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⭐Kein rechtsfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz?
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Detlef Guido Beckenbauer
1 156 BRJ 2/2011 Müller, Kein rechtfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz? Kein rechtsfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz? Über die rechtlichen Grenzen von Einsätzen der Bundeswehr in internationalen Konß ikten des 21. Jahrhunderts Marc Müller, Bonn* Dürfen Soldaten der Bundeswehr Terroristen am Hindukusch gezielt töten oder Piraten am Horn von Afrika tagelang auf Schiffen festhalten? Ist im Krieg oder auf hoher See alles erlaubt oder unterliegen Soldaten auch im Ausland den gleichen Regeln wie im Inland? Kein Einsatzgebiet auf der Welt ist für die Bundeswehr ein rechtsfreier Raum. Das nationale und internationale Recht beschränkt deutsche Soldaten zwar auch nicht bis zur Handlungsunfähigkeit, doch stellen veränderte Einsatzrealitäten das Recht mitunter auf die Probe. Woraus sich die Grenzen des Handlungs spielraumes der Bundeswehr ergeben ist Gegenstand dieses Beitrages. I. Einleitung Die Einsätze des Bundeswehr im Ausland haben sich seit 1960 entsprechend der gewandelten Stellung des (wiedervereinigten) Deutschlands auf dynamische Weise von militärischer Zurückhaltung bis hin zu Kampfeinsätzen entwickelt. 1 Zu Beginn hat sich die Bundeswehr lediglich an internationalen Hilfs ein sätzen beteiligt, seit den 1990er Jahren auch an UN-Friedensoperationen. Erst 1999 kam es im Kosovo krieg zum ersten großen Kampfeinsatz. 2 Derzeit ist die Bundeswehr mit rund Soldaten im Ausland, insb. in Afghanistan (ISAF), auf dem Balkan (KFOR, EU- FOR), im Mittelmeer (UNIFIL, OAE) und vor der Küste Somalias (Ata lanta). 3 Bei diesen Einsätzen unterliegen die Soldaten insbesondere dem huma nitären Völker recht (II.) sowie den Grund- und Menschen rechten (III.). II. Grenzen aus dem humanitären Völkerrecht Unter humanitärem Völkerrecht (HVR) werden die internationalen Regeln verstanden, welche der Anwendung von Gewalt in bewaffneten Kon ß ikten zwischen oder innerhalb von Staaten Grenzen setzen. 4 Zum einen schützt es Verwundete, Kriegsgefangene, die Zivilbevölkerung, Sanitätspersonal und die Kämpfenden (Kombattanten oder Rebellen) selbst, indem es bestimmte Methoden und Mittel der Kriegsführung beschränkt und umfangreiche Schutzpß ichten begründet. Zum anderen erlaubt es grds. aber Der Autor ist Student der Rechtswissenschaft an der Universität Bonn. Dieser Beitrag basiert auf einer Seminararbeit aus dem WS 2010/11 bei Prof. Dr. Klaus F. Gärditz. 1 Brenner/Hahn, JuS 2001, 729 (ebd.). 2 Zu gegenwärtigen und abgeschlossenen Einsätzen vgl. 3 Vgl. Stand: Gasser, Humanitäres Völkerrecht, Eine Einführung, 2008, S. 22. auch militärisch notwendige und verhältnismäßige Maßnahmen, u.a. von der Gefangennahme bis hin zur Tötung feindlicher Kämpfer. Die für die Bundeswehr relevanten Bestimmungen Þ nden sich insb. in den Genfer Konventionen (GK), deren Zusatzprotokollen (ZP), der Haager Landkriegsordnung (HLKO) sowie dem Völkergewohnheits recht. Die Anwend barkeit des HVR ist eng an das Vorliegen eines bewaffneten Konß ikts oder eine Besetzung fremder Gebiete gebunden. Zu unterscheiden ist zwischen inter na tio na len (1.) und nichtinternationalen bzw. internen (2.) bewaffneten Konß ikten, für welche verschiedene Regeln gelten; erstere werden zwi schen Staaten ausgetragenen, letztere unter Beteiligung nicht staat licher G ruppierungen. 1. Internationaler bewaffneter Konß ikt und Besatzung Unter internationalem bewaff netem Konß ikt ( Krieg ) wird jede Streitigkeit zwischen zwei Staaten unter Verwendung bewaff neter Streitkräfte verstanden, wobei die Dauer und Intensität des Konß ikts für die Anwend barkeit des HVR ebenso wenig eine Rolle spielen wie die Anzahl der Opfer. 5 Die Bundeswehr hat bislang ihr Engagement weitestgehend auf Auf gaben der Friedensicherung und Stabilisierung beschränkt, welche kaum klas sisch-militärisch geprägt und nicht gegen einen anderen Staat gerich tet waren. Der einzige nennenswerte Kampfeinsatz gegen einen ande ren Staat ist bislang der Luftkrieg gegen Serbien von 1999 geblie ben. 6 In einer Klage vor dem Internationalen Gerich tshof (IGH) warf Serbien Deutschland und anderen beteiligten Staaten zahlreiche Ver stöße gegen das HVR vor, wie etwa Zivilisten und histo ri sche Monumente angegriffen und verbotene Waffen eingesetzt zu haben. Ge- 5 CICR, Commentaire de la I ère Convention, 1952, S Schubert/Köngeter/Jötten/Johann, Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Info-Brief WD /08, S. 31.2 Müller, Kein rechtfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz? BRJ 2/ legenheit zur Äußerung über diese Vorwürfe hatte der IGH allerdings mangels Zuständigkeit nicht. 7 Auch die Besetzung eines fremden Gebietes durch einen Staat führt zur Anwendbarkeit des HVR für den internationalen bewaffneten Konß ikt. Nach der HLKO gilt ein fremdes Gebiet als besetzt, wenn das feind liche Heer in der Lage ist, über das Gebiet Gewalt auszuüben. Entschei dend ist nicht, ob vor der Besetzung eine bewaffnete Ausein an der set zung stattgefunden hat, wohl aber ob die Inbesitznahme und Kontrolle des frem den Gebietes gegen den Willen des anderen Staates erfolgte. 8 Die Bundes wehr kann in ihren Auslandseinsätzen demnach Gebiete nur beset zen, wenn dies gegen den Willen des besetzten Staates geschieht. Dies ist etwa bei der Operation Enduring Freedom in Afghanistan anfänglich wohl der Fall gewesen. 9 Üblicher weise agiert die Bundeswehr in frem den Gebieten jedoch mit Einverständnis des betreffenden Staates. Aus diesen Gründen dürften die Regeln des HVR für den internationalen bewaff neten Konß ikt bisher für die Bundeswehreinsätze von begrenzter Rele vanz geblieben sein. 2. Interner bewaffneter Konß ikt Wesentlich relevanter für die Bundeswehr sind die Regeln des HVR für nicht-internationale bewaffnete Konß ikte ( Bürgerkrieg ), denn weit häu Þ ger als Staaten stehen den Soldaten im Auslandseinsatz nicht staatliche bewaffnete Gruppierungen gegenüber, wie etwa die Taliban in Afghanistan. Liegt ein interner bewaffneter Konß ikt vor, gelten als huma ni tärer Mindest standard die Bestimmungen des gemeinsamen Art. 3 der Genfer Konventionen. Darü ber hinaus ist die gewohnheitsrechtliche Geltung gewisser grund legen der Prinzipien des HVR für den internationalen Konß ikt auch für interne Konß ikte anerkannt. 10 Die Feststellung eines internen bewaffneten Kon ß ikts erweist sich jedoch als weit schwieriger als die des inter na tio nalen. So bleibt häuþ g unklar, ob die Schwelle zu einem bewaffneten Konß ikt überhaupt über schritten ist. a) Die Schwelle zum bewaffneten Konß ikt Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) fordert hierfür eine gewisse Intensität des Konß ikts, welche sich u.a. an der Zahl und Dauer einzelner Kon fron ta tio nen, der Art der eingesetzten Waffen und Aus rüstung, der Zahl der Opfer, Flüchtlinge und eingesetzten Soldaten, dem Ausmaß der Zer stö rung sowie einem Einschreiten des Sicher heitsrates messen lasse. 11 Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz plädiert da- 7 IGH, Serbia and Montenegro v. Germany, Preliminary Objections v , ICJ Reports 2004, S. 720, Abs. 20, 89, Ratner, EJIL 16 (2005), 695 (698). 9 Schubert/Köngeter/Jötten/Johann, (Fn. 6) S ICTY, Appeals Chamber, Prosecutor v. Tadic, Entscheidung. v , Abs ICTY, Trial Chamber, Prosecutor v. Haradinaj et al., Urteil v , Abs. 49. für, den Anwendungsbereich des HVR so weit wie möglich zu fassen, da dieser nur das Schutzniveau von den Staaten verlange, welches diese ohnehin als unter zivilisierten Völkern essen tiell betrachteten. 12 Für den internen Konß ikt kennt es keinen Kom bat tantenstatus, so dass Rebellen nach ihrer Festnahme nicht der Sta tus eines Kriegsgefangenen zusteht und sie daher für ihre bloße Teil nahme an Feindseeligkeiten bestraft werden können. 13 Den Staaten erwachsen aus einer weiten Anwendbarkeit des HVR somit keine wesentlichen Nachteile, vielmehr eröffnet es ihnen zusätzliche Handlungsmöglichkeiten. Daher erscheint es angemessen, in unklaren Fällen eine Vermutung für das Vorliegen eines internen bewaffneten Konß ikts und somit die Anwendbarkeit des HVR sprechen zu lassen. So kann vermieden werden, dass die politische oder militärische Führung einer Konß iktpartei ihren Gegnern willkürlich den Schutz des HVR vorenthält. Das 2. Zusatzprotokoll (ZP II) zu den GK ergänzt den Schutz, welchen Art. 3 der GK gewährt, ohne jedoch dessen weiteren Anwendungsbereich zu beschränken. 14 Zusätzliche Vorraus setzung für die Anwendbarkeit des Protokolls ist, dass eine nicht staatliche bewaffnete Gruppierung effek tive Kontrolle über einen Teil des Hoheitsgebietes ausübt, welche sie in die Lage versetzt, anhaltende und koordinierte Kampf hand lungen durch zuführen und das ZP anzuwenden (vgl. Art. 1 I des ZP II). b) Interner bewaffneter Konß ikt in Afghanistan? Für die Anwendbarkeit des HVR für den internen Konß ikt auf Auslandseinsätze der Bundeswehr ist nach oben gesagtem die Intensität der jeweiligen Feindseeligkeiten maßgeblich. Dies soll am Bei spiel des Afghanistan-Einsatzes erläutert werden. Nach dem US Supreme Court lag in Afghanistan im Jahr 2001 zwischen den US-Streitkräften und den Kämpfern der Al Qaida ein nicht-inter nationaler bewaffneter Konß ikt vor, da die Al Qaida keine staatliche Kon ß iktpartei sei. 15 Die deutsche Bundes regier ung ist seit 2010 der Ansicht, die Situation der ISAF sei auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden Afghanistans als bewaff neter Konß ikt zu qualiþ zieren. 16 Ob tatsächlich die Schwelle zu einem bewaffneten Konß ikt in diesem Gebiet (noch) über schrit ten ist, bleibt allerdings fraglich. Denn die terroristische Bedrohung in Afghanistan gleicht eher sporadischen Anschlägen als einem umfassenden und zentral gesteuerten Angriff. Zudem müs sen nicht nur die terroristischen Angriffe in militärischer Form erfolgen, sondern auch die Gegenmaßnahmen der ISAF. Diese haben jedoch eher polizeilichen als militärischen Charakter. Gezielte und punk tu elle Zugriffe auf Terroristencamps 12 CICR, (Fn. 5), S Kempen/Hillgruber, Völkerrecht, 2007, 43 Rn CICR, Commentaire des Protocoles additionnels, 1986, Rn US Supreme Court, Hamdan v. Rumsfeld, Urteil Nr vom , S Regierungserklärung vom , StenograÞ sche Mitschrift des Deutschen Bundestages.3 158 BRJ 2/2011 Müller, Kein rechtfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz? bleiben unter der Schwelle zum bewaff neten Konß ikt, solange sie nicht auf nennenswerte Gegenwehr stoßen. 17 Gleiches gilt für die straf recht liche Verfolgung der Terroristen mit polizeilichen Mitteln durch interna tio nale und afghanische Sol da ten. 18 Auch wenn die Intensität der terroristischen Angriffe gegen die deut schen Truppen und deren Gegenwehr in letzter Zeit massiv zuge nommen hat, so führt auch eine Beurteilung anhand der soeben dargestellten Kriterien des ICTY zu keinem klaren Ergebnis. Zum einen kann von Flüchtlings strömen und massiven Kollateralschäden in der Zivilbevölkerung keine Rede sein. Auch hält sich die Anzahl dauerhaft in Gefechten eingesetzter Sol daten sowie die Dauer der einzelnen Gefechte in Grenzen. Anderer seits ist der Sicher heitsrat involviert und die Bundeswehr setzt vermehrt kriegs typische Waffensysteme wie Tornados und Panzerhaubitzen ein. Ob also ein nicht-internationaler bewaffneter Konß ikt im Einsatzbereich der Bundeswehr vorliegt und demnach die entsprechenden Regeln des HVR dort Anwendung Þ nden, hängt von den tatsächlichen Umständen vor Ort ab und lässt sich an dieser Stelle nicht abschließend beurteilen. Im Zweifel sollte eine Anwendbarkeit bejaht werden, zumal dadurch die Bundes wehr in ihrer Aufgabenerfüllung kaum unverhältnismäßig einge schränkt werden dürfte. Die Anwendbarkeit des ZP II kann jedenfalls ausgeschlossen werden. Zum einen ist bereits fraglich, ob die Talibanund Al-Qaida-Kämpfer über eine ausreichende effektive Kontrolle über einen Teil des afghanischen Hoheits gebietes ausüben. Zum anderen sind sie offenbar nicht gewillt, die Regeln des HVR zu respektieren. Das zeigt sich etwa darin, dass sie zu der Taktik übergegangen sind, mit dem Roten Kreuz gekenn zeich nete und damit nach dem HVR besonders geschützte Santitäts fahr zeuge gezielt zu beschießen und Kopfgelder auf getötete Ärzte auszuloben. 19 III. Grenzen aus den Grund- und Menschenrechten Viele Maßnahmen der Bundeswehr im Rahmen ihrer Aufträge erschei nen wie gesagt eher polizeilicher als militärischer Natur, wie etwa Personen kon trol len oder Festnahmen. Da hierbei das humanitäre Völker recht idr. nicht (vollumfänglich) anwendbar ist, stellt sich umsomehr die Frage, wie weit die universellen, regionalen und nationalen Grund- und Men schen rechte diese Maßnahmen begrenzen. Gegen stand der folgenden Betrach tung sind die Grundrechte des Grundgesetzes (GG) sowie die Menschenrechte der Europäischen Menschenrechtkonvention (EMRK) und des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR). 1. Extraterritoriale Anwendbarkeit Um Wirkungen auf die Aus lands ein sätze der Bundeswehr zu entfalten, müssen die grund- und men schen recht lichen Normen auch im Ausland anwendbar sein. 17 Oeter, AdV 40 (2002), 422 (451). 18 Wieczorek, Unrechtmäßige Kombattanten und humanitäres Völkerrecht, 2005, S Mediziner am Maschinengewehr, FAZ.net vom a) Grundrechte des GG Unumstritten dürfte sein, dass die Grundrechte des GG keiner räum lichen Beschränkung unterliegen, sondern die deutsche vollziehende Gewalt gem. Art 1 III vollumfänglich überall bindet, wo Staatsgewalt ausge übt wird und deren Wirkungen eintreten, also auch im Ausland. 20 b) Menschenrechte der EMRK Umstritten ist hingegen, ob und wie weit der Anwendungsbereich der EMRK bei extraterritorialem Handeln der (deutschen) Staatsgewalt eröff net ist. Dies ist abhängig davon, ob die jeweiligen Handlungen auf Per sonen gerichtet sind, die der (deutschen) Hoheitsgewalt (juris diction) unterstehen (vgl. Art. 1 EMRK). aa) Meinungsstand Nach dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ist die EMRK zu einer regionalen Anwendung im europäischen Rechtsraum (espace juridique), jedoch nicht zu einer weltweiten konzipiert. Nur ausnahmsweise gelte sie auch extraterritorial, wenn der beklagte Staat eine tatsäch liche Kontrolle (effective control) über das ausländische Gebiet und des sen Bewohner ausübe und dort zumindest einen Teil der Hoheitsgewalt über nehme. 21 Dabei sei keine detailed control sondern lediglich eine overall control erforderlich. 22 Im Fall der NATO-Luftangriffe auf Belgrad im Jahr 1999 verneinte der EGMR beispielsweise eine s olche tatsächliche Kontrolle, 23 in einem späteren Fall bzgl. des Kosovos nahm er sie hingegen an. 24 Auch stelle eine Gefangennahme durch Sicherheits kräfte auch im Ausland einen Hoheits akt im Anwen dungs bereich der EMRK dar. 25 Wenn aber der Sicherheitsrat eigene Befugnisse an einen Sta at delegiere, aber ultimate authority and control über den Einsatz behalten habe, sei ein Verhalten nicht einem Vertragsstaat, sondern der UNO zuzu rech nen und daher gar nicht am Maßstab der EMRK zu beurteilen. 26 Die Literatur folgt dem EGMR hierbei nur begrenzt und wirft ihm vor, ein unerträgliches Maß an Rechtsunsicherheit geschaffen zu haben, indem er paradoxer weise gerade die internationalen Friedens missionen, welche im Namen der universellen Menschenrechte handelten, von der Bindung an eben diese Rechte jedenfalls partiell befreie. 27 Einigkeit scheint zu bestehen, dass die EMRK jedenfalls 20 BVerfGE 6, 290 (295); Herdegen in: Maunz/Dürig, Grundgesetz Kommentar, Band I, 53. Auß. 2009, Art. 1 III Rn EGMR, Große Kammer, , Rs /99 Bancovic et al. v. Belgium et al., Abs. 61, 71, EGMR, , Rs /96 Issa et al. v. Turkey, Abs EGMR, (Fn. 21), Abs EGMR, , Rs. Nr /01 und 78166/01 Behrami et al. v. France and Saramati v. France et al., Abs EGMR, , Rs /99 Öcalan v. Turkey, Abs EGMR, (Fn. 24), Abs. 121 ff. 27 Rensmann, Die Anwendbarkeit von Menschenrechten im Auslandseinsatz, in: Weingärtner (Hrsg.), Einsatz der Bundeswehr im Ausland, 2007, S. 49, (65 f.).4 Müller, Kein rechtfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz? BRJ 2/ dann Anwendung Þ ndet, wenn ein Vertragsstaat fremde Gebiete besetzt und dort zumindest einen Teil der Gewalt übernimmt sowie bei Festnahmen von Personen. bb) Anwendbarkeit der EMRK in Afghanistan Ob die Bundeswehr im Auslandseinsatz stets ein aus reichen des Maß an Gewalt ausübt, um den Pß ichten aus der EMRK zu unter stehen, ist jeweils abhängig von den tatsächlichen Um stän den vor Ort zu beurteilen und soll nachfolgend beispielhaft am Einsatz der ISAF in Afghanistan betrachtet werden. Die Rechtsprechung scheint hierzu bislang zu schweigen. Im Schrifttum wird eine Anwendbarkeit der EMRK zum Teil abgelehnt. Nähmen deutsche Soldaten Käm pfer der Al-Qaida oder Taliban fest, unterständen diese zwar der deut schen Hoheitsgewalt. Die ISAF habe jedoch nur die Aufgabe, die afghanischen Kräfte zu unter stüt zen, aber keine eigene Verantwortung, ein sicheres Umfeld zu garan tieren und keine Berechti gung zur Durchsetzung der entsprechenden Abkommen gegen über der afghanischen Regierung. Deswegen sei die EMRK grds. unanwendbar. 28 Für diese Auffassung spricht insb. die Resolution 1386 (2001) des Sicherheitsrates, welche allein den Afghanen die Verant wortung für die Herstellung von Sicherheit, Recht und Ordnung zuweist. Hinsichtlich e iner solchen pauschalen Freistellung besteht aber kein Konsens. Alternativ wird gefordert, nicht an die Hauptverantwortung für die Gewähr leistung der Sicherheit anzuknüpfen, sondern an die Verant wort lich keit für die konkreten Maßnahmen. 29 Die Realität hat gezeigt, dass auch die Bundeswehr, auch wenn sie nur unterstützend tätig ist, erheb liche Schäden in Eigenregie verursachen kann. Erinnert sei etwa an den von der Bundes wehr befohlenen Luftschlag g egen zwei Tanklastwagen bei Kunduz in Afghanistan am mit bis zu 142 Toten. Daher erscheint letztere Meinung vorzugswürdig. Eine pauschale Ausnahme aller Hand lun gen der Bundeswehr im Rahmen von ISAF aus dem Anwen dungs bereich der EMRK erscheint vor diesem Hintergrund insb. dann äußerst fragwürdig, wenn man gleichzeitig die Anwendbarkeit des HVR auf das Einsatz gebiet der Bundeswehr ablehnt. cc) Anwendbarkeit der EMRK auf dem Balkan Für die Balkan-Einsätze der Bundeswehr dürfte eine Anwendbarkeit der EMRK zu bejahen sein. Das hat der EGMR bereits bezüglich der KFOR und UNMIK für das Kosovo entschieden. 30 Die Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrates weist KFOR und UNMIK die Verantwortung der Verwal tung des Kosovos zu. Ähnliches galt auch für IFOR (bzw. SFOR), welchen durch das Dayton-Abkommen die Gewähr leis tung eines sicheren Umfeldes als Aufgabe zugewiesen war. IFOR war auch berechtigt, das Abkom- 28 Krieger, ZaöRV 62 (2002), 669, (688, 677). 29 Von Arnauld, Das (Menschen-)Recht im Auslandseinsatz, Rechtsgrundlagen zum Schutz von Grund- und Menschenrechten, in: Weingärtner (Hrsg.), Streitkräfte und Men schen rechte, 2008, S. 61, (66). 30 EGMR, (Fn. 24), Abs. 70; sich stützend auf S/RES/1244 (1999). men gegenüber den Parteien durchzusetzen. 31 Für die Nachfolgemission Althea dürfte dies ebenfalls zutreffen. c) Menschenrechte des IPBPR Auch die extraterritoriale Anwendbarkeit des IPBPR ist nicht unumstritten; die Diskussion gleicht in etwa der dargestellten zur EMRK. Sowohl der Ausschuss für Menschenrechte als auch der IGH haben die extra territoriale Anwendbarkeit des IPBPR bejaht. Die Vertrags staaten müssten nach Sinn und Zweck des Paktes die Rechte des Paktes jedem gewähren, der sich in ihrer Gewalt oder unter ihrer effektiven Kontrolle beþ nde, auch wenn die Person sich im Ausland aufhalte. 32 Die deutsche Bundesregierung hat vor dem Ausschuss für Menschenrechte erklärt, im Ausland eingesetzte deut sche Polizei- und Streit kräfte garantierten allen unter ihrer Hoheitsgewalt steh enden Personen die Rechte des Paktes Einschr änkungsmöglichkeiten Soweit eine prinzipielle extraterritoriale Anwend bar keit von Grund- und Menschen rechten besteht, mag es erforderlich sein, deren Reichweite an die Gegebenheiten der auswärtigen Situation anzu passen. a) Grundrechte des GG Bei der Anwendung der Grundrechte auf Auslandssachverhalte kann frag lich sein, welche Reichweite den einzelnen Grundrechten zukommt, ob sie also einen bestimmten Fall überhaupt erfassen sollen. 34 Das Grundgesetz geht von einer Eingliederung des deutschen Staates in die Völkergemeinschaft aus (vgl. Präambel und Art. 24 bis 26), so dass dessen Normen im Lichte dieser Einordnung zu sehen sind. 35 Bei Auslandseinsätzen deutscher Streitkräfte ist daher eine Abstimmung der deutschen Normen mit dem Völkerrecht geboten. 36 Auch misst das BVerfG der Funktionsfähigkeit der Bundeswehr verfassungs rechtlichen Rang zu und ist bereit, gewisse Gefahren für die Zivilbevölkerung durch einen Streit kräfte einsatz hinzunehmen, wenn dies eine effektive Landes vertei di gung sic hert. 37 Eine gewisse Reduzierung der Schutzbereiche der Grund rechte ist wegen der Völker rechtsfreundlichkeit des Grundgesetzes und ange sichts der Not wen digkeit außenpolitischer Flexibilität also ni cht a usge schlossen Art. 1 und 2 des Annex 1A und Art. 1 Nr. 3 des Dayton Peace Agreements v , ILM 35 (1996), S Ausschuss für Menschenrechte, General Comment Nr. 31 v , UN Doc. CCPR/C/21/Rec.1/Add.13, Abs. 10; IGH, Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory, Gutachten v , ICJ Reports 2004, S. 136, Abs Comments by the Government of Germany v , UN Doc. CCPR/CO/80/DEU/Add Geiger, Grundgesetz und Völkerrecht, 4. Auß. 2009, S BVerfGE 63, 343 (370). 36 Wiefelspütz, NZWehrr 50 (2008), 89 (101). 37 BVerfGE 69, 1 (21); 77, 170 (221). 38 Dreier in: ders., Grundgesetz Kommentar, Band I, 2. Auß. 2004,5 160 BRJ 2/2011 Müller, Kein rechtfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz? Die Regeln des HVR verkörpern die Einigkeit der Staatengemein schaft, dass die Verletzung und Tötung Unbeteiligter in einem bewaff ne ten Konß ikt zwar eingeschränkt, aber nie ganz vermieden werden kann. Wenn demnach das Grundgesetz die Beteiligung an bewaffneten Kon ß ik ten zu den Konditionen des HVR zulässt, dann lässt es damit auch dem HVR entsprechende Maßnahmen incl. der Tötung und Verletzung Unbe tei lig ter im Rahmen solcher Konß ikte zu. 39 Hierfür spricht auch, dass die Wehrverfassung (insb. Art. 87a) erst nachträglich (1956 und 1968) in das Grund gesetz eingefügt wurde. Der dabei an die Ewigkeitsklausel in Art. 79 III GG gebundene verfassungsändernde Gesetzgeber ging offenbar davon aus, dass der g emäß der Regeln des HVR zulässige Einsatz der Bundes wehr nicht gegen die Grundrechte, insb. gegen die Menschen würdegarantie aus Art. 1 I GG verstößt. 40 Das HVR kann zudem als allge meine Regel des Völkerrechts isv. Art. 25 GG angesehen werden und somit etwa eine Rechtsgrundlage gem. Art. 2 II 3 GG für die Ein schrän kung der Grundrechte auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Frei heit der Person darstellen. 41 Die Grundrechte sind somit im Falle eines bewaffneten Konß ikts eingeschränkt und im Lichte des H VR a us zu legen. Ist demnach eine gewisse Maßnahme nach dem HVR zulässig, so verstößt sie auch nicht gegen die entsprechenden Grundrechte. Das HVR erlaubt beispielsweise die Inkaufnahme eines verhältnis mäßigen Kol later al schadens in der Zivil bevölkerung bei einem Angriff auf ein mili tärisches Ziel (vgl. Art. 51 ZP I). Es erlaubt also die Abwäg ung des Wertes von Menschenleben mit dem Vorteil der Ausschaltung eines mili tä rischen Ziels. 42 Im Inland wäre eine solche Abwägung und eine entsprechende Handlung, etwa unter Anwen dung des Polizei rechts, wegen Verstoßes gegen Art. 1 I GG unzu lässig. 43 Das HVR erlaubt sogar, feindliche Kämpfer, gleich ob Soldaten, Rebellen oder Terroristen, gezielt zu töten (sog. targeted killings), soweit dies verhältnismäßig ist. Außerhalb eines bewaffneten Konß iktes stünde der gezielten Ausschaltung etwa eines Terroristen u.a. dessen Recht auf Leben und auf rechtliches Gehör (Art. 2 II 1, 103 I GG) entgegen, wenn es sich nicht gerade um den Fall eines Þ nalen Rettungsschusses handelt. Es liegt auf der Hand, dass es im Gefecht keine Unschuldsvermutung und gerichtliche Untersuchung geben kann. 44 Diese Einschränkbarkeit der Grundrechte im Anwendungsbereich des HVR lässt den Schluss zu, dass den Grundrechten grds. stärkere Wirkung zukommt, wenn mangels Art. 1 III Rn. 45 f.; Hofmann, Grundrechte und grenzüberschreitende Sachverhalte, 1994, S. 101 f. 39 Robbers, Menschenwürde im Krieg, in: Weingärtner (Fn. 29), S. 17 (21). 40 Robbers, (Fn. 39). 41 Wiefelspütz, (Fn. 36), S Ipsen, NZWehrr 50 (2008), 156 (163). 43 Vgl. etwa BVerfGE 115, 118 (153) zum Verbot des Abschusses eines Flugzeuges mit unbeteiligten Passagieren bei einem nichtkriegerischen Luftzwischenfall im Inland. 44 Häußler, Gezieltes Töten erlaubt, FAZ vom , S. 6. eines bewaffneten Konß ikts das HVR nicht zur Anwendung kommt. Dass der strenge Grundrechts standard des Grundgesetzes im Auslands ein satz aber auch außerhalb eines bewaffneten Konß iktes teilweise nur schwer einzuhalten ist, zeigt sich besonders anschau lich bei der Operation Atalanta. Bei der Fest nahme von Piraten auf hoher See schafft insb. das grundrechtsgleiche Recht aus Art. 104 II GG, binnen 48 Stunden einem Haftrichter vorgeführt zu werden, Probleme. Doch ist dieses Recht erkennbar auf Sachverhalte im Inland zugeschnitten. Nähme man das Grundgesetz hier beim Wort, müsste man einen gefangenen Piraten also nach max. zwei Tagen wieder freilassen ein höchst unbefriedigendes Ergebnis. Auch in Situationen wie dieser scheint daher eine situationsgerechte Ein schrän kung der Grundrechte geboten. Der EGMR hat in einem solchen Fall u.a. wegen der erheblichen Entfernung eines Schiffes vom Heimatland und der daraus resultierenden Unmöglichkeit einer schnel le ren Vorführung 13 Tage noch als unverzüglich isv. Art. 5 III EMRK angesehen. 45 Eine völkerrechts freundliche und praxisnahe Auslegung des Grundgesetzes erfordert für Art. 104 II GG wohl ähnliche Ein schrän kun gen, so dass Piraten auch länger als 48 Stunden auf Fregatten festgehalten werden dürfen. Freilich sollte man mit einer einschränkenden Auslegung von Grundrechten, insb. der Menschen würde, zurückhaltend umgehen: Die Grundrechte als Fundament unserer Verfassung dürfen nicht überall dort voreilig eingeschränkt werden, wo es gerade praktisch erscheint und der Wesensgehalt muss auch im Auslandseinsatz die absolute Grenze bilden (vgl. Art. 19 II GG). b) Menschenrechte der EMRK und des IPBPR Die EMRK und der IPBPR erlauben den Vertragstaaten, einzelne Rechte vorüber gehend zu modiþ zieren oder außer Kraft zu setzen (zu dero gie ren). Voraussetzung ist gem. Art 15 I EMRK bzw. Art. 4 I IPBPR das Vor liegen eines öffentlichen Notstandes, etwa in Form eines Krieges, welcher das Leben der Nation bedroht. Nach dem EGMR liegt ein solcher Notstand etwa vor, wenn eine außer gewöhn liche Krisen- oder Notsituation die ganze Bevöl kerung betrifft und eine Bedro hung des organisierten Lebens der Gemein schaft darstellt. 46 Eine lokal begrenzte Bedrohung ist aus rei chend, nicht jedoch, wenn sich die Bedro hung nur gegen einen anderen Staat richtet. 47 Art. 4 I IPBPR ist ähn lich zu verstehen. 48 Bei einer Einschränkung ist d er Verhältnismäß ig keits grundsatz zu beach ten. Insb. dürfen die dem Staat normalerweise 45 EGMR, Große Kammer, , Rs. 3394/03 Medvedyev et al. v. France, Abs EGMR, , Rs. Lawless v. Ireland, Serie A, Vol. 3, S. 27, 56, Abs Grabenwarter, Europäische Menschenrechtskonvention, 2. Auß. 2005, 2 Rn. 9 f. 48 So bezieht sich etwa Nowak (CCPR Commentary, 2. Auß. 2005, Art. 4 Rn. 12 ff.) maßgeblich auf Art. 15 I EMRK und die Rspr. des EGMR.6 Müller, Kein rechtfreier Raum: Welche Regeln gelten im Auslandseinsatz? BRJ 2/ zur Verfü gung stehenden Möglichkeiten nicht ausreichen, denn sonst wäre eine Einschränkung der Rechte nicht erforderlich. 49 Einschrän kungen dür fen ferner nicht gegen sonstige völkerrechtliche Verpß ich tungen ve r sto ßen. Art. 15 II EMRK nennt einige notstandsfeste Rechte, welche einer Ein schrän kung nicht zugänglich sind, wie etwa das Verbot der Folter oder unmensch licher Behandlung aus Art. 3 EMRK. Tötungen sind nur als Folge rechtmäßiger Kriegs hand lungen, also in Einklang mit dem HVR zuläs sig. Hieraus kann zum einen geschlossen werden, dass nach dem HVR rechtmäßige Kriegshandlungen, welche den Tod von Zivi listen mit sich bringen, auch nicht als unmenschliche Behandlung isv. Art. 3 EMRK anzusehen sind. Es wäre widersprüchlich, eine Tötung nach Art. 15 II als erlaubt und gleichzeitig nach Art. 3 als verboten anzusehen. 50 Zum anderen folgt hieraus, dass die EMRK grds. auch auf Kriegs hand lun gen Anwendung beansprucht. 51 Art. 4 II IPBPR nennt ebenfalls not stands feste Rechte. Dazu gehört das Recht aus Art. 6 I IPBPR, nicht willkürlich getö tet zu werden. Wird ein Mensch aber in einer nach dem HVR zuläs sigen Weise getötet, ist diese Tötung nicht willkürlich. Das folgt aus der Recht sprechung des IGH, nach welcher dem HVR als lex specialis Vorrang vor Art. 6 I IPBPR zukommt. 52 Der EGMR trägt den besonderen Erfordernissen der Terrorismus bekämp fung zusätzlich Rechnung, indem er die Geltung der einzelnen Rechte, insb. des Rechts auf Freiheit, modiþ ziert und eine Verletzung nur unter engeren Voraus setzungen a nnimmt Verhältnis der Menschenrechte zum HVR Soweit auf einen Auslandseinsatz sowohl das HVR als auch die Menschenrechte anwendbar sind, stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis diese beiden Regime zueinander stehen. Nach überwiegender Ansicht sind beide Regime parallel zueinander anwendbar, wobei sich das HVR im Kollisionsfall als lex specialis durchsetzt. 54 Die Menschenrechte seien im Lichte des HVR auszulegen und vice versa. 55 Dies gilt insb. für den internationalen bewaffneten Konß ikt, für wel chen das HVR eine sehr hohe Regelungsdichte bietet. Im nichtinter na tionalen bewaffneten Konß ikt kommt daher den Menschenrechten aufgrund der sehr rudimentären Schutzgewährleistungen des HVR eine stärkere Rolle zu. 56 IV. Résumé und Fazit 1. Kein rechtsfreier Raum Diese Darstellung hat gezeigt, dass die Bundeswehr auch im Auslandseinsatz nicht in einem rechtsfreien Raum, sondern in einem Geß echt aus Regeln operiert, dessen Dichte von Einsatz zu Einsatz variiert. Für die konkrete Ausführung eines Einsatzes besonders relevant sind die Regeln des humanitären Völkerrechts für den nicht-internationalen bewaffneten Konß ikt sowie die Grund- und Menschen rechte. Letzteren fällt eine umso stärkere Rolle zu, je geringer die Intensität des Konß iktes ist. Durch diese Bin dun gen wird die Bundeswehr aber nicht zu Handlungs unfähig keit verur teilt, denn die entsprechenden Rechte sind situations abhängig auszulegen und in extremen Situationen einschränkbar. Das inter na tio nale Recht fällt hierbei in das deutsche Recht ein, wie etwa bei der Bestimmung der Reichweite der Grundrechte nach dem Maßstab des Völkerrechts, so dass im Ausland nicht exakt dieselben Maßstäbe gelten wie im Inland. Die deutschen Soldaten dürfen also im Auslandseinsatz vieles, mehr noch als im Inland, nicht aber alles, jedoch wohl genug, um unsere Sicherheit und den Frieden zu verteidigen. 2. Neuartige Konß ikte, neue Fragen HäuÞ g betritt die Bundeswehr bei Auslandseinsätzen noch Neuland, wie etwa bei der Piratenbekämpfung. Konß ikte des 21. Jahrhunderts können nicht so gekämpft werden, wie klassische, zwischen Staaten ausgetragene Kriege. Vieles hat sich verändert, etwa die Ursachen von Konß ikten, ihre Parteien, deren Methoden und Waffen. Heute hat man es mit Piraten auf Schlauchbooten, Gotteskriegern und Kindersoldaten zu tun, morgen möglicherweise mit unsichtbaren Gegnern in einem Cyberwar. Neuartige Konß ikte werfen neue Fragen auf und werden vom alten Recht mitunter nicht mehr vollständig erfasst. Die Klärung vieler Fragen, etwa der geschilderten Haftrichter problematik bei der Piraterie bekämpfung oder die Akzeptanz gezielter Tötungen, steht noch am Anfang. Fragen wie diese sollten im Vorfeld, nach Möglichkeit bereits bei der Planung eines Einsatzes Berücksichtigung Þ nden, denn Rechtsunsicherheit geht zu Lasten der Soldaten und der Effektivität des Einsatzes. 49 Nowak, (Fn. 48), Rn. 25; Grabenwarter, (Fn. 47) Rn Robbers (Fn. 39), S. 17, Frowein in: ders./peukert, EMRK-Kommentar, 3. Auß. 2009, Art. 15 Rn IGH, Legality of the Threat or Use of Nuclear Weapons, Gutachten vom , ICJ Reports 1996, S. 226 ff, Rn ZaöRV 66 (2006), 297 (316 f.). 54 IGH, (Fn. 32), Abs. 106; Ausschuss für Menschenrechte, (Fn. 32), Abs Bothe, Humanitäres Völkerrecht und Schutz der Menschenrechte: Auf der Suche nach Synergien und Schutzlücken, in: Dupuy/Fassbender/Shaw/Sommermann (Hrsg.), FS Tomuschat, 2006, S. 63 (77 ff.). 56 Krieger (Fn. 28, S. 695 f.) fordert hier eine Entscheidung von Fall zu Fall. Ähnliche Dokumente
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 EGMR 
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 Art. 24
 Art. 1
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 Art. 87
 Art. 79
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 Art. 25
 Art. 2
 Art. 51
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 Art. 104
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