Source: https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-gold/schwarzwidmannradeisen-ustg-15-vorsteuerabzug-2313-inrechnungstellung-der-vorsteuer-aufgrund-von-lieferungen-oder-sonstigen-leistungen_idesk_PI16039_HI2199566.html
Timestamp: 2019-08-20 05:49:13+00:00

Document:
Schwarz/Widmann/Radeisen, UStG § 15 Vorsteuerabzug / 2.3.1.3 Inrechnungstellung der Vorsteuer aufgrund von Lieferungen oder sonstigen Leistungen | Steuer Office Gold | Steuern | Haufe
Der Vorsteuerbetrag muss dem Unternehmer aufgrund von Lieferungen oder sonstigen Leistungen berechnet worden sein. Der Gesetzgeber konnte davon ausgehen, dass grundsätzlich nur für steuerpflichtige Lieferungen oder sonstige Leistungen Rechnungen mit Steuerausweis gem. § 14 Abs. 4 UStG erteilt werden. Nach dem Sinn und Zweck des § 15 UStG berechtigen nur Steuerbeträge, die für Umsätze im Inland in Rechnung gestellt werden, zum Vorsteuerabzug. Nicht abziehbar sind somit die ggf. gesondert in Rechnung gestellten und mit Umsatz-, Einfuhrumsatz- oder MwSt bezeichneten Beträge für Umsätze im Ausland.
Lieferungen und sonstige Leistungen sind umsatzsteuerliche Begriffe mit einem speziellen Inhalt und Anwendungsbereich. Der EuGH legt sie autonom aus – zu Recht unabhängig von den zivilrechtlichen Vorschriften in den EU-Mitgliedstaaten, denn diese können den EuGH bei der Interpretation von Unionsrecht nicht binden. I. d. S. sind sie auch zur Wahrung der gebotenen richtlinienkonformen Auslegung in der Vorschrift über den Vorsteuerabzug zu verstehen. Soweit also der Unternehmer – für ihn erkennbar – für einen nicht steuerbaren Vorgang eine wie auch immer bezeichnete Abrechnung mit offenem Steuerausweis erhält, mag er diese zurückzuweisen. Der Vorsteuerabzug ist jedenfalls aus derartigen Dokumenten unzulässig.
Mitgliedsbeiträge an einen Verein werden von diesem mit gesondertem Steuerausweis abgerechnet. Sog. echte Mitgliedsbeiträge, die ein Verein oder eine Gesellschaft zur Erfüllung des allgemeinen Vereinszwecks erhebt, sind keine Entgelte für Leistungen des Vereins an die Mitglieder. Nach der Entscheidung des EuGH v. 21.3.2002 ist diese Beurteilung aber – zumindest bei Sportvereinen – nicht mehr uneingeschränkt aufrechtzuerhalten, denn mit dem Mitgliedsbeitrag werde bei einem Golfclub, so der EuGH, eine Leistung des Vereins – Möglichkeit der Nutzung der Sportanlagen des Vereins – abgegolten (Rz. 221).
Es liegt eine Rechnung über eine fingierte Lieferung vor.
Eine im Voraus berechnete Lieferung oder sonstige Leistung wird nicht ausgeführt. Die Rechnung ist zu stornieren.
Ein Unternehmer hat für einen Schaden bei einem anderen Unternehmer aufzukommen. Der Schadensbetrag wird ihm vom Geschädigten in einer Rechnung mit offenem Steuerausweis belastet. Schadensersatz ist keine Leistung; mithin kann aus derartigen "Rechnungen" der Vorsteuerabzug nicht geltend gemacht werden.
Rz. 66a
Nur aus tatsächlich vom Rechnungsaussteller erbrachten Leistungen ist der Vorsteuerabzug zulässig. Der EuGH hat daher im Urteil v. 13.2.2014 den Vorsteuerabzug aus einer Rechnung versagt, bei der nicht feststand, wer die in Rechnung gestellte Leistung tatsächlich bewirkt hatte, denn offenbar war die Abrechnung im Rahmen betrügerischer Geschäfte erteilt worden.
Rz. 66b
Im Urteil v. 31.5.2018 – ergangen auf die Vorabentscheidungsersuchen der beiden USt-Senate des BFH v. 21.9.2016 hat der EuGH konsequenterweise daher zu Art. 65 und 167 MwStSystRL entschieden, dass der Vorsteuerabzug aus Anzahlungen für ein definitiv nicht geliefertes Blockheizkraftwerk versagt werden muss, wenn anhand objektiver Umstände erwiesen ist, dass der Zahlende im Zeitpunkt der Leistung der Anzahlung wusste oder vernünftigerweise hätte wissen müssen, dass die Bewirkung der Leistung unsicher war.
Rz. 66c
Weiter hat er in diesem Urteil aber auch postuliert, dass die Berichtigung des Vorsteuerabzugs nach den nationalen Vorschriften oder Gepflogenheiten davon abhängig gemacht werden darf, dass die Anzahlung vom Lieferer zurückgezahlt wird. Das entspricht der Rspr. des V. Senats des BFH zu § 17 UStG, s. Urteile v. 2.9.2010 und v. 15.9.2011 und der Verwaltungspraxis gem. Abschn. 17.1 Abs. 7 UStAE.
Rz. 66d
Nach dem Urteil des EuGH vom 7.3.2018 kann der Vorsteuerabzug versagt werden, wenn der Steuerpflichtige seine Ausgangsumsätze nicht erklärt, weil die Verwaltung dann nicht den Zusammenhang zwischen den Eingangs- und Ausgangsumsätzen nicht zuverlässig feststellen kann.
Die erbrachte Leistung – es kann sich selbstverständlich auch um eine eigenständige Teilleistung im Rahmen eines Dauerschuldverhältnisses wie z. B. bei Miet- oder Lizenzverträgen handeln oder um eine entgeltliche Leistungsbereitschaft – muss ggf. unter Heranziehung weiterer Erkenntnisse identifizierbar sein. Man muss annehmen, dass die Darlegungs- und Beweislast für derartige Erkenntnismittel beim Unternehmer liegt, der den Vorsteuerabzug begehrt.
In dem Urteil v. 10.11.1994 hat der BFH dazu verlangt, dass die Rechnung eine eindeutige und leicht nachprüfbare Feststellung der Leistung ermöglicht, über die abgerechnet wurde.
Der leistende Unternehmer muss in der Rechnung zutreffend bezeichnet sein. Wenn aus besonderen Gründen ein Scheinname verwendet wird, ist danach unter Hinweis auf das BFH-Urteil v. 7.10.1987 ausnahmsweise der Vorsteuerabzug zulässig, wenn der tatsächlich leistende Unternehmer eindeutig und leicht nachprüfbar aus dem Abrechnungspapier ersichtlich ist. Wenn ein Kü...

References: § 15
 § 14
 § 15
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 EuGH 
 Art. 65
 § 17
 EuGH