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Timestamp: 2018-07-23 17:23:29+00:00

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Argumente gegen ein Grundeinkommen unter der Lupe - Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum)
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29.09.2012, 13:11 #1
Argumente gegen ein Grundeinkommen unter der Lupe
In einem Jugendmagazin der Bundesregierung schreibt Onur seine Argumente gegen ein Grundeinkommen.
Ich fasse die mal zusammen:
Das bGE sei kostspielig und schädlich.
Von »Armut« können man bei uns nicht sprechen.
Das bGE müsse mit den Löhnen steigen.
Zwang und Disziplin (über die tägliche Arbeit) sei nötig.
Es würde weniger produziert, weil mehr Menschen nicht mehr arbeiten gehen würden. Deshalb würde die Preise der Produkte steigen.
Durch das bGE käme Neid und Ungerechtigkeit, weil die einen arbeiten würden und die anderen nicht. Die die nicht arbeiten würden sich gehen lassen, sich nicht weiterbilden.
Statt vom Staat Geld zu erwarten, solle jeder für sich selbst sorgen.
Was kann man nun dagegen sagen? Ich gehe die Aussagen mal Satz für Satz durch.
ALLE Menschen müssen existenziell versorgt sein. Da kann man nicht von »kostspielig« reden. ALLE Menschen sind das wert.
Mehr als zwölf Millionen Menschen leben heute in Deutschland an der Armutsgrenze.
Wer lebt in Deutschland 2012 an der Armutsgrenze?
Von diesen 940 Euro müssen alle Kosten bewältigt werden. In den letzten Jahren sind z.B. die Mieten, Strom und Heizkosten ständig gestiegen. Der Mieterbund sagt, dass mindesten ein Drittel der Einkommen heute für diese Kosten schon mal verwendet werden müssen. Und Hartz4- Empfängern stehen nur 374 Euro zur Verfügung. Das Onur die Armut in Deutschland nicht erkennt, ist schon seltsam.
Richtig ist, dass das bGE an die Lebenshaltungskosten immer angepasst werden muss. (Was ja heute bei Hartz4 nicht passiert und so viel Leid unter die Menschen bringt.)
Das ist natürlich eine unverschämte Anmaßung. Solche Sprüche könnte ich mir in totalitären Staaten vorstellen, wenn der Diktator sich überlegt, was für »sein Volk« gut ist. Wie die Menschen ihren Tag strukturieren, ist doch deren Sache und gehört in die freie Entscheidung eines jeden.
Erstmal ist das heutige Problem, dass wir ZU VIEL produzieren. Siehe Automobilbau, Nahrung, etc. Man braucht sich nur mal anzuschauen, was alles weggeworfen wird. Wir könnten uns also sehr wohl erlauben, weniger zu arbeiten und trotzdem hätten wir genug für die Grundversorgung und würden noch unseren Planeten schonen.
Alles was notwendig ist, wird immer produziert. Wenn die Löhne akzeptabel sind, die Arbeitsbedingungen, dann finden sich immer Arbeitnehmer, die den Job machen.
Durch das bGE käme Neid und Ungerechtigkeit, weil die einen arbeiten würden und die anderen nicht. Die die nicht arbeiten, würden sich gehen lassen, sich nicht weiterbilden.
Das Problem heute ist ja nicht, dass die einen nicht arbeiten wollen, sondern es gibt nicht genug Arbeit für alle.
Weil zu viel produziert wird, weil durch Rationalisierung, Automation und Algorithmisierung nicht mehr so viele Menschen in der Produktion und in den produktionsnahen Dienstleistungen gebraucht werden, werden immer mehr Menschen arbeitslos. Es ist also nicht die SCHULD der Arbeitslosen, wenn sie keine Arbeit haben. Es stellt sich außerdem die grundsätzliche Frage, ob alle Menschen immer durch das Nadelöhr »Arbeitsplatz« gequetscht werden müssen, um ein Einkommen zu beziehen.
Auch die heutigen Arbeitnehmer würden von einem bGE profitieren. Sie sind weniger abhängig von ihrem Arbeitgeber, weil sie ein zusätzliches, vom Arbeitsplatz unabhängiges Einkommen hätten, sie könnten gesundheitsschädliche oder sonstige nachteilige Arbeitsbedingungen ablehnen. Sie könnten es sich viel eher leisten Teilzeit zu arbeiten, da sie ein weiteres Einkommen haben.
Nicht die Idee von »Neid und Ungerechtigkeit« wäre vorhanden, sondern die vielen Vorteile die alle Menschen in der Gesellschaft von einem Bedingungslosen Grundeinkommen hätten. Mit einem bGE wäre es erst recht möglich sich weiterzubilden, da man sich die Zeit dafür nehmen könnte und trotzdem nicht einkommenslos wäre.
»Der Staat«, die Gemeinschaft, das sind wir. Die Bevölkerung könnte erkennen, dass die Wertschöpfung (alles was wir produzieren in einem Jahr) geteilt gehört. Zumindest die Existenz eines jeden Mitbürgers sollten wir gemeinsam sichern. Und genau das wäre ein Grundeinkommen. Darüber hinausverdienen soll jeder können, was er will. Auch heute entscheiden wir Bürgerinnen und Bürger durch die Wahlen indirekt, aber durch unsere politische Beteiligung, was die Aufgaben des Staates sind.
Wir könnten also gemeinschaftlich uns entscheiden zu sagen, die Aufgabe des Staates ist die angemessene aber bescheidene Versorgung der Menschen bezüglich all dessen was sie zu ihrer Existenzsicherung brauchen. Von der Grundidee her ist das in Hartz4 realisiert. Aber die Höhe des Geldbetrages ist eine Verhöhnung der Menschen, weil man mit so wenig Geld nicht menschenwürdig leben kann. Und anders als beim Bedingungslosen Grundeinkommen ist Hartz4 an Zwangsarbeit geknüpft, was zu hundert Prozent die Menschenrechte verletzt, auch wenn die deutschen Gerichte das nicht erkennen wollen, so steht es aber doch im Grundgesetz drin.
»Jeder für sich selber sorgen« geht gar nicht mehr in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Nicht jeder kann mehr Bauer sein oder hat Wälder zum Holz machen. Wir sind voneinander abhängig. Deswegen müssen wir auch füreinander sorgen. Dies würde durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen realisiert.
Es gibt sicherlich noch weitere Argumente Pro-Grundeinkommen, die ich jetzt nicht erwähnt habe. Ihr könnt' gerne ergänzen.
29.09.2012, 14:15 #2
AW: Argumente gegen ein Grundeinkommen unter der Lupe
Wer ist Onur?
Beruf Sohn?
Jung Liberaler?
29.09.2012, 17:34 #3
"Arm" ist jeder, der den Cent mehrmals umdrehen muß, bevor er oder sie ihn ausgibt.
Ja, das dürfte unabdingbar sein. Auch ein BGE ist kein für ewig fixer Satz, sondern hat sich den Realitäten anzupassen;
Zwang führt zur Minderleistung, zur Überlastung des zugrundeliegenden, individuellen biologischen Systems. Und Disziplin hat man oder auch nicht, denn sie ist auch eine geistige Angelegenheit;
Es würde genau das produziert werden, was nachgefragt wird; derzeit produzieren wir vieles auf Halde, weil sich's niemand kaufen kann;
Durch das bGE käme Neid und Ungerechtigkeit,
Unfug, da es diese Eigenschaften ja heute außerhalb eines BGE ja auch schon gibt;
Der Staat hat die Pflicht, sich um all jene zu kümmern, die sich nicht oder nicht ausreichend um sich selber kümmern können; der Staat hat auch die Pflicht, durch Rahmenkonditionen dafür zu sorgen, daß alle Bürger stets ein ausreichendes Einkommen zur Verfügung haben, das den gesellschaftlichen Werten über ein lebenswertes Leben vollumfänglich entspricht. Ob der Staat nun ein BGE einführt oder Mindestlöhne ist ein eigenes Thema.
29.09.2012, 19:00 #4
@Kaydo, wie findet man denn solche gruseligen Seiten?
Also "Onur" ihm seine Argumentation ist ja mal klasse:
Für viele Menschen ist die tägliche Arbeit ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Zum einen gehen Sie ihr nach, um Geld zu verdienen und zum anderen strukturiert sie den Tag. Das bedingungslose Grundeinkommen würde diese Struktur zerstören, da der Zwang und somit auch der disziplinierende Faktor, den die Arbeit mit sich bringt, wegfallen würde.
Finde den Widerspruch. Welche PR-Agentur hat das denn so versemmelt?
29.09.2012, 20:07 #5
29.09.2012, 20:11 #6
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