Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Witwenrente_LAG-Duesseldorf_5Sa50905.html
Timestamp: 2017-11-25 03:43:03+00:00

Document:
Schlag­worte: Betriebliche Altersversorgung, Witwenrente
Akten­zeichen: 5 Sa 509/05
Ent­scheid­ungs­datum: 19.05.2005
Leit­sätze: Die Re­ge­lung in ei­ner be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­ord­nung, wo­nach Leis­tun­gen an die Wit­we oder den Wit­wer nicht in Be­tracht kom­men, wenn die­se über 15 Jah­re jünger als der Mit­ar­bei­ter sind, verstößt nicht ge­gen Art 3 und 6 GG.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Essen, Urteil vom 22.02.2005, 7 Ca 4881/04
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.06.2006, 3 AZR 352/05 (A)
Nachgehend Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 23.09.2008, C-427/06
7 Ca 4881/04
Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt F. L.,
I.straße 9, C.,
die C. C. und T. Haus­geräte Al­tersfürsor­ge GmbH, ver­tre­ten durch die Geschäftsführer V. N. und H. T., D.-Straße 34, N.,
I.al­lee 86 - 88, F.,
hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19.05.2005
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Gött­ling als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Pau­ken und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schim­mel
1) Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 22.02.2005 - 7 Ca 4881/04 - wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Fra­ge, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin ein be­trieb­li­ches Al­ters­ru­he­geld zu zah­len.
Die im Jah­re 1965 ge­bo­re­ne Kläge­rin war seit 1986 mit dem im Jah­re 1944 ge­bo­re­nen und am 05.05.2004 ver­stor­be­nen Herrn N. I. C. ver­hei­ra­tet. Die­ser trat am 01.03.1988 auf der Grund­la­ge ei­nes An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 23.02.1988 (Bl. 5 d. A.) in die Diens­te der Be­klag­ten am Stand­ort F. ein und war für die­se bis zu sei­nem To­de als Verkäufer tätig. Auf das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Ehe­mann der Kläge­rin und der Be­klag­ten fan­den die „Richt­li­ni­en der C.-T. Haus­geräte Al­tersfürsor­ge GmbH vom 01.01.1984 in der Fas­sung vom 01.04.1992“ (im Fol­gen­den „Richt­li­ni­en“ ge­nannt) An­wen­dung. Die­se ent­hiel­ten hin­sicht­lich der Zah­lung ei­nes Wit­wen­gel­des un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
Vor­aus­set­zun­gen für das Ru­he­geld
(4) Ru­he­geld (§ 5 Abs. 1 b) wird an die Wit­we/den Wit­wer ei­nes Mit­ar­bei­ters ge­zahlt, der während sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses bei der C.HG ver­stor­ben ist und die War­te­zeit (§ 2) erfüllt hat­te, wenn und so­lan­ge ein An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­te (Wit­wen-/Wit­wer­ren­te) aus der deut­schen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­steht. Ent­spre­chen­des gilt für die Wit­we/den Wit­wer ei­nes Ru­he­geld­empfängers.
b) die Ehe bei Aus­schei­den des Mit­ar­bei­ters aus der C.HG we­ni­ger als 5 Jah­re be­stan­den hat,
c) die Ehe ge­schie­den ist,
d) die Ehe­gat­ten ge­trennt ge­lebt ha­ben.
Bei Wie­der­ver­hei­ra­tung der Wit­we/des Wit­wers entfällt das Ru­he­geld.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Richt­li­nie wird im Übri­gen auf Blatt 6 bis 13 der Ak­ten ver­wie­sen.
Nach dem To­de ih­res Ehe­man­nes mach­te die Kläge­rin als Wit­we ge­genüber der Be­klag­ten die Zah­lung des ent­spre­chen­den Ru­he­gel­des gel­tend. Dies lehn­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 01.09.2004 (Bl. 14 d. A.) endgültig ab.
Mit ih­rer am 15.11.2004 beim Ar­beits­ge­richt Es­sen anhängig ge­mach­ten Kla­ge hat die Kläge­rin ihr Fest­stel­lungs­be­geh­ren wei­ter­ver­folgt und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Ehe­gat­ten­klau­sel in § 6 der Richt­li­ni­en un­wirk­sam sei. Sie hat hier­zu aus­geführt, der Aus­schluss der Wit­wen­ren­te bei ei­ner Al­ters­un­ter­schieds­gren­ze von nur 15 Jah­ren könne nicht mit dem Ar­gu­ment ei­ner „Ver­sor­gungs­ehe“ be­gründet wer­den. Hin­zu kom­me, dass die Kläge­rin ih­ren Ehe­mann noch vor dem Ab­schluss des An­stel­lungs­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten ge­hei­ra­tet und ihn während der ge­sam­ten Ar­beits­zeit fürsorg­lich un­terstützt hätte. Ins­ge­samt be­nach­tei­li­ge die Ehe­gat­ten­klau­sel die Kläge­rin so­mit ge­genüber an­de­ren Ehe­paa­ren, die al­tersmäßig we­ni­ger als 15 Jah­re aus­ein­an­der lägen, oh­ne dass es hierfür ei­nen sach­li­chen Grund gäbe.
fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin ei­ne Ru­he­geld nach den Richt­li­ni­en der C. und T. Haus­geräte Al­tersfürsor­ge GmbH zu zah­len.
Die Be­klag­te hat die Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel un­ter Hin­weis auf die ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung für zulässig er­ach­tet und auch den Zeit­raum von 15 Jah­ren für noch ak­zep­ta­bel an­ge­se­hen. Die Be­klag­te hat wei­ter die Auf­fas­sung ver­tre­ten, auf­grund der Ver­trags­frei­heit und der Tat­sa­che, dass es sich um ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung der Be­klag­ten han­de­le, er­ge­be sich, dass ei­ne li­be­ra­le Hand­ha­bung bei der recht­li­chen Be­ur­tei­lung der Klau­sel möglich sein müsse. Da­nach stünde Art. 6 Abs. 1 GG der Re­ge­lung ge­nau­so we­nig ent­ge­gen wie Art. 3 Abs. 1 GG. In die­sem Zu­sam­men­hang müsse ins­be­son­de­re berück­sich­tigt wer­den, dass ei­ner Wit­we, die ih­ren Ehe­mann in jun­gen Jah­ren ver­lie­re, ei­ne Be­rufstätig­keit noch eher zu­ge­mu­tet wer­den könn­te und die­se auch möglich sei. Hin­zu kom­me darüber hin­aus ein fi­nan­zi­el­ler As­pekt: Würde dem Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit ge­nom­men zu dif­fe­ren­zie­ren, wäre das fi­nan­zi­el­le Ri­si­ko für ihn na­he­zu un­kal­ku­lier­bar. Mit der Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel sei es dem­ge­genüber möglich, un­ter Be­ach­tung der durch­schnitt­li­chen sta­tis­ti­schen Ver­sor­gungs­dau­er ei­ne ma­xi­ma­le Ver­sor­gungs­dau­er von hier 23 Jah­ren zu kal­ku­lie­ren (vgl. hier­zu die Be­rech­nung der Be­klag­ten auf Bl. 28 und 29 d. A.).
Mit Ur­teil vom 22.02.2005 hat die 7. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Es­sen - 7 Ca 4881/04 - die Kla­ge ab­ge­wie­sen. In den Ent­schei­dungs­gründen, auf die im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel, die dem An­spruch der Kläge­rin ent­ge­gen­ste­he, sei rechts­wirk­sam. Sie ver­s­toße zum ei­nen nicht ge­gen Art. 6 Abs. 1 GG, weil ei­ne Be­nach­tei­li­gung ge­genüber Un­ver­hei­ra­te­ten nicht vor­lie­ge. Auch Art. 3 Abs. 1 GG sei nicht ver­letzt, weil sach­li­che Gründe vorlägen, die ei­nen Aus­schluss der Wit­wen­ren­te schon dann zu­ließen, wenn ei­ne Al­ters­dif­fe­renz von nur 15 Jah­ren ge­ge­ben sei.
In­so­weit müsse vor al­len Din­gen be­ach­tet wer­den, dass die von der Be­klag­ten dar­ge­stell­ten Kal­ku­la­ti­ons­ri­si­ken ei­ne Be­gren­zung der Ver­sor­gungs­dau­er auf ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum er­for­der­lich mach­ten. Das Feh­len ei­ner Härte­klau­sel ste­he schließlich der Rechts­wirk­sam­keit der Re­ge­lung nicht ent­ge­gen.
Die Kläge­rin hat ge­gen das ihr am 18.03.2005 zu­ge­stell­te Ur­teil mit ei­nem am 12.04.2005 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se zu­gleich be­gründet.
Sie wie­der­holt im We­sent­li­chen ih­ren Sach­vor­trag aus der ers­ten In­stanz und bemängelt vor al­lem das Feh­len ei­ner so ge­nann­ten Härte­klau­sel.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 22.02.2005 - 7 Ca 4881/04 - ab­zuändern und nach den Schluss­anträgen ers­ter In­stanz zu er­ken­nen.
Die Kläge­rin hat ge­gen die Be­klag­te kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Ru­he­gel­des ent­spre­chend der Richt­li­ni­en der C. und T. Haus­geräte Al­tersfürsor­ge GmbH vom 01.01.1984, Stand 01.01.1992. Ei­nem der­ar­ti­gen Ru­he­geld­an­spruch steht be­reits § 6 Abs. 4 a der Richt­li­ni­en ent­ge­gen, wo­nach bei ei­nem mehr als fünf­zehnjähri­gen Al­ters­un­ter­schied der An­spruch auf Wit­wen­geld aus¬ge­schlos­sen ist. Die­se Norm er­weist sich, wor­auf be­reits das Ar­beits­ge­richt mit um­fang­rei­chen Erwägun­gen zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat, als rechts­wirk­sam; sie verstößt vor al­len Din­gen nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht.
1. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt muss­te sich in der Ver­gan­gen­heit be­reits
mehr­fach mit Re­ge­lun­gen in be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gungs­ord­nun­gen be­fas­sen, in de­nen es um die Ein­schränkung des An­spruchs auf Wit­wen­ren­te ging. In die­sem Zu­sam­men­hang hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt un­ter an­de­rem Be­stim­mun­gen für wirk­sam er­ach­tet, die ei­nen An­spruch auf be­trieb­li­che Ver­sor­gungs­leis­tun­gen für die Wit­we ei­nes frühe­ren Ar­beit­neh­mers dann aus­sch­los-
sen, wenn die Wit­we mehr als 25 Jah­re jünger als ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann war (vgl. hier­zu: BAG, Ur­teil vom 09.11.1978 - 3 AZR 784/77 - AP Nr. 179 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt; BAG, Ur­teil vom 18.07.1972 - 3 AZR 472/71 - AP Nr. 158 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat darüber hin­aus ei­ne Re­ge­lung für zulässig er­ach­tet, die den An­spruch auf Wit­wen­ren­te da­von abhängig mach­te, dass die Begüns­tig­te im Zeit­punkt des To­des des Ar­beit-neh­mers das 50. Le­bens­jahr voll­endet hat (BAG, Ur­teil vom 19.02.2002 - 3 AZR 99/01 - AP Nr. 22 zu § 1 Be­trAVG Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung mit wei­te­ren umfäng­li­chen Hin­wei­sen auf die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts).
In al­len ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die an­ge­spro­che­nen Re­ge­lun­gen in Al­ters­ver­sor­gungs­richt­li­ni­en für zulässig und rechts­wirk­sam er­ach­tet und vor al­len Din­gen ei­nen Ver­s­toß ge­gen Be­stim­mun­gen und Grundsätze des Grund­ge­set­zes ver­neint.
2. Bei An­wen­dung der zi­tier­ten Recht­spre­chung, der auch die er­ken­nen­de
Be­ru­fungs­kam­mer in vol­lem Um­fang folgt, er­gibt sich für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on, dass der Aus­schluss der Wit­wen­ren­te zu Las­ten der Kläge­rin kei­nen recht­li­chen Be­den­ken be­geg­net und des­halb rechts­wirk­sam ist.
2.1 In der Re­ge­lung des § 6 Abs. 4 a der Richt­li­ni­en liegt kein Ver­s­toß ge­gen
Art. 6 Abs. 1 GG. Die­se Norm be­inhal­tet für den Staat po­si­tiv die Auf­ga­be, Ehe und Fa­mi­lie vor Be­ein­träch­ti­gung durch an­de­re Kräfte zu be­wah­ren und durch ge­eig­ne­te Maßnah­men zu fördern; zu­gleich enthält er das Ver­bot für den Staat selbst, die Ehe zu schädi­gen oder sonst zu be­ein­träch­ti­gen. Dies be­deu­tet, dass die Be­stim­mung ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gungs­ord­nung dann kei­ne An­er­ken­nung ver­dient, wenn sie ei­ne Schädi­gung oder Be­ein­träch­ti­gung der Ehe mit sich bringt. Da­zu gehört auch, dass dem Ar­beit­neh­mer die Ehe­sch­ließung durch die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gungs­ord­nung nicht er­schwert wer­den darf, auch nicht durch ei­nen nur mit­tel­ba­ren Zwang. Knüpft aber die Ver­sor­gungs­ord­nung we­der an die Ehe­sch­ließung noch an ei­ne be­stimm­te von Ehe-
leu­ten gewähl­te Form ehe­li­cher Part­ner­schaft nach­tei­li­ge be­triebs­ren­ten­recht­li­che Fol­gen an, kann ein Ver­s­toß ge­gen Art. 6 Abs. 1 GG nicht ge­ge­ben sein (so be­reits grund­le­gend: BAG, Ur­teil vom 18.07.1972, a. a. O.; vgl. auch: BAG, Ur­teil vom 19.02.2002, a. a. O.).
§ 6 Abs. 4 a der Richt­li­ni­en enthält dem­nach ge­ra­de kei­ne Be­nach­tei­li­gung von Ver­hei­ra­te­ten ge­genüber Un­ver­hei­ra­te­ten. Ein Ver­s­toß ge­gen Art. 6 Abs. 1 GG liegt nicht vor.
2.2 Das­sel­be gilt, so­weit sich die Kläge­rin auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen den
Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG be­ruft.
2.2.1 Ein Ar­beit­ge­ber ist grundsätz­lich dar­in frei, ei­ne Ent­schei­dung darüber zu tref­fen, ob er über­haupt ei­ne ei­gen­fi­nan­zier­te be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung zu Guns­ten der bei ihm Beschäftig­ten ein­rich­tet und wie hoch der Do­tie­rungs­rah­men sein soll. Ent­schließt er sich zu ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung, ist er wei­ter frei zu be­stim­men, für wel­chen der in § 1 Abs. 1 Be­trAVG ge­nann­ten Ver­sor­gungsfälle er Leis­tun­gen in Aus­sicht stellt. Er kann da­bei Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­spre­chen, muss es aber nicht. Es ist des­halb auch von Rechts­we­gen grundsätz­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn zwar Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung vor­ge­se­hen, der Kreis der an­spruchs­be­rech­tig­ten Drit­ten aber durch zusätz­li­che an­spruchs­be­gründen­de oder be­son­de­re an­spruchs­aus­sch­ließen­de Merk­ma­le be­grenzt wird. Dies liegt ge­ra­de im Be­reich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung na­he, weil ein da­hin­ge­hen­des Leis­tungs­ver­spre­chen zusätz­li­che Unwägbar­kei­ten und Ri­si­ken in sich birgt, was den Zeit­punkt des Leis­tungs­falls und die Dau­er der Leis­tungs­er­brin­gung an­geht. Es ist dem­gemäß ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des­sen, der ei­ne ent­spre­chen­de Ver­sor­gungs­ord­nung auf­stellt, die­se Ri­si­ken zu be­gren­zen und bes­ser kal­ku­lier­bar zu ma­chen (BAG, Ur­teil vom 19.02.2002, a. a. O.). Ins­be­son­de­re ist aber Ar­ti­kel 3 Abs. 1 GG nur dann ver­letzt, wenn ein vernünf­ti­ger, sich aus der Na­tur der Sa­che er­ge­ben­der oder sonst wie ein­leuch­ten­der Grund für die vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung nicht vor­liegt und die Re­ge­lung des­halb als willkürlich be­zeich-
net wer­den muss (so schon aus­drück­lich: BAG, Ur­teil vom 18.07.1972, a. a. O.).
2.2.2 Die Be­klag­te hat in aus­rei­chen­dem Um­fang sach­li­che Gründe für die Einführung der Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel ge­nannt, die nach Auf­fas­sung der er­ken­nen­den Kam­mer kei­ne Ver­an­las­sung dafür bie­ten, die streit­be­fan­ge­ne Klau­sel als willkürlich zu be­zeich­nen.
Die Be­klag­te be­ruft sich zunächst zu Recht dar­auf, dass die Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel von 15 Jah­ren schon des­halb an sach­li­chen Erwägun­gen an­knüpft, weil im Re­gel­fall da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass im Leis­tungs­fall noch ei­ne Er­werbstätig­keit für die (viel jünge­re) Wit­we möglich ist. Bei ei­nem Al­ters­un­ter­schied von auch nur 15 Jah­ren ist je­den­falls bei ei­nem vor der Pen­sio­nie­rung lie­gen­den Tod des ursprüng­lich Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten da­von aus­zu­ge­hen, dass sei­ne Wit­we, die dann ja al­len­falls 50 Jah­re sein wird, noch ei­ne Be­rufstätig­keit wie­der auf­neh­men kann. Die Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel wird des­halb in vie­len Fällen ei­ne ähn­li­che Wir­kung ha­ben wie ei­ne aus­drück­li­che Al­ters­be­gren­zungs­klau­sel, die von der Recht­spre­chung für zulässig er­ach­tet wird
(vgl. auch hier­zu: BAG, Ur­teil vom 19.02.2002, a. a. O.).
Ent­schei­dend dürf­te aber für Fälle der vor­lie­gen­den Art der fi­nan­zi­el­le As­pekt sein, der von der Be­klag­ten zur Recht­fer­ti­gung der Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel her­an­ge­zo­gen wird. In die­sem Zu­sam­men­hang ist er­neut zu un­ter­strei­chen, dass der Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich frei ist, im Fal­le der Schaf­fung ei­nes Ver­sor­gungs­wer­kes den Do­tie­rungs­rah­men fest­zu­le­gen. Er be­stimmt dem­nach das Kos­ten­vo­lu­men, wel­ches er für ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu tra­gen be­reit ist und ist dem­ent­spre­chend auch be­rech­tigt, ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängig zu ma­chen (vgl. auch hier­zu: BAG, Ur­teil vom 19.09.2002, a. a. O.; BAG, Ur­teil vom 26.08.1997 - 3 AZR 235/96 - AP Nr. 27 zu § 1 Be­trAVG Ablösung; vgl. wei­ter: BAG, Ur­teil vom 19.12.2000 - 3 AZR 186/00 - AP Nr. 19 zu § 1 Be­trAVG Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor-gung). Be­reits das Ar­beits­ge­richt hat auf der Grund­la­ge des ent­spre­chen­den -
nicht be­strit­te­nen - Sach­vor­trags der Be­klag­ten dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Ar­beit­ge­ber, sta­tis­tisch ge­se­hen, da­mit rech­nen muss, Ver­sor­gungs­leis­tun­gen für Wit­wen für ei­nen Zeit­raum von cir­ca acht Jah­ren zu er­brin­gen. Die­se durch­schnitt­li­che Er­war­tung sei bei Ehe­frau­en, wel­che 15 Jah­re jünger als ihr Ehe­mann sei­en, dann nicht mehr ge­ge­ben. Durch die Einführung ei­ner Klau­sel, die ei­ne Ver­sor­gung bei ei­ner Dif­fe­renz von mehr als 15 Jah­ren aus­sch­ließt, be­grenzt der Ar­beit­ge­ber mit­hin sein fi­nan­zi­el­les Ri­si­ko auf ein über­schau­ba­res und an­ge­mes­se­nes Maß. Die Re­ge­lung er­weist sich dem­gemäß als sach­ge­recht und bil­det ei­nen recht­fer­ti­gen­den Grund für die in der Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel lie­gen­de Un­gleich­be­hand­lung.
2.3 Sch­ließlich kann sich die Kläge­rin auch nicht auf das Feh­len ei­ner so ge­nann­ten Härte­klau­sel be­ru­fen.
2.3.1 Nach Mei­nung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. hier­zu: Ur­teil vom 28.03.1995 - 3 AZR 343/94 - AP Nr. 14 zu § 1 Be­trAVG Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung; sie­he auch: BAG, Ur­teil vom 19.02.2002, a. a. O.) han­delt es sich bei dem, was früher un­ter ei­ner Härte­klau­sel ver­stan­den wur­de, in al­ler Re­gel um ei­ne te­leo­lo­gi­sche, am Sinn und Zweck der Ver­sor­gungs­ord­nung selbst ori­en­tier­te Re­duk­ti­on von ein­schränken­den An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen im Ver­sor­gungs­sys­tem. Ein Ab­wei­chen vom Re­ge­lungs­wort­laut kommt im­mer dann in Be­tracht, wenn ein Ar­beit­neh­mer über das an­ge­streb­te Re­ge­lungs­ziel hin­aus­ge­hend er­heb­lich nach­tei­lig von ei­ner be­schränken­den Re­ge­lung be­trof­fen wird, ob­wohl es bei ihm un­ter den be­son­de­ren Umständen des Ein­zel­fal­les aus­nahms­wei­se an dem fehlt, was Grund für die­se Re­ge­lung war. Ei­ne sol­che Prüfung ist Rechts­an­wen­dung in Form der Aus­le­gung und un­abhängig da­von ge­bo­ten, ob die Ver­sor­gungs­re­ge­lung ei­ne aus­drück­li­che Härte­klau­sel enthält oder nicht.
2.3.2 Hier­nach kann aber ge­ra­de nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Kläge­rin durch die Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel er­heb­lich nach­tei­lig be­trof­fen wird, weil es bei ihr aus­nahms­wei­se an dem fehlt, was Grund für die be­nach­tei­li­gen­de
Re­ge­lung ist. Die Kläge­rin ver­weist zwar in die­sem Zu­sam­men­hang er­neut dar­auf, dass sie die Ehe mit dem Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten vor Auf­nah­me der ent­spre­chen­den Be­rufstätig­keit ge­schlos­sen hat­te, dass sie während des ge­sam­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ih­ren Ehe­mann fürsorg­lich un­terstützt hätte und dass des­halb ins­ge­samt nicht von ei­ner der ty­pi­schen Ver­sor­gungs­ehen aus­ge­gan­gen wer­den könn­te. Al­le die­se Gründe spie­len aber bei der Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel kei­ne Rol­le, die nach dem oben Aus­geführ­ten in ers­ter Li­nie an dem fi­nan­zi­el­len As­pekt auf Sei­ten der Be­klag­ten und darüber hin­aus mögli­cher­wei­se an dem noch „jun­gen“ Al­ter der Wit­we ori­en­tiert war. An­ge­sichts die­ser Gründe kann es aber dann auf die von der Kläge­rin ins Feld geführ­ten Ar­gu­men­te ge­ra­de nicht an­kom­men; sie spie­len bei der An­wen­dung der be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­ord­nung kei­ne Rol­le und soll­ten dies auch nicht, so dass sie ins­ge­samt auch kei­ne Umstände bil­den, die ei­ne plan­wid­ri­ge Härte bei der Kläge­rin ver­ur­sa­chen könn­ten.
Die Kam­mer hat der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge, ob die Al­ters­dif­fe­renz­klau­sel rechts­wirk­sam ist, ei­ne grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG zu­ge­las­sen.
Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Die Re­vi­si­on muss
Pau­ken
zur Übersicht 5 Sa 509/05

References: § 6
 Art. 6
 Art. 3
 Art. 6
 Art. 3
 § 6
 § 242
 § 242
 § 1
 § 6

Art. 6
 Art. 6

§ 6
 Art. 6
 Art. 3
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 72