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Timestamp: 2016-10-26 21:28:42+00:00

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124 III 33759. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 15. Juni 1998 i.S. A. AG gegen Schweizerische Eidgenossenschaft (Direktprozess)
Art. 839 al. 3 CC; fourniture de s�ret�s. Dans le cas o� un immeuble appartenant au patrimoine administratif de la Conf�d�ration ne peut �tre grev� d'une hypoth�que l�gale des artisans et entrepreneurs, la Conf�d�ration ne peut �tre condamn�e � fournir des s�ret�s (consid. 6a-c). Faits � partir de page 337
BGE 124 III 337 S. 337
A.- Die Schweizerische Eidgenossenschaft hatte auf einem bundeseigenen Grundst�ck in St. Gallen-Bruggen f�r die eidgen�ssische Materialpr�fungs- und Forschungsanstalt (EMPA) eine Baute erstellen lassen, die ab dem 1. April 1996 bezogen wurde. Die Erstellung der Fassadenverkleidung wurde von der Schweizerischen Eidgenossenschaft der B. AG �bertragen, die am 12. Oktober 1995 in Konkurs geriet. Das Feuerverzinken und das Sandstrahlen der f�r die Fassade erforderlichen Metallteile hatte diese der A. AG als Subunternehmerin �bergeben. Wegen des Konkurses der B. AG trat die schweizerische Eidgenossenschaft vom Werkvertrag zur�ck und vergab die noch unerledigten restlichen Arbeiten an Dritte. Die Eidgenossenschaft verweist insoweit unbestritten darauf, dass die Konkursitin f�r alle von ihr und ihren Subunternehmern erbrachten Leistungen entsch�digt worden ist.
BGE 124 III 337 S. 338
Dem Gesuch der A. AG auf superprovisorische Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts in der H�he von Fr. 41'743.60 nebst Zins von 7% seit dem 10. Oktober 1995 auf dem Grundst�ck in St. Gallen-Bruggen gab das Bezirksgerichtspr�sidium St. Gallen am 20. November 1995 statt. Diese Verf�gung sch�tzte der Bezirksgerichtspr�sident St. Gallen mit Entscheid vom 8. Januar 1996, erkannte auf befristete Vormerkung des Bauhandwerkerpfandrechts im Grundbuch und verwies die A. AG unter Ansetzung einer Frist auf den ordentlichen Prozessweg.
B.- Die A. AG beantragt dem Bundesgericht mit Klage, das Grundbuchamt St. Gallen anzuweisen, das provisorisch eingetragene Bauhandwerkerpfandrecht im Betrag von Fr. 41'743.60 nebst Zins von 6% seit dem 15. November 1995 und von 51/2% seit dem 1. Januar 1996 zuz�glich 1/4% Kommissionsgeb�hr pro Quartal definitiv einzutragen; eventuell sei die schweizerische Eidgenossenschaft stattdessen zur Sicherstellung dieses Betrages samt Kosten innert vom Gericht zu bestimmender Frist zu verpflichten.
C.- Das Bundesgericht weist die Klage auf definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts ab und verwirft auch den Eventualstandpunkt der Kl�gerin
6. Die Kl�gerin macht eventualiter geltend, die Beklagte sei in analoger Anwendung von Art. 839 Abs. 3 ZGB und des Bundesgesetzes �ber die Schuldbetreibung gegen Gemeinden und andere K�rperschaften des kantonalen �ffentlichen Rechts vom 4. Dezember 1947 (SchGG; SR 282.11) zur Leistung einer Sicherheit zu verpflichten. In diesem Sinn sei zwecks Vermeidung stossender Ungleichheiten eine L�cke im Gesetz zu schliessen; der Gesetzgeber habe den f�r die �ffentliche Hand bauenden Handwerker nicht benachteiligen wollen. Nach Auffassung der Beklagten hingegen kann das dem Geb�udeeigent�mer einger�umte Recht, die Eintragung des Pfandrechts durch Leistung einer Sicherheit abzuwenden, nicht in eine Pflicht umgedeutet werden; das Gesetz sei nicht l�ckenhaft.
a) In Rechtsprechung und Lehre wird als unbefriedigend empfunden, dass der Bauhandwerker, wenn er f�r den Staat gebaut hat, schlechter dasteht, als wenn er f�r einen privaten Bauherrn t�tig geworden ist (BGE 108 II 305 E. 1 S. 309; BGE 95 I 97 E. 4 S. 101 f.; P. GAUCH, Der Werkvertrag, 4. Aufl. Z�rich 1996, Rz. 187 S. 57; P. LIVER, Rechtsprechungsbericht, Nachtrag, ZBJV 120/1984 S. 277 BGE 124 III 337 S. 339ff.; D. ZOBL, Das Bauhandwerkerpfandrecht de lege lata und de lege ferenda, ZSR 101/1982 II S. 138 mit Fn 579; R. SCHUMACHER, Baurecht 1995, S. 98 Anmerkung 2 mit Hinw.; J.-C. DE HALLER, L'hypoth�que l�gale de l'entrepreneur, ZSR 101/1982 II S. 253 bei und mit Fn 198; J.-F. POUDRET, Patrimoine administratif et hypoth�que l�gale des artisans et entrepreneurs, in: M�l. H. Zwahlen, Lausanne 1979, S. 507). Daher sind verschiedene Autoren der Ansicht, es m�sse eine L�cke im Gesetz gef�llt werden; wenn die vom Staat mit hoheitlicher Zweckbestimmung genutzte Liegenschaft unpf�ndbar sei, treffe den bauenden Staat die Pflicht, Sicherheit zu leisten (R. SCHUMACHER, Das Bauhandwerkerpfandrecht, 2. Aufl. Z�rich 1982, Rz. 563 ff. S. 159 ff.; derselbe, Das Bauhandwerkerpfandrecht, recht 4/1986 S. 93 Ziff. 8, und Baurecht 1983, S. 31 Ziff. 5 f.; P. LIVER, Rechtsprechungsberichte, ZBJV 115/1979 S. 262 und 111/1975 S. 69 f.; weniger bestimmt derselbe, ZBJV 120/1984 S. 278 f.; P. GAUCH, Ein Bauwerk - Mehrere Unternehmer, ZBJV 118/1982 S. 86 f.; weniger bestimmt derselbe, Probleme von und mit Subunternehmern - Ein Beitrag zum privaten Baurecht, in: FS Meier-Hayoz, Bern 1982, S. 172 f. und Der Werkvertrag, a.a.O. Rz. 188 S. 57). Dieser Meinung hat sich das Obergericht des Kantons Aargau angeschlossen (Urteil der 1. Zivilkammer vom 11. Dezember 1982, publiziert in: AGVE 1982 Nr. 2 S. 20 ff. E. 2 bis 4, insbes. S. 23 ff. E. 3).
b) aa) Dass der vorleistungspflichtige Vertragspartner grunds�tzlich das Risiko f�r das Ausbleiben der Gegenleistung tr�gt, bildet im Vertragsrecht die Regel (BGE 120 II 331 E. 5a S. 336), auf der z.B. auch Art. 171 Abs. 2 OR beruht, wonach der Abtretende ohne anderslautende Abmachung f�r die Zahlungsf�higkeit seines Schuldners nicht haftet. Das Bauhandwerkerpfandrecht bildet eine Ausnahme von der geschilderten Regel: Es privilegiert die Forderung des Bauhandwerkers dadurch, dass er diese dinglich absichern kann, und das zu Lasten eines Grundst�ckes, das nicht seinem Vertragspartner und Schuldner zu geh�ren braucht (W. WIEGAND, Bauhandwerkerpfandrechte an �ffentlichen Grundst�cken, Anmerkung zu BGE 108 II 305 f., recht 1/1983 S. 102 und 105; vgl. Votum Gauch, ZSR 101/1982 II S. 696). Wenn der Richter dieses Privileg, das der Gesetzgeber f�r den privaten Bereich mit Art. 837 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB geschaffen hat, im �ffentlichen zumeist nicht gelten l�sst, so tr�gt er damit bloss dem privatrechtlichen Grundsatz Rechnung, wonach der Gl�ubiger, der f�r seine Forderung keine Sicherheit erlangen kann, das Risiko des Ausbleibens der Gegenleistung BGE 124 III 337 S. 340tragen muss. Die Verweigerung des Privilegs samt damit verbundener Rechte gebietet die Rechtsordnung, nach der mit privatrechtlichen Instituten im �ffentlichen Interesse liegende Aufgaben des Staates in keiner Weise beeintr�chtigt werden d�rfen (POUDRET, a.a.O. S. 507 und 510; WIEGAND, a.a.O. S. 103 f. und 105; ZOBL, a.a.O. S. 140 unten und S. 141 in Fn 588; IMBODEN/RHINOW, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 6. Aufl. Basel 1986, Nr. 115 B IV insbes. lit. d, S. 811 f.; RHINOW/KR�HENMANN, Erg�nzungsband, Basel 1990, Nr. 115 B IV, S. 352).
Nach Liver (ZBJV 120/1984 S. 279 f., 115/1979 S. 262 und 111/1975 S. 69) ist der bauende Staat, auf dessen Liegenschaften ein Bauhandwerkerpfandrecht nicht eingetragen werden kann, verpflichtet, den Subunternehmer als mittelbaren Baugl�ubiger zu entsch�digen, weil die Regelung von Art. 837 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB, die auf dem Gedanken der Absicherung einer bestehenden vertraglichen Schuld durch eine entsprechende Grundpfandverschreibung beruhe, auf ein gesetzliches Forderungsrecht des Bauhandwerkers gegen�ber dem Gemeinwesen reduziert werde; aus diesem Recht k�nne auch die Pflicht zur Leistung einer Sicherheit nach Art. 839 Abs. 3 ZGB abgeleitet werden. Wollte das Bundesgericht diese rechtliche Konstruktion �bernehmen, m�sste es unweigerlich neue Ungleichheiten in Kauf nehmen: Weshalb dieses gesetzliche Forderungsrecht nicht auch einem f�r einen privaten Bauherrn t�tig gewesenen Handwerker zustehen sollte, falls dessen Eintragungsanspruch scheitert, begr�ndet Liver nicht. Zudem sind auch keine Gr�nde daf�r ersichtlich, weshalb das bauende Gemeinwesen (im Gegensatz zum privaten Grundeigent�mer) trotz Verneinung des Pfandrechts eine Sicherheit leisten und die in Art. 839 Abs. 3 ZGB dem Grundeigent�mer unmissverst�ndlich als Alternative einger�umte M�glichkeit, die Grundpfandverschreibung durch Leistung einer Sicherheit abzuwenden, zu einer Pflicht des Gemeinwesens werden soll.
Weiter kann entgegen der Ansicht von Ch. Schroff (Das Bauhandwerkerpfandrecht auf �ffentlichen Grundst�cken, ZBJV 117/1981, S. 145 f.) auch Art. 11 SchGG nicht zur F�llung einer L�cke herangezogen werden, weil nach dieser Bestimmung die Umwidmung einer mit einem Pfand belasteten Liegenschaft aus dem Finanzverm�gen in das Verwaltungsverm�gen vorausgesetzt wird, w�hrend in F�llen wie dem vorliegenden die Zweckbestimmung bereits vorlag, als das Bauhandwerkerpfandrecht beansprucht wurde (ZOBL, a.a.O. S. 140; diesem beipflichtend WIEGAND, a.a.O. S. 103 in Fn 8).
BGE 124 III 337 S. 341
bb) Die Ansicht, es liege eine L�cke vor, erweist sich nach dem Gesagten weiterhin als unzutreffend (BGE 116 Ib 367 E. 6d S. 377; BGE 108 II 305 E. 1; 103 II 227 E. 5). Sie ist nur aus dem eingeengten Vergleich des f�r den Staat bauenden Subunternehmers mit demjenigen f�r einen Privaten t�tigen verst�ndlich und verkennt, dass die F�llung einer L�cke erst erwogen werden kann, wenn feststeht, dass die Rechtsordnung - anders als hier - l�ckenhaft ist (Art. 1 Abs. 1 und 2 ZGB; BGE 122 I 253 E. 6a; BGE 122 III 414 E. 2b; BGE 120 III 131 E. 3b; BGE 118 II 199 E. 2a; BGE 117 II 494 E. 6a).
c) Das Vorliegen einer L�cke kann schliesslich auch nicht damit begr�ndet werden, der Gesetzgeber habe bei Liegenschaften der �ffentlichen Hand nicht das Pfandrecht, sondern bloss die Zwangsverwertung verhindern wollen (SCHUMACHER, a.a.O. Rz. 568 bis 570 S. 162; derselbe, Votum, ZSR 101/1982 II S. 679). Dass die Expertenkommission den Antrag auf Ausschluss des Pfandrechts f�r �ffentliche Bauten verwarf (SCHUMACHER, a.a.O. Rz. 570 S. 162), mag f�r den Erlass des Zivilgesetzbuches von Belang gewesen sein. Indessen ergibt sich die Nichtanwendbarkeit des Privatrechts aus dessen Abgrenzung vom �ffentlichen Recht mit der Folge, dass der Gesetzgeber die Zul�ssigkeit des Bauhandwerkerpfandrechts und die Anwendbarkeit weiterer damit verbundener Rechte auf Verwaltungsverm�gen des Bundes positiv h�tte anordnen m�ssen. An der Meinung, �nderungen der Rechtslage w�rden dem Gesetzgeber obliegen, ist festzuhalten (BGE 108 II 305 E. 1 S. 309; ZOBL, a.a.O. S. 141 vor Fn 588; M. RENTSCH, �ffentliche Sachen, ZBGR 61/1980 S. 345; vgl. so zum Mehrfachzahlungsrisiko des Grundeigent�mers auch BGE 95 II 87 E. 4 S. 92).
95 I 97,
120 III 131,
Art. 171 Abs. 2 OR,
Art. 11 SchGG suite... ,
Art. 1 Abs. 1 und 2 ZGB

References: Art. 839

BGE 

BGE 
 Art. 839
 BGE 
 BGE 
de lege lata
de lege ferenda
 Art. 171
 BGE 
 Art. 837
 BGE 
 Art. 837
 Art. 839
 Art. 839
 Art. 11

BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 

Art. 171

Art. 11

Art. 1