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Timestamp: 2020-07-09 12:08:23+00:00

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Festsetzung eines Zwangsgelds gegen den Erben wegen Nichterfüllung der betreuungsgerichtlichen Anordnung zur Einreichung eine Schlussrechnung; Ermächtigung des Betreuungsgerichts zur zwangsweisen Durchsetzung betreuungsgerichtlicher Anordnungen; Beendigung der gerichtlichen Aufsichtspflicht mit der Beendigung der Betreuung (hier: Tod des Betreuers) - Rechtsportal
BGB §§ 1837 Abs. 3 S. 1, 1890 S. 1, 1892 Abs. 1, 1908 i Abs. 1 S. 1, 1922
BGB § 1837 Abs. 3 S. 1
BGB § 1890 S. 1
BGB § 1892 Abs. 1
BGH, Beschluss vom 26.07.2017 - Aktenzeichen XII ZB 515/16
DRsp Nr. 2017/11862
BGB §§ 1837 Abs. 3 Satz 1, 1890 Satz 1, 1892 Abs. 1, 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1922 Endet das Betreueramt durch den Tod des Betreuers, kann gegen dessen Erben wegen Nichterfüllung der betreuungsgerichtlichen Anordnung, gemäß §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1892 Abs. 1 BGB eine Schlussrechnung einzureichen, kein Zwangsgeld nach §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1837 Abs. 3 BGB festgesetzt werden.
BGB § 1837 Abs. 3 S. 1; BGB § 1890 S. 1; BGB § 1892 Abs. 1 ; BGB § 1908i Abs. 1 S. 1; BGB § 1922 ;
a) Nach § 1837 Abs. 3 BGB , der in Betreuungssachen nach § 1908 i Abs. 1 Satz 1 BGB entsprechende Anwendung findet, kann das Betreuungsgericht den Betreuer zur Befolgung seiner Anordnungen durch Festsetzung von Zwangsgeld anhalten. Diese Ermächtigung zur zwangsweisen Durchsetzung betreuungsgerichtlicher Anordnungen findet ihre Rechtfertigung darin, dass das Betreuungsgericht gemäß §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1837 Abs. 2 Satz 1 BGB zur Aufsicht über die Rechtmäßigkeit der Führung der Betreuung verpflichtet ist (Staudinger/Bienwald BGB [2013] § 1908 i Rn. 259; Jürgens/von Crailsheim Betreuungsrecht 5. Aufl. § 1837 BGB Rn. 2) und eine effektive Wahrnehmung dieser Aufgabe ohne die Möglichkeit, gegebenenfalls zwangsweise auf den Betreuer mit einem solchen Beugemittel einzuwirken, nicht möglich wäre (Staudinger/Veit BGB [2014] § 1837 Rn. 49). Die gerichtliche Aufsichtspflicht und die damit verbundene Befugnis des Betreuungsgerichts zur Festsetzung eines Zwangsgelds enden allerdings grundsätzlich mit der Beendigung der Betreuung oder der Beendigung des Amts des Betreuers (vgl. Staudinger/Veit BGB [2014] § 1837 Rn. 52 mwN; MünchKommBGB/Kroll-Ludwigs 7. Aufl. § 1837 Rn. 11). Nur soweit zur Abwicklung der Betreuung noch Tätigkeiten des ehemaligen Betreuers erforderlich sind, bleiben die Aufsichtspflicht und die damit verbundenen Befugnisse des Betreuungsgerichts bestehen. Deshalb kann das Betreuungsgericht insbesondere den ehemaligen Betreuer durch Zwangsgeld dazu anhalten, gemäß §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1892 Abs. 1 BGB eine formal ordnungsgemäße Schlussrechnung einzureichen (BayObLG BtPrax 2001, 39 , 40; OLG Jena FamRZ 2001, 579 , 581).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdegerichts trifft den Erben daher auch nicht die Verpflichtung, gemäß §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1892 Abs. 1 BGB eine Schlussrechnung beim Betreuungsgericht einzureichen. Diese Vorschrift steht im Zusammenhang mit der Aufsichtspflicht des Betreuungsgerichts über die Amtsführung des Betreuers und bildet eine über die Dauer des Amts des Betreuers hinausgehende Aufsichtsbefugnis des Betreuungsgerichts, die Erfüllung der Pflicht zur Rechnungslegung nach §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1890 Abs. 1 BGB , gegebenenfalls auch zwangsweise, durchzusetzen (vgl. Staudinger/Veit BGB [2014] § 1892 Rn. 1 f.). Bei der Pflicht zur Einreichung einer Schlussrechnung nach §§ 1908 Abs. 1 Satz 1, 1892 Abs. 1 BGB handelt es sich daher nicht um eine Verbindlichkeit, die sich aus der Amtsführung des verstorbenen Betreuers ergibt und die gemäß § 1922 BGB auf den Erben übergehen könnte, sondern um eine mit dem Betreueramt verbundene Pflicht, die nicht auf den Erben übergeht.
3. Die angegriffene Entscheidung kann daher keinen Bestand haben. Der Senat kann in der Sache abschließend entscheiden, weil die Voraussetzungen für die Verhängung eines Zwangsgelds gemäß §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1837 Abs. 3 Satz 1 BGB nicht vorliegen und die Sache somit zur Endentscheidung reif ist (vgl. § 74 Abs. 6 Satz 1 FamFG ).
Vorinstanz: AG Bergheim, vom 29.06.2016 - Vorinstanzaktenzeichen 73 XVII 260/07
Vorinstanz: LG Köln, vom 29.09.2016 - Vorinstanzaktenzeichen 6 T 229/16
Zitieren: BGH - Beschluss vom 26.07.2017 (XII ZB 515/16) - DRsp Nr. 2017/11862

References: § 1837
 § 1890
 § 1892
 § 1837
 § 1890
 § 1892
 § 1908
 § 1922
 § 1837
 § 1908
 § 1908
 § 1837
 § 1837
 § 1837
 § 1837
 § 1892
 § 1922
 § 74
 BGH