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Timestamp: 2017-06-28 05:30:55+00:00

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wetreu - Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Rechtsberatung: Bauernblatt 04/2011
Das Steuerrecht sieht für Eltern (-teile) eine Vielzahl von kindsbedingten Vergünstigungen vor. Diese Regelungen unterliegen ständigen gesetzlichen Veränderungen und sind in komplizierten Vorschriften geregelt. Jeder, der in seiner eigenen Einkommensteuererklärung entsprechende Angaben zu den eigenen Kindern macht, erkennt schnell, welcher Umfang möglicher Eintragungen besteht.
Seit dem Veranlagungszeitraum 2007 werden Kinder einkommensteuerrechtlich und auch im Bezug auf das Kindergeld nur noch berücksichtigt, wenn sie das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr muss sich das Kind zur Berücksichtigung zum Beispiel in Berufsausbildung befinden. Zudem darf das jährliche Einkommen des Kindes 8.004 € (ab 2010) nicht übersteigen. Einsparungspotenziale bei der Einkommensteuer ergeben sich in nachfolgenden Bereichen:
Kinderfreibeträge und Betreuungsfreibeträge
Für jedes Kind im Sinne des Einkommensteuergesetzes (EStG) erhalten die Eltern einen Kinderfreibetrag in Höhe von 1.932 € (Ehegatten: 3.648 €) und einen Betreuungsfreibetrag in Höhe von 1.080 € (Ehegatten: 2.160 €). Im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung wird seitens des Finanzamtes eine Günstigerprüfung durchgeführt. Ist der Ansatz der Freibeträge günstiger (dies ist überwiegend bei besser verdienenden Eltern der Fall), wird das bereits im Laufe des Jahres ausgezahlte Kindergeld dem Einkommen der Eltern wieder hinzugerechnet, und die Freibeträge kommen zum Abzug.
Aufwendungen der Eltern für die Schule des Kindes sind gemäß § 10 Absatz 1 Nr. 9 EStG als Sonderausgaben abzugsfähig. Dabei kann lediglich das Schulgeld, nicht aber die Ausgaben für die Betreuung, Beherbergung und Verpflegung berücksichtigt werden. Unter das Schulgeld fallen außerdem keine Studiengebühren. Der Sonderausgabenabzug ist auf 30 % der Ausgaben pro Jahr und Kind beschränkt und darf maximal 5.000 € betragen. Auch Zahlungen an Schulen, die in einem anderen EU-Staat oder im europäischen Wirtschaftsraum liegen, sind als Sonderausgaben abzugsfähig.
Befindet sich ein volljähriges Kind, für das ein Anspruch auf Kindergeld besteht, in Ausbildung, ist es auswärtig untergebracht und hat keine oder nur geringe eigene Einkünfte, können besondere außergewöhnliche Belastungen gemäß § 33a Absatz 2 EStG in Höhe von 924 € jährlich steuermindernd geltend gemacht werden. Hier ist auf die eigenen Einkünfte des Kindes zu achten. Übersteigen diese jährlich 1.848 € (monatlich 154 €) werden die abziehbaren besonderen außergewöhnlichen Belastungen gekürzt. Zudem wird der Freibetrag in Höhe von 924 € um die aus öffentlichen Mitteln erhaltenen Ausbildungshilfen (zum Beispiel Bundesausbildungsförderungsgesetz) gekürzt.
Als weitere besondere außergewöhnliche Belastungen sind gemäß § 33a Absatz 1 EStG Unterhaltszahlungen an unterhaltsberechtigte Angehörige (dazu gehören auch Kinder) in Höhe von 8.004 € absetzbar. Eigene Einkünfte der unterhaltsberechtigten Person werden auf den Betrag angerechnet, soweit sie 624 € übersteigen. Der Ansatz setzt voraus, dass die Person keinen Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibeträge hat.
Kinderbetreuungskosten ansetzen
Kinderbetreuungskosten, die durch die Erwerbstätigkeit beider Elternteile entstehen, können gemäß § 9c Absatz 1 EStG steuermindernd berücksichtigt werden. Der Abzug erfolgt als Betriebsausgabe oder Werbungskosten unter folgenden Voraussetzungen: Das Kind muss jünger als 14 Jahre alt sein oder älter und behindert. Es muss zum Haushalt der Steuerpflichtigen gehören. Bei zusammenlebenden Elternteilen müssen beide erwerbstätig sein.
Der Betriebsausgaben- beziehungsweise Werbungskostenabzug beträgt zwei Drittel der Aufwendungen, maximal 4.000 €. Ist keiner oder nur ein Elternteil erwerbstätig, können die Kinderbetreuungskosten im Rahmen des Sonderausgabenabzugs berücksichtigt werden. Dabei ist wie folgt zu unterscheiden:Geht es um Betreuungsaufwand für Kinder bis zum 13. Lebensjahr oder ältere und behinderte Kinder, ist der Sonderausgabenabzug nur möglich, wenn sich der Steuerpflichtige in Ausbildung befindet, behindert oder mindestens drei Monate krank ist. Beide Elternteile müssen bei Zusammenleben diese Voraussetzungen erfüllen, oder bei Erfüllen der Voraussetzungen durch ein Elternteil muss der andere erwerbstätig sein.Liegen die vorgenannten Voraussetzungen nicht vor, kommt der Sonderausgabenabzug nur dann in Betracht, wenn das Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat, das sechste aber noch nicht.Der Sonderausgabenabzug erfolgt in beiden Fällen wie beim Abzug der erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten in Höhe von zwei Dritteln des Aufwands, maximal 4.000 €.
Eine Steuerermäßigung gemäß § 35a EStG für haushaltsnahe Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung kommt nur in Betracht, wenn keine andere steuerliche Abzugsmöglichkeit besteht. Beispielsweise kann die Steuerermäßigung nach § 35a EStG für den Teil der Aufwendungen beansprucht werden, der durch den Ansatz der zumutbaren Eigenbelastung nicht als außergewöhnliche Belastungen absetzbar ist. Außerdem kann eine Steuerermäßigung erfolgen, wenn die oben genannten Voraussetzungen zur Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten nach § 9c EStG nicht erfüllt sind.
Voraussetzung für die Steuerermäßigung ist, dass die Dienstleistungen „haushaltsnah" erfolgen, das heißt im Privathaushalt des Steuerpflichtigen. Außerdem muss es um die Betreuung des Kindes gehen, Kosten für den Unterricht oder die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sind nicht berücksichtigungsfähig. Bei haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen in Form einer geringfügigen Beschäftigung kommt es zu einer Steuerermäßigung um 20 %, maximal 510 €, der Aufwendungen. Bei anderen haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen oder Dienstleistungen erfolgt ebenfalls eine Steuerermäßigung um 20 %, maximal 4.000 €, der Aufwendungen.
Kosten bei Behinderungen der Kinder
Entstehen Eltern Aufwendungen durch die nachgewiesene Behinderung ihres Kindes, können diese als allgemeine außergewöhnliche Belastungen in Ansatz gebracht werden. Erstattungen Dritter und die zumutbare Eigenbelastung werden gegen die Aufwendungen gerechnet, diese fallen damit geringer aus. Anstelle der außergewöhnlichen Belastungen kann der Behinderten-Pauschbetrag gemäß § 33b EStG geltend gemacht werden. Der Pauschbetrag für ein Kind ist gemäß § 33b Absatz 5 EStG auf Antrag bei den Eltern abzuziehen, wenn das Kind ihn nicht selbst in Anspruch nimmt. Bei behinderten Kleinkindern, die in der Regel hilflos sind, kann noch ein Pflege-Pauschbetrag gemäß § 33b Abs. 6 EStG gewährt werden.
Nicht nur bei der Erstellung der Einkommensteuererklärung können Kinder steuermindernd berücksichtigt werden. Auch im Bereich der steuerlichen Gestaltung ergeben sich durch Kinder Möglichkeiten, um zum einen die Gesamtsteuerbelastung der Familie zu reduzieren und zum anderen die Kinder abzusichern und in die Unternehmensnachfolge einzubinden.
Übertragung von Einkommensquellen
Da in der Regel die Einkünfte der Kinder niedriger als die der Eltern sind, kann eine Übertragung von Einkunftsquellen sinnvoll sein. Hier ist bei Kindern, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, die Einkunftsgrenze in Höhe von 8.004 € zu beachten. Verdient das volljährige Kind mehr, schließt das die Gewährung von Kindergeld beziehungsweise des Kinderfreibetrags aus.
Weiterhin sollten mögliche nachteilige Folgen im Sozialversicherungsbereich im Auge behalten werden. Hier ergeben sich viele Gestaltungsmöglichkeiten, zum Beispiel: Das Kind wird als Arbeitnehmer im elterlichen Betrieb beschäftigt. Die Eltern können das Arbeitsentgelt in vollem Umfang als Betriebsausgaben abziehen. Bei dem Kind kommt es bei einer gering entlohnten Aushilfstätigkeit zu keiner Steuerbelastung oder wenigstens zu einer geringeren als bei den durch die Progression relativ hoch besteuerten Eltern. Zudem bleibt der gezahlte Arbeitslohn in der Familie. Dieses Steuerspar-Modell ist nicht nur auf Eltern beschränkt, die Unternehmer sind. Auch gut verdienende, zum Beispiel leitende Angestellte, können ihre Kinder als sogenannte Unterarbeitnehmer beschäftigen.
Alternativ zu der Geldaufnahme bei einer Bank kann auch eine Kreditgewährung innerhalb der Familie attraktiv sein. Soweit freies Kapital bei den Kindern vorhanden ist, beispielsweise durch Schenkungen der Großeltern, ergeben sich für beide Seiten steuerlich erfreuliche Folgen. Die mit der Darlehensgewährung im Zusammenhang stehenden Zinseinnahmen muss das Kind bei entsprechend niedrigen Gesamteinkünften nicht versteuern. Die Eltern können die gezahlten Zinsen als Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben abziehen. Zudem bleiben die Zinsen, wie im vorgenannten Fall, in der Familie.
Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen im privaten Bereich der Abgeltungssteuer. Hier ist eine Übertragung der Einkunftsquellen nicht nur bei Kindern günstig, deren Gesamteinkünfte das steuerliche Existenzminimum in Höhe von 8.004 € unterschreiten, sondern auch bei gering verdienenden Kindern. Denn liegt der persönliche Steuersatz unter 25 %, kann im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung die Besteuerung nach dem individuellen, persönlichen Steuersatz beantragt werden. Der Eingangssteuersatz liegt momentan bei 14 %. Eine Übertragung von Kapitalvermögen ist insofern sinnvoll, wenn der Steuersatz des Kindes unter 25 % liegt.
Bei Gesellschaftsbeteiligungen mit den Kindern kommen mehrere Möglichkeiten in Betracht, die auch im Rahmen einer schrittweise vorgenommenen Nachfolgeregelung ergänzend in Anspruch genommen werden können. Neben einer echten unternehmerischen Beteiligung, die das gesamte unternehmerische Risiko in sich birgt, wäre eine echte stille Beteiligung oder ein partiarisches Darlehen mit niedrigem Festzins zuzüglich Gewinnbeteiligung denkbar. Bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) muss die Besonderheit der verdeckten Gewinnausschüttung beachtet werden. Denn werden die Kinder aufgrund des Familienverhältnisses in ungerechtfertigter Weise oder Höhe begünstigt, ist der Betriebsausgabenabzug auf der Ebene der GmbH ausgeschlossen. Zudem wird die verdeckte Gewinnausschüttung den Eltern als Einkünfte aus Kapitalvermögen einkommensteuerlich zugerechnet.Bei den vorgenannten Möglichkeiten spielt die Vertragsgestaltung eine entscheidende Rolle. Denn besonders bei nahestehenden Personen wird auf Einzelheiten seitens der Finanzbehörde gezielt geachtet. So ist es wichtig, dass die Regelungen wie zum Beispiel Zinssatz, Laufzeit, Arbeitsentgelt und so weiter einem Fremdvergleich standhalten.
Die Einbringung eines Einzelunternehmens in eine Familienpersonengesellschaft bietet sich in der Landwirtschaft als Mittel zur Beteiligung von Kindern an. Das klassische Instrument des Generationenwechsels ist in der Landwirtschaft allerdings die Hofübergabe im Wege der vorweggenommenen Erbfolge gegen Altenteilsleistungen. Die nach § 24 Umwandlungssteuergesetz (UmwStG) ohne Aufdeckung stiller Reserven mögliche Beteiligung eines Kindes am landwirtschaftlichen Betrieb als Mitunternehmer nach dem Zweistufenmodell erlaubt es dagegen, zunächst den Hof gemeinschaftlich zu bewirtschaften, bis der Vater schließlich seinen Mitunternehmeranteil unentgeltlich und damit nach § 6 Absatz 3 EStG zum Buchwert gegen Altenteilsleistungen auf sein Kind überträgt.
Transaktionen von Eltern auf Kinder gegen Versorgungsleistungen können einkommensteuerlich besonders interessant sein, allerdings nur noch im unternehmerischen Bereich. Einkommensteuerlich rentiert sich eine solche Gestaltung, wenn ein Steuersatzgefälle zwischen dem Übertragenden und dem Vermögensnachfolger besteht.
Der Vermögensnachfolger kann die Versorgungsleistungen als Sonderausgaben bei einem in vielen Fällen vergleichsweise hohen Steuersatz geltend machen, während der Übertragende diese Bezüge meist bei einem niedrigeren Steuersatz zu versteuern hat. Schenkungsteuerlich kommt ein sogenannter Kapitalwert der Versorgungsleistung steuermindernd zum Abzug.
Bei der Übertragung von Vermögen auf Kinder schon zu Lebzeiten der Eltern gilt das Motto „Je früher, desto besser“. Im Rahmen einer vorweggenommenen Erbfolge beispielsweise können Steuerprivilegien und Freibeträge so ausgenutzt werden, dass in der Gesamtbelastung viel Erbschaftsteuer gespart werden kann. Der persönliche Freibetrag im Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht bei Kindern beträgt 400.000 €. Zusätzlich wird ein besonderer Versorgungsfreibetrag für das Kind gewährt, die Höhe hängt vom Alter des Kindes ab. Bei einem Alter bis zu fünf Jahren wird dem Kind der Höchstbetrag von 52.000 € gewährt.
Schenken beide Elternteile, verdoppeln sich die persönlichen Freibeträge sogar. Außerdem stehen jedem Steuerpflichtigen die persönlichen Freibeträge alle zehn Jahre neu zu. Eine langfristig durchdachte Vermögensübertragung ist somit empfehlenswert. Bei der Übertragung von Betriebsvermögen auf das Kind werden 85 %, unter bestimmten Voraussetzungen sogar 100 % des Vermögens von der Steuer verschont.

References: § 10
 § 33
 § 33
 § 9
 § 35
 § 35
 § 9
 § 33
 § 33
 § 33
 § 24
 § 6