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Timestamp: 2019-11-18 01:27:57+00:00

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Frotscher/Geurts, EStG § 6 Bewertung / 10.2.9 Nachträgliche Anschaffungskosten | Haufe Personal Office Platin | Personal | Haufe
Zu den Anschaffungskosten gehören nach § 255 Abs. 1 S. 2 HGB auch die nachträglichen Anschaffungskosten. Somit können zu den ursprünglichen auch noch nach dem Anschaffungsvorgang anfallende Anschaffungskosten hinzukommen, nachdem das Wirtschaftsgut in die eigene Verfügungsmacht überführt und in einen betriebsbereiten Zustand versetzt worden ist. Die Rspr. versteht unter nachträglichen Anschaffungskosten sonstige Aufwendungen, die zwar zeitlich nach der Herstellung der Betriebsbereitschaft anfallen, die aber in einem unmittelbaren ursächlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Anschaffung stehen, insbesondere zwangsläufig im Gefolge der Anschaffung anfallen und die Benutzbarkeit und den Wert des Wirtschaftsguts erhöhen. Der Gesetzgeber hat bei den nachträglichen Anschaffungskosten vor allem Straßenanliegerbeiträge, Erschließungsbeiträge und verdeckte Einlagen im Auge gehabt.
Erschließungsbeiträge zur Finanzierung erstmaliger Anlagen werden beim Grund und Boden aktiviert. Erschließungsmaßnahmen erweitern im Allgemeinen die bisherige Nutzbarkeit des Grundstücks. Sie dienen der Baureifmachung des Grundstücks, geben ihm damit ein besonderes Gepräge und erhöhen seinen Wert. Es ist unerheblich, ob Erschließungsbeiträge anfänglich entrichtet oder aufgrund geänderter Satzung erhoben werden (BFH v. 3.7.1998, a. a. O.). Demgegenüber sind Finanzierungsbeiträge für die Ersetzung oder Modernisierung bereits vorhandener Erschließungsanlagen sofort als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar. Wird ein bereits erschlossenes Grundstück durch eine weitere Straße erschlossen, so sind die Beiträge für die Zweiterschließung nur dann als nachträgliche Anschaffungskosten des Grund und Bodens zu behandeln, wenn sich der Wert des Grundstücks aufgrund einer Erweiterung der Nutzbarkeit oder einer günstigeren Lage erhöht; eine Werterhöhung aus anderen Gründen ist hingegen in diesem Zusammenhang unbeachtlich. Diese Grundsätze gelten auch dann, wenn ein bislang durch einen Privatweg an das öffentliche Straßennetz angebundenes Grundstück zusätzlich durch eine erstmals errichtete öffentliche Straße erschlossen wird.
Den Begriff der Anschaffungskosten – und zwar insbesondere den der nachträglichen Anschaffungskosten – hat die Rspr. im Bereich von im Privatvermögen gehaltenen Beteiligungen i. S. v. § 17 EStG mit Rücksicht auf das die Einkommensbesteuerung bestimmende Nettoprinzip weit ausgelegt. Als nachträgliche Anschaffungskosten kommen daher nicht nur Nachschüsse i. S. v. § 26 GmbHG und verdeckte Einlagen in Betracht, sondern auch sonstige durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasste Aufwendungen, sofern sie nicht Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen oder Veräußerungskosten i. S. v. § 17 Abs. 2 EStG sind, wie Verluste aus Finanzierungsmaßnahmen des Gesellschafters in Gestalt von eigenkapitalersetzenden Darlehen oder Bürgschaften. Diese Rspr. gilt jedoch nicht für das Betriebsvermögen. Hier führen eigenkapitalersetzende Darlehen oder Bürgschaften nicht zu nachträglichen Anschaffungskosten auf eine Beteiligung. Die Darlehensforderung ist ein eigenständiges Wirtschaftsgut im Betriebsvermögen des Gesellschafters. Anschaffungskosten entstehen erst, wenn der Gesellschafter aus gesellschaftsrechtlichen Gründen auf das Darlehen oder als Bürge auf seine Rückgriffsforderung verzichtet (BFH v. 18.12.2001, a. a. O.). Tut er dies jedoch in der Krise der Gesellschaft, so werden der Teilwert seiner Forderung und damit seine nachträglichen Anschaffungskosten im Allgemeinen 0 EUR betragen.
Die weite Auslegung des Anschaffungskostenbegriffs für im Privatvermögen gehaltene Beteiligungen i. S. v. § 17 EStG gilt vor allem für eine Wertminderung oder einen Ausfall eines Darlehensrückzahlungsanspruchs aufgrund eines vom Gesellschafter der Gesellschaft gewährten eigenkapitalersetzenden Darlehens oder für den Ausfall des Gesellschafters mit einem Rückgriffsanspruch aus einer aufgrund des Gesellschaftsverhältnisses übernommenen Bürgschaft. Ist die Beteiligung bei Entstehung nachträglicher Anschaffungskosten bereits weggefallen, so mindern sie nachträglich den Veräußerungsgewinn. Die Verwaltung wendet diese Rspr. nunmehr an.

References: § 6
 § 255
 § 17
 § 26
 § 17
 § 17