Source: https://euroweld.wordpress.com/2013/11/08/ich-bin-wertlos-oder-warum-das-bge-keine-gewerkschaft-braucht-2/
Timestamp: 2018-06-18 05:41:43+00:00

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Ich bin wertlos oder warum das BGE keine Gewerkschaft braucht. | euroweld
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Seit ich vor einigen Jahren das ersten mal etwas vom Bedingungslosen Grundeinkommen gehört hatte, war ich sofort begeistert. Ich erkannte sofort das Potential und die Möglichkeiten die darin stecken unsere Gesellschaft wieder lebenswert zu machen. Zugegeben, ich hatte Vorwissen und konnte so schneller Zusammenhänge erkennen und Argumente dafür finden, was es mir einfacher machte mich damit anzufreunden. Andere wiederum, vor allem die Pessimisten, kamen mit den fadenscheinigsten Begründungen daher um andere, unwissende Menschen, mit Nachteilen zu manipulieren. Ich kann nur für mich und mit meiner Denkweise sprechen, doch viele werden sich sicher darin wieder erkennen, denn soviel anders und besonders bin ich nun auch wieder nicht. Auch wenn ich viel Glück im Leben hatte, hat das mit Glück nicht viel zutun, sondern ist nur die Konsequenz meiner Entscheidungen. Ich alleine entschied ob ich etwas tun wollte oder nicht und habe auch nie einer Entscheidung, wie schmerzhaft auch die Konsequenzen waren, nachgeweint, denn rückgängig machen kann man keine. Warum auch, ich wollte es schließlich. Obwohl ich es eigentlich mit 40 nicht mehr müsste, weil ich genug für den Rest meines Lebens gespart hatte, habe ich dennoch wieder eine Entscheidung getroffen und all mein Geld darein gesteckt. Jetzt muss ich also dennoch wieder arbeiten gehen. Muss ist sicher der falsche Ausdruck, denn ich will es, wie so viele es tun würden wenn für Einkommen gesorgt würde. Für mich ist arbeiten, also schweißen, schon immer mein Traumberuf gewesen. Genauso wie ich es nie als einen Job ansah, sondern als Beruf. Beruf ist ein Wort das von Berufung abgeleitet wurde und so ist schweißen meine Berufung. Andere wiederum sind für andere Dinge berufen. Der Unterschied zwischen Job und Beruf ist, das eine muss man machen, während man das andere machen will und es auch durchsetzt, auch wenn es nicht den Verdienst oder Anerkennung mit sich bringt den andere dabei erwarten. Es geht in einem Beruf um Erfüllung. Erfüllung von Träumen, Erfüllung vom eigenen Leben, es mit Sinn füllen, weil man eben genau diese eine Sache besonders gut kann. Vielleicht weil man eine Gabe genau dafür hat. Eine Toilettendame findet sicher keine Erfüllung ihres Lebenstraumes wenn sie die Toiletten von McDonald’s reinigen muss nur auf ihrem Tisch etwas zu essen wieder zu finden. Dies trifft sicher auch auf andere Bereiche zu wenn Zwang zur Arbeit die Hauptmotivation für diese Tätigkeit, oder besser gesagt, Job, ist.
Ich selbst mochte nie Zwänge. Sobald ein Chef, wider besseren Wissens und nur aus einer Machtposition heraus, etwas von mir verlangte, packte ich meine Sachen und bin zur nächsten Firma. Dabei kommt mir immer ein schönes Beispiel aus Holland in den Sinn.
Es war im Jahre 2000 als ich für eine holländische Firma bei Dow Chemical arbeitete. Ich war Schweißer, Vorrichter und hatte ein kleines Team von 4-5 Leuten unter mir. Da ich von Natur aus doch recht faul bin, habe ich es mir und meinen Leuten immer recht einfach gemacht. Ich dachte lieber etwas länger nach um die besten und effektivsten Wege beim verlegen von Rohren zu finden, als einfach drauflos zu machen, denn so einige Erfahrungen von anderen Baustellen zeigten mir, das zu schnell meistens länger dauert. Am Ende war mein Team nie hinter der Zeit. Eines Tages kam unser Krawattentragender Chef raus auf den Bau und meinte tatsächlich einen auf Chef machen zu müssen. Dann, wir waren gerade am arbeiten, als er, und diese Worte sind bis heute hängen geblieben, sagte: „Mach das so und so!“. Ich versuchte ihm noch zu erklären, wieso ich das lieber anders machen wollte, weil die Schweißer dann besser an die Schweißnaht gekommen wären, doch das Interessierte ihn nicht. „Entweder du machst das wie ich das will oder du kannst gehen!“. Ich lies alles fallen, packte meine Sachen zusammen, was keine 5 Minuten dauerte, und bin dann ohne ein Wort zu sagen einfach gegangen. Am selben Tag noch hatte ich bei einer anderen Firma einen neuen Vertrag geschlossen. Zwei Tage später hatte ich von meinem alten Chef einen Brief mit der Post bekommen indem er mich höflich bat doch wieder zur Arbeit zu erscheinen. Ihm war vermutlich klar geworden das man einen Vorrichter, Schweißer und Teamleiter nicht mal eben so in einer Person findet und ein Ersatz erst wieder eingearbeitet muss. Ja, ich hab mich gefreut und tue es bis heute noch. Mein Stolz war mir dann doch wichtiger als mich erniedrigen zu lassen. Lieber verzichte auf etwas als mich vor solchen Chefs nieder zu knien.
Zurück zu McDonald’s.
Die Toilettendame könnte sowas natürlich auch machen, jedoch würde sie vom Chef sicher nicht gebeten werden wieder zurück zur Arbeit zu kommen. Und höflich schon gar nicht. Wozu auch, der nächste Minijober der sein Rückgrat brechen müsste um sich so erniedrigen zu lassen wartet doch schon beim Amt und würde mit Sanktionen rechnen müssen wenn er ablehnt. Da ist es doch für diese Person besser lieber etwas Geld zu bekommen, als drei Monate gar keines. Die Gesellschaft, also wir, akzeptieren dies, und nehmen es als gegeben hin. Ansonsten würde man ja öffentlich dagegen protestieren. Und, das muss man schon sagen, sind die WC’s bei McDonald’s immer sauber. Die Damen scheinen also einen guten Job zu machen, trotz des niedrigen Lohns. Die Angst Hunger leiden zu müssen in einem der reichsten Länder der Erde scheint also groß zu sein.
Der Zwang einer solchen Tätigkeit nachgehen zu müssen würde sich mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen dramatisch ändern. Plötzlich wären diese Personen von jenem unwürdigen Zwang befreit, müssten diese Tätigkeit nicht mehr machen, könnten nicht dazu gezwungen werden und müssten trotzdem keinen Hunger leiden. Da Toiletten reinigen nicht gerade zu den Jobs gehört die man sehr gerne macht würde eine kapitalistische Regel in Kraft treten: Angebot und Nachfrage.
Wenn die Toiletten bei McDonald’s plötzlich fern jeglicher Hygienebestimmungen liegen, würden entweder die Kunden weg bleiben oder der Chef müsste, und dahingehend würde sich der Zwang verlagern, den Preis für das reinigen bezahlen bei den sich dann jemand findet der dieser Tätigkeit nachgehen möchte. Möchte!
Natürlich müsste der Chef den Preis an die Kundschaft weitergeben, doch warum sollte man bei McDonald’s Essen gehen wenn man von einem BGE auch mal ordentlichen essen gehen kann und so statt amerikanischer Konzerne regionale Küche und Restaurants unterstützen würde? Ja, von einem BGE würden mehr profitieren als verlieren.
Verlieren? Wie und wer kann denn bei einem BGE verlieren? Aber klar wird es auch Verlierer geben. Es werden Personen und Berufsgruppen sein die vom bisherigen System ganz ordentlich profitieren konnten. Anlageberater, Versicherungsvertreter…
Gehen wir mal im schnelldurchlauf ein Menschenleben mit einem BGE durch. Was macht man mit dem Geld wenn man die Sicherheit hat das es vom ersten bis zum letzten Atemzug jeden Monat gezahlt wird? Ist dann Sparen noch wichtig? Sind dann Lebensversicherungen noch wichtig wenn man weis das jeder finanziell abgesichert ist? Man kann das ganze Geld jeden Monat für Monat wieder der Wirtschaft zurückführen. Finanzierungen werden einfacher, Schulden abbezahlen ohne Kredithaie, das Handwerk wird wieder boomen. Denn warum sollte man sich ein billiges Billy-Regal bei IKEA kaufen, was ja vorher notwendig war, da man nicht genug verdiente, wenn man sich jetzt vom örtlichen Tischler einen schönen Schrank zimmern lassen kann? In Handarbeit. Vielleicht sogar mit einem Gesellen der sich zu diesem Beruf berufen fühlt. Dem der Meister sein Wissen beibringt. Frei von Zwängen. Mit der Sicherheit das man bei Erniedrigungen jederzeit gehen kann ohne das man Angst haben muss. Die Meister werden ihre Schützlinge und Angestellten mit Respekt behandeln müssen, weil ihnen sonst jedesmal diese ihm weglaufen. Trotzdem würden auch die schlechten Menschen nicht hungern müssen, jedoch sich und ihre Lebenseinstellung ändern, denn wenn ein Anlageberater plötzlich statt 5.000-10.000€ nur noch von einem BGE Leben muss, muss er sich selbst die Frage stellen, warum er jetzt so leben muss.
Aber er kann ja bei McDonald’s etwas dazuverdienen, schließlich wird ja auch dieser Job jetzt anständig bezahlt 😉
Die ehemalige Toilettendame kann vielleicht ihrem Traum, ihrer Berufung folgen und ihr leben neu gestalten. In den bekannten Statistiken zum BGE wird immer wieder erwähnt, und dies dann als Negativbeispiel der Gegner genannt, das es Personen gibt die erstmal zuhause bleiben wollen. Verständlich, haben doch die wenigstens Menschen überhaupt eine Ahnung von ihrem Potential, hatten nie die Zeit nachzudenken was sie eigentlich im Leben machen wollen, was sie können, was ihre Berufung ist. Alte Menschen pflegen, studieren, erfinden (vielleicht sogar eine Toilette an der nichts haften bleibt?), Kinder betreuen, eigene Entwicklungshilfeprogramme im Ausland starten oder einfach nur die Welt sehen, sich inspirieren lassen, Künstler werden. Man könnte Astronom werden und den Himmel nach Meteoriten absuchen die, dadurch rechtzeitig gefunden, rechtzeitig auf eine andere Bahn gelenkt werden. Die Welt wäre sicherer, denn heute wird nur weniger als 1% des Himmels regelmäßig abgesucht. Eurer Phantasie ist dabei freien Lauf gelassen.
Viele vergessen bei der Argumentation auch folgendes; Selbst ein Säugling bekommt das BGE obwohl er es garnicht ausgeben kann. Es würde Teil der gesamten Familie werden. Man hätte also als junge Familie genug Zeit seine Kinder aufwachsen zu sehen. Dem überhaupt einen Wert zuzuordnen dürfte vielen, wenn nicht allen, sehr schwer fallen. Solche Momente sind einfach wertlos, da man an solchen Momenten kein Preisschild hängen kann. Die eigene Wertevermittlung wird wichtiger werden als die der Schulen.
Deshalb bezeichne ich mich selbst als wertlos. Nur Menschen wie Banker, Vertreter, Chefs geben Menschen einen „Wert“. Sie nennen es Human-Resource, Human-Kapital oder ähnlich. Und genau diese Gruppe werden die Verlierer des BGE werden. Trotzdem geben wir es ihnen auch. Denn wir sind bessere Menschen als sie.
Sollten wir es also eines Tages schaffen ein BGE begrüßen zu können, so lasst uns diese Menschen in unserer Gesellschaft aufnehmen und lehren wir ihnen wie Menschen miteinander umgehen sollten. Angst können sie uns dann nicht mehr machen. Wenn wir uns rächen wollten, wären wir nicht besser als sie.
Ein Kommentar zu “Ich bin wertlos oder warum das BGE keine Gewerkschaft braucht.”
23. November 2013 @ 13:48
Leider wird aber genau das Beispiel mit der Toilettenfrau bei McDonalds der Grund sein das das BGE nicht kommt.
Es ist politisch gewollt das Menschen ausgebeutet und unterdrückt werden, weil das System sonst nicht funktioniert.
Genauso deswegen tut man auch alles dafür das Harz4 Bezieher heute auf eine Art und weise geächtet werden, dass man sich nach 1933 versetzt fühlt.

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