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Timestamp: 2018-06-22 12:45:19+00:00

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382 Siri-Kalakanni-Jataka
382. Die Erzählung von Siri und Kalakanni (Siri-Kalakanni-Jataka)
§A. Dies er zählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf Anathapindika. Seitdem dieser nämlich zur Frucht der Bekehrung gelangt war, beobachtete er beständig die fünf Gebote; auch seine Gattin, seine Söhne und Töchter, seine Diener, die um Lohn arbeiteten, und alle seine Sklaven beobachteten sie.
Eines Tages nun begann man in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Lieber, Anathapindika ist selbst rein und nur von Reinen beständig umgeben.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach der Meister: „Ihr Mönche, auch in der Vorzeit waren Weise von Reinen umgeben.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, war der Bodhisattva ein Großkaufmann. Er spendete Almosen, beobachtete die Gebote und hielt die Uposatha-Bestimmungen. Auch seine Gattin beobachtete die fünf Gebote, ebenso seine Söhne und Töchter und alle seine Sklaven und Diener. Er wurde überall „der Großkaufmann Suciparivara“ (= „der von Reinen umgebene“) [0a] genannt.
§1. „Wer ist dies mit der schwarzen Farbe,
zum Anschauen nicht angenehm?
Wer bist du oder wessen Tochter,
wie sollen wir dich kennen lernen?“
§2. „Ich bin die Tochter des Großkönigs
Virupakkha, die Grausame.
Die unselige Kali [4] bin ich,
den Unglücksvogel nennt man mich.
Gib einen Platz mir, da ich bitte;
wir wollen bei dir wohnen bleiben.“
§3. „Bei einem Mann von welcher Tugend,
von welchem Wandel willst du wohnen?
Da ich dich frage, sag es mir,
dass wir, Kali, dich kennen lernen!“
§4. „Ein Heuchler, Üppiger und Zorniger,
ein Geiziger, Habsüchtiger, ein Falscher,
ein solcher Mann gefällt mir wohl,
der das verliert, was er bekommen.“
Ebendieselbe sprach auch folgende fünfte, sechste und siebente Strophe:
§5. „Ein Zorniger, Feindseliger,
wer andre trennet durch Verleumdung,
wer Böses spricht, wer grausam ist,
der ist mir darum lieber noch.
§6. Wer seinen Vorteil nicht versteht,
ob heut, ob morgen er es tut,
wer bei Ermahnung zornig wird,
wer stets sich für den Bessern hält,
§7. Der Mann, der immer brennt von Lust,
der alle Freude von sich stößt,
ein solcher Mann gefällt mir gut,
bei diesem fühle ich mich wohl.“
§8. „Entferne, Kali, dich von hier,
bei uns gibt 's keinen solchen Mann.
Ja, geh nur in ein andres Land,
in Städte und in Residenzen.“
§9. „Auch ich erkenne dich sehr wohl;
bei euch gibt 's keinen solchen Mann.
Doch Böse gibt es auf der Welt,
sie häufen viele Schätze auf;
doch ich mit meinem Bruder Deva [5],
wir wollen sie verschwinden lassen [6].“ —
§10. „Wer ist dies, die mit Götterfarbe
hier auf die Erde sich gestellt?
§11. „Ich bin die Tochter des Großkönigs
Dhatarattha, des Herrlichen.
Ich bin Siri und Lakkhi auch [7];
als voll von Weisheit kennt man mich.
§12. „Bei einem Mann von welcher Tugend,
dass wir, Lakkhi, dich kennen lernen.“
§13. „Wer, ob es kalt ist oder ob es heiß ist,
bei Sonn' und Wind, bei Mücken oder Schlangen,
den Durst und Hunger gänzlich überwindet;
wer Tag und Nacht beständig sich bemüht,
die Arbeit zur bestimmten Zeit nicht aufschiebt,
der ist mir lieb und bei dem weile ich.
§14. Wer frei von Zorn, freundlich und opferwillig,
erfüllt mit Tugend, redlich und gerade,
gewinnend, sanft und freundlich redend, und auch
auf hohen Platz gelangt demütig bleibt,
dem Manne wend' ich zu des Segens Fülle,
so wie beim Ozean die Wellen strömen.
§15. Wer, ob ein Freund es sei oder ein Feind,
ob es ein Bessrer ist, ob gleich, ob niedrer,
ob er zu nützen oder schaden strebt,
im Offnen wie Geheimen günstig redet
und niemals spricht ein hartes, raues Wort,
dem steh ich bei im Leben wie im Tod.
§16. Doch wer dies hat erlangt, und weil das Glück
ihm hold ist, sich unweise überhebt,
wenn glänzend er erscheint und unrecht handelt,
den gebe bald ich auf wie Schmutz und Unrat.
§17. Man schafft sich selber nur das Glück,
das Unglück zieht man selbst sich zu;
denn nicht macht einer bei dem andern,
dass er im Glück, im Unglück ist.“ —
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war die Göttin Siri Uppalavanna, der Großkaufmann Suciparivara aber war ich.“
Ende der Erzählung von Siri und Kalakanni
[0a] Auf Pali: „Suciparivarasetthi” = „der von Reinen umgebene Großkaufmann”.
[1] Die vier Großkönige, die den ersten Freudenhimmel regieren, sind Dhatarattha, der Regent des Nordens, Virulha, der Regent des Südens, Virupakkha, der Regent des Westens, und Vessavana, der des Ostens.
[2] Der Name bedeutet „Unglücksvogel“; „Siri“ = „Glück, Pracht“.
[3] Einer der vier großen Seen im Himalaya.
[4] Die Göttin des Bösen, des Unglücks.
[5] Deva, d. i. Gott, ist hier als Eigenname eines bestimmten göttlichen Wesens gebraucht.
[6] Der Kommentator fügt hinzu: „Wir aber haben viele göttliche Schätze, göttliche Sitze und göttliche Lagerstätten. Magst du es mir geben oder nicht, was bedarf ich deiner?“ Nach diesen Worten verschwand sie.
[7] Siri, die Göttin des Glücks, ist dieselbe wie „Lakkhi“, skr. „Laksmi“, die Göttin des Gedeihens.

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17