Source: http://studylibde.com/doc/890968/sozial-emotionale-kompetenzf%C3%B6rderung
Timestamp: 2017-09-22 01:01:27+00:00

Document:
Sozial-emotionale Kompetenzförderung
an Hamburger Ganztagsgrundschulen
Gescha Illies
Betreuende Prüferin:
Frau Prof. Dr. Bergs-Winkels
Herr Prof. Dr. Voß
Theoretische Grundlagen der sozial-emotionalen Kompetenz .................................... 4
Soziale und emotionale Kompetenz ................................................................................. 4
Kompetenz ........................................................................................................... 4
Emotionale Kompetenz ........................................................................................ 5
Soziale Kompetenz ............................................................................................... 7
Zusammenhang .................................................................................................... 9
Sozial-emotionale Entwicklung ...................................................................................... 10
Sichere Bindung als Grundlage .......................................................................... 10
Entwicklungspsychologische Aspekte ............................................................... 13
Risiken für emotionale Entwicklungsstörungen ................................................ 17
Einflussfaktoren der sozial-emotionalen Kompetenzentwicklung ................................. 19
Das kindliche Temperament............................................................................... 20
Erziehungsverhalten der Eltern .......................................................................... 21
Beziehung zu gleichaltrigen Kindern ................................................................. 22
Beziehung zur pädagogischen Fachkraft/ Lehrkraft .......................................... 23
Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz ........................................................... 24
Allgemeines zur Förderung ............................................................................................ 24
Schlüsselfertigkeiten sozial-emotionaler Kompetenz ........................................ 24
Arten der Förderung ........................................................................................... 25
Förderung in der Ganztagsschule ....................................................................... 26
Förderprogramme für Grundschulkinder ........................................................................ 28
Faustlos............................................................................................................... 28
Verhaltenstraining für Schulanfänger ................................................................ 28
Verhaltenstraining für Grundschüler .................................................................. 29
Buchprojekt: Bertram Blaubauch sucht sein Lachen ...................................................... 29
Allgemeine Informationen zum Projekt ............................................................. 30
Ziele des Projekts ............................................................................................... 31
Inhalt der zehn Einheiten.................................................................................... 31
Zwischenergebnis ........................................................................................................... 35
Sozial-emotionale Kompetenzförderung an Hamburger Grundschulen .................. 39
Hamburger Grundschulen ............................................................................................... 39
Gesetzliche Grundlagen ..................................................................................... 39
Auftrag der Grundschule .................................................................................... 39
Rahmenbedingungen von Grundschulen ........................................................... 40
Ganztagsschule nach Rahmenkonzept (GTS)................................................................. 41
Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (GBS).................................................. 42
Gesetzliche Grundlagen von Kinder- und Jugendhilfeträger/ Hort ................... 43
Ziele eines Horts................................................................................................. 43
Sozial-emotionale Kompetenz an Hamburger Ganztagsgrundschulen .......................... 44
Bildungsplan zu den Aufgabengebieten ............................................................. 45
Hamburger Bildungsplan Sachunterricht ........................................................... 46
Hamburger Bildungsempfehlungen ................................................................... 47
Zwischenergebnis ........................................................................................................... 50
Ergebnis und Fazit ......................................................................................................... 55
Möglichkeiten und Herausforderungen für Hamburger Ganztagsgrundschulen ............ 55
Fazit ................................................................................................................................ 58
Quellenverzeichnis ......................................................................................................... 60
Eidesstattliche Erklärung .............................................................................................. 65
Gefühle, verschiedene Emotionen sind täglicher Begleiter, in jeder Situation, ein Leben lang.
Emotionen können im Zusammenhang mit bestimmten Personen, Gruppen, Situationen oder
durch die selbstbezogene Wahrnehmung erlebt werden, selbstwertgefühlstärkende oder
selbstwertgefühlschwächende Auswirkungen haben. Der Umgang mit den eigenen emotionalen Zuständen und denen anderer Personen bestimmt das Verhalten in den verschiedensten
Lebenslagen und auch die sozialen Beziehungen zu anderen Menschen. Daher sollte der Umgang mit den eigenen Gefühlen in sozialer Interaktion begleitet, unterstützt und gefördert
werden, um die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung positiv zu begünstigen.
Durch den Ausbau der Ganztagsgrundschulen in Hamburg, begründet durch die steigende
Nachfrage für längere Bildungs- und Betreuungszeiten, verbringen Schulkinder nun mehr Zeit
in den öffentlichen Bildungseinrichtungen. D.h. die Verantwortung von Schulen und den kooperierenden Kinder- und Jugendhilfe Einrichtungen steigt besonders auch im Förderbereich
der sozial-emotionalen Kompetenz, da die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte für den Großteil des Tages die engen Bezugspersonen für die Schulkinder sind. Sie haben im Schulleben
als Vorbild und durch ihr Erziehungsverhalten bedeutenden Einfluss auf die sozial-emotionale
Entwicklung der Kinder und sollten diese Rolle bewusst wahrnehmen. Für Grundschulkinder
gibt es darüber hinaus verschiedene didaktische Maßnahmen und Präventionsprogramme, die
zur Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen angewandt werden können.
In dieser Bachelor-Thesis wird daher der Fragestellung nachgegangen, wie die sozialemotionale Kompetenz in der Grundschule gefördert werden kann, wie die sozial-emotionale
Kompetenz in der Schule bzw. im Rahmen des Ganztags in Hamburg gesehen wird und welche Möglichkeiten und Herausforderungen sich daraus für die gezielte Förderung sozialemotionaler Kompetenz, im Hinblick auf die verschiedenen Ganztagsmodelle von Grundschulen stellen?
Um dies zu ergründen, werden als erstes die theoretischen Grundlagen der sozial-emotionalen
Kompetenz dargelegt. Die Begriffe Kompetenz, emotionale Kompetenz und soziale Kompetenz werden definiert und der Zusammenhang wird beschrieben. Ebenfalls wird auf die sozialemotionale Entwicklung eingegangen, insbesondere auf die Bindung als Grundlage für die
soziale und emotionale Kompetenz, die sozial-emotionalen Entwicklungsstufen und die Ursachen und Risiken für emotionale Entwicklungsstörungen. Außerdem werden die Einflussfak-
toren der soziale-emotionalen Kompetenz, d.h. das kindliche Temperament, das Erziehungsverhalten der Eltern sowie die Beziehung zu gleichaltrigen Kindern und den pädagogischen
Fach- und Lehrkräften ausgeführt.
Im nächsten Teil wird der Blick auf die Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz gerichtet. Dazu werden allgemeine Aspekte zur Förderung aufgeführt, wobei es im Einzelnen um
die zu fördernden Schlüsselfertigkeiten der sozial-emotionalen Kompetenz, die Arten der
Förderung und um die Fördermethoden in der Grundschule geht. Daraufhin werden Präventionsprogramme für Grundschulkinder vorgestellt. Die Fördermaßnahmen „Faustlos“, „Verhaltenstraining für Schulanfänger“ und „Verhaltenstraining in der Schule“ werden kurz skizziert
und auf das Buchprojekt „Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“ wird inhaltlich genauer eingegangen. Neben einer Kurzbeschreibung der allgemeinen Struktur des Buchprojekts werden
die Zielsetzungen des Projekts genauer dargelegt und auch die Inhalte der einzelnen Einheiten
aufgezeigt. Vor dem Hintergrund der vorangegangen Teile, theoretischen Grundlagen der
sozial-emotionalen Kompetenz und Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz mit besonderem Bezug auf das Buchprojekt „Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“ wird in einem bewertenden Zwischenergebnis herausgearbeitet, wie die sozial-emotionale Kompetenz in der
Schule bestenfalls gefördert werden kann und ob und warum die Verwendung eines Förderprogramms sinnvoll ist.
Anschließend wird die sozial-emotionale Kompetenzförderung an Hamburger Ganztagsgrundschulen genauer betrachtet. Dazu werden zunächst die Rahmenbedingungen der Hamburger Grundschulen beschrieben. Im Detail heißt dass, das die gesetzlichen Grundlagen, der
Auftrag der Schule und schulischen Rahmenbedingungen erfasst werden. Darüberhinaus werden die verschiedenen Ganztagsformen, Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept (GTS) und
Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (GBS), einschließlich der Grundlagen und
Ziele ihrer außerschulischen Kooperationspartner der Kinder- und Jugendhilfe (Horteinrichtungen), aufgeführt.
Danach wird erläutert wie die sozial-emotionale Kompetenz in der Grundschule innerhalb
und außerhalb des Unterrichts an Ganztagsgrundschulen theoretisch gesehen wird. Dafür
werden der Hamburger Bildungsplan, als Handlungsgrundlage innerhalb des Unterrichts aller
Grundschulen, aber auch für in der schulischen Verantwortung liegende Angebote an Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept außerhalb des Unterrichts und die Bildungsempfehlungen,
als Grundlage für Kinder- und Jungendhilfeeinrichtungen als Kooperationspartner von GBSGrundschulen angeführt.
In einem weiteren Zwischenergebnis werden die Grundlagen zur sozial-emotionalen Kompetenzförderung der verschiedenen Akteure im Ganztag mit den Schlüsselfertigkeiten der sozial-emotionalen Kompetenz abgeglichen.
Zum Schluss werden im abschließenden und zusammenfassenden Fazit die beiden Zwischenergebnisse vor dem Hintergrund der schulischen Rahmenbedingungen in Hamburger Ganztagsschulen zusammengeführt und Möglichkeiten und Herausforderungen für den Betrieb der
Theoretische Grundlagen der sozial-emotionalen Kompetenz
2.1 Soziale und emotionale Kompetenz
Unter diesem Punkt werden die zentralen Begriffe zur Bearbeitung des Themas sozialemotionale Kompetenz erklärt. Dabei wird zunächst auf den Begriff Kompetenz im Kontext
der Bildung eingegangen und des Weiteren werden die emotionale und soziale Kompetenz
sowohl im Einzelnen definiert als auch im Zusammenhang erklärt.
2.1.1 Kompetenz
Der Begriff Kompetenz findet in vielen verschiedenen mitunter nicht-pädagogischen Bereichen Verwendung und es existieren verschiedene Definitionen und Klassifikationen, wodurch
eine eindeutige Begriffsklärung erschwert wird. Eine im Bildungskontext häufiger genutzte
Definition von Franz E. Weinert (2014) beschreibt Kompetenzen als
„[…] die bei Individuen verfügbaren oder erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen,
volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“ (Weinert 2014,
27 f.).
Demnach wird unter Kompetenz eine fachspezifische Leistungsdisposition verstanden, die
eine Person zur erfolgreichen Lösungsfindung von bestimmten Problemen befähigt, also konkrete Anforderungen in verschiedenen Situationen zu bewältigen. Weiterhin wird die individuelle Ausprägung der Kompetenz durch das Zusammenspiel der Facetten Fähigkeit, Wissen,
Verstehen, Können, Handeln, Erfahrung und Motivation beeinflusst (vgl. Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) 2007, 72 f.). Im Hinblick auf die Erträge im schulischen
Unterricht kann zwischen den folgenden Kompetenzen unterschieden werden:
fachliche Kompetenzen, (z.B. physikalischer, fremdsprachlicher oder musikalischer Art),
fachübergreifende Kompetenzen (z.B. Problemlösen, Teamfähigkeit) und
Handlungskompetenzen (z. B. kognitive, soziale, motivationale, volitionale und moralische Kompetenzen, sowie die verantwortliche und erfolgreiche Anwendung erworbener
Kenntnisse und Fähigkeiten) (Weinert 2014, 28).
Diese Kompetenzkategorien sind für eine gute, erfolgreiche Lebensführung innerhalb wie
außerhalb der Schule notwendig und sollten gleichermaßen gefördert werden (vgl. Weinert
2014, 28).
Wie zuvor erwähnt gibt es verschiedene Klassifikationen zum Kompetenzbegriff. Die geläufigste Klassifikation untergliedert Kompetenz in Ich-Kompetenz, soziale Kompetenz, Sachkompetenz und lernmethodische Kompetenz. Dabei stehen die Kompetenzfelder in enger
wechselseitiger Beziehung zueinander und deren Zusammenwirken ist zielgerichtet auf eine
aktive und ethisch fundierte Gestaltungs- bzw. Handlungskompetenz (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Hrsg.) 2012, 26).
2.1.2 Emotionale Kompetenz
Nach Claude Steiner zeichnet sich emotionale Kompetenz durch drei Fähigkeiten aus. Einem
Verständnis über die eigenen Gefühle, anderen Personen zu zuhören und sich in deren Gefühle hineinversetzen zu können sowie einem sinnvollen Gefühlsausdruck. Emotional kompetente Menschen sind zu einem Persönlichkeit stärkenden und Lebensqualität fördernden Umgang
mit Gefühlen fähig (vgl. Steiner 1997, 21). Bei emotionaler Kompetenz geht es also um die
Fähigkeit, mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und im Umgang mit anderen Menschen angemessen umgehen zu können. Emotionale Kompetenz bei Kindern kennzeichnet
sich (altersabhängig) durch die Unterscheidung der verschiedenen Gefühlslagen, einem angemessenen Umgang mit Emotionsausdruck und -regulation sowie durch das Erkennen und
Verstehen der Gefühle anderer Personen (vgl. Pfeffer 2012, 10).
Desweiteren wird unter emotionaler Kompetenz die „Selbstwirksamkeit in emotionsauslösenden sozialen Transaktionen“ verstanden (Saarni 2002,10). Die Selbstwirksamkeit eines Individuums zeichnet sich dadurch aus, dass ein Mensch Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzt, um
ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen. Befindet sich dieser Mensch in einer emotionsauslösenden sozialen Transaktion, meistert er das interpersonale Zusammentreffen erfolgreich und
kann dabei gleichzeitig die eigenen emotionalen Reaktionen regulieren, dann zeigt sich, dass
diese Person auf strategische Art und Weise ihr Wissen über Emotionen, Ausdrucksverhalten
und emotionale Kommunikation anwenden kann. Zentrale Aspekte sind dabei die Emotionsregulation, das Wissen über Emotionen, das Wissen über das Ausdrucksverhalten und die
emotionale Kommunikation (vgl. Saarni 2002, 10).
Die emotionale Selbstwirksamkeit von Kindern äußert sich in dem Bewusstsein der Kinder,
dass ihr eigener Emotionsausdruck Einfluss auf die Mitmenschen hat und in der strategischen
Verhaltenssteuerung der Kinder, um bestimmte Reaktionen bei anderen Personen auszulösen
(vgl. Petermann [u. a.] 2013, 18).
Zu den Bereichen, in denen Kinder emotionale Fertigkeiten entwickeln, zählen nach Franz
Petermann und Silvia Wiedebusch „der eigene mimische Emotionsausdruck, das Erkennen
des mimischen Emotionsausdrucks anderer Personen, der sprachliche Emotionsausdruck, das
Emotionswissen und -verständnis und die selbstgesteuerte Emotionsregulation“ (Petermann/
Wiedebusch 2008, 14).
Bezogen auf die emotionale Kompetenz beschreibt Saarni acht Schlüsselfertigkeiten, die sich
Kinder im Prozess ihrer Entwicklung aneignen und durch das Familienumfeld und den kulturellen Kontext geprägt sind (vgl. Saarni 2002, 13; vgl. Petermann/ Wiedebusch 2008,14).
1. Bewusstsein über die eigenen Emotionen. Dies umfasst auch das Wissen darüber, dass
man in bestimmten Situationen mehrere Gefühle gleichzeitig erleben kann oder sich seinem emotionalen Befinden nicht immer bewusst ist.
2. Emotionen anderer Menschen erkennen und verstehen. Diese Fähigkeit beinhaltet das
Interpretieren der Situationen und des Ausdrucksverhaltens der anderen Person, die aus
kultureller Sicht häufig gleich gedeutet werden.
3. Emotionen verbal ausdrücken. Dies schließt den Gebrauch des kulturell abhängig gebräuchlichen Gefühlsvokabulars sowie den Erwerb emotionaler Skripte ein.
4. Fähigkeit zur Empathie. Diese Fertigkeit äußert sich in dem einfühlsamen Umgang mit
dem emotionalen Erleben anderer Menschen.
5. Unterscheidung zwischen dem innerlichen emotionalen Erleben und dem äußerlichen
emotionalen Ausdrucksverhaltens. Dies umfasst das Wissen darüber, dass das gezeigte
Ausdrucksverhalten von sich selbst und anderen Personen nicht unbedingt mit dem erlebten Emotionszustand übereinstimmt. Darüberhinaus kommt die Fähigkeit hinzu, andere
Personen mit dem eigenen Emotionsverhalten beeinflussen zu können und die eigene
Selbstpräsentation daraufhin strategisch zu steuern.
6. Bewältigung von negativen Emotionen und Stress. Hierzu zählt der Gebrauch von Problemlösungs- und Selbstregulationsstrategien, um die Intensität und Dauer belastender
Emotionen zu verringern.
7. Bewusstsein über den starken Einfluss emotionaler Kommunikation auf zwischenmenschliche Beziehungen. Diese Fähigkeit beinhaltet die Erkenntnis, dass soziale Beziehungen
zu anderen Menschen durch die Art der Kommunikation, des Ausdrucksverhaltens und
des Beziehungsverhältnisses geprägt sind.
8. Emotionale Selbstwirksamkeit. Dies bedeutet die Akzeptanz des eigenen emotionalen
Erlebens und die Gestaltung von sozialen Interaktionen im Einklang eines persönlichen
Emotionsmodells und eigener moralischen Grundsätzen.
Die dargestellten Schlüsselfertigkeiten verdeutlichen, dass der Schwerpunkt zwar auf dem
Bereich der Gefühle und Emotionen liegt, aber das Zusammensein mit und die Gestaltung von
Beziehungen zu anderen Personen gleichzeitig auch von Bedeutung sind. Emotionale Kompetenz zeigt sich in der Interaktion mit anderen und ist daher auch für die soziale Kompetenz ein
2.1.3 Soziale Kompetenz
Die soziale Kompetenz ist eng verbunden mit der emotionalen Kompetenz. Grundlage für die
Beziehungsgestaltung zwischen Menschen ist der Umgang mit den eigenen Gefühlen und den
Gefühlen anderer. Ist die emotionale Kompetenz von hoher Qualität, dann werden die gegenseitigen Gemütszustände und Bedürfnisse in der Interaktion mit anderen eher mit Achtsamkeit wahrgenommen und behandelt. Darüber hinaus sind auch die Kommunikations-, Teamfähigkeit und Konfliktlösungsstrategien bedeutende Aspekte der sozialen Kompetenz, ebenso
wie die Persönlichkeitsentwicklung. Letztere vollzieht sich im Zusammensein bzw. Austausch mit anderen und ist eng verwoben mit der Entwicklung des Selbstwertgefühls und der
Selbstwirksamkeit. Dabei geht es um die Entstehung der eigenen Identität, des eigenen ‚Ich‘
im Kontakt zu den Mitmenschen. Weiterhin stellen auch Regeln, Werte und Normen bedeutende Gesichtspunkte für die sozialen Prozesse in der Gemeinschaft dar, mit denen sich auseinandergesetzt werden muss (vgl. Pfeffer 2012, 12).
Die soziale Kompetenz umfasst eine Vielzahl von Fähigkeiten, für den Begriff der sozialen
Kompetenz gibt es dennoch kein allumfassendes Konzept oder eine allgemeingültige Definition. Eine gemeinsame Übereinstimmung aller Konzepte existiert nach Kanning (2009) darin,
dass die soziale Kompetenz in irgendeiner Art und Weise mit zwischenmenschlichen Interaktionen zusammenhängt und ein multidimensionales Spektrum an Fähigkeiten und Fertigkeiten
umfasst (vgl. Kanning 2009, 11).
Ein in der klinischen Psychologie häufig vertretener Ansatz definiert soziale Kompetenz als
die Fähigkeit eines Individuums zur Verwirklichung persönlicher Ziele und Interessen in sozialen Interaktionen. Im Rückschluss bedeutet das, dass sich soziale Kompetenz als Durchsetzungsfähigkeit auffassen lässt (vgl. Kanning 2002, 14). Hinsch und Pfingsten (2002) verstehen soziale Kompetenz als
„die Verfügbarkeit und Anwendung von kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen, die in bestimmten sozialen Situationen zu einem langfristig günstigen
Verhältnis von positiven und negativen Konsequenzen für den Handelnden führen“ (Hinsch/ Pfingsten 2007, 4).
Dabei spielen mögliche Interaktionspartner nicht explizit eine Rolle, sodass es egal erscheint,
welche Konsequenzen für den Interaktionspartner aus dem Verhalten des Akteurs entstehen
(vgl. Kanning 2009, 14).
Im Gegensatz dazu steht ein zweiter Ansatz, der häufig in der Enzwicklungspsychologie zu
finden ist. Das sozial kompetente Verhalten einer Person äußert sich darin, dass die Person in
der Lage dazu ist, sich an die sozialen Begebenheiten seines Umfelds anzupassen. Demnach
wird nach diesem Ansatz soziale Kompetenz mit der Anpassungsfähigkeit einer Person an
ihre soziale Umwelt gleichgesetzt. Da sich beide Ansätze, die klinische und die Entwicklungspsychologie mit unterschiedlichen Aspekten menschlicher Verhaltensweisen befassen,
ist eine unterschiedliche, vordergründig gegensätzliche Akzentuierung einzelner Teilaspekte
sozialer Kompetenz nachvollziehbar (vgl. Kanning 2009, 14 f.).
Darauf aufbauend kann ein dritter Ansatz aufgeführt werden, der versucht die zuvor genannten Sichtweisen zu integrieren und soziale Kompetenz als „Kompromiss zwischen Anpassung
und Durchsetzung“ versteht (Kanning 2009, 15). Demzufolge zeichnet sich eine sozial kompetente Person dadurch aus, dass sie eigene Ziele in sozialen Situationen erreichen kann, während allgemeingültige Werte und Normen berücksichtigt, bzw. die Interessen anderer Personen nicht verletzt werden (vgl. Kanning 2009, 15). In diesem Zusammenhang definiert Kanning (2009) sozial kompetentes Verhalten als das „Verhalten einer Person, das in einer spezifischen Situation dazu beiträgt, die eigenen Ziele zu verwirklichen, wobei gleichzeitig die
soziale Akzeptanz des Verhaltens gewahrt wird“ und soziale Kompetenz als die „Gesamtheit
des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person, welche die Qualität des eigenen
Sozialverhaltens – im Sinne sozial kompetenten Verhaltens – fördert“ (Kanning 2009, 15).
Viele verschiedene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Verhaltensweisen werden dem Begriff der
sozialen Kompetenz zugeordnet, sodass auch von „sozialen Kompetenzen“ gesprochen wird,
welche diese sind lassen die oben aufgeführten Definitionen offen. Nach Eisenberg und Harris (1984) zählen jedoch zumindest die folgenden fünf Aspekte zur sozialen Kompetenz:
Fertigkeiten zur Kommunikation (Eisenberg/ Harris 1984, 267 ff.).
Soziale Kompetenzen sind eng verknüpft mit sozialen Fertigkeiten, sodass sich wichtige Forschungsuntersuchungen zu beiden Begriffen herausgebildet haben. Petermann [u.a.] (2013)
führen eine Meta-Analyse von Caldarella und Merrell (1997) auf, die zur Feststellung der
sozialen Kompetenz von Kindern und Jugendlichen die folgenden Kompetenzbereiche sozialer Fertigkeiten auf der Basis von empirischen Studien identifiziert:
Gestaltung von positiven Beziehungen zu Gleichaltrigen (z.B. prosoziales Verhalten, Perspektivübernahme)
Kompetenz im Selbstmanagement (z.B. Bewältigung von Konfliktsituationen, Regulierung der eigenen Emotionen und des Verhaltens)
Anpassungs- und Leistungsfähigkeit im schulischen Rahmen (z.B. Anweisungen des Lehrers nachkommen, Unterstützung suchen)
Kooperative Kompetenzen (z.B. soziale Regeln anerkennen, Teilen) und
Positive Selbstbehauptung und Durchsetzungsfähigkeiten (z.B. Gespräche oder Aktivitäten beginnen) (vgl. Petermann [u.a.] 2013, 22).
Bei genauerer Betrachtung beider Kompetenzbereiche wird deutlich, dass die soziale Kompetenz eng mit der emotionalen Kompetenz zusammenhängt, und dass das Wissen über Emotionen und die emotionale Selbstregulation Basis für die Gestaltung von zwischenmenschlichen
2.1.4 Zusammenhang
Vor dem Hintergrund der allgemeinen Definitionen der Begriffe emotionale Kompetenz und
soziale Kompetenz im Einzelnen, wird in diesem Abschnitt deren Zusammenhang geklärt.
Die sozialen und emotionalen Entwicklungen sind eng miteinander verwoben, daher wird oft
von sozial-emotionaler Kompetenz gesprochen. Zusammenhänge zwischen der emotionalen
und sozialen Kompetenzentwicklung zeigen sich darin, dass erstens die Entwicklung von
Emotionswissen und -regulation in der zwischenmenschlichen Interaktion entsteht und dass
zweitens sich das Emotionsverständnis nicht nur durch die Wahrnehmung eigener Emotionen
auszeichnet, sondern auch das Erkennen von Gefühlen anderer Personen einbezieht. Weitere
Verknüpfungen zwischen der emotionalen und sozialen Kompetenz sind, dass andere Personen in ihrer Art Emotionen zu regulieren als Vorbildfunktion fungieren können und dass
durch Gespräche über Gefühle mit anderen Menschen das emotionale Verständnis erweitert
wird. Die Wichtigkeit der Emotionsregulation für soziale Kontakte und die tägliche Rückmeldung, die Kinder von anderen auf die Regulierung ihrer Emotionen erhalten sind ebenfalls
Schnittstellen der sozialen und emotionalen Kompetenzentwicklung. Des Weiteren wird auch
in sozialen Situationen deutlich, dass die soziale Entwicklung schwer von der emotionalen
Entwicklung zu trennen ist, da soziale Interaktionen stets von Emotionen begleitet werden
und Voraussetzung für manche Emotionen sind. Und letztlich zeigt auch, die von Kindern mit
fortschreitender sozial-emotionaler Kompetenzentwicklung gewonnene Erkenntnis, dass nicht
jede Person in derselben Situation dasselbe emotionale Empfinden zeigt, dass die emotionale
und soziale Entwicklung eng zusammenhängen (vgl. Frank 2012, 8).
Aus den vorangegangenen Begriffsklärung wird deutlich, dass es hilfreich ist „soziale, emotionale und kommunikative Kompetenzen in ihrem Bedingungsgefüge von Zielen, Situationen,
Beteiligten und situativer Rahmung zu sehen“, um „die Komplexität und Relationalität dieser
Lernprozesse zu erkennen“ (de Boer 2014, 34).
2.2 Sozial-emotionale Entwicklung
Nachfolgend wird auf die Aspekte der sozial-emotionalen Entwicklung eingegangen. Die
Bindung zwischen Eltern und Kind als Grundlage für sozial-emotionale Kompetenz, entwicklungspsychologische Aspekte und die Ursachen für Entwicklungsdefizite werden dabei kurz
2.2.1 Sichere Bindung als Grundlage
Der Mensch ist von Geburt an ein soziales und emotionales Wesen und das Streben nach engen emotionalen Bindungen ist ein menschliches Grundbedürfnis, das bis ins hohe Alter besteht. Im Säuglings- und Kleinkindalter ist die Bindung zwischen Kind und Eltern (bzw. andere Pflegepersonen) als eine existenziell wichtige Schutzfunktion und in ihrer Eigenständigkeit zu sehen, die bei positiver psychischer Entwicklung bis ins Erwachsenenalter (des Kindes) anhält und Ergänzung durch neue Bindungspersonen findet (vgl. Bowlby 2014, 98).
John Bowlby erfasst in der Bindungstheorie drei menschliche Grundelemente in Bezug auf
das Bindungsverhalten. Erstens, wird in der Fähigkeit zur Bindung eines Menschen deutlich,
dass dessen Persönlichkeit psychisch stabil ist. Zweites Grundelement bildet die wechselseitig
und gleichartig zum Bindungsverhalten und Zuwendungsbedürfnis des Kindes (auch Attachement genannt) stehende Fürsorge und emotionale Bindung der Eltern an den Säugling
bzw. das Kind (Bonding). Die Erkundung der Umwelt, welche das kindliche Spielverhalten
und Aktivitäten mit gleichaltrigen Kindern einschließt, stellt das dritte Grundelement dar (vgl.
Bowlby 2014, 98 f.).
In diesem Zusammenhang sind die Begriffe Bindungsverhalten und Explorationsverhalten
bedeutend. Bindungsverhalten tritt dann auf, wenn das Kind die Zuwendung der Bezugsperson sichern möchte, wie beispielsweise bei Schmerzen, Müdigkeit oder in angstauslösenden
Situationen. Explorationsverhalten hingegen meint, das Verhalten des Kindes, selbständig
dazu in der Lage zu sein Explorationen und Erkundungen der Umwelt zu unternehmen, mit
der Sicherheit bei der Rückkehr wieder aufgenommen zu werden. Grundlage dafür ist, dass
die Eltern als sichere Basis für das Kind fungieren (vgl. Grossmann/ Grossmann 2009, 43 f.;
Bowlby 2014, 9 f.). Mit zunehmendem Alter der Kinder und Jugendlichen nehmen die Häufigkeit und das Ausmaß der Entfernung von der Basis der Eltern bzw. Bezugspersonen zu,
wenn diese sicher und verlässlich ist. Die elterliche Förderung der kindlichen Autonomie und
das elterliche Eingreifen im Ernstfall, sind entscheidend für die psychische Stabilität und die
Selbstsicherheit des Kindes. (Bowlby 2014, 9 f.). Eltern erweisen sich dann als sichere Basis
für ihr Kind, wenn sie die kindlichen Bedürfnisse, entweder nach Sicherheit und Zuwendung
oder nach Erkundung der Umgebung intuitiv wahrnehmen, richtig interpretieren und unverzüglich und in angemessener Art und Weise reagieren (vgl. Rheinberg 2002, 158).
Da die kindliche Selbstständigkeit und der Erwerb von Kompetenzen die Fähigkeit zur Exploration voraussetzt, die eng mit der Sicherheit des Kindes zusammenhängt, ist die Bindungsqualität, die von Bezugsperson zu Bezugsperson unterschiedlich ist von großer Bedeutung.
Um die Sicherheit des Kindes und somit auch die Sicherheit zwischen dem Kind und der
Bindungsperson zu prüfen, entwickelte Mary Ainsworth den Fremde-Situations-Test. In diesem Verfahren wurden 12 bis 18 Monate alte Kinder untersucht und es konnte zunächst zwischen drei Bindungstypen unterschieden werden, später wurde noch ein vierter Typ hinzugefügt:
Sicher gebundene Kinder,
Unsicher-ambivalent gebundene Kinder,
Unsicher-vermeidende Kinder und
Desorganisiert gebundene Kinder (vgl. Bischof-Köhler 2011, 235).
Eine sichere Bindung zwischen Kind und Bezugsperson ist ebenfalls auch die Basis einer positiven Emotionsentwicklung, der emotionalen Regulierung und damit einhergehend auch der
sozial-emotionalen Kompetenz (vgl. Vollmer 2012, 59). Eine sichere Eltern-Kind-Bindung
ermöglicht es dem Kleinkind, aber auch später dem Kindergarten- und Schulkind seinen Erfahrungshorizont und seinen Aktionsraum zu erweitern, da sich mit zunehmenden Alter die
außerfamiliären sozialen Beziehungen ausbreiten und die kognitiven Fähigkeiten des Kindes
wachsen, um neue Erfahrungen zu machen. Dabei sind Beziehungen zu Gleichaltrigen ebenso
wichtig wie zusätzliche Beziehungen zu Erwachsenen. Dies ist entscheidend, damit das Kind
soziale Sicherheit aufbauen und seine persönliche Identitätsentwicklung entfalten kann (vgl.
Kirkilionis 2008, 29).
Sicher gebundene Kinder im Vorschul- und Schulalter zeichnen sich dadurch aus, dass sie
ihre eigenen, aber auch die Emotionen anderer richtig wahrnehmen und interpretieren können.
Sie sind dadurch in der Lage emotional belastende Situationen mit Flexibilität und Kreativität
zu bewältigen und können in der sozialen Interaktion mit gleichaltrigen Kindern angemessen
reagieren. Des Weiteren sind nicht nur das Emotionsverständnis und der emotionale Ausdruck
sicher gebundener Kinder deutlicher, auch die verbale Kommunikation über Emotionen ist
kompetenter. Sprachliche Kompetenz ist somit nicht nur im Rahmen der Schule wichtig, sondern auch im sozialen Umfeld (vgl. Kirkilionis 2008, 29).
Wenn Kinder mit sicherer Bindung schon früh konzentriert und über längere Zeit alleine spielen können, dann erweisen sie sich später kompetenter und selbstbewusster beim Spiel in einer Gruppe. Diese Kinder sind auch dazu fähig, kreativ und bedachtsam das Spielgeschehen
aufrechtzuerhalten und können durch ihre sozialen Fertigkeiten Problemlösungen finden, da
sie die Absichten anderer gut einschätzen und deren Handlungsweisen aus neutraler Perspektive beurteilen können. Im Gegensatz dazu halten unsicher gebundene Kinder anderen Kindern bei Konflikten eher negative Motive vor und zeigen folglich schneller ablehnendes und
feindseliges Verhalten. Die im Allgemeinen eher negative Erwartungshaltung dieser Kinder
ist häufig der Grund dafür, dass Situationen falsch gedeutet werden und diese Kinder mit
feindseligem und aggressivem Verhalten reagieren. Das wiederum führt dazu, dass unsicher
gebundene Kinder in einer Gruppe von Gleichaltrigen weniger akzeptiert und gegebenenfalls
auch ausgegrenzt werden (vgl. Kirkilionis 2008, 29 f.).
Meistens korreliert die frühe Bindungsqualität mit der Bindungsqualität im Kindes- und Erwachsenenalter, jedoch bedeutet eine nachteilige Bindungsbeziehung im Säuglings- und
Kleinkindalter nicht, dass dieses Bindungsmuster für das ganze Leben bestehen bleibt, wie es
die Wissenschaft jahrelang annahm. Da familiäre Interaktionsmuster üblicherweise über den
gesamten Entwicklungsverlauf bestehen bleiben und sich so über die Jahre nicht ändern son12
dern festigen, ist eine positive Entwicklung der Bindungsqualität unwahrscheinlich, Intervention ist jedoch möglich. Interventionsprogramme müssen jedoch bei den Eltern ansetzen und
die Beständigkeit der elterlichen Verhaltensmuster durchdringen. Durch therapeutische und
beratende Unterstützung der Eltern ist es dann möglich Veränderungen innerhalb der Familienbeziehungen zu bewirken, sodass ungünstige Einflussfaktoren aufgearbeitet werden können
und die Bindung zum Kind zum positiven gewendet werden kann (vgl. Kirkilionis 2008, 31).
2.2.2 Entwicklungspsychologische Aspekte
Nachdem die Bindung als Grundlage für Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenz
betrachtet wurde, werden im nachfolgenden Abschnitt die Meilensteine der sozialemotionalen Entwicklung von der Geburt bis zum Ende des Grundschulalters erfasst.
Alter: Geburt – 6 Monate
Direkt nach der Geburt besteht das Gefühlsleben eines Säuglings aus zwei emotionalen Zuständen, dem Hingezogen-Sein positiver Stimuli und einem Rückzug unangenehmer Stimuli
(vgl. Berk 2011, 244). Im Alter von sechs bis zehn Wochen löst die Kommunikation mit den
Bezugspersonen das soziale Lächeln aus und etwa zwischen dem dritten bis vierten Lebensmonat zeigt der Säugling das erste Lachen. Schon von Geburt an ist der Säugling auf die
Kommunikation mit dem Bezugspersonen vorbereitet, zum Ende dieser Phase stellt sich das
Baby in der Interaktion von Angesicht zu Angesicht mit der Bindungsperson auf dessen
Sprachrhythmus, Ton und den Gefühlszustand ein und erwartet kurze Zeit später eine entsprechende Reaktion. Des Weiteren werden die Emotionsäußerungen des Säuglings von der
Geburt bis zum sechsten Monat besser organisiert und finden einen sinnvollen Bezug zu Ereignissen in der Umgebung. Der Säugling ist zur Emotionsregulation fähig, indem er seine
Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenkt und sich selbst beruhigt. Ferner steigert sich das
individuelle Bewusstsein des Babys von der Umgebung körperlich unabhängig zu sein (vgl.
Berk 2011, 282).
Alter: 7 – 12 Monate
Im Alter von sieben bis zwölf Monaten treten Lächeln und Lachen, sowie Wut und Angst
häufiger und mit größerer Ausdrucksstärke auf und das Kleinkind entwickelt Fremdenangst
und Trennungsangst. Die Bezugsperson dient als sichere Basis für das Kleinkind, um die
Umgebung zu erkunden und auch die eigentliche Bindung zwischen dem Kind der Bezugsperson wird sichtbar. Weiterer Entwicklungsschritt dieser Altersstufe ist, dass dem Kleinkind
die Bedeutung emotionaler Ausdrucksformen anderer immer bewusster wird und dass das
Kind in ungewissen Situationen von einer vertrauten Bezugsperson nach emotionalen Informationen sucht, also soziale Bezugnahme (soziales Referenzieren) zeigt. Zudem erfolgt die
Emotionsregulation des kleinen Kindes, indem es sich Reizen annähert oder sich davon entfernt (vgl. Berk 2011, 282).
Alter: 13 – 18 Monate
Zwischen dem 13. und 18. Lebensmonat fängt das Kind an einfache Spiele mit vertrauten
Personen und Geschwistern zu spielen und es lernt, dass die Emotionsreaktionen von anderen
Menschen sich von den eigenen Emotionen unterscheiden können. Außerdem beginnt das
Kind in dieser Altersspanne empathisches Verhalten zu zeigen und ist in der Lage einfache
Aufforderungen zu befolgen (vgl. Berk 2011, 283).
Alter: 19 – 24 Monaten
Im Alter zwischen 19 und 24 Monaten beginnen Kleinkinder selbstbezogene Emotionen, wie
Schuld, Scham, Verlegenheit, Neid und Stolz zu empfinden. Zudem fangen Kleinkinder an,
einen Wortschatz für Emotionen zu entwickeln und ihre Sprache als Instrument zur eigenen
Emotionsregulation einzusetzen. Darüberhinaus beginnt das Kind Trennungen zur Bezugsperson zu akzeptieren, sich auf Bildern zu erkennen und zum Ende dieser Altersspanne benennt
es sich mit dem Namen oder Personalpronomen. Kinder dieses Alters ordnen sich und andere
Personen in verschiedene Kategorien ein, wie z.B. Alter, Geschlecht, körperlichen Merkmalen
und Eigenschaften. Sie neigen dazu für ihr Geschlecht typische Spielzeuge zu bevorzugen
und ihre Selbstregulation entwickelt sich, was mit der Fähigkeit zum Belohnungsaufschub
erkennbar wird (vgl. Berk 2011, 283).
Ab dem 2. Lebensjahr weisen Kinder ein Verständnis für die Auslöser und Folgen von Grundemotionen auf und erkennen das dazugehörige emotionale Ausdrucksverhalten. Des Weiteren setzt in dieser Phase anfänglich die Entwicklung des Selbstkonzepts, (zusammenhängende
Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten, persönliche Einstellungen und kulturelle Wertvorstellungen, über die sich ein Mensch definiert) und des Selbstwertgefühls, (die Urteile einer Person, über den eigenen Wert und die damit verbundenen Gefühle) ein (vgl. Berk 2011,
343 ff.). In diesem Alter beginnt auch die Moralentwicklung, d.h. das Kind fängt an das eigene und das Verhalten anderer Personen verbal zu beurteilen und über schlechtes Verhalten
bekümmert zu sein. Weitere Meilensteine dieses Alters sind das Auftreten möglicher proaktiver Aggressionen und die Zunahme geschlechtsstereotypischer Sichtweisen und Verhaltensweisen (vgl. Berk 2011, 384).
Mit einem Alter von drei bis vier Jahren ist ein Kind in der Lage sich selbst mit offenkundigen Eigenschaften und typischen Emotionen und Einstellungen zu beschreiben. Darüberhinaus weist das Kind in verschiedenen Bereichen Selbstwertgefühl auf, wie z.B. hinsichtlich des
Lernverhaltens in der Kindertageseinrichtung, des Entwickeln von Freundschaften und einer
positiven Stimmung mit den Eltern. Drei bis vierjährige Kinder können sich immer besser
selbst regulieren und die Häufigkeit des Erlebens von selbstbezogenen Emotionen nimmt zu.
Außerdem steigt auch das Einfühlungsvermögen und das Kind äußert Empathie häufiger verbal aus. Das Spielverhalten wird im Alter von drei bis vier Jahren komplexer. Neben dem
Parallelspiel (ein Kind spielt mit ähnlichen Spielsachen in der Nähe eines anderen Kindes,
ohne jedoch auf das Spielverhalten des anderen Einfluss zu nehmen) beteiligt sich das Kind
an assoziativen Spielen (Kinder spielen mit unterschiedlichen Spielsachen, teilen diese und
unterhalten sich über die Spielweise des jeweils anderen) und an kooperativen Spielen (Kinder spielen zusammen mit einer gemeinsamen Zielorientierung wie z. B. Rollenspiele)(vgl.
Berk 2011, 350). Des Weiteren entwickeln Kinder in diesem Alter erste Freundschaften, die
sich durch ein positives, gemeinsames Spiel und dem Teilen von Spielmaterialien auszeichnen. Weitere Aspekte dieser Entwicklungsstufe sind, dass Kinder wahrheitsgemäße Aussagen
und Lügen differenzierter bewerten können und „moralische Imperative von sozialen Konventionen und Angelegenheiten der persönlichen Entscheidung unterscheiden“ können (Berk
2011, 385). Ebenfalls zeigen Kinder in diesem Alter weniger proaktive Aggressionen, hingegen treten reaktive Aggressionen, also die wütende, defensive Reaktion von Kindern auf eine
Provokation oder ein zielhinderndes Ereignis, mit der Absicht eine andere Person zu schaden
häufiger auf (vgl. Berk 2011, 361). In Bezug auf die Beziehung zu Gleichaltrigen zeigt sich in
dieser Alterspanne, dass gleichgeschlechtlicher Spielkameraden oftmals bevorzugt werden
(vgl. Berk 2011, 385).
Zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr nimmt das kindliche Emotionsverständnis zu, d.h. das
Interpretieren, Deuten und Beeinflussen der emotionalen Reaktionen anderer verbessert sich.
Des Weiteren reagieren Kinder in diesem Alter immer häufiger empathisch, sie zeigen mehr
Einfühlungsvermögen und sie haben viele moralische Werte, Normen und Verhaltensweisen
verinnerlicht. Zudem festigen sich geschlechtsstereotype Annahmen und Verhaltensmuster
und das Präferieren von gleichgeschlechtlichen Spielpartnern nimmt zu. Darüberhinaus besitzen fünf- bis sechsjährige Kinder das volle Verständnis darüber, dass ihr eigenes Geschlecht
biologisch festgelegt, also konstant ist und dass es sich nicht durch Verkleidung und spielerischen Aktivitäten ändert (vgl. Berk 2011, 385).
Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren entwickeln ihr Selbstkonzept weiter, sie sind über
mehr und mehr Persönlichkeitsmerkmale bewusst und stellen soziale Vergleiche an. Auch das
Selbstwertgefühl differenziert sich weiter aus, es wird hierarchisch strukturiert und Kinder
fangen an ihre persönlichen Eigenschaften und Kompetenzen realistisch einzuschätzen. In den
ersten Grundschuljahren gründen die selbstbezogenen Emotionen Stolz und Schuldbewusstsein auf dem Gefühl der persönlichen Verantwortung, d.h. das Kind empfindet Stolz und
Schuldgefühle ohne die Rückmeldung Erwachsener. Weiterhin verfügen Kinder dieser Altersspanne über das Verständnis, dass andere Personen in ein und derselben Situation aufgrund
unterschiedlicher Informationen auch ungleicher Meinung sein können, sie sind zusehends
zur Perspektivübernahme fähig. Auch die Entwicklung des Emotionsverständnisses geht voran. Zum einen verfügt das Grundschulkind über das Wissen, dass eine Person mehrere Emotionen gleichzeitig erleben kann, zum anderen nimmt die Empathiefähigkeit zu und das Kind
kann Hinweisreize der Mimik einer Person und situative Hinweisreize, die im Widerspruch
zueinander stehen, miteinander vereinbaren und ist so in der Lage die Emotionen von anderen
zu interpretieren. Hinzufügend zeigen Kinder im Grundschulalter erheblich mehr Selbstständigkeit und Verlässlichkeit und zugleich wird die kindliche Einstellung zu moralischen Regeln unter der Berücksichtigung prosozialer und antisozialer Motive offener. Darüberhinaus
weisen Kinder dieses Alters immer weniger körperlich aggressives Verhalten auf, verbal und
sozial aggressives Verhalten tritt weiterhin auf, Konfliktsituationen können jedoch durch
Kompromisse und mit mehr Effektivität besser beigelegt werden (vgl. Berk 2011, 484).
Mit einem Alter von neun bis elf Jahren prägt sich das Selbstwertgefühl weiter aus und Kinder können ihrem Erfolg bzw. Misserfolg den Faktoren, der eigenen Fähigkeit, der persönlichen Anstrengung und des Glücks zuschreiben. Des Weiteren verbessert sich der kindliche
Umgang mit negativen Gefühlen zu einem gesellschaftlich akzeptablen Ausdrucksverhalten
und ebenso weitet sich empathisches Verhalten von den unmittelbaren Nöten anderer Menschen auf die allgemeinen Lebensbedingungen anderer aus (vgl. Berk 2011, 485). Neun- bis
Elfjährige wechseln in adaptiver Weise zwischen problemorientierten und emotionsorientierten Bewältigungsstrategien um Emotionen zu kontrollieren, d. h. Kinder schätzen die Veränderbarkeit einer negativen Situation ab, suchen nach einer Problemlösungsstrategie und wenn
diese nicht funktioniert und sie Ereignisse nicht oder nur wenig beeinflussen können wechseln
sie dazu über den eigenen Emotionszustand zu kontrollieren (vgl. Berk 2011, 452).
Weiterhin können sich Kinder in diesem Alter in die Situationen von anderen Personen hineinversetzen, ihr Selbst aus der Perspektive des anderen betrachten und sie sind etwas später
auch dazu in der Lage die Beziehung zwischen sich selbst und einer anderen Person aus der
Sichtweise einer dritten, neutralen Person zu sehen. Weitere Aspekte der sozial-emotionalen
Entwicklung Neun- bis Elfjähriger sind die Verfeinerung und Verbindung von moralischen
und konventionellen sozialen Beziehungen und sowohl die Vorstellungen zur persönlichen
Entscheidungsfreiheit als auch das Verständnis über persönliche Rechte verstärken sich. Außerdem werden im Laufe der Schuljahre Freundschaften, die auf gegenseitigem Vertrauen
basieren zunehmend ausgewählter und auch Peergruppen, die bestimmte Wertvorstellungen
und Verhaltensnormen teilen entwickeln sich. Zudem steigert sich das kindliche Bewusstsein
für geschlechtsstereotype Eigenschaften, Verhaltensweisen und Neigungen (z.B. Persönlichkeitseigenschaften, Unterrichtsfächer und Schulleistungen), wobei die Meinung der Kinder
was Männer und Frauen tun können aufgeschlossen ist. In Bezug auf die Geschlechtsidentität,
sind neun- bis elfjährige Kinder nun dazu fähig, sich unter den Aspekten „Typizität, Zufriedenheit und empfundener Konformitätsdruck“ selbst einzuschätzen, was einen starken Effekt
auf die kindliche Anpassung hat (Berk 2011, 485). Darüber hinaus ist im Hinblick auf die
Geschwisterbeziehungen eher eine Zunahme an Rivalität untereinander zu vermerken (vgl.
Berk 2011, 485).
Es wird deutlich, dass die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung ein lebenslanger Prozess
ist, der von Anfang an in der Interaktion mit anderen erfolgt. Durch die verschiedenen Situationen im Zusammensein mit Bezugspersonen sammeln Kinder beim Älterwerden Erfahrungen über Gefühlszustände und Beziehungen, sie entwickeln Emotionswissen und den Umgang mit Emotionen. Diese Erfahrungen können vielseitig und differenziert, aber auch verhältnismäßig eingeschränkt sein, sich als förderlich erweisen und das Selbstwertgefühl stärken oder Verunsicherung verursachen und das Selbstwertgefühl schwächen (vgl. Pfeffer
2014, 16 f.).
2.2.3 Risiken für emotionale Entwicklungsstörungen
Wie zuvor aufgeführt, erzielen Kinder in den ersten Lebensjahren wichtige Entwicklungsaufgaben der sozial-emotionalen Kompetenz. Durch verschiedene Risikofaktoren kann es jedoch
auch zu Störungen und Abweichungen dieser Aufgaben kommen, worauf im Folgenden kurz
Bei der Betrachtung von Entwicklungsrisiken, die zu emotionalen Entwicklungsstörungen
führen können, ist zwischen kindbezogenen und familiären Risikofaktoren sowie Risiken im
Lebensumfeld zu unterscheiden (vgl. Koglin/ Petermann 2013, 106).
Zu den kindbezogenen Risikofaktoren gehören die temperamentsbedingte Anfälligkeit für
Entwicklungsabweichungen eines Kindes (auch als Vulnerabilität bezeichnet), Entwicklungsstörungen bzw. -retardierungen (z.B. Autismus oder Down-Syndrom) und Verhaltensstörungen, die sowohl internalisierendes als auch externalisierendes Verhalten einschließen. Diese
Risikofaktoren sind Gründe dafür, dass Säuglinge und Kinder in emotionalen Situationen eine
hohe physiologische Reaktivität vorwiegend negativer Emotionen zeigen, eine unzureichende
Responsivität vorweisen und über weniger Strategien der emotionalen Regulierung verfügen
(vgl. Petermann/ Wiedebusch 2008, 109 f.).
Den elterlichen Risikofaktoren sind psychische Störungen (z.B. Depressionen) und ein unangemessenes Verhalten der Eltern (bspw. Vernachlässigung und Misshandlung) zugehörig.
Folge dieser Risikofaktoren ist eine gestörte Interaktion zwischen den Eltern und dem Kind.
Dies zeigt sich in einem wenig responsiven Verhalten der Eltern gegenüber den Bedürfnissen
des Säuglings oder Kindes, der hohen Auftretenshäufigkeit negativer Gefühle der Eltern und
die geringe Hilfe der Eltern bei der Emotionsregulation des Kindes. Der Umgang mit Emotionen dieser Familien kennzeichnet sich durch eine geringe emotionale Kommunikation und
eine geringe emotionale Kompetenz der Eltern aus (vgl. Petermann/ Wiedebusch 2008, 109
Sowohl die Risikofaktoren des Kindes als auch die der Eltern haben negative Auswirkungen
auf den emotionalen Ausdruck, das Emotionsverständnis und die Regulation von Emotionen.
Emotionale Regulationsstörungen entwickeln sich schon im Säuglings- und frühem Kindesalter, wenn entweder die emotionale Regulationsfähigkeit des Kindes und die Anforderungen
der Umwelt nicht in Einklang stehen oder ein dysfunktionales Elternverhalten und wenig
Responsivität seitens der Eltern vorhanden sind. Findet die interpsychische Emotionsregulation, die gemeinsame Regulation der Emotionen vom Säugling und seiner Bezugsperson nur
unzureichend statt, so folgt daraus eine emotionale Dysregulation. Diese entsteht unabhängig
davon, ob die Störung der interpsychischen Emotionsregulation vom Kind oder von der Bezugsperson ausgeht. Die zur Emotionsregulation führenden, aber unangemessenen strategi-
schen Verhaltensmuster, die der Säugling bzw. das Kind entwickelt, können anpassungsfähig
sein und zumindest vorübergehend eine entlastende Wirkung auf die Psyche haben, auch
wenn sie eine optimale emotionale Kompetenzentwicklung nicht fördern (vgl. Petermann/
Wiedebusch 2008, 111 f.).
Kinder, die zu dieser Risikogruppe gehören, weisen in den meisten Fällen Beeinträchtigungen
in ihrer emotionalen Kompetenz auf. Daraus folgende Auswirkung können Auffälligkeiten
der kindlichen Entwicklung und des Verhaltens bis hin zu klinisch auffälligen Verhaltensstörungen sein. So hängen mangelnde emotionale Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Regel auch
eng mit Auffälligkeiten im Sozialverhalten und einer geringen Sozialkompetenz zusammen.
Des Weiteren steigt besonders durch die gestörte Regulation von Emotionen das Risiko für
psychische Störungen, z.B. bei Kindern mit internalisierenden und externalisierenden Verhaltensstörungen Angststörungen und Depressionen sowie aggressives Verhalten vorkommen
(vgl. Petermann/ Wiedebusch 2008, 112).
Nicht nur kindbezogene und familiäre Faktoren können die sozial-emotionale Entwicklung
negativ beeinflussen, es können auch Risikofaktoren im Lebensumfeld existieren, hervorgerufen durch die Nachbarschaft und Merkmale des Wohngebiets. Dazu zählen eine fehlende soziale Vernetzung, eine Nachbarschaft von geringer Qualität sowie kriminelle und Gewalttaten
im Wohnbezirk. Ein von Armut und Kriminalität geprägtes Wohnumfeld hat mittelbare Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung, um eine negative Beeinflussung der Kindes abzuwenden ist das Erziehungsverhalten der Eltern hinsichtlich einer ausreichenden Beaufsichtigung und dem Wissen darüber wo das Kind wann und mit wem Zeit verbringt ausschlaggebend (vgl. Koglin/ Petermann 2013, 109).
2.3 Einflussfaktoren der sozial-emotionalen Kompetenzentwicklung
Dieses Kapitel befasst sich mit den verschiedenen kindbezogenen und familiären Einflüssen
auf die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung. Im weiteren Verlauf werden die einzelnen
Faktoren genannt und es wird speziell auf das kindliche Temperament, das Erziehungsverhalten der Eltern, die Gleichaltrigenbeziehungen und die Beziehung zur pädagogischen Fachkraft
Zu den Einflussfaktoren gehören nach Koglin und Petermann das Temperament eines Kindes,
die sprachliche Entwicklung, frühe Verhaltensprobleme, die Eltern-Kind-Beziehung, das Erziehungsverhalten und die Beziehung zu Gleichaltrigen (vgl. Koglin/ Petermann 2006, 25).
2.3.1 Das kindliche Temperament
Das Temperament als Einflussfaktor meint konstitutionelle, individuelle Unterschiede in der
Emotionalität, motorischen Aktivität, Aufmerksamkeit und der Selbstregulation, wobei unter
dem Begriff konstitutionell die biologische Anlage als Basis für das Temperament verstanden
wird, die durch das genetische Erbgut, die Reife der Person und dessen Erfahrungen beeinflusst wird (vgl. Rothbart/ Bates 1998, 109; vgl. Koglin/ Petermann 2013, 25).
Alexander Thomas und Stella Chess (1977) identifizierten in ihrer Studie über das kindliche
Temperament neun Temperamentdimensionen: (1) Aktivität, (2) Rhythmizität (Regelmäßigkeit), (3) Annäherung – Vermeidung, (4) Anpassungsfähigkeit, (5) Sensorische Reizschwelle,
(6) Intensität von Reaktionen, (7) Stimmungslage, (8) Ablenkbarkeit und (9) Aufmerksamkeitsspanne/ Ausdauer (vgl. Thomas/ Chess 1977; zit. nach Zentner/ Bates 2008, 8). Zusätzlich zu den Dimensionen konnten Thomas und Chess auch drei Arten des kindlichen Temperaments feststellen, das „einfache“ Kind (easy), das „langsam auftauende“ Kind (slow-towarm-up) und das „schwierige“ Kind (difficult), die sich aus einer bestimmten Merkmalsausprägung von entsprechenden Kombinationen der Temperamentdimensionen ergeben (vgl.
Thomas/ Chess 1977; zit. n. Zentner/ Bates 2008, 9).
Die Konstellation des schwierigen Temperaments liegt bei Kindern vor, die Unregelmäßigkeiten im Auftreten von biologischen Funktionen zeigen, vermeidend auf neue Situationen
und Menschen reagieren und sich nur schwer bei Veränderungen anpassen können. Charakteristisch sind für diese Kinder auch eine hohe Intensität der zum Ausdruck gebrachten Reaktionen und eine überwiegend negative Gemütsstimmung (vgl. Zentner 1998, 76).
Das Temperament langsam auftauender Kinder kennzeichnet sich durch Vermeidungsreaktionen im Hinblick auf unbekannte Menschen und Situationen und eine langsame Anpassungsfähigkeit. Im Vergleich zum schwierigen Temperament weisen langsam auftauende Kinder
weniger intensive Reaktionen, eine niedrigere Aktivität auf und neigen weniger zu Unregelmäßigkeiten im Auftreten der biologischen Funktionen. Kinder mit diesem Temperament
können auch als schüchtern bezeichnet werden (vgl. Zentner 1998, 77).
Das einfache Kind zeichnet sich durch regelmäßige biologische Funktionen aus und reagiert
mit Annäherung auf fremde Personen und Situationen. Es kann sich bei Veränderungen gut
anpassen und weist eine gemäßigte, überwiegend positive Stimmung auf (vgl. Zentner 1998,
Das kindliche Temperament kann relativ stabil sein, bildet sich jedoch im Entwicklungsprozess und wird durch die Reaktionen der Umwelt beeinflusst. Das schwierige oder langsam
auftauende Temperament kann im Säuglingsalter einen negativen Einfluss auf das elterliche
Erziehungsverhalten nehmen, sodass die Möglichkeit besteht, dass Eltern weniger häufig oder
mit Ablehnung auf die negative Emotionen des Kindes reagieren oder dem Kind weniger Hilfe bei der emotionalen Regulation leisten. Dies hat zur Folge, dass es für die Kinder schwerer
ist, sich einen angemessenen Umgang mit Gefühlen und Emotionsregulationsstrategien anzueignen. Ferner kann dies eine negative wechselseitige Wirkung zwischen dem schwierigen
Verhaltensweisen des Kindes und dem negativen elterlichen Erziehungsverhalten hervorrufen,
dessen Auftretenswahrscheinlichkeit durch familiäre Probleme oder durch psychische Störungen der Eltern verstärkt werden (s. Kapitel 2.3.2) (vgl. Koglin/ Petermann 2006, 26).
2.3.2 Erziehungsverhalten der Eltern
Eine positive kindliche Entwicklung wird durch eine warme, von Zuneigung geprägte Erziehungshaltung gefördert, die den Kindern durch Regeln und Grenzen eine sichere Basis bietet.
Dies begründet sich in der elterlichen Unterstützung und Offenheit im Umgang mit positiven
und negativen Emotionen, wodurch die kindliche Entwicklung von Empathiefähigkeit und
prosozialem Verhalten gestärkt wird (vgl. Koglin/ Petermann 2006, 28 f.). Im Umkehrschluss
hindert ein eingeschränktes, unterdrücktes Aushandeln von Gefühlen die sozial-emotionale
Kompetenzentwicklung, da ein unbeständiges Erziehungsverhalten im Zusammenhang mit
Verhaltensauffälligkeiten steht (vgl. Koglin/ Petermann 2006, 28 f.).
Diesbezüglich nennen Franz Petermann und Silvia Wiedebusch folgende entwicklungsfördernde und -hemmende Einflüsse im elterlichen Umgang mit Emotionen. Aspekte, die die
Entwicklung fördern sind das Bewusstsein der Eltern über ihre eigenen Emotionen und die
ihrer Kinder sowie differenzierte Konversationen über Gefühle. Außerdem ist der Austausch
über Gefühle und Strategien zur Bewältigung negativer Emotionen förderlich, ebenso wie die
Unterstützung des Kindes bei der Emotionsregulation und im Umgang mit schwierigen Situationen. Entwicklungshemmendes Verhalten der Eltern wird kenntlich, wenn es keinen Platz
für die kindlichen Emotionen gibt oder negative Gefühle schnell abgetan werden und ebenfalls bei Ignoranz und Verleugnung der Gefühle des Kindes. Hinzufügend ist es nachteilig,
Kinder bei negativen Emotionen direkt abzulenken und wenn die Vermittlung eines strategischen Umgangs mit negativen Gefühlslagen oder emotionsauslösenden Situationen nicht besteht (vgl. Petermann/Wiedebusch 2008, 101). Zwar bezieht sich das Erziehungsverhalten auf
Eltern und deren Umgang mit Emotionen, jedoch lässt sich die Auflistung auch auf entwicklungsförderndes und entwicklungshemmendes Erziehungsverhalten anderer Bezugspersonen
übertragen (vgl. Pfeffer 2012, 18).
2.3.3 Beziehung zu gleichaltrigen Kindern
Das familiäre Umfeld eines Kindes ist für die sozial-emotionale Entwicklung von wesentlicher Bedeutung, da in der Familie die ersten Sozialisationserfahrungen gemacht werden. Mit
zunehmendem Alter der Kinder spielen jedoch auch Personen aus dem näheren Umfeld bei
der Weiterentwicklung sozial-emotionaler Fähigkeiten eine Rolle. In der Familie bereits gelernte Verhaltensweisen der sozialen Interaktion werden auf Beziehungen zu pädagogischen
Fachkräften und zu gleichaltrigen Kindern, den „Peers“ angewandt.
Dabei lässt auch in diesem Zusammenhang eine wechselseitige Beeinflussung von den sozialemotionalen Kompetenzen in Bezug auf die Qualität der Beziehung zur Peergruppe erfassen.
Bei Kindern mit ausgeprägten sozial-emotionalen Kompetenzen lassen sich ein positiveres
Sozialverhalten und bessere Beziehungen zu Gleichaltrigen aufweisen. Dementsprechend
führt dies zum weiteren Aufbau emotionaler Kompetenzen. Andersherum sind Kinder, die
Schwierigkeiten im Kontakt zu Anderen haben oder ausgegrenzt werden benachteiligt den
Umgang mit Gefühlen und emotionalen Situationen im Zusammensein mit gleichaltrigen
Kindern weiterzuentwickeln, wodurch Entwicklungsabweichungen begünstigt werden (vgl.
Koglin/ Petermann 2006, 29).
Desweiteren haben Beziehungen zu den Peers eine große Bedeutung für den Entwicklungsprozess der Kinder, da durch die besondere Struktur der Kommunikation, dem Austausch und
untereinander stattfindenden Aushandlungsprozessen Entwicklungsimpulse gegeben werden,
die nicht von Erwachsenen ausgehen. Ausgangspunkt für die Interaktionen von Kindern sind
die Eigenschaften der Gleichheit und Symmetrie der Beziehung. Im Gegensatz zum Umgang
mit Erwachsenen beispielsweise, gibt es kein Machtgefälle innerhalb einer gleichaltrigen
Gruppe und somit keine vorgegebenen Lösungen, woraus folgt, dass eine gemeinsame Lösungsfindung vollzogen werden muss. Da Gerechtigkeit unter gleichaltrigen Kindern ein
wichtiges Thema ist, müssen gemeinsame Regeln, die für alle in derselben Weise gelten gefunden werden. Dadurch ist das aufeinander Abstimmen und das gemeinsame Aushandeln
unter Kindern speziell für das Überwinden des kindlichen Egozentrismus wichtig, aber auch
für die Entwicklung von Kognition, Sprache und Moral bedeutend (vgl. Frank 2012, 13).
Durch gemeinsame Erfahrungen teilen Kinder Bedeutungen und sind zur gleichberechtigten
Argumentation, abgestimmten Handeln und zur gemeinsamen Lösungsfindung in der Alltagbewältigung fähig. Sie durchlaufen zusammen soziale Konstruktionsprozesse. Dies führt zum
Erwerb von Sachwissen im sozialen Dialog und zur sozialen Kompetenz beim Durchleben
und Erleben verschiedener Dinge. Soziale Kompetenzen kennzeichnen sich durch Komplexität und Vielfalt; Kinder müssen die Bewältigung sozialer Situationen und den Umgang mit
den daraus entstehenden Gefühlen erst erlernen, um sich besser selbst einschätzen zu können
(vgl. Frank 2012, 11).
2.3.4 Beziehung zur pädagogischen Fachkraft/ Lehrkraft
Neben der Familie und den Gleichaltrigen wird mit zunehmendem Alter der Kinder die Beziehung zu den pädagogischen Fachkräften aus Kindertageseinrichtungen und Schule immer
bedeutender für die sozial-emotionalen Kompetenzentwicklung, da die Kinder durch diese
Bezugspersonen stark beeinflusst werden und die Kinder bei positiven Beziehungen in einem
anderen Rahmen als der Familie Gefühle wie Geborgenheit, Stolz, Freude und Neugier erleben können. In den Einrichtungen kann das Wissen über Emotionen erweitert, der Umgang
mit den vielfältigen Gefühlszuständen und emotionsgeladenen Situationen begleitet werden
und außerdem können Bedürfnisse und Auseinandersetzungen im Kollektiv bewusst unterstützt werden. Kinder mit innerfamiliär ausgeprägter sozial-emotionaler Kompetenz, können
diese Fähigkeiten weiter ausbauen und Kinder mit schlechteren Voraussetzungen, haben die
Möglichkeit grundlegende Kompetenzen zu erlernen. Der pädagogischen Fachkraft ist eine
Vorbildfunktion zugeschrieben, die sich durch das Verhalten, dem achtsamen Umgang mit
Gefühlen, einem deutlichen Gefühlsausdruck und im Handeln wiederspiegelt. Diesbezüglich
sind der persönliche Umgang der Bezugsperson mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen,
sowie das Verhalten in Konfliktsituationen von zentraler Bedeutung, da sich Kinder daran ein
Bespiel nehmen, wie Erwachsenen negative Situationen bewältigen und Problemlösungsstrategien finden (vgl. Pfeffer 2012, 18 f.).
3.1 Allgemeines zur Förderung
In diesem Kapitel geht es um die Förderung der sozial-emotionale Kompetenz. Dabei werden
sowohl die zu fördernden Schlüsselfertigkeiten sozial-emotionaler Kompetenz und die Arten
der Förderung aufgeführt als auch die Fördermethoden für die Schulen (mit Ganztagsangebot)
3.1.1 Schlüsselfertigkeiten sozial-emotionaler Kompetenz
Der Grundgedanke, dass alle Kinder von der Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz
bereichert werden, ist Basis für die folgenden zu fördernden sozial-emotionalen Schlüsselfertigkeiten, die in vier Kategorien „Selbst- und Fremdwahrnehmung“, „positive Einstellungen
und Werte“, „verantwortungsvolle Entscheidungen“ und „soziale Interaktion“ untergliedert
werden (Payton et al. 2000, 179-185; zit. n. Petermann/ Wiedebusch 2008, 210 f.).
Die Kategorie Selbst- und Fremdwahrnehmung umfasst die Wahrnehmung von Gefühlen, die
Emotionsregulation, ein positives Selbstbild und die Perspektivübernahme. Entwicklungsziel
der Kinder ist demnach das Erkennen und Benennen der eigenen Gefühle, die Fähigkeit, die
eigenen Gefühle zu regulieren, die Kenntnis über eigene Stärken und Schwächen sowie eine
durch Selbstvertrauen und Optimismus gestützte Alltagsbewältigung und die Fähigkeit, sich
in die Lage anderer Personen hineinzuversetzen.
Die zweite Kategorie thematisiert positive Einstellungen und Werte. Dies beinhaltet die persönliche Verantwortungsübernahme, eine respektvolle Haltung anderen Personen gegenüber
und die soziale Verantwortung. In den Fähigkeiten der Kinder drückt sich dies durch ein ehrlich und fair beabsichtigtes Verhalten, Akzeptanz und Wertschätzung im Umgang mit anderen
Menschen und Gruppen sowie der Absicht, zum gemeinschaftlichen Wohl beizutragen und
dem Schutz der Umwelt beizusteuern.
Im dritten Punkt geht es um verantwortungsvolle Entscheidungen. Hierzu gehören die Wahrnehmung von Problemen, die Berücksichtigung sozialer Werte und Normen, angemessene
persönliche Ziele und die Lösung von Problemen. Diese Aspekte spiegeln sich in den Fähigkeiten wieder, zu erkennen in welchen Situationen Entscheidungen getätigt oder Problemlö24
sungen gefunden werden müssen, soziale Normen zu beachten und kritisch zu hinterfragen,
erreichbare und positive Ziele zu verfolgen und zur Entwicklung und zum Einsatz positiver,
problemlösender Maßnahmen beizutragen.
Der letzte Bereich, die soziale Interaktion, untergliedert sich in aktives Zuhören, Kommunikation, und Kooperationsbereitschaft. Desweiteren zählt das Verhandeln, die Verweigerung und
die Suche nach Unterstützung dazu. Daraus erschließen sich die zu fördernden Fähigkeiten
der Kinder, anderen Personen Aufmerksamkeit zu schenken, Verständnis zu vermitteln und
die Fähigkeiten, zur Gesprächsaufnahme und -führung sowie des verbalen und nonverbalen
Gedanken- und Gefühlsausdrucks. Neben der Fähigkeit mit anderen Menschen zu teilen und
abzuwechseln sind auch das Nachvollziehen aller Perspektiven in Konfliktsituationen und
ebenso das Erreichen allparteilich zufriedenstellender Lösungen Fähigkeiten der sozialen Interaktion. Desweiteren kennzeichnet sich dieser Bereich durch die Fähigkeiten, unter Druck
setzenden Situationen entgegen zu halten, den Bedarf an Hilfe zu sehen und folglich der Situation entsprechende Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
3.1.2 Arten der Förderung
Kinder können bei der Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen gezielte Unterstützung
und Förderungen bekommen. Diesbezüglich wird zwischen drei Arten der Förderung unterschieden, die im Folgenden erklärt werden.
Auf die primäre Prävention wird tiefgehender eingegangen, weil sich diese Art der Förderung
im Kontext der Schule am besten eignet, da alle Kinder von der Fördermaßnahme profitieren
und dem Risiko einer Stigmatisierung einzelner Schülerinnen und Schüler entgangen wird
(Petermann [u.a.] 2007, 10 f.).
Primärpräventive Verfahren sind universell für alle Kinder gedacht, die keine Entwicklungsauffälligkeiten aufzeigen, sekundärpräventive Verfahren sollten selektiv für Kinder, bei denen
ein erhöhtes Risiko für emotionale Entwicklungsstörungen besteht, angewandt werden und
psychotherapeutische Maßnahmen sind für entwicklungsauffällige Kinder, die bereits Defizite
emotionaler Kompetenzen erkennen lassen (vgl. Heinrich/ Döpfner/ Petermann 2008, 644).
Letztere beide Maßnahmen sollte eine gezielte Diagnostik vorangestellt sein. Primäre Präventionsmaßnahmen sollten möglichst frühzeitig zum Einsatz mit folgenden Zielsetzungen kommen (vgl. Petermann/ Wiedebusch 2008, 207 f.).
Ein Ziel von primärpräventiven Förderprogrammen ist die Vorbeugung von Emotionsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten, da Kinder mit defizitärer emotionaler Entwicklung mit
höherer Wahrscheinlichkeit emotionale und Verhaltensstörungen entwickeln. Durch die emotionale Kompetenzförderung kann die Erscheinungshäufigkeit solcher Defizite minimiert
werden. Weiteres Ziel ist das Identifizieren von Risikokindern. Auffällige Kinder im Bereich
der emotionalen Entwicklung oder mit Defiziten in speziellen sozial-emotionalen Fähigkeiten
können bei der Durchführung von Förderprogrammen erkannt und einer bestimmten Entwicklungsdiagnostik zugeordnet werden. Ebenso ist es Ziel prosoziales Verhalten zu fördern, da
eine Reihe von emotionalen Fertigkeiten das Fundament für empathische und prosoziale Verhaltensweisen bildet. Mit der Förderung der emotionalen Kompetenz wird gleichzeitig die
Entwicklung eines von der Allgemeinheit anerkannten Sozialverhaltens unterstützt. Die Weiterentwicklung der Empathiefähigkeit und des prosozialen Verhaltens von Kindern ist
Schwerpunkt bei der Prävention und dient zur Abwehr aggressiver Verhaltensweisen.
Darüberhinaus ist es Ziel die Schulreife zu fördern, weil ein Zusammenhang zwischen der
emotionalen Regulation und dem schulischen Erfolg bei Kindern besteht. Für Kinder, die eine
dem Alter entsprechende emotionale Kompetenz aufweisen, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Schulzeit demnach besser, als für Kinder die eine defizitäre Entwicklung emotionaler Kompetenz aufweisen. Vorschulische Förderprojekte und Programme für Schulanfänger
zur Verbesserung der emotionalen Kompetenz unterstützen die Kinder bei der Bewältigung
der Transition in die Schule und den damit einhergehenden sozialen und kognitiven Anforderungen. Besonders wichtig ist dabei, dass richtige Strategien zur Emotionsregulation gelehrt
und eingeübt werden und ein Emotionsverständnis entwickelt wird, da diese beiden Aspekte
maßgeblich auf die schulischen Leistungen einwirken (vgl. Petermann/ Wiedebusch 2008,
207 f.).
3.1.3 Förderung in der Ganztagsschule
Die Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz kann in der Schule auf zwei Ebenen stattfinden, im Schulalltag und in geplanten Unterrichteinheiten.
Die alltägliche Förderung in der Schule orientiert sich an aktuellen Alltagssituationen und
Konflikten im Schulleben und hat die Einübung von sozialen Verhaltensweisen zum Ziel.
Dazu zählen verschiedene Bereiche, wie die sozialen Umgangsformen des täglichen Lebens
zu pflegen:
 Höflichkeitsformen (z. B. Begrüßung, sich anstellen, niemanden auslachen, Freundlichkeit, Schimpfwörter vermeiden usw.),
 eine positive Arbeitsatmosphäre (z.B. Hilfsbereitschaft zeigen und Hilfe annehmen,
sich bei Erfolgserlebnissen anderer mitfreuen, Rücksicht auf langsam arbeitende Mitschüler nehmen usw.) und
 richtige Gesprächsführung (z.B. sich melden, abwarten, anderen zuhören, aussprechen
lassen, am Gesprächsthema bleiben, keine unnötigen Unterbrechungen, laut und deutliche Aussprache usw.).
Weiterer Bereich ist der richtige Umgang mit und das Lösen von Konflikten:
 ruhig bleiben und nicht impulsiv reagieren (z.B. erst einmal Luft holen)
 Lehrkräfte oder Mitschüler zur Schlichtung des Streits aufsuchen usw.).
Das zeigen besonderen Einfühlungsvermögens und Gemeinschaftsgefühls bei Ausnahmesituationen ist ein weiterer Bereich der Alltagsförderung:
 bei familiären Krisen, Krankheit, Unfall etc. betroffenen Mitschülern besondere Zuwendung zeigen, aber auch
 das gemeinsame freuen über die Geburt von Geschwistern.
Ebenso gehört die bedachtsame Entwicklung eines „Wir-Gefühls“ zur alltäglichen Förderung
der sozial-emotionalen Kompetenz:
 damit ist nicht die Abgrenzung von anderen oder die Tabuisierung von Konflikten zur
Aufrechterhaltung von Harmonie gemeint, sondern
 als pragmatische Basis für ein möglichst reibungsloses und jedem Einzelnen Sicherheit gebendes Zusammensein (z.B. Kinder mit wenig Rückhalt in der Familie).
Darüber hinaus sind auch Kinderängste, Gewalt in der Schule, Erpressung, Schwierigkeiten
mit Gruppenbildung und Außenseiterstellung sowie die Nachahmungen von gefährlichen
Vorbildern aus den Medien und der Umgang mit Kindern, die Verhaltensschwierigkeiten
aufweisen Bereiche, die im Schulalltag vorzufinden sind, die ebenfalls in der alltäglichen
Förderung Berücksichtigung finden sollten (vgl. Schorch 2007, 201 f.).
Die sozial-emotionale Kompetenzförderung auf zweiter Ebene findet gezielt in vorbereiteten
Unterrichtsstunden statt. Dies fällt insbesondere unter die aufgeführten Kompetenzen im sozialwissenschaftlichen Lernbereich des Sachkundeunterrichts. Diesbezüglich kann an die Erfahrungsbereiche der Kinder im Hinblick auf das Zusammenleben, die Gemeinschaft der Klasse
und die Schule angeknüpft werden, um den Kindern gesellschaftliche Strukturen zu vermit-
teln (vgl. Schorch 2007, 201; vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und
Berufsbildung (Hrsg.) 2011b, 12).
Außerdem gibt es gezielte Fördermaßnahmen, didaktische Materialien und Verhaltenstrainings, die die verschiedenen Aspekte des sozial-emotionalen Kompetenzbereichs erfassen und
die Lehrer im Unterricht und päd. Fachkräfte in der Ganztagsbetreuung durchführen können
(vgl. Petermann [u.a.] 2007, 37).
3.2 Förderprogramme für Grundschulkinder
In diesem Kapitel werden einige Förderprogramme für Grundschulkinder kurz vorgestellt.
3.2.1 Faustlos
Faustlos ist ein Programm zur Prävention von Gewalt und aggressivem Verhalten für Grundschulen (Sekundarschulen und Kindertageseinrichtungen), dass auf entwicklungspsychologischen Theorien basiert und wissenschaftlich evaluiert wurde. Ziel von Faustlos ist die Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen, speziell in den Bereichen Empathiefähigkeit, Impulskontrolle und der Umgang mit Ärger und Wut. (vgl. Schick 2014c). Das Präventionsprogramm hat einen Umfang von 51 Lektionen, die innerhalb von drei oder vier Schuljahren unterrichtet werden. In den verschiedenen Lektionen werden die zahlreichen Facetten sozialer
und emotionaler Kompetenzen den Schulkindern auf unterschiedlichen Ebenen vermittelt,
sodass die Kinder Schritt für Schritt ihren Bestand von gewaltpräventiven Verhaltensweisen
ausbauen können (vgl. Schick 2014a). Die Teilnahme an einer eintägigen Fortbildung ist Voraussetzung, um die Faustlos-Materialien erwerben zu können (vgl. Schick 2014c). Diese beinhalten ein Handbuch, ein Anweisungsheft für die einzelnen Lektionen und 51 Fotokopien
(vgl. Schick 2014b).
3.2.2 Verhaltenstraining für Schulanfänger
Das Verhaltenstraining für Schulanfänger versteht sich als ein universelles Präventionsprogramm zur Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenz und zum Entgegenwirken
von Verhaltensproblemen. Das Verhaltenstraining ist speziell für 1. und 2. Klassen konzipiert,
da der Übergang in die Schule ein günstiger Zeitpunkt ist und es ist dazu da, die kindlichen
Entwicklungsverläufe in eine angemessene Richtung zu leiten. Durchgeführt wird das Verhaltenstraining für Schulanfänger im Klassenverbund während des Unterrichts durch den Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin. Es lässt sich jedoch auch im außerschulischen Rahmen
wie z.B. in Kleingruppen im Hort, angeleitet durch die gruppenleitende Bezugsperson anwenden. In 26 Sitzungen mit je zwei Trainingseinheiten à 45-60 Minuten pro Woche ermöglicht
das Programm die Förderung der folgenden zielgesetzten Bereiche: die soziale Wahrnehmung, der Umgang mit Gefühlen, emotionale und soziale Fertigkeiten, Problemlösestrategien,
Selbstkontrolle und Selbstregulation sowie prosoziales Verhalten. Diese Ziele werden im Anschluss an die Einführungsphase innerhalb von drei weitern Phasen mit den Oberthemen sozial-kommunikative Kompetenz, emotionale Selbst- und Fremdwahrnehmung und die Entwicklung von sozial-emotionalen Fertigkeiten und prosozialem Verhalten sowie soziale Basiskompetenzen und angemessene Problemlösestrategien vermittelt (vgl. Petermann [u.a] 2006,
42 ff.).
3.2.3 Verhaltenstraining für Grundschüler
Das Verhaltenstraining in der Grundschule ist ebenso wie das Verhaltenstraining für Schulanfänger ein Präventionsprogramm zur sozialen und emotionalen Kompetenzförderung, aber
speziell für Kinder in den 3. und 4. Grundschulklassen, eignet sich jedoch auch für Hortgruppen dieses Alters. Das Förderprogramm setzt sich aus 26 Einheiten à 45-90 Minuten zusammen und sollte zweimal wöchentlich vom Klassenlehrer (oder vom Gruppenleiter) durchgeführt werden. Das Verhaltenstraining in der Schule ist ein universelles Förderprogramm und
verfolgt in den drei Bereichen, emotionale Kompetenz, soziale Kompetenz sowie Eigen- und
Selbstverantwortung die nachfolgenden kindbezogenen Ziele. Zum einen sollen das Wissen
und Verständnis über sowie die Selbst-und Fremdwahrnehmung von Emotionen verbessert
und Strategien zur emotionalen Regulation eingeübt werden. Zum anderen sollen die Kinder
lernen die eigenen Gefühle besser zu kontrollieren und zu steuern. Weitere Ziele sind die
Stärkung der Empathiefähigkeit und der sozialen Wahrnehmung sowie die Sensibilisierung
der Kinder für die sozialen Prozesse in Interaktionen. Außerdem werden den Kindern Problemlösungsstrategien zur Konfliktbewältigung nahe gebracht. Darüber hinaus werden die
Kinder dabei gefördert prosoziales Verhalten und moralische Werte in Hinsicht auf Gerechtigkeit, Selbstverantwortung und Zivilcourage zu entwickeln (Petermann [u.a.] 2007, 37 ff.).
3.3 Buchprojekt: Bertram Blaubauch sucht sein Lachen
Das Buchprojekt „Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“ ist ebenfalls ein Förderprogrammauf das nachfolgend genauer eingegangen wird.
3.3.1 Allgemeine Informationen zum Projekt
Das Projekt „Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“ von Angela Frank und Sabine Martschinke ist eine bilderbuchbegleitete universelle Fördermaßnahme für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Das Förderprojekt umfasst zehn strukturierte, erprobte Arbeitseinheiten à 60 Minuten, die individuell und variabel an die Bedürfnisse der jeweiligen Einrichtung
bzw. der einzelnen Kinder abgestimmt werden können und sollen. Diese Maßnahme ist an
pädagogisches Fachpersonal und die zu betreuenden Kinder in pädagogischen Einrichtungen
gerichtet und eignet sich auch für den Grundschulunterricht. Die Bestandteile des Projektes
sind ein Bilderbuch und eine dazugehörige Handreichung (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 4).
Die Handreichung besteht inhaltlich aus drei Teilen. Der erste Teil gibt einen allgemeinen,
theoretischen Hintergrund zum Thema Persönlichkeitsförderung im Kindergarten und der
Schnittstelle Kindergarten und Schule. Im Einzelnen geht es um die Notwendigkeit und Umsetzung der Förderung bei der Arbeit mit Kindern und um die Entwicklung und Förderung
emotionaler, personaler und sozialer Kompetenzen. Der zweite Abschnitt erklärt das Projekt
„Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“; es werden Ziele, Aufbau, der Gestaltungsgedanke,
Dauer und Ablauf des Projekts und die Erprobung und die erste Evaluation beschrieben. Letzter Teil gibt ausführliche Stundenvorschläge zu den jeweiligen Einheiten (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 5).
Gestalterische Grundlage dieses Förderprojektes ist das Bilderbuch (bzw. die Bilderkarten)
„Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“ von Angela Frank. Die inhaltlichen Themen dieses
Projektes beziehen sich auf diese Geschichte und seine vier Charaktere. Zusammengefasst
handelt das Kinderbuch von Bertram Blaubauch, einem lustigen Kerl, der gerne Späße macht,
andere zum Lachen bringt und eines Tages schlecht gelaunt aufwacht. Nichts kann ihn aufmuntern, sodass ihm plötzlich sein Lachen davonfliegt. Bertram macht sich erschrocken auf
die Suche nach seinem Lachen. Auf dem Weg trifft er Paul Pechzähler, der alles Unglück
aufschreibt, Theo Tiefnase, der betrübt ist, weil er keine Freunde hat und Elli Gelbse, die traurig ist, weil sie sich hässlich gelb findet. Gemeinsam suchen sie weiter nach Bertrams Lachen
und treffen den Lachsack, der ihnen erklärt, dass man das Lachen nicht abholen oder erkaufen
kann, sondern, dass das Lachen von alleine kommt, wenn man fröhlich ist. Entsprechend enttäuscht machen sich die vier wieder auf den Rückweg, geraten dabei in Streit und werden von
der Nacht überrascht. Sie halten jedoch zusammen und machen ein Lagerfeuer, lernen sich
besser kennen und schließen Freundschaften. Und zu guter letzt findet Bertram Blaubauch
sein Lachen wieder (vgl. Frank 2009, o. S.).
3.3.2 Ziele des Projekts
Ziel dieses Projektes ist die Förderung der (Weiter-) Entwicklung emotionaler, personaler und
sozialer Kompetenzen von Kindern. Die Struktur des Projektes ist nach der inhaltlichen Zielsetzung ausgelegt. Zu den drei Kompetenzbereichen gibt es verblockt zwei bis drei Einheiten,
die jeweils ein Schwerpunktthema und eine spezielle Zielsetzung verfolgen. In zehn Einheiten
werden Themen wie, das Bewusstsein über die eigenen Gefühle und die Anderer, Gruppengefühl, Selbstkonzept stärken, Zusammenhalt, der Umgang mit Konflikten oder eigene Stärken
bearbeitet. Da die emotionalen, personalen und soziale Kompetenzen in enger Abhängigkeit
zueinander stehen, bieten sich viele Gelegenheiten, um auch themenübergreifend zu arbeiten.
Es ist ersichtlich, dass die einzelnen Themen des Projektes mit ihren Zielsetzungen nicht allumfassend in der Projektphase erlangt werden. Die sozial-emotionale Entwicklung ist ein
kontinuierlicher Prozess, folglich ist die Förderung und Unterstützung eine ebenfalls fortlaufende Aufgabe in pädagogischen Einrichtungen, um größere Entwicklungserfolge zu bewirken. Daher soll das Projekt Impulse zu längerfristigen, bewussten Veränderungen bzw. Arbeitsweisen geben, die diesen Kompetenzbereich betreffen (vgl. Frank/ Martschinke 2011,
Neben den Zielsetzungen für die Kinder gibt es ebenfalls Zielsetzungen in Bezug auf die pädagogischen Fachkräfte. Die Projektarbeit soll zum einen, die diagnostischen und didaktischen Fertigkeiten unterstützen, zum anderen dazu führen, die Inhalte des Projektes im späteren Alltag besser wahrzunehmen und zur Arbeit im Team und mit den Eltern dienen (vgl.
Frank/ Martschinke 2011, 21).
3.3.3 Inhalt der zehn Einheiten
Unter diesem Punkt werden die inhaltlichen Schwerpunkte der zehn Stundenvorschläge des
Förderprojekts benannt. Thematisch ist eine Einführungsstunde eingeplant, gefolgt von drei
Einheiten zu emotionalen Kompetenzen, zwei Einheiten zur personalen Kompetenz und weiteren drei Einheiten zu den Sozialkompetenzen. Beendet wird das Projekt mit einer Abschluss-Stunde. Der inhaltliche Aufbau der kompetenzbezogenen Stundenvorschläge beginnt
immer mit der Wiederholung der Geschichte zur Einleitung in das Thema der Stunde, um mit
den Kindern ins Gespräch zu kommen. Anschließend werden vorgesehene Spiele und Aktivitäten mit passenden Kopiervorlagen aufgeführt. Außerdem werden Alternativ- und Ergänzungsmaterialien vorgeschlagen. Abschließend wird den Kindern noch einmal das Fazit der
Stunde nahe gebracht, ein gemeinsamer Tagebucheintrag vorgenommen und ein Ausblick auf
die nächste Einheit gegeben (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 30 ff.).
Einheit 1: Bilderbuch und Themenbereich einführen
Ziel der ersten Stunde ist die Einführung in das Projekt, das bedeutet das Vorstellen der Geschichte anhand des Bilderbuches oder der Bilderkarten und eine thematische Einführung.
Eine erste Bestandsaufnahme über den sozial-emotionalen Entwicklungsstand und die Interessen der Kinder ist zu tätigen und die Einbindung des Projekts in den Alltag ist zu unterstützen. Um dies zu erreichen, wird das Projekt, dessen Dauer und die weitere Vorgehensweise
mit der Kindergruppe/ Klasse besprochen. Den Kindern wird das Bilderbuch gezeigt, und
erklärt, dass das Projekt unterschiedliche Spielen und Aktivitäten beinhaltet. Das Tagebuch
wird vorgestellt, in dem während der Projektphase gemeinsam Erlebtes und Planungen dokumentiert werden. Hauptteil dieser Stunde ist das Vorlesen der Geschichte, wobei den Kindern
Gesprächs- und Äußerungsmöglichkeiten geboten werden. Abschließend wird den Kindern
ein Ausblick auf die weiteren Projekteinheiten gegeben, es werden Regeln für die Projektarbeit beschlossen und erste Eintragungen ins Tagebuch gemacht (vgl. Frank/ Martschinke
2011, 32 f.).
Einheit 2: Wir sind eine Gruppe
Die zweite Einheit befasst sich mit dem Erfahren von Gruppengefühl. Zielsetzung ist die
Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, das Aufzeigen von Besonderheiten der Gruppe und dem
Ausmachen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Zielführend ist einerseits eine Gestaltungsaktivität, in der jedes Kind ein Blatt mit Fußabdrücken gestalten kann, die dann in einer
Bilderschlange ausgehängt werden und den gemeinsamen Weg der Kinder nach Blaupausenhausen darstellen. Weiterhin werden Zuordnungsspiele vorgeschlagen, bei denen die Besonderheiten der Gruppe entdeckt und in einem „Drei-Ecken-Spiel“ gemeinsame und unterschiedliche Vorlieben, mithilfe eines lachendem, neutralen und missmutigen Gesichts von
Theo Tiefnase, ermittelt werden. Die Ergebnisse können auf einem Gruppenposter festgehalten werden (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 34 ff.).
Einheit 3: Schöne Gefühle und unangenehme Gefühle
Ziel in dieser Stunde ist die Wahrnehmung der eigenen Emotionen und derer anderer Personen, also dem Erkennen und Benennen von Gefühlen. In einer Gesprächsrunde lernen die
Kinder anhand einer Gefühlsmaske, die verschiedene Emotionen zeigen kann, mimische Ausdrücke kennen und sie haben die Möglichkeit ihren momentanen Gefühlzustand mithilfe der
Vorlage anzuzeigen. Darüberhinaus gibt es verschiedene Arten von Gefühlsrätseln, bei denen
die Kinder Gefühle und die dazu passende Mimik und Gestik erraten und vorspielen können,
um den Kindern zu verdeutlichen wie unterschiedlich Gefühle sich anfühlen und aussehen
können. Desweiteren gibt es zwei Vorlagen auf denen die Kinder eine traurige und eine fröhliche Situation aufmalen können, um das Emotionsbewusstsein zu stärken (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 46 ff.).
Einheit 4: Wenn es mir schlecht geht
Der vierte Stundenvorschlag zielt auf die Wahrnehmung unangenehmer Gefühle und Situationen ab und wie diese bewältigt werden können. In einer Erzählrunde kann jedes Kind über
Wut bzw. Angst auslösende Situationen erzählen. Um einen Sprecher zu wählen wird ein
„Erzähl-Ball“ benutzt der weitergegeben wird. Nach Möglichkeit kann die Fachkraft das Gespräch zu den Problemlösungen lenken. Hinzufügend wird die Geschichte „Elli und die Mutmachperle“ vorgelesen und das dazugehörige Lied gesungen, dass Gesprächsanlässe in der
Gruppe zum Umgang mit Angst und Wut erzeugen soll. Um den Kindern zu zeigen, wie man
Wut bewältigen kann, werden ihnen „Wutweg“-Tipps erklärt, die gemeinsam ausprobiert und
besprochen werden und in Absprache auch in den Alltag der Einrichtung eingeführt werden
können. Abschließend werden Entspannungsübungen gemacht, um zu verdeutlichen, dass bei
unangenehmen Gefühlen Entspannung und das zur Ruhe kommen wichtig sind. (vgl. Frank/
Martschinke 2011, 60 ff.).
Einheit 5: Jeder ist etwas Besonderes
In dieser Einheit geht es um die Stärkung des Selbstkonzeptes und des Selbstwertgefühls, um
das Bewusstsein der Ich-Stärken, die eigenen Besonderheiten und Vorlieben. Um die Einzigartigkeit eines jeden Kindes zu verdeutlichen, gestaltet jedes Kind seinen eigenen Steckbrief
mit den ganz persönlichen Angaben und im Nachhinein darf darüber gesprochen und verglichen werden. Damit die Kinder nicht nur sichtbare sondern auch unsichtbare Besonderheiten
und Unterschiede erkennen, sucht sich jedes Kind in einer Gesprächsrunde ein Kärtchen (mit
Dingen, Situationen und Tätigkeiten darauf) aus, dass beschreibt, was es gerne mag oder besonders gut kann und stellt dies im Sitzkreis vor. Im Anschluss daran kann in abgewandelter
Form das Spiel „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ gespielt werden, wobei nicht Namen gewünscht, sondern Fähigkeiten oder Vorlieben gewünscht werden. Danach wird ein MusikStopp-Spiel gespielt, bei dem die Kinder zu Musik tanzen bis die Musik ausgeschaltet und
eine Sache oder Tätigkeit aufgerufen wird. Je nach dem, ob die Kinder das Aufgerufene mögen, mittelmäßig finden oder nicht mögen, strecken sie begeistert die Arme in die Luft, blei-
ben ganz still stehen oder machen sich in der Hocke ganz klein (vgl. Frank/ Martschinke
2011, 68 ff.).
Einheit 6: Sich selber helfen
Diese Stunde thematisiert die Förderung der Selbstwirksamkeit, Problemlösungsstrategien
und das Mut machen. In einem Gespräch werden dann schöne Dinge gezählt und eine
Glückszähler-Sammlung geplant, um zu zeigen, dass jeder Tag etwas Schönes mit sich bringt,
wenn man es sehen möchte. Weitere Aktion zu diesem Thema ist das Gruppenspiel „Armer
Pechzähler Paul“, bei dem alle Kinder von „traurigen Pauls“ in fröhliche Sonnenstrahlen verwandelt werden, indem ein „Sonnenstrahlkind“ beginnt ein anderes anzulachen oder etwas
Aufmunterndes sagt, um es zu verwandeln, bis alle Kinder Sonnenstrahlen sind. Dies dient,
der Selbstbestärkung und dem Mut machen. Anschließend werden im Gruppengespräch gemeinsam Ideen gesammelt, kennengelernt und ausprobiert, um sich selbst zu helfen oder zu
ermutigen (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 74 ff.).
Einheit 7: Wir halten zusammen
Ziel dieses Stundenvorschlags ist den Gemeinschaftssinn und den Zusammenhalt in der
Gruppe, sowie die Kooperation zu stärken. In einer Partner- bzw. Gruppenaktivität wird den
Kinder vermittelt, dass die Durchführung einer Tätigkeit zusammen oftmals viel besser, als
alleine geht. Weitere Aktion ist die „Bertram-Lachmassage“, bei der sich die Kinder in Paare
zusammenfinden und sich in Begleitung der Geschichte gegenseitig massieren. Dies soll die
Kinder entspannen und ihnen gut tun. Im anschließenden Gespräch haben die Kinder die
Möglichkeit zu sagen, wie es ihnen gefallen hat. Danach ist die „Reise in der Nacht nach
Blaupausenhausen“ angesetzt. Bei dieser Aktion schließt ein Kind die Augen und wird von
einem anderen Kind durch den Raum bzw. durch einen Parcours geführt, um das gegenseitige
Vertrauen und den Zusammenhalt der Gruppe zu fördern (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 82
Einheit 8: Wenn es Streit gibt
Diese Einheit stellt die Wahrnehmung unterschiedlicher Meinungen und Interessen, die Kompromissschließung, das Kennenlernen von Konfliktlösungen und das Entschuldigen in den
Mittelpunkt. Als Aktion wird, in Anlehnung an das Lagerfeuer in der Geschichte, ein Lagerfeuer-Picknick mit der Gruppe gemacht, wobei jedes Kind nur ein Lebensmittel bekommt, mit
dem Ziel, dass die Kinder sich ihre Sachen zu Essen teilen, austauschen oder sich gegenseitig
probieren lassen. Beim Essen empfiehlt es sich darüber zu sprechen, wie es den Kindern dabei
ergangen ist. Weitere Aktivität ist ein Gruppengespräch zum Thema Konflikte lösen, wobei
gemeinsam Lösungsmuster für Konflikte gesammelt und kennengelernt werden. In kurzen
Rollenspielen werden dann streitauslösende Situationen vorgespielt und kurze Lösungen gefunden. Hinzufügend wird sich ein gemeinsames Stopp-Signal überlegt und eingeführt, damit
die Kinder ihre eigenen Grenzen ausdrücken und die der anderen Kinder erkennen können
(vgl. Frank/ Martschinke 2011, 88 ff.).
Einheit 9: Manchmal braucht man Hilfe
Dieser Stundenvorschlag beinhaltet das Hilfeholen, -annehmen und -geben. Den Kinder soll
vermittelt werden, dass sie verschiedene Helfer im Leben haben. Diesbezüglich wird im Sitzkreis ein Spiel gespielt, bei dem die Kinder Personen, die helfen können nennen sollen und
dabei ein Wollknäuel von Kind zu Kind werfen, bis ein dichtes Netz (aus Helfern) entsteht.
Anschließend werden unterstützende Personen für die Gruppe auf einer Netz-Vorlage festgehalten. Fortgefahren wird mit der Einführung eines Kummerkastens, in den die Kinder Zettel
mit Bildern und Botschaften einwerfen können, die beschreiben, wobei sie Hilfe benötigen
bzw. was sie an wollen. Hinzufügend wird bei einem kurzen Kreisspiel gezeigt, dass jeder
jedem helfen kann. Um das zu symbolisieren stellen sich alle in einen Kreis und schicken
einen Händedruck, ein Lachen oder einen Mutmachspruch durch die Runde (vgl. Frank/
Martschinke 2011, 94 ff.).
Einheit 10: Abschluss-Stunde
Ziel der Abschluss-Einheit ist die Zusammenführung und Reflexion der behandelten Projektinhalte. Die neuen Aktivitäten, Spiele und Lieder werden noch einmal besprochen und es
wird gemeinsam geplant, wie es weitergehen soll. Das Projekttagebuch dient hierbei als Unterstützung. In dem letzten Spiel „Weg mit der dunklen Wolke…“, das alle zentralen Aspekte
des Projekts vereint und wiederholt, geht es darum, dass die Gruppe gemeinsam versucht die
Wolkenkärtchen, die die Sonne verdecken „wegzuspielen“, in dem sie verschiede Aufgaben,
die emotionalen, personalen und sozialen Kompetenzen betreffend, meistert. Es ist auch als
weiterführendes Spiel nach der Projektphase gedacht (vgl. Frank/ Martschinke 2011, 100 ff.).
Um die Fragestellung, wie die sozial-emotionale Kompetenz in der Grundschule gefördert
werden kann zu klären, lässt sich nach der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen der sozial-emotionalen Kompetenz und nach der Betrachtung der Förder-
maßnahmen, speziell dem Förderprojekt „Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“ Folgendes
über die Fördermöglichkeiten der sozial-emotionalen Kompetenz in der Grundschule sagen.
Es wird deutlich, dass sich die sozialen und emotionalen Kompetenzen durch ihre Komplexität, Vielseitigkeit und in ihrer gegenseitigen Wechselwirkung auszeichnen und den Erwerb
vieler verschiedener Schlüsselfertigkeiten mit sich bringen. Die sozial-emotionale Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess, mit dem viele, oftmals auch schwierige Entwicklungsaufgaben einhergehen. Verschiedene Risikofaktoren und Ursachen können negativ auf die sozialemotionale Entwicklung einwirken, wodurch das Risiko für psychische Verhaltensstörungen
der Kinder zunimmt. Die Bindungsqualität zu den Bezugspersonen ist für die Entwicklung
daher von großer Bedeutung, eine unsichere Bindung kann die soziale und emotionale Entwicklung negativ beeinflussen, eine sichere Bindung hingegen fördert die Entwicklung. Die
Kinder benötigen in der sozial-emotionalen Kompetenzentwicklung daher Unterstützung
durch die Bezugspersonen, zu denen neben den Eltern auch die pädagogischen Fach- und
Lehrkräfte gehören.
In der Schule wird die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung stark beeinflusst. Dies geschieht zum einen in der Interaktion mit gleichaltrigen Mitschülerinnen und Mitschülern, da
die Kinder Interaktionspartner auf „gleicher Ebene“ haben, sie dadurch ihre eigene Perspektive entdecken können und sich den Kindern in Aushandlungsprozessen und in der Kommunikation die Möglichkeiten stellen sich selbst zu behaupten. Zum anderen haben die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte im Schulalltag Einfluss auf die sozial-emotionale Entwicklung
der Kinder, da sie im Umgang mit ihren eigenen Emotionen und in ihrem Verhalten eine Vorbildfunktion übernehmen und auch durch ihr Erziehungsverhalten, ihre Rückmeldungen auf
die Kinder einwirken. Unter der Voraussetzung, dass die Lehrkräfte und das pädagogische
Fachpersonal sich ihrer Rolle bewusst sind und diese angemessen und vorbildlich vorleben,
erweist sich die Beeinflussung dieser Bezugspersonen als entwicklungsfördernd.
Aber nicht nur die vorbildliche Haltung der Fachkräfte auch die Förderung im Alltag ist ein
wichtiger Aspekt der sozial-emotionalen Kompetenzförderung. Viele verschiedene Situationen im Schulalltag (z.B. Einhaltung gemeinsam vereinbarter Regeln, Konfliktsituationen)
geben stets Anlass zur direkten Förderung, indem die Fachkräfte mit den Kindern ins Gespräch kommen, sie auf angemessenes Verhalten hinweisen oder die Kinder beim Lösen von
Problemen und Konflikten unterstützen. Wichtig bei der alltäglichen Förderung in der Schule
ist, dass die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte bedeutende Situationen wahrnehmen und
Neben der Förderung im Schulalltag stellen vorbereitete Unterrichtseinheiten (im Schulunterricht oder in nachmittägigen Angebotsstunden) eine andere Methode der Förderung dar. In
den Unterrichtsstunden können gezielt Themen der sozial-emotionalen Kompetenz angegangen werden. Dies kann mithilfe von verschiedenen universellen Förderprogrammen geschehen, da durch die Nutzung solcher Maßnahmen eine bewusste Förderung stattfindet und Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Entwicklungsstörungen bei Kindern erkannt werden
Das Buchprojekt „Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“ vermittelt die zu fördernden
Schlüsselfertigkeiten der Kategorien Selbst- und Fremdwahrnehmung, positive Einstellungen
und Werte, verantwortungsvolle Entscheidungen und soziale Interaktion in den einzelnen
Einheiten wie folgt. Die Schlüsselfertigkeiten der Kategorie Selbst und Fremdwahrnehmung
von Gefühlen werden besonders in den Projekteinheiten Wir sind eine Gruppe (2. Einheit),
Schöne und unangenehme Gefühle (3. Einheit), Wenn es mir schlecht geht (4. Einheit) und
Jeder ist etwas Besonderes (5. Einheit) aufgegriffen. Ziele dieser Einheiten sind, das Erfahren
von Gruppengefühl, die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und die anderer, die Bewältigung
negativer Gefühle und Situationen sowie die Stärkung des kindlichen Selbstkonzepts und
Selbstwertgefühls. Die Kategorie der Selbst- und Fremdwahrnehmung von Gefühlen findet
somit in den zehn Einheiten des Buchprojekts besonders viel Beachtung. Die Kompetenzen
aus der Kategorie positive Einstellungen und Werte werden im weitesten Sinne in der 7. Einheit, Wir halten zusammen, thematisiert, da diese Einheit auf die Stärkung von Zusammenhalt
und Kooperation abzielt. Schlüsselkompetenzen aus dieser Kategorie finden jedoch generell
nur wenig Berücksichtigung in den Einheiten des Projekts „Bertram Blaubauch sucht sein
Lachen“. Auch die Schlüsselfertigkeiten der Kategorie verantwortungsvolle Entscheidungen
werden nur ansatzweise in den Projekteinheiten vermittelt. Zusammenhänge können in den
Einheiten Sich selber helfen (6. Einheit) und Wenn es Streit gibt (8. Einheit) gezogen werden,
dessen Zielsetzung die Förderung der Selbstwirksamkeit und Streit- und Konfliktlösungsstrategien ist. Die sozial-emotionalen Schlüsselfertigkeiten der letzten Kategorie, soziale Interaktion, werden in den Einheiten Schöne Gefühle und unangenehme Gefühle (3. Einheit), Wenn
es Streit gibt (8. Einheit), Manchmal braucht man Hilfe (9. Einheit) gefördert, da sie die
Wahrnehmung der eigenen Gefühle und die anderer, das Lösen von Streitsituationen sowie
Konflikten und das Hilfe holen und Hilfe anbieten zum Ziel haben.
Insgesamt kann das Buchprojekt „Bertram Blaubauch sucht sein Lachen“, nach dem Abgleich
der zu fördernden Schlüsselfertigkeiten und den Einheitsvorschlägen des Projekt als eine gut
durchdachte Fördermaßnahme für Schulanfänger und Elementarkinder bewertet werden (entspricht auch der angestrebten Zielgruppe des Buchprojekts), da die Projekteinheiten nicht alle
Kategorien der Schlüsselfertigkeiten in vollem Umfang erfassen. Dennoch eignet sich das
Buchprojekt, um jüngeren Kindern und Schulanfängern (oder auch älteren Schulkindern mit
Entwicklungsrückstand) durch die anregenden Aktivitäten und Spiele der einzelnen Stundenvorschläge grundlegende emotionale, soziale und personale Kompetenzen zu vermitteln.
Desweitern ist das Projekt sehr flexibel in der Anwendung und lässt Raum für Veränderungen
seitens der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte, um bedeutende Themen für die Klasse oder
Gruppe weiter zu vertiefen. Ebenfalls zeichnet sich dieses Projekt dadurch aus, dass es viele
weiterführende Anregungen für die alltägliche pädagogische Praxis liefert. Dadurch wird auch
nach der Projektphase eine längerfristige, bewusste Unterstützung der sozial-emotionalen
Kompetenzentwicklung bewirkt.
Als bewusste Fördermaßnahme für Grundschulkinder höherer Klassenstufen ist die Wahl eines der Förderprogramme, die explizit für (ältere) Grundschulkinder ausgeschrieben sind, wie
z. B. Faustlos oder das Verhaltenstraining in der Schule, sinnvoll. Diese Förderprogramme
haben wesentlich mehr Einheiten und dadurch ist tiefergreifende Förderung möglich.
Einziger kritischer Aspekt zur Einsetzung von Förderprogrammen ist der Faktor Zeit, da die
Förderprogramme für die Bearbeitungen der vielen verschiedenen Einheiten viel Zeit beanspruchen. Die Einplanung der vorgesehenen Zeitstunden könnte für einige Grundschulen
problematisch sein und daher zur Ablehnung einer solchen Fördermaßnahme führen.
Abschließend kann über die sozial-emotionale Kompetenzförderung im Grundschulalter generell gesagt werden, dass (idealerweise) eine Kombination aus der alltäglichen Förderung im
Schulleben und der Anwendung von vorbereiteten Förderprogrammen vorgenommen werden
sollte, da die Kinder einerseits in aktuellen Situationen des Schulalltags von pädagogischen
Fach- und Lehrkräften direkt gefördert und unterstützt werden können, andererseits in gezielten Unterrichtsangeboten mithilfe von didaktischen Fördermaßnahmen eine bewusste umfassende Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen stattfindet kann und durch die wechselseitige Wirksamkeit beider Förderaspekte eine bestehende Aufmerksamkeit auf diesem
Kompetenzbereich liegt. Welche Grundlagen und Möglichkeiten für diese Kombination der
Förderung an Hamburger Ganztagsgrundschulen vorliegen, auch hinsichtlich des Zeitfaktors,
wird im nachfolgenden Teil der Arbeit herausgearbeitet.
Sozial-emotionale Kompetenzförderung an Hamburger Grundschulen
4.1 Hamburger Grundschulen
Um das Thema der sozial-emotionalen Kompetenzförderung in Hamburger Ganztagsgrundschulen zu behandeln, erscheint es sinnvoll zunächst einmal auf die Aufgaben, Ziele und
Rahmenbedingungen von Hamburger Grundschulen und die verschiedenen, bestehenden
Ganztagsformen einzugehen.
Die gesetzlichen Grundlagen aller Hamburger Schulen sind im Hamburgischen Schulgesetz
(HmbSG) festgelegt. Das Recht auf schulische Bildung und der Bildungs- und Erziehungsauftrag ergeben sich aus den §§ 1-3 und § 12 HmbSG. In der Schule werden Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet (§ 12 HmbSG). Kinder mit
sonderpädagogischen Förderbedarf erhalten, wenn es erforderlich ist, spezielle Fördermaßnahmen und Nachteilsausgleich. Der ganztägige Bildungs- und Betreuungsauftrag ist im § 13
HmbSG erfasst und führt diesbezüglich Ganztagsschulen und Schulen in Kooperation mit
Trägern der Kinder- und Jugendhilfe auf. Der gesetzliche Auftrag speziell für die Grundschule ist im § 14 HmbSG geregelt.
4.1.2 Auftrag der Grundschule
Auftrag der Grundschule ist die Vermittlung basaler Kompetenzen an alle Schülerinnen und
Schüler in einem gemeinsamen Bildungsverlauf sowie die umfassende Förderung der Kinder
in der Entwicklung und Erweiterung ihrer persönlichen Talente und Interessen. In der Grundschule ist das pädagogische Handeln darauf ausgerichtet, dass alle Schülerinnen und Schüler
in ihrer Persönlichkeit gestärkt, zum Lernen motiviert und zur Anstrengungsbereitschaft angeregt werden sowie dessen Neugierde und Wissensdurst geweckt und aufrecht erhalten werden.
Des Weiteren wird den Schülerinnen und Schülern im Unterricht das selbstständige Lernen
und Arbeiten nähergebracht und die Kinder haben dort die Möglichkeit eine Vielfalt an gemeinsamen, kulturell bedeutenden Erfahrungen zu machen. Darüber hinaus soll die Grundschule für die Kinder ein Lernort sein, der von Sicherheit, Geborgenheit und Unterstützung
im gemeinschaftlichen Miteinander und von gegenseitiger Achtsamkeit geprägt ist (vgl. Freie
und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2011a, 4).
Eine grundsätzliche Pflicht der Grundschule ist die Verwirklichung des gemeinsamen Lernens
und der Chancengerechtigkeit. Die Grundschule ist so zu gestalten, dass alle Schülerinnen
und Schüler unabhängig von ihrem sozialen und ethnischen Hintergrund und ihrem Geschlecht, gleichwertige Bedingungen und Voraussetzungen erfahren, die die Entwicklung
ihrer persönlichen Fähigkeiten stärkt, fördert und fordert. Hinzufügend gewährt die Schule
den Kindern gleiche Chancen, damit diese die basalen und erweiterten Kompetenzen für einen
erfolgreichen Fortgang an weiterführenden Bildungsstätten erwerben können. Weiterhin ist
die Grundschule ein Lern- und Lebensraum, in dem die Schülerinnen und Schüler die vielfältigen, multikulturellen Aspekte der Gemeinschaft in ihren herausfordernden und bereichernden Facetten erleben können (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und
Berufsbildung (Hrsg.) 2011a, 4).
Nicht zuletzt ist auch die Kooperation mit den weiterführenden Gymnasien und Stadtteilschulen in der Umgebung Aufgabe der Grundschule (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde
für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2011a, 4).
4.1.3 Rahmenbedingungen von Grundschulen
In Hamburg gibt es insgesamt 203 staatliche Grundschulen (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2014, 38 ff.). Unterrichtsbeginn ist an
allen Grundschulen um 8 Uhr und Schulschluss ist in der Regel um 13 Uhr, wobei Grundschulen die Möglichkeit haben die Unterrichtszeit um eine halbe Stunde bis 13.30 Uhr zu
strecken. Darüber hinaus stellen alle staatlichen Grundschulen ein Ganztagsangebot bereit,
welches auch tägliches Mittagessen enthält (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für
Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2014, 7). Schülerinnen und Schüler haben gemäß § 13 Absatz 1 HmbSG einen Anspruch auf Bildung und Betreuung in der Zeit zwischen 8 Uhr bis 16
Uhr an allen Schultagen. (Dieser Anspruch ist jedoch bis zum 31. Juli 2015 durch die zur Verfügung stehenden räumlichen und personellen Ressourcen begrenzt.) Des Weiteren werden an
den meisten Grundschulen auch Betreuungsleistungen in den Frühstunden von 6 Uhr bis 8
Uhr, im Spätdienst zwischen 16 Uhr und 18 Uhr und an den Ferientagen angeboten (vgl. Freie
und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2014, 7).
Für Grundschulen gibt es zur Erfüllung der zuvor genannten Betreuungszeiten verschiedene
Ganztagsmodelle. Zum einen gibt es Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept (GTS), die sich
nochmals in drei Arten untergliedern lassen, offene Ganztagsschule, gebundene Ganztagsschule und teilgebundene Ganztagsschule und zum anderen existiert die ganztägige Bildung
und Betreuung an Schulen (GBS) (vgl. Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg
2004, 7 f.; 2012, 19 f.; vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) o.J.). In den nachfolgenden beiden Kapiteln werden die verschiedenen Ganztagsformen kurz erläutert.
4.2 Ganztagsschule nach Rahmenkonzept (GTS)
In Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept hat die Schule die alleinige Verantwortung für das
ganztägige Geschehen. GTS-Schulen bekommen häufig auch Unterstützung von einem Kinder- und Jugendhilfeträger, das pädagogische Konzept liegt jedoch allein in der Hand der
Schule. Daher können die Schulen auch selbst festlegen, in welcher Art und Weise die Schulkinder zur Teilnahme am Ganztagsangebot verpflichtet sind. Auch GTS-Schulen haben vor
Unterrichtsbeginn (6 Uhr bis 8 Uhr) und nach Schulschluss (bis 18 Uhr) geöffnet, die Tagesstruktur der einzelnen GTS-Formen unterscheidet sich jedoch voneinander (vgl. Freie und
Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung 2014, 7; vgl. Bürgerschaft der
Freien und Hansestadt Hamburg 2012, 4; 13; 19 f.).
An der offenen Ganztagsschule findet der Unterricht vormittags statt (8 Uhr bis 13 Uhr) und
darüberhinaus bietet die Schule Nachmittagsangebote an, zu denen die Schülerinnen und
Schüler freiwillig angemeldet werden können. Liegt eine Anmeldung vor, dann müssen die
Kinder im vereinbarten Umfang verpflichtend am Betreuungsangebot teilnehmen (vgl. Freie
und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung 2014, 7).
Im Gegensatz dazu, ist bei der gebundenen Ganztagsschule die Teilnahme am Ganztagsprogramm (8 Uhr bis 16 Uhr) an vier Tagen für alle Kinder verpflichtend. In dieser Zeit ist jedoch nicht durchgehend Unterricht. Unterrichts-, Entspannungs-, und Spielzeiten sowie besondere Kurse sind vielmehr im Wechsel auf die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit der
Kinder abgestimmt (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2014, 7). Die Unterrichtszeit des fünften Wochentags geht nur bis 13 Uhr, wobei
die Nachmittagsbetreuung auch darüber hinaus stattfindet. Das Personal an diesen Ganztagsschulen besteht neben Lehrkräften auch aus anderen pädagogischen Fachkräften (vgl. Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg 2004, 7 f.; 2012, 19 f.).
An der teilgebundenen Ganztagsschule hingegen ist nur für ausgewählte Klassenstufen bzw.
Jahrgangsstufen oder an bestimmten Wochentagen die Teilnahme am ganztägigen Unterrichts- und Betreuungsangebot verpflichtend. Diesbezüglich obliegt es der Schule in welchem
Umfang eine Teilnahmepflicht besteht. Die Tagesstruktur erfolgt dabei auch wie bei der gebundenen Ganztagsschule nach einer Taktung von Unterrichts-, Freizeit und Kursangeboten.
Zeiten von 6 bis 18 Uhr, die nicht durch die verpflichtende Teilnahmezeit gewährleistet oder
während der Ferien sind, werden jedoch durch ergänzende Angebote abgedeckt (vgl. Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg 2004, 7; vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung o. J.).
4.3 Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (GBS)
Im Gegensatz zu den Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept weisen Grundschulen, die nach
dem Modell der ganztägigen Bildung und Betreuung (GBS) arbeiten, eine Kooperation mit
einem Träger der Kinder- und Jugendhilfe auf. Zu den Kooperationspartnern in der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zählen der Arbeiterwohlfahrt – Landesverband
Hamburg e.V., Caritasverband für Hamburg e.V., Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband
Hamburg e.V., Deutsches Rotes Kreuz, Landesverband Hamburg e.V., Diakonisches Werk
Hamburg, Landesverband der Inneren Mission e.V., sowie SOAL – Alternativer Wohlfahrtsverband e.V. und die Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gGmbH (vgl. Freie und
Hansestadt Hamburg [u.a.] 2012, 2).
In GBS-Schulen findet von 8 Uhr bis 13 Uhr „normaler“ Unterricht statt. Für das Betreuungsangebot vor und nach dem Unterricht sowie in den Ferien ist der Kooperationspartner der
Jugendhilfe zuständig. Grundschule und Träger arbeiten diesbezüglich nach einem gemeinsamen pädagogischen und räumlichen Konzept am Standort der Schule. Das Betreuungsangebot an GBS-Schulen impliziert in den Regel Hausaufgabenbetreuung, verschiedene Neigungsangebote und Aktivitäten sowie Entspannungs- und Spielzeiten für die Kinder. Um ein
vielfältiges Angebot sicher zu stellen, wird nach Möglichkeit auch die Zusammenarbeit mit
anderen Partnern aus dem nahen Umfeld der Schule einbezogen. Das Personal an GBSSchulen setzt sich wie folgt zusammen. Lehrkräfte arbeiten in der Unterrichtszeit und pädagogisches Fachpersonal, Erzieherinnen und Erzieher sind für die Nachmittagsbetreuung der
Kinder verantwortlich (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2014, 7 f.).
Da das wesentliche Strukturmerkmal von GBS-Grundschulen die Zusammenarbeit von Schule und einem Träger der Kinder- und Jugendhilfe, also die Verknüpfung von Schul- und Hortpädagogik ist, wird in diesem Abschnitt kurz auf die gesetzlichen Richtlinien und die Ziele
von Horteinrichtungen (bzw. Hortgruppen) eingegangen.
4.3.1 Gesetzliche Grundlagen von Kinder- und Jugendhilfeträger/ Hort
Gesetzliche Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe werden im SGB VIII, dem Kinder- und
Jugendhilfegesetzbuch (KJHG) geregelt. Die Bereitstellung von „Angeboten zur Förderung
von Kindern in Tageseinrichtungen“ ist gemäß § 2 Abs. 2 KJHG Aufgabe der öffentlichen
Jugendhilfe. Nach § 22 Abs. 1 und 2 KJGH sind Kindertageseinrichtungen Einrichtungen, in
denen Kinder halbtägig und ganztägig betreut und gefördert werden, deren Ziele die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Person, familienunterstützende und -ergänzende Bildung und Erziehung, sowie die Vereinbarung von Familie
und Beruf sind.
Genauere Ausführungen zu Inhalt und Umfang der im KJHG festgelegten Aufgaben werden
im Landesrecht des jeweiligen Bundeslandes ausgeführt. Für Hamburg gilt das Hamburger
Kinderbetreuungsgesetz (KibeG) vom 27. April 2004 (HmbGVBl. 2004, 211) (aktueller
Stand vom 8.7.2014 (HmbGVBl. 295)). In Artikel 1 des Gesetzes zur Neuregelung der Hamburger Kinderbetreuung werden gemäß § 1 Abs. 1 KibeG Tageseinrichtungen im Rahmen der
ganztägigen Bildung und Betreuung an Schulen neben Einrichtungen für Kinder nach dem
Schulbeginn bis zum 14. vollendeten Lebensjahr (Hort) explizit als Einrichtungen zur Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern aufgelistet. Des Weiteren weist § 1 Abs. 3 KibeG
darauf hin, dass die Kindertagesbetreuung nach § 1 Abs. 1 und 2 KibeG in Kooperation oder
Kombination mit anderen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe oder schulischen Einrichtungen stattfinden kann (vgl. Verwaltungsgericht Hamburg 2014).
4.3.2 Ziele eines Horts
Ein Hort ist eine soziale Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe, in der Kinder vor und/ oder
nach der Schule betreut werden. Abhängig vom Einschulungskonzept der Schule sind die
Kinder im Alter zwischen 5 bis 14 Jahren (vgl. Vollmer 2012, 236). Ein an der Schule integrierter Hort verfügt idealerweise über eigene Räumlichkeiten, ansonsten werden die vorhandenen Klassenräume während der unterrichtsfreien Zeit genutzt (vgl. Preissing 1998, 13).
Auftrag des Horts ist die Betreuung, Bildung und Erziehung. Dabei ist die Betreuung bzw. die
Sicherung der Grundbedürfnisse Basis, damit Bildung und Erziehung greifen. Demzufolge ist
eine alters- und kindgerechte Raumgestaltung zum Wohlfühlen, Fachpersonal als einfühlsame
Ansprechpartner der Kinder bei Sorgen und Nöten, sowie genügend Platz bzw. Möglichkeiten
zur Bewegung, zum Spielen, für Erlebnisse und Abenteuer notwendig. Ebenso wichtiger Ge-
sichtspunkt ist die tägliche Bereitstellung eines gesunden und variationsreichen Mittagessens
(vgl. Kaplan 1997, 74).
In Bezug auf die Bildung, ist dem Hort eine Ergänzungsfunktion zur Schule zugeschrieben,
da die Schularbeiten der Kinder im Hort begleitet werden. Aber nicht nur die Hausaufgabenbetreuung (entspricht nicht dem Nachhilfeunterricht), auch Lernerfahrungen im sozialen Zusammenhang, Freizeitangebote und Kreativitätsförderung, also Bildung im Sinne von ganzheitlichem Lernen ist von großer Bedeutung (vgl. Kaplan 1997, 75).
Der Bildungsauftrag ist eng mit dem Erziehungsauftrag verbunden. Kinder stellen Fragen, um
die Welt, in der sie leben besser zu verstehen und sich darin zu Recht zu finden; sie sind auf
der Suche nach Werten und Normen. Dies ist jedoch heutzutage durch die vielseitige Gesellschaft nicht einfach, da verschiedene z.T. gegensätzliche Erwartungen aufeinander treffen.
Dem pädagogischen Fachpersonal in einem Hort wird in dem Orientierungsprozess der Kinder eine Vorbildfunktion zugeschrieben. Dabei orientiert sich das pädagogische Leitbild an
einem Gleichgewicht aus der individuellen Selbstverwirklichung eines jeden Schulkindes und
dem sozialen Miteinander in der Gruppengemeinschaft (vgl. Kaplan 1997, 75).
Zusammengefasst stehen im Zentrum der Hortarbeit eine sinnvolle und abwechslungsreiche
Freizeitgestaltung, die schulische Unterstützung der Kinder und die Förderung der Sozial- und
Selbstkompetenz der Kinder. Hinzufügend zählen ausdifferenzierte Angebote nach alters- und
geschlechtsspezifischen Kriterien und das Begleiten der Kinder beim Gestalten von Transitionen zu wesentlichen Schwerpunkten eines Horts. Auch die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern und die Einbindung in den Stadtteil sind bedeutende Aufgaben (vgl.
Vollmer 2012, 237).
4.4 Sozial-emotionale Kompetenz an Hamburger Ganztagsgrundschulen
Da die Ganztagsmodelle unterschiedliche Strukturen aufweisen und auch die Verantwortung
einerseits bei den Schulen liegen, andererseits bei GBS-Schulen auch Kooperationspartner
von Kinder- und Jugendhilfeträgern mitwirken, wird in diesem Kapitel beschrieben, wie die
sozial-emotionale Kompetenz in den Hamburger Bildungsplänen als Grundlage der Grundschulen und in den Hamburger Bildungsempfehlungen als Handlungsgrundlage von Kooperationspartnern der Kinder- und Jugendhilfe erfasst wird.
4.4.1 Bildungsplan zu den Aufgabengebieten
Im Hamburger Bildungsplan der Grundschule wird zwischen fachlichen und überfachlichen
Kompetenzen unterschieden. Die fachlichen Kompetenzen werden im jeweiligen Unterrichtsfach vermittelt, die überfachlichen Kompetenzen hingegen gehören zum Aufgabenbereich
und Ziel aller Unterrichtsfächer sowie dem gesamten Leben in der Schule. Die überfachlichen
Kompetenzen setzen sich aus drei Bereichen zusammen, den Selbstkompetenzen, den sozialkommunikativen Kompetenzen und den lernmethodischen Kompetenzen (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung 2011a, 11). Die sozial-emotionale
Kompetenz lässt sich in den ersten beiden Kompetenzbereichen wiederfinden, daher folgt
Die Kompetenzen im Bereich der Selbstkompetenzen (Selbstkonzept und Motivation) sind
das Selbstvertrauen der Schüler in sich und ihre Handlungsweisen, das eigene Zutrauen die
schulischen Aufgaben und Anforderungen zu meistern, eine realistische Sichtweise auf die
persönlichen Fähigkeiten, sowie die Entwicklung einer eigenen Meinung und die Fähigkeit
Entscheidungen zu treffen und sie gegenüber anderen zu vertreten als Ziel aufgeführt. Des
Weiteren zählen Eigeninitiative und Selbstmanagement, Neugier und Interesse etwas Neues
zu erlernen sowie Beharrlichkeit und Ausdauer zu den zu vermittelnden Selbstkompetenzen.
Diese zeigen sich ebenfalls in der Zielstrebigkeit und Motivation der Schülerinnen und Schüler etwas zu schaffen oder bestimmte Leistungen zu erbringen (vgl. Freie und Hansestadt
Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung 2011a, 11).
In der Grundschule wird unter sozial-kommunikativ kompetentem Verhalten zum einen Verantwortungsübernahme für sich und andere, kooperative Gruppenarbeit und das Einhalten von
vereinbarten Regeln verstanden. Zum anderen zählen zu den sozialen Kompetenzen ein angemessenes Verhalten in Konfliktsituationen, die Beteiligung an Gesprächen, sowie eine angemessene Art der Kommunikation gegenüber dem Gesprächspartner. Darüberhinaus gehören
auch die Perspektivübernahme, Rücksicht und Hilfsbereitschaft, sowie ein angemessener
Umgang mit den eigenen Emotionen, Kritik und Misserfolg zu den sozialen Kompetenzen.
Überdies zeigt sich sozial kompetentes Verhalten in einem angemessenen Umgang mit widersprüchlichen Informationen, sowie in Toleranz und Respekt gegenüber anderen (vgl. Freie
und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung 2011a, 11).
4.4.2 Hamburger Bildungsplan Sachunterricht
Wie zuvor erwähnt, ist die Förderung der Selbst- und sozial-kommunikativen Kompetenzen
Aufgabe aller Unterrichtsfächer, darüber hinaus ist die gezielte Vermittlung von sozialemotionalen Kompetenzen Aufgabe des Sachunterrichts im sozialwissenschaftlichen Themenbereich. (Neben der sozialwissenschaftlichen Perspektive werden die Lerninhalte aus
historischer, geografischer, naturwissenschaftlicher und technischer Perspektive im Sachunterricht betrachtet (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2011b, 12)). Dazu sind im Bildungsplan Sachunterricht folgende Regelanforderungen, die die Schulkinder am Ende des vierten Schuljahres im sozial-wissenschaftlichen
Bereich des Fachs erworben haben sollen, formuliert.
Die kindlichen Kompetenzen zur Orientierung in der Welt aus sozial-wissenschaftlicher Perspektive äußern sich zum einen im Beschreiben und Vergleichen verschiedener Konstellationen von Familien und Möglichkeiten des Zusammenlebens sowie dem Beschreiben und Vergleichen verschiedener Lebensbedingungen von Kindern in Deutschland und in anderen Ländern. Außerdem zeigen sie sich darin, dass die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind,
Gemeinsamkeiten und Besonderheiten des Alltags zwischen unterschiedlichen Kulturen zu
beschreiben. Weitere Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler sind das Wissen über
den Unterschied zwischen Regeln und Gesetzen, das Widergeben demokratischer Verfahren
(wie z.B. Diskussionen, Abstimmungen, Mehrheitsprinzip, Parteien), die Aufgabenbeschreibung von Personen mit repräsentativer Funktion verschiedener Gruppen und die Beschreibung der Kinderrechte. Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben
und Merkmale verschiedener Berufe beschreiben, zwischen ehrenamtlichen, erwerbstätiger
und Hausarbeit unterscheiden und Gründe für und mögliche Auswirkungen von Arbeitslosigkeit aufzählen. Am Ende des vierten Schuljahres sollen die Schulkinder in der Lage sein, in
wirtschaftlicher Hinsicht die eigenen Bedürfnisse und die durch Werbung beeinflussten eigenen Konsumwünsche zu benennen und zu beschreiben und können Bespiele für globalisierte
Herstellung von Produkten bringen (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule
und Berufsbildung (Hrsg.) 2011b, 20).
Der Kompetenzbereich der Erkenntnisgewinnung aus sozialwissenschaftlicher Sicht beinhaltet folgende Anforderungen an die Schulkinder. Zur Gestaltung des Zusammenlebens haben
die Kinder gelernt, Verfahren zur Entscheidungsfindung anzuwenden und sich bei der Planung und Organisation von gemeinsamen Aktionen einzubringen. Weitere Anforderungen
sind das Verstehen und Lösen von Konflikten, d.h. die Schulkinder können beschreiben, dass
die Sichtweisen, Gefühle und Interessen unterschiedlicher Parteien Gemeinsamkeiten und
Unterschiede aufweisen können, sie können sich in die Perspektive anderer hineinversetzen
und mögliche Lösungsstrategien für Konflikte entwickeln. Hinzufügend sollen die Schulkinder am Ende des vierten Schuljahres zur Vorbereitung und Durchführung von Umfragen, Interviews und Erkundungen fähig sein (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) 2011b, 26).
Im Kompetenzbereich Urteilsbildung aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive sind die
nachfolgenden Anforderungen an die Grundschülerinnen und Schüler am Ende der vierten
Jahrgangsstufe aufgelistet. Zum einen sollen die Schulkinder zur Beurteilung der eigenen
Standpunkte und der anderer unter Beachtung verschiedener Perspektiven, zur Abwägung des
persönlichen und gesellschaftlichen Nutzens bei Entscheidungen und Handlungen sowie zur
Beurteilung von verschiedenen möglichen Handlungsweisen bei Interessenskonflikten im
Hinblick auf Werte und Normen, Nachhaltigkeitskriterien und Gerechtigkeit fähig sein. Zum
anderen sollen die Schulkinder am Ende der Grundschulzeit dazu in der Lage sein einzuschätzen, ob ein Verhalten, eine Entscheidung oder eine Wahl den Prinzipien der Demokratie entspricht (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.)
2011b, 30).
4.4.3 Hamburger Bildungsempfehlungen
In den Hamburger Bildungsempfehlungen für die Bildung und Erziehung von Kindern in Tageseinrichtungen werden Orientierungsleitlinien für pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten zur Sicherung qualitativ hochwertiger pädagogischer Arbeit formuliert. Zu sieben verschiedenen Bildungsbereichen gibt es eine kurze theoretische Einführung, Erkundungsfragen,
Ziele und pädagogisch-methodische Aufgabenstellungen (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Hrsg.) 2012, 52). Insbesondere in
den drei Bildungsbereichen „Körper, Bewegung, Gesundheit“, „Soziale und kulturelle Umwelt“, „Kommunikation: Sprachen, Schriftkultur und Medien“ (Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Hrsg.) 2012, 53) sind Zielkompetenzen aus dem Bereich der sozial-emotionalen Kompetenz aufgeführt, die nachfolgend beschrieben werden.
Im Bildungsbereich Körper, Bewegung und Gesundheit werden folgende Ziele zur sozialemotionalen Kompetenz erfasst. Zum einen sollen Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln,
was ihrem Körper und ihrer Psyche gut tut und ihre Gesundheit stärkt. Zum anderen ist es
Ziel die kindliche Wahrnehmung, Kommunikation über, die Abgrenzung und der Ausdruck
von den eigenen körperlichen, geistigen und sozialen Bedürfnissen, Interessen und Emotionen
zu fördern. Weitere Ziele sind, dass Kinder Selbstwirksamkeit erfahren und ihre persönlichen
Stärken weiterentwickeln (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales,
Familie und Integration (Hrsg.) 2012, 58). Außerdem sollen die Kinder es lernen, Regeln über
angenehmen und unangenehmen Körperkontakt mit anderen abzusprechen und zu einer realistischen Einschätzung ihrer eigenen Kraft fähig werden. Darüber hinaus ist der vom Kind
ausgehende Körperkontakt zu anderen und das Wohlgefühl dabei sowie die Wahrnehmung
und Wahrung der Grenzen anderer ein weiterer Aspekt der sozial-emotionalen Kompetenz.
Auch das Teilen von Emotionen mit anderen und die Wahrnehmung und gegebenenfalls Reaktion auf die Gefühle anderer zählen dazu. Ebenso sollen Kinder einen angemessenen Umgang mit positiven und negativen Ereignissen (z. B. gewinnen und verlieren) erlernen und
eigene Ideen und Anliegen zum Alltag der Tageseinrichtung beitragen und zur Kooperation
bereit sein (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und
Integration (Hrsg.) 2012, 59).
Auch der Bildungsbereich soziale und kulturelle Umwelt beinhaltet sozial-emotionale Kompetenzen. Erstes Ziel ist die kindliche Ausdrucksfähigkeit der eigenen Bedürfnisse, Emotionen und Interessen. Dass Kinder es lernen auf ihre eigenen Kräfte zu vertrauen und sich mit
ihrer eigenen Leistung zu identifizieren, sowie dass sich die Kinder als aktiven Teil einer
Gemeinschaft sehen und Zugehörigkeitsgefühle entwickeln sind ebenfalls Zielkompetenzen.
Weitere Ziele sind die kindliche Entwicklung einer eigenen Meinung und das Beziehen eines
eigenen Standpunktes sowie die Erarbeitung eigener Ideen, das Ergreifen von Eigeninitiative,
das Motivieren anderer und die Durchsetzungsfähigkeit der Kinder. Darüber hinaus sollen die
Kinder lernen mit Umbrüchen, Risiken und widersprüchlichen Situationen zu leben, sowie
Transitionen und grenzhafte Situationen zu meistern. In Tageseinrichtungen sollen die Kinder
lernen, Folgen als Resultat ihres Verhaltens zu erkennen und zu vorausschauenden Denk- und
Handlungsweisen sensibilisiert werden. Ferner ist es Ziel, dass die Kinder in der Lage zur
Wahrnehmung, Benennung und Auseinandersetzung von sozialen und kulturellen Unterschieden sind. Des Weiteren soll Kindern in Tageseinrichtungen die Wahrnehmung und Akzeptanz von Erwartungen, Bedürfnissen und Emotionen anderer Personen vermittelt werden
und eine wertschätzende und anerkennende Haltung gegenüber Ideen und Vorstellungen anderer Personen nahegebracht werden. Die Kinder sollen Regeln der Gemeinschaft kennen und
zwischen moralisch richtigen und falschen Verhaltensweisen differenzieren können. Weitere
Zielsetzungen sind, Nein sagen zu können und der Umgang mit Kritik, sowie erste Erfahrungen mit Entscheidungsprozessen zu machen (wie z. B. Abstimmungen). Außerdem sollen die
Kinder zur Verständigung von verschiedenen Erwartungen fähig sein, Konfliktlösungen finden können und wenn nötig Kompromissbereitschaft zeigen können sowie empathisches und
solidarisches Verhalten gegenüber schwächeren, benachteiligten oder unterdrückten Personen
entgegenbringen können. Darüber hinaus sollen die Kinder ein Verständnis dafür entwickeln,
dass in der Kindertagesstätte und in der Familie möglicherweise unterschiedliche Regeln und
Normen gelten, sie sollen die Gründe dafür nachvollziehen können und in der Lage zur Reflexion der eigenen Wertvorstellungen und derer anderer sein (vgl. Freie und Hansestadt
Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Hrsg.) 2012, 65).
Im Bildungsbereich Kommunikation: Sprachen, Schriftkultur und Medien sind ebenfalls Zielkompetenzen, die dem sozial-emotionalen Bereich zugeordnet werden können erfasst. Einerseits sollen Kinder in Tageseinrichtungen zur Entwicklung von Ideen und zur Begeisterung
und Motivation anderer angeregt werden, andererseits ein Selbstbild entwickeln, zur eigenen
Darstellung bereit sein, über ein Wissen der eigenen Persönlichkeit verfügen und lernen sich
ihre eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten. Hinzufügend ist es Ziel, dass sich die
Kinder an nonverbaler Kommunikation erfreuen, sich daran interessieren und diese in der
Interaktion üben. Des Weiteren sollen Kinder zur Verständigung mit anderen befähigt werden, d.h. zuhören und auf die Aussagen anderer angemessen reagieren können. Weitere Ziele
sind die Förderung der kindlichen Empathiefähigkeit und des kindlichen Perspektivwechsels,
die Förderung zu konstruktiven Lösungen in Konfliktsituationen sowie die Entwicklung eines
Gerechtigkeitsgefühls, im Sinne der Unterstützung von Kindern denen Unrecht getan wird
(vgl. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration
(Hrsg.) 2012, 73).
Darüber hinaus werden in den Aufgabenstellungen eines jeden Bildungsbereichs Impulse für
Projektarbeit gegeben. Zum Thema soziale und emotionale Kompetenz werden die Projekte
„Meine Gefühle“ und „Traditionelle Feste und Mahlzeiten der in der Gruppe vertretenden
Familien“ (Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Hrsg.) 2012, 61), sowie „Familienbilder: Wer bin ich? Wie heiße ich? Wer gehört zu
meiner Familie? Was mag ich gern, was nicht?“, „Fähigkeiten: Was ich schon alles kann?“
und „Familienkultur/ Lebensweisen“ vorgeschlagen (Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Hrsg.) 2012, 66).
In Bezug auf das vorherige Kapitel (s. Kapitel 4.4) und zur Klärung, wie die sozialemotionale Kompetenz im Betrieb Hamburger Ganztagsgrundschulen verstanden wird, werden die einzelnen Inhalte der Bildungspläne bzw. -empfehlungen mit den Schlüsselfertigkeiten (s. Kapitel 3.1.1) der sozialen und emotionalen Kompetenz abgeglichen und abschließend
werden die Ergebnisse zusammengefasst.
Auswertung des Hamburger Bildungsplans zu den Aufgabengebieten
In den Kompetenzbereichen Selbst- und sozial-kommunikative Kompetenz des Hamburger
Bildungsplans zu den allgemeinen Aufgabenbieten von Grundschulen werden die zu fördernden Schlüsselfertigkeiten sozial-emotionaler Kompetenz der vier verschiedenen Kategorien
Selbst- und Fremdwahrnehmung, positive Einstellungen und Werte, verantwortungsvolle Entscheidungen sowie soziale Interaktion wie folgt erfasst.
Die Schlüsselfertigkeiten der Kategorie Selbst- und Fremdwahrnehmung werden besonders
von dem Bereich Selbstkompetenz aufgegriffen. Übereinstimmende Ziele sind das Selbstvertrauen der Kinder in ihre eigenen Handlungen und Fähigkeiten sowie die Zielstrebigkeit und
Motivation alltägliche Aufgaben zu schaffen. Im Bereich sozial-kommunikativen Kompetenz
zählen außerdem die Ziele der kindlichen Fähigkeit zur Perspektivübernahme und dem Umgang mit Gefühlen in die Kategorie Selbst- und Fremdwahrnehmung. Diese Kategorie sozialemotionaler Schlüsselfertigkeiten wird umfassend im Hamburger Bildungsplan erbracht, lediglich der Bereich der Wahrnehmung von Gefühlen bei sich und anderen sowie die Emotionsregulation sollte mehr Berücksichtigung finden.
Die Kategorie positive Einstellungen und Werte findet sich im sozial-kommunikativen Kompetenzbereich des Bildungsplans wieder. Die kindliche Verantwortungsübernahme, Toleranz
und Respekt gegenüber anderen sind hierbei deckungsgleiche Ziele. Das Ziel der sozialen
Verantwortung wird im Hamburger Bildungsplan nicht direkt erwähnt.
Das Treffen verantwortungsvoller Entscheidungen als dritte Kategorie sozial-emotionaler
Schlüsselfertigkeiten spiegelt sich im Bereich der Selbstkompetenz durch die Ziele, lernen
Entscheidungen zu treffen und sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten
wieder. Weitere übereinstimmende Ziele aus dem sozial-kommunikativen Kompetenzbereich
sind die Einhaltung von Regeln und die Lösung von konfliktreichen Situationen. Die Schlüsselfertigkeiten, Wahrnehmung von Problemen und die Berücksichtigung sozialer Werte und
Normen dieser Kategorie werden nur im Ansatz aufgeführt und die Verfolgung von positiven
persönlichen Zielen wird nicht erfasst.
Die vierte Kategorie soziale Interaktion ist ausführlich im Bereich der sozial-kommunikativen
Kompetenz wiederzufinden. Die Zielkompetenzen Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, Konfliktlösungen und Perspektivübernahme werden aufgeführt, nur das Annehmen und Ablehnen von Hilfe in verschiedenen Situationen findet keine Berücksichtigung.
Auswertung des Bildungsplans für den Sachunterricht
Die im Bildungsplan des Unterrichtsfachs Sachunterricht aufgeführten Kompetenzbereiche
Orientierung in der Welt, Erkenntnisgewinnung und Urteilsbildung greifen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive folgende Schlüsselfertigkeiten sozial-emotionaler Kompetenz auf, die
gezielt im Unterricht behandelt werden.
Aus der ersten Kategorie Selbst- und Fremdwahrnehmung werden im Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung des Bildungsplans die Schlüsselfertigkeiten Perspektivübernahme und
Wahrnehmung von eigenen und fremden Gefühlen (im Zusammenhang mit dem Verstehen
und Lösen von Konfliktsituationen) erfasst. Die Emotionsregulation und die Entwicklung
eines positiven Selbstbildes finden jedoch keine Berücksichtigung.
Die Kategorie positive Einstellungen und Werte wird ansatzweise in den Kompetenzbereichen Erkenntnisbildung und Urteilsbildung abgedeckt, die Zielkompetenzen Beteiligung an
gemeinschaftlichen Vorhaben, Entscheidungen treffen unter Berücksichtigung des persönlichen und gemeinschaftlichen Nutzens und das Abwägen von Handlungsmöglichkeiten in
Konfliktsituationen im Hinblick auf allgemeingültige Werte, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit können ebenfalls zur sozialen Verantwortung gezählt werden. Die persönliche Verantwortungsübernahme und eine respektvolle Haltung anderen Personen gegenüber werden im
Bildungsplan Sachunterricht nicht explizit aufgeführt.
Verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, als dritte Kategorie ist im Bildungsplan Sachunterricht vollständig abgedeckt. Im Bereich Orientierung in der Umwelt geht es um die Ziele
das Unterscheiden von Regeln und Gesetzen und das Wissen über demokratische Verfahren.
Der Bereich Erkenntnisgewinnung beinhaltet ebenfalls das Wissen über Verfahren zur Entscheidungsfällung und im Bereich Urteilsbildung werden die kindliche Beurteilung von verschiedenen Standpunkten, die Aushandlung von persönlichen Entscheidungen und Handlungen im Hinblick auf persönliche und gesellschaftlichen Nutzen und die Beurteilung von ver-
schiedenen Handlungsmöglichkeiten in Konfliktsituationen mit Berücksichtigung sozialer
Werte und Normen, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit aufgelistet.
Die Kategorie, soziale Interaktion der sozial-emotionaler Schlüsselfertigkeiten wird in Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung teilweise erfasst. Die Vorbereitung und Durchführung
von Umfragen und Interviews erfordert Fähigkeiten des aktiven Zuhörens und der Kommunikation. Die Kooperationsbereitschaft und das Annehmen und Ablehnen von Hilfe sind nicht
direkt in den Kompetenzbereichen des Bildungsplans Sachunterricht wiederzufinden.
Auswertung der Hamburger Bildungsempfehlungen
Die Hamburger Bildungsempfehlungen als Leitlinie für Tageseinrichtungen der Kinder- und
Jugendhilfe, den Kooperationspartnern von GBS-Schulen, decken in den Bildungsbereichen
Körper, Bewegung und Gesundheit, soziale und kulturelle Umwelt sowie Kommunikation:
Sprachen, Schriftkultur und Medien die Schlüsselfertigkeiten sozial-emotionaler Kompetenz,
die den Kindern vermittelt werden sollen, wie folgt ab.
Die Kategorie Selbst- und Fremdwahrnehmung findet sich in allen drei Bildungsbereichen
wieder. Im Bildungsbereich Körper, Bewegung und Gesundheit zählen die Ziele Wahrnehmung und Abgrenzung der eigenen Gefühle, Interessen und Bedürfnisse, kindliche Selbstwirksamkeitserfahrungen, das Verständnis darüber, was einem Selbst gut tut und die Weiterentwicklung persönlicher Stärken sowie die Wahrnehmung von und Reaktion auf Gefühle
anderer und eine angemessene Reaktion auf positive und negative Ereignisse dazu. Der Bereich soziale und kulturelle Umwelt zielt des Weiteren auf folgende Aspekte der Kategorie
Selbst- und Fremdwahrnehmung ab, einem angemessenen Ausdruck von Emotionen, Bedürfnissen und Interessen, dem Selbstvertrauen der Kinder in ihre eigenen Fähigkeiten und die
Identifikation der Kinder mit ihren eigenen Leistungen (Schwächen und Stärken). Übereinstimmende Ziele des Bildungsbereichs Kommunikation: Sprachen, Schriftarten und Medien
sind die Entwicklung eines positiven Selbstbildes und einer Persönlichkeit sowie die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und zur Empathie. Die Kategorie Selbst- und Fremdwahrnehmung wird von den Bildungsempfehlungen umfassend abgedeckt.
Zu den Schlüsselfertigkeiten der Kategorie positive Einstellungen und Werte finden sich
Übereinstimmungen in den Bildungsbereichen Körper, Bewegung und Gesundheit und soziale und kulturelle Umwelt, die alle zu fördernden Schlüsselkompetenzen aufweisen. Der zuerst
genannte Bildungsbereich erfasst das Ziel, dass die Kinder Ideen und Vorstellungen in den
Alltag der Gruppengemeinschaft einbringen. Zweiter Bereich umfasst die Zielkompetenzen
aktive Beteiligung als Mitglied in der Gruppe, die Entwicklung von Zugehörigkeitsgefühlen,
Verantwortungsübernahme für die Folgen des eigenen Handelns und vorausschauendes Denken sowie die Wahrnehmung und Akzeptanz von Erwartungen, Emotionen und Bedürfnissen
anderer und eine wertschätzende und respektvolle Haltung gegenüber Ideen und Vorstellungen anderer Personen. Weitere dort aufgeführte Ziele sind die Beachtung von Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenseins, die Differenzierung zwischen richtigem und falschem
Verhalten und die Fähigkeiten Konfliktlösung zu finden und Kompromisse einzugehen.
Die Zielkompetenzen der Kategorie verantwortungsvolle Entscheidungen werden nur teilweise in den Bildungsbereichen abgedeckt. Im Bildungsbereich Körper, Bewegung und Gesundheit wird als Ziel das Beachten und Wahren von Regeln über den Körperkontakt aufgeführt,
im Bildungsbereich soziale und kulturelle Umwelt werden die Einhaltung von Regeln des
Zusammenlebens, das Lösen von Konflikten und Kompromissbereitschaft als Ziele genannt
und im Bereich Kommunikation: Sprachen, Schriftkultur und Medien ist das Entwickeln konstruktiver Konfliktlösungen als Ziel formuliert. Die Schlüsselfähigkeit angemessene persönliche Ziele zu verfolgen wird in keinem Bildungsbereich direkt thematisiert.
Die sozial-emotionalen Schlüsselfertigkeiten der Kategorie soziale Interaktion sind in den
Bildungsbereichen der Bildungsempfehlungen fast vollständig wiederzufinden. Der Bildungsbereich Körper, Bewegung und Gesundheit führt als zu fördernde Ziele das Teilen der
Gefühle mit anderen, die Reaktion auf Gefühle anderer und die Kooperationsbereitschaft auf.
Im Bereich soziale und kulturelle Umwelt werden die Ausdruckfähigkeit von Emotionen,
Bedürfnissen und Interessen sowie das Lösen von Konflikten und das Aushandeln von Kompromissen erwähnt. Des Weiteren werden im Bereich Kommunikation: Sprachen, Schriftkultur und Medien die nonverbale Kommunikation, die Gesprächsführung mit anderen, das Zuhören, Aufmerksamkeit schenken und die angemessene Reaktion auf Gesagtes sowie der Perspektivwechsel, das kindliche Einfühlungsvermögen und die konstruktive Aushandlung von
Konflikten als Zielkompetenzen erfasst. Lediglich die Kompetenz sich Hilfe zu suchen oder
abzulehnen fehlt in den Bildungsempfehlungen.
Nach der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den beiden Bildungsplänen der Grundschule
im Hinblick auf die Schlüsselfertigkeiten der sozial-emotionalen Kompetenz ist festzustellen,
dass die zu fördernden Schlüsselfertigkeiten in Kombination beider Bildungspläne sehr gut
abgedeckt werden, nur die Schlüsselkompetenzen Emotionsregulation und das Annehmen und
Ablehnen von Hilfe ist in keinem der beiden Pläne explizit ausgeschrieben. Daraus schließt
sich für die Unterrichtszeit an allen Hamburger Ganztagsgrundschulen und für die GTSSchulen nach Rahmenkonzept, dass es zur Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz eine
umfassende theoretische Grundlage gibt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass nur die Kompetenzen aus dem Bildungsplan des Sachunterrichts gezielt im Unterricht vermittelt werden und
entsprechend die im Bildungsplan zu den allgemeinen Aufgabengebieten aufgeführten Kompetenzen im Schulalltag, möglicherweise nur „beiläufig“ gefördert werden. Die zusätzliche
Einsetzung eines Förderprojekts wie beispielsweise dem Buchprojekt „Bertram Blaubauch
sucht sein Lachen“ könnte die in den Bildungsplänen fehlenden Zielkompetenzen ergänzen.
Insgesamt werden die sozial-emotionalen Schlüsselfertigkeiten in den Bildungsbereichen der
Hamburger Bildungsempfehlungen gut abgedeckt und auch Projektthemen werden vorgeschlagen, lediglich die Schlüsselfertigkeiten, angemessene persönliche Ziele zu erreichen und
Hilfe suchen und ablehnen werden nicht direkt in den Bildungsbereichen aufgeführt. Allerdings bleibt offen, wie sich die Umsetzung der verschiedenen Projektthemen gestalten soll
und es wird nicht die Arbeit mit vorhandenen Förderprogrammen vorgeschlagen. Das bedeutet für die GBS-Schulen, dass im Rahmen des Unterrichts, wie oben genannt, eine gute theoretische Basis zur sozial-emotionalen Kompetenzförderung vorliegt und dass es außerdem für
das Nachmittagsangebot eine weitere gute Leitlinie gibt. Auch hier könnten didaktische Fördermaßnahmen in den Bildungsempfehlungen fehlende Schlüsselfertigkeiten ergänzen.
Zum Schluss werden in diesem Kapitel aus den beiden Zwischenergebnissen (s. Kapitel 3.4
und 4.5), wie die sozial-emotionale Kompetenz in der Grundschule gefördert werden kann
und wie die sozial-emotionale Kompetenz in Hamburg gesehen wird, zusammenführend die
Möglichkeiten und Herausforderungen für die sozial-emotionale Kompetenzförderung an
Hamburger Ganztagsgrundschulen herausgearbeitet und anschließend wird aus den Erkenntnissen der vorliegenden Arbeit ein Fazit gezogen.
5.1 Möglichkeiten und Herausforderungen für Hamburger Ganztagsgrundschulen
Wie im Zwischenfazit zur sozial-emotionalen Kompetenzförderung (s. Kapitel 3.4) ausgearbeitet, ist eine Kombination von alltäglicher Förderung und gezielter Förderung durch Förderprogramme für die sozial-emotionale Kompetenzförderung im Grundschulalter besonders
sinnvoll. Zum einen findet die sozial-emotionale Kompetenzförderung im Alltag der Kinder
direkt in Situationen und zu Themen, die die Kinder aktuell beschäftigen statt und zum anderen werden in vorbereiteten Fördermaßnahmen die sozialen und emotionalen Kompetenzen
umfassend, bewusst und dadurch auch mit fundiertem Hintergrundwissen der Fachkräfte
Die verschiedenen Modelle Hamburger Ganztagsgrundschulen weisen diesbezüglich schon
gute theoretische Handlungsleitlinien im Bildungsplan zum Aufgabengebiet der Grundschule,
im Bildungsplan des Sachunterrichts und in den Bildungsbereichen der Bildungsempfehlungen für die kooperierenden Kindertageseinrichtungen auf. Die verschiedenen Schlüsselfertigkeiten werden in der Verknüpfung beider schulischen Bildungspläne und in den Bildungsempfehlungen nahezu umfassend aufgeführt, als gezielten Unterrichtsinhalt bzw. als Projektthema außerhalb des Unterrichts werden nur einige sozial-emotionale Schlüsselfertigkeiten
direkt aufgeführt und sozial-emotionale Förderprogramme werden nicht genannt.
Für die sozial-emotionale Kompetenzförderung an Hamburger Ganztagsgrundschulen zeichnen sich aus den oben angeführten Ergebnissen und vor dem Hintergrund der theoretischen
Grundlagen sozial-emotionaler Kompetenz sowie den Rahmenbedingungen Hamburger
Ganztagsgrundschulen folgende Möglichkeiten und Herausforderungen ab.
Für den Unterricht an Hamburger Grundschulen im Allgemeinen wird deutlich, dass die alltägliche Förderung in Bezug auf die Inhalte der Bildungspläne gute Umsetzungsmöglichkeiten aufweist, da alle Lehrkräfte für die Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen
zuständig sind. Wie die Alltagsförderung in der Praxis letztlich bei den Kindern greift, ist
jedoch von der Wahrnehmung von Situationen, die für die sozial-emotionale Kompetenz
wichtig sind, der einzelnen Lehrkräfte abhängig. Darüber hinaus ist die gezielte Förderung im
Unterricht Aufgabe des Sachunterrichts. Zwar werden nicht alle Schlüsselfertigkeiten der sozial-emotionalen Kompetenz von den Unterrichtsinhalten aus sozial-wissenschaftlicher Perspektive erfasst, dennoch bietet der Sachunterricht die Möglichkeit und den Rahmen, um gezielt die soziale und emotionale Kompetenz von Schulkindern zu fördern und zumindest auch
kurze Förderprogramme können von den Lehrkräften in den Unterricht integriert werden. Die
Einführung längerer Fördermaßnahmen Bedarf wahrscheinlich einer größeren schulinternen
Planung, da im Sachunterricht noch weitere Kompetenzen gefördert werden und diese durch
ein Projekt auch nicht vernachlässigt werden sollten.
Da die GTS-Schulen nach Rahmenkonzept unter der alleinigen Verantwortung der Grundschule stehen, liegen die gleichen Grundlagen sowohl in der Unterrichtszeit als auch für die
Zeit außerhalb des Unterrichts vor. Daher stellen sich an GTS-Schulen dieselben Herausforderungen und Chancen für die Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz im Unterricht,
wie im Unterricht aller Ganztagsgrundschulen. Allerdings verfügen die verschiedenen GTSSchulen in ihren unterschiedlichen Modellen über weitere Möglichkeiten zur Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen außerhalb des Unterrichts.
Weil an gebundenen Ganztagsschulen alle Kinder zur Teilnahme am Ganztagsunterricht verpflichtet sind, besteht besonders in dieser Schulform eine gute Möglichkeit außerhalb des Unterrichts gezielt Zeit für Förderprogramme im Kursangebot einzuplanen, die alle Kinder erreichen und von denen auch alle Kinder profitieren können. Bei teilgebundenen Ganztagschulen
besteht ebenfalls die Möglichkeit, sozial-emotionale Förderprogramme in das Kursangebot zu
integrieren. Da teilgebundene Grundschulen jedoch nur für ausgewählte Klassen bzw. Jahrgänge oder nur an bestimmten Tagen verpflichtend sind, können allerdings nur die Kinder,
die das Ganztagsangebot nutzen an Angeboten zur sozial-emotionalen Förderung teilnehmen.
Kinder, die das Ganztagsangebot nicht wahrnehmen, würde die gezielte Förderung außerhalb
des Unterrichts nicht erreichen. Inwieweit sich daraus für diese Kinder Nachteile bilden oder
ob das Alltagsleben in der Familie und die Begleitung der Schulkinder durch die elterlichen
Bezugspersonen am Nachmittag einen genauso guten Rahmen bieten oder sogar eine bessere
Alternative sind um Kinder in ihren sozialen und emotionalen Kompetenzen zu fördern, ist
ein zu bedenkender Aspekt, der an dieser Stelle jedoch offen bleibt. Dieser Aspekt findet sich
auch bei den offenen Ganztagsschulen wieder. Auch bei offenen Ganztagsschulen gilt, dass
die Möglichkeit seitens der Schule und Lehrkräfte besteht ein sozial-emotionales Förderprogramm anzubieten, jedoch nur die Kinder daraus Positives schöpfen können, die am Ganztagsangebot teilnehmen.
Für die GBS-Schulen zählen für den in der Verantwortung der Schule liegenden Unterricht,
wie zu Beginn beschrieben ebenfalls die Hamburger Bildungspläne als Grundlage für die Unterrichtgestaltung in Abhängigkeit davon, wie die Lehrkräfte diese Pläne umsetzen. Eine alltägliche Förderung und die gezielte Förderung der soziale-emotionalen Kompetenzen sind in
den Bildungsplänen angeraten, ob ein Förderprogramm dafür angewandt wird, bleibt jedoch
offen. Zusätzlich gelten für das Ganztagsangebot am Nachmittag, durchgeführt von den Kooperationspartnern der Kinder- und Jugendhilfe, die Bildungsempfehlungen, die die sozialemotionalen Schlüsselkompetenzen auch fast vollständig angeben und hinzufügend auch
Themenvorschläge für Projekte einbringen. Wird den Bildungsempfehlungen und den darin
aufgeführten sozialen und emotionalen Kompetenzen Beachtung geschenkt und werden diese
im Alltag eingebracht, ist die Einrichtung (bzw. der Hort) ein weiterer Ort neben der Schule,
an dem Kinder in ihrer sozial-emotionalen Kompetenz alltägliche Förderung erfahren können.
Außerdem wird auch die gezielte Förderung durch Projekte zu Themen der sozialemotionalen Kompetenz empfohlen, wenngleich diese nicht direkt mithilfe von didaktischen
Förderprogrammen vorgeschlagen wird. Zudem sind auch die nötigen Rahmenbedingungen
für die Umsetzung eines sozial-emotionalen Förderprogramms vorhanden. Zeit stünde während der Angebotsphasen zur Verfügung und pädagogisches Fachpersonal zur Durchführung
eines Förderprogramms ist ebenfalls an GBS-Schulen vorhanden. Eine Kombination von alltäglicher Förderung und gezielter Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenz anhand
eines Förderprogramms wäre also auch hier möglich. Als Herausforderung steht auch an
GBS-Schulen wieder der Aspekt, dass nur die Kinder davon profitieren können, die am Ganztagsangebot teilnehmen. Ein weiterer herausfordernder und Möglichkeiten bietender Punkt
ist, dass durch die verschiedenen Fachkräfte am Vormittag und Nachmittag, die Schulkinder
verschiedene Bezugspersonen besitzen. Dies ist einerseits positiv, da die Kinder einerseits in
den pädagogischen Fachkräften weitere Bezugspersonen haben, von denen nicht ihre Schulnoten abhängen, andererseits könnte es vorkommen, dass die Bindungen zu mehreren verschiedenen Fachkräften nicht so stark aufgebaut werden, wie die Bindung zu einer geringeren
Anzahl an Bezugspersonen über den Tag hinaus. Hinzufügend wäre eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den pädagogischen Fach- und Lehrkräften mit einheitlichen Regeln und Werten vorteilhaft für das kindliche Verständnis. Dies stellt sich jedoch häufig aus beispielsweise zeitlichen, persönlichen oder strukturellen Gründen der Fachkräfte als
eine herausfordernde Aufgabe heraus.
Insgesamt bieten die verschiedenen Ganztagsmodelle von Hamburger Grundschulen sowohl
in der Unterrichtszeit, als auch außerhalb des Unterrichts ein großes Potential für die Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz in Kombination von alltäglicher Förderung und gezielter Förderung, jedoch sind die Herausforderungen nicht zu unterschätzen und dass zu einer erfolgreichen Umsetzung die verschiedenen Akteure und Fachkräfte in Ganztagsschulen
Bereitschaft zeigen, kooperieren und die Rahmenbedingungen schaffen müssen.
Am Ende dieser Arbeit lässt sich zum Thema der sozial-emotionalen Kompetenzförderungen
an Hamburger Ganztagsgrundschulen folgendes sagen.
Die Entwicklung von sozial-emotionalen Kompetenzen erweist sich als eine komplexe, vielseitige und nicht immer einfache Aufgabe im Kindesalter. Schon von Geburt an wird der
Grundstein für die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung gelegt und im Laufe der Kindheit und in der Grundschulzeit kommen immer mehr zu erlernende Fähigkeiten auf die Kinder
zu, die durch verschiedene kindbezogene, familiäre und umweltbezogene Risikofaktoren zu
Entwicklungsstörungen führen können. Um dem entgegenzuwirken ist die Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen durch die Bezugspersonen besonders wichtig. Neben den Eltern zählen dazu auch pädagogische Fach- und Lehrkräfte. In der Grundschule wird die sozial-emotionale Entwicklung stark beeinflusst, da die Schulkinder einerseits im Zusammensein
mit gleichaltrigen Kindern soziale Beziehung „auf gleicher Augenhöhe“ üben können und
andererseits beeinflussen die verschiedenen pädagogischen Fach- und Lehrkräfte die Schulkinder durch ihr Erziehungsverhalten, ihre Rückmeldungen und in ihrem Vorbildverhalten.
Sind sich die Fachkräfte darüber bewusst und nehmen sie die Kinder und wichtige Situationen
für die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung im Alltag wahr, so können sie die Kinder
entwicklungsfördernd beeinflussen. Desweiteren bietet der Sachunterricht einen Rahmen, um
gezielt die sozialen und emotionalen Kompetenzen zu fördern. Dazu sind universelle Förderprogramme der sozial-emotionalen Kompetenz wie zum Beispiel das Buchprojekt „Bertram
Blaubauch sucht sein Lachen“ zur bewussten Förderung, zur Erkennung von Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen fördernd.
Für Hamburger Ganztagsgrundschulen wird nach der wissenschaftlichen Recherche der gesetzlichen Grundlagen, den Aufträgen von Grundschule und Hort sowie den Hamburger Bildungsplänen und den Hamburger Bildungsempfehlungen deutlich, dass die verschiedenen
Ganztagsformen, die gebundenen, teilgebundenen und offenen Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept und die Ganztagsgrundschulen mit ganztägiger Bildung und Betreuung an Schulen in Zusammenarbeit mit einem Kooperationspartner eines Kinder- und Jugendhilfeträgers
gute theoretische Grundlagen zur sozial-emotionalen Kompetenzförderung aufweisen. Weiterhin hat sich herausgestellt, dass die gezielte Förderung in vorbereiteten Förderprogrammen
weder in den Bildungsplänen noch in den Bildungsempfehlungen explizit empfohlen wird, die
Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Einbindung didaktischer Fördermaßnahmen, wenngleich auch mit einigen Herausforderungen, jedoch an allen Ganztagsgrundschulen bestehen.
Die Wichtigkeit und die Bereitschaft die sozial-emotionale Kompetenz sowohl im Alltag der
Ganztagsschule als auch mithilfe gezielter Förderprogramme zu fördern, muss daher zu den
Akteuren in den Ganztagsgrundschulen durchdringen.
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Ich, Gescha Illies, geb. 18.09.1992, versichere, dass ich die vorliegende Arbeit ohne fremde
Hilfe selbständig verfasst und nur die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.
Wörtlich oder dem Sinn nach aus Werken entnommene Stellen sind in allen Fällen unter Angabe der Quelle kenntlich gemacht.

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