Uebergangsbestimmung) Für die erfte Wahl der Mit- glieder des Senats soll das Geseß, welches den Zeitpunkt für die Auf- lôsfung der Nationalversammlung festseßen wird, auch das Datum für die Wahl der Velegirten und für die Wahl der Senatoren bestim- men. Die Nationalversammlung soll ihre Senatoren vierzehn Tage vor dem Zusammentritt der Gemeinderäthe wählen.
Versailles, 20. Mai. (W. T. B.) Die National- versamlung erledigte die zweite Lesung des Geseßentwurfs, betreffend die Leitung und Verwaltung der Departemental-Ge- fängnisse und begann hierauf die Berathung dev Vorlage über die Konzessionirung der Eisenbahngesellshaft Paris-Lyon zum Bau neuer Eisenbahnlinien. Die Debatte wurde auf morgen vertagt, nahdem der Arbeits-Minister Caillaux eine allgemeine Uebersicht über die dermalige Lage der französishen Bahnen gegeben hatte.
Spanien, Nah über Paris, 20. d. M., eingegangenen carlistishen Meldungen aus Hendaye find die beiden Flecken Drio und Usurbil, unweit San Sebastian, von den Carlisten beseßt worden.
Italien. Der Abgeordnetenkammer ist vom Justiz- Minister Vigliani ein Gesegentwurf über die Errichtung eines obersten Gerichtshofes in Rom für das ganze Königreich Jtalien vorgelegt worden. Der Geseßentwurf umfaßt 27 Artikel und bestimmt im ersten, daß der in Rom zu errichtende oberste Gerichtshof im ganzen Königreich die Funktionen eines Kassations- hofes nach den bestehenden Gesegen und den neu zu treffenden Modifikationen ausüben solle. Die folgenden Artikel regeln das Prozeßverfahren vor diesem obersten Gerichtshof und Artikel 25 bestimmt, daß mit der Einseßung desselben die bisherigen Kassa- tionshöfe außer Wirksamkeit treten. In Neapel, Turin und Palermo werden statt der bisherigen Kassationshöfe Sektionen des obersten Gecicztshofes bis zur Abwickelung der \{chwebenden Prozesse installirt werden.
Neapel, 20. Mai, (W. D. B.) An der Univerfität fanden heute abermals Ruhestörungen statt, indeß waren dieselben weniger erheblih als gestern. Die Professoren haben heute und gestern ihre Vorlesungen niht unterbrohen. Unter den gestern verhafteten 17 Personen befinden sich nur 5 imma- trikulirte Studenten.
Türkei, Konstantinopel, 20. Mai. (W. T. B.) Zwischen der Regierung und Baron Hirsch is die Uebereinkunft getrofsen, die Differenzen in der Angelegenheit, betreffend die türkischen Eisenbahnen einem Schiedsgerichte zu unter- breiten. Als Mitglieder desselben sind von Seiten der Pforte Serwer Pasha und Odian Effendi, von Seiten des Baron Hir\{h der Graf Prokesch und Professor Kremer gewählt worden. Den türkishen Schiedsrichtern sollen drei englishe Ingenieure als Sachverständige beigegeben 1oerden.
Bell(rad, 21. Mat. (W. D B) Der Fürst Milan hat heute in Begleitung von 3 Ministern und mit einem größeren Gefolge seine Reise in das Innere des Landes angetreten.
Schweden und Norwegen. Stockholm, 17. Mai. Die Zweite Kammer hat in votgestriger Abendsizung mit 107 gegen 72 Stimmen die Militärvorlagen der Regierung verworfen und einen Antrag Tolls angenommen, nah welchem die Präsenz der Wehrpflichtigen auf 90 Tage und die Gesammt- stärke des Heeres auf 80,000 Mann festgeseßt werden soll. Die Regierung hatte eine Präsenz von 12 bis 174 Monaten und eine Stärke von 180,000 Mann beantragt.
Amerika. Mexiko. Die Londoner „Times“ hat eine engli- {he Uebersezung der bei der Eröffnung des mexikanischen Kongresses am 1. April gehaltenen Rede des Präsidenten der Republik, Don Lerdo de Tejada, empfangen. Dieselbe schildert den Stand der mexikanishen Finanzen als blühend, bemerkt, daß alle Staatsausgaben für civile und militärishe Zwede prompt gedeckt werden, und daß die Forderungen der heimischen Staats- gläubiger anerkannt werden und deren Liquidation fortgeseßt wird. Die öffentlichen Arbeiten werden ebenfalls rüstig betrieben und die Regierung scheint nicht Mangel an Fonds zu fürchten. Das große Eisenbahnprojekt, durch welches die Vereinigten Staaten und Mexiko mittelst einer Bahn von der Stadt Mexiko nach Leon in Texas in enge Verbindung mit einander gebracht werden sollen, macht beständige Fortschritte. Die Telegraphen- verbindung soll ausgedehnt, Geld für Leuchtthürme beschafft, und Kanäle sollen hergestellt werden. Der auswärtigen Schuld wird in der Rede des Präsidenten niht erwähnt.
Brasilien. Aus Rio de Janeiro wird unterm 23. April bevihtet: Dr. Tejedor ist von Buenos-Ayres angekommen, um den paraguitishen Grenzvertrag zu unterhandeln, sowie alle zwischen Brasilien und der argentinischen Konföderation \chwe- benden Angelegenheiten zu regeln. Der neue Leiter des Bis- thums Pernambuco hat sich, wie man erwartete, ebenfalls ge- weigert, die Interdikte aufzuheben, und es sind ihm aht Tage für Ae nohmalige Erwägung seiner Entscheidung gewährt worden,
Asiea. China. Aus Shanghai meldet der Telegraph den Tod von Ts\o-hung-tang, dem ehemaligen Vizekönig von Fokien. Der Verstorbene war während seiner amtlihen Lauf- bahn Direktor des Arsenals von Foohow und und befehligte die inesishe Streitmacht, welche die mahomedanishen Rebellen be- zroang.
Indien. gemeldet: Sir Douglas Forsyth, der bei Birma, segelte mit seinem Gefolge an Bord des heute abgegangenen Postdampfers nah Rangocn ab. Oberst Brown begiebt sich am Mittwoh nah Shanghai. — Ueber die verheerende Feuersbrunst in Peshawur wird der „Times“ von dort telegraphirt, daß sie wegen eines heftigen Windes über 60 Stunden lang währte. Ein Fünftel der Stadt im Flächen- raum, ein Drittel der Benölkerung und eine Hälfte ihres Wohl- standes wurden durch das Brundunglütck betroffen. Fünfzehn- tausend Menschen sind obdahlos und Hülfe is dringend er- o E
Afrika. Unter den Passagieren des british-indishen Post- Dampfers „Canara“, der am 17. ds. Aden auf der Reise nah Lon- don verließ, befand sfich auch der Sultan von Zanzibar mit zahlreihem Gefolge.
Aus Calcutta wird vom 17. ds. per Kabel britishe Gesandte
0D — S D.
— Nach Mittheilung des \tädtisGen statistischen Bureaus sind bei den Standesämtern Berlins in der Woche vom 9. bis incl. 15. Mai zur Anmeldung gekommen: 399 Eheschließungen, 790 Lebendiggeburten, 35 Todtgeburten und 483 Sterbefälle.
— Im Anschluß an unsere in Nr. 105 d. Bl. enthaltene Be- sprehunz der von dem Landrathe des Kreises Brilon, Frhr v. Droste- Padtberg herauëgezebenen Zusammenstellung der statistischen Verhältnisse des genannten Kreises theilen wir mit, daß bereits im Jahre 1863 der Kreis Lippstadt, auf Anregung der Regierung zu Arnsberg, in gleicher, gewissermaßen als Vorbild dienender Weise, von dem Freiherrn von Schorlemer, damaligen und auch noch gegenwärtigen Landrath des Kreises dar- gestellt worden ist. Die 25 Abschnitte Les neueren Werkes entsprechen vollständig denen des heut erwähnten älteren.
Der bekannte Kunsthistoriker, Ober-Tribunals-Rath Carl Schnaase ist gestern in Wiesbaden gestorben.
— Im Namen dex historishen Kommission in München haben die Professoren v. Ranke und v. Giesebreht an den General -Lieute- nant Freiherrn v. Troschke das Ersachen gestellt, die Geschichte der Kriegswissenschaften als einen Theil des von dem Könige Marimilian II. îns Leben gerufenen großen Werkes: „Geschichte der Wissenschaften in Deutschland“ zu schreiben.
Das zu Freiburg zu errihtende Siegesdenktmal zu Ehren des XIV, Armee-Corps soll im Laufe des nächsten Jahres zur Aufftellung kommen. Sowohl die Arbeiten des Bild- hauers, - Professor Möst in Karlsruhe, wie jene in.der Gießerei des Hrn. Lenz in Nürnberg nehmen einen günstigen Verlauf.
— Der in einem Zeitraume von drei Jahren zu Ehren Wil- helms von Oranien auf der Schloßruine in Dillenburg er- baute Wilhelmsthurm wird am 29, Juni d. J, eingeweiht werden.
— Der Rath der Gesellschaft zur Pflege der Künste (Society of Arts) in London hat dem franzöfishen Volks- wirth Michel Chevalier in Anerkennung feiner bedeutenden Verdienfte um die Förderung des Freihandels die goldene Prinz- Albert-Medaille zuerkannt.
— Aus Sydney wird vom 18. d. Mts. per Kabel gemeldet, daß Mr. Macleary sfih nach Neu-Guinea begeben hat, um eine wissenshaftlihe Erforschung dieser Insel vorzunehmen.
— Im Atrium eines kleinen, an sich unbedeutenden Hauses in Pompeji, welches, nach einem dort aufgefundenen Siegel zu \chließen, von einem gewissen M. Memmius Acutus bewohnt gewesen sein dürfte, wurden um die Mitte des vorigen Monats verschiedene interessante Gegenstände gefunden, welche in einer hölzernen Kiste ver- wahrt waren; darunter Lefanden sih zwei Laren, zwei Penaten (Jsis und Anubis), alle vier aus Bronze, und ein dritter solcher Hausgott aus Silber, der einen geflügelteu Harpokrates vorstellt ; diejer leßtere, obgleich von Fleiner Dimension, ist von außerordentlich \{chöner Arbeit. Außerdem enthielt die Kiste einen Zaum von Bronze, einen silbernen Löffel, verschiedene Carneole und sonstige Steine, nebst einem in Gestalt einer Frucht gearbeiteten Gefäß aus Bernstein und mehreren Behältnissen aus Glas. Von be- sonderer Wichtigkeit wird der Fund aber dur eine marmorne Venus, die zwar uicht als Kunstwerk von Bedeutung ist, doch durch die gol- denen Armbänder an Handgelenken und ODberarmen Beachtung ver- dient. Weitaus besser gearbeitet ist eine weibliche Figur aus be- malter Terrakotta, welche eine ruhende Gestalt vorstellt. Eine eben1- falls in der Kiste vorgefundene kleine Amphora aus griechishem Glas, mit farbigen Schlangen- und Wellenlinien gehört im Reiche der pompejanisben Funde zu den größten Seltenheiten „und war auch im Hause des Memmius Acutus offenbar nicht zum täglichen Gebrauche bestimmt, sondern als Rarität forgfältig aufbewahrt; in den griechi- schen Gräbern sind dergleihen Amphoren sehr häufig.
— „L'’année scientifique et indust'ielle, par Louis Figuier“, bei Hachette in Paris erschienen, bringt in seinen Artikeln über die Fort- schritte der neuern Astronomie auch interessante Notizen über die be- vorstehende Aufstellung eines Niesen-Teleskoþs, die Mr. James Lid in San Franciéko unternommen hat; dieses Instrument joll in einer Höhe von 10,000 Fuß über dem Meere in einem sehr reinen Luftkreise auf der Sierra -Nevada aufgeflellt werden; seine Objektiy- linse soll einen Durchmesser von vier Metern erhalten und fomit bei einer Fokalweite von 40 Metern eine 28,000 fache Linearvergrößerung leisten, ein bisher unerreichter Effekt, da selbst das Riesen-Teleskop von William Herschel kaum 6000 Mal vergrößert. Der Reflexspiegel dieses Teleskops soll von einem großen Cylinder gebildet werden, der mit reinem Quecksilber gefüllt ist und rotirt; die Oberfläche des Quefsilbers soll pvarabolish konkav erhalten werden; die rasche und doch ganz gleichförmige Bewegung dieses ungeheuern Quesilber- cylinders dürfte bedeutende mechanische Schwierigkeiten veranlassen ; man {äßt die Kosten dieses Teleskops auf 1 Million Dollars und seine Herstellungszeit auf fünf Jahre. Mit diesem Rieseninstrumente erschiene uns der Mond scheinbar nur drei Meilen entfernt ; den Mars würde es 100fach größer zeigen, als wir den Mond jehen; das selenograpbis{che D:tail wäre der unmittelbaren Beobachtung nahe- gerückt. Vielleiht würde damit auch die genaue Beobachtung der Asteroiden, das Studium der Plauctenringe und vielleicht sogar die Auflösung von Nebelflecken gelingen, die bis heute allen Beobachtern Trotz boten,
— Das bewährte Handbuch der rationellen Landwirth- \chaft für praktische Landwirthe und Oekonomieverwalter von Dr,
W. Löbe is in 5. Auflage mit vielen Abbildungen der neuesten Maschinen und Geräthe im Verlage von Schmidt & Günther in Feipaia ershienen. Dasselbe ist auch in 12monatlichen Lieferungen zu veziehen.
— Das soeben ausgegebene 3. Heft (26. Jahrgang) von „Friedreichs Blättern für gerihtlihe Medizin und Sanitätspolizei* (Nürnberg, Verlag der Sriedrich Korn- hen Buchhandlung) enthält drei bemerkenswerthe Aufsäße; Aus der Gerichtspraxis, von Dr. med. Friedrich Falk, Kreis-Wundarzt in Berlin — Zur Kasuistik des Verfolgungswal ns, von Prof. Eduard Hofmann in Jnnsbruck — und: Ueber die Nothwendigkeit eines shriftlihen Obduktionsberichtes, von Dr. C. Majer in München.
— Das zweite Mai-Heft von „Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart“ (Leipzig, F. A. Brockhaus) enthält: Georg Her- wegh. Ein Essay von Rudolf Gottschall. — Die dritte Republik in Franfkreih., Von H. Bartling. Erster Abschnitt, Vom Fall des zweiten Kaiserreiches bis zur Präsidentschaft Thiers. Il, — Die Fidschiinseln. 11 — Die Fremdwörter in der deutschen Sprache und ihre Verdeutschung. Von Daniel Sanders. — Chronik der Gegen- wart: Literarische Revue.
München, 14. Mai. Das Maiheft der „Zeitschrift des land- wirthschaftlihen Vereins in Bayern“ enthält folgende Nachrichten über die Saaten: Die Wintersaaten haben sih zwar erhalten, wo. sie aber im Herbst {{hwach waren, sind sie es jeßt auch noch. Je nah der Bodenbeschaffenheit klagt man über den Roggen, bald über den Weizen. An einzelnen Orten haben auch die Schneewehen ge- schadet, indem die Saaten darunter zu Grunde gingen. Die Sommer-
saæen sind alle ziemli gut aufgelaufen wei##ch{ch Zer Bo®en allge
mein vortrefflih gebaut hat, jedoh bedürfen sie jeßt der Feuchtigkeit. Der junge Klee ist noch sehr zurück und das neue Grünfutter wird überhaupt spät kommen. Jm Viehhandel ift es flau und die Preise für fettes Vieh sind keineswegs den theuren Futterpreisen entsprechend. Offenbar wirkt die Geschäftsstockung in den Fabriken und in der Industrie auf die Fleischpreise zurück. Weinstöcke und Obstbäume sehen vielversprehend aus und wir haben Aussichten auf ein gutes Obst- und Weinjahr. Die Preise für Weine sind dabei immer noch hoch.
— Die „Deutsche Landw. Presse" macht darauf aufmerksam, das unter dem Namen „Witloof“ (Witteloof, Weißlaub, weißes Blatt) ia Brüssel und dem flämischen Theile Belgiens ein Gemüse gezogen wird, welches bei uns unbekannt is und doch verdient, auf unseren Märkten und Tafeln zu erscheinen. Es ist dies der kleine Kopf der Wurzelblätter einer großwurzelligen Art wilder Cicorie, welcher unter der Erde emporschießt und aus Mangel an Licht blei wird. Die Brüsseler dickwurzelige Cichorie, wie man diese Pflanze nennt, hat ungetheilte, breite und aufrecht stehende Blätter: sie hat viele Aehnlichkeit mit der als Kaffee-Surrogat dienenden Magdebur- ger Cichorienart, welche übrigens auch als Gemüse benußt werden fönnte, während die Braunschweiger Art mit \{chmalen, gekerbten und zershlißten Blättern, welche ihren Schößling übec dem Boden ent- wickelt, fich nicht zum Gemüse eignet.
Die Bestätigung der Seitens der Vereinsbank Quistorp ihrer Gläubigerschaft gemachten und von der leßteren mit großer Mehr* heit genehmigten Afkordanträge is durch das hiesige Stadtgericht versagt worden.
— Nah einer Veröffentlihung des Bunds -der Bau-, Maurer- und Zimmermeister Berlins können gegenwärtig hier mindestens noch 800--1000 Maurer zu dem Tageslchnsaße von 4—5 M Be- schäftigung finden, da die Bauthätigkeit sich dermaßen entfaltet hat, daß aus Mangel an Arbeitskräften vielfach Bauten haben licgen bleiben müssen.
— Aus dem Recnungsabschlusse der Gothaer Lebens- versicherungsbank für 1874 kann vorläufig mitgetheilt werden, daß die Ergebnisse dieser Zeitperiode günstige waren. Von 4643 auf eine Versiherungssumme von 9,998,300 Thlrn. gerichteten Anträgen wurden 3948 mit 8,319,200 angenommen, Ver- glichen mit diesem ansehnlichen Zugang hielt \\{ch der Ab- gang an bestehenden Versicherungen in mäßigen Grenzen. Auch die Sterblichkeitsverhältnisse waren günstig. Jm Ganzen hatte die Bank während des vorigen Jahres 1,696,9./0 Thlr. für 902 Ge- storbene zu vergüten. Die Zahl dieser Sterbefälle beträgt etwa 110 weniger, als die angenommene Sterblichkeitäliste erwarten ließ, und der dafür zu vergütende Betrag steht um 207,027 Thlr. unter der rechnungsmäßigen Erwartung. Nah Abzug des Abganges wurde ein reiner Zuwachs an Versicherungen von 5,711,960 Thlr. gewonn-n. Am Schlusse des Jahres waren bei der Bank 44,644 Personen mit 82,708,500 Thlr. versichert. Die Ein- nahme der Bank im vorigen Jahre belief sich auf 4,110,067 Thlr, worunter 985,892 Thlr. Zinsen von ausgeliehenen Geldern begriffen find. Da fi die Ausgabe für Sterbefallzahlungen, Dividenden u. \. w. auf 2,765,639 Thlr. beschränkte, so wuhsen von obiger Einnahme dem Bankfonds 1,344,428 Thlr. zu und erhoben denselben auf 22,085,046 Thlr. Hiervon sind 15,574,789 Thlr. für Prämienreserve, 1,493,223 Thlr. für Prämienüberträge, 396,102 Thlr. für sonstige Passiva und 4,616,941 für die den Sicherheitsfonds ausmachenden reinen Ueberschüsse bcgriffen. Diese reinen Ueberschüsse kommen in den nächsten 5 Jahren (1875 mit 37 % der Prämie) an die Versicherten zur Vertheilung, Das Jahr 1874 allein gewährte cinen reinen Ueberschuß von 1,143,948 Tblr., den höchsten bis dahin in einem Jahre erübrigten Betrag. Der Verwaltungskosten-Aufwand beträgt einshließlich aller Agenturprovisionen nicht ganz 51 % der Jahres- einnahmen.
— Eine der größten Brauereien der VereinigtenStaaten von Nordamerika ist Conrad Snipps (früher Snipp und Leh- mans) Branerei in Chicago. Einer Schilderung der Chicago „Tri- bune“ zufolge sind in dieser im Jahre 1856 von Conrad Snipp ge- gründeten Brauerei gegenwärtig hundert Personen beschäftigt ; sehszehn Wagen und \cch8zig Pferde besorgen die Ablieferung des Biers, von welchem sährlih hunderttausend Faß fast aus\cließlich für den Stadt- fonsum gebraut werden, An Malz werden jährlich 303,000 Bushel urd an Hopfen 300,000 Pfund verbrauht. Das in diesem großen Etablissement, welhes dur ein eigenes Seitengeleise mit der Eisen- bahn in direkter Verbindung steht, angelegte Geschäftskapital beträgt eine Million Dollars.
Wie der „O. Anz." berichtet, wird mit Eifer an der Her- stellung der Eisenbahnstrecke Leo b\{chüß-Neisse gearbeitet, Das bedeutendste Bauobjekt dieser Eisenbahnlinie ist der riesige Damm bei Rasselwitz ; dieser Damm if 1700 Meter lang, 18 Meter hoch und sein Körper enthält 600,000 Kubikmeter Erde und Stein, Den Bau führt der Bauunternehmer Karl Weißhuhn, welcher die Arbeit bis zum April 1876 kontraktmäßig zu Ende führen muß. Das Material wird nächst dem Bahnhofe zu Deutsch-Rasselwiß gewonnen und auf eine Entfernung von 1700 Metern transportirt. Zu diesem Behufe werden 2 Lokomotiven von je 30 Pferdekraft und 200 Rollwagen verwendet. Jn dem Damme befinden sich 3 Unterfahrten von 74 bis 10 Meter Breite, 2 Durchläfse von je 3 Meter Breite und ein Viadukt mit 4 Oeffnungen von je 127 Meter Spannweite und 154 Meter Höhe bis zum Gewölbsabschlusse vom Wasserspiegel des durchfließzenden Hoßenploßhaches.
— In der Hofbuchdruckerei von Carl Friese in Magdeburg erschien in handliher Form ein am 15. Maîï - ausgegebenes „Nord- deutshes Eisenbahn-Coursbuch*“, bearbeitet im technischen Bureau des Direktoriums der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn- Gefellshaft. (Preis 50 Pf.)
Wien, 19, Mai. Für die zweite Hälfte dieses Monats ist die feierlihe Eröffnung der Schiffahrt in der regulirten Donau in Ausficht genommen.

References: Art. 2

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Art. 19

Art. 20
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