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Timestamp: 2016-10-28 04:50:39+00:00

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6B_302/2011 (29.08.2011)
A.________, vertreten durch Rechtsanwalt Michael H�fliger,
Am 19. September 2008 ereignete sich auf der Hauptstrasse zwischen Reiden (LU) und Wikon (LU) eine Kollision zwischen A.________, die mit ihrem Fahrrad unterwegs war, und einem von X.________ gelenkten Lieferwagen. A.________ wartete an der Verzweigung Bodenachermatte, um die Hauptstrasse zu �berqueren. Als sie losfuhr, wurde sie vom Lieferwagen erfasst, der sich ihr von rechts auf der Hauptstrasse n�herte und in Richtung Wikon unterwegs war. Durch die Kollision erlitt A.________ insbesondere ein schweres Sch�delhirntrauma. Sie wird zeitlebens schwerst behindert bleiben.
Mit Entscheid des Amtsstatthalteramts Willisau vom 16. M�rz 2010 wurde X.________ der fahrl�ssigen schweren K�rperverletzung schuldig gesprochen. Das Amtsstatthalteramt bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 20 Tagess�tzen zu Fr. 120.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie mit einer Busse in der H�he von Fr. 500.--. Gegen diesen Entscheid erhob X.________ Einsprache.
Das Amtsgericht Willisau sprach X.________ mit Urteil vom 16. September 2010 der fahrl�ssigen schweren K�rperverletzung schuldig. Es best�tigte das durch das Amtsstatthalteramt festgesetzte Strafmass. Eine von X.________ dagegen erhobene Berufung hiess das Obergericht des Kantons Luzern mit Entscheid vom 28. Januar 2011 gut. Es sprach ihn von Schuld und Strafe frei.
Sowohl A.________ (6B_302/2011) als auch die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern (6B_313/2011) f�hren Beschwerde in Strafsachen. Sie beantragen, der Entscheid des Obergerichts des Kantons Luzern sei aufzuheben, und X.________ sei wegen fahrl�ssiger schwerer K�rperverletzung schuldig zu sprechen und zu bestrafen.
1.1 Zur Beschwerde in Strafsachen ist nach Art. 81 Abs. 1 BGG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine M�glichkeit zur Teilnahme erhalten hat (lit. a) und ein rechtlich gesch�tztes Interesse an der Aufhebung oder �nderung des angefochtenen Entscheids hat (lit. b). Da der angefochtene Entscheid nach dem 31. Dezember 2010 datiert, beurteilt sich die Frage des rechtlich gesch�tzten Interesses nach der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Fassung von Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG (Art. 132 Abs. 1 BGG). Danach wird der Privatkl�gerschaft ein rechtlich gesch�tztes Interesse zuerkannt, wenn der angefochtene Entscheid sich auf die Beurteilung ihrer Zivilanspr�che auswirken kann (Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG).
1.2 Die Beschwerdef�hrerin hat am kantonalen Verfahren als Privatkl�gerin teilgenommen. Der Freispruch von X.________ (nachfolgend: Beschwerdegegner 2) kann sich auf ihre Zivilanspr�che auswirken (Art. 46, Art. 47 und Art. 53 OR). Auf ihre Beschwerde kann daher eingetreten werden.
Die Beschwerdef�hrerin wirft der Vorinstanz eine willk�rliche Beweisw�rdigung (Art. 9 BV) vor.
2.2 Unbestritten ist, dass die Beschwerdef�hrerin mit ihrem Fahrrad an der Wartelinie der Bodenachermatte stillstand, um die Hauptstrasse in Richtung Riederstrasse zu �berqueren. Hinter ihr befand sich ein Fahrzeug. Rund 80 Meter vor dem Beschwerdegegner 2 bog ein Personenwagen von der Hauptstrasse links in die Bodenachermatte ein. Zwei Fahrzeuge fuhren von Wikon her kommend in Richtung Reiden, passierten die Beschwerdef�hrerin und kreuzten den Beschwerdegegner 2. In der Riederstrasse befanden sich keine Verkehrsteilnehmer. Weitere Fahrzeuge oder Personen stellt die Vorinstanz nicht fest. Die signalisierte H�chstgeschwindigkeit auf der vortrittsberechtigten Hauptstrasse betr�gt 60 km/h und wurde vom Beschwerdegegner 2 nicht �berschritten. Die Beschwerdef�hrerin fuhr los und wurde vom Beschwerdegegner 2 erfasst, als sie sich bereits auf seiner rechten Fahrspur befand. Der Beschwerdegegner 2 erblickte sie 0.3 Sekunden vor der Kollision. Sein Abstand zum Unfallort betrug zu dem Zeitpunkt vier bis f�nf Meter.
2.3 Gem�ss Art. 26 Abs. 1 SVG muss jedermann sich im Verkehr so verhalten, dass er andere in der ordnungsgem�ssen Ben�tzung der Strasse weder behindert noch gef�hrdet. Nach Art. 26 Abs. 2 SVG ist besondere Vorsicht geboten unter anderem gegen�ber Kindern, Gebrechlichen und alten Leuten.
2.3.1 Die Vorinstanz erw�gt, es sei fraglich, ob die Beschwerdef�hrerin vom Beschwerdegegner 2 als Kind h�tte wahrgenommen werden k�nnen. Die Beschwerdef�hrerin sei knapp 13 Jahre alt gewesen. Aus "gr�sserer Distanz" sei es "schwierig bis unm�glich, bei jugendlichen Radfahrern das genaue Alter sch�tzen zu k�nnen". Die K�rpergr�sse sei kein ausreichendes Indiz, da auf dem Fahrrad alle Personen kleiner erscheinen w�rden. Auch sei das Fahrrad auf Distanz nicht als Kinderfahrrad erkennbar gewesen. Kinder m�ssten schon bei kurzer Betrachtung als solche erkennbar sein. Das sei f�r den Beschwerdegegner 2 nicht m�glich gewesen (angefochtener Entscheid S. 7 f.).
2.3.2 Die Beschwerdef�hrerin r�gt, die Vorinstanz verfalle in Willk�r, indem sie die sofortige Erkennbarkeit als Kind verneine. Sie sei im Unfallzeitpunkt 145 cm gross gewesen und f�r ihr Alter sehr klein gewachsen. Auch habe sie weniger als 30 kg gewogen. Ihre K�rpergr�sse habe der durchschnittlichen K�rpergr�sse eines rund 10�-j�hrigen M�dchens entsprochen. Zudem sei sie auf einem roten Kinderfahrrad unterwegs gewesen. Sie sei auf den ersten Blick als Kind erkennbar gewesen (Beschwerde S. 9 f.).
2.3.3 Die Beschwerdef�hrerin war im Unfallzeitpunkt 12 Jahre und 10 Monate alt sowie gem�ss Rapport der Kantonspolizei Luzern vom 21. September 2008 145 cm gross. Soweit die Vorinstanz feststellt, es sei aus gr�sserer Distanz schwierig oder unm�glich, bei jugendlichen Radfahrern das genaue Alter zu sch�tzen, gehen diese Erw�gungen an der Sache vorbei. Wesentlich ist, ob die Beschwerdef�hrerin f�r den Beschwerdegegner 2 als Kind erkennbar war respektive bei gebotener Aufmerksamkeit erkennbar gewesen w�re. Die Vorinstanz verweist auf den Entscheid BGE 129 IV 282, wonach Kinder zwischen 4 und 14 Jahren im Strassenverkehr besonders h�ufig Unfallopfer w�rden. Da die Beschwerdef�hrerin knapp 13 Jahre alt sei, sei sie am oberen Ende des Schutzbereiches. Diese Erw�gungen sind im Zusammenhang mit der hier interessierenden Frage nicht plausibel. Der Umstand, dass Kinder in einem bestimmten Alter im Strassenverkehr anteilsm�ssig am h�ufigsten Opfer schwerer oder t�dlicher Verletzungen werden, erlaubt R�ckschl�sse auf ihre (kognitiven und k�rperlichen) F�higkeiten und ihr (schutzbed�rftiges) Verhalten (vgl. dazu REN� SCHAFFHAUSER, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2002, N. 443; PHILIPPE WEISSENBERGER, Kommentar zum Strassenverkehrsrecht, 2011, N. 14 ff. zu Art. 26 SVG). Er tangiert hingegen die Frage der Erkennbarkeit als Kind nicht.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist die K�rpergr�sse ohne Zweifel wesentliches Kriterium, um einen Verkehrsteilnehmer als Kind, Jugendlichen oder erwachsene Person erkennen zu k�nnen. Die Beschwerdef�hrerin war ihrem Alter entsprechend klein gewachsen. Ihre K�rpergr�sse entsprach einem rund 11-j�hrigen M�dchen (vgl. die von der Schweizerischen Gesellschaft f�r P�diatrie empfohlenen Wachstumskurven auf www.kispi.uzh.ch, welche sich auf die Angaben der Weltgesundheitsorganisation st�tzen). Ein solches M�dchen ist als Kind erkennbar. Konkrete Umst�nde, welche den gegenteiligen Schluss erlauben w�rden, h�lt die Vorinstanz nicht fest. Insbesondere stellt sie nicht fest, dass die Sicht des Beschwerdegegners 2 auf die Bodenachermatte eingeschr�nkt gewesen w�re, als die Beschwerdef�hrerin an der Wartelinie stand respektive als sie losfuhr und die Hauptstrasse �berquerte. Diese ist an der fraglichen Stelle gerade und �bersichtlich. Der Unfall ereignete sich bei Tageslicht und trockenem Wetter. Der Beschwerdegegner 2 hatte freie Sicht auf die Verzweigung Bodenachermatte, die stillstehende Beschwerdef�hrerin und das hinter ihr wartende Auto (erstinstanzlicher Entscheid S. 10 f.; angefochtenes Urteil S. 6 mit Verweis auf das Gutachten S. 20). Zudem war die Beschwerdef�hrerin mit einem Kinderfahrrad unterwegs. Aus dem Umstand, dass sie an der Wartelinie (allenfalls) auf dem Sattel ihres Kinderfahrrades sass, kann nichts zu Gunsten des Beschwerdegegners 2 abgeleitet werden. Indem die Vorinstanz davon ausgeht, die Beschwerdef�hrerin sei f�r den Beschwerdegegner 2 nicht als Kind erkennbar gewesen, stellt sie den Sachverhalt willk�rlich fest. Die Beschwerdef�hrerin r�gt zutreffend, die Argumentation im angefochtenen Entscheid lasse den Schutzgedanken der den Vertrauensgrundsatz relativierenden Bestimmung in Art. 26 Abs. 2 SVG ins Leere laufen.
2.4.1 Betreffend die Beschleunigung des Fahrrades ab der Wartelinie erw�gt die Vorinstanz, die Beschwerdef�hrerin habe die Hauptstrasse m�glichst schnell �berqueren wollen. Deshalb sei davon auszugehen, dass sie beim Losfahren mit 1.4 m/s� maximal beschleunigt habe (angefochtener Entscheid S. 10 f.).
2.4.2 Die Beschwerdef�hrerin bringt vor, die Vorinstanz setze sich willk�rlich �ber die Ausf�hrungen im Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Z�rich vom 25. Januar 2010 hinweg. Das Gutachten halte ausdr�cklich fest, dass eine maximale Beschleunigung als nicht plausibel erachtet werde. Die abweichende Beurteilung der Vorinstanz ohne triftigen Grund sei willk�rlich. Die maximale Beschleunigung von 1.4 m/s� sei in einem Versuch von einem 12-j�hrigen Knaben erreicht worden. Eine solche Testperson sei durchschnittlich 156 cm gross und somit deutlich gr�sser als sie (Beschwerde S. 14 ff.).
2.4.3 Das Gericht w�rdigt Gutachten grunds�tzlich frei. In Fachfragen darf es davon indessen nicht ohne triftige Gr�nde abweichen, und Abweichungen m�ssen begr�ndet werden. Ein Abweichen ist zul�ssig, wenn die Glaubw�rdigkeit des Gutachtens durch die Umst�nde ernsthaft ersch�ttert ist. Umgekehrt kann das Abstellen auf nicht schl�ssige Gutachten unter Verzicht auf die gebotenen zus�tzlichen Beweiserhebungen gegen das Willk�rverbot und gegen Verfahrensrechte der Parteien verstossen (BGE 136 II 539 E. 3.2 S. 547 f.; 133 II 384 E. 4.2.3 S. 391; 132 II 257 E. 4.4.1 S. 269; je mit Hinweisen).
2.4.4 Das Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Z�rich h�lt zur Beschleunigung Folgendes fest: Versuche mit Kindern im Alter von 9 bis 12 Jahren h�tten in den ersten vier Sekunden nach dem Anfahren mit dem Fahrrad durchschnittliche Beschleunigungswerte von 0.65 m/s� bis 1.4 m/s� ergeben. Der untere Grenzwert sei durch ein 9-j�hriges M�dchen und der obere Grenzwert durch einen 12-j�hrigen Knaben erzielt worden. Eine Beschleunigung von 1.4 m/s� sei im konkreten Fall nicht plausibel. In Bezug zum rekonstruierten Kollisionsbereich habe sich die Endlage der Beschwerdef�hrerin etwas entgegen ihrer Fahrtrichtung zum Kollisionsort befunden. Auf Grund der Wurfrichtung der Beschwerdef�hrerin und des Fahrrades sei sie mit einer Geschwindigkeit im unteren Bereich des m�glichen Spektrums kollidiert (Gutachten S. 17 f. und 23 f.). Damit geht das Gutachten in Bezug auf die Beschleunigung ebenfalls von Werten im unteren Bereich der Bandbreite (0.65 m/s� bis 1.4 m/s�) aus. Eine maximale Beschleunigung schliesst es ausdr�cklich aus.
Diese Erw�gungen in der Expertise sind nachvollziehbar. Insbesondere ist naheliegend, dass die Beschwerdef�hrerin unter Ber�cksichtigung ihrer K�rpergr�sse nicht die gleiche Tretkraft erzielte wie ein 12-j�hriger Junge. Inwiefern das Gutachten in diesem wesentlichen Punkt nicht schl�ssig erscheinen sollte, legt die Vorinstanz nicht dar. Insbesondere setzt sie sich mit den entsprechenden Ausf�hrungen betreffend die Wurfrichtung der Beschwerdef�hrerin und des Fahrrades, welche laut Gutachten eine eher tiefe Beschleunigung indiziert, nicht auseinander. Sie mutmasst, dass die Beschwerdef�hrerin die Strasse m�glichst schnell habe �berqueren wollen. Damit weist sie in keiner Weise auf Umst�nde hin, welche die Glaubw�rdigkeit des Gutachtens ersch�ttern k�nnten. Indem die Vorinstanz vom Gutachten ohne erkennbaren Grund abweicht, verf�llt sie ihn Willk�r.
Nicht zu h�ren ist die Beschwerdef�hrerin, soweit sie eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" r�gt. Die Unschuldsvermutung gem�ss Art. 32 Abs. 1 BV sch�tzt die angeklagte Person. Das Opfer kann daraus nicht ableiten, die Beweise seien im Untersuchungsverfahren im Zweifel zu seinen Gunsten zu w�rdigen, da dies zu einer Umkehrung des Grundsatzes f�hren w�rde (Urteil 6P.17/2004 vom 4. August 2004 E. 2.5).
2.5 Die willk�rliche Beweisw�rdigung betrifft, wie noch zu zeigen ist (E. 3 nachfolgend), entscheidrelevante Sachverhaltselemente.
3.1 Die Vorinstanz gelangt in rechtlicher Hinsicht zum Schluss, der Beschwerdegegner 2 habe sich regelkonform verhalten. Er sei vortrittsberechtigt gewesen und habe die signalisierte H�chstgeschwindigkeit von 60 km/h ausnutzen d�rfen. Da die Beschwerdef�hrerin nicht als Kind erkennbar gewesen sei, habe er unter diesem Aspekt keine besondere Vorsicht walten lassen m�ssen. Fraglich sei, ob Anzeichen f�r ein Fehlverhalten im Sinne von Art. 26 Abs. 2 SVG bestanden h�tten, als die Beschwerdef�hrerin die gelbe Linie des Radstreifens �berfahren habe. Diese Frage k�nne offengelassen werden. Dem Beschwerdegegner 2 sei selbst in diesem Fall keine Pflichtverletzung vorzuwerfen. Gem�ss der Einsch�tzung des Gutachters sei die Kollision zwei bis vier Sekunden nach dem �berfahren der gelben Linie erfolgt. Da die Beschwerdef�hrerin maximal beschleunigt habe, sei von einer Zeitspanne von lediglich zwei Sekunden auszugehen. Auf Grund der erforderlichen Blickzuwendung k�nne dem Beschwerdegegner 2 eine Reaktionszeit von 1.5 Sekunden nicht als Fahrl�ssigkeit zur Last gelegt werden. Deshalb sei der Unfall nicht vermeidbar gewesen (angefochtener Entscheid S. 4 ff.).
3.2 Die Beschwerdef�hrerin macht insbesondere geltend, der Beschwerdegegner 2 h�tte sie an der Wartelinie sehen k�nnen und - da die einzige m�gliche Gefahr aus dieser Richtung gekommen sei - bei Anwendung der gebotenen Aufmerksamkeit auch sehen m�ssen. Indem er den hinter ihr wartenden Personenwagen, nicht aber sie selbst erblickt habe, habe er Art. 31 SVG verletzt. Sie sei als Kind erkennbar gewesen. Ebenso sei ersichtlich gewesen, dass sie die Strasse habe �berqueren wollen. Deshalb h�tte der Beschwerdegegner 2 reagieren m�ssen, als sie von der Wartelinie losgefahren sei. Laut Einsch�tzung des Gutachters seien ab diesem Zeitpunkt bis zur Kollision 3.2 bis 5.8 Sekunden verstrichen. Deshalb h�tte der Unfall verhindert werden k�nnen (Beschwerde S. 4 ff.).
3.3.1 Fahrl�ssig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht R�cksicht nimmt (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrl�ssiger K�rperverletzung gem�ss Art. 125 StGB setzt somit voraus, dass der T�ter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der T�ter zum Zeitpunkt der Tat auf Grund der Umst�nde sowie seiner Kenntnisse und F�higkeiten die damit bewirkte Gef�hrdung der Rechtsg�ter des Opfers h�tte erkennen k�nnen und m�ssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos �berschritten hat. F�r die Zurechenbarkeit des Erfolgs gen�gt die blosse Vorhersehbarkeit nicht. Erforderlich ist auch dessen Vermeidbarkeit. Der Erfolg ist vermeidbar, wenn er nach einem hypothetischen Kausalverlauf bei pflichtgem�ssem Verhalten des T�ters ausgeblieben w�re. Das Mass der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverh�tung und der Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64 mit Hinweisen).
3.3.2 Im Strassenverkehr richtet sich der Umfang der zu beachtenden Sorgfalt nach den Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes und der dazu geh�renden Verordnungen. Gem�ss Art. 31 Abs. 1 SVG hat der Lenker sein Fahrzeug st�ndig so zu beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Er muss jederzeit in der Lage sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede Gefahr ohne Zeitverlust zweckm�ssig zu reagieren. Er muss seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden (Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 [VRV; SR 741.11]). Das Mass der Aufmerksamkeit, das vom Fahrzeuglenker verlangt wird, beurteilt sich nach den gesamten Umst�nden, namentlich der Verkehrsdichte, den �rtlichen Verh�ltnissen, der Zeit, der Sicht und den voraussehbaren Gefahrenquellen. Wenn er sein Augenmerk im Wesentlichen auf bestimmte Stellen zu richten hat, kann ihm f�r andere eine geringere Aufmerksamkeit zugebilligt werden (BGE 129 IV 282 E. 2.2.1 S. 285; 127 II 302 E. 3c S. 303; je mit Hinweisen).
Art. 26 Abs. 2 SVG regelt besondere Vorsichtspflichten unter anderem gegen�ber Kindern. Danach kann sich der Verkehrsteilnehmer grunds�tzlich nicht auf das aus Art. 26 Abs. 1 SVG abgeleitete Vertrauensprinzip berufen. Dies gilt auch, wenn keine konkreten Anzeichen daf�r vorliegen, dass sich Kinder unkorrekt verhalten w�rden. Es bedarf vielmehr besonderer Umst�nde, um ein allenfalls begrenztes Vertrauen in das ordnungsgem�sse Verhalten dieser Strassenben�tzer zu rechtfertigen (BGE 129 IV 282 E. 2.2.1 S. 285 f. mit Hinweisen; SCHAFFHAUSER, a.a.O., N. 441; BUSSY/RUSCONI, Code suisse de la circulation routi�re, 3. Aufl. 1996, N. 6.2 zu Art. 26 SVG; WEISSENBERGER, a.a.O., N. 14 zu Art. 26 SVG). Der Verkehrsteilnehmer muss mithin mit Verkehrsregelverletzungen seitens dieser Strassenben�tzer rechnen und seine Fahrweise danach ausrichten, damit Gef�hrdungen und Sch�digungen m�glichst vermieden werden k�nnen. So hat er namentlich seine Geschwindigkeit zu m�ssigen, Bremsbereitschaft zu erstellen, dem Verhalten der Kinder gr�sste Aufmerksamkeit zu schenken und, wenn Kinder im Bereich der Strasse nicht auf den Verkehr achten, Warnsignale abzugeben und n�tigenfalls zu halten (SCHAFFHAUSER, a.a.O., N. 426 und N. 443; vgl. auch Art. 4 Abs. 3 und Art. 29 Abs. 2 VRV).
3.4.1 Der Beschwerdegegner 2 hatte freie Sicht auf die Verzweigung Bodenachermatte und die an der Einm�ndung stillstehende Beschwerdef�hrerin. Wie aufgezeigt, war die Beschwerdef�hrerin als Kind erkennbar (E. 2.2 und E. 2.3.3 hievor).
Der Beschwerdegegner 2 h�tte besondere Vorsicht walten lassen m�ssen. Der Umstand, dass die Beschwerdef�hrerin knapp 13 Jahre alt war, aller Wahrscheinlichkeit nach schon �ber eine gewisse Erfahrung im Strassenverkehr verf�gt und bereits Verkehrsunterricht genossen haben d�rfte, entlastet den Beschwerdegegner 2 nicht. Eine fixe Altersgrenze, von welcher an von Kindern ein vorschriftsgem�sses Verhalten erwartet werden kann und sie nicht mehr des besonderen Schutzes durch Art. 26 Abs. 2 SVG bed�rfen, l�sst sich nicht exakt bestimmen. Im Strassenverkehr gelten als Kinder junge Menschen, die nicht oder nur beschr�nkt in der Lage sind, die Gefahren des Verkehrs kognitiv zu verarbeiten. Ihr Wahrnehmungsprozess ist gegen�ber demjenigen Erwachsener verlangsamt. Ausserdem sind die Kinder in ihrem Verhalten sprunghaft und unberechenbar (BGE 129 IV 282 E. 2.2.2 S. 286 f. mit Hinweisen). Selbst wenn das Vertrauensprinzip bei einem knapp 13-j�hrigen Kind in gewissem Umfang zur Anwendung gelangen sollte, l�sst sich daraus nichts zugunsten des Beschwerdegegners 2 ableiten. Es fehlten nicht nur besondere Umst�nde, welche f�r ein begrenztes Vertrauen in ein ordnungsgem�sses Verhalten der Beschwerdef�hrerin im Verkehr gesprochen h�tten. Vielmehr verweist das Amtsgericht Willisau auf die Zeugenaussagen des hinter der Beschwerdef�hrerin wartenden Autolenkers, wonach sie ausschliesslich nach links und nicht in Richtung des herannahenden Beschwerdegegners 2 geschaut habe (erstinstanzlicher Entscheid S. 6 f. und Protokoll der Zeugeneinvernahme von Z.________ Ziffer 19; angefochtener Entscheid S. 10). Somit waren Anzeichen vorhanden, dass sich die Beschwerdef�hrerin nicht situationsgerecht verhielt. Andere Umst�nde zu Gunsten des Beschwerdegegners 2 stellt die Vorinstanz nicht fest.
3.4.2 Die Annahme der Vorinstanz, der Beschwerdegegner 2 habe seinen Blick "in alle relevanten Richtungen wandern" lassen und in Richtung der Beschwerdef�hrerin respektive des hinter ihr wartenden Fahrzeugs keine erh�hte Aufmerksamkeit anwenden m�ssen, verletzt Bundesrecht. Unter Ber�cksichtigung der konkreten Verh�ltnisse war die wesentliche und voraussehbare Gefahrenquelle die Einm�ndung in die Bodenachermatte. Auf diese Verkehrssituation hatte der Beschwerdegegner 2 sein Augenmerk schwergewichtig zu richten. Gleichzeitig durfte er der nicht befahrenen Riederstrasse weniger Aufmerksamkeit schenken.
3.4.3 Es stellt sich die Frage, wann der Beschwerdegegner 2 h�tte erkennen m�ssen, dass die Beschwerdef�hrerin die Fahrbahn durchqueren wollte. H�tte er ihr seine haupts�chliche Aufmerksamkeit gewidmet, h�tte er ihr Fehlverhalten grunds�tzlich bereits bemerken k�nnen, als sie die Wartelinie �berquerte und in die Hauptstrasse fuhr. Wesentlich ist, dass die Beschwerdef�hrerin in der Mitte der Einm�ndung anhielt. Daraus konnte ihre Absicht, die Strasse zu �berqueren, erkannt werden. Dass sie an die Mitte der Wartelinie heranfuhr und dort wartete, um rechts auf den Radstreifen zu gelangen und in Richtung Reiden zu fahren, ist im Grunde genommen nicht anzunehmen. Hingegen ist zu Gunsten des Beschwerdegegners 2 zu ber�cksichtigen, dass die Beschwerdef�hrerin die Hauptstrasse nicht rechtwinklig, sondern schr�g nach rechts �berfuhr (vgl. Gutachten S. 14 mit Anhang 8). Dies d�rfte auf die leicht nach rechts versetzte Einfahrt in die Riederstrasse zur�ckzuf�hren sein. Deshalb ist nicht auszuschliessen, dass ihr Fahrman�ver unmittelbar nach dem Losfahren auch dahingehend interpretiert werden konnte, dass sie nach rechts in die Hauptstrasse abbiegen wollte. Sp�testens ab dem �berfahren des gelben Radstreifens war jedoch die von ihr eingeschlagene Richtung erkennbar. Davon geht auch das Gutachten aus.
3.4.4 In welcher Zeit ein Fahrzeuglenker bei gebotener Aufmerksamkeit auf auftauchende Gefahren reagieren muss, ist eine Rechtsfrage. Die Reaktionszeit richtet sich nach den Umst�nden. Sie betr�gt im Regelfall eine Sekunde und bei erh�hter Bremsbereitschaft 0.6 bis 0.7 Sekunden (BGE 115 II 283 E. 1a S. 285 mit Hinweisen). Wie dargetan, war der Beschwerdegegner 2 zu besonderer Vorsicht verpflichtet. Somit ist grunds�tzlich von einer erh�hten Aufmerksamkeit und damit von einer gesteigerten Reaktionsbereitschaft auszugehen. Die Vorinstanz billigt dem Beschwerdegegner 2 eine Reaktionszeit von einer bis 1.5 Sekunden zu. Eine Zeitspanne von maximal einer Sekunde erscheint zumindest vertretbar. Hingegen lag keine Situation vor, die es rechtfertigen w�rde, dem Beschwerdegegner 2 eine l�ngere Reaktionszeit einzur�umen.
Die Kollision ereignete sich mehr als zwei bis maximal vier Sekunden, nachdem die Beschwerdef�hrerin erkennbar die gelbe Linie des Radstreifens �berfahren hatte. Der Beschwerdegegner 2 erblickte die Beschwerdef�hrerin erst 0.3 Sekunden vor der Kollision. Bei einer Reaktionszeit von einer Sekunde reagierte er somit mehr als 0.7 bis 2.7 Sekunden versp�tet.
3.4.5 Wie aufgezeigt, hat die Beschwerdef�hrerin nicht maximal beschleunigt und h�tte der Beschwerdegegner 2 beim �berfahren des gelben Radstreifens innerhalb einer Sekunde reagieren m�ssen. Ob bei diesen Voraussetzungen die K�rperverletzungen h�tten verhindert werden k�nnen oder weniger schwerwiegend ausgefallen w�ren, stellt die Vorinstanz nicht fest. Die entsprechenden Ausf�hrungen der Beschwerdef�hrerin, wonach die Anhaltestrecke maximal 69 Meter betrage (Beschwerde S. 10 f.), sind unzutreffend. Sie verweist auf Berechnungen des Experten, welche in allgemeiner Art erfolgen und sich nicht auf den konkreten Fall beziehen (Gutachten S. 5). Aus dem Gutachten geht insbesondere hervor, dass bei einer konstanten Geschwindigkeit des Beschwerdegegners 2 von 55 km/h bis 60 km/h und einer Fahrzeit der Beschwerdef�hrerin von mehr als 2.25 Sekunden ab �berfahren der gelben Leitlinie bis zum Kollisionsort (was eine etwas kleinere Beschleunigung als 1.4 m/s� erfordere) die Kollision vermeidbar gewesen w�re (Gutachten S. 21 ff.). Die Expertise setzt hier stillschweigend und in vertretbarer Weise eine Reaktionszeit des Beschwerdegegners 2 von einer Sekunde voraus.
3.4.6 Dass sich die Kollision auch bei pflichtgem�ssem Verhalten des Beschwerdegegners 2 ereignet h�tte, ist entgegen dem Daf�rhalten der Vorinstanz nicht relevant. Entscheidend ist hier nicht die Vermeidung des Unfalls, sondern diejenige der schweren K�rperverletzung. Die K�rperverletzung gilt auch als vermeidbar, wenn es bei sorgfaltsgem�ssem Verhalten des Fahrzeuglenkers mit gr�sster Wahrscheinlichkeit zu einer geringeren Verletzung gekommen w�re. Dies ergibt sich daraus, dass jede Steigerung einer K�rperverletzung als selbst�ndige weitere Verletzung gilt (Urteil 6P.17/2004 vom 4. August 2004 E. 7.2 mit Hinweis auf BGE 121 IV 286 E. 4c S. 292 und 103 IV 65 E. II 2 c S. 70). Es liegt auf der Hand, dass der Beschwerdegegner 2 bei einer fr�heren Reaktion das Fahrzeug h�tte abbremsen k�nnen und weniger heftig mit der Beschwerdef�hrerin zusammengestossen w�re. Das h�tte wohl zu weniger schwerwiegenden Verletzungen gef�hrt. Mit Blick auf das Gutachten ist zudem nicht auszuschliessen, dass ein rechtzeitiges Bremsman�ver die Kollision g�nzlich verhindert h�tte. Allenfalls w�re dem Beschwerdegegner 2 bei geh�riger Aufmerksamkeit auch ein Ausweichman�ver m�glich gewesen. Ob der Unfall und damit die schweren K�rperverletzungen h�tten verhindert werden k�nnen oder diese weniger schwerwiegend ausgefallen w�ren, kann hier nicht abschliessend beurteilt werden und werden die kantonalen Beh�rden abzukl�ren haben. Gelangen diese zur �berzeugung, dass die Kollision bei sorgfaltsgem�ssem Verhalten des Fahrzeuglenkers nicht h�tte verhindert werden k�nnen, so ist die in diesem Fall resultierende Verletzungsschwere der Beschwerdef�hrerin durch den Beizug von Sachverst�ndigen abzukl�ren.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens tr�gt der Beschwerdegegner 2 die H�lfte der (angesichts der beiden inhaltlich praktisch identischen Verfahren reduzierten) bundesgerichtlichen Verfahrenskosten (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem Kanton Luzern sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 4 BGG).
Der Kanton Luzern und der Beschwerdegegner 2 haben als unterliegende Parteien der Beschwerdef�hrerin je die H�lfte der auf Fr. 3'000.-- bestimmten Entsch�digung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG).
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. Das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern vom 28. Januar 2011 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erw�gungen zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen.
Der Beschwerdegegner 2 hat die Beschwerdef�hrerin f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'500.-- zu entsch�digen.

References: Art. 81
 Art. 81
 Art. 47
 Art. 53
 Art. 26
 Art. 26
 BGE 
 Art. 26
 Art. 26
in dubio
 Art. 32
 Art. 26
 Art. 31
 Art. 125
 Art. 31

Art. 26
 Art. 26
 Art. 26
 Art. 26
 Art. 4
 Art. 29
 Art. 26
 BGE