Source: http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_20022014_RSII3150402.htm
Timestamp: 2018-04-22 20:07:18+00:00

Document:
Fundstelle: GMBl 2014, S. 289
in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen
abschließend beraten. Der Hauptausschuss des Länderausschusses für Atomkernenergie hat der Richtlinie im Umlaufverfahren zugestimmt.
Bestandteile der Fachkunde
Anforderungen an die Fachkunde von Strahlenschutzbeauftragten
Vertreter von Strahlenschutzbeauftragten
Anforderungen an die Fachkunde im Strahlenschutz für Schichtleiter
Strahlenschutzbeauftragte in standortnahen Zwischenlagern
Erwerb und Bescheinigung der Fachkunde
Fachausbildung im Strahlenschutz
Praktische Erfahrung im Strahlenschutz
Bescheinigung der Fachkunde
Anhang A: Lehrinhalte der Fachausbildung im Strahlenschutz
Anhang B: Ausbildung in der Anlage
Anhang C: Musterbescheinigung für die praktischen Erfahrung
Die Richtlinie konkretisiert die Regelungen der Strahlenschutzverordnung zum Nachweis der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz von Strahlenschutzbeauftragten für Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen mit einer thermischen Leistung von mehr als 50 kW, für die eine Genehmigung nach § 7 Absatz 1 oder § 7 Absatz 3 des Atomgesetzes (AtG) erteilt worden ist oder erteilt werden soll.
Hinweis: Für den Betrieb anderer kerntechnischer Anlagen oder Einrichtungen und insbesondere standortnaher Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente kann die Fachkundegruppe S4.3 der Fachkunde-Richtlinie Technik nach Strahlenschutzverordnung vom 21. Juni 2004 (GMBl 2004, Nr. 40/41, S. 799), geändert am 19. April 2006 (GMBl 2006, Nr. 38, S. 735) angewendet werden.
Nach § 7 Absatz 2 Nummer 1 AtG darf eine Genehmigung zum Betrieb einer Anlage nach § 7 Absatz 1 AtG nur erteilt werden, wenn die für die Errichtung, Leitung und Beaufsichtigung des Betriebes der Anlage verantwortlichen Personen die hierfür erforderliche Fachkunde besitzen. Nach § 7 Absatz 3 Satz 2 AtG gilt dies sinngemäß für Anlagen mit einer Genehmigung nach § 7 Absatz 3 Satz 1 AtG.
Nach § 3 Absatz 1 Nummer 4 der Atomrechtlichen Verfahrensverordnung (AtVfV) sind dem Antrag auf Erteilung einer Genehmigung nach § 7 AtG insbesondere Anlagen beizufügen, die es ermöglichen, die Fachkunde der für die Errichtung der Anlage und für die Leitung und Beaufsichtigung ihres Betriebes verantwortlichen Personen zu prüfen.
Nach § 31 Absatz 2 StrlSchV hat der Inhaber einer Genehmigung nach § 7 AtG als Strahlenschutzverantwortlicher die erforderliche Anzahl von Strahlenschutzbeauftragten für die Leitung oder Beaufsichtigung der genehmigungsbedürftigen Tätigkeit schriftlich zu bestellen und deren Aufgaben, deren innerbetrieblichen Entscheidungsbereich und die zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben erforderlichen Befugnisse schriftlich festzulegen.
Er hat nach § 34 Satz 1 Nummer 2 StrlSchV in der Regel, d.h., sofern die zuständige Behörde keine anderen Festlegungen trifft, einen Organisationsplan des Strahlenschutzes zu erstellen, aus dem u. a. hervorgeht, welche Personen zu Strahlenschutzbeauftragten bestellt sind.
Nach § 31 Absatz 3 StrlSchV dürfen zu Strahlenschutzbeauftragten nur Personen bestellt werden, welche die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz nach § 30 Absatz 1 StrlSchV besitzen.
Der Umfang der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz eines Strahlenschutzbeauftragten wird durch die ihm übertragenen Aufgaben bestimmt.
Die für den Strahlenschutz erforderliche Fachkunde umfasst:
eine geeignete Berufsausbildung,
die für die vorgesehene Tätigkeit erforderliche Fachausbildung im Strahlenschutz,
die für den vorgesehenen Tätigkeitsbereich geeignete praktische Erfahrung, darunter die Ausbildung in der Anlage, in der diese Tätigkeit ausgeübt werden soll.
Die Fachkunde eines Strahlenschutzbeauftragten, der alle Pflichten nach § 33 Absatz 2 StrlSchV wahrnehmen soll, umfasst:
ein erfolgreich abgeschlossenes Studium an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule oder Fachhochschule (z.B. Diplom, Master oder Bachelor) in einem technischen oder mathematisch-naturwissenschaftlichen Fach,
eine Fachausbildung im Strahlenschutz nach Anhang A,
eine praktische Erfahrung im Strahlenschutz nach Anhang B, erworben in einer entsprechenden Anlage, darunter eine Ausbildung in der Anlage, in der diese Tätigkeit ausgeübt werden soll.
Die Dauer des Erwerbs der praktischen Erfahrung gemäß Satz 1 Buchstabe c muss bei Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen mindestens zwei Jahre, davon mindestens ein Jahr Ausbildung in der Anlage, in der diese Tätigkeit ausgeübt werden soll, betragen.
Der Erwerb der praktischen Erfahrung kann in Abschnitten erfolgen, die zeitliche Reihenfolge soll jedoch einen kontinuierlichen Aufbau der Fachkunde gewährleisten.
Für Strahlenschutzbeauftragte mit eingeschränktem innerbetrieblichen Entscheidungsbereich kann die zuständige Behörde im Einzelfall abweichende Anforderungen festlegen.
Die Fachkunde eines weiteren Strahlenschutzbeauftragten, der die Vertretung eines anderen Strahlenschutzbeauftragten wahrnimmt, umfasst dieselben Anforderungen wie für den vertretenen Strahlenschutzbeauftragten.
Die Anforderungen an die Fachkunde im Strahlenschutz für Schichtleiter und deren Vertreter, deren innerbetrieblicher Entscheidungsbereich lediglich Maßnahmen zur unmittelbaren Gefahrenabwehr umfasst, sind in der Richtlinie für den Fachkundenachweis von Kernkraftwerkspersonal vom 24. Mai 2012 (GMBl 2012, Nr. 34, S. 611) und der Richtlinie für den Inhalt der Fachkundeprüfung vom 24. Mai 2012 (GMBl 2012, Nr. 30, S. 905) festgelegt. Durch behördliche Zulassung zum Schichtleiter auf Grund einer erfolgreich abgeleisteten Schichtleiter-Fachkundeprüfung gilt die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz für diesen Entscheidungsbereich als bescheinigt.
Zum Umfang der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz für den Betrieb standortnaher Zwischenlager siehe den Hinweis unter Abschnitt 1.1.
Eine Fachkunde nach Abschnitt 2.2 dieser Richtlinie schließt die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz zum Betrieb standortnaher Zwischenlager ein.
Die Berufsausbildung ist durch Zeugnisse nachzuweisen.
Die Fachausbildung im Strahlenschutz ist durch erfolgreiche Teilnahme an behördlich anerkannten Strahlenschutzkursen zu erwerben und durch eine Bescheinigung nachzuweisen. Die Kurse schließen praktische Übungen ein.
Die zuständige Behörde kann in der Berufsausbildung erlangtes Fachwissen anerkennen.
Der Veranstalter eines Kurses zum Erwerb der Fachkunde im Strahlenschutz darf die Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme nur dann ausstellen, wenn er sich durch eine Prüfung davon überzeugt hat, dass der Kursteilnehmer die vermittelten Lehrinhalte beherrscht.
Die Bescheinigung muss mindestens folgende Angaben enthalten:
Kursbezeichnung und -dauer
Erfolg der Prüfung
Der Nachweis der praktischen Erfahrung, darunter die Ausbildung in der Anlage, wird mit einer schriftlichen Bestätigung des Strahlenschutzverantwortlichen erbracht, in dessen Verantwortungsbereich die praktische Erfahrung erworben wurde. Für die Ausbildung in der Anlage ist vom Strahlenschutzverantwortlichen im Vorfeld ein Ausbildungsprogramm, welches sich an den Mindestanforderungen des Anhangs B orientiert, mit der zuständigen Behörde abzustimmen.
Der Nachweis nach Anhang C muss mindestens die folgenden Angaben enthalten:
Name(n) der Einrichtung(en), in der (denen) die Tätigkeiten absolviert wurde(n) sowie
Ausbildungsprogramm (Liste der Tätigkeiten mit Angabe des Zeitraums).
Die zuständige Behörde stellt nach § 30 Absatz 1 Satz 3 StrlSchV eine Fachkundebescheinigung aus, wenn
die Ausbildung durch Zeugnisse,
die Fachausbildung durch eine erfolgreiche Kursteilnahme und
die praktische Erfahrung, einschließlich der Ausbildung in der Anlage, durch Nachweise
Die Bescheinigung gilt nur für die Anlage, für die sie ausgestellt wurde.
Wenn die Fachkunde nur für einen eingeschränkten Entscheidungsbereich erworben wurde, ist dieser auf der Fachkundebescheinigung zu vermerken.
Die zuständige Behörde kann im Einzelfall, insbesondere bei Anlagen mit einer Genehmigung nach § 7 Absatz 3 AtG, von den Vorgaben dieser Richtlinie abweichen.
Die zu dem Zeitpunkt, ab dem diese Richtlinie dem Vollzug zu Grunde gelegt wird, bereits bestellten Strahlenschutzbeauftragten benötigen für die Fortführung der bisherigen Tätigkeit keine neue Fachkundebescheinigung.
Zur Erhaltung der Fachkunde haben die Strahlenschutzbeauftragten innerhalb von drei Jahren die Teilnahme an geeigneten Fachveranstaltungen über 240 Stunden nachzuweisen. Die Fachveranstaltungen sollen neben den rechtlichen Neuerungen und technischen Entwicklungen im Strahlenschutz auch den Erfahrungsrückfluss berücksichtigen. Als Fachveranstaltungen zählen u. a. Kurse, Fachtagungen, Gremienarbeit, Fachgespräche mit Behörden, Gutachtern und Herstellern und eigene Lehrtätigkeiten wobei die jeweilige Vor- und Nachbereitung ebenfalls berücksichtigt werden kann.
Ein geplantes Programm zur Erhaltung der Fachkunde ist mit der zuständigen Behörde vorher abzustimmen. Teilnahme und Art der Fachveranstaltung sind zu dokumentieren und der zuständigen Behörde mitzuteilen. Der Nachweis zur Erhaltung der Fachkunde entspricht der Aktualisierung der Fachkunde auf andere geeignete Weise nach § 30 Absatz 2 Satz 2 StrlSchV.
Die Fachveranstaltungen können, sofern geeignet, zugleich zur Erhaltung der Fachkunde für das verantwortliche Personal angerechnet werden.
Abweichend von diesen Festlegungen zur Erhaltung der Fachkunde gelten für Strahlenschutzbeauftragte nach Abschnitt 2.4 die Regelungen in der Richtlinie für den Fachkundenachweis von Kernkraftwerkspersonal vom 24. Mai 2012 (GMBl 2012, Nr. 34, S. 611) und in der Richtlinie zur Erhaltung der Fachkunde des verantwortlichen Kernkraftwerkspersonals vom 17. Juli 2013 (GMBl 2013, Nr. 36, S. 712).
Die Anerkennung von Kursen zum Erwerb der Fachkunde orientiert sich an den Anforderungen in Abschnitt 5 der Fachkunde-Richtlinie Technik nach StrlSchV.
Die Dauer der Kurse für Strahlenschutzbeauftragte nach Abschnitt 2.2 muss insgesamt mindestens 160 Unterrichtseinheiten zu 45 Minuten betragen. Die Lehrinhalte sollten sich generell an den Tätigkeiten eines Strahlenschutzbeauftragten orientieren.
Bei einer Kursdauer von 160 Unterrichtseinheiten soll sich die Aufteilung der Unterrichtseinheiten auf die Lehrinhalte an folgenden Werten orientieren:
Lehrinhalte I und II
zusammen 20 Unterrichtseinheiten
Lehrinhalte III
Lehrinhalte IV
Lehrinhalte V, VI und VII
zusammen 60 Unterrichtseinheiten
Lehrinhalte VIII und IX
Lehrinhalte X
Lehrinhalte XI
andere Verordnungen zum AtG
andere einschlägige Gesetze und Verordnungen
(z.B. Wasserrecht, Abfallrecht)
EURATOM, IAEA
BMU/BMI-Richtlinien
Allgemeine Verwaltungsvorschriften,
z.B. AVV Strahlenpass
ICRP-Empfehlungen
SSK-, RSK-, ESK-Empfehlungen
technische Normen, z.B. DIN, CEN, ISO
nach § 33 StrlSchV
Strahlenphysikalische und radiochemische Grundlagen
Abschirmung von Strahlung
Strahlenschutz-Messtechnik und Dosimetrie
Grundlagen der Strahlenschutz-Messtechnik
Personendosismessung
Inkorporationsmessung und -überwachung
Körperdosisermittlung
Kontaminationsmessung und -überwachung
Aktivitätsbestimmung (Luft, Wasser, Boden)
Funktionskontrolle von Messgeräten
Fehlermöglichkeiten bei der Strahlungsmessung
Strahlenschutz-Techniken
Arbeitsplanung und Strahlenschutzplanung
Abgabe radioaktiver Stoffe an die Umwelt
Materialdekontamination
Reststoff- und Abfallbehandlung
Dichtheitsprüfung umschlossener radioaktiver Stoffe
Verpackung, Beförderung
medizinische Schutzmaßnahmen
Voraussetzungen für den Einsatz persönlicher Schutzausrüstung
Alarmplanung, Maßnahmen und Verhalten bei Stör- und Unfällen
Maßnahmen zur Sicherung radioaktiver Stoffe
Grundlagen der Reaktortechnik
Aufbau einer Anlage zur Spaltung von Kernbrennstoffen
Steuerung des Reaktors
Reaktorchemie
Chemische Analysetechnik
Reaktorbetrieb und -sicherheit
Reaktorschutz
Betriebsstörungen an wichtigen Systemen
Strahlenexposition in der Umgebung
Ausbreitung von Schadstoffen in Luft und Wasser
Radionuklidtransfer, Fallout, Washout
Berechnung der Strahlenexposition
Kerntechnischer Notfallschutz
Strahlenschutz-Instrumentierung für den Notfall- und Katastrophenschutz
Einführung in Aufbau und Funktion der Anlage
Systeme zur Behandlung radioaktiver Stoffe
Systeme zur Vermeidung und Beherrschung von Störfällen
Warten und Leitstände
Bedeutung der Systeme für den Strahlenschutz; Strahlenschutzbereiche
Aktivitätsfreisetzungen in der Anlage
Zusammenarbeit zwischen Strahlenschutz, Brandschutz und Arbeitsschutz
Organisation in der Anlage
Strahlenschutz-Organisation
Strahlenschutz in der Anlage und in der Umgebung
Strahlenschutzmessgeräte und Aktivitätsmessgeräte
Physikalische Strahlenschutzkontrolle und ärztliche Überwachung
Praktische Strahlenschutztätigkeiten
Behandlung von Reststoffen und radioaktiven Abfällen
Emission und Immission (Umgebungsüberwachung)
Vorschriften und Auflagen
Strahlenschutzrelevante Vorschriften
Störfallkapitel
Prüfhandbuch (strahlenschutzrelevante Wiederholungsprüfung)
Briefkopf der ausbildenden Stelle
über den Erwerb praktischer Erfahrung gemäß der Richtlinie für die Fachkunde von Strahlenschutzbeauftragten in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen.
Frau/Herr ________
geboren am ________ in ________
wohnhaft in ________
war vom ________ bis ________ in ________________________(Anlage) tätig und wurde mit den folgenden Aufgaben betraut:
Der Erwerb der praktischen Erfahrung erfolgte in folgenden Anlagenbereichen:
Es wird bestätigt, dass Herr/Frau ________ die praktische Erfahrung über ________ (Zeitraum) erworben hat und die erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungen besitzt, die für die Fachkunde im Strahlenschutz erforderlich sind.
Name (Unterschrift des SSV)

References: § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 3
 § 7
 § 31
 § 7
 § 34
 § 31
 § 30
 § 33
 § 30
 § 7
 § 30
 § 33