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Timestamp: 2017-05-23 16:47:41+00:00

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Delbrück, Hans, Geschichte der Kriegskunst, 1. Teil. Das Altertum, Fußnoten - Zeno.org
Delbrück, Hans Geschichte der Kriegskunst 1. Teil. Das AltertumSchluß
Fußnoten 1 BEITZKE, Geschichte der deutschen Freiheitskriege, Band I, Anhang. Bernhardi, Denkwürdigkeiten aus dem Leben Tolls. Band III, Anhang.
2 PERTZ-DELBRÜCK, Leben Gneisenaus, Große Ausg. Bd. IV, Exkurs. Kleine Ausg., 2. Aufl., 2. Bd. S. 19.
3 DELBRÜCK, Perser- und Burgunderkriege, S. 157.
4 P. BAILLEU in der »Deutschen Rundschau«, Dezemberheft 1899.
5 v. LETTOW, Der Krieg von 1806 und 1807.
6 Vergl. Geist und Masse in der Geschichte. Preuß. Jahrb. Bd. 147 (1912), S. 193 ff.
7 R. ADAM in seiner Dissertation »De Herodoti ratione historica quaestiones selectae sive de pugna Salaminia atque Plataeensi« (Berlin 1890) weist nach, daß die Heeres- und Schiffs-Zahlen Herodots auf einem Schätzungs-Schema beruhen, wodurch ihnen der letzte Rest von Glaubwürdigkeit geraubt wird.
8 In der Wochenschrift für klassische Philologie, Bd. 12 S. 877 (1895) hat BELOCH seinen Standpunkt gelegentlich einer Rezension gegen einige unbegrün dete Angriffe gut verteidigt.
9 KROMAYER hat in einem Aufsatz »Studien über Wehrkraft und Wehrverfassung der griechischen Staaten, vornehmlich im 4. Jahrh.« Klio Bd. III (1903) die Bevölkerung und die Aufgebote erheblich höher berechnen wollen, ist jedoch von BELOCH, ebenda Bd. V und VI (1905, 1906) in einer Abhandlung »Griechische Aufgebote« zurückgewiesen worden.
10 In der »Griech. Gesch« Bd. I S. 403 hat BELOCH diese Ansicht fallen lassen und nimmt an, daß auch im 5. Jahrhundert noch die Bevölkerung in starkem Steigen begriffen gewesen sei.
11 Nach P. VOIGT, Deutschland und der Weltmarkt. Preuß. Jahrb. Bd. 91, S. 260.
Nach einer neueren Berechnung von MAX DELBRÜCK, »Die deutsche Landwirtschaft an der Jahrhundertwende«, Preuß. Jahrb. Febr.-Heft 1900, ist dagegen wieder in Rechnung zu setzen, daß unsere Bevölkerung sehr viel Fleischnahrung genießt, die sehr große Produktionskosten macht. Mit vorwiegend vegetabilischer Nahrung kann ein Land mehr ernähren. Zum Vergleich setze ich noch folgende Zahl her:
1890Preußen86Einw./km2
Meckl.-Strelitz33Einw./km2
1888Schweiz71Einw./km2
Graubünden13Einw./km2
Schwyz55Einw./km2
Uri16Einw./km2
Wallis19Einw./km2
1889Griechenland34Einw./km2
Lakonien30Einw./km2
Messenien55Einw./km2
Euböa24Einw./km2
Attika und Böotien41Einw./km2
12 Schon bei den Vorbereitungen zum Peleponnesischen Kriege erwähnt Thucydides mit entschiedener Betonung, daß die Athener ihre Kriege zum Teil mit Söldnern führten (I, 121; I, 143); nach der Pest waren die übriggebliebenen Bürger im Geschäft, auf dem Hofe, in der Wirtschaft noch weniger zu entbehren als sonst, die Zahl der leicht Abkömmlichen kleiner, also sicherlich die Zahl der Söldner besonders groß.
13 Daß Flotte und Heer der Athener damals noch, trotz eines gewissen Zusatzes von Söldnern und Sklaven, wesentlich von den athenischen Bürgern selbst getragen wurde, folgt aus dem politischen Zustande des Staates. Die alten Schriftsteller sind darüber einig und namentlich die ältere ᾽Αθηναίων πολιτεία, die meines Erachtens von keinem Geringeren als von Thucydides selbst herrührt, gibt dafür vollgültiges Zeugnis, daß die Demokratie auf dem Schiffsdienst beruhte: wäre die Flotte bloß oder vorwiegend von den Söldnern und Sklaven bemannt gewesen, so wäre sie vielmehr, wie es in anderen großen Handelsstädten der Fall gewesen ist (Karthago, Venedig, Amsterdam), ein Instrument der reichen Kaufherrn geworden, die die Söldner bezahlten oder Sklaven kaufen konnten. Auch Aristoteles Polit. V, 3, 5 sagt: »Καὶ παλιν ὁ ναυτικός ὄχλος γενόμενος αἴτιος τῆς περὶ Σαλαμῖνα νίκης καὶ διὰ ταύτης τῆς ἡγεμονίας καὶ διὰ τὴν κατὰ θαλασσαν δύναμιν τὴν δημοκρατίαν ἰσχυροτέραν ὲποίησεν.« Die Flotte der Korkyräer bei Sybota war zum größeren Teil mit Sklaven bemannt. Thuc. I, 55. Vgl. unter Buch II, Kap. 2, Excurs.
14 Daß tatsächlich für kurze Expeditionen ein griechischer Kanton einmal so gut wie alle waffenfähigen Männer ausrücken ließ, folgt aus der Erzählung des Thucydides I, 105, wo Myronidas mit »den Ältesten und Jüngsten« gegen die Korinther ausrückt, weil das eigentliche Kriegsheer anderweitig engagiert ist, und V, 56, wo die Argiver (418) glauben, Epidaurus überrumpeln zu können, weil die Männer im Kriege sind.
15 Der Auszug nach Delion erfolgte πανδημεί. Es könnte also auffallen, daß Athen nur 7000 Hopliten aufbrachte, während die Rede des Perikles 13000 + 3000 Metöken gleich 16000 ergibt. Ziehen wir jedoch den Verlust durch die Pest ab, erwägen, daß auf der Flotte nicht bloß die Epibaten, sondern auch sonst wohl eine Anzahl Bürger waren, die zugleich auf der Hoplitenliste standen, und daß schließlich die Zahl 16000 den Sollbestand des Katalogs angibt von dem in Wirklichkeit als krank, verreist oder sonst unabkömmlich sehr viele abgehen, so stehen die beiden Zahlen ganz gut in Einklang mit einander.
16 AD. BAUER, § 40, sagt drei Meter. Vergl. darüber unten die Untersuchung über die Sarissen.
17 DROYSEN a.a.O. S. 24 führt einige Stellen an, wo der Harnisch nicht als Rüstungsstück der Spartaner genannt wird, und hält für möglich, daß sie im Unterschied von den anderen Griechen keinen getragen hätten. Das wäre ein Unterschied von der größten Tragweite. Die Ansicht ist jedoch sicher unrichtig. Droysen selbst führt eine Stelle aus Tyrtäus an, wo der Panzer ausdrücklich genannt wird, und wenn man aus der Stelle Xenoph. Anab. I, 2, 16 schließen wollte, daß die Söldner des Cyrus keine Panzer getragen, so müßte das für alle darunter vertretenen Griechen gelten.
18 H. DROYSEN, Heerwesen und Kriegführung der Griechen S. 171 Anm. empfiehlt, das Wort »Phalanx« nur von dem mit der Sarisse bewaffneten Fußvolk zu gebrauchen, dessen eigentümliche Gefechtsstellung in der πυκνότης κατ᾽ ἐπιστατην καὶ καραστάτην bestand. Ich glaube jedoch an dem ziemlich eingebürgerten Sprachgebrauch, den ich mit der oben gegebenen Definition am besten zu fixieren glaube, festhalten zu sollen. Aus dem Fortgang unserer Untersuchung wird sich die Begründung dafür ergeben. Droysen selber weist nach, daß der griechische Sprachgebrauch sehr unbestimmt ist und gewechselt hat.
19 Die Erzählung des Isokrates (Archidamus 99), daß die Spartaner bei Dipäa in einem Gliede die Arkadier besiegt hätten, die Duncker, VIII, 134 angenommen hat, haben Droysen p. 45 und Ad. Bauer p. 243 (zweite Auflage S. 305) mit Recht als rhetorische Übertreibung verworfen. Auch die zwei Glieder bei Polyän 2, 1, 24 weist Droysen mit demselben Recht zurück.
20 Lysias 16, 15. Der Redner, Mantitheos, rühmt sich »εἰς Κόρινθον ἐξόδον γενομενης καὶ πάντων προειδότων ὅτι δεήσει κινδυνεύειν, ἑτέρων ἀναδυομένων ἐγὼ διεπραξάμην ὥστε τῆς πρώτης τεταγμένος μάγεσθαι τοις πολεμίοις καὶ μάλιστα τῆς ἡμετὲρας φυλῆς δυστυχησάσης καὶ πλείστων ἐνθανόντων ὕστερον ἀνεχώρμσα τοῦ σεμνοῦ Στειριέως τοῦ πᾶσν ἀνθρώποις δειλίαν ὠνειδικότος«. Ich verdanke dies schöne Zitat dem Buche »Das Kriegswesen des Altertums« von HUGO LIERS S. 46.
21 Über die Vereinigung der Spartiaten und Periöken in derselben militärischen Organisation Bauer § 18, 19 und 23, und jetzt in lebhafter Kontroverse KROMAYER, Klio Bd. III (1903), S. 177 ff. und BELOCH, Klio Bd. VI, S. 63. Bei dieser Gelegenheit ist noch der folgende schöne Beleg für die Bedeutung des ersten Gliedes zu Tage gefördert worden. Isokrates, Panathen. 180 (271) schreibt: »ἔν τε γὰρ ταῖς οτρατείαις, αἶς ἡγεῖται, βασιλεύς, κατ᾽ ἄνδρα συμπαρατάττεσθαι (die Periöken) σφισιν αὐτοῖς (den Spartiaten), ἐνίους δέ καὶ τῆς πρώτης τάττειν«.
22 Xenophon. Cyropädie VI, 3, 25. Weiteres darüber unten Buch II, Kap. 5.
23 Xenophon, Hellenika VI, 2, 21.
24 Daß gerade die Lacedämonier nicht weit zu verfolgen pflegten, berichtet auch Thucydides V, 73.
HELBIG, Über die Einführungszeit d. geschlossenen Phalanx (Sitz-Bericht d. Bayer. Akademie 1911) glaubt nach ungenügenden Indizien, die Chalkidier hätten die erste Phalanx gebildet.
25 Les ἱππεῖς Athéniens par M. W. Helbig. Mémoires de l'Académie des Inscript. et Belles-Lettres. P. 37. 1902.
Dazu »Berittene Infanterie im Altertum« von GEORG FRIEDERICI. Neue Militärische Blätter. Bd. 67. Nr. 11/12. 1905.
26 Lysias, Mantitheos, XVI, 13. Helbig S. 239.
27 Das scheint belegt durch Plato Menexenos, wo angedeutet ist, daß die Familie den bestimmt, der in den Krieg ziehen soll.
28 AD. BAUER macht keine Gesamtberechnung auf, gibt jedoch, obschon auch er die Zahlen Herodots für zu hoch hält, den Spartiaten allein bei Mantinea im Jahre 418 3584, im ganzen rund 4300 Felddienstfähige (§ 23; 2. Aufl. S. 312). Ich vermag dem nicht beizustimmen. Allerdings sind die Angaben Thucydides' anfechtbar, namentlich die Pentekostys zu 128 Mann; wenn man sie aber annimmt, so scheint es mir keinem Zweifel zu unterliegen, daß Thucydides die Gesamtstärke der Lacedämonier mitteilen will und nicht bloß die der Spartiaten. Weder deutet er die Beschränkung irgendwie an, noch ist ein Grund denkbar, weshalb die Ephoren in einer solchen Gefahr alle Periöken, außer den Skiriten, zu Hause gelassen haben sollten.
29 Thuc. I, 18 »οἱ Λακεδαιμόνιοι τῶν ξυμπολεμησάντων ᾽Ελλήνων ἡγήσαντο δυνάμει προὔχοντες«.
30 v. 25 »τοξοδάμαντές τ᾽ὴδ᾽ ἱπποβάται«.
v. 82 »ἐπάγει δουρικλύτοις ἀνδράσι τοξόδαμνον Ἄρη.«
v. 133 »πότερον τόξου ῥῦμα τὸ νικῶν
ἤ δορυκράνου λόγχης ἰσχὺσ κεκράτηκεν;«
v. 226 »πότερα γὰρ τοξουλκὸς αἰξὺς διὰ χερῶν αὐτοῖς πρέπει;
οὺδαμῶς εγξη στάδαῖα καὶ φερα2σπιδες σάγαι.«
v. 864 »τοξοδάμαντες.«
Dasselbe sagt Herodot IX, 18 und 49. Auch ein Weihespruch des Simonides (Fragm. 143 Bergk) sagt:
Τόξα τάδε πτολέμοιο πεπαυμένα δακρυοέντος
νηψ ᾽Αθηναίης κεῖται ὑπωρόφια
πολλάκι δὴ στονόεντα κατα κλόνον ἐν δαῖ φωτῶν
Περσῶν ἱππομάχων αἵματι λουσάμενα.
Ähnlich Fragm. 97, Bergk S. 454. Oberst BILLERBECK in seiner Studie »Susa« macht darauf aufmerksam, daß die Reliefs als Hauptwaffe der Iranier nicht den Bogen, sondern die Lanze zeigen. Nicht nur die ausdrücklichen Aussagen der Griechen, sondern auch, wie wir sehen werden, Der Verlauf der Ereignisse bezeugen aber den Bogen unwidersprechlich. Es muß den Spezialkennern überlassen bleiben, die Reliefs zu erklären.
31 Herodot VII, 61 und IX, 22.
32 Das Wesen des Perserreichs als eines Lehnsstaates ist neuerdings noch weiter dargetan und belegt von GEORG HÜSING in einem Aufsatz »Porusatis und das achamanidische Lehenswesen«. Berichte d. For schungs-Instituts f. Osten u. Orient in Wien. II. Band, 1918.
33 »λήματι καὶ ῥώμῃ οὐκ ἕσσονες ἧσαν οἱ Πέρσαι, ἄνοπλοι δὲ ἐόντες καὶ πρός ἀνεκιστήμονες ἦσαν καὶ οὐκ ὁμοῖοι τοῖσι ἐναντίοισι σοφίην.« Herodot IX, 62 über den Kampf bei Platää.
34 Die Stelle lautet »sub montis radicibus acie regione instructa non apertissima proelium commiserunt, namque arbores multis locis erant rarae, hoc consilio, ut et montium altitudine tegerentur et arborum tractu equitatus hostium impediretur, ne multitudine clauderentur.« Statt »arbores rarae« hat A. BÜCHNER (Corn. Nepotis vitae cum Augusti Buchneri commentario. Francof. a. Lipsiae 1721) vorgeschlagen zu lesen »stratae«, was in der Tat besser paßt, aber nicht mehr durchaus notwendig ist, seit man statt »nova arte, vi summa« »non apertissima« liest.
35 Generalleutnant v. QUISTORP, Beihefte z. Milit.-Wochenblatt 1897, p. 186.
36 Selbst eine Phalanx von Berufskriegern, wie die Söldner des Cyrus, ist nicht imstande, sich im Lauf geordnet eine längere Strecke vorwärts zu bewegen. »ὲβόων ἀλλήλοις μὴ θεῖν δρόμψ, ἀλλ᾽ ἐν τάξει ἕπεσθαι« erzählt uns Xenophon An. I, 8, 19.
Cäsar, Bell. Gall. II, 18 f. erzählt, wie die Nervier seine Soldaten überfallend 200 passus einen Hügel herunter, durch die drei Fuß tiefe Sambre hindurch und wieder einen Hügel hinaufgestürmt seien. Das ist eine sehr große Leistung, läßt sich aber für Marathon nicht verwerten, da die Gallier jedenfalls nicht so schwer gewappnet waren wie die athenischen Hopliten, da der Lauf durch das Durchschreiten des Flusses unterbrochen wurde, die ganze Länge überhaupt nicht genannt ist und die Gallier, die Römer beim Schanzen überfallend, ihre eigene taktische Ordnung nicht zu wahren brauchten.
Bell. Gall. III, 19 überfallen die Gallier ein römisches Lager und machen 1000 passus = 8 Stadien »magro cursu«. Sie kommen so erschöpft und atemlos an, daß sie es mit den Römern, die einen Ausfall machen, nicht aufzunehmen vermögen und sofort die Flucht ergreifen. Das Ereignis ist aber insofern nicht maßgebend, als der Lauf bergan ging und die Gallier dabei noch Faschinen trugen. Man wird auch wohl zweifeln dürfen, ob die ganzen 1000 passus ein ununterbrochener, wirklicher Lauf waren, da es sich ja nicht um eine geordnete Phalanx handelt, in der alle sich in demselben Tempo bewegen müssen, wenn keine Unordnung entstehen soll, sondern um einen regellosen Haufen, wo der, dem der Atem gar zu knapp wird, zwischendurch ein Stück langsam geht.
37 Ein Wasserriß teilt das Vrana-Tal in zwei Teile. Er ist zwar auch heute nicht gerade tief, mußte aber die geordnete und geschlossene Vorbewegung einer Phalanx doch erheblich stören. Vielleicht hat Miltiades das Tal nicht auf beiden Seiten durch den Baum-Verhack einengen lassen, sondern die eine Hälfte, von dem Berge bis zum Bach, völlig abgesperrt.
38 Cyrus spricht in der Cyropädie V, Kap. 4, § 44 »anrücken und vorbeirücken ist nicht einerlei. Denn es rückt ein Jeder an, wenn er in solcher Verfassung ist, worin er aufs beste glaubt fechten zu können –– vorbeiziehen hingegen muß man mit einer gestreckten Reihe Wagen und mit lang sich hinziehendem Packwesen. Das Alles aber muß vorn mit Gewaffneten gedeckt sein und nirgends den Feinden das Packwesen von Waffen entblößt erscheinen. Notwendig also muß bei solchem Zug der wehrhafte Teil dünn und schwach geordnet werden.«
39 Polyaen II, 2, 3 ist geschildert, wie Klearch die Griechen bei Kunaxa zum Angriff führte: »τὴν δὲ φαλαγγα τῶν ᾽Ελλήνων κατ᾽ ἀρχὰς μὲν βάδην ἦγε τῇ εὐταξίᾳ τοὺς βαρβᾰρους ὲκπλήττων. ὡς δὲ βέλους ἐντὸς ἤμελλεν εἰναι, δρομῳ χρῆσθαι παρήγγειλεν, ὅπως μηδὲν ὑπὸ τῶν βέλων βλάπτοιντο« Ähnlich Diodor. Daß diese Schilderung mit derjenigen Xenophons, wonach die Phalanx von selbst ins Laufen kam, nicht in Widerspruch steht, ist treffend dargelegt von G. FRIEDRICH, N. Jahrb. f. Philol., Bd. 151 p. 26. PAUL REICHARD in der Deutsch. Rundschau, Sept. 1890, Heft 12, S. 426, berichtet aus Stanleys Buch, dieser behaupte, mit einem afrikanischen Bogen weit über 200 Meter geschossen zu haben. Das sei eine Übertreibung zum mindesten. Er selbst habe mit Watusi den besten Bogenschützen Ostafrikas, einmal Wettschießen veranstaltet. Dabei habe der Stärkste nur 120 Meter = 160 Schritt weit geschossen, während er, Reichard, noch 7 Schritt weiter geschossen habe. Ganz ebenso hat einmal Leutnant MORGEN in einem Vortrag über Kamerun mitgeteilt, der vom Bogen geschleuderte Pfeil reiche unter Umständen 150-180 Schritt weit. Die asiatischen Bogen sind jedoch nach der Untersuchungen von LUSCHAN (»Über den antiken Bogen«, Festschrift für Benndorf 1898 und in d. Verhandlungen d. Berliner anthropol. Gesellschaft, Sitz. v. 18. Febr. 1899) sehr viel besser gewesen als die afrikanischen, und die allerbesten, zu deren Herstellung viele Jahre gehörten, schossen unglaublich weit. Strabo XIV, 1, 23 berichtet: Mithridat schoß von dem Dach des Tempels von Ephesus einen Pfeil ab und bestimmte, daß der Freibezirk des Tempels, der bisher ein Stadium umfaßte, sich nunmehr auf diese Pfeilschußweite, die ein wenig weiter ging, wie Strabo sagt, erstrecken solle. Mithridat hatte jedenfalls den besten Bogen und war ein guter Schütze, wenn er im Weit-, d.h. hohen Bogenschuß nicht sehr erheblich über ein Stadium hinauskam, so wird der Kernschuß äußerstenfalls auf 200-240 Schritt gegangen sein. Ein jüngst veröffentlichtes Epigramm aus Olbin rühmt den Schützen Anaxagoras gar, daß er 280 Klafter = 521,6 Meter weit habe schießen können (Lit. Centr. Bl. 1901, Sp. 887). Für ein großes Heer kommt natürlich nur die Leistung einer minderen Qualität in Betracht. Vegez gibt 600 Fuß an, JÄHNS »Entwicklungsgeschichte der alten Trutzwaffen« S. 281 »bis zu 250 Schritt beim Kernschuß, 400 beim Bogenschuß«. Neuere Untersuchung von PAUL REIMER, Der Pfeilbogen. Prometheus Nr. 944. 20. XI. 1907.
40 Mitteil. d. archäol. Inst. in Athen 1890.
41 Karten von Attika. Aufgen. d. Offiziere und Beamte d. K. preuß. Gr. Gen.-Stabes. Mit erl. Text v. E. Curtius u. J. A. Kaupert. 1889.
42 Gemeint sind Lauf-Schritte = 1 Meter; der französische Laufschritt ist nur 80 cm lang.
43 DROYSEN, Heerwesen p. 3 Anm. verwirft jetzt die von mir hier angenommenen speziellen Berechnungen von Rüstow-Köchly wohl mit Recht als willkürlich; die Tatsache der schwereren Belastung kann aber im allgemeinen keinem Zweifel unterliegen.
44 Durch die jüngste Vergrößerung der Heere erleidet dieser Satz eine Modifikation. Mit den ungeheuren Massen der jetzt zur Verfügung stehenden Truppen kann man auch lange Gebirgszüge so eng besetzen, daß sie nicht leicht durchbrochen werden können. So gelang es, die Karpathen im Winter 1914/15 lange Zeit gegen die Russen zu halten.
45 Livius XXXVI, 30.
46 Diodor II, 6 aus Ktesias.
47 Plutarch, Themist. Kap. 7.
48 Plato, Menexenos XI. Aristoph. Lysistrata v. 1250. Man setzte auch später auf dem Vorgebirge ein Siegesdenkmal, dessen Inschrift aus Plutarch überliefert hat.
49 Über den Bau der Trieren HAUCK (ehemaliger Direktor der Schiffsbaugesellschaft Vulkan) in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1895; A. TENNE (Ingenieur), Kriegsschiffe zu den Zeiten der alten Griechen u. Römer. 1916. Besprochen von CHR. VOIGT, Die Liter. Zeit. 1917. Nr. 29, Sp. 932.
50 Es ist vielleicht gut, daran zu erinnern, daß nicht bloß große Landheere, sondern auch große Flotten schwer zu bewegen sind. Die vollständige Flotte, mit der die Athener 415 nach Sizilien gingen, war 134 Trieren und zwei Pentekonteren stark, dazu 131 Lastschiffe und eine Anzahl freiwillige Handelsschiffe. Diese Flotte fuhr nicht zu einem Geschwader vereinigt, sondern wurde in drei Divisionen geteilt »ἵνα μήτε ἅμα πλέοντες ἀπορῶσιν ὕδατος καὶ λιμένων καὶ τῶν ἐπιτηδείων ἐν ταῖς καταγωγαῖς, πρός τε τἆλλα εὐκοσμότεροι καὶ ῥᾴους ἄρχειν ὧσι, κατὰ τέλη στρατηγῷ προστεταγμένοι«. Thucyd. VI, 42.
51 Berliner Dissertation 1914. Verlag R. Trenkel.
52 Unmöglich ist es bei der Natur der Herodoteischen Erzählung natürlich nicht, daß aus dem Zusammenhang der Dinge ein großes Stück verloren gegangen ist, ohne eine Spur zu hinterlassen. Es ist doch sehr auffällig, daß wir gar nichts darüber hören, weshalb das große persische Heer in den 14 Tagen, während es vor der Schlacht in Attika lagerte, nicht auch Megara besetzt hat, das doch noch vor dem Isthmus und seiner Mauer liegt. Eine natürliche Erklärung wäre, daß die Spartiaten mit dem Landheer der Peloponnesier, soweit es nicht am Isthmus schanzte, die Engpässe, die von Attika nach Megara führen, besetzt hielt, daß Xerxes sie aber, wie bei Thermopylä und erst recht nach der Erfahrung vor Thermopylä, nicht angriff, weil er erst die Flotte erledigen wollte. Um so eher konnte dann ein Teil der griechischen Flotte auf dem Strande von Megara liegen. Daß diese Konstruktion mit der Überlieferung in direktem Widerspruch steht, ist freilich klar.
53 Man hat daraus, daß Xerxes den Landweg nahm, während er seine Kinder mit der Flotte nach Hause schickte, allerhand Schlüsse ziehen wollen. Aber für solche Einzelheiten sind so viele verschiedenartige Motive denkbar, daß es wenig Zweck hat, sich da hinein zu vertiefen.
54 Herodot IX, 32.
55 Berliner Dissertation. 1907.
56 Die Spartner schafften sich erst während des Peloponnesischen Krieges, um ihr Land vor den von der See bald hier, bald da einfallenden Athenern zu schützen, Reiter und Bogner an (Thuc. IV, 55).
57 Vgl. BAUER § 52.
58 WERNICKE in Hermes XXVI p. 51 (1891) meint, daß die athenischen Bürger, die als τοξόται dienten, aus den ärmeren Schichten hervorgegangen seien.
59 Xenoph. Hell. I, 2, 1. Thrasylos wird mit einer Flotte ausgesandt und rüstet fünftausend seiner Schiffer als Peltasten aus.
60 Diodors abweichende Darstellung kommt, wie schon Grote richtig gesagt hat, neben der des Thucydides nicht in Betracht.
61 BELOCH, Bevölkerung, p. 140 berechnet 4234 Lacedämonier; dazu die Neodamoden, Brasideer und Bundesgenossen. Daß es auch hier gerade 400 Reiter gewesen seien, ist aus Thuc. IV, 55 doch wohl kaum zu schließen. Vgl. oben S. 45, Anmk.
62 In der Erzählung des Thucydides (V, 67 ff) ist insofern ein Widerspruch, als er erst angibt, die Lacedämonier hätten ihre Lochen hintereinander (ἑξῆς) im Zentrum aufgestellt und auf dem äußersten rechten Flügel hätten mit den Tegeaten »wenige Lacedämonier« gestanden und dann doch zwei ganze Lochen, offenbar Lacedämonier, von diesem Flügel abberufen werden läßt. BUSOLT, Hermes Bd. 40 (1895) S. 399 sucht den Widerspruch auf die Weise zu lösen, daß die beiden Lochen nicht den äußersten rechten Flügel gebildet hätten, sondern vom rechten Flügel des Zentrums hätten weggenommen werden sollen; die Lücke, die dabei entstand, habe man durch Rechtsziehen der anderen lacedämonischen Lochen wieder schließen können. Unmöglich mag das nicht sein, aber eine positive Behauptung möchte ich doch nicht wagen. Das Wort »ὄλιγον« kann bei Thucydides immer noch einen ziemlich weiten Kreis umfassen, z.B. wenn er kurz vorher (Kapp. 66, 4) sagt, daß πᾶν πλὴν ὀλίγου τὸ στρατόπεδον der Lacedämonier als Befehlshabern bestehe. Es mag also nur eine gewisse Sorglosigkeit des Ausdrucks vorliegen, indem erst gesagt ist, daß die Lacedämonier ihre Lochen »ἑξῆς« aufgestellt hätten, und wir nachher hören, daß die »wenigen«, die von den anderen durch fremde Kontigente getrennt, auf dem rechten Flügel gestanden hätten, zwei ganze Lochen (von sieben) gewesen seien. Vereinzelte Krieger können mit den »wenigen« doch auf keinen Fall gemeint sein, sondern taktische Einheiten müssen es gewesen seien, d.h. also zum wenigsten ein Lochos, vielleicht also auch zwei.
Auch daß die ungehorsamen Polemarchen in dieser Schlacht nicht die Befehlshaber der Lochen, sondern, wie BUSOLT S. 418 meint, Offiziere vom Stabe des Königs gewesen seien will mir nicht einleuchten. Zur Überbringung des Befehls wäre nur Einer nötig gewesen und die Widersetzlichkeit eines solchen Flügel-Adjutanten einerseits kaum zu verstehen, andererseits durch Absendung eines anderen zu leicht zu reparieren. Die Geschichte ist daher nur zu verstehen, wenn die Polemarchen Kommandeure der Lochen waren.
63 4450 Hopliten und Reiter-Bürger; dazu auf jeder Triere doch wenigstens einige athenische Bürger als Offiziere. Die ganze Expedition mit allem Nachschub kann auf 60000 Männer berechnet werden.
64 Klio Bd. VI (1906) S. 77.
65 BÖCKH, Staatshaushalt I, 152 und 340 (3. Aufl.). Der Sold schwankt zwischen 4 Obolen und 1 Drachme (6 Obolen) für den Mann; für den Hopliten also 2 Drachmen, eine für den Krieger und eine für seinen Burschen, eingeschlossen das Verpflegungsgeld. Wenn der Komiker Theopomp sagt, mit zwei Obolen ernähre der Mann eine Frau, mit vier sei er vollends glücklich, so meint er vermutlich den baren Sold außer der Verpflegung, die eventuell noch durch zwei Obolen abgelöst wurde. – Zu Aristoteles' Zeit erhielten die athenischen Epheben 4 Obolen täglich, ihre Instruktoren 1 Drachme. Staat d. Alth. cap. 42.
66 NÖTHE, Bundesrat, Bundessteuer und Kriegsdienst der delischen Bündner, Progr. v. Magdeburg 1880. GÜLDE, Kriegsverf. d. ersten athen. Bundes. Progr. Neuhaldensleben 1888.
67 Nikias Rede. Thuc. VI, 68.
»πρὸς ἄνδρας πανδημεί τε ἀμυνομένους καὶ οὐκ ἀπολέκτους ὥσπερ καὶ ἡμᾶς, καὶ προσέτι Σικελώτας, ὁὶ ὑπερψρονοῦσι μὲν ἡμᾶς, ὑπομενοῦσι δὲ οὔ, διὸ τὸ τὴν ἑπιστήμην τῆς τόλμης ἥσσω ἔχειν.«
68 Xenoph. Hell. I, 6, 24. Die Athener beschließen auszuziehen mit 110 Schiffen »εἰσβιβάζοντες τοὺς ἐν τῇ ἡλικίᾳ ὄντας ἅπαντας καὶ δούους καὶ ἐλρυθέρους. ... εἰσέβεσαν δὲ καὶ ἱππέων πολλοί«
69 Nach einer bei Polyän (III, 3) erhaltenen Notiz schlossen sich dem Tolmidas, als er einmal mit 1000 Hopliten ausziehen sollte, 3000 Freiwillige an. Im Widerspruch damit scheinen zwei Stellen bei Aristophanes zu stehen. »Ritter« v. 1369 wünscht der Demos, daß nicht mehr nach Gunst Leute vom Hoplitendienst befreit werden und im »Frieden« v. 1179 ist Einer kreuzunglücklich, weil er findet, daß er plötzlich schon wieder zum Dienst aufgeboten wird, und klagt, daß damit hauptsächlich das Landvolk gedrückt, der Städter bevorzugt werde. Zum reinen freiwilligen Solddienst war also das Heeresaufgebot damals (424 und 421) noch nicht geworden.
70 Aristoteles, Vom Staate der Athener cap. 24, wo er ausführt, daß die Masse der Athener vom Staate lebte (durch die Steuern der Bundesgenossen), gibt auch an, daß die Stadt 2500 Hopliten unterhalten habe. Wie das zu verstehen ist, ist nicht leicht zu sagen. An ein stehendes Heer ist nicht zu denken. Die περίπολοι, die etwa 2000 Köpfe stark waren, sind schwerlich gemeint. Vielleicht existierte eine Einrichtung, wonach 2500 Mann sich in besonderem Maße in jedem Augenblick bereit zu halten hatten, zuweilen gemustert wurden, exerzieren mußten und dafür eine kleine Vergütung erhielten. Anders kann es wenigstens mit den 1200 Reitern und 1600 Bogenschützen, die Aristoteles in derselben Linie nennt, nicht wohl gewesen sein. BELOCH, Klio V, 357 hat die Vermutung ausgesprochen, daß es einfach statt 2500-12500 heißen müsse, und das leuchtet mir schließlich am meisten ein.
71 Herod. I, 61. Die Söldner des Pisistratus scheinen übrigens nicht Griechen, sondern Scythen gewesen zu sein. HELBIG, Sitz-Ber. d. Münch. Akad. 1897, 2. Bd. S. 259. Eine Heerschau des Pisistratus oder Hippias auf einer schwarzfigurigen Schale.
72 Herod. III, 39.
73 Thucyd. V, 57, 2. Xenoph. Hell. III, 5, 24.
74 Hell. III, 4, 15. »εἰ μὴ ἱππικὸν ἱκανὸν κτήσαιτο, οὐ δυνήςοιτο κατὰ τὰ πεδία στρατεύεσθαι, ἔγνω τοῦτο κατασκευαστέον εἷναι, ὡσ μὴ δραπετεύνοτα πολεμεῖν δέοι«.
75 AD. BAUER § 47.
76 Diodor, Buch 10.
77 Über die Konstruktionen und Namen, Bauer § 58.
78 Das Einzelne ist streitig und wird verschieden ausgelegt. Vgl. BAUER § 23; DROYSEN S. 68; BELOCH, Bevölkerung S. 131. BUSOLT, Herines Bd. 40 (1905) S. 387 sucht die Widersprüche in der Überlieferung durch den, wie mir scheint gelungenen Nachweis mehrfacher Änderungen zu beseitigen.
79 REUSS in den »N. Jahrb. f. Philol.« Bd. 145 S. 550 hat übrigens wahrscheinlich gemacht, daß Xenophon an diesen Zahlen unschuldig ist; es scheint, daß die Paragraphen 10-13 des 7. Kap., I. Buches, ein nachträgliches Einschiebsel sind. Damit sind vielleicht die Philologen abzuwehren, die meine Untersuchungen mit folgendem Schluß angreifen möchten: Xenophon, ein Augenzeuge, wahrheitsliebender Mann und praktischer Soldat, läßt das Heer des Artaxerxes mit 900000 Mann aufmarschieren. Wie das geschehen ist können wir uns freilich nicht vorstellen, aber einem Zeugnis von solchem Gewicht müssen wir glauben; was bei Kunaxa möglich war, war auch anderswo möglich – folglich kann auch das Heer des Xerxes einige Millionen Mann stark gewesen sein: die sogenannte sachkritische Methode paßt also nicht auf das Altertum; es bleibt uns nichts übrig, als die beste Überlieferung herauszusuchen und diese nachzuerzählen.
80 Wie die Worte Xenophons auszulegen seien, ist sehr viel untersucht worden, noch jüngst von F. REUSS, N. Jahrb. f. Philol. 1883 S. 817; BUNGER ebenda Bd. 131, 262 u. G. FRIEDRICH ebenda 151 S. 19. Die Gelehrten stellen sich die Bewegung großer Heeresmassen immer viel zu leicht vor. Selbst wenn die überlieferten Zahlen des persischen Heeres um 95-97% reduziert werden, bleiben immer noch Mengen, die sehr schwer taktisch zu leiten sind und künstliche Evolutionen schlechterdings nicht machen können. Schon die Rückwärtsschwenkung der griechischen Phalanx, auch wenn wir sie uns, nachdem Kehrt gemacht ist, als eine Vorwärtsschwenkung vorstellen, die sie, wie Reuß will, nur von einem Flügel ausführen lassen, ist ein überaus schwieriges Manöver. Vgl. darüber unten die spezielle Untersuchung bei Gaugamela.
81 Diodor, dessen Erzählung wohl auf Ktesias, den Arzt des Artaxerxes, zurückgeht, erzählt noch von einem Angriff der Perser; Xenophon, wohl richtiger, nicht.
82 Xenoph. Hell. IV, 2, 13 beratschlagen die gegen Sparta i. J. 395 ausrückenden Verbündeten »εἰς ὁπόσους δέοι τάττεσθαι πᾶν τὸ στρατευμα, ὅπως μὴ λίαν βαδείας τὰς φάλαγγας ποιούμεναι αἱ πόλεις κόκλωσιν τοὶς πολεμίοις παρέχοιεν« Danach scheint es, als ob die einzelnen Kontingente die Neigung hatten, sich möglichst tief aufzustellen, um in sich möglichste Kraft zu konzentrieren, ohne zu bedenken, daß die Schlachtlinie im ganzen dadurch zu kurz werden könne, resp. in der Hoffnung, daß die anderen so freundlich sein würden, sich flacher aufzustellen.
83 Über einen Ausnahmefall vgl. oben S. 35.
84 Die bessere Schutzrüstung der Griechen erwähnt Thucydides hier nicht, und vielleicht waren die Illyrier damit besser versehen, als die dem Kultur-Wirtschaftsleben näheren und deshalb in ihrer Masse weniger kriegerischen Macedonier, obgleich Arrian I, 1, 12 auch gerade wieder die illyrischen und thracischen Barbaren als »ἀνθρώπους ψιλοὺς καὶ κακῶς ὡπλισμένους« bezeichnet. Im übrigen aber stellt Brasidas in seiner Rede die Illyrier ausdrücklich den Macedoniern gleich, und wir dürfen die Schilderung auch auf diese beziehen.
85 Περὶ ἱππικῆς XII, 12 »ἀντί γε μὴν δόρατος καμακίνου«. Der Sinn des Wortes »καμάκινον« und nicht einmal die Lesart ist völlig gesichert, aber nach dem ganzen Zusammenhang kann kaum etwas anderes als Langspieß gemeint sein.
86 Die Bemerkung Xenophons dürfte mit dem Reitergefecht Hellenika III, 4, 13 in Zusammenhang zu bringen sein. Die Erzählung zeigt aber, daß damals die hellenischen Reiter eben nicht die kurzen, sondern lange Spieße führten.
Nicht ohne weiteres verständlich ist überdies in dieser Erzählung, weshalb die Perser sich so tief aufstellen. Von den hinteren Gliedern aus konnten sie ihre Spieße nicht werfen. Vielleicht ist es so zu erklären, daß die Perser darauf rechneten, die griechische Linie mit ihrer tiefen Kolonne zu durchbrechen und dabei nach rechts und links ihre Spieße zu schleudern.
87 Diodor XVII, 60. Arrian I, 15.
88 AD. BAUER p. 313, 2. Auflage, p. 433 schließt aus Arrian I, 6, 5, daß die Hetären für gewöhnlich keinen Schild getragen hätten. Ich kann nicht finden, daß die Stelle diesen Schluß nötig macht, ja sie läßt ihn kaum zu. Die Reiterschilde waren natürlich viel kleiner als die des Fußvolkes. Da nun Plut. Alex. 16 ausdrücklich von dem Schilde die Rede ist, den der König in der Schlacht trägt, und später nach Polybius VI, 25, 7 die macedonischen Reiter zweifellos Schilde hatten, so scheint mir sicher, daß dem auch schon in älteren Zeiten so war.
89 Vgl. unten Bd. IV, S. 307.
90 AD. BAUER p. 272 gibt drei Meter an; unter all den Vasenbildern, die ich durchgesehen habe, habe ich jedoch, auch wo keine Raumbeschränkung vorliegt, so lange Hoplitenspieße nicht gefunden.
91 R. WILLE, Waffenlehre S. 79.
92 A. KRAUSE, Hermes 1890 p. 66 hat ziemlich sicher nachgewiesen, daß Alexander auch Schleuderer in seinem Heer gehabt hatte und daß Arrian sie unter »τοξόται« mitversteht.
93 Das ist das Ergebnis der sorgsamen Prüfung der Quellen bei W. DITTBERNER, Issos, Berlin, bei Georg Nauck, 1908.
94 BAUER p. 314 (z. Aufl. 434) will sogar die Macedonier auf nicht viel mehr als ein Sechstel des ganzen Heeres veranschlagen. Das ist jedenfalls zu gering. A. KRAUSE l. c. Hermes 1890 will unterscheiden 1) ein Feldheer, 2) ein Besatzungsheer. 3) ein Satrapenheer, welches in den eroberten Landschaften von den eingesetzten Satrapen formiert wurde.
Das ist in der Sache richtig, aber viel zu scharf unterschieden.
Ganz selbstverständlich gab es Truppen, die vorwiegend für die Operationen und Gefechte, andere, die mehr für Garnisonen verwandt wurden, und endlich bildeten die eingesetzten Gouverneure sich neue Formationen. Aber je nach den Umständen werden natürlich alle diese verschiedenen Formationen für die verschiedenen Zwecke der Kriegführung verwendet, bald zum Gefecht, bald als Besatzung.
95 Nachdem ich die Darstellung dieser Schlacht schon in der zweiten Auflage habe umarbeiten müssen, habe ich jetzt abermals einige nicht unwesentliche Änderungen vornehmen müssen. Der Grund ist beide Male derselbe gewesen, nämlich richtigere und genauere Erfassung der Struktur des Geländes. An der Fundamental-Tatsache jedoch nämlich, daß die Schlacht nicht am Deli-Tschai, sondern am Pajas stattgefunden hat, habe ich auch jetzt geglaubt festhalten zu müssen. Demgemäß sehe ich auch nach wie vor die Dissertation von W. DITTBERNER (Berlin 1908) als die maßgebende Monographie an und kann nicht finden, daß er von Oberst JANKE, dem wir im übrigen die Topographie verdanken (Klio X, 137, Beilage von Petermanns Mitteilungen 1911, Maiheft) widerlegt sei. Vgl. im übrigen die Besprechung der Untersuchung von DIEULEFOY durch DITTBERNER in der Deutsch. Lit. Zeit. 1912, Nr. 24, Sp. 1525 und den Artikel von KROMAYER in der Hist. Zeitschr. Bd. 112, S. 348.
96 Arrian II, 2, 1. Curtius III, 8, 1.
97 Ein absoluter Beweis für die mäßige Stärke des Perserheeres ist aus der Marschbewegung insofern nicht zu entnehmen, als nach JANKE eine ganze Anzahl mehr oder weniger gangbarer Pässe über das Amanosgebirge in die Ebene von Issus führen. Immerhin ist eine künstliche Verteilung auf verschiedene Anmarschstraßen kaum anzunehmen, und da in der Schlacht an Infanterie fast nur die Griechen eine wesentliche Rolle spielen, so kann das außer ihnen vorhandene Fußvolk nicht so sehr stark gewesen sein.
KROMAYER glaubt das persische Heer auf 50-60000 Mann schätzen zu dürfen, da die Saleuciden ähnlich starke Heere aufgebracht hätten. Die Diadochen-Staaten unterscheiden sich aber gerade dadurch vom Achämeniden-Reiche daß sie eine ganz andere Kriegsverfassung haben, und jedenfalls kann der Vergleich gegen die positiven Momente, die ein Heer von mehr als etwa 25000 Mann ausschließen nicht aufkommen.
98 Arrian II, 5, 1 berichtet, daß Parmenion mit den Griechen und anderen Truppen von Tarsus vorausgesandt worden sei, um die cilicisch-syrischen Pässe zu sichern. Da nun die Griechen in der doppelt überlieferten, spezifizierten Schlachtordnung bei Issus fehlen, so dürfen wir den obigen Zusammenhang mit Sicherheit annehmen. KÖHLER, Die Eroberung Asiens in der Abhandl. d. Berl. Akad. 1898, S. 130, meint daß Alexander Truppen zur Rückendeckung nicht habe aufstellen brauchen, da ja das persische Heer vor ihm gewesen sei. Die Unzulänglichkeit dieses Schlusses leuchtet ein.
99 Arrians Darstellung, daß hinter der persischen Schlachtlinie, die er uns beschreibt, noch in nutzloser Tiefe massenhafte barbarische Völker gestanden hätten, ist von Neueren als eine Treffenstellung aufgefaßt worden. Abgesehen davon, daß die Aufstellung in Treffen, wie wir sehen werden, eine Verfeinerung der Taktik bedeutet, die erst einer späteren Epoche angehört, ist die Meldung Arrians natürlich nur das Komplement für seine Abschätzung des Perserheeres auf 600000 Mann. Was die Griechen vor sich sahen, war nur ein mäßiges Heer; die Barbaren waren aber ein-für allemal Massen – also standen diese Massen irgendwo dahinten »in nutzloser Tiefe« aufmarschiert.
100 Polybius XII, 17, 7 »τοὐς δὲ πελταστὰς συνάπτοντας τοῖς ὄρησι« nach Kallisthenes. Diese Leichtbewaffneten, die sich bis an die Berge erstreckten, werden wesentlich persische Bogner gewesen sein. Arrian II, 10, 6 berichtet ausdrücklich, daß die Macedonier, nachdem sie zuerst langsam vorgerückt waren, damit die Schlachtlinie nicht ins Wogen gerate, schließlich im Laufschritt angriffen, um nicht zu sehr von den feindlichen Bognern zu leiden.
Daß die Front der Perser nicht dem Flußlauf gleich war, ist ausdrücklich bezeugt durch Arrian II, 9, 4, wo gesagt ist, daß die Macedonier, nachdem Alexander die Truppen aus dem Haken an sich gezogen, die persische Aufstellung überragte. Der Satz II, 8, 6 »τοσούτους γὰρ ἐπὶ φάλαγγος ἁπλῆς ἐδέχετο τὸ χωρίον ἵνα ἐτάσσοντο« könnte so aufgefaßt werden, als ob die Breite der Ebene nicht mehr gefaßt hätte, als aufgestellt wurden, also die Phalanx vom Meer bis zum Gebirge sich erstreckt habe. Diese Auslegung wird aber durch die obige Stelle ausgeschlossen.
101 Kallisthenes gibt nach dem Referat des Polybius an, daß die Ebene von Pajas noch nicht 14 Stadien (21/2 Kilometer) breit gewesen sei und daß die macedonische Phalanx von den Bergen ein beträchtliches Stück entfernt geblieben sei. Arrian berichtet, daß der linke Flügel das Meer berührt habe. Nun ist die Ebene nicht 21/2, sondern nach Janke 4, nach Haßbach 5 Kilometer breit – ein Schätzungsfehler, der weiter nicht unnatürlich ist (vgl. Dittberner S. 122); trotzdem werden wir Kallisthenes glauben dürfen, daß die macedonische Front erheblich weniger als 21/2 Kilometer breit war; sie reichte also vom Meer ungefähr oder nicht ganz so weit, wie der Fluß für Infanterie einigermaßen überschreitbar war.
102 Curtius III, 11, 18 Graeci ... ... abrupti a ceteris haud sane fugientibus similes evaserunt.
103 Allem Anschein nach hat er im Anschluß an eine Berechnung des Kallistehens zunächst nur 32000 Phalangiten gerechnet, für den Mann aber nicht die Gefechts-, sondern die Marschrottenbreite = 6 Fuß angenommen.
104 Polybius XII, 18 rechnet auf 800 Reiter bei der tiefsten üblichen Aufstellung von 8 Pferden ein Stadion, also auf das Pferd 6 Fuß mit den Intervallen. Es ist aber auch sehr wohl möglich, daß sie zuweilen tiefer gestanden haben und sie können auch sehr viel dichter gestanden haben. 5000 Reiter, 8 Pferde tief und 6 Fuß auf das Pferd würde ohne Intervalle schon über einen Kilometer geben.
105 GRAF YORK, Kurze Übersicht d. Feldzüge Alexand. d. Großen p. 32.
106 Mitgeteilt von MANDROT, Jahrbuch f. Schweiz. Gesch. Bd. VI 1881 p. 263.
107 General VON VERDY sagt: »24 Eskadronen (3600 Pferde) muß man als Maximalstärke einer Reiterdivision bezeichnen, indem über diese Stärke hinaus die Leitung des Gefechts nur ganz eminenten Talenten und auch diesen nur bei gründlicher Einschulung der Unterführer und der Truppen gelingt.«
108 Vgl. Cyropädie VII, cap. 1, ferner VI, 2 und VIII, Schluß.
109 Diodor malt aus, wie schrecklich die Verwundungen durch diese Sicheln gewesen seien, läßt aber doch auch erkennen, daß die Zahl der Verletzten oder Getöteten nur gering gewesen sei, was Arrian ausdrücklich hervorhebt.
110 Arrian sagt »των ἀμφ᾽ Αλέξανδρον« seien höchstens 100 Mann gefallen: der Ausdruck ist sehr unbestimmt; bezieht man ihn auf den Gesamtverlust des macedonischen Heeres, wie es gewöhnlich geschieht, so würde die geringe Zahl mit der eigenen Schlachtschilderung Arrians in Widerspruch stehen. NIESE will ihn nur auf die eigentlichen Macedonier beziehen. Es sind auch noch andere Auslegungen denkbar, aber es hat keinen Wert, darüber Vermutungen zu häufen.
111 Curtius' Zahl ist wertlos. Arrian gibt in der Anabasis nirgends eine Gesamtzahl, sondern erwähnt nur in den Indika (cap. 19), daß dem König, als er den Rückmarsch antrat, 120000 Streitbare (μάχιμοι) gefolgt seien, darunter vielerei Barbaren. Dabei mögen massenhafte Aufgebote indischer Fürsten mitgezählt sein, die mehr oder weniger fiktiv waren. Auch davon abgesehen, weiß man nicht, wo die Zahl herstammt und ob sie zuverlässig ist. Den Zahlen über das macedonische Heer, die Arrian in der Anabasis gibt, darf man trauen, da er sich hier wesentlich auf Ptolemäus stützt, aber was wir in den Indika finden, mag irgend einer trüben Quelle entnommen sein. Plutarch (cap. 66) läßt gar das Heer, das den Marsch durch Gedrosien macht, 120000 Mann zu Fuß und 150000 Reiter stark sein.
Die Berechnung von RÜSTOW und KÖCHLY p. 298 ist nicht genügend fundiert; sie wollen die Masse der am Hydaspes konzentrierten Armee auf 69000 Mann und 10000 Pferde veranschlagen. Die Verfasser charakterisieren selber das Avantgardekorps als das, »welches jetzt eigentlich die Schlachten schlägt«. So ist es in der Tat, und da frage ich, weshalb ein Feldherr wie Alexander sich die Kriegführung erschwert haben soll durch Mitschleppen weiterer großer Massen von Truppen, für die im Verlauf des Krieges nie eine Verwendung erscheint.
112 Der Rest des Heeres ist nach der positiven Angabe Arrians, die wir keinen Grund haben, anzuzweifeln, erst über den Hydaspes gegangen, als die Schlacht entschieden war, darf also für das Gefecht selbst nicht mitgezählt werden.
113 CRÄMER, Beitr. z. Gesch. Alexanders d. Großen Marburger Dissert. 1893.
114 Jedenfalls unrichtig ist die Vorstellung von Rüstow und Köchly, dieser indische Fürst, Abisares, sei dem Porus auf dem rechten Ufer des Hydaspes zugezogen. Da wäre er ja den Macedoniern geradezu in die Hände gelaufen und abgefangen worden, ohne daß Porus ihm oder er dem Porus helfen konnte. CURTIUS VIII, 47 ist auch ausdrücklich gesagt, daß Porus den Zuzug auf dem linken Ufer erwartete.
115 Major OHLENDORF in einem Aufsatz »Die Verwendung des Elefanten zu kriegerischen Zwecken im Altertum« (Jahrb. f. d. d. Armee u. Marine, Bd. 49, Dez. 1883) meint, daß »Fußvolk habe die Aufgabe gehabt, nicht zuzulassen, daß die Elefanten Kehrt machten«. Man weiß nicht recht, wie die Fußgänger das anfangen sollten. Die Auffassung beruht anscheinend auf einem Übersetzungsfehler.
116 Alexander hatte an die Übergangsstelle auch zwei Taxen Pezetären mitgenommen. Bei der Schlachtordnung erscheinen sie jedoch nicht; es ist nur von Hypasposten und Leichten die Rede. Auch die Zahl, 6000 Mann zu Fuß im ganzen, schließt sie aus. RÜSTOW und KÖCHLY, p. 229 haben angenommen, daß sie an der Übergangsstelle zurückgelassen seien, um eventuell dem Abisares entgegenzutreten. Das wäre, selbst wenn Abisares hier erwartet wurde, ein Fehler gewesen: zunächst kam es darauf an, mit Aufgebot aller Kräfte den Porus zu schlagen und ein Gefecht mit Abisares so lange zu vermeiden. Ein isoliertes Korps von leichter Infanterie hätte ihm leicht erliegen können. Der Grund, weshalb die Pezetären nicht in der Schlacht waren, wird einfach sein, daß sie den Übergang noch nicht vollendet hatten. Über einen breiten Strom mit aufgeblasenen Schläuchen und einigen wenigen Schiffen zu gehen, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.
117 Das ist auch Kaersts Ansicht. Philologus Bd. 56, S. 412.
118 Κατὰ φιλίππον III, 123, § 49.
119 H. DROYSEN, Untersuchungen p. 66 hat die Gewaltmärsche Alexanders zusammengestellt. Die einzelnen Angaben über Raum und Zeit möchte ich jedoch nicht wiederholen. Die Schätzung der Entfernungen ist sehr willkürlich, und ob die Zeit immer wirklich richtig angegeben ist, doch recht zweifelhaft. SCHWARZ in seiner sehr beachtenswerten auf eigener Kenntnis von Land und Leuten beruhenden Studie »Alexanders Feldzüge in Turkestan« (1893) hat wohl mit Recht festgestellt, daß der Marsch, den Alexander nach Arrian IV, 6 binnen drei Tagen machte, von Chodschent nach Samarkand ging. Arrian gibt die Entfernung auf 1500 Stadien an, das sind 275 Kilometer oder 371/2 Meilen, und wirklich ergeben die neuesten Messungen 278 Kilometer. Ein solcher Marsch in drei Tagen geht aber über die Leistungsfähigkeit auch der besten Truppe hinaus.
III, 15 erzählt Arrian, daß Alexander noch am Abend der Schlacht von Gaugamela den Lykos (Zab) und am Tage darauf Arbela erreicht habe, das 600 Stadien = 15 Meilen vom Schlachtfelde entfernt liege. Mit ziemlicher Sicherheit dürfen wir sagen, daß die Entfernung etwa halb so groß war, aber auch das ist noch immer eine ungeheure Leistung.
120 Ein völlig neuer Gedanke ist es natürlich nicht, daß eine Verfolgung den Sieg vergrößere und vervollständige. Nach Platää wollen die Mantineer die Perser bis nach Thessalien verfolgen, Herodot IX, 77. Nach dem Siege von Delion verfolgen die böotischen Reiter und Leichtbewaffneten die Athener bis die Nacht sie schützt. Thucyd. IV, 96. Ebenso Alcibiades mit Reitern und Hopliten die geschlagenen Perser. Hell. I, 2, 16. Derdas verfolgt die geschlagenen Olynthier 90 Stadien weit. Hell. V, 3, 2. Noch mehr Stellen bei Liers, S. 184. Es sind aber doch nur Ausnahmefälle und mit den Verfolgungen Alexanders nicht zu vergleichen. Theoretisch hat auch schon Xenophon in der Cyropädie V, 3, Schluß. Die Verfolgung empfohlen mit dem Zusatz, nicht dabei alle Truppen aufzulösen, sondern stets einige geordnet in der Hand zu behalten.
121 H. DROYSEN p. 155. Mit Unrecht schließt Droysen gerade aus dem fleißigen Exerzieren auf Verschlechterung des Soldaten-Materials. Eher darf man umgekehrt aus der Energie der militärischen Durchbildung auf einen starken militärischen Geist schließen. Auch der Schluß p. 132, daß mit der wachsenden Größe der Heere sich das Material habe immer mehr verschlechtern müssen, ist unzulässig. In dem ungeheuren Gebiet der gesamten Diadochenreiche war das militärisch brauchbare Material auch mit einigen 100000 Mann schwerlich erschöpft, und »Piraten« können sehr tüchtige Soldaten abgeben.
122 Athenäus V, 35 (202 f.) berichtet von einem Aufzug in Alexandria etwa 275/4, wobei 57600 Mann zu Fuß und 23210 Mann zu Pferde den Beschluß gemacht hätten.
Appian im Prooemium cap. 10 berichtet, daß Ptolemäus II. gegen Ende seiner Regierung ein Heer von 200000 Mann zu Fuß, 40000 Reitern, 300 Elefanten, 2000 Streitwagen, 1500 Kriegs- und 2000 Transportschiffen besessen habe.
PAUL M. MEYER, »Das Heerwesen der Ptolemäer und Römer in Ägypten« p. 8, akzeptiert diese Zahlen. Es ist jedoch nicht schwer zu erkennen, daß sie sehr übertrieben sind. Man muß sich nur einmal klar machen, was ein Zug von 57600 Mann zu Fuß und 23210 zu Pferde durch die Straßen einer Stadt bedeutet. Mag Ägypten damals 3-4 Millionen Einwohner gehabt haben (BELOCH, Bevölkerung S. 258); oder 7 Millionen, wie berichtet wird, und Ulr. Wilcken, Griech. Ostraka aus Ägypten und Nubien S. 490, nicht unglaublich erscheint, so würde ein stehendes Heer von 240000 Mann 31/2 bis 7% der Bevölkerung ausgemacht haben. Ein Fünftel der angegebenen Zahlen würde schon etwas recht Großes sein.
123 5000 Reiter hat Demetrius nach cap. 69; addiert man die in der Schlachtordnung aufgezählten einzelnen Truppenteile zusammen, so erscheinen nur 4400.
124 In einer Besprechung des Roloffschen Buches in der Berl. Philol. Wochenschrift v. 6. Aug. 1904, Sp. 992 meint Kromayer, die Differenzen zwischen ihm und Roloff seien nicht sehr wesentlich. Das ist eine Selbsttäuschung, wie Roloff selbst in seiner Erwiderung auf die Rezension in derselben Wochenschrift dargelegt hat.
125 Kromayer, S. 237, Anmerkg. 3, meint, daß Polybius die Verschanzungen auf der Höhe nicht noch einmal erwähne, sei sehr begreiflich, da sie nichts geleistet hatten. Ganz recht – aber weshalb leisteten sie nichts? Das ist es ja gerade, was wir wissen müßten, um die Schlacht zu verstehen.
126 Kromayers Meinung S. 234 Anmerkg., daß zwischen Polybius' Erzählung und Plutarch kein sachlicher Unterschied sei, ist unzutreffend. Nach Plutarch müssen wir annehmen, daß die Illyrier tatsächlich um den Euas herumgegangen und den Berg hinaufgeklettert sind, wo keine Befestigung mehr war. Das kann der moderne Leser, der die Karte vor sich hat, auch an Polybius ankonstruieren, aber aus seinem Text ist nichts herauszulesen, als ein Frontal-Angriff. Dieser Unterschied zwischen den beiden Quellen ist sehr wesentlich und keineswegs bloß der Gebrauch eines terminus technicus, den man auch je nach Geschmack unterlassen könnte, wie Kromayer meint.
127 Da wir notwendig annehmen müssen, daß auch das Tal durch eine Befestigung gesperrt war, so kann der Zusammenhang nicht anders aufgefaßt werden, als er oben dargestellt ist. Polybius läßt die spartanischen Leichten vorgehen zum Flanken-Angriff auf die Euas-Stürmer und wieder zurück, als ihre Reiter von den feindlichen angegriffen werden. Auch die Reiter müssen also (vermutlich hatte die Tal-Befestigung eine Art Tor) vorgegangen sein. Kromayer übersetzt hier, wie Roloff S. 108 ff. nachweist, mehrfach unrichtig und kommt dadurch zu der oben wiedergegebenen falschen Beurteilung der Tat des Philopömen und der ungerechtfertigten Abweisung des Polybius.
128 BOLAU, Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg, »Der Elefant in Krieg und Frieden« (1887) S. 8, S. 13.
129 SCHARFF, De natura et usu elephantorum Africanorum apud veteres (Weimar, Progr. 1855).
130 KROMAYER glaubt der Graben sei nicht über die ganze Ebene hinweggegangen, sondern habe vor dem linken Flügel der Achäer sein Ende gefunden. Der Text des Polybius aber spricht, wie ROLOFF dargetan hat, gegen diese Auffassung. Man kann sich aber z.B. vorstellen, daß er auf dem Ostende leichter zu überschreiten war als in der Mitte und auf dem Westende. An meinem oben erhobenen Einwand wird auf keinen Fall etwas geändert: auch wenn der Graben sich nicht bis vor den linken Flügel der Achäer erstreckte, versteht man nicht, was die partielle Offensive bezwecken sollte.
131 FOUGÉRES (Bulletin de Correspondance hellénique Bd. 14, S. 82) sucht die Lücke zu füllen durch die gewaltsame Korrektur, daß die Katapalten nicht die Phalanx, wie Polybius berichtet, sondern den linken Flügel der Achäer beschossen hätten.
132 Diesen Vorwurf hat Kromayer in seiner Besprechung der Roloff'schen »Probleme«, Berl. Philol. Wochenschr. v. 6. August 1914 Sp. 995 Anmk. 4 zurückgenommen, aber nicht die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen.
133 Trotz des Widerspruchs, den ED. MEYER, Gesch. d. Altert. II, § 499 erhoben hat, glaube ich doch, diese Vorstellung von der »Kontinuität der verfassungsgeschichtlichen Entwicklung Roms« festhalten zu dürfen und zu müssen. Denn es ist völlig klar, daß der Grundbegriff des römischen Verfassungsrechts, die Amtsgewalt der Magistratur in eine sehr frühe Zeit zurückführt und allmählich geteilt und abgeschwächt worden ist. Es ist völlig ausgeschlossen, daß ein so starker Begriff von der Gewalt des Amtes sich erst gebildet hat, als die formal-souveräne Gewalt bereits in den Händen der allgemeinen Volksversammlung war; es ist erstaunlich genug, daß jener strenge Begriff sich innerhalb der Vorstellung von der Volkssouveränität so lange auch nur hat behaupten können.
Es ist ferner völlig klar, daß die Abstimmungs-Organisation der historischen Zeit ursprünglich eine rein militärische, keine politische Basis gehabt hat; folglich führt auch dieses Institut in die Zeit einer sehr starken Monarchie zurück.
Da darf man doch wahrlich von der »Kontinuität der verfassungsgeschichtlichen Entwicklung Roms« sprechen, ohne freilich die historische Umkleidung – gegen die denn auch wohl eigentlich nur Meyers Wort gemünzt sein soll – für mehr zu nehmen, als sie ist.
Alle die Zweifel über die Authentizität der Chronologie und der Überlieferung im einzelnen kann ich hier beiseite lassen. Das, worauf es mir für dieses Werk ankommt, wird dadurch nicht berührt.
134 Vgl. namentlich Bd. III, drittes Buch 1. und 2. Kapitel, besonders S. 251.
135 Livius 23, 46 (a 215 a. C.) von den Capuanern »sex milia armatorum habebant, peditem imbellem; equitatu plus poterant, itaque equestribus proeliis lacessebant hostem.«
136 Gegen die Theorie, daß die Urbewohner durch die Grundrente die Patricier geworden seien, wendet sich auch SCHMOLLER, Grundriß Bd. 1, 2. Aufl., S. 497: »Wenn man sich einbildet, das Kapital an sich und seine ungleiche Verteilung erzeuge die Großbetriebe; wenn man sich vorstellt, weil die Erben glücklicher Unternehmer in der zweiten und dritten Generation vor allem als Kapitalbesitzer erscheinen, der Kapitalbesitz habe die Unternehmungen geschaffen, so ist das ganz falsch. Was sie schafft und erhält, bleiben immer die persönlichen Eigenschaften.«
137 Bei Gellius 16, 10, 1 ist ein Vers des Ennius enthalten »proletarius publicitus scutisque feroque ornatus ferro«. Zit. MOMMSEN, Staatsr. III, 1, 29 S. Polybius VI, 21, 7 »διαλέγουσι τῶν ἀνδρῶν τοὺς μὲν νεωτάτους καὶ πενιχροτάτους εἰς τοὺς γροσφομάχους«.
138 Für Attika haben wir im Jahre 490 2500-3000 Einwohner auf die Quadratmeile berechnet, für Böotien im 5. Jahrhundert 2200, für Lacedämonien und Messenien 1500, für den Peloponnes 2000 bis 2200. Bei der primitiven Bestellung, gestört durch die unausgesetzten Nachbarfehden, wie wir sie uns in Italien vor 21/2 Jahrtausenden vorstellen müssen, ist gewiß selbst für den fruchtbarsten Boden 2500 bis 3000 das Maximum gewesen, das ernährt werden konnte. Rom mag als alte Handelsstadt schon um 510 einige Getreidezufuhren zur See bezogen haben, aber gewiß noch nicht viel, da wenn die Stadt schon groß war, sie schon politisch eine größere Stellung gehabt haben würde. Daß die Stadt im Verhältnis zum Landgebiet noch klein war, wird auch dadurch bezeugt, daß von den 20 Tribus nur 4 städtische waren. Die sog. Servianische Mauer, die ein sehr großes Areal einschließt, ist erst aus der Zeit der Samniterkriege.
139 Eine regelmäßige standesamtliche Listenführung scheint auf den ersten Anblick etwas ganz Einfaches, ist aber, wenn sie zuverlässig sein soll, überaus schwierig und verlangt eine höchst sorgsame und energische Kontrolle. Die Vorteile und Nachteile, die auf dem Spiel stehen, sind sehr groß und die Arbeit ihrer Natur nach in der Hand von Schreibern, die ganz abgesehen von Nachlässigkeit auch der Bestechung zugänglich sein können. Im Jahre 214, wo jeder jüngere Mann, der nicht im Felde stand, auf der Straße auffallen mußte, fand eine Revision 2000 juniores, die sich der Dienstpflicht entzogen hatten. Livius XXIV, 18, 7.
140 Wenn unsere Voraussetzung richtig ist, daß Rom bei Errichtung des Konsulats 21 Tribus und rund 8400 felddienstfähige Fußkrieger hatte, so ist die Entstehung der Normalzahl 4200 für die Legion nicht wohl anders zu erklären, als daß jedem Konsul die Hälfte zugeteilt wurde. War das ganze Heer beisammen und beide Konsuln zugegen, so führten sie täglich abwechselnd den Oberbefehl.
141 Sehr lehrreich hierüber STEINWENDER, Progr. d. Gymn. z. Marienburg 1879.
142 Berlin, Georg Nauck, 1906. Vgl. Preuß. Jahrb. Bd. 131. (Januar-Heft 1908.)
Zur 3. Aufl. Auch A. ROSENBERG, Untersuchungen zur römischen Zenturienverfassung (1911) erkennt die Unhaltbarkeit der Mommsenschen Verfassungs-Konstruktion an und sucht einen Mittelweg zwischen Mommsen und mir. Auf die Einzelheiten dieses Gegenentwurfes einzugehen, würde hier zu weit führen. Rosenbergs Grundfehler ist, daß er sich nicht genügend mit der Bevölkerungsstatistik des Kantons Rom auseinandergesetzt hat.
143 BRUNCKE, Philologus 1881, S. 368.
144 Thucydides (VI, 98) erzählt uns, wie die Syrakusaner den Athenern eine Schlacht liefern wollten und schon aufgestellt waren, als die Feldherren bemerkten »τὸ στράτευμα διεσπασμένον τε καὶ οὐ ῥᾳδίως ξυντασσομενον«. Sie führten deshalb die Truppen in die Stadt zurück.
145 Polyb. XI, 22, 10.
146 Auch Vegez I, 20 bezeugt ausdrücklich, daß die Zahl der vor der Front ausschwärmenden Leichten gering gewesen sei und daß sie wesentlich von den Flügeln aus vorgingen.
147 In dem unten noch eingehender zu besprechenden Kap. 8 des 8. Buches.
148 Jede Waffe hat gewisse Vorteile und Nachteile, und die Einschätzung bleibt subjektiv. GRUPP, Kulturgesch. d. Mittelalters I, 109 heißt es z.B.: »Der norwegische Königsspiegel warnt, den Speer nicht zu bald loszulassen; bei dem Landgefecht sei ein Speer besser als zwei Schwerter«.
149 Vorschrift für die Waffenübungen der Kavallerie. Berlin 1891.
150 Wie das ursprüngliche römische Schwert konstruiert war, ist unbekannt, vermutlich war es nur ein langes, starkes Messer, »Bowie-Messer«, »Enter-Messer«, oder auch nur dasselbe Messer, das der Mann zum Fleisch- und Holzschneiden gebrauchte. Im zweiten punischen Kriege wurde der gladius Hispanus eingeführt, ein grades, zweischneidiges, zugespitztes, mehr zum Stoß als zum Hieb bestimmtes Schwert, kurz und oben sehr breit.
A. MÜLLER, Philologus Bd. 47, S. 541. Aus VILLENOISY »Du mode d'employ des épées antiques«, Revue archéol. 1894. S. 230 ist nichts Wesentliches zu entnehmen.
151 Das Pilum, ursprünglich jedenfalls ein einfacher Wurfspieß mit sehr langer dünner Spitze, hat seine eigene Geschichte. Am besten darüber jetzt DAHM, Jahrb. d. Ver. v. Altertumsfreunden im Rheinland 1896/97 S. 226. Die erstaunlich verfehlte Konstruktion, die Rüstow vorgetragen hatte, ist ein Beweis, wie schwer die Sachkritik der antiken literarischen Überlieferung selbst für den besten Praktiker ist und wie leicht sie einmal fehlgeht. Das Verdienst, das richtige Pilum rekonstruiert zu haben, hat Lindenschmit, und als sehr wertvoll haben sich die Ausgrabungen, die Napoleon III. veranstalten ließ, auch für diese Frage erwiesen.
Z. 3. Aufl. A. SCHULTEN, Rhein. Museum. N. F. Bd. 66, S. 573 (1911) macht wahrscheinlich, daß das eigentliche pilum von den Iberern vielleicht erst im zweiten punischen Kriege übernommen worden sei. Das würde natürlich nicht ausschließen, daß die Römer die Methode, den Spieß rauszuschleudern und den eigentlichen Nahkampf mit Messer Dolch oder Schwert zu rühren schon lange vorher angenommen haben und nur die letzte technische Verbesserung in der Konstruktion des Wurfspießes den Iberern verdanken. Ein positives Zeugnis, wann die Römer die beschriebene Kombination des Spieß- und Schwertkampfes eingeführt haben, liegt nicht vor und kann der Natur der Sache nach nicht vorliegen.
152 Nach Polybius. In der Kaiserzeit finden wir, daß die Waffen in den Rüstkammern in »arma antesignana« und »arma postsignana« eingeteilt wurden, was auch kaum etwas anderes bedeuten kann, als daß die vorderen Glieder das pilum, die hinteren die hasta führten. Vgl. DOMASZEWSKI, Sitz.-Bericht d. Heidelb. Akad. 1910; S. 9.
153 Nachtrag dazu in den Mitt. d. Östr. Archäol. Epigr. Instituts Bd. 15 1892. Vgl. die eingehende Besprechung von MOMMSEN, ebenda Bd. 10 (1886). S. 1 ff.
154 Xenoph. Hell. III, 2, 2. IV, 4, 9. VI, 2, 23. Plutarch, Phokion cap. 13.
155 Polyän, III, 9, 11 läßt Iphikrates einen festen Punkt im Gelände vorwärts des Lagers besetzen, um dieses zu decken. Unmittelbar hinterher ist freilich auch wieder erzählt (§ 17), Iphikrates habe auch in Feindesland den Graben um das Lager ziehen lassen, um nicht als Feldherr vielleicht sagen zu müssen. »Das hätte ich nicht gedacht« (»οὐ στρατηγικὸν τὸ οὐκ ᾤμην«). Danach ist es doch wohl öfter geschehen, als es nach den Quellen scheint, daß wenigstens ein Graben zum Schutz des Lagers aufgeworfen wurde.
156 Polybius nennt es quadratisch; die spätere Lagerbeschreibung von Hugin gibt die Form des Rechtecks. Die Ecken waren in der späteren Zeit und vermutlich von jeher abgerundet. Einigermaßen war natürlich die Ausführung immer, ohne die Grundform zu verwischen, dem Gelände angepaßt. Von den Lagern Cäsars in Gallien sind einige noch heute so weit erhalten, daß Napoleon III. durch Ausgrabungen ihre Form und Größe ganz genau feststellen lassen konnte.
Auf die Einzelheiten des römischen Lagers ist hier nicht einzugehen. Ich verweise neben Marquardt auf FRÖHLICH, »Kriegswesen Cäsars« S. 74 und 220 ff.
157 Gewöhnlich (Marquardt S. 426) wird angenommen, auf Grund einer Schilderung Ciceros in den Tusculanen (II, 16, 37), daß die Legionare die Schanzpfähle regelmäßig mitgenommen. Mit Recht hat dagegen LIERS p. 155 drei Livius-Stellen angeführt (VIII, 38, 7; X, 25, 6; XXV, 36, 5), wo es wie das Natürliche erzählt wird, daß die Soldaten sich die Pfähle erst an Ort und Stelle schlagen, so wie eine vierte (XXXIII, 6, 1), wo das Mitschleppen offenbar als etwas Ausnahmsweises erscheint.
Zur 3. Aufl. STOLLE, Der röm. Legionär u. sein Gepäck (1914) glaubt die Überlieferung daß zum regulären Gepäck des Legionars auch der Schanzpfahl gehört habe, doch festhalten zu sollen; es sei allerdings nur ein ziemlich dünner Stock gewesen, dessen Gewicht er auf 1310 Gramm anschlägt. Vgl. unten den Exkurs zu Buch VI, cap. 2.
158 Vgl. BAUER, Griech. Kriegsaltert. § 39.
159 GILBERT, Handb. d. griech. Staatsaltertümer I, S. 356 (2. Aufl.) Anmerk. meint, »der Strateg kann im Felde hinrichten lassen«, und zitiert dafür Lysias 13 (κατὰ ᾽Αγοράτου) 67. Die Stelle lautet »παραφρυκτωρευόμενος τοῖς πολεμίοις ληφθεὶς ὑπὀ Λαμάχου ἀπετυμπανίσθη«. Es ist also unter Lamachos vor Syrakus ein Mann wegen Verrats zu Tode geknüppelt worden. In welcher Form Rechtens das geschah, wissen wir nicht. Daß Verbrechen wie Verrat im Felde unmittelbar mit dem Tode geahndet werden konnten, ist von vornherein anzunehmen, aber wie weit dabei die Disziplinar-Gewalt des Feldherrn ins Spiel kam, ist aus der Stelle nicht zu ersehen.
160 Aristoteles, Politik III, 14 (9), 2, sagt, daß im Gefecht die spartanischen Könige Herren über Leben und Tod gewesen seien; außerhalb des Gefechts waren sie es also nicht. Diese Basis ist für die Ausbildung einer wirklichen militärischen Disziplin zu schmal.
161 Richtig hervorgehoben von BELOCH, Griech. Gesch. II, 479.
162 Für die ältere Zeit ist uns dies Recht der Centurionen nicht direkt bezeugt, und wer in dem römischen Bürgerheer das Aufgebot der Besitzenden sieht, könnte auf die Vermutung kommen, daß erst mit dem Übergang zur Werbung aus der Menge diese Art der Disziplin eingeführt worden sei. So wie ich die Geschichte der römischen Heeresverfassung jedoch auffasse, kann es nicht zweifelhaft sein, daß die Disziplin von je auf denselben Grundlagen geruht hat. Wo an der höchsten Stelle die Todesstrafe mit so diskretionärer Gewalt gehandhabt wird, liegt es in der Natur der Dinge, daß auch die interen Instanzen sehr weitgehende Befugnisse haben. Auf der andern Seite liegt es auch in der Natur der Dinge, daß, so lange der Centurio sich als Bürger unter seinen Mitbürgern fühlte, er gewisse Unterschiede zu machen wußte und der angesehene Hausvater tatsächlich der Gefahr der Schläge im gewöhnlichen Dienst nicht ausgesetzt war.
Gegen meine Auffassung könnte angeführt werden Polybius VI, 87, 8, wo das Recht zu strafen, zu pfänden und zu genießen (καὶ ζημιῶν καὶ ἐνεχυράξων καὶ μαστιγῶν), den Tribunen zugesprochen wird, ohne die Centurionen zu erwähnen. Aber Polybius spricht hier von der Strafe im förmlichen Verfahren, woneben ein gesetzlich nicht weiter fixiertes Zuschlagen der Hauptleute, um Ordnung zu halten, sehr wohl bestehen kann.
163 Livius XXIX, 9, 4. Valerius Maximus II, 7, 4. Frontin Strategem. IV, 1, 30, 31. Cotta consul P. Aurelium sanguine sibi junctum, quem obsidioni Lipararum, ipse ad auspicia repetenda Messanam transiturus, praefecerat, cum agger incensus et capta castra essent, virgis caesum in numerum gregalium peditum referri et muneribus fungi jussit.
164 TH. STEINWENDER, Professor am Königlichen Gymnasium zu Danzig. Die Marschordnung des römischen Heeres zur Zeit der Manipularstellung. Danzig. A. W. Kafeman. 1907.
165 Schubert p 174.
166 UNGER, Rhein. Museum, Bd. 34, S. 102. v. SCALA, Römische Studien (ein Festgruß aus Innsbruck an die XLII Versammlung deutscher Philologen, 1893) hat wahrscheinlich gemacht, daß auch Naevius, der erst in hohem Alter dichtete, schon den Philinus benutzt hat.
167 Sehr gut hierüber W. SOLTAU in d. N. Jahrb. f. Philologie, Bd. 154, S. 164 (1896).
168 Zusammengestellt bei L. BECK, Geschichte des Eisens S. 510, und hieraus Jähns, Gesch. der Trutzwaffen S. 72.
169 Korrespondenz-Blatt d. deutsch. Gesellschaft f. Anthropologie 1889. S. 206.
170 Diese Ansicht ist übrigens auch schon von anderer Seite ausgesprochen worden. UNGER im Rhein. Museum. Bd. 34, S. 97.
171 Die Durchschnittstiefe ist natürlich erheblich geringer, da ja die Intervalle, die beim Vorrücken unregelmäßig geworden sind, vor dem Zusammenprall durch Einspringen von hinten geschlossen werden müssen. In den früheren Auflagen habe ich noch die Möglichkeit der doppelten Länge bei entsprechend geringerer Tiefe zugelassen. Aber ich bin jetzt zu der Überzeugung gekommen, daß eine Front von annähernd zwei Kilometern sich nicht mehr geordnet hätte vorwärtsbewegen können. Man mache sich das anschaulich, indem man sich eine Straße wie »Unter den Linden« in Berlin vorstellt, die fast einen Kilometer lang und ca. 90 Schritt breit ist. Die römische Infanteriefront bei Cannä hätte also etwa vom Denkmal Friedrichs des Großen bis zur Wilhelmstraße gereicht und in der Tiefe die Breite dieser Straße um einiges überschritten.
172 Polybius sagt, daß die iberische und gallische Reiterei auf dem linken, die numidische auf dem rechten Flügel stand, und charakterisiert nachher den Kampf der letzteren als bloßes Geplänkel. In der Schlacht an der Trebia unterscheidet er die schwere Kavallerie (τὴν κεχαλινωμεην ἵππον καὶ πᾶν τὸ στάσιμον) und die Numider. Danach waren also die iberischen Reiter die schweren – was nicht auszuschließen braucht, daß Hannibal auch afrikanische Kürassiere hatte –, nur a potiori mag die leichte Reiterei die numidische genannt worden sein.
173 Polybius III, 89, 9.
174 Für die Flotte mache ich keinen Zuschlag mehr, da man römische Bürger in dieser Zeit sehr wenig auf den Schiffen gelassen haben wird. Da kein eigentlicher Seekrieg stattfand, konnte man sich (außer der Flotten-Legion) mit Bündnern und Sklaven als Besatzung begnügen.
175 Livius XXXIV, 50.
176 Livius XXXVII, 60.
177 Der Vorstellung, daß die Furcht vor den wilden Galliern, die einen so großen Teil des punischen Heeres bildeten, die Italiker bei Rom festgehalten habe, möchte ich doch nicht beipflichten; denn der Abfall nahm in den Jahren 210 bis 211 fortwährend zu, obgleich jene Furcht, so weit sie vorhanden war, immer größer werden mußte.
178 Die zahlreichen Siege, die noch Livius die Römer von 216 bis 203 über Hannibal erfochten haben sollen, sind, wie W. STREIT »Zur Geschichte des zweiten punischen Krieges in Italien nach der Schlacht bei Cannä« (Berlin 1887) vortrefflich dargelegt hat, patriotische römische Phantasien, rund herausgesagt, eitel Lügen. Sehr hübsch hat Streit zusammenaddiert, daß Hannibal in all diesen Gefechten von Cannä an 120000 Tote verloren haben soll. Wo es noch zu größeren Gefechten kam, wie bei Herdonea und Njmistro, ist der Sieg den Puniern geblieben. Die angeblichen Siege des Marcellus bei Nola reduzieren sich auf ganz unbedeutende Kämpfe.
179 Ganz so stellt schon Polybius IX, cap. 3 und 4 das Verhältnis dar.
180 Studi di Storia antica pubblicati di Giulio Beloch, 1, 34.
181 Z. Gesch. d. zweiten pun. Krieges. S. 35.
182 In der ersten Auflage habe ich die Einwendungen KORNEMANNS in den »Conradschen Jahrbüchern«, N. F. Bd. 14, S. 291 (1897) mit eingehender Begründung zurückgewiesen (hier nicht wieder abgedruckt).
183 Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 betrug die Anzahl der über 17 bis unter 18 Jahre alten Männer im Deutschen Reiche 525582 und die Anzahl aller über 17 Jahre alten Männer 16806581, vgl. Statistik des Deutschen Reichs Bd. 150 S. 118 ff. Nach der Volkszählung am Anfange des Jahres 1901 betrug in Frankreich die Anzahl der über 17 bis unter 18 Jahre alten Männer am 1. Januar 1901 330318 und die Anzahl aller über 17 Jahre alten Männer 13456430, vgl. Résultats statistiques du recensement de 1901 tome IV, p. 58.
184 Der zweite punische Krieg und seine Quellen Polybius und Livius nach strategisch-taktischen Gesichtspunkten beleuchtet. Die Jahre 219 und 218, mit Ausschluß des Alpenüberganges. Ein Versuch von JOSEPH FUCHS, k. k. Professor in Wiener-Neustadt Wiener-Neustadt, 1894. In Kommission bei: Carl Blumrich. Wiener-Neustadt; M. Perles, Wien; Th. Thomas, Leipzig.
Hannibals Alpenübergang. Ein Studien- und Reiseergebnis von JOSEPH FUCHS, k. k. Professor in Wiener-Neustadt. Mit zwei Karten und einer Abbildung. Wien. Bei Carl Konegen. 1897.
Die Frage des Passes, den Hannibal bei seinem Alpenübergang benutzt hat, gehört nicht in den Rahmen dieses Buches, da wesentliche strategische oder taktische Folgerungen sich aus der Verschiedenheit der Wege nicht ergeben. Fuchs hat sich für den Mont Genêvre entschieden. KONRAD LEHMANN, »Die Angriffe der drei Barkiden auf Italien« (1905) ist wieder mit sehr eingehender Begründung für den Kleinen Sanct Bernhard eingetreten. Seitdem ist auch noch der französische Genie-Kapitän COLIN mit einem Werk »Annibal en Gaule« (1904) auf den Plan getreten. Allgemeine Zustimmung hat noch keine der verschiedenen Hypothesen zu finden vermocht.
185 Anfang Mai wird Hannibal von Neu-Karthago aufgebrochen sein, aber erst Anfang oder Mitte August die Pyrenäen überschritten haben; spätestens Mitte Oktober, vielleicht schon Ende September stieg er in die Po-Ebene hinab.
186 Beversdorff, S. 16, bemängelt, daß ich Wurfspieß-Schützen als Peltasten auffasse. Ich möchte doch daran festhalten; da die Zahl der Wurfspieße, die der Mann führen kann, sehr viel kleiner ist, als etwa die Zahl der Pfeile oder der Schleuderbleie, die die eigentlichen Schützen haben, so müssen jene auch einigermaßen für den Nahkampf gerüstet, d.h. Peltasten sein.
187 RAIMUND ÖHLER, Der letzte Feldzug des Barkiden Hasdrubal und die Schlacht am Metaurus. Eine historisch-topographische Studie 1897. In seinen Ergebnissen im wesentlichen abgelehnt von KONR. LEHMANN, Deutsche Liter.-Zeit. 1897. Nr. 23. Sp. 902.
LEHMANN selber hat seitdem in seinem Buche »Die Angriffe der drei Barkiden« (1905) die Schlacht ausführlich behandelt und zu rekonstruieren versucht, aber das Ergebnis bleibt wesentlichen Bedenken unterworfen. Ich zweifle, ob bei dem Quellenbestande je etwas Positives zu gewinnen sein wird. Schon die Heereszahlen sind höchst unsicher. Lehmann berechnet, daß Hannibal noch 15000, Hasdrubal 12000 Mann gehabt habe, während an Römern in Italien 150000 in Waffen standen. Bei solchen Zahlen wäre denn doch das Verhalten der Römer unbegreiflich. Vgl. die Kritik von Kromayer, Gött. Gel. Ang. Bd. 169, Nr. II (Juni 1907), S. 458.
Beversdorff gibt Hasdrubal am Metaurus 15000 Mann, Kromayer einige 30000.
188 MOMMSEN, Staatsrecht II, 1, 652.
189 Livius XXIX, 19.
190 Livius XXX, 1, 10.
191 Livius XXIV, 18.
192 Livius XXVII, 7.
193 Die Lokrer führten darüber solche Klage, daß der Senat eine Untersuchung anstellte. Livius XXIX, 8-22.
194 Livius XXVII, 49.
195 Weshalb er nicht direkt nach Karthago ging, ist nicht überliefert. Vielleicht wollte er nicht bloß mit den wenigen aus der Schlacht Geretteten in der Hauptstadt ankommen und hatte wohl in Hadrumet noch Ersatz-Truppenteile und Waffenvorräte, die mitgeführt ihm immer noch eine Stellung und der Stadt eine Verteidigungsmöglichkeit gaben.
196 Livius XXIX, 22.
197 Vergl. oben S. 285.
198 Der letzte Feldzug des hannibalischen Krieges von KONRAD LEHMANN. Besonderer Abdruck aus dem 21. Supplementband der Jahrbücher für klassische Philologie. Mit einer Karte. Leipzig, B. G. Teubner. 1894.
199 Polybius X, 38, 39; XI, 20-24. Livius XXVII. 18, 19; XXVII, 12-15.
200 XXVII, 1, zweites Treffen von Herdonea; XXVII, 2, Numistro; XXVII, 12-14, Sieg des Marcellus in Apulien; XXX, 18, Besiegung des Mago bei den Insubrern.
201 In der Rede, die Livius den alten Qu. Fabius Maximus und Scipio selber über die beabsichtigte Expedition im Senat halten läßt, erscheint dieses Motiv mit richtiger Empfindung nicht. Scipio hätte, wenn er darauf hinwies, zu sehr die Vorstellung von der Schwierigkeit des ganzen Unternehmens verstärkt, während seine Rede darauf angelegt ist und darauf angelegt sein mußte, den Offensivgedanken mit unbedingter Zuversichtlichkeit vorzutragen.
202 Es ist anzunehmen, daß Hannibal im Herbst 203 nach Afrika zurückgekehrt ist und daß die Schlacht von Naraggara etwa in den August 202 fällt. LEHMANN S. 555.
203 Nachgewiesen von KONR. LEHMANN in d. Jahrb. f. klass. Philol. Bd. 153, S. 573.
204 Berliner Dissert. 1914.
205 Roms Kampf um die Weltherrschaft. S. 61.
206 Polybius XVIII, 28.
207 So haben es schon Johann v. Nassau und Montecucoli aufgefaßt. JÄHNS I, 573. Montecucoli, Schriften II, 225.
208 Vgl. dazu noch Livius XXXIII, 18.
209 Polybius 18, 28.
210 Im 2. Bande seiner »Antiken Schlachtfelder« hat KROMAYER seitdem das Schlachtfeld etwas anders, als es früher geschah lokalisiert; für die Vorgänge selbst hat sich daraus Neues nicht ergeben. Ob seine Darstellung der strategischen Zusammenhänge des ganzen Krieges, die sehr eingehend auf Grund topographischer Spezialforschung behandelt werden, zutreffend ist, habe ich nicht im einzelnen nachgeprüft.
211 ZELLER, Gesch. der Philosophie II, 2, S. 640.
212 Bei BLÜMNER, Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei den Griechen und Römern, Bd. II, S. 252, S. 263, S. 285, S. 289 sind Quellenstellen angeführt, die auch Spieße (resp. Wurfspieße) aus Buchenholz, Eiche, Pinie, Eibe bezeugen. Bei der Kiefer ist die Verwendung für Spieße merkwürdigerweise gar nicht genannt; dagegen Tanne S. 289. Über das Vorkommen der verschiedenen Hölzer im alten Griechenland NEUMANN und PARTSCH, »Physik. Geographie von Griechenland«, S. 365 ff.
213 »Vergleichende Studien zur Geschichte des griechischen und römischen Heerwesens.« HERMES. Bd. 35, Heft 2. Von mir beantwortet »Geschichte der Kriegskunst«, Bd. 2, S. 16. (In dieser Auflage nicht wieder abgedruckt.) KROMAYER, Antike Schlachtfelder, B. 1, S. 321 ff. Dagegen »Theologische Philologie«, Preuß Jahrb. Bd. 116, S. 209 ff. Dagegen »Theologische Philologie«, Preuß. Jahrb. Bd. 116, S. 209 ff. (Mai-Heft 1905). KROMAYER, »Wahre und falsche Sachkritik«, Historische Zeitschrift, Bd. 95 (1905), S. 1 ff. Von mir beantwortet »Preußische Jahrbücher«, Bd. 121, Juliheft 1905, S. 158 ff.
214 Schon J. J. MÜLLER im »Philoloaus« Bd. 34, S. 125 (1876) hat bemerkt, daß die vier regulären Legionen unmöglich die ganze Masse der Kriegsdienstpflichtigen (νεανίσκοι) hätten aufnehmen können; er meint, es seien deshalb je nach Bedürfnis die jüngsten Jahrgänge, also z.B. 10 eingezogen worden. Aber selbst das gibt schon viel zu viel.
215 FRÖHLICH, Kriegswesen Cäsars p. 13, 14, macht einige Zweifel geltend, ob die definitive Einführung der Kohortne-Taktik wirklich Marius zuzuschreiben sei. Madwig hat sie erst in den Bundesgenossenkrieg setzen wollen. Auf der andern Seite kann man sie vielleicht schon im Jugurthinischen Kriege nachweisen. Ich denke doch, alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß Marius der Reformer war. Die Kohorten, die im Jugurthinischen Krieg (Sallust, 51, 3; 100, 4) genannt werden, brauchen nicht als taktische Körper, sondern als bloße Teile der Legion aufgefaßt zu werden, und wenn nach einem Sisenna-Fragmente noch im Bundesgenossen-Kriege einmal manipulatim gefochten wird, so ist daraus wenig zu schließen, da es ja nach wie vor Manipel gab.
216 Schon NITZSCH, Gesch. der röm. Republik (herausg. v. Thouret) I, 181 macht darauf aufmerksam, daß, wenn (nach Cannä) Legionen hintereinander aufgestellt erscheinen, das damit zusammenhänge, daß in den neugebildeten Legionen der Unterschied des Alters nicht in dem Maße wie früher hervortrat.
217 Wenn Livius VII, 34 (z. Jahre 340) die Hastaten und Principes einer Legion detachiert werden, oder X, 14 (z. Jahre 297) die Hastaten einer Legion, so hat das natürlich historisch keinerlei Wert, mag aber als Reflex des Verfahrens im zweiten Jahrhundert hier angeführt werden.
218 In der Livius-Epitome LXVII ist angegeben, daß in der Schlacht von Arausio 80000 Soldaten, 40000 Troßknechte und Marketender (calones et lixae) gefallen seien. Die Zahlen sind sicherlich sehr übertrieben, aber daß zu dieser Zeit auf den Troß 50% der Kombattanten gerechnet wurden, ist vielleicht zu verwerten. Man könnte da aus schließen, daß schon vor Marius die Veliten zum großen Teil oder zuweilen vielleicht ganz aus den Legionen verschwunden waren und das Burschen- und Troßwesen sich praktisch anders organisiert hatte.
219 STOLLE, D. Lager und Heer d. Römer (1912) bestreitet, daß die Zahl 6000 für die Legion, also 600 für die Kohorte als die normale anzusehen sei, und es ist ihm zuzugeben, daß sie nicht so gut begründet ist, wie man bisher wohl geglaubt hat. Immerhin ist sie mir doch recht wahrscheinlich und die Abweichungen können, wenigstens für unsere Zwecke, auf sich beruhen.
220 Das ist freilich nicht direkt bezeugt, aber wie Marquardt II, 339 bemerkt hat, sehr wahrscheinlich. Vgl. Polybius XI, 23, wo gesagt ist, daß drei σπεῖραι (Manipel) eine Kohorte genannt werden.
221 Die Stelle, wo Polybius diese Eigenschaft der römischen Schlachtordnung beschreibt, daß sie gleichzeitig undurchdringlich (also fest geschlossen) und in allen ihren Einzelgliedern fähig, sich nach jeder beliebigen Richtung zu wenden (XV, 15, 7) ist leider im Wortlaut etwas dunkel, dem Sinne nach aber ganz deutlich und sehr wertvoll. Die beiden Eigenschaften der Undurchdringlichkeit und der Beweglichkeit vereinigen sich nur so, daß Intervalle zwischen den Kohorten vorhanden und möglichst klein sind. Die großen Intervalle, die Veith III, 2, 701 mit dieser Stelle belegen will, werden dadurch nicht nur nicht bezeugt, sondern widerlegt, da eine Schlachtordnung mit Löchern in der Front nicht undurchdringlich ist. Die kleinen Intervalle, wie ich sie annehme, heben die Undurchdringlichkeit nicht auf, da sie beim Zusammenprall von hinten geschlossen werden.
222 Livius XLIII, 14. Polybius XXXV, 4.
223 Die Quellenstellen bei MOMMSEN, Röm. Gesch. II, 107 und 175; MARQUARDT II, 381.
224 Plutarch, Marius cap. 9.
225 Daß es sich um diesen, nicht etwa um Seesoldaten-Dienst handelt, ist richtig bemerkt und belegt bei Marquardt, Röm. Staatsverf. II, 380, Anmerk. 10.
226 Nach Polybius VI, 39, 15 lieferte der Staat Kleider und Waffen, falls es nötig war, zog aber den Preis vom Solde ab. Dies soll Tib. Gracchus abgeschafft haben (MOMMSEN, Röm. Gesch. II, 107; es geschah aber nach Tacitus Ann. I, 17 auch noch in der Kaiserzeit, und die Soldaten beschwerten sich darüber.
227 Die Zahlen 3294736 und 394336 für die Jahre 125 und 115 werden von Beloch mit gutem Grunde angezweifelt.
228 Appian, de reb. Hisp. cap. 49 zum Jahre 149.
229 Cäsar, bell. gall. III, 20, 2.
230 Cicero ad. famil. XV, 4, 3.
231 Cicero ad. famil. III, 6, 5.
232 Cäsar, bell. gallic. VII; 65.
233 bell. civ. III, 91.
234 Trotzdem glaube ich nicht, daß mit den Freiwilligen, die sich dem Konsul angeschlossen und nach Polybius VI, 31, 2 einen eigenen Platz im Lager haben, evocati, sondern vornehmere Leute gemeint sind. Die damaligen evocati sind noch keine eximierte Schar, wie Marquardt II, 338, Anmerkung 1 sie auffaßt.
235 Appian, bell. civ. III, 40.
236 Richtig bemerkt und quellenmäßig begründet, aber etwas zu stark ausgedrückt von FRÖHLICH, Kriegswesen Cäsars S. 19.
237 Polybius VI, 34. Man sollte erwarten, daß entsprechend den zehn Kohorten der Legion 10 Tribunen zugeteilt worden seien; auch für die Kaiserzeit sind aber nur sechs bezeugt. Vegez 11, 12 »cohortes a tribunis vel a praepositis regebantur«. Der Widerspruch, daß als die taktische Einheit die Kohorte erscheint, als der maßgebende Führer aber der Centurio, entsteht aus dem Erwachsen der Armee aus einem Bürgeraufgebot. Die Tribunen haben noch lange den Charakter von Magistratspersonen, während die Centurionen bloße Soldaten geworden sind.
238 Vgl. die Stellen bei Marquardt II, 545; Festus p. 198 sagt, er sei an die Stelle des alten accensus getreten und p. 184, der Centurio habe ihn sich gewählt »rerum privatarum ministrum«.
239 Vegez II, 7.
240 In der Kaiserzeit kommen noch sehr viele Namen von Chargierten vor, die bei uns etwa als Gefreite oder als Unteroffiziere mit Verwaltungsfunktionen zu bezeichnen wären. J. H. DRAKE, »The principales of the early empire«, 1905, und jetzt DOMASZEWSKI, Die Rangordnung des römischen Heeres. 1908.
241 Memnon, der auch von der zweiten Schlacht kein Wort sagt. Fragm. hist. Graec. ed. Carolus Müller III, 542.
242 KROMAYER, Ant. Schlachtf. Bd. II, hat versucht, bei Chäronea eine rangierte Schlacht zu rekonstruieren, die quellenmäßig ebenso wenig beglaubigt und sachlich ebenso unmöglich ist, wie desselben Autors Schlacht bei Magnesia. Es ist überflüssig, das wieder im einzelnen nachzuweisen.
243 Daß der größte Teil des Heeres sich auf Plünderung zerstreut hat, ist kein genügender Grund, denn wenn der Rest viel schwächer war, als die Römer, so muß man sich wieder fragen, weshalb Sulla nicht seinerseits die Gelegenheit zum Angriff benutzt hat.
244 K. ECKHARDT, Die armenischen Feldzüge des Lucullus. Berliner Dissert. 1909 (Klio IX u. X). Das militärisch-sachkritische Urteil ist nicht durchgreifend genug. Auch GROEBE, D. Lit. Zeit. 1910, Nr. 47 stimmt ihm nicht zu.
245 Was in diesem Kapitel verändert ist, beruht auf der sorgsamen Arbeit von FRANCIS SMITH in d. Hist. Zeitschrift Bd. 115 (1916).
246 REGLING, Crassus' Partherkrieg. Klio, Bd. VII (1907).
247 Die Angaben über die Stärke des römischen Heeres schwanken zwischen 13 und 18 Legionen nach Gardthausen II, 1, 150, Anm. 6. Dazu sollten noch die armenischen Hilfstruppen stoßen.
248 Dio 49, 26.
249 Plut. Anton., Kap. 49, Schluß. Dio 49, 31.
250 So wird Frontin. Stratag. II, 13, 7 zu verstehen sein.
251 So BELOCH; HUBO, Neue Jahrb. f. Philol. Bd. 147 (1893) S. 707 berechnet 25000 und sucht Cäsars eigene Angabe, indem er ein C von dessen Zahl über die Breite streicht, zu rechtfertigen.
252 So rechnet auch CLAUSEWITZ X, 66. Einen brauchbaren Vergleich bietet das Kriegsbuch ALBRECHTS V. BRANDENBURG bei Jähns, Gesch. d. Kriegsw. 1, 521.
253 Der Transport, der 1758 der preußischen Armee bei Olmütz zugeführt wurde, zählte fast 4000 meist vierspännige Wagen und hatte eine Länge von fast zwei Tagemärschen. Gen.-St.-Werk Bd. VII, S. 93.
254 Nicht um ein ganzes Viertel, wie öfter gesagt wird; das Viertel, wovon Cäsar spricht, bezieht sich nur auf die Helvetier im engeren Sinne: die Bundesgenossen waren schon hinüber, und Cäsar sagt auch nicht, daß das Viertel noch da war, als er es überfiel, sondern als seine Späher es beobachten. Vgl. STOFFEL, Guerre de César et d'Arioviste p. 75.
255 Sollte Maissiat Recht haben, der die »Segusiaver« und »Sebusianer« unterscheiden will, letztere im südlichen Jura, nördlich der Rhone, am Ain sucht, demgemäß Cäsar nicht bei Lyon lagern, sondern vom Fort L'Ecluse den Helvetiern über Bourg au Bresse folgen läßt, Labienus also mit seinen drei Legionen während des Gefechts an der Saone einen Marsch ostwärts warten läßt, so hätten die Helvetier von Montmerle, wo sie überfallen wurden, erst recht volle Freiheit gehabt, den Weg direkt westlich oder südwestlich zu nehmen.
256 LAS CASES, Mem. de St. Hélène II, 445.
257 H. BENDER, »Cäsars Glaubwürdigkeit über den Krieg mit Ariovist« (N. Korresp.-Bl. f. d. Gelehrtenschulen Württembergs 1894) weist nach, wie sehr Cäsars Angabe über die Herrschaft, die Ariovist in Gallien ausübte, übertrieben ist, aber die Tatsache selber, daß Ariovist eine Oberherrschaft über einen Teil des mittleren Gallien ausübte, wird darum nicht angezweifelt werden dürfen.
258 Diesen Gedanken läßt Cäsar ausdrücklich durch Liscus aussprechen (I, 17) in der Form, daß man lieber anderen Galliern als den Römern gehorchen wolle – was voraussetzt, daß diese anderen Gallier erst die Herrschaft der Germanen gebrochen hatten.
259 Daß die Helvetier gerade diese Gegend als ihr Wanderziel angeben, hat seine Erklärung durch eine höchst geistvolle Kombination O. HIRSCHFELDS gefunden in seiner Untersuchung »Aquitanien in der römischen Zeit« (Sitz.-Ber. der Berl. Akad. 1896 p. 453), wo höchst wahrscheinlich gemacht ist, daß sowohl die Helvetier, wie vielleicht auch die mit ihnen ziehenden Boier an der unteren Garonne verwandte Stämme sitzen hatten. Schon Hirschfeld macht bei dieser Gelegenheit auch die Bemerkung, daß ein solcher Auswanderungszug doch nicht so leicht vorstellbar sei – nur einen Schritt weiter auf diesem Wege, und man ist bei der oben im Text aufgestellten Hypothese.
260 Die lange Zeit, die sie zum Übersetzen über die Saone gebraucht haben sollen, ist kein Beweis, da man nicht wissen kann, wie sehr Cäsar auch hierbei übertrieben hat.
261 Ich halte es dabei für ausgeschlossen, daß, wie häufig angenommen wird, Cäsar außer den Reitern noch wesentliche weitere gallische Hilfsvölker, sei es aus der Provinz, sei es von den Häduern oder anderen Stämmen, bei sich gehabt habe. Seine sechs Legionen waren den Helvetiern gegenüber in der Schlacht stark genug, und wenig zuverlässige Hilfsvölker bringen keinen Nutzen, sondern nur Schaden durch die Verpflegungsschwierigkeiten, die sie machen. Die auxilia, von denen Cäsar spricht, sind in der Hauptsacher die Numider, Balearen und Kreter, die er nach II, 7 bei sich hat.
262 Die Stelle über die Aufstellung ist handschriftlich nicht ganz sicher überliefert und wird von den Editoren sehr verschieden verbessert und gelesen. Der Sinn ist jedoch bei allen derselbe.
263 Strabo IV, 1, 11. Im Norden soll das Gebiet der Lingonen noch über das der Mediomatriker hinaus gereicht haben. Strabo IV v, 2, 4.
264 Man hat darüber gestritten, wie Cäsars Ausdruck »nullam partem noctis itinere intermisso« zu verstehen ist. Meusel klammert ihn ein, und er sieht in der Tat stark nach Glossem aus. Der Sinn kann weder sein, daß sie nur nachts, noch daß sie vier Tage Tag und Nacht ununterbrochen marschiert seien, sondern allein ein hyperbolischer Ausdruck dafür, daß sie in ihrer Eile und Angst die Nacht zum Marschieren zu Hilfe nahmen.
265 Mitt. d. Gesellsch. f. Erhalt. d. geschichtl. Denkmäler im Elsaß. B. 16. 1893.
266 G. COLOMB, Campagne de César contre Arioviste in der Revue archéologique III. Serie. Bd. 33 (1898). FRANZ STOLLE, »Wo schlug Cäsar den Ariovist?« Straßburg 1889. Colomb hat die topographischen Studien gemacht, die ihn auf Arcey geführt haben; Stolle hat ihn in philologischer Richtung ergänzt. Seine Abhandlung ist höchst sorgfältig und in mehrfacher Richtung wertvoll, aber leider durch ein künstliches System von Formeln und Abkürzungen fast unlesbar gemacht. Er gibt am Schluß eine tabellarische Übersicht über die verschiedenen aufgestellten Ansichten und ein vollständiges Literaturverzeichnis, auf das hier verwiesen sei. WINCKLERS Arbeiten sind mir nicht zugänglich gewesen. Zu Stolle ist zu vergleichen die Besprechung von KONR. LEHMANN i. d. D. Lit. Zeit. 1899 Nr. 44 Sp. 1682.
267 STOLLE hat diese Lokalisierung jetzt fallen lassen. »Lager und Heer der Römer« (1912). Vorwort.
268 DITTENBERGER in der Neuauflage von Kraners Cäsar-Ausgabe.
269 KONR. LEHMANN, N. Jahrb. f. kl. Altert. 1901. Bd. 7, H. 6, S. 506, und Klio, Bd. 6, Heft 2, S. 237 (1906).
270 Streng genommen sagt Cäsar, worauf KONR. LEHMANN aufmerksam gemacht hat, nicht, daß die 306000 Mann wirklich zur Stelle gewesen seien, sondern er sagt nur, daß die Römer ihm mitgeteilt hätten, sie wüßten genau, wie viel auf der Tagsatzung jede Völkerschaft zu stellen versprochen hatte.
271 Cäsar selbst gibt (VII, 34) zehn Legionen an, das sind die 7. bis 15. und die 1. Dazu erscheint nach der Belagerung von Alesia die 6. Vgl. die Anmerkung bei Napoleon III. (in d. d. Übers. II, S. 282). Göler p. 333 verwirft die »6. Legion« und nennt dafür die »3.« Meusel sowohl wie Kübler haben jedoch VIII, 4 mit Recht die Lesart »VI« aufgenommen. Vgl. Domaszewski i. d. N. Heidelberger Jahrb. Jahrg. IV (1894) S. 158. Vgl. ferner hierzu unten Kap. 7, Anfang.
272 Bell. gall. VII, 65.
273 Holmes nach sorgfältiger Prüfung all' der verschiedenen Vermutungen, die über den Platz dieser Schlacht aufgestellt sind, entscheidet sich dahin (S. 780), daß volle Sicherheit nicht zu erlangen sei, daß aber die größte Wahrscheinlichkeit für die Hypothese GOUGETS spreche, der das Schlachtfeld nahe bei Dijon an der Ouche sucht. Jedenfalls unrichtig ist die Ansetzung von Napoleon III. gegen 6 Meilen weiter nordöstlich zwischen der Vingeanne und dem Badin, südlich von Langres.
274 Vergl. Bellum civile III, 47. Wie ein Heer, das im ganzen gewiß 100000 Köpfe, wahrscheinlich noch erheblich mehr, zählte, sich mit allen seinen Pferden fast sechs Wochen lang mitten im feindlichen Lande auf einem Fleck hat ernähren können, ist nicht leicht sich vorzustellen. Ganz gewaltige Zufuhren von weither mußten herangebracht werden. Wie kamen sie durch die feindlichen Völkerschaften hindurch? Ich denke mir, daß in Vienne bereits Vorräte angesammelt waren und die Saone hinauf transportiert wurden bis zu der Stelle, wo nur noch etwa zehn Meilen Landweg bis Alesia waren. Wir finden später die VI. Legion mit dem Hauptheer vereinigt; vielleicht ist sie, den Transport geleitend, schon während der Belagerung dazu gestoßen. Sie mag den Marsch bereits angetreten gehabt haben, als Cäsar von Norden her ihr entgegenzog. In der ersten Zeit nach seinem Siege, während die Gallier noch in der Rüstung und Sammlung begriffen waren, konnte die Legion wohl, am linken Ufer der Saone entlang marschierend, den Transport ziemlich ungefährdet hinaufbringen, und für das letzte Stück mag Cäsar Truppen zur Aufnahme und Fuhrwerk entgegengeschickt haben. Erstaunlich bleibt es freilich immer, daß, wenn er auch durch den Fluß gegen die Hauptmasse der Gallier einigermaßen gedeckt war, die Sequaner verbunden mit den Helvetiern nicht versucht haben, den Transport abzufangen. Aufs Abschneiden der Lebensmittel war ja bis dahin alle Strategie der Gallier eingerichtet gewesen. Sollten etwa die Sequaner entgegen Cäsars Behauptung sich an dem Aufstand überhaupt nicht beteiligt haben? Wie dem auch sei, bloß aus der nächsten Umgegend konnte ein so großes Heer wie das römische vor Alesia nicht leben; ohne daß große Lebensmittel- und Fouragetransporte glücklich durchgekommen sind, ist die Durchführung der Belagerung von Alesia nicht denkbar, und zu den Transporten gehörten Truppen, die sie deckten. Man vergleiche, welche Schwierigkeit die Verpflegung des deutschen Heeres machte, das 1870 Metz belagerte – trotz der unmittelbaren Nähe der deutschen Grenze und trotz der Eisenbahn-Verbindung. Dargestellt in meiner Rede »Geist und Masse in der Geschichte«. Preuß. Jahrb. Bd. 174, S. 193 (1912).
275 Nach den Handschriften unternahm Labienus den Ausfall mit 39 oder 40 Kohorten. Diese Zahl ist, wie man schon lange erkannt hat, zu groß; mehr als ein Drittel der ganzen schweren Infanterie kann unmöglich an einer Stelle für einen Ausfall disponibel gewesen sein. Man hat deshalb statt XL-XI konjiciert, und die neueren Editoren, Meusel wie Kübler, haben XI in den Text aufgenommen. Wäre die Zahl überliefert, so würde aus ihr zu schließen sein, daß die gallischen Sturmkolonnen nicht so stark gewesen sein können, wie Cäsar sie schildert; da die Zahl aber doch nur auf Konjektur beruht, so kann man sie nicht weiter verwerten.
276 VEITH S. 177 erzählt, Vercingetorix habe weder Zeit noch Mühe gespart, um die Armee fortgesetzt nach römischem Muster einzuexerzieren. Davon steht nicht nur bei Cäsar kein Wort, sondern es gründet sich auch auf eine falsche Ansicht vom Wesen des Exerzierens. Zum Exerzieren gehört eine Disziplin, die auch vermittelst der äußersten Strenge nicht zu improvisieren ist, sondern erst sehr allmählich in Gewöhnung und Tradition ausgebildet werden kann. Was Cäsar sagt (VII, 4) ist, daß Vercingetorix mit äußerster Strenge und Grausamkeit sein Heer zusammengebracht und behandelt habe und (VII, 29, 30), daß er sie gegen ihre Gewohnheit angehalten habe, auf römische Weise ihr Lager zu befestigen.
277 Auch die Schilderung Diodors, Buch V, Kap. 28 ff., ist wohl farbenreich, aber doch für uns unergiebig.
278 THEODOR REINACH, Mithridates Eupator. Übers. v. Goetz p. 355 und 358.
279 Vgl. oben S. 535, 540. Wenn diese Zahlen auch nicht direkt so überliefert sind, so kann man sie, glaube ich, doch mit Sicherheit aussprechen. DOMASZEWSKI in seiner wertvollen Abhandlung »Die Heere der Bürgerkriege i. d. Jahren 49 bis 42 v.Chr.« N. Heidelb. Jahrb. IV (1894) hat nachgewiesen, daß Cäsar bei Ausbruch des Bürgerkrieges 11 Legionen hatte. Da nun in dem Vercingetorix-Feldzug nur 10 genannt werden, in den darauf folgenden Winterquartieren 11, Cäsar aber zwei Legionen abgegeben hatte, so hätte er eigentlich nur noch 9 haben können. Domaszewski erklärt das so, daß Cäsar sofort, wie er den Konflikt kommen sah, zwei neue Legionen bildete als Ersatz für die abgegebenen. Aber mir scheint, es gibt noch eine bessere Erklärung. Cäsar hatte m Jahre 52 außer den vorgenannten zehn Legionen noch 22 Kohorten, die die Provinz verteidigten (VII, 65) und aus ihr selbst ausgehoben waren, also nicht alle aus römischen Bürgern bestanden. Die V. Legion, Alauda, war eine solche Nicht-Bürger-Legion. Nach Sueton, Cäsar Kap. 24 bildete Cäsar sie schon während des gallischen Krieges, nicht erst, wie Domaszewqski glaubt, i. J. 50. Nichts natürlicher, als daß wir annehmen, sie gehörte zu jenen 22 Kohorten des Jahres 52 und ebenso die VI, obgleich freilich Sueton nur von einer solchen Barbaren-Legion spricht. Halten wir aber zusammen, daß die VI. Legion erst jetzt in den Kommentaren erscheint; daß sie, wie schon Napoleon III. bemerkt hat, vor Alesia beim Hauptheer eintraf; daß Cäsar unmöglich damals noch eine Veteranenlegion in der Cisalpina gehabt haben kann; daß nichts natürlicher ist, als daß Cäsar nach der Niederlage des Vercingetorix, wo die Provinz keine Deckung mehr nötig hatte, einen Teil der dortigen Garnison für die Entscheidungsschlacht noch an sich zog – so bleibt kaum ein anderer Schluß übrig, als daß diese Legion ebenfalls ein Teil jener 22 Kohorten »praesidia ex ipsa coacta provincia« war.
Hiergegen könnte eingewandt werden, daß im bell. Alex. 69 von der sechsten Legion gesagt wird, sie sei durch Strapazen und Kriegsverluste crebritate bellorum) auf 1000 Mann reduziert gewesen, und daß sie als Veteranenlegion i. J. 45 mitaufgelöst wurde. War sie aber auch erst im Winter 53/52 gebildet (vielleicht auch schon früher), so hatte sie doch schon die Kämpfe zur Verteidigung der Provinz, die Entsatzschlacht von Alesia und nachher den ganzen Bürgerkrieg mitgemacht, also wenigstens sechs, meist überaus intensive Kriegsjahre hinter sich, als sie Cäsar von Ägypten gegen den Pharnaces folgte. Domaszewski S. 171 Anm. bezeichnet die V. Legion Alauda sogar unter der Voraussetzung, daß sie erst i. J. 50 gebildet worden, i. J. 48 als Veteranenlegion.
GRÖBE (Festschr. f. Otto Hirschfeld 1903; wiederabgedruckt in der 2. Auflage von Drumanns Röm. Gesch., Bd. III, S. 702) in einer Untersuchung über die Legionen Cäsars ist ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, daß die V. Legion aus dem im Jahre 52 genannten Kohorten in der Provinz gebildet worden sei. Aber er setzt diese Bildung erst ins Jahr 51. Die VI. des Bürgerkrieges soll erst im Jahre 50 gebildet worden sein, nachdem die ältere VI. an Pompejus abgetreten war (und bei diesem die Nummer I führte).
Die acht Kohorten, die ich in der Cisalpina annehme, fallen bei ihm fort. Er gibt Cäsar also im Jahre 52 nur 10 Legionen. Der Unterschied ist aber geringer als er scheint, da es sich nur darum handelt, ob aus den 22 Kohorten etwas früher oder später Legionen formiert worden sind und ob die 8 Kohorten in der Cisalpina schon im Jahre 52 existiert haben. Für erhebliche Neubildungen im Jahre 50 scheint der Brief Ciceros an Attikus (aus dem Dez. 50) zu sprechen, den Gröbe zitiert. (VII, 7, 6) »imbecillo resistendum fuit et id erat facile; nunc legiones XI, equitatus tantus, quantum volet, Transpadanai.« Aber aus dieser Stelle ist doch eigentlich nichts zu folgern, da ja auf jeden Fall Cäsar außer seinen 10 Legionen im Jahre 52 die 22 Kohorten gehabt hatte.
280 Das obige Datum nach der Umrechnung Stoffels, der sich auf die von Napoleon III. veranlaßten Berechnungen des Astronomen Leverrier stützt. Nach Ideler, Mommsen, Matzat, Soltau und Unger würden die Ereignisse etwa drei Wochen früher fallen.
281 Als Cäsar am andern Tage ausrückte und zunächst wieder den Weg nach Ilerda einschlug, glaubten die Pompejanischen Soldaten freilich, der Mangel zwinge den Feind zum Rückzug. Aber das widerlegt den obigen Satz nicht.
282 Vielleicht auch noch einige mehr. GRÖBE l. c. S. 710.
283 28. November 49 nach Stoffel; 5. November nach Mommsen.
284 Diese Beobachtungen und Feststellungen hat schon eine von Napoleon III. i. J. 1861 ausgeschickte Kommission gemacht; veröffentl. v. L. HEUZAY, »Les opérations militaires de Jules César, étudiées sur le terrain par la mission de macédoine«, Paris 1886, bestätigt durch Stoffel, Vie de César I, 138.
285 Domaszewski, l. c. 171 u. 172 hält es für unmöglich, daß Legionen von Italien nach Illyrien gekommen seien, da die Pompejaner das Meer beherrschten. Der Grund schlägt nicht durch, da der Weg zu Lande frei war.
286 Dies ist bisher wohl nicht genügend betont worden. RANKE in der »Weltgeschichte« meint sogar, wir hätten über die Schlacht bei Pharsalus Beschreibungen, die von Anhängern des Senats und des Pompejus herrühren. Das ist nur insofern der Fall, als Livius in Pompejanischem Sinn geschrieben und namentlich Lucan den Bürgerkrieg mit dieser Tendenz besungen hat. Aber diese beiden waren bereits wesentlich auf schriftliche Quellen angewiesen, und da sie nun trotz ihrer Tendenz so gut wie nichts haben, was nicht entweder auf Cäsar oder auf Pollio zurückginge, so ist das ein sicherer Beweis, daß eine wirklich pompejanische Urquelle mit weigentümlicher Information nicht existiert hat oder schon damals untergegangen war. Lucan wird sich doch wohl nach Kräften danach umgetan haben, aber es ist geradezu erstaunlich, wie wenig Positives er hat, das nicht auch sonst bekannt wäre. PLATHNER, Zur Glaubwürdigkeit d. Gesch. des Bürgerkrieges (Progr. Bernburg 1882), hat das gut zusammengestellt und dargetan, daß Lucan aus Livius geschöpft hat. Beide konnten ihre Sympathie für die Sache des Pompejus doch nur mit dem von der feindlichen Seite gelieferten Material zum Ausdruck bringen.
287 Appian und Dio erzählen von großen Niederlagen, die diese detachierten Korps sich abwechselnd beigebracht. Die Nachrichten müssen wohl aus Asinius Pollio stammen, wären sie aber richtig, so hätten sich irgendwelche bedeutenderen Folgen daraus ergeben müssen. Wir müssen daher den Bericht Cäsars vorziehen; Pollio wird den übertreibenden Erzählungen irgend welcher Beteiligten zum Opfer gefallen sein.
288 Plutarch, Cäsar, Kap. 43.
289 Das ist der Sinn von b. c. Kap. 84, 2 u. 85, 1.
290 Frontin II, 3.
291 Über die Glaubwürdigkeit der Kommentare ist schon oft gehandelt worden. Als besonders verdienstlich nenne ich PFANNSCHMIDT »Zur Geschichte des Pompejanischen Bürgerkrieges«, Progr. Weißenfels 1888.
292 Dio 41, 55. Bell. civ. III, 82.
293 ZANGEMEISTER in der Vorrede zu seiner Ausgabe des Orosius p. XXV.
294 B. civ. III, 101.
295 Dio XXXXI, 54, 2.
296 A. RITTER, Über die Zuverlässigkeit der Orts-, Zahl- und Zeitangaben in den kriegsgeschichtlichen Werken Friedrichs d.Gr. Berl. Dissert. 1911, Wernigerode, Rudolf Vierthaler.
297 Nach Plutarch. Die Handschriften des Bellum Africanum geben X statt L, was offenbar mit Unrecht von neueren Herausgebern festgehalten worden ist.
298 Bellum Hisp. cap. XXX kann nicht wohl anders ausgelegt werden; es wäre auch erstaunlich, wenn in keiner der drei großen Schlachten des Bürgerkrieges die Überlegenheit, die Cäsar in dieser Waffe naturgemäß hatte, zur Geltung gekommen wäre. Außer seinen gallischen und germanischen Reitern hatte er bei Munda auch numidische.
299 Polyb. III, 14.
300 Livius XXV, 41.
301 Sallust, Jugurtha 53.
302 Nach der Beobachtung von FRÖHLICH, Die Bedeutung d. zweiten punischen Krieges S. 20.
303 Valer. Max. IX, 3. Appian, Iber. Kap. 46.
304 Orosius V, 13. Florus I, 37.
305 SCHUBERT, Pyrrhus, p. 222 macht darauf aufmerksam, daß in der Erzählung von Pyrrhus' Feldzug in Sizilien, die auf Timäus zurückgeht, der Elefanten kaum jemals Erwähnung getan wird.
306 J. CHR. D. SCHREBER, Die Säugetiere Bd. I, S. 245 (Erlangen 1775), das noch heute maßgebende Werk für beschreibende Zoologie, hebt dies stark hervor und sagt, daß der Elefant sogar die Stiche der Fliegen schmerzlich empfinde. In demselben Werke Bd. VI von J. A. WAGNER (1835) S. 265 ist erzählt, wie die Wurfspeere der Jäger in dem Körper stecken bleiben und den Elefanten allmählich töten. Baker, The Albert Nyanza I, S. 284 erzählt, wie geschickte Jäger den Elefanten direkt durch einen Stich mit dem Spieß von unten zu töten vermögen.
307 Appian, Iber. Kap. 46.
308 Frontin IV, 7, 1. Ähnlich bell. Afric. 31.
309 Vom Kriege, Buch VII, Kap. 16.
310 Sueton cap. 88.
311 Plutarch cap. 11.
312 In der Vorrede zu seiner Bearbeitung der Kommentare Folards zu Polybius. 1755.
313 Die schöne Zusammenstellung der drei Zitate bei AD. BAUER »Ansichten des Thucydides über Kriegführung«. Philologus Bd. 50, S. 416.
314 In der Rede pro lege Manila i. J. 66.
Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Berlin 1920, Teil 1.
http://www.zeno.org/nid/20002735342

References: § 40
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 § 44
 § 52
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 § 58
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 § 49
 § 499
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