Source: https://www.hensche.de/Gesetzentwurf_zur_Umsetzung_der_EU-Mobilitaetsrichtlinie_BMAS_Entwurf_vom_23.06.2015_31.08.15_10.40.html
Timestamp: 2019-12-13 23:33:56+00:00

Document:
Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Mobilitätsrichtlinie - HENSCHE Arbeitsrecht
ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/238
Schutz der Be­triebs­ren­ten für Jung und Alt
Wel­che Ände­run­gen gibt die EU-Mo­bi­litäts­richt­li­nie 2014/50/EU den EU-Staa­ten zum The­ma Be­triebs­ren­ten vor?
Wel­che Vor­schrif­ten des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes über die Vor­aus­set­zun­gen der Un­ver­fall­bar­keit müssen geändert wer­den?
Wel­che Vor­schrif­ten des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes über die Wert­si­che­rung un­ver­fall­ba­rer An­wart­schaf­ten müssen geändert wer­den?
Wel­che sons­ti­gen Vor­schrif­ten des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes sol­len geändert wer­den?
Fa­zit: Be­triebs­ren­ten wer­den für be­ruf­lich mo­bi­le Ar­beit­neh­mer at­trak­ti­ver und für Ar­beit­ge­ber ins­ge­samt teu­rer
Aus der von der Kom­mis­si­on ge­plan­ten Por­ta­bi­lität bzw. "Mit­nehm­bar­keit" von Ren­ten­an­wart­schaf­ten zu ei­nem neu­em Ar­beit­ge­ber wur­de nichts, denn das Eu­ro­pa­par­la­ment leg­te sich im Jah­re 2007 quer (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/25 Eu­ropäische Min­dest­stan­dards für Be­triebs­ren­ten).
Und das aus nach­voll­zieh­ba­ren Gründen. Denn wer grenzüber­schrei­tend zu ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men wech­selt, braucht in ers­ter Li­nie ei­nen ef­fek­ti­ven recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Schutz der beim bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber er­wor­be­nen Ren­ten­an­wart­schaf­ten. Und die­ser Schutz lässt sich kaum da­durch ver­bes­sern, dass die An­wart­schaf­ten zum neu­en Ar­beit­ge­ber mit­ge­nom­men wer­den, son­dern viel­mehr da­durch, dass An­wart­schaf­ten nach ei­ner möglichst kur­zen Dienst­zeit "un­ver­fall­bar" wer­den, d.h. auch beim Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers vor Ren­ten­ein­tritt er­hal­ten blei­ben.
Da­her ei­nig­te man sich nach lan­gen Ver­hand­lun­gen im Jah­re 2014 schließlich dar­auf, den EU-Staa­ten durch ei­ne Richt­li­nie im We­sent­li­chen fol­gen­de Vor­ga­ben zum The­ma Be­triebs­ren­ten zu ma­chen (Richt­li­nie 2014/50/EU des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 16.04.2014 - Mo­bi­litäts­richt­li­nie):
Un­ver­fall­bar­keit von Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaf­ten nach höchs­tens drei Jah­ren: Wer drei Jah­re un­ter der Gel­tung ei­ner be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­zu­sa­ge tätig war, muss die da­durch ver­dien­te An­wart­schaft auch dann be­hal­ten, wenn er (lan­ge) vor Ren­ten­be­ginn den Ar­beit­ge­ber verlässt (Art.4 Abs.1 a) der Richt­li­nie).
Un­ver­fall­bar­keit von Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaf­ten schon mit 21 Jah­ren: Se­hen die Rechts­vor­schrif­ten der EU-Mit­glieds­staa­ten ein Min­dest­al­ter für die Un­ver­fall­bar­keit von Ren­ten­an­wart­schaf­ten vor, darf die­se Al­ters­gren­ze höchs­tens bei 21 Jah­ren lie­gen (Art.4 Abs.1 b) der Richt­li­nie).
Dy­na­mi­sie­rung un­ver­fall­ba­rer An­wart­schaf­ten: Wer vor­zei­tig mit ei­ner un­ver­fall­ba­ren Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaft aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det, kann ei­ne fai­re Wert­si­che­rung sei­ner zeit­an­tei­li­gen Ren­ten­an­wart­schaft ver­lan­gen und darf da­bei nicht schlech­ter ge­stellt wer­den als Ar­beit­neh­mer, die wei­ter­hin beim Ar­beit­ge­ber tätig sind (Art.5 der Richt­li­nie).
Ent­spre­chend den o.g. drei Kern­for­de­run­gen der Mo­bi­litäts­richt­li­nie möch­te das BMAS zunächst § 1b Abs.1 Satz 1 des Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung (Be­trAVG) ändern. Die­se Vor­schrift des Be­trAVG, das auch kurz „Be­triebs­ren­ten­ge­setz“ ge­nannt wird, lau­tet in ih­rer der­zei­ti­gen Fas­sung:
„Ei­nem Ar­beit­neh­mer, dem Leis­tun­gen aus der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­sagt wor­den sind, bleibt die An­wart­schaft er­hal­ten, wenn das Ar­beits­verhält­nis vor Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls, je­doch nach Voll­endung des 25. Le­bens­jah­res en­det und die Ver­sor­gungs­zu­sa­ge zu die­sem Zeit­punkt min­des­tens fünf Jah­re be­stan­den hat (un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft).“
Ei­ne wei­te­re we­sent­li­che Ände­rung be­trifft die Dy­na­mi­sie­rung un­ver­fall­ba­rer An­wart­schaf­ten. Hier ver­langt Art.5 Abs.2 Mo­bi­litäts­richt­li­nie ei­ne "ge­rech­te" Be­hand­lung der ru­hen­den Ren­ten­an­wart­schaf­ten aus­schei­den­der Ar­beit­neh­mer, d.h. ei­ne an­ge­mes­se­ne Wert­si­che­rung ent­spre­chend den Re­ge­lun­gen, die für die wei­ter­hin ak­ti­ven bzw. nicht aus­schei­den­den Ar­beit­neh­mer gel­ten.
Die­se Vor­ga­be der Richt­li­nie zwingt Deutsch­land zu Rechtsände­run­gen. Denn die der­zei­ti­ge Fas­sung des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes enthält im We­sent­li­chen nur den für Ar­beit­ge­ber güns­ti­gen Grund­satz, dass bei der Be­rech­nung des zeit­an­tei­li­gen Be­triebs­ren­ten­an­spruchs
"Verände­run­gen der Ver­sor­gungs­re­ge­lung und der Be­mes­sungs­grund­la­gen für die Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung, so­weit sie nach dem Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers ein­tre­ten, außer Be­tracht" blei­ben (§ 2 Abs.5 Satz 1 Be­trAVG).
Bei ei­ner (heu­te nur noch sel­ten be­ste­hen­den) end­ge­halts­be­zo­ge­nen Ver­sor­gungs­zu­sa­ge gibt es auf der Grund­la­ge der der­zei­ti­gen Fas­sung von § 2 Abs.5 Satz 1 Be­trAVG kei­ne an­ge­mes­se­ne Wert­si­che­rung der un­ver­fall­ba­ren An­wart­schaf­ten. Denn wenn ein Ar­beit­neh­mer z.B. nach 15jähri­ger Beschäfti­gung un­ter Gel­tung ei­ner Ver­sor­gungs­zu­sa­ge vor­zei­tig mit 45 Jah­ren aus­schei­det und ei­nen den 15 Jah­ren ent­spre­chen­den zeit­an­tei­li­gen Pro­zent­teil sei­nes "End­ge­hal­tes" als Ren­ten­an­wart­schaft für sich ver­bu­chen kann, so meint "End­ge­halt" das im Aus­schei­dens­zeit­punkt be­ste­hen­de End­ge­halt, da künf­ti­ge Ge­halts­ent­wick­lun­gen, Ta­rif­stei­ge­run­gen usw. gemäß § 2 Abs.5 Satz 1 Be­trAVG "außer Be­tracht blei­ben".
Dies führt da­zu, dass die un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft im Er­geb­nis deut­lich ge­rin­ger ausfällt als sie bei glei­cher zeit­an­tei­li­ger Be­rech­nung aus­fal­len würde, wenn das End­ge­halt als Be­rech­nungs­grund­la­ge an­ge­mes­sen dy­na­mi­siert würde. Da­her wer­den aus­schei­den­de Ar­beit­neh­mer bzw. de­ren un­ver­fall­ba­ren An­wart­schaf­ten in sol­chen Fällen, d.h. vor al­lem bei end­ge­halts­be­zo­ge­nen Zu­sa­gen, nicht in ei­ner Art.5 Abs.2 Mo­bi­litäts­richt­li­nie ent­spre­chen­den Wei­se ge­gen den Wert­ver­fall ih­rer An­wart­schaf­ten ab­ge­si­chert.
Vor die­sem Hin­ter­grund sieht der Ge­setz­ent­wurf des BMAS vor, § 2 Abs.5 Be­trAVG auf­zu­he­ben und durch ei­nen neu­en § 2a zu er­set­zen, der die Über­schrift "Be­rech­nung und Wah­rung des Teil­an­spruchs" tra­gen soll.
§ 2a Abs.1 Be­trAVG (Ent­wurf) sieht zwar im­mer noch als Grund­prin­zip vor, dass "Verände­run­gen" nach dem vor­zei­ti­gen Aus­schei­den ei­nes Ar­beit­neh­mers "außer Be­tracht" blei­ben sol­len, doch wird die­ses Prin­zip nun­mehr aus­drück­lich mit ei­ner we­sent­li­chen Aus­nah­me ver­se­hen. Sie fin­det sich in § 2a Abs.2 Satz 1 Be­trAVG (Ent­wurf) und lau­tet:

References: § 1
 Art.5
 § 2
 § 2
 Art.5
 § 2
 § 2

§ 2
 § 2