Source: https://www.ukh.de/praevention/fachthemen-uebergreifend/persoenliche-schutzausruestung/
Timestamp: 2019-09-23 17:36:33+00:00

Document:
Unfallkasse Hessen: Persönliche Schutzausrüstung
Die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wird in den §29 ff der GUV – V A1 „Grundsätze der Prävention“ und als staatliche Vorschrift in der „PSA-Benutzungsverordnung – PSA-BV“ geregelt. Dort heißt es in § 1
Persönliche Schutzausrüstung kommt immer dann zum Einsatz, wenn es keine technischen oder organisatorischen Möglichkeiten gibt, eine Gefährdung der Mitarbeiter wirkungsvoll zu verhindern. Es ist aber wichtig, zunächst genau diese Möglichkeiten zu überprüfen. Das so genannte TOP – Prinzip (Technik – Organisation – Person) stellt den Schutz durch individuelle Schutzmaßnahmen bewusst an das Ende der Maßnahmenkette. Erst wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt oder trotz aller Maßnahmen eine Restgefährdung verbleibt, muss persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt werden. Die Versicherten sind gemäß § 30 (2) GUV-V A1 „Grundsätze der Prävention“, dann selbstverständlich auch dazu verpflichtet, die bereitgestellte PSA zu benutzen.
Ein wichtiger Aspekt hierbei ist auch der Begriff „individuell“. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist die persönliche Schutzausrüstung immer auf eine bestimmte Person zugeschnitten. Diese grundsätzliche Vorgabe des Gesetzgebers unterscheidet dabei nicht nach Dauer oder „Qualität“ des Arbeitsvertrages.
Weiterhin ist in der PSA-Benutzungsverordnung klar und eindeutig vorgegeben, dass die Wartung und Pflege der PSA in der Verantwortung des Arbeitgebers liegt.
§ 2 (4) Durch Wartungs-, Reparatur- und Ersatzmaßnahmen sowie durch ordnungsgemäße Lagerung trägt der Arbeitgeber dafür Sorge, dass die persönlichen Schutzausrüstungen während der gesamten Benutzungsdauer gut funktionieren und sich in einem hygienisch einwandfreien Zustand befinden.
Dabei sind betriebsspezifische Lösungen, welche die betriebliche Situation angemessen berücksichtigen, in bestimmten Fällen durchaus denkbar. Die Reinigung von Warnkleidung wird insbesondere in kleineren Kommunen häufig so organisiert, dass die Beschäftigten ihre Schutzkleidung selber waschen und dafür einen monetären Ausgleich erhalten. Dies ist zunächst überhaupt nur dann möglich, wenn die Biostoffverordnung nicht zur Anwendung kommt. Aber auch dann muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass die PSA immer voll funktionsfähig ist. Der grundsätzlichen Verpflichtung gemäß § 2 (4) PSA-Benutzungsverordnung kann sich der Arbeitgeber auch mit einer solchen Lösung nicht entziehen. Bei der Beschaffung hat er die Versicherten, in aller Regel vertreten durch den Personal- bzw. Betriebsrat, zu hören (vrgl. § 29 (1) GUV-V A1 „Grundsätze der Prävention“
Woher weiß man, welche persönliche Schutzausrüstung benötigt wird?
Grundlage für die Bedarfsermittlung ist die Gefährdungsbeurteilung. Der Arbeitgeber muss zunächst ermitteln, welche Gefahren und Gefährdungen es bei den Tätigkeiten gibt, die bei den zu erfüllenden Arbeitsaufgaben anfallen. Gegen diese Gefährdungen ergreift er Maßnahmen nach dem o.a. T-O-P-Prinzip.
Um die Auswahl von persönlicher Schutzausrüstung zu erleichtern, stellt das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) Praxishilfen für die Beschaffung von Persönlicher Schutzausrüstung aller Art zur Verfügung. Die Praxishilfen finden Sie hier!
Es empfiehlt sich, Arbeitsschutzexperten wie die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt in die Beschaffungsvorgänge einzubeziehen.
Im Prinzip gibt es persönliche Schutzausrüstungen für nahezu alle Gefährdungen, die bei Arbeitsaufgaben auftreten können. Einige, die allgemein häufig zum Einsatz kommen, sollen hier kurz besprochen werden. Dies sind:
Warnkleidung dient dazu, die Versicherten so auffällig zu machen, dass sie bei Tag und Nacht und bei eingeschränkter Sicht für andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig wahrnehmbar sind, um entsprechende Gefährdungen zu vermeiden. Die Kriterien für die Beschaffung werden in der DIN EN ISO 20471 unter Berücksichtigung der „Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen (RSA)“ formuliert. Dies und einiges mehr wird in der Informationsschrift GUV-I 8591 „Warnkleidung “ ausführlich beschrieben. In Deutschland zugelassene Warnfarben sind das fluoreszierende Orange-Rot und seit Ende März 2008 auch das fluoreszierende Gelb.
Mehr zu Warnkleidung finden Sie hier!
Für Versicherte, die regelmäßig Tätigkeiten im Freien ausüben, ist ein persönlicher Schutz gegen Witterungseinflüsse zu gewährleisten. Oft ist eine Kombination aus Warn- und Wetterschutzkleidung sinnvoll.
Fußschutz bzw. Sicherheitsschuhwerk
Sicherheitsschuhwerk dient dazu, die Füße vor Verletzungen zu schützen. Für sehr viele Tätigkeiten ist es erforderlich, an die Gefährdungssituation angepasst Sicherheitsschuhwerk zu tragen. Bei der Beschaffung sollte in jedem Fall bedacht werden, dass die Träger die Schuhe meist den ganzen und dann auch jeden Arbeitstag tragen müssen. Hier sind eine angemessene Qualität und ein angemessener Tragekomfort vorzusehen um die Mitarbeiter nicht durch das Tragen zusätzlich zu belasten und dadurch in ihrer Gesundheit zu gefährden. Eine Investition in die Qualität und den Komfort der Schuhe lohnt sich aber. Ein einziger Ausfalltag ist meist deutlich teurer als angemessenes Schuhwerk. Weitergehende Informationen dazu finden sich in der GUV – R 191 „GUV-Regel Benutzung von Fuß- und Knieschutz“.
Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Möglichkeiten seine Hände zu gefährden aber auch, sie angemessen zu schützen. Der übliche Handschutz wird über Handschuhe sichergestellt. Dabei ist zu bedenken, dass es sehr unterschiedliche Handschuhe für unterschiedliche Einsatzzwecke gibt. Die Gefährdungen für die Hände ergeben sich meist mechanisch (quetschen, stumpfer Schlag, Stich- oder Schnitt) oder durch Stoffe, welche die Haut reizen, verätzen oder sensibilisieren können. Darüber hinaus gibt es noch Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe oder auch durch Feuchtigkeit von außen oder auch durch Feuchtigkeit im Handschuh. Weitere Infos dazu stehen in der GUV-Regel Benutzung von Schutzhandschuhen, GUV-R 195. Zu bedenken ist dabei aber auch, dass sich die Versicherten durch das Tragen der Handschuhe nicht zusätzlich gefährden dürfen. Dies ist zum Bespiel dann der Fall, wenn bei der Qualität der Handschuhe gespart wurde (sensibilisierend z.B. durch Chromat), oder „Fangstellen“ vorhanden sind, die bei verschiedenen Tätigkeiten sehr gefährlich sein können oder, dass die Mitarbeiter nicht wissen, dass die Schutzwirkung z.B. bei Chemikalienschutzhandschuhen zeitlich eng begrenzt ist ohne das man dies optisch ohne weiteres wahrnehmen kann.
Handschuhe sind hinsichtlich ihrer Schutzwirkung gekennzeichnet:
Darüber hinaus gibt es noch weitere Kennzeichnungen, z.B. zum Schutz gegen einen Fallschnitt oder gegen Strahlung oder statische Elektrizität.
Die übliche Kennzeichnung besteht aus dem Konformitätszeichen, der Chargennummer, der Herstellerbezeichnung, der berücksichtigten Normen, der Handschuhgröße sowie Nummern, die das jeweilige Leistungsniveau beschreiben.
Lärmschwerhörigkeit ist eine der häufigsten Berufskrankheiten. Bei einer Gefährdung durch Lärm, und die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung - LärmVibrationsArbSchV gibt hier klare Vorgaben, muss der Mitarbeiter wirkungsvoll geschützt werden. Falls die Gefährdung durch technische oder organisatorische Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden kann, wird dies durch einen geeigneten Gehörschutz erreicht, Dabei kann man zwischen einer Vielzahl von unterschiedlichen Gehörschützern auswählen. Wichtig ist hierbei, dass die Aspekte Dämmung, Hygiene, und vor allem auch die mögliche Trageakzeptanz ausreichend berücksichtigt werden. Bei der Auswahl des geeigneten Gehörschutzes kann man auf ein Auswahlprogramm der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung zurückgreifen.
Das Programm findet man unter http://www.dguv.de/bgia/de/pra/softwa/psaswl/index.html. Weitere Hinweise zur Auswahl von Gehörschutz bieten die GUV-Regel „Benutzung von Gehörschützern“ GUV-R 194 und die GUV-I 673 „Tragen von Gehörschützern bei der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr „
Ein Augenschutz schützt die Augen vor mechanischen, chemischen, biologischen, elektrischen und thermischen aber auch vor witterungs- und strahlungsbedingten Gefährdungen. Häufig ist der Augenschutz mit einem Gesichtsschutz kombiniert, weil die Gefahren für die Augen auch das ganze Gesicht betreffen können oder nur so ein wirkungsvoller Schutz möglich ist. Dabei ist zu bedenken, dass ein reiner Gesichtsschutz nicht zwingend auch einen Augenschutz beinhalten muss. Die Augen sind häufig zusätzlich zu schützen. Weitere Informationen dazu finden sich auch in der GUV-Regel Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz - GUV-R 192. Welche Art von Schutz erforderlich ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Auch die Hersteller müssen vorgeben, welche Gefahren von dem Arbeitsmittel ausgehen und welche persönliche Schutzausrüstung zu benutzen ist.
Bei einer Gefährdung durch herabfallende oder wegfliegende Gegenstände oder durch ein mögliches Anstoßen ist ein geeigneter Kopfschutz zu verwenden. Hierbei unterscheidet man zwischen Schutzhelmen gemäß DIN EN 397 und Anstoßkappen nach DIN EN 812. Wichtig ist vor allem die Gebrauchsdauer. Bei sichtbaren Mängeln oder nach einer starken Beaufschlagung muss der Kopfschutz ausgetauscht werden. Helme aus thermoplastischen Kunststoffen sind grundsätzlich nach 4 Jahren, aus duroplastischen Kunststoffen nach 8 Jahren (ab Herstellungsdatum) ablegereif.
Weitere Hinweise entnehmen Sie bitte der GUV-Regel Benutzung von Kopfschutz - GUV-R 193
Bei Arbeiten mit Absturzgefahr kann das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz erforderlich sein. Dies setzt aber immer das Vorhandensein eines geeigneten Anschlagpunktes und mindestens eines weiteren Kollegen voraus, der im Falle eines Absturzes die nötigen Rettungs- und Hilfeleistungsmaßnahmen durchführen bzw. veranlassen kann. Dabei ist besonders wichtig zu wissen, dass ein Hängen im Rettungsgeschirr bereits nach 20 Minuten lebensbedrohlich wird und dass auch nach der erfolgreichen Bergung einige Besonderheiten zu beachten sind. Die Rettungsszenarien nach einem Absturz sollten in jedem Fall praktisch unterwiesen werden um die Mitarbeiter auf die speziellen Probleme bei der Bergung aus engen Schächten oder größeren Höhen vorzubereiten. Alle weiteren informationen dazu finden sich in der GUV-Regel Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz - GUV-R 198 und der GUV-Regel Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Halten und Retten - GUV-R 199
Auch Atemschutzgeräte kommen erst dann zum Einsatz, wenn der Unternehmer keine Möglichkeit hat, den Mitarbeiter trotz der Beschaffung von Ersatzstoffen, der Einsatz von Lüftungssystemen oder der Umorganisation von Arbeitsprozessen angemessen zu schützen. Atemschutz bedeutet für den Benutzer bei der ausgeübten Tätigkeit eine mitunter erhebliche Beeinträchtigung.
SOVIEL SCHUTZ WIE NÖTIG, SO WENIG BELASTUNG WIE MÖGLICH!
Detaillierte Hinweise zur Auswahl und Benutzung von Atemschutzgeräten, zur arbeitsmedizinischen Vorsorge und zur Unterweisung finden sich in der GUV-Regel Benutzung von Atemschutzgeräten - GUV-R 190.
Es gibt es noch eine Vielzahl an anderen Möglichkeiten sich persönlich zu schützen. Insbesondere bei sehr speziellen Tätigkeiten sind Lösungen möglich, auf die hier nicht weiter eingegangen wird.
Dipl.-Geogr. Thomas Rhiel
Telefon 069 29972 -210
Fax 069 29972-8210
E-Mail: t.rhiel(at)ukh.de
Webcode: U340

References: §29
 § 1
 § 30

§ 2
 § 2
 § 29