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Timestamp: 2020-07-10 04:06:45+00:00

Document:
Lawbrary | AsylG - Asylgesetz
Grundsätze (1 - 6)
Allgemeine Bestimmungen (6 - 17)
Asylgesuch und Einreise (18 - 23)
Zentren des Bundes (24 - 24)
Das erstinstanzliche Verfahren (25 - 41)
Stellung während des Asylverfahrens (42 - 43)
Vollzug der Wegweisung und Ersatzmassnahmen (44 - 48)
Asylgewährung und Rechtsstellung der Flüchtlinge
Asylgewährung (49 - 55)
Asyl für Gruppen (56 - 57)
Rechtsstellung der Flüchtlinge (58 - 62)
Beendigung des Asyls (63 - 65)
Gewährung vorübergehenden Schutzes und Rechtsstellung der Schutzbedürftigen
Allgemeine Bestimmungen (66 - 67)
Verfahren (68 - 73)
Rechtsstellung (74 - 75)
Beendigung des vorübergehenden Schutzes und Rückkehr (76 - 79)
Sozialhilfe und Nothilfe
Ausrichtung von Sozialhilfe, Nothilfe und Kinderzulagen sowie Grundschulunterricht (80 - 84)
Rückerstattungspflicht und Sonderabgabe auf Vermögenswerten (85 - 87)
Bundesbeiträge (88 - 95)
Plangenehmigung bei Bauten und Anlagen des Bundes
Allgemeine Bestimmungen (95 - 95)
Plangenehmigungsverfahren (95 - 95)
Schätzungsverfahren; vorzeitige Besitzeinweisung (95 - 95)
Rechtsmittelverfahren (95 - 95)
Grundsätze (96 - 99)
Informationssystem der Zentren des Bundes und der Unterkünfte an den Flughäfen (99 - 99)
Andere Informationssysteme (100 - 102)
Datenbearbeitung im Rahmen der Dublin-Assoziierungsabkommen (102 - 102)
Rechtsschutz, Beschwerdeverfahren, Wiedererwägung und Mehrfachgesuche
Rechtsschutz in den Zentren des Bundes (102 - 102)
Beratung und Rechtsvertretung im erweiterten Verfahren nach Zuweisung auf die Kantone (102 - 102)
Unentgeltliche Rechtspflege (102 - 102)
Beschwerdeverfahren auf Kantonsebene (103 - 103)
Beschwerdeverfahren auf Bundesebene (104 - 111)
Wiedererwägung und Mehrfachgesuche (111 - 112)
Hinderung und Stillstand der Verjährung (112 - 112)
Asylverfahren im Rahmen von Testphasen (112 - 112)
Internationale Zusammenarbeit (113 - 114)
Strafbestimmungen zum 5. Kapitel 2. Abschnitt (115 - 117)
Strafbestimmungen zum 7. Kapitel 2. Abschnitt (117 - 117)
Strafverfolgung (118 - 118)
Schlussbestimmungen (119 - 123)
Schlussbestimmungen zur Änderung vom 19. Dezember 2003
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 16. Dezember 2005
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012
Übergangsbestimmungen der Änderung vom 26. September 2014
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 16. Dezember 2016
vom 26. Juni 1998 (Stand am 1. März 2019)
gestützt auf Artikel 121 Absatz 1 der Bundesverfassung1,2 nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 4. Dezember 19953,
die Asyl­ge­wäh­rung und die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge in der Schweiz;
den vor­über­ge­hen­den Schutz von Schutz­be­dürf­ti­gen in der Schweiz und de­ren Rück­kehr.
Art. 2 Asyl
1Die Schweiz ge­währt Flücht­lin­gen auf Ge­such hin Asyl; mass­ge­bend ist die­ses Ge­setz.
2Asyl um­fasst den Schutz und die Rechts­stel­lung, die Per­so­nen auf­grund ih­rer Flücht­lings­ei­gen­schaft in der Schweiz ge­währt wer­den. Es schliesst das Recht auf An­we­sen­heit in der Schweiz ein.
1Flücht­lin­ge sind Per­so­nen, die in ih­rem Hei­mat­staat oder im Land, in dem sie zu­letzt wohn­ten, we­gen ih­rer Ras­se, Re­li­gi­on, Na­tio­na­li­tät, Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner be­stimm­ten so­zia­len Grup­pe oder we­gen ih­rer po­li­ti­schen An­schau­un­gen ernst­haf­ten Nach­tei­len aus­ge­setzt sind oder be­grün­de­te Furcht ha­ben, sol­chen Nach­tei­len aus­ge­setzt zu wer­den.
2Als ernst­haf­te Nach­tei­le gel­ten na­ment­lich die Ge­fähr­dung des Lei­bes, des Le­bens oder der Frei­heit so­wie Mass­nah­men, die einen un­er­träg­li­chen psy­chi­schen Druck be­wir­ken. Den frau­en­spe­zi­fi­schen Flucht­grün­den ist Rech­nung zu tra­gen.
3Kei­ne Flücht­lin­ge sind Per­so­nen, die we­gen Wehr­dienst­ver­wei­ge­rung oder De­ser­ti­on ernst­haf­ten Nach­tei­len aus­ge­setzt sind oder be­grün­de­te Furcht ha­ben, sol­chen Nach­tei­len aus­ge­setzt zu wer­den. Vor­be­hal­ten bleibt die Ein­hal­tung des Ab­kom­mens vom 28. Ju­li 19511 über die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge (Flücht­lings­kon­ven­ti­on).2
4Kei­ne Flücht­lin­ge sind Per­so­nen, die Grün­de gel­tend ma­chen, die we­gen ih­res Ver­hal­tens nach der Aus­rei­se ent­stan­den sind und die we­der Aus­druck noch Fort­set­zung ei­ner be­reits im Hei­mat- oder Her­kunfts­staat be­ste­hen­den Über­zeu­gung oder Aus­rich­tung sind. Vor­be­hal­ten bleibt die Flücht­lings­kon­ven­ti­on vom 28. Ju­li 1951.3
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 28. Sept. 2012 (Dring­li­che Än­de­run­gen des Asyl­ge­set­zes) (AS 2012 5359; BBl 2010 4455, 2011 7325). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
Art. 4 Gewährung vorübergehenden Schutzes
Die Schweiz kann Schutz­be­dürf­ti­gen für die Dau­er ei­ner schwe­ren all­ge­mei­nen Ge­fähr­dung, ins­be­son­de­re wäh­rend ei­nes Krie­ges oder Bür­ger­krie­ges so­wie in Si­tua­tio­nen all­ge­mei­ner Ge­walt, vor­über­ge­hen­den Schutz ge­wäh­ren.
Art. 5 Rückschiebungsverbot
1Kei­ne Per­son darf in ir­gend­ei­ner Form zur Aus­rei­se in ein Land ge­zwun­gen wer­den, in dem ihr Leib, ihr Le­ben oder ih­re Frei­heit aus ei­nem Grund nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 ge­fähr­det ist oder in dem sie Ge­fahr läuft, zur Aus­rei­se in ein sol­ches Land ge­zwun­gen zu wer­den.
2Ei­ne Per­son kann sich nicht auf das Rück­schie­bungs­ver­bot be­ru­fen, wenn er­heb­li­che Grün­de für die An­nah­me vor­lie­gen, dass sie die Si­cher­heit der Schweiz ge­fähr­det, oder wenn sie als ge­mein­ge­fähr­lich ein­zu­stu­fen ist, weil sie we­gen ei­nes be­son­ders schwe­ren Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens rechts­kräf­tig ver­ur­teilt wor­den ist.
Art. 6 Verfahrensgrundsätze
Ver­fah­ren rich­ten sich nach dem Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz vom 20. De­zem­ber 19682 (VwVG), dem Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­setz vom 17. Ju­ni 20053 und dem Bun­des­ge­richts­ge­setz vom 17. Ju­ni 20054, so­weit das vor­lie­gen­de Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
3 SR 173.32
2. Kapitel: Asylsuchende
Art. 6a Zuständige Behörde
1Das Staats­se­kre­ta­ri­at für Mi­gra­ti­on (SEM)2 ent­schei­det über Ge­wäh­rung oder Ver­wei­ge­rung des Asyls so­wie über die Weg­wei­sung aus der Schweiz.
2Der Bun­des­rat be­zeich­net ne­ben den EU/EFTA-Staa­ten wei­te­re Staa­ten, in de­nen nach sei­nen Fest­stel­lun­gen:3
Si­cher­heit vor Ver­fol­gung be­steht, als si­che­re Hei­mat- oder Her­kunfts­staa­ten;
ef­fek­ti­ver Schutz vor Rück­schie­bung im Sin­ne von Ar­ti­kel 5 Ab­satz 1 be­steht, als si­che­re Dritt­staa­ten.
3Er über­prüft die Be­schlüs­se nach Ab­satz 2 pe­ri­odisch.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
2 Die Be­zeich­nung der Ver­wal­tungs­ein­heit wur­de in An­wen­dung von Art. 16 Abs. 3 der Pu­bli­ka­ti­ons­ver­ord­nung vom 17. Nov. 2004 (AS 2004 4937) auf den 1. Jan. 2015 an­ge­passt. Die­se An­pas­sung wur­de im gan­zen Text vor­ge­nom­men.
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 7 Nachweis der Flüchtlingseigenschaft
1Wer um Asyl nach­sucht, muss die Flücht­lings­ei­gen­schaft nach­wei­sen oder zu­min­dest glaub­haft ma­chen.
2Glaub­haft ge­macht ist die Flücht­lings­ei­gen­schaft, wenn die Be­hör­de ihr Vor­han­den­sein mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit für ge­ge­ben hält.
3Un­glaub­haft sind ins­be­son­de­re Vor­brin­gen, die in we­sent­li­chen Punk­ten zu we­nig be­grün­det oder in sich wi­der­sprüch­lich sind, den Tat­sa­chen nicht ent­spre­chen oder mass­ge­blich auf ge­fälsch­te oder ver­fälsch­te Be­weis­mit­tel ab­ge­stützt wer­den.
Art. 8 Mitwirkungspflicht
1Asyl­su­chen­de sind ver­pflich­tet, an der Fest­stel­lung des Sach­ver­hal­tes mit­zu­wir­ken. Sie müs­sen ins­be­son­de­re:
ih­re Iden­ti­tät of­fen le­gen;
Rei­se­pa­pie­re und Iden­ti­täts­aus­wei­se ab­ge­ben;
bei der An­hö­rung an­ge­ben, wes­halb sie um Asyl nach­su­chen;
all­fäl­li­ge Be­weis­mit­tel voll­stän­dig be­zeich­nen und sie un­ver­züg­lich ein­rei­chen oder, so­weit dies zu­mut­bar er­scheint, sich dar­um be­mü­hen, sie in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist zu be­schaf­fen;
bei der Er­he­bung der bio­me­tri­schen Da­ten mit­wir­ken;
sich ei­ner vom SEM an­ge­ord­ne­ten me­di­zi­ni­schen Un­ter­su­chung un­ter­zie­hen (Art. 26a).
2Von Asyl­su­chen­den kann ver­langt wer­den, für die Über­set­zung fremd­spra­chi­ger Do­ku­men­te in ei­ne Amtss­pra­che be­sorgt zu sein.
3Asyl­su­chen­de, die sich in der Schweiz auf­hal­ten, sind ver­pflich­tet, sich wäh­rend des Ver­fah­rens den Be­hör­den von Bund und Kan­to­nen zur Ver­fü­gung zu hal­ten. Sie müs­sen ih­re Adres­se und je­de Än­de­rung der nach kan­to­na­lem Recht zu­stän­di­gen Be­hör­de des Kan­tons oder der Ge­mein­de (kan­to­na­le Be­hör­de) so­fort mit­tei­len.
3bisPer­so­nen, die oh­ne trif­ti­gen Grund ih­re Mit­wir­kungs­pflicht ver­let­zen oder den Asyl­be­hör­den wäh­rend mehr als 20 Ta­gen nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, ver­zich­ten da­mit auf ei­ne Wei­ter­füh­rung des Ver­fah­rens. Das­sel­be gilt für Per­so­nen, die den Asyl­be­hör­den in ei­nem Zen­trum des Bun­des oh­ne trif­ti­gen Grund wäh­rend mehr als 5 Ta­gen nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Ge­su­che wer­den form­los ab­ge­schrie­ben. Ein neu­es Ge­such kann frü­he­s­tens nach drei Jah­ren de­po­niert wer­den. Vor­be­hal­ten bleibt die Ein­hal­tung der Flücht­lings­kon­ven­ti­on vom 28. Ju­li 19514.5
4Nach Vor­lie­gen ei­nes voll­zieh­ba­ren Weg­wei­sungs­ent­schei­des sind die be­trof­fe­nen Per­so­nen ver­pflich­tet, bei der Be­schaf­fung gül­ti­ger Rei­se­pa­pie­re mit­zu­wir­ken.
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012 (AS 2013 4375; BBl 2010 4455, 2011 7325). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 9 Durchsuchung
1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de darf Asyl­su­chen­de, die in ei­nem Zen­trum des Bun­des1 oder in ei­ner Pri­vat- oder Kol­lek­ti­vun­ter­kunft un­ter­ge­bracht sind, und ih­re mit­ge­führ­ten Sa­chen auf Rei­se- und Iden­ti­täts­pa­pie­re so­wie auf ge­fähr­li­che Ge­gen­stän­de, Dro­gen und Ver­mö­gens­wer­te un­kla­rer Her­kunft hin durch­su­chen.2
2Asyl­su­chen­de dür­fen nur von Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts durch­sucht wer­den.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
Art. 10 Sicherstellung und Einziehung von Dokumenten
1Das SEM nimmt die Rei­se­pa­pie­re und Iden­ti­täts­aus­wei­se von Asyl­su­chen­den zu den Ak­ten.1
2Be­hör­den und Amts­stel­len stel­len zu­han­den des SEM Rei­se­pa­pie­re, Iden­ti­täts­aus­wei­se oder an­de­re Do­ku­men­te si­cher, wenn sie Hin­wei­se auf die Iden­ti­tät ei­ner Per­son, wel­che in der Schweiz ein Asyl­ge­such ein­ge­reicht hat, ge­ben kön­nen. Bei an­er­kann­ten Flücht­lin­gen gilt Ab­satz 5.2
3Über­prüft die si­cher­stel­len­de Be­hör­de oder Amts­stel­le Do­ku­men­te nach Ab­satz 2 auf ih­re Echt­heit hin, so ist dem SEM das Re­sul­tat die­ser Über­prü­fung mit­zu­tei­len.
4Ver­fälsch­te und ge­fälsch­te Do­ku­men­te so­wie ech­te Do­ku­men­te, die miss­bräuch­lich ver­wen­det wur­den, kön­nen vom SEM oder von der Be­schwer­de­in­stanz ein­ge­zo­gen oder zu­han­den des Be­rech­tig­ten si­cher­ge­stellt wer­den.
5Päs­se oder Iden­ti­täts­aus­wei­se, wel­che den in der Schweiz an­er­kann­ten Flücht­lin­gen von de­ren Hei­mat­staat aus­ge­stellt wur­den, sind zu­han­den des SEM si­cher­zu­stel­len.3
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
Art. 11 Beweisverfahren
Wird zur Er­mitt­lung des Sach­ver­hal­tes ein Be­weis­ver­fah­ren durch­ge­führt, so kön­nen Asyl­su­chen­de zur Be­wei­s­an­ord­nung der Be­hör­de nicht vor­gän­gig Stel­lung neh­men.
Art. 12 Eröffnung und Zustellung bei einem Aufenthalt im Kanton
1Ei­ne Ver­fü­gung oder Mit­tei­lung an die letz­te den Be­hör­den be­kann­te Adres­se von Asyl­su­chen­den oder von die­sen Be­voll­mäch­tig­ten wird nach Ab­lauf der or­dent­li­chen sie­ben­tä­gi­gen Ab­hol­frist rechts­gül­tig, auch wenn die Be­trof­fe­nen auf­grund ei­ner be­son­de­ren Ver­ein­ba­rung mit der Schwei­ze­ri­schen Post erst zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt da­von Kennt­nis er­hal­ten oder wenn die Sen­dung als un­zu­stell­bar zu­rück­kommt.
2Wird die asyl­su­chen­de Per­son durch meh­re­re Be­voll­mäch­tig­te ver­tre­ten und be­zeich­nen die­se kei­ne ge­mein­sa­me Zu­stel­l­adres­se, so er­öff­net die Be­hör­de ih­re Ver­fü­gun­gen oder stellt Mit­tei­lun­gen der von der asyl­su­chen­den Per­son zu­erst be­zeich­ne­ten be­voll­mäch­tig­ten Per­son zu.
3Ver­fü­gun­gen kön­nen in ge­eig­ne­ten Fäl­len münd­lich er­öff­net und sum­ma­risch be­grün­det wer­den. Die münd­li­che Er­öff­nung ist samt Be­grün­dung pro­to­kol­la­risch fest­zu­hal­ten. Der Pro­to­kol­l­aus­zug ist der asyl­su­chen­den Per­son oder ih­rer be­voll­mäch­tig­ten Per­son aus­zu­hän­di­gen.
Art. 12a Eröffnung und Zustellung in den Zentren des Bundes
1In den Zen­tren des Bun­des er­fol­gen die Er­öff­nung von Ver­fü­gun­gen und die Zu­stel­lung von Mit­tei­lun­gen durch Aus­hän­di­gung. Ist die asyl­su­chen­de Per­son un­ter­ge­taucht, so rich­ten sich die Er­öff­nung und die Zu­stel­lung nach Ar­ti­kel 12.
2Bei Asyl­su­chen­den mit zu­ge­wie­se­ner Rechts­ver­tre­tung er­fol­gen die Er­öff­nung von Ver­fü­gun­gen und die Zu­stel­lung von Mit­tei­lun­gen an den mit der Rechts­ver­tre­tung be­auf­trag­ten Leis­tungs­er­brin­ger. Die­ser gibt der zu­ge­wie­se­nen Rechts­ver­tre­tung die Er­öff­nung oder Zu­stel­lung am glei­chen Tag be­kannt.
3Bei Asyl­su­chen­den oh­ne zu­ge­wie­se­ne Rechts­ver­tre­tung er­fol­gen die Er­öff­nung von Ver­fü­gun­gen und die Zu­stel­lung von Mit­tei­lun­gen an die asyl­su­chen­de Per­son. Ei­ner von der asyl­su­chen­den Per­son be­voll­mäch­tig­ten Per­son wird die Er­öff­nung oder Zu­stel­lung un­ver­züg­lich be­kannt ge­ge­ben.
4Die münd­li­che Er­öff­nung und sum­ma­ri­sche Be­grün­dung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 12 Ab­satz 3.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 13 Eröffnung und Zustellung in Verfahren am Flughafen und in dringlichen Fällen
1Die zu­stän­di­gen Be­hör­den kön­nen Per­so­nen, die an der Gren­ze oder bei der Grenz­kon­trol­le in ei­nem schwei­ze­ri­schen Flug­ha­fen um Asyl nach­su­chen (Art. 21-23), auch un­ter­schrie­be­ne, mit Te­le­fax über­mit­tel­te Ver­fü­gun­gen er­öff­nen. Die be­tref­fen­den Per­so­nen müs­sen die Aus­hän­di­gung der Ver­fü­gung schrift­lich be­stä­ti­gen; bleibt die Be­stä­ti­gung aus, so macht die zu­stän­di­ge Be­hör­de die Aus­hän­di­gung ak­ten­kun­dig. Ar­ti­kel 11 Ab­satz 3 VwVG2 fin­det kei­ne An­wen­dung. Der be­voll­mäch­tig­ten Per­son wird die Er­öff­nung be­kannt ge­ge­ben.
2Für das Ver­fah­ren am Flug­ha­fen gilt sinn­ge­mä­ss Ar­ti­kel 12a.
3In an­de­ren dring­li­chen Fäl­len kann das SEM ei­ne kan­to­na­le Be­hör­de, ei­ne schwei­ze­ri­sche di­plo­ma­ti­sche Missi­on oder einen kon­su­la­ri­schen Pos­ten im Aus­land (schwei­ze­ri­sche Ver­tre­tung) er­mäch­ti­gen, un­ter­schrie­be­ne, mit Te­le­fax über­mit­tel­te Ver­fü­gun­gen zu er­öff­nen.
Art. 14 Verhältnis zum ausländerrechtlichen Verfahren
1Ab Ein­rei­chung des Asyl­ge­su­ches bis zur Aus­rei­se nach ei­ner rechts­kräf­tig an­ge­ord­ne­ten Weg­wei­sung, nach ei­nem Rück­zug des Asyl­ge­su­ches oder bis zur An­ord­nung ei­ner Er­satz­mass­nah­me bei nicht durch­führ­ba­rem Voll­zug kann ei­ne asyl­su­chen­de Per­son kein Ver­fah­ren um Er­tei­lung ei­ner aus­län­der­recht­li­chen Auf­ent­halts­be­wil­li­gung ein­lei­ten, aus­ser es be­ste­he ein An­spruch auf de­ren Er­tei­lung.
2Der Kan­ton kann mit Zu­stim­mung des SEM ei­ner ihm nach die­sem Ge­setz zu­ge­wie­se­nen Per­son ei­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung er­tei­len, wenn:2
die be­trof­fe­ne Per­son sich seit Ein­rei­chung des Asyl­ge­su­ches min­des­tens fünf Jah­re in der Schweiz auf­hält;
der Auf­ent­halts­ort der be­trof­fe­nen Per­son den Be­hör­den im­mer be­kannt war;
we­gen der fort­ge­schrit­te­nen In­te­gra­ti­on ein schwer­wie­gen­der per­sön­li­cher Här­te­fall vor­liegt; und
kei­ne Wi­der­rufs­grün­de nach Ar­ti­kel 62 Ab­satz 1 des Aus­län­der- und In­te­gra­ti­ons­ge­set­zes vom 16. De­zem­ber 20054 (AIG)5 vor­lie­gen.
3Will der Kan­ton von die­ser Mög­lich­keit Ge­brauch ma­chen, so mel­det er dies dem SEM un­ver­züg­lich.
4Die be­trof­fe­ne Per­son hat nur beim Zu­stim­mungs­ver­fah­ren des SEM Par­tei­stel­lung.
5Hän­gi­ge Ver­fah­ren um Er­tei­lung ei­ner Auf­ent­halts­be­wil­li­gung wer­den mit dem Ein­rei­chen ei­nes Asyl­ge­suchs ge­gen­stands­los.
6Er­teil­te Auf­ent­halts­be­wil­li­gun­gen blei­ben gül­tig und kön­nen ge­mä­ss den aus­län­der­recht­li­chen Be­stim­mun­gen ver­län­gert wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4745; BBl 2002 6845).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012 (AS 2013 4375; BBl 2010 4455, 2011 7325). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV 4 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
5 Der Ti­tel wur­de in An­wen­dung von Art. 12 Abs. 2 des Pu­bli­ka­ti­ons­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004 (SR 170.512) auf den 1. Jan. 2019 an­ge­passt. Die­se An­pas­sung wur­de im gan­zen Text vor­ge­nom­men.
Art. 15 Interkantonale Stellen
Die Kan­to­ne kön­nen zur Er­fül­lung der ih­nen nach die­sem Ge­setz über­tra­ge­nen Auf­ga­ben, ins­be­son­de­re für die An­hö­rung, die Ent­scheid­vor­be­rei­tung und den Voll­zug der Weg­wei­sung, in­ter­kan­to­na­le Stel­len er­rich­ten.
Art. 16 Verfahrenssprache
1Ein­ga­ben an Bun­des­be­hör­den kön­nen in je­der Amtss­pra­che ein­ge­reicht wer­den. Der Bun­des­rat kann vor­se­hen, dass Ein­ga­ben von Asyl­su­chen­den, die von ei­ner be­voll­mäch­tig­ten Per­son ver­tre­ten wer­den, in Zen­tren des Bun­des in der Amtss­pra­che des Stand­ort­kan­tons des Zen­trums ein­ge­reicht wer­den.1
2Ver­fü­gun­gen oder Zwi­schen­ver­fü­gun­gen des SEM wer­den in der Spra­che er­öff­net, die am Wohn­ort der Asyl­su­chen­den Amtss­pra­che ist.2
3Das SEM kann von Ab­satz 2 ab­wei­chen, wenn:
die asyl­su­chen­de Per­son oder de­ren Rechts­ver­tre­te­rin oder Rechts­ver­tre­ter ei­ner an­de­ren Amtss­pra­che mäch­tig ist;
dies un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ge­such­sein­gän­ge oder der Per­so­nal­si­tua­ti­on für ei­ne ef­fi­zi­en­te und frist­ge­rech­te Ge­suchser­le­di­gung er­for­der­lich ist;
die asyl­su­chen­de Per­son von ei­nem Zen­trum des Bun­des ei­nem Kan­ton mit ei­ner an­de­ren Amtss­pra­che zu­ge­wie­sen wird.3
Art. 17 Besondere Verfahrensbestimmungen
1Die Be­stim­mung des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 19681 über den Fris­ten­still­stand fin­det kei­ne An­wen­dung auf das Asyl­ver­fah­ren.
2Der Bun­des­rat er­lässt er­gän­zen­de Be­stim­mun­gen über das Asyl­ver­fah­ren, ins­be­son­de­re um der spe­zi­el­len Si­tua­ti­on von Frau­en und Min­der­jäh­ri­gen im Ver­fah­ren ge­recht zu wer­den.
2bisAsyl­ge­su­che von un­be­glei­te­ten Min­der­jäh­ri­gen wer­den prio­ri­tär be­han­delt.2
3Die In­ter­es­sen von un­be­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Asyl­su­chen­den wer­den wahr­ge­nom­men für die Dau­er des Ver­fah­rens:
im Zen­trum des Bun­des und am Flug­ha­fen durch die zu­ge­wie­se­ne Rechts­ver­tre­tung als Ver­trau­ens­per­son; die­se stellt die Ko­or­di­na­ti­on mit den zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­den si­cher;
nach Zu­wei­sung in den Kan­ton durch die von den zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­den un­ver­züg­lich be­stimm­te Ver­trau­ens­per­son.3
3bisBe­ste­hen Hin­wei­se, dass ei­ne an­geb­lich min­der­jäh­ri­ge asyl­su­chen­de Per­son das Mün­dig­keits­al­ter be­reits er­reicht hat, so kann das SEM ein Al­ters­gut­ach­ten ver­an­las­sen.4
5Bei der Er­öff­nung ei­nes Ent­scheids nach Ar­ti­kel 23 Ab­satz 1, 31a oder 111c stellt das SEM der asyl­su­chen­den oder der von ihr be­voll­mäch­tig­ten Per­son gleich­zei­tig die Ver­fah­rens­ak­ten zu, wenn der Voll­zug der Weg­wei­sung an­ge­ord­net wur­de.6
6Der Bun­des­rat be­stimmt die Rol­le, die Zu­stän­dig­kei­ten und die Auf­ga­ben der Ver­trau­ens­per­son.7
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005 (AS 2006 4745, BBl 2002 6845). Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, mit Wir­kung seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
6 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
7 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. I 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V[EU] Nr. 604/2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des Mit­glied­staats, der für die Prü­fung ei­nes An­trags auf in­ter­na­tio­na­len Schutz zu­stän­dig ist), in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1841; BBl 2014 2675).
Art. 17a Gebühren für Dienstleistungen
Das SEM kann Ge­büh­ren und Aus­la­gen für Dienst­leis­tun­gen zu Guns­ten Drit­ter die­sen in Rech­nung stel­len.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005 (AS 2006 4745; BBl 2002 6845). Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
2. Abschnitt: Asylgesuch und Einreise
Art. 18 Asylgesuch
Je­de Äus­se­rung, mit der ei­ne Per­son zu er­ken­nen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Ver­fol­gung nach­sucht, gilt als Asyl­ge­such.
Art. 19 Einreichung
1Das Asyl­ge­such ist bei der Grenz­kon­trol­le in ei­nem schwei­ze­ri­schen Flug­ha­fen, bei der Ein­rei­se an ei­nem ge­öff­ne­ten Grenz­über­gang oder in ei­nem Zen­trum des Bun­des ein­zu­rei­chen. Vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 24a Ab­satz 3.
2Ein Ge­such kann nur ein­rei­chen, wer sich an der Schwei­zer Gren­ze oder auf dem Ge­biet der Schweiz be­fin­det.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, mit Wir­kung seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 21 Asylgesuch an der Grenze, nach Anhaltung im grenznahen Raum bei der illegalen Einreise oder im Inland
1Die zu­stän­di­gen Be­hör­den wei­sen Per­so­nen, die an der Gren­ze oder nach An­hal­tung bei der il­le­ga­len Ein­rei­se im grenz­na­hen Raum oder im In­land um Asyl nach­su­chen, an ein Zen­trum des Bun­des. Vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 24a Ab­satz 3.2
2Das SEM prüft sei­ne Zu­stän­dig­keit zur Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Be­stim­mun­gen der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men.
3Die Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men sind in An­hang 1 auf­ge­führt.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 13. Ju­ni 2008 (Er­gän­zun­gen im Rah­men der Um­set­zung der Schen­gen- und Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men), in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 5407 5405 Art. 2 Bst. c; BBl 2007 7937).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
1Bei Per­so­nen, die in ei­nem schwei­ze­ri­schen Flug­ha­fen um Asyl nach­su­chen, er­hebt die zu­stän­di­ge Be­hör­de die Per­so­na­li­en und er­stellt Fin­ger­ab­druck­bo­gen und Fo­to­gra­fi­en. Sie kann wei­te­re bio­me­tri­sche Da­ten er­he­ben und die Asyl­su­chen­den sum­ma­risch zum Rei­se­weg und zu den Grün­den be­fra­gen, warum sie ihr Land ver­las­sen ha­ben.2
1bisDas SEM prüft sei­ne Zu­stän­dig­keit zur Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Be­stim­mun­gen der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men.3
1terEs be­wil­ligt die Ein­rei­se, wenn die Schweiz für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens auf­grund der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/20134 zu­stän­dig ist und Asyl­su­chen­de:5
im Land, aus dem sie di­rekt in die Schweiz ge­langt sind, aus ei­nem Grund nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 ge­fähr­det oder von un­mensch­li­cher Be­hand­lung be­droht er­schei­nen; oder
glaub­haft ma­chen, dass das Land, aus dem sie di­rekt kom­men, sie in Ver­let­zung des Rück­schie­bungs­ver­bo­tes zur Aus­rei­se in ein Land zwin­gen wür­de, in dem sie ge­fähr­det er­schei­nen.6
2Kann auf Grund der Mass­nah­men nach Ab­satz 1 und der Prü­fung nach Ab­satz 1bis nicht so­fort fest­ge­stellt wer­den, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ein­rei­se­be­wil­li­gung nach Ab­satz 1ter er­füllt sind, so wird die Ein­rei­se vor­läu­fig ver­wei­gert.7
2bisUm Här­te­fäl­le zu ver­mei­den, kann der Bun­des­rat be­stim­men, in wel­chen wei­te­ren Fäl­len die Ein­rei­se be­wil­ligt wird.8
3Das SEM weist den Asyl­su­chen­den gleich­zei­tig mit der Ver­wei­ge­rung der Ein­rei­se einen Auf­ent­halts­ort zu und sorgt für an­ge­mes­se­ne Un­ter­kunft. Es über­nimmt die Kos­ten für die Un­ter­brin­gung. Für die Be­reit­stel­lung ei­ner kos­ten­güns­ti­gen Un­ter­kunft sind die Flug­ha­fen­be­trei­ber ver­ant­wort­lich.9
3bisDer Bund ge­währ­leis­tet asyl­su­chen­den Per­so­nen, die in ei­nem schwei­ze­ri­schen Flug­ha­fen ein Asyl­ge­such ein­rei­chen, un­ent­gelt­li­che Be­ra­tung und Rechts­ver­tre­tung sinn­ge­mä­ss nach den Ar­ti­keln 102f-102k.10
4Die Ver­fü­gung über die Ver­wei­ge­rung der Ein­rei­se und die Zu­wei­sung ei­nes Auf­ent­halts­or­tes ist der asyl­su­chen­den Per­son in­nert zwei Ta­gen nach der Ein­rei­chung des Ge­su­ches mit Rechts­mit­tel­be­leh­rung zu er­öff­nen. Vor­gän­gig wird ihr das recht­li­che Ge­hör ge­währt.11
5Die asyl­su­chen­de Per­son kann am Flug­ha­fen oder aus­nahms­wei­se an ei­nem an­de­ren ge­eig­ne­ten Ort längs­tens 60 Ta­ge fest­ge­hal­ten wer­den. Nach ei­nem rechts­kräf­ti­gen Weg­wei­sungs­ent­scheid kann die wei­te­re Fest­hal­tung in ei­nem Aus­schaf­fungs­ge­fäng­nis er­fol­gen.
6Das SEM kann die asyl­su­chen­de Per­son an­sch­lies­send ei­nem Kan­ton oder ei­nem Zen­trum des Bun­des zu­wei­sen. In den üb­ri­gen Fäl­len rich­tet sich das wei­te­re Ver­fah­ren am Flug­ha­fen nach den Ar­ti­keln 23, 29, 36 und 37.12
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 13. Ju­ni 2008 (Er­gän­zun­gen im Rah­men der Um­set­zung der Schen­gen- und Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men), in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 5407 5405 Art. 2 Bst. c; BBl 2007 7937).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 13. Ju­ni 2008 (Er­gän­zun­gen im Rah­men der Um­set­zung der Schen­gen- und Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men), in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 5407 5405 Art. 2 Bst. c; BBl 2007 7937).
4 Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/2013 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 26. Ju­ni 2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des Mit­glied­staats, der für die Prü­fung ei­nes von ei­nem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen oder Staa­ten­lo­sen in ei­nem Mit­glied­staat ge­stell­ten An­trags auf in­ter­na­tio­na­len Schutz zu­stän­dig ist (Neu­fas­sung), Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 180 vom 29.6.2013, S. 31.
5 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. I 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V[EU] Nr. 604/2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des Mit­glied­staats, der für die Prü­fung ei­nes An­trags auf in­ter­na­tio­na­len Schutz zu­stän­dig ist), in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1841; BBl 2014 2675).
6 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 13. Ju­ni 2008 (Er­gän­zun­gen im Rah­men der Um­set­zung der Schen­gen- und Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men), in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 5407 5405 Art. 2 Bst. c; BBl 2007 7937).
7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 13. Ju­ni 2008 (Er­gän­zun­gen im Rah­men der Um­set­zung der Schen­gen- und Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men), in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 5407 5405 Art. 2 Bst. c; BBl 2007 7937).
8 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 13. Ju­ni 2008 (Er­gän­zun­gen im Rah­men der Um­set­zung der Schen­gen- und Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men), in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 5407 5405 Art. 2 Bst. c; BBl 2007 7937).
9 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325). Sie­he auch die UeB die­ser Änd. am Schluss des Tex­tes.
10 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
11 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
12 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 23 Entscheide am Flughafen
1Be­wil­ligt das SEM die Ein­rei­se in die Schweiz nicht, so kann es auf das Asyl­ge­such nicht ein­tre­ten oder die­ses ab­leh­nen.2
2Der Ent­scheid ist in­nert 20 Ta­gen nach Ein­rei­chung des Ge­su­ches zu er­öff­nen. Dau­ert das Ver­fah­ren län­ger, so weist das SEM die asyl­su­chen­de Per­son ei­nem Kan­ton oder ei­nem Zen­trum des Bun­des zu.3
2a. Abschnitt: Zentren des Bundes
Art. 24 Zentren des Bundes
1Der Bund er­rich­tet Zen­tren, die vom SEM ge­führt wer­den. Da­bei be­ach­tet er die Grund­sät­ze der Zweck­mäs­sig­keit und der Wirt­schaft­lich­keit.
2Der Bund be­zieht bei der Er­rich­tung der Zen­tren die Kan­to­ne und die Ge­mein­den früh­zei­tig ein.
3Ei­ne Un­ter­brin­gung von Asyl­su­chen­den in ei­nem Zen­trum des Bun­des er­folgt ab Ein­rei­chung des Asyl­ge­suchs:
im be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren bis zur Asyl­ge­wäh­rung, der An­ord­nung ei­ner vor­läu­fi­gen Auf­nah­me oder bis zur Aus­rei­se;
im Du­blin-Ver­fah­ren bis zur Aus­rei­se;
im er­wei­ter­ten Ver­fah­ren bis zur Zu­wei­sung an den Kan­ton.
4Die Höchst­dau­er des Auf­ent­hal­tes in den Zen­tren des Bun­des be­trägt 140 Ta­ge. Nach Ab­lauf der Höchst­dau­er er­folgt ei­ne Zu­wei­sung an einen Kan­ton.
5Die Höchst­dau­er kann an­ge­mes­sen ver­län­gert wer­den, wenn da­durch das Asyl­ver­fah­ren rasch ab­ge­schlos­sen oder der Voll­zug der Weg­wei­sung er­fol­gen kann. Der Bun­des­rat be­stimmt die Ein­zel­hei­ten zur Ver­län­ge­rung der Höchst­dau­er des Auf­ent­hal­tes in den Zen­tren des Bun­des.
6Ei­ne Zu­wei­sung an einen Kan­ton kann auch vor Ab­lauf der Höchst­dau­er des Auf­ent­halts in den Zen­tren des Bun­des er­fol­gen ins­be­son­de­re bei ei­nem ra­schen und er­heb­li­chen An­stieg der Asyl­ge­su­che. Die Ver­tei­lung und Zu­wei­sung rich­ten sich nach Ar­ti­kel 27.
Art. 24a Besondere Zentren
1Asyl­su­chen­de, wel­che die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung er­heb­lich ge­fähr­den oder wel­che durch ihr Ver­hal­ten den Be­trieb und die Si­cher­heit der Zen­tren des Bun­des er­heb­lich stö­ren, wer­den in be­son­de­ren Zen­tren un­ter­ge­bracht, die durch das SEM oder durch kan­to­na­le Be­hör­den er­rich­tet und ge­führt wer­den. Mit der Un­ter­brin­gung in ei­nem be­son­de­ren Zen­trum ist ei­ne Ein- oder Aus­gren­zung nach Ar­ti­kel 74 Ab­satz 1bis AIG2 an­zu­ord­nen; das Ver­fah­ren rich­tet sich nach Ar­ti­kel 74 Ab­sät­ze 2 und 3 AIG.
2In den be­son­de­ren Zen­tren kön­nen un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen Asyl­su­chen­de un­ter­ge­bracht wer­den, die ei­nem Kan­ton zu­ge­wie­sen wur­den. Bund und Kan­to­ne be­tei­li­gen sich im Um­fang der Nut­zung an­teils­mäs­sig an den Kos­ten der Zen­tren.
3In den be­son­de­ren Zen­tren kön­nen die glei­chen Ver­fah­ren durch­ge­führt wer­den wie in den Zen­tren des Bun­des nach Ar­ti­kel 24; aus­ge­nom­men ist die Ein­rei­chung ei­nes Asyl­ge­suchs.
4Asyl­ge­su­che von Per­so­nen in den be­son­de­ren Zen­tren wer­den prio­ri­tär be­han­delt und all­fäl­li­ge Weg­wei­sungs­ent­schei­de prio­ri­tär voll­zo­gen.
Art. 24b Betrieb der Zentren
1Das SEM kann Drit­te mit Auf­ga­ben zur Si­cher­stel­lung des Be­triebs der Zen­tren des Bun­des be­auf­tra­gen. Die be­auf­trag­ten Drit­ten un­ter­ste­hen der glei­chen Schwei­ge­pflicht wie das Bun­des­per­so­nal.
2Das Eid­ge­nös­si­sche Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment (EJPD) er­lässt Be­stim­mun­gen, um ein ra­sches Ver­fah­ren und einen ge­ord­ne­ten Be­trieb in den Zen­tren des Bun­des si­cher­zu­stel­len.
Art. 24c Vorübergehende Nutzung von militärischen Bauten und Anlagen des Bundes
1Mi­li­tä­ri­sche Bau­ten und An­la­gen des Bun­des kön­nen, so­fern die be­ste­hen­den Un­ter­brin­gungs­struk­tu­ren nicht aus­rei­chen, oh­ne kan­to­na­le oder kom­mu­na­le Be­wil­li­gun­gen und oh­ne Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zur Un­ter­brin­gung von Asyl­su­chen­den oder zur Durch­füh­rung von Asyl­ver­fah­ren für höchs­tens drei Jah­re ge­nutzt wer­den, wenn die Zweck­än­de­rung kei­ne er­heb­li­chen bau­li­chen Mass­nah­men er­for­dert und kei­ne we­sent­li­che Än­de­rung in Be­zug auf die Be­le­gung der An­la­ge oder Bau­te er­folgt.
2Kei­ne er­heb­li­chen bau­li­chen Mass­nah­men im Sin­ne von Ab­satz 1 sind ins­be­son­de­re:
ge­wöhn­li­che Un­ter­halts­ar­bei­ten an Ge­bäu­den und An­la­gen;
ge­ring­fü­gi­ge bau­li­che Än­de­run­gen;
Aus­rüs­tun­gen von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung wie sa­ni­täre An­la­gen oder Was­ser- und Elek­tri­zi­täts­an­schlüs­se;
Fahr­nis­bau­ten.
3Ei­ne er­neu­te Nut­zung der­sel­ben Bau­ten oder An­la­gen nach Ab­satz 1 kann erst nach ei­nem Un­ter­bruch von zwei Jah­ren er­fol­gen, aus­ser der Kan­ton und die Stand­ort­ge­mein­de sind mit dem Ver­zicht auf einen Un­ter­bruch ein­ver­stan­den; vor­be­hal­ten blei­ben Aus­nah­me­si­tua­tio­nen nach Ar­ti­kel 55.
4Der Bund zeigt dem Kan­ton und der Stand­ort­ge­mein­de nach ei­ner Kon­sul­ta­ti­on die Nut­zungs­än­de­rung spä­tes­tens 60 Ta­ge vor der In­be­trieb­nah­me der Un­ter­kunft an.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 3101, 2017 6171; BBl 2014 7991).
Art. 24d Kantonale und kommunale Zentren für die Unterbringung
1Asyl­su­chen­de kön­nen in ei­nem kan­to­nal oder kom­mu­nal ge­führ­ten Zen­trum un­ter­ge­bracht wer­den, wenn nicht ge­nü­gend Un­ter­brin­gungs­plät­ze in den Zen­tren des Bun­des nach Ar­ti­kel 24 ver­füg­bar sind. Für die Un­ter­brin­gung in ei­nem kom­mu­na­len Zen­trum ist das Ein­ver­ständ­nis des Stand­ort­kan­tons er­for­der­lich.
2Der Stand­ort­kan­ton oder die Stand­ort­ge­mein­de:
ge­währ­leis­tet ei­ne an­ge­mes­se­ne Un­ter­brin­gung, Be­treu­ung und Be­schäf­ti­gung;
rich­tet die So­zi­al­hil­fe oder Not­hil­fe aus;
stellt die me­di­zi­ni­sche Be­treu­ung so­wie den Grund­schul­un­ter­richt für Kin­der si­cher;
trifft die not­wen­di­gen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen, um einen ge­ord­ne­ten Be­trieb si­cher­zu­stel­len.
3Der Stand­ort­kan­ton oder die Stand­ort­ge­mein­de kann die Auf­ga­ben nach Ab­satz 2 ganz oder teil­wei­se Drit­ten über­tra­gen.
4Für die Aus­rich­tung von So­zi­al­hil­fe und Not­hil­fe gilt kan­to­na­les Recht.
5Der Bund ent­rich­tet dem Stand­ort­kan­ton oder der Stand­ort­ge­mein­de durch Ver­ein­ba­rung Bun­des­bei­trä­ge für die Ab­gel­tung der Ver­wal­tungs- und Per­so­nal- so­wie der üb­ri­gen Kos­ten, die bei der Er­fül­lung der Auf­ga­ben nach Ab­satz 2 ent­ste­hen. Die Ab­gel­tung wird pau­schal fest­ge­setzt. Aus­nahms­wei­se kön­nen die Bei­trä­ge nach Auf­wand fest­ge­setzt wer­den, ins­be­son­de­re zur Ab­gel­tung ein­ma­lig an­fal­len­der Kos­ten.
6Die üb­ri­gen Be­stim­mun­gen für Zen­tren des Bun­des gel­ten sinn­ge­mä­ss auch für kan­to­na­le und kom­mu­na­le Zen­tren. In Zen­tren nach Ab­satz 1 kön­nen die glei­chen Ver­fah­ren durch­ge­führt wer­den wie in den Zen­tren des Bun­des nach Ar­ti­kel 24.
Art. 24e Zusätzliche Vorkehrungen
Bund und Kan­to­ne tref­fen Mass­nah­men, da­mit sie auf Schwan­kun­gen der Asyl­ge­su­che mit den er­for­der­li­chen Res­sour­cen, ins­be­son­de­re im Be­reich der Un­ter­brin­gung, des Per­so­nals und der Fi­nan­zie­rung, oder wei­te­ren Vor­keh­run­gen recht­zei­tig rea­gie­ren kön­nen.
3. Abschnitt: Das erstinstanzliche Verfahren
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012 (AS 2013 4375; BBl 2010 4455, 2011 7325). Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, mit Wir­kung seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 26 Vorbereitungsphase
1Nach Ein­rei­chung des Asyl­ge­suchs be­ginnt die Vor­be­rei­tungs­pha­se. Sie dau­ert im Du­blin-Ver­fah­ren höchs­tens 10 Ta­ge und in den üb­ri­gen Ver­fah­ren höchs­tens 21 Ta­ge.
2In der Vor­be­rei­tungs­pha­se er­hebt das SEM die Per­so­na­li­en und er­stellt in der Re­gel Fin­ger­ab­druck­bo­gen und Fo­to­gra­fi­en. Es kann wei­te­re bio­me­tri­sche Da­ten er­he­ben, Al­ters­gut­ach­ten (Art. 17 Abs. 3bis) er­stel­len, Be­weis­mit­tel und Rei­se- und Iden­ti­täts­pa­pie­re über­prü­fen und her­kunfts- so­wie iden­ti­täts­s­pe­zi­fi­sche Ab­klä­run­gen tref­fen.
3Das SEM weist die Asyl­su­chen­den auf ih­re Rech­te und Pflich­ten im Asyl­ver­fah­ren hin. Es kann die Asyl­su­chen­den zu ih­rer Iden­ti­tät, zum Rei­se­weg und sum­ma­risch zu den Grün­den be­fra­gen, warum sie ihr Land ver­las­sen ha­ben. Da­bei kann das SEM Asyl­su­chen­de über einen mög­li­chen ge­werbs­mäs­si­gen Men­schen­schmug­gel be­fra­gen. Es klärt mit der asyl­su­chen­den Per­son ab, ob ihr Asyl­ge­such hin­rei­chend be­grün­det ist. Soll­te dies nicht der Fall sein und zieht die asyl­su­chen­de Per­son ihr Ge­such zu­rück, so wird die­ses form­los ab­ge­schrie­ben und die Rück­rei­se ein­ge­lei­tet.
4Der Ab­gleich der Da­ten nach Ar­ti­kel 102abis Ab­sät­ze 2-3, die Über­prü­fung der Fin­ger­ab­drücke nach Ar­ti­kel 102ater Ab­satz 1 so­wie die An­fra­ge zur Auf­nah­me oder Wie­der­auf­nah­me an den zu­stän­di­gen durch ei­nes der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ge­bun­de­nen Staat wer­den wäh­rend der Vor­be­rei­tungs­pha­se vor­ge­nom­men.
5Das SEM kann Drit­te mit Auf­ga­ben nach Ab­satz 2 be­auf­tra­gen. Die be­auf­trag­ten Drit­ten un­ter­ste­hen der glei­chen Schwei­ge­pflicht wie das Bun­des­per­so­nal.
Art. 26a Feststellung des medizinischen Sachverhalts
1Asyl­su­chen­de müs­sen die für das Asyl- und Weg­wei­sungs­ver­fah­ren mass­ge­bli­chen ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen, die ih­nen be­reits zum Zeit­punkt der Ein­rei­chung des Asyl­ge­su­ches be­kannt wa­ren, un­mit­tel­bar nach der Ge­such­sein­rei­chung, spä­tes­tens je­doch bei der An­hö­rung zu den Asyl­grün­den nach Ar­ti­kel 36 Ab­satz 2 oder der Ge­wäh­rung des recht­li­chen Ge­hörs nach Ar­ti­kel 36 Ab­satz 1, gel­tend ma­chen.
2Für die Vor­brin­gen nach Ab­satz 1 be­zeich­net das SEM die für die Un­ter­su­chung zu­stän­di­ge me­di­zi­ni­sche Fach­per­son. Ar­ti­kel 82a gilt sinn­ge­mä­ss. Das SEM kann die not­wen­di­gen me­di­zi­ni­schen Auf­ga­ben Drit­ten über­tra­gen.
3Spä­ter gel­tend ge­mach­te oder von ei­ner an­de­ren me­di­zi­ni­schen Fach­per­son fest­ge­stell­te ge­sund­heit­li­che Be­ein­träch­ti­gun­gen kön­nen im Asyl- und Weg­wei­sungs­ver­fah­ren be­rück­sich­tigt wer­den, wenn sie nach­ge­wie­sen wer­den. Ei­ne Glaub­haft­ma­chung reicht aus­nahms­wei­se aus, wenn ent­schuld­ba­re Grün­de für die Ver­spä­tung vor­lie­gen oder im Ein­zel­fall ein Nach­weis aus me­di­zi­ni­schen Grün­den nicht er­bracht wer­den kann. Das SEM kann ei­ne Ver­trau­en­särz­tin oder einen Ver­trau­ens­arzt bei­zie­hen.
1 Ur­sprüng­lich Art. 26bis. Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325). Sie­he auch die UeB die­ser Änd. am Schluss des Tex­tes.
Art. 26b Dublin-Verfahren
Das Ver­fah­ren im Hin­blick auf einen Ent­scheid nach Ar­ti­kel 31a Ab­satz 1 Buch­sta­be b be­ginnt mit der Ein­rei­chung des Ge­suchs an einen Du­blin-Staat um Auf­nah­me oder Wie­der­auf­nah­me der asyl­su­chen­den Per­son. Es dau­ert bis zur Über­stel­lung in den zu­stän­di­gen Du­blin-Staat oder bis zu sei­nem Ab­bruch und zum Ent­scheid über die Durch­füh­rung ei­nes be­schleu­nig­ten oder er­wei­ter­ten Ver­fah­rens.
Art. 26c Beschleunigtes Verfahren
Nach Ab­schluss der Vor­be­rei­tungs­pha­se folgt das be­schleu­nig­te Ver­fah­ren um­ge­hend mit der An­hö­rung zu den Asyl­grün­den oder der Ge­wäh­rung des recht­li­chen Ge­hörs nach Ar­ti­kel 36. Der Bun­des­rat legt die ein­zel­nen Ver­fah­rens­schrit­te fest.
Art. 26d Erweitertes Verfahren
Steht nach der An­hö­rung zu den Asyl­grün­den fest, dass ein Ent­scheid im Rah­men des be­schleu­nig­ten Ver­fah­rens nicht mög­lich ist, na­ment­lich weil wei­te­re Ab­klä­run­gen er­for­der­lich sind, er­fol­gen die Zu­tei­lung in das er­wei­ter­te Ver­fah­ren und ei­ne Zu­wei­sung auf an die Kan­to­ne nach Ar­ti­kel 27.
Art. 27 Verteilung und Zuweisung auf die Kantone
1Die Kan­to­ne ver­stän­di­gen sich über die Ver­tei­lung der Asyl­su­chen­den.
1bisBe­son­de­re Leis­tun­gen, wel­che Stand­ort­kan­to­ne von Zen­tren des Bun­des oder Flug­ha­fen­kan­to­ne er­brin­gen, wer­den bei der Ver­tei­lung von Asyl­su­chen­den an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt.2
2Kön­nen sich die Kan­to­ne nicht ei­ni­gen, so legt der Bun­des­rat nach ih­rer An­hö­rung in ei­ner Ver­ord­nung die Kri­te­ri­en für die Ver­tei­lung fest.
3Das SEM weist die Asyl­su­chen­den den Kan­to­nen zu (Zu­wei­sungs­kan­to­ne).3 Es trägt da­bei den schüt­zens­wer­ten In­ter­es­sen der Kan­to­ne und der Asyl­su­chen­den Rech­nung. Der Zu­wei­sungs­ent­scheid kann nur mit der Be­grün­dung an­ge­foch­ten wer­den, er ver­let­ze den Grund­satz der Ein­heit der Fa­mi­lie.
4Nicht zu­ge­wie­sen wer­den Per­so­nen, bei de­nen der Voll­zug der Weg­wei­sung an­ge­ord­net wor­den ist und de­ren Asyl­ent­scheid in ei­nem Zen­trum des Bun­des in Rechts­kraft er­wach­sen ist oder de­ren Asyl­ge­such in ei­nem Zen­trum des Bun­des ab­ge­schrie­ben wur­de.4
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über das Ent­las­tungs­pro­gramm 2003, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1633; BBl 2003 5615).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über das Ent­las­tungs­pro­gramm 2003, (AS 2004 1633; BBl 2003 5615). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 28 Zuweisung eines Aufenthaltsortes und Unterbringung
1Das SEM oder die kan­to­na­len Be­hör­den kön­nen Asyl­su­chen­den einen Auf­ent­halts­ort zu­wei­sen.
2Sie kön­nen Asyl­su­chen­den ei­ne Un­ter­kunft zu­wei­sen, ins­be­son­de­re sie kol­lek­tiv un­ter­brin­gen. Die Kan­to­ne stel­len einen ge­ord­ne­ten Be­trieb si­cher; sie kön­nen da­zu Be­stim­mun­gen er­las­sen und Mass­nah­men er­grei­fen.1
Art. 29 Anhörung zu den Asylgründen
1Das SEM hört die Asyl­su­chen­den zu den Asyl­grün­den an; die An­hö­rung er­folgt in den Zen­tren des Bun­des.
1bisEs zieht nö­ti­gen­falls ei­ne Dol­met­sche­rin oder einen Dol­met­scher bei.
2Die Asyl­su­chen­den kön­nen sich zu­sätz­lich auf ei­ge­ne Kos­ten von ei­ner Per­son und ei­ner Dol­met­sche­rin oder ei­nem Dol­met­scher ih­rer Wahl, die sel­ber nicht Asyl­su­chen­de sind, be­glei­ten las­sen.
3Über die An­hö­rung wird ein Pro­to­koll ge­führt. Die­ses wird von den Be­tei­lig­ten un­ter­zeich­net.
Art. 29a Zusammenarbeit bei der Ermittlung des Sachverhalts
Der Bun­des­rat kann mit Dritt­staa­ten und in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen Ver­ein­ba­run­gen über die Zu­sam­men­ar­beit bei der Er­mitt­lung des Sach­ver­halts ab­sch­lies­sen. Er kann ins­be­son­de­re Ver­ein­ba­run­gen über den ge­gen­sei­ti­gen In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zur Ab­klä­rung der Flucht­grün­de ei­ner asyl­su­chen­den Per­son im Hei­mat- oder Her­kunfts­staat, ih­res Rei­se­we­ges und ih­res Auf­ent­halts in ei­nem Dritt­staat ab­sch­lies­sen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
Art. 31 Entscheidvorbereitung durch die Kantone
Das EJPD kann im Ein­ver­ständ­nis mit den Kan­to­nen fest­le­gen, dass An­ge­stell­te kan­to­na­ler Be­hör­den un­ter der Lei­tung des SEM Ent­schei­de zu­han­den des SEM vor­be­rei­ten.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
Art. 31a Entscheide des SEM
1Das SEM tritt in der Re­gel auf Asyl­ge­su­che nicht ein, wenn Asyl­su­chen­de:
in einen si­che­ren Dritt­staat nach Ar­ti­kel 6a Ab­satz 2 Buch­sta­be b zu­rück­keh­ren kön­nen, in wel­chem sie sich vor­her auf­ge­hal­ten ha­ben;
in einen Dritt­staat aus­rei­sen kön­nen, wel­cher für die Durch­füh­rung des Asyl- und Weg­wei­sungs­ver­fah­rens staats­ver­trag­lich zu­stän­dig ist;
in einen Dritt­staat zu­rück­keh­ren kön­nen, in wel­chem sie sich vor­her auf­ge­hal­ten ha­ben;
in einen Dritt­staat wei­ter­rei­sen kön­nen, für wel­chen sie ein Vi­sum be­sit­zen und in wel­chem sie um Schutz nach­su­chen kön­nen;
in einen Dritt­staat wei­ter­rei­sen kön­nen, in dem Per­so­nen, zu de­nen sie en­ge Be­zie­hun­gen ha­ben, oder na­he An­ge­hö­ri­ge le­ben;
nach Ar­ti­kel 31b in ih­ren Hei­mat- oder Her­kunfts­staat weg­ge­wie­sen wer­den kön­nen.
2Ab­satz 1 Buch­sta­ben c-e fin­det kei­ne An­wen­dung, wenn Hin­wei­se be­ste­hen, dass im Ein­zel­fall im Dritt­staat kein ef­fek­ti­ver Schutz vor Rück­schie­bung nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 1 be­steht.
3Das SEM tritt auf ein Ge­such nicht ein, wel­ches die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 18 nicht er­füllt. Dies gilt na­ment­lich, wenn das Asyl­ge­such aus­sch­liess­lich aus wirt­schaft­li­chen oder me­di­zi­ni­schen Grün­den ein­ge­reicht wird.
4In den üb­ri­gen Fäl­len lehnt das SEM das Asyl­ge­such ab, wenn die Flücht­lings­ei­gen­schaft we­der be­wie­sen noch glaub­haft ge­macht wor­den ist oder ein Asy­laus­schluss­grund nach den Ar­ti­keln 53 und 54 vor­liegt.3
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Sept. 2014, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1871; BBl 2014 3373).
Art. 31b Anerkennung von Asyl- und Wegweisungsentscheiden der Dublin-Staaten
1Ei­ne asyl­su­chen­de Per­son, ge­gen die in ei­nem Staat, der durch ei­nes der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ge­bun­den ist (Du­blin-Staat), ein ab­leh­nen­der Asyl- und ein rechts­kräf­ti­ger Weg­wei­sungs­ent­scheid er­gan­gen ist, kann nach den Vor­aus­set­zun­gen der Richt­li­nie 2001/40/EG2 di­rekt in ih­ren Hei­mat- oder Her­kunfts­staat weg­ge­wie­sen wer­den, wenn:
der zu­stän­di­ge Du­blin-Staat wäh­rend län­ge­rer Zeit kei­ne Weg­wei­sun­gen in den Hei­mat- oder Her­kunfts­staat der asyl­su­chen­den Per­son voll­zieht; und
die Weg­wei­sung aus der Schweiz vor­aus­sicht­lich rasch voll­zo­gen wer­den kann.
2Das SEM holt bei den zu­stän­di­gen Be­hör­den des be­trof­fe­nen Du­blin-Staa­tes die zum Voll­zug der Weg­wei­sung not­wen­di­gen Aus­künf­te ein und trifft die er­for­der­li­chen Ab­spra­chen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 26. Sept. 2014, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1871; BBl 2014 3373).
2 Richt­li­nie 2001/40/EG des Ra­tes vom 28. Mai 2001 über die ge­gen­sei­ti­ge An­er­ken­nung von Ent­schei­dun­gen über die Rück­füh­rung von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen, ABl. L 149 vom 2.6.2001, S. 34.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
Art. 35a Wiederaufnahme des Asylverfahrens im Rahmen des Dublin-Verfahrens
Ist die Schweiz auf­grund der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/20132 für die Prü­fung ei­nes Asyl­ge­suchs zu­stän­dig, so wird das Asyl­ver­fah­ren wie­der auf­ge­nom­men, und zwar auch dann, wenn das Asyl­ge­such zu­vor ab­ge­schrie­ben wur­de.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005 (AS 2006 4745; BBl 2002 6845). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. I 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V[EU] Nr. 604/2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des Mit­glied­staats, der für die Prü­fung ei­nes An­trags auf in­ter­na­tio­na­len Schutz zu­stän­dig ist), in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1841; BBl 2014 2675).
2 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 22 Abs. 1ter.
Art. 36 Verfahren vor Entscheiden
1Bei Nicht­ein­tre­tens­ent­schei­den nach Ar­ti­kel 31a Ab­satz 1 wird der asyl­su­chen­den Per­son das recht­li­che Ge­hör ge­währt. Das­sel­be gilt, wenn die asyl­su­chen­de Per­son:
die Be­hör­den über ih­re Iden­ti­tät täuscht und die­se Täu­schung auf­grund der Er­geb­nis­se der er­ken­nungs­dienst­li­chen Be­hand­lung oder an­de­rer Be­weis­mit­tel fest­steht;
ihr Ge­such mass­ge­blich auf ge­fälsch­te oder ver­fälsch­te Be­weis­mit­tel ab­stützt;
ih­re Mit­wir­kungs­pflicht schuld­haft auf an­de­re Wei­se grob ver­letzt.
2In den üb­ri­gen Fäl­len fin­det ei­ne An­hö­rung nach Ar­ti­kel 29 statt.
Art. 37 Erstinstanzliche Verfahrensfristen
1Ent­schei­de im Du­blin-Ver­fah­ren (Art. 26b) sind in­ner­halb von drei Ar­beits­ta­gen zu er­öff­nen, nach­dem der an­ge­frag­te Du­blin-Staat dem Er­su­chen um Über­stel­lung nach den Ar­ti­keln 21 und 23 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/20132 zu­ge­stimmt hat.
2Ent­schei­de im be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren (Art. 26c) sind in­ner­halb von acht Ar­beits­ta­gen nach Ab­schluss der Vor­be­rei­tungs­pha­se zu er­öff­nen.
3Lie­gen trif­ti­ge Grün­de vor und ist ab­seh­bar, dass der Ent­scheid im Zen­trum des Bun­des ge­trof­fen wer­den kann, so kön­nen die Fris­ten nach den Ab­sät­zen 1 und 2 um ei­ni­ge Ta­ge über­schrit­ten wer­den.
4Ent­schei­de im er­wei­ter­ten Ver­fah­ren (Art. 26d) sind in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Ab­schluss der Vor­be­rei­tungs­pha­se zu tref­fen.
5In den üb­ri­gen Fäl­len sind Nicht­ein­tre­tens­ent­schei­de in­ner­halb von fünf Ar­beits­ta­gen und Ent­schei­de in­ner­halb von zehn Ar­beits­ta­gen nach der Ge­such­stel­lung zu tref­fen.
6Das SEM ent­schei­det aus­ser­halb der Rei­he und un­ver­züg­lich, wenn die asyl­su­chen­de Per­son auf der Grund­la­ge ei­nes Er­su­chens des Staa­tes, vor wel­chem die­se Schutz in der Schweiz sucht, in Aus­lie­fe­rungs­haft ist. Dies gilt auch, wenn ge­gen sie ei­ne Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis des Straf­ge­setz­buchs (StGB)3 oder Ar­ti­kel 49a oder 49abis des Mi­li­tär­straf­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 19274 (MStG) aus­ge­spro­chen wur­de.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I, Abs. 4 und 6 ge­mä­ss Ziff. IV 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
2 Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/2013 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 26. Ju­ni 2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des Mit­glied­staats, der für die Prü­fung ei­nes von ei­nem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen oder Staa­ten­lo­sen in ei­nem Mit­glied­staat ge­stell­ten An­trags auf in­ter­na­tio­na­len Schutz zu­stän­dig ist (Neu­fas­sung), Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 180 vom 29.6.2013, S. 31.
Art. 37a Begründung
Nicht­ein­tre­tens­ent­schei­de sind sum­ma­risch zu be­grün­den.
Art. 37b Behandlungsstrategie des SEM
Das SEM legt in ei­ner Be­hand­lungs­stra­te­gie fest, wel­che Asyl­ge­su­che prio­ri­tär be­han­delt wer­den. Es be­rück­sich­tigt da­bei ins­be­son­de­re die ge­setz­li­chen Be­hand­lungs­fris­ten, die Si­tua­ti­on in den Her­kunfts­staa­ten, die of­fen­sicht­li­che Be­grün­det­heit oder Un­be­grün­det­heit der Ge­su­che so­wie das Ver­hal­ten der asyl­su­chen­den Per­so­nen.
Art. 39 Gewährung vorübergehenden Schutzes
Wird auf­grund der Be­fra­gung in ei­nem Zen­trum des Bun­des oder der An­hö­rung of­fen­kun­dig, dass Asyl­su­chen­de zu ei­ner Grup­pe Schutz­be­dürf­ti­ger nach Ar­ti­kel 66 ge­hö­ren, so wird ih­nen vor­über­ge­hen­der Schutz ge­währt.
Art. 40 Ablehnung ohne weitere Abklärungen
1Wird auf­grund der An­hö­rung of­fen­kun­dig, dass Asyl­su­chen­de ih­re Flücht­lings­ei­gen­schaft we­der be­wei­sen noch glaub­haft ma­chen kön­nen und ih­rer Weg­wei­sung kei­ne Grün­de ent­ge­gen­ste­hen, so wird das Ge­such oh­ne wei­te­re Ab­klä­run­gen ab­ge­lehnt.
2Der Ent­scheid muss zu­min­dest sum­ma­risch be­grün­det wer­den.1
Art. 41a Koordination mit dem Auslieferungsverfahren
Liegt ge­gen die asyl­su­chen­de Per­son ein Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen im Sin­ne des Rechts­hil­fe­ge­set­zes vom 20. März 19812 vor, so zieht das SEM für den Ent­scheid über das Asyl­ge­such die Ak­ten aus dem Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­ren bei.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 1. Okt 2010 über die Ko­or­di­na­ti­on des Asyl- und des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens, in Kraft seit 1. April 2011 (AS 2011 925; BBl 2010 1467).
4. Abschnitt: Stellung während des Asylverfahrens
Art. 42 Aufenthalt während des Asylverfahrens
Wer ein Asyl­ge­such in der Schweiz ge­stellt hat, darf sich bis zum Ab­schluss des Ver­fah­rens in der Schweiz auf­hal­ten.
1Wäh­rend des Auf­ent­hal­tes in den Zen­tren des Bun­des dür­fen Asyl­su­chen­de kei­ne Er­werbs­tä­tig­keit aus­üben.1
1bisDie wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung zur Er­werbs­tä­tig­keit rich­ten sich nach dem AIG2.3
2Die Be­wil­li­gung zur Er­werbs­tä­tig­keit er­lischt nach Ab­lauf der mit dem rechts­kräf­ti­gen ne­ga­ti­ven Aus­gang des Asyl­ver­fah­rens fest­ge­setz­ten Aus­rei­se­frist, selbst wenn ein aus­ser­or­dent­li­ches Rechts­mit­tel­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet und der Voll­zug der Weg­wei­sung aus­ge­setzt wur­de. Ver­län­gert das SEM die Aus­rei­se­frist im Rah­men des or­dent­li­chen Ver­fah­rens, so kann wei­ter­hin ei­ne Er­werbs­tä­tig­keit be­wil­ligt wer­den. Wäh­rend der Dau­er ei­nes Ver­fah­rens nach Ar­ti­kel 111c wird kei­ne Be­wil­li­gung zur Er­werbs­tä­tig­keit er­teilt.4
3Das EJPD kann in Ab­spra­che mit dem De­par­te­ment für Wirt­schaft, Bil­dung und For­schung die Kan­to­ne er­mäch­ti­gen, für be­stimm­te Ka­te­go­ri­en von Per­so­nen Be­wil­li­gun­gen zur Er­werbs­tä­tig­keit über den Ab­lauf der Aus­rei­se­frist hin­aus zu ver­län­gern, so­fern be­son­de­re Um­stän­de dies recht­fer­ti­gen. Dies gilt sinn­ge­mä­ss auch für Asyl­ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 111c.5
3bisDer Bun­des­rat kann für be­stimm­te Grup­pen von Asyl­su­chen­den ein be­fris­te­tes Ar­beits­ver­bot er­las­sen.6
4Asyl­su­chen­de, die nach den frem­den­po­li­zei­li­chen Be­stim­mun­gen zur Aus­übung ei­ner Er­werbs­tä­tig­keit be­rech­tigt sind oder an Be­schäf­ti­gungs­pro­gram­men teil­neh­men, un­ter­lie­gen dem Ar­beits­ver­bot nicht.7
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 1 des BG vom 16. Dez. 2005 über Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 5437, 2008 5405; BBl 2002 3709).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
6 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
7 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
5. Abschnitt: Vollzug der Wegweisung und Ersatzmassnahmen
Lehnt das SEM das Asyl­ge­such ab oder tritt es dar­auf nicht ein, so ver­fügt es in der Re­gel die Weg­wei­sung aus der Schweiz und ord­net den Voll­zug an; es be­rück­sich­tigt da­bei den Grund­satz der Ein­heit der Fa­mi­lie. Im Üb­ri­gen fin­den für die An­ord­nung des Voll­zugs der Weg­wei­sung die Ar­ti­kel 83 und 84 des AIG2 An­wen­dung.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über das Ent­las­tungs­pro­gramm 2003 (AS 2004 1633; BBl 2003 5615). Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
Art. 45 Wegweisungsverfügung
1Die Weg­wei­sungs­ver­fü­gung ent­hält:
die Ver­pflich­tung der asyl­su­chen­den Per­son, die Schweiz zu ver­las­sen;
den Zeit­punkt, bis zu dem sie die Schweiz ver­las­sen ha­ben muss; bei An­ord­nung ei­ner vor­läu­fi­gen Auf­nah­me wird die Frist für die Aus­rei­se erst mit dem Auf­he­bungs­ent­scheid fest­ge­setzt;
die An­dro­hung von Zwangs­mit­teln;
ge­ge­be­nen­falls die Be­zeich­nung der Staa­ten, in wel­che die Asyl­su­chen­de Per­son nicht zu­rück­ge­führt wer­den darf;
ge­ge­be­nen­falls die An­ord­nung ei­ner Er­satz­mass­nah­me an­stel­le des Voll­zugs;
die Be­zeich­nung des für den Voll­zug der Weg­wei­sung oder der Er­satz­mass­nah­me zu­stän­di­gen Kan­tons.
2Mit der Weg­wei­sungs­ver­fü­gung ist ei­ne an­ge­mes­se­ne Aus­rei­se­frist zwi­schen sie­ben und dreis­sig Ta­gen an­zu­set­zen. Die Aus­rei­se­frist bei Ent­schei­den, wel­che im be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren ge­trof­fen wur­den, be­trägt sie­ben Ta­ge. Im er­wei­ter­ten Ver­fah­ren be­trägt sie zwi­schen sie­ben und dreis­sig Ta­gen.3
2bisEi­ne län­ge­re Aus­rei­se­frist ist an­zu­set­zen oder die Aus­rei­se­frist wird ver­län­gert, wenn be­son­de­re Um­stän­de wie die fa­mi­li­äre Si­tua­ti­on, ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me oder ei­ne lan­ge Auf­ent­halts­dau­er dies er­for­dern.4
3Die Weg­wei­sung ist so­fort voll­streck­bar oder es kann ei­ne Aus­rei­se­frist von we­ni­ger als sie­ben Ta­gen an­ge­setzt wer­den, wenn die be­trof­fe­ne Per­son auf­grund der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men5 weg­ge­wie­sen wird.6
4Der asyl­su­chen­den Per­son ist ein In­for­ma­ti­ons­blatt mit Er­läu­te­run­gen zur Weg­wei­sungs­ver­fü­gung ab­zu­ge­ben.7
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 Ziff. 2 des BB vom 18. Ju­ni 2010 be­tref­fend die Über­nah­me der EG-Rück­füh­rungs­richt­li­nie (Richt­li­nie 2008/115/EG), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 5925; BBl 2009 8881).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
5 Die­se Abk. sind in An­hang 1 auf­ge­führt.
6 Ein­ge­fügt durch Art. 2 Ziff. 2 des BB vom 18. Ju­ni 2010 be­tref­fend die Über­nah­me der EG-Rück­füh­rungs­richt­li­nie (Richt­li­nie 2008/115/EG), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 5925; BBl 2009 8881).
7 Ein­ge­fügt durch Art. 2 Ziff. 2 des BB vom 18. Ju­ni 2010 be­tref­fend die Über­nah­me der EG-Rück­füh­rungs­richt­li­nie (Richt­li­nie 2008/115/EG), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 5925; BBl 2009 8881).
Art. 46 Vollzug durch die Kantone
1Der Zu­wei­sungs­kan­ton ist ver­pflich­tet, die Weg­wei­sungs­ver­fü­gung zu voll­zie­hen.1
1bisWäh­rend des Auf­ent­hal­tes ei­ner asyl­su­chen­den Per­son in ei­nem Zen­trum des Bun­des ist der Stand­ort­kan­ton für den Voll­zug der Weg­wei­sung zu­stän­dig. Für Per­so­nen nach Ar­ti­kel 27 Ab­satz 4 bleibt der Stand­ort­kan­ton auch nach de­ren Auf­ent­halt in ei­nem Zen­trum des Bun­des für den Voll­zug der Weg­wei­sung zu­stän­dig. Der Bun­des­rat kann vor­se­hen, dass auf­grund be­son­de­rer Um­stän­de ein an­de­rer als der Stand­ort­kan­ton als zu­stän­dig be­zeich­net wird.2
1terBei ei­nem Mehr­fach­ge­such nach Ar­ti­kel 111c bleibt der im Rah­men des frü­he­ren Asyl- und Weg­wei­sungs­ver­fah­rens zu­stän­di­ge Kan­ton wei­ter­hin für den Voll­zug der Weg­wei­sung und die Aus­rich­tung von Not­hil­fe zu­stän­dig.3
2Er­weist sich der Voll­zug aus tech­ni­schen Grün­den als nicht mög­lich, so be­an­tragt der Kan­ton dem SEM die An­ord­nung ei­ner vor­läu­fi­gen Auf­nah­me.4
3Das SEM über­wacht den Voll­zug und er­stellt zu­sam­men mit den Kan­to­nen ein Mo­ni­to­ring des Weg­wei­sungs­voll­zugs.5
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über das Ent­las­tungs­pro­gramm 2003, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1633; BBl 2003 5615).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über das Ent­las­tungs­pro­gramm 2003, (AS 2004 1633; BBl 2003 5615). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 3101; BBl 2014 7991).
Art. 47 Massnahmen bei unbekanntem Aufenthalt
Ent­zie­hen sich weg­ge­wie­se­ne Asyl­su­chen­de durch Ver­heim­li­chung ih­res Auf­ent­halts­or­tes dem Voll­zug, so kann der Kan­ton oder das SEM sie po­li­zei­lich aus­schrei­ben las­sen.
Art. 48 Zusammenarbeit der Kantone
Be­fin­den sich weg­ge­wie­se­ne Asyl­su­chen­de nicht im Kan­ton, der die Weg­wei­sung voll­zie­hen muss, so leis­tet ihm der Auf­ent­halts­kan­ton auf Er­su­chen hin Amts­hil­fe. Die Amts­hil­fe be­steht ins­be­son­de­re in der Zu­füh­rung der be­trof­fe­nen Per­son oder in ih­rer di­rek­ten Aus­schaf­fung.
3. Kapitel: Asylgewährung und Rechtsstellung der Flüchtlinge
1. Abschnitt: Asylgewährung
Asyl wird Per­so­nen ge­währt, wenn sie die Flücht­lings­ei­gen­schaft be­sit­zen und kein Asy­laus­schluss­grund vor­liegt.
Art. 50 Zweitasyl
Flücht­lin­gen, die in ei­nem an­dern Staat auf­ge­nom­men wor­den sind, kann Asyl ge­währt wer­den, wenn sie sich seit min­des­tens zwei Jah­ren ord­nungs­ge­mä­ss und un­un­ter­bro­chen in der Schweiz auf­hal­ten.
1Ehe­gat­ten von Flücht­lin­gen und ih­re min­der­jäh­ri­gen Kin­der wer­den als Flücht­lin­ge an­er­kannt und er­hal­ten Asyl, wenn kei­ne be­son­de­ren Um­stän­de da­ge­gen spre­chen.1
1bisHat das SEM wäh­rend des Asyl­ver­fah­rens An­halts­punk­te da­für, dass ein Un­gül­tig­keits­grund nach Ar­ti­kel 105 Zif­fer 5 oder 6 des Zi­vil­ge­setz­buchs2 (ZGB) vor­liegt, so mel­det es dies der nach Ar­ti­kel 106 ZGB zu­stän­di­gen Be­hör­de. Das Ver­fah­ren wird bis zur Ent­schei­dung die­ser Be­hör­de sis­tiert. Er­hebt die Be­hör­de Kla­ge, so wird das Ver­fah­ren bis zum Vor­lie­gen des rechts­kräf­ti­gen Ur­teils sis­tiert.3
3In der Schweiz ge­bo­re­ne Kin­der von Flücht­lin­gen wer­den auch als Flücht­lin­ge an­er­kannt, so­fern kei­ne be­son­de­ren Um­stän­de da­ge­gen spre­chen.5
4Wur­den die an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­so­nen nach Ab­satz 1 durch die Flucht ge­trennt und be­fin­den sie sich im Aus­land, so ist ih­re Ein­rei­se auf Ge­such hin zu be­wil­li­gen.6
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
4 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
7 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4745; BBl 2002 6845).
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, mit Wir­kung seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
Art. 53 Asylunwürdigkeit
Flücht­lin­gen wird kein Asyl ge­währt, wenn:
sie we­gen ver­werf­li­cher Hand­lun­gen des Asyls un­wür­dig sind;
sie die in­ne­re oder die äus­se­re Si­cher­heit der Schweiz ver­letzt ha­ben oder ge­fähr­den; oder
ge­gen sie ei­ne Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis StGB2 oder Ar­ti­kel 49a oder 49abis MStG3 aus­ge­spro­chen wur­de.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).
Art. 54 Subjektive Nachfluchtgründe
Flücht­lin­gen wird kein Asyl ge­währt, wenn sie erst durch ih­re Aus­rei­se aus dem Hei­mat- oder Her­kunfts­staat oder we­gen ih­res Ver­hal­tens nach der Aus­rei­se Flücht­lin­ge im Sin­ne von Ar­ti­kel 3 wur­den.
Art. 55 Ausnahmesituationen
1In Zei­ten er­höh­ter in­ter­na­tio­na­ler Span­nun­gen, bei Aus­bruch ei­nes be­waff­ne­ten Kon­flik­tes, an dem die Schweiz nicht be­tei­ligt ist, oder bei aus­ser­or­dent­lich gros­sem Zu­strom von Asyl­su­chen­den in Frie­dens­zei­ten ge­währt die Schweiz Flücht­lin­gen Asyl, so­lan­ge ihr dies nach den Um­stän­den mög­lich ist.
2Der Bun­des­rat trifft die er­for­der­li­chen Mass­nah­men. Er kann, in Ab­wei­chung vom Ge­setz, die Vor­aus­set­zun­gen für die Asyl­ge­wäh­rung und die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge ein­schrän­ken und be­son­de­re Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen auf­stel­len. Er er­stat­tet der Bun­des­ver­samm­lung dar­über un­ver­züg­lich Be­richt.
3Wenn die dau­ern­de Be­her­ber­gung von Flücht­lin­gen die Mög­lich­kei­ten der Schweiz über­steigt, kann Asyl auch nur vor­über­ge­hend ge­währt wer­den, bis die Auf­ge­nom­me­nen wei­ter­rei­sen kön­nen.
4Zeich­net sich ab, dass ei­ne er­heb­li­che An­zahl von Flücht­lin­gen auf die Schweiz zu­kommt, so sucht der Bun­des­rat ei­ne ra­sche und wirk­sa­me in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit im Hin­blick auf de­ren Ver­tei­lung.
2. Abschnitt: Asyl für Gruppen
Art. 56 Entscheid
1Grös­se­ren Flücht­lings­grup­pen wird auf­grund ei­nes Ent­schei­des des Bun­des­ra­tes Asyl ge­währt. Bei klei­ne­ren Flücht­lings­grup­pen ent­schei­det das EJPD.
2Das SEM be­stimmt, wer ei­ner sol­chen Grup­pe an­ge­hört.
Art. 57 Verteilung und Erstintegration
1Für die Ver­tei­lung der Flücht­lin­ge auf die Kan­to­ne gilt Ar­ti­kel 27.
2Der Bund kann im Rah­men der Ers­tin­te­gra­ti­on Flücht­lings­grup­pen vor­über­ge­hend ei­ne Un­ter­kunft zu­wei­sen und sie ins­be­son­de­re in ei­nem Ers­tin­te­gra­ti­ons­zen­trum un­ter­brin­gen.
3. Abschnitt: Rechtsstellung der Flüchtlinge
Art. 58 Grundsatz
Die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge in der Schweiz rich­tet sich nach dem für Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der gel­ten­den Recht, so­weit nicht be­son­de­re Be­stim­mun­gen, na­ment­lich die­ses Ge­set­zes und der Flücht­lings­kon­ven­ti­on vom 28. Ju­li 19511 an­wend­bar sind.
Art. 59 Wirkung
Per­so­nen, de­nen die Schweiz Asyl ge­währt hat oder wel­che die Flücht­lings­ei­gen­schaft er­fül­len, gel­ten ge­gen­über al­len eid­ge­nös­si­schen und kan­to­na­len Be­hör­den als Flücht­lin­ge im Sin­ne die­ses Ge­set­zes so­wie des Ab­kom­mens vom 28. Ju­li 19512 über die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge.
1Per­so­nen, de­nen Asyl ge­währt wur­de, ha­ben An­spruch auf ei­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung im Kan­ton, in dem sie sich recht­mäs­sig auf­hal­ten.
2Die Er­tei­lung der Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 34 AIG2.3
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
Art. 61 Erwerbstätigkeit
1Per­so­nen, de­nen die Schweiz Asyl ge­währt oder die sie als Flücht­lin­ge vor­läu­fig auf­ge­nom­men hat, kön­nen in der gan­zen Schweiz ei­ne Er­werbs­tä­tig­keit aus­üben, wenn die orts-, be­rufs- und bran­chen­üb­li­chen Lohn- und Ar­beits­be­din­gun­gen ein­ge­hal­ten wer­den (Art. 22 AIG2).
2Die Auf­nah­me und die Be­en­di­gung der Er­werbs­tä­tig­keit so­wie ein Stel­len­wech­sel müs­sen vom Ar­beit­ge­ber vor­gän­gig der vom Kan­ton be­zeich­ne­ten, für den Ar­beit­s­ort zu­stän­di­gen Be­hör­de ge­mel­det wer­den. Das Mel­de­ver­fah­ren rich­tet sich nach Ar­ti­kel 85a Ab­sät­ze 2-6 AIG.
3Ab­satz 2 ist nicht an­wend­bar auf an­er­kann­te Flücht­lin­ge mit ei­ner Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 16. Dez. 2016 (In­te­gra­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2017 6521, 2018 3171; BBl 2013 2397, 2016 2821).
Art. 62 Medizinalprüfungen
Per­so­nen, de­nen die Schweiz Asyl ge­währt hat, wer­den zu den eid­ge­nös­si­schen Me­di­zi­nal­prü­fun­gen zu­ge­las­sen; das Eid­ge­nös­si­sche De­par­te­ment des In­nern be­stimmt die Vor­aus­set­zun­gen.
4. Abschnitt: Beendigung des Asyls
Art. 63 Widerruf
1Das SEM wi­der­ruft das Asyl oder ab­er­kennt die Flücht­lings­ei­gen­schaft:
wenn die aus­län­di­sche Per­son das Asyl oder die Flücht­lings­ei­gen­schaft durch falsche An­ga­ben oder Ver­schwei­gen we­sent­li­cher Tat­sa­chen er­schli­chen hat;
aus Grün­den nach Ar­ti­kel 1 Buch­sta­be C Zif­fern 1-6 der Flücht­lings­kon­ven­ti­on vom 28. Ju­li 19511.
2Das SEM wi­der­ruft das Asyl, wenn Flücht­lin­ge die in­ne­re oder die äus­se­re Si­cher­heit der Schweiz ver­letzt ha­ben, ge­fähr­den oder be­son­ders ver­werf­li­che straf­ba­re Hand­lun­gen be­gan­gen ha­ben.
3Der Asyl­wi­der­ruf oder die Ab­er­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft gilt ge­gen­über al­len eid­ge­nös­si­schen und kan­to­na­len Be­hör­den.
4Der Asyl­wi­der­ruf oder die Ab­er­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft er­streckt sich nicht auf den Ehe­gat­ten und die Kin­der.2
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
Art. 64 Erlöschen
1Das Asyl in der Schweiz er­lischt, wenn:
sich Flücht­lin­ge wäh­rend mehr als ei­nem Jahr im Aus­land auf­ge­hal­ten ha­ben;
Flücht­lin­ge in ei­nem an­de­ren Land Asyl oder die Be­wil­li­gung zum dau­ern­den Ver­blei­ben er­hal­ten ha­ben;
die Flücht­lin­ge dar­auf ver­zich­ten;
die Weg- oder Aus­wei­sung voll­zo­gen wor­den ist;
ei­ne Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis StGB4 oder Ar­ti­kel 49a oder 49abis MStG5 rechts­kräf­tig ge­wor­den ist.
2Das SEM kann die Frist nach Ab­satz 1 Buch­sta­be a ver­län­gern, wenn be­son­de­re Um­stän­de vor­lie­gen.
3Der Flücht­lings­sta­tus und das Asyl er­lö­schen, wenn die aus­län­di­sche Per­son nach Ar­ti­kel 1 Ab­schnitt C Zif­fer 3 der Flücht­lings­kon­ven­ti­on vom 28. Ju­li 19516 die Schwei­zer Staats­an­ge­hö­rig­keit er­wirbt.7
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).
7 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
Art. 65 Weg- oder Ausweisung
Die Weg- oder Aus­wei­sung von Flücht­lin­gen rich­tet sich nach Ar­ti­kel 64 AIG2 in Ver­bin­dung mit Ar­ti­kel 63 Ab­satz 1 Buch­sta­be b und Ar­ti­kel 68 AIG. Ar­ti­kel 5 bleibt vor­be­hal­ten.
4. Kapitel: Gewährung vorübergehenden Schutzes und Rechtsstellung der Schutzbedürftigen
Art. 66 Grundsatzentscheid des Bundesrates
1Der Bun­des­rat ent­schei­det, ob und nach wel­chen Kri­te­ri­en Grup­pen von Schutz­be­dürf­ti­gen nach Ar­ti­kel 4 vor­über­ge­hen­der Schutz ge­währt wird.
2Er kon­sul­tiert zu­vor Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Kan­to­ne, der Hilfs­wer­ke und al­len­falls wei­te­rer nicht­staat­li­cher Or­ga­ni­sa­tio­nen so­wie das Hoch­kom­missa­ri­at der Ver­ein­ten Na­tio­nen für die Flücht­lin­ge.
Art. 67 Aussenpolitische Massnahmen
1Die Ge­wäh­rung vor­über­ge­hen­den Schut­zes so­wie Mass­nah­men und Hil­fe­leis­tun­gen im Hei­mat- oder Her­kunfts­staat oder in der Her­kunfts­re­gi­on der Schutz­be­dürf­ti­gen sol­len ein­an­der so­weit mög­lich er­gän­zen.
2Der Bund ar­bei­tet mit dem Hei­mat- oder Her­kunfts­staat, an­de­ren Auf­nah­me­staa­ten und in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­sam­men, um die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne si­che­re Rück­kehr zu schaf­fen.
Art. 68 Schutzbedürftige im Ausland
1Das SEM be­zeich­net die Grup­pe Schutz­be­dürf­ti­ger nä­her und ent­schei­det, wem in der Schweiz vor­über­ge­hen­der Schutz ge­währt wird. Es be­rück­sich­tigt da­bei den Grund­satz der Ein­heit der Fa­mi­lie.
2Der Ent­scheid über die Ge­wäh­rung vor­über­ge­hen­den Schut­zes kann nur mit der Be­grün­dung an­ge­foch­ten wer­den, er ver­let­ze den Grund­satz der Ein­heit der Fa­mi­lie.
Art. 69 Schutzbedürftige an der Grenze und im Inland
1Auf Ge­su­che von Schutz­be­dürf­ti­gen an der Gren­ze oder im In­land fin­den die Ar­ti­kel 18 und 19 so­wie 21-23 sinn­ge­mä­ss An­wen­dung.1
2Liegt nicht of­fen­sicht­lich ei­ne Ver­fol­gung im Sin­ne von Ar­ti­kel 3 vor, so be­stimmt das SEM im An­schluss an die Be­fra­gung im Zen­trum des Bun­des nach Ar­ti­kel 26, wer ei­ner Grup­pe Schutz­be­dürf­ti­ger an­ge­hört und wem in der Schweiz vor­über­ge­hen­der Schutz ge­währt wird. Die Ge­wäh­rung vor­über­ge­hen­den Schut­zes ist nicht an­fecht­bar.
3Wird ei­ner Per­son vor­über­ge­hen­der Schutz ge­währt, so wird das Ver­fah­ren über ein all­fäl­li­ges Ge­such um An­er­ken­nung als Flücht­ling sis­tiert.
4Be­ab­sich­tigt das SEM, den vor­über­ge­hen­den Schutz zu ver­wei­gern, so setzt es das Ver­fah­ren über die An­er­ken­nung als Flücht­ling oder das Weg­wei­sungs­ver­fah­ren un­ver­züg­lich fort.
Art. 70 Wiederaufnahme des Verfahrens um Anerkennung als Flüchtling
Schutz­be­dürf­ti­ge, die ein Ge­such um An­er­ken­nung als Flücht­ling ge­stellt ha­ben, kön­nen frü­he­s­tens fünf Jah­re nach dem Sis­tie­rungs­ent­scheid nach Ar­ti­kel 69 Ab­satz 3 die Wie­der­auf­nah­me des Ver­fah­rens um An­er­ken­nung als Flücht­ling ver­lan­gen. Bei der Wie­der­auf­nah­me die­ses Ver­fah­rens wird der vor­über­ge­hen­de Schutz auf­ge­ho­ben.
Art. 71 Gewährung vorübergehenden Schutzes an Familien
1Ehe­gat­ten von Schutz­be­dürf­ti­gen und ih­ren min­der­jäh­ri­gen Kin­dern wird vor­über­ge­hend Schutz ge­währt, wenn:1
sie ge­mein­sam um Schutz nach­su­chen und kei­ne Aus­schluss­grün­de nach Ar­ti­kel 73 vor­lie­gen;
die Fa­mi­lie durch Er­eig­nis­se nach Ar­ti­kel 4 ge­trennt wur­de, sich in der Schweiz ver­ei­ni­gen will und kei­ne be­son­de­ren Um­stän­de da­ge­gen spre­chen.
1bisHat das SEM wäh­rend des Ver­fah­rens zur vor­über­ge­hen­den Schutz­ge­wäh­rung An­halts­punk­te da­für, dass ein Un­gül­tig­keits­grund nach Ar­ti­kel 105 Zif­fer 5 oder 6 ZGB2 vor­liegt, so mel­det es dies der nach Ar­ti­kel 106 ZGB zu­stän­di­gen Be­hör­de. Das Ge­such um Nach­zug wird bis zur Ent­schei­dung die­ser Be­hör­de sis­tiert. Er­hebt die Be­hör­de Kla­ge, so wird das Ge­such bis zum Vor­lie­gen des rechts­kräf­ti­gen Ur­teils sis­tiert.3
2Den in der Schweiz ge­bo­re­nen Kin­dern von Schutz­be­dürf­ti­gen wird eben­falls vor­über­ge­hen­der Schutz ge­währt.
3Be­fin­den sich die an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­so­nen im Aus­land, so ist ih­re Ein­rei­se zu be­wil­li­gen.
4Der Bun­des­rat re­gelt für wei­te­re Fäl­le die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ver­ei­ni­gung der Fa­mi­lie in der Schweiz.
Art. 72 Verfahren
Im Üb­ri­gen fin­den auf die Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 68, 69 und 71 die Be­stim­mun­gen des 1., des 2a. und des 3. Ab­schnit­tes des 2. Ka­pi­tels sinn­ge­mä­ss An­wen­dung. Auf die Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 69 und 71 fin­den die Be­stim­mun­gen des 8. Ka­pi­tels sinn­ge­mä­ss An­wen­dung.
Art. 73 Ausschlussgründe
Vor­über­ge­hen­der Schutz wird nicht ge­währt, wenn die schutz­be­dürf­ti­ge Per­son:
einen Tat­be­stand nach Ar­ti­kel 53 er­füllt hat;
die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung ver­letzt hat oder in schwer­wie­gen­der Wei­se ge­fähr­det hat; oder
mit ei­ner rechts­kräf­ti­gen Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis StGB2 oder Ar­ti­kel 49a oder 49abis MStG3 be­legt ist.
3. Abschnitt: Rechtsstellung
Art. 74 Regelung der Anwesenheit
1Schutz­be­dürf­ti­ge hal­ten sich im Kan­ton auf, dem sie zu­ge­teilt wur­den.
2Hat der Bun­des­rat den vor­über­ge­hen­den Schutz nach fünf Jah­ren noch nicht auf­ge­ho­ben, so er­hal­ten Schutz­be­dürf­ti­ge von die­sem Kan­ton ei­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung, die bis zur Auf­he­bung des vor­über­ge­hen­den Schut­zes be­fris­tet ist.
3Zehn Jah­re nach Ge­wäh­rung des vor­über­ge­hen­den Schut­zes kann ih­nen der Kan­ton ei­ne Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung er­tei­len.
Art. 75 Bewilligung zur Erwerbstätigkeit
1Wäh­rend der ers­ten drei Mo­na­te nach Ein­rei­se in die Schweiz dür­fen Schutz­be­dürf­ti­ge kei­ne Er­werbs­tä­tig­keit aus­üben. Da­nach rich­ten sich Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung zur Er­werbs­tä­tig­keit nach dem AIG1.2
2Der Bun­des­rat kann güns­ti­ge­re Be­din­gun­gen für ei­ne Er­werbs­tä­tig­keit er­las­sen.
3Be­reits er­teil­te Be­wil­li­gun­gen zur Er­werbs­tä­tig­keit blei­ben be­ste­hen.
4Schutz­be­dürf­ti­ge, die nach den frem­den­po­li­zei­li­chen Be­stim­mun­gen zur Aus­übung ei­ner Er­werbs­tä­tig­keit be­rech­tigt sind oder an Be­schäf­ti­gungs­pro­gram­men teil­neh­men, un­ter­lie­gen dem Ar­beits­ver­bot nicht.3
2 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss An­hang Ziff. II 1 des BG vom 16. Dez. 2005 über Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 5437, 2008 5405; BBl 2002 3709).
4. Abschnitt: Beendigung des vorübergehenden Schutzes und Rückkehr
Art. 76 Aufhebung des vorübergehenden Schutzes und Wegweisung
1Der Bun­des­rat setzt nach Kon­sul­ta­tio­nen mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Kan­to­ne, der Hilfs­wer­ke und al­len­falls wei­te­rer nicht­staat­li­cher Or­ga­ni­sa­tio­nen, dem Hoch­kom­missa­ri­at der Ver­ein­ten Na­tio­nen für die Flücht­lin­ge so­wie mit in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen den Zeit­punkt fest, auf den der vor­über­ge­hen­de Schutz für be­stimm­te Grup­pen von Schutz­be­dürf­ti­gen auf­ge­ho­ben wird; er trifft den Ent­scheid in ei­ner All­ge­mein­ver­fü­gung.
2Das SEM ge­währt den vom Ent­scheid nach Ab­satz 1 be­trof­fe­nen Per­so­nen das recht­li­che Ge­hör.
3Er­ge­ben sich auf­grund des recht­li­chen Ge­hörs Hin­wei­se auf ei­ne Ver­fol­gung, so fin­det ei­ne An­hö­rung nach Ar­ti­kel 29 statt.1
4Ge­ben die be­trof­fe­nen Per­so­nen auf das ge­währ­te recht­li­che Ge­hör kei­ne Stel­lung­nah­me ab, so ver­fügt das SEM die Weg­wei­sung. Für den Voll­zug der Weg­wei­sung gel­ten die Ar­ti­kel 10 Ab­satz 4 und 46-48 die­ses Ge­set­zes so­wie Ar­ti­kel 71 AIG2 sinn­ge­mä­ss.3
5Für die Ab­sät­ze 2-4 sind die Be­stim­mun­gen des 1a. Ab­schnit­tes des 8. Ka­pi­tels sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.4
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 1 des BG vom 16. Dez. 2005 über Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 5437, 2008 5405; BBl 2002 3709).
Der Bund un­ter­stützt in­ter­na­tio­na­le An­stren­gun­gen für die or­ga­ni­sier­te Rück­kehr.
Art. 78 Widerruf
1Das SEM kann den vor­über­ge­hen­den Schutz wi­der­ru­fen, wenn:
er durch falsche An­ga­ben oder Ver­schwei­gen we­sent­li­cher Tat­sa­chen er­schli­chen wor­den ist;
die schutz­be­dürf­ti­ge Per­son die in­ne­re oder die äus­se­re Si­cher­heit der Schweiz ver­letzt hat, ge­fähr­det oder ver­werf­li­che Hand­lun­gen be­gan­gen hat;
sich die schutz­be­dürf­ti­ge Per­son seit Ge­wäh­rung des vor­über­ge­hen­den Schut­zes wie­der­holt oder län­ge­re Zeit im Hei­mat- oder Her­kunfts­staat auf­ge­hal­ten hat;
die schutz­be­dürf­ti­ge Per­son in ei­nem Dritt­staat ein or­dent­li­ches Auf­ent­halts­recht hat, in den sie zu­rück­keh­ren kann.
2Der vor­über­ge­hen­de Schutz wird nicht wi­der­ru­fen, wenn sich die schutz­be­dürf­ti­ge Per­son mit dem Ein­ver­ständ­nis der zu­stän­di­gen Be­hör­den in ih­ren Hei­mat- oder Her­kunfts­staat be­gibt.
3Der Wi­der­ruf des vor­über­ge­hen­den Schut­zes er­streckt sich nicht auf den Ehe­gat­ten und die Kin­der, aus­ser es er­wei­se sich, dass die­se nicht schutz­be­dürf­tig sind.1
4Soll der vor­über­ge­hen­de Schutz wi­der­ru­fen wer­den, so fin­det in der Re­gel ei­ne An­hö­rung nach Ar­ti­kel 29 statt. Die Be­stim­mun­gen des 1a. Ab­schnit­tes des 8. Ka­pi­tels sind sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.2
Art. 79 Erlöschen
Der vor­über­ge­hen­de Schutz er­lischt, wenn die schutz­be­dürf­ti­ge Per­son:
den Mit­tel­punkt ih­rer Le­bens­ver­hält­nis­se ins Aus­land ver­legt hat;
auf den vor­über­ge­hen­den Schutz ver­zich­tet hat;
ge­stützt auf das AIG2 ei­ne Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung er­hal­ten hat; oder
mit ei­ner rechts­kräf­ti­gen Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis StGB3 oder Ar­ti­kel 49a oder 49abis MStG4 be­legt ist.
Art. 79a Eingetragene Partnerschaft
Die Be­stim­mun­gen des 3. und 4. Ka­pi­tels über Ehe­gat­ten gel­ten für die ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft gleich­ge­schlecht­li­cher Paa­re sinn­ge­mä­ss.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
5. Kapitel: Sozialhilfe und Nothilfe
1. Abschnitt: Ausrichtung von Sozialhilfe, Nothilfe und Kinderzulagen sowie Grundschulunterricht
Art. 80 Zuständigkeit in den Zentren des Bundes
1Der Bund ge­währ­leis­tet die So­zi­al­hil­fe oder die Not­hil­fe für Per­so­nen, die sich ge­stützt auf die­ses Ge­setz in der Schweiz auf­hal­ten und in ei­nem Zen­trum des Bun­des oder in ei­nem Ers­tin­te­gra­ti­ons­zen­trum für Flücht­lings­grup­pen un­ter­ge­bracht sind. Er stellt in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Stand­ort­kan­ton die Ge­sund­heits­ver­sor­gung und den Grund­schul­un­ter­richt si­cher. Er kann die­se Auf­ga­ben ganz oder teil­wei­se Drit­ten über­tra­gen. Ar­ti­kel 81-83a gel­ten sinn­ge­mä­ss.
2Das SEM gilt den be­auf­trag­ten Drit­ten durch Ver­trag die Ver­wal­tungs- und Per­so­nal­kos­ten so­wie die üb­ri­gen Kos­ten ab, die ih­nen bei der Er­fül­lung der Auf­ga­ben nach Ab­satz 1 ent­ste­hen. Die Ab­gel­tung wird pau­schal fest­ge­setzt. Aus­nahms­wei­se kön­nen die Bei­trä­ge nach Auf­wand fest­ge­setzt wer­den, ins­be­son­de­re zur Ab­gel­tung ein­ma­lig an­fal­len­der Kos­ten.
3Das SEM kann mit dem Stand­ort­kan­ton ver­ein­ba­ren, dass die­ser die ob­li­ga­to­ri­sche Kran­ken­ver­si­che­rung ab­sch­liesst. Das SEM ver­gü­tet die Kos­ten für die Kran­ken­kas­sen­prä­mi­en, den Selbst­be­halt und die Fran­chi­se pau­schal.
4Der Stand­ort­kan­ton or­ga­ni­siert den Grund­schul­un­ter­richt für asyl­su­chen­de Per­so­nen im schul­pflich­ti­gen Al­ter, die sich in ei­nem Zen­trum des Bun­des auf­hal­ten. Der Un­ter­richt wird nach Be­darf in die­sen Zen­tren durch­ge­führt. Der Bund kann für die Durch­füh­rung des Grund­schul­un­ter­richts Bei­trä­ge aus­rich­ten. Die Ent­schä­di­gung wird pau­schal fest­ge­setzt. Aus­nahms­wei­se kön­nen die Bei­trä­ge nach Auf­wand fest­ge­setzt wer­den, ins­be­son­de­re zur Ent­schä­di­gung ein­ma­lig an­fal­len­der Kos­ten.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 3101; BBl 2014 7991).
Art. 80a Zuständigkeit in den Kantonen
Die Zu­wei­sungs­kan­to­ne ge­währ­leis­ten die So­zi­al­hil­fe oder die Not­hil­fe für Per­so­nen, die sich ge­stützt auf die­ses Ge­setz in der Schweiz auf­hal­ten. Für Per­so­nen, die kei­nem Kan­ton zu­ge­wie­sen wur­den, wird die Not­hil­fe von dem Kan­ton ge­währt, der für den Voll­zug der Weg­wei­sung als zu­stän­dig be­zeich­net wor­den ist. Die Kan­to­ne kön­nen die Er­fül­lung die­ser Auf­ga­ben ganz oder teil­wei­se Drit­ten über­tra­gen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 3101; BBl 2014 7991).
Art. 81 Anspruch auf Sozialhilfeleistungen oder auf Nothilfe
Per­so­nen, die sich ge­stützt auf die­ses Ge­setz in der Schweiz auf­hal­ten und die ih­ren Un­ter­halt nicht aus ei­ge­nen Mit­teln be­strei­ten kön­nen, er­hal­ten die not­wen­di­gen So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen, so­fern nicht Drit­te auf Grund ei­ner ge­setz­li­chen oder ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung für sie auf­kom­men müs­sen, be­zie­hungs­wei­se auf Er­su­chen hin Not­hil­fe.
Art. 82 Sozialhilfeleistungen und Nothilfe
1Für die Aus­rich­tung von So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen und Not­hil­fe gilt kan­to­na­les Recht. Per­so­nen mit ei­nem rechts­kräf­ti­gen Weg­wei­sungs­ent­scheid, de­nen ei­ne Aus­rei­se­frist an­ge­setzt wor­den ist, wer­den von der So­zi­al­hil­fe aus­ge­schlos­sen.2
2Wäh­rend der Dau­er ei­nes aus­ser­or­dent­li­chen Rechts­mit­tel­ver­fah­rens oder ei­nes Asyl­ver­fah­rens nach Ar­ti­kel 111c er­hal­ten Per­so­nen nach Ab­satz 1 und Asyl­su­chen­de auf Er­su­chen hin Not­hil­fe. Dies gilt auch, wenn der Voll­zug der Weg­wei­sung aus­ge­setzt wird.3
2bisDie Kan­to­ne kön­nen wäh­rend der Dau­er ei­nes ge­ne­rel­len Ent­scheid- und Voll­zugs­mo­ra­to­ri­ums und wenn das EJPD dies vor­sieht, für Per­so­nen nach den Ab­sät­zen 1 und 2 So­zi­al­hil­fe aus­rich­ten. Die Ab­gel­tung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 88 Ab­satz 2.4
3Für Asyl­su­chen­de und Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung ist die Un­ter­stüt­zung nach Mög­lich­keit in Form von Sach­leis­tun­gen aus­zu­rich­ten. Der An­satz für die Un­ter­stüt­zung liegt un­ter dem An­satz für die ein­hei­mi­sche Be­völ­ke­rung.5
3bisDen be­son­de­ren Be­dürf­nis­sen von un­be­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Asyl­su­chen­den, Fa­mi­li­en mit Kin­dern und be­treu­ungs­be­dürf­ti­gen Per­so­nen ist bei der Un­ter­brin­gung nach Mög­lich­keit Rech­nung zu tra­gen.6
4Die Not­hil­fe ist nach Mög­lich­keit in Form von Sach­leis­tun­gen an den von den Kan­to­nen oder vom Bund be­zeich­ne­ten Or­ten aus­zu­rich­ten. Der An­satz für die Un­ter­stüt­zung liegt un­ter dem An­satz für die So­zi­al­hil­fe, die Asyl­su­chen­den und Schutz­be­dürf­ti­gen oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung aus­ge­rich­tet wird.7
5Der be­son­de­ren La­ge von Flücht­lin­gen und Schutz­be­dürf­ti­gen, die An­spruch auf ei­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung ha­ben, ist bei der Un­ter­stüt­zung Rech­nung zu tra­gen; na­ment­lich soll die be­ruf­li­che, so­zia­le und kul­tu­rel­le In­te­gra­ti­on er­leich­tert wer­den.
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 3101; BBl 2014 7991).
6 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
7 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
Art. 82a Krankenversicherung für Asylsuchende und Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung
1Die Kran­ken­ver­si­che­rung für Asyl­su­chen­de und Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung ist un­ter Vor­be­halt der nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen nach den Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 18. März 19942 über die Kran­ken­ver­si­che­rung (KVG) aus­zu­ge­stal­ten.
2Die Kan­to­ne kön­nen für Asyl­su­chen­de und Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung die Wahl des Ver­si­che­rers ein­schrän­ken und einen oder meh­re­re Ver­si­che­rer be­zeich­nen, wel­che ei­ne be­son­de­re Ver­si­che­rungs­form nach Ar­ti­kel 41 Ab­satz 4 KVG an­bie­ten.
3Sie kön­nen für Asyl­su­chen­de und Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung die Wahl der Leis­tungs­er­brin­ger nach den Ar­ti­keln 36-40 KVG ein­schrän­ken. Sie kön­nen dies vor der Be­zeich­nung ei­nes Ver­si­che­rers im Sin­ne von Ab­satz 2 tun.
4Sie kön­nen einen oder meh­re­re Ver­si­che­rer be­zeich­nen, wel­che ei­ne Ver­si­che­rung mit ein­ge­schränk­ter Wahl der Leis­tungs­er­brin­ger im Sin­ne von Ar­ti­kel 41 Ab­satz 4 KVG nur für Asyl­su­chen­de und Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung an­bie­ten.
5Der Bun­des­rat re­gelt die Ein­zel­hei­ten der Ein­schrän­kung der Wahl der Leis­tungs­er­brin­ger.
6Die Kan­to­ne und die Ver­si­che­rer kön­nen ei­ne Auf­he­bung der Kos­ten­be­tei­li­gung nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 2 KVG ver­ein­ba­ren.
7So­lan­ge Asyl­su­chen­de und Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung ganz oder teil­wei­se So­zi­al­hil­fe be­zie­hen, ist ihr An­spruch auf Prä­mi­en­ver­bil­li­gung nach Ar­ti­kel 65 KVG sis­tiert. Der An­spruch lebt in dem Zeit­punkt auf, in dem die­se Per­so­nen als Flücht­lin­ge an­er­kannt wer­den, als Schutz­be­dürf­ti­ge einen An­spruch auf ei­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung ha­ben oder kei­ne So­zi­al­hil­fe mehr be­zie­hen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4823, 2007 5575; BBl 2002 6845).
Art. 83 Einschränkungen der Sozialhilfeleistungen
1So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen oder re­du­zier­te Leis­tun­gen nach Ar­ti­kel 82 Ab­satz 3 sind ganz oder teil­wei­se ab­zu­leh­nen, zu kür­zen oder zu ent­zie­hen, wenn die be­güns­tig­te Per­son:2
sie durch un­wah­re oder un­voll­stän­di­ge An­ga­ben er­wirkt oder zu er­wir­ken ver­sucht hat;
sich wei­gert, der zu­stän­di­gen Stel­le über ih­re wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se Aus­kunft zu er­tei­len, oder sie nicht er­mäch­tigt, Aus­künf­te ein­zu­ho­len;
we­sent­li­che Än­de­run­gen ih­rer Ver­hält­nis­se nicht mel­det;
es of­fen­sicht­lich un­ter­lässt, ih­re La­ge zu ver­bes­sern, na­ment­lich wenn sie ei­ne ihr zu­ge­wie­se­ne zu­mut­ba­re Ar­beit oder Un­ter­kunft nicht an­nimmt;
oh­ne Ab­spra­che mit der zu­stän­di­gen Stel­le ein Ar­beits- oder Miet­ver­hält­nis auf­löst oder des­sen Auf­lö­sung ver­schul­det und da­mit ih­re La­ge ver­schlech­tert;
die So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen miss­bräuch­lich ver­wen­det;
sich trotz der An­dro­hung des Ent­zu­ges von So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen nicht an die An­ord­nung der zu­stän­di­gen Stel­le hält;
die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung ge­fähr­det;
straf­recht­lich ver­folgt oder ver­ur­teilt wor­den ist;
ih­re Mit­wir­kungs­pflicht schuld­haft grob ver­letzt, ins­be­son­de­re ih­re Iden­ti­tät nicht preis­gibt;
den An­ord­nun­gen von Mit­ar­bei­ten­den des Ver­fah­rens oder der Un­ter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen nicht Fol­ge leis­tet und da­durch Ord­nung und Si­cher­heit ge­fähr­det.
1bisAb­satz 1 gilt für Flücht­lin­ge nur un­ter dem Vor­be­halt, dass die Gleich­be­hand­lung mit der ein­hei­mi­schen Be­völ­ke­rung ge­währ­leis­tet ist.7
2Un­recht­mäs­sig be­zo­ge­ne So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen sind voll­um­fäng­lich zu­rück­zu­er­stat­ten. Der zu­rück­zu­er­stat­ten­de Be­trag kann na­ment­lich von künf­ti­gen So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen ab­ge­zo­gen wer­den. Der Kan­ton setzt den Rück­er­stat­tungs­an­spruch durch. Ar­ti­kel 85 Ab­satz 3 ist an­wend­bar.8
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
7 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
8 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
Art. 83a Voraussetzungen für die Ausrichtung der Nothilfe
Die be­trof­fe­ne Per­son hat beim Voll­zug ei­ner rechts­kräf­ti­gen Weg­wei­sung, die zu­läs­sig, zu­mut­bar und mög­lich ist, so­wie bei der Er­mitt­lung der Vor­aus­set­zun­gen der Not­hil­fe mit­zu­wir­ken.
Kin­der­zu­la­gen für im Aus­land le­ben­de Kin­der von Asyl­su­chen­den wer­den wäh­rend des Asyl­ver­fah­rens zu­rück­be­hal­ten. Sie wer­den aus­be­zahlt, wenn die asyl­su­chen­de Per­son als Flücht­ling an­er­kannt oder nach Ar­ti­kel 83 Ab­sät­ze 3 und 4 AIG2 vor­läu­fig auf­ge­nom­men wird.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV 1 des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
2. Abschnitt: Rückerstattungspflicht und Sonderabgabe auf Vermögenswerten
Art. 85 Rückerstattungspflicht
1So­weit zu­mut­bar, sind die So­zi­al­hil­fe-, Not­hil­fe-, Aus­rei­se- und Voll­zugs­kos­ten so­wie die Kos­ten des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens zu­rück­zu­er­stat­ten.
2Der Bund macht sei­nen Rück­er­stat­tungs­an­spruch über ei­ne Son­der­ab­ga­be auf Ver­mö­gens­wer­ten (Art. 86) gel­tend.
3Der Rück­er­stat­tungs­an­spruch des Bun­des ver­jährt ein Jahr, nach­dem die zu­stän­di­ge Be­hör­de da­von Kennt­nis er­hal­ten hat, in je­dem Fall aber 10 Jah­re nach sei­ner Ent­ste­hung. Auf Rück­er­stat­tungs­for­de­run­gen wird kein Zins er­ho­ben.
4Der Rück­er­stat­tungs­an­spruch der Kan­to­ne rich­tet sich nach kan­to­na­lem Recht.
Art. 86 Sonderabgabe auf Vermögenswerten
1Der Son­der­ab­ga­be un­ter­lie­gen Asyl­su­chen­de, Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung und Per­so­nen mit ei­nem rechts­kräf­ti­gen Weg­wei­sungs­ent­scheid, die über Ver­mö­gens­wer­te ver­fü­gen. Die Son­der­ab­ga­be dient zur De­ckung der Ge­samt­kos­ten nach Ar­ti­kel 85 Ab­satz 1, die al­le die­se Per­so­nen und die von ih­nen un­ter­stütz­ten An­ge­hö­ri­gen ver­ur­sa­chen.
2Die Son­der­ab­ga­be er­folgt über ei­ne Ver­mö­gens­wert­ab­nah­me.
3Die zu­stän­di­gen Be­hör­den kön­nen die Son­der­ab­ga­be nur er­he­ben, wenn die be­tref­fen­den Per­so­nen:
nicht nach­wei­sen kön­nen, dass die Ver­mö­gens­wer­te aus Er­werbs- oder Er­w­erb­ser­satzein­kom­men oder aus öf­fent­li­chen So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen stam­men;
die Her­kunft der Ver­mö­gens­wer­te nicht nach­wei­sen kön­nen; oder
die Her­kunft der Ver­mö­gens­wer­te zwar nach­wei­sen kön­nen, die­se aber einen vom Bun­des­rat fest­zu­set­zen­den Be­trag über­stei­gen.
4Die Pflicht zur Son­der­ab­ga­be be­steht längs­tens zehn Jah­re seit Ein­rei­chung des Asyl­ge­suchs oder des Ge­suchs um vor­über­ge­hen­de Schutz­ge­wäh­rung.
5Der Bun­des­rat legt die Hö­he der Son­der­ab­ga­be und die Dau­er der Ab­ga­be­pflicht fest.
1 Sie­he auch die UeB Änd. 16.12.2016 am Schluss die­ses Tex­tes.
Art. 87 Offenlegung der Vermögenswerte und Verfahren bei Ausreise
1Asyl­su­chen­de und Schutz­be­dürf­ti­ge oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung und Per­so­nen mit ei­nem rechts­kräf­ti­gen Weg­wei­sungs­ent­scheid müs­sen ih­re Ver­mö­gens­wer­te, die nicht aus ih­rem Er­w­erb­sein­kom­men stam­men, of­fen­le­gen.
2Si­cher­ge­stell­te Ver­mö­gens­wer­te wer­den auf Ge­such hin im vol­len Um­fang zu­rück­er­stat­tet, wenn die be­tref­fen­de Per­son in­ner­halb von sie­ben Mo­na­ten seit Ein­rei­chung des Asyl­ge­suchs oder des Ge­suchs um vor­über­ge­hen­de Schutz­ge­wäh­rung kon­trol­liert aus­reist. Das Ge­such muss vor der Aus­rei­se ein­ge­reicht wer­den.
6. Kapitel: Bundesbeiträge
Art. 88 Pauschalabgeltung
1Der Bund gilt den Kan­to­nen die Kos­ten aus dem Voll­zug die­ses Ge­set­zes mit Pau­scha­len ab. Die­se ent­hal­ten nicht die Bei­trä­ge nach den Ar­ti­keln 91-93b.2
2Die Pau­scha­len für asyl­su­chen­de und schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung de­cken na­ment­lich die Kos­ten für die So­zi­al­hil­fe so­wie die ob­li­ga­to­ri­sche Kran­ken­pfle­ge­ver­si­che­rung und ent­hal­ten zu­dem einen Bei­trag an die Be­treu­ungs­kos­ten.
3Die Pau­scha­len für Flücht­lin­ge und schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen mit Auf­ent­halts­be­wil­li­gung und für Flücht­lin­ge mit ei­ner rechts­kräf­ti­gen Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a oder 66abis StGB3 oder Ar­ti­kel 49a oder 49abis MStG4 de­cken na­ment­lich die Kos­ten für die So­zi­al­hil­fe und ent­hal­ten zu­dem einen Bei­trag an die Be­treu­ungs- und Ver­wal­tungs­kos­ten. Sie wer­den längs­tens wäh­rend fünf Jah­ren nach Ein­rei­chung des Asyl­ge­suchs aus­ge­rich­tet.5
3bisDer Bund kann für Per­so­nen, die im Rah­men ei­ner Asyl­ge­wäh­rung für Flücht­lings­grup­pen nach Ar­ti­kel 56 in der Schweiz auf­ge­nom­men wer­den, die Pau­scha­le nach Ab­satz 3 län­ger als fünf Jah­re aus­rich­ten, na­ment­lich wenn die­se Per­so­nen bei ih­rer Ein­rei­se be­hin­dert oder be­tagt sind.6
4Die Pau­scha­len für Per­so­nen, die nach Ar­ti­kel 82 nur An­spruch auf Not­hil­fe ha­ben, sind ei­ne Ent­schä­di­gung für die Ge­wäh­rung der Not­hil­fe.7
5 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).
8 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
Art. 89 Festsetzung der Pauschalen
1Der Bun­des­rat legt die Hö­he der Pau­scha­len auf Grund der vor­aus­sicht­li­chen Auf­wen­dun­gen für kos­ten­güns­ti­ge Lö­sun­gen fest.
2Er be­stimmt die Aus­ge­stal­tung der Pau­scha­len so­wie die Dau­er ih­rer Aus­rich­tung und die Vor­aus­set­zun­gen da­für. Er kann die Pau­scha­len na­ment­lich:
in Ab­hän­gig­keit des Auf­ent­halts­sta­tus und der Auf­ent­halts­dau­er fest­le­gen;
un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Kos­ten­un­ter­schie­de im in­ter­kan­to­na­len Ver­gleich ab­stu­fen.
3Das SEM kann die Aus­rich­tung ein­zel­ner Pau­scha­len­be­stand­tei­le von der Er­rei­chung so­zi­al­po­li­ti­scher Zie­le ab­hän­gig ma­chen.
4Die Pau­scha­len wer­den pe­ri­odisch der Teue­rungs­ent­wick­lung an­ge­passt und bei Be­darf über­prüft.
Art. 89a Mitwirkungspflicht der Subventionsempfänger
1Das SEM kann die Kan­to­ne da­zu ver­pflich­ten, die für die Fi­nan­z­auf­sicht, die Fest­set­zung und die An­pas­sung der fi­nan­zi­el­len Ab­gel­tun­gen des Bun­des nach den Ar­ti­keln 88 und 91 Ab­satz 2bis des vor­lie­gen­den Ge­set­zes so­wie 55 und 87 des AIG2 not­wen­di­gen Da­ten zu er­he­ben und dem SEM zur Ver­fü­gung zu stel­len oder die­se im Zen­tra­len Mi­gra­ti­ons­in­for­ma­ti­ons­sys­tem (ZE­MIS) des SEM zu er­fas­sen.
2Kommt ein Kan­ton die­ser Ver­pflich­tung nicht nach, so kann das SEM die fi­nan­zi­el­len Ab­gel­tun­gen an die­sen Kan­ton kür­zen oder auf­grund der vor­han­de­nen Da­ten fest­le­gen.
Art. 89b Rückforderung und Verzicht auf die Ausrichtung von Pauschalabgeltungen
1Der Bund kann be­reits aus­ge­rich­te­te Pau­scha­l­ab­gel­tun­gen nach Ar­ti­kel 88 des vor­lie­gen­den Ge­set­zes und nach den Ar­ti­keln 55 und 87 AIG2 zu­rück­for­dern, wenn ein Kan­ton die Voll­zugs­auf­ga­ben ge­mä­ss Ar­ti­kel 46 des vor­lie­gen­den Ge­set­zes nicht oder nur man­gel­haft er­füllt und kei­ne ent­schuld­ba­ren Grün­de vor­lie­gen.
2Führt die Nicht­er­fül­lung oder die man­gel­haf­te Er­fül­lung von Voll­zugs­auf­ga­ben nach Ar­ti­kel 46 zu ei­ner Ver­län­ge­rung der Auf­ent­halts­dau­er der be­trof­fe­nen Per­son in der Schweiz, so kann der Bund dar­auf ver­zich­ten, die ent­spre­chen­den beim Kan­ton an­fal­len­den Kos­ten durch Pau­scha­l­ab­gel­tun­gen nach Ar­ti­kel 88 des vor­lie­gen­den Ge­set­zes und nach den Ar­ti­keln 55 und 87 AIG zu ent­schä­di­gen.
Art. 90 Finanzierung von Kollektivunterkünften
1Er­rich­tung, Um­bau und Ein­rich­tung von Kol­lek­ti­vun­ter­künf­ten, in de­nen die Be­hör­den Per­so­nen un­ter­brin­gen, die sich ge­stützt auf die­ses Ge­setz in der Schweiz auf­hal­ten, kön­nen ganz oder teil­wei­se vom Bund fi­nan­ziert wer­den.
2Der Bun­des­rat re­gelt das Ver­fah­ren und be­stimmt die Ein­zel­hei­ten über die Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se und die Si­che­rung der Zweck­be­stim­mung sol­cher Un­ter­künf­te.
3Er legt fest, in­wie­weit der vom Bund für die di­rek­te Fi­nan­zie­rung von Un­ter­künf­ten auf­ge­wende­te Be­trag mit der Pau­scha­le zu ver­rech­nen ist.
1 und2…1
2bisDer Bund zahlt den Kan­to­nen für asyl­su­chen­de und schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen oh­ne Auf­ent­halts­be­wil­li­gung einen Pau­schal­bei­trag an die Ver­wal­tungs­kos­ten.2
2terDer Bund kann den Stand­ort­kan­to­nen ei­nes Zen­trums des Bun­des einen Pau­schal­bei­trag an die Si­cher­heits­kos­ten aus­rich­ten.3
3Er kann an Ein­rich­tun­gen für trau­ma­ti­sier­te Per­so­nen, die sich ge­stützt auf die­ses Ge­setz in der Schweiz auf­hal­ten, Bei­trä­ge leis­ten.
4bisEr kann Bei­trä­ge für die Durch­füh­rung von Be­schäf­ti­gungs­pro­gram­men für Per­so­nen aus­rich­ten, wel­che sich in Zen­tren des Bun­des auf­hal­ten. Er schliesst zu die­sem Zweck Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen mit den Stand­ort­kan­to­nen, Stand­ort­ge­mein­den oder be­auf­trag­ten Drit­ten ab.5
6Der Bund ver­gü­tet den Kan­to­nen die Per­so­nal­kos­ten, die ih­nen durch die Ent­scheid­vor­be­rei­tung nach Ar­ti­kel 31 ent­ste­hen.
7Er kann im Rah­men der in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit nach Ar­ti­kel 113 Bei­trä­ge an die Trä­ger­schaft von in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Pro­jek­ten oder an in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen aus­rich­ten.
8Der Bun­des­rat re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen und das Ver­fah­ren zur Aus­rich­tung und Ab­rech­nung der Bei­trä­ge.
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 28. Sept. 2012 (Dring­li­che Än­de­run­gen des Asyl­ge­set­zes) (AS 2012 5359; BBl 2010 4455, 2011 7325). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
4 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 14. Dez. 2012, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 4375 5357; BBl 2010 4455, 2011 7325).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 28. Sept. 2012 (Dring­li­che Än­de­run­gen des Asyl­ge­set­zes) (AS 2012 5359; BBl 2010 4455, 2011 7325). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2016 3101, 2018 2855; BBl 2014 7991).
6 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
Art. 92 Kosten für die Ein- und Ausreise
1Der Bund kann die Kos­ten der Ein- und Aus­rei­se von Flücht­lin­gen und Schutz­be­dürf­ti­gen über­neh­men.
2Er über­nimmt die Kos­ten für die Aus­rei­se von Asyl­su­chen­den, von Per­so­nen, de­ren Asyl­ge­such ab­ge­lehnt wur­de, auf de­ren Asyl­ge­such nicht ein­ge­tre­ten wur­de oder die ihr Asyl­ge­such zu­rück­ge­zo­gen ha­ben, und von Per­so­nen, die nach der Auf­he­bung des vor­über­ge­hen­den Schut­zes weg­ge­wie­sen wer­den, so­fern sie mit­tel­los sind.1
3Er kann für Auf­wen­dun­gen der Kan­to­ne, die mit der Or­ga­ni­sa­ti­on der Aus­rei­se di­rekt in Zu­sam­men­hang ste­hen, Bei­trä­ge aus­rich­ten.
3bisEr kann im Rah­men der An­wen­dung der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men2 für Auf­wen­dun­gen der Kan­to­ne, die mit der Über­stel­lung von Per­so­nen in die Schweiz di­rekt in Zu­sam­men­hang ste­hen, Bei­trä­ge aus­rich­ten.3
4Der Bun­des­rat re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen und das Ver­fah­ren zur Aus­rich­tung und Ab­rech­nung der Bei­trä­ge. Nach Mög­lich­keit setzt er Pau­scha­len fest.
2 Die­se Ab­kom­men sind in An­hang 1 auf­ge­führt.
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 20. Ju­ni 2014 (Sorg­falts- und Mel­de­pflicht­ver­let­zun­gen durch Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men, In­for­ma­ti­ons­sys­te­me), in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 3023; BBl 2013 2561).
Art. 93 Rückkehrhilfe und Prävention irregulärer Migration
1Der Bund leis­tet Rück­kehr­hil­fe. Er kann da­zu fol­gen­de Mass­nah­men vor­se­hen:
voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Fi­nan­zie­rung von Rück­kehr­be­ra­tungs­stel­len;
voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Fi­nan­zie­rung von Pro­jek­ten in der Schweiz zur Er­hal­tung der Rück­kehr­fä­hig­keit;
voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Fi­nan­zie­rung von Pro­gram­men im Hei­mat-, Her­kunfts- oder Dritt­staat zur Er­leich­te­rung und Durch­füh­rung der Rück­kehr, der Rück­füh­rung und der Rein­te­gra­ti­on (Pro­gram­me im Aus­land);
fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung im Ein­zel­fall zur Er­leich­te­rung der Ein­glie­de­rung oder zur be­fris­te­ten me­di­zi­ni­schen Be­treu­ung im Hei­mat-, Her­kunfts- oder Dritt­staat.
2Pro­gram­me im Aus­land kön­nen auch das Ziel ver­fol­gen, einen Bei­trag zur Prä­ven­ti­on ir­re­gu­lä­rer Mi­gra­ti­on zu leis­ten. Pro­gram­me zur Prä­ven­ti­on ir­re­gu­lä­rer Mi­gra­ti­on sind sol­che, die kurz­fris­tig zur Min­de­rung des Ri­si­kos ei­ner Pri­mär- oder Se­kun­där­mi­gra­ti­on in die Schweiz bei­tra­gen.
3Der Bund kann bei der Um­set­zung der Rück­kehr­hil­fe mit in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­sam­men­ar­bei­ten und ei­ne Ko­or­di­na­ti­ons­stel­le ein­rich­ten.
4Der Bun­des­rat re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen und das Ver­fah­ren zur Aus­rich­tung und Ab­rech­nung der Bei­trä­ge.
Art. 93a Rückkehrberatung
1Der Bund för­dert durch Rück­kehr­be­ra­tung die frei­wil­li­ge Rück­kehr. Die Rück­kehr­be­ra­tung er­folgt in den Zen­tren des Bun­des und in den Kan­to­nen.
2Das SEM sorgt für re­gel­mäs­si­ge Be­ra­tungs­ge­sprä­che in den Zen­tren des Bun­des. Es kann die­se Auf­ga­ben den kan­to­na­len Rück­kehr­be­ra­tungs­stel­len oder Drit­ten über­tra­gen.
Art. 93b Beiträge an die Rückkehrberatung
1Der Bund ent­rich­tet dem Leis­tungs­er­brin­ger der Rück­kehr­be­ra­tung in den Zen­tren des Bun­des durch Ver­ein­ba­rung Bei­trä­ge zur Ab­gel­tung der für die In­for­ma­ti­on und Be­ra­tung der Asyl­su­chen­den und der weg­ge­wie­se­nen Per­so­nen an­ge­fal­le­nen Ver­wal­tungs- und Per­so­nal­kos­ten. Die Ab­gel­tung wird pau­schal fest­ge­setzt. Aus­nahms­wei­se kön­nen die Bei­trä­ge nach Auf­wand fest­ge­setzt wer­den, ins­be­son­de­re zur Ab­gel­tung ein­ma­lig an­fal­len­der Kos­ten.
2Für die in den Kan­to­nen ge­leis­te­te Rück­kehr­be­ra­tung rich­tet sich die Aus­rich­tung der Bei­trä­ge nach Ar­ti­kel 93 Ab­satz 4.
Art. 95 Aufsicht
1Der Bund über­prüft die sub­ven­ti­ons­recht­lich kor­rek­te Ver­wen­dung, die Wirk­sam­keit und die vor­schrifts­ge­mäs­se Ab­rech­nung der Bun­des­bei­trä­ge. Er kann mit die­ser Auf­ga­be auch Drit­te be­auf­tra­gen und die kan­to­na­len Fi­nanz­kon­trol­len zur Un­ter­stüt­zung bei­zie­hen.
2Wer Bun­des­bei­trä­ge er­hält, ist ver­pflich­tet, sei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on so­wie die Da­ten und Füh­rungs­zah­len be­züg­lich Auf­wen­dun­gen und Er­trä­ge im Asyl­be­reich of­fen zu le­gen.
3Die Eid­ge­nös­si­sche Fi­nanz­kon­trol­le, das SEM und die kan­to­na­len Fi­nanz­kon­trol­len üben ih­re Auf­sicht über die Fi­nanz­tä­tig­keit ent­spre­chend ih­ren Vor­schrif­ten aus. Sie be­stim­men das ge­eig­ne­te Vor­ge­hen, ko­or­di­nie­ren ih­re Tä­tig­kei­ten und in­for­mie­ren sich ge­gen­sei­tig über die Er­kennt­nis­se.
6a. Kapitel: Plangenehmigung bei Bauten und Anlagen des Bundes
Art. 95a Grundsatz
1Bau­ten und An­la­gen, die dem Bund zur Un­ter­brin­gung Asyl­su­chen­der oder zur Durch­füh­rung von Asyl­ver­fah­ren die­nen, er­for­dern ei­ne Plan­ge­neh­mi­gung des EJPD (Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de), wenn sie:
neu er­rich­tet wer­den;
ge­än­dert oder die­sem neu­en Nut­zungs­zweck zu­ge­führt wer­den.
2Mit der Plan­ge­neh­mi­gung wer­den sämt­li­che nach Bun­des­recht er­for­der­li­chen Be­wil­li­gun­gen er­teilt.
3Kan­to­na­le Be­wil­li­gun­gen und Plä­ne sind nicht er­for­der­lich. Das kan­to­na­le Recht ist im Rah­men des Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­rens und der In­ter­es­sen­ab­wä­gung zu be­rück­sich­ti­gen.
4Die Plan­ge­neh­mi­gung für Vor­ha­ben, die sich er­heb­lich auf Raum und Um­welt aus­wir­ken, setzt grund­sätz­lich einen Sach­plan nach dem Bun­des­ge­setz vom 22. Ju­ni 19791 über die Raum­pla­nung vor­aus.
1Der Er­werb von Grund­stücken für Bau­ten und An­la­gen zur Un­ter­brin­gung Asyl­su­chen­der oder zur Durch­füh­rung von Asyl­ver­fah­ren so­wie die Be­grün­dung ding­li­cher Rech­te an sol­chen Grund­stücken ist Sa­che des EJPD. Es ist er­mäch­tigt, nö­ti­gen­falls die Ent­eig­nung durch­zu­füh­ren.
2Das Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren rich­tet sich nach die­sem Ge­setz und sub­si­di­är nach dem Bun­des­ge­setz vom 20. Ju­ni 19301 über die Ent­eig­nung (EntG).
Art. 95c Einleitung des ordentlichen Plangenehmigungsverfahrens
Art. 95d Aussteckung
1Vor der öf­fent­li­chen Auf­la­ge des Ge­suchs muss der Ge­such­stel­ler die Ver­än­de­run­gen, wel­che die ge­plan­ten Bau­ten und An­la­gen im Ge­län­de be­wir­ken, sicht­bar ma­chen, in­dem er sie aus­steckt; bei Hoch­bau­ten hat er Pro­fi­le auf­zu­stel­len.
Art. 95e Anhörung, Publikation und Auflage
1Die Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de über­mit­telt das Ge­such den be­trof­fe­nen Kan­to­nen und Ge­mein­den zur Stel­lung­nah­me. Das ge­sam­te An­hö­rungs­ver­fah­ren dau­ert drei Mo­na­te. In be­grün­de­ten Fäl­len kann die­se Frist aus­nahms­wei­se ver­län­gert wer­den.
2Das Ge­such ist in den amt­li­chen Pu­bli­ka­ti­ons­or­ga­nen der be­trof­fe­nen Kan­to­ne und Ge­mein­den so­wie im Bun­des­blatt zu pu­bli­zie­ren und wäh­rend 30 Ta­gen öf­fent­lich auf­zu­le­gen.
3Die öf­fent­li­che Auf­la­ge hat den Ent­eig­nungs­bann nach den Ar­ti­keln 42-44 EntG1 zur Fol­ge.
Art. 95f Persönliche Anzeige
Spä­tes­tens mit der öf­fent­li­chen Auf­la­ge des Ge­suchs muss der Ge­such­stel­ler den Ent­schä­di­gungs­be­rech­tig­ten nach Ar­ti­kel 31 EntG1 ei­ne per­sön­li­che An­zei­ge über die zu ent­eig­nen­den Rech­te zu­stel­len.
Art. 95g Einsprache
1Wer nach den Vor­schrif­ten des VwVG1 oder des EntG2 Par­tei ist, kann wäh­rend der Auf­la­ge­frist Ein­spra­che er­he­ben. Wer kei­ne Ein­spra­che er­hebt, ist vom wei­te­ren Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen.
Art. 95h Bereinigung in der Bundesverwaltung
Das Be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren in der Bun­des­ver­wal­tung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 62b des Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 19971.
Art. 95i Geltungsdauer
2Die Plan­ge­neh­mi­gung er­lischt, wenn fünf Jah­re nach ih­rer rechts­kräf­ti­gen Er­tei­lung mit der Aus­füh­rung des Bau­vor­ha­bens nicht be­gon­nen wor­den ist.
3Die Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de kann die Gel­tungs­dau­er der Plan­ge­neh­mi­gung aus wich­ti­gen Grün­den um höchs­tens drei Jah­re ver­län­gern. Die Ver­län­ge­rung ist aus­ge­schlos­sen, wenn sich die mass­ge­ben­den tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­se seit der rechts­kräf­ti­gen Er­tei­lung der Plan­ge­neh­mi­gung we­sent­lich ver­än­dert ha­ben.
Art. 95j Vereinfachtes Plangenehmigungsverfahren
Bau­ten und An­la­gen, de­ren Än­de­rung oder Um­nut­zung das äus­se­re Er­schei­nungs­bild nicht we­sent­lich ver­än­dert, kei­ne schutz­wür­di­gen In­ter­es­sen Drit­ter be­rührt und sich nur un­er­heb­lich auf Raum und Um­welt aus­wirkt;
Bau­ten und An­la­gen, die spä­tes­tens nach drei Jah­ren wie­der ent­fernt wer­den.
1Nach Ab­schluss des Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­rens wird, so­weit er­for­der­lich, das Schät­zungs­ver­fah­ren vor der Eid­ge­nös­si­schen Schät­zungs­kom­mis­si­on (Schät­zungs­kom­mis­si­on) nach den Be­stim­mun­gen des EntG1 durch­ge­führt. Es wer­den nur an­ge­mel­de­te For­de­run­gen be­han­delt.
1Für das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren gel­ten die all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen über die Bun­des­rechts­pfle­ge.
2Zur Be­schwer­de be­rech­tigt sind auch die be­trof­fe­nen Kan­to­ne und Ge­mein­den.
7. Kapitel: Bearbeitung von Personendaten
Art. 96 Bearbeiten von Personendaten
1Das SEM, die Be­schwer­de­be­hör­den so­wie die mit Auf­ga­ben nach die­sem Ge­setz be­auf­trag­ten pri­va­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen kön­nen Per­so­nen­da­ten, ins­be­son­de­re auch be­son­ders schüt­zens­wer­te Da­ten oder Per­sön­lich­keitspro­fi­le nach Ar­ti­kel 3 Buch­sta­ben c und d des Bun­des­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 19922 über den Da­ten­schutz (DSG) ei­ner asyl­su­chen­den oder schutz­be­dürf­ti­gen Per­son und ih­rer An­ge­hö­ri­gen be­ar­bei­ten oder be­ar­bei­ten las­sen, so­weit sie die­se zur Er­fül­lung ih­rer ge­setz­li­chen Auf­ga­ben be­nö­ti­gen.
2Die zur Be­kämp­fung der Schwarz­ar­beit er­for­der­li­chen Da­ten dür­fen von den Be­hör­den nach Ab­satz 1 ge­mä­ss den Ar­ti­keln 11 und 12 des Bun­des­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 20053 ge­gen die Schwarz­ar­beit be­kannt ge­ge­ben wer­den.4
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 Ziff. 2 des BB vom 17. Dez. 2004 über die Ge­neh­mi­gung und die Um­set­zung der bi­la­te­ra­len Ab­kom­men zwi­schen der Schweiz und der EU über die As­so­zi­ie­rung an Schen­gen und an Du­blin, in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 447 5405 Art. 1 Bst. a; BBl 2004 5965).
3 SR 822.41
4 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 17. Ju­ni 2005 ge­gen die Schwarz­ar­beit, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 359; BBl 2002 3605).
1Per­so­nen­da­ten von Asyl­su­chen­den, an­er­kann­ten Flücht­lin­gen und Schutz­be­dürf­ti­gen dür­fen dem Hei­mat- oder Her­kunfts­staat nicht be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn da­durch die be­trof­fe­ne Per­son oder ih­re An­ge­hö­ri­gen ge­fähr­det wür­den. Über ein Asyl­ge­such dür­fen kei­ne An­ga­ben ge­macht wer­den.1
2Die für die Or­ga­ni­sa­ti­on der Aus­rei­se zu­stän­di­ge Be­hör­de kann zwecks Be­schaf­fung der für den Voll­zug der Weg­wei­sungs­ver­fü­gung not­wen­di­gen Rei­se­pa­pie­re mit dem Hei­mat- oder Her­kunfts­staat Kon­takt auf­neh­men, wenn in ers­ter In­stanz das Vor­lie­gen der Flücht­lings­ei­gen­schaft ver­neint wur­de.2
3Für den Voll­zug ei­ner Weg­wei­sung in den Hei­mat- oder Her­kunfts­staat kann die für die Or­ga­ni­sa­ti­on der Aus­rei­se zu­stän­di­ge Be­hör­de der aus­län­di­schen Be­hör­de fol­gen­de Da­ten be­kannt ge­ben:
Per­so­na­li­en (Na­me, Vor­na­me, Ali­as­na­men, Ge­burts­da­tum, Ge­burts­ort, Ge­schlecht, Staats­an­ge­hö­rig­keit, letz­te Adres­se im Hei­mat- oder Her­kunfts­staat) der be­trof­fe­nen Per­son und, so­weit für de­ren Iden­ti­fi­ka­ti­on not­wen­dig, der An­ge­hö­ri­gen;
An­ga­ben über den Rei­se­pass oder an­de­re Iden­ti­täts­aus­wei­se;
Fin­ger­ab­drücke, Fo­to­gra­fi­en und al­len­falls wei­te­re bio­me­tri­sche Da­ten;
wei­te­re Da­ten aus Do­ku­men­ten, die zur Iden­ti­fi­ka­ti­on ei­ner Per­son dien­lich sind;
An­ga­ben über den Ge­sund­heits­zu­stand, so­weit dies im In­ter­es­se der be­trof­fe­nen Per­son liegt;
die für die Si­cher­stel­lung der Ein­rei­se in den Ziel­staat so­wie für die Si­cher­heit der Be­gleit­per­so­nen er­for­der­li­chen Da­ten;
An­ga­ben über straf­recht­li­che Ver­fah­ren, so­weit dies im kon­kre­ten Fall zur Ab­wick­lung der Rück­über­nah­me und zur Wah­rung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit und Ord­nung im Hei­mat­staat er­for­der­lich ist und da­durch die be­trof­fe­ne Per­son nicht ge­fähr­det wird; Ar­ti­kel 2 des Rechts­hil­fe­ge­set­zes vom 20. März 19813 gilt sinn­ge­mä­ss.4
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4745; BBl 2002 6845).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
Art. 98 Bekanntgabe von Personendaten an Drittstaaten und internationale Organisationen
1Das SEM und die Be­schwer­de­be­hör­den dür­fen zum Voll­zug die­ses Ge­set­zes den mit ent­spre­chen­den Auf­ga­ben be­trau­ten aus­län­di­schen Be­hör­den und in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen Per­so­nen­da­ten be­kannt ge­ben, wenn der be­tref­fen­de Staat oder die in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on für einen gleich­wer­ti­gen Schutz der über­mit­tel­ten Da­ten Ge­währ bie­tet.
2Fol­gen­de Per­so­nen­da­ten dür­fen be­kannt ge­ge­ben wer­den:
An­ga­ben über Auf­ent­halts­or­te und Rei­se­we­ge;
An­ga­ben über An­we­sen­heits­be­wil­li­gun­gen und er­teil­te Vi­sa;
An­ga­ben über ein Asyl­ge­such (Ort und Da­tum der Ein­rei­chung, Stand des Ver­fah­rens, sum­ma­ri­sche An­ga­ben über den In­halt ei­nes ge­trof­fe­nen Ent­schei­des).1
Art. 98a Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden
Das SEM oder das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt über­mit­telt den zu­stän­di­gen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den In­for­ma­tio­nen und Be­weis­mit­tel über Asyl­su­chen­de, bei de­nen ernst­haf­te Grün­de für den Ver­dacht be­ste­hen, dass sie ein Ver­bre­chen ge­gen das Völ­ker­recht, ins­be­son­de­re ein Ver­bre­chen ge­gen den Frie­den, ein Kriegs­ver­bre­chen, ein Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit, Völ­ker­mord oder Fol­ter­hand­lun­gen be­gan­gen ha­ben.
Art. 98b Biometrische Daten
1Zur Fest­stel­lung der Iden­ti­tät von Asyl­su­chen­den und Schutz­be­dürf­ti­gen kön­nen die zu­stän­di­gen Be­hör­den bio­me­tri­sche Da­ten be­ar­bei­ten.
1bisDas SEM kann Drit­te mit der Be­ar­bei­tung von bio­me­tri­schen Da­ten be­auf­tra­gen. Es kon­trol­liert, ob die be­auf­trag­ten Drit­ten die Vor­schrif­ten über den Da­ten­schutz und die In­for­ma­tik­si­cher­heit ein­hal­ten.2
2Der Bun­des­rat legt fest, wel­che bio­me­tri­schen Da­ten er­ho­ben wer­den, und re­gelt den Zu­griff.
2 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 13. Ju­ni 2008 (Er­gän­zun­gen im Rah­men der Um­set­zung der Schen­gen- und Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men), in Kraft seit 12. Dez. 2008 (AS 2008 5407 5405 Art. 2 Bst. c; BBl 2007 7937).
Art. 99 Abnahme und Auswertung von Fingerabdrücken
1Von Asyl­su­chen­den und Schutz­be­dürf­ti­gen wer­den die Ab­drücke al­ler Fin­ger ab­ge­nom­men und Fo­to­gra­fi­en er­stellt. Der Bun­des­rat kann Aus­nah­men für Min­der­jäh­ri­ge un­ter 14 Jah­ren vor­se­hen.1
2Die Fin­ger­ab­drücke und Fo­to­gra­fi­en wer­den oh­ne zu­ge­hö­ri­ge Per­so­na­li­en in ei­ner vom Bun­des­amt für Po­li­zei und vom SEM ge­führ­ten Da­ten­bank ge­spei­chert.2
3Neu ab­ge­nom­me­ne Fin­ger­ab­drücke wer­den mit den vom Bun­des­amt für Po­li­zei ge­führ­ten Fin­ger­ab­druck­samm­lun­gen ver­gli­chen.3
4Stellt das Bun­des­amt für Po­li­zei Über­ein­stim­mung mit ei­nem schon vor­han­de­nen Fin­ger­ab­druck fest, so gibt es die­sen Um­stand dem SEM so­wie den be­trof­fe­nen kan­to­na­len Po­li­zei­be­hör­den und dem Grenzwacht­korps zu­sam­men mit den Per­so­na­li­en der be­trof­fe­nen Per­son (Na­me, Vor­na­me, Ali­as­na­men, Ge­burts­da­tum, Ge­schlecht, Re­fe­renz­num­mer, Per­so­nen­num­mer, Staats­an­ge­hö­rig­keit, Pro­zess­kon­troll­num­mer und Zu­tei­lungs­kan­ton) be­kannt. Von po­li­zei­li­chen Er­fas­sun­gen wer­den zu­dem Da­tum, Ort und Grund der Fin­ger­ab­druck­ab­nah­me in Co­de­form mit­ge­teilt.4
5Das SEM ver­wen­det die­se An­ga­ben, um:
die Iden­ti­tät der be­trof­fe­nen Per­son zu über­prü­fen;
zu prü­fen, ob die be­trof­fe­ne Per­son sich be­reits ein­mal um Asyl be­wor­ben hat;
zu prü­fen, ob Da­ten vor­lie­gen, wel­che die Aus­sa­gen der be­trof­fe­nen Per­son be­stä­ti­gen oder wi­der­le­gen;
zu prü­fen, ob Da­ten vor­lie­gen, wel­che die Asyl­wür­dig­keit der be­trof­fe­nen Per­son in Fra­ge stel­len;
die Amts­hil­fe an po­li­zei­li­che Be­hör­den zu er­leich­tern.
6Die nach Ab­satz 4 über­mit­tel­ten Per­so­nen­da­ten dür­fen nicht oh­ne die Zu­stim­mung des In­ha­bers der Da­ten­samm­lung ins Aus­land be­kannt ge­ge­ben wer­den. Ar­ti­kel 6 Ab­satz 1 DSG5 gilt sinn­ge­mä­ss.
7Die Da­ten wer­den ge­löscht:
wenn Asyl ge­währt wird;
spä­tes­tens zehn Jah­re nach rechts­kräf­ti­ger Ab­leh­nung, Rück­zug oder Ab­schrei­bung des Asyl­ge­suchs oder nach ei­nem Nicht­ein­tre­tens­ent­scheid;
bei Schutz­be­dürf­ti­gen spä­tes­tens zehn Jah­re nach Auf­he­bung des vor­über­ge­hen­den Schut­zes.
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4745, 2007 5573; BBl 2002 6845).
1a. Abschnitt: Informationssystem der Zentren des Bundes und der Unterkünfte an den Flughäfen
Art. 99a Grundsätze
1Das SEM führt ein In­for­ma­ti­ons­sys­tem der Zen­tren des Bun­des und der Un­ter­künf­te an den Flug­hä­fen (MI­DES).
2MI­DES dient:
der Be­ar­bei­tung von Per­so­nen­da­ten von Asyl­su­chen­den und Schutz­be­dürf­ti­gen, ein­sch­liess­lich der be­son­ders schüt­zens­wer­ten Per­so­nen­da­ten und der Per­sön­lich­keitspro­fi­le nach Ar­ti­kel 3 Buch­sta­ben c und d DSG1; und
der Ge­schäfts­kon­trol­le, der Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens so­wie der Pla­nung und Or­ga­ni­sa­ti­on der Un­ter­brin­gung.
3MI­DES ent­hält fol­gen­de Per­so­nen­da­ten:
Da­ten zur Iden­ti­tät der re­gis­trier­ten Per­so­nen, näm­lich Na­me, Vor­na­me, Ge­schlecht, Ge­burts­da­tum und -ort, Na­tio­na­li­tät, Eth­nie, Re­li­gi­on, Zi­vil­stand, Adres­se und Na­men der El­tern;
Pro­to­kol­le der in den Zen­tren des Bun­des und an den Flug­hä­fen durch­ge­führ­ten sum­ma­ri­schen Be­fra­gun­gen nach den Ar­ti­keln 22 Ab­satz 1 und 26 Ab­satz 3;
bio­me­tri­sche Da­ten;
An­ga­ben über die Un­ter­brin­gung;
den Stand des Ver­fah­rens.
4Die Per­so­nen­da­ten nach Ab­satz 3 Buch­sta­ben a und e wer­den ins ZE­MIS über­nom­men.
5Die Asyl­su­chen­den und die Schutz­be­dürf­ti­gen sind ins­be­son­de­re über den Zweck der Da­ten­be­ar­bei­tung und die Ka­te­go­ri­en der Da­ten­emp­fän­ger zu in­for­mie­ren.
Art. 99b Datenbearbeitung in MIDES
Zu­griff auf MI­DES ha­ben, so­weit dies zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben er­for­der­lich ist:
die Mit­ar­bei­ten­den des SEM;
die Be­hör­den nach Ar­ti­kel 22 Ab­satz 1;
be­auf­trag­te Drit­te nach Ar­ti­kel 99c;
die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der kan­to­na­len oder kom­mu­na­len Zen­tren nach Ar­ti­kel 24d, die für die Un­ter­brin­gung und Be­treu­ung der Asyl­su­chen­den zu­stän­dig sind.
Art. 99c Beauftragte Dritte
1Das SEM kann Drit­te, die mit der Be­schaf­fung bio­me­tri­scher Da­ten, mit der Auf­recht­er­hal­tung der Si­cher­heit oder mit der Ad­mi­nis­tra­ti­on und Be­treu­ung in den Zen­tren des Bun­des und den Un­ter­künf­ten an den Flug­hä­fen be­auf­tragt sind, da­zu be­rech­ti­gen, in MI­DES die Per­so­nen­da­ten nach Ar­ti­kel 99a Ab­satz 3 Buch­sta­ben a, c und d zu be­ar­bei­ten.
2Das SEM stellt si­cher, dass die be­auf­trag­ten Drit­ten die an­wend­ba­ren Vor­schrif­ten über den Da­ten­schutz und die In­for­ma­tik­si­cher­heit ein­hal­ten.
Art. 99d Aufsicht und Vollzug
1Das SEM ist für die Si­cher­heit von MI­DES und die Recht­mäs­sig­keit der Be­ar­bei­tung der Per­so­nen­da­ten ver­ant­wort­lich.
die Or­ga­ni­sa­ti­on und den Be­trieb von MI­DES;
den Ka­ta­log der zu be­ar­bei­ten­den Per­so­nen­da­ten;
die Zu­griffs­rech­te;
die tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Schutz­mass­nah­men ge­gen un­be­fug­tes Be­ar­bei­ten;
die Dau­er der Da­ten­auf­be­wah­rung;
die Ar­chi­vie­rung und die Ver­nich­tung der Da­ten nach Ab­lauf der Auf­be­wah­rungs­frist.
1b. Abschnitt: Andere Informationssysteme
Art. 100 Informationssystem der Beschwerdebehörden
1Die Be­schwer­de­be­hör­den füh­ren ein In­for­ma­ti­ons­sys­tem zur Re­gis­trie­rung der bei ih­nen ein­ge­reich­ten Be­schwer­den, zur Füh­rung ei­ner Ge­schäfts­kon­trol­le und zum Er­stel­len von Sta­tis­ti­ken.
2Die­se In­for­ma­ti­ons­sys­te­me kön­nen be­son­ders schüt­zens­wer­te Per­so­nen­da­ten und Per­sön­lich­keitspro­fi­le ent­hal­ten, so­weit dies zur Er­fül­lung der ge­setz­li­chen Auf­ga­be not­wen­dig ist.
2bisUn­rich­ti­ge Da­ten sind von Am­tes we­gen zu be­rich­ti­gen. Sind die un­rich­ti­gen Da­ten auf ei­ne Ver­let­zung der Mit­wir­kungs­pflicht ei­ner Per­son zu­rück­zu­füh­ren, so kön­nen die­ser die Kos­ten für die Be­rich­ti­gung in Rech­nung ge­stellt wer­den.3
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 18 Ziff. 2 des BG vom 20. Ju­ni 2003 über das In­for­ma­ti­ons­sys­tem für den Aus­län­der- und den Asyl­be­reich, in Kraft seit 29. Mai 2006 (AS 2006 1931; BBl 2002 4693).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang des BG vom 18. Ju­ni 2010 (Au­to­ma­ti­sier­te Grenz­kon­trol­le, Do­ku­men­ten­be­ra­te­rin­nen und Do­ku­men­ten­be­ra­ter, In­for­ma­ti­ons­sys­tem MI­DES), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 5755; BBl 2009 8881).
Art. 102 Informations- und Dokumentationssystem
1Das SEM be­treibt in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein au­to­ma­ti­sier­tes In­for­ma­ti­ons- und Do­ku­men­ta­ti­ons­sys­tem. Dar­in wer­den in ver­schie­de­nen Da­ten­ban­ken sach­be­zo­ge­ne In­for­ma­tio­nen und Do­ku­men­ta­tio­nen aus dem Auf­ga­ben­be­reich des SEM und des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ge­spei­chert. So­fern es er­for­der­lich ist, kön­nen auch in den Tex­ten ent­hal­te­ne Per­so­nen­da­ten, na­ment­lich Per­so­na­li­en, so­wie be­son­ders schüt­zens­wer­te Per­so­nen­da­ten und Per­sön­lich­keitspro­fi­le ge­spei­chert wer­den.1
2Auf Da­ten­ban­ken, die be­son­ders schüt­zens­wer­te Per­so­nen­da­ten und Per­sön­lich­keitspro­fi­le ent­hal­ten, ha­ben nur Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des SEM und des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts Zu­griff.2
3Da­ten­ban­ken, die vor­wie­gend sach­be­zo­ge­ne, aus öf­fent­li­chen Quel­len ent­nom­me­ne In­for­ma­tio­nen ent­hal­ten, kön­nen auf Ge­such hin mit­tels Ab­ruf­ver­fah­ren ex­ter­nen Be­nut­ze­rin­nen und Be­nut­zern zu­gäng­lich ge­macht wer­den.
4Der Bun­des­rat re­gelt die Ein­zel­hei­ten, na­ment­lich den Zu­griff auf das Sys­tem und den Schutz der dar­in er­fass­ten Per­so­nen­da­ten.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197 1069; BBl 2001 4202).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197 1069; BBl 2001 4202).
Art. 102a Statistik über Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger
Für die Steue­rung der fi­nan­zi­el­len Ab­gel­tung an die Kan­to­ne über­mit­telt das Bun­des­amt für Sta­tis­tik dem SEM pe­ri­odisch an­ony­mi­sier­te und ag­gre­gier­te Da­ten über die Per­so­nen des Asyl­be­reichs, wel­che Leis­tun­gen der öf­fent­li­chen So­zi­al­hil­fe be­zie­hen.
2. Abschnitt: Datenbearbeitung im Rahmen der Dublin-Assoziierungsabkommen
1Im Rah­men der An­wen­dung der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men1 ist das SEM für den Ver­kehr mit der Zen­tral­ein­heit des Sys­tems Eu­ro­dac zu­stän­dig.
2Es über­mit­telt fol­gen­de Da­ten in­ner­halb von 72 Stun­den nach Ein­rei­chung des Ge­suchs an die Zen­tral­ein­heit:
den Ort und das Da­tum der Ge­such­stel­lung in der Schweiz;
das Ge­schlecht der ge­such­stel­len­den Per­son;
die nach Ar­ti­kel 99 Ab­satz 1 ab­ge­nom­me­nen Fin­ger­ab­drücke;
das Da­tum der Ab­nah­me der Fin­ger­ab­drücke;
die schwei­ze­ri­sche Kenn­num­mer der Fin­ger­ab­drücke;
das Da­tum der Über­mitt­lung der Da­ten an die Zen­tral­ein­heit;
das Be­nut­zer­kenn­wort.2
2bisLas­sen die Fin­ger der be­trof­fe­nen Per­son kei­ne Er­fas­sung der Fin­ger­ab­drücke zu, so müs­sen die Fin­ger­ab­drücke in­ner­halb von 48 Stun­den, nach­dem ei­ne qua­li­ta­tiv ein­wand­freie Er­fas­sung wie­der mög­lich ist, an die Zen­tral­ein­heit über­mit­telt wer­den. Kön­nen die Fin­ger­ab­drücke we­gen des Ge­sund­heits­zu­stands der be­trof­fe­nen Per­son oder we­gen Mass­nah­men der öf­fent­li­chen Ge­sund­heit nicht ab­ge­nom­men wer­den, so müs­sen die­se Fin­ger­ab­drücke in­ner­halb von 48 Stun­den nach Weg­fal­len des Hin­de­rungs­grun­des an die Zen­tral­ein­heit über­mit­telt wer­den.3
2terWird die Da­ten­über­mitt­lung durch schwer­wie­gen­de tech­ni­sche Pro­ble­me ver­hin­dert, so wird ei­ne Nach­frist von 48 Stun­den ge­währt, um die not­wen­di­gen Mass­nah­men zu tref­fen, da­mit das Sys­tem wie­der ein­wand­frei funk­tio­niert.4
2qua­terDas SEM über­mit­telt zu­dem die fol­gen­den Da­ten an die Zen­tral­ein­heit:
bei Auf­nah­me ei­ner Per­son nach der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/20135: den Zeit­punkt der An­kunft in der Schweiz;
bei Wie­der­auf­nah­me ei­ner Per­son nach der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/2013: den Zeit­punkt der An­kunft in der Schweiz;
bei Nach­weis, dass ei­ne ge­such­stel­len­de Per­son, für wel­che die Schweiz nach der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/2013 für die Be­hand­lung ih­res Ge­suchs zu­stän­dig ist, für min­des­tens drei Mo­na­te das Ge­biet der Staa­ten, die durch ei­nes der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ge­bun­den sind, ver­las­sen hat: den Zeit­punkt der Aus­rei­se;
nach er­folg­rei­chem Voll­zug der Weg­wei­sung, den Zeit­punkt der Aus­schaf­fung be­zie­hungs­wei­se der Aus­rei­se der ge­such­stel­len­den Per­son aus dem Ge­biet der Staa­ten, die durch ei­nes der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ge­bun­den sind;
so­fern die Schweiz auf­grund der Sou­ve­rä­ni­täts­klau­sel der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/2013 frei­wil­lig der zu­stän­di­ge Du­blin-Staat für die Be­hand­lung ei­nes Asyl­ge­suchs wird: den Zeit­punkt die­ser Ent­schei­dung.6
3Die über­mit­tel­ten Da­ten wer­den in der Da­ten­bank Eu­ro­dac ge­spei­chert und mit den in die­ser Da­ten­bank be­reits ge­spei­cher­ten Da­ten au­to­ma­tisch ver­gli­chen. Das Er­geb­nis des Ver­gleichs wird dem SEM mit­ge­teilt.7
4Die Da­ten wer­den zehn Jah­re nach Ab­nah­me der Fin­ger­ab­drücke von der Zen­tral­ein­heit au­to­ma­tisch ver­nich­tet. Er­hält ei­ne Per­son, de­ren Da­ten von der Schweiz an die Da­ten­bank Eu­ro­dac über­mit­telt wur­den, vor Ab­lauf die­ser Frist die Staats­an­ge­hö­rig­keit ei­nes Staa­tes, der durch ei­nes der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ge­bun­den ist, so er­sucht das SEM, so­bald es von die­sem Um­stand Kennt­nis er­hält, die Zen­tral­ein­heit um vor­zei­ti­ge Ver­nich­tung der Da­ten.
1 Die­se Ab­kom­men sind in An­hang 1 auf­ge­führt.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V [EU] Nr. 603/2013 über die Er­rich­tung von Eu­ro­dac so­wie Änd. der V [EU] Nr. 1077/2011 zur Er­rich­tung der IT-Agen­tur), in Kraft seit 20. Ju­li 2015 (AS 2015 2323; BBl 2014 2675).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V [EU] Nr. 603/2013 über die Er­rich­tung von Eu­ro­dac so­wie Änd. der V [EU] Nr. 1077/2011 zur Er­rich­tung der IT-Agen­tur), in Kraft seit 20. Ju­li 2015 (AS 2015 2323; BBl 2014 2675).
4 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V [EU] Nr. 603/2013 über die Er­rich­tung von Eu­ro­dac so­wie Änd. der V [EU] Nr. 1077/2011 zur Er­rich­tung der IT-Agen­tur), in Kraft seit 20. Ju­li 2015 (AS 2015 2323; BBl 2014 2675).
5 Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/2013 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 26. Ju­ni 2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des Mit­glied­staats, der für die Prü­fung ei­nes von ei­nem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen oder Staa­ten­lo­sen in ei­nem Mit­glied­staat ge­stell­ten An­trags auf in­ter­na­tio­na­len Schutz zu­stän­dig ist (Neu­fas­sung), Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 180 vom 29.6.2013, S. 31.
6 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V [EU] Nr. 603/2013 über die Er­rich­tung von Eu­ro­dac so­wie Änd. der V [EU] Nr. 1077/2011 zur Er­rich­tung der IT-Agen­tur), in Kraft seit 20. Ju­li 2015 (AS 2015 2323; BBl 2014 2675).
7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V [EU] Nr. 603/2013 über die Er­rich­tung von Eu­ro­dac so­wie Änd. der V [EU] Nr. 1077/2011 zur Er­rich­tung der IT-Agen­tur), in Kraft seit 20. Ju­li 2015 (AS 2015 2323; BBl 2014 2675).
Art. 102ater Überprüfung der Fingerabdrücke in Eurodac
1Ei­ne Spe­zia­lis­tin oder ein Spe­zia­list nimmt ei­ne Über­prü­fung der Fin­ger­ab­drücke vor, wenn die Eu­ro­dac-Ab­fra­ge einen Tref­fer er­ge­ben hat.
2Das SEM be­stimmt, über wel­che Qua­li­fi­ka­tio­nen die Fin­ger­ab­druck­s­pe­zia­lis­tin oder der Fin­ger­ab­druck­s­pe­zia­list ver­fü­gen muss.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BB vom 26. Sept. 2014 (Über­nah­me der V [EU] Nr. 603/2013 über die Er­rich­tung von Eu­ro­dac so­wie Änd. der V [EU] Nr. 1077/2011 zur Er­rich­tung der IT-Agen­tur), in Kraft seit 20. Ju­li 2015 (AS 2015 2323; BBl 2014 2675).
Art. 102b Bekanntgabe von Personendaten an einen Staat, der durch eines der Dublin-Assoziierungsabkommen gebunden ist
Die Be­kannt­ga­be von Per­so­nen­da­ten an die zu­stän­di­gen Be­hör­den von Staa­ten, die durch ei­nes der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ge­bun­den sind, wird der Be­kannt­ga­be von Per­so­nen­da­ten zwi­schen Bun­des­or­ga­nen gleich­ge­stellt.
Art. 102c Bekanntgabe von Personendaten an einen Staat, der durch keines der Dublin-Assoziierungsabkommen gebunden ist
1An Dritt­staa­ten dür­fen Per­so­nen­da­ten nur be­kannt ge­ge­ben wer­den, so­fern die­se ein an­ge­mes­se­nes Da­ten­schutz­ni­veau ge­währ­leis­ten.
2Ge­währ­leis­tet ein Dritt­staat kein an­ge­mes­se­nes Da­ten­schutz­ni­veau, so kön­nen ihm Per­so­nen­da­ten im Ein­zel­fall be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn:
die be­trof­fe­ne Per­son oh­ne je­den Zwei­fel ein­ge­wil­ligt hat; han­delt es sich um be­son­ders schüt­zens­wer­te Per­so­nen­da­ten oder Per­sön­lich­keitspro­fi­le, so muss die Ein­wil­li­gung aus­drück­lich sein;
die Be­kannt­ga­be er­for­der­lich ist, um das Le­ben oder die kör­per­li­che In­te­gri­tät der be­trof­fe­nen Per­son zu schüt­zen; oder
die Be­kannt­ga­be zur Wah­rung über­wie­gen­der öf­fent­li­cher In­ter­es­sen oder zur Fest­stel­lung, Aus­übung oder Durch­set­zung von Rechts­an­sprü­chen vor Ge­richt er­for­der­lich ist.
3Ne­ben den in Ab­satz 2 ge­nann­ten Fäl­len kön­nen Per­so­nen­da­ten auch be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn im Ein­zel­fall hin­rei­chen­de Ga­ran­ti­en einen an­ge­mes­se­nen Schutz der be­trof­fe­nen Per­son ge­währ­leis­ten.
4Der Bun­des­rat be­stimmt den Um­fang der zu er­brin­gen­den Ga­ran­ti­en und die Mo­da­li­tä­ten der Ga­ran­tie­er­brin­gung.
5Die aus der Da­ten­bank Eu­ro­dac ge­won­ne­nen Da­ten dür­fen un­ter kei­nen Um­stän­den über­mit­telt wer­den an:
einen Staat, der durch kei­nes der Du­blin-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ge­bun­den ist;
in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen;
pri­va­te Stel­len.1
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. 2 des BG vom 19. März über die Um­set­zung des Rah­men­be­schlus­ses 2008/977/JI über den Schutz von Per­so­nen­da­ten im Rah­men der po­li­zei­li­chen und jus­ti­zi­el­len Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen, mit Wir­kung seit 1. Dez. 2010 (AS 2010 3387 3418; BBl 2009 6749).
Art. 102e Auskunftsrecht
Das Aus­kunfts­recht rich­tet sich nach den Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen des Bun­des oder der Kan­to­ne.1 Die In­ha­be­rin oder der In­ha­ber der Da­ten­samm­lung er­teilt auch Aus­kunft über die ver­füg­ba­ren An­ga­ben zur Her­kunft der Da­ten.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. 2 des BG vom 19. März über die Um­set­zung des Rah­men­be­schlus­ses 2008/977/JI über den Schutz von Per­so­nen­da­ten im Rah­men der po­li­zei­li­chen und jus­ti­zi­el­len Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen, in Kraft seit 1. Dez. 2010 (AS 2010 3387 3418; BBl 2009 6749).
8. Kapitel: Rechtsschutz, Beschwerdeverfahren, Wiedererwägung und Mehrfachgesuche

References: Art. 2

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 6
 Art. 16

Art. 7

Art. 8

Art. 9

Art. 10

Art. 11

Art. 12

Art. 12

Art. 13

Art. 14
 Art. 12

Art. 15

Art. 16

Art. 17

Art. 17

Art. 18

Art. 19

Art. 21
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2

Art. 23

Art. 24

Art. 24

Art. 24

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Art. 26

Art. 26
 Art. 26

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Art. 26

Art. 26

Art. 27

Art. 28

Art. 29

Art. 29

Art. 31

Art. 31

Art. 31

Art. 35
 Art. 22

Art. 36

Art. 37

Art. 37

Art. 37

Art. 39

Art. 40

Art. 41

Art. 42

Art. 45
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2

Art. 46

Art. 47

Art. 48

Art. 50

Art. 53
 Art. 121

Art. 54

Art. 55

Art. 56

Art. 57

Art. 58

Art. 59

Art. 61

Art. 62

Art. 63

Art. 64
 Art. 121

Art. 65

Art. 66

Art. 67

Art. 68

Art. 69

Art. 70

Art. 71

Art. 72

Art. 73

Art. 74

Art. 75

Art. 76

Art. 78

Art. 79

Art. 79

Art. 80

Art. 80

Art. 81

Art. 82

Art. 82

Art. 83

Art. 83

Art. 85

Art. 86

Art. 87

Art. 88
 Art. 121

Art. 89

Art. 89

Art. 89

Art. 90

Art. 92

Art. 93

Art. 93

Art. 93

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 95

Art. 96
 Art. 3
 Art. 1

Art. 98

Art. 98

Art. 98
 Art. 2

Art. 99

Art. 99

Art. 99

Art. 99

Art. 99

Art. 100
 Art. 18

Art. 102

Art. 102

Art. 102

Art. 102

Art. 102

Art. 102