Source: https://issuu.com/fv_jus/docs/njus-hs12_final
Timestamp: 2016-12-09 16:11:30+00:00

Document:
N'Jus HS 12 by FV Jus - issuu
Revision: Inside/Outside 2013er-Studienrevision
Interview mit Prof. Haas
Portrait 端ber Valentin Landmann
Zeitschrift der Z端rcher Jus-Studierenden
n’Jus-RedaktoRen
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Simone Ursprung
Vor einem guten Jahr
hat der Tages-Anzeiger
Auszüge aus einer Rede
von Martin Roeck, dem
damaligen Präsidenten
des Studierendenrats,
veröffentlicht. Es handelte sich um eine fundamentale Kritik am
Bolognasystem.
Lektüre des Aufsatzes
hat bei mir grippeartige
Abwehrreflexe ausgelöst. Eigentlich wollte ich schon lange eine Replik schreiben.
Ironischerweise fehlte mir bis dato die Zeit dafür.
Das Bolognasystem mache aus Studierenden stumpfsinnige
Punktejäger, schreibt der Philosophiestudent. Wichtig sei
nicht mehr der Inhalt eines Faches, sondern die Möglichkeit,
möglichst schnell an ECTS-Credits heranzukommen.
Dieser „Weg des geringsten Widerstandes“ ist in der Tat keine
rühmliche Seite des homo studiosus. Das bemängelte Verhalten ist jedoch Resultat der Möglichkeit, sich das Curriculum
selbst zusammenzustellen.
Man kann niemanden dazu zwingen, sich die Module nach
Interesse auszusuchen. Wer lieber zeitsparende, dafür langweilige Fächer absolviert, ist schlussendlich selber schuld. Und
auch im Lizentiat ging es immer darum, die Prüfungen zu bestehen. Es bestand also gleich viel (oder gleich wenig) Anreiz
dafür, sich mit einem Thema vertieft zu beschäftigen. Zeit dafür gab und gibt es genug, sofern jemand zu aussergewöhnlichen Leistungen bereit ist.
Zudem existiert die Punktejagd nicht erst seit Bologna. Schon
im Lizentiat hat man sich seine Fächer nicht zuletzt mit dem
Hintergedanken zusammengestellt, ungeliebte Prüfer oder zu
viel Lernstress zu umgehen. Testate wurden da abgelegt, wo
der kleinste Aufwand winkte. Das Bolognasystem bietet mit
seinem einheitlichen Punkteschema mehr Möglichkeiten für
opportunistische Entscheidungen. Am extremsten wird sich
dies in den nächsten Jahren zeigen, wenn die Studierenden im
Übergang zur neuen Studienordnung die komplette Wahlfreiheit haben, welche Fächer sie für ihren Bachelorabschluss absolvieren wollen. Es droht das absolute Horrorszenario aller
Punktejagd-Skeptiker.
Doch wer glaubt, die Studierenden würden nur noch die einfachsten Fächer besuchen, der irrt sich. „Wahlfreiheit? Das
nützt mir nicht viel. Die wichtigsten Fächer für den Beruf
muss ich sowieso absolvieren“, hat sich vor kurzem ein Student
bei mir beklagt. Und hier liegt die Realität, welche der Philosophiestudent Roeck unbeachtet liess: An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (und auch an den meisten anderen Fakultäten) sehen die meisten ihr Studium als Berufsausbildung.
Wer seine Fächer nicht nach Praxisrelevanz aussucht, bekommt
dafür später die Quittung. Punkte und Zeitaufwand werden
dabei nebensächlich. Die Ideologen aus dem Studierendenrat
mögen dies als Ökonomisierung der Bildung verteufeln. Die
meisten meiner Freunde sind hingegen zufrieden, das an der
Universität erworbene Wissen auch im Berufsleben brauchen
zu können. Aber das sind auch keine Philosophiestudenten.
Natürlich ist nicht alles besser geworden. Wie bei jedem Wechsel muss ein neues System fortlaufend getestet und angepasst
werden, bis es perfekt ist. Bald wird die nächste Revision in
Kraft treten, welche das Bologna-Rechtsstudium nochmals
grundlegend verändern wird. Im aktuellen N’Jus setzen wir
uns mit diesem Prozess auseinander, beleuchten positive wie
negative Punkte. Daneben gibt es wie immer Berichte aus Studium und Praxis.
In diesem Sinne wünsche ich allen Punktejägern und den anderen „Bolognageschädigten“ viel Spass bei der Lektüre des
aktuellen N’Jus!
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Sportlich im Recht unterwegs
Interview mit Prof. Dr. Ulrich Haas
Interview mit Nicolas Kilchenmann
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Inside/Outside 2013er-Studienrevision
Portrait über Valentin Landmann
Werdegang eines Steuerexperten
Interview mit Flurin Poltera
Unternehmensportrait Deloitte
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Speeddating für Juristen
Jobmesse des Zürcher Anwaltsverbands
Ein etwas anderes Praktikum
Beim Rechtsdienst der reformierten Landeskirche Zürich
Einblicke: Volontariat
Operation Haftpflichtrecht
Erfahrungsbericht: Seminar im Schwarzwald
Juristische Blogs im Netz
Auszug aus dem Blog des FV Jus
Rechtswissenschaft in Italien
Ein römischer Erasmusstudent erzählt, wie der Hase läuft
Blutige Anfänger unter sich
Bericht des Erstsemestrigentages 2012
La pagina del Circolo Giovani Giuristi
La riforma della discordia
Neues aus dem Fachverein
Neben seiner Professur an der Universität Zürich ist Ulrich Haas auch Schiedsrichter am Court of Arbitration for
Sport (CAS), dem Internationalen Sportgerichtshof. Im N‘Jus gewährt uns Prof. Haas einen Einblick in seine
Tätigkeit am Schiedsgericht und erzählt uns wie er die Arbeit zwischen Wissenschaft und Praxis erlebt.
Was ist der Court of Arbitration for Sports (CAS) und
Kann jeder Schiedsrichter am CAS werden oder müssen
worin besteht seine Funktion?
bestimmte Qualifikationen erfüllt werden?
Der CAS ist ein internationales Sportschiedsgericht mit Sitz in
Lausanne. fDem CAS kommt weltweit die Rolle als oberste
Rechtsprechungs- und Auslegungsinstanz im Zusammenhang
mit sportbezogenen Streitigkeiten zu.
Der CAS wurde im Jahr 1984 gegründet und untersteht in
administrativen und finanziellen Belangen dem International
Council of Arbitration for Sport (ICAS).
Beinahe 300 Schiedsrichter wurden bisher aus 87 Ländern
anhand ihres Fachwissens im Schiedswesen und Sportrecht
ausgewählt und amten für den CAS. Jedes Jahr werden ungefähr
300 Schiedssprüche erlassen.
Es gibt Qualifikationsvoraussetzungen: So ist die Tätigkeit nur
Juristen eröffnet. Darüber hinaus sollte der Kandidat über eine
gewisse Expertise auf dem Gebiet der Schiedsgerichtsbarkeit
verfügen. Dabei muss es sich aber nicht speziell um Kenntnisse
zur Sportschiedsgerichtsbarkeit handeln, denn vom äusseren
Verfahrensablauf her unterscheiden sich die Sport- und die
Handelsschiedsgerichtsbarkeit kaum. Des Weiteren sollte ein
Kandidat auch ein gewisses Interesse für das Sportrecht mitbringen. Schliesslich ist weitere Voraussetzung, dass der Kandidat mindestens eine der Arbeitssprachen des CAS – Englisch
oder Französisch – beherrscht. Die Kenntnis weiterer Sprachen
ist sicherlich nicht von Nachteil.
Zu beachten ist, dass der CAS dem System der "geschlossenen
Schiedsrichterliste" folgt. Schiedsrichter in einem Verfahren
vor dem CAS kann mithin nur sein, wer zuvor auf die Schiedsrichterliste aufgenommen wurde. Dabei handelt es sich um
eine "geschlossene Liste". D.h. die Parteien können nur einen
Schiedsrichter aus dieser Liste benennen. Momentan sind dies
– meines Wissens – knapp 300 Personen aus allen Teilen der
Welt. Im Prinzip kann sich jeder bewerben, um in die Liste
aufgenommen zu werden. Die Entscheidung hierüber trifft das
oberste Gremium der Schiedsinstitution, der ICAS. Das Verfahren ist – wie man sich vorstellen kann – recht kompetitiv.
«Die Schiedssprüche des
CAS haben dieselbe
Vollstreckungskraft wie
Entscheide von
staatlichen Gerichten.»
Die Funktion des CAS besteht darin, sportbezogene Streitigkeiten im Rahmen eines Schiedsverfahrens zu schlichten. Die
Schiedssprüche des CAS haben dieselbe Vollstreckungskraft
wie Entscheide von staatlichen Gerichten.
Der CAS errichtet jedoch auch nichtständige Schiedsgerichte
für besondere Anlässe wie die Olympischen Spiele (sog. Ad-hocSchiedsgerichte). Die Verfahren vor diesen Schiedsgerichten
richten sich nach dafür eigens erlassenen verfahrensrechtlichen
Kann man eine Karriere als Schiedsrichter am CAS
aktiv anstreben? Worauf sollte man achten und wie sich
beruflich ausrichten? (praktisches Arbeiten in einem
bestimmten Rechtsgebiet, Dissertation, LL.M....)
Ob man insoweit wirklich von einer planbaren "Karriere"
sprechen kann, ist fraglich. Wenn ich mir den Weg einiger
Kollegen oder auch meinen eigenen ansehe, so ist dieser doch
– so ehrlich sollte man schon sein – von Zufälligkeiten geprägt, an Sportereignissen denkt. Eine gewisse soziale Kompetenz
die wenig mit strategischer Planung zu tun haben. Für die sollte man auch mitbringen, schliesslich gilt es ja, nicht nur mit
Schiedsgerichtsbarkeit habe ich begonnen, mich als Student zu den Parteien zu verhandeln, sondern auch mit den Mitschiedsinteressieren, weil ich – zufällig – in einem Zugabteil allein mit richtern aus den unterschiedlichsten Rechtskreisen eine übereinem Schiedsrichter sass. Letzterer war so nett, mir seine zeugende Lösung zu erarbeiten. Dies setzt die Fähigkeit voraus,
Tätigkeit in schillernden Farben so zu beschreiben, dass ich anderen zuzuhören, zu erkennen, worauf es den Parteien
mich dazu entschlossen habe, mir dieses Rechtsgebiet, das ankommt, sich mit anderen juristischen Kulturen und Rechtsdamals in der Ausbildung
überhaupt keine Rolle spielte,
Hauptsitz des CAS: Château de
näher anzusehen. Diese
Béthusy an der Avenue
Zugfahrt war also ausschlagde Beaumont in Lausanne
gebend dafür, dass ich später
auf dem Gebiet der Schiedsgerichtsbarkeit promoviert habe.
Auch zum Sportrecht bin ich nur durch Zufall gekommen. Ich
war seinerzeit Assistent an der Universität und arbeitete an
meiner Habilitation. Mit dem Sportrecht hatte ich bis dahin
nichts zu tun. Eines Abends klopfte jemand an meine Bürotür,
der einen Gutachtensauftrag in einem Dopingfall zu vergeben
hatte. Mein Glück war, dass das Sportrecht als eigenständiges
Rechtsgebiet seinerzeit praktisch nicht existierte, es also kaum
"Spezialisten" gab und die Bürotüren, an denen mein Auftraggeber vorher geklopft hatte, allesamt verschlossen waren.
Allein dem Umstand also, dass ich länger im Büro war als
andere, habe ich folglich den Gutachtensauftrag zu verdanken.
Erst mit diesem Auftrag bin ich in das Sportrecht eingetaucht.
Mein Auftraggeber hat in der Folge glücklicherweise den
Prozess, der durch sämtliche Instanzen ging, gewonnen und
auf einmal galt ich in der "Szene" als Experte im Sportrecht.
Wer die Karriereplanung etwas gezielter machen will als ich,
sollte sich mit der Schiedsgerichtsbarkeit und mit dem Sportrecht intensiv beschäftigen. Die Möglichkeiten hierzu sind konzepten auseinanderzusetzen, sowie die Bereitschaft, nicht
heute vielfältig. Das fängt schon an der Universität an. Dort nur Probleme zu erkennen, sondern hierfür auch Lösungen zu
werden viele Veranstaltungen zur Schiedsgerichtsbarkeit ange- präsentieren. Eine gewisse Entscheidungsfreude ist mithin
boten. Auch Fortbildungen im Bereich des Sportrechts gibt es, erforderlich und auch notwendig. Erwähnenswert ist vielleicht
auch an der Universität Zürich. So bietet beispielsweise das noch, dass die Tätigkeit oftmals in einem globalisierten
Europainstitut sowohl einen LLM als auch ein Certificate in Umfeld stattfindet. Die Schiedsrichter kommen aus allen ErdAdvanced Studies im Sportrecht mit ganz ausgezeichneten teilen und das in der Sache anwendbare Recht ist von nationalReferenten an. Über diese kann man oftmals auch weitere staatlichen Rechtsordnungen losgelöst. Das ist insbesondere
Kontakte knüpfen. Gute, insbesondere durch Auslandsaufent- der Fall, wenn es um Streitigkeiten geht, die – wie die Dopinghalte erworbene Sprachkenntnisse sind gleichfalls von Vorteil. bekämpfung – die Herstellung gleicher und weltweit einheitSchliesslich sollte man stets ein offenes Auge bzw. Ohr für sich licher Wettkampfbedingungen zum Gegenstand haben. Wer
bietende Chancen haben und dann auch den Mut haben, also keine Angst vor den rechtlichen Herausforderungen der
zuzupacken, sobald sich eine solche eröffnet.
Globalisierung hat, wird Freude an einer Tätigkeit als Schiedsrichter beim CAS haben.
Welcher Personengruppe würden Sie das
Kann man hauptberuflich als
Schiedsrichteramt vor dem CAS empfehlen?
Schiedsrichter am CAS arbeiten?
Neben den Voraussetzungen, die ich zuvor angesprochen habe,
kann ich diese Tätigkeit all denjenigen empfehlen, die Freude
an einer juristisch abwechslungsreichen Tätigkeit haben. Kein
Fall gleicht dem anderen. Das Gebiet des Sportrechts ist weit.
Die Streitigkeiten können ihren Ursprung im Vertrags-,
Arbeits-, Gesellschafts-, Vereins-, Handels- oder Wirtschaftsrecht finden, ebenso aber – wie im Fall von Dopingstreitigkeiten
– einen Bezug zu medizinischen oder pharmakologischen
Fragen aufweisen. Auch eine Verbindung zum Urheber bzw.
Wettbewerbs- und Kartellrecht ist denkbar, wenn man beispielsweise an Streitigkeiten rund um die Vergabe von Fernsehrechten
Nein, es gibt keine hauptberuflichen Schiedsrichter am CAS.
Alle Schiedsrichter, die ich kenne, sind auch ausserhalb des
CAS beruflich tätig, sei es als Anwälte, Professoren oder in
sonstiger Funktion. Worin sich die Schiedsrichter unterscheiden,
ist sicherlich die Intensität, mit der sie Schiedsrichtermandate
vor dem CAS wahrnehmen. So gibt es Schiedsrichter, die öfter
und solche, die weniger häufig tätig sind. Das ist in der Sportschiedsgerichtsbarkeit nicht anders als in der Handelsschiedsgerichtsbarkeit. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Das
hängt etwa von der Expertise des jeweiligen Schiedsrichters ab,
den sprachlichen Fähigkeiten, aber auch von der zeitlichen
Verfügbarkeit des Schiedsrichters. Wer z.B. Vollzeitprofessor
ist, steht für Schiedsverfahren bei weitem nicht im selben Masse
zur Verfügung wie ein Anwalt.
In der Literatur wird immer wieder angedacht, den CAS zu
"professionalisieren" und nur noch solche Leute auf die
Schiedsrichterliste zu nehmen, die ausschliesslich die Tätigkeit
als CAS-Schiedsrichter ausüben. Damit würde freilich der
Kreis potentieller Schiedsrichter deutlich verkleinert. Hintergrund des Vorschlags ist, dass man zu einer (noch) einheitlicheren Rechtsprechung gelangen will. Ich meine, dass man
dieses Ziel auch anders erreichen kann, ohne die rechtliche
und kulturelle Vielfalt aufzugeben, die den CAS auszeichnet
und die letztlich auch für die Fortentwicklung des Sportrechts
notwendig ist. Ich stünde dann für ein solches Schiedsgericht
nicht mehr zur Verfügung, denn vor die Wahl gestellt, Professor
an der Universität Zürich oder ausschliesslich Schiedsrichter
beim CAS zu sein, würde ich mich (freilich nicht ganz ohne
Wehmut) fürs Erstere entscheiden.
Professor Dr. Ulrich Haas (*1964) ist seit Januar
2008 als Professor für Zivilverfahrens- und Privatrecht an der Universität Zürich tätig.
Nach Studium an den Universitäten Regensburg und
Lausanne promovierte und habilitierte er an der
Universität Regensburg und war sodann Professor an
der Martin Luther-Universität in Halle und später an
Die Tätigkeits- und Forschungsschwerpunkte von
Prof. Haas liegen im (internationalen) Zivilverfahrensrecht (einschliesslich Schiedsgerichtsbarkeit), im
Unternehmensinsolvenzrecht sowie im Sportrecht. In
diesen Bereichen ist er durch zahlreiche Veröffentlichungen ausgewiesen und seit vielen Jahren als
Gutachter bzw. Schiedsrichter tätig.
Ulrich Haas ist unter anderem Schiedsrichter am
Court of Arbitration for Sport (CAS), dem Deutschen
Sportschiedsgericht und der Deutschen Institution
für Schiedsgerichtsbarkeit eV (DIS). Darüber hinaus ist
er Mitglied verschiedener Verbandsgerichte.
Über wen „richten“ Sie eigentlich?
Eine breite Palette unterschiedlicher Parteien treten vor dem
CAS auf. Es kann sich dabei beispielsweise um Athleten und
Spielervermittler, Clubs bzw. Vereine, nationale oder internationale Sportorganisationen einschliesslich dem Internationalen Olympischen Komitee oder aber auch um Sponsoren,
Fernsehanstalten oder Hersteller von Sportausrüstung handeln.
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Voraussetzung ist
lediglich, dass zwischen den Parteien eine Schiedsvereinbarung besteht, welche die Zuständigkeit des CAS vorsieht und
dass die Streitigkeiten irgendeinen Bezug zum Sport aufweisen.
Letzteres Merkmal wird in aller Regel aber weit ausgelegt.
Wie sieht der Ablauf eines Verfahrens vor dem CAS aus?
Das Verfahren lässt sich grob gesprochen in fünf verschiedene
Abschnitte gliedern. In der ersten Phase, der Initialphase, wird
das Verfahren eingeleitet, die Kostenvorschüsse eingezahlt und
der Gegenstand des Verfahrens festgelegt. Nach der Initialphase
folgt sodann die so genannte Bestellungsphase. Jetzt wird das
Schiedsgericht gebildet, d.h. die parteiernannten Schiedsrichter
bestätigt und der Obmann des Schiedsgerichts ernannt.
Mitunter kommt es auch vor, dass ein Schiedsrichter abgelehnt
wird. Dann muss in diesem Abschnitt des Verfahrens auch
über das Ablehnungsgesuch entschieden und – u.U. ein neuer
Schiedsrichter bestellt werden. Ist die Bestellungsphase abgeschlossen, übersendet der CAS die Akten an die Schiedsrichter.
Jetzt liegt das Verfahren in den Händen derselben und es
beginnt die dritte Phase des Verfahrens, die Instruktionsphase.
Diese dient dazu, die – in aller Regel stattfindende – mündliche
Verhandlung so vorzubereiten, dass lediglich eine solche
mündliche Verhandlung (gegebenenfalls auch über mehrere
Tage) notwendig ist. Das Schiedsgericht ordnet zu diesem
Zweck etwa Schriftsatzwechsel an, stellt Fragen an die Parteien, ordnet die Vorlage von Urkunden an oder bestellt Sachverständige. Letztlich werden hier alle sachdienlichen Anordnungen
getroffen, um die mündliche Verhandlung schnell und effizient
durchzuführen. Ist die Instruktionsphase abgeschlossen, werden
die Parteien zur mündlichen Verhandlung geladen und es
beginnt die 4. Phase des Verfahrens. Hier haben die Parteien
die Möglichkeit, zum rechtlichen und tatsächlichen Vorbringen
der anderen Partei noch einmal Stellung zu nehmen. Ausserdem
wird in der mündlichen Verhandlung auch die Beweisaufnahme
durchgeführt. Mit Abschluss der mündlichen Verhandlung
beginnt das letzte Verfahrensstadium, nämlich die Fällung des
Schiedsspruchs. Dem geht in jedem Fall die Beratung unter
den Schiedsrichtern voraus. Sodann muss der Schiedsspruch
abgefasst, geprüft und schliesslich den Parteien zugestellt werden.
Wie ist das Verhältnis vom CAS zu staatlichen
Gerichten?
Das Verhältnis ist von gegenseitigem Respekt getragen. Die
Gerichte akzeptieren die Schiedsgerichtsbarkeit als parteiautonome Alternative und die Schiedsgerichte sind darum bemüht,
nur Schiedssprüche zu erlassen, die der – zugegeben sehr eingeschränkten – Kontrolle durch die staatlichen Gerichte
standhält. Es ist insbesondere diese Art der Zusammenarbeit
und des gegenseitigen Respekts, der die Schweiz zu einem
weltweit attraktiven Schiedsplatz macht.
Werden die Entscheide von den
Parteien jeweils akzeptiert?
Natürlich fällt die Akzeptanz immer derjenigen Partei leichter,
die im Verfahren obsiegt hat. Wer verliert schon gerne und
bezahlt auch noch Geld dafür? Insgesamt aber ist die Akzeptanz hoch. Viele Parteien sind nämlich froh darüber, dass man
sich mit ihrem Begehren ernsthaft und im Detail auseinandersetzt und dass sie die Möglichkeit hatten, in einem fairen
Verfahren ihren Standpunkt zu artikulieren. Viele sind auch
ehrlich genug, zu erkennen, dass ein Fall in rechtlicher und
tatsächlicher Hinsicht unterschiedliche Entscheidungsoptionen
eröffnet, in den seltensten Fällen also eindeutig ist. Es gibt aber
auch einen immer grösser werdenden Anteil von Parteien, die
nicht bereit sind, die Entscheidung hinzunehmen. Die
Beschwerden am Bundesgericht gegen Entscheide des CAS
haben in den letzten Jahren jedenfalls merklich zugenommen.
Das hat nur bedingt etwas damit zu tun, dass das Verfahrensaufkommen beim CAS gestiegen ist. Hinsichtlich der Gründe
«In sportbezogenen
Sachverhalten ist die
alternativlos.»
nicht nur einheitlicher Regeln, sondern auch der einheitlichen
Rechtsanwendung und -durchsetzung. Dies kann in einem
globalisierten Umfeld wie dem Sport nur die Schiedsgerichtsbarkeit gewährleisten. Darüber hinaus trägt die Sportschiedsgerichtsbarkeit auch viel zur Rechtsfortentwicklung auf dem
Gebiet des Sportrechts bei, denn die weit überwiegende Zahl
der Entscheide des CAS wird veröffentlicht und in der Literatur
(und sonstigen Rechtsprechung) kommentiert und begleitet.
Wie oft kommen Sie als Schiedsrichter zum Einsatz?
Die Zeit, die ich für Schiedsverfahren zur Verfügung stellen
kann und will, ist beschränkt, denn in erster Linie bin ich ja
Professor hier an der Universität Zürich und diesen Beruf übe
ich gerne und mit Leidenschaft aus. Daher gibt es sicherlich
eine ganze Reihe Schiedsrichter beim CAS, die sehr viel mehr
Fälle bearbeiten als ich. Über Zahlen, wie viele Verfahren ein
durchschnittlicher oder der meistbeschäftigte Schiedsrichter
bearbeitet, verfüge ich nicht. Ich freue mich jedenfalls über das
Privileg, an dem ein oder anderen spannenden Verfahren mitwirken zu können. Für meine wissenschaftliche Arbeit ist
jedenfalls der Blick in die Praxis und hinter die Kulissen von
Was war bisher Ihr spannendster Fall?
Wo sehen Sie Vorteile und
Chancen der Schiedsgerichtsbarkeit?
Der Schiedsgerichtsbarkeit werden immer wieder folgende
Vorteile nachgesagt: Schnelligkeit, grosser Sachverstand der
Schiedsrichter, niedrigere Kosten, Vertraulichkeit des Verfahrens und auch grössere Befriedungsfunktion und Akzeptanz.
Ich glaube nicht, dass man das so generell sagen kann. Vielmehr
kommt es auf die Umstände des Einzelfalles, insbesondere die
Schiedsrichter, das Schiedsgericht, das rechtliche Umfeld, in
welches das Verfahren eingebettet ist, aber auch auf die von
den Parteien verfolgten Ziele an. In sportbezogenen Sachverhalten jedoch ist die Schiedsgerichtsbarkeit alternativlos. Für
alle Teilnehmer am organisierten Sportgeschehen einheitliche
Bedingungen lassen sich nur herstellen, wenn die Streitigkeiten
den staatlichen Gerichten entzogen sind. Das lässt sich vielleicht an folgendem Beispiel verdeutlichen. Ein Sportler in
Australien unterstellt sich nur deshalb den Dopingbestimmungen, weil er seinen französischen Wettbewerber in gleicher
Weise gebunden glaubt. Was passiert nun aber, wenn der französische Richter eine wegen der Einnahme einer verbotenen
Substanz verhängte Dopingsanktion für unwirksam hält, der
australische Kollege aber in Anwendung des australischen
Rechts für den australischen Athleten zum genau gegenteiligen
Ergebnis gelangt? Gleiche Wettkampfbedingungen bedürfen
Fälle können aus unterschiedlichen Gründen spannend sein,
etwa aufgrund der Schiedsrichter, die an dem Verfahren mitwirken. In dem Zusammenhang habe ich viele beeindruckende
Persönlichkeiten kennen gelernt, von denen man viel lernen
kann. Ein Fall kann aber auch spannend sein aufgrund verfahrensrechtlicher Fragestellungen. So hatte ich beispielsweise
einmal darüber zu entscheiden, ob und inwieweit aufgrund
von Bedrohungsszenarien die Identität von Zeugen im Rahmen
der Beweisaufnahme geschützt werden kann bzw. muss oder
ob und inwieweit illegal erlangte Beweismittel im Rahmen der
Beweisaufnahme berücksichtigt werden dürfen.
Aber auch aufgrund der am Streit beteiligten Personen kann
ein Fall interessant sein. Viele Sportstars etwa pflegen von sich
ein gewisses Bild in der Öffentlichkeit. Treten sie dann in dem
Schiedsverfahren als Partei oder Zeuge auf, wirken sie zumeist
ganz anders. Mitunter ist es dann spannend zu sehen, wie weit
Schein und Wirklichkeit auseinander liegen. Am eindrücklichsten fand ich aber wohl bislang die Schiedsgerichtstätigkeit
bei den Olympischen Spielen. Der Druck, innerhalb von 24
Stunden ab der Einreichung der Klage zu einer guten Entscheidung zu gelangen, ist gerade bei komplexen Fragestellungen
eine grosse Herausforderung und Verantwortung. Auch sieht
und spürt man unmittelbar die Auswirkungen der Entscheidung, die ja sofort umgesetzt wird. Diese Arbeit in einem
Team von Mitschiedsrichtern war für mich bislang wohl die
eindrücklichste Erfahrung im Zusammenhang mit dem CAS.
Regulatory & Compliance bei KPMG
Nicolas Kilchenmann, Master of Law der Universität Fribourg, arbeitet bei KPMG im Bereich Audit Financial Services
Regulatory & Compliance in Zürich. Für den Jus-Absolventen bietet dieser Bereich die richtige Mischung aus Jus
und Wirtschaft und darüber hinaus spannende Karriereperspektiven.
Wie müssen wir uns deinen Job vorstellen?
Was hat für dich den
Ich bin bei KPMG im Bereich Regulatory & Compliance
tätig. Hier prüfen wir, ob unsere Kunden die gesetzlichen
Bestimmungen einhalten. Meine Aufgaben beinhalten eine
Mischung aus juristischer und wirtschaftlicher Tätigkeit. Ich
selber arbeite im Team Geldwäscherei. Hier führen wir z.B.
Sonderprüfungen durch, die von der FINMA (Finanzmarktaufsicht) verlangt werden oder unterstützen unsere Kunden bei aufsichtsrechtlichen Fragestellungen.
Ausschlag gegeben,
dich für KPMG zu
Vor allem das Zusammenspiel zwischen Jus und BWL finde
ich spannend. Besonders reizt es mich, die theoretischen
Aspekte, welche wir im Studium gelernt haben, anwenden zu
können. Besonders interessant ist die Kundenarbeit. Wir führen
viele Gespräche auch mit höheren Senioritäten – man muss
offen sein und gerne auf Leute zugehen können. Meist sind die
Kunden aber sehr angenehm.
Das Stelleninserat klang
Ausschlaggebend war aber
das persönliche Interview.
Neben dem HR-Verantwortlichen habe ich den
Partner aus dem Bereich
kennenlernen dürfen und
fühlte mich gleich sehr
wohl. Das Gespräch war professionell und gleichzeitig sympathisch und persönlich. Das hat mich überzeugt.
Was ist die grösste Herausforderung in deinem Job?
Einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht. Das ist sehr abhängig
vom jeweiligen Mandat. Die ersten 8 Monate war ich auf
einem Secondment bei der FINMA. Hier habe ich einen guten
Einblick in die Anwendung von Gesetzen bekommen und
konnte mir auch ein tolles Netzwerk aufbauen. Zur Zeit arbeite
ich auf kleineren Mandaten, manchmal auch alleine. Das ist
toll – ich bin sehr eigenverantwortlich und kann mir die Zeit
selbst einteilen. Ich lerne jeden Tag Neues dazu.
Da wir nicht nur für einen Kunden, sondern für viele arbeiten
ist die Einarbeitung bei einem neuen Kunden immer sehr
spannend. Alles ist immer neu und man muss sehr flexibel
sein. Es wird von mir erwartet, dass ich immer gut vorbereitet
bin und über aktuelle Entwicklungen orientiert bin.
Unterstützt KPMG dich in deiner Weiterbildung?
Für mich persönlich und für KPMG ist es wichtig, dass wir uns
stetig weiterentwickeln. Damit ich immer up to date bin, besuche
ich regelmässig externe Seminare zu Compliance-Themen.
Diese werden zeitlich und finanziell von KPMG unterstützt.
Mein Ziel ist, an der Universität Zürich noch den LL.M. Internationales Wirtschaftsrecht zu absolvieren, welcher mir in
meiner persönlichen Karriere sicherlich hilfreich sein wird.
058 249 53 39
Fabio Andreotti und Juan Armas Pizzani
Die Reform ist tot, es lebe die Reform!
Die Kritik am Bolognasystem war unüberhörbar.
Für die Zukunft fragt man sich, ob und in welchem Umfang das revidierte Studium
auf die Zustimmung der Studierenden an der RWF stossen wird.
Im folgenden Artikel wird die „Innensicht“ von Fabio Andreotti als Studierendenvertreter
und die „Aussensicht“ von Juan Armas Pizzani als betroffenem Studenten vertreten.
Als einer der beiden Vertreter der Jus-Studierenden in der
Fakultät bin ich mitverantwortlich für das Resultat der Revision
der Bolognareform. Bereits unsere Vorgänger waren sich einig,
dass insbesondere der Bachelor entschärft werden muss. Wir
vermuten, dass die Mehrheit der Studierenden auch dieser
Meinung ist; auch die Ansicht vieler Professoren ging in diese
Richtung. Zu viele Fächer mit zu umfangreichem Stoff, verbunden mit Klausuren in zu kurzen Zeitabständen, lösten einen
immensen Leistungsdruck aus. Die Problematik gipfelte in,
verglichen mit anderen Fakultäten, tieferen Noten!
Nun ist es endlich soweit – die fällige Revision wurde im Frühling von der Fakultät verabschiedet und vom Universitätsrat
im August genehmigt. Damit steht der Einführung im Herbst
2013 nichts mehr im Weg. Ursprünglich war die Revision
bereits für das Herbstsemester 2012 geplant, jedoch war
damals die Einigkeit unter den Fakultätsmitgliedern zu klein
bzw. die Uneinigkeit zu gross. Die heutige Revision ist – in
guter Schweizer Manier – ein Kompromiss, nicht viel Top
Down, mehr Bottom Up. Die Professoren setzten sich zu Recht
für ihre Fachgruppen und Module ein. Aber auch die Studierendenvertreter trugen ihren Teil bei. Dazu möchte ich kurz
Die Revision könnte in fünf Hauptteile unterteilt werden:
1. Bei der Auswahl der im Bachelor angebotenen Module
wurde der Schwerpunkt verstärkt auf die „Grundlagenfächer“
des Rechts gelegt. So kommt den Kernkompetenzen im öffentlichen und internationalen Recht sowie im Privat- und Strafrecht eine grössere Gewichtung zu. Viele „spezialisierende“
Module werden in den Master verschoben. Damit einhergehend wurde die Anzahl Prüfungen spürbar reduziert, von 24
auf 17 Klausuren. Das Assessment umfasst nur noch 6 Module.
Die „Einführung in die Rechtswissenschaft“ entspricht nun
dem ihr eigentlich zukommenden Einführungscharakter, indem
das Modul – hoffentlich – durch einen mehrfach wiederholbaren
Online-Test abgeschlossen werden kann.1 In der Aufbaustufe
wird vermehrt mit unechten Verbundprüfungen (z.B. Konkursrecht und Medizinrecht in einer Prüfung) gearbeitet, damit
die Studierenden straffer studieren können und nicht durch
die unzähligen 3-ECTS-Module daran „gehindert“ werden.
Zudem wird nur noch eine Bachelorarbeit statt deren zwei
verlangt. Die Ausschlusslisten des Dekanats geben schliesslich
Aufschluss darüber, welche neuen Module nach Bestehen der
alten Module mit identischem oder ähnlichem Inhalt
noch(mals) absolviert werden dürfen und welche vom individuellen Curriculum „ausgeschlossen“ werden (vgl. Merkblatt
zur Übergangsregelung). Damit haben wir in diesem Bereich
die Hauptanliegen der Studierenden realisieren können.
2. Im Bachelor gibt es grundsätzlich nur noch Jahresprüfungen, jeweils im Sommer. Anders als bisher soll den
Studierenden mehr Zeit für die Vertiefung bei gleich bleibender
Stoffmenge verbleiben. Diese Änderung nähert den Bachelor
dem Lizentiat wieder etwas an. Auf der Masterstufe gibt es
weiterhin Semesterprüfungen. Dies ist geboten, weil die Module
spezialisierter und daher weniger umfangreich sind. Die
Jahresprüfungen waren nicht eine Forderung seitens der
Studierenden, verbunden mit der angestrebten Vertiefung der
Kernkompetenzen sind sie aber stimmig. Unsere Kritik bezog
sich denn auch nur auf die bloss jährliche Wiederholbarkeit
nicht bestandener Prüfungen in der Assessment- und Aufbaustufe.2 Immerhin – und dies reduziert die mit Jahresprüfungen
verbundene Härte – können die Studierenden bereits mit ihren
Masterarbeiten beginnen, ohne dass deren Punkte in die
bereits heute gültige Übergangsregelung von 18 ECTS fallen
(§ 20 RVO). Zudem wird es nach Aussage des Dekanats möglich bleiben, im Herbstsemester abzuschliessen, falls nur noch
Fallbearbeitungen oder andere schriftliche Arbeiten (Bacheloroder Masterarbeit) geschrieben werden müssen.3 Hier wird es
wichtig sein, dass Fallbearbeitungen und Seminararbeiten
weiterhin auch im Herbst angeboten werden.
3. Die Assessmentstufe wird mit dem Herbstsemester 2013
zu einer echten Aufnahmephase, in welcher „nicht geeignete“
Studierende sich entscheiden sollen, das Jus-Studium nicht
weiterzuführen – so wenigstens in der Theorie. Einerseits können
die Module nur noch einmal wiederholt werden, mit Ausnahme
der Fallbearbeitung. Andererseits – und das ist unseres Erachtens die einschneidende Neuerung – können Studierende nicht
wie heute einfach weiterstudieren, wenn sie Prüfungen der
Assessmentstufe nicht bestanden haben. Diese Regel gilt immerhin dann nicht, wenn bloss eine Prüfung nicht bestanden wurde.
In diesem Fall dürfen Studierende Module der Aufbaustufe im
Umfang von 18 ECTS buchen (§ 15 RVO). Zusammen mit
der Einführung der Jahresprüfungen hat die Fakultät damit
eine deutliche Verschärfung gegenüber der heutigen Lösung
durchgesetzt. Die beiden Studierendenvertreter waren vehement
gegen eine Regelung dieser Art. Noch unklar, aber sehr
wünschenswert wäre, dass Bachelorarbeiten bereits geschrieben
werden können, ohne dass deren Punkte in die Übergangsregelung der 18 ECTS-Punkte fallen.
4. In der Aufbaustufe sind nur noch 6 Fehlversuche zugelassen (§ 32 Abs. 1 RVO). Dass die Anzahl an Fehlversuchen
gesenkt werden muss, war von Anfang an klar. Doch sollte die
Senkung aus Sicht der Studierendenvertreter nicht so drastisch
ausfallen. Leider blieben unsere diesbezüglichen Einwände
ungehört. Zumindest ein kleiner Trost bleibt: Mit dem Übertritt ins neue System werden (auch wegen dem Übertritt) alle
bisher angehäuften Fehlversuche im Bachelor gelöscht. In der
Aufbaustufe gilt weiterhin die zweimalige Wiederholungsregel,
und im Master ist weiterhin die 30 Punktefehlerregel relevant,
neu aber kombiniert mit einer bloss einmaligen Wiederholbarkeit
der jeweiligen Modulprüfungen (§ 33 Abs. 3 RVO).
5. Im Gegensatz zum Wechsel vom Lizentiat zu Bologna
2006 werden ab Herbst 2013 alle Studierenden nach der neuen
Ordnung studieren. Zugegeben, dies führt zu Friktionen für
einige Studierende der aktuellen Jahrgänge. So können die
jetzigen „Drittsemester“ ihre Prüfungen im Öffentlichen
Recht II und Zivilverfahrensrecht nur noch im Sommer ablegen, was zu einer höheren Belastung in dieser Phase führen
kann (vgl. die Musterstudienplan-Varianten für Studierende
des zweiten Jahres). Für die heutigen Assessmentstudierenden
hingegen wurde mit der Übergangsregelung des Dekanats eine
angemessene Ordnung geschaffen.4 Die Fakultät gewährt
allen „Wechslern“, unter Vorbehalt der Ausschlusslisten, vollständige Gestaltungsfreiheit (z.B. ist die Wahl des Zusatzmoduls OR AT freiwillig!) für die fehlenden ECTS-Punkte bis
zum erfolgreichen Abschluss des Bachelors. Es können sogar
eigentlich nicht erforderliche Wahlpflichtmodule bereits heute
absolviert werden, welche beim Übertritt vollständig an den
Abschluss angerechnet werden (sog. vorgezogene Wahlfreiheit).
Dazu kommt, was selbstverständlich ist, die vollständige
Anrechnung aller bereits abgeschlossenen Module, auch wenn
sie im neuen System nicht mehr oder erst auf Masterstufe
angeboten werden. Mit diesen beiden Grundsätzen versucht die
Fakultät, mögliche Härten zu vermeiden. Wir sind überzeugt,
dass das Dekanat sich in Einzelfällen kulant zeigen wird.
Neben der eigentlich Revision wurde auch die Anzahl ECTS
für Masterarbeiten reduziert, nämlich von 30 auf 18 ECTS (§
21 Abs. 3 RVO). Diese Neuerung liegt im Interesse sowohl der
Studierenden, welche für die übrigen 12 Punkte die Wahl
zwischen schriftlichen Arbeiten oder anderen Leistungsnachweisen haben, als auch der Lehrstühle, welche deshalb voraussichtlich mit weniger Arbeit belastet sein werden. Trotzdem
hat die Fakultät eine Tür für angehende „Forschende“ weit offen
gelassen: Über die obligatorischen 18 ECTS Punkte hinaus
können wir – z.B. im Master of Law UZH (ohne Schwerpunkt) – weitere Arbeiten im Umfang von bis zu 60 ECTS
schreiben – dies entspricht nämlich dem maximalen Umfang
des Wahlpools. Damit wäre ein „publizistischer“ Master (von
90 deren 78 ECTS durch schriftliche Arbeiten) möglich!
Die Erwartungen an den revidierten Studiengang waren von
allen Seiten hoch. Umso schwieriger war es, die Interessen der
Studierenden in allen Belangen durchzusetzen. Mit der Revision
gehen wir aber meiner Meinung nach in die richtige Richtung.
Dafür ist allen Beteiligten zu danken. Das Studium an der
RWF wird ab Herbst 2013 logischer und strukturierter. Mit
der Schwerpunktsetzung auf den „Kernfächern“ des Rechts
wird – gerade auch im Hinblick auf das Anwaltsexamen – ein
Grundstock gelegt, der jedem Juristen keinesfalls fehlen darf.
Eine ähnliche (verstärkte) Grundlagenausrichtung des Masters
wäre ebenfalls wünschenswert.
1 Die Frage der Art und Weise der Wiederholbarkeit der
Prüfung ist noch nicht geklärt.
2 Insbesondere gegen die jährliche Wiederholungsregel hat
der Circolo Giovani Giuristi, die Vertretung der Tessiner
Juristen an der UZH, eine Petition eingereicht.
3 Zu allgemein häufigen Fragen hat das Dekanat ein FAQ
online veröffentlicht.
4 Erst für die Assessmentstudierenden mit
Studienbeginn im HS13 gelten die verschärften
Übergangsbestimmungen (§ 15 RVO).
Outside Juan Armas Pizzani
Anders als mein Kommilitone habe ich nicht selbst an der
Reformierung der Rahmen- und Studienordnung teilgenommen. Vielmehr betriff t mich diese insofern, als ich im Bachelor
unter die Übergangsbestimmungen falle und gleichzeitig am
neuen Masterprogramm teilnehmen werde. Meine Perspektive
bezieht sich also weniger auf die Konstruktion des neuen
Programms, als vielmehr auf dessen Folgen im Studienalltag.
BLaw Rev 13
Insbesondere im Bachelor werden zahlreiche Änderungen
eingeführt. Meines Erachtens sind sie für die Studierenden in
ihren positiven Bereichen, bis auf einige wenige Ausnahmen,
rein formeller Natur. Diese Kritik bezieht sich insbesondere
auf die behauptete «Entschlackung» des BLaw, welche zu einer
Senkung der Anzahl Prüfungen geführt habe. Dies mag
zahlenmässig stimmen - inhaltlich sind die Anforderungen
jedoch in etwa die gleichen. Von einer deutlichen Senkung des
Leistungsdrucks kann keine Rede sein.
Obwohl sich Jahresprüfungen meiner juristischen Studienerfahrung nach positiv auf das tatsächliche Verständnis des
Stoffes auswirken sollten, ändert sich an der Leistungsanforderung wenig bis gar nichts. Das zu absolvierende Stoffspektrum
für den Erhalt des BLaw wird nicht grundsätzlich in Frage
gestellt - der Behauptung, die Studierenden würden bedeutend
entlastet, jedoch vehement widersprochen. Es gibt zwar nur
noch einmal im Jahr Prüfungen, diese sind dann aber auch fast
doppelt so umfangreich; es entsteht im Gegenteil noch ein
grösserer Druck. Bei Scheitern ist dem Studiengang unter
Umständen ein ganzes Jahr anzuhängen, nicht wie bisher nur
ein Semester. Dies betriff t insbesondere das Assessement, wie
auch das letzte Jahr des BLaw.
Im ersten Jahr des Assessements kann nur weiterstudiert werden,
wenn ca. 70% aller ECTS bestanden sind und dies nur im
Rahmen von maximal 18 ECTS der Aufbaustufe (nRVO1 § 15).
Werden die Module der Aufbaustufe bestanden, ein Teil der
Assessmentstufe aber wiederum nicht, wäre demzufolge gar
noch einmal ein Jahr anzuhängen. Dem kommt [nRVO § 32 I]
zuvor, indem der entsprechende Student nach 2 Jahren vom
Studium der Rechtswissenschaften ausgeschlossen wird. So
soll verhindert werden, dass ungeeignete Personen zu lange im
Studium verbleiben.
Im letzten Jahr des BLaw, bezogen auf das Regelcurriculum
(nRVO §4 I), kann eine ähnliche Problematik entstehen. Da
die jeweilige Prüfungslast pro Session nun 60 ECTS und nicht
wie bisher 30 ECTS ausmacht, wird es wahrscheinlicher, dass die
Übergangsgrenze von 18 ECTS in die Masterstufe [nRVO § 20]
nicht erreicht wird. Wird sie erreicht, können nicht mehr als
30 ECTS der Masterstufe in Form von Modulen gebucht
werden. Gibt es hier wiederum auch nur einen einzigen Fehlschlag in den Bachelorprüfungen, ist ein weiteres Jahr anzuhängen, ohne die Möglichkeit zu haben, weitere Module der
Masterstufe zu absolvieren. Gäbe es Repetitionsprüfungen
wenigstens für Studenten, die sich schon für den ordentlichen
Termin angemeldet hatten, könnte man den Leistungsdruck
zumindest in dieser Hinsicht etwas entschärfen.
Eine weitere Belastung ist der Umstand, dass die Anzahl der
Fehlversuche im BLaw stark reduziert wurde. In der Aufbaustufe angekommen, darf maximal jede zweite Prüfung einmal
nicht bestanden werden, um nicht die Gesamtanzahl Fehlversuche von 6 (nRVO §32 I) zu überschreiten. Dies, obwohl die
Prüfungen nach neuer Ordnung in der Regel fast doppelt so
viel Stoff aufweisen wie diejenigen nach alter Ordnung2.
Übergangsbestimmungen BLaw - BLaw Rev 13
Die Studierenden, welche vor dem HS13 angefangen haben,
aber noch im BLaw studieren, werden automatisch ins neue
BLaw - System überführt (ÜR3 2.1). Als damals beim Lizentiat
auf das völlig neue Bologna - System gewechselt wurde, sind
beide Systeme parallel geführt worden und ein Übertritt war
freiwillig (s.o. Ausführungen Fabio Andreotti).
Als «Gegenleistung» dafür, dass keine Wahlfreiheit zwischen
der alten und neuen Ordnung besteht, werden unter anderem
sämtliche bisher angesammelten Fehlversuche gestrichen (ÜR
2.6). Zudem besteht im eingeschränkten Rahmen einer Sperrliste Wahlfreiheit bzgl. der noch zu absolvierenden Module
unter Beachtung der zu erreichenden 180 ECTS (ÜR 2.3.2 I
i.V.m. 2.4).
Einerseits ist es nun teilweise möglich, trotz der Sperrliste einige
Fächer doppelt zu absolvieren: bspw. können die Module
Europarecht 1, Völkerrecht 1 und Internationales Privatrecht
absolviert werden, ohne dass man vom neuen Fach «transnationales Recht» gesperrt wird, obwohl auch da dieselben 3
Fächer geprüft werden (ÜR 2.4, Liste). Des Weiteren können
im Rahmen von 27 ECTS Fallbearbeitungen und / oder
Seminare geschrieben werden.
Andererseits wurde schon vorab von der Fakultät darauf
verwiesen, dass ein entsprechend «vereinfachter» Studienabschluss vor einem HR - Gremium wohl (zu Recht) kein
gutes Bild des entsprechenden Bewerbers abgeben würde.
Letzten Endes sind die Studenten zu ihrem eigenen Wohl also
gehalten, die Pflichtfächer ordnungsgemäss abzuschliessen
und nicht etwa wesentliche Kernpunkte des BLaw mithilfe der
Übergangsregelung zu umgehen. Dies heisst natürlich wiederum, dass die «Wahlfreiheit bezüglich der restlichen für den
Studienabschluss erforderlichen ECTS Credits» (ÜR 2.3.2)
eher eine virtuelle als eine reale ist. Die Wahlfreiheit wird
insbesondere auch dadurch eingeschränkt, dass die Sperrliste
mit einigen Ausnahmen (s.o.) doch ziemlich umfangreich ist.
Ein weiterer zu beachtender Punkt der Übergangsregelung
besteht darin, dass ab dem HS 2013 keinerlei Prüfungen zu
den vorherigen Modulen mehr abgelegt werden können - auch
nicht im Rahmen von Wiederholungen (ÜR 5.6).
Für Studierende, welche im HS11 angefangen haben, führt
dies dazu, dass sie antizyklische Module zyklisch besuchen
müssen, wollen sie dem Regelcurriculum der aRO3 annähernd
Folge leisten. Da sie in ihrem Leistungsausweis die üblichen
Pflichtmodule ausweisen können sollten (s.o.), sind sie faktisch
dazu gezwungen.
Die Übungen werden bspw. für Öffentliches Recht 2 und teilweise im Zivilverfahrensrecht vor den Vorlesungen besucht.
Wird dies nicht getan, so besteht für die Dauer des Folgejahrs
keine Möglichkeit, diese Prüfungen abzulegen, da ab HS13
automatisch der Übertritt in das neue System erfolgt. Zwar
finden sich auf der Revision 13 - Website des Dekanats4
Musterstudienpläne für ebendiese Fälle, jedoch ist das Ergebnis
Dies erklärt sich damit, dass mit einem so umgebauten Stundenplan die Wahrscheinlichkeit steigt, Prüfungen nicht zu bestehen,
was wiederum zu einem grösseren Druck beim Nachholen im
Folgejahr führt.
wird, weil sie nur noch einmal im Jahr stattfinden und sich die
Studienzeit bei Fehlschlägen jeweils um ein ganzes Jahr verlängern kann, verschärft. Zusätzlich ist die Stofflast während
einer Prüfungssession doppelt so hoch wie bisher - eine
Des weiteren ist auch zu beachten, dass nicht nur «faule» (und
demzufolge «schlechte») Studierende unter der neuen Regelung
zu leiden haben. Viele Studierende müssen sich zumindest
teilweise selbst finanzieren (ca. 75% 5). Ein Wechsel zu Jahresprüfungen könnte einerseits begünstigend wirken, da die
Arbeitstätigkeit auf eine längere Zeitspanne verteilt werden kann.
Andererseits ist jedoch zu beachten, dass der Prüfungsdruck
aufgrund der oben beschriebenen Umstände nicht kleiner
wird - gegebenermassen mit verheerenden Folgen für die
Im vergangenen Oktober, nach der Verabschiedung der Revision
durch den Universitätsrat, hat sich eine Gruppe von Tessiner
Studenten der RWF dazu entschieden, eine Petition einzureichen, sollten nicht erneut Wiederholungsprüfungen am
Ende jedes Semesters stattfinden.
Da die Jahresprüfungen meines Erachtens, nebst der übertrieben
kleinen Anzahl an möglichen Fehlversuchen, den ärgsten und
gefährlichsten Eingriff in das Leben eines Jus - Studenten
darstellen, empfiehlt der Verfasser dieser Zeilen unbedingte
Unterstützung des Antrages zu Semesterprüfungen, sollte eine
bilaterale Lösung dieses Problems nicht möglich sein und
sollte die Petition Erfolg haben.
1 Rahmenverordnung über den Bachelor- und Masterstudiengang sowie die Nebenfachstudienprogramme an der
Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich:
Vorabdruck der am 20. August 2012 vom Universitätsrat ver-
Sowohl unter den Übergangsbestimmungen, wie auch unter
der Revision der Rahmen- und Studienordnung des BLaw haben
betroffene Studierende einige Nachteile gegenüber ihren älteren
Studienkollegen hinzunehmen. Der Druck an den Prüfungen
abschiedeten Rahmenverordnung.
2 Rahmenordnung für das Studium in den Bachelor- und Masterstudiengängen an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät
der Universität Zürich vom 24. Oktober 2005 (RS 4.1.1).
3 Übergangsregelungen für den Bachelor- und den Masterstudiengang sowie für die Nebenfachstudienprogramme an der
Rechtswissenschaftlichen Fakultät vom 03. Oktober 2012.
4 http://www.ius.uzh.ch/studium/revision2013.html
5 http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/15/22/
press.Document.138528.pdf
Mit der Studienrevision werden auch
Jahresprüfungen eingeführt. Ab dem
Herbstsemester 2013 wird es also
nur noch im Sommer Prüfungen geben,
welche auch einen entsprechend
grösseren Stoffumfang haben.
Die Reaktionen der Studenten fallen ganz
unterschiedlich aus und es gibt genügend
Argumente für und gegen Jahresprüfungen.
Schluss mit "Bulimielernen"
Die Stossrichtung der Reform war klar: Eine Reduktion der
Fächer und die Fokussierung auf die zentralen Fächer ist
gewünscht. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Stoff
soll dadurch erreicht werden, dass nur noch am Ende jeden
Jahres Prüfungen stattfinden. Hier könnte entgegen gebracht
werden, dass auch im alten System in fast allen Pflichtfächern
die Vorlesungen während eines Jahres angeboten wurden.
Doch die Erfahrung zeigte ein anderes Lernverhalten.
So hat der Student in aller Regel nur seine nächsten Prüfungen
vor Augen. Im ersten Semester will man Rechtsgeschichte
bestehen und investiert darum weniger Zeit für Fächer wie
Staatsrecht, Privatrecht oder Strafrecht. Im vierten Semester
wurde die meiste Energie für die grosse Prüfung Privatrecht III
aufgewendet. Zivilverfahrensrecht und Öffentliches Recht II
bleiben in diesem Semester auf der Strecke. Im nächsten
Semester wird dann auf diese Fächer gelernt und HaWi und
Strafrecht II kommen zu kurz. Faktisch lernt man für diese
Fächer also nur ein Semester lang wirklich intensiv. Wie gut
der Stoff dann auch Sitzen bleibt, ist bei den Studierenden sehr
unterschiedlich. Bei Studierenden, die die Prüfungen nur
knapp bestehen, sicher nicht lange. Für diese Form des Lernens
hat sich das Unwort „Bulimielernen“ eingebürgert. Kaum
abgefragt – schon wieder vergessen. Gerade bei einem juristischen
Studium steht jedoch das Erkennen von Zusammenhängen
und das vernetzte Denken im Vordergrund.
Wird nur noch einmal im Jahr eine Prüfungsperiode durchgeführt, so sind die Studierenden gezwungen, sich gründlich
und ausgiebig mit dem Stoff zu befassen. Es ist verständlich,
dass eine Aufteilung auf mehrere Prüfungsperioden im ersten
Moment angenehmer für die Studierenden aussehen könnte.
Allerdings kommt hier wieder die Frage ins Spiel, welches Ziel
unser Studium hat. Eines davon ist, die Studierenden auf eine
zukünftige Anwaltsprüfung vorzubereiten. Dort wird auch
erwartet, dass gleichzeitig in einem grossen Gebiet ein umfassendes Wissen präsent ist. Wer sich vom Studium schon
gewohnt ist, sich länger auf eine Prüfungssession vorzubereiten,
ist da im Vorteil.
Die Jahresprüfungen machen unser Studium nicht einfacher.
Doch sind sie ein Element, das uns hilft, einen grösstmöglichen
Nutzen aus dem Studium mitzunehmen.
Befürworter der Jahresprüfungen
freuen sich auf eine besinnliche
Weihnachtszeit ohne Lernstress
Grosse Prüfungen Top, Jahresprüfungen Flop
Neugierig habe ich das Resultat unserer rechtswissenschaftlichen
Bologna-Reform erwartet. Nun publiziert, überzeugt es mich
mehrheitlich: Besonders begrüsse ich die Straffung der Anzahl
Prüfungen, denselben Stoff in weniger, dafür umfassendere
Klausuren zu verpacken. Dies erachte ich als sinnvoll, werden
doch auf diese Weise unter anderem materiell verflochtene
Rechtsgebiete nicht künstlich (oder gar willkürlich) separiert.
Als schwierig und mangelhaft erachte ich jedoch die Idee,
Prüfungen zukünftig als Jahresprüfungen jeweils nur im
Sommersemester durchzuführen:
Einerseits wird belastend sein, den Lernstoff eines ganzen Jahres
innert sehr kurzer Zeit abgefragt zu erhalten. Ich kann mir
vorstellen, dass viele Studierende aus Angst, diese Hürde nicht
überwinden zu können, weniger Module buchen. Deren
Studium wird sich so markant verlängern (um mindestens ein
Jahr) – die neue geringe Anzahl von nur sechs Fehlversuchen
erhärtet diese These.
Weiter schwierig sind die Jahresprüfungen für StudentInnen,
die sich (unter alter Studienordnung) mehr Zeit als die vorgegebenen drei Jahre für den Bachelor eingeplant hatten. Planten
sie vier Jahre ein und kam etwas dazwischen (Krankheit, ein
Praktikum etc.), weshalb sie doch viereinhalb Jahre benötigen,
verlängert sich das Studium noch einmal um ein weiteres halbes Jahr – grosse Prüfungen im Herbstsemester abzulegen,
wird unmöglich. Aber auch StudentInnen unter neuer Studien-
ordnung werden sich zukünftig gut überlegen, ihr Studium ein
halbes Jahr (insbesondere für Praktika, Auslandaufenthalte
etc.) zu unterbrechen: Bedeutet ein halbes Jahr Unterbruch
zukünftig immer ein ganzes Jahr länger studieren? Eine Ausnahme gibt es: im prüfungsfreien halben Jahr werden sämtliche
ECTS-Punkte, die durch das Verfassen von schriftlichen
Arbeiten erlangt werden können, geschrieben. Dies bedarf
jedoch einer weit vorausschauenden Planung.
Schwierig bei nur einmal jährlich stattfindenden Prüfungen ist
schliesslich, sich eine gute Lernstrategie zu erarbeiten. An die
im Gymnasium regelmässig erhobenen Lernkontrollen gewohnt,
werden wohl insbesondere Zweitsemestrige in ihrem ersten
Studienjahr spätestens im letzten Monat vor den Prüfungen
ein Lern-Defizit bemerken: Stoff eines ganzen Studienjahres
individuell aufzuteilen und während neun Monaten konstant
zu erarbeiten, bedarf äusserster Disziplin. In der Lern-Planung
wird die Fakultät deshalb bei Erstsemestrigen eine Aufklärungs- und Unterstützungspflicht haben, möchte sie ihre
Studenten fair an der Universität empfangen.
Nur wenige Juristen vereinen so viele Gegensätze wie Valentin Landmann.
Durch sein Auftreten, seinen Werdegang und seinen juristischen Stil ist er zu einer
Persönlichkeit geworden, deren Bekanntheit längst über die Zürcher Langstrasse hinausreicht.
Er verbindet die Welt der Reichen und Mächtigen scheinbar mühelos mit dem Milieu.
Wie kann er das? Dieses Portrait sucht nach Antworten.
Es ist still an der Möhrlistrasse. Nach nur wenigen Schritten
hat man Zürichs brausenden Morgenverkehr weit hinter sich
gelassen. Rundherum sind Bäume und gepflegte Vorgärten;
einige verschlafene Männer schlurfen der Arbeit entgegen.
Diese Quartieridylle will so gar nicht zu Zürichs bekanntestem
Milieuanwalt passen. Doch genau hier befindet sich Valentin
Landmanns Kanzlei.
Was einst als ungewisse Mission in einem Hinterzimmer eines
Berufskollegen begann, ist nun zu einem stattlichen Unternehmen mit sieben Anwälten geworden. Landmann hat Erfolg –
und doch ist er alles andere als ein typischer Jurist.
klares System präsentierte – eine Art „heile Welt“, wie auch
Landmanns damaliges Umfeld. Er sei in dieser Zeit sehr
konservativ und bieder gewesen, meint er rückblickend: „Wenn
mir damals jemand erzählt hätte, was ich heute in der Praxis
erlebe, hätte ich ihm nicht geglaubt.“
Dies ging sogar so weit, dass er die neue linke Gruppierung
„kritische Jusstudenten“ durch Gründung der noch kritischeren
„Nokis“ übertreffen wollte, was bei den Beteiligten natürlich
überhaupt nicht gut ankam.
Schon äusserlich sieht man seine Ecken und Kanten – ohne
den silbernen Totenkopfanhänger am Gürtel und die Krawatte
mit übergrossem Uhrenmuster geht er nicht vor Gericht. Es
sind Symbole für die begrenzte Lebenszeit, ein Thema, das ihn
generell zu faszinieren scheint. Landmann ist passionierter
Sammler von Uhren, am liebsten mag er kostbare Chronographen vom Uhrenkönig Beyeler. Gleichzeitig hüllt er sich
gerne in Lederjacken wie auch seine bekanntesten Freunde, die
Biker der „Hells Angels“, welche er einmal pro Woche in ihrem
Clublokal an der Langstrasse besucht. Lederjacke und Luxusuhr – Sinnbilder der beiden Welten, zwischen denen sich der
Anwalt stetig hin und her bewegt.
Streberhafte Anfänge
Dieser Wechsel prägte auch Landmanns Biographie. Der Sohn
einer jüdischen Schriftstellerin und eines Philosophen und
Professors begann seine juristische Karriere an der Universität
Zürich, wo er als Streber galt. Während um ihn herum die
68er Revolution tobte, schuftete er sich in sechs (!) Semestern
durch das gesamte Studium – summa cum laude. Dabei faszinierte ihn nicht das Strafrecht, wie mancher nun denken wird.
Vielmehr fühlte er sich im Privatrecht zu Hause. Schon im ersten
Semester besuchte er die OR-Vorlesungen. Es gefiel ihm, wie
der damalige Dozent Prof. Oftinger das Gesetz als nüchternes,
Auch nach dem Lizentiat macht Landmann eine Musterkarriere:
1973 Assistent, 1974 Auditor, 1975 Dissertation – man ahnt es
bereits – ebenfalls mit Prädikat „summa cum laude“. In Folge
findet er eine Stelle als Gerichtsschreiber, 1977 besteht er die
Anwaltsprüfung und bald darauf kommt er zurück an die
Universität Zürich, um seine Habilitation zu schreiben. „Es
machte mir Spass, allen Verästelungen eines juristischen
Themas nachzugehen. Es war auch das, was man uns an der
Universität lehrte“, rekapituliert Landmann, der seit Studienbeginn das Ziel hatte, einmal selbst Professor zu werden.
Streifzüge an der Reeperbahn
Doch dann die Wende: Landmann absolviert den obligaten
Aufenthalt am prestigeträchtigen Max-Planck-Institut in
Hamburg. Stundenlang sitzt er in der grossen Bibliothek und
arbeitet an seiner Habilitation zum Thema Produktehaftung.
Doch da ist auch die andere Seite der Stadt, die Landmann in
ihren Bann zieht: „Ich war schon immer neugierig, wie Gruppierungen funktionieren, die nicht für alles zum Richter rennen
können. Also dachte ich mir, ich besuche mal die Unterwelt“,
begründet Landmann sein Interesse am Milieu, welches ihn
schliesslich an die Hamburger Reeperbahn führte. Das sündige
Treiben an Hamburgs Vergnügungsmeile zieht ihn in seinen
Bann. Landmann passt sein Arbeitsverhalten dem Milieu an.
Von zehn bis fünf Uhr schreibt er im Institut. Anschliessend
legt er sich um sieben Uhr schlafen, um wieder fit zu sein,
wenn er zwischen ein und zwei Uhr morgens zum nächtlichen
Streifzug durchs Rotlichtviertel aufbricht. „Erst wenn die
Leute, die nachts unterwegs sind, Feierabend haben, kann
man vernünftig mit ihnen reden“, erklärt Landmann seinen
«Ich war ein ziemlicher
Kotzbrocken.»
„Sind Sie Gangster?“
Während dieser Zeit trifft Landmann auch zum ersten Mal
auf die Hells Angels: „Ich bekam einen Hinweis, dass die
Angels in der Unterwelt eine wichtige Rollen spielten. Also
besuchte ich eines Abends ihr Clublokal.» Dort stellt er sich
vor einen Typen, dem er ungefähr bis zum Bauch reicht und
fragt ihn: „Sind Sie Gangster?“ Der Mann habe ihn erstaunlicherweise nicht geohrfeigt, sondern angeboten, mit ihm ein
bisschen über die Angels zu plaudern. Landmann ist sich
seines Glücks durchaus bewusst: „Natürlich war meine Frage
total doof. Das hätte auch ins Auge gehen können. An seiner
Stelle wäre ich damals schwer mit mir ins Gespräch gekommen.
Ich war ein ziemlicher Kotzbrocken.“
Diese Version des ersten Aufeinandertreffens mag etwas
unplausibel klingen. Wie auch immer sie zueinander fanden,
mit der Zeit entwickelte sich eine ungewöhnliche Freundschaft
zwischen dem Motorradclub und dem angehenden Professor.
Die rebellischen Angels imponieren Landmann, der sich bis
dahin immer um maximale Anpassung an die bürgerliche
Gesellschaft bemüht hatte.
Was er als Kind nur aus Krimis kannte, erlebt er jetzt dank den
Kontakten zu den Angels hautnah. Die nächtlichen Begegnungen verändern ihn. „In dieser Zeit habe ich die Bereitschaft
gefasst, über die eigene Nase hinauszuschauen“, erinnert sich
Landmann. Doch es ist nicht die etwas ungewöhnliche
Praxiserfahrung, die Landmann letztendlich dazu bringt, die
fast fertige Habilitation dem Reisswolf zu verfüttern.
Als eines Tages die deutsche und schweizerische Justiz einen
Schlag gegen die in seinen Augen völlig friedlichen Angels
durchführt und dutzende Polizisten das Clubhaus stürmen,
sieht Landmann sein bisheriges Weltbild in Trümmern: „Ich
begann gesellschaftliche Mechanismen zu erkennen, die ich
vorher vielleicht auch gar nicht sehen wollte. Die Justiz zog
eine riesige Show mit den Angels ab. Das waren weder das
rechtsstaatliche Deutschland noch die freiheitliche Schweiz,
wie ich sie vorher zu kennen glaubte.“ Er will sich für seine
Freunde einsetzen, realisiert aber, dass dieses Anliegen in
seinem Umfeld nicht immer auf Verständnis stösst.
Gleichzeitig beginnt er auch daran zu zweifeln, ob der Professorenstand wirklich die ideale Laufbahn für ihn sei. Er will
nicht mehr nur den Verästelungen des Gesetzes folgen, sondern
auch aufzeigen, dass im realen Leben nicht immer alles so
funktioniert, wie es im Lehrbuch steht. Gleichzeitig gehörte er
nie zu jenen, die das ganze System infrage stellten. Eine Position,
die es damals so (noch) nicht gab: „Entweder, man war in der
Lehre voll integriert, oder man war gegen alles. Ein Mittelweg
existierte nicht.“
Unter dem neuen Blickwinkel konnte auch die verfasste Habilitation den kritischen Landmann nicht mehr überzeugen:
„Meine Habilitation war nicht schlecht, doch sie vermochte
das Blut nicht von der Strasse aufzuwischen.“
Also entschied er sich für den radikalsten Weg: Er schickte sein
fast fertiges Werk Seite für Seite durch den Schredder. Gleichzeitig vernichtete er auch alle übrigen Notizen, um wirklich
sicher zu gehen, dass er nicht wieder aus Bequemlichkeit zum
vorgespurten Weg zurückkehren würde. Und so kam es auch:
Landmann schrieb seither nie wieder einen Text mit Fussnoten.
Die Reaktionen aus dem Umfeld waren gemischt. Der Habilitationsvater war wütend; es kam zum Bruch. Die Mutter,
welche ihren Sohn über all die Jahre sehr unterstützt hatte, war
anfänglich auch enttäuscht. Laut Landmann habe sie mit der
Zeit jedoch seine Motive verstanden, da sie sich auf ihre Art
ebenfalls stets für die Unterprivilegierten eingesetzt hatte. Sie
lud in den folgenden Jahren sogar „seine“ Angels und ihn zu
sich nach Hause ein, wo sie bei Barbecue und selbstgemachtem
Apfelkuchen spannende Gespräche führten.
Nachdem Landmanns akademische Karriere auf spektakuläre
Weise geendet hatte, musste er sich nach neuen beruflichen
Möglichkeiten umsehen. Wiederum nahm sein Leben eine
überraschende Wendung: Statt nun, wie vielleicht durch die
Ereignisse um die Angels antizipiert, ins Strafrecht zu wechseln,
begann Landmann eine Tätigkeit bei Wenger und Vieli, einer
„seriösen“ Wirtschaftskanzlei.
Das sei schon vor Hamburg so vereinbart gewesen, begründet
Landmann diesen Karriereschritt. Das Interesse am Privatrecht
war schließlich immer noch da, nur wollte Landmann mehr
praktisch arbeiten, was er an der neuen Stelle auch gut konnte.
Schnell erwarb er sich einen guten Ruf, doch sein Engagement
für die Angels macht ihm einmal mehr einen Strich durch die
Während die Strafverfolgung der Zürcher Staatsanwaltschaft
gegen die Bikergruppe in vollem Gange war, begann Landmann immer mehr, öffentlich für seine Freunde Stellung zu
beziehen. „Wenn aus dem braven Wissenschaftler plötzlich ein
Querkopf wird, der sagt, dass die Hells Angels wertvoll für die
Gesellschaft seien, dann kommt das nicht überall gut an“, fasst
Landmann das Problem prägnant zusammen. Der Ruf der
Angels war schon damals schlecht. Doch Landmann doppelte
nach: „Wenn man um 1291 Motorräder gehabt hätte, wären
die auf dem Rütli die Hells Angels gewesen.“ Das war zu viel.
Erziehungsdirektor Alfred Gilgen schrieb Landmann, er solle
bei seiner öffentlichen Unterstützung mehr Zurückhaltung
walten lassen, um nicht den Ruf der Universität zu schädigen.
Darauf gab Landmann sämtliche Lehraufträge an der
Universität ab.
Auch von der Kanzlei trennte sich Landmann in dieser Zeit:
Ihm war klar, dass es sich eine etablierte Wirtschaftskanzlei
nicht leisten kann, dass einer ihrer Anwälte die Hells Angels
öffentlich unterstützt.
Sexualstraftätern schreckte er nicht zurück. So vertrat er
beispielsweise Emil Pinter, einen Psychologen, der sich an
mehreren Patienten vergangen hatte. Daneben beriet er viele
Personen aus dem Milieu.
So half er im Jahr 1992, das erste offizielle Bordell Zürichs
rechtlich zu konzipieren. Als das bekannt wurde, flatterte ein
Brief des Vorstands des Anwaltsverbands ins Haus. Man hätte
ja nichts dagegen, wenn Landmann das unter dem Tisch
machen würde, aber so ganz offiziell schade dies der Reputation
des Berufs. Landmann trat aus dem Verband aus.
«Ich verteidige nicht
eine Tat, sondern
einen Menschen.»
Ein bahnbrechender Freispruch
Also musste Landmann wiederum einen Neuanfang wagen.
Er installierte sein Büro in der Hinterkammer eines befreundeten
Anwalts. Anfangs bestand seine Klientschaft vor allem aus
Exponenten der Wirtschaft, die ihn als Vertreter nicht verlieren
wollten. Andererseits bekam er einige Pflichtverteidigungen
zugeteilt, unter anderem einen auf den ersten Blick hoffnungslosen Mordfall. Landmann überführte die Augenzeugin durch
minutiöse Recherche der Lüge und erreichte einen spektakulären
Freispruch. Das war sein Durchbruch.
Die mediale Berichterstattung über diesen Fall lockte zwar viele
weitere aussichtslose Klienten zu ihm, doch sein Auskommen
war gesichert. Trotzdem musste er juristisch noch einiges
aufholen: „Erst zu diesem Zeitpunkt lernte ich die Schriften
meines ehemaligen Strafrechtsprofessors Noll so richtig schätzen,
während des Studiums war ich noch zu wenig offen dafür.“
Die „landmannsche“ Taktik
Über die Jahre hinweg entwickelte der Anwalt einen eigenen
Stil, der nicht etwa durch ruppiges Auftreten, sondern vielmehr durch konziliantes Vorgehen geprägt ist. Er rät den
Verbrechern, möglichst früh über ihre Taten reinen Tisch zu
machen, ein sog. „landmannsches Geständnis“ abzulegen, um
das Gericht milder zu stimmen.
In seinen Plädoyers versucht er, dem Gericht die humanen
Züge seiner Klienten zu präsentieren, um ihnen ihr „Monsterimage“ zu nehmen. „Ich verteidige nicht eine Tat, sondern
einen Menschen“, sagt er immer wieder, wenn er gefragt wird,
warum er beispielsweise als jüdischer Anwalt eine Naziband
vor Gericht vertritt. Er forscht gezielt nach Brüchen im Vorleben
und nachvollziehbaren Motiven der Täter; schliesslich weiss er
selbst am besten, dass das Leben nicht immer die Wendungen
nimmt, die man erwartet. Er stellt vor Gericht zuweilen auch
die geltende juristische Praxis infrage, in der Hoffnung, vielleicht nicht im aktuellen Fall, aber in der Zukunft etwas
Diese Herangehensweise ist aber nicht immer von Erfolg
gekrönt. Einmal vertrat er einen islamischen Ehrenmörder vor
Gericht, der seine Ehefrau tötete, da sie sich von ihm scheiden
lassen wollte. Er hatte dem Gericht gerade plausibel geschildert, dass die Tat unter nachvollziehbaren Umständen im
Schock geschah und war sich sicher, dass das Gericht ein
gemässigteres Urteil fällen würde. Doch im Schlusswort
erklärte der Täter, kein Gericht könne ihm vorschreiben, wann
er seine Frau umbringen dürfe. Die ganze sorgfältige Arbeit
Landmanns war zerstört: „Ich habe mir im Nachgang furchtbar
Leid getan, doch das ist der falsche Weg. Man darf einem
Mandanten nicht einfach die Schuld zuschieben. Umso mehr
macht es mir Freude, wenn mir mal etwas gelingt.“
In Folge „landete“ Landmann immer wieder spektakuläre Fälle.
Neben den beiden Grossverfahren der Staatsanwaltschaft
gegen die Hells Angels, die nicht zuletzt dank seiner Verteidigung im Sand verliefen, vertrat er einen Beteiligten des aufsehenerregenden Fraumünsterpostraubs sowie Jürg Heer, einen
Bankier, der 55 Millionen Franken veruntreut hatte. Auch vor
Landmann wird oft vorgeworfen, dass er sich zu sehr mit
seinen Mandanten identifiziere, es manchmal nicht schaffe,
die objektive Distanz zu wahren. Dies gilt umso mehr, da er
mit vielen ehemaligen Klienten auch über sein Mandat hinaus
ein freundschaftliches Verhältnis pflegt.
Einmal hätte er deswegen beinahe alles verloren. Um dem
ehemaligen Drogendealer Reinhard Lutz nach der Haft wieder
auf die Beine zu helfen, bot er ihm an, gemeinsam ein Unternehmen für Renovierungsarbeiten zu gründen. Landmann
übernahm sogar ein Verwaltungsratsmandat, um Türen zu
öffnen und stellte dem Klienten ein liechtensteinisches Konto
Doch der ehemalige Häftling, auch „Schneekönig“ genannt,
wurde rückfällig und handelte im grossen Stil mit Kokain. Die
Firma benutzte er, um das ergaunerte Geld zu waschen. Landmann wurde der Beihilfe zur Geldwäscherei beschuldigt und
in Untersuchungshaft gesetzt - ein Schock. „Ich hatte in dieser
Zeit Existenzängste, wusste nicht, ob ich meine Berufszulassung
behalten kann. Der Anwaltsberuf ist mein Leben.“ Auch
körperlich ging es dem Beschuldigten zu dieser Zeit nicht
gut. Er hatte regelmässig Zusammenbrüche, klappte während
Einvernahmen zusammen. Am Ende kassierte er eine bedingte
Strafe. Die Lizenz konnte er behalten. Eine enorme Erleichterung, doch Landmann war finanziell ruiniert. „Die Verteidigung hat alles Ersparte aufgebraucht.“
Nun war wieder einmal ein Neustart gefordert. Doch auch
wenn ihn die Unterwelt beinahe verschluckt hätte, die Kunden
blieben nicht aus.
«Der Anwaltsberuf
ist mein Leben.»
Vom Milieu- zum Medienanwalt
In jüngster Zeit gehörten der Nationalrat Christoph Mörgeli,
die Sozialdepartement-Whistleblowerinnen Wyler und Zopfi,
eine Zeugin im Kachelmann-Prozess sowie der in die Affäre
Hildebrand verstrickte Herman Lei zu seinen Klienten. Es sind
Fälle, die ein grosses Medienecho hervorrufen. Im Gegensatz
zu anderen bekannten Strafverteidigern hat Landmann eine
sehr offenherzige Pressestrategie. Er gibt freimütig über seine
Fälle Auskunft, gewährt mitunter Journalisten sogar Einsicht
in die Verfahrensunterlagen. Das macht ihn zu einer beliebten
Ansprechperson. Nicht allen passt diese hohe Präsenz in
der Öffentlichkeit; mancher empfindet den Anwalt gar als
„mediengeil“.
Landmann bestreitet diesen Vorwurf vehement: „Ich strebe
keine Showberühmtheit an. Im Normalfall versuche ich, die
Öffentlichkeit zu vermeiden. Doch ist die Geschichte erst in
der Presse und wird der Mandant in der Luft zerrissen, sollte
man auch Stellung nehmen.“
Ob er mit seiner offensiven Medienstrategie mehr Erfolg hat,
könne er nicht sagen. Er sei jedoch der Meinung, dass die Pressearbeit auch zur Verteidigung gehöre, sofern der Mandant es
erlaube. Gerade in jüngster Zeit würden vermehrt Klienten
auch aufgrund dieses Knowhows auf ihn zukommen:
„Kürzlich sagte mir jemand, er wolle mich, weil er einen Anwalt brauche, der wisse, wie man durch ein mediales Minenfeld geht.“
Aussage „in einer Art späten Pubertät“ hingefunden hat, ist
zu seiner zweiten Heimat geworden, die er trotz Vorliebe für
Luxus nicht verlassen will. Was halten denn eigentlich die Angels von seinem zuweilen kostspieligen Lebenswandel? „Das
geht ganz gut. Letzthin war ich mit dem Präsidenten der Hells
Angels und dem Chefchirurgen der Bethanien-Klinik in einem
sehr guten Restaurant essen. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend.“ So führt Landmann beide Sphären zusammen.
Doch wohin würde er gehen, wenn er zwischen Unter- und
Oberwelt wählen müsste? „Ich könnte mich nicht entscheiden.
Ich mag beides, mich fasziniert die Vielfalt des Lebens.“
«Man sollte den Studenten
nicht nur das Klavier geben,
sondern auch zeigen, wie
man damit spielt.»
Man wird also noch oft von Landmann hören. Jüngst hat er
wieder einen Lehrauftrag an der Universität Luzern angenommen, wo er über die Kunst der Strafverteidigung doziert: „Man
sollte den Studenten nicht nur das Klavier geben, sondern auch
zeigen, wie man damit spielt.“ Auch sonst ist er umtriebig. Unter dem Übernamen „Qualle“ hält er in der Studentenverbindung Zofingia regelmässig Vorträge. Er verfasste zahlreiche
Bücher über seine Erfahrungen im Milieu. Sein neustes Werk
„Dünnes Eis“ berichtet von Wegen in die Illegalität. Weitere
literarische Werke sind geplant. Er will, dass man sich auch
nach seinem Tod an seine Botschaften erinnert.
Und was möchte er den Studenten mitgeben? „Nehmt euch ein
Ziel vor. Aber behaltet euch auch die Möglichkeit vor, euer
Ziel zu ändern. Hört in euch selbst hinein. Man wird dort sein
Bestes geben können, wo einem die Arbeit am meisten Spass
Einmal Milieu, immer Milieu
Mittlerweile könnte Landmann wohl ohne die Beziehungen
zum Rotlichtviertel leben. Aber der Ort, wo er laut eigener
Flurin Poltera ist Partner und Bereichsleiter M&A Tax Schweiz bei Deloitte.
Als ehemaliger Jus-Student der Universität Zürich spricht er mit uns über
seine Karierre und die Arbeit bei Deloitte.
Herr Poltera, würden Sie uns kurz ihren Werdegang näherbringen? Wo haben Sie studiert und wie kamen Sie zu
An der Universität Zürich habe ich im Jahre 1995 meinen
Abschluss in Jus gemacht. 1998 erlangte ich das Anwaltspatent.
Im darauf folgenden Jahr habe ich mich bei Arthur Andersen
auf das Steuerexperten-Diplom vorbereitet, welches ich dann
2002 erhielt. Zur selben Zeit schloss sich Arthur Andersen mit
Ernst & Young zusammen, wo ich bis im Frühjahr beschäftigt
war. Nach 5 Jahren als Partner wollte ich wissen, ob ich auch
in einem anderen Unternehmen erfolgreich sein kann. Deloitte
kam zum richtigen Zeitpunkt mit einer spannenden Herausforderung auf mich zu.
in einer spannenden Zeit der Aufbruchsstimmung, ich will
dabei mit der Weiterentwicklung des M&A-Steuerteams
meinen Beitrag leisten.
Wie sieht der Alltag in der Taxabteilung bei Deloitte aus?
Im Zentrum steht natürlich die Beratung unserer sehr internationalen Kundschaft. Die Teams sind unterschiedlich
zusammengesetzt, um die konkreten steuerlichen Fragen mit
den geeigneten Spezialisten optimal zu bearbeiten. Häufig
arbeiten wir mit Kollegen aus den Abteilungen Corporate
Finance, Consulting und Audit zusammen. Für die jüngeren
Mitarbeiter ist daneben die Ausbildung zum Steuerexperten
wichtig. Wir setzen primär auf „learning on the job“, legen
aber auch Wert darauf, dass die „Tax Academy“ besucht wird.
Ferner bieten wir regelmässig verschiedene interne Trainings an.
Bei Deloitte leite ich den Bereich M&A Tax Schweiz, den ich
ausbauen und dadurch die Wahrnehmung von Deloitte als
Premium Service Provider verbessern möchte. Zudem bin ich
für die Rekrutierung neuer Mitarbeitenden für die Steuerabteilung in der Deutschschweiz zuständig. Neben diesen offiziellen Funktionen besteht meine Tätigkeit hauptsächlich darin,
Kunden zu betreuen. Um eine optimale Leistung durch ein
motiviertes Team sicherzustellen, bin ich - wie alle Partner Coach verschiedener jüngerer Kollegen, die ich auf ihrem
Karriereweg begleite und unterstütze.
Der Steuerplatz Schweiz steht zur Zeit unter grossem
Druck. Wie äussert sich dies bei Ihrer Arbeit? Glauben
Sie, dass die Schweiz als Steuerdomizil längerfristig
konkurrenzfähig bleiben kann?
Warum haben Sie sich gerade für Deloitte entschieden?
Ich habe verschiedene Partner aus verschiedenen Bereichen
von Deloitte kennengelernt und war beeindruckt: Ich spürte
eine hohe Motivation, in einem schwierigen wirtschaftlichen
Umfeld und einer herausfordernden Ausgangslage bei der
kleinsten der „Big 4“ als Kollektiv Erfolg zu haben. Deloitte ist
Es ist in der jüngeren Vergangenheit anspruchsvoller geworden,
internationale Konzerne von den Vorteilen des Standorts
Schweiz gegenüber anderen Ländern zu überzeugen. Die Steuern
spielen hier nach wie vor eine wichtige Rolle. Schwierig erscheint
mir vor allem die nun doch schon lange anhaltende Unsicherheit,
ob Steuerregimes abgeschafft werden und welche Alternativen
die Schweiz bieten wird. Hier ist primär die Politik gefordert, als
Steuerberater können wir nur Lösungen im Rahmen der
gesetzlichen Regelungen anbieten. Ich bin allerdings davon
überzeugt, dass sich die Schweiz als steuerlich attraktiver Standort
wird behaupten können. Wenn das Umfeld schwieriger wird,
bedeutet dies auch, dass der Beruf des Steuerberaters noch
Glauben Sie, dass Juristen (der Universität Zürich)
Vorteile gegenüber anderen Absolventen haben?
Wir streben einen ausgewogenen Mix von Juristen und
Betriebswirtschaftlern an. Die Universität Zürich gehört zu
den Top-Universitäten in der Schweiz, selbstverständlich
sehen wir Bewerbungen von deren Absolventen besonders gerne.
Welche Fähigkeiten und Interessen muss ein Jurist,
ausser einem Flair für Steuerrecht, sonst noch haben,
um sich bei Deloitte erfolgreich zu bewerben?
Wie wichtig sind welche soft skills?
Anzahl Mitarbeitende weltweit: 200‘000
Ich halte das Motto „hire for attitude, train for skills“ hoch.
Bezüglich “Attitude” ist die Erwartung, dass sich jemand
ernsthaft für Steuerrecht interessiert und motiviert ist, sich mit
der komplexen Materie auseinanderzusetzen. Wir sind auf
Teamplayer angewiesen, die bereit sind, Verantwortung zu
übernehmen und sich 100% dafür einzusetzen, dass wir unseren
Kunden den besten Service bieten können. Beförderungen
bringen eine Ausbildungsfunktion mit sich, die man ernst
nehmen muss. Ferner muss man Freude am Kontakt mit Kunden
haben, deren Bedürfnisse erkennen und verstehen, und gewisse
Qualifikationen im Marketing & Sales-Bereich entwickeln.
Anzahl Mitarbeitende Schweiz: rund 1‘100
Niederlassungen in der Schweiz: Zürich (Hauptsitz),
Bern, Basel, Genf, Lausanne, Lugano
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Eigentlich wollte er Historiker werden. Doch dann entdeckte Hugo Bänziger die Finanzwelt.
Mit seinem Durchhaltewillen hat er es bis in den Vorstand der deutschen Bank geschafft.
Wie er als Risikomanager der Finanzkrise trotzte und worauf er bei
Bewerbungen achtet, erzählt er uns in diesem Interview.
Wie wird man vom Geschichtsstudenten zum
Willens und der Persönlickeit. Mit der notwendigen Anstrengung kann man sich alles Fachwissen aneignen.
Risikomanager bei der Deutschen Bank?
Per Zufall. Ich schrieb meine Liz-Arbeit über die Entstehung
der Schweizer Wirtschaftsverfassung und beschäftigte mich
dabei auch mit der Grossen Depression und der Bankenkrise der
30er-Jahre. Dafür arbeitete ich monatelang im Bundesarchiv und
las tausende von Quellendokumenten der Bundesverwaltung.
Damals wusste ich nicht, dass der Chef des Bundesarchivs meine
Liz-Arbeit lesen würde. Er erzählte seinem Kollegen, dem
Präsidenten der Bankenkommission, davon. Dieser brauchte
für einen Jubiläumsrückblick einen Historiker. Und so bekam
ich meine Stelle bei der Bankenkommission.
Nach zwei Jahren in der Bankenkommission wollte ich nicht nur
über Banken schreiben, sondern auch einmal dort arbeiten. Ich
habe mich deshalb direkt bei den drei Grossbanken beworben
und bekam eine Stelle bei der Schweizerischen Kreditanstalt,
der heutigen Credit Suisse. Der Anfang war schwer. Ich verfügte
ja nicht über das notwendige Fachwissen und musste mir alles
selber beibringen. Doch die harte Arbeit zahlte sich aus. Nach
drei Jahren Retailbanking durfte ich ins Corporate Finance
wechseln. Von dort aus ging es dann weiter nach London, in
die Welt der Derivate.
»Mit der notwendigen
Anstrengung kann man sich
alles Fachwissen aneignen.«
Wie hat Ihnen das Studium geholfen?
Im Studium lernte ich in erster Linie, selbständig zu denken
und grosse Projekte wie etwa eine Seminarveranstaltung zu
planen. Wir hatten zu meiner Zeit viel Freiheit. Das hat mir
später im Berufsleben sehr geholfen. Nach meinem Ermessen
sind die heutigen Studiengänge wegen dem Bolognasystem zu
stark verschult.
Aber man braucht doch ein Grundwissen?
Natürlich. Das ist die Voraussetzung für selbständiges Denken.
Man muss die Fakten schon kennen. Man muss aber auch lernen,
das gelernte Wissen anzuwenden. Im Berufsleben kommt man
oft in Situationen, die man noch nie erlebt hat und für die man
in keinem Handbuch eine Lösung nachschlagen kann. Man
muss sie selber finden. Deshalb ist es wichtig, dass man frühzeitig lernt, eigenständig zu denken und zu handeln.
Kann man als Historiker heutzutage überhaupt noch
Apropos Berufsleben:
Banker werden, bei den vielen Wirtschaftsstudenten
Was war Ihre Aufgabe als Risikomanager?
Banken, die keine Historiker anstellen, verpassen etwas. Als
Banker muss man in der Lage sein, Kunden, Investoren oder
der Aufsicht komplexe Sachverhalte in einfachen Worten zu
erläutern. Historiker sind gute Erzähler, die sich auf das
Wesentliche konzentrieren können. Es lohnt sich, sie betriebswirtschaftlich auszubilden. Letztlich ist es aber eine Frage des
Das Geld nicht zu verlieren, welches die Mitarbeiter der Bank
verdient hatten. Dafür musste ich potentielle Risiken frühzeitig
erkennen. Ein gutes Frühwarnungssystem spielte dabei eine
wichtige Rolle. Risiko kann man nur vorausschauend managen.
Wenn über ein Ereignis in der Zeitung berichtet wird, ist es zu
spät. Dann ist das Risiko schon eingetreten.
Wie lief ein typischer Tag als Risikomanager ab?
Wieso gab es bei der Deutschen Bank
Mein Arbeitstag begann meist um sieben im Firmenauto auf
dem Weg zur Arbeit mit Telefonaten nach Asien. Um 08.15
fand dann jeden Tag eine Telefonkonferenz mit Risikomanagern
und Händlern aus der ganzen Welt statt, um Informationen
zu sammeln. Danach diskutierte ich mit meinem engeren
Mitarbeiterstab allenfalls notwendige Gegenmassnahmen.
Das ging etwa bis um halb zehn. Dann folgte die Projektarbeit,
wo es darum ging, die Bank weiterzuentwickeln, oder Steuerungsausschüsse und Sitzungen von Verwaltungsräten der Bank, in
denen ich ex officio Mitglied war. Mein Tag endete in der Regel
um 19.00, wenn ich nicht an irgendeiner Abendveranstaltung
teilnehmen musste. Das war eigentlich nur zweimal pro Woche
keinen Kweku Adoboli?
Sieben Tage die Woche?
Dabei verdienen die meisten Banker eigentlich genug.
Fünf. Ich habe recht erfolgreich versucht, das Wochenende
freizuhalten. Die Intensität in diesem Job ist so hoch, dass man
ohne Freizeit ausbrennt und die Kreativität verliert. Die Woche
hindurch gibt es wenig Privatleben. Aber das Leben eines
Konzernleitungsmitgliedes einer Grossbank ist äusserst interessant. Ich fand es immer sehr bereichernd, auch persönlich.
Denken Sie selber, dass die
»Man kann es im Leben nie
allen recht machen.«
Betrugsversuche gibt es auch bei der Deutschen Bank. Jedes
Jahr erwischen wir einen bis zwei Händler, die der Versuchung
nicht widerstehen können. Nach dem Grossbetrug bei der
Société Générale im Jahre 2008 überholten wir alle unsere
Kontrollmechanismen. So muss zum Beispiel ein Händler
während seinen zweiwöchigen Ferien seine Bücher an jemanden
abgeben, den er nicht selber auswählen kann. Gleichzeitig
muss man überwachen, dass die Person wirklich zwei Wochen
ausserhalb der Bank ist. Das machen wir über unser Türkartensystem, welches registriert, wann jemand die Bank
betritt oder verlässt.
Löhne und Boni zu hoch sind?
Die Banken sind die einzige Industrie, in der Personalkosten
50% der Einnahmen ausmachen. Das ist sicher zu hoch. Nur
gerade 1% der Bankangestellten verdienen wirklich hohe Boni,
die leider zu wenig an den individuellen Wertschöpfungsbeitrag geknüpft sind. Ohne das Kapital und die Liquidität der
Bank wären viele Gewinne im Investment Banking gar nicht
möglich. Ein viel grösserer Anteil des Gewinnes sollte an die
Aktionäre fliessen. Ich glaube aber, dass die notwendigen
Ist das nicht eine immense Verantwortung, alle Risiken
einer grossen Bank im Blick zu haben?
Man lernt damit umzugehen. Ein Herzchirurg oder der Chefingenieur der NASA trägt meiner Meinung nach eine grössere
Verantwortung. Bei meinen Entscheidungen ging es meistens
um Geld, nicht um Leben. Wenn man lange genug in der
Geschäftswelt ist, weiss man auch, dass immer Fehler passieren.
Deshalb muss man Führungsprozesse entwickeln, die diese
Fehler auffangen und korrigieren können.
Wie haben Sie die Bank an die
Risiken der Finanzkrise angepasst?
Ich hatte natürlich das Glück, dass ich meine Dissertation über
den Zusammenbruch der Banken in den 30er-Jahren geschrieben
hatte. Als es im Frühjahr 2007 Anzeichen für eine grosse Krise
gab, änderte ich das Refinanzierungskonzept der Bank und
ersetzte kurzfristige Anleihen mit langfristigen Obligationen.
Als dann der Interbankenmarkt einbrach, waren wir kaum
betroffen. Auch während der Lehman-Krise hatten wir immer
genügend Liquidität und wurden unserem Ruf gerecht, eine
sichere Bank zu sein.
Hugo Bänziger war bis Mai 2012 im
Anpassungen nun eingeleitet wurden und sukzessive zum
Tragen kommen werden. 99% der Bankangestellten verdienen
sicher ihren Lohn.
Zurück zur Uni. Was halten Sie von der
Finanzierung von Lehrstühlen durch
Banken, wie dies die UBS kürzlich tat?
Es ist sehr begrüssenswert, dass die UBS einen Lehrstuhl stiftet.
Das gehört in den USA und England zum Alltag. Auch die
Deutsche Bank tut das. Wir sind stark an der London School
of Economics engagiert. Die Wirtschaft muss sich in der Ausbildung engagieren. Sie lebt ja von Hochschulabsolventen, die
das zukünftige Management stellen werden. Wesentlich ist,
dass die Unabhängigkeit der Hochschulen gewährleistet bleibt.
Wie garantiert man diese
Was ist wichtig beim Bewerbungsgespräch?
Man muss spüren, dass jemand die Stelle auch tatsächlich haben
möchte. Der Interviewer will die Persönlichkeit des Bewerbers
oder der Bewerberin verstehen, die sich bewirbt. Fachwissen
kann man lernen. Persönlichkeit nicht. Dass Bewerber bei
einem Gespräch nervös sind, ist natürlich. Wären sie es nicht,
hätte ich Zweifel an ihrem Interesse am Job.
»Wer bei Rückschlägen
rasch aufgibt, macht keine
Karriere.«
Was muss ein Studierender generell mitbringen,
um sich durchzusetzen?
Unabhängigkeit vom Geldgeber?
In einem gegenseitigen, rechtlich verbindlichen Vertrag. Darin
sollte geregelt sein, dass der Geldgeber weder einen Einfluss auf
die Besetzung des Lehrstuhles hat, noch die Lehrfreiheit beeinflussen kann. Die Deutsche Bank hat einen solchen Vertrag
mit der LSE.
Trotzdem werden Drittmittel oftmals kritisiert.
Jeder Uni-Absolvent ist intelligent, hat ein gutes Gedächtnis,
eine gewisse Stressresistenz und kann unter Druck arbeiten.
Absolut wichtig ist, dass eine Bewerberin oder ein Bewerber
neugierig und interessiert ist. Die Wirtschaft braucht engagierte
Leute. Durchhaltefähigkeit ist eine weitere Anforderung. Wer bei
Rückschlägen rasch aufgibt, macht keine Karriere. Ob jemand
ein summa oder magna cum laude hat, ist viel weniger wichtig.
Ohne Steuergelder kann die Universität nicht finanziert werden.
Ohne Wirtschaft gibt es keine Steuergelder. Ein gewisser Interessenkonflikt besteht immer. Als Gesellschaft haben wir aber
gelernt, damit umzugehen und Lösungen zu finden. Die Uni
kann ihre Unabhängigkeit mit den bestehenden Rechtsinstrumenten bewahren. Ich bin mir sicher, dass die Uni
Zürich das auch tut.
Aber unter Juristen wird oft auf die Noten geschaut,
Haben Sie Tipps für ein gutes Bewerbungsschreiben?
Weshalb ist ein guter Ruf so wichtig?
Es müssen alle wichtigen Fakten darin enthalten sein. Es sollte
aber auch ein Bild der Persönlichkeit vermitteln. Aktivitäten
und Hobbies ausserhalb der Uni sind ein wichtiger Hinweis.
Ich nenne das die „reputational bubble“. Sie besteht aus dem,
was die Leute hinter unserem Rücken sagen. Den Inhalt dieser
«bubble» kann man durch sein Verhalten selbst bestimmen.
Mit einem guten Ruf erhält man plötzlich Angebote von
Personen, die man gar nicht kennt oder bei denen man sich
gar nie beworben hätte.
Hugo Bänziger studierte Neuere Geschichte,
Verfassungsrecht und Volkswirtschaft an der Universität Bern. Ab 1983 war er Assistent des Präsidenten der Eidgenössischen Bankenkommission.
1985 begann er seine Arbeit bei der Credit Suisse,
wo er später in leitenden Positionen in Zürich und
London tätig war. 1996 wechselte er zur Deutschen Bank, wo er von 2006 bis Mai 2012 Mitglied
des Vorstands war. Als Chief Risk Officer steuerte
er die Bank erfolgreich durch die Finanzkrise.
Kürzlich sorgte er als Mitglied der Liikanen Exper-
gerade bei den grossen Kanzleien.
Ein Abschluss ist wichtig, aber nicht das Ein und Alles. Die
Deutsche Bank rekrutiert viele ihrer Hochschulabsolventen
von Sommerpraktikanten. In einem Sommerpraktikum kann
man sich einen guten Ruf erwerben und sich bewähren.
Heisst das, man muss immer zu allem ja sagen?
Nein. Man kann es im Leben nie allen recht machen. Man soll
durchaus seine eigene Meinung haben und diese auch vertreten,
sofern dies unter den notwendigen Regeln des Anstandes
geschieht. Wir haben auch nicht alle dieselben politischen
Ansichten und können trotzdem friedlich zusammenleben.
Eine eigene Meinung und Respekt schliessen sich nicht aus,
sondern ergänzen sich.
Herr Bänziger, ich danken Ihnen ganz herzlich für das
tengruppe für mögliche Reformen der Struktur
des Bankensektors in der EU mit seinen Vorschlägen für Aufsehen. Zur Zeit ist Hugo Bänziger Aufsichtsratsmitglied der EUREX Group und Gastprofessor an der London School of Economics.
Die Jobfair des Zürcher Anwaltsverband (ZAV) bietet maximalen Ertrag in minimaler Zeit – ein Erfahrungsbericht
eines Teilnehmers der vergangenen Jobfair vom 25. Mai 2012.
Der ZAV führt alljährlich eine Jobfair für Jurstinnen und
Juristen durch. Teilnehmen können Jusstudenten, Juristen und
Rechtsanwälte, welche auf der Suche nach Praktika für die
Rechtsanwaltsprüfung oder einer Anstellung als Rechtsanwalt
sind. Die BewerberInnen erstellen ein Onlineprofil, in welchem
sie ihre persönlichen Angaben, ihre Ausbildung und ihre Berufserfahrung angeben. Idealerweise machen sie auch konkrete
Angaben zu ihren Noten. Dasselbe gilt für die teilnehmenden
Anwaltskanzleien. Diese beschreiben sich einerseits in aller
Kürze selber und machen andererseits Angaben über ihre
Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerbern, für die sie
Wenn die Anmeldephase zu Ende ist, aktiviert der ZAV das
sogenannte Interview Cockpit. Über diesen Dienst können die
Bewerber Interviewanfragen an die teilnehmenden Anwaltskanzleien stellen, aber auch umgekehrt die Anwaltskanzleien
an die Bewerber. Dabei heisst es vor allem: Kühlen Kopf
bewahren. Es ist keine Seltenheit, dass man als Bewerberin /
Bewerber mehrere Tage auf eine Antwort warten muss, nur
um dann mehrere Absagen hintereinander zu erhalten. Der
Grund hierfür ist oft, dass die Anwaltskanzleien nur bestimmte,
spezifische Stellen zu besetzen haben und daher auch die besten
der Besten abweisen müssen, wenn sie nicht zur spezifischen
Stelle passen.
Nach Ende dieser Anfragephase stellt der ZAV den Bewerberinnen und Bewerbern einen persönlichen Interviewplan zu.
Dieser kann sehr gedrängt sein. Ein Interview dauert 15 Minuten
mit anschliessender fünfminütiger Pause. Sofern man also
mehrere Interviews hintereinander zu absolvieren hat, sollte
man nicht zu viel trinken, da kaum Zeit für einen Toilettenbesuch bleibt. Die Interviews finden im Kongresshaus Zürich
statt. In ein und demselben Saal sind über dreissig Anwaltskanzleien an je einem Tisch vertreten und warten auf die
Die Vertreterinnen und Vertreter der Anwaltskanzleien sind in
aller Regel sehr höflich und zuvorkommend, denn schliesslich
herrscht an der Jobfair nicht nur Wettbewerb zwischen den
Bewerberinnen und Bewerbern, sondern auch zwischen den
Anwaltskanzleien. Keine Anwaltskanzlei will vor den Augen
der Konkurrenz als unsympathischer und kalter Arbeitgeber
dastehen. Die Interviews können sehr unterschiedlich ablaufen:
Teilweise wird dem Bewerber im Wesentlichen die Kanzlei
schmackhaft gemacht, teilweise redet man auch fast nur selbst.
Sofern sich eine Bewerberin/Bewerber und eine Anwaltskanzlei erfolgreich gefunden haben, erhält man ein bis zwei
Wochen nach der Jobfair eine Einladung zu einem zweiten
Interview. Oft macht man dabei die Erfahrung, dass bei
diesem zweiten Interview ein anderer Wind weht als an der
Jobfair. Die Kanzleien stehen untereinander nicht mehr in
direktem Vergleich und die Bewerber stehen ganz im Vordergrund, diese müssen ihre Fähigkeiten in teilweise hart
geführten Interviews beweisen.
Alles in allem ist die Jobfair ein willkommener Anlass für alle
Stellensuchenden, um an einem einzigen Tag in Kontakt mit
zehn oder mehr Anwaltskanzleien zu kommen. Das Verhältnis
von Aufwand und Nutzen ist kaum zu übertreffen, weshalb
ich die Jobfair wärmstens empfehle.
Am 25. Mai 2012 fand die 11. Job Fair des Zürcher
Anwaltsverbands (ZAV) statt, wo rund 35 Anwaltskanzleien aus Zürich und Umgebung vertreten
www.jobfairzav.ch
Wisendangen, wo eine
platziert werden sollte
Annika Sinkwitz
In den Semesterferien durfte ich ein Kurzpraktikum beim Rechtsdienst der reformierten Landeskirche
absolvieren. Dabei habe ich bei weitem nicht nur Kirchenrecht kennengelernt, sondern hatte es auch
mit Handyantennen auf Kirchtürmen zu tun und konnte mich sogar als Detektivin versuchen.
Ermuntert zur Bewerbung wurde ich von meiner Mutter, die
bis vor kurzem bei der Landeskirche gearbeitet hatte. Ich war
davor gewarnt worden, ein Praktikum in einer grossen Kanzlei
zu machen, da man dort des Öfteren zum Coffee- oder CopyGirl degradiert werde.
Der Rechtsdienst hatte noch nie einen Praktikanten gehabt
und musste sich zuerst beim Personaldienst erkundigen, ob er
überhaupt Praktikanten beschäftigen dürfe. Nach einem kurzen
Gespräch entschloss sich der Leiter des Rechtsdienstes, dass er
mit mir einen Pilotversuch wagen wollte.
Meine Stellenbezeichnung war zwar etwas ernüchternd:
„Berufliches Praktikum während der Ausbildung ohne
nutzbare Erfahrung“. Mir wurde erklärt, dass eine Studentin,
die sich erst im vierten Semester des Jus-Studiums befinde,
wohl innerhalb von nur vier Wochen nicht von allzu grossem
Nutzen sein könne. Die zur Disposition stehende Lohnspanne
war auch dementsprechend tief angesetzt, doch immerhin konnte
ich mir nach den Semesterprüfungen schöne Ferien gönnen.
Und wie ich sehen würde, war das Praktikum für mich von weitaus grösserem Nutzen als in der Lohnabrechnung beziffert.
Kirchenrechtsgeschichte haben entgehen lassen: Evangelischreformierte Kirchen sind territoriale Einheiten mit selbstständiger Organisation und weitgehend autonomer Rechtsetzungskompetenz. Das war aber auch das Einzige, was ich über die
reformierte Kirche wusste, als ich an meinem ersten Arbeitstag
an die Tür des Hauses an der Kirchgasse klopfte. Meine Vorsätze, mir vor Stellenantritt zumindest einen grundlegenden
Überblick über den Auf bau und die Rechtsgrundlagen der
reformierten Kirche zu verschaffen, waren während des
sommerlichen Nichtstuns in Vergessenheit geraten.
Glücklicherweise aber wurden von mir im Bereich des
Kirchen- und Verwaltungsrechts keine grossen bis gar keine
Kenntnisse erwartet. Mein Chef begrüsste mich und stellte
sich gleich mit Vornamen vor. Ich lernte die anderen Mitarbeiter
im Büro kennen und wurde anschliessend auf einen Rundgang
durch die übrigen Liegenschaften der Landeskirche geführt.
Zurück im Büro erhielt ich gleich die erste Aufgabe: Die Aktuarin einer Kirchgemeinde wollte wissen, welche Beschlüsse der
Kirchenpflege sie mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen
müsse. Es war eine Frage, welche mein Chef ohne zu überlegen
innert zwei Minuten per E-Mail selbst hätte beantworten
»Muss die Pfarrwohnung eines Single-Pfarrers
genauso viele Zimmer haben wie die
Pfarrwohnung einer ganzen Pfarrfamilie?«
Pilotversuch Praktikantin
Der Rechtsdienst ist eine Abteilung der gesamtkirchlichen
Dienste und steht diesen, den kirchlichen Behörden auf
Bezirks- und Gemeindeebene sowie anderen Institutionen der
Landeskirche zur Unterstützung und Beratung in allen rechtlichen Angelegenheiten und Konfliktsituationen zur Verfügung.
Für diejenigen, die sich die Vorlesung von Prof. Thier zur
können. Seine Einstellung zu meinem Praktikum war aber,
dass ich möglichst viel lernen und so viele Erfahrungen wie
möglich sammeln sollte. Zum Kopieren hätte er mich nie
geschickt – „döt lernsch ja nüt!“. Deshalb genoss er es auch,
mich ins kalte Wasser – sprich in die kirchlichen und staatlichen
Rechtsgrundlagen – zu werfen. Während der folgenden vier
Wochen konnte ich vielen Kirchgemeinden, auch mit zunehmend
kürzerer Bearbeitungszeit, rechtliche Auskünfte erteilen.
„Müssen wir unsere Beschlüsse nebst dem Kirchenblatt auch
im Stadtanzeiger publizieren?“ „Wie lange erhält unsere Sozialarbeiterin Schwangerschaftsurlaub und müssen wir ihr für
unbezahlten Urlaub kündigen und sie danach wieder neu
anstellen?“ „Muss die Pfarrwohnung eines Single-Pfarrers
genauso viele Zimmer haben wie die Pfarrwohnung einer ganzen Pfarrfamilie?“ „Ist die Frist für einen Stimmrechtsrekurs
schon abgelaufen?“ „Hat einer unserer Kirchenpfleger eine
Amtsgeheimnisverletzung nach Kirchenordnung und/oder
StGB begangen?“ – Dabei lernte ich nicht nur die Kirchenordnung und die kirchliche Personalverordnung kennen, sondern
arbeitete mindestens genauso oft mit dem Zürcher Verwaltungsrechtspflegegesetz, dem Gemeindegesetz und dem Gesetz über die politischen Rechte. Nachdem ich eine Anfrage
bearbeitet hatte, besprach ich sie jeweils mit meinem Chef und
beantwortete sie dann per E-Mail.
»Einmal war ich sogar geschäftlich im RWI«
Zudem nahm ich an Gesprächen teil, zu denen die Landeskirche
als Mediatorin oder als Anstellungsinstanz beigezogen wurde.
In vereinzelten Kirchgemeinden hatten sich zwischen Pfarrer
und Kirchenpflege über den Sommer Konflikte zugespitzt, die
weder gemeindeintern noch durch die Bezirkskirchenpflege als
Vermittlungs- und Aufsichtsorgan gelöst werden konnten.
Genauso interessant war es, die Erfolgsaussichten der Klage
einer ehemaligen Mitarbeiterin wegen angeblich missbräuchlicher Kündigung zu beurteilen und einen Brief an ihren Anwalt
vorzubereiten. (Gehört haben wir danach übrigens nicht mehr
von ihr – offenbar hat sie mein Schreiben von der Aussichtslosigkeit ihrer Forderungen überzeugt!) Ich befasste mich auch
mit einer Aufsichtsbeschwerde und einem Rekurs, welche die
umstrittene Mobilfunkantenne im Kirchturm Wiesendangen
betrafen. Einmal war ich sogar geschäftlich im RWI, denn
mein Chef hatte zuhanden des Kirchenrats eine Rechtsfrage
abzuklären und schickte mich zur Recherche. Schliesslich
musste er einen Beschluss vorbereiten, der gar nicht seiner
Rechtsüberzeugung entsprach, weil der Kirchenrat aus politischen Gründen anders handeln wollte. Aber das gehört wohl
auch beim Anwaltsberuf dazu. In einem anderen Fall erreichte
uns ein erboster Brief eines ehemaligen Kirchenmitglieds, dessen
Austrittsgesuch nicht reibungslos behandelt worden war. Dort
musste ich zuerst Sachverhaltsermittlung betreiben und im
Gespräch mit den Beteiligten herausfinden, was genau geschehen
war. Nach den Telefonaten und der Sichtung der Akten zeichnete
sich mir allmählich ein Gesamtbild ab, das das Kirchenmitglied in einem nicht sehr schmeichelhaften Licht erscheinen
liess: Offenbar hatte er seine Frau zum Austritt gedrängt und
diese hatte gegenüber dem Pfarrer im Austrittsgespräch Zweifel
an ihrem Austrittwunsch geäussert. Auf ihren Vorschlag hin
wurde das Gesuch daher pendent gehalten. Ihr Mann hingegen
bemerkte erst ein Jahr später, nämlich beim Erhalt der Steuerrechnung, dass sie noch immer Kirchenmitglied war, weil er
noch immer Kirchensteuern zahlen musste. Schliesslich musste
ich der Kirchenpflege mitteilen, sie müsse auf Grund eines
formellen Fehlers rückwirkend über den Austritt beschliessen.
Abschied zu schwer
Gegen Ende der vereinbarten vier Wochen fiel der Abschied
nicht nur mir, sondern offenbar auch meinem Chef schwer, der
ständig witzelte, dass ich eine untreue Seele sei, weil ich ihn
bereits wieder verliesse. Nach einer Weile schlug ich frech vor,
er könne ja meine Anstellung bis Semesterbeginn verlängern
– was er dann sogar tat! So blieb ich noch eine weitere Woche
beim Rechtsdienst. Ich hatte mich sehr schnell in der Abteilung eingelebt. Sogar am Mitarbeiterausflug an den Walensee
durfte ich teilnehmen!
»wartet nicht auf eine
Stellenausschreibung«
Alles in allem war das Praktikum eine tolle Erfahrung, fachlich wie auch persönlich. Mein Ziel ist es, bis Studienabschluss
mehrere solche Kurzpraktika zu absolvieren, um in verschiedene
juristische Tätigkeitsbereiche einen Einblick zu erhalten.
Meinen Mitstudierenden kann ich nur empfehlen, es auf
dieselbe Art zu versuchen wie ich – wartet nicht auf eine
Stellenausschreibung, sondern fragt diejenigen Unternehmungen
und Institutionen ungeniert an, die euch interessieren. Ihr
könnt nur gewinnen!
Stellenbeschreibung: Praktikantin Rechtsdienst
Ort: Reformierte Landeskirche
Lohn: CHF 1350.- plus Lunchchecks ;-)
Bewerbungsmöglichkeiten: leider kaum, weil sehr
Die Autorin Annika Sinkwitz hat das Parktikum in den
Semesterferien vor ihrem 5. Semester absolviert.
Zusammengetragen von Juan Armas Pizzani
Im Rahmen eines Besuchs bei Justizbehörden kann während dem Semester
ein Volontariat als Wahlfach absolviert und angerechnet werden. Studierende berichten.
Während zwei Wochen im Frühling 2011 nahm ich an insgesamt
12 Hauptverhandlungen mit anschliessender Urteilsberatung
und an zwei Schlichtungsverfahren vor der paritätischen
Schlichtungsbehörde in Mietsachen am Bezirksgericht Horgen
teil. Zudem besuchte ich jeweils dienstags und freitags die
unentgeltliche Rechtsauskunft in Sachen Arbeits-, Familien-,
Miet- und Erbrecht sowie betreffend summarische Verfahren.
Kurz vor Ende des Volontariats fand noch eine Führung im
angrenzenden Bezirksgefängnis statt.
Die Hauptverhandlungen wurden hauptsächlich von den
Einzelrichtern geführt und hatten meistens zivilrechtliche
Streitigkeiten zum Gegenstand. So wurde über sieben Ehescheidungen bzw. Eheschutzmassnahmen verhandelt. Jeweils
eine Verhandlung befasste sich zudem mit erbrechtlichen
Bezirksgebäude Horgen
Streitigkeiten, einer Forderung gemäss Obligationenrecht,
einem Rechtsvorschlag wegen fehlendem neuen Vermögens
gemäss Art. 265a SchKG und einer versuchten sexuellen
Handlung mit Kindern, wobei ein verdeckter Ermittler der
Kantonspolizei Zürich eingesetzt wurde. Darüber hinaus
nahm ich auch an einem grossen Strafprozess wegen versuchter
schwerer Körperverletzung vor der 3. Abteilung des Bezirksgerichts Horgen teil.
Generell ist das Bezirsgericht Horgen für ein Volontariat sehr
zu empfehlen. Trotz der Grösse kommt man schnell mit fast
allen Arbeitskollegen ins Gespräch und erhält einen vielfältigen
Einblick in die verschiedenen Verhandlungen und Akten. Sogar
der Gerichtspräsident hat sehr viel mit mir gesprochen und mir
Zukunftsperspektiven aufgezeigt. Das Umfeld am Bezirksgericht Horgen war sehr familiär: Die ganze Belegschaft
frühstückt zusammen im Aufenthaltsraum bzw. trifft sich dort
zum Z'nüni und Z'vieri (offeriert von allen durch monatliche
Abgabe) und nach jeweiliger Anmeldung wird zweimal die
Woche gemeinsam über den Mittag Sport getrieben
(Volleyball, Unihockey, Joggen etc.) und man geht
zusammen auswärts essen. Zudem ist man von Anfang
an mit allen Auditoren und Gerichtsschreibern per Du
und relativ rasch auch mit einzelnen Richtern.
Christopher Enderli
Ich habe das Praktikum Ende Mai 2012 in Horgen gemacht.
Der Zeitpunkt war einerseits gut, da man nach so viel Studium
eine gewisse Auszeit hat, aber andererseits war er auch schlecht,
da die Prüfungen kurz bevor standen. Das war auch der
Grund, warum ich schlussendlich den Bericht nicht abgegeben
bzw. gar nicht erst verfasst habe. Schliesslich habe ich das
Praktikum auch nicht (nur) wegen den Kreditpunkten
gemacht, sondern v.a. wegen der Erfahrung.
Ansonsten fand ich das Praktikum super. Die Leute waren nett
und aufgeschlossen. Das mag daran gelegen haben, dass die
meisten Leute (alle Auditoren und die meisten Gerichtsschreiber)
noch sehr jung und daher noch stark vom Studium geprägt
waren. Auch die Richter waren grösstenteils entgegenkommend. Sie haben mich gut über die Fälle informiert und mir
die Akten zum Lesen gegeben - sofern sie diese nicht selbst
beanspruchten. Generell war es am Gericht wie in einer grossen
Familie. Um 10 Uhr gab es immer eine gemütliche Kaffeepause. Auch gemeinsame Mittagessen kamen nicht zu kurz.
Ich konnte in verschiedene Verfahren einen Einblick erhalten:
Vergleichsverhandlung betreffend einer Forderung zwischen
Bauhandwerker und Bauherr; zwei Mietschlichtungen; mehrere
Scheidungen; zwei Straffälle etc. Diese Fälle waren alle sehr
unterschiedlich - vom Ablauf wie auch von der Dauer her.
Insbesondere gab es einen Straffall, der hervorzuheben ist: Er
dauerte zuerst einen Mittwochmorgen und dann beim zweiten
Mal gar einen ganzen Tag: von 08.30 bis 20.00 Uhr! Es musste
das Opfer (Marokkanerin) angehört werden und der Beschuldigte
(Türke) musste zu ihren Äusserungen Stellung nehmen.
Natürlich musste das Ganze übersetzt werden - in zwei verschiedene Sprachen. Zudem wollte das Opfer dem Beschuldigten
nicht begegnen, weshalb es eine Video-Übertragung in einen
anderen Raum gab. Das Opfer hatte zudem ein Baby (ein paar
Tage alt), welches von Zeit zu Zeit - während der Befragung
durch den Richter - gestillt werden musste. Der Höhepunkt
war dann ein 120-seitiges Plädoyer des Anwalts des Beschuldigten, das vier Stunden dauerte!
Hauptsächlich war ich mit dem Studium der Akten beschäftigt.
Am Anfang war es schwierig zu wissen, worauf man sich in
den Akten konzentrieren sollte. In meiner freien Zeit zwischen
den Verhandlungen habe ich für die Prüfungen gelernt.
Insgesamt gab mir das Praktikum einen guten Praxisbezug im
Gegensatz zur reinen Theorie an der Uni. Ich finde, man sollte
solche Projekte fördern, wobei immer auch auf den Goodwill
der Gerichte zu hoffen ist, da wir Schnupperaudis doch auch
Zeit und Platz beanspruchen. Folglich würde ich ein Praktikum
am Gericht auf jeden Fall weiterempfehlen.
Ein Besuch beim Bezirksgericht Hinwil eignet
sich sehr gut, um einen ersten Einblick in
den Gerichtsalltag zu erhalten. Durch die
flexible Gestaltung des Praktikums ist es
dem Schnupperauditor nach kurzer Rücksprache mit dem Gerichtsschreiber oder
Richter überlassen, an welchen Verhandlungen
er teilnehmen will. Schlichtungen in Mietsachen, Rechtsöffnungen, Scheidungen, Eheschutz oder Strafverfahren sind nur einige
Beispiele davon, was einen Schnupperpraktikanten in Hinwil erwartet. Ebenfalls kann
man in Hinwil auf ein hilfsbereites und
freundliches Team zählen, welches sich Zeit
nimmt und eine gute Betreuung bietet.
Persönlich am besten hat mir die Urteilsberatung gefallen: diese ist besonders interessant, weil dort Praxis und Theorie am
eindrücklichsten zusammentreffen. Ein
Schnupperauditorat am Bezirksgericht
Hinwil ist sehr zu empfehlen - es ist gut
strukturiert, abwechslungsreich und lässt
einem gewisse Gestaltungsfreiheit.
Bezirksgebäude Hinwil
Ich durfte im Frühjahrssemester 2012 ein Volontariat
am Bezirksgericht Uster absolvieren.
Zu Beginn des Volontariats war ich ziemlich nervös.
Was würde mich erwarten und vor allem: Was
erwartete das Gericht von mir? Einzig die Uhrzeit des
Einfindens sowie meine Ansprechpartnerin wurden
mir zwei Wochen zuvor in einem Begrüssungsmail
mitgeteilt. Meine Angst sollte sich jedoch als gänzlich
unbegründet herausstellen und ich erlebte zwei interessante und lehrreiche Wochen.
Ich durfte frei wählen, welche Verhandlungen ich
besuchen wollte. Und von diesen gab es mehr als
genug. Ich erlebte Eheschutzverfahren, Scheidungsverhandlungen, eine Mietschlichtung, eine arbeitsrechtliche
Streitigkeit sowie Strafverfahren. Kein Tag glich dem anderen.
Über ein Strafverfahren habe ich auch meinen Volontariatsbericht verfasst. Diesen durfte ich in der freien Zeit zwischen
den Verhandlungen schreiben, so dass ich nach den zwei
Wochen damit schon fast fertig war.
Auch die Betreuung war ausgezeichnet. Das Bezirksgericht
Uster ist in verschiedene Teams aufgeteilt und ich wurde
einem von diesen zugeteilt. Die Gerichtsschreiberin sowie
die Auditorin dieses Teams waren stets hilfsbereit und
beantworteten meine Fragen.
Bezirksgebäude Uster
Das Volontariat hat mir auch für meine weitere Zukunft
geholfen. Nachdem ich einen ersten Einblick in den
Gerichtsalltag gewinnen konnte, wurde mir klar, dass ich nach
Abschluss des Studiums im Rahmen eines einjährigen Praktikums als Auditorin einen noch umfassenderen Einblick
erhalten möchte.
Aufgrund meiner positiven Erfahrungen kann ich ein Volontariat an einem Gericht nur empfehlen.
campuswelt.ch
Studentenladen
Wenn es um Seminare geht, scheiden sich die Geister. Von A wie anregend bis Z wie zeitraubend hört man alles.
Dementsprechend gespannt war ich auf meine erste eigene Erfahrung auf diesem Gebiet.
Das Ergebnis fiel überraschend aus...
Wer plant, eine Seminararbeit zu schreiben, erkennt schnell,
dass die erste Herausforderung bereits darin besteht, überhaupt einen freien Platz zu ergattern. Das Angebot ist zwar
gross, die Nachfrage jedoch noch grösser. Bedenkt man die
Zeit und Energie, die man in eine solche Arbeit investiert, ist
es aber ratsam, sich nur um diejenigen Themen zu bemühen,
die einen auch tatsächlich interessieren. Ich hatte Glück, denn
die Teilnahme an meinem Wunschseminar war mir vergönnt:
Haftpflichtrecht sollte es sein.
Das Themenspektrum war breit gefächert. Spannende Titel
wie „Atomkraft und Haftpflichtrecht“, „Schleudertrauma und
Haftpflichtrecht“ sowie „Ausservertragliche Haftung von
Das Seminar im Haftpflichtrecht fand vom
3. bis 5. Mai 2012 im Schwarzwald statt. 30 Teilnehmer erlebten unter der Leitung von Prof. Dr.
Anton K. Schnyder und PD Dr. Beat Schönenberger
drei spannende und geistreiche Tage.
Ratingagenturen“ wurden bearbeitet. Als daher das knapp
dreitägige Seminar im Schwarzwald bevorstand, wussten wir
zumindest auf dem Papier, dass es nicht langweilig werden
Besonders war, dass die Themen nicht nur von uns Zürcher,
sondern auch von Basler Jus-Studenten und Studentinnen
bearbeitet wurden. Das Ganze nennt sich „Joint Seminar“.
Dementsprechend vergrösserte sich ab Basel unsere Reisegruppe.
Die zu diesem Zeitpunkt noch neuen Gesichter sollten dabei
nicht lange unbekannt bleiben.
Wer denkt, bei einem auswärtigen Seminar gehe es lediglich
darum, Zeit totzuschlagen, der irrt gewaltig! Nach unserer
Ankunft im abgeschiedenen Sport- und Wellnesshotel ging es
direkt in medias res. Der Seminarraum empfing uns mit
Papier, Schreibzeug und Getränken auf jedem Tisch, der Beamer
summte – optimale Rahmenbedingungen also. In der Luft
hingen dennoch einige Fragen: Was würde uns erwarten? Was
würde von uns erwartet? Für ihre Beantwortung blieb keine
Zeit, denn das Programm war straff: Viele Referate warteten
darauf, gehalten zu werden. Die Einführung der verantwortlichen Dozenten, Prof. Dr. Anton K. Schnyder
und PD Dr. Beat Schönenberger, bot aber einen
informativen Überblick.
Nach mehreren gelungenen Vorträgen und Diskussionsrunden bot sich beim Mittagessen das erste Mal die
Gelegenheit, einander etwas näher kennenzulernen.
Der Auftakt war geglückt. An dieser Stelle muss gesagt
werden, dass die Verpflegung hervorragend war – das
Essen allein wäre eine Reise wert gewesen. In der Tat
waren die Mahlzeiten aber auch unentbehrliche Voraussetzung dafür, immer wieder mit frischem Elan in die
nächsten Themenblöcke starten zu können.
Schon bald befanden wir uns in einer gewissen Routine:
Verdientes Einstimmen auf den Abschlussabend auf der grosszügigen Sonnenterrasse
Vorträge, Diskussionen und Essen wechselten sich ab. Im
Seminarraum wurde eine Fülle an Wissen vermittelt und wertvolle Einblicke in bisher meist unbekannte Gebiete gewährt.
Die Materie war dabei stets anspruchsvoll. Immer wieder
mussten die jeweiligen Experten ihre Inhalte „herunterbrechen“, wie es intern genannt wurde („Chömmer das bitte
emol abebräche?“). So wurde ermöglicht, dass alle dem
spannenden Gedankenaustausch folgen konnten, gleichzeitig
die Bildung von interessanten Verknüpfungen zwischen den
verschiedenen haftpflichtrechtlichen Themen aber nicht
Das den Seminarraum übergreifende Element liess die Teilnehmer so letztlich zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden.
Dem Bild des argumentationsfreudigen Juristen wurde man
an diesem Abend bis weit in die Morgenstunden hinein gerecht.
Leidenschaftliche Wortgefechte über Gott und die Welt, resp.
natürlich das Haftpflichtrecht, Tischfussball und andere Duelle
füllten mühelos die Stunden. Am nächsten Morgen versammelten sich aber (fast) alle pünktlich ein letztes Mal im Sitzungszimmer, um das Seminar zum Abschluss zu bringen. In diesem
Moment schien es sogar den Dozenten schwer zu fallen, den
Weg vom Schwarzwald zurück in die gewohnte Welt zu finden.
Diskussionen bis in den Morgen hinein
Am Ende des zweiten Tages und somit nach Abschluss aller
Präsentationen waren mental vorerst alle gesättigt. Die Stimmung war jedoch sehr ausgelassen und fröhlich. Auf der weitläufigen Sonnenterrasse genoss man die atemberaubende
Aussicht und stimmte sich bei einem Glas Wein auf den Abend
ein. Es überrascht nicht, dass die behandelten Themen ihren
Weg aus dem Seminarraum hinaus fanden. Diskussionsstoff
war nach diesen zwei Tagen zur Genüge vorhanden und überall
wurden angeregte Gespräche geführt. Dabei ergriff man aber
auch die Gelegenheit, sich für einmal mit Studenten einer
anderen Universität auszutauschen. Es war eindrucksvoll zu
sehen, wie sehr die gleichen Studiengänge divergieren können,
aber auch erfrischend festzustellen, dass das studentische
Leben andernorts genau dieselben bekannten Wesenszüge
aufzuweisen scheint. Hier zeigt sich ein entscheidender Vorteil
des Verreisens: Es ist wohl hauptsächlich dem Umstand, dass
wir uns im Schwarzwald vollkommen auf das Seminar konzentrieren konnten, zu verdanken, dass aus der Veranstaltung
auch tatsächlich ein „Joint Seminar“ wurde. Fernab vom UniAlltag war es viel leichter, ganz in das Gebiet des Haftpflichtrechts einzutauchen und neue Bekanntschaften zu schliessen.
Glücklicherweise blieb auf der Heimreise genügend Zeit, das
Erlebte zu evaluieren. Die Zugfahrt bot insbesondere die ideale
Gelegenheit, Gehörtes endlich mit selbst Erlebtem zu vergleichen.
Mein Fazit ist simpel: Durch die Tage fern von der Universität
war es nicht nur möglich, sich vollkommen auf die verschiedenen Facetten eines bestimmten rechtlichen Bereichs einzulassen
und sich die Grundprinzipien des Haftpflichtrechts zu verinnerlichen. Es wurde auch die einmalige Chance geboten, sich
in ungezwungenem Rahmen mit anderen Studenten und
Dozenten zu unterhalten, so dass man im und abseits vom
Seminarraum optimal vom Austausch verschiedener Ansichten
Was man hört, stimmt folglich zumindest teilweise, denn das
Seminar war äusserst anregend. Auch zeitintensiv, das soll
nicht bestritten werden. Auf keinen Fall aber war es zeitraubend, denn die investierte Zeit lohnte sich ohne jeden
Zweifel – in persönlicher und fachlicher Hinsicht. Wer daher
mit dem Gedanken spielt, trotz neuerdings fehlender Pflicht
zwei Seminararbeiten zu verfassen, dem sei gesagt:
Man darf sich freuen!
Aussicht auf das malerische
Feldberggebiet im Schwarzwald
Es war eine Frage der Zeit, bis sich auch in juristischen Kreisen das Phänomen Blog etablieren würde.
Neben den Webdatenbanken und Newslettern von Weblaw, Swisslex und anderen Anbietern, finden sich online
immer mehr juristische Inhalte. Juristinnen und Juristen folgen dem Trend der schnellen und aktuellen
Berichterstattung und schreiben auf ihren eigenen Blogs über das juristische Geschehen in der Schweiz.
Ein Bericht aus der Blog-Welt.
Blog - ein geeignetes Medium für Juristen?
Es gibt einige Fragen, an welchen jede Juristin und jeder Jurist
zu beissen hat: Wie aktuell sind meine Informationen? Sind
meine Argumente vollständig, habe ich wirklich an alles gedacht?
Es gibt viele Inspirationsquellen für Lösungsansätze.
Die Suche nach diesen beginnt meistens online. Das Internet
ist für uns alle zu einer unverzichtbaren Quelle geworden. Neben
Webpublikationen, Zeitschriften und Kommentaren zu Rechtsprechung und Lehre, findet man vermehrt auch Blogs von
einzelnen Juristinnen und Juristen. Bei der Suche nach verlässlichen Quellen und nützlichen Informationen ist aber Vorsicht
geboten: Wie in der Literaturrecherche gilt es auch hier, die
wesentlichen Inhalte richtig zu lesen und
deren Relevanz sachgerecht zu gewichten.
Das Medium Blog kann in seiner Vielseitigkeit eben auch irreführend sein. Wie objektiv,
sachlich und zutreffend die Berichte sind,
muss der Leser beurteilen.
Die wachsende Anzahl solcher Plattformen
macht diese Beurteilung nicht einfacher.
Abhilfe schaffen Twitter oder die Blogs
selber. Die Beiträge sind verlinkt, werden
von anderen Bloggern empfohlen oder auf
Facebook geteilt und geliked:
Social Media im Jus-Format.
Wer liest solche Blogs? Kantonale Gerichte,
Verwaltungen und Anwaltskanzleien finden
sich in den Statistiken der einzelnen Blogs.
Auch Assistenten und Studierende von Schweizer Fakultäten
lesen aktuelle Beiträge und profitieren von praxiserfahrenen
Natürlich kann ein solches Format die Lektüre und Recherche
in Literatur und Rechtsprechung nicht ersetzen. Es ist aber
eine hervorragende Ergänzung. Mit nur wenigen Klicks kann
man sich schnell und effizient eine Übersicht über das
gewünschte Thema verschaffen.
Für Leser, die das breite Angebot der Blogs und Nachrichtendienste nutzen, empfehlen sich RSS-Feeds. Diese Funktion
bietet eine schnelle Übersicht über neue Beiträge auf den
Internet und Technik erlauben uns,
immer up to date zu sein
Konzentrierte Expertise
Juristische Blogs fokussieren sich auf enge Themenbereiche
und wollen eine neue Art von wissenschaftlicher Entwicklung
in verschiedenen Rechtsbereichen aufzeigen.
Die meisten Blogs beschäftigen sich mit bestimmten Rechtsgebieten. So besteht für die schreibenden Experten die
Möglichkeit, nicht nur kurze Zusammenfassungen zu liefern,
sondern auch vertieft auf Einzelfragen einzugehen. Dies
ermöglicht der Leserschaft eine qualitativ hochstehende,
informative Lektüre zum gewünschten Thema.
Die Anliegen der Juristen sind traditionell. Die Form, diesen
gerecht zu werden, eine neue.
Der grosse Blog
Mit über 30›000 Besuchern pro Monat und 1›300 E-Mail
Abonnenten erfreut sich Swissblawg einer grossen Bekanntheit.
Es ist der grösste Blog zum schweizerischen Wirtschaftsrecht.
Für den Gründer David Vasella* begann alles nach der
Anwaltsprüfung. Für diese hatte Vasella unzählige Bundesgerichtsurteile zusammengefasst und damit gelernt. Sodann
entstand die Idee, diese zu teilen und eine nützliche Informationsplattform zu schaffen. Mittlerweile arbeiten - neben den
zwei Herausgebern - weitere sechs Redaktionsmitglieder an
Swissblawg. Layout und Design werden ebenfalls vom eigenen
Team übernommen.
So sieht Vasella Swissblawg als einen Nachrichtendienst: informativ, kurz, mit den wichtigsten Informationen und juristischen
Höhepunkten. Keine Diskussionen, keine subjektiv geprägten
Kommentare, keine in diesem Sinne redaktionell bearbeiteten
Inhalte. Der Blog soll die Informationsflut der rechtlich
relevanten Themenbereiche filtern und Schwerpunkte setzen.
Die Vorauswahl der Beiträge ist somit das einzige Wertungskriterium. Die Qualität der juristischen Beiträge steht an
N’jus Blog: der Blog des Fachvereins Jus
Auch der Fachverein Jus der Universität Zürich hat einen
eigenen Blog. Die Herausgeber haben sich zum Ziel gesetzt,
das juristische Bloggen unter Studierenden zu fördern und
damit bekannter zu machen. Hier können sich Studierende
und Rechtsinteressierte durch Zusammenfassungen von Bundesgerichtsentscheiden, Berichten von Podiumsdiskussionen und
Fragen zum Studium klicken. Mit interessanten Interviews,
Hintergrundberichten und Informationen zum Studium und
der Arbeitswelt, beleuchtet der N’jus Blog alle Facetten der
juristischen Welt.
Sieben Studierende der rechtswissenschaftlichen Fakultät, alle
in verschiedenen Semestern, arbeiten an diesem Projekt und
setzen sich für eine wachsende Blog-Community ein.
Der Blogger und sein Wirken
Im Dienste des Lesers ist der Blogger stets bemüht, schnell,
aktuell und informativ zu schreiben. Die Auseinandersetzung
mit der Informationsflut, die Entscheidung, über welche
Themen man schreiben möchte und sodann die Umsetzung:
all das ist für die Verfasser ein steter Lernprozess, der ihn
stets begleitet. Das Wissen, welches er sich während des
Schreibens aneignet, kann in unerwarteten Situationen
plötzlich sehr nützlich sein. Online schreiben heisst auch,
viele Menschen erreichen: Viele Autoren erfreuen sich bereits
grosser Bekanntheit.
Das Medium Blog entwickelt sich zu einem praktischen Werkzeug für Juristinnen und Juristen. Für Verfasser und Leser bietet
es vielseitige Möglichkeiten. Diese reichen von interaktiver
Mitgestaltung bis zur fachspezifischen Wissenserweiterung - es
gibt viel zu entdecken in der Blog-Welt.
* Dr. iur. David Vasella, Rechtsanwalt bei Froriep Renggli und
Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Herausgeber und
Redakteur von www.swissblawg.ch
Juristische Blogs der Schweiz – Eine Auswahl
N’Jus Blog Blog des Fachvereins mit dem Neusten aus Lehre und Rechtsprechung sowie verschiedenen studentischen Themen
› http://blog.fvjus.ch
swissblawg grosser Blog zum schweizerischen Wirschaftsrecht mit interessanten Beiträgen auch zu anderen Rechtsthemen
› www.swissblawg.ch
Nils Güggi führt unter anderem eine umfangreiche Liste juristischer Blogs zum Schweizer Recht
› www.nilsgueggi.com
steigerlegal regelmässige Artikel und Links zu verschiedensten Rechtsthemen und die Anwaltstätigkeit
› www.steigerlegal.ch
Iuswanze Thomas Hugi Yar, Gerichtsschreiber am Bundesgericht, bloggt hier regelmässig
› www.iuswanze.blogspot.ch
Strafprozess Aktuelles zum Straf- und Strafprozessrecht von Rechtsanwalt Konrad Jeker
› www.strafprozess.ch
Dominique Strebel beobachtet in seinem Blog Staat und Recht kritisch
› www.dominiquestrebel.wordpress.com
Law Think Tank Blog Jean-Cédric Michel bloggt auf Französisch zum Schweizer Recht ganz allgemein.
› www.freethinkers.ch
2C_790/2011:
Cablecom muss Joiz ins analoge TV Netz aufnehmen
Moritz Schmid am 16.05.2012
http://blog.fvjus.ch/2012/05/cabelcom-muss-joiz-ins-analoge-tv-netz.html
Im November 2010 verfügte das BAKOM, dass der Jugendsender Joiz ins analoge Fernsehprogram aufgenommen werden
muss. Gegen diese Verfügung wehrte sich die Cablecom rechtlich. Als Begründung wurde unter anderem die Sprache des
Jugendsenders kritisiert. Der Rechtsstreit löste eine Protestaktion
der Sympathisanten des Jugendsenders aus. Der Streit wurde
bis ans Bundesgericht weitergezogen. Das Bundesgericht
entschied am 22. März zugunsten von Joiz. Heute veröffentlichte das Bundesgericht seine Begründung im Entscheid
2C_790/2011.
schaffen und bei jugendspezifisch umgesetzten allgemeinen
Themen setzt, ein originelles, neuartiges Gesamtprogramm für
eine in diesem Medium bisher eher wenig berücksichtigte
Bevölkerungsgruppe bietet und damit die TV-Landschaft
bereichert. Das Programm der Beschwerdeführerin ist geeignet,
einen massgeblichen Aspekt des Leistungsauftrags umfassender
abzudecken, als dies bisher der Fall war. «joiz» trägt somit gesamthaft betrachtet - sowohl in kultureller Hinsicht wie
auch bezüglich der informativen Inhalte in «besonderem
Mass» zur Erfüllung des verfassungsrechtlichen Leistungsauftrags bei, …“ (E 4.1.3).
Das RTVG folgt dem Grundsatz der Technologieneutralität
und der Einheitsbehandlung aller Anbieter von Übermittlungsdiensten. Da die Verteilungskapazitäten limitiert sind, geht
das Gesetz davon aus, dass die Programmveranstalter und die
Fernmeldedienstanbieterinnen die Programmverbreitung
vertraglich vereinbaren. Aus medienpolitischen Gründen
besteht jedoch ein öffentliches Interesse, dass bestimmte Inhalte
aufgeschaltet werden müssen. Dazu erlässt das BAKOM sogenannte „Aufschalteverfügungen“ («Must-Carry»-Verpflichtungen). Dadurch wird in die Wirtschaftsfreiheit der Netzbetreiber
eingegriffen. Die Verfügungen müssen deshalb den Voraussetzungen von Art. 36 BV genügen.
Will ein privater Sender eine Aufschaltung gemäss Art. 60
RTVG erreichen, muss in einem Gesuch überzeugend dargelegt
werden, weshalb das Programm einen „besonderen“ Wert im
Sinne von Art. 93 Abs. 2 BV aufweist.
Die Cablecom musste den Fernsehsender „Joiz“ bis zum 26.
Juni 2012 in ihr analoges Fernsehprogramm aufnehmen. Das
Urteil kann dahin gewertet werden, dass das Bundesgericht
neue Medien wie das Internet und die interaktive Kommunikation damit als Bereich der Bildung und der kulturellen
Entfaltung anerkennt.
Das Bundesgericht hält fest, dass die Vorinstanzen ihr Ermessen
in der Bewertung des „besonderen“ Werts des Senders „Joiz“
nicht überschritten haben. Dabei hält das Bundesgericht an
der Aussage des Bundesverwaltungsgerichtes fest: «…, dass
«joiz», welches ein Schwergewicht beim einheimischen Musik-
Hast Du Lust, mitzuwirken und Teil der Blog-Welt zu werden?
Schreib mit beim Blog des Fachverein Jus!
Bewirb dich oder stell uns deine Fragen unter blog@fvjus.ch
Wie studiert man Rechtswissenschaft in Italien?
Betrachtet aus der Perspektive eines Studenten, der die meiste Zeit in seinem
Heimatland sowie ein Semester in der Schweiz studiert hat. Es gilt, drei Punkte zu
berücksichtigen, um die Unterschiede und die Eigenarten aufzuzeigen:
1) Wie lehrt man? 2) Wie lernt man? 3) Was lehrt und lernt man?
Als ich in der Schweiz mein Austauschsemester anfing, habe
ich sofort bemerkt, dass eine andere Lehrmethode angewandt
wurde im Vergleich zu jener, die ich aus Rom kannte. Die
Tradition der Schola bononiensis ist in der ehemaligen „Heimat
des Rechts“ noch stark. Das Kommentieren der Gesetze spielt
in Italien eine wichtige Rolle. Hier ein Beispiel dazu: wenn
man einen Artikel des Codice Civile (entspricht in der Schweiz
dem ZGB) erklären will, beginnt man mit der Lektüre der
Norm (wie eine richtige „Vorlesung“: lautes Vorlesen). Dann
prüft man den Kontext (z.B. den Teil des Gesetzbuchs, in den
der Artikel eingebettet ist) oder man vergegenwärtigt den vorgängigen Gesetzesabschnitt; am Ende versucht man, den Artikel
in der Systematik „unterzubringen“. Nur ausnahmsweise
bringt man ein Fallbeispiel, in dem der besprochene Artikel
angewandt werden könnte. Das ist, was die Professoren am
meisten lehren und „weitergeben“ wollen.
Es gibt aber natürlich auch Ausnahmen: Fallorientierte Vorlesungen setzen sich immer mehr durch, aber nur wenn das
Studium schon vertieft ist (normalerweise finden sie am Ende
des Semesters statt und sind eine praktische Wiederholung der
besprochenen Themen).
Was passiert dann während der Vorlesung? Es stimmt zwar,
dass die Professoren reden und die Studenten nur zuhören,
aber auch dies ist eine Regel, die immer mehr Ausnahmen hat.
Viele Dozenten fordern nunmehr eine persönliche Mitwirkung von den Zuhörern.
Das Verhältnis zu den Professoren ist auch anders als in der
Schweiz. Sie stehen grundsätzlich zur Verfügung, wenn
Studenten Fragen haben, aber es passiert auch, dass das dies
nur während der Sprechstunde oder nur mit den AssistentInnen
möglich ist. Alles ist sehr formell und unpersönlich.
Wie kann ein Student die Prüfungen bestehen?
Die brennende Frage im studentischen Leben ist überall die
gleiche: Wie kann man erfolgreich lernen? Das Problem ist
nicht nur die Note, sondern auch die Kenntnisse, die angesammelt werden müssen.
In Italien sind die Studierenden wirklich frei, ihre Arbeits-
methode zu finden, schon ab der Primarschule. Was bedeutet
frei? Und: funktioniert die „Selbstregulierung“? Das ist keine
juristische Frage, eher eine politische. Wir können aber die
zwei wichtigsten Vorteile und Nachteile beschreiben, die sich
daraus ergeben: 1) Entwicklung grösser Autonomie vs. Unfähigkeit zur Verfolgung vorgefasster Schemata; 2) Wenn es
nicht genügend gefüllte Zeit gibt, kann man die Flexibilität
der Freiheit nutzen vs. Verzweiflung, weil die Zeit nicht reicht,
der Methode zu folgen.
Aber letztlich, wie lernt man? Ich mache es genau so: wenn ich
Zeit habe, lese ich die Unterlagen vor der Vorlesung (aber sie
sind nicht immer zur Verfügung gestellt), nehme dann an der
Vorlesung teil; dann lese ich wieder das Buch oder die Unterlagen und vergleiche dies mit meiner Mitschrift. Am Ende
wiederhole, wiederhole und wiederhole ich. Ist das sehr methodisch? Durch Fehler wird man klug. Bücher und verschiedene
Unterlagen sind typisch. Nur wenige Skripte oder Folien sind
aber aufgeschaltet. Es gibt in Italien kein Repetitorium oder
Das italienische Rechtssystem zeigt sich als ein typisches civil
law System. Das Studium an einer rechtswissenschaftlichen
Fakultät orientiert sich an diesen Charakteristika. Zivilrecht,
Verfassungsrecht, Strafrecht und Prozessrecht sind die Schwerpunkte einer akademischen Karriere. Auch sehr wichtig sind
natürlich Handelsrecht, internationales Recht und europäisches
Recht. Theoretische Sachgebiete wie Geschichte und Philosophie ergänzen das Spektrum. Die erste Vorlesung im Studiengang ist und bleibt römisches Recht. Tradition ist immer wichtig,
aber neue Zeiten zwingen auch andere Ansätze auf. So muss
man in Italien ein Praktikum machen oder eine neue Sprache
lernen. Im letzten Teil des Studiums (wann genau hängt von
Fall zu Fall ab) wählt man das Spezialisierungsfach. Den
Abschluss erzielt man nach 5 Jahren Studium. Es wird nicht
zwischen Bachelor und Master unterschieden. Die Diplomarbeit
ist somit normalerweise umfangreich (mindestens 150 Seiten).
Mit ihr bekommt man, endlich, das Lizenziat.
Am 14. September 2012 fand an der Universität Zürich der Erstsemestrigentag statt.
Rund 650 angehende Jus-Studierende fanden sich um 08.00 Uhr im Hauptgebäude
zu einer ganztägigen Informationsveranstaltung ein.
Der frühe Beginn der Veranstaltung schien die vielen Anwesenden nicht zu stören, bedenkt man, dass das eigentliche
Semester gar noch nicht angefangen hatte. Es gab aber auch
gar keinen Grund zum Einschlafen, denn der neue Vorsteher
der rechtswissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Christian
Schwarzenegger, hatte die Ehre, die frischen Studierenden mit
einer rund halbstündigen Rede zu begrüssen – eine Aufgabe,
die er souverän und mit viel Charme meisterte, sodass die halbe
Stunde im Flug verging. Die Studierenden schenkten lieber
den inspirierenden Erzählungen über seine vergangene Zeit als
Student ihre Aufmerksamkeit als den überall aufgelegten
NZZ. Nach einem grosszügigen Applaus begann der wesentliche Teil des Erstsemestrigentages mit einer Führung und
Informationen über den mehr oder weniger langen Weg des
Jus-Studiums an der Universität Zürich.
Touristenführer und Anonymität
Die Erstsemestrigen wurden gemäss Einladungsbrief in elf
Gruppen eingeteilt, für die jeweils zwei Tutoren verantwortlich
waren. Manch einer fragte sich wohl, was denn ein „Tutor“
überhaupt sei – wie Professoren sahen sie offensichtlich nicht
aus. Doch selbst lateinunkundige Erstsemestrige erkannten in
ihren Tutoren schon bald eine Art Touristenführer. Jeder
bekam eine Tasche, genannt „jusBag“, mit nützlichen Utensilien,
etwa einen Ausdruck der PowerPoint-Folien, die uns später
präsentiert wurden, einen Kugelschreiber, einen Essensgutschein
und – passend zum Jus-Studium – eine Bundesverfassung.
Von gespenstischer Stille begleitet – man hörte nur den Lärm
des Zürcher Stadtverkehrs – machten wir uns auf den Weg
vom Hauptgebäude zum HAH beim Häldeliweg. Die Gruppeneinteilung wurde gemäss Nachnamen der Studierenden vorgenommen, entsprechend war die Wahrscheinlichkeit, dass sich
Leute bereits kannten, verschwindend gering. Dies sollte das
gegenseitige Kennenlernen anregen, doch dazu kam es nur in
begrenztem Umfang. So blieben die meisten von uns lieber
anonym - denn um sich kennenzulernen, bleiben schliesslich
noch einige Jahre Zeit.
Informationsflut und Regale
Welche Vorlesungen muss man besuchen? Wo und wann
finden sie statt? Wie funktioniert das mit den Prüfungen? Mit
diesen Fragen muss sich jeder Studierende befassen, ob nun
Erstsemestriger oder nicht. Ersterem stellt sich aber eine
zusätzliche, essentielle Frage: Wo ist der Stundenplan?
Viele Fragen wurden ausgedacht, nur wenige gestellt. Die
Tutoren, die selbst Studierende sind, kamen uns zuvor und
erläuterten die wichtigsten Dinge. Nach gut anderthalb Stunden
wusste jeder, wie das Studium aufgebaut ist, wie oft man welche
Prüfungen nicht bestehen kann und dass der Stundenplan eine
gewisse Flexibilität aufweist. Wer sich nicht alles merken
konnte, der wusste wenigstens, wo man Auskunft erhalten
könnte. Anschliessend folgte ein Marsch zur Bibliothek des
Rechtswissenschaftlichen Institutes. Dort würden wir, so die
Funktion einer und jeder Bibliothek einer Universität, während
der Zeit der Prüfungsvorbereitung viel Zeit verbringen. Bevor
wir das imposante sechsstöckige Bauwerk betreten durften,
mussten wir uns am Eingangsbereich wehmütig vom Kaffee
und den „jusBags“ trennen, denn gewisse Sachen sind in der
eigentlichen Bücherei nicht erlaubt.
Nach einem anschliessenden Rundgang um den Universitätscampus wurden wir in die Mittagspause entlassen. Da sich
nach wie vor die wenigsten darum bemüht hatten, sich kennenzulernen, ging jeder alleine dorthin, wo es Essen gab, sei dies in
eine der Mensen oder ins Rondell im Lichthof. Dank des Gutscheines war die Mahlzeit gratis, sofern man nicht ein Spezialmenü auswählte. Das oft als wenig appetitlich kritisierte Essen
der Mensen war zumindest in der unteren Mensa weder gut noch
schlecht, das bezeugte zumindest die Masse der Studierenden,
die sich zur Mittagszeit an der Essensausgabe drängelten.
Man kann sich darauf einigen, dass man für angemessene
CHF 5.40 zumindest satt wird.
Studentische Albträume
Was ist denn der Unterschied zwischen einer Lehrperson an
der Mittelschule und einer Professorin oder einem Professor?
Letztere hätten eine höhere Qualifikation, könnte man denken.
So fanden sich in der leicht überfüllten Aula mehr als die Hälfte
der Erstsemestrigen bei der Vorstellung einiger Professoren ein.
Diese betonten jeweils wiederholt, wir hätten uns für ein interessantes, vielseitiges Studium entschieden. Einige stellten hingegen
klar, dass es anspruchsvoll sei und man sich bemühen müsse.
„Welches Studium ist denn überhaupt einfach?“, würde sich
der fleissige Studierende hierbei fragen.
Danach versammelten wir uns wieder in der Gruppe und nach
einer unplanmässig ausgedehnten Wartezeit liefen wir zum
RAI. Nach der Vorstellung der studentischen Vereine erklärten
uns die Tutoren, was auch vielen langjährigen Studierenden
manchmal zum Albtraum wird: die Modulbuchung. Nach den
Erklärungen und Warnungen war klar, wie zu buchen war,
allerdings liess sich das System weder intuitiv bedienen, noch
lief es jederzeit zuverlässig. Hier besteht folglich noch Handlungsbedarf seitens der Verwaltung der Universität Zürich.
Trotz teils langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Posten
endete der Erstsemestrigentag sogar vor der geplanten Zeit.
Die Erstsemestrigen hatten sich nun mit der Flut an neuen
Informationen selbständig auseinanderzusetzen. Nach der
straff organisierten Mittelschule wird der angehende Studierende von der Hochschule regelrecht ins kalte Wasser geworfen
und der Selbstrettung überlassen. So könnte es zumindest
denen ergehen, die den faktisch freiwilligen Erstsemestrigentag nicht besucht haben. Die Tutoren des FVJus leisteten ihren
hilfreichen Beitrag, indem sie uns Anfängern einen Rettungsring nachwarfen, den wir nur noch fangen mussten. Schlussendlich endete ein gehaltvoller Tag und die etwas erschöpften
Studierenden machten sich auf den Weg in ihr letztes Wochenende vor einem langen und hoffentlich abenteuerlichen Studium
der Rechtswissenschaften (an der Universität Zürich).
LA PAGINA DEL CIRCOLO
Matteo Suckow, Vice-Presidente
Fra poco meno di un anno ci troveremo confrontati con una riforma radicale
che toccherà sia il sistema di studi del Master e quello del Bachelor.
Proprio le modifiche che riguardano quest’ultimo sono al centro delle
discussioni e dei pensieri degli studenti di diritto che saranno
protagonisti di questo grande cambiamento.
Che c’era qualcosa che non andava lo sapevano (quasi) tutti. Il
clima che si respirava nei corridoi dell’RWI e tra le aule
dell’università era tanto più teso quanto più ci si avvicinava al
periodo d’esami, ma anche nei momenti più tranquilli dell’anno
c’era un senso di insoddisfazione latente che aleggiava nell’aria.
Anche i più ottimisti finivano per rendersi conto che non tutte
le lamentele erano così ingiustificate e nonostante il grande
prestigio di cui godeva (e gode tuttora) l’UZH, con il tempo
questa situazione sarebbe potuta divenire dannosa per tutto
l’ambiente accademico.
Il malcontento fra gli studenti della facoltà di diritto era spesso
troppo forte per non essere percepito anche da chi si trova
dall’altra parte della cattedra in quanto responsabile
dell’organizzazione dei nostri percorsi di studio. È per questo
che circa due mesi fa, dopo quasi due anni di lavori preparatori,
il decanato ci ha informati di questo importante cambiamento
che, a differenza di quello che era successo per il passaggio da
Lizenziat a sistema Bachelor/Master, a partire dal prossimo
anno coinvolgerà tutti gli studenti iscritti alla facoltà di diritto.
Insicurezza e auspici
Una riforma tanto attesa quanto temuta perché come tutti i
cambiamenti porta con sé un carico di insicurezza. “Mi toglieranno tutti i punti che ho conseguito? Non ci saranno più
le mie materie preferite? Quando saranno gli esami?” sono solo
alcune delle domande che sono balzate nella testa di ognuno di
noi e che solo con il confronto con i compagni e con la pubblicazione dei vari regolamenti hanno trovato una risposta. Una
risposta soddisfacente? “Dipende!” verrebbe da dire attingendo
a tutto il nostro spirito di giuristi.
Anche se la risposta della maggior parte degli alunni è stata
decisamente fredda bisogna infatti essere obiettivi e riconoscere i vantaggi portati dal nuovo sistema di studi. L’anno di Assessment sembra per esempio essere strutturato in modo più
convincente con una focalizzazione sulle materie più importanti e l’aggiunta di un modulo incentrato sulla redazione di
un lavoro giuridico, punto essenziale nella formazione di un
giurista. Inoltre, l’eliminazione delle “fastidiose” Wahl da 3
ECTS, l’aumento delle ore di esercizi e l’aggiunta di una materia – transnationales Recht – che in un mondo globalizzato
come il nostro è ormai diventata una parte imprescindibile della nostra formazione rappresentano sicuramente dei punti di
forza di questo nuovo Bachelor. Finalmente sembra sia stato
alleggerito quel piano di studi che inizialmente era stato pensato per permettere di sostenere l’esame di avvocatura dopo soli
tre anni e che non era più stato modificato dopo che questo
ambizioso progetto non era andato in porto.
Un particolare di fondamentale importanza
Ciò che però non riesce proprio a convincere gli studenti
è la scelta di proporre una sola sessione di esami durante
tutto l’anno accademico. Se l’intento di diminuire
l’eccessivo stress, provocato da esami a scadenza troppo
ravvicinata, è pienamente condiviso da tutti (in quanto
permetterebbe agli studenti di avere la tranquillità necessaria per concentrarsi sulla loro crescita formativa) non si
riesce a capire in che modo l’accumulo di esami in un solo
momento dell’anno possa radicalmente migliore la situazione. La soluzione più intuitiva, che per altro è stata scelta da numerose facoltà di diritto in Svizzera e non, è quella di una sessione principale, nel nostro caso a giugno, e
una di recupero, che potrebbe essere fissata durante le
vacanze invernali. Questo sistema permetterebbe infatti
di combinare i vantaggi di un piano di lezioni su base
annua e di una sessione aggiuntiva che eviterebbe a molti
allievi una protrazione eccessiva degli studi. Non bisogna
dimenticare che il prolungamento del percorso scolastico
di un intero anno è sia psicologicamente che economicamente problematico per qualsiasi studente, ancora di più
per coloro che affrontano lo studio in una lingua diversa
dalla propria e che spesso per questioni di adattamento
sono costretti a rinunciare all’idea di concludere il Bachelor in “soli” tre anni (come proposto dall’UZH). Combinare i desideri dei docenti, più propensi alla diminuzione del numero degli esami – sempre sinonimi di
estenuanti lavori di correzione – e le speranze degli studenti, che mirano a concludere quanto prima il loro percorso formativo, tramite l’aggiunta di una sessione aperta
solo ed esclusivamente a coloro che non ce l’hanno fatta a
superare un modulo al primo colpo, potrebbe dare una
svolta decisamente positiva a questa riforma della discordia.
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An dieser Stelle möchten wir gerne wieder über Spannendes rund um den Fachverein
berichten. Neben vielen etablierten Events wird es auch einen neuen Grossanlass geben,
an welchen der Fachverein beteiligt ist.
Im November 2011 organisierte der Fachverein Jus gemeinsam
mit Hieronymus und der Universität Zürich die juristische
Jobmesse „Connext“. Das Echo der Studierenden war durchwegs positiv. Gerne möchten wir ein solches Angebot auch in
Es freut uns sehr, unsere Partnerschaft mit AIESEC Zürich
bekannt geben zu können. AIESEC Zürich organisiert jedes
Jahr im März die Career Days im Lichthof der UZH. Diese
bestehen aus Präsentationen, Workshops und einer Standmesse,
bei der Studierende mit Unternehmen in Kontakt treten können.
Der Fachverein Jus wird darum bemüht sein, eine Vielzahl
interessanter Unternehmen für die Career Days einzuladen.
Wir freuen uns bereits jetzt auf die nächste Ausgabe der Career
Days im März 2013.
Erneute Sonntagsöffnungen der RWI Bibliothek
Im letzten Semester hatte die RWI-Bibliothek auf Initiative des
Fachvereins im Vorfeld der Prüfungen erstmals auch sonntags
geöffnet. Das Angebot wurde von den Studierenden intensiv
genutzt und auch aus Sicht der Bibliotheksleitung war der
Versuch ein Erfolg. Die Bibliothek wird daher auch in diesem
Semester an einigen Sonntagen vor den Prüfungen geöffnet
Es kann an den Sonntagen des 16./23./30.12.2012 und am
06.01.2013 im RWI gelernt werden.
Gerichtsbesuch des Fachvereins
In diesem Semester hat der Fachverein wieder 30 Mitgliedern
ermöglicht, an einer Gerichtsverhandlung am Bezirksgericht
Zürich teilzunehmen. Vor der Verhandlung hat die Gerichtsleitung uns alles Wichtige über die Organisation des Bezirksgerichts erklärt. Zudem wurden wir informiert, wie der Bewerbungsprozess am Gericht aussieht und welche Anforderungen
bestehen. Nach der Verhandlung hatten die Teilnehmer die
Möglichkeit, dem Richter Fragen zum Entscheid zu stellen
und sich über die gewonnenen Eindrücke auszutauschen.
Social Events des Fachvereins
Auch das gesellige Beisammensein kam in diesem Semester im
Fachverein nicht zu kurz. Neben den etablierten Anlässen wie
dem Fachvereinsabend, der Movienight und dem Essen nach
den Aktivmitgliederversammlungen standen in diesem Semester
auch noch andere Aktivitäten auf dem Programm. So wanderten
wir Ende Oktober an einem Wochenende auf den Piz Kesch
und genossen das Herbstwetter, beim Paintball spielen schossen
wir uns den Stress von der Seele und im Dezember nahmen wir
mit zwei Teams an der Volleynight des ASVZ teil.
Mitmachen im Fachverein
Jeder kann im Fachverein mitmachen. Auf unserer Homepage
www.fvjus.ch findest Du im Kalender die Daten unserer
Anlässe. Gerne stellen wir den Fachverein persönlich vor und
zeigen Dir, wo wir Hilfe benötigen. Für die Aktivmitgliederversammlungen sind wir jeweils froh um eine kurze Anmeldung
an contact@fvjus.ch. Alle Neuigkeiten erhältst du auch per
Mail, wenn du dich auf unserer Homepage registrierst. Unser
jusMail hat schon einige im letzten Moment an den Ablauf der
Modulbuchungsfrist erinnert.
Hast du eine Idee für ein Projekt, das an unserer Fakultät
unbedingt realisiert werden muss oder willst Du eine Idee
umsetzen? Auch dafür haben wir immer ein offenes Ohr!
Melde dich bei uns und wir schauen, ob eine gemeinsame
Umsetzung möglich ist.
Alles Gute im Studium wünscht
Moritz Schmid, Präsident Fv Jus
Die gute Nachricht vorweg: HaWi ist, entgegen vormals geäusserter Befürchtungen, nicht tödlich. Zima treibt sich also jetzt im
Master herum. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass die nächste juristische Arbeit nicht lange auf sich warten lassen wird –
und da Zimas Vergangenheit in dieser Hinsicht nicht eben ruhmreich ist (ausführlich dazu ZIMA, Kolumne, N’Jus 2/2011, 35),
musste ein neues Konzept und vor allem Inspiration her.
Nachdem Zima viel gelesen und gehört, einige Seminare besucht und mancher Diskussion unter Fachleuten beigewohnt hatte,
war der Fall klar: Eine juristische Arbeit muss die richtigen Fragen stellen. Am besten solche, auf welche ein Erstsemester noch
keine spontane Antwort parat hat, und die gleichzeitig nicht dermassen an den Haaren herbeigezogen sind, dass ihnen jegliche,
wenn auch nur virtuelle, Relevanz abgeht.
Wie dem auch sei, Zima hat sich in letzter Zeit aufs Fragen stellen (und beurteilen) verlegt. Dabei wurde aber schnell klar, dass
sich an unserer Fakultät noch einige Fragen mehr stellen als nur rechtliche. Vielleicht hat der geneigte Leser ja eine Antwort auf
1. Warum lernen heutige Erstsemester nicht mehr binnen zweier Wochen, dass man nach der Vorlesung nicht klatscht,
sondern klopft? Und warum sind Höhersemestrige so blöd, diesen Unsinn zu übernehmen?
2. Warum ist immer ausgerechnet die nächstgelegene Toilette in Reinigung? Und warum gerade während der Pause?
3. Warum gibt es nur in der RWI-Cafeteria essbare Sandwiches? Und was soll diese unsägliche „Butter-Margarine-Mischung“
in allen anderen Mensa-Sandwiches? (Nein, sie sind auch nicht billiger als diejenigen unserer Cafeteria!)
4. Warum haben sich die Leute immer genau an der Stelle „uuuu mega lang nüm gseh“, wo es eng ist und viele Leute durchgehen
möchten? Und warum merkt das durchschnittliche Individuum in solchen Fällen nicht, dass es im Weg steht?
5. Warum gibt es im RWI auf zwei Stockwerken ein Laptop-Verbot, wenn hohe Absätze, Whatsapp-vibrierende Handys und
ständig klickende Leuchtstifte (manche Leute benutzen tatsächlich 5 (!) Farben gleichzeitig) viel mehr nerven?
6. Warum haben die Zahnmediziner eine eigene Mensa mit warmen Menus und wir nicht?
7. Warum ist immer genau das Buch, welches man dringend für die Seminararbeit benötigt, in der ZB dreimal vorgemerkt
und im RWI verschollen oder von einem Lehrstuhl ausgeliehen?
8. Warum fällt die Vorlesung genau an jenem Tag aus, an welchem man sich rechtzeitig aus dem Bett gequält hat?
9. Warum ist die brennendste Frage vieler Erstsemester, ob man auch studieren könne, ohne die Vorlesungen zu besuchen?
Ist die Uni denn so schrecklich?
Aber die wichtigste Frage ist selbstverständlich:
10. Warum muss man Schlange stehen und eine Plastikkarte vorweisen, um sein Bachelordiplom zu erhalten?
Handelt es sich etwa um ein Sonderangebot mit vielen Cumulus-Punkten?
Bist du noch in Assessment-Form? Das kannst du mit dem folgenden Lückentext testen:
Vervollständige die 1. August-Rede von Ex-Bundesrat (und Jurist) Moritz Leuenberger,
die den Stoff Öffentliches Recht I abdeckt.
„Die Qualität der direkten Demokratie zeigt sich […] insbesondere in den 
(1 Wort), in
denen wir zu den Entscheidungen gelangen. Idealerweise möchten wir in der Demokratie ja einen
(1 Wort) anstreben: Die verschiedenen Interessen so lange abgleichen und
austarieren, bis eine Lösung gefunden ist, die alle akzeptieren können. Doch das ist eine Illusion. Meist
muss ein 
(1 Wort) gefällt werden. Und so ist besonders wichtig: Selbst wenn ein
solcher Entscheid demokratisch legitimiert ist, muss er gegenüber den 
(max. 3 Worte) gerechtfertigt werden können, so dass sich diese damit abfinden können. Daher muss die
Demokratie so organisiert werden, dass 
(max. 10 Worte). Dies wollen unsere langwierigen Vernehmlassungen,
Kommissionsberatungen und Differenzbereinigungen erreichen.“
„Wir sind zu Recht stolz auf die Besonderheiten unseres politischen Systems, auf unsere 
(2 Worte).“
„[…] Wir dürfen daraus nicht den Kurzschluss ziehen, wir seien 
unabhängig. Wir sind
abhängig vom 
(max. 5 Worte). Die Finanzkrise hat es
gezeigt. Diese Abhängigkeit nimmt zu, weil 
(max. 3 Worte)
voran schreitet. Wir sind zudem abhängig von der EU, und auch diese Abhängigkeit nimmt zu, weil sich die
EU ständig weiter entwickelt.“
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Steven Rüttimann
N‘Jus
Zeitschrift der Zürcher
Jusstudierenden
Redaktion N‘Jus®
Rämistrasse 74/66
www.fvjus.ch
njus@fvjus.ch
Lektoratsverantwortliche:
Juan Armas Pizzani
Sebastian Ochalek
Eliane Welte
Oliver Eidenbenz
Druck und Auflage:
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N'Jus HS 12
Zeitschrift der Jusstudierenden der UZH.

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