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Timestamp: 2019-07-22 16:31:58+00:00

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Typ F- Der Film & §129b Veranstaltung
Freitag, den 21. Juni | 18 Uhr | Infoveranstaltung zu §129b Verfahren in der BRD| Infoladen Magdeburg (A-Puschkin-Str.20,39108 Magdeburg)
Samstag, den 22. Juni | 20 Uhr | Filmvorführung Typ-F |Heizhaus (Harsdorferstr. 33b, Magdeburg)
Nachdem es bereits Filmpremieren in Istanbul, Berlin, Paris, Bruxelles, London und Wien gab, freuen wir uns den Film „Typ F“ hier in Magdeburg zu präsentieren. Der Film „Typ F“ ist kein Dokumentarfilm, sondern behandelt darstellerisch die Isolierungsmaßnahmen in Hochsicherheitsgefängnissen. Neun voneinander unabhängige Geschichten, die doch Teil des Gesamtbildes sind, stellen in unterschiedlichen Aspekten die Isolationsbedingungen und deren Wirkung dar. „In den fast 30 F-Typ Gefängnissen der Türkei ist die Isolationsfolter heute immer noch eines der aktuellsten Themen, auch wenn durch die Kämpfe einiges erreicht wurden ist. Der Film „Typ F“ versucht dieses Thema vor die Augen der breiten Massen zu tragen.“ (Inan Altin: Filmkoordinator und Grup Yorum Bandmitglied)
Die Terrorparagraphen 129 und 129a sollte in Magdeburg mehr als bekannt sein. Bereits 2002 sah sich die Magdeburger Linke mit einem 129a Verfahren konfrontiert und nun versucht die Generalbundesanwaltschaft erneut mit einem §129 Verfahren unsere Bewegung zu zerstören. Der Unterparagraph 129b StGB fällt in der Deutschen Linken oft unter den Tisch, obwohl diesem wohl mindestens genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste. Die §129-b-Ermittlungsverfahren richteten sich außer gegen islamische Gruppierungen wie Al-Qaida vor allem gegen Linke, als verboten deklarierte Gruppen aus der Türkei wie die DHKP-C, die PKK und die TKP/ML.
Die Zahl von Ermittlungsverfahren gegen sogenannte „terroristische Vereinigungen im Ausland“ ist erneut angestiegen. Das ergibt sich aus der Antwort auf die alljährliche kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, zu Straf- und Ermittlungsverfahren nach den Terrorparagraphen 129, 129a und 129b StGB.
Demnach wurden 2011 von der Generalbundesanwaltschaft 145 Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland oder wegen Unterstützung bzw. Werbung für eine solche eingeleitet. Zum Vergleich: 2010 waren es 123 neue 129-b-Verfahren, in den beiden Vorjahren 95 bzw. 57.
2011 fiel beispielsweise das Urteil im §129b Verfahren in Düsseldorf gegen Nurhan E, Cengiz O. und Ahmet I. Der Senat sah es als bewiesen an, dass die drei Funktionäre der DHKP-C in Europa gewesen seien. Die DHKP-C sei eine als terroristisch eingestufte Organisation. Der Richter zählte eine lange Liste von Anschlägen auf Militärposten, Polizeifahrzeuge, Angehörige der türkischen Staatsschutzgerichte, der Gefängnisverwaltung und auf Büros verschiedener Parteien und Banken, auf, zu denen sich die DHKP-C selbst bekannt hatte.
Nurhan bekam 7 Jahre 9 Monate in Haft (`dies sei noch milde`, so der Richter, da Nurhan erst kürzlich die Rolle als Rädelsführerin erfüllte), Cengiz 5 Jahre 6 Monate und Ahmet 3 Jahre.
Wir wollen mit euch gemeinsam über die Situation der §129b Gefangenen hier in Deutschland diskutieren und unsere Solidarität aussprechen. Dazu möchten wir alle Interessierten zu einer Infoveranstaltung, welche wir gemeinsam mit der Internationalen Plattform gegen Isolation organisieren. Kommt deshalb zahlreich am 21. Juni um 18.00 Uhr in den Infoladen in der Alexander-Puschkin-Str. 20.
Hintergrundinformationen zu den Machern des F-Typ Films
Grup Yorum wurde im Jahr 1985 als Reaktion auf den den Militärputsch von 1980 in der Türkei von einer StudentInnen-Gruppe an der Istanbuler Universität gegründet. Grup Yorum (Yorum bedeutet im Türkischen ‘Interpretation’) hat seit 1987 20 Alben veröffentlicht.
Sie stellte sich nach dem Putsch gegen den Versuch der Entpolitisierung und Einschüchterung entgegen. Die Band kämpfte in ihrer 28-jährigen Geschichte stets gegen die Ungerechtigkeiten, gegen die Repression, willkürliche Verhaftungen und Folter des Regimes in der Türkei. So wurde Grup Yorum zur Stimme der ArbeiterInnen, Bauern, StudentInnen, BeamtInnen, RechtsanwältInnen und Werktätigen im öffentlichen Dienst.
Die Band, die ursprünglich von Ruhi Su, Mahzuni Serif, Inti Illimani, Victor Jara, Quilapayun und Theodorakis beeinflusst wurde, begann sehr rasch die Stimme Anatoliens und dessen Volk zu werden. Somit stand der Name „Grup Yorum“ innerhalb einer kurzen Zeit symbolisch für den Kampf für Rechte und Freiheiten.
Neben unzähligen Konzerten in der Türkei und im europäischen Ausland nahm die Band an Hunderten von Massenprotesten, Demonstrationen, Streiks und auch Universitäts- und Fabrikbesetzungen teil. Aufgrund ihrer politischen Meinung, ihrer revolutionär -aktivistischen Struktur und den oft kritischsatirischen Inhalten ihrer Texte wurden zahlreiche Bandmitglieder verhaftet, eingesperrt.
Sie singen nicht nur auf türkisch, sondern auch in weiteren Sprachen, die in Anatolien gesprochen werden wie Kurdisch, Arabisch und Tscherkessisch. “Grup Yorum“ setzt sich dafür ein, dass die in Anatolien lebenden Minderheiten das Recht bekommen, ihre Muttersprache frei zu sprechen.
Die Themen, die in ihren Songtexten behandelt werden, sind der Kampf gegen den Faschismus und Imperialismus, die Gefängnismassaker, die Zerstörung der Erde durch Naturkatastrophen, imperialistische Kriege, Tod, Liebe, Tugend sowie die Sehnsucht nach einer freien und demokratischen Welt. Die Gruppe ist stets informiert über die jeweiligen Situationen im eigenen Lande und auf der ganzen Welt und mit der ständigen Weiterentwicklung der eigenen internen Dynamik, kommen sie nie ab von ihrem Weg, sondern inspirieren inzwischen mit ihrem Musikstil viele neue Musiker und Musikgruppen. Nicht nur in der Türkei bekannte Musikinstrumente wie Mey, Baglama und Kaval (Hirtenflöte), sondern auch „nicht-native“ Instrumente, darunter Gitarre, Violine und Oboe, werden verwendet. Ihre Musik, die man als „Volks-Rock-Musik“ bezeichnen kann, beinhaltet sowohl Volkslieder, Melodien aus der Schwarzmeerregion, lateinamerikanische Hymnen als auch „Rockmusik“.
Sowohl durch die Musik die sie komponieren, als auch durch Aufgaben, die sie auf sich nehmen und die Verantwortung, die sie tragen müssen, sind sie vorbildhaft für viele Menschen. Außerdem wurden inzwischen einige Forschungsarbeiten und Bücher über die Musikgruppe geschrieben. Von der Presse als “Prison Singers“ und von den Zuhörern als “Snow Machine“ bezeichnet, schafft es “Grup Yorum” weiterhin eine der wichtigsten Figuren in der revolutionären Musikgeschichte zu spielen.
Weiters ist zu sagen, dass „Grup Yorum“ beachtliche Erfolge hatte wie zum Beispiel das 25. Jahreskonzert im bekannten Inönü Stadium in Istanbul, welches am 12.Juni 2010 stattfand und von ca. 55.000 begeisterten Grup Yorum Fans besucht wurde. Unter anderem waren auch berühmte Persönlichkeiten anwesend, um sie zu unterstützen. Am 17. April 2011 gab die Band in Bakirköy-Istanbul ein Volkskonzert bei freiem Eintritt. Das Konzert wurde von mehr als 150.000 Fans besucht und war ein voller Erfolg! Das Konzert unter dem Motto “Eine völlig unabhängige Türkei” wird inzwischen jährlich traditionell abgehalten, und so hat sich die Zahl der Teilnehmer im Jahr 2012 auf 350.000 erhöht und dieses Jahr nochmals auf 550.000 Menschen.
Grup Yorum war und ist heute noch Sprachrohr der unterdrückten Völker und ihrer Widerstände. Dafür muss sie einen hohen Preis bezahlen: Viele ihrer Alben wurden verboten, beschlagnahmt, die Bandmitglieder mehrmals verhaftet.
Das letzte Verbot eines Grup Yorum Albums ereignete sich im Jahre 2001. Das Album „Feda“ wurde drei Wochen nach der Veröffentlichung verboten und konfisziert. Wie bereits in dem Album „Boran Firtinasi“ von 1998 beschäftigte sich Grup Yorum auch in diesem Album hauptsächlich mit der Gefängnissituation und dem Gefangenenwiderstand in der Türkei, dem Todesfasten, das weit über hundert Gefangenen das Leben kostete.
Der türkische Staat betrachtet Grup Yorum als große Gefahr. Bislang wurden gegen die Band über 400 Verfahren eröffnet, in denen Dutzende Mitglieder verhaftet wurden, mehrere Jahre einsitzen mussten und angeblich gefoltert wurden.
Im September 2012 wurden die Grup Yorum Solistin Selma Altin und die Violinistin Dilan Balci festgenommen und in Haft verbracht, weil sie an einem Protest vor dem gerichtsmedizinischen Institut teilnahmen. Infolge der gezielten Misshandlungen durch die Polizei platzte Altin das Trommelfell und Balci wurde an der Hand verletzt. Ihr Rechtsanwalt erklärte, man habe Selma Altin und Dilan Balci mit Absicht so behandelt, damit ihre Karrieren als Musikerinnen vorbei seien. Im Januar dieses Jahres wurde darüber hinaus das Kulturzentrum der Band von der Polizei gestürmt und verwüstet. Aufnahmen für das letzte, unvollendete Album wurden beschlagnahmt, ohne eine Kopie zu hinterlassen und alle Mitglieder wurden vorübergehend festgenommen. Drei Bandmitglieder wurden unter “Hausarrest” gestellt. Solistin und Saz-Spielerin Ayfer Rüzgar befindet sich derzeit in einem Istanbuler Gefängnis und Band-Mitglied Seckin Aydogan wurde vor wenigen Tagen aus der Haft entlassen. Trotz der schweren Repression, die Grup Yorum allein in diesem Jahr über sich ergehen lassen musste, lässt sie sich nicht zum Schweigen bringen und genießt auch dafür die Solidarität bekannter KünstlerInnen, Intellektueller und ihrer Fans.
http://grupyorum.weebly.com/index.html
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