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Timestamp: 2016-10-24 20:25:11+00:00

Document:
1A.159/2005 (20.02.2006)
1A.159/2005 /ggs
X.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanw�ltin Korinna Fr�hlich,
Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Gossau, Oelestrasse 32, 8625 Gossau, Beschwerdegegnerin,
Gemeinderat Gossau, 8625 Gossau, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno Pellegrini,
Baurekurskommission III des Kantons Z�rich,
Neue B�rse, Selnaustrasse 32, 8001 Z�rich,
Immissionen (Kirchenglockengel�ut),
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Z�rich, 1. Abteilung, 1. Kammer, vom 27. April 2005.
Der Gemeinderat Gossau lehnte am 16. April 2003 ein Gesuch von X.________ ab, worin dieser beantragt hatte, die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Gossau sei zu verpflichten, das Kirchengel�ut und den Stundenschlag der Kirche einzuschr�nken. Den hiergegen von X.________ erhobenen Rekurs wies die Baurekurskommission III des Kantons Z�rich am 21. April 2004 ab. Diesen Entscheid zog X.________ an das Verwaltungsgericht des Kantons Z�rich weiter und verlangte unter anderem, die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Gossau sei zu verpflichten, ab sofort die Nachtruhe einzuhalten und auf die Stunden- und Viertelstundenschl�ge zwischen 21.45 Uhr und 6.00 Uhr zu verzichten. Das Verwaltungsgericht hat die Beschwerde mit Entscheid vom 27. April 2005 abgewiesen (Ziff. 1 des Dispositivs). Die Gerichtskosten wurden teilweise X.________ auferlegt (Ziff. 4 des Dispositivs) und dieser wurde �berdies verpflichtet der Gemeinde Gossau eine Parteientsch�digung zu entrichten (Ziff. 5 des Dispositivs).
Gegen diesen Entscheid des Verwaltungsgerichts f�hrt X.________ Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht. Er beantragt im Wesentlichen, Ziff. 1 des angefochtenen Entscheids sei aufzuheben, und die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Gossau sei zu verpflichten, ab sofort die Nachtruhe einzuhalten und auf die Stunden- und Viertelstundenschl�ge zwischen 21.45 Uhr und 6.00 Uhr zu verzichten. Ferner seien die Ziff. 4 und 5 des Entscheids des Verwaltungsgerichts aufzuheben.
Die Gemeinde Gossau beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen. Das Verwaltungsgericht stellt den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Das Bundesamt f�r Umwelt (BAFU, vormals BUWAL) �ussert sich zur Beschwerde, ohne einen Antrag zu stellen. X.________ und die Gemeinde Gossau haben zur Vernehmlassung des BAFU Stellung genommen und an ihren Antr�gen festgehalten.
1.1 Der angefochtene Entscheid st�tzt sich auf eidgen�ssisches Umweltschutzrecht und ist kantonal letztinstanzlich (Art. 98 lit. g OG). Da kein Ausschlussgrund im Sinne der Art. 99 ff. OG vorliegt, ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde zul�ssig (Art. 97 f. OG i.V.m. Art. 5 VwVG).
Nach Art. 103 lit. a OG ist zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene Verf�gung ber�hrt ist und ein schutzw�rdiges Interesse an deren Aufhebung oder �nderung hat. Dabei wird verlangt, dass der Beschwerdef�hrer durch den Entscheid st�rker als jedermann betroffen ist und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht. Ein schutzw�rdiges Interesse liegt vor, wenn die tats�chliche oder rechtliche Situation des Beschwerdef�hrers durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann. Der Beschwerdef�hrer wohnt zirka 200 m vom Kirchturm der evangelisch-reformierten Kirche in Gossau entfernt, also nicht in unmittelbarer N�he der Glocken. Seine Schlafzimmerfenster gew�hren indessen freie Sicht auf die Kirche. Stehen grossfl�chige Immissionen in Frage, hat das Bundesgericht erkannt, dass ein sehr weiter Kreis Betroffener zur Beschwerdef�hrung legitimiert sein kann, so zum Beispiel die Anwohner eines Flughafens einschliesslich jener, die in der Verl�ngerung der Flugplatzpisten, d.h. im Bereich der An- und Abflugschneisen, wohnen (BGE 120 Ib 379 E. 4b und c S. 386 f. mit Hinweis auf BGE 104 Ib 318; vgl. auch BGE 124 II 293 E. 3a S. 303 f.; 121 II 176 E. 2a und b S. 177 f.). In dicht besiedelten Gebieten kann somit grunds�tzlich sehr vielen Personen die Beschwerdelegitimation zukommen, ohne dass bereits von einer Popularbeschwerde gesprochen werden m�sste (BGE 110 Ib 99 E. 1c S. 102). Im Lichte dieser Rechtsprechung ist X.________ zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde legitimiert. Da auch die �brigen Sachurteilsvoraussetzungen erf�llt sind, ist auf die Beschwerde grunds�tzlich einzutreten.
1.2 Nicht einzutreten ist dagegen auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde, soweit der Beschwerdef�hrer geltend macht, die Vorinstanz h�tte L�rmschutzmassnahmen anordnen m�ssen, weil zwar nicht bei ihm, aber bei verschiedenen Nachbarn, welche n�her bei der Kirche wohnten als er, so hohe L�rmwerte vorl�gen (58 bis 66 dB[A]), dass dies auch nach Auffassung des Verwaltungsgerichts n�tig sei. Solches hat der Beschwerdef�hrer vor Verwaltungsgericht nicht beantragt und dieses hat im angefochtenen Entscheid denn auch nicht rechtsverbindlich �ber diese Frage entschieden. Daran �ndert auch das in Erw�gung 7 des angefochtenen Entscheides enthaltene obiter dictum nichts.
1.3 Das Bundesgericht pr�ft, ob das Verwaltungsgericht Bundesrecht verletzt hat (Art. 104 lit. a OG). Dabei ist es an die Feststellungen des Sachverhalts durch die Vorinstanz gebunden, sofern diese nicht offensichtlich unrichtig oder unvollst�ndig sind oder unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen getroffen worden sind (Art. 105 Abs. 2 OG).
2.1 Das Bundesgericht hatte sich bereits in fr�heren Entscheiden mit als st�rend empfundenem kirchlichem Glockengel�ut auseinander zu setzen (BGE 126 II 366; Urteil des Bundesgerichts 1A. 240/2002 vom 13. Mai 2003). Danach ist unbestritten, dass Glockengel�ut, auch soweit es Teil der Religionsaus�bung darstellt und unter dem Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit steht (Art. 15 Abs. 2 BV), zum Schutz der �ffentlichen Ruhe gewissen Einschr�nkungen unterworfen werden darf (Art. 36 BV; BGE 126 II 366 E. 2a S. 367, mit Hinweis auf BGE 36 I 374 E. 3 S. 378; Ulrich H�felin, Kommentar BV 1874, Art. 50 Rz. 24 f. und dortige Hinweise; Peter Karlen, Das Grundrecht der Religionsfreiheit in der Schweiz, Z�rich 1988, S. 230, 308 und 318). Auch steht ausser Frage, dass die Umweltschutzgesetzgebung grunds�tzlich auf Kirchengel�ut anwendbar ist.
2.2 Das Glockenspiel der evangelisch-reformierten Kirche in Gossau ist eine mit einer Baute dauerhaft verbundene ortsfeste Einrichtung. Sie erweist sich damit als eine Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 7 des Bundesgesetzes vom 7. Oktober 1983 �ber den Umweltschutz (USG; SR 814.01) und Art. 2 Abs. 1 der L�rmschutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). Da die Kirche samt ihrem L�utwerk bereits vor dem Inkrafttreten des Umweltschutzgesetzes am 1. Januar 1985 bestanden hat und keine Erweiterung der Anlage beabsichtigt ist, untersteht sie nicht den Vorschriften f�r Neuanlagen (Art. 25 USG, Art. 7 LSV). Indessen ist die Sanierung der ortsfesten Anlage anzuordnen, wenn sie den Vorschriften des Umweltschutzgesetzes nicht gen�gt (Art. 16 Abs. 1 USG). Zu diesen Vorschriften z�hlen auch die in Art. 11 Abs. 2 und 3 USG enthaltenen Bestimmungen. Danach sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge unabh�ngig von der bestehenden Umweltbelastung so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich m�glich und wirtschaftlich tragbar ist (Abs. 2). Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Ber�cksichtigung der bestehenden Umweltbelastung sch�dlich oder l�stig werden, sind die Emissionsbegrenzungen zu versch�rfen (Abs. 3). Solche Begrenzungen werden gem�ss Art. 12 Abs. 2 USG durch Verordnungen oder, soweit diese nichts vorsehen, durch unmittelbar auf das Umweltschutzgesetz abgest�tzte Verf�gungen vorgeschrieben. Daran �ndert nichts, ob bekannt ist, dass die Immissionsgrenzwerte �berschritten werden, oder dass Art. 13 LSV die Sanierungspflicht nur f�r jene bestehenden ortsfesten Anlagen vorsieht, welche wesentlich zur �berschreitung der Immissionsgrenzwerte beitragen. Schutzmassnahmen nach Art. 12 Abs. 2 USG sind nicht erst zu ergreifen, wenn die Umweltbelastung sch�dlich oder l�stig wird, sondern es m�ssen gest�tzt auf das Vorsorgeprinzip die unn�tigen Emissionen vermieden werden (BGE 126 II 366 E. 2b S. 368; 113 Ib 393 E. 3 S. 400; 115 Ib 446 E. 3d S. 453 f.; 119 Ib 179 E. 2e S. 190). Das ist allerdings nicht so zu verstehen, dass jeder im strengen Sinne unn�tige L�rm v�llig untersagt werden m�sste. Es gibt keinen Anspruch auf absolute Ruhe; vielmehr sind geringf�gige, nicht erhebliche St�rungen hinzunehmen (Art. 15 USG; BGE 126 II 366 E. 2b S. 368; 123 II 325 E. 4d/bb S. 334 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 18. M�rz 1998 in: URP 1998 S. 529 E. 5b/c; Christoph Z�ch/Robert Wolf, Kommentar USG, Z�rich 2000, N. 23 zu Art. 15).
2.3 Die L�rmimmissionen ortsfester Anlagen sind grunds�tzlich anhand der vom Bundesrat festgelegten Belastungsgrenzwerte (Anh�nge 3-8 LSV) zu beurteilen (Art. 40 Abs. 1 LSV). F�r die L�rmbelastung durch Glockenspiele hat der Bundesrat jedoch keine Grenzwerte festgelegt. Fehlen solche Werte, so m�ssen die L�rmimmissionen im Einzelfall nach den Kriterien der Art. 15, 19 und 23 USG bewertet werden (Art. 40 Abs. 3 LSV; BGE 126 II 300 E. 4c/aa S. 307, 366 E. 2c S. 368; 123 II 74 E. 4a und b S. 82 f.; 118 Ib 590 E. 3b S. 596). Im Rahmen dieser Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des L�rms, Zeitpunkt und H�ufigkeit seines Auftretens sowie die L�rmempfindlichkeit bzw. L�rmvorbelastung zu ber�cksichtigen (BGE 123 II 74 E. 5a S. 86, 325 E. 4d/bb S. 335; 118 Ib 590 E. 4a S. 598). Dabei ist nicht auf das subjektive L�rmempfinden einzelner Personen abzustellen, sondern es ist eine objektivierte Betrachtung unter Ber�cksichtigung von Personen mit erh�hter Empfindlichkeit (Art. 13 Abs. 2 USG) vorzunehmen (BGE 126 II 300 E. 4c/aa S. 307, 366 E. 2c S. 368 f.; 123 II 74 E. 5a S. 86, 325 E. 4d/bb S. 334; Urteil des Bundesgerichts vom 1. Dezember 1994 in URP 1995 S. 31, E. 4c; Z�ch/Wolf, a.a.O., N. 25 zu Art. 15).
2.4 Die L�rmschutzvorschriften des Umweltschutzgesetzes sind in erster Linie zugeschnitten auf Ger�usche, die als unerw�nschte Nebenwirkungen einer bestimmten T�tigkeit auftreten. Diese k�nnen grunds�tzlich mit geeigneten Massnahmen an der Quelle reduziert werden, ohne dass dadurch die entsprechenden T�tigkeiten als solche in Frage gestellt werden. Daneben gibt es jedoch auch Ger�usche, welche den eigentlichen Zweck einer bestimmten Aktivit�t ausmachen. Dazu geh�ren beispielsweise das L�uten von Kirchen- oder Kuhglocken, das Musizieren sowie das Halten von Reden mit Lautverst�rkern an Anl�ssen in der �ffentlichkeit. Solche L�rmemissionen k�nnen nicht v�llig vermieden und in der Regel auch nicht in der Lautst�rke wesentlich reduziert werden, ohne dass zugleich der Zweck der sie verursachenden T�tigkeit vereitelt w�rde. Derartige L�rmemissionen als unn�tig und unzul�ssig zu qualifizieren, w�rde implizieren, die betreffende T�tigkeit generell als unn�tig zu betrachten. Die Rechtsprechung hat im Allgemeinen solche Emissionen zwar aufgrund des Umweltschutzgesetzes beurteilt, aber zugleich unter Ber�cksichtigung des Interesses an der L�rm verursachenden T�tigkeit diese nicht v�llig verboten, sondern bloss einschr�nkenden Massnahmen unterworfen (BGE 126 II 366 E. 2d S. 269 mit zahlreichen Hinweisen). Da eine Reduktion der Schallintensit�t meist den mit der betreffenden T�tigkeit verfolgten Zweck vereiteln w�rde, bestehen die emissionsbeschr�nkenden Massnahmen in der Regel nicht in einer Reduktion des Schallpegels, sondern in einer Einschr�nkung der Betriebszeiten (BGE 126 II 366 E. 2d S. 369; 119 Ib 463 E. 4-6 S. 466 ff.; 118 Ib 234 E. 2b S. 239 f.; Andr� Schrade/ Theo Loretan, Kommentar USG, Z�rich 1998, N. 29 zu Art. 12). Dabei ist eine Interessenabw�gung vorzunehmen zwischen dem Ruhebed�rfnis der Bev�lkerung und dem Interesse an der l�rmverursachenden T�tigkeit. Zu beachten sind insbesondere der Charakter des L�rms, Zeitpunkt, Dauer und H�ufigkeit seines Auftretens sowie die L�rmempfindlichkeit bzw. die L�rmvorbelastung der betroffenen Zone (BGE 126 II 300 E. 4c/cc S. 307 f., 366 E. 2d S. 369 f; 123 II 325 E. 4d/bb S. 334 f., 123 II 74 E. 5a S. 86; Pra 87/1998 Nr. 170 S. 908). Den �rtlichen Beh�rden ist ein gewisser Beurteilungsspielraum zuzugestehen, soweit es sich um Anl�sse mit lokaler Auspr�gung oder Tradition handelt (BGE 126 II 300 E. 4c/dd S. 309, 366 E. 2d S. 369 f.).
2.5 Im angefochtenen Entscheid wird zutreffend ausgef�hrt, die L�rmimmissionen des Glockengel�uts gingen von einer Kirche aus und nicht von einem Unternehmen, das nach marktwirtschaftlichen Prinzipien gewinnorientiert betrieben wird. Deshalb k�nne das in Art. 11 Abs. 2 USG f�r die Zul�ssigkeit von vorsorglichen Massnahmen genannte Kriterium der wirtschaftlichen Tragbarkeit nicht angewendet werden. Es werde vielmehr durch eine Pr�fung der Verh�ltnism�ssigkeit ersetzt (BGE 127 II 306 E. 8 S. 318). Richtig ist sodann die Erw�gung der Vorinstanz, das Schlagen der Kirchenglocken zur Zeitverk�ndung falle nicht unter den Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit im Sinne von Art. 15 BV.
Der Beschwerdef�hrer wohnt in einer Distanz von 200 m von der evangelisch-reformierten Kirche Gossau entfernt. Seine Wohnung verf�gt �ber eine direkte Sichtverbindung zum Kirchturm. Er f�hlt sich durch die n�chtlichen Schl�ge der Kirchglocken gest�rt und macht geltend, er werde von diesen regelm�ssig aus dem Schlaf geweckt. Der Beschwerdef�hrer wehrt sich vor Bundesgericht ausschliesslich gegen die Stunden- und Viertelstundenschl�ge zwischen 21.45 Uhr und 6.00 Uhr.
3.1 Der Beschwerdef�hrer wirft dem Verwaltungsgericht vor, es st�tze sich f�r die Feststellung, ob die St�rung erheblich sei, auf die L�rmwerte, welche in l�rmempfindlichen R�umen des Beschwerdef�hrers bei gekipptem Fenster am Ohr der Schlafenden festgestellt worden seien, n�mlich 46 bis 54 dB(A). Damit verletze es die Art. 39 - 41 LSV. Richtigerweise m�ssten die bei offenem Fenster gemessenen Werte (61 bis 69 dB[A]) als Vergleichsgr�sse herangezogen werden.
Nach der vorne (E. 2.3 und 2.4) beschriebenen Rechtslage ist bei der nach Art. 40 Abs. 3 LSV erforderlichen Beurteilung auf die tats�chlichen Verh�ltnisse des vorliegenden Einzelfalls abzustellen. Dies hat das Verwaltungsgericht im vorliegenden Fall namentlich durch den Beizug des L�rmgutachtens der EMPA vom 2. Februar 2005 getan. Art. 39 LSV liefert f�r die Anwendungsf�lle von Art. 40 Abs. 3 LSV zwar Anhaltspunkte zur Sachverhaltsermittlung. Die Vorschrift ist aber auf die Beurteilung von L�rmimmissionen zugeschnitten, f�r welche der Bundesrat Grenzwerte festgesetzt hat. Bei der Beurteilung der Sch�dlichkeit und L�stigkeit des L�rms von Kirchenglocken, f�r welche keine Belastungsgrenzwerte bestehen (s. vorne E. 2.3), ist daher entgegen der Meinung des Beschwerdef�hrers nicht im Sinne eines entscheidenden Kriteriums auf die in Art. 39 Abs. 1 LSV vorgeschriebenen Messungen in der Mitte der offenen Fenster der l�rmempfindlichen Geb�ude abzustellen.
3.2.1 Die EMPA hat bei der Erarbeitung des erw�hnten L�rmgutachtens bei der Wohnung des Beschwerdef�hrers mittels einer automatischen Messstation �ber den Zeitraum von etwas mehr als einer Woche im Januar 2005 f�r die Stunden- und Viertelstundenschl�ge der Kirche Gossau im Mittel Maximalpegel von rund 61 bis 69 dB(A) und Mittelungspegel von rund 54 bis 61 dB(A) ermittelt. In Ziff. 6 b des EMPA-Gutachtens werden diese Messergebnisse insbesondere bez�glich Aufwachreaktionen als Folge des Stundenschlags wie folgt interpretiert:
"Zur Bel�stigungsreaktion in der Bev�lkerung von Glockengel�ut kann keine Aussage gemacht werden, weil dazu die notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen fehlen. Hingegen ist ein Hinweis auf die St�rung der Kommunikation m�glich. Es zeigt sich, dass w�hrend des Gel�uts die Kommunikation beim Beschwerdef�hrer aus rein akustischen Gr�nden im Freien (auf dem Balkon) und im Innern bei ge�ffneten Fenstern durch die Immissionen des Gel�uts erheblich gest�rt wird. Auch bei geschlossenen Fenstern ist in der Wohnung mit einer - wenn auch geringeren - St�rung der Kommunikation zu rechnen.
F�r die Beurteilung der Nacht kann ein Vergleich zum Flugl�rm zugezogen werden, da das Glockengel�ut auch intermittierend auftritt. Die Maximalpegel verursacht durch Stunden- und Viertelstundenschl�ge am Ohr der schlafenden Person bei einem spaltweise ge�ffneten Fenster betragen 46 - 54 dB(A). Sie liegen damit unter dem Pegel, wie er vom Buwal im Fall "Fr�hgel�ut Bubikon" mit 60 dB in Anlehnung an die Regelung der L�rmschutzverordnung f�r Flugl�rm angegeben wird. Mit Aufweckreaktionen ist trotzdem zu rechnen, jedoch ist deren Wahrscheinlichkeit gering."
3.2.2 Im angefochtenen Entscheid wird ferner ausgef�hrt, das Gutachten weise auf einen von Griefahn gefundenen Zusammenhang von Maximalpegeln, Anzahl Ereignissen und Aufwachreaktion hin, wonach beispielsweise bei zwei Ereignissen mit 60 dB(A) eine Aufwachwahrscheinlichkeit von 10% bestehe. In der L�rmschutzverordnung habe als Grundlage f�r die Festsetzung der Nachtgrenzwerte eine kritische Schwelle des Maximalpegels von 60 dB(A) am Ohr der schlafenden Person gedient, wobei durch die Wahl eines 1h-Mittelungspegels die Anzahl der Ereignisse ebenfalls in die Beurteilung einbezogen worden sei. Sodann st�tze sich das Gutachten auf BGE 126 II 366 E. 3a S. 370 betreffend das Fr�hgel�ut der Kirche in Bubikon. Dort werde eine Stellungnahme des BAFU wiedergegeben, wonach gem�ss Untersuchungen der SUVA in 50 Metern Entfernung von einem mittelhohen Kirchturm bei mittelgrossen Kirchglocken am Ohr des Betroffenen im Innern eines Geb�udes bei gekipptem Fenster ein Schallpegel von mehr als 60 dB(A) entstehe. Bei einem solchen Schalldruckpegel sei nachts mit Aufwachreaktionen zu rechnen, so dass von einer erheblichen St�rung im Sinn von Art. 15 USG gesprochen werden m�sse. Unter Bezugnahme auf diese Beurteilungen der Schallwirkung komme der Gutachter bez�glich des n�chtlichen Stundenschlags zum Schluss, dass der Maximalpegel von 46 bis 54 dB(A) am Ohr der schlafenden Person bei einem spaltweise ge�ffneten Fenster zwar noch unter dem Pegel von 60 dB(A) liege, bei welchem gem�ss BAFU mit Aufwachreaktionen zu rechnen sei. Gleichwohl sei mit solchen Reaktionen zu rechnen, doch sei ihre Wahrscheinlichkeit gering.
3.2.3 Das Verwaltungsgericht h�lt im angefochtenen Entscheid fest, dass die Liegenschaft des Beschwerdef�hrers gem�ss Bau- und Zonenordnung der Gemeinde Gossau vom 29. Juni 1998 (BZO) in der Wohnzone mit Gewerbeerleichterung WG3 liege und der Empfindlichkeitsstufe (ES) III zugewiesen sei. W�hrend der ersten und zweiten (22.00-23.00 Uhr bzw. 23.00-24.00 Uhr) und w�hrend der letzten Nachtstunde (05.00-06.00 Uhr) gelte f�r den L�rm des Gesamtverkehrs von Kleinluftfahrzeugen und Grossflugzeugen in der ES III ein Immissionsgrenzwert von 55 dB(A). Dieser Wert liege in der zweiten und letzten Nachtstunde um 5 dB(A) �ber demjenigen der Stufe II (Anhang 5 Ziff. 222 LSV). Auch wenn diese Grenzwerte nicht f�r den n�chtlichen Stundenschlag �bernommen werden k�nnten, lasse sich ihnen doch der Hinweis entnehmen, dass bez�glich des n�chtlichen L�rms und der damit verbundenen Auswirkungen, insbesondere der Wahrscheinlichkeit des Aufwachens, in der ES III st�rkere Beeintr�chtigungen hingenommen werden m�ssten als in einer ES II. In einer der ES III zugewiesenen Zone erscheine deshalb die nur geringe Wahrscheinlichkeit, wegen des n�chtlichen Stundenschlags aufzuwachen, von welcher das Gutachten auf Grund der ermittelten Maximalpegel ausgehe, nicht zwingend als erhebliche St�rung im Sinne von Art 15 USG. Hinsichtlich des n�chtlichen Stundenschlags erweise sich die Beschwerde daher als unbegr�ndet.
3.2.4 Mit diesen Ausf�hrungen hat das Verwaltungsgericht entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers kein Bundesrecht verletzt. Vielmehr hat es sich an die in Art. 40 Abs. 3 LSV vorgeschriebenen Grunds�tze gehalten. Dass es dabei gleich wie der Gutachter unter anderem auf die L�rmsituation am Ohr der schlafenden Person bei einem spaltweise ge�ffneten Fenster abgestellt hat, ist sachlich korrekt und nicht zu beanstanden. Der Einwand des Beschwerdef�hrers, dies sei in heissen N�chten unzumutbar, vermag keine Verletzung von Art. 15 Abs. 1 USG zu begr�nden. Es geht hier um eine Gesamtbetrachtung, die abweichende Situationen mit st�rkeren und schw�cheren L�rmimmissionen einschliesst. Wenn die Vorinstanz die in den Anh�ngen zur LSV enthaltenen Grenzwerte der ES II und III erw�hnt, so zieht sie diese nicht im Sinne eines direkten Vergleichs mit dem hier zu beurteilenden Fall bei, f�r welchen keine Grenzwerte bestehen. Vielmehr benutzt sie die in der LSV mit Grenzwerten geregelten Situationen als Wertungshilfen f�r die hier zu beurteilenden L�rmimmissionen. Die R�ge, die Belastungsgrenzwerte f�r Flugl�rm seien in unkorrekter Analogie angewendet worden, geht somit fehl.
3.2.5 Der Beschwerdef�hrer macht weiter geltend, bei der Beurteilung des Glockenschlags sei eine Interessenabw�gung vorzunehmen zwischen jenem Bev�lkerungsanteil, der sich durch die Schl�ge gest�rt f�hle oder sich neutral verhalte, und jenem Bev�lkerungsteil, der die Glockent�ne h�ren wolle. "Bev�lkerung" im Sinne von Art. 15 USG umfasse nur jenen Teil, der durch die Immissionen gest�rt werde oder diesen neutral gegen�ber stehe. Diese Auffassung ist unzutreffend. Sie steht denn auch im Gegensatz zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Diese geht von einer Abw�gung zwischen den Interessen der Bev�lkerung als Ganzes an Ruhe und den Interessen an der l�rmverursachenden T�tigkeit aus (BGE 126 II 366 E. 2d S. 369).
3.3 Das BAFU schreibt in seiner Vernehmlassung, eine Sanierungspflicht k�nne sich auch aus Art. 16 in Verbindung mit Art. 11 Abs. 2 USG ergeben. Unabh�ngig von einer erheblichen St�rung gem�ss Art. 15 USG seien danach im Sinne der Vorsorge Emissionen so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich m�glich und wirtschaftlich tragbar sei. Das Kriterium der wirtschaftlichen Tragbarkeit sei hier, da es um eine Kirche gehe, durch eine Pr�fung der Verh�ltnism�ssigkeit zu ersetzen. In diesem Sinne k�nnte hier beispielsweise ins Auge gefasst werden, auf die viertelst�ndlichen Glockenschl�ge zu verzichten, so dass die Schl�ge nur noch jede Stunde ert�nen w�rden. Nach einer Brosch�re des Kirchenrates der evangelisch-reformierten Landeskirche Z�rich mit dem Titel "Vertraute Kl�nge-st�rende Kl�nge" gelte der n�chtliche Glockenschlag nicht als "kirchliche Notwendigkeit". W�hrend der Nachtstunden (22.00 Uhr bis 6.00 Uhr) werde sogar der v�llige Verzicht darauf in Erw�gung gezogen. Auch das Verwaltungsgericht f�hrt in E. 7 des angefochtenen Entscheides aus, bei geringerer Entfernung zwischen Quelle und l�rmempfindlichen R�umen w�re mit um 12 dB(A) h�heren Werten zu rechnen, was den Rahmen des Vertretbaren sprengen d�rfte.
Im Lichte der vorliegenden Ausf�hrungen hat das Verwaltungsgericht sein Ermessen jedoch nicht �berschritten, indem es in Bezug auf die Situation beim Beschwerdef�hrer von einem Verbot oder einer Einschr�nkung des n�chtlichen Stundenschlags abgesehen hat. Wenn die �rtlichen Beh�rden und mit ihnen die kantonalen Rechtsmittelinstanzen davon ausgehen, dass in der Gemeinde Gossau dieser Stundenschlag der Kirche der evangelisch-reformierten Kirche grunds�tzlich allgemein akzeptiert wird und dass an der Aufrechterhaltung dieser Tradition ein �ffentliches Interesse bestehe, so hat das Bundesgericht keinen Anlass, von dieser Beurteilung der mit den �rtlichen Verh�ltnissen besser vertrauten Beh�rden abzuweichen (BGE 126 II 366 E. 5b S. 374 mit Hinweisen). Es widerspricht dem Verh�ltnism�ssigkeitsprinzip nicht, wenn die kantonalen Instanzen das �ffentliche Interesse am Beibehalten einer alt hergebrachten Tradition h�her werten als das Ruhebed�rfnis des Beschwerdef�hrers. Der Umstand, dass sich der Beschwerdef�hrer und allenfalls einige wenige Nachbarn den Beh�rden gegen�ber beklagen, durch das Glockengel�ut bel�stigt zu werden, vermag l�rmbegrenzende Massnahmen noch nicht zu rechtfertigen (vgl. BGE 127 II 306 E. 8 S. 318 f.).
Bel�sst das Bundesumweltschutzrecht den Gemeinden die Entscheidungsfreiheit, die Ruhezeiten verschieden zu regeln, und tragen die kantonalen Rechtsmittelinstanzen bei der Beurteilung von Stunden- und Viertelstundenschl�gen der Kirchglocken diesen unterschiedlichen kommunalen Regelungen Rechnung, so verletzen sie damit auch die Rechtsgleichheit (Art. 8 BV) nicht (BGE 126 II 300 E. 4d/ee S. 311, 366 E. 5c S. 319; 125 I 173 E. 6d S. 179).
Daraus ergibt sich, dass der angefochtene Entscheid nicht gegen Bundesrecht verst�sst und die Beschwerde somit abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdef�hrer die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG). Obsiegenden Beh�rden wird im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde in der Regel keine Parteientsch�digung zugesprochen (Art. 159 Abs. 2 OG). Es gibt keinen Grund, im vorliegenden Fall von dieser Regel abzuweichen.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Gemeinderat Gossau, der Baurekurskommission III und dem Verwaltungsgericht des Kantons Z�rich, 1. Abteilung, 1. Kammer, sowie dem Bundesamt f�r Umwelt schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 20. Februar 2006

References: Art. 99
 Art. 5
 Art. 103
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 50
 Art. 7
 Art. 2
 Art. 7
 Art. 11
 Art. 12
 Art. 13
 Art. 12
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 Art. 15
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 Art. 12
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 Art. 39
 Art. 40
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 Art. 16
 Art. 11
 Art. 15
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