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Timestamp: 2018-12-17 15:06:14+00:00

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Unabhängiger Verwaltungssenat des Landes Oberösterreich - VwSen-230023/2/Gf/Kf
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VwSen-230023/2/Gf/Kf
Linz, 30.01.1992
VwSen - 230023/2/Gf/Kf Linz, am 30. Jänner 1992 DVR.0690392 - &
Der unabhängige Verwaltungssenat des Landes Oberösterreich hat durch sein Mitglied Dr. Alfred Grof über die Berufung des F gegen das Straferkenntnis der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach vom 24. Jänner 1991, Zl. Sich-96/452/1991, zu Recht erkannt:
I. Die Berufung wird abgewiesen.
Der Berufungswerber ist schuldig, in der Zeit vom 4. September 1991 bis 24. Jänner 1991 die Verwaltungsübertretung des § 14b Abs.1 Z.4 i.V.m. § 2 Abs.1 Z.2 des Fremdenpolizeigesetzes, BGBl.Nr. 75/1954, zuletzt geändert durch BGBl.Nr. 406/1991, dadurch begangen zu haben, daß er sich ohne den erforderlichen gültigen Sichtvermerk im Bundesgebiet aufgehalten hat, und wird hiefür mit einer Geldstrafe von 300 S, im Falle der Uneinbringlichkeit mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 18 Stunden, belegt.
II. Der Berufungswerber hat gemäß § 64 Abs.1 und 2 VStG einen Beitrag zu den Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens in Höhe von 30 S und zu den Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 60 S, das sind insgesamt 90 S, binnen 14 Tagen bei sonstiger Exekution zu leisten.
1. Der vorliegenden Beschwerde liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
1.1. Mit Strafverfügung des Bezirkshauptmannes von Rohrbach vom 21. November 1991, Zl. Sich-96/452/1991, wurde über den Beschwerdeführer - einen deutschen Staatsangehörigen - wegen Übertretung des Fremdenpolizeigesetzes eine Geldstrafe von 300 S (Ersatzfreiheitsstrafe: 18 Stunden) verhängt.
Dagegen hat der Beschwerdeführer rechtzeitig Einspruch erhoben.
1.2. Mit Straferkenntnis des Bezirkshauptmannes von Rohrbach vom 24. Jänner 1992, Zl. Sich-96/452/1991, wurde dieser Einspruch abgewiesen und über den Beschwerdeführer neuerlich eine Geldstrafe von 300 S (Ersatzfreiheitsstrafe: 18 Stunden) verhängt, weil sich dieser vom 4. September 1991 bis 24. Jänner 1992 ohne gültigen Sichtvermerk und damit entgegen § 14b Abs. 1 Z. 4 i.V.m. § 2 Abs. 1 Z. 2 des Fremdenpolizeigesetzes im Bundesgebiet aufgehalten hat.
1.3. Gegen dieses dem Beschwerdeführer am 24. Jänner 1991 mündlich verkündete Straferkenntnis richtet sich die vorliegende, bei der belangten Behörde am selben Tag mündlich eingebrachte Beschwerde.
2.1. Im angefochtenen Straferkenntnis führt die belangte Behörde begründend aus, daß der dem Beschwerdeführer erteilte Sichtvermerk am 3. September 1991 abgelaufen und ihm erst am 24. Jänner 1992 ein neuer Sichtvermerk erteilt worden sei. Daß der Beschwerdeführer in diesem Zeitraum seinen ständigen Aufenthalt in Österreich hatte, stehe zweifelsfrei fest. Der Umstand, daß der Beschwerdeführer vorgeblich wegen einer Erkrankung nicht in der Lage gewesen wäre, bis zum 24. Jänner 1992 einen Antrag auf Erteilung eines Sichtvermerkes zu stellen, könne die Tat deshalb nicht entschuldigen, weil der Beschwerdeführer trotz seiner Erkrankung durchaus dispositionsfähig gewesen wäre.
2.2. Dagegen bringt der Beschwerdeführer, der in seiner mündlichen Berufung auf seine bisherigen Einspruchsgründe verweist und diese damit zum Berufungsvorbringen erhebt, im wesentlichen vor, daß die Gültigkeit seines alten Reisepasses am 3. September endete und er diesen bei der Abholung des neuen Reisepasses zurückgeben hätte müssen; infolge seiner Erkrankung und einer Lehrverpflichtung seiner Gattin an bayerischen Schulen hätte er die für Anfang September geplante Abholung jedoch erst im Oktober vornehmen können. Am 11. Oktober 1991 sei er schließlich zur Bezirkshauptmannschaft Rohrbach gefahren, um die Verlängerung der Gültigkeitsdauer des zwischenzeitlich abgelaufenen Sichtvermerkes zu beantragen. Dort sei er jedoch zur Behandlung seiner Eingabe an den zuständigen Beamten verwiesen worden, der erst wieder am 14. Oktober 1991 zu erreichen gewesen sei. Am letztgenannten Tag habe er bei der belangten Behörde fernmüdlich vorgebracht, wegen einer erforderlichen Spitalsbehandlung nicht vor der zweiten Novemberhälfte erscheinen zu können; der zuständige Sachbearbeiter habe jedoch auf einer unverzüglichen Vorsprache beharrt. In der Folge sei dem betagten Beschwerdeführer aufgrund widriger Umstände (eigene Krankheit, Pflegebedürftigkeit seiner Gattin, katastrophale Schneeverhältnisse) ein Erscheinen bei der Behörde nicht vor dem 24. Jänner 1992 möglich gewesen.
Aus diesen Gründen wird die Aufhebung des angefochtenen Straferkenntnisses beantragt.
3.1. Die belangte Behörde hat die Verwaltungsakten vorgelegt und in diesem Zusammenhang keine Gegenschrift erstattet.
3.2. Der unabhängige Verwaltungssenat des Landes Oberösterreich hat Beweis erhoben durch Einsichtnahme in den Verwaltungsakt der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach zu Zl. Sich-96/452/1991; da aus diesem der Sachverhalt hinreichend geklärt erschien und mit der vorliegenden Berufung nur eine unrichtige rechtliche Beurteilung behauptet und ein entsprechender Antrag von den Parteien nicht gestellt wurde, konnte von der Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung gemäß § 51e Abs. 2 VStG abgesehen werden.
Im Zuge dieser Beweisaufnahme wurde der oben unter 1. dargestellte Sachverhalt als erwiesen festgestellt.
4. In der Sache selbst hat der unabhängige Verwaltungssenat des Landes Oberösterreich erwogen:
4.1. Gemäß § 14b Abs. 1 Z. 4 i.V.m. § 2 Abs. 1 Z. 2 des Fremdenpolizeigesetzes, BGBl.Nr. 75/1954, zuletzt geändert durch BGBl.Nr. 406/1991 (im folgenden: FrPG), begeht derjenige Fremde eine Verwaltungsübertretung und ist mit Geldstrafe bis zu 10.000 S zu bestrafen, der sich ohne den erforderlichen gültigen Sichtvermerk im Bundesgebiet aufhält.
4.2. Die objektive Tatseite blieb vom Beschwerdeführer unbestritten; er vermeint jedoch, daß seine Bestrafung wegen des Vorliegens von Entschuldigungsgründen gehindert sei.
Weder im Verwaltungsstrafverfahren noch mit der vorliegenden Beschwerde wurden nämlich vom Beschwerdeführer Gründe dafür vorgebracht, weshalb er an der rechtzeitigen Antragstellung zur Verlängerung der Gültigkeitsdauer seines Sichtvermerkes gehindert gewesen wäre; die vom Beschwerdeführer ins Treffen geführten widrigen Umstände beziehen sich vielmehr durchwegs auf einen nach dem Ablauf der Gültigkeitsdauer des Sichtvermerkes liegenden Zeitraum. Selbst wenn man daher sein Vorbringen als zutreffend unterstellt, vermag es sohin das Verhalten des Beschwerdeführers, daß sich dieser - was ihm bei gebührender Sorgfalt ohne weiteres möglich gewesen wäre - nicht schon zeitgerecht vor dem Ablauf der Gültigkeitsdauer des Sichtvermerkes um dessen Verlängerung bemüht hat, nicht zu rechtfertigen. Es kann daher keine Rede davon sein, daß den Beschwerdeführer kein Verschulden an der Verletzung des § 14b Abs. 1 Z. 4 i.V.m. § 2 Abs. 1 Z. 2 FrPG trifft. Damit ist aber dessen Strafbarkeit gemäß § 5 VStG gegeben.
4.3. Bezüglich der Höhe der verhängten Strafe - die sich im untersten Dreißigstel des gesetzlichen Strafrahmens bewegt - kann der belangten Behörde gleichfalls keine Rechtswidrigkeit angelastet werden: Die Grundsätze des § 19 VStG wurden beachtet, insbesondere wurde die bisherige Unbescholtenheit des Beschwerdeführers als strafmildernd und dessen Einkommens-, Familien- und Vermögensverhältnisse entsprechend berücksichtigt.
4.4. Aus allen diesen Gründen war daher die vorliegende Beschwerde abzuweisen.
5. Bei diesem Verfahrensergebnis war dem Beschwerdeführer gemäß § 64 Abs. 1 und 2 VStG ein Beitrag zu den Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens in Höhe von 10% der verhängten Geldstrafe, d.s. 30 S, und zu den Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von 20% der verhängten Strafe, d.s. 60 S, sohin insgesamt in Höhe von 90 S, vorzuschreiben.
Gegen diesen Bescheid kann von den Parteien des Verfahrens (§ 51d VStG) innerhalb von sechs Wochen ab Zustellung eine Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof oder an den Verfassungsgerichtshof erhoben werden; diese muß - von gesetzlichen Ausnahmen abgesehen - jeweils von einem Rechtsanwalt unterschrieben sein.
Linz, am 30. Jänner 1992 Für den O.ö. Verwaltungssenat:

References: § 14
 § 2
 § 64
 § 14
 § 2
 § 51
 § 14
 § 2
 § 14
 § 2
 § 5
 § 19
 § 64