Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.03.2018&Aktenzeichen=4%20StR%20568/17
Timestamp: 2019-05-20 15:58:56+00:00

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BGH, 29.03.2018 - 4 StR 568/17 - dejure.org
https://dejure.org/2018,10491
BGH, 29.03.2018 - 4 StR 568/17 (https://dejure.org/2018,10491)
BGH, Entscheidung vom 29.03.2018 - 4 StR 568/17 (https://dejure.org/2018,10491)
BGH, Entscheidung vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17 (https://dejure.org/2018,10491)
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Verfall des Wertersatzes (anwendbare Übergangsvorschriften im Falle des nicht begründeten Unterbleibens einer Anordnung); Rechtsmittelbegründung (Möglichkeit der isolierten Anfechtung des Strafausspruchs: Unzulässigkeit im Einzelfall); Strafbemessung (eingeschränkte revisionsgerichtliche Überprüfbarkeit); bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln (Vorliegen eines minder schweren Falles: Gesamtabwägung); Bildung der Gesamtstrafe (Anforderungen an den Begründungsaufwand)
Art 316h S 2 StGBEG
Unterbleiben der Anordnung einer dieser Maßnahmen in einem tatrichterlichen Urteil als eine "Entscheidung über die Anordnung des Verfalls und des Verfalls von Wertersatz"
Einziehung: § 316h EGStGB
LG Detmold, 29.06.2017 - 21 KLs 14/17
BGHSt 63, 114
NStZ 2018, 459
StV 2019, 19
Eine "Entscheidung über die Anordnung des Verfalls und des Verfalls von Wertersatz" im Sinne von Art. 316h Satz 2 EGStGB ist aber auch das nicht begründete Unterbleiben der Anordnung einer dieser Maßnahmen in einem tatrichterlichen Urteil (vgl. BGH, Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17, BGHSt 63, 114 Rn. 25).
Der Senat kann offenlassen, ob die versehentliche Nichtentscheidung über die Einziehung mit der Folge des Ausschlusses des selbständigen Verfahrens als rechtskräftige "Entscheidung" im Sinne von § 76a Abs. 1 Satz 3 letzte Variante StGB anzusehen ist (vgl. - jeweils in anderem Zusammenhang - BGH, Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17, aaO;… KK-StPO/Ott, 7. Aufl., § 260 Rn. 17;… LR-StPO/Stuckenberg, 26. Aufl., § 260 Rn. 34 mwN; siehe auch Ullenboom, wistra 2018, 291, 292).
Eine "Entscheidung über die Anordnung des Verfalls oder Verfalls von Wertersatz' im Sinne von Art. 316h Satz 2 EGStGB ist auch die Nichtanordnung einer dieser Maßnahmen (vgl. BT-Drucks. 18/11640, S. 84 sowie BT-Drucks. 18/9525, S. 98 und BGH, Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17 Rn. 25 mwN).
Denn auch das nicht begründete Unterbleiben einer Verfallsanordnung oder einer Anordnung des Verfalls von Wertersatz ist eine hierzu ergangene "Entscheidung' im Sinne der Übergangsvorschrift (vgl. BGH aaO - 4 StR 568/17 mwN).
Dass der Senat das im ersten Rechtsgang ergangene erstinstanzliche Urteil des Landgerichts vom 27. November 2015 hinsichtlich der Verfallsentscheidung aufgehoben hat, ändert hieran nichts (vgl. BGH aaO - 4 StR 568/17 Rn. 29 sowie Köhler/Burkhard, NStZ 2017, 665, 682).
Dabei wird wiederum das alte Recht anzuwenden sein (vgl. BGH, Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17 Rn. 29; Beschluss vom 20. Juni 2017 - 1 StR 227/17, jeweils mwN).
Insofern kann es auch dahinstehen, ob eine unbegründete, stillschweigende Nichtanordnung des Verfalls oder des Verfalls von Wertersatz eine "Entscheidung" im Sinne des Art. 316h Satz 2 EGStGB sein kann (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17, aaO).
Damit ist der Begriff der Entscheidung an dieser Stelle anders auszulegen als bislang üblich und auch anders zu verstehen als bei der Anwendung von Art. 316h EGStGB (dazu BGH, Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17, Rn. 25), da die begründungslose Nichtanordnung nicht als rechtskraftfähige Anordnung verstanden werden könnte, ohne in Widerspruch zum Regelungskonzept des § 76a Abs. 1 StGB zu geraten.
Auch eine den Schuldspruch unberührt lassende isolierte Anfechtung des Straf- bzw. Rechtsfolgenausspruchs ist grundsätzlich möglich (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17 Rn. 12; Beschlüsse vom 21. Oktober 1980 - 1 StR 262/80, BGHSt 29, 359, 364 f. und vom 24. Juli 1963 - 4 StR 168/63, BGHSt 19, 46, 48;… Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 318 Rn. 16 mwN).
In materiell-rechtlicher Hinsicht muss im Anschluss an die Rechtsprechung des 4. Strafsenats des BGH (Urteil vom 29.03.2018 - 4 StR 568/17, NJW 2018, 1831, unter II.4.a) das bis zum 30.06.2017 geltende alte Recht der Vermögensabschöpfung zur Anwendung kommen (s. dazu bereits oben unter II.1.b).
Denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist als "Entscheidung über die Anordnung des Verfalls und des Verfalls von Wertersatz" im Sinne von Art. 316h Satz 2 EGStGB auch das nicht begründete Unterbleiben der Anordnung einer dieser Maßnahmen in einem tatrichterlichen Urteil anzusehen (BGH, Urteil vom 29.03.2018 - 4 StR 568/17, juris Rn. 25; ebenso: Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg…, Urteil vom 19.04.2018 - 2 Rev 6/18, juris Rn. 23 ff.).
AG Dortmund, 22.02.2019 - 767 Ls 66/18
Einziehungsentscheidung, Nachholung, Zulässigkeit
Schließlich wird darauf hingewiesen, dass auch der Bundesgerichtshof in einem Fall aus der Übergangszeit vom alten zum neuen Vermögensabschöpfungsrecht eine nachträgliche Anordnung für nicht möglich gehalten hat, vergleiche BGH, Urteil vom 29.03.2018 - 4 StR 568/17.
Sowohl hinsichtlich der gegen die Angeklagte P... erkannten Einzel- bzw. der Gesamtfreiheitsstrafe als auch der gegen den Angeklagten Z... verhängten Einzel- bzw. Gesamtgeldstrafe ist jeweils die Grenze des Vertretbaren nicht überschritten (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 10. April 1987 - GSSt 1/86, BGHSt 34, 345 ; Urteil vom 2. Februar 2017 - 4 StR 481/16, NStZ-RR 2017, 105 ; Urteil vom 22. Oktober 1953 - 5 StR 230/53, BGHSt 5, 57 ; Urteil vom 29. März 2018 - 4 StR 568/17 -).

References: § 316
 Art. 316
 § 76
 § 260
 § 260
 Art. 316
 BGH 
 BGH 
 Art. 316
 Art. 316
 § 76
 § 318
 BGH 
 Art. 316