Source: http://www.steuerlinks.de/richtlinie/lstr-2008/r42d.1.html
Timestamp: 2017-11-23 07:37:28+00:00

Document:
Richtlinie 42 LStR 2008 hier in der aktuellen Fassung
> Zu § 42d EStG
> R 42d.1 LStR 2008 R 42d.1 Inanspruchnahme des Arbeitgebers
R 42d.1 LStR 2008
[ R 42d.2 LStR 2008 ]
Der Arbeitnehmer ist - vorbehaltlich § 40 Abs. 3 EStG - Schuldner der Lohnsteuer ( § 38 Abs. 2 EStG ); dies gilt auch für den Fall einer Nettolohnvereinbarung (> R 39b.9 ). Für diese Schuld kann der Arbeitgeber als Haftender in Anspruch genommen werden, soweit seine Haftung reicht ( § 42d Abs. 1 und 2 EStG ); die Haftung entfällt auch in den vom Arbeitgeber angezeigten Fällen des § 38 Abs. 4 Satz 3 EStG . Dies gilt auch bei Lohnzahlung durch Dritte, soweit der Arbeitgeber zur Einbehaltung der Lohnsteuer verpflichtet ist ( § 38 Abs. 1 Satz 3 EStG ), und in Fällen des § 38 Abs. 3a EStG .
Soweit Dritte für Steuerleistungen in Anspruch genommen werden können, z. B. gesetzliche Vertreter juristischer Personen, Vertreter, Bevollmächtigte, Vermögensverwalter, Rechtsnachfolger, haften sie als Gesamtschuldner neben dem Arbeitgeber als weiterem Haftenden und neben dem Arbeitnehmer als Steuerschuldner ( § 44 AO ). Die Haftung kann sich z. B. aus §§ 69 bis 77 AO ergeben.
Soweit Arbeitgeber, Arbeitnehmer und ggf. andere Personen Gesamtschuldner sind, schuldet jeder die gesamte Leistung ( § 44 Abs. 1 Satz 2 AO ). Das Finanzamt muss die Wahl, an welchen Gesamtschuldner es sich halten will, nach pflichtgemäßem Ermessen unter Beachtung der durch Recht und Billigkeit gezogenen Grenzen und unter verständiger Abwägung der Interessen aller Beteiligten treffen.
Ermessensprüfung
Die Haftung des Arbeitgebers ist von einem Verschulden grundsätzlich nicht abhängig. Ein geringfügiges Verschulden oder ein schuldloses Verhalten des Arbeitgebers ist aber bei der Frage zu würdigen, ob eine Inanspruchnahme des Arbeitgebers im Rahmen des Ermessens liegt. Die Frage, ob der Arbeitgeber vor dem Arbeitnehmer in Anspruch genommen werden darf, hängt wesentlich von den Gesamtumständen des Einzelfalles ab, wobei von dem gesetzgeberischen Zweck des Lohnsteuerverfahrens, durch den Abzug an der Quelle den schnellen Eingang der Lohnsteuer in einem vereinfachten Verfahren sicherzustellen, auszugehen ist. Die Inanspruchnahme des Arbeitgebers kann ausgeschlossen sein, wenn er den individuellen Lohnsteuerabzug ohne Berücksichtigung von Gesetzesänderungen durchgeführt hat, soweit es ihm in der kurzen Zeit zwischen der Verkündung des Gesetzes und den folgenden Lohnabrechnungen bei Anwendung eines strengen Maßstabs nicht zumutbar war, die Gesetzesänderungen zu berücksichtigen.
Wird der Arbeitgeber nach § 42d EStG als Haftungsschuldner in Anspruch genommen, ist, vorbehaltlich § 42d Abs. 4 Nr. 1 und 2 EStG , ein Haftungsbescheid zu erlassen. Darin sind die für das Entschließungs- und Auswahlermessen maßgebenden Gründe anzugeben. Hat der Arbeitgeber nach Abschluss einer Lohnsteuer-Außenprüfung eine Zahlungsverpflichtung schriftlich anerkannt, steht die Anerkenntniserklärung einer Lohnsteuer-Anmeldung gleich ( § 167 Abs. 1 Satz 3 AO ). Ein Haftungsbescheid lässt die Lohnsteuer-Anmeldungen unberührt.
Wird pauschale Lohnsteuer nacherhoben, die der Arbeitgeber zu übernehmen hat ( § 40 Abs. 3 EStG ), ist ein Nachforderungsbescheid (Steuerbescheid) zu erlassen; Absatz 5 Satz 3 und 4 gilt entsprechend. Der Nachforderungsbescheid bezieht sich auf bestimmte steuerpflichtige Sachverhalte. Die Änderung ist hinsichtlich der ihm zugrunde liegenden Sachverhalte - außer in den Fällen der §§ 172 und 175 AO - wegen der Änderungssperre des § 173 Abs. 2 AO nur bei Steuerhinterziehung oder leichtfertiger Steuerverkürzung möglich.
Für die durch Haftungsbescheid (>Absatz 5) oder Nachforderungsbescheid (>Absatz 6) angeforderten Steuerbeträge ist eine Zahlungsfrist von einem Monat zu setzen.
R 42f LStR 2008 - R 42f. Lohnsteuer-Außenprüfung

References: § 42
 § 40
 § 38
 § 42
 § 38
 § 38
 § 38
 § 44
 § 44
 § 42
 § 42
 § 167
 § 40
 § 173