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Timestamp: 2020-07-10 16:09:21+00:00

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Was kostet eine Scheidung in Deutschland? I Familienrechtsinfo.de
Wie teuer ist eine Scheidung? Jeder der kurz vor einer Scheidung steht, möchte wissen, mit welchen Kosten er für die Scheidung rechnen muss. Eine einvernehmliche Scheidung kann relativ kostengünstig über die Bühne gehen, wohingegen eine strittige Scheidung teuer werden kann.
Insbesondere dann, wenn Scheidungsfolgen (Unterhalt, Sorgerecht, Zugewinnausgleich) geklärt werden müssen.
Was kostet eine Scheidung ohne Anwalt und ist das in Deutschland möglich?
Wie hoch ist der Gerichtskostenvorschuss bei Scheidung?
Der folgende Artikel gibt Ihnen einen Gesamtüberblick über die Scheidungskosten in Deutschland und erläutert dabei auch, was eine Scheidung kostet und wer zahlt.
Das Wichtigste in Kürze zu Kosten einer Scheidung:
Die Berechnung der Scheidungskosten ist komplex und als Berechnungsgrundlage dient der Verfahrenswert für Anwalts- und Gerichtskosten.
Bei einem geringen Einkommen (Arbeitslosengeld II) beträgt der Verfahrenswert mindestens 4.000 Euro, wobei (3.000 Euro Einkommenspauschale und 1.000 Euro für den Versorgungsausgleich).
Bei einem Verfahrenswert von 4.000 Euro belaufen sich die Kosten einer Scheidung auf mindestens 1027,50 Euro (254 Euro Gerichtskoten und 773,50 Euro Anwaltskosten).
Kann der Antragssteller die Kosten für die Scheidung nicht tragen, kann er Verfahrenskostenhilfe beantragen. Hat der Antragsgegner hingegen die finanziellen Möglichkeiten, hat der Antragssteller Anspruch auf einen Verfahrenskostenvorschuss und der Antragsgegner zahlt zunächst die Scheidungskosten.
Eine einvernehmliche Scheidung ist wesentlich kostengünstiger und weniger zeitintensiv als eine strittige Scheidung. Ebenso kann die Mediation eine Alternative sein.
Fordern Sie einen Kostenvoranschlag bei Ihrem Anwalt ein, um einen besseren Überblick über die Scheidungskosten zu erhalten.
Eine erste Übersicht über die Berechnung der Kosten einer Scheidung
Was kostet eine Scheidung? Im Grunde genommen werden die Kosten der Scheidung in Deutschland anhand des Verfahrenswerts – auch Streitwert genannt – berechnet. Auf diesem Wert beruhen die Anwalts- und Gerichtskosten Ihrer Scheidung.
Der Verfahrenswert ergibt sich aus dem Quartalsnettoeinkommen, einem Anteil für den durchzuführenden Versorgungsausgleich und aus dem geforderten Kindesunterhalt, Mietzahlungen und Zugewinnausgleichsansprüchen. Durch den Verfahrenswert können dann die Gerichts- und Anwaltskosten berechnet werden.
Zunächst werden beide Monatsnettoeinkommen der Eheleute addiert und im Anschluss mal drei Monate multipliziert. Außerdem werden die Darlehensraten für gemeinsame Schulden und ihre Unterhaltsverpflichtungen von diesem Wert abgezogen. Manche Gerichte verrechnen vom Verfahrenswert auch eine Pauschale von 250 Euro pro Kind.
Ist das dreifache Nettoeinkommen zusammen geringer als 3.000 Euro, dann beträgt der Verfahrenswert trotzdem 3.000 Euro. Die günstigste Scheidung hat einen Verfahrenswert von 4.000 Euro, wobei das gemeinsame Nettoeinkommen in Höhe von mindestens 3.000 Euro und 1.000 Euro für den Versorgungsausgleich enthalten sind.
Für die folgenden Folgeverfahren erhöht sich der Wert um diese Werte:
Zugewinnausgleich: Höhe des Ausgleichsbetrags
Hausrat: Wert des Hausrates
Umgangs- und Sorgerecht: 20 % vom Hauptverfahrenswert, aber nicht mehr als 3.000 Euro.
Ehewohnung: 12-mal die Monatsmiete.
Unterhalt: 12-mal der Unterhaltsbetrag
Kosten einer Scheidung – wer zahlt?
Die Frage „Wer zahlt für die Kosten einer Scheidung?“ ist für die Ehepartner im Rahmen einer Scheidung entscheidend. Haben die Eheleute oder ein Ehegatte kein Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe, dann müssen beide Ehepartner die Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen.
Die Gerichtskosten werden unter den Ehepartnern hälftig geteilt. Allerdings muss der Antragsteller für die Gerichtskosten in Vorkasse treten. Werden die Kosten bzw. der Kostenvorschuss nicht vorab gezahlt, wird das Familiengericht nicht tätig. Das Gericht legt einen Streitwert fest, der in einem Kostenfestsetzungsbeschluss aufgenommen wird. Der Antragsgegner muss seinen Anteil an die Gerichtskasse zahlen und der Antragssteller erhält den überschüssigen Betrag zurückerstattet.
Gleiches gilt für Folgesachen (Unterhalt, Sorgerecht, Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich), die im Verbund geklärt wurden. Meist werden diese Vorschüsse und Erstattungen an den beauftragten Rechtsanwalt gezahlt. Sämtliche Kosten für die Folgesachen, die nicht im Verbund geltend gemacht werden, müssen vom Verlierer des Prozesses getragen werden.
Welche unterschiedlichen Kosten gibt es bei einer Scheidung in Deutschland?
Bei den Scheidungskosten unterscheidet man zwischen Anwalts- und Gerichtskosten. Ganz gleich, ob es sich um eine strittige oder einvernehmliche Scheidung handelt, der Verfahrenswert ist die Berechnungsgrundlage jener Kosten. Wie berechnet sich der Verfahrenswert?
Der Verfahrenswert ist das monatliche Nettoeinkommen beider Ehegatten multipliziert mal drei Monate. Angenommen Herr Müller verdient 2.800 Euro pro Monat und seine Frau hat 1.800 Euro monatlich. Zusammen verdienen sie 4.600 Euro, so dass der Verfahrenswert für das Scheidungsverfahren 13.800 Euro (4.600 Euro x 3) beträgt.
Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass nur ein vorab bestimmter Bruchteil des Verfahrenswerts zu zahlen ist. Sowohl das Gericht als auch der Rechtsanwalt erhalten nur einen Bruchteil des Verfahrenswerts. Im Gegensatz zu den Gerichtskosten können die Anwaltskosten sehr variabel sein, da Anwälte bekanntlich unterschiedlich teuer sind.
Daher raten wir Ihnen, Qualifikationen und Erfahrung mit den Kosten abzugleichen. Sicherlich lohnt es sich in einigen Fällen etwas mehr zu zahlen, um den besten Anwalt zu haben, doch nicht immer stehen hohe Kosten in einem ausgeglichenen Verhältnis zur Qualität der anwaltlichen Arbeitsleistung. Machen Sie daher einen Kostenvergleich.
Anwaltsgebühren – Wie berechnen sich die Kosten einer Scheidung?
Die Anwaltsgebühren richten sich grds. nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), doch bei einer Scheidung kann ein Rechtsanwalt für Familienrecht alle Tätigkeiten in Rechnung stellen. Außerdem muss unterschieden werden, ob der Mandant außergerichtlich oder gerichtlich vertreten wird. Für die gerichtliche Vertretung gibt es fest vorgeschriebene Gebühren, von denen der Anwalt nicht nach unten abweichen darf.
Doch die Leistungen im Rahmen einer außergerichtlichen Vertretung kann der Anwalt nahezu nach Belieben in Rechnung stellen. Demnach kann ein Rechtsanwalt auch günstige Pauschalpreise für eine außergerichtliche Beratung festlegen. Lassen Sie sich einen unverbindlichen Kostenvoranschlag erstellen.
Anwaltskosten bei außergerichtlicher Vertretung
Immer dann, wenn ein Anwalt die Interessen seines Mandanten nach außen vertritt, wird er außergerichtlich tätig. Dies kann in Form eines Schreibens oder eines Anrufs an die Gegenseite erfolgen. Der Anwalt erhält hierfür eine schriftliche Vollmacht von seinem Mandanten mit Namensangabe und einer kurzen Beschreibung des Anliegens. Bei einer Scheidung können mehrere Angelegenheiten zu klären sein, die in der Vollmacht benannt werden. Die Höhe der Anwaltskosten richtet sich dabei nach dem Gegenstandswert.
Der Gebührensatz für die anwaltliche Vertretung beläuft sich auf den Faktor 1,3. Kommt es hingegen zu einer außergerichtlichen Einigung in Form einer Scheidungs­folgen­vereinbarung, wird eine Einigungsgebühr zu einem Gebührensatz von 1,5 berechnet. Diese kann zwar nicht in Ehesachen, wohl aber in Kindschaftssachen entstehen.
Bei der Regelung einer Kindschaftssache kommt es zu einer außergerichtlichen Einigung. Der Gegenstandswert beläuft sich auf 4.000 Euro, wodurch die Gebühr laut Anlage 2 zu § 13 Abs. 1 Satz 3 RVG252 Euro beträgt. Die Gebühren des Anwalts belaufen sich auf die Einigungsgebühr von 1,5 und die Vergleichsgebühr von ebenfalls 1,3. Demnach kann der Anwalt eine Gebühr mit dem Faktor 2,8 aus 252 Euro berechnen: 705,60 Euro.
Ebenso muss noch die Auslagenpauschale von 20 Euro hinzugerechnet sowie die Mehrwertsteuer von 19% berücksichtigt werden. Bei einer gerichtlichen Vertretung fallen weitere Kosten an.
Bei einer Scheidung führt das Familiengericht den Versorgungsausgleich von Amts wegen durch, sofern die Ehe nicht weniger als 3 Jahre bestand. Daher müssen bei den Kosten einer Scheidung auch die Versorgungsausgleichskosten berücksichtigt werden.
Der Gegenstandswert (Nettoeinkommen beider Ehegatten mal 3 Monate) kann sich durch Unterhaltspflichten, hohe Schulden oder bei einer einvernehmlichen Scheidung mit einem Anwalt reduzieren. Der Mindestgegenstandswert ist allerdings 3.000 Euro. Der Mindestgegenstandswert für den Versorgungsausgleich beträgt 1.000 Euro oder 10% vom Nettoeinkommen der Ehegatten aus drei Monaten und pro Rentenversicherung.
Beispiel mit Versorgungsausgleich:
Das Nettoeinkommen beider Ehepartner beträgt 3.000 Euro und beide sind in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Der Ehemann hat auch eine betriebliche Altersvorsorge und der Versorgungsausgleich muss durchgeführt werden.
Das Gesamteinkommen muss mit 3 Monaten multipliziert werden, sodass ein Gegenstandswert von 9.000 Euro vorliegt. Für den Versorgungsausgleich sind 10% des Gesamteinkommens aus drei Monaten zu errechnen:
9.000 Euro * 10% = 900 Euro * 3 Monate = 2.700 Euro.
Der Gegenstandswert für den Versorgungsausgleich beträgt 2.700 Euro und die Scheidung hat insgesamt einen Verfahrenswert von 11.700 Euro (2.700 Euro + 9.000 Euro).
In Abgleich mit diesem Verfahrenswert erhält jeder beauftragte Anwalt einen Satz von 1,3 und eine Termingebühr mit einem Satz von 1,2 zuzüglicher aller Auslagenpauschale und Mehrwertsteuer.
Bei einem Gegenstandswert von 11.700 Euro beläuft sich die Gebühr nach Anlage 2 zu §13 Abs. 1 Satz 3 RVG auf 604,00 Euro.
Die Gebührensätze belaufen sich aber auf einen Gebührensatz von insgesamt 2,5 (1,2 Termingebühr + 1,3 Verfahrensgebühr), sodass der Anwalt das 2,5-fache aus 604Euro, also insgesamt 1.510 Euro berechnet. Hinzugerechnet werden müssen auch die Auslagenpauschale von 20 Euro und die Mehrwertsteuer von 19%.
Beispiel mit Betreuungsunterhalt
Ein Ehepaar hat ein Kind und lässt sich scheiden und die Ehefrau fordert einen Betreuungsunterhalt von 700 Euro monatlich und der Mann verdient monatlich 3.500 Euro. Der Unterhalt für das Kind wurde außergerichtlich vereinbart. Durch ein Gesamtnettoeinkommen von 3.500 Euro ergibt sich ein Gegenstandswert von 10.500 Euro, wovon 350 Euro wegen Unterhaltsverpflichtungen abgezogen wird:
3.500 Euro + 3 Monate = 10.500 Euro
10.500 Euro – 350 Euro = 10.150 Euro
Beim Betreuungsunterhalt ist der Gegenstandswert der Jahresbetrag des geforderten Unterhalts, d.h. 12 Monate mal 700 Euro entspricht 8400 Euro. Beim Kindesumgang legt man einen Gegenstandswert von 3.000 Euro zugrunde. Somit errechnet sich für die Scheidung insgesamt ein Gegenstandswert von 21.550 Euro (10.150 Euro + 8.400 Euro + 3.000 Euro).
Demnach kann der Rechtsanwalt nach Anlage 2 zu § 13 Abs. 1 Satz 3 RVG einen Gebührensatz von 2,5 (1,3 Verfahrensgebühr + 1,2 Termingebühr) aus 742 Euro verlangen: 742 Euro * 2,5 = 1.855 Euro zuzüglich 20 Euro Auslagenpauschale und 19 % Mehrwertsteuer.
Eine Rechtsberatung kann sowohl im Rahmen einer strittigen als auch einvernehmlichen Scheidung sehr hilfreich sein, um die Rechtsposition zu klären und den Scheidungsprozess zu planen. Wie viel kostet ein Beratungsgespräch beim Anwalt?
Die Kosten eines Beratungsgesprächs liegen mit Auslagepauschale und Steuern bei maximal rund 250 Euro. In einigen Fällen übernimmt auch die Rechtschutzversicherung die Kosten der Erstberatung.
Wie viel ein Beratungsgespräch beim Anwalt im Anschluss kostet, ist schwierig zu sagen. Jedoch fallen hierfür höchstens 350 Euro an. Abweichungen nach oben und unten sind natürlich möglich. Wird der Anwalt hingegen für das gesamte Scheidungsverfahren engagiert, verrechnen sich die Gebühren meist mit den anderen Gebühren.
Das Gerichtskostengesetz bestimmt die Gerichtskosten, wobei man hier nochmal zwischen Gerichtsauslagen und Gerichtsgebühren unterscheidet. Die Gerichtskosten müssen als Vorschuss an das Gericht gezahlt werden, ansonsten wird das Familiengericht nicht tätig.
Die Gerichtsgebühren richten sich nach dem Verfahrenswert, wohingegen die Gerichtsauslagen unabhängig davon sind. Als Gerichtsauslagen gelten Kosten für Dolmetscher, Umgangs-/Verfahrenspfleger für Kinder und die Übersendung der Gerichtsakte an den Rechtsanwalt.
Ebenso wie bei Anwaltsgebühren können auch die Gerichtsgebühren anhand einer Tabelle aus Anlage 2 zu § 28 Abs. 1 Satz 3 FamGKG abgelesen werden. Der Gebührensatz für eine Tätigkeit des Familiengerichts ergibt sich aus der Anlage 1 zu § 3 Abs. 2 FamGKG.
Bei einem herkömmlichen Scheidungsverfahren fällt meist der Gebührensatz 2,0 an, welcher am Ende des Verfahrens zwischen den Ehepartnern aufgeteilt wird.
Wer die Kosten einer Scheidung in Deutschland sparen möchte, sollte Folgesachen im Verbund regeln und diese nicht isoliert durchsetzen. Als Folgesachen zählen der Versorgungsausgleich, der Ehegattenunterhalt, der Kindesunterhalt, Zugewinnausgleich, Sorgerecht, Umgangsrecht sowie Wohnung und Hausrat.
Beachten Sie bitte, dass es sich bei der notariellen Beglaubigung eines Ehevertrags um eine Beurkundung eines Vertrags handelt. Deswegen kann das Doppelte der vollen Gebühr erhoben werden.
Wie hoch sind die Gerichtsgebühren bei einer Scheidung? – ein Berechnungsbeispiel
Die Gerichtsgebühren errechnen sich aus dem Streitwert, welcher wiederum die Gebühr festlegt, und dem Gebührensatz, mit welchem die Gebühr multipliziert wird sowie den gerichtlichen Auslagen.
Welche Gebühren letztendlich für die Familiengerichtskosten berechnet werden, ist in § 28 des Gesetzes über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) geregelt.
Wie hoch sind die Gerichtsgebühren bei einer Scheidung? Für einen Streitwert von 22.000 Euro fallen beispielsweise 345 Euro Gerichtsgebühren an. Bei 50.000 Euro sind es nach der folgenden Tabelle 546 Euro Gerichtsgebühren. Die folgende Tabelle zeigt die Auflistung in Anlage 2 FamGKG.
500 35 50.000 546
1.000 53 50.000 666
1.500 71 50.000 786
2.000 89 95.000 906
3.000 108 110.000 1.026
4.000 127 125.000 1.146
5.000 146 140.000 1.266
6.000 165 155.000 1.386
7.000 184 170.000 1.506
8.000 203 185.000 1.626
9.000 222 200.000 1.746
10.000 241 230.000 1.925
13.000 267 260.000 2.104
16.000 293 290.000 2.283
19.000 319 320.000 2.462
22.000 345 350.000 2.641
25.000 371 380.000 2.820
30.000 406 410.000 2.999
35.000 441 440.000 3.178
40.000 476 470.000 3.357
45.000 511 500.000 3.536
Bei einem Verfahrenswert bis 2.000 Euro werden je angefangener 500 Euro zusätzlich 18 Euro der Gebühr hinzugerechnet. Bei anderen Verfahrenswerten werden folgende Zuschläge berechnet:
Verfahrenswert bis 10.000 Euro je weitere 1.000 Euro: 19 Euro Gebühr
Verfahrenswert bis 25.000 Euro je weitere 1.000 Euro: 26 Euro Gebühr
Verfahrenswert bis 50.000 Euro je weitere 5.000 Euro: 35 Euro Gebühr
Verfahrenswert bis 200.000 Euro je weitere 15.000 Euro: 120 Euro Gebühr
Verfahrenswert bis 500.000 Euro je weitere 30.000 Euro: 179 Euro Gebühr
Bei einer Scheidung wird für die Gerichtskosten meist ein Gebührensatz von 2,0 angesetzt, wodurch sich die Gebühr verdoppelt. Diese Gebühr muss jeweils hälftig von den beiden Ehepartnern gezahlt werden. Ein Scheidungsanwalt kann Ihnen bei der Berechnung der Gerichtsgebühren einen detaillierten Einblick in die Berechnungsweise geben und Ihnen einen Kostenvoranschlag erstellen.
Herr und Frau Schmitt sind beide erwerbstätig und verdienen zusammen 7.000 Euro monatlich. Davon hat Frau Schmitt ein monatliches Nettoeinkommen von 3.500 Euro und Herr Schmitt 4.000 Euro. Daraus ergibt sich folgender Verfahrenswert:
Frau Schmitt: 3.500 Euro * 3 Monate = 10.500 Euro
Herr Schmitt: 4.000 Euro * 3 Monate = 12.000 Euro
10.500 Euro + 12.000 Euro = 22.500 Euro
Der Verfahrenswert beträgt 22.500 Euro
Herr und Frau Schmitt: 7.500 Euro * 3 Monate = 22.500 Euro
Der Streitwert beträgt 22.500 Euro.
Gemäß der obigen Tabelle fällt für einen Verfahrenswert von 22.000 Euro eine Gerichtsgebühr in Höhe von 345 Euro an. Bei einem Verfahrenswert bis 25.000 Euro werden für je angefangener 3.000 Euro weitere 26 Euro berechnet. Für das folgende Beispiel fallen daher für einen Streitwert für 22.500 Euro 371 Euro an: 345 Euro + 26 Euro.
Da ein Gebührensatz von 2,0 berechnet wird, verdoppelt sich die Gebühr auf 742 Euro, wobei dieser Betrag hälftig von den beiden Ehepartnern getragen wird. Demnach zahlen Herr und Frau Schmitt jeweils 371 Euro. Nicht zu vergessen sind jedoch mögliche gerichtliche Auslagen, die nicht einkalkuliert wurden.
Anders als bei Anwaltskosten, bei welchen meist eine Pauschale in Höhe von 20 Euro für Auslagen berechnet wird, sind die Pauschalbeträge bei Gerichtsauslagen kleinteiliger.
In der Anlage 1 Teil 2 des FamGKG sind diese Gebühren ebenfalls aufgelistet. Beispielsweise wird pro Seite für „Ausfertigungen, Kopien und Ausdrucke bis zu einer Größe von DIN A3“ eine Gebühr von 0,50 Euro fällig, wobei der Preis nach 50 Seiten auf 0,15 Euro fällt. Für digitale Dateien berechnet das Gericht eine Pauschale von 1,50 Euro.
Mit hohen Scheidungskosten ist bei der Beauftragung von Gutachtern und Dolmetschern zu rechnen.
Muss ein Sachverständiger bestellt werden, können sich die Kosten einer Scheidung immens erhöhen. Ein Sachverständiger wird meist im Rahmen eines Zugewinnausgleichs für die Wertermittlung einer Immobilie oder eines Unternehmens benötigt.
Was ist der Unterschied zwischen dem Gegenstandswert und dem Verfahrenswert?
Abhängig von der Rechtsangelegenheit, in der ein Anwalt und Gericht tätig werden soll, bestimmen sich die Kosten und Gebühren. Die Höhe der Kosten ist vom Gegenstandswert bzw. Verfahrenswert (Streitwert) abhängig. Je höher dieser Wert, desto höher sind die Scheidungskosten – seien es die Anwalts- oder Gerichtskosten.
Häufig sprechen Anwälte dabei von einem Gegenstandswert und Gebühren und Gerichte von Kosten und einem Streitwert. Da nicht jedes Scheidungsverfahren strittig ist, scheint der Begriff Verfahrenswert allgemeingültig angebracht. Der Streitwert wird bei Verfahrensende vom zuständigen Gericht festgelegt und der Anwalt richtet sich nach diesem Wert.
Die Frage, was eine Scheidung ohne Anwalt kostet, erübrigt sich, da in Deutschland Anwaltspflicht besteht. Bei den deutschen Familiengerichten herrscht Anwaltszwang. Die Aufgabe eines Anwalts ist es, sicherzustellen, dass das Verfahren formgerecht abläuft und ist für die Vermittlung der objektiven Scheidungsgründe zuständig.
Da Mandanten bei einer Scheidung meist in emotionalen Aspekten gefangen sind, ist ein Anwalt zwingend notwendig. Durch den Anwalt wird eine gewisse Sachlichkeit vor dem Gericht gewahrt.
Was kostet eine Scheidung, wenn man sich einig ist? Sobald sich die Ehepartner über einige Punkte der Scheidung streiten, erhöhen sich die Kosten für die Scheidung ungemein. Jeder Streitpunkt, der gerichtlich ausgetragen werden muss und keine außergerichtliche Einigung findet, treibt die Scheidungskosten in die Höhe.
Versuchen Sie daher eine einvernehmliche Lösung zu erzielen, um die Kosten möglichst gering zu halten. Was kostet eine einvernehmliche Scheidung? In diesem Fall muss nur die Scheidung beantragt und die Gerichtsgebühren gezahlt werden. Dabei können die beiden Parteien einen Anwalt engagieren und sich die Anwalts- und Gerichtsgebühren teilen. Bei einer einvernehmlichen Scheidung befinden sich meist zwei Rechnungsposten auf der Rechnung des Anwalts:
Einreichen des Scheidungsantrags
Stellen des Scheidungsantrags in der Gerichtsverhandlung
Bei der einvernehmlichen Scheidung können Sie sich aber die Anwesenheit des Anwalts bei der Anhörung im Scheidungsverfahren sparen, denn hierfür besteht kein Anwaltszwang.
Sparen Sie Kosten mit einer einvernehmlichen Scheidung indem
einer der Ehegatten einen Anwalt beauftragt
der andere Ehepartner dem Scheidungsantrag zustimmt
und die Gebühren für den Anwalt geteilt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die meisten Familiengerichte den Streitwert bei einer einvernehmlichen Scheidung um 30 % reduzieren.
Anwaltskosten sparen, aber Vorsicht!
Selbstverständlich möchte jeder bei einer Scheidung Kosten sparen, dabei sollten Sie jedoch auch an folgende Punkte denken. Selbst wenn sich die Ehepartner intern gut absprechen und alle Folgen geklärt scheinen, kann es zu Komplikationen kommen.
Berücksichtigen Sie diese unbedingt und holen Sie sich in diesem Fall anwaltlichen Rat. Haben die Eheleute beispielsweise vereinbart, sich die Anwaltsgebühren zu teilen, dann ist aber nur derjenige Kostenschuldner, der den Anwalt beauftragt hat. Ob die hälftigen Kosten im Nachhinein durchgesetzt werden können, ist fraglich.
Darüber hinaus ist zu beachten, dass der Rechtsanwalt zwar mit dem anderen Ehepartner, der ihn nicht beauftragt hat, Gespräche führen kann, aber allein die Interessen des Auftraggebers vertritt. Kommt es zum Konflikt, muss sich der andere Ehepartner einen eigenen Anwalt suchen, um seine Interessen vertreten zu können. Darüber hinaus kann der anwaltlich nicht vertretene Ehepartner keine eigenen Anträge im Scheidungsverfahren stellen.
Insbesondere dann, wenn größere Vermögenswerte vorliegen, ist es ratsam einen eigenen Anwalt zu haben.
Möchte man Scheidungskosten in Deutschland sparen, sollte man unbedingt alle Folgesachen (Unterhalt, Sorgerecht, Zugewinnausgleich) im Verbund klären. Ist es nicht möglich, mit Ihrem Ehepartner eine Scheidungs­folgen­vereinbarung aufzusetzen, dann sollten alle Folgesachen im Verbund geregelt werden. Dadurch können Sie einen Großteil der Kosten einer Scheidung sparen. Wird eine Folgensache erst im Anschluss an die Scheidung geklärt, entsteht ein erheblicher Kostenaufwand.
Die Kosten einer Scheidung können aber nicht als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden. Anders sieht es jedoch aus, wenn man ein eigenes Unternehmen hat, denn in diesem Fall kann man die Anwalts- und Gerichtskosten steuerlich geltend machen.
Verfahrenskostenhilfe – Wann werden die Scheidungskosten übernommen?
Haben Sie ein geringes Einkommen oder hohe Schulden, dann haben Sie eventuell Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe. Diese muss beim Familiengericht durch das Formular „Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse“ beantragt werden.
In Deutschland gibt es zwei Arten der Verfahrenskostenhilfe:
Der Staat gewährt die Verfahrenskostenhilfe als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.
Der Staat gewährt die Verfahrenskostenhilfe als Zuschuss und verlangt diesen später zurück.
Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Verfahrenskostenhilfe nicht immer bewilligt wird und von mehreren Faktoren abhängig ist. Innerhalb von 4 Jahren nach Ende des Scheidungsverfahrens kann das Gericht den Zuschuss als Ratenzahlung oder als Einmalzahlung von Ihnen zurückfordern.
Nach Ablauf der vier Jahre ist die Scheidung kostenlos. Können beide Ehepartner die Kosten der Scheidung nicht tragen, haben beide das Recht, Verfahrenskostenhilfe zu beantragen.
Die Bewilligung der Verfahrenskostenhilfe kann allerdings zwei bis drei Monate dauern, wodurch sich die Dauer der Scheidung verzögert.
Wurde die ratenfreie Verfahrenskostenhilfe bewilligt, sind die Scheidung sowie alle im Verbund anhängigen Folgesachen kostenlos. Bei einer einvernehmlichen Scheidung kann ein Ehepartner Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe haben und einen Anwalt für die Einreichung des Scheidungsantrags beauftragen.
In diesem Fall muss der andere Ehepartner dem Antrag nur zustimmen und die Scheidung ist für beide Ehepartner kostenlos. Klärt derjenige, der Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe hat, eine Scheidungsfolge außerhalb des Verbunds und verliert er den Prozess, dann muss er die Kosten der Gegenseite tragen.
Verfahrenskostenhilfe bei vermögendem Ehepartner?
Sind die Kosten einer Scheidung für den Mann teuer, wenn dieser vermögend ist? Ist der Ehemann beispielsweise sehr vermögend, aber die Ehefrau hat aufgrund der Kindererziehung kein eigenes Vermögen und wurde durch einen Ehevertrag vom Zugewinn ausgeschlossen, kann sie vom vermögenden Ehemann bei Scheidung einen Verfahrenskostenvorschuss fordern.
In diesem Fall muss der vermögende Ehepartner dem nicht vermögenden Ehepartner die Kosten des Rechtsstreits vorstrecken. In diesem Fall sind die Kosten einer Scheidung für den Mann höher als für die Frau, da er den Rechtsstreit vorab zahlen muss.
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