Source: https://www.auschwitz-prozess.de/zeugenaussagen/Caesar-Joachim/
Timestamp: 2020-08-13 03:12:51+00:00

Document:
Zeuge Joachim Caesar
23. Verhandlungstag 05.03.1964
Ja. Standortbefehl 37/43[1]. Dann, Herr Doktor Caesar, eine andere Frage: Können Sie sich noch an Namen von SS-Führern oder Unterführern, die Ihnen damals unterstanden, erinnern?
Das ist falsch, das ist einfach falsch. Sie gehörten alle zum Amt W V.[2]
Der Zeuge Hess - ich weiß nicht, ob das da gerade drinsteht, Seite 12.361[3] - berichtet über die Verhältnisse in Auschwitz.
Ich möchte Ihnen in diesem Zusammenhang den Standortbefehl 14 aus dem Jahre 1944 vom 8.5.44 vorhalten. Das ist Anlageband 2c der Gerichtsakten, da heißt es: »Ich bin mit sofortiger Wirkung als Kommandant des Konzentrationslagers Lublin mit den Arbeitslagern Warschau, Radom, Budzyn und Blizyn versetzt. Die Geschäfte des SS-Standortältesten hat bis auf weiteres SS-Obersturmbannführer Höß, Chef des Amtes D I, übernommen.« [4]
Ja. Höß war also jedenfalls, wie sich aus dem Anlageband 2c ergibt, bis 29.7.44 Standortältester. Und erst am 29.7.44 ist Baer, der ursprünglich Kommandant von Auschwitz I war, dann Standortältester geworden.[5]
Meine Herren, es liegt mir hier vor ein Antrag des Herrn Oberstaatsanwalts vom 17. Februar. Wir hatten schon einmal darüber gesprochen. In diesem Antrag geht es um folgendes: Zunächst wird beantragt, »die Erklärungen der Angeklagten Kaduk und Stark, die in richterlichen Protokollen enthalten sind, gemäß § 254 Absatz 1 der Strafprozeßordnung zum Zwecke der Beweisaufnahme über ein Geständnis zu verlesen. Und zwar die Vernehmung des Angeklagten Kaduk durch den Untersuchungsrichter IV beim Landgericht in Frankfurt am Main vom 1.4. und 5.9.1961, Blatt 9.860 bis 9.885 der Akten. Zweitens die Vernehmung des Angeklagten Hans Stark durch das Amtsgericht in Köln vom 28.4.1959, Blatt 968 bis 971 der Akten. Es werden dann noch folgende Verlesungen gewünscht, und zwar nach § 249 der Strafprozeßordnung. Brief des Angeklagten Boger an die Zentralstelle der Landesjustizverwaltung in Ludwigsburg vom 12.4.1959, Blatt 809 und 810 der Akten. Urteil des Militärgerichts der sowjetischen Militärverwaltung des Landes Sachsen, in der Stadt Bautzen, gegen den Angeklagten Oswald Kaduk vom 25.8.1947 und Protokoll über die Hauptverhandlung vom 25.8.47 vor diesem Gericht, Blatt 13.829 folgende der Akten. Drittens: Bericht des Angeklagten Pery Broad, den dieser verfaßte, als er nach dem Krieg für die 43. Intelligence Section in Munsterlager tätig war. Dieser Bericht, aus dem der Herr Staatsanwalt dem Angeklagten Broad während seiner Vernehmung zur Sache bereits Vorhalt gemacht hat, soll eine zusammenhängende Schilderung über die Vorgänge im Bereich des Konzentrationslagers Auschwitz, insbesondere auch über die Selektionen, Vergasungen, Bunkerentleerungen und Erschießungen, enthalten. Wegen der Verlesbarkeit des Berichtes bezieht sich der Herr Oberstaatsanwalt auf den Kommentar von Schwarz zu § 249, Anmerkung 6 am Ende, auf die Entscheidung des Reichsgerichts in Strafsachen im 65. Band, 295, Urteil des BGH vom 20.5.63 in der Strafsache 4 Ks 1/62 der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen Hunsche und Seite 13 der Urteilsbegründung. Vorsorglich beantragt der Herr Oberstaatsanwalt für den Fall, daß Bedenken bestehen sollten, daß der Bericht des Angeklagten Broad verlesen werden sollte, die Vernehmung des Zeugen Rothmann in England. Rothmann war zeitweise der Leiter der 43. Intelligence Section und hat das anliegende Exemplar des Broadschen Berichts zur Verfügung gestellt. Er kann auch nähere Angaben über die Entstehung des Berichts machen.« [6]
Wir haben dann außerdem hier noch liegen das Urteil gegen den Angeklagten Mulka.[7] Das ist inzwischen abgeschrieben und beglaubigt worden. Die Akten liegen hier auch vor, so daß sich gegen die Verlesung des Urteils Mulka wohl im Augenblick nichts ergeben kann oder kein Widerspruch erhoben wird.
Es wird folgender Beschluß verkündet. »I: Auf den Antrag der Staatsanwaltschaft wird die Verlesung folgender Schriftstücke angeordnet: 1. Gemäß § 254 Absatz 1, Strafprozeßordnung, das richterliche Protokoll über die Vernehmung des Angeklagten Oswald Kaduk vom 1.4. und 5.9.1961. 2. Gemäß § 249 StPO der Brief des Angeklagten Boger vom 12.4.1959, Blatt 809/810 der Akten. 3. Gemäß § 249 StPO das Urteil des Landgerichts in Hamburg vom 20.4.1920, Aktenzeichen H IV 1146/19-35 gegen den Angeklagten Mulka. II: Über die Verlesung des Berichts des Angeklagten Broad soll entschieden werden nach der Vernehmung des Zeugen Rothmann, dessen Vernehmung hierdurch angeordnet wird. III: Die Entscheidung über die Verlesung des richterlichen Protokolls über die Vernehmung des Angeklagten Stark und des Urteils des sowjetischen Militärgerichtes gegen den Angeklagten Kaduk wird zurückgestellt.« [8]
Vgl. Standort- und Kommandanturbefehle, S. 334-336.
Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, Amt W V: Land-, Forst-. Fischwirtschaft.
Vgl. richterliche Vernehmung vom 15.05.1962 in Kehl am Rhein, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 66, Bl. 12.361-12.367.
Vgl. Standort- und Kommandanturbefehle, S. 445.
Vgl. Standortbefehl Nr. 20/44, in: Standort- und Kommandanturbefehle, S. 475.
Vgl. Anlage 3 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 17.02.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 96.
Vgl. Anlage 5 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 05.03.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 96.
Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 05.03.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 96, Bl. 184.
Zeuge: Caesar, Joachim

References: § 254
 § 249
 § 249
 BGH 
 § 254
 § 249
 § 249