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Timestamp: 2019-10-15 10:05:17+00:00

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BGH, 06.10.1976 - VIII ZR 66/75 - dejure.org
https://dejure.org/1976,1602
BGH, 06.10.1976 - VIII ZR 66/75 (https://dejure.org/1976,1602)
BGH, Entscheidung vom 06.10.1976 - VIII ZR 66/75 (https://dejure.org/1976,1602)
BGH, Entscheidung vom 06. Januar 1976 - VIII ZR 66/75 (https://dejure.org/1976,1602)
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Sukzessvlieferungsvertrag, pVV (vgl. nunmehr §§ 280 Abs. 1, 282 BGB <Fassung seit 1.1.02>), § 326 Abs. 1 BGB <Fassung bis 31.12.01> analog
Anforderungen an die Auslegung eines Kaufvertrages - Voraussetzungen für das Vorliegen eines kaufmännischen Bestätigungsschreibens - Anforderungen an den Vorwurf des Vertragsbruchs
NJW 1977, 35
DB 1976, 2395
Bei dem Vertrag der Parteien handelt es sich, wovon auch das Berufungsgericht - unausgesprochen - ausgegangen ist, ungeachtet der von den Parteien gewählten Bezeichnung als "Kooperationsvertrag" um einen (einheitlichen) Kaufvertrag gemäß § 433 BGB in Gestalt eines sogenannten (echten) Sukzessivlieferungsvertrags (vgl. hierzu Senatsurteile vom 1. Dezember 1971- VIII ZR 143/70, NJW 1972, 246 unter II 2; vom 6. Oktober 1976 - VIII ZR 66/75, NJW 1977, 35 unter III 1; vom 28. März 1979 - VIII ZR 15/78, WM 1979, 674 unter II 2; vom 26. Oktober 1994 - VIII ZR 150/93, NJW-RR 1995, 240 unter II 2 b aa (3);… Palandt/Grüneberg, BGB, 76. Aufl., vor § 311 Rn. 27 ff.;… MünchKommBGB/Gaier, 7. Aufl., § 314 Rn. 8) über das streitgegenständliche Additiv der Klägerin, ergänzt im Wesentlichen um ein Alleinvertriebsrecht der Beklagten und Nebenpflichten der Parteien bei der Vermarktung der von der Beklagten unter Verwendung des Additivs herzustellenden Farbmischung.
Der Gläubiger kann deshalb dem Schuldner vor Fälligkeit der Leistung eine angemessene Frist zur Erklärung eigener Leistungsbereitschaft und zum Nachweis fristgerechter Erfüllung des Vertrages setzen, wenn die rechtzeitige Erfüllung durch Hindernisse ernsthaft in Frage gestellt ist, die im Verantwortungsbereich des Schuldners liegen, und dem Gläubiger ein weiteres Zuwarten nicht möglich ist (…vgl. BGH, Urteile vom 10. Dezember 1975 - VIII ZR 147/74, juris Rn. 11 und vom 6. Oktober 1976 - VIII ZR 66/75, juris Rn. 37 ff.).
Eine unter Umständen sogar eine Fristsetzung entbehrlich machende klare und eindeutige Erklärung der Klägerin, dass sie die Verträge nicht fristgerecht erfüllen werde und ein Versuch, sie umzustimmen, völlig aussichtslos wäre (…vgl. zu diesen Kriterien BGH, Urteile vom 10. Dezember 1975 - VIII ZR 147/74, juris Rn. 12 und vom 6. Oktober 1976 - VIII ZR 66/75, juris Rn. 39), enthält das betreffende Schreiben der Klägerin vom 23. November 2011 (Anlage K 72) aber nicht.
Gleichwohl ist insoweit von der Rechtsprechung der Grundsatz entwickelt worden, dass die üblichen Bemühungen um die Einziehung einer Forderung, ja selbst Regulierungsbemühungen beim Einzug einer Schadensersatzforderung, zum eigenen Pflichtenkreis des Gläubigers gehören und nicht gemäß §§ 249 ff. BGB als Vermögensschaden geltend gemacht werden können (…OLG Dresden, a.aO.; OLG Köln, WM 1989, 246 ff, Juris; BGH, NJW 1977, 35, Juris).
Zwar ist von der Rechtsprechung die Befugnis des Gläubigers anerkannt, den Schuldner - wenn dieser Zweifel an seiner Erfüllungsbereitschaft geweckt hat, ohne dass schon eine ernsthafte und endgültige Verweigerung ausgesprochen wäre - unter Fristsetzung zu einer Erklärung über seine Vertragstreue aufzufordern (BGH, Urteil vom 10.12.1975 - VIII ZR 147/74; Urteil vom 06.10.1976 - VIII ZR 66/75).
Ihre im raschen Fernschriftwechsel abgegebene Erklärung kann aber nicht ohne weiteres als so endgültig angesehen werden, daß nicht Aussicht bestanden hätte, die Klägerin durch Fristsetzung und Ablehnungsandrohung nachdrücklich auf ihre Vertragspflichten für die volle Leistung hinzuweisen und sie dadurch umzustimmen (vgl. Senatsurteile vom 10. Dezember 1975 - VIII ZR 147/74 = LM BGB § 326 (Dc) Nr. 4 = WM 1976, 75 -, vom 6. Oktober 1976 - VIII ZR 66/75 = LM BGB § 326 (J) Nr. 3 = WM 1976, 1270 - und vom 16. Juni 1982 - VIII ZR 89/81 = NJW 1982, 2316 = WM 1982, 907).
In beiden Fällen konnte die Klägerin nach § 326 BGB vorgehen (vgl. BGH Urteile vom 10. Dezember 1975 - VIII ZR 147/74 = LM BGB § 326 (Dc) Nr. 4 = WM 1976, 75, vom 6. Oktober 1976 - VIII ZR 66/75 = LM BGB § 326 (J) Nr. 3 = WM 1976, 1270 und vom 10. November 1976 = LM BGB § 326 (Dc) Nr. 5 = WM 1977, 220).
Denn die Fristsetzung soll auch bei positiven Vertragsverletzungen im Rahmen eines Sukzessivlieferungsvertrages dem Vertragsgegner die Folgen eines weiteren vertragswidrigen Verhaltens noch einmal nachdrücklich vor Augen führen (vgl. auch BGH Urteile vom 10. Dezember 1975 a.a.O. und 6. Oktober 1976 a.a.O.).
Nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats (vgl. u.a. Senatsurteil vom 6. Oktober 1976 - VIII ZR 66/75 = NJW 1977, 35 = WM 1976, 1270) konnte sich die Klägerin daraufhin ohne Fristsetzung und Ablehnungsandrohung von dem noch nicht erfüllten Teil des Sukzessivlieferungsvertrages lösen und Schadensersatz wegen Nichterfüllung fordern, sofern sie bis dahin ihrerseits vertragstreu und die Beklagte zum Abbruch des Vertrages nicht berechtigt war.
OLG Düsseldorf, 07.02.1992 - 22 U 159/91
Bauverzögerung: Verzug des Auftragnehmers; Recht auf Arbeitseinstellung
LG Magdeburg, 18.11.2008 - 31 O 75/08

References: § 326
 § 433
 § 311
 § 314
 § 326
 § 326
 § 326
 BGH 
 § 326
 § 326
 § 326
 BGH