Source: https://www.agt-ev.de/faq/
Timestamp: 2020-02-23 17:45:59+00:00

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FAQ über die Testamentsvollstreckung | AGT e.V.
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Häufig gestellte Fragen rund um den Testamentsvollstrecker
Der Testamentsvollstrecker ist durch den Erblasser oder nach seiner Bestimmung durch einen Dritten oder das Nachlassgericht zur Durchführung der Testamentsvollstreckung ernannte Person.
In der von der AGT geführten Testamentsvollstreckerliste werden bereits über 700 zertifizierten Testamentsvollstrecker (AGT) im Internet mit Nennung ihrer Qualifikation und ihren Kontaktdaten veröffentlicht. Die Testamentsvollstreckerliste ermöglicht so eine individuelle Suche im Internet.
Dem Verständnis der AGT als berufsständischer Organisation aller an einer qualifizierten Testamentsvollstreckung interessierten Kreise entsprechend werden in der Testamentsvollstreckerliste darüber hinaus auch die von anderen Organisationen qualifizierten Testamentsvollstrecker nachgewiesen, sofern diese Organisationen die von der AGT aufgestellten Mindeststandards unterstützen. Dies sind nach dem gegenwärtigen Stand neben den von der AGT zertifizierten Testamentsvollstreckern die vom Deutschen Steuerberaterverband (DStV e.V.) in eigener Verantwortung ausgezeichneten Fachberater für Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung.
Finden Sie hier den Testamentsvollstrecker Ihres Vertrauens.
*s. dazu unter ‚Zertifizierung‘ die Entscheidung des BGH [I ZR 113/10] vom 09.06.2011 zu den Voraussetzungen der Führung der Bezeichnung im Rechtsverkehr.
Das Amt des Testamentsvollstreckers beginnt erst mit dessen Annahme, die dem Nachlassgericht gegenüber zu erklären. Zur Übernahme des Amts eines Testamentsvollstreckers besteht keine Verpflichtung.
Der Testamentsvollstrecker kann eine 'angemessene' Vergütung verlangen (eine gesetzliche Regelung gibt es hier nicht) sofern nicht der Erblasser etwas anderes angeordnet hat, § 2221 BGB. Am besten bestimmt der Erblasser vorab die Höhe der Vergütung in Absprache mit dem Testamentsvollstrecker in der letztwilligen Verfügung. So kann Streit etwa mit den Erben vermieden werden.
s. dazu „Die Vergütung des Testamentsvollstreckers – Probleme und Lösungsvorschläge bei der Gestaltung“, von RA Rott, Vorstandsvorsitzender der AGT: hier
Der Deutsche Notarverein (www.dnotv.de) führt eine Vergütungstabelle, auf die im Testament Bezug genommen werden kann.
Literaturempfehlung: „Die Vergütung des Testamentsvollstreckers“, Hrsg. Schiffer Rott Pruns. Lesen Sie hier die Buchvorstellung.
Fragen und Antworten zur Testamentsvollstreckung
Das Testament ist eine Form der letztwilligen Verfügung von Todes wegen. Es enthält den letzten Willen einer Person für den Erbfall. Es kann entweder handschriftlich (eigenhändiges Testament) oder unter Mirtwirkung eines Notars (öffentliches Testament) errichtet werden.
Das eigenhändige Testament birgt die Gefahr formaler Fehler. Oft wird die vorgeschriebene Form nicht beachtet, was zur Unwirksamkeit führt. Das ohne fachkundige Hilfe erstellte Testament kann außerdem -uneindeutig formuliert- leicht missverstanden werden.
Insofern ist das öffentliche Testament in der Regel besser geeignet. Als öffentliche Urkunde genießt es volle Beweiskraft. Zudem macht ein öffentliches Testament meist den kostenpflichtigen Erbschein überflüssig. Durch die amtliche Verwahrung ist es außerdem vor Verfälschung und Verlust geschützt.
Mehr zum Thema ‚Testament‘ lesen Sie hier.
Eine andere Form der Verfügung von Todes wegen ist der Erbvertrag (§§ 1941,§ 2274 ff. BGB). Ohne Testament oder Erbvertrag greift die gesetzliche Erbfolge (s.u.).
immer komplexeren und komplizierteren Familienstrukturen (Patchwork-Familien, Minderjährige, behinderte Angehörige, verschuldete Erben, fehlende Abkömmlinge, Wohnsitz im Ausland)
immer werthaltigeren und komplizierteren Vermögensstrukturen (Wertpapiere, Immobilien, Luxusgüter, Unternehmen, Vermögen im Ausland, Stiftungen)
Die richtig angeordnete Testamentsvollstreckung hat eine doppelte Schutzfunktion: Der Erbe kann über den Nachlass nicht verfügen. Das Recht steht dem Testamentsvollstrecker zu. Zum Schutz der Erben ist etwaigen Gläubigern der Zugriff auf den Nachlass nicht gestattet.
Mehr zum Thema ‚Testamentsvollstrecker‘ lesen Sie hier.
Die verschiedenen Arten der Testamentsvollstreckung werden nach der jeweiligen Aufgabe des Testamentsvollstreckers unterschieden.
„Der Testamentsvollstrecker hat die letztwillige Verfügungen des Erblassers zur Ausführung zu bringen“. Ergänzt wird diese Aufgabenbeschreibung durch § 2204, 1 BGB, wonach der Testamentsvollstrecker beim Vorhandensein mehrerer Erben die Auseinandersetzung unter ihnen zu bewirken hat. Beide Vorschriften gemeinsam beschreibenden Regelfall der Testamentsvollstreckung. Diese greifen immer dann, wenn der Erblasser zu den Aufgben des Testamentsvollstreckers keine anderweitigen Bestimmungen getroffen hat.
Sie stellt eine vom Erblasser anzuordnende Erweiterung des gesetzlich vorgesehenen Aufgabenkreises des Testamentsvollstreckers dar. Die Testamentsvollstreckung endet in diesem Fall also nicht mit Erledigung der in §§ 2203, 2204 BGB zugewiesenen Aufgaben, sondern dauert als verwaltende Tätigkeit fort. Anwendung häufig beim sog. Behindertentestament oder bei unternehmensbezogenen Testamentsvollstreckungen.
Von der Dauertestamentsvollstreckung unterscheidet sich die schlichte Verwaltungsvollstreckung nur durch ihren auf die Verwaltung ausschließlich beschränkten Aufgabenkreis.
Der Erblasser kann einen Testamentsvollstrecker auch zu dem Zweck ernennen, dass dieser für die Ausführung der einem Vermächtnisnehmer auferlegten Beschwerungen sorgt. Ein typischer Gestaltungsfall stellt die Überwachung der Vollziehung einer dem Vermächtnisnehmer durch den Erblasser auferlegten Auflage dar, wie mit dem Vermächtnisgenstand umgegangen werden soll.
Der Erblasser ist in der Festlegung der Erben frei. Daher kann er auch sein Vermögen an mehrere Personen in zeitlich versetzter Reihenfolge übertragen. Der Erblasser kann somit einen Erben bestimmen, der aber erst Erbe (Nacherbe) wird, nachdem zunächst eine andere Person (Vorerbe) geerbt hat (§ 2100 BGB). Der Vorerbe ist praktisch ein „Erbe auf Zeit“. Der Vorerbe und der Nacherbe sind beide Rechtsnachfolger des Erblassers. Im Gegensatz zur Erbengemeinschaft erben sie aber nicht gleichzeitig, sondern zeitlich versetzt hintereinander. Der Nacherbe hat ein Anwartschaftsrecht auf die Nacherbschaft.
Die Testamentsvollstreckung mit beschränktem Aufgabenkreis ist im Grundsatz mit allen Testamentsvollstreckerarten kombinierbar. Das Gesetz schreibt für die Testamentsvollstreckung keinen Mindestumfang an Aufgaben vor. Die Testamentsvollstreckung kann ganz nach den Wünschen des Erblassers beschränkt werden, bis hin auf die Erfüllung einer einzigen Aufgabe, z.B. die Ausführung einer Bestattungsanordnung.
Hierbei gilt es das Familienvermögen vor dem Zugriff der Eigengläubiger des Pflichtteilsberechtigten oder seiner eigenen Verschwendungssucht zu schützen.
Damit der Testierende nicht schutzlos unkontrollierbaren Selbstanpreisungen der verschiedensten Anbieter von Testamentsvollstreckungen ausgeliefert ist, hat die AGT e.V. am 10.03.06 Richtlinien zur Zertifizierungen von Testamentsvollstreckern verfasst und veröffentlicht (AGT-Zertifizierungsrichtlinien).
Die AGT weist aktuell mehr als 700 von ihr zertifizierte Testamentsvollstrecker in einer im Internet veröffentlichten Liste, der AGT-Testamentsvollstreckerliste nach. Diese Testamentsvollstrecker haben sich einem den Zertifizierungsrichtlinien entsprechenden Prüfungsverfahren unterworfen und erfüllen somit die Qualifizierungsanforderungen der AGT.
Der Erfolg einer Testamentsvollstreckung steht und fällt mit der Person und Qualifikation des Testamentsvollstreckers.
1. Nachweis der theoretischen Kenntnisse auf dem Gebiet der Testamentsvollstreckung gem. §2 der RiLi.
Details zu den Seminarinhalten stehen unter https://www.fachseminare-von-fuerstenberg.de/zertifizierter-berater/zertifizierter-testamentsvollstrecker sowie im Programm_FvF_2017.
2. Nachweis der praktischen Fertigkeiten gem. §3 der RiLi.
3. Unterhaltung einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gem. §4 der RiLi. zur Abdeckung des Risikos von Pflichtverletzungen aus Testamentsvollstreckungen.
4. Fortbildungsverpflichtung (Rezertifizierung) gem. §5 der RiLi. zur Erhaltung der Sachkunde, insbesondere vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und rechtlicher Entwicklungen.

References: BGH 
 § 2221
 § 2204
 §2
 §3
 §4
 §5