Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BGH_17_12_2015_4_StR_483_15_Gestaltende_Mitwirkung_des_Recht-d7489191.html
Timestamp: 2017-01-24 22:03:13+00:00

Document:
BGH, 17.12.2015 - 4 StR 483/15 - Gestaltende Mitwirkung des Rechtspflegers an der Rechtsmittelbegründung im Fall der Begründung der Revision zu Protokoll des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle; Bewahrung des Revisionsgerichts vor einer Überlastung durch unsachgemäßes Vorbringen | Urteile auf anwalt24.de
BGH, 29.12.2015 - 2 ARs 357/15 - Bestimmung des zuständigen Gerichts bei Verurte...…BGH, 17.12.2015 - 4 StR 483/15 - Gestaltende Mitwirkung des Rechtspflegers an de...BGH, 17.12.2015 - 4 StR 555/15 - Revisionsgerichtliche Nachprüfung der landgeric...BGH, 17.12.2015 - I ZR 256/14 - Anforderungen an die Darlegung eines Gehörsverst...BGH, 17.12.2015 - IX ZR 287/14 - Abschluss einer in der kritischen Zeit geschlos...BGH, 17.12.2015 - IX ZR 143/13 - Berechtigung des Insolvenzverwalters zu einem V...BGH, 17.12.2015 - IX ZR 226/14 - Festsetzung der Kosten nach billigem Ermessen b...BGH, 17.12.2015 - IX ZR 148/14 - Gehörsrüge gegen die Entscheidung über eine Nic...BGH, 17.12.2015 - V ZR 65/15 - Interesse des Rechtsmittelklägers an der Abänderu...BGH, 17.12.2015 - IX ZB 34/15 - Funktionelle Zuständigkeit des Einzelrichters fü...BGH, 17.12.2015 - V ZR 87/15 - Anspruch auf Rückbau einer Terrasse zur Wahrung d...BGH, 17.12.2015 - StB 15/15 - Rechtmäßigkeit der teilweisen Nichteröffnung eines...BGH, 17.12.2015 - 2 StR 275/15 - Begründetheit mehrerer Revisionen im Rahmen der...BGH, 17.12.2015 - IX ZA 37/15 - Fehlende Erfolgsaussicht der beabsichtigten Rech...BGH, 17.12.2015 - I ZR 69/14 - Exklusivinterview - Prüfung eines Eingriffs in da...BGH, 17.12.2015 - I ZR 21/14 - Königshof - Urheberrrechtliche Beurteilung des Be...BGH, 17.12.2015 - I ZR 172/14 - Unmissverständliche Geltendmachung eines Provisi...BGH, 17.12.2015 - I ZR 219/13 - Unterlassungsbegehren der Veröffentlichung von k...BGH, 16.12.2015 - IV ZR 71/14 - Bereicherungsrechtliche Rückabwicklung einer pri...BGH, 16.12.2015 - 4 StR 473/15 - Fristgerechte Einreichung einer nicht vom Pflic...BGH, 16.12.2015 - IV ZB 23/15 - Ausschluss von Fehlerquellen durch entsprechende...BGH, 16.12.2015 - 1 ARs 31/14 - Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnis...…BGH, 01.12.2015 - 4 StR 390/15 - Strafrechtliche Einordnung eines Flugschülers a...
BGH, 17.12.2015 - 4 StR 483/15 - Gestaltende Mitwirkung des Rechtspflegers an der Rechtsmittelbegründung im Fall der Begründung der Revision zu Protokoll des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle; Bewahrung des Revisionsgerichts vor einer Überlastung durch unsachgemäßes Vorbringen
BundesgerichtshofBeschl. v. 17.12.2015, Az.: 4 StR 483/15Gericht: BGHEntscheidungsform: BeschlussDatum: 17.12.2015Referenz: JurionRS 2015, 35778Aktenzeichen: 4 StR 483/15 Verfahrensgang:vorgehend:LG Paderborn - 08.07.2015Rechtsgrundlage:§ 345 Abs. 2 StPOFundstelle:NStZ-RR 2016, 89-90Verfahrensgegenstand:Versuchte ErpressungRedaktioneller Leitsatz:1.Wird die Revision zu Protokoll des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle begründet, muss sich der Urkundsbeamte an der Anfertigung der Begründung gestaltend beteiligen und die Verantwortung für ihren Inhalt übernehmen. 2.Daran fehlt es, wenn der Rechtspfleger als bloße Schreibkraft des Angeklagten tätig wird und vom Angeklagten vorgegebene Rügen ungeprüft übernimmt.3.Auch bei einem Juristen als Angeklagtem darf der Urkundsbeamte nicht als bloße Schreibkraft tätig werden.Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 17. Dezember 2015 gemäß § 349 Abs. 1 StPO beschlossen:Tenor:1.Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Paderborn vom 8. Juli 2015 wird als unzulässig verworfen.2.Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.Gründe1Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchter Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Gegen das Urteil richtet sich die Revision des Angeklagten, die er auf zahlreiche, zu Protokoll der Geschäftsstelle des Landgerichts erhobene Rügen stützt.21. Das Rechtsmittel ist unzulässig, weil die Revisionsbegründung nicht den sich aus § 345 Abs. 2 StPO ergebenden Formerfordernissen genügt.3a) Wird die Revision zu Protokoll des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle begründet, muss sich der Urkundsbeamte an der Anfertigung der Begründung gestaltend beteiligen und die Verantwortung für ihren Inhalt übernehmen (BGH, Beschluss vom 18. Dezember 2012 - 1 StR 593/12, BGHR StPO § 345 Abs. 2 Begründungschrift 8 mwN). Daran fehlt es, wenn der Rechtspfleger als bloße Schreibkraft des Angeklagten tätig wird und vom Angeklagten vorgegebene Rügen ungeprüft übernimmt (vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 58. Aufl., § 345 Rn. 21; SSW-StPO/Widmaier/Momsen, § 345 Rn. 38 jeweils mwN).4b) So verhält es sich hier.5Schon der Eingang des Protokolls"Es erscheint Herr R. ... und erklärt: Die vom mir am 18.08.2015 eingelegte Revision begründe ich wie nachfolgend ..."belegt, dass der Rechtspfleger lediglich eine Erklärung des Angeklagten entgegengenommen, an der Rechtsmittelbegründung aber nicht gestaltend mitgewirkt und für sie nicht die Verantwortung übernommen hat. Dies steht auch aufgrund des weiteren Inhalts des Protokolls, das zudem vom Angeklagten selbst unterzeichnet und vom Rechtspfleger erst nach dem Vermerk "geschlossen" unterschrieben wurde, außer Frage. Dort wird etwa das Fehlen deutscher Gerichtsbarkeit geltend gemacht, weil der Angeklagte "keine strafrechtlich relevante Handlung im Inland, also auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, sondern im Ausland auf dem Gebiet des Deutschen Reichs begangen" habe und er nur dessen Rechtsordnung unterliege. Auch sei das Urteil wegen "mangelhafter Personalienaufnahme und -feststellung" aufzuheben, da das Urteilsrubrum ihn als deutschen Staatsangehörigen bezeichne, was falsch sei, weil er - geboren im Jahr 1969 - allein "über die preußische Staatangehörigkeit kraft Vererbung" verfüge.6Vor dem Hintergrund solcher Rügen ist auch ohne Bedeutung, dass der Angeklagte bis zum Verlust seiner Zulassung als Rechtsanwalt tätig war. Denn auch bei einem Juristen als Angeklagtem darf der Urkundsbeamte nicht als bloße Schreibkraft tätig werden (vgl. Meyer-Goßner, aaO mwN). Vor allem aber belegen diese Rügen, dass die Revisionsbegründung des Angeklagten den Zweck des § 345 Abs. 2 Alt. 2 StPO verfehlt, das Revisionsgericht vor einer Überlastung durch unsachgemäßes Vorbringen zu bewahren (vgl. zu diesem Zweck der Formvorschrift: BGH, Beschluss vom 25. September 2007 - 1 StR 432/07, NStZ-RR 2008, 18; ferner BVerfG, Beschluss vom 27. Juni 2006 - 2 BvR 1147/05).72. Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand von Amts wegen scheidet schon deshalb aus, weil der Angeklagte trotz des Antrags des Generalbundesanwalts auf Verwerfung seines Rechtsmittels als unzulässig, der (auch) ihm am 3. November 2015 zugestellt wurde, die versäumte Handlung bislang nicht in wirksamer Weise nachgeholt hat (§ 45 Abs. 2 Satz 3 StPO).Sost-Scheible Roggenbuck CierniakMutzbauer BenderHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.

References: § 349
 § 345
 § 345
 § 345
 § 345
 § 345