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Timestamp: 2020-08-05 14:09:01+00:00

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OLG Hamm, 04.02.2010 - I-27 U 14/09 - dejure.org
OLG Hamm, 04.02.2010 - I-27 U 14/09
https://dejure.org/2010,6062
OLG Hamm, 04.02.2010 - I-27 U 14/09 (https://dejure.org/2010,6062)
OLG Hamm, Entscheidung vom 04.02.2010 - I-27 U 14/09 (https://dejure.org/2010,6062)
OLG Hamm, Entscheidung vom 04. Februar 2010 - I-27 U 14/09 (https://dejure.org/2010,6062)
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BGB § 312d; BGB § 355 Abs. 3 S. 3; BGB § 705
Fehlerhafte Gesellschaft, Gesellschaftsrecht, Personengesellschaft, Widerruf
b) Eine andere Auffassung hält die Abstandnahme vom Urkundenprozess in der Berufungsinstanz grundsätzlich für unzulässig (OLG Celle MDR 2006, 111; OLG Hamm Urteil vom 4. Februar 2010 - 27 U 14/09 - juris;… Zöller/Greger ZPO 28. Aufl. § 596 Rn. 4; Stickelbrock EWiR § 592 ZPO 1/03, 666).
a) Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, dass auch nach der Neugestaltung des Berufungsverfahrens durch das Zivilprozessreformgesetz die Erklärung der Abstandnahme vom Urkundenprozess im Berufungsverfahren nicht generell unzulässig ist (so aber OLG Celle MDR 2006, 111; OLG Hamm Urteil vom 4. Februar 2010 - 27 U 14/09 - juris;… Zöller/Greger ZPO 28. Aufl. § 596 Rn. 4; Stickelbrock EWiR § 592 ZPO 1/03, 666).
b) Soweit hiergegen eingewendet wird, dass der Beklagte durch die Zulassung des Abstehens vom Urkundenprozess in zweiter Instanz ungerechtfertigt eine Tatsacheninstanz verlieren würde und bereits deshalb § 596 ZPO nicht uneingeschränkt im Berufungsverfahren angewendet werden könne (OLG Celle MDR 2006, 111; OLG Hamm Urteil vom 4. Februar 2010 - 27 U 14/09 - juris;… Zöller/Greger ZPO 28. Aufl § 596 Rn. 4), trägt diese Begründung nur, wenn man, wie teilweise im Schrifttum vertreten wird (…Musielak/Voit ZPO 7. Aufl. § 596 Rn. 7;… Saenger/Eichele ZPO 4. Aufl. § 596 Rn. 4), das Abstehen vom Urkundenprozess im Berufungsverfahren unabhängig von den Voraussetzungen der Klageänderung für zulässig hält.
c) Der Zulässigkeit des Abstehens vom Urkundenprozess im Berufungsverfahren steht auch nicht die geänderte Funktionsbestimmung der Berufungsinstanz durch das Zivilprozessreformgesetz entgegen (so aber OLG Celle MDR 2006, 111; OLG Hamm Urteil vom 4. Februar 2010 - 27 U 14/09 - juris;… Zöller/Greger ZPO 28. Aufl. § 596 Rn. 4; Stickelbrock EWiR § 592 ZPO 1/03, 666).
Auch im Hinblick auf den oben zitierten Verzicht " auf ein etwaiges vorzeitiges Erlöschen des Widerrufsrechts nach den gesetzlichen Bestimmungen", durch den der Eindruck einer Besserstellung gegenüber den gesetzlichen Regelungen erzielt wird, kann der durchschnittliche Kunde die streitgegenständliche Widerrufsbelehrung nur dahingehend verstehen, dass unabhängig von den Voraussetzungen des § 312 BGB bzw. des § 312 d BGB ein vertragliches Widerrufsrecht nach § 355 BGB eingeräumt werden sollte, womit auch § 355 Abs. 3 S. 3 BGB anwendbar ist (…vgl. OLG Köln, Urt. v. 22.07.2009, 27 U 5/09, Seite 6 ff, Anlage K 6; OLG Hamm, Urt. v. 04.02.2010, 27 U 14/09, Rn. 34-39, zitiert nach juris;… Münchener Kommentar-Masuch, BGB, 5. Aufl., § 355, Rn. 58; Podewils, MDR 2010, 117, 118).
Selbst wenn die Modalitäten der Widerrufsausübung vorliegend nicht durch Bezugnahme auf § 355 BGB konkretisiert worden wären, würden sie sich nach den gesetzlichen Regelungen für dasjenige Widerrufsrecht richten, von dessen Bestehen bei der Belehrung ausgegangen worden ist bzw. welches am ehesten in Betracht zu ziehen war (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 04.02.2010, 27 U 14/09, Rn. 37, zitiert nach juris;… Münchener Kommentar-Masuch, a.a.O.).
10 b) Dass bei der Rückabwicklung eines Fondsbeitritts die Grundsätze der fehlerhaften Gesellschaft anzuwenden sind, sodass (auch) die Musterbelehrung nach § 14 Abs. 1 Anlage 2 BGB-InfoV hier nicht passt, führt nicht dazu, dass eine Belehrung völlig unterbleiben kann, weil diese zu kompliziert wäre; vielmehr führen gerade die komplizierten Rechtsfolgen dazu, dass eine entsprechende korrekte Belehrung zu erfolgen hat (so i.E. auch OLG Dresden, Hinweis vom 07.04.2008, 1 U 0057/08, S. 3 f, Anlage K 4;… OLG Köln, a.a.O., S. 9 f;… OLG Frankfurt, a.a.O., Rn. 64; OLG München, Verfügung vom 12.01.2010, 14 U 556/09, Anlage BB 2, Bl. 236 d.A.; OLG Hamm, Urt. v. 04.02.2010, 27 U 14/09, Rn. 34-39, zitiert nach juris; OLG Stuttgart, Hinweisbeschl, 6 U 51/10, Anlage BB 4, Bl. 246 d.A.), wobei der Senat nicht entscheiden muss (…vgl. BGH, a.a.O., Rn. 16;… OLG Köln, a.a.O.), wie die Widerrufsbelehrung im Einzelnen auszusehen hat (vgl. dazu Podewils, MDR 2010, 117, 120.).
Dahinstehen kann, ob dem Beklagten ein Widerrufsrecht nach den §§ 505, 507 BGB in der bis zum 10.06.2010 geltenden Fassung zusteht, denn die Klägerin hat dem Beklagten vertraglich ein Widerrufsrecht eingeräumt (dazu OLG Hamm I 27 U 14/09 Urteil vom 04.02.2010, OLG Köln 27 U 5/09 Urteil vom 22.07.2009, BGH VIII ZR 115/81 Urteil vom 30.06.1982 zum Abzahlungsgesetz, Münchener Kommentar § 355 Rdnr. 58).
Eine solche Belehrung ist unwirksam (BGH NJW 2007, 1946, OLG Hamm I-27 U 14/09 Rdnr. 39, OLG Düsseldorf 27 U 5/09 Rdnr. 21).

References: § 312
 § 355
 § 705
 § 596
 § 592
 § 596
 § 592
 § 596
 § 596
 § 596
 § 596
 § 596
 § 592
 § 312
 § 312
 § 355
 § 355
 § 355
 § 355
 § 14
 BGH 
 § 355