Source: http://tierheilbehandlerin.de/gesundheit.htm
Timestamp: 2017-09-22 04:29:51+00:00

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Was ist Gesundheit, was ist Krankheit?
Gleich zum Anfang möchte ich Ihnen einige alltägliche Fragen stellen:
Warum und wann werden Tiere überhaupt krank? Wenn wirklich Viren/Bakterien und sonstige üble Erreger die ausschließliche die Ursache sind: Warum erkranken dann meist nur einzelne Tiere? Wie können Menschen und Tiere im gleichen "verseuchten" Gebiet überleben? Manche Krankheiten sind extremst infektiös (übertragbar) und manche sogar hochgradig tötlich! Warum hören sie dann häufig genauso plötzlich auf, wie sie ausgebrochen sind und rotten uns nicht alle aus?
Da stehen z. B. 20 Pferde in genau dem gleichen Schlamm, aber nur 2 oder 3 bekommen Mauke, wir atmen alle die gleiche Luft, wieder haben nur wenige Asthma oder Heuschnupfen. Warum sind nicht längst alle hunde-artigen an Staupe oder Parvo gestorben? Es (über-)leben auch in Ländern genug Tiere, in denen es keine Impfungen gibt!
Sollte die Empfänglichkeit an einer Abwehrschwäche liegen? Gut, aber warum ist bei einzelnen Tieren die Abwehr geschwächt? All dies sind wichtige Fragen für Tierheilpraktiker - leider gibt es noch nicht auf alle eine Antwort. Es ist vieles noch nicht "wissenschaftlich" genau geklärt: Haben Tiere eine Seele? Was eigentlich erhält ein Tier am Leben? Warum und wie leben, entarten oder sterben Zellen - also wir? Trotz intensiver Forschung und doch stets so gepriesenem medizinischem Fortschritt sind nicht weniger Tiere krank (wie beim Menschen) - eher mehr ...
Viele "furchtbaren" Krankheiten wurden in den letzten Jahrzehnten scheinbar ausgerottet. Doch die Natur findet immer wieder Mittel und Wege ihren Willen durchzusetzen. Für sie geht es nicht um einzelne Individuen! Die Natur braucht Evolution - also stetige Anpassung und Verbesserung an (sich immer schneller ändernde Lebensbedingungen) ODER Ausrottung!
Auch versucht die Natur stets, ein gewisses Gleichgewicht in den Populationen zu halten. Jüngste Beispiele sind sicherlich BSE, MKS oder auch die extreme Zunahme bei allen möglichen chronischen Krankheiten (Sommerekzem, Allergien, Autoimmunkrankheiten usw.).
Solange wir Menschen extremst in die Natur eingreifen, unsere Lebensgrundlagen verpesten, die Schwachen überleben und sich fortpflanzen lassen, die Haltungsbedingungen derart vernachlässigen sowie ganze Tierarten ausrotten oder Gegenden überbevölkern wird die Natur immer wieder etwas Neues aus dem Ärmel schütteln. Und wir? Wir hinken hinterher ...
Hat Krankheit also einen Sinn? JA, natürlich!
Denn: sie zeigt an, dass etwas nicht in Ordnung ist. Recht häufig ist chronische Erkrankung durch Fehler in der Haltung + Ernährung entstanden. Daran kann kein Behandler dieser Welt etwas ändern, ohne dass der Tierhalter Veränderungen vornimmt! Denn wie oben schon geschrieben: die Natur findet dann einen anderen Weg, um auf die Missstände hinzuweisen.
Das bisher gesagte macht sicherlich grob verständlich, dass es Krankheit immer nur in der Einzahl geben kann - genau wie es nur eine Gesundheit gibt!
Das, was mit vielen lateinischen Namen in verschiedene Symptomenbilder unterteilt wird, ist immer eine verschiedene Ausdrucksform vom "krank sein" eines Tieres.
Im Nachstehenden wird Gesundheit/Krankheit "homöopathisch ausgeleuchtet". Ich werde einige §§ des "Organon" zitieren, welche die "Bibel" eines jeden Klassischen Homöopathen ist. Das Organon ist das Buch, in welchem der Grundsteinleger Samuel Hahnemann alle Grundregeln und seine gesamten Erkenntnisse niedergeschrieben hat. Die Ausdrucksform mag Ihnen zwar etwas "veraltet" erscheinen, der Inhalt hat jedoch nichts an Bedeutung eingebüßt und ist auch für Tiere komplett übertragbar.
Im § 9 des Organon findet man diese wichtige Grundregel: "Im gesunden Zustand des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Körper (Organsim) belebende Lebenskraft (Autocratie) unumschränkt und hält alle seine Theile in bewunderungswürdig harmonischem Lebensgange in Gefühlen und Thätigkeiten, so daß unser inwohnende, vernünftige Geist sich dieses lebendigen, gesunden Werkzeugs frei zu dem höheren Zwecke unsers Daseins bedienen kann."
Was ist das also, was man zu behandeln hat?
§ 6 Organon VI: "Der vorurteillose Beobachter, - die Nichtigkeit übersinnlicher Ergrübelungen kennend, die sich in der Erfahrung nicht nachweisen lassen, - nimmt, auch wenn er der scharfsinnigste ist, an jeder einzelnen Krankheit nichts, als äußerlich durch die Sinne erkennbare Veränderungen im Befinden des Leibes und der Seele, Krankheitszeichen, Zufälle, Symptome wahr, das ist, Abweichungen vom gesunden, ehemaligen Zustand des jetzt Kranken, die dieser selbst fühlt, die die Umstehenden an ihm wahrnehmen, und die der Arzt an ihm beobachtet. Alle diese wahrnehmbaren Zeichen repräsentieren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange, das heißt, sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit."
Krankheit ist also ein Zustand, der vom "Normalen" abweicht.
Zentrale Störung
Wenn man den Erfolg oder Misserfolg homöopathischer Behandlungen hängen davon ab, dass die Behandlungen, in denen der Typ und der Allgemeinzustand individuell berücksichtigt wurden, viel bessere Ergebnisse liefern als solche, in denen nach allgemeinen Lokalsymptomen oder laienhaft (nach Krankheitsnamen) verschrieben wurde. Außerdem haben Einzelmittel (mühsamst, aber passend ausgewählt) immer höhere Erfolge zu verzeichnen als Komplex-Mittel (in welchen mehrere Mittel eingearbeitet wurden, in der Hoffnung, eines davon könnte passen).
§ 211 ORG. VI: "Dies geht soweit, dass bei homöopathischer Wahl eines Heilmittels, der Gemüthszustand des Kranken oft am meisten den Ausschlag gibt, als Zeichen von bestimmter Eigenheit, welches dem genau beobachtenden Arzte unter allen am wenigsten verborgen bleiben kann."
§ 212 ORG. VI: "Auf diese Haupt-Ingredienz aller Krankheiten, auf den veränderten Gemüths- und Geisteszustand, hat auch der Schöpfer der Heilpotenzen vorzüglich Rücksicht genommen, indem es keinen kräftigen Arzneistoff auf der Welt gibt, welcher nicht den Gemüths- und Geisteszustand des ihn versuchenden, gesunden Menschen, sehr merkbar veränderte, und zwar jede Arznei auf verschiedene Weise."
§ 213 ORG. VI: "Man wird daher nie naturgemäß, das ist nie homöopathisch heilen, wenn man nicht bei jedem, selbst akuten Krankheitsfalle, zugleich mit auf das Symptom der Geistes- und Gemüts- Veränderung siehet und nicht zur Hülfe eine solche Krankheits-Potenz unter den Heilmitteln auswählt, welche nächst der Aehnlichkeit ihrer anderen Symptome mit denen der Krankheit, auch einen ähnlichen Gemüts- oder Geistes-Zustand für sich zu erzeugen fähig ist 1."
In der Fußnote zu diesem Paragraphen erläutert Samuel Hahnemann anschaulich:
Fußnote § 212 ORG. VI: "So wird bei einem stillen, gleichförmig gelassenen Gemüthe, der Napell-Sturmhut selten oder nie eine, weder schnelle noch dauerhafte Heilung bewirken, eben so wenig, als die Krähenaugen bei einem milden, phlegmatischen, die Pulsatille bei einem frohen, heiteren und hartnäckigen, oder die Ignazbohne bei einem unwandelbaren, weder zu Schreck, noch zu Ärger geneigten Gemüthszustande."
Die Störung des Allgemeinzustands und des Geistes- und Gemütszustands ist der eigentliche Teil der Erkrankung der behandelt werden muss - zusätzlich zu den, gemäß § 153 Organon gefundenen "Besonderen, eigentümlichen Symptomen. Bei Fieber ist es eben nicht "sonderbar" Durst zu haben. Für Homöopathen wird es interessant, wenn KEIN Durst bei Fieber auftritt. (Mehr darüber auf der Seite Grundlagen)
Krankheit ist die zentrale Störung des Organismus. Es ist die angepasste Haltung, die der Patient während seiner Erkrankung annimmt, um zu überleben. Die Auswirkungen auf lokaler Ebene können - je nach Disposition (= Veranlagung) und Konstitution (= derzeitige Stabilität der Gesundheit) - vielfältig sein. Aber sie stellen nicht den wesentlichen Kern der Krankheit dar. Es ist eher so, als hafte sich die Erkrankung an die zentrale Störung wie eine Pflanze an einen Stock, ein Pilz auf den passenden Boden oder eine Bakterie auf ihr Lieblings-Milieu. Es nützt nicht wirklich, die Pflanze zu beschneiden, sondern es ist nötig, den Stock zu beseitigen damit die Pflanze nicht wieder daran hochranken kann. Genausowenig bringt es langfristig die Gesundheit zurück, den Pilz oder die Bakterie zu töten - neue werden auf diesen "passenden" Nährboden kommen, solange er nicht saniert wird ...
Mehr zu den Ursachen und Auswirkungen von zentralen Störungen finden Sie auf der nächsten Unter-Seite "Veranlagung".

References: § 9

§ 6

§ 211

§ 212

§ 213
 § 212
 § 153