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Timestamp: 2017-03-26 20:52:37+00:00

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Johannes Bartmann, Das Gerichtsverfahren vor und nach der Münsterischen Landgerichtsordnung von 1571 :: Elektronische Edition Speer 2010 /2016
InhaltsverzeichnisJohannes Bartmann, Das Gerichtsverfahren vor und nach der Münsterischen Landgerichtsordnung von 1571 :: Elektronische Edition Speer 2010 /2016[Editorial]Literaturverzeichnis [formal angepasst. H.S.]Erstes Kapitel.Die Entstehungsgeschichte der Münsterischen Landgerichtsordnung von
1571.Zweites Kapitel.Das Gerichtsverfahren vor Erlaß der Landgerichtsordnung.§ 1. Goding und Gogericht.§ 2. Die Gerichtspersonen.§ 3. Das Verfahren.Drittes Kapitel.Die Landgerichtsordnung.§ 1. Der Übergang.§ 2. Goding und Gogericht.§ 3. Die Gerichtspersonen im Gogericht.§ 4. Das Verfahren im Gogericht.§ 5. Die Bedeutung der LGO.IV. Die Aufnahme des römischen Rechtes.§ 1. Allgemeines.§ 2. Das Prozeßrecht.§ 3. Das materielle Recht.Anhang.Münsterische und Westfälische Juristen auf den Rechtsschulen zu Köln und
Bologna.A. Münsterische Studenten des weltlichen Rechtes auf der Rechtsschule zu
Köln:B. Westfälische Studenten auf der Universität Bologna:Glossar.Alphabetisches Register.Appendix A Zusätzlicher Index auf Grund des Markups
Quelle: Johannes Bartmann, Das Gerichtsverfahren vor und nach der Münsterischen Landgerichtsordnung von 1571 und die Aufnahme des römischen Rechts im Stifte Münster (Heidelberg 1908, Carl Winter's Universitätsbuchhandlung) = Deutschrechtliche Beiträge. Forschungen und Quellen zur Geschichte des Deutschen Rechts. Herausgegeben von Dr. Konrad Beyerle, ord. Professor an der Universität Göttingen, Band II, Heft 3.Mit einem OCR-Programm als Text erfasst und mit Markup nach TEI-XML versehen, korrigiert und hypertextualisiert. Heino Speer 2010 / 2016.
Literaturverzeichnis [formal angepasst. H.S.]
Autor Titel DigitalisatFriedländer u. Malagola (Hrsg.): Acta Nationis Germanicae Universitatis Bononiensis, Berlin 1887 Arnold: Studien zur deutschen Kulturgeschichte, Stuttgart 1882v. Below: Die Ursachen der Rezeption des römischen Rechtes in Deutschland, München und Berlin 1905 Bömer: Das literarische Leben in Münster bis zur endgültigen Rezeption des Humanismus, aus der Festschrift der Universitätsbibliothek, Münster 1906 Bornhak: Der Einfluß der Rezeption der fremden Rechte auf die Umgestaltung der älteren deutschen Gerichtsverfassung, Forschungen zur deutschen Geschichte XXVI, 1886 Cornelius: Die münsterischen Humanisten, Münster 1851 Darpe: Humanismus in Rheine (Ztschr. f. vaterl. Gesch. u. Altertumsk., Münster 1888, Bd. 46, I, S. 1 ff.) Detmer: Johann von Hoya, Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 14, S. 246 ff.Diepenbrock: Geschichte des vormaligen münsterschen Amtes Meppen, Münster, 1838 v. Duhn: Deutschrechtliche Arbeiten, Lübeck, 1877 Engelke: Das Gogericht auf dem Desum, Jahrbuch für Oldenburgische Geschichte XIV, S. 1ff. [DRW-Sigle] Erler: Die Matrikel der Universität Leipzig (= Cod. dipl. Sax. Reg. 2 Hauptteil, Bd. 16), Leipzig, 1895 Franklin: Beiträge zur Geschichte der Rezeption des römischen Rechtes in Deutschland, Hannover, 1863 Gobler: Der Rechten Spiegel, Frankfurt, 1558 [VD16-Titelaufnahme] Heldmann: Westfälische Studierende zu Erfurt, Marburg, Heidelberg, Wittenberg (in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Münster 1894, Bd. 52, II, S. 77 ff., 1897, Bd. 55, II, S.93ff., 1902, Bd. 60, II, S. 19 ff., 1895, Bd. 53, II, S. 97 ff.). v. Kamptz: Die Provinzial- und Statutarrechte in der preußischen Monarchie, Bd. II, Berlin, 1827 Karlowa: Über die Rezeption des römischen Rechtes in Deutschland, Heidelberg, 1878 Volltext Keussen: Die Matrikel der Universität Köln, 1389—1559, Bd. I, 1389 bis 1463, Bonn, 1892 Knod: Deutsche Studenten in Bologna (1289—1562), Berlin, 1899 Digitalisat Kock: Series Episcoporum Monasteriensium, III, Monasterii,1802 Kurfürstentum KölnKölner Reformation der weltlichen Gerichte, ausgegangen im Jahre 1537, in der Ediktensammlung Maximilian Friedrichs, Bd. I, S. 412 ff., Köln, 1772 Küster: Die juristische Abteilung der kgl. Universitäts-Bibliothek in Münster, Festschrift, Münster, 1906 Laband: Über die Bedeutung der Rezeption des römischen Rechtes für das deutsche Staatsrecht, Straßburg, 1880 Lüdicke: Die landesherrlichen Zentralbehörden im Bistum Münster, Göttinger Dissertation, Münster, 1901 Merkel: Der Kampf des Fremdrechtes mit dem einheimischen Rechte in Braunschweig-Lüneburg, Hannover und Leipzig, 1904 Digitalisat Münster Münsterische Hoff- und Landgerichts- auch gemeine Ordnungen, Münster, 1617 Nieberding: Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster, Vechta, 1852 Niesert: Münstersche Urkundensammlung, Coesfeld, 1829 Nordhoff: Denkwürdigkeiten aus dem münsterischen Humanismus, Münster, 1874 von Olfers: Verfassung und Zerstückelung des Oberstiftes Münster, Münster, 1848 Planck: Die Lehre vom Beweisurteil, Göttingen, 1848 Planck: Deutsches Gerichtsverfahren im Mittelalter, Braunschweig, 1879 Philippi: Hundert Jahre preußischer Herrschaft im Münsterlande, Münster, 1904 Philippi: Westfälische Landrechte, Bd. I, Landrechte des Münsterlandes (Veröffentlichungen der hist. Kommission für Westfalen, Rechtsquellen), Münster, 1907 DRW-Sigle Rehker: Die landesherrlichen Verwaltungsbehörden im Bistum Osnabrück von 1553—1661 (Mitteil. des Vereins für Gesch. u. Landeskunde von Osnabrück, Bd. 30, Jahrgang 1905) Reichskammergerichtsordnung Reichskammergerichtsordnung von 1555, in Lünigs deutschem Reichsarchiv, Leipzig 1713, Bd. I, S. 163ff., jetzt auch bei Zeumer, Quellensammlung zur Gesch. der deutsch. Reichsverfassung (1904), Nr. 190., DRQEditSaur Fasciculus Iudiciarii Ordinis Singularis, VI. Faszikel S. 134 ff. (= Münsterische Hoff- und Landgerichts- auch gemeine Ordnungen), Frankfurt, 1588 DRQEdit-Sigle Saur Fasciculus Iudiciarii Ordinis Singularis, I. Faszikel, S. 1ff. (= Mainzer Untergerichtsordnung), Frankfurt, 1588 [DRQEdit-Sigle Saur]
DRQEdit Originaldruck Schlüter: Provinzialrecht der Provinz Westfalen, Bd. I, Provinzialrecht des Fürstentums Münster, Leipzig, 1829 DRW-Sigle Schmitz: Die Gogerichte im ehemaligen Herzogtum Westfalen, Münsterische Dissertation, Münster, 1901 Schmidt: Die Rezeption des römischen Rechtes in Deutschland 1868 Schroeder: Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte, 5. Aufl., Leipzig, 1907 Digitalisat 7. Aufl. Schwartz: 400 Jahre deutscher Civilprozeßgesetzgebung, Berlin, 1898 Digitalisat Scotti: Samml. der Gesetze und Verordnungen, welche im Erbfürstentum Münster ergangen sind, Bd. 1 u. 2, Münster, 1842 DRW-Sigle Sohm: Fränkisches Recht u. römisches Recht, Ztschr. der Savigny-Stiftung für Rechtsgesch., Germ. Abt. Bd. I (1880), S. 1ff.Sohm: Institutionen des römischen Rechtes, Leipzig, 1901 Sohm: Die deutsche Rechtsentwicklung und die Kodifikationsfrage, Grünhuts Ztschr. Bd. I (1874), S. 245 ff. Stobbe: Geschichte der deutschen Rechtsquellen, Braunschweig, 1860 Digitalisat Stobbe: Zur Literatur der deutschen Rechtsgeschichte, Kritische Vierteljahrsschrift für Gesetzgebung u. Rechtswiss., Bd. XI (1869), S. 1ff. Stölzel: Die Entwicklung des gelehrten Richtertums in deutschen Territorien, Stuttgart, 1872 Digitalisat Stölzel: Das Bedürfnis nach Rechtseinheit als Ursache der Rezeption des römischen Rechtes, Vortrag, im Auszug abgedr. in der deutschen Lit.-Ztg. 1907,
Nr. 5, S. 309 ff. Stüve: Geschichte des Hochstifts Osnabrück, Jena, 1872 DRW-Sigle Stüve: Untersuchung über die Gogerichte in Westfalen, Jena, 1870 Undergerichtsordnung des Erzstifts Mainz, Frankfurt, 1534 [DRQEdit-Digitalisat] Welter: Handbuch über das eheliche Güterrecht in Westfalen, Paderborn, 1861 Wigand: Archiv für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Bd. III, Lemgo, 1828 DRW-Sigle [Seite 299 ] Erstes Kapitel. Die Entstehungsgeschichte der Münsterischen Landgerichtsordnung von
1571. Am 26. Oktober 1566 wurde Johann von Hoya
zum Bischof von Münster gewählt.1.1 Nach seiner
ganzen Vergangenheit erschien er sehr tauglich zur Verbesserung des stiftischen
Gerichtswesens, über welches hie und da Klagen laut geworden waren. Johann
hatte in Paris und Orleans studiert, er genoß den Ruf eines tüchtigen Juristen,
und er war auch gräflicher Beisitzer und Präsident am Reichskammergericht
gewesen. Die Stände ließen nicht lange auf ihre Wünsche warten. Schon der Landtagsabschied vom 14. Mai 15671.2 teilt mit, daß "letztlich durch gemeine stende auch angeregt
worden, die mengell in der justizien zur richtigkeit pringen zu lassen". Ein
Memorial der Hofräte über die den Landräten, den ständischen Beratern des
Bischofs, am 1. Juli 1567 zu machenden Vorschläge nimmt diese Frage wieder auf.
Es heißt darin, die Reform sei zwar noch keine "hochnotwendigkeit", aber
gleichwohl habe Ihre fürstlichen Gnaden durch Dr. Rey schon "etwas verfassen
lassen". Dieses "etwas" wird wohl die in W. Ldr. I1.3
abgedruckte [Seite 300 ] "kurtze anzeich der misbruiche" sein. Weiter heißt es, vor allem solle eine
"Inquisition bei allen hoch- und niedergerichten bestendiglich durch etliche
erfarene Rethe sopalt immer müglich, fürgenommen werden". Ferner: "Dweill in
den gerichten nit allein nach gemeinen beschriebenen rechten, sonder auch nach
alten guten gewohnheit pfleget geurthelt zu werden, und dann hiebevor vill
reden von dieser lanthgepreuchen fürgefallen, aber dannoch nit eigentlich
angezeigt werden mogen, ob dieselben also jeder zeit gehalten oder danach
geurtheilt worden, zudem unbewußt, ob solliche gepreuch der pillichkeit gemeß",
so sollen auch diese aufgezeichnet werden. Die Hof- und Landräte beschlossen alsdann in gemeinsamer Sitzung, es solle
eine Kommission zusammen mit erfahrenen Leuten aus den Ständen die Mängel
besprechen und ihre Bedenken äußern. Alsdann werde der Bischof hierauf
bezügliche Interrogatoria an die Amtleute schicken. Diesem Beschlusse trat der
Landtag in seinem Abschiede vom 9. Januar 1568 bei. Die Erhebungen durch die Amtleute geschahen indes nicht sogleich, vielmehr
wurde zunächst am 27. April 1569 die Reform, "wie sie I. f. Gn. auffs Papier
hatte pringen lassen" den Ständen vorgelegt und ein Ausschuß aus den Ständen
gewählt, welcher "mit und neben I. f. Gn. Rethen dasjenige, so ufs Papier
gepracht, in allen seinen stücken examiniren und disputieren solle". Vorgelegt
wurden die neue Fassung des Privilegium patriae und Entwürfe für eine
Offizialat-, eine Hof- und eine Landgerichtsordnung.1.4 Von einer
Aufzeichnung des Gewohnheitsrechtes sehen und hören wir nichts mehr. Die wieder vorgelegten Entwürfe wurden durch den Landtagsabschied vom 8.
August 1569 nochmals einer Kommission überwiesen. [Seite 301 ] Im April 1570
wurde endlich die "Reformation des geistlichen Offizialat-, auch Hof- und
Landgerichts- und andere gemeine Ordnungen" von dem Landtage angenommen. Erst am 26. Februar 1571 erließ der Bischof das im Januar 1568 beschlossene
Schreiben an die Amtleute. Darin werden Auskünfte verlangt über die
Gerichtspersonen, Ort und Zeit der Gerichtsverhandlungen u.s.f., auf Grund
deren die durch die Landgerichtsordnung (abgek. LGO.) eingeführten Neuerungen
in die Tat umgesetzt werden sollten.1.5 Durch mancherlei Streitigkeiten zwischen Bischof und Ständen wurde die
Publikation der Ordnungen bis zum 31. Oktober 1571 verzögert. Als ihr Verfasser
wird in dem Protokoll über die Eröffnung des Hofgerichts der Kanzler Dr. jur.
Steck genannt. [Seite 302 ] Zweites Kapitel. Das Gerichtsverfahren vor Erlaß der Landgerichtsordnung. Um beurteilen zu können, weiche Bedeutung die LGO. für die Rechtsentwicklung
des Stiftes2.1 besonders für die Aufnahme des römischen Rechtes gehabt
hat, ist zunächst das frühere Verfahren darzustellen. Dabei rechtfertigt sich die Beschränkung auf das Zivilverfahren vor den
Gogerichten, den ordentlichen weltlichen Landgerichten2.2, denn
nur dieses hat in der LGO. eine durchgreifende Regelung bezw. Umgestaltung
erfahren. Bezüglich des peinlichen Verfahrens wird auf die Vorschriften der Carolina
verwiesen.2.3 Über das Brüchtenverfahren,
ein halb ziviles, halb kriminelles Verfahren2.4, bestimmt die
LGO. nur, daß "kein länger Prozeß gehalten, sonder allein Clag, Antwort und
Beweiß angehört und darauff alßbald erkendt werden soll" (3
II). Für die Freigerichte begnügte man
sich mit einer energischen Ermahnung, die bestehende "Reformation" zu
befolgen.2.5 Auch [Seite 303 ] die Holz-, Gast- und Bauergerichte können wir
übergehen, da sich über diese nur wenige Vorschriften in der LGO. finden2.6, die überdies auch den Bestimmungen über die Gogerichte
nach Möglichkeit entsprechen.2.7 § 1. Goding und Gogericht. Zwei Formen der Goversammlung sind scharf zu scheiden: das Goding, auch
"generallandgoding"2.8, "echtes
godinch"2.9 oder "steveliger
gerichtestag"2.10 genannt, und das
eigentliche Gogericht, "Gericht in streitigen Partiensachen".2.11 An vielen Orten bestand für
beide eine verschiedene Malstatt: so wurde z.B. in Beckum und in Ahlen das
Goding vor dem Ost-, das Gogericht vor dem Westtore abgehalten.2.12 Ferner
war das Goding ein ungebotenes Ding, zu
welchem alle Dingpflichtigen, also auch die Parteien, ungeladen erscheinen
mußten2.13 und welches an bestimmten, sogenannten
Pflichttagen gehalten wurde.
Solcher Tage gab es in einigen Gerichten nur zwei (eines bei Gras und eines bei
Stroh2.14), in anderen drei, vier oder sogar sechs.2.15
Außerdem konnte der Bischof noch außerordentliche "steffliche richtliche
pflichtdaiche" anberaumen.2.16 Gogericht wurde dagegen gehalten, "so offt es durch des Herrn von Munster
amptlude uthgekundyget worth, ock dar es parten umb schulden und unschulden
begeren".2.17 Dies war ein gebotenes Ding, zu welchem die
Gegenpartei zehn Tage vorher geladen werden mußte.2.18
Über die Abgrenzung von
Goding und Gogericht im [Seite 304 ] Hochstift Osnabrück schreibt Stüve2.19: "Ursprünglich sollten alle Klagen bei den Landgödingen
vorgebracht werden. Später wurden gewöhnliche Schuldklagen und ähnliche
außerhalb der Landgödinge in einfacherer Form erledigt". Auch in Münster sehen
wir zunächst das Goding als erkennendes Gericht.2.20 Später trat jedoch eine Trennung ein: "Auf den Gödingen
wurde das Recht gewiesen. Auf dem Bottdinge (judicium partium) wurde in den
einzelnen Prozeßsachen nach dem auf dem Goding gewiesenen Rechte erkannt."2.21
Praktisch wird sich das Verhältnis zwiefach gestaltet haben. Wenn gerade
ein Goding nahe bevorstand, oder wenn man Zweifel an der Rechtsgültigkeit
seines Anspruches hatte, so ging man zunächst zum Goding. Dort holte man sich
in Gestalt eines "gemeynen ordels"2.22 eine Auskunft über
das Bestehen eines Rechtssatzes2.23 oder eines
tatsächlichen Verhältnisses2.24,
alles "per viam consultationis".2.25 Mit diesem Urteil (vurraem)2.26 in der Hand konnte
man immer noch überlegen, ob es aussichtsvoll sei, einen Rechtsstreit [Seite 305 ] zu beginnen,
damit "das urthel zum negsten gerichte vur recht
abgekant werde". Auch pflegte man den späteren Gegner von der Verhandlung vor
dem Goding zu benachrichtigen.2.27 Durch deren Ergebnis
konnte sich dann vielleicht der Gegner veranlaßt fühlen, den Anspruch zu
befriedigen oder schon im Goding seine Einwendungen anzubringen. Der erteilte
Richtschein konnte im späteren Rechtsstreite verwandt werden.2.28 Hatte man dagegen den Rechtsstreit am Gogericht anhängig gemacht, so wurde
dort möglicherweise die Befragung der Dingpflichtigen oder eines Teiles
derselben über einen tatsächlichen Zustand oder über eine Rechtsfrage
beschlossen. Die Antwort auf beides geschah stets durch Urteil2.28 im Goding; denn auch bei der Feststellung des
objektiven Rechtes handelte es sich nicht um Rechtserzeugung oder -auslegung,
sondern auch nur um eine Tatsache, das Wissen oder Nichtwissen des verlangten
Rechtssatzes.2.30 Wie diese Verweisung vom Gogericht an das
Goding geschah, sehen wir deutlich an folgendem Falle aus dem Jahre 1488.2.31 Dort kommt eine Partei zum Goding und erklärt, es sei "ein receß und cedule
bededinghet"2.32, den sie vorliest: "To [Seite 306 ] gedenkenne, dat
men up den nesten godinck ... vraghe den gemeynen dinckpflichtigen, of de ok
gedenken ... Sachten ok de dinckpflichtigen, dat id also de tyt eres levendes
geholden were, dat dan de Korve by eren besitte blyven". Als die Partei nun
noch eine "Ansprake" tun will, läßt die Gegenpartei erklären: "De cedule en
vermochte nicht, dat dar ansprake gescheyn solde, darumb en wolden se ... na
inholt und vermoghen der cedulen doen". Wie die erste, so fand auch die
Schlußverhandlung wieder vor dem Gogericht statt, das auf Grund des erteilten
Richtscheines das Endurteil fällte. Sachlich waren die Gogerichte zuständig für sämtliche bürgerlichen
Streitigkeiten.2.33 Die persönliche
Zuständigkeit interessiert hier nicht, da sie durch die LGO. nicht geändert
wurde.2.31 Freiwillige Gerichtsbarkeit fand nur wenig in den Gogerichten statt, denn
"echtes Eigen wurde im Freigericht aufgelassen, Übertragung von Leihenutzung,
ja sogar Ausstattung der Kinder und Versorgung der Leibzüchter wurden im
Hofgericht oder vor dem Gutsherrn getätigt".2.35 Die wenigen anderen
Akte der freiwilligen Gerichtsbarkeit fanden im Gogericht, im "sunderlix darto
gehegeden gericht"2.36 statt, ob auch im
Goding, muß dahingestellt bleiben, ist aber sehr wahrscheinlich. Der Umfang der Geschäfte, welche gerichtlich beurkundet werden mußten, wird
der gleiche gewesen sein wie nach der LGO.2.37 § 2. Die Gerichtspersonen. Vorsitzender eines jeden Gogerichts war der Gograf.
Er wurde von dem Inhaber des Gerichts ernannt2.38, nicht
[Seite 307 ] mehr von dem "Land" gewählt.2.39 Seine Tätigkeit bestand fast ausschließlich
in der Leitung der Verhandlung.2.40 Das Betreiben des
Verfahrens lag den Parteien ob. Deren Sache war es, dem Gografen alle
Prozeßhandlungen "affzugewinnen", das heißt, ihn durch Befragung des Umstandes
und darauf ergehendes Urteil dazu zu zwingen.2.41 War der Gograf an der Ausübung
seines Amtes verhindert, so ließ er sich durch "bequeme Personen"
vertreten.2.42 Bei bloß augenblicklicher Verhinderung, z.B. bei der
Beratung mit dem Umstande, legte er ein "instrument" an seine "stede".2.43 Die
Urteilsfindung lag bei dem Umstande. Daß im Goding die ganze Gemeinde, das
"land"2.44, urteilte, sehen wir aus den zahlreich erhaltenen
Richtscheinen.2.45 Jeder "Hausherr"
war bei Strafe verpflichtet, selbst im Goding zu erscheinen.2.46 Aber
auch im Gogericht entschied der Umstand. Weil hier keine allgemeine Dingpflicht
bestand, wurde er aus den zufällig anwesenden Männern gebildet.2.47 Daß
dem so war, ersehen wir aus den Berichten von Brunnen und Dingden2.48, wo es heißt: "mit dem umbstand gerichtet", obgleich an den
beiden genannten Orten keine Godinge stattfanden, ferner aus dem Mißbr. Nr.
142.49 und aus LGO. 1
II: "Es soll durch richter und scheffen und nit durch den umstandt (wie
biß daher geschehen) erkendt werden". Auch hier ist nicht das Goding gemeint,
denn dieses regelt ausschließlich [Seite 308 ] und
erschöpfend LGO. 2 II. Schließlich
wäre noch die Kölner Reformation von 1537 heranzuziehen: "Und wollen hiemit den
alten mißbruch unser Westvelischer gericht, als das die urthel nit durch den
richter sonder den ungeferlichen umbstandt adir einen uß dem hauffen gegeben
werden, gentzlich abgethan haben". Hier ist auch offenbar das Gogericht
gemeint, denn im Goding kann man doch nicht von einem "ungeferlichen umbstandt"
reden, weil dort der Umstand, die Gemeinde, immer der gleiche ist. Eine
besondere Stellung unter dem Umstände nahmen die
"kornoten" ein, die auch "standenoten, getugen oder tuchluden" genannt
wurden.2.50 Wie die
letzten Namen schon andeuten, scheinen sie Urkundspersonen für das
Gerichtszeugnis gewesen zu sein. Mit dem Richter zusammen
bildeten sie die "bank".2.51 Mancherorts wurden
sie auch bei dem Urteilsvorschlag bevorzugt2.52, jedoch
waren sie nicht identisch mit den noch zu erwähnenden Urteilsfindern. Die
Bezeichnung "Kornoten", das heißt gekürte Gerichtsgenossen, deutet auf ihre
Berufung im Einzelfall hin. Tatsächlich sehen wir auch, daß die Kornoten (die
LGO. 1 I nennt auch die Schöffen
in Anlehnung hieran Kurgenossen) von den Parteien2.53 oder sonstigen Interessierten2.54, in letzter
Linie vom Gografen für jede Verhandlung besonders ernannt wurden, und zwar
durchaus nicht immer aus der Gerichtsgemeinde.2.55 Im Goding konnte der
Gograf stets genug Adelige, Bauerrichter oder Bauern als Kornoten haben; aber
zum Gogericht, wo er nicht darauf rechnen durfte, stets passende Leute zur [Seite 309 ] Hand zu haben,
brachte er seine Kornoten mit, und zwar waren dies
meist Beamte, so in Vechta der Drost und der Richter
von Wildeshusen, in Dülmen
und Bocholt Bürgermeister und Ratsschöffen, in Kloppenburg
die Amtleute.2.56
Urteilsfindung war, grundsätzlich wenigstens, jedermann aus dem Umstande
berufen2.57; nur in den
westlich gelegenen Gerichten sehen wir, daß eine besondere Klasse, die Inhaber
von Sattelgütern, zusammen mit den Kornoten das Urteil fanden2.58, ferner in den Ämtern Vechta, Kloppenburg
und Wildeshausen
die Burgmannen mit 24 beeideten Hausleuten.2.59
Ständige oder gar beamtete Vorsprechen
gab es noch nicht, vielmehr erbat sich jede
Partei und überhaupt jeder, der im Gerichte sprechen wollte, einen beliebigen
Mann von dem Gografen als Vorsprecher. Dieser mußte "sich an die bank dingen",
das heißt eine Reihe von Urteilen finden lassen über die seiner Partei und ihm
selbst zukommenden Rechte2.60; er
mußte außerdem von der Bank zugelassen werden.2.61 Nur ein Teil der Gogerichte hatte einen Gerichtsschreiber;
daraus kann man ersehen, daß diesem keine rechtlich
bedeutsame Stellung zuteil geworden war. Seine spätere Aufgabe, Urkundsperson
zu sein, erfüllten schon die Kornoten. § 3. Das Verfahren. Über die Form der Verhandlungen im Goding sind wir hinlänglich unterrichtet;
bezüglich des Verfahrens im Gogericht [Seite 310 ] können wir nur
Vermutungen aufstellen. Wir werden jedoch wohl nicht fehlgehen, wenn wir
annehmen, daß bedeutende Unterschiede zwischen beiden nicht bestanden haben.
Sehen wir doch noch im Jahre 14482.62 Goding und
Gogericht vereinigt. Und als sich später die Trennung vollzogen hatte —
wahrscheinlich, weil die Dingpflicht zu lästig wurde — da war immer noch
kein wesentlicher Unterschied zwischen dem Rechtsprechen und dem Erteilen eines
Weistums. Wir können somit das Verfahren für beide einheitlich darstellen. In
seinen Hauptzügen stimmt es naturgemäß mit dem den Rechtsbüchern, insbesondere
dem Sachsenspiegel, zugrunde liegenden Verfahren überein: in der gleich zu
erörternden Dreiteilung2.63, ferner in
der Mündlichkeit, dem Parteibetrieb
und der Verhandlungsmaxime. Auch in Einzelheiten
Hegung, Schelte) finden wir viel Übereinstimmendes, nur daß an die Stelle der
verschiedenen Klagearten (schlichte, Anefangsklage) mit ihrem großen
Formalismus ein einheitliches Verfahren trat, das auch freiheitlicher
ausgestaltet war (es ist z.B. keine dreimalige Ladung des Ungehorsamen mehr
nötig). Die Zulassung des Zeugenbeweises im modernen Sinne2.63 und die damit notwendig verbundene Beweiswürdigung
trug natürlich auch viel zur Beseitigung des Formalismus bei. Die
zerfiel in drei Teile: Vorfragen, Hauptverhandlung und Beweiserhebung.2.64 Begonnen wurde der Gerichtstag mit einer feierlichen Hegung,
das heißt "Befragung oder bestattung besonderer
fürurtheil an den umbstandt oder fürsprächen"2.65, ob es sei rechte
Dingzeit, ob er, der Gograf, nicht müsse verbieten "unrecht, unlust,
scheltwort, nytwort, strytwort, kyffwort, hennewort."2.66 Nachdem also "die bank gespannt", folgte zunächst [Seite 311 ] die Zulassung
der Fürsprechen, denn im
Gegensatz zum Sachsenrecht, das die Annahme eines
Fürsprechen der Partei anheim stellte2.67, durfte hier niemand sprechen, "he doe dat vermitz sinen
togelaten und erloefften vorspreicken".2.68 Daraus, daß
jedermann, also nicht nur die Partei, einen Fürsprechen haben mußte, ersieht
man, daß es sich hier nicht um eine Prozeßvertretung handelte, die von der
Pflicht zumn persönlichen Erscheinen entband, sondern nur um ein Fürsprechen,
das heißt Reden für den ungeübten Bauersmann, mit bindender Kraft für diesen
nur dann, wenn er schweigend seine Zustimmung gab.2.69 Falls Bedenken obwalteten, wurde
durch Urteil entschieden, ob ein Fürsprech genügende Vollmacht habe2.70, ob der Beklagte zur Antwort vor diesem Gerichte und an diesem
Tage2.71 verpflichtet sei.2.72 Zum Vorverfahren gehörte wohl auch noch die Bekümmerung.2.73 Diese bezweckte, den
unsicheren Gegner, einen Zeugen2.74
oder einen Fürsprechen2.75 persönlich oder
ein ihnen gehöriges Gut festzuhalten, um zunächst ihr Erscheinen vor [Seite 312 ] Gericht, dann
auch die Erfüllung ihrer anderen Verbindlichkeiten
sicher zu stellen.2.76 Von einem Versuche, den Streit im Vorverfahren auf gütlichem Wege, mit
Minne, beizulegen2.77, finden wir keine Spuren. Zum Beginn
des Hauptverfahrens "spricht der Kläger den Beklagten an und giebt ihm
Schuld".2.78 Den Grund des Klageanspruches bringt er in längerer
Erzählung vor, nach jedem Satze sich zum Beweise erbietend mit Worten, wie:
"Wolde ome de yemand bespreken" oder "wolde he dar wat eynkeghen seggen, dat
wolde he wysen und kunden, wo he myt rechte solde na demme lantrechte".2.79 Beispiele einer schlichten Klage2.80 lassen sich nicht nachweisen;
möglich, daß solche im Gogericht üblich waren, möglich auch, daß die schlichte
Klage im 16. Jahrhundert schon ein überwundener Standpunkt war. Zuletzt bringt
der Kläger dann sein Klagebegehren vor: "Und begherden, dat ick, gogreve
vorskreven, den buerrichter (Beklagten) wolde dwingen myt deme rechte, dat he
den broke uthgeve und den schaden richtede, off tor rechten antworde".2.81 Der Beklagte erhält zur Antwort eine
Frist von 14 Tagen2.82, aber nur, falls
er "handgeloiffthe" gibt.2.83 Dieses "Handgelübde"
entspricht der fränkischen Wette und ist ein förmliches Schuldversprechen
unter Verpfändung der Treue.2.84 Inhalt des Versprechens ist die Erfüllung der prozessualen
Pflichten, insbesondere hier das Erscheinen im nächsten Ding. Erkennt der
Beklagte den Anspruch an, so erhält er eine Frist zur Befriedigung des Klägers.
[Seite 313 ] Beteuert
der Beklagte dagegen seine "unschult up de ansprake"2.85, so muß er die Behauptungen des Klägers, die er nicht gelten
lassen will, Satz für Satz bestreiten2.86 oder Einwendungen
machen, worauf dann Replik, Duplik
usw. uneingeschränkt folgen können, und zwar "dith
allent oen bewieß".2.87 Sache
der Parteien ist es, durch
stete Fragen an den Umstand, die meist mit den Worten: "Off wat dar recht up
were"2.88 endigen, den Gang des Prozesses weiter zu treiben.
Urteile steht hinsichtlich seines Zustandekommens und seiner Form einem
Endurteile gleich, kann auch für sich gescholten werden.2.89 In einem solchen Falle wird ein
Richtschein ausgestellt, mit dem der Schelter zu dem höheren Gerichte geht;
dieses entscheidet dann, ob das Urteil richtig gescholten ist oder nicht.2.90 "So wert dann in einer saiche etwan 2 oder 3 mael
zu haupte zu verscheiden zeitten appellert und wedderumb de saiche ad
inferiorem judicem remittirt".91 Die Eröffnung eines
solchen "zu hofe geholten" Urteils ist besonders teuer.2.92 Ist so durch "stetiges urteilen, ... ehe die
beweisung beschehen"2.93 festgestellt, welche Punkte bestritten und erheblich sind, welche
Kraft die einzelnen Beweismittel haben, so wird die Hauptverhandlung durch das
Beweisurteil geschlossen. Durch dieses wird über den Klageanspruch unter der
Bedingung erkannt, daß die dem Streitgegenstand "nähere" Partei für ihre
Behauptungen einen gesetzlich zulässigen Beweis erbringen kann. Ein solches
Beweisurteil finden wir in W. Ldr. S.
239e.2.94 Da der Beweis ein Recht ist, so ist ein Gegenbeweis
ausgeschlossen, andererseits aber auch jede Partei, die den angebotenen und ihr
zuerkannten Beweis "by sittendem gerichte" nicht zu erbringen vermag, sofort
"der saeke fellig und verluestig".2.93 Die Beweismittel bilden eine Mischung von Altem und Neuem; neben dem
Selbstzeugnis der Partei, das heißt dem Parteieid
ohne2.96 oder mit "Zeugen"2.97, finden wir schon Zeugen im
heutigen Sinne, das heißt solche, deren Schwur nicht mehr zu dem Parteieide
hinzutritt und wie dieser ein Urteil ist, die vielmehr über ihnen bekannte
Tatsachen aussagen.2.98 Gelingt dem Beweisführer der Beweis nicht und kann die Gegenpartei dies
"bybrengen", das heißt nachweisen, so hat er damit den Prozeß verloren.2.99 Glückt aber der Beweis, so ist nur noch übrig, über die Art der
Vollstreckung ein Urteil zu fragen, durch welches naturgemäß zugleich der
Klageanspruch als zu Recht bestehend anerkannt wird.2.100 [Seite 315 ] Die sämtlichen Urteile, die der Umstand zu sprechen hat, werden vorher
beraten. Handelt es sich um Urteile, die den Gang des Prozesses betreffen, so
nimmt der Gograf an der Beratung
teil: "So nu etzliche saken vorqweimen, da ick, gogreve, bi mi so nicht kunde
vinden ader schiren, offt ick nicht mochte ... beraden mi mit dem umbstande und
frunden dusses gerichtz ...".2.101 Urteile in der Sache selbst werden von dem Gografen
"bestadet"2.102, und zwar, soweit es keine bestimmten Urteilsfinder
gibt2.103, entweder an die sämtlichen
Dingpflichtigen2.104 oder an einzelne aus dem Umstande.2.105 Der zum Urteilfinden Bestimmte kehrt sich, wie es in den Urkunden so
plastisch beschrieben ist, mit den sämtlichen Dingpflichtigen um, berät sich
mit ihnen und bringt dann das gefundene Urteil wieder ein. "Im
fall aber sie bei demselben gerichte under sich
dasselbe nith finden können, pflecht dergenne, daran es bestattet, zeit zu
belherungh begeren".2.106 Es wird ihm
alsdann aufgegeben, "sich by rechtzgelerten zu ersuegen umb deß urthels
verfathung"2.105, und die Einbringung erfolgt im "achtergudynge",
das 14 Tage später stattfindet.2.107 Letzteres heißt
dann das "hele gericht" im Gegensatz zu dem ordentlichen Ding, dem "halven
gericht".2.108 Für das gefundene Urteil fragt der Gograf "ghevolchnisse"2.109,
und zwar "eynewerff, anderwerff, tomme negeden male overwerff".2.110 Wenn der Spruch "myt swygener fulbarth togelaten" ist, so
"stadet der gogreve dat vor rechte".2.110 Haben dann die
Parteien dem Gografen noch [Seite 316 ] "affgewunnen,
dal he en itlichen eyn schyn moiste geven under syn segel up oer koist"2.111, so "entfanght er syne orkunne darup, wandt alle gerychtlike
gescheyn und myt ordelle und myt recht bestediget und gevestyged sind". Das
Versäumnisverfahren ist folgendermaßen ausgebildet: läßt der ungehorsame
Beklagte sich nicht "vernotsinnigen", das heißt durch Säumnisboten (fränkisch
"sunnis") echte Not dartun, so erhält der Kläger, und zwar im Goding ohne
weiteres, im Gogericht bei nachgewiesener einmaliger2.112
Ladung (bodagunge) des
Beklagten, auf seine "Ansprache" ein "doergaende gericht et rem judicatam", ein
Versäumnisurteil.2.113 Dieses gründet sich auf das bloße Nichterscheinen des Beklagten,
nicht etwa auf die vorgebrachten Behauptungen des Klägers.2.114 Ein
Einspruch gegen das Versäumnisurteil ist nicht möglich: "Imo non permittitur,
ut reus purget contumaciam hujus modi".2.113
Außerdem hat der Ungehorsame noch eine Geldstrafe (gewedde, Friedensgeld)2.113 wegen Nichtbeachtung des in der Ladung enthaltenen
obrigkeitlichen Befehles zu gewärtigen.2.116
Rechtskräftig wird ein Urteil, wenn "niemantz by sittenden gerichte tor
scheldunge erschennen".2.117
Zur Schelte ist nicht nur jede Partei, sondern
überhaupt jeder Anwesende befugt2.118, eine Tatsache, die im Wesen der Schelte begründet liegt. Diese
bezweckt nämlich nicht die Aufhebung eines schon gesprochenen Urteils —
ein solches [Seite 317 ]
kommt nur zustande, wenn niemand "wedderachtet" —
vielmehr soll durch das Angehen eines höheren Gerichtes"2.119 die zur
Urteilsfällung erforderliche Einstimmigkeit ersetzt werden. Die Schelte ist
darum ein Streit zwischen Urteilsfinder und Schelter; ist letzterer eine der
Parteien, so schilt sie auch nur als Mitglied der Gerichtsgemeinde.2.120 Die Schelte
besteht aus drei Akten:
1. der formellen Erklärung, daß man das gefundene Urteil nicht anerkenne, 2.
dem Vorbringen eines besseren "vurraem"2.121 3. dem
Angehen eines höheren
Gerichtes. Es ist möglich, daß der dem Urteilsvorschlag Widersprechende sich
mit den beiden ersten Handlungen begnügt: alsdann entscheidet die
Gerichtsgemeinde durch Stimmenmehrheit, welcher Vorschlag der bessere ist. Erst
durch die Erklärung, man werde ein höheres Gericht angehen, wird der
Gegenvorschlag zur wirklichen Schelte.2.122 Deshalb wird man "der scheldunge
vellich", wenn man "den ordelvinder by namen offt tonamen nicht nennt und sick
des ock an nyn hoger gericht bereipt".2.123 Im Stift Münster
ging die Schelte an das Goding2.124, und zwar nach Sandwelle2.125 oder zum Desum.2.126 Ist das Urteil richtig gescholten, so pflegt der Gograf die
Urteilsausfertigung eine Zeitlang hinauszuschieben ("eyn tytlank upgeschort"),
"um fruntlike schedinge to versokene".2.119 Kommt eine Einigung nicht zustande, so fertigt der Gograf den
Richtschein aus und stellt den Parteien anheim, das Urteil " up den nesten
godink to hovede to halen". Zu dieser Verhandlung muß der Schelter den
Urteilsfinder [Seite 318 ]
und auch denjenigen laden, auf dessen Frage das Urteil
gewiesen worden ist.2.127 Dem oben
besprochenen Wesen der Schelte entspricht es, daß es in der höheren Instanz
kein neues Vorbringen von Beweisen und Tatsachen gibt2.128, daß vielmehr einfach der Richtschein verlesen und dann sogleich ein
Urteil darüber gefällt wird, ob der Schelter richtig gescholten habe oder
nicht. Wird erkannt, daß mit Recht gescholten sei, so ist damit nicht nur der
Vorschlag des Urteilfinders beseitigt, sondern zugleich der "vurraem"
des Schelters als bindende Norm aufgestellt, obwohl
vielleicht die Mehrheit in der ersten Instanz auf Seiten des Urteilfinders
gestanden hat. Insofern ist die Schelte doch mehr als ein bloßer Zwischenstreit
des Schelters und Urteilfinders. [Seite 319 ] Drittes Kapitel. Die Landgerichtsordnung.
§ 1. Der Übergang. Wieviel römisches Recht schon vor Erlaß der LGO. in den Prozeß der
münsterschen Gerichte eingedrungen ist, läßt sich an der Hand eines Berichtes
feststellen, den im Jahre 1574 die Burgmänner zu Vechta an den Bischof von
Münster sandten und in welchem die Prozeßformen dargestellt sind, wie sie "von
alterß her im swange gewest, geubeth und gebraucht" worden waren.3.1 In diesem Berichte lesen wir viele
fremdrechtliche Ausdrücke, von denen sich jedoch nicht mit Sicherheit behaupten
läßt, ob sie nur Latinisierungen der alten
Begriffe sind, oder ob die Praxis schon teilweise einen anderen Sinn mit ihnen
verband. So wird die Ladung Zitation, die Klage Aktion, der Fürsprech
Prokurator, das satzweise Bestreiten der Klage litis contestatio, insaghe
exceptio genannt. Die Befragung der Dingpflichtigen findet in einem terminus
probandi statt, das Beweisurteil heißt nun Beiurteil. Jedenfalls ist das Verfahren noch kein vollständig anderes geworden,
vielmehr lassen sich nur einige wesentliche Unterschiede gegenüber dem alten
Prozeß feststellen. Zunächst finden wir, daß ein Protokoll
geführt wird, in das Klage, Klagebeantwortung,
ferner die Zeugenaussagen aufgenommen werden. Der
Gerichtsschreiber wird dadurch ausschließlich
Urkundsperson an Stelle der "kornoten". Auch sehen wir, daß für jedes
Vorbringen ein besonderer Termin [Seite 320 ] angesetzt
wird, worauf die Gegenpartei Abschrift des Protokolls und neuen Termin zur
Antwort erhält. Überhaupt scheint die Schriftlichkeit
sich immer mehr, auch im Parteivorbringen, breit
gemacht zu haben.3.2 Während früher die Urteile des Sandweller und Desumer Stuhles unanfechtbar
waren3.3, ist jetzt
eine Appellation an die fürstliche Kammer möglich.3.4 Da
diese noch kein eigentliches Rechtsmittel, sondern nur eine "Supplikation"
ist, so steht es im Belieben des Fürsten,
sie anzunehmen oder nicht. Tatsächlich wurde sie jedoch immer gewährt.3.5 Somit ist der Boden schon bereitet für die LGO. § 2. Goding und Gogericht. Die
durch Abtrennung des
Gogerichtes vom Goding angebahnte Entwicklung wird vollendet in der LGO. Die
bisher noch unsichere Abgrenzung zwischen beiden wird nunmehr scharf
hervorgehoben, indem die bislang vermengten Tätigkeiten der Rechtsprechung und
Feststellung des objektiven Rechtes getrennt, erstere dem Gogericht, letztere
dem Goding überwiesen werden. "So sollen auch die fragung der urtheil, so an
gerürten gödingen und landtgerichten zu underschiedtlichen zeiten deß jahres zu
geschehen pflegen, hiemit eingestellt und abgeschafft sein. Doch soll der
gograff oder richter macht haben, einmahl im jahr zu sommerszeiten ein gemein
göding . . öffentlich verkündigen zu lassen, auf welchem gerürter gograff für
sich selbst oder auff ansuchen der partheien die erscheinende ins gemein
befragen sol, wie es nach landts gebrauch mit graben, zeunen, potten oder
pflantzen, sehen, mehen, wegen [Seite 321 ] und stegen,
und dergleichen zu halten, item von Mist und pflug gerechtigkeit, ... und sie
darauff bey iren eyden ermahnen, die warheit, wie man die ins gemein belebt und
erfahren und bißheran bestendiglich gehalten, zu vermelden. Was dann
einhelliglich oder durch den mehrerntheil also einbracht und erklärt,
landtbräuchlich zu sein, das sol durch den gerichtsschreiber fleißig
verzeichnet, und so wir dasselbig bestettigen wurden, sollen solche
landtgerichts urtheil in ein ordnung gebracht und folgends für ein landtrecht
der Ort publiciert und gehalten werden" (2
II, Abs. 2). Eine außerordentlich geschickte Maßregel! Man will das Volk als Ganzes
nicht mehr an der Rechtsprechung teilnehmen lassen, darum schält man das Goding
aus dem Verfahren heraus. Andrerseits wünscht man, den Zusammenhang zwischen
der Rechtsprechung und der Überlieferung aufrecht zu erhalten. Darum läßt man
das Volk weiter im Goding das Recht finden.3.6 Dies bot zugleich den Vorteil, daß die Schöffen, in
deren Händen nun die Rechtsprechung lag, als Gemeindemi tglieder am Goding
teilnahmen und so in steter Fühlung mit der lebendigen Überlieferung und dem
Rechtsbewußtsein des Volkes blieben. Neben der
Rechtsprechung findet die freiwillige Gerichtsbarkeit in den Gogerichten statt,
doch wird sie nur zweimal flüchtig in der LGO. erwähnt. Einmal im 2.
Teil, Titel I, wo angeordnet wird,
daß das Protokoll über die Übergaben, Verträge und Testamente, die gerichtlich
geschehen sind, gut aufbewahrt werden solle. Zum anderen in der Taxe der
Gerichtsgefälle, 1 XVI, wo es
heißt: "Item von Erbkaufen, [Seite 322 ] Verträgen,
Verzichten, Erbaußgängen und dergl., da etwas erblich gegeben, verkaufft oder
auffgetragen wird, welches vor dem Richter in beysein der Schöffen jederzeit
geschehen sol ...". Die alte Form ist also mit Änderung der Namen beibehalten,
es sei denn, daß auch hier der Gerichtsschreiber rechtliche Bedeutung
hatte. Infolge ihrer völlig verschiedenen Aufgaben haben Goding und Gogericht
fortan verschiedene Formen. Mangels weiterer neuerer Bestimmungen behält
allerdings das Goding im wesentlichen sein altes Verfahren bei.3.7 Wie früher schon in
den Gogerichten, so treten jetzt auch hier sehr häufig Beamte als Kornoten
auf.3.8 Obwohl die
Vorsprechen von nun an fest angestellt sind (1
V, Abs. 1), müssen sie gleichwohl im
Goding noch jedesmal sich an die Bank dingen und zugelassen werden.3.9 Sie treten nun fast
allein als Urteilfrager auf, und zwar dürfen sie
dabei die Namen der Parteien nicht mehr nennen.3.10 So vollzieht sich allmählich in einfacher, natürlicher Weise der Übergang
zum geschriebenen Recht. Man zeichnet nicht nur alle "gemeinen", das heißt im
Goding gewiesenen Urteile in einem Protokollbuche
auf, sondern man sammelt auch noch
solche aus den früheren Jahren. So
entstehen Sammlungen wie die der Sandweller Urteile zu C.3.11
Diese bildeten dann den Grundstock zu einer im Jahre 1586 erfolgten
systematischen Bearbeitung.3.12 Verfassung und Verfahren des Gogerichtes zeigen nach der LGO. von 1571 ein
völlig verändertes Aussehen. Die seit Anfang des 16. Jahrhunderts so tätige
prozessuale Gesetzgebung aller Territorien und des Reiches macht ihren [Seite 323 ] Einfluß deutlich
bemerkbar. Als
Vorbilder dürften der LGO.
gedient haben: die Mainzer
Untergerichtsordnung, die Kölner
Reformation von 1537 und die Kammergerichtsordnungen; insbesondere die
KGO. von 15553.13, die umfassendste Prozeßordnung ihrer Zeit, hat
bedeutend auf die LGO. eingewirkt.
Im einzelnen die Übereinstimmung zwischen beiden nachzuweisen, wird sich
erübrigen; es sollen im Folgenden nur einzelne Verschiedenheiten hervorgehoben
werden. Die Münster. Hofgerichtsordnung
stimmt in ihren Grundzügen mit der gleichzeitig verkündeten LGO. überein; beim
Mangel eines älteren heimischen Appellationsverfahrens lehnt sie sich jedoch
noch stärker als diese an den reichskammergerichtlichen Prozeß an. § 3. Die Gerichtspersonen im Gogericht. Im Gogericht wird das Volk, der Umstand, jeder
rechtlichen Bedeutung beraubt. Während der Richter, der jetzt nicht mehr Gograf
heißt, emporsteigt und nicht mehr als bloßer Verhandlungsleiter, sondern als
volles, stimmberechtigtes Mitglied in den Gerichtshof eintritt, muß die
Gemeinde ihre Stellung den vier oder sechs Schöffen abtreten (1
I). Im
Gegensatz zu den Kurgenossen, die nur
primi inter pares waren, stehen sie über dem anwesenden Volke und bilden mit
dem Richter zusammen das Gerichtskollegium, das nach Mehrheitsbeschluß, nicht
mehr durch Einstimmigkeit beschließt (1
II). Vertreter des Richters ist der älteste Schöffe. Die Schöffen werden von dem Inhaber des Gerichtes auf Lebenszeit gewählt,
doch können sie "auß redlichen Ursachen ihres gerichtlichen Ampts durch die
Obrigkeit erlassen werden" (1 I).
Wenn ein Schöffe stirbt oder aus sonstigen Gründen sein Amt nicht mehr ausüben
kann, so [Seite 324 ]
sollen "die undergesessene deß gerichtes" dem Stuhlherrn
zwei oder drei Personen aus ihrer Mitte
vorschlagen, damit er eine daraus zum Schöffen wähle. Die übrigen
Gerichtspersonen ernennt er ohne Vorschlag (1
I). Als Rechtsbeistände kennt die LGO. keine Advokaten,
das heißt Gelehrte, die die Parteien außerhalb des Gerichtes beraten, sondern
nur Prokuratoren oder Fürsprechen,
die jetzt eigentliche
Prozeßvertreter sind. Während die alten Fürsprechen nur Organe der notwendig
mitanwesenden Partei waren, können die Prokuratoren den Parteien das
persönliche Erscheinen vor Gericht ersparen, ja sogar das Schwören, indem sie
in deren und in ihre eigene Seele den Schwur ablegen (2
V). Ferner konnte früher jedermann als
Fürsprech auftreten; dagegen werden jetzt nur zwei oder drei an jedem Gericht
zugelassen und fest angestellt. Sie müssen durch den Richter und zwei Schöffen
"als treulich befunden" und vereidigt sein (1
I). Wird ein Prokurator als "unfleißig und untüglich" befunden, so wird ihm sein
Amt entzogen. Für jeden Prozeß muß der Anwalt
eine beglaubigte Vollmacht beibringen; ohne diese
wird er nur gegen Kaution bis zur litis contestatio zugelassen (1
V). Der Anwaltszwang ist
gemildert, indem solche Parteien, die geschickt genug erscheinen, mit Erlaubnis
des Gerichtes selbst auftreten dürfen (1
II). Diese Maßregel ist sehr gerechtfertigt, da, wie wir sehen werden,
die Leitung des Prozesses nicht mehr den Parteien obliegt und auch der
Schwerpunkt des Verfahrens durch die Schriftlichkeit in die außergerichtliche
Tätigkeit der Parteien verlegt ist. Außer den bereits genannten Personen muß in jedem Gericht ein beeideter
Gerichtsschreiber sein. Er hat "die namen
der Partheien, Citationen, Mandaten, vort Clag, Antwort, Beweisungen, ein- und
gegenreden, auch die Urtheil und Decreta auszuschreiben", und den Parteien auf
Verlangen Abschriften der Protokolle und Urteile auszufertigen [Seite 325 ] (1
IV). Die Ladungen und sonstige
Botengänge, ferner die Aufrechthaltung der Ordnung während der Sitzungen
besorgt ein Bote oder Frone, der
ebenfalls beeidet wird (1 VI). § 4. Das Verfahren im Gogericht. In Anlehnung an die für Nachgodinge üblich gewesene Frist wird bestimmt, daß
alle 14 Tage Gericht gehalten werden soll. "Die verlengerung aber, so an
etlichen ortten diesem zuwider in zwang gewesen und geübt worden, soll
aufgehoben sein" (2 I). Die Tagung
beginnt nicht mehr mit der feierlichen Hegung, vielmehr soll das Gericht
"genugsam gespannen und geheget" sein, wenn Richter und Schöffen sich
niedergesetzt haben (1 II). Der
für diese Änderung angegebene Grund, daß Richter und Schöffen, kraft der LGO.
"genugsam Gewalt, Macht und Befehl" zum Urteil haben, zeigt deutlich den Geist
der neuen Zeit, der keine Gerichte kraft Volkswillens, sondern nur von der
Landesherrschaft abhängige Gericht anerkennt. In jeder Verhandlung hat der Gerichtsschreiber ein Protokoll
zu führen, in welchem alles, was von den Parteien
schriftlich oder mündlich vorgebracht wird, verzeichnet werden soll (2
I). Auch sind die Parteien
verpflichtet, ihr Vorbringen, wie Klage, Antwort u.s.f., stets schriftlich
einzureichen, ausgenommen bei Sachen unter 20 Taler Wert und bei
Extraordinar-Sachen. Abgesehen von diesen Ausnahmen geschieht auch die Ladung
nicht mehr mündlich, sondern schriftlich durch Vermittlung
des Gerichtsschreibers und mit genauer Angabe des Anspruches und des streitigen
Rechtsverhältnisses (2 III).
Der Frone übergibt dem Gegner
nur die Kopie der Ladung; das Original reicht er dem Auftraggeber nebst der
Exekution, d.h. Zustellungsurkunde
zurück (1 VII). Die Ladefrist
ist von zehn auf sechs Tage herabgesetzt (1
VII). Ein Schiedsverfahren, das heißt ein
Versuch, die Streitigkeit durch einen Vergleich, "mit minne" zu erledigen, wie
[Seite 326 ] er in vielen Ordnungen vorgeschrieben war3.14, findet wie früher, so auch
jetzt nicht statt. War im alten Verfahren der Fortgang der Verhandlung gesichert durch das
stete Urteilen, so sucht man jetzt der Verschleppung vorzubeugen durch
Einführung der Eventualmaxime und durch
Verteilung des Prozeßstoffes auf feste Termine. Im
wird die Klage eingebracht, und zwar schriftlich und artikuliert.3.15 Jede Partei, die bereit ist, "deß Streites außzuwarten", hat das Recht, von
dem Gegner Kaution "mit Bürgen oder Güttern" für den Fall ihres Obsiegens zu
verlangen (2 IV). Eine Bekümmerung
der Person oder
Güter findet dagegen nur unter bestimmten Voraussetzungen statt, so z.B., "wenn
einer wegfertig wäre", oder "der Streit fahrende Habe belangt, die verrückt
werden mochte". (Gem. Münst. Landtordnung,
Tit. II.) Erkennt der Beklagte den Klageanspruch an, so wird ihm eine Frist zur
Befriedigung des Klägers gesetzt und nach deren fruchtlosen Ablauf "mit ernst
laut dieser Ordnung fortgefahren" (2
V). Das als Mißbrauch gerügte Verfahren3.16 wird
also beibehalten. Will der Beklagte dilatorische oder solche peremptorische Einwendungen
machen, die litis finitae heißen, so [Seite 327 ] muß er sie
bei Strafe der Ausschließung sämtlich auf dem ersten
Termin vorbringen (2 XXIV).3.17 Nach Erhebung von Beweisen wird
darüber in einem besonderen Verfahren durch Urteil entschieden (2
XXIV). Hiermit ist dann das Vorverfahren beendet.
Spätestens auf dem zweiten Termin
muß der Beklagte sich erklären, ob er den klägerischen Anspruch bestreite.
Alsdann findet die Kriegsbefestigung statt,
indem der Beklagte sagt: "Ich bin der Clag nit gestendig und bitte, mich davon
mit abtrag kosten und schaden zu erledigen", worauf der Kläger antwortet: "Ich
repetir mein eingebrachte Clag, sag dieselb wahr und beweißlich zu sein und
erwarte darauff Gegentheils klare antwort". Alsdann muß der Beklagte sofort3.18
"sein Responsiones, Defensiones oder Peremptoriales, so viel er deren hette,
auf einmal übergeben", bei Vermeidung der Ausschließung (2
V).3.19 Die Antworten müssen auf jeden Artikel
einzeln durch das Wort: "Glaub wahr" oder "Glaub nit wahr" geschehen (2
V). Alsdann kann das Gericht "für sich
selbst oder auff begeren der Partheyen" beiden Streitteilen die juramenta
dandorum et
respondendorum auferlegen (2
V). Die Artikulierung der Klage und das Antworten auf die einzelnen Artikel
entsprechen dem satzweisen Vorbringen und Bestreiten der Klagetatsachen im
alten Verfahren. Außer den oben genannten Eiden wird noch einer oder beiden Parteien das
juramentum calumniae, der Eid
gefehrde", auferlegt. Bei Verweigerung dieses Eides wird [Seite 328 ] der Kläger
kostenpflichtig abgewiesen, der Beklagte ohne weiteres verurteilt (2
V).3.20 Auf dem dritten Termine bringt der Kläger seine Repliken vor. Da eine Duplik
nicht mehr geschehen darf, so ist damit das Behauptungsverfahren
beendet, und es beginnt das
Beweisverfahren. Das unnütz gewordene3.21 Beweisurteil hat
man vernünftigerweise fallen gelassen. Auf dem nun folgenden terminus
probandi wird über alle bestrittenen
Behauptungen beider Parteien Beweis erhoben.3.22 Die alte, straffe Prozeßgliederung in Vor-, Haupt- und Beweisverfahren hat
man also beibehalten. Beweismittel sind Zeugen,
Urkunden und Augenschein; den Parteieid oder richterlichen Eid kennt die LGO.
nicht. Man glaubte anscheinend, daß durch die neuen Beweismittel die alten: Eid
mit oder ohne "Zeugen" völlig entbehrlich geworden seien. Die
Zeugen werden von dem Beweisführer geladen und
in Abwesenheit der übrigen Zeugen, selbst der Parteien, vernommen; bei ihrem
Eide sind sie verpflichtet, ihre Aussagen geheim zu halten (2
IX). Dem Bauer, der gewöhnt ist, seine
Aussagen frank und frei vor der ganzen Gemeinde zu machen, wird diese
Heimlichkeit unwürdig vorgekommen sein. An Stelle des Nacheides
wird jetzt der Voreid
geleistet (2 VII). Die Unmittelbarkeit wird dadurch teilweise abgeschafft, daß Zeugen, die in
einem anderen Gerichtsbezirk wohnen, kommissarisch vernommen werden (2
XI).3.23 Auf dem vierten Termin werden die Zeugenaussagen eröffnet. Hat eine Partei
sich vor dem Verhör Einwendungen [Seite 329 ] gegen einen
Zeugen vorbehalten oder leistet sie einen besonderen Gefährdeeid,
so wird in einem getrennten
Verfahren die Glaubwürdigkeit des Zeugen geprüft. Unter
Umständen kann dann derselbe Zeuge noch einmal
vernommen werden; nie jedoch wegen der Gefahr "einer underrichtung", das heißt
einer Besprechung der Zeugen untereinander, ein neuer Zeuge (2
XIX-XXI). Alsdann wird der Streit förmlich beschlossen (2
XXII) und das Urteil durch
Mehrstimmigkeit gefällt. Wenn Richter und
Schöffen nicht schlüssig werden können, so dürfen sie die Akten an einen oder
zwei Rechtsgelehrte senden. Das von diesen verfaßte Urteil wird ohne weiteres
publiziert (2 XXIX). Wie man schon früher für geringschätzige Sachen, "graven, zeune und
plaggenmath betreffend", ein abgekürztes Verfahren in einem einzigen Termin
hatte3.24, so werden auch nach der LGO. privilegierte
Sachen in einem kurzen,
mündlichen oder schriftlichen Verfahren von zwei oder drei Terminen erledigt.
Privilegiert sind Klagen auf Lohn oder Unterhalt, Handelssachen, Klagen mit
einem Streitgegenstande von unter 20 Taler Wert, Klagen wegen Wuchers, wegen
eingebrachten Gutes nach Auflösung der Ehe, alle "reinen possessorisachen",
Klagen von armen Witwen und Waisen, auf Bauverbot, auf rückständige
Pachtgelder, alle Zwangsvollstreckungssachen und Exekutionsinterventionsklagen
(2 XXIII).3.25
Das Versäumnisverfahren
wird folgendermaßen gehandhabt. Ist der
Beklagte zweimal ausgeblieben, so wird ohne ihn verhandelt, er selbst aber zu
keiner Einrede mehr zugelassen, falls er wieder erscheinen sollte (2
XXVI Abs. 4). [Seite 330 ]
Kläger dieses Verfahren
nicht, so kann er immissio ex primo decreto verlangen (2
XXVI, Abs. 6-8). Zahlt der Beklagte
dann nicht innerhalb Jahresfrist Kosten und Schäden mit dem Anerbieten, "die
sach wie recht auszuführen", so kann der Kläger immissio ex secundo
decreto verlangen,
wodurch er vollkommener Besitzer wird, "dem die abnutzung der guter zugehört"
(2 XXVI, Abs. 11 bis 14). Der
Kläger kann auch ein Monitorium,
"Gebottsbrief", auswirken, durch welchen dem Beklagten unter Androhung einer
Geldstrafe geboten wird, im Gericht zu erscheinen und zu verhandeln (2
XXVI, Abs. 15).3.26 Der Ungehorsame kann bei jedem Stande des Prozesses wieder zugelassen
werden, und es wird sogar das bis dahin Erkannte "als nichtig abgethan und
revoziert", falls er eine genügende Entschuldigung seines Fortbleibens
vorbringt 2 XXX, Abs. 2). Dieses schlaffe Verfahren ist ein ganz natürlicher Rückschlag gegen die
bisher geltende strenge Kontumazierung. Das Urteil wird in zehn Tagen nach seiner Eröffnung rechtskräftig. Nur
innerhalb dieser Zeit kann "in schrifften vor Gericht oder sonst vor Notarien
und gezeugen mit angezeigten Ursachen der Beschwerung" appelliert werden (2
XXX, Abs. 2). Die Appellation zeigt tiefgehende Unterschiede
von der Schelte: sie steht nur den Parteien zu,
sie führt zu einem vollständig neuen Verfahren mit beliebig neuem
Vorbringen3.27, sie ist nur möglich gegen Endurteile und solche "Bescheidt
und gerichtliche Beschwerungen, so durch die Appellation von der Endurtheil in
der Hauptsachen nicht [Seite 331 ] repariert werden mögen" (2
XXX), sie geht nicht mehr
an ein anderes Gogericht, sondern,
soweit sie nicht "an ein Stadt, Fleck oder Wigboldt gehörte", an das
Hofgericht3.28 und weiter an das Reichskammergericht.3.29
Hofgericht wird nach der Hofgerichtsordnung prozediert, die 1571 zusammen mit
der LGO. verkündet wurde. Für die Kostenfestsetzung hat die LGO.
ein vollständiges Verfahren mit Einrede und Replik, Aktenversendung und Urteil
eingesetzt (2 XXXII).3.30. Die Gerichtsgefälle (1 XVI)
bestehen nicht mehr aus Naturalien, sondern ausschließlich aus Geld. Zur Zwangsvollstreckung muß man sich
nach Rechtskraft des Urteils Executoriales
erbitten, in welchen, wie schon früher üblich, dem unterlegenen Teil bei einer
namhaften Geldstrafe befohlen wird, dem Urteil "in zwölff, fünfftzehen, zum
lengsten aber dreissig Tagen" nachzukommen (2
XXXIV). Geschieht dies nicht, so wird
die Exekution vollzogen nach Maßgabe der gemeinen Münsterischen Landtordnung
von 1571. Einen allgemeinen Verweis auf das gemeine Recht, wie KGO.
LIV und Hofgerichtsordnung 1 III,
LGO. nicht. § 5. Die Bedeutung der LGO. Im ganzen genommen ist die LGO. als eine für ihre Zeit achtenswerte
Leistung zu bezeichnen. Zwar kann sie auf Selbständigkeit keinen allzu großen
Anspruch machen — wie wir sahen, ist sie in der äußeren Form und in
einzelnen Bestimmungen der Mainzer Untergerichtsordnung und der Kölner
Reformation nachgebildet, inhaltlich stark von der Reichsgesetzgebung abhängig
— aber durch das [Seite 332 ] Ganze geht doch ein erfrischender Zug und ein
gutes Empfinden für gesunde Entwicklung. Überall zeigt sich das redliche
Bestreben, Neues wie Altes auf seine Brauchbarkeit unparteiisch zu prüfen. Da
wir schon an den einzelnen Stellen darauf hingewiesen haben, erübrigt es sich,
im einzelnen aufzuzählen, wieviel altes Recht man in der LGO. beibehalten und
maßvoll weiterentwickelt hat, wie weit man andrerseits über die allerdings
etwas rückschrittliche KGO.
von 1555 hinausgegangen ist. Während diese, schon äußerlich
ein ganz barockes Bauwerk, zu sehr der italienischen Doktrin folgte und in
übertriebener Ängstlichkeit der Prozeßverschleppung Tür und Tor öffnete3.31, versuchte die LGO.
mit Erfolg den Prozeß in einfache, klare Formen zu bringen, die einen raschen
Gang der Geschäfte gewährleisteten. Darum griff man an zwei Stellen auf die
KGO. von 1521 zurück, darum konzentrierte man das Beweisverfahren, darum führte
man ein besonderes Verfahren für die vermehrten außerorden tlichen Sachen ein.
Die Speyerer Beschlüsse von 1570,
die für den kammergerichtlichen Prozeß die sofortige Artikulierung bei
Vermeidung gewisser Rechtsnachteile geboten3.32, zeigten später, wie verständig dieses
Vorgehen gewesen ist. Auch sonst hat die LGO. trotz mancher ungesunder, von der Reichsgesetzgebung
übernommener Grundgedanken — es sei nur erinnert an die Häufung der Eide
und an das Versäumnisverfahren — doch manchen der in W.
Ldr., I, S. 150ff. aufgezählten Mißbräuche
beseitigt, auch manchen anderen Vorteil gebracht, wie z.B. ein geordnetes
Kostenfestsetzungsverfahren und die Einsetzung eines ständigen
Gerichtsschreibers. Schließlich hat die LGO. gewiß auch viele örtliche Verschiedenheiten des
Verfahrens beseitigt. Nur das Gogericht auf dem Desum und seine Untergerichte
erhielten [Seite 333 ]
1578 auf unablässiges Bitten der Eingesessenen eine
besondere "Vechtische Gerichtsordnung"3.33, die
von der LGO. allerdings nur in der Gerichtsverfassung, aber nicht im Verfahren
abweicht. Für die Rechtsentwicklung des Stiftes bedeutet die LGO. den Anbruch der
Neuzeit. An die Stelle der niederdeutschen tritt die hochdeutsche Sprache. Das
Volksgericht wird von dem sich zum Staate ausbauenden fürstbischöflichen
Territorium unter seine Fittiche genommen und teilt mit ihm Licht und Schatten.
Zwar ist für vieles jetzt besser gesorgt, aber es ist auch der selbstbewußte,
harte und freie Sinn zum guten Teil verloren gegangen. Wie
ein Symbol mutet es an, zu lesen, daß
das Gericht nicht mehr unter freiem Himmel, sondern in der Ratsstube
stattfinden soll, "damit alle gerichtshandel und der Partheyen notturfft desto
bestendiger und bequemer auffgeschrieben, registriert und bedacht werden möge"
(2 I, Abs. 3). Früher hatte man
die Unbilden der Witterung nicht gescheut, um dem Gedanken des offenen, freien
Gerichtes Ausdruck zu geben3.34; nun fordern Schreibwerk und Aktenwesen gebieterisch den
geschlossenen, das heißt überdeckten Raum. [Seite 334 ] IV. Die Aufnahme des römischen Rechtes. § 1. Allgemeines. Ehe gesondert für das Prozeß- und das materielle Recht untersucht werden
soll, welche Umstände die Aufnahme des römischen Rechtes gefördert oder gehemmt
haben, mögen zunächst allgemein die dem Fremdrechte günstigen Bewegungen im
Stift Münster kurz nachgewiesen werden. Wie
die anderen Territorien, so hat auch Münster nicht
gesäumt, seine Söhne schon früh an die Universitäten zu senden und Jurisprudenz
studieren zu lassen. Bei den regen Beziehungen zwischen Münster und Köln4.1, sowie bei der eifrigen Pflege, die das römische
Recht schon früh in Köln fand4.2, lag es nahe, daß viele junge Münsteraner dorthin
gingen, um das neue Recht zu erlernen. So sehen wir, daß in den Jahren
1389-1466 im ganzen 77 Stiftseingesessene, deren Namen nach Keussen4.3 in der Anlage A aufgezählt sind, in Köln jura oder leges studiert
haben. Ferner erfahren wir, daß in den Jahren 1466 bis 1559 aus den Städten
Bocholt, Emden, Coesfeld, Münster und Warendorf im ganzen 672 Studenten in [Seite 335 ] Köln immatrikuliert
waren, wovon 119 ad jura, 4 ad leges.4.4 Diese Zahlen sind bei weitem nicht als
vollständig anzusehen, denn zunächst sind alle stud. decr. oder can.
weggelassen, von denen auch wohl noch viele leges studiert haben mögen. Weiter
sind in der Matrikel viele Münsteraner ohne Fakultätsbezeichnung und viele
Juristen oder Legisten ohne Heimatsbezeichnung aufgeführt, weshalb sicher eine
große Anzahl münsterischer Juristen und Legisten in dem Verzeichnis der Anlage
A fehlt. Erwägt man dazu noch, daß manche Juristen sich zunächst in der
artistischen Fakultät eintragen ließen, wie z.B. im Jahre 1450 der Tute oder
1445 der Joh. von Münster, so muß man die Zahl der Münsteraner, die in Köln
juristische Bildung genossen haben, als sehr groß annehmen. Daß nicht nur die
als Legisten Bezeichneten, sondern auch ein großer Prozentsatz der einfach als
Juristen Genannten das weltliche Recht studiert haben, ersieht man aus der
großen Zahl der leges dozierenden Professoren.4.5 Unter Bischof Johann von Hoya
wurde der Verkehr mit der Kölner Juristenfakultät noch
reger. Der erste Advokat bei dem Hofgericht in Münster, Johannes
Havik-Horstius4.6, war 1564 als lic. jur. Rektor der Universität in
Köln gewesen.4.7 Als
Johann Beisitzer für sein Hofgericht suchte, wandte er sich gleichfalls nach
Köln. Die darüber gepflogene Korrespondenz ist teilweise erhalten.4.8
Aus Köln stammt auch das Gutachten des Professor Tossanus
und des lic. Gierlich W.-Ldr. I,
S.121f. [Seite 336 ] Indes nicht nur nach Köln führten die nachbarlichen Beziehungen junge
Westfalen zum Rechtsstudium. Auch die berühmte
Rechtsschule von Bologna zählte unter ihren Studierenden Söhne der
roten Erde. In der Anlage B sind die Namen derjenigen Münsteraner bezw. Westfalen
genannt, die in den Jahren 1289-1368 in Bologna immatrikuliert worden sind.
Ihre Zahl beträgt 20. In der späteren Zeit finden wir dort keine westfälischen
Studenten mehr; diese besuchten jetzt nur mehr die deutschen Universitäten.
Die Namen derjenigen Westfalen, die in Erfurt, Heidelberg, Marburg und
Wittenberg immatrikuliert gewesen sind, hat Heldmann4.9 zusammengestellt. Unter diesen befinden sich etwa 130
Stiftseingesessene, die in den Jahren 1392-1543 in Erfurt, 25, die in der Zeit
von 1386-1553 in Heidelberg, 45, die in den Jahren 1527-1585 in Marburg, 52,
die in der Zeit von 1502-1590 in Wittenberg immatrikuliert waren. Diese Zahlen
sind viel zu niedrig angesetzt, da einmal sämtliche bloß als Westfalen
Bezeichneten nicht mitgezählt worden sind, ferner das Niederstift als nicht zu
Westfalen gehörig von Heldmann nicht berücksichtigt worden ist. Die Beziehungen Münsters zu sämtlichen Universitäten zu untersuchen, würde
zu weit führen; einige Stichproben werden genügen. Diese ergaben, daß 1409-1419
in Leipzig 10 Stiftseingesessene immatrikuliert waren, 1495-1560 in Bonn 13,
1511-1656 in Perugia zwei.4.10 Auch diese Zahlen dürften jedoch wegen der
mangelhaften Heimatsbezeichnung wohl viel zu gering sein. Infolge seiner Lage war Münster besonders dem Einflusse Hollands ausgesetzt.
Drum ist auch sicher mancher [Seite 337 ] Münsteraner
nach Löwen gezogen, wo der erste Rektor der Universität, im Jahre 1429, ein
Kölner Legist war, oder nach Leiden, wo Donellus im
Jahre 1576 römisches Recht las.4.11 Die Untersuchung darüber, welche Stellungen die westfälischen Jünger des
römischen Rechtes im Stift eingenommen haben, darf sich nicht auf die Leute mit
dem Doktor- oder Lizentiatentitel beschränken. Nach den sorgfältigen Angaben in
der Kölner Matrikel muß nämlich angenommen werden, daß es nur ein nicht allzu
großer Teil der Studenten zu einem akademischen Grad gebracht hat. Während die geistlichen Gerichte naturgemäß vorwiegend mit Kanonisten
besetzt waren, fanden die Legisten, vor allem die Doktoren, gute Stellungen in
der Verwaltung. Der gewiß nicht unbeträchtliche Rest der Juristen muß dann wohl
in den Gogerichten verwandt worden sein. So sehen wir z.B. im Jahre 1553 einen
lic. Averdunk als Richter in Recklinghausen4.12, 1584 einen gewissen Graminetus,
der Rechten lic., als Gograf an dem Stuhl von Sandwell.4.13
Weiter findet sich zum Jahre 1570 ein Th. Ernest
Wenner, jur. utr. Dr., als eines Münsterischen Domkapitels Gograf
erwähnt.4.14 Im 17.
Jahrhundert waren fast sämtliche Gografen graduiert. Erwägt man dann, daß der erste Hofrichter des neu errichteten Hofgerichtes,
Engelbert von Langen, der berufen war, über zwei
Doktoren den Vorsitz zu führen, vorher einfacher Gograf an einem
Untergericht4.15 gewesen war4.16, daß ferner mehrere Gografen
Adelige waren, bei denen die Neigung zum Besuch der Universitäten stets sehr
groß gewesen [Seite 338 ]
ist, so kann man als gewiß annehmen, daß mancher Gograf
römischrechtliche Kenntnisse besessen hat. Aus dem Satz der Hofgerichtsordnung 1
IV, daß die Advokaten Doktoren oder
Lizentiaten sein müssen, läßt sich schließen, daß schon früher studierte
Advokaten die Parteien außerhalb des Prozesses beraten und den Vorsprechen
fremdrechtliche prozessuale Einreden angegeben haben, wie wir sie z.B. in
einigen ungedruckten Höltingsakten4.17 finden. Doch die Universitäten waren nicht der einzige Weg zur Erlernung des
römischen Rechtes. In Münster wurde 1498 die bekannte Humanistenschule
gegründet, die sich auch mit der Pflege der Rechtswissenschaft abgab.4.18 In Osnabrück studierte man zur
Zeit Bischof Johanns an den Stifts-, Stadt- und Klosterschulen neben Theologie,
Scholastik und Dialektik auch Jurisprudenz. Der Kanonikus Gresel
legte sogar denjenigen, die an seinem Stipendium
teilnehmen wollten, die Pflicht auf, in Osnabrück Vorlesungen über die
Institutionen zu halten.4.19 Noch größeren Vorschub leisteten die humanistischen Anstalten dem
römischen Recht durch weite Verbreitung der lateinischen Sprachkenntnisse. So
lesen wir von dem Gografen von Bevergern4.20, er sei "tom dele congruus in latine" gewesen, ein anderer
prunkt d amit, daß er die vierte Klasse besucht habe. Von den Gografen von
Aschendorf und Haren heißt
es4.21, sie seien
"temelich gelehrte gesellen na dieser landardt". Über den Bildungsstand der
Notarien geben uns die seit 1571 geführten Notariatsregister4.22 guten Aufschluß. Die meisten
von ihnen nennen sich Kleriker4.23, was ein [Seite 339 ] Universitätsstudium vermuten läßt, fast alle schreiben lateinisch, einer trägt
sogar zum Beweise seiner Rechtskenntnisse eine lateinische Definition der
stipulatio in das Register ein. Da sie durch den Offizial und Siegler oder die
Ordinari-Hofrichter und Beisitzer geprüft wurden4.24,
die doch sämtlich Romanisten
waren, so dürfen wir bei ihnen wohl als Mindestbildung Kenntnis des
Lateinischen und eine praktische Ausbildung, vielleicht auch Erlernung der
Notariatskunst an einer Universität, annehmen. Wer aber die lateinische Sprache beherrschte, der konnte auch ohne
Universitätsbesuch sich eine gewisse, natürlich nicht allzu tiefe Kenntnis des
römischen Rechtes durch eigenes Studium aneignen. Wie verbreitet die
lateinischen Rechtsbücher waren, können wir vermuten nach den Angaben
Küsters4.25 über bedeutende juristische Büchereien, die sich im 16. Jahrhundert
in Münster befanden: besonders die von Schelversche,
die des Hofgerichtsassessors lic. utr. jur. Michael
Tegeder und die des Domdechanten G. von
Raesfeld. Schließlich konnte man auch ohne Kenntnis des Lateinischen das fremde Recht
aus der populären Literatur kennen lernen. Gobler,
vielgenannter Schriftsteller auf diesem Gebiete, war im Jahre 1546 Kanzler des
Bischofs von Münster. Die naheliegende Vermutung, daß seine Werke im Stift sehr
verbreitet waren, wird bestätigt durch ein Exemplar des "Rechten-Spiegel"4.26, das laut Inschrift einem Gerichtsschreiber in
Warendorf gehört hat. Ein in Osnabrück befindliches Exemplar der LGO.4.27 ist zusammengebunden mit der Schrift
eines Dr. jur. Lersener: "Ob es [Seite 340 ] besser sey,
nach gewissenen beschriebenen ... Rechten ... oder nach eigener Vernunft ... zu
urtheylen", Frankfurt 1595. Darin wird ganz naiv das geschriebene Recht
dem römischen gleichgesetzt und
dessen unbestreitbare Vorzüge allein dem letzteren zugerechnet. Der
Sachsenspiegel wird mit folgenden Worten abgetan:
"Wann auch Herr Eck von Repkaw das Kleydt, damit
sein Sachs angezogen ist, wider abziehen und es den Röm. Keyser Rechten, darauß
es genommen, wider folgen lassen solte, wie gar bloß ungestalt würde es doch
stehen? Es haben wol auch andere Länder und Stätt ihre besondere Rechte, worauß
aber sein die genommen, dann auß dem Zeughauß der Röm. Rechten?" Alsdann führt Lersener — recht bezeichnend
— an der Hand der zehn Gebote die Vorteile des römischen Rechtes aus,
ohne natürlich die entsprechenden deutschen Rechtsgedanken auch nur zu
erwähnen. Wäre es zu verwundern gewesen, wenn das Volk, die Schöffen und
Richter sich hierdurch hätten gewinnen lassen? Zahlreich waren also die Wege, auf denen das fremde Recht in die Gerichte
eindringen konnte. § 2. Das Prozeßrecht. Das eben Ausgeführte bietet noch keine ausreichende Erklärung für die Frage:
Wie kommt es, daß die Stände, die wir bei der Entstehungsgeschichte der LGO.
als gut deutschrechtlich gesinnt erkannt haben, zu dem romanisierten Prozeß
ihre Zustimmung gaben? Zunächst ist hierbei zu beachten, daß Laien auf dem Gebiete des
Prozeßrechtes nicht so wie im materiellen Recht die Tragweite der einzelnen
Bestimmungen absehen können, daß sie bei äußerlicher Ähnlichkeit die oft völlig
verschiedenen zugrunde liegenden Prinzipien nicht erkennen. Wie wir schon bei
dem Bericht der Burgmänner von Vechta4.28 und an anderen Stellen betonten, wies das neue
[Seite 341 ] Verfahren so viele Ähnlichkeiten mit dem alten auf, daß die nicht
juristisch gebildeten Mitglieder der Stände die fundamentalen Unterschiede
zwischen beiden gewiß nicht in ihrem ganzen Umfange erkannt haben. Dazu
kam, daß man stets
Anknüpfungspunkte an das alte Recht gesucht hatte, indem man z.B. die Schöffen
auch Kurgenossen, den Richter auch Gograf nannte, daß man nach Möglichkeit die
lateinischen Ausdrücke verdeutscht hatte4.29,
wie z.B. litis contestatio in Kriegsbefestigung, daß man auch den Fürsprechen
anbefahl, sich stets der deutschen Sprache zu bedienen (1
V, Abs. 2). Durch alles dieses wurde
der Übergang natürlich sehr erleichtert. Daneben
enthielt die LGO. aber auch noch sehr viel
kerndeutsches Recht, wie z.B. die Einrichtung des Godinges, die in den
Nachbargebieten schon lange eingeführte Schöffenverfassung, die Gliederung des
Prozesses in drei Abschnitte und außerdem manche Einzelbestimmung. Andere
Vorschriften der LGO. waren nur Weiterentwicklungen der alten Formen; so hatte
man schon früher neben dem Eid mit Zeugen den einfachen Zeugenbeweis gekannt,
man war schon gewohnheitsmäßig zur teilweisen Schriftlichkeit des Verfahrens
gekommen, die Eventualmaxime hatte ihre Anfänge
schon im alten Prozeß, ja selbst der so völlig undeutsch anmutende Kalumnieneid
fand eine Parallelle im
Sachsenspiegel, wo von dem Schelter der Eid verlangt werden konnte, daß er nur
um des Rechtes willen und nicht aus Verzögerungsabsicht das Urteil
schelte.4.30
Schließlich ließen zahlreiche Mängel, z.B. bezüglich der Ladung oder der
Gerichtskosten4.31, die sich auch ohne
Änderung des ganzen Verfahrens hätten beseitigen lassen, die LGO. als einen
bedeutenden Fortschritt erscheinen. [Seite 342 ] Im
Zuge der Zeit lag es, daß man dem Landesherrn eine immer größer werdende
Machtbefugnis zuerkannte. Gewohnheitsmäßig hatte der Bischof das Recht
erworben, das Urteil eines Gogerichtes aufzuheben, wenn eine Partei sich an die
fürstliche Kammer wandte.4.32
Nach der LGO. hatten die Parteien ein Recht auf
das, was ihnen bisher als Gnade gewährt worden war, nämlich auf die
Appellation. Eine weitere Stärkung der Gerichtsgewalt des Bischofs bestand
darin, daß die LGO. die Wahl der Schöffen durch den Stuhlherrn
— dies war bei den meisten Gogerichten der
Bischof — vornehmen ließ4.33, daß sie die Stellung des von ihm abhängigen Richters erhöhte, daß
sie ihm auch das Recht gab, die Schöffen "auß redlichen Ursachen" wieder
abzusetzen. Der Übergang vom Volksgericht zum Staatsgericht war eine Folge der
gesamten Zeitverhältnisse, nicht erst ein Produkt der Rezeption. Darum ist es
auch nicht zu verwundern, daß der sonst ganz absolutistisch gesinnte Bischof
auf die Reform, die doch zweifellos in romanistischem Sinne erfolgen mußte,
kein so großes Gewicht legte wie die Stände. Er erwartete offenbar von dem
römischen Recht nicht mehr an Macht, als er schon besaß. Aus dem
Landtagsabschiede vom 14. Mai 15674.34
ersehen wir, daß die Anregung zur Reform von den
Ständen ausgegangen ist. Der
Bischof erklärte
sich wohl bereit, den wiederholten Bitten der Stände nachzugeben, daß er aber
nicht mit derselben Freude wie sonstige Reorganisationen auch diese in die Hand
nahm, ersieht man aus dem Memorial der Hofräte4.35, wo es heißt, daß "I.f.G. des
Justizienwerks Reformation als ein hochnotwendigkeit nit widerachten". Auch in
der Proposition zum Landtag vom April 1569 heißt es, daß trotz der fleißigen
Bitten der Stände "biß daher [Seite 343 ] ein jeder
abscheuens davon gehapt, sich dessen zu unterwinden". Daß die Stände nicht allein durch die Mängel des alten Verfahrens veranlaßt
wurden, so dringend um die neue Gerichtsordnung zu bitten, kann man aus der
Vorrede zur Kölner Reformation entnehmen. Dort wird die Notwendigkeit der
Reform unter anderem damit begründet, daß "die Partheien, so die Sachen durch
an uns oder das Keyserlich Chammergericht
erwachsen, von wegen der untüchlichkeit und nichtigkeit der prozessen, in nit
geringe beschwerniß gefürt werden". Da zu vermuten ist, daß die bischöfliche
Kammer, an die vor 1571 die Appellation ging, und das Kammergericht die
Prozesse dann stets als nichtig aufgehoben haben, wenn sie nicht den
Vorschriften des gemeinen oder des Reichsrechtes entsprachen, so war damit ein
Übelstand geschaffen, der dringend der Abhilfe bedurfte. Eine deutschrechtliche
Wissenschaft gab es nicht; man war darum nicht in der Lage, ein System des
deutschen Prozeßrechtes aufzustellen, das in den Augen der Kammerrichter Gnade
gefunden hätte. Was lag da näher, als daß der Bischof, der selbst Präsident am
Kammergericht gewesen war, durch seinen Kanzler Dr. Steck
eine Ordnung verfassen ließ, die sich im
wesentlichen an die Reichsgesetzgebung anschloß? Daß diese mehr deutsches Recht
enthalten würde, als tatsächlich der Fall ist, konnten die Stände unter diesen
Umständen nicht erwarten. Auch war man schon durch die Karolina
an manche Einzelheiten des neuen Verfahrens, wie
die Schöffen, die Artikelform, den Zeugenbeweis gewöhnt worden. Als Resultat ergibt sich, daß man
keineswegs von einem Bankerott des deutschen Prozesses reden kann. Er hatte
gewiß seine Mängel, aber er zeigte sich auch sehr entwicklungsfähig. Hätte die
Entwicklung ihren ruhigen Lauf nehmen können, so wäre er gewiß auf eine ebenso
hohe Stufe gelangt, wie der gemeine Prozeß. Beweis dafür [Seite 344 ] ist seine
Ausbildung bei den Brandenburger und Magdeburger Schöffenstühlen. § 3. Das materielle Recht. Hatten wir es bei der Rezeption des Prozeßrechtes mit einem leicht zu
übersehenden gesetzgeberischen Vorgange zu tun, so läßt sich die Aufnahme des
materiellen römischen Rechtes, die in unscheinbaren Einzelakten vor sich ging,
nur schwer nach Zeit und Umfang nachweisen. Auch für Münster gilt, was Stölzel neuerdings4.36 ausgesprochen
hat: "Nirgends ist ein Gesetz gegeben, das die Aufnahme des römischen Rechtes
von einem bestimmten Tage ab ausspricht, ja, es gibt selbst kein deutsches
Gesetz, das generell ausspricht: überall da, wo kein Landesrecht entgegensteht,
soll römisches Recht subsidiär gelten". Wohl müssen nach der Hofgerichtsordnung Hofrichter und Beisitzer schwören
(1 III): "zu richten nach
gemeinen beschriebenen Rechten, deß heiligen Reichs Constitutionen und
Abschieden, diesen, und anderen Ehrbaren guten Ordnungen, Statuten, und
gewonheiten, so vor sie bracht werden"; in der LGO. 1
I heißt es aber, daß Richter und
Schöffen nur "der Peinlichen Halßgerichtsordnung, und sonst des Stiffts
wohlherbrachter gebrauch, gewonheiten und gerechtigkeiten zur nothturfft
erfahren" sein müssen. Diese
beiden Bestimmungen erläutern trefflich die
laxe Auffassung der damaligen Zeit über die Verbindlichkeit des geschriebenen
Rechtes, eine Auffassung, die dem deutschen Recht wie dem von Scholastik
durchtränkten gemeinen Recht in gleicher Weise zu eigen war. Wie das Volk aus
seinem naiven Rechtsbewußtsein4.37, so schöpften die Romanisten ihr [Seite 345 ] Recht
vorzugsweise aus den Definitionen und Distinktionen des Bartolus
und Baldus.4.38
Das jus positivum ist beiden nur "ein zusatz und
gehülff des natürlichen Rechtens".4.39 Bei der Rechtsprechung wurde darauf geachtet,
daß die gefällten Urteile nicht nur "dem Landgeprauch wie gleichfalß den
gemeinen beschribenen Rechten", sondern "auch natürlicher Pilligkeit äinlich",
wie es in einem Rechtsgutachten von 16194.40 wiederholt heißt.
Hält man sich diese Auffassung stets
gewärtig, so wird man besser erkennen, welche Umstände die Einführung des
Fremdrechtes gefördert oder gehindert haben. Wenig Bedeutung hatte das Bewußtsein, daß der Kaiser der Nachfolger der
römischen Cäsaren sei; denn wie man eine Privatarbeit, den Sachsenspiegel,
ebenso hoch stellte wie die Gesetze des Reiches oder Landes, so machte es auch
nur wenig Unterschied, ob das Fremdrecht die kaiserliche Autorität für sich
hatte oder nicht. Sehr bedeutend war dagegen der Einfluß der romanistisch geschulten Richter
und Anwälte. Infolge der Anschauung, daß alles Recht zur Findung eines guten
Urteils nützlich sein könne, falls es nur natürlicher Billigkeit entspreche,
stand der Heranziehung des römischen Rechtes nichts im Wege. Indem
Landgerichtsordnung auch bei den Gerichten erster Instanz das schriftliche
Verfahren einführte, ermöglichte sie eine tiefgehende Beeinflussung der Richter
und Schöffen durch Schriftsätze, welche die Parteien bei den gelehrten Juristen
anfertigen ließen. Dazu [Seite 346 ] kam, daß naturgemäß auch die Gerichte ihre
Rechtsbelehrung gern bei den Romanisten einholten.
Eine solche wurde aber nicht allein für den gerade
vorliegenden Fall gegeben, sondern so abgefaßt, daß sie auch für ähnliche Fälle
als Vorlage benutzt werden konnte.4.41 Von großer Wichtigkeit war es auch, daß im 16. Jahrhundert die Appellation
aufkam, welche an die fürstliche Kammer, später in der Regel an das Hofgericht
ging.4.42
Dieses war mit zwei Doktoren und zwei bis vier
Räten oder Gelehrten besetzt und kannte nur Doktoren oder Lizentiaten als
Advokaten.4.43 Wie
groß der Einfluß des Hofgerichts und weiterhin des
Reichskammergerichts auf das materielle Recht gewesen sein muß, läßt sich
leicht ermessen; denn wenn einmal ein dem gemeinen Recht widersprechendes
Urteil als dem natürlichen Recht zuwider aufgehoben worden war, so sah sich der
Unterrichter gezwungen, das nächste Mal nicht mehr nach deutschem, sondern nach
gemeinem Recht zu urteilen. Bei den engen
Beziehungen zwischen Staat und Kirche wie auch zwischen dem gemeinen Recht und
der Scholastik ist es klar, daß römische Rechtsgedanken durch die geistlichen
Gerichte weite Verbreitung fanden, und zwar um so mehr, als der Archidiakon
stets bestrebt war, den Kreis der ihm zustehenden Gerichtsbarkeit zu
vergrößern. Dies können wir ersehen aus dem Bericht des Richters von Sendenhorst
vom Jahre 15714.44, worin er
sich beschwert, "daß der her officiael des geistligen hoveß zu Munster den
burgern binnen Sendenhorst mit inhibitionis, cassationis, penalitatis mandatis
... bemoiet und daß man unangesehen furgebrachten dokumenten preventionis
selden Sachen an [Seite 347 ] sein befollen gericht ... kann remittiert
krigen". Noch deutlicher erkennen wir die wachsende Macht der geistlichen
Gerichte, wenn wir vergleichen die Bestimmungen des im Jahre 1576 zwischen dem
Domkapitel und
der Regierung des Stifts Münster geschlossenen Vertrages4.45 und die einer
Handschrift der constitutio Ernestina (um 1585
erlassen) entnommenen "Casus et puncta, in
quibus D.D. Archidiaconorum Jurisdictio partim de jure, partim de consuetudine,
partim ex privilegio fundata est".4.46 Dem äußerlichen Unterschiede zwischen beiden — letztere zählen im
ganzen 90, ersterer nur 13 Punkte — entspricht der innere. Die gewiß zum
größten Teil auf Gewohnheitsrecht beruhenden casus et puncta boten dem
Archidiakon reichlich Gelegenheit, in das bürgerliche Recht einzugreifen. So
konnte sich z.B. bei Nr. 16 (si quis mortuorum testamenta vel ultimas
voluntates supprimat vel occultet) die Frage erheben, wann ein rechtsgültiger
letzter Wille vorliege; bei Nr. 20 (si qui foenus aut usuras exerceant) konnte
zur Erörterung kommen, inwieweit ein Rentenkauf gegen die kanonischen
Zinsverbote verstoße. Sehr auffallend ist Nr. 88: Si ii, quos certa in pagis
officia vulgo Bauer-Richter aliaque ad pium usum quovis modo spectantia obire,
ratione praediorum aut alias ab antiquo decet, illa acceptare et incumbentia
eidem onera praestare detrectent. Daß sämtliche Mitglieder der geistlichen Gerichte akademische Bildung
genossen haben, dürfen wir ohne weiteres annehmen. War doch schon im Jahre 1303
vom münsterischen Domkapitel verordnet worden, daß kein Kanoniker rezipiert
werden würde, der nicht in Bologna, Paris oder einer anderen Universitätsstadt
Frankreichs oder der Lombardei ein Jahr lang studiert hätte.4.47 [Seite 348 ]
Daß die geistlichen Gerichte auch sonst mit den
Universitäten in engen Beziehungen gestanden haben, ist sehr wahrscheinlich. Im
Jahre 1439 schlossen z.B. die Augustiner zu Bödeken
mit dem Dompropste von Paderborn einen Kompromiß,
wodurch sie sich in einem Streit über Sendhafer dem Ausspruche des Domkapitels
unterwarfen, aber die Bedingung hinzufügten, daß zuvor das Gutachten der
Juristenfakultät zu Köln oder Erfurt einzuholen sei. Tatsächlich wurde auch die
Fakultät in Erfurt deswegen angegangen.4.48 Alle
Umstände waren also danach angetan, dem römischen Rechte zum Durchbruch zu
verhelfen, so daß man annehmen sollte, es habe alle Gerichte überschwemmt, das
heimische Recht ganz vernichtet. Tatsächlich läßt sich aber ein Eindringen des
fremden Rechtes nur in mäßigem Umfange feststellen. Die Grundlage der Verfassung des Stifts, das Privilegium
patriae, blieb bei seiner Erneuerung im Jahre 15704.49 rein deutsch,
ausgenommen die eine Bestimmung, daß es für die feuda extra curtem "nach dem
Buchstaben gemeiner beschriebenen Lehnrecht gehalten werden soll". Einflüsse des römischen Privatrechts treten in den zahlreich erhaltenen
Landurteilen bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts4.50 fast nicht zutage. Auch in
den wenigen bislang veröffentlichten Privaturkunden aus dem 16.
Jahrhundert4.51 wie in den "Gohdings-Artikeln" des
Domkapitels von 17154.52 findet sich nur
deutsches Recht. Während im Herzogtum Westfalen das römische Dotalrecht [Seite 349 ] eingeführt
wurde4.53, blieb noch bis zum 1. Januar 1900
in Münster das System der allgemeinen Gütergemeinschaft in Geltung.4.54 Auch das Recht auf das
Heergewäte und die Gerade erhielten sich sehr lange. In den Ämtern Vechta und
Kloppenburg wurde es erst am 28. November 1716 durch den Bischof ausdrücklich
aufgehoben.4.55 Die am 18. Januar 1592 erlassene, im Jahre 1742 revidierte Polizeiordnung
der Stadt Münster4.56 ordnete in den
Kapiteln VI und IX
das Erb- und Vormundschaftsrecht in vorwiegend deutschem Sinne; nur das
Beneficium inventarii wurde dem gemeinen Recht entnommen. Formale
Erleichterungen, die das römische Recht für Verfügungen von Todeswegen zwischen
Ehegatten oder zwischen Eltern und Kindern kannte, wurden dagegen ausdrücklich
abgelehnt. Schon die gemeine münsterische Landordnung von
15714.57 hatte
bestimmt, daß
Vormundschaft nicht, wie nach römischem Recht, schon mit dem 12. bezw. 14.
Lebensjahre endigen, sondern "nach gelegenheit dieser Landtsart" bis zum 17.
bezw. 20. Lebensjahre dauern sollte. Die Polizeiordnung von 1592 trug auch den
alten Anschauungen über die Obervormundschaft
der Sippe nach Möglichkeit Rechnung.4.58
Im Jahre 1725 erging eine Verordnung4.59, wonach
beim [Seite 350 ] geistlichen Hofgericht der
bis dahin in lateinischer Sprache geführte Prozeß in
causis civilibus künftig in der den Untertanen verständlichen deutschen Sprache
gehalten werden solle. Die Münsterische (Leib-)Eigentums-Ordnung von
17704.60 und
die Münsterische Erbpacht-Ordnung von 17834.61
enthalten beide kein römisches Recht. Erstere betont ausdrücklich in der
Vorrede, daß "von dem Jure civili Romano kein sonderlicher Gebrauch zu machen
wäre wegen des großen Unterschiedes zwischen der ehemaligen römischen
Dienstbarkeit und dem gegenwärtigen Zustande der Leibeigenschaft". Welches
Recht subsidiär
im Stift galt, sehen wir aus einem Bericht, den das münsterische Hofgericht im
Jahre 1802 an die preußische Organisationskommission erstattete.4.62 Darin heißt es: "Wenn in allen vorgemeldeten Landesverordnungen über die zu entscheidende
Frage nichts entschieden ist, auch kein rechtsbeständiges Herkommen oder
Gewohnheit, welche Gesetzes Kraft hat, vorgebracht und erwiesen wird, so dient
das allgemeine deutsche Recht und die Reichskonstitutionen oder Abschiede zur
Entscheidung." Da die LGO. noch im Jahre 1802 galt, so steht zu vermuten, daß
unter dem "Gewohnheitsrecht, welches Gesetzes Kraft hat", die kodifizierten
Erkenntnisse der Godinge zu verstehen sind, die nach LGO.
2 II "für ein Landtrecht publiziert
und gehalten werden sollen". Weiter heißt es in dem Bericht: "Wenn aber diese dazu nicht ausreichen, so dient das Jus Canonicum und
Civile Romanum zur Entscheidung." Es kann demnach von einer Aufnahme des
materiellen römischen Rechtes nur in ganz beschränktem Umfange gesprochen
werden. Mag auch, was hier nicht festgestellt werden kann, das Schuldrecht
stärker von dem Fremdrecht [Seite 351 ] beeinflußt,
mag auch das gemeine Recht besonders in den höheren Gerichten zur Auslegung des
eigenen Rechtes benutzt worden sein, im wesentlichen hat man im Stift Münster
stets an dem eigenen Rechte festgehalten. Wie ist es nun zu erklären, daß die Untergerichte so wacker dem anstürmenden
römischen Recht standgehalten haben? Eine Kodifikation des eigenen Rechtes hatte man nicht. Nur einzelne
Landurteile waren gesammelt und um die Mitte des 16. Jahrhunderts systematisch
geordnet worden. In Agrarsachen stand ein ziemlich einheitliches
Gewohnheitsrecht zur Verfügung.4.63 Das Familien- und
Erbrecht im Stift war dagegen sehr zersplittert, ein Zustand, der sich zwar
später gebessert, aber doch in einzelnen Güterrechten bis in das 19.
Jahrhundert4.64, ja, im
Anerbenrecht (teils Minorat4.65, teils Majorat4.66)
bis in das 20. Jahrhundert hinein erhalten hat. Das gemeine Sachsenrecht, dessen Widerstandskraft gegen das römische Recht
sehr groß war, galt in Münster nicht. Zwar
finden wir im westfälischen Landrecht einige Anklänge
an den Sachsenspiegel4.67, davon aber,
daß er "in allen Gerichten Norddeutschlands als Gesetz rezipiert worden
sei"4.68, ist im Stift nichts zu merken.4.69 Darum vermissen wir hier auch
den starken Schutz, den das Sachsenrecht in anderen Territorien an seinen
Oberhöfen fand. Auch der Hinweis auf die vorwiegend bäuerlichen Verhältnisse des
Münsterlandes genügt nicht allein zur Erklärung für die Zähigkeit des
heimischen Rechtes, denn [Seite 352 ] gerade auf dem flachen Lande drang, wie selbst
Stobbe4.70 zugeben muß, das römische Recht früher ein als in den
Städten. Der
Grund der Nichtrezeption ist der, daß im Stift Münster noch ein starkes
Rechtsbewußtsein, ein festüberliefertes Gewohnheitsrecht lebte, als der
Zusammenprall der beiden Rechtsanschauungen erfolgte. Die Kodifikationen, die
sich in den meisten deutschen Territorien unter dem Einflüsse der
romanistischen Rechtsprechung und dem Verlangen nach geschriebenem Recht
vollzogen, zeigen deutlich, wie sehr dort das heimische Recht dem Gedächtnis
der Massen entschwunden war.4.71 Ganz anders in Münster! Zwar schlugen die Hofräte in ihrem Memorial
von 15674.72
vor, die "guten alten Gewohnheiten" zu
kodifizieren, die Stände scheinen aber nach hartnäckigem Kampfe4.73 diesen Vorschlag
abgelehnt zu haben. Von einer Aufzeichnung ist weiter keine Rede, dafür finden
w ir aber in der LGO. 2 II die
Bestimmu ngen über das Goding, wonach künftig die Landurteile "in ein Ordnung
gebracht und folgends für ein Landtrecht der Ort publizieret und gehalten
werden sollen". Man sah ein, daß zu einer sofortigen Kodifikation das schwer zu
fassende Gewohnheitsrecht nicht genügte und daß man zu seiner Ergänzung viel
römisches Recht hätte heranziehen müssen. Es beweist einen hohen Grad der
Selbstzucht, daß man, um den Wunsch nach Kodifizierung zu befriedigen, sich
nicht dem römischen Recht in die Arme warf, sondern statt dessen den
beschwerlicheren Weg der allmählichen Fixierung des Gewohnheitsrechtes
einschlug. Als Vorbild mag hierbei das in den Städten schon lange üblich [Seite 353 ] gewesene Verfahren
zur Festsetzung der Statuten gedient haben.4.74 Natürlich war das heimische Recht dort, wo es aufgezeichnet war, um so
widerstandsfähiger gegenüber dem römischen Recht, es diente aber auch zugleich
dem Bedürfnis nach Rechtseinheit — ein Beweis dafür, daß eine
Befriedigung dieses Bedürfnisses nicht bloß durch römisches Recht zu
ermöglichen war. So fand das in der Münsterischen
Polizeiordnung von 1592 enthaltene Güterrecht allmählich im größten
Teile des Stifts Anwendung; so galten die Sandweller Urteile bis über das Stift
Münster hinaus, z.B. in Herford als subsidiäres
Recht. Es ist
noch darzustellen, wo das Rechtsbewußtsein sich zeigen konnte, wo die Quellen
seiner Kraft waren. Vor allem war das Goding der rechte Hort des angestammten
Rechtes. Hier hörten die Jungen, was ihre Altvorderen stets für Recht gehalten
hatten, und ehrerbietig beugten sie sich dem alten Brauche. Steter Zusammenhang
mit dem lebendigen Rechtsbewußtsein des Volkes, dieses selbst wieder genährt
durch die häufige Anwesenheit bei Gericht und durch die Beratung der
Urteilsfinder mit dem Umstande, eine natürliche Auslese der Tüchtigsten —
dies waren ganz unbestreitbare Vorzüge des Godings. Und in der Tat finden wir
oft dieselben durch Kenntnisse und Fähigkeiten hervorragenden Leute als
Urteilsfinder oder Fürsprechen, die gefundenen Urteile sind knapp und klar
abgefaßt, überall zeigt sich eine gesunde Anschauung, wir hören keine Klagen
über schlechte oder ungerechte Urteile. Besser als in Schriften wurde im
Bewußtsein des Volkes das kostbare Gut des eigenen Rechtes behütet4.75, und zwar nicht starr und [Seite 354 ] unverändert,
sondern durch stete Übung und Anwendung erneuert, bereichert und fortgebildet.
Man hatte darum nicht nötig, etwaige Lücken durch römisches Recht
auszufüllen. Während
andere Territorien ihr Sonderrecht
nur insoweit vor dem Reichskammergericht geltend machen konnten, als es
schriftlich aufgezeichnet war, konnten die Münsterländer über jedweden
Rechtssatz einen Beweis in Gestalt eines Landurteils erbringen, wie es z.B.
noch im Jahre 16634.76 geschah. Auch noch nach ihrer Beschneidung durch die LGO. entfalteten die Godinge,
vor allem am Sandweller Stuhl, eine rege Tätigkeit. Man gab Urteile nicht nur
über "graben und zäunen, sähen und mähen, Wege und Stege, von Mißt- und
Pfluggerechtigkeit", wie in der LGO. vorgeschrieben war, sondern auch über
Erbrecht4.77, Tierhalter4.78, über
Zehnte4.79 und
Leibzucht.4.80 Die zahlreich
erhaltenen Sammlungen der Sandweller Urteile, die sogar in einigen angrenzenden
Gebieten als subsidiäres Recht galten4.81, zeigen die Bedeutung
der Godinge für die Stärkung des deutschen Rechtes. Hier war noch eine starke,
schöpferische Rechtskraft, welche die durch die LGO. ihr gezogenen Dämme immer
wieder überflutete. Wie lange die Godinge tätig gewesen sind, ist im einzelnen noch nicht
festgestellt worden. Daß im Jahre 1619 am Stuhl zum Sandwell in einer Sitzung
13 Urteile allein über Triftgerechtigkeiten gefragt wurden4.82,
zeigt, daß um diese Zeit noch dieses Goding viel angegangen wurde. Der Desumer
Stuhl hielt noch bis zum Jahre 1622 regelmäßig die vier jährlichen Gerichtstage
ab, später fanden nur mehr [Seite 355 ] vereinzelte
Sitzungen, aber allerdings bis zum Jahre 1803, statt.4.83 Die
Schöffenverfassung war in vielen
Gegenden Deutschlands in Verfall geraten, jedoch nicht überall. Schon
Stölzel4.84 bemerkt, daß in
Württemberg und Kur-Köln die Schöffengerichte sich sehr lange erhalten haben,
und er sucht die Ursache hierfür in der unverständigen Gesetzgebung, "die ihre
Zeit nicht verstand und die gesunden Bahnen außer Acht ließ". Sollte dies der
wahre Grund dafür sein, daß noch nach der Rezeption in Köln,
Geldern, Württemberg, Hannover,
Kleve-Mark, Ravensberg, Krefeld
Schöffen waren?4.85 Sollte dies der Grund dafür sein, daß die LGO., die doch den besten und
modernsten Gesetzen nachgebildet war, die Schöffenverfassung völlig neu in
Münster eingeführt hat? Gerade für das letztere gibt es nur die eine Erklärung,
daß die Gesetzgebung mit dem kraftvollen Rechtssinn des Volkes rechnen mußte
und durfte. Sie mußte es, weil das Volk sich nicht aus den Gerichten
hinausdrängen lassen wollte, sie durfte es, weil die Schöffen sich stützen
konnten auf eine ausgiebige und gut gepflegte Überlieferung. Gerade dasjenige,
dessen Fehlen Sohm4.86 mit Recht als den Hauptgrund für den Verfall der
Schöffengerichte in weiten Gebieten Deutschlands ansieht, der Konnex der
Schöffen mit dem Rechtsbewußtsein des Volkes war in Münster besonders stark
ausgeprägt. Goding und Schöffengericht stützten und stärkten sich gegenseitig,
und gewiß wurde niemand als Schöffe gewählt, der sich nicht schon im Goding
hervorgetan und dadurch bewiesen hatte, daß er mit der Rechtsüberlieferung
völlig vertraut war. Daher ist es denn auch [Seite 356 ] nicht zu
verwundern, daß bis ins 19. Jahrhundert hinein keine Klagen über schlechte
Rechtsprechung gehört wurden.4.87 Den Romanisten waren diese rein deutschen Gerichte natürlich ein Dorn im
Auge, und es ist köstlich, wie z.B. Gobler4.88 über sie schilt. Auf einem Bilde sehen
wir eine Schöffensitzung dargestellt, im Hintergrunde verbrennt ein Mann die
römischen Rechtsbücher. Darunter heißt es dann: "Zudem auch solche unbericht
und ungeschicke Leut noch gemeynlich an ihnen den mangel haben, daß sie von
andern sich nit underweisen lassen, sonder alles besser wissen wöllen". Der beste Beweis für die Güte der Rechtsprechung ist der, daß im Stift
Justiz und Verwaltung in den unteren Instanzen stets getrennt geblieben
sind.4.89 Zwar
sehen wir, daß der Amtmann oder
Drost häufig Kornote oder später Schöffe im Gogericht ist, auch steht ihm ein
Aufsichtsrecht über dieses zu, nie jedoch finden wir, daß die Parteien zum
Amtmann gehen, um vor ihm ihre Streitigkeiten auszutragen, auch in der LGO.
fehlte jede Andeutung für ein derartiges Güteverfahren. Deshalb behielten die
Schöffengerichte auch ihre volle Bedeutung, und römisches Recht konnte nicht
durch den Amtmann in das Volk und in die Rechtsprechung gebracht werden. So sehen wir einen sich ständig wiederholenden Kreislauf: weil noch ein
starkes Rechtsbewußtsein im Volke lebte, [Seite 357 ] so büßten auch
die alten deutschen Gerichtsformen nur wenig von ihrer Kraft ein, und es war
kein Raum für ein außergerichtliches Verfahren vor dem Amtmann, keine
Gelegenheit für das römische Recht, unbemerkt in die Rechtsprechung
einzudringen. Weil aber Goding und Gogericht noch ihre volle Bedeutung hatten,
so blieb das Volk in steter Übung und Erneuerung seiner Rechtskenntnisse. [Seite 358 ] Anhang.
Münsterische und Westfälische Juristen auf den Rechtsschulen zu Köln und
A. Münsterische Studenten des weltlichen Rechtes auf der Rechtsschule zu
1398: Joh. Roßmit de Warendorp, cl(ericus) Mon(asteriensis)
d(ioeceseos), jur., (später
Fraterherr und Priester).Th. de Nyenborgh, cl. Mon. d. (1411 imp(erateria) auct(oritate)
not(arius)).1401: Joh. Custodis de Monasterio in Westf., jur.1404: Lud. Lulle de Borchen, Mon. d., jur. et art.1407: Gottfr. de Steden, Friso, Mon. d., jur.1409: Joh. Holman, cl. Mon. d., leg.1410: Joh. Mues de Alen, cl. Mon. d., n(on) s(olvit) oh honorem d(omini)
Cervo, leg. dr.Gerh. Lamberti de Halteren, cl. Mon. d., n. s. quia scolaris et famil.
d. Werneri de Oß,
dr. (jur., vgl. S. 219).1412: Ever. de Emeda, cl. Mon. d., jur.Joh. Wylkini de Borken, cl. Mon. d., jur.1415: Joh. Swerte, mag. art., Mon. d., jur. (1411 in Erfurt).Bern. Lyppio de Monasterio, Mon. d., jur. (1401 in Erfurt, 1445 mag.
art., 1430 proc.
curie Col.).1418: d. Joh. Struninch de Brugmania, Mon. d., jur.1419: Lud. de Frisea, Mon. d., jur.Joh. de Alen, Mon. d., jur.1424: Lamb. Rybbeken de Monasterio Westfalie, d. Mon., jur. (presb. cap.
Sac. Columbae).1426: Joh. Borcken, Mon. d., jur.Lud. Wonnenberch de Frysia, Mon. d., jur.1428: Henr. Scuttorp, cl. Mon.. d., jur.1430: Henr. de Emeda, Mon. d., jur. (1425 in Erfurt, 1458 in
Bologna).Goesw. Roelvinck de Boecholdia (1434 bacc. jur.).Fred, de Emeda, cl. Mon. d., jur.Ever. Osterhusen, cl. Mon. d., jur.1431: Scoswinus Boemhouvers de Costveldia, Mon. d., jur. (1440 bacc.
decr.).
[Seite 359 ] 1432: Seyfr. Wener, cl. Mon. d., jur.Joh. de Emeda, cl. Mon. d., jur.Reyn. de Emeda, cl. Mon. d., jur. (1436 bacc. decr.).1434: Zand. Dockum de Frisia, jur.1435: Conr. Nyhoff de Coesfeldia, cl. Mon. d., jur.1436: Eng. van der Wyk, cl. Mon., jur. (1429 in Erfurt, mag. art., 1436
als bacc. leg.
in Erfurt bei der Juristenfakultät rezipiert).Eng. Schuttorp, cl. Mon. d., n. s. quia famil. m.Johannis Spul, jur.Alard. de Emeda, Mon. d., jur. (1442 bacc. jur.).Th. Sanderi de Boedenvoert, Mon. d., servitor.Johannis Spull, doctoris (jur.).1437: Ever. de Dammone, Mon. d., jur. (1441 bacc. decr.).1438: Sym. de Boecholdia, Mon. d., notarius d. officialis.1439: Joh. Wolterdynk, cl. Mon. d., leg.Joh. Bruynsteyn al. Kemmer de civitate Mon., leg.1440: Joh. Wasen de Mon., jur. (bacc. decr. 1447).Bern. Bode de Horstmaria, jur.1441: Joh. de Halteren, Mon. d., jur.Hylbr. de Dammone, Mon. d., jur.1442: Herm. Langhenhorst de Steynfordia, Mon. d., jur. (1446 bacc.
jur.).Hinr. Urdemann de Bocoldia, cl. Mon. d., jur. (1454 procurator in Rom,
1470 dr. decr.).Hinr. Nelynck de Vreden, cl. Mon. d., jur. (1439 in Heidelberg).1443: Joh. Renis, Mon. d., jur.Lubb. Melies, de Monasterio, d. Mon., jur.1445: Joh. de Monasterio, cl. Mon. d., art. (1452 bacc. jur.).Joh. de Aldemhusen de Monasterio, jur.1446: Wilh. Aurifabri de Emyda, Mon. d., jur. (1449 bacc. decr.).Sybr. Nannygni de Emyda, Mon. d., jur.1447: Herm. Sudarzu, Mon. d., jur.Joh. Kerken, Mon., jur.Petr. de Emeda, scholaris, Mon. d.Hermann Raesvelt, Mon. d., jur. (1452 bacc., 1459 lic. decr.).Th. Emede de Frisia, jur. (1453 bacc. decr.).1449: Joh. Raefflet, cl. Mon. d., leg.Thom de Dammone, jur.1450: Joh. Tute de Monasterio, civ. Mon. art. (1455 imp. auct. ac curie
Col. not).Joh. Jegher, presb. d. Mon., officiatus in Galen prope Dursten,
jur.Lamb. Veddermann, saccrd. Mon. d., jur.1454: Joh. de Ryngenborch, d. Mon., jur.1456: Henr. Raesvelt de Bocholdia, Mon. d., jur. (1458 bacc.
jur.).Henr. Halteren, Mon. d., jur.1457: Lamb. Pleyer de Dulmania, Mon. d., jur.Nic. de Emede, Mon. d., jur.Joh. Meckink de Bochold, Mon. d., jur.Th. de Emeda, jur.1459: Reynoldus Langhenhorst, de Mon., jur. (1464 bacc. decr., 1466 mag.
art., 1497 lic.
decr.).1460: Wycherus Baffelt, Mon. d., jur. (1458 ad jus civile).1461: Eckbertus Emede, presb. Mon. d., jur. (1461 in Rostock, 1461 ad
leges, 1464 bacc.
decr.).Fred. de Moersa, Mon. d., jur.1462: Joh. Petri de Wesoep, cl. Mon. d., jur. (1458 in Heidelberg, 1459
bacc. art. (in
via antiqua), presb. 1465 bacc. decr).Joh. Vriedach de Werne, Mon. d., jur.Bern. Moerken de Steynvordia, cl. Mon. d., jur.1463: Wilh. de Emeda, Mon. d., jur. (1466 bacc, decr.)Hugo fil. Mennonis de Bruxemer, cl. Mon. d., jur.
B. Westfälische Studenten auf der Universität Bologna:
1289: d. Engelbertus de Wistvalia (i. J. 1303 als magister comitis de
Ravensperg
nochmals eingeschrieben).d. Theodericus de Monasterio.1290: d. Hermannus de Monasterio.d. Johannes de Westfalia.1291: d. Fredericus de Wistfalia.d. Gotfridus de Wistfalia.d. Gotschalcus de Westfalia.d. Liborius de Westfalia.1292: d. Theodericus, canonicus Monasteriensis, procurator.1293: d. Henricus de Monasterio.1295: d. Wimmamms de Westfalia.d. Jacobus de Westfalia.d. Herbercus de Westfalia.1297: d. Heltbertus de Westfalia.1302: d. Conradus de Westfalia.1305: d. Richoldus de Westfalia.d. Waltherus de Monasterio.1341: d. Theodericus de Westfalia.1359: d. Hermannus canonicus Monasteriensis.1368: d. Henricus de Monasterio, canonicus Monasteriensis.
(Die Zahlen bedeuten die Seiten.)
abgekant vor recht 17.achtergudyng 27. 37.affwinnen 19. 28.ansprake 18. 24f. 28.bank 20ff.. 34.bauersprachen 33.beiurteil 31.bekummerth und besath 23. 38.beropen 29.beschriebenes recht 12. 62.
57.bespreken 24.bestattung 22. 27.bodagunge 28.bottding 16.brächte 14.bybrengen 26.dingen, an die bank 21. 34.dingzeit 15. 22.dinkpflichtige 15ff.doergaende gericht 28.echtes eigen 18.echtes godinch 15.echte not 28.einbringen, das urteil 27. 41.entwinden 26.fellig und verluestig, der saeke 26.frone 37.fulbarth 27.fürbehaltnis 25.fürsprechen 22 ff. 34.
53.fürurtheil 22.fürwardt 25.gastgericht 15.gebottsbrief 42.gefehrde, eid für 39.gemeynes ordel 16.generallandgoding 15.gerade 61.gericht in streitigen partiensachen 15.geringschätzige Sachen 41.getugen 20.gewedde 28.ghevolchnisse 27.goding 15ff. 32ff.
67ff.gograf 18ff. 35. 49.
53.gogericht 14ff. 32ff.handgeloiffthe 24.halve gericht 27.hausherr 19.hegen, die bank 22. 37.hele gericht 27.hofe, holen zu 25. 29.hoger gericht 29.holzgericht 15. 33.insaghe 31.instrument 19.klaeren, to rechte 27.koist 28.kornoten 20ff. 31.
34f.. 53. 68.kriegsbefestigung 39. 53.kummer (komber) 23.land 19.landgericht 14.landgöding 16.lanthgepreuche 12. 32.ligende gütter 23.malstatt 15.minne 24. 37.misbruiche 12. 16.
19. 20. 44.nachguding 27. 37.namen offt tonamen 29.pilligkeit 67.pflichtdaich 15.receß 17.remittieren 25. 59.richtedage, umb schult gelacht 16.richteschein 16ff. 25.
28ff.schedinge, fruntlike 29.schelte 22. 25. 28ff.schiren 27.schuld geben 24.Siegel 28.Sattelgüter 21.spannen, die bank 22. 37.solffderde 26.staden vor rechte 27.Standenoten 20.stoffliche richtliche pflichtdaiche 15.steveliger gerichtestag 15.supplikation 32.swygene fulbarth 27.sittendem gerichte, by 26. 28.togelaten 23. 27. 34.tuchluden 20.umb schulden und Unschulden 15.umbstandt 19ff.underrichtung 41.Unlust 22.unrecht 22.unschult up de ansprake 25.upgeschort 29.Urteilsfinder 20. 21.
27. 29.uthgekundyget 15.vellig der scheldunge 29.verbott 23.vernotsinnigen 28.vorrichtete sake 32.vorspreiken 21ff. 36.vorwyttigen 17.vurraem 16. 29f..wedderachten 29.weddertaille 32.wegfertig 38.zuschlagen der gütter 23.
Actio 31.Advokaten 36. 50.Aktenversendung 41. 43.Amtleute 12 f. 15.
21. 68.Anerkenntnis 24. 38.Anwaltszwang 23. 36.Appellation 32. 42.
54f..Arrest 23. 38.Artikulierung 38f.. 44.
55.Auflassung 18.Augenschein 40.Ausfertigung des Urteils 29.Ausstattung 18.Beneficium inventarii 61.Beratung 27.Bestreiten 25. 39.Beweiserhebung 22. 26.
40.Beweismittel 26. 40.Beweisurteil 25. 31.
40.Beweiswürdigung 22.Bischof 11ff.. 15.
20. 47. 54.
61.Bologna 48. 59. 72.Bote 37.Brandenburger Schöffenstuhl 56.Büchereien, juristische 51.Carolina 14. 55f..Casus et puncta 59.Clerc 50.Constitutio Ernestina 59.Defensionales 39.Desum 29. 32. 66.Dilatorische Einwendungen 38.Documenta preventionis 58.Domkapitel 20. 59.Donellus 49.Dotalrecht 60.Duplik 25. 40.Eid 26. 40.Eigentumsordnung 62.Einlassungsfrist 28. 37.Einspruch 28. 42.Einstimmigkeit 29. 35.Einwendungen 25. 38ff..
43.Erbrecht 61. 63. 66.Erbpachtordnung 62.Erfurt 48.Eventualmaxime 38f.. 53.Exceptio 31.Executoriales 43.Extraordinar-Sachen 37.Feriensachen 41.Freigerichte 14. 18.Freiwillige Gerichtsbarkeit 18. 33.Fristen 24. 27f.. 37.
42Gegenbeweis 26.Geistliche Gerichte 49. 58f..
62.Gerichtsgefälle 43.Gerichtsschreiber 21. 31.
33. 36f.. 44.Gerichtssprache, deutsche, 53. 62.Gerichtszeugnis 20.Gewohnheitsrecht 12. 32.
59. 62ff..Gobler 51. 68.Gutsherr 18.Güterrecht 61. 63.
65.Handelssachen 41.Hauptverhandlung 22. 24.
40.Havikhorstius 47.Heidelberg 48.Herzogtum Westfalen 16. 60.
68.Hofgericht 18. 43.
49. 58. 62.Hofgerichtsordnung 12f.. 35.
43. 56.Hofrichter 49. 51.
56.Holland 48f..Humanismus 50.Immissio 42.Interrogatoria 12f..Johann von Hoya 11. 47.Judicium partium 16.Juramentum articulorum 38.Juramentum calumniae 39ff.. 53.Juramentum dandorum et respondendorum 39.Jus canonicum 62.Jus civile Romanum 62.Jus positivum 56f..Kaiser 57.Kammer, fürstliche 32. 54.Kammergericht 43. 55.
58. 66.Kammergerichtsordnungen 35ff..Kaution 36. 38.Klageanspruch 24ff.. 38ff..Klagebeantwortung 24ff.. 38ff..Kleriker 50.Kostenfestsetzung 43f.. 53.Kölner Reformation 16ff.. 35ff..
43. 53. 55.Kölner Universität 46f.. 70ff..Ladung 22. 28. 31.
37. 53.Landgerichtsordnung 12ff..Landordnung 23. 43.
61.Landräte 11f..Landrecht 33. 62f..Langen, Engelbert von 49.lateinische Sprache 50.Leibzucht 18. 66.Leibeigenschaft 62.Leiden 49.Leihenutzung 18.Leipzig 48.Lersener 51.litis contestatio 31. 36.
53.litis finitae 38.Löwen 49.Magdeburger Schöffenstuhl 56.Mainzer Untergerichtsordnung 35. 42f..mandata inhibitionis, cassationis, penalitatis 58.Marburg 48.Memorial der Hofräte 11. 54.
64.Monitorium 42.Mündlichkeit 22.Nacheid 40.Niederstift Münster 14.Notarien 50.Oberstift Münster 14.Offizialatordnung 12f..Organisationskommission, preuß., 62.Osnabrück 16. 50. 68.Paris 11. 59.Parteien 15ff..Parteibetrieb 22. 25.
32.Parteieid 26. 36. 40.Peremptorische Einwendungen 38f..Perugia 48.Polizeiordnung 61. 65.Populäre Rechtsliteratur 51.Privilegierte Sachen 41.Privilegium patriae 12. 60.Prokuratoren 31. 36.Protokoll 31. 33. 36.
37.Prozeßgliederung 22. 40.
53.Rechtsgelehrte 27. 36.
41. 57.Rechtskraft 28.Reformation der Freigerichte 14.Replik 25. 40. 43.Responsiones 39.Rey, Dr. 11.Richter 35ff.. 53.richterlicher Eid 40.Sachsenspiegel 22f.. 52ff..
57. 63.Sandwelle 29. 32. 65f..Schiedsverfahren 24. 37.Schöffen 33ff.. 53ff..
67 f.Scholastik 56. 58.Schriftlichkeit 31. 37f..
53. 57.Schulen 50.Speyerer Reichstag 38. 44.Staatsgericht 54.Stände 11ff.. 52ff..
64.Statuten 56. 65.Steck, Dr. 13.Stift 14.Stimmenmehrheit 29. 35.
41.subsidiäres Recht 56. 62.
66.Terminus articulandi 38.Terminus probandi 31. 40.Tierhalter 66.Testament 33. 59. 61.Universitäten 46ff.. 60.Unmittelbarkeit 26. 40.Urkundenbeweis 40.Urteil 17ff.. 41.Vechta 31. 45.Verbindlichkeit des Rechtes 56Vereidigung 33. 36f..
40.Verhandlungsmaxime 22.Versäumnisverfahren 22. 28.
41f..Verwaltung, Trennung von der Justiz 68.Volksgericht 54.Vollmacht 23. 36.Voreid 40.Vorfragen 22. 39.Vormundschaftsrecht 61.Vorschlag des Urteils 20. 27.
29.Vorschlagsrecht bezüglich der Schöffen 36.Wittenberg 48.Zehnte 66.Zeugenbeweis 22ff.. 40.
53. 55.Zinsen 59.Zitation 31.Zuständigkeit 18.Zustellungsurkunde 37.Zwangsvollstreckung 26. 41.
Zusätzlicher Index auf Grund des Markups
IndexDie Fundstellen werden nur durch das Unicodesymbol für Links dargestellt:  Advokat:  Aktenversendung:  Amtmannals Schöffe:  Anwalt/MomparVollmacht/Gewalt:  AnwaltszwangAusnahmen:  Appellation:  Appellation als Anlaß territorialer Rechtvereinheitlichung:  Instanzenzug:  Bank:  ,  Behauptungsverfahren:  Bekommerung/Bekümmerung/Beschlagnahme:  ,  Beweis:  BeweismittelArten:  ,  Beweisurteil:  Beweisverfahren:  Billigkeit, natürliche:  Bote:  Brüchtenverfahren:  Casus et Puncta:  Deutschals Gerichtssprache:  ,  Deutsches Recht:  in Gesetzen der Rezeptionszeit:  in Prozeßordnungen der Rezeptionszeit:  Schöffengerichtsverfassung :  subsidiäre Geltung:  Zivilprozeß, Dreiteilung:  Dingpflichtiger :  Domkapitel zu MünsterJustiztätigkeit:  Duplik:  Einsetzungex primo decreto:  ex secundo decreto:  Erfexe:  Eventualmaxime:  ,  Executoriales:  Exekution:  Freiwillige GerichtsbarkeitFriedensgeld:  Frone:  Fürsprech/VorsprechProzeßvertreter:  Gefährdeeid/Calumnieneid:  bei Positionen/Satzstücken:  Gefährdeeid/Kalumnieneid:  Geistliches GerichtMachtzuwachs:  Rezeption:  GerichtspersonGerichtsschreiber:  ,  ,  Gobler, Justinus:  ,  Goding:  Abgrenzung zum Gogericht:  ,  Pflichttag:  Rechtsbewußtsein, deutschrechtliches:  Gogericht:  Abgrenzung zum Goding:  ,  Malstatt:  ,  Urteilsfindung:  ,  Verfahren:  ,  Verfassung:  ,  Zuständigkeit:  Gograf:  Aufgaben:  Vertretung:  Handgelübde:  Hauptverhandlung:  Hegung:  Holting:  Hoya, Johann Graf v.:  ,  juramenta dandorum et respondendorum:  juramentum articulorum:  juramentum calumniae:  Jurastudium/Studium der Rechte:  jus positivum:  Klageanspruch:  Klagebeantwortung:  ,  Klageeinreichung/Einbringung/Inbringung der Klage:  Klageerhebung:  Kontumazierung:  Kornote:  Kostenfestsetzung:  Kriegsbefestigung:  Ladefrist:  LadungForm:  LandesherrGerichtsgewalt:  Latinisierung:  litis finitae:  Minne:  Monitorium/Gebotsbrief:  Mündlichkeit des Verfahrens:  Münsterische Eigentumsordnung 1770:  Münsterische Hof- und Landgerichtsordnung 1571Bedeutung:  Entstehungsgeschichte:  Landesherr:  Quellen:  Stände, Einfluß:  Münsterische Polizeiordnung 1592:  Nacheid:  noetholtinge:  NotarAusbildung:  Obervormundschaft der Sippe:  Parteibetrieb:  Parteieid:  Prokurator:  Protokoll:  ,  Protokollbuch:  Recht, geschriebenes/positives:  Verbindlichkeit:  Rechtsaufzeichnung:  Rechtsgutachten:  ,  Rechtsprechungssammlung:  ,  Rechtsweisung:  Reichskammergerichtund materielles Recht, Rezeption:  Reichskammergerichtsordnung 1548/1555:  Replik:  RezeptionRecht, materielles:  RezeptionszeitProzeßrecht der :  Richter:  Römisches RechtStudium:  Sache, privilegierte:  Sachsenspiegel:  Wirkung :  Säumnis-/Versäumnisurteil:  Einspruch gegen:  Säumnis-/VersäumnisverfahrenGogericht:  ,  Schiedsverfahren:  Schöffe:  Schöffengerichtsverfassung:  Schöffengerichtsverfassung :  Schriftlichkeit des Verfahrens:  ,  Schuldversprechen:  Speyerer Reichsabschied 1570:  Stift MünsterGewohnheitsrecht, deutsches:  ,  Rezeptionsgesetzgebung:  ,  Stände, Einfluß auf die Gesetzgebung:  Stuhlherr:  ,  Supplikation:  terminus articulandi:  terminus probandi:  Umstand:  ,  Ungebotenes Ding:  Universität Bologna:  UrkundspersonKornote:  UrteilBeratung:  ,  Urteilen durch UmstandGoding:  Urteilfrager:  Urteilsschelte:  ,  Richtschein des Urteils:  ,  Verhandlungsmaxime:  Voreid:  Vormund:  VormundschaftAltersgrenzen:  Obervormundschaft der Sippe:  Vorverfahren:  vurraem:  Wette:  Zeuge:  Glaubwürdigkeit:  Zeugenvernehmung:  Zustellungder Ladung:  Zustellungsurkunde:  Zwangsvollstreckung:  Fußnoten1.1. Vgl.
Detmer, J. von Hoya, Allgem. deutsche Biographie, Bd. 14, S. 246ff.↑ (Zurück)1.2. Sämtliche
hier erwähnten Landtagsakten befinden sich im kgl.
Staatsarchiv zu Münster; einen Auszug daraus gibt Lüdicke, Die landesherrlichen
Zentralbehörden im Bistum Münster, Göttinger Diss., Münster 1901, S.
90ff.↑ (Zurück)1.3. So
die stete Abkürzung für Philippi, Westfälische
Landrechte, Bd. I, Landrechte des Münsterlandes, Münster 1907, 151ff.↑ (Zurück)1.4. Leider
sind diese Entwürfe nicht mehr erhalten.↑ (Zurück)1.5. Die Antworten
sind abgedruckt in W. Ldr., I, 3. 164
ff.↑ (Zurück)2.1. Das Stift
Münster bestand aus dem Ober- und dem Niederstift. Ersteres umfaßte das
Gebiet des heutigen Regierungsbezirks Münster, ausgenommen die
Standesherrschaften Gemen und Burgsteinfurt,
die Veste Recklinghausen, die
Grafschaft Tecklenburg und die Obergrafschaft Lingen.
(Vgl. Karte bei von Olfers, Verfassung ... des
Oberstifts Münster, Münster 1848.) Das Niederstift bestand aus den (alten)
Kreisen Meppen (auch Emsland
genannt, in der Provinz Hannover), Vechta und Kloppenburg
(letztere im Großherzogtum Oldenburg). (v. Olfers
a.a.O., S. 2.)↑ (Zurück)2.2. W.
Ldr., I, S. VI.↑ (Zurück)2.3. LGO.
3 I.↑ (Zurück)2.4. Vgl. W.
Ldr. I, S.
203, 221.↑ (Zurück)2.5. LGO.
3 III.↑ (Zurück)2.6. 3
IX-XIII.↑ (Zurück)2.7. Vgl. LGO.
3 V.↑ (Zurück)2.8. W.
Ldr., I, S. 113.↑ (Zurück)2.9. W. Ldr., I, S. XLI.↑ (Zurück)2.10. Engelke,
Das Gogericht auf dem Desum, Jahrb. f.
Oldenburg. Geschichte, XIV. Bd. S. 64↑ (Zurück)2.11. W.
Ldr., I S. 224.↑ (Zurück)2.12. W.
Ldr., I, S.
174f.↑ (Zurück)2.13. Engelke,
a.a.O., S. 64.↑ (Zurück)2.14. W. Ldr., I, S.
125.↑ (Zurück)2.15. W.
Ldr., I, S. 196.↑ (Zurück)2.16. W.
Ldr., I, S. 80.↑ (Zurück)2.17. W. Ldr.,
I, S. 161.↑ (Zurück)2.18. W.
Ldr., I, S. 198, 3.↑ (Zurück)2.19. Stüve,
Geschichte des Hochstifts Osnabrück, Jena 1872,
II, S. 575.↑ (Zurück)2.20. Urteil
von 1448, W. Ldr., I, S.
238.↑ (Zurück)2.21. Nieberding,
Geschichte des Niederstifts Münster, Vechta
1852, III, S. 258. W. Ldr., I, S. 198:
"richtedage, umb schult gelacht", also Bottdinge für Klagen um Schuld.↑ (Zurück)2.22. W.
Ldr., I, S. 200.↑ (Zurück)2.23. Z.B. W.
Ldr., I, S. 199.↑ (Zurück)2.24. Vgl. LGO.
2 VII, Abs. 3 und Kölner
Reformation S. 430: "ein mißbrauch der richteschein halber, die unsere
Westfelischen gerichte einem jeden uff sein vermeinte zeugfuerung, adir sunst,
ehe das die Sachen rechtlich und förmlich für inen angefangen, ja zu villmalen,
ehe sie den gegentheil dazu erfordert haben, ... under irem siegell
mittheilen". Die Kölner Reformation zu berücksichtigen, soweit sie über die
westfälischen Gerichte handelt, erscheint gerechtfertigt, weil in diesen die
gleichen Zustände wie in den münsterischen Geric hten herrschten. Vgl. Schmitz,
die Gogerichte im ehemaligen Herzogtum Westfalen, Münster. Diss. 1901.↑ (Zurück)2.25. W.
Ldr., I, S. 158.↑ (Zurück)2.26. Mißbr. Nr. 13, W.
Ldr., I, S. 152.↑ (Zurück)2.27. W.
Ldr., I, S. 91: "Thot welckeren ordell ock
etsliche, de dar enthegen dechten tho done, by vorwyttiget weren, umme des
ordels gestalt tho horen na eren vorwylligen."↑ (Zurück)2.28. Kölner
Reformation, S. 430: "die den richtschein erhalten, sich damit
hochlich zu behelfen vermeynen ..."↑ (Zurück)2.28. Vgl.
W. Ldr., I, S.
XXIX: Die Landurteile, aus welchen die Sandweiler Sammlung besteht, sind
durchweg wirkliche Urteile, d.h. Entscheidungen des Einzelfalles, nicht aber
abstrakte Rechtsweisungen, und auch in diesen Einzelurteilen finden sich
Rechtsgrundsätze kaum.↑ (Zurück)2.30. W.
Ldr., I, S. 202: "dat ze ney anders by tyt ers levendes gewitten noch
gehoirth en hebben, dan ..."↑ (Zurück)2.31. W.
196.↑ (Zurück)2.32. Es handelt sich hier zwar nur um einen
Vergleich, der auch nicht vor dem Gogericht, sondern, weil mit dem Inhaber des
Gerichtes selbst, den Korffen geschlossen, "vor syner gnade rede" (S. 196)
getätigt worden ist. Die Form ist jedoch wohl sicher die eines
Gerichtsbeschlusses.↑ (Zurück)2.33. "De gogreve maich richten allent des
gennen em geklaiget wort myt recht", W. Ldr.,
I, S. 87 Nr. 3, S. 215 Nr. 27 und
S. 216 Nr. 28.↑ (Zurück)2.31. 2, II,
Abs. 3.↑ (Zurück)2.35. W.
Ldr., I, S. XI.↑ (Zurück)2.36. Engelke,
a.a.., S. 53.↑ (Zurück)2.37. Vgl.
unten.↑ (Zurück)2.38. W.
Ldr., I, S. XVIII und XLI.↑ (Zurück)2.39. Vgl.
Planck, Deutsches Gerichtsverfahren im Mittelalter, Braunschweig 1872, I, S. 9
und Ssp. I, Art. 55 und 56.↑ (Zurück)2.40. Vgl. W.
Ldr. I, S. 151 ff., Kurtze anzeich der
misbruiche (zitiert einfach "Mißbr.") Nr. 11 und 14.↑ (Zurück)2.41. Vgl.
z. B. W. Ldr., I, S. 90.↑ (Zurück)2.42. W. Ldr.,
I, S. 154.↑ (Zurück)2.43. W.
144.↑ (Zurück)2.44. W. Ldr., I,
S. 240.↑ (Zurück)2.45. Z.B. W.
Ldr., I, S. 91 und 92, ferner Engelke,
a.a.., S. 4.↑ (Zurück)2.46. W.
Ldr., I, S. 89.↑ (Zurück)2.47. Vgl.
LGO. 1 XV,
Abs. 3, wo das Wort "Umstand" in diesem Sinne gebraucht ist.↑ (Zurück)2.48. W.
159.↑ (Zurück)2.49. W. Ldr., I, S.
152.↑ (Zurück)2.50. W. Ldr., I,
S. 202 und 240.↑ (Zurück)2.51. Vgl. W.
Ldr., I, S. XX.↑ (Zurück)2.52. W.
Ldr., I, S. 155, Anm. 1.↑ (Zurück)2.53. W.
Ldr., I, S. 202: "tuchluden
und stantnoten ... van beyden parten hyr tho geeisscheth und gebedden, dyt ...
mede to beseynne und hoer ne und dyt richteschyn myt my tho besegelenne
...↑ (Zurück)2.54. Vgl. W.
Ldr., I, S. 90, wo Bischof, Stadt und
Kapitel Kornoten senden, weil sie als Inhaber von Gogerichten an der dort
behandelten Frage über Zuständigkeit sehr interessiert sind.↑ (Zurück)2.55. W.
Ldr., I, S. XX.↑ (Zurück)2.56. Vgl.
die "beamtlichen Berichte«, W. Ldr., I, S.
154ff., besonders S. 173, 164,
159, 160.↑ (Zurück)2.57. Kölner Reformation, S. 413, W.
Ldr., I, S. XXII.↑ (Zurück)2.58. W.
Ldr., I, S. 155, Anm.
1.↑ (Zurück)2.59. W.
Ldr., I, S. 173, Engelke, a.a.., S. 5.↑ (Zurück)2.60. Planck, a.a.O., I, S.
203f., W. Ldr., I, S. 239a.↑ (Zurück)2.61. Z.B.
W. Ldr., I, S. 115.↑ (Zurück)2.62. W.
Ldr., I, S. 238ff.↑ (Zurück)2.63. S. unten.↑ (Zurück)2.63. S.
unten.↑ (Zurück)2.64. Schwartz,
4. Jahrh. deutscher Zivilprozeßgesetzgebung,
Berlin 1898, S. 413.↑ (Zurück)2.65. LGO.
1, II.↑ (Zurück)2.66. W.
Ldr., I, S. 143.↑ (Zurück)2.67. Planck, a. a.
0., I, S. 194.↑ (Zurück)2.68. W.
Ldr., I, S. 144.↑ (Zurück)2.69. Planck,
a.a.., I, S. 194.↑ (Zurück)2.70. W.
Ldr., I, S. 86:
"voert woert my, gogreven, myt ordelle und recht affgewunnen, dat ick ... offt
se oik vulmechtich weren ... to seyn und to vullentrecken ... vraigen
moiste".↑ (Zurück)2.71. W. Ldr., I, S.
239a.↑ (Zurück)2.72. Vgl. Schwartz,
a.a.O., S. 413.↑ (Zurück)2.73. Gemeine
Münsterische Landt-Ordnungen von 1570 (gedruckt hinter der
LGO), II. Titul: "hinfüro soll keiner den andern weder an seinem Leib noch Gut
bekümmern und in verbott oder Arrest beschlagen lassen, sonder wer den andern
zu besprechen hat, fange sein angemaßt Recht mit Kummer, Besate oder Arrest nit
an". Kölner Reformation, S. 425: "gebrauch in unseren Westvelischen Landen
gewest, das alle sachen, ligende gütter, auch zu zeiten schuldt berueren, von
dem komber adir zuschlagen der gütter angefangen".↑ (Zurück)2.74. Mißbr. 11:
"depositione facta", W. Ldr., I, S. 242
und 198: "So heb ick, gogreve vurgenomt,
de burrichtere bekummerth und besath unde den geboden, dat se van den gerychte
nicht en scheydeden, se en hadden getughet in der sake, dat recht sy".↑ (Zurück)2.75. LGO.
1 V, Abs. 7.↑ (Zurück)2.76. Planck, a.a.O., II, S.
380.↑ (Zurück)2.77. Schwartz,
a.a.O., S. 390.↑ (Zurück)2.78. W. Ldr., I,
S. 239b.↑ (Zurück)2.79. W.
Ldr., S. 239 b,
84.↑ (Zurück)2.80. Planck,
a.a.O., I, S. 369.↑ (Zurück)2.81. W.
84.↑ (Zurück)2.82. W.
Ldr., I, S. 198, 3.↑ (Zurück)2.83. Mißbr. Nr. 2, W.
Ldr., I, S. 151.↑ (Zurück)2.84. Schröder, Lehrb. der deutschen
Rechtsgeschichte, 5. Auflage, S. 306.↑ (Zurück)2.85. W.
85.↑ (Zurück)2.86. Vgl. W.
Ldr., I, S. 239c.↑ (Zurück)2.87. Mißbr. 8, W.
Ldr., I, 152.↑ (Zurück)2.88. Vgl. W. Ldr.,
I, S. 239e.↑ (Zurück)2.89. Planck,
a.a.O., S. 306, 273.↑ (Zurück)2.90. W.
153, Mißbr. 19.↑ (Zurück)91. W.
Ldr., I, S. 84f.↑ (Zurück)2.92. W.
Ldr., I, S. 175, 159.↑ (Zurück)2.93. Kölner Reformation, S.
436.↑ (Zurück)2.94. Vgl. auch Kölner Reformation, S. 436:
"An unseren Westvelischen Gerichten die urtheil nit dermaß mit fürbehaltnissen
adir uff condition und fürwardt, als das jemant bei ein gut geweist wirdt, mit
[Seite 314] der massen, sein gegentheil kundten dan mit besserm recht darauß
entwinden u. dergl. nit mehr gewiesen werden sollen."↑ (Zurück)2.93. W.
Ldr., I, S. 246: "konde de provest myt den
erffexen (Kläger) bybrengen und myt den richter und
ummestande des gerichtes in den nesten noetholtinge,
de dat behoert hebn, dat sick H.v.B.
(Beklagter) vermeten heb ... und dan des bewyses nicht by en rechte by sitten
dem gerichte ..., soe sy he der sake vellich und verlustich." Es handelt sich
hier zwar um ein Holting; dieses hat jedoch das
Gogerichtsverfahren übernommen.↑ (Zurück)2.96. W. Ldr., I, S.
85: "he (Beklagter) solde allene tughen so vele, als seven ander mans
tughen mochten."↑ (Zurück)2.97. W.
Ldr., I, S. 198, Nr. 2: "dat sodane
unschult de beklagede doen solle sollff derde over de hilgen, mer se sachten so
vele deyper."↑ (Zurück)2.98. Vgl. Planck, a.a.O., II, S.
76.↑ (Zurück)2.99. S.
Anm. 95.↑ (Zurück)2.100. W.
Ldr., I, S. 239g: "darup
vragede J.St. (Kläger) eynes gerechten ordels, wu men den wech openen solle in
dem rechten und welliker tyd? Darup wart ghewiset ..., B. (Beklagter) solle den
wech openen bynnen dren dagen; en dede he des nicht, so solde dat
gerichte den wech openen."↑ (Zurück)2.101. Hegungsformel, W.
Ldr., I, S. 144; ebenso S. 88, Nr. 8:
"des de dinckpflichtigen myt my
klaerden to rechte."↑ (Zurück)2.102. W. Ldr.,
I, S. 85.↑ (Zurück)2.103. Siehe oben.↑ (Zurück)2.104. W.
Ldr., I, S. 88, Nr. 9.↑ (Zurück)2.105. W.
152.↑ (Zurück)2.106. W.
Ldr., I, S. 180f.↑ (Zurück)2.105. W.
Ldr., I, S. 152.↑ (Zurück)2.107. W.
Ldr., I, S. 162.↑ (Zurück)2.108. W. Ldr.,
I, S. 155.↑ (Zurück)2.109. W.
Ldr., I, S. 240.↑ (Zurück)2.110. W.
202.↑ (Zurück)2.110. W.
Ldr., I, S. 202.↑ (Zurück)2.111. W.
90.↑ (Zurück)2.112. W.
Ldr., I, S. 198, 3, 151, Nr. 1, XXXVI.↑ (Zurück)2.113. W.
Ldr., I, S. 151, Mißbr. 3
u. 5.↑ (Zurück)2.114. Planck,
a.a.O., II, S. 268; vgl. auch W. Ldr., S. 198, 3:
"Quemen se ok upp den
vurgenomden teynden dach (Einlassungsfrist) nicht, so mach de kleger de sake
upp se vorderen und upp se wynnen."↑ (Zurück)2.113. W.
Ldr., I, S. 151, Mißbr. 3 u. 5.↑ (Zurück)2.113. Schröder, a.a.O., S. 306.↑ (Zurück)2.116. W.
Ldr., I, S. 151, Mißbr. 4 u. LGO. 2
XXVI, letzter Absatz.↑ (Zurück)2.117. W.
Ldr., I, S. 245 u. S. 152, Mißbr. 12↑ (Zurück)2.118. Planck, a.a.O., I,
S. 270.↑ (Zurück)2.119. Hierzu
wie auch zum Folgenden vgl. stets W. Ldr., I, S.
85.↑ (Zurück)2.120. Schwartz,
a.a.O., S. 6.↑ (Zurück)2.121. W.
Ldr., I, S. 85, 246.↑ (Zurück)2.122. Planck,
a.a.O., I, S. 264 f. u. 268 ff.↑ (Zurück)2.123. W.
Ldr., I, S. 203.↑ (Zurück)2.124. LGO.
2 II, Abs. 3; Engelke, a.a.O., S. 8,
64.↑ (Zurück)2.125. W.
216↑ (Zurück)2.126. Engelke,
a.a.O., S. 64.↑ (Zurück)2.119. Hierzu wie
auch zum Folgenden vgl. stets W. Ldr., I, S.
85.↑ (Zurück)2.127. In der Ladung des Letzteren
liegt schon ein Ansatz zu der neuen Auffassung der Berufung als eines
Parteistreites.↑ (Zurück)2.128. W.
Ldr., I, S. 153, Mißbr.
18.↑ (Zurück)3.1. Abgedruckt
bei Engelke,
a.a.O., S. 64 ff.↑ (Zurück)3.2. W.
Ldr., I, S. 240ff., 151, 152,
Mißbr. 5 u. 7.↑ (Zurück)3.3. W. Ldr., S. 89,
Nr. 16 und S. 91: "dyt allent
solle eyn vorrichtete sake syen unde blyven, also dat neymant des to jeniger
weddertaille sail kommen geistlich offte vertlicks gerichte."↑ (Zurück)3.4. Engelke,
a.a.O., S. 63.↑ (Zurück)3.5. Engelke,
a.a.O., S.
66.↑ (Zurück)3.6. Daß es
sich im Goding nicht bloß um Fragen des Agrarbetriebes, sondern um Rechtsweisung
schlechthin handelte, ersieht man aus den
zahlreich erhaltenen Landurteilen (vgl. unten S. 66).
Außerdem wurden auch die Markensachen in besonderen Holzgerichten (LGO.
3 V), die "Feldtsachen, darin
allein deß blossen besitz oder brauchs halben gehandelt wirdt" in den
Bauergerichten und Bauersprachen (LGO. 3
XI) erledigt.↑ (Zurück)3.7. Vgl.
180 den Bericht des Gografen Strick von 1576.↑ (Zurück)3.8. W. Ldr., I, S.
108, 114, 116,
117.↑ (Zurück)3.9. Z.B.
W. Ldr., I, S. 116 u. 117.↑ (Zurück)3.10. W.
Ldr., I, S. 180.↑ (Zurück)3.11. W.
Ldr., I, S. 66ff.↑ (Zurück)3.12. W.
Ldr. S. 6ff.↑ (Zurück)3.13. Künftig
zitiert einfach: KGO.↑ (Zurück)3.14. Vgl. Schwartz,
a.a.O., S. 391.↑ (Zurück)3.15. In
dem Verlangen nach sofortiger Artikulierung stimmt die
LGO. überein mit der KGO. von 1521 (Schwartz, a.a.O., S. 82). Die KGO. von 1555
kannte dagegen noch einen besonderen terminus
articulandi, das juramentum articulorum und
Einwendungen gegen die Artikel. Wie
verständig es war, diese Umständlichkeiten nicht in die LGO. aufzunehmen, zeigt
das Bestreben auf dem Speyerer Reichstage von 1570, welches dahin zielte, die
sofortige Artikulierung auch für das Kammergericht wieder einzuführen, aber nur
teilweise Erfolg hatte (Schwartz, a.a.O., S. 109).↑ (Zurück)3.16. Vgl.
W. Ldr. I, S. 151, Nr. 6.↑ (Zurück)3.17. Nach
KGO. 3
XIII erst im zweiten Termin.↑ (Zurück)3.18. Nach KGO.
3 XV erst im vierten Termin.↑ (Zurück)3.19. Entsprechend KGO. von 1521 (Schwartz, a.a.O.,
S. 82), weitergehend die
Speyerer Beschlüsse von 1570, die die Responsionen schon mit den dilatorischen
Einwendungen (s.o.) "in eventum" vorgebracht wissen wollen (Schwartz, a.a.O.,
S. 109, 110). Ein besonderes Verfahren, wie nach KGO.
XXVII-XXIX, findet für die exceptiones
peremptoriales nicht statt, diese werden vielmehr mit den Responsionen zusammen
verhandelt.↑ (Zurück)3.20. Über
die verderblichen Folgen einer solchen Eideshäufung vgl. Schwartz, a.a.O., S.
103.↑ (Zurück)3.21. Vgl.
Schwartz, a.a.O., S. 424.↑ (Zurück)3.22. Nach
der KGO. fand für jedes Parteivorbringen ein besonderer Beweistermin statt
(Schwartz, a.a.O., S. 98).↑ (Zurück)3.23. Die
KGO. hat keine Bestimmungen über Beweismittel usw. Die LGO. gibt die
Bestimmungen der Kölner Reformation, S.
431ff. in erweiterter Form wieder.↑ (Zurück)3.24. Engelke,
a.a.O., S. 65.↑ (Zurück)3.25. Ein
solches Verfahren kennt weder die KGO., die sich in derartigen
Fällen mit einer Verkürzung der Fristen begnügt, noch die Kölner Reformation,
welche die privilegierten Sachen nur zu Feriensachen macht (S. 423).↑ (Zurück)3.26. Letztere Bestimmung, die an das
alte Recht anlehnt, findet sich in
keiner der bisher genannten Kodifikationen. Die anderen Vorschriften finden
sich schon, wenn auch noch weniger ausgebildet, in der Mainzer
Untergerichtsordnung (S. 4) und in
der Kölner Reformation (S.
424). Die KGO., 3 XLIII hat das
Versäumnisverfahren hiervon abweichend geregelt.↑ (Zurück)3.27. Münst.
Hofgerichtsordnung, 1
IV.↑ (Zurück)3.28. Dies wurde 1572 auf Grund der Reform
eingerichtet.↑ (Zurück)3.29. LGO.
2 XXX u. Hofgerichtsordnung 2 XLI.↑ (Zurück)3.30. Die
KGO. läßt ohne besonderes Verfahren die Kosten
taxieren, ja verbietet sogar, daß der Kosten halber eine neue Ladung ergeht
(3 L § 2)↑ (Zurück)3.31. Vgl.
Schwartz, a.a.O., S. 101.↑ (Zurück)3.32. Schwartz,
a.a.O., S. 109.↑ (Zurück)3.33. Abgedruckt
bei Engelke, a.a.O., S. 68ff.↑ (Zurück)3.34. Vgl. Planck, a.a.O., II,
S. 23.↑ (Zurück)4.1. Cornelius,
Die Münsterischen Humanisten, Münster 1851, S.
30: "Köln war von Alters her die Metropole Westfalens, nicht bloß als Sitz des
Erzbischofs, sondern überhaupt in den meisten Beziehungen des materiellen wie
des geistigen Lebens."↑ (Zurück)4.2. Nähere Angaben s. bei
von Below, Die Ursachen der Rezeption des römischen Rechts in Deutschland,
München 1905, S. 114.↑ (Zurück)4.3. Die
Matrikel der Universität Köln, 1389-1559, Bd. I, Bonn
1892.↑ (Zurück)4.4. Die Zahlen für das
ganze Stift anzugeben war leider nicht
möglich, da der zweite Band der Matrikel noch nicht erschienen ist; vorstehende
Angaben sind den freundlichen brieflichen Mitteilungen des Herrn Herausgebers,
Dr. Keussen, zu verdanken.↑ (Zurück)4.5. Vgl.
v. Below, a.a.O, S. 114.↑ (Zurück)4.6. v.
Olfers, a.a.O., S. 74.↑ (Zurück)4.7. Stölzel, Die Entwicklung des gelehrten
Richtertums in deutschen Territorien, Stuttgart 1872, I, S. 89.↑ (Zurück)4.8. Münsterisches
Landes-Archiv, Landtagsakten 1567-74.↑ (Zurück)4.9. Zeitschr.
f. vaterl. Gesch. u. Altertumskunde, Münster 1894, Bd. 52 II,
S. 77ff., 1897, Bd. 55 II, S. 93ff., 1902, Bd. 60 II, S. 19ff., 1895, Bd. 53
II, S. 97ff.↑ (Zurück)4.10. Stölzel, a.a.O., II, S.
9ff., Nr. 10 u. 11.↑ (Zurück)4.11. Stölzel, a.a.O., I,
S. 60.↑ (Zurück)4.12. W.
250.↑ (Zurück)4.13. W.
Ldr., I, S. 113.↑ (Zurück)4.14. Schlüter, Provinzialrecht der Provinz
Westfalen, Bd. I, Fürstentum Münster, Leipzig 1829, S. 154.↑ (Zurück)4.15. In Haselünne (W.
Ldr., I, S. 166).↑ (Zurück)4.16. 1543 war in
Köln ein Egbertus de
Langen ad artes eingeschrieben.↑ (Zurück)4.17. Im kgl.
Staatsarchiv in Münster.↑ (Zurück)4.18. Nordhoff,
Denkwürdigkeiten aus dem münsterischen
Humanismus, Münster 1874, S. 86, 112.↑ (Zurück)4.19. Stüve, a.a.O., II, S.
196.↑ (Zurück)4.20. W.
168.↑ (Zurück)4.21. W. Ldr., I, S.
164 u. 167.↑ (Zurück)4.22. Im
kgl. Staatsarchiv zu Münster.↑ (Zurück)4.23. Vgl. das französische
Wort clerc = Notar.↑ (Zurück)4.24. Gemeine
Münster. Landtordnung von 1571, Tit. III.↑ (Zurück)4.25. Küster, Die juristische Abteilung der kgl.
Univ.-Bibliothek in Münster, Festschrift der Univ.-Bibl., Münster 1906, S. 278,
284.↑ (Zurück)4.26. Im
Staatsarchiv zu Münster.↑ (Zurück)4.27. Dasselbe
wurde aus der Bücherei des dortigen hist.
Vereins frdl. zur Verfügung gestellt.↑ (Zurück)4.28. Oben S.
31.↑ (Zurück)4.29. Wie es auch
in anderen Kodifikationen, z.B. der Kölner Reformation geschehen war.↑ (Zurück)4.30. Planck, a.a.O., I, S. 273.↑ (Zurück)4.31. W.
Ldr., I, S. 151ff., Mißbr. l, 16 u. 21.↑ (Zurück)4.32. Vgl. oben S. 32.↑ (Zurück)4.33. Allerdings auf
Vorschlag der Gerichtsgemeinde; vgl. hierzu wie zum Folgenden oben S.
35.↑ (Zurück)4.34. Oben S. 11.↑ (Zurück)4.35. Oben
S. 11.↑ (Zurück)4.36. Das
Bedürfnis nach Rechtseinheit als Ursache der Rezeption, Vortrag, abgedruckt in
der deutschen Literaturzeitung 1907, Nr. 5, S. 309 ff.↑ (Zurück)4.37. Vgl. Planck, a.a.O.,
I, S. 316: "Zweck der Aufzeichnungen ist, die Rechtskenntnis nicht untergehen
zu lassen. Sie haben keine formell verbindliche Kraft, vielmehr wird das Urteil
durch selbständige Prüfung — allerdings mit Hilfe der Aufzeichnungen
— gefunden. Ist man sich auch der Verschiedenheit der einzelnen
Stammesrechte und des deutschen vom römischen Rechte bewußt, so trägt man doch
kein Bedenken, im Fall des Zweifels nachzuforschen, wie es anderswo verhalten
werde, in der Hoffnung, dadurch auf die richtigen Gesichtspunkte aufmerksam zu
werden."↑ (Zurück)4.38. Vgl. Sohm, Institutionen,
Leipzig 1901, S. 138ff.↑ (Zurück)4.39. Gobler, Der
Rechten Spiegel, Frankfurt 1558, II,
S. XVII.↑ (Zurück)4.40. W.
Ldr., I, S. 121 f.↑ (Zurück)4.41. Vgl. das Formular
in W. Ldr., I, S. 142f.; daß dieses für
einen bestimmten Rechtsstreit eingeholt worden war, ergeben die Schlußsätze,
worin noch die Namen der Parteien angegeben sind, während es im ersten Teil
immer nur heißt N.N.↑ (Zurück)4.42. Vgl. oben, S. 43.↑ (Zurück)4.43. Hofgerichtsordnung 1
II und IV.↑ (Zurück)4.44. W. Ldr.,
I, S. 177.↑ (Zurück)4.45. Kock,
Series episc. Mon. III, S. 238ff.↑ (Zurück)4.46. Kock, a.a.O.,
III, S. 268ff.↑ (Zurück)4.47. Niesert,
Münstersche Urkundensammlung. Coesfeld 1829, Bd. 7, S.
283.↑ (Zurück)4.48. Spancken,
Ein Prozeß über Sendhafer (Ztschr. f. vaterl. Geschichte, Münster 1873, Bd. 31
II, S. 174ff.).↑ (Zurück)4.49. Abgedruckt
bei Schlüter, a.a.O., I, S. 154 ff.↑ (Zurück)4.50. Vgl.
W. Ldr., I, S. 118 und
122.↑ (Zurück)4.51. Vgl. Engelke,
a.a.O., S. 52ff., Diepenbrock,
Geschichte des vormaligen münsterschen Amtes Meppen, Münster 1838, S.
712.↑ (Zurück)4.52. W.
Ldr., I, S. 125ff.↑ (Zurück)4.53. Welter, Handbuch über das eheliche Güterrecht
in Westfalen, Paderborn 1861, S. 33.↑ (Zurück)4.54. Welter,
a.a.O., S. 32.↑ (Zurück)4.55. Diepenbrock, a.a.O., S. 221.↑ (Zurück)4.56. Abgedruckt bei Schlüter, a.a.O.,
S. 117ff.↑ (Zurück)4.57. Abgedruckt bei der LGO.↑ (Zurück)4.58. So soll im a llgemeinen
ein Vormund aus des Vaters, ein zweiter aus der Mutter
Verwandten genommen
werden. Beide haben einmal jährlich vor einer Ratsperson und zwei Verwandten
des Mündels, den Vertretern der Sippe, Rechnung zu legen. Nach dem Tode der
Mutter hat der Vater nur die Stellung eines Vormundes seiner Kinder.↑ (Zurück)4.59. Abgedruckt
bei Scotti, Sammlung der Gesetze ..., Münster 1842, I, S. 375.↑ (Zurück)4.60. Abgedruckt
bei Schlüter, a.a.O., I, S. 257ff.↑ (Zurück)4.61. Abgedruckt
bei Schlüter, a.a.O., I, S. 338ff.↑ (Zurück)4.62. Im
kgl. Staatsarchiv zu Münster, ANZ, Oberpräsidium A,
Nr. 4.↑ (Zurück)4.63. W.
Ldr., I, S. XXIX.↑ (Zurück)4.64. Weller, a.a.O.↑ (Zurück)4.65. §§ 14 und 15 des
Gesetzes betr. das Anerbenrecht bei Landgütern in der Provinz Westfalen vom 2.
Juli 1898 (Ges.-Samml. S. 139).↑ (Zurück)4.66. Ebenda.↑ (Zurück)4.67. Z.B. W.
Ldr., I, S. 87 unter 1.↑ (Zurück)4.68. Schröder, Deutsche Rechtsgeschichte, 5. Aufl.,
1907, S. 679.↑ (Zurück)4.69. Vgl.
auch Statuten der Stadt Bocholt,
Vorrede, Wiegands Archiv, Bd. III, S. 1f.↑ (Zurück)4.70. Kritische Vierteljahrsschrift, Bd. XI (1869),
S. 15.↑ (Zurück)4.71. Vgl. v.Below, a.a.O, S.
143.↑ (Zurück)4.72. S.o. S. 11.↑ (Zurück)4.73. Vgl.
S. 5: "und dann hiebevor
vill reden von dieser landtgepreuchen fürgefallen".↑ (Zurück)4.74. Vgl. Statuten
von Bocholt, Vorrede, Wiegands Archiv, III,
S. l f.↑ (Zurück)4.75. Vgl.
auch W. Ldr., I, S.
XXIX: "Es muß unter den zum Goding gehörigen Bauern ein großer Schatz
von Rechtsregeln lebendig gewesen sein, denn das Gewohnheitsrecht in
bäuerlichen Verhältnissen war einheitlich, wiewohl jedes Gericht für sich
Gesetzgeber".↑ (Zurück)4.76. W.
Ldr, I, S. 181.↑ (Zurück)4.77. Sandweiler Urteile, Sammlung C Nr. 47 und
82.↑ (Zurück)4.78. Das. C 46.↑ (Zurück)4.79. Das. C 57, 45 und 75.↑ (Zurück)4.80. Das. C 80.↑ (Zurück)4.81. W.
Ldr., I, S. V.↑ (Zurück)4.82. W.
Ldr., I, S. 118ff.↑ (Zurück)4.83. Engelke,
a.a.O., S. 15f.↑ (Zurück)4.84. A.a.O., S. 338.↑ (Zurück)4.85. Bornhak, Forschungen zur deutschen Geschichte,
XXVI (1886), S.
426.↑ (Zurück)4.86. Grünhuts Zeitschrift, I (1874),
S. 253f.↑ (Zurück)4.87. Philippi, Hundert
Jahre preußischer Herrschaft, S. 17. Die Schöffenverfassung erhielt sich noch
z.T. bis in das 18. Jahrh., erst dann trat allmählich der Einzelrichter auf.
Vgl. Skotti, a.a.O., II, S. 422, Verordnung vom 29. Sept. 1752: die in der LGO.
enthaltene Vorschrift, daß alle Kontrakte ... nur vor den Richtern im Beisein
der Scheffen, wo deren vorhanden sind, ausgefertigt werden ..., wird neu
eingeschärft.↑ (Zurück)4.88. Der
Rechten Spiegel, S. XII.↑ (Zurück)4.89. Philippi, a.a.O., S. 52; ebenso im Herzogtum
Westfalen (Schmitz, a.a.O., S. 30) und in Osnabrück (Rehker, Die
landesherrlichen Verwaltungsbehörden im Bistum Osnabrück, S. 38).↑ (Zurück)Repertorium digitaler österreichischer Rechtsquellen der Frühen Neuzeit | SearchDate:

References: § 1
 § 2
 § 3

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 § 2
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 § 2