Source: http://kjr-lsa.de/ger/junge_gefluechtete/nachgefragt/nachgefragt.php
Timestamp: 2018-08-22 03:47:36+00:00

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Derzeit befinden sich ca. 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Zerstörung, Verfolgung oder Elend. Das geht aus dem aktuellen Halbjahresbericht des UNHCR [1] hervor. Die Konflikte und Kriege der letzten Jahre (Ukraine, Syrien) und die damit einhergehenden ansteigenden Zahlen von Menschen auf der Flucht rücken das Thema Flucht zunehmend in die Öffentlichkeit. In der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatte um die Situation der vielen geflüchteten Menschen kommen immer wieder Schlagworte und Fachtermini zum Einsatz, deren Bedeutung möglicherweise nicht immer sofort gegenwärtig ist bzw. die teilweise auch nichtzutreffend synonym gebraucht werden. Daher soll an dieser Stelle eine Übersicht über zentrale Begrifflichkeiten gegeben werden.
Abschiebung • Aufenthaltsgesetz (AufenthG) • Ausländer*innen • Asylantrag • Asylbewerber*in • Asylgesetz (AsylG) • BAMF • Clearingstellen • Drittstaaten (sichere Drittstaaten) • Dublin II-Verordnung • Duldung • Erstaufnahmeeinrichtung • Familiennachzug • Flucht/Fluchtursachen • Flüchtlinge (Geflüchtete) • Frontex • Geduldete*r • Gemeinschaftsunterkunft • Genfer Flüchtlingskonvention • Herkunftsländer • Integration • Königsteiner Schlüssel • Residenzpflicht • Schengen-Zone • Sichere Drittstaaten • Sichere Herkunftsstaaten • Staatenlose*r • Subsidiärer Schutz • Transitländer • Unbegleitete Minderjährige • UN-Kinderrechtskonvention • Vormundschaften • Quellen
Eine Abschiebung ist die Vollstreckung der Ausreisepflicht (nach § 58 Aufenthaltsgesetz). Gründe hierfür können die illegale Einreise, eine abgelaufene Aufenthaltsgenehmigung oder eine Rückführungsentscheidung bei Drittstaatenangehörigen sein. Ist aus bestimmten Gründen ersichtlich, dass eine freiwillige Ausreise nicht zu erwarten ist, wird der Vorgang staatlich überwacht. Solche Anhaltspunkte können beispielsweise sein, dass innerhalb der vorgegebenen Ausreisefrist keine Ausreise erfolgte, die besagte Person keine Ausweispapiere besitzt, dass gegenüber der Ausländerbehörde falsche Angaben gemacht wurden oder dass die Person aus besonders schweren Gründen (z.B. zum Schutz der öffentlichen Sicherheit) ausgewiesen wurde.[20]
Im Aufenthaltsgesetz sind Bestimmungen festgehalten, welche den Aufenthalt von Ausländer*innen in Deutschland regeln. Dazu zählen unter anderem auch die Ein- bzw. Ausreise, Erwerbstätigkeit oder die Integration von Ausländer_innen.[26]
Als Ausländer*innen werden Personen bezeichnet, die nicht über eine deutsche Staatsangehörigkeit verfügen, also keine "Deutschen" im Sinne des Grundgesetzes (Art. 116 Abs. 1) sind.
Der KJR LSA benutzt den Begriff nur, wenn er unbedingt erforderlich ist, um den Rechtsstatus zu beschreiben. Der Begriff wird von vielen Menschen als negativ und ausgrenzend wahrgenommen.[11]
Sucht jemand Schutz in Deutschland vor politischer Verfolgung oder anderweitigem ernsthaftem Schaden, so ist diese*r (nach §13 Asylgesetz) dazu berechtigt, einen Asylantrag zu stellen. Ein solcher Antrag liegt vor, wenn der entsprechende Wille auf dem Bundesgebiet zu verbleiben in schriftlicher, mündlicher oder anderer Weise geäußert wurde. Zuständig für die Annahme der Anträge sind die Erstaufnahmeeinrichtungen, denen in der Regel eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zugeordnet ist. Hier werden die Personalien festgestellt und die Person bekommt eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis.[18, 19]
Asylbewerber*in
Personen die sich außerhalb des Landes befinden, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen, um dort Schutz vor Krieg, Gewalt und Verfolgung zu suchen, werden als Asylbewerber*innen bezeichnet. Beantragt eine Person diesen Schutz sowie den Verbleib in Deutschland, wird in einem Anerkennungsverfahren geprüft, ob eine Asylberechtigung (gemäß Art. 3 Asylgesetz) vorliegt. Ist dies der Fall und wurde das Verfahren erfolgreich durchlaufen, spricht man fortan von Asylberechtigten.[2, 18, 33]
Das Asylgesetz der Bundesrepublik Deutschland regelt sämtliche Aspekte des Asylverfahrens. Dazu zählen unter anderem die Antragstellung, die Aufenthaltsrechte, die Unterbringung und Verteilung während des Verfahrens, aber auch die Aufenthaltsbeendigung und die Möglichkeiten des rechtlichen Widerspruchs. Neben allgemeinen Verfahrensvorschriften werden dabei auch der Geltungsbereich und die Umsetzung der Verordnung geregelt. Die letzte Änderung wurde am 02.02.2016 vorgenommen und umfasst vorwiegend Neuregelungen in Bezug auf beschleunigte Verfahren, den Familiennachzug und die Unterbringung.[21, 22]
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist zuständig für die Durchführung von Asylverfahren und den Flüchtlingsschutz. Daneben gehören unter anderem die Anerkennung von Forschungseinrichtungen, das Führen eines Ausländer*innenzentralregisters, die Förderung und Bereitstellung von Integrationsangeboten oder die Durchführung von Einbürgerungstests zum Aufgabenspektrum des BAMF.[34]
Jugendhilfeeinrichtungen, die sich auf die Arbeit mit unbegleiteten Minderjährigen spezialisiert haben, werden als Clearingstellen bezeichnet. Sie arbeiten auf der Grundlage von § 42a SGB VIII (Vorläufige Inobhutnahme von ausländischen Kindern und Jugendlichen nach unbegleiteter Einreise). Im Verlauf des Clearingverfahrens werden der Gesundheitszustand und die Personaldaten, die Situation im Heimatland sowie die Gründe und Umstände der Flucht festgestellt. Im Zuge dessen wird ebenso versucht, Verwandte in Deutschland oder im Heimatland ausfindig zu machen. Gelingt dies nicht oder ist eine Zusammenführung nicht erwünscht, wird eine gesetzliche Vormundschaft bestellt. Gemeinsam mit dem Jugendamt wird dann über weiterführende Hilfsmaßnahmen entschieden.[12, 14]
Drittstaaten (sichere Drittstaaten)
Länder, die nicht Mitglied der EU sind, werden als Drittstaaten bezeichnet. Mit der Bezeichnung der sicheren Drittstaaten werden diejenigen Staaten zusammengefasst, in denen die Genfer Flüchtlingskonvention sowie die Europäische Menschenrechtskonvention zur Anwendung kommen. Dazu zählen sowohl die Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft als auch Norwegen und die Schweiz. Menschen aus diesen Ländern erhalten grundsätzlich kein Asyl in Deutschland nach Art. 16a GG.[2, 5]
In der Dublin II-Verordnung ist festgelegt, welcher EU-Staat für die Prüfung und Abwicklung eines Asylantrags zuständig ist. Dies ist laut Verordnung derjenige Staat, in dem die geflüchtete Person nachweislich zuerst eingereist ist. Insbesondere die an das Mittelmeer angrenzenden Staaten sind daher erster Anlaufpunkt für Menschen auf der Flucht. Die geflüchtete Person wird per Fingerabdruck erfasst, um zu verhindern, dass ein Asylantrag in mehreren Ländern gestellt wird. Das Verfahren wird jedoch häufig als nicht praktikabel kritisiert. Eine aufwendige Registrierung und Überprüfung von Geflüchteten erweist sich insbesondere bei größeren Fallzahlen als schwierig.[2, 3]
Kann eine Person, deren Asylantrag abgelehnt wurde, aus bestimmten Gründen nicht abgeschoben werden, so erhält diese eine Duldung. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Aufenthaltsstatus, sondern vielmehr um eine Aussetzung der Abschiebung. Die Gründe für eine Aussetzung können dabei sehr vielfältig sein. Fehlende Reiseunterlagen, Staatenlosigkeit oder eine durch Krieg zerstörte Infrastruktur gelten ebenso als Abschiebungshindernisse wie eine Reiseunfähigkeit durch Krankheit. Eine Duldung muss in regelmäßigen Intervallen (nach Prüfung der Ausreisehindernisse) verlängert werden und ist mit eingeschränkten Rechten – wie Residenzpflicht - verbunden.[2]
Asylsuchende die nach Deutschland kommen, sind (nach §22 Asylgesetz) angehalten, sich in sogenannte Erstaufnahmeeinrichtungen zu begeben, um sich dort registrieren zu lassen und einen Antrag auf Asyl zu stellen. Hier werden sie zunächst aufgenommen und erkennungsdienstlich (Personalien, Lichtbild, Fingerabdrücke) behandelt. Außerdem wird abgeglichen, ob von der Person bereits in einem anderen Land ein Asylantrag gestellt wurde.
Lebt ein*e Drittstaatenangehörige*r mit anerkanntem Aufenthaltstitel in Deutschland, so besteht nach §29 Aufenthaltsgesetz die Möglichkeit, den Familienangehörigen - zur Wahrung der familiären Lebensgemeinschaft - ebenfalls einen Aufenthaltstitel zu erteilen. Dies gilt grundsätzlich für Ehegatten und minderjährige Kinder. Voraussetzung dafür ist, dass der Lebensunterhalt der Familie gesichert ist und ausreichend Wohnraum zur Verfügung steht. Mit dem Kabinettsbeschluss vom 3. Februar 2016 hat die Bundesregierung den Familiennachzug von Menschen mit subsidiärem Schutz für zwei Jahre ausgesetzt. Dies gilt auch für unbegleitete Minderjährige.[23, 24]
Flucht/Fluchtursachen
Die Motive für eine (erzwungene) Auswanderung sind so unterschiedlich wie die Lebensbedingungen der Menschen selbst. Eine zentrale Gemeinsamkeit besteht in dem Wunsch die individuellen Lebensverhältnisse zu verbessern. Natur- oder Klimakatastrophen (z.B. schwere Überschwemmungen oder Dürren), Krieg, Terror, politische bzw. religiöse Verfolgung, Armut oder Hunger sind dabei die häufigsten Fluchtursachen. Sie werden auch als Push-Faktoren bezeichnet. Im Gegenzug gelten eine befriedete Gesellschaft, Rechtssicherheit (z.B. Sicherheit vor Verfolgung) oder die Aussicht auf bessere wirtschaftliche Bedingungen als klassische Pull-Faktoren, welche die Menschen anziehen.[2, 3, 27]
Flüchtlinge (Geflüchtete)
In der Genfer Flüchtlingskonvention werden zur Flucht gezwungene Menschen definitorisch klar umrissen. Demnach wird ein Flüchtling als eine Person definiert, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will [..]“. Heute wird jedoch immer häufiger kritisiert, dass einige Länder sich den geänderten Arten von Gewalt nicht genügend anpassen und somit den Begriff zu eng auslegen. Eine weitere Schutzlücke liegt darin begründet, dass heute die Fluchtbewegungen mehrheitlich innerhalb von Staaten stattfinden. Aufgrund von bewaffneten Konflikten, politischer Instabilität oder Umweltkatastrophen werden Menschen zur Umsiedlung innerhalb ihres Landes gezwungen. Diese „Binnenvertriebenen“ werden vom ursprünglichen Flüchtlingsbegriff nicht erfasst, sind jedoch nicht weniger schutzbedürftig. Der KJR LSA benutzt den Begriff „Flüchtling“ nur, wenn es unbedingt erforderlich ist, wie etwa bei Eigennamen, da er vielfach als negativ wahrgenommen wird.[2, 8, 27]
Frontex ist die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der europäischen Union. Sie wurde 2004 auf Grundlage einer Verordnung des Rates der EU gegründet und soll den Schutz der EU-Außengrenzen koordinieren. Kritik an der Grenzschutzagentur kommt immer wieder auf, da sie mit ihren Einsätzen weder die Fluchtursachen, noch die damit verbundenen Strukturen (z.B. Schlepperkriminalität) bekämpft. Weiterhin werden die Geflüchteten durch die militärische Abschottung gezwungen, bei ihren Einreiseversuchen auf immer gefährlichere Routen auszuweichen.[2, 3]
Geduldete*r
Vgl. Duldung
Als Gemeinschaftsunterkünfte gelten im Allgemeinen Unterkünfte, in denen mehrere Personen über einen begrenzten Zeitraum untergebracht sind. Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, werden prinzipiell in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Grundlage hierfür liefert das deutsche Asylgesetz (§ 53 Abs. 1-3). Demnach sollen bei der Unterbringung sowohl die Belange der Antragsteller*innen als auch öffentliche Interessen berücksichtigt werden. Die Verpflichtung in einer Gemeinschaftsunterkunft zu leben, endet in der Regel, wenn die Antragsteller*innen als asylberechtigt anerkannt werden.[15]
Das 1951 geschlossene „Abkommen über die Rechtstellung der Flüchtlinge“ gilt als das wichtigste internationale Dokument zum Schutz von Geflüchteten. Darin ist festgelegt, wer als geflüchtet gilt, welchen Schutz er*sie genießt sowie welche Rechte und Pflichten er*sie hat. Im ergänzenden Zusatzprotokoll von 1967 wurde der Geltungsbereich sowohl zeitlich als auch geografisch erweitert. Insgesamt haben sich 147 Staaten zu dem Abkommen bekannt und im Laufe der Jahre über 15 Millionen Menschen Schutz gewährt.[2, 3, 8]
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gibt u.a. monatlich aktualisiert Zahlen zu den Asylanträgen auf seiner Internetseite bekannt. Im Zuge dessen wird auch eine Statistik zu den Herkunftsländern geführt. Demnach wurden im Jahr 2015 die meisten Asylanträge von Menschen aus Syrien (36 %) gestellt, weiterhin kommt ein hoher Anteil aus Albanien (12 %) und dem Kosovo (8 %). Für das Jahr 2016 scheint sich diese Entwicklung offenbar noch zu verstärken. Im bisherigen Verlauf kamen 52 % der asylsuchenden Menschen aus Syrien, 14 % aus dem Irak und 11 % aus Afghanistan. Die Menschen aus Syrien haben eine hohe Bleibeperspektive, wohingegen die Anträge von Menschen aus den Balkanländern (Albanien, Serbien, Kosovo) in der Regel abgelehnt werden.
Integration ist der schrittweise Prozess der Annäherung, Eingliederung und schließlich der Akzeptanz von Individuen in einer bestehenden Wertegemeinschaft (z.B. Gesellschaft). Dabei kommt es zu einer wechselseitigen Auseinandersetzung mit den Wertesystemen beider Gruppen. Der Prozess der Integration ist nicht mit dem der Assimilation zu verwechseln. Damit ist gemeint, dass eine Minderheit (z.B. Einwanderer*innen) sich der Mehrheitsbevölkerung anpasst und im Zuge dessen ihre eigene kulturelle Identität komplett aufgibt. Die normativen Eigenschaften der Mehrheitsgesellschaft werden dabei vollständig übernommen.[35, 36]
Nach ihrer Registrierung werden Asylsuchende je nach Zuständigkeit anhand des Königsteiner Schlüssels innerhalb der Bundesrepublik Deutschland verteilt. Der sogenannte Königsteiner Schlüssel legt die Aufnahmequoten der einzelnen Bundesländer fest. Er wird zu zwei Dritteln aus dem Steueraufkommen und zu einem Drittel aus der Bevölkerungszahl berechnet. [16, 2]
Durch die Residenzpflicht werden in Deutschland lebende Asylbewerber*innen und Geduldete dazu verpflichtet, sich im Verfügungsbereich der zuständigen Ausländer_innenbehörde aufzuhalten. Dadurch ist der Aufenthalt von Geduldeten räumlich auf das Landesgebiet beschränkt. In Einzelfällen können diese Regelungen (z.B. zum Zwecke einer Ausbildung) gelockert oder eingeschränkt werden. Die Residenzpflicht ist grundsätzlich in § 56 Asylgesetz festgehalten. Spezielle Bestimmungen für vollziehbar ausreisepflichtige Ausländer_innen (Geduldete) sind in § 61 des Aufenthaltsgesetzes geregelt. Die Residenzpflicht steht im Widerspruch zu Art. 26 der Genfer Flüchtlingskonvention, welcher das Recht auf freie Bewegung regelt.[28, 29, 30]
Das Schengener Abkommen wurde im Jahr 1985 zwischen den Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande und Luxemburg geschlossen. Die Inkraftsetzung erfolgte 1995. Es umfasst die schrittweise Abschaffung der Binnengrenzen zugunsten einer gemeinsamen Außengrenze. Nach außen hin werden einheitliche Einreisebedingungen und Visabestimmungen für Kurzaufenthalte, Asylanträge und Grenzkontrollen angewendet. Innerhalb der Schengen-Zone wird jedoch ein freier Personenverkehr gewährleistet. Es werden keine Personenkontrollen durchgeführt. Weiterhin werden die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit intensiviert. Im Laufe der Jahre traten immer mehr EU-Staaten (alle außer Irland, Vereinigtes Königreich, Kroatien, Rumänien, Bulgarien und Zypern) und einige Drittländer (Norwegen, Schweiz, Island, Liechtenstein) dem Abkommen bei. Heute gewährleistet der Schengen-Raum den uneingeschränkten Personenverkehr zwischen insgesamt 26 Staaten mit mehr als 400 Millionen Einwohner*innen.[4]
Vgl. Drittstaaten
Als sichere Herkunftsstaaten gelten solche Länder, in denen aufgrund der allgemeinen politischen Verhältnisse ersichtlich ist, dass weder eine staatliche Verfolgung noch besonders unmenschliche bzw. erniedrigende Bestrafungen zu befürchten sind. Nach derzeitigem Stand (April 2016) gelten folgende Herkunftsländer als sicher: Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien. Stammt eine Person aus einem dieser Länder, muss sie glaubhaft darlegen, dass ihr entgegen der allgemeinen Einstufung doch Verfolgung oder Tod in ihrem Herkunftsland drohen. Die Liste der sicheren Herkunftsländer wird regelmäßig kritisiert, da es beispielsweise in den Balkanstaaten immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen kommt.[6]
Staatenlose*r
Als Staatenlose werden Menschen bezeichnet, die kein Land offiziell als ihre Heimat ansehen bzw. die von keinem Staat (gemäß dessen eigener Rechtsprechung) als Staatsangehörige gesehen werden. Das ist insofern problematisch als dass die betroffenen Menschen keinen ausreichenden staatlichen Schutz genießen bzw. einen erschwerten Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung haben. Die Ursachen für Staatenlosigkeit sind sehr vielfältig. Üblicherweise wird die Staatsangehörigkeit durch Geburt erworben und das Kind erlangt die Staatsangehörigkeit des Geburtslandes (Territorialprinzip) oder die Staatsangehörigkeit der Eltern (Abstammungsprinzip). Kollidieren diese Grundsätze jedoch miteinander, können Probleme beim Erwerb der Staatsangehörigkeit entstehen. Weiterhin kann die Zugehörigkeit durch den Zerfall von Staaten, durch eine Zwangsausbürgerung oder durch diskriminierende Regelungen bei Heirat bzw. Scheidung verloren gehen.[25, 26]
Das Anrecht auf subsidiären (behelfsmäßigen) Schutz kann ein*e Drittstaatsangehörige*r dann haben, wenn er_sie weder einen Asylanspruch hat noch als Flüchtling anerkannt werden kann. Schutzberechtigt sind demnach diejenigen, denen bei einer Rückführung in ihre Heimat schwerwiegende Gefahren für die individuelle Freiheit oder für Leib und Leben drohen. Solche Gefahren können z.B. die Verhängung bzw. Vollstreckung der Todesstrafe, aber auch andere gegen die körperliche und seelische Unversehrtheit gerichtete Handlungen, wie etwa Folter und Erniedrigung, sein. Personen mit subsidiärem Schutz erhalten keinen Aufenthaltstitel, die Abschiebung wird lediglich ausgesetzt.[7, 2, 17]
Geflüchtete Menschen, die das Ziel haben, nach West- bzw. Zentraleuropa zu gelangen, durchqueren auf ihrer Reise häufig andere Länder, in denen sie sich temporär aufhalten. Diese werden als Transitländer bezeichnet. Üblicherweise verbleiben die Geflüchteten nicht in diesen Ländern, sondern nutzen sie nur als Zwischenstation. Aus zentraleuropäischer Perspektive gelten sämtliche Länder an den EU-Außengrenzen, aber auch deren Anrainerstaaten als Transitländer. Am Beispiel der so genannten Balkanroute können die Türkei, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Albanien, Mazedonien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, aber auch Kroatien und Slowenien als Transitländer betrachtet werden.[2, 31, 32]
Der Terminus der "unbegleiteten Minderjährigen" umfasst Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die sich ohne Eltern bzw. andere für sie verantwortliche Erwachsene in einem Asylverfahren befinden bzw. dieses anstreben. Kinder haben laut UN-Kinderrechtskonvention bestimmte Schutzrechte. Kommen unbegleitete Minderjährige mit deutschen Behörden in Kontakt, werden sie daher (gemäß § 42a SGB VIII) zunächst in Obhut genommen. Die Unterbringung erfolgt in der Regel in spezialisierten Einrichtungen (Clearingstellen, Jugendhilfeeinrichtungen). Die Inobhutnahme endet in der Regel mit der Übergabe an eine*n Personensorgeberechtigte*n.
Das Gesetz spricht in der Regel von Unbegleiteten minderjährigen Ausländer*innen (UMA) oder Unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF).[12, 14, 2]
Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes trat 1990 in Kraft und definiert weltweite Standards zum Schutz und Wohlbefinden der Kinder. In der Charta werden zentrale Grundrechte, unter anderem das Recht auf Gesundheit, Gleichbehandlung, Bildung, Freizeit oder Privatsphäre, definiert. In zwei Zusatzprotokollen werden im Jahr 2002 die Beteiligung von Minderjährigen an bewaffneten Konflikten sowie Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornografie geächtet. Die Vertragsstaaten verpflichten sich zur Anerkennung und Anwendung eben dieser Rechte. Insgesamt haben 195 Staaten das Abkommen unterzeichnet.[9, 10]
Kommen unbegleitete Minderjährige nach Deutschland, so ist nach §42 SGB VIII unverzüglich ein Vormund zu bestellen. Dieser fungiert als gesetzliche Vertretung und nimmt die Fürsorgepflichten im Interesse der von ihm betreuten Kinder wahr. Weiterhin wird ein Hilfeplanverfahren eingeleitet. Die Aufgaben während der Vormundschaft, wie Unterbringung, Versorgung, Betreuung, Rechtsberatung oder die Gewährung pädagogischer und damit verbundener therapeutischer Maßnahmen werden vom Leistungskatalog des SGB VIII geregelt. Die Vormundschaft endet in der Regel mit dem 18. Lebensjahr.[12, 13, 14]
[1] UNHCR - The UN Refugee Agency (2015): Mid-Year Trend 2015
[2] Meier-Braun, Karl-Heinz (2015): Die 101 wichtigsten Fragen - Einwanderung und Asyl, C.H. Beck, München, S. 34, 53, 74f, 87, 88, 89f, 90, 94f, 95, 99
[3] Richter, Michael (2015): Fluchtpunkt Europa - Unsere humanitäre Verantwortung, Edition Körber-Stiftung, Hamburg S. 11ff, 121f, 218, 219
[4] Generaldirektion Migration und Inneres, Europäische Kommission, (2015): Europa ohne Grenzen - Der Schengen-Raum, S. 4, 8, 15
[5] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: https://www.bamf.de/DE/Service/Left/Glossary/_function/glossar.html?lv3=1504418&lv2=1364198 (zuletzt abgerufen 13.05.2016)
[6] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylverfahren/BesondereVerfahren/SichereHerkunftsl%C3%A4nder/sichere-herkunftsl%C3%A4nder-node.html (zuletzt abgerufen 09.05.2016)
[7] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Subsidiaer/subsidiaer-node.html (zuletzt abgerufen 09.05.2016)
[8] UNHCR: http://www.unhcr.de/mandat/genfer-fluechtlingskonvention.html (zuletzt abgerufen 09.05.2016)
[9] UNICEF (1989): Konvention über die Rechte des Kindes
[10] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: http://www.bmz.de/de/themen/kinderrechte/internationale_vereinbarungen/index.html (zuletzt abgerufen 09.05.2016)
[11] Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 116, Begriff "Deutscher"; Wiedereinbürgerung Verfolgter, Absatz 1
[12] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__42a.html (zuletzt abgerufen 13.05.2016)
[13] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__27.html (zuletzt abgerufen 13.05.2016)
[14] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Unbegleitete%20Minderj%C3%A4hrige/unbegleitete-minderj%C3%A4hrige-node.html (zuletzt abgerufen 13.05.2016)
[15] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: http://www.gesetze-im-internet.de/asylvfg_1992/__53.html (zuletzt abgerufen 18.05.2016)
[16] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylverfahren/Verteilung/verteilung-node.html (zuletzt abgerufen 18.05.2016)
[17] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: https://www.gesetze-im-internet.de/asylvfg_1992/__4.html (zuletzt abgerufen 18.05.2016)
[18] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: https://www.gesetze-im-internet.de/asylvfg_1992/BJNR111260992.html (zuletzt abgerufen 18.05.2016)
[19] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylverfahren/Antragstellung/antragstellung-node.html (zuletzt abgerufen 18.05.2016)
[20] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: http://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg_2004/__58.html (zuletzt abgerufen 18.05.2016)
[21] Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/02/2016-02-03-asylpaket2.html (zuletzt abgerufen 23.05.2016)
[22] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: https://www.gesetze-im-internet.de/asylvfg_1992/BJNR111260992.html (zuletzt abgerufen 23.05.2016)
[23] Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Infodienst/2016/02/2016-02-02-fua/2016-02-02-schnellere-verfahren.html (zuletzt abgerufen 23.05.2016)
[24] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: https://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg_2004/__29.html (zuletzt abgerufen 23.05.2016)
[25] UNHCR - The UN Refugee Agency: Staatenlosigkeit verhindern, Staatenlose schützen
[26] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: http://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg_2004/ (zuletzt abgerufen 23.05.3016)
[27] UNHCR: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Themendossiers/NTAA-2011/nuernberger-tage-asyl-auslaenderrecht-2011-garlick.pdf?__blob=publicationFile (zuletzt abgerufen 23.05.2016)
[28] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: http://www.gesetze-im-internet.de/asylvfg_1992/__56.html (zuletzt abgerufen 25.05.2016)
[29] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: https://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg_2004/__61.html (zuletzt abgerufen 25.05.2016)
[30] UNHCR: Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 http://www.unhcr.de/mandat/genfer-fluechtlingskonvention.html (zuletzt abgerufen 25.05.2016)
[31] Auswertiges Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Griechenland/Aussenpolitik.html?searchArchive=0&searchEngineQueryString=Transitstaaten&path=%2Fdiplo%2FDE*&searchIssued=0&searchIssuedAfter=27.11.2013 (zuletzt abgerufen 25.05.2016)
[32] Bundesministerium des Innern (2016): Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung
[33] Bundesministerium des Innern: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Glossareintraege/DE/F/fluechtlinge.html?view=renderHelp[CatalogHelp]&nn=3314802 (zuletzt abgerufen 25.05.2016)
[34] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/DE/DasBAMF/Aufgaben/aufgaben-node.html (zuletzt abgerufen 25.05.2016)
[35] Fuchs-Heinritz, W.; Lautmann, R.; Rammstedt, O.; Wienold, H. (1994): Lexikon zur Soziologie, Westdeutscher Verlag, Opladen, S. 63, 303f
[36] Giddens, Anthony (1999): Soziologie, Nausner & Nausner, Wien, S. 260, 636

References: § 58
 §13
 Art. 3
 § 42
 Art. 16
 §22
 §29
 § 56
 § 61
 Art. 26
 § 42
 §42