Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.03.2002&Aktenzeichen=X%20ZR%20125/00
Timestamp: 2019-11-17 07:00:39+00:00

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BGH, 19.03.2002 - X ZR 125/00 - dejure.org
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BGH, 19.03.2002 - X ZR 125/00 (https://dejure.org/2002,852)
BGH, Entscheidung vom 19.03.2002 - X ZR 125/00 (https://dejure.org/2002,852)
BGH, Entscheidung vom 19. März 2002 - X ZR 125/00 (https://dejure.org/2002,852)
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BGB § 272, §§ 631 ff. a.F., § 813 Abs. 2
Keine Nutzungsentschädigung bei Zahlung des Werklohns vor Fälligkeit
Abschlagszahlung - Besteller - Fälligkeit - Werklohnschuld - Nutzungsvorteil
Revision - Abschlagszahlung - Besteller - Fälligkeit einer Rate - Werklohnschuld - Ausgleichsanspruch - Nutzungsvorteil - Ungerechtfertigte Bereicherung
Kein Anspruch auf Nutzungsausgleich, wenn der Besteller Abschlagszahlungen vor Fälligkeit geleistet hat
BGB §§ 272 631 ff. (a.F.) § 813 Abs. 2
VOB-Vertrag - Abschlagszahlungen vor Fälligkeit
Abschlagszahlung vor Fälligkeit: Zinsanspruch des Bestellers? (IBR 2002, 350)
LG Darmstadt, 01.04.1998 - 2 O 543/97
OLG Frankfurt, 09.06.2000 - 24 U 125/98
NJW 2002, 2640
MDR 2002, 997
NZBau 2002, 390
WM 2002, 2257
BauR 2002, 1257
ZfBR 2002, 558
Rechtsgrund für die Abschlagszahlungen ist die vertragliche Abrede der Parteien über die Erbringung solcher Vorauszahlungen (BGH…, Beschluss vom 7. Dezember 2010 - KZR 41/09, ZNER 2011, 314 Rn. 3; Urteil vom 19. März 2002 - X ZR 125/00, NJW 2002, 2640, 2641).
Ein Anspruch auf Erstattung von Vorauszahlungen besteht deshalb nur, wenn die Vorauszahlungsabrede unwirksam ist (BGH, NJW 2002, 2640, 2641 [BGH 19.03.2002 - X ZR 125/00] ).
Grundsätzlich kann ein vertraglicher Anspruch aus Überzahlung eines Bau- oder Architektenvertrages nicht vor dem Zeitpunkt fällig werden, zu dem der Vertrag beendet wird, so dass er mit einer Schlussrechnung abgerechnet werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 11. Februar 1999 - VII ZR 399/97, BGHZ 140, 365, 373; Urteil vom 19. März 2002 - X ZR 125/00, BauR 2002, 1257 = NZBau 2002, 390 = ZfBR 2002, 558; Urteil vom 30. September 2004 - VII ZR 187/03, BauR 2004, 1940 = NZBau 2005, 41 = ZfBR 2005, 63; Urteil vom 22. November 2007 - VII ZR 130/06, BauR 2008, 540 = NZBau 2008, 256 = ZfBR 2008, 266;… Urteil vom 23. Mai 2012 - VIII ZR 210/11, NJW 2012, 2647 Rn. 10).
Ein Anspruch auf Erstattung von Vorauszahlungen besteht deshalb nur, wenn die Vorauszahlungsabrede unwirksam ist (BGH, NJW 2002, 2640, 2641).
Ein Anspruch auf Rückzahlung kommt erst dann in Betracht, wenn die geleisteten Abschlagszahlungen nach dem Ergebnis der vereinbarten Endabrechnung einen entsprechenden Überschuss an Abschlagsbeträgen ergeben (BGH, Urteile vom 19. März 2002 - X ZR 125/00, aaO unter II 3 a, b; vom 2. Mai 2002 - VII ZR 249/00, NJW-RR 2002, 1097 unter II 1;… Beschluss vom 7. Dezember 2010 - KZR 41/09, aaO) oder wenn der Gläubiger es in von ihm zu vertretender Weise verabsäumt, die geschuldete Abrechnung nach Fälligkeit der Abrechnungspflicht innerhalb angemessener Frist vorzunehmen (vgl. Senatsurteil vom 9. März 2005 - VIII ZR 57/04, WuM 2005, 337 unter II 3 c).
Der Rückzahlungsanspruch hat damit seinen Rechtsgrund in der zwischen den Parteien getroffenen vertraglichen Regelung über die Erbringung solcher Voraus- oder Vorschusszahlungen (…vgl. BGH, Urt. v. 20.10.1992 - X ZR 95/90, Juris, 31;… BGH, Urt. v. 24.01.2002 - VII ZR 196/00, Juris, Rn. 20; BGH, Urt. v. 19.03.2002 - X ZR 125/00, Juris, Rn. 18 m.w.N.;… ferner BGH, Urt. v. 22.07 2014 - KZR 13/13, Juris, Rn. 35), hier somit in § 4 Abs. 2 des Agenturvertrags.
Da die ursprüngliche Zahlung der mit der vorliegenden Klage nunmehr zurückgeforderten, nicht verdienten Bestandspflegeprovisionsvorschüsse auf dem zwischen den Parteien wirksam zustande gekommen Agenturvertrag basierte, sind die Vorschüsse nicht ohne Rechtsgrund geleistet worden, so dass für die Anwendung bereicherungsrechtlicher Ansprüche aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB bzw. § 812 Abs. 1 Satz 2 Alt. 1 BGB - auch angesichts des vertraglichen Rückforderungsanspruchs - letztlich kein Raum mehr verbleibt (…vgl. auch BGH, Urt. v. 20.10.1992 - X ZR 95/90, Juris, 31; BGH, Urt. v. 19.03.2002 - X ZR 125/00, Juris, Rn. 18 f.;… vom Senat offen gelassen im Urt. v. 11.05.2012 - I-16 U 7/11, S. 10 f. n.v.).
Das bedeutet, dass Abschlagszahlungen auf Grund der vertraglichen Beziehung zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer, also mit Rechtsgrund geleistet werden und die bereicherungsrechtlichen Vorschriften der §§ 812 ff. BGB auf diese Sachverhaltskonstellationen insgesamt nicht anwendbar sind (BGH…, Urteil vom 11.2.1999, VII ZR 399/97, Rn. 26; BGH, Urteil vom 19.03.2002, X ZR 125/00, Rn. 16;… Ganten/Jansen/Voit/Kandel, a.a.O., Rn 49;… PWW/Prütting, 8. Aufl., § 812 Rn. 35;… Franke/Kemper/Zanner/Grünhagen, VOB, 5. Aufl., § 16 VOB/B Rn. 73, 124, jeweils m.w.N.).
An dieser Rechtslage ändert sich nichts, wenn der Besteller einzelne Abschlagsrechnungen, etwa in Folge von sachlichen oder rechnerischen Fehlern bei der Prüfung von Abschlagsrechnungen, überzahlt (vgl. BGH, Urteil vom 19.03.2002, X ZR 125/00, Rn. 16) oder - wie hier - eine Abschlagsrechnung versehentlich doppelt zahlt.
Derartige Abschläge sind lediglich vorläufige Zahlungen auf den endgültigen Vergütungsanspruch des Auftragnehmers, der erst nach der Schlussrechnung ermittelt werden kann (BGH, Urteil vom 11.2.1999, VII ZR 399/97, BGHZ 140, 365; Urteil vom 19.3.2002, X ZR 125/00, NJW 2002, 2640; Urteil vom 22.11.2007, VII ZR 130/06, MDR 2008, 200).
Unterlässt es der Auftragnehmer aber, in angemessener Frist eine Schlussabrechnung vorzulegen, kann der Auftraggeber auch ohne eine solche Rechnung Klage auf Rückzahlung seiner Abschläge erheben, soweit sie die Vergütung des Auftragnehmers seiner Meinung nach übersteigen (BGH Urteil vom 11.2.1999, VII ZR 399/97, BGHZ 140, 365; Urteil vom 19.3.2002, X ZR 125/00, NJW 2002, 2640; Urteil vom 22.11.2007, VII ZR 130/06, MDR 2008, 200).
Die Rückzahlung einer vor Fälligkeit geleisteten Zahlung kann deshalb erst nach der Schlussrechnung bzw. der Beendigung des Vertrages verlangt werden (BGH, Urteil vom 19.3.2002, X ZR 125/00, NJW 2002, 2640, Rz 16 ff nach juris).
Insbesondere unter Berücksichtigung der Begründung des Urteils vom 19. März 2002 (X ZR 125/00, NJW 2002, 2640) lässt sich diese Annahme aber nicht halten.
Bei den Vorauszahlungen der Schuldnerin handelt es sich lediglich um (unselbständige) Rechnungsposten, die nicht auf einzelne Teilleistungen der Beklagten bezogen werden können (vgl. BGH, Urteile vom 19. März 2002 X ZR 125/00, WM 2002, 2257, 2259 und vom 15. April 2004 VII ZR 471/01, ZIP 2004, 1507, 1508).
Rechtsgrund der Zahlungen war die vertragliche Abrede der Parteien über die Vorauszahlungen (vgl. BGH, Urteil vom 19. März 2002 X ZR 125/00, WM 2002, 2257, 2259).

References: § 272
 § 813
 § 813
 § 4
 § 812
 § 812
 § 812
 § 16