Source: http://flugrechte.eu/11732/lufthansa-flugzeit%C3%A4nderung-10h-nach-hinten?show=11760
Timestamp: 2018-04-22 18:35:22+00:00

Document:
LUFTHANSA Flugzeitänderung 10h nach hinten - FLUGGASTRECHTE
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Angekündigte Flugvorverlegung von Lufthansa um 9,5 Stunden resultiert in nicht eingeplantem Overnight-Stay - Recht auf Hotelkosten?
Schadenersatz möglich bei Umbuchung von Flügen TXL - Graz und zurück von air-berlin auf Lufthansa zu unmöglichen Zeiten?
Ich habe bei Lufthansa einen Flug Mitte März für Mitte Mai gebucht und bestätigt bekommen (Linz - Frankfurt - London City). Jetzt Anfang April erhalte ich die Nachricht, dass der Flug statt um 6 Uhr erst um 15 Uhr geht und ich also statt kurz nach 9 Uhr morgens erst gegen 19 Uhr in London bin.
Habe bei Lufthansa angerufen, dort wurde mir gesagt, dass der Flug verschoben wurde, weil es keinen Anschluss in Frankfurt nach London City mehr gibt. Und das, obwohl ich eine Flugbestätigung für den früheren Flug bekommen habe.
Ich habe die Vermutung, dass der Flug überbucht war und jetzt die "billiigen" Tickets rausgeschmissen werden, die früh gebucht haben.
Welche Rechte habe ich (muss früher fliegen mit extra Hotelkosten oder die Reise stornieren wo Hotelkosten, die nicht storniert werden können, anfallen)?
Ihr Flug wurde um 10 Stunden nach hinten verlegt. Statt 6 Uhr soll der Flug nun erst 15 Uhr starten. Da Sie diese Änderung nicht hinnehmen wollen, fragen Sie sich wie Sie sich nun verhalten können.
Bei einer Verlegung des Fluges um 10 Stunden nach hinten, liegt meiner Meinung nach keine Verspätung mehr vor, sondern eine Annullierung des ursprünglichen Fluges. Durch diese Annullierung können für Sie Ansprüche aus der EU-Fluggastrechteverordnung entstehen.
Ansprüche die für den Fluggast aufgrund einer Annullierung entstehen können, werden in Artikel 5 der oben verlinkten Verordnung dargelegt:
1) Bei Annullierung eines Fluges werden den betroffenen Fluggästen
b) vom ausführenden Luftfahrtunternehmen Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 9
c) vom ausführenden Luftfahrtunternehmen ein Anspruch auf Ausgleichszahlung gemäß Artikel 7 eingeräumt, es sei denn, sie werden über die Annullierung mindestens 2 Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit unterrichtet
Ansprüche, die aus Artikel 8 entstehen können
Wenn es zu einer Annullierung kommt, kann der Fluggast mithilfe dieses Artikels von der Airline eine Ersatzbeförderung verlangen, die zu den gewünschten Zeiten des Fluggastes fliegt und vielleicht auch den ursprünglichen Flugzeiten ähnelt. Sollte die Airline dem Fluggast allerdings keine zufriedenstellende Alternative anbieten können, so hat dieser gemäß Artikel 8 Absatz 1 Buchstabe a) das Recht, von der Airline die gezahlten Flugscheinkosten erstattet zu bekommen, um mit diesen dann neue Flüge buchen zu können, die seinen gewünschten Zeiten entsprechen.
Laut Lufthansa gibt es für sie keinen Anschluss mehr von Frankfurt nach London City, wodurch es eventuell schwierig werden könnte, eine zufriedenstellende Alternativbeförderung für Sie zu finden. Daher wäre es meines Erachtens nach vielleicht vorteilhaft zunächst die Erstattung von den Flugscheinkosten zu fordern, um im Anschluss dann evtl. selbst eine passende Alternative zu finden.
Ansprüche, die aus Artikel 9 entstehen können
1) Wird auf diesen Artikel Bezug genommen, so sind Fluggästen folgende Leistungen unentgeltlich anzubieten:
- ein Aufenthalt zusätzliche zu dem vom Fluggast beabsichtigten Aufenthalt notwendig ist,
Ich denke, dass Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe b) zweiter Anstrich dahin auszulegen ist, dass Lufthansa, sollten Sie sich dazu entscheiden früher zu fliegen, wodurch für Sie dann zusätzliche Hotelkosten entstehen, dazu verpflichtet, Ihnen diese zusätzlichen Hotelkosten zu erstatten bzw. zu zahlen.
Ansprüche, die aus Artikel 7 entstehen können
Zu guter Letzt kann für den Fluggast im Fall einer Annullierung ein Anspruch auf Ausgleichszahlung gemäß Artikel 7 entstehen. Dieser verfällt jedoch, wenn der Grund für die Annullierung in einem außergewöhnlichen Umstand liegt oder der Fluggast mehr als 2 Wochen vor dem planmäßigen Flugantritt von der Annullierung informiert wird.
Sie schreiben, dass Ihr Flug Mitte Mai starten sollte, Sie aber schon Mitte April von der Annullierung informiert sind. Daher denke ich, dass Ihnen leider kein Anspruch auf Ausgleichszahlung gemäß Artikel 7 zusteht und Sie lediglich eine Chance haben Ansprüche aus den Artikeln 8 und 9 der Verordnung geltend zu machen.
Eine Annullierung liegt immer dann vor, wenn ein Flug nicht so durchgeführt werden kann wie geplant und der Start daher aufgegeben werden muss. Wird ein Flug auf einen anderen Tag verlegt, ist darin ebenfalls eine Annullierung zu sehen .Es ergeben sich daher auch Ansprüche aus der EU-Fluggastrechteverordnung.
BGH, Urteil vom 17.3.2015, Az. X ZR 34/14
Hier hat der BGH entschieden, dass auch eine zeitliche Verlegung des Fluges nach hinten einer Nichtbeförderung gleichkomme und dem Fluggast dann Ausgleichszahlung zustehen könnten.
Da es sich bei Ihnen um einen komplexen Sachverhalt handelt und ich hier nur meine persönliche Rechtsmeinung wiedergeben kann, wäre es vielleicht hilfreich einen Fachanwalt um Rat zu fragen.
Beantwortet 13 Apr von GlobalCitizen (5,820 Punkte)
Sie haben bei Lufthansa einen Flug von Linz über Frankfurt nach London gebucht. Dieser soll im Mai losgehen. Nun haben Sie allerdings eine Mitteilung erhalten, dass der Flug statt 6 Uhr nun erst 15 Uhr geht. Insofern wären Sie statt 9 Uhr morgens nun erst 19 Uhr abends in London. Sie fragen sich, welche Möglichkeiten es gibt.
Da sich laut der Aussage von Lufthansa der Flugplan geändert hat, könnte man hier von einer Flugannullierung ausgehen. Rechtliche Möglichkeiten ergeben sich dabei aus Art. 5 der europäischen Fluggastrechteverordnung. Dieser Artikel verweist weiterhin auf die verschiedenen Rechte, insbesondere der Anspruch auf Ausgleichsleistungen (Art. 7) und der Anspruch auf Unterstützungsleistungen (Art. 9).
Zunächst zu dem Ausgleichsleistungsanspruch aus Art. 7 der VO:
Problematischer Weise ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass dieser Anspruch in bestimmten Fällen nicht greift. Ein solcher Fall könnte bei Ihnen vorliegen, denn Sie wurden bereits jetzt über die Annullierung informiert. In der Verordnung ist festgelegt, dass Ausgleichszahlungen von dem entsprechenden Luftfahrtunternehmen nicht geleistet werden muss, wenn die Mitteilung über die Annullierung mehr als zwei Wochen im Voraus an den Passagier übermittelt wird.
Dennoch könnte man nun auf die Unterstützungsleistungen aus Art. 8 der Verordnung zurückgreifen.
Demnach besteht die Wahlmöglichkeit zwischen der Rückerstattung der Flugscheinkosten, sodass Sie dann eigenständig einen neuen Flug buchen könnten. Alternativ könnten Sie eine Ersatzbeförderung anstreben, was allerdings nach Aussage der Lufthansamitarbeiter schwierig werden könnte. Trotzdem sollten Sie nochmal mit Lufthansa in Kontakt treten und im Zweifel könnten Sie die Rückerstattung wählen.
Sie haben einen Flug von Linz über Frankfurt nach London City gebucht. Nun wurden Sie darüber infomiert, dass sich die Flugzeiten geändert haben und Sie nun 10 Stunden später in London ankommen. Sie fragen sich nun, welche Ansprüche Sie gegenüber Lufthansa haben.In Frage kommen Ansprüche aus der EU-Fluggastrechteverordnung.
In Ihrem Fall wurde die Abflugzeit um 10 Stunden verschoben. Dies kann sowohl eine große Verspätung, als auch eine Annullierung darstellen. Die beiden Begrifflichkeiten unterscheiden sich darin, dass es bei der großen Verspätung (wortgerecht) auf die verspätete Ankunft am Zielflughafen ankommt. Eine Annullierung wird hingegen angenommen, wenn das Luftfahrtunternehmen seine ursprüngliche Flugplanung für die vorgesehene Strecke aufgeben muss.
Meiner Ansicht ist es jedoch völlig egal, ob man eine Verspätung von 10 Stunden nun als große Verspätung oder als Annullierung zu betrachten ist. Laut einem Urteil des EuGH ist es nämlich so, dass auch bei einer großen Verspätung die Ansprüche, welche sich aus der Annullierung ergeben, analog herangezogen werden können. Das bedeutet, dass du bei einer Verspätung von 10 Stunden die in Art. 5 VO (Annullierung) genannten Ansprüche geltend machen kannst, soweit deren Voraussetzungen erfüllt sind.
Sie könnten zunächst einmal die Reise stornieren und selbstständig neu buchen. Falls diese Option für Sie aber nicht in Frage kommt, können Sie Ihren Anspruch auf eine Alternativbeförderung zu vergleichbaren Beförderungsbedingungen geltend machen. Das bedeutet, dass der Fluggast einen Anspruch auf den gleicher Flughafen, die gleiche oder sogar höhere Buchungsklasse, die gleiche Abflugzeit, die gleiche Ankunftszeit am letzten Zielort und einen Non-Stop-Flug, wenn keine Zwischenlandung vereinbart.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass es hilfreich wäre, wegen der schwierigen Einzelheiten einen Fachanwalt für Reiserecht zu Rate zu ziehen.
Beantwortet vor 6 Tagen von MajorTommie (11,600 Punkte)

References: BGH 
 Art. 5
 Art. 7
 Art. 8
 EuGH 
 Art. 5