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Timestamp: 2018-06-20 17:23:41+00:00

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Ingenieurbüro Matthaei » Blog Archi Energetische Inspektion von Klima- und Lüftungsanlagen |
03. Jun. 2015 von Leonhard Kerder
Bericht zum Gebäudetechnik-Dialog 2015 des TÜV Nord
Welchen gesetzlichen Anforderungen muss meine Raumlufttechnische (RLT) Anlage genügen?
Wie führe ich eigentlich eine Energetische Inspektion von Klimaanlagen durch?
Welche rechtlichen Konsequenzen drohen mir bei Nichterfüllung der Energieeinsparverordnung (EnEV)?
Fragen wie diese stellen sich offenbar viele Betriebe verschiedenster Art. Stadtwerke, Hochschulen, Krankenhäuser, Banken, Industrie, Ingenieurbüros – von ihnen allen waren insgesamt ca. 300 Vertreter am 29. Mai nach Essen gereist, um im Ruhrturm an einer Informations/- bzw. Werbeveranstaltung des TÜV Nord teilzunehmen: dem Gebäudetechnikdialog 2015 mit dem Thema „Energetische Inspektion von Klima- und Lüftungsanlagen“, auf das in drei Vorträgen eingegangen wurde. Dass diesem Thema, welches dem ersten Eindruck nach eher ein Nischenthema ist, ein so großes Interesse entgegengebracht würde, hätte selbst der Veranstalter nicht erwartet.
„Darf ich Sie fragen, wegen welchem der drei Vorträge Sie heute v.a. hier sind?“, fragte der Moderator zu Beginn der Veranstaltung das Publikum, woraufhin durch Handzeichen deutlich wurde, dass ein ausgewogenes Interesse an allen drei Vorträgen bestand:
1. Der Anlagenbetreiber im Konflikt – das Zusammenwirken verschiedener gesetzlicher Anforderungen an RLT-Anlagen
2. Praktischer Ablauf einer energetischen Inspektion gem. § 12 EnEV an Kältemaschinen und Klima/Lüftungsanlagen
3. Juristische Betrachtung zur Nichterfüllung von EnEV 2014 – Hinweise zur Betreiberverantwortung und DIN 16247
Die Auswahl und Reihenfolge der Themen führte den Zuhörer entlang einer Kausalität, die im Folgenden skizziert wird.
Der erste Vortrag, den Marion Klein (TÜV-Nord) und Daniel Michalek (DMT) gemeinsam präsentierten, zeigte auf, dass vier verschiedene Prüfungen regelmäßig an RLT-Anlagen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt werden müssen:
nach Arbeitsschutzgesetz ArbSchG, wonach durch die Anlage keine Gefährdungen für die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten ausgehen dürfen, was u.a. durch angenehme Temperatur und Reinheit der Luft gewährleistet wird;
nach Prüfverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen PrüfVO NRW, wonach alle Bauteile einer RLT-Anlage auf Funktion überprüft werden müssen;
nach VDI 6022, wonach gemäß einem Anforderungskatalog Hygieneaspekte der RLT-Anlage überprüft werden müssen;
nach Energieeinsparverordnung EnEV, wonach Anlagenauslegung und -anforderungen verglichen, sowie die Effizienz der wesentlichen Bauteile festgestellt werden müssen.
Da diese vorgeschriebenen Prüfungen viele Gemeinsamkeiten besitzen, biete sich eine gemeinsame Prüfung an, da hierdurch prüfungsbedingter Anlagenstillstand, organisatorischer Aufwand und kumulierte Prüfkosten reduziert würden, meint Daniel Michalek. Problematisch ist hierbei, meines Erachtens, jedoch ein Punkt: Die Anlage wird nur von einer Organisation geprüft, somit muss man ihren Aussagen und Empfehlungen vertrauen. Wie es in medizinischen Fragen allgemeine Praxis ist, so kann auch bei technischen Fragen im Zweifelsfall eine „zweite Meinung“ größere Sicherheit geben.
Der zweite Vortrag (Udo Bräuning, TÜV Nord) befasste sich nun direkt mit der Energetischen Inspektion von Klimaanlagen und trug den markanten Untertitel: „Gebäudebetreiber vernachlässigen Pflicht und vergeben Chance auf Energieeinsparung“. Dies blieb die eigentlich spannende Aussage des Vortrages, der im Grunde den §12 EnEV und die DIN SPEC 15240 zusammenfasste. Deutlich positiv zu bewerten ist die Bitte an die Zuhörer, sich für das Energiesparpotenzial ihrer Klimaanlagen zu sensibilisieren. Gerade wenn sich die Nutzung der klimatisierten Räume ändert und sich räumliche Lasten verringern, wird die Klimaanlage oft nicht angepasst und verbraucht dann unnötig Energie, woraus unnötige Kosten entstehen. Eine Energetische Inspektion, die in einem solchen Fall die entstandene Überdimensionierung belegt, kann dann Grundlage für eine vorteilhafte Investitionsentscheidung für eine kleinere Klimaanlage oder andere Anpassungsmaßnahmen sein.
Nur wenige Betreiber kommen ihrer gesetzlichen Pflicht nach
Besonders einprägsam war eine Zahl: Lediglich 3% der inspektionspflichtigen Klimaanlagen wurden bisher geprüft! Bei den inspektionspflichtigen Kraftfahrzeugen in Deutschland ist der Anteil mit Sicherheit nicht so niedrig. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass der rechtliche Druck zur Energetischen Inspektion von Klimaanlagen nach §12 EnEV zu gering erscheint. Denn es gibt bisher kein Melderegister für inspektionspflichtige Klimaanlagen und erst ab 2017 sollen von amtlicher Seite stichprobenartig bereits angefertigte Inspektionsberichte auf ihre Qualität hin überprüft werden. Ohne diesen Druck scheinen die Vorteile der Inspektion, zumindest in der Wahrnehmung der jeweiligen Entscheider, meistens nicht die Kosten zu übersteigen.
Mit dieser Information könnte ein inspektions-unwilliger Klimaanlagenbetreiber nun guten Gewissens weiterhin auf die Erfüllung des §12 EnEV verzichten, auch wenn er sich dabei u.U. eine Aufdeckung von Energie- und Kosteneinsparpotenzial entgehen ließe. Diesen Eindruck der EnEV als „harmlose Verordnung“ zu zerstreuen, war nun Aufgabe des letzten Vortrages von Rechtsanwalt Hartmut Hardt, in dem aus juristischer Perspektive argumentiert wurde.
Wenn beispielsweise ein Dienstleister im Technischen Gebäudemanagement (TGM) seinem Auftraggeber vertraglich zugesichert hat, nicht nur das reine Betreiben der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), sondern u.A. auch ein Energiemanagement gemäß der DIN 32736 durchzuführen, dann ist er verpflichtet, Energieeinsparmaßnahmen durchzuführen oder wenigstens vorzuschlagen. Und um hierfür überhaupt Potentiale aufdecken zu können, ist bei Klimaanlagen die Energetische Inspektion gemäß §12 EnEV notwendig. Stellt nun der Auftraggeber fest, dass der TGM-Dienstleister nicht entsprechend gehandelt hat, so kann er wegen Nichterfüllung eines Vertragsbestandteils Schadenersatz einfordern. Spätestens hier ist also die EnEV nicht mehr ganz so harmlos.
Ich persönlich nehme aus der Veranstaltung also Folgendes mit:
Klimaanlagen müssen regelmäßig verschiedenen Prüfungen unterzogen werden, von denen eine die Energetische Inspektion von Klimaanlagen nach §12 EnEV ist. Diese kann Energiesparpotenziale aufdecken und bei entsprechender Umsetzung Energiekosten und Umweltnutzung reduzieren. Doch aufgrund schwacher staatlicher Kontrolle scheint der Druck zu ihrer Durchführung bei den meisten Entscheidern noch zu schwach zu sein. Solange sie nicht in irgendeiner Weise vertragliche Zusicherungen zur Durchführung eines Energiemanagements im Sinne der DIN 32736 gemacht haben, z.B. im Rahmen eines TGM-Dienstleistungsvertrags, hat das auch vorerst keine konkreten Auswirkungen. Mittelfristig ist jedoch eine stärkere staatliche Kontrolle zu erwarten.
Zum Autor: Leonhard Kerder ist Student des Wirtschaftsingenieurwesens und leistet derzeit ein Praktikum im Ingenieurbüro Matthaei ab. Die Energetische Inspektion von Klimaanlagen hält er für eine gute Idee, weil mit technischen Verbesserungsmaßnahmen oft viel Geld eingespart werden kann.
Zur Veranstaltung: Der TÜV NORD Gebäudetechnik-Dialog 2015 zum Thema „Energetische Inspektion von Klima- und Lüftungsanlagen“ fand am 29. Mai 2015 im Ruhrturm in Essen statt. Veranstalter war die TÜV NORD Systems GmbH & Co. KG. die DMT GmbH & Co. KG ist eine Tochterunternehmung von TÜV Nord.
Fotos: O. Matthaei 2015
Veröffentlicht in: Anlagentechnik · Veranstaltungen
Schlagworte: §12 EnEV · Energetische Inspektion · Klimaanlage · RLT

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