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Timestamp: 2019-01-21 08:24:49+00:00

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Zeitschrift für Verwaltungsrecht Online: OVG Münster: Blockadetraining
1. Ein Blockadetraining stellt sich nicht deshalb als Aufruf zu einer Straftat nach § 111 StGB i. V. m. § 21 VersG dar, weil es als Teil eines Mobilisierungsplans eines Veranstalterbündnisses darauf ausgerichtet ist, konkrete, nicht verbotene Demonstrationen der rechtsextremen Szene zu verhindern.
2. Die Beeinträchtigungen des Versammlungsrechts der Teilnehmer an einem rechtsextremen Aufzug durch eine friedliche Gegenversammlung sind in gewissem Umfang im Interesse einer offenen kommunikativen Auseinandersetzung hinzunehmen.
Jetzt gilt es: Stolberg 2011 – Sie werden nicht durchkommen!"
Der Kläger verfolgt sein Begehren mit seiner vom Senat zugelassenen Berufung weiter. Er macht geltend: Das beabsichtigte Blockadetraining unterfalle in der geplanten Form des politischen Straßentheaters unter Einbeziehung der Teilnehmer dem verfassungsrechtlich geschützten Selbstbestimmungsrecht des Veranstalters. Es sei als zentrales symbolisches öffentlichkeitswirksames Mittel der Kommunikation mit der Öffentlichkeit von der Versammlungs-, Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt. Das bloße Blockadetraining sei von der tatsächlichen Durchführung einer Blockadeaktion zu unterscheiden. Gefahren für Polizeikräfte oder Rechte Dritter gingen von ihm nicht aus. Rechte von Teilnehmern einer künftigen Versammlung seien nicht unmittelbar berührt. Das Training habe durch seine Symbolik auf die Bürger auch eine Appell- und Signalwirkung haben sollen, Aufmärsche von Rechtsradikalen nicht widerstandslos hinzunehmen. Dem liege die moralisch-ethische Vorstellung zu Grunde, dass rechtsradikale Kundgebungen insbesondere auf Grund der deutschen Vergangenheit durch die Zivilgesellschaft nicht hingenommen werden dürften, weil Untätigkeit gegenüber faschistischen Tendenzen den demokratischen Rechtsstaat gefährde. Insofern habe die Versammlung gerade der öffentlichen Auseinandersetzung von Gesellschaft, Gesetzgebung und Justiz mit der Problematik rechtsextremer Aufmärsche gedient. Wenn die Politik es nicht schaffe, öffentliche rechtsextreme Propaganda zu unterbinden, sei bürgerschaftliches Handeln mit dem Ziel legitim, die weitere Ausbreitung dieses Gedankenguts zu verhindern und damit die Demokratie zu schützen.
Vgl. BVerwG, Urteil vom 25. Juni 2008 – 6 C 21/07 –, BVerwGE 131, 216 = juris, Rn. 13.
Vgl. BVerfG, Beschlüsse vom 19. Dezember 2007 – 1 BvR 2793/04 –, NVwZ 2008, 671, 672, und vom 14. Mai 1985 – 1 BvR 233/81 u. a. –, BVerfGE 69, 315, 353 f.
Vgl. BGH, Urteil vom 14. März 1984 – 3 StR 36/84 –, BGHSt 32, 310 = juris, Rn. 15; BVerfG, Beschluss vom 4. November 2009 – 1 BvR 2150/08 –, BVerfGE 124, 300, 335 = juris, Rn. 78; OLG Hamm, Urteil vom 12. Januar 2010 – 2 Ss 451/09 –, juris, Rn. 25; OLG Frankfurt, Urteil vom 17. Dezember 2002 – 3 Ss 317/02 –, NStZ-RR 2003, 327 = juris, Rn. 9; KG Berlin, Urteil vom 29. Juni 2001 – 1 Ss 388/00 –, NJW 2001, 2896 = juris, Rn. 18; OLG Karlsruhe, Urteil vom 12. Februar 1993 – 3 Ss 99/92 –, NStZ 1993, 389 = juris, Rn. 27 ff.
Vgl. BVerfG, Beschluss vom 24. Oktober 2001 – 1 BvR 1190/90 u. a. –, BVerfGE 104, 92, 103 ff., 105 f., 108, 110 f.
Vgl. grundlegend BVerfG, Beschluss vom 10. Oktober 1995 – 1 BvR 1476/91 u. a. –, BVerfGE 93, 266 = juris, Rn. 117 ff., 123, m. w. N.
Vgl. BVerfG, Beschluss vom 4. November 2009 – 1 BvR 2150/08 –, BVerfGE 124, 300, 320 f.
Vgl. BVerfG, Beschluss vom 1. Dezember 2007 – 1 BvR 3041/07 –, juris, Rn. 15, m. w. N.
Vgl. zur davon abweichenden aktuellen Rechtslage BVerfG, Beschluss vom 4. November 2009 – 1 BvR 2150/08 –, BVerfGE 124, 300, 334 ff.
bb) Das in Rede stehende Blockadetraining überschritt bei prognostischer Beurteilung auch nicht deshalb die Grenzen grundrechtlich gewährleisteter Freiheiten, weil hierdurch möglichst viele Menschen zur Teilnahme an der Blockade nicht verbotener rechtsextremer Versammlungen mobilisiert werden sollten. Das Veranstalterbündnis wollte sich erklärtermaßen friedlicher Methoden bedienen, um sein Anliegen öffentlichkeitswirksam zu verfolgen. Es lehnte Gewalttätigkeiten ab. Dies sollte den Teilnehmern des Blockadetrainings ausdrücklich mitgeteilt werden. Der Kläger hatte darüber hinaus im Kooperationsgespräch hervorgehoben, es sei nicht beabsichtigt, gegen die Polizei tätig zu werden. Das Blockadetraining beeinträchtigte auch nicht unmittelbar schützenswerte Rechtsgüter anderer. Am 5. Februar 2011 war keine Konfrontation mit einer Versammlung des politischen Gegners geplant oder auch nur absehbar. Es waren keine Redebeiträge vorgesehen, die eine ausdrückliche unmissverständliche Aufforderung zur Teilnahme an strafbaren Blockaden gegenüber einer breiten Öffentlichkeit hätten erwarten lassen können. Die Öffentlichkeitswirkung sollte ausschließlich dadurch erzielt werden, dass den Teilnehmern der Versammlung der mögliche Ablauf der geplanten Verhinderungsblockaden erklärt und dieser gegebenenfalls durchgespielt werden sollte. Darin aber liegt noch kein – allenfalls in Betracht kommendes – konkludentes Auffordern zu einer Straftat nach § 111 StGB i. V. m. § 21 VersammlG.
Vgl. OLG Hamm, Beschluss vom 17. Februar 2011 – 4 RVs 12/11 u.a. –, juris, Rn. 15; BayObLG, Urteil vom 16. Oktober 1995 – 4St RR 186/95 –, BayObLGSt 1995, 167 = juris, Rn. 14.
Vgl. BVerfG, Beschlüsse vom 24. Oktober 2001 – 1 BvR 1190/90 u. a. –, BVerfGE 104, 92, 110 ff., und vom 7. März 2011 – 1 BvR 388/05 –, NJW 2011, 3020 = juris, Rn. 38 f.
Vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. Juni 1991 – 1 BvR 772/90 –, BVerfGE 84, 203 = juris, Rn. 2 und 17; Dietel/Gintzel/Kniesel, Versammlungsgesetz, 16. Aufl. 2011, § 21 Rn. 10.
Vgl. BVerfG, Beschluss vom 14. Mai 1985 – 1 BvR 233/81 u. a. –, BVerfGE 69, 315, 360 f.
Vgl. Dietel/Gintzel/Kniesel, Versammlungsgesetz, a. a. O., § 2 Rn. 11; a. A. Nds. OVG, Beschluss vom 28. Juli 2011 – 11 LA 101/11 –, NdsVBl. 2011, 316 = juris, Rn. 9 f.
Vgl. zu diesem Begründungsansatz VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 19. Februar 2000 – 1 S 414/00 –, ESVGH 50, 190 = juris, Rn. 7.
a) Dies gilt in erster Linie für die Auflage Nr. 4 des angefochtenen Bescheids, die die Vermittlung von Blockadetechniken zur Verhinderung nicht verbotener zukünftiger Versammlungen verbot, "indem zumindest eine grobe Störung verursacht wird". Das geplante friedliche Blockadetraining stand – wie ausgeführt – mit der Rechtsordnung in Einklang. Es stellte insbesondere keinen Aufruf zu einer Straftat in Gestalt einer unzulässigen groben Störung einer nicht verbotenen Versammlung dar.
Vgl. OVG Koblenz, Urteil vom 10. Februar 2010 – 7 A 11095/09 –, juris, Rn. 28 ff., m. w. N.
Vgl. Bay. VGH, Beschluss vom 23. Oktober 2008 – 10 ZB 07.2665 –, juris, Rn. 16, unter Bezugnahme auf BVerfG, Beschluss vom 14. Juli 2000 – 1 BvR 1245/00 –, NJW 2000, 3051 = juris, Rn. 27 f.; Dietel/Gintzel/Kniesel, VersammlG, a. a. O., § 15 Rn. 48; Leist, Versammlungsrecht und Rechtsextremismus, 2003, S. 318 f.
Zitiervorschlag: OVG Münster, ZVR-Online Dok. Nr. 47/2012, Rn. #.

References: § 111
 § 21
 § 111
 § 21
 § 21
 § 2
 § 15