Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=20.12.2011&Aktenzeichen=VI%20ZR%20309/10
Timestamp: 2020-08-13 02:58:22+00:00

Document:
BGH, 20.12.2011 - VI ZR 309/10 - dejure.org
https://dejure.org/2011,216
BGH, 20.12.2011 - VI ZR 309/10 (https://dejure.org/2011,216)
BGH, Entscheidung vom 20.12.2011 - VI ZR 309/10 (https://dejure.org/2011,216)
BGH, Entscheidung vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10 (https://dejure.org/2011,216)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2011,216) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§§ 826, 823 BGB
Zur Abgrenzung bedingten Vorsatzes von Fahrlässigkeit
§ 823 Abs 2 BGB, § 826 BGB, § 264a StGB
Haftung aus Schutzgesetzverletzung durch Kapitalanlagebetrug bzw. sittenwidriger Schädigung wegen unrichtiger Prospektangaben zu einer Kapitalanlegerbeteiligung an einem Filmfonds: Abgrenzung zwischen bedingtem Vorsatz und Fahrlässigkeit
Bei bloßer Erkennbarkeit der Tatumstände ist regelmäßig nur Fahrlässigkeit gegeben (hier: sittenwidrige Schädigung wegen unrichtiger Prospektangaben bzw. Kapitalanlagebetrug)
Abgrenzung des bedingten Vorsatzes von Fahrlässigkeit i.R.e. Schadensersatzanspruchs im Zusammenhang mit einer Beteiligung an dem Filmfonds Vif Babelsberger Filmproduktion
Prospekthaftung; Filmfondsbeteiligung; Kapitalanlagebetrug; Sittenwidrigkeit; bedingter Vorsatz; Fahrlässigkeit
Zur Abgrenzung bedingten Vorsatzes von Fahrlässigkeit (Filmfondsbeteiligung)
BGB § 823 Abs. 2; BGB § 826; StGB § 264a
Strafrecht - Abgrenzung bedingten Vorsatzes von Fahrlässigkeit
§ 823 Abs 2
BGB §§ 826, 823 Abs. 2; StGB § 264a
Zur Abgrenzung von bedingtem Vorsatz und Fahrlässigkeit
LG München I, 04.07.2005 - 32 O 4783/05
NJW-RR 2012, 404
VersR 2012, 454
WM 2012, 260
DB 2012, 573
ZUM 2012, 324
Es genügt nicht, wenn die relevanten Tatumstände lediglich objektiv erkennbar waren und der Handelnde sie hätte kennen können oder kennen müssen oder sie sich ihm sogar hätten aufdrängen müssen; in einer solchen Situation ist lediglich Fahrlässigkeit gegeben (…Senatsurteile vom 28. Juni 2016 - VI ZR 536/15, WM 2016, 1975 Rn. 25 mwN; vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, WM 2012, 260 Rn. 10 mwN).
Stets ist aber eine umfassende Würdigung sämtlicher Umstände erforderlich (BGH…, Urteil vom 20.11.2012 - VI ZR 268/11, juris Rn. 33; Urteil vom 20.12.2011 - VI ZR 309/10, juris Rn. 11).
Dass die relevanten Umstände erkennbar waren und die Beklagten sie (als Makler, Bauherrn und Bewohner des Hauses) hätten kennen können oder kennen müssen, reicht für die Feststellung des Vorsatzes nicht aus, sondern rechtfertigt nur den Vorwurf der Fahrlässigkeit (vgl. BGH, Urteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, NJW-RR 2012, 404 Rn. 10).
Dabei braucht der Täter nicht im Einzelnen zu wissen, welche oder wie viele Personen durch sein Verhalten geschädigt werden; vielmehr reicht aus, dass er die Richtung, in der sich sein Verhalten zum Schaden irgendwelcher anderer auswirken könnte, und die Art des möglicherweise eintretenden Schadens vorausgesehen und mindestens billigend in Kauf genommen hat (vgl. nur BGH, Urteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10 -, juris Rn. 10 mwN;… Urteil vom 20. November 2012 - VI ZR 268/11 -, juris Rn. 32;… Urteil vom 19. Juli 2004 - II ZR 402/02 -, juris Rn. 47 mwN; BGH…, Urteil vom 28. Juni 2016 - VI ZR 536/15 -, juris Rn. 25).
Dies kann insbesondere dann naheliegen, wenn der Schädiger sein Vorhaben trotz starker Gefährdung des Rechtsguts durchgeführt hat und es dem Zufall überlässt, ob sich die erkannte Gefahr verwirklicht (vgl. BGH, Urteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10 -, juris Rn. 11 mwN).
Für die Feststellung eines vorsätzlichen Handelns i.R.d. § 826 BGB kann sich aus der Art und Weise des sittenwidrigen Handelns die Schlussfolgerung ergeben, dass mit Schädigungsvorsatz gehandelt wurde (BGH, NJW-RR 2012, 404, 404 f. Tz 11 m.w.N.).
Im Rahmen des § 826 BGB ist somit Voraussetzung, dass ein solcher Vertreter den objektiven und subjektiven Tatbestand dieser Anspruchsgrundlage verwirklicht hat (vgl. Senatsurteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, NJW-RR 2012, 404 Rn. 8).
Es genügt nicht, wenn die relevanten Tatumstände lediglich objektiv erkennbar waren und der Handelnde sie hätte kennen können oder kennen müssen oder sie sich ihm sogar hätten aufdrängen müssen; in einer solchen Situation ist lediglich ein Fahrlässigkeitsvorwurf gerechtfertigt (…Senatsurteile vom 15. Oktober 2013 - VI ZR 124/12, aaO Rn. 12;… vom 4. Juni 2013 - VI ZR 288/12, aaO Rn. 22; vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, NJW-RR 2012, 404 Rn. 10).
Insbesondere kommt es darauf an, was er zum maßgeblichen Zeitpunkt der Prospektherausgabe gewusst und gewollt hat (…vgl. Senatsurteile vom 4. Juni 2013 - VI ZR 288/12, aaO Rn. 23; vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, aaO Rn. 8).
Voraussetzung wäre, dass ein verfassungsmäßig berufener Vertreter im Sinne des § 31 BGB den objektiven und subjektiven Tatbestand des § 264a StGB verwirklicht hat (vgl. Senatsurteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, aaO Rn. 8; BGH…, Urteil vom 25. Juni 2009 - III ZR 279/08, juris Rn. 4).
Danach muss der verfassungsmäßige Vertreter (selbst) die Verwirklichung des objektiven Tatbestandes gekannt bzw. vorausgesehen und in seinen Willen aufgenommen haben (Senatsurteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, aaO Rn. 10).
Nach der Würdigung des Berufungsgerichts hat der Beklagte zu 3 bedingt vorsätzlich gehandelt, weil er es zumindest für möglich hielt und billigend in Kauf genommen hat, dass Pferdeboxen auf dem Grundstück nicht errichtet werden dürfen und dass eine Genehmigung tatsächlich nicht erteilt war (zum bedingten Vorsatz vgl. BGH, Urteil vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, NJW-RR 2012, 404 Rn. 10;… Urteil vom 14. Mai 2013 - VI ZR 255/11, BGHZ 197, 225 Rn. 17;… Urteil vom 15. Oktober 2013 - VI ZR 124/12, NJW 2014, 1380 Rn. 12;… Urteil vom 19. Dezember 2017 - VI ZR 128/16, NJW 2018, 1751 Rn. 13).
Revisionsrechtlich ist lediglich zu überprüfen, ob sich der Tatrichter mit dem Prozessstoff und den Beweisergebnissen umfassend und widerspruchsfrei auseinandergesetzt hat, die Würdigung also vollständig und rechtlich möglich ist und nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze verstößt (vgl. Senatsurteile vom 20. Dezember 2011 - VI ZR 309/10, VersR 2012, 454 Rn. 13;… vom 10. Juli 2012 - VI ZR 341/10, BGHZ 194, 26 Rn. 28;… vom 11. Dezember 2012 - VI ZR 314/10, VersR 2013, 321 Rn. 16;… vom 20. Mai 2014 - VI ZR 187/13, VersR 2014, 1130 Rn. 28 …und vom 30. September 2014 - VI ZR 443/13, VersR 2015, 196 Rn. 11).
OLG Brandenburg, 20.04.2020 - 1 U 103/19
LAG Rheinland-Pfalz, 10.11.2016 - 6 Sa 247/16
Haftungsausschluss des Arbeitgebers - Arbeitsunfall - Personenschaden - …
OLG Frankfurt, 03.06.2020 - 17 U 583/19
Erwerb eines vom "Dieselskandal" betroffenem Fahrzeugs nach Aufspielen des …
LG Bonn, 22.08.2012 - 5 S 82/12
Bezahlung eines Eintrags in einem im Internet betriebenen Ärzteverzeichnis

References: § 823
 § 826
 § 264
 § 823
 § 826
 § 264

§ 823
 § 264
 § 826
 § 826
 § 31
 § 264