Source: http://www.vfm-online.de/tagungen/2007/abstracts.shtml
Timestamp: 2018-06-22 05:43:15+00:00

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Abstracts der Frühjahrstagung 2007
Abstracts der Vorträge der Frühjahrstagung 2007 in Stuttgart
Herzarchiv. Oder: die Poesie der Dokumente - Ein Gefühlsarbeitsbericht
Lost....? And found ! Wo ist das Herz im Archiv? Und wie findet man es? Wenn es nicht erschlossen wurde. - Ein Praxisbericht über die Suche nach poetischen Mehrwerten in nicht-emotional sortierten Datenbanken und Informationssystemen am Beispiel der Schallarchive.
Geboren 1959 in Köln, studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. Arbeitet seit 1983 als Autor und Kulturjournalist und ist extensiver Archivnutzer für zeithistorische Beiträge, Features und Hörspiele. 1997 Einrichtung eines eigenen Studios, danach Tätigkeit als freier Produzent für Radio und Fernsehen. Seit 2005 Leiter der Redaktion Literatur und Feature bei SWR2 in Baden-Baden.
Diverse Auszeichnungen für Hörfunk- und TV-Arbeiten, u.a. 2006 Hörspielpreis der Kriegsblinden für das Hörspiel "Pitcher", 2004 Ernst-Schneider-Preis der Deutschen Industrie- und Handelskammer für den Beitrag zum 85. Geburtstag von Sam Walton, dem Begründer der Wal-Mart-Kette.
Block 1: Kooperation in der Archivarbeit
BAM-Austria - erste Schritte eines Netzwerks Bibliotheken, Museen und Archive
Siegfried Steinlechner ( Österreichischer Rundfunk / Austrian Broadcasting Corp.)
Geht es nach dem Willen der Europäischen Union sollen künftig bestehende nationale Netzwerke, Dachverbände und Institutionen verstärkt zu Rettung und Erhalt des kulturellen Erbes eingesetzt werden. Seit Mai 2003 treffen sich in Österreich die Vertreterinnen und Vertreter der Dachorganisationen der Bibliotheken, Dokumentationsstellen, Archive, AV-Archive, Museen und zusätzlich die Vertreter einzelner Institutionen um in erster Linie die Zusammenarbeit der österreichischen Bibliotheken, Archive und Museen zu intensivieren. BAM erarbeitet gemeinsame Positionen und Strategien und initiiert und unterstützt Projekte und Aktivitäten im Bereich Wissenschaft und Kultur, die helfen das Kulturerbe Österreichs wissenschaftlich zu erschließen, öffentlich zugänglich zu machen und zu bewahren. In den BAM-Meetings steht das Interesse im Vordergrund, sich unabhängig vom Wissensgebiet gegenseitig über neue Entwicklungen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und in der Öffentlichkeit für die gemeinsame Sache einzutreten. Die Hauptthemen der aktuellen Diskussion sind: Lobbying und Netzwerke, Digitalisierung und Langzeitarchivierung, Blue Shield, Aus- und Fortbildung sowie Urheberrecht. Mit einem Blick in internationale BAM-Projekte schließt das Referat.
Normierung als Dienstleistung - das Kooperationsprojekt "Normdatenbank" der ARD
Clemens Schlenkrich (Deutsches Rundfunkarchiv)
Normdaten sind mit Blick auf die Mediendokumentationspraxis als Datenbankobjekte zu verstehen, die für unterschiedliche Medien-Dokumente in diversen Datenbanken normierte Inhalte in strukturierter Form liefern können (Label, Personen, Ereignisse, Vokabulare, usw.). Sie sind per se nicht anwendungsspezifisch, also "nur" integrales und exklusives Objekt einer bestimmten Anwendung oder Systems, sondern werden vorrangig von diversen Anwendungen zur Übernahme von Norm-Daten, zur Plausibilisierung oder als Beziehungsobjekt benutzt. Nach gemeinsamen Regeln erstellte und gepflegte Daten, vor allem aber arbeitsteilig gepflegte Daten verursachen für das einzelne Archiv weniger Aufwand und dienen einer deutlich verbesserten Konsistenz der Daten, die sich dann letztlich auch in der Recherche positiv auswirkt. Der Beitrag zeigt auf, dass die Konzentrierung von Normdaten und normierbaren Daten in einer gemeinsamen Normdatenbank der ARD neben wirtschaftlichen, zu vielen weiteren Vorteilen führt und der Einsatz eines solchen Dienstleistungssystems die in den Archiven der ARD ohnehin schon vorhandenen Kooperationspotentiale noch besser nutzt als bisher.
Block 2: Unterhaltung
Auch in diesem Jahr widmet sich die FG 7 einem "Spartenthema" der Mediendokumentation. Unter dem Themenschwerpunkt "Unterhaltung" kommen diejenigen zu Wort, die sich um die bunten und skurrilen Bereiche der Medienlandschaft kümmern. Doch wie archiviert man Witze und wie dokumentiert man Humor? Wie lassen sich Beiträge über mehr oder minder prominente Zeitgenossen, Videos mit Pleiten, Pech und Pannen oder die Magazinberichterstattung abseits des News- und Agenturjournalismus vermarkten?
Aus Sicht eines Dokumentars, einer Redaktionsleiterin und einer redaktionellen Vermarkterin stellen hier drei erfahrene Praktiker ihre Bemühungen, Erfahrungen und Erfolge vor.
Block 3: Automatische Verfahren
Semantische Suche mit automatisierten Wissensnetzen - die Technik passt sich den Daten an?
Thomas Kamps (Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung - IGD)
Als stellvertretender Abteilungsleiter leitet Dr. Thomas Kamps die Ausgründung eines Fraunhofer spin-off zur Entwicklung und Vermarktung der ConWeaver Software, die dem automatischen Aufbau multilingualer Wissensnetze aus Unternehmensdaten dient. Von 2003 bis 2006 führte Dr. Kamps den Forschungsbereich Intelligent Content Technologies (ConTec) am Fraunhofer Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI). Der Schwerpunkt des Forschungsbereichs lag auf der Erforschung automatischer Informationsextraktions- und. Ontologieaufbauverfahren, sowie in der gezielten industriellen Entwicklung semantischer Suchtechnologien. Von 1997 bis 2002 war Dr. Kamps Geschäftsführer der IPSI Ausgründung intelligent views GmbH, die das Ontologie Management System K-Infinity entwickelt und vertreibt. Bis 1999 war Dr. Kamps gleichzeitig am Lehrstuhl Industrielle Prozess- und Systemkommunikation der Technischen Universität Darmstadt verantwortlich für die Koordination europäischer und deutscher Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Von 1992 bis 1996 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, wo sein Forschungsschwerpunkt auf der Entwicklung von wissensbasierten Publikationsumgebungen und Informationsvisualisierung lag. 1997 promovierte er mit Auszeichnung an der Technischen Universität Darmstadt in Informatik auf dem Gebiet der automatischen Visualisierungsverfahren. Sein Diplom in Mathematik erlangte er 1991 am Fachbereich Mathematik der Technischen Universität Darmstadt.
Semantic Web und Semantic Media - Ergebnisse einer Anwenderstudie
Michael John (Fraunhofer Institut for Computer Architecture and Software Technology [FIRST])
Viele potenzielle Anwender von semantischen Technologien oder Web 2.0-Anwendungen erhoffen sich von der Einführung semantischer Technologien einen einfachen und strukturierten Zugriff auf Informationen. Die Studie des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik untersuchte anhand von ca. 500 Expertenantworten aus Online-Umfragen und 10 Vertiefungsinterviews, wie semantische Technologien im Unternehmensalltag eingesetzt werden. Der Vortrag faßt die wichtigsten Ergebnisse der Studie für Content- und Archivdienstleister in Medienanstalten zusammen.
Block 4: Barrierefreiheit
Zugänglichkeit als Qualitätsmerkmal - eine Einführung zum Thema Barrierefreies Internet mit Beispielen
Barrierefreies Internet bietet die Zugänglichkeit von Inhalten für alle Nutzergruppen und Ausgabegeräte. Gemeinhin wird mit Barrierefreiheit der Begriff "behindertengerecht" verbunden. Das ist zwar völlig richtig, denn schließlich ist der Begriff in dieser Form auch gesetzlich verankert. Doch ergeben sich aus barrierefreier Umsetzung viele weitere Vorteile, die sich umfassend im Begriff der Zugänglichkeit (engl.: Accessibility) ausdrücken. Das Internet bietet neue Kommunikationsmöglichkeiten und eine höhere Lebensqualität gerade für Menschen, die in ihrem täglichen Leben durch körperliche oder kognitive Beeinträchtigungen dauerhaft oder temporär eingeschränkt sind: beispielsweise Zugriff auf Informationen (Nachrichten, Recherche), das Erledigen alltäglicher Aufgaben (Einkauf, Anträge, Informationsaustausch) oder einfach Unterhaltung ohne auf Mobilität angewiesen zu sein. Diese Chancen lassen sich nur verwirklichen, wenn Kommunikationsangebote gemäß den Anforderungen der Barrierefreiheit gestaltet werden. Grundlegende Verbesserungen lassen sich bereits ohne große Mehrkosten realisieren. Selbst PDF-Dateien, die gerne fürs Archivieren und digitale Publizieren verwendet werden, können barrierefrei gestaltet sein. Letztlich kommt barrierefreies Kommunikationsdesign jedem Nutzer zugute, da es auf plattformunabhängige Bedienbarkeit, Übersichtlichkeit, schnelles Auffinden und Verständlichkeit zielt.
Informationen für alle - der barrierefreie Zugang zum Internetangebot des Deutschen Rundfunkarchivs dargestellt an praktischen Beispielen
Stefan Müller (Deutsches Rundfunkarchiv)
Unter Berücksichtigung von Nutzerbedürfnissen und Aspekten der Webgestaltung wird die Zugänglichkeit und Bedienbarkeit des Internetangebotes insbesondere im Hinblick auf den Zugang für Behinderte Menschen gezeigt. Dabei werden u.a. behandelt: (1.) Funktionsweisen und Eigenheiten blindentechnischer Computerhilfsmittel (Screenreader, Braillezeile und Sprachausgabe) im Zusammenspiel mit dem Web; (2.) verbesserte Navigationsmechanismen für Bildschirmausleseprogramme durch die Implementierung von HTML-Strukturelementen; (3.) Lösungen zur optimierten Gestaltung von Datentabellen; (4.) Beispiele für angepasste Formularfelder und Schaltflächen; (5.) Alternativen zur Nutzung der Bildmatrix.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, oder? - ein kleiner Einblick in barrierefreie Medieninhalte
Artur Ortega (dpa - Deutsche Presseagentur GmbH)
Von der Textnachricht zum Bewegbild: Welche Barrieren gibt es und wie können barrierefreie Medieninhalte genutzt und produziert werden. In dem Vortrag wird erläutert, wie wichtig qualitativ gute Metadaten zu Medieninhalten sind, wie z. B. Bildbeschreibungen, Sprachauszeichnungen, Audiodiskriptionen, Untertitelungen, usw., welchen Nutzen dies für behinderte Dokumentare oder behinderte Medienrezeptoren bringt und welche Vorteile sich aus einer solchen Aufbereitung für die tägliche Arbeit eines Dokumentars ergeben.
Block 6: Qualitätsversicherung Archiv (Podiumsdiskussion)
Qualitätsversicherung Archiv (Podiumsdiskussion)
Martin Dieckmann (ver.di Bundesvorstand)
Beim ver.di-Bundesvorstand bin ich zum einen als Fachsekretär für die Verlagsbranchen, zum anderen als Referent für Medienpolitik und Medienwirtschaft tätig. Ich habe bis Ende 2000 insgesamt 17 Jahre bei Gruner + Jahr in der Textdokumentation (sowohl im klassischen Geschäft wie in dem großen Digitalisierungsprojekt der 1980er Jahre und im Weiteren in diversen Projektgruppen in den 1990er Jahren) gearbeitet - war dort auch mehrfach im Sprecherrat der Abteilung und zuletzt im Betriebsrat. In meiner Zeit bei der IG Medien und dann bei ver.di habe ich dann auch in offizieller Gewerkschaftsfunktion die Umstrukturierungsprozesse zumindest in den Dokumentationen in Hamburg und Berlin mit begleitet.
Workshop 1: Multimedial - Ideal?
Seit den 70er Jahren ist vom Medienverbund die Rede, ein Begriff, den Alexander Kluge und Oskar Negt in ihrem Klassiker „Öffentlichkeit und Erfahrung“ geprägt haben. Dabei war jedoch der Blick auf die Medienwirtschaft gerichtet, die Inhalte - „Content“ wie man heute sagen würde - einer Mehrfachverwertung zuführen will. Diese Sichtweise ist natürlich auch noch heute virulent bei den Vermarktern. Seit der Etablierung des Internet und der rasanten Digitalisierung der Medien wird häufig der Begriff Multimedialität strapaziert. Der Fortschritt der Medien führt nicht zur Ablösung einzelner Medien, sondern zur deren Parallelisierung und wechselseitigen Durchdringung. Mit dem Ergebnis sind auch Mediendokumentare konfrontiert, sofern sie denn mehrere Medien bearbeiten.
Was bedeutet Multimedialität für die dokumentarischen Arbeitsprozesse, -ergebnisse und Werkzeuge? In drei Erfahrungsberichten sollen Möglichkeiten und Grenzen von Multimedialität im dokumentarischen Arbeitsbereich ausgeleuchtet werden.
Medienübergreifende Recherche im WDR - ein Erfahrungsbericht
Jutta Heselmann (WDR - Westdeutscher Rundfunk)
Nachdem 1996 im Rahmen der Neuorganisation der Abteilung Dokumentation und Archive im WDR das Printarchiv als eine der drei neuen Archivsäulen entstand, hat sich dort die medienübergreifende Recherche für Presse und Buch entwickelt und bewährt. 2005 hat die Reorganisation von D+A in eine prozessorientierte Abteilung dazu geführt, dass in den Räumlichkeiten des Printarchivs ein Informationszentrum für alle Medien entstand. Konnte die für Presse und Buch erfolgreiche Verschmelzung der Recherche ausgeweitet werden? Ist eine medienübergreifende Recherche über alle Medien sinnvoll und im Kundeninteresse? Expertenrecherchen sollen einen qualitativen Mehrwert schaffen und zu einer Zeit- und Geldersparnis für die Kunden führen. Ist dieser Anspruch bei einer medienübergreifend organisierten Recherche zu halten?
Workshop 2: Fernsehen für die Zukunft
Heiner Schmitt (FG 7)
Fernsehen für die Zukunft, das ist zunächst einmal technologische Weiter- und Neuentwick-lung im Produktions- und Distributionsbereich: Das sind digitale Produktionsverfahren auf Newscuttern und Avids, das ist fortschreitende Digitalisierung in den Workflows, so genannte file-basierte Arbeitsabläufe, das ist die Integration der Netze und die HD-Aufzeichnung über verschiedene Formate wie HDCAM-SR (Sony) und DVCProHD (Panasonic) und in diesem Zusammenhang die Digitalausstrahlung von HDTV. Fernsehen für die Zukunft ist aber für den Kunden oder Nutzer vor allem die zukünftige mo-bile Empfangmöglichkeit von Programmen über DVB-Handheld, oder DVB-T (via Mobilte-lefon, Handheld und USB-DVBT zur Verwendung in Notebooks). Aber Fernsehen für die Zukunft ist für den Konsumenten noch viel mehr: Es ist beim Zusammenwachsen von Fernsehen, Internet und Telefon bald schon Triple Play und damit die Nut-zung via Kabel und Internet-Service-Providern als IPTV über breitbandige Telefonnetze: Die interessanteste Konstellation finden wir hier zur Zeit bei dem Kabelanbieter Arena (Fußball-Bundesliga) und der Deutschen Telekom, die die Rechte an den Fußballspielen via IPTV erworben hat und sie gerne über Première vermarkten würde, was auch Premiere gefiele. Vor allem aber wird Fernsehen in Zukunft auch Internet-Fernsehen, so genanntes Streaming sein, sowie in Kombination mit Online-Diensten zunehmend Bestandteil multimedialer Inter-netangebote mit vielen interaktiven Elementen. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass nun bald auch wirkliches Video on Demand den Markt erobern möchte. Was aber haben diese Entwicklungen für Auswirkungen auf den Berufsstand der Medienarchivare/Mediendokumentare? Zu prognostizieren ist, dass wir noch stärker als bisher in einer technologisch zusammenwachsenden Welt bereichsübergreifend agieren müssen, dass es also zu Funktionskopplungen kommen wird, für die unsere Klientel bisher weder ausreichend ge-rüstet noch gar ausgebildet ist. Und auf unserem originären Aufgabengebiet werden sich neue Fragen der Bewertung, Dokumentation und des Zugriffs auf die Bestände stellen. Natürlich haben Produktionsverfahren (filmische, elektronische, digitale) auch Auswirkungen auf den inhaltlichen Content und erst recht auf die Gestaltung und damit die Ästhetik von Programmen und Sendungen, und ganz gewiß haben dies auch die neuen Verteilwege und Empfangsmöglichkeiten. Diese Thematik hat Kay Hoffmann erst jüngst zu einem der Schwerpunkte seines großen Symposiums anläßlich 15 Jahre Haus des Dokumentarfilms ge-macht, dessen Ergebnisse man in einer Tagungspublikation nachlesen kann. Auf eine ganze Reihe dieser von mir aufgeworfenen Fragen haben unsere heutigen Experten schlüssigen Antworten parat. Dabei wird Dr. Robert Fischer, der in der Hauptabteilung Dokumentation und Archive des SWR für die digitalen Systeme verantwortlich ist, über das WSR Filmsicherungsprojekt refe-rieren und aufzeigen, wie in Zukunft hochauflösendes HDTV Fernsehen aus den "Schätzen des Archivs" ermöglicht wird. Robert Fischer hat nach dem Studium von Biologie mit Che-mie und Physik sowie Geschichte letztlich in Alter Geschichte promoviert. Seit 10 Jahren arbeitet Robert Fischer als Projektkoordinator sozusagen an der Schnittstelle zwischen Tech-nik, Dokumentation und Redaktion. Frank Dürr, unser Freund von RTL ist vielen unserer Kolleginnen und Kollegen von Früh-jahrstagungen bekannt. In seiner neuen Funktion als Koordinator wird er mehr denn je als Vermittler zwischen Dokumentaren, Redakteuren, IT im Zusammenhang mit den Herausfor-derungen der neuen Technologien fungieren. Frank verbindet in seiner Person das Fachwissen beider Seiten: das des Dokumentalisten und das des Verwerters. Dabei kommen ihm seine profunden Kenntnisse um die technologischen Zusammenhänge von der Speicherung und vom Transfer von Audio- und Videofiles zu Gute, und ich bin sicher, dass wir heute alle da-von profitieren werden. Dr. Kay Hoffmann ist hier im Haus des Dokumentarfilms (HDF) wissenschaftlicher Hausherr. Bereits 1989 promovierte Kay Hoffmann über das zukunftsorientierte Thema "Elektronisie-rung von Spielfilmen". Hoffmann hat sich als Filmhistoriker - so jüngst noch durch seine Mitarbeit am DFG-Projekt "Dokumentarfilmgeschichte" - und als Filmpublizist ebenso einen Namen gemacht wie als Dokumentarfilmspezialist, der mit seinem umfassenden Wissen in vielen Jurys ein ebenso begehrtes wie gern gesehenes Mitglied ist. Kay Hoffmann schlägt die Brücke zurück zu den Archiven, die unser Ausgangspunkt sind. Externer Zugriff auf Archiv-bestände ist ein Thema, das uns alle berührt und die Vernetzung zur Verbesserung der Ver-sorgung von Wissenschaft und Forschung beschäftigt die AV-Archivwelt schon seit geraumer Zeit.
Verbreitung, Wiederverwertung und Interaktivität im Fernsehen der Zukunft
Frank Dürr ( RTL Television GmbH)
Die Digitalisierung des Fernsehens ist zwar seit langem in der öffentlichen Diskussion, doch die Realität ist die, dass in Deutschland gerade mal ein Viertel der Fernsehzuschauer digitales Fernsehen empfangen. Trotzdem lassen sich an den ersten Kennzahlen schon Veränderungen am Fernsehmarkt und am Sehverhalten der Rezipienten aufzeigen. Wie reagieren die Sender darauf und wie werden die neuen Technologien und Möglichkeiten eingesetzt, um den Zuschauer an die eigene "Marke" zu binden? Und nicht zuletzt, wie verändert die Digitalisierung in Form von "Arbeitsverdichtung" im Produktionsprozess die Arbeitsplätze der im redaktionellen Ablauf involvierten Mitarbeiter?
Öffnung der Archive mit dem Internet - Modelle und Perspektiven
Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms)
Das Internet verändert die Medienwelt und bietet Chancen, verstreute Zielgruppen weltweit zu erreichen. Schon seit einigen Jahren bieten private, öffentliche, kommerzielle Filmarchive ihre Bestände im Internet an und haben dabei bei der Vermarktung des Footage ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Nur eine solche Öffnung der Archive kann bewusst machen, welches audio-visuelle Erbe dort schlummert und welche Schätze für eine kulturelle Nutzung in Frage kommen. Selbst öffentlich-rechtliche Sender wie die BBC oder das ZDF arbeiten daran, ihre Archive zu öffnen. Man sollte dies als Chance begreifen und die heutigen technischen Möglichkeiten offensiv nutzen.
Workshop 3: Kleine Archive
Web : digi-Paper - ePaper mit Mehrwert
Martin Zielonka (MSH Medien System Haus GmbH & Co. KG)
In den letzten fünf Jahren hat sich der Funktionsumfang elektronischer Publikationen - so genannte ePaper - deutlich gewandelt. Ging es während der Anfänge in den Jahren 2001/2002 noch darum, eine printverbindliche Darstellung von Tageszeitungen oder Zeit-schriften im Internet zu realisieren und gemäß der Vorgaben der IVW zusätzliche Abonnen-ten für eine Erhöhung der Auflage zu gewinnen, kamen bis heute zahlreiche Funktionen hin-zu. m Vortrag werden am Beispiel des Produktes Web:digiPaper konkrete Beispiele für die heutigen Anforderungen an den Mehrwert von ePaper-Ausgaben dargestellt. Hierzu zählen u. a. die Verlinkung aus externen Quellen direkt auf ePaper-Artikel, die Speicherung von Suchprofilen, automatisch erzeugte Inhaltsverzeichnisse, eine wahlfreie Zusammenstellung persönlicher PDF-Ausgaben oder die Speicherung von Artikeln und Seiten in einem persön-lichen Archiv pro Benutzer. Weitere Funktionen betreffen die Medienkonvergenz, z. B. durch das automatisierte Parsing von URLs in Artikeltexten, die Referenzierung externer Inhalte durch Verlinkung auf Web-Seiten mit weiterführenden Informationen sowie die In-tegration von Audio-, Video- und "Multimedia"-Daten in die ePaper-Ausgaben. Der Vortrag schließt mit einem Ausblick auf die nächsten Generation elektronischer Publikationen: der "Hörausgabe" - einer Vorlese- und Speicherfunktion durch Sprachsynthese erzeugter Audio-Daten.
Bild und Text: unterschiedliche Medien, einheitliche Erschließung - ein Erfahrungsbericht
Dagmar Willius (Stuttgart Internet Regional GmbH)
Kann man mit ein und demselben Erschließungsinstrument Bilder und Texte gleichwertig erfassen? Wir arbeiten seit einigen Jahren an der Optimierung unserer Klassifikation unter Berücksichtigung der speziellen Anforderungen an die unterschiedlichen Medien. Anhand einiger Beispiele der täglichen Arbeit werden Indexierung und Recherche vorgestellt und der Umgang mit den besonderen Erfordernissen aufgezeigt.
Block 7: Digitale Bibliothek & Medienrecht
Archivierung elektronischer Pressespiegel unter Berücksichtigung der Neuregelung des Korb 2
Judith Nink (Juristisches Seminar der Universität Göttingen)
§ 49 UrhG gestattet die Vervielfältigung und Verbreitung von Presseartikeln, sofern sie politische, wirtschaftliche oder religiöse Tagesfragen betreffen. Darunter werden seit dem Urteil des BGH im Jahr 2002 unter bestimmten Voraussetzungen auch elektronische Pressespiegel gefasst. Umstritten und nach wie vor klärungsbedürftig ist allerdings immer noch, ob und inwieweit Pressespiegel elektronisch archiviert werden dürfen. Dennoch verzichtete der Gesetzgeber in der Novellierung des UrhG zunächst darauf, eine entsprechende Regelung für elektronische Pressespiegel zu schaffen und verschob dies auf den zweiten Novellierungsschritt. Aber auch im Regierungsentwurf zum so genannten zweiten Korb wird von einer Regelung abgesehen, mit der Begründung, dass es aufgrund der richterlichen Rechtsfortbildung an einer Regelungslücke fehle und ein darüber hinausgehender Regelungsbedarf bisher nicht ersichtlich sei. Zwar wird § 49 UrhG im Regierungsentwurf neugefasst, jedoch beschränkt sich die Ergänzung auf die Aufnahme von Abbildungen, darüber hinausgehende Änderungen sind damit nicht beabsichtigt. Diskutiert wird daher, ob ein Archivierungsrecht, auch für normale Presseartikel, bereits aus der Schrankenregel des § 49 UrhG oder hilfsweise aus § 53 Abs. 2 UrhG abgeleitet werden kann. Besteht kein Archivierungsrecht aus § 49 UrhG so stellt sich weiter die Frage, ob § 49 UrhG nicht sogar die Anwendbarkeit des § 53 Abs. 2 UrhG, der eine Archivierung unter bestimmten Voraussetzungen zulässt, sperrt und in welchen Fällen überhaupt die Voraussetzungen des § 53 Abs. 2 UrhG, unter Berücksichtigung der geplanten Novellierungen, vorliegen. Die Brisanz dieser Diskussion resultiert aus den widerstreitenden Interessen der Urheber und Verlage, ihre Beiträge nicht unbeschränkt ohne weitere Entgelte vervielfältigen und weiterverbreiten zu lassen, auf der einen und den Interessen von Unternehmen und öffentlichen Institutionen, Veröffentlichungen über ihre Tätigkeit zu archivieren, um sie jederzeit zur Nutzung oder weiteren Verarbeitung aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit allzeit verfügbar zu halten, auf der anderen Seite.
Bibliotheks- und Informationsmanagement - ein Überblick über aktuelle Studiengänge und die neuen Abschlüsse Bachelor und Master
Cornelia Vonhof (Hochschule der Medien Stuttgart)
Ausbildung ist immer in Bewegung. Neue Tendenzen aufzugreifen, Inhalte zu ändern, Strukturen zu aktualisieren, ist im Ausbildungsbereich eine zwingende Notwendigkeit, um Studierenden die bestmöglichen Ausbildungs- und damit Arbeitsplatzchancen zu sichern. So haben sich in der bibliothekarischen Hochschulausbildung in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen ergeben: Erklärtes politisches Ziel der europäischen Bildungsminister ist es, die Hochschulausbildung innerhalb Europas zu harmonisieren. Hierzu sollen die Anforderungen an die Hochschulstudiengänge und die Studienabschlüsse vereinheitlicht werden. Dieser tief greifende Veränderungsprozess unter dem Namen "Bologna-Prozess" bekannt geworden. Ein wesentlicher Aspekt der Harmonisierung besteht darin, zweistufige Abschlüsse zu schaffen. Der erste Abschluss (Bachelor) ermöglicht eine erste Berufsbefähigung. Darauf aufbauend kann über einen zweiten Abschluss (Master) eine zusätzliche Qualifizierung durch Vertiefung oder Erweiterung der Kenntnisse erfolgen. Der Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement an der Hochschule der Medien Stuttgart hat im bereits zum Wintersemester 2004/2005 auf die neuen Abschlüsse umgestellt. Der Vortrag beleuchtet Studieninhalte, Ziele und erste Erfahrungen.
Die Deutsche Nationalbibliothek und die Archivierung des Internet
Das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) vom 22. Juni 2006 legt die Aufgaben und Pflichten der Deutschen Nationalbibliothek neu fest und löst das Gesetz über die Deutsche Bibliothek aus dem Jahr 1969 ab. Wesentlicher Inhalt der Novellierung ist die Erweiterung des Sammelauftrages um Netzpublikationen. Ablieferungspflichtig sind Medienwerke in körperlicher und in unkörperlicher Form, d. h. jetzt auch Netzpublikationen. Dass schwere Folianten, staubige Aktenbündel, Mamorbüsten und Ölgemälde zu unserem kulturellen Erbe gehören und dass unser kulturelles Erbe bewahrt werden muss, daran zweifelt niemand ernsthaft. Das Bewusstsein dafür, dass auch Netzpublikationen Teil unseres kulturellen Erbes sind, ist dagegen noch fragil. Elektronische Dokumente dienen unübersehbar dem aktuellen, schnellen, globalen Informationsaustausch - doch sind sie es wert, aufgehoben, verzeichnet, bewahrt zu werden? Die Deutsche Nationalbibliothek beantwortet diese Frage mit "Ja" und sie handelt entsprechend, indem sie sich nicht nur um die Fragen des Sammelns und Erschließens von Netzpublikationen kümmert sondern sich vor allem auch der Langzeitarchivierung dieser flüchtigen Medien annimmt.

References: § 49
 BGH 
 § 49
 § 49
 § 53
 § 49
 § 49
 § 53
 § 53