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Timestamp: 2018-06-21 12:28:38+00:00

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Hessisches LAG, Urteil vom 30.04.2008, 18 Sa 1724/07 - HENSCHE Arbeitsrecht
Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 30.04.2008, 18 Sa 1724/07
Schlagworte: Gewerkschaft
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 18 Sa 1724/07
Entscheidungsdatum: 30.04.2008
Eine Gewerkschaft ist zumindest dann nicht berechtigt, die von einem Arbeitgeber eingerichteten und ausschließlich für betriebliche Zwecke bestimmten E-Mail-Postfächer der Arbeitnehmer für eine massenhafte und ohne Einverständnis der Arbeitnehmer durchgeführte Werbe- und Informationsmaßnahme per E-Mail zu nutzen , wenn
die E-Mail-Adressen unter Verstoß gegen das BDSG 1990 genutzt wurden, und/oder
auch solche Arbeitnehmer eine E-Mail erhalten, mit deren Einverständnis für den Empfang nicht gerechnet werden kann und die die E-Mail lesen müssen, um für die Zukunft aus dem Verteiler der Gewerkschaft genommen zu werden.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Frankfurt
Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen
Urt. v. 30.04.2008, Az.: 18 Sa 1724/07
Die Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 06. Sep­tem­ber 2007 - 11/21 Ca 4489/07 - wird mit der Maßga­be ab­ge­wie­sen, dass der Te­nor klar­stel­lend wie folgt neu ge­fasst wird:
1. Den Be­klag­ten zu 1) bis 3) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, un­auf­ge­for­dert E-Mails an die dienst­li­chen E-Mail-Adres­sen der Mit­ar­bei­ter der Kläge­rin oh­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Auf­for­de­rung oder Ein­verständ­nis der Kläge­rin zu sen­den.
2. Den Be­klag­ten zu 1), 2) und 3) wird für den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen Zif­fer 1 die Verhängung ei­nes Ord­nungs­gel­des bis zu 250.000,00 EUR (in Wor­ten: Zwei­hun­dertfünf­zig­tau­send und 00/100 Eu­ro) oder ei­ne
Ord­nungs­haft bis zu 6 Mo­na­ten an­ge­droht.
Die Be­klag­ten ha­ben die Kos­ten der Be­ru­fung zu tra­gen. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.
Die Kläge­rin be­gehrt die Un­ter­las­sung der Be­nut­zung der für ih­re Ar­beit­neh­mer be­trieb­lich ein­ge­rich­te­ten E-Mail-Postfächer für ge­werk­schaft­li­che Wer­bung. Die Kläge­rin ist ein Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie für die Fi­nanz­bran­che mit Haupt­sitz in A. Sie beschäftigt in meh­re­ren Stand­or­ten bun­des­weit ca. 3.300 Mit­ar­bei­ter.
Die Be­klag­te zu 1) ist ei­ne der größten Ge­werk­schaf­ten in Deutsch­land mit ca. 2,3 Mil­lio­nen Mit­glie­dern. Der Be­klag­te zu 2) ist der Lan­des­be­zirks­lei­ter des Lan­des­be­zirks B der Be­klag­ten zu 1). Der Be­klag­te zu 3) ist Bun­des­fach­grup­pen­lei­ter der Be­klag­ten zu 1), zuständig für den Be­reich der Spar­kas­sen.
Die Kläge­rin ver­folg­te An­fang 2007 ein so ge­nann­tes Stand­ort­kon­zept, wel­ches die Sch­ließung meh­re­rer Stand­or­te und insb. die Ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern vor­sah. Die Be­klag­ten zu 2) und 3) ver­sand­ten im Na­men der Be­klag­ten zu 1) am 12. Fe­bru­ar 2007 un­gefähr 3.300 gleich­lau­ten­de E-Mails an die Mit­ar­bei­ter der Kläge­rin. Hier­zu wa­ren sie von den ein­zel­nen Mit­ar­bei­tern nicht auf­ge­for­dert wor­den. Die E-Mail in­for­mier­te über den ge­werk­schaft­li­chen Stand­punkt zu dem Kon­zept der Kläge­rin, Ver­hand­lungs­zie­le, ins­be­son­de­re das Ver­lan­gen nach ei­nem Fir­men­ta­rif­ver­trag, die wei­te­re Vor­ge­hens­wei­se und be­nann­te für die Ge­werk­schaft ver­han­deln­de Per­so­nen und Kon­taktmöglich­kei­ten. In der E-Mail war ein Link als "Re­play-Adres­se" für Re­ak­tio­nen an­ge­ge­ben. Außer­dem be­fand sich am En­de des Tex­tes ein wei­te­rer Link, mit dem sich ein Empfänger au­to­ma­tisch aus dem Ver­tei­ler löschen konn­te. Zur vollständi­gen Wie­der­ga­be des In­halts der E-Mail wird auf die An­la­ge zur Kla­ge­schrift Be­zug ge­nom­men (An­la­ge AS 4 zur Kla­ge­schrift, Bl. 11 bis 114 der Ak­te).
Die Kläge­rin hat­te der Be­klag­ten zu 1) die dienst­li­chen E-Mail-Adres­sen ih­rer Mit­ar­bei­ter nicht zur Verfügung ge­stellt. Die Adres­sen der Ar­beit­neh­mer sind nach dem Mus­ter: "Vor­na­me.Nach­na­me@Do­main des Ar­beit­ge­bers" ge­bil­det.
Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 28. Fe­bru­ar 2007 mahn­te die Kläge­rin die Be­klag­te zu 1) ab und for­der­te sie und die in der An­re­de auf­geführ­ten Be­klag­ten zu 2) und 3) auf, ei­ne straf­bewähr­te Un­ter­las­sungs­erklärung in Be­zug auf die Zu­sen­dung von E-Mails an Mit­ar­bei­ter und/oder die Wei­ter­ga­be der E-Mail-Adres­sen ab­zu­ge­ben (vgl. An­la­gen­kon­vo­lut AS 6 zur Kla­ge­schrift, Bl. 140 bis 142 der Ak­te). Die­ser Auf­for­de­rung ka­men die Be­klag­ten nicht nach.
Mit An­trag vom 5. März 2007 be­an­trag­te die Kläge­rin bei dem Land­ge­richt Frank­furt am Main ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung, ge­rich­tet auf das Un­ter­las­sen von E-Mail-Sen­dun­gen so­wie auf die Ver­brei­tung der E-Mail-Adres­sen. Das Land­ge­richt Frank­furt am Main wies den ge­gen die Be­klag­ten die­ses Ver­fah­rens so­wie außer­dem den C Lan­des­be­zirk B ge­rich­te­ten An­trag durch Be­schluss vom 7. März 2007 zurück. Auf die so­for­ti­ge Be­schwer­de der Kläge­rin hob das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main durch Be­schluss zum 28. März 2007 die­sen Be­schluss auf und ver­wies den Rechts­streit an das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main. Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main hat am 12. April 2007 die be­an­trag­te einst­wei­li­ge Verfügung ge­gen die nun­meh­ri­gen Be­klag­ten zu 1) bis 3) er­las­sen (- 11 Ga 60/07 -). Der ge­gen den Lan­des­be­zirk B ge­rich­tet An­trag wur­de als un­zulässig zurück­ge­wie­sen (vgl. Ko­pie des Ur­teils als An­la­ge K1 zur Kla­ge­schrift. Bl. 17 bis 28 der Ak­te). Das Be­ru­fungs­ver­fah­ren 18 Sa­Ga 772/07 ruht. In dem Ver­fah­ren ist kei­ne Ent­schei­dung er­gan­gen, da das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main vor dem für die Be­ru­fung an­ge­setz­ten Ver­hand­lungs­ter­min durch das nun­mehr an­ge­grif­fe­ne Ur­teil in der Haupt­sa­che ent­schie­den hat­te. Auf die bei­ge­zo­ge­nen Ak­ten des Ver­fah­rens auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung wird ergänzend ver­wie­sen.
Die Nut­zung der elek­tro­ni­schen Me­di­en ist bei der Be­klag­ten durch die Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 23. No­vem­ber 2006 ge­re­gelt. Nach die­ser Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung dürfen die be­trieb­li­chen E-Mail-Ac­counts nur zu dienst­li­chen Zwe­cken ge­nutzt wer­den. Die pri­va­te Nut­zung des In­ter­nets durch die Mit­ar­bei­ter der Kläge­rin ist in an­ge­mes­se­nem Um­fang ge­stat­tet. Zum Ab­ruf und Ab­sen­den pri­va­ter E-Mails ist es den Mit­ar­bei­tern der Kläge­rin er­laubt, über das In­ter­net auf ih­re pri­va­ten Postfächer zu­zu­grei­fen.Im Übri­gen wird we­gen des In­halts der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung auf die zur Ak­te ge­reich­te Ko­pie Be­zug ge­nom­men (vgl. An­la­gen­kon­vo­lut AS 5 zur Kla­ge­schrift, Bl. 115 bis 139 der Ak­te).
Die Kläge­rin hat vor­ge­tra­gen, durch ihr Vor­ge­hen ver­letz­ten die Be­klag­ten ihr Ei­gen­tums­recht, ihr Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb so­wie ihr Persönlich­keits­recht. Die flächen­de­cken­de Ver­sen­dung der E-Mails ha­be zu Un­ru­he und Be­sorg­nis in der Be­leg­schaft geführt. Es sei der un­zu­tref­fen­de Ein­druck er­weckt wor­den, sie kümme­re sich nicht um die ver­trau­li­chen Da­ten ih­rer Ar­beit­neh­mer. Die Kläge­rin hat be­haup­tet, es müsse da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass sich die Be­klag­ten die Adres­sen rechts­wid­rig ver­schafft hat­ten. Ei­ne Ge­samt­mit­ar­bei­ter­lis­te sei - was un­strei­tig ge­blie­ben ist - nicht frei zugäng­lich.
Die un­auf­ge­for­der­te Zu­sen­dung von über 3.000 E-Mails stel­le ei­ne er­heb­li­che, nicht hin­nehm­ba­re Belästi­gung dar. Durch die E-Mails sei Spei­cher­platz be­legt wor­den. Da der Ab­ruf der Nach­rich­ten on­line er­fol­ge, sei­en auch Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­gebühren an­ge­fal­len. Fer­ner müsse für das Le­sen und ge­ge­be­nen­falls Aus­sor­tie­ren un­erwünsch­ter Nach­rich­ten Ar­beits­zeit auf­ge­wandt wer­den. Es sei nicht an­zu­neh­men, dass sämt­li­che Ar­beit­neh­mer die E-Mails außer­halb der Ar­beits­zeit ge­le­sen hätten. Wenn nur die Hälf­te der Mit­ar­bei­ter die E-Mail ge­le­sen vollständig ha­be, sei dies mit ei­nem Zeit­auf­wand von ins­ge­samt über 190 Ar­beits­stun­den zu ver­an­schla­gen. Da­ne­ben fie­len Kos­ten durch das Aus­dru­cken der E-Mails an.
Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, das Han­deln der Be­klag­ten sei nicht durch das Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­recht der Ge­werk­schaf­ten ge­recht­fer­tigt ge­we­sen. Die Ge­werk­schaft dürfe auf an­de­re Mit­tel der Wer­bung ver­wie­sen wer­den. Außer­dem sei der Grund­satz der Kampf­pa­rität ver­letzt wor­den.
Der Un­ter­las­sungs­an­spruch er­ge­be sich zusätz­lich aus der rechts­wid­ri­gen Ver­ar­bei­tung von da­ten­schutz­recht­lich geschütz­ten Da­ten. Die Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­ste­he wei­ter­hin, da die Be­klag­ten bis­her kei­ne Un­ter­las­sungs­erklärung ab­ga­ben und auch ih­re Aus­sa­ge, künf­tig in­ten­siv und di­rekt auf dem Weg des Mai­lings in­for­mie­ren zu wol­len, nicht zurück­nah­men.
die Be­klag­ten zu 1) bis 3) zu ver­ur­tei­len, es bei Mei­dung von Ord­nungs­geld bis zu 250.000,00 EUR für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft oder Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten, zu un­ter­las­sen, E-Mails an die dienst­li­chen E-Mail-Adres­sen der Mit­ar­bei­ter der Kläge­rin oh­ne vor­aus­ge­gan­ge­ne Auf­for­de­rung oder Ein­verständ­nis der Kläge­rin zu sen­den.
Die Be­klag­ten zu 1) bis 3) ha­ben be­an­tragt,
Die Be­klag­ten ha­ben in die An­sicht ver­tre­ten, die Zu­sen­dung der E-Mails sei zur In­for­ma­ti­on der Beschäftig­ten und als Wer­bung im Rah­men rechtmäßiger ge­werk­schaft­li­che Betäti­gung er­folgt und durch Art. 9 Abs. 3 GG geschützt. Un­ter­sa­ge man die Ver­sen­dung der E-Mails mit der Be­gründung, das Ziel der Ge­werk­schaft könne auch mit an­de­ren Mit­teln er­reicht wer­den, wie im Ver­fah­ren auf einst­wei­li­gen Rechts­schutz ge­sche­hen, so fol­ge dies im Er­geb­nis der über­hol­ten Recht­spre­chung zur Kern­be­reichs­theo­rie. Un­ter Berück­sich­ti­gung des Art. 9 Abs. 3 GG dürfe es den Ge­werk­schaf­ten nicht ver­bo­ten sein, sich der zeit­gemäßen Kom­mu­ni­ka­ti­on der Ver­sen­dung von E-Mails zu Wer­be­zwe­cken zu be­die­nen. Den Empfängern sei durch ein­fa­ches An­kli­cken ei­nes Links die
Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wor­den, den Emp­fang wei­te­rer E-Mails aus­zu­sch­ließen. Ein schwer­wie­gen­der Ein­griff in das Recht der Kläge­rin am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb lie­ge nicht vor. Die An­ga­ben der Kläge­rin zur auf­ge­wand­ten Ar­beits­zeit sei­en rein spe­ku­la­tiv. Ein ein­zi­ger Blick auf den Ab­sen­der ha­be er­ken­nen las­sen, dass die E-Mail kei­nen dienst­li­chen Cha­rak­ter hat­te. Selbst wenn die Ar­beit­neh­mer die E-Mail während der Ar­beits­zeit ge­le­sen hätten, er­ge­be sich hier­aus kei­ne ernst­haf­te Be­ein­träch­ti­gung be­trieb­li­cher Be­lan­ge. Die Be­klag­ten ha­ben be­haup­tet, die Kläge­rin ha­be kei­ne zusätz­li­chen ma­te­ri­el­len oder fi­nan­zi­el­len Mit­tel auf­wen­den müssen, da die Ein­rich­tun­gen be­reits vor­han­den wa­ren. Sie ha­ben wei­ter gel­tend ge­macht, bei den Adres­sen han­de­le es sich nicht um ver­trau­li­che Da­ten, da die­se von den Ar­beit­neh­mern im Geschäfts­ver­kehr ge­nutzt wer­den. Eben­so wie ein Zu­gangs­recht be­triebs­frem­der Ge­werk­schafts­be­auf­trag­ter grundsätz­lich be­jaht wer­de, müsse dies auch für die Zu­sen­dung von E-Mails an die be­trieb­li­chen Ac­counts der Ar­beit­neh­mer gel­ten.
Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main hat den Anträgen in der Kläge­rin durch Ur­teil vom 6. Sep­tem­ber 2007 statt­ge­ge­ben (Bl. 207 bis 220 der Ak­te).Zur Be­gründung hat es aus­geführt, die Zu­sen­dung der E-Mails ha­be das durch § 823 Abs. 1 BGB geschütz­te Recht der Kläge­rin am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb be­ein­träch­tigt. Die Kläge­rin ha­be ge­gen die Be­klag­ten ei­nen An­spruch dar­auf, dass die­se kei­ne wei­te­ren E-Mails an ih­re Mit­ar­bei­ter oh­ne ihr Ein­verständ­nis sen­de­ten. Das Ver­hal­ten der Be­klag­ten er sei nicht durch die grund­recht­lich geschütz­te Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit ge­recht­fer­tigt. Es sei nicht zu ver­ken­nen, dass die streit­ge­genständ­li­che Hand­lung vom Recht der Ge­werk­schaft aus Art. 9 Abs. 3 GG er­fasst wer­de. Die ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung wer­de je­doch nicht schran­ken­los gewährt, sie ste­he un­ter dem Vor­be­halt der prak­ti­schen Kon­kor­danz. Die Abwägung der Grund­rech­te er­ge­be, dass den Be­klag­ten aus­rei­chend an­de­re Möglich­kei­ten zur Wer­bung ver­blie­ben, die ihr Ei­gen­tum und auch ih­re Be­rufs­ausübungs­frei­heit nicht be­ein­träch­tig­ten. Es sei nicht Auf­ga­be ei­nes Ta­rif­part­ners, dem an­de­ren Ta­rif­part­ner die schnells­te, ef­fek­tivs­te und kostengüns­tigs­te Va­ri­an­te zur Wer­bung und In­for­ma­ti­on zu ermögli­chen. Ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr im Sin­ne des §1004 BGB lie­ge vor, da in den E-Mails an­gekündigt wor­den sei, dass die Be­klag­te zu 1) auch künf­tig di­rekt per E-Mail in­for­mie­ren wer­de. Der Un­ter­las­sungs­an­spruch sei auch ge­gen die Be­klag­ten zu 2) und 3) be­gründet, in de­ren Na­men die E-Mail ver­sandt wur­de. Sie könn­ten un­mit­tel­bar als Störer in An­spruch ge­nom­men wer­den. Zur vollständi­gen Wie­der­ga­be der Ent­schei­dungs­gründe wird auf die­se Be­zug ge­nom­men (S. 8 bis 12 des Ur­teils, Bl. 214 bis 218 der Ak­te).
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 6. Sep­tem­ber 2007 ist den Be­klag­ten am 26. Ok­to­ber 2007 zu­ge­stellt wor­den. Die Be­ru­fungs­schrift der Be­klag­ten ist am 19. No­vem­ber 2007 bei dem hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen. Die Be­klag­ten ha­ben fol­gend die Be­ru­fung mit am 17. De­zem­ber 2007 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
Die Be­klag­ten weh­ren sich mit der Be­ru­fung ge­gen die Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung. Sie ma­chen gel­tend, das Ar­beits­ge­richt ha­be nicht prüfen dürfen, ob die mas­sen­haf­te Be­nut­zung der dienst­li­chen E-Mail Adres­sen un­erläss­lich ge­we­sen sei. Die durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit ge­stat­te al­le not­wen­di­gen Maßnah­men und sei nur durch über­wie­gen­de Rech­te Drit­ter be­schränkt. Ei­ne zu­tref­fen­de Abwägung der be­trof­fe­nen Grund­rechts­po­si­tio­nen führe da­zu, dass das In­ter­es­se der Ar­beit­ge­be­rin, den Kreis der Be­nut­zer der von ihr ein­ge­rich­te­ten E-Mail-Ac­counts zu be­stim­men, we­gen der im Er­geb­nis äußerst ge­rin­gem Be­ein­träch­ti­gung hin­ter dem In­ter­es­se der Ge­werk­schaft an ei­ner ef­fek­ti­ven An­spra­che der Ar­beit­neh­mer zurück­ste­hen müsse. Der durch die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts er­folg­te Ver­weis der Ge­werk­schaft bzw. der für sie han­deln­den Per­so­nen auf an­de­re Möglich­kei­ten der Mit­glie­der­wer­bung wie­der­ho­le die durch das Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 14. No­vem­ber 1995 auf­ge­ho­be­ne Recht­spre­chung zum Schutz nur des Kern­be­reichs ge­werk­schaft­li­cher Tätig­keit.
Die Be­klag­ten sind der Auf­fas­sung, ei­ne Ge­werk­schaft dürfe be­an­spru­chen, auch sol­che Ar­beit­neh­mer zu er­rei­chen, die nicht von sich aus den Kon­takt such­ten. Das Sen­den von E-Mails zur Kon­takt­auf­nah­me bil­de mitt­ler­wei­le im All­tags­ge­sche­hen den Nor­mal­fall. Hier­von könne für die Tätig­keit ei­ner Ge­werk­schaft kei­ne Aus­nah­me gel­ten. Die Möglich­keit zur An­spra­che von Ar­beit­neh­mern durch E-Mail sei zur Si­che­rung der Exis­tenz und ei­ner wirk­sa­men
Auf­ga­ben­ver­fol­gung un­ver­zicht­bar. Ei­ne Ver­let­zung des Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb könne nicht po­si­tiv fest­ge­stellt wer­den. Die Be­klag­ten be­strei­ten, dass die Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin über­haupt - hilfs­wei­se nur in ganz ge­rin­gem Um­fang - Ar­beits­zeit zum Le­sen der E-Mails auf­wand­ten. So­fern E-Mails während Ar­beits­zeit ge­le­sen oder weg­ge­klickt wor­den sei­en, müsse die Kläge­rin dies hin­neh­men. Sie ge­stat­te die pri­va­te Nut­zung des In­ter­nets während der Ar­beits­zeit. Da­mit neh­me sie in Kauf, dass während der Ar­beits­zeit pri­va­te Din­ge er­le­digt würden. Außer­dem sei zu berück­sich­ti­gen, dass bis­her von der Recht­spre­chung ge­bil­lig­te Wer­be­maßnah­men ei­ner Ge­werk­schaft, wie das Aushängen von An­schlägen an ei­nem schwar­zen Brett oder das An­spre­chen am Ar­beits­platz, eben­falls Ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer in An­spruch neh­me. Le­dig­lich hilfs­wei­se sei dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass es von der Ent­schei­dung der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer und nicht der Be­klag­ten abhänge, ob ein Ar­beit­neh­mer ei­ne E-Mail le­se und so­gar aus­dru­cke. Die Kos­ten in der In­an­spruch­nah­me des EDV-Sys­tems sei­en mi­ni­mal. Die Kläge­rin ha­be nicht dar­ge­legt, dass durch das Ver­sen­den der E-Mails zusätz­li­che Ver­bin­dungs¬oder En­er­gie­kos­ten an­ge­fal­len sei­en.
Die Be­klag­ten wi­der­spre­chen schließlich der Be­wer­tung der Kläge­rin, sie könne ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch ana­log §§ 1004 , 823 Abs. 1 BGB auch auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen das BDSG stützen.
Die Kläge­rin be­nut­ze die von ihr ein­ge­rich­te­ten E-Mail-Adres­sen ih­rer Ar­beit­neh­mer oh­ne­hin für den Kon­takt mit Außen­ste­hen­den. Die Be­klag­ten hätten die - im Übri­gen nicht ver­trau­li­chen - Da­ten zur Wah­rung be­rech­tig­ter In­ter­es­sen nach § 28 Abs. 3 S. 1 BDSG be­nut­zen dürfen. Es ha­be sich nach § 28 Abs. 3 Satz 1 a), b) BDSG um frei ver­wend­ba­re Da­ten ge­han­delt. Die Kläge­rin als ju­ris­ti­sche Per­son wer­de nicht durch das BDSG geschützt. Dies ver­bie­te es auch, ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch auf ei­nen mögli­chen Ver­s­toß ge­gen das BDSG zu stützen, da die Kläge­rin nicht vom Schutz­be­reich die­ses Ge­set­zes er­fasst sei.
Die Be­klag­ten zu 1) bis 3) be­an­tra­gen,
un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Frank­furt - 11/21 Ca 4489/07 - vom 06. Sep­tem­ber 2007 die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen
Die Kläge­rin ver­tei­digt die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung. Ob ei­ne Maßnah­me von der Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit ge­deckt sei, wer­de auch mit dem Kri­te­ri­um der „Un­erläss­lich­keit“ bei der Abwägung ge­prüft. Das Ar­beits­ge­richt ha­be zu­tref­fend die Be­klag­ten dar­auf ver­wie­sen, dass sie durch Ein­rich­tung ei­ner ge­werk­schaft­li­chen In­ter­net­sei­te und ei­nem Link auf der In­tra­net­sei­te des Be­triebs­ra­tes für ihr An­lie­gen wer­ben könn­ten.
Die Kläge­rin wie­der­holt die Be­wer­tung, sie sei in ih­rem Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb ver­letzt wor­den. Sie be­haup­tet, für das Le­sen ei­ner E-Mail müss­ten pro Ar­beit­neh­mer min­des­tens 7 Mi­nu­ten ver­an­schlagt wer­den. Dies ha­be den Be­triebs­ab­lauf er­heb­lich gestört. Es dürfe oh­ne Aufklärung im Ein­zel­fall ver­mu­tet wer­den, dass durch das Le­sen und ge­ge­be­nen­falls Aus­dru­cken der E-Mails ihr Ei­gen­tum, nämlich die von ihr vor­ge­hal­te­nen tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, in An­spruch ge­nom­men wor­den sei­en. Die In­an­spruch­nah­me ih­rer per­so­nel­len und fi­nan­zi­el­len Mit­tel durch die Ge­werk­schaft während der Ver­hand­lun­gen über ei­nen Ta­rif­ver­trag ver­s­toße ge­gen den Grund­satz der Kampf­pa­rität.
Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, ein Un­ter­las­sungs­an­spruch sei auch des­halb ge­recht­fer­tigt, weil die Be­klag­ten geschütz­te Da­ten rechts­wid­rig er­lang­ten und nutz­ten. Es sei­en per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten im Sin­ne des § 3 Abs. 1 BDSG oh­ne Ein­wil­li­gung der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer nach § 4 a BDSG ver­wen­det wor­den. Ei­ne Aus­nah­me nach § 4 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 BDSG ha­be nicht vor­ge­le­gen. Die Nut­zung nicht rechtmäßig über­mit­tel­ter Da­ten sei nicht nach § 28 Abs. 3 BDSG zulässig. Die
rechts­wid­ri­ge Ver­wen­dung der E-Mail-Adres­sen führe zu ei­nem auf §§ 1004 , 823 Abs. 1 BGB gestütz­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch. Die­se könne sie als ver­ant­wort­li­che Stel­le im Sin­ne des § 3 Abs. 7 BDSG gel­tend ma­chen.
Die Kam­mer hat die Ak­ten des Recht­streits der Par­tei­en um den Er­lass ei­ner Un­ter­las­sungs­verfügung (- 18 Sa­Ga 772/07 -, Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main - 11 Ga 60/07 -) bei­ge­zo­gen und zum Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­macht
Zur ergänzen­den Dar­stel­lung des Sach- und Streit­stands wird auf den In­halt der zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten und vor­ge­tra­ge­nen Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 30. April 2008 (Bl. 326 der Ak­te) ver­wie­sen.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten zu 1) bis 3) ist gem. §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. b) ArbGG statt­haft. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt so­wie recht­zei­tig und ord­nungs­gemäß be­gründet wor­den ( §§ 66 Abs. 1 ArbGG , 519 , 520 ZPO ).
Die Be­ru­fung ist je­doch oh­ne Er­folg. Die Be­klag­ten wa­ren nicht be­rech­tigt, oh­ne Ein­verständ­nis der Kläge­rin die dienst­li­chen E-Mail-Ac­counts al­ler Mit­ar­bei­ter für an die Ar­beit­neh­mer oh­ne de­ren Auf­for­de­rung zu­ge­sand­te Wer­bung zu nut­zen.
Die Kläge­rin hat ei­nen An­spruch ana­log §§ 1004 Abs. 1 , 823 Abs. 1 BGB auf Un­ter­las­sung. Die­ser ist ge­gen das Be­nut­zen der den Ar­beit­neh­mern der Kläge­rin dienst­lich zur Verfügung ge­stell­ten und nicht all­ge­mein zugäng­li­chen E-Mail-Adres­sen zu dem Zweck ge­rich­tet, den Ar­beit­neh­mern E-Mails zur Wer­bung und In­for­ma­ti­on zu über­sen­den, wel­che die­se nicht ver­lang­ten. Der Un­ter­las­sungs­an­spruch ist be­gründet, weil ein Ein­verständ­nis für den Er­halt ei­ner E-Mail mit Wer­bung über die ge­werk­schaft­li­che Tätig­keit nicht für al­le Empfänger un­ter­stellt wer­den kann und die Adres­sen un­ter Ver­s­toß ge­gen das BDSG ver­wen­det wur­den. Es braucht nicht ent­schie­den zu wer­den, ob die durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Betäti­gungs­frei­heit ge­ne­rell oder in von die­sem Rechts­streit ab­wei­chen­den an­de­ren Fällen ge­bie­tet, ei­ner Ge­werk­schaft die Nut­zung von ei­nem Ar­beit­ge­ber al­lein zu be­trieb­li­chen Zwe­cken vor­ge­hal­te­ner elek­tro­ni­scher Postfächer zu ge­stat­ten.
I. Der Un­ter­las­sungs­an­trag ist zulässig, ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO .
Die Par­tei­en ha­ben im Be­ru­fungs­ver­fah­ren aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass sie ih­re Aus­ein­an­der­set­zung nicht um die Fra­ge führen, ob die Be­klag­te zu 1) be­rech­tigt ist, durch die Be­klag­ten zu 2) und 3) oder sons­ti­ge Per­so­nen ein­zel­ne, an in­di­vi­du­el­le Empfänger be­stimm­te E-Mails schi­cken und da­bei das bei der Kläge­rin ein­ge­rich­te­te be­trieb­li­che E-Mail-Post­fach als Adres­se zu nut­zen. Die Kläge­rin hat des­halb im Ein­verständ­nis mit den Be­klag­ten ih­ren An­trag in der Wei­se präzi­siert, dass sie die Un­ter­las­sung von E-Mails be­gehrt, wel­che (von ih­ren Ar­beit­neh­mern) nicht ver­langt an die­se ge­sandt wer­den (vgl. Pro­to­koll­nie­der­schrift vom 30.04.2008 Bl. 326 der Ak­te).Ob die Be­klag­te zu 1) die be­trieb­li­chen E-Mail-Postfächer der Kläge­rin in Form ei­nes Mai­lings zur In­for­ma­ti­on der Ar­beit­neh­mer über ge­werk­schaft­li­che Ak­ti­vitäten nut­zen darf, ist ei­ne Fra­ge der Be­gründet­heit.
II. Der An­trag ist mit der im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­ten Klar­stel­lung auch be­gründet.
1. Der Kläge­rin hat auf ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch nicht ver­zich­tet.
Sie hat mit der Be­klag­ten zu 1) am 18. Ok­to­ber 2007 ei­nen „Ta­rif­so­zi­al­plan Stand­ort­kon­so­li­die­rung“ ge­schlos­sen (An­la­ge 1 zum Sit­zungs­pro­to­koll vom 30. April 2008, Bl. 328 bis 354 der Ak­te). Nach der in Ab­schnitt V un­ter Ziff. 2 ge­trof­fe­nen Maßre­ge­lungs­klau­sel ist auf die Fort­set­zung des Rechts­streits um das Un­ter­las­sungs­be­geh­ren der Kläge­rin nicht ver­zich­tet wor­den. Das mit dem erst­in­stanz­li­chen Ak­ten­zei­chen (Ar­beits­ge­richt Frank­furt – 11/21 4489/07 - ) be­nann­te Ver­fah­ren
wur­de in Ziff. 2.4 aus­drück­lich aus­ge­nom­men (Sei­te 19 des Ta­rif­so­zi­al­plans, Bl. 346 der Ak­te)
2. Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main hat zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass die im Na­men der Be­klag­ten zu 1) han­deln­den Be­klag­ten zu 2) und 3) durch die Zu­sen­dung der ca. 3.300 E-Mails mit wer­ben­den In­halt in das Recht der Kläge­rin am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb ein­ge­grif­fen ha­ben.
Das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb um­fasst auch den An­spruch auf ei­nen störungs­frei­en Be­triebs­ab­lauf ( BAG Ur­teil vom 28.02.2006 - 1 AZR 460/04 - NZA 2006, 798). Die In­an­spruch­nah­me be­trieb­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel hat nicht nur Ein­fluss auf den Be­triebs­ab­lauf, son­dern berührt auch das Ei­gen­tums­recht des Ar­beit­ge­bers. Des­sen In­ter­es­se ist dar­auf ge­rich­tet, die Nut­zung von Vor­rich­tun­gen, wel­che nur für be­trieb­li­che Zwe­cke ge­schaf­fen und un­ter­hal­ten wer­den, auch auf die­se zu be­schränken. Ein kos­ten­frei­er Ge­brauch durch Drit­te, ins­be­son­de­re während der Ar­beits­zeit, ist nicht erwünscht.
3. Die Kläge­rin steht ein Un­ter­las­sungs­an­spruch ana­log §§ 1004 , 823 Abs. 1 BGB zu. Die Be­ein­träch­ti­gung des Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb so­wie die Ei­gen­tums­ver­let­zung sind rechts­wid­rig. Die Be­klag­te zu 1) und die Be­klag­ten zu 2) und 3) können sich we­gen ih­res Han­delns nicht auf ei­nen Recht­fer­ti­gungs­grund be­ru­fen.
a) Die Fra­ge, ob und in wel­chem Um­fang ei­ne Ge­werk­schaft für Ih­re Wer­bung die von ei­nem Ar­beit­ge­ber im Un­ter­neh­men eröff­ne­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge nut­zen darf, ist strei­tig. Der Ver­sand von Wer­be-E-Mails an die be­trieb­li­chen E-Mail-Adres­sen der Ar­beit­neh­mer wird teil­wei­se als un­zulässig an­ge­se­hen; teil­wei­se wird er als zulässig be­wer­tet, als ei­ne dem ak­tu­el­len kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­schen Stan­dard ent­spre­chen­de Nut­zung zur In­for­ma­ti­on, ver­gleich­bar ei­nem Aus­hang an ei­nem schwar­zen Brett in der Ver­gan­gen­heit (s. Lel­ley, Die Gren­zen di­gi­ta­ler Ge­werk­schafts­rech­te im Be­trieb, BB 2002, 252; Hopf­ner/Sch­rock, Die Ge­werk­schaf­ten im elek­tro­ni­schen Netz­werk des Ar­beit­ge­bers, DB 2004, 1558; Beck­schul­ze/Hen­kel, Der Ein­fluss des In­ter­nets auf das Ar­beits­recht, DB 2001, 1491, 1501; Go­la, Be­trieb­li­che IuK-Tech­nik für Be­triebs­rats-und Ge­werk­schafts­in­for­ma­tio­nen, MMR 2005, 17; Kle­be/Wed­de, Ge­werk­schafts­rech­te auch per E-Mail und In­tra­net? AuR 2000, 401; Däubler, Ge­werk­schaft­li­che In­for­ma­ti­on und Wer­bung im Netz, DB 2004, 2102; ders., In­ter­net und Ar­beits­recht, 4. Aufl., S. 231 f., Rz 527 ff.).
b) Als Recht­fer­ti­gungs­grund für die Nut­zung der be­trieb­li­chen E-Mail-Ac­counts für elek­tro­ni­sche Post kommt nur Art. 9 Abs. 3 GG in Be­tracht. Ei­ne § 2 Abs. 2 Be­trVG ent­spre­chen­de und über­schrei­ten­de ein­fach­ge­setz­li­che Norm, wel­che ein vir­tu­el­les und nicht nur auf die Auf­ga­ben des Be­trVG be­zo­ge­nes Zu­gangs­recht re­gelt, exis­tiert nicht.
Mit den E-Mails vom 12. Fe­bru­ar 2007 ist für die Be­klag­te zu 1) ge­wor­ben ge­wor­den. Gleich­zei­tig ha­ben die Be­klag­ten zu 2) und 3) den Ar­beit­neh­mern der Kläge­rin In­for­ma­tio­nen in ei­ner lau­fen­den Aus­ein­an­der­set­zung um den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­so­zi­al­plans we­gen der von der Kläge­rin ge­plan­ten Stand­ort­schließun­gen an­ge­bo­ten (vgl. An­la­gen­kon­vo­lut AS 4 zur Kla­ge­schrift, Bl. 111 bis 114 der Ak­te). Der Grund­rechts­schutz durch Art. 9 Abs. 3 GG er­streckt sich auf al­le Ver­hal­tens­wei­sen, die ko­ali­ti­ons­spe­zi­fisch sind. Da­zu gehören die Mit­glie­der­wer­bung und die In­for­ma­tio­nen über kon­kre­te Maßnah­men und Zie­le, ge­ra­de in ei­nem Ta­rif­kon­flikt.
aa) Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­tet für je­der­mann und für al­le Be­ru­fe das Recht, zur Wah­rung und Förde­rung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen Ko­ali­tio­nen zu bil­den. Das Grund­recht schützt den Ein­zel­nen, ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ei­ni­gung zu gründen, ihr bei­zu­tre­ten oder fern­zu­blei­ben. Außer­dem schützt es die Ko­ali­tio­nen in ih­rem Be­stand und ih­rer or­ga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung so­wie sol­che Betäti­gun­gen, die dar­auf ge­rich­tet sind, die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu wah­ren und zu fördern (st. Rspr. des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, vgl. BVerfG Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 10.09.2004 - 1 BvR 1191/03 - AP GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 167; BAG Ur­teil vom 28.02.2006 - 1 AZR 460/04 - NZA 2006, 798).Zu den geschütz­ten Tätig­kei­ten, die dem Er­halt und der Si­che­rung ei­ner Ko­ali­ti­on die­nen, gehört de­ren Mit­glie­der­wer­bung. Durch die­se schaf­fen die Ko­ali­tio­nen das Fun­da­ment für die Erfüllung ih­rer Auf­ga­ben und si­chern ih­ren
Fort­be­stand. Fer­ner hängt von der Mit­glie­der­zahl ih­re Ver­hand­lungsstärke ab ( BVerfG Be­schluss vom 14.11.1995 - 1 BvR 601/92 - NZA 1996, 381). Oh­ne Wer­bung um neue Mit­glie­der be­steht die Ge­fahr, dass der Mit­glie­der­be­stand ei­ner Ge­werk­schaft im Lau­fe der Zeit in ei­nem Um­fang zurück­geht, dass sie ih­rer Auf­ga­be, die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu wah­ren und fördern, nicht mehr sach­gemäß nach­kom­men kann. Zu der Betäti­gungs­frei­heit ei­ner Ge­werk­schaft gehört da­her das Recht, ih­re Schlag­kraft mit dem Ziel der Mit­glie­der­er­hal­tung und Mit­glie­der­wer­bung zu stärken ( BAG Ur­teil vom 31.05.2005 - 1 AZR 141/04 - AP GG Art. 9 Nr. 124). Da­bei ist für die Ge­werk­schaf­ten die Mit­glie­der­wer­bung in den Be­trie­ben von be­son­de­rer Be­deu­tung. Ei­ne ef­fek­ti­ve Wer­bung setzt Auf­merk­sam­keit und Auf­ge­schlos­sen­heit der um­wor­be­nen Ar­beit­neh­mer vor­aus. Hier­von kann vor al­lem im Be­trieb aus­ge­gan­gen wer­den. Aus die­sem Grund be­steht grundsätz­lich ein Recht be­triebs­frem­der Ge­werk­schaf­ter auf - tatsächli­chen - Zu­tritt zu ei­nem Be­trieb ( BAG Ur­teil vom 28.02.2006 - 1 AZR 460/04 - NZA 2006, 798). Ins­be­son­de­re fällt un­ter die Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit die Ge­stal­tung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen durch Ta­rif­ver­hand­lun­gen. Dies gilt auch für den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­so­zi­al­plans ( BAG Ur­teil vom 24.04.2007 - 1 AZR 252/06 - NZA 2007, 987).
bb) Die Mit­glie­der­wer­bung der Ge­werk­schaf­ten ist, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in dem Be­schluss vom 14. No­vem­ber 1995 (- 1 BvR 601/92 - NZA 1996, 381) klar­ge­stellt hat, nicht et­wa nur in dem Maße grund­recht­lich geschützt, in wel­chem sie für die Er­hal­tung und die Si­che­rung des Be­stands der Ge­werk­schaft un­erläss­lich ist. Der Grund­recht­schutz des Art. 9 Abs. 3 GG be­trifft nicht nur ei­nen Kern­be­reich der Betäti­gungs­frei­heit. Er er­streckt sich viel­mehr auf al­le ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen. Die Fra­ge, ob ei­ne ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­sche Betäti­gung für die Wahr­neh­mung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit un­erläss­lich ist, er­langt erst bei Ein­schränkun­gen die­ser Frei­heit Be­deu­tung ( BVerfG 14.11.1995 - 1 BvR 601/92 - NZA 1996, 381; BAG Ur­teil vom 28.02.2006 - 1 AZR 460/04 - NZA 2006, 798; BAG Ur­teil vom 25.01.2005 - 1 AZR 657/03 - NZA 2005, 592; BVerfG Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 06.02.2007 ge­gen die­ses Ur­teil - 1 BvR 978/05 - NZA 2007, 1672). Der Ar­gu­men­ta­ti­on der Be­klag­ten, die Zulässig­keit der Wer­be­maßnah­me vom 12. Fe­bru­ar 2007 dürfe nicht da­nach be­ur­teilt wer­den, ob es auch an­de­re Möglich­kei­ten der Wer­bung ge­ge­ben hätte, da an­dern­falls die Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit ent­ge­gen dem Be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 14. No­vem­ber 1995 wie­der auf das Un­erläss­li­che be­schränkt wer­de, ist da­her grundsätz­lich zu­zu­stim­men.
c) Die Betäti­gungs­frei­heit der Ko­ali­tio­nen ist zwar vor­be­halt­los gewähr­leis­tet, nicht aber schran­ken­los. Sie un­ter­liegt ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Be­gren­zun­gen, so­weit sie mit an­de­ren Rechtsgütern kol­li­diert, de­nen eben­falls Ver­fas­sungs­rang zu­kommt ( BVerfG Be­schluss vom 24.04.1996 - 1 BvR 712/86 - NZA 1996, 1157). Zu den an­de­ren Rechtsgütern gehören ins­be­son­de­re Grund­rech­te Drit­ter. Auch Rechtsgüter wie der Be­triebs­frie­den oder ein un­gestörter Ar­beits­ab­lauf sind ge­eig­net, der ge­werk­schaft­li­chen Betäti­gungs­frei­heit Schran­ken zu zie­hen ( BAG Ur­teil vom 25.01.2005 - 1 AZR 657/03 - NZA 2005, 592 und BVerfG Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 06.02.2007 - 1 BvR 978/05 - NZA 2007, 1672; BVerfG Be­schluss vom 1411.1995 - 1 BvR 601/92 - NZA 1996, 381 [BVerfG 14.11.1995 - 1 BvR 601/92] ; ErfK-Die­te­rich, 8.Aufl., Art.9 GG Rz 48 ff.).
aa) Bei der Kläge­rin ist der Um­fang der Nut­zung der den Ar­beit­neh­mern be­trieb­lich ein­ge­rich­te­ten Postfächer für elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on durch die Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 23. No­vem­ber 2006 klar ge­re­gelt (vgl. An­la­gen­kon­vo­lut AS 5 zur Kla­ge­schrift, Bl. 115 bis 139 der Ak­te). Nach Ziff. 4 „Grundsätze der In­ter­net- und E-Mail-Nut­zung", Ru­brik: „E-Mail" dient der ei­nem Mit­ar­bei­ter/ei­ner Mit­ar­bei­te­rin zur Verfügung ge­stell­te E-Mail-Zu­gang aus­sch­ließlich der Kom­mu­ni­ka­ti­on der Beschäftig­ten un­ter­ein­an­der so­wie im Rah­men von dienst­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten mit ex­ter­nen Stel­len (S. 3 f. der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung, Bl. 117 f. der Ak­te). Die Kläge­rin ist be­rech­tigt, je­der­zeit Ein­sicht­nah­me in die zur be­trieb­li­chen Zwe­cken ein- und aus­ge­hen­den E-Mails und de­ren Anhänge zu neh­men. Aus­ge­nom­men ist der Mail-Ver­kehr mit den be­triebs­rats­ei­ge­nen Mail-Adres­sen.
In der Ru­brik: „In­ter­net“ ist ergänzend be­stimmt, dass die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter, die auf ihr in­di­vi­du­el­les Recht auf Schutz des Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses aus dem TKG ver­zich­ten, ih­ren In­ter­net­zu­gang in an­ge­mes­se­nem Um­fang auch pri­vat nut­zen dürfen. Da­zu gehört auch der Auf­ruf ei­nes pri­va­ten E-Mail-Zu­gan­ges. Die Kläge­rin gewähr­leis­tet die Er­reich­bar­keit der vom Ar­beit­neh­mer frei zu
wählen­den Free-Mai­ler (S. 3 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung, Bl. 117 der Ak­te). Da­bei ist die Kläge­rin be­rech­tigt, mit Schutz­me­cha­nis­men zu ar­bei­ten, den Zu­griff auf of­fen­sicht­lich be­trieb­lich nicht er­for­der­li­che In­hal­te zu sper­ren, so­wie tech­ni­sche Lösun­gen, wie Vi­ren­schutz, Spam-Fil­ter usw. ein­zu­set­zen.
bb) Die Be­klag­ten zu 2) und 3) ha­ben im Na­men der Be­klag­ten zu 1) bei der Ver­sen­dung der Mas­sen-E-Mail am 12. Fe­bru­ar 2007 die be­trieb­li­chen E-Mail-Ac­counts der Mit­ar­bei­ter der Kläge­rin im Sin­ne der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung „pri­vat" ge­nutzt, nämlich nicht zur be­trieb­li­chen Zwe­cken oder für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Kun­den.
Es braucht nicht geklärt zu wer­den, wie er­heb­lich die Kläge­rin durch die In­an­spruch­nah­me des von ihr vor­ge­hal­te­nen Sys­tems be­an­sprucht wur­de, ins­be­son­de­re wel­che Kos­ten durch die ein­ma­li­ge Ver­sen­dung ei­ner E-Mail an al­le Mit­ar­bei­ter ent­stan­den, und wie viel Ar­beits­zeit in die Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin auf das Le­sen der E-Mail ver­wand­ten. Eben­so ist nicht zu ent­schei­den, ob der Grund­satz der Kampf­pa­rität ver­letzt wur­de.
d) Die kon­kre­te Wer­be- und In­for­ma­ti­ons­maßnah­me der Be­klag­ten zu 1) vom 12. Fe­bru­ar 2007 kann nicht auf Art. 9 Abs. 3 GG gestützt wer­den, um den Ein­griff in den aus­geübten und ein­ge­rich­te­ten Ge­wer­be­be­trieb bzw. in die Ei­gen­tums­ver­let­zung zu recht­fer­ti­gen. Dies folgt dar­aus, dass die Maßnah­me un­abhängig von der Be­ein­träch­ti­gung die­ser Rech­te be­reits rechts­wid­rig war.
Ei­ne Kol­li­si­on des Rechts­guts der ge­werk­schaft­li­chen Betäti­gungs­frei­heit mit an­de­ren geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen muss im We­ge der Abwägung auf­gelöst wer­den, um prak­ti­sche Kon­kor­danz zwi­schen den Rechtsgütern her­zu­stel­len ( BAG Ur­teil vom 25.01.2005 - 1 AZR 657/03 - NZA 2005, 592; BAG Ur­teil vom 28.02. 2006 - 1 AZR 460/04 - NZA 2006, 798; ErfK-Die­te­rich, 8. Aufl., Einl. GG Rz 71 f. mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Die we­gen Art. 9 Abs. 3 GG von den Ge­rich­ten auf­grund ih­rer Schutz­pflicht im We­ge der Rechts­fort­bil­dung vor­zu­neh­men­de Aus­ge­stal­tung der ge­werk­schaft­li­chen Betäti­gungs­frei­heit kann kei­ne Ein­grif­fe in wei­te­re Rech­te recht­fer­ti­gen, wel­che in den Pro­zess der Abwägung nicht ein­be­zo­gen wur­den. Dies gilt zu­min­dest dann, wenn die die­se Rechts­ver­let­zun­gen auf die Über­schrei­tung recht­li­cher Gren­zen - wie des BDSG - zurück­zuführen sind, wel­che sich nicht spe­zi­ell ge­gen die Tätig­keit von Ge­werk­schaf­ten rich­ten, son­dern ge­ne­rell gel­ten.
aa) Die be­trieb­li­chen E-Mail-Adres­sen der Beschäftig­ten der Kläge­rin, die aus den je­wei­li­gen Vor- und Nach­na­men der Mit­ar­bei­ter und dem In­ter­net-Na­men der Ar­beit­ge­be­rin ge­bil­det sind, sind per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten im Sin­ne des § 3 Abs. 1 BDSG . Die bei der Kläge­rin beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer sind als Grup­pe von natürli­chen Per­so­nen da­durch ge­kenn­zeich­net, dass sie Ar­beit­neh­mer ei­nes be­stimm­ten Ar­beit­ge­bers und über ei­ne nach ei­nen nach­voll­zieh­ba­ren Sys­tem ge­bil­de­te E-Mail-Adres­se je­weils am Ar­beits­platz er­reich­bar sind. Zu den persönli­chen und sach­li­chen Verhält­nis­sen ei­ner natürli­chen Per­son im Sin­ne des BDSG gehören auch ih­re Be­zie­hun­gen zur Um­welt. Dies schließt den Um­stand, zu wel­chem Ar­beit­ge­ber ein Ar­beits­verhält­nis be­steht, so­wie die Er­reich­bar­keit über ei­ne E-Mail-Adres­se bei die­sem Ar­beit­ge­ber ein (vgl. Si­mi­tis-Dam­mann, BDSG, 5. Aufl., § 3 Rz 11).Die Be­klag­ten zu 2) und 3) ha­ben die­se Da­ten für die Be­klag­te zu 1) durch die Über­sen­dung der E-Mails im Rah­men ei­nes Mai­lings am 12. Fe­bru­ar 2007 ge­nutzt. Da­bei ist zu un­ter­schei­den zwi­schen dem Be­nut­zen ei­ner Da­tei, aus der sich die Ge­samt­heit der von der Kläge­rin beschäftig­ten und über ei­nen be­trieb­li­chen E-Mail-Ac­count er­reich­ba­ren Ar­beit­neh­mer er­gibt (fol­gend) und dem mas­sen­haf­ten und un­auf­ge­for­der­ten Ver­sen­den gleich­lau­ten­der E-Mails an die­se Grup­pe (s. un­ten bb).
(1) Die Be­klag­ten zu 2) und 3) ha­ben die Na­men al­ler der über ei­nen be­trieb­li­chen E-Mail-Ac­count er­reich­ba­ren Ar­beit­neh­mer nicht von der Kläge­rin er­hal­ten. Die Fra­ge, wie die Be­klag­te zu 1) ein Ge­samt­mit­ar­bei­ter­ver­zeich­nis oder ei­ne Ge­samt­da­tei der E-Mail-Adres­sen er­hielt, ist im Rechts­streit nicht geklärt wor­den. Die Be­klag­ten ha­ben da­zu nichts vor­ge­tra­gen, son­dern nur die An­sicht ver­tre­ten, die un­be­fug­te Her­aus­ga­be die­ser Da­ten durch ei­nen Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin müsse nicht als zwin­gend un­ter­stellt wer­den.
Es kann of­fen blei­ben, ob die Kläge­rin we­gen der Ver­wen­dung der von ihr nicht her­aus­ge­ge­be­nen Da­ten ei­nen ei­genständi­gen Be­sei­ti­gungs- und Un­ter­las­sungs­an­spruch nach §§ 1004 , 823 Abs. 1 BGB hätte (vgl. OLG Schles­wig-Hol­stein Be­schluss vom 10.06.2002 - II W 3/2002 - zi­tiert nach AiB 2003, 632 [OLG Schles­wig 10.06.2002 - II W 3/2002] ). Der Un­ter­las­sungs­an­spruch ist be­reits da­durch ge­recht­fer­tigt, dass ei­ne da­ten­schutz­recht­lich un­zulässi­ge Wer­bung auch nach Maßga­be des Art. 9 Abs. 3 GG kei­nen Ein­griff in den Ge­wer­be­be­trieb und das Ei­gen­tum der Kläge­rin ge­stat­tet.
(2) Das Ver­wen­den der be­trieb­li­chen E-Mail-Adres­sen der Ar­beit­neh­mer im Na­men der Be­klag­ten zu 1) er­folg­te oh­ne nach § 4 Abs. 1 BDSG not­wen­di­ge Rechts­grund­la­ge und war da­mit rechts­wid­rig.
Die Be­klag­ten zu 2) und 3) ha­ben die Da­ten der Ar­beit­neh­mer im Sin­ne des § 3 Abs. 3 BDSG er­ho­ben und ge­spei­chert zum Zwe­cke ih­rer wei­te­ren Nut­zung ( § 3 Abs. 4 Nr. 1 BDSG ). Die Er­he­bung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten ist nach § 4 Abs. 1 BGSG nur zulässig, so­weit die­ses Ge­setz oder ei­ne an­de­re Rechts­vor­schrift dies er­laubt oder an­ord­net oder der Be­trof­fe­ne ein­ge­wil­ligt hat. Be­trof­fe­ner im Sin­ne des Bun­des­da­ten­schutz­ge­set­zes ist der ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin gemäß § 3 Abs. 1 BDSG .
Die Da­ten der Ar­beit­neh­mer stam­men aus dem Ar­beits­verhält­nis zu der Kläge­rin. Nur die­se durf­te die Da­ten in­ner­halb ih­rer Zweck­be­stim­mung er­he­ben und ver­ar­bei­ten (Beck­schul­ze/Hen­kel, DB 2001, 1491, 1492 f.)
Die Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin ha­ben nicht ins­ge­samt der Ver­wen­dung ih­rer Na­men und der be­trieb­li­chen E-Mail-Ac­counts zu­ge­stimmt.
Die Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 23. No­vem­ber 2006 (vgl. An­la­gen­kon­vo­lut K 2 zur Kla­ge­schrift, dort An­la­ge AS 5, Bl. 115 bis 139 der Ak­te) bil­det kei­ne taug­li­che Rechts­grund­la­ge. Die Nut­zung der be­trieb­li­chen E-Mail-Postfächer ist nicht für pri­va­te Zwe­cke vor­ge­se­hen und die Be­kannt­ga­be oder Nut­zung der mit der Ein­rich­tung der Ac­counts an­fal­len Da­ten durch Drit­te wird durch sie nicht ge­re­gelt.
Eben­so schei­den § 28 Abs. 1 Satz 1 BDSG oder § 28 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BDSG als Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten aus: § 28 BDSG ist nur dann an­zu­wen­den, wenn per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten von ei­ner ver­ant­wort­li­chen Stel­le im Sin­ne des § 3 Abs. 7 BDSG für ei­ge­ne Zwe­cke ver­wen­det wer­den (Si­mi­tis-Si­mi­tis, BDSG, 5. Aufl, § 28 Rz 22 ff). So­weit die Be­klag­te zu 1) - und in ih­rem Na­men die Be­klag­ten zu 2) und 3) - sich auf § 28 BDSG als Rechts­grund­la­ge stützen, ist die­se al­so selbst ver­ant­wort­li­che Stel­le nach § 3 Abs. 7 BDSG . Der spe­zi­el­le Re­ge­lungs­be­reich des § 28 Abs. 9 BDSG ist we­der nach der Art der Da­ten noch vom Per­so­nen­kreis, des­sen Da­ten zulässig er­ho­ben und ver­ar­bei­tet wer­den dürfen, be­trof­fen.
Die Spei­che­rung und Nut­zung von Da­ten durch die Be­klag­te zu 1) ist nicht von § 28 Abs. 1 Satz 1 BDSG ge­deckt, da zu­min­dest in Be­zug auf die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin, die nicht Mit­glied der Be­klag­ten zu 1) sind, die be­trieb­li­che E-Mail-Adres­se nicht der Ab­wick­lung mit­glied­schaft­li­cher An­ge­le­gen­hei­ten dient (Nr. 1), die Da­ten nicht all­ge­mein zugäng­lich wa­ren oder von der Kläge­rin her­aus­ge­ge­ben wur­den (Nr. 3) und außer­dem nicht an­ge­nom­men wer­den kann, dass die ge­werk­schaft­li­che Wer­bung zur Wah­rung be­rech­tig­ter In­ter­es­sen er­for­der­lich war (Nr. 2). Er­for­der­lich im Sin­ne des § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG ist nur ei­ne Ver­wen­dung, zu der es kei­ne ob­jek­tiv zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ve gibt (Si­mi­tis-Si­mi­tis, BDSG, 5, Aufl., § 28 Rz 143; Go­la/Schome­rus, BDSG, 7. Aufl., § 28 RZ 34). Sch­ließlich kann für die Spei­che­rung und Nut­zung von Da­ten, die ei­nem rechts­wid­ri­gen Zweck die­nen (s. un­ten bb) ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se nicht vor­lie­gen (Go­la, MMR 2005, 17, 22).Für die Spei­che­rung und Nut­zung der Da­ten durch die Be­klag­te zu 1) ist § 28 Abs. 3 BDSG nicht her­an­zu­zie­hen, da die­ser Ab­satz nur sons­ti­ge Über­mitt­lun­gen oder Nut­zun­gen er­fasst. Zur Über­prüfung steht je­doch nur die ori­ginäre Ver­wen­dung der Da­ten, um ge­werk­schaft­li­che Wer­bung per E-Mail durchführen zu können.
(3) Die Be­klag­ten zu 2) und 3) ha­ben durch die Ver­wen­dung der Da­ten - bild­lich ge­spro­chen - die Be­trie­be der Kläge­rin be­tre­ten, oh­ne die­se vor­her um Zu­tritt zu bit­ten oder zu in­for­mie­ren. Ob ei­ne Ge­werk­schaft be­an­spru­chen kann, die Ar­beit­neh­mer ei­nes Ar­beit­ge­bers un­mit­tel­bar über ih­re be­trieb­lich ein­ge­rich­te­ten E-Mail-Adres­sen zu in­for­mie­ren, kann nach Auf­fas­sung der Kam­mer nur im Ein­zel­fall ent­schie­den wer­den. Da­bei dürf­ten - so­fern man ei­ne Wer­bung durch mas­sen­haft ver­sand­te E-Mails ge­stat­tet - der Um­fang der ge­plan­ten Ak­ti­on und die Qua­lität und Be­last­bar­keit des vom Ar­beit­ge­ber ein­ge­rich­te­ten Sys­tems zu berück­sich­ti­gen sein.
Nimmt man ein aus Art. 9 Abs. 3 GG her­ge­lei­te­tes Recht der Ge­werk­schaf­ten an, die von ei­nen Ar­beit­ge­ber für sei­ne Ar­beit­neh­mer ein­ge­rich­te­ten Postfächer für elek­tro­ni­sche Post in be­stimm­ten Fällen zu nut­zen, kann dies nach dem Vor­ste­hen­den je­doch nur zulässig sein, wenn die dafür not­wen­di­gen Da­ten nicht „be­schafft", son­dern vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung ge­stellt wer­den. Ob ein Ar­beit­ge­ber zur Her­aus­ga­be der be­trieb­li­chen E-Mail-Adres­sen nach Art. 9 Abs. 3 GG ge­zwun­gen wer­den dürf­te, ist nicht zu klären. In Be­tracht kommt, dass der Ar­beit­ge­ber nur ver­pflich­tet ist, ei­ne be­reit­ge­stell­te E-Mail über ei­nen ei­ge­nen Ver­tei­ler zu ver­sen­den, statt Na­men und E-Mail-Adres­sen der Ar­beit­neh­mer be­kannt­zu­ge­ben (vgl. auch Däubler, In­ter­net und Ar­beits­recht, 3. Aufl., S. 163, Rz 340 f. zur Wei­ter­ga­be von Na­men der Ar­beit­neh­mer über ein Te­le­fon­ver­zeich­nis in­ner­halb ei­nes Kon­zerns).
bb) Da­ten­schutz­recht­lich ist es außer­dem un­zulässig, be­trieb­li­che E-Mail-Adres­sen für un­ver­lang­te Wer­bung durch E-Mails zu ver­ar­bei­ten und zu nut­zen.
Nach über­wie­gen­der Rechts­auf­fas­sung stellt die un­ver­lang­te Zu­sen­dung ei­ner Wer­be-E-Mail an ei­ne Pri­vat­adres­se ei­ne un­zu­mut­ba­re und da­mit un­zulässi­ge Belästi­gung dar, wo­bei die Recht­spre­chung die­ses Er­geb­nis vor­ran­gig un­ter Her­an­zie­hung wett­be­werbs­recht­li­cher Be­stim­mun­gen ( § 1 UWG ) be­gründet. Der Ge­setz­ge­ber hat die­se Auf­fas­sung in Um­set­zung des Art. 13 in der EG -Da­ten­schutz­richt­li­nie für elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on ( Richt­li­nie 2002/58/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 12. Ju­li 2002 über die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten und den Schutz der Pri­vat­sphäre in der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on) bei der Neu­fas­sung des UWG berück­sich­tigt, in­dem nach § 7 Abs. 2 Nr. 3 UWG ei­ne wett­be­werbs­wid­ri­ge un­zu­mut­ba­re Belästi­gung, ins­be­son­de­re bei ei­ner oh­ne Ein­wil­li­gung des Adres­sa­ten un­ter Ver­wen­dung elek­tro­ni­scher Post statt­fin­den­de Wer­bung, an­zu­neh­men ist (so aus­drück­lich: Go­la, MMR 2005, 17, 21; s.a.: Beck­schul­ze/Hen­kel, DB 2001, 1491, 1501; BGH Ur­teil vom 11.03.2004 - I ZR 81/01 - NJW 2004, 1655).Der An­spruch der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer auf Persönlich­keits­schutz ist nicht ge­rin­ger zu be­wer­ten, wenn die un­er­be­te­ne E-Mail nicht an sei­ne pri­va­te E-Mail Adres­se, son­dern an ei­ne sei­ner Per­son zu­ge­wie­se­ne be­trieb­li­che E-Mail-An­schrift ge­rich­tet wird. Der Be­trof­fe­ne soll bei Nut­zung der be­trieb­li­chen Adres­se nicht in sei­ner be­ruf­li­chen Funk­ti­on und als für den Ar­beit­ge­ber han­deln­der Empfänger, son­dern in sei­nen in­di­vi­du­el­len In­ter­es­sen an­ge­spro­chen wer­den (Go­la, MMR 2005, 17, 22).
(1) Die Zulässig­keit der Wer­bung durch ei­ne Ge­werk­schaft ist nicht am UWG zu mes­sen. Es han­delt sich nicht um ei­ne Wett­be­werbs­hand­lung im Sin­ne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG . Außer­halb des wirt­schaft­li­chen Wett­be­werbs statt­fin­den­de E-Mail-Wer­bung be­trifft das Persönlich­keits­recht des Be­trof­fe­nen und sein Selbst­be­stim­mungs­recht, von un­er­be­te­ner Wer­bung ver­schont zu wer­den. Hin­zu tritt das eben­falls durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Recht der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit des Ar­beit­neh­mers. Ge­werk­schaft­li­che Wer­bung kann des­halb ge­genüber an­de­rer Wer­bung an Ar­beit­neh­mer nicht pri­vi­le­giert sein. Im Ge­gen­satz zu ei­ner Di­rekt­wer­bung per Brief ist berück­sich­ti­gen, dass ein Ar­beit­neh­mer der Kläge­rin sein be­trieb­li­ches Post­fach nicht von sich aus ge­gen un­er­be­te­ne Wer­bung sper­ren kann, wie dies durch ei­nen Auf­kle­ber an ei­nem pri­va­ten Brief­kas­ten möglich ist. Auf­grund der be­schränk­ten Nut­zung des be­trieb­li­chen E-Mail-Ac­counts al­lein für dienst­li­che Zwe­cke ist je­der Ar­beit­neh­mer auch ver­pflich­tet, ein­ge­hen­de E-Mails zu le­sen oder zu­min­dest dar­auf zu kon­trol­lie­ren, ob sie für die Ar­beitstätig­keit not­wen­di­ge In­for­ma­tio­nen ent­hal­ten. So­weit die Be­klag­ten dar­auf hin­wei­sen, dass die E-Mail durch ih­re Ab­sen­der­leis­te so­fort iden­ti­fi­ziert und weg­ge­klickt wer­den konn­te, lässt dies außer Be­tracht, dass die E-Mail vom 12. Fe­bru­ar 2007 bis zu En­de ge­le­sen wer­den muss­te, um an den Link zu ge­lan­gen, der ei­ne Her­aus­nah­me aus dem Ver­tei­ler ga­ran­tier­te. Wer al­so wei­te­re In­for­ma­tio­nen durch die Be­klag­te zu 1) nicht erwünsch­te, muss­te den In­halt der E-Mail erst zur Kennt­nis neh­men.
Die für die Be­klag­te zu 1) han­deln­den Be­klag­ten zu 2) und 3) konn­ten schließlich auch in der lau­fen­den Aus­ein­an­der­set­zung um das Stand­ort­kon­zept nicht un­ter­stel­len, dass al­le Ar­beit­neh­mer
der Kläge­rin mit der Über­sen­dung des Wer­be- und In­for­ma­ti­ons­briefs ein­ver­stan­den wa­ren
(2) Die von den Par­tei­en in die­sem Rechts­streit dis­ku­tier­te Fra­ge der Zulässig­keit ge­werk­schaft­li­cher Wer­bung per E-Mail kann oh­ne die Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer nicht ent­schie­den wer­den. Da durch Art. 9 Abs. 3 GG so­wohl die po­si­ti­ve als auch die ne­ga­ti­ve Ver­ei­ni­gungs­frei­heit des Ein­zel­nen geschützt wird (ErfK-Die­te­rich, 8 Aufl., Art 9 GG Rz 32 ff.), ist zu­min­dest ei­ne sol­che Wer­bung un­zulässig, die nicht un­mit­tel­bar aus­sor­tiert (weg­ge­klickt) wer­den kann, son­dern zur Kennt­nis ge­nom­men wer­den muss, um ei­ne wei­te­re werb­li­che An­spra­che zu ver­hin­dern.
Ei­ne Par­al­le­le zu - zulässi­ger - ge­werk­schaft­li­cher Wer­bung durch Flugblätter, Aushänge an ei­nem schwar­zen Brett oder durch Be­auf­trag­te im Be­trieb kann nicht ge­zo­gen wer­den. Ein Ar­beit­neh­mer, der ei­ne sol­che Wer­bung nicht wünscht, braucht sie dem In­halt nach nicht zur Kennt­nis zu neh­men. Ob ein nur ein­ma­li­ger Hin­weis per E-Mail an al­le Ar­beit­neh­mer zulässig wäre, dass In­for­ma­tio­nen über ge­werk­schaft­li­che Ak­ti­vitäten un­ter ei­ner be­stimm­ten Adres­se ab­ge­ru­fen oder ein News­let­ter an­ge­for­dert wer­den kann, braucht nicht ent­schie­den zu wer­den.
4. Die für ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch zu for­dern­de Wie­der­ho­lungs­ge­fahr liegt vor, da in den die­sen Rechts­streits auslösen­den E-Mails vom 12. Fe­bru­ar 2007 wei­te­re In­for­ma­tio­nen auf die­sem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg an­gekündigt wur­den und die Be­klag­te zu 1) den Stand­punkt ver­tritt, auch künf­tig bei Ar­beit­neh­mern der Kläge­rin per E-Mail wer­ben und in­for­mie­ren zu dürfen.
5. Der Un­ter­las­sungs­an­spruch ist nicht nur ge­gen die Be­klag­te zu 1), son­dern auch ge­gen die Be­klag­ten zu 2) und 3) be­gründet. Wie das Ar­beits­ge­richt aus­geführt hat, sind im Na­men die­ser Per­so­nen die streit­ge­genständ­li­chen E-Mails ver­sandt wor­den. Sie können da­her un­mit­tel­bar als Störer im Sin­ne des § 1004 BGB in An­spruch ge­nom­men wer­den.
III. Der An­trag auf An­dro­hung ei­nes Ord­nungs­gel­des ist nach § 62 Abs. 2 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 890 Abs. 2 ZPO be­gründet.
Die Be­klag­ten zu 1) bis 3) ha­ben die Kos­ten der er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen gemäß §§ 97 , 100 Abs. 1 ZPO .
Die Re­vi­si­on war nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen.
zur Übersicht 18 Sa 1724/07

References: Art. 9
 Art. 9
 § 823
 Art. 9
 §1004
 Art. 9
 § 28
 § 28
 § 3
 § 4
 § 4
 § 28
 § 3
 Art. 9
 § 253
 Art. 9
 § 2
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art. 9
 Art.9
 Art. 9
 Art. 9
 § 3
 § 3
 Art. 9
 § 4
 § 3
 § 3
 § 4
 § 3
 § 28
 § 28
 § 28
 § 3
 § 28
 § 28
 § 3
 § 28
 § 28
 § 28
 § 28
 § 28
 § 28
 Art. 9
 Art. 9
 § 1
 Art. 13
 § 7
 BGH 
 § 2
 Art. 9
 Art. 9
 § 1004
 § 62
 § 890
 § 72