Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=841
Timestamp: 2019-02-20 21:54:15+00:00

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sizes nötig ist (§ 1879 des 1ten th.), besonders bei
dem vermögen eines verstorbenen, allwo der besiz
nicht durch das recht übergehet.
Ein besizer auf guten glauben (b. f. possessor)vom besizer auf
guten glauben.
wird genennet, welcher dafür hält, auch nicht an-
ders weiß, und glaubet, daß die sache, welche er be-
sizet, ihm gehöre. Er wird gleichsam als ein eigen-
tümer angesehen, und zwar so lange, bis er vom
waren eigentümer angesprochen, und in klage ge-
nommen wird. Hirdurch wird ihm sein wahn,
und die meinung verrücket; folgbar nicht mehr für
den besizer im guten glauben, noch für den herrn
gehalten; vilmehr muß er nun alles herausgeben,
was er nach dem anspruche des waren eigentümers
eingehoben hat, auch die nachher verzereten früch-
te; in betracht die aufzerung der früchte keinen
rechtlichen titel: das eigentum zu erlangen, abgi-
bet; mithin ist er durch die verzerung derselben in
disem falle nicht herr worden. Jndeß sind ihm
doch die saat, das artlon, und andere nohtwendi-
ger weise bei den gebaueten aeckern etc aufgewendete
kosten wider zu vergüten. Jn praxi folget man
dißfalls den römischen rechten; und wenn auch
schon die rechtsgelehrte hirin vilerlei meinungen hä-
gen, Heinecc in elem. iur. germ. lib. II tit. 3 § 95
s. 441, Stryk im vsu mod. p. lib. VI tit. 1 § 12;
so gefällt mir doch der Ev. Otto in seinem com-
ment. | über die institut. lib. II tit. 1 § 35 noch am
besten. Was heute zu tage in Kur-Sachsen diß-
falls rechtens sey, besagen die neue entscheidungen
1, und 2, Dreßd. 1746 fol., und an des Lüd.
Menkens syst. iur. ciu. 1754, gr. 4t.
III. Teil. F f f
ſizes noͤtig iſt (§ 1879 des 1ten th.), beſonders bei
dem vermoͤgen eines verſtorbenen, allwo der beſiz
nicht durch das recht uͤbergehet.
Ein beſizer auf guten glauben (b. f. poſſeſſor)vom beſizer auf
wird genennet, welcher dafuͤr haͤlt, auch nicht an-
ders weiß, und glaubet, daß die ſache, welche er be-
ſizet, ihm gehoͤre. Er wird gleichſam als ein eigen-
tuͤmer angeſehen, und zwar ſo lange, bis er vom
waren eigentuͤmer angeſprochen, und in klage ge-
nommen wird. Hirdurch wird ihm ſein wahn,
und die meinung verruͤcket; folgbar nicht mehr fuͤr
den beſizer im guten glauben, noch fuͤr den herrn
was er nach dem anſpruche des waren eigentuͤmers
eingehoben hat, auch die nachher verzereten fruͤch-
te; in betracht die aufzerung der fruͤchte keinen
bet; mithin iſt er durch die verzerung derſelben in
diſem falle nicht herr worden. Jndeß ſind ihm
doch die ſaat, das artlon, und andere nohtwendi-
ger weiſe bei den gebaueten aeckern ꝛc aufgewendete
koſten wider zu verguͤten. Jn praxi folget man
dißfalls den roͤmiſchen rechten; und wenn auch
ſchon die rechtsgelehrte hirin vilerlei meinungen haͤ-
ſ. 441, Stryk im vſu mod. π. lib. VI tit. 1 § 12;
ſo gefaͤllt mir doch der Ev. Otto in ſeinem com-
ment. | uͤber die inſtitut. lib. II tit. 1 § 35 noch am
beſten. Was heute zu tage in Kur-Sachſen diß-
falls rechtens ſey, beſagen die neue entſcheidungen
1, und 2, Dreßd. 1746 fol., und an des Luͤd.
Menkens ſyſt. iur. ciu. 1754, gr. 4t.
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[817/0841] vom beſize, und mitbeſize. ſizes noͤtig iſt (§ 1879 des 1ten th.), beſonders bei dem vermoͤgen eines verſtorbenen, allwo der beſiz nicht durch das recht uͤbergehet. § 1880 Ein beſizer auf guten glauben (b. f. poſſeſſor) wird genennet, welcher dafuͤr haͤlt, auch nicht an- ders weiß, und glaubet, daß die ſache, welche er be- ſizet, ihm gehoͤre. Er wird gleichſam als ein eigen- tuͤmer angeſehen, und zwar ſo lange, bis er vom waren eigentuͤmer angeſprochen, und in klage ge- nommen wird. Hirdurch wird ihm ſein wahn, und die meinung verruͤcket; folgbar nicht mehr fuͤr den beſizer im guten glauben, noch fuͤr den herrn gehalten; vilmehr muß er nun alles herausgeben, was er nach dem anſpruche des waren eigentuͤmers eingehoben hat, auch die nachher verzereten fruͤch- te; in betracht die aufzerung der fruͤchte keinen rechtlichen titel: das eigentum zu erlangen, abgi- bet; mithin iſt er durch die verzerung derſelben in diſem falle nicht herr worden. Jndeß ſind ihm doch die ſaat, das artlon, und andere nohtwendi- ger weiſe bei den gebaueten aeckern ꝛc aufgewendete koſten wider zu verguͤten. Jn praxi folget man dißfalls den roͤmiſchen rechten; und wenn auch ſchon die rechtsgelehrte hirin vilerlei meinungen haͤ- gen, Heinecc in elem. iur. germ. lib. II tit. 3 § 95 ſ. 441, Stryk im vſu mod. π. lib. VI tit. 1 § 12; ſo gefaͤllt mir doch der Ev. Otto in ſeinem com- ment. | uͤber die inſtitut. lib. II tit. 1 § 35 noch am beſten. Was heute zu tage in Kur-Sachſen diß- falls rechtens ſey, beſagen die neue entſcheidungen 1, und 2, Dreßd. 1746 fol., und an des Luͤd. Menkens ſyſt. iur. ciu. 1754, gr. 4t. vom beſizer auf guten glauben. § 1881 III. Teil. F f f
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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 817. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/841>, abgerufen am 20.02.2019.

References: § 95
 § 12
 § 35
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 § 1880
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 § 1881