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Timestamp: 2020-02-17 18:25:20+00:00

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Der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau in der ...
von Birte Wachtel (Autor)
Magisterarbeit 2007 146 Seiten
2. Exkurs: Olympische Spiele
3. Der Weg zu zwei deutschen Olympiamannschaften
3.1 Ziel: nationale Souveranitat
3.2 Hallstein-Doktrin
3.3 „Spalterflagge“ und die „Hymne an die Freude"
3.4 Die Sowjetunion mischt sich ein
3.5 Regelverstofte belasten das Verhaltnis zwischen DDR und BRD
3.6 Neue Ostpolitik
3.7 Der „innerdeutsche“ Oder „deutsch-deutsche“ Sportverkehr
3.8 Die Bedeutung der Olympischen Spiele fur die DDR
3.9 Verhaltnis Sport und Staat
4. Geschichte des Boykotts
4.1 Boykotte vor
4.2 Der Boykott 1980 - Ausgangslage
4.3 Staatengeflecht, wer boykottierte ?
5. Besonderheiten der Medienlandschaft der DDR im Vergleich mit der BRD
5.1 Presse- und Informationsfreiheit
5.2 „Funktionare der Arbeiterklasse"
5.3 Aufgabe der Medien
5.4 Die Medien und der „Klassenfeind“
6. Vorgehensweise bei der Auswertung der west- und ostdeutschen Presse
6.1 Frankfurter Allgemeine Zeitung
6.1.1 Vorstellung der Zeitung
6.1.2 Afghanistaninvasion
6.1.3 Boykottdiskussion
6.1.4 Olympische Spiele
6.1.5 Verhaltnis zum Klassengegner
6.2 Bild-Zeitung
6.2.1 Vorstellung der Zeitung
6.2.2 Afghanistaninvasion
6.2.3 Boykottdiskussion
6.2.4 Olympische Spiele
6.2.5 Verhaltnis zum Klassengegner
6.3 Neues Deutschland - Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
6.3.1 Vorstellung der Zeitung
6.3.2 Afghanistaninvasion
6.3.3 Boykottdiskussion
6.3.4 Olympische Spiele
6.3.5 Verhaltnis zum Klassengegner
6.4 Junge Welt - Organ des Zentralrats der FDJ
6.4.1 Vorstellung der Zeitung
6.4.2 Afghanistaninvasion
6.4.3 Boykottdiskussion
6.4.4 Olympische Spiele
6.4.5 Verhaltnis zum Klassengegner
7. Auswirkungen des Boykotts
I: Lizenzurkunde
II: Hinweise fur die Zeitungen
III: Honeckers Terminschwierigkeiten
IV: „Sowjets raus aus Afghanistan!"
V: US-Prasident gegen Mischa
Medien und Sport sind untrennbar miteinander verbunden. Sport braucht die Medien und die Medien brauchen den Sport. Die grofte Aufmerksamkeit, die Sportveranstaltungen wie Olympischen Spielen gewidmet wird, kann dabei leicht fur politische Zwecke missbraucht werden.
Das Thema Olympia-Boykott ist aktuell: Mehrere Abgeordnete der Republikanischen Partei von US-Prasident George W. Bush fordern wegen der Missachtung der Menschenrechte in China einen Boykott der im August 2008 beginnenden Spiele in Peking.
Gunter Nooke, der Beauftragte fur Menschenrechte der Bundesregierung, halt allerdings davon uberhaupt nichts. Auch er verurteilt, wie seine amerikanischen Kollegen, die Verachtung der Menschenrechte, die bekampft werden musse, aber die Vergabekriterien des IOC seien nicht an politischen Zielsetzungen orientiert. Wichtig sei, dass die Medien nicht nur uber die sportlichen Erfolge berichten, sondern auch auf die menschenrechtlichen Missstande hinweisen. Eine umfassende Berichterstattung sei insbesondere deshalb wichtig, weil China, wie jedes andere Land auch, versuchen werde, die Olympischen Spiele als Werbung fur das eigene Land und fur die internationale Aufwertung zu nutzen.
Die Spiele als Aushangeschild der Nation machte sich schon die Sowjetunion zu Nutzen, als der Eiserne Vorhang noch nicht gefallen war. Obwohl es die Sowjetunion nicht mehr gibt, so wirkt doch das mit den Olympischen Spielen von 1980 in Moskau errungene Prestige nach.
Die Medien, die mit groftem finanziellen Gewinn von den Sportereignissen berichten, bereiten die internationale Buhne, auf der auch politische Ansichten weitergegeben werden konnen.
In der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, wie sich Politik versucht, sich den Sport zu eigen zu machen, um Positionen gegenuber anderen hervorzuheben, durchzusetzen und zu festigen.
Die Darstellung und die Analyse der krisenhaften Situation des Boykotts der Olympischen Spiele im Zuge der Invasion Afghanistans, durch die UdSSR soll inhaltsanalytisch im Spiegel der ost- und westdeutschen Presse dargestellt werden. Dazu wurden die beiden westdeutschen Zeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung und Bild, sowie die ostdeutschen Publikationen Neues Deutschland und Junge Welt ausgewertet. Die vier Zeitungen wurden aufgrund ihres Verbreitungsgrads und ihrer hohen Bekanntheit bei der Bevolkerung ausgewahlt. Ein erganzendes Auswahlkriterium bei den westdeutschen Zeitungen war die Unterschiedlichkeit der beiden Tageszeitungen.
Alternativ hatte noch die Ost-Sportzeitschrift Deutsches Sportecho analysiert werden konnen, aber hier fehlte ein westdeutsches Pendant.
Der Untersuchungszeitraum der Zeitungen beginnt mit dem Beschluss der NATO, weitere Mittelstreckenraketen in Westeuropa zu stationieren und endet mit den Berichten von der Abschlusszeremonie im Lenin-Stadion. Der Zeitraum ist deshalb so weit gefasst und nicht nur auf die zwei Wochen beschrankt, in denen die Wettkampfe stattfanden, weil es im Vorfeld der Spiele zu einer massiven Spannungserhohung zwischen den Positionen des Westen und des Ostens kam, die ihren Widerhall in den Zeitungen fanden.
Die Spannungen bauten sich mit dem Beschluss der NATO zur Raketenstationierung auf und steigerten sich durch Ereignisse wie die amerikanische Boykottandrohung und die bundesdeutsche Solidaritatsbekundung mit den USA. Der Hohepunkt war die Entscheidung des NOK der Bundesrepublik, keine Mannschaft zu den Olympischen Spielen zu entsenden.
Die Ausgangsthese ist, dass sich die Berichterstattung in den Printmedien der BRD von der DDR-Presse auf verschiedenen Ebenen wegen unterschiedlicher Interessen und Zielsetzungen unterscheidet. Grundannahme ist, dass die SED uber die Art und Weise der Berichterstattung in den Zeitungen Einfluss auf die Bevolkerung nehmen wollte, um ihre Ideologie zu festigen und weiter zu verbreiten. Darunter fallen die Selektion der Themen, uber die berichtet wird, sowie die Darstellungsform und die Wortwahl.
Insbesondere wird auf typische Sprachfloskeln und Ausdrucksweisen geachtet, die ideologisch besetzt. Manche Formulierungen scheinen daruber heute im allgemeinen Sprachgebrauch wertfrei oder zumindest weniger politisch aufgeladen, als sie es noch vor 30 Jahren waren.
Im ersten Teil der Arbeit sollen zur Darstellung des politischen Hintergrunds die zwischenstaatlichen Beziehungen und die Entwicklungen der beiden Lander erlautert werden. Aufterdem soll die Bedeutung der Diskussion um die Olympischen Spiele fur die Staatenbildung im internationalen Kontext verdeutlich werden, da es der DDR es in dieser Zeit um die internationale Anerkennung mit alien Mitteln ging. Auf der anderen Seite versuchte die BRD dies auf vielfaltige Weise zu verhindern.
Die Beeinflussung, Steuerung und Einvernahme der Medien durch die Sozialistische Einheitspartei ist ein besonderes Merkmal der DDR-Politik - nicht unahnlich der Gleichschaltung der Presse in der Zeit des Nationalsozialismus. Dass die Presse fest in das politische System eingebunden war, ist ein Hinweis auf die immense Bedeutung, die ihr beigemessen wurde.
Weniger soll in dieser Arbeit die Beeinflussung der Bevolkerung durch die Medien untersucht werden, hierbei sollen vor allem die Motive der Agierenden aufgedeckt werden.
Das deutsch-deutsche bzw. innerdeutsche Verhaltnis war ein Besonderes - in Hinsicht auf die geografische Nahe und die gemeinsame Historie. Der Umgang der beiden deutschen Staaten miteinander hatte deswegen eine gesteigerte Intensitat im Vergleich zu den Auseinandersetzungen zwischen den USA und der UdSSR. Letztgenannte begegneten sich fast nur auf weltpolitischem Parkett, wahrend in Deutschland kleinere Begegnungen im Vordergrund standen. Eine Form des Austauschs waren die sportlichen Wettkampfe, die auf Seite der Bundesrepublik vom Deutschen Sportbund (DSB) und auf Seite der DDR vom Deutschen Turn- und Sportbund organisiert wurden. Dieser regelmaftige Kontakt zwischen den Menschen des geteilten Landes war vor allem der Bundesregierung wichtig. Die SED lieft sich Ende der 70er Jahre nur auf eine Fortsetzung der Sportkontakte ein, weil sie okonomisch abhangig von der BRD war. Diese bilateralen Wettkampfe fanden nicht in der breiten Offentlichkeit statt, wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele, so dass das Ansehen des Staates nicht bedeutend vergroftert werden konnte.
Dieser Konflikt wird von Gunter HoIzweiGig in ,,Diplomatie im Trainingsanzug" ausfuhrlich beschrieben. In diesem Standardwerk werden nicht nur die sportpolitischen Beziehungen der beiden deutschen Staaten ausfuhrlich dargestellt, sondern wird auch die Bedeutung der Medien behandelt. In mehreren, auch fur die Erstellung dieser Arbeit genutzten Buchern, widmet sich Holzweiftig dem Aufbau und der Funktion der ostdeutschen Presse.
Auf die Struktur der Presselandschaft der DDR soll im funften Kapitel dieser Arbeit kurz eingegangen werden, da die Unterschiede in der Funktionsweise der Medien wichtige Kriterien sind, die bei einem Vergleich berucksichtigt werden mussen.
Die BRD befand sich in einem Dilemma: Deutsch-deutsche Sportbeziehungen und die „Hallstein-Doktrin“ verfolgten letztlich entgegengesetzte Ziele. Der menschliche Kontakt sollte nicht abreiften, wobei verhindert werden sollte, dass die Deutsche Demokratische Republik als souveraner Staat anerkannt wird, um eine moglichst schnelle Wiedervereinigung nicht zu gefahrden.
In Hans Joachim Teichlers Standardwerken konnen wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Verknupfung von Sport und Staat in der DDR gewonnen werden.
Viele Werke, die sich ausfuhrlich mit dem Thema des innerdeutschen Sportverkehrs beschaftigen, enden mit der Darstellung der 1970er Jahre.
Aufgrund der bundesdeutschen Teilnahme am Boykott 1980 wurden viele geplante Veranstaltungen von Seiten der DDR abgesagt. Dies lasst sich auch in den Veroffentlichungen uber diesen Zeitraum erkennen. Es wird viel uber den Boykott und dessen Auswirkungen fur die Olympische Bewegung geschrieben, aber wenig uber den deutsch-deutschen Austausch. Als im Januar 1981 wie ublich wieder die Termine fur die Sportveranstaltungen des kommenden Jahres vereinbart wurden und die Zahl der Begegnungen rucklaufig war, wurde in der Bundesrepublik Kritik laut, ob die Bemuhungen des DSB noch das gewunschte Ergebnis bringen wurden oder ob eine Einstellung uberfallig geworden war.
Angesichts dieser Entwicklungen soll in dieser Arbeit auch heraus gearbeitet werden, welche Auswirkungen der Boykott auf die deutsch-deutschen Beziehungen hatte und welche anderen Reaktionen und Folgen er hatte.
2. Exkurs Olympische Spiele der Moderne
Als Beweggrund fur Baron Pierre de Coubertins Wiederbelebung der Olympischen Spiele im Jahre 1896 wird die im 19. Jahrhundert weit verbreitete Affinitat zur Antike genannt. Die 1370 oder 776 vor Christus begonnenen Wettkampfe haben allerdings mit den modernen Spiele nur noch gemein, dass Sport eine zentrale Rolle spielt.
Die Neuauflage der Olympischen Spiele kann aber auch als der Versuch der Starkung von Frankreichs Macht und Glaubwurdigkeit bewertet werden. Nach der Niederlage gegen Preuften 1870 und der sich anschlieftenden Grundung des Deutschen Reichs wollte der Graf die Starke der Franzosen durch sportliche Erfolge beweisen.[1]
Die Wiedereinfuhrung der Olympischen Spiele beinhaltete von Anfang an eine politische Zielsetzung. Auch der Versuch, durch die Rolle des Gastgebers internationale Anerkennung zu erlangen, ist keine Erfindung des 21. Jahrhundert, sondern existierte bereits zwei Jahrhunderte zuvor. Genauso gab es bereits nationale Auseinandersetzungen, zunachst vor allem zwischen den Amerikanern und Briten.[2]
Obwohl die Grundung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) fur Deutschland bereits 1949 erfolgte, wurde es aufgrund der „ungeklarten Position Ostdeutschlands" erst 1951 in das IOC aufgenommen. Als Antwort darauf grundete die DDR ihr eigenes NOK und drangte ebenfalls auf die Akkreditierung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC).[3]
Durch Eingreifen der Bundesregierung und den USA wurde die Aufnahme jedoch verhindert und das „NOK des neuen Staates mit dem Namen Westdeutschland" zum „Chef de Mission" fur eine gesamtdeutsche Mannschaft gemacht.[4]
Einerseits war so der Anspruch, die BRD sportlich zu vertreten sichergestellt, andererseits mussten nun zwangslaufig Absprachen mit der Sportfuhrung der DDR getroffen werden.[5]
Diese Verhandlungen konnten unter Umstanden als politische Anerkennung der DDR ausgelegt werden, was die BRD keinesfalls begunstigen wollte.[6] Da es fur die Entsendung der Olympiamannschaft von 1952 zu keiner Einigung kam, gingen in Helsinki nur Sportler der Bundesrepublik an den Start. Allerdings erreichte die DDR in der Folgezeit „in 14 so genannten olympischen Sportarten" die Anerkennung der Fachverbande, durch ihre Beharrlichkeit auf sportpolitischer Ebene. Obwohl die BRD eine Politik der Isolierung verfolgte und die NATO-Partner zur Unterstutzung aufforderte, gelang der DDR im sportlichen Bereich ein enormer Vorstoft in Richtung staatlicher Anerkennung. 1955 konnte zwar die Anerkennung des NOK der DDR verhindert werden, aber das Projekt der gesamtdeutschen Mannschaft wurde bei den Olympischen Spielen 1956 wieder belebt.
Eine Befurchtung der westdeutschen Regierung war die ..Infiltration" und „Aufweichung", wenn es zu einer Mischung mit der .Elite der Systemhorigen" kommen wurde.[7]
Hardliner insistierten, dass es Verhandlungen mit dem „sowjetischen Unrechtsregime und anderen Satelliten der Sowjetunion uberhaupt nicht geben durfe."
Am 12.12.1952 kam es zum .Berliner Abkommen", das als Grundlagenvertrag auf dem Gebiet des Sports gewertet werden kann. Dieser Vertrag enthielt Bestimmungen uber parteipolitische Reden oder Ansprachen bei Sportbegegnungen, die Verpflichtung zur schwarz-rot-goldenen Flagge und das Bekenntnis zur gesamtdeutschen Mannschaft. Der westdeutschen Seite wurde eine gewisse Blauaugigkeit und Naivitat bei Abschluss des Vertrags nachgesagt, da ebenfalls die „Empfehlung...zur Aufnahme in die internationalen Sportorganisationen" aufgefuhrt wurde.[8] Wahrend die BRD beabsichtigte, es den ostdeutschen Sportler zu ermoglichen, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen, konnte diese Klausel auch zur Auflosung der gesamtdeutschen Mannschaften fuhren. So setzte sich Groftbritannien bereits 1952 fur die Anerkennung des ostdeutschen Sports ein, da ,zur Zeit in Deutschland zwei Regierungen bestunden und kein Mensch vorhersagen konne, wie lange dieser Zustand noch dauern wurde."[9]
Nach dem Motto „Von der Sowjetunion lernen, heiGt siegen lernen" wurden die sportlichen Ausbildungsstatten enorm ausgebaut, nachdem die Sowjetunion 1952 mit der Teilnahme an den olympischen Spielen ihren Konkurrenzkampf mit dem Westen nun auch auf das sportliche Gebiet ausgeweitet hatte. Der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht machte bereits 1955 deutlich, welches Ziel er verfolgte: „Die Sportier der DDR mussen die Mehrzahl der Meistertitel bei gesamtdeutschen Meisterschaften stellen." Der Aufruf zum Konkurrenzkampf mit Westdeutschland war erfolgt.[10] Der Wettkampf der Systeme wurde auf den Bereich des Sports ubertragen, der Sport wurde instrumentalisiert. Erfolge im Bereich des Sports sollten als Belege der Uberlegenheit des Systems gewertet werden.
Ende 1955 wurde von der Bundesregierung die nach dem Staatssekretar benannte Hallstein-Doktrin verfasst.[11] welche die Drohung enthielt, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen, sobald ein Staat die DDR anerkannte. Hintergrund waren Uberlegungen seitens Finnlands und Agyptens, in Ost-Berlin Handelsvertretungen mit konsularischen Rechten zu eroffnen.[12]
Die BRD geriet zunehmend in ein Dilemma: einerseits drohte sie mit dem Ende diplomatischer Beziehungen, andererseits verhandelte sie selbst mit dem Staat, auch wenn dies durch den Deutschen Sportbund (DSB), eine nicht-staatliche Organisation geschah,[13] dessen Anerkennung sie zu verhindern suchte.[14] Bundeskanzler Konrad Adenauer hoffte, dass es schneller zu einer Wiedervereinigung kommen wurde, wenn die DDR nicht als souveraner Staat anerkannt wurde.[15] Als einen moglichen Ausweg dachte die Bundesregierung uber den Boykott der Olympischen Spiele 1956 nach. Durch diese Nicht-Teilnahme ware das Problem der Mannschaftsaufstellung augenblicklich zunichte gemacht worden. Es erschien den beteiligten Politikern aber zu riskant, dass westdeutsche Sportler sich der ostdeutschen Mannschaft anschlieften wurden. Entscheidender aber war, dass der DDR somit das alleinige Reprasentationsrecht zugekommen ware, was unter keinen Umstanden hingenommen werden konnte.
Somit wurde die Losung mit der gesamtdeutschen Mannschaft als die ,,beste von allen schlechten Losungen" bewertet.[16]
Willi Daume, der Prasident des DSBs wollte sich aber uber die Politik absichern und forderte einen Kabinettsbeschluss, der sich fur eine gesamtdeutsche Mannschaft aussprach. Diese Entscheidung wurde bis zum Herbst 1962 herausgezogert und als es im November schlieftlich zur Abstimmung kam, wurde diese als geheim eingestuft. Der Grund dafur war die Einschatzung der Bundesregierung, dass das Unterordnen des Sports unter alle auftenpolitischen Zwecke unpopular war. Die Propagierung deutsch-deutscher Gemeinsamkeiten im Sport betrachtete die Offentlichkeit mit zunehmendem Zynismus.[17]
Es wurde nicht nur von Seiten der DDR als Zumutung empfunden, immer noch ,,in einer Mannschaft mit Aktiven beider deutschen Staaten starten [zu mussen]."[18] Dennoch hielt die BRD zumindest vorerst noch an dem Modell fest, um zum einen der Aufwertung der DDR im Bereich des Sports und zum anderen der Zwei-Staaten- Theorie entgegenzuwirken.[19]
3.3 „Spalterflagge“ und „Hymne an die Freude"
1959 fuhrte die DDR die Staatsfahne mit Hammer und Zirkel (spater auch als „Spalterflagge“ bezeichnet) ein und wenige Monate spater das rote Sportemblem, was fur erneuten Zundstoff fur die deutsch-deutschen Sportbeziehungen sorgte. Die Ersatzhymne, Beethovens „Ode an die Freude“ hatte vorerst die Diskussion um die Nationalhymne beendet.[20]
Jetzt musste eine Einigung bezuglich der gemeinsamen Flagge herbeigefuhrt werden. Das IOC griff Daumes Vorschlag auf, wie bereits 1956 die Flagge mit den funf olympischen Ringen vor dem schwarz-rot-goldenen Hintergrund zu verwenden [21] Diese Entscheidung rief nicht nur bei Bundeskanzler Adenauer, sondern auch bei anderen Politikern Emporung hervor. Der Bundeskanzler sah seine Auftenpolitik in Frage gestellt und war aufgebracht daruber, dass eine nichtstaatliche Organisation das Recht habe zu entscheiden, „welche Flaggen die Deutschen bei einer solchen Veranstaltung zu zeigen haben, wahrend alle anderen Staaten ihre Nationalflagge zeigen.“ Die neutrale Olympiafahne, die der „Tauwetterpolitik“ von Chruschtschow und Eisenhower entsprach, hielt der Bundeskanzler als nicht „mit der nationalen Wurde vereinbar.“[22]
Das Feld zu raumen und der DDR das alleinige Reprasentationsrecht einzuraumen, stand nicht zur Debatte. In dieser ausweglosen Situation versuchten die Politiker bei Reprasentanten des Sports, wie Willi Daume, einen Schuldigen zu finden.[23] Daume war der Meinung, dass die Notlosung in Form einer gemeinsamen Olympiamannschaft mittlerweile Teil des Wiedervereinigungsprojekts geworden und zu einem Politikum geworden war.[24] Der Flaggenstreit sei nur ein Teil des Gesamtproblems.[25] Die Trennung der Sportier wurde dementsprechend die Anerkennung der DDR nach sich ziehen.[26]
Im Jahr 1958 forderte die Sowjetunion die Amerikaner auf, ihre Truppen aus Berlin abzuziehen. Den Anstoft zur entstehenden Berlin-Krise hatte die Abwandlung des Vier-Machte-Bundnis' gegeben, das laut Sowjetunion zu einem Westbundnis inklusive BRD mutiert sei.[27] Sie drohte damit, ihre Truppen aus Berlin abzuziehen, was zur Folge gehabt hatte, dass die DDR zum Verhandlungspartner in Bezug auf den Zugang zu Westberlin geworden ware. Dies hatte zwangsweise zur Anerkennung der DDR gefuhrt, was die Politiker der BRD zu verhindern suchten, da sie moglichst schnell eine Wiedervereinigung herbeifuhren wollten.
Die Amerikaner betrachteten Berlin als Prestigeobjekt und waren nicht bereit, nachzugeben. Der amerikanische Prasident Kennedy besuchte daraufhin 1961 die ehemalige Hauptstadt des Deutschen Reiches. Er sprach sich fur eine schnelle Losung des Konflikts aus.[28]
In einer Rede an die Bewohner der Stadt, in der auch der beruhmt gewordene Satz ,,lch bin ein Berliner" fiel, sprach er sich fur die Deeskalation der Situation aus. Eine Wiedervereinigung war fur ihn zu einem Modellfall geworden, der bei einem weit in der Zukunft liegenden Sieg uber den Kommunismus eintreten konnte.[29] Auch als in Berlin der Mauerbau begann, lehnte Kennedy weiterhin jede militarische Intervention ab. Er befurchtete, durch das Versenden von Truppen die Lage noch weiter zu destabilisieren, so dass es ,,unter Umstanden eine Million Amerikaner[n] das Leben kosten konnte oder es sogar zu einer atomaren Auseinandersetzung kommen konnte.[30]
Der deutsche Auftenminister von Brentano auGerte, die „jedem Recht und jeder Menschlichkeit widersprechenden Gewaltmaftnahmen, die das Regime der Zone gegen die Fluchtlinge und Grenzganger ergriffen hat, lassen es kaum mehr vertretbar erscheinen, wenn weiterhin Sportveranstaltungen abgehalten werden, an denen Sportmannschaften der Zone teilnehmen."[31]
3.5 RegelverstoBe belasten das Verhaltnis zwischen DDR und BRD
Durch eine Nachzeichnung der Geschichte des deutsch-deutschen Sportaustauschs kann die Verflechtung von Sport und Politik aufgezeigt werden. Das Verhalten der jeweiligen Presseorgane wird vor diesem Hintergrund verstandlicher.
Der Deutsche Sportbund der Bundesrepublik Deutschland berichtete wiederholt davon, dass mehrfach Sportler von ihren ostdeutschen Kollegen zu politischen Aktionen gegen ihre eigene Regierung angestachelt wurden. So wird z.B. der offene Brief des Prasidiums des DTSB der DDR an den Deutschen Sportbund vom 26.8.1957 genannt, in dem die Sportler aufgefordert werden, sich bei der im September stattfindenden Bundestagswahl gegen Adenauer auszusprechen: ,,Keine Stimme den Vertretern der NATO-Politik! Keine Stimme der Partei des deutschen Imperialismus und Militarismus, der Adenauer-Partei!"[32] Aufterdem gab es Aktionen, die sich gegen die Europaische Verteidigungsgemeinschaft, die Pariser Vertrage oder die Einfuhrung der Wehrpflicht in der Bundesrepublik richteten.[33] Die Sportler
sollten sich fur die Umsetzung des Rapackiplans, die Konfoderation beider deutschen Staaten gemaft des Beschlusses der Volkskammer der DDR und des sowjetischen Friedensvertragsentwurfs und fur eine Freie Stadt Berlin einsetzen.[34] Aufgrund dieser politischen Einmischung sah sich der DSB 1961 gezwungen zu handeln und den sportlichen Austausch vorerst einzustellen. Das Berliner Abkommen von 1952, in dem klare Vorgaben zu gesamtdeutschen sportlichen Veranstaltungen festgeschrieben waren, unter anderem, dass keine parteipolitischen Reden gehalten wurden oder Staatsinsignien getragen werden sollten, mit Ausnahme der schwarz- rot-goldenen Flagge, bot dem DSB hier eine Handlungsgrundlage.[35] In den Statuten des DTSB hingegen war unter Paragraph eins folgende Formulierung zu finden: „Der DTSB bekampft entschieden alle Formen der reaktionaren burgerlichen ldeologie...wie die demagogischen Theorien...der politischen Neutralitat des Sports."[36]
In einer Erklarung des Organisationskomitees zur Grundung des DTSB wird noch deutlicher das Ziel des DTSB genannt: „Es ist ihre [Anm.: gemeint sind die Turner und Sportler der Deutschen Demokratischen Republik] patriotische Pflicht, die westdeutschen Turner und Sportler beim Spiel und Sportverkehr uber die verbrecherischen Plane der amerikanischen und westdeutschen Imperialisten und Militaristen aufzuklaren und sie gegen diese Krafte zu mobilisieren." Sportler wurden also instrumentalisiert. Das verdeutlicht, dass der Sport in den Dienst der Regierung, der Partei gestellt wurde. Nach Gewinnung dieser Kenntnisse rechnete der DSB mit weiteren Regelverstoften.
Nachdem die DDR wiederholt gegen die 1952 getroffene Vereinbarung verstoften hatte und selbst bei Sportveranstaltungen auf Dorfebene das in der Bundesrepublik verbotene Staatswappen der DDR getragen hatte, beschloss der DSB am 16. August 1961 erneut die Einstellung des sportlichen Austausches. Zuvor war entschieden worden, dass das Tragen des Staatswappens bei internationalen, nicht aber bei nationalen Sportveranstaltungen geduldet werde. Nicht erlaubt war die von der DDR gewahlte Staatsflagge mit Hammer und Sichel.[37]
In einem Brief an den Prasidenten des DTSB vom 10.05.1961 sprach sich Willi Daume, mittlerweile Prasident des DSB und des NOK der BRD, auch weiterhin fur eine gesamtdeutsche Mannschaft bei den olympischen Spielen aus und signalisierte seine Verhandlungsbereitschaft, die Kooperation auf sportlicher Ebene wieder aufzunehmen, sobald es lediglich um den sportlichen Austausch und nicht um den Versuch politischer Einflussnahme gehen wurde.
Ein Jahr zuvor hatte er sich dagegen so geauftert:
„Wenn man der Uberzeugung ist, daft die Trennung unvermeidlich kommt, daft sie nicht aufzuhalten ist und daft man sich den ewigen Erpressungen von Pankow widersetzen muft, dann ist die einzig mogliche und logische Konsequenz meines Erachtens der Bruch, und zwar der konsequente Bruch. Dann muft man den Mut haben, dem deutschen Volke [zu] sagen, daft eine Wiedervereinigung auf den St. Nimmerleins-Tag verschoben oder daft sie nur um den Preis der Bolschewisierung des anderen Teiles von Deutschland zu erreichen ist."
Diese Meinung vertrat der NOK Prasident auch bei einer lOC-Session 1962 in Moskau.[38]
Ich halte es nicht fur zufallig, dass die vorlaufige Einstellung des Sportaustauschs mit dem Mauerbau in Berlin zusammenfiel. Hier versuchte sicherlich auch die BRD politischen Druck auf die DDR auszuuben.
Die mit der Hallstein-Doktrin definierte auftenpolitische Vorgehensweise der Bundesrepublik konnte immer weniger eingehalten werden. Die Forderung nach Isolierung der DDR wirkte zunehmend weniger uberzeugend, da die BRD selbst regen Kontakt pflegte, auch wenn es nur auf sportlicher Basis war. Die NATO- Partner wollten diesen Kurs der Bundesregierung nicht mehr unterstutzen, auch wenn sie Verstandnis fur die problematische Lage hatten. Teilweise gab es aber keinerlei nationalen Gesetze, um beispielsweise das Hissen der DDR-Flagge zu unterbinden.[39]
Wahrend ein Motiv der BRD fur die sportliche Zusammenarbeit die Aufrechterhaltung der menschlichen Kontakte, nach druben war, so sah man ein, dass dies nur auf kleinerer Ebene bei Provinzmannschaften, weit ab von der internationalen Buhne moglich war, wo bei „Bier und Wurstchen nationale Nostalgie" aufkommen konnte.[40] Als es 1961 zum Mauerbau und somit zur physischen Abschottung der DDR kam, fuhrte dies letztendlich zu einer Anderung der Deutschlandpolitik der BRD.
1965 wird das NOK der DDR unter der Bezeichnung „Ostdeutschland“ anerkannt.[41] Aber die beiden deutschen Mannschaften sollen weiterhin „unter einer Fahne, einer Hymne und einem Emblem auftreten."[42]
Bei der Vierschanzentournee der Skispringer 1966/67 sieht die Bundesregierung groftzugig uber die DDR-Symbole hinweg, die noch ein Jahr zuvor zu einem Skandal gefuhrt hatten.[43] Grund dafur war der Uberdruss mit den deutsch-deutschen Auseinandersetzungen.[44]
Als sich die Bundesrepublik fur die Austragung der Olympischen Spiele 1972 in Munchen bewirbt, verlangt das IOC die ubliche Erklarung, dass alle Regeln des IOC eingehalten werden wurden, was auch die Zulassung der DDR-Symbole auf deutschem Boden beinhalten wurde.
Nach letzten zogerlichen, aber schlieftlich verworfenen Uberlegungen, ob Munchen fur die Zeit der Austragungen als staatenloses Gebiet erklart werden konnte, damit die Insignien der DDR nicht auf deutschem Boden geduldet werden mussen, stimmt die Bundesregierung dem zu.[45]
Wahrend die DDR ihren Sieg uber die Bundesrepublik feierte und ihre souverane Mannschaft stolz mit der Staatsflagge aufmarschierte, lag der BRD vielmehr daran, der Welt das neue Gesicht Deutschlands zu prasentieren, das sich uber Technik, Architektur und Design definierte.[46]
Der DSB und der DTSB waren die Verhandlungspartner, wenn es um die Organisation der sportlichen Begegnungen ging. Die wenigen Termine, an denen es zu Wettkampfen kam, mussten uber diese beiden Organisationen abgesprochen werden. Die DDR-Fuhrung hatte lieber direkt mit der Bundesregierung verhandelt, aber die war nicht dazu bereit, da sie die DDR nicht als ebenburtigen Verhandlungspartner anerkennen wollte.[47]
Bei allen im bundesdeutschen Ausland stattfindenden Wettkampfen reiste ein Funktionar mit, der dafur sorgte, dass das zuvor beidseitig abgestimmte Protokoll peinlichst genau eingehalten wurde. Jede Spontaneitat wurde somit im Keim erstickt. Um den Athleten moglichst wenig Raum zum personlichen Gesprach zu geben, wurden die Sportler der BRD und DDR beispielsweise an unterschiedliche Tische gesetzt.[48]
Uberhaupt durften nur solche Sportler ausreisen, die an einer ideologischen Schulung teilgenommen hatten. Bei dieser Belehrung wurden Verhaltenregeln ausgegeben und eine Warnung vor der westlichen Propaganda ausgesprochen. Es wurde Zuruckhaltung gegenuber Kontrahenten sowie der Presse gefordert.[49] Um dieses „dunne Gerust" des Austauschs nicht zu gefahrden, hielten sich DSB und Deutscher Fuftballbund (DFB) an die Abmachung, keine Abwerbungsversuche zu betreiben.[50]
Wenn Sportler aus der DDR fluchteten und sich in westdeutsche Dienste stellen wollten, so bekamen sie zunachst eine einjahrige Sperre. Dies sollte einerseits abschrecken, andererseits peinliche Momente verhindern.[51] Dennoch kam es vor, dass die DDR Wettkampfe absagte, weil Sportvereine „Uberlaufer“ in ihrer Mannschaft hatten.[52]
Bei Wettkampfen auf dem Gebiet der DDR kam es mitunter vor, dass keinerlei Ankundigungen gemacht wurden.[53] Sobald jedoch auch nur eine kurze Notiz in der Zeitung erschien, kamen beispielsweise tausende Fuftballfans zu den ost- westdeutschen Begegnungen.
Ebenso reisten circa 1.000 DDR-Anhanger des FC Bayern Munchens zu einem Spiel in der Tschechoslowakei an, was die SED dazu veranlasste, die Fans, die zum wiederholten Male Spiele von bundesdeutschen Vereinen besucht hatten, „politisch- operativ" zu bearbeiten. Die Partei wollte klaren, „woher bei sonst so staatsburgerlich verantwortungsbewusster Haltung diese Neigung" ruhrte[54]
Mit einer Verfassungsanderung vom 29. September 1974 wurden nicht nur Begriffe wie „deutsch" oder „Deutschland" aus der DDR-Verfassung eliminiert, sondern auch der Artikel acht, der das Streben nach einer Vereinigung Deutschlands beinhaltete. Damit wurden die Versuche der BRD, die Zwei-Staaten-Theorie, zumindest nach auften hin, aufter Kraft zu setzen, endgultig zunichte gemacht. [55] Insgesamt hatte der innerdeutsche Sport-Vergleich fur die SED nur eine geringe Bedeutung. Die Wettkampfe waren nicht reprasentativ genug und das Publikum zahlenmaftig zu gering, als dass es den Anspruchen der Partei, die Systemuberlegenheit zu demonstrieren, hatte genugen konnen.[56] Die BRD allerdings verstand diese Wettkampfe „als grenzuberschreitende Annaherung."[57]
Mangelgesellschaften wie die DDR und die UdSSR brauchten nicht-sozialistische Rivalen, um die Uberlegenheit ihres politischen Systems demonstrieren zu konnen.[58] Erfolgreiche sowjetische Sportler sollten die Uberlegenheit des sozialistischen Systems demonstrieren. Aufterdem waren diese Sportler Vorbilder nach innen fur den standigen aktiven Aufbau des Kommunismus.[59]
Sport wurde von beiden Nationen zum nation building benotigt. Die DDR hatte zwar nicht die Probleme eines Vielvolkerstaates wie Russland, aber Nationalbewusstsein und Nationalstolz musste dort ebenso erst aufgebaut werden.[60] Auch sollte die staatliche Anerkennung durch andere Lander erfolgen.[61]
Fur die DDR bot der Sport insbesondere in den funfziger und sechziger Jahren eine Chance zur Etablierung und zur Selbstdarstellung.[62]
Erich Honecker sagte 1976, dass die DDR in der Welt so respektiert sei, weil nicht nur ihre Topsportler so herausragende Leistungen bringen wurden sondern auch, weil Sport ein wichtiger Bestandteil eines jeden Burgers sei.[63] Die Wichtigkeit der Teilnahme an den Spielen als souverane DDR-Mannschaft wird besonders nach 1972 deutlich. Nachdem die Sportler der DDR mit ihrer eigenen Flagge auftreten durften und die Nationalhymne gespielt wurde, erreichte sie die diplomatische Anerkennung in der ganzen Welt.[64]
Fanden Wettkampfe ohne kapitalistische oder einfach nicht-sozialistische Gegner statt, dann verloren sie fur die DDR an Bedeutung, weil sie ihre Systemuberlegenheit nicht demonstrieren konnten[65]
Die Bedeutung des Sports war in der DDR von jeher groft. Es begann mit dem Versuch durch den Sport die staatliche Anerkennung zu erreichen. Als dieses Ziel erreicht worden war, wurde der Sport gezielt als Mittel der Auften-, Deutschland- und Innenpolitik eingesetzt. Der Sport sollte die Produktivitat und die Wehrkraft erhohen. Ebenso wurde er als Instrument zur Verbesserung der Volksgesundheit, bei der Verbreitung des sozialistischen Gedankenguts, der Ausrichtung der Jugend am Leistungsprinzip und der kollektiven Mobilisierung der Bevolkerung genutzt.[66] Nachdem der DDR bemerkenswerte Olympia-Siege gelungen waren, wurde das neue Ziel, die „kommunistische Fuhrungsdominanz im Weltsport angestrebt." In dem am 14. Dezember 1976 verfassten Leistungssportbeschluss zur Vorbereitung der Olympischen Spiele 1980 wird der Beschluss genannt, dass der „Triumph uber die
USA...trotz verstarkter Anstrengungen der imperialistischen Lander" in Moskau wiederholt werden soll.[67]
Diesem Beschluss folgte am 2. Dezember 1980 ein weiterer, der zum Inhalt hatte, dass nicht mehr die Bundesrepublik, sondern Amerika der Hauptkonkurrent sei. Es wurde der weitere Ausbau des Leistungssportsystems gefordert, das sich auch das Wissenspotential der DDR zu Nutzen machen sollte. Die sportliche Ausbildung sollte dabei mit der kommunistischen Erziehung einhergehen. Alle Leistungssportkader sollen zur „Liebe zur Arbeiterklasse" und zum „HaG gegen den Imperialismus und seine aggressiven Ziele", aber auch zu einer sportgerechten Lebensweise erzogen werden.[68]
Von Papst ist der Meinung, dass Sport keinen Freiraum darstellt, sondern eng mit der jeweiligen historischen Situation verknupft ist. Dadurch, dass Sport in standigem Austausch mit der ihn umgebenden Gesellschaft steht, wird er beeinflussbar, instrumentalisierbar und politisierbar.[69] Dies erfolgte in den beiden deutschen Staaten in unterschiedlicher Auspragung.
Wahrend in der Bundesrepublik der sportliche Austausch mit dem Ziel des menschlichen Austausches und des Zusammenhalts organisiert wurde, war der Sportverkehr von Seiten der DDR ein politisches Instrument.[70] „Liebe und Treue zur sozialistischen Heimat zeichnen die Sportlerinnen und Sportler aus, lassen sie aktiv teilhaben an der Starkung und Festigung des ersten deutschen Staates des Sozialismus, des Friedens und der Volkerfreundschaft, getreu dem Sportprogramm der DDR ,Bereit zur Arbeit und Verteidigung der Heimat!’ Verteidigungsbereitschaft und Wehrbefahigung werden durch vielseitiges korperliches Training gefordert und starken die Burger, die sozialistische Heimat vor allen Angriffen des Imperialismus, insbesondere des westdeutschen Imperialismus, zu schutzen..."[71] [72]
4.1 Boykotte vor 1980
Bereits vor 1980 war es im Zuge der Olympischen Spiele zur offenen Austragung politischer Konflikte gekommen.
Als 1931 die Spiele an Berlin vergeben wurden, ahnte das IOC nicht, dass Adolf Hitler die „Nazi-Olympiade“ eroffnen wurde. Im Vorfeld der Spiele von 1936 forderten vor allem die Amerikaner zu dem Boykott der Spiele auf. Es gelang Hitler jedoch den belgischen lOC-Prasidenten Graf Henri de Ballet-Latour zu uberzeugen, dass es wahrend der Veranstaltung zu keinen Rassendiskriminierungen kommen wurde. Ballet-Latour sah sich als Gewinner, da er seine Bedingungen hatte durchsetzten konnen. Er hatte jedoch lediglich das Feld fur eine der modernsten PR-Kampagnen fur Hitlers Drittes Reich geraumt[73]
Hatten die Russen zuletzt 1912 an olympischen Wettkampfen teilgenommen, so lehnte Lenin diese „als kapitalistisch-imperialistischen und reaktionaren Weihrauch ab.“[74] Die Sportspartakiaden[75] wurden zu einer olympischen Gegenbewegung, erreichten aber nicht deren Bedeutung.[76] Erst 1951 beantragten die Sowjets die Aufnahme in das IOC, welches sie zuvor „als eine politisch hochst suspekte Versammlung, hauptsachlich von Vertretern des Adels, der Bourgeoise, des Faschismus und des Kolonialismus“ bezeichnet hatten.[77]
Durch den von palastinensischen Terroristen verubten Anschlag 1972 in Munchen, der elf israelische Athleten das Leben kostete, wurde erneut deutlich, dass die sportlichen Wettkampfe nicht isoliert von Politik stattfinden.
Sudafrika wurde 1970 aufgrund der Rassentrennung im Sport von der olympischen Bewegung ausgeschlossen. Als Neuseeland 1976 gegen diesen Boykott verstieft und sportlichen Austausch betrieb, zogen 30 afrikanische, karibische und asiatische Lander ihre Zusage fur die Spiele in Montreal 1976 zuruck. Sie protestierten dagegen, dass das IOC ihren Antrag, Neuseeland auszuschlieften, abgelehnt hatte.[78]
Nach dem NATO-Doppelbeschluss vom 14. Dezember des gleichen Jahres war die Lage zwischen Ost und West bereits besonders angespannt.
Als am 27. Dezember 1979 sowjetische Truppen in die innerafghanischen Auseinandersetzungen eingriffen, war es der NATO-Generalsekretar Joseph Luns, der als erster von einem Olympiaboykott als Gegenmaftnahme sprach. Seiner Meinung nach liefte sich die Friedensidee der Olympischen Spiele nicht mit der sowjetischen Intervention vereinbaren. Schwere Volkerrechtsverletzungen seien nicht der Rahmen, in denen die Spiele stattfinden konnten, weil dadurch die allgemeine Glaubwurdigkeit des Sports gefahrdet wurde.[79]
Das amerikanische Wahljahr, das stets mit den Olympischen Spielen zusammenfallt, zwang Prasident Carter dazu, bereits fruh eine Stellungnahme abzugeben.[80] In zwei Fernsehansprachen im Januar 1980 drohte der Prasident mit dem Ruckzug der amerikanischen Mannschaft. Den Vorschlag des Auftenministers Cyrus Vance, die Olympischen Spiele von Moskau raumlich oder zeitlich zu verlegen, lehnte das IOC einstimmig ab, da es sich nicht von der Politik beeinflussen lassen wollte.[81]
4.3 Staatengeflecht, wer boykottierte und wer nicht?
Insgesamt nahmen an den Spielen 1980 81 Lander teil, wahrend 42 die Wettkampfe boykottierten und 23 andere auf eine Teilnahme verzichteten.[82] Sechs europaische Lander blieben den Wettbewerben fern, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, wahrend achtundzwanzig Nationen, wie Groftbritannien und Frankreich, Sportler nach Moskau schickten[83]
Trotz ihrer Teilnahme zeigten sich einige Lander nicht mit der Politik der Sowjetunion einverstanden und protestierten bei den Eroffnungs- und Abschlussfeiern.
Die Beneluxstaaten, Frankreich, Italien, San Marino und die Schweiz blieben der Eroffnungsveranstaltung fern, wahrend nur jeweils ein Offizieller Groftbritannien, Irland und Portugal mit der Olympiafahne und einer Tafel, die den Namen des jeweiligen NOK zeigte, vertrat. Australien, Andorra, Danemark und Puerto Rico zeigten sich nur mit der Olympiafahne und Spanien nur mit NOK-Fahne und NOK- Schild.
Die Abschlussfeier boykottierten zusatzlich zu denen, die bereits der Eroffnungszeremonie ferngeblieben waren, auch Puerto Rico und Andorra.
Auf ihre Landesfahne verzichteten Spanien, Neuseeland (bei der Eroffnung nur mit NOK-Fahne und Landernamen), Danemark, Australien, Portugal, Irland und Groftbritannien.
Die Sportler wollten damit deutlich machen, dass fur sie die Politik im Hintergrund stehe und sie primar wegen der sportlichen Ereignisse angereist seien.[84]
Im Fall der DDR-Medien wird von einer „Zensur ohne Zensor" gesprochen. Offiziell gab es in der DDR keine Zensur. Die Presse- und Meinungsfreiheit wurden gesetzlich garantiert und in der ersten Verfassung von 1949 fand sich auch noch der Zusatz „Eine Zensur findet nicht statt."[85] Stattdessen wurde quasi eine Selbstzensur vorausgesetzt. Die Journalisten bekamen teilweise vorgefertigte Texte, die sie zu verwenden hatten. Grundsatzliche Kritik an der SED war nicht gestattet. Genauere Definitionen finden sich im Strafgesetzbuch der DDR. Die unter dem Paragraphen einhundertsechs („Staatsfeindliche Hetze") genannten Straftatbestande schranken die Meinungsfreiheit erheblich ein.[86]
Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Artikel funf hingegen wird auch das Recht der Information aus allgemein zuganglichen Quellen festgeschrieben [87] Dadurch, dass die Verfassung der DDR diesen Zusatz nicht beinhaltete, konnte der Import von beispielsweise westdeutschen Zeitungen verboten werden[88] Welchen Stellenwert die Medien in der DDR hatten, macht die direkte Unterstellung des Allgemeinen Deutscher Nachrichtendienstes (ADN) unter das Politburo deutlich.[89] Diese, von der Funktion her mit der Deutscher Presseagentur (dpa) vergleichbare Institution, hat unter anderem die Aufgabe, ,,Presse, Rundfunk und Fernsehen in der Deutschen Demokratischen Republik aktuell und parteilich in Wort und Bild uber alle wichtigen und interessanten Ereignisse auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, sportlichem und sonstigen Gebieten ...[zuinformieren]."[90] Das Politburo wirkte auf alle gesellschaftlichen Bereiche ein, so auch auf den Sport. Die Funktion des Sports fur das System wurde in Beschlusse gefasst und unter anderem durch die Presse durchgesetzt.
Die einem Generalsekretar untergeordnete Abteilung „Agitation“ gab tagespolitische Weisungen aus. In der Abteilung Propaganda wurden langerfristig angelegte Strategien zur Offentlichkeitsarbeit entwickelt.[91] „Um dem Leser ein richtiges Bild von der objektiven Wirklichkeit in ihren Zusammenhangen zu vermitteln, wird die Auswahl der zu veroffentlichten Nachrichten, ihre Platzierung, die Zusammenstellung der einzelnen Fakten innerhalb einer Nachricht sowie die Wortwahl und Uberschriftengestaltung parteilich vorgenommen." Auf diese Weise begrundete das „Journalistische Handbuch der DDR“ die strengen Auflagen fur die Medien.[92] Grundsatzlich war es der Deutschen Post der DDR vorenthalten, Presseerzeugnisse zu befordern und zu vertreiben. Zeitungen und Zeitschriften, die nicht auf dieser Liste standen, waren nicht erhaltlich. Um auf diesen Verteiler zu kommen, musste beim Presseamt zuerst eine Lizenz beantragt werden. Alle Tages- und Wochenzeitungen, sowie alle anderen regelmaftig erscheinenden Zeitschriften, Pressespiegel und Nachrichtendienste (Einzige Ausnahme waren Betriebszeitungen) waren davon betroffen[93] Zwar herrschte vor allem Anfang der 1980er Jahre in der DDR Papiermangel,[94] weshalb eine gewisse Regulierung von Noten war, aber die Lizenzvergabe sollte vielmehr Systemkritikern die Publikationsmoglichkeit nehmen.[95] Erlaubt wurde nur die Veroffentlichung von Beitragen, die gesetzeskonform waren.
Wurde gegen die Auflagen verstoften, drohten dem Verfasser disziplinarische Maftnahmen oder sogar ein Berufsverbot.[96]
5.2 ,,Funktionare der Arbeiterklasse“
GemaB der Definition des „Worterbuchs der sozialistischen Journalistic hat der „sozialistische Journalist...[als]...Funktionar der Partei der Arbeiterklasse" die Aufgabe, „das Vertrauensverhaltnis des Volkes zu Partei und Staat zu festigen." Demzufolge wird „seine gesamte Tatigkeit...grundlegend vom Programm und den Beschlussen der marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse sowie durch die Verfassung des sozialistischen Staates bestimmt."[97] Um sicherzustellen, dass das von der Partei gewollte Material an die Burger weitergegeben wurde, fand jeden Donnerstag eine „Anleitung“ beim Abteilungseiter der Agitation statt. „Alle Chefredakteure und Funktionare der Massenmedien...der gesamten DDR haben zu.erscheinen. Seine Anweisungen.legen die politische Linie der Massenmedien fur die kommende Woche fest, uber welche Fragen mit was fur einer Prioritat und wie zu berichten ist. Nicht selten werden sogar detaillierte Formulierungen vorgegeben.Jeder weiB naturlich, dass selbst die geringste Abweichung von Geggels[98] Anleitung das Ende der Chefredakteurskarriere bedeuten kann.“[99] Diese Beschreibung von Franz Loser, der 1983 aus der DDR fluchtete, macht sehr deutlich wie unfrei die Journalisten in ihrer Artikelgestaltung waren. Hinter vorgehaltener Hand sprachen Journalisten auch vom Genossen Geggels in Anspielung auf den Propagandaminister Goebbels im Dritten Reich.[100]
Fruhmorgens bekamen die Redaktionen ein Fernschreiben, in dem ihnen genau vorgegeben wurde, an welcher Stelle welcher Artikel, in welcher Aufmachung zu stehen habe.[101]
Damit Journalisten moglichst linientreu waren, mussten sie zunachst ein einjahriges Volontariat absolvieren, bevor sie ihr bis zu vierjahriges Studium aufnehmen durften.[102]
Nach dem Studium im „Roten Kloster"[103], wo die angehenden Journalisten zu ,,Funktionar[en] der Arbeiterklasse" wurden, unterlagen die Reporter standigen Bespitzelungen.
Dies geschah durch „Offiziere im besonderen Einsatz" (OibE) oder inoffizielle Mitarbeiter (IM).[104] Auf diese Art und Weise sollten die Journalisten zu staatlichen Offentlichkeitsarbeitern herangebildet werden.[105]
Dass der Beruf des Journalisten neben Arzt, Tierarzt, Biologe und Jurist als einer der beliebtesten in der DDR galt, wird umso unverstandlicher, als dass ihm zwar mehr Hintergrundwissen zuganglich war, er dies aber nur eingeschrankt nutzen durfte. Das zusatzliche Wissen kann zu einer Last werden, wenn man nicht die ganze Wahrheit sagen darf, schrieb Loeser spater[106] Es wurde auch von einer ,,Schere im Kopf" gesprochen, da die Journalisten zwar Vieles wussten, aber nur Manches schreiben durften.[107]
Teilweise wirkte der Schreibstil der Journalisten gestelzt oder oberlehrerhaft, was unter anderem an den vorformulierten Texten lag, die sie verwenden mussten. Diese Vorgaben fuhrten zu einem sehr eintonigen Erscheinungsbild der Presselandschaft in der DDR.[108]
Zu den vorgegebenen Themen kamen Tabu-Listen, welche Themen auffuhrten, uber die nicht geschrieben werden durfte. Dies betraf vor allem industrielle, technische und wirtschaftliche Bereiche. Die Begrundung, die fur die Nichtveroffentlichung der aufgefuhrten Entwicklungen genannt wurde, war, dass „die Ordnung und Sicherheit von zentralen staatlichen Organen" gewahrleistet werden musse.[109] Als 1980 in Islamabad von US-Prasident Carter der Boykott der Olympischen Spiele beschlossen wurde, sollten es die Journalisten vermeiden den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan zu erwahnen.[110] Diese Einschrankung in der Berichterstattung lasst sich mit der Aufforderung zur Jeidenschaftlichen Freundschaft zur Sowjetunion" erklaren.[111]
Bereits in den sechziger Jahren informierten sich neunzig Prozent der DDR-Burger uber Westmedien, weil die heimische Presse ausgewahlte Vorkommnisse einfach verschwieg und manchen Lesern der Zusammenhang erst nach der Lekture der westdeutschen Presse klar wurde.[112]
Die westlichen Medien wirkten auch deshalb glaubwurdiger, weil das eigene System kritisch in Frage gestellt wurde.[113]
Die Medien dazu zu nutzen, „die kommunistische Ideologie [zu] verbreiten" hat schon Lenin 1901 gefordert.[114] Daran anknupfend finden sich im „Worterbuch der sozialistischen Journalistik" Aussagen, wie „Die Nachricht ist heute eine wirkungsvolle Waffe im ideologischen Klassenkampf".[115] Der SED, die letztendlich die Medien kontrollierte, kam es nicht primar auf die Information der Bevolkerung an. Die Partei bestimmte Auswahl und Gestaltung im Hinblick auf die Informationsabsicht im Interesse der Arbeiterklasse. Sie entschied, was fur den Arbeiter wichtig und lesenswert war und lieft ihm auch nur diese Informationen zukommen. Das wichtigste Prinzip sei die Parteilichkeit der Information. Sie erfasse die „pragmatischen gesellschaftlichen Zielsetzungen, die strategisch-taktischen Bedingungen der Informationspolitik, die die jeweilige Nachricht" berucksichtige.[116]
Es geht also nicht um Information, sondern um Beeinflussung und Manipulation im Sinne der Parteipolitik. Dazu wurden sogar Leserbriefe manipuliert oder gefalscht.[117] Heinz Geggel der seit 1971 die Abteilung Agitation leitete, bekam zu seinem 65. Geburtstag ein Gluckwunschschreiben von Erich Honecker[118], in dem ihm dieser bescheinigte, dass er maftgeblich an dem Bedeutungszuwachs der Massenmedien beteiligt gewesen sei, welches sich als ein ,,schlagkraftige(s) Instrument des Friedens und des Sozialismus" bewahrt habe.[119]
Grundsatzlich mussten die Zeitungen ganz genau die Vorgaben der Partei einhalten, da Gesprochenes gegenuber Gedrucktem (Fernsehen, Radio) eher vergessen wird.[120] Im Fernsehen gab es einige Sendungen, in denen ,,grobschlachtiger“ gegen den Westen agiert wurde. Wahrend die Zeitungen zumindest einen Teil der (Gegen-) Argumente des Westens hatten abdrucken mussen, wurde in Sendungen wie der „Schwarze Kanal“ kein Blatt vor den Mund genommen. Jeden Montag wurden hier Hasstiraden und Halbwahrheiten verkundet.[121]
Nachdem sich die Partei eingestehen musste, dass sich ein Groftteil der DDR-Burger durch die Westmedien informierte, forderte Honecker sogar dazu noch genauer hinzuhoren, „um dabei zu erkennen, daG die regierenden Kreise in Bonn" versuchen, den Grundlagenvertrag in einer fur sie vorteilhaften Weise auszunutzen.[122] Nach der Feststellung, dass mit den Westmedien zu leben sei, wurden in Fernsehsendungen wie ,,Studio 80“ oder in Karl-Eduard Schnitzlers ,,Schwarzer Kanal“ sogar auch (verfremdete) Originalaufnahmen gezeigt, ,,wenn sie die Botschaft vom krisengeschuttelten Westen" verkundeten und die Vorzuge des eigenen Systems anpriesen.
Schnitzler selbst auGerte sich Ende 1977 zu den Ziel seiner Sendung „Der schwarze Kanal": „Wir drehen ja keine Antennen um! Wir mussen lernen, mit dem Feind zu leben, auch mit dem Fernsehen der BRD, und ich gebe mit dem ,Kanal’ so ein bisschen Lebenshilfe!" Er sei nicht der Meinung, dass er sich in die innenpolitischen Angelegenheiten eines anderen Staates einmische, da er „noch nie einen Bundesburger [aufgefordert habe], seine Regierung zu sturzen."[123]
Die ausgewahlten Zeitungen wurden uber den Zeitraum vom 12. Dezember 1979 bis zum 4. August 1980 ausgewertet. Betrachtet wurden Artikel, die etwas zu den Themen Afghanistaninvasion, Boykottdiskussion, Olympische Spiele und des Verhaltnis zum Klassengegner beinhaltete. Schlusselworter waren die zuvor genannten, sowie inhaltlich damit ubereinstimmende Begriffe.
Die drei ersten Themenkomplexe wurden der Ubersicht halber zeitlich begrenzt. Demzufolge beginnt der Themenbereich Afghanistaninvasion am 12. Dezember 1979 mit dem NATO-Doppelbeschluss und endet mit dem Ablauf des Carter- Ultimatums am 21. Februar 1980.
Da die Boykottdiskussion verstarkt ab dem 22. Februar stattfand und vorerst mit der Entscheidung durch das NOK der Bundesrepublik am 15. Mai endete, sind die Grenzen hier zu ziehen.
Die Analyse der Presseerzeugnisse wahrend der Olympischen Spiele fallt unter die gleichnamige Uberschrift vom 21. Juli bis zum 4. August mit den Berichten von der Abschlussveranstaltung.
Uber den gesamten Zeitraum wird aufterdem besonderes Augenmerk darauf gelegt, wie die DDR und die BRD miteinander umgehen und die jeweils andere Seite darstellen. Diese Untersuchungsergebnisse werden in dem Kapitel Verhaltnis zum Klassengegner beschrieben.
Bei der Analyse der Artikel wird ebenso die formale Gestaltung berucksichtigt. Das beinhaltet Platzierung (Seite), Hervorhebung (keine Besonderheit, Bild, Grafik, Balken, Kasten, farbig), Umfang und journalistische Stilform (Nachricht, Meldung, Bericht, Titelthema, Kommentar, Pressestimmen).
[1] Hill: S. 92.
[2] Ebd.: S. 93.
[3] Geyer: S. 59.
[4] Eine dem diplomatischen Corps nachgeahmte Bezeichnung des Anfuhrers der Sportler. Ebd.: S. 57.
[5] Geyer: S. 60.
[6] Ebd.: S. 70.
[7] Ebd.: S. 83.
[8] Ebd.: S. 61.
[9] Geyer: S. 63f.
[10] Ebd.: S. 64f. Anmerkung: Ulbricht, Walter, Politiker (KPD, SED), (30.06.1893- 01.08.1973)war ab 1912 Mitglied der SPD, 1918 des Spartakusbundes und 1918/1919 Mitbegrunder der KPD. Er emigrierte 1938 in die UdSSR, bereitete aber ab 30.04.1945, als Mitbegrunder des Nationalkomitees Freies Deutschland (»Gruppe Ulbricht«), die kommunistische Machtergreifung in der spateren sowjetischen Besatzungszone vor. Ab September 1960 war er Vorsitzender des Staatsrates und damit faktisch Staatsoberhaupt. Er war sehr um die internationale Anerkennung der DDR bemuht, zuletzt mit gewissen Eigenstandigkeitsbestrebungen gegenuber der UdSSR. Sowjetisches Misstrauen und Meinungsverschiedenheiten in der SED-Spitze fuhrten zu einem parteiinternen Putsch, (an dem besonders sein Nachfolger Erich Honecker beteiligt war) infolge dessen er ,,aus Altersgrunden" am 03.05.1973 zurucktreten musste.
[11] Anmerkung: Hallstein, Walter, CDU-Politiker (17.11.1901-29.03.1982) war von 1950-51 Staatssekretar im Bundeskanzleramt und anschlie&end von 1951-58 im Auswartigen Amt (Hallsteindoktrin) tatig. Hallstein setzte sich entschieden fur die Einbindung Deutschlands in internationale Organisationen und die westliche Staatengemeinschaft ein.
[12] Geyer.: S. 66.
[13] Ebd.: S. 70.
[14] Blasius: S. 173. Vgl. Geyer: S. 68.
[15] Blasius: 172f.
[16] Anmerkung: Adenauer, Konrad Hermann Joseph, (05.01.1876- 19.04.1967) war von 1949 bis 1963 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sowie von 1951 bis 1955 zugleich
[17] Bundesminister des Auswartigen. Adenauer pragte in dieser Stellung maftgeblich die politische Ausrichtung der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit. Er setzte dabei auf eine Westbindung, verbunden mit der Europaischen Einigung und mit der Eingliederung in das westliche Verteidigungsbundnis der NATO. Vor dem Hintergrund des Anspruches der Sowjetunion auf Weltherrschaft verfolgte er einen antikommunistischen Kurs.
[18] Der Aufstieg. Sportler sozialistischer Lander bei Olympischen Spielen. Berlin 1980. S. 69.
[19] Geyer: S. 82.
[20] Blasius, Tobias: Olympische Bewegung, Kalter Krieg und Deutschlandpolitik 1949-1972. Frankfurt a. M. 2001. S. 151. Vgl. Kle&mann, Christoph: Zwei Staaten, eine Nation. Deutsche Geschichte 1955­1970. Gottingen 1988. S. 453. (Der Vorschlag kam von der DDR, die damit das Abspielen des Deutschlandlieds verhindern wollte. Geyer: S. 70.)
[21] Geyer: S. 71.
[22] Blasius: S. 178. Andererseits sei es, laut Adenauer, notwendig, dass der Welt bewusst gemacht werde, dass Deutschland geteilt worden war und dass dieser Zustand nicht verschleiert werde. (Blasius: S. 182.) Gelegentlich wurde bei internationalen Wettbewerbern auch eine Schweigeminute abgehalten, um der Weltoffentlichkeit ins Gedachtnis zu rufen, dass die Deutschlandfrage noch ungelost war. Wenn dann spontan die Zuschauer das Deutschlandlied anstimmten, war dies aus Bonner Sicht die Ideallosung. (Geyer: S. 73.)
[23] Blasius: S. 182.
[24] Ebd.: S. 179.
[25] Geyer: S. 78.
[26] Blasius: S. 182.
[27] Anmerkung: Das Viermachteabkommen uber Berlin (auch Berlinabkommen genannt) vom 03.09.1971 zwischen den USA, Groftbritannien, Frankreich und der Sowjetunion, legte die politischen Bindungen und verkehrstechnischen Verbindungen von Berlin (West) zur Bundesrepublik Deutschland in ihren Grundzugen fest. Dieses Rahmenabkommen, wurde durch besondere Abmachungen zwischen der BRD und der DDR (Verkehrsvertrag, Grundvertrag) ausgefullt.
[28] Anmerkung: Kennedy, John Fitzgerald (29.05.1917-22.11.1963), war von (1961-1963) der 35. Prasident der USA. In der Auftenpolitik bemuhte sich seine Administration um die Oberwindung des Kalten Krieges. 1962 kam es zu einem schweren Konflikt mit der UdSSR um Kuba (Kubakrise). Mit der Entsendung amerikanischer Spezialeinheiten nach Sud-Vietnam (seit 1961) intensivierte Kennedy das militarische Engagement der USA. 1963 wurde er in Dallas ermordet. Der Kommunist L. H. Oswald gilt noch heute als politischer Einzelganger und alleiniger Attentater. Technische Rekonstruktionen der Hinrichtung beweisen jedoch, dass es mehrere Schutzen gegeben haben muss. Der Verdacht fiel auf politische Gegner, wie die Mafia, gegen die Kennedy vorgehen wollte.
[29] Blasius: S. 196. Derweil fuhrte er einen Stellvertreterkrieg in Vietnam und musste die Kubakrise ewaltigen.
[30] Blasius: S. 197f.
[31] Ebd.: S. 211. Anmerkung: Brentano, Heinrich von (20.06. 1904-14.11.1964) war 1945 Mitgründer der CDU in Hessen und 1949±55 und 1961±64 Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag. Von 1955±61 bekleidete er das Amt des Außenministers.
[32] Präsidium des DTSB in: Deutsches Sportecho, Nr. 68, 26.08.1957.
[33] Anmerkung: Die am 23.10.1954 in Paris unterzeichneten Vertrage, die am 05.05.1955 in Kraft traten waren die Grundlage fur das Erlangen der Souveranitat fur die Bundesrepublik Deutschland und fuhrten zu ihrer Einbeziehung in das westeuropaisch-amerikanische Bundnissystem. Vorausgegangen waren die Bonner Vertrage von 1952 (Deutschlandvertrag), die nach dem Scheitern der Europaischen Verteidigungsgemeinschaft nicht verwirklicht worden waren. Sie beinhalten u. a. die Beendigung des Besatzungsregimes, den Vertrag uber den Aufenthalt auslandischer Streitkrafte in der Bundesrepublik Deutschland, das Protokoll uber den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland und Italiens zum geanderten und erganzten Brusseler Vertrag(WEU) vom 17.03.1948 und das Protokoll uber den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO. Die Pariser Vertrage bildeten bis zum Inkrafttreten des Zwei-plus-vier-Vertrages (15. 3. 1991) die volkerrechtliche Grundlage fur die Bundesrepublik Deutschland in ihren aufteren Beziehungen.
Rudi Reichert, Vorsitzender des DAS in einem ,,Offenen Brief an den Deutschen Sportbund und die westdeutschen Sportler" vom 05.03.1955: ,,Die Sportler im Westen unseres Vaterlandes mussen sich mit allen Kraften vereinigen, die fur die Beseitigung der Pariser Vertrage eintreten und mit ihnen ihre Verwirklichung verhindern." Deutscher Sportbund (Hrsg.): Dokumente zum Thema Sport. Frankfurt am Main 1961.
[34] Anmerkung: Der Rapacki-Plan war ein Vorschlag des polnischen Auftenministers Adam Rapacki am 2. Oktober 1957 vor der UNO, Deutschland, Polen und die Tschechoslowakei zur atomwaffenfreien Zone zu erklaren. Er wurde von den westlichen Machten abgelehnt.
Rudi Reichert, ,,Die nachsten Aufgaben des DTSB zur Entwicklung dersozialistischen Korperkultur.", in: Die Sozialistische Sportbewegung, Nr. 4, April 1960, Ostberlin. Rudi Reichert, Brief an den DTSB vom 01.04.1958: ,,Es gibt in der Tat in Deutschland zwei Staaten. Einen totalitaren und militaristischen Obrigkeitsstaat...und den Friedensstaat der Arbeiterund Bauern.Entsprechend den Vorschlagen der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik kann der Weg zur Oberwindung der Spaltung und zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands erfolgreich einzig und allein durch die Schaffung einer Konfoderation beider deutscher Staaten und auf der Grundlage einer gemeinsamen Friedenspolitik beschritten werden."
[35] Vereinbarung zwischen dem Deutschen Sportbund und der Bundesrepublik Deutschland und dem DSA. 12.12.1952 in Berlin.
[36] Deutscher Sportbund : Anhang, S. III, Nr. 7. Statut des DSB vom 28.04.1957. I. Grundsatze und Ziele.
[37] Deutscher Sportbund: S. 6. „ln Mainz (28.03.69) bot man 50 Polizisten gegen sieben unserer Turnerinnen au, um sie zu zwingen, die von ihnen mitgefuhrte DDR-Flagge einzuholen. Aber all diese Machenschaften, von denen ich Dutzende aufzahlen konnte, haben den Aufstieg des DDR-Sports nicht verhindert." (Erich Honecker: Aus meinem Leben. Berlin 1981. S. 64.)
[38] Blasius: S. 232.
[39] Geyer: S. 85.
[40] Ebd.: S. 83 und 85f.
[41] Das NOK der DDR wurde entgegen der Charta des IOC nicht autonom gegrundet, sondern am 20.04.1951 durch das Sekretariat des Politburos zusammengestellt. (Teichler, Hans Joachim: Die Sportbeschlusse des Politburos. Eine Studie zum Verhaltnis von SED und Sport mit einem Gesamtverzeichnis und einer Dokumentation ausgewahlter Beschlusse. Koln 2002. S. 219)
[42] Blasius: S. 261.
[43] Ebd.: S. 279.
[44] Ebd.: S. 287.
[45] Ebd.: S. 305.
[46] Geyer: S. 86.
[47] Holzweiftig, Diplomatie: S: 187.
[48] Braun:S. 79.
[49] Ebd.: S. 76.
[50] Ebd.: S. 88.
[51] Ebd.: S. 102.
[52] Ebd.: S. 92.
[53] Ebd.: S. 91 und 93.
[54] Braun: S. 91f.
[55] Verfassung von 1968: Art. 1: deutscher Nation." Nach derAnderung 1974: „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat derArbeiter und Bauern." Artikel 8 wurde 1974 ersatzlos gestrichen: „Die Deutsche Demokratische Republik und ihre Burger erstreben...die Uberwindung der vom Imperialismus derdeutschen Nation aufgezwungenen Spaltung Deutschlands, die schrittweise Annaherung der beiden deutschen Staaten bis zu ihrer Vereinigung auf der Grundlage der Demokratie und des Sozialismus." Braun: S. 105.
[56] Braun: S. 126.
[57] Ebd.: S. 126
[58] Knecht, Willi Ph.: Der Boykott. Moskaus missbrauchte Olympiade. Koln 1980. S. 18.
[59] Mertin, Evelyn: Der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau in der sowjetischen Presse., in: Stadion. Sankt Augustin 2003. Band 29, Spezialausgabe. S. 251-261. S. 252.
[60] Riordan, James; Kruger, Arnd: The International Politics of Sport in the 20th Century. London 1999. S. 49.
[61] Riordan: S. 59.
[62] Geyer: S. 57.
[63] Priller, Eckhard: Sport im Zeitbudget von Erwachsenen in der DDR. S. 295-312., in: Hinsching, Jochen (Hrsg.): Alltagssport in der DDR. Sportentwicklungen in Deutschland Band 6. Aachen 1998. S. 300.
[64] Riordan: S. 60.
[65] Geyer: S. 64.
[66] Holzweiftig, Diplomatie: S. 154.
[67] Teichler, Sportbeschlusse: S. 708.
[68] Teichler, Sportbeschlusse: S. 745.
[69] Teichler, Hans Joachim: Moden und Trends im Sport und in der Geschichtsschreibung. Jahrestagung der dvs-Sektion Sportgeschichte vom 8.-10. Juni 2001 in Potsdam. Schriften der Deutschen Vereinigung fur Sportwissenschaft. Band 133. Hamburg 2003. S. 193.
[70] Ebd.: S. 189.
[71] Beschluss des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik. Die Aufgaben der Korperkultur und des Sports bei der Gestaltung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik vom 20. September 1968, in: Abteilung Presse und Information des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik (Hrsg.): Korperkultur und Sport bei der Gestaltung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus. Materialien der 11. Sitzung des Staatsrates der DDR vom 20. September 1968. Schriftenreihe des Staatsrates, Heft 4 (1969), S. 90.
[72] Anmerkung: Ein Boykott [nach dem von den Iren geachteten englischen Guterverwalter C. Boycott, * 1832] ist der Ausschluss einer Person, eines Unternehmens oder eines Staates. Ein Boykott kann die Reaktion auf wirtschaftliche, politische oder soziale Veranderungen sein, mit der Absicht den Gegner bloBzustellen, ihn okonomisch zu bestrafen, Veranderungen oder Reformen zu erzielen oder den Ruf des Gegners zu ruinieren.
[73] Muller; Kuhnle: S. 146.
[74] Anmerkung: Wladimir Iljitsch Lenin, [seit etwa 1901 politischer Deckname von W. I. Uljanow] (22.04.1870-21.01.1924) ein russischer Revolutionar und Politiker war der Begrunder der Sowjetunion. Nachdem die Bolschewiki in einem von Trotzki vorbereiteten Aufstand (Oktoberrevolution) am 25.10. (bzw. 07.11., gemaB der westlichen Zeitrechnung) 1917 die Macht erobert hatten, wurde Lenin als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare Regierungschef Sowjetrusslands bzw. der UdSSR nach ihrer Grundung 1922.
[75] Knecht: S. 12.
[76] Muller, Gunter R.; Kuhnle, Dieter: Moskauer Spiele. Olympia im Zwielicht-Bericht, Kritik, Kommentar. Gutersloh 1980. S. 148.
[77] Knecht: S. 13.
[78] Krebs, Hans Dieter: Nationales Olympisches Komitee fur Deutschland (Hrsg.) In: Die Zeit der Boykottbewegungen (1976-1988). Deutschland in der Olympischen Bewegung: eine Zwischenbilanz. Frankfurt am Main. 1999. S. 307.
[79] Krebs: S. 309.
[80] Anmerkung: Carter, James (Jimmy) Earl (10.10.1924) war der 39. Prasident der USA (1977-81). Innenpolitisch sah er sich mit erheblichen Wirtschaftsproblemen konfrontiert (Energiekrise, Dollarverfall). Besonders die Geiselaffare im Iran (1979-81) fuhrte zu einem starken Popularitatsschwund.
[81] Krebs: S. 308.
[82] Zur Teilnahme meldeten sich Kolumbien, Brasilien, Afghanistan, Syrien, Kuwait, Australien, Kongo, Libyen, Kuba, Dominikanische Republik, Mexiko und Costa Rica an. Auf eine Teilnahme verzichteten unter anderem Argentinien, Paraguay, China, Sudkorea, Pakistan, Saudi Arabien, Israel, Japan, Agypten, Tunesien, Kanada und die USA. (Europaische Staaten siehe unten.) Muller; Kuhnle: S. 30f.
[83] Den Spielen fern blieben: Albanien, Liechtenstein, Norwegen, Turkei, Monaco und die Bundesrepublik Deutschland, wahrend Osterreich, Belgien, Bulgarien, Zypern, CSSR, Danemark, Groftbritannien, Finnland, Frankreich, DDR, Griechenland, Ungarn, Island, Irland, Italien, Malta, Niederlande, Polen, Portugal, Rumanien, Schweden, Schweiz, UdSSR, Jugoslawien, San Marino, Luxemburg, Spanien und Andorra teilnahmen. Ebd.
[84] Muller; Kuhnle: S. 30f.
[85] Verfassung der DDR, § 1: Jeder Burger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsatzen dieser Verfassung gemaB seine Meinung frei und offentlich zu auBern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhaltnis beschrankt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht. Verfassung der DDR, §2: Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens ist gewahrleistet.
[86] HolzweiBig, Gunter: Massenmedien in der DDR. 2. Aufl. Berlin 1989. S. 12. § 106, Strafgesetzbuch der DDR: Wer die verfassungsmaBigen Grundlagen der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung der Deutschen Demokratischen Republik angreift oder gegen sie aufwiegelt, indem er 1. die gesellschaftlichen Verhaltnisse...diskriminiert...
[87] Grundgesetzes der BRD, § 5 (1): Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu auBern und zu verbreiten und sich aus allgemein zuganglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewahrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
[88] HolzweiBig, Massenmedien: S. 11.
[89] Ebd.: S. 15.
[90] Holzweißig, Massenmedien: S. 20.
[91] Ebd.: S. 13.
[92] Ebd.: S. 14.
[93] Gesetzblatt Teil II, Nr. 24. Verordnung uber die Herausgabe und Herstellung aller periodisch erscheinenden Presseerzeugnisse. 12.04.1962. §2: ,,Tages- und Wochenzeitungen, Kreis und Betriebszeitungen, Zeitschriften, Nachrichten- und Pressedienste sowie alle anderen in der Deutschen Demokratischen Republik erscheinenden Presseerzeugnisse sind lizenzpflichtig."
[94],,Eine weitere Erhohung dieser Fonds ist aus okonomischen Grunden in der nachsten Zeit nicht moglich." Gemeint ist, dass die Auflagenzahl der Zeitungen aus Papiermangel nicht erhoht werden kann. Holzweiftig, Gunter: DDR-Presse unter Parteikontrolle. Gesamtdeutsches Institut. Bundesanstalt fur gesamtdeutsche Fragen. Kommentierte Dokumentation. Analysen und Berichte Nr.3. Bonn 1991.
[95] HolzweifJig, Massenmedien: S. 92. Gesetzblatt Teil II, Nr. 24. Verordnung uber die Herausgabe und Herstellung aller periodisch erscheinenden Presseerzeugnisse. 12.04.1962. §3: „Eine Lizenz kann erteilt werden, wenn a) der Charakter des Presseerzeugnisses den Gesetzen der Deutschen Demokratischen Republik entspricht; b) im Rahmen des Volkswirtschaftsplanes die erforderlichen Materialkontingente zur Herstellung des beantragten Presseerzeugnisses zur Verfugung stehen." Siehe Anhang I.: Lizenzurkunde.
[96] Holzweiftig, Massenmedien: S. 17.
[97] Ebd.: S. 38.
[98] Heinz Geggel, *1921 in Munchen. Nach seinem Exil auf Kuba kehrte er 1948 nach Deutschland zuruck. 1971-1989 war er Leiter der Abteilung Agitation des Zentralkomitees der SED. Er war der Nachfolger von Hans Modrow. (Barth, Bernd-Rainer; Links, Christoph, Muller-Enbergs, Helmut; Wielgohs, Jan (Hrsg.): Wer war wer in der DDR. Ein biographisches Handbuch. Frankfurt a. M. 1996. S. 213.)
[99] Loeser, Franz: Die unglaubwurdige Gesellschaft. Quo vadis, DDR? Koln 1984. S.71f.
Anmerkung: Franz Loeser (*1924) siedelte 1957 in die DDR uber. Er war Professor fur Philosophie an der Humboldt-Universitat und fuhrendes SED-Mitglied. 1983 fluchtete er und erhielt in den USA politisches Asyl.
[100] Loeser: S. 71f. Anspielung auf den Propagandaminister Goebbels im Dritten Reich.
[101] Holzweiftig, Massenmedien: S. 16. Siehe Anhang II: Hinweise fur die Zeitungen.
[103] Bezeichnung fur die Sektion Journalistik an der Leipziger Universitat. Holzwei&ig, Gunter: Zensur ohne Zensor. Die SED-Informationsdiktatur. Bonn 1997. S. 124.
[104] Holzwei&ig, Zensur: S. 219 vgl. auch Holzwei&ig, Massenmedien: S. 18.
Anmerkung: Das Ministerium fur Staatssicherheit (MfS) war abgekoppelt von der Polizei, weshalb sie keiner Kontrolle unterstand, sie konnte Grundrechte verletzen und somit auch mit illegalen Methoden arbeiten. Ursprunglich war das MfS gegrundet worden, um gegen die Gegner der SED vorzugehen und um die Burger mit NS-Vergangenheit zu uberwachen. In den 50er Jahren wurde diese Kontrolle stark erweitert. Es wurde ein Spitzelsystem eingefuhrt, mit welchem praktisch die ganze Bevolkerung kontrolliert wurde. Man fand in allen Betrieben, Vereinigung, auf Versammlungen, uberall Mitarbeiter der Staatssicherheit. Meist handelte es sich um IM (Inoffizielle Mitarbeiter) und Spitzel, deren Identitat geheim bleiben sollte. Jene uberwachten alle Au&erungen, Gesprache, Reden und machten bei Auffalligkeiten Meldung an die Staatssicherheit. Diese wiederum sammelte alle Meldungen in Kaderakten, die fur die uberwachten Personen nicht einsehbar waren. Prinzipiell konnte jeder IM werden mit dem Auftrag die eigene Familie zu uberwachen und denunzieren.
[105] Holzwei&ig, Massenmedien: S. 45.
[106] Ebd.: S. 31.
[107] Holzwei&ig, Zensur: S. 125.
[108] Holzwei&ig, Massenmedien: S. 41 und S. 75.
[109] Holzwei&ig, DDR-Presse: S. 16f.
[110] Holzweiftig, Massenmedien: S. 22.
[111] Ebd.: S. 39.
[112] Holzweiftig, Zensur: S. 165f.
[113] Ebd.: S. 168. Aufterdem waren die Fernsehsendungen aufwendiger gestaltet, was den Geschmack und dem Anspruch der Zuschauer traf.
[114] Lenin: „Womit beginnen?", Leitartikel in der Iskra Nr.4, 1901. HolzweiGig, Massenmedien: S. 47.
[115] Holzweiftig, Massenmedien: S. 19.
[116] Ebd.: S. 19.
[117] Ebd.: S. 15.
[118] Honecker, Erich: 1912-1994, SED-Generalsekretar. Barth: S. 321.
[119] Holzweiftig, Massenmedien: S. 14.
[120] Ebd.: S. 60.
[121] Der Schwarze Kanal wurde am 21.03.1960 von Karl Eduard Schnitzler gegrundet. Holzweiftig, Zensur: S. 178f.
Anmerkung: Schnitzler, Karl-Eduard: 1918-2001. Ab 1944 in britischer Gefangenschaft im Antifa-Lager Ascot. Anschlieftend wurde er Mitarbeiter bei der deutschsprachigen BBC, bevor er 1947 in die SBZ ubersiedelte. Dort wurde er Mitarbeiter und Chefkommentator beim Berliner Rundfunk und beim Deutschlandsender. Ab I960 Autor und Moderator von ,,Der Schwarze Kanal". Barth: S. 653.
[122] Holzweiftig, Massenmedien: S. 63.
[123] Holzwei&ig, Massenmedien: S. 67.
9783638045858
9783640113347
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References: Art. 1
 § 1
 §2
 § 106
 § 5
 §2
 §3