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Timestamp: 2015-11-30 04:20:03+00:00

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Aristotle’s Biology in Byzantium : Konstantinos Porphyrogennetos’ zoological Sylloge and its reception in the treatise Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς (Codex Baroccianus Graecus 131)
Deutsch English Bei der im Codex Baroccianus Graecus 131 überlieferten Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς handelt es sich um Exzerpte aus der zoologischen Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos. Ein detaillierter Textvergleich offenbart weitreichende wörtliche Übereinstimmungen. Das biologische Wissen des Textes erscheint im Codex Baroccianus in philosophischem Kontext. Hauptbezugspunkt ist hierbei die Frage nach der Entstehung der menschlichen Seele.
The Byzantine treatise Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς which is part of the Codex Baroccianus Graecus 131 is an excerpt from the zoological Sylloge of Constantine Porphyrogennetos. A detailed comparison of both texts reveals extensive literal correspondencies. The biological lore of the text appears in the Codex Baroccianus in a philosophical context. Its main point of reference is the question of the origin of the human soul.
Keywords :Aristophanes of Byzantium, Konstantinos Prophyrogennetos, Aristoteles, reception, Reproduction
Schlagwortindex :Aristophanes von Byzanz, Konstantinos, Porphyrogennetos, Aristoteles, Rezeption, FortpflanzungHaut de page
Der Überlieferungskontext der Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς im Codex Baroccianus 131
Übersicht über die ersten Kapitel der Φιλοσοφικὰ Σύμμεικτα
Die Quellen der Φιλοσοφικὰ Σύμμεικτα
Aristoteles in ByzanzHaut de page
Überarbeitete Version eines Vortrags, der am 10.9.2010 an der Universität Nizza gehalten wurde. Für wertvolle Anregungen danke ich Herrn JProf. Dr. Benedikt Strobel (Trier) sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des «table ronde» in Nizza.
1 Aus praktischen Gründen wird das Werk im Folgenden mit dem Titel „Sylloge des Konstantinos Porphyr (...)
2 So hatte es jedenfalls der Editor Spyridon Lambros angenommen. Vgl. Lambros, 1885: XVI.
1Das Thema Fortpflanzung bildet einen der thematischen Schwerpunkte des ersten Buches der zoologischen Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos1, das einführende Funktion hat (vgl. Zucker, 2008: 140-141). Nach den didaktischen Bemerkungen zur Terminologie zu Beginn der Sylloge (I, 1-27) behandeln die Paragraphen I, 28-97 Paarung, Schwangerschaft und Geburt verschiedener Tiergruppen. Auf diesen großen Abschnitt folgt am Ende des ersten Buches eine längere Auflistung singulärer Eigenschaften von Menschen und Tieren (I, 98-155). Im Abschnitt über die Fortpflanzung beginnt die Behandlung des Samens der Bluttiere im § 54, ab § 73 folgen die Themen Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt des Menschen. Wahrscheinlich geht dieses Material wie der gesamte Inhalt des ersten Buches auf die zoologische Epitome des Aristophanes von Byzanz zurück2. 3 Fol. 408rv.
4 Natürlich ist theoretisch auch möglich, dass der Verfasser der Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς d (...)
2Im größeren Kontext der Behandlung des Samens der Bluttiere finden sich in der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos zahlreiche Informationen über das menschliche Sperma. Eben dieses Thema ist Gegenstand einer kurzen Abhandlung Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς im Codex Baroccianus 1313. Wie ich im Folgenden darlegen werde, offenbart ein Vergleich der beiden Texte derart weitreichende Übereinstimmungen, dass kaum Zweifel bestehen können, dass es sich bei der Abhandlung Über das menschliche Sperma um ein Exzerpt aus der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos handelt4. Das Exzerpt steht am Ende einer langen Reihe von alternierenden Textverkürzungen und Texterweiterungen, die ihren Anfang bei den biologischen Schriften des Aristoteles nimmt und über die Epitome des Aristophanes von Byzanz und die Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos bis zur Abhandlung Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς reicht.
Aristoteles, Zoologische Schriften (+ peripatetisches Material)↓ (Verkürzung)Aristophanes, Epitome↓ (Erweiterung)Konstantinos Porphyrogennetos, Sylloge↓ (Verkürzung)Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς (Über das menschliche Sperma)
3Der Text kann so zugleich als instruktives Beispiel für die Rezeption der Sylloge in byzantinischer Zeit dienen.
5 Vgl. Wilson, 1978: 171-172 Nr. 129. Der Abschnitt Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς ist aufgelistet als 12 (...)
6 Kurze Doxographie zur Autorenfrage bei Pontikos, 1992: XVI-XVII.
7 Die Abhandlung Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς ist in dieser Edition nicht enthalten. Vgl. Pontikos, 19 (...)
8 Er weist zudem darauf hin, dass der Text in zwei weiteren Handschriften des 14. Jh. überliefert i (...)
4Der Codex Baroccianus 131 ist eine der bedeutendsten Handschriften der Bodleian Library in Oxford. Er stammt aus dem 13. Jh., umfasst mehr als 500 Seiten und enthält unterschiedlichste Werke zahlreicher Autoren von der Antike bis in byzantinische Zeit, darunter auch mehrere Schriften des Michael Psellos (vgl. Wilson, 1978). Auf der Vorder- und Rückseite des Blattes 408 dieser Handschrift findet sich die Abhandlung (Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς) als Teil einer Sammlung von kurzen Abhandlungen verschiedener philosophischer, naturwissenschaftlicher, medizinischer und theologischer Fragen, die sich über 50 Seiten erstreckt5. Diese Sammlung wurde 1992 von Ilias Pontikos unter dem Titel « Ἀνωνύμου Φιλοσοφικὰ Σύμμεικτα — Anonymi Miscellanea Philosophica. A Miscellany in the Tradition of Michael Psellos (Codex Barocciaus Graecus 131) »ediert (Pontikos, 1992). Sie ist seiner Meinung nach im 11. und 12. Jh. n. Chr. Entstanden (vgl. Pontikos, 1992: XXXIX). Mehrfach ist in der Vergangenheit die These vertreten worden, die Sammlung stamme von Michael Psellos6. Ausgangspunkt für diese These waren insbesondere Übereinstimmungen mit dessen Schrift De omnifaria doctrina. Teile der Sammlung wurden entsprechend 1989 in den Philosophica Minora des Michael Psellos ediert (O’Meara, 1989)7. Demgegenüber hat Ilias Pontikos in seiner Edition die Autorenschaft des Psellos nach eingehender Diskussion bestritten. Er weist das Werk einem anonymen Autor zu (vgl. Pontikos, 1992: XV-XL). Wie jedoch bereits der Titel seiner Edition deutlich macht, sieht auch er das Werk in der Tradition des Psellos. Die Forschungsdiskussion ist in der Frage der Autorenschaft bis heute nicht abgeschlossen. Vor einigen Jahren hat sich John Duffy wiederum nachdrücklich für Psellos als Autor ausgesprochen (Duffy, 2002: 152-153). Und für Robert Volk, der sich speziell mit den medizinischen Schriften des Psellos befasst hat, ist der hier näher betrachtete Abschnitt Über das menschliche Sperma ebenfalls « sicher ein didaktischer Psellos-Brief » (Volk, 1990: 460)8.
5Der Aufbau der byzantinischen Sammlung ist sehr heterogen. Sie beginnt mit einem astronomischen Thema, dem « großen Jahr » (1), es folgen biologisch-medizinische Themen (2-6), darunter auch der Abschnitt Über das menschliche Sperma (6). Übersicht über die ersten Kapitel der Φιλοσοφικὰ Σύμμεικτα
1) Περὶ τοῦ μεγάλου ἐνιαυτοῦ2) ‹Περὶ τῶν τεσσάρων χυμῶν›3) Περὶ διαφορᾶς καὶ ὁμοιότητος τῶν τοῦ ἄρρενος καὶ θήλεος τῆς αἰδοῦς μορίων καὶ περὶ ὀφθαλμῶν κατασκευῆς4) Ἰατρικῶν ἐρωτημάτων ἀποκρίσεις 5) Περὶ οὔρων σύντομος διδασκαλία6) Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς7) Περὶ αἰσθήσεως καὶ αἰσθητῶν8) ‹Περὶ ᾅδου›… (Vgl. Pontikos, 1992: CXXII)
6Im weiteren Verlauf finden sich Abschnitte zu klassischen philosophischen Themen wie Seele und Tugenden (z.B. 12. Περὶ ψυχῆς, 13. Περὶ ἀρετῶν), theologischen Fragen (z.B. 14. Περὶ θεολογίας καὶ διακρίσεως δογμάτων Ἑλληνικῶν) und meteorologischen Problemen, wie Erdbeben, Blitz und Donner (z.B. 22. Περὶ σεισμῶν, 23. Περὶ βροντῶν, 24. Περὶ κεραυνῶν).
9 Vgl. Hunger, 1978: Bd. 1: 26, Bd.2: 240-241, 300 und Pontikos, 1992: XCI mit Anm. 24.
7Zumeist sind die einzelnen Abschnitte literarisch als Antwort auf eine Frage gestaltet, teilweise in Briefform. So beginnt der erste Abschnitt mit folgenden Worten : Ἠρώτησας ἐν τῷ γράμματι καὶ περὶ τοῦ καλουμένου παρ’ Ἕλλησι μεγάλου ἐνιαυτοῦ, τίς οὗτός ἐστιν (p. 1, 2-3 Pontikos). (« Du hast mich in (deinem) Brief auch über das bei den Griechen sogenannte große Jahr gefragt, was es ist »). Die angesprochene Person wird dabei nicht näher benannt. Ganz ähnlich beginnt auch der Abschnitt über das Sperma : Περὶ τοῦ φυσικοῦ ἡμῖν ἐπεζήτησας σπέρματος ποδαπόν τε τὴν οὐσίαν ἔστι· καὶ ποίων μορίων τοῦ σώματος ἀπορρεῖ (p. 16, 14-15). (« Du hast uns gefragt über den natürlichen Samen, wie beschaffen er seinem Wesen nach ist und von welchen Teilen des Körpers er abfließt »).Diese Textform, die sogenannte Erotapokrisis, war in byzantinischer Zeit im Kontext des Schulunterrichts weit verbreitet9.
10 Vgl. Wendland, 1901. Die Parallelen sind bei Pontikos, 1992: 19-22 im Apparat verzeichnet. Vgl. au (...)
11 Vgl. Helmreich, 1968. Die genauen Parallelen sind bei Pontikos, 1992: 9-12 verzeichnet.
12 Vgl. Pontikos, 1992: XXXVII. Die Parallelen bei Theophilos sind bei Pontikos, 12-16 im Apparat ver (...)
8Für die meisten Abschnitte der Sammlung sind die Quellen bereits bekannt. Wie Ilias Pontikos darlegt, handelt es sich zumeist um wörtliche Auszüge aus paganen Autoren, deren Namen nicht genannt werden (Pontikos, 1992: XVI). So ist beispielsweise der siebte Abschnitt Περὶ αἰσθήσεως καὶ αἰσθητῶν ein Auszug aus dem Kommentar des Alexander von Aphrodisias zu De sensu. Alexander wird freilich im Text nicht genannt10. Bei den im 4. Abschnitt behandelten medizinischen Fragen (Ἰατρικῶν ἐρωτημάτων ἀποκρίσεις) wurde Galens Schrift De usu partium exzerpiert11. Auch in diesem Fall wird der Name des berühmten Arztes nicht erwähnt. Nicht eindeutig zuordnen lässt sich allerdings bisher beispielsweise die an fünfter Stelle stehende Abhandlung über die Harnlehre (περὶ οὔρων σύντομος διδασκαλία). Sie geht jedoch sehr wahrscheinlich auf dieselbe Quelle zurück wie die Schrift De urinis des Theophilos Protospatharios12. 13 Pontikos, 1992: 16, Parallelenapparat. Als Titel wird hier wohl irrtümlich Ἀριστοτ., Περὶ γεν. καὶ (...)
9Für den Abschnitt Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς, der hier im Zentrum des Interesses steht, hatte Ilias Pontikos Parallelen aus der Schrift De generatione animalium des Aristoteles angeführt13, der im Text auch namentlich erwähnt wird (p. 17, 14). Letztendlich geht das Material sicherlich auch auf Aristoteles zurück, doch der Verfasser der byzantinischen Abhandlung hat es ganz offensichtlich über die zoologische Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos rezipiert. Der folgende synoptische Vergleich soll dies deutlich machen :
14 ἐναντίοι Pontikos ἐναντίαι B
Anonymi Miscellanea Philosophica
Konstantinos Porphyrogennetos Sylloge
Codex Baroccianus Graecus 131
(Ed. Pontikos, 1992)
/ Aristophanes von Byzanz, Epitome(Ed. Lambros, 1885)
6. Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς(p. 16, 13-18, 30 Pontikos)
I § 55-93 (p. 14, 19-27, 9 Lambros)
Περὶ τοῦ φυσικοῦ ἡμῖν ἐπεζήτησας σπέρματος ποδαπόν τε τὴν (15) οὐσίαν ἐστι· καὶ ποίων μορίων τοῦ σώματος ἀπορρεῖ. ἵνα γοῦν τὰς τῶν πολλῶν περὶ τούτου δόξας ἐάσω, ἐξ ὕδατος καὶ πνεύματος, ὁ τοιοῦτος συντέθειται ῥοῦς· οἷός ἐστιν ὁ ἀφρὸς ἐπὶ τοῦ ὕδατος γενόμενος. αἴτιον δὲ γίνεται τῆς ἀπηξίας τοῦ σπέρματος ὁ ἐνυπάρχων ἐν αὐτῷ ἀήρ. ἔστι δὲ περίττωμα χρησίμου τροφῆς τῆς ἐσχάτης· ἐσχάτη δὲ ἡμῖν τροφή, τὸ (20) αἷμά ἐστιν· ὥστε ἐκ τῆς αἱματικῆς τροφῆς [τὸ] τῆς ἐν τῷ συνδέσμῳ πεπεμμένης καὶ μετα­βε­βληκυίας τὸ σπέρμα γίνεται. φέρεται δέ, οὐχ ὅλον ἀφ’ ὅλου τοῦ σώματος, ὡς ὠήθησάν τινες· ὅσον δὲ ἐπὶ τῇ αἰσθήσει δοκεῖ μᾶλλον φέρεσθαι, ἀπὸ τῶν περὶ τὴν κεφαλὴν τόπων. καὶ γὰρ οἱ πλειστάκις συνουσιάσαντες, ὁρῶνται κοίλους τοὺς ὀφθαλμοὺς ἔχοντες. (25) καὶ οἱ βουλόμενοι γνῶναι εἰ γόνιμόν ἐστι τὸ τοῦ ἀνδρὸς σπέρμα· ἢ μή, χρίσαντες τοὺς ὀφθαλμοὺς ὑπολείμματί τινι συνουσιάζουσι. καὶ εἰ μὲν συγχρωσθῇ τὸ ἀποκριθὲν σπέρμα τῷ ὑπολείμματι, γόνιμόν ἐστιν· εἰ δὲ μή, ἄγονον.
(55, p. 14, 19-15, 1) μήποτε οὖν, φησίν, ἐξ ὕδατος καὶ πνεύματός ἐστιν, οἷος ὁ ἀφρὸς ὁ ἐπὶ τοῦ ὕδατος γινόμενος ; … (56, p. 15, 9-10) αἴτιος δὲ γίνεται τῆς ἀπηξίας τοῦ σπέρματος ὁ ἐνυπάρχων ἐν αὐτῷ ἀήρ· … (p. 16, 4-7) … τὴν δὲ γένεσιν εἰληφέναι ἐκ περιττώματος χρησίμης τροφῆς τῆς ἐσχάτης. ἐσχάτη δὲ ἡμῖν, φησίν, ἐστὶ τροφὴ τὸ αἷμα, ὥστε ἐκ τῆς αἱματικῆς τροφῆς τῆς ἐν τῷ συνδυασμῷ πεττομένης καὶ μεταβεβληκυίας τὸ σπέρμα. … (60, p. 16, 11) οὐχ ὅλον ἀφ’ ὅλου εὔλογον φέρεσθαι. … (61, p. 17, 1-6) ἔοικεν οὖν, φησίν, ὅσον ἐπὶ τῇ αἰσθήσει μᾶλλον φέρεσθαι [καὶ] ἀπὸ τῶν περὶ κεφαλὴν τόπων· καὶ γὰρ οἱ πλειστάκις συνουσιάσαντες ὁρῶνται, φησί, κοίλους ἔχοντες τοὺς ὀφθαλμούς, καὶ οἱ βουλόμενοι ἐπιγνῶναι, εἰ γόνιμόν ἐστι τὸ τοῦ ἀνδρὸς σπέρμα ἢ οὐχί, χρίσαντες τοὺς ὀφθαλμοὺς ὑπαλείμματί τινι συνουσιάζουσι· καὶ ἐὰν μὲν συγχρωθῇ τὸ ἀποκριθὲν σπέρμα τῷ ὑπαλείμματι, γόνιμόν ἐστιν, εἰ δὲ μή, ἄγονον, …
ἀπορρεῖ δέ τι καὶ ἡ γυνὴ ἐν ταῖς συνουσίαις, οὐ σπέρματος ποιουμένην ἄφεσιν καθάπερ ὁ ἀνήρ· ἀλλ’ ὕλην τινὰ παρεχομένη· οἷον, (p. 17) ποστὴν τὴν καταμηνίων ὑγρότητα· ἔστι δὲ τὸ καταμήνιον, ἄπεπτον περίττωμα. καθάπερ ἐν ταῖς κοιλίαις ἀπέπτοις ὑπαρχούσαις, ἐπακολουθεῖ διάρροια· οὕτω καὶ ἐν ταῖς φλεψὶ ταῖς φερούσαις εἰς τὴν ὑστέραν, ἡ τῶν καταμηνίων γίνεται ἔκκρισις κατά τινα ἀπεψίαν· εἰσὶ (5) γὰρ αἱ ὑστέραι, πέρατα φλεβῶν. ὃ δὲ προΐεται ἡ γυνὴ μετὰ τῆς μίξεως καὶ ἡδονῆς ἀπιόν, οὐκ ἔστι σπέρμα· ἀλλ’ ἴδιόν τι ὑγρόν, τοῖς τόποις συμβεβηκός.
(62, p. 17, 12-17) συμβάλλεται οὖν, φησί, τὸ θῆλυ πρὸς ζῳογονίαν οὐ σπέρματος ποιούμενον ἄφεσιν, καθάπερ ὁ ἀνήρ, ἀλλ’ ὕλην τινὰ παρεχόμενον τὴν τῶν καταμηνίων ποσὴν ὑγρασίαν. ἔστι δὲ καταμήνια ἄπεπτον περίττωμα· καθάπερ ἐν ταῖς κοιλίαις ἀπέπτοις ὑπαρχούσαις ἐπακολουθεῖ διάρροια, οὕτω καὶ ἐν ταῖς φλεψὶ ταῖς φερούσαις εἰς τὴν ὑστέραν ἡ τῶν καταμηνίων γίνεται ἔκκρισις κατὰ τὴν ἀπεψίαν· εἰσὶ γὰρ αἱ ὑστέραι πέρατα φλεβῶν. … (64, p. 18, 3-6) ὃ δὲ προΐεται ἡ γυνὴ μετὰ τῆς μίξεως καὶ ἡδονῆς ὑγρόν, ὅ τινες σπέρμα ὑπέλαβον εἶναι, ἄχρηστόν ἐστιν· οὐ γάρ ἐστι σπέρμα ἀλλ’ ἴδιόν τι ὑγρὸν συμβεβηκὸς τοῖς τόποις. … ἔστιν οὖν τὸ μὲν τοῦ ἄρρενος σπέρμα, τὸ οἷον δημιουργόν, καὶ ἀρχὴν κινήσεως ἐμποιοῦν· προϊὸν δὲ εἰς τὰς ὑστέρας, μίσγεται τῷ καθαρωτάτῳ τῆς θηλείας περιττώματι. καὶ γὰρ <οὐ> πᾶσα ἡ αἱματικὴ (10) τῆς θηλείας ἀπόκρισις, πρὸς τὸ ζωογονῆσαι χρήσιμόν ἐστιν· ἀλλά τις. κατὰ τοῦτο οὖν λέγομεν, συμβάλλεσθαι τὸ θῆλυ· οὐχ’ ὅτι σπέρμα ἀφίησιν, ἀλλὰ καθόσον ὕλης τρόπον ἐπέχει, καθάπερ ὁ χαλκὸς τῷ ἀνδριαντοπλάστῃ.
(63, p. 17, 18-19) Ἔστιν οὖν τὸ μὲν τοῦ ἄρρενος σπέρμα τὸ οἱονεὶ δημιουργὸν καὶ ἀρχὴν κινήσεως ἐμποιοῦν, … (p. 17, 20-18, 3) οὕτως γὰρ καὶ τὸ σπέρμα πεσὸν εἰς τὰς ὑστέρας μίγνυται τῷ καθαρωτάτῳ τῆς θηλείας περιττώματι. οὐ γὰρ πᾶσα ἡ αἱματικὴ τῆς θηλείας ἀπόκρισις πρὸς τὸ ζῳογονῆσαι χρήσιμός ἐστι ἀλλά τις. κατὰ τοῦτο οὖν λέγομεν συμβάλλεσθαι τὸ θῆλυ, οὐχ ὅτι σπέρμα ἀφίησιν, ἀλλὰ καθ’ ὅσον ὕλης τόπον ἐπέχει, καθάπερ χαλκὸς τῷ ἀνδριαντοπλάστῃ. …
Ταῦτα ὁ φιλόσοφος εἰρηκὼς Ἀριστοτέλης, ἐχομένως ἀπορεῖ· (15) πότερον τὸ συστὰν ἐν τῇ μήτρᾳ σπέρμα καὶ μιχθὲν τῇ τῆς θηλείας ἰκμάδι, εὐθέως καὶ ψυχὴν ποιεῖ. καὶ βούλεται κατὰ τὰς οἰκείας δόξας· μὴ τοῦ νοεροῦ εὐθὺς μέτοχον γίνεσθαι· ἀλλὰ μόνον τοῦ θρεπτικοῦ· αὐξόμενα δὲ τῷ χρόνῳ, τὰ ἔμβρυα καὶ πρὸς τῷ τίκτεσθαι γεγονότα, καὶ τοῦ λογικοῦ μετασχεῖν· προϊόντα δὲ καὶ τοῦ νοεροῦ. (20) ἐνυπάρχειν δέ φησιν ἐν τῷ καταβαλλομένῳ σπέρματι, ζωτικόν τι θερμόν, ἀναλογοῦν τοῖς τῶν ἄστρων καὶ τοῦ ἡλίου στοιχείοις· ἐπειδή φησιν, ἡ ἐκείνων θερμότης, ζωτικὴν ἔχουσα ἐν ἑαυτῇ δύναμιν, οἵα τ’ ἔστι ζωογονεῖν. (66, p. 18, 18-19, 2) ἐχομένως δ’ ἀπορεῖ, πότερον τὸ συστὰν <ἐν> τῇ μήτρᾳ σπέρμα καὶ μιχθὲν <τῇ> τῆς θηλείας ἰκμάδι εὐθέως καὶ ψυχὴν ποιεῖ καὶ ψυχῆς μετέχει ἢ οὔ. καί φησιν ὡς ἀναγκαῖον αὐτῆς μετέχειν, μετέχει δὲ οὐ τοῦ νοεροῦ ἀλλὰ μόνον τοῦ θρεπτικοῦ. … (66, p. 19, 6-8) αὐξανόμενα δὲ τῷ χρόνῳ τὰ ἔμβρυα, ὅτε δὴ συμβαίνει ἀσᾶσθαι καὶ τὴν ἔχουσαν, τότε καὶ τοῦ νοεροῦ μέρους τῆς ψυχῆς συμβαίνει μετασχεῖν· … (66-67, p. 19, 9-15) ἐνυπάρχει γὰρ ἐν τῷ καταβαλλομένῳ σπέρματι τῆς ψυχῆς τινα μόρια, ἃ ποιεῖ γόνιμον αὐτὸ εἶναι, ἐὰν μή τις πήρωσις αὐτῷ ἐπακολουθήσῃ. τοῦτο δὲ τοὐνυπάρχον ἐστὶ τὸ λεγόμενον ζωτικὸν θερμόν, … φύσιν δέ τινα ὑπολαβεῖν δεῖ θερμοῦ ἐνυπάρχειν ἐν τῷ σπέρματι ἀναλογοῦσαν τοῖς τῶν ἄστρων καὶ τοῦ ἡλίου στοιχείοις, ἐπειδὴ ἡ ἐκείνων θερμότης ἐν αὑτῇ ἔχουσα ζωτικήν τινα δύναμιν οἵα τέ ἐστι ζῳογονεῖν. …
τεκμήρια δὲ παρακολουθῶν ταῖς γυναιξὶ τοῦ συνειληφέναι· ὅταν τὸ στόμα τῆς ὑστέρας, μετὰ τὴν μίξιν δέ, ξηρὸν φανῇ (25) γεγονός. γίνονται δὲ ἐναντίοι14, καὶ οἱ ἔμετοι ταῖς κυούσαις μέχρις οὗ ἡ ἀνακοπὴ τῶν καταμηνίων, εἰς μασθοὺς γένηται· ᾄσσονται δὲ ὅταν ἄρχεται τὸ βρέφος τριχοφυεῖν. (74, p. 21, 21-22, 1) τεκμήριον δὲ παρακολουθεῖ ταῖς γυναιξὶ τοῦ συνειληφέναι, ὅταν τὸ στόμα τῆς ὑστέρας μετὰ τὴν μίξιν ξηρὸν φανῇ γεγονός. … (76, p. 22, 11-14) γίνονται δὲ αἱ ναυτίαι καὶ οἱ ἔμετοι ταῖς κυούσαις μέχρις οὗ ἡ ἀνακοπὴ τῶν καταμηνίων εἰς τοὺς μαστοὺς γένηται, καὶ τότε λήγουσιν ἀσώμεναι. ἀσῶνται δὲ καὶ ὅταν ἄρχηται τὸ βρέφος τρίχας φέρειν. πρῶτόν τέ φησι γίνεται περὶ τὸ συλληφθὲν ἐν τῇ μήτρᾳ σπέρμα, χρόαν ἐξηλλαγμένην, ἅτε ἐξ ἐρυθροῦ τῆς θηλείας τῶν καταμηνίων ὑπολείμματος καὶ ἐκ λευκοῦ τοῦ ἄρρενος (30) σπέρματος, συνεστηκυῖαν. εἶτα ὑμένα λεπτὸν περιπήγνυσθαι, ὃν ἰατροὶ καλοῦσι χόριον. εἶτα ἐχομένως πρῶτον, διατυποῦντι, πᾶσι τοῖς (p. 18) ἐναίμοις ζῴοις ἡ καρδία. (77, p. 22, 16-23, 2) πρῶτον δέ φησι γίνεσθαι περὶ τὸ συλληφθὲν ἐν τῇ μήτρᾳ σπέρμα χρόαν μὲν ἐξηλλαγμένην ἅτε ἐξ ἐρυθροῦ τῆς θηλείας τῶν καταμηνίων ἀπολείμματος, ὃ δὴ καὶ ὕλης τάξιν ἐπέχει, καὶ ἐκ λευκοῦ τοῦ ἄρρενος σπέρματος· εἶτα περὶ ταῦτα ὑμένα λεπτὸν περιπήγνυσθαι, ὃν καλεῖσθαι χόριον. εἶτα ἐχομένως πρῶτον διατυποῦσθαι πᾶσι τοῖς ἐναίμοις ζῴοις καρδίαν κατὰ λόγον φησίν. …
ἐκ δὲ τῆς καρδίας, δύο ἀγγεῖα τείνεται· ἀρτηρία καὶ φλέψ· καὶ ἡ μὲν φλὲψ τροφῆς χάριν· ἡ δὲ ἀρτηρία, φυλακῆς τοῦ συμφύτου πνεύματος. ταῦτα δὲ τὰ ἀγγεῖα, πρὸς φύσιν ἔχει πρὸς τῇ ὑστέρᾳ, καὶ περὶ ταῦτα γίνεται κέλυφός τι δερματικόν, (5) τηρήσεως αὐτῶν καὶ φυλακῆς χάριν· ὅπερ ὀνομάζεται ὀμφαλός. ὁ γὰρ ὀμφαλός, οὐδὲν ἕτερόν ἐστιν, ἀλλ’ ἡ φλὲψ καὶ ἀρτηρία, μία ἢ πλείονες. αὗται δὲ αἱ φλέβες, ῥίζαι τῇ ὑστέρᾳ προσήρτηνται, δι’ ὧν λαμβάνει τὸ ἔμβρυον τὴν αἱματικὴν τροφήν. (77, p. 23, 5-13) ἐκ δὲ τῆς καρδίας δύο ἀγγεῖα, ἀρτηρία τε καὶ φλέψ, πρῶται γίνονται, καὶ ἡ μὲν φλὲψ τροφῆς χάριν, ἡ δὲ ἀρτηρία φυλακῆς τοῦ συμφύτου πνεύματος. ταῦτα δὲ τὰ ἀγγεῖα πρόσφυσιν ἔχει πρὸς τῇ ὑστέρᾳ, καὶ περὶ ταῦτα γίνεται κέλυφός τι δερματικὸν τηρήσεως αὐτῶν καὶ φυλακῆς χάριν. ταῦτα δὲ τὰ ἀγγεῖα τὰ ἀπὸ καρδίας ἐκπεφυκότα καλεῖται ὀμφαλός· ἔστι γὰρ ὁ λεγόμενος ὀμφαλὸς οὐδὲν ἕτερον ἀλλ’ ἢ φλὲψ καὶ ἀρτηρία μία ἢ πλείονες ἐν ἐλύτρῳ δερματικῷ. αὗται οὖν αἱ φλέβες οἷον ῥίζαι τῇ ὑστέρᾳ προσήρτηνται, δι’ ὧν λαμβάνει τὸ ἔμβρυον τὴν αἱματικὴν τροφὴν …
Καὶ τὸ μὲν ἄρρεν, διαρθροῦται οὐ μετὰ πολλοῦ τῶν τεσσαράκοντα (10) ἡμερῶν· τὸ δὲ θῆλυ, μετὰ τὰς ἑξήκοντα. ἐσχημάτισται δὲ ὁ ἄνθρωπος ἐν τῇ μήτρᾳ, τὴν μὲν ῥίνα, μέσον τῶν γονάτων ἔχων· τοὺς δὲ ὀφθαλμούς, ἐπὶ τοῖς γόνασι· τὰ δὲ ὦτα, ἐκτός.
(79, p. 24, 3-5) καὶ τὸ μὲν ἄρρεν διαρθροῦται οὐ μετὰ πολὺ τῶν τεσσαράκοντα ἡμερῶν, τὸ δὲ θῆλυ μετὰ τὰς ἑξήκοντα. … (82, p. 25, 2-5) ἐσχημάτισται δὲ ἐν τῇ μήτρᾳ τὰ μὲν τετράποδα τῶν ζῴων ἐκτεταμένα, … , ὁ δὲ ἄνθρωπος τὴν μὲν ῥῖνα μέσον τῶν γονάτων ἔχων, τοὺς δὲ ὀφθαλμοὺς ἐπὶ τοῖς γόνασι, τὰ δὲ ὦτα ἐκτός. …
ἄρσενα δὲ ἢ θήλεα, γίνεται παρὰ τὸ πεπέφθαι ὑπὸ θερμοῦ· ἢ ἄπεπτον εἶναι τὸ τοῦ ἀνδρὸς σπέρμα. καὶ ὅταν μὲν ἄπεπτος γένηται ἡ ἐν τοῖς καταμηνίοις ὑπόληψις, (15) ἐοικὸς ποιήσει τὸ ἔμβρυον τῇ μητρί· εἴτε ἄρρεν εἴτε θῆλυ γένοιτο. ἀπέπτων δὲ γενομένων τῶν καταμηνίων, κατὰ τὸν πατέρα γενήσεται ἡ μορφή. ἐὰν δὲ ἀμφοτέρων πεπεμμένων, ἔσται καὶ ἄρρεν, καὶ ὅμοιον τῇ μητρί. ἐὰν δὲ ἀμφοτέρων ἀπέπτων, γενήσεται θῆλυ καὶ ὅμοιον τῷ πατρί. τὰ δὲ τερατώδη καὶ πλεονάζοντα ἢ ἐλλείποντα τοῖς μορίοις, (20) παρὰ τὴν τῆς ὕλης γίνεται ἔλλειψιν, ἢ πλεονασμόν. (84, p. 25, 14-15) Ἄρσενα δέ φησιν ἢ θήλεα γίνεσθαι παρὰ τὸ πεπέφθαι ὑπὸ θερμοῦ ἢ ἄπεπτον εἶναι τὸ τοῦ ἀνδρὸς σπέρμα. …
(89-90, p. 27, 19-28, 6) ὅταν μὲν οὖν ἄπεπτος γένηται ἡ ἐν τοῖς καταμηνίοις ὑπόληψις, καθ’ ἑαυτὴν ποιήσει <ἡ> θήλεια τὴν μορφήν, ἐάν τε ἄρρεν ἐάν τε θῆλυ. εὐπέπτων δὲ μᾶλλον γενομένων τῶν καταμηνίων, κατὰ τὸν πατέρα γεννηθήσεται ἡ μορφή, ἐάν τε ἄρρεν ἐάν τε θῆλυ. ἐὰν δὲ ἀμφοτέρων πεπεμμένων, ἄρρεν, ὅμοιον δὲ τῇ μητρί. ἐὰν δὲ ἀμφοτέρων ἀπέπτων, γενήσεται θῆλυ καὶ ὅμοιον τῷ πατρί. Τὰ δὲ τερατώδη καὶ πλεονάσαντα ἢ ἐλλείποντα τοῖς μορίοις οἷον δακτύλοις ἢ ποσὶν ἢ ἄλλοις παρὰ τὴν τῆς ὕλης γίνεται ἢ ἔλλειψιν ἢ πλεονασμόν. …
βοᾷ δὲ εὐθέως τὰ τικτώμενα, κατὰ συστολὴν τῶν ἀγγείων, καὶ κατὰ σπασμὸν διὰ τὴν τοῦ ἐσχηκότος αὐτὰ ἀέρος ψυχρότητα. δίδυμα δὲ καὶ τρίδυμα γίνονται· τὰ μὲν κατ’ ἐπισύλληψιν· τὰ δέ, κατὰ σχίσιν. ὅταν μὲν γὰρ ἅμα ἐκτεχθῇ ἄρρεν καὶ θῆλυ, ἀνάγκη ταῦτα κατ’ ἐπισύλληψιν γεγονέναι, ἅτε τοῦ (25) ἄρρενος ἐκπεπεμμένου γεγονότος· τοῦ δὲ θήλεος ἐξ ἀπέπτου· ὥστε ὑπὸ δύο ταῦτα καταβολῶν γεγενῆσθαι. τὰ δ’ ὑπὸ μίαν τοιαῦτα γινόμενα, τὰ μέν, ἐκ κατεψυγμένου γίνεται σπέρματος· τὰ δέ, ἐπὶ κατενηνεγμένου. ὅταν δὲ ὑπὸ καταβολὴν μίαν δύο ἄρρενα ἢ δύο θήλεα γένηται ταῦτα, σχισθέντος ἐν τῇ μήτρᾳ τοῦ σπέρματος γίνεται· τοῦ μὲν πεπεμμένου εἰς (30) δύο ἄρρενα· τοῦ δὲ ἀπέπτου, εἰς δύο θήλεα.
(93, p. 28, 19-20) Βοᾶν δὲ οἴεται εὐθέως τὰ τικτόμενα κατὰ συστολὴν τῶν ἀγγείων καὶ κατὰ σπασμὸν διὰ τὴν τοῦ περιεσχηκότος αὐτὰ ἀέρος ψυχρότητα· (88, p. 26, 17-27, 9) δίδυμά τε καὶ τρίδυμα γίνεται ἃ μὲν κατ’ ἐπισύλληψιν, ἔστι δ’ ὅτε, φησί, καὶ κατὰ σχίσιν. ὅταν μὲν ἅμα ἐκτεχθῇ ἄρρεν καὶ θῆλυ, ἀνάγκη ταῦτα κατ’ ἐπισύλληψιν γεγονέναι, ἅτε τοῦ ἄρρενος μὲν ἐκ πεπεμμένου γεγονότος, τοῦ δὲ θήλεος ἐξ ἀπέπτου, ὥστε ὑπὸ δύο ταῦτα καταβολὰς γεγενῆσθαι. τὰ δὲ ὑπὸ μίαν καταβολὴν τοιαῦτα γινόμενα τὸ μὲν ἐκ κατεψυγμένου γίνεται σπέρματος ὑπομεμενηκότος περὶ τὸν περίνεον, τὸ δὲ ἀπὸ κατενηνεγμένου καὶ οὕτως ὁμοῦ ἀμφοτέρων ἐμπεπτωκότων. ὅταν δὲ ὑπὸ μίαν καταβολὴν δύο ἄρρενα ἢ δύο θήλεα γένηται, ταῦτα σχισθέντος ἐν τῇ μήτρᾳ τοῦ σπέρματος γίνεται, τοῦ μὲν πεπεμμένου εἰς δύο ἄρρενα, τοῦ δὲ ἀπέπτου εἰς δύο θήλεα.
15 Zur theoretischen Möglichkeit einer direkten Rezeption der Epitome des Aristophanes von Byzanz vgl (...)
16 Der uns überlieferte Text der Sylloge hat in § 87, p. 26, 16 Lambros freilich eine kleine Lücke. D (...)
17 Vgl. auch § 57 und 58.
10Die hier deutlich werdenden Übereinstimmungen sind so weitreichend, dass kein Zweifel bestehen kann, dass für die Abhandlung Über das menschliche Sperma die Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos als Quelle benutzt wurde15. Der Autor hat den Text der Konstantinischen Sammlung auf 1/3 seiner ursprünglichen Länge verkürzt16. Die Verkürzung resultiert nur teilweise aus der durch die Überschrift dokumentierten Themenwahl. Bereits ein kurzer Blick in den Text zeigt nämlich, dass auch Themenbereiche aufgegriffen werden, die nicht direkt mit der Ankündigung der Überschrift in Beziehung stehen. So werden Zeichen der Empfängnis der Frau und die erste Entwicklung des Embryos ebenso behandelt (p. 17, 23-18, 12) wie das Schreien des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt (p. 18, 20-22), um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Reduktion des Textes resultiert vielfach auch aus einem erkennbaren Bestreben, das Material auf wichtige Fakten zu reduzieren. Divergierende Meinungen und deren Diskussion, komplexe Kausalerklärungen oder illustrierende Vergleiche werden dazu eliminiert. Gleich zu Beginn wird im Text explizit angekündigt, auf die Behandlung anderer Meinungen bewusst verzichten zu wollen : … ἵνα γοῦν τὰς τῶν πολλῶν περὶ τούτου δόξας ἐάσω. Stattdessen wird sofort die aristotelische Meinung präsentiert, der Same setze sich aus Wasser und Pneuma zusammen (p. 16, 15-16). In der Sylloge werden dagegen vor der Präsentation dieser Ansicht andere Thesen dargelegt und kritisch hinterfragt, so die postulierte Zusammensetzung des Samens aus Wasser und Erde oder die These, der Same bestehe aus Blut (§ 55, p. 14, 10-19).17 18 Vgl. p. 17, 7-8.
11Die Wirkung des männlichen Samens auf den weiblichen Zeugungsbeitrag wird in der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos wie bei Aristoteles selbst durch einen Vergleich mit der Wirkung von Lab auf Milch verdeutlicht (§ 63, p. 17, 18-21), in der Abhandlung Über das menschliche Sperma fehlt dieser Vergleich18 ebenso wie die Aufzählung von Phänomenen, die die These belegen sollen, dass das Geschlecht des Embryos vom Grad der Verkochung des männlichen Samens abhänge. So sollen gemäß den Aussagen der Sylloge jüngere und ältere Männer häufiger weibliche Nachkommen zeugen, da sie noch nicht bzw. nicht mehr in der Lage sind, den Samen in ausreichender Weise zu verkochen, ebenso « feuchte und frauenähnliche Körper » (τὰ ὑγρὰ τῶν σωμάτων καὶ γυναικοδέστερα), da ihr Samen weniger warm sei (§ 84, p. 25, 14-26, 6). Auf all diese Erklärungen muss der Leser des Traktats Über das menschliche Sperma verzichten.
19 Ich habe dies zu zeigen versucht in Hellmann, 2006. Die Elimination der aristotelischen Ursachenfor (...)
12Bereits im Fall der Epitome des Aristophanes von Byzanz ist zu beobachten, dass vielfach biologische Fakten aus den aristotelischen Schriften ohne ihren eigentlichen Kontext und insbesondere ohne die aus aristotelischer Sicht wichtigen Ergebnisse der Ursachenforschung präsentiert werden19. Der vorliegende anonyme Traktat geht in dieser Tendenz noch einen Schritt weiter. 13In den allermeisten Fällen werden in der Abhandlung Über das menschliche Sperma im Zuge der Epitomisierung längere Passagen des Textes der Sylloge ohne wesentliche Veränderungen übernommen. Deutlich zu sehen ist dies nach den einleitenden Fragen gleich zu Beginn der eigentlichen thematischen Abhandlung (p. 16, 17 : οἷός ἐστιν ὁ ἀφρὸς…). Größere sprachliche Abweichungen sind selten, ein Beispiel ist, p. 18, 15 : ἐοικὸς ποιήσει τὸ ἔμβρυον τῇ μητρί (als Subjekt ist ἡ ἐν τοῖς καταμηνίοις ὑπόληψις anzunehmen) für καθ’ ἑαυτὴν ποιήσει <ἡ> θήλεια τὴν μορφὴν in der Sylloge (p. 27, 20).
14In der Anordung der Informationen folgt der Autor ganz seiner Vorlage, nur an zwei Stellen weicht er von der Ordnung des Materials in der Sylloge ab (p. 17, 5 : ὃ δὲ προΐεται ἡ γυνὴ μετὰ τῆς μίξεως … und p. 18, 22 : δίδυμα δὲ καὶ τρίδυμα γίνονται· …). 20 Ilias Pontikos hat in seiner Edition des Textes hierfür ἐναντίοι geschrieben — allerdings, wie anz (...)
15An einigen Stellen wurde der Text im Zuge der Epitomisierung oder – was wahrscheinlicher ist — im Zuge der Textüberlieferung entstellt. In der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos ist in § 76 (p. 22, 12) von « Anfällen von Übelkeit und Erbrechen » bei Schwangeren die Rede : αἱ ναυτίαι καὶ οἱ ἔμετοι — im Codex Baroccianus 131 steht anstelle des ersten Ausdrucks p. 17, 25 ἐναντίαι20. Gleich im Anschluss (p. 17, 26) wurde im Codex Baroccianus fälschlich für das in der Sylloge überlieferte ἀσῶνται (p. 22, 14) — (vom Verbum ἀσάομαι — « Übelkeit empfinden ») die Form ᾄσσονται (von att. ᾄσσω, sich schnell bewegen, losstürmen) verwendet.
21 Vgl. auch p. 17, 8 προϊὸν (Konjektur des Herausgebers,Hs. Β προόν) für πεσόν in der Sylloge (p. 17 (...)
16Ganz ähnlich wird aus dem Fachausdruck πρόσφυσιν — « Anwachsung, Anschluss » in der Sylloge (p. 23, 8) im Codex Baroccianus 131 der präpositionale Ausdruck πρὸς φύσιν, der im Kontext wenig Sinn ergibt (p. 18, 3). Und im Rahmen der Erklärung der Entstehung von Mehrlingen wird die präpositionale Wendung ἐκ πεπεμμένου der Sylloge (p. 27, 3), die dem Ausdruck ἐξ ἀπέπτου (p. 27, 4) entgegensteht, im Codex Baroccianus 131 als Form des Kompositums interpretiert (ἐκπεπεμένου p. 18, 25), das hier freilich fehl am Platze ist21.
22 Vgl. oben bei Anm. 4.
23 Vgl. LSJ 1825, s.v. τριχοφυέω.
17Interessant ist dagegen der Gebrauch des Ausdrucks τριχοφυεῖν im Codex Barocciamus 131 p. 17, 27. Die Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos verwendet an der entsprechenden Stelle τρίχας φέρειν (§ 76, p. 22, 14). Ein Überlieferungsfehler in der Textgeschichte der Sylloge scheint hier theoretisch möglich. Allerdings beruht der Text der Sylloge, wie bereits erwähnt22, an dieser Stelle sehr wahrscheinlich auf der Epitome des Aristophanes von Byzanz. Auf ihn dürfte das Kompositverb τριχοφυεῖν nicht zurückgehen, findet es sich doch erstmals belegt erst im 1. Jh. n. Chr. bei Dioscorides (De mat. med. 1, 72)23. Zudem ist es in der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos im übrigen Text nicht nachgewiesen. Es könnte also durchaus sein, dass der byzantinische Verfasser der Schrift Über das menschliche Sperma hier eigenes Vokabular eingebracht hat. Allerdings ist die Überlieferung an dieser Stelle nicht einheitlich. Während Codex Paris. gr. 1630, fol. 299r ebenfalls τριχοφυεῖν überliefert, findet sich im Codex Ambr. gr. 140 fol. 176r τριχοποιεῖν.
18Externes Wissen könnte auch noch an einer anderen Stelle eingeflossen sein : p. 17, 30-31 wird in der Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς dargelegt, dass Ärzte eine dünne Membran, die ganz zu Beginn der Keimentwicklung entsteht, χόριον nennen. In der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos (p. 23, 1) wird dieses Faktum durch das passivische καλεῖσθαι ohne nähere Einzelheiten als Meinung präsentiert, Ärzte werden nicht genannt !
Aristoteles in Byzanz
19Die letztendlich auf Aristoteles zurückgehenden, umfangreichen Informationen über das menschliche Sperma werden in der Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς zunächst als eigenes Wissen präsentiert. In der ersten Person erklärt der auf die Eingangsfrage antwortende Autor zu Beginn, er wolle die Meinungen der Menge beiseite lassen (ἵνα γοῦν τὰς τῶν πολλῶν περὶ τούτου δόξας ἐάσω, p. 16, 15-16) und schließt unmittelbar daran die seiner Meinung nach korrekte Antwort auf die Frage nach der Zusammensetzung des Samens an. Erst sehr viel später wird artikuliert, dass es sich beim vorgetragenen Wissen um aristotelische Informationen handelt, wenn die neue Frage der Entstehung der Seele im Körper mit folgenden Worten eingeleitet wird (p. 17, 14-15) :
Ταῦτα ὁ φιλόσοφος εἰρηκὼς Ἀριστοτέλης, ἐχομένως ἀπορεῖ· πότερον …
« Nachdem der Philosoph Aristoteles dies gesagt hat, ist er in diesem Zusammenhang im Zweifel, ob … »
24 Vgl. p. 14, 10; 15, 14; 24, 9 (Aristoteles) und p. 14, 19; 15, 10; 16, 5; 16, 8; 17, 1; 17, 2; 17 (...)
25 Vgl. oben S. 2.
20Im weiteren Text wird sodann noch dreimal durch φησί(ν) auf den Stagiriten verwiesen, wobei eine dieser Bezugnahmen aus der Vorlage übernommen ist (p. 17, 27), die anderen beiden wurden dagegen vom Autor selbst eingefügt (p. 17, 20 ; p. 17, 22). Der vorliegende Text steht in dieser Hinsicht weit hinter der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos zurück. In den 38 Paragraphen, die der Abhandlung Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς zugrunde liegen, wird dreimal namentlich auf Aristoteles verwiesen, sowie 22 mal durch Formulierungen wie φησὶ, ἐχομένως δὲ ἀπορεῖ, ὁμολογεῖ, λέγει24. Dennoch entsteht auch in der Schrift Über das menschliche Sperma für den Rezipienten der Eindruck, genuin aristotelisches Wissen vermittelt zu bekommen, und dies, obwohl die Informationen über mehrere Stufen in einen neuen Kontext gebracht wurden25. Der Umstand, dass das Wissen nicht direkt aus den aristotelischen Schriften rezipiert wurde, wird wohl ganz bewusst nicht deutlich gemacht.
21Weitere Stellen der Miscellanea philosophica im Codex Baroccianus 131machen deutlich, dass die Rezeption des Aristoteles über Drittquellen eine übliche war. Im 15. Abschnitt wird Aristoteles schon in der Überschrift als Quelle genannt : Ἀριστοτέλους περὶ νεότητος, γήρως, ἀναπνοῆς, ζωῆς καὶ θανάτου (p. 39, 1-2 Pontikos). Auch hier handelt es sich trotz zahlreicher wörtlicher Übereinstimmungen wahrscheinlich nicht um direkte Auszüge aus den Parva naturalia, sondern vermutlich um Teile eines byzantinischen Kommentars zu diesen Werken (vgl. Pontikos, 1992: XXXVIII-XXXIX). Für die byzantinischen Rezipienten scheint dies jedoch nicht von maßgeblicher Bedeutung gewesen zu sein. Es ist anzunehmen, dass das dargebotene ‹Handbuchwissen› durchaus als hinreichend empfunden wurde. Möglicherweise hängt dies auch mit dem didaktischen Kontext des Schulunterrichts zusammen, den Ilias Pontikos für die Miscellanea philosophica wahrscheinlich gemacht hat (Vgl. Pontikos, 1992: LXXXV-XCV).
22Im Vergleich zur zoologischen Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos ist das biologische Wissen in der Schrift Über das menschliche Sperma erneut in einen differenten Kontext gebracht worden. War die Sylloge Konstantins ganz auf zoologische Fragen ausgerichtet und damit auch die anthropologischen Passagen in einen zoologischen Kontext eingefügt, so steht die Abhandlung Über das menschliche Sperma in der Sammlung des Codex Barocciin einem philosophischen Kontext. Zwar werden in dieser Zusammenstellung auch andere naturwissenschaftliche, insbesondere meteorologische Probleme erwähnt, der Abschnitt Über das menschliche Sperma steht jedoch in erster Linie mit philosophischen Fragen nach der Seele des Menschen in Beziehung, denn im Text werden ja auch das Problem der Entstehung des Embryos und die Entwicklung der Seele thematisiert. Über das menschliche Sperma geht damit, wie Ilias Pontikos zu Recht herausgestellt hat, auf ein Problem ein, dass unter christlichen Autoren kontrovers diskutiert wurde (Pontikos, 1992: XXXVIII und Benakis, 1972). Die biologischen Theorien des Aristoteles gewinnen in diesem philosophischen Kontext eine neue Brisanz. Die Beschäftigung mit paganen Theorien zum menschlichen Sperma, der Zeugung und der Embryonalentwicklung war im Kontext des von christlichen Glaubensvorstellungen geprägten Weltbildes sicherlich keine Selbstverständlichkeit, konnten doch die naturwissenschaftlichen Vorstellungen der antiken Philosophie sehr schnell in Konflikt mit christlichen Glaubensgrundsätzen treten.
26 Bonitz,1961: 432 s.v. λογιστικός.
27 Vgl. H. Busche, psychê / Seele, in: Höffe, 2005: 509.
28 Zu neuplatonischen Elementen in den Miscellanea philosophica vgl. auch Pontikos, 1992: LXXVI-LXXIX 29 Michael Psellos, De omnifaria doctrina, 59 (ed.Westerink):Πότε ἡ ψυχὴ τῷ κυουμένῳ ἑνοῦται σώματι:
23Vor diesem Hintergrund erscheint es umso bedeutsamer, dass gerade an der Stelle, an der die Entstehung bzw. Entwicklung der Seele nach der Empfängnis geschildert wird, der Text Über das menschliche Sperma von seiner Vorlage abweicht. Während in der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos lediglich von einer stufenweisen Entstehung des vegetativen und des noetischen Seelenteils die Rede ist (p. 18, 18-19, 8), ist in der Abhandlung Über das menschliche Sperma zusätzlich vom logischen Seelenteil die Rede (p. 17, 19). Gemäß den Ausführungen des Textes ist zunächst nur der vegetative Teil vorhanden (τὸ θρεπτικόν), später kommen der den Logos betreffende (τὸ λογικόν) und der noetische (τὸ νοετικόν) hinzu (p. 17, 17-19). Diese Dreiteilung ist vor dem aristotelischen Hintergrund auffällig. Aristoteles spricht gewöhnlich nicht von einem λογικὸν μέρος τῆς ψυχῆς. Er verwendet jedoch mit Bezug auf die Seele bzw. deren Vermögen das Adjektiv λογιστικόν, zum einen in Bezug auf die platonische Dreiteilung der Seele in λογιστικόν, ἐπιθυμητικόν, θυμοειδές26, zum anderen umfasst gemäß der Nikomachischen Ethik 6.2 das διανοητικόν sowohl das ἐπιστημονικόν wie das λογιστικόν, das « theoretisch-wissenschaftliche » wie auch das « praktisch-abwägende » Vermögen27. Eine entsprechende Dreiteilung findet sich jedoch im Corpus Aristotelicum nicht. Diese Dreiteilung geht wahrscheinlich auf ein neuplatonisches Modell zurück28. Sie findet sich auch im Kapitel 59 der Schrift De omnifaria doctrina des Michael Psellos. Dort präsentiert Psellos mit Verweis auf herausragende Griechen (τῶν Ἑλλήνων οἱ πρόκριτοι) — wobei wohl in erster Linie an Platon und Aristoteles zu denken ist — die Meinung, dass der Embryo zunächst nur die Nährseele besitzt (τὴν φυσικὴν ψυχήν), nach der Geburt die λογικὴ ψυχή und später dann die νοερὰ ψυχή29. Diese Konzeption entspricht genau den Ausführungen der Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς, abgesehen davon, dass statt dem Ausdruck τὸ θρεπτικόν von einer φυσικὴ ψυχή gesprochen wird. 24Wie bei Psellos auch deutlich wird, steht diese Konzeption im Widerspruch zu christlichen Theorien der Entstehung der Seele. Denn gemäß christlicher Vorstellung entsteht die Seele simultan mit dem Körper, und zwar ohne dass dabei verschiedene Teile der Seele unterschieden werden. Dies legt Psellos hier mit Bezug auf Maximus Confessor dar.
30 Vgl. Pontikos, 1992: LXII-LXXXIV, zum «revival in the Aristotelian tradition» LXIV und Oehler, 196 (...)
31 Vgl. hierzu die entsprechenden Einträge im Index locorum bei Pontikos, 1992: 113-119.
25Wieso wird nun im 11. oder 12. Jh. überhaupt auf aristotelische Konzeptionen der Embryonalentwicklung Bezug genommen ? Unser Text steht hier durchaus nicht isoliert, sondern ist Teil eines größeren Phänomens, des wiederauflebenden Interesses an Philosophie im 11. Jh. n. Chr. Die zentrale Figur dieses Phänomens ist Michael Psellos. Motivation der Beschäftigung mit der Philosophie ist hierbei die Überzeugung, durch die Beschäftigung mit der paganen Philosophie der Wahrheit und d.h. Gott nahezukommen. Die Beschäftigung mit antiker Philosophie lässt sich so mit zeitgenössischen christlichen Wertvorstellungen vereinbaren. Teil des neu erwachten Interesses an Philosophie ist ein ‹revival› des Aristotelismus, das auch die Naturwissenschaften einschließt30. Gerade in den Naturwissenschaften, speziell der Biologie, war Aristoteles natürlich die zentrale Wissensquelle. Dies ist auch in den Miscellanea philosophica des Codex Barocci 131 unverkennbar. Zahlreiche Abschnitte zu naturwissenschaftlichen Fragen beruhen auf aristotelischen Schriften oder häufiger auf Kommentaren, Paraphrasen und Auszügen dieser Schriften31.
26Gerade die Rezeption aristotelischen Materials war für Ilias Pontikos einer der Gründe, Michael Psellos nicht als Autor der Sammlung anzusehen. Er verwies dabei darauf, dass Psellos eine starke Präferenz für Plato gegenüber Aristoteles hegte. Seiner Meinung nach wurde das aristotelische Material der Sammlung später, d.h. im 12. Jh. hinzugefügt, in einer Zeit, in der auch neue Aristoteleskommentare entstanden (Pontikos, 1992: XXXIX-XL). John Duffy hat dem entgegengehalten, dass in Psellos’ Theologica und in den Philosophica minora eine intensive Rezeption der Schriften des Corpus Aristotelicum zu erkennen ist (Duffy, 2002: 153). Und wie bereits dargelegt, enthält der hier näher betrachtete Abschnitt Über das menschliche Sperma möglicherweise Anzeichen für einen Versuch, neuplatonische Vorstellungen und aristotelische Konzeptionen über die Seele zu verbinden. Dass sich jedenfalls Psellos gerade auch mit den Themen beschäftigt hat, die in der Abhandlung Über das menschliche Sperma diskutiert werden, machen allein schon einige Überschriften aus De omnifaria doctrina deutlich :
110 : Πῶς αἱ συλλήψεις γίνονται111 : Πῶς ἄρρενα καὶ θήλεα γίνεται112 : Διατί γυνὴ πολλάκις συνουσιάζουσα οὐ συλλαμβάνει113 : Διατί δίδυμα καὶ τρίδυμα γίνεται114 : Πόθεν γίνονται τῶν γονέων αἱ ὁμοιώσεις καὶ αἱ πρὸς τούτους ἀνομοιότητες.
32 Vgl. oben Anm. 41.
Hinzu kommen Kapitel zur Entstehung der Seele und ihrer Verbindung mit dem Körper :59 : Πότε ἡ ψυχὴ τῷ κυουμένῳ ἑνοῦται σώματι3260 : Πῶς ἑνοῦται τῷ σώματι ἡ ψυχή.
33 Vgl. die Stellen bei deStefani, 1904: 442-445.
34 Vgl. Etymologicum magnum, p. 493,2-13 Gaisford und Ps.-Zonaras, Lexikon, s. v. ἀμφίβιον, Sp. 156 T (...)
35 Vgl. Schol. in Opp. Hal. 1,170; 1,320; 1,638 und Konstantinos Sylloge I 2-22 sowie Schol. in Nic. (...)
36 Vgl. Geop. 19, 5, 2 und Konstantinos Sylloge II 490, p. 127, 15-128, 1 (dazu Gemoll,1883: 78) sowie (...)
27Die Rezeption der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos in der Schrift Περὶ τῆς ἀνωθρωπείας γονῆς ist natürlich nicht der einzige Fall einer Rezeption der Sylloge in byzantinischer Zeit. Bereits de Stefani hat auf zahlreiche Artikel im Suda-Lexikon hingewiesen, die Übereinstimmungen zur Sylloge bzw. zur in ihr rezipierten Epitome des Aristophanes von Byzanz aufweisen33. In der Forschung wird in diesem Fall allgemein davon ausgegangen, dass Aristophanes’ Epitome direkt rezipiert wurde (vgl. Adler, 1931: 697; Berger, 2005: 43). Ausgehend vom Suda-Lexikon ist das Material auch in spätere Lexika wie das Etymologicum magnum und das Lexikon des Pseudo-Zonaras aufgenommen worden34. Auch in der Scholienliteratur finden sich Spuren des Aristophanes bzw. der Sylloge, so in den Scholien zu Oppians Halieutica und zu Nicanders Theriaca.35 Auch in den Geoponica, die wie die Sylloge unter dem Einfluss von Konstantinos Porphyrogennetos entstanden sind, lassen sich Parallelen aufweisen36. Eine eingehende systematische Suche in der byzantinischen Literatur förderte hier sicherlich weiteres Material zutage.
37 Vgl. oben Anm. 15.
38 Vgl. Omont, 1888:112: « Michaelis Psellis explicatio litterarum aspiratarum, tenuium et mediarum, (...)
39 Vgl. Martini, Bassi, 1906: 161: « 143 ‹Capita de re medica› …. 162 ‹Medica alia, quae constant ex (...)
28Was indes aus den hier aufgelisteten Beispielen schon deutlich wird, ist die Verwendung von Informationen aus der Sylloge in ganz unterschiedlichen Kontexten wie der Lexikographie, der Textexegese oder der Agrarliteratur. Was den Fall der Abhandlung Über das menschliche Sperma im Codex Baroccianus 131 betrifft, so liegt seine Besonderheit im bereits dargelegten philosophischen Kontext der Frage nach der Entstehung der Seele, eines zentralen Problems nicht nur der paganen Naturwissenschaft, sondern auch der christlichen Glaubenslehre. Dies erscheint umso bemerkenswerter, als derselbe Text, wie bereits erwähnt37, in zwei weiteren Handschriften überliefert ist, hier jedoch ein entsprechender Überlieferungskontext nicht zu erkennen ist. Im Codex Parisinus Graecus 1630 erscheint das Werk neben weiteren Opuscula des Michael Psellos38, im Codex Ambrosianus Graecus 140 (= B 126 sup) gehen zahlreiche kleinere medizinische Texte voraus.39 29Die Rezeption der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos in den genannten, stark differierenden Textsorten macht deutlich, dass dieser Text den Informationsbedürfnissen ganz unterschiedlicher Benutzergruppen entgegenkam. Dass dabei letztendlich der Name des Aristoteles als Garant für die Qualität der Inhalte bürgte und die Rezeption und Adaption unterstützte, ist kaum zu bezweifeln.
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Wilson N. G., « A Byzantine Miscellany : MS. Barocci 131 Described », Jahrbuch der österreichischen Byzantinistik 27, 1978, p. 157-179.
Zucker A., « Aristophanes of Buzantion », in : P. T. Keyser, G. L. Irby-Massie (Hg.), The Encyclopedia of Ancient Natural Scientists, London, New York Routledge, 2008, p. 140-141.
1 Aus praktischen Gründen wird das Werk im Folgenden mit dem Titel „Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos“ bezeichnet. Es soll damit jedoch nicht postuliert werden, dass Konstantinos Porphyrogennetos selbst das Werk verfasst hat. Vielmehr ist anzunehmen, dass es unter seiner Patronage entstanden ist.
3 Fol. 408rv.
4 Natürlich ist theoretisch auch möglich, dass der Verfasser der Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς die Epitome des Aristophanes von Byzanz — die Quellengrundlage der Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos — direkt benutzt hat. Dies erscheint jedoch eher unwahrscheinlich.
5 Vgl. Wilson, 1978: 171-172 Nr. 129. Der Abschnitt Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς ist aufgelistet als 129 k. In einem anderen Teil der Handschrift findet sich auch ein Brief des Konstantinos Porphyrogennetos, vgl. Wilson, 1978: 163, Nr. 40.
7 Die Abhandlung Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς ist in dieser Edition nicht enthalten. Vgl. Pontikos, 1992: VIII zur Textauswahl O’Mearas: «The editor includes under the name of Psellos items from the Anonymous without raising the question of authorship, a perplexing question as regards Byzantine authors. Furthermore, he makes no mention of the criteria that guided his choice of items.»
8 Er weist zudem darauf hin, dass der Text in zwei weiteren Handschriften des 14. Jh. überliefert ist: Cod. Paris. gr. 1630, fol. 228v-230r sowie Cod. Ambros. gr. 140, fol. 176rv. Vgl. auch Moore, 2005: 307 Nr. PHI.146. Da Volks Werk vor der Edition von Pontikos erschien, konnte er sich mit dessen Argumentation nicht auseinandersetzen.
10 Vgl. Wendland, 1901. Die Parallelen sind bei Pontikos, 1992: 19-22 im Apparat verzeichnet. Vgl. auch O’Meara, 1989: 14-17.
12 Vgl. Pontikos, 1992: XXXVII. Die Parallelen bei Theophilos sind bei Pontikos, 12-16 im Apparat verzeichnet.
13 Pontikos, 1992: 16, Parallelenapparat. Als Titel wird hier wohl irrtümlich Ἀριστοτ., Περὶ γεν. καὶ φθορ.angegeben. Die angeführten Parallelen stammen jedoch alle aus De gen. anim. 14 ἐναντίοι Pontikos ἐναντίαι B
15 Zur theoretischen Möglichkeit einer direkten Rezeption der Epitome des Aristophanes von Byzanz vgl. oben Anm. 6.
16 Der uns überlieferte Text der Sylloge hat in § 87, p. 26, 16 Lambros freilich eine kleine Lücke. Die aus der Sylloge nicht rezipierten Passagen wurden nicht in die Synopse aufgenommen.
18 Vgl. p. 17, 7-8.
19 Ich habe dies zu zeigen versucht in Hellmann, 2006. Die Elimination der aristotelischen Ursachenforschung ist im zweiten Buch des Aristophanes noch stärker ausgeprägt als im ersten.
20 Ilias Pontikos hat in seiner Edition des Textes hierfür ἐναντίοι geschrieben — allerdings, wie anzunehmen ist, ohne Kenntnis der Beziehung des Textes zur Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos. Als weitere Textzeugefür die Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς bieten Cod. Ambr. gr. 140 fol. 176r und Cod. Paris. gr. 1630r ebenfalls αἱ ναυτίαι.Vgl. zu diesen Hss. oben Anm. 15.
21 Vgl. auch p. 17, 8 προϊὸν (Konjektur des Herausgebers,Hs. Β προόν) für πεσόν in der Sylloge (p. 17,20).
24 Vgl. p. 14, 10; 15, 14; 24, 9 (Aristoteles) und p. 14, 19; 15, 10; 16, 5; 16, 8; 17, 1; 17, 2; 17, 12; 18, 18; 19, 1; 20, 1; 20, 2; 21, 9; 22, 8; 22, 17; 23, 2; 23, 3; 23, 4; 24, 3; 24, 5; 24, 15; 25, 14 Lambros (sowie 23, 14 φησὶ,von Rose ergänzt, von Lambros übernommen).
28 Zu neuplatonischen Elementen in den Miscellanea philosophica vgl. auch Pontikos, 1992: LXXVI-LXXIX.
29 Michael Psellos, De omnifaria doctrina, 59 (ed.Westerink):Πότε ἡ ψυχὴ τῷ κυουμένῳ ἑνοῦται σώματι:
Ὁ μὲν τὴν θεολογίαν μέγας Γρηγόριος ἀσαφής ἐστι περὶ τοῦτο τὸ μέρος, καὶ οὐκ ἂν αὐτὸν ῥᾳδίως εὕροις ταύτῃ ἢ ἐκείνῃ προσκείμενον τῶν δοξῶν. ὁ δὲ θεῖος Γρηγόριος ὁ Νυσσαεὺς καὶ ὁ πολὺς τὴν ὁμολογίαν καὶ τὴν φιλοσοφίαν Μάξιμος οὔτε πρεσβυτέραν τὴν ψυχὴν τοῦ σώματος οὔτε μεταγενεστέραν τιθέασιν, ἀλλ’ ὁμοῦ τῇ καταβολῇ τοῦ σπέρματος ἐπιτηδείου πρὸς ὑποδοχὴν ψυχῆς τυγχάνοντος ταύτην ὑφιστάνουσι. τῶν δὲ Ἑλλήνων οἱ πρόκριτοι μετὰ τὴν τελείωσιν τοῦ φυσικοῦ ὀργάνου καὶ τὴν ἀποκύησιν τούτου ἐνσπείρουσι ταύτην τῷ σώματι· πλὴν ὅτε μὲν ἔσωθεν ᾖ κατερριζωμένον τὸ ἔμβρυον τὴν φυσικὴν ψυχὴν τούτῳ διδόασιν, ἐξελθόντι δὲ τὴν λογικήν, καὶ προϊόντι τὴν νοεράν.
30 Vgl. Pontikos, 1992: LXII-LXXXIV, zum «revival in the Aristotelian tradition» LXIV und Oehler, 1964: 138.
34 Vgl. Etymologicum magnum, p. 493,2-13 Gaisford und Ps.-Zonaras, Lexikon, s. v. ἀμφίβιον, Sp. 156 Tittmann, ἀμφόδοντα, 157, δερμόπτερα, 484, διχηλά, 526, ἐντομίδαι, 719, ἔντομα, 738, καρχαρόδους, 1148, μώνυχες, 1381 zur Rezeption von Konstantinos Sylloge I 2-22.
35 Vgl. Schol. in Opp. Hal. 1,170; 1,320; 1,638 und Konstantinos Sylloge I 2-22 sowie Schol. in Nic. Ther. 196a und Konstantinos Sylloge II 387, p. 112, 6.
36 Vgl. Geop. 19, 5, 2 und Konstantinos Sylloge II 490, p. 127, 15-128, 1 (dazu Gemoll,1883: 78) sowie Geop. 15, 1, 21 und I 36, p. 9, 2-3 Lambros.
38 Vgl. Omont, 1888:112: « Michaelis Psellis explicatio litterarum aspiratarum, tenuium et mediarum, de lapidibus, de paradoxis lectionibus, de generatione hominis, de tabulis geographicis (ex Strabone), de gradibus et ordinibus post et circa Deum collocatis (223). »
39 Vgl. Martini, Bassi, 1906: 161: « 143 ‹Capita de re medica› …. 162 ‹Medica alia, quae constant ex farragine quadam notarum et praescriptionum nulla ordine se invicem excipientium› … 176 μιχαηλ τοῦ ψελ[λοῦ], περὶ τῆς ἀνθρωπ[ίνης] γενησεως. »Nicht zugänglich war mir leider die auf Cod. Paris. gr. 1630 und Cod. Ambros gr. 140 beruhende Ausgabe der Schrift von P. Galigani, Michele Psello, De lapidum virtutibus. Introduzione, testo critico, traduzione e commento. Università degli Studi di Firenze. Facoltà di Lettere e Filosofia. Tesi di Laurea 1979 (dactylogr.). Gemäß der Anzeige in Byzantinische Zeitschrift 72,1979, 376 enthält dieses Werk in einem Anhang auch eine Edition der Schrift De hominis generatione: « En appendice est édité un autre opuscule (p. 191-197) attribué à Psellos: De hominis generatione, qui est conservé par le Paris. gr. 1630 et lʼAmbros. B. 126 Sup du 14e siècle. »Haut de page
Oliver Hellmann, « Aristotelische Biologie in Byzanz : zur Rezeption der zoologischen Sylloge des Konstantinos Porphyrogennetos in der Schrift Περὶ τῆς ἀνθρωπείας γονῆς des Codex Baroccianus Graecus 131 », Rursus [En ligne], 7 | 2012, mis en ligne le 25 avril 2012, consulté le 30 novembre 2015. URL : http://rursus.revues.org/939 ; DOI : 10.4000/rursus.939 Haut de page
hellmann@uni-trier.deOliver Hellmann ist außerplanmäßiger Professor im Fach Klassische Philologie an der Universität Trier. Seine Forschungsschwerpunkte sind das archaische Epos und die antike Naturwissenschaft, insbesondere die peripatetische Biologie sowie die Überlieferung und Transformation von Wissen in der Antike.Oliver Hellmann is außerplanmäßiger Professor at University of Trier (Germany) working in the department of classical philology. His main fields of interest are the archaic Greek epics and ancient science, mainly Peripatetic biology and the transmission and transformation of knowledge in antiquity.Haut de page
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