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Privatpatienten leben gefährlich – Zahnfilm DE
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Veröffentlicht am 18. Oktober 2011 AutorJoachim Wagner31 Kommentare
Wir nennen unseren 41 – jährigen Privatpatienten mal Herrn XY, der sich vor 4 Jahren ganz unbedarft in die Behandlung eines Kollegen jwd (= janzwoanders) begibt, denn da aus der jwd Gegend kommt der Patient. Laut Patient habe der besagte Kollege dann die beiden Zähne 24 und 25 mit Keramik-Inlays versehen, um Karies vorzubeugen, die er an diesen Zähnen voraussehen würde.
Warum eine solche Aussage
1. reichlich Platz für entgegengesetzte Auslegungen zuläßt,
2. einer genauen Prüfung wahrscheinlich nicht standhält,
und 3. im Jahr 2007 auch schon zahnmedizinischen Schwachsinn darstellte
läßt sich mit einiger Sicherheit aus dem Bild 2 ablesen. Darin sind die Zähne 14 und 15 des gleichen Patienten abgelichtet und weisen absolut keine Anzeichen für Karies auf. Und Vorsicht meine Herren Kollegen, lehnen Sie sich auf keinen Fall aus dem Fenster mit angeblicher Fissurenkaries. Dann werde ich zur Wildsau. Wenn ein Zahn im Mund als allerletzter eine Fissurenkaries bekommt, dann ist das ein oberer Prämolar. Ich bohre zu lange in diesem Business, um mir noch irgendwelche Märchen dazu anhören zu müssen.
In Wahrheit ging es mal wieder um eine besonders kreative Ausrede eines mit richtiger Arbeit nicht ausgelasteten Kollegen, warum er denn Arbeit findet, wo keine ist. „Er beugt Karies vor, die er erst kommen sieht.“
Das ist nüchtern betrachtet eine vorsätzliche Körperverletzung und steht unter Strafe, auch für einen Zahnarzt.
Und die Dreistigkeit der Tat wird keineswegs dadurch gemildert, dass der Privatpatient unter dem Vorzeichen „modern“ und „hightech“ seine linken Vorbackenzähne nun mit Cerec Inlays (= Per digitalem Abdruck und Computer aus dem vollen Keramikblock geschliffene Keramikscherben) bestückt bekommen hat. Im Gegenteil. Ein vergrößerter Ausschnitt von Bild 1 legt eher nahe, dass es sich bei den vorbezeichneten CAD/CAM Hochleistern um relativ ungenaue Keramikkerne eingebettet in viel Kunststoff zum Schwundausgleich handelt.
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31 Replies to “Privatpatienten leben gefährlich”
18. Oktober 2011 um 20:04
RE: Privatpatienten leben gefährlich
Löcher in gesunde Zähne bohren
teure Inlays draufpappen
und das auch noch in schlechter Qualität.
Cerec sieht anders aus, ich tippe auf Empress.
Wird der Herr XY denn gegen den Keramik-ZA angehen oder hat man da keine Chance ?
Und ob diese teuren Keramik-Teile besser sind als die „normale“ Kunststofffüllung für deutlich weniger Geld darf angesichts des letzten Bildes auch bezweifelt werden.
Blindes Vertrauen ist gerade bei Zahnärzten sehr gefährlich.
19. Oktober 2011 um 8:39
Strafrecht oder Zivilrecht, die Chancen des Pat. gegen den ZA erfolgreich vorzugehen sind gleich Null. Ich gehe jede Wette ein, dass bei Aufnahme des Zahnstatus die zur Miss-, bzw.Behandlung geplanten Zähne in der Behandlungskartei als erkrankt eingetragen sind. Demzufolge wird der Patient das Gegenteil nicht beweisen können. Leider gibt es in der Zahnärzteschaft viele, bei denen die eigenen Erträge weit vor dem gesundheitlichen Wohl des Pat. stehen. Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Pat. zieht über dem gesamten Gesundheitssektor weite Bahnen; insofern tendieren auch Krankenhäuser dazu, ihre Patienten als Kunden zu bezeichnen. Auch der Kassenpatient ist nicht vor unsachgemäßen Übergriffen seines Behandlers gefeit und ich frage mich zwischenzeitlich, wo uns der Weg noch hinführt.
MgG Ertl
Im Prinzip sollte man immer erst auf eine bildliche Diagnose bestehen (Foto/Röntgenbild) bevor man den Zahnarzt bohren lässt, das hätte ich auch schon immer machen sollen. Aber als Angstpatient ist man froh wieder draußen zu sein.
20. Oktober 2011 um 21:07
[quote name=“Ertl“]Strafrecht oder Zivilrecht, die Chancen des Pat. gegen den ZA erfolgreich vorzugehen sind gleich Null. (…) und ich frage mich zwischenzeitlich, wo uns der Weg noch hinführt.
MgG Ertl[/quote]
der Weg führt nach Straßburg. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte.
Ich denke, daß das Bundesverfassungsgericht nicht mehr als eine Zwischenstation sein wird.
21. Oktober 2011 um 7:05
wie ist das mit dem Europäischem Gerichtshof in Straßburg, gibt es da schon Erfahrungungen und Erkenntnisse?
Haben Zahngeschädigte da schon mal recht bekommen.
Wer kan da mehr da zu sagen?
jede Inanspruchnahme des Gerichtsweges erfordert zunächst die Analyse des vorliegenden Falls. Offenkundig war der Pat. damit einverstanden, dass zur „Vorbeugung“ von Karies Inlays angefertigt wurden. Da zur Vorbeugung eingesetzte Inlays auch nicht von der Privatkasse finanziert werden, kann die Indikation für den Eingriff nur mit dem „erkrankten“ Zahn herbeigeführt werden, ergo wird dies auch so dokumentiert sein. Die nächste Hürde ist die Frage der Verjährung. Hier könnte man anführen, dass der Pat. erst mit der Untersuchung des Herrn Wagner Kenntnis über die mangelhafte Arbeit erhalten hat. Hat man mit entsprechender Argumentation den Verjährungseintritt in Abrede gestellt, dann wird im Falle des Verdachts einer Fehlbehandlung der Gutachter hinzugeholt. Da stellt sich dann die Frage, ob dieser die Meinung des Herrn Wagner teilt. Wenn ja,dann fragt man sich wiederum ob die Inlays deshalb erneuerungsbedürftig sind und ob sich für den Patienten aus dieser
Behandlung ein Schadensersatzanspruch ergibt. So,nun befinden wir uns zunächst vermutlich auf dem Amtsgericht und wenn ein zahnarztfreundlicher Gutachter einen Behandlungsfehler negiert, dann muss mit harten Bandagen weiter gekämpft werden.
Straßburg liegt hier in weitester Ferne und ist vermutlich gar nicht zuständig. Ich würde sagen Pech gehabt; menschlich ist die Haltung des Zahnarztes in hohem Maße zu verurteilen; dennoch wäre die Inanspruchnahmne eines Gerichts in diesem Falle wohl eher mit Ärger denn Nutzen verbunden.
LG Ertl
[quote name=“Ertl“]Behandlung ein Schadensersatzanspruch ergibt. So,nun befinden wir uns zunächst vermutlich auf dem Amtsgericht und wenn ein zahnarztfreundlicher Gutachter einen Behandlungsfehler negiert, dann muss mit harten Bandagen weiter gekämpft werden.
LG Ertl[/quote]
wir werden sehen. Auch das Bundesverfassungsggericht wollte weg gucken. Mit meiner und anwältlicher Hartnäckichkeit geht das nicht mehr so einfach.
[quote name=“melanie“]Hallo Ertl,
Wer kan da mehr da zu sagen?[/quote]
Ich werde diesen Weg gehen. Bundesverfassungsgericht. Und Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte. Ich werde berichten.
strassburger sagt:
Wie kommen Sie denn überhaupt darauf mit einem Foto von 14/15 Rückschlüsse auf den Zwischenraum bzw die Kariessituation bei 24/25 vor deren Behandlungsbeginn zu ziehen?
Wie wäre es denn mal mit einer Bissflügelaufnahme?
Wäre diese nicht viel aussagekräftiger?
Waren die Zähne 24/25 vor Anfertigung der Inlays bereits mit Füllungen versorgt??
Ist es glaubwürdig, daß ein Patient einer Behandlung zustimmt die auf einer so hahnebüchenen Vorraussage (Kariesvorhersage) beruht? (Obwohl…)
Naja – keine schöner Rand wie so oft bei den Keramikdingern..
[quote name=“Max“]Cerec sieht anders aus, ich tippe auf Empress.
Trotzdem ein Wahnsinn.[/quote]
Sind Sie bereit, diesen Unterschied hier zu erklären? Ich habe meinen 25 für Cerec gehalten. Dürfte Empress sein. Wurde mir als DAS BESTE ÜBERHAUPT verkauft. Wenn ich nicht gefeilt hätte, wäre auch dieser Zahn den Bach runter gegangen …
[quote name=“strassburger“]Wie kommen Sie denn überhaupt darauf mit einem Foto von 14/15 Rückschlüsse auf den Zwischenraum bzw die Kariessituation bei 24/25 vor deren Behandlungsbeginn zu ziehen?
Auch Sie mißhandeln so.
30. Oktober 2011 um 23:39
Straßburg liegt nicht in weitester Ferne. Trotz versuchter Ignoranz des Bundesverfassungsgerichts haben wir da mit rechtsanwaltlicher Unterstützung ein Aktenzeichen und damit eine Entscheidung erzwungen. Die nächste Instanz ist eben Straßburg.
google: „Patient schliff“
31. Oktober 2011 um 0:45
Das weiß ich nicht. Aber spielt das eine Rolle? Ich stelle Grundsatzfragen. Z. B.: Welchen Unfug darf ein Gutachter treiben?
Noch unqualifizierter ging es nicht ??
Gute Nacht Horst!
8. November 2011 um 8:22
[quote name=“Horst P.“][quote
Das Gutachterunwesen ist doch allgemein bekannt.
Beispiel – Zitat:“Wie im vorangehenden ausgeführt, ist im allgemeinen der vom Gericht bestellte Gutachter keineswegs weniger parteiisch; jedenfalls kann das nicht vorausgesetzt werden. Nur ist eben die Voreingenommenheit des amtlichen Gutachters versteckter, nicht so ohne weiteres erkennbar.“
http://www.ngm-bayern.de/berichte-links/seite204.htm
Geschützt werden alle möglichen Interessen, aber nicht die des Patienten.
[quote name=“Manuela“][quote name=“Horst P.“][quote
Geschützt werden alle möglichen Interessen, aber nicht die des Patienten.[/quote]
Ich rate erneut.
Gutachter handeln aus wirtschaftlichen Interessen. Die wollen ihre Berufshaftplicht billig halten.
Patienteninteresse kann da nur stören.
[quote name=“strassburger“]Ich rate.
Gute Nacht Horst![/quote]
Ich habe unqualifiziert geraten.
Schön, dass Ihre Patienten das nicht mitkriegen.
[quote name=“Horst P.“][quote name=“strassburger“]Ich rate.
Sie werden diese Diskussion nicht in Ihrem Wartezimmer aushängen.
[quote name=“Horst P.“][quote name=“Horst P.“][quote name=“strassburger“]Ich rate.
Ich erlaube mir, Herrn Wagner zu zitieren:
Is mir schlecht. Denk ich an Dentist (oder Zahnbrecher) in der Nacht, bin ich um den Schlaf …
[quote name=“Ertl“]Strafrecht oder Zivilrecht, die Chancen des Pat. gegen den ZA erfolgreich vorzugehen sind gleich Null. (…). Auch der Kassenpatient ist nicht vor unsachgemäßen Übergriffen seines Behandlers gefeit und ich frage mich zwischenzeitlich, wo uns der Weg noch hinführt.
Wir werden sehen, wo uns der Weg noch hinführt.
„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, wenn wir gingen, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?“
Schau mer mal. Was das Bundesverfassungsgericht sagt. Jede Begleitung ist willkommen.
Und Good luck.
5. Januar 2012 um 1:04
Die Lachnummer fängt folgendermaßen an:
Az: 4 O 11200/08
„Die Angriffe gegen den Sachverständigen Dr. Brewowetz entbehren der von einer fachanwaltlich vertretenen Klageparpartei zu fordernden Sachlichkeit.
Wenn der Kläger dem Sachverständigen nunmehr die Straftat des Ausstellens eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses gemäß § 278 StGB vorwirft, kann dies durch die Kammer nicht mehr nachvollzogen werden. Weder war, wie dargelegt, eine persönliche Untersuchung des Klägers erforderlich, noch kam es letztlich auf Überhöhungen an. Ursache des Zahnverlustes des Klägers war, wie deutlich ausgeführt, die zugrundeliegende Parodontitiserkrankung.“
Und hier kommt ein Gerät. 2Str384/06.
Hallo Herr Horst P.,
wenn eine Berufung vor dem OLG nach § 522 ZPO zurückgewiesen wird , so ist dieser Beschluss nicht anfechtbar. Angenommen, eine Verfassungsbeschwerde wäre dahingehend erfolgreich, dass die Klage angenommen werden muss, dann stehen Sie ja wieder vor dem Gutachterproblem und die Gesinnung der Richter würde sich auch nicht ändern.Jedoch würde sich im Falle der erfolglosen Berufung die Möglichkeit der Revision vor dem BGH eröffnen; allerdings sind Sie dann vermutlich 10 Jahre älter und es bleibt bis dahin offen, ob Sie jemals Recht bekommen.
Der obige Fall lohnt sicherlich nicht, den eigenen Seelenfrieden in dieser Weise zu strapazieren, zumal die ersten Hürden durch Verjährungseintritt, schlechte Beweislage und fragl. Begutachtungserfolg erst einmal zu überwinden sind.
Wenn Sie für sich die Kraft für den Weg nach Straßburg noch haben, dann viel Erfolg im Neuen Jahr.
Hallo Horst, nicht recht bekommen zu haben ist echt bitter. Das tut mir wirklich leid für Sie. Ich wünsche Ihnen, dass Sie für sich das Beste draus machen, was immer das in Ihrem Fall ist. Good Luck!
[quote name=“Ertl“]Hallo Herr Horst P.,
wenn eine Berufung vor dem OLG nach § 522 ZPO zurückgewiesen wird , so ist dieser Beschluss nicht anfechtbar. Angenommen, eine Verfassungsbeschwerde wäre dahingehend erfolgreich, dass die Klage angenommen werden muss, (…).Jedoch würde sich im Falle der erfolglosen Berufung die Möglichkeit der Revision vor dem BGH eröffnen; allerdings sind Sie dann vermutlich 10 Jahre älter und es bleibt bis dahin offen, ob Sie jemals Recht bekommen.
Erst mal nach Karlsruhe.
[quote name=“sven“]Hallo Horst, nicht recht bekommen zu haben ist echt bitter. Das tut mir wirklich leid für Sie. Ich wünsche Ihnen, dass Sie für sich das Beste draus machen, was immer das in Ihrem Fall ist. Good Luck![/quote]
Der Gutachter hat mich erstmals vor Gericht gesehen. Deswegen der Verweis auf das BGH Urteil 2Str384/06. Der Fall ist schräg genug. Wo die Frankfurter Justiz da wegschauen will. Meine Güte.
Klare Ansage des BGH: Gesundheitszeugnis ohne persönliche Untersuchung ist unrichtiges Gesundheitszeugnis im Sinne des $ 278 StGB.
Das gilt für alle im Gesundheitswesen, die Gesundheitszeugnisse schreiben dürfen. Wer dagegen verstößt, macht sich strafbar.
Ich habe den Gutachter angezeigt. Justiz in München: null Bock.
Schau mer mal. Nebenbei: Ich bin gelernter Krankenpfleger. Dreijähriges Staatsexamen.
– Ich habe den Gutachter angezeigt. Justiz in München: null Bock.[..]
– Danke für die Anteilnahme![/quote]
– ja, es scheint sehr verzwickt zu sein. Ich fürchte fast, dass die Justiz nicht dafür geschaffen ist, solche Dinge zu einer Lösung zu bringen. Aber das ist nur meine Meinung.
– Bitte, gern geschehen 🙂
Auch Kassenpatienten leben gefaehrlich
[quote name=“sven“][quote name=“Horst P.“][..]
– Bitte, gern geschehen :-)[/quote]
Der Knackpunkt dürfte eher das Gutachterunwesen sein. Was die Branche vertuschen will, kann die Justiz natürlich nicht klären. Die Richter sind froh, wenn sie den Schmarrn vom Gutachter nachplappern können. Alles andere wäre mit einer Denkleistung verbunden. Und dafür werden diese Leute vermutlich nicht bezahlt. Ist es das, was mit dem Begriff der „richterlichen Unabhängigkeit“ gemeint ist???
7. Januar 2012 um 2:13
[quote name=“Horst P.“]Der Knackpunkt dürfte eher das Gutachterunwesen sein. [..][/quote]
Da weiss ich leider auch keinen Rat.

References: § 278
 § 522
 BGH 
 § 522
 BGH 
 BGH