Source: https://www.bakertilly.de/aktuelles/presse/detailansicht/neuer-standard-e-drs-34-konkretisiert-behandlung-assoziierter-unternehmen.html
Timestamp: 2019-08-25 20:28:59+00:00

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Das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e. V. (DRSC) hat im Februar 2018 den Entwurf des Rechnungslegungs-Standards E-DRS 34 „Assoziierte Unternehmen“ herausgegeben. Dieser Standard konkretisiert die Vorschriften zur Behandlung assoziierter Unternehmen gemäß §§ 311 und 312 HGB − welche die Abbildung dieser Unternehmen entsprechend der Equity-Methode im handelsrechtlichen Konzernabschluss regeln − und adressiert die in diesem Zusammenhang bestehenden wesentlichen Zweifelsfragen. Ziel ist es, die einheitliche Anwendung der Vorschriften sicherzustellen und die Informationsfunktion des Konzernabschlusses zu stärken.
Nach Finalisierung des Standards soll dieser den aktuell geltenden DRS 8 „Bilanzierung von Anteilen an assoziierten Unternehmen im Konzernabschluss“ ersetzen, der dann außer Kraft tritt. Aktuell ist noch nicht geregelt ab welchem Jahr E-DRS 34 gilt. Die neuen bzw. konkretisierten Regelungen in E-DRS 34 sollen prospektiv gelten.
Rückwirkende Anwendungen werden nicht zulässig sein.
Der E-DRS 34 enthält Regeln im Zusammenhang mit:
der Abgrenzung und Definition als assoziiertes Unternehmen,
der Durchführung der Equity-Methode gemäß § 312 HGB an sich,
Zweifelsfragen in der Equity-Konsolidierung und
Der Regelungsinhalt bzw. die Anwendungshinweise in E-DRS 34 sind umfangreicher als in DRS 8.
Die Einstufung als assoziiertes Unternehmen gemäß § 311 HGB setzt voraus, dass eine Beteiligung nach § 271 Abs. 1 HGB besteht und der maßgebliche Einfluss tatsächlich ausgeübt oder widerlegbar vermutet wird. Assoziierte Unternehmen können auch nicht vollkonsolidierte Tochterunternehmen und nicht anteilmäßig konsolidierte Gemeinschaftsunternehmen (sog. unechte assoziierte Unternehmen) sein.
i) Maßgeblicher Einfluss wird widerlegbar vermutet, wenn dem beteiligten Unternehmen direkt oder indirekt ein Stimmrechtsanteil an dem Beteiligungsunternehmen von mindestens 20 % zusteht. Hält das beteiligte Unternehmen direkt oder indirekt einen Stimmrechtsanteil von weniger als 20 %, wird widerlegbar vermutet, dass kein maßgeblicher Einfluss besteht. Für die Zurechnungen gelten die Regelungen des E-DRS 35.23 „Anteilsmäßige Konsolidierung“.
ii) Zur Beurteilung, ob maßgeblicher Einfluss auch tatsächlich ausgeübt wird, ist eine einzelfallbezogene Würdigung der Gesamtumstände erforderlich. Hierbei sind auch tatsächlich bestehende Einflussmöglichkeiten zu würdigen, die sich aus der Anteilseignerstruktur des zu beurteilenden Unternehmens oder aus sonstigen Vereinbarungen ergeben.
Anhaltspunkte für das Vorliegen eines maßgeblichen Einflusses können sein:
Zugehörigkeit eines Vertreters des beteiligten Unternehmens zum Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorgan, das die Finanz- oder Geschäftspolitik bestimmt, oder einem gleichartigen Leitungsgremium des Beteiligungsunternehmens,
Mitwirkung an der Festlegung der Geschäftspolitik des Beteiligungsunternehmens,
Austausch von Führungspersonal zwischen dem beteiligten Unternehmen und dem Beteiligungsunternehmen,
Wesentliche Geschäftsbeziehungen zwischen dem beteiligten Unternehmen und dem Beteiligungsunternehmen.
E-DRS 34 verweist darauf, dass wie bisher bei entsprechender Wahlrechtsausübung (§§ 296, 310 HGB) die Equity-Methode auch bei der Bilanzierung von Beteiligungen an Tochter- und Gemeinschaftsunternehmen zur Anwendung kommen kann.
i) Für gemäß § 296 Abs. 1 Nr. 1 HGB nicht vollkonsolidierte Tochterunternehmen ist zu prüfen, ob trotz erheblicher und andauernder Beschränkungen, welche die Ausübung der Rechte des Mutterunternehmens in Bezug auf das Vermögen oder die Geschäftsführung dieses Tochterunternehmens nachhaltig beeinträchtigen, die Möglichkeit der Ausübung eines maßgeblichen Einflusses verbleibt und dieser auch tatsächlich ausgeübt wird.
ii) Sofern die Anteile an einem Tochterunternehmen teilweise in Weiterveräußerungsabsicht erworben wurden und die nach der geplanten Weiterveräußerung weiterhin gehaltenen Anteile nur noch einen maßgeblichen Einfluss vermitteln, dürfen die Anteile an diesem Tochterunternehmen vom Erwerbszeitpunkt an nach der Equity-Methode bilanziert werden.
Wie bisher gilt jedoch, dass bei Anteilen an assoziierten Unternehmen, die ausschließlich zum Zwecke der Weiterveräußerung erworben wurden, gleichwohl ob maßgeblicher Einfluss ausgeübt wird, die Anwendung der Equity-Methode ausgeschlossen ist, da keine Beteiligung gemäß § 271 Abs. 1 S. 1 HGB vorliegt.
Zugrunde liegende Abschlüsse
Grundlage für die Equity-Methode bildet jeweils der letzte verfügbare Jahresabschluss des assoziierten Unternehmens (§ 312 Abs. 6 S. 1 HGB). Stellt das assoziierte Unternehmen einen Konzernabschluss auf, ist dieser der Equity-Methode zugrunde
zu legen (§ 312 Abs. 6 S. 2 HGB). Die Verwendung des letzten verfügbaren Jahres- oder Konzernabschlusses hat im Zeitablauf stetig zu erfolgen (§ 252 Abs. 1 Nr. 6 i. V. m. § 298 Abs. 1 HGB) und gilt sowohl für die erstmalige Anwendung der Equity-Methode als auch für die Fortschreibung des Equity-Wertansatzes in Folgejahren. E-DRS 34 stellt in diesem Zusammenhang klar, dass:
i) der Stichtag des der Equity-Methode zugrunde liegenden Jahres- oder Konzernabschlusses nicht mit dem Konzernabschlussstichtag des Mutterunternehmens übereinstimmen muss. Entgegen DRS 8 kann der Abschlussstichtag auch um mehr als drei Monate vor dem des Mutterunternehmens liegen.
ii) eine Feststellung oder Billigung des Jahres- oder Konzernabschlusses nicht zwingend erforderlich ist. Bei bestehender Prüfungspflicht müssen zumindest alle wesentlichen Prüfungshandlungen abgeschlossen sein.
iii) dass – ebenfalls entgegen DRS 8 – vom Konzernabschluss abweichende Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden beibehalten werden können (E-DRS 34.28).
Erstkonsolidierung at Equity
Zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung der Equity-Methode ist der (Konzern-)Buchwert der Anteile in einer Nebenrechnung mit dem anteiligen Eigenkapital des assoziierten Unternehmens (analog DRS 23.34 ff.) zu verrechnen.
i) Daraus resultiert der sog. Unterschiedsbetrag 1.
ii) Dieser ist in der Nebenrechnung (unter Berücksichtigung latenter Steuern) in darin enthaltene stille Reserven bzw. Lasten sowie einen verbleibenden Geschäfts- oder Firmenwert bzw. passiven Unterschiedsbetrag (sog. Unterschiedsbetrag 2) aufzuteilen.
iii) Die Aufdeckung der anteiligen stillen Reserven und Lasten im Rahmen der Nebenrechnung ist nicht auf den sog. Unterschiedsbetrag 1 begrenzt, selbst wenn dadurch ein passiver Unterschiedsbetrag entsteht. Die Fortentwicklung der vollständigen (anteiligen) Aufstockung erfolgt im Rahmen der Folgebewertung.
Wird erstmals ein Konzernabschluss aufgestellt, sind bei der erstmaligen Anwendung der Equity-Methode auf die Anteile bereits bisher zum Konzern gehörender assoziierter Unternehmen die Wertverhältnisse zu Beginn des Konzerngeschäftsjahres zugrunde zu legen (§ 301 Abs. 2 S. 3 i. V. m. § 312 Abs. 3 S. 3 HGB), sofern die Ausübung eines maßgeblichen Einflusses auf die Geschäfts- und Finanzpolitik nicht tatsächlich erst im Verlauf des Konzerngeschäftsjahres erfolgt ist. In dem letztgenannten Fall sind die Wertverhältnisse zu dem späteren Zeitpunkt maßgeblich. Das Abstellen auf die Wertverhältnisse zu Beginn des Konzerngeschäftsjahres kann auch in dem Fall angewandt werden, wenn für ein zum Konzern gehörendes assoziiertes Unternehmen die untergeordnete Bedeutung für die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage entfällt. Eine retrospektive Ermittlung des Equity-Wertes ist in beiden Fällen jedoch möglich.
In den auf die erstmalige Anwendung der Equity-Methode folgenden Konzernabschlüssen ist der Equity-Wertansatz um den Betrag der Eigenkapitalveränderungen, die den dem Mutterunternehmen gehörenden Anteilen am Kapital des assoziierten Unternehmens entsprechen, zu erhöhen oder zu vermindern. Dabei sind die aufgedeckten stillen Reserven und Lasten sowie der ggf. verbleibende Geschäfts- oder Firmenwert bzw. passive Unterschiedsbetrag aus der Nebenrechnung fortzuführen. Ein exemplarisches Schema zur Fortschreibung des Equity-Wertansatzes ist in Anlage A1 des E-DRS 34 dargestellt.
Für die Fortschreibung des Unterschiedsbetrages 2 (Geschäfts- oder Firmenwert bzw. passiver Unterschiedsbetrag) gelten die Regelungen für die Vollkonsolidierung gemäß § 309 HGB bzw. DRS 23.109 ff. und DRS 23.139 ff. entsprechend.
Führt die Fortschreibung des Equity-Wertansatzes zu einem negativen Equity-Wert, so ist die Beteiligung in der Konzernbilanz mit dem Erinnerungswert anzusetzen. Der negative Equity-Wert ist in der Nebenrechnung fortzuführen. Die bilanzielle Wertfortführung über Null ist geboten, sobald die kumulierten negativen Beiträge durch angefallene Gewinne oder durch Leistungen der Gesellschafter wieder ausgeglichen worden sind. Im Falle negativer Equity-Werte müssen Rückstellungen angesetzt werden, wenn am Abschlussstichtag im Jahresabschluss eine Verpflichtung zum Verlustausgleich besteht. Weitere eigenkapitalähnliche Posten, wie z. B. langfristige Darlehen an das assoziierte Unternehmen sind bei der Fortschreibung im Falle eines negativen Equity-Werts in der umgekehrten Rangreihenfolge (d. h. ihrer Priorität bei der Liquidierung) einzubeziehen. Die Einbeziehung hat jedoch nur dann zu erfolgen, wenn der Darlehensgeber beteiligungsähnlichen Risiken ausgesetzt ist. D. h. die zu dem negativen Equity-Wert führenden anteiligen Verluste, sind als Minderung von diesen Darlehen zu berücksichtigen.
Der Equity-Wert ist zu jedem Konzernabschlussstichtag auf seine Werthaltigkeit zu überprüfen. Außerplanmäßige Abschreibungen mindern in der Nebenrechnung zunächst den im Equity-Wertansatz enthaltenen Geschäfts- oder Firmenwert (vgl. hierzu DRS 23.124 ff.). Nach dessen vollständiger Abschreibung werden zunächst eventuell noch vorhandene stille Reserven und dann der verbleibende Equity-Wertansatz verringert. Der niedrigere Wertansatz des Geschäfts- oder Firmenwerts in der Nebenrechnung ist aufgrund des Wertaufholungsverbots auch an künftigen Abschlussstichtagen beizubehalten (§ 309 Abs. 1 i. V. m. §§ 253 Abs. 5 S. 2, 312 Abs. 2 S. 3 HGB). Eine Zuschreibungsmöglichkeit des Equity-Wertansatzes in dieser Höhe besteht insofern nicht.
Kapitalmaßnahmen beim assoziierten Unternehmen
E-DRS 34 stellt klar dass,
i) verhältniswahrende Kapitalmaßnahmen, an denen alle Gesellschafter nach Maßgabe ihres bisherigen Anteils partizipieren, erfolgsneutral im Equity-Wertansatz zu berücksichtigen sind und
ii) bei nicht-verhältniswahrenden Kapitalmaßnahmen der Änderungsbetrag, der nicht auf die Einlagen beruht, dagegen erfolgswirksam im Equity-Wertansatz zu berücksichtigen sind.
Statuswahrende Auf- und Abstockungen von Anteilen
i) Statuswahrende Aufstockungen werden erfolgsneutral entsprechend E-DRS 34.31 ff. bilanziert und nach den allgemeinen Regelungen des E-DRS 34.45 ff. fortgeschrieben.
ii) Im Rahmen von statuswahrenden Abstockungen ist ein Veräußerungsgewinn bzw. -verlust als Differenz zwischen dem Veräußerungspreis und dem auf die abgehenden Anteile entfallenden Equity-Wertansatz ergebniswirksam zu erfassen.
Wechsel des Konsolidierungsverfahrens
E-DRS 34 enthält diesbezüglich keine umfangreichen Regelungen. Im Zusammenhang mit dem Übergang von der anteilsmäßigen Konsolidierung auf die Equity-Methode werden auf die Regelungen des E-DRS 35.56 „Anteilsmäßige Konsolidierung“ verwiesen.
Für den Statuswechsel zwischen der Vollkonsolidierung und der Equity-Bilanzierung verweisen wir darüber hinaus auf die Regelungen des DRS 23 „Kapitalkonsolidierung (Einbeziehung von Tochterunternehmen in den Konzernabschluss)“.
Die Zwischenergebniseliminierung wird im Vergleich zu DRS 8 detaillierter beschrieben.
Weiterhin gilt, dass Zwischenergebnisse aus Lieferungen oder Leistungen des assoziierten Unternehmens an ein in den Konzernabschluss einbezogenes (Mutter-, Tochter- oder Gemeinschafts-)Unternehmen (sog. upstream-Lieferungen) und umgekehrt (sog. downstream-Lieferungen) entsprechend der Beteiligungsquote des Konzerns am assoziierten Unternehmen zu eliminieren (§ 304 Abs. 1 i. V. m. § 312 Abs. 5 S. 3 HGB) sind.
Bei upstream-Lieferungen dürfen die zu eliminierenden Zwischenergebnisse gegen den Bestandswert des erworbenen Vermögensgegenstands oder gegen den Equity-Wertansatz verrechnet werden, wobei die Verrechnung mit dem Bestandswert empfohlen wird. Die Verrechnung mit dem Bestandswert war mit DRS 8 noch unvereinbar.
Erfolgt die Zwischenergebniseliminierung bei upstream-Lieferungen gegen den Equity- Wertansatz und übersteigt ein zu eliminierender Gewinn den Equity-Wertansatz, ist der übersteigende Betrag mit dem Buchwert des erworbenen Vermögensgegenstands zu verrechnen.
Bei downstream-Lieferungen ist ein zu eliminierendes Zwischenergebnis mit dem Equity- Wertansatz zu verrechnen. Übersteigt der aufgrund einer downstream-Lieferung zu eliminierende Zwischengewinn den Equity-Wertansatz, ist der übersteigende Betrag zunächst mit ggf. bestehenden sonstigen langfristigen Forderungen (beteiligungsähnliche Darlehen) gegen das assoziierte Unternehmen zu verrechnen.
Sind die für eine Zwischenergebniseliminierung erforderlichen Informationen nicht bekannt oder zugänglich, dürfen für die zur Zwischenergebniseliminierung benötigten, fehlenden Angaben entsprechend plausible Annahmen getroffen bzw. Schätzungen vorgenommen werden, wenn es sich aus Konzernsicht um wesentliche Liefer- und Leistungsbeziehungen handelt.
Die Beteiligungen an assoziierten Unternehmen sind in der Konzernbilanz unter entsprechender Bezeichnung als gesonderter Posten auszuweisen (§ 311 Abs. 1 S. 1 HGB).
Das Ergebnis aus der Änderung des Equity-Werts ist, soweit es nicht auf erfolgsneutralen Änderungen des Eigenkapitals des assoziierten Unternehmens beruht, in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung unter entsprechender Bezeichnung als gesonderter Posten auszuweisen (§ 312 Abs. 4 S. 2 HGB).
Konzernanhangangaben
E-DRS 34 fordert für den Konzernanhang keine über den gesetzlich geforderten Umfang (§ 312 ff. HGB) hinausgehende Angaben. Es werden jedoch Anwendungshinweise dargestellt.

References: § 312
 § 311
 § 271
 § 296
 § 271
 § 298
 § 312
 § 309
 § 312