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Timestamp: 2017-09-26 12:38:35+00:00

Document:
Grundurteil – mhv
Die Satzung des mhv
midi legal
Die Rechtslage bei MIDI-Files
Nachträglicher Beschluss zum OLG-Urteil
MIDI File Hersteller Verband Deutschland e.V.
Geschäftsnummer: 7 O 3625/98
Verkündet am 30.03.2000
Hit Bit Software GmbH, vertreten durch den Geschäftsführer Peter Rombach, Lötzener Str. 10, 76139 Karlsruhe-Klägerin-Prozeßbevollmächtigte: Rechtsanwälte Poll & Ventroni, Beethovenstr. 12, 80336 München
AOL Bertelsmann Online GmbH & Co. KG, vertreten durch den Geschäftsführer Andreas von Plottnitz, Stubenhuk 3, 20459 Hamburg-Beklagte-Prozeßbevollmächtigte: Rechtsanwälte Heuking, Kähn, Läer, Heussen, Wojtek, Bleichenbräcke 9, 20354 Hamburg
erläßt das Landgericht München I, 7. Zivilkammer, durch den Vorsitzenden Richter am Landgericht Rabl sowie den Richter am Landgericht Dr. Debo und den Richter am Landgericht Kaess aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 01.02.2000 folgendes
GRUNDURTEIL:
Der Klageantrag ist dem Grunde nach gerechtfertigt, soweit die Klägerin eine Verletzung von nach dem UrhG geschützten Rechten durch das Bereithalten der streitgegenständlichen MIDI-Files auf dem Server der Muttergesellschaft der Beklagten geltend macht.
Soweit sie dies hinsichtlich der Ermöglichung des Uploadens ebenfalls geltend macht, wird die Klage abgewiesen.
Die Klägerin produziert und vertreibt sog. MIDI-Files. MIDI-Files sind Synthesizer-Instrumentalversionen von Musikwerken , die nicht auf herkömmlichen Tonträgern, sondern auf handelsüblichen 3,5 Zoll-Computerdisketten fixiert sind.
Die Klägerin bietet diese Dateien insbesondere in Musikfachzeitschriften und im Fachhandel zu Preisen von 18 bis 35 DM an. Hauptabnehmer sind Alleinunterhalter und Amateurmusiker, die die in den MIDI-Files enthaltenen Synthesizer-Instrumentalversionen bekannter Musikwerke auf handelsüblichen Keyboards oder Computersystemen abspielen und etwa das eigene Spiel auf dem Keyboard hinzufügen oder durch Gesang ergänzen. Die Speicherung erfolgt über eine spezielle Software (Musical Instruments Digital Interface = MIDI) . Die Eingabe der Klangdaten erfolgt über ein Keyboard oder über eine Computertastatur. Dabei werden die einzelnen Musikdaten (Melodie, Begleitstimmen, Rhythmus etc.) auf unterschiedlichen Spuren des Datenträgers elektromagnetisch festgehalten. Die Wiedergabe erfolgt über einen Computer mit einer Soundkarte oder handelsübliche elektrische Musikinstrumente. Neben der Wiedergabe sämtlicher Spuren besteht mit Hilfe entsprechender technischer Ausstattung die Möglichkeit, die einzelnen Spuren und Daten (etwa nur den Rhythmus) getrennt abzurufen und zu ändern.
Vervielfältigungsstücke werden durch Kopieren der Dateien auf Disketten hergestellt; die hierfür erforderlichen Vervielfältigungs- und Verbreitungsrechte der Textdichter und Komponisten erwirbt die Klägerin von der GEMA.
Dabei wird zwischen drei verschiedenen Angebotsstufen unterschieden, nämlich solchen Anbietern, die eigene Inhalte über das Internet zur Verfügung stellen. Darunter auch Betreiber von Homepages und Absender von „einfachen“ E-Mails.
Weiter gibt es zwei Stufen von sog. Service-Providern, nämlich reine Zugangsvermittler, die den Nutzern den Zugang zum Internet ermöglichen und nicht eigene oder fremde Inhalte anbieten und Service-Provider mit Hosting-Funktion, die einen sog. Server also einen Computer unterhalten der an das Internet angebunden ist und auf den ihre Mitglieder zugreifen können. Auf diesen Servern können in verschiedenen Formen der Kommunikation darunter in sog. Foren von Nutzern Inhalte gespeichert werden die dann je nach Konstruktion Dritten unbegrenzt oder begrenzt zur Verfügung stehen. Die Beklagte bietet ihren Mitgliedern auf einem zentralen Server, der bei einer Mutter der Beklagten in Dulles/Virginia in USA eingerichtet ist derartige Dienste an. Daneben ist die Beklagte auch in den beiden anderen Bereichen tätig.
Streitgegenständlich ist aber die Tätigkeit der Beklagten als Host beim Anbieten des sog. Musik-Soundforums. Dort werden verschiedene Dateiformate, darunter auch MIDI-Sounds gespeichert. Ein Nutzer kann entweder derartige Dateien herauf- oder herunterladen wobei eine redaktionelle Betreuung und Kontrolle bei diesen Vorgängen nicht stattfindet. Beim Aufrufen der entsprechenden Bereiche erscheinen Nutzungsbedingungen der Beklagten die u.a. folgende Formulierungen beinhalten:
„Der Nutzer ist verpflichtetet vor und bei Einspeisung und Nutzung von Inhalten (z.B. Pinboards oder auch eigene Homepages alle etwaigen Rechte Dritter (insbesondere Urheberrecht) zu beachten und sich solche Rechte zur Nutzung einräumen zu lassen. Sie halten AOL in jedem Fall von etwaigen Ansprüchen Dritter frei die wegen Verletzung von Rechten Dritter oder gesetz- oder vertragswidrigem Verhalten des Mitgliedes gegen AOL geltend gemacht werden können…“.
„Die Einspeisung von Daten durch Sie hat unter Beachtung von Rechten Dritter und der gesetzlichen Bestimmungen zu erfolgen. Jeder geschützte und von Ihnen verbreitete Inhalt sollte unabhängig von etwaigen sonstigen rechtlich…“.
Vor dem Uploaden erscheint die Anweisung: „Zulässige Dateien enthalten Programme mit einer Mitteilung ihrer Kennzeichnung als Public Domain oder Shareware. Normalerweise sind Programme, die in Zeitschriften veröffentlicht und über den Mailbox-Service der Zeitschrift oder auf ähnliche Weise erhältlich sind, nicht Public-Domain oder Shareware. Laden Sie nur Programme herauf deren Beschreibung unmißverständlich die Weiterverbreitung zulassen“.
Zum Zeitpunkt der streitgegenständlichen Vorfälle wurden pro Woche durchschnittlich zwischen 20 und 30 MIDI-Files auf dem Host-Server der Beklagten gespeichert. Diese Dateien wurden erst zum Download freigegeben wenn eine Freigabe durch eine Kontrollinstanz der Beklagten die sog. Scouts erfolgt war. Diese waren im April 1998 für ca. 850 MIDI-Files in dem Forum der Beklagten zuständig. Die Scouts prüften die Dateien auf das Vorhandensein von Viren und für sie erkennbare Copyright-Vermerke. Die Scouts sind Mitglieder der Beklagten die auf freiwilliger Basis die Tätigkeit verrichten. Bei Vorhandensein von Viren oder Urheberrechtsvermerken die die Scouts erkennen werden die betreffenden Dateien nicht freigegeben, im anderen Fall werden sie freigegeben und können von jedem Nutzer heruntergeladen werden.
Außer dem Forum der Beklagten gibt es im Internet eine Reihe von anderen Möglichkeiten MIDI-Files herunterzuladen.
Im Januar 1998 befanden sich in der Abteilung Dancefloor auf dem Server der Mutter der Beklagten MIDI-Files der Titel Get Down Samba de Janeiro und Freedom. Bis zum 23.01.1998 wurde der Titel Get down 1.125 mal heruntergeladen, der Titel Freedom 1.542 mal und der Titel Samba de Janeiro 2.117 mal.
Die Klägerin trägt vor, diese MIDI-Files seien Raubkopien der von ihr produzierten und vertriebenen MIDI-Files der genannten drei Titel. Sie legt hierzu eine Diskette (Anlage 14) und einen Ausdruck (Anlage A 8) vor. Daraus ergibt sich ein Upload-Datum für die Datei Freedom vom 29.05.1997/ für die Datei Samba de Janeiro vom 15.07.1997 und für die Datei Get down vom 17.09.1997.
Aus den Ausdrucken der Anlage A 8 ergeben sich entsprechende Copyright-Vermerke zugunsten der Klägerin bei Hexadezimalausdrucken der Dateien. Die Anlage A 71 von der die Klägerin vorträgt, sie sei eine Wiedergabe der Bildschirmanzeige betreffend die Datei Get down beim Herunterladen, findet sich der Vermerk: „Dies sind ganz einfache MIDI-Files! Warum zu HIT BIT gehen und bezahlen?????… Das gibt es doch alles hier“.
In der normal lesbaren Beschreibung (Seiten 11 3 und 5 der Anlage A 8) findet sich unter der Rubrik „Art“ jeweils der Vermerk „freie Verbreitung“.
Die Klägerin trägt vor, die Anlagen A 8 und A 14 seien identisch sowohl mit dem auf dem Server der Beklagten vorhanden gewesenen MIDI-Files Get down, Samba de Janeiro und Freedom wie auch mit den von der Klägerin produzierten und hergestellten MIDI-Files dieser Titel.
Die Umsetzung eines vorbestehenden, auf Tonträger fixierten Musikwerks ins MIDI-File-Format setze das geschulte Heraushören der Kompositionen aus dem Original-Arragement, das Nachspielen der Komposition sowie ein MIDI-File-gerechtes Arrangement voraus. Wer MIDI-Files herstelle, sei Musiker Arrangeur und Produzent in einem. Insoweit könne die Herstellung eines MIDI-Files musikalisch wesentlich anspruchsvoller sein‘ als etwa die Darbietung eines mit einem Instrument vom Blatt gespielten Musikwerks. Ohne besondere musikalische Begabung und Kenntnisse (etwa der Harmonielehre) sei das Einspielen eines MIDI-Files der Qualität der streitgegenständlichen Titel nicht möglich. Die Produktionszeit für ein MIDI-File der Klägerin von ca. 315 Min. Länge dauere zwischen 15 bis 20 Stunden. Qualitätsunterschiede ergäben sich bei MIDI-Files in erster Linie aus der musikalischen Befähigung des Erstellenden. Für die Produktion qualitativ hochwertiger MIDI-Files, wie es die streitgegenständlichen MIDI-Files seien sei ein geschultes Gehör gefordert, das im Stande sei, das gesamte Instrumentarium einer Originalaufnahme in seine Einzelinstrumente zu differenzieren und diese Instrumente in einen Musicalcode (Noten) zu konvertieren. Weiterhin bedürfe es der interpretatorischen Fähigkeit, diesen Code musikalisch wieder umzusetzen. Zwar könnten Noten auch einzeln mit der Mouse eingegeben werden, doch gehe dabei die bei den streitgegenständlichen MIDI-Files aufzufindende musikalische Homogenität verloren. Weiterhin setze die Herstellung eines qualitativ hochwertigen MIDI-Files neben musikalischem Know-How und entsprechend hochwertigem Equipment vor allem auch den virtuosen Umgang mit diesem Equipment voraus. Die Klägerin engagiere tatsächlich zur Herstellung ihrer MIDI-Files vor allem Musiker mit abgeschlossenem Studium.
Der Zeuge Kist, der die verfahrensgegenständlichen MIDI-Files selbst eingespielt habe, habe auch die Nutzungsrechte an diesen auf die Klägerin übertragen.
Die MIDI-Files genössen Schutz als Datenbankwerke im Sinne von § 4 UrhrG. Darüber hinaus bestehe der leistungsrechtliche Schutz des § 85 UrhGI4 da es sich bei den MIDI-Files um Tonträger handle. Die Klägerin verweist darauf, daß die GEMA bei der Vergabe von Vervielfältigungs- und Verbreiterungsrechten betreffend die den MIDI-Files zugrundeliegenden Musikwerke den auch für andere Tonträger gültigen Tarif (VR-ADT-H1) anwendet.
Darüber hinaus genössen die MIDI-Files leistungsrechtlichen Schutz als Datenbank im Sinne von § 87 a, b UrhG, da sie systematisch angeordnete Sammlungen von einzeln abrufbaren Musikdaten und Tonspuren seien die mit elektronischen Mitteln einzeln zugänglich seien.
Bei Up- und Download der MIDI-Files würden Vervielfältigungshandlungen im Sinne von § 16 UrhG vorgenommen. Das Überspielen auf die Computerfestplatte des den Upload vornehmenden Mitglieds der Beklagten sei ebenso eine Vervielfältigungshandlung wie das Überspielen und die Abspeicherung der Daten auf den Server der Beklagten (Upload) . Das Download, also die Überspielung der auf dem Server gespeicherten Daten auf die Festplatte oder eine Diskette des den Download vornehmenden Mitglieds sei ebenfalls eine Vervielfältigung im Sinn von § 16 UrhG. Des weiteren sei das Online-Angebot eine unkörperliche Wiedergabe im Sinn von § 15 Abs. 2 UrhG. Auch die sukzessive Öffentlichkeit erfülle im übrigen den Tatbestand des § 15 Abs. 3 UrhG, so daß auch vorliegend eine öffentliche Wiedergabe als eigene Verletzungshandlung der Beklagten gegeben sei. Auch das Upload finde im Einflußbereich der Beklagten statt; die Klägerin weist darauf hin daß die für den Vertrieb des4Forums erforderliche Hard- und Software von der Beklagten stammt und von dieser bzw. in ihrem Auftrag gepflegt wird. Die Klägerin weist weiter darauf hin, daß die Oberfläche des Forums samt den darin enthaltenen Funktionen, die den Up- und Download erst ermöglichen, dabei inbegriffen sind: Die Beklagte schaffe also allein die technischen Voraussetzungen für die massenweise rechtsverletzenden Up- und Downloads von MIDI-Files durch ihre Mitglieder und leiste nicht lediglich Hilfsdienste. Die Verantwortlichkeit werde durch das Anbieten im freien Bereich der in keiner Weise redaktionell betreut oder kontrolliert wird, verschärft. Jedenfalls beim Upload liege eine Vervielfältigung zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch im Sinn von § 53 UrhG nicht vor.
§ 5 TDG sei nicht anwendbar. Die Vorschrift erfasse Fälle der streitgegenständlichen Art schon nicht vom Wortlaut her. Sie sei aber auch nach ihrem Sinn und Zweck nicht auf die in Streit stehende Urheberrechtsverletzung anwendbar. Bei den der Allgemeinheit zur Verfügung gestellten Inhalten handle es sich um Musik, die als Inhalt nicht selbst rechtswidrig sei. § 5 TDG wolle nicht die Verantwortlichkeit für im Sinn des UrhG rechtswidrig genutzte Inhalte regeln. Die Klägerin bezieht sich insoweit auf verschiedene Veröffentlichungen, zuletzt auf Lehmann CR 19981 Seite 232 und weist darauf hin, daß die Konsequenzen für das Urheberrecht bei Anwendung von § 5 TDG auf Urheberrechtsverletzungen gravierend sind.
Auch bei unterstellter genereller Anwendbarkeit des TDG hafte die Beklagte nach § 5 Abs. 1, nicht nach § 5 Abs. 2, da sie eigene Inhalte anbiete. Sie strukturiere das vorhandene Musikangebot nach von ihr vorgegebenen Kategorien, pflege es und greife sogar in die von ihren Mitgliedern zur Verfügung gestellten Inhalte ein. Auch bei unterstellter Anwendbarkeit des § 5 Abs. 2 TDG hafte die Beklagte, da sie durch die Tätigkeit der Scouts wie auch aufgrund der allgemeinen Erkenntnismöglichkeiten positive Kenntnis von den streitgegenständlichen Titeln gehabt habe. Der Beklagten sei im übrigen bewußt I daß nicht nur die Nutzung der streitgegenständlichen MIDI-Files sondern darüber hinaus Benutzung des gesamten Inhalts auf ihrem Server jedenfalls Rechte der Autoren verletze da keine Nutzungsvereinbarung mit der GEMA bestehe. Die Klägerin bezieht sich insoweit auf die Neufassung des Berechtigungsvertrages im Juli 1996, nach der die zur Nutzung im Rahmen von Online-Diensten erforderlichen Rechte (der Autoren) von der GEMA wahrgenommen werden.
Spätestens seit einem Schreiben des Klägervertreters vom 30.09.1997 (Anlage A 9) habe die Beklagte im übrigen positive Kenntnis von den Rechtsverletzungen.
Die Copyright-Angaben seien ohne weiteres sowohl mit dem Textverarbeitungsprogramm Microsoft Word wie mit dem Texteditor in Windows 95 (Wordpad) zu lesen. Es sei der Beklagten sowohl technisch möglich wie auch zumutbar, Rechtsverletzungen der streitgegenständlichen Art zu verhindern. Es sei in der Softwarebranche auch absolut üblich und jedem durchschnittlichen Softwarenutzer bekannt, daß Programme und Dateien bei ihrer Öffnung mit einem derartigen Programm eine Vielzahl von Textinformationen preisgäben. Die Copyright-Hinweise seien für die Beklagten daher jederzeit erkennbar gewesen. Daß unter dem Menü Eigenschaften-Details kein weiterer Copyright-Vermerk hinterlegt sei, habe technische Gründe, da dies bei einigen Hardware-Sequenzern zu Schwierigkeiten geführt habe.
Die Klägerin weist darauf hin, daß die Beklagte sich geweigert hat der Klägerin die Namen und Adressen der Mitglieder mitzuteilen die die streitgegenständlichen MIDI-Files auf den Server hochgeladen haben.
Die Klägerin ist der Auffassung, ihr stehe auch Schadensersatz nach der Lizenzanalogie zu. Sie berechnet diesen mit dem ihr entgangenen Gewinn in Höhe von 26 DM abzüglich 20%: Vergünstigung, also 20,80 DM pro Vervielfältigung. Die Klägerin errechnet hieraus 99.507,20 DM.
Die Beklagte wird verurteilt, die auf ihrem Server gespeicherte Vervielfältigungen der von der Klägerin produzierten MIDI-Files mit den TitelnGet down (Dateiname: GET-DOWN.MID, Upload Datum: 17.09.1997)Samba de Janeiro (Dateiname: SAMBAD 1.MID, Upload Datum: 15.07.1997)Freedom (Dateiname: MACFREED.MID, Upload Datum: 29.05.1997)zu löschen.
Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin für die Ermöglichung des Herunterladens der in Ziffer I genannten MIDI-Files durch Dritte vom Server der Beschuldigten eine angemessene Lizenzgebühr bis zum 23. Januar 1998 zzgl. MwSt. und 5%: Zinsen hieraus seit Rechtshängigkeit zu bezahlen.
Festzustellen, daß die Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin allen Schaden zu erstatten, der ihr durch das Herunterladen der in Ziffer I genannten Titel durch Dritte vom Server der Beklagten seit dem 23.01.1998 entstanden ist und ihr in Zukunft bis zur Löschung der MIDI-Files gem. Ziffer I noch entsteht.
Nach Zustellung der Klage hat die Beklagte die drei Dateien auf, ihrem Server gelöscht. Daraufhin haben die Parteien übereinstimmend den Rechtsstreit hinsichtlich des ursprünglichen Klageantrags I für erledigt erklärt. Die Klägerin hat zunächst somit noch die Anträge II. und III. gestellt (im Termin vom 28.07.1998). Im Termin vom 01.02.2000 hat die Klägerin beantragt, die Beklagte zur Zahlung von 99.000,00 DM zuzüglich 5%: Zinsen seit 12.03.1998 zu verurteilen.
Die Beklagte bestreitet die Aktivlegitimation der Klägerin. Zu den vorgelegten entsprechenden Abtretungsverträgen (Anlage A 13) meint die Beklagte, die Rechte der ausübenden Künstler seien offenbar nicht Gegenstand der Übertragung; fraglich sei auch, ob der Zeuge Kist diese überhaupt erworben habe, dies müsse vorsorglich bestritten werden. Eine besonders weitgehende Einschränkung ergebe sich schließlich aus der Ausnahme der von Verwertungsgesellschaften wahrgenommenen Rechte (Blatt 6 der Klageerwiderung = Blatt 80 der Akten).
Die Beklagte bestreitet auch den Umfang des Absatzes der streitgegenständlichen MIDI-Files wie den von der Klägerin genannten Verkaufserlös.
Die Beklagte bestreitet die Berechtigung der Kläger bezüglich Herstellung und Verbreitung des streitgegenständlichen Musiktitels.
Sie ist der Auffassung, daß mit jedem modernen Heimcomputer derartige Sounddateien hergestellt werden könnten. Einer Kopie von „Werken“ der Klägerin, bedürfe es dazu nicht. Der Grad der Verbreitung von Sounddateien im MIDI-File-Format ergebe sich schon aus der Anzahl von über 800 seinerzeit auf den Server der Beklagten upgeloadeten Dateien. Wettbewerber der Beklagten verfügten ebenfalls über derartige Foren; dazu sei über das Internet mit sog. Suchmaschinen der Zugriff auf tausende derartiger Dateien kinderleicht möglich.
Musikfiles könnten in unzähliger Vielfalt von Nutzern des Internets und/oder Wettbewerbern der Beklagten kinderleicht hergestellt, verbreitet und vervielfältigt werden und würden über das Internet geradezu verschenkt. Daraus folge, daß digitalisierte Musikdateien auch in Form von MIDI-Dateien längst dem Bereich der Shareware oder Public-Domain-Software zuzuordnen seien.
Dazu weist die Beklagte auf die Nutzungsbedingungen, die auch beim Speichern von Sounddateien teilweise sichtbar gemacht werden hin. Die Beklagte bezieht sich auf ihre Hinweise dahingehend, daß nur Public-Domain und Shareware-Programme upgeloaded werden dürfen.
Sie ist der Auffassung, die vorhandenen Copyright-Vermerke hätten von ihren Scouts auch nicht gefunden werden können. Die Kenntnis vom Inhalt der Dateien erhielten die Scouts bei der Überprüfung nicht; dies sei auch nicht erforderlich. Zum Erkennen von Urheberrechtsvermerken werde durch Klicken auf die rechte Mouse-Taste das Menü geöffnet in dem unter der Option Eigenschaften drei Karteikarten zur Auswahl stehen. Die Beklagte weist darauf hin, daß sich bei der Karteikarte mit der Überschrift Details bei den MIDI-Files der Beklagten der Hinweis findet, Copyright: Keine Copyright-Informationen. Die Scouts verschafften sich gerade keine Kenntnis vom Inhalt der Dateien, sondern versuchten lediglich, bestimmte Eigenschaften betreffend die Dateien herauszufinden. Damit hätten sie auch keine Kenntnis vom Inhalt der Dateien gehabt. Die Scouts, die weder angestellt noch freie Mitarbeiter der Beklagten seien sondern Nutzer, die auf freiwilliger Basis ohne Entgeltanspruch bestimmte Bereiche des Online-Angebots pflegten, verrichteten eng begrenzte Tätigkeiten. Selbst wenn die Scouts Kenntnis vom Inhalt der Dateien gehabt hätten, könne diese Kenntnis der Beklagten unter keinen Umständen zugerechnet werden.
MIDI-Files seien Sammelwerke im Sinn von § 4 Abs. 1 UrhG und Werke der Musik im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 2 UrhG1 aber nicht Datenbankwerke im Sinne von § 4 Abs. 2 UrhG.
Die Beklagte ist weiter der Auffassung, § 5 TDG sei der entscheidende Filter für jeden Haftungsanspruch gegen Sie als Diensteanbieter. Sie ist der Auffassung, der streitgegenständliche Fall unterliege den Voraussetzungen von § 5 Abs. 2 TDG. Kenntnis davon, daß von Dritten auf dem Hostserver der Beklagten Dateien gespeichert seien, deren Inhalte Rechte der Klägerin verletzen könnten, habe sie jedenfalls bis zur Zustellung der Klage nicht gehabt. Sie ist der Auffassung, es komme nach § 5 TDG auf positive Kenntnis des verletzungsrelevanten Inhalts an und bezieht sich insoweit auf Engel-Flechsig/Maennel/Tettenborn (NJW 1997, 2984) . Sie ist der Auffassung, daß in der Entscheidung des OLG München vom 26.02.1998, CR 1998, 300 zu Unrecht nicht auf § 5 TDG eingegangen worden sei. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die Begründung zu § 5 TDG und meint, die Beklagte hätte nur dann Kenntnis im Sinn von § 5 Abs. 2 TDG gehabt, wenn ihr der einzelne, konkrete Inhalt der streitgegenständlichen Dateien bekannt gewesen wäre. Die Scouts seien aber nicht Wissensvertreter der Beklagten gewesen. Bezüglich des MIDI-Files mit dem Titel Get down könnte die Beklagte frühestens mit dem Schreiben gemäß Anlage A 9 vom 30.09. Kenntnis erhalten haben, wenn es zugegangen wäre, was sie bestreitet. Im übrigen sei auch die 2. Voraussetzung der Haftung nach § 5 Abs. 2 TDG nicht gegeben, da es der Beklagten technisch nicht möglich und zumutbar gewesen sei die Nutzung der fremden Inhalte zu verhindern.
Der Aufwand, den die Beklagte treibt sei bereits erheblich; weitere Schutzvorkehrungen seien technisch unmöglich. In die Verhältnismäßigkeitsbetrachtung sei der Umstand einzubeziehen, daß die Wirksamkeit von Verhinderungsmaßnahmen jederzeit durch einen Zugriff auf entsprechende Informationsangebote im Ausland oder über andere Netzverbindungen mit einem vergleichsweise geringen Aufwand umgangen werden könne.
Die Beklagte bestreitet die geltend gemachten Ansprüche auch der Höhe nach. Dabei sei insbesondere nicht erkennbar, welche Kosten die Klägerin erspare und welche Ansprüche von dritter Seite für die Klägerin zwar abzugelten seien bei Durchgreifen der Vorwürfe möglicherweise aber zusätzlich direkt gegen die Beklagten geltend gemacht würden.
Die Kammer hat Beweis erhoben durch Erholung eines Sachverständigengutachtens des Sachverständigen Peter Kiefer sowie durch Vernehmung der Zeugen Kist, van Loock und Eiböck.
Zur Ergänzung des Tatbestandes wird auf den weiteren Vortrag der Parteien zur Frage der Identität der von der Klägerin vorgelegten Anlage A 14 mit der Anlage A 15 und zur Erkennbarkeit der Copyright-Vermerke, die übergebenen Anlagen und insbesondere das Gutachten des Sachverständigen Peter Kiefer vom 08.08.1999 (Bl. 126/151) sowie hinsichtlich der Zeugenaussagen auf das Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 01.02.2000 (Blatt 161 bis 166 der Akten) Bezug genommen.
Die Klage ist dem Grunde nach im Wesentlichen zuzusprechen und insoweit entscheidungsreif; hinsichtlich der Höhe ist sie nicht entscheidungsreif, so daß angesichts der grundsätzlichen Bedeutung der aufgeworfenen Fragen nach Auffassung der Kammer ein Grundurteil gemäß § 304 ZPO zu erlassen ist.
Die Klägerin macht die Leistungsschutzrechte des Tonträgerherstellers gemäß § 85 sowie Verwertungsrechte nach §§ 15, 16, 17 UrhG geltend.
Die Klägerin ist Inhaberin der Tonträgerrechte durch die Abtretung durch den Zeugen Kist.
Der Zeuge Kist hat bekundet, er habe die verfahrensgegenständlichen MIDI-Files selbst eingespielt und die Nutzungsrechte auf die Klagepartei übertragen. Er hat bekundet, er habe ein abgeschlossenes Studium als Musiklehrer. Er hat nach Anhörung der Disketten gemäß Anlage A 15 die Identität dieser Disketten mit den von ihm eingespielten MIDI-Files ebenfalls bestätigt. Der Zeuge Kist hat dabei (nicht protokolliert) angegeben, er erkenne die von ihm eingespielten MIDI-Files an bestimmten musikalischen Eigenheiten.Die Kammer hat keine Veranlassung, an der Richtigkeit der Aussage des Zeugen Kist zu zweifeln; soweit sich seine Aussage auf das Erkennen der von ihm eingespielten Tonträger bezog, war zu beobachten, daß der Zeuge während des jeweils einige Zeit dauernden Anspielens der Tonträger an bestimmten Stellen Reaktionen zeigte und danach das Erkennen und die Identifizierung bestätigte.
Es kann dahingestellt bleiben, ob der Zeuge Kist als Tonträgerhersteller im Sinn von § 85 Abs. 1 UrhG anzusehen ist oder ob dies die Klägerin als Unternehmen, in dem der Tonträger hergestellt wurde, ist. Der Zeuge Kist hat nämlich nicht nur bekundet, sondern die Klägerin hat auch durch die Anlage A 13, deren Richtigkeit von der Beklagten nicht bestritten wurde, die Übertragung etwaiger Rechte aus § 85 UrhG, die beim Zeugen Kist entstanden sein können, auf sie bewiesen.
Darüber hinaus steht nach den Ausführungen des Sachverständigen zu I. 3 a) des Beweisbeschlusses auf den Seiten 14 bis 17 des Gutachtens (Blatt 140 bis 143 der Akten) fest, daß das Einspielen von MIDI-Files jedenfalls im vorliegenden Fall keine reine mechanische Übertragung einer vorliegenden Aufnahme eines Werkes darstellt, sondern als Vortrag eines ausübenden Künstlers im Sinn von § 73 UrhG anzusehen ist. Angesichts der Tatsache, daß die Parteien zu den im Sachverständigengutachten abgehandelten Beweisthemen nach Vorlage des Gutachtens keinerlei Ausführungen mehr gemacht haben und insbesondere weder zusätzliche Fragen an den Sachverständigen gestellt noch dessen Anhörung beantragt haben, wird zunächst auf die Ausführungen des Sachverständigen Bezug genommen. Insbesondere hat der Sachverständige bestätigt, daß der MIDI-File-Arrangeur das Abgehörte als Instrumentalist umsetzen muß und damit Arrangeur, Musiker und Produzent in einem sei. Es seien für die Herstellung eines MIDI-Files im Bereich der Pop-Musik eine besondere Begabung und/oder musikalische Kenntnisse erforderlich. Bei den vorliegenden Files handle es sich um hochwertige MIDI-Files, die für einen geübten MIDI-File-Arrangeur eine Produktionszeit von 1 bis 2 Studiotagen erforderten.Daraus ergibt sich, daß der Zeuge Kist auch die Rechte des ausübenden Künstlers nach § 75 Abs. 2 UrhG erworben und mit der Anlage A 13 an die Klägerin übertragen hat. Soweit die Beklagte insoweit den Text der Anlage A 13 rügt, kann die Kammer dies nicht nachvollziehen; der Zeuge hat sämtliche an dem hergestellten MIDI-File in seiner Person (vgl. Eingang der Lizenzvereinbarung) entstandenen Leistungsschutzrechte übertragen und sämtliche urheberrechtlichen Nutzungsrechte eingeräumt. Daß er die den Verwertungsgesellschaften eingeräumten Rechte ausgenommen hat, ist für den vorliegenden Fall unerheblich. Die GEMA nimmt nämlich (auch erst seit der Neufassung vom 9./10.7.1996) nur die Rechte der Urheber und Musikverlage, nicht der Leistungsschutzberechigten hinsichtlich der Speicherung in Datenbanken wahr. Die GVL, die die Leistungsschutzrechte wahrnimmt, hat ihren Vertrag bisher nicht entsprechend geändert.
Die Kammer folgt der Klägerin zwar darin, daß im Upload auf den Server der Beklagten eine Vervielfältigung im Sinne von § 16 UrhG liegt. Bei der Übermittlung von Daten an das Forum erfolgt eine Festlegung im digitalen Speichermedium des Serverrechners, die die Voraussetzungen einer Vervielfältigung erfüllt, da es sich um körperliche Festlegungen des Werks handelt, die dazu geeignet sind, daß das Werk den menschlichen Sinnen mittelbar, nämlich durch Ausgabe über die Soundkarte des Computers und einen angeschlossenen Lautsprecher, wahrnehmbar zu machen (Schricker/Loewenheim, Urheberrecht, 2. Aufl., § 16 Rn. 17, 22).
Das Bereithalten auf dem Server der Beklagten stellt eine unbenannte Wiedergabe nach der Generalklausel des § 15 Abs. 2 UrhG entsprechend dar. § 15 UrhG enthält nämlich keine vollständige Aufzählung der im Gesetz benannten Verwertungsrechte (Schricker/von Ungern-Sternberg, a.a.O., § 15 Rn. 16 ff, 22 ff.) . Auch wenn die Werknutzung durch Übertragung auf Abruf keine öffentliche Wiedergabe im Sinne von § 15 Abs. 3 UrhG darstellt (Schricker/von Ungern-Sternberg a.a.O., Rn. 56, 59 f.) ist ein entsprechendes unbenanntes Verwertungsrecht anzuerkennen, da ein zeitgleicher Abruf des selben geschützten Werkes durch mehrere unabhängig voneinander handelnde Einzelnutzer kaum vorkommen wird, das Eingreifen eines Verwertungsrechts jedenfalls aber nicht von derartigen, kaum beweisbaren Zufällen abhängen kann. Die Hinnahme einer Schutzlücke stünde aber im Widerspruch zur Absicht des Gesetzgebers, die ausschließlichen Befugnisse des Urhebers so umfassend zu gestalten, daß auch neu entstehende Verwertungsformen ohne weiteres seiner Kontrolle unterliegen. Sie wäre auch unvereinbar mit dem Grundgedanken des Urheberrechts, daß der Urheber tunlichst angemessen an dem wirtschaftlichen Nutzen, der aus seinem Werk gezogen wird, beteiligt werden soll (Schricker/von Ungern-Sternberg, a.a.O., Rn. 24).Jedenfalls handelt es sich hierbei um eine vor Verbreitung des Internet unbekannte Nutzungsart (vgl. Schricker/Schricker, a.a.O. Rn. 30 (S. 577 f.) zu § 31/32) , so daß die allgemeine Übertragung von Wiedergaberechten an eine Verwertungsgesellschaft (hier die GVL), die der Zeuge Kist möglicherweise (hierzu ist nichts vorgetragen) vorgenommen haben mag, wegen § 31 Abs. IV UrhG die hier streitgegenständlichen unbenannten Wiedergaberechte nicht erfaßt.
Die Kammer ist nicht der Auffassung, daß die Klägerin Urheberrechte nach § 4, 87 b UrhG geltend machen kann. Es handelt sich nämlich bei den streitgegenständlichen MIDI-Files entgegen der insoweit übereinstimmenden Auffassung der Parteien weder um eine Datenbank noch, wie die Klägerin meint, um ein Datenbankwerk.Voraussetzung für eine Datenbank ist nicht nur eine Sammlung von irgendwelchen Daten, sondern von unabhängigen Daten, d.h. von jeweils für sich nicht nur isolierbaren, sondern sinnvoll nutzbaren Elementen. Das Merkmal der Unabhängigkeit schließt Zusammenstellungen vom Schutz sowohl nach § 4 Abs. 2 UrhG als auch nach § 87 a ff. UrhG aus, deren einzelne Elemente ein verbindendes inhaltliches Gewebe aufweisen, wie dies etwa bei einem literarischen Werk oder einem Musikwerk der Fall ist (Schricker/Vogel, a.a.O., Rn. 5 zu § 87 a). Eine derartige Unabhängigkeit ist aber bei den einzelnen Musik- und Tonspuren der MIDI-File ebensowenig gegeben, wie etwa bei einer möglicherweise durch entsprechendes Mikrophon isolierten Aufnahme des Soloparts bei einer Konzertaufführung.
Die Identität der vom Zeugen Kist identifizierten MIDI-Files der Klägerin gemäß Anlage K 15 mit der Anlage A 14 ist durch das Sachverständigengutachten erwiesen. Die Kammer bezieht sich insoweit zur Vermeidung von Schreibarbeit auf die überzeugenden und nicht angegriffenen Ausführungen des Sachverständigen auf den Seiten 49 bis 13 des Gutachtens (Stellungnahme zum Beweisbeschluß I. 2 alb). Der Sachverständige hat für alle drei Dateien zweifelsfrei ermittelt, daß sie identisch (Get down und Samba de Janeiro) bzw. Übernommen (McFreed MID auf A 14 mit 1869 mid auf A 15) sind. Der Sachverständige hatte hierzu ausgeführt, daß es unmöglich sei, daß ein und derselbe Musiker zweimal die exakt gleiche Aufnahme von selbst nur wenigen Noten einspielen könne. Genauso unmöglich sei es, daß ein zweiter Musiker genau die gleichen Ungenauigkeiten mache und daß auch noch zufällig und ohne Kenntnis voneinander. Der Sachverständige hat bei Stichproben bei den beiden Dateien immer eine Übereinstimmung der Parameter insoweit festgestellt, und hieraus überzeugend die Identität der Einspielung abgeleitet.
Für die Tatsache, daß die Anlage A 14 vom Server der Beklagten heruntergeladen wurde, hat die Klägerin durch die Zeugen van Loock und Eiböck den Beweis erbracht.
Der Zeuge van Loock hat die Anlage A 14 anhand des Zettels, der sich bei der Diskette befand, der auch seine Unterschrift trägt, als Diskette identifiziert, die Dateien enthält, die vom Server der Beklagten heruntergeladen worden seien. Das Datum des Herunterladens hat er mit Anfang des Jahres 1998 bestätigt. Die Dateien haben auch, wie sich aus dem Sachverständigengutachten ergibt, das Datum 23.01.1998. Der Zeuge hat bekundet, er könne nicht sagen, warum der der Anlage A 15 beiliegende Zettel das Datum 19.10.1998 habe. Er konnte sich auch nicht daran erinnern, daß im Oktober 1998 nochmals eine Kopie gezogen worden wäre. Der Zeuge hat bekundet, seiner Auffassung nach habe er beim Herunterladen Anfang des Jahres 1998 einen Zettel unterschrieben.
Der Zeuge Eiböck hat das Herunterladen Ende Januar 1998 bestätigt. Er hat auch bestätigt, daß die Dateien später auf eine Diskette übertragen worden seien und konnte sich ebensowenig das Datum 19.10.1998 erklären.
Hieraus leitet die Beklagte den Schluß ab, an den Dateien sei manipuliert worden. Sie ist der Auffassung, der Beweis für die Identität der Anlage A 14 mit den Dateien, die sich auf dem Server der Beklagten befunden hätten, sei nicht geführt. Sie meint, es sei nicht ausgeschlossen, daß neben den drei vom Server der Beklagten heruntergeladenen Dateien auch noch andere Dateien an diesem Tag bearbeitet oder auf eine Diskette gespielt worden seien.
Die Kammer kann diese Bedenken nicht teilen.Sie hat zunächst keinen Zweifel daran, daß die Zeugen die Wahrheit gesagt haben; die grundsätzlichen Bedenken, die Zeugenaussagen von Angestellten oder freien Mitarbeitern einer Partei entgegenstehen, sind im vorliegenden Fall durch den Gesamteindruck, den die Zeugen geboten haben, vollständig ausgeräumt, sie könnten im übrigen ohne andere Anhaltspunkte auch nicht dazu führen, die Aussagen nicht zu berücksichtigen.Beiden Zeugen war zum Zeitpunkt des Herunterladens offensichtlich die Bedeutung dieses Herunterladens bewußt. Die Kammer schließt aus, daß zu welchem Zeitpunkt auch immer andere Dateien mit Kopien der streitgegenständlichen Dateien der Klägerin von einem Server der Beklagten heruntergeladen worden sind, als zu dem Zeitpunkt, zu dem die Zeugen dies angegeben haben. Angesichts des Erstaunens beider Zeugen über die Diskrepanz der Daten auf dem Zettel und des Herunterladens, an das Sie sich erinnerten, und auf Grund der zweifelsfreien Identifizierung der Unterschrift ist die Kammer der Überzeugung, daß die Zeugen einen derartigen weiteren Vorgang offengelegt hätten, da sie sich sichtlich bemühten, eine Erklärung für diese Diskrepanzen zu finden. Daß sie diese Erklärung nicht gefunden haben, vermindert die Beweiskraft ihrer übrigen Aussagen nicht, sondern erhöht Sie vielmehr. Danach steht fest, daß die Zeugen im Januar 1998 die drei streitgegenständlichen Dateien vom Server der Beklagten heruntergeladen und die darauf mit diesen Dateien gezogene Diskette mit einem von den Zeugen unterschriebenen Zettel gekennzeichnet haben. Bei dieser Sachlage ist nur dann nicht von einem durch die Klägerin geführten Beweis auszugehen, wenn man einen bewußten plumpen versuchten Prozeßbetrug unterstellt. Dies kann die Kammer angesichts des Verhaltens insbesondere auch der Zeugen aber nicht annehmen.
Die Beklagte beruft sich nur teilweise erfolgreich auf § 5 TDG.
Die Kammer ist allerdings der Auffassung, daß § 5 TDG auch für den vorliegenden Fall maßgeblich ist (Schricker/Wild, a.a.O., § 97 Rn. 40 a). Aus der Tatsache, daß das OLG München in seiner Entscheidung Werbung im Internet, WRP 1998, Seite 795, den zum Zeitpunkt der Verletzungshandlung im April 1996 noch nicht in Kraft getretenen §§ 5 TDG nicht berücksichtigt hat, kann nicht abgeleitet werden, daß es ihn für nunmehr nicht einschlägig hält. Auch wenn es Stimmen gibt, die § 5 TDG für das Urheberrecht nicht einschlägig halten (vgl. etwa Schaefer/Rasch/Braun, ZUM 1998, 451455), ist angesichts des Wortlauts insbesondere in § 2 TDG (. . . die für eine individuelle Nutzung von kombinierbaren Daten wie Zeichen, Bilder oder Töne bestimmt sind) davon auszugehen, daß generell die zivil- und strafrechtliche Haftung von Teledienstanbietern beschränkt werden sollte (vgl. Spindler, NJW 1997, Seite 3193, 3195; Engel-Flechsig/Maennel/Tettenborn, NJW 97, 2981, 2984; Sieber, CR 1997, Seite 581, 582; Spindler, MMR 1998, 639, 641).Die dagegen geäußerten durchaus nachvollziehbaren Bedenken, wie sie etwa in dem von der Klägerin zitierten Absatz von Lehmann, CR 1998, 232 geäußert werden, können auch nach dessen Auffassung die grundsätzliche Anwendbarkeit dieser Vorschrift nicht in Frage stellen.Aus der amtlichen Begründung läßt sich nämlich nicht entnehmen, daß bei den Beratungen zu § 5 TDG an die Folgen für die Urheberrechtsberechtigten insbesondere von Werken der Musik oder Literatur gedach wurde, die angesichts relativ geringer Datenmengen schnell vervielfältigt, also auch herauf- und heruntergeladen werden können. Nach dem eindeutigen Wortlaut des Gesetzes fällt aber nicht nur das Bereithalten von Pornographie, sondern auch der vorliegende Fall unter den Fakten § 5 TDG.
Fraglich ist aber, was die Kenntnis der Inhalte im einzelnen voraussetzt, um eine Haftung nach § 5 Abs. 2 TDG zuzulassen. Diese Vorschrift ist einschlägig, da nach Auffassung der Kammer das Forum der Beklagten eindeutig nicht eigene, sondern fremde Inhalte aufwies. Die Inhalte sind nämlich die von den jeweiligen Nutzern upgeloadeten Dateien, nicht etwa die Menüführung des Forums. Inhalte sind nach Auffassung der Kammer dabei allerdings nicht sämtliche Umstände, aus denen sich möglicherweise eine Urheberrechtsverletzung ergeben kann, sondern das jeweilige Musikstück in der Form, in der es in die MIDI-File eingespielt ist. Der Gesetzgeber wollte mit 5 TDG ausweislich der amtlichen Begründung zwar eine Haftung des Diensteanbieters nur dann begründen, wenn er die fremden rechtswidrigen Inhalte bewußt zum Abruf bereit hält, Angesichts der Tatsache, daß bei sämtlichen Musikstücken im Pop- oder Unterhaltungsbereich davon auszugehen ist, daß sie noch dem Urheberrechtsschutz unterliegen, der 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers ausläuft, ist die Ermöglichung des Uploadens und das Bereithalten von derartigen Musikstücken auch in der Form von MIDI-Files auf einem Server eine Verletzung jedenfalls der Vervielfältigungs- und Verbreitungsrechte der Urheber. Insoweit liegt angesichts des oben ausgeführten jedenfalls bedingter Vorsatz vor, der sowohl nach der amtlichen Begründung als auch nach der Auffassung des Bundesrats für § 5 Abs. 2 TDG ausreicht (vgl. S. 20, 51 der BT-Drs. 13/7385).
Hält die Beklagte aber rechtswidrige Inhalte bereit, haftet Sie nach Auffassung der Kammer auch für weitere Rechtsverletzungen, auch wenn sie diese nicht kennt.
Darüber hinaus ist die Kammer der Auffassung, daß trotz der entsprechenden amtlichen Begründung (an die die Kammer nicht gebunden ist) die Kenntnis der Inhalte sich nicht auf die Rechtswidrigkeit erstrecken muß, sondern nur den Inhalt betreffen muß. Bei dem in der Öffentlichkeit weithin beachteten Fall des Bereitstellens von Pornographie (vgl. hierzu AG München, CR 1998, 500 mit Anm. Moritz und LG München I, CR 2000, Seite 117, ebenfalls mit Anm. Moritz) decken sich die Kenntnis von Inhalt und Strafbarkeit. Im vorliegenden Fall deckt sich die Kenntnis vom Inhalt (Musikstück) und Rechtsverletzung, jedenfalls des ausübenden Künstlers, nicht zwingend, da tatsächlich MIDI-Files von Personen erstellt werden mögen, die Sie unentgeltlich zur Verfügung stellen. Angesichts der Tatsache, daß dies aber die Ausnahme sein dürfte und insbesondere qualitativ hochwertige MIDI-Files, wie die im vorliegenden Rechtsstreit streitgegenständlichen, kommerziell genutzt werden, liegt eine Rechtsverletzung derart nahe, daß die Rechteinhaber durch eine der amtlichen Begründung entsprechende Auslegung von § 5 Abs. 2 TDG praktisch rechtlos gestellt würden. Wie die Erfahrung zeigt, ist der Nutzer, der eine derartige Datei uploaded, nämlich nicht zu ermitteln. Für die Berechtigten bestünden also keinerlei Möglichkeiten, derartige Rechtsverletzungen zu unterbinden. Es erscheint daher zwingend erforderlich, die Verantwortlichkeit nach allgemeinen Verschuldensmaßstäben dann zu bejahen, wenn der konkrete Inhalt, also das Musikstück und sein Name, bekannt sind.Dies ist nicht nur im Hinblick auf Art. 14 GG veranlaßt (vgl. Schricker/Schricker, a.a.O., Einl. Rn. 12), sondern auch im Hinblick auf die seinerzeit noch nicht in Kraft getretene, aber interessengerechte Regelung des Öffentlichkeitsbegriffs in Art. 8 WIPO-Urheberrechtsvertrag und Art. 10 und Art. 14 WIPO-Vertrag über Darbietungen und Tonträger, die bei einer Auslegung von § 5 Abs. 2 TDG im Sinne der amtlichen Begründung völlig unterlaufen würde. Selbst „bewußtes Wegschauen“ würde danach nämlich eine Haftung ausschließen; dies kann nicht zugelassen werden (so auch Spindler, NJW 1997, 3194, 3197 li. Sp.). Es erscheint insoweit erforderlich, Prüfungspflichten hinsichtlich der die Rechtswidrigkeit begründenden Umstände anzunehmen (wie bei BGH WRP 1999, 211 – Möbelklassiker).
Eine derartige Kenntnis der Inhalte ist im vorliegenden Fall aber gegeben. Die Beklagte muß sich die Kenntnis ihrer Scouts auch zurechnen lassen, da sie selbst zutreffend ausführt, daß diese zwar auf freiwilliger Basis, aber letztlich in ihrem Auftrag und für sie tätig werden.Die Kenntnisnahme der Copyright-Vermerke war auch ohne großen Aufwand möglich; ein Öffnen der Dateien mit einem Texteditor hätte, wie aus dem Sachverständigengutachten hervorgeht (vgl. Seite 18 bis 21 des Gutachtens), ohne weiteres erfolgen können und zu einer Kenntnis der Vermerke geführt. Nachdem der Copyright-Vermerk zudem am Anfang der Dateien steht, wäre dies auch ohne großen Zeitaufwand möglich gewesen. Ein derartiges Vorgehen war also auch zumutbar, die Möglichkeit der Umgehung (Ausnutzung rechtswidrigen Verhaltens Dritter) hier in die Zumutskeitsprüfung einzubeziehen, wie es die Beklagte meint, hält die Kammer nicht nur aus rechtspolitischen Gründen für verfehlt.
Während die Möglichkeit des Bereithaltens somit auch mit zumutbarem Aufwand zu verhindern gewesen wäre, war das Uploaden an sich nicht zu verhindern. Vor dem Uploaden ist nämlich eine Prüfung durch die Beklagte nicht möglich, da die Inhalte insoweit erst zur Kenntnis genommen werden können, wenn sie upgeloaded sind.Die Klage war daher hinsichtlich der im Uploaden liegenden Vervielfältigungshandlung, die ein schon durch die Tätigkeit der Scouts von der durch das Bereithalten auf dem Server begangenen unbenannten Wiedergabe trennbarer Lebenssachverhalt ist (nicht jede upgeloadete Musikdatei wurde bereitgehalten) und auch eigene Schadensersatzansprüche auslösen kann, abzuweisen.Hinsichtlich der beiden Tatbestände kommen auch verschiedene Teilnahmeformen in Betracht (beim Heraufladen Beihilfe, bei der Wiedergabe Mittäterschaft.Der ursprüngliche Klageantrag bezog sich zwar nur auf das Bereithalten der Dateien. Die Klägerin hat aber bereits in der Klage Ausführungen dazu gemacht, daß auch das Uploaden eine unerlaubte Nutzung darstelle, und beim Zahlungsantrag nicht mehr zwischen den verschiedenen Vorgängen unterschieden.
Dr. Debo
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