Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=III%20ZR%20229/85
Timestamp: 2019-04-19 23:21:04+00:00

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BGH, 09.07.1987 - III ZR 229/85 - dejure.org
Ansprüche gegen einen Kommanditisten aus Kontokorrentkredit - Mithaftung einer Schwesterfirma - Wirksame Verpflichtung durch den Geschäftsführer - Vertretungsbeschränkung durch die interne Geschäftsordnung - Auszahlung des Forderungsbetrages an den Darlehensnehmer als Voraussetzung für die Darlehensgewährung - Zulässigkeit des Bestreitens mit Nichtwissen - Sicherungsvorrang des Kontokorrentkredits
Darlehensempfang auch in Höhe der Gutschrift des von einem Kontokorrentkonto auf ein der Bank zu verpfändendes Festgeldkonto überwiesenen Teilkreditbetrags
NJW-RR 1988, 173 (Ls.)
MDR 1988, 125
WM 1987, 1125
DB 1988, 332
Bei einer juristischen Person kommt es insoweit auf ihre Organe an, nicht hingegen auf Kenntnisse früherer Organmitglieder (vgl. BGH…, Urteil vom 10.10.1994 - II ZR 95/93, juris Rn. 22; Urteil vom 09.07.1987 - III ZR 229/85, juris Rn. 31).
Es kann dahinstehen, in welchem Umfang eine Informationspflicht der Partei besteht, bevor sie eine Tatsache mit Nichtwissen bestreitet (vgl. dazu BGHZ 109, 205, 210 [BGH 15.11.1989 - VIII ZR 46/89]; BGH, Urteile vom 10. Juli 1986 - III ZR 19/85 - NJW 1986, 3199, 3201 und vom 9. Juli 1987 - III ZR 229/85 - BGHR ZPO § 138 Abs. 4 Erkundigungspflicht 1; Lange. NJW 1990, 3233, 3235 ff.).
Diesen entsprechen bei juristischen Personen Handlungen und Wahrnehmungen ihrer gesetzlichen Vertreter (vgl. BGH, Urt. v. 9.7.1987 - III ZR 229/85, ZIP 1987, 1102, 1104;… Stein/Jonas/Leipold, ZPO, 21. Aufl., § 138 Rdn. 34;… Baumbach/Hartmann, ZPO, 59. Aufl., § 138 Rdn. 52).
Den Handlungen und Wahrnehmungen der Partei stehen die ihrer gesetzlichen Vertreter gleich (BGH, Urteil vom 9. Juli 1987 - III ZR 229/85 = BGHR ZPO § 138 Abs. 4 Erkundigungspflicht 1;… Zöller/Greger, ZPO, 20. Aufl., § 138 Rdnr. 15;… Stein/Jonas/Leipold, ZPO, 21. Aufl., § 138 Rdnrn. 34, 34a;… MünchKomm/Peters, ZPO, § 138 Rdnr. 29, der das auch für rechtsgeschäftlich bestellte Vertreter annimmt).
Darüber hinaus hat der Bundesgerichtshof eine Erkundigungspflicht der Partei angenommen, wenn es sich um Vorgänge im Bereich von Personen - nicht nur der eigenen, sondern auch einer anderen Firma - handelt, die unter ihrer Anleitung, Aufsicht oder Verantwortung tätig geworden sind (Urteile vom 10. Juli 1986 - III ZR 19/85 = NJW 1986, 3199 unter II 4; vom 9. Juli 1987 aaO; vom 15. November 1989 - VIII ZR 46/89 = BGHZ 109, 205, 208 ff; vom 10. Oktober 1994 - II ZR 95/93 = WM 1994, 2192 unter 3 d aa).
Ob das hier prozessual zulässig war (vgl. dazu BGH, Urt. v. 9. Juli 1987 - III ZR 229/85, WM 1987, 1125, 1126; v. 15. November 1989 - VIII ZR 46/89, NJW 1990, 453 f), kann offenbleiben.
Im Rahmen des § 138 Abs. 4 ZPO ist in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs anerkannt, dass eine Partei auf die Kenntnisse ihres früheren gesetzlichen Vertreters nicht verwiesen werden kann (BGH, Urteil vom 9. Juli 1987 - III ZR 229/85, WM 1987, 1125, 1126), weil das Wissen ihr durch das Ausscheiden des Organmitglieds gleichsam verloren gegangen ist (…Wieczorek/Schütze/Gerken, ZPO, 4. Aufl., § 138 Rn. 43).
Jedenfalls habe im entschiedenen Fall der Beklagten eine Erklärung nach § 138 Abs. 4 ZPO nicht mit der Begründung verwehrt werden dürfen, sie müsse bei ihrer rechtlich selbständigen Schwesterfirma, die sich zudem noch im Konkurs befinde, Erkundigungen einziehen (BGH Urteil vom 9. Juli 1987 - III ZR 229/85 = BGHR ZPO § 138 Abs. 4 Erkundigungspflicht 1).

References: § 138
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