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Timestamp: 2019-11-13 07:05:25+00:00

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08.10.2009 19:52 |
Ich bin seit 9 Monaten bei einem RA beschäftigt. Unbefristet. Probzeit ist auch schon rum.
Es gibt nur mich und meine Kollegin. Meine Kollegin ist dort schon 20 Jahre beschäftigt, aber keine gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte. Sie arbeitet Teilzeit 20 Stunden vormittags.
Ich arbeite Teilzeit 15 Stunden nachmittag und bin gelernte Refa.
Wir teilen uns sozusagen eine Ganztagsstelle.
Kann mich mein Chef kündigen und sich darauf berufen, dass er ein Kleinbetrieb ist bzw. andere Gründe aufführen, um mich los zu werden?
Was ist, wenn ich seitens des FA ein Beschäftigungsverbot bekommen würde, kann er mich dann kündigen?
Er ist ja zwingend darauf angewiesen, dass die Nachmittagsstelle besetzt ist.
Kündigung Kündigung Schwangerschaft Kündigen Beschäftigungsverbot
vielen Dank für Ihre Frage, die ich aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Informationen gerne beantworten werde.
Für Schwangere gibt es den besonderen Kündigungsschutz nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG), der grundsätzlich unabhängig von der Betriebsgröße für alle schwangeren Frauen gilt, egal ob vollzeit- oder teilzeitbeschäftigt.
Nach § 9 Abs. 1 MuSchG ist die Kündigung einer Schwangeren durch den Arbeitgeber bis zum Ablauf von 4 Monaten nach der Entbindung unzulässig und damit unwirksam, wenn dem Arbeitgeber bei der Kündigung die Schwangerschaft oder Entbindung bekannt ist oder ihm dies innerhalb 2 Wochen nach Zugang der Kündigung mitgeteilt wird.
Da Sie nach § 5 Abs. 1 MuSchG die Schwangerschaft ohnehin dem Arbeitgeber frühestmöglich mitteilen sollen, wird sich der Arbeitgeber nach dieser Mitteilung nicht mehr ohne Weiteres auf eine Kündigung berufen können, da dann in jedem Falle Kenntnis von der Schwangerschaft im Kündigungszeitpunkt hatte.
Wenn ein Beschäftigungsverbot nach dem MuSchG vom Arzt attestiert wird, kann deswegen ebenfalls im Normfall nicht gekündigt werden. Auch hier greift der besondere Kündigungsschutz des § 9 Abs. 1 MuSchG.
Sollte Ihnen dennoch ohne die Genehmigung der Arbeitsschutzbehörde gekündigt werden, sollten Sie sich unverzüglich an einen Kollegen oder eine Kollegin vor Ort wenden, um sich gegen die Kündigung gerichtlich zur Wehr zu setzen.
Aufgrund Ihrer Ausführungen halte ich es aber eher für wahrscheinlich, dass es überhaupt zu einer Kündigung kommen wird.
Der Vollständigkeit halber noch ein kleiner Hinweis zum Abschluss: § 9 Abs. 1 MuSchG bezieht sich ausdrücklich nur auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch eine Kündigung. Andere Formen, das Arbeitsverhältnis zu beenden (befristeter Vertrag, Aufhebungsvertrag) werden nicht erfasst, so dass eine andere Beendigung zulässig und wirksam wäre.
Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen weiterhelfen und wünsche Ihnen für Ihre Schwangerschaft alles Gute!
Nachfrage vom Fragesteller	08.10.2009 | 20:58
"Aufgrund Ihrer Ausführungen halte ich es aber eher für wahrscheinlich, dass es überhaupt zu einer Kündigung kommen wird."
Meinten Sie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ?
Wie hoch (%) schätzen Sie es ein, dass es zu einer Kündigung kommen könnte?
Mein AG wird wahrscheinlich in 4 Jahren in Rente gehen und er lässt es so langsam auslaufen (Umsatzrückgang).
Wäre das ein Kündigungsgrund, um eine Schwangere los zu werden?
Ich muss unbedingt wissen, ob ich oder mein AG dann im Recht ist.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.10.2009 | 21:29
ich muss mich vielmals entschuldigen - ich meinte natürlich UNwahrscheinlich. Eine verbindliche Prozentangabe zu der Wahrscheinlichkeit kann ich aber naturgemäß nicht machen, ich schätze das Risiko einer Kündigung als gering ein.
Der Umstand, dass Ihr AG in 4 Jahren wahrscheinlich in Rente gehen wird und der Umsatz deswegen rückgängig ist, ist m. E. kein Grund, eine Kündigung entgegen § 9 Abs. 1 MuSchG zu rechtfertigen. Bei der Genehmigung nach § 9 Abs. 3 MuSchG handelt es sich um außergewöhnliche Umstände. Diese Ausnahmen sollen aber den Kündigungsschutz nicht aushöhlen, sondern sie beziehen sich auf Härtefälle, in denen einem AG die Weiterbeschäftigung entweder absolut unzumutbar wäre (z. B. bei Straftaten der Schwangeren) oder eine Weiterbeschäftigung eben unmöglich wäre (z. B. Betriebstilllegung während der Schwangerschaft). Umsatzeinbußen könnten demnach dann eine solche Ausnahme bedeuten, wenn der Betrieb insolvent ist oder aufgegeben wird.
Bitte haben Sie Verständnis, dass im Rahmen dieses Forums nur vorläufige rechtliche Einschätzungen abgegeben werden können. Die Vorhersage, ob ein Rechtsstreit für Sie erfolgreich wäre, hängt vor allem von den konkreten Kündigungsgründen ab, die noch gar nicht bekannt sind - ebenso wenig wie feststeht, dass Ihnen gekündigt wird. Jetzt schon evtl. Erfolgsaussichten abschließend zu beurteilen, wäre also unseriös. Aufgrund Ihrer Angaben und unter Vorbehalt weiterer Prüfungen im "Ernstfall", würde ich zum jetzigen Beurteilungszeitpunkt aber davon ausgehen, dass Sie normalerweise gute Chancen hätten, sich erfolgreich gegen eine Kündigung zu wehren. Wie die Erfolgsaussichten tatsächlich sind, müsste allerdings im Falle einer Kündigung in Kenntnis aller Umstände gesondert geprüft werden.
Ich hoffe, dass Ihre Nachfrage damit beantwortet ist und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.

References: § 9
 § 5
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