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Timestamp: 2020-07-09 02:40:50+00:00

Document:
Lawbrary | BGFA - Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte
Allgemeines (1 - 3)
Interkantonale Freizügigkeit und kantonales Anwaltsregister (4 - 11)
Berufsregeln und Disziplinaraufsicht (12 - 20)
Ausübung des Anwaltsberufs im freien Dienstleistungsverkehr durch Anwältinnen und Anwälte aus Mitgliedstaaten der EU oder der EFTA (21 - 26)
Ständige Ausübung des Anwaltsberufs durch Anwältinnen und Anwälte aus Mitgliedstaaten der EU oder der EFTA unter ihrer ursprünglichen Berufsbezeichnung (27 - 29)
Eintragung von Anwältinnen und Anwälten aus Mitgliedstaaten der EU oder der EFTA in ein kantonales Anwaltsregister (30 - 33)
Verfahren (34 - 34)
Schlussbestimmungen (35 - 37)
Liste der Berufsbezeichnungen in den Mitgliedstaaten der EU und der EFTA gemäss den Richtlinien 77/249/EWG und 98/5/EG
vom 23. Juni 2000 (Stand am 1. Januar 2017)
gestützt auf Artikel 95 der Bundesverfassung1, in Ausführung des Abkommens vom 21. Juni 19992 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft sowie ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit, nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 28. April 19993,
Die­ses Ge­setz ge­währ­leis­tet die Frei­zü­gig­keit der An­wäl­tin­nen und An­wäl­te und legt die Grund­sät­ze für die Aus­übung des An­walts­be­rufs in der Schweiz fest.
1Die­ses Ge­setz gilt für Per­so­nen, die über ein An­waltspa­tent ver­fü­gen und in der Schweiz im Rah­men des An­walts­mo­no­pols Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten.
2Es be­stimmt die Mo­da­li­tä­ten für die Ver­tre­tung von Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den durch An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die Staats­an­ge­hö­ri­ge von Mit­glied­staa­ten der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) oder der Eu­ro­päi­schen Frei­han­delsas­so­zia­ti­on (EFTA) sind.1
3Die­se Mo­da­li­tä­ten gel­ten auch für Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer, die be­rech­tigt sind, den An­walts­be­ruf un­ter ei­ner der im An­hang auf­ge­führ­ten Be­rufs­be­zeich­nun­gen in ei­nem Mit­glied­staat der EU oder der EFTA2 aus­zuü­ben.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 22. März 2002, in Kraft seit 1. Aug. 2002 (AS 2002 2134; BBl 2002 2637).
2 Aus­druck bei­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 22. März 2002, in Kraft seit 1. Aug. 2002 (AS 2002 2134; BBl 2002 2637). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
Art. 3 Verhältnis zum kantonalen Recht
1Das Recht der Kan­to­ne, im Rah­men die­ses Ge­set­zes die An­for­de­run­gen für den Er­werb des An­waltspa­ten­tes fest­zu­le­gen, bleibt ge­wahrt.
2Das Glei­che gilt für das Recht der Kan­to­ne, In­ha­be­rin­nen und In­ha­ber ih­res kan­to­na­len An­waltspa­ten­tes vor den ei­ge­nen Ge­richts­be­hör­den Par­tei­en ver­tre­ten zu las­sen.
2. Abschnitt: Interkantonale Freizügigkeit und kantonales Anwaltsregister
Art. 4 Grundsatz der interkantonalen Freizügigkeit
An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die in ei­nem kan­to­na­len An­walts­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind, kön­nen in der Schweiz oh­ne wei­te­re Be­wil­li­gung Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten.
Art. 5 Kantonales Anwaltsregister
1Je­der Kan­ton führt ein Re­gis­ter der An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die über ei­ne Ge­schäfts­adres­se auf dem Kan­tons­ge­biet ver­fü­gen und die Vor­aus­set­zun­gen nach den Ar­ti­keln 7 und 8 er­fül­len.
2Das Re­gis­ter ent­hält fol­gen­de per­sön­li­che Da­ten:
den Na­men, den Vor­na­men, das Ge­burts­da­tum und den Hei­mat­ort oder die Staats­an­ge­hö­rig­keit;
ei­ne Ko­pie des An­waltspa­tents;
die Be­schei­ni­gun­gen, wel­che be­le­gen, dass die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 8 er­füllt sind;
die Ge­schäfts­adres­sen so­wie ge­ge­be­nen­falls den Na­men des An­walts­bü­ros;
die nicht ge­lösch­ten Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men.
3Es wird von der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­de über die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te ge­führt.
Art. 6 Eintragung ins Register
1An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die über ein kan­to­na­les An­waltspa­tent ver­fü­gen und Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten wol­len, las­sen sich ins Re­gis­ter des Kan­tons ein­tra­gen, in dem sie ih­re Ge­schäfts­adres­se ha­ben.
2Die Auf­sichts­be­hör­de trägt sie ein, wenn sie fest­ge­stellt hat, dass die Vor­aus­set­zun­gen nach den Ar­ti­keln 7 und 8 er­füllt sind.
3Sie ver­öf­fent­licht die Ein­tra­gung in ei­nem amt­li­chen kan­to­na­len Pu­bli­ka­ti­ons­or­gan.
4Ge­gen Ein­tra­gun­gen ins kan­to­na­le Re­gis­ter steht das Be­schwer­de­recht auch dem An­walts­ver­band des be­trof­fe­nen Kan­tons zu.
Art. 7 Fachliche Voraussetzungen
1Für den Re­gis­te­r­ein­trag müs­sen die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te über ein An­waltspa­tent ver­fü­gen. Ein sol­ches kann von den Kan­to­nen nur auf Grund fol­gen­der Vor­aus­set­zun­gen er­teilt wer­den:
ein ju­ris­ti­sches Stu­di­um, das mit ei­nem Li­zen­ti­at oder Mas­ter ei­ner schwei­ze­ri­schen Hoch­schu­le oder ei­nem gleich­wer­ti­gen Hoch­schul­di­plom ei­nes Staa­tes ab­ge­schlos­sen wur­de, der mit der Schweiz die ge­gen­sei­ti­ge An­er­ken­nung ver­ein­bart hat;
ein min­des­tens ein­jäh­ri­ges Prak­ti­kum in der Schweiz, das mit ei­nem Ex­amen über die theo­re­ti­schen und prak­ti­schen ju­ris­ti­schen Kennt­nis­se ab­ge­schlos­sen wur­de.
2Kan­to­ne, in de­nen Ita­lie­nisch Amtss­pra­che ist, kön­nen ein dem Li­zen­ti­at oder dem Mas­ter gleich­wer­ti­ges aus­län­di­sches Di­plom an­er­ken­nen, das in ita­lie­ni­scher Spra­che er­langt wor­den ist.
3Für die Zu­las­sung zum Prak­ti­kum ge­nügt der Ab­schluss ei­nes ju­ris­ti­schen Stu­di­ums mit dem Ba­che­lor.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4399; BBl 2005 6621).
Art. 8 Persönliche Voraussetzungen
1Für den Re­gis­te­r­ein­trag müs­sen die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te fol­gen­de per­sön­li­che Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len:
sie müs­sen hand­lungs­fä­hig sein;
es darf kei­ne straf­recht­li­che Ver­ur­tei­lung vor­lie­gen we­gen Hand­lun­gen, die mit dem An­walts­be­ruf nicht zu ver­ein­ba­ren sind, es sei denn, die­se Ver­ur­tei­lung er­schei­ne nicht mehr im Straf­re­gis­ter­aus­zug für Pri­vat­per­so­nen;
es dür­fen ge­gen sie kei­ne Ver­lust­schei­ne be­ste­hen;
sie müs­sen in der La­ge sein, den An­walts­be­ruf un­ab­hän­gig aus­zuü­ben; sie kön­nen An­ge­stell­te nur von Per­so­nen sein, die ih­rer­seits in ei­nem kan­to­na­len Re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind.
2An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die bei an­er­kann­ten ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen an­ge­stellt sind, kön­nen sich ins Re­gis­ter ein­tra­gen las­sen, so­fern die Vor­aus­set­zun­gen nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben a-c er­füllt sind und sich die Tä­tig­keit der Par­tei­ver­tre­tung strik­te auf Man­da­te im Rah­men des von der be­trof­fe­nen Or­ga­ni­sa­ti­on ver­folg­ten Zwecks be­schränkt.
Art. 9 Löschung des Registereintrags
An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die ei­ne der Vor­aus­set­zun­gen für den Re­gis­te­r­ein­trag nicht mehr er­fül­len, wer­den im Re­gis­ter ge­löscht.
Art. 10 Einsicht in das Register
1Ein­sicht in das Re­gis­ter er­hal­ten:
die eid­ge­nös­si­schen und kan­to­na­len Ge­richts- und Ver­wal­tungs­be­hör­den, vor de­nen die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te auf­tre­ten;
die Ge­richts- und Ver­wal­tungs­be­hör­den der Mit­glied­staa­ten der EU oder der EFTA, vor de­nen die im Re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen An­wäl­tin­nen und An­wäl­te auf­tre­ten;
die kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den über die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te;
die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te in Be­zug auf ih­ren Ein­trag.
2Je­de Per­son hat ein Recht auf Aus­kunft, ob ei­ne An­wäl­tin oder ein An­walt im Re­gis­ter ein­ge­tra­gen ist und ob ge­gen sie oder ihn ein Be­rufs­aus­übungs­ver­bot ver­hängt ist.
Art. 10a Meldung
Die Da­ten des Re­gis­ters, die für die Zu­wei­sung und Ver­wen­dung der Un­ter­neh­mens-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer nach dem Bun­des­ge­setz vom 18. Ju­ni 20102 über die Un­ter­neh­mens-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer er­for­der­lich sind, wer­den dem Bun­des­amt für Sta­tis­tik mit­ge­teilt.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Un­ter­neh­mens-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4989; BBl 2009 7855).
Art. 11 Berufsbezeichnung
1An­wäl­tin­nen und An­wäl­te ver­wen­den die­je­ni­ge Be­rufs­be­zeich­nung, die ih­nen mit ih­rem An­waltspa­tent er­teilt wor­den ist, oder ei­ne gleich­wer­ti­ge Be­rufs­be­zeich­nung des Kan­tons, in des­sen Re­gis­ter sie ein­ge­tra­gen sind.
2Im Ge­schäfts­ver­kehr ge­ben sie ih­ren Ein­trag in ei­nem kan­to­na­len Re­gis­ter an.
3. Abschnitt: Berufsregeln und Disziplinaraufsicht
Für An­wäl­tin­nen und An­wäl­te gel­ten fol­gen­de Be­rufs­re­geln:
Sie üben ih­ren Be­ruf sorg­fäl­tig und ge­wis­sen­haft aus.
Sie üben ih­ren Be­ruf un­ab­hän­gig, in ei­ge­nem Na­men und auf ei­ge­ne Ver­ant­wor­tung aus.
Sie mei­den je­den Kon­flikt zwi­schen den In­ter­es­sen ih­rer Kli­ent­schaft und den Per­so­nen, mit de­nen sie ge­schäft­lich oder pri­vat in Be­zie­hung ste­hen.
Sie kön­nen Wer­bung ma­chen, so­lan­ge die­se ob­jek­tiv bleibt und so­lan­ge sie dem In­for­ma­ti­ons­be­dürf­nis der Öf­fent­lich­keit ent­spricht.
Sie dür­fen vor Be­en­di­gung ei­nes Rechtss­treits mit der Kli­en­tin oder dem Kli­en­ten kei­ne Ver­ein­ba­rung über die Be­tei­li­gung am Pro­zess­ge­winn als Er­satz für das Ho­no­rar ab­sch­lies­sen; sie dür­fen sich auch nicht da­zu ver­pflich­ten, im Fal­le ei­nes un­güns­ti­gen Ab­schlus­ses des Ver­fah­rens auf das Ho­no­rar zu ver­zich­ten.
Sie ha­ben ei­ne Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung nach Mass­ga­be der Art und des Um­fangs der Ri­si­ken, die mit ih­rer Tä­tig­keit ver­bun­den sind, ab­zu­sch­lies­sen; die Ver­si­che­rungs­s­um­me muss min­des­tens ei­ne Mil­li­on Fran­ken pro Jahr be­tra­gen; an­stel­le der Haft­pflicht­ver­si­che­rung kön­nen an­de­re, gleich­wer­ti­ge Si­cher­hei­ten er­bracht wer­den.
Sie sind ver­pflich­tet, in dem Kan­ton, in des­sen Re­gis­ter sie ein­ge­tra­gen sind, amt­li­che Pflicht­ver­tei­di­gun­gen und im Rah­men der un­ent­gelt­li­chen Rechts­pfle­ge Rechts­ver­tre­tun­gen zu über­neh­men.
Sie be­wah­ren die ih­nen an­ver­trau­ten Ver­mö­gens­wer­te ge­trennt von ih­rem ei­ge­nen Ver­mö­gen auf.
Sie klä­ren ih­re Kli­ent­schaft bei Über­nah­me des Man­da­tes über die Grund­sät­ze ih­rer Rech­nungs­stel­lung auf und in­for­mie­ren sie pe­ri­odisch oder auf Ver­lan­gen über die Hö­he des ge­schul­de­ten Ho­no­rars.
Sie tei­len der Auf­sichts­be­hör­de je­de Än­de­rung der sie be­tref­fen­den Da­ten im Re­gis­ter mit.
1An­wäl­tin­nen und An­wäl­te un­ter­ste­hen zeit­lich un­be­grenzt und ge­gen­über je­der­mann dem Be­rufs­ge­heim­nis über al­les, was ih­nen in­fol­ge ih­res Be­ru­fes von ih­rer Kli­ent­schaft an­ver­traut wor­den ist. Die Ent­bin­dung ver­pflich­tet sie nicht zur Preis­ga­be von An­ver­trau­tem.
2Sie sor­gen für die Wah­rung des Be­rufs­ge­heim­nis­ses durch ih­re Hilfs­per­so­nen.
Art. 14 Kantonale Aufsichtsbehörde über die Anwältinnen und Anwälte
Je­der Kan­ton be­zeich­net ei­ne Be­hör­de, wel­che die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te be­auf­sich­tigt, die auf sei­nem Ge­biet Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten.
1Die kan­to­na­len Ge­richts- und Ver­wal­tungs­be­hör­den mel­den der Auf­sichts­be­hör­de ih­res Kan­tons un­ver­züg­lich das Feh­len per­sön­li­cher Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 8 so­wie Vor­fäl­le, wel­che die Be­rufs­re­geln ver­let­zen könn­ten.
2Die eid­ge­nös­si­schen Ge­richts- und Ver­wal­tungs­be­hör­den mel­den der Auf­sichts­be­hör­de des Kan­tons, in dem ei­ne An­wäl­tin oder ein An­walt ein­ge­tra­gen ist, un­ver­züg­lich das Feh­len per­sön­li­cher Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 8 so­wie Vor­fäl­le, wel­che die Be­rufs­re­geln ver­let­zen könn­ten.
1Er­öff­net ei­ne Auf­sichts­be­hör­de ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ge­gen An­wäl­tin­nen oder An­wäl­te, die nicht im Re­gis­ter die­ses Kan­tons ein­ge­tra­gen sind, so in­for­miert sie die Auf­sichts­be­hör­de des Kan­tons, in des­sen Re­gis­ter sie ein­ge­tra­gen sind.
2Be­ab­sich­tigt sie, ei­ne Dis­zi­plin­ar­mass­nah­me an­zu­ord­nen, so räumt sie der Auf­sichts­be­hör­de des Kan­tons, in des­sen Re­gis­ter die An­wäl­tin oder der An­walt ein­ge­tra­gen ist, die Mög­lich­keit ein, zum Er­geb­nis der Un­ter­su­chung Stel­lung zu neh­men.
3Das Er­geb­nis des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens ist der Auf­sichts­be­hör­de des Kan­tons mit­zu­tei­len, in des­sen Re­gis­ter die An­wäl­tin oder der An­walt ein­ge­tra­gen ist.
1Bei Ver­let­zung die­ses Ge­set­zes kann die Auf­sichts­be­hör­de fol­gen­de Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men an­ord­nen:
ei­ne Ver­war­nung;
einen Ver­weis;
ei­ne Bus­se bis zu 20 000 Fran­ken;
ein be­fris­te­tes Be­rufs­aus­übungs­ver­bot für längs­tens zwei Jah­re;
ein dau­ern­des Be­rufs­aus­übungs­ver­bot.
2Ei­ne Bus­se kann zu­sätz­lich zu ei­nem Be­rufs­aus­übungs­ver­bot an­ge­ord­net wer­den.
3Nö­ti­gen­falls kann die Auf­sichts­be­hör­de die Be­rufs­aus­übung vor­sorg­lich ver­bie­ten.
Art. 18 Geltung des Berufsausübungsverbots
1Ein Be­rufs­aus­übungs­ver­bot gilt auf dem ge­sam­ten Ge­biet der Schweiz.
2Es wird den Auf­sichts­be­hör­den der üb­ri­gen Kan­to­ne mit­ge­teilt.
1Die dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­fol­gung ver­jährt ein Jahr, nach­dem die Auf­sichts­be­hör­de vom be­an­stan­de­ten Vor­fall Kennt­nis hat­te.
2Die Frist wird durch je­de Un­ter­su­chungs­hand­lung der Auf­sichts­be­hör­de un­ter­bro­chen.
3Die dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­fol­gung ver­jährt in je­dem Fall zehn Jah­re nach dem be­an­stan­de­ten Vor­fall.
4Stellt die Ver­let­zung der Be­rufs­re­geln ei­ne straf­ba­re Hand­lung dar, gilt die vom Straf­recht vor­ge­se­he­ne län­ge­re Ver­jäh­rungs­frist.
1Ver­war­nun­gen, Ver­wei­se und Bus­sen wer­den fünf Jah­re nach ih­rer An­ord­nung im Re­gis­ter ge­löscht.
2Ein be­fris­te­tes Be­rufs­aus­übungs­ver­bot wird zehn Jah­re nach sei­ner Auf­he­bung im Re­gis­ter ge­löscht.
4. Abschnitt: Ausübung des Anwaltsberufs im freien Dienstleistungsverkehr durch Anwältinnen und Anwälte aus Mitgliedstaaten der EU oder der EFTA
1An­ge­hö­ri­ge von Mit­glied­staa­ten der EU oder der EFTA, die be­rech­tigt sind, den An­walts­be­ruf in ih­rem Her­kunfts­staat un­ter ei­ner der im An­hang auf­ge­führ­ten Be­rufs­be­zeich­nun­gen aus­zuü­ben, kön­nen im frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr in der Schweiz Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten.
2Die dienst­leis­tungs­er­brin­gen­den An­wäl­tin­nen und An­wäl­te wer­den nicht in die kan­to­na­len An­walts­re­gis­ter ein­ge­tra­gen.
Art. 22 Nachweis der Anwaltsqualifikation
Die eid­ge­nös­si­schen und kan­to­na­len Ge­richts­be­hör­den, vor de­nen die dienst­leis­tungs­er­brin­gen­den An­wäl­tin­nen und An­wäl­te auf­tre­ten, so­wie die Auf­sichts­be­hör­den über die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te kön­nen ver­lan­gen, dass die­se ih­re An­walts­qua­li­fi­ka­ti­on nach­wei­sen.
Art. 23 Verpflichtung zur Handlung im Einvernehmen mit einer eingetragenen Anwältin oder einem eingetragenen Anwalt
Be­steht für ein Ver­fah­ren An­walts­zwang, so sind die dienst­leis­tungs­er­brin­gen­den An­wäl­tin­nen und An­wäl­te ver­pflich­tet, im Ein­ver­neh­men mit ei­ner An­wäl­tin oder ei­nem An­walt zu han­deln, die oder der in ei­nem kan­to­na­len An­walts­re­gis­ter ein­ge­tra­gen ist.
Art. 24 Berufsbezeichnung
Die dienst­leis­tungs­er­brin­gen­den An­wäl­tin­nen und An­wäl­te ver­wen­den ih­re ur­sprüng­li­che Be­rufs­be­zeich­nung in der Amtss­pra­che ih­res Her­kunfts­staats un­ter An­ga­be der Be­rufs­or­ga­ni­sa­ti­on, de­ren Zu­stän­dig­keit sie un­ter­lie­gen, oder des Ge­richts, bei dem sie nach den Vor­schrif­ten die­ses Staats zu­ge­las­sen sind.
Art. 25 Berufsregeln
Für die dienst­leis­tungs­er­brin­gen­den An­wäl­tin­nen und An­wäl­te gel­ten die Be­rufs­re­geln nach Ar­ti­kel 12 mit Aus­nah­me der Be­stim­mun­gen be­tref­fend die amt­li­che Pflicht­ver­tei­di­gung und die un­ent­gelt­li­che Rechts­ver­tre­tung (Bst. g) so­wie den Re­gis­te­r­ein­trag (Bst. j).
Art. 26 Information über Disziplinarmassnahmen
Die Auf­sichts­be­hör­de in­for­miert die zu­stän­di­ge Stel­le des Her­kunfts­staats über Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men, die sie ge­gen­über dienst­leis­tungs­er­brin­gen­den An­wäl­tin­nen und An­wäl­ten an­ord­net.
5. Abschnitt: Ständige Ausübung des Anwaltsberufs durch Anwältinnen und Anwälte aus Mitgliedstaaten der EU oder der EFTA unter ihrer ursprünglichen Berufsbezeichnung
1An­ge­hö­ri­ge von Mit­glied­staa­ten der EU oder der EFTA, die be­rech­tigt sind, den An­walts­be­ruf in ih­rem Her­kunfts­staat un­ter ei­ner der im An­hang auf­ge­führ­ten Be­rufs­be­zeich­nun­gen aus­zuü­ben, kön­nen in der Schweiz stän­dig Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten, wenn sie bei ei­ner kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­de über die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te ein­ge­tra­gen sind.
2Die Ar­ti­kel 23-25 gel­ten für die­se An­wäl­tin­nen und An­wäl­te eben­falls.
Art. 28 Eintragung bei der Aufsichtsbehörde
1Die Auf­sichts­be­hör­de führt ei­ne öf­fent­li­che Lis­te der An­ge­hö­ri­gen von Mit­glied­staa­ten der EU oder der EFTA, die in der Schweiz un­ter ih­rer ur­sprüng­li­chen Be­rufs­be­zeich­nung stän­dig Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten dür­fen.
2Die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te tra­gen sich bei der Auf­sichts­be­hör­de des Kan­tons ein, in dem sie ei­ne Ge­schäfts­adres­se ha­ben. Sie wei­sen ih­re An­walts­qua­li­fi­ka­ti­on mit ei­ner Be­schei­ni­gung über ih­re Ein­tra­gung bei der zu­stän­di­gen Stel­le des Her­kunfts­staats nach; die­se Be­schei­ni­gung darf nicht äl­ter als drei Mo­na­te sein.
3Die Auf­sichts­be­hör­de in­for­miert die zu­stän­di­ge Stel­le des Her­kunfts­staats über die Ein­tra­gung in die Lis­te.
Art. 29 Zusammenarbeit mit der zuständigen Stelle des Herkunftsstaats
1Be­vor die Auf­sichts­be­hör­de ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ge­gen An­ge­hö­ri­ge von Mit­glied­staa­ten der EU oder der EFTA ein­lei­tet, die in der Schweiz stän­dig Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den ver­tre­ten, in­for­miert sie die zu­stän­di­ge Stel­le des Her­kunfts­staats.
2Die Auf­sichts­be­hör­de ar­bei­tet mit der zu­stän­di­gen Stel­le des Her­kunfts­staats wäh­rend des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens zu­sam­men und gibt ihr ins­be­son­de­re die Mög­lich­keit zur Stel­lung­nah­me.
6. Abschnitt: Eintragung von Anwältinnen und Anwälten aus Mitgliedstaaten der EU oder der EFTA in ein kantonales Anwaltsregister
1An­ge­hö­ri­ge von Mit­glied­staa­ten der EU oder der EFTA kön­nen sich, oh­ne dass sie die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 7 Buch­sta­be b er­fül­len, in ein kan­to­na­les An­walts­re­gis­ter ein­tra­gen las­sen, wenn sie:
ei­ne Eig­nungs­prü­fung be­stan­den ha­ben (Art. 31); oder
wäh­rend min­des­tens drei Jah­ren in der Lis­te der un­ter ih­rer ur­sprüng­li­chen Be­rufs­be­zeich­nung tä­ti­gen An­wäl­tin­nen und An­wäl­te ein­ge­tra­gen wa­ren und nach­wei­sen, dass sie:
wäh­rend die­ser Zeit ef­fek­tiv und re­gel­mäs­sig im schwei­ze­ri­schen Recht tä­tig wa­ren, oder
im schwei­ze­ri­schen Recht wäh­rend ei­nes kür­ze­ren Zeit­raums tä­tig wa­ren und sich in ei­nem Ge­spräch über ih­re be­ruf­li­chen Fä­hig­kei­ten aus­ge­wie­sen ha­ben (Art. 32).
2Sie ha­ben da­mit die glei­chen Rech­te und Pflich­ten wie die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die über ein kan­to­na­les An­waltspa­tent ver­fü­gen und in ei­nem kan­to­na­len An­walts­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind.
1Zur Eig­nungs­prü­fung zu­ge­las­sen wer­den An­ge­hö­ri­ge von Mit­glied­staa­ten der EU oder der EFTA, wenn sie:
ein min­des­tens drei­jäh­ri­ges Stu­di­um an ei­ner Hoch­schu­le ab­sol­viert und ge­ge­be­nen­falls die über das Stu­di­um hin­aus er­for­der­li­che be­ruf­li­che Aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen ha­ben; und
über ein Di­plom ver­fü­gen, das sie zur Aus­übung des An­walts­be­rufs in ei­nem Mit­glied­staat der EU oder der EFTA be­rech­tigt.
2Die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te müs­sen die Eig­nungs­prü­fung vor der An­walts­prü­fungs­kom­mis­si­on des Kan­tons ab­le­gen, in des­sen Re­gis­ter sie sich ein­tra­gen las­sen wol­len.
3Die Eig­nungs­prü­fung er­streckt sich über Sach­ge­bie­te, die Ge­gen­stand der kan­to­na­len An­walts­prü­fung sind und die sich we­sent­lich von den­je­ni­gen un­ter­schei­den, die im Rah­men der Aus­bil­dung in ih­rem Her­kunfts­staat be­reits ge­prüft wor­den sind. Ihr In­halt be­stimmt sich auch nach der Be­rufs­er­fah­rung der An­wäl­tin­nen und An­wäl­te.
4Die Eig­nungs­prü­fung kann zwei­mal wie­der­holt wer­den.
1Das Ge­spräch zur Prü­fung der be­ruf­li­chen Fä­hig­kei­ten wird von der An­walts­prü­fungs­kom­mis­si­on des Kan­tons ge­führt, in des­sen Re­gis­ter die An­wäl­tin oder der An­walt sich ein­tra­gen las­sen will.
2Sie stützt sich na­ment­lich auf die von der An­wäl­tin oder dem An­walt vor­ge­leg­ten In­for­ma­tio­nen und Un­ter­la­gen über die in der Schweiz aus­ge­üb­ten Tä­tig­kei­ten.
3Sie be­rück­sich­tigt die Kennt­nis­se und die Be­rufs­er­fah­rung der An­wäl­tin oder des An­walts im schwei­ze­ri­schen Recht, fer­ner die Teil­nah­me an Kur­sen und Se­mi­na­ren über das schwei­ze­ri­sche Recht.
Art. 33 Berufsbezeichnung
Die An­wäl­tin­nen und An­wäl­te kön­nen ne­ben der Be­rufs­be­zeich­nung des Kan­tons, in des­sen Re­gis­ter sie ein­ge­tra­gen sind, auch ih­re ur­sprüng­li­che Be­rufs­be­zeich­nung ver­wen­den.
1Die Kan­to­ne re­geln das Ver­fah­ren.
2Sie se­hen für die Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­tra­gung ins kan­to­na­le An­walts­re­gis­ter ein ein­fa­ches und ra­sches Ver­fah­ren vor.
1 Die Än­de­rung kann un­ter AS 2002 863 kon­sul­tiert wer­den.
Art. 36 Übergangsrecht
Per­so­nen, die auf Grund bis­he­ri­gen kan­to­na­len Rechts über ein An­waltspa­tent ver­fü­gen, sind ins kan­to­na­le An­walts­re­gis­ter ein­zu­tra­gen, so­fern sie in den an­de­ren Kan­to­nen nach Ar­ti­kel 196 Zif­fer 5 der Bun­des­ver­fas­sung ei­ne Be­rufs­aus­übungs­be­wil­li­gung er­hal­ten hät­ten.
2Der Bun­des­rat be­stimmt das In­kraft­tre­ten. Ar­ti­kel 2 Ab­sät­ze 2 und 3 und Ar­ti­kel 10 Ab­satz 1 Buch­sta­be b so­wie die Ab­schnit­te 4, 5 und 6 tre­ten nur im Fal­le des In­kraft­tre­tens des Ab­kom­mens vom 21. Ju­ni 19991 zwi­schen der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft ei­ner­seits und der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft so­wie ih­ren Mit­glied­staa­ten an­de­rer­seits über die Frei­zü­gig­keit in Kraft.
3Für die An­ge­hö­ri­gen von Mit­glied­staa­ten der EFTA tre­ten die Ar­ti­kel 2 Ab­sät­ze 2 und 3 und Ar­ti­kel 10 Ab­satz 1 Buch­sta­be b so­wie die Ab­schnit­te 4, 5 und 6 nur im Fal­le des In­kraft­tre­tens des Bun­des­ge­set­zes vom 14. De­zem­ber 20012 be­züg­lich der Be­stim­mun­gen über die Per­so­nen­frei­zü­gig­keit im Ab­kom­men vom 21. Ju­ni 2001 zur Än­de­rung des Über­ein­kom­mens vom 4. Ja­nu­ar 1960 zur Er­rich­tung der Eu­ro­päi­schen Frei­han­delsas­so­zia­ti­on (EFTA) in Kraft.3
2AS 2002 685. Die­ses BG ist am 1. Ju­ni 2002 in Kraft ge­tre­ten.
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 22. März 2002, in Kraft seit 1. Aug. 2002 (AS 2002 2134; BBl 2002 2637).

References: Art. 3

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 9

Art. 10

Art. 10

Art. 11

Art. 14

Art. 18

Art. 22

Art. 23

Art. 24

Art. 25

Art. 26

Art. 28

Art. 29

Art. 33

Art. 36