Source: https://makronom.de/infografik-bge-wie-sich-ein-grundeinkommen-auf-die-gesamtwirtschaft-auswirken-koennte-22755
Timestamp: 2020-03-30 07:30:31+00:00

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Infografik zum BGE: Wie sich ein Grundeinkommen auf die Gesamtwirtschaft auswirken könnte
Über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) wird schon seit langem diskutiert, und zwar mit zunehmender Intensität. Sogar der IWF hat das BGE in seinem neuesten „Fiscal Monitor“ thematisiert.
Die Einführung eines BGE würde das gesamtgesellschaftliche System der Einkommensverteilung erheblich verändern – und ist somit gerade für Volkswirte ein extrem spannendes (Gedanken-)Experiment. Denn aus einem BGE ergeben sich weitreichende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, also für das Arbeitsangebot der privaten Haushalte, die Arbeitsnachfrage der Unternehmen, das Beschäftigungsniveau und die Lohnhöhe. Veränderungen von Beschäftigungsvolumen und Lohnhöhe haben wiederum Auswirkungen auf die Gütermärkte, den Kapitalmarkt, das gesamtwirtschaftliche Preisniveau und die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Lohn- und Preisänderungen modifizieren zudem die Einkommensverteilung innerhalb der Gesellschaft. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Finanzierung des Grundeinkommens, die erhebliche Auswirkungen auf die Staatsfinanzen haben könnte.
In der folgenden Infografik habe ich die Effekte und Wechselwirkungen skizziert, die ein BGE auf die verschiedenen Bereiche der deutschen Volkswirtschaft haben könnte. Wichtige Vorbemerkung: Dabei handelt es sich um eine Skizze – denn die konkreten Effekte eines BGE auf zentrale makroökonomische Indikatoren lassen sich nur sehr schwer prognostizieren, solange wir keine Erfahrungswerte haben. Zwar gibt es etwa in Finnland oder in der kanadischen Provinz Ontario Modellversuche, aber in einer gesamten Volkswirtschaft wurde ein BGE bisher noch nicht eingeführt.
Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Konzepten für ein bedingungsloses Grundeinkommen – und natürlich können die Auswirkungen eines BGE je nach konkreter Ausgestaltung sehr unterschiedlich sein. Basis für die Überlegungen in dieser Infografik ist das folgende grundlegende Prinzip des BGE:
Ein BGE ist ein Einkommen, das allen Bürgern eines Staates ohne eine Gegenleistung und ohne irgendwelche Bedingungen dauerhaft gezahlt wird. Im Gegenzug werden steuer- oder beitragsfinanzierte Sozialtransfers prinzipiell abgeschafft und durch das BGE ersetzt. Eine Ausnahme hierfür gilt in den meisten Modellen für die Kranken- und Pflegeversicherung, für die es unterschiedliche Lösungsansätze gibt (z.B. eine Grundversicherungspflicht für Bürger, um deren Prämie das BGE erhöht wird, oder eine steuerfinanzierte Grundversorgung, die für alle Bürger kostenlos angeboten wird, oder eine direkte Überweisung der Gesundheits- und Pflegeprämien durch den Staat an die Krankenkassen).
Das BGE wird steuerfinanziert, wobei es unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten (einheitlicher Steuersatz auf das Bruttoeinkommen, Mehrwertsteuererhöhung, Vermögensteuer, Börsenumsatzsteuer etc.) gibt. Das BGE ist dabei in jedem Fall von der Steuer befreit. (→ Finanzierung).
Die Höhe des BGE entspricht in den meisten Vorschlägen mindestens dem sozioökonomischen Existenzminimum.
Die Erstrunden-Effekte
Wie erwähnt lassen sich die Effekte eines BGE auf zentrale makroökonomische Indikatoren nur schwer vorhersagen. Selbst qualitative Aussagen über die Entwicklungsrichtung der Indikatoren – Anstieg, Rückgang oder Konstanz – sind mit großen Unsicherheiten verbunden. Grund für diese Unsicherheit ist der Umstand, dass die Auswirkungen eines BGE von vielen Einflussfaktoren abhängen. Neben der konkreten Höhe des BGE spielen zwei Aspekte eine besondere Rolle:
Die Reaktionen der Bürger: Traditionell geht die Volkswirtschaftslehre davon aus, dass Menschen weitgehend extrinsisch motiviert sind. Das bedeutet: Eine Erwerbsarbeit wird nur aufgenommen, wenn dafür ein Lohn gezahlt wird. Die Zahlung eines BGE reduziert den Zwang, den Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit zu verdienen, sodass das Arbeitsangebot der Bürger tendenziell zurückgeht. Gleichzeitig aber gibt es auch eine Reihe von Tätigkeitsfeldern oder Arbeitssituationen, in denen die Menschen auch intrinsisch motiviert sind. Dort gilt dieser Automatismus nicht mehr, sodass die Einführung eines BGE das Arbeitsangebot nicht notwendigerweise verringert.
→ Arbeitsangebot
Wie unter → Inflation beschrieben ist zu erwarten, dass ein BGE zu einem stärkeren Preisanstieg und somit zu einer höheren Inflationsrate führt. Höhere Preise wirken zurück auf die Höhe des BGE: Dieses muss erhöht werden, um den Kaufkraftverlust der höheren Inflationsrate zu kompensieren. Ein höheres BGE hat wiederum weiter steigende Preise zur Folge, was zu einer Grundeinkommen-Inflations-Spirale führt.
Erhöhtes Arbeitsangebot
Es ist möglich, dass das BGE eine Erhöhung des Arbeitsangebots bei gering qualifizierten Personen verursacht, die arbeitslos sind und staatliche Transferleistungen beziehen. Für sie lohnt sich momentan eine Arbeitsaufnahme im Niedriglohnsektor häufig nicht, weil das erzielbare Lohneinkommen nur geringfügig über den staatlichen Transferzahlungen liegt und diese vollständig oder zu großen Teilen entfallen, sodass es keinen oder nur einen geringen Anreiz gibt, erwerbstätig zu werden.
Der Ausgangspunkt für die Überlegungen zu den Effekten eines BGE ist die Frage, wie sich die Bereitschaft der Bürger, ihre Arbeitskraft gegen die Zahlung eines Lohns anzubieten, verändert. Hier sind grundsätzlich drei verschiedene Reaktionen möglich:
Eine → Reduzierung des Arbeitsangebots
Ein → unverändertes Arbeitsangebot
Eine → Erhöhung des Arbeitsangebots
unverändertes Arbeitsangebot
Möglich ist, dass der Empfänger eines BGE sein Arbeitsvolumen unverändert lässt. In diesem Fall würde die Person das zusätzliche Einkommen „mitnehmen“, ohne ihre Arbeitsanstrengungen zu reduzieren. Diese Reaktion ist vor allem bei Personen mit hohen Arbeitseinkommen zu erwarten, weil ein BGE im Vergleich zum bereits erzielten Einkommen relativ gering und damit relativ unbedeutend ist. In der Regel handelt es sich hier um hoch qualifizierte Arbeitskräfte.
Denkbar ist auch, dass die Zahlung eines BGE Menschen mit geringen Einkommen die Möglichkeit eröffnet, dass sie unbefriedigende Arbeitsverhältnisse beenden und stattdessen anderen Tätigkeiten nachgehen. Auch in diesem Fall würde das angebotene Arbeitsvolumen unverändert bleiben. Es bliebe jedoch offen, ob sich in der Gesellschaft noch genügend Personen finden, die gesellschaftlich notwendige, aber unbefriedigende Tätigkeiten durchführen.
Reduziertes Arbeitsangebot
Gemäß der ökonomischen Standardtheorie wäre die wahrscheinlichste Reaktion eine Reduzierung des Arbeitsangebots. Konkret kann sich dies in Form einer Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf eine Teilzeitbeschäftigung äußern oder auch in einer Reduzierung des Arbeitsangebots auf null.
Im letztgenannten Fall würde die betreffende Person ihre Erwerbsarbeit komplett einstellen. Dies ist vor allem bei Tätigkeiten zu erwarten, die sehr gering entlohnt werden und zudem durch schlechte Arbeitsbedingungen gekennzeichnet sind (hohe körperliche Anstrengung, monotone Tätigkeiten, weitgehend fremdbestimmte Tätigkeiten, keine soziale Anerkennung, ungünstige Arbeitszeiten wie Nachtschichten und Wochenendarbeit etc.). Diese Reaktion ist vor allem im Bereich der gering qualifizierten Arbeitskräfte bzw. im Niedriglohnsektor zu erwarten.
Welche der in den Schritten zuvor beschriebenen Effekte auf das Arbeitsangebot (unverändert, erhöht, reduziert) per Saldo überwiegen, ist unklar. Ich halte aber ein reduziertes oder unverändertes Arbeitsangebot für am wahrscheinlichsten. Für den Arbeitsmarkt würde dies bedeuten:
Im Arbeitsmarktsegment mit relativ hohen Marktlöhnen dürfte allenfalls eine geringe Reduzierung des Arbeitsangebots zu erwarten sein, die keine spürbaren Auswirkungen auf die Marktlöhne hat.
Im Arbeitsmarktsegment mit relativ geringen Marktlöhnen ist hingegen eine stärkere Reduzierung des Arbeitsangebots zu erwarten.
Sofern die entsprechenden Tätigkeiten nicht durch einen verstärkten Einsatz von Kapital und Technologien erledigt werden können, ist also ein relativ starker Anstieg des Marktlohns notwendig, um Arbeitskräfte dazu zu bewegen, ihre Arbeitskraft anzubieten. Zwar ist auch in Teilbereichen eine Erhöhung des Arbeitsangebots zu erwarten, aber dies dürfte vom Volumen her nicht ausreichen, um den negativen Arbeitsangebotseffekt zu kompensieren.
Erstrundeneffekt: Steigende Löhne
Im Ergebnis gehe ich also davon aus, dass die Einführung eines BGE zu einem Rückgang des in Arbeitsstunden ausgedrückten Arbeitsangebots und einem Anstieg des Lohns führt. Beide Entwicklungen dürften im Bereich der gering qualifizierten Arbeitskräfte (bzw. im Bereich von Tätigkeiten mit relativ geringen Kompetenzanforderungen) wesentlich stärker ausfallen als im Bereich der hoch qualifizierten Arbeitskräfte. Die Schere zwischen den Marktlöhnen für hoch qualifizierte und für gering qualifizierte Arbeitskräfte würde folglich kleiner werden (mehr dazu unter → Ungleichheit).
Zweitrundeneffekt: Lohndruck nach unten
Denkbar ist allerdings auch, dass das BGE nach einiger Zeit auch wieder einen Lohndruck nach unten verursacht. Der Grund liegt in einem Zweitrundeneffekt: Die zunächst nach Einführung des BGE höchstwahrscheinlich steigenden Löhne führen dazu, dass der Einsatz von Kapital und Technologien zunimmt, während der Arbeitseinsatz zurückgeht – es dürfte für die Unternehmen also zunehmend Sinn machen, bisher von Menschen ausgeführte Tätigkeiten künftig – wenn möglich – von Maschinen oder Algorithmen erledigen zu lassen (→ Automatisierung).
Diese Veränderung der Produktionstechnologien hat wiederum Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt: Wenn wegen des verstärkten Kapitaleinsatzes weniger Arbeit zur Produktion des Bruttoinlandsprodukts (→ BIP) benötigt wird, bewirkt die geringere Arbeitsnachfrage einen tendenziellen Rückgang der Löhne.
Auf die gesamtwirtschaftliche Einkommensverteilung dürfte das BGE divergierende Effekte haben.
Einerseits ist zu erwarten, dass die Schere zwischen den Marktlöhnen für hoch qualifizierte und für gering qualifizierte Arbeitskräfte zunächst kleiner werden dürfte (→ Löhne).
Der verstärkte Einsatz von Kapital in der Produktion und der damit einhergehende Anstieg des → Zinssatzes verändern die Einkommensverteilung zugunsten der Kapitaleigentümer. Damit nimmt die Ungleichheit der Markteinkommen zu.
Sofern das BGE eine Höhe erreicht, die über den Beträgen liegt, die im Rahmen der sozialen Grundsicherung gezahlt werden, erhöht sich das Einkommen dieser Personen. Gleiches gilt, wenn gering qualifizierte Personen zusätzlich zu ihrem Arbeitseinkommen das Grundeinkommen beziehen. Die Einkommensschere zwischen diesen Personen und einkommensreichen Personen wird dann geringer, sodass die Einkommensungleichheit mit Blick auf die verfügbaren Nettoeinkommen kleiner wird.
Darüber hinaus ist an die Einkommensentwicklung im Zeitablauf zu denken. Wenn das BGE bei gering qualifizierten Personen mit entsprechend niedrigen Arbeitseinkommen den Anreiz zur Verbesserung der eigenen Beschäftigungschancen durch Aus- und Weiterbildung reduziert oder sogar vollkommen eliminiert, erschwert dies die Aufstiegschancen dieser Menschen. Anke Hassel spricht in diesem Kontext vom „süßen Gift“ des Grundeinkommens: „Jungen Menschen aus der bereits bei der Bildung benachteiligten Hälfte der Gesellschaft, aus Arbeiter- und Migrantenfamilien, wird der Aufstieg jedoch noch schwerer gemacht, als er ohnehin schon ist“. Perspektivisch werden die Einkommensunterschiede zwischen diesen Personen und besserverdienenden Erwerbstätigen mit stärkeren Anreizen zur Erhöhung der eigenen Kompetenzen und Qualifikationen im Zeitablauf größer.
Im Ergebnis hat ein BGE also sowohl ungleichheitserhöhende als auch -senkende Effekte auf die gesamtwirtschaftliche Einkommensverteilung. Welcher der beiden Effekte überwiegt, hängt vor allem von der konkreten Höhe des BGE ab: Je höher es ausfällt, desto eher überwiegen die Effekte, die zu einer Reduzierung der Ungleichheit der verfügbaren Nettoeinkommen führen. Gleichzeitig droht dann aber auch ein Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsangebots. Wird dieser nicht durch einen vermehrten Kapitaleinsatz kompensiert, sinkt das → BIP und damit das zu verteilende Einkommen. Sollte ein hohes BGE zudem zu einer hohen Besteuerung des Faktors Kapital führen, ist mit einer Kapitalflucht zu rechnen, die das BIP weiter reduziert.
Es spricht einiges dafür, dass ein BGE den Automatisierungsprozess in der Wirtschaft weiter vorantreiben würde. Die zunächst nach Einführung des BGE höchstwahrscheinlich steigenden → Löhne führen dazu, dass der Einsatz von Kapital und Technologien zunimmt, während der Arbeitseinsatz zurückgeht – es dürfte für die Unternehmen also zunehmend Sinn machen, bisher von Menschen ausgeführte Tätigkeiten künftig – wenn möglich – von Maschinen oder Algorithmen erledigen zu lassen.
Daraus ergeben sich folgende Rückwirkungen auf andere Faktoren:
Arbeitsmarkt: Wenn wegen des verstärkten Kapitaleinsatzes weniger Arbeit zur Produktion des Bruttoinlandsprodukts (BIP) benötigt wird, bewirkt die → geringere Arbeitsnachfrage in einem Zweitrundeneffekt einen tendenziellen Rückgang der → Löhne.
Die → Produktivität steigt, was sich positiv auf die → internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen auswirkt.
Die Produktivitätssteigerungen haben einen inflationsdämpfenden Effekt (→ Inflation).
Einschränkend ist jedoch darauf hinzuweisen, dass eine Voraussetzung für den technischen Fortschritt und einen hohen Kapitalbestand darin besteht, dass es nicht zu einer Kapitalflucht kommt. Sollte die → Finanzierung des BGE zu einer hohen Belastung von Kapitaleinkommen führen, kann dies eine Kapitalflucht und eine Reduzierung der Ersparnisbildung nach sich ziehen. Die für den Automatisierungsprozess erforderlichen Investitionen können dann nicht erfolgen, sodass es zu einer Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität kommt.
Die Arbeitsmarkteffekte eines BGE hängen auch von den Reaktionen der Unternehmen ab. Der zu erwartende generelle Lohnanstieg (→ Löhne), vor allem im Bereich der Tätigkeiten mit geringen Kompetenzanforderungen, erhöht den Anreiz, den Faktor Arbeit durch den Faktor Kapital zu ersetzen. Tendenziell ist also davon auszugehen, dass sich die Produktionstechnologien in der Volkswirtschaft dahingehend verändern, dass der Einsatz von Kapital und Technologien zunimmt, während der Arbeitseinsatz zurückgeht – es dürfte für die Unternehmen also zunehmend Sinn machen, bisher von Menschen ausgeführte Tätigkeiten, die momentan noch kostengünstiger von Menschen ausgeführt werden, künftig – wenn möglich – von Maschinen oder Algorithmen erledigen zu lassen (→ Automatisierung).
Diese Veränderung der Produktionstechnologien hat wiederum Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt: Wenn wegen des verstärkten Kapitaleinsatzes weniger Arbeit zur Produktion des BIP benötigt wird, bewirkt die geringere Arbeitsnachfrage einen tendenziellen Rückgang der → Löhne. Gleichzeitig führt der verstärkte Kapitaleinsatz zu einer höheren Kapitalnachfrage und damit auch zu einem Anstieg des Preises für den Produktionsfaktor Kapital, also zu einem Anstieg des Zinssatzes (→ Zinsen).
Ergänzend ist jedoch zu berücksichtigen, dass im Fall der Einführung eines BGE die Sozialversicherungsbeiträge entfallen, weil das Grundeinkommen steuerfinanziert ist. Damit sinken die Lohnnebenkosten. Für sich genommen bewirkt die Reduzierung der Lohnnebenkosten eine höhere Nachfrage nach Arbeitskräften, weil der Faktor Arbeit für die Unternehmen billiger wird.
Angesichts der skizzierten Reaktionen der privaten Haushalte als Arbeitsanbieter (→ Arbeitsangebot) und der Unternehmen als Arbeitsnachfrager ist es plausibel, dass der Rückgang des Arbeitsangebots stärker ausfällt als der Rückgang der Arbeitsnachfrage. Per Saldo bedeutet dies einen Rückgang der Beschäftigung und einen Anstieg des Lohns als Preis für den Faktor Arbeit.
Falls die Einführung eines BGE zu einer Verringerung des → BIP führt, sinkt auch die Steuerbasis und mit ihr sinken die Steuereinnahmen. Angesichts der für Deutschland geltenden Schuldenregeln (Maastricht-Vertrag und deutsche Schuldenbremse) muss der Staat daher seine Steuersätze erhöhen.
Die Folgen für die Gesamtwirtschaft können je nach Art der Steuererhöhung sehr unterschiedlich ausfallen:
Sollte das BGE primär durch eine Erhöhung der Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer finanziert werden, führt dies unmittelbar zu einer Erhöhung der von den Konsumenten zu zahlenden Preise (→ Inflation). Die → internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wäre dadurch allerdings nicht unmittelbar betroffen: Im internationalen Handel gilt die Regel, dass der Erwerb von Gütern mit dem Mehrwertsteuersatz belastet wird, der im Land des Erwerbs dieser Güter gilt. Wenn das Inland seinen Mehrwertsteuersatz erhöht, hat dies für den Marktpreis im Rest der Welt keine Auswirkungen, denn die Mehrwertsteuer fällt bei einem Export der inländischen Güter ins Ausland nicht an (oder sie wird erstattet, was den identischen Effekt hat).
Auch eine Finanzierung durch höhere Produktionssteuern – also beispielsweise höhere Energiesteuern – erhöht die Produktionskosten der Unternehmen und damit die Preise. Dies würde zudem die → internationale Wettbewerbsfähigkeit schmälern.
Einkommen- und Kapitalsteuern: Sofern die mit der Einführung eines BGE notwendige Änderung der Besteuerung nicht den gesamten Grundeinkommensbetrag entzieht, wird das verfügbare Einkommen größer. Damit wächst die → Ungleichheit mit Blick auf die verfügbaren Einkommen zwischen erwerbstätigen und arbeitslosen Personen. Sollte es zu einer hohen Besteuerung des Faktors Kapital kommen, wäre zudem mit einer Kapitalflucht zu rechnen, die das → BIP reduziert.
Wie unter → Arbeitsnachfrage argumentiert, führt der verstärkte Kapitaleinsatz zu einer höheren Kapitalnachfrage und damit auch zu einem Anstieg des Preises für den Produktionsfaktor Kapital, also zu einem Anstieg des Zinssatzes.
Die Verteilung der Markteinkommen verändert sich damit zugunsten der Kapitaleigentümer und zulasten der Arbeitnehmer. Da das Produktivvermögen in entwickelten Volkswirtschaften wie Deutschland sehr ungleich verteilt ist, nimmt die Einkommensungleichheit der Markteinkommen in der Gesellschaft durch diese Entwicklung für sich genommen zu (→ Ungleichheit).
Bildungsniveau der Bürger: Entscheidend für das Bildungs- und Kompetenzniveau der Bürger sind deren eigene Bildungsanstrengungen. Ein BGE kann den Anreiz zur Investition in die eigene Bildung reduzieren, wenn die Bürger der Ansicht sind, dass ihnen das Grundeinkommen für ein gutes Leben reicht. In diesem Fall lohnt sich eine Arbeitsaufnahme nicht – jedenfalls unter der Annahme, dass Bildungsanstrengungen primär dem Zweck dienen, die Einkommenschancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Wenn dieses Entscheidungskalkül für viele Menschen gilt, sinkt die → Arbeitsproduktivität der Volkswirtschaft. Ein ähnlicher Effekt tritt auf, wenn die Einkommenserzielungschancen wegen des BGE nur noch eine geringe Rolle spielen und die Menschen zwar noch Bildungsanstrengungen unternehmen, dabei aber nicht mehr auf die Arbeitsmarktverwertung achten.
Denkbar ist allerdings auch, dass Menschen, die sich nicht mehr um die Sicherung ihres Lebensunterhalts sorgen müssen, aus Gründen der Selbstverwirklichung ihre Kompetenzen erhöhen. In diesem Fall kommt es zu einer Verbesserung der Arbeitsproduktivität. Die Bildungsanstrengungen – und damit auch die Arbeitsproduktivität – könnten sogar zunehmen, weil die Zahlung eines BGE die Opportunitätskosten der eigenen Aus- und Weiterbildung reduziert.
Höhe des Kapitalbestands: Wie unter → Arbeitsnachfrage und → Automatisierung beschrieben kann ein BGE über einen tendenziellen Lohnanstieg dazu führen, dass vermehrt Kapital in der Produktion eingesetzt wird. Dadurch wird die Arbeitsproduktivität der Volkswirtschaft erhöht.
Alles in allem gibt es also eine Reihe von Argumenten, die dafürsprechen, dass ein BGE zu einer Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Arbeits- und Kapitalproduktivität führt. Diese Produktivitätssteigerung hat wiederum Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt: Wenn wegen der höheren Arbeitsproduktivität eine gegebene Menge an Gütern und Dienstleistungen mit weniger Arbeit produziert werden kann, bewirkt das eine → geringere Arbeitsnachfrage und damit einen tendenziellen Rückgang der → Löhne. Zudem haben Produktivitätssteigerungen einen inflationsdämpfenden Effekt (→ Inflation).
Einschränkend ist jedoch darauf hinzuweisen, dass eine Voraussetzung für den technischen Fortschritt und einen hohen Kapitalbestand darin besteht, dass es nicht zu einer Kapitalflucht kommt. Sollte die → Finanzierung des BGE zu einer hohen Belastung von Kapitaleinkommen führen, kann dies eine Kapitalflucht und eine Reduzierung der Ersparnisbildung nach sich ziehen. Die für eine höhere Produktivität erforderlichen Investitionen können dann nicht erfolgen, sodass es zu einer Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität kommt.
Die Höhe des Wirtschaftswachstums – definiert als eine Steigerung des realen BIP – hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:
der Quantität und Qualität des Faktors Arbeit,
der Qualität und Quantität des Faktors Kapital
und dem technischen Niveau.
Wie gezeigt führt ein BGE zu unterschiedlichen Entwicklungen dieser drei Produktionsfaktoren:
Die eingesetzte Arbeitsmenge – gemessen in Stunden – dürfte tendenziell zurückgehen, vor allem im Bereich gering qualifizierter Arbeitskräfte (→ Arbeitsangebot). Ein geringerer Arbeitseinsatz führt zu einem geringeren BIP.
Die eingesetzte Kapitalmenge – gemessen durch den Wert des Sachkapitalbestands – dürfte tendenziell steigen, weil ein steigender Lohnsatz den Anreiz erhöht, Arbeit durch Kapital zu ersetzen (→ Automatisierung / → Arbeitsnachfrage). Ein höherer Kapitaleinsatz steigert das BIP.
Die → Arbeitsproduktivität dürfte tendenziell steigen und damit das BIP erhöhen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die Anreize zur Steigerung des eigenen Bildungs- und Kompetenzniveaus zurückgehen, was dann die Arbeitsproduktivität senkt. Damit sind auch die Auswirkungen auf das BIP ungewiss.
Sollte es jedoch wegen einer hohen Steuerbelastung (→ Finanzierung) des Produktionsfaktors Kapital zu einer Kapitalflucht in größerem Ausmaß kommen, würde die Kapitalmenge sinken. Folge wäre ein schrumpfendes BIP.
Ob per Saldo die wachstumsdämpfenden oder -fördernden Effekte des BGE überwiegen, hängt wiederum entscheidend von der Höhe des BGE und den Arbeitsmarkt- sowie Kapitalmarktreaktionen der privaten Haushalte ab: Wenn ein hohes BGE zu einem relativ starken Rückgang des gesamtwirtschaftlichen → Arbeitsangebots führt und die zur Finanzierung des BGE notwendigen Steuern (→ Finanzierung) eine Kapitalflucht hervorrufen, gehen die Produktionskapazitäten und mit ihnen das BIP zurück.
Das BGE beeinflusst die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft über folgende Wirkungsmechanismen:
Die tendenzielle Lohnsteigerung (→ Löhne) und die mit ihr einhergehenden Preissteigerungen (→ Inflation) verschlechtern die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen. Die durch die Lohnsteigerung ausgelösten Veränderungen der Produktionstechnologien und technischen Fortschritte erhöhen die → gesamtwirtschaftliche Produktivität und verbessern so die internationale Wettbewerbsfähigkeit – sofern eine Kapitalflucht unterbleibt.
Erneut spielt auch bei diesem Aspekt die → Finanzierung des BGE eine wichtige Rolle: Alle staatlichen Finanzierungsinstrumente, die die Produktionskosten erhöhen, verschlechtern die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Inlands.
Anders ist die Situation bei einer Erhöhung der Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer: Im internationalen Handel gilt die Regel, dass der Erwerb von Gütern mit dem Mehrwertsteuersatz belastet wird, der im Land des Erwerbs dieser Güter gilt. Wenn das Inland seinen Mehrwertsteuersatz erhöht, hat dies für den Marktpreis im Rest der Welt keine Auswirkungen, denn die Mehrwertsteuer fällt bei einem Export der inländischen Güter ins Ausland nicht an (oder sie wird erstattet, was den identischen Effekt hat).
Wenn dann noch die Sozialversicherungsbeiträge entfallen, weil es mit einem BGE keine Notwendigkeit für diese Versicherung gibt, reduziert dies die Produktionskosten der heimischen Unternehmen.
Ökonomen bezeichnen die Kombination aus Senkung der Sozialversicherungsbeiträge und Erhöhung der Mehrwertsteuer als „fiskalische Abwertung“. Sie führt im Normalfall zu einer Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Inlands sowie zu einer Steigerung von Exporten, Produktion und Beschäftigung.
Entscheidend für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist letztendlich das Verhältnis von Produktivitätssteigerungen zu Lohnsteigerungen: Wenn eine Volkswirtschaft beispielsweise die Arbeitsproduktivität um 8% steigern kann, gleichzeitig aber die Nominallöhne um 9% wachsen, erhöht dies die Lohnstückkosten und verschlechtert somit die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Umgekehrt kann ein Land, dessen Arbeitsproduktivität nur um 2% wächst, durch eine Nominallohnsteigerung von lediglich 1% seine Lohnstückkosten reduzieren und somit die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Ob die Einführung eines BGE das Verhältnis zwischen Produktivitätssteigerungen und Lohnsteigerungen erhöht oder senkt, lässt sich also nicht prognostizieren. Folglich sind auch die Auswirkungen eines BGE auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht vorhersehbar.
Ein BGE kann über folgende Kanäle das gesamtwirtschaftliche Preisniveau beeinflussen:
Der tendenzielle Lohnanstieg (→ Löhne) bewirkt einen Preisanstieg: Falls das Grundeinkommen so hoch ist, dass es vielen einkommensarmen Haushalten ein spürbar höheres verfügbares Einkommen ermöglicht, ist davon auszugehen, dass dieses Einkommen nahezu vollständig für den Kauf von Konsumgütern verwendet wird. Der damit einhergehende Anstieg der Konsumnachfrage führt zu einem Preisanstieg.
Wenn viele Menschen als Reaktion auf ein BGE ihr Arbeitsangebot reduzieren und mit einem geringeren verfügbaren Einkommen zufrieden sind, führt das geringere verfügbare Einkommen zu einem Rückgang der Konsumnachfrage und bewirkt einen Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Preisniveaus, weil die Unternehmen sich gezwungen sehen, auf die gesunkene Nachfrage mit niedrigeren Preisen zu reagieren. Gleichzeitig ist jedoch zu berücksichtigen, dass dann auch das → Arbeitsangebot spürbar sinkt: Sofern der Rückgang des Arbeitseinsatzes nicht durch einen höheren Einsatz des Faktors Kapital kompensiert wird, sinkt die Produktion und mit ihr das Güterangebot. Im Ergebnis kann der Rückgang des Güterangebots stärker ausfallen als der Rückgang der Güternachfrage, sodass es zu einem Nachfrageüberhang mit einem Preisanstieg kommt.
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für die Preisentwicklung ist die → Finanzierung des Grundeinkommens. Sollte das BGE primär durch eine Erhöhung der Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer finanziert werden, führt dies unmittelbar zu einer Erhöhung der von den Konsumenten zu zahlenden Preise. Auch eine Finanzierung durch höhere Produktionssteuern – also beispielsweise höhere Energiesteuern – erhöht die Produktionskosten und damit die Preise.
Alles in allem ist also davon auszugehen, dass ein BGE zu einem stärkeren Preisanstieg und somit zu einer höheren Inflationsrate führt. Höhere Preise wirken durch einen Zweitrundeneffekt zurück auf die → Höhe des BGE: Dieses muss erhöht werden, um den Kaufkraftverlust der höheren Inflationsrate zu kompensieren. Ein höheres BGE hat wiederum höhere Preise zur Folge, was zu einer Grundeinkommen-Inflations-Spirale führt.
Fazit: Das BGE wäre ein (zu) großes Wagnis
Bei aller Unsicherheit über die makroökonomischen Effekte eines BGE kann festgehalten werden, dass diese Auswirkungen primär davon abhängen, wie sich das Arbeits- und Kapitalangebot der privaten Haushalte verändert – und das ist eine Frage, die sich ohne empirische Evidenz nicht beantworten lässt. Und solange es noch keine belastbaren flächendeckenden Praxisbeispiele für dieses Instrument gibt, ist die Beantwortung dieser Frage letztendlich Spekulation.
Die Antworten in der Literatur fallen folgerichtig sehr unterschiedlich aus (hier finden Sie einen Überblick verschiedener Studien, Prognosen und Einschätzungen). In jedem Fall wäre die flächendeckende Einführung eines BGE aber ein großes ökonomisches Wagnis. Hilmar Schneider weist beispielsweise zu Recht darauf hin, dass dieses Risiko „nur dann überschaubar bleibt, wenn das finanzielle Niveau eines solchen Transfers niedrig bleibt“. Gleichzeitig würde ein solches „Grundeinkommen light“ aber eben auch bedeuten, dass die wesentlichen Vorteile eines BGE überhaupt nicht zum Tragen kommen.
Eine zweite Möglichkeit zur Reduzierung des ökonomischen Risikos besteht darin, das BGE erst einzuführen, wenn die Volkswirtschaft bereits eine hohe Kapitalintensität der Produktion besitzt: Wenn sich die gesamtwirtschaftliche Produktion durch eine hohe Kapital- und Technologieintensität auszeichnet, benötigt die Volkswirtschaft relativ wenig Arbeit und könnte daher einen Rückgang des Arbeitsangebots durch den vermehrten Kapital- und Technologeinsatz kompensieren. Es könnte jedoch noch zwei Jahrzehnte oder sogar länger dauern, bis eine entwickelte Volkswirtschaft wie Deutschland diesen Zustand erreicht.
Die Inhalte der Infografik basieren auf einer gekürzten Version des Beitrags „Makroökonomische Effekte eines bedingungslosen Grundeinkommens“, der zuerst in der Zeitschrift Wirtschaftsdienst erschienen ist.

References: BGE 
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