Source: http://medievalsteel.de/Seiten/Zeittafel/J900.htm
Timestamp: 2019-04-20 15:04:37+00:00

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Zeittafel 900 bis 999
Erfindung der Nockenwelle. Mitte: Die Siedlung im Odenwald erfaßt nun auch die Buntsandsteintäler. In der südlichen Rhön (westlich von Bad Kissingen) werden, vielleicht durch den Bischof von Bamberg, Slawen angesiedelt. Ende der ersten europäischen Rodungsperiode; es kommt zu einem gewissen Stillstand - abgesehen von den bayerischen Rodungen in der 2. Hälfte (St. Emmeran, Geisenfeld, Niederaltaich). Mitte: Systematische Anwendung der Plaggenwirtschaft (Eschkultur) Bis Mitte des 10. Jhs. verwendet die päpstliche Kanzlei den 25. Dezember als Jahresanfang. Danach (bis 1088) wird daneben auch der calculus Florentinus benutzt, nach welchem das Jahr am 25. März (nach unserem Jahresanfang) beginnt. auf armen Geestböden des nördlichen Mitteleuropa.
2. Hälfte des Jahrhunderts
Text eines weitverbreiteten Segensgebetes für ein Schwert: "Erhöre, so bitten wir dich, Herr, unsere Gebete und mache dieses Schwert deiner wert, womit dein Diener N.N. sich zu umgürten wünscht, indem du es mit der rechten Hand deiner Majestät segnest, damit es zur Verteidigung und zum Schutze von Kirchen, Witwen, Waisen und allen, die Gott dienen, gegen die Wildheit der Heiden gereichen kann, und damit es anderen Feinden Angst, Schrecken und Entsetzen einflößt." Die eiserne Pflugschar kommt in Gebrauch, welche den Boden waagerecht schneidet und anhebt, bevor ihn das Streichbrett zur Seite drückt. Vorher gab es nur Pflugmesser, die den Boden senkrecht schnitten.
Steigende Verwendung von Pergament in nichtkaiserlichen byzantinischen Urkunden.
Die Sendboten des Grafen Balduin II. von Flandern ermorden den Erzbischof Fulco von Reims. Balduin rächt sich damit am König, weil dieser ihn gezwungen hatte, der Kirche von Reims eingezogene Güter zurückzugeben. Alles was den Mördern geschieht, ist die Verhängung des Banns durch eine Versammlung von Bischöfen, wobei erstmals die Exkommunikation als feierliche Zeremonie vollzogen wird: "Im Namen des Herrn, durch die Kraft des Heiligen Geistes und durch die den Bischöfen über die Vermittlung des seligen Petrus, des Apostelfürsten, verliehene göttliche Autorität schließen wir die Mörder aus dem Schoß der heiligen Kirche aus und verfluchen sie, und wir verurteilen sie durch das Anathema zu einer immerwährenden Verdammung, damit keine menschliche Macht sie aufrichten darf und damit sie keine Beziehung zu den Christen haben; und sie seien verflucht in der Stadt, verflucht auf dem Lande, verflucht seien ihre Haushaltungen, verflucht die Früchte ihres Leibes und ihrer Felder, ihre Rinderherden und ihre Schafherden! Verflucht seien sie bei ihrem Eingang und Ausgang, verflucht seien sie in ihren Wohnungen und als Flüchtlinge auf den Feldern, von allen abgesondert [oder: auf der Latrine] sollen sie ihre Eingeweide von sich geben wie der falsche und elende Arius!...Kein Christ soll ihnen ein Wort sagen, nicht einmal 'Salve!'! Kein Priester soll die Messe in ihrer Gegenwart zelebrieren, und wenn sie krank sind, soll man ihnen nicht die Beichte abnehmen, und man soll ihnen auch nicht das allerheiligste Altarsakrament im letzten Augenblick ihres Lebens spenden, sofern sie ihren Fehler nicht anerkennen und um Vergebung bitten. Ihr Grab aber soll das des Esels sein, und sie sollen wie ein Misthaufen auf der Erde liegenbleiben, damit sie für die künftigen Geschlechter ein Beispiel der Schande und Verdammung sind." Nun werfen die Bischöfe ihre Fackeln zur Erde. "So wie diese Fackeln zu unseren Füßen verlöschen, soll die Fackel ihres Lebens für alle Ewigkeit verlöschen!"
Ca.: Beginn der Blütezeit von Haithabu. Im 10. Jh. nimmt dieser Handelslatz eine Fläche von ca. 24 ha ein (im 9. Jh. 10 ha). Hier wird gehandelt: Pelze aus dem Norden, Wein, rheinische Keramik, Glas, Eifelbasalt (davon östlicher Endpunkt des Handels), christliche Sklaven für Skandinavien, Specksteinschalen aus Kaupang, friesische Tuche, Waffen, Bernstein aus dem Osten (wird hier verarbeitet), Eisen (Verarbeitung von schwedischen See-Erz), fränkischer und insularer Schmuck usw. Der Ort verfügt über Kammacher und Töpfer sowie über einen Glasofen. Es stirbt Ratpert (ca. 60), der Klosterchronist von St. Gallen.
Ca.: Isländische vorchristliche Skaldendichtung an norwegischen Königshöfen. Zu dieser Zeit entstehen die "Atlakvida" und das "Alte Atlilied".
Ca.: Beginn der Papiererzeugung in Kairo. Die Araber verwenden als Grundstoff für die Papiererzeugung Hadern aus Linnen oder Hanf. Sie haben ein besseres Stampfverfahren (als die Chinesen) sowie die Stärkeleimung erfunden.
Ca.: Seit dieser Zeit existiert in Mainz eine reiche Judengemeinde. Ca.: Das Kloster St. Gallen verfügt über fast 2000 Zinsbauern.
"Wunder zeigten sich, Sterne fielen gleich [Regen] den größten Teil der Nacht hindurch. Der Rhein und viele Flüsse Sachsens haben, wie Schiffer und Müller bezeugten, in derselben Nacht ihren natürlichen Lauf nicht gehabt. Das war am 27. September." [Annalen von Pöhlde]
904/906
Die bayerischen Bischöfe, Äbte und Grafen beschweren sich bei König Ludwig dem Kind wegen zu zahlenden Zöllen und Abgaben. Markgraf Aribo wird daraufhin beauftragt, eine Befragung über die üblichen Zölle an der Donau durchzuführen. Zufällig hat sich das Dokument darüber im Traditionsbuch (Besitzverzeichnis) der Domkirche zu passau erhalten, nämlich das Raffelstettener Zollweistum: "Diese 41 und die übrigen, die in diesen drei Grafschaften angesehene Männer waren, wurden nach abgelegtem Eide vom Markgrafen Aribo in Gegenwart der drei königlichen Kommissäre in der Versammlung zu Raffelstätten an der Donau nördlich von St. Florian befragt, und berichteten über die Zollstätten und über die näheren Umstände der Zolleinhebung, wie sie zur Zeit Ludwigs des Deutschen und Karlmanns und anderer Könige in durchaus gerechtfertigter Weise in Übung waren.
§ l. Die vom Westen her kommenden Schiffe geben, sobald sie den Passauer Wald hinter sich haben, zu Rosdorf oder sonstwo anlegen und Handel treiben wollen - geben zu Zoll l/2 Pfennig.
§ 2. Wollen sie weiter hinabfahren, so zahlen sie zu Linz von je einem Schiffe drei Scheffel Salz, von Sklaven und anderen Waren aber nichts. Sie genießen dann das Recht, zu landen und Handel zu treiben, bis hinab zum böhmischen Walde, d. i. bis zur Wachau bei Melk.
§ 3. Führt ein Bayer Salz nur für seinen Hausbedarf und bezeugt solches der Fuhrmann mit seinem Eide, dann zahlen sie nichts, sondern gehen frei durch.
§ 4. Strafe für Schmuggel und Umgehung des Anmeldegebotes beim legittimum mercatum [rechtmäßigen Handelsverkehr] durch Freie oder Unfreie, nämlich: Verlust von Schiff und Ware für den Freien, Verhaftung der Sklaven bis zum persönlichen Erscheinen des Herrn und Vergütung.
§ 5. Bayern und Slaven aus Bayern, die um Lebensmittel einzukaufen, den Zollbereich mit ihren Knechten, Pferden, Zugtieren oder sonstigen Beförderungsmittel betreten, mögen wo immer zollfrei einkaufen, was sie brauchen. Passieren sie einen Marktplatz, ohne zu kaufen, so mögen sie ihn auf der Mitte der Straße gehend unbehelligt durchschreiten und anderwärts innerhalb des Zollgebietes zollfrei einkaufen, was sie vermögen. Wollen sie lieber auf selbigen Platz ihre Geschäfte besorgen, so mögen sie den vorgeschriebenen Zoll zahlen, und nach Gutdünken einkaufen.
§ 6. Salzwagen, welche die Enns auf der gesetzlichen Straße überschreiten, leisten an der Url bloß einen vollen Scheffel und haben weiter nichts zu zahlen.
§ 7. Die Schiffe aber, die aus dem Traungau kommen, zahlen hier (d.h. an der Ennsbrücke) nichts, sondern gehen ohne Zins durch. Das ist von den Bayern zu beobachten.
§ 8. Slaven aber, die aus Rugiland [unklar, ob Rußland oder das alte Land der Rugier in Österreich gemeint ist] oder Böhmen des Handels wegen kommen und irgend wo am Donauufer oder im Binnenlande bei den Anwohnern der Rodel und den Riedmärkern Märkte betreten: die zahlen von Honig ein, von Wachs zwei Mäßchen, deren jedes eineinhalb Pfennig wert sein soll, von einer Manneslast zahlen sie ein Mäßchen im gleichen Werte. Wollen sie jedoch Knechte oder Pferde verkaufen, so zahlen sie von einer Magd einen Drittel Schilling, ebenso von einem Hengst, von einem Knecht 3 Pfennige, desgleichen von einer Stute.
§ 9. Bayern aber und Slaven aus Bayern, die in diesem Gebiet, d.h. in den Gegenden am linken Donauufer, Handel treiben, zahlen nichts.
§ 10. Die von den Salzschiffen, welche bei der Durchfahrt durch den böhmischen Wald nicht früher landen und Handel treiben dürfen, bevor sie Eparesburg erreicht haben, zahlen hier von jedem vollwertigen Schiffe, dessen Bemannung aus drei Leuten besteht, drei Scheffel Salz, und soll weiter nichts von ihnen erhoben werden. Sondern sie mögen nun nach Mautern fahren, oder wo sonst Salzmarkt ist, und hier wieder Maut zahlen, wieder drei Scheffel Salz vom Schiff und nicht mehr. Dann haben sie völlig freies Handelsrecht, ohne durch den Grafenbann oder sonst irgend jemanden beirrt zu werden; nur von ihrem Geschäftsinteresse mögen sie sich leiten lassen.
§ 11. Wollen sie in Mähren Handel treiben, so mögen sie nach dem jeweiligen Marktstande einen Schilling vom Schiff zahlen und frei ausgehen, bei der Rückkehr ist nichts zu entrichten.
§ 12. Woher endlich immer Kaufleute von Beruf, d.h. Juden oder andere Handeltreibende ["Mercatores, id est Iudei et ceteri mercatores..." D.h. "Händler" und "Jude" sind Synonyme.] aus Bayern oder aus anderen Ländern kommen, sollen sie für Sklaven und andere Handelsartikel denselben Zoll zahlen, der seit jeher unter den früheren Königen eingehoben worden ist." [Josef Lampel: Untersuchungen und Beiträge zum historischen Atlas von Niederösterreich. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich I (1903) S. 22-27. 0riginal: Capitularia regum Francorum. Hrsg. von Albert Borerius und Victor Krause. Hannover 1897. (MGH Capit. 2.) S. 250-252.]
Die Ungarn zerstören das Großmährische Reich und dringen nach Sachsen und Bayern vor. Der "Canon Episcopi" weist die Existenz nachtfahrender Frauen im Gefolge der Diana und die Tierverwandlung von Menschen als als Vorspiegelung und Einflüsterung böser Dämonen zurück. Der Glaube an Hexen und die traditionelle Form der Zauberei werden untersagt.
Die Bayern unterliegen bei Preßburg den Ungarn; Markgraf Luitpold fällt. Sein Sohn Arnulf nennt sich "durch göttliche Vorsehung Herzog von Bayern und der angrenzenden Lande". In dieser Schlacht fällt auch Erzbischof Theotmar von Salzburg. Die Ausdehnung des Erzbistums Salzburg endet. In Franken schalten die Konradiner mit Hilfe der vormundschaftlichen Regierung die Babenberger aus und werden dort zur führenden Familie.
Herzog Wilhelm I. von Aquitanien gründet das Kloster Cluny.
Ludwig das Kind unterliegt bei Augsburg den Ungarn.
Ende der regierung des byzantinischen Kaisers Leo VI. In seiner Regierungszeit hat er die Tactica, ein Handbuch zur Kriegskunst verfaßt. Darin werden erstmals im "Westen" genagelte Hufeisen erwähnt. Erfunden wurden diese aber bereits von den Kelten, doch blieb ihr Gebrauch bis ca 400 selten. Ludwig das Kind stirbt, womit die ostfränkische Linie der Karolinger ausstirbt. Zu Forchheim wird Konrad I. zum König gewählt. Im Bund mit der Kirche versucht er vergeblich, die großen Stammesherzöge, insbesondere Heinrich von Sachsen auszuschalten. Rollo (oder Hrolf, Rolf), ein Stammesfürst wohl dänischer Herkunft, der von England nach Westfranken gekommen ist und sich um Rouen niedergelassen hat, erhält nach Raubzügen gegen Nordfrankreich nach einem mißglückten Angriff auf Chartres von Karl dem Einfältigen die Seinemündung (-> Normandie) als Lehen, sowie seine Tochter Gisela zur Frau; Rollo wird Christ und regiert als Herzog Robert I (bis 933). Um diese Herzogserhebung rankt sich eine Sage, die zwar unglaubwürdig, aber recht kurios ist: Ein normannischer Krieger in Stellvertretung von Rollo soll, aufgefordert, des Königs Fuß zu küssen, diesen zu solchem Zwecke hochgerissen haben, um nicht den Nacken beugen zu müssen, so daß der König mitsamt dem Thron umgefallen sein soll. "Darüber entstand ein großes Gelächter im Volk." (Dudo von St.-Quentin). Hauptstadt der Normandie wird Rouen.
"Im Jahr der göttlichen Menschwerdung 913 ein allzustarker Winter." [Adalberts Fortsetzung von Regino]
Rom: Theodora, die Gattin eines römischen Konsuls, erhebt ihren früheren Geliebten zum Papst, als Johannes X. Theodoras Tochter Marozia wird Mutter und Großmutter zweier Päpste werden ("Pornokratie").
Es stirbt Regino von Prüm. In seinem Synodalhandbuch werden "teuflische Lieder" (carmina diabolica) erwähnt, "die das Volk nächtlicherweise über Tote zu singen pflege". Die slawischen Obotriten überfallen Hamburg.
Ca.: Zu diesem Jahr berichtet der phantasiebegabte Ademar von Chabannes (ein Jahrhundert später) von Hungersnot und Kannibalismus.
Die Ungarn zerstören Basel.
Herzog Arnulf von Bayern verstärkt seine Hauptstadt Regensburg, indem er an die beiden westlichen Ecken des römischen Mauergevierts eine große Mauerschleife anfügen läßt. Diese Arnulf-Mauer prägt den Westteil der Altstadt bis ins 19. Jh.
Konrad I. stirbt.
Die Ungarn brennen Gerresheim nieder. Die Äbtissin und ein Teil des Konvents fliehen nach Köln ins St.-Ursula-Stift. Dadurch geht ein großer Teil der Rechte am Gebiet des späteren Düsseldorf an den Erzbischof von Köln. Heinrich I. wird König (bis 936).
"Regnum teutonicum" erstmals erwähnt (oder bereits 918).
Die Ungarn greifen das Kloster St. Gallen an. Als sie sich nähern, legt dessen Abt Engilbert einen Panzer an und darüber Kukulle und Stola als Zeichen klerikaler Würde. Den kräftigeren Brüdern befiehlt er, sich ähnlich mit aus Filzstoffen gefertigten Panzern zu rüsten und Waffen herzustellen. Eine Ansprache gibt es auch noch: "Wir wollen beten, meine Brüder, daß wir dem Teufel, den wir bislang im Vertrauen auf Gott mit unseren Seelen bekämpft haben, nun unsere Fäuste zeigen können." [Ekkehard IV, 51] Das Kloster wird geräumt und stattdessen ein Platz in der Nähe befestigt (mit Kapelle) – und behauptet (wahrsch. Waldburg bei Bernhardzell). Zwar haben die Mönche zuvor ihre Bibliothek ins sichere Kloster Reichenau geschafft, doch erhalten sie später andere Bücher zurück - zwar die gleiche Anzahl, aber wahrscheinlich weniger wertvolle.
"Ein übermäßig heftiger Winter." [Adalberts Fortsetzung von Regino]
Es stirbt der Hl. Wenzel, der Böhmen christianisiert hat. Weiterhin verstirbt der arabische Astronom Al-Battani. Er hat in die ptolemäische Astronomie mathematische Verbesserungen eingeführt und neue Werte für Sonnen- und Mondbewegung und die Neigung der Ekliptik errechnet und die Bewegung der Apsidenlinie entdeckt. Außerdem hat er einen berichtigten Sternenkatalog entworfen und Anweisungen für den Bau astronomischer Instrumente gegeben, darunter einer kleinen Sonnenuhr und eines Mauerquadranten. Er wird noch im 16. und 17. Jh. zitiert werden, u.a. von Kopernikus und Kepler. Slawenaufstand um Wismar.
In Norwegen wird mit Recht und Thing die Landnahmezeit beendet. Begründung des Allthings auf Island (es tagt im Juli). Es ist die älteste heute noch bestehende parlamentarische Versammlung. Island wird als eine Art Republik freier Bauerngeschlechter organisiert.
Bis 1030: "Sagazeit" in Skandinavien, d.h. in dieser Zeit handeln die - erst im 13. Jh. niedergeschriebenen - Sagas.
Dänemark verliert Schleswig ans Reich. Heinrich I. zwingt den in Haithabu herrschenden Schwedenfürsten Knuba, sich zu unterwerfen und das Christentum anzunehmen.
Nach der deutschen Turnierordnung aus dem 15. Jh. soll angeblich Heinrich I. der Vogler nach einem Sieg über die Ungarn das erste Turnier veranstaltet haben, mit "2091" berittenen Edelleuten, darunter 72 Fürsten und 34 Grafen. Dies ist freilich nicht belegt. Raubzug von Sarazenen aus dem südfranzösischen Fraxinetum nach dem Kloster St. Gallen.
Ca.: Aus dieser Zeit stammt der ältere Runenstein von Jelling in Nordfriesland. Runeninschriften sind zwar um einiges älter, doch handelt es sich um eine der ältesten datierten Inschriften.
Aus den "Miracula St. Wiperti": "Nachdem in jüngster Zeit die Geißel der schrecklichen Not über uns durch die Heiden [Ungarn] hinweggegangen ist, wurde mit königlicher Zustimmung und auf Befehl der königlichen Fürsten festgesetzt und befohlen, daß die Versammlungsstätten der ehrbaren Männer und Frauen mit starken Befestigungen und Mauern umgeben werden." König Heinrich I. (60) stirbt. Reichstag zu Erfurt. Otto I. (24) wird König (bis 973).
Erzbischof Adaldag (bis 988) baut das Erzbistum Hamburg wieder auf. Unter seiner Herrschaft erhält der Ort auch das Marktrecht.
In Trier wird das erste deutsche Marktkreuz als zeichen des Marktfriedens errichtet. Bereits im 9. Jh. hat es bei einem Kloster an der Loiremündung bereits ein Marktkreuz gegeben. Alle anderen deutschen Marktkreuze reichen nicht über das 12. Jh. zurück. Später wird die Rolandsfigur die Marktkreuze (wenigstens teilweise) verdrängen.
Widukind stellt zu diesem Jahre fest, daß sich im Heere Ottos I. einige befinden, die "in gewissem Umfang die französische Sprache zu sprechen wußten."
Flodoard behauptet, in diesem Jahr seien in Deutschland Feuerkugeln durch die Luft geflogen und hätten Häuser in Brand gesetzt. Man habe sie mit Weihwasser, Kreuzen und bischöflichen Benediktionen verscheuchen können.
Otto I. läßt ein Bistum in Haithabu gründen. Erste Erwähnung der Armbrust (Schlacht bei Senlis). "Als König Otto die Gegend jenseits der Alpen durchzog, erneuerte er zu Mailand die Münze, deren Stücke noch heute die Ottelinen genannt werden." [Annalen von Pöhlde]
Auf der Synode von Ingelheim können die versammelten Könige Otto I. aus dem Ostreich und Ludwig IV. aus dem Westreich zwar kein Latein, doch aber die "teutisca lingua", so daß man ihnen päpstliche Briefe verdeutscht. [Es ist aber auch möglich, daß dieser Begriff "theutisc" oder das berühmte "thiudisk" nicht einfach "deutsch", sondern nur "volkssprachlich" - im Gegensatz zu Latein - bedeutet.]
Ca.: Hamburg hat etwa 500 Einwohner.
Ca.: Im Norden entsteht das Heldenepos "Eiriksmál".
Adso verfaßt für die westfränkische Königin Gerberga den "Libellus de Antichristo", worin er bestreitet, daß die Ankunft des Antichrist nahe ist, was erst der Fall sein solle, wenn sich alle Königreiche vom Römischen Reich losgelöst hätten. Dies könne nicht sein, solange im Westfrankenreich noch Könige regierten.
10. August: Otto I. besiegt die Ungarn auf dem Lechfeld. Die ungarischen Heerführer Bulcsú und Lél enden am Galgen. Daran knüpft eine unhistorische ungarische Sage, nach welcher Lél sich die Gnade erbeten haben soll, noch einmal in sein Horn stoßen zu dürfen und mit selbigem den deutschen Kaiser Konrad (nur König und gestorben 918!) erschlagen haben soll - mit den Worten "Du wirst mir ins Jenseits vorauseilen, um mir dort zu dienen!" Slawenaufstand in Mecklenburg und Brandenburg.
Fürstin Olga von Kiew läßt sich (orthodox) taufen. (Ihr Nachfolger ist allerdings wieder heidnisch.)
Ca.: Widukind von Corvey verfaßt seine "Drei Bücher sächsischer Geschichte".
Edgar ("der Friedliche") wird König von England (bis 975; König von ganz England zu sein ist in diesen Tagen noch nicht selbstverständlich.). Aus seinem Kanon: "We enjoin, that every priest zealously promote Christianity, and totally extinguish every heathenism; and forbid well worshipings, and necromancies, and divinations, and enchantments, and man worshipings, and the vain practices which are carried on with various spells, and with "frithsplots" [frith = brushwood; splot = plot of ground, splotch, splash], and with elders, and also with various other trees, and with stones, and with many various delusions, with which men do much of what they should not. And we enjoin, that every Christian man zealously accustom his children to Christianity, and teach them the Paternoster and the Creed. And we enjoin, that on feast days heathen songs and devil's games be abstained from."
König Harald Blauzahn von Dänemark läßt sich taufen (oder um 950?). Wibold erfindet ein geistliches Würfelspiel mit 56 "Tugenden". Ein Thüringer Eremit namens Bernhard predigt das kommende Weltende. Für Deutschland ist dies ein Einzelfall und wird zudem nur in der Chronik des Trithemius (gestorben 1516!) erwähnt. Die Vorstellung, es hätte gegen Ende des 10. Jhs. eine allgemeine Weltuntergangs - Hysterie gegeben, ist eine frühneuzeitliche Legende. Chiliastische Äußerungen finden sich im ganzen Mittelalter; sie haben jedoch nicht mehr Wirkung als andere abergläubische Vorstellungen (was übrigens Ortega y Gasset bereits 1904 nachgewiesen hat).
Viborg (in Jütland) als Handelsort erwähnt. Otto I. (d. Gr.) wird von Papst Johannes XII. zum Kaiser gekrönt.
Pfingsten: Hof- und Reichstag zu Köln. Der arabische Reisende Ibrahim Ibn Yaqub at Turtusi beschreibt Mainz als "eine sehr große Stadt, von der ein Teil bewohnt und der Rest besät ist." (große unbebaute Flächen) In hamburg stirbt der abgesetzte Ex-Papst Benedikt V. Er wird hier begraben (bis 999 seine Gebeine nach Rom überführt werden).
Otto I. überträgt dem Sachsen Hermann Billung die weltliche Herrschaft über Hamburg. In einer Urkunde Ottos I. erscheint erstmals der Name "Bruocsella" (d.h. Siedlung in den Sümpfen), das spätere Brüssel.
Thronfolger Otto (II.) erhält bereits jetzt die Kaiserkrönung.
In Kalabrien werden Angehörige des deutschen (bzw. ostfränkischen) Heeres von einer Sonnenfinsternis dermaßen erschreckt, daß sich einige unter Weinfässern, andere unter umgestürzten Karren oder Kisten verstecken. Der Bischof von Lüttich versucht vergeblich, ihnen den natürlichen Charakter der Finsternis zu erklären und beklagt sich über die Unvernunft so vieler tapferer Krieger: Menschen, die sich so sehr fürchten, werden nicht von den Feinden gefürchtet, in deren Mitte sie sich befinden.
Ca.: "Res gestae saxonicae" von Widukind von Corvey, in Nachahmung Sallusts.
Ca: Abu'l Wefa, Astronom an der Sternwarte zu Bagdad, fördert die Trigonometrie; Einführung des Tangens. Bis ca. 980: Catroe (später St.) gründet das Kloster Metz.
Gründung der Universität Kairo.
Es stirbt Bischof Udalrich von Augsburg (bald danach kanonisiert), der die Spielleute gefördert hat und sie an christlichen Hoffesten hat teilnehmen lassen. Gerhard verfaßt die "Miracula Sancti Oudalrici," worin genagelte Hufeisen als allgemein gebräuchlich erwähnt werden. Später sind dann aus dem 12. und 13. Jh. Anordnungen für die Produktion großer Mengen von Hufeisen überliefert. Anfang April: Otto verlegt seine Residenz von Quedlinburg nach Merseburg. Eine arabische Gesandtschaft des Kalifen al-Hakam II. von Cordoba, geführt von Sidi Ibrahim ben Achmed at-Tartuschi trifft in Merseburg ein, am Hofe des römischen Königs Huto" (Otto). Auf dem Rückweg kommt at-Tartuschi über Soest, Paderborn und Fulda nach Mainz. Hier erhalten die Gesandten von einem Kaufmann etwa 60 Jahre alte Münzen aus Samarkand. Und: "Seltsam ist auch, daß es dort Gewürze gibt, die nur im fernsten Morgenlande vorkommen, während Mainz im fernsten Abendland liegt, z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken, Spikanarde, Costus- und Galgantwurzel." Sie berichten aber auch noch anderes: "Aber du siehst nichts Schmutzigeres als sie! Sie reinigen und waschen sich nur ein- oder zweimal im Jahr mit kaltem Wasser. Ihre Kleider aber waschen sie nicht, nachdem sie sie angezogen haben, bis daß sie in Lumpen zerfallen." Otto I. (61) stirbt zu Memleben. Nachfolger wird Otto II., der die Kaiserwürde bereits 967 empfangen hat (bis 983).
"In diesem Jahre war der Winter lange strenge und trocken, und es fiel viel Schnee herunter." [Thietmar]
Otto II. besiegt Harald Blauzahn von Dänemark. Von diesem Kriegszug berichtet Thietmar: "Auf diesem Zuge wurden die ersten Äußerungen bösen Spottes gegen die Geistlichen laut; übles Volk gebraucht sie heute noch...Meinen auch viele ihren Spott nicht ernst, so bleibt er doch immer eine häßliche Sünde..."
Otto II. gründet die Mark Schleswig. Der Erzbischof von Köln erhält das Zollrecht.
Ca.: In Lothringen verbreitet sich das Gerücht, das im Jahre 992 die Welt untergehen würde, weil dann Mariä Verkündigung und der Karfreitag zusammenfielen.
Ca.: Entstehung der älteren Vita der Königin Mathilde (Gattin Heinrichs I.), teilweise eine Geschichte der Vorfahren Ottos II.
Aus diesem Jahr stammt das älteste europäische Dokument, welches die indischen ("arabischen") Ziffern enthält. Bis zu ihrer eigentlichen Verwendung werden noch einige Jahrhunderte vergehen.
Herzog Karl von Niederlothringen läßt aif der St. Goorik-Insel eine Burg und eine St. Goorik (Gaugerich, Géry) geweihte Kapelle errichten. Es gilt als offizielles Gründungsdatum von Brüssel. Die entstehende Siedlung mit Flußhafen treibt bald (um die Jahrtausendwende) bereits Handel mit London.
Ca.: Auf dem Berg Nôtre-Dame südlich von Soissons in der Kirchenprovinz von Reims wird eine Reformsynode abgehalten. Es werden Klagen gegen die Mönche geführt: "Wie es verlautet, ist die alte Zucht eurer Lebensordnung über die Maßen von der alten Ehrbarkeit abgewichen. Denn in der Handhabung der Regel selber seid ihr unter euch uneins." Es wird der Vorwurf gemacht, daß einige Mönche allein reisen, andere goldgeschmückte Hüte mit fremdem Pelz, kostbare Gewänder und enge, blankgeputzte, modische Schnabelschuhe (!) mit Ohren an beiden Seiten tragen. "Sie tragen gern um einen hohen Preis gekaufte Röcke mit weiten Ärmeln und großen Falten und ziehen sie um den Leib so fest zusammen, daß die eingeschnürten Hüften den Hintern hervortreten lassen und man sie von hinten eher für Dirnen als für Mönche halten könnte." (Richer von Reims, S. 36ff.) Wieder andere sollen Bettücher aus Leinen benutzen und Hosen aus so feinem Gewebe tragen, daß sie nicht einmal die Schamteile schützen. Nachdem der Erzbischof von Reims solche Mißstände verbietet, sollen sich die Verhältnisse gebessert haben. Aber gerade der Berichterstatter selbst, der Mönch Richer aus dem Kloster St. Remi zu Reims, welcher die Reformen begrüßt, berichtet an anderer Stelle zwanglos und geschwätzig von seiner ereignisreichen Reise nach Chartes, wo er Handschriften einsehen wollte, obwohl Benedikt ausdrücklich verfügt hatte, daß Mönche das Kloster nur in Ausnahmefällen verlassen dürfen und nach ihrer Rückkehr um Verzeihung für alle Fehler bitten müssen, jedoch niemandem von ihren Erlebnissen erzählen dürfen.
Ca.: Baubeginn des Mainzer Doms.
Ca.: Der Sklavenhandel in Verdun hört auf. Es waren slawische Kriegsgefangene, über Magdeburg und Köln nach Verdun geschafft, dort verschnitten und als Leibwächter an die Kalifen von Cordoba verkauft worden.
Der Kaisertitel lautet jetzt "Imperator Romanorum Augustus" (zuvor nur "Imperator Augustus"). Erik der Rote entdeckt von Island aus Grönland.
Großer Slawenaufstand zwischen Ostsee, Elbe, Spree und Oder. Die slawischen Obotriten zerstören Hamburg samt Kirche und Schule. Es stirbt Abt Rudolf von St. Remi. Er hat zu Lebzeiten geklagt, daß manche "Mönche bis zu den Ohren reichende Mützen und kostbare, farbige Kleidung trügen, ihre Kutte viel zu eng schnüren und weite Hosen aus feinem Gewebe, die kaum die Schamteile vor Blicken schützten, sowie enge Schnabelschuhe mit Ohren an den Seiten trügen". Lokale Entwicklung oder Vorzeichen auf das 11. Jh.? Tod Ottos II. (28); ihm folgt Otto III. (dreijährig; bis 1002). Seine byzantinische Mutter Theophano führt die Regentschaft (bis 991).
Brüssel erhält Reliquien: Die Gebeine der Heiligen Ursula (aus dem Geschlecht der Pippiniden, gest. 712) werden in die Goorikskapelle überführt.
Hugo Capet wird König des Westfrankenreichs (bis 996). Mit seinem Vorgänger Ludwig dem Faulen sind die Karolinger ausgestorben. [Ab hier wird in diesem Text das westfränkische Reich als Frankreich bezeichnet, wobei die Diskussion über den Übergangszeitraum hier ausgelassen wird.]
"Im Winter desselbigen Jahres richteten eine Überschwemmung und ein gewaltiger Sturmwind großen Schaden an. Danach brachte eine allzugroße Hitze den Früchten großen Nachteil, und eine wütende Sterblichkeit raffte sehr viele Menschen hinweg." [Thietmar]
Winter auf 988: "Und im folgenden Winter waren große Überschwemmungen, und ein ungeheuerer Sturmwind warf viele Gebäude zu Boden." [Quedlinburger Annalen]
"Sehr heftige Sommerglut." [Lambert von Hersfeld]
"Die entsetzliche Glut des Sommers vernichtete fast alle Früchte. Danach folgte eine große Sterblichkeit unter den Menschen." [Quedlinburger Annalen]
"Es erschienen Kometen und diesen folgte eine große Pest unter den Menschen und dem Vieh und besonders unter den Rindern." [Quedlinburger Annalen] Wladimir von Kiew läßt sich taufen.
"Am 21. Oktober in der fünften Stunde des Tages geschah eine Sonnenfinsternis." [Quedlinburger Annalen]
"Feuer stieg vom Rhein auf und verzehrte die nächsten Weiler." [Lambert von Hersfeld]
Es stirbt Theophano, die Mutter Ottos III.; die Regentschaft führen nun seine Großmutter Adelheid und Willigis, der Erzbischof von Mainz (bis 995).
In Le Mans kommt es zu einem Prozeß: Ein konvertierter Jude hat in der Synagoge ein vergrabenes Wachsabbild des Grafen Hugo III: von Maine "gefunden" und gibt an, seine früheren Glaubensgenossen hätten diese Puppe immer wieder durchbohrt, um den Grafen durch solche Zauberei ums Leben zu bringen.
"In der Nacht des Tages des heiligen ersten Märtyrers Stephan, das ist am 26. Dezember, sahen wir ein früher unerhörtes Wunder, nämlich um den ersten Hahnenschrei ein so starkes Licht im Norden glänzen, daß viele meinten, der Tag breche an. Es stand aber eine volle Stunde, dann wurde der Himmel ein wenig rot und nahm wieder die gewöhnliche Farbe an." [Quedlinburger Annalen]
"Der vorhergehende Winter war voll rauher Witterung und Pestilenz und strenger Kälte und Orkane und ungewöhnlicher Trockenheit." [Thietmar]
"Ein überaus strenger Winter begann am 3. November [993] und hielt, nur an wenigen Tagen unterbrochen, an bis zum 5. Mai; darauf weheten verderbliche und kalte Winde und in sehr vielen Nächten fiel statt des Taues ein winterlicher Frost herab. Zuletzt kam noch am 7. Juli große Kälte und die Flüsse trockneten aus und es war so großer Regenmangel, daß in den meisten Teichen die Fische starben und auf dem Lande sehr viele Bäume vollständig verdorrten und die Früchte und der Flachs verdarben. Es folgte auch ein großes Sterben unter Menschen, Schweinen, Rindern und Schafen; an vielen Orten wurden die Wiesen so dürr, als wären sie von Feuer versengt. (...) Auch war in diesem Jahr große Hungersnot in mehreren Gegenden Sachsens" [Quedlinburger Annalen]
Italien: Die Araber zerstören das Kloster Monte Cassino. Es wird erst in 72 Jahren wiederaufgebaut werden. In Aquitanien wütet das Antoniusfeuer ("mal de Saint-Antoine" oder "mal des ardents") Dazu Radulf Glaber: "...ein verborgenes Feuer, das diejenigen Gliedmaßen verdorren ließ und vom Körper trennte, die es befiel. Eine Nacht genügte ihm, um seine Opfer zu verzehren...Und hierauf kehrte der Hunger zurück."
"Für die Sachsen begann ein noch schlechteres Jahr, als das vorige. Denn unter denen, welche Osterleute heißen, brach eine so große Pestilenz aus, daß bei ihnen nicht nur Häuser, sondern sogar sehr viele Dörfer leer standen, da die Bewohner gestorben waren. Außerdem wurden sie von Hungersnot arg gedrückt und von so häufigen Einfällen der Sclaven heimgesucht, daß von ihnen, zur Strafe ihrer Sünden, mit Recht jenes Wort des Propheten gesagt zu sein scheint: "Ich will drei schwere Plagen, Pestilenz, Schwert und Hunger unter sie schicken." (...) Im Gebiete der Halverstädter Kirche zu Hordorp wurde ein Kind geboren, welches unterhalb des Hintern keinen Körper hatte, weder Schenkel noch männliches oder weibliches Glied, sondern nur als ein halber Mensch, den Hintern nach Art der Vögel, doch ohne Federn, das rechte Ohr größer als das linke und ebenso das rechte Auge größer als das linke, die Zähne von häßlicher gelber Farbe; am linken Arme war es gesund, doch ohne vier Finger, allein mit dem Daumen, der rechte Arm fehlte ganz. Dieses entsetzliche Ungeheuer sah vor der Taufe mit den Augen bestürzt umher, nach der Taufe aber öffnete es die Augen nicht mehr und starb am vierten Tage nach der Geburt. - Ein allgemeiner Verlust widerfuhr ganz Germanien durch die Krankheit der Schweine und Rinder." [Quedlinburger Annalen]
Olaf I. Tryggvason wird König von Norwegen und läßt sich taufen.
Isländische Siedler kommen nach Grönland. Gregor V. wird der erste deutsche Papst (bis 999). Otto III. (16) wird zum Kaiser gekrönt. Er gewährt dem Erzbischof Hartwig von Salzburg die Errichtung eines täglichen Marktes in der Stadt Salzburg und die Prägung von Münzen nach Regensburger Vorbild. Frankreich: Hugo Capet stirbt.
Stephan I. (der Heilige) wird König von Ungarn. Sein Krönungsmantel ist die älteste erhaltene mittelalterliche Stickerei.
"Im Monat Juli geschah ein entsetzliches Erdbeben in ganz Sachsen und zwei feurige Steine fielen aus dem Donner, einer in der Stadt Magdeburg selbst, der andere jenseits des Flusses Albia. Das ungewohnte Herabfallen solcher Steine wies sämtlichem Volke drohend schreckliches Verderben, welches wir in den Folgezeiten deutlich erscheinen sahen, damals nämlich als die Welt von drei Schlägen der unheilbaren Plage bis in das Innerste erschüttert, so zu sagen selbst die Lebenskraft verlor." [Quedlinburger Annalen]
Es stirbt der arabische Mathematiker und Astronom Abu'l Wefa.
Ein Mönch der Abtei von Saint-Benoit-sur-Loire notiert: "Man hat mir berichtet, daß die Priester von Paris das Ende der Welt im Jahr 994 angekündigt haben. (...?) Sie sind Narren. Man muß nur die Heilige Schrift aufschlagen, die Bibel, um zu sehen, was Jesus gesagt hat, daß wir nämlich weder den Tag noch die Stunde wissen. Die Zukunft vorauszusagen, das schreckliche Ereignis, auf das alle warten, geht gegen den Glauben." Dies ist das einzige Zeugnis für die "Schrecken des Jahres 1000" (die eine Legende des 19. Jhs. sind!). Vgl. 1033. Tod von Papst Gregor V. Otto III. macht Erzbischof Gerbert von Reims als Sylvester II. zum neuen Papst, der sich mit Mathematik, Astronomie und Musik beschäftigt. Otto hat vor, von Rom aus einen christlichen Universalstaat zu regieren.

References: § 2

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§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12