Source: http://zvaws.de/energieklima/abfallrilieu.html
Timestamp: 2020-01-20 09:00:02+00:00

Document:
Verwerterstatus nach EU-Abfallrahmenrichtlinie - MHKW Wuerzburg
Home / Energie, Klima- und Umweltschutz / Energetische Verwertung im MHKW Würzburg - Verwerterstatus nach Abfallrahmenrichtlinie
Abfallrahmen-
Einstufung des MHKW Würzburg als Verwertungsanlage
Das MHKW Würzburg erzielt für das Betriebsjahr 2018 einen R1 Faktor von
R1 = 0,75
und erfüllt damit die Anforderung zur Einstufung als Verwertungsverfahren
Inkrafttreten der Europäischen Abfallrahmenrichtlinie - Hintergrundinformationen
Die Abfallrahmenrichtlinie ist das "Grundgesetz" der Europäischen Abfallwirtschaft für die nächsten 10 - 20 Jahre.
Sie muss von den Mitgliedsstaaten in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden.
Die Richtlinie enthält neben einer Vielzahl von Details für den Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg und das MHKW die im Folgenden dargestellten grundlegenden Änderungen und Aussagen.
In der umfangreichen Richtlinie sind die entscheidenden Passagen ab Art. 4, Abfallhierarchie, grau unterlegt.
2. Aussagen der Abfallrahmenrichtlinie im Einzelnen
2.1. Abfallhierarchie (Art. 4)
Die Richtlinie zeigt folgende neue Hierarchie:
Gemäß Art. 4 Abs. 2 kann hiervon unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes abgewichen werden.
2.2. Ende der Abfalleigenschaft
Gemäß Art. 6 Abs. 1 tritt das Ende der Abfalleigenschaft erst nach Durchlaufen von Verwertungs- und Recyclingverfahren ein.
Dies ist besonders wichtig, um zu verhindern, dass ein grauer Markt von Abfallströmen außerhalb der Abfallwirtschaft entsteht, der nicht mehr kontrollierbar ist.
Die Vergangenheit hat zu oft gezeigt, dass angeblich recycelt wird und der Abfall dann doch in illegalen Deponien, Ton- und Kiesgruben oder weltweit verschwindet.
So ist nun klar definiert, dass die Abfalleigenschaft erst endet, wenn das Recyclingverfahren beendet ist.
Hinzu kommen weitere Anforderungen (vgl. Art. 6 Abs. 1).
2.3. Erweiterte Herstellerverantwortung
Gemäß Art. 8 wird die Herstellerverantwortung vor allem hinsichtlich Umweltfolgen und Verwertbarkeit verbessert.
2.4. Abfallvermeidung
Gemäß Art. 9 verlangt der EU-Gesetzgeber die Ausarbeitung einer Produkt-Ökodesign-Politik.
2.5. Verwertung, Wiederverwendung und Recycling
EU-weit sollen bis 2020 Recyclingquoten für Papier, Metall, Kunststoff und Glas mit 50 % erreicht werden.
Im Verbandsgebiet haben wir diese Werte schon seit 1995.
Einschließlich Biotonne haben wir seither einen Spitzenwert von 70 % (Vorbereitung zur Wiederverwendung und Recycling) erreicht.
Nimmt man nun noch die sonstige Verwertung, wie die energetische Verwertung, hinzu, dann haben wir über das Müllheizkraftwerk die vollständige Verwertung der Abfälle einschließlich der Reststoffe (Schlacke, Kesselaschen und Filterstäube).
2.6. Verantwortung für die Abfallbewirtschaftung
Gemäß Art. 15 Abs. 2 befreit eine Weitergabe an andere in der Regel nicht von der Verantwortung. Hiervon können die Länder durch Gesetzgebung abweichen.
Insbesondere auch in diesem Teil bleibt abzuwarten, wie das nunmehr neu zu schaffende Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz die Dinge regeln wird.
Die grundsätzliche Auffassung des Zweckverbandes und der Verbände, die ihn vertreten, ist hierzu jedenfalls, dass jeder Abfallbesitzer grundsätzlich verpflichtet sein muss zu erforschen, wohin die von ihm bereitgestellten Abfälle kommen.
Dies darf nicht durch angebliche Betriebsgeheimnisse konterkariert werden.
Betriebsgeheimnisse sind sicherlich die erforderlichen Preise und dergleichen, aber nicht wohin der Abfall tatsächlich kommt und jeder Abfallbesitzer sollte weiterhin sich darüber im Klaren sein und auch ein entsprechendes Auskunftsrecht/-pflicht haben, was mit seinen Abfällen geschieht.
2.7. Art. 16 Grundsätze der Entsorgungsautarkie
Dies war einer der umstrittensten Punkte im Verhältnis von Abfallwirtschaft und Umweltschutz zu wahren.
Im Interesse der Daseinsvorsorge ist nun einmal ein integriertes und angemessenes Netz von Abfallbeseitigungsanlagen und Anlagen zur Verwertung von gemischten Siedlungsabfällen, die von privaten Haushaltungen eingesammelt worden sind, erforderlich (Art. 16 Abs. 1).
Insbesondere die neuen Beitrittsländer im Osten der EU hatten befürchtet, dass durch Dumpingangebote Abfälle von dort abgezogen werden bzw. umgekehrt, ihre eigenen Entsorgungsstrukturen blockiert würden.
Von besonderer Bedeutung ist dabei Art. 16 Abs. 3, wonach das Netz es gestatten muss, dass die Abfälle in einer der am nächsten gelegenen geeigneten Anlagen beseitigt bzw. verwertet werden.
Dies wieder unter Einsatz von Verfahren und Technologien, die am besten geeignet sind, um ein hohes Niveau des Gesundheits- und Umweltschutzes zu gewährleisten (wie Würzburg).
2.8. Abfallbewirtschaftungspläne und Abfallvermeidungsprogramme (Art. 28 und Art. 29)
Diese Punkte betreffen in erster Linie die neuen Beitrittsländer und am wenigsten die Bundesrepublik Deutschland und Bayern, wo die Strukturen seit über 10 Jahren bereits den modernsten Anforderungen entsprechen.
Was die Abfallvermeidungsprogramme anbelangt, so bleibt abzuwarten, wie sich diese auswirken.
2.9. Auslegung und Anpassung an den technischen Fortschritt
Insbesondere hinsichtlich der energetischen Abfallverwertung (vgl. auch Anhang II, Verwertungsverfahren, R 1 Hauptverwendung als Brennstoff oder als anderes Mittel der Energieerzeugung unter Bezugnahme auf die Energieeffizienzformel*) sind Anpassungen möglich.
An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass nunmehr energieeffiziente Anlagen wie das MHKW Würzburg Verwertungsanlagen sind.
Die entsprechende Formel Energieeffizienz = im Prinzip produzierte Energie im Verhältnis zum Energieinput, knüpft den Verwertungsbegriff an eine möglichst hohe Energieeffizienz.
Das MHKW Würzburg erreicht dabei Energieeffizienzwerte von 0,64 bis 0,69 (vgl. Kennzahlen MHKW, S. 27 der Umwelterklärung für das MHKW 2008).
Dies bedeutet eine relativ hohe Energieeffizienz.
Eingeschränkt wird diese Energieeffizienz allerdings durch das milde Klima Würzburgs und den damit relativ geringen Fernwärmeverbrauch, den nun einmal eine klimatisch günstige Situation mit sich bringt.
Die Weiterentwicklung zu einer noch besseren Energieeffizienz wird dabei in Würzburg vor allem in zwei Aspekten gesehen:
Umbau der Wiederaufheizung für die Katalysatoren von Linie 1 und 2 2009 und 2010 mit einer Einsparung von importierter Energie (in der Formel E i).
Ein zweiter wichtiger Punkt zur Verbesserung der Energieeffizienz wird hoffentlich die Anbindung des Areals der ehemaligen Leighton-Barracks an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Würzburg AG, einschließlich Klimatisierung (Fernkälte) sein.
Ferdinand Kleppmann, Dezember 2008

References: Art. 4
 Art. 4
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 8
 Art. 9
 Art. 15
 Art. 16
 Art. 16
 Art. 29