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Timestamp: 2019-05-25 07:05:01+00:00

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Homosexuelle im Erwerbsleben - Heteronormativität oder Homonormalität? | Diplomarbeiten24.de
Sollte Diversity Management ein Bestandteil jeglichen unternehmerischen Handelns sein?
2. Sexuelle Orientierungen und Identitäten
2.1. Heterosexualität
2.2.1. Ursachen der Homosexualität
2.2.2. Rückblicke
2.2.3. Homosexualität und Religion
2.3. Bi-, Trans-, Inter-, Pan- und Asexualität
3. Gender, Heteronormativität und Queer Theory
3.1. Gender - Zuschreibung von Rollen und Merkmalen
3.2. Heteronormativität - das „natürliche“ gesellschaftliche Grundkonzept
3.3. Queer Theory - soziale und kulturelle Konstruktion geschlechtlicher und sexueller Identitäten
4. Europäisches und deutsches Recht gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität und Orientierung
4.1. Europäische Rechtslage
4.1.1. Die EU-Grundrechtecharta
4.1.2. Verträge und Verordnungen in der EU
4.1.3. EU-Richtlinien
4.2. Antidiskriminierungspolitik in Deutschland
4.2.1. Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland
4.2.2. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz AGG
4.2.3. Das Lebenspartnerschaftsgesetz LPartG
4.3. Aktuelle Entwicklungen und Grenzen der Antidiskriminierungspolitik
5. Diskriminierung im Alltag aufgrund der sexuellen Orientierung bzw. Identität
5.1. Wahrnehmung von und Auffassung zu Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in unserer Gesellschaft
5.2. Einstellungen gegenüber den Benachteiligten
5.3. Persönliche Betroffenheit von Diskriminierung
6. Homosexualität im Erwerbsleben
6.1. Offenheit oder Stillschweigen im Umgang mit der sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz?
6.2. Welche persönlichen Faktoren haben Einfluss auf das offene oder nicht-offene Auftreten Homosexueller?
6.3. Welche organisatorischen Faktoren haben Einfluss auf das offene oder nicht-offene Auftreten Homosexueller?
6.4. Welche Akzeptanz- bzw. Diskriminierungserfahrung haben Betroffene?
6.5. Konsequenzen aus einem offenen bzw. geschlossenen Verhalten am Arbeitsplatz
7. Diversity Management im Erwerbsleben am Beispiel der Ford-Werke GmbH Köln ..
7.1. Definition und Ausprägungen von Diversity Management
7.2. Diversity Management und sexuelle Orientierung bzw. Identität im Unternehmen
7.2.1. Diversity Management in Unternehmenskultur und -politik
7.2.2. Diversity Management im Personalmanagement
7.2.3. Diversity Management in der Kommunikationspolitik und im Marketing
7.3. Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung von Diversity Management unter Berücksichtigung der sexuellen Orientierung bzw. Identität
7.4. Kosten, Nachteile und Nutzen von Diversity Management
Verzeichnis der Verfassungen, Verträge, Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
Warum sollte ich die sexuelle Orientierung oder Identität im Erwerbsleben überhaupt thematisieren? Gilt der Arbeitsplatz nicht grundsätzlich als asexueller Bereich, also als ein Raum, an dem jede Form von Sexualität normalerweise keine Rolle spielt? Dem muss ich grundsätzlich widersprechen, denn einerseits gaben 28% der vom Jobportal CareerBuilder.de im Jahr 2007 in einer repräsentativen Umfrage befragten 560 deutschen Berufstätigen an, bereits mindestens eine Liebesbeziehung am Arbeitsplatz (CareerBuilder.de 2007) gehabt zu haben und andererseits bestehen besonders gegenüber den Menschen, die von der heterosexuellen Norm abweichen, Vorurteile und starke Ablehnung (ADS 2007: 166ff). Heteronormativität ist die Ansicht, dass Heterosexualität in jedem Land der Erde DAS natürliche soziale Grundkonzept ist. Sie steht in enger Beziehung zum Heterosexismus, der die Ablehnung jeder Form von nicht- heterosexueller Lebensweise darstellt. Dieser geht nicht selten einher mit Homophobie, der Angst vor lesbischen und schwulen Lebensweisen. Anhand dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, dass insbesondere im Erwerbsleben Schwule und Lesben unter Diskriminierungen leiden und was Unternehmen tun können, um eine tolerantes, respektierendes und akzeptierendes Arbeitsklima zu gewährleisten.
Auf den folgenden Seiten möchte ich dazu verschiedene Begriffe, die in diesem Zusammenhang stehen, näher erläutern und aufzeigen, welche sexuellen Orientierungen und Identitäten es gibt und welche Ursachen für Homosexualität bekannt sind. Der Einfluss der aus der geschichtlichen und religiösen Entwicklung entstandenen Werte und Normen in unserer Kultur auf die Einstellung unserer Gesellschaft zur Homosexualität ist ebenfalls Teil dieser Arbeit, denn zwei von drei in Deutschland lebenden Menschen sind gläubig und bekennen sich vorwiegend zu einer der fünf großen Weltreligionen (fowid 2008) und damit auch zu deren Anschauungen zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen. Zudem möchte ich auf die eng mit diesem Thema verbundenen Begriffe Heteronormativität, Gender und Queer Theory eingehen. Sie beschreiben Rollen, Merkmale sowie die soziale und kulturelle Konstruktion geschlechtlicher und sexueller Orientierungen und Identitäten. Ich zeige auf, welchen Einfluss Gesetze, Verordnungen und Richtlinien auf die Politik deutscher Unternehmen haben und wie Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird. Ein wichtiger Punkt ist der Umgang der Homosexuellen selbst mit ihrer sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben können. Gegenstand dieser Arbeit ist auch Diversity Management speziell unter Berücksichtigung der sexuellen Orientierung bzw. Identität. Am Beispiel von Ford möchte ich veranschaulichen, wie dieses relativ neue Unternehmensführungskonzept die Vielfalt der Beschäftigten zum Vorteil des Unternehmens nutzt. Ich zeige auf, welche Vor- und Nachteile Diversity Management hat und ob es überhaupt sinnvoll ist, eine Politik der Vielfalt in jedem Unternehmen zu verfolgen. Schließlich ziehe ich ein Fazit aus den gewonnenen Erkenntnissen und möchte einen Ausblick zur zukünftigen Entwicklung des Umgangs und der Auseinandersetzung mit Homosexualität am Arbeitsplatz geben.
Da zu diesem Thema bisher nur sehr wenige Studien mit zum Teil nur 1500 bis 2000 TeilnehmerInnen in Deutschland durchgeführt worden sind und Diversity Management in Bezug auf die sexuelle Orientierung und Identität nur selten Bestandteil der Unternehmenspolitik ist, kann ich nur auf wenige konkrete belegbare und repräsentative Erkenntnisse zurückgreifen. Ich werde somit die Studien heranziehen, um eigene Schlüsse zu ziehen und aufzeigen, warum die Implementierung eines Diversity Managements wichtig sein kann. Da auch zu den Themen Trans-, Bi- oder Intersexualität bisher keinerlei Studien durchgeführt worden sind, werde ich mich grundsätzlich nur auf Homosexuelle beziehen und nur dann die genannten Sexualitäten einbeziehen, wenn es mir wichtig erscheint und belegbare Aussagen getroffen werden können.
Das Wort Orientierung ist im deutschen Raum erst seit dem 18. Jh. bekannt und dem lateinischen Wort oriens entlehnt und bedeutet Sonnenaufgang, also die (Aus-)richtung (nach Osten) (Kluge 1989: 519). Somit kann die sexuelle Orientierung als das Ausrichten oder Ausprobieren der eigenen Persönlichkeit und Interessen auf das Geschlecht eines möglichen Partners verstanden werden, welches auf der Grundlage von Empfindungen, Hingabe, Liebe und Sexualität beruht. Dabei muss das sexuelle Verhalten klar von der sexuellen Orientierung abgegrenzt werden, denn nur diese beruht auf Emotionen und darauf basierendes sexuelles Verhalten kann, muss aber nicht, stattfinden (ASA 2010). Oft wird die sexuelle Orientierung der sexuellen Identität gleichgesetzt. Dies ist falsch, denn die Identität bezieht sich immer auf die Person selbst und die Orientierung richtet sich immer auf eine andere Person. Im Folgenden sollen nun verschiedene sexuelle Veranlagungen und Präferenzen näher erläutert werden, die alle in unserer Gesellschaft vorkommen. Über die wenigsten wird aber nur so offen gesprochen, wie über die vermeintlich „normale“ Sexualität zwischen Mann und Frau. Dies mag in der Unkenntnis, dem angeblich Verbotenem oder der Scham liegen, aber nur das Wissen darüber bringt auch wirklich Verständnis.
Heterosexualität ist die sexuelle Orientierung, die sich einzig oder überwiegend auf die Sexualität zwischen Mann und Frau bezieht. Der österreichisch-ungarische Schriftsteller Karl-Maria Kertbeny prägte im Jahre 1868 erstmalig diesen Begriff, der sich aus dem griechischem heteros „der andere“ bzw. „ungleich“ und dem lateinischem sexus „das weibliche und männliche Geschlecht“ zusammensetzt. Heterosexualität entwickelte sich im Zuge der Evolution vor ca. 600 Millionen Jahren und dient hauptsächlich der Fortpflanzung. Die Sexualität des Menschen ist aber durchaus komplexer und es bestehen neben der in der Gesellschaft als normal und natürlich geltenden Heterosexualität auch andere Arten von Sexualität (Academic dictionaries and encyclopedias 2010).
Karl-Maria Kertbeny prägte ebenfalls 1868 den Begriff Homosexualität als Gegenwort zur Heterosexualität, der sich aus dem griechischem homos „der gleiche“ und dem bereits erwähntem sexus zusammensetzt und die Liebe bzw. das sexuelle Begehren zwischen Mann und Mann bzw. Frau und Frau, d.h. das gleichgeschlechtliche Begehren, beschreibt (Trostler 1913: 945-983). Dabei werden homosexuelle Frauen auch als Lesben oder Lesbierinnen bezeichnet. Der Begriff Lesbe leitet sich von der griechischen Insel Lesbos ab, auf der die griechische Dichterin Sapphos im 6. Jh. v. Chr. lebte und in ihren Gedichten erstmalig die Liebe zwischen Frauen beschrieb (Hubbard 2003, 29-36). Erst seit Ende des 19. Jh. wurden die Begriffe Lesbierin und lesbisch zum ersten Mal verwendet um auch die Sexualität zwischen Frauen zu beschreiben. Der Begriff schwul für homosexuelle Männer wurde erstmals vor 200 Jahren im Berliner Raum in den Sprachgebrauch übernommen und entstammt dem niederdeutschen schwul für „drückend heiß“. Der schweizerische Verleger psychoanalytischer Schriften Albert Joseph Storfer ging 1937 davon aus, dass homosexuelle Männer ihren Geschlechtsgenossen gegenüber in erotischer Hinsicht nicht gleichgültig, also kühl, sondern warm empfinden (Storfer 1937: 139-140). Dies wird heutzutage als die zutreffendste Erklärung für die Herkunft des Wortes verwendet.
Dass ich über die Ursachen der Homosexualität schreibe ist bereits eine Stigmatisierung und ein Urteil über homosexuelle Menschen, dennoch soll es helfen, zu verstehen, warum das Nicht-Wissen über Homosexualität immer noch zu Diskriminierung von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft führt. Unterschiede und Veränderungen der gesellschaftlichen und soziokulturellen Rahmenbedingungen (s.2.2.2.) und verschiedene Definitionen von Homosexualität sind Gründe für große Differenzen bei Befragungen, wie hoch der Anteil homosexueller Menschen in der Bevölkerung ist. Die Veröffentlichung des Kinsey-Reports des Sexualforschers Alfred Charles Kinsey über das menschliche Sexualverhalten aus dem Jahr 1948 zeigte, dass ca. 90-95% der 11.000 US-amerikanischen männlichen und weiblichen aus allen Schichten und Altersgruppen stammenden Befragten einer Studie zum Sexualverhalten Tendenzen zu Bisexualität aufwiesen, d.h. dass auch heterosexuelle Frauen und Männer zum Teil homoerotische Erfahrungen gemacht haben oder zumindest daran gedacht haben (Haeberle / Gindorf 1994: 1-39). Heute gehen Sexualforscher und Psychoanalytiker davon aus, dass ca. 8-10% der weltweiten Bevölkerung tatsächlich homosexuell ist, wobei der Anteil an Lesben und Schwulen in etwa gleich hoch ist. Fast jeder Mensch soll bisexuelle Tendenzen aufweisen (Bowie 1997). Sigmund Freud spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „angeborenen Bisexualität“, was er darauf zurückführt, dass in der Gesellschaft eine „Einschränkung der Objektwahl“ (Freud 1920: 261) vorherrscht, die aus tradierten Strukturen resultiert und für Hetero- wie auch Homosexualität gilt. Dennoch gibt es von Land zu Land große Unterschiede in der Aussagefähigkeit solcher Umfragen, denn vor allem in muslimisch geprägten Ländern, in denen Homosexuelle die Todesstrafe befürchten müssen, outen sich nur die wenigsten und verheimlichen ihre sexuelle Orientierung bzw. Identität. Eine hundertprozentige und fundierte Analyse zu den Ursachen von Homosexualität gibt es nicht. Es werden immer wieder bestimmte körperliche Merkmale aufgeführt. So sollen beide Gehirnhälften von homosexuellen Männern denen von heterosexuellen Frauen ähneln, wobei beide Hälften gleich groß sind. Im Gegensatz dazu ist die rechte Gehirnhälfte von homosexuellen Frauen und heterosexuellen Männern größer als die linke. Ähnlich verhält es sich mit anderen Hirnregionen wie dem Mandelkern Amygdala, der Emotionen mit verschiedenen Regionen des Hirns verschaltet (National Academy of Science 2008). Daraus resultiert wahrscheinlich, dass schwulen Männern oft typisch weibliche und lesbischen Frauen eher männliche Eigenschaften zugeschrieben werden, die sich in Verhalten, Gestik und Sprachgebrauch widerspiegeln, auch wenn dies nur Klischees darstellen und mit dem wirklichem Leben meist nichts zu tun haben. Andere Forscher suchen noch immer nach dem „Homo-Gen“ oder vermuten, dass es an den Hormonen liegt. Wieder andere gehen davon aus, dass Umwelteinflüsse, psychische Faktoren oder Erlebnisse in der Kindheit, Pubertät oder auch noch im höheren Alter dazu führen, dass manche Männer schwul und einige Frauen lesbisch werden (BIFAB, Schüler Duden Sexualität 1997: 139). Da kein Forscher bisher fundierte Ergebnisse für die Ursachen liefern konnte und sich die Forscher uneinig sind, gilt heute für viele, dass wohl ein Mix aus den verschiedensten genannten Gründen Homosexualität verursacht. Dieser Erklärungsnotstand und eine uneinheitliche und unzureichende Vermittlung von Wissen über Homosexualität sind aber nur zwei Gründe, die in der Bevölkerung oft zu Ablehnung von Schwulen und Lesben führen.
Nicht nur die bis zum heutigen Tage unerforschten Ursprünge der Homosexualität, sondern auch die gesellschaftlichen, kulturellen und rechtlichen Entwicklungen, insbesondere seit dem deutschen Kaiserreich Ende des 19. Jahrhunderts, haben bis heute entscheidenden Einfluss auf das Leben Homosexueller. Die folgenden Ausführungen sind von der Antike bis zum Kaiserreich der Encyclopedia of Homosexuality, New York/ London, (Dynes 1990) und vom Kaiserreich bis heute den Webseiten des gay-web e.V., Hamburg (gay-web 2010) und des LSVD (LSVD 2010: Rücklicke) entnommen.
In der Antike, speziell in der griechischen und römischen Mythologie und Sagenwelt sowie in der realen Welt finden sich erste Belege, die auf homosexuelle Lebensweisen, vor allem Liebesbeziehungen zwischen älteren Männern und meist minderjährigen Jungen, hinweisen. Vasen wurden mit Bildern, die eindeutige homosexuelle Kontakte zwischen Männern zeigten, verziert und in den antiken Schriften Platons oder Aristoteles wurde über dieses Thema geschrieben (Calimach 2002: 4). Götter wie Zeus, Poseidon oder Hermes hatten junge Geliebte, denen sie ihre Fertigkeiten und ihr Wissen vermittelten und sie als ihre geliebten Schützlinge erzogen. Über tatsächliche sexuelle Liebesbeziehungen finden sich dagegen nur wenige Belege. Im realen Leben war Homosexualität dennoch weit verbreitet. Liebesbeziehungen zwischen Männern und Knaben waren gesellschaftlich akzeptiert, hatten jedoch eher erzieherischen Charakter (Dover 2003: 115), indem Wissen an die Knaben weitergegeben wurde. Eine Ausnahme bildete Kreta, das die Liebe zwischen Männern explizit als Instrument zur Geburtenkontrolle ansah (Aristoteles ca.350 v.Chr.: 1272a). Homosexuelle Beziehungen kamen fast ausschließlich in höheren Schichten vor, da hier die Frauen ihren Männern untergeordnet waren und kaum das Haus verließen und somit deren Männer ihre Eroberungen beim gleichen Geschlecht suchten, jedoch immer auch Beziehungen zu Frauen unterhielten. Fundierte Belege lesbischer Liebe in der Antike finden sich nur in den bereits erwähnten Gedichten der Dichterin Sappho (Hubbard 2003, 29-36).
Bis zur Mitte des 13. Jh. galt Homosexualität in Europa zwar als Sünde, war jedoch legal. Die Sünde resultierte aus der Geschichte um Sodom und Gomorrha, zwei Städte, in denen die Menschen angeblich sehr sündhaft lebten. Gott wollte dies beweisen, indem er zwei Engel zu Lot nach Sodom schickte und die Bewohner Lot aufforderten, die „Gäste“ an sie zu übergeben, damit sie (Männer) sich an ihnen vergehen konnten. Gott vernichtet daraufhin beide Städte. Bis heute gilt diese Geschichte als Grundlage der kirchlichen Haltung zur Homosexualität (HuK 2009). Das erste Gesetz wurde 1532 von Karl V. mit der „Constitutio Criminalis Carolina“ geschaffen, die sexuelle Handlungen homosexueller Frauen und Männer mit dem Tod durch Verbrennen vorsah.
Erst zum Ende des 18. Jh. wandelte man die Todesstrafe in Preußen, Österreich und Frankreich in Haftstrafe und Verbannung um. 1810 galten in einigen europäischen Ländern, so auch in Frankreich, den Niederlanden und in Bayern, Gesetze, die einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Männern legalisierten. 1871 wurde im Reichs-Straf-Gesetzbuch (RStGB) des Kaiserreiches der §175 verankert, der die „Unzucht“ zwischen Männern unter Strafe stellte und erst am 11. Juni 1994 gestrichen wurde. Handlungen zwischen homosexuellen Frauen wurden seit der Einführung des §175 nie unter Strafe gestellt, da nur der Analverkehr zwischen Männern als sündhaft galt. Auch wenn zwischenzeitlich darüber diskutiert wurde, kam man durch die Kriegswirren des Ersten Weltkrieges und dem Untergang des Kaiserreiches davon ab, homosexuelle Frauen in die Gesetze mit einzubeziehen.
Der §175 wurde seit seinem Bestehen zum Politikum gemacht. Das erste prominente Opfer war der industrielle Friedrich Alfred Krupp, der 1902 durch das Zentralorgan „Vorwärts“ der SPD geoutet wurde und kurz darauf auf ungeklärte Weise ums Leben kam. Zu Zeiten der Weimarer Republik beschloss man 1929 eine Erweiterung des §175. So genannte „qualifizierte Fälle“, z.B. Sex mit Männern unter 21 Jahren oder der „Missbrauch von Männern in einem Dienst- und Arbeitsverhältnis“ waren nach dem §175a nunmehr ein Verbrechen und nicht mehr nur ein Vergehen. Dies nahmen die Nationalsozialisten 1935 zum Anlass, die Strafen nach dem §175 auf 5 Jahre Haft oder bis zu 10 Jahre Zuchthaus anzuheben. Sie rechtfertigten dies mit der „sittlichen Gesunderhaltung des Volkes“. Homosexualität habe für sie „erfahrungsgemäß“ die „Neigung zur seuchenartigen Ausbreitung“ und habe einen „verderblichen Einfluss“ auf die „betroffenen Kreise“ (Stümke/Finkler 1981). Der Großteil der Deutschen glaubte das und im Laufe der Kriegsjahre verfestigte sich auch deren Meinung zum Thema. Außerdem wollten sich die Nationalsozialisten bei der erzkonservativen hauptsächlich katholischen Bevölkerung reinwaschen, indem sie auf Befehl Hitlers den Stabschef der Sturmabteilung Ernst Julius Röhm wegen seiner Homosexualität und eines angeblichen Putschs, dem „Röhm-Putsch“ gegen Hitler, verhafteten und erschossen. Homosexuelle, allen voran homosexuelle Persönlichkeiten, Prominente, Polizei-, Hitlerjugend- und SS-Angehörige wurden von ca. 1940 an bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 in Konzentrationslager deportiert und die meisten dort auch hingerichtet.
Der §175 blieb nach 1945 in seiner verschärften Form noch zwei Jahrzehnte in der Bundesrepublik bestehen. In der DDR wurde der §175 im Jahr 1950 abgeschafft. Dennoch galt der §175a auch weiterhin. Mit Einführung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 in der Bundesrepublik wurde im Artikel 1 (1) GG festgelegt, dass „die Würde des Menschen unantastbar ist“ und der Staat verpflichtet ist, diese zu „schützen und zu achten“. Zudem bekennt sich „das deutsche Volk“ nach dem Artikel 1 (2) GG uneingeschränkt zur Anerkennung der Menschenrechte. Die Verfassung der DDR von 1949 enthielt ähnliche Wortlaute. Für beide Staaten galten diese aber nur eingeschränkt, denn in Bezug auf Homosexuelle galt weiterhin Strafverfolgung. 1956 bestätigte der Bundesgerichtshof, dass die „anlagebedingte Homosexualität“ eine "krankhafte Störung der Geistestätigkeit" (BGH 4.Strafsenat 1956) ist. 1957 wurde der Wolfenden-Report in Großbritannien veröffentlicht und zu dieser Zeit auch ins Deutsche übersetzt. Er weist die Ergebnisse einer von der britischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie aus, die Gesetzesvorschläge zur Homosexualität erarbeiten sollte. Diese Kommission unter dem Vorsitz Lord John Wolfendens bestand aus Religionsvertretern, Politikern, Frauen, Psychiatern und Juristen und kam zu dem Resultat, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass Homosexualität krankhaft und nicht der „Auslöser für Dekadenz“ ist. Sie zeigte, dass Homosexualität in allen gesellschaftlichen Schichten und Berufen vorkommt. Zudem verwies sie darauf, dass es nicht die „Aufgabe von Recht und Gesetz sei, in das Privatleben der Bürger/innen einzugreifen und sexuelles Verhalten zu normieren, sondern etwa darin bestehe, die öffentliche Ordnung und Sittlichkeit zu wahren und die Bürger vor ungerechten und beleidigenden Akten zu schützen“ (The Wolfenden Report 1963: 23). In der Bundesrepublik nahm man dies zur Kenntnis, dennoch galt weiterhin das christliche Moralgebot, dass Sex nur in der Ehe zwischen Mann und Frau stattfinden darf. Staat und Kirche arbeiteten eng zusammen und die Forderungen der Kirche nach Sittlichkeit wurden in Form von Gesetzen durch den Staat bewahrt. So stiegen in den Nachkriegsjahren bis zum Ende der 1960er Jahre die Verhaftungen und Verurteilungen Homosexueller sprunghaft an mit der Begründung: "Die Reinheit und Gesundheit des Geschlechtslebens ist eine außerordentlich wichtige Voraussetzung für den Bestand des Volkes ..." (Entwurf zum Strafgesetzbuch vom November 1962).
Erst im Zuge der sexuellen Revolution der 1960er Jahre wurde dem Staat von einem großen Teil der Bevölkerung die Strafverfolgung Homosexueller aberkannt. Das neue Bewusstsein führte 1968 in der DDR und 1969 in der BRD dazu, dass Sex unter erwachsenen Männern ab sofort straffrei war. Zur selben Zeit wurden erste Schwule und Lesben aktiv und gründeten Gruppen und Vereine, die sich für mehr Rechte Homosexueller einsetzten. Ein ausschlaggebender Grund dafür waren Übergriffe von Polizisten auf schwule Lokale in New York, USA, insbesondere auf das Stonewall Inn in der Christopher Street im Juni 1968. Zu diesem Zeitpunkt begehrten Schwule zum ersten Mal gegen die staatliche Willkür auf und es kam zu massiven Auseinandersetzungen. Bis heute wird dieser Tag als „Christopher Street Day“ (CSD) jedes Jahr in vielen Ländern weltweit „gefeiert“, der Aufstände gedacht und für mehr Rechte Homosexueller demonstriert. In den 1970er Jahren engagierten sich immer mehr Schwule und Lesben, hauptsächlich Studenten, in Gruppen. Aktionen dieser wurden weiterhin wegen Unsittlichkeit von den Behörden behindert. Ein Coming Out, also der selbstbewusste und offene Umgang mit der Homosexualität im sozialen Umfeld, konnte die Existenz bedrohen und das Zusammenleben schwuler und lesbischer Paare war weiterhin unmöglich.
Im Zuge der AIDS-Krise in den 1980er Jahren traten vermehrt schwule Aktivisten in der Öffentlichkeit auf und es gab eine große Solidarität unter Homosexuellen. Es wurde über das Thema AIDS zur besten Sendezeit im Fernsehen diskutiert und die deutsche Bevölkerung wurde vor allem mit schwulen Lebensweisen direkt konfrontiert und musste sich damit auseinandersetzen. AIDS kostete vor allem vielen Schwulen das Leben und ist der Hauptgrund dafür, dass das Stigma der Unsittlichkeit fiel. Der deutsche Bundesgerichtshof urteilte zu dieser Zeit, dass das Zusammenleben homosexueller Paare unter den Schutz des Grundgesetzes gestellt wird und bezogen auf den Artikel 2 (1) GG jeder Mensch das „Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ hat. Das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof entschieden, dass einvernehmliche homosexuelle Handlungen nicht unter Strafe gestellt werden dürfen, da dies menschenrechtswidrig ist und „das Recht auf Achtung des Privatlebens“ gewährt werden müsse.
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre gab es in Berlin den ersten schwulen Radiosender, Herbert Rusche outete sich als erstes Bundestagsmitglied öffentlich und Richard von Weizsäcker gedachte als erstes deutsches Staatsoberhaupt im Mai 1985 den homosexuellen Opfern des Dritten Reiches.
Dem Wandel der Einstellungen gegenüber homosexuellen Lebensweisen seit den 1980er Jahren folgte in den 1990er Jahren die Debatte, warum Lesben und Schwule nicht heiraten dürften. Der 1990 in der DDR gegründete „Schwulenverband in Deutschland“, heute „Lesben- und Schwulenverband in Deutschland“ (LSVD) trug die „Aktion Standesamt“ in die Öffentlichkeit. 250 homosexuelle Paare forderten damals öffentlich das gleiche Recht auf eine eheliche Gemeinschaft wie es für heterosexuelle Paare besteht. Die Medien spielten zu dieser Zeit eine immer größere Rolle. Es wurde über die CSD-Paraden berichtet und in der „Lindenstraße“ gab es 1990 den ersten schwulen Kuss. 1991 outete der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim öffentlich in der RTL-Sendung „Explosiv“ die in der deutschen Gesellschaft sehr beliebten Entertainer und Moderatoren Hape Kerkeling und Alfred Biolek als schwul. Das große Medieninteresse an diesem Thema bis heute führte dazu, dass Homosexualität mehr und mehr zur „Normalität“ wurde. 1992 wurde der bekannteste Homosexuelle und Transvestit der DDR Lothar Berfelde, besser bekannt als Charlotte von Mahlsdorf, für seine (ihre) "nicht immer ungefährliche Zivilcourage" und seinen "Einsatz zur Rettung von Kulturgut" mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet (Spiegel 1992). 1994 wurde nach vielen Diskussionen der §175 abgeschafft und ab sofort war Homosexualität in Deutschland komplett straffrei. Im gleichen Jahr wurde in Frankfurt am Main das erste Mahnmal für verfolgte Homosexuelle im Dritten Reich errichtet und bereits ein Jahr zuvor Homosexualität aus dem International Code of Deseases der World Health Organisation (WHO) als psychische Krankheit gestrichen.
Die Einstellung der meisten Menschen hat sich In den vergangenen zehn Jahren grundlegend geändert und Schwule und Lesben sind in großen Teilen der Bevölkerung gesellschaftlich akzeptiert und respektiert. Nun konzentrieren sich Forderungen Homosexueller eher auf eine vollkommene rechtliche Gleichstellung mit Heterosexuellen.
Hamburg führte 1999 die „Hamburger Ehe“ für Homosexuelle ein. Sie konnten sich zwar als Paar eintragen lassen, dies hatte jedoch keinerlei Rechte und Pflichten zur Folge. Im Jahr 2000 brachte die rot-grüne Regierung einen Gesetzesvorschlag zur „Eingetragenen Partnerschaft“ ein, welcher seitens konservativer Parteien heftigsten Widerstand auslöste. Dennoch hat der damalige sozialdemokratische Bundespräsident Johannes Rau das Gesetz unterzeichnet und am 1. August 2001 trat das „Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft“ oder kurz das „Lebenspartnerschaftsgesetz“ (LPartG) in Kraft. Im gleichen Jahr übernahm der SPD-Politiker Klaus Wowereit das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Um Diskussionen und Spekulationen über seine Person bereits im Vorfeld aus dem Weg zu gehen, outete er sich mit den Worten „Ich bin schwul und das ist auch gut so“. Sein Outing wurde in der Bevölkerung durchweg positiv aufgenommen. Am 14. August 2006 wurde das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) mit dem Ziel verabschiedet, jegliche „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse (…) der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“ (§1 AGG). Es bezieht sich hauptsächlich auf alle beruflichen Angelegenheiten und Beschäftigungsverhältnisse.
Heute gibt es in Deutschland mit Klaus Wowereit in Berlin und gab es bis zum Rücktritt am 18. Juli 2010 mit Ole von Beust in Hamburg zwei offen homosexuelle Bürgermeister, den offen homosexuellen Bundestagsabgeordneten Volker Beck und den schwulen Außenminister, Vize-Kanzler und Bundesparteivorsitzenden der FDP Guido Westerwelle. Das Outing der Moderatorin Anne Will, der Schauspielerinnen Ulrike Folkerts oder Maren Kroymann, der Nachrichtensprecherin Dunja Hayali oder der bereits erwähnten Politiker und Entertainer sowie der Sänger Ricky Martin, Elton John und George Michael bzw. der Sängerin Beth Ditto tragen heutzutage zu einem unverkrampfteren und natürlicheren Umgang mit Homosexualität von Jung und Alt bei als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Die geschichtliche Aufarbeitung speziell der vergangenen Jahrzehnte ist eine wichtige Voraussetzung, um die Einstellungen sowie das Tun und Handeln von Politik, Unternehmertum und Gesellschaft zu verstehen.
Religiöse Zugehörigkeiten haben großen Einfluss auf das Verhalten, das Denken und die Einstellung der Menschen gegenüber homosexuellen Lebensweisen. Religionen beeinflussen Wertvorstellungen religiöser Menschen normativ, d.h., es werden, je nach Religionszugehörigkeit, bestimmte Regeln und Sollzustände von religiösen Führern, Gelehrten und Kirchenoberhäuptern vorgeschrieben. In fast allen Religionen wird den Menschen administriert, wie sie etwas zu bewerten haben und welches Tun und Handeln moralisch gebilligt wird und was gut oder schlecht ist (Mahner 2010). Seit Jahrhunderten tief in den Gesellschaften und Kulturen verwurzelt, offerieren sie in unserer durchorganisierten und globalisierten Welt Werte und Rituale wie die Hochzeit, die einen festen Halt und fest verankerte Wurzeln bieten (Girsberger/Bolz 2008: 3-52).
Religiöse Einstellungen wirken bis in das Arbeitsleben hinein. Firmen expandieren in immer mehr Länder, erobern neue Märkte und Ex- und Importe steigen von Jahr zu Jahr an. Moderne Transportmittel machen es den Menschen heutzutage leicht, schnell zu jedem beliebigen Punkt der Erde zu gelangen und der Austausch zwischen den Kulturen nimmt stetig zu. Das weltweite Aufeinandertreffen der Kulturen und Religionen beeinflusst somit auch das Verhalten gegenüber Homosexuellen und betrifft im Arbeitsleben Angestellte und ArbeiterInnen genauso wie das Management, die Geschäftsführung, FirmeninhaberInnen, KundInnen und LieferantInnen. Religiöse Zugehörigkeiten sind kein zu unterschätzender Faktor, denn nur rund 16% (Adherents 2005) der sieben Milliarden Menschen auf der Erde sind nicht religiös. In jeder Religion findet sich meist starke Ablehnung gegenüber Homosexualität. Jedoch ist die Aversion besonders stark im christlichen und muslimischen Glauben verankert, denen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung angehören (Adherents 2005).
60% der Deutschen bekennen sich zum Christentum, d.h. je ca. 30% zur evangelischen bzw. römisch-katholischen Kirche. Rund 34% der in Deutschland lebenden Menschen sind konfessionslos (fowid 2008). 3,5 Millionen Menschen gehören dem islamischen Glauben an, was einem Anteil von ca. 4,3% entspricht. Die restlichen 1,7% verteilen sich auf weitere 76 Glaubensrichtungen, die an dieser Stelle aber unberücksichtigt bleiben sollen (Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst (REMID) 2008).
Vor allem in der römisch-katholischen, in den orthodoxen und den meisten evangelischen Kirchen gilt Homosexualität noch immer als Sünde (Meier 2006: 1-3). Im Alten Testament der Bibel steht sogar für bewusste und vollzogene Homosexualität die Todesstrafe, wobei aber die reine homosexuelle Tendenz oder Neigung nicht als sündhaft eingestuft wird (Papst Benedikt XVI 2005). Die Todesstrafe für praktizierte Homosexualität wird in christlich geprägten Ländern nicht mehr angewandt, aber in einigen Ländern Afrikas, Asiens und Süd- und Mittelamerikas werden Geld- oder Haftstrafen verhängt.
Dennoch öffnet sich die christliche Kirche sehr langsam. So ergab eine Studie der Utrechter Universität im Auftrag der Zeitschrift „Gay Krant“ aus dem Jahr 2001, dass 56% der befragten niederländischen katholischen Priester in ihrer Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften segnen und sogar 83% dies im Privaten tun würden (Gay Krant 2001). Ähnliche Einstellungen und die Abwendung von der Verurteilung der Homosexualität innerhalb der katholischen Kirche finden sich in vielen modernen Gesellschaften und entwickelten Ländern (Kasper 1996: 254-260). Eine relativ einheitliche ablehnende Haltung katholisch Gläubiger ergibt sich aus der Abneigung des Papstes gegen Homosexualität. Er ist das Oberhaupt und die weltliche Autorität der katholischen Kirche. Der Papst legt für alle Katholiken weltweit fest, was katholischer Glaube ist: Sexualität hat der Fortpflanzung zu dienen. Homosexualität dient diesem Ziel nicht und ist daher eine Sünde. Für ihn ist die „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ die „Legalisierung des Bösen“, eine „Anomalie“ und „gegen das natürliche Sittengesetz“ (Ratzinger 2003:1-15). Liberale Katholiken sehen sie aber eher als Identitätsstörung, die durch Therapie geheilt werden kann und somit wieder zur Heterosexualität führt. Sie tolerieren dennoch Homosexualität, lehnen aber das offene Ausleben dieser ab. Streng gläubige Katholiken sehen in der Homosexualität eine Krankheit, etwas Böses und Widernatürliches, das ausgemerzt werden müsse und Schwule und Lesben absolut keusch zu leben haben und ihre Sexualität unterdrücken müssen (Kluge/Sonnenmoser 2001: 9-12).
In den Evangelien des Neuen Testaments wird Homosexualität nicht explizit angesprochen. Da es im protestantischen Glauben keine einheitliche weltliche Autorität gibt, existieren auch sehr verschiedene ethische Meinungen zur Homosexualität. Die meisten evangelischen Kirchen haben eine offenere und modernere Haltung zum Thema als die katholischen. Vor allem die evangelischen Kirchen der USA, Deutschlands und anderen westeuropäischen Staaten sind sehr offen für gesellschaftliche Veränderungen, akzeptieren gleichgeschlechtliche Lebensweisen (Müller 1996: 256) und segnen homosexuelle Paare. Homosexuelle Pastoren werden sogar in einigen deutschen Landeskirchen besoldungsrechtlich den heterosexuellen gleichgestellt. Die von dem schwulen Pastor Troy Perry gegründete weltweite Dachorganisation Metropolitan Community Church für etliche moderne protestantische Freikirchen, die auch in Deutschland existiert, wendet sich sogar ausdrücklich an lesbische und schwule Paare und bietet ihnen kirchliche Trauungen an (Metropolitan Community Church 2010). Zudem vertreten einige Organisationen, darunter die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK e.V.) und die Initiative Kirche von unten (IKvu), in Deutschland die Rechte und Interessen von Homosexuellen in Kirchen. Jedoch gibt es auch sehr streng gläubige konservative Protestanten, die Homosexualität als Krankheit ansehen, die geheilt werden müsse (Kluge/Sonnenmoser 2001: 6-9).
In Deutschland leben rund 3,5 Millionen Muslime (REMID 2008). Auch deren Religion beeinflusst maßgeblich ihr Verhalten und ihre Einstellung zur Homosexualität im Privatleben und am Arbeitsplatz. Im islamischen Glauben gilt nach der Heiligen Schrift, dem Koran, Homosexualität als Unzucht und Sünde und soll bestraft werden (Sure 4, Vers 16) (Kluge/Sonnenmoser 2001: 22). Die Majorität der konservativen islamischen Gelehrten legt diese so aus, dass auf homosexuelle Handlungen die Bestrafung mit dem Tod steht, aber auch Verbannung und Auspeitschung sind mögliche Folgen für die Betroffenen (Mohr 2007). In islamisch geprägten Staaten ist Homosexualität aber genauso weit verbreitet wie sonst auf der Welt und der aktive homosexuelle Mann gilt im Gegensatz zum passiven in der muslimischen Gesellschaft nicht als homosexuell und kann seine Gelüste relativ frei ausleben (Bochow/Marbach 2003: 1-159). Daher ist es wiederum verwunderlich, dass in fast allen islamischen Ländern drakonische Strafen drohen. In einigen Staaten gilt die Todesstrafe für homosexuellen meist schwulen aber auch lesbischen Sex. In anderen islamischen Staaten werden oft hohe Haftstrafen verhängt und in nur wenigen Ländern, z.B. der Türkei, in Indonesien, Jordanien und Albanien bleiben homosexuelle Handlungen straffrei (Hackensberger 2008). Gemäßigte moderne Vertreter des Islam und Organisationen wie die weltweit agierende Al-Fatiha Foundation, die sich für die Interessen und Rechte von homo-, bi- und transsexuellen Muslimen einsetzt, oder der Zentralrat der Muslime in Deutschland sprechen sich für die Gleichstellung von Homo-, Bi- und Transsexuellen aus und sehen keine Diskrepanz zwischen ihrer Religion und Homosexualität. Die 40jährige in Frankfurt am Main geborene Deutschtürkin Hilal Sezgin, die als Journalistin, Publizistin und Schriftstellerin arbeitet, ist bekennende Muslimin und Mitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Zum Thema Homosexualität kann sie sich nur „schlecht vorstellen, dass Gott etwas dagegen haben soll, wenn sich zwei Menschen lieben. Egal, wie ihre Körper aussehen. Was zählt, (…), ist, wie sie miteinander umgehen: ob sie ehrlich sind, vertrauensvoll, zärtlich, hilfsbereit. Das ist wichtig.“ (Sezgin 2010). Für die meisten in Deutschland lebenden Muslime ist Homosexualität kein Thema. Sie wird tabuisiert und die Kinder werden oft zur heterosexuellen Heirat gezwungen und jede Abweichung von der Tradition gilt als Schande für die ganze Familie. Die Nichtauseinandersetzung mit diesem Thema in der Familie prägt die folgenden Generationen und schon Jugendliche und Kinder muslimischer Familien entwickeln einen stark ausgeprägten Hass gegenüber Homosexuellen. Die, die erkennen, dass sie selbst homosexuell sind, wenden sich von den Familien und Freunden ab und einige begehen sogar Selbstmord (Gottschlich 2008). Deshalb ist es wichtig, dass gerade islamische Gelehrte und muslimische Organisationen Position beziehen, aufklären und sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen aussprechen. Einen ersten Schritt haben der Türkische Bund Berlin im April 2010 und der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyek gewagt und ihre Unterstützung zu Antidiskriminierungsgesetzen ausgesprochen, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität vor Diskriminierung schützen.
Auch Vorurteile konfessionsloser Menschen gegenüber Homosexuellen sind weit verbreitet. Gründe hierfür sind sicherlich die religiösen und staatlichen Einflüsse, die unsere Kultur in den vergangenen Jahrhunderten geprägt haben. Jedoch ist Homosexualität bei Konfessionslosen eher toleriert als bei gläubigen Menschen, welcher Konfession sie auch immer angehören (Kluge/Sonnenmoser 2001: 15-16). Ich glaube, dass nicht-religiöse Menschen wesentlich vorurteilsfreier mit Sexualität und damit auch Homosexualität umgehen und sie besser in ihre Lebensanschauung einbinden können.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich konfessionell gebundene Menschen an den Werten und Normen ihrer Glaubensgemeinschaft orientieren, die Homosexualität weitestgehend ablehnen, auch wenn viele mit der tradierten Vorstellung, dass Sexualität nur dem Ziel der Fortpflanzung dient, nicht mehr viel anfangen können. In wieweit sich historische Entwicklungen und religiöse Einstellungen zur Homosexualität noch heute auf die Gesellschaft und speziell auf das Arbeitsleben auswirken, soll in den Abschnitten 5-7 näher erläutert werden.
Auch bi-, trans-, inter-, pan- und asexuelle Menschen haben mit Vorurteilen der Bevölkerung zu kämpfen. Bisexualität, auch Ambisexualität genannt, ist das Gegenteil zur Hetero- bzw. Homosexualität, da sich bisexuelle Menschen zu beiderlei Geschlechts (lat. bi = zwei) sexuell hingezogen fühlen. Sie wird nur selten ausgelebt, da unsere Kultur monosexuell heterosexuell normiert ist. Das bedeutet, dass sich Menschen ausschließlich zu einem Geschlecht und zwar nur zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen und bekennen, also heterosexuell sein sollen (Wiesendanger 2002). Ich denke, dass es für bisexuelle Menschen weitaus schwieriger ist, ihre eigene Situation zu verstehen, sie anzunehmen, sich in der Öffentlichkeit zu outen und das Gefühl haben, sich für Hetero- oder Homosexualität entscheiden zu müssen. Wieder andere verstecken ihre Bisexualität komplett hinter einer nach außen offen erkenntlichen „normalen“ heterosexuellen Beziehung und leben ihre gleichgeschlechtliche Sexualität im Verborgenen aus. Für die meisten Homosexuellen ist es wesentlich einfacher, mit ihrer Sexualität umzugehen, da sie sich ihrer Orientierung vollkommen bewusst sind.
Transsexualität lässt sich eindeutig der Gruppe der sexuellen Identitäten zuordnen. Nicht zu verwechseln ist Transsexualität mit Transvestismus. Er beschreibt lediglich das Tragen der Bekleidung des anderen Geschlechts. Er tritt bei Hetero- und Homosexuellen auf und ist keine sexuelle Orientierung (Haeberle 2010). Transsexualität und Transvestismus lassen sich dem Begriff Transgender unterordnen, der die Diskrepanz zwischen den zugeschriebenen und realen sozialen Geschlechterrollen und -merkmalen (Gender) beschreibt. Transsexualität wird von der WHO als Krankheit eingestuft, denn sie stellt eine Geschlechtsidentifikationsstörung dar. Die Menschen, die rein äußerlich weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, sich aber als Mann fühlen, werden als Transmänner bezeichnet. Menschen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen, die als Identitätsgeschlecht eine Frau sind, heißen Transfrauen. Bekannte Transmänner, die sich sogar einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben, sind Chastity Sun Bono, die Tochter der Pop-Sängerin Cher und der 29jährige deutsche Stabhochspringer und -trainer Balian Buschbaum, der als Yvonne Buschbaum geboren wurde und in diesem Jahr in allen Medien offen über seine Transsexualität sprach. Bekannte Transfrauen sind die Schauspielerin Aleshia Brevard oder die 1972 in Tel Aviv als Yaron Cohen geborene Sharon Cohen, besser bekannt als Dana International, die 1998 den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Nach einer Umwandlung des Geschlechts leben die meisten Transsexuellen in einer heterosexuellen Beziehung, d.h. Transfrauen mit Männern und Transmänner mit Frauen (Conway 2004). Forscher gehen davon aus, dass Transsexualität bei 1 von 250 bis 500 Kindern auftritt, sich jedoch nur jede(r) zehnte Transsexuelle einer Geschlechtsumwandlung unterzieht (Benjamin 1966: 1-156). Transsexualität stellt ein Teil der Intersexualität dar.
Von Intersexualität spricht man dann, wenn Menschen anatomisch, genetisch oder hormonell nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können. Häufig werden sie als Zwitter oder Hermaphroditen bezeichnet und weisen weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale auf. Der Unterschied zu Transsexuellen besteht demnach darin, dass diese eindeutig einem biologischen Geschlecht zugeordnet werden können, jedoch Intersexualität z.B. nur durch eine Chromosomenanalyse und andere Untersuchungen festgestellt werden kann (Hamburger Forschergruppe Intersex 2010).
Pansexualität ist selten. Pansexuelle Menschen haben nicht nur ein sexuelles Interesse an Frauen und Männern, sondern zeigen auch Gefühle und sexuelle Vorlieben für Transgender und intersexuelle Menschen. Dies zeigt die griechische Vorsilbe „pan“, die „alles“ oder „umfassend“ bedeutet (Haeberle 2010).
Asexuelle Menschen verspüren keinerlei sexuelles Interesse an Männern oder Frauen, Transgendern oder Intersexuellen. Trotzdem können sie Gefühle und Zuneigung zu anderen Menschen entwickeln. Es ist unklar, ob es sich bei Asexualität um eine Orientierung oder Identität handelt (Haeberle 2010).
Alle genannten Sexualitäten sind bisher wenig erforscht, Ursachen lassen sich bisher nur vage erahnen und der Anteil dieser an der Bevölkerung ist ungewiss. Nicht-heterosexuelle Menschen verstecken sich meist, zeigen ihre Sexualität nicht öffentlich und reden nicht darüber. Diskriminierungen sind bei Bekanntwerden im Kollegen-, Freundes- oder Familienkreis an der Tagesordnung. Nicht selten werden diese Menschen missachtet, beleidigt oder auch körperlich angegriffen (s.6.3.). Gründe sind die Nicht- Auseinandersetzung mit dem Thema, das Befremdliche und die Unwissenheit, wie die „normalen“ Menschen mit der Nicht-Heterosexualität umgehen sollen.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal intensiver auf die Zuschreibung von Rollen und das heterosexuelle Grundkonzept in unserer Kultur eingehen und anhand der Begriffe Gender, Heteronormativität und Queer Theory erläutern.
Der Begriff „Gender“ steht in vielfältigen Zusammenhängen. Ob Transgender, Gender Mainstreaming, Gender Identität oder Gender Marketing, im deutschen Sprachgebrauch wurde der Begriff aus dem Englischen übernommen, da man im Deutschen in der Wortwahl nicht zwischen dem biologischen Geschlecht (engl. = sex) und dem sozialen Geschlecht unterscheidet (engl. = gender). Für beides wird das Wort Geschlecht gebraucht (Stoller 1968). Der vom US-amerikanischem Forscher John Money 1955 eingeführte Terminus „Gender“ wird vor allem in den Sozialwissenschaften verwendet und beschreibt einerseits die Geschlechtsrolle (gender role) und andererseits die Merkmale des Geschlechts (gender feature) (Money/Coleman 1991). Das bedeutet, dass unsere Gesellschaft und Kultur all das normiert, was typisch für ein bestimmtes Geschlecht ist und somit eine soziokulturelle Konstruktion darstellt. Dies kann zum Beispiel an der Kleidung oder an der Zuschreibung für bestimmte Berufsgruppen festgemacht werden. In verschiedenen Kulturen werden so die Begriffe „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ differierend beurteilt und setzen bestimmte Vorstellungen und Prämissen in der Wahrnehmung fest. Je nach Kultur übernehmen die Individuen diese Vorstellungen und nehmen die Rollenverteilungen als normal an. Im Jahre 1968 definierte Robert Stoller den Begriff Gender Identity (Geschlechtsidentität) folgendermaßen:
„Geschlechtsidentität (gender identity) beginnt mit dem Wissen und dem Bewusstsein, ob bewusst oder unbewusst, dass man einem Geschlecht (sex) angehört und nicht dem anderen. Geschlechtsrolle (gender role) ist das äußerliche Verhalten, welches man in der Gesellschaft zeigt, die Rolle, die man spielt, insbesondere mit anderen Menschen.“ (Stoller 1968). Bei der Majorität der weltweiten Bevölkerung konvergieren das soziale, Identitäts- und körperliche Geschlecht, d.h. es lassen sich eindeutig das Auftreten und die dazugehörigen Merkmale einem bestimmten Geschlecht zuordnen und dieser Mensch nimmt sich selbst auch so wahr. Ist dies nicht gegeben, spricht man von Transgender (BMFSFJ 2010).
In jedem Land der Erde gilt Heterosexualität als DAS soziale Grundkonstrukt und vorausgesetzt wird eine ausnahmslos binäre Geschlechtseinteilung in Mann und Frau als biologisches Geschlecht und die eindeutig zuzuordnenden weiblichen bzw. männlichen Geschlechterrollen, -identitäten und -merkmale. Zudem gilt für Frauen ein typisches weibliches Verhalten, d.h. sich z.B. um den Haushalt und Kinder zu kümmern. Für Männer wird ein typisch männliches Verhalten vorausgesetzt: Der Mann soll der Ernährer und starke Beschützer der Familie sein. In jeder Gesellschaft geht man grundsätzlich davon aus, dass sich jeder Mensch heterosexuell entwickelt. Heterosexualität wird in diesem Sinne nicht hinterfragt und gilt als Standard (Hauer 2006: 8-13).
Bachelor of Arts Torsten Kalb (Autor)
V159399
9783640725519
9783640725786
Die für den POLITEIA-Preis vorgeschlagene Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Umgang mit verschiedenen sexuellen Orientierungen und Identitäten am Arbeitsplatz, dem Umgang der betroffenen Benachteiligten mit ihrer sexuellen Orientierung/Identität im Erwerbsleben und dem aktuellen Stand der Wahrnehmung von Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in Deutschland. Zudem zeige ich auf, was Politik, Gesellschaft, Unternehmen und Beschäftigte tun können, um eine wertschätzende diskriminierungsfreie Unternehmenspolitik und -kultur zu schaffen.
Diversity Management Homosexualität sexuelle Orientierungen und Identitäten Transsexualität Intersexualität Bisexualität Heteronormativität Gender Queer Theory Queer Studies Heterosexualität Diskriminierung Antidiskriminierungspolititk AGG Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz Lebenspartnerschaft Sexualität Artikel 3 Preis
Bachelor of Arts Torsten Kalb (Autor), 2010, Homosexuelle im Erwerbsleben - Heteronormativität oder Homonormalität?, München, GRIN Verlag, https://www.diplomarbeiten24.de/document/159399
Zwischen Diskriminierung un...

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