Source: http://palikanon.de/khuddaka/jataka/j524.htm
Timestamp: 2017-07-28 00:42:00+00:00

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Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten 524. Die Erzählung von Samkhapala (Samkhapala-Jataka)
§1. „Von edlem Aussehn bist du, heiter blickend; aus edlem Hause, glaub ich, wardst du Mönch. Warum hast Geld und Gut du aufgegeben und wurdest Mönch, das Haus verlassend, Weiser?“
§2. „Nachdem ich selber den Palast gesehen der großen Schlange groß von Macht, o Fürst, da ich gesehn den reichen Lohn der Tugend, verließ voll Glauben, König, ich die Welt.“
§3. „Aus Freud an Lüsten oder Furcht und Hass reden nicht Unwahrheit die Weltflüchtlinge. Sag mir auf meine Frage die Geschichte; denn aus dem Hören wird mir Freud entstehen.“
§4. „Da ich als Kaufmann reist', o Landesherrscher, sah junge Landleute ich auf dem Wege, die froh des Weges zogen und die trugen 'ne große Schlange mit verdrehtem Körper [9].
§5. Als ich zu ihnen kam, o Landesherrscher, sprach ich erschreckt und voller Furcht zu ihnen: ‘Wohin bringt ihr diesen furchtbaren Körper? Was macht, Gefräßige, ihr mit der Schlange?’
§8. ‘Wenn ihr allein zum Mahle mit euch nehmt die große Schlange mit verdrehtem Körper, so gebe ich euch sechzehn starke Ochsen, dass ihr die Schlange löst aus ihren Fesseln.’
§9. ‘Gewiss ist dies für uns ein guter Schmaus und viele Schlangen aßen wir schon früher. Wir wollen folgen deinem Wort, Alara; werde du unser Freund, Videha-Sohn.’
§10. Drauf machten sie fürwahr ihn frei von Banden, die Schlinge lösten sie von seiner Nase; befreit von Banden ging der Naga-König ostwärts gewendet fort im Augenblick.
§11. Als rasch er fortging nach Osten gewendet, da blickt' er mich mit vollen Augen an; ich aber folgte ihm von hinten nach, die zehn Finger der Hände nach ihm faltend.
§12. ‘Geh du nur zu, du Leuchtender in Schönheit, dass dich nicht abermals die Feinde fangen. Schlimm ist 's, den Jägern nochmals zu begegnen; geh, dass dich die Gefräß'gen nicht mehr sehen.’
§13. Drauf ging er hin zu einem klaren See, der dunkel glänzte, lieblich, schön von Ufern, von Jambus rings umgeben und von Rotang [11]; erfreut stieg er hinein ohn' alle Furcht.
§14. Nachdem er drin verschwunden, bald erschien der Naga mir in göttlicher Gestalt;
er diente mir so wie der Sohn dem Vater, sprach herzbewegend, angenehm zu hören:
§15. ‘Mutter und Vater bist du mir, Alara, mein Lebensretter, du mein engster Freund. Die eigne Macht hab wieder ich erhalten; meine Paläste sieh dir an, Alara,
der Speisen Fülle, der Getränke Menge, gleich Vasavas Palast Masakkasara [12].’
§17. ganz eben, blau wie Lapislazuli; ein schöner Mangowald ist rings umher
mit Büschen reifer, voll erblühter Früchte, der Früchte trägt in allen Jahreszeiten.’
§18. Und in der Mitte dieser Wälder, Fürst, ist ein Palast im hellen Glanze strahlend, aus Gold gemacht, silbern die Tür, gewaltig erglänzt er wie ein Blitzstrahl in der Luft.
§19. Aus Edelstein und Gold gemacht, gewaltig, bunt strahlend ist er, wohl gebaut, beständig ist er gefüllt mit reich gezierten Mädchen, die Schmuck aus reinem Golde tragen, König.
§20. Drauf Samkhapala, herrlich anzuschauen, stieg unvergleichlich schön in den Palast, der tausend Säulen hat, unübertrefflich an Pracht, wo seine erste Gattin wohnte.
§21. Und eine Frau, gar herrlich anzuschauen, in ihrer Hand aus Lapislazuli
ein wertvoll Kleinod, rein und edler Art, unaufgefordert brachte einen Sitz.
§22. Drauf fasste mich der Naga bei der Hand und setzte mich zu oberst auf den Sitz: ‘Auf diesem Sitz hier lass dich nieder, Herr, denn du giltst mir wie eines meiner Eltern.’
§23. Drauf eine andre Frau, schön anzuschauen, kam zu mir her mit einem Wasserkrug; sie wusch die Füße mir, o Völkerfürst, wie eine Gattin ihrem lieben Gatten [13].
§24. 'ne andre Frau, gar herrlich anzuschauen, brachte herbei auf einer goldnen Schüssel verschiedne Saucen, mannigfache Würzen und bot mir Speise an, lieblich zu sehen.
§25. Da ich gespeist, Bharata, sie erfreuten mich mit Musik nach ihres Gatten Willen;
und größ're Wonne noch ward mir zuteil durch mannigfache himmlische Ergötzung.
§26. ‘Dreihundert Frauen hab ich hier, Alara, schönhüftig alle, schön wie Lotos glänzend. Um dir, Alara, Freude zu bereiten,
§27. „Da ich ein Jahr göttliches Glück genossen, redet' ich ihn zum Schlusse also an: ‘Wie ward dir dieses Naga-Los zuteil und wie kamst du zum herrlichsten Palaste?
§28. Erhieltst du 's ohne Grund oder als Lohn, ist 's selbst verdient oder der Götter Gabe? Ich frage dich danach, o Naga-König;
§29. „‘Nicht ohne Grund erhielt ich 's, noch als Lohn, nicht selbst verdient, noch als der Götter Gabe; durch meine eignen Taten frei von Bosheit, durch meine guten Werke ward mir dies zuteil.’
§30. ‘Was war dein Vorsatz, wie dein heil'ger Wandel, von welchem guten Werk ist dies die Frucht? Verkündige mir dies, o Naga-König:
§31. ‘Ein König war ich, Herr von Magadha, Duyyodhana mit Namen, groß von Macht. Da ich des Lebens Niedrigkeit erkannte, die Unbeständigkeit, Veränderung,
§32. gab Trank und Speis' ich gläubigen Gemütes, voll Eifer spendete ich viel Almosen. Dem offnen Laden glich damals mein Haus, befriedigt war'n Asketen und Brahmanen.
§33. Dies war mein Vorsatz, dies mein heil'ger Wandel, von diesem guten Werk ist dies die Frucht; so nur hab ich erhalten dieses Haus, das voll von Speise, an Getränken reich
§34. und das belebt ist von Gesang und Tanz für lange Zeit; denn nicht ist dies beständig. Schwache verletzen den Großmächtigen, den Glanzerfüllten die Glanzesberaubten [14].’
§35. ‘Warum jedoch, aus welchem Grunde begabst du dich, Zahnbewehrter, in die Hand der Jäger? Warst du in eine große Furcht verfallen, ging nicht aus dir heraus der Zähne Kraft?
Warum wohl und aus welchem Grund gerietest du, Zahnbewehrter, in die Hand der Jäger?’
§37. Am vierzehnten und fünfzehnten, Alara, halte ich immer das Uposatha.
Da kamen die sechzehn gefräß'gen Leute mit einem Strick und einer festen Schlinge.
§38. Die Jäger, die mich fingen, mir durchbohrten die Nas' und zogen durch den Schlitz den Strick; doch solche Schmerzen voll Geduld ertrug ich, da ich 's Uposatha nicht brechen wollte.’
§39. ‘Auf dem einsamen Wege sah ich dich, wie du mit Kraft und Schönheit ausgestattet. Mit Macht und Weisheit bist du wohl versehen; warum, o Naga, treibst du denn Askese?’
§40. ‘Nicht um des Lohnes, nicht um Geldes willen, auch nicht, Alara, wegen langen Lebens: weil ich nach menschlicher Geburt verlange, darum betreib ich dies mit solchem Eifer.’
§41. ‘Die Augen rot, zerteilte Strahlen sendend, geschmückt und wohl geordnet Haar und Bart, mit rotem Sandelpulver wohl beträufelt, glänzt du weithin wie der Gandharva-König [15].
§42. Der Götter Macht hast du, bist groß von Kraft, mit allen Freuden bist du ausgestattet. Ich frage dich darnach, o Naga-König: Wodurch ist besser denn die Menschenwelt?’
§43. ‘Alara, außerhalb der Menschenwelt gibt 's keine Reinheit oder Selbstbezähmung. Wenn ich erlange die Geburt als Mensch, dann bring zu Ende ich Geburt und Tod [16].’
§44. ‘Ein ganzes Jahr hab ich bei dir verweilt, mit Trank und Speise ward mir aufgewartet. Jetzt nehm ich Abschied, Naga, und ich scheide; schon lange bin ich ausgeblieben, Fürst.’
§45. ‘Die Frauen und die Kinder und Verwandten sind angewiesen, stets dir aufzuwarten. Hat etwa einer dich nicht lieb behandelt [17]?
§48. „Gesehen hab ich, dass der Menschen Lüste sind unbeständig, ausgesetzt dem Wechsel. Da ich der Sinnenlust Nachteil erkannte, verließ die Welt ich gläub'gen Sinnes, König.
§49. Gleich Baumesfrüchten fallen ab die Menschen, bei jung und alt der Körper wird zerstört. Da ich dies sah, hab ich die Welt verlassen; die Wahrheit und die Einheit ist das Beste.“
§50. „Gewiss, fürwahr, die Weisen sind zu ehren, die hoch Gelehrten, die vieles ersinnen [18]. Da ich den Naga hört' und dich, Alara, werd ich gar viele gute Werke tun.“
§51. „Gewiss, fürwahr, die Weisen sind zu ehren, die hoch Gelehrten, die vieles ersinnen. Da du den Naga und mich hörtest, König, so übe gute Werke du in Menge!“

References: §1

§2

§3

§4

§5

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§17

§18

§19

§20

§21

§22

§23

§24

§25

§26

§27

§28

§29

§30

§31

§32

§33

§34

§35

§37

§38

§39

§40

§41

§42

§43

§44

§45

§48

§49

§50

§51