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Timestamp: 2020-08-09 14:37:55+00:00

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Lebensmittelpunkt & Steuerpflicht: Die häufigsten Fragen & Antworten 2020
Lebensmittelpunkt und Steuerpflicht – Die häufigsten Fragen & Antworten 2020
1. Welche Rolle spielt dein Lebensmittelpunkt für deine Steuerpflicht in Deutschland?
Für deine Steuerpflicht ist im deutschen Steuerrecht nur der Wohnsitz und der gewöhnliche Aufenthalt ausschlaggebend. Über deinen Lebensmittelpunkt kann das Finanzamt jedoch versuchen, dich doch in Deutschland zu besteuern. Dein Lebensmittelpunkt ist der Ort, an dem du dich die meiste Zeit aufhältst und tatsächlich lebst. Mit allen notwendigen persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen.
Für den Lebensmittelpunkt sind alle Bereiche deines Lebens relevant, wie deine Familie, deine Freizeitgestaltung und dein Sozialleben, deine Einkünfte und unternehmerischen Tätigkeiten etc. Daher musst du auch all diese Bereiche beachten, wenn du keine Steuern mehr in Deutschland zahlen willst.
In diesem Artikel zeige ich dir welche Auswirkung dein Lebensmittelpunkt auf deinen Wohnsitz und deinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Ich erkläre dir, wie du deinen Lebensmittelpunkt sicher ins Ausland verlagerst. Und ich zeige dir, warum der Lebensmittelpunkt zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung so wichtig sein kann.
2. Definition: Was bedeutet Lebensmittelpunkt im Steuerrecht?
„Der Lebensmittelpunkt ist nach der Gewichtung aller familiären, gesellschaftlichen, politischen, religiösen, sozialen und kulturellen Beziehungen zu bestimmen.“
Insgesamt sind für deinen Lebensmittelpunkt alle Aspekte deines Lebens relevant, sowohl deine persönlichen (dein Sozialleben) als auch deine wirtschaftlichen Beziehungen (deine Einkünfte, Unternehmen etc.).
Regelmäßig dürfte der Gewichtung der persönlichen Beziehungen aber ein höheres Gewicht beigemessen werden. Insbesondere, da die persönlichen Beziehungen häufiger auch eine physische Anwesenheit an einem „Punkt“ erfordern.
Die Gewichtung der wirtschaftlichen Beziehungen hängt primär von deinen Einkunftsarten ab. Dabei dürfte der Fokus auf deinen Einkünften als Unternehmer bzw. Arbeitnehmer liegen. Andere Einkunftsquellen, wie Kapitaleinkünfte, setzen meist keine physische Anwesenheit voraus. Wenn du aber gerade ein digitales Unternehmen hast, welches oft gar keine wirkliche physische Präsenz erfordert, dürften die wirtschaftlichen Beziehungen weiter in den Hintergrund rücken. Gleiches gilt für eine Anstellung als remote (ortsunabhängiger) Arbeitnehmer.
Daher wollen wir in diesen Artikel hauptsächlich die persönlichen Beziehungen beleuchten.
2.1. Wie ist der Lebensmittelpunkt im deutschen Steuerrecht definiert?
Eine Definition im Steuerrecht für den Lebensmittelpunkt gibt es nicht. Der Lebensmittelpunkt ist im nationalen, also „innerdeutschen“ Steuerrecht kein definierter Begriff. Aus dem Lebensmittelpunkt können aber bestimmte steuerliche Anknüpfungspunkte abgeleitet werden.
Die Frage, wo sich dein Lebensmittelpunkt befindet, spielt also vor allem dann eine wesentliche Rolle, wenn
du keinen steuerlichen Wohnsitz hast oder
du mehrere steuerliche Wohnsitze hast oder
dein gewöhnlicher Aufenthalt nicht anhand der 183-Tage-Regelung bestimmt werden kann.
Du willst einen vollständigen Überblick, wie der steuerliche Wohnsitz definiert ist? Das erfährst du in diesem Artikel: „Wohnsitz abmelden – Die häufigsten Fragen & Antworten 2020“
Du willst einen vollständigen Überblick, wie der gewöhnliche Aufenthalt definiert ist? Das erfährst du in diesem Artikel: Gewöhnlicher Aufenthalt und 183-Tage-Regelung – Die häufigsten Fragen & Antworten 2020
2.2. Wie ist der Lebensmittelpunkt im internationalen Steuerrecht definiert?
Im internationalen Steuerrecht spielt die Definition des Lebensmittelpunktes dagegen eine erhebliche Rolle. Der Lebensmittelpunkt ist oft das entscheidende Kriterium zur Bestimmung deiner Ansässigkeit nach einem Doppelbesteuerungsabkommen („DBA“). In Artikel 4 (2) (= Absatz 2) a) des OECD-Musterabkommens 2017 ist der Mittelpunkt der Lebensinteressen wie folgt definiert:
„…zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen hat (Mittelpunkt der Lebensinteressen);“
Es kommt also sowohl auf die persönlichen und die wirtschaftlichen Beziehungen an.
3. Wie kann der Lebensmittelpunkt einen Wohnsitz und damit eine Steuerpflicht in Deutschland auslösen?
Nach § 1 (1) Einkommenssteuergesetz („EStG“) führt nur der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt zur unbeschränkten Steuerpflicht. Der Lebensmittelpunkt spielt demnach keine Rolle.
In vielen Gerichtsurteilen wurde jedoch ein Wohnsitz dort angenommen, wo auch der Lebensmittelpunkt angenommen wurde.
Das wurde daraus abgeleitet, dass du an deinem Lebensmittelpunkt auch Verfügungsmacht über eine Wohnung haben dürftest.
3.1. Dein Lebensmittelpunkt ist dort, wo dein Ehegatte lebt („Familienwohnsitz“)
In Randnummer 5.2 („Rn. 5.2“) zu § 8 im Anwendungserlass zur AO („AEAO“) hat der Gesetzgeber dies wie folgt definiert:
„Ein Ehegatte/Lebenspartner, der nicht dauernd getrennt lebt, hat seinen Wohnsitz grundsätzlich dort, wo seine Familie lebt. […] Diese Vermutung gilt regelmäßig unabhängig davon, welche räumliche Entfernung zwischen den Ehegatten/Lebenspartnern besteht. Deshalb ist eine inländische Wohnung, die von einem Ehegatten/Lebenspartner gelegentlich zu Wohnzwecken genutzt wird, auch dann ein Wohnsitz, wenn er sich zeitlich überwiegend im Ausland aufhält.“
Meine Empfehlung: Dein Ehegatte sollte (muss) immer mit auswandern und ihr müsst gemeinsam euren Wohnsitz in Deutschland aufgeben.
3.2. Entscheidend ist nur die engste Familie, also der Ehegatte und minderjährige Kinder
In Rn. 5.3 und Rn. 5.4 zu § 8 im AEAO hat der Gesetzgeber weiter ausgeführt:
„Wer sich – auch in regelmäßigen Abständen – in der Wohnung eines Angehörigen oder eines Bekannten aufhält, begründet dort keinen Wohnsitz, […] sofern es nicht wie im Fall einer Familienwohnung oder der Wohnung einer Wohngemeinschaft gleichzeitig die eigene Wohnung ist.
Minderjährige Kinder teilen grundsätzlich den Wohnsitz ihrer Eltern, weil sie über die Haushaltszugehörigkeit eine abgeleitete Nutzungsmöglichkeit besitzen und damit regelmäßig zugleich die elterliche Wohnung i. S. d. § 8 AO innehaben.“
Du kannst dich also bei deinen Deutschland-Besuchen bei anderen Familienmitgliedern und auch Bekannten (z.B. deinem Partner; Lebenspartner bezieht sich hier auf eine steuerlich eingetragene Lebenspartnerschaft) aufhalten.
Eine präzisierte steuerrechtliche Definition für den Lebensmittelpunkt findet sich in R 9.10 (1) Satz 4 bis 8 der Lohnsteuerrichtlinien 2015 („LStR“). Hier heißt es:
„Der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet sich bei einem verheirateten Arbeitnehmer regelmäßig am tatsächlichen Wohnort seiner Familie. Die Wohnung kann aber nur dann ohne nähere Prüfung berücksichtigt werden, wenn sie der Arbeitnehmer mindestens sechsmal im Kalenderjahr aufsucht. Bei anderen Arbeitnehmern befindet sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen an dem Wohnort, zu dem die engeren persönlichen Beziehungen bestehen. Die persönlichen Beziehungen können ihren Ausdruck besonders in Bindungen an Personen, z. B. Eltern, Verlobte, Freundes- und Bekanntenkreis, finden, aber auch in Vereinszugehörigkeiten und anderen Aktivitäten. Sucht der Arbeitnehmer diese Wohnung im Durchschnitt mindestens zweimal monatlich auf, ist davon auszugehen, dass sich dort der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen befindet.“
3.3. Kein Lebensmittelpunkt, wenn du dich in der Wohnung weniger als sechsmal im Kalenderjahr aufhältst
Grundsätzlich könnte aus der vorherigen Definition abgeleitet werden, dass du mindestens sechsmal im Kalenderjahr an dem Wohnort deiner Familie sein musst. Wenn es sich nicht um die engste Familie handelt, müsstest du sogar im Durchschnitt mindestens zweimal monatlich dort sein.
Das kann sicherlich als Richtschnur genutzt werden. Rechtssicherheit kannst du daraus jedoch nicht ableiten.
Zum einen geht es hier nur um die Lohnsteuer. Die Definition entfaltet also keine Rechtswirkung für die allgemeine Steuerpflicht. Zum anderen wird auch hier auf die Gewichtung der persönlichen Beziehungen Bezug genommen.
Vor allem, wenn dein Ehegatte noch einen Wohnsitz in Deutschland hat, dürfte das Finanzamt immer von einem Lebensmittelpunkt in Deutschland ausgehen.
Du hast dann zwar die Möglichkeit einen Gegenbeweis anzustellen. Im Zweifel müsstest du das aber gerichtlich entscheiden lassen.
Meine Empfehlung: Vermeide solche Auseinandersetzungen immer über eine richtige Gestaltung von Anfang an!
3.4. Ein geschiedener Ehepartner führt nicht zu einem Lebensmittelpunkt
Sofern du von deinem Ehepartner dauernd getrennt lebst, gilt dessen Wohnsitz nicht als steuerlicher Lebensmittelpunkt für dich.
Schwierig halte ich in solchen Fällen das „dauernd getrennt leben“ glaubhaft nachweisen zu können.
Meines Erachtens dürfte das „dauernd getrennt leben“ zumindest dann vorliegen, wenn die Scheidung bereits eingereicht ist, ihr aber noch für das Trennungsjahr dauernd getrennt lebt. Im § 1567 (1) Bürgerliches Gesetzbuch („BGB“) definiert der Gesetzgeber diesen Status so:
Übrigens: Ab diesem Zeitpunkt ist auch keine Zusammenveranlagung mehr möglich.
3.5. Bei minderjährigen Kindern ist das Sorgerecht entscheidend
Schauen wir uns dazu wieder an, was der Gesetzgeber zum Wohnsitz eines Kindes in § 11 BGB definiert hat:
„Ein minderjähriges Kind teilt den Wohnsitz der Eltern; es teilt nicht den Wohnsitz eines Elternteils, dem das Recht fehlt, für die Person des Kindes zu sorgen. Steht keinem Elternteil das Recht zu, für die Person des Kindes zu sorgen, so teilt das Kind den Wohnsitz desjenigen, dem dieses Recht zusteht. Das Kind behält den Wohnsitz, bis es ihn rechtsgültig aufhebt.“
Sofern du also für ein minderjähriges Kind das Sorgerecht hast, muss auch dieses mit dir auswandern. Ansonsten dürftest du an dessen Wohnsitz in Deutschland einen Lebensmittelpunkt begründen.
Eine Ausnahme davon dürfte z.B. die Entsendung deines Kindes nach Deutschland in ein Internat sein. Dort kannst du grundsätzlich keinen Wohnsitz haben, da du auch nicht über eine Wohnung verfügen kannst. Definitionsgemäß dürfte dein Kind dort aber auch keinen Lebensmittelpunkt haben.
Ob das Kind bei deinem Ehepartner oder einer anderen Aufsichtsperson in Deutschland lebt, sollte dagegen keine Rolle spielen.
3.6. Eine doppelte Haushaltsführung für zur Steuerpflicht in Deutschland
Wenn du eine doppelte Haushaltsführung hast, weil du z.B. einen Doppelwohnsitz in Deutschland und im Ausland hast, bist du immer unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland.
Du musst dadurch jedoch nicht zwangsläufig deinen Lebensmittelpunkt in Deutschland haben. Dieser bestimmt sich nach den in diesem Artikel aufgezeigten Kriterien, nämlich über deine Ansässigkeit und diese über deine Besteuerung.
Die steuerlichen Folgen zeige ich dir im weiteren Verlauf des Artikels.
4. Wie kann der Lebensmittelpunkt einen gewöhnlichen Aufenthalt und damit eine Steuerpflicht in Deutschland auslösen?
Für den gewöhnlichen Aufenthalt bzw. die 183-Tage-Regel spielt der Lebensmittelpunkt noch eine viel gewichtigere Rolle.
Beim Wohnsitz spielt der Lebensmittelpunkt in der Regel nur eine Rolle, wenn du noch einen Ehepartner in Deutschland hast.
Für den gewöhnlichen Aufenthalt spielt der Lebensmittelpunkt jedoch dann die ausschlaggebende Rolle, wenn du
weder in Deutschland noch im Ausland einen gewöhnlichen Aufenthalt aufgrund der 183-Tage-Regelung hast und
du noch gewissen persönliche und wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland hast.
Denn dann kannst du über den Lebensmittelpunkt bereits einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, wenn du weniger als 183 Tage in Deutschland bist.
4.1. Entscheidendes Kriterium: Gewichtung aller familiären, gesellschaftlichen, politischen, religiösen, sozialen und kulturellen Beziehungen
Das entscheidende Kriterium ist dabei die Gewichtung aller familiären, gesellschaftlichen, politischen, religiösen, sozialen und kulturellen Beziehungen.
Du solltest dir also folgenden Fragen stellen:
Wie plane ich konkret, mich in die Gesellschaft im Ausland zu integrieren?
Kann ich Mitglied in einem Fitnessstudio oder Verein werden?
Wie finde ich vor Ort Freunde und knüpfe soziale Beziehungen?
Wie kann ich mich sozial integrieren?
Insgesamt gilt, je mehr persönliche und wirtschaftliche Beziehungen du noch zu Deutschland aufrechterhalten willst, desto mehr solltest du im Ausland aufbauen. In der Gesamtschau sollten die persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen im Ausland überwiegen.
4.2. Auch den Partner bzw. den / die Verlobte(n) mitnehmen
Wenn du in einer festen Beziehung lebst, sollte auch dein Partner mit dir auswandern.
Der Wohnsitz deines Partners in Deutschland begründet für dich zwar nicht unmittelbar einen Wohnsitz. Wenn du deinen Partner aber regelmäßig besuchst, könnte dir das als Lebensmittelpunkt ausgelegt werden.
4.3. Für die laufende Unterstützung andere Familienmitglieder (z.B. Eltern) sorgen, die Hilfe benötigen
Wenn du bisher die laufende Unterstützung und Betreuung andere Familienmitglieder (z.B. deiner Eltern) oder von Bekannten übernommen hast, solltest du dir hierfür jemand Verlässliches als Ersatz suchen.
Auch hier gilt: regelmäßig Besuche könnten als Lebensmittelpunkt ausgelegt werden.
4.4. Haustiere mitnehmen oder abgeben
Deine Haustiere solltest du im besten Fall bei deiner Auswanderung mitnehmen. Andernfalls solltest du diese abgeben und das ganze gut dokumentieren, z.B. indem du anmeldepflichtige Tiere auf den neuen Halter ummeldest.
Sonst spricht auch das für einen Lebensmittelpunkt in Deutschland bzw. für eine nur vorübergehende Abwesenheit.
4.5. Regelmäßig notwendige Arztbesuche ins Ausland verlagern
Sofern du regelmäßig Medizinchecks und Arztbesuche benötigst, solltest du dir dafür zukünftig einen Arzt im Ausland suchen.
Auch diese regelmäßigen Besuche können für deinen Lebensmittelpunkt in Deutschland sprechen.
Zudem ist es bei den meisten Krankenversicherungen notwendig, einen deutschen Wohnsitz zu haben.
4.6. Verträge und Mitgliedschaften
Kommen wir zum spannenden Thema für deinen Lebensmittelpunkt in Deutschland: deinen Verträgen und Mitgliedschaften.
Wenn du Verträge und Mitgliedschaften hast, die nur mit einer physischen Anwesenheit in Deutschland Sinn machen, solltest du diese kündigen. Dazu zählen insbesondere das Fitnessstudio, der Kultur- oder Sportverein, der Golf- und der Buchclub etc.
Wenn du diese aufrecht erhältst, spricht doch einiges dafür, dass du diese weiterhin nutzen willst und somit nur vorübergehend abwesend bist.
Sofern du einen Vertrag aber aus idealistischen Gründen aufrechterhalten willst, z.B. um den Sportverein aus deiner Jugend zu unterstützen, kannst du diesen natürlich behalten. Es kommt eben immer auf die tatsächlichen Verhältnisse und wie oft du diesen nutzt an.
Die Verträge, die keinerlei physischen Anwesenheit erfordern, sind für die Steuerpflicht grundsätzlich nicht relevant. Das betrifft zum Beispiel deinen Handyvertrag oder Verträge für digitale Dienstleitungen, wie eine virtuelle Festnetznummer etc.
Meine Empfehlung: Verträge, die nur mit physischer Anwesenheit in Deutschland Sinn machen, solltest du kündigen!
4.7. Dein Auto und Leasing-Verträge
Ich empfehle dir dein Auto zu verkaufen oder auf eine Vertrauensperson umzumelden.
Außer es ist ein Auto ohne nennenswerten Wertverlust, könnte das Behalten des Autos sonst wieder für eine zeitnahe Rückkehr bzw. einen Lebensmittelpunkt in Deutschland sprechen.
Leasing-Verträge können oft nicht kurzfristig gekündigt werden. Dann würde ich jedoch empfehlen, diesen zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu beenden.
4.8. Versicherungen
Versicherungen ohne deutschen Wohnsitz sind ein heikles Thema. Schau dir dazu auch meine Empfehlung zur Prüfung der Verträge an.
Für die Steuerpflicht sind diese grundsätzlich ebenfalls irrelevant. Zumindest bei der gesetzlichen Krankenversicherung könnte, sofern du diese behalten kannst, aber einiges auf einen Lebensmittelpunkt oder zumindest eine zeitnahe Rückkehrabsicht hindeuten.
Hier könnte sich der Wechsel zu einer internationalen Krankenversicherung anbieten. Der Favorit meiner Mandanten ist derzeit die Foyer Global Health.
4.9. Bankkonto
Deine privaten deutschen Bankkonten spielen für die Steuerpflicht keine Rolle. Geschäftskonten solltest du jedoch nur dann weiternutzen, wenn auch das zugehörige deutsche Unternehmen weiter besteht.
Grundsätzlich empfehle ich immer vor Wegzug noch ein bis zwei zuverlässige deutsche Bankkonten zu eröffnen. Dann hast du ein Backup, falls dir andere Bankkonten gekündigt werden.
Aus meiner Beratungspraxis kann ich hier die DKB Bank und die Comdirect Bank empfehlen. Mit beiden kannst du kostenlos weltweit Geld abheben und beide machen in der Regel wenig Probleme, wenn die überwiegende Anzahl deiner Transaktionen im Ausland erfolgt.
4.10. Empfehlung: Prüfung deiner Verträge, Versicherungen und Bankkonten und Angabe einer deutschen Andresse
Im ersten Schritt solltest du bei allen der oben genannten Vertragsbeziehungen, die du behalten willst, prüfen, ob du diese ohne deutschen Wohnsitz behalten darfst.
Bei den üblichen Verträgen und Bankkonten dürfte dir im schlimmsten Fall eine kurzfristige Kündigung drohen. Rückwirkender Schaden sollte dabei nicht entstehen. Daher bietet sich bei Bankkonten an, frühzeitig für Back-up-Lösungen zu sorgen.
Die Versicherungen solltest du hier aber in jedem Fall prüfen. Viele Versicherungen setzen in den AGBs einen Wohnsitz in Deutschland voraus (das hat vor allem Gründe für eine korrekte Abführung der Versicherungssteuer im Wohnsitzland des Versicherten). Im Zweifelsfall haben diese im Leistungsfall ein Leistungsverweigerungsrecht, deine Beiträge können sie aber trotzdem einbehalten.
Meine Empfehlung: Stelle eine unverbindliche Anfrage, ohne auf deinen konkreten Fall hinzuweisen: „Was würde mit meiner Versicherung passieren, wenn ich theoretisch in ein paar Jahren für einen längeren Zeitraum nach XXX auswandern würde…“
Mein Tipp: Sofern die Post zukünftig beim bisherigen Wohnsitz/durch Weiterleitung/unter neuer Adresse (ohne dabei dem Vertragspartner eine Abmeldung mitzuteilen) weiterhin problemlos ankommt, könnte es eine Option sein, der Bank etc. den Wegzug nicht mitzuteilen und die Verträge weiterzuführen!
4.11. Hinweis: Sonderkündigungsrecht
Bei Aufgabe deines Wohnsitzes besteht für die meisten Vertragsbeziehungen meist ein Sonderkündigungsrecht mit der Abmeldebestätigung. Dazu solltest du dich rechtzeitig (mehr als 3 Monate) vorher erkundigen, wie das jeweils funktioniert.
Mein Tipp: Teilweise ist dabei auch ein Wegzug in ein Drittland (außerhalb der EU) notwendig. Im Zweifel als ein Drittland als neuen Wohnsitz angeben.
5. Wie verlagere ich meinen Lebensmittelpunkt rechtssicher ins Ausland?
Bei jeder steuerlichen Auswanderung empfehle ich immer einen klaren Schnitt zu deinem bisherigen Leben in Deutschland zu machen. So kann ein exakter Zeitpunkt für die Beendigung deiner Steuerpflicht in Deutschland bestimmt werden.
Das gilt maßgeblich für die rechtssichere Verlagerung deines Lebensmittelpunkts ins Ausland. Du solltest also alle relevanten Verträge, Versicherungen, Mitgliedschaften etc. bis zu diesem Zeitpunkt beenden. Sollte das bei einzelnen Vertragsbeziehungen nicht möglich sein, solltest du diese zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.
Wenn du einzelne Vertragsbeziehungen behalten möchtest, ist das durchaus möglich. Diese sollten aber möglichst keine physische Präsenz erfordern.
Insgesamt gilt solltest du dabei immer die Gewichtung aller Vertragsbeziehungen im Blick behalten.
5.1. Muss ich die Verlagerung meines Lebensmittelpunkt nach Außen kommunizieren, z.B. an meine Kunden?
Nein, meiner Ansicht nach ist das nicht zwingend notwendig. Wichtig sind die tatsächlichen Verhältnisse.
Die Kommunikation nach außen kann aber ein weiteres Indiz für deine dauerhafte Auswanderung und Verlagerung deines Lebensmittelpunkts ins Ausland darstellen.
Vor allem solltest du aber vermeiden, nur von einer befristeten Abwesenheit und einer Intention zur Rückkehr zu sprechen. Das könnte das Finanzamt im Zweifel als nur vorübergehende Abwesenheit einstufen und dich weiterhin voll besteuern wollen.
5.2. Kann ich den Zeitpunkt der Verlagerung meines Lebensmittelpunkt beliebig bestimmen?
Nein, für den Lebensmittelpunkt sind allein die tatsächlichen Lebensverhältnisse maßgeblich. Durch vertragliche Vereinbarungen oder Gestaltungen kannst du deinen Lebensmittelpunkt nicht beeinflussen. Gleiches gilt im Übrigen für deinen Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt.
5.3. Kann ich mehrere Lebensmittelpunkte haben, z.B. wenn ich mehrere Wohnsitze habe?
Nein, im Steuerrecht kannst du immer nur einen einzigen Lebensmittelpunkt oder auch Mittelpunkt deiner Lebensinteressen haben. Mehrere Wohnsitze kannst du aber haben.
Dann spielt der Lebensmittelpunkt für ein DBA aber eine entscheidende Rolle.
5.4. Spielt eine Rückkehrabsicht eine Rolle für die Verlagerung meines Lebensmittelpunkts?
Eine Vielzahl meiner Mandanten planen irgendwann wieder nach Deutschland zurückzukehren. Also spielt eine unbestimmte Rückkehrabsicht, d.h. in mehreren Jahren, keine Rolle.
Solltest du aber nur für eine vorab begrenzten Zeitraum auswandern, kann deine Auswanderung als nur vorübergehend eingestuft werden.
Meine Empfehlung: Wandere für mehr als 2 Jahre aus, mindestens aber 13 Monate!
Andernfalls könnten dein gewöhnlicher Aufenthalt und damit dein Lebensmittelpunkt für diese Zwischenzeit weiterhin in Deutschland liegen und du steuerpflichtig bleiben.
In meinem Artikel „Wie lange musst du auswandern, um wirklich Steuern zu sparen?“ habe ich das genau vorgerechnet.
5.5. Muss ich dem Finanzamt den Lebensmittelpunkt im Ausland nachweisen?
Auch hier gilt „nein, aber“. Wenn eindeutig klar ist, dass du keine bzw. nur einen geringen Anteil deiner persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen im Ausland sind und du keinen Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt mehr in Deutschland hast, dann dürfte eine Dokumentation für das Finanzamt nicht notwendig sein.
Wenn du aber durchaus noch Beziehungen zu Deutschland hast und dich hier einige Zeit aufhältst, solltest du eine vernünftige Dokumentation erstellen.
Um dann einen glaubhaften Nachweis für das Finanzamt zu haben, solltest du deine „Beziehungen“ und Aufenthalte im Ausland entsprechend dokumentieren.
In meinem Artikel zum gewöhnlichen Aufenthalt empfehle ich es wie folgt:
„Grundsätzlich empfehle ich dir, die Zeit im Ausland durch geeignete Belege zu dokumentieren (Reise- und Unterkunftsbelege, Bankauszüge mit Abhebungen und Zahlungen, Ein- und Ausreisestempel etc.).
Die Tage in Deutschland solltest du dann Tag genau aufzeichnen, wenn du häufiger in Deutschland bist. So kannst du die (rollierenden) Anzahl der Tage in Deutschland immer klar nachvollziehen. Für die 183-Tage-Regelung gilt immer ein rollierender 365-Tage Zeitraum (nicht das Kalenderjahr).“
5.6. Kann ich trotz Lebensmittelpunkt im Ausland unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland bleiben?
Ja, sofern du noch einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hast.
Bei mehreren Wohnsitzen spielt der Lebensmittelpunkt die entscheidende Rolle, welcher Staat das Besteuerungsrecht nach einem DBA hat. Das beschreibe ich genau im nächsten Punkt: „Welche Rolle spielt der Lebensmittelpunkt für ein Doppelbesteuerungsabkommen?“
Der gewöhnliche Aufenthalt dürfte dabei aber nicht bedeutend sein. Meiner Ansicht nach, dürfte der Lebensmittelpunkt immer auch dort sein, wo du deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast. Ich hatte in meiner Beratungspraxis noch keinen Fall, wo das auseinandergefallen wäre.
6. Welche Rolle spielt der Lebensmittelpunkt für ein Doppelbesteuerungsabkommen?
Wie bereits geschrieben, stellt der Lebensmittelpunkt für ein DBA oft die entscheidende Rolle dar.
Der primäre Entscheidungsmaßstab für deine Ansässigkeit ist der Wohnsitz.
Wenn du in beiden Vertragsstaaten über einen Wohnsitz verfügst, ist nach der sogenannten „Tie Breaker Rule“ im internationalen Steuerrecht der Lebensmittelpunkt der sekundäre Entscheidungsmaßstab. Erst danach wäre der gewöhnliche Aufenthalt relevant.
Im deutschen Steuerrecht spielt der Lebensmittelpunkt nur eine untergeordnete Rolle. Für Auswanderer dagegen für die zukünftige Besteuerung in Deutschland eine ganz Entscheidende!
Der Lebensmittelpunkt spielt grundsätzlich nur eine Rolle, wenn daraus dein Wohnsitz bzw. gewöhnlicher Aufenthalt abgeleitet werden soll.
Da es aber keine klare Definition für den Lebensmittelpunkt gibt, genügen dem Finanzamt oft wenige Anhaltspunkte, um daraus den Lebensmittelpunkt abzuleiten. Dafür könnte die Mitgliedschaft im Fitnessstudio zusammen mit regelmäßigen Deutschland-Besuchen ausreichen. Entsprechend ist der Lebensmittelpunkt hauptsächlich für den gewöhnlichen Aufenthalt wichtig.
Du solltest den Lebensmittelpunkt als dritten Faktor unbedingt beachten, wenn du rechtssicher keine Steuern mehr in Deutschland zahlen willst. Dein Lebensmittelpunkt spielt für das internationale Steuerrecht eine entscheidende Rolle. Mit einem Lebensmittelpunkt im Ausland lässt sich oft eine Besteuerung in Deutschland bzw. eine Doppelbesteuerung vermeiden.
Hast du alle drei Fachartikel in der Reihe „Keine Steuern mehr in Deutschland zahlen“ gelesen? Das würde ich dir für deine rechtssichere Auswanderung sehr ans Herz legen.
Mit der Reihe „Keine Steuern mehr in Deutschland zahlen“ will ich all deine Fragen zu den drei Faktoren, die für eine rechtssichere Beendigung deiner unbeschränkten Steuerpflicht notwendig sind, beantworten:
Was musst du bei Aufgabe deines Wohnsitzes alles beachten? Das lernst du im Fachartikel: Wohnsitz abmelden – Die häufigsten Fragen & Antworten 2020
Warum ist der gewöhnliche Aufenthalt und die 183-Tage-Regelung der wichtigste Schritt zur Beendigung deiner Steuerpflicht in Deutschland? Das lernst du im Fachartikel: Gewöhnlicher Aufenthalt und 183-Tage-Regelung – Die häufigsten Fragen & Antworten 2020
Welche Rolle spielt der Lebensmittelpunkt für die Steuerpflicht? Das hast du hier bereits gelernt!
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Ich habe ein Anliegen. Meine Auswanderung nach Teneriffa ist ab September/Oktober 2020 geplant.
Aus Deutschland werde ich mich abmelden. Ich bin Freelancer/Berater im Bereich IT und Trader.
Für 2020 muss ich dann auch das Einkommen aus Trading für die letzten 3 Monate ohne Meldung in Deutschland ganz normal versteuern?
Für 2020 muss mein gesamtes Einkommen in Deutschland versteuert werden und in Spanien gar nichts?
Ab 2021 würde ich dann nur noch in Spanien meine Steuer bezahlen, weil ich in DE keinen Wohnsitz mehr habe und mich dort kaum noch aufhalte.
Allerdings werde ich voraussichtlich deutsche Kunden behalten? Hier muss ab 2021 die Rechnung unter einer Spanischen Steuernummer durchgeführt werden.
Mein Einkomme aus Trading läuft ebenfalls wie in DE unter einer Abgeltungssteuer (Betrag wird automatisch) abgezogen. Im Unterschied zu den 25 % zzgl. Soli variert in Spanien der Betrag der Abgeltungssteuer.
Meine Bank werde ich auch nach Spanien wechseln. Liege ich mit meiner Annahme richtig?
16. Mai 2020 um 17:20 Uhr
deine Fragen beziehen sich jetzt nicht konkret auf den Blogartikel. Ich will dir aber gerne ein erste Einschätzung geben. 1) Nein 2) Nein 3) Ja, die Besteuerung deiner IT Dienstleistungen erfolgt dann nicht mehr in Deutschland, sofern du es nicht über dein deutsches Unternehmen erbringst.
Wenn du aber dein deutsches Unternehmen nach Spanien verlagerst, musst du die Entstrickung / Funktionsverlagerung beachten. Schau mal hier: https://www.easydigitax.de/wegzugssteuern/
Oder hol dir meinen kostenlosen Auswanderer-Fahrplan. Dort beschreibe ich die Schritte, die relevant sind: https://steuer.easydigitax.de/rechtssicher-auswandern-fahrplan/

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