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Timestamp: 2019-06-26 21:21:00+00:00

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BGH, 12.10.1993 - X ZR 65/92 - dejure.org
https://dejure.org/1993,326
BGH, 12.10.1993 - X ZR 65/92 (https://dejure.org/1993,326)
BGH, Entscheidung vom 12.10.1993 - X ZR 65/92 (https://dejure.org/1993,326)
BGH, Entscheidung vom 12. Januar 1993 - X ZR 65/92 (https://dejure.org/1993,326)
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Schadensermittlung - Aufwendungen - Vertrauensschaden - Culpa in contrahendo - Verleitung zum Vertragsschluß
Der für Werkvertrag zuständige X. Zivilsenat des BGH entscheidet zum § 287 ZPO und sieht darin eine Darlegungs- und Beweiserleichterung des Geschädigten mit Revisionsurteil vom 12.10.1993 - X ZR 65/92 -.
Zur richterlichen Schadensschätzung durch Feststellung eines Mindestschadens
ZPO §§ 287, 144; BGB §§ 276, 249
NJW 1994, 663
MDR 1994, 250
WM 1994, 758
DB 1994, 422
Wird jemand durch ein haftungsbegründendes Verhalten zum Abschluß eines Vertrages gebracht, den er sonst nicht geschlossen hätte, kann er auch bei objektiver Werthaltigkeit von Leistung und Gegenleistung dadurch einen Vermögensschaden erleiden, daß die Leistung für seine Zwecke nicht voll brauchbar ist (vgl. Hagen, Die Drittschadensliquidation im Wandel der Rechtsdogmatik, S. 165;… Lange, aaO., § 1 III 2;… Staudinger/Medicus, BGB , 12. Aufl., § 249 Rdn. 9; in dieser Richtung z.B. BGH, Urt. v. 12. Oktober 1993, X ZR 65/92, NJW 1994, 663, 664).
Im Rahmen des § 144 Abs. 1 ZPO kann das Gericht in eine Aufklärung durch Sachverständigengutachten auch über den Sachvortrag hinaus eintreten (BGH, Urteile vom 24. Juni 1968 - III ZR 37/66 = VersR 1968, 987 unter II 3 und vom 12. Oktober 1993 - X ZR 65/92 = WM 1994, 758 unter II 2 c cc).
Insbesondere darf das Gericht die Schätzung eines Mindestschadens nur dann ablehnen, wenn es hierzu an jeglichen greifbaren Anknüpfungstatsachen mangelt (Sen.Urt. v. 12.10.1993 - X ZR 65/92, NJW 1994, 663, 664 f.; v. 1.2.2000 - X ZR 222/98, NJW-RR 2000, 1340, 1341; v. 11.11.2003 - X ZR 131/01, BGH-Rep. 2004, 715, 716; v. 26.7.2005 - X ZR 134/04, NJW 2005, 3348, 3349).
Unzulässig ist eine Schadensschätzung jedoch, wenn sie mangels greifbarer, vom Kläger vorzutragender Anhaltspunkte völlig in der Luft hinge (BGHZ 91, 243, 256 f; BGH, Urt. v. 12. Oktober 1993, X ZR 65/92, NJW 1994, 663, 665).
Im Anwendungsbereich des § 287 ZPO ist die Darlegungslast der Parteien nämlich erleichtert (BGH, NJW 1994, Seite 663; AG Bremen, Urteil vom 16.10.2014, Az.: 10 C 47/14).
Wenn das Landgericht und das Berufungsgericht Zweifel daran hatten, ob der Verwaltungsaufwand für diese Provisionsabrechnungen so gering ist, dass er ohne zusätzliche Kosten hätte erledigt werden können, so hätten die Vorinstanzen hierfür im Wege der Schätzung - notfalls mit Hilfe sachverständiger Begutachtung gemäß § 144 ZPO (vgl. BGH…, Urteil vom 23. Oktober 1991, aaO, unter 3 b; Urteil vom 12. Oktober 1993 - X ZR 65/92, NJW 1994, 663 unter II 2 c cc) - einen gewissen Betrag gewinnmindernd veranschlagen können, aber nicht die Widerklage vollständig abweisen dürfen.
Im Rahmen der Schätzung muss der Richter selbst nicht vorgetragene Tatsachen nach freiem Ermessen berücksichtigen (BGH…, Urteil vom 23. Oktober 1991, aaO, unter 3 a m.w.N.) und, soweit dies erforderlich ist, vor einer vollständigen Abweisung der Klage auch über den Sachvortrag hinaus in eine Aufklärung durch Sachverständigengutachten eintreten (BGH, Urteil vom 12. Oktober 1993, aaO).
Steht - wie hier - eine Schadensersatzforderung dem Grunde nach fest und ist nur ihre Höhe nicht sicher zu ermitteln, so darf das Gericht die Klage nicht einfach abweisen, sondern muß prüfen, in welchem Umfang der Sachverhalt eine hinreichende Grundlage für die Schätzung eines in jedem Fall gegebenen Mindestschadens bietet (BGHZ 54, 45, 55; BGH, Urteil vom 12. Oktober 1993 - X ZR 65/92, WM 1994, 758 unter II 2 c bb; Urteil vom 12. Januar 2000 - VIII ZR 19/99, WM 2000, 877 unter III, jeweils m.w.Nachw.).
Dem Geschädigten erleichtert § 287 ZPO dabei nicht nur die Beweisführung, sondern auch die Darlegung (Sen.Urt. v. 12.10.1993 - X ZR 65/92, NJW 1994, 663, 664 m.w.N.).
Diesen Bedenken hätte aber durch einen richterlichen Hinweis Rechnung getragen werden können und müssen (vgl. Sen.Urt. v. 12.10.1993 - X ZR 65/92, NJW 1994, 663, 665 m.w.N.), in welcher Weise eine Substantiierung der klägerischen Ausführungen für notwendig gehalten werde.
Es ist ferner zu bedenken, dass wenn - gegebenenfalls nach der Vernehmung von Zeugen - erwiesen ist, dass ein Schaden entstanden ist und lediglich dessen Höhe noch nicht feststeht, das Schadensersatzbegehren grundsätzlich nicht vollständig abgewiesen werden darf, sondern der Richter nach pflichtgemäßem Ermessen beurteilen muss, ob nicht wenigstens die Schätzung eines Mindestschadens möglich ist (vgl. BGH NJW NJW-RR 2000, 1340 und NJW 1994, 663).
Eine Schätzung darf erst dann gänzlich unterlassen werden, wenn sie mangels jeglicher konkreter Anhaltspunkte völlig in der Luft hinge und daher willkürlich wäre (vgl. BGH NJW 1994, 663 und NJW-RR 1992, 202), was vorliegend nicht der Fall ist.
BGH, 28.10.1997 - X ZR 31/96
Zulässigkeit einer Schätzung im Rahmen eines Schadensersatzprozesses
OLG Celle, 09.11.1995 - 18 WF 117/95
Ausgestaltung der Anwendbarkeit des im Strafrecht aufgegebenen Rechtsinstituts …
OLG Koblenz, 05.02.1999 - 10 U 225/98
Schaden am Nachbargebäude: Reicht eine 50 %-ige Wahrscheinlichkeit für den …
OLG Köln, 01.02.1995 - 11 U 143/94

References: BGH 
 § 287
 § 1
 § 249
 § 144
 § 287
 § 144
 § 287
 BGH 
 BGH