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Timestamp: 2016-10-24 14:09:08+00:00

Document:
2C_262/2010 (09.11.2010)
2C_262/2010
vertreten durch Advokat Philippe H�ner,
Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt,
Bereich Recht, Spiegelgasse 6-12, 4001 Basel.
Beschwerde gegen das Urteil des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt als Verwaltungsgericht vom 8. Dezember 2009.
Der 1978 geborene t�rkische Staatsangeh�rige X.________ reiste 1982 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und wurde hier in die Niederlassungsbewilligung seines Vaters einbezogen.
Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 4. September 2001 wurde er wegen Raubes und mehrfacher Widerhandlungen gegen das Bet�ubungsmittelgesetz zu einer Gef�ngnisstrafe von acht Monaten, bei einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt;
Am 19. M�rz 2007 wurde er vom Strafgericht Basel-Stadt der versuchten schweren K�rperverletzung schuldig erkannt und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von zw�lf Monaten verurteilt. Dem Urteil lag die Erkenntnis zugrunde, dass X.________ am 12. Dezember 2005 zusammen mit einem Bekannten eine Drittperson attackiert hatte, wobei er dieser durch Einsatz eines mitgef�hrten Messers sowie durch Faustschl�ge massive Kopf- und Gesichtsverletzungen zuf�gte;
Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 19. Juni 2008 wurde er sowohl der schweren als auch der einfachen K�rperverletzung schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. �berdies wurde die am 19. M�rz 2007 bedingt ausgesprochene Strafe von zw�lf Monaten f�r vollziehbar erkl�rt. Das Appellationsgericht Basel-Stadt hat dieses Urteil am 14. Oktober 2009 best�tigt. Eine von X.________ hiergegen erhobene Beschwerde in Strafsachen wies die Strafrechtliche Abteilung des Bundesgerichts in ihrem Urteil 6B_203/2010 vom 27. Mai 2010 ab. Gegenstand dieser Verfahren bildete der Umstand, dass X.________ am 26. Januar 2008 im Regionalzug von Kaiseraugst/AG nach Basel bzw. anschliessend im Bahnhof Basel SBB einen 75-j�hrigen Rentner und dessen Begleitperson brutal angegriffen und zusammengeschlagen hatte. Der Rentner erlitt dabei unter anderem ein Sch�del-Hirn-Trauma sowie eine Sch�delknochenfraktur und trug als Folge hiervon neurologische bzw. neuropsychologische Sch�den, insbesondere den g�nzlichen Verlust des Geruchssinns, davon.
Nebst den obengenannten Straferkenntnissen ergingen im kantonalen Verzeigungsverfahren insgesamt 20 weitere Sanktionierungen gegen X.________ (Geldbussen zwischen Fr. 50.-- und Fr. 160.--). Diesen lagen jeweils �bertretungen wie das Ben�tzen eines �ffentlichen Verkehrsmittels ohne g�ltigen Fahrausweis, L�rm und Unfug, Rauschzustand, Fahrradfahren ohne Licht, ordnungswidriges Verrichten der Notdurft, geringf�giger Diebstahl und Ungehorsam im Betreibungsverfahren zugrunde.
Nachdem X.________ bereits am 10. Juni 2002 und am 6. September 2007 fremdenpolizeilich verwarnt worden war, widerrief das Migrationsamt des Kantons Basel-Stadt mit Verf�gung vom 23. Juni 2008 dessen Niederlassungsbewilligung unter Hinweis auf die begangenen Straftaten.
Hiergegen rekurrierte X.________ beim kantonalen Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD). Dieses hiess den Rekurs lediglich bez�glich des beantragten Kostenerlasses gut, best�tigte aber im �brigen den vom Migrationsamt verf�gten Bewilligungswiderruf. Gegen den Entscheid des JSD rekurrierte X.________ beim Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt. Dieser �berwies den Rekurs zur Entscheidung an das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt als Verwaltungsgericht. Mit Urteil vom 8. Dezember 2009 wies das Appellationsgericht den Rekurs vollumf�nglich ab.
Mit Eingaben vom 26. M�rz 2010 und vom 26. April 2010 f�hrt X.________ Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht und beantragt im Wesentlichen die Aufhebung des Urteils des Appellationsgerichtes. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Das Appellationsgericht, das JSD sowie das Bundesamt f�r Migration schliessen auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verf�gung vom 6. Mai 2010 erkannte der Pr�sident der II. �ffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts der Beschwerde antragsgem�ss aufschiebende Wirkung zu.
2.1 Gem�ss Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 �ber die Ausl�nderinnen und Ausl�nder (AuG; SR 142.20) kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn ein Ausl�nder zu einer l�ngerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Als "l�ngerfristig" gilt eine Freiheitsstrafe, deren Dauer ein Jahr �berschreitet (BGE 135 II 377 E. 4.2 und E. 4.5 S. 379 ff.). Ein auf die genannten Bestimmungen gest�tzter Widerruf der Niederlassungsbewilligung kann auch dann erfolgen, wenn sich ein Ausl�nder - wie vorliegend der Beschwerdef�hrer - seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgem�ss in der Schweiz aufgehalten hat (Art. 63 Abs. 2 AuG).
2.2 Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 19. Juni 2008 resp. des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 14. Oktober 2009 wurde der Beschwerdef�hrer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, weswegen er grunds�tzlich einen Widerrufsgrund i.S. von Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG gesetzt hat. Indessen macht der Beschwerdef�hrer geltend, dass er das Urteil des Appellationsgerichts vom 14. Oktober 2009 mittels Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht angefochten habe, weswegen ihm die darin ausgesprochene bzw. best�tigte Strafe im Entscheid bez�glich des Bewilligungswiderrufes nicht entgegengehalten werden d�rfe. Er behauptet in diesem Zusammenhang eine Verletzung des in Art. 5 Abs. 1 BV statuierten Legalit�tsprinzipes bzw. der in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Unschuldsvermutung. Die Vorinstanz verweist demgegen�ber auf das bundesgerichtliche Urteil 6B_440/2008 vom 11. November 2008 und f�hrt aus, dass das Straferkenntnis gegen den Beschwerdef�hrer mit dem Urteil des Appellationsgerichts vom 14. Oktober 2009 in formelle Rechtskraft erwachsen sei; ein Weiterzug an das Bundesgericht mittels Beschwerde in Strafsachen �ndere daran nichts.
2.3 In der Tat erwog die Strafrechtliche Abteilung des Bundesgerichts in ihrem unver�ffentlichten Urteil 6B_440/2008 vom 11. November 2008 E. 3.2 und E. 3.3, dass eine Verurteilung in formelle Rechtskraft erwachse, wenn dagegen kein ordentliches Rechtsmittel mehr ergriffen werden k�nne. Die Beschwerde in Strafsachen sei, ebenso wie die ehemalige eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde, ein ausserordentliches Rechtsmittel. Zwar komme ihr in gewissen Konstellationen von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu, doch werde damit nur die Vollstreckbarkeit des formell bereits rechtskr�ftigen Urteils aufgeschoben.
In der Doktrin ist die Rechtsnatur der Beschwerden an das Bundesgericht dagegen nach wie vor sehr umstritten (vgl. BERNARD CORBOZ in: Corboz/Wurzburger/Ferrari/Fr�sard/Aubry Girardin [Hrsg.], Commentaire de la LTF, Rz. 13 zu Art. 103 BGG). Ein Teil der Lehre erachtet die im Bundesgerichtsgesetz vorgesehene Einheitsbeschwerde ebenfalls als ausserordentliches Rechtsmittel (SP�HLER/DOLGE/VOCK, Bundesgerichtsgesetz - Kurzkommentar, Rz. 2 zu Art. 103 BGG; MARTIN ZIEGLER, Zur Rechtsnatur der k�nftigen Einheitsbeschwerden - L�ckenhaftes Bundesgesetz �ber das Bundesgericht [BGG], publ. in: SJZ 102 [2006] S. 56 f.). Demgegen�ber wird jedoch auch die Auffassung vertreten, es handle sich bei der Einheitsbeschwerde - und damit auch bei der Beschwerde in Strafsachen - um ein ordentliches Rechtsmittel (ULRICH MEYER in Niggli/Uebersax/Wipr�chtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, Rz. 5 zu Art. 103 BGG; vgl. auch HEINZ AEMISEGGER, Der Beschwerdegang in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, in: Ehrenzeller/Schweizer [Hrsg.], Die Reorganisation der Bundesrechtspflege - Neuerungen und Auswirkungen in der Praxis, S. 116). Als massgeblich erachtet wird dabei insbesondere der Umstand, dass das Bundesgericht in Strafsachen nicht mehr bloss kassatorisch entscheiden kann, sondern seinen Entscheid im strafrechtlichen Beschwerdeverfahren auch reformatorisch anstelle des vorinstanzlichen Urteils setzen darf. Daraus wird abgeleitet, dass der vorinstanzliche Entscheid nicht in formelle Rechtskraft erwachsen sein kann (Felix Bommer, Ausgew�hlte Fragen der Strafrechtspflege nach Bundesgerichtsgesetz, in: Neue Bundesrechtspflege - Auswirkungen der Totalrevision auf den kantonalen und eidgen�ssischen Rechtsschutz, Berner Tage f�r die juristische Praxis [BTJP] 2006, S. 186 f.).
2.4 Im vorliegenden Fall muss die Rechtsnatur der Beschwerde in Strafsachen jedoch nicht abschliessend gekl�rt werden und es kann offen bleiben, ob das Strafurteil des Appellationsgerichts vom 14. Oktober 2009 unmittelbar in formelle Rechtskraft erwachsen war: Wie bereits ausgef�hrt, wies die Strafrechtliche Abteilung des Bundesgerichts in ihrem Urteil 6B_203/2010 vom 27. Mai 2010 die Beschwerde gegen das genannte Straferkenntnis vollumf�nglich ab. Damit steht zum jetzigen Zeitpunkt fest, dass das Appellationsgericht als Verwaltungsgericht im vorliegend angefochtenen Entscheid vom 8. Dezember 2009 von zutreffenden Voraussetzungen bez�glich des Bewilligungswiderrufes ausgegangen ist. Selbst wenn das letzte Strafurteil gegen den Beschwerdef�hrer zu diesem Zeitpunkt noch nicht formell rechtskr�ftig gewesen w�re, k�me eine R�ckweisung der Angelegenheit an das Appellationsgericht als Verwaltungsgericht daher aus prozess�konomischen Gr�nden nicht in Frage, zumal zu erwarten w�re, dass die Vorinstanz diesfalls nochmals ein identisches Urteil f�llen w�rde.
2.5 Aus dem Gesagten folgt, dass das Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 19. Juni 2008 resp. des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 14. Oktober 2009 im vorliegenden Verfahren als Widerrufsgrund i.S. von Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG zu ber�cksichtigen ist. Die vom Beschwerdef�hrer erhobenen Verfassungsr�gen erweisen sich demgegen�ber als nicht zielf�hrend; ob diese �berhaupt rechtsgen�glich substantiiert wurden, muss bei dieser Sachlage nicht n�her gepr�ft werden.
3.1 Auch wenn ein Ausl�nder wie im vorliegenden Fall einen Widerrufsgrund gesetzt hat, bleibt zu pr�fen, ob diese Massnahme auch als verh�ltnism�ssig erscheint. Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betroffenen drohenden Nachteile zu ber�cksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3 ff. S. 381 ff.; vgl. auch Art. 96 Abs. 1 AuG).
3.2 Der Beschwerdef�hrer erachtet den Widerruf als unverh�ltnism�ssig:
Vorab bestreitet er das Vorliegen einer ung�nstigen Zukunftsprognose: Er macht geltend, dass er im Strafvollzug aus eigener Initiative mit einer Kommunikationstherapie, angeboten vom M�nnerb�ro der Region Basel, begonnen habe. Dies habe ihm neue M�glichkeiten er�ffnet, in einem Konflikt grenzsetzend zu reagieren, ohne dabei physische Gewalt anwenden zu m�ssen, Anl�sslich dieser Gespr�che habe er sich intensiv mit seiner Gewaltdynamik auseinandergesetzt und er verm�ge heute die Konsequenzen seines Handelns deutlich besser zu erkennen als vor der Gewaltberatung. Im Haftalltag, wo er oft mit Provokationen von Mitgefangenen konfrontiert sei, habe er bereits erste Konfliktsituationen anhand der erlernten Verhaltensweise deeskalierend gel�st. Dementsprechend �usserten sich auch die ersten Zwischenberichte des Therapeuten in positiver Weise. Im �brigen w�rden die therapeutischen Erfolge auch durch den aktuellen F�hrungsbericht der Vollzugsbeh�rde best�tigt.
In pers�nlicher Hinsicht treffe ihn ein Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung besonders hart: Er lebe seit nunmehr 27 Jahren - seit seiner fr�hestens Kindheit - in der Schweiz und spreche perfekt Schweizerdeutsch bzw. den lokalen Basler Dialekt. Seine einzigen Familienangeh�rigen, sprich seine Eltern sowie sein Bruder und dessen Familie, lebten in der Schweiz. Mit der T�rkei oder der dortigen Bev�lkerung sei er dagegen nicht verbunden; seit 18 Jahren habe er nicht einmal mehr seine Ferien in der T�rkei verbracht. Zudem spreche er kaum T�rkisch. Es sei f�r ihn daher schlicht nicht vorstellbar, sein Leben in der T�rkei neu aufzubauen.
Weiter betont der Beschwerdef�hrer, dass er arbeitsf�hig und -willig sei. Dies zeige auch der Umstand, dass er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung bei der A.________ AG angestellt gewesen sei und auch w�hrend der Haftzeit als K�chenhilfe gearbeitet habe. Nach seiner Haftentlassung werde er sich umgehend um eine Arbeitsstelle bem�hen.
3.3 Die Einwendungen des Beschwerdef�hrers verm�gen nicht zu �berzeugen:
3.3.1 Die zahlreichen von ihm begangenen Straftaten und seine Verurteilung zu Freiheitsstrafen von insgesamt drei Jahren und acht Monaten lassen auf ein sehr schweres Verschulden und auf eine ganz erhebliche kriminelle Energie schliessen. Insbesondere die aktenkundigen Gewaltverbrechen vom 12. Dezember 2005 und vom 26. Januar 2008, als er einen Kontrahenten mit dem Messer angegriffen bzw. einem Rentner durch Faustschl�ge bleibende gesundheitliche Sch�den zugef�gt hat, lassen einen �usserst negativen Eindruck vom Beschwerdef�hrer entstehen. Auffallend sind dabei die erschreckenden Parallelen zwischen diesen Delikten: In beiden F�llen geriet der Beschwerdef�hrer aus nichtigem Anlass in Rage, jagte seinem panisch fl�chtenden Opfer nach und verletzte es schwer. Hinsichtlich der Straftat vom 26. Januar 2008 hob die Vorinstanz hervor, dass der Angriff im �ffentlichen Raum (Zug bzw. Bahnhof) stattgefunden und einen dem Beschwerdef�hrer v�llig unbekannten Menschen getroffen hat. Das Appellationsgericht schloss daraus, dass durch das Verhalten des Beschwerdef�hrers die �ffentliche Sicherheit in ihrem Kernbereich betroffen sei. Dieser Schlussfolgerung ist zuzustimmen: Durch die von ihm ver�bten Verbrechen demonstrierte der Beschwerdef�hrer eine ausgepr�gte soziale Gef�hrlichkeit und eine inakzeptable Geringsch�tzung gegen�ber der schweizerischen Rechtsordnung im Allgemeinen und der Gesundheit anderer Menschen im Besonderen. Sein Verhalten schliesst ein weiteres Verbleiben in der Schweiz grunds�tzlich aus. In jedem Fall durften die Vorinstanzen aber von einem eminenten �ffentlichen Interesse an der verf�gten Massnahme ausgehen.
3.3.2 Unglaubw�rdig erscheint sodann die Behauptung des Beschwerdef�hrers, dass ihm eine g�nstige R�ckfallprognose zu stellen sei:
Vielmehr steht fest, dass er sich in der Vergangenheit weder von h�ngigen Strafuntersuchungen noch von Verhaftungen und Verurteilungen beeindrucken liess. Auch Sanktionen mit warnendem Charakter (bedingte Freiheitsstrafen, Geldbussen) konnten ihn nicht von der Begehung weiterer Straftaten abhalten. Ohne die erhoffte Wirkung blieben sodann zwei fremdenpolizeiliche Verwarnungen samt Androhung von weitergehenden Massnahmen. Vom Beschwerdef�hrer entsteht somit das Bild eines uneinsichtigen, gewaltt�tigen Gewohnheitsdelinquenten, der die ihm gew�hrten Chancen nicht zu nutzen vermochte und bei welchem die in einem Rechtsstaat zur Verf�gung stehenden Sanktionen wirkungslos sind.
Sein Hervorheben der guten F�hrung im Strafvollzug ist bereits deshalb verfehlt, weil angesichts der vergleichsweise engmaschigen Betreuung und intensiven Kontrolle in einer Strafanstalt ein tadelloses Verhalten des Beschwerdef�hrers dort allgemein erwartet wird und dies keine verl�sslichen R�ckschl�sse auf das k�nftige Verhalten in Freiheit zul�sst (vgl. BGE 114 Ib 1 E. 3b f. S. 4 f.).
�hnliches gilt f�r die seit dem 7. September 2009 durchgef�hrte vollzugsbegleitende Beratung durch das M�nnerb�ro der Region Basel. Soweit der Beschwerdef�hrer daraus ableitet, dass er sich mit seiner Gewaltproblematik auseinandersetze und sinngem�ss ein neu entstandenes Problembewusstsein ins Feld f�hrt, erscheint dies nicht plausibel. Zu stark kontrastiert diese Behauptung mit seinem Verhalten w�hrend des letzten Strafverfahrens: Dem Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 19. Juni 2008 ist zu entnehmen, dass er selbst die auf einem �berwachungsvideo dokumentierten Taten leugnete, dem Opfer die Schuld an den Ereignissen gab und sich bei der Visionierung der Aufnahmen seiner Gewalttaten sogar vergn�gt zeigte. Aus dem genannten Urteil geht weiter hervor, dass der Beschwerdef�hrer w�hrend der Untersuchungshaft einen angeblichen Entschuldigungsbrief an sein Opfer verfasst hatte; dieser wurde jedoch von der Verfahrensleitung zur�ckbehalten, zumal er einen Inhalt aufwies, den das Strafgericht als "blanken Hohn" bezeichnete. Ein solches Verhalten des Beschwerdef�hrers weist auf eklatante und tiefsitzende charakterliche Defizite hin. Es erscheint sehr zweifelhaft, dass die erst seit kurzer Zeit andauernden Beratungsgespr�che bereits eine nachhaltige Verhaltens�nderung herbeif�hren oder zumindest eine aufrichtige Einsicht in das von ihm begangene Unrecht entstehen lassen konnten. Diese Zweifel best�tigen sich nach der Konsultation seiner beim Bundesgericht eingereichten Beschwerde in Strafsachen (Verfahren 6B_203/2010): Noch am 1. M�rz 2010, d.h. nach einem halben Jahr Gewaltberatung, beschr�nkten sich die Ausf�hrungen des Beschwerdef�hrers darauf, sein Verschulden hinsichtlich der Straftat vom 26. Januar 2008 zu marginalisieren und die angebliche Provokation durch sein Opfer zu betonen. Obwohl die Inanspruchnahme von therapeutischer Hilfe und das entsprechende Angebot des M�nnerb�ros der Region Basel grunds�tzlich sehr zu begr�ssen sind, erhellt aufgrund der genannten Umst�nde, dass beim Beschwerdef�hrer von einer g�nstigen Prognose noch immer keine Rede sein kann.
3.3.3 Es trifft zu, dass der Beschwerdef�hrer den gr�ssten Teil seines bisherigen Lebens in der Schweiz verbracht hat. Jedoch ist festzustellen, dass der Grad seiner Integration in die schweizerische Gesellschaft nicht ansatzweise mit seiner langen Aufenthaltsdauer �bereinstimmt: Wie den Akten zu entnehmen ist, wurde der Beschwerdef�hrer wegen Disziplinlosigkeit von der Diplommittelschule verwiesen. Anschliessend absolvierte er keine Ausbildung und fand den Zugang zur geregelten Erwerbst�tigkeit nicht. Stattdessen ging er Gelegenheitsarbeiten nach und lebte im �brigen von der Unterst�tzung der Sozialhilfe und seiner Mutter. Er bezog �ffentliche F�rsorgegelder in H�he von Fr. 54'587.75. Der detaillierte Auszug aus dem Betreibungsregister vom 15. August 2008 weist 34 Betreibungen in H�he von Fr. 72'920.75 sowie 26 offene Verlustscheine �ber insgesamt Fr. 56'712.05 aus. Auffallend ist dabei, dass sich der Beschwerdef�hrer offenbar besonders schwer damit tut, seinen Verbindlichkeiten gegen�ber dem Staat nachzukommen, sind doch die vom Beschwerdef�hrer nicht beglichenen Forderungen fast ausnahmslos �ffentlich-rechtlicher Natur (Steuern, Gerichtsgeb�hren, Strom- und Wassergeb�hren, Krankenkassenpr�mien). Nebst der v�llig missgl�ckten beruflichen Integration und seiner massiven Verschuldung l�sst der Beschwerdef�hrer auch in sozialer Hinsicht keinerlei Verbundenheit mit der schweizerischen Gesellschaft erkennen. Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass er in irgendeiner Form konstruktiv am Zusammenleben teilnimmt (keine Vereinsaktivit�ten, keine sozialen Engagements, etc.). Bei dieser Sachlage darf noch nicht einmal von einer durchschnittlichen Integration ausgegangen werden. Der vom Beschwerdef�hrer geltend gemachten langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz ist deshalb kein allzu hohes Gewicht beizumessen.
3.3.4 Der Beschwerdef�hrer ist in der T�rkei geboren und hat dort den ersten Teil seiner Kindheit verbracht. Den Akten sind zudem verschiedene Hinweise zu entnehmen, dass er entgegen seiner pauschalen Bestreitung sehr wohl T�rkisch spricht: So haben etwa seine Eltern und sein Bruder angegeben, dass man sich im elterlichen Haushalt ausschliesslich auf T�rkisch unterhalte, zumal die Mutter fast gar kein Deutsch spreche. Zudem hat sich der Beschwerdef�hrer anl�sslich einer Konsulatszuf�hrung mit dem dortigen Mitarbeiter ausf�hrlich auf T�rkisch unterhalten. Es kann somit als erstellt erachtet werden, dass sich der Beschwerdef�hrer im Falle einer R�ckkehr problemlos wird verst�ndigen k�nnen; allf�llige Defizite in der Anwendung seiner Muttersprache lassen sich bei ernsthafter Bem�hung innert kurzer Zeit beheben. Sodann ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdef�hrer auch die t�rkische Kultur und die dortigen Gepflogenheiten durch sein Elternhaus vermittelt worden und ihm diese insbesondere aufgrund von fr�heren Aufenthalten nicht g�nzlich unvertraut sind. Dass der Beschwerdef�hrer aufgrund fehlender beruflicher Qualifikationen Schwierigkeiten haben d�rfte, sich bei einer R�ckkehr in die T�rkei in den dortigen Arbeitsmarkt einzugliedern, mag allenfalls zutreffen, doch gilt das Gleiche auch f�r den hiesigen Arbeitsmarkt.
3.4 Bei einer Gesamtbetrachtung der genannten Umst�nde muss davon ausgegangen werden, dass die weitere Anwesenheit des Beschwerdef�hrers in der Schweiz nach wie vor eine nicht hinzunehmende Beeintr�chtigung der �ffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellen w�rde. Demgegen�ber ist nicht ersichtlich, dass der Bewilligungswiderruf f�r den Beschwerdef�hrer mit einer besonderen H�rte verbunden w�re: Aus seiner subjektiven Perspektive erscheint es zwar nachvollziehbar, dass er seinen vergleichsweise komfortablen und weitgehend fremdfinanzierten Lebenswandel in der Schweiz fortsetzen m�chte. In objektiver Hinsicht ist dagegen festzuhalten, dass der Aufenthalt des alleinstehenden, unterst�tzungsabh�ngigen, �ber keinerlei Berufsbildung verf�genden Beschwerdef�hrers kaum mehr einen sch�tzenswerten Zweck verfolgt. Es verst�sst daher nicht gegen Bundesrecht, wenn die Vorinstanz die Verh�ltnism�ssigkeit des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung bejaht hat.
Nach dem Ausgef�hrten erweist sich die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten als unbegr�ndet. Sie ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Da die Beschwerde von vornherein aussichtslos erschien, kann dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im bundesgerichtlichen Verfahren nicht entsprochen werden (Art. 64 Abs. 1 BGG e contrario). Somit sind die Gerichtskosten dem Beschwerdef�hrer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer, dem Migrationsamt des Kantons Basel-Stadt, dem Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt, dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt als Verwaltungsgericht sowie dem Bundesamt f�r Migration schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 63
 Art. 62
 Art. 63
 Art. 62
 Art. 5
 Art. 32
 Art. 6
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 63
 Art. 62
 Art. 96
 BGE 
e contrario