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Timestamp: 2019-11-20 07:48:44+00:00

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Die Integrative Berufsausbildung als Chance zur Teilhabe am Arbeitsmarkt
Sehen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre integrative Ausbildung ebenfalls als Chance?
AutorIn: Sophia Witonsky
Schlagwörter: Jugendliche, Berufsausbildung, Lehre, Erwerbstätigkeit, Berufsschule, Teilhabe
Releaseinfo: Bachelorarbeit im Rahmen der Lehrveranstaltung 645.908 „Begleitlehrveranstaltung zur Bachelorarbeit“ im Sommersemester 2015 an der Universität Salzburg; Fachbereich Erziehungswissenschaft, Studienfach Pädagogik, Betreuer: Dr. Gottfried Wetzel; 2015
Copyright: © Witonsky 2015
2.1. Lernschwäche
2.3. UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 27
2.5. Inklusion
2.6. Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) und Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG)
2.7. Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF)
2.8. Integrative Berufsausbildung (IBA)
3. Formulierung von Forschungsfragen und Hypothesen
4. Erhebungsteilnehmer und -teilnehmerinnen
4.1. Zielgruppe der Erhebung
4.2. Beschreibung der teilnehmenden Personen P1 – P5
5.1. Erhebungsmethoden
6.1. Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
7.1. Auswertung und Darstellung der Kurzfragebögen
7.2. Auswertung der problemzentrierten Interviews
7.3. Auswertung in Bezug zu den Hypothesen
8. Interpretation der gewonnenen Ergebnisse
9. Reflexion des eigenen Vorgehens und Schlussworte
9.1. Erfahrungen mit der Erhebung
9.2. Schlussworte
Meine Arbeit als Trainerin für Soziale Kompetenzen im Ausbildungsmarkt der Caritas für Menschen mit Behinderungen in Alberndorf und das Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Salzburg lassen mich die Thematik der Integrativen Berufsausbildung von beiden Seiten betrachten. Zum einen wurde ein Einblick in sämtliche Evaluierungen und Statistiken gewonnen, welche den Erfolg und den Bedarf an Integrativen Lehrstellen aufzeigen und zum anderen der Einblick in die Praxis und die Umsetzung. Dabei ist aufgefallen, dass es bisher wenig bis gar keine Erhebungen mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen gibt, in denen diese um ihre Meinung gefragt werden. Der Erfolg der Integrativen Berufsausbildung wird bisher nur an Zahlen und Fakten zu Dropout Zahlen und positiven Abschlüssen festgemacht.
Aus diesen Gründen wird sich vorliegende Bachelorarbeit dieser Frage widmen und ihr mittels dem problemzentrierten Interview nach Witzel nachgehen. Da ich eben in einem dieser zwei Ausbildungsmärkte der Caritas für Menschen mit Behinderungen tätig bin, werden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dort, welche in einem Alter von 15 bis 24 Jahren sind, befragt.
Bei diesen Ausbildungsmärkten handelt es sich speziell um den Bereich Einzelhandel, wobei bei der Erhebung der Schwerpunkt nicht auf dem Beruf des/der Einzelhandelskaufmannes/frau, den die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dort erlernen, liegt, sondern bei der Integrativen Berufsausbildung, der sie dort nachgehen.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden nicht immer beide Geschlechter erwähnt. Sämtliche Bezeichnungen von Personen gelten aber für beide Geschlechter, sowohl männlich als auch weiblich und sind daher als beider geschlechtlich zu verstehen.
Aus Gründen der Anonymität werden sämtliche Transkripte und Fragebögen nicht in dieser Arbeit abgedruckt. Sie wurden bei der Lehrveranstaltungsleitung Herrn Dr. Gottfried Wetzel hinterlegt.
Der Bedarf an Ausbildungsstätten, die eine Integrative Berufsausbildung anbieten, ist zunehmend steigend und daran wird sich voraussichtlich auch zukünftig nichts ändern. Der Anstieg des schulischen Unterstützungsbedarfs für Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren wird von der Statistik Austria mittels folgender Tabelle deutlich dargestellt:
Quelle: Statistik Austria, 2014
Diese Tabelle zeigt die Anzahl der Schüler und Schülerinnen mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf. Dabei wurden die Schuljahre 2000/01, 2010/11 und 2012/13 zum Vergleich herangezogen und es ist ersichtlich, dass die Anzahl an Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Volksschule so gut wie gleichbleibend ist, jedoch in der Hauptschule und der Polytechnischen Schule, sich die Zahlen deutlich verändert haben und über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren.
Mit der steigenden Anzahl an Schülern mit einem SPF steigt auch der Bedarf an Fördermaßnahmen. Um den Bedarf annähernd zu decken, müssen die Fördermaßnahmen an die Nachfrage angepasst werden und das verlangt nach Evaluierungen. Bei diesen Evaluierungen werden aber, wie bereits erwähnt, selten die eigentlich betroffenen, nämlich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, herangezogen. Aus diesem Grund wird hier eine bedeutende Relevanz für den Ausbau und die Verbesserung der Fördermaßnahmen gesehen.
Bevor auf die Thematik eingegangen wird, sollen zuvor einige Begriffe, die damit in Zusammenhang stehen, erläutert werden:
Der Literatur zufolge ist eine Lernschwäche nicht nur durch Schwierigkeiten in einem Themenfeld festzumachen, sondern meist in mehreren. Lauth et. al. (2014) schreiben in ihrem Buch zu „Interventionen bei Lernstörungen“, dass eine kombinierte Schulleistungsstörung „durch gravierende Schwierigkeiten sowohl beim Lesen bzw. der Rechtschreibung als auch beim Rechnen (Grundrechenarten)“ auftreten kann. „Die Leistungen liegen in beiden Lernbereichen eindeutig unter dem Niveau, das aufgrund von Alter, Intelligenz und Beschulung zu erwarten ist.“ Die Forschungskriterien der ICD-10 legen folgende Kriterien fest, um eine Lernstörung feststellen zu können:
Eine Verminderung der Intelligenz (dabei wird ein Intelligenzquotient von mindestens 70 angenommen)
Es muss die Schulausbildung und womöglich auch das Verhalten im Alltag durch die Störung beeinträchtigt sein
Ausgeschlossen werden müssen z.B. Beeinträchtigungen des Hör- oder Sehapparates
Bei einer derartigen Lernbeeinträchtigung kann man auch von einer Dauerhaftigkeit ausgehen, das bedeutet, dass sich der Zustand höchstwahrscheinlich nicht ersichtlich verändern wird. In der Praxis betrachtet, erscheinen Kinder bzw. Jugendliche im Unterricht dann abwesend und passiv, da sie mit den vorgetragenen Lerninhalten überfordert sind. Die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer Integrativen Berufsausbildung sind von dieser Art einer Lernbeeinträchtigung betroffen. Um den Besuch der Berufsschule zu erleichtern, können zum einen Änderungen im Lehrplan getroffen werden, zuvor und auch begleitend werden aber Fördermaßnahmen getroffen. Diese Fördermaßnahmen können unterschiedlich aussehen: Einerseits wird an der Konzentrationsfähigkeit gearbeitet, was eine Förderung des Aufmerksamkeitsverhaltens zufolge haben soll. Andererseits werden individuelle Lernstrategien vermittelt, bei denen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernen sollen, Lerninhalte Schritt für Schritt aufzuarbeiten, in dem sie diese zum Beispiel mehrmals wiederholen oder in dem Handlungspläne zur Lösung von Aufgaben eingesetzt werden. Diese Fördermaßnahmen werden meist durch Nachhilfelehrer angeboten.
Allgemeines Ziel soll sein, die Merkfähigkeit im Alltagsleben zu verbessern. Dazu reichen oftmals schon kleine Aufgaben, wie etwa zu versuchen sich fünf Gegenstände, die auf einem Einkaufszettel stehen, zu merken. (vgl. Lauth et. al., 2014) Wenn dies gelingt, kann die Schwierigkeit der Aufgabe in kleinen Schritten immer weiter gesteigert werden. Wichtig bei solchen Fördermaßnahmen ist, dass sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit verfolgt werden.
Der Begriff der Behinderung stand im Laufe der Geschichte oftmals im Wandel. Heute versteht man unter einer Behinderung eine dauerhafte Beeinträchtigung eines Menschen. Eine genaue, allgemeingültige Definition des Begriffs gibt es aber nicht. So geht zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation WHO von drei Begriffen aus. Sie unterscheidet dabei zwischen „handicap“, „impairment“ und „disability“. Dabei wird etwa mit „handicap“ eine „gesellschaftliche Benachteiligung durch Barrieren gemeint“ (Puschke, 2005). Mit „disability“ wurden die individuellen Auswirkungen der Schädigung bezeichnet und „impairment“ als eine körperliche Schädigung definiert. (vgl. Puschke, 2005)
Die UN-Behindertenrechtskonvention wiederum stellt ebenfalls fest, dass “das Verständnis von Behinderung sich ständig weiter entwickelt und dass Behinderung aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs– und umweltbedingten Barrieren entsteht” (UN-Behindertenrechtskonvention, 2006, o.S.). Sie bezeichnet daher Menschen mit einer Behinderung als „Menschen die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.” (UN-Behindertenrechtskonvention, 2006, Artikel 1 Satz 2)
Im Sinne des Bundesgesetzes über die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ist Behinderung „die Auswirkung einer nicht nur vorübergehenden körperlichen, geistigen oder psychischen Funktionsbeeinträchtigung oder Beeinträchtigung der Sinnesfunktionen, die geeignet ist, die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu erschweren. Als nicht nur vorübergehend gilt ein Zeitraum von mehr als voraussichtlich sechs Monaten.“ (Behindertengleichstellungsgesetz, 2015, 1. Abschnitt §3)
Die UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen soll dazu dienen, die Rechte auf Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen umzusetzen. Alle Vertragsstaaten müssen den Bestimmungen der Konvention innerhalb von zwei Jahren nachkommen, sodass eine Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen erfüllt ist.
Hier wird näher auf Artikel 27 eingegangen, welcher sich mit den Themen Arbeit und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Er beschreibt das Recht auf Arbeit und mit dieser seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei verpflichtet sich der Staat dazu, alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um dieses Recht auf Arbeit zu verwirklichen. Genauer schreibt der Artikel 27 folgendes vor:
(2) Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden und dass sie gleichberechtigt mit anderen vor Zwangs- oder Pflichtarbeit geschützt werden. (Osterkorn, 2011, o.S.)
Die Umsetzung des Artikels in Österreich ist bisher aber noch nicht in vollem Maße erfolgt.
Die Bedeutung des Wortes „Integration“ hat seinen Ursprung im lateinischen „integer“, was so viel wie „ergänzen, wiederherstellen“ bedeutet. Im Bereich der Soziologie wird „Integration“ als eine Verbindung oder Zusammenführung von verschiedenen Gruppen bezeichnet. Die Realisierung des Begriffes „Integration“ in der Sonderpädagogik sieht so aus, dass behinderte und nicht-behinderte Menschen gemeinsam Erziehung und Bildung erfahren sollen. Dennoch ergeben beide, etwa in einer Schulklasse, wieder zwei unterschiedliche Gruppen, die im selben Raum unterrichtet werden. Hofbauer bezeichnet in seiner Dissertationsschrift Integration als jene, „die auf Bildung einer Einheit aus Teilen abzielt.“ (Hofbauer, 2010, S.16) Dasselbe lässt sich am Arbeitsmarkt beobachten: Beide Gruppen sind Teilhaber aber in den meisten Fällen voneinander abgegrenzt. Ziel wäre aber ein Unterricht oder etwa ein Arbeitsmarkt für alle, was bisher zu vielseitigen Diskussionen führt. Aus diesem Grund entstand der Begriff der Inklusion, auf welchen weiter unten eingegangen wird.
Integration an sich meint also die gesellschaftliche Teilhabe in allen Bereichen. Die vorliegende Arbeit fokussiert sich dabei besonders auf die berufliche Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen. Eine Realisierung dieser meint das gemeinsame Arbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung an einem Gegenstand. Dazu bedarf es also nicht nur einer physischen Integration, sondern auch der Akzeptanz durch alle anderen Mitarbeiter im Betrieb, sodass ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entsteht. Ist das nicht der Fall, so kann das negative Erfahrungen für Menschen mit Behinderungen mit sich bringen. Ein solches Arbeiten zu ermöglichen, erfordert hohe soziale Kompetenzen von allen beteiligten Personen. (vgl. Wögerer, 2009)
Wögerer (2009) hat zu dieser Thematik in seiner Arbeit auch die Qualitätskriterien zur beruflichen Integration nach Schartmann (2001) angeführt:
Integrationsfördernde Ausgestaltung eines Arbeitsplatzes
Integrationshemmende Ausgestaltung eines Arbeitsplatzes
Tätigkeitsgestaltung
Fähigkeitsadäquat
Notwendige und in ihrer Wertigkeit akzeptierte Aufgaben bei angemessener Entlohnung
Arbeiten am gemeinsamen Gegenstand (Kooperation)
Unterfordernde, monotone Arbeit oder permanente Überforderung
Ausschließliches Erledigen müssen von allgemein unbeliebten Arbeitsaufgaben
Akzeptanz des Menschen einschließlich seiner Behinderung
Anerkennung seiner Arbeitsleistung
Benutzung des behinderten Mitarbeiters als „dankbares Arbeitstier“
„Pflegeleichter Mitarbeiter“
„Betriebsclown“
Einbindung des behinderten Mitarbeiters in betriebliche Prozesse (z.B. gemeinsame Pausengestaltung)
Kontakte zu Kollegen ermöglichen
Räumliche und soziale „Abschottung“ von den übrigen Kollegen
Quelle: Wögerer, 2009
Diese Kriterien unterscheiden zwischen integrationsfördernden und integrationshemmenden Verhältnissen auf einem Arbeitsplatz. So erweist sich, wie bereits erwähnt, das Arbeiten an einem gemeinsamen Gegenstand als integrationsfördernd, eine räumliche und soziale Abschottung hingegen als integrationshemmend.
In der Erziehungswissenschaft werden die Begriffe Integration und Inklusion oftmals synonym gebraucht. Dabei ist dies bei weitem nicht der Fall. Inklusion meint nämlich, bezogen auf das obige Beispiel Schule, dass eine heterogene Klasse unterrichtet werden soll und keine Klasse mit zwei Gruppen. (vgl. Hofbauer, 2010) So sollen auch Menschen mit einer Beeinträchtigung in den ersten und allgemeinen Arbeitsmarkt eingegliedert und nicht nur als eigene Gruppe integriert werden. Viele sprechen dabei von einer Erweiterung der Integration.
Die UN-Behindertenrechtskonvention (2008) stellt die Begriffe „Integration“ und „Inklusion“ mit nebenstehender Grafik näher dar:
Quelle: Behindertenrechtskonvention, o.J.
Sie zeigt sehr deutlich, was mit diesen beiden Begriffen gemeint ist. Der untere Teil der Grafik verdeutlicht, weshalb die Inklusion von einigen Autoren auch als Erweiterung der Integration bezeichnet wird.
Andere Autoren wiederum teilen den Begriff der Inklusion in drei Stufen ein: Die erste Stufe stellt die undifferenzierte Gleichsetzung mit Integration dar, Stufe zwei ist eine von Fehlformen bereinigte Integration und die dritte und letzte Stufe bezeichnet dann die optimierte und umfassend erweiterte Integration. (vgl. Hofbauer, 2010)
Praktisch sollen also Menschen mit Beeinträchtigung dem Arbeitsmarkt nicht nur hinzugefügt werden sondern auch inklusiv-integriert sein.
Dazu schreibt Doose (2009) folgendes:
Inklusion im Arbeitsleben bedeutet die Teilhabe aller (ungeachtet ihrer Produktivität) an den Arbeitsprozessen in Betrieben und im Öffentlichen Dienst. Jeder bringt seine Fähigkeiten und Fertigkeiten ein. Damit dies möglich wird, brauchen Betriebe Unterstützung, damit sie Menschen nicht aufgrund ihrer Andersartigkeit aussondern, sondern die Vielfalt der MitarbeiterInnen als Bereicherung erleben. Solche Unterstützungsstrukturen sind zukünftig zu entwickeln, um inklusive Prozesse zu gestalten. (Doose, 2009, o.S.)
Hinz (2006) geht mit seiner Ansichtsweise zur Inklusion noch weiter und fasst unter anderem folgende „Kernaspekte der Inklusion“ zusammen:
Inklusion versteht Menschen mit Behinderung als eine von vielen Minderheiten und nicht als ‚funktionsgemindert'. Damit setzt sie sich ab von allen defizitorientierten Zuschreibungen und sieht Probleme im Zusammenhang mit Behinderung als kulturell, sozial und gesellschaftlich verursacht an
Dementsprechend gibt Inklusion die alltagstheoretische Abgrenzung Einteilung der Bevölkerung in zwei klar abgrenzbare Teile - einen Teil mit und einen Teil ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, einen Teil Einheimische und einen Teil Ausländische, einen Teil Männliche und einen Teil Weibliche - und die dem entsprechenden Etikettierungen auf zugunsten eines ununterteilbaren Kontinuums. Entsprechend sieht Inklusion die Sprache des sonderpädagogischen Förderbedarfs als ebenso diskriminierend an wie sexistische und rassistische Sprache, denn mit ihr geht in der Regel eine Abwertung der Personen und eine Absenkung der Erwartungen ihnen gegenüber einher
Ob es sich bei Inklusion um einen tatsächlich neuen Blickwinkel oder lediglich einen geschärften Blickwinkel handelt, hängt entscheidend davon ab, welches Verständnis von Integration vorhanden ist - und da lassen sich sehr unterschiedliche ausmachen, die sich eher sonderpädagogischen oder integrationspädagogischen Orientierungen zuordnen lassen. (Hinz, 2006, o.S.)
Im Behindertengleichstellungsgesetz ist verankert, dass Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft, also auch eine selbstbestimmte Lebensführung, gewährleistet sein soll. Dieses Diskriminierungsverbot bezieht sich auch auf die Teilhabe am Erwerbsleben. Daher regelt das Behinderteneinstellungsgesetz im Zuge einer Beschäftigungspflicht, dass alle Dienstgeber, welche 25 oder mehr Arbeitnehmer beschäftigt haben, mindestens einen begünstigten Behinderten einzustellen haben. Für bestimmte Wirtschaftszweige kann die Pflichtzahl auf bis zu 40 Arbeitnehmer erhöht werden.
Zusätzlich haben die Arbeitgeber Vorkehrungen zu treffen, sodass etwa der Zugang zur Arbeit gegeben ist und die Tätigkeit auch ausgeführt werden kann. Weiter müssen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen ermöglicht werden, sofern ein Bedarf besteht. Ebenso darf das Gehalt des Behinderten aufgrund der Beeinträchtigung nicht gemindert werden.
Die Wirtschaftskammer Österreich (2013) setzt für eine Integrative Berufsausbildung einen der folgenden Punkte voraus:
Entweder einen sonderpädagogischen Förderbedarf, einen negativen Hauptschulabschluss, eine Behinderung „im Sinne des Behinderteneinstellungsgesetzes“ (WKO, 2013) oder wenn aus anderen Gründen die Lehrplatzsuche der Person erfolglos geblieben ist.
Da die übrigen der angeführten Punkte selbsterklärend sind, wird nun auf die Erklärung des sonderpädagogischen Förderbedarfs näher eingegangen.
Vorab soll gesagt sein, dass nicht jede Art von Behinderung automatisch einen sonderpädagogischen Förderbedarf beinhaltet. Die Arbeiterkammer Oberösterreich (2015) weist darauf hin, dass einem Kind ein sonderpädagogischer Förderbedarf erst erteilt werden darf, sofern alle anderen möglichen Fördermöglichkeiten ausgeschöpft worden sind.
Als Ursachen für einen sonderpädagogischen Förderbedarf werden unter anderem Beeinträchtigungen des Körpers, des Geistes oder der Sinne, Entwicklungsverzögerungen oder eine Lernstörung angegeben.
Durch ein amtsärztliches oder auch schulpsychologisches Gutachten kann festgestellt werden, ob ein sonderpädagogischer Förderbedarf gegeben ist. Zur Erstellung dieses Gutachtens muss zuvor ein Antrag durch die Eltern oder die Schulleitung gestellt werden. Wird dann ein sonderpädagogischer Förderbedarf erteilt, ist zu bemerken, dass eine spätere Aufhebung des Bedarfs möglich ist, wozu regelmäßige Untersuchungen notwendig sind.
Die Umsetzung des SPF sieht im Schulalltag so aus: Der Schüler bzw. die Schülerin bekommt nur in den Fächern, für die ein Förderbedarf festgestellt wurde, eine zusätzliche Förderung. In den meisten Fällen betrifft dies die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Zusätzlich darf ein integrativer Unterricht oder eine Sonderschule besucht werden. Der Besuch einer Sonderschule oder einer Sonderschulklasse berechtigt ebenso zur Absolvierung einer Lehre, vorzugsweise einer integrativen Berufsausbildung.
Wie bereits erwähnt, hat die Integrative Berufsausbildung, kurz IBA, einen sehr großen Einfluss auf die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Beeinträchtigung. Die Wirtschaftskammer Österreich (vgl. Dornmayr ibw-Forschungsbericht Nr. 167, 2012) ist sogar der Meinung, dass die Integrative Berufsausbildung die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Beeinträchtigungen erheblich begünstigt. Eine Erhebung dazu hat ergeben, dass sich ein Monat nach Beendigung einer Teilqualifizierungslehre 52% der Teilnehmer und Teilnehmerinnen bereits in einem Arbeitsverhältnis befinden. Von den restlichen 48% befinden sich 10% teilweise in einem neuen Lehrverhältnis, wobei dies auch der Umstieg von einer Teilqualifizierungslehre zu einer verlängerten Lehrausbildung sein kann. (vgl. Dornmayr ibw-Forschungsbericht Nr. 167, 2012)
Die Wirtschaftskammer Österreich veröffentlichte im Jahr 2012 eine ähnliche Grafik, welche ebenso den steigenden Bedarf an integrativen Lehrstellen zeigen soll:
Quelle: Dornmayr, ibw Forschungsbericht Nr. 167, 2012
Die Grafik der Wirtschaftskammer Österreich zeigt, dass sich zwischen den Jahren 2004 und 2011 die Anzahl an Lehrlingen in einer Integrativen Berufsausbildung verfünffacht hat.
2.8.1. Voraussetzungen für die Teilnahme an einer IBA
Das Berufsausbildungsgesetz BAG legt im § 8b Absatz 4 genau fest, welche Personen die Zielgruppe der Integrativen Berufsausbildung darstellen:
Für die Ausbildung in einer integrativen Berufsausbildung kommen Personen in Betracht, die das Arbeitsmarktservice nicht in ein Lehrverhältnis als Lehrling gemäß § 1 vermitteln konnte und auf die eine der folgenden Voraussetzungen zutrifft:
Personen, von denen im Rahmen einer Berufsorientierungsmaßnahme oder auf Grund einer nicht erfolgreichen Vermittlung in ein Lehrverhältnis als Lehrling gemäß § 1 angenommen werden muss, dass für sie aus ausschließlich in der Person gelegenen Gründen in absehbarer Zeit keine Lehrstelle im Sinne des § 1 gefunden werden kann. (Bundeskanzleramt, 2014)
Zusätzlich zu den Voraussetzungen die das Berufsausbildungsgesetz vorschreibt, sollte der Jugendliche durch das AMS nicht in ein reguläres Lehrverhältnis vermittelbar sein.
2.8.2. Möglichkeiten der Integrativen Berufsausbildung
Eine Integrative Berufsausbildung ermöglicht den TeilnehmerInnen entweder eine Teilqualifizierungslehre oder eine verlängerte Lehre zu absolvieren. Wobei im Vorhinein gesagt werden muss, dass nicht alle TeilnehmerInnen für beide Ausbildungsformen geeignet sind bzw. die geforderten Voraussetzungen und Qualifikationen mitbringen. Jedoch ist es möglich, dass sich die TeilnehmerInnen diese Voraussetzungen im Laufe ihrer Lehrzeit aneignen.
2.8.2.1. Teilqualifizierungslehre (TQUL)
Ein Lehrverhältnis wird in den meisten Fällen mit einer Teilqualifizierungslehre abgeschlossen. Bei dieser Version der Integrativen Berufsausbildung wird ein Vertrag über einen bestimmten oder mehrere Teile des Berufsbildes (vgl. AK OÖ 2015) abgeschlossen. Welche Teile davon betroffen sind, wird im Laufe der Lehrzeit beschlossen, da dies abhängig von den Fertigkeiten des Lehrlings ist. Diese Teile des Berufsbildes sind dann auch Bestandteil der Teilabschlussprüfung (TAP), mit der das Lehrverhältnis im Normalfall beendet und abgeschlossen wird. Somit kann der Teilnehmer nur über jene Teile des Berufsbildes geprüft werden, welche er auch tatsächlich gelernt hat und kann.
Die Dauer dieses Vertrages beträgt üblicherweise zwischen einem und drei Jahre. Die genaue Dauer wird individuell im Vertrag festgelegt.
Die Abschlussprüfung einer Teilqualifizierung findet im Lehrbetrieb statt und wird von einem Mitglied der Berufsausbildungsassistenz begleitet. Geprüft werden nur die zuvor vereinbarten Themengebiete, die sich der/die TeilnehmerIn in seiner/ihrer Lehrzeit angeeignet hat.
Ein Besuch der Berufsschule ist nur soweit nötig, wie es die festgelegten Lehrinhalte verlangen. So können TeilnehmerInnen auch nur zwei der drei üblichen Berufsschullehrgänge absolvieren. Es gibt auch seltene Fälle in denen ein Teilnehmer die Berufsschule gar nicht besuchen muss. Grund dafür ist zum Beispiel eine nachgewiesene Schulangst.
2.8.2.2. Verlängerte Lehrausbildung (VL)
Für jene TeilnehmerInnen, die grundsätzlich in der Lage sind eine Lehrabschlussprüfung zu bewältigen, dafür aber mehr Zeit benötigen, wird eine verlängerte Lehrzeit vereinbart. Diese kann um bis zu zwei Jahre verlängert werden, also auf insgesamt fünf Lehrjahre, je nach Bedarf. TeilnehmerInnen einer verlängerten Lehre müssen ausnahmslos alle Teile des Berufsbildes erlernen.
Abgeschlossen wird mit einer Lehrabschlussprüfung, die vor einem Gremium der Wirtschaftskammer stattfindet. Diese Form der Berufsausbildung ist also als gleichwertig mit einer üblichen Lehre am ersten Arbeitsmarkt anzusehen.
Im Gegensatz zur Teilqualifizierungslehre besteht für die TeilnehmerInnen einer verlängerten Lehre eine uneingeschränkte Berufsschulpflicht. (vgl. AK 2015)
Ein Wechsel in eine verlängerte Lehre ist durchaus möglich, sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Das bedeutet, dass der Lehrling imstande sein soll eine Lehrabschlussprüfung und den Besuch aller drei Berufsschullehrgänge zu schaffen. Zudem wird ein neuer Lehrvertrag ausgestellt. (vgl. AK 2015)
2.8.3. Ablauf und Ziele einer Integrativen Berufsausbildung
Erfüllt der Jugendliche eine der Voraussetzungen, die das Berufsausbildungsgesetz BAG vorschreibt und ist er durch das AMS nicht an eine reguläre Lehrstelle vermittelbar, so kann der Jugendliche einer Integrativen Berufsausbildung nachgehen. Ebenso kann dies durch eine Berufsorientierungsmaßnahme oder eine Coaching Maßnahme geschehen. Meist wird in einer dieser Maßnahmen der Berufswunsch des Jugendlichen festgestellt, worauf eine Bewerbung an eine geeignete Berufsausbildungsstätte folgt. „Nach Feststellung der Fertigkeiten und der Eignung für den Beruf ist die/der Jugendliche in die Ausbildung aufzunehmen.“ (Arbeitsmarktservice Wien, 2010, o.S.) Genauer gesagt, muss der Jugendliche vor der Aufnahme in den Lehrbetrieb eine Zeit lang dort schnuppern und die Feststellung der Fertigkeiten erfolgt in den meisten Fällen mittels einer Kenntniserhebung. Außerdem kann der Ausbildungsbetrieb vorhandene Gutachten zu der Beeinträchtigung des Jugendlichen anfordern. Dies ist oft notwendig, um zu sehen, ob die Berufsausbildung für den Jugendlichen zu meistern ist oder ob es einer anderen Art von integrativer Beschäftigung bedarf.
Im Laufe der Ausbildung sollen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, genauso wie in einem regulären Lehrverhältnis die Berufsschule besuchen. Ausnahme dabei sind Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer Teilqualifizierungslehre, welche nicht verpflichtet sind die Berufsschule zu besuchen. Das bedeutet, wenn ein Jugendlicher, der eine Teilqualifizierungslehre absolviert, aus beispielsweise gesundheitlichen Gründen nicht fähig ist die Berufsschule zu besuchen, ist dies auch nicht notwendig. Die Vermittlung der Berufsinhalte erfolgt gemäß einem Ausbildungsplan, der zu Beginn der Ausbildung festgelegt wird. Darin wird festgehalten wie lange ein Lehrling welche Abteilung während seiner Ausbildung besucht. Dabei muss aber auch auf die Stärken und Schwächen des Teilnehmers eingegangen werden, da es vorkommen kann, dass der/die TeilnehmerIn nicht für jeden Bereich des Berufsbildes geeignet ist.
Zur regulären Ausbildung im Ausbildungsbetrieb gibt es bei der Integrativen Berufsausbildung zusätzliche Maßnahmen, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in ihrer Ausbildung unterstützen sollen. Da wären zum einen die Berufsausbildungsassistenten, auf deren Aufgabengebiet später noch genauer eingegangen wird, zum anderen etwa Trainer und Trainerinnen für Soziale Kompetenzen. In regulären Abständen müssen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an einem Sozialen Kompetenztraining teilnehmen. Im Rahmen dessen gibt es meist auch einen Outdoortag, bei dem alle Jugendlichen gemeinsam als Gruppe außerhalb des Ausbildungsbetriebes agieren. Außerhalb des Sozialen Kompetenztrainings dienen die Trainer und Trainerinnen auch als Ansprechpartner für die Jugendlichen. Themen dabei können sein:
Beratung und Hilfestellung bei privaten Problemen
Vermittlung zu anderen Beratungseinrichtungen oder von Therapien
Stabilisierung der Persönlichkeit oder
Unterstützung und Beratung bis zum Arbeitsantritt (z.B. Hilfe bei der Bewerbung) (vgl. Arbeitsmarktservice Wien, 2010)
Meist gegen Ende ihrer Ausbildung treten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Praktika in anderen Betrieben bzw. Betrieben am ersten Arbeitsmarkt an. Diese Praktika sollen helfen, Kontakte für die spätere Bewerbungszeit zu knüpfen, aber auch um zu sehen, wie weit sich der Jugendliche während seiner Ausbildungszeit stabilisiert hat und bereit ist für den ersten Arbeitsmarkt. Wann genau und wie lange das Praktikum absolviert werden soll, wird nicht genau vorgeschrieben.
Ziele einer Integrativen Berufsausbildung sind unter anderem die Eingliederung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen in den ersten Arbeitsmarkt, sowie die Bearbeitung der Defizite, welche zuvor gegen die Aufnahme in ein reguläres Lehrverhältnis standen. Zudem sollen natürlich die Lehrinhalte des Lehrberufes während der Lehrzeit, soweit wie für den Jugendlichen möglich, vermittelt werden. Hauptziel ist dann, dass der Jugendliche seine Ausbildung mit der Abschlussprüfung beenden kann. Danach soll es ihm möglich sein, eine Anstellung am ersten Arbeitsmarkt zu erlangen.
2.8.4. Berufsausbildungsassistenz (BAS)
Die Berufsausbildungsassistenz hat die Aufgabe, die TeilnehmerInnen einer Integrativen Berufsausbildung während ihrer Ausbildung zu begleiten und zu unterstützen. Dies geschieht durch eine/n zugeteilten Betreuer/in. Deren Aufgaben betreffen alle Bereiche rund um die Ausbildung. Dazu gehören beispielsweise die Festlegung der Ausbildungsinhalte, die Festlegung der Art der Ausbildung (also eine Teilqualifizierung oder eine verlängerte Lehre) oder etwa die Begleitung in der Berufsschule und Festlegung des Lehrplans. Unterschieden wird zwischen einem generellen und einem normalen Lehrplan und je nach Fähigkeiten wird ein Schüler eingestuft. Ist ein Schüler aber mit dem jeweiligen Lehrplan überfordert, so kann die BAS eine Umstellung mit der Zustimmung des Schülers, der Ausbildungsstätte und der Eltern veranlassen. Weiter ist es die Aufgabe der Berufsausbildungsassistenz zur Lösung von sozialpädagogischen Problemen beizutragen und gegebenenfalls zwischen Jugendlichen und Eltern oder der Ausbildungsstätte zu vermitteln.
Im Falle einer Teilqualifizierungslehre wird die Teilabschlussprüfung ebenfalls durch die Berufsausbildungsassistenz und eine/n Experten/in des Berufsbereiches durchgeführt. (vgl. AK 2015)
Sollte die Ausbildung jedoch frühzeitig abgebrochen oder gewechselt werden, so ist es die Aufgabe der BAS den Jugendlichen dabei zu beraten und zu begleiten.
Dieser Teil der Arbeit beschreibt alle Aspekte der Vorgehensweise und konkreten Umsetzung der Erhebung. Außerdem werden die empirischen Ergebnisse dargestellt, zu denen die Erhebung geführt hat.
Diese Arbeit bezieht sich auf die TeilnehmerInnen der beiden Ausbildungsmärkte der Caritas für Menschen mit Behinderungen in Oberösterreich und deren Sichtweise zum Thema „Chancen durch eine Integrative Berufsausbildung“. Daher soll folgende Fragestellung durch das problemzentrierte Interview nach Witzel (2000) erhoben werden:
Wird die Integrative Berufsausbildung von den Lehrlingen selbst auch als Chance zur besseren Teilhabe und Integration gesehen, vor allem was das Erwerbsleben betrifft?
Um näher auf die obige Fragestellung einzugehen, sollen diese vertiefenden Fragen genauere Antworten bringen:
Wie sehen die TeilnehmerInnen der Integrationsprojekte (speziell in den SPAR Caritas Ausbildungsmärkten St. Florian und Alberndorf) ihre Chancen für die Zukunft (nach Abschluss der Ausbildung)?
Welche Art(en) von Unterstützung haben die TeilnehmerInnen bekommen, um ihre Chancen zur Integration zu verbessern?
Hat das spezielle Angebot der Projekte einen Einfluss auf die Berufswahl? (Wird der Beruf ausgewählt, weil hier eine integrative Lehre geboten wird?)
Was hat den/die TeilnehmerInnen dazu bewegt, in diesem Projekt eine Lehre zu beginnen? Waren es die Aussichten auf eine Stelle am ersten Arbeitsmarkt?
Für die weitere, genauere Untersuchung der Fragestellung und der Darstellung der Ergebnisse, werden die folgenden vier Hypothesen aufgestellt:
Hypothese 1:Die TeilnehmerInnen der Integrativen Berufsausbildung selbst sind der Meinung, dass sich ihre Chancen, eine Stelle am 1. Arbeitsmarkt zu finden, durch diese Ausbildungsform verbessert haben
Hypothese 2: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Angebot an Integrativen Berufsausbildungen und der Berufswahl der Jugendlichen
Hypothese 3: Es besteht ein Unterschied zwischen einer üblichen Lehre und einer Integrativen Berufsausbildung hinsichtlich der Unterstützung, die den TeilnehmerInnen geboten und gegeben wird
Hypothese 4: Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Unterstützung während der Integrativen Berufsausbildung und den Chancen nach Abschluss der Ausbildung
Als Zielgruppe für die problemzentrierten Interviews wurden Lehrlinge ausgewählt, welche sich im letzten, also im dritten oder vierten Lehrjahr je nach Lehrausbildungsform, befinden. Grund dafür ist, dass Lehrlinge die bereits mehrere Jahre einer integrativen Berufsausbildung nachgehen, diese mehr beurteilen können als jene die ihre Ausbildung erst begonnen haben. Daher sind die befragten Teilnehmer und Teilnehmerinnen zwischen 17 und 22 Jahren alt. Diese Teilnehmer liegen dennoch über dem üblichen Durchschnittsalter in dem eine Lehre beendet wird. Das liegt daran, dass die Jugendlichen oftmals vor Beginn ihrer Lehre jahrelang erfolgslos nach einer Lehrstelle gesucht haben oder sich in beruflichen Integrationsmaßnahmen befunden haben. Fasching (2004) geht in ihrem Text zu „Problemlagen Jugendlicher mit Behinderungen in Bezug auf die berufliche Integration“ näher auf das Alter der Teilnehmer einer Integrativen Berufsausbildung ein: Sie schreibt, dass Jugendliche mit Beeinträchtigungen ihre beruflichen Entscheidungen meist später treffen, da sie in den meisten Fällen über die möglichen Berufsbilder wenig informiert sind. Zudem haben Jugendliche mit einer Beeinträchtigung Probleme bei der Realisierung ihres Berufswunsches.
Weiter sind die Interviewpartner in den beiden Ausbildungsmärkten der Caritas für Menschen mit Behinderungen in Oberösterreich beschäftigt und gehen einer Lehre als Einzelhandelskaufmann/-frau nach. Dabei wurde versucht ein Gleichgewicht an männlichen und weiblichen Interviewpartnern herzustellen, also gleich viele Teilnehmer wie Teilnehmerinnen zu befragen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch nicht bei der Berufsgruppe Einzelhandel, sondern auf der Art und Weise, wie die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre integrative Berufsausbildung erfahren und einschätzen.
P1 ist 20 Jahre alt, weiblich und hat als einzige Interviewteilnehmerin einen Migrationshintergrund. Nach dem Schulabschluss, sie besuchte keine Sonderschule, wurde sie durch ein Job Center auf den Ausbildungsmarkt in St. Florian aufmerksam gemacht. Sie geht einer Verlängerten Lehre nach und hat zurzeit nicht vor nach ihrer Lehrabschlussprüfung den Beruf weiter auszuüben. Sie möchte lieber in einem Büro arbeiten. Dennoch wird sie die Lehre als Einzelhandelskauffrau abschließen, da es ihr sehr wichtig ist eine Ausbildung erfolgreich beendet zu haben. Während des Interviews war P1 sehr aufgeschlossen und gab sehr ausführliche Antworten zu den gestellten Fragen. Sie selbst fühlt sich in ihrer Ausbildung etwas allein gelassen, sie hat das Gefühl andere sehen sie als sehr selbstständig und aus diesem Grund wird von ihr erwartet, dass sie vieles selbst erledigt.
P2 ist mit 22 Jahren die älteste Teilnehmerin und ebenfalls weiblich. Sie besuchte vor der Lehrausbildung eine Allgemeine Sonderschule aufgrund einer starken Sehbeeinträchtigung und einem sonderpädagogischen Förderbedarf. Nach einer Maßnahme zur Berufsorientierung begann sie ihre Teilqualifizierungslehre im Ausbildungsmarkt Alberndorf. P2 wirkte während des Interviews nervös und unsicher. Zu dem verstand sie als einzige Teilnehmerin viele der Fragen nicht gleich. Ebenso wie P1 möchte P2 nach ihrer Teilabschlussprüfung vorerst im Einzelhandel Fuß fassen, später aber in ein Büro wechseln. Diese Teilnehmerin ist unter anderem die einzige Interviewpartnerin, welche während ihrer Ausbildungszeit in einer teilbetreuten Wohngemeinschaft lebt und nur am Wochenende bei ihren Eltern zu Hause.
P3 ist 17 Jahre alt und männlich. Der Teilnehmer hatte früher schon seine Lehrausbildung in einem Ausbildungsmarkt der Caritas für Menschen mit Behinderungen begonnen, jedoch nach einem Jahr abgebrochen. Auf Anraten seines Vaters nahm er die Ausbildung Ende 2014 wieder auf und befindet sich nun im letzten Jahr seiner Teilqualifizierungslehre. Im Interview gab er zu verstehen, dass er nicht wegen einer Behinderung hier sei, sondern weil es hier im Ausbildungsmarkt St. Florian weniger Druck und mehr Unterstützung gibt. Im Kurzfragebogen zur Erhebung der Sozialdaten gab er als Beeinträchtigung eine Lernschwäche an. Nach seiner TAP (Teilabschlussprüfung) möchte P3 ebenfalls vorerst im Bereich Einzelhandel arbeiten, sich später aber im Bereich Soziales weiterbilden und als Sozialarbeiter tätig werden.
P4 ist 19 Jahre alt und männlich. Der Teilnehmer schloss die Allgemeine Sonderschule ab und geht aufgrund seiner starken Sehbeeinträchtigung und einer Lernschwäche einer Integrativen Lehrausbildung im Ausbildungsmarkt Alberndorf nach. Er selbst hat vor nach seiner Verlängerten Lehre im Bereich Lebensmitteleinzelhandel zu bleiben. Unter allen Interviewteilnehmern ist diese Person diejenige, die während der Lehrzeit die stärkste Veränderung durchlaufen hat. Zu Beginn seiner Lehrzeit war P4 sehr schüchtern und wortkarg. Während des Interviews wirkte er selbstsicher und gab lockere Antworten.
P5 ist 21 Jahre alt und die dritte männliche Person. Der Teilnehmer befand sich nach Abschluss der Sonderschule zwei Jahre in einer Maßnahme zur beruflichen Integration, welche erfolglos verlief. Durch die Nähe zu seinem Wohnort stieß er auf den Ausbildungsmarkt in Alberndorf, wo er nun seine Teilqualifizierungslehre absolviert. Er wollte ursprünglich als IT-Techniker arbeiten, was aufgrund seiner Lernschwäche nicht umsetzbar war. P5 hat ebenfalls vor nach seiner Teilqualifizierung im Handel zu bleiben. Er möchte jedoch im Bereich der Technik Arbeit finden. Er ist im Vergleich zu den anderen TeilnehmerInnen der einzige, der nach wie vor laufend durch seinen Jugendcoach unterstützt und gefördert wird, zum Beispiel durch die Organisation einer Lernunterstützung während der Berufsschule.
Um den Forschungsfragen nachzugehen, bedarf es hier in dieser Arbeit einer qualitativen Forschungsmethode, da die Stichprobengröße sehr klein ist und die Personen, mit denen diese Erhebung unternommen wird, kognitiv beeinträchtigt (etwa in Form einer Lernschwäche) sind. Bei der Literaturrecherche wurde mitunter Mey (2000) herangezogen, der in seiner vergleichenden Betrachtung das narrative Interview und das problemzentrierte Interview gegenüberstellt. Es wurde entschieden als Instrument zur Erhebung der Forschungsfrage das problemzentrierte Interview nach Witzel anzuwenden, begleitet von einem Kurzfragebogen zur Erhebung der Sozialdaten.
5.1.1. Das problemzentrierte Interview nach Witzel
Die Forschungsmethode nach Witzel (2000) erscheint deshalb geeignet, da aufgrund der kognitiven Beeinträchtigung der Jugendlichen eine quantitative Befragung durch einen Fragebogen zu Unverständnis und Missverständnissen führen kann. Weiter kann die wenig ausgeprägte Lesekompetenz bei einigen der Jugendlichen ebenfalls ein Hindernis darstellen. Das problemzentrierte Interview stellt eine „gesellschaftlich relevante Problemstellung“ (vgl. Witzel, 2000) dar und lässt zu, dass der Interviewer Vorkenntnisse hat, welche er nutzen darf, um Nachfragen zu stellen.
Nach Witzel (2000) wird das Gespräch mittels eines Tonträgers aufgezeichnet, um später den genauen Gesprächsverlauf wiedergeben zu können. Anschließend wird von dem Gespräch ein Transkript angefertigt, um einen Text zu erhalten, der der Interpretation und Analyse des Gesprächs dienen soll. Somit kann auch gewährleistet werden, dass sich der Interviewer selbst auch auf das Gespräch konzentrieren kann und nicht mit seinen Aufzeichnungen dazu beschäftigt ist.
Als Grundlage für das Gespräch dient ein sogenannter Interviewleitfaden, welcher zum einen eine Einstiegsfrage enthält und zum anderen Fragen zu den einzelnen Kategorien, die zuvor gebildet wurden. Die Einstiegsfrage soll einen offenen Gesprächseinstieg herbeiführen, die Fragen zu den einzelnen Kategorien, das Gespräch nur begleiten, sodass die Kommunikation möglichst gelöst ablaufen kann. Für die Konstruktion des Interviewleitfadens, sprich Aufbau und Anzahl der gestellten Fragen, wurde die Arbeit von Stadel (2011) als Quelle und Anreiz genommen.
Zur Unterstützung bei der Interviewführung wurde unter anderem ein Poster von Postek (2012) herangezogen, welches darauf hinweist, wie Interviewführung bei Menschen mit Beeinträchtigung und die anschließende Auswertung dessen gelingen kann. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die leicht verständliche gelegt, welche bereits bei der Erstellung des Interviewleitfadens berücksichtigt worden ist. Außerdem soll ein ständiges Rückfragen verhindern, dass Unklarheiten entstehen und Fragen falsch verstanden oder nicht beantwortet werden können.
Vor dem Interview erhält der/die freiwillige InterviewteilnehmerIn eine Information zur Forschungsthematik und zur Erhebungsmethode. Zusätzlich wird dabei die Anonymität zugesichert und verständlich gemacht, dass die Antworten des/der Befragten während des Gesprächs die eigene Meinung darstellen sollen und keinerlei Auswirkungen haben werden. „Der/Die TeilnehmerIn wird darauf hingewiesen, dass immer bei der Durchführung der Interviews die Möglichkeit besteht nachzufragen oder zu unterbrechen.“ (Maresch, 2012, S.148). Zu den Informationen vor dem Interview erhält der/die Befragte einen Kurzfragebogen.
5.1.2. Kurzfragebogen
Der Kurzfragebogen soll die sogenannten Sozialdaten der Jugendlichen erfassen, um etwa persönliche Daten zu erheben, die für das Interview selbst nicht relevant sind. Damit sollen Frage-Antwort Themen im Interview vermieden werden, um den Gesprächsverlauf flüssig zu halten. Ebenso sollen im Kurzfragebogen unter anderem das Wohlbefinden in der Arbeit, die Zufriedenheit mit der Unterstützung durch die Ausbilder und die Zufriedenheit mit der Unterstützung der Jugend Coaches ermittelt werden.
Bei der Erstellung des Kurzfragebogens wurde wieder die Erhebung von Stadel (2011) herangezogen.
Die geführten Interviews werden anschließend transkribiert, sodass nun Texte vorliegen. Diese Texte werden inhaltlich analysiert, um die subjektiven Theorien hervor zu heben. Diese subjektiven Theorien sollen dazu dienen, aufschlussreiche Erkenntnisse zur Hypothesenbegründung zu gewinnen. Für die vorliegende Arbeit wurde daher als Auswertungsmethode die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) gewählt.
Eine qualitative Inhaltsanalyse kann nach verschiedenen Standards durchgeführt werden. Bei der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring geschieht dies mit einem Kategoriensystem, das den Ausgangspunkt der Analyse bildet.
6.1.1. Kategorienbildung
Als Zentrum der Analyse wird ein System von Kategorien und Unterkategorien gebildet, das den Sinn des Textes erfassen soll. Zuvor wird der Text in den gebildeten Kategorien und Unterkategorien zusammengefasst (vgl. Mayring, 2010). Jedes der geführten Interviews wird auch nach diesem Kategoriensystem interpretiert werden.
Für die vorliegende Forschungsfrage wurden diese vier Kategorien gebildet:
Unterstützung während der Integrativen Berufsausbildung
Chancen durch die IBA
Zu diesen vier Kategorien wurden Subkategorien gebildet, um die einzelnen Kategorien näher zu beschreiben und um später die Antworten in den Interviews genauer den Themen zuordnen zu können:
Zufriedenheit mit der Berufswahl
Ausübung nach Abschluss der Ausbildung
Unterstützung von außerhalb (durch die BAS oder Familie und Freunde)
Unterstützung durch die Ausbilder und Ausbilderinnen (durch den Betrieb)
Zufriedenheit mit der Unterstützung allgemein
Wohlbefinden im Betrieb
Verbesserungsvorschläge (speziell bezogen auf die Lehrausbildung im Betrieb)
Kritikpunkte (speziell bezogen auf die Lehrausbildung im Betrieb)
Aussichten für die Zukunft (eigene Einschätzung der Chancen am Arbeitsmarkt)
Bewertung der IBA
Die Ergebnisse der durchgeführten Erhebung werden zuerst bezogen auf die Kurzfragebögen dargestellt. Häufigkeitstabellen sollen dabei eine kurze Übersicht über die Sozialdaten der Teilnehmer und Teilnehmerinnen geben.
Die Ergebnisse der problemzentrierten Interviews werden bezogen auf die TeilnehmerInnen P1 bis P5 dargestellt. Dabei werden die gewonnen Aussagen der Jugendlichen mittels der zuvor erstellten Kategorien und Subkategorien zusammengefasst. Bei der Transkription der Interviews und der Ergebnisdarstellung werden von den Befragten genannte Namen aus Gründen der Anonymität nur mit ihrem Anfangsbuchstaben geschrieben.
Die Werte der ausgefüllten Kurzfragebögen wurden nach ihrer Erhebung in das SPSS (eine Statistiksoftware) übertragen. Daraus wurden folgende Häufigkeitstabellen zu den einzelnen Items erstellt:
Valid/ Percent
Cumulative/ Percent
Valid körperliche Beeinträchtigung
Valid Lernschwäche
Missing 9,00
Befragt wurden insgesamt zwei weibliche und drei männliche TeilnehmerInnen. Das Alter der TeilnehmerInnen liegt zwischen 17 und 22 Jahren. Drei der Befragten gehen einer Teilqualifizierungslehre nach, zwei einer Verlängerten Lehre. Bei der Art der Beeinträchtigung wurde nur einmal eine körperliche Beeinträchtigung als Grund für die Integrative Berufsausbildung angegeben. Drei der TeilnehmerInnen gaben eine Lernschwäche an und eine Person machte dazu keine Angaben.
P1 und P3 absolvieren ihre Integrative Berufsausbildung im Ausbildungsmarkt in St. Florian, P2, P4 und P5 im Ausbildungsmarkt in Alberndorf.
Ich fühle mich in meiner Arbeit wohl
Bezüglich dem Wohlbefinden in der Arbeit, gab eine Person an, sich voll und ganz wohl zu fühlen, die anderen vier Personen fühlen sich hin und wieder wohl.
Ich finde, dass ich von den AusbilderInnen im Betrieb gut unterstützt werde
Zur Unterstützung durch die Ausbilder und Ausbilderinnen im Betrieb gaben zwei Personen an, dass sie sich voll und ganz unterstützt fühlen, zwei hin und wieder und eine Person, dass sie sich eigentlich nicht unterstützt fühlt.
Ich finde, dass ich durch meinen Jugendcoach gut unterstützt werde
Valid: ja, voll und ganz
Missing 9,0
Zur Unterstützung durch die Jugend Coaches machten nur zwei Personen Angaben und zwar, dass sie sich voll und ganz unterstützt fühlen. Drei der TeilnehmerInnen werden während ihrer Ausbildungszeit laut ihren Angaben nicht mehr durch Jugend Coaches betreut.
Ist das die Arbeit, die Du nach deiner Lehre machen möchtest?
Zur Frage, ob die TeilnehmerInnen diesen Beruf auch nach ihrer Ausbildungszeit ausüben wollen, gab es ebenfalls unterschiedliche Angaben. Nur eine Person gab an, dass dies der Beruf ist, den er oder sie nach der Lehre ausüben möchte. Ebenso gab eine Person an, dass sie diesen Beruf eigentlich nicht mehr ausüben will.
7.2.1. Ergebnisse von P1
7.2.1.1. Ergebnisse von P1 in Bezug auf die Kategorien
P1 hat im Interview angegeben, dass sie durch das Jobcenter am Bahnhof auf diese Lehrstelle aufmerksam gemacht worden ist. Damals wollte sie eine Doppellehre als Einzelhandelskauffrau und Bürokauffrau machen, bevor sie die Lehre als Einzelhandelskauffrau bei Spar Caritas begonnen hat. Heute ist sie aber mit ihrer Wahl der Ausbildungsstätte weniger zufrieden und würde, wenn sie sich nochmals entscheiden könnte, eine andere Wahl treffen. Gründe dafür sind das Arbeitsklima im Ausbildungsbetrieb und ihr Gefühl, dass jeder zu machen scheint was und wie er will: „Ja weil es is teilweise a Katastrophe wirklich und Arbeitsklima gefällt mir a nima …es is woanders eh vielleicht dasselbe man weiß ja nie, aber hier zum Beispiel wenn i ehrlich bin jeder tut was er will….fast niemand hört auf dich.“ (Zeilennummer 30 – 32) Nach ihrem Lehrabschluss hat sie vorerst vor im Bereich Lebensmitteleinzelhandel zu bleiben, möchte aber in den Textilbereich wechseln. Mit der Berufswahl an sich ist P1 teilweise zufrieden.
Unterstützung während der Integrativen Berufsausbildung:
P1 hat angegeben, dass sie vor allem von ein paar ausgewählten Mitarbeiterinnen im Betrieb und ihrer Familie unterstützt wird, in dem sie zum Beispiel zu Hause gratis wohnen und essen kann. Ihre Familie unterstützt sie auch mental, wenn sie weniger motiviert ist: „(…) die sagen immer halte durch noch ein Jahr dann bist weg.“ (Zeilennummer 51) Bei der Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen des Projektes sieht es so aus, dass P1 viel erklärt wird und sie auch jemanden zum Reden hat. Die Unterstützung durch die Ausbildungsleitung wird auch erwähnt und zwar wenn es darum geht, nach der Ausbildung eine Arbeitsstelle zu finden. Einen Berufsausbildungsassistenten hat P1 ihres Wissens nach nicht.
Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz:
Auf die Frage, ob sie in der Früh gerne zur Arbeit geht, antwortet P1: „Wenn gewisse Personen ned arbeiten, dann kum i gern (…) aber sonst wenn i ehrlich bin kum i schon gern aber nur wenn gewisse Personen ned da san, wenn die da san, zahts mi ned.“ (Zeilennummer 59ff) Bezüglich dem Arbeitsklima ist sie überhaupt nicht zufrieden. P1 wünscht sich, dass den Auszubildenden mehr geglaubt und zugehört wird und sie findet, dass ihr in gewissen Situationen das Gefühl gegeben wird behindert zu sein. Sie hat auch das Gefühl, dass die Ausbilder denken sie hätte nur Stärken und deshalb vieles von ihr erwarten, was von anderen Auszubildenden nicht erwartet wird. Als Beispiel gibt sie eine Aufgabe an, welche von ihr erledigt werden soll, mit der Begründung: „(…) mach du des, weil de is langsam und die braucht eh zwei Jahre für des (…).“ (Zeilennummer 78f)
Chancen durch die IBA:
Dass sich ihre Chancen eine Arbeit zu finden durch diese Lehre verbessert haben, findet P1 schon. Sie ist der Meinung, dass eine Lehre immer wichtig ist und man ohne diese als Putzfrau endet. Ebenso denkt sie, dass die Unterstützung, die sie seitens des Ausbildungsbetriebes bekommt auch einen Einfluss darauf hat, vor allem bei der Arbeitssuche. Von ihren Eltern kann sie diesbezüglich nicht sehr viel Unterstützung erwarten, da sie mit dem System in Österreich nicht allzu sehr vertraut sind. Trotzdem sagt P1, dass man sich schon selber bewerben muss und sehen, was man finden kann und man sollte sich nicht nur auf die Unterstützung verlassen.
P1 findet es sehr gut, dass es die Möglichkeit der Integrativen Berufsausbildung überhaupt gibt, aber auch, dass Menschen mit Beeinträchtigung ohne eine solche Ausbildungsmöglichkeit keine Chance hätten, sich am Arbeitsmarkt zu integrieren, höchstens „über Bekannte von Bekannten“. (Zeilennummer 109)
7.2.1.2. Zusammenfassung der Ergebnisse von P1
Aus dem Interview mit P1 ging hervor, dass sie zwar zufrieden mit der Berufswahl ist, aber mit dem Arbeitsklima im Ausbildungsbetrieb nicht. Es geht aber nicht deutlich hervor, ob das nur mit den Ausbildern und Ausbilderinnen zusammenhängt oder aber auch mit anderen Auszubildenden: „Wenn gewisse Personen ned arbeiten, dann kum i gern (…)“ (Zeilennummer 59) Mehrere Aussagen weisen auch daraufhin, dass sich P1 in der Arbeit überfordert fühlt beziehungsweise von ihr sehr viel erwartet wird seitens der Ausbilder. Trotzdem fühlt sie sich durch die Ausbildungsleitung sehr gut unterstützt. Zudem schätzt sie ihre Chancen nach der Lehrabschlussprüfung eine Arbeit zu finden als sehr gut ein.
7.2.2. Ergebnisse von P2
7.2.2.1. Ergebnisse von P2 in Bezug auf die Kategorien
P2 wurde bei ihrer Berufswahl durch einen ihrer Lehrer auf die integrative Lehrstelle aufmerksam gemacht. Zudem dachte sie, dass sie durch ihre Lernschwäche nirgends woanders eine Arbeit finden wird: „Jo weil i ma denkt hab, dass i sonst nirgends wo anders a Arbeit find, weil i ja a Lernschwäche hab und dass mi hald sonst nirgends wo aufnehmen und mei Lehrer hat ma des eigentlich a vorgeschlagen, dass i da anfangen kann.“ (Zeilennummer 11ff) Für sie war es nicht unbedingt die angebotene Ausbildungsstätte, sondern der Beruf Einzelhandelskauffrau, weshalb sie ihre Lehre im Spar Caritas Ausbildungsmarkt begonnen hat. Mit ihrer Berufswahl ist sie dennoch nicht zufrieden, weil sie gerne eine Lehre im Bereich Büro gemacht hätte, was aber aufgrund ihrer starken Sehbeeinträchtigung und der Lernschwäche nicht realisierbar war. Trotzdem will P2 nach ihrer Teilabschlussprüfung vorerst bei Spar arbeiten und später im Bereich Büro eine Arbeit suchen.
P2 wird laut eigenen Angaben bei ihrer Ausbildung von ihrer Familie, dem Jugendcoach und seitens des Betriebs unterstützt. Von Freunden wird sie nicht unterstützt. Ihre Eltern helfen ihr zum Beispiel beim Lernen für die Berufsschule. Im Betrieb wird sie durch die Marktleitung und eine Ausbilderin, welche mit ihr im Trockensortiment arbeitet, unterstützt. Diese beiden reden P2 gut zu, wenn es etwa in der Schule nicht so gut läuft. Alles in allem ist sie zufrieden mit der Art und Menge an Unterstützung die sie bekommt.
Wenn sie nicht verschläft, kommt P2 gerne in die Arbeit. Nach P2 gibt es „(…) Tage da wo es passt und a eher ned bast.“ (Zeilennummer 58) Arbeitstage, an denen es nicht so passt sind jene, an denen ihr zum Beispiel etwas runter fällt, was sie ein bisschen nieder schlägt. Die Frage bezüglich dem Arbeitsklima konnte P2 nicht beantworten, weil ihr dazu nichts eingefallen ist. P2 hat aber das Gefühl, dass am Arbeitsplatz auf ihre Stärken und Schwächen eingegangen wird. So wird ihr etwa mehr Zeit gegeben wenn sie mit ihrem Arbeitsauftrag in der vorgegebenen Zeit nicht fertig geworden ist. Kritik gibt es an einem Auszubildenden, der von P2 als besserwisserisch empfunden wird. Zudem empfindet sie es als unangenehm, wenn eine ihrer Vorgesetzten laut wird wenn die Lieferung kommt und es schnell gehen soll: „Und wann die G. meistens so umdaum schreit, da drah i immer durch des kanns ja wenigstens normal sagen owa ned so herum schreien.“ (Zeilennummer 74ff)
Ihre Chancen für die Zukunft schätzt sie durch ihre Lehre, sofern sie die bevorstehende Prüfung besteht, als besser ein. Sie findet es ebenfalls gut, dass es eine integrative Lehrausbildung für Menschen mit Lernschwächen gibt, da diese ja sonst nichts machen könnten. Diese hätten dann ihrer Meinung nach nur durch gutmütige Menschen eine Chance Arbeit zu finden. Dies war auch ein Grund für sie, weshalb sie diese Lehre gemacht hat, weil sie sonst auch nicht weiter gewusst hätte: „Ja schon, weil so wie i hab ma schon gedacht, probiern mas da, weil wanns da ned hinhaut dann was i a nima weiter.“ (Zeilennummer 96f)
7.2.2.2. Zusammenfassung der Ergebnisse von P2
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass P2 durch die Integrative Berufsausbildung eine Chance bekommen hat sich am Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie selbst hat gesagt, dass sie ohne diese Chance nicht gewusst hätte, was sie sonst machen soll, da sie aufgrund ihrer starken Sehbeeinträchtigung und der zusätzlichen Lernschwäche bei den vorherigen Bewerbungen abgelehnt worden ist. Sie scheint auch sehr gut in ein Netz von Unterstützungsleistungen integriert zu sein, egal ob das den Arbeitsbereich oder die Berufsschule betrifft. Zum Thema Arbeitsklima konnte sie keine Angaben machen. Bezüglich der Chancen ohne eine Integrative Berufsausbildung ist P2 auch der Meinung, dass sich ein Platz am Arbeitsmarkt für Menschen mit Beeinträchtigung nur durch gutmütige Menschen finden lässt, welche diesen Personen eine Chance geben wollen.
7.2.3. Ergebnisse von P3
7.2.3.1. Ergebnisse von P3 in Bezug auf die Kategorien
Im Interview gab P3 an, dass er eine Integrative Berufsausbildung deshalb macht, weil es gemütlich ist und er der Meinung ist, dass man weniger arbeiten muss. Ebenso sagt er: „I kunt genauso a normale Lehre auch machen.“ (Zeilennummer 14f) Er macht diese Ausbildung zum einen weil ihm das Arbeiten im Handel Spaß macht, zum anderen aber damit er auch eine Ausbildung als Grundlage für seinen Lebensunterhalt hat. Nach Beendigung dieser Ausbildung hat er vor noch eine Zeit lang im Einzelhandel beziehungsweise bei Spar zu bleiben, möchte dann aber eine Ausbildung im sozialen Bereich, genauer als Behindertenbetreuer, beginnen. Den Beruf als Einzelhandelskaufmann hat er deswegen gewählt, weil er der Meinung ist, dass man damit sehr viele Möglichkeiten bei der späteren Arbeitssuche hat: „Im Verkauf hast afoch viele Möglichkeiten.“ (Zeilennummer 28) „(…)wurscht ob jetzt Lebensmittel, irgendwann mal Autohandel oder in a Sportgeschäft is eigentlich egal.“ (Zeilennummer 18f) Wenn er sich nochmals entscheiden könnte, würde er aber mehr Zeit in seine Schulausbildung investieren und versuchen, einen Hochschulabschluss zu erreichen. Falls dies nicht gelingen würde, dann würde er trotzdem wieder eine Lehre machen, da er, wie gesagt, viele Möglichkeiten sieht mit solch einer Ausbildung.
Unterstützung während seiner Integrativen Berufsausbildung bekommt P3 hauptsächlich von seinem Vater, der stets hinter ihm steht, egal ob es sich jetzt um die Arbeit, aber auch um finanzielle und private Probleme handelt. Der Vater ist laut seinen Angaben auch der einzige, der ihn bisher immer unterstützt hat. Während des Interviews wurde das von ihm mehrmals wiederholt und auch betont, dass seine Mutter und die älteren Geschwister ihn nicht unterstützen:
I: Ok des wäre jetzt also die Unterstützung, die du von deiner Familie griagst…
P3: Vater bitte. Weil de anderen zählen da ja ned. (Zeilennummer 62f)
Bezogen auf seinen Ausbildungsmarkt, nannte er zwei Ausbilderinnen, von denen er unterstützt wird, alle anderen unterstützen ihn seiner Meinung nach nicht. Die anderen Auszubildenden kommen für ihn in Problemlagen ebenfalls nicht als Ansprechpartner in Frage, „weil die erzählen alles weiter.“ (Zeilennummer 69) Weiter nannte er die Trainerin für Soziale Kompetenzen, zu der er auch eine gute Bindung hat.
Auf die Frage wie er sich in der Arbeit fühlt, meinte P3, dass er sich manchmal mehr oder weniger willkommen fühlt. Ihn stört auch, dass andere ihre privaten Probleme mit in die Arbeit nehmen (ob von Auszubildenden oder Ausbildern geht nicht hervor). Er meint, man sollte seine Emotionen besser verstecken und sich im Verkauf unter Kontrolle haben. (vgl. Zeilennummer 95ff)
P3 sagt, dass er oftmals unmotiviert ist, „weil‘s einfach kane gscheiten Mitarbeiter gibt und es Klima a, Respekt geht verloren, de Arbeit bleibt a verloren, weil wann ma se gewissen Leit anschaut, die verschwinden einfach irgendwo und kommen nima zruck.“ (Zeilennummer 105ff) Dennoch findet er, dass er selbst respektiert wird und seine Stärken und Schwächen berücksichtigt werden. Das Problem ist laut P3, dass Geheimnisse nicht bei den Personen bleiben, denen man sie anvertraut hat, sondern diese weitergetragen werden.
P3 ist durch die Arbeit seiner Ansicht nach um einiges reifer geworden und hat jetzt eine Perspektive. Er hat bisher in verschiedenen Betrieben gearbeitet und kann sagen, dass sich seine Chancen durch die Integrative Berufsausbildung eine Arbeit zu finden verbessert haben. Hinzu kommt, dass eine Ausbilderin ihn stets motiviert, was ebenfalls einen starken Einfluss auf ihn hat und ihn ermutigt seine Ausbildung diesmal zu beenden und nicht wieder abzubrechen. So sagt er zum Beispiel: „I soll des machen wenn ich es machen mag und es lohnt sich auf jeden Fall wenn ma dafür lernt und es lohnt sich ois wenn ma dafür lernt.“ (Zeilennummer 124f)
Die Aussichten, die Menschen mit Beeinträchtigung hätten, ohne die Möglichkeit der Integrativen Berufsausbildung, macht P3, genauso wie P1 und P2, von der Gutmütigkeit der Vorgesetzten abhängig. Den Grad der Behinderung sieht er ebenso als ein wichtiges Kriterium an.
7.2.3.2. Zusammenfassung der Ergebnisse von P3
Obwohl P3 gesagt hat, er könnte genauso gut einer normalen Berufsausbildung nachgehen und dass er die integrative Lehre aus dem Grund der Gemütlichkeit gewählt hat, hat er im Kurzfragebogen, welcher vor dem Interview auszufüllen war, eine Lernschwäche angegeben. Weiter wurde von ihm das Alter am Kurzfragebogen mit „17“ ausgefüllt, im Interview gab er aber an bereits 20 Jahre alt zu sein. (siehe Kurzfragebogen zu P3 im Anhang und Zeilennummer 48 im Transkript)
Aus dem Interview mit P3 ging auch hervor, dass er sich als Einzelkämpfer sieht oder besser gesagt als jemanden, der nicht in diesen Ausbildungsbetrieb gehört und wenig bis gar keine Kontakte zu den anderen Auszubildenden und Ausbildern hat, da diese anders sind als er: „Weil die erzählen alles weiter, die anderen Mitarbeiter die leben in ihrer eigenen Welt.“ (Zeilennummer 69f)
Man hatte während des Interviews den Eindruck, dass P3 seine noch bevorstehende Lehrzeit gut rüberbringen will, um sich dann dem zu widmen was er wirklich machen will, nämlich der Ausbildung zum Behindertenbetreuer.
7.2.4. Ergebnisse von P4
7.2.4.1. Ergebnisse von P4 in Bezug auf die Kategorien
Durch die Nähe zu seinem Heimatort und die Absagen anderer Bewerbungen, hat P4 sich um die Lehrstelle im Ausbildungsmarkt beworben. Der Hauptgrund für seine Bewerbung war aber die Lehrstelle als Einzelhandelskaufmann. Er würde sich auf jeden Fall wieder für diese Ausbildung entscheiden und ist voll und ganz zufrieden damit. Nach seiner Abschlussprüfung hat er vor den Beruf auszuüben und weiterhin im Lebensmittelhandel zu arbeiten.
Unterstützt wird P4 durch seine Ausbildungsstätte und seine Eltern. Er selbst gibt an keinen Ausbildungsassistenten oder Jugendcoach mehr zu haben. Seine Freunde finden es ebenfalls sehr gut, dass er diese Lehrausbildung macht. Insgesamt ist er vollauf zufrieden mit der Unterstützung die er von allen Seiten bekommt.
An sich kommt P4 gerne zur Arbeit, außer wenn er müde ist. Es kommt vor, dass es stressig werden kann aber trotzdem fühlt er sich wohl in der Arbeit. Das Arbeitsklima ist hin und wieder nicht so gut, gerade dann wenn es stressig ist:
P4: Tja hin und wieder is schon a wenig ….wie soid i sagen
I: So wie du dir denkst! P4: Haha hin und wieder is schon ned so guat owa jo
I: Hast da auch a Beispiel dafür? P4: Ja also wann wieder irgendwas ned passt oder so wanns im Gschäft stressiger ist
I: Also wann jetzt a was falsch eingräumt is oder so?
P4: Ja genau zum Beispiel. (Zeilennummer 45ff)
Verbesserungsvorschläge hat er dazu aber keine. Obwohl es stressig sein kann, hat er das Gefühl, dass auf seine Stärken und Schwächen eingegangen wird. Ein Beispiel dafür wäre, wenn er etwas einräumen soll, dann wird auch genau erklärt was und wie er etwas machen soll. P4 hat auch keine Kritikpunkte in Bezug auf den Umgang mit ihm durch Ausbilder oder andere Auszubildenden erwähnt.
P4 findet, dass sich seine Chancen später eine Arbeit zu finden durch die Integrative Berufsausbildung verbessert haben. Als Gründe dafür nennt er etwa, dass mehr erklärt wird wenn jemand Hilfe braucht und es an sich mehr Unterstützung gibt als woanders. Er glaubt auch, dass in anderen Lehrbetrieben wahrscheinlich vieles zwar erklärt wird aber dann nicht mehrmals oder nicht so genau. Seiner Meinung nach ist es gut, dass es das Angebot der Integrativen Berufsausbildung gibt, da Menschen mit einer Beeinträchtigung ansonsten viel später oder womöglich erst gar keinen Job finden würden. Dies war für ihn auch ein Grund, weshalb er sich um diese Lehrstelle bemüht hat. Andere Firmen bei denen er sich beworben hatte, haben ihn oftmals gleich gar nicht zu einem Bewerbungsgespräch vorgeladen.
7.2.4.2. Zusammenfassung der Ergebnisse von P4
P4 scheint diese Lehrstelle sehr zu schätzen und ist auch froh darüber, dass sich für ihn damals diese Möglichkeit ergeben hat. Im Interview gewann man durch die Art und Weise, wie er von seinen vorherigen Bewerbungen erzählt hat, den Eindruck, dass er durch die Integrative Berufsausbildung überhaupt eine Chance auf Arbeit sieht. Nur den Stress, der hin und wieder in der Arbeit aufkommt, findet P4 nicht so gut. Dennoch stellt er für P4 keinen Grund zur Unzufriedenheit dar. Er weiß aber auch keine Verbesserungsvorschläge, um dies zu ändern.
7.2.5. Ergebnisse von P5
7.2.5.1. Ergebnisse von P5 in Bezug auf die Kategorien
P5 wusste auf die Frage, weshalb er eine Integrative Berufsausbildung macht, nicht sofort eine Antwort. er sagte dann, dass er aufgrund seiner Lernschwäche jetzt eine Teilqualifizierungslehre macht. Zuvor wollte er eine reguläre Lehrausbildung machen, was aber nicht möglich war. Er selbst fand bei seiner Berufswahl den Beruf des Einzelhandelskaufmanns generell interessant, weil man dabei mit Menschen zu tun hat. Zu dem kam hinzu, dass die Lehrstelle angeboten wurde. Wenn er sich nochmal entscheiden könnte, würde er eventuell eine verlängerte Lehre machen wollen aber bei der Integrativen Berufsausbildung an sich bleiben. Nach seiner Teilabschlussprüfung (TAP) möchte P5 schon weiterhin im Einzelhandel arbeiten, vielleicht aber nicht mehr bei Spar. Vielmehr würde ihn der Werkzeug- oder Elektrohandel interessieren. Hauptsächlich etwas anderes als der Lebensmittelhandel, damit er auch mal etwas anderes macht. Und er möchte ebenso gerne durch eine Zusatzprüfung den vollen Lehrabschluss am WIFI erlangen. Die Frage, ob er zufrieden mit seiner Berufswahl ist, beantwortete er so: „Tja Wünsche hat ma viel owa na so bin i jetzt eigentlich zufrieden.“ (Zeilennummer 44)
Unterstützt wird P5 vor allem im schulischen Bereich. Dies geschieht durch ein Nachhilfeangebot des Hilfswerks. In der Arbeit wird er sehr durch seine Betreuerinnen unterstützt, die ihm gerne seine Fragen beantworten. Hinzu kommt seine Familie, die ihm ebenso weiter hilft. Von einem Berufsausbildungsassistenten wird P5 laut eigener Aussage nicht begleitet. Alles in allem ist P5 zufrieden mit der Unterstützung die er bekommt, denn auch wenn er etwas nicht sofort versteht und nachfragt, werden ihm seine Fragen beantwortet. Er fühlt sich auch keineswegs alleine gelassen.
In der Früh ist das Aufstehen manchmal stark, aber sonst kommt P5 gerne zur Arbeit. Er fühlt sich gut dort und das Arbeitsklima sieht er ebenfalls als gut: „(…) es is jetzt ned irgendwie a angspannte Atmosphäre…manchmoi is schon wann vü Stress is, is klar owa des derf ma hoid dann ned falsch verstehen und na so basts eigentlich…na des haut schon hin.“ (Zeilennummer 85ff) Manchmal gibt es Situationen in denen P5 nicht ganz versteht weshalb zum Beispiel eine Person grantig ist: „Wann jetzt so a Schlang Leit steht, da was is ok, jetzt muas i hoid a schaun, dass i de Kundschaften schnell bedien, dass der ned lang warten muas hoid…oiso do schau i eh das i Gas gib und jo owa des war oft draußen bei da TS (= Trockensortiment), draußen da wars oft so schnell des und jo i arbeit eh scho, i was des is da Stress owa des geht a anders vielleicht und ned mit an owa hängenden Gsicht oder dass mi auffressen.“ (Zeilennummer 97ff)
Bezüglich der Chancen durch die Integrative Berufsausbildung, hofft P5, dass er nachher eine Arbeit findet. Er ist der Meinung, dass er einiges dazu gelernt hat und nach wie vor noch einiges dazu lernt, da ihn auch sehr viel interessiert. Insgesamt denkt er schon, dass er gute Chancen hat. Aber er glaubt auch, dass er ohne die Integrative Berufsausbildung mehr Chancen hätte beziehungsweise wenn er gleich eine verlängerte Lehre statt der Teilqualifizierung hätte machen können:
I: Und wenn du ka integrative Lehr gmacht hätttest, hättest dann genauso guade Chancen?
P5: Jo vielleicht hätt i a wenig mehr Chancen…owa obwohl dass i eh den ganzen Teil mach….vielleicht hätte i generell mehr Chancen wenn i glei alles gmacht hätt. (Zeilennummer 108ff)
P5 findet es gut, dass es die Integrative Berufsausbildung überhaupt gibt, weil ja niemand etwas dafür kann wenn er eine Lernschwäche hat, er ist ja deshalb kein schlechter Mensch. (vgl. Zeilennummer 114ff) Ähnlich wie die anderen Befragten findet P5, dass es ohne Integrative Berufsausbildung für Menschen mit Beeinträchtigung so gut wie keine Chance gibt am Arbeitsmarkt teilzuhaben. Dies war der Grund weshalb auch er sich schlussendlich für eine Integrative Berufsausbildung entschieden hat.
7.2.5.2. Zusammenfassung der Ergebnisse von P5
P5 ist als einziger Befragter der Meinung, dass er eventuell ohne die Integrative Berufsausbildung mehr Chancen hätte. Er denkt, dass ihm der Abschluss einer verlängerten Lehre noch mehr Chancen bringen würde, als die Teilabschlussprüfung (TAP). P5 wird, wie fast alle anderen auch, sehr gut von seiner Umgebung unterstützt. Im Interview machte es den Eindruck, als würde es P5 unangenehm sein, zu sagen, dass er aufgrund einer Lernschwäche Teilnehmer einer Integrativen Berufsausbildung ist, weil es einige Sekunden dauerte, bis er den Grund für seine Teilnahme genannt hat. Genauso wie alle anderen Befragten behauptete P5 ebenfalls, nicht von einem Berufsausbildungsassistenten begleitet zu werden und genauso ist er der Meinung, dass es ohne IBA keine Chancen für Menschen mit Beeinträchtigung am Arbeitsmarkt gibt.
7.3.1. Hypothese 1: TeilnehmerInnen sind der Meinung, dass sich die Chancen verbessern
Die erste Hypothese besagt, dass die TeilnehmerInnen der Meinung sind, dass sich ihre Chancen zur Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt durch den Abschluss einer Integrativen Berufsausbildung verbessern. In den problemzentrierten Interviews wurde die Meinung derer zu dieser Hypothese erhoben. Die Analyse der Interviews hat gezeigt, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Chancen selbst als besser einschätzen. Nur P5 war der Meinung, dass er zwar durch die Teilqualifizierungslehre bessere Chancen hat, aber durch eine verlängerte Lehrausbildung noch bessere Chancen haben könnte. Zudem sind die Befragten der Ansicht, dass sie ohne eine Integrative Berufsausbildung weitaus weniger bis gar keine Möglichkeit gehabt hätten einer Berufsausbildung nachzugehen. Dies begründeten sie unter anderem durch ihre eigenen Erfahrungen und dadurch, dass sie denken, wenn ein Chef sie ohne Integrative Berufsausbildung einstellen würde, dann nur weil er ein gutmütiger Mensch ist. Mit diesen Ergebnissen kann gesagt werden, dass die erste Hypothese durchaus beibehalten wird. Von einer Verifizierung zu sprechen wäre hier bei einer Anzahl von fünf Befragten jedoch zu hoch angesetzt.
7.3.2. Hypothese 2: Zusammenhang zwischen Berufsangebot und Ausbildungsangebot
Die zweite Hypothese, deren Wahrheitsgehalt geprüft wurde, besagt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Angebot der Integrativen Berufsausbildung und der Berufswahl der Jugendlichen gibt. Genauer ist damit gemeint, dass die Jugendlichen sich für die Lehre im Einzelhandel entschieden haben, weil dieser Beruf im Rahmen einer Integrativen Berufsausbildung angeboten wurde, was bedeuten würde, sie haben sich nur wegen dem Angebot für diesen Beruf entschieden.
Die Analyse der Interviews hat ergeben, dass diese Hypothese nur auf P2 und P5 zutrifft. Diese beiden Befragten gaben nämlich an, dass sie zuvor eigentlich einen anderen Beruf erlernen wollten, nämlich Bürokauffrau und IT-Techniker, aber die Chancen auf eine Lehrstelle in diesen Bereichen aussichtslos waren. Durch ihre damaligen Jugend Coaches wurden sie dann auf die Integrative Berufsausbildung im Einzelhandel aufmerksam gemacht. Alle anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen wollten laut ihrer Aussage von Anfang an im Einzelhandel ihre Berufsausbildung machen, weil sie der Meinung sind, dass sie dort sehr viele Möglichkeiten haben nach ihrer Abschlussprüfung am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und weil sie sich allgemein sehr für das Berufsbild interessieren.
Schabmann und Klicpera (1997) haben bereits vor einigen Jahren eine Befragung durchgeführt, bei der verschiedene Gruppen wie das AMS, Werkstätten und Menschen mit Beeinträchtigung gefragt wurden, welche Berufsmöglichkeiten ihrer Meinung nach als aussichtsreich betrachtet werden. Dabei gaben die Befragten mit Beeinträchtigung an, dass sie unter anderem Tätigkeiten wie Regalbetreuung, Arbeiten in einem Lebensmittelgeschäft, Arbeiten in der Nahrungsmittelerzeugung und Bäckereigehilfe als aussichtsreich erachten. (vgl. Schabmann und Klicpera, 1997, S. 43ff.)
Künstler (2011) hat in ihrer Diplomarbeit mit dem Titel „Erfahrungen der TeilnehmerInnen im Rahmen der Integrativen Berufsausbildung“ zur Berufswahl ähnliche Ergebnisse gewinnen können. Die Mehrheit ihrer Befragten hat sich für einen Lehrberuf entschieden, nämlich den der/des Bürokauffrau/-mannes, welcher einen sehr hohen praktischen Ausbildungsteil vorweist und einen eher niedrigen theoretischen. Der Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau ist ebenfalls danach aufgebaut. Beide Berufsbilder sind geprägt durch die ständigen Wiederholungen der Handlungsabläufe und der Möglichkeit die nötigen Fertigkeiten auch durch mehrmaliges Üben zu erwerben. (vgl. Künstler, 2011, S. 104)
7.3.3. Hypothese 3: Unterschiede bei der Unterstützung in der IBA zu üblicher Berufsausbildung
Die dritte Hypothese besagt, dass es einen oder mehrere Unterschied(e) hinsichtlich der Unterstützung, die den TeilnehmerInnen zuteilwird, gibt, im Vergleich zu einer üblichen Berufsausbildung am ersten Arbeitsmarkt. Diese Hypothese konnte ebenfalls verifiziert werden, da alle Interviewteilnehmer und –teilnehmerinnen gesagt haben, dass sie viel mehr Unterstützung bekommen. Begründet wurden diese Aussagen wiederum durch eigene Erfahrungen bei den Schnupperpratika am ersten Arbeitsmarkt und durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Lehrlingen in der Berufsschule. Als Beispiel wurde auch das Erklären von Arbeitsschritten angegeben, die, im Vergleich zu einer üblichen Berufsausbildung, den TeilnehmerInnen einer Integrativen Berufsausbildung mehrmals erklärt werden. Zudem wird den Lehrlingen nicht nur im praktischen Bereich des Berufsbildes mehr Unterstützung gegeben, sondern auch wenn sie private Probleme haben oder Hilfe für die Berufsschule benötigen. Dann gibt es einen Nachhilfelehrer oder die Vorbereitungswoche für die Berufsschule, wo sich die Lehrlinge wieder in den Ablauf des Schulalltags einfinden sollen.
7.3.4. Hypothese 4: Zusammenhang zwischen Unterstützung während der IBA und Chancen nach der IBA
Die letzte Hypothese sagt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Unterstützung während der Integrativen Berufsausbildung und den Chancen nach Abschluss der Ausbildung gibt. Dazu konnte P5 konkret Stellung nehmen, in dem er sagte, dass er sich während seiner Lehrzeit und durch Mithilfe der Ausbilder persönlich sehr viel weiter entwickeln konnte, was ihm sehr zugute kommen wird: „Jo oiso i hab schon einiges dazua glernt und lern a jetzt nu einiges dazu und mi interessiert a viel.“ (Zeilennummer 105f, Transkript mit P5)
P3 sagte ebenfalls, dass er innerhalb der Ausbildungszeit reifer geworden ist: „(…) bin einiges reifer gworden durch die Arbeit, i hab jetzt a Perspektive und i hab ja schon in verschiedenen Betrieben gearbeitet und i was wies draußen ablauft und seid i da abriet hab i viel mehr Aussichten.“ (Zeilennummer 120ff, Transkript mit P3)
Die Erhebung von Künstler (2011) erbrachte ähnliche Ergebnisse: „Die Teilhabe am Arbeitsleben hat sich fast ausschließlich positiv auf die Befragten ausgewirkt. Neben einem stattgefundenen Reifungsprozess bei manchen InterviewpartnerInnen, konnten sich diese berufsbezogenes Fachwissen aneignen und ihre kommunikativen Fähigkeiten durch regelmäßigen Umgang mit KundInnen und Vorgesetzten erweitern.“ (Künstler, 2011, S. 107)
Die Meinungserhebung zur Integrativen Berufsausbildung hat teilweise sehr unterschiedliche Ergebnisse erbracht. Zusammengefasst betrachtet, gab es bei jeder der erstellten Fragenkategorien mindestens einen Jugendlichen, der genau das Gegenteil der Mehrheit von Aussagen behauptet.
Sehr interessant ist vor allem, dass ausschließlich alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen gesagt haben, dass sie nicht von einem Berufsausbildungsassistenten begleitet werden. Dabei ist der Berufsausbildungsassistent Bestandteil einer jeden Integrativen Berufsausbildung und alle Befragten haben tatsächlich einen Assistenten für die Betreuung während der Berufsschule. Hier scheint es, als wären die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht ausreichend darüber informiert bzw. ist die Arbeit des Berufsausbildungsassistenten für die Jugendlichen nicht spürbar. Ein anderer Grund könnte auch der Betreuungsschlüssel sein, welcher in Oberösterreich bei 1:50 liegt. Zu dem variiert der Kontakt zwischen den BAS und den Jugendlichen je nach Bedarf. Er kann also geringer ausfallen, wenn die Jugendlichen seitens des Betriebes bereits sehr gut unterstützt und betreut werden. (vgl. Heckl et. al., 2008)
Ein weiterer Grund kann aber auch eine Unklarheit mit dem Begriff „Berufsausbildungsassistent“ sein. P5 erzählte im Rahmen des Interviews nämlich von einem Betreuer des Hilfswerks, der ihn auch bezüglich Nachhilfe für die Berufsschule unterstützt. Diese Person vom Hilfswerk ist tatsächlich sein BAS, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass P5 mit dem Begriff an sich nichts anfangen konnte. Wobei hier wieder gesagt werden muss, dass dieses Ergebnis nicht generiert werden kann, da nur fünf Jugendliche, welche eine Integrative Berufsausbildung absolvieren, befragt worden sind.
Im Bereich der Unterstützung werden neben den Berufsausbildungsassistenten zusätzlich angebotene Workshops und das Soziale Kompetenztraining ebenfalls von allen fünf Befragten nicht erwähnt. Diese Tatsache wird als ein Nicht-Wahrnehmen dieses Angebots interpretiert. Lediglich P3 ging im Gespräch auf die Kompetenztrainerin ein, aber er erwähnte sie als Ansprechpartnerin für Probleme und nicht als Kompetenztrainerin.
Weiter ist aufgefallen, dass bei der Frage, ob Menschen mit Beeinträchtigungen ohne Integrative Berufsausbildung Chancen am Arbeitsmarkt haben, alle Teilnehmer und Teilnehmer so geantwortet haben, als wären sie nicht davon betroffen. Es wurde meist von „ihnen“ gesprochen:
I: Wanns die Art von Lehre ned gab was hätten dann Menschen mit Beeinträchtigung für Chancen?
P1: Wahrscheinlich keine. Weil a Freundin von mir sie hat SPF und sie hat wast eh immer Bewerbung geschickt sie hat eh super Zeugnis ghabt nur bei Mathe und Deutsch glaub ich und sie hat sich hald überall beworben und die haben gsagt na wir können leider keinen mehr nehmen…aber überhaupt keine Chance…voi selten wenn jemand über Bekannte von Bekannten schätz ich mal dann. (Zeilennummer 103ff, Transkript P1)
I: Und findest des guad, dass für Menschen die eben zum Beispiel a Lernschwäche haben, dass do die Möglichkeit ana integrativen Lehre gibt?
P4: Ja schon.
I: Und was glaubst was wär wenns de Möglichkeit ned gabat?
P4: Ja dann daratn de hoid vü später an Job finden oder gar ned. (Zeilennummer 76ff, Transkript P4)
Es scheint den TeilnehmerInnen nicht bewusst zu sein, dass sie eine Integrative Berufsausbildung absolvieren. Zudem wurde Beeinträchtigung auch mit Beispielen von körperlicher Beeinträchtigung erklärt:
I: Findest as guat, dass die integrative Lehre angeboten wird für Menschen die a Beeinträchtigung haben?
P3: Ja da kommen ma wieder zruck zu meinem Traum im Sozialbereich zu arbeiten wann ma se des mal überlegt wieviel beeinträchtigte Menschen es schon gibt, wie gsagt Fuß kaputt, Rücken kaputt, Rollstuhlfahrer und es gibt so viel Sachen und es gibt Leit de was nix dafür kinan und de sollten auch a Chance haben. (Zeilennummer 127ff, Transkript P3)
Dadurch gewinnt man beim Interview den Eindruck, dass die Befragten eine Behinderung anscheinend nur als körperliche Beeinträchtigung wahrnehmen. Bei P5 war durch eine längere Sprechpause besonders aufgefallen, dass es ihm unangenehm zu sein scheint, dass er einen sonderpädagogischen Förderbedarf hat, beziehungsweise er dies nicht gerne erwähnt:
I: Und was hat di eigentlich dazua bewogen dast a integrative Lehr machst?
P5: Ahm (P5 denkt sehr lange nach) ja weil i hoid a wenig a Lernschwäche hab und jo am Anfang hab i hoid glaubt i mach a normale Lehr owa dann hat se hoid aussa gstellt des geht ned (…). (Zeilennummer 9ff, Transkript P5)
P3 sprach gar nicht von einer Beeinträchtigung, sondern machte darauf aufmerksam, dass er selbst ja keine Beeinträchtigung hat, obwohl er dies im Kurzfragebogen zuvor angegeben hat: „I kunt genauso a normale Lehre auch machen (…).“ (Zeilennummer 14f, Transkript P3; Siehe Kurzfragenbogen P3)
Die Mehrheit der Befragten war auch der Meinung, dass man mit einer Beeinträchtigung jeglicher Art nur Chancen am Arbeitsmarkt hat, sofern der Chef gutmütig ist oder aber auch wenn man jemanden kennt, der behilflich sein kann. So sagte etwa P1: „(…) aber überhaupt keine Chance…voi selten wenn jemand über Bekannte von Bekannten schätz ich mal dann.“ (Zeilennummer 108f, Transkript P1)
P2 und P3 waren dazu folgender Meinung:
P2: Ja wanns Leit gibt de was gutmütig san dann schon aber wann Leit bes san dann glaub i ned. (Zeilennummer 93f, Transkript P2)
I: Glaubst wann‘s de Möglichkeit ned hätten würden‘s dann überhaupt a Chance haben a Arbeit zu finden?
P3: Des is schwer zum sagen, weil des is immer a Unterschied was für an Chef du hast, weil der ane Chef ja den i mal ghabt hab der sagt mei Sohn hat Epilepsie i was wie des is, sicher kannst bei mir anfangen also i denk des is unterschiedlich. Es kumt a immer auf de Beeinträchtigung drauf an. (Zeilennummer 138ff, Transkript P3)
Fasching (2004) ging bereits darauf ein, dass Schüler mit einer Lernbeeinträchtigung nach Beendigung der Schule mit Vorurteilen seitens der Betriebe konfrontiert werden. Die Betriebe unterschätzen die Leistungsfähigkeiten der Bewerber mit Beeinträchtigung. Heckl et. al. (2004) beschreibt bezüglich der Erlangung und Erhaltung einer Anstellung am ersten Arbeitsmarkt dieselbe Problematik: Die geringe Nachfrage der Betriebe nach Mitarbeitern mit einer Beeinträchtigung hängt stark mit Vorurteilen und Ängsten zusammen. Die beschriebenen Erfahrungen der Teilnehmer spiegeln genau das wieder.
Am meisten zufrieden mit der Ausbildung im Allgemeinen scheint P4 zu sein. Bis auf den Stress, der manchmal während der Arbeit aufkommt, ist er mit allem zufrieden, würde sich auch wieder für eine Integrative Berufsausbildung entscheiden und möchte seinen erlernten Beruf nach der Abschlussprüfung weiter ausüben.
Bezüglich der Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz war auffällig, dass die Zufriedenheit stark abhängig von der Zusammenarbeit mit den dortigen Ausbildern ist. Jene Teilnehmer und Teilnehmerinnen, welche angaben, dass sie sich gut durch die Ausbilder unterstützt fühlen, gaben auch an, dass sie sehr zufrieden sind mit ihrer Berufswahl und sich am Arbeitsplatz wohl fühlen. Zum Thema Unterstützung hat P5 als einziger Teilnehmer angegeben, dass er von seinen Freunden ebenfalls unterstützt wird. In diesem Zusammenhang gaben die TeilnehmerInnen dann auch an, dass sie den Beruf nach ihrer Abschlussprüfung weiterhin ausüben wollen, vielleicht in einem anderen Bereich, aber sie wollen im Einzelhandel arbeiten.
Weiter muss noch erwähnt werden, dass bezüglich der Unterstützung von den TeilnehmerInnen nur ein Urteil über diese Ausbildung, welcher sie zurzeit nachgehen, gefällt werden kann. Da diese für alle TeilnehmerInnen auch die erste Berufsausbildung ist, kann kein Vergleich gezogen werden, sie haben nur hier Erfahrungen gemacht.
Außerdem muss beim Thema Arbeitsklima die befragte Berufsgruppe ebenfalls berücksichtigt werden. Bei nur fünf Befragten kann der aufkommende Stress während der Arbeit auch auf die Gegebenheiten im Handel und nicht nur auf das Arbeitsklima im Betrieb bezogen werden.
Bevor das Interview durchgeführte wurde, wurden mehrere Autoren herangezogen, um Informationen über ein richtiges Vorgehen bei der Führung des Interviews zu gewinnen. Dabei gab unter anderem Heistinger (2006/2007) Auskunft darüber, welche sogenannten „Anfängerfehler“ bei Interviews passieren können. Zudem wird angeführt welches Material für ein Interview empfehlenswert ist, wie etwa das Aufnahmegerät und der Leitfaden. Vor allem die Informationen zu den „Anfängerfehlern“ erwiesen sich als sehr hilfreich.
Durch den persönlichen Kontakt zu den Jugendlichen, wurde davon ausgegangen, dass eine Art Prüfungssituation bei den Interviews vermieden werden kann. Jedoch stellte sich heraus, dass alle Jugendlichen, manche mehr oder weniger, trotz mehrmaliger mündlicher Vorbereitung auf das Interview, anfangs nervös reagierten und mit ein paar der gestellten Fragen im ersten Moment überfordert waren. Die Frage musste dann in anderer Satzstellung oder mit einem Beispiel gestellt werden. Dennoch kam es nur beim Interview mit P4 zu mehreren Ja-Nein Antworten, welche vermieden werden sollten. Die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Jugendlichen stellte bei den Interviews und auch bei der anschließenden Transkription kein Problem dar. Ein paar der Jugendlichen fragten aber im Vorhinein, ob sie auf ihre Ausdrucksweise achten müssen. Es gab auch Momente in denen sie nicht sicher waren, ob sie genau das, was sie sagen wollen auch wirklich sagen sollen. Nach der wiederholten Zusicherung der Anonymität, war dies aber kein Thema mehr.
Bezüglich dem Erhebungszeitpunkt wäre es vielleicht noch besser gewesen, die Erhebung als Rückblick der TeilnehmerInnen auf ihre Ausbildungszeit, also nach Abschluss und nicht kurz vor Beendigung ihrer Ausbildung, durchzuführen. So wäre eine Beurteilung der Integrativen Berufsausbildung eventuell noch besser möglich gewesen.
Der bisherige Anstieg der Zahl der Jugendlichen, welche einer Integrativen Berufsausbildung nachgehen, scheint stetig zu bleiben und damit auch der Bedarf an Meinungserhebungen. Denn durch diese können Lerninhalte aber auch die Konditionen an den Ausbildungsplätzen besser an die Bedürfnisse der Teilnehmer und Teilnehmerinnen angepasst werden. Überhaupt sollten die Auszubildenden mehr in die Erhebungen integriert werden, da sie auch diejenigen sind, deren Ausbildung so gut wie nur möglich optimiert werden soll. Eine der Befragten sprach sogar davon, dass sie sich nicht gehört fühlt. Viele der Jugendlichen, welche eine Integrative Berufsausbildung absolvieren, haben das Gefühl, dass sie als behindert und nicht gleichwertig angesehen werden. Das Gespräch mit den Auszubildenden, etwa im Rahmen eines problemzentrierten Interviews, kann sehr hilfreich sein, um derartige Situationen zu vermeiden und die Zufriedenheit und das Wohlbefinden noch zu verbessern.
Außerdem sollte intensiv an der Aufklärung der Betriebe bzw. der Wirtschaft über die Integrative Berufsausbildung gearbeitet werden. Viele der Betriebe bieten diese Form der Ausbildung erst gar nicht an oder fühlen sich der Beschäftigung eines integrativen Lehrlings nicht gewachsen, da sie zu wenig informiert sind, teilweise vielleicht sogar voreingenommen. Zu diesem Ergebnis kamen auch Stadlmayr et. al. in ihrer Evaluierung der Berufsausbildungsassistenz in Oberösterreich: Die Evaluierung zeigte unter anderem, dass die Integrative Berufsausbildung wenig bekannt ist und deshalb wird die Berufspalette eingeschränkt. Als Maßnahme bedarf es an verstärkter Öffentlichkeitsarbeit in Bereichen wie Schule und den Betrieben. (vgl. Stadlmayr et.al., 2009, S.149f). 
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Anhang A: http://bidok.uibk.ac.at/download/witonsky-anhang-a.pdf
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Sophia Witonsky: Die Integrative Berufsausbildung als Chance zur Teilhabe am Arbeitsmarkt. Sehen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre integrative Ausbildung ebenfalls als Chance? Bachelorarbeit an der Universität Salzburg, Fachbereich Erziehungswissenschaft, Studienfach Pädagogik, Betreuer Dr. Gottfried Wetzel, 2015

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