Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Menschenverachtender_Umgang_Meinungsfreiheit_keine_Beleidigung_ArbG_Wuerzburg_10Ca592-10.html
Timestamp: 2018-04-23 19:18:16+00:00

Document:
Akten­zeichen: 10 Ca 592/10
hat die 10. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts
auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Ju­ni 2010
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt
und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter und
3. Der Streit­wert wird auf € 9.549,-- fest­ge­setzt.
Die Par­tei­en strei­ten im We­sent­li­chen um Ansprüche des Klägers ge­gen den Be­klag­ten auf Un­ter­sa­gung und Wi­der­ruf be­stimm­ter Be­haup­tun­gen, auf Schmer­zens­geld und auf Er­stat­tung außer­ge­richt­li­cher An­walts­kos­ten.
Der Kläger ist seit 1995 bei der C.- gGmbH, ei­nem ge­meinnützi­gen Un­ter­neh­men mit ca. 850 Mit­ar­bei­tern in der­zeit 15 Ein­rich­tun­gen an neun Stand­or­ten im Raum Un­ter­fran­ken, als Per­so­nal­lei­ter und in an­de­ren Be­rei­chen tätig. Der Be­klag­te, Hei­l­er­zie­hungs­pfle­ger in ei­ner ex­ter­nen Grup­pe des St.-J. -Stifts , ist Vor­sit­zen­der der Mit­ar­bei­ter-Ver­tre­tung (MAV) des St.-J. -Stifts in ... und ers­ter Vor­sit­zen­der der Di. Ar­beits­ge­mein­schaft der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen in -Ein­rich­tun­gen (DiAG MAV B). Die DiAG MAV B ver­tritt über 160 Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen und darüber 12.000 haupt­amt­lich Beschäftig­te in Ein­rich­tun­gen der im Be­reich der... . Die Di. Ar­beits­ge­mein­schaft der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung im Be­reich des ... der ... ist ein Or­gan gemäß der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tungs­ord­nung für die ... . Nach § 25 die­ser Ord­nung wählt die Mit­glie­der­ver­samm­lung
der DiAG MAV ei­nen Vor­stand. Die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen der C.- gGmbH sind auch Mit­glie­der der Mit­glie­der­ver­samm­lung und wählen als sol­che den Vor­stand der Di-ar­beits­ge­mein­schaft mit.
Am 09.03.2009 fand in den Räum­en des ... in ... ein Ab­stim­mungs­gespräch zwi­schen dem Vor­stand des DiAG MAV B und Ver­tre­tern und Ver­tre­te­rin­nen der Dienst­ge­ber statt. An die­sem Gespräch nah­men ne­ben dem Be­klag­ten u. a. Herr ... Pf. für den ... teil, nicht je­doch der Kläger.
Das von Frau R , Geschäftsführe­rin der und Mit­glied der MAV beim geführ­te und von ihr so­wie von Herrn Pf. un­ter­zeich­ne­te Pro­to­koll die­ser Sit­zung enthält u. a. fol­gen­de Text­pas­sa­ge:
„Herr M. stellt fest, dass bei C.- gGmbH von ein­zel­nen Ver­ant­wort­li­chen ein men­schen­ver­ach­ten­der Um­gang ge­pflegt würde. Das The­ma sei an Dra­ma­tik nicht zu über­bie­ten. Hier sei ein Hin­de­rungs­grund ge­ge­ben, der die Din­ge mas­siv be­ein­träch­ti­ge.
Das in die­sem Zu­sam­men­hang an­ge­spro­che­ne Ver­hal­ten von Herrn R. will Herr Pf. in die­ser Gesprächs­run­de aus­klam­mern, je­doch mit der DiAG MAV zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt be­spre­chen.”
(Auf die Ko­pie des Sit­zungs­pro­to­kolls in BI. 5 ff. der bei­ge­zo­ge­nen Straf­ak­te der Staats­an­walt­schaft wird Be­zug ge­nom­men).
Von die­ser Äußerung er­hielt der Kläger im Rah­men ei­nes Per­so­nal­gesprächs am 24.04.2009 Kennt­nis, das der Geschäftsführer der C.- gGmbH auf­grund der zi­tier­ten Text­pas­sa­ge an die­sem Tag mit dem Kläger führ­te.
Mit Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 07.05.2009 for­der­te der Kläger den Be­klag­ten un­ter Frist­set­zung zum 15.05.2009 zur Un­ter­zeich­nung ei­ner ver­trags­stra­fen­be­wehr­ten Un­ter­las­sungs- und Wi­der­rufs­erklärung auf (hin­sicht­lich des ge­nau­en In­hal­tes wird auf Sei­te 4 der Kla­ge­schrift vom 12.06.2009, BI. 4 d. A. Be­zug ge­nom­men). Der Kläger re­agier­te auf die­ses Schrei­ben nicht.
Mit Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 18.05.2009 er­stat­te­te der Kläger bei der Staats­an­walt­schaft beim Land­ge­richt we­gen des Ver­dachts ei­ner Straf­tat nach den §§ 185 ff. StGB ge­gen den Be­klag­ten Straf­an­zei­ge und stell­te Straf­an­trag aus al­len recht­li­chen Gründen (auf BI. 1 der zum vor­lie­gen­den Ver­fah­ren bei­ge­zo­ge­nen staats­an­walt­schaft­li­chen Er­mitt­lungs­ak­te wird Be­zug ge­nom­men). Mit Verfügung vom 21.08.2009 stell­te die Staats­an­walt­schaft das Er­mitt­lungs­ver­fah­ren gemäß § 170 Abs. 2 St­PO im We­sent­li­chen mit der Be­gründung ein, dass kein hin-rei­chen­der Tat­ver­dacht ei­ner Straf­tat nach den §§ 185 ff. StGB be­ste­he; zwar möge der
An­zei­ge­er­stat­ter Gründe für die An­nah­me ha­ben, dass die­se Äußerung auf ihn be­zo­gen war. Rein ob­jek­tiv sei die getätig­te Äußerung je­doch nicht in­di­vi­dua­li­sier­bar, so dass ei­ne Be­lei­di­gung des An­zei­ge­er­stat­ters aus­schei­de (auf BI. 33 der Straf­ak­te wird Be­zug ge­nom­men).
Der ge­gen die Ein­stel­lung ge­rich­te­ten Be­schwer­de des Klägers vom 04.09.2009 (BI. 35 ff. der Straf­ak­te) gab der Ge­ne­ral­staats­an­walt mit Be­scheid vom 14.10.2009 kei­ne Fol­ge (BI. 53 f. d. A.). In den Gründen des Be­schei­des schloss sich der Ge­ne­ral­staats­an­walt der Be­gründung der Staats­an­walt­schaft vom 21.08.2009 an und wies darüber hin­aus dar­auf hin, dass der Be­schul­dig­te durch die Äußerun­gen er­kenn­bar ei­ne bloße Mei­nungsäußerung getätigt ha­be, wel­che zu­dem auf ei­nen Zu­stand und nicht auf Per­so­nen be­zo­gen ge­we­sen sei. Die — auch dras­ti­sche — Kri­tik an Zuständen, Maßnah­men oder Ver­hal­tens­wei­sen un­ter­fal­le aber nicht dem Schutz­be­reich des § 185 StGB (auf Sei­te 2 des Be­schei­des vom 14.10.2009, BI. 54 der staats­an­walt­schaft­li­chen Er­mitt­lungs­ak­te, wird Be­zug ge­nom­men).
Mit Schrift­satz sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 12.06.2009 reich­te der Kläger die vor­lie­gen­de Kla­ge beim Land­ge­richt ein. Mit Be­schluss vom 25.02.2010 erklärte das an­ge­ru­fe­ne Land­ge­richt den Rechts­weg vor den Zi­vil­ge­rich­ten für un­zulässig und ver­wies den Rechts­streit an das Ar­beits­ge­richt (BI. 91 ff. d. A.).
der Be­klag­te ha­be ihn durch des­sen Äußerun­gen vom 09.03.2009 in sei­nem Persönlich­keits­recht ver­letzt und schul­de ihm im We­sent­li­chen Un­ter­las­sung so­wie Wi­der­ruf der Äußerun­gen und Schmer­zens­geld.
Die in dem Sit­zungs­pro­to­koll wie­der­ge­ge­be­nen Äußerun­gen des Be­klag­ten vom 09.03.2009 bezüglich des men­schen­ver­ach­ten­den Um­gan­ges bei der C - gGmbH und auch bezüglich der an­geb­li­chen Dra­ma­tik bezögen sich kon­kret auf den Kläger, was sich auch aus der Nen­nung des Na­mens des Klägers im Pro­to­koll „in die­sem Zu­sam­men­hang" zwang­los er­sch­ließe. Dass der Be­klag­te die ent­spre­chen­de Erklärung in Be­zug auf den Kläger ab­ge­ge­ben ha­be, er­ge­be sich des Wei­te­ren aus ei­nem Schrei­ben des Klägers vom 06.02.2007 an den ... vor al­lem aus der ein­lei­ten­den Pas­sa­ge, wo­nach „seit mitt­ler­wei­le zehn Jah­ren das un­ak­zep­ta­ble Ver­hal­ten
und Agie­ren von Herrn R. be­ob­ach­tet wer­de (auf das in den Schrift­satz des Kläger­ver­tre­ters vom 07.06.2010 hin­ein ge­scann­te Schrei­ben vom 06.02.2007, BI. 118 f. d. A., wird Be­zug ge­nom­men).
Der Be­zug auf den Kläger er­ge­be sich des Wei­te­ren ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass der Be­klag­te schon in ei­nem — in dem An­schrei­ben an den Bi­schof vom 06.02.2007 zi­tier­ten — Gespräch mit dem ... am 22.10.1001 in sei­ner Ei­gen­schaft als Vor­sit­zen­der der DIAG MAV B kon­kret ge­gen den Kläger zu Fel­de ge­zo­gen sei und des­sen Ver­hal­ten ge­genüber Mit­ar­bei­ter, Ver­tre­tern und Ver­tre­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen zu sank­tio­nie­ren ver­sucht ha­be (auf den in den Schrift­satz der Kläger­ver­tre­ter vom 07.06.2010 ein­ge­scann­ten Pro­to­koll­aus­zug über das Gespräch vom 22.10.2001, BI. 120 f. d. A. wird Be­zug ge­nom­men).
Aus all­dem re­sul­tie­re, dass der Be­klag­te seit ge­rau­mer Zeit ständig stei­gern­de An­grif­fe und pau­scha­le Ver­ur­tei­lun­gen ge­gen den Kläger vor­neh­me, oh­ne kon­kre­te Sach­ver­hal­te zu be­nen­nen und zu be­le­gen. Für die­se pau­scha­len Dif­fa­mie­run­gen ge­be es we­der Grund noch An­lass. Zwar sei der Be­klag­te Mit­glied des Or­gans ei­ner Mit­ar­bei­ter-Ar­beits­ge­mein­schaft, je­doch ha­be er als sol­ches im Rah­men des streit­ge­genständ­li­chen Sach­ver­hal­tes man­gels ent­spre­chen­der Kom­pe­ten­zen kei­ner­lei Möglich­keit, sich be­fugt auf ar­beits­recht­li­chem Ge­biet zu be­we­gen. Vor al­lem könne er sich nicht hin­ter ir­gend­ei­nem kol­lek­tiv­recht­li­chen Be­schwer­de­recht ver­ste­cken.
Die Aus­sa­ge des Be­klag­ten stell­ten den Kläger als Mit­ar­bei­ter der C.-
gGmbH un­ter ei­nen Ge­ne­ral­ver­dacht, der in kei­ner Form mit Fak­ten un­ter­legt sei und ei­ner Über­prüfung auch nicht stand­hal­te.
Der Kläger ist der Auf­fas­sung, dass die pro­to­kol­lier­ten Äußerun­gen des Be­klag­ten vom 09.03.2009 als Tat­sa­chen­be­haup­tung zu würdi­gen sei­en. Der In­halt der pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­gen des Be­klag­ten las­se nur das Verständ­nis zu, dass hier ei­ne ei­ge­ne — vom Be­klag­ten in­halt­lich be­wusst for­mu­lier­te — Erklärung ab­ge­ge­ben wor­den sei, die das Ver­hal­ten des Klägers im Rah­men der Ausübung sei­ner be­ruf­li­chen Tätig­keit und des­sen Aus­wir­kun­gen auf die Ar­beit des Gre­mi­ums, dem der Be­klag­te vor­ste­he, ein­dring­lich und nach­hal­tig be­schrei­ben sol­le.
Dies gel­te ins­be­son­de­re für die Be­zeich­nung des Ver­hal­tens des Klägers als um­en­schen­ver­ach­tend". Die­ser Be­griff wer­de, im deut­schen Sprach­raum vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit der Be­hand­lung der Ju­den durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­wen­det. Die Aus­sa­ge des Be­klag­ten stel­le ei­ne Tat­sa­chen­be­haup­tung dar, die das Ver­hal­ten des Klägers qua­li­ta­tiv der­ar­ti­gen Gräuel­ta­ten gleich­stel­le, ob­wohl dem Be­klag­ten be­kannt sei, dass ein sol­cher Ver­gleich un­ter kei­nen Umständen und aus kei­nem Blick­win­kel ge­recht­fer­tigt sei.
Die Äußerun­gen des Be­klag­ten stell­ten ei­ne for­ma­le Be­lei­di­gung dar und ver­letz­ten den Kläger in sei­nem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht.
Hier­aus re­sul­tie­re ein An­spruch des Klägers auf Un­ter­las­sung der Äußerun­gen vom 09.03.2009. Das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht sei ein sons­ti­ges Recht im Sinn des § 823 Abs. 1 BGB. Die §§ 185 ff. StGB sei­en Schutz­ge­set­ze im Sin­ne des § 823 Abs. 2 BGB. Der Be­klag­te ha­be sich ei­ne un­er­laub­te Hand­lung ge­leis­tet, möch­te sie je­doch durch ei­ne ar­beits­recht­li­che In­ter­es­sens­wahr­neh­mung ka­schie­ren; er ver­de­cke da­durch sei­ne pri­va­te Lust an der Be­lei­di­gung, Ver­leum­dung und Verächt­lich­ma­chung des Klägers.
Der Un­ter­las­sungs­an­spruch sei auch nicht durch ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Be­klag­ten an den streit­ge­genständ­li­chen Be­haup­tun­gen im Sin­ne des § 193 StGB ge­recht­fer­tigt, weil er den Wahr­heits­ge­halt vor Ab­ga­be der ent­spre­chen­den Erklärun­gen ge­zielt über­prüft ha­be und — wäre ei­ne sol­che Über­prüfung er­folgt — die­se zu dem Er­geb­nis geführt hätte, dass die be­an­stan­de­ten Äußerun­gen un­wahr sei­en.
Zu­dem sei auch die für ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch er­for­der­li­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ge­ge­ben, wie be­reits aus der Wei­ge­rung des Klägers zur Un­ter­zeich­nung der Un­ter­las­sungs­erklärung re­sul­tie­re. Wei­ter könne sich der Be­klag­te auch nicht auf das Grund­recht der frei­en Mei­nungsäußerung be­ru­fen. Die­ses Grund­recht gel­te nach der ge­fes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes nicht vor­be­halts— und gren­zen­los. Viel­mehr fin­de es nach Art. 5 Abs. 3 GG sei­ne Schran­ken in den Vor­schrif­ten der all­ge­mei­nen Ge­set­ze, wo­zu auch der Be­lei­di­gungs­pa­ra­graph des § 185 StGB gehöre. Bei her­ab­set­zen­den Äußerun­gen, die sich als For­mal­bei­ei­di­gung oder Schmähung er­wei­sen, tre­te die Mei­nungs­frei­heit hin­ter den Eh­ren­schutz zurück. Ei­ne der­art her­ab­set­zen­de Äußerung sei ins­be­son­de­re ge­ge­ben, wenn es nicht mehr um die Aus­ein­an­der­set­zung in der Sa­che ge­he, son­dern die Dif­fa­mie­rung der Per­son im Vor­der­grund ste­he. Ins­be­son­de­re durch die Be­zeich­nung des kläge­ri­schen Ver­hal­tens als men­schen­ver­ach­tend ha­be der Be­klag­te den Kläger aus nie­de­ren Mo­ti­ven in sei­nen Grund­rech­ten be­ein­träch­tigt und in straf­recht­lich re­le­van­ter Wei­se an­ge­grif­fen; hier­bei ha­be er un­ter dem Deck­man­tel sei­ner ar­beits­recht­li­chen Stel­lung ge­han­delt.
Über die Un­ter­las­sung hin­aus be­gehrt der Kläger auch den Wi­der­ruf der Äußerun­gen vom 09.03.2009 ge­genüber den Empfängern des Pro­to­kolls.
Der Kläger ist in­so­weit der Auf­fas­sung, dass er den Wi­der­ruf der be­an­stan­de­ten Erklärun­gen for­dern könne, weil ih­re Un­wahr­heit fest­ste­he und im Übri­gen der Kläger wie­der­um in sei­nem Persönlich­keits­recht ver­letzt sei. Dies gel­te um­so mehr, als die be­an­stan­de­ten Äußerun­gen aus­sch­ließlich dif­fa­mie­ren­den Cha­rak­ter hätten und da­mit un­zulässig sei­en.
Wei­ter be­gehrt der Kläger die Ver­ur­tei­lung des Be­klag­ten, dem Kläger Aus­kunft darüber zu er­tei­len, an wen das Gesprächs­pro­to­koll vom 09.03.2009 ver­sandt wur­de. Es sei zu berück­sich­ti­gen, dass die­ses Pro­to­koll ei­nem Empfänger­kreis zugäng­lich ge­macht wor­den sei, der — an­ge­sichts der Stel­lung der DiAG MAV B — ver­mut­lich al­le Or­ga­ni­sa­ti­ons­glie­de­run­gen des ... um­fas­se. Hier­aus er­ge­be sich die Fol­ge, dass die vom Be­klag­ten auf­ge­stell­ten Be­haup­tun­gen ei­ne Ver­brei­tung er­fah­ren, durch die die all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rech­te des Klägers umfäng­lich beschädigt wor-
den sei­en. Ins­be­son­de­re zur Um­set­zung sei­nes An­spru­ches auf Wi­der­ruf die­ser Äußerun­gen bedürfe der Kläger der ein­ge­klag­ten Aus­kunft.
Die Kla­ge auf Aus­kunfts­er­tei­lung sei auch nicht auf ei­ne unmögli­che Leis­tung ge­rich­tet. Dem Be­klag­ten sei be­kannt, an wel­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­glie­de­run­gen das Pro­to­koll sei­tens der DiAG MAV B ver­sandt wor­den sei. Zu­dem ha­be die Geschäftsführe­rin der DiAG MAV B, Frau R. , das Pro­to­koll geführt und auch im Com­pu­ter der DiAG MAV B, ab­ge­spei­chert. Die DiAG MAV B be­sit­ze da­her auch das Ori­gi­nal­pro­to­koll, wenn es mit rech­ten Din­gen zu­ge­he.
Höchst­vor­sorg­lich be­gehrt der Kläger statt ei­ner Aus­kunfts­er­tei­lung und des Wi­der­rufs zu­sam­men­fas­send nur den Wi­der­ruf in Schrift­form und die Aushändi­gung der Wi­der­rufs­erklärung im Ori­gi­nal an den Kläger.
Darüber hin­aus ist der Kläger der Auf­fas­sung, dass ihm auf­grund des mas­si­ven Ein­griffs in sein Persönlich­keits­recht ge­gen den Be­klag­ten ein An­spruch auf Schmer­zens­geld zu­ste­he.
Die Höhe des Schmer­zen­gel­des wer­de in das Er­mes­sen des Ge­rich­tes ge­stellt. In An­be­tracht der vorsätz­li­chen oder zu­min­dest grob fahrlässi­gen Schädi­gung müsse das Schmer­zens­geld je­doch in ei­nem Rah­men zwi­schen 1.000,-- € und 3.000,-- € an­ge­sie­delt sein. Die Schwe­re des Ein­griffs in das Persönlich­keits­recht des Klägers sei ins­be­son­de­re an­ge­sichts der Brei­ten­wir­kung, die die Äußerung des Be­klag­ten durch den Ver­sand des Pro­to­kolls er­fah­ren ha­be, sehr nach­hal­tig, be­son­ders hin­sicht­lich der As­so­zia­tio­nen, die mit dem vom Be­klag­ten gewähl­ten Aus­druck „men­schen­ver­ach­tend" ver­bun­den sind.
Sch­ließlich be­gehrt der Kläger die Er­stat­tung der außer­ge­richt­li­chen Kos­ten, die durch die Tätig­keit des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten ent­stan­den sei­en und be­zif­fert die­se in Höhe von 546,69 €.
Der Kläger stellt zu­letzt fol­gen­de Anträge:
1. Dem Be­klag­ten wird bei Mei­dung ei­nes Ord­nungs­gel­des bis zu 250.000,00 EUR er­satz­wei­se Ord­nungs­haft bis zu höchs­tens zwei Jah­ren oder Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten un­ter­sagt, wört­lich oder sinn­gemäß zu be­haup­ten
1.1 der Kläger pfle­ge ei­nen men­schen­ver­ach­ten­den Um­gang;
1.2 das The­ma, nämlich das Ver­hal­ten des Klägers, sei an Dra­ma­tik nicht zu über­bie­ten;
1.3 durch die­ses Ver­hal­ten des Klägers sei ein Hin­de­rungs­grund ge­ge­ben, der die Din­ge — ge­meint die Erörte­rung und Be­hand­lung von Sach­fra­gen im Rah­men des DiAG MAV — mas­siv be­ein­träch­ti­ge.
2. Für den Fall der Zu­wi­der­hand­lung wird ei­ne Ord­nungs­stra­fe in Höhe von 5.000,00 EUR er­satz­wei­se 50 Ta­ge Ord­nungs­haft an­ge­droht.
3. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger darüber Aus­kunft zu er­tei­len, an wen das Gesprächs­pro­to­koll des Ab­stim­mungs­gespräches zwi­schen dem Vor­stand der der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen in (DiAG MAV B) und den Ver­tre­ter/in­nen der Dienst­ge­ber vom 09.03.2009 ver­sandt wur­de.
4. Der Be­klag­te wird — nach Aus­kunfts­er­tei­lung — ver­ur­teilt, den Empfängern des un­ter Zif­fer 2 be­zeich­ne­ten Pro­to­kolls ge­genüber die un­ter Zif­fer 1 be­zeich­ne­ten Erklärun­gen in Schrift­form zu wi­der­ru­fen.
Hilfs­wei­se zu den Kla­ge­anträgen zu 3) und zu 4):
Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger ge­genüber in Schrift­form die un­ter Kla­ge­an­trag Zif­fer 1 be­zeich­ne­ten Erklärun­gen zu wi­der­ru­fen und die Wi­der­rufs­erklärung im Ori­gi­nal an den Kläger aus­zuhändi­gen.
5. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger ein Schmer­zens­geld nebst Zin­sen i. H. v. 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Rechtshängig­keit zu be­zah­len, des­sen Höhe in das Er­mes­sen des Ge­rich­tes ge­stellt wird.
6. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger außer­ge­richt­li­che Kos­ten i. H. v. 549,69 EUR nebst Zin­sen i. H. v. 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab dem 13.05.2009 zu be­zah­len.
Der Be­klag­te hält ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch be­reits aus dem Grun­de für aus­ge­schlos­sen, weil das Kla­ge­vor­brin­gen un­sub­stan­ti­iert sei.
So tra­ge die Kläger­sei­te nicht ein­mal selbst vor, dass der Be­klag­te wört­lich oder nur sinn­gemäß be­haup­tet ha­be, der Kläger pfle­ge ei­nen men­schen­ver­ach­ten­den Um­gang, das The­ma, nämlich das Ver­hal­ten des Klägers, sei an Dra­ma­tik nicht zu über­bie­ten und durch die­ses Ver­hal­ten des Klägers sei ein Hin­de­rungs­grund ge­ge­ben, der die Din­ge mas­siv be­ein­träch­ti­ge.
Nach dem Pro­to­koll soll der Be­klag­te le­dig­lich fest­ge­stellt ha­ben, dass von ein­zel­nen Ver­ant­wort­li­chen ein men­schen­ver­ach­ten­der Um­gang ge­pflegt wer­de. Der Be­klag­te trägt vor, dass al­len­falls auf­fal­lend sei, dass der Kläger sich an­ge­spro­chen fühle. Die Text­pas­sa­ge be­inhal­te aber ge­ra­de nicht die Aus­sa­ge: „Herr R. pfle­ge ei­nen men­schen­ver­ach­ten­den Um­gang".
Auch hin­sicht­lich der zwei­ten be­gehr­ten Un­ter­las­sung fin­de sich nir­gend­wo im Pro­to­koll, dass der Be­klag­te geäußert ha­be, das Ver­hal­ten des Herrn R. sei an Dra­ma­tik nicht zu über­bie­ten.
Auch aus der fol­gen­den Pas­sa­ge „das in die­sem Zu­sam­men­hang an­ge­spro­che­ne Ver­hal­ten von Herrn R. will Herr Pf. in die­ser Gesprächs­run­de aus­klam­mern las­se nicht er­ken­nen, wer in die­sem Zu­sam­men­hang wel­ches Ver­hal­ten des Herrn R an­ge­spro­chen ha­be. Es ste­he dort nicht aus­drück­lich „das in die­sem Zu­sam­men­hang von
Herrn M. an­ge­spro­che­ne Ver­hal­ten''. Es könn­te al­so ge­nau­so gut auch von an­de­ren Teil­neh­mern der Run­de an­ge­spro­chen wor­den sein.
Schon aus die­sem Grund be­sit­ze die Pro­to­koll­pas­sa­ge kei­ner­lei „straf­recht­lich re­le­van­ten In­halt". Es sei nir­gend­wo der Zu­sam­men­hang her­ge­stellt, dass das Ver­hal­ten von Herrn R. der men­schen­ver­ach­ten­de Um­gang sei.
Im Übri­gen wäre ein Un­ter­las­sungs­an­spruch auch schon aus dem Grun­de aus­ge­schlos­sen, weil es völlig le­gi­tim wäre, wenn ein gewähl­ter Man­datsträger der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen ein Ver­hal­ten ei­nes Per­so­nal­lei­ters ei­ner Ein­rich­tung, die dem Ver­band an­gehört, als un­ak­zep­ta­bel kri­ti­siert oder in sei­ner Ei­gen­schaft als Vor­sit­zen­der der DiAG das Ver­hal­ten ei­nes Per­so­nal­lei­ters ge­genüber den dor­ti­gen Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tern und —Ver­tre­te­rin­nen als nicht ak­zep­ta­bel be­wer­ten würde.
Des Wei­te­ren schei­de ein persönli­cher rechts­wid­ri­ger An­griff auf den Kläger von vorn­her­ein aus, weil der Kläger dem Be­griff „men­schen­ver­ach­tend" ei­ne zu en­ge Be­deu­tung bei­mes­se, in­dem er die­sen auf Na­zi­gräuel zu re­du­zie­ren ver­su­che.
„Men­schen­ver­ach­tend" wer­de re­gelmäßig im Zu­sam­men­hang mit der Ver­let­zung von Persönlich­keits­rech­ten und der Men­schenwürde ver­wen­det. Es han­de­le sich um ein wer­ten­des Ad­jek­tiv, das in vie­ler­lei Zu­sam­men­hang ver­wen­det würde. Es han­de­le sich qua­si um ei­ne Rou­ti­ne­for­mel für Vulgär-Mo­ra­lis­ten jeg­li­cher Cou­leur. Dem Be­griff „men­schen-ver­ach­tend" kom­me ei­ne in der Ar­beits­welt gebräuch­li­che Be­deu­tung vor. Sie sei weit ent­fernt von Na­zi­gräuel­ta­ten, son­dern er­fas­se Ver­hal­tens­wei­sen von Ar­beit­ge­ber­ver­tre­tern, die die Ver­let­zung von Ar­beit­neh­mer­rech­ten und Persönlich­keits­rech­ten von Ar­beit­neh­mern dar­stell­ten.
In die­sem Zu­sam­men­hang sei­en ins­be­son­de­re die grund­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, vor al­lem das Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit zu be­ach­ten. We­gen der über­ra­gen­den Be­deu­tung des Grund­rech­tes auf Mei­nungs­frei­heit sei sei­ne Berück­sich­ti­gung im Rah­men des Mögli­chen ge­bo­ten. Hier­bei sei ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass die streit­ge­genständ­li­che For­mu­lie­rung sich aus ei­nem Pro­to­koll über ein Gespräch zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern er­ge­be und dass es Auf­ga­be der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung sei, Be­schwer­den von Ar­beit­neh­mern auf­zu­neh­men, wei­ter­zu­ge­ben und für Ab­hil­fe zu sor­gen. Dass hier­bei auch wer­ten­de Einschätzun­gen der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ge­genüber der Ar­beit­ge­ber­sei­te geäußert wer­den dürf­ten, sei Sinn und Zweck der kol­lek­tiv-recht­li­chen Ver­tre­tung von Beschäftig­ten.
Das BAG ha­be mit Ur­teil vom 12.01.2006 be­tont, dass bei der Kon­kre­ti­sie­rung ver­trag­li­cher Rück­sicht­nah­me­pflich­ten die grund­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, ins­be­son­de­re das Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit, zu be­ach­ten sei­en. Es sei da­her unschädlich, wenn selbst in Veröffent­li­chun­gen Kri­tik teil­wei­se po­le­misch und über­spitzt for­mu­liert wer­de. Ei­ne all­ge­mei­ne Kri­tik an all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Verhält­nis­sen sei —auch wenn sie über­spitzt und po­le­misch aus­fal­le — je­der­zeit vom Grund­recht der frei­en Mei­nungsäußerung ge­deckt — um­so mehr, wenn die Mei­nungsäußerung im Rah­men ei­ner öffent­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung er­fol­ge. Die­se Ent­schei­dung ha­be das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu der For­mu­lie­rung gefällt, dass ei­ne „men­schen­ver­ach­ten­de Jagd auf Kran­ke in dem Un­ter­neh­men" statt­fin­den würde.
Aus die­sem Grund lie­ge in kei­ner Wei­se ein persönli­cher rechts­wid­ri­ger An­griff auf den Kläger vor.
Man­gels ei­ner Ver­let­zung des Persönlich­keits­rech­tes des Klägers durch den Be­klag­ten sei­en we­der Un­ter­las­sungs­ansprüche noch Ansprüche auf Wi­der­ruf, Schmer­zens­geld oder Er­stat­tung außer­ge­richt­li­cher An­walts­kos­ten ge­ge­ben.
Im Übri­gen sei der An­spruch auf Aus­kunfts­er­tei­lung be­reits auf ei­ne unmögli­che Leis­tung ge­rich­tet. Der Be­klag­te sei nicht der­je­ni­ge, der das Ori­gi­nal­pro­to­koll be­sit­ze. Er könne da­her gar kei­ne Aus­kunft er­tei­len, an wen der Ar­beit­ge­ber des Klägers oder der Ver­band,
des­sen Mit­glied der Ar­beit­ge­ber des Klägers ist, wel­che Pro­to­kol­le ver­sandt ha­be. Der Aus­kunfts­an­trag rich­te sich schlicht ge­gen den fal­schen Be­klag­ten. Auf wes­sen PC ein Pro­to­koll ab­ge­spei­chert sei, sei in­so­weit nicht maßgeb­lich. Für die Her­aus­ga­be von Pro­to­kol­len und den Nach­weis, an wen wel­che Pro­to­kol­le ver­sen­det wor­den sind, sei ein­zig und al­lein die Geschäfts­stel­le des ... für die ... zuständig; der Be­klag­te sei gar nicht pas­siv­le­gi­ti­miert.
Zur Ergänzung des Sach- und Streit­stan­des wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die bei­ge­zo­ge­ne staats­an­walt­schaft­li­che Er­mitt­lungs­ak­te Be­zug ge­nom­men.
Die Kla­ge ist zulässig, je­doch voll­umfäng­lich un­be­gründet.
Die Rechts­weg­zuständig­keit der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen steht auf­grund der bin­den­den Wir­kung des Ver­wei­sungs­be­schlus­ses des Land­ge­richts vom 25.02.2010 nach § 17 a Abs. 2 Satz 3 GVG fest.
Die ört­li­che Zuständig­keit er­gibt sich aus §§ 46 Abs. 2 ArbGG, 12, 13 ZPO.
Das von dem Be­klag­ten be­haup­te­te Feh­len sei­ner Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on hin­sicht­lich des Aus­kunfts­an­spru­ches zu 3) gehört nicht in die Zulässig­keit der Kla­ge, son­dern ggf. de­ren Be­gründet­heit.
Ein Un­ter­las­sungs­an­spruch des Klägers ist nicht ge­ge­ben.
1. Her­ab­set­zen­de, fal­sche oder rufschädi­gen­de Aus­sa­gen können die persönli­che In­te­grität und die so­zia­le Ach­tung des An­ge­grif­fe­nen in Fra­ge stel­len und ins­be­son­de­re sein all­ge­mei­nes Persönlich­keits­recht ver­let­zen. Die Zi­vil­rechts­ord­nung stellt bei rechts­wid­ri­gen Ver­let­zun­gen des Persönlich­keits­rechts Ansprüche des An­ge­grif­fe­nen auf Un­ter­las­sung so­wie auf Be­sei­ti­gung, vor­nehm­lich auf Wi­der­ruf der Äußerun­gen und bei schuld­haf­ten Ver­let­zun­gen auch zusätz­lich An­spruch auf Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld zur Verfügung (Pa­landt/Sprau, Kom­men­tar zum BGB, 69. Aufl., § 823 Rn. 123).
2. Das BGB enthält kei­ne ei­ge­ne An­spruchs­grund­la­ge für ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch ge­gen ehr­ver­let­zen­de Äußerun­gen. Der An­spruch wird viel­mehr als „qua­si­ne­ga­to­ri­scher An­spruch in Ana­lo­gie zu den ne­ga­to­ri­schen Ansprüchen des BGB auf ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung der §§ 12, 862 Abs. 1 Satz 2, 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB in Ver­bin­dung mit der je­wei­li­gen Schutz­norm gestützt. Als Schutz­norm der Eh­re kommt in ers­ter Li­nie § 823 Abs. 1 und Abs. 2 BGB i. V. m. §§ 185 ff. StGB in Be­tracht (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., Einf. v. § 823 Rn. 18).
a) Der Un­ter­las­sungs­an­spruch setzt zunächst ei­ne „ehr­ver­let­zen­de Äußerung" vor­aus (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 823 Rn. 94; Einf. v. § 823 Rn. 19). Hier­bei darf bei der Prüfung, ob ei­ne Äußerung ehr­ver­let­zend ist, der Be­griff der Ehr­ver­let­zung nicht so weit aus­ge­dehnt wer­den, dass für die Berück­sich­ti­gung der Mei­nungs­frei­heit kein Raum mehr bleibt (BVerfG NJW 1977, 799; NJW 1986, 1533).
b) Des Wei­te­ren setzt ein Un­ter­las­sungs­an­spruch vor­aus, dass der Ein­griff in das geschütz­te Rechts­gut durch die be­an­stan­de­te Äußerung künf­tig mit ei­ner hin-rei­chend großen und kon­kre­ten Wahr­schein­lich­keit droht (sog. Erst­be­ge­hungs-oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, Pa­landt­lSprau, Einf. v. § 823 Rn. 20 mit vie­len Hin­wei­sen auf die Recht­spre­chung). In der Re­gel wird nach der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung der Zi­vil­ge­rich­te ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr schon dann ver­mu­tet, wenn ein rechts­wid­ri­ger Ein­griff in die Rechts­sphäre des An­ge­grif­fe­nen be­reits ein­mal ge­sche­hen ist; die Ver­mu­tung kann je­doch wi­der­legt wer­den (Pa­landt­lSprau, a. a. 0., Einf. v. § 823 Rn. 20 und 21).
c) Der Un­ter­las­sungs­an­spruch setzt kein Ver­schul­den vor­aus. Be­reits das Reichs­ge­richt hat es als ein „Ge­bot der Ge­rech­tig­keit" an­ge­se­hen, ge­gen die Wie­der­ho­lung ei­nes nur ob­jek­tiv wi­der­recht­li­chen Ein­griffs Schutz zu gewähren (RGZ 60, 6; Pa­landt/Sprau, a. a. 0., Einf. v. § 823 Rn. 19 a. E.).
3. Vor­lie­gend ist zwi­schen den Par­tei­en be­reits strei­tig, ob über­haupt ob­jek­tiv ein Ein­griff des Be­klag­ten in das Persönlich­keits­recht des Klägers ge­ge­ben ist. So zieht der Be­klag­te be­reits in Zwei­fel, dass sich aus dem Pro­to­koll über die Sit­zung vom 09.03.2009 er­ge­be, dass er die dor­ti­gen Äußerun­gen hin­sicht­lich des Klägers ge­macht ha­be und ob kon­kret er das Ver­hal­ten des Klägers an­ge­spro­chen ha­be.
Hier­auf kommt es nach Über­zeu­gung des Ge­rich­tes je­doch eben­so we­nig an wie auf die Fra­ge, ob be­reits we­gen des et­wai­gen Vor­lie­gens ei­ner Erst­be­ge­hung durch den Be­klag­ten oder we­gen des­sen Wei­ge­rung zur Un­ter­zeich­nung der straf­be­wehr­ten Un­ter­las­sungs­erklärung ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ge­ge­ben ist.
Selbst wenn man un­ter­stellt, der Be­klag­te ha­be am 09.03.2009 sei­ne Äußerun­gen mit kon­kre­tem Be­zug auf den Kläger ge­macht, so­wie des Wei­te­ren un­ter­stellt, die­se Äußerun­gen sei­en ehr­ver­let­zend und be­gründe­ten ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, wäre nach Auf­fas­sung des Ge­rich­tes ein Un­ter­las­sungs­an­spruch des Klägers je-
den­falls man­gels Wi­der­recht­lich­keit ei­ner der­ar­ti­gen Äußerung aus­ge­schlos­sen.
Ein Un­ter­las­sungs­an­spruch be­steht nämlich nur un­ter der wei­te­ren Vor­aus­set­zung, dass die künf­ti­ge Wie­der­ho­lung der um­strit­te­nen Äußerung rechts­wid­rig wäre. Als Rechts­fer­ti­gungs­grund kommt in ers­ter Li­nie das Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit in Be­tracht (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 823 Rn. 95, 101 ff.).
Die Recht­fer­ti­gung setzt vor­aus, dass der Schutz­be­reich des Grund­rechts berührt ist. Art. 5 Abs. 1 GG schützt die Äußerungs­frei­heit (BVerfG, NJW 1996, 1529).
Äußerun­gen las­sen sich in Wert­ur­tei­le und Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen un­ter­schei­den (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 823 BGB Rn. 101; BVerfG, NJW 2003, 1856). Wert­ur­tei­le un­ter­fal­len stets dem Schutz­be­reich des Grund­rech­tes, Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen je­den­falls dann, wenn sie Grund­la­ge für die Bil­dung von Mei­nun­gen oder in an­de­rer Wei­se mei­nungs­be­zo­gen sind (BVerfG, NJW 1983, 1415; BGH NJW 1998, 3047).
Ge­nießt ei­ne Äußerung den Schutz des Art. 5 Abs. 1 GG, sind das auf Art. 2 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG be­ru­hen­de all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht des Ver­letz­ten und das Grund­recht auf freie Mei­nungsäußerung nach Art. 5 Abs. 1 GG des Äußern­den ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen. Die Mei­nungs­frei­heit fin­det nach Art. 5 Abs. 2 GG ih­re Schran­ke u. a. in dem Schutz der persönli­chen Eh­re und in den all­ge­mei­nen Ge­set­zen. Bei die­ser Prüfung ist im We­sent­li­chen dar­auf ab­zu­stel­len, ob die Äußerung als Wert­ur­teil oder als Tat­sa­chen­be­haup­tung ein­zu­stu­fen ist (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 823 BGB Rn. 95 so­wie Rn. 101).
Han­delt es sich um ei­ne Tat­sa­chen­be­haup­tung, ist der Wahr­heits­ge­halt der Aus­sa­ge zu prüfen. Ist der Wahr­heits­ge­halt der Tat­sa­che in Streit, hat der Äußern­de den Wahr­heits­be­weis zu führen. Der BGH geht dann von ei­ner er­wei­ter­ten Dar­le-
gungs­last des­je­ni­gen aus, der ei­ne eh­renrühri­ge Tat­sa­che über ei­nen an­de­ren be­haup­tet und be­han­delt die um­strit­te­nen Äußerun­gen, kommt der sich Äußern­de die­ser Dar­le­gungs­last nicht nach, als wahr (BGH, NJW 1974, 1710; Pa-landt/Sprau, a. a. 0., § 823 Rn. 101 a).
Han­delt es sich bei der Äußerung um ein Wert­ur­teil, ist zwi­schen den Be­lan­gen des Eh­ren­schut­zes und der Mei­nungs­frei­heit ab­zuwägen. Hier­bei hat die Mei­nungs­frei­heit im Grund­satz Vor­rang vor dem Persönlich­keits­schutz. Ih­re Ein­schränkung be­darf der Recht­fer­ti­gung durch hin­rei­chend ge­wich­ti­ge Ge­mein­wohl-be­lan­ge oder schutzwürdi­ge Rech­te und In­ter­es­sen Drit­ter. Hier­bei stellt ins­be­son­de­re die In­ten­sität der Grund­rechts­be­las­tung ei­nen we­sent­li­chen Abwägungs­ge­sichts­punkt dar. Je schwe­rer der Ein­griff in das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht wiegt, des­to eher hat die Un­ter­las­sungs­kla­ge Er­folg. Mei­nungs­frei­heit hat zurück­zu­tre­ten, wenn ei­ne Schmähkri­tik oder ei­ne rei­ne For­mal­be­lei­di­gung vor­liegt. Dies setzt vor­aus, dass die Äußerung sich jen­seits auch po­le­mi­scher und über­spitz­ter Kri­tik in der Her­ab­set­zung der an­ge­grif­fe­nen Per­son erschöpft (BGH, NJW 1974, 1762; BVerfG, NJW 1991, 95; all­ge­mein hier­zu Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 823 BGB Rn. 102 mit vie­len Hin­wei­sen auf Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur).
Die An­wen­dung der vor­ste­hen­den Grundsätze der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung auf den vor­lie­gen­den Fall er­gibt, dass ei­ne evtl. ob­jek­ti­ve Ver­let­zung des Persönlich­keits­rech­tes des Klägers durch den Be­klag­ten je­den­falls der Wi­der­recht­lich­keit er­man­gelt.
1. Die Äußerun­gen des Klägers vom 09.03.2009, selbst wenn sie tatsächlich aus­sch­ließlich oder we­nigs­tens un­ter an­de­rem auch den Kläger be­trof­fen ha­ben soll­ten, stel­len nach Über­zeu­gung des Ge­richts kei­ne Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen, son­dern le­dig­lich wer­ten­de Mei­nungs­kund­gaben dar.
a) Ein Wert­ur­teil ist durch die sub­jek­ti­ve Be­zie­hung des sich Äußern­den zum In­halt sei­ner Aus­sa­ge ge­kenn­zeich­net, während für die Tat­sa­chen­be­haup­tung die ob­jek­ti­ve Be­zie­hung zwi­schen Äußerung und Wirk­lich­keit cha­rak­te­ris­tisch ist. Das Wert­ur­teil ist durch Ele­men­te des Mei­nens und der Stel­lung­nah­me ge­prägt, während die Tat­sa­chen­be­haup­tung et­was als ob­jek­tiv ge­ge­ben hin­stel­len will (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 824 BGB Rn. 2 ff. mit vie­len Hin­wei­sen auf Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur). Ent­schei­dend ist, ob ei­ne Äußerung ins­ge­samt durch die Ele­men­te der Stel­lung­nah­me, des Dafürhal­tens oder Mei­nens ge­prägt ist, weil ihr Tat­sa­chen­ge­halt so sub­st­an­z­arm ist, dass er ge­genüber der sub­jek­ti­ven Wer­tung in den Hin­ter­grund tritt, oder ob die Äußerung über­wie­gend durch den Be­richt über tatsächli­che Vorgänge ge­prägt ist und bei dem Adres­sa­ten zu­gleich die Vor­stel­lung von kon­kre­ten Vorgängen her­vor­ruft, die als sol­che ei­ner Über­prüfung mit den Mit­teln des Be­wei­ses zugäng­lich sind (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 824 BGB Rn. 4; BVerfG NJW 1983, 1415 zur Mei­nungsäußerung; BGH NJW 2006, 830 zur Tat­sa­chen­be­haup­tung). Da­bei ist der Be­griff der Mei­nung weit zu ver­ste­hen. Ins­be­son­de­re wenn ei­ne Tren­nung des wer­ten­den vom tatsächli­chen Ge­halt den Sinn der Äußerung auf­he­ben oder verfälschen würde, ist die­se ins­ge­samt als Mei­nungsäußerung an­zu­se­hen (BVerfG NJW 1993, 1845). Die Tat­sa­chen­be­haup­tung ist ei­ner Be­weisführung im Grund­satz zugäng­lich, die Mei­nungsäußerung ist es nicht.
b) Die in dem Sit­zungs­pro­to­koll wie­der­ge­ge­be­nen streit­ge­genständ­li­chen Äußerun­gen des Be­klag­ten be­haup­ten kei­ner­lei Tat­sa­chen, son­dern stel­len le­dig­lich ei­ne sub­jek­ti­ve Be­wer­tung im De­tail nicht be­nann­ter Ver­hal­tens-wei­sen als men­schen­ver­ach­tend dar. Die­se Äußerung be­steht al­lein aus Ele­men­ten der Stel­lung­nah­me, des Dafürhal­tens oder Mei­nens, sie ent­behrt jeg­li­cher Be­nen­nung ir­gend­wel­cher Tat­sa­chen. Der Äußern­de stellt er­kenn­bar nicht ir­gend­wel­che Tat­sa­chen als ob­jek­tiv ge­ge­ben hin, son­dern be­schränkt sich al­lein auf die Kund­ga­be ei­ner sub­jek­ti­ven Wer­tung.
Auch die wei­te­ren Äußerun­gen, wo­nach „das The­ma an Dra­ma­tik nicht zu über­bie­ten" sei und hier ein „Hin­de­rungs­grund" ge­ge­ben sei, „der die Din­ge mas­siv be­ein­träch­ti­ge", be­inhal­ten kei­ner­lei Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen, die ei­ner ob­jek­ti­ven Be­weisführung zugäng­lich wären. Auch die­se Äußerun­gen be­schränken sich ein­deu­tig auf die bloße Kund­ga­be sub­jek­ti­ver Einschätzun­gen und Wer­tun­gen.
2. Die hin­sicht­lich die­ser Mei­nungsäußerun­gen durch­zuführen­de Abwägung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts des Klägers mit dem Grund­recht des Be­klag­ten auf freie Mei­nungsäußerung er­gibt in An­be­tracht der vor­lie­gen­den Ein­zel­fal­l­umstände, dass die Mei­nungs­frei­heit des Be­klag­ten über­wiegt und ei­ne evtl. Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts des Klägers je­den­falls nicht wi­der­recht­lich wäre.
Ins­be­son­de­re die Äußerung des Be­klag­ten, von ein­zel­nen Ver­ant­wort­li­chen würde ein men­schen­ver­ach­ten­der Um­gang ge­pflegt, stellt — wenn sie tatsächlich hin­sicht­lich des Klägers ab­ge­ge­ben ist — nach Auf­fas­sung des Ge­rich­tes in der Tat ei­ne har­te schar­fe und auch ab­wer­ten­de Form der Mei­nungsäußerung dar. Zwar teilt die Kam­mer nicht un­ein­ge­schränkt die Auf­fas­sung des Klägers, dass der Aus­druck „men­schen­ver­ach­tend" im deut­schen Sprach­raum vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit den Gräuel­ta­ten der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­wen­det wer­de. Viel­mehr ist — wie die von der Be­klag­ten­sei­te an­geführ­ten vielfälti­gen Bei­spie­le deut­lich ma­chen — be­dau­er­li­cher­wei­se ein eher in­fla­ti­onärer Ge­brauch die­ses Ad­jek­tivs zu be­ob­ach­ten. Den­noch ist nach Auf­fas­sung des Ge­rich­tes nicht außer Blick zu ver­lie­ren, dass der Aus­druck „men­schen­ver­ach­tend" sei­nem Wort­sinn nach ei­ne höchst ne­ga­ti­ve Einschätzung ei­nes Men­schen, ei­nes Ver­hal­tens oder ei­nes Zu­stan­des zum Aus­druck bringt. Das Ge­wicht die­ser ne­ga­ti­ven Einschätzung wäre vor­lie­gend zu­dem noch durch den Um­stand erhöht, dass so­wohl der Kläger als auch der Be­klag­te vor dem Hin­ter­grund der be­son­ders ho­hen mo­ra­li­schen und ethi­schen Ansprüche ih­res be­ruf­li­chen Tätig­keits­fel­des im Be­reich der christ­li­chen Nächs­ten­lie­be die Einschätzung als men­schen­ver­ach­tend als be­son­ders hart und scharf emp­fin­den müssen.
In An­be­tracht des be­reits auf­ge­zeig­ten grundsätz­li­chen Vor­ran­ges der Mei­nungs­frei­heit vor dem Persönlich­keits­schutz (BVerfG, NJW 98, 2889) sind die Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit noch nicht über­schrit­ten, wenn die sub­jek­ti­ve Mei­nung hart, scharf und über­spitzt, pro­vo­kant, ab­wer­tend, über­stei­gert, po­le­misch und iro­nisch geäußert wird. Viel­mehr er­langt der Schutz des Persönlich­keits­rech­tes erst dann Vor­rang, wenn sich die Äußerung als An­griff auf die Men­schenwürde des Kri­ti­sier­ten, als Schmähkri­tik oder als rei­ne For­mal­be­lei­di­gung dar­stellt (BVerfG, NJW 99, 1322; Pa­landt/Sprau, a. a. 0., § 823 BGB Rn. 102).
Vor­lie­gend ist den Äußerun­gen des Be­klag­ten — wenn sie auf den Kläger be­zo­gen sein soll­ten — nach Auf­fas­sung des er­ken­nen­den Ge­richts noch nicht zu ent­neh­men, dass es dem Be­klag­ten al­lein um ei­ne Dif­fa­mie­rung des Klägers oder dar­um ge­gan­gen sei, ihn in sei­ner Per­son her­ab­zu­set­zen. Im Übri­gen schließt sich das er­ken­nen­de Ge­richt der straf­recht­li­chen Einschätzung der Staats­an­walt­schaft so­wie der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft an, wo­nach ei­ne Straf­tat der Be­lei­di­gung nicht ge­ge­ben ist.
In die­sem Zu­sam­men­hang kommt es ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers auch nicht dar­auf an, ob Äußerun­gen rich­tig oder falsch, wert­voll oder wert­los, emo­tio­nal oder ra­tio­nal sind. Wert­ur­tei­le ste­hen ei­ner Rich­tig­keits­kon­trol­le nicht of­fen. Da­her ist ei­ne Wer­tung der kri­ti­schen Äußerun­gen in in­halt­li­cher Ab­sicht kein zulässi­ger Ge­sichts­punkt im Rah­men der Abwägung zwi­schen Persönlich­keits­schutz und Mei­nungs­frei­heit (BVerfG, NJW 1983, 1415).
Nach al­le­dem steht zur Über­zeu­gung des er­ken­nen­den Ge­rich­tes fest, dass hin-sicht­lich der Äußerun­gen des Be­klag­ten vom 09.03.2009 das Grund­recht auf freie Mei­nungsäußerung des Be­klag­ten den Persönlich­keits­schutz des Klägers über­wiegt. So­mit fehlt es zu­min­dest an der Wi­der­recht­lich­keit ei­ner evtl. Ver­let­zung des Persönlich­keits­rech­tes des Klägers durch den Be­klag­ten.
Ein Un­ter­las­sungs­an­spruch des Klägers ist aus die­sem Grun­de aus­ge­schlos­sen.
Man­gels des Vor­lie­gens ei­ner Straf­tat ist der Un­ter­las­sungs­an­spruch des Klägers auch nicht auf die Ver­let­zung ei­nes Schutz­ge­set­zes im Sin­ne des § 823 Abs. 2 BGB i. V. m. § 185 StGB zu stützen.
Auch die wei­te­ren, vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Ansprüche, ins­be­son­de­re auf Wi­der­ruf, auf Schmer­zens­geld so­wie auf Kos­ten­er­stat­tung schei­tern al­le­samt be­reits am Feh­len ei­ner ob­jek­ti­ven und rechts­wid­ri­gen Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rech­tes des Klägers (Pa­landt/Sprau, a. a. 0., Einf. v. § 823 Rn. 32; § 823 Rn. 123) bzw. an ei­ner Ver­let­zung ei­nes Schutz­ge­set­zes im Sin­ne des § 823 Abs. 2 BGB
Der Kla­ge muss­te da­her auch hin­sicht­lich al­ler an­de­ren Kla­ge­for­de­run­gen von vorn­her­ein der An­spruch ver­sagt blei­ben.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 46 Abs. 2 ArbGG, 91 ZPO.
Der Streit­wert be­misst sich hin­sicht­lich des Un­ter­las­sungs­an­spru­ches in An­leh­nung an § 23 Abs. 3 Satz 2 RVG in Höhe von € 4.000,--. Der An­spruch auf Aus­kunfts­er­tei­lung und Wi­der­ruf war dem­ge­genüber we­gen teil­wei­ser Iden­tität mit dem Un­ter­sa­gungs­an­spruch le­dig­lich in Höhe des Hälf­te­wer­tes mit 2.000,-- an­zu­set­zen. Hin­sicht­lich des Schmer­zens­gel­des war von dem Kläger­seits als Min­dest­rah­men an­ge­ge­ben Be­trag von 3.000,-- aus­zu­ge­hen. Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch war in der kon­kret be­zif­fer­ten Höhe fest­zu­set­zen. Der Streit­wert beläuft sich mit­hin auf € 4.000,-- + 2.000,-- + 3.000,-- + 549,-- = 9.549,--.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann der Kläger Be­ru­fung ein­le­gen.
Die Be­ru­fung muss in­ner­halb von 2 Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich be­gründet wer­den.
Rich­ter am Ar­beits­ge­richt /ba
zur Übersicht 10 Ca 592/10

References: § 25
 § 170
 § 185
 § 823
 § 823
 § 193
 Art. 5
 § 185
 § 17
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 § 823
 Art. 5
 § 823
 BGH 
 Art. 5
 Art. 2
 Art. 1
 Art. 5
 Art. 5
 § 823
 BGH 
 § 823
 § 823
 § 824
 § 824
 BGH 
 § 823
 § 823
 § 185
 § 823
 § 823
 § 823
 § 23