Source: https://verkehrslexikon.de/Module/VollKasko.php
Timestamp: 2018-12-11 18:56:58+00:00

Document:
Fahrzeugversicherung - Vollkasko - Teilkasko
Die Fahrzeugversicherung ist eine Sachversicherung; versichert ist in ihr ein bestimmtes Fahrzeug gegen bestimmte Schadensursachen (Diebstahl, Brand, Unfallbeschädigung usw.).
Je nachdem, ob man alle von den Versicherungsbedingungen bereitgestellten Schadensmöglichkeiten versichert oder nur einzelne davon, spricht man von Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung.
Vom Umfang des Versicherungsschutzes ist die Prämienhöhe abhängig, die jedoch auch durch gestaffelte Selbstbeteiligungsbeträge beeinflusst werden kann.
Außer der Vollkaskoversicherung sind in der Kfz-Versicherung folgende Versicherungszweige zu unterscheiden die:
- Gesetzliche Haftpflichtversicherung
- Teilkasko- bzw. Fahrzeugteileversicherung
In einem weiteren Sinn gehört in diesen Zusammenhang auch eine Rechtsschutzversicherung, soweit es sich entweder um eine Fahrzeug-Rechtsschutzversicherung oder eine Verkehrs-Rechtsschutzversicherung handelt.
Bei der Berechnung des einem Unfallgeschädigten zustehenden Schadensersatzanspruchs und der Versicherungsleistung aus einer Fahrzeugversicherung (Teil- oder Vollkasko) spielt das dem Versicherungsnehmer zustehende Quotenvorrecht eine bedeutende Rolle.
- Pflicht zur Polizeimeldung
- Aufspringen der ungesicherten Motorhaube
- Diebstahl auf Probefahrt
- Rangierbeschädigungen bei Kombinationen
- Reifenplatzer
- Zusammentreffen von Brand und Diebstahl
- Fiktive Abrechnung - Fachwerkstatt - Stundensätze
- Berücksichtigung der Selbstbeteiligung
- Kein Anspruch auf Nutzungsausfall
- Reparaturdurchführung
- Fahrzeugversicherung mit Werkstattbindung
- Rückforderung bei Täuschung
- Teilzahlung des Versicherers und Erledigung der Hauptsache
- Vollkaskoanteil an unfallbedingten Mietwagenkosten
- Zahlung des Schädigers und Versicherungsleistung
Autosportveranstaltungen
Ersatz beim Diebstahl von Navigationgsgeräten
Zur Vermeidung langer Ausfallzeiten gebietet nach einem unschuldig erlittenen Verkehrsunfall die Schadensminderungspflicht die Inanspruchnahme einer bestehenden Vollkaskoversicherung zur Zwischenfinanzierung der Schadensbehebung.
OLG Düsseldorf v. 24.06.2008:
Es ist Sache des Versicherungsnehmers, den äußeren Tatbestand eines Unfallereignisses, also die Verursachung der Sachschäden an einem Fahrzeug durch ein unmittelbar von außen her plötzlich mit mechanischer Gewalt einwirkendes Ereignis darzutun und zu beweisen. Bestehen hieran Zweifel, ist der Fahrzeugversicherer nicht leistungspflichtig.
KG Berlin v. 09.01.2015:
In der Klausel zur Höhe einer Neupreisentschädigung:
"Der Neupreis ist der Betrag, der für den Kauf eines neuen Fahrzeugs in der Ausstattung des versicherten Fahrzeugs oder - wenn der Typ des versicherten Fahrzeugs nicht mehr hergestellt wird - eines vergleichbaren Nachfolgemodells am Tag des Schadenereignisses aufgewendet werden muss"
kommt nur zum Ausdruck, dass der Neupreis des versicherten Fahrzeugs zuzüglich zwischenzeitlicher Preissteigerungen die Obergrenze für die Entschädigungsleistung bildet, sie bedeutet keine Bindung an denselben Hersteller und Fahrzeugtyp.
BGH v. 04.03.2015:
BGH v. 15.05.2013:
Pflicht zur Polizeimeldung:
Aufspringen der ungesicherten Motorhaube:
LG Ravensburg v. 01.07.2010:
Diebstahl bei Probefahrt:
LG Coburg v. 29.04.2009:
Verhält sich der Fahrzeugeigentümer bei der Überlassung des Fahrzeugs an einen Unbekannten für eine Probefahrt leichtsinnig, in dem er sich beispielsweise nicht einmal der Personalien versichert, hat er gegen den Kaskoversicherer keinen Anspruch auf Deckungsschutz, wenn der Interessent das Fahrzeug bei der Probefahrt entwendet.
Rangierbeschädigungen zwischen Zugfahrzeug und Anhänger in der Vollkaskoversicherung:
Bei einer Kollision zwischen Zugfahrzeug und Anhänger (Wohnwagen) liegt kein Betriebsschaden vor, sondern ein Unfall im Sinne des § 12 AKB, so dass ein Entschädigungsanspruch aus der Fahrzeugversicherung besteht.
LG Essen v. 25.08.2005:
Reifenverlust - Loslösen von Reifen während der Fahrt - Reifenplatzer
Das Überfahren einer Bordsteinkante gehört auch bei einem Sportwagen zum normalen Betrieb eines Fahrzeugs. Kommt es beim Überfahren der Bordsteinkante zu einer Schädigung des Reifens, die sich im Lauf der Zeit ausweitet und dazu führt, dass der Reifen platzt, so liegt kein Unfall in der Kaskoversicherung vor.
Zusammentreffen von Brand und Diebstahl:
BGH v. 31.10.1984:
Zum Beweis des Vorliegens der Voraussetzungen des VVG § 61, wenn der Diebstahl eines Kraftfahrzeugs nicht bewiesen ist, jedoch feststeht, daß das Fahrzeug verbrannt ist.
BGH v. 19.12.1984
Weist der Versicherer nach, dass für eine angebliche Entwendung eine erhebliche Wahrscheinlichkeit für eine Täuschung durch den Versicherungsnehmer besteht, so kann dem eine nicht unerhebliche indizielle Bedeutung für die Behauptung des Versicherers zukommen, der Versicherungsnehmer habe den späteren Versicherungsfall "Brand des Fahrzeugs" selbst vorsätzlich herbeigeführt; eine Umkehr der Beweislast tritt jedoch nicht ein
BGH v. 11.02.2009:
Der Fahrzeugversicherer ist leistungspflichtig, wenn das Ausbrennen eines gestohlenen Fahrzeugs nicht auf Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit des Versicherten beruht. Der Versicherte kann sich auf die Brandversicherung berufen, auch wenn er für den vorausgegangenen Diebstahl beweisfällig geblieben ist.
Fiktive Abrechnung - Fachwerkstatt - Stundensätze:
Berücksichtigung der Selbstbeteiligung:
LG Aachen v. 14.07.2011:
Bei der Berechnung der Versicherungsleistung aus der Kfz-Kaskoversicherung ist zunächst der vereinbarte Betrag der Selbstbeteiligung anzurechnen und erst sodann die Kürzung des Leistungsanspruchs entsprechend dem Verschuldensvorwurf vorzunehmen.
BAG v. 13.12.2012:
Nach § 114 Abs. 2 Satz 2 VVG kann ausdrücklich ein Selbstbehalt des Versicherungsnehmers weder einem Dritten entgegengehalten noch gegenüber einer mitversicherten Person geltend gemacht werden. Nach der Gesetzesbegründung hat die Vereinbarung eines Selbstbehalts nur Wirkung im Innenverhältnis des Versicherers und des Versicherungsnehmers, da der besondere Schutz nach dem Pflichtversicherungsgesetz den Geschädigten und den Mitversicherten gleichermaßen zukommen soll.
Kein Anspruch auf Nutzungsausfall:
OLG Hamm v. 15.12.2010:
AG Köln v. 13.03.2012:
Standkosten, Nutzungsausfall oder Ersatz dafür, An- und Abmeldekosten sowie die Kosten der Wildunfallbescheinigung sind als Kaskoschäden nicht erstattungsfähig.
Reparaturdurchführung:
Fahrzeugversicherung mit Werkstattbindung:
OLG Bamberg v. 23.09.2015:
Bietet ein Versicherer im Internet den Abschluss einer Kfz-Kaskoversicherung mit Werkstattbindung an mit dem Hinweis, dass bei Reparatur in einer anderen Werkstatt „grundsätzlich“ 85 % der Kosten im Falle grober Fahrlässigkeit geleistet werden, so wird nicht über ein wesentliches Merkmal der Dienstleistung getäuscht, wenn der Einleitungssatz der Werbeaussage klar und deutlich darauf hinweist, dass die Versicherungsleistung je nach dem Grad des Verschuldens bei Auswahl der Werkstatt gekürzt oder gestrichen werden kann.
Rückforderung bei Täuschung:
Teilzahlung des Versicherers und Erledigung der Hauptsache:
Die Teilzahlung des Kaskoversicherers während des Haftungsprozesses führt angesichts der Wirkung des § 86 VVG nicht zu einer Erledigung der Hauptsache, sondern ist gemäß § 265 Abs. 3 ZPO zu behandeln. - Das Gericht ist dennoch an übereinstimmende Erledigungserklärungen gebunden.
Vollkaskoanteil an unfallbedingten Mietwagenkosten:
Vollkaskoanteil an den unfallbedingten Mietwagenkosten
Zahlung des Schädigers und Versicherungsleistung:
OLG Dresden v. 23.10.2008:
Wird der von einem Kaskoversicherungsvertrag umfasste Schaden noch vor der Leistung des Versicherers vom Schädiger ersetzt, ist der Versicherer leistungsfrei; leistet er in Unkenntnis dieses Umstandes dennoch, kann er einen Bereicherungsanspruch gegenüber dem Versicherungsnehmer geltend machen. Der Versicherungsnehmer kann sich gegenüber diesem Bereicherungsanspruch nicht auf ein Quotenvorrecht berufen.

References: BGH 

BGH 
 § 12

BGH 
 § 61

BGH 

BGH 
 § 114
 § 86
 § 265