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Timestamp: 2019-06-25 02:32:34+00:00

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G. Gesellschaftsrechtliche Auswirkungen
I. Leitungsorgane (Geschäftsführer, Vorstände)
II. Gesellschafterversammlung, Hauptversammlung und Aufsichtsrat
Insolvenzrecht - Gesellschaftsrechtliche Auswirkungen der Insolvenz
Die Insolvenz einer Gesellschaft (OHG, KG, GbR, GmbH, PartG, AG, UG, SE, KGaA, eG, GmbH & Co. KG etc.) führt stets zu deren Auflösung. Diese Folge ist in allen gesellschaftsrechtlichen Gesetzen und für jede Rechtsform normiert (z.B. § 60 Abs. 1 Nr. 4 Hs. 1 GmbHG; näher Rn. 247). Demzufolge sind die Anteilseigner (Gesellschafter, Aktionäre, Genossen, Mitglieder) sowie die Leitungsorgane (Geschäftsführer, Vorstände) ebenfalls Leidtragende einer Insolvenz. Folge der Auflösung ist, dass die Gesellschaft nun der (insolvenzrechtlichen) Liquidation unterliegt. Bis zur vollständigen Abwicklung existiert die Gesellschaft weiter und ist rechts- und parteifähig. Die Gesellschaftsorgane von Kapitalgesellschaften bleiben während des Insolvenzverfahrens (Regelverfahren) im Amt. Ihre Funktionen sinken aber Richtung null. Sie dürfen sich lediglich im sog. insolvenzneutralen Bereich betätigen (gespaltene Zuständigkeit).
Kramer/Peter Insolvenzrecht S. 159. Das Gesellschaftsrecht wird nun vom Insolvenzrecht überlagert. Mehr Möglichkeiten für den Rechtsträger bietet das Insolvenzplanverfahren. Hier kann die Fortführung der Gesellschaft beschlossen werden (§ 60 Abs. 1 Nr. 4 Hs. 2 GmbHG).
Während des Insolvenzverfahrens übt der Insolvenzverwalter die Leitungsmacht im Unternehmen aus (§ 80 Abs. 1 InsO). Die Leitungsorgane (Vorstand, Geschäftsführer) sind entmachtet. Die gesetzlichen Vertretungsregelungen (§§ 35 GmbHG, 78 AktG) sind „storniert“.
Bork/Hölzle/Naraschewski Handbuch Insolvenzrecht Kap. 22 Rn. 89. Ein kleiner Verantwortungsbereich bleibt immerhin bestehen. So dürfen die Geschäftsführer (Vorstände) noch Gesellschafterversammlungen (Hauptversammlungen) einberufen und sich um das insolvenzfreie Vermögen (freigegebene Gegenstände oder Prozesse) kümmern (hierzu Rn. 242 ff., 252). Nach § 11 WpHG (§ 35 BörsG) bleibt der Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft für die Erfüllung der kapitalmarktrechtlichen (öffentlich-rechtlichen) Pflichten (WpHG, BörsG etc.) zuständig.Gottwald/Haas/Mock Insolvenzrechts-Handbuch § 93 Rn. 96; ferner BVerwG v. 13.4.2005 – 6 C 4/04 = NZI 2005, 510, 512 ff. Die Entscheidung, ob ein Leitungsorgan gehen muss, trifft nicht der Insolvenzverwalter. Für die Abberufung des Geschäftsführers (Vorstands) bleibt die Gesellschafterversammlung (der Aufsichtsrat) zuständig.Uhlenbruck/Berscheid InsO § 113 Rn. 20b. Hier geht es um den Kernbereich, das Amt. Die Kündigung des zugrunde liegenden Anstellungsvertrags, der dem Geschäftsführer (Vorstand) das Gehalt garantiert, ist dagegen dem Insolvenzverwalter vorbehalten. Er kann den Dienstvertrag ordentlich oder außerordentlich kündigen, da er in die Arbeitgeberstellung einrückt (§ 80 Abs. 1 InsO).Uhlenbruck/Berscheid InsO § 113 Rn. 20b. Dies wird er regelmäßig tun, um die Masse nicht mit hohen Gehaltszahlungen zu belasten. Für die Leitungsorgane bedeutet die Insolvenz im Ergebnis das Ende von Macht und Reichtum.
Wird das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Firma MyTV GmbH eröffnet, müssen sich die Geschäftsführer Simon und Tanja im Klaren sein, dass ihnen die Rechtsmacht (§ 35 GmbHG) sofort genommen wird. Sie können weder das operative Geschäft betreuen, noch Mitarbeiter entlassen noch einen Cent vom Geschäftskonto abheben. Stattdessen sind sie dem Insolvenzverwalter auskunftspflichtig (§§ 97, 101 InsO) und müssen sich für Fragen bereithalten. Ihren Job (ihr Einkommen) sind sie nach Kündigung ihres Anstellungsvertrags durch den Insolvenzverwalter dann auch noch los.
Während des Insolvenzverfahrens bleibt die Gesellschafterversammlung bei der GmbH (Hauptversammlung bei der AG) zwar weiterhin als Organ bestehen, sie ist aber nur noch im (kleinen) insolvenzneutralen Bereich zuständig. Sämtliche Weisungsbefugnisse, Kontrollfunktionen und Zustimmungserfordernisse der Gesellschafter bzw. des Aufsichtsrats (z.B. § 111 AktG) sind aufgehoben. Ausgeschlossen ist jede Einflussnahme auf die Handlungen des Insolvenzverwalters, insbesondere bei der Verwertung der Masse.
Bork/Hölzle/Naraschewski Handbuch Insolvenzrecht Kap. 22 Rn. 84. Über eine Änderung der Firma oder ein DelistingGottwald/Haas/Mock Insolvenzrechts-Handbuch § 93 Rn. 87. entscheidet allein der Insolvenzverwalter. Für die Fragen, ob der Betrieb weitergeführt oder an wen der Betrieb verkauft wird, ist die Zustimmung des Gläubigerausschusses bzw. der Gläubigerversammlung (nicht der Gesellschafterversammlung) einzuholen (§ 160 Abs. 2 Nr. 1 InsO). Der Machtbereich der Gesellschafterversammlung ist auf wenige „symbolische“ Maßnahmen beschränkt. So können alte Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder oder Aufsichtsratsmitglieder abberufen und neue bestellt werden.Gottwald/Haas/Mock Insolvenzrechts-Handbuch § 93 Rn. 26. Die Anteilseigner können noch Änderungen der Satzung (§§ 53 GmbHG, 179 AktG) beschließen. Ist das Insolvenzverfahren abgeschlossen (weil alles verwertet ist), verlieren die Gesellschafter des insolventen Rechtsträgers vollends ihre Rechtspositionen. Die Gesellschaft wird wegen Vermögenslosigkeit aus dem (Handels-)Register gelöscht (§ 394 FamFG). Das bedeutet den endgültigen Verlust der Vermögens- und Mitgliedschaftsrechte. Etwas besser sieht es für Gesellschafter im Insolvenzplanverfahren aus (näher Rn. 439 ff.).
Die Durchführung des Insolvenzverfahrens markiert das Ende der Gesellschafterstellung von Maria, Simon und Tanja. Mit Abschluss des Verfahrens wird die MyTV GmbH aus dem Handelsregister gelöscht (§ 394 FamFG). Der 1964 gegründete Rechtsträger ist dann Geschichte.
Wie wirkt sich eine Unternehmensinsolvenz auf die Gesellschafterversammlung aus?
Keine Einflussnahme auf die Handlungen des Insolvenzverwalters
Die Gesellschafterversammlung gibt es dann nicht mehr
Sämtliche Weisungsbefugnisse sind aufgehoben
Der Machtbereich ist auf wenige symbolische Maßnahmen beschränkt
Was gehört zu den gesellschaftrechtlichen Auswirkungen einer Unternehmensinsolvenz, bezogen auf die Leitungsorgane (Geschäftsführer, Vorstände)?
Der Insolvenzverwalter entscheidet, ob ein Leitungsorgan gehen muss
Die Leitungsorgane werden entmachtet, ein kleiner Verantwortungsbereich bleibt aber bestehen
Die Leitungsorgane verlieren keine Macht, aber müssen die Weisungen des Insolvenzverwalters beachten
Die gesetzlichen Vertretungsregeln sind "storniert"
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Am 01.07.2019 ab 16:00 Uhr
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References: § 60
 § 11
 § 93
 § 113
 § 113
 § 111
 § 93
 § 93