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Timestamp: 2020-01-27 21:05:40+00:00

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Steuergestaltung | Steuerliche Gestaltungsüberlegungen zum Jahreswechsel 2011/2012
30.11.2011 ·Fachbeitrag ·Steuergestaltung
Steuerliche Gestaltungsüberlegungen zum Jahreswechsel 2011/2012
| Mit den richtigen Gestaltungsüberlegungen und Weichenstellungen noch im Dezember 2011 können Steuerersparnisse begründet bzw. vorgezogen werden. Der folgende Beitrag soll Ihnen als Apotheker, Arbeitgeber und Privatperson als Orientierungshilfe dienen und stellt ausgewählte Praxishinweise zusammen. |
Mit dem Investitionsabzugsbetrag laufenden Gewinn reduzieren
Gemäß § 7g Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) können Apotheker/innen für die künftige Anschaffung oder Herstellung eines abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsguts des Anlagevermögens bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten gewinnmindernd abziehen (Investitionsabzugsbetrag = IAB).
Voraussetzungen für den IAB für Bilanzierer nach § 7g Abs. 1 EStG
Der Betrieb darf am Schluss des Wirtschaftsjahres, in dem der Abzug vorgenommen wird, ein Betriebsvermögen (= Kapitalkonto) von 235.000 Euro nicht überschreiten.
Es besteht die Absicht, das begünstigte Wirtschaftsgut voraussichtlich in den dem Abzugs-Wirtschaftsjahr folgenden drei Wirtschaftsjahren anzuschaffen oder herzustellen und mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs ausschließlich oder fast ausschließlich (mehr als 90 Prozent) betrieblich zu nutzen.
Das Wirtschaftsgut muss in den beim Finanzamt einzureichenden Unterlagen seiner Funktion nach benannt, die Höhe der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten muss mitgeteilt werden und die Summe der IABs darf insgesamt 200.000 Euro nicht überschreiten.
Empfehlenswert ist die gewinnmindernde Berücksichtigung des IAB nur, wenn es in jedem Fall zu einer Anschaffung kommen wird. Anderenfalls wird die Finanzverwaltung den Steuerbescheid des Jahres der Bildung nach drei Jahren ändern und die ersparten Steuerzahlungen nachfordern; zusätzlich sind dann sechs Prozent Zinsen pro Jahr auf die ersparte Einkommensteuer zu zahlen.
Zusätzliche Sonderabschreibungen nutzen
Gemäß § 7g Abs. 5 EStG dürfen bei abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den vier Folgejahren neben den Absetzungen für Abnutzung nach § 7 Abs. 1 oder Abs. 2 zusätzlich Sonderabschreibungen bis zu insgesamt 20 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten in Anspruch genommen werden.
Voraussetzungen für eine Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG
Der Betrieb darf zum Schluss des Wirtschaftsjahres, das der Anschaffung oder Herstellung vorangeht, die Größenmerkmale zur Inanspruchnahme eines IAB nicht überschreiten (Kapitalkonto < 235.001 Euro).
Das Wirtschaftsgut ist im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und im darauf folgenden Wirtschaftsjahr in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs des Steuerpflichtigen ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich zu nutzen. Davon ist auszugehen, wenn die betriebliche Nutzung mindestens 90 Prozent der Gesamtnutzung umfasst.
Hinweis | Die zwischenzeitliche degressive Abschreibung nach dem Maßnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens ist für nach dem 31. Dezember 2010 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter nicht mehr möglich.
Schuldzinsenabzug prüfen
Nach § 4 Abs. 4a EStG sind betriebliche Schuldzinsen bei Überentnahmen nicht abziehbar. Eine Überentnahme ist der Betrag, um den die Entnahmen die Summe aus Gewinn und Einlagen des Wirtschaftsjahres übersteigen. Die Schuldzinsen werden typisiert mit sechs Prozent der Überentnahme des Wirtschaftsjahres zuzüglich der Überentnahmen vorangegangener Wirtschaftsjahre und abzüglich der Unterentnahmen ermittelt. Der sich dabei ergebende Betrag, höchstens jedoch der um 2.050 Euro verminderte Betrag der Schuldzinsen des Wirtschaftsjahres, ist dem Gewinn hinzuzurechnen (grundlegend dazu „Apotheker Berater“ - AB - Nr. 7/2006, S. 10).
Prüfen Sie daher kurz vor dem Ende Ihres Wirtschaftsjahres die Beträge Ihrer Entnahmen, Einlagen und des voraussichtlichen Gewinnes unter Berücksichtigung von Über- oder Unterentnahmen der Vorjahre. Eine kurzfristige Geldeinlage kann hier steuerliche Nachteile vermeiden. Da eine Stichtagsbetrachtung vorgenommen wird, können getätigte Einlagen kurz nach Beginn des neuen Wirtschaftsjahres ohne steuerliche Nachteile wieder entnommen werden.
Hinweis |Nur Schuldzinsen für Darlehen zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens sind von dieser Regel ausgenommen. Diese sind immer in voller Höhe abzugsfähig.
Für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Privathaushalt ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer auf Antrag um 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens jedoch um 1.200 Euro. Die Steuerermäßigung ist nur möglich, wenn die Handwerkerleistung in einem in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegenden Haushalt erbracht worden ist.
Sind die maximal begünstigten Handwerkerleistungen von insgesamt 6.000 Euro in 2011 noch nicht ausgeschöpft, aber in 2012 wollen Sie weitere Handwerkerleistungen in Anspruch nehmen, kann der Handwerker bereits jetzt eine Rechnung über eine Abschlagszahlung für noch zu erbringende Arbeiten ausstellen. Bei Zahlung bis zum 31. Dezember 2011 sichern Sie sich dann bereits in 2011 den Steuervorteil.
Voraussetzungen für die Steuerermäßging bei Handwerkerleistungen
Für die Aufwendungen müssen eine Rechnung vorliegen und die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt sein (Nachweis durch Kontoauszug und Bezahlung der Rechnung bis zum 31. Dezember 2011 = Abfluss von Ihrem Konto).
Begünstigt sind generell nur die Arbeitskosten (= Aufwendungen für die Inanspruchnahme der Handwerkerleistungen einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrtkosten). Materialkosten oder sonstige im Zusammenhang mit den Handwerkerleistungen gelieferte Waren bleiben mit Ausnahme von Verbrauchsmitteln außer Ansatz (vergleiche dazu „Apotheker Berater“ - AB - Nr. 2/2010, S. 7).
Kindergeld/Kinderfreibetrag sichern
Kinder sind gemäß § 32 EStG maximal bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres steuerlich berücksichtigungsfähig, wenn sie für einen Beruf ausgebildet werden oder sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befinden oder eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen können oder ein freiwilliges soziales Jahr oder ein freiwilliges ökologisches Jahr leisten oder wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten.
Allerdings erfolgt die Berücksichtigung nur dann, wenn das Kind Einkünfte und Bezüge, die zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung bestimmt oder geeignet sind, von nicht mehr als 8.004 Euro im Kalenderjahr (Bruttolohn abzüglich Sozialversicherungsbeiträge und Werbungskosten) hat. Prüfen Sie daher die voraussichtliche Höhe der Einkünfte und Bezüge in 2011. Sollte der Grenzbetrag von 8.004 Euro überschritten sein, muss Ihr Kind - gegebenenfalls mit Ihrer Unterstützung - noch berufliche Ausgaben tätigen, um die Grenze zu unterschreiten.
Beiträge zur Altersvorsorge korrekt geltend machen
Die Beiträge für Ihre Altersversorgung können Sie als Sonderausgaben geltend machen. Dazu gehören u.a. die Beiträge zu den gesetzlichen Rentenversicherungen oder landwirtschaftlichen Alterskassen sowie zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen, die den gesetzlichen Rentenversicherungen vergleichbare Leistungen erbringen. Jährlich sind bis zu 20.000 Euro steuerlich berücksichtigungsfähig. Bei Ehegatten verdoppelt sich dieser Höchstbetrag. Von diesem Höchstbetrag sind in 2011 insgesamt 72 Prozent abzugsfähig.
Die Einzahlungen des Regelpflichtbeitrags in das Versorgungswerk belaufen sich in 2011 auf 12 x 1.094,50 Euro = 13.134,00 Euro, sodass 6.866 Euro zusätzlich steuerlich berücksichtigt werden können. Eventuell kann hier eine Sonderzahlung noch in 2011 in das Versorgungswerk eingebracht werden. Lassen Sie sich die Vorteilhaftigkeit durch das Versorgungswerk berechnen. Bei Ehegatten können nicht ausgeschöpfte Beträge dem anderen Ehegatten zugerechnet werden.
Eine Alternative bzw. Ergänzung der Altersvorsorge ist nach wie vor die Lebens- oder private Rentenversicherung. Wenn Sie mit dem Gedanken an eine neue Versicherung spielen, sollten Sie dies noch in 2011 in Angriff nehmen. Bei Abschlüssen in 2011 gilt die gesetzliche Mindestverzinsung von 2,25 Prozent jährlich. Ab dem 1. Januar 2012 wird diese auf 1,75 Prozent jährlich abgesenkt. Darüber hinaus wird bei steuerbegünstigten Vorsorgeprodukten (Riester- oder Rürup-Rente) ab 2012 das Mindestrentenalter von 60 auf 62 Jahre erhöht.
Vermietung und Verpachtung: Werbungskosten steuern
Bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gemäß § 21 EStG kann das Vorziehen von Werbungskosten nach 2011 ebenfalls Steuerermäßigungen mit sich bringen. Hier gilt das sogenannte Zu- bzw. Abflussprinzip, das heißt: Einnahmen und Ausgaben sind zwingend in dem Kalenderjahr steuerlich zu berücksichtigen, in welchem sie geflossen sind. Die Steuerung der Abschlagszahlungen für kurzfristig zu erbringende bzw. bereits beauftragte Leistungen führen noch zu Steuerminderungen bereits in 2011.
Kapitalvermögen: Verlustanträge bis 15. Dezember stellen
Verluste gerade aus dem turbulenten Aktienmarkt in 2011 können mit realisierten Gewinnen verrechnet werden. Sind Gewinne und Verluste bei unterschiedlichen Banken erzielt worden, erfolgt die Verrechnung aber nicht bei der Bank, sondern nur im Rahmen der Steuererklärung. Denn grundsätzlich wird ein nicht verrechneter Verlust bei einer Bank in das nächste Jahr vorgetragen und bleibt damit im sogenannten Verlusttopf. Um dies zu verhindern, müssen Sie sich den Verlust für das Finanzamt bescheinigen lassen.
Die Verlustbescheinigung muss bis zum 15. Dezember 2011 bei der betreffenden Bank beantragt werden, selbst wenn erst zum 31. Dezember 2011 endgültig feststeht, ob überhaupt ein Verlust erzielt wurde. Der Antrag ist unwiderruflich.
Mit Spenden die Einkommensteuer mindern
Spenden sind als Sonderausgaben mit maximal 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte oder mit 4 Promille der Summe der gesamten Umsätze, Löhne und Gehälter in 2011 berücksichtigungsfähig. Bei Spenden in Katastrophen (wie in Japan 2011) gelten bei Überweisungen vereinfachte Nachweise.
Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 10 | ID 30414810

References: § 7
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 § 7
 § 4
 § 32
 § 21