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Timestamp: 2020-07-09 07:18:26+00:00

Document:
Wenn Wohnung in DE beibehalten wird, darf man sich in DE überhaupt abmelden - Umzug und Aufenthaltsbewilligung - Auswandern Schweiz Forum
mein name ist Michael und führe schon seit über 5 Jahren von Ulm in DE aus eine Fernbeziehung mit einer Zentralschweizerin aus dem Kanton Zug. Die ewige Wochenend-Fahrerei wollen wir beenden, daher haben wir uns entschieden, dass ich in der Zentralschweiz ein Job suche und zu meiner Freundin an den Zugersee zügle. Zwischenzeugnis beim aktuellen Arbeitgeber ist schon angefordert, somit geht bald das Bewerben los.
Die Zeit bis dahin habe ich schon genutzt, Euer tolles Forum durchzulesen, um mich schon mal vorab zu informieren. Dabei bin ich auf ein Thema gestossen, welches ich nicht ganz verstanden habe in Bezug auf meinen Fall. Die Situation ist die:
- meine Staatsbürgeschaft: DE
- würde Leben, Wohnen, Arbeiten in der CH
- nach Ulm würde ich an einem, maximal an zwei Wochenenden im Monat kommen, um meine Mutter/Freunde zu besuchen
- Urlaub würden wir evtl. auch ab und zu ein paar Tage (z.B. verlängertes Wochenende) in Ulm machen bzw. als Ausgangspunkt für Ausflüge nutzen
- meine Miet-Wohnung in Ulm (ist ein günstiges 1-Zi-Appartment) möchte ich nicht aufgeben aus den folgenden Gründen:
- Meine Freundin hat Angst, dass es mir in CH nicht gefällt (Verhalten der CH´ler gegenüber Ausländer)
- wir wollen die Sicherheit haben, dass wenn mit meinem CH-Job was ist, dass ich wieder zurück kann
- Eine Fernbeziehung ist was anderes als miteinander zu wohnen, sollte da etwas nicht passen, habe ich die Option zurück zu kehren
- wir wollen eine Anlaufstelle in meiner alten Heimat haben, und nicht in Hotels sein/den Verwandten Umstände bereiten
- die Wohnung ist günstig und es ist schwierig eine Wohnung zu finden
Was ich aus den Forum-Beiträgen verstanden habe:
Eine "Zweitwohnung" in DE geht nicht. In DE und CH wäre es jeweils der Hauptwohnsitz, wenn ich in DE weiterhin angemeldet bin. Und es hätte steuerliche Konzequenzen.
Kann ich mich aus DE komplett abmelden beim Einwohnermeldeamt meiner Stadt, trotzdem ich weiterhin meine alte Mietwohnung habe? Bei den Fällen hier im Forum habe ich keinen ähnlichen "Freizeit-Rückkehr-Fall" gefunden.
Daher bin ich mal beim Bürgerbüro meiner Stadt vorbei gegangen und habe den Sachverhalt geschildert wie oben, und habe gefragt, wie das dann mit dem Abmelden ist. Die Dame sagte mir, dass ich mich komplett abmelden könne/müsse, da mein Lebensmittelpunkt dann in der CH wäre und was ich in meiner Freizeit mache, wäre ihnen/dem deutschen Staat egal.
Aber da die bestimmt sehr selten solche Fälle haben, bin ich mir nicht so 100%ig sicher, ob die Dame vom Bürgerbüro das dann auch korrekt eingeschätzt hat. Daher die Frage an Euch: wie schätzt Ihr diesen Fall ein?
Danke vorab für Eure Antworten und Gruß aus Ulm
Michael76 schrieb:
So sehe ich das auch. Du musst halt weiterhin die Kosten der Wohnung + Nebenkosten + Steuern (auch Kirchensteuer) in Deutschland bezahlen. Zudem ist auch zu beachten, wenn du in Deutschland deine Wohnung behältst und dort eintreffende Briefe zu spät öffnest / zu spät beantwortest könnte es in der Hinsicht vielleicht auch unangenehm werden. Zudem kämst du mit einer Abmeldung schneller aus eventuell laufenden Verträgen raus (Internet, Handyvertrag, Fitnesstudio o.ä., etc.)
Vielleicht hilft dir ja der Link noch etwas weiter:
workwide.de/in-deutschland-gemeldet-bleiben-oder-abmelden/
16. Januar 2020, 13:07
Nach 5 Jahren wird es Zeit, dass ihr diesen Schritt geht. Schöne Gegend hast du dir unfreiwillig ausgesucht.
Wie so oft, stimmen die Aussagen der Dame vom Bürgerbüro in Deutschland nicht. Nur weil du in die Schweiz ziehst und deinen Lebensmittelpunkt dort haben wirst, wirst du in deinem Fall vom deutschen Recht nicht gezwungen dich in Deutschland abzumelden. Du darfst in beiden Ländern eine Hauptwohnung haben. In der Schweiz kann es allerdings passieren, dass die Gemeinde eine Abmeldung aus Deutschland verlangt. Dann würdest du um eine Abmeldung bzw. Kündigung der Wohnung nicht um herkommen. Das ist allerdings von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich. Im Kanton Zug wäre mir kein Fall bekannt, solltest aber vorher mit der Schweizer Gemeinde klären. Sofern du mit den Nachteilen, die dir Hennemi aufgezählt hat, leben kannst, bleibt es deine Entscheidung. Die Einkommenssteuerpflicht ist in deiner Konstellation in der Schweiz. Ausser du hast noch ein Gewerbe, Immobilien oder dergleichen in Deutschland. Das ist aber nur meine Meinung. Wenn du auf Nummer Sicher gehen willst, kann ein Steuerberater sinnvoll sein. Zum einem ist die Gesamtsituation mit allen Details entscheidend und wir im Forum sind keine Steuerexperten. Der Punkt mit der Post ist allerdings nicht zu verachten. Hier solltest du vielleicht schauen, dass jemand regelmässig deinen Briefkasten leer und die Post öffnet.
Wenn du dich in Deutschland abmeldest müsstest du deine Wohnung kündigen, da du aus meiner Sicht sonst gegen das deutsche Meldegesetz verstossen würdest.
16. Januar 2020, 16:27
Hi Hennemi, hi Maik,
Genau das, was Maik geschrieben hat (siehe Zitat), war mir nicht klar. Das Thema steuerlich betrachtet sehe ich sekundär (wobei ich keine Immobilien/sonsitges hier in DE habe). Am liebsten würde ich mich von DE abmelden, und die Wohnung nur für den Freizeitfall nutzen.
Aufgrund Maiks Hinweis habe ich mir mal das Meldegesetz angeschaut:
1. entgegen § 17 Absatz 1, auch in Verbindung mit § 27 Absatz 2 Satz 2 oder § 28 Absatz 1 Satz 1 oder Satz 2, entgegen § 29 Absatz 1 Satz 2 oder Absatz 4 Satz 2 oder § 32 Absatz 1 Satz 2 sich nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig anmeldet,
2. entgegen § 17 Absatz 2 Satz 1 sich nicht oder nicht rechtzeitig abmeldet,
(3) Die Ordnungswidrigkeit kann in den Fällen des Absatzes 1 mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro und in den übrigen Fällen mit einer Geldbuße bis zu tausend Euro geahndet werden.
Also ich darf, wenn ich in DE eine Wohnung habe, mich gar nicht abmelden. Ansonsten riskiere ich ein Bußgeld über eine Ordnungswiedrigkeit.
16. Januar 2020, 17:37
Danke für das Meldegesetz, damit ist es sicher und auch klar das die deutsche Behörde dich nicht zur Abmeldung zwingen kann, nur weil du im Ausland deinen Lebensmittelpunkt hast. Das widerspricht ihrem eigenem Meldegesetz. Wenn die Gemeinde in Zug keine Abmeldung verlangt bist du auch nicht genötigt dich in Deutschland abzumelden.
Nochmal eine Frage zur Anmeldung in der CH, welche ich so nicht eindeutig im Formum finde:
Wenn ich mich beim Migrationsamt meines Kantons angemeldet habe, bin ich dann automatisch in der Gemeinde gemeldet, oder muss ich mich dann mit der erteilten Aufenthaltsbewillingung bei der Gemeinde noch anmelden?
Meine Frage zielt nämlich auf die Abmeldebescheinigung von DE ab. Im Forum habe ich gelesen, dass manche Kantone eine Anmeldung ohne Abmeldebescheinigung nicht zulassen. Laut Internet verlangt das Migrationsamt Im Kanton Zug diese Abmeldebescheinigung nicht. Jetzt will ich sicher gehen, ob die Anmeldung mit der Meldung beim Migrationsamt erledigt ist, oder ob die Gemeinde noch was will/die Abmeldebescheinigung sehen will.
19. Februar 2020, 15:13
Meistens geht es sogar den umgekehrten Weg, man meldet sich auf der Gemeinde an und darüber wird die Aufenthaltsbewilligung ausgelöst.
Aus meiner Sicht ist eine Anmeldung bei der Gemeinde aber in jedem Fall Pflicht. Bei uns waren vom Migrationsamt bereits die Dossiers auf der Gemeinde hinterlegt, da wir etwas komplizierter dahergekommen sind, aber der Gang zur Gemeinde zur Unterschrift war Pflicht. Nebenbei ist das auch empfehlenswert, da viele Gemeinden "Willkommenspakete" mit allerlei nützlichen Informationen für Neuzuzügler haben (Stichwort Güsel & Co.).
Ruf doch einfach schnell bei der Gemeinde an oder schreib eine Mail. Die Regelungen sind hier so verschieden, dass es dir kaum hilft zu wissen wie es bei anderen Gemeinden ist. Ich für meinen Teil brauchte die Abmeldebestätigung dafür bisher nicht. Aber eben: das mag bei dir anders aussehen.
Ich stimme Jan vollkommen zu. Es ist nicht einmal kantonal einheitlich geregelt. In Baden habe ich die Abmeldung damals nicht benötigt, andere im Kanton Aargau jedoch schon...
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass manchmal noch zusätzliche Dokumente verlangt werden, die online nicht aufgelistet sind, von daher unterstütze ich den Vorschlag, dass Du die Gemeinde direkt kurz anrufst/ anschreibst!

References: § 17
 § 27
 § 28
 § 29
 § 32
 § 17