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Timestamp: 2019-12-11 16:49:22+00:00

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Ein alternatives Modell – ILAN – Netzwerk Kultur und Inklusion
Ein alternatives Modell – ILAN
15. Oktober 2015 von Kultur und Inklusion
Das Inclusion Life Art Network, oder kurz ILAN, ist ein Netzwerk, das sich für die Entwicklung einer inklusiven Kunst- und Kulturwelt innerhalb bereits bestehender Systeme einsetzt. // Juliane Gerland
Als übergeordnetes Ziel gilt dabei die Vernetzung und Zusammenarbeit von Kulturschaffenden mit und ohne Behinderung. Die drei Hauptziele der Vereinigung sind das Fördern von inklusiver Kunst, das Kreieren von inklusiven Arbeitswelten sowie der Ausbau von inklusiven Ausbildungsplätzen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die Interessen und Kompetenzen der jeweiligen Künstlerin oder des Künstlers.
Um das entsprechend geeignete individuelle Setting zu schaffen, kooperiert ILAN mit vielen verschiedenen Partnern, wie einzelnen Kulturschaffenden, Künstlergruppen, Orchestern, Galerien, Theatern und Ausbildungsstätten. Zusammen mit der Agentur für Arbeit konnten Ausbildungsangebote in verschiedenen Bereichen geplant und durchgeführt werden. Zu diesen Bereichen zählen u. a. Kunstschulen, Tanzschulen und Musiktherapeutische Praxen. Durch das weite Spek­trum innerhalb des Netzwerks kann die Ausbildung zu einem hohen Grad individualisiert werden. Sie bietet den „Auszubildenden“ mehr Raum, um ihre Persönlichkeit zu entfalten, als ein klassischer Werkstattarbeitsplatz. Schon in der Schulzeit werden im Rahmen von schulischer Berufsorientierung und Berufsvorbereitung persönlich bedeutsame Lebensentwürfe entwickelt und durch nachschulische Möglichkeiten ergänzt. Dabei steht das Netzwerk nicht nur den einzelnen Personen, sondern auch Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten zur Verfügung. Unterstützung bietet es in rechtlichen, verwaltungstechnischen, organisatorischen, personellen und pädagogischen Angelegenheiten. Die Arbeit zeichnet sich zudem auch durch das Agieren auf Augenhöhe, den gegenseitigen Respekt, Freundlichkeit und Offenheit aus. ILAN verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, in dessen Mittelpunkt immer die Interessen der jeweiligen Auszubildenden stehen: Schließlich werden sie immer als „wichtigste Expertinnen und Experten“ wahrgenommen.
Die Vorhaben werden durch verschiedene Stiftungen – wie die Lechler Stiftung – sowie durch Einzelpersonen unterstützt. Die Ausbildungsangebote und Qualifizierungsmaßnahmen werden vor allem durch das Persönliche Budget getragen. Im Rahmen des Netzwerkgedankens spielen Mentorinnen und Mentoren eine sehr wichtige Rolle. Sie stehen der Person bei sozialen und künstlerischen Fragen zur Seite und fördern und fordern die persönliche Entwicklung. Im Rahmen dieser Arbeit konnte das ILAN-Netzwerk seit 2008 berufliche künstlerische Bildungsmaßnahmen durchführen. Ein Beispiel ist die Qualifikation von Laura Brückmann. Ihr beruflicher Weg ist auf der ILAN-Homepage aufgeführt: Sie absolvierte 2010 bis 2012 eine Qualifizierung zur Tanzassistentin und Serviceassistentin. Nach einer Arbeitsplatzerprobung ist sie seit 2013 als Tanzassistentin in einer Gemeinschaftsschule tätig, einem integrativen Kindergarten und einem Seniorenheim.
Im Laufe der Zeit wurden in Kontext des ILAN-Netzwerks weitere Künstlerinnen und Künstler in verschiedenen Bereichen qualifiziert. Hervorzuheben ist dabei, dass ein Großteil ebenfalls in Teilzeit auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig ist (siehe www.inclusion-life-art-network.de).
Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für junge Menschen eine entscheidende Phase, die von einer Aufbruchsstimmung, von Hoffnungen und Möglichkeiten einerseits, aber auch von Ängsten, Zweifeln und gesellschaftlichen oder persönlichen Hindernissen andererseits geprägt ist. Gerade für Menschen mit Lernschwierigkeiten sind die Hindernisse häufig besonders hoch. Zentrale Fragen sind:
Wie kann eine Wahl für einen Berufs- und Ausbildungsweg am besten getroffen werden?
Wie kann dabei ein höchst mögliches Maß an Selbstbestimmung und Teilnahme erreicht werden?
Welches sind die persönlichen Unterstützungsbedarfe und wie können diese mit den Förderangeboten erfüllt werden?
Diese Fragen beschäftigen die Jugendlichen beim Übergang von der Schule ins Arbeitsleben ebenso wie Eltern und Fachkräfte.
In der „Persönlichen Zukunftsplanung“ (vgl. Boban/Hinz 1999) werden Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt, welche die Suche von jungen Menschen, ihren Eltern und den sie begleitenden Unterstützerinnen und Unterstützern nach dem persönlich besten Weg in den Beruf, in das Arbeitsleben erleichtern sollen. Hierbei werden Wege der schulischen Berufsorientierung und -vorbereitung sowie nachschulische Möglichkeiten und Angebote aufgezeigt.
Im Angebot der Persönlichen Zukunftsplanung kann es um kleine und große Aspekte der Zukunft gehen. Seine besondere Kraft entfaltet dieses planerische Vorgehen in einem Kreis von Menschen, der als Circle of Support bezeichnet wird; im Deutschen hat sich die Bezeichnung Unterstützerkreis durchgesetzt. Gemeint ist damit eine neue Qualität von Beziehungen, die das freundliche Aufeinander-Zugehen, das freundschaftliche Interesse, die respektvolle Anerkennung und die gegenseitige Verantwortung lebendig werden lassen und erlebbar machen, wobei die oder der Betroffene immer als wichtigste Expertin oder wichtigster Experte für die Situation gilt. ILAN bietet die Durchführung von Persönlichen Zukunftsplanungen an. Es handelt sich dabei um eine gestaltete Zusammenkunft von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf mit allen für sie wichtigen Personen wie Familie, Freunde und Menschen aus dem sozialen und institutionellen Umfeld. Diese Zukunftsplanung dient der Förderung und Entwicklung des individuellen Lebenswegs, gleich welchen Alters und jeweiliger Lebenssituation.
Beispiele für berufliche Qualifizierungen mittels des Persönlichen Budgets
Ein Beispiel: Persönliches Budget zur Qualifizierung und beruflichen Integration einer Jugendlichen als Service- und Tanzassistentin, Oktober 2010
Laura Brückmann ist nach dem Schulgesetz für Baden-Württemberg, § 15 Sonderpädagogische Förderung, in Sonderschulen und allgemeinen Schulen unterrichtet worden und besuchte von der 1. bis zur 9. Klasse eine Außenklasse, ein integratives Schulprojekt in einer Grund- und Hauptschule in ihrem Wohnort. Von 2007 bis 2009 war sie Schülerin einer Schule zur individuellen geistigen, körperlichen und motorischen Entwicklungsförderung für Kinder und Jugendliche.
Die Jugendliche gehört zum Personenkreis der Menschen, die Anspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach § 40 SGB IX haben. Sie bzw. ihre Eltern möchten keine Qualifizierung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Es wird daher ein Antrag auf Nutzung des Persönlichen Budgets gestellt. Die Eltern möchten das Leben ihrer Tochter so strukturieren, dass es ihr nach einer Zeit von 27 Monaten zur beruflichen Qualifizierung möglich wird, inklusiv und mit guter, sinnvoller Beschäftigungs- und Freizeitgestaltung inmitten der Gesellschaft selbstständig zu leben. Sie wünschen sich, dass sich das Leben ihrer Tochter auch weiterhin so bunt inmitten der Gesellschaft abspielt und beantragen daher das Persönliche Budget statt der Förderung in einem Berufsbildungsbereich innerhalb der WfbM.
Nutzung des Persönlichen Budgets (SGB IX § 17),
Handlungsempfehlung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation,
Handlungsempfehlung der Bundesagentur für Arbeit,
Handlungsempfehlung/Geschäftsanweisung der Bundesagentur für Arbeit.
§ 17 und § 40 SGB IX; § 54 Abs. 1 in Verbindung mit § 56 SGB XII
Artikel 24 Abs. 1; 27; 30 Abs. 2 UN-Behindertenkonvention von 2009.
Leistungsangebote innerhalb der WfbM für die Nutzung eines
Persönlichen Budgets
Infrage kommen der Berufsbildungsbereich mit den Zielen der Entwicklung und Förderung der Leistungs- und Erwerbsfähigkeit, der vertieften beruflichen Orientierung und Bildung, der Förderung der sozialen Eingliederung und der individuellen Persönlichkeitsentwicklung; letztendlich der beruflichen Integration in einen Betrieb, in einer künstlerischen Kompagnie des allgemeinen Arbeitsmarkts oder die Vermittlung in einen ausgelagerten, behindertengerechten Arbeitsplatz (24 Monate).
Finanzierung von Arbeitsplätzen im Bereich Kunst und Kultur durch das Persönliche Budget
Im Falle der Jugendlichen Laura Brückmann ist es erstmals gelungen, ein Persönliches Budget für die Beschäftigung außerhalb einer WfbM durchzusetzen. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, inklusive künstlerische Arbeitswelten zu kreieren, bestehende Einrichtungen zu inklusiven Systemen werden zu lassen und gleichberechtigte Teilhabe durch partizipative Kommunikation zu ermöglichen – eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung aufzubauen.
Boban, Ines/Hinz, Andreas (1999): Persönliche Zukunftskonferenzen. Unterstützung für individuelle Lebenswege. In: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft 22, Heft 4/5, S. 13–23 [bidok.uibk.ac.at/library/beh4-99-konferenz.html, zuletzt aufgerufen am: 11.05.2016].
Juliane Gerland – Ein alternatives Modell – ILAN
Kategorie: Arbeitsmarkt Stichworte: Arbeitsmarkt, Dokumentation 2015, Freiberuflichkeit, Kultur und Inklusion, Netzwerk Kultur und Inklusion, Netzwerk-Tagung
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