Source: http://studylibde.com/doc/854366/grundwerte---bundesheer
Timestamp: 2017-11-24 09:26:52+00:00

Document:
Grundwerte - Bundesheer
Stundenbild 1
Landesverteidigungsakademie - Zentrum für Menschenorientierte Führung und Wehrpolitik
OR Mag. Dr. Paul Georg Ertl
Grundwerte - Einleitung
Überblick über das Stundenbild 1 „Grundwerte“ zu geben.
der Folienbezeichnung aufscheinen.
Politischen Bildung mit diesem Lehrbehelf eine
entsprechende Unterlage zur Verfügung gestellt bekommen sollen.
Oberrat Mag. Dr. Paul Georg Ertl
Leiter Referat IV - Innere Ordnung
Zentrum für Menschenorientierte Führung und
Tel: +43 (0) 50201 10 28440
Grundwerte - Einleitung (Film)
Einleitung (Film)
Vor dem Film / Didaktische Anleitung für die
Fragen Sie die Auszubildenden, was für sie Werte sind
und schreiben sie die unterschiedlichen Antworten für
alle sichtbar auf. (Tafel, Flipchart, Overhead, … was
immer im Lehrsaal vorhanden ist). Sie können auch
einen Auszubildenden als Schriftführer beauftragen. Wir
kommen im Lauf der Unterrichtseinheit wieder darauf
zurück. Wenn es nur einige wenige Wortmeldungen gibt,
fragen Sie nach dem, was für die Zuhörer wertvoll ist,
was ihnen etwas wert ist, etc. Dauer: ca. 2-3 Minuten
Wie zu sehen, gibt es viele unterschiedliche Meinungen
darüber, was „Werte“ überhaupt sind. Hier einige
andere Beispiele aus dem Bereich des ÖBH:
Führen Sie das Intro- Video „Werte“ (auf Slide 2
verortet) vor. Danach gehen Sie zu Slide 3. Damit
beginnt der Hauptteil der
Soldatische Werte
und Tugenden
Grundwerte - Kapitel 1 (Folie 1)
Der Begriff Wert stammt ursprünglich aus der Nationalökonomie. Dort wird zwischen Gebrauchswert (das ist
die Tauglichkeit einer Sache für etwas) und dem
Tauschwert (das ist das, was man für etwas als Gegenleistung bekommt) unterschieden. Erst in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde „Wert“ als philosophischer Begriff eingeführt. Es wird dabei angenommen,
dass „Werte“ objektive Gültigkeit haben. Dazu braucht
man keinerlei weitere Überlegungen, weil unterstellt
wird, dass Werte ihre Notwendigkeit und ihren Sinn haben.1 Grundsätzlich geht es bei Werten also um etwas
Gutes. Um eine Sache, eine Beziehung oder etwas Ähnliches, das „bewertet“ wird. Nachdem diese Sache, dieses Gut bewertet wurde, kann man daran gehen sich
eine Vorstellung über ein bestimmtes Ziel zu machen.
Auch das sind Werte: Vorstellungen, wie die Dinge und
Handlungen sein sollten. Genauso ist es mit Eigenschaften. So sind zum Beispiel Hilfsbereitschaft oder Mut
positive Eigenschaften. Es sind anerkannte positive
Werte. Feigheit oder Falschheit sind dagegen negative
Werte bzw. negative Werthaltungen.
Wichtig ist hier, dass man zwischen „objektiven“ und
„subjektiven“ Werten unterscheiden kann. Objektive
Werte sind bestimmte Güter. Es sind physisch vorhandene Dinge wie zum Beispiel der Wert des menschlichen Lebens oder der Wert der Gesundheit. Das alles ist
real vorhanden und messbar. (Fachbegriff: „bonum physicum“) Subjektive Werthaltungen sind das, was einem
selbst als wertvoll erscheint. Also das, was jedem einzelnen wichtig ist. Das sind die Begriffe, die in der Anfangsphase als Definitionen für Werte dargelegt wurden –
Dinge, die unterschiedlicher kaum sein können. Das
heißt, subjektive Werte sind gewisse Werthaltungen wie
Treue, Gerechtigkeit und Ähnliches (Fachbegriff: bonum
morale). Im Gegenteil zum „objektiven“ Guten hat dieser
„subjektive“ Begriff also mehr gesellschaftliche Bindungen und wandelt sich auch schneller und stärker.2
Werte sind also Vorstellungen, die das „gute Leben“
beschreiben und häufig auf das dafür „richtige Handeln“ schließen lassen. Die Subjektivität des Begriffes
lässt sich an dieser Beschreibung schnell erkennen. Ein
Bespiel dafür ist der
„Wertewandel“, von dem man immer wieder hört. Was
ist also Wertewandel? Von Wertewandel spricht man
dann, wenn bestimmte, sich in einer Gesellschaft gebildete allgemein akzeptierte Gebräuche und Handlungsnormen im Verlauf der Geschichte verändern. Und das
passiert heute in immer schnelleren Maß. Alles wird neu
bewertet und anders gedeutet als vorher. Damit gehen
auch Veränderungen in Gesellschaft und Staat einher.
Vgl. zum Wertbegriff die Ausführungen in: Schnädelbach; Herbert: Philosophie in Deutschland 1831-1933, Kap. 6.
Zu den Fachtermini vgl: http://www.philosophie-woerterbuch.de/onlinewoerterbuchtx_gbwbphilosophie_main %5Bentry%5D=959&tx_gbwbphilo
sophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbphilosophie_main 5Bcontroller
5D=Lexicon&cHash=e741dcc6e381207bbd261dbeace
Grundwerte - Kapitel 1 (Folie 2)
Werte zeigen also was ein Einzelner als gut oder
schlecht betrachtet. Werte zeigen auch, was eine Gruppe, eine Familie, eine Gesellschaft oder ein Staat als gut
oder böse betrachtet. Und als Gesamtes ist das nichts
anderes als unsere Moral. Das Ergebnis sind die faktischen Handlungsmuster, die wir befolgen. Unsere Konventionen, die Regeln und Prinzipien an die wir uns halten sollen. Und je nachdem in welcher Gesellschaft jemand aufwächst, hat der- oder diejenige die Handlungsanleitungen und die Erwartungen seiner/ihrer Gesellschaft, Staates, deren Religion, etc. So helfen uns die
Werte, je nachdem welche wir haben, unsere Urteile zu
fällen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und
Konsequenzen aus gutem oder bösem Handeln zu ziehen.
Es gibt, wie am Anfang erarbeitet, viele verschiedene
Werte. Einige stehen exemplarisch auf der Folie: Es gibt
so etwas wie „ewig“ gültige Werte. Diese Werte entsprechen den Naturrechten und sollen Allgemeingültigkeit
besitzen. Das heißt, sie sollen immer, überall und für
jeden Menschen gleichermaßen gelten. Dann gibt es
wieder Werte, die sich auf den Menschen als Gattung
beziehen. Sie sind in den Menschenrechten niedergeschrieben. Dort geht es um Dinge, die jemandem als
Mensch erlaubt sind und Freiheiten, die garantiert sein
müssen. Es geht dabei um Rechte, die jeder hat, einfach weil er/sie ein Mensch ist. Die Menschenrechte
sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
niedergeschrieben. Diese Erklärung wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. In Art. 1 verkündet die Erklärung eindeutig die ALLEN Menschen innewohnenden
Rechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde
und Rechten geboren.“3 Als Folge dieser Erklärung wurde für Europa eine Europäische Konvention zum Schutz
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) eingeführt. Die EMRK wurde am 4.11.1950 in Rom in der 6.
Sitzung des Ministerkomitees unterzeichnet und ist am
3. September 1953 (nach Ratifikation durch 10 Mitgliedstaaten) in Kraft getreten (in Österreich am
3.9.1958, zwei Jahre nach Aufnahme in den Europarat).
Sie steht in Österreich als Gesetz im Verfassungsrang. 4
Neben den Menschenrechten, die für alle Menschen
egal welcher Herkunft, sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Standes gelten, gibt es auch andere Rechte, die sich aus solchen grundlegenden Werten heraus
ergeben. Diese Rechte gelten nur für Angehörige eines
Landes und regeln die Zugehörigkeit, es sind die Bürgerrechte. Sie umfassen zum Beispiel das aktive und passi-
ve Wahlrecht, das Recht auf eine gute Verwaltung, das
Recht auf Zugang zu Dokumentationen, Petitionsrecht,
Freizügigkeit und diplomatischen Schutz. Bürgerrechte
in Österreich stehen ausschließlich österreichischen
Staatsbürgern zu, Menschenrechte (jeder…; niemand…)
Wieder andere oder anders gelagerte Werte und Regelungen gibt es zum Beispiel für die Wirtschaft, für das
eigene subjektive („zivile“) Leben oder für Organisationen, die sich dem Dienst an der Allgemeinheit verschrieben haben.
Resolution 217 A (III) der UN-Generalversammlung vom 10. Dezember 1948.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Art. 1.
4 Die für Österreich gültige Fassung findet sich unter: http://www.ris.bka.gv.at/
GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&
Gesetzesnummer=10000308
Grundwerte - Kapitel 2 (Folie 1)
Wichtige Werte in Österreich
In der österreichischen Verfassung sind Werte nicht
dezidiert aufgeführt. Sie stehen aber als Prinzipien hinter der gesamten Bundesverfassung. Im § 14 Artikel 5a
B-VG geht es um die Schule. Dort stehen Werte sehr
§ 14, Art. 5a B-VG:
Demokratie, Humanität, Solidarität, Friede und Gerechtigkeit sowie Offenheit und Toleranz gegenüber den
Menschen sind Grundwerte der Schule, auf deren
Grundlage sie der gesamten Bevölkerung, unabhängig
von Herkunft, sozialer Lage und finanziellem Hintergrund, unter steter Sicherung und Weiterentwicklung
bestmöglicher Qualität ein höchstmögliches Bildungsniveau sichert. Im partnerschaftlichen Zusammenwirken
von Schülern, Eltern und Lehrern ist Kindern und Jugendlichen die bestmögliche geistige, seelische und
körperliche Entwicklung zu ermöglichen, damit sie zu
gesunden, selbstbewussten, glücklichen, leistungsorientierten, pflichttreuen, musischen und kreativen Menschen werden, die befähigt sind, an den sozialen, religiösen und moralischen Werten orientiert Verantwortung
für sich selbst, Mitmenschen, Umwelt und nachfolgende
Generationen zu übernehmen. Jeder Jugendliche soll
seiner Entwicklung und seinem Bildungsweg entsprechend zu selbständigem Urteil und sozialem Verständnis geführt werden, dem politischen, religiösen und weltanschaulichen Denken anderer aufgeschlossen sein
sowie befähigt werden, am Kultur- und Wirtschaftsleben
Österreichs, Europas und der Welt teilzunehmen und in
Freiheits- und Friedensliebe an den gemeinsamen Aufgaben der Menschheit mitzuwirken.5
Auch die Europäische Union hat die Grundwerte in Gesetzen festgeschrieben. Dies sind vor allem der Vertrag
von Lissabon – der Vertrag über die Europäische Union
(EUV) – und die schon erwähnte EMRK.
Im Art. 2 EUV werden die Grundwerte der EU unterstrichen. Es heißt:
Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die
Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich
durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen
und Männern auszeichnet.6
Und in Artikel 3 EUV werde die gemeinsamen Ziele der
Union definiert.7 Diese sind:
Binnenmarkt und eine nachhaltige Entwicklung
Europas auf der Grundlage von ausgewogenem
eine wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft,
die auf Vollbeschäftigung und sozialen Frieden
Förderung sozialer Gerechtigkeit, die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Solidarität
zwischen den Generationen und den Schutz der
Schutz und Entwicklung des kulturellen Erbes
Wirtschafts- und Währungsunion, deren Währung
Der gesamte Art. 14 ist abrufbar unter: http://www.ris.bka.gv.at/
Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40064335
konsolidierte Fassung des EUV ist abrufbar unter: http://
www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/Vertrag_ueber_die_Europaeische_Union.pdf
Grundwerte - Kapitel 2 (Folie 1 Fortsetzung)
Die Grundrechte, die die direkte Folge dieser Werthaltungen sind, werden für die EU in der Charta der Grundrechte festgelegt. Darin werden nicht nur traditionelle
Grundrechte gesichert, wie sie hochentwickelte Demokratien garantieren, sondern es sind in ihr auch die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte verankert.8
Darüber hinaus werden im Titel II EUV (des Vertrags von
Lissabon) explizit die demokratischen Grundsätze der
Europäischen Union festgeschrieben.9 Zum Beispiel legt
der Vertrag fest:
Alle BürgerInnen haben das Recht, am demokratischen Leben der Union teilzunehmen.
Mit der durch den Vertrag von Lissabon eröffneten Möglichkeit eines europäischen Volksbegehrens („Bürgerinitiative“), werden auch die demokratischen Rechte der BürgerInnen auf EU-Ebene
Weltweit gilt im übrigen auch die von den Vereinten Nationen beschlossene Erklärung der Menschenrechte, die
schon vorher kurz erläutert wurde.
Die vereinfachte Fassung der 30 Artikel (mit Erklärung):10
Wir alle sind von Geburt an frei und gleich an Würde und Rechten. Wir alle sind frei geboren. Alle
Menschen sind mit Vernunft und Gewissen begabt.
Wir sollten alle auf dieselbe Weise behandelt werden.
Keine Diskriminierung. Diese Rechte gelten für alle
Menschen, wie auch immer sie sich unterscheiden
Das Recht auf Leben. Wir alle haben ein Recht auf
Leben und ein Recht, in Freiheit und in Sicherheit
Keine Sklaverei. Niemand hat das Recht, uns zu
versklaven. Wir dürfen andere nicht zu unseren
Keine Folter. Niemand hat irgendein Recht, uns
grausam zu behandeln oder zu foltern.
Sie haben Rechte, egal wo Sie sind. Ich bin ein
Mensch genau wie Du!
Vor dem Gesetz sind alle gleich. Alle Menschen
sind vor dem Gesetz gleich. Es muss jeden gerecht
Das Gesetz schützt Ihre Menschenrechte. Wir alle
können die Gerichte um Hilfe anrufen, wenn wir
nicht gerecht behandelt werden.
Keine willkürliche Inhaftierung. Niemand hat das
Recht, uns ohne triftigen Grund einzusperren und
in Haft zu halten oder des Landes zu verweisen.
Das Recht auf ein faires Verfahren. Wenn man einer Straftat angeklagt wird, dann soll das öffentlich
geschehen, vor einem unabhängigen Gericht.
Unschuldig bis zum Beweis der Schuld. Niemand
darf als schuldig bezeichnet werden, bis seine
Schuld bewiesen ist. Wenn jemand behauptet, wir
hätten etwas Ungesetzliches getan, haben wir das
Recht, das Gegenteil zu beweisen.
Das Recht auf Privatleben. Niemand darf unseren
guten Namen in den Schmutz ziehen. Niemand
darf ohne Erlaubnis oder guten Grund in unsere
Wohnung kommen oder unsere Briefe öffnen oder
uns und unsere Familie belästigen.
Das Recht, sich frei zu bewegen. Wir alle haben
das Recht, in unserem Land zu leben, wo wir wollen, und dorthin zu reisen, wohin wir wollen.
Das Recht, sich einen sicheren Ort zum Leben zu
suchen. Wenn wir fürchten, in unserem eigenen
Land schlecht behandelt zu werden, haben wir das
Recht, in ein anderes Land zu flüchten, in dem wir
Die Charta der Grundrechte ist abrufbar unter: http://eur-lex.europa.eu/de/
treaties/dat/32007X1214/htm/C2007303DE.01000101.htm
htt p ://www.p arlam en t.gv.at/ZU SD/PD F/V er tr ag
_ueber_die_Europaeische_Union.pdf
10 Vgl:
http://jugend-fuer-menschenrechte.at/was-sind-menschenrechte/
allgemeine-erklarung-der-menschenrechte/vereinfachte-form-der-aemr/
Das Recht auf eine Nationalität. Wir alle haben
das Recht, zu einem Land zu gehören.
Ehe und Familie. Jeder Erwachsene hat das
Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen,
wenn er möchte. Mann und Frau haben in der
Ehe und auch bei deren Auflösung die gleichen
Das Recht auf Eigentum. Jeder hat das Recht,
etwas zu besitzen oder es mit anderen zu teilen.
Niemand darf uns ohne guten Grund Dinge wegnehmen.
Gedankenfreiheit. Wir alle haben das Recht zu
glauben, was wir wollen. Jeder darf seine Religion
frei wählen oder sie wechseln.
Das Recht auf freie Meinungsäußerung. Wir alle
dürfen uns unsere eigene Meinung bilden und
denken, was wir wollen. Und wir dürfen sagen,
was wir denken, und uns mit anderen über unsere Ideen unterhalten.
Versammlungsfreiheit. Jeder hat das Recht, sich
mit Freunden zu treffen und Vereinigungen zu
gründen. Menschen dürfen friedlich zusammenarbeiten, um ihre Rechte zu verteidigen. Aber
niemand kann uns zwingen, einer Gruppe beizutreten, wenn wir das nicht möchten.
Das Recht auf Demokratie. Wir alle haben das
Recht, an der Regierung unseres Landes mitzuarbeiten. Jeder Erwachsene hat das Recht, seine
Politiker selbst zu wählen.
Soziale Sicherheit. Wir alle haben das Recht auf
eine bezahlbare Wohnung, Medikamente, Bildung, Jugendfürsorge, genügend Geld, um zu
überleben, und medizinische Versorgung, wenn
wir krank oder alt sind.
Das Recht auf faire Arbeitsbedingungen. Jeder
Erwachsene hat das Recht auf Arbeit sowie auf
gerechten und gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
Und er hat das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten.
Das Recht auf Freizeit und Spiel. Wir alle haben
das Recht auf Freizeit und Erholung.
Nahrung und Wohnung für alle. Wir alle haben
das Recht auf einen menschenwürdigen Lebensstandard. Vor allem Mütter, Kinder und Menschen, die alt, arbeitslos oder behindert sind,
haben ein Recht darauf, dass man sich um sie
Das Recht auf Bildung. Bildung ist ein Recht.
Grundlegende Bildung (wie in der Grundschule)
darf kein Geld kosten. Sie soll die Tätigkeit der
Vereinten Nationen für den Frieden fördern und
zu Toleranz und Freundschaft unter Menschen
beitragen. Eltern können vorrangig bestimmen,
was Kinder lernen sollen.
Urheberrecht. Das Urheberrecht ist ein spezielles
Gesetz, damit die eigenen künstlerischen Kreationen und schriftstellerischen Arbeiten von anderen nicht ohne Erlaubnis kopiert oder genutzt
werden können. Wir alle haben das Recht auf
unsere eigene Lebensweise und darauf, uns an
dem Guten zu erfreuen, das durch Kunst, Wissenschaft und Lernen herbeigeführt wird.
Eine gerechte und freie Welt. Es muss richtige
Ordnung geben, damit wir alle in unserem eigenen Land und auf der ganzen Welt Rechte und
Freiheiten genießen können.
Verantwortung. Wir alle haben auch Pflichten
gegenüber anderen Menschen. Wir sollten deren
Rechte und Freiheiten schützen.
Niemand kann uns diese Menschenrechte wegnehmen.
Grundwerte - Kapitel 3 (Folie 1)
Militär und Gesellschaft: gemeinsame Werte?
Wie sieht es jetzt im Militär aus?
Eine Armee ist grundsätzlich ein Instrument der Politik.
Als solches Instrument ist sie dafür da, um auf verhältnismäßige Art und Weise widerrechtliche Gewalt abzuwehren und die legitime Ordnung durchzusetzen. Das
kann auf viele Arten geschehen. In Österreich sind die
vielfältigen Aufgaben des Militärs in § 2 des Wehrgesetzes grundgelegt.11 Dazu wird noch ein eigener Unterricht
gehalten. Im Wehrgesetz ist jedenfalls festgehalten,
dass das Bundesheer die bewaffnete Streitmacht der
Republik Österreich ist. Als solche Macht hat das Militär
auch große Verantwortung. Daher muss sich jeder Soldat in diesem Wertesystem zum Nutzen für die Republik
einfinden. Zusätzlich wird in diesem Zusammenhang
auch immer bedeutender, dass Österreich Mitglied in
der Europäischen Union und in der Partnerschaft für
den Frieden (PfP) ist. Das heißt, dass das Bundesheer
nicht nur im Inland mit den nationalen Werthaltungen
zu tun hat, sondern auch im Auslandseinsatz mit vielfältigsten anderen Werten konfrontiert wird. Die Aufgaben
eines Militärs sind also sehr „speziell“, vor allem was
das militärische Leben und die militärischen Werte angeht.
Es gibt immerhin nicht unerhebliche Unterschiede zwischen zivilem Leben und militärischem Leben. Ein Soldat ist in einer sehr speziellen Lage was seine
„normale“ Arbeitstätigkeit angeht. Seine Aufgabe ist die
Gewährleistung der Sicherheit nach außen. Also der
Schutz des Staates und seiner Bürger. Und diese Aufgabe wird – wenn notwendig – mit Gewalt durchgesetzt.
Das Militär ist also sozusagen der Gewaltakteur eines
Staates. Wenn ein Soldat seiner ursprünglichen Bestimmung nach eingesetzt wird, kommen Waffen zum Einsatz und es geht im sprichwörtlichen Sinn „um Leben
und Tod“. Daher hat sich das Militär – vom Rekruten bis
zum General – besonders genau mit seiner Werthaltung, der Legitimation von Einsätzen und der gediegenen Ausbildung zur Vermeidung von Opfern auseinanderzusetzen. Im militärischen Einsatz gibt es – im Gegensatz zur zivilen Gesellschaft – wenig Aussicht auf
persönlichen Nutzen. Es funktioniert mittels Befehl und
Gehorsam, während die individualistische, zivile Gesellschaft (oft wird heute auch von „Spaßgesellschaft“ gesprochen) eher auf ausgleichenden Verfahren, auf kooperativ-kollegialen Verfahren basiert.
Auch die Kriege der letzten fünfzig Jahre zeigen eine
rasante Abnahme „herkömmlicher“ Staatenkriege und
eine rapide Zunahme von innerstaatlichen und überstaatlichen
so ge nann te n
„asymmetrischen“ Kriegen. Durch diese Entwicklung
treten Staaten selber als Kriegführer, als Auslöser eines
Krieges oder auch Kriegsopfer immer mehr in den Hintergrund. Staaten und ihre Militärs sind also nicht mehr
die alleinigen Gewaltakteure, die Monopolisten des Krieges und somit auch nicht mehr gänzlich Herr über die
Anwendung militärischer oder ziviler Mittel, um Bedrohungen zu begegnen. Daher, und aufgrund der immer
immanenten Gewalt, die die Organisation Militär mit
sich bringt, gibt es oft Unsicherheitsfaktoren, die sich in
der zivilen Gesellschaft als Ablehnung und Antimilitarismus zeigen. Andererseits gibt es aber auch den Ruf der
Politik nach effektiver, rascher und professioneller
Durchsetzungsmacht für alle möglichen sicherheitspolitischen Belange.12
Das WG im Volltext ist abrufbar unter: http://
www.bmlv.gv.at/pdf_pool/gesetze/wg2001.pdf
12 Vgl. Ertl, Paul/Micewski, Edwin: Der Stellenwert der militärischen Ethik in der Konstruktion ziviler Moralität, in: Österreichische Militärische Zeitschrift 4/2006, S. 479-485.
Grundwerte - Kapitel 3 (Folie 1 Fortsetzung)
Das Militär ist ein Teilsystem der Gesellschaft. Einerseits gilt innerhalb des militärischen Teilsystems eine
streng pflichtorientierte Ethik, die vom Gemeinschaftsbezug über Unterordnung und Einheitlichkeit bis hin zur
Selbstaufopferung zu sehen ist. Andererseits gelten in
der zivilen Gesellschaft eher postmaterielle Werte wie
Selbstverwirklichung, Kreativität oder Toleranz, was
zwangsläufig zu einer Unvereinbarkeit führt
(Fachbegriff: Inkompatibilitätstheorem). Diese Unvereinbarkeit ist die maßgebliche Trennlinie zwischen ziviler
und militärischer Gesellschaft. Die Ziele, Werte und Haltungen des Militärs stellen mit ihrer Pflichtorientierung
beziehungsweise ihrer „Geberethik“ einen fundamentalen Gegenpart zum zivilen individuellen System dar. Auf
der militärischen Seite stehen Werte wie Dienen, Unteroder Einordnung in ein System, bei dem oft die eigene
Freiheit eingeschränkt werden muss im Vordergrund.
Die andere, zivile Welt bevorzugt dagegen eher Konsum,
Kreativität, Selbstverwirklichung und ähnliche subjektbezogene Werthaltungen. Stehen heute subjektive Werte in der zivilen Gesellschaft im Vordergrund, so entsprechen diese in militärischer Hinsicht altruistischen,
selbstlosen Werten.13 Der Soldat muss, um seinen Auftrag erfüllen zu können, also letzten Endes die Gewalt
anwenden und eventuell sogar von genau dieser Gewalt
betroffen sein, die die zivile Gesellschaft ächtet. Dabei
muss sich jeder Soldat/jede Soldatin bewusst im Wertekanon dieser militärischen Welt wiederfinden, sich damit auch letztendlich identifizieren können. Ein Soldat
muss mit dem Wissen in den Einsatz gehen, eventuell
nicht mehr lebend oder verwundet zurückzukommen.
Mit diesen Dingen muss sich jeder Soldat auseinandersetzen. Im schlimmsten Fall ist eine solche Sache der
Tod des Soldaten oder eines Kameraden. Daher ist die
militärische Werthaltung immens wichtig. Sie ist nicht
nur Motivation und gibt die Sicherheit „das Richtige“ zu
tun. Unsere militärischen Werte sichern so die Existenz
und das Fortbestehen unserer Familien, unserer Institutionen und unseres Staates.
Grundwerte - Kapitel 4 (Folie 1)
Soldatische Werte und Tugenden
Als Soldat hat man grundsätzlich dieselben Werthaltungen wie die Bevölkerung auch. Aufgrund der besonderen Aufträge und Probleme, mit denen sich ein Soldat zu
tun hat muss seine Werthaltung aber weiter reichen. Die
Werthaltungen, ohne die kein Militär auskommt sind mit
Masse uneigennützige Werthaltungen und Tugenden.
Dazu gehören Pflichtbewusstsein, ein Sinn und das
Streben nach Gerechtigkeit, Tapferkeit, Treue, Disziplin
genauso wie Wahrhaftigkeit, Kameradschaft und viele
mehr. Ohne diese Werte wäre ein geordnetes militärisches Zusammenleben nicht durchführbar und ein Einsatz für Österreich – egal ob für Katastropheneinsätze,
sicherheitspolizeiliche Einsätze oder typisch militärische
Operationen – nicht möglich. Ein Soldat ist dazu da um
mit dem Einsatz seines eigenen Lebens einen Auftrag
durchzuführen. Dafür muss er sich mit Extremsituationen, Katastrophen, Verwundung, Tod genauso auseinandersetzen wie mit dem Frieden als oberstes Ziel und
der Begegnung mit anderen Kulturen. 14 Ohne eine solide Werthaltung passiert Verantwortungslosigkeit oder
Fahrlässigkeit. Daher brauchen wir diese Werte um
überhaupt eingesetzt werden zu können.
Der wichtigste Grundwert für den Soldaten ist daher die
Menschenwürde (gleiche Würde jedes Menschen und
damit die Ableitung aller Menschenrechte). Menschenwürde ist keine Eigenschaft wie Klugheit, Schönheit
oder Großzügigkeit. Dem Begriff der Menschenwürde
liegt die Idee zugrunde, dass jeder Mensch allein schon
durch seine Existenz wertvoll ist. Wichtig ist auch die
Naturerhaltung. Naturerhaltung ist deshalb wichtig, weil
uns die Natur als Lebensgrundlage dient und alles andere erst ermöglicht.15 Aus diesen beiden soldatischen
Grundwerten lassen sich dann alle anderen ableiten
Menschliches Leben (Schutz des eigenen oder
fremden Lebens und daher tödliche Gewaltanwendung nur zum eigenen oder fremden Lebensschutz)
Körperliche und geistige Integrität (z.B. Ehre)
Freiheit und Gemeinschaft (individuell und staatlich)
Gerechtigkeit (als Grundvoraussetzung)
Recht (Rechtsordnung anstelle von Willkür. Jeder
Soldat muss sich daran halten)
Friede (nicht nur als „Abwesenheit von Krieg“,
sondern auch als sozialer Frieden)
Gewaltenteilung (zur Kontrolle der Macht)
Und als spezifische Werte der Institution Militär (dem
Österreichischen Bundesheer):
Pflicht- und Auftragserfüllung
Rechtsgehorsam
Selbstlosigkeit und Mut
Loyalität und Integrität.
Das alles ist auch im § 3 der ADV klar grundgelegt, wo
Der Soldat steht auf Grund der ihm übertragenen Aufgabe, sein Vaterland und sein Volk zu schützen und mit
der Waffe zu verteidigen, in einem besonderen Treueverhältnis zur Republik Österreich. Er ist im Rahmen
dieses Treueverhältnisses insbesondere zur Verteidigung der Demokratie und der demokratischen Einrichtungen sowie zu Disziplin, Kameradschaft, Gehorsam,
Wachsamkeit, Tapferkeit und Verschwiegenheit verpflichtet.16
14 Einen guten Überblick über die „Ethik des Soldaten“ gibt es auch im „Soldat
2013“, S.16ff.
15 Zu dieser Definition und den folgenden Werten vgl. Baumann, Dieter: Militärethik. Theologische, menschenrechtliche und militärwissenschaftliche Perspektiven, S. 493ff.
16 Allgemeine Dienstvorschriften für das Bundesheer, §3 Abs 2.
Grundwerte - Fragen
Welche Werte braucht ein Soldat?
Warum sind soldatische Werte wichtig?
Grundwerte - Literatur
Amnesty International: Vereinfachte Form der Menschenrechte, abrufbar unter: http://jugend-fuermenschenrechte.at/was-sind-menschenrechte/allgemeine-erklarung-der-menschenrechte/vereinfachte-form-deraemr/
Baumann, Dieter: Militärethik. Theologische, menschenrechtliche und militärwissenschaftliche Perspektiven. Kohlhammer Stuttgart 2007
Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport/Abteilung Eigenlegislative: Wehrgesetz 2001 (WG 2001)
Wehrrechtliche Textausgabe Volltext abrufbar unter: http://www.bmlv.gv.at/pdf_pool/gesetze/wg2001.pdf
Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport/Abteilung Kommunikation: Soldat 2013. Leitfaden für den
Dienst im Bundesheer. Vehling, Graz 2012
Ertl, Paul/Micewski, Edwin: Der Stellenwert der militärischen Ethik in der Konstruktion ziviler Moralität, in: Österreichische Militärische Zeitschrift 4/2006
Europäische Union: Charta der Grundrechte
dat/32007X1214/htm/C2007303DE.01000101.htm
http://eur-lex.europa.eu/de/treaties/
Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und
bürgerlichen Staates. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1998
Kant, Immanuel: Die Metaphysik der Sitten. Werkausgabe ed. Weischedel, Bd.
VIII, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1979
Republik Österreich: Allgemeine Dienstvorschriften für das Bundesheer. Abrufbar unter: http://www.ris.bka.gv.at/
GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10005468
Republik Österreich: Bundes Verfassungsgesetz (B-VG), Art. 14. Abrufbar unter: http://www.ris.bka.gv.at/
Republik Österreich: Konsolidierte Fassung des EUV. Abrufbar unter: http://www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/
Vertrag_ueber_die_Europaeische_Union.pdf
Schnädelbach; Herbert: Philosophie in Deutschland 1831-1933, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983
United Nations: Resolution 217 A (III) der UN-Generalversammlung vom 10. Dezember 1948. Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte. Abrufbar unter: http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html
Wildfeuer, Armin: Wert. Beitrag in: UTB Handwörterbuch der Philosophie, Online- Wörterbuch Philosophie. Das Philosophielexikon im Internet, UTB, Stuttgart o.J.
bmlvs.gv.at; HBF;
Amtliche Publikation der Republick Österreich
Medieninhaber, Hersteller, Herausgeber: Republick Österreich, Bundesminister für Landesverteidigung und Sport, BMLVS,
Redaktion: Landesverteidigungsakademie - Zentrum für Menschenorientierte Führung und Wehrpolitik, LVAk - ZMFW, Stiftgasse 2a, 1070 Wien
Satz und Layout: Theresianische Militärakademie / Entwicklungsabteilung / Ref V CUA

References: Art. 1
 Art. 1
 § 14

§ 14
 Art. 5
 Art. 2
 Art. 14
 § 2
 § 3
 §3
 Art. 14