Source: https://sevdesk.at/lexikon/bilanzstichtag/
Timestamp: 2020-02-19 09:29:06+00:00

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Bilanzstichtag - Dauer des Geschäftsjahres & Bilanzierung
Es gibt viele Dinge, die du als Unternehmer beachten musst. Dies trifft vor allem für junge Gründer zu, die in den ersten Jahren ihrer Geschäftstätigkeit viel zu lernen haben. Nicht nur im Geschäftsablauf, sondern auch bei Fragen zu Steuern und Jahresabschlüssen. Eine wichtige Rolle spielt dabei für dich auch der Bilanzstichtag.
Was ist der Bilanzstichtag?
Wann ist der Abschlussstichtag?
Was ist der Unterschied zwischen Stichtagsprinzip und Wertaufhellungsprinzip?
Welchen Zweck hat der Bilanzstichtag für dich zu erfüllen?
Was bedeutet der Bilanzstichtag für deine Inventur?
Was musst du zwischen Bilanzstichtag und Bilanzerstellung beachten?
Welche bilanziellen Entscheidungen sind wichtig für deinen Bilanzstichtag?
Im Rechnungswesen stellt der letzte Tag eines Geschäftsjahres den Bilanzstichtag dar. In der Regel erstellst du an diesem Tag den Jahresabschluss für dein Unternehmen. Meistens ist dies am Ende von einem Kalenderjahr, muss aber nicht sein. Die Zahlen, die an diesem Tag vorliegen, stellen die Grundlage für deine Bilanz dar. Du kannst den Bilanzstichtag auch zu einem anderen Tag wählen, musst aber dann beachten, dass dieser Tag auch später dann beibehalten wird.
Als Unternehmer steht es dir aus rechtlichen Gründen zu, deinen Stichtag frei zu wählen. In vielen Fällen ist dies immer am 31.12, also am letzten Tag eines Kalenderjahres. Aber wie bereits erwähnt, ist dies für dich nicht zwingend vorgeschrieben. Es gibt einige Unternehmen, vor allem kleinere Unternehmen, die sich für einen anderen Tag entscheiden. Wichtig ist, dass du deinen Bilanzstichtag so wählst, dass es für dich ein günstiger Tag ist. Wichtig für dich zu wissen ist aber, dass ein einmal gewählter Stichtag dann für dich auch in den folgenden Jahren bindend ist und du diesen Tag beibehalten musst. Bei Konzernen hingegen kann es aber auch Ausnahmen geben, vor allem dann, wenn es Tochterunternehmen mit verschiedenen Bilanzstichtagen gibt. Hier ist es möglich, diesen Tag an den Bilanzstichtag des Mutterkonzerns anzupassen.
Wann ist ein Geschäftsjahr abgeschlossen?
Ist dein Unternehmen im Handelsregister eingetragen, dann kann das Geschäftsjahr durchaus vom Kalenderjahr abweichen. Aus diesem Grund wird das Geschäftsjahr auch als Wirtschaftsjahr bezeichnet. Doch zu beachten ist für dich, dass es sich auch bei diesem Geschäftsjahr um einen Zeitraum von zwölf Monaten handeln muss. Weicht dein Geschäftsjahr vom Kalenderjahr ab, dann musst du dies aber nach § 4a EStG mit dem Finanzamt klären. Für alle anderen Gewerbetreibenden ist das Geschäftsjahr immer das Kalenderjahr. Es gibt aber ein Gesetz, welches es dir möglich macht, ein abweichendes Geschäftsjahr festzulegen. Als Beispiel kann hier ein Unternehmen im Bereich Landwirtschaft genannt werden. Bei Unternehmen dieser Branche beginnt ein Geschäftsjahr meistens erst am 01. Mai oder gar am 01. Juli.
Wie lange dauert ein Geschäftsjahr?
In der Regel dauert ein Geschäftsjahr immer volle zwölf Monate. Doch auch hier gibt es Ausnahmen. Diese tauchen vor allem dann auch, wenn du ein Unternehmen neu gegründet hast oder ein Unternehmen aufgelöst hast. Hier spricht der Gesetzgeber dann vom sogenannten Rumpfgeschäftsjahr. Dieses besondere Geschäftsjahr darf weniger als zwölf Monate betragen, aber auf keinen Fall mehr Monate. Beim Rumpfgeschäftsjahr erstellst du, beispielsweise bei der Gründung am 1. August zunächst deine Eröffnungsbilanz. Du möchtest aber, dass zukünftig dein Geschäftsjahr identisch mit dem Kalenderjahr ist und am ersten Januar beginnt. Dies musst du aber für dein Handelsgewerbe festlegen. Hast du dies getan, so wird dein erstes Jahr als Unternehmer zum Rumpfgeschäftsjahr und beginnt mit der Gründung im August und endet am 31.12. des gleichen Jahres. Gesetzlich geregelt ist dies in § 240 Abs. 2 Satz 2 HGB.
Definition Bilanzstichtag
Wie ist die Festlegung vom Geschäftsjahr gesetzlich geregelt?
Gesetzlich kannst du ein vom Kalenderjahr abweichendes Geschäftsjahr und damit auch einen anderen Bilanzstichtag wählen. Dies bedarf aber immer der Zustimmung des Finanzamts. Weitere Voraussetzung für eine Zustimmung ist, dass es für dich dafür sowohl betriebliche, als auch organisatorisch nachvollziehbare Gründe dafür gibt. Beliebig hingegen kannst du dies nicht ändern. Der Gesetzgeber legt hier den Grundsatz fest, dass es eine Bilanzkontinuität gibt und es damit eine Transparenz und Übersichtlichkeit in den Abrechnungsperioden geben muss. Es gibt aber durchaus Gründe, die eine Verlegung des Geschäftsjahres notwendig machen.
Wann eine Verlegung des Geschäftsjahres sinnvoll ist
Gehört ein Unternehmen zu einem Konzern, dann wird das Geschäftsjahr als bilanzpolitisches Instrument genutzt und an das Geschäftsjahr der Konzernmutter angepasst.
Eine Verlegung des Geschäftsjahres ist auch dann sinnvoll, wenn es im Laufe eines Jahres beispielsweise immer zu notwendigen Wartungsarbeiten in der Produktion kommt. In diesem Fall wird die Produktion immer eingestellt. In diesem Fall lässt sich dann auch eine Inventur einfacher durchführen.
Es ist sinnvoll, das Geschäftsjahr an saisonale Umstände anzupassen.
In der ordnungsgemäßen Buchführung gilt das Stichtagsprinzip als einer der dort verankerten Grundsätze. Das Stichtagsprinzip sagt aus, dass alle Wirtschaftsgüter, welche am Stichtag vorhanden sind, bilanziert und bewertet werden müssen. Dies gilt aber nur für die vorhandenen Güter. Zugrunde gelegt werden dabei die Wertverhältnisse am Stichtag. Dies ist auch unter § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB und § 201 Abs. 2 Z. 3 UGB entsprechend gesetzlich geregelt.
Die sogenannten „wertbegründeten“ Tatsachen dürfen nach dem Stichtagsprinzip nicht berücksichtigt werden. Bei den wertbegründeten Tatsachen handelt es sich um Tatsachen, die erst nach dem Bilanzstichtag entstanden sind und damit vor der Erstellung der Bilanz. Damit lagen sie zumStichtag nicht vor. Anwendung finden diese Tatsachen im Wertaufhellungsprinzip. Einfach gesagt bedeutet dies, dass alle Dinge, die zwar im alten Jahr passieren, aber erst im folgenden Jahre dann vor der Erstellung der Bilanz bekannt werden.
Dinge sind vor dem Bilanzstichtag passiert,
bekannt geworden aber erst nach dem Bilanzstichtag,
vor der Bilanzerstellung bekannt werden
dennoch aber im alten Jahr zu berücksichtigen sind.
Beim Wertaufhellungsprinzip wird zwischen zwei Tatsachen unterschieden.
Wertaufhellende Tatsache = passiert vor dem Bilanzstichtag, wird aber erst danach bekannt und muss vor der Bilanzerstellung miteinbezogen werden. Die wertaufhellende Tatsache ist noch im alten Jahr zu berücksichtigen.
Wertbegründete Tatsache = tritt erst nach dem Bilanzstichtag ein und wird damit auch erst danach bekannt. In der Bilanz des alten Jahres darf eine wertbegründete Tatsache nicht mehr berücksichtigt werden.
Der Bilanzstichtag ist für dich als Unternehmer von großer Bedeutung. Die Erstellung der Bilanz musst du gemäß den Anforderungen der Bilanzierungspflicht erstellen.
Der Bilanzstichtag erfüllt für dich als Unternehmer den Zweck, den periodischen Erfolg deines Unternehmens zu ermitteln. Das bedeutet, dass du diese Daten jedes Jahr zur gleichen Zeit am selben Tag ermittelst. Nur so ist gewährleistet, dass es keine Verfälschungen geben kann. Du wählst den Bilanzstichtag sozusagen deshalb, um dadurch eine Stichprobe deines Unternehmenserfolgs vorzunehmen. Dies ist auch der Unterschied zu den Berechnungen für Gewinn und Verlust, die das gesamte Geschäftsjahr berücksichtigen. Der Bilanzstichtag hingegen gibt dir Auskunft darüber, wie dein Erfolg über ein Jahr zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt aussieht.
Was verfolgst du mit einer periodengerechten Ermittlung?
Mit der periodengerechten Ermittlung verfolgst du den Zweck, mithilfe vom Bilanzstichtag für einen bestimmten Zeitraum deinen wirtschaftlichen Erfolg zu messen. Du hast beim Bilanzstichtag einen Spielraum von zehn Tagen, um eine Inventur durchzuführen. Diese Inventur ermöglicht dir einen Aufschluss darüber zu bekommen, welche Vermögensgegenstände dein Unternehmen vorweisen kann. Aus diesem Grund orientiert sich der Bilanzstichtag auch am oben beschriebenen Stichtagsprinzip.
In Verbindung mit dem Bilanzstichtag ist zwingend eine Inventur erforderlich. Der Gesetzgeber beschreibt in § 240 Abs.1 und 2 HGB, dass sowohl Bilanzstichtag als auch die Stichtagsinventur durchzuführen sind. Das bedeutet aber nicht, dass Bilanzstichtag und Inventur von dir an einem Tag zu erledigen sind. Vielmehr gewährt dir der Gesetzgeber hier ein Zeitfenster von maximal zehn Tagen. Konkret heißt das für dich, die Inventur hat zehn Tage vor oder zehn Tage nach dem Bilanzstichtag zu erfolgen. Du musst in diesem Fall aber sicherstellen, dass jederzeit eine Vor- oder Rückrechnung auf den genauen Bestand am Bilanzstichtag möglich ist. Um Fehler bei der Inventur zu vermeiden, ist deshalb die Bilanzstichtagsinventur die beste und auch die am genauesten Methode. Alternativ zur Bilanzstichtagsinventur hast du auch die Möglichkeit, die sogenannten Wertnachweisverfahren zu wählen.
Was ist eine verlegte Inventur?
In manchen Fällen ist es wegen sehr hohen Beständen nicht möglich, eine Inventur zum Bilanzstichtag durchzuführen. In diesem Fall kannst du die verlegte Inventur, auch zeitverschobene Inventur anwenden. Die verlegte Inventur ist ein Inventurerleichterungsverfahren, welches in § 241 (3) HGB als auch R. 5.3 (1) EStR näher beschrieben ist. Du kannst die verlegte Inventur entweder im Zeitraum der letzten drei Monate vor dem Bilanzstichtag oder im Zeitraum von zwei Monaten nach dem Bilanzstichtag durchführen. Wichtig ist dabei, dass du das Datum der durchgeführten Inventur ganz genau dokumentierst. Genauestes muss bei der verlegten Inventur auch die Fortschreibung oder die Rückrechnung gewährleistet sein.
Fortschreibung bei vorgelagerter Inventur
Rückrechnung bei nachgelagerten Inventur
Wert am Inventurstichtag Wert am Inventurstichtag
+ Wert aller Vorgänge zwischen Inventurstichtag und Bilanzstichtag – Wert aller Vorgänge zwischen Inventurstichtag und Bilanzstichtag
– Wert aller Vorgänge + Wert aller Vorgänge
= Wert am Bilanzstichtag = Wert am Bilanzstichtag
Du darfst die Begriffe Bilanzstichtag und Bilanzerstellung auf keinen Fall miteinander verwechseln. Die Erstellung der Bilanz erfolgt in der Regel immer erst nach dem Bilanzstichtag. Für die Bilanzerstellung müssen von dir alle Jahresabschlussbuchungen, die Bilanzierungswahlrechte und die wertaufhellenden Tatsachen berücksichtigt werden. Also die Tatsachen, die nach dem Bilanzstichtag entstanden sind. Je nach Größe des Unternehmens und der Komplexität eines Unternehmens kann die Bilanzerstellung durchaus einige Wochen, ja sogar Monate in Anspruch nehmen. Doch du darfst dabei auch nicht vergessen, dass du für die Bilanzerstellung nicht unendlich Zeit zur Verfügung hast. Kapitalgesellschaften müssen die Bilanzerstellung in den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr erstellt haben. Bist du Inhaber einer kleineren Kapitalgesellschaft oder einer Personengesellschaft, räumt dir der Gesetzgeber eine Frist von maximal sechs Monaten ein. Geregelt ist dies in § 264 Abs. 1 Satz 3 HGB. Die Frist beginnt dabei immer mit dem Bilanzstichtag.
Wie bereits eingangs schon beschrieben, kann die Wahl vom richtigen Bilanzstichtag für dich sehr wichtig sein. Doch es gibt noch andere bilanziellen Entscheidungen zu berücksichtigen, die eine große Bedeutung haben.
Eine Kapitalgesellschaft, welche Mehrheiten an einer anderen Kapitalgesellschaft besitzt, kann Dividendenansprüche, die zum Bilanzstichtag noch nicht in einer Gewinnverwendung beschlossen wurden, nicht aktivieren.
Zu berücksichtigen sind jedoch die Ergebnisse von Beteiligungen an einer Personengesellschaft und zwar nach dem Prinzip der Spiegelbildtheorie.
Besteht am Bilanzstichtag ein schwebendes Geschäft zwischen zwei Vertragspartner, dass noch nicht begonnen hat oder noch nicht vollständig abgeschlossen ist, so musst du entscheiden, wie du dieses schwebende Geschäft in der Bilanzerstellung behandeln willst.
Unter dem Begriff Bilanzstichtag verstehst du den letzten Tag in einem Wirtschaftsjahr. In der Regel ist dies der 31.12, was aber nicht zwingend vorgeschrieben ist. Du kannst ein Wirtschaftsjahr bzw. ein Geschäftsjahr auch später beginnen, dabei aber den Zeitraum von zwölf Monaten einhalten. Für den Bilanzstichtag gilt das Stichtagsprinzip. Mit dem Stichtag ist zwingend die Durchführung einer Inventur verbunden. Es gibt unter bestimmten Voraussetzungen auch die Möglichkeit einer verlegten Inventur. Ideal ist aber ein Inventurstichtag, der mit dem Bilanzstichtag identisch ist. Eine Bilanzerstellung kann erst nach dem Bilanzstichtag erfolgen.

References: § 4
 § 240
 § 252
 § 201
 § 240
 § 241
 § 264