Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/sozialversicherungspflicht-fuer-die-hier-taetige-delaware-inc-329271
Timestamp: 2019-10-19 02:47:54+00:00

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Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht für die hier täti­ge Dela­ware-Inc. | Rechtslupe
Maß­ge­bend für die Beur­tei­lung, ob die Direc­tors der Ver­si­che­rungs­pflicht unter­lie­gen, ist das deut­sche Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht. Es kommt zur Anwen­dung, wenn der Beschäf­ti­gungs­ort der Direc­tors in Deutsch­land liegt und kei­ne Ent­sen­dung vor­liegt (vgl. Teil I Art. 6 des Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­mens 1; § 6 SGB IV)).
Die Direc­tors in dem hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall sind bzw waren in ihrer für die Inc. aus­ge­üb­ten Tätig­keit als Mit­glied des Board of Direc­tors in Deutsch­land abhän­gig beschäf­tigt und des­halb in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig. Sie sind nicht wie ein Mit­glied des Vor­stan­des einer Akti­en­ge­sell­schaft deut­schen Rechts aus­nahms­wei­se von der Ver­si­che­rungs­pflicht aus­ge­nom­men. Auch unter Berück­sich­ti­gung der Vor­schrif­ten des Freund­schafts­ver­trags vom 29. Okto­ber 1954 2 haben die Klä­ger kei­nen Anspruch auf Gleich­stel­lung mit einem Vor­stands­mit­glied einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft.
Im hier ent­schie­de­nen Fall ste­hen bzw. stan­den die Direc­tors in ihrer Tätig­keit für die Inc. als Mit­glie­der des Board of Direc­tors in einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis. Die­se Wür­di­gung des Sach­ver­halts ent­spricht im Ergeb­nis der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­rilchts, wonach Vor­stands­mit­glie­der einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft regel­mä­ßig abhän­gig beschäf­tigt sind, auch wenn sie die Gesell­schaft in eige­ner Ver­ant­wor­tung zu lei­ten haben und gegen­über der Beleg­schaft Arbeit­ge­ber­funk­tio­nen wahr­neh­men 3. Anhalts­punk­te dafür, dass für die bei­den Direc­tors als Mit­glie­der eines Organs einer aus­län­di­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft etwas ande­res gel­ten müss­te, erge­ben sich nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht.
Nach § 1 Satz 4 SGB VI in den bis zum 31. Dezem­ber 2003 und ab 1. Janu­ar 2004 gel­ten­den Fas­sun­gen, die hier bei­de anzu­wen­den sind, sind Mit­glie­der des Vor­stan­des einer Akti­en­ge­sell­schaft nicht ver­si­che­rungs­pflich­tig bzw. in dem Unter­neh­men, dem sie ange­hö­ren, nicht ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tigt 4. Bis zur Auf­nah­me einer ent­spre­chen­den Bestim­mung in das AFG zum 1. Janu­ar 1993 ist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, die damals bereits gel­ten­den Rege­lun­gen des Ren­ten­ver­si­che­rungs­rechts über Vor­stands­mit­glie­der von Akti­en­ge­sell­schaf­ten ent­hiel­ten einen Grund­satz, der auch für die Bei­trags­pflicht in der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung zu beach­ten sei 5. Zwi­schen­zeit­lich bestimm­te § 168 Abs 6 Satz 1 AFG 6 und nun­mehr bestimmt § 27 Abs 1 Nr 5 SGB III in der seit dem 1. Janu­ar 1998 gel­ten­den, eben­falls anwend­ba­ren Fas­sung, aus­drück­lich, dass Mit­glie­der des Vor­stan­des einer AG in Beschäf­ti­gun­gen für das Unter­neh­men, des­sen Vor­stand sie ange­hö­ren, nicht bei­trags­pflich­tig sind bzw für das Unter­neh­men, des­sen Vor­stand sie ange­hö­ren, in die­ser Beschäf­ti­gung ver­si­che­rungs­frei sind 7.
Die Direc­tors als Mit­glie­der des Lei­tungs­or­gans einer Kapi­tal­ge­sell­schaft nach dem Recht des Staa­tes Delaware/​USA erfül­len in unmit­tel­ba­rer Anwen­dung den Tat­be­stand der genann­ten Vor­schrif­ten nicht. Dar­über hin­aus sind die­se Vor­schrif­ten auf die Direc­tors einer Dela­ware-Inc. Klä­ger auch nicht ent­spre­chend anzu­wen­den. Denn nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ist eine Tat­be­stands­gleich­stel­lung im Wege rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung und eine "Sub­sti­tu­ti­on" der Tat­be­stands­er­fül­lung unter Beru­fung auf eine tat­säch­li­che Ver­gleich­bar­keit von Gesell­schafts­for­men nicht zuläs­sig, weil § 1 Satz 4 SGB VI und § 168 Abs 6 Satz 1 AFG bzw § 27 Abs 1 Nr 5 SGB III nach ihrem Rege­lungs­zweck und im Hin­blick auf die dort gewähl­te Rege­lungs­me­tho­de der Typi­sie­rung eine Erstre­ckung auf Sach­ver­hal­te wie den vor­lie­gen­den zur Schlie­ßung einer Rege­lungs­lü­cke nicht erfor­dern. Viel­mehr hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in der Ver­gan­gen­heit eine Erstre­ckung die­ser Aus­nah­men von der Ver­si­che­rungs­pflicht auf Vor­stands­mit­glie­der oder Mit­glie­der ver­gleich­ba­rer Orga­ne ande­rer juris­ti­scher Per­so­nen nur auf­grund einer gesetz­li­chen Tat­be­stands­gleich­stel­lung in Form einer sog Äqui­va­lenz­re­ge­lung für mög­lich erach­tet 8.
Eine ein­schlä­gi­ge gesetz­li­che Äqui­va­lenz­re­ge­lung, deren es für eine sol­che Tat­be­stands­gleich­stel­lung zuguns­ten der Direc­tors einer Dela­ware-Inc. bedürf­te, ent­hält weder das deut­sche Sozi­al­recht noch das ein­schlä­gi­ge, unmit­tel­bar zu beach­ten­de inter­na­tio­na­le Recht, ins­be­son­de­re nicht das Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men vom 7. Janu­ar 1976 zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, die Ver­ein­ba­rung vom 21. Juni 1978 zur Durch­füh­rung die­ses Abkom­mens 9 – gemäß Bekannt­ma­chung vom 19. Nove­wm­ber 1979 10 zusam­men mit dem Abkom­men in Kraft getre­ten am 1. Dezem­ber 1979 – sowie die zur Ver­ein­ba­rung vom 21. Juni 1978 geschlos­se­nen Zusatz­ver­ein­ba­run­gen vom 2. Okto­ber 1986 11 und vom 6. März 1995 12.
Schließ­lich kann eine tat­be­stand­li­che Gleich­stel­lung bei der Anwen­dung der Aus­nah­me­re­ge­lun­gen des § 1 Satz 4 SGB VI und des § 168 Abs 6 Satz 1 AFG sowie des § 27 Abs 1 Nr 5 SGB III auch nicht mit Erfolg aus den Vor­schrif­ten des Freund­schafts­ver­trags vom 29. Okto­ber 1954 13 her­ge­lei­tet wer­den.
Im Freund­schafts­ver­trag ist weder eine aus­drück­li­che tat­be­stand­li­che Gleich­stel­lung einer US-Kapi­tal­ge­sell­schaft oder der Mit­glie­der ihres Board of Direc­tors mit einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft bzw deren Vor­stands­mit­glie­dern ver­ein­bart noch lässt sich die im Freund­schafts­ver­trag ver­ein­bar­te Inlän­der­be­hand­lung und Meist­be­güns­ti­gung im Sin­ne einer ein­schlä­gi­gen Äqui­va­lenz­re­ge­lung inter­pre­tie­ren oder gibt die Defi­ni­ti­on des Begriffs "Gesell­schaf­ten" in Art. XXV Abs 5 des Ver­trags zu einer sol­chen Aus­le­gung Anlass. Eine sol­che Ver­pflich­tung zur Gleich­stel­lung folgt auch nicht aus den bereichs­spe­zi­fi­schen Gewähr­leis­tun­gen einer Inlän­der­be­hand­lung nach Art. IV und Art. VII des Freund­schafts­ver­trags. Ins­be­son­de­re unter­schei­det sich die in Art. VII des Freund­schafts­ver­trags ver­ein­bar­te nie­der­las­sungs­recht­li­che Inlän­der­be­hand­lung von der Nie­der­las­sungs­frei­heit gemäß Artt. 49, 54 AEUV (frü­her Artt. 43, 48 EG), so dass sich die gegen­tei­li­gen Ansicht auch nicht mit Erfolg auf die vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt aus der hier­zu ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen 14 beru­fen kann. Schließ­lich kann eine sol­che Gleich­stel­lung auch nicht auf­grund der in Art. VII Abs 4 des Freund­schafts­ver­trags ver­ein­bar­ten Meist­be­güns­ti­gung ver­langt wer­den.
Der Freund­schafts­ver­trag wur­de von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka – aus­weis­lich der Prä­am­bel – von dem Wunsch gelei­tet geschlos­sen, die zwi­schen bei­den Staa­ten bestehen­den Ban­de der Freund­schaft zu fes­ti­gen und enge­re wirt­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Bezie­hun­gen zwi­schen den bei­den Völ­kern zu för­dern, sowie in der Über­zeu­gung, dass die­sen Zie­len Ver­ein­ba­run­gen die­nen, durch wel­che zu bei­der­sei­ti­gem Nut­zen der Han­del zwi­schen den bei­den Län­dern geför­dert wird und Kapi­tal­an­la­gen ange­regt wer­den sowie gegen­sei­ti­ge Rech­te und Ver­güns­ti­gun­gen begrün­det wer­den. Der Ver­trag beruht im All­ge­mei­nen auf den Grund­sät­zen der gegen­sei­tig gewähr­ten Inlän­der­be­hand­lung und unbe­ding­ten Meist­be­güns­ti­gung. Nach Art. XXV Abs 1 des Freund­schafts­ver­trags bedeu­tet der Aus­druck "Inlän­der­be­hand­lung" die inner­halb des Gebiets eines Ver­trags­teils gewähr­te Behand­lung, die nicht weni­ger güns­tig ist als die­je­ni­ge, die dort unter gleich­ar­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen den Staats­an­ge­hö­ri­gen, Gesell­schaf­ten, Erzeug­nis­sen, Schif­fen und sons­ti­gen Objek­ten jeg­li­cher Art. die­ses Ver­trags­teils gewährt wird. Der Aus­druck "Meist­be­güns­ti­gung" bedeu­tet nach Art. XXV Abs 4 die inner­halb des Gebiets eines Ver­trags­teils gewähr­te Behand­lung, die nicht weni­ger güns­tig ist als die­je­ni­ge, die dort unter gleich­ar­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen den Staats­an­ge­hö­ri­gen, Gesell­schaf­ten, Erzeug­nis­sen, Schif­fen und sons­ti­gen Objek­ten jeg­li­cher Art. irgend­ei­nes drit­ten Lan­des gewährt wird. Aller­dings ent­hält der Freund­schafts­ver­trag ent­ge­gen der durch die Rüge einer Ver­let­zung der Prä­am­bel i.V.m. Art. XXV des Freund­schafts­ver­trags nahe­ge­leg­ten Aus­le­gung kei­ne all­ge­mei­ne Pflicht zur Inlän­der­be­hand­lung und Meist­be­güns­ti­gung, son­dern nur eine Anzahl bereichs­spe­zi­fi­scher Gewähr­leis­tun­gen ent­spre­chen­den Inhalts, die ihrer­seits ua nach Bereichs­ge­gen­stand, Rechts­trä­ger­schaft, Gewähr­leis­tungs­zweck und ‑umfang in mehr­fa­cher Hin­sicht ein­ge­schränkt sind 15. Die­se bereichs­spe­zi­fi­schen Gewähr­leis­tun­gen betref­fen unter ande­rem die Anwen­dung von Geset­zen und Vor­schrif­ten über den Unfall­ver­si­che­rungs­schutz und bestimm­te ande­re sozia­le Siche­run­gen (Art. IV)), den Schutz von Eigen­tum (Art. V), den Zugang zu Gerich­ten und Amts­stel­len (Art. VI), die Aus­übung geschäft­li­cher und beruf­li­cher Tätig­kei­ten (Art. VII) sowie den Erwerb und den Schutz von beweg­li­chem und unbe­weg­li­chem Ver­mö­gen (Art. IX).
Die Aus­le­gung des in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Ran­ge ein­fa­chen Bun­des­rechts gel­ten­den Freund­schafts­ver­trags hat auch zur Ermitt­lung der Rechts­stel­lung Pri­va­ter mit Rück­sicht auf den völ­ker­recht­li­chen Ursprung der Bestim­mun­gen nach den in Art. 31 ff. WVK 16 nie­der­ge­leg­ten Grund­sät­zen zu erfol­gen 17. Die Wie­ner Ver­trags­rechts­kon­ven­ti­on ist für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land seit dem 20. August 1987 in Kraft 18, jedoch kön­nen ihre Aus­le­gungs­grund­sät­ze als Aus­druck all­ge­mei­ner Regeln des Völ­ker­rechts auch auf sol­che Ver­trä­ge ange­wen­det wer­den, die bereits vor ihrem Inkraft­tre­ten geschlos­sen wor­den sind 19. Nach Art. 31 WVK ist ein Ver­trag nach Treu und Glau­ben in Über­ein­stim­mung mit der gewöhn­li­chen, sei­nen Bestim­mun­gen in ihrem Zusam­men­hang zukom­men­den Bedeu­tung und im Lich­te sei­nes Ziels und Zwecks aus­zu­le­gen. Danach ist ent­spre­chend der Struk­tur des Freund­schafts­ver­trags jeweils bereichs­spe­zi­fisch zu prü­fen, wel­chen Inhalt die ein­zel­nen Gewähr­leis­tun­gen haben und ob die­se im Sin­ne einer im vor­lie­gen­den Kon­text not­wen­di­gen Äqui­va­lenz­re­ge­lung aus­zu­le­gen sind.
Die Revi­si­on kann sich auch nicht auf die spe­zi­el­le Ver­ein­ba­rung der Inlän­der­be­hand­lung für den Bereich der Sozi­al­ver­si­che­rung in Art. IV des Freund­schafts­ver­trags beru­fen. So wird in Art. IV Abs 1 des Freund­schafts­ver­trags Inlän­der­be­hand­lung bei Anwen­dung der Rechts­vor­schrif­ten der Ver­trags­staa­ten auf dem Gebiet der Unfall­ver­si­che­rung sowie in Abs 2 bezüg­lich der Rechts­vor­schrif­ten, die in den Zwei­gen der Kranken‑, Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung Leis­tun­gen ohne Bedürf­tig­keits­prü­fung vor­se­hen, gewährt. Jedoch gilt die­se Gewähr­leis­tung nur zuguns­ten der Staats­an­ge­hö­ri­gen 20 des jeweils ande­ren Ver­trags­teils, erfasst also aus­schließ­lich natür­li­che Per­so­nen, wozu die Klä­ge­rin zu 1. als juris­ti­sche Per­son nicht gehört. Gleich­zei­tig ist Art. IV des Freund­schafts­ver­trags auf die Klä­ger zu 2. und 3. des­halb nicht anwend­bar, weil die­se nicht die Staats­an­ge­hö­rig­keit der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka besit­zen.
Inhalt der danach sowohl den Staats­an­ge­hö­ri­gen als auch den Gesell­schaf­ten jedes Ver­trags­teils gewähr­leis­te­ten nie­der­las­sungs­recht­li­chen Inlän­der­be­hand­lung ist zunächst ein Ver­bot inner­staat­li­cher Vor­schrif­ten und sons­ti­ger Maß­nah­men eines Staa­tes, die aus­drück­lich zwi­schen inlän­di­schen Gesell­schaf­ten und Gesell­schaf­ten des ande­ren Ver­trags­teils unter­schei­den und letz­te­ren weni­ger Rech­te gewäh­ren. Ver­ein­bart ist aber nicht nur for­mel­le Gleich­be­hand­lung, d.h. ein Ver­bot der Anknüp­fung unter­schied­li­cher Rechts­fol­gen an das Tat­be­stands­merk­mal "Aus­län­der­ei­gen­schaft", son­dern auch mate­ri­el­le Gleich­be­hand­lung, d.h. ein Ver­bot fak­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung dadurch, dass bestimm­te, schein­bar neu­tral anknüp­fen­de Tat­be­stän­de nur in der Per­son von Inlän­dern ver­wirk­licht wer­den kön­nen 21.
Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten hat in der Rechts­sa­che "Segers" 22 zu den frü­he­ren Art. 52 und 58 EWG-Ver­trag, die den jet­zi­gen Art. 49 und 54 AEUV (zuvor Art. 43 und 48 EG) ent­spre­chen, ent­schie­den hat, dass es eine Ver­let­zung der nach die­sen Vor­schrif­ten gewähr­leis­te­ten Nie­der­las­sungs­frei­heit ist, wenn der in den Nie­der­lan­den beschäf­tig­te Geschäfts­füh­rer einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung nach eng­li­schem Recht, die allein und aus­schließ­lich in den Nie­der­lan­den tätig ist, in Bezug auf sei­ne Leis­tun­gen aus der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung in den Nie­der­lan­den anders behan­delt wird als der Geschäfts­füh­rer einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung nach nie­der­län­di­schem Recht. Er hat dies damit begrün­det, dass das Erfor­der­nis, eine nach dem Recht eines Mit­glied­staats gegrün­de­te Gesell­schaft den inlän­di­schen Gesell­schaf­ten gleich­zu­stel­len, das Recht des Per­so­nals die­ser Gesell­schaft auf Anschluss an ein bestimm­tes Sys­tem der sozia­len Sicher­heit impli­zie­re. Eine Dis­kri­mi­nie­rung des Per­so­nals in Bezug auf den sozia­len Schutz schrän­ke die Frei­heit der Gesell­schaf­ten eines ande­ren Mit­glied­staa­tes, sich nie­der­zu­las­sen, mit­tel­bar ein.
Dem Urteil des EuGH in der Rechts­sa­che "Segers" hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt das Gebot ent­nom­men, dass die Beschäf­tig­ten aller mit­glied­staat­li­chen Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten in Bezug auf die Ver­si­che­rungs­pflicht oder auch Ver­si­che­rungs­frei­heit grund­sätz­lich gleich behan­delt wer­den müs­sen, wor­aus jedoch nicht fol­ge, dass alle Organ­mit­glie­der nach den Rechts­vor­schrif­ten eines Mit­glied­staats gegrün­de­ter, gemein­schafts­an­ge­hö­ri­ger Gesell­schaf­ten, die in Deutsch­land ihren Beschäf­ti­gungs­ort haben, glei­cher­ma­ßen wie Mit­glie­der des Vor­stan­des einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei sind. Er hat aus­ge­führt, dass auch im Anwen­dungs­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit (gemäß Art. 43, Art. 48 EG, nun­mehr Art. 49 und 54 AEUV) nur Organ­mit­glie­der sol­cher mit­glied­staat­li­cher Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung frei­ge­stellt sind, die einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft ver­gleich­bar sind 23.
Vor­lie­gend kommt es damit auf die Fra­ge, ob die Dela­ware-Inc. mit einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft im Sin­ne des Urteils des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 27. Febru­ar 2008 24 ver­gleich­bar ist, nicht an, weil es bereits an einer Über­trag­bar­keit die­ser Recht­spre­chung auf den vor­lie­gen­den Fall fehlt. Dem ste­hen der unter­schied­li­che Gewähr­leis­tungs­um­fang der gemein­schafts­recht­li­chen Nie­der­las­sungs­frei­heit und der in Art. VII des Freund­schafts­ver­trags ent­hal­te­nen nie­der­las­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen sowie ins­be­son­de­re die unter­schied­li­che Ziel­set­zung der jewei­li­gen Ver­trags­wer­ke ent­ge­gen.
Gleich­zei­tig fußt die Aus­le­gung der euro­pa­recht­li­chen Nie­der­las­sungs­frei­heit durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof in der Rechts­sa­che "Segers" 25 auf den Zie­len der Euro­päi­schen Uni­on, wie sie nun­mehr in Art. 2 EU-Ver­trag defi­niert sind. Dem­entspre­chend hat der EuGH in ver­schie­de­nem Zusam­men­hang betont, dass der (EWG-)Vertrag mit der Errich­tung eines gemein­sa­men Mark­tes und der schritt­wei­sen Annä­he­rung der Wirt­schafts­po­li­tik der Mit­glied­staa­ten auf den Zusam­men­schluss der natio­na­len Märk­te zu einem ein­heit­li­chen Markt abzielt, der die Merk­ma­le eines Bin­nen­mark­tes auf­weist 26, mit dem alle Hin­der­nis­se besei­tigt wer­den sol­len, um einen Raum voll­stän­di­ger Frei­zü­gig­keit ent­spre­chend einem natio­na­len Markt zu schaf­fen, der unter ande­rem die Dienst­leis­tungs- und die Nie­der­las­sungs­frei­heit umfasst 27. Hin­ter die­sen Zie­len bleibt der Freund­schafts­ver­trag zurück, der sei­ner Prä­am­bel zufol­ge zwar die zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka bestehen­den Ban­de der Freund­schaft fes­ti­gen und enge­re wirt­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Bezie­hun­gen zwi­schen den bei­den Völ­kern för­dern und hier­zu ins­be­son­de­re den Han­del zwi­schen den bei­den Län­dern und Kapi­tal­an­la­gen anre­gen soll, jedoch weder in die­sen For­mu­lie­run­gen noch nach dem Inhalt der kon­kre­ten Rege­lun­gen den Wil­len zu einer so weit gehen­den wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Inte­gra­ti­on erken­nen lässt, wie sie Ziel der EU ist. Vor die­sem Hin­ter­grund ist eine Über­tra­gung der zur gemein­schafts­recht­li­chen Nie­der­las­sungs­frei­heit ent­wi­ckel­ten Recht­spre­chung des EuGH und des Bun­des­so­zi­al­ge­richts auf den Freund­schafts­ver­trag nicht gerecht­fer­tigt 28.
Die­se Aus­le­gung steht auch nicht im Wider­spruch zu der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 29 und des Bun­des­fi­nanz­hofs 30. Zwar fin­det sich im zitier­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hof tat­säch­lich die Fest­stel­lung "Inso­fern gilt hier ähn­li­ches wie im Gel­tungs­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit gemäß Art. 43 und 48 EG" 31, doch zeigt die Wen­dung "Inso­fern gilt hier ähn­li­ches…" schon sprach­lich an, dass kei­ne unein­ge­schränk­te Gleich­set­zung der im Freund­schafts­ver­trag ver­ein­bar­ten nie­der­las­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen und der euro­pa­recht­li­chen Nie­der­las­sungs­frei­heit vor­ge­nom­men wird, son­dern ledig­lich ein erläu­tern­der Hin­weis auf eine ver­gleich­ba­re Rege­lung auf ande­rem Rechts­ge­biet erfolgt. Zudem bezieht sich die­se Aus­sa­ge im gesell­schafts­recht­li­chen Kon­text auf den jewei­li­gen kol­li­si­ons­recht­li­chen Gehalt der Nie­der­las­sungs­frei­heit nach EG-Ver­trag und Freund­schafts­ver­trag (hier: Art. XXV Abs 5 Satz 2 i.V.m. Art. VII Freund­schafts­ver­trag 32), wonach "die in einem Ver­trags­staat nach des­sen Vor­schrif­ten wirk­sam gegrün­de­te Gesell­schaft … in einem ande­ren Ver­trags­staat – unab­hän­gig von dem Ort ihres tat­säch­li­chen Ver­wal­tungs­sit­zes – in der Rechts­form anzu­er­ken­nen" ist, "in der sie gegrün­det wur­de". Ihr kann daher ohne­hin nicht ent­nom­men wer­den, dass etwa in sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Hin­sicht eine Gleich­stel­lung gebo­ten sei.
Auch der Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs 33 kann kein auf das Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht aus­strah­len­der Inhalt ent­nom­men wer­den. Die­se Ent­schei­dung hat Fra­gen nach der Reich­wei­te des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots des Art. 24 Abs 4 DBA-USA 1989 34 zum Gegen­stand. Der Bun­des­fi­nanz­hof führt im Ergeb­nis aus, Art. 24 Abs 4 DBA-USA 1989 ver­bie­te Besteue­rungs­nach­tei­le inlän­di­scher Toch­ter­un­ter­neh­men von US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men auch gegen­über den Rech­ten, wie sie sich aus der "Überseering"-Entscheidung des EuGH 35 für Unter­neh­men inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on ergä­ben und unter­sa­ge daher ein Anknüp­fen an den sta­tua­ri­schen Sitz einer Gesell­schaft in sog Zuzugs­fäl­len. Sofern der Bun­des­fi­nanz­hof in die­sem Zusam­men­hang ein abso­lut wir­ken­des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot pos­tu­liert, bezieht er dies aus­schließ­lich auf Art. 24 Abs 4 DBA-USA 1989 und nicht auf den von ihm zur Ergän­zung sei­ner eine Unter­schei­dung nach der Ansäs­sig­keit zuzie­hen­der ame­ri­ka­ni­scher Unter­neh­men für Besteue­rungs­zwe­cke ableh­nen­den Argu­men­ta­ti­on her­an­ge­zo­ge­nen Art. XXV Abs 5 Satz 2 des Freund­schafts­ver­trags. Zudem stellt der Bun­des­fi­nanz­hof aus­drück­lich klar, dass sich die von ihm her­an­ge­zo­ge­ne Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zur Ver­let­zung der Nie­der­las­sungs- und Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit nach Art. 43 und Art. 48 EGVtr durch die Anwen­dung der sog Sitz­theo­rie in Zuzugs­fäl­len 36 unmit­tel­bar nur auf EU-Mit­glied­staa­ten aus­wir­ke und juris­ti­sche Per­so­nen aus Dritt­staa­ten im Hin­blick hier­auf kei­ne Gleich­be­hand­lung mit Ange­hö­ri­gen von Mit­glied­staa­ten ein­for­dern könn­ten. Ande­res gel­te für eine US-Kapi­tal­ge­sell­schaft, jedoch nur wegen des in Art. 24 Abs 4 DBA-USA 1989 ent­hal­te­nen bila­te­ra­len Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots. Da wie bereits oben gezeigt weder das Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men noch der Freund­schafts­ver­trag für den Bereich des Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts ein dem Art. 24 Abs 4 DBA-USA 1989 ent­spre­chen­des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot ent­hal­ten, kann kei­ne den vom Bun­des­fi­nanz­hof für das Steu­er­recht gezo­ge­nen Fol­ge­run­gen ent­spre­chen­de Gleich­be­hand­lung mit EU-ange­hö­ri­gen Per­so­nen oder Gesell­schaf­ten ver­langt wer­den. Dies gilt auch im Hin­blick auf das wei­te Ver­ständ­nis euro­pa­recht­li­cher Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te.
Zwar ist nach der Defi­ni­ti­on des Begriffs "Meist­be­güns­ti­gung" in Art. XXV Abs 4 des Freund­schafts­ver­trags eine Behand­lung ver­ein­bart, die nicht weni­ger güns­tig ist als die­je­ni­ge, die unter gleich­ar­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen den Staats­an­ge­hö­ri­gen und Gesell­schaf­ten irgend­ei­nes drit­ten Lan­des gewährt wird. Jedoch gilt das Gebot der Meist­be­güns­ti­gung, unab­hän­gig von der Fra­ge, ob eine sol­che Klau­sel sub­jek­tiv-öffent­li­che Rech­te eines ein­zel­nen Bür­gers ver­mit­teln könn­te 37, nicht schran­ken­los. Dabei kann das Bun­des­so­zi­al­ge­richt offen­las­sen, ob er sich der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt anschließt, wonach der Grund­satz, dass die Meist­be­güns­ti­gungs­klau­sel eines zwei­sei­ti­gen völ­ker­recht­li­chen Ver­trags im All­ge­mei­nen nicht auf das Gemein­schafts­recht bezo­gen ist 38, auch auf die Meist­be­güns­ti­gungs­klau­sel des Art. VII Abs 4 des Freund­schafts­ver­trags anzu­wen­den ist 39 und somit kei­nen Anspruch auf eine Gleich­be­hand­lung mit Per­so­nen oder Gesell­schaf­ten aus den Mit­glied­staa­ten der EU gewährt oder ob sich in Anse­hung des Inhalts des im Bun­des­ge­setz­blatt nicht ver­öf­fent­lich­ten 40 Noten­wech­sels zwi­schen dem Bun­des­kanz­ler und Bun­des­mi­nis­ter des Aus­wär­ti­gen und dem Secreta­ry of Sta­te of the United Sta­tes of Ame­ri­ca vom 29.10.1954 über euro­päi­sche Inte­gra­ti­on unter Berück­sich­ti­gung der in Art. 31 Abs 2 Buchst b) WVK nie­der­ge­leg­ten Grund­sät­ze bezüg­lich des Freund­schafts­ver­trags etwas Ande­res ergibt. Denn jeden­falls kann auf­grund der Meist­be­güns­ti­gungs­klau­sel des Art. VII Abs 4 des Freund­schafts­ver­trags eine Gleich­be­hand­lung mit Staats­an­ge­hö­ri­gen und Gesell­schaf­ten aus ande­ren Staa­ten nur bezüg­lich der Ange­le­gen­hei­ten ver­langt wer­den, die Rege­lungs­ge­gen­stand des Art. VII des Freund­schafts­ver­trags sind. Wie bereits oben dar­ge­legt, gehö­ren Ange­le­gen­hei­ten der gesetz­li­chen Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung nicht hier­zu.
BGH, Urteil vom 05.07.2004 – II ZR 389/​02, ZIP 2004, 1549; unter Ver­weis auf EuGH, Urteil vom 05.11.2002 – C‑208/​00 [Über­se­ering], ZIP 2002, 2037; und vom 30.09.2003 – C‑167/​01 [Inspi­re Art], ZIP 2003, 1885; sowie BGH, Urteil vom 13.03.2003 – VII ZR 370/​98 – "Über­se­ering II", BGHZ 154, 185[↩]
EuGH, Urteil vom 05.11.2002 – C‑208/​00 [Über­se­ering], ZIP 2002, 2037[↩]
EuGH, Urteil vom 05.11.2002 [Über­se­ering], aaO[↩]
BVerwG, Beschluss vom 05.04.2005 – 6 B 2/​05; vgl. auch Hess­VGH, Beschluss vom 05.02.2004 – 9 TG 2664/​03, InfAuslR 2004, 185, 186; in die­sem Sin­ne auch Lae­ger, aaO, S 131 ff; Schüt­ter­le, aaO, S 53[↩]

References: Art. 6
 § 6
 § 1
 § 168
 § 27
 § 1
 § 168
 § 27
 § 1
 § 168
 § 27
 Art. 31
 Art. 31
 Art. 52
 Art. 49
 Art. 43
 EuGH 
 Art. 43
 Art. 48
 Art. 49
 Art. 2
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 43
 Art. 24
 Art. 24
 EuGH 
 Art. 24
 Art. 43
 Art. 48
 Art. 24
 Art. 24
 Art. 31