Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=15.12.1989&Aktenzeichen=7%20C%2035.87
Timestamp: 2020-01-21 02:40:56+00:00

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BVerwG, 15.12.1989 - 7 C 35.87 - dejure.org
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BVerwG, 15.12.1989 - 7 C 35.87 (https://dejure.org/1989,117)
BVerwG, Entscheidung vom 15.12.1989 - 7 C 35.87 (https://dejure.org/1989,117)
BVerwG, Entscheidung vom 15. Dezember 1989 - 7 C 35.87 (https://dejure.org/1989,117)
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Rechtscharakter und Regelungsgehalt einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung
Entscheidung durch Gerichtsbescheid; Begriff des "Altöls"; Immissionsschutzrechtliches Vorsorgeprinzip; Verhältnismäßigkeit der Stillegung einer Altöl-Aufarbeitungsanlage
VG Frankfurt/Main, 20.08.1981 - IV/1 E 1261/84
VG Frankfurt/Main, 20.08.1984 - IV/1 E 1261/84
VGH Hessen, 11.02.1986 - 9 UE 2527/84
BVerwG, 22.01.1987 - 7 B 168.86
BVerwGE 84, 220
NVwZ 1990, 963
DVBl 1990, 371
vgl. BVerwG, Urteil vom 15. Dezember 1989 - 7 C 35.87 -, BVerwGE 84, 220, juris Rn. 16; OVG NRW, Urteil vom 9. Dezember 2009 - 8 D 12/08.AK -, DVBl. 2010, 719, juris Rn. 223 ff.
Nur wenn atypische, von der Behörde nicht zu vertretende Umstände vorliegen, steht die Entscheidung im behördlichen Ermessen (vgl. Urteil vom 15. Dezember 1989 - BVerwG 7 C 35.87 - BVerwGE 84, 220 ).
Die Behörde muss bei Vorliegen der tatbestandlichen Voraussetzungen des § 20 Abs. 2 Satz 1 BImSchG in der Regel gegen einen ungenehmigten Betrieb einer Anlage einschreiten und darf nur bei Vorliegen besonderer Gründe, also eines atypischen Falls, davon absehen (vgl. BVerwG, Urt. v. 15.12.1989 - BVerwG 7 C 35.87 -, juris, RdNr. 29; Beschl. v. 04.11.1992 - BVerwG 7 B 160.92 -, juris, RdNr. 3; NdsOVG, Beschl. v. 12.12.2013 - 12 ME 194/13 -, juris, RdNr. 7).
Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gebietet jedoch, in atypischen Fällen zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob ein milderes Mittel ausreicht, die Einhaltung der Pflichten des Betreibers, wie § 5 BImSchG es fordert, zu gewährleisten (BVerwG, Urt. v. 15.12.1989 - BVerwG 7 C 35.87 -, juris, RdNr. 29; Beschl. v. 04.11.1992 - BVerwG 7 B 160.92 -, juris, RdNr. 3).
Der Schutz dieses Rechtsguts vor möglichen Gefahren wiegt ungleich schwerer als das Interesse des Betreibers, den möglicherweise nicht gefährlichen Betrieb einer ungenehmigten Anlage vorerst fortsetzen zu dürfen (zum Ganzen: BVerwG, Urt. v. 15.12.1989, a.a.O., RdNr. 30;… Beschl. v. 04.11.1992, a.a.O.).
In dieser Entscheidung hat das OVG NW (RdNr. 71) in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (Urt. v. 15.12.1989, a.a.O., RdNr. 30;… Beschl. v. 04.11.1992, a.a.O.) ferner ausgeführt, wegen des hohen Rangs, den das Gesetz der Vermeidung schädlicher Umwelteinwirkungen einräume, und wegen der Bedeutung des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens für die Erreichung dieses Ziels ermächtige § 20 Abs. 2 Satz 1 BImSchG die Behörde, wie aus der Verwendung des Wortes "soll" deutlich werde, im Regelfall die Stilllegung einer ungenehmigten Anlage anzuordnen.
Wegen des hohen Rangs, den das BImSchG der Vermeidung schädlicher Umwelteinwirkungen bei Errichtung und Betrieb von Anlagen einräumt, und wegen der Bedeutung, die das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren bei bestimmten Anlagen für die Gewährleistung dieses Ziels spielt, ermächtigt § 20 Abs. 2 Satz 1 BImSchG mit dem "Soll"-Befehl die Behörde dazu, im Regelfall die Stillegung einer ungenehmigt betriebenen Anlage anzuordnen (BVerwG, Urt. v. 15.12.1989 - BVerwG 7 C 35.87 -, BVerwGE 84, 220 [233], RdNr. 29 in juris).
Die Behörde braucht nicht erst umfangreiche und zeitraubende Ermittlungen über die materielle Genehmigungsfähigkeit anzustellen (BVerwG, Urt. v. 15.12.1989, a.a.O., RdNr. 30).
Dessen ungeachtet hat sie mit Schreiben vom 24. Februar 2006 - mithin während des laufenden, am 16. Dezember 2005 eingeleiteten Genehmigungsverfahrens - gegenüber der Beklagten folgende Erklärung abgegeben: "Kühlgeräte mit FCKW-freier Isolierung (Pentan-geschäumtes PUR, Styropor oder Mineralwolle) werden wir nach der Behandlung in der Stufe I an Großshredder weitergeben." Diese apodiktische eigene Bekundung der Klägerin lässt keinen Raum für die Annahme, sie habe bei Erhalt des Bescheids vom 25. Juli 2013 nach dessen objektivem Erklärungsgehalt, so wie ihn die Klägerin verstehen durfte (vgl. zur Maßgeblichkeit dieser beiden Kriterien für die Auslegung des Regelungsgehalts einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung BVerwG, U.v. 15.12.1989 - 7 C 35.87 - BVerwGE 84, 220/229), davon ausgehen dürfen, die Nummer 3.1.1.2 untersage ihr nur die Verarbeitung solcher Geräte in der Stufe II der Anlage, die positiv als pentangedämmt identifizierbar seien.
Nur in atypischen Fällen verpflichtet der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz zu einer Prüfung der Frage, ob ein milderes Mittel ausreicht, um die Einhaltung der sich aus § 5 BImSchG ergebenden Betreiberpflichten zu gewährleisten (BVerwG, U.v. 15.12.1989 - 7 C 35.87 - BVerwGE 84, 220/233).
Dies gilt namentlich dann, wenn die Behörde begründeten Anlass für die Annahme hat, die Anlage entspreche so, wie sie betrieben wird, materiell den immissionsschutzrechtlichen Anforderungen und sei nur formell illegal, wobei sich diesbezügliche Zweifel zu Lasten des Betreibers auswirken (BVerwG, U.v. 15.12.1989, a.a.O., S. 233).
Die Behörde braucht nicht erst umfangreiche und zeitraubende Ermittlungen über die materielle Genehmigungsfähigkeit anzustellen; dies gilt vor allem bei Gefahren für das Leben und die Gesundheit von Menschen (BVerwG, U.v. 15.12.1989, a.a.O., S. 233).
Der Schutz dieser Rechtsgüter vor möglichen Beeinträchtigungen wiegt ungleich schwerer als das Interesse des Betreibers, den u. U. nicht gefährlichen Betrieb einer ungenehmigten Anlage vorerst fortsetzen zu dürfen (BVerwG, U.v. 15.12.1989, a.a.O., S. 233).
Verfahrensrechtlich zu beanstanden ist eine Sachentscheidung ohne mündliche Verhandlung nach § 153 Abs. 4 SGG nur, wenn das Verfahren des LSG auf "sachfremden Erwägungen" oder "grober Fehleinschätzung" beruht so zur vergleichbaren Regelung des Gerichtsbescheids im Verwaltungsgerichtsprozeß - jetzt: § 84 Abs. 1 Verwaltungsgerichtsordnung -: BVerwGE 84, 220, 223; Kopp, VwGO, 10. Aufl 1994, § 84 RdNr 12; vgl auch Meyer-Ladewig, SGG, 5. Aufl 1993, § 153 RdNr 16).
Revisionsrechtlich ist die Entscheidung des LSG insoweit nur überprüfbar, ob es erkennbar von diesem Ermessen fehlerhaften Gebrauch gemacht hat (…vgl. Meyer-Ladwig aaO RdNr. 16, 17), etwa wenn der Beurteilung erkennbar sachfremde Erwägungen oder eine grobe Fehleinschätzung zugrunde liegen (vgl. BVerwGE 84, 220, 223;… BVerwG BayVBl aaO).
Die Sache weist keine besonderen Schwierigkeiten tatsächlicher oder rechtlicher Art auf; sie geht nach der Einschätzung des Senats (vgl. Urteil vom 15. Dezember 1989 BVerwG 7 C 35.87 BVerwGE 84, 220 noch zu Art. 2 § 1 EntlG) nicht über die durchschnittliche Komplexität eines verwaltungsgerichtlichen Verfahrens hinaus.
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