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Timestamp: 2017-07-22 02:45:29+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 5 AZR 225/15
Entgeltausgleich, Leistungsminderung, Manteltarifvertrag
5 AZR 225/15
Arbeitsgericht Augsburg, Urteil vom 7.10.2014 - 2 Ca 209/14Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 25.3.2015 - 8 Sa 851/14
5 AZR 225/15 8 Sa 851/14Lan­des­ar­beits­ge­richt München Im Na­men des Vol­kes!
Verkündet am 24. Fe­bru­ar 2016
Klei­nert, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Fe­bru­ar 2016 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Biebl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Volk so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bürger und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Chris­ten für Recht er­kannt:
- 2 - 1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 25. März 2015 - 8 Sa 851/14 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ta­rif­li­chen Ent­gelt­aus­gleich bei Leis­tungs­min­de­rung.
Der 1961 ge­bo­re­ne Kläger ist seit 1985 bei der Be­klag­ten beschäftigt und war vor dem Streit­zeit­raum zu­letzt im Drei­schicht­wech­sel ein­ge­setzt.
Der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en nimmt ua. auf den je­weils gülti­gen Man­tel­ta­rif­ver­trag für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer der baye­ri­schen Me­tall­in­dus­trie Be­zug.
Im Sep­tem­ber 2013 leg­te der Kläger der Be­klag­ten ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung über sei­ne Un­taug­lich­keit zur Ar­beit in Nacht­schicht vor. Seit­dem beschäftigt die Be­klag­te ihn nur noch in Tag­schicht.
Der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer der baye­ri­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie vom 23. Ju­ni 2008 (im Fol­gen­den MTV) in der im Streit­zeit­raum gel­ten­den Fas­sung re­gelt ua.:
„§ 6Zu­schläge für Mehr­ar­beit, Sonn­tags-, Fei­er­tags- und Nacht­ar­beit
3. Nacht­ar­beit
(I) Der Nacht­ar­beits­zu­schlag beträgt 25 v.H. des St­un­den­ver­diens­tes.
(II) Ist Nacht­ar­beit zu­gleich Mehr­ar­beit, beträgt der Zu-schlag 60 v.H. des St­un­den­ver­diens­tes.
- 3 - Beim Zu­sam­men­tref­fen von Nacht­ar­beit und Mehr­ar­beit beträgt der
An­teil an Nacht­ar­beit 40 v.H.
An­teil an Mehr­ar­beit 20 v.H. des St­un­den­ver­diens­tes.
An­mer­kung zu § 6 Ziff. 3 Abs. (II)
Mit der Auf­tei­lung tra­gen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en dem Um­stand Rech­nung, dass die Tätig­keit zur Nacht­zeit er­schwe­rend und mit erhöhtem Auf­wand ver­bun­den ist.
§ 17Ent­gelt­aus­gleich bei Leis­tungs­min­de­rung
1. Ar­beit­neh­mer,
- die ... das 50. Le­bens­jahr voll­endet und dem Be­trieb oder Un­ter­neh­men zu die­sem Zeit­punkt min­des­tens 20 Jah­re an­gehört ha­ben,
- und die auf­grund ge­sund­heits­be­ding­ter Min­de­rung ih­rer Leis­tungsfähig­keit nicht mehr in der La­ge sind, ih­re bis­he­ri­ge Tätig­keit aus­zuüben oder in die­ser die bis­he­ri­ge Leis­tung zu er­brin­gen
- und bei de­nen hier­durch ei­ne Ver­dienst­min­de­rung ein­ge­tre­ten ist oder ein­tre­ten würde,
ha­ben auf schrift­li­chen An­trag An­spruch auf ei­nen Ent­gelt­aus­gleich.
2. Vor­aus­set­zung ist fer­ner die Vor­la­ge ei­nes ärzt­li­chen At­tes­tes, ...
3. Die An­trag­stel­lung schließt die Be­reit­schaft des Ar­beit­neh­mers zur Ver­set­zung an ei­nen an­de­ren zu­mut­ba­ren Ar­beits­platz ... ein. ...
4. An­stel­le des Ent­gelt­aus­gleichs kann - un­ter Berück­sich­ti­gung der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen - ei­ne Ver­set­zung auf ei­nen an­de­ren zu­mut­ba­ren, die bis­he­ri­ge Ent­gelthöhe si­chern­den Ar­beits­platz er­fol­gen, der der ge­min­der­ten Leis­tungsfähig­keit Rech­nung trägt....“
- 4 - Mit Schrei­ben vom 20. Ja­nu­ar 2014 be­an­trag­te der Kläger ei­nen ta­rif­li­chen Ent­gelt­aus­gleich we­gen Leis­tungs­min­de­rung, des­sen Höhe pro Mo­nat 483,84 Eu­ro brut­to be­tra­gen würde. Nach Ab­leh­nung durch die Be­klag­te hat der Kläger Zah­lungs­kla­ge für die Zeit von Sep­tem­ber 2013 bis Fe­bru­ar 2014 er­ho­ben.
Der Kläger meint, er sei auf­grund ge­sund­heit­li­cher Min­de­rung sei­ner Leis­tungsfähig­keit nicht mehr in der La­ge, sei­ne bis­he­ri­ge Tätig­keit aus­zuüben. Die­se wer­de durch die Nacht­ar­beit be­stimmt.
Der Kläger hat be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 2.903,04 Eu­ro brut­to zuzüglich Zin­sen in ge­staf­fel­ter Höhe zu zah­len.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Ein An­spruch be­ste­he nicht, weil die bis­he­ri­ge Tätig­keit un­abhängig vom Zeit­punkt der Leis­tungs­er­brin­gung sei.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung des Klägers ist vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ge­wie­sen wor­den. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen Zah­lungs­an­trag wei­ter.
Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das die Kla­ge ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen. Ein An­spruch auf Ent­gelt­aus­gleich nach § 17 MTV be­steht nicht.
I. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ei­nen An­spruch gestützt auf § 17 Buchst. A. Nr. 1 MTV in bei­den Al­ter­na­ti­ven zu Recht ver­neint.
- 5 - 1. Der MTV fin­det auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me An­wen­dung.
2. Ein An­spruch auf ta­rif­li­chen Ent­gelt­aus­gleich - die Wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Norm un­ter­stellt - folgt nicht aus § 17 Buchst. A. Nr. 1 MTV in der 1. Al­ter­na­ti­ve der „bis­he­ri­gen Tätig­keit“. Dies er­gibt die Aus­le­gung der Re­ge­lung.
a) Die Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils ei­nes Ta­rif­ver­trags folgt nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts den für die Aus­le­gung von Ge­set­zen gel­ten­den Re­geln. Da­nach ist zunächst vom Ta­rif­wort­laut aus­zu­ge­hen, wo­bei der maßgeb­li­che Sinn der Erklärung zu er­for­schen ist, oh­ne am Buch­sta­ben zu haf­ten. Bei ei­nem nicht ein­deu­ti­gen Ta­rif­wort­laut ist der wirk­li­che Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu berück­sich­ti­gen, so­weit er in den ta­rif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat. Ab­zu­stel­len ist fer­ner auf den ta­rif­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang, weil die­ser An­halts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en lie­fert und nur so der Sinn und Zweck der Ta­rif­norm zu­tref­fend er­mit­telt wer­den können. Lässt dies zwei­fels­freie Aus­le­gungs­er­geb­nis­se nicht zu, können die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen wei­te­re Kri­te­ri­en wie die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ta­rif­ver­trags, ggf. auch die prak­ti­sche Ta­rifübung ergänzend hin­zu­zie­hen. Auch die Prak­ti­ka­bi­lität denk­ba­rer Aus­le­gungs­er­geb­nis­se ist zu berück­sich­ti­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Ta­rif­aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­ner vernünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Re­ge­lung führt (vgl. BAG 8. Ok­to­ber 2008 - 5 AZR 707/07 - Rn. 17; 14. Ju­li 2015 - 3 AZR 903/13 - Rn. 17).
b) Zwar hat der Kläger das 50. Le­bens­jahr be­reits voll­endet und weist im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten ei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit von mehr als 20 Jah­ren auf. Doch ist die wei­te­re Vor­aus­set­zung, wo­nach der Ar­beit­neh­mer auf­grund ge­sund­heit­li­cher Min­de­rung der Leis­tungsfähig­keit nicht mehr in der La­ge sein darf, sei­ne bis­he­ri­ge Tätig­keit aus­zuüben, nicht erfüllt.
Das ge­sund­heit­lich be­gründe­te Un­vermögen zur Leis­tung von Nacht­schicht führt nicht da­zu, dass der Kläger sei­ne „bis­he­ri­ge Tätig­keit“ im ta­rif­li­chen
- 6 - Sinn nicht mehr ausüben könn­te. Der MTV gewährt kei­nen Ent­gelt­aus­gleich für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer in der be­ruf­li­chen Tätig­keit ver­blei­ben kann und le­dig­lich die Leis­tungsfähig­keit zur Nacht­schicht wegfällt.
aa) Dies folgt be­reits aus dem Wort­laut des § 17 MTV. Nach all­ge­mei­nem Sprach­ge­brauch ist die „Tätig­keit“ das sich Beschäfti­gen mit et­was, das Tätig­sein (Du­den Das große Wörter­buch der deut­schen Spra­che 3. Aufl.) bzw. die Ar­beit, der Be­ruf, die Ge­samt­heit der be­ruf­li­chen Ver­rich­tun­gen (Brock­haus/Wah­rig Deut­sches Wörter­buch) bzw. die Ge­samt­heit der­je­ni­gen Ver­rich­tun­gen, mit de­nen je­mand in Ausübung sei­nes Be­rufs zu tun hat (Du­den Das große Wörter­buch der deut­schen Spra­che 3. Aufl.). Die­ses all­ge­mei­ne Sprach­verständ­nis ba­siert auf in­halt­li­chen Kom­po­nen­ten („was“, „wie“, „wo­zu“), die aus der kon­kre­ten Ar­beits­auf­ga­be her­zu­lei­ten sind. „Tätig­keit“ meint die je­weils aus­zuüben­de Tätig­keit. Zeit­li­che Kom­po­nen­ten las­sen sich dem Be­griff nicht ent­neh­men (eben­so LAG Saar­land 14. No­vem­ber 2012 - 1 Sa 13/12 - Rn. 100 zu ei­ner ver­gleich­ba­ren ta­rif­li­chen Ver­dienst­si­che­rungs­re­ge­lung).
Ent­ge­gen der Re­vi­si­on steht die­ser Aus­le­gung nicht die mögli­cher­wei­se um­fas­sen­de­re Ver­wen­dung des Be­griffs „Tätig­keit“ in an­de­ren Ta­rif­verträgen ent­ge­gen. Der Re­ge­lungs­ge­gen­stand der Ta­rif­verträge wird von den je­wei­li­gen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im Rah­men ih­rer durch die Ver­fas­sung verbürg­ten Ta­rif­au­to­no­mie selbst be­stimmt. Das­sel­be gilt für die von der Re­vi­si­on zur Aus­le­gung her­an­ge­zo­ge­ne Norm des § 6 Abs. 4 Satz 1 Buchst. a Arb­ZG. Die Re­ge­lung von Nacht­ar­beit durch den Ge­setz­ge­ber lässt kei­ne Rück­schlüsse auf den von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­woll­ten Ge­halt ei­ner Vergütungs­re­ge­lung zu.
Die­se Aus­le­gung steht im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wo­nach bei ei­nem Wech­sel von Tag- in Nacht­schicht kei­ne Ver­set­zung iSd. § 95 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG vor­liegt. Da­nach wird das Bild der Tätig­keit nicht da­durch ge­prägt, dass die­se zu ei­ner be­stimm­ten Ta­ges­zeit er-bracht wird (vgl. BAG 23. No­vem­ber 1993 - 1 ABR 38/93 - zu B 2 a der Gründe, BA­GE 75, 97). Ein Wech­sel der Schicht ändert zwar die Umstände, un­ter de­nen die Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen ist. Die Ände­rung der Ar­beits­zeit al­lein ist aber
- 7 - nicht so be­stim­mend, dass des­halb das Ge­samt­bild der Tätig­keit ein an­de­res wird (vgl. BAG 23. No­vem­ber 1993 - 1 ABR 38/93 - zu B 1 b der Gründe, BA­GE 75, 97).
bb) Ein Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, Ar­beit in Nacht­schicht als „Tätig­keit“ iSd. Ta­rif­norm zu ver­ste­hen, lässt sich dem Ta­rif­ver­trag nicht ent­neh­men.
Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben die Leis­tung von Nacht­ar­beit zwar als zu re­geln­den Ge­gen­stand er­kannt. So fin­den sich in § 5 MTV Re­ge­lun­gen zur Einführung ua. von Nacht­ar­beit und in § 6 MTV ua. zu Nacht­ar­beits­zu­schlägen. Doch las­sen sich § 17 Buchst. A. Nr. 1 MTV kei­ne An­halts­punk­te dafür ent­neh­men, vom ver­wen­de­ten Tätig­keits­be­griff soll­te auch die Nacht­ar­beit um­fasst sein. Im Ge­gen­teil zeigt die An­mer­kung zu § 6 Ziff. 3 Abs. (II) MTV, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en durch ei­ne ent­spre­chend zu­schlags­pflich­ti­ge „Tätig­keit zur Nacht­zeit“ zwi­schen der ei­gent­li­chen Ar­beits­auf­ga­be und dem Zeit­raum, zu dem die­se zu erfüllen ist, dif­fe­ren­zie­ren.
cc) Auch der ta­rif­li­che Ge­samt­zu­sam­men­hang spricht für das Aus­le­gungs­er­geb­nis.
Nach § 17 Buchst. A. Nr. 4 MTV kann an­stel­le des Ent­gelt­aus­gleichs ei­ne Ver­set­zung auf ei­nen an­de­ren, zu­mut­ba­ren und die ge­min­der­te Leis­tungsfähig­keit berück­sich­ti­gen­den Ar­beits­platz er­fol­gen, um die bis­he­ri­ge Ent­gelthöhe zu si­chern. Die­se Re­ge­lung ist ver­knüpft mit dem fi­nan­zi­el­len Aus­gleich bei Leis­tungs­min­de­rung in § 17 Buchst. A. Nr. 1 MTV, denn bei­de zie­len dar­auf ab, ei­ne Ver­dienst­si­che­rung zu gewähr­leis­ten. Ge­schieht dies durch Ein­satz auf ei­nem „an­de­ren Ar­beits­platz“, zeigt sich im Zu­sam­men­hang mit der „bis­he­ri­gen Tätig­keit“, dass dem Ta­rif­ver­trag ein Verständ­nis zu­grun­de liegt, das der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 23. No­vem­ber 1993 (- 1 ABR 38/93 - BA­GE 75, 97) na­he­kommt. Da­nach ist ein bloßer Wech­sel zu ei­ner an­de­ren Schicht kei­ne Ver­set­zung. Dem ent­spricht der In­halt von § 17 Buchst. A. Nr. 3 MTV, wenn der An­trag die Be­reit­schaft des Ar­beit­neh­mers ua. zur Ver­set­zung an ei­nen an­de­ren zu­mut­ba­ren Ar­beits­platz ein­sch­ließt.
- 8 - Hier un­ter­schei­det sich die ta­rif­li­che Re­ge­lung von der, die der Ent­schei­dung des Se­nats vom 18. März 2009 (- 5 AZR 303/08 -) zu­grun­de lag und eben­falls ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung zur Ver­dienst­si­che­rung be­traf. Dort be­stimm­te der Ta­rif­ver­trag durch ei­ne Fußno­te den Be­griff des Ar­beits­platz­wech­sels bzw. der Ver­set­zung als den die Ver­dienst­si­che­rung auslösen­den Um­stand selbst in ei­ner über das übli­che Be­griffs­verständ­nis hin­aus­ge­hen­den Wei­se (vgl. BAG 18. März 2009 - 5 AZR 303/08 - Rn. 16).
dd) Sch­ließlich führt die Ein­be­zie­hung äußerer Umstände, un­ter de­nen Ar­beit zu leis­ten ist, nicht zu ei­nem an­de­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis.
Äußere Umstände wie Staub, Lärm oder Hit­ze können zur „bis­he­ri­gen Tätig­keit“ im Sin­ne der ta­rif­li­chen Re­ge­lung zu rech­nen sein, wenn die­se mit der Erfüllung der kon­kre­ten Ar­beits­auf­ga­be zwin­gend ver­bun­den sind. Doch ist die vom Kläger zu leis­ten­de Ar­beit nicht zwin­gend mit ih­rer zeit­li­chen La­ge ver­bun­den. Der Kläger erfüllt nach wie vor die glei­chen Ar­beits­auf­ga­ben, nur nicht mehr in Nacht­schicht.
Da­her kann auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Wech­sel von Ar­beit im Ak­kord- zu sol­cher in Zeit­lohn nicht her­an­ge­zo­gen wer-den. Da­nach be­inhal­tet der Wech­sel von Ak­kord- zu Zeit­lohn nicht nur ei­ne Ände­rung der Ent­loh­nungs­art. Viel­mehr wer­de die Art der Ar­beit selbst geändert, weil der Ar­beit­neh­mer im Ak­kord­lohn die Höhe sei­ner Vergütung durch Ge­schwin­dig­keit und In­ten­sität der Ar­beits­leis­tung selbst be­stim­men könne und des­halb im Ge­gen­satz zum Zeitlöhner ei­nem be­son­de­ren psy­chi­schen und phy­si­schen Druck aus­ge­setzt sei. Die An­stren­gung gehöre zur Art der Ar­beits­leis­tung (vgl. BAG 6. Fe­bru­ar 1985 - 4 AZR 155/83 -; so im Er­geb­nis auch BAG 30. No­vem­ber 1983 - 4 AZR 374/81 -). Bei Ar­beit im Ak­kord ist die zu erfüllen­de Ar­beits­auf­ga­be selbst da­durch ge­kenn­zeich­net, dass bei ent­spre­chen­der Ge­schwin­dig­keit bzw. Quan­tität ein höhe­rer Ver­dienst möglich ist. Der Ver­dienst des Ar­beit­neh­mers be­stimmt sich durch ei­nen mit der Ar­beits­auf­ga­be zwin­gend ver­bun­de­nen Um­stand, was die Par­al­le­le zu Ar­bei­ten bei Staub, Lärm etc. zeigt. Da­ge­gen fehlt im Streit­fall für Ar­beit während der Nacht die­se zwin­gen­de
- 9 - Ver­bin­dung. Die erhöhte Be­las­tung, die mit Nacht­ar­beit ver­bun­den ist, ist der kon­kre­ten Ar­beits­auf­ga­be nicht im­ma­nent.
3. Ein An­spruch auf ta­rif­li­chen Ent­gelt­aus­gleich folgt auch nicht aus § 17 Buchst. A. Nr. 1 MTV in der 2. Al­ter­na­ti­ve der „bis­he­ri­gen Leis­tung“. Zu­tref­fend ver­neint das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­nen Ent­gelt­aus­gleichs­an­spruch auf die­ser Grund­la­ge mit den glei­chen Erwägun­gen.
II. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Müller-Glöge Biebl Volk
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References: § 6

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 § 95
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