Source: http://www.oeglb.at/gebaerdensprache/faq-2-sprachliche-barrierefreiheit/
Timestamp: 2019-10-21 07:49:18+00:00

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Barrierefreiheit bedeutet, Gegenstände, Medien und Einrichtungen so zu gestalten, dass sie von jedem Menschen ohne Einschränkungen genutzt werden können, auch von Menschen mit einer Behinderung oder Einschränkung. Eine barrierefreie Gestaltung ermöglicht allen die ungehinderte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Barrierefreiheit umsetzen bedeutet also, eine Umgebung zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen und in der jede/r partizipieren kann. Barrierefreiheit betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern bedeutet ein Vorteil für alle.
Rechtsgrundlagen barrierefreier Information und Kommunikation
Auf nationaler und internationaler Ebene existieren zahlreiche Regelungen im Zusammenhang mit Barrierefreiheit und der Bekämpfung von Diskriminierung. Dazu gehören auch die folgenden Bestimmungen: die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz (BGStG), das Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG), sowie das Bundesverfassungsgesetz (B-VG). Ziel dieser Regelungen ist es, verstärkt und gezielt Diskriminierungen bzw. Benachteiligungen von gehörlosen Menschen zu beseitigen und zu verhindern und somit die gleichberechtigte Teilhabe dieser Menschen am Leben in der Gesellschaft, insbesondere in der Arbeitswelt sowie in der Informationsgesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen (siehe §1 BGStG).
Chancengleichheit gehörloser Menschen im Alltag, am Arbeitsplatz, in Wirtschaft und Gesellschaft setzt barrierefreie Kommunikation und barrierefreien Informationszugang sowie ungebrochenes Engagement aller Beteiligten voraus, beispielsweise indem Informationen und Angebote barrierefrei mittels ÖGS zugänglich sind. Denn Chancengleichheit ist nicht nur ein juristischer Passus, sondern muss auch tatsächlich umgesetzt werden.
Gleichheitssatz der Österreichischen Bundesverfassung
Art.7 Abs.1
“Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behinderten und nicht behinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens zu gewährleisten.“
Österreichisches Bundesgesetz über die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz - BGStG)
Artikel 1, §1
„Ziel dieses Bundesgesetzes ist es, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen oder zu verhindern und damit die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen.“
Artikel 1, §4: Diskriminierungsverbot
„Auf Grund einer Behinderung darf niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden.“
BGStG, Artikel 1, §6(5): Barrierefreiheit
1. Um behinderten Menschen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilnahme an allen Aspekten des Lebens zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen, um für behinderte Menschen den gleichberechtigten Zugang zur physischen Umgebung, Transportmitteln, Informationen und Kommunikation, einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die für die Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten zugänglich sind oder bereitgestellt werden, zu gewährleisten. Diese Maßnahmen, die die Feststellung und Beseitigung von Zugangshindernissen und -barrieren einschließen, gelten unter anderem für:
§ 1 (3) „Bei der Umsetzung der Ziele dieses Bundesgesetzes ist Vorsorge dafür zu treffen, dass behördliche Internetauftritte, die Informationen anbieten oder Verfahren elektronisch unterstützen, spätestens bis 1. Jänner 2008 so gestaltet sind, dass internationale Standards[1] über die Web-Zugänglichkeit auch hinsichtlich des barrierefreien Zugangs für behinderte Menschen eingehalten werden.“
Die WAI - Leitlinien des W3C (World Wide Web Consortium)
WAI ist die Abkürzung für „Web Accessibility Initiative“. Diese Initiative ist Teil des W3C (World Wide Web Consortium), das sich seit 1994 mit der Weiterentwicklung des WWW beschäftigt. Die Bereiche Anwendung, Dienstleistung und soziale Veränderungen stehen im Zentrum. Die WAI kümmert sich um Richtlinien für die Zugänglichkeit von Webdesign, die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines). Mittlerweile gibt es die WACG 2.0 Richtlinien. Diese sind entlang von vier Prinzipien aufgebaut, denen die einzelnen Richtlinien zugeordnet sind:
Prinzip 1: Alle Inhalte müssen wahrnehmbar (also zugänglich) sein.
Prinzip 2: Steuerelemente der Benutzerschnittstelle und Navigation müssen bedienbar sein.
Prinzip 3: Inhalte und Bedienelemente müssen verständlich sein.
Prinzip 4: Inhalt muss so robust sein, dass er zuverlässig von einer breiten Auswahl an Zugangssoftware interpretiert werden kann, einschließlich Hilfsmittel.
Die Einhaltung dieser Prinzipien ist in drei Ebenen von Erfolgskriterien bzw. Konformitätsstufen unterteilt. Der Einsatz von Gebärdensprachvideos ist in mehreren Richtlinien und Erfolgskriterien angesprochen: Gebärdensprachvideos sind alternativ zu Nur-Audio-Dateien (Richtlinie 1.1) und ergänzend zu voraufgenommenen (prerecorded) Audio-Inhalt (Erfolgskriterium 1.2.6) zu verwenden. Informationen über die Position einer Userin auf einer Website kann in Gebärdensprache bereitgestellt werden (Erfolgskriterium 2.4.8). Textinhalte (Richtlinie 3.1) werden durch den Einsatz von Gebärdensprachvideos verständlicher. Dies gilt insbesondere auch für schwierige oder unbekannte Worte (Erfolgskriterium 3.1.3) oder Inhalte, deren Verständnis eine hohe Schriftsprachkompetenz voraussetzt (Erfolgskriterium 3.1.5).
[1] WAI-Leitlinien des W3C (World Wide Web Consortium)

References: §1

Art.7
 §1
 §4
 §6

§ 1