Source: https://www.versorgungskassen.de/beihilfen/nordrhein-westfalen/ambulante-psychotherapie.html
Timestamp: 2017-04-26 19:40:04+00:00

Document:
Ambulante Psychotherapie - Rheinische Versorgungskassen
Ambulante Psychotherapie gemäß §§ 4a bis 4d BVO NRW
Aufwendungen für eine ambulante Psychotherapie (tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie sowie Verhaltenstherapie) im Rahmen der Beihilfenverordnung NRW sind über die probatorischen Sitzungen hinaus nur nach vorheriger Genehmigung durch die Beihilfefestsetzungsstelle beihilfefähig.
Lediglich die Aufwendungen der psychosomatischen Grundversorgung bedürfen keiner vorherigen Anerkennung.
Voraussetzungen nach den §§ 4a bis 4d BVO NRW
Aufwendungen für psychotherapeutische Behandlungen sind beihilfefähig, sofern
sie der Feststellung, Heilung oder Linderung von seelischen Krankheiten nach Abs. 1 dienen, bei denen Psychotherapie indiziert ist (z. B. affektive Störungen, Angststörungen, Essstörungen, nichtorganische Schlafstörungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen),
nach den probatorischen Sitzungen die Voraussetzungen für einen Behandlungserfolg gegeben sind und
die Beihilfefestsetzungsstelle vor Beginn der Behandlung die Beihilfefähigkeit der Aufwendungen aufgrund eines ärztlichen Gutachtens der in den Verwaltungsvorschriften benannten Gutachter zur Notwendigkeit und zu Art und Umfang der Behandlung anerkannt hat.
Für die psychosomatische Grundversorgung müssen die Voraussetzungen nach den Ziffern 2 und 3 nicht erfüllt sein.
Vor Beginn der eigentlichen Behandlung muss die Anerkennung der ambulanten Psychotherapie bei der Beihilfefestsetzungsstelle unter Verwendung spezieller Formulare beantragt werden. Die entsprechenden Vordrucke können auf den Internetseiten der Beihilfekasse der Rheinischen Versorgungskassen ausgedruckt werden.Der Antragsvordruck wird zusammen mit einem Bericht des behandelnden Therapeuten (gesondert in einem verschlossenen Umschlag) an die Beihilfefestsetzungsstelle gesandt. Diese leitet die Unterlagen an einen Gutachter weiter. Aufgrund der gutachterlichen Stellungnahme trifft die Beihilfefestsetzungsstelle ihre Entscheidung über die Beihilfefähigkeit und gegebenenfalls den Umfang der Behandlung (Anzahl der beihilfefähigen Sitzungen).Bei einer Verlängerung der Behandlung über die anerkannten Behandlungseinheiten hinaus ist ein erneutes Gutachterverfahren erforderlich.Bei einem Therapeutenwechsel sind zunächst die probatorischen Sitzungen beihilfefähig. Darüber hinausgehende Sitzungen bedürfen ebenfalls erneut eines Gutachterverfahrens, da die beihilfenrechtliche Anerkennung einer psychotherapeutischen Behandlung jeweils auf den behandelnden Therapeuten bezogen ist.Ist bei vorgeschriebener vorheriger Anerkennung die Behandlung bereits vor der Anerkennung begonnen worden, kann zu den vorher entstandenen Aufwendungen, auch bei positiver Stellungnahme des Gutachters, grundsätzlich keine Beihilfe gezahlt werden. Dies kann ausnahmsweise dann nicht gelten, wenn mit der Behandlung aus zwingenden medizinischen Gründen begonnen werden musste. Die Entscheidung, ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, trifft die Beihilfefestsetzungsstelle nach Vorlage entsprechender Nachweise unter Einbeziehung des Gutachters.
Die Durchführung eines beihilfenrechtlichen Voranerkennungsverfahrens ist nicht erforderlich, wenn eine gesetzliche oder private Krankenversicherung der beihilfeberechtigten Person oder der bzw. des berücksichtigungsfähigen Angehörigen bereits eine Leistungszusage aufgrund eines durchgeführten Gutachterverfahrens erteilt hat, aus der sich Art und Umfang der Behandlung und Qualifikation des Therapeuten ergeben. Eine tarifliche Leistungszusage ersetzt kein Gutachterverfahren.
Bei den probatorischen Sitzungen handelt es sich um Sitzungen mit dem Ziel, eine nicht gesicherte Diagnose zu klären.
Die Aufwendungen für probatorische Sitzungen sind bis zu fünf Behandlungseinheiten bei biographischer Analyse oder Verhaltensanalyse beziehungsweise acht Behandlungseinheiten bei analytischer Psychotherapie beihilfefähig. Sie sind auch dann beihilfefähig, wenn sich eine psychotherapeutische Behandlung als nicht notwendig erweist.
Nicht beihilfefähige Behandlungsverfahren nach Anlage 1 zu § 4 Abs. 1 Nr. 1 Satz 5 BVO NRW
Die Aufwendungen für folgende Behandlungsverfahren sind nicht beihilfefähig:
Funktionelle Entspannung nach Dr. Fuchs,
Behandlungen, die zur schulischen, beruflichen oder sozialen Anpassung oder Förderung bestimmt sind, gehören nicht zu den psychotherapeutischen Leistungen. Entsprechendes gilt für Maßnahmen der Erziehungs-, Ehe-, Lebens- oder Sexualberatung, für heilpädagogische und ähnliche Maßnahmen sowie für psychologische Maßnahmen, die der Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte dienen. Auch die Neuropsychologische Therapie gehört nicht zu den psychotherapeutischen Leistungen.
Psychosomatische Grundversorgung § 4b BVO NRW
Die psychosomatische Grundversorgung beinhaltet die Behandlung psychosomatischer Krankheiten. Dies sind körperliche Beschwerden, die - ohne dass organische Krankheiten feststellbar sind - auf seelischen Belastungen beruhen.
Die psychosomatische Grundversorgung nach § 4b BVO umfasst:
verbale Interventionen im Rahmen der Nummer 849 GOÄ oder
übende und suggestive Interventionen (autogenes Training, Jacobsonsche Relaxationstherapie, Hypnose) nach den Nummern 845 bis 847 GOÄ.
Die Aufwendungen sind je Krankheitsfall beihilfefähig für:
Leistungen der verbalen Intervention dürfen in derselben Sitzung nicht mit autogenem Training, Jacobsonsche Relaxationstherapie oder Hypnose kombiniert werden. Neben den Aufwendungen für eine verbale Intervention nach Nummer 849 GOÄ sind Aufwendungen für körperbezogene Leistungen des Arztes beihilfefähig.
Aufwendungen für eine verbale Intervention sind nur beihilfefähig, wenn die Behandlung von Fachärzten für Allgemeinmedizin, Augenheilkunde, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -physiotherapie, Neurologie, Phoniatrie und Pädaudiologie, Psychiatrie und Psychotherapie oder Psychotherapeutische Medizin bzw. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie durchgeführt wird.
Aufwendungen für übende und suggestive Interventionen sind nur dann beihilfefähig, wenn die Behandlung von Ärzten, Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten durchgeführt wird und diese Personen über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung solcher Interventionen verfügen.
Aufwendungen für eine bis zu sechs Monate dauernde ambulante psychosomatische Nachsorge nach einer stationären psychosomatischen Behandlung sind in angemessener Höhe beihilfefähig. Diese Regelung beruht darauf, dass für den Langzeiterfolg einer stationären Therapie die Patienten in der Lage sein müssen, die Techniken und Fähigkeiten anzuwenden, die sie sich in der Therapie angeeignet haben.
Diese Behandlungsform der Nachsorge ist keine psychotherapeutische Behandlung und bedarf daher keines Gutachterverfahrens.
Leistungsumfang der ambulanten psychosomatischen Nachsorge
Die Aufwendungen sind bis zur Höhe der Vergütung beihilfefähig, die von gesetzlichen Krankenkassen oder den Rentenversicherungsträgern gezahlt werden.
Tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie § 4c BVO NRW
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse sind Methoden zur Überwindung von Krisen und psychischen Erkrankungen.Der Beihilfefähigkeit steht nicht entgegen, wenn bei tiefenpsychologisch fundierter oder analytischer Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres Bezugspersonen einbezogen werden.
Leistungsumfang der tiefenpsychologisch fundierten und analytischen Psychotherapie
Aufwendungen für Behandlungen der tiefenpsychologisch fundierten und der analytischen Psychotherapie nach den Nummern 860 bis 865 GOÄ sind je Krankheitsfall in folgendem Umfang beihilfefähig:
weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 60 Sitzungen
weiter begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 30 Sitzungen
80< Sitzungen
weitere begrenzte Behandlungsdauer von maximal bis zu 30 Sitzungen
Verhaltenstherapie § 4d BVO NRW
Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlung von auffälligem oder unerwünschtem Verhalten. Im Gegensatz zur Psychoanalyse wird damit aber nur das Symptom behandelt, während die Ursache unter Umständen weiterhin bestehen bleibt.
Neben einer Verhaltenstherapie sind gleichzeitige Behandlungen nach anderen psychotherapeutischen Behandlungsverfahren nicht zulässig.
Leistungsumfang der Verhaltenstherapie
Aufwendungen für Verhaltenstherapie nach den Nummern 870 und 871 GOÄ sind nur in folgendem Umfang beihilfefähig:
weitere20 Sitzungen
Ambulante Psychotherapie durch Heilpraktiker
Psychotherapeutische Behandlungen nach §§ 4a bis 4d BVO durch Heilpraktiker sind nicht beihilfefähig. Die Rechtmäßigkeit dieses Ausschlusses ist durch das Urteil des VG Sigmaringen vom 18.07.1999 - 9 K 1458/94 - bestätigt worden.
Stationäre Krankenhausbehandlungen im Bereich Psychotherapie/Psychosomatik
Stationäre Behandlungen im Krankenhaus im Bereich Psychotherapie/Psychosomatik bedürfen keiner vorherigen beihilfenrechtlichen Genehmigung.
Hinsichtlich der Beihilfefähigkeit der Aufwendungen für eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus oder in einer Privatklinik informieren Sie sich bitte auf der Seite Krankenhausbehandlungen (Merkblatt).
Im Rahmen einer stationären psychotherapeutischen Behandlung ist die Gestalttherapie, die Musiktherapie sowie die konzentrative Bewegungstherapie als Begleitverfahren und Techniken der psychotherapeutischen Behandlung wissenschaftlich anerkannt und damit beihilfefähig.
Soziotherapie § 4g Abs. 1 Nr. 1 BVO NRW
Bei der Soziotherapie handelt es sich um eine nervenärztlich/psychiatrisch verordnete Unterstützung und Handlungsanleitung für chronisch/psychisch Kranke zur Überwindung krankheitsspezifischer Defizite und daraus entstehender Beeinträchtigungen. Aufwendungen für diese Therapie sind beihilfefähig, wenn die an einer schweren psychischen Erkrankung leidenden Patienten nicht in der Lage sind, ärztliche oder ärztlich verordnete Leistungen selbständig in Anspruch zu nehmen und durch diese Therapie eine Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird. Die Soziotherapie soll den Patienten durch Motivierungsarbeit und strukturelle Trainingsmaßnahmen helfen, psychosoziale Defizite abzubauen.
Leistungsumfang der Soziotherapie
Die Verordnung von Soziotherapie dürfen nur Ärzte mit der Gebietsbezeichnung "Psychiatrie oder Nervenheilkunde" vornehmen.Insgesamt können höchstens 120 Therapiestunden innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren berücksichtigt werden. Die Soziotherapieeinheit umfasst 60 Minuten, wobei diese auch in kleineren Einheiten maßnahmebezogen aufgeteilt werden kann.Leistungserbringer von Soziotherapie sind Diplom-Sozialarbeiterinnen und Diplom-Sozialarbeiter sowie Fachgesundheits- und Krankenpflegerinnen bzw. -pfleger für Psychotherapie. Beihilfenrechtlich werden nur von der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassene Leistungsträger anerkannt.
Die Aufwendungen für die Soziotherapie sind in der Höhe der zwischen den Ortskrankenkassen und den Leistungsträgern vereinbarten Sätze beihilfefähig.

References: § 4
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