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Timestamp: 2020-04-07 16:40:32+00:00

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BAG – 5 AZR 107/11
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.11.2012, 5 AZR 107/11
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz vom 23. November 2010 – 3 Sa 319/10 – wird zurückgewiesen.
5 AZR 107/11 > Rn 1
5 AZR 107/11 > Rn 2
5 AZR 107/11 > Rn 3
5 AZR 107/11 > Rn 4
5 AZR 107/11 > Rn 5
5 AZR 107/11 > Rn 6
5 AZR 107/11 > Rn 7
5 AZR 107/11 > Rn 8
5 AZR 107/11 > Rn 9
5 AZR 107/11 > Rn 10
5 AZR 107/11 > Rn 11
5 AZR 107/11 > Rn 12
5 AZR 107/11 > Rn 13
5 AZR 107/11 > Rn 14
5 AZR 107/11 > Rn 15
1. Dies folgt aus der Bezugnahmeklausel in Nr. 11 des Arbeitsvertrags vom 31. Januar 1974. Diese Vertragsbestimmung enthält eine Gleichstellungsabrede. Die Beklagte ist tarifgebunden. Da der Arbeitsvertrag der Parteien vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Schuldrechts vom 26. November 2001 geschlossen wurde, ist die Bezugnahmeklausel aus Gründen des Vertrauensschutzes nach wie vor als Gleichstellungsabrede auszulegen (vgl. BAG 17. November 2010 – 4 AZR 127/09 – Rn. 31 mwN, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 85). Die arbeitsvertragliche Verweisung soll lediglich widerspiegeln, was tarifrechtlich gilt und die fehlende Mitgliedschaft des Arbeitnehmers in der tarifschließenden Gewerkschaft ersetzen. Die Bezugnahmeklausel erfasst daher alle für den Arbeitgeber fachlich und betrieblich einschlägigen Tarifverträge (vgl. BAG 14. Dezember 2005 – 10 AZR 296/05 – Rn. 19, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 37 = EzA TVG § 3 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 30). In anderer Weise ist der erfasste Gleichstellungszweck der Verweisungsklausel nicht umzusetzen. In diesem Sinne zählt der MTV Metall zu den fachlich und betrieblich einschlägigen Tarifverträgen, die auf das Arbeitsverhältnis der Parteien Anwendung finden.
5 AZR 107/11 > Rn 16
5 AZR 107/11 > Rn 17
a) Auf die fehlende Möglichkeit des Klägers, bei Vertragsschluss von den für ihn (künftig) geltenden Tarifverträgen inhaltlich Kenntnis zu nehmen, kommt es für die Einbeziehung der Tarifverträge durch eine arbeitsvertragliche Verweisungsklausel nicht an. § 305 Abs. 2 BGB findet bei der Kontrolle vorformulierter Vertragsbedingungen im Arbeitsrecht keine Anwendung (§ 310 Abs. 4 Satz 2 BGB). Eine analoge Anwendung der Regelung scheidet aufgrund der klaren gesetzgeberischen Entscheidung (BT-Drucks. 14/6857 S. 54) aus (BAG 23. März 2011 – 10 AZR 831/09 – Rn. 27, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 88; 24. September 2008 – 6 AZR 76/07 – Rn. 19, BAGE 128, 73; 14. März 2007 – 5 AZR 630/06 – Rn. 21, BAGE 122, 12).
5 AZR 107/11 > Rn 18
5 AZR 107/11 > Rn 19
aa) Die Unklarheitenregel des § 305c Abs. 2 BGB hat die Funktion, bei objektiv mehrdeutigen Klauseln eine Auslegungshilfe zu geben, und in diesem Fall die Interessen des Verwenders hinter denjenigen der anderen Partei zurücktreten zu lassen. Auf die Unklarheitenregel kann nur zurückgegriffen werden, wenn nach Ausschöpfung der anerkannten Auslegungsmethoden nicht behebbare Zweifel verbleiben (BAG 17. Januar 2006 – 9 AZR 41/05 – BAGE 116, 366; 19. Dezember 2000 – 3 AZR 174/00 – AP BetrAVG § 1 Wartezeit Nr. 24 = EzA BetrAVG § 1 Wartezeit Nr. 1; 16. April 1997 – 3 AZR 28/96 – AP BetrAVG § 1 Hinterbliebenenversorgung Nr. 16 = EzA BetrAVG § 1 Hinterbliebenenversorgung Nr. 5).
5 AZR 107/11 > Rn 20
5 AZR 107/11 > Rn 21
5 AZR 107/11 > Rn 22
aa) Verweist eine Regelung in Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf Vorschriften eines anderen Regelwerks, führt dies für sich genommen nicht zur Intransparenz (BAG 16. Mai 2012 – 5 AZR 251/11 – Rn. 33, EzA BGB 2002 § 615 Nr. 37; 14. März 2007 – 5 AZR 630/06 – BAGE 122, 12). Arbeitsvertragliche Bezugnahmen auf andere Regelwerke entsprechen einer im Arbeitsrecht gebräuchlichen Regelungstechnik. Die Dynamisierung dient wegen des Zukunftsbezugs des Arbeitsverhältnisses als Dauerschuldverhältnis den Interessen beider Seiten. Andererseits ist es Sinn des Transparenzgebots, der Gefahr vorzubeugen, dass der Arbeitnehmer von der Durchsetzung bestehender Rechte abgehalten wird. Erst in der Gefahr, dass der Arbeitnehmer wegen unklar abgefasster Allgemeiner Geschäftsbedingungen seine Rechte nicht wahrnimmt, liegt eine unangemessene Benachteiligung iSv. § 307 Abs. 1 BGB.
5 AZR 107/11 > Rn 23
bb) Hiernach ist die dynamische Verweisung in der Klausel Nr. 11 des Arbeitsvertrags nicht unklar. Die im Zeitpunkt der jeweiligen Anwendung einbezogenen Regelungen sind bestimmbar (vgl. BAG 9. August 2011 – 9 AZR 475/10 – Rn. 23, NZA 2012, 166; 10. Dezember 2008 – 4 AZR 801/07 – Rn. 48 ff., BAGE 129,1). Dass die anwendbaren Tarifverträge nicht konkret benannt sind, steht der Transparenz der Klausel nicht entgegen. Der Arbeitnehmer ist in der Lage, sich über die anwendbaren Tarifverträge beim Arbeitgeber Kenntnis zu verschaffen, denn dieser ist gemäß § 8 TVG verpflichtet, die für den Betrieb maßgebenden Tarifverträge an geeigneter Stelle im Betrieb auszulegen.
5 AZR 107/11 > Rn 24
5 AZR 107/11 > Rn 25
5 AZR 107/11 > Rn 26
5 AZR 107/11 > Rn 27
5 AZR 107/11 > Rn 28
Müller-Glöge Biebl Klose
Das Urteil BAG – 5 AZR 107/11 wird zitiert in:
> BAG, 16.12.2015 – 5 AZR 567/14

References: § 1
 § 1
 § 3
 § 305
 § 1
 § 305
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 615
 § 307
 § 8