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Timestamp: 2019-07-17 17:51:53+00:00

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BGH, 23.06.1987 - VI ZR 296/86 - dejure.org
https://dejure.org/1987,591
BGH, 23.06.1987 - VI ZR 296/86 (https://dejure.org/1987,591)
BGH, Entscheidung vom 23.06.1987 - VI ZR 296/86 (https://dejure.org/1987,591)
BGH, Entscheidung vom 23. Juni 1987 - VI ZR 296/86 (https://dejure.org/1987,591)
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Rechtliche Kriterien für die Abgrenzung einer öffentlichen Straße von einer Grundstücksausfahrt und von einem Feld- oder Waldweg - Pflicht des Tatrichters, dem zusätzlich gestellten Beweisantrag auf Augenscheinnahme einer Örtlichkeit stattzugeben - Fotografie und Augenscheinnahme einer Örtlichkeit - Schuldhafte Verletzung des nach dem Grundsatz "rechts vor links" bestehenden Vorfahrtrechts - Definition des Begriffs "einmündende Straße" - Zuordnung einer Verkehrsfläche als Grundstücksausfahrt - Schuldhafte Vorfahrtverletzung
NJW-RR 1987, 1237
NStZ 1987, 548
VersR 1988, 79
Dies ist nach dem Gesamtbild der äußerlich erkennbaren Merkmale zu bestimmen (vgl. Senatsurteile vom 5. Oktober 1976 - VI ZR 256/75 - VersR 1977, 58 f.; vom 14. Oktober 1986 - VI ZR 139/85 - VersR 1987, 306, 307; vom 23. Juni 1987 - VI ZR 296/86 - NJW-RR 1987, 1237, 1238).
Die Revision legt nicht dar, welche zusätzlichen Erkenntnisse sich durch eine Inaugenscheinnahme vor Ort zugunsten der Beklagten ergeben hätten (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 1987 - VI ZR 296/86, MDR 1988, 42;… MünchKommZPO/Zimmermann, 4. Aufl., § 371 Rn. 2;… Musielak/Huber, ZPO, 9. Aufl., § 371 Rn. 3;… Hk-ZPO/Eichele, 5. Aufl., § 371 Rn. 5).
Den Verkehrsteilnehmer trifft eine gesteigerte Sorgfaltspflicht, wenn ihm mangels eindeutiger Kriterien Zweifel kommen müssen, ob ein Verkehrsweg zu der von ihm befahrenen Straße eine vorfahrtberechtigte Straßeneinmündung oder eine untergeordnete Grundstücksausfahrt ist (vgl. BGH, Urt. v. 23.06.1987 - VI ZR 296/86, NJW-RR 1987, 1237 - 1238, juris Rdn. 12).
Diese Beurteilung folgt aus der besonderen Bedeutung der Vorfahrtsregelung, die dem wartepflichtigen Verkehrsteilnehmer die Pflicht zu erhöhter Sorgfalt auferlegt und deren Verletzung daher besonders schwer wiegt (so bereits BGH, Urteil vom 18.09.1964 - VI ZR 132/63, VersR 1964, 1195; vgl. auch BGH, Urteil vom 23.06.1987 - VI ZR 296/86, VersR 1988, 79).
Ausbau und Gestaltung der Verkehrsfläche bzw. des Verkehrswegs können als äußere Kriterien nur Anhaltspunkte u. a. für eine Schlussfolgerung auf die allein maßgebliche Verkehrsbedeutung sein ( BGH, Urteil vom 23. Juni 1987 - VI ZR 296/86 -, juris [m. w. N.] ).
Die Beklagte hat nämlich keine für die rechtliche Beurteilung maßgebenden Merkmale behauptet, die auf den von ihr vorgelegten Fotografien nicht erkennbar sind oder von diesen abweichen (vgl. BGH, Urt. v. 23. Juni 1987, VI ZR 296/86, NJW-RR 1987, 1237, 1238).
Diese Beurteilung folgt aus der besonderen Bedeutung der Vorfahrtsregelung, die dem wartepflichtigen Verkehrsteilnehmer die Pflicht zu erhöhter Sorgfalt auferlegt (vgl. BGH, Urteile vom 18.09.1964 - VI ZR 132/63, VersR 1964, 1195 und vom 23.06.1987 - VI ZR 296/86, VersR 1988, 79; Kammer, st. Rspr.; vgl. Urteil vom 29.04.2016 - 13 S 3/16, Zfs 2016, 679).
Dies stellt insbesondere keine unzulässige vorweggenommene Beweiswürdigung dar (vgl. BGH NJW-RR 1987, 1237, 1238; OLG Köln NZV 1994, 279, 280; OLG Rostock, Urteil vom 22. März 2001, 1 U 144/99 zitiert nach juris).
In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass der Tatrichter nicht verpflichtet ist, dem zusätzlich gestellten Beweisantrag auf Augenscheinsnahme einer Örtlichkeit statt zu geben, wenn eine von derselben Partei vorgelegte Fotografie die Örtlichkeit in ihren für die rechtliche Beurteilung maßgebenden Merkmalen hinreichend ausweist und die Partei keine von der Fotografie abweichenden Merkmale behauptet (vgl. BGH NJW-RR 1987, 1237; OLG Köln NZV 1994, 279, 280; OLG Rostock, Urteil vom 22. März 2001, 1 U 144/99 zitiert nach juris;… Greger in Zöller, ZPO, 25. Aufl., § 371 ZPO Rdn. 4).
Auch im Rahmen des § 10 S. 1 StVO ist nämlich anerkannt, dass der Vorfahrtberechtigte in seinem Vertrauen auf den Vorrang des fließenden Verkehrs (vgl. dazu BGHSt 28, 218, 220;… Burmann/Heß/Jahnke/Janker Straßenverkehrsrecht, 21. Aufl., § 10 StVO Rn. 14;… Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 41. Aufl., § 10 StVO Rn. 8 mwN.) nicht geschützt ist, wenn ihm mangels eindeutiger Kriterien Zweifel kommen müssen, ob ein Verkehrsweg zu der von ihm befahrenen Straße eine vorfahrtberechtigte Straßeneinmündung oder eine untergeordnete Grundstücksausfahrt ist (vgl. BGH, Urteil vom 23.06.1987 - VI ZR 296/86, NJW-RR 1987, 1237;… Hentschel aaO Rn. 6).
Für die Einordnung als untergeordnete Zuwegung spricht zwar, dass - wie das Amtsgericht zu Recht ausgeführt hat - der kurze geteerte Abschnitt ersichtlich keinem anderen verkehrsrechtlichen Zweck als der Zufahrt zum Kirchplatz dient (zur Bedeutung der verkehrsrechtlichen Bestimmung im Rahmen des § 10 StVO vgl. BGH, Urteil vom 23.06.1987 aaO).
In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass sich die Zuordnung einer Verkehrsfläche - wie hier der Ausfädelungsstreifen - im Rahmen des § 10 StVO maßgeblich nach der Verkehrsbedeutung bestimmt (vgl. BGH, Urteil vom 23.06.1987 - VI ZR 296/86, VersR 1988, 79; Kammer, Urteil vom 08.04.2011 - 13 S 17/11, NZV 2011, 541).
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References: § 371
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 BGH 
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 § 10
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