Source: http://m.hensche.de/Betriebsuebergang_Leiharbeit_Betriebsuebergang_zwischen_Leiharbeitsuntrnehmen_EuGH_C-458/05_Jouini_u.html
Timestamp: 2017-03-29 17:05:49+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: C-458/05
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 82, S. 16).
Das Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits von Herrn Joui­ni und 24 wei­te­ren Klägern ge­gen die Prin­cess Per­so­nal Ser­vice GmbH (PPS) (im Fol­gen­den: PPS) über die Be­glei­chung von Ent­gelt­ansprüchen und über die Fest­stel­lung des Über­gangs der Ar­beits­verhält­nis­se auf die PPS für die Be­rech­nung der Ansprüche. Recht­li­cher Rah­men
Die Richt­li­nie 2001/23 ko­di­fi­ziert die Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom 14. Fe­bru­ar 1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 61, S. 26) in der durch die Richt­li­nie 98/50/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 1998 (ABl. L 201, S. 88) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Richt­li­nie 77/187).
Der ach­te Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2001/23 lau­tet: „Aus Gründen der Rechts­si­cher­heit und Trans­pa­renz war es er­for­der­lich, den ju­ris­ti­schen Be­griff des Über­gangs un­ter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs zu klären. Durch die­se Klärung wur­de der An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 77/187/EWG gemäß der Aus­le­gung durch den Ge­richts­hof nicht geändert.“
Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und b der Richt­li­nie 2001/23 be­stimmt: „a) Die­se Richt­li­nie ist auf den Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­tei­len auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung an­wend­bar.
Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2001/23 legt fest: „Die­se Richt­li­nie lässt das ein­zel­staat­li­che Recht in Be­zug auf die Be­griffs­be­stim­mung des Ar­beits­ver­trags oder des Ar­beits­verhält­nis­ses un­berührt.
Nach Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 gilt: „Die Rech­te und Pflich­ten des Veräußerers aus ei­nem zum Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag oder Ar­beits­verhält­nis ge­hen auf­grund des Über­gangs auf den Er­wer­ber über.
Die oben ge­nann­ten Be­stim­mun­gen von Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 2 und Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 sind im We­sent­li­chen wort­gleich mit den Be­stim­mun­gen von Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 2 und Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187. Na­tio­na­les Recht
Art. 3 Ar­beits­ver­trags­rechts-An­pas­sungs­ge­setz (BGBl. 459/1993) be­stimmt, dass, wenn ein Be­triebs­teil auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber über­geht, die­ser als Ar­beit­ge­ber mit al­len Rech­ten und Pflich­ten in die im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se ein­tritt. Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­ge
Das Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men May­er & Co GmbH (im Fol­gen­den: May­er) be­stand seit 1976 und wur­de zu­letzt vom nun­meh­ri­gen ge­wer­be­recht­li­chen Geschäftsführer der PPS als Geschäftsführer ge­lei­tet. Die­ser ist mit der han­dels­recht­li­chen Geschäftsführe­rin der PPS ver­hei­ra­tet, die eben­falls im Un­ter­neh­men May­er zu Bürotätig­kei­ten an­ge­stellt war.
Auf Wunsch ei­nes der Haupt­kun­den von May­er er­ar­bei­te­te die­se An­ge­stell­te mit der Un­terstützung ih­res Ehe­gat­ten im Jahr 2001 ein in­dus­trie­be­zo­ge­nes Kon­zept. Zu die­sem Zeit­punkt wa­ren die fi­nan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten von May­er be­reits be­kannt. Als das neue Kon­zept die Zu­stim­mung des Kun­den fand, ka­men die Ehe­gat­ten mit die­sem übe­rein, die­ses Kon­zept über ein die­sel­be wirt­schaft­li­che Tätig­keit ausüben­des, neu zu gründen­des Un­ter­neh­men ab­zu­wi­ckeln, da im al­ten Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men May­er struk­tu­rel­le Ände­run­gen nur schwer möglich wa­ren.
Die­ses neue Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men, PPS, wur­de An­fang des Jah­res 2002 ge­gründet, und die Ehe­gat­ten über­nah­men die Funk­tio­nen des ge­wer­be­recht­li­chen Geschäftsführers bzw. der han­dels­recht­li­chen Geschäftsführe­rin. We­gen des Be­darfs des ge­nann­ten Haupt­kun­den wie­sen sie den dafür zuständi­gen Fi­li­al­lei­ter von May­er an, 40 der an die­sen Haupt­kun­den ver­lie­he­nen Ar­beit­neh­mer auf ei­nen ehest mögli­chen Wech­sel zu PPS an­zu­spre­chen, was auch er­folg­te.
Ei­ne Ände­rung der Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer bei dem Kun­den trat da­bei nicht ein. Da­ge­gen wur­den ih­re Beschäfti­gungs­verhält­nis­se zu May­er zum 30. No­vem­ber 2002 be­en­det und zum 1. De­zem­ber 2002 bei PPS be­gründet. Auch wei­te­re Kun­den wur­den so über­nom­men, wo­bei die Zahl der Ar­beit­neh­mer bei den je­wei­li­gen Kun­den teil­wei­se nur drei oder vier, teil­wei­se aber auch neun Per­so­nen um­fass­te. Auch ein Fi­li­al­lei­ter so­wie Kun­den­be­treu­er wur­den von PPS über­nom­men. Ins­ge­samt über­nahm PPS et­wa ein Drit­tel der bei May­er beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer noch vor der Eröff­nung des Kon­kur­ses über das Vermögen von May­er.
PPS wies die­ses Be­geh­ren zurück und wen­de­te ein, dass kein Be­triebsüber­gang vor­lie­ge und sie kei­ne ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit May­er ge­trof­fen ha­be. Der Wech­sel der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens zu ih­rem Un­ter­neh­men sei in der für die Bran­che der Ar­beits­kräfteüber­las­ser übli­chen Art und Wei­se er­folgt. Ein ab­grenz­ba­rer Be­trieb oder „Be­triebs­teil“, den PPS über­nom­men ha­be, lie­ge nicht vor.
Da das in ers­ter In­stanz an­ge­ru­fe­ne Lan­des­ge­richt Wels und das Ober­lan­des­ge­richt Linz als Be­ru­fungs­ge­richt dem Kla­ge­be­geh­ren der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens statt­ga­ben, er­hob PPS beim Obers­ten Ge­richts­hof Re­vi­si­on. Sie rügt vor al­lem die von die­sen Ge­rich­ten vor­ge­nom­me­ne Qua­li­fi­zie­rung des Vor­gangs als Be­triebsüber­gang. 17
Der Obers­te Ge­richts­hof stellt fest, dass nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs grundsätz­lich bei der Prüfung des Vor­lie­gens ei­nes Be­triebsüber­gangs vor­weg dar­auf ab­zu­stel­len sei, ob ei­ne auf Dau­er an­ge­leg­te wirt­schaft­li­che Ein­heit im Sin­ne ei­ner or­ga­ni­sier­ten Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­ner Ziel­set­zung ge­ge­ben sei. In der wei­te­ren Fol­ge sei dann un­ter Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher den be­tref­fen­den Vor­gang kenn­zeich­nen­den Tat­sa­chen zu prüfen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Über­gang ei­ner sol­chen Ein­heit auf den neu­en Be­trei­ber erfüllt sind (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 11. März 1997, Süzen, C-13/95, Slg. 1997, I-1259, Rand­nrn. 13 und 14).
Im vor­lie­gen­den Fall hat die Prüfung des Vor­lie­gens ei­nes Be­triebsüber­gangs nach An­sicht des vor­le­gen­den Ge­richts je­doch be­son­de­ren Cha­rak­ter, weil der Vor­gang ein Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men be­tref­fe. Sol­che Un­ter­neh­men hätten nämlich de­fi­ni­ti­ons­gemäß kaum Ar­beit­neh­mer in ih­rem „ei­ge­nen Be­trieb“ im Sin­ne ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit beschäftigt, son­dern die­se Ar­beit­neh­mer sei­en eben an an­de­re Ar­beit­ge­ber, die ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men, über­las­sen. Die­se Ent­lei­her in­te­grier­ten die be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer in ih­re ei­ge­ne Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on nach ih­ren Bedürf­nis­sen. Die Mehr­zahl der Ar­beit­neh­mer des Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­mens sei al­so nicht in des­sen ei­ge­nen Be­trieb, son­dern in Be­trie­be an­de­rer Beschäfti­ger in­te­griert. 19
Das vor­le­gen­de Ge­richt stellt sich da­her die Fra­ge, ob die für an­de­re Un­ter­neh­men ent­wi­ckel­te Vor­ge­hens­wei­se, die sehr stark auf das Vor­lie­gen ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit im Sin­ne ei­nes ei­ge­nen „Be­triebs“ oder „Be­triebs­teils“ ab­stellt, auch auf Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men über­tra­gen wer­den könne. Die­se un­ter­schie­den sich selbst von Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men oder Be­wa­chungs­be­trie­ben noch da­durch we­sent­lich, dass die über­las­se­nen Ar­beit­neh­mer im Beschäfti­ger­be­trieb für kei­nen de­fi­nier­ten Zweck (Rei­ni­gungs­auf­trag, Be­wa­chungs­auf­trag) - der dann der Ab­gren­zung des Be­triebs­teils die­nen könn­te - ein­ge­setzt würden, son­dern nach der Einschätzung des ent­lei­hen­den Un­ter­neh­mens in un­ter­schied­lichs­ten Funk­tio­nen tätig würden. 20
Der Obers­te Ge­richts­hof hat da­her be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen: Han­delt es sich um den Über­gang ei­nes Be­triebs oder Be­triebs­teils im Sin­ne von Art. 1 der Richt­li­nie 2001/23, wenn oh­ne ab­grenz­ba­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur beim ers­ten Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men im Zu­sam­men­wir­ken zwi­schen zwei Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men von dem ers­ten Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men ei­ne Büroan­ge­stell­te, ein Fi­li­al­lei­ter so­wie Kun­den­be­treu­er und der Geschäftsführer in das zwei­te Ar­beits­kräfteüber­las­sungs­un­ter­neh­men über­wech­seln und dort ver­gleich­ba­re Tätig­kei­ten ausüben und mit ih­nen eben­falls im Zu­sam­men­wir­ken der bei­den Un­ter­neh­men et­wa ein Drit­tel der ver­lie­he­nen Ar­beit­neh­mer samt der da­zu­gehöri­gen Kun­den (mit un­ter­schied­li­chen Auf­trags­größen von drei ver­lie­he­nen Ar­beit­neh­mern bis fünf­zig ver­lie­he­nen Ar­beit­neh­mern) teil­wei­se bzw. zur Gänze über­wech­seln? Zur Vor­la­ge­fra­ge
Mit sei­ner Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die Richt­li­nie auf ei­ne Si­tua­ti­on wie im Aus­gangs­ver­fah­ren an­wend­bar ist, in der ein Über­gang der Beschäftig­ten zwi­schen zwei Leih­ar­beits­un­ter­neh­men statt­fin­det.
Nach ih­rem Art. 1 Abs. 1 ist die Richt­li­nie 2001/23 auf den Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­tei­len auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung an­wend­bar.
Hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zung ei­ner ver­trag­li­chen Über­tra­gung er­gibt sich aus der ständi­gen Recht­spre­chung, dass sich die Trag­wei­te von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 nicht al­lein auf­grund ei­ner wört­li­chen Aus­le­gung be­stim­men lässt (vgl. zu Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 Ur­tei­le vom 7. Fe­bru­ar 1985, Abels, 135/83, Slg. 1985, 469, Rand­nrn. 11 bis 13, und vom 19. Mai 1992, Red­mond Sticht­ing, C-29/91, Slg. 1992, I-3189, Rand­nr. 10). We­gen der Un­ter­schie­de zwi­schen den sprach­li­chen Fas­sun­gen der Richt­li­nie und des un­ter­schied­li­chen In­halts des Be­griffs der ver­trag­li­chen Über­tra­gung im Recht der Mit­glied­staa­ten hat der Ge­richts­hof die­sen Be­griff so weit aus­ge­legt, dass er dem Zweck der Richt­li­nie - nämlich Schutz der Ar­beit­neh­mer bei Über­tra­gung ih­res Un­ter­neh­mens - ge­recht wird (Ur­tei­le Red­mond Sticht­ing, Rand­nr. 11, und vom 7. März 1996, Merckx und Neu­huys, C-171/94 und C-172/94, Slg. 1996, I-1253, Rand­nr. 28).
Die­se wei­te Aus­le­gung be­trifft auch die Form des „Ver­trags“, mit dem die Über­tra­gung durch­geführt wird. Der Be­griff der ver­trag­li­chen Über­tra­gung kann sich so­mit je nach Ein­zel­fall auf ei­ne schrift­li­che oder münd­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Veräußerer und dem Er­wer­ber über ei­nen Wech­sel der für den Be­trieb der be­tref­fen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit ver­ant­wort­li­chen Per­son be­zie­hen oder auch auf ei­ne still­schwei­gen­de Übe­r­ein­kunft zwi­schen ih­nen, die sich aus Ele­men­ten ei­ner prak­ti­schen Zu­sam­men­ar­beit er­ge­ben würde, in de­nen ein ge­mein­sa­mer Wil­le für ei­nen sol­chen Wech­sel zum Aus­druck kommt.
Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt sich nun, dass im Aus­gangs­ver­fah­ren die Über­nah­me der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer im Rah­men ei­ner Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen May­er und PPS er­folg­te, die bei­de im We­sent­li­chen die­sel­ben Führungs­kräfte hat­ten, wo­durch es PPS möglich war, ei­ne iden­ti­sche Tätig­keit auf­zu­neh­men. Aus den Ak­ten er­gibt sich darüber hin­aus, dass die ge­gen­sei­ti­ge Zu­sam­men­ar­beit es PPS ermöglich­te, die­se Tätig­keit für die­sel­ben Kun­den und weit­ge­hend mit den­sel­ben Ar­beit­neh­mern aus­zuüben, die zu­vor für May­er ge­ar­bei­tet hat­ten. Un­ter die­sen Umständen er­scheint es of­fen­kun­dig, dass es Sinn und Zweck die­ser Zu­sam­men­ar­beit war, Be­triebs­mit­tel von May­er auf PPS zu über­tra­gen.
Folg­lich steht der Be­griff der ver­trag­li­chen Über­tra­gung in der Aus­le­gung durch den Ge­richts­hof der Fest­stel­lung ei­nes Un­ter­neh­mensüber­gangs zwi­schen May­er und PPS nicht ent­ge­gen, auch wenn die be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men, wie PPS in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­geführt hat, kei­ne schrift­li­che oder münd­li­che Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen ha­ben.
In ei­nem Fall wie dem vor­lie­gen­den ist zu er­mit­teln, ob der zu be­ur­tei­len­de Vor­gang das ge­sam­te Un­ter­neh­men oder nur ei­nen Un­ter­neh­mens­teil be­trifft, wo­bei in letz­te­rem Fall der be­trof­fe­ne Un­ter­neh­mens­teil zu be­stim­men ist.
Die Über­nah­me von Beschäftig­ten, wie sie im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de steht, kann nicht ei­nem Über­gang des ge­sam­ten Un­ter­neh­mens ent­spre­chen. Aus den Ak­ten er­gibt sich nämlich, dass PPS nur ei­nen be­stimm­ten Teil der mit Ver­wal­tungs­auf­ga­ben be­trau­ten Beschäftig­ten und ein Drit­tel der Leih­ar­beit­neh­mer über­nom­men hat und dass May­er ih­re wirt­schaft­li­che Tätig­keit bis zur Eröff­nung des Kon­kurs­ver­fah­rens über ihr Vermögen fort­setz­te. Im Rah­men die­ses Kon­kurs­ver­fah­rens er­warb dann ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men von PPS May­er aus der Kon­kurs­mas­se und führ­te de­ren wirt­schaft­li­che Tätig­keit zum Teil mit Beschäftig­ten und an­de­ren Be­triebs­mit­teln von May­er wei­ter.
So­mit konn­te der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de even­tu­el­le Über­gang von Be­triebs­mit­teln - d. h. die Über­nah­me der be­trof­fe­nen Beschäftig­ten - von May­er auf PPS nur ei­nen Teil die­ses Un­ter­neh­mens be­tref­fen.
Vor­aus­set­zung dafür, dass die­se Über­nah­me un­ter die Richt­li­nie 2001/23 fällt, ist, dass ei­ne auf Dau­er an­ge­leg­te wirt­schaft­li­che Ein­heit über­nom­men wur­de, de­ren Tätig­keit nicht auf die Ausführung ei­nes be­stimm­ten Vor­ha­bens be­schränkt ist. Der Be­griff der wirt­schaft­li­chen Ein­heit be­zieht sich auf ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­nem Zweck (Ur­tei­le vom 10. De­zem­ber 1998, Hernández Vi­dal u. a., C-127/96, C-229/96 und C-74/97, Slg. 1998, I-8179, Rand­nr. 26, so­wie Güney-Görres und De­mir, Rand­nr. 32), die hin­rei­chend struk­tu­riert und selbständig ist (Ur­teil Hernández Vi­dal u. a., Rand­nr. 27).
Ei­ne sol­che Ein­heit muss nicht un­be­dingt be­deut­sa­me ma­te­ri­el­le oder im­ma­te­ri­el­le Be­triebs­mit­tel um­fas­sen. In be­stimm­ten Wirt­schafts­zwei­gen lie­gen die­se Be­triebs­mit­tel nämlich oft nur in ih­rer ein­fachs­ten Form vor, und es kommt dort im We­sent­li­chen auf die men­sch­li­che Ar­beits­kraft an. Da­her kann ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern, de­nen ei­gens und auf Dau­er ei­ne ge­mein­sa­me Auf­ga­be zu­ge­wie­sen ist, ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stel­len, oh­ne dass wei­te­re Be­triebs­mit­tel vor­han­den sind (Ur­teil Hernández Vi­dal u. a., Rand­nr. 27).
Dies gilt un­ter Berück­sich­ti­gung von Art. 2 Abs. 2 Un­terabs. 2 Buchst. c der Richt­li­nie 2001/23 um­so mehr bei Leih­ar­beits­un­ter­neh­men. Aus die­ser Be­stim­mung er­gibt sich nämlich, dass Ar­beits­verhält­nis­se mit sol­chen Un­ter­neh­men grundsätz­lich un­ter die Richt­li­nie 2001/23 fal­len, was be­deu­tet, dass ih­re Be­son­der­hei­ten bei der Prüfung des Vor­gangs ih­rer Über­nah­me zu berück­sich­ti­gen sind. Kenn­zeich­nend für sol­che Un­ter­neh­men ist im All­ge­mei­nen – wie sich auch aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt – das Feh­len ei­ner ei­ge­nen Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on, nach der in ei­nem sol­chen Un­ter­neh­men ver­schie­de­ne ent­spre­chend der Or­ga­ni­sa­ti­on des Veräußerers ab­trenn­ba­re wirt­schaft­li­che Ein­hei­ten be­stimmt wer­den können.
Folg­lich ist man­gels ei­ner ab­grenz­ba­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur bei Leih­ar­beits­un­ter­neh­men ei­ne Prüfung vor­zu­neh­men, bei der de­ren Be­son­der­hei­ten Rech­nung ge­tra­gen wird, an­statt zu un­ter­su­chen, ob ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on nach ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit vor­liegt. In die­sem Zu­sam­men­hang ist für die Be­ur­tei­lung des Vor­lie­gens ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 zu prüfen, ob die vom Veräußerer über­tra­ge­nen Be­triebs­mit­tel bei ihm ei­ne ein­satz­be­rei­te Ge­samt­heit dar­stell­ten, die als sol­che da­zu aus­reich­te, die für die wirt­schaft­li­che Tätig­keit des Un­ter­neh­mens cha­rak­te­ris­ti­schen Dienst­leis­tun­gen oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer wich­ti­ger Be­triebs­mit­tel oder an­de­rer Un­ter­neh­mens­tei­le er­brin­gen zu können.
Die Tätig­keit von Leih­ar­beits­un­ter­neh­men ist da­durch ge­kenn­zeich­net, dass sie ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men Ar­beit­neh­mer vorüber­ge­hend zur Verfügung stel­len, da­mit die­se dort ver­schie­de­ne Auf­ga­ben ent­spre­chend den Bedürf­nis­sen und nach An­wei­sung die­ser ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men wahr­neh­men. Die Ausübung ei­ner sol­chen Tätig­keit er­for­dert ins­be­son­de­re Fach­kennt­nis­se, ei­ne ge­eig­ne­te Ver­wal­tungs­struk­tur zur Or­ga­ni­sa­ti­on die­ses Ver­lei­hens der Ar­beit­neh­mer und ei­ne Ge­samt­heit von Leih­ar­beit­neh­mern, die sich in die ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men in­te­grie­ren und für die­se die ge­for­der­ten Auf­ga­ben wahr­neh­men können. Da­ge­gen sind wei­te­re be­deu­ten­de Be­triebs­mit­tel für die Ausübung der in Re­de ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nicht not­wen­dig.
Die vom vor­le­gen­den Ge­richt an­ge­spro­che­ne Tat­sa­che, dass die ver­lie­he­nen Ar­beit­neh­mer in die Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur des Kun­den, dem sie zur Verfügung ge­stellt wur­den, in­te­griert sind, kann als sol­che der Fest­stel­lung des Über­gangs ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit nicht ent­ge­gen­ste­hen. Die­se Ar­beit­neh­mer blei­ben nämlich gleich­wohl we­sent­li­che Ele­men­te, oh­ne die es dem Leih­ar­beits­un­ter­neh­men sei­nem We­sen nach nicht möglich wäre, sei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­zuüben. Außer­dem bestätigt der Um­stand, dass sie - wie im Übri­gen Art. 1 Nr. 2 der Richt­li­nie 91/383, der in Art. 2 Abs. 2 Un­terabs. 2 Buchst. c der Richt­li­nie 2001/23 ge­nannt wird, vor­sieht - mit dem Veräußerer durch ein Ar­beits­verhält­nis ver­bun­den sind und dass sie un­mit­tel­bar von die­sem ent­lohnt wer­den, ih­re Zu­gehörig­keit zum Un­ter­neh­men die­ses Veräußerers und folg­lich ih­ren Bei­trag zum Vor­lie­gen ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit in die­sem Un­ter­neh­men.
Dar­aus er­gibt sich, dass al­lein die Ge­samt­heit aus Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ten, Leih­ar­beit­neh­mern und Fach­kennt­nis­sen ei­nen ei­ge­nen Zweck ha­ben kann, nämlich Dienst­leis­tun­gen zu er­brin­gen, die dar­in be­ste­hen, den ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men Ar­beit­neh­mer ge­gen Ent­gelt vorüber­ge­hend zur Verfügung zu stel­len, und dass ei­ne sol­che Ge­samt­heit ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stel­len kann, die oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer wich­ti­ger Be­triebs­mit­tel und oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer Tei­le des Veräußerers ein­satz­be­reit ist. Dies kann ins­be­son­de­re im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­ben sein, da die Ge­samt­heit aus ei­ner Büroan­ge­stell­ten, ei­nem Fi­li­al­lei­ter, Kun­den­be­treu­ern, ei­nem Drit­tel der Leih­ar­beit­neh­mer und Geschäftsführern mit Fach­kennt­nis­sen be­stand, was zu über­prüfen Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist.
In­fol­ge­des­sen ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die­se Richt­li­nie an­wend­bar ist, wenn ein Teil des Ver­wal­tungs­per­so­nals und ein Teil der Leih­ar­beit­neh­mer zu ei­nem an­de­ren Leih­ar­beits­un­ter­neh­men wech­seln, um dort die glei­chen Tätig­kei­ten im Dienst der­sel­ben Kun­den aus­zuüben, und wenn, was durch das vor­le­gen­de Ge­richt zu über­prüfen ist, die von dem Über­gang be­trof­fe­nen Mit­tel als sol­che aus­rei­chen, um die für die in Re­de ste­hen­de wirt­schaft­li­che Tätig­keit kenn­zeich­nen­den Leis­tun­gen oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer wich­ti­ger Be­triebs­mit­tel und oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer Un­ter­neh­mens­tei­le wei­ter er­brin­gen zu können. Kos­ten
Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig. Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Vier­te Kam­mer) für Recht er­kannt:
Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die­se Richt­li­nie an­wend­bar ist, wenn ein Teil des Ver­wal­tungs­per­so­nals und ein Teil der Leih­ar­beit­neh­mer zu ei­nem an­de­ren Leih­ar­beits­un­ter­neh­men wech­seln, um dort die glei­chen Tätig­kei­ten im Dienst der­sel­ben Kun­den aus­zuüben, und wenn, was durch das vor­le­gen­de Ge­richt zu über­prüfen ist, die von dem Über­gang be­trof­fe­nen Mit­tel als sol­che aus­rei­chen, um die für die in Re­de ste­hen­de wirt­schaft­li­che Tätig­keit kenn­zeich­nen­den Leis­tun­gen oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer wich­ti­ger Be­triebs­mit­tel und oh­ne In­an­spruch­nah­me an­de­rer Un­ter­neh­mens­tei­le wei­ter er­brin­gen zu können. Un­ter­schrif­ten
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