Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Prozessstandschaft_Verguetungsanspruch_BAG_5AZR432-07.html
Timestamp: 2019-06-24 21:35:45+00:00

Document:
5 AZR 432/07
1 Sa 250/06 + 1 Sa 258/06
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. März 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof.
Dr. Mi­kosch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux so­wie die eh­ren-amt­li­chen Rich­ter Hin­richs und Heyn für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men vom 23. Ja­nu­ar 2007 - 1 Sa 250/06 + 1 Sa 258/06 - auf­ge­ho­ben, so­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt über die Be­ru­fung der Be­klag­ten ent­schie­den hat.
2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 23. Mai 2006 - 2 Ca 2056/05 - wird mit der Maßga­be zurück-ge­wie­sen, dass die Be­klag­te an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit 6.973,19 Eu­ro zu zah­len hat.
3. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on voll, die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu 86,5 % und die Kos­ten des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens zu 95 % zu tra­gen. Im Übri­gen hat der Kläger die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über­ge­gan­ge­nen Vergütungs­an­spruch des Klägers, den die­ser in ge­willkürter Pro­zess­stand­schaft gel­tend macht.
Der Kläger war vom 4. Sep­tem­ber 1995 bis zum 31. März 2004 bei der Be­klag­ten als Rei­ni­ger beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fan­den kraft ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me die Re­ge­lun­gen ei­nes Fir­men­ta­rif­ver­trags (künf­tig: RTV) An­wen­dung. Die re­gelmäßige Wo­chen­ar­beits­zeit des Klägers be­trug 40 St­un­den bei ei­ner St­un­den­vergütung von zu­letzt 11,13 Eu­ro brut­to.
Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis zum 31. Au­gust 2003. Der Kläger er­hob hier­ge­gen Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Ab dem 1. Sep­tem­ber 2003 be­zog er Ar­beits­lo­sen­geld bis zum 31. März 2004 in Höhe von ins­ge­samt
6.973,19 Eu­ro. Mit Ur­teil vom 30. Au­gust 2004 stell­te das Ar­beits­ge­richt Bre­men rechts­kräftig fest, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung be­en­det wor­den ist.
Der Kläger hat von der Be­klag­ten Zah­lung der Vergütung an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit in Höhe des gewähr­ten Ar­beits­lo­sen­gelds ver­langt. Nach Kla­ge­er­he­bung hat die Bun­des­agen­tur den Kläger ermäch­tigt, den über-ge­gan­ge­nen An­spruch kla­ge­wei­se gel­tend zu ma­chen. Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er ha­be ein recht­li­ches In­ter­es­se an ei­nem Aus­gleich der über­ge­gan­ge­nen Ansprüche, weil an­de­ren­falls sein Leis­tungs­an­spruch ge­genüber der Bun­des­agen­tur verkürzt würde. Die Ermäch­ti­gung der Bun­des­agen­tur wir­ke auf den Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung zurück.
Der Kläger hat, so­weit für die Re­vi­si­on noch von In­ter­es­se, be­an­tragt,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit 6.973,19 Eu­ro zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Kla­ge sei man­gels Pro­zessführungs­be­fug­nis des Klägers un­zulässig. Der Vergütungs­an­spruch sei ver­fal­len.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Mit der vom Se­nat zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen Kla­ge­an­trag wei­ter.
Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Die Be­klag­te ist an­trags­gemäß zu ver­ur­tei­len.
I. Die Kla­ge ist zulässig. Es fehlt nicht an der Pro­zessführungs­be­fug­nis des Klägers.
1. Die Pro­zessführungs­be­fug­nis ist als Pro­zess­vor­aus­set­zung in je­der La­ge des Ver­fah­rens von Amts we­gen zu prüfen. Die ge­richt­li­che Gel­tend-
ma­chung ei­nes frem­den Rechts im ei­ge­nen Na­men ist ein an­er­kann­tes In­sti­tut des Pro­zess­rechts. Ne­ben der ge­setz­li­chen Pro­zess­stand­schaft wird von der ständi­gen Recht­spre­chung auch die Pro­zess­stand­schaft kraft Ermäch­ti­gung, die sog. ge­willkürte Pro­zess­stand­schaft, an­er­kannt. Sie setzt ne­ben der wirk­sa­men Ermäch­ti­gung durch den Be­rech­tig­ten ein ei­ge­nes schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Klägers vor­aus (BAG 19. März 2002 - 9 AZR 752/00 - BA­GE 100, 369, 375; BGH 15. Mai 2003 - IX ZR 218/02 - WM 2003, 1367). Wirk­sam­keit und Be­stand ei­ner Pro­zessführungs­ermäch­ti­gung rich­ten sich nach dem ma­te­ri­el­len Recht. Die Ermäch­ti­gung ist un­wirk­sam, wenn ei­ne Ab­tre­tung der gel­tend ge­mach­ten For­de­rung an den Kläger un­zulässig ist und ei­ne Ein­zie­hungs­ermäch­ti­gung dem Zweck des Ab­tre­tungs­ver­bots wi­der­spricht (BGH 2. De­zem­ber 2003 - VI ZR 243/02 - NJW-RR 2004, 595, 597 mwN). Sie kann nach Kla­ge­er­he­bung er­fol­gen und wirkt bei of­fen­ge­leg­ter Pro­zess­stand­schaft auf den Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung zurück. Ein ei­ge­nes rechts­schutzwürdi­ges In­ter­es­se liegt vor, wenn die Ent­schei­dung des Pro­zes­ses die ei­ge­ne Rechts­la­ge des Pro­zessführen­den güns­tig be­ein­flusst (BGH 3. April 2003 - IX ZR 287/99 - WM 2003, 969, 970).
2. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im Streit­fal­le erfüllt. Die an­spruchs­be­rech­tig­te Bun­des­agen­tur für Ar­beit hat den Kläger wirk­sam zur ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung der über­ge­gan­ge­nen Vergütungs­ansprüche ermäch­tigt. Der Kläger hat ein ei­ge­nes recht­li­ches In­ter­es­se an der Gel­tend­ma­chung.
a) Die Bun­des­agen­tur hat den Kläger mit Schrei­ben vom 30. No­vem­ber 2005 ermäch­tigt. Die vor Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz in den Pro­zess ein­geführ­te Ermäch­ti­gung wirkt auf den Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung zurück. Der Kläger hat be­reits in der Kla­ge klar­ge­stellt, in Höhe von 6.973,19 Eu­ro ein Recht der Bun­des­agen­tur zu ver­fol­gen.
b) Die Ermäch­ti­gung ist wirk­sam. Ihr ste­hen we­der ein Ab­tre­tungs­ver­bot noch so­zi­al­recht­li­che Ge­sichts­punk­te ent­ge­gen. Die Rück­ab­tre­tung des über­ge­gan­ge­nen Vergütungs­an­spruchs wur­de nicht durch Ver­ein­ba­rung aus­ge­schlos­sen und führt auch nicht zu ei­ner Verände­rung des In­halts des ar­beits­recht­li­chen An­spruchs (§ 399 BGB). Die Gleich­wohl­gewährung von Ar­beits-
lo­sen­geld nach § 143 Abs. 3 Satz 1 SGB III be­zweckt die Si­che­rung der Exis­tenz­grund­la­ge des Ver­si­cher­ten. Die Leis­tungs­gewährung er­folgt un-abhängig von dem Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses endgültig. Ei­ne Rück­for­de­rung des Ar­beits­lo­sen­gelds durch die Bun­des­agen­tur ist grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen (BSG 25. Ok­to­ber 1989 - 7 RAr 108/88 - SozR 2. Fol­ge 4100 § 117 AFG Nr. 26; 11. Ju­ni 1987 - 7 RAr 16/86 - NZA 1988, 330, 331). Le­dig­lich wenn der Ar­beit­ge­ber mit be­frei­en­der Wir­kung an den Ar­beit­neh­mer leis­tet und die Bun­des­agen­tur ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber die über­ge­gan­ge­ne For­de­rung nicht mehr durch­set­zen kann (vgl. §§ 412, 407 Abs. 1 BGB), er­laubt § 143 Abs. 3 Satz 2 SGB III, das Ar­beits­lo­sen­geld zurück­zu­for­dern.
Dem steht die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt her­an­ge­zo­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 91 BSHG in der bis zum 31. Ju­li 1996 gel­ten­den Fas­sung nicht ent­ge­gen. Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof hier ein Ab­tre­tungs­ver­bot an­ge­nom­men, wenn So­zi­al­leis­tungs­träger die Bei­trei­bung über­ge­gan­ge­ner Un­ter­halts­ansprüche auf die Un­ter­halts­be­rech­tig­ten zurück­ver­la­gern wol­len (3. Ju­li 1996 - XII ZR 99/95 - NJW 1996, 3273, 3274 ff. mwN; 3. Ju­li 1996 - XII ZR 101/95 - NJW-RR 1996, 1345). Die­se Recht­spre­chung kann aber nicht auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen wer­den. Zum ei­nen hat der Ge­setz­ge­ber die Rücküber­tra­gung des über­ge­gan­ge­nen Un­ter­halts­an­spruchs seit dem 1. Au­gust 1996 in § 91 Abs. 4 BSHG aus­drück­lich zu­ge­las­sen und die­se Re­ge­lung auch in § 94 Abs. 5 SGB XII über­nom­men. Zum an­de­ren hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt für die auf Grund ei­ner Gleich­wohl­gewährung über­ge­gan­ge­nen Ansprüche die Er­tei­lung ei­ner Ein­zie­hungs­ermäch­ti­gung ge­bil­ligt (29. No­vem­ber 1988 - 11/7 RAr 79/87 - BS­GE 64, 199, 201). Die Rücküber­tra­gung hat auf das gewähr­te Ar­beits­lo­sen­geld kei­nen Ein­fluss und führt des­halb nicht zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Rech­te des Ar­beit­neh­mers. Der Ar­beit­neh­mer muss sich auf die Pro­zess­stand­schaft nicht ein­las­sen. Im Übri­gen geht es ge­ra­de um sei­ne Vergütungs­ansprüche, die er oh­ne die Gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld selbst frist- und form­ge­recht gel­tend ma­chen muss. Das Pro­zess- und Kos­ten­ri­si­ko, das ihn bei ei­ner ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung der Vergütung für die Bun­des­agen­tur für Ar­beit trifft, träfe ihn in glei­chem Maße oh­ne den An­spruchsüber­gang.
c) Ein ei­ge­nes recht­li­ches In­ter­es­se des Klägers an der Gel­tend­ma­chung der über­ge­gan­ge­nen For­de­rung liegt vor.
aa) Der Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld nach § 143 Abs. 3 Satz 1 SGB III min­dert gemäß § 128 Abs. 1 Nr. 1 SGB III die An­spruchs­dau­er des ins­ge­samt zu gewähren­den Ar­beits­lo­sen­gelds, weil der An­spruch in­so­weit erfüllt wor­den ist. Die Nach­zah­lung des Ar­beit­ge­bers wirkt nicht auf den Zah­lungs­zeit­punkt der Gleich­wohl­gewährung zurück. Al­ler­dings entfällt die Min­de­rung aus Bil­lig­keits­gründen in dem Um­fang, in dem die Bun­des­agen­tur für Ar­beit Zah­lun­gen des Ar­beit­ge­bers erhält (BSG 11. Ju­ni 1987 - 7 RAr 16/86 - NZA 1988, 330, 332; 24. Ju­li 1986 - 7 RAr 4/85 - BS­GE 60, 168, 173 f.; Val­go­lio in Hauck/Noftz SGB III Stand März 2008 § 143 Rn. 63). Die Bun­des­agen­tur ist aber nicht ver­pflich­tet, die nach § 115 Abs. 1 SGB X über­ge­gan­ge­ne Vergütungs­for­de­rung ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber gel­tend zu ma­chen (BSG 11. Ju­ni 1987 - 7 RAr 16/86 - aaO; 29. No­vem­ber 1988 - 11/7 RAr 79/87 - BS­GE 64, 199, 200; Hen­ke in Ei­cher/Schle­gel SGB III Stand Fe­bru­ar 2008 § 143 Rn. 148 - 150 mwN). Sie ist an­ders als der Ren­ten­ver­si­che­rungs­träger im Fal­le des § 119 SGB X (vgl. BGH 2. De­zem­ber 2003 - VI ZR 243/02 - NJW-RR 2004, 595) nicht Treuhänder des Leis­tungs­empfängers. Dem Ar­beit­neh­mer steht kein Scha­dens­er­satz­an­spruch zu, wenn die Bun­des­agen­tur den über­ge­gan­ge­nen Vergütungs­an­spruch ge­gen den Ar­beit­ge­ber nicht oder nicht recht­zei­tig gel­tend macht. Mit der Er­brin­gung des Ar­beits­lo­sen­gelds hat sie ih­re Pflicht ge­genüber dem Ver­si­cher­ten erfüllt. Der For­de­rungsüber­gang er­folgt al­lein im In­ter­es­se der Ver­si­che­rung. Der Ar­beit­neh­mer han­delt da­nach auf ei­ge­nes Ri­si­ko, wenn er die Chan­ce ei­ner Rea­li­sie­rung des Vergütungs­an­spruchs zu­guns­ten der Bun­des­agen­tur mit­tels ge­willkürter Pro­zess­stand­schaft un­ge­nutzt lässt. Von die­ser ei­ner ständi­gen Recht­spre­chung ent­spre­chen­den Rechts­la­ge hat der Se­nat aus­zu­ge­hen.
bb) Da­nach ist das er­for­der­li­che schutzwürdi­ge In­ter­es­se des Klägers ge­ge­ben. Die Zah­lung der Vergütung an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit kommt ihm zu­gu­te, denn sie führt zu ei­ner Verlänge­rung des Be­zugs­zeit­raums für das Ar­beits­lo­sen­geld bzw. zu ei­nem frühe­ren oder länge­ren An­spruch auf Ar­beits-
lo­sen­geld bei er­neu­ter Ar­beits­lo­sig­keit und da­mit zu ei­ner Ver­bes­se­rung sei­ner Rechts­stel­lung (vgl. aus­drück­lich BSG 29. No­vem­ber 1988 - 11/7 RAr 79/87 -, BS­GE 64, 199, 200 f.). Dass das schutzwürdi­ge In­ter­es­se im Ver­lau­fe des Rechts­streits aus be­son­de­ren Gründen ent­fal­len ist, ist nicht er­sicht­lich und wird von der Be­klag­ten auch nicht ein­ge­wandt.
II. Die Kla­ge ist be­gründet. Die Be­klag­te ist zur Zah­lung der Vergütung in Höhe von 6.973,19 Eu­ro an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit gemäß § 611 Abs. 1, § 615 Satz 1 BGB iVm. § 143 Abs. 3 Satz 1 SGB III und § 115 Abs. 1 SGB X ver­pflich­tet.
1. Der Vergütungs­an­spruch ist nach dem un­strei­ti­gen Par­tei­vor­trag in der ge­nann­ten Höhe ent­stan­den. Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses und An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten (§§ 293, 296 BGB) la­gen vor. Der Kläger hat­te ei­nen Brut­to­stun­den­lohn von 11,13 Eu­ro bei 40 St­un­den wöchent­li­cher Ar­beits­zeit und da­mit ei­nen Mo­nats­lohn von ca. 1.920,00 Eu­ro brut­to. Die Bun­des­agen­tur ist In­ha­be­rin des An­spruchs ge­wor­den, so­weit sie dem Kläger für den Zeit­raum vom 1. Sep­tem­ber 2003 bis zum 31. März 2004 Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­gewährung nach § 143 Abs. 3 Satz 1 SGB III ge­zahlt hat, § 115 Abs. 1 SGB X. Der Kläger muss­te nicht selbst ei­nen Net­to­lohn er­rech­nen. Der Brut­to­lohn lässt viel­mehr er­ken­nen, dass der Lohn­an­spruch in der vol­len Höhe des ge­zahl­ten Ar­beits­lo­sen­gelds auf die Bun­des­agen­tur über­ge­gan­gen ist.
2. Der Vergütungs­an­spruch ist nicht im Hin­blick auf die im Be­trieb der Be­klag­ten an­ge­ord­ne­te Kurz­ar­beit ge­min­dert. Es kann da­hin­ste­hen, wie sich (rechtmäßig an­ge­ord­ne­te) Kurz­ar­beit auf das während des An­nah­me­ver­zugs fort­zu­zah­len­de Ent­gelt aus­wirkt. Je­den­falls wäre es Sa­che der Be­klag­ten ge­we­sen, kon­kre­te Ein­wen­dun­gen zu er­he­ben. Hier­an fehlt es. Die Be­klag­te hat nicht vor­ge­tra­gen, wie sich die Kurz­ar­beit auf die Vergütung des Klägers im un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis im Ein­zel­nen aus­ge­wirkt hätte.
3. Die Vergütungs­for­de­rung ist nicht ver­fal­len.
a) Die Be­klag­te kann sich auf die Aus­schluss­fris­ten des § 21 Abs. 1 RTV nicht be­ru­fen, da sie ge­genüber dem Kläger mit Schrei­ben vom 2. De­zem­ber 2003 auf die Gel­tend­ma­chung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist ver­zich­tet hat, so­weit die Ansprüche an die­sem Tag noch nicht ver­fal­len wa­ren (vgl. schon BAG 22. De­zem­ber 1971 - 1 AZR 180/71 - BA­GE 24, 84, 89 f.). Der Sep­tem­ber­lohn wur­de nach § 3 Abs. 3 des Ar­beits­ver­trags Mit­te Ok­to­ber fällig und war des­halb am 2. De­zem­ber 2003 noch nicht ver­fal­len. Der Ver­zicht wirkt zu­guns­ten des Klägers auch in­so­weit, wie die Ansprüche auf die Bun­des­agen­tur über­ge­gan­gen sind und vom Kläger in Pro­zess­stand­schaft ein­ge­klagt wer­den.
b) Darüber hin­aus kommt der Ver­zicht der Be­klag­ten im Schrei­ben vom 19. Sep­tem­ber 2003 ge­genüber der Bun­des­agen­tur dem Kläger zu­gu­te. Die hier neu vor­ge­se­he­ne Aus­schluss­frist von drei Mo­na­ten ab Kennt­nis des Ar­beits­am­tes „von der rechts­kräfti­gen Be­en­di­gung des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens ... (Ein­gangs­stem­pel bzw. -ver­merk des Ar­beits­am­tes ist maßge­bend)“ galt von vorn­her­ein nur für die Bun­des­agen­tur; denn sie knüpfte an in­ter­ne Vorgänge bei der Ar­beits­agen­tur an. Für den Kläger wur­de dem­ge­genüber ei­ne ei­ge­ne Re­ge­lung ge­trof­fen, die kei­ne wei­te­re Gel­tend­ma­chung mehr vor­sah. Im Übri­gen hat der Kläger die­se Frist ein­ge­hal­ten, weil er be­reits am 17. Fe­bru­ar 2005 und da­mit un­strei­tig vor der Kennt­nis­er­lan­gung der Ar­beits­agen­tur Zah­lungs­kla­ge er­ho­ben hat.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 91, 92, 97 ZPO.
W. Hin­richs
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References: BGH 
 § 143
 § 117
 § 143
 § 91
 § 91
 § 94
 § 143
 § 128
 § 143
 § 115
 § 143
 § 119
 BGH 
 § 611
 § 615
 § 143
 § 115
 § 143
 § 115
 § 21
 § 3