Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Wirksamkeit_der_Befristung_eines_Arbeitsverhaeltnisses_LAG_SachsenAnhalt_6Sa6212.html
Timestamp: 2017-06-23 17:24:35+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 6 Sa 62/12
Befristung, Befristung des Arbeitsvertrags, Befristung: Sachgrund
Arbeitsgericht Magdeburg, Urteil vom 07.12.2011, 7 Ca 1011/11
we­gen Be­fris­tungs­kon­trol­le
hat die 6. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. Mai 2013
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mag­de­burg vom 07.12.2011 – 7 Ca 1011/11 – wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund Be­fris­tung.
Die Kläge­rin, Fachärz­tin für Kin­der­heil­kun­de, war im Zeit­raum 01.02.1999 bis 30.03.2011 im Uni­ver­sitätskli­ni­kum M, Kin­der­kli­nik zu­letzt als Oberärz­tin tätig. Die­se Tätig­keit be­ruh­te zunächst auf ei­nem für den Zeit­raum 01.02.1999 bis 31.03.1999 zwi­schen der Kläge­rin und dem Land Sach­sen-An­halt ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin. Im An­schluss er­folg­te die Er­nen­nung der Kläge­rin zur Be­am­tin auf Zeit als wis­sen­schaft­li­che As­sis­ten­tin durch das Land Sach­sen-An­halt. Die­ses Be­am­ten­verhält­nis wur­de mehr­fach verlängert und en­de­te durch Ent­las­sung der Kläge­rin sei­tens des Lan­des Sach­sen-An­halt zum 31.03.2009. Im Ver­lauf des Be­am­ten­verhält­nis­ses (am 01.01.2006) wur­de die Be­klag­te als ju­ris­tisch ei­genständi­ge An­stalt öffent­li­chen Rechts nach Maßga­be des Hoch­schul­me­di­zin­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-An­halt (HMG LSA) ge­gründet. Sie schloss am 20./31.03.2009 ei­nen (sach­grund­los) be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für den Zeit­raum 01.04.2009 bis 30.03.2011 mit der Kläge­rin, wo­nach die­se (wei­ter­hin) als Fachärz­tin tätig sein soll­te. We­gen der Ein­zel­hei­ten die­ses Ar­beits­ver­tra­ges wird auf Bl. 16 f. d.A. ver­wie­sen.
Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zwi­schen den Par­tei­en be­ste­he ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis als Fachärz­tin, weil der im vor­ge­nann­ten Ver­trag ver­ein­bar­ten Be­fris­tung man­gels Sach­grun­des kei­ne Rechts­wirk­sam­keit zu­kom­me. Die Be­klag­te ha­be die­sen Ar­beits­ver­trag auch nicht sach­grund­los nach Maßga­be des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG rechts­wirk­sam be­fris­ten können. Dem ste­he das in der vor­ge­nann­ten Be­stim­mung ent­hal­te­ne Vor­beschäfti­gungs­ver­bot ent­ge­gen. Das zwi­schen dem Land Sach­sen-An­halt und der Kläge­rin be­gründe­te Be­am­ten­verhält­nis sei nach Maßga­be des § 20 Abs. 4 HMG LSA mit Gründung der Be­klag­ten zum 01.01.2006 auf die­se über­ge­gan­gen. Nach Sinn und Zweck des An­schluss­ver­bo­tes sei auch ein dem sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag vor­an­ge­gan­ge­nes Be­am­ten­verhält­nis, bei dem der nun­meh­ri­ge Ar­beit­ge­ber die Dienst­her­ren­funk­ti­on aus­geübt ha­be, als „Ar­beits­verhält­nis“ an­zu­se­hen. Je­den­falls stel­le die von der Be­klag­ten ver­wen­de­te Ver­trags­kon­struk­ti­on ei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Um­ge­hung des Vor­beschäfti­gungs­ver­bo­tes dar. Die Be­klag­te nut­ze die Be­stim­mun­gen des HMG LSA da­zu aus, die Beschäfti­gung der Kläge­rin als Fachärz­tin für wei­te­re 2 Jah­re be­fris­tet fort­zu­set­zen.
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en auf­grund der Be­fris­tung zum 30.03.2011 nicht be­en­det wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen un­be­fris­tet fort­be­steht.
Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung kom­me Rechts­wirk­sam­keit zu. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG sei­en ge­ge­ben. Zwi­schen den Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges vom 20./31.03.2009 ha­be nie­mals zu­vor ein die sach-grund­lo­se Be­fris­tung sper­ren­des Ar­beits­verhält­nis be­stan­den. Ein Be­am­ten­verhält­nis sei nicht als Ar­beits­verhält­nis im Sin­ne die­ser Norm an­zu­se­hen. Darüber hin­aus sei aber auch das zwi­schen der Kläge­rin und dem Land Sach­sen-An­halt be­gründe­te Be­am­ten­verhält­nis nicht nach Maßga­be des § 20 HMG LSA auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen. Der in § 20 HMG LSA an­ge­ord­ne­te Über­gang von Ar­beits- und Dienst­verhält­nis­sen von dem Land Sach­sen-An­halt auf die Be­klag­te er­fas­se nicht das an den Uni­ver­sitätskli­ni­ken täti­ge wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal. Hier­zu ha­be auch die Kläge­rin un­ge­ach­tet ih­rer un­strei­ti­gen Tätig­keit als Oberärz­tin in der Kin­der­kli­nik gehört.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 07.12.2011 die Kla­ge ab­ge­wie­sen und die Kos­ten des Rechts­streits der Kläge­rin auf­er­legt. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt im We­sent­li­chen aus­geführt, die streit­ge­genständ­li­che Be­fris­tungs­ab­re­de sei rechts­wirk­sam. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG sei­en ge­ge­ben. Die Be­fris­tungs­ab­re­de ver­s­toße nicht ge­gen das Vor­beschäfti­gungs­ver­bot, weil zwi­schen den Par­tei­en zu­vor kein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den ha­be. Da­bei könne letzt­end­lich da­hin­ste­hen, ob das zwi­schen der Kläge­rin und dem Land Sach­sen-An­halt be­gründe­te Be­am­ten­verhält­nis als wis­sen­schaft­li­che As­sis­ten­tin auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen sei. Je­den­falls sei ein sol­ches Be­am­ten­verhält­nis nicht als ein die Sperr­wir­kung des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG aus-lösen­des „Ar­beits­verhält­nis“ an­zu­se­hen. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung wird auf Bl. 83 – 91 d.A. ver­wie­sen.
Ge­gen die­ses, ihr am 17.01.2012 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin am 17.02.2012 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 17.04.2012 am 17.04.2012 be­gründet.
Mit ih­rem Rechts­mit­tel ver­folgt sie ih­ren, den Ar­beits­ver­trag vom 20./31.03.2009 be­tref­fen­den Be­fris­tungs­kon­troll­an­trag un­ter Auf­recht­er­hal­tung des be­reits erst­in­stanz­lich ver­tre­te­nen Rechts­stand­punk­tes wei­ter. Bei sei­ner klag­ab­wei­sen­den Ent­schei­dung ha­be das Ar­beits­ge­richt ins­be­son­de­re ver­kannt, dass struk­tu­rell ge­se­hen ein Be­am­ten­verhält­nis ei­nem Ar­beits­verhält­nis gleich­zu­set­zen sei. Bei­de Rechts­verhält­nis­se sei­en auf die abhängi­ge Beschäfti­gung von Men­schen ge­rich­tet.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mag­de­burg vom 17.12.2011 ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der Be­fris­tung zum 30.03.2011 be­en­det wor­den ist.
Sie ver­tei­digt die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird die zur Ak­te ge­reich­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen.
Die an sich statt­haf­te (§§ 8 Abs. 2, 64 ArbGG) und auch im Übri­gen zulässi­ge (§ 66 Abs. 1 ArbGG) Be­ru­fung der Kläge­rin ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge, die – wie die Kläge­rin durch An­trags­um­stel­lung im Ter­min am 14.05.2013 klar­ge­stellt hat – den aus­sch­ließli­chen Streit­ge­genständen bil­det, zu Recht ab­ge­wie­sen. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist auf­grund der am 21./31.03.2009 ver­ein­bar­ten ka­len­dermäßigen Be­fris­tung zum 30.03.2011 be­en­det wor­den (§ 15 Abs. 1 Tz­B­fG). Der Be­fris­tungs­ab­re­de kommt Rechts­wirk­sam­keit zu.
Sie ist als sach­grund­lo­se Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG zulässig. Da­nach ist die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von 2 Jah­ren zulässig. Ei­ne Be­fris­tung nach Satz 1 ist hin­ge­gen nicht zulässig, wenn mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber be­reits zu­vor ein be­fris­te­tes oder un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat.
Die Vor­aus­set­zun­gen des Abs. 2 Satz 1 lie­gen vor. Die Par­tei­en ha­ben ei­ne ka­len­dermäßige Be­fris­tung i.S.d. § 3 Abs. 1 Satz 2 Tz­B­fG ver­ein­bart, de­ren Lauf­zeit die zulässi­ge Höchst­dau­er von 2 Jah­ren nicht über­schrei­tet.
Der Rechts­wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­ab­re­de steht nicht das An­schluss­ver­bot in Abs. 2 Satz 2 ent­ge­gen. Ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ist nach § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG nicht zulässig, wenn mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber be­reits zu­vor ein be­fris­te­tes oder un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat. Ar­beit­ge­ber iSv. § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG ist der Ver­trags­ar­beit­ge­ber. Das ist die natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son, die mit dem Ar­beit­neh­mer den Ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen hat. Ein vor­her­ge­hen­der Ar­beits­ver­trag hat des­halb nur dann mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber be­stan­den, wenn Ver­trags­part­ner des Ar­beit­neh­mers bei bei­den Verträgen die­sel­be natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son ist. Das Zu­vor­beschäfti­gungs­ver­bot knüpft nicht an den Beschäfti­gungs­be­trieb oder den Ar­beits­platz an. Auch die Über­las­sung ei­nes Ar­beit­neh­mers an sei­nen vor­ma­li­gen Ver­trags­ar­beit­ge­ber, bei dem er zu­vor sach­grund­los be­fris­tet beschäftigt war, führt für sich ge­se­hen nicht zur Un­wirk­sam­keit ei­ner an­sch­ließend mit dem Ver­lei­her i.S.d. § 1 AÜG nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ver­ein­bar­ten sach­grund­lo­sen Be­fris­tung. Der Ge­setz­ge­ber hat für die Zulässig­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung nicht auf die vor­he­ri­ge Beschäfti­gung in ei­nem Be­trieb oder für ei­nen Be­triebs­in­ha­ber, son­dern nur auf den recht­li­chen Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ver­trags­ar­beit­ge­ber ab­ge­stellt (BAG 09.03.2011 – 7 AZR 657/09 – Rn. 18)
a. Zwi­schen den Par­tei­en des Rechts­streits be­stand un­strei­tig zu kei­nem Zeit­punkt ein Ar­beits­verhält­nis im Rechts­sin­ne. Die Grund­la­ge für die Tätig­keit der Kläge­rin am Uni­ver­sitätskli­ni­kum M (Kin­der­kli­nik) im Zeit­raum vom 01.02.1999 bis 31.03.1999 bil­de­te ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag mit dem Land Sach­sen-An­halt, nicht mit der – da­mals noch nicht exis­tie­ren­den – be­klag­ten An­stalt öffent­li­chen Rechts.
b. Das zwi­schen dem Land Sach­sen-An­halt und der Kläge­rin be­gründe­te und mehr­fach verlänger­te Be­am­ten­verhält­nis als wis­sen­schaft­li­che As­sis­ten­tin im Zeit­raum vom 01.04.1999 bis 31.03.2009 stellt kein Ar­beits­verhält­nis mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber i.S.d. § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG dar.
aa. Dem steht be­reits ent­ge­gen, dass das Be­am­ten­verhält­nis nicht mit der be­klag­ten An­stalt öffent­li­chen Rechts be­stan­den hat. Das öffent­lich-recht­li­che Dienst­verhält­nis ist un­strei­tig mit dem Land Sach­sen-An­halt be­gründet wor­den. Es ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht gemäß § 20 Abs. 4 HMG LSA i.V.m. §§ 128 ff. BRRG auf die Be­klag­te. Dem ste­hen die §§ 6 Abs. 3; 20 Abs. 1 HMG LSA ent­ge­gen, de­nen der fol­gen­de In­halt zu­kommt:
(3) Das haupt­be­ruf­lich täti­ge wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal und das die­sem zu­ge­ord­ne­te Per­so­nal so­wie das sons­ti­ge Per­so­nal der Me­di­zi­ni­schen Fa­kultäten wird bei der Hoch­schu­le beschäftigt und in den Stel­len­plänen der Me­di­zi­ni­schen Fa­kultät geführt.
§ 20 …
(1) Mit Aus­nah­me der in § 6 ge­nann­ten Per­so­nen­grup­pen wer­den die Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen so­wie die zur ih­rer Aus­bil­dung Beschäftig­ten beim Uni­ver­sitätskli­ni­kum mit dem all­ge­mei­nen In-Kraft-Tre­ten die­ses Ge­set­zes Beschäftig­te der als Rechts­nach­fol­ger er­rich­te­ten An­stal­ten öffent­li­chen Rechts. Die je­wei­li­ge An­stalt öffent­li­chen Rechts tritt in die Rech­te und Pflich­ten der zu die­sem Zeit­punkt be­ste­hen­den Ar­beits- und Aus­bil­dungs­verhält­nis­se ein. Die Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen sind ver­pflich­tet, bei der An­stalt öffent­li­chen Rechts ih­re Diens­te zu er­brin­gen.
Da­nach ist das Be­am­ten­verhält­nis der Kläge­rin auch nach Gründung der Be­klag­ten mit dem Land Sach­sen-An­halt fort­geführt wor­den. Die Kläge­rin zählt zu dem haupt­be­ruf­lich täti­gen wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal. Sie ist nach Maßga­be des Hoch­schul­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-An­halt in ein Be­am­ten­verhält­nis als wis­sen­schaft­li­che As­sis­ten­tin be­ru­fen wor­den (vgl. hier­zu OVG LSA 07.01.2011 – 1 L 155/10 – ju­ris Rn. 7). Un­er­heb­lich für die be­am­ten­recht­li­che Zu­ord­nung ist die von der Kläge­rin tatsächlich an der Kin­der­kli­nik aus­geübte Tätig­keit als Oberärz­tin. Die be­am­ten­recht­li­chen Re­ge­lun­gen im HMG LSA knüpfen – der Sys­te­ma­tik des Be­am­ten­rechts fol­gend – nicht an die tatsächlich dem Be­am­ten zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­ben, son­dern an sei­nen Sta­tus, al­so das über­tra­ge­ne Amt an.
bb. Darüber hin­aus sperrt ein mit dem­sel­ben Dienst­herrn/Ar­beit­ge­ber zu­vor be­gründe­tes Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit nicht den nach­fol­gen­den Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Ein Be­am­ten­verhält­nis ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht als Ar­beits­verhält­nis i.S.d. § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG zu klas­si­fi­zie­ren.
aaa. Da­ge­gen spricht be­reits der Wort­laut, der sich auf die Be­nen­nung von Ar­beits­verhält­nis­sen be­schränkt.
bbb. Ei­ne sys­te­ma­ti­sche Be­trach­tung führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. So hat der Ge­setz­ge­ber in § 2 Abs. 3 Satz 1 WZVG aus­drück­lich Be­am­ten­verhält­nis­se auf Zeit als auf die nach die­sem Ge­setz zulässi­ge Höchst­be­fris­tungs­dau­er für das wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal an staat­li­chen Hoch­schu­len für an­re­chen­bar erklärt, ei­ne ent­spre­chen­de Er­stre­ckung in § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG je­doch ge­ra­de nicht auf­ge­nom­men. Der Ge­setz­ge­ber hat im Tz­B­fG so­gar da­von ab­ge­se­hen, sons­ti­ge auf pri­vat­recht­li­cher Grund­la­ge be­ru­hen­de Beschäfti­gungs­verhält­nis­se – im Ge­gen­satz zu § 6 Abs. 1 (i.V.m. § 7 Abs. 1) Pfle­geZG – zu be­nen­nen.
ccc. Ei­ne der­ar­ti­ge Aus­le­gung ent­spricht dem Wil­len des his­to­ri­schen Ge­setz­ge­bers, wie sich aus der BT-Druck­sa­che 14/4374, S. 20 er­gibt. Die Ge­set­zes­be­gründung be­zieht sich aus­sch­ließlich auf vor­an­ge­gan­ge­ne Ar­beits­verhält­nis­se.
ddd. Auch der Ge­set­zes­zweck ver­langt kei­ne Gleich­stel­lung von Ar­beits­verhält­nis­sen mit vor­an­ge­gan­ge­nen Be­am­ten­verhält­nis­sen. Der Sinn und Zweck des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG liegt dar­in, Be­fris­tungs­ket­ten zu ver­hin­dern (BAG 06.04.2011 – 7 AZR 716/09). Es geht al­so um die Ein­schränkung der Ver­trags­ge­stal­tung der Par­tei­en. Dem­ge­genüber wer­den be­am­ten­recht­li­che Be­zie­hun­gen auf öffent­lich-recht­li­cher Grund­la­ge im We­ge ei­nes Ho­heits­ak­tes be­gründet. Die­se un­ter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung der ei­ner Beschäfti­gung zu­grun­de lie­gen­den Rechts­be­zie­hung recht­fer­tigt auch ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung im Be­reich des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG.
eee. Schluss­end­lich lässt sich ei­ne Ein­be­zie­hung von vor­an­ge­gan­ge­nen Be­am­ten­verhält­nis­sen in den Gel­tungs­be­reich des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG nicht im Rah­men ei­ner uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung die­ser Be­stim­mung an­hand des In­halts der Richt­li­nie 1999/70/EG be­gründen. Die die­ser Richt­li­nie zu­grun­de lie­gen­de Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ver­langt nicht die Ein­be­zie­hung von vor­an­ge­gan­ge­nen Be­am­ten­verhält­nis­sen in den Gel­tungs­be­reich des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG. Be­reits aus dem Wort­laut der Rah­men­ver­ein­ba­rung, nämlich § 2 Nr. 1, geht her­vor, dass sich die De­fi­ni­ti­on der Ar­beits­verträge und -verhält­nis­se, für die die­se Rah­men­ver­ein­ba­rung gilt, nicht nach der Ver­ein­ba­rung selbst oder dem Uni­ons­recht, son­dern nach den na­tio­na­len Rechts­vor-schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten rich­tet. Außer­dem ver­leiht § 2 Nr. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung den Mit­glieds­staa­ten ein Er­mes­sen hin­sicht­lich der An­wen­dung der Rah­men­ver­ein­ba­rung auf be­stimm­te Ka­te­go­ri­en von Ar­beits­verträgen oder -verhält­nis­sen (EuGH 11.04.2013 – C-290/12 – „Ores­te Del­la Ro­ca/Pos­te Ita­lia­ne SpA“).
c. Die hier vor­lie­gen­de Aus­ge­stal­tung der Beschäfti­gung der Kläge­rin an dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum M stellt kei­ne zur Rechts­un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung führen­de rechts­miss­bräuch­li­che Um­ge­hung des An­schluss­ver­bo­tes in § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG dar. Der Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) als Ge­bot der Red­lich­keit und all­ge­mei­ne Schran­ke der Rechts­ausübung be­schränkt so­wohl sub­jek­ti­ve Rech­te als auch Rechts­in­sti­tu­te und Nor­men. Die sich aus ei­nem Rechts­in­sti­tut oder ei­ner Rechts­norm an sich er­ge­ben­den Rechts­fol­gen müssen zurück­tre­ten, wenn sie zu ei­nem mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­ba­ren Er­geb­nis führen. Dies ist u.a. der Fall, wenn ein Ver­trags­part­ner ei­ne an sich recht­lich mögli­che Ge­stal­tung in ei­ner mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­ba­ren Wei­se nur da­zu ver­wen­det, sich zum Nach­teil des an­de­ren Ver­trags­part­ners Vor­tei­le zu ver­schaf­fen, die nach dem Zweck der Norm und des Rechts­in­sti­tuts nicht vor­ge­se­hen sind. Auch die Aus­nut­zung der durch das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz vor­ge­se­he­nen Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten kann un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen rechts­miss­bräuch­lich sein, et­wa wenn meh­re­re recht­lich und tatsächlich ver­bun­de­ne Ver­trags­ar­beit­ge­ber in be­wuss­tem und ge­woll­tem Zu­sam­men­wir­ken mit ei­nem Ar­beit­neh­mer auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge aus­sch­ließlich des­halb schließen, um auf die­se Wei­se über die nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG vor­ge­se­he­nen Be­fris­tungsmöglich­kei­ten hin­aus sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen an­ein­an­der­rei­hen zu können (BAG 09.03.2011 – 7 AZR 657/09 – Rn. 21).Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für ei­nen Rechts­miss­brauch liegt da­bei bei dem Ar­beit­neh­mer (BAG 18.07.2012 – 7 AZR 443/09 – Rn. 48).Aus dem sich bie­ten­den, zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­gen Sach­ver­halt lässt sich ei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Ver­trags­ge­stal­tung im vor­ste­hen­den Sin­ne nicht ab­lei­ten. Die der Be­klag­ten eröff­ne­te Möglich­keit zum Ab­schluss sach­grund­los be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit ehe­ma­li­gen Ar­beit­neh­mern bzw. Be­am­ten des Lan­des Sach­sen-An­halt, die zu­vor be­reits am Uni­ver­sitätskli­ni­kum M tätig wa­ren, be­ruht vor­lie­gend nicht auf ei­ner „Auf­split­tung“ der Ar­beit­ge­ber­funk­ti­on in meh­re­re recht­lich selbständi­ge Un­ter­neh­men, son­dern viel­mehr auf ei­ner lan­des­ge­setz­li­chen Re­ge­lung. An­halts­punk­te dafür, dass ei­ne wei­te­re „Ro­ta­ti­on“ der Kläge­rin an­ge­dacht war, sind nicht er­sicht­lich. Darüber hin­aus verändern sich durch den Ab­schluss des hier strei­ti­gen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges die Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen für die Kläge­rin im Ver­gleich zu dem bis­her be­ste­hen­den Be­am­ten­verhält­nis er­heb­lich. Dies würde selbst bei ei­nem zu­vor mit dem Land Sach­sen-An­halt ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag gel­ten, da auf­grund der Be­zug­nah­me­klau­sel in § 1 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 20./31.03.2009 die spe­zi­el­len Haus­ta­rif­verträge zur An­wen­dung kom­men.
Wei­te­re Un­wirk­sam­keits­gründe be­tref­fend die ver­ein­bar­te Be­fris­tungs­ab­re­de hat die Kläge­rin we­der erst­in­stanz­lich (§§ 17 Satz 2 Tz­B­fG; 6 KSchG) noch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren gel­tend ge­macht und las­sen sich im Übri­gen auch aus dem vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt nicht ab­lei­ten.
Nach al­le­dem konn­te das Rechts­mit­tel der Kläge­rin kei­nen Er­folg ha­ben.
Gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG war für die Kläge­rin die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen. Nach Auf­fas­sung der Kam­mer kommt den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen grundsätz­li­che Be­deu­tung zu.	m.hensche.de
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 § 72