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Timestamp: 2017-07-20 12:34:04+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 12 Sa 1558/04
Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 12 Sa 1558/04
Te­nor: 1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 22.10.2004 – 2 Ca 5055/04 – wird zurück­ge­wie­sen.
Tat­be­stand Die Par­tei­en strei­ten um die Höhe der an den Kläger zu zah­len­den be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung.
Der am .1939 ge­bo­re­ne Kläger war vom 01.01.1972 bis 30.09.1998 beim T als Sach­verständi­ger beschäftigt. Ab 01.10.1999 nimmt er Al­ters­ren­te in An­spruch und be­zieht seit­dem ein Ru­he­ge­halt, für das ab 01.01.2004 die Be­klag­te An­spruchs­geg­ne­rin ist.
Das Ru­he­ge­halt wird ge­zahlt auf der Grund­la­ge der Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen vom 25.06.1976 mit Ände­run­gen durch Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen vom 04.06.1993 und 17.11.1995. Die­se be­inhal­ten ei­ne so­ge­nann­te Ge­samt­ver­sor­gung, da­nach beträgt der Ru­he­ge­halts­an­spruch nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­bild nach 10-jähri­ger an­rech­nungsfähi­ger Dienst­zeit 35 % und steigt mit je­dem wei­te­ren Dienst­jahr bis zum voll­ende­ten 25. Dienst­jahr um je 2 % und von da ab um je 1 % bis zum Höchst­satz von 75 % der ru­he­geldfähi­gen Dienst­bezüge. Auf den so be­rech­ne­ten Ver­sor­gungs­pro­zent­satz wird die Ren­te aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung an­ge­rech­net. Da­zu verhält sich Zif­fer 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung (An­rech­nung an­de­rer Ver­sor­gungs­bezüge), in der es u. a. heißt:
Auf die be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen wer­den an­ge­rech­net: a. Der An­teil von Ren­ten aus den ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen bzw. Leis­tun­gen aus Be­frei­ungs­ver­si­che­run­gen, für die der T die Beiträge ge­zahlt hat und so­weit der Ren­ten­an­teil auf die an­rech­nungsfähi­ge Dienst­zeit entfällt, aus­ge­nom­men die Ren­ten­an­tei­le, die auf Zu­rech­nungs­zei­ten nach dem 55. Le­bens­jahr be­ru­hen.
b. Die Hälf­te der Ren­ten aus den ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen bzw. Leis­tun­gen aus Be­frei­ungs­ver­si­che­run­gen, so­weit sie nicht auf frei­wil­li­gen Wei­ter- oder Höher­ver­si­che­rungs­beiträgen des Ver­sor­gungs­empfängers be­ru­hen und so­weit sie nicht nach a) voll an­zu­rech­nen sind.
c. Die Hälf­te von Ver­sor­gungs­bezügen auf­grund un­ver­fall­ba­rer An­wart­schaf­ten aus frühe­ren Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen.
Bei der An­rech­nung der An­tei­le aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung auf die Ge­samt­ver­sor­gung wird auch nach Einführung der im RRG 92 fest­ge­leg­ten Zu­gangs­fak­to­ren (§ 77 SGB VI) mit dem in­di­vi­du­el­len Zu­gangs­fak­tor, min­des­tens je­doch mit dem Zu­gangs­fak­tor 1,0 ge­rech­net.
Für den Kläger er­gab sich zum 01.10.1999 ein An­spruch auf be­trieb­li­ches Ru­he­geld in Höhe von 4.644,45 DM brut­to; we­gen der Be­rech­nung wird auf das Schrei­ben vom 18.06.2001 Be­zug ge­nom­men.
Die­ser Be­trag wur­de je­weils dy­na­mi­siert, und zwar zeit­gleich nach Maßga­be des An­stie­ges der ru­he­ge­haltsfähi­gen Dienst­bezüge nach der Be­sol­dungs­ord­nung für die Be­am­ten des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. Hier­aus wur­de un­ter Zu­grun­de­le­gung der in­di­vi­du­el­len Ver­sor­gungs­da­ten jähr­lich neu der Be­trag der Ge­samt­ver­sor­gung be­rech­net. Auf den so be­rech­ne­ten Ge­samt­ver­sor­gungs­be­trag wur­de der an­rech­nungsfähi­ge Teil der ak­tu­el­len, um die jähr­li­che An­pas­sung erhöhten in­di­vi­du­el­len So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­te aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung – zeit­gleich mit de­ren An­pas­sungs­ter­min – an­ge­rech­net.
Mit Schrei­ben vom 27.02.2004 teil­te die Be­klag­te dem Kläger mit, sie wer­de hin­sicht­lich der Dy­na­mi­sie­rung ei­ne Ände­rung vor­neh­men, und zwar der Ge­stalt, dass die Be­triebs­ren­te um den je­weils ein­ge­tre­te­nen Erhöhungs­pro­zent­satz der Ta­bel­len der LBO für Be­am­te des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len erhöht wer­de, ei­ne Berück­sich­ti­gung der Verände­run­gen der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­te im Rah­men der Ge­samt­ver­sor­gung je­doch nicht mehr er­fol­ge.
Beim Kläger führ­te die­se Ab­kop­pe­lung von der Ent­wick­lung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­te da­zu, dass er ab 01.04.2004 ei­ne Be­triebs­ren­te von 2.393,95 € be­zieht, die mo­nat­li­che Dif­fe­renz ge­genüber der bis­lang prak­ti­zier­ten Dy­na­mi­sie­rung sich auf 13,67 € mo­nat­lich beläuft. Die­se Dif­fe­renz macht der Kläger im vor­lie­gen­den Rechts­streit gel­tend. Der Kläger hat da­zu vor­ge­tra­gen: Die Be­klag­te sei zu der von ihr vor­ge­nom­me­nen Ände­rung bei der Dy­na­mi­sie­rung des be­trieb­li­chen Ru­he­ge­hal­tes nicht be­rech­tigt. Ins­be­son­de­re könne sie sich da­zu nicht auf ei­nen Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge be­ru­fen.
Die Be­klag­te ist dem ent­ge­gen­ge­tre­ten. Sie hat vor­ge­tra­gen: Die Mo­di­fi­zie­rung bei der 1Dynamisierung der Be­triebs­ren­ten sei we­gen des Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge ge­recht­fer­tigt. Der Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge er­ge­be sich aus zwei Ge­sichts­punk­ten, nämlich zum ei­nen we­gen ei­ner Äqui­va­lenzstörung (Miss­verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung) und zum an­de­ren we­gen ei­ner Zweck­ver­feh­lung. Da sich die So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten in­fol­ge ren­ten­recht­li­cher Ände­run­gen we­sent­lich lang­sa­mer erhöhten als die Brut­to­be­sol­dung stei­ge die Be­triebs­ren­te schnel­ler an, als dies bei Er­tei­lung der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ha­be er­war­tet wer­den können. Die­ser Trend wer­de durch das RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz noch we­sent­lich verstärkt. Ih­re, der Be­klag­ten, Be­las­tung erhöhe sich da­durch in ei­ner Wei­se, die nicht mehr zu­mut­bar sei. Leis­tung und Ge­gen­leis­tung stünden in kei­nem aus­ge­wo­ge­nen Verhält­nis mehr. Über­schlägig geschätzt könn­ten die so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Ände­run­gen, ins­be­son­de­re durch das RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz zu ei­ner Erhöhung des Bar­wer­tes um 16 % führen.
Geschäfts­grund­la­ge sei auch ge­we­sen, dass sich Ak­tiv­ein­kom­men, Ge­samt­ver­sor­gung und So­zi­al­ren­ten in et­wa in ei­nem Gleich­klang be­weg­ten, da sich nur dann auch die Be­triebs­ren­te ähn­lich ent­wi­ckelt hätte. Die­ser Gleich­klang sei nicht mehr ge­ge­ben. Das Ein­kom­men der Ak­ti­ven stei­ge we­sent­lich ge­rin­ger als die Be­triebs­ren­te, die sie, die Be­klag­te, zu zah­len ha­be. Die­se Ände­run­gen bei der An­pas­sung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten sei­en nicht vor­her­seh­bar
ge­we­sen, wenn man auf den Zeit­punkt der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ab­stel­le.
Es sei ihr, der Be­klag­ten, nicht zu­zu­mu­ten, ab­zu­war­ten, bis sich die Nach­tei­le aus dem im­mer wei­ter fort­schrei­ten­den Aus­ein­an­der­lau­fen von Brut­to­be­sol­dung und So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten voll rea­li­sier­ten. Ein frühzei­ti­ges Ge­gen­steu­ern, das das Äqui­va­lenz­verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung lang­fris­tig er­hal­te, sei nicht nur recht­lich un­be­denk­lich, son­dern sinn­voll.
Durch Ur­teil vom 22.10.2004 hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben, im We­sent­li­chen mit der Be­gründung, ei­ne Störung der Geschäfts­grund­la­ge, die die Be­klag­te zum vor­lie­gen­den Ein­griff in die Dy­na­mi­sie­rung be­rech­tig­te, lie­ge nicht vor. We­gen des In­hal­tes des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils im Ein­zel­nen wird auf Bl. 159 – 166 d. A. Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen die­ses ihr am 16.11.2004 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 15.12.2004 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Frist­verlänge­rung bis 11.02.2005 am 11.02.2005 be­gründet.
Die Be­klag­te ver­bleibt un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­tra­ges da­bei, dass die Geschäfts­grund­la­ge der ursprüng­li­chen Ver­sor­gungs­ver­pflich­tung (Ge­samt­ver­sor­gung mit Ge­samt­ren­ten­fort­schrei­bung) in ei­ner Wei­se gestört sei, die sie zum vor­ge­nom­me­nen Ein­griff in die Dy­na­mi­sie­rung be­rech­ti­ge. Durch ge­setz­ge­be­ri­sche Ein­grif­fe in die Ent­wick­lung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­te sei es zu ei­ner un­zu­mut­ba­ren Mehr­be­las­tung für sie, die Be­klag­te, ge­kom­men. Die­se Mehr­be­las­tung be­tra­ge ins­ge­samt 46,04 %. Die Be­klag­te be­ruft sich da­zu auf das von der Dr. Dr. H er­stell­te Gut­ach­ten vom 15.12.2004, das auf zu­tref­fen­den Tat­sa­chen und un­an­fecht­ba­ren Me­tho­den be­ru­he. Die von ihr vor­ge­nom­me­ne Ände­rung der Dy­na­mi­sie­rung sei an­ge­mes­sen und ver­trags­im­ma­nent. Sie stel­le die ursprüng­li­che Er­war­tung der Par­tei­en wie­der her, wo­nach sich die Brut­to­be­triebs­ren­te so ent­wi­ckeln soll­te, wie die Brut­to­vergütung der ak­ti­ven Mit­ar­bei­ter. Es han­de­le sich um ei­ne scho­nen­de Be­tei­li­gung der be­trof­fe­nen Be­triebs­rent­ner an den Fol­gen der nicht vor­her­seh­ba­ren Ent­wick­lung der ge­setz­li­chen Ren­te.
Die Be­klag­te be­an­tragt, das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 22.10.2004 – 2 Ca 5055/04 – auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Der Kläger be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Der Kläger tritt dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil un­ter Wie­der­ho­lung und teil­wei­ser Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­tra­ges bei. We­gen des erst- und zweit­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en im Übri­gen und im Ein­zel­nen wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze, die zu den Ak­ten ge­reich­ten Un­ter­la­gen so­wie die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten ver­wie­sen.
Ent­schei­dungs­gründe Die zulässi­ge Be­ru­fung der Be­klag­ten ist nicht be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Der von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne Ein­griff in die Dy­na­mi­sie­rung des Ru­he­ge­hal­tes ist un­be­rech­tigt. Er lässt sich nicht mit ei­ner Störung oder ei­nem Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge recht­fer­ti­gen, wie die Be­klag­te gel­tend macht.
1. Gemäß § 313 BGB liegt ei­ne Störung der Geschäfts­grund­la­ge vor, wenn sich die Umstände, die zur Grund­la­ge des Ver­tra­ges ge­wor­den sind, nach Ver­trags­schluss in schwer­wie­gen­der Wei­se geändert ha­ben, und die Par­tei­en den Ver­trag nicht oder nicht mit die­sem In­halt ge­schlos­sen hätten, wenn sie die­se Verände­rung vor­aus­ge­se­hen hätten. Rechts­fol­ge ist ei­ne An­pas­sung des Ver­tra­ges, so­weit ei­nem Ver­trags­part­ner un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände
des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re der ver­trag­li­chen oder ge­setz­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung das Fest­hal­ten am un­veränder­ten Ver­trag nicht mehr zu­ge­mu­tet wer­den kann. Die Recht­spre­chung wen­det die­se Grundsätze auch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung an, ins­be­son­de­re wenn sich die Rechts­la­ge we­sent­lich und in un­vor­her­seh­ba­rer Wei­se geändert hat (BAG, Ur­teil vom 22.04.1986 – 3 AZR 496/83 – AP Nr. 8 zu § 1 Be­trAVG Un­terstützungs­kas­se; Be­schluss vom 23.09.1997 – 3 ABR 85/96 – AP Nr. 26 zu § 1 Be­trAVG Ablösung). Hier lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen für die von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne An­pas­sung der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge we­gen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge nicht vor.
2. Die Be­klag­te stützt ih­re dies­bezügli­che An­nah­me zunächst dar­auf, dass Zweck­ver­feh­lung ein­ge­tre­ten sei, dies je­doch zu Un­recht.
a) Ge­samt­ver­sor­gungs­sys­te­me können da­zu die­nen, die Er­hal­tung ei­nes be­stimm­ten Le­bens­stan­dards zu si­chern (vgl. BAG, Ur­teil vom 28.07.1998 – 3 AZR 100/98 – AP Nr. 4 zu § 1 Be­trAVG Über­ver­sor­gung). Ge­ra­de dies ist nach dem Vor­trag der Be­klag­ten hier der Fall. Da­nach ba­siert auch die Ge­samt­ren­ten­fort­schrei­bung auf der Vor­stel­lung und dient dem Ziel, den Ver­sor­gungs­empfängern den Le­bens­stan­dard zu si­chern, den sie als ak­ti­ve Ar­beit­neh­mer er­wor­ben ha­ben. Wenn dies das Ziel der Ge­samt­ver­sor­gung ist, folgt dar­aus zwin­gend, dass die Be­klag­te auch die sich aus der Ent­wick­lung der So­zi­al­ver­si­che­rung er­ge­ben­de Lücke auf­fan­gen und aus­glei­chen muss. Sonst wird die Er­hal­tung des Le­bens­stan­dards nicht ge­si­chert, viel­mehr nimmt die­ser kon­ti­nu­ier­lich ab.
b) So­weit die Be­klag­te dem­ge­genüber gel­tend macht, ak­ti­ve Ein­kom­men und Ge­samt­ver­sor­gungs­bezüge soll­ten sich im Gleich­lauf ent­wi­ckeln, über­zeugt dies nicht. Rich­tig ist zwar, dass bei Schaf­fung des Ge­samt­ver­sor­gungs­sys­tems die Ent­wick­lung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­te brut­to­lohn­be­zo­gen er­folg­te. Die Be­klag­te hat aber nicht schlüssig dar­ge­legt, dass die­ser Um­stand Geschäfts­grund­la­ge der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ge­wor­den ist. Da­bei ist sie in­so­weit in vol­lem Um­fan­ge dar­le­gungs- und be­weis­be­las­tet, und zwar auch dafür, dass dem Ver­trags­schluss be­stimm­te Vor­stel­lun­gen zu­grun­de ge­le­gen ha­ben (Pa­landt-Hein­richs, BGB, 64. Aufl., Rd­nr. 31 zu § 313). Da­zu fehlt es an ei­nem ent­spre­chend sub­stan­ti­ier­ten Vor­trag. An­ge­sichts des Zwecks des vor­lie­gen­den Ge­samt­ver­sor­gungs­sys­tems spricht mehr dafür, dass die So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­te ein bloßer Be­rech­nungs­fak­tor war. Die ge­setz­li­che Ren­te war die Min­dest­ver­sor­gung, die ent­spre­chend der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge auf­ge­stockt wer­den soll­te, da­mit der ver­ein­bar­te Ver­sor­gungs­grad er­reicht wer­de. Wie be­reits aus­geführt, konn­te dies bei Zu­grun­de­le­gung der von der Be­klag­ten ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung nicht er­reicht wer­den.
3. Die Be­klag­te be­ruft sich wei­ter dar­auf, es lie­ge ei­ne zum Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge führen­de Äqui­va­lenzstörung vor.
a) Zu­tref­fend ist, dass ein Miss­verhält­nis von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung, wenn al­so die bei Ver­trags­schluss vor­aus­ge­setz­te Gleich­wer­tig­keit der bei­den Leis­tun­gen nicht mehr ge­ge­ben ist, zur Störung der Geschäfts­grund­la­ge führen kann. Dafür wann dies der Fall ist, ist die ver­trag­li­che oder ge­setz­li­che Ri­si­ko­ver­tei­lung maßge­bend. Die­se geht bei ei­nem Ge­samt­ver­sor­gungs­sys­tem mit An­rech­nungs­klau­sel, wie sie hier vor­liegt (Zif­fer 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung) grundsätz­lich zu Las­ten des die Ver­sor­gung zu­sa­gen­den, al­so der Be­klag­ten; denn die­se ist bei Er­tei­lung der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge nicht von fes­ten Äqui­va­lenz­vor­stel­lun­gen aus­ge­gan­gen, die sich nachträglich als un­zu­tref­fend er­wie­sen ha­ben, son­dern hat von vorn­her­ein ei­ne als un­si­cher er­kenn­ba­re Größe ein­be­zo­gen. Es war vor­aus­seh­bar, dass der von der Be­klag­ten zu tra­gen­de Ver­sor­gungs­auf­wand mit er­heb­li­chen Un­si­cher­heits­fak­to­ren be­las­tet war, Schwan­kun­gen zu Guns­ten der Be­klag­ten, wie sie über lan­ge Zeit tatsächlich ein­ge­tre­ten sind, aber auch zu ih­ren Las­ten, wie sie sich jetzt er­ge­ben ha­ben, möglich wa­ren. Vor­aus­seh­ba­re Ent­wick­lun­gen be­gründen aber re­gelmäßig kein An­pas­sungs­recht we­gen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge (Wie­de­mann, Fest­schrift für St­im­pel, Sei­te 964/965).
b) Nach in der Recht­spre­chung ver­tre­te­ner An­sicht kommt al­ler­dings ei­ne zur An­pas­sung der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge führen­de Störung der Geschäfts­grund­la­ge in Be­tracht, wenn sich durch
Ände­run­gen des So­zi­al­ver­si­che­rungs­rech­tes "die Rechts­la­ge in grund­le­gen­der Wei­se geändert hat und die da­durch ver­ur­sach­te Mehr­be­las­tung sehr er­heb­lich ist" (BAG, Ur­teil vom 22.04.1986 – 3 AZR 496/83 – AP Nr. 8 zu § 1 Be­trAVG Un­terstützungs­kas­se). Wann dies der Fall sein soll, ist nicht ab­sch­ließend geklärt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat ei­ne Mehr­be­las­tung von 61,3 % als grund­le­gen­de und kras­se Über­schrei­tung des ursprüng­li­chen Do­tie­rungs­rah­mens ein­ge­stuft (BAG, Be­schluss vom 23.09.1997 – 3 ABR 85/96 – AP Nr. 26 zu § 1 Be­trAVG Ablösung).
In der Li­te­ra­tur wird teil­wei­se ei­ne Mehr­be­las­tung von rund 20 %, teil­wei­se aber auch von 30 bis 40 % als aus­rei­chend an­ge­se­hen, um zur An­pas­sung der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge zu be­rech­ti­gen (vgl. da­zu Höfer/Ler­ner, An­mer­kung zu BAG AP Nr. 26 zu § 1 Be­trAVG Ablösung). And­res-Förs­ter-Rößler-Rühmann, Ar­beits­recht der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung, Rand­num­mer 573 führen aus, dass bei ei­ner Aus­deh­nung des Do­tie­rungs­rah­mens um mehr als 50 % für den Ar­beit­ge­ber die Gren­ze des Zu­mut­ba­ren über­schrit­ten ist, er­rech­net aus ei­nem Ver­gleich der Bar­wer­te mit und oh­ne die ein­ge­tre­te­nen Ände­run­gen im So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht (vgl. zu die­sem An­satz auch BAG, Be­schluss vom 23.09.1997 – 3 ABR 85/96 – a. a. O.).
c) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt schließt sich letz­te­rer An­sicht in­so­weit an, dass bei ei­ner Aus­deh­nung des Do­tie­rungs­rah­mens um we­ni­ger als 50 % in Fällen wie dem vor­lie­gen­den ei­ne An­pas­sung der hier in Re­de ste­hen­den Art we­gen Störung der Geschäfts­grund­la­ge nicht in Be­tracht kommt. Das er­gibt sich aus der ver­trag­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung, wo­nach das Ri­si­ko sin­ken­der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten in­te­grie­ren­der Be­stand­teil des Ver­sor­gungs­sys­tems ist. Die­ser Um­stand kann des­halb nur in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen zu ei­nem An­pas­sungs­recht der Ar­beit­ge­ber­sei­te führen und in­so­weit das Ri­si­ko ver­schie­ben. In­so­weit er­schei­nen dem Lan­des­ar­beits­ge­richt die ge­nann­ten Pro­zentsätze von 20 oder 30 bis 40 % als zu ge­ring.
d) Hier geht die Be­klag­te von ei­ner Mehr­be­las­tung in Höhe von 46,04 % aus. Dies liegt un­ter der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt al­len­falls als er­heb­lich an­ge­se­he­nen Schwel­le, ein Ein­griff in die Dy­na­mi­sie­rung, wie von der Be­klag­ten vor­ge­nom­men, kommt des­halb nicht in Be­tracht. Es be­darf da­her kei­nes Ein­ge­hens mehr dar­auf, ob das Gut­ach­ten der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Dr. Dr. H vom 15.12.2004, aus dem die Be­klag­te die­se Zahl ent­nom­men hat, auf zu­tref­fen­den Tat­sa­chen be­ruht und die an­ge­wand­te Me­tho­de (Bar­wert­ver­gleich/Näherungs­ver­fah­ren) sach­ge­recht sind.
e) Maßge­bend für die hier ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ist auch, dass der Kläger be­reits mehr­fach Ein­schnit­te bei sei­ner Ver­sor­gung hat hin­neh­men müssen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ver­weist da­zu auf das Gut­ach­ten vom 15.12.2004, Sei­te 7. In­so­weit ist der Kläger be­reits an der Ri­si­ko­ver­tei­lung zu Guns­ten der Be­klag­ten be­tei­ligt wor­den. Es ist al­so nicht so, dass le­dig­lich die ak­ti­ven Ar­beit­neh­mer Ein­grif­fe in ihr Ge­halts­ni­veau hin­neh­men müssen, die Be­triebs­rent­ner al­so un­be­hel­ligt ge­blie­ben sind. Auch das muss bei der Fest­le­gung des Schwel­len­wer­tes, bei des­sen Über­schrei­tung die Mehr­be­las­tung für die Be­klag­te un­zu­mut­bar sein soll, berück­sich­tigt wer­den. Ob die­se Ein­schnit­te bei der Al­ters­ver­sor­gung bei Er­mitt­lung des Wer­tes von 46,04 % berück­sich­tigt wor­den sind oder nicht, lässt das Lan­des­ar­beits­ge­richt da­hin­ge­stellt.
f) Die wirt­schaft­li­che Leis­tungsfähig­keit der Be­klag­ten war bei der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ver­tre­te­nen An­sicht kein ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Fak­tor, da al­lein auf die Ri­si­ko­ver­tei­lung und al­len­falls noch auf das Äqui­va­lenz­prin­zip ab­zu­stel­len ist. Die Leis­tungsfähig­keit der Be­klag­ten steht im Übri­gen außer Fra­ge.
4. Die Höhe der For­de­rung ist mit den jetzt noch ge­stell­ten Anträgen un­strei­tig. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO. Die Re­vi­si­on wur­de gemäß § 72 Abs. 2 Ziff. 1 ArbGG zu­ge­las­sen. Rechts­mit­tel b e l e h r u n g Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten RE­VISION - 6 -
ein­ge­legt wer­den. Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt Hu­go-Preuß-Platz 1 99084 Er­furt Fax: (0361) 2636 - 2000 ein­ge­legt wer­den. Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den. (Dr. Leis­ten) (Ger­res­heim) (Baurmann)	m.hensche.de
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References: § 313
 § 1
 § 1
 § 1
 § 313
 § 1
 § 1
 § 1
 § 97
 § 72