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Timestamp: 2016-10-23 18:03:09+00:00

Document:
1P.18/2007 (30.07.2007)
1P.18/2007 /daa
X.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Markus Weber,
Y.________, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanw�ltin Esther K�ng,
1. Kammer, vom 30. November 2006.
A.a X.________ wurde am 14. Februar 2005 der mehrfachen Vergewaltigung, eventuell der mehrfachen Ausn�tzung einer Notlage, der mehrfachen Drohung und des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage zum Nachteil von Y.________ angeklagt.
Das Bezirksgericht Muri f�llte am 23. November 2005 folgendes Urteil:
Der Angeklagte wird bez�glich des Vorwurfs der mehrfachen Vergewaltigung, des eventualiter erhobenen Vorwurfs der mehrfachen Ausn�tzung einer Notlage sowie bez�glich des Vorwurfs des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage von Schuld und Strafe freigesprochen.
Der Angeklagte ist schuldig der mehrfachen Drohung (Art. 180 StGB).
Gest�tzt auf die genannten Bestimmungen und in Anwendung von Art. 63 StGB wird der Angeklagte mit 7 Tagen Gef�ngnis und einer Busse von Fr. 400.-- bestraft.
Die Busse k�nnte bei schuldhafter Nichtbezahlung innert einem Monat seit Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils gem�ss Art. 49 Ziff. 3 StGB in 13 Tage Haft umgewandelt werden.
Gest�tzt auf Art. 41 Ziff. 1 StGB wird dem Angeklagten der bedingte Strafvollzug gew�hrt. Die Probezeit betr�gt 2 Jahre.
Die sichergestellten B�cher und Video-Spiele werden dem Angeklagten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils herausgegeben.
Der Angeklagte wird verpflichtet, der Zivilkl�gerin Y.________ Fr. 500.-- als Genugtuung zu bezahlen.
Das Begehren der Zivilkl�gerin um Zusprechung einer Parteikostenentsch�digung wird abgewiesen.
Die richterlich genehmigten Anwaltskosten von Fr. 14'948.45 (inkl. 7,6 % MWST im Betrag von Fr. 1'055.85) werden zu 1/5 mit Fr. 2'989.70 dem Angeklagten auferlegt und zu 4/5 mit Fr. 11'958.75 auf die Staatskasse genommen.
Die Kosten dieses Verfahrens werden ... zu 1/5 mit Fr. 943.-- dem Angeklagten auferlegt und zu 4/5 mit Fr. 3'772.-- auf die Staatskasse genommen."
A.b Die Zivilkl�gerin erhob gegen dieses Urteil Berufung mit den Antr�gen, in Gutheissung der Berufung seien Ziffern 1 und 6 des vorinstanzlichen Urteils aufzuheben, der Angeklagte der mehrfachen Vergewaltigung schuldig zu sprechen und zu verpflichten, der Zivilkl�gerin Fr. 15'000.-- als Genugtuung zu bezahlen, alles unter Kosten- und Entsch�digungsfolgen zu Lasten des Angeklagten.
Der Angeklagte erhob seinerseits Berufung mit dem Antrag, in Ab�nderung von Ziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils sei er bez�glich des Vorwurfs der mehrfachen Drohung freizusprechen. Ziffern 2 bis 4 des vorinstanzlichen Urteils seien ersatzlos aufzuheben. Auf die Zivilklage der Zivilkl�gerin sei nicht einzutreten. Die Gerichtskasse des Bezirksgerichts Muri sei anzuweisen, ihm die richterlich auf Fr. 14'948.45 festgesetzten Verteidigungskosten zu ersetzen, und die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 4'715.-- seien auf die Staatskasse zu nehmen, alles unter Kosten- und Entsch�digungsfolgen zu Lasten des Staates.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau beantragte mit Anschlussberufung, die Berufung des Angeklagten sei abzuweisen, in Ab�nderung von Ziffer 1 und 2 des vorinstanzlichen Urteils sei der Angeklagte zus�tzlich der mehrfachen Ausn�tzung einer Notlage schuldig zu sprechen und in Ab�nderung von Ziffer 3 Absatz 1 des vorinstanzlichen Urteils mit 10 Monaten Gef�ngnis sowie einer Busse von Fr. 400.-- zu bestrafen, alles unter Kostenfolgen zu Lasten des Angeklagten.
A.c Mit Urteil vom 30. November 2006 wies das Obergericht des Kantons Aargau, 1. Strafkammer, die Berufung der Zivilkl�gerin ab, soweit es darauf eintrat. Die Berufung des Angeklagten und die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft wurden ebenfalls abgewiesen. In Ab�nderung des erstinstanzlichen Urteils legte das Obergericht die erstinstanzlich genehmigten Anwaltskosten von Fr. 14'948.45 und die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 4'715.-- vollumf�nglich dem Angeklagten auf. Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 1'359.-- wurden dem Angeklagten und der Zivilkl�gerin zu je einem Drittel auferlegt und der Rest auf die Staatskasse genommen. Parteientsch�digungen wurden nicht zugesprochen.
X.________ hat gegen das Urteil des Obergerichts staatsrechtliche Beschwerde erhoben. Er beantragt, das angefochtene Urteil sei aufzuheben und zur neuen Beurteilung an das Obergericht zur�ckzuweisen, soweit ihm die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten auferlegt wurden und soweit ihm keine Parteientsch�digung f�r das erst- und zweitinstanzliche Verfahren zugesprochen wurde.
Das Obergericht und die Staatsanwaltschaft beantragen Beschwerdeabweisung. Y.________ als private Beschwerdegegnerin (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragt Abweisung der Beschwerde, soweit damit eine Neuverlegung der obergerichtlichen Verfahrenskosten verlangt werde. Der Beschwerdef�hrer hat eine Stellungnahme zur Vernehmlassung des Obergerichts eingereicht.
Das angefochtene Urteil erging am 30. November 2006 und damit vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes �ber das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) am 1. Januar 2007. Demzufolge richtet sich das Beschwerdeverfahren nach dem bisherigen Recht (Art. 132 Abs. 1 BGG, e contrario).
Der Beschwerdef�hrer macht eine willk�rliche Anwendung des kantonalen Strafprozessrechts bez�glich der Kosten- und Entsch�digungsfolgen geltend. Daf�r steht die staatsrechtliche Beschwerde zur Verf�gung (BGE 124 IV 137 E. 2f S. 141). Die �brigen Sachurteilsvoraussetzungen sind ebenfalls erf�llt und geben zu keinen besonderen Bemerkungen Anlass. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
3.1 Art. 9 BV gew�hrleistet den Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willk�r behandelt zu werden. Willk�rlich ist ein Entscheid aber nur, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, insbesondere mit der tats�chlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderl�uft (BGE 132 I 13 E. 5.1 S. 17, mit Hinweisen).
3.2.1 Im Einzelnen macht der Beschwerdef�hrer geltend, die Neuverlegung der erstinstanzlichen Kosten- und Entsch�digungsfolgen im Berufungsverfahren verstosse gegen das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius). Da der erstinstanzliche Kostenentscheid weder von der Staatsanwaltschaft noch von der Zivilkl�gerin angefochten worden sei, sei diesbez�glich eine "relative Rechtskraftwirkung" eingetreten.
3.2.2 � 210 des Gesetzes vom 11. November 1958 �ber die Strafrechtspflege (Strafprozessordnung, StPO/AG) bestimmt, dass bei der Einlegung eines Rechtsmittels durch den Verurteilten oder zu seinen Gunsten durch die Staatsanwaltschaft die Entscheidung nicht zu Ungunsten des Verurteilten aufgehoben oder abge�ndert werden kann (Verbot der reformatio in peius).
Im vorliegenden Fall erhob die Beschwerdegegnerin Berufung, w�hrend die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung zu Ungunsten des Beschwerdef�hrers einlegte. Das Verbot der reformatio in peius kommt somit grunds�tzlich nicht zur Anwendung. Jedoch leitet der Beschwerdef�hrer daraus, dass weder die Beschwerdegegnerin noch die Staatsanwaltschaft die Kosten- und Entsch�digungsfolgen des erstinstanzlichen Urteils ausdr�cklich anfochten, den Eintritt der Rechtskraft der entsprechenden Dispositiv-Ziffer des erstinstanzlichen Urteils ab.
3.2.3 Nach � 221 des Gesetzes vom 11. November 1958 �ber die Strafrechtspflege (Strafprozessordnung, StPO/AG) hemmt das Rechtsmittel der Berufung den Eintritt der Rechtskraft f�r den angefochtenen Entscheid im Umfang der Anfechtung.
Das Institut der Teilrechtskraft gilt nach der aargauischen Rechtsprechung indessen nicht uneingeschr�nkt. So entschied das Obergericht, wenn die Anerkennung der Rechtskraft eines nicht angefochtenen Teils des vorinstanzlichen Strafurteils dazu f�hre, dass die Rechtsmittelinstanz in der Beurteilung eines zusammenh�ngenden Fragenkomplexes beschr�nkt w�rde, verstosse die strikte Anwendung von � 221 StPO/AG gegen die umfassende Anwendung des Strafgesetzbuches und damit gegen Bundesrecht. Die Abgrenzung der zul�ssigen von der bundesrechtswidrigen Teilrechtskraft sei damit im Einzelfall anhand der Formel vorzunehmen, wonach ein Urteilspunkt dann der Teilrechtskraft f�hig ist, wenn die angefochtenen Entscheidungsteile ohne dessen Ber�cksichtigung eine in sich selbst�ndige Beurteilung zulassen (Entscheide des aargauischen Obergerichts vom 25. Februar 1999, AGVE 1999 Nr. 23, und vom 12. Dezember 2002, AGVE 2002 Nr. 33).
Die zitierten Urteile betrafen die Frage, ob die den bedingten Strafvollzug betreffende Ziffer des Urteilsdispositivs in Rechtskraft erwachse, wenn die Staatsanwaltschaft das Urteil nur im Strafpunkt angefochten hat. Das Obergericht vertrat den Standpunkt, dass die Gew�hrung des bedingten Strafvollzugs eng mit der auszuf�llenden Strafe zusammenh�nge und deshalb, wenn die Staatsanwaltschaft zu Ungunsten des Angeklagten im Strafpunkt Berufung erhebe, nicht gesondert in Rechtskraft erwachsen k�nne. In einem solchen Fall sei das Obergericht an den Strafantrag der Staatsanwaltschaft nicht gebunden und k�nne etwa - ohne gegen das Verbot der reformatio in peius zu verstossen (� 210 StPO/AG) - auch eine 18 Monate �bersteigende Freiheitsstrafe aussprechen, welche die Gew�hrung des bedingten Strafvollzugs schon in objektiver Hinsicht ausschliesse. Diese Praxis wird vom Beschwerdef�hrer nicht in Frage gestellt.
3.2.4 Vorliegend vertritt das Obergericht in seiner Vernehmlassung die Auffassung, dass das von der Beschwerdegegnerin und der Staatsanwaltschaft angefochtene erstinstanzliche Urteil bez�glich der Kosten- und Entsch�digungsfolgen nicht teilrechtskr�ftig geworden sei, da diese stets nach dem Ausgang des Verfahrens verlegt w�rden und ihnen folgedessen keine eigenst�ndige Bedeutung zukomme. Demzufolge stehe das Verbot der reformatio in peius (� 210 StPO/AG) einer Ab�nderung des erstinstanzlichen Entscheids im Kostenpunkt nicht entgegen.
Diese Auslegung von � 221 StPO/AG entspricht der bisherigen kantonalen Rechtsprechung, wonach der Eintritt der Teilrechtskraft bei zusammenh�ngenden Fragenkomplexen nicht m�glich ist. Anders als bei der Frage der Teilrechtskraft einer Urteilsdispositiv-Ziffer �ber den bedingten Strafvollzug steht bei den Kosten- und Entsch�digungsfolgen zwar nicht die Anwendung von Bundesrecht (Gebot der umfassenden Anwendung des Strafgesetzbuches) und damit die bundesrechtskonforme Auslegung von � 221 StPO/AG zur Diskussion. Es ist jedoch einleuchtend und demzufolge verfassungsrechtlich haltbar, � 221 StPO/AG im Zusammenhang mit der strafprozessualen Bestimmung �ber die Kostenverlegung (� 164 StPO/AG) auszulegen, welche sich in der Regel nach dem Verfahrensausgang richtet und deshalb keine eigenst�ndige Beurteilung zul�sst. Dies gilt auch dann, wenn der erstinstanzliche Entscheid im Strafpunkt zwar best�tigt, das Verhalten des Angeklagten bez�glich der Kostenrelevanz (vgl. E. 3.3 nachfolgend) hingegen anders beurteilt wird. Nichts anderes ergibt sich im �brigen aus der vom Beschwerdef�hrer zitierten Kommentarstelle zur aargauischen Strafprozessordnung (vgl. Beat Br�hlmeier, Aargauische Strafprozessordnung - Kommentar, 2. Aufl., Aarau 1980, Rz. 6 zu � 210).
Die Auffassung des Obergerichts, der erstinstanzliche Entscheid erwachse bez�glich der Kosten- und Entsch�digungsfolgen nicht in Rechtskraft und d�rfe im Berufungsverfahren abge�ndert werden, selbst wenn dieser Punkt mit der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft nicht angefochten wurde, ist somit aus verfassungsrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden. Es kann daher offenbleiben, ob die Formulierung in der staatsanwaltlichen Anschlussberufung "unter Kostenfolgen zu Lasten des Angeklagten" sich nur auf das Berufungs- oder auch auf das erstinstanzliche Verfahren bezog.
3.3.1 Des Weitern ist der Beschwerdef�hrer der Auffassung, die Neuverlegung der erstinstanzlichen Kosten- und Entsch�digungsfolgen verstosse gegen das Willk�rverbot, soweit ihm unterstellt werde, er habe mittels D�monen- und K�fergeschichten die Beschwerdegegnerin zu sexuellen Kontakten gedr�ngt und damit ihre Pers�nlichkeitsrechte verletzt.
3.3.2 Gem�ss � 164 Abs. 3 StPO/AG entscheidet im Falle der Freisprechung oder Einstellung des Verfahrens das Gericht �ber die Verfahrenskosten und �ber die Entsch�digung des freigesprochenen Beklagten nach den Regeln, die bei der Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft gelten. Massgeblich sind somit � 139 und � 140 StPO/AG: Danach tr�gt in der Regel der Staat die Kosten der eingestellten Untersuchung (� 139 Abs. 2 StPO/AG). Sie k�nnen ganz oder teilweise dem Beschuldigten auferlegt werden, wenn dieser durch ein verwerfliches oder leichtfertiges Benehmen die Untersuchung verschuldet oder ihre Durchf�hrung erschwert hat (� 139 Abs. 3 Satz 1 StPO/AG). Gleichfalls kann dem Beschuldigten die Ausrichtung einer Entsch�digung verweigert werden (� 140 Abs. 1 Satz 2 StPO/AG).
3.3.3 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist aus verfassungsrechtlicher Sicht grunds�tzlich nicht ausgeschlossen, dem nicht Verurteilten Verfahrenskosten aufzuerlegen, wenn er in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise, d.h. im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden Grunds�tze, gegen eine geschriebene oder ungeschriebene Verhaltensnorm klar verstossen und dadurch das Strafverfahren veranlasst oder dessen Durchf�hrung erschwert hat (BGE 119 Ia 332 E. 1b S. 334, mit Hinweisen). Die �berbindung der Verfahrenskosten an den Beschuldigten bei Freispruch oder Einstellung des Verfahrens soll aber Ausnahmecharakter haben (BGE 116 Ia 162 E. 2c S. 171) und daher nur in Frage kommen, wenn es sich um einen klaren Verstoss gegen die fragliche Verhaltensnorm handelt (Bundesgerichtsurteil 1P.484/2002 vom 24. Januar 2003, E. 2.3.4, publ. in Pra 2003 Nr. 135 S. 725 ff., mit Hinweisen).
3.3.4 Vorliegend steht ein Verstoss gegen die aus dem Grundsatz "neminem laedere" abgeleiteten Pers�nlichkeitsrechte der Beschwerdegegnerin im Sinn von Art. 28 ZGB zur Diskussion. Eine Kostenauflage an einen nicht verurteilten Beschuldigten wegen zivilrechtlich schuldhaften Verhaltens kann sich grunds�tzlich auf Art. 28 ZGB st�tzen (vgl. Bundesgerichtsurteil 1P.65/2005 vom 22. Juni 2005, E. 4.3).
Das Bezirksgericht auferlegte dem Beschwerdef�hrer 1/5 der Verfahrenskosten und 1/5 der eigenen Anwaltskosten mit der Begr�ndung, er sei nur in einem nebens�chlichen Anklagepunkt (Erf�llung des Straftatbestandes der Drohung durch per SMS versendete Selbstmorddrohungen) schuldig gesprochen worden. Dagegen auferlegte das Obergericht dem Beschwerdef�hrer die erstinstanzlichen Verfahrenskosten und die eigenen Anwaltskosten vollumf�nglich, da dieser die Beschwerdegegnerin mittels D�monen- und K�fergeschichten zu sexuellen Kontakten gedr�ngt und durch dieses Verhalten ihre Pers�nlichkeitsrechte zus�tzlich verletzt habe, was zur Er�ffnung eines Strafverfahrens wegen Vergewaltigung resp. Ausn�tzung einer Notlage gef�hrt habe.
3.3.5 Wer in seiner Pers�nlichkeit widerrechtlich verletzt wird, kann zu seinem Schutz gegen jeden, der an der Verletzung mitwirkt, das Gericht anrufen (Art. 28 Abs. 1 ZGB). Die Pers�nlichkeitsrechte werden durch Angriffe auf die physische und die psychische Integrit�t verletzt; darunter f�llt auch ein Verhalten, das andere terrorisiert und ver�ngstigt und diese in ihrem seelischen Wohlbefinden gef�hrdet bzw. erheblich st�rt (Bundesgerichtsurteil 1P.188/2005 vom 14. Juli 2005, publ. in Pra 2006 Nr. 25 S. 177 ff., E. 5.3; Hans Michael Riemer, Personenrecht des ZGB, 2. Aufl., Bern 2002, Rz. 339; Henri Deschenaux/Paul-Henri Steinauer, Personnes physiques et tutelle, 4. Aufl., Bern 2001, Rz. 543a; Christian Br�ckner, Das Personenrecht des ZGB, Z�rich 2000, Rz. 610/ Anm. 119 und Rz. 617).
Allerdings kann nicht jede noch so geringf�gige Beeintr�chtigung der Pers�nlichkeit als rechtlich relevante Verletzung verstanden werden, sondern die Verletzung muss eine gewisse Intensit�t erreichen (BGE 125 III 70 E. 3a S. 75, mit Hinweisen). Auf die subjektive Empfindlichkeit des Betroffenen kommt es dabei nicht an. F�r die Beurteilung der Schwere des Eingriffs ist ein objektiver Massstab anzulegen (BGE 127 III 481 E. 1b/aa S. 483, mit Hinweisen).
3.3.6 Vorliegend wurde dem Beschwerdef�hrer in der Anklageschrift vorgeworfen, D�monengeschichten verwendet zu haben, um in der Zeit vom 1. September 1998 bis 2. August 2003 mehrfach mit der Beschwerdegegnerin gegen deren Willen den Geschlechtsverkehr vollziehen zu k�nnen. Er habe sie mit dem Erz�hlen dieser Geschichten psychisch unter Druck gesetzt, so dass sie den Geschlechtsverkehr entgegen ihrem Willen erduldet habe.
Gem�ss den im angefochtenen Urteil aufgef�hrten Aussagen der Beschwerdegegnerin habe diese insbesondere am Schluss der Beziehung nur noch wegen den vom Beschwerdef�hrer erz�hlten G�tter- und D�monengeschichten mit ihm geschlafen, da er sie massiv unter Druck gesetzt habe. Bei diesen Geschichten sei es darum gegangen, dass sie K�fer in sich h�tte, die irgendwelche D�monen geschickt h�tten, und dass sie wegen diesen K�fern zugrunde gehen w�rde, und nur die Spermien des Angeklagten sie retten k�nnten. Wenn sie nicht mit ihm schliefe, w�rden die K�fer sie vergiften sowie innerlich auffressen, und sie w�rde dadurch sterben. Der Beschwerdef�hrer habe ihr auch erz�hlt, nachdem er ihren Nacken wegen Schmerzen mit seinen angeblich heilenden H�nden massiert h�tte, dass sie mit ihm schlafen m�sse, da sie sonst vergiftet w�rde. Schliesslich habe er ihr auch angegeben, er habe starke Schmerzen, da Gott �ber ihn gekommen sei, und dieser verlange nun, dass sie mit ihm schlafe. Der Beschwerdef�hrer habe auch erw�hnt, dass der Gott Chrono ihm gesagt habe, er m�sse sie umbringen. In diesem Zusammenhang habe er ihr einen Dolch auf die Brust gesetzt und gemeint, Gott Chrono verlange dies.
3.3.7 Das Obergericht vertritt den Standpunkt, es sei nicht nachvollziehbar, wie die Beschwerdegegnerin die obskuren Geschichten des Beschwerdef�hrers glauben konnte. Die Beschwerdegegnerin sei w�hrend ihrer Beziehung zum Beschwerdef�hrer zwischen 17- und 22-j�hrig gewesen, habe die Sekundarschule sowie eine kaufm�nnische Lehre absolviert und sei daher als gut ausgebildet zu betrachten. Bei den absolut irrealen Erz�hlungen des Beschwerdef�hrers, welchen auch nur ein Mindestmass an Realit�tsbezug fehle, sei es nicht verst�ndlich, dass sich die Beschwerdegegnerin den W�nschen des Beschwerdef�hrers nicht widersetzt habe. Dies gelte umso mehr, als es sich beim Beschwerdef�hrer nicht um eine Autorit�tsperson, sondern um ihren um ein Jahr j�ngeren Freund gehandelt habe. Aus diesem Grund erachtete das Obergericht den durch das Erz�hlen der K�fer- und D�monengeschichten erzeugten Druck auf die Beschwerdegegnerin unter strafrechtlichen Aspekten als nicht relevant.
Nichts anderes ergibt sich bei der Beurteilung der Frage einer allf�lligen Pers�nlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 28 Abs. 1 ZGB, welche sich nicht nach den subjektiven Empfindlichkeiten der Beschwerdegegnerin, sondern nach einem objektiven Massstab richtet (vgl. E. 3.3.5 hiervor). Bei einer Durchschnittsperson im Alter und mit der Ausbildung der Beschwerdegegnerin in einer vergleichbaren Situation ist ohne weiteres anzunehmen, dass sie den fehlenden Realit�tsbezug der K�fer- und D�monengeschichten erkannt h�tte, und es demzufolge nicht zu ungewollten Geschlechtskontakten gekommen w�re. Dass sich die Beschwerdegegnerin trotz ihres subjektiven Unbehagens bez�glich der K�fer- und D�monengeschichten nicht vom Beschwerdef�hrer trennte, sondern weiterhin mit diesem Umgang pflegte, ist diesem nicht anzulasten. Eine f�r die Einleitung des Strafverfahrens wegen Vergewaltigung resp. Ausn�tzung einer Notlage urs�chliche Pers�nlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 28 Abs. 1 ZGB liegt nach dem Gesagten offensichtlich nicht vor.
Damit ist das obergerichtliche Urteil insoweit als willk�rlich zu betrachten, als durch die Neuverlegung der Kosten- und Entsch�digungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens die Stellung des Beschwerdef�hrers verschlechtert wird und diesem die Verfahrenskosten und die eigenen Anwaltskosten nicht nur zu je 1/5, sondern je vollumf�nglich auferlegt werden.
Die staatsrechtliche Beschwerde erweist sich im Punkt der Kosten- und Entsch�digungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens als begr�ndet, soweit der Beschwerdef�hrer die erstinstanzlichen Kosten- und Entsch�digungsfolgen nicht nur zu 1/5, sondern vollumf�nglich zu tragen hat, und ist dementsprechend gutzuheissen. Ausgangsgem�ss sind die den Beschwerdef�hrer betreffenden Kosten- und Entsch�digungsfolgen des obergerichtlichen Verfahrens nochmals neu zu verlegen und wird die Pr�fung der diesbez�glich vorgetragenen R�gen hinf�llig.
Bei diesem Ausgang des bundesgerichtlichen Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 156 Abs. 2 OG). Hingegen hat der Kanton Aargau dem obsiegenden Beschwerdef�hrer eine angemessene Parteientsch�digung zu zahlen (Art. 159 Abs. 1 und 2 OG). Die Ausrichtung einer Parteientsch�digung an die Beschwerdegegnerin ist unter den gegebenen Umst�nden nicht gerechtfertigt.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen und Dispositivziffer 4 bis 6 des angefochtenen Urteils des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht, 1. Kammer, vom 30. November 2006 aufgehoben.
Der Kanton Aargau hat den Beschwerdef�hrer f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 2'500.-- zu entsch�digen.
Der Beschwerdegegnerin wird f�r das bundesgerichtliche Verfahren keine Parteientsch�digung zugesprochen.
Dieses Urteil wird den Parteien, der Staatsanwaltschaft und dem Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 63
 Art. 49
 Art. 41
e contrario
 Art. 9
 Art. 41
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28