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Timestamp: 2020-06-06 06:39:41+00:00

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BAG, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Schlagworte: Betriebsvereinbarung
Aktenzeichen: 1 AZR 412/09
Leitsätze: Die Betriebsparteien können den Anspruch auf eine im Synallagma stehende variable Erfolgsvergütung nicht davon abhängig machen, dass das Arbeitsverhältnis zu einem Auszahlungstag außerhalb des Bezugszeitraums vom Arbeitnehmer nicht gekündigt wird.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 26.09.2008, 1 Ca 3987/08
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 28.04.2009, 17 Sa 1522/08
17 Sa 1522/08
1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 28. April 2009 - 17 Sa 1522/08 - teil­wei­se auf­ge­ho­ben.
„Va­ria­ble Er­folgs­vergütung (VE)
Nach § 3 Abs. 1 Satz 1, Satz 4 BV VE ver­ein­ba­ren die Führungs­kraft
Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de be­wir­ke die Vor­schrift ei­ne un­zulässi­ge Kündi­gungs­er­schwer­nis. § 8 Abs. 1 BV VE ver­s­toße zu­dem ge­gen § 75 Abs. 1 Be­trVG; bei der er­folgs­abhängi­gen Vergütung han­de­le es sich um Ent­gelt im en­ge­ren Sin­ne, das der Dis­po­si­ti­on der Be­triebs­par­tei­en ent­zo­gen sei.
ge­hen­der, auf der Grund­la­ge ei­nes Er­geb­nis­fak­tors von 1,0 zu er­rech­nen­der An­spruch steht dem Kläger nicht zu. Die­ser ist dem Vor­trag der Be­klag­ten, wo­nach der Er­geb­nis­fak­tor in die­sem Geschäfts­jahr we­gen ih­rer schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen La­ge le­dig­lich 0,8 be­tra­gen hat, zu­letzt nicht mehr ent­ge­gen­ge­tre­ten, so­dass die­se Tat­sa­che nach § 138 Abs. 3 ZPO als zu­ge­stan­den gilt.
a) § 8 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 BV VE be­stimmt, dass die va­ria­ble Er­folgs-
vergütung an sol­che Ar­beit­neh­mer nicht aus­ge­zahlt wird, die im lau­fen­den Geschäfts­jahr un­terjährig durch Kündi­gung aus­schei­den. Hin­ge­gen er­fasst der 2. Halbs. nur Ar­beits­verhält­nis­se, die durch den Ar­beit­neh­mer zwi­schen dem En­de des Geschäfts­jah­res bis zum Aus­zah­lungs­tag gekündigt wer­den. Die Ver­wen­dung des Pas­sivs „gekündigt wird“ lässt zwar of­fen, von wel­cher Ar­beits­ver­trags­par­tei die Kündi­gung aus­geht. Doch spre­chen die Re­ge­lungs­sys­te­ma­tik so­wie das dar­in zum Aus­druck kom­men­de In­ter­es­se der Be­klag­ten, ei­ne Ei­genkündi­gung zu ver­hin­dern oder zu­min­dest zu er­schwe­ren, dafür, dass die Be­triebs­par­tei­en die Stich­tags­re­ge­lung nur an ei­ne vom Ar­beit­neh­mer aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung knüpfen woll­ten und ei­ne sol­che des Ar­beit­ge­bers als aus­zah­lungs­unschädlich be­trach­ten.
b) Die in § 8 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 BV VE ent­hal­te­ne Stich­tags­re­ge­lung
un­terfällt nicht der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Be­trVG. Sie be­trifft we­der ei­nen Ver­tei­lungs­grund­satz nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG noch re­gelt sie die Aus­zah­lung des Ar­beits­ent­gelts nach § 87 Abs. 1 Nr. 4 Be­trVG. Die­ser Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand er­fasst die Umstände bei der Aus­zah­lung des Ar­beits­ent­gelts (Wie­se GK-Be­trVG 9. Aufl. § 87 Rn. 426; Fit­ting 25. Aufl. § 87 Rn. 179). Da­zu gehören die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen der Ent­gelt­an­spruch un­ter­geht, nicht.
c) Die Be­triebs­par­tei­en konn­ten den in der BV VE be­gründe­ten An­spruch
lich geschütz­ten Frei­heits­rech­te ver­pflich­tet. Da­zu gehört die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Be­rufs­frei­heit der Ar­beit­neh­mer.
(a) Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sind we­gen ih­res nor­ma­ti­ven Cha­rak­ters wie
Ta­rif­verträge und Ge­set­ze aus­zu­le­gen. Aus­zu­ge­hen ist da­nach vom Wort­laut der Be­stim­mun­gen und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn. Ab­zu­stel­len ist fer­ner auf den Ge­samt­zu­sam­men­hang und die Sys­te­ma­tik der Re­ge­lun­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­nem sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten, prak­tisch brauch­ba­ren und ge­set­zes­kon­for­men Verständ­nis der Be­stim­mung führt (BAG 27. Ju­li 2010 - 1 AZR 874/08 - Rn. 31, EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 23).
(b) Für den aus­sch­ließli­chen Ent­gelt­cha­rak­ter der in der BV VE ge­re­gel­ten
er­folgs­abhängi­gen Vergütung spricht schon der Wort­laut der ihr vor­an­ge­stell­ten Präam­bel. Da­nach ha­ben die Be­triebs­par­tei­en mit dem Ab­schluss der BV VE die Er­war­tung ver­bun­den, al­le Po­ten­tia­le der Mit­ar­bei­ter da­durch zu mo­bi­li­sie­ren, dass her­vor­ra­gen­de Leis­tun­gen auch ent­spre­chend ho­no­riert wer­den. Auch aus der Re­ge­lungs­sys­te­ma­tik folgt, dass die er­folgs­abhängi­ge Vergütung
ei­ne Ge­gen­leis­tung des Ar­beit­ge­bers für die Er­rei­chung der mit den Mit­ar­bei­tern ver­ein­bar­ten Zie­le ist. So hängt die Höhe der va­ria­blen Er­folgs­vergütung ua. von der persönli­chen Ar­beits­leis­tung der Mit­ar­bei­ter im je­wei­li­gen Geschäfts­jahr ab. Nach den § 2 BV VE zu­grun­de lie­gen­den Ein­zel­pa­ra­me­tern be­stimmt sich die Zah­lung nach ei­ner in­di­vi­du­el­len Ziel-VE, ei­nem Leis­tungs­fak­tor so­wie dem Er­geb­nis­fak­tor, der sich nach dem wirt­schaft­li­chen Er­folg der Be­klag­ten in dem je­weils maßgeb­li­chen Geschäfts­jahr rich­tet. Der Leis­tungs­fak­tor ist Aus­druck der in­di­vi­du­el­len Leis­tung des Mit­ar­bei­ters ge­mes­sen am Ziel­er­rei­chungs­grad der mit ihm persönlich ver­ein­bar­ten Zie­le (§ 5 Abs. 1 Satz 1 BV VE). Er be­misst sich nach ei­ner zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ab­zu­sch­ließen­den Ziel­ver­ein­ba­rung und nicht nach der ein­sei­ti­gen Fest­le­gung von Zie­len, die von der Be­klag­ten in Ausübung ih­res Di­rek­ti­ons­rechts ein­sei­tig be­stimmt wer­den können. Die Ver­ein­ba­rung der Zie­le er­folgt un­ter Berück­sich­ti­gung der persönli­chen Leis­tungsmöglich­kei­ten des Mit­ar­bei­ters (§ 4 Abs. 2 Satz 1 BV VE).
er­geb­nis­sen im Be­zugs­zeit­raum. Ein in die­ser Wei­se aus­ge­stal­te­ter Vergütungs­be­stand­teil wird da­her als Ge­gen­leis­tung für die gemäß der Ziel­ver­ein­ba­rung er­brach­te Ar­beits­leis­tung ge­schul­det (BAG 12. De­zem­ber 2007 - 10 AZR 97/07 - Rn. 48, aaO; BSG 23. März 2006 - B 11a AL 29/05 R - SozR 4-4300 § 183 Nr. 6). Die­se syn­al­lag­ma­ti­sche Ver­bin­dung wird nicht durch die Abhängig­keit der Höhe der va­ria­blen Er­folgs­vergütung von ei­nem Un­ter­neh­mens­er­geb­nis im maßgeb­li­chen Be­zugs­zeit­raum in Fra­ge ge­stellt. Denn auch Leis­tun­gen, die an den Un­ter­neh­mens­er­folg ge­knüpft sind (wie zB Tan­tie­men, Ge­winn­be­tei­li­gun­gen), wer­den re­gelmäßig als zusätz­li­che Vergütung für ei­ne im Geschäfts­jahr er­brach­te Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers ge­zahlt (vgl. BAG 8. Sep­tem­ber 1998 - 9 AZR 273/97 - zu II 3 a der Gründe, AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 214 = EzA BGB § 611 Tan­tie­me Nr. 2).
(3) Der An­spruch auf die va­ria­ble Er­folgs­vergütung nach der BV VE ent-
steht mit Ab­lauf des mo­nat­li­chen Leis­tungs­zeit­raums. Sie wird in den ein­zel­nen Mo­na­ten an­tei­lig ver­dient, je­doch auf­ge­spart und am ver­ein­bar­ten Fällig­keits­tag aus­ge­zahlt (BAG 21. April 2010 - 10 AZR 178/09 - Rn. 14, AP TVG § 1 Al­ters­teil­zeit Nr. 45). Dies folgt aus ih­rer Ein­bin­dung in das ver­trag­li­che Sy­nal­lag­ma und der Re­ge­lung in § 8 Abs. 1, Abs. 3 BV VE für die dort be­stimm­ten Fälle des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens und des un­terjähri­gen Ein­tritts. In die­sen ha­ben die Be­triebs­par­tei­en aus­drück­lich die Ent­ste­hung des An­spruchs „pro ra­ta tem­po­ris“ fest­ge­legt.
(4) Ent­stan­de­ne Ansprüche auf Ar­beits­ent­gelt für ei­ne be­reits er­brach­te
Ar­beits­leis­tung können von den Be­triebs­par­tei­en nicht un­ter die auflösen­de Be­din­gung des Be­ste­hens ei­nes un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis­ses zu ei­nem Stich­tag nach Ab­lauf des Leis­tungs­zeit­raums ge­stellt wer­den.
tei­le, die glei­cher­maßen in das Sy­nal­lag­ma ein­ge­bun­de­ne Leis­tun­gen dar­stel­len (BAG 25. April 2007 - 5 AZR 627/06 - Rn. 20, BA­GE 122, 182). Hierfür ist es auch un­er­heb­lich, ob der Vergütungs­an­spruch mo­nat­lich ent­steht, an länge­re Ab­rech­nungs­zeiträume ge­bun­den ist oder die Ar­beits­leis­tung von ei­nem be­stimm­ten Leis­tungs­er­folg abhängig ist. Ein ge­setz­li­cher Aus­nah­me­tat­be­stand, der vor­sieht, dass der Ar­beit­neh­mer die durch sei­ne Ar­beit ver­dien­te Ge­gen­leis­tung nur be­hal­ten darf, wenn er über den Zeit­raum hin­aus, in dem das Ar­beits­ent­gelt ver­dient wor­den ist, dem Un­ter­neh­men an­gehört, exis­tiert nicht. Die­se Wer­tun­gen ha­ben auch die Be­triebs­par­tei­en nach § 75 Abs. 1, Abs. 2 Be­trVG bei ih­rer Rechts­set­zung zu be­ach­ten, wenn sie ei­ne Re­ge­lung über Vergütungs­be­stand­tei­le tref­fen, die von ei­ner Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers abhängig sind. Die Stich­tags­re­ge­lung des § 8 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 BV VE wird dem nicht ge­recht. Sie ent­spricht in ih­rer Wir­kung ei­ner auflösen­den Be­din­gung, durch die dem vor­leis­tungs­pflich­ti­gen Kläger der An­spruch auf die Ge­gen­leis­tung rück­wir­kend ent­zo­gen wird, wenn die­ser nach Ab­lauf des Ge­schäfts­jah­res, aber vor dem Aus­zah­lungs­tag der va­ria­blen Er­folgs­vergütung sein Ar­beits­verhält­nis selbst kündigt.
die Re­ge­lung, wenn mit ih­rer Hil­fe der er­streb­te Er­folg gefördert wer­den kann. Er­for­der­lich ist sie, wenn kein an­de­res, gleich wirk­sa­mes, aber die Be­rufs­frei­heit we­ni­ger ein­schränken­des Mit­tel zur Verfügung steht. An­ge­mes­sen ist sie, wenn sie verhält­nismäßig im en­ge­ren Sinn er­scheint. Es be­darf hier ei­ner Ge­samt­abwägung zwi­schen der In­ten­sität des Ein­griffs und dem Ge­wicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Gründe; die Gren­ze der Zu­mut­bar­keit darf nicht über­schrit­ten wer­den (BAG 12. De­zem­ber 2006 - 1 AZR 96/06 - Rn. 24, BA­GE 120, 308).
ken­nen, dass es den Be­triebs­par­tei­en bei der in § 8 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 BV VE ent­hal­te­nen Stich­tags­re­ge­lung vor al­lem dar­um geht, Ar­beit­neh­mer von ei­nem Leis­tungs­be­zug aus­zu­sch­ließen, die ei­ne Ei­genkündi­gung aus­ge­spro­chen ha­ben und bei de­nen die da­mit ver­bun­de­ne Be­en­di­gung der Ver­trags­be­zie­hung und der hier­durch ermöglich­te Ar­beit­ge­ber­wech­sel den In­ter­es­sen der Be­klag­ten wi­der­spricht.
durch das Er­rei­chen der mit ihm ver­ein­bar­ten Zie­le be­reits im vor­an­ge­gan­ge­nen Geschäfts­jahr ver­dient hat. Die da­mit ver­bun­de­ne Be­schränkung der Ar­beits­platz­wahl­frei­heit berück­sich­tigt da­her völlig ein­sei­tig die In­ter­es­sen der Be­klag­ten am Ver­bleib des Klägers und ihr Bedürf­nis, ei­nen aus ih­rer Sicht un­erwünsch­ten Wech­sel, ggf. zu ei­nem Wett­be­wer­ber, zu­min­dest zu verzögern oder gar zu ver­hin­dern. Die da­mit ein­her­ge­hen­den Be­las­tun­gen für den Kläger, der letzt­lich auf ver­dien­tes Ent­gelt ver­zich­ten muss, um ei­nen in sei­nem In­ter­es­se lie­gen­den Ar­beits­platz­wech­sel un­ter Ein­hal­tung der ver­ein­bar­ten oder der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten vor­neh­men zu können, sind an­ge­sichts ei­nes In­ter­es­ses der Be­klag­ten an der Ein­hal­tung von Be­triebs­treue, oh­ne hierfür ei­ge­ne Auf­wen­dun­gen er­brin­gen zu müssen, un­verhält­nismäßig.
Rath Olaf Kunz
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11/220 Weih­nachts­geld – Rück­zah­lung: Kei­ne Weih­nachts­gel­drück­zah­lung nach bet...
09.11.2011. In ar­beits­ver­trag­li­chen All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ist oft die Pflicht des Ar­beit­neh­mers ent­hal­ten, sein Weih­nachts­geld zu­rück­zu­zah­len, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis kurz nach ...

References: § 3
 § 8
 § 75
 § 138
 § 8
 § 8
 § 87
 § 87
 § 87
 § 87
 § 87
 Art. 12
 § 242
 § 2
 § 183
 § 611
 § 611
 § 1
 § 8
 § 75
 § 8
 § 8