Source: https://www.rechtsportal.de/Rechtsprechung/Rechtsprechung/2017/BGH/Gleichwertigkeit-der-in-Spanien-vor-dem-zustaendigen-Standesamt-erklaerten-Anerkennung-der-Vaterschaft-und-der-Anerkennung-nach-deutschem-Recht-Ersetzung-der-hierfuer-vorgeschriebenen-Form-der-oeffentlichen-Beurkundung-durch-die-spanische-Anerkennung
Timestamp: 2020-07-13 10:30:02+00:00

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Gleichwertigkeit der in Spanien vor dem zuständigen Standesamt erklärten Anerkennung der Vaterschaft und der Anerkennung nach deutschem Recht; Ersetzung der hierfür vorgeschriebenen Form der öffentlichen Beurkundung durch die spanische Anerkennung - Rechtsportal
HUP Art. 3
Römisches CIEC-Übk vom 14. September 1961 Art. 4
EGBGB Art. 11 Abs. 1, 19 Abs. 1
BGB §§ 1592 Nr. 2, 1597, 1601
Römisches CIEC-Übk vom 14.09.1961 Art. 4
EGBGB Art. 11 Abs. 1
BGB § 1592 Nr. 2
BGB § 1597
Römisches CIEC-Übk v. 14.09.1961 Art. 4
BGH, Beschluss vom 05.07.2017 - Aktenzeichen XII ZB 277/16
DRsp Nr. 2017/11565
Römisches CIEC-Übk vom 14. September 1961 Art. 4 EGBGB Art. 11 Abs. 1 , 19 Abs. 1 BGB §§ 1592 Nr. 2, 1597 , 1601 Die in Spanien vor dem zuständigen Standesamt erklärte Anerkennung der Vaterschaft ist der Anerkennung nach deutschem Recht gleichwertig und ersetzt die hierfür vorgeschriebene Form der öffentlichen Beurkundung.
HUP Art. 3; Römisches CIEC-Übk v. 14.09.1961 Art. 4; EGBGB Art. 11 Abs. 1 ; EGBGB Art. 19 Abs. 1 ; BGB § 1592 Nr. 2 ; BGB § 1597 ; BGB § 1601 ; UVG § 7 ;
1. Nach Auffassung des Oberlandesgerichts besteht ein Verwandtschaftsverhältnis im Sinne von §§ 1601 ff. BGB . Der Antragsgegner sei der Vater des Kindes.
a) Der Antragsgegner ist Schuldner des Anspruchs auf Kindesunterhalt nach § 1601 BGB (i.V.m. Art. 3 HUP). Für die Verwandtschaft im Sinne von § 1601 BGB ist auf die rechtliche Verwandtschaft gemäß §§ 1589 ff. BGB abzustellen. Ein Fall der vom Senat für Ausnahmekonstellationen zugelassenen inzidenten Feststellung der leiblichen Vaterschaft (vgl. Senatsurteile BGHZ 191, 259 = FamRZ 2012, 200 und BGHZ 176, 327 = FamRZ 2008, 1424 ) liegt ersichtlich nicht vor.
aa) Ob die sich beim Verwandtenunterhalt stellende Vorfrage der Abstammung unter der Geltung des Haager Unterhaltsprotokolls vom 23. November 2007 (HUP) selbständig oder unselbständig anzuknüpfen ist, ist zwar umstritten (vgl. zum Streitstand Staudinger/Mankowski BGB [2016] Vorbem zum HUP Rn. 12 ff.; Lehmann GPR 2014, 342, 349 ff.). Insbesondere ist es streitig, ob die zum Unterhaltsanspruch des nichtehelichen Kindes nach früherer Rechtslage ergangene Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Senatsbeschluss BGHZ 90, 129 = FamRZ 1984, 576 , 579 und Senatsurteil vom 27. Juni 1984 - IVb ZR 2/83 - FamRZ 1984, 1001 , 1002 mwN; grundlegend BGHZ 60, 247 = FamRZ 1973, 257 , 258 f.), nach der die Vaterschaft durch Anerkennung nach deutschem Recht zu beurteilen ist, wenn dieses für die Unterhaltspflicht des Vaters maßgeblich ist, auch unter Geltung des Haager Unterhaltsprotokolls fortzuführen ist (vgl. Staudinger/Mankowski BGB [2016] Vorbem zum HUP Rn. 29 ff. mwN; OLG Frankfurt FamRZ 2012, 1501 ).
Das Problem konkurrierender Vaterschaften aufgrund mehrerer in Betracht kommender nationaler Rechte (vgl. Senatsbeschluss vom 3. August 2016 - XII ZB 110/16 - FamRZ 2016, 1847 ) stellt sich im vorliegenden Fall nicht. Dass eine andere Rechtsordnung, insbesondere das neben dem deutschen Recht noch in Betracht kommende spanische Recht, zur gesetzlichen Vaterschaft eines anderen Mannes als des Antragsgegners führen könnte, wird von der Rechtsbeschwerde nicht dargetan und ist auch sonst nicht ersichtlich (zur Frage wohlerworbener Rechte vgl. Staudinger/Henrich BGB [2014] Art. 19 EGBGB Rn. 14; MünchKommBGB/Helms 6. Aufl. Art. 19 EGBGB Rn. 26).
bb) Der Antragsgegner ist gemäß § 1592 Nr. 2 BGB durch Anerkennung der Vaterschaft rechtlicher Vater des Kindes geworden. Die vor dem zuständigen spanischen Standesamt abgegebenen Erklärungen der Mutter und des Antragsgegners ersetzen die nach dem anwendbaren deutschen Recht erforderliche Form der Erklärungen (Anerkennung und Zustimmung) gemäß §§ 1595 ff. BGB .
(1) Nach den vom Oberlandesgericht getroffenen Feststellungen wurde die Anmeldung der Geburt des Kindes gegenüber dem Standesamt von der Mutter und dem Antragsgegner unterzeichnet. Danach hat der Antragsgegner die Vaterschaft entsprechend den spanischen Rechtsvorschriften (Art. 120 , 124 des spanischen Zivilgesetzbuchs - Codigo civil; vgl. auch Ferrer y Riba in Spickhoff/Henrich/Schwab/Gottwald Streit um die Abstammung S. 293, 301 f.) anerkannt. Dem entspricht die Eintragung des Antragsgegners als Vater des Kindes in der spanischen Geburtsurkunde und im Familienbuch (vgl. auch Senatsbeschluss vom 20. Juli 2016 - XII ZB 489/15 - FamRZ 2016, 1747 ). Aus dem angefochtenen Beschluss ergibt sich zudem die nach § 1595 Abs. 1 BGB erforderliche Zustimmung der Mutter. Die Rechtsbeschwerde hat bezüglich der Ermittlung des ausländischen Rechts keine Verfahrensrüge erhoben (vgl. Senatsbeschluss vom 24. Mai 2017 - XII ZB 337/15 - [...] Rn. 13 ff.).
(2) Die in Spanien erklärte Anerkennung ist auch formwirksam. Dass die in § 1597 BGB für im Inland beurkundete Anerkennungen vorgesehene Form nicht erfüllt ist, steht der Formwirksamkeit nicht entgegen. Nach Art. 4 des CIEC-Übereinkommens vom 14. September 1961 (BGBl. 1965 II S. 19 ; zur materiellrechtlichen Bedeutung s. Staudinger/Henrich BGB [2014] Vorbem zu Art. 19 EGBGB Rn. 5; MünchKommBGB/Helms 6. Aufl. Anh. I zu Art. 19 EGBGB Rn. 2) hat die nach Ortsrecht von der zuständigen Behörde beurkundete Anerkennungserklärung die gleichen Wirkungen, wie wenn sie vor der zuständigen Behörde des Heimatstaats des Erklärenden abgegeben worden wäre. Spanien und Deutschland sind Vertragsstaaten des Übereinkommens (vgl. BGBl. 1987 II, S. 448 ). Der Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der Internationalen Zivilstandskommission (CIEC) mit Wirkung zum 30. Juni 2015 lässt für sich genommen die Fortgeltung der abgeschlossenen Übereinkommen unberührt (vgl. Kohler/Pintens FamRZ 2015, 1537 , 1545).
Die Maßgeblichkeit der Ortsform folgt damit übereinstimmend auch aus Art. 11 Abs. 1 EGBGB (BGHZ 64, 129 = NJW 1975, 1069 ). Das Oberlandesgericht ist im Ergebnis ferner zutreffend davon ausgegangen, dass die Beurkundung durch das zuständige spanische Standesamt der nach deutschem Recht vorgeschriebenen Beurkundung gleichwertig (äquivalent) ist, was durch die Regelung des CIEC-Übereinkommens vom 14. September 1961 bekräftigt wird (vgl. Staudinger/Winkler v. Mohrenfels BGB [2013] Art. 11 EGBGB Rn. 131; MünchKommBGB/Spellenberg 7. Aufl. Art. 11 EGBGB Rn. 86 ff.).
Verkündet am: 5. Juli 2017
Vorinstanz: AG Essen, vom 27.08.2014 - Vorinstanzaktenzeichen 106 F 62/14
Vorinstanz: OLG Hamm, vom 04.05.2016 - Vorinstanzaktenzeichen II-9 UF 196/14
Zitieren: BGH - Beschluss vom 05.07.2017 (XII ZB 277/16) - DRsp Nr. 2017/11565

References: Art. 3
 Art. 4
 Art. 11
 Art. 4
 Art. 11
 § 1592
 § 1597
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 11
 Art. 3
 Art. 4
 Art. 11
 Art. 19
 § 1592
 § 1597
 § 1601
 § 7
 § 1601
 Art. 3
 § 1601
 Art. 19
 Art. 19
 § 1592
 § 1595
 § 1597
 Art. 4
 Art. 19
 Art. 19
 Art. 11
 Art. 11
 Art. 11
 BGH