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Timestamp: 2018-07-18 17:57:25+00:00

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BGH, XII ZR 69/07: BGH (vermieter, bereicherungsanspruch, mietzins, bereicherung, zwangsversteigerung, ersteigerer, ersteher, investition, herausgabe, mietvertrag)
Urteil des BGH vom 29.04.2009, XII ZR 69/07
XII ZR 69/07
BGH (vermieter, bereicherungsanspruch, mietzins, bereicherung, zwangsversteigerung, ersteigerer, ersteher, investition, herausgabe, mietvertrag)
Vermieter, Bereicherungsanspruch, Mietzins, Bereicherung, Zwangsversteigerung, Ersteigerer, Ersteher, Investition, Herausgabe, Mietvertrag
XII ZR 69/07 Verkündet am: 29. April 2009 Breskic, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
vom 29. April 2009 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Hahne, den Richter
Fuchs, die Richterin Dr. Vézina und die Richter Dose und Dr. Klinkhammer
des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 19. April 2007 im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als die Widerklage des Beklagten
Im Umfang der Aufhebung wird der Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision,
1Die Parteien streiten um die Räumung und Herausgabe von Gewerberäumen sowie darum, ob der Mieter bei vorzeitiger Rückgabe des Mietobjektes
nach Durchführung eines Zwangsversteigerungsverfahrens einen Bereicherungsanspruch gegen den Ersteigerer hat.
Mit schriftlichem Vertrag vom 12. Mai 1998 mietete der Beklagte von der 2
damaligen Grundstückseigentümerin Gewerberäume für 15 Jahre. Die
B. -Bank, deren 100 %ige Tochter die Klägerin ist, betrieb in der Folgezeit die
Zwangsversteigerung des Mietgrundstücks. Mit Beschluss des Amtsgerichts
vom 15. Dezember 2003 erhielt die Klägerin den Zuschlag für das Grundstück.
Sie kündigte mit Schreiben vom 29. Dezember 2003 gegenüber dem Beklagten
das Mietverhältnis unter Bezugnahme auf § 57 a ZVG zum nächstmöglichen
Zeitpunkt. Der Beklagte verweigerte unter Hinweis auf von ihm getätigte Investitionen die Herausgabe des Mietobjektes.
3Das Landgericht hat der Räumungs- und Herausgabeklage stattgegeben
und die für den Fall seiner Verurteilung vom Beklagten erhobene Feststellungswiderklage als unzulässig abgewiesen. Mit seiner Berufung hat sich der
Beklagte gegen seine Verurteilung zur Räumung und Herausgabe gewandt und
im Wege der Hilfswiderklage nunmehr beantragt, die Klägerin zu verurteilen, an
ihn für die Zeit vom Tage der Räumung und Herausgabe der Mieträume bis
zum 31. März 2009 monatlich 244 €, für den Zeitraum danach bis zum 31. März
2014 monatlich 229 € und für die Zeit danach bis zum 31. März 2019 monatlich
213 € zu zahlen. Gegen die Abweisung der Widerklage wendet sich der Beklagte mit der vom Berufungsgericht teilweise zugelassenen Revision.
4Die Revision hat Erfolg. Sie führt zur teilweisen Aufhebung des Berufungsurteils, soweit das Oberlandesgericht die Berufung gegen die Abweisung
der Widerklage zurückgewiesen hat, und im Umfang der Aufhebung zur Zurückverweisung des Rechtsstreits an das Berufungsgericht.
51. Das Oberlandesgericht hat, soweit für die Revision noch von Bedeutung, ausgeführt: Das Mietverhältnis sei unabhängig von den Voraussetzungen
der §§ 57 a, c ZVG beendet und der Beklagte gemäß § 546 Abs. 1 BGB zur
Räumung und Herausgabe der Mieträume verpflichtet. Wegen der fehlenden
Beurkundung des von den Parteien vereinbarten verlorenen Baukostenzuschusses sei die Schriftform nicht eingehalten. Gemäß § 566 Satz 2 a.F. BGB
gelte der Vertrag deshalb als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen und könne
daher von der Klägerin gemäß § 580 a Abs. 2 BGB jederzeit spätestens am
3. Werktag eines Kalendervierteljahres zum Ablauf des nächsten Kalendervierteljahres ordentlich gekündigt werden. Von dieser Kündigungsmöglichkeit habe
die Klägerin spätestens mit Wirkung zum 31. Dezember 2005 Gebrauch gemacht.
6Da die Rechtsverteidigung gegen die Räumungsklage keinen Erfolg habe, sei über die in zweiter Instanz erweiterte, gemäß §§ 263, 525, 533 ZPO zulässige Hilfswiderklage zu entscheiden. Mit dieser erstrebe der Beklagte eine
Verurteilung der Klägerin unter dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung. Nach der wegen des Beklagtenvorbringens zu unterstellenden Vereinbarung eines verlorenen Baukostenzuschusses komme ein Bereicherungsanspruch in Betracht, weil wegen der vorzeitigen Beendigung des langfristig
konzipierten Mietvertrages der Baukostenzuschuss nicht "abgewohnt" sei und
somit der rechtliche Grund der für die Zeit nach der Beendigung des Mietvertrages erbrachten Leistung weggefallen sei. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sei die Bereicherung weder nach den mit dem Zuschuss gedeckten Baukosten noch nach der durch die Mieterleistung geschaffenen Werterhöhung des Bauwerks zu bemessen, sondern allein nach den Vorteilen, die
der Vermieter daraus erzielen könne, dass er vorzeitig in den Genuss der Nutzungsmöglichkeit gelangt sei, die dem Mieter für die Zeit nach tatsächlicher
Vertragsbeendigung bis zum an sich vorgesehenen Vertragsablauf entgangen
sei. Ob bei der Bestimmung dieses Ertragswertes ein fiktiv erzielbarer oder der
mit einem Mietnachfolger tatsächlich vereinbarte Mietzins maßgebend sei, kön-
ne dahinstehen. Der Bereicherungsanspruch richte sich nämlich nicht gegen
den Ersteigerer des Grundstücks, sondern gegen den ursprünglichen Vermieter. Seien die wertsteigernden Aufwendungen bereits zu einer Zeit vorgenommen worden, als der ursprüngliche Vermieter noch Eigentümer des Grundstücks gewesen sei, richte sich der Bereicherungsanspruch nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 5. Oktober 2005 (XII ZR 43/02 - NJW-RR
2006, 294) gegen den Erwerber. Dies gelte aber nicht, wenn das Grundstück
nicht rechtsgeschäftlich, sondern im Wege der Zwangsversteigerung erworben
worden sei. Bei einem verlorenen Baukostenzuschuss, um den es sich nach
dem Vorbringen des Beklagten handele, komme nach der Rechtsprechung des
BGH (BGHZ 16, 31, 35 f.; BGH, Urteil vom 14. Juli 1960 - VIII ZR 156/59 - WM
1960, 1125) ein Bereicherungsanspruch nur gegen den früheren Vermieter,
nicht aber gegen den Ersteher in Betracht. Der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 5. Oktober 2005, der ein rechtsgeschäftlicher Eigentumswechsel
zugrunde liege, lasse sich nicht entnehmen, dass der Bundesgerichtshof insoweit von seiner früheren Rechtsprechung habe abweichen wollen. Zwar bestünden keine durchgreifenden Bedenken gegen die Haftung des Erstehers für
als Baukostenzuschuss geleistete Mietvorauszahlungen; der Ersteher müsse
nämlich ebenso wie der Realgläubiger mit solchen rechnen und könne sich
ebenso wie dieser nach ihnen erkundigen. Die Erkundigungsmöglichkeit versage aber, wenn - wie hier - die Einsicht in die Mietverträge nicht zu einer Klärung
führe, weil der verlorene Zuschuss nicht dokumentiert sei und der Mietvertrag
auch keine Regelung über eine Abwohnbarkeit, Anrechenbarkeit auf Mietzins,
Zurückzahlung usw. enthalte. Jedenfalls in diesem Fall gebiete es der Schutz
der Realgläubiger, den Ersteher bei vorzeitiger Vertragsbeendigung nicht nach
Bereicherungsrecht für einen verlorenen Baukostenzuschuss des gewerblichen
Mieters haften zu lassen. Die Erzielung angemessener Erlöse in der Zwangsversteigerung sei im Rahmen der dinglichen Rechtsordnung für die Realgläubi-
ger von ausschlaggebender Bedeutung. Ihre Rechtsstellung werde gegenüber
der Anerkennung ausdrücklicher Abwohn-, Mietvorauszahlungs- und Verrechnungsvereinbarungen viel weitgehender beeinträchtigt, wenn sich in der
Zwangsversteigerung kein angemessener Erlös mehr erzielen lasse, weil der
Ersteher dem Risiko eines Bereicherungsanspruches ausgesetzt sei. Die Realgläubiger könnten dem nur begegnen, indem sie kein oder nur ein geringeres
Gebot abgäben. Vor diesem Hintergrund könne die Entscheidung des BGH
vom 5. Oktober 2005 im Interesse der Rechtssicherheit im Realkreditwesen
nicht auf den Erwerber des Grundstücks in der Zwangsversteigerung angewendet werden.
2. Diese Ausführungen halten einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. 7
a) Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, dass dem 8
Beklagten ein Bereicherungsanspruch (Bereicherung in sonstiger Weise) zustehen kann, weil die Klägerin als Vermieterin vorzeitig, und zwar infolge ihrer
Kündigung schon zum 31. Dezember 2005 und nicht erst mit Ablauf der vertraglich vorgesehenen Mietzeit in den Genuss der wertsteigernden Investition des
Beklagten gekommen ist (BGH, Senatsurteil vom 5. Oktober 2005 - XII ZR
43/02 - NJW-RR 2006, 294). Dem steht auch nicht entgegen, dass - nach Auffassung des Berufungsgerichts - der auf eine bestimmte Zeit fest geschlossene
Mietvertrag wegen Nichteinhaltung der Schriftform des § 550 BGB mit gesetzlicher Kündigungsfrist kündbar war. Der Umstand, dass der Mietvertrag in einem
solchen Fall vorzeitig kündbar ist, ändert nichts daran, dass die Parteien einen
auf 15 Jahre unkündbaren Mietvertrag haben vereinbaren wollen. Der Abschluss eines insoweit langfristigen Vertrages bildet nach wie vor die Grundlage
für die von dem Beklagten getätigten Investitionen. Mit der Beendigung des
Mietvertrages vor dem von den Parteien geplanten Ende ist der Rechtsgrund
für die von dem Beklagten vorgenommene Investition insoweit weggefallen
(BGH, Urteil vom 21. Januar 1960 - VIII ZR 16/59 - WM 1960, 497, 498) mit der
Folge, dass der Vermieter bereichert sein kann.
9b) Soweit das Berufungsgericht aber unter Bezugnahme auf die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vom 17. Dezember 1954 (BGHZ 16, 31
ff.) und vom 14. Juli 1960 (VIII ZR 156/59 - WM 1960, 1125 ff.) meint, ein etwaiger Bereicherungsanspruch richte sich nicht gegen den Ersteigerer, sondern
gegen den ursprünglichen Vermieter, kann ihm nicht gefolgt werden.
10aa) Zwar hat der Bundesgerichtshof in den genannten Entscheidungen
einen Bereicherungsanspruch gegen den Ersteigerer verneint, allerdings stattdessen eine vertragliche Rückzahlungsverpflichtung des Ersteigerers bejaht.
Mit Urteil vom 5. Oktober 2005 (aaO) hat der erkennende Senat aber entschieden, dass bei einem Vermieterwechsel infolge Grundstücksveräußerung nicht
derjenige Bereicherungsschuldner ist, der im Zeitpunkt der Vornahme der Investition Vermieter war, sondern der neue Vermieter, der die Mietsache vorzeitig zurückerhält. Tragender Grund dieser Entscheidung ist, dass sich der Umfang der Bereicherung nicht nach der Höhe der Aufwendung des Mieters richtet
und auch nicht im Zeitwert der Investition oder der Verkehrswertsteigerung des
Mietobjektes bei Rückgabe (und erst recht nicht zu einem früheren Zeitpunkt)
besteht, sondern allein in der Erhöhung des Ertragswertes, soweit der Vermieter diesen früher als vertraglich vorgesehen durch anderweitige Vermietung zu
einem höheren Mietzins realisieren kann. Um eine derartige Möglichkeit ist der
Voreigentümer, der die Nutzung zum vertraglich vereinbarten Mietzins dem
Mieter bis zum Eigentumsübergang gewähren musste und gewährt hat, nicht
bereichert worden. Bereichert ist vielmehr der neue Vermieter, der die Mietsache vor Ablauf der vereinbarten Mietzeit zurückerhält und sie dadurch zu einem
höheren Mietzins weiter vermieten kann (Senatsurteil aaO).
11bb) Diese Grundsätze gelten auch bei einem Erwerb durch Zuschlag im
Zwangsversteigerungsverfahren. Der Ersteigerer erhält aufgrund seiner Kündigung die Mietsache früher zurück als nach dem Mietvertrag vorgesehen. Wenn
er deshalb das Objekt zu einem höheren Mietzins als bisher vermieten kann, ist
allein er und nicht der ursprüngliche Vermieter bereichert.
12Die vom Berufungsgericht angeführten Bedenken, der Schutz der Realgläubiger gebiete es, den Ersteher bei vorzeitiger Vertragsbeendigung nicht
nach Bereicherungsrecht haften zu lassen, teilt der Senat nicht. Die Auffassung,
in der Zwangsversteigerung ließen sich keine angemessenen Erlöse mehr erzielen, weil der Interessent gezwungen sei, kein oder nur ein geringeres Gebot
abzugeben, vermag nicht zu überzeugen. Sie beruht auf einem unzutreffenden
Verständnis der Bereicherung. Dem vom Senat in der Entscheidung vom
5. Oktober 2005 bejahten Bereicherungsanspruch ist der Ersteigerer nur dann
ausgesetzt, wenn er die Mietsache vorzeitig zurückerhält und sie zu einem höheren Mietzins als bisher weiter vermieten kann. Nur wenn er mehr erlösen
kann, als er nach dem bisherigen Vertrag erhalten hat, ist er bereichert. Erlöst
er nur das, was er bisher erhalten hat, besteht kein Anspruch gegen ihn. Er
muss also gerade nicht befürchten, dass seine Einnahmemöglichkeiten durch
einen Bereicherungsanspruch geschmälert werden, und hat deshalb keine begründete Veranlassung, ein geringeres Gebot im Versteigerungsverfahren abzugeben. Die Auffassung des Bundesgerichtshofs in den vom Berufungsgericht
erwähnten Entscheidungen beruht auf der - überholten - Vorstellung, dass der
ursprüngliche Vermieter durch die Investition des Mieters bereichert ist. Sieht
man den Umfang der Bereicherung aber nicht in der Höhe der Aufwendungen
des Mieters und nicht im Zeitwert der Investitionen oder der Verkehrswertsteigerung des Mietobjektes bei Rückgabe, sondern allein in der Erhöhung des Ertragswertes, den der Vermieter früher als vertraglich vorgesehen durch anderweitige Vermietung zu einem höheren Mietzins realisieren kann (so Senatsurteil
vom 5. Oktober 2005 aaO), kann sich der Anspruch nur gegen denjenigen richten, der das Mietobjekt vorzeitig zurückerhält.
133. Der Senat kann in der Sache nicht selbst entscheiden, da das Oberlandesgericht keine Feststellungen dazu getroffen hat, ob und gegebenenfalls
in welcher Höhe die Klägerin bereichert ist. Der Rechtsstreit muss deshalb an
das Oberlandesgericht zurückverwiesen werden, damit es die erforderlichen
Feststellungen treffen kann.
14Für das weitere Verfahren weist der Senat auf folgendes hin: Das Berufungsgericht hat unter Hinweis auf Schmidt-Futterer/Blank Mietrecht 9. Aufl.
§ 539 BGB Rdn. 61 ausgeführt, solange das Mietobjekt nicht geräumt und neu
vermietet sei, fehle einer Ermittlung des Ertragswertes die Bemessungsgrundlage. Eine Bereicherung, die der Vermieter noch nicht realisiert habe, müsse er
nicht herausgeben. Sollte das Berufungsgericht damit gemeint haben, dass der
Bereicherungsanspruch gegen den Ersteher von einer Weitervermietung abhänge, so wäre dem nicht zu folgen. Der im Wege einer Neuvermietung erzielte
Mietzins kann zwar ein wichtiges Indiz für die Höhe der Bereicherung sein, ist
aber nicht Voraussetzung für einen Bereicherungsanspruch. Maßgeblich ist
nicht die tatsächliche Vermietung, sondern die konkrete Vermietbarkeit zu einem höheren als dem bisherigen Mietzins. Das ist auch die Auffassung von
Blank (Schmidt-Futter/Blank aaO Rdn. 61). Die vom Berufungsgericht herangezogene Stelle befasst sich nicht mit den Voraussetzungen des Anspruchs,
sondern mit der weiteren Frage, ob der Mieter den vom Erwerber erzielbaren
Wertzuwachs in einem Betrag verlangen kann.
LG Düsseldorf, Entscheidung vom 31.07.2006 - 1 O 554/04 -
OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 19.04.2007 - I-10 U 121/06 -

References: BGH 
 BGH 

BGH 
 § 57
 § 546
 § 566
 § 580

BGH 
 BGH

 § 550

§ 539