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Timestamp: 2019-05-20 00:54:58+00:00

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Vorsteuerabzug aus der Rechnung des Nachlassinsolvenzverwalters | Wirtschaftslupe
Bei richtlinienkonformer Auslegung setzt § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG somit voraus, dass der Unternehmer Leistungen für sein Unternehmen (§ 2 Abs. 1 UStG, Art. 9 MwStSystRL) und damit für seine wirtschaftlichen Tätigkeiten zur Erbringung entgeltlicher Leistungen (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG, Art. 2 Abs. 1 Buchst. a und c MwStSystRL) zu verwenden beabsichtigt. Die Ausgangsleistungen des Unternehmers müssen zudem steuerpflichtig oder in § 15 Abs. 3 UStG (Art. 169 MwStSystRL) benannt sein1.
Zwar endet mit dem Tod des Unternehmers dessen Unternehmereigenschaft i.S. von § 2 Abs. 1 Satz 1 UStG und somit auch die Berechtigung zum Vorsteuerabzug i.S. von § 15 UStG. Der Gesamtrechtsnachfolger tritt jedoch in die umsatzsteuerrechtlich noch nicht abgewickelten unternehmerischen Rechtsverhältnisse seines Rechtsvorgängers ein3. Unternehmen und Unternehmereigenschaft erlöschen erst, wenn der Unternehmer alle Rechtsbeziehungen abgewickelt hat, die mit dem aufgegebenen Betrieb zusammenhängen4. Als Gesamtrechtsnachfolger hat der Erbe deshalb für die Abwicklung aller umsatzsteuerrechtlich relevanten Vorgänge zu sorgen. Führt der Gesamtrechtsnachfolger die wirtschaftliche Tätigkeit des Erblassers nicht fort, sondern verkauft er im Rahmen der Liquidation des Unternehmens die Gegenstände des ererbten Unternehmensvermögens, handelt er insoweit als Unternehmer5.
Wie das Finanzgericht zutreffend erkannt hat, hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens keinen Einfluss auf die Unternehmereigenschaft des Insolvenz- bzw. Gemeinschuldners6.
Entgegen der vom Finanzamt vertretenen Ansicht kommt eine Berücksichtigung einzelner Verwertungshandlungen des Insolvenzverwalters nicht in Betracht7.
Die Aufteilung der Vorsteuer nach der Quote der unternehmerisch begründeten Verbindlichkeiten zu den Privatverbindlichkeiten ist, anders als das Finanzamt meint, auch praktikabel, weil jeweils auf die im Insolvenzverfahren angemeldeten Insolvenzforderungen, mithin auf feststehende Zahlen, abzustellen ist8. Im Übrigen ist im Streitfall nicht zu entscheiden, ob und unter welchen Voraussetzungen der Nachlassinsolvenzverwalter als Verwalter im Insolvenzverfahren über den Nachlass des A die betreffende Vorsteuer durch eine andersartige sachgerechte Schätzung nach § 15 Abs. 4 Satz 2 UStG hätte aufteilen können.
Der Bundesfinanzhof weist darauf hin, dass sich aus der Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union “Larentia + Minerva”9 nichts anderes ergibt.
Diese Rechtssachen betreffen schon anders als im Streitfall die Besonderheiten der Vorsteueraufteilung bei Holdinggesellschaften10. Das hier vorliegende Nachlassinsolvenzverfahren diente zudem, was zwischen den Beteiligten unstreitig ist, gleichermaßen der Befriedigung unternehmerischer wie auch privater Verbindlichkeiten, so dass die vom Nachlassinsolvenzverwalter als Verwalter im Insolvenzverfahren über den Nachlass des A erbrachte Leistung sowohl die vormals wirtschaftliche als auch nichtwirtschaftliche Tätigkeit des A betroffen hat und die Vorsteuer auch im Lichte des EuGH, Urteils Larentia + Minerva11 entsprechend aufzuteilen ist.
ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH, Urteile vom 09.02.2012 – V R 40/10, BFHE 236, 258, BStBl II 2012, 844, Rz 19 ff., m.w.N. zur Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union -EuGH-; vom 15.04.2015 – V R 44/14, BFHE 250, 263, BStBl II 2015, 679, Rz 10, m.w.N. [↩]
ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH, Urteile in BFHE 236, 258, BStBl II 2012, 844, Rz 25; in BFHE 250, 263, BStBl II 2015, 679, Rz 11, jeweils m.w.N. [↩]
vgl. dazu BFH, Urteil vom 13.01.2010 – V R 24/07, BFHE 229, 378, BStBl II 2011, 241, Rz 24, m.w.N. [↩]
vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 229, 378, BStBl II 2011, 241, Rz 26, m.w.N. [↩]
vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 229, 378, BStBl II 2011, 241, Rz 22 [↩]
vgl. z.B. BFH, Urteile vom 20.02.1986 – V R 16/81, BFHE 146, 287, BStBl II 1986, 579, unter 1., Rz 11; vom 15.06.1999 – VII R 3/97, BFHE 189, 14, BStBl II 2000, 46, unter 2.c aa, Rz 37; vom 28.06.2000 – V R 45/99, BFHE 192, 129, BStBl II 2000, 703, unter II. 1., Rz 9; Bunjes/Korn, UStG, 14. Aufl., § 2 Rz 38; Meyer in Offerhaus/Söhn/Lange, § 2 UStG Rz 142; Stadie in Rau/Dürrwächter, Umsatzsteuergesetz, § 2 Rz 666; Stöcker in Küffner/Stöcker/Zugmaier, Umsatzsteuer, § 2 Rz 509, jeweils m.w.N. [↩]
vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 250, 263, BStBl II 2015, 679, Rz 17 [↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 250, 263, BStBl II 2015, 679, Rz 19 [↩]
EuGH, Urteil vom 16.07.2015 – C-108/14 und – C-109/14, EU:C:2015:496, DStR 2015, 1673 [↩]
vgl. auch BFH, Urteile in BFHE 250, 263, BStBl II 2015, 679, Rz 21; vom 16.09.2015 – XI R 27/13, BFH/NV 2016, 252, Rz 41 [↩]
EuGH; EU:C:2015:496, DStR 2015, 1673 [↩]

References: § 15
 Art. 9
 Art. 2
 § 15
 § 2
 § 15
 § 15
 § 2
 § 2
 § 2
 § 2