Source: https://www.hausarbeiten.de/document/7858
Timestamp: 2019-10-18 23:50:07+00:00

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Schülerbeurteilung | Hausarbeiten publizieren
2. Beschreibung des Sprechaktes „Beurteilen“
3. Beschreibung der Textsorte „Beurteilung“
4. Beschreibung des empirischen Datenmaterials
5. Zur semantischen Analyse der Beurteilungskriterien
5.1. Die Bedeutung der Beurteilungskategorien
5.2. Das Konzept formelhafter Texte nach Elisabeth Gülich
5.3. Untersuchungen zur Aussagefähigkeit von Arbeitszeugnissen nach Gunter Presch
6. Diskussion zur Aussagefähigkeit der „Informationen über das Arbeits- und Sozialverhalten“
6.1. Eine Lehrerbefragung zur praktischen Umsetzung der Beurteilungsvorschriften
6.2. Objektivität versus Individualität
6.3. Alternativen
„Lehrerdeutsch: Eltern verstehen die Zeugnisse nicht“ lautete im Juli 2000 eine Schlagzeile in der Berliner Zeitung. In dem Artikel ging es darum, dass viele Eltern Probleme haben, die Formulierungen in den Schülerbeurteilungen zu interpretieren. „Der Grund dafür sind nicht zuletzt Erfahrungen mit ähnlichen doppeldeutigen Formulierungen in Beurteilungen durch Arbeitgeber“ (Dressler 2000). Der Satz „Er bemüht sich“ bedeutet, der Betroffene habe die Erwartungen nicht erfüllt. Eine Sprecherin der Verwaltung versicherte in dem Artikel jedoch, dass in der Schule nicht mit „doppeltem Boden“ gearbeitet werde (vgl. ebd.). Allerdings gebe es keine Formulierungsvorgaben für Lehrer (vgl. ebd.).
Seit August 2000 gibt es für Brandenburgs Schulen Vorgaben zur Einschätzung des Arbeits- und Sozialverhaltens in den Klassen 3 bis 10. Dazu gibt es vorformulierte Kriterien, die fachbezogen und fächerübergreifend „Aussagen zum Stand des Kompetenzerwerbs“ treffen und die Eltern informieren sollen (vgl. VVArbSoz 2000, Abs. 1). Weiter geben die Verwaltungsvorschriften dem Lehrer Hinweise zur Vorgehensweise: „Die im Formular aufgeführten Kategorien sind an Hand der jeweils zugehörigen Beurteilungskriterien auszufüllen. Jeweils ein Beurteilungskriterium wird ausgewählt und in das Formular [...] übertragen [...]“ (ebd., Abs. 2).
Für mich stellt sich die Frage, wie aussagekräftig die Formulierungen sind, was Schüler und Eltern dieser hochstandardisierten Einschätzung entnehmen können und ob solch ein Verfahren eine Erleichterung für den Lehrer darstellt. In dem Zeitungsartikel wird deutlich, wie problembehaftet das Beurteilen ist. Deshalb möchte ich in der vorliegenden Arbeit versuchen, die Fragen zu beantworten und die „Informationen über das Arbeits- und Sozialverhalten“ hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit und Nützlichkeit im Schulbetrieb prüfen.
Anregung gibt Elisabeth Gülichs Aufsatz zu „Routineformeln und Formulierungsroutinen“, der die Charakteristika „formelhafter Texte“ darstellt und nach der Funktion solcher Texte in der Interaktion fragt (Gülich 1997). Gunter Presch hat sich mit den Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben von Arbeitszeugnissen auseinandergesetzt (Presch, o.J.) und Christine Keßler hat sich mit Mustern personenbeurteilender Texte in der DDR beschäftigt (Keßler 1997).
Bei der Recherche zum Thema „Schülerbeurteilung“ musste ich feststellen, dass sich viele Linguisten zwar mit Kommunikation in der Schule befassen, aber kaum auf den Sprechakt „Beurteilen“ eingegangen wird. Angelika Redder liefert einen Forschungsabriss seit Mitte der 1970er Jahre. In der von ihr vorgestellten Literatur geht es um die „Relevanz von Sprache in den Handlungsabläufen der Schule“, aber schulspezifische Textsorten wie Beurteilungen, Arbeiten usw. werden dabei nicht berücksichtigt (vgl. Redder 1983, S. 118). Die Autorin benutzt zwar Begriffe wie „Musterwissen“ und „Routinewissen“, meint dabei jedoch Gesprächssituationen in der Schule, die vor allem mit Hilfe von Alltagskonzepten klassifiziert werden (vgl. ebd., S. 133). Einen Hinweis, den ich ihrer Darstellung für meine Arbeit entnehmen kann, ist, dass sich im „sprachlichen Handeln der Schule“ gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln (ebd., S. 137). Der Begriff „Institution“ soll in den folgenden Ausführungen berücksichtigt werden. Wie Christine Keßler zeigt, waren die Beurteilungen in der DDR stark ideologiebehaftet. So könnte auch zu berücksichtigen sein, wie die hochstandardisierten Beurteilungsformeln in den „Informationen zum Arbeits- und Sozialverhalten“ zu bewerten sind.
Die einzige ausführliche Darstellung zum Thema „Schülerbeurteilung“, die mir vorliegt, ist die von Erlebach u.a. aus der ehemaligen DDR. Sie gehen auf die Geschichte, das Ziel und auf das angemessene Verfassen von Beurteilungen ein und schildern den Beurteilungsvorgang in seiner ganzen Komplexität. Dieser Band hat Lehrern und Lehrerinnen Anleitung für die Praxis gegeben. Heute werden Studenten zum Beispiel überhaupt nicht darauf vorbereitet, Schüler verbal einzuschätzen. Auch die Umsetzung der brandenburgischen Verwaltungsvorschriften wird mit Lehrkräften nicht trainiert.
Ausgehend von der Beschreibung des Sprechaktes „Beurteilen“ und der Textsorte „Beurteilung“ werde ich das empirische Datenmaterial vorstellen und die Beurteilungskriterien semantisch analysieren. Daran soll sich die Diskussion zur Aussagefähigkeit der „Informationen über das Arbeits- und Sozialverhalten“ anschließen. Dafür habe ich während meines fachdidaktischen Blockpraktikums am Fürst-Pückler-Gymnasium Cottbus Lehrer befragt, wie sie das Verfahren einschätzen und damit umgehen. Der Vorschlag des brandenburgischen Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport soll daraufhin kritisch geprüft werden, ob die Kriterien handhabbar sind, eine Objektivierung gewährleistet wird oder die Individualität des Schülers durch standardisierte Formulierungen verloren geht. Im Rahmen dieser Hausarbeit war es nicht möglich, größere Gruppen von Lehrern, Schülern und Eltern zu befragen. Das könnte Anliegen einer Examens- oder Magisterarbeit sein. Ich werde mich auf wenige Meinungen aus meinem Umfeld stützen, um wenigstens auf Probleme beim Verfassen und Lesen von Beurteilungen aufmerksam zu machen.
Beurteilen heißt, jemand gibt ein Urteil über jemanden oder etwas ab. „[...] ich beurtheile dich nach deinen Handlungen“ steht im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm an erster Stelle des Eintrags (Grimm 1854, Sp. 1749) und im DUDEN Bedeutungswörterbuch heißt es: „ein Urteil (über jmdn./etwas) abgeben, jmdn. nach seinem Äußeren beurteilen, von jmdn. Arbeit, Leistung beurteilen [...]“ (Duden 1985, S. 141).
Ein Lehrer oder eine Lehrerin verfasst eine Beurteilung mit dem Ziel, einem Schüler/ einer Schülerin und seinen/ ihren Eltern Informationen über die Entwicklung des Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens zu geben (vgl. GEW 1999, S. 3).
Janowski, Fittkau und Rauer verstehen unter einer Schülerbeurteilung „in der Regel“ einen „Wahrnehmungs- und Bewertungsprozess (meist von Lehrern)“, der anhand „vorgegebener (oder nur unbewußt wirkender) Merkmale (Eigenschafts- oder Verhaltensbegriffe der Umgangssprache) die persönliche Eigenart der einzelnen Schüler mit bestimmten Zielsetzungen“ charakterisiert. „Einen Schüler charakterisieren heißt, ihn mit solchen Begriffen kennzeichnen, daß er für Dritte in seiner Eigenart wieder erkennbar wird“ (Janowski u.a. 1981, S. 5)
Aber wie aussagefähig sind standardisierten Beurteilungskriterien und -formulierungen wirklich? Janowski u.a. gehen davon aus, dass Beurteilungen “zielgerichtet, bewertend” sind und “über Eigenschaftszuweisungen” und auch “unbewußt” erfolgen und „der Verständigung über Schüler“ dienen (Janowski/Fittkau/Rauer..., S. 5). Es wird also zu prüfen sein, welcher Art die Formulierungen in den „Informationen zum Arbeits- und Sozialverhalten“ sind und wie verständlich sie Gemeintes ausdrücken. Bevor ich das mir vorliegende Datenmaterial beschreibe und analysiere, möchte ich noch auf die Beurteilung als Textsorte eingehen.
Die schriftliche Schülerbeurteilung gehört zum Textsortenrepertoire der Institution Schule und somit zum Alltag der Kommunizierenden in dieser Einrichtung. In der Linguistik gibt es keine einheitliche Textsortenklasssifikation. Grob gegliedert gibt es ein grammatisch-strukturalistisches Textverständnis, semantisch-inhaltliche Modelle (Thema-Modell), Situations- sowie Funktionsmodelle (vgl. Heinemann 2000, S. 509-511). Im Sinne des letzten Theoriemodells ergibt sich die Funktion des Textes aus der dominierenden Äußerungseinheit, also der dominierenden Illokution (vgl. Heinemann 2000, S. 512). In diesem Fall handelt es sich um die Illokution „Beurteilen“, wie bereits oben beschrieben. Daraus konstituiert sich die Textsorte „Beurteilung“. Jedoch wäre es zu einseitig, die Textsorte allein aus ihrer Funktion, jemanden zu beurteilen, heraus zu beschreiben. So bezieht man sich in der Linguistik auf Mehrebenen-Modelle (vgl. ebd., S. 513). Die zu untersuchenden „Informationen zum Arbeits- und Sozialverhalten“ sind ein Textexemplar (Subklasse) der Textsorte „Beurteilung“. Dabei handelt es sich um eine „Schülerbeurteilung“ im Gegensatz zu einem „Arbeitszeugnis“ zum Beispiel, mit dem Presch sich genauer befasst hat. Bei der Textsortenklassifizierung zu berücksichtigen sind die äußere Textgestalt, charakteristische Struktur- und Formulierungsbesonderheiten, inhaltlich-thematische Aspekte, situative Bedingungen und die kommunikative Funktion (vgl. ebd.). Äußerlich handelt es sich um eine übersichtliche Auflistung von Kategorien und den dazugehörigen Beurteilungskriterien auf dem Zeugnis. Die Formulierungen sollen in einem gesonderten Kapitel untersucht werden. Inhaltlich geht es um die Einschätzung des Arbeits- und Sozialverhaltens eines Schülers oder einer Schülerin der Klassen 3 bis 10 im Land Brandenburg. Die Beurteilung erfolgt durch den Lehrer/ die Lehrerin anhand der Kriterien und soll Schülern und Eltern Rückmeldung über den Entwicklungsstand des Kindes geben.
Texte sind gebunden an die „Konventionen bestimmter Sprachgemeinschaften“ (Heinemann 2000, S. 514). Die vorliegende Schülerbeurteilung erfolgt in der Institution Schule: mit Hilfe der vorgegebenen Kriterien soll ein Lehrer seine Schüler möglichst objektiv einschätzen. Es geht insbesondere um die Vergleichbarkeit. Während zum Beispiel in Grundschulen anderer Bundesländer, Waldorfschulen und in der ehemaligen DDR Beurteilungen selbst formuliert werden und wurden, schreibt das brandenburgische Ministerium nun genau vor, was auf dem Zeugnis zu stehen hat. Der Lehrer muss „nur“ noch aus den Kategorien „a“ bis „e“ auswählen, welche Formulierung auf den Schüler zutrifft. Wie problematisch auch diese Form der Bewertung ist, wird im Laufe der Arbeit noch deutlich werden.
Sehen wir uns zunächst das Material an.
Mit den „Informationen über das Arbeits- und Sozialverhalten“ soll der Schüler/ die Schülerin hinsichtlich seiner/ ihrer „Lerneinstellungen“, „Zuverlässigkeit“, „Selbstständigkeit“, „Teamfähigkeit“ und „Urteilsfähigkeit“ beurteilt werden (VVArbSoz 2000, Art. 1, Abs. 4). Diese Kategorien werden auf einem Begleitblatt näher definiert[1]. Zur Lerneinstellung gehören Lernwillen, Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft, Fleiß, Konzentrationsfähigkeit, Mitarbeit und Aufmerksamkeit. Zuverlässigkeit umfasst Verantwortungsbereitschaft, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Regelmäßigkeit beim Erfüllen von Aufgaben, Bereithalten von Unterrichtsmaterialien, Ordnung, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Bei der Einschätzung der Selbstständigkeit sind Eigeninitiative, Arbeitsweise, Arbeitstempo, Selbstkontrolle, Kommunikationsfähigkeit und das Einschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen. Bei der Teamfähigkeit liegen die meisten Beobachtungspunkte vor. Darunter zählen Toleranz, Rücksichtnahme, Zusammenarbeit in der Gruppe, Gemeinsinn, Verhalten, Einhalten von Regeln, Kooperationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Ideenfindung, Verantwortungsbereitschaft, angemessener Umgang mit Konflikten, Zivilcourage und der Umgang mit Kritik. Die Urteilsfähigkeit schließlich umfasst das Beurteilen von Sachverhalten, die Wahrnehmung von Sachverhalten, Problembewusstsein und Kommunikationsfähigkeit. Wir sehen, dass die Fähigkeit zum Kommunizieren in drei Kategorien einfließt. Das Kapitel zur semantischen Analyse soll uns darüber Aufschluss geben.
Für die genannten Kriterien gibt es weiterhin Formulierungen, die von a (sehr gut) bis e (mangelhaft) abgestuft sind. Ein Schüler arbeitet also zum Beispiel „sehr selbstständig“ oder „zu selten selbstständig“. Die Formulierungen schließen die oben genannten Kategorien und fast alle Beobachtungspunkte, wie ich sie nennen möchte, ein. Auf dem Zeugnis liest der Schüler bzw. die Schülerin die Formulierungen, die der Lehrer/ die Lehrerin ausgewählt hat[2].
In einem Feld für ergänzende Informationen hat die Lehrkraft die Möglichkeit, selbst Bemerkungen anzufügen, die „verständlich“, „sachlich begründet“ und nicht „persönlichkeitsverletzend“ sind (VVArbSoz 2000, Art. 1, Abs. 4).
Bei der Zeugnisausgabe erhalten die Schüler und Eltern das Begleitblatt mit allen Kategorien und Kriterien.
Weiterhin liegt mir ein „Bericht über das Arbeits- und Sozialverhalten und über die Leistungen“ einer Hamburger Grundschule von 1987 vor[3]. Eine Schülerin der 1. Klasse wird darin von ihrer Klassenlehrerin auf etwa einer halben Seite schriftlich beurteilt. In einem neunzeiligen Abschnitt wird ihr Arbeits- und Sozialverhalten eingeschätzt.
Laut Zeugnis- und Versetzungsordnung für die Klassen 1 bis 10 der allgemeinbildenden Schulen in Hamburg von 1998 sollen in den Klassen 1 und 2 die Jahres- und Übergangszeugnisse „Bemerkungen zum Arbeits- und Sozialverhalten und zu den Leistungen“ enthalten, die „frei zu formulieren“ sind (ZVO 1998, §3 und §13). „Sie sollen so gefaßt sein, daß sie der Schülerin oder dem Schüler für seinen weiteren Schulbesuch hilfreich sind“ (ebd., §3).
Aus den Formulierungen im vorliegenden Grundschulzeugnis sind ebenfalls Kriterien wie Teamfähigkeit („[...] ist ein sehr fröhliches, kontaktfreudiges und aufgeschlossenes Kind; sie ist bei den Klassenkameraden beliebt und beteiligt sich aktiv an gemeinsamen Spielen. Bei Auseinandersetzungen bezieht sie die Interessen der Mitschüler ein, sie ist kritisch [...]“), Lerneinstellung („[...] Mitarbeit im Unterricht ist vorbildlich, stets aufmerksam folgt sie dem Geschehen und bringt fördernde Beiträge zum Klassengespräch.“) und Selbstständigkeit („[...] auch unbekannte Texte trägt sie fließend und sinnvoll vor.“) abzulesen. Anschließend erfolgt eine Leistungseinschätzung in den Fächern Schreiben, Mathematik, Musik, Zeichnen und Sport.
Während sich die Beurteilungen des Arbeits- und Sozialverhaltens und der Leistungen in diesem Grundschulzeugnis kaum trennen lassen („Am Mathematikunterricht zeigt (sie) ein lebhaftes Interesse. [...] Sie arbeitet schnell und recht selbstständig.“) und fließende Übergänge zu bemerken sind, beschränkt sich die aktuelle Beurteilungspraxis in Brandenburg in den Klassen 3 bis 10 auf das Arbeits- und Sozialverhalten unabhängig von den Fächern. Es werden also allgemeingültige Aussagen getroffen und die Unterschiede in den Fächern nicht berücksichtigt („handelt sehr verantwortungsbewusst und zuverlässig, verfügt stets über die erforderlichen Unterrichtsmaterialien“).
Des weiteren konnte ich brandenburgische Grundschulzeugnisse der Klassen 1 und 2 mit ausführlichen Angaben zur Lernentwicklung , zwei Zeugnisse einer Waldorfschülerin sowie Zeugnisse aus der ehemaligen DDR zusammentragen. Sie bieten mir eine Vergleichsmöglichkeit zum aktuellen Beurteilungsvorschlag des brandenburgischen Ministeriums für die Klassen 3 bis 5 und 7 bis 10. Inhaltlich ist ein Unterschied ganz offensichtlich: während die ersten Zeugnissvarianten die Leistungen in einzelnen Fächern berücksichtigen, werden seit August 2000 Informationen ausschließlich über das Arbeits- und Sozialverhalten, unabhängig vom Unterrichtsfach, gefordert. In den Vorschriften heißt es, es sollen „fachbezogene und fächerübergreifende Aussagen zum Stand des Kompetenzerwerbs in den Lernbereichen und Fächern vorgenommen werden, soweit diese nicht bereits durch die Aussagen der jeweiligen Leistungsnoten erfasst werden“ (VV ArbSoz 2000, Art.1, Abs. 3). Die einzelnen Fachlehrer und Klassenlehrer beobachten also die Schüler und besprechen ihre Einschätzungen zum Beispiel in einer Lehrerkonferenz. Der Klassenlehrer hat dabei das letzte Wort und schreibt die Zeugnisse. Auf dem Zeugnis wirken die Beurteilungskriterien ergänzend zu den Noten in den Fächern. Hier stellt sich für mich die Frage, inwiefern Noten und „Informationen“ übereinstimmen. Ich möchte mich jedoch auf die Aussagefähigkeit der Kategorien konzentrieren und werde im nächsten Kapitel die semantische Analyse vornehmen. Sie soll Aufschluss für die sich anschließende Diskussion geben.
In diesem Kapitel möchte ich die Abstufungen der Beurteilungskriterien näher untersuchen. Dazu prüfe ich ihre Bedeutung mit Hilfe eines Bedeutungswörterbuches. Anschließend ist auf den Begriff „Routineformeln“ einzugehen, um die hochnormierten Formulierungsvorgaben des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg hinsichtlich ihres Nutzens zu prüfen. Gunter Preschs Untersuchung von Arbeitszeugnissen soll das Problem der Zweideutigkeit von Beurteilungen veranschaulichen und die Diskussion eröffnen.
[2] Die Beurteilung erfolgt durch Fach- und Klassenlehrer. Die Fachlehrer machen Vorschläge und der Klassenlehrer hat sozusagen das letzte Wort. Er schreibt die Zeugnisse.
[3] Siehe Anlage. Auch ein Bericht von 1988 liegt vor.
Nicole Schulz (Autor)
9783638149808
Die derzeitige Verfahrensweise im Land Brandenburg, das Arbeits- und Sozialverhalten von Schülern einzuschätzen, regt zur Diskussion an. In der Arbeit werden die tatsächliche Aussagefähigkeit der Beurteilungen untersucht und Alternativen vorgeschlagen. 5,2 MB
Nicole Schulz (Autor), 2002, Schülerbeurteilung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/7858

References: Art. 1
 Art. 1
 §3
 §13
 §3
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