Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=22.11.2005&Aktenzeichen=XI%20ZR%20226%2F04
Timestamp: 2018-11-18 19:40:52+00:00

Document:
BGH, 22.11.2005 - XI ZR 226/04 - dejure.org
Notare Bayern , S. 41 (Volltext und Entscheidungsanmerkung)
§ 3 AGBG; § 305 c BGB
Kein AGB-Verstoß bei vertragsmäßiger Verpflichtung zu Schuldanerkenntnis und Zwangsvollstreckungsunterwerfung
AGBG: Im Hinblick auf formale und systematische Gestaltung überraschende Klausel
Abgabe eines persönlichen Schuldanerkenntnisses; Unterwerfung unter die Zwangsvollstreckung aus einer Urkunde; Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen; Verpflichtung in einem Darlehensvertrag zur Abgabe eines notariellen abstrakten Schuldanerkenntnisses und zur Unterwerfung unter die Zwangsvollstreckung in das gesamte Vermögen
Klausel-Verpflichtung zur Abgabe eines persönlichen Schuldanerkenntnisses unter "Form der Sicherheiten" eines Darlehensvertrages nicht überraschend
Keine "überraschende" Klausel bei Abgabe eines persönlichen Schuldanerkenntnisses in Darlehensvertrag für Immobilie
AGBG § 3; BGB § 305 c
Zur Frage, ob eine die Abgabe eines persönlichen Schuldanerkenntnisses nebst Unterwerfung unter die Zwangsvollstreckung in das gesamte Vermögen regelnde Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit Rücksicht auf ihre formale und systematische Gestaltung überraschend im Sinne des § 3 AGBG ist
Formularmäßige Vereinbarung eines persönlichen Schuldanerkenntnisses mit Unterwerfung in die Zwangsvollstreckung in den AGB einer Bank
Wann ist eine AGB-Klausel "überraschend"?
Vollstreckungsunterwerfung: Wirksamkeit der Klausel nach AGBG
Persönliche Haftung und Unterwerfung unter die Zwangsvollstreckung in Darlehensvertrag unter "Form der Sicherheiten" nicht überraschend
"Unterwerfung unter Zwangsvollstreckung": Überraschende AGB-Klausel? (IBR 2006, 114)
OLG Karlsruhe, 09.06.2004 - 9 U 199/03
NJW-RR 2006, 490
ZIP 2006, 119
MDR 2006, 343
DNotZ 2006, 196
WM 2006, 87
Auch der ungewöhnliche äußere Zuschnitt einer Klausel und ihre Unterbringung an unerwarteter Stelle können die Bestimmung zu einer ungewöhnlichen und damit überraschenden Klausel machen (…BGH, Urteile vom 17. Mai 1982 - VII ZR 316/81, aaO; vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, NJW-RR 2006, 490 Rn. 14;… vom 21. Juli 2010 - XII ZR 189/08, NJW 2010, 3152 Rn. 27;… Palandt/Grüneberg, BGB, 71. Aufl., § 305c Rn. 4;… Erman/Roloff, BGB, 13. Aufl., § 305c Rn. 12 f.;… BeckOK BGB/H. Schmidt, Stand: 1. Mai 2012, § 305c Rn. 17, 38).
Zwar kann eine Formularklausel auch dann überraschend sein, wenn sie an unerwarteter Stelle des Textes steht oder ihr äußerer Zuschnitt ungewöhnlich ist (BGH, Urteile vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, NJW-RR 2006, 490 Rn. 14;… vom 21. Juli 2010 - XII ZR 189/08, NJW 2010, 3152 Rn. 27;… vom 26. Juli 2012 - VII ZR 262/11, NJW-RR 2012, 1261 Rn. 10;… vom 16. Januar 2013 - IV ZR 94/11, NJW 2013, 1818 Rn. 15).
Darauf, nicht auf die Darlehensverpflichtungen bezog sich auch die Vollstreckungsunterwerfungserklärung (vgl. Senat, Urteile vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, WM 2006, 87, 88 und vom 20. März 2007 - XI ZR 175/06, Umdruck S. 9 zu einer wortgleichen Klausel).
Ein solches Verlangen kommt daher für ihn nicht überraschend im Sinne von § 3 AGBG (st.Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 22. Oktober 2003 - IV ZR 33/03, WM 2003, 2375, 2378; Senat, Urteil vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, WM 2006, 87, 89 f., jeweils m.w.Nachw.).
Eine unangemessene Benachteiligung der Kläger im Sinne von § 9 AGBG ist damit nicht verbunden (st.Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 22. Oktober 2003 - IV ZR 33/03, WM 2003, 2375, 2378; Senat, Urteil vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, WM 2006, 87, 88, jeweils m.w.Nachw.).
Ein solches Verlangen kommt daher für ihn nicht überraschend im Sinne von § 3 AGBG (vgl. BGH, WM 2003, 2375, 2378; WM 2006, 87, 88 f. jew. m. w. Nachw., BGH v. 22.05.2007 - XI ZR 337/05 und XI 338/05).
Darin liegt ein Schuldanerkenntnis gemäß § 780 BGB (BGH, Urteil vom 22. Oktober 2003 - IV ZR 33/03, WM 2003, 2375, 2377 zu einer wortgleichen Klausel; vgl. ferner Senat, Urteile vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, WM 2006, 87, 88 und vom 20. März 2007 - XI ZR 175/06, Umdruck S. 9).
Ein solches Verlangen kommt daher für ihn nicht überraschend im Sinne von § 3 AGBG (BGH, Urteil vom 22. Oktober 2003 - IV ZR 33/03, WM 2003, 2375, 2378; Senat, Urteil vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, WM 2006, 87, 88 f., jeweils m.w.Nachw.).
Denn der Kläger ist danach gegenüber der Beklagten verpflichtet, sich der sofortigen Zwangsvollstreckung in sein gesamtes Vermögen zu unterwerfen (vgl. Senatsurteile vom 18. November 2003 - XI ZR 332/02, WM 2004, 27, 30, vom 2. Dezember 2003 - XI ZR 421/02, WM 2004, 372, 375, vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, WM 2006, 87, 88 und vom 17. Oktober 2006 - XI ZR 185/05, WM 2007, 110, 113).
Entgegen der Auffassung des Klägers wird diese Auslegung durch den Wortlaut der Vertragsklausel ohne weiteres gedeckt und entspricht der bei derartigen Bankgeschäften schon seit Jahrzehnten üblichen, von der höchstrichterlichen Rechtsprechung gebilligten Praxis, so dass die formularmäßige Verpflichtung zur Abgabe einer persönlichen Haftungsübernahme mit Vollstreckungsunterwerfung weder gegen § 3 AGBG noch gegen § 9 AGBG verstößt (siehe z.B. BGHZ 99, 274, 282; Senat, Urteile vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520, 1521 und vom 22. November 2005 - XI ZR 226/04, WM 2006, 87, 88 f. m.w.Nachw.).
Es entspricht nämlich jahrzehntelanger, vom Bundesgerichtshof gebilligter Praxis, dass sich der mit dem persönlichen Kreditschuldner identische Grundschuldbesteller bei Bankdarlehen regelmäßig der Zwangsvollstreckung in sein gesamtes Vermögen unterwerfen muss (BGH WM 2003, 2375, 2378; ZIP 2004, 159, 161; WM 2005, 828, 830; WM 2005, 1076, 1078; WM 2006, 87, 88).
Auch soweit dies in Form von AGB geschieht, hat der BGH dies bislang niemals beanstandet (BGH WM 2003, 2375, 2378; ZIP 2004, 159, 161; WM 2005, 828, 830; WM 2005, 1076, 1078; WM 2006, 87, 88).
Dies kann das Überraschungsmoment i. S. d. § 305 c BGB begründen (…Münchner Kommentar zum BGB, 5. Aufl., § 305 c), Rz. 7; BGH NJW-RR 2006, 490; BGH NJW 1982, 2309).

References: § 3
 § 305
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 § 305
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 § 3
 § 9
 § 3
 BGH 
 § 780
 § 3
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 § 9
 BGH 
 § 305
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 BGH 
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