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Timestamp: 2020-08-08 23:35:56+00:00

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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.12.1997 mit dem Az.: 4 AZR 247/96
Aktenzeichen: 4 AZR 247/96 Bundesarbeitsgericht 4. Senat Urteil vom 10. Dezember 1997 - 4 AZR 247/96 -
I. Arbeitsgericht Urteil vom 28. Oktober 1994 Mannheim - 7 Ca 213/94 u. 224/94 -
II. Landesarbeitsgericht Urteil vom 03. November 1995 Baden-Württemberg (Mannheim) - 14 Sa 24/95 -
4 AZR 247/96 ------------ 14 Sa 24/95 Baden-Württemberg Im Namen des Volkes! Verkündet am 10. Dezember 1997 U r t e i l Bartel, Reg.-Hauptsekretärin als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle
1. Die Revision der Kläger gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg vom 3. November 1995 - 14 Sa 24/95 - wird zurückgewiesen.
2. Die Kläger haben die Kosten der Revision zu tragen, und zwar trägt der Kläger R 5/7, der Kläger B 2/7.
Gegenstand des Rechtsstreits ist die Frage, ob der Kläger F R Anspruch auf das tarifliche 13. Monatseinkommen für die Jahre 1992 und 1993 abzüglich geleisteter Zahlungen, mithin auf noch 2.019,94 DM brutto und der Kläger E B für das Jahr 1993 in restlicher Höhe von 803,30 DM brutto haben aus dem Tarifvertrag über betriebliche Sonderzahlungen (13. Monatseinkommen) vom 6. Dezember 1977, in Kraft ab 1. Januar 1978, vereinbart zwischen dem Landesinnungsverband der elektrotechnischen Handwerke Baden-Württemberg, Stuttgart und der Industriegewerkschaft Metall für die Bundesrepublik Deutschland, Bezirksleitung Stuttgart.
Der bei der Beklagten seit dem 2. Januar 1989 als Elektrohelfer ("Einstellungsvertrag" vom 11. Januar 1989) beschäftigte Kläger F R und der seit dem 2. Mai 1990 als Elektriker beschäftigte Kläger E B ("Einstellungsvertrag" vom 2. Mai 1990) sind Mitglieder der IG Metall seit Juli 1992. Nach Auffassung der Kläger gelten seit diesem Zeitpunkt kraft beiderseitiger Tarifgebundenheit die Tarifverträge für das Elektro-Handwerk in Baden-Württemberg, also auch der Tarifvertrag über betriebliche Sonderzahlungen (13. Monatseinkommen) vom 6. Dezember 1977.
§ 1 des Tarifvertrages über betriebliche Sonderzahlungen (13. Monatseinkommen) lautet:
Die Kläger haben die Auffassung vertreten, die Beklagte sei trotz ihres Austritts aus der Handwerksinnung nach § 3 Abs. 3 TVG tarifgebunden. Der Tarifvertrag "13. Monatseinkommen" vom 6. Dezember 1977 sei nicht geändert oder durch einen anderen Tarifvertrag ersetzt worden.
Der Kläger F R hat beantragt:
Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 2.019,94 DM brutto nebst 4 % Zinsen aus dem sich hieraus ergebenden Nettobetrag ab 20. Dezember 1993 zu bezahlen.
Der Kläger E B hat beantragt:
Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 803,30 DM brutto nebst 4 % Zinsen aus dem sich hieraus ergebenden Nettobetrag ab 20. Dezember 1993 zu bezahlen.
Sie hat geltend gemacht, spätestens seit ihrem Innungsaustritt werde sie vom Geltungsbereich der Tarifverträge für das elektrotechnische Handwerk nicht mehr erfaßt. Unabhängig von den mit dem Innungsaustritt verbundenen Rechtsfolgen fehle es deshalb an der zum Erfolg der Klage nötigen Geltung des Tarifvertrages, der die Ansprüche der Kläger begründen solle. Die Beklagte beschäftige sich jedenfalls seit dem Jahr 1990 - auch schon geraume Zeit davor - ganz überwiegend nur noch mit Arbeitnehmerüberlassung. Seit 1990 bestreite sie über 90 % ihres Umsatzes mit diesem Bereich. Ein dementsprechendes Zahlenverhältnis bestehe hinsichtlich der Einsatzzeiten der insgesamt im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer. Ein überwiegend auf dem Gebiet der Arbeitnehmerüberlassung tätiger Betrieb werde vom fachlichen Geltungsbereich der für das elektrotechnische Handwerk abgeschlossenen Tarifverträge nicht erfaßt.
Das Arbeitsgericht hat den Klagen stattgegeben.
Im Verlaufe des Berufungsverfahrens unterzeichnete der Kläger E B die "Verpflichtungserklärung" vom 15. September 1995:
"... ich ... verpflichte mich, meine sämtlichen Klagen gegen oben genannte Firma vor dem Arbeitsgericht M und dem Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg zurückzunehmen. Gleichzeitig verzichte ich gegen o. g. Firma auf die dort geltend gemachten Ansprüche."
Das Landesarbeitsgericht hat beide Verfahren miteinander verbunden und nach Beweisaufnahme über die Behauptung der Beklagten, ihre überwiegende Tätigkeit liege auf dem Gebiet der Arbeitnehmerüberlassung, durch Vernehmung des kaufmännischen Angestellten M H und des Elektromeisters und Sohnes des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH der Beklagten J W sowie des Diplom-Betriebswirtes B R als Zeugen in Abänderung der arbeitsgerichtlichen Urteile die Klagen abgewiesen. Mit der vom Landesarbeitsgericht zugelassenen Revision verfolgen die Kläger ihre Klageansprüche weiter. Die Beklagte beantragt, die Revision der Kläger zurückzuweisen.
Mit Schreiben vom 10. April 1996 kündigte die GmbH-Komplementärin ihre Mitgliedschaft bei der Elektro-Innung M . Diese Kündigung wirkte auf den 31. Dezember 1996. Die GmbH-Komplementärin stellte klar, "daß wir unsere Eintragung in der Handwerksrolle aufrechterhalten".
Die Kläger haben keinen Anspruch auf die geltend gemachten Differenzbeträge zwischen dem 13. Monatseinkommen nach dem Tarifvertrag vom 6. Dezember 1977 und den tatsächlich als "Weihnachtsgeld" gezahlten Beträgen gegen die Beklagte.
1. Die Zahlungsklagen sind zulässig. Der Kläger F R begehrt für 1992 "18,00 DM x 173,33 x 50 % abzüglich bezahlter 400,00 DM = 1.159,97 DM brutto" und für 1993 "18,00 DM x 173,33 x 50 % abzüglich bezahlter 700,00 DM = 859,47 DM brutto", mithin 2.019,94 DM brutto. Der Kläger E B verlangt für das Jahr 1993 "18,50 DM x 173,33 x 50 % abzüglich bezahlter 800,00 DM", mithin 803,30 DM brutto. Damit sind die Streitgegenstände (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) hinreichend bestimmt.
2. Die Klagen sind unbegründet.
Die Kläger haben keinen Anspruch auf das 13. Monatseinkommen aus dem Tarifvertrag vom 6. Dezember 1977 über betriebliche Sonderzahlungen für die Jahre 1992 und 1993.
Der Tarifvertrag über ein 13. Monatseinkommen vom 6. Dezember 1977 gilt für die Kläger weder aufgrund verlängerter Tarifgebundenheit (§ 3 Abs. 3 TVG) noch aufgrund Nachwirkung (§ 4 Abs. 5 TVG). Die Beklagte ist auch nicht deswegen als Mitglied der Elektro-Innung M anzusehen, weil sich die Mitgliedschaft der Beklagten aus der Mitgliedschaft ihrer Komplementärin, der Elektrotechnik-Maschinenbau-Service Verwaltungs GmbH in der Elektro-Innung ergibt.
aa) Das Landesarbeitsgericht hat zutreffend darauf hingewiesen, daß die Beklagte allein durch ihren Austritt aus der Elektro-Innung M per 5. Dezember 1991 eine bestehende Tarifbindung nicht beseitigen konnte, vielmehr die verlängerte Tarifgebundenheit, § 3 Abs. 3 TVG, eintrat, die eine Tarifbindung, die nach § 3 Abs. 1 TVG bestanden hat, dahin erweitert, daß es allein auf das Ende der Tarifgeltung ankommt, der Austritt aus der Tarifvertragspartei also an der bestehenden Tarifbindung nichts ändert. Da der Tarifvertrag über das 13. Monatseinkommen vom 6. Dezember 1977 nicht gekündigt, sondern lediglich durch die "Vereinbarung zum Tarifvertrag über betriebliche Sonderzahlungen (13. Monatseinkommen)" vom 2. Dezember 1985 in § 2 Ziff. 2.4.1 Abs. 1 geändert wurde, würde das bedeuten, daß die Beklagte an den Tarifvertrag weiter nach § 3 Abs. 3 TVG gebunden ist. Weiter würde das bedeuten, daß die Kläger, obwohl sie erst in der Zeit der verlängerten Tarifgebundenheit in die IG Metall eingetreten sind, die auf der Seite der Arbeitnehmer den Tarifvertrag vom 6. Dezember 1977 abgeschlossen hat, in den Genuß des Tarifvertrages vom 6. Dezember 1977 kämen und damit Anspruch auf die geltend gemachten Differenzbeträge hätten. Denn § 3 Abs. 3 TVG setzt nicht voraus, daß das von den Tarifnormen erfaßte Rechtsverhältnis schon dem Tarifvertrag unterfallen ist, also zu irgendeinem Zeitpunkt vor dem Austritt beiderseitige Tarifgebundenheit bestanden hat. Ist der Arbeitgeber ausgetreten, muß auch ein danach eingestellter Arbeitnehmer Tarifschutz genießen, wenn er Mitglied der Gewerkschaft ist. Gleiches gilt für den Arbeitnehmer, der nach dem Austritt des Arbeitgebers Mitglied der Gewerkschaft wird. § 3 Abs. 3 TVG will die Flucht aus dem Tarifvertrag insgesamt verhindern, nicht bloß die Flucht aus der Tarifgeltung im einzelnen Arbeitsverhältnis (Löwisch/Rieble, TVG, § 3 Rz 78).
bb) Das Landesarbeitsgericht hat aber darauf hingewiesen, daß per 1. Januar 1992, aber auch schon früher eine Tarifbindung der Beklagten nicht mehr bestand, weil sie nicht mehr unter den fachlichen Geltungsbereich des Tarifvertrages "13. Monatseinkommen" fiel, was an dem vollzogenen Wechsel des Betriebszweckes lag.
Das Landesarbeitsgericht hat ausgeführt, mindestens seit 1990 unterhalte die Beklagte einen überwiegend auf dem Gebiet der Arbeitnehmerüberlassung gemäß dem AÜG tätigen Betrieb. Die bei der Beklagten insgesamt beschäftigten Arbeitnehmer würden seither überwiegend, mit mehr als 90 % aufgrund von Arbeitnehmerüberlassungsverträgen eingesetzt. Es hat dies anhand des Ergebnisses der Beweisaufnahme im einzelnen begründet.
Es hat weiter ausgeführt, der fachliche Geltungsbereich des Tarifvertrages über betriebliche Sonderzahlungen umfasse den einheitlich dem Bereich der Arbeitnehmerüberlassung zuzuordnenden Betrieb nicht. § 3 Abs. 3 TVG finde keine Anwendung, wenn ein Betrieb nicht mehr dem Geltungsbereich des Tarifvertrages unterliege. § 3 Abs. 3 TVG erfordere die Tarifzuständigkeit der am Abschluß des Tarifvertrages beteiligten Organisationen. Für die Zuordnung zum fachlichen Geltungsbereich des Tarifvertrages komme es nicht nur auf die frühere Innungsmitgliedschaft der Beklagten an. § 1.1.2 des Tarifvertrages sei dahin auszulegen, daß die Tarifvertragsparteien nur diejenigen Betriebe vom fachlichen Geltungsbereich hätten erfaßt wissen wollen, die sich auf dem Gebiet des elektrotechnischen Handwerks betätigten, demgegenüber nicht etwa Betriebe mit x-beliebigem Gegenstand, sofern der Inhaber nur Mitglied der zuständigen Handwerksorganisationen sei. § 1.1.2 TV stelle gar nicht auf die Organisationszugehörigkeit des Betriebsinhabers ab. Es würden alle "Betriebe, die selbst oder deren Innungen dem Landesinnungsverband ... angehören", erwähnt. Dies sei nach der Organisation des Handwerks, also nach der Handwerksordnung, gar nicht möglich. Gemäß § 58 Abs. 1 HwO (entsprechend § 79 Abs. 3 HwO) könne Mitglied bei der Handwerksinnung jeder selbständige Handwerker werden, der das Handwerk ausübe, für das die Handwerksinnung gebildet sei. Zwar werde dabei nicht geprüft, ob das betreffende Handwerk tatsächlich auch betrieben werde. Vielmehr sei die Eintragung in die Handwerksrolle ausreichend. Gleichwohl sei anzunehmen, daß die Tarifvertragsparteien den Unterschied zwischen Betrieb einerseits und seinem Inhaber andererseits ebenso gekannt hätten wie die Organisation des Handwerks. Daraus sei abzuleiten, daß mit der in § 1.1.2 TV gewählten Formulierung gerade das Erfordernis eines dem elektrotechnischen Handwerks gegenständlich tatsächlich entsprechenden Betriebes zum Ausdruck gebracht habe werden sollen.
Dem ist jedenfalls im Ergebnis jedenfalls für die Zeit ab 1. Januar 1992 zu folgen.
Verleihbetriebe gehören nicht zum Handwerk, geschweige denn zu den Elektro-Handwerken, sondern zum Dienstleistungsgewerbe (LAG Hamm Urteil vom 1. Februar 1996 - 4 Sa 1044/95 - LAGE § 11 AÜG Nr. 1 = ARSt 1996, 161 = AR-Blattei ES 1840 Nr. 28). Dabei ist anerkannt, daß Verleihunternehmen, die Arbeitnehmer überwiegend an Metallbetriebe überlassen, nicht unter den fachlichen Geltungsbereich der Metalltarifverträge fallen (LAG Schleswig-Holstein Urteil vom 5. Mai 1972 - 3 Sa 103/72 - EzAÜG § 4 TVG Nr. 1 = EzAÜG § 1 TVG Tarifverträge Nr. 1; AG Lübeck Urteil vom 17. Januar 1978 - 3 Ca 3209/77 - EzAÜG § 622 BGB Nr. 1). Vielmehr haben sich die DGB-Gewerkschaften bislang geweigert, Tarifverträge mit den Verbänden der Verleihunternehmen abzuschließen (vgl. Schüren, AÜG, Einleitung Rz 253, 258, S. 72 f.) und tun das heute noch (vgl. den von der Beklagten vorgelegten Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 16. Oktober 1996). Das zeigt, daß die "Personaldienstleister" auch nach Auffassung der Gewerkschaften nicht unter die Tarifverträge der Entleiher fallen. Lediglich die DAG hatte mit dem Bundesverband Zeitarbeit Dienstleistungen e.V. einen Mantel- und Gehaltstarifvertrag geschlossen (vgl. dazu z.B. Schaub, Arbeitsrechts-Handbuch, 8. Aufl., § 120 VI 1; LAG Düsseldorf Urteil vom 4. Oktober 1990 - 5 Sa 377/90 - LAGE § 670 BGB Nr. 7 = DB 1991, 240, nur Leitsatz veröffentlicht), den sie aber gekündigt hat (Schüren, aaO, Rz 254). Das darf nicht mit dem Fall verwechselt werden, daß die Arbeitnehmerüberlassung zwischen Arbeitgebern desselben Wirtschaftszweiges zur Vermeidung von Kurzarbeit oder Entlassungen erfolgt und für Entleiher und Verleiher geltende Tarifverträge dies vorsehen. Von der Ausnahmevorschrift des § 1 Abs. 3 Nr. 1 AÜG, die nicht für Verleihbetriebe gilt, wurde nur in begrenztem Umfang Gebrauch gemacht. Die Landesinnungsverbände der sächsischen und thüringischen Elektrohandwerker haben entsprechende Tarifverträge mit der CGD abgeschlossen (Schaub, aaO, § 120 I 2 c). Auch der Tarifvertrag über Arbeitnehmerüberlassung im Elektrohandwerk vom 5. März 1997 zwischen dem Landesinnungsverband der elektrotechnischen Handwerke Baden-Württemberg und der IG Metall, Bezirksleitung Stuttgart, dürfte in diesem Sinne zu verstehen sein.
Daran ändert auch die Mitgliedschaft der Beklagten zur Elektro-Innung M bis 5. Dezember 1991 nichts. Die Mitgliedschaft ist zwar freiwillig, setzt aber die Eintragung in die Handwerksrolle voraus (§ 6 der Satzung). Nun mag noch an § 3 Abs. 3 TVG trotz des Herauswachsens aus dem Handwerk gedacht werden, solange die Eintragung in die Handwerksrolle besteht, mag sie auch zu Unrecht noch bestehen, etwa weil das Handwerk tatsächlich gar nicht mehr ausgeübt wird (vgl. Musielak/Detterbeck, Das Recht des Handwerks, 3. Aufl., § 58 Rz 3). Aber die Beklagte ist nicht nur per 5. Dezember 1991 aus der Innung ausgetreten, sondern ist per 31. Dezember 1991 aus der Handwerksrolle gelöscht worden. Damit endete nach § 8 Abs. 2 der Satzung die Mitgliedschaft ohnehin, und zwar ungeachtet des Austritts. Die Löschung in der Handwerksrolle stellt einen gesetzlichen Beendigungsgrund dar. Da in einer Handwerksinnung gemäß § 58 Abs. 1 HwO nur selbständige Handwerker i.S.v. § 1 Abs. 1 HwO Innungsmitglied werden und sein können, endet die Mitgliedschaft kraft Gesetzes nach der Löschung in der Handwerksrolle (Musielak/Detterbeck, aaO, § 58 Rz 12). Es liegt schon von daher kein Handwerksbetrieb mehr vor, der noch kraft erweiterter Tarifbindung unter den Tarifvertrag vom 6. Dezember 1977 fallen könnte. Eine solche Bindung liegt nicht mehr vor, und zwar jedenfalls ab 1. Januar 1992.
Das Landesarbeitsgericht hat aber nicht geprüft, ob nicht § 4 Abs. 5 TVG zumindest analog anzuwenden ist.
Die analoge Anwendung des § 4 Abs. 5 TVG auf den vorliegenden Fall nützt den Klägern aber deswegen nichts, weil sie erst im Nachwirkungszeitraum in die IG Metall eingetreten sind, nämlich im Juli 1992.
Nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts erstreckt sich die Nachwirkung eines Tarifvertrages nach § 4 Abs. 5 TVG nicht auf erst nach dem Ablauf begründete Arbeitsverhältnisse (BAG Urteile vom 6. Juni 1958 - 1 AZR 515/57 - BAGE 6, 90 = AP Nr. 1 zu § 4 TVG Nachwirkung; vom 13. Juni 1958 - 1 AZR 591/57 - BAGE 6, 31 = AP Nr. 2 zu § 4 TVG Effektivklausel; vom 19. Januar 1962 - 1 AZR 147/61 - BAGE 12, 194 = AP Nr. 11 zu § 5 TVG; vom 15. Februar 1965 - 5 AZR 347/64 - BAGE 17, 90 = AP Nr. 6 zu § 13 BUrlG; vom 29. Januar 1975 - 4 AZR 218/74 - BAGE 27, 22 = AP Nr. 8 zu § 4 TVG Nachwirkung; Senatsbeschlüsse vom 3. Dezember 1985 - 4 ABR 7/85 - BAGE 50, 277 = AP Nr. 1 zu § 74 BAT; vom 3. Dezember 1985 - 4 ABR 60/85 - BAGE 50, 258 = AP Nr. 2 zu § 74 BAT; vom 13. August 1986 - 4 ABR 2/86 - AP Nr. 1 zu § 2 MTV Ang-DFVLR; vgl. auch Beschluß des Ersten Senats vom 9. Juli 1996 - 1 ABR 55/95 - AP Nr. 9 zu § 99 BetrVG 1972 Einstellung), während die überwiegende Meinung in der Literatur annimmt, nachwirkende Normen erfaßten auch die nach Ende des Tarifvertrages begründeten Arbeitsverhältnisse (vgl. die Literaturnachweise bei Gamillscheg, Kollektives Arbeitsrecht, Bd. I, 1997, § 18 VII 6, S. 879 Fn. 581 und S. 880 Fn. 583). An dieser gefestigten Rechtsprechung hält der Senat fest. Für sie spricht entscheidend der Wortlaut der Norm bei einer auf seinen Gesamtinhalt bezogenen Betrachtung: Mit der vom Gesetz angeordneten Weitergeltung kann nur diejenige für die Parteien des Arbeitsverhältnisses gemeint sein. Denn das Gesetz bestimmt, daß die Weitergeltung der nachwirkenden Normen endet, wenn sie durch eine andere Abmachung ersetzt werden. Eine solche andere Abmachung ist nach ganz herrschender Meinung auch eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Beendigung dieser konkreten "Weiter-"Geltung nach Ablauf des Tarifvertrages setzt daher die Geltung des Tarifvertrages vor seinem Auslaufen voraus. Eine Weitergeltung der Tarifnorm als nachwirkende Norm besteht nach dem Willen des Gesetzgebers somit nur für solche Arbeitsverhältnisse, die in der Laufzeit des Tarifvertrages bestanden haben und ihm unterlagen (BAG Urteil vom 6. Juni 1958 - 1 AZR 515/57 - aaO). In seiner Entscheidung vom 29. Januar 1975 (- 4 AZR 218/74 - aaO) hat der Senat bei einem nach Ablauf des Tarifvertrages begründeten Arbeitsverhältnis sogar eine "Nachwirkung in diesem Sinne als begrifflich undenkbar" bezeichnet. Gleiches gilt, wenn die Tarifbindung erst im Nachwirkungszeitraum eintritt, etwa weil der Arbeitnehmer vorher nicht Gewerkschaftsmitglied war (diesen Fall sehen Stein, Tarifvertragsrecht, Rz 130 m. Fn. 89 und MünchArbR-Löwisch, Bd. 3, § 266 Rz 20, halten aber die Geltung des nachwirkenden Tarifvertrages entgegen der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts für gegeben). Auch hier gilt, daß mit dem Herauswachsen der Beklagten aus dem Geltungsbereich des Tarifvertrages mit nachfolgendem etwa zeitgleichen Ausscheiden aus der Innung und Löschung in der Handwerksrolle jede Tarifgebundenheit beendet war. Die Nachwirkung des Tarifvertrages vom 6. Dezember 1977 erstreckte sich daher als solche nur auf Arbeitsverhältnisse, die jedenfalls vor dem 1. Januar 1992 begründet waren und auf die der Tarifvertrag vom 6. Dezember 1977 gestaltend nach § 4 Abs. 1 und Abs. 3 TVG eingewirkt hat (vgl. Urteil des Senats vom 29. Januar 1975 - 4 AZR 218/74 - aaO). Letzteres war bei den Klägern nicht der Fall. Sie gehören erst seit Juli 1992 der IG Metall an.
b) Die Tarifbindung der Beklagten ergibt sich auch nicht aus der Mitgliedschaft der Komplementärin der Beklagten, der Elektrotechnik-Maschinenbau-Service Verwaltungs GmbH in der Elektro-Innung M .
Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist bei einer Mitgliedschaft des einzigen persönlich haftenden Gesellschafters einer KG in einer tariffähigen Arbeitgeberorganisation davon auszugehen, daß die KG selbst Mitglied der Organisation und damit tarifgebunden ist (BAG Urteil vom 22. Februar 1957 - 1 AZR 426/56 - BAGE 3, 358 = AP Nr. 2 zu § 2 TVG). Dem steht nicht entgegen, daß es sich bei der Komplementärin der Beklagten nicht um eine natürliche, sondern um eine juristische Person handelt. Es ist anerkannt, daß auch eine juristische Person Gesellschafterin einer Personenhandelsgesellschaft sein kann, und zwar sowohl als persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin) als auch als Kommanditistin (Happ, Münchener Handbuch des Gesellschaftsrechts, Bd. 2, § 1 Rz 28, m.w.N.).
Dabei kommt es nach dem Urteil des Senats vom 4. Mai 1994 (- 4 AZR 418/93 - AP Nr. 1 zu § 1 TVG Tarifverträge: Elektrohandwerk, zu I 2 a bb der Gründe) entscheidend darauf an, in wessen Interesse die Komplementärin die Mitgliedschaft in der Innung begründet hat.
Die Elektrotechnik-Maschinenbau-Service Verwaltungs GmbH hat ihre Innungsmitgliedschaft nicht im Interesse der Beklagten und damit für die Beklagte erworben.
Es geht gerade nicht darum, daß die Beklagte sich handwerklich betätigt, sondern die Komplementär-GmbH. Die Beklagte hat unwidersprochen vorgetragen, die Eintragung der GmbH in die Handwerksrolle und der Eintritt der GmbH in die Innung hätten den Zweck gehabt, über die GmbH Elektro-Handwerk betreiben zu können. Die Komplementär-GmbH hat zwar wie die im vom Senat am 4. Mai 1994 entschiedenen Fall keine eigenen Arbeitnehmer. Das wird aber dadurch kompensiert, daß sie sich für ihre, für die GmbH akquirierten handwerklichen Aufträge Mitarbeiter von der Beklagten, der KG ausleiht. Daran ändert sich auch nichts dadurch, daß ihre Einnahmen aus ihrer handwerklichen Tätigkeit nach ihrem Vortrag der KG zufließen und dort unter der Bezeichnung "Kundendienstbereich" verzeichnet werden, wenngleich die Innungsbeiträge ersichtlich aus Mitteln der GmbH gezahlt werden, jedenfalls ging die Beitragsrechnung für das erste Quartal 1992 an die GmbH, wobei der Beitrag durch Bankeinzug erhoben werden soll. Immerhin wurde ohnehin jedenfalls früher für die Eintragung in die Handwerksrolle verlangt, daß bei der GmbH & Co. KG die GmbH selbst mit ihrem Unternehmen auf handwerklichem Gebiet tätig ist und es nicht ausreicht, wenn sie nur Verwaltungsaufgaben der KG wahrnimmt (VG Stuttgart Urteil vom 29. Januar 1969 - VRS II 220/67 - GewArch 1969, 252). Zwar ist jetzt entscheidend, ob die KG als Ganzes - und nicht die GmbH isoliert betrachtet - ein Handwerk betreibt (Aberle, Die Deutsche Handwerksordnung, Stand September 1994, § 7 HwO Rz 32; Musielak/Detterbeck, aaO, § 7 Rz 40; OVG Hamburg Urteil vom 19. Dezember 1989 - Bf VI 20/88 - GewArch 1990, 408 ff.). Das schließt aber nicht aus, daß das die Komplementär-GmbH als juristische Person tut, und sei es mit Leiharbeitnehmern. Der Erwerb der Innungsmitgliedschaft durch die Komplementär-GmbH ist auch nicht etwa deswegen erfolgt, weil die Beklagte auf diese Weise die Möglichkeit hat, ihre Zeitarbeitnehmer an die GmbH für handwerkliche Arbeiten einzusetzen. Denn in Anbetracht des Volumens der handwerklichen Betätigung der GmbH einerseits und des Arbeitnehmerverleihs der Beklagten andererseits kann nicht davon ausgegangen werden, daß die Eintragung in die Handwerksrolle und die Mitgliedschaft in der Innung dafür benötigt wird, um die beklagte KG mit Arbeit zu versorgen, für die sie ihre Zeitarbeitnehmer einsetzen kann.
Damit ist ein jedenfalls überwiegendes Eigeninteresse der GmbH an der Eintragung in die Handwerksrolle und an der Innungsmitgliedschaft gegeben und allenfalls ein subsidiäres der KG.
Damit entfällt auch eine Tarifbindung der Beklagten über die Innungsmitgliedschaft der Komplementär-GmbH.
Auf die Verfahrensrüge der Revision kommt es nicht mehr an. Daß Arbeitnehmer der KG von der GmbH "ausgeliehen" werden, ist auch Sachvortrag der Beklagten. Auf die genaue Größenordnung kommt es nicht an, nachdem festgestellt ist, daß der Bereich der Arbeitnehmerüberlassung mehr als 90 % der betrieblichen Tätigkeit der Beklagten in M beträgt.
c) Die Klageansprüche ergeben sich auch nicht aus den jeweiligen einzelarbeitsvertraglichen Vereinbarungen der Parteien.
aa) Im "Einstellungsvertrag" des Klägers F R vom 11. Januar 1989 ist kein Tarifvertrag in Bezug genommen, auch nicht der Tarifvertrag vom 6. Dezember 1977.
bb) Auch der "Einstellungsvertrag" des Klägers E B vom 2. Mai 1990 enthält keinen Hinweis auf anzuwendende Tarifverträge, auch nicht auf den Tarifvertrag vom 6. Dezember 1977.
d) Auf die Erklärung des Klägers B vom 15. September 1995 und auf die Frage ihrer berechtigten Anfechtung kommt es sonach nicht mehr an.
Die Kläger haben nach alledem keinen Anspruch auf die geltend gemachten Sonderzuwendungen. Auf die Vereinbarung vom 2. Dezember 1985 zum Tarifvertrag über betriebliche Sonderzahlungen (13. Monatseinkommen) vom 6. Dezember 1977, mit der der Faktor 173,33 in 167,4 geändert wurde, was sich auf die Höhe der Forderungen auswirkt, kommt es dann nicht mehr an.
Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1, § 100 Abs. 1, 2 ZPO. 2 ZPO.

References: § 1
 § 3
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 § 2
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 § 1
 § 1
 § 58
 § 79
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 § 11
 § 4
 § 1
 § 622
 § 120
 § 670
 § 1
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 § 8
 § 58
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 § 58
 § 4
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 § 5
 § 13
 § 4
 § 74
 § 74
 § 2
 § 99
 § 18
 § 266
 § 4
 § 2
 § 1
 § 1
 § 7
 § 7
 § 97
 § 100