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Timestamp: 2017-11-17 18:14:38+00:00

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DAS URANTIA BUCH, Schrift 85. Die Ursprünge der Anbetung
DAS URANTIA BUCH - Schrift 85. Die Ursprünge der Anbetung
Schrift 85. Die Ursprünge der Anbetung
§ 1. Verehrung von Steinen und Bergen
§ 2. Verehrung von Pflanzen und Bäumen
§ 3. Tierverehrung
§ 4. Die Verehrung der Elemente
§ 5. Anbetung der Himmelskörper
§ 6. Die Anbetung des Menschen
§ 7. Die Hilfsgeiste der Anbetung und Weisheit
85:1.1 (944.5) Der erste Gegenstand, den der sich entwickelnde Mensch verehrte, war ein Stein. Noch heute verehrt das Volk der Kateri in Südindien einen Stein, und zahlreiche nordindische Stämme tun desgleichen. Jakob schlief auf einem Stein, weil er ihn verehrte; er salbte ihn sogar. Rahel verbarg eine Anzahl heiliger Steine in ihrem Zelt.
85:1.2 (944.6) Die Steine waren es, die die frühen Menschen zuerst als etwas Außerordentliches beeindruckten wegen ihrer Art, sich so plötzlich an der Oberfläche eines bebauten Feldes oder einer Weide zu zeigen. Die Menschen unterließen es, die Erosion oder die Folgen des Umwendens der Erde zu berücksichtigen. Steine beeindruckten frühe Völker auch so sehr, weil sie häufig Tieren glichen. In den Bergen lenken zahlreiche Gesteinsformationen die Aufmerksamkeit des zivilisierten Menschen auf sich, weil sie so stark Tier- oder sogar Menschenköpfen ähnlich sehen. Aber den tiefsten Eindruck übten Meteorsteine aus, die die primitiven Menschen in flammender Großartigkeit durch die Atmosphäre sausen sahen. Sternschnuppen erfüllten die frühen Menschen mit heiligem Schrecken, und sie glaubten mühelos, dass solche leuchtenden Spuren das Vorübergehen eines Geistes auf seinem Weg zur Erde anzeigten. Kein Wunder, dass die Menschen dazu kamen, solche Phänomene anzubeten, ganz besonders wenn sie danach die Meteore entdeckten. Und das führte zu noch größerer Verehrung aller übrigen Steine. In Bengalen verehren viele einen Meteoren, der im Jahr 1880 zur Erde fiel.
85:1.3 (945.1) Alle alten Klans und Stämme hatten ihre heiligen Steine, und die meisten modernen Völker bringen bestimmten Steinarten — ihren Juwelen — eine gewisse Verehrung entgegen. In Indien wurde eine Gruppe von fünf Steinen verehrt; in Griechenland war es eine Sammlung von deren dreißig; bei den roten Menschen war es gewöhnlich ein Kreis aus Steinen. Die Römer warfen immer einen Stein in die Luft, wenn sie Jupiter anriefen. In Indien kann sogar bis auf den heutigen Tag ein Stein als Zeuge benutzt werden. In einigen Gegenden kann man einen Stein als Talisman des Gesetzes verwenden und aufgrund seines Prestiges einen Übeltäter vor Gericht ziehen. Aber gewöhnliche Sterbliche identifizieren die Gottheit nicht immer mit einem verehrungswürdigen Kultobjekt. Solche Fetische sind oft nur Symbole des wirklichen Gegenstands der Anbetung.
85:1.4 (945.2) Die Alten hatten eine besondere Ehrfurcht vor in Steinen enthaltenen Hohlräumen. Man nahm an, dass solch poröses Gestein bei der Heilung von Krankheiten außerordentlich wirkungsvoll sei. Die Ohren wurden nicht durchbohrt, um Steine zu tragen, aber man legte Steine in sie, um die Ohrhöhlen offen zu halten. Auch heutzutage noch machen abergläubische Menschen Löcher in Münzen. In Afrika machen die Eingeborenen viel Aufheben um ihre Fetischsteine. Es ist eine Tatsache, dass bei allen zurückgebliebenen Stämmen und Völkern die Steine immer noch von abergläubischer Verehrung umgeben sind. Auch heute noch ist der Steinkult auf der ganzen Welt weit verbreitet. Der Grabstein ist ein symbolisches Überbleibsel der in Stein gemeißelten Stand- und Götzenbilder im Zusammenhang mit dem Glauben an Geistwesen und an die Geister verstorbener Gefährten.
85:2.1 (945.4) Die Pflanzen wurden wegen der berauschenden Flüssigkeiten, die man aus ihnen gewann, zuerst gefürchtet und dann angebetet. Die primitiven Menschen glaubten, dass man durch den Rausch göttlich wurde. Man nahm an, dass in einer solchen Erfahrung etwas Ungewöhnliches und Heiliges liege. Auch heutzutage noch bezeichnet man den Alkohol als „geistiges Getränk“.
85:2.4 (945.7) Die Vorstellungen von Baumgeistern waren bei den verschiedenen Stämmen und Rassen sehr verschieden. Einige Bäume wurden von freundlichen Geistern bewohnt, andere beherbergten irreführende und grausame Geister. Die Finnen glaubten, dass in den meisten Bäumen freundliche Geister hausten. Die Schweizer misstrauten den Bäumen lange Zeit, weil sie überzeugt waren, dass verschlagene Geister in ihnen lebten. Die Bewohner Indiens und Ostrusslands empfinden die Baumgeister als grausam. Die Patagonier verehren die Bäume immer noch, so wie einst die frühen Semiten. Lange nachdem die Hebräer mit der Anbetung der Bäume aufgehört hatten, fuhren sie fort, ihre verschiedenen Gottheiten in Hainen zu verehren. Mit Ausnahme Chinas gab es einst einen weltweiten Kult des Baums des Lebens.
85:2.5 (946.1) Der Glaube, dass Wasser oder kostbare Metalle unter der Erdoberfläche mittels einer hölzernen Wünschelrute ausgemacht werden können, ist ein Überrest der alten Baumkulte. Im Maibaum, im Weihnachtsbaum und in der abergläubischen Gewohnheit, Holz zu berühren, leben die einstigen Bräuche der Baumanbetung und der späteren Baumkulte fort.
3. Tierverehrung
85:3.4 (946.6) Die Verehrung der Insekten und anderer Tiere verbreitete sich infolge einer späteren falschen Auslegung der Goldenen Regel — anderen (jeglicher Form des Lebens) zu tun, was man wünschte, sie täten es uns. Die Alten glaubten einst, dass alle Winde von den Vogelschwingen erzeugt würden, und deshalb fürchteten sie alle geflügelten Geschöpfe und beteten sie an. Die frühen Nordländer dachten, dass Sonnen- und Mondfinsternis durch einen Wolf, der einen Teil dieser Gestirne verzehrte, verursacht würden. Die Hindus stellen Vishnu oft mit einem Pferdekopf dar. Sehr oft steht ein Tiersymbol für irgendeinen vergessenen Gott oder einen verschwundenen Kult. Schon früh in der evolutionären Religion wurde das Lamm zum typischen Opfertier und die Taube zum Symbol für Frieden und Liebe.
4. Die Verehrung der Elemente
85:5.2 (947.5) Die Mondanbetung ging der Sonnenanbetung voraus. Die Verehrung des Mondes erreichte ihren Höhepunkt in der Jagdära, während die Sonnenverehrung zur religiösen Hauptzeremonie des darauf folgenden landwirtschaftlichen Zeitalters wurde. Die Sonnenanbetung schlug zuerst in Indien tiefe Wurzeln und dauerte dort auch am längsten. In Persien ließ die Sonnenverehrung den späteren mithraischen Kult entstehen. Viele Völker betrachteten die Sonne als Ahnherrin ihrer Könige. Die Chaldäer setzten sie in den Mittelpunkt der „sieben Universumskreise“. Spätere Zivilisationen ehrten sie, indem sie den ersten Wochentag auf ihren Namen tauften.
6. Die Anbetung des Menschen
85:6.2 (948.2) Der frühe Mensch betrachtete alle ungewöhnlichen Personen als übermenschlich, und er fürchtete sich vor solchen Wesen so sehr, dass er sie in heiliger Scheu verehrte; in gewissem Maße betete er sie buchstäblich an. Sogar Zwillinge zu bekommen, betrachtete man entweder als großes Glück oder aber als großes Unglück. Geisteskranke, Epileptiker und Schwachsinnige wurden von ihren normalen Gefährten oft angebetet, weil sie glaubten, dass in solchen abnormen Wesen Götter wohnten. Priester, Könige und Propheten wurden verehrt; die heiligen Menschen von einst galten als von den Gottheiten inspiriert.
85:6.4 (948.4) Man sollte Geistergötter angeblich menschlichen Ursprungs und Naturgötter auseinander halten, denn die Anbetung der Natur brachte ein ganzes Pantheon hervor — Naturgeister, die in die Stellung von Göttern emporgehoben wurden. Die Naturkulte fuhren fort, sich neben den später erscheinenden Geisterkulten zu entwickeln, und beide beeinflussten einander. Viele religiöse Systeme besaßen eine doppelte Vorstellung von Gottheit — Naturgötter neben Geistergöttern. In einigen Theologien sind beide Vorstellungen eng verschlungen, wie das Beispiel Thors, eines Geisterhelden, belegt, der zugleich auch Herr des Blitzes war.
85:7.3 (948.8) Wenn der Anbetungsdrang durch Weisheit — durch meditatives und sich auf Erfahrung stützendes Denken — zurechtgewiesen und geführt wird, beginnt er, in das Phänomen eigentlicher Religion überzugehen. Wenn der siebente Hilfsgeist, der Geist der Weisheit, wirksam in Aktion tritt, dann beginnt die Anbetung, sich von der Natur und den natürlichen Gegenständen weg- und dem Gott der Natur und dem ewigen Schöpfer aller natürlichen Dinge zuzuwenden.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7