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DAS VORABENTSCHEIDUNGSVERFAHREN NATIONALER GERICHTE UND DER EUGH - PDF
DAS VORABENTSCHEIDUNGSVERFAHREN NATIONALER GERICHTE UND DER EUGH
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1 RECHTSANWALTSBÜRO DR. BERTELSMANN UND GÄBERT OSTERBEKSTR. 90 c HAMBURG (ALSTERCITY) TEL: (040) FAX: (040) ARBEITSRECHT UND BETRIEBSVERFASSUNGSRECHT FÜR ARBEITNEHMER/INNEN ANJA BEHNCKEN** DR. KLAUS BERTELSMANN* BERNDT BILDSTEIN* JENS GÄBERT* DR. JÜRGEN KÜHLING*** GABRIELE LUDWIG* ANETTE PRZYBILLA-EISELE* * Fachanwalt/Fachanwältin für Arbeitsrecht ** Fachanwältin für Sozialrecht *** Richter des BVerfG a.d. Januar 2014 Dr. Klaus Bertelsmann Fachanwalt für Arbeitsrecht, Hamburg 1 KEINE ANGST VORM EUGH 2 : DAS VORABENTSCHEIDUNGSVERFAHREN NATIONALER GERICHTE UND DER EUGH Mit der Ausweitung des europäischen Rechts in immer mehr inhaltliche Bereiche wächst dessen Bedeutung für das innerstaatliche Recht und die Gerichte ständig. Insbesondere bei der Auslegung von EU-Richtlinien kommt dem Gerichtshof der Europäischen Union in Luxemburg (EuGH) 3 eine besondere Bedeutung zu - und den innerstaatlichen Gerichten die Verantwortung, den EuGH wenn notwendig in die Verfahren mit einzubeziehen. Neben dem EuGH als Gerichtshof für die EU ist der Europäische Gerichtshof RA Bertelsmann ist seit Jahrzehnten mit europäischem Arbeitsrecht befasst. Er ist besonders im Bereich der Gleichbehandlung von Männern und Frauen tätig gewesen und hat beim EuGH einige Verfahren im Auftrag der EU-Kommission geführt, zudem 15 Verfahren für Mandantinnen und Mandanten vor dem EuGH vertreten: vom Verfahren Harz (EuGH v Rs. 14/83) über Hofmann (v Rs. 184/83) bis Bulicke (v , Rs. C-246/09) und Rosenbladt (v , Rs. C-45/09). Die Ausarbeitung basiert auf Vorträgen u.a. bei der Europäischen Rechtsakademie in Trier, beim Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin und beim Deutschen Anwaltsinstitut, ergänzt um Fußnoten. Die Vortragsform wurde im Wesentlichen beibehalten. Gerichtshof - EuGH in Abgrenzung zum Gericht - Gericht 1. Instanz.2 2 für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg 4 relevant und zwar für die 47 Mitgliedstaaten des Europarates, dies bleibt aber einer gesonderten Darstellung vorbehalten. Betont werden soll aber ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen dem EuGH und dem EGMR in Straßburg: man kommt zum EuGH nur aufgrund einer Vorlage eines innerstaatlichen Gerichts - zum EGMR dagegen nach Durchlaufen des Rechtswegs nur durch eine individuelle Beschwerde. Die Möglichkeiten, EU-Recht bei den innerstaatlichen Gerichten geltend zu machen, sollen Schwerpunkt dieses Beitrags sein. Als inhaltlicher Anknüpfungspunkt, anhand dessen die verfahrensmäßigen Umsetzungsmöglichkeiten behandelt werden sollen, werden die Anti-Diskriminierungsrichtlinien der EU bezogen auf spezielle Merkmale zugrunde gelegt, die die Bekämpfung von rassistischen Diskriminierungen sowie Diskriminierungen aufgrund tatsächlicher oder zugeschriebener ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion/Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters und der sexuellen Ausrichtung betreffen. 5 Wichtigstes EU-Recht zur Anti-Diskriminierung Anti-Rassismus Richtlinie 2000/43/EG (Rasse/ethnische Herkunft) Rahmenrichtlinie Gleichbehandlung 2000/78/EG (Religion/ Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexuelle Ausrichtung) Richtlinie Gleichbehandlung Frauen/Männer 2006/54/EG (Männer/Frauen in Beschäftigung und Beruf) Charta der Grundrechte der Europäischen Union von 2000 i.d.f Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) von 1950 (anwendbar über Art. 6 EUV i.d.f. von 2007) Wie kann die Umsetzung von Richtlinien der EU und des EU-Primärrechts unter Zuhilfenahme der Gerichte garantiert und umgesetzt werden? Wie vertritt man am besten die Rechte von diskriminierten Betroffenen, welche Mittel gibt es im europäischen Recht zur Durchsetzung von Ansprüchen diskriminierter Personen unter Einbeziehung des EuGH? 4 5 Der EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte ist eine Institution des Europarates, der aus 47 Mitgliedstaaten besteht Rechtsgrundlage für seine Tätigkeit ist die EMRK, die Europäische Menschenrechtskonvention. Zum Diskriminierungsschutz allgemein s. Thüsing, Europäisches Arbeitsrecht, 2. Aufl. 2011, 70 ff.; zum Bezug EU-Recht und AGG Thüsing, Arbeitsrechtlicher Diskriminierungsschutz, bes. 6 ff.3 3 1. EU-RICHTLINIEN UND UMSETZUNGSSCHWIERIGKEITEN IM NATIONALEN RECHT Probleme in der Umsetzung des EU-Rechts gibt es insbesondere im Bereich der EU-Richtlinien. Dies erklärt auch, weshalb der Schwerpunkt der Vorlageverfahren aus allen EU-Staaten die Auslegung von Richtlinien ist, also z.b. für die Antidiskriminierungsrichtlinien aus dem Jahr Warum gerade bei Richtlinien? Richtlinien sind nicht Normen der EU, die jedes Detail regeln, sondern Rahmenvorgaben, die von den einzelnen Mitgliedstaaten auszufüllen sind. Die Umsetzung kann in jedem EU-Staat anders aussehen, nur müssen die Zielvorgaben erfüllt sein. Ein Beispiel: Ein Staat kann bei Diskriminierungen im Zusammenhang mit der Einstellung z.b. einen materiellen Schadensersatz in Geld regeln, oder immaterielles Schmerzensgeld, oder aber auch einen Einstellungsanspruch, oder er kann vielleicht mit strafrechtlichen Sanktionen reagieren. Die Auswahl der geeigneten Mittel ist nicht vorgeschrieben, jeder Staat kann er in eigener Verantwortung entscheiden, nur: das Ziel muss erreicht werden. Die Art der Umsetzung ist nicht vorgegeben, aber: irgendein wirksames, effektives, in sich schlüssiges (kohärentes 6 ) System muss der jeweilige Staat regeln. Wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen müssen den Richtlinienvorgaben Geltung verleihen. Regelungen, die die Vorgaben der Richtlinien umgehen, sind europarechtswidrig - wie z.b. in Deutschland der Portoparagraph 611a BGB von , die systemfremden Begrenzungen wie in 611a BGB , die speziellen Vorgaben für Ausschlussfristen von im AGG In der Vergangenheit musste für viele Staaten, auch für Deutschland, festgestellt werden, dass bei Richtlinien keine, eine zu späte oder nur eine unzureichende Umsetzung erfolgt war. Es sei nur aus dem deutschen Antidiskriminierungsbereich an folgende Beispiele erinnert: Zu dieser Anforderung s. EuGH v , Rs. C-341/08 (Petersen). EuGH v Rs. 79/83 (Harz), Entschädigungshöchstgrenze. EuGH v Rs. C-180/95 (Draehmphael) <Verschuldenserfordernis und Entschädigungshöchstgrenze>. EuGH v Rs. C-246/09 (Bulicke) <Entschädigungsansprüche im Zusammenhang mit der Einstellung und Beginn der 2-Monats-Frist nach Kenntnis/Fälligkeit>.4 4 - zu späte Umsetzung von Richtlinien, z.b. bei der Gleichbehandlungsrichtlinie Männer/Frauen 76/207/EWG von , - nicht ordnungsgemäße Umsetzung der RL 76/207/EWG durch die Änderung des 611a BGB im Jahr , dann Feststellung der EU- Widrigkeit dieser Regelung durch den EuGH 12 in 1984, notwendige Anpassung des 611a BGB erst , dann nach weiterem Urteil des EuGH von erneute Anpassung an das EU-Recht im Jahre , - zu späte und zudem unzureichende Umsetzung verschiedener Gleichbehandlungsrichtlinien durch das AGG 16, z.b. bezüglich 15 IV AGG Vorgehensweisen gegen Verletzungen des EU-Rechts Was kann man nun tun, wenn keine, eine zu späte oder eine unzureichende Umsetzung von Richtlinienvorgaben erfolgt ist? Wie muss agiert werden, wenn die Auslegung des EU-Rechts durch innerstaatliche Gerichte für unrichtig erachtet wird? Wie kann eine Nichtbeachtung des EU-Rechts sanktioniert werden kann oder aber deren Durchsetzung erzwungen werden? 18 Es gibt eine größere Zahl von Durchsetzungsmöglichkeiten, hier nur die in der Praxis wichtigsten: - Vertragsverletzungsverfahren durch die EU-Kommission (Aufsichtsklage der Kommission) - Vertragsverletzungsverfahren durch einen anderen Mitgliedstaat (Staatenklage), - normale Klage eines Bürgers im jeweiligen EU-Staat mit der Zielsetzung eines Vorlageverfahren zum EuGH (Vorabentscheidungsverfahren). 10 Verpflichtung bis spätestens , Umsetzung (zudem noch unzureichend) erst zum durch das Arbeitsrechtliche EG-Anpassungsgesetz. 11 EG-Anpassungsgesetz v , BGBl. I Urteile des EuGH v in den Rs. 14/83 (v.colson und Kammann), Slg. S und Rs. 79/83 (Harz), Slg. S Gleichberechtigungsgesetz v , BGBl. I 1406, Urteil des EuGH v Rs. C-180/75 (Draehmphael), Slg. I Änderung vom (in Kraft ab ). 16 Siehe z.b. Rust, in: Rust/Falke, AGG, 2007, Einl. Rn. 421; Busch, AiB 2006, 467 ff Monats-Frist zur Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen bei Diskriminierungen im Zusammenhang mit der Einstellung, siehe EuGH v Rs. C-246/09 (Bulicke). 18 Die Zitierung des EU-Rechts erfolgt mit Stand Dezember 2013, insbesondere also unter Zugrundelegung des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) i.d.f. des Vertrags von Lissabon Hinsichtlich der Verfahrensordnung des EuGH (VO) wird abgestellt auf die am in Kraft getretene Fassung.5 Vertragsverletzungsverfahren 19 Ist die EU-Kommission der Auffassung, dass ein EU-Mitgliedstaat gegen seine Verpflichtungen aus den EU-Verträgen verstoßen hat, kann sie ein Vertragsverletzungsverfahren nach Art. 258 (AEUV (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) einleiten. Zuerst erfolgt die Anhörung des Mitgliedstaats, ggf. stellt danach die Kommission das Verfahren ein. Ist die Rückäußerung des Mitgliedstaats nicht überzeugend, kann die Kommission den EuGH anrufen mit dem Antrag, den Verstoß gegen eine Verpflichtung aus den Verträgen festzustellen. Auch ein Mitgliedstaat kann ein solches Vertragsverletzungsverfahren nach Art. 259 AEUV einleiten. Nach Einleitung des Verfahrens beim EuGH prüft dieser dann, ob ein Verstoß vorliegt stellt er dies fest, kann der Mitgliedstaat zu EU-konformem Verhalten gezwungen werden (Art. 260 und 261 AEUV). Gegen Deutschland wurden einige Vertragsverletzungsverfahren wegen verspäteter bzw. unzureichender Umsetzung von Richtlinien eingeleitet. Diese Vertragsverletzungsverfahren 20 sind in der Praxis oft langwierig. Zudem erschweren teilweise politische Rücksichten bzw. politischer Druck eine Durchführung solcher Verfahren. 21 Allerdings kommt es nach Einleitung von Vertragsverletzungsverfahren auch häufiger vor, dass der verklagte EU-Staat die im Verfahren anstehende Prüfung durch Veränderung der entsprechenden staatlichen Regelungen überflüssig macht auch so wird das Ziel der Umsetzung von EU-Recht dann erreicht Vorabentscheidungsverfahren bei vorheriger innerstaatlicher gerichtlicher Geltendmachung Das Verfahren, das für eine Durchsetzung von Ansprüchen im Einzelfall sorgen kann, jedoch auch weit darüber hinaus reichende Auswirkungen hat, ist das Klagverfahren vor dem innerstaatlichen Gericht mit dem (Zwischen-) Ergebnis einer Vorlage des Verfahrens beim EuGH. Dieses Zwischenverfahren beim EuGH (Vorlage des innerstaatlichen Gerichts an den EuGH und dann später Entscheidung des innerstaatlichen Gerichts auf der Grundlage des ergangenen Urteils des EuGH) soll hier das Thema sein. 19 Dazu wird im Einzelnen auf die Kommentierungen zum AEUV (Art. 258 und 259) verwiesen. 20 Jüngere Beispiele: EuGH v Rs. C-286/12(Kommission./. Ungarn) <Altersdiskriminierung bei Richtern>; EuGH v Rs. C-312/11 (Kommission./. Italien) <Unzureichende Umsetzung betr. Behinderung>. 21 Die Zahl der neu eingeleiteten Vertragsverletzungsverfahren in den Jahren 1952 bis 2011 beträgt EuGH, Jahresbericht 2011, S. 126.6 6 Kurz vorab: Ansprüche von Personen, die Diskriminierungen geltend machen, werden regelmäßig beim innerstaatlichen Gericht geltend gemacht. Die entsprechende Klage geht z.b. auf Schadensersatz, auf Unterlassung, auf Abschluss eines Vertrages. Wenn ein innerstaatliches Gericht dann zu seiner Entscheidung darüber EU-Recht benötigt und die Auslegung dieses EU- Rechts nicht eindeutig ist - das ist der Ansatz für ein Vorabentscheidungsverfahren. Das Vorabentscheidungsverfahren, also die Vorlage zum EuGH, die durch jedes innerstaatliche Gericht der 27 EU-Mitgliedstaaten erfolgen kann, ist in Art. 267 AEUV geregelt: Art. 267 AEUV I Der Gerichtshof der Europäischen Union entscheidet im Wege der Vorabentscheidung a) über die Auslegung der Verträge, b) über die Gültigkeit und die Auslegung der Handlungen der Organe, Einrichtungen oder sonstigen Stellen der Union. II Wird eine derartige Frage einem Gericht eines Mitgliedstaats gestellt und hält dieses Gericht eine Entscheidung darüber zum Erlass seines Urteils für erforderlich, so kann es diese Frage dem Gerichtshof zur Entscheidung vorlegen. III Wird eine derartige Frage in einem schwebenden Verfahren bei einem einzelstaatlichen Gericht gestellt, dessen Entscheidungen selbst nicht mehr mit Rechtsmitteln des innerstaatlichen Rechts angefochten werden können, so ist dieses Gericht zur Anrufung verpflichtet. Also: Wenn Auslegungsfragen in einem innerstaatlichen Verfahren entstehen, kann jedes Gericht 22 vorlegen, das letztinstanzliche Gericht muss vorlegen. Grundlage der Überlegungen zum Vorabentscheidungsverfahren war folgende: Das EU-Recht soll nicht von einzelnen innerstaatlichen Gerichten selbst ausgelegt werden können, weil ansonsten die Gefahr bestünde, dass sich in verschiedenen EU-Staaten und auch in verschiedenen Gerichtsbezirken eines EU-Staates unterschiedliche Auslegungen des EU-Rechts entwickeln. Die Auslegungshoheit von EU-Recht soll aber ausschließlich beim EuGH liegen. Nur er soll befugt sein, das EU-Recht auszulegen - und zwar dann einheitlich für sämtliche Mitgliedstaaten der EU. Der EuGH als einzige Auslegungsinstanz gewährleistet, dass das Unionsrecht wirklich gemeinsames Recht bleibt" 23. Vorabentscheidungsverfahren - so schon eine kurze Bewertung vorab - haben für alle EU-Staaten eine massive Bedeutung. Die Entscheidungen des EuGH 22 Nicht aber z.b. eine Einigungsstelle im Sinne von 76 BetrVG. 23 EuGH v , Rs. 166/73 (Rheinmühlen), Slg. 33.7 7 in Vorlageverfahren haben eine überhaupt nicht zu überschätzende Auswirkung auf die rechtliche Situation in den EU-Staaten gehabt - auch für Deutschland ist dies ganz deutlich zu erkennen Vorlageverfahren in der Statistik Manche mögen den EuGH so, dass sie ihn mehrfach in Anspruch nehmen - wie die belgische Stewardess Gabrielle Defrenne, deren Arbeitsverhältnis und Altersversorgung im Zusammenhang mit Diskriminierungen den EuGH in drei Verfahren beschäftigten 24. Dies ist aber nicht der Standard - hier aber die Bedeutung der Vorlageverfahren anhand einiger Zahlen. Vorabentscheidungsverfahren machen inzwischen weit mehr als die Hälfte aller vom EuGH zu entscheidenden Rechtssachen aus. Das Verhältnis zwischen den Verfahrensarten ist über die Jahre hinweg recht gleich geblieben: Neu eingegangene Rechtssachen 1952 bis : Jahr Direkte Klagen Vorabentsch.-Verf Rechtsmittel Sonstige Gesamtsumme Im Jahre 2012 sind 404 neue Vorabentscheidungsersuchen beim EuGH eingegangen. 26 In den Jahren 1952 bis 2011 gab es insgesamt neu eingegangene Vorlageverfahren 27. Die vorlagefreudigsten Staaten in diesem Zeitraum waren Deutschland mit Verfahren, Italien mit 1.100, Frankreich mit 847, die Niederlande mit 789 Vorlagen, Belgien mit 685 und Großbritannien 531 mit Die in die EU erst in jüngerer Zeit aufgenommenen Staaten sind noch wenig vertreten bei den Vertragsverletzungsverfahren. Deutliche Ergebnisse zeigen sich bei der Analyse, wie sich die deutschen Vorlageverfahren auf die verschiedenen Gerichte und vor allem Gerichtsinstanzen 24 Urteile des EuGH v Rs. 80/70, Slg. S. 445; v Rs. 43/75, Slg. S. 455; v Rs. 149/77, Slg. S EuGH, Jahresbericht 2011, S. 120 (www.curia.europa.eu). 26 EuGH, Jahresbericht 2012, S. 96 und EuGH, Jahresbericht 2011, S EuGH, Jahresbericht 2011, S. 122.8 8 verteilen. Die zwischen 1952 und 2011 insgesamt neu von deutschen Gerichten vorgelegten Verfahren kommen aus folgenden Gerichten: Bundesgerichtshof 148 Bundesarbeitsgericht 23 Bundesverwaltungsgericht 105 Bundesfinanzhof 279 Bundessozialgericht 74 Andere Gerichte 1255 Besonders zahlreich also gerade die Vorlagen von nicht letztinstanzlichen Gerichten - Ausdruck einer Bereitschaft gerade dieser Gerichte, die europäischen Aspekte mit in die eigene Entscheidung mit einzubeziehen. Die Schwerpunkte deutscher Vorlageverfahren liegen im Bereich Steuern /Finanzen. 2. DER VERFAHRENABLAUF VOR DEM INNERSTAATLICHEN GERICHT BIS ZUM EUGH Wie nun stellt sich ein Verfahren dar, das innerstaatlich geführt wird und über das innerstaatliche Gericht zum EuGH kommt? Hier soll der Schwerpunkt auf arbeitsrechtliche Verfahren insbesondere das AGG betreffend gelegt werden. 2.1 Auslegungsprobleme Wenn sich eine Person durch das Verhalten anderer, z.b. eines Arbeitgebers, diskriminiert fühlt, werden behauptete Ansprüche im Regelfall bei Gericht (hier: Arbeitsgericht) geltend gemacht. Kommt das Gericht bei Anwendung des innerstaatlichen Rechtes zu einem positiven oder negativen Ergebnis, wird es entsprechend entscheiden. Zur Auslegung von EU-Recht kommt ein Gericht aber in den Fällen, in denen nicht eindeutig klar ist, ob das innerstaatliche Recht dem EU-Recht entspricht. Schwerpunkt sind hier die Konstellationen, in denen fraglich ist, ob ein innerstaatliches Recht die Vorgaben von EU-Richtlinien ordnungsgemäß umgesetzt hat oder nicht.9 9 Als Beispiel: Wenn eine Nichteinstellung nach deutschem Recht wegen einer Schwangerschaft (bei ansonsten bestehendem Beschäftigungsverbot) zulässig war 29 - ist die Gleichbehandlungsrichtlinie von 1976 nicht eventuell so auszulegen, dass jedenfalls nach dieser Richtlinie eine solche Behandlung rechtswidrig ist? 30 Zur Auslegung von EU-Recht kommt ein Gericht also in den Fällen, in denen nicht eindeutig klar ist, ob das innerstaatliche Recht dem EU-Recht entspricht. Schwerpunkt sind hier die Konstellationen, in denen fraglich ist, ob ein innerstaatliches Recht die Vorgaben von EU-Richtlinien ordnungsgemäß umgesetzt hat oder nicht: Reicht die Umsetzung in das innerstaatliche Recht wirklich, um die Vorgaben der Richtlinie zu erfüllen? Ausgangspunkt eines jeden Vorlageverfahrens ist ein innerstaatlich entstandener Fall. Wenn dieser nach dem innerstaatlichen Recht zu Lasten der Person entschieden werden müsste, die eine Diskriminierung geltend machen, kommt das EU-Recht ins Spiel: ist nicht eventuell eine Rechtswidrigkeit des Verhaltens über EU-Recht gegeben, wenn nicht schon das innerstaatliche Recht die Rechtswidrigkeit bejaht? Eine Vorlage durch ein innerstaatliches Gericht ist dann nicht notwendig, wenn kein vernünftiger Zweifel an der Auslegung des EU-Rechts möglich ist (acteclair-theorie). Für die fragliche Gemeinschaftsnorm darf eine Auslegung nicht in Frage kommen, weil die Vorschrift nicht auslegungsbedürftig ist 31, also für einen vernünftigen Zweifel keinerlei Raum bleibt. Davon darf das Gericht aber nur dann ausgehen, wenn es überzeugt ist, dass auch für die Gerichte der übrigen Mitgliedstaaten und für den Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften selbst die gleiche Gewissheit bestünde. Nur dann darf das Gericht von einer Vorlage absehen und die Frage in eigener Verantwortung lösen Schwerpunkt: Auslegung von Richtlinien Der Schwerpunkt der Vorlageverfahren ist die Auslegung von Richtlinien, also z.b. für die Antidiskriminierungsrichtlinien aus dem Jahr Die Vorlagefragen bei Richtlinien gehen also meist in die Richtung: Reicht die Umsetzung 29 BAG v AZR 25/93, NZA 1993, 933 ff. 30 so dann EuGH v Rs. C-207/98 (Mahlburg), genau entgegen einer früheren Entscheidung des BAG v AZR 183/87, AP Nr. 1 zu 8 MuSchG 1968 <Offenbarungspflicht der Schwangerschaft bei Bewerbung um eine Arbeit im Nachtdienst>. 31 EuGH v , Rs. C-283/81 (CILFIT), Slg Rn. 13 f. 32 Z.B. BVerfG v BvR 230/09 in Bezug auf eine Entscheidung des BAG zum Betriebsübergang, Zitat Rn. 20. Weitere Ausführungen in BVerfG v BvR 947/11, v BvL 3/08, und v BvR 516/09 und 535/09, Rn. 23 ff. Dazu auch Wendel, EuZW 2012, 213 ff.10 10 in das innerstaatliche Recht wirklich, um die Vorgaben der Richtlinie zu erfüllen? Hier sollen nicht die juristischen Feinheiten der Verfahrensordnung oder selten vorkommende Detailprobleme darstellen, sondern sollen Hinweise aus der Praxis für die Praxis geben. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird hier nicht erhoben, vielmehr werden nur die wichtigsten Bereiche angesprochen. Ausgangspunkt jeden Vorlageverfahrens ist ein innerstaatlich entstandener Fall. Wenn dieser nach dem innerstaatlichen Recht zu Lasten der Person entschieden werden müsste, die eine Diskriminierung geltend machen, kommt das EU-Recht ins Spiel: ist nicht eventuell eine Rechtswidrigkeit des Verhaltens über EU-Recht gegeben, wenn nicht schon das innerstaatliche Recht die Rechtswidrigkeit bejaht? Einige wenige Beispiele für in Deutschland wahrscheinlich als Probleme gegebene Fallkonstellationen zu den Antidiskriminierungsrichtlinien: - Einem dunkelhäutigen Muslim wird ein Kredit zu marktüblichen Bedingungen verweigert, obwohl er ausreichend Sicherheiten für die Bedienung des Kredits geben kann. Anspruch auf Gewährung des Kredits wegen rassistischer Diskriminierung und Diskriminierung wegen der Religion? - Ein Bauarbeiter, 18 Jahre und 6 Monate alt, verlangt den vollen Lohn entsprechend seiner Lohngruppe, obwohl der einschlägige Tarifvertrag 33 für Beschäftigte zwischen Vollendung des 18 und 19. Lebensjahres nur 90% der jeweiligen Lohngruppe vorsieht. Anspruch auf vollen Lohn wegen Verstoßes des Tarifvertrags gegen das Verbot der Altersdiskriminierung? - Der Buchhalter eines katholischen kirchlichen Betriebes tritt nach persönlichen Schicksalsschlägen aus der Kirche aus. Es erfolgt eine ordentliche Kündigung mit der Begründung, er habe seine Loyalitätspflichten gegenüber der Kirche als Arbeitgeber verletzt. Berechtigte Kündigung 34 oder - in Auslegung der Ausnahmeregelungen in Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 2000/78 - Verstoß gegen das Verbot der Religionsdiskriminierung? Geeignetheit von Fällen Wie sieht man als Verfahrensbevollmächtigter oder auch als Richter/in die Fälle? Die Antwort ist relativ schlicht: Man muss die Inhalte der Richtlinien 33 2 Abs. 3 des Tarifvertrags zur Regelung der Löhne im Bauten- und Eisenschutzgewerbe im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland mit Ausnahme der fünf neuen Länder und des Landes Berlin v Sachverhalt nach BVerfG v BvR 856/84, AP Nr. 24 zu Art. 140 GG. 35 Dazu s. die Entscheidung des EGMR v (Nr. 1620/03, Schüth): Organist in katholischer Kirche.11 11 kennen. Man muss Problembewusstsein haben. Man kann einiges aus den Überlegungen und auch Entscheidungen anderer Staaten nehmen (z.b. USA), man sollte aufmerksam auch aktuelle Problemstellungen in anderen EU- Staaten verfolgen. Zudem sollte stets auch an mögliche mittelbare Diskriminierungen gedacht werden. Vor allem: Man sollte Phantasie haben. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (und auch Gerichte aller Instanzen) müssen sich in einem Verfahren stets fragen, ob durch EU-Recht der Problemkreis berührt ist und ob in dem Fall eine Auslegungsfrage von EU- Recht gegeben ist. 2.4 Beantragung in welcher Instanz? Die Vorlage von Fragen an den EuGH kann nur ein innerstaatliches Gericht entscheiden, nicht z.b. eine Einigungsstelle nach deutschem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) oder ein (privates) Schiedsgericht. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte müssen zudem bedenken, in welcher Instanz der innerstaatlichen Gerichtsbarkeit ein Vorlageverfahren beantragt werden soll. Hier spielt sicherlich eine Rolle, ob zu erwarten ist, dass schon aus anderen Gründen eine positive Entscheidung der innerstaatlichen Gerichtsbarkeit erzielt werden kann oder aber ob ein Abwarten auf eine solche positive Entscheidung zu gefährlich" ist. Ein Beispiel: Jahrzehntelang galt für den tarifvertraglich geregelten Bewährungsaufstieg im öffentlichen Dienst (Aufstieg in eine höhere Vergütungsgruppe), dass die für Vollzeitbeschäftigte zu absolvierende Zeit für Teilzeitbeschäftigte verdoppelt wurde. Ein dagegen gerichteter Prozess einer Teilzeitbeschäftigten wurde beim ArbG Hamburg gewonnen, ebenfalls beim LAG Hamburg, jedoch beim BAG verloren 36. Warum auch immer - das BAG legte dem EuGH das Verfahren nicht vor. Glücklicherweise hatte die Teilzeitbeschäftigte eine Kollegin, mit der sie sich die Stelle teilte. Nach diesem Ergebnis beim BAG wurde dann mit der anderen Hälfte ein identisches Verfahren eingeleitet, dann aber gleich beim ArbG die Vorlage zum EuGH beantragt - eine erneute BAG-Entscheidung erschien nicht besonders sinnvoll. Die Vorlagefragen des ArbG wurden dann vom EuGH 37 so beantwortet, dass der Klage entgegen dem BAG vom ArbG dann stattgegeben wurde. Im Endergebnis musste sich das BAG dann der Vorgabe des EuGH anschließen BAG v AZR 351/88, AP Nr. 24 zu 23a BAT. 37 EuGH v Rs. C-184/89 (Nimz), Slg. I BAG v AZR 152/92, NZA 1993, 367 ff. In dem ersten (beim ArbG und LAG Hamburg gewonnenen und dann) beim BAG verlorenen Verfahren wurde12 12 Die Erwartungen zum Ausgang des innerstaatlichen Verfahrens beeinflussen also stets die Entscheidung, bei welcher Instanz eine Vorlage beantragt wird. Eine gewisse Rolle können auch Kostenüberlegungen spielen. So muss z.b. in Deutschland in der 1. Instanz beim Arbeitsgericht jede Partei die eigenen Kosten tragen (und dann auch die eigenen Kosten z.b. eines Anwalts für das EuGH-Verfahrens), während ab der 2. Instanz die verlierende Partei alle Kosten (auch die der anwaltlichen Vertretung des Gegners beim EuGH- Verfahrens) zu tragen hat Formulierung der Vorlagefragen Die Formulierung der Vorlagefragen ist in der Praxis kein Problem. Oder in anderen Worten: Der EuGH hat bisher auch den seltsamsten Vorlagefragen teils durch gewagte Interpretationen einen Sinn abgewonnen, sodass auf die dann ein wenig selbst formulierten Fragen sinnvoll durch Urteil Antworten erteilt werden konnten. Zudem ist es dem EuGH auch möglich, Klarstellungen beim nationalen vorlegenden Gericht einzuholen wie es ihm generell möglich ist, bei den Parteien, den Mitgliedstaaten und den Organen, Einrichtungen usw. alle Auskünfte zu verlangen, die er zur Regelung des Rechtsstreits für erforderlich erachtet (Art. 24 Satzung). Der EuGH nutzt nicht Zulässigkeitsvoraussetzungen dazu, um durch formale Argumentation seine Arbeitsbelastung zu verringern 40 - anders als es wohl die höchst problematische Praxis beim BVerfG ist. Nur einige wenige Vorlagen sind auch als unzulässig zurückgewiesen worden: Über die vorgelegten Fragen braucht nicht entschieden zu werden". Oder: Die Vorabentscheidungsersuchen sind unzulässig". Hier hat der EuGH zu Recht betont, dass eine Vorlage entweder verständliche auf das EU-Recht bezogene Fragen stellen muss oder aber jedenfalls den tatsächlichen und rechtlichen Rahmen mehr als bruchstückhaft umreißen muss, vor dem die Fragen gestellt sind (und damit interpretiert werden können) 41. Manche Gerichte mögen den EuGH so sehr, dass sie Vorlagefragen mit hypothetischem Inhalt stellen 42. Vorlagefragen sollten nur gestellt werden, wenn eine Entscheidungserheblichkeit vorliegt. Allerdings prüft der EuGH - im Gegensatz zu Normenkontrollverfahren deutscher Gerichte zum BVerfG nach Verfassungsbeschwerde eingelegt. Nach dem Urteil des EuGH wurden die Ansprüche auf Anregung des BVerfG vom öffentlichen Arbeitgeber anerkannt. 39 Näher zu den Kosten s. unten Ziff So Skouris, EuGRZ 2008, Urteil v , Rs. C /90 (Telemarsicabruzzo), Slg. I-393 (Rn. 10); Beschluss v , Rs. C-128/97 und C-137/97 (Testa und Modesti), Slg. I-2181 (Rn. 18). 42 Urteil v , Rs. C-83/91 (Meilicke), Slg. I Tenor: Es besteht keine Veranlassung, über die Fragen des LandG Hannover zu entscheiden".)13 13 Art. 100 I GG dies nicht gesondert. Eine Vorlage ist dann nicht notwendig, wenn kein vernünftiger Zweifel an der Auslegung des EU-Rechts möglich ist (acte-clair-theorie). Die fragliche Gemeinschaftsnorm darf nicht in Frage gestellt sein, eine Auslegung nicht in Frage kommen, weil die Vorschrift nicht auslegungsbedürftig ist 43 - wobei übrigens nicht jede Meinung eines vereinzelten Professors ausreicht, um Auslegungsbedürftigkeit zu bejahen. Vorlagen sollten selbstverständlich auch nicht erfolgen, wenn die Frage bereits durch den EuGH geklärt ist 44. Bezüglich der Formulierung von Vorlageverfahren beim innerstaatlichen Gericht ist es für die vertretende Rechtsanwältin oder denn vertretenden Rechtsanwalt dringend empfehlenswert, selbst dem Gericht formulierte Vorlageverfahren vorzuschlagen. Die Gerichte haben im Regelfall mit Europarecht und dem EuGH wenig zu tun, müssten sich also selbst relativ eingehend mit der Problematik des EuGH-Verfahrens beschäftigen, wenn nur generell die Vorlage beim EuGH angeregt wird. Gerichte sind aus nahe liegenden Gründen viel eher bereit, Vorlageverfahren dem EuGH vorzulegen, wenn ihnen mundgerecht entsprechende Anregungen gegeben werden. Der Verfasser hat in sämtlichen der von ihm vertretenen 15 Verfahren die Vorlageverfahren formuliert, in allen Fällen ist eine Vorlage unproblematisch mit dem entsprechenden Text der Fragen oder in leicht abgewandelter Fragestellung erfolgt. Zu konstatieren ist, dass Gerichte bei eigener Formulierung der Fragen dazu tendieren, in ihren Fragen schon eine sehr deutliche Richtung vorzugeben 45 - dies zulässig, wohl auch wünschenswert. Noch anzumerken: es ist sogar möglich, nach einem Vorlagebeschluss weitere präzisierende oder aber neue Fragen im laufenden Vorlageverfahren beim EuGH durch das vorlegende Gericht nachzuschieben - in der Praxis allerdings höchst selten Vorlagerecht und Vorlagepflicht des Gerichts In Art. 267 AEUV ist normiert, dass jedes Gericht eines Mitgliedstaates Fragen zur Auslegung des EU-Rechts dem EuGH zur Entscheidung vorlegen kann. 43 EuGH v , Rs. C-283/81 (CILFIT), Slg (Rn. 13 f.) 44 EuGH v Rs. 6/64 (Costa), Slg. S Siehe z.b. die beiden inhaltlich entgegengesetzt tendierenden Vorlagen zweier Kammern des LAG Hamburg betr. betriebliche Altersversorgung für Teilzeitbeschäftigte: EuGH v Rs. C-50/96 (Schröder), Slg. I-743 und v Rs. 234/96 und 325/96 (Vick und Conze), Slg.I Eines der wenigen Beispiele: ArbG Hamburg v und v Ca 209/07 = EuGH Rs. C-147/08 (Römer).14 14 Jedes Gericht kann, manche Gerichte jedoch müssen. 47 Auch dies regelt Art. 267 AEUV: Wenn sich einem letztinstanzlichen Gericht Auslegungsfragen des EU-Rechts stellen, muss dieses den EuGH anrufen. Bei einer Verletzung der Vorlagepflicht ist in Deutschland eine Verfassungsbeschwerde möglich. Eine Vorlage kann unterbleiben, wenn durch das EU- Recht selbst oder dessen bisherige Auslegung durch den EuGH für einen vernünftigen Zweifel keinerlei Raum bleibt. Davon darf das Gericht aber nur dann ausgehen, wenn es überzeugt ist, dass auch für die Gerichte der übrigen Mitgliedstaaten und für den Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften selbst die gleiche Gewissheit bestünde. Nur dann darf das Gericht von einer Vorlage absehen und die Frage in eigener Verantwortung lösen 48. Die Schwelle zu einer erfolgreichen Verfassungsbeschwerde ist durch diese Rechtsprechung des BVerfG deutlich gesenkt, also verbessert worden - dies wird vermutlich zu einer genaueren Beachtung der Vorlagepflicht führen. Eine Verletzung der Vorlagepflicht und eine dadurch entstandene unrichtige Sachentscheidung mit qualifizierter Verletzung des Gemeinschaftsrechts können zudem zu einem gemeinschaftsrechtlichen Staatshaftungsanspruch führen Beschluss des Gerichts zur Vorlage 50 In Deutschland verläuft das Vorlageverfahren vor dem innerstaatlichen Gericht im Regelfall so, dass das Verfahren durch Beschluss nach 148 ZPO ausgesetzt wird und dem EuGH Vorlageverfahren gestellt werden. 51 Nur bei entsprechender Vorlage durch das innerstaatliche Gericht kann also der EuGH mit der Rechtssache befasst werden. Nach Inkrafttreten der neuen Verfahrensordnung sind ab bestimmte Anforderungen durch das vorlegende Gericht zu beachten. Durch Art. 94 VfO sind für Vorabentscheidungsersuchen bestimmte Mindestvorgaben gemacht: 47 Jedes Gericht nicht aber z.b. eine Schlichtungsstelle oder im Arbeitsrecht eine Einigungsstelle nach dem BetrVG. Unzulässig deshalb die Vorlage in dem rumänischen Fall Belov (EuGH v Rs. C-394/ Z.B. BVerfG v BvR 230/09 in Bezug auf eine Entscheidung des BAG zum Betriebsübergang, Zitat Rn Näher s. Kokott/Henze/Sobotta, JZ 2006, Dringend zu beachten und gut zu nutzen für ein vorlagewilliges Gericht sind die vom EuGH herausgegebenen: Empfehlungen an die nationalen Gerichte bezüglich der Vorlage von Vorabentscheidungsverfahren von 2012, ABl. C 338 v ; auch Verfahren. 51 S. z.b. Zöller, ZPO, 28. Aufl. 2013, 148 Rn. 3b.15 15 Mindestinhalte eines Vorabentscheidungsersuchen eines Gerichts - Die gestellten Vorlagefragen - kurze Darstellung des Sachverhalts und des Streitgegenstands, - Wortlaut der ggf. anwendbaren innerstaatlichen Vorschriften und ggf. Darstellung der anzuwendenden Rechtsprechung und - Darstellung der Gründe, weshalb Zweifel an der Auslegung/ Gültigkeit bestimmter Vorschriften des nationalen mit dem EU-Recht bestehen. Auch vor der neuen VfO war eine solche Darstellung üblich, da entsprechende Ausführungen zum einen durch das richterliche Selbstverständnis des vorlegenden Gerichts und zum anderen auch dem Respekt vor dem EuGH geboten waren. In Deutschland ist der Vorlagebeschluss eines Gerichts nach der wohl überwiegenden Meinung nicht anfechtbar 52 Art. 267 AEUV spricht ja gerade davon, dass jedes Gericht vorlegen kann. Das weitere Verfahren ist schlicht: Der Beschluss nebst Begründung geht durch das vorlegende Gericht zur Post, die korrekte Adressierung: Gerichtshof der Europäischen Union - Kanzlei - L-2925 Luxemburg." Also: kein Dienstweg, keine Einschaltung des Außenministeriums usw. Die Vorlagefragen können einfach losgeschickt werden. Nicht zwingend notwendig, aber dringend empfehlenswert ist die Beifügung einer Kopie der Prozessakten des vorlegenden Gerichts. 2.8 Die Praxis der Vorlageverfahren im Arbeitsrecht Im Bereich der Sozialpolitik (besonders Arbeitsrecht, Sozialrecht, Freizügigkeit) ist für Deutschland zu konstatieren, dass die meisten Vorlagen von unteren Instanzen kommen. Diese betreffen insbesondere die Themenkomplexe, in denen Richtlinien bestehen, wie z.b. Betriebsübergang, Massenentlassungen, Arbeitsschutz, Arbeitszeitfragen, Urlaubsrecht, Diskriminierung Frauen/Männer im Erwerbsleben generell, Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten als mittelbare Diskriminierung von Frauen, Probleme der Altersversorgung im Vergleich Frauen/Männer, Sanktionen bei Diskriminierungen Männer/Frauen, nunmehr seit 2006 der Schwerpunkt Diskriminierung und AGG. Das BAG ist bei Vorlagen zum EuGH früher recht unwillig gewesen, nur der Bilka-Fall 1984 zur mittelbaren Diskriminierung (Teilzeit) war eine Ausnahme. 52 Siehe z.b. LAG Hamburg v Ta 34/82, BB 1983, 1859; Germelmann u.a./prütting, ArbGG, 8. Aufl. 2013, 45 Rn.63; Zöller, ZPO, 28. Aufl 2013, 252 Rn. 1b.16 16 53 Dies hat sich nach und nach verbessert, allerdings sehr langsam. 54 Ob zurzeit dies anhält, ist nicht eindeutig zu kritisieren ist die Unterlassung von Vorlagen des BAG gerade im Bereich der Altersdiskriminierung 55. Nach der erwähnten jüngst erfolgten und das BAG rügenden Entscheidung des BVerfG ist auf mehr Bereitschaft zu Vorlagen zu hoffen - die unteren Instanzen haben vorgemacht, wie notwendig die Inanspruchnahme des EuGH ist. 3. STRUKTUR UND AUFBAU DES EUGH 3.1 Rechtsgrundlagen der Gerichtsbarkeit der EU Die Gerichtsbarkeit der EU besteht mittlerweile aus drei Gerichten, dem Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH), dem Gericht erster Instanz (EuG) und dem Gericht für den öffentlichen Dienst (EuGöD). Der EuG (Art AEUV) hat spezielle Zuständigkeiten, ebenso wie der EuGöD (über Art. 257 AEUV). Die in diesem Aufsatz behandelten Vorabenscheidungsverfahren fallen bisher nicht in deren Zuständigkeit, auf diese Gerichte wird deshalb hier nicht weiter eingegangen. Die Struktur des Gerichtshofes der EU, also des EuGH, wird seit dem durch eine neue stark veränderte Verfahrensordnung geprägt 56 - Ziel dafür war insbesondere, eine Erledigung der Rechtssachen trotz ansteigender Zahlen der Neueingänge in angemessener Frist zu fördern BAG v AZR 66/83, NZA 1984, 84 ff. 54 Etwas milder Wißmann, AuR 2001, 372. Beispiele: Man denke nur an die Nichtvorlage des Verfahrens um die Arbeitszeit für Ärzte (Bereitschaftsdienst) durch das BAG (BAG v ABR 2/02) und die Nichtvorlage der Problematik Altersgrenze 65 (BAG v AZR 116/07). 55 Neuerdings die unterlassenen Vorlagen in den Entscheidungen des BAG v ABR 813/11 (Reduzierung Sozialplan für rentennahe Jahrgänge) und BAG v AZR 701/07 (Kündigung und Altersgruppenbildung). 56 Dazu s. z.b. Dittert, EuZW 2013, 726 ff. 57 S. Pressemitteilung des EuGH Nr. 122/12 v17 17 Rechtsgrundlagen für das Tätigwerden des EuGH - Art. 251 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) i.d.f. des Vertrages von Lissabon Protokoll (Nr. 3) über die Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union (Satzung) vom in der Konsolidierten Fassung v Verfahrensordnung (im Folgenden: VfO) des Gerichtshofs v Die Richter und die Kammern Die Gerichtsbarkeit der Europäischen Union stellt inzwischen eine Großfirma dar: Waren es am Anfang (im Jahr 1958) noch 7 Richter, 2 Generalanwälte und 73 andere Beschäftigte, arbeiten dort heute mehr als Beschäftigte. Die größte Abteilung ist der Sprachendienst mit ca Beschäftigten, zudem verfügt die Gerichtshof über eine umfangreiche Bibliothek und eine Forschungsabteilung. Etwa ein Viertel der Beschäftigten arbeitet in den Kabinetten der Mitglieder der Gerichte (Richter und Generalanwälte). 62 Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) besteht nach der Erweiterung der EU auf 28 Staaten nunmehr aus 28 Richterinnen und Richtern, jeweils einer Person pro Mitgliedstaat (Art. 19 EUV), zudem aus mindestens 8 Generalanwältinnen bzw. Generalanwälten (Art. 252 AEUV). Richterinnen und Richter werden von den Regierungen der Mitgliedstaaten im gegenseitigen Einvernehmen nach Stellungnahme des Ausschusses nach Art. 255 AEUV auf 6 Jahre ernannt (Art. 253 AEUV, alle 3 Jahre erfolgt eine Neubesetzung von 14 bzw. 13 Richtern Art. 9 Satzung). Eine Wiederernennung ausscheidender Richter ist zulässig (Art. 253 AEUV). Hübsch basisdemokratisch werden Präsident und Vizepräsident aus der Mitte der Richter von ihnen jeweils für die Dauer von drei Jahren gewählt, Wiederwahl ist zulässig (Art. 9a Satzung und Art. 8 VfO). Der EuGH entscheidet in Kammern (Art. 16 Satzung), deren Besetzung aus 3 oder 5 Richtern besteht - von Kammern dieser Größen werden die allermeisten Vorabentscheidungsverfahren behandelt. 63 Die Präsidenten der Kammern werden von den Richtern der jeweiligen Kammern aus ihrer Mitte 58 ABl C 115 v ABl C 83/210 v i.d.f. der Verordnung (EU, Euratom) Nr. 74/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom ABl. L 228 v ABl. L 265 v i.d.f. v Mitteilung der Pressestelle des EuGH v an den Verfasser. 63 Im Jahr 2012 wurden von den durch Beschluss oder Urteil beendeten Verfahren 34% durch die 3er-Kammer, 54% durch die 5er-Kammer und 9% durch die Große Kammer erledigt (EuGH, Jahresbericht 2012, S. 11).18 18 heraus gewählt. Wiederwahl ist zulässig, für die Kammern mit fünf Richtern jedoch nur einmalig. Die Große Kammer entscheidet mit 15 Richtern unter Vorsitz des Präsidenten des EuGH (u.a. bei Beantragung durch Mitgliedstaat oder EU-Organ), das Plenum mit allen 28 Richtern entscheidet bei außergewöhnlicher Bedeutung der Rechtssache, wenn dies der Gerichtshof nach Anhörung des Generalanwalts so entscheidet (Art. 16 Satzung). Ein Urteil kann nur in der Besetzung mit einer ungeraden Zahl von Mitgliedern und der Mindestanwesenheit von 3 Richtern (bei 3er und 5er-Kammern) bzw. 11 Richtern (bei der Großen Kammer) erfolgen (Art. 17 Satzung). Der EuGH hat keine Spezialisierung der Spruchkörper nach bestimmten Sachgebieten. Die 5er-Kammern entschieden bezogen auf das Jahr mit 54% die meisten Verfahren, die 3er-Kammern 34%, durch die Große Kammer werden 9% der Entscheidungen (Beschlüsse oder Urteile) erlassen DAS VERFAHREN BEIM EUGH 65 Mit Eingang des Vorlagebeschlusses und seiner Begründung beim EuGH ist das Verfahren beim EuGH eröffnet. Es beginnt das, was in einem Aufsatztitel im Vergleich des EuGH mit dem BVerfG bezeichnet wurde als Europäische Transparenz contra deutsche Geheimniskrämerei 66. Denn festzustellen ist: nicht nur die Verfahrensordnung, sondern die tatsächliche Praxis des EuGH ist transparent, während man bei Verfassungsbeschwerden z.b. als Rechtsanwalt oft in undurchschaubarem Dunkel gelassen wird. Im Verfahren des EuGH dagegen werden sowohl das vorlegende Gericht als auch die Beteiligten stets auf dem laufenden Stand gehalten und sinnvoll u.a. durch Zusendung der Schriftsätze und der Terminierungen informiert. 4.1 Beginn des Verfahrens und dessen Beteiligte Beim EuGH erfolgt nach Eingang der Vorlagefragen und der Begründung des innerstaatlichen Gerichts die Vergabe des Aktenzeichens (in Vorlageverfahren für den EuGH z.b. Rs. C-.../11) 67. Im Amtsblatt der EU wird die Einleitung des 64 EuGH, Jahresbericht 2012, S Im Einzelnen s. die später angeführten Hinweise auf Literatur, zudem die beim EuGH und über zu erhaltenden Hinweise für die Prozessvertreter, zurzeit Stand Februar 2009 also veraltet, da die neue Verfahrensordnung (ab ) dort nicht verarbeitet ist. Weiterhin Praktische Anweisungen für Klagen und Rechtsmittel Verfahren (auch ABl. L 68/23 v ; sehr nützlich die Praktischen Hinweise des CCBE für Rechtsanwälte vor dem EuGH in Vorabentscheidungsverfahren (2012), 66 Kraushaar, AuR 1994, C für Court (für den Gerichtshof). Das Gericht erster Instanz vergibt die Aktenzeichen T für Tribu-19 19 Verfahrens nebst Abdruck der Vorlagefragen mitgeteilt. Das Vorabentscheidungsverfahren regelt sich nach den in Art. 267 AEUV, Art. 23 Satzung und den in der Verfahrensordnung von 2012 allgemein festgesetzten Grundlagen, ergänzt um die für das Vorlageverfahren speziellen Regelungen der Art. 93 bis 106 VfO. Normalerweise wird das Verfahren im schriftlichen Verfahren begonnen und mit der mündlichen Verhandlung fortgeführt. Seit dem Jahr 2000 besteht jedoch auch die Möglichkeit für eine Art Schnell- Vorabentscheidungsverfahren. Sofern das nationale Gericht es beantragt hat, kann der Präsident des EuGH das vorgelegte Vorabentscheidungsverfahren einem beschleunigten Verfahren zuführen (Art. 23a Satzung und Art. 105 und 106 VfO). 68 Zu diesem noch recht neuen beschleunigten Verfahrens bestehen im Bereich Diskriminierung noch keine Erfahrungen. Das beschleunigte Verfahren wird aber nur in seltenen zeitlich besonders drängenden Extremfällen in Betracht kommen können. 69 Ist die Vergabe des Aktenzeichens erfolgt, so folgt (nach vorhergehender Übersetzung) eine Zustellung an die Beteiligten (Art. 98 VfO). Bei sehr langem Texten des Vorabentscheidungsersuchen kann sich der EuGH auf eine Übersetzung einer Zusammenfassung der Vorlage beschränken (Art. 98 VfO). Die Beteiligten bei Vorabentscheidungsverfahren nach Art. 267 AEUV bzw. Art. 23 Satzung sind zum einen die Parteien des Ausgangsrechtsstreites, also des innerstaatlichen Verfahrens. Zum anderen können sich die EU- Kommission und sämtliche EU-Mitgliedstaaten in dem Verfahren äußern, zudem der Rat und ggf. noch weitere Institutionen (Art. 23 Satzung). Mit der Zustellung wird den Beteiligten eine Frist von zwei Monaten (zuzüglich Postlaufzeit von 10 Tagen) für die ihnen mögliche schriftliche Stellungnahme gesetzt (Art. 23 Satzung). Die Nichteinhaltung dieser Frist führt dazu, dass Stellungnahmen nach diesem Zeitpunkt vom EuGH nicht zur Kenntnis genommen werden. Die Frist kann nicht verlängert werden (Art. 23 Satzung). nal (z.b. Rs. T../12). 68 Dazu s. Kokott/Dervisopoulos/Henze, EuGRZ 2008, Vorsicht vor Verwechselungen: Für spezielle Gebiete aus Titel V des Dritten Teils des AEUV (insbesondere Sicherheit, Asyl, Polizei) besteht das Eilvorabentscheidungsverfahren nach Art. 107 bis 114 VfO. Dazu s. Dörr, EuGRZ 2008, 349 ff.; Lumma, EuGRZ 2008, 383 ff.20 Die schriftliche Stellungnahme Alle Beteiligten sind berechtigt, schriftliche Stellungnahmen abzugeben. Die Regierung des Gerichts, aus dem die Vorlage kommt, nimmt im Regelfall schriftlich Stellung, die anderen Mitgliedstaaten normalerweise nur dann, wenn sie eigene Interessen (parallele Rechtslage im eigenen Staat) oder generell auch für sie wesentliche Probleme berührt sehen. Wichtig, weil oft übersehen: Schriftsätze müssen von den befugten Beteiligten handschriftlich unterzeichnet sein, sie können zwar per Telefax eingelegt werden, müssen aber spätestens 10 Tage danach im Original beim EuGH eingegangen sein, ansonsten gelten sie als nicht eingegangen (Art. 57 VII VfO). Das gilt sogar für rein formelle Anträge wie den auf mündliche Verhandlung (Art. 76 VfO). 70 Die Schriftsätze sind in Vorabentscheidungsverfahren mit fünf von der Partei beglaubigten Kopien einzureichen (Art. 57 II VfO). Wichtig für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte: Theoretisch sollen die Schriftsätze keine Plädoyers sein, sondern dem Gerichtshof bei der Beurteilung des fraglichen Gemeinschaftsrechts Hilfe leisten. In der Praxis ist dies allerdings anders. Jedenfalls die anwaltlichen Schriftsätze sind zumeist ebenso seitenreich wie tendenziös (anders dagegen im Regelfall die Schriftsätze des Juristischen Dienstes der EU-Kommission). Inhalt der Schriftsätze der Beteiligten - Darstellung des nach Auffassung des Beteiligten relevanten Sachverhaltes, - Darstellung nationalen Rechtsnormen und ggf. der einschlägigen nationale Rechtsprechung, - Rechtsausführungen, ggf. unter Bezugnahme auf vorhandene Rechtsprechung des EuGH, - der Vorschlag für die Antworten, die nach Auffassung des Beteiligten vom EuGH gegeben werden sollten. - Eine Übersicht über ggf. beigefügte Anlagen. Die Ausführungen sollten selbstverständlich sehr gründlich erfolgen, ggf. sollten auch die entsprechenden Materialien beigefügt werden. Besonders betont werden soll hier, dass im Normalfall nur die Schriftsätze selbst, nicht aber die beigefügten Anlagen übersetzt werden - sie werden nur auf Verlangen eines der Mitglieder des Gerichtshofes übersetzt. D.h. dass darauf geachtet werden sollte, dass alle wirklich wesentlichen Texte der Anlagen und Materialien in den eigentlichen Schriftsatz eingearbeitet werden müssen. 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 Art. 267
 Art. 23
 Art. 93
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 Art. 105
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 Art. 23
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 Art. 107
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 Art. 41
 Art. 6
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 Art. 18
 Art. 45
 Art. 9
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