Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/fluechtling-ja-aber-kein-asyl-3100367
Timestamp: 2020-04-02 23:11:39+00:00

Document:
Flücht­ling ja – aber kein Asyl? | Rechtslupe
Das deut­sche Asyl­recht unter­schei­det zwar zwi­schen dem ver­fas­sungs- und dem uni­ons­recht­lich gere­gel­ten Flücht­lings­schutz. Nach dem Asyl­ver­fah­rens­ge­setz umfasst ein Asyl­an­trag grund­sätz­lich bei­de Begeh­ren (vgl. § 13 AsylVfG) und hat das Bun­des­amt über die­se in einem Bescheid zu ent­schei­den (vgl. § 31 AsylVfG). Auch bei Gericht wer­den bei­de Begeh­ren zuläs­si­ger­wei­se zusam­men gel­tend gemacht. Lehnt das Bun­des­amt indes – wie hier – den Antrag auf Aner­ken­nung als Asyl­be­rech­tig­ter ab, gewährt es aber zugleich uni­ons­recht­li­chen Flücht­lings­schutz, bedarf beson­de­rer Begrün­dung, inwie­fern die gericht­li­che Wei­ter­ver­fol­gung des Asyl­be­geh­rens mit dem Ziel der (zusätz­li­chen) Aner­ken­nung als Asyl­be­rech­tig­ten dem Klä­ger einen wei­te­ren Vor­teil bräch­te. Denn der Gesetz­ge­ber hat mit dem Zuwan­de­rungs­ge­setz von 2004 Asyl­be­rech­tig­te und Flücht­lin­ge recht­lich weit­ge­hend gleich­ge­stellt, so dass der Unter­schei­dung kei­ne erheb­li­che prak­ti­sche Bedeu­tung mehr zukommt, ins­be­son­de­re kön­nen sich bei­de Per­so­nen­grup­pen auf die einem Flücht­ling gegen­über ande­ren Aus­län­dern in der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on gewähr­ten Vor­tei­le beru­fen. Hin­sicht­lich der auf­ent­halts­recht­li­chen Fol­gen sind Asyl­be­rech­tig­te und Aus­län­der, denen die Flücht­lings­ei­gen­schaft zuer­kannt wur­de, eben­falls gleich­ge­stellt (vgl. etwa § 5 Abs. 3, § 25 Abs. 1 und 2 Auf­en­thG hin­sicht­lich der Ertei­lung einer Auf­ent­halts­er­laub­nis und § 29 Abs. 2 Auf­en­thG bezüg­lich Erleich­te­run­gen beim Fami­li­en­nach­zug). Auch für das Fami­li­en­asyl und den Fami­li­en­flücht­lings­schutz bestehen nach § 26 AsylVfG inzwi­schen kei­ne Unter­schie­de mehr. Bei die­ser Sach­la­ge obliegt es dem Klä­ger dar­zu­le­gen, wel­che wei­ter­ge­hen­den Vor­tei­le ihm die begehr­te Asyl­an­er­ken­nung bräch­te. Andern­falls wäre es eine über­flüs­si­ge Inan­spruch­nah­me der Gerich­te, wenn die­se trotz des vom Bun­des­amt gewähr­ten Flücht­lings­schut­zes über die Asyl­an­er­ken­nung sach­lich ent­schei­den müss­ten. Dies zu ver­hin­dern ist Zweck der Sachur­teils­vor­aus­set­zung des Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses 1.

References: § 13
 § 31
 § 5
 § 25
 § 29
 § 26