Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Abgeltung_von_Urlaubsanspruechen_bedingter_Freistellungsanspruch_BAG_9AZR11-05-u.html
Timestamp: 2018-02-18 04:54:28+00:00

Document:
Schlag­worte: Freistellung, Suspendierung
Akten­zeichen: 9 AZR 11/05
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 28.04.2004, 12 Ca 22678/02
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 19.11.2004, 9 Sa 653/04
9 Sa 653/04
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 14. März 2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Düwell, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Krasshöfer so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Kap­pes und Fal­tyn für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 19. No­vem­ber 2004 - 9 Sa 653/04 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche des Klägers aus dem Jah­re 2002. Der Kläger war seit dem 1. No­vem­ber 1994, zu­letzt als Re­gio­nal­ver­triebs­lei­ter, bei der Be­klag­ten beschäftigt. Mit Schrei­ben vom 28. Mai 2002 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis frist­ge­recht zum 31. Ju­li 2002. In dem Kündi­gungs­schrei­ben heißt es ua.:
„Bis zur Be­en­di­gung des An­stel­lungs­verhält­nis­ses wer­den Sie un­ter Fort­zah­lung der Bezüge und un­ter An­rech­nung noch of­fe­ner Ur­laubs­ansprüche so­wie noch nicht ab­ge­gol­te­ner Zeit-gut­ha­ben von der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt.“
Der Kläger er­hob ge­gen die­se Kündi­gung vor dem Ar­beits­ge­richt München Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 8. Au­gust 2002 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen Ver­gleich und ver­ein­bar­ten die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf Grund or­dent­li­cher be­trieb­lich ver­an­lass­ter Ar­beit­ge­berkündi­gung zum 31. Ju­li 2002. In Ziff. 2 des Ver­gleichs ver­pflich­te­te sich die Be­klag­te zur Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung iHv. 10.000,00 Eu­ro und in Ziff. 3 zur Zah­lung ei­ner Be­tei­li­gung am Be­triebs­er­folg für das Geschäfts­jahr 2001/2002. In Ziff. 4 des Ver­gleichs heißt es:
„Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass mit Erfüllung der Ver­pflich­tun­gen aus die­sem Ver­gleich zwi­schen Ih­nen aus dem Ar­beits­verhält­nis und anläss­lich des­sen Be­en­di­gung kei­ner­lei fi­nan­zi­el­le Ansprüche, gleich aus wel­chem Rechts­grund, mehr be­ste­hen.“
Mit Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 7. Ok­to­ber 2002 mach­te der Kläger die Ab­gel­tung von 26 Ur­laubs­ta­gen iHv. 386,40 Eu­ro je Tag gel­tend. Darüber hin­aus ver­lang­te er die Zah­lung zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des iHv. täglich 124,14 Eu­ro. Die Be­klag­te lehn­te mit Schrei­ben vom 14. Ok­to­ber 2002 ei­ne Zah­lung ab und be­rief sich auf die Aus­gleichs­klau­sel im ge­richt­li­chen Ver­gleich.
Nach erst­in­stanz­li­cher Kla­ge­ab­wei­sung hat der Kläger in der Be­ru­fungs­in­stanz nur noch die Ab­gel­tung und das zusätz­li­che Ur­laubs­geld iHd. ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs von 20 Ur­laubs­ta­gen wei­ter­ver­folgt.
Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sein Ur­laubs­an­spruch sei nicht durch die Frei­stel­lung im Kündi­gungs­schrei­ben vom 28. Mai 2002 erfüllt, weil die Frei­stel­lung nicht un­wi­der­ruf­lich er­folgt sei.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 10.210,80 Eu­ro nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz gemäß § 1 DÜG seit dem 22. Ok­to­ber 2002 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung 7 ver­tre­ten, die Ur­laubs­ansprüche des Klägers sei­en durch die Frei­stel­lung im Kündi­gungs­schrei­ben erfüllt wor­den. Zu­min­dest sei­en sie auf Grund der Aus­gleichs­klau­sel im ge­richt­li­chen Ver­gleich vom 8. Au­gust 2002 er­lo­schen.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts zurück­ge­wie­sen. Mit sei­ner vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­ne Zah­lungs­ansprüche wei­ter.
A. Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Der Kläger hat we­der An­spruch auf Ab­gel­tung be­ste­hen­den Rest­ur­laubs noch auf Zah­lung zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des.
I. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung nach § 7 Abs. 4 BUrlG. Da­nach ist der Ur­laub ab­zu­gel­ten, wenn er we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ganz oder teil­wei­se nicht mehr gewährt wer­den kann. Das setzt vor­aus, dass bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses noch ein Ur­laubs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers be­stan­den hat. Dar­an fehlt es hier. Die Be­klag­te hat­te den Ur­laubs­an­spruch des Klägers für das Jahr 2002 mit der Ar­beits­be­frei­ung bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses erfüllt. Der Ur­laubs­an­spruch des Klägers für das Jahr 2002 war des­halb gemäß § 362 Abs. 1 BGB er­lo­schen.
1. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist der Ur­laubs­an­spruch ein durch das BUrlG be­ding­ter Frei­stel­lungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers ge­gen den Ar­beit­ge­ber, von den nach dem Ar­beits­verhält­nis be­ste­hen­den Ar­beits­pflich­ten be­freit zu wer­den, oh­ne dass die Pflicht zur Zah­lung des Ar­bei­tent­gelts berührt wird. Die zur Erfüllung des An­spruchs er­for­der­li­che Erklärung des Ar­beit­ge­bers muss hin­rei­chend deut­lich er­ken­nen las­sen, dass ei­ne Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht zur Erfüllung des An­spruchs auf Ur­laub gewährt wird. An­dern­falls ist nicht be­stimm­bar, ob der Ar­beit­ge­ber als Schuld­ner des Ur­laubs­an­spruchs die ge­schul­de­te Leis­tung be­wirkt (§ 362 Abs. 1 BGB) oder als Gläubi­ger der Ar­beits­leis­tung auf de­ren An­nah­me ver­zich­tet (§ 615 BGB) (25. Ja­nu­ar 1994 - 9 AZR 312/92 - BA­GE 75, 294 mwN). Der Ur­laubs­an­spruch ei­nes Ar­beit­neh­mers kann wie hier auch da­durch erfüllt wer­den, dass der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter An­rech­nung auf den Ur­laubs­an­spruch von der Ar­beit frei­stellt (ständi­ge Recht­spre­chung seit 18. De­zem­ber 1986 - 8 AZR 481/84 - BA­GE 54, 59).
2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht ei­ne Ur­laubs­gewährung nach § 7 BUrlG dar­in ge­se­hen, dass die Be­klag­te den Kläger im Kündi­gungs­schrei­ben vom 28. Mai 2002 „un­ter An­rech­nung noch of­fe­ner Ur­laubs­ansprüche“ von der Ar­beit frei­stell­te.
a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, durch die­se Erklärung wer­de hin­rei­chend er­kenn­bar, dass die Ar­beits­be­frei­ung er­fol­ge, um den noch of­fe­nen Ur­laubs­an­spruch zu erfüllen. Die­se Aus­le­gung ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Es han­delt sich um ei­ne nicht­ty­pi­sche Wil­lens­erklärung. Die Aus­le­gung sol­cher Erklärun­gen ist re­gelmäßig den Tat­sa­chen­ge­rich­ten vor­be­hal­ten. Re­vi­si­ons­recht­lich ist die Aus­le­gung nur ein­ge­schränkt da­hin ge­hend zu über­prüfen, ob das Lan­des­ar­beits­ge­richt Aus­le­gungs­re­geln (§§ 133, 157 BGB) ver­letzt, ge­gen Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungs­ge­set­ze ver­s­toßen oder Umstände, die für die Aus­le­gung von Be­deu­tung sein können, außer Be­tracht ge­las­sen hat (Se­nat 9. No­vem­ber 1999 - 9 AZR 922/98 - mwN).
b) Aus dem Wort­laut der schrift­li­chen Erklärung der Be­klag­ten im Schrei­ben vom 28. Mai 2002 muss­te der Kläger er­ken­nen, dass er auch zur Erfüllung des Ur­laubs­an­spruchs von der Ar­beit frei­ge­stellt wer­den soll­te. Es wird dort aus­drück­lich erklärt, dass der Kläger un­ter An­rech­nung auf sei­nen Ur­laubs­an­spruch von der Ar­beit frei­ge­stellt wer­de (vgl. hier­zu 18. De­zem­ber 1986 - 8 AZR 481/84 - BA­GE 54, 59; und zu ei­ner
ver­gleich­ba­ren Erklärung ei­nes Ar­beit­ge­bers, Se­nat 21. Ju­ni 2005 - 9 AZR 295/04 - AP In­sO § 55 Nr. 12 = EzA In­sO § 209 Nr. 5).
c) Ge­gen die­se Frei­stel­lung er­hob der Kläger kei­nen Wi­der­spruch. Mit ei­ner vom Ar­beit­neh­mer ak­zep­tier­ten Frei­stel­lung un­ter An­rech­nung auf Ur­laub wird der Frei­stel­lungs­an­spruch zur Erfüllung von Ur­laubs­ansprüchen erfüllt (BAG 15. Ju­ni 2004 - 9 AZR 431/03 - BA­GE 111, 80).
3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on steht der Erfüllung des Ur­laubs­an­spruchs nicht ent­ge­gen, dass die Be­klag­te nicht aus­drück­lich die Un­wi­der­ruf­lich­keit der Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht her­vor­ge­ho­ben hat­te.
a) Die Erfüllung von Ur­laubs­ansprüchen durch den Ar­beit­ge­ber be­darf der un­wi­der­ruf­li­chen Be­frei­ung des Ar­beit­neh­mers von der Ar­beits­pflicht. Nur dann ist es dem Ar­beit­neh­mer möglich, an­stel­le der ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung die ihm auf Grund des Ur­laubs­an­spruchs zu­ste­hen­de Frei­zeit un­ein­ge­schränkt zu nut­zen. Das ist nur dann gewähr­leis­tet, wenn der Ar­beit­neh­mer während der Frei­stel­lung nicht da­mit rech­nen muss, zur Ar­beit ge­ru­fen zu wer­den.
b) Die Erklärung, die Frei­stel­lung er­fol­ge un­ter An­rech­nung auf Ur­laubs­ansprüche be­wirkt, dass für die Dau­er der Frei­stel­lung die ur­laubs­recht­li­chen Fol­gen ein­tre­ten, wie zB Ur­laubs­vergütung, zusätz­li­ches Ur­laubs­geld und Un­wi­der­ruf­lich­keit der Ar­beits­be­frei­ung.
Nach dem BUrlG be­steht kein An­spruch des Ar­beit­ge­bers ge­gen den Ar­beit­neh­mer, den gewähr­ten Ur­laub ab­zu­bre­chen oder zu un­ter­bre­chen (Se­nat 20. Ju­ni 2000 - 9 AZR 405/99 - BA­GE 95, 104). Hat der Ar­beit­ge­ber die Leis­tungs­zeit be­stimmt, in der der Ur­laubs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers iSv. § 362 Abs. 1 BGB erfüllt wer­den soll, und sie dem Ar­beit­neh­mer auch mit­ge­teilt, hat er als Schuld­ner des Ur­laubs­an­spruchs die für die Erfüllung die­ses An­spruchs er­for­der­li­che Leis­tungs­hand­lung iSv. § 7 Abs. 1 BUrlG vor­ge­nom­men. An den In­halt die­ser Erklärung ist er ge­bun­den (Se­nat 20. Ju­ni 2000 - 9 AZR 405/99 - aaO). Die­se Bin­dung muss nicht durch ei­ne ge­son­der­te Erklärung der Un­wi­der­ruf­lich­keit de­kla­ra­to­risch wie­der­holt wer­den. Sie ist Vor­aus­set­zung ei­ner wirk­sa­men Ur­laubser­tei­lung. Er­gibt al­ler­dings die Aus­le­gung der Frei­stel­lungs­erklärung, dass der Ar­beit­ge­ber sich den Wi­der­ruf der Ur­laubs­gewährung vor­be­hal­ten hat, ist ei­ne zur Erfüllung des Ur­laubs­an­spruchs not­wen­di­ge Be­frei­ungs­erklärung nicht ge­ge­ben. Für ei­nen der­ar­ti­gen Wi­der­rufs­vor­be­halt er­ge­ben sich hier kei­ne An­halts­punk­te.
4. Der Erfüllung des Ur­laubs­an­spruchs steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Be­klag­te Be­ginn und En­de des Ur­laubs nicht kon­kret be­stimmt hat. Als Schuld­ner des Ur­laubs­an­spruchs ob­liegt es dem Ar­beit­ge­ber nach § 7 Abs. 1 BUrlG, den Ur­laubs­zeit-raum fest­zu­le­gen. Wenn der Ar­beit­ge­ber wie im Streit­fal­le die ge­naue zeit­li­che La­ge des Ur­laubs und die Zahl der Ur­laubs­ta­ge nicht fest­legt, kann der Ar­beit­neh­mer dar­aus re­gelmäßig ent­neh­men, ent­we­der gewähre der Ar­beit­ge­ber ihm die ge­sam­te Zeit der Kündi­gungs­frist als Ur­laub oder der Ar­beit­ge­ber über­las­se es ihm zu­min­dest, die zeit­li­che La­ge der ihm zu­ste­hen­den Ur­laubs­ta­ge in­ner­halb des vor­be­halt­los gewähr­ten Frei­stel­lungs­zeit­raums zu be­stim­men. In bei­den Fällen ist für den Ar­beit­neh­mer oh­ne wei­te­res er­kenn­bar, dass er während der rest­li­chen Dau­er sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr da­mit rech­nen muss, ei­ne Ar­beits­leis­tung er­brin­gen zu müssen (Se­nat 9. No­vem­ber 1999 - 9 AZR 922/98 -).
Durch die Frei­stel­lung des Klägers über den Zeit­raum von mehr als ei­nen Mo­nat hat die Be­klag­te den vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Ur­laubs­an­spruch mit der ge­setz­li­chen Min­dest­dau­er (§ 3 BUrlG) von 24 Werk­ta­gen erfüllt. Der Ur­laubs­an­spruch des Klägers ist des­halb gemäß § 362 Abs. 1 BGB er­lo­schen.
II. Dem Kläger steht auch kein zusätz­li­ches Ur­laubs­geld zu.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen, ob die Be­klag­te das zusätz­li­che Ur­laubs­geld für min­des­tens 20 Ur­laubs­ta­ge im Frei­stel­lungs­zeit-raum ge­zahlt hat. Nicht erfüll­te Ur­laubs­geld­ansprüche sind auf Grund des ge­richt­li­chen Ver­gleichs vom 8. Au­gust 2002 er­lo­schen.
a) Das er­gibt die Aus­le­gung der im ge­richt­li­chen Ver­gleich vom 8. Au­gust 2002 ver­ein­bar­ten Aus­gleichs­klau­sel.
aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Aus­gleichs­klau­sel nicht aus­ge­legt. Das kann der Se­nat nach­ho­len. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob Pro­zess­ver­glei­che re­gelmäßig sog. ty­pi­sche Verträge sind, die wie Rechts­nor­men aus­zu­le­gen sind (BAG 31. Ju­li 2002 - 10 AZR 558/01 - AP BGB § 611 Kon­kur­renz­klau­sel Nr. 48 = EzA HGB § 74 Nr. 64), oder ob es sich um nicht­ty­pi­sche Verträge han­delt, de­ren Aus­le­gung grundsätz­lich dem Tat­sa­chen­ge­richt ob­liegt (BAG 15. Sep­tem­ber 2004 - 4 AZR 9/04 - AP BGB § 157 Nr. 29 = EzA BGB 2002 § 779 Nr. 1). Ei­ne Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an das Lan­des­ar­beits­ge­richt, um den Par­tei­en Ge­le­gen­heit zu wei­te­rem tatsächli­chen Vor­brin­gen zu ge­ben, ist nicht er­for­der­lich. Die Be­klag­te stützt ih­re Auf­fas-
sung vom ver­meint­li­chen Erlöschen al­ler Ansprüche durch den Pro­zess­ver­gleich al­lein auf des­sen Wort­laut.
bb) Das Ge­richt hat den Um­fang ei­ner Aus­gleichs­klau­sel nach Maßga­be der §§ 133, 157 BGB zu er­mit­teln. Vor­lie­gend er­gibt sich aus dem Wort­laut der Aus­gleichs­klau­sel, dass die Par­tei­en bis auf die Ver­pflich­tun­gen zu Ziff. 2 und 3 des Ver­gleichs sämt­li­che wei­te­ren gleich aus wel­chem Rechts­grund be­ste­hen­den Ansprüche er­le­di­gen woll­ten. In der Re­gel wol­len die Par­tei­en in ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag das Ar­beits­verhält­nis ab­sch­ließend be­rei­ni­gen und al­le Ansprüche er­le­di­gen, gleichgültig, ob sie dar­an dach­ten oder nicht (Se­nat 7. Sep­tem­ber 2004 - 9 AZR 612/03 - AP HGB § 75 Nr. 11 = EzA HGB § 74 Nr. 66; BAG 31. Ju­li 2002 - 10 AZR 513/01 - BA­GE 102, 103). So ist es hier. Die Par­tei­en woll­ten ne­ben der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­kenn­bar al­le nicht im Ver­gleichs­text ge­nann­ten Ansprüche er­le­di­gen. Mit der ver­ein­bar­ten Er­le­di­gung al­ler ge­gen­sei­ti­gen For­de­run­gen ha­ben sie des­halb ein­ver­nehm­lich erklärt, dass aus dem Ar­beits­verhält­nis kei­ne Ansprüche mehr be­ste­hen.
B. Der Kläger hat die Kos­ten der er­folg­lo­sen Re­vi­si­on nach § 97 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.
Kap­pes
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References: § 1
 § 7
 § 362
 § 7
 § 55
 § 209
 § 362
 § 7
 § 7
 § 362
 § 611
 § 74
 § 157
 § 779
 § 75
 § 74
 § 97