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Timestamp: 2019-03-23 16:43:26+00:00

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Q - Baltisches Rechtswörterbuch - Internet-Auftritt der BHK
Q - Baltisches Rechtswörterbuch
Quartal-, Quartier-
Als Teil zusammengesetzter Bezeichnungen in verschiedenen Städten und Zeitabschnitten in sehr unübersichtlicher, ja verwirrender Weise angewendeter Begriff, der a) Stadtteil, b) Vierteljahr und c) Einquartierung bedeuten kann.
Quartalaufseher, Quartieraufseher, Quartaloffizier
Beamter des Rigaer --> Polizeiamts.
BPR I § 625.
Quartalgeld
Die von den Mitgliedern der Mitauer --> Krämergesellschaft- und der dortigen --> Bierbrauergesellschaft vierteljährlich zu den ordentlichen Versammlungen zu entrichtenden Beiträge.
BPR II § 1254.
Quartaloffizier --> Quartalaufseher
Quartalschoß --> Schoß
Unterorgan beim --> Stadtamt, mit Einführung der russischen --> Städteordnung 1879 in Riga, Pernau und Wolmar eingerichtet. In Riga übernahm es die Geschäfte der --> Quartierexpedition, in Pernau und Wolmar die des --> Quartierkollegiums: die Versorgung des in der Stadt stationierten Militärs und seine Unterbringung. In Riga bestand das Quartieramt aus einem Stadtrat als Präses und fünf Stadtverordneten sowie einem weiteren Beisitzer.
Carlberg 269 ff.
Quartieraufseher
In Reval in der Geltungszeit der --> Statthalterschaftsverfassung hauptberuflicher Aufseher über jeweils einen der beiden Polizeibezirke. --> Quartalaufseher
Elias 123 ff.
Quartierbürger
In Dorpat zwei Beamte beim --> Quartierkollegium, jeweils von einer der beiden Gilden gewählt.
BPR I § 682.
Quartierexpedition
Wurde in Riga bei der Reorganisation der Militärverwaltung anstelle des bisherigen --> Quartierkollegium eingesetzt (1877), nach Einführung der --> Städteordnung 1878 aber wieder aufgehoben und durch das --> Quartieramt ersetzt. Die Quartierexpedition bestand aus Vertretern des Rats und der beiden Gilden.
Carlberg 269.
Abgabe für die Militäreinquartierung.
Aktenstücke Riga II 69, 514, 530, Elias 52; Hartmann 133.
Quartiergericht
Untergericht des Rigaer Rats, bestehend aus vier Ratsherren (Quartierherren) und einem Notar.
Aktenstücke Riga I 307, 440.
Quartierherr
1.In den kurländischen Städten Mitglied beim --> Quartierkollegium.
2. In Dorpat, Pernau und Werro der Vertreter des Rats im -->Quartierkollegium.
BPR I §§ 618, 758, 819.
3. In Riga vor Bildung des --> Quartierkollegium die den vier Quartieren vorstehenden Ratsherren. --> Quartierherrschaft, Quartiergericht
Gutzeit II 416.
4. In Reval der einem der vier Quartiere (hier: Wehrbezirk) vorstehende Ratsherr.
Elias 52.
Quartierherrschaft
Für die Unterbringung des Militärs war die Stadt Riga in vier Quartiere eingeteilt, an deren Spitze jeweils einer der vier jüngsten Ratsherren als --> Quartierherr stand. Die Quartierherrschaft lag ursprünglich allein in den Händen des Rats, seit 1742 (Bildung des --> Quartierkollegium) waren auch die Gilden beteiligt. In früheren Zeiten leitete die Q. auch die Bürgerwache, die in Kriegsfällen und bei Feuersbrünsten eingesetzt wurde. In der Vorstadt übte der Landvogt (--> Landvogtei) als vorstädtischer Quartierherr die Q. aus.
Aktenstücke Riga I 304; Campenhausen 69 f.; Eckardt 37.
Quartierkammer
l. Revaler Behörde, bestehend aus dem --> Munsterherr als Vorsitzendem, vier Ratsherren (--> Pfortenherr), dem Worthabenden --> Ältermann der Großen Gilde, dem --> Niedergerichtssekretär und dem --> Stadtkapitän. Die Quartierkammer hatte "alle auf die --> Bürgerkompagnien bezüglichen Geschäfte zu leiten und alle Stellen bei derselben zu besetzen". Bei den Bürgerkompagnien handelte es sich nicht um das berufsmäßige Stadtmilitär, sondern um diejenigen bewaffneten Bürger, die ursprünglich an der Stadtverteidigung teilnehmen sollten, im 18. Jh. aber fast nur noch Repräsentationsaufgaben wahrnahmen. Die Q. ist zu unterscheiden von der --> Quartierkommission, die für die Einquartierung staatlichen Militärs zuständig war. Sie wurde in Reval zeitweilig --> Stadtverlegekammer (Verlegungskammer) genannt.
2. Eine Quartierkammer gab es auch in Hapsal mit einem Adligen als Vorsitzendem und je einem Beisitzer aus dem Kaufmanns- und zünftigen Bürgerstand (Handwerker) sowie in Wesenberg, Weißenstein und Baltischport. Diese Quartierkammern dürften – da keine Bürgerkompagnien in diesen Städten bekannt sind – sich im wesentlichen mit der Einquartierung staatlichen Militärs befaßt haben. Wegen ihrer Verwaltung, Organisation etc. verweist BPR I § 1281 auf die Regelung auf dem Revaler Dom – ohne daß in den betr. §§ etwas dazu zu finden wäre.
BPR I §§ 1190 f., 1257, 1280 f.
Quartierkasse
Kasse des--> Quartierkollegiums.
Aktenstücke Riga II 69; BPR I § 762; Elias 52.
Quartierkollegium
Entsprach der --> Quartierkammer in den estländischen Städten.
1. In Riga bereits 1742 eingerichtet. Bestand anfänglich aus vier Ratsherren (Quartierherren), den beiden Älterleuten, je einem Ältesten und zwei Bürgern der Gilden, später aus zwei Ratsherren, den Älterleuten und Ältesten sowie je fünf Bürgern beider Gilden. Vorsitzender war der ältere Ratsherr als Oberquartierherr. Das Q. übte die --> Quartierherrschaft aus, hatte auch die Schlichtung von Streitigkeiten bei Einquartierungsfragen und die Erhebung des Quartiergeldes zu besorgen (BPR I § 618 ff.). 1874/77 trat die --> Quartierexpedition an die Stelle des Quartierkollegiums und wurde ihrerseits 1879 vom --> Quartieramt abgelöst.
2. Ein Quartierkollegium bestand auch in den übrigen livländischen Städten in kleinerem Umfang: Vorsitzender zumeist ein Ratsherr (in Arensburg ein Adliger, in Dorpat als Oberquartierherr bezeichnet); Beisitzer aus der Bürgerschaft, insbesondere den Gilden; in Arensburg ein zusätzlicher Beamter als Quartiermeister.
BPR I §§ 681 ff., 758 ff., 789, 798, 807, 813, 821 f., 831, 843; Campenhausen 69; Eckardt 37.
3. Ein Quartierkollegium bestand auch in den meisten kurländischen Städten. Seine Aufgabe war die Erhebung und Verwaltung der Beiträge der Hausbesitzer für die Einquartierung (Quartierlast) und die Unterbringung des einquartierten Militärs.
BPR I 1507 ff
Quartierkomitee
Bestand in Werro aus einem hausbesitzenden Adligen als Vorsitzendem, einem Kaufmann, zwei zünftigen Bürgern und zwei unbesitzlichen Bürgern (ohne Hausbesitz). Es war in Quartiersachen das beschließende Organ (Verteilung der Quartierausgaben und Erlaß von Anordnungen für Einquartierungen), während das --> Quartierkollegium Vollzugsorgan war.
BPR I §821 f.
l. In Narva städtische Behörde, welche die Aufgaben der anderwärts --> Quartierkollegien wahrnahm, bestehend aus sieben Mitgliedern: ein adliger Hausbesitzer, je ein Mitglied beider Gilden, ein Mitglied der russischen Kaufmannschaft, je einem der altrussischen, finnischen und neurussischen Gemeinde. Vorsitzender war der --> Kommerz- und Polizeibürgermeister. Die starke Besetzung erschien notwendig, weil bei Narva und der nahegelegenen Hauptstadt St. Petersburg oft starke Truppenkonzentrationen erfolgten. Reichten die Stadt und der Landeplatz Hungerburg zur Einquartierung nicht aus, konnte auf die umliegenden Dörfer ausgewichen werden – nach Absprache mit dem Polizeichef des Jamburgischen Kreises bzw. dem Hakenrichter von Allentacken.
BPR I §§ 1639 ff.
2. In Reval bestand die Quartierkommission aus drei Mitgliedern: der Vorsitzende aus den Adligen, --> Literaten oder Kaufleuten, die Beisitzer aus der Kaufmannschaft oder der Kleinen Gilde. Die Q. hatte nur die finanziellen Lasten zu repartieren, während die Durchführung der Einquartierungen der --> Stadtverlegekammer oblag.
BPR I § 1183.
Quartierlast --> Quartierkollegium
In Dorpat und Arensburg ein besonderer Beamter beim --> Quartierkollegium, später auch in Riga und Wenden.
BPR I §§ 682, 843.
Quartieroffizier --> Quartaloffizier, --> Quartalaufseher.
Zu Beginn eines kurländischen Landtags oder einer allgemeinen -->Konferenz ernannte der --> Landbotenmarschall beziehungsweise der --> Konferenzdirektor zwei Landboten zu Quästoren (--> Landbote), die während der Tagungsdauer für die Ordnung im Hause zu sorgen hatten, insbesondere dafür, daß Unbefugte keinen Zutritt hatten und die Verhandlungen nicht gestört wurden. Hierfür wurden ihnen der Kastellan und die Dienerschaft des Ritterhauses unterstellt.
Kurl. LandtagsO 1897 § 107 Nr. 2.
Beschwerde gegen ein --> Interlokut. --> Querulant
Im 18./l9. Jh. nicht, wie im heutigen Sprachgebrauch, ein streitsüchtiger Mensch ("Prozeßkrämer"), sondern der Beschwerdeführer gegen eine Erkenntnis in einem Nebenpunkt des anhängigen Rechtsstreits (-->Interlokut). Danach Querulant = Beschwerdeführer, Beschwerdegegner.
Samson §§ 621; Schmidt, Civilpr. 78, 146.
Die livländische Agrarreform von 1849, mit der der Übergang von --> Bauerland in bäuerliches Eigentum eingeleitet wurde, gestattete, einen "aliquoten" Teil des Bauerlandes mit den Rittergütern zu vereinigen, ausgehend von dem Gedanken, daß dieses Land bisher zum Unterhalt der auf dem Gut fronenden Knechte gedient habe, nun aber für die von den Gütern zu übernehmenden Knechte erforderlich sei. Die Quote betrug etwa ein Sechstel des Bauerlandes. § 122 der BVO 1849 gestattete indes dem Gutsherrn, das Quotenland nach Belieben zu verwenden, also auch zur Erweiterung der Gutsfelder, zumal nicht jedes einzelne Gesinde einen Teil seines Landes abtreten mußte, sondern das Bauerland insgesamt, so daß ganze --> Gesinde zu Q. erklärt werden konnten. Deren Pächter konnten die Höfe nicht zu Eigentum erwerben, mußten vielmehr mit der Einziehung zum Gutsland rechnen. Diese Möglichkeit wurde durch eine Verordnung von 1893 stark eingeschränkt. Das Quotenland bildete zwischen den bisherigen Bodenkategorien Bauerland und --> Hofesland eine dritte, die steuerrechtlich und bezüglich der Reallasten dem Bauerland gleichgestellt war, dennoch dem Gutsland zugezählt wurde und unter Sonderrecht stand. Das Quotenland fiel unter die lettische Agrarreform von 1920 und wurde bis zu 100 ha den bisherigen Pächtern zugewiesen. --> Sechstel
Broecker 36 ff., 43 ff.; Creutzburg 73 ff.; Balt. Bürgerkunde 301 ff.; Tobien, Agrargesetzgebung I 197, II 141 ff., 196 ff.; Latv. Enc. 1179.
Quotenland --> Quote

References: § 625
 § 1254
 § 682
 § 1281
 § 762
 § 618
 §821
 § 1183
 § 107
 § 122