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Timestamp: 2019-06-19 13:03:14+00:00

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Kindergeld / 15.2 Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums | Finance Office Professional | Finance | Haufe
Begriff der Berufsausbildung i. S. d. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG:
Der Begriff "Berufsausbildung", deren erstmaliger Abschluss in Verbindung mit einer schädlichen Erwerbstätigkeit den Kindergeldanspruch ausschließt, ist enger gefasst, als das Tatbestandsmerkmal "für einen Beruf ausgebildet" nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Buchst. a EStG. Nicht jede allgemein berufsqualifizierende Maßnahme ist gleichzeitig eine Berufsausbildung i. S. v. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG. Auch nach Abschluss einer derartigen Maßnahme (z. B. der Erwerb eines Schulabschlusses, ein freiwilliges Berufspraktikum) ist, wenn die besonderen Berücksichtigungsgründe vorliegen, jegliche Erwerbstätigkeit unschädlich.
Erwerbstätigkeit zwischen Praktikum und Studium
Sandra (20 Jahre) absolviert nach dem Abitur ein berufsvorbereitendes Praktikum. Nach dem Ende des Praktikums kann sie nicht unmittelbar das Studium aufnehmen. Zur Überbrückung des 2-monatigen Zeitraums zwischen Praktikum und Studienbeginn übt sie eine Erwerbstätigkeit mit wöchentlich 30 Stunden aus.
Besteht während der Übergangszeit Kindergeldanspruch?
Für Sandra besteht während der 2-monatigen Übergangszeit zwischen Praktikum und Studienbeginn Anspruch auf Kindergeld. Das Praktikum zählt zwar zur Berufsausbildung i. S. d. weiter gefassten Satzes 1 von § 32 Abs. 4 EStG, es stellt jedoch keine Berufsausbildung i. S. d. enger gefassten Satzes 2 dar. Eine über regelmäßig 20 Wochenstunden hinausgehende Erwerbstätigkeit ist daher unschädlich.
Berufsausbildung i. S. v. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG liegt vor, wenn das Kind durch eine berufliche Ausbildungsmaßnahme die notwendigen fachlichen Kenntnisse bzw. Fertigkeiten erwirbt, die zur Ausübung des Berufs befähigen. Dies ist der Fall, wenn der Beruf in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsgang erlernt und der Ausbildungsgang durch eine Prüfung abgeschlossen wird. Der erfolgreiche Abschluss der Prüfung muss Voraussetzung für die Aufnahme der Tätigkeit sein.
Zur Berufsausbildung i. S. v. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG zählen danach insbesondere:
Berufsausbildungsverhältnisse nach dem Berufsbildungsgesetz,
die Ausbildung aufgrund der bundes- oder landesrechtlichen Ausbildungsregelungen für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen,
die Berufsausbildung behinderter Menschen in anerkannten Ausbildungsberufen oder aufgrund von Regelungen in besonderen "Behinderten-Ausbildungsberufen",
Maßnahmen zur Behebung von amtlich festgestellten Unterschieden zwischen einem im Ausland erworbenen Berufsabschluss und einem entsprechenden im Inland geregelten Berufsabschluss (z. B. Anpassungslehrgänge).
Sie ist gegeben, wenn ihr keine andere abgeschlossene Berufsausbildung vorausgegangen ist. Eine erstmalige Berufsausbildung ist abgeschlossen, wenn sie zur Ausübung des betreffenden Berufs befähigt. Dies gilt auch, wenn sich darauf aufbauend eine weitere Ausbildung anschließt, z. B. die Meisterausbildung nach abgeschlossener Gesellenprüfung.
Der Tatbestand "Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung" ist nicht zwingend stets bereits mit dem ersten, objektiv berufsqualifizierenden Abschluss (z. B. einem Berufsabschluss in einem Ausbildungsberuf) erfüllt. Mehr­aktige Ausbildungsmaßnahmen sind vielmehr Teil einer einheitlichen Erstausbildung und keine Zweitausbildung, wenn sie zeitlich und inhaltlich so aufeinander abgestimmt sind, dass die Ausbildung nach Erreichen des ersten Abschlusses fortgesetzt werden soll und das angestrebte Berufsziel erst über den weiterführenden Abschluss erreicht werden kann. Voraussetzung ist dabei, dass die weiterführende Ausbildung in einem engen sachlichen Zusammenhang und im engen zeitlichen Zusammenhang mit der ersten Bildungsmaßnahme absolviert wird. Der enge zeitliche Zusammenhang erfordert, dass die weiterführende Ausbildung zum nächstmöglichen Zeitpunkt begonnen wird (Beispiele aus der Rechtsprechung: Techniker- oder Ingenieurstudium nach erfolgreicher Ablegung der Gesellenprüfung, Studium zum "Bachelor of Science Physiotherapie" einer ausgebildeten Physiotherapeutin oder IHK-Lehrgang "Geprüfte Immobilienfachwirtin" einer Immobilienkauffrau; verneinend "Staatlich geprüfter Betriebswirt" einer Steuerfachangestellten).
Zur Frage, ob die weitere Ausbildung Teil einer mehraktigen Berufsausbildung ist oder eine eigenständige Zweit­ausbildung vorliegt, mit der Folge, dass eine Erwerbstätigkeit kindergeldschädlich ist, ist eine Vielzahl von Revisionsverfahren beim BFH anhängig. Hier einige Beispiele: Bankkaufmann beginnt Studium zum Bachelor of Arts, Business Administration; geprüfter Industriemeister-Fachrichtung Metall absolviert Lehrgang zum "Geprüften technischen Betriebswirt". Die Rechtsprechung der Finanzgerichte ist bei der Annahme einer weiterführenden Ausbildung als Teil einer mehraktigen Berufsausbildung deutlich großzügiger als in der Praxis die Familienkassen, die häufig von einer Zweitausbildung ausgehen, mit der Folge der kindergeldschädlic...

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