Source: https://www.schule-mehrsprachig.at/sprachensteckbriefe/franzoesisch/beschreibung
Timestamp: 2020-08-07 01:35:26+00:00

Document:
Das Französische ist durch eine ausgeprägte Differenzierung von gesprochener und geschriebener Sprache gekennzeichnet, die sich insbesondere auch in Unterschieden im Satzbau deutlich bemerkbar machen. Der Unterschied zwischen Laut- und Schriftbild ist sehr groß. Dies führt dazu, dass bestimmte grammatische Merkmale im Schriftbild vorhanden, beim Sprechen aber nicht hörbar sind.
Man unterscheidet folgende qualitative Register:
le français cultivé / littéraire – das gehobene / literarische Französisch
le français courant / standard – das (nicht markierte) Standardfranzösisch
le français familier – das Umgangsfranzösisch
Lesen und hören Sie hier Texte in Französisch.
Déclaration universelle des Droits de l’Homme du 26 août 1789:
Art. 1 Les hommes naissent et demeurent libres et égaux en droits. Les distinctions sociales ne peuvent être fondées que sur l’utilité commune.
Art. 2 Le but de toute association politique est la conservation des droits naturels et imprescriptibles de l’homme. Ces droits sont la liberté, la propriété, la sûreté et la résistance à l’oppression.
Art. 3 Le principe de toute Souveraineté réside essentiellement dans la Nation. Nul corps, nul individu ne peut exercer d’autorité qui n’en émane expressément.
Art. 4 La liberté consiste à pouvoir faire tout ce qui ne nuit pas à autrui: ainsi l’exercice des droits naturels de chaque homme n’a de bornes que celles qui assurent aux autres Membres de la Société, la jouissance de ces mêmes droits. Ces bornes ne peuvent être déterminées que par la Loi.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 26. August 1789
Art. 3. Der Ursprung jeder Souveränität ruht letztlich in der Nation. Weder Körperschaft noch Individuum können eine Gewalt ausüben, die nicht ausdrücklich von ihnen ausgeht.
Art. 4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet. So hat die Ausübung der natürlichen Rechte eines jeden Menschen als Grenzen nur diejenigen, die den anderen Gliedern der Gesellschaft den Genuss der gleichen Rechte sichern. Diese Grenzen können allein durch das Gesetz festgelegt werden.
Un ‚tiens’ vaut mieux que deux ‚tu l’auras’.
(Ein ,du hast’ ist besser als zwei ,du wirst es haben’.)
(Ein Spatz in der Hand ist besser als zwei Tauben auf dem Dach.)
(Nur Idioten ändern nie ihre Meinung.)
(Ein rollender Stein setzt kein Moos an.)
Französisch wird in lateinischer Schrift geschrieben. Das französische Alphabet verwendet die Buchstaben:
Alle im Französischen vorkommenden Buchstaben sind auch im Deutschen vorhanden. Es gibt allerdings zusätzlich die diakritischen Zeichen ´ (accent aigu), ` (accent grave), ^ (accent circonflexe).
Nur im Deutschen, nicht aber im Französischen kommen vor: ä, ü, ö und ß
Nur im Französischen, nicht aber im Deutschen kommen vor: ç, ï und ë. Das Trema (Trennpunkt) verhindert, dass der betreffende Vokal mit einem ihm vorangehenden zusammen­gezogen wird.
Schreibung einzelner Laute
ai/ wie [ai] in dt. Staatsraison – raison (Vernunft)
au/ wie [au] in dt. Fauteuil – jaune (gelb)
ou/ wie [u] in dt. Schule – boule (Kugel)
u/ wie [ü] in dt. über – unique (einzigartig)
eu/ wie [ö] in dt. lösen – peu (wenig)
oi/ wie [oi] in dt. Trottoire – roi (König)
g/ vor a, o, u wie im Deutschen – Gaulois (Gallier)
g/ vor palatalen Vokalen (e, i) wie [j] in dt. Journal – gestion (Verwaltung)
gu/ um die Aussprache [g] vor e, i zu markieren, schreibt man gu- – Prague (Prag)
gn/ wie [nj] in dt. Anja – montagne (Berg)
c/ vor a, o, u wie [k] in dt. Kokain – cocaïne
c/ vor palatalen Vokalen (e, i) wie [s] in dt. Salat – Cézanne
qu/ um die Aussprache [k] vor e, i zu markieren, schreibt man qu- – quitter (verlassen)
ç/ um die Aussprache [s] vor a, o, u zu markieren, schreibt man ç- – français
j/ wie [j] in dt. Journal – journal (Zeitung)
n/ nach einem Vokal bewirkt dessen Nasalierung und verliert seinen konsonantischen Wert – Lyon, Verdun, Nancy. Die Nasalierung wird allerdings durch einen nachfolgenden Vokal verhindert: Bonaparte
h/ das stumme h (h muet) hat keinen Lautwert und verbindet sich (wie ein Vokal) mit dem vorangestellten Artikel: l'hôtel (das Hotel)
h/ Das aspirierte h (h aspiré) hat auch keinen Lautwert, verhindert aber die Bindung (liaison) – le héro (der Held)
Charakteristisch für das Französische ist ferner das Vorhandensein von drei verschiedenen E-Phonemen:
-e [ə] in: le (der) wie [ö] in dt. Sprössling
-é [e] in: l'été (der Sommer) wie [eh] in dt. sehen
-è [E] in: mère (Mutter) wie [ä] in dt. Gräben
Die Opposition von [ə] und [e] ist für die gesprochene Sprache von besonderer Bedeutung. Da das -s als Kennzeichen des pluralischen Auslauts in der Aussprache nahezu völlig verschwindet, obliegt dieser Opposition [ə/e] über die bestimmten Artikel die eigentliche Plural­markierung im gesprochenen System. In der Schrift bleibt das -s das wesentliche Unterscheidungskriterium: le [lə] type (sg), les [le] types (pl).
Das stumme ə bewirkt Schwund der Endsilbe und Kontraktion mehrerer Silben in der gesprochenen Sprache: le type se tue [lə tip sə ’ty] [ltips’ty]
Typisch für das gesprochene Französisch ist ferner die Endbetonung in Wort und Satz.
Der Artikel steht vor dem Hauptwort und richtet sich in Geschlecht und Zahl nach diesem. Im Französischen gibt es drei Artikel: den bestimmten (le, la, les), den unbestimmten (un, une) und den Teilungsartikel (de, des), der eine unbestimmte Menge oder Anzahl bezeichnet.
Das Hauptwort wird nach Geschlecht (weiblich/männlich) und nach Zahl (Einzahl/Mehrzal) gekennzeichnet. Das Substantiv wird nicht nach Fällen differenziert.
Männlich sind in der Regel Hauptwörter mit folgenden Endungen:
-ment, -age, -al, -et, -au/-aud/-aut/-eau, -isme, -oir, -toir, -teur, -eur
Weiblich sind in der Regel Hauptwörter mit folgenden Endungen:
-ée, -té, -tié, -ade, -(i)tude, -ie, -ion, -çon/-son, -ure, -ance, -esse, -ette, -ace
In den meisten Fällen ist die Mehrzahlbildung der Hauptwörter im Französischen nur über die „Begleiter“ hörbar. Im Schriftbild wird die Mehrzahl jedoch auch beim Hauptwort markiert.
Die regelmäßige Mehrzahlbildung erfolgt durch Anfügung eines Endungs-s an das Hauptwort in der Schrift und durch Begleiter wie Fürwörter oder Artikel:
la clé – les clés (der Schlüssel – die Schlüssel)
cette table – ces tables (dieser Tisch – diese Tische)
Eine weitere Mehrzahlmarkierung erfolgt beim Sprechen durch die Bindung bei vokalisch oder mit stummem h anlautenden Hauptwörtern:
un homme – des hommes (Mann – Männer)
un homme âgé – des hommes âgés (ein alter Mann – alte Männer)
Es gibt Fälle unregelmäßiger oder uneinheitlicher Mehrzahlbildung:
un oeil – des yeux (Auge), un œuf – des œufs (Ei), die Aussprache ändert sich.
Das Eigenschaftswort stimmt in Geschlecht und Zahl mit dem Hauptwort, das es charakterisiert, überein. Bezieht sich ein Eigenschaftswort auf mehrere Hauptwörter, so steht es auf jeden Fall in der Mehrzahl:
un livre et un journal allemands – ein deutsches Buch und eine deutsche Zeitung
Die meisten französischen Zeitwörter (90 %) enden auf -er und bilden meistens regelmäßige Ver‑bformen. Die zweitgrößte Gruppe der französischen Zeitwörter endet auf -ir, weitere auf -re und -oir. Des Weiteren gibt es im Französischen an die 70 unregelmäßige Zeitwörter sowie unzählige Ausnahmen, die man einfach auswendig lernen muss!
Regelmäßige Verben auf -er chanter (singen)
Présent (Gegenwart)
Passé simple (historische Vergangenheit)
(hauptsächlich geschriebene Sprache)
je chante nous chantons je chantai nous chantâmes
tu chantes vous chantez tu chantas vous chantâtes
il/elle chante ils/elles chantent il/elle chanta ils/elles chantèrent
Imparfait (Mitvergangenheit) Futur (Zukunft)
je chantais nous chantions je chanterai nous chanterons
tu chantais vous chantiez tu chanteras vous chanterez
il/elle chantait ils chantaient il/elle chantera ils/elles chanteront
Mittelwort der Gegenwart (Partizip Präsens): chantant
Mittelwort der Vergangenheit (Partizip Perfekt): chanté (-er), réfléchi (-ir), mordu (-re)
Es gibt an die 30 häufig vorkommenden unregelmäßigen Mittelwörter.
Das Passé composé (Vergangenheit) und das Plus-que parfait (Vorvergangenheit) werden meistens mit dem Hilfszeitwort avoir (haben) und dem Mittelwort der Vergangenheit gebildet:
j’ai chanté j’avais chanté
tu as chanté tu avais chanté
Mit dem Hilfszeitwort être (sein) wird das passé composé sämtlicher reflexiver Zeitwörter gebildet: Elle s’est levée.
Zeitwörter der Bewegungsrichtung, des Verweilens, z. B. aller (gehen, fahren), arriver (ankommen), rester (bleiben) … sowie naître (geboren werden), devenir (werden), mourir oder décéder (sterben) bilden das passé composé ebenfalls mit être.
Das Futur composé („zusammengesetzte“ Zukunft) bringt Handlungen in der nahen Zukunft zum Ausdruck und ist in der Bildung der deutschen Zukunft sehr nahe:
Je vais me coucher. – Ich werde mich hinlegen, ich gehe jetzt schlafen.
Das Passiv wird in verschiedenen Zeiten und Modi gebildet, indem man être in die ent­sprechende Zeit bzw. den entsprechenden Modus setzt und das Mittelwort der Vergangen­heit des jeweiligen Zeitworts hinzufügt. Das Mittelwort stimmt im Geschlecht mit dem Subjekt überein.
Il est interrogé. – Er wird befragt.
Ils ont été interrogés. – Sie wurden befragt.
Elle est interrogée. – Sie wird befragt.
Elles seront interrogées. – Sie (weibl., siehe Endung!) werden befragt werden.
1. Person je (ich) nous (wir)
2. Person tu (du) vous (ihr, Sie)
3. Person il, elle (er, sie) ils, elles (sie)
on (man/wir)
Im Gegensatz zum Deutschen haben persönliche Fürwörter, die allein, d. h. ohne Zeitwort verwendet werden, eine eigene Form:
Person Einzahl Mehrzahl
1. Person moi (ich/mich/mir) nous (wir/uns)
2. Person toi (du/dich/dir) vous (ihr/Sie/euch/Ihnen)
3. Person lui (er/ihn/ihm) eux (sie/ihnen)
elle (sie/ihr) elles (sie/ihnen)
Reflexiv soi (sich)
Das reflexive Fürwort steht im Französischen im Gegensatz zum Deutschen vor dem konjugierten Zeitwort: Il se lave. – Er wäscht sich.
1. Person ma, mon, mes nos
2. Person ta, ton, tes vos
3. Person sa, son, ses leur(s)
Die dritte Person Einzahl und Mehrzahl ist nicht nach Geschlecht des Besitzers differenziert wie im Deutschen sein(e) / ihr(e).
Präpositionen leiten eine Ergänzung ein und können im Satz unterschiedliche Funktionen haben. Anders als im Deutschen, wo die Funktion eines Wortes / einer Wortgruppe über den Fall des Begleiters / Hauptworts gekennzeichnet wird, wird im Französischen die Funktion Dativ (indirektes Objekt) oder Genetiv durch eine Präposition verdeutlicht:
Je donne une pomme à l’enfant. – Ich gebe dem Kind einen Apfel.
la voiture de mon amie – das Auto meiner Freundin
Die Präpositionen dienen auch zur Bildung von zusammengesetzten Hauptwörtern:
le sac à dos – Rucksack, le sac de voyage – Reisetasche
Anders als im Deutschen besteht die französische Verneinung aus zwei Wörtern.
Einige Verneinungselemente:
In der Umgangssprache kann das Element ne auch weggelassen werden, in der Schrift­sprache muss es jedoch immer benutzt werden.
Ne steht immer links vom konjugierten Zeitwort, pas, plus, jamais usw. immer rechts davon.
Es existiert im Deutschen nicht; im Französischen wird es verwendet, um Sätze zu verkürzen, aber nur, wenn Haupt- und Nebensatz dasselbe Subjekt haben:
Elle chante pendant qu’elle travaille. Elle chante en travaillant. (Sie singt beim Arbeiten.)
Die Grundzahlen sind männlich und bis auf zéro (0), un (1), vingt (20) und cent (100) unveränderlich.
Die Grundzahlen von 0-20
1 un/une 6 six 11 onze 16 seize 21 vingt et un
2 deux 7 sept 12 douze 17 dix-sept 22 vingt deux
3 trois 8 huit 13 treize 18 dix huit 23 vingt trois
5 cinq 10 dix 15 quinze 20 vingt
In Frankreich gibt es – anders als in Belgien und der Schweiz – kein spezielles Wort für die Zehnerzahlen 70-septante, 80-huitante (nur in Teilen der Schweiz) und 90-nonante, deshalb werden diese Zehnerzahlen aus den schon vorhandenen gebildet:
70 soixante-dix 80 quatre-vingts 90 quatre-vingt-dix
71 soixante-onze 81 quatre-vingt-un 91 quatre-vingt-onze
Der Ursprung dieser Zählweise (Vigesimalsystem) ist unklar: Er wird baskischen oder normannischen Einflüssen zugeschrieben.
Die Ordnungszahlen lauten: premier, -ière (1.), deuxième, second, -e (2.), troisième (3.) usw. Der/die letzte heißt dernier, -ière.
Bei Datumsangaben wird für die Tage des Monats, außer für den 1. (premier, 1er), das Grundzahlwort verwendet: 2 avril 2009, in Briefen wird der Artikel beigefügt: Vienne, le 2 avril 2009.
Guten Morgen! Guten Tag! Bonjour !
Guten Abend! Bonsoir !
Auf Wiedersehen! Au revoir !
Gute Nacht! Bonne nuit !
Wie geht es dir? Comment vas-tu ?
bitte S’il te (vous) plaît.
bitte/keine Ursache Je t’en prie, je vous en prie; de rien
Wie ist Ihr Name? Quel est votre nom ?
Wie heißt du? Comment t’appelles-tu ? umgangssprachlich:
Woher kommst du (kommen Sie)? D’où viens-tu (venez-vous) ?
Entschuldigung! Pardon !

References: Art. 1

Art. 2

Art. 3

Art. 4

Art. 3

Art. 4