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Die rechtliche Regulierung öffentlicher Banken in Deutschland - PDF
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1 HELMUT SIEKMANN Die rechtliche Regulierung öffentlicher Banken in Deutschland Institute for Monetary and Financial Stability JOHANN WOLFGANG GOETHE-UNIVERSITÄT FRANKFURT AM MAIN WORKING PAPER SERIES NO. 48 (2011)
2 INSTITUTE FOR MONETARY AND FINANCIAL STABILITY (HRSG.) JOHANN WOLFGANG GOETHE-UNIVERSITÄT FRANKFURT AM MAIN HOUSE OF FINANCE GRÜNEBURGPLATZ FRANKFURT AM MAIN TELEFON: (069) TELEFAX: (069)
3 HELMUT SIEKMANN Die rechtliche Regulierung öffentlicher Banken in Deutschland Institute for Monetary and Financial Stability JOHANN WOLFGANG GOETHE-UNIVERSITÄT FRANKFURT AM MAIN WORKING PAPER SERIES NO. 48 (2011)
5 Gliederung I. Abgrenzungen Öffentliche Banken Regulierung... 8 II. Überblick über die öffentlichen Banken Die Sparkassen Landesbanken Förderbanken und andere Institute mit Sonderaufgaben Verflechtungen und (vertikale) Integration DekaBank - Deutsche Girozentrale III. Besonderheiten von Aufsicht und Kontrolle Grundlagen Allgemeine Aufsicht Staatliche Aufsicht Aufsicht und Kontrolle durch Parlamente und Rechnungshöfe Kontrolle durch Sicherungseinrichtungen Sonderproblem: Beleihung und Hybridstrukturen IV. Überlegungen zur Neuordnung Die unterschiedlichen Herangehensweisen Das inhaltliche Grundproblem Die Grundversorgung der Bevölkerung mit sicheren Bankdienstleistungen Wahl der Rechtsform Verbesserung von Leitung, Aufsicht und Kontrolle öffentlicher Banken V. Zusammenfassung und Ergebnisse I
7 Nicht erst seit der gegenwärtigen Krise sind Kreditinstitute, die ganz oder teilweise einer deutschen Gebietskörperschaft gehören, Gegenstand intensiver ökonomischer, juristischer und politischer Diskussionen gewesen. 1 Regelmäßig waren Skandale im Bereich der Landesbanken unter Beteiligung von Spitzenpolitikern und Führungspersonen dieser Institute unmittelbare Auslöser gewesen; aber auch mehr oder weniger existenzbedrohende finanzielle Schieflagen. Probleme mit dem EU-Recht und Visionen von Bundesministern der Finanzen über die künftige Bankenlandschaft in Deutschland haben die Diskussion weiter befeuert, aber regelmäßig nicht zu überzeugenden Lösungen geführt; noch nicht. 2 Zuletzt musste die Westdeutsche Landesbank AG erneut vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Im Hintergrund haben sich regelmäßig die Sprecher der verschiedenen Bankengruppen, ihre Sympathisanten in Legislative und Exekutive sowie Verbandsvertreter jeder Couleur heftige Grabenkämpfe geliefert, teilweise, um einen für sie günstigen status quo zu wahren, teilweise aber auch, um die anstehende Übernahme der Kosten von Sanierungsmaßnahmen 1 2 Dietrich Dickertmann, Die Kreditinstitute der Länder, ZöGU 8 (1985), S. 38 ff., 164 ff.; Georg Dörries, Zur Rechtsstellung von Landesbanken unter besonderer Berücksichtigung der Westdeutschen Landesbank, 1988; Helmut Siekmann, Die deutschen Landesbanken Einrichtungen öffentlicher Verwaltung als international agierende Großkonzerne? (2000), in: Helmut Siekmann, Abhandlungen zum öffentlichen Finanzrechts, Bd. 2, 2005, S. 189 ff.; ders., Die Einbindung der Landesbank Berlin in die Berliner Bankgesellschaft, ebd., S. 225 ff.; ders., Jürgen Steiner, Bankenmacht und Wirtschaftsordnung Sparkassen und Landesbanken in der Privatisierungsdiskussion, 1994; Hans-Werner Sinn, Der Staat im Bankwesen - Zur Rolle der Landesbanken in der Privatisierungsdiskussion, 1994; ders., Der Staat im Bankwesen - Zur Rolle der Landesbanken in Deutschland, 1997; Michael Gruson / Uwe H. Schneider, The German Landesbanken, Columbia Business Law Review, 1995, S.337 ff.; Florian Becker, Die Vernetzung der Landesbanken, 1998; ders., Die landesrechtliche Kapitalgesellschaft des öffentlichen Rechts in der bundesstaatlichen Kompetenzordnung, DÖV 1998, S. 97; Andreas Engels, Landesbanken zwischen Marktsteuerung und Marktwirtschaft, Heinz Hilgert / Jan Pieter Krahnen / Günther Merl / Helmut Siekmann, Streitschrift für eine grundlegende Neuordnung des Sparkassen- und Landesbankensektors in Deutschland, White Paper des House of Finance der Universität Frankfurt am Main, Februar 2011; dies., Modell für eine leistungsfähige Sparkassen-Finanzgruppe eine Replik, Kreditwesen 2011, S. 536 ff. 1
8 von sich abzuwehren. Dabei haben Sicherheit, Qualität und Preiswürdigkeit der Dienstleistungen für den Kunden eine eher untergeordnete Rolle gespielt; ganz zu schweigen von den Anforderungen der Finanzmarktstabilität insgesamt. Die Politik hat in diesem Zusammenhang kaum je eigenständige Konzepte entwickelt, sondern erschien nicht selten als lediglich ausführendes Organ der jeweiligen hier besonders wohl organisierten Partikularinteressen. Das hat mehr als einmal dazu geführt, dass sich Deutschland auf EU-Ebene in einer peinlichen Außenseiterposition wiedergefunden hat. Schließlich sollte nicht vergessen werden, dass durch einige Reformwerke der letzten Jahre ein handfestes Adressrisikos zu Lasten der Kunden der öffentlichen Banken geschaffen worden ist, das es bis dahin nicht gegeben hatte und selbst vielen Fachleuten immer noch nicht hinreichend bewusst ist; es wird regelmäßig in Hochglanzbroschüren und Internetauftritten schamhaft verschwiegen. Zum Teil werden noch nicht einmal die Organisationsform und die Haftungsverhältnisse für die jeweilige öffentliche Bank mitgeteilt. Die Sicherungseinrichtungen stellen weder juristisch noch ökonomisch auch nur annähernd einen adäquaten Ersatz für die beseitigten Staatsgarantien dar. Die folgenden Erwägungen sind vor dem Hintergrund der skizzierten Probleme zu sehen. Sie sind in vier Abschnitte gegliedert: Nach den notwendigen Abgrenzungen und begrifflichen Klarstellungen (I) soll ein Überblick über die durchaus heterogene Landschaft der öffentlichen Banken gegeben werden (II), um anschließend etwas näher auf die Besonderheiten von Aufsicht und Kontrolle in diesem Sektor einzugehen (III). Den Abschluss werden einige Überlegungen zur Neuordnung und Neustrukturierung der öffentlichen Banken bilden (IV). 2
9 I. Abgrenzungen Bisher sind die Begriffe Regulierung, öffentlichen Banken und Träger eher unbefangen verwendet worden. Sie bedürfen der Abgrenzung und Präzisierung. 1. Öffentliche Banken In der gegenwärtigen Diskussion hat sich seit kurzem fast durchgängig der Begriff öffentlich-rechtliche Banken eingebürgert, vor allem wenn von den Landesbanken die Rede ist. Das ist erstaunlich. Diese Bezeichnung wäre noch vor wenigen Jahren zutreffend gewesen, doch damals wurde er zu Unrecht meist nicht verwendet. 3 3 Anders dagegen schon Helmut Siekmann, Corporate Governance und öffentlichrechtliche Unternehmen, Jahrbuch für Neue Politische Ökonomie, 15. Bd. (1996), S. 282 ff. 3
10 Mittlerweile sind die Mehrzahl der Landesbanken und einige Sonderkreditinstitute aber nicht mehr öffentlich-rechtlich organisiert, so dass die Bezeichnung öffentlich-rechtliche Banken den Gegenstand nicht mehr zutreffend erfasst, auch wenn die Sparkassen - mit Ausnahme der freien Sparkassen 4 - weiterhin juristische Personen des öffentlichen Rechts sind. Da es einen erheblichen Unterschied macht, ob eine Einheit als juristische 4 Es handelt sich um folgende Institute: Sparkassen Aktiengesellschaften: Bordesholmer Sparkasse AG Bilanzsumme Mio. Euro Kreditvolumen Eu- Mio. ro (1) Gesamteinlagen Eu- Mio. ro (2) Eigenkapital Mio. Euro (3) Anzahl Mitarbeiter (4) Anzahl Bankstellen (5) Spar- und Leihkasse zu Bredstedt AG Die Sparkasse Bremen AG Hamburger Sparkasse AG Sparkasse zu Lübeck AG Sparkasse Mittelholstein AG Rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts: Sparkasse Westholstein Insgesamt 7 Institute Stand: (1) Forderungen an Nichtbanken, Wechselkredite, Durchlaufende Kredite, Avale (2) Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken, Inhaberschuldverschreibungen und Sparkassenobligationen, ohne nachrangige Verbindlichkeiten (3) Rücklagen gem. 10 KWG, ohne Genussrechtskapital und nachrangige Verbindlichkeiten sowie ohne Zuführung aus Gewinnverwendung (4) ohne Konzernmitarbeiter (5) ohne Selbstbedienungs-Service-Stellen 4
11 Person des Privatrechts oder des öffentlichen Rechts organisiert ist, handelt es sich nicht nur um eine umgangssprachliche Ungenauigkeit, die tolerabel wäre. Der Begriff öffentlich-rechtliche Banken als Oberbegriff für Banken in staatlicher Trägerschaft ist nunmehr also zumindest irreführend, wenn nicht gar falsch. Das gilt auch dann, wenn gemeint sein sollte, dass Träger der Bank eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist. Das wird durch die Bezeichnung öffentlich-rechtliche Bank aber nicht zum Ausdruck gebracht. Allerdings haben sich die Kreditinstitute in der Trägerschaft der öffentlichen Hand neben der Organisationsform noch durch ein weiteres gemeinsames Merkmal ausgezeichnet: die Haftung der Trägergemeinwesen. Sie ergab sich meist aus Anstaltslast und Gewährträgerhaftung, die fast flächendeckend gesetzlich angeordnet war. Mit leichten Modifikationen bestand sie auch für die Kreditinstitute des Bundes und vor allem auch die Postscheckämter. Wegen dieser gesetzlich angeordneten Haftung braucht an dieser Stelle nicht weiter der lange Zeit umstrittenen Frage nachgegangen zu werden, ob sich eine derartige Haftung auch ohne gesetzliche Regelung aus dem Wesen der Anstalt oder dem Rechtsstaatsprinzip ergibt. 5 Sowohl in der Staatspraxis als auch in Rechtsprechung und Schrifttum wird mittlerweile aber davon ausgegangen, dass es auch Anstalten des öffentlichen Rechts ohne Haftung des Trägergemeinwesens gibt. 6 Das hat erhebliche Konsequenzen beispielsweise für die Frage einer 5 6 Dafür Hannes Schneider / Torsten Busch, Anstaltslast und Gewährträgerhaftung als Beihilfen im Sinne von Art. 92 EGV?, EuZW 1995, S. 602 (603); Peter Scherer / Martin Schödermeier, Staatliche Beihilfen und Kreditgewerbe, ZBB 1996, S. 165 (178); dagegen mit weiteren Einzelheiten Christian Koenig, Öffentlich-rechtliche Anstaltslast und Gewährträgerhaftung als staatliche Beihilfen gem. Art. 92 EGV, EuZW 1995, S. 595 ( ). Die Rechtsprechung des BVerwG (BVerwGE 64, 248 [257]; 75, 318 [324 f.]); wird dabei kontrovers gedeutet (Schneider/Busch, S. 603 Fn. 8). Janbernd Oebbecke, Rechtsfragen der Eigenkapitalausstattung der kommunalen Sparkassen, 1980, S. 43 ff., ders. DVBl. 1981, S. 960; Helmut Siekmann, Die verwaltungsrechtliche Anstalt, - eine Kapitalgesellschaft des öffentlichen Rechts? NWVBl. 1992, S. 361 (366); Matthias Herdegen, Die vom Bundesrat angestrebte Festschreibung der Privilegien öffentlich-rechtlicher Kreditinstitute: Gefahr für die EG- 5
12 Haftung des Bundes für möglicherweise entstehende Schulden der Bundesbank, die überwiegend von Ökonomen und Politikern ohne Problembewusstsein unterstellt wird. Ob die Regelungen über die (begrenzte) Haftungskontinuität nach Beseitigung von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung für die öffentlich-rechtlich organisierten Kreditinstitute verfassungsrechtlichen Anforderungen genügen, dürfte zu bezweifeln sein. 7 Auch aus diesem Grunde wäre eine Insolvenz der WestLB AG für die ehemaligen Träger der Anstalt des öffentlichen Rechts Westdeutsche Landesbank - Girozentrale, sehr gefährlich gewesen. Die Frage einer Haftung ist zwar überwiegend unter wettbewerbsrechtlichen Aspekten behandelt worden. Auslöser waren die Auseinandersetzungen um die Spitzennoten, welche die Ratingagenturen den öffentlichen Banken verliehen, die aber angeblich fundamental nicht gerechtfertigt gewesen seien. 8 Die Haftung des Staates hat aber nicht nur wettbewerbsrechtliche und verbraucherschützende Auswirkungen. Sie ist vielmehr von großer Bedeutung für die Sicherheit des (bargeldlosen) Zahlungsverkehrs und damit unmittelbar auch für die Finanzmarktstabilität insgesamt. Da diese explizite Haftung aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, beseitigt worden ist, kann die Staatshaftung auch nicht mehr als das entschei- 7 8 Wettbewerbsordnung, WM 1997, S (1130 f.); Christian Koenig, Die Privilegien öffentlich-rechtlicher Einstandspflichten zugunsten der Landesbanken vor den Schranken der EG-Beihilfeaufsicht, EWS 1998, S. 149 (151); ders. (Fn. 5), S. 598). Vgl. Torsten Busch, Die Nachhaftung des Anstalts- bzw. Gewährträgers bei Privatisierung der Rechtsform öffentlich-rechtlicher Kreditinstitute, AG 1997, S. 357 (361 f.); Michael Gruson, Zum Fortbestehen von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung zur Sicherung der Anleihen von Landesbanken, EuZW 1997, S. 357 (263); ders., Noch einmal zum Fortbestehen von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung für die Sicherung von Anleihen von Landesbanken, EuZW 1997, S. 429: z.t. anders Christian Koenig / Claude Sander, Zur Beihilfeaufsicht über Anstaltslast und Gewährträgerhaftung nach Art. 93 EGV, EuZW 1997, S. 363 (369 f.). Sinn (Fn. 1), S. 40 f., 43. 6
13 dende Kennzeichen der Banken in staatlicher Trägerschaft verwendet werden. Die vielfach beschworene implizite Haftung des Staates für angeblich oder tatsächlich systemrelevante Finanzinstitute bezieht sich auf alle Banken und nicht nur auf diejenigen in staatlicher Trägerschaft. Sie ist also ebenfalls als Abgrenzungskriterium ungeeignet. Es bleibt daher nur die Bezeichnung öffentliche Banken. Da sie aber nicht sehr trennscharf ist und Anlass für Missverständnisse geben kann, bedarf sie der Konkretisierung. Unter öffentlichen Banken sollen Kreditinstitute im Sinne von 1 Abs. 1 KWG verstanden werden, deren Träger Gebietskörperschaften oder eine von Gebietskörperschaften getragene juristische Person sind. Es muss sich aber nicht um ein Institut handeln, das Einlagen oder andere unbedingt rückzahlbare Gelder des Publikums entgegen nimmt (Einlagenkreditinstitut im Sinne von 1 Abs. 3d KWG). Finanzdienstleistungsunternehmen ( 1 Abs. 1a KWG), Finanzholding- Gesellschaften ( 1 Abs. 3a KWG) und Finanzkonglomerate ( 1 Abs. 20 KWG) mögen auch bei den öffentlichen Banken vorkommen, sind ab er nicht charakteristisch. Die Deutsche Bundesbank gehört nicht zu den öffentlichen Banken. Sie darf zwar Bankgeschäfte fast jeder Art durchführen ( 19 BBankG) auch mit Privatpersonen ( 22 BBankG), 9 doch sie ist integraler Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik und hat sich an erster Stelle am Erfordernis der Geldwertstabilität zu orientieren. Die unmittelbare Versorgung der Bevölkerung und der Unternehmen mit Bankdienstleistungen ist dieser Ausrichtung untergeordnet. Allerdings gehört die sichere Abwicklung des Zahlungsverkehrs zu ihren Hauptaufgaben. Dafür muss sie aber kein Kreditinstitut sein. Sie ist staatsrechtlich ein Teil der Exekutive des 9 Die unmittelbare oder mittelbare Gewährung von Krediten an private Nichtbanken ist allerdings nicht zulässig. 7
14 Bundes; allerdings mit einem verfassungsrechtlich und europarechtlich verbürgten Sonderstatus. 10 Eine Gebietskörperschaft ist dann Träger eines Kreditinstituts, wenn sie bei öffentlich-rechtlicher Organisation Anstaltsträger in verwaltungsrechtlichem Sinne ist oder bei privatrechtlicher Organisation einen beherrschenden Einfluss auf das Institut ausüben kann, 11 also Inhaber einer Anzahl von Geschäfts- oder Gesellschaftsanteilen ist, die ausreicht, um die Gesellschafter- oder Hauptversammlung zu dominieren. Sonderfragen treten bei stillen Beteiligungen und Hybridstrukturen auf, namentlich bei der Einschaltung Beliehener. Derartige Konstrukte der Kautelarjurisprudenz sind aber noch die große Ausnahme. 2. Regulierung Der Begriff Regulierung bedarf ebenfalls der Konkretisierung. Er ist zunächst im Wesentlichen von angelsächsisch geschulten Ökonomen verwendet worden und beruhte meist auf einer fragwürdigen Verwendung und Übersetzung des Begriffs regulation. Mittlerweile hat er aber auch Verbreitung in der Rechtssprache gefunden. Zwar wird auch der englische 10 Helmut Siekmann, in: Michael Sachs (Hrsg.), Grundgesetz, 6. Auflage, 2011, Art. 88 Rdn. 8, 47, 68 ff. 11 Volker Emmerich, Das Wirtschaftsrecht der öffentlichen Unternehmen, 1969, S. 59 f., mit zahlr. Nachw. aus dem älteren Schrifttum; Theo Thiemeyer, Wirtschaftslehre öffentlicher Betriebe, 1975; Stefan Machura, Die Kontrolle öffentlicher Unternehmen, S. 10 f.; ders., Besonderheiten des Managements öffentlicher Unternehmen, ZögU Bd. 16 (1993), S. 169; Siekmann (Fn. 3), S. 287 f.; Werner Schroeder, Vernünftige Investition oder Beihilfe? ZHR, Bd. 161 (1997), S. 805 (816); Kathrin Schmidt / Thomas Vollmöller, Öffentliche Kreditinstitute und EU-Beihilfenrecht, NJW 1998, S. 716 (718), unter Berufung auf Art. 2 Abs. 2 der Transparenzrichtlinie, ABlEG 1980 Nr. L 195, S. 35; Nora Dittmer, Öffentliche Unternehmen und der Begriff des öffentlichen Auftraggebers, 2008, S. 29, unter Berufung auf Art. 2 Abs. 1 lit. b der Richtlinie 2000/52/EG, ABl. L 193, S. 75; enger unter vollständigem Ausschluss gemischtwirtschaftlicher Unternehmen: Günter Püttner, Die öffentlichen Unternehmen, 2. Aufl. 1985, S. 26; Dirk Ehlers, Verwaltung in Privatrechtsform, 1984, S. 9; weiter unter Einschluss der gesamten wirtschaftlichen Betätigung der öffentlichen Hand: Hubertus Gersdorf, Öffentliche Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Demokratieprinzip und Wirtschaftlichkeitsprinzip, 2000, S. 22 f. 8
15 Begriff nicht selten sehr unspezifisch verwendet, aber in anspruchsvolleren Texten wird doch deutlich unterschieden zwischen regulation als der Gesamtheit der Vorschriften, die für einen Sachbereich einschlägig sind, und supervision als die Ausübung von Kontrolle, die sicher stellen soll, dass die Vorschriften auch eingehalten werden. 12 Es handelt sich also um die altbekannte Unterscheidung zwischen Normgebung und Normanwendung. Allerdings werden bei dieser Abgrenzung auch mehr oder weniger private Werke mit einbezogen ( standards codices ). Dem ist aber entgegen zu halten, dass bei genauem Hinsehen auch im amerikanischen Verwaltungsrecht der Staat als Quelle der anzuwendenden Vorschriften im Vordergrund steht. 13 Die dabei noch fehlende Unterscheidung zwischen dem Erlass von Normen und dem Erlass von Einzelakten entspricht aber wohl dem dogmatisch wenig ausgeformten amerikanischen Verwaltungsrecht, das eher prozedural und nicht materiellrechtlich denkt. Eine regulation kann dort sowohl eine (Rechts-)Vorschrift als auch eine (Allgemein-)Verfügung der Exekutive sein. Diese Unterscheidung, die sehr vielen Autoren, die über regulation schreiben, unbekannt sein dürfte, ist aber auch dem amerikanischen Recht nicht fremd; nur hat sie wegen der prozeduralen Ausrichtung des Verwaltungsrechts nicht dieselbe dogmatische Bedeutung wie im kontinentaleuropäischen Rechtsdenken. Hinzu kommt, dass im amerikanischen juristischen Sprachgebrauch mit regulation vor allem die exekutive Normgebung gemeint ist, die in Deutschland nur sehr eingeschränkt zulässig ist, während im wirtschafts- 12 The High Level Group on Financial Supervision in the EU, chaired by Jacques de Larosière, Report, Brussels, 25 February 2009, S Merriam Webster s Dictionary of Law, 1996 regulation. an authoritative rule; specif: a rule or order issued by a government agency and often having the force of law ; Gifis, Law Dictionary, regulations: rules or other directives issued by administrative agencies that must have specific authorization to issue directives. 9
16 wissenschaftlichen Sprachgebrauch oder von Seiten der Politik auch undifferenziert förmliche Gesetze von dem Begriff erfasst werden. Eindeutig ist allerdings das EU-Recht. Eine regulation ist nur eine EU-Verordnung und nichts anderes. Das hindert indes den wissenschaftlichen Diskurs nicht daran, auch in diesem Zusammenhang von Regulierung zu reden und gleich den Erlass von Richtlinien mit einzubeziehen, die dann auch regelmäßig falsch als Direktiven bezeichnet werden, wenn sie denn überhaupt als eigenständige Kategorie von Regulierung anerkannt werden. Wegen dieser vielfältigen Unklarheiten, Abgrenzungsunsicherheiten und semantischer Fehler sollen im Folgenden statt des Begriffs Regulierung die jeweils zutreffenden konkreten juristischen Fachtermini verwendet werden. II. Überblick über die öffentlichen Banken Die öffentlichen Banken können grob in drei Gruppen eingeteilt werden: - die Sparkassen - die Landesbanken - Förderbanken und andere Institute mit Sonderaufgaben. Diese Institute stehen aber nicht isoliert nebeneinander, sondern sind teilweise horizontal und vertikal miteinander verflochten. Zum Teil bestehen auch Kooperationsabsprachen, die nicht die Dichte einer organisationsrechtlichen Verflechtung erreichen. Einzelne Institute fungieren auch als Holdingeinrichtungen, wie beispielsweise die NRW.Bank für die Westdeutsche Landesbank AG. Eine Sondergruppe stellen die Banken dar, die im Verlauf der Krise ganz oder teilweise vom Bund übernommen worden sind, um sie vor der Insolvenz zu bewahren. Auch sie müssten nunmehr - streng genommen - zu den öffentlichen Banken gerechnet werden, ob- 10
17 wohl das dem Management nicht gefällt und auch Zweifel im Hinblick auf den notwendigen öffentlichen Auftrag bestehen. Sparkassen und die zuständigen Girozentralen, die später zu den Landesbanken entwickelt worden sind, waren zumindest ursprünglich als eine wirtschaftlich Einheit anzusehen, die zum Teil auch juristisch miteinander verflochten waren. Sie haben mit verteilten Rollen im Kern denselben öffentlichen Auftrag erfüllt: Versorgung der nicht so wohlhabenden Bevölkerung, der kommunalen Träger und der regionalen Wirtschaft mit einem streng begrenzten Angebot an Bankdienstleistungen. Das war im Wesentlichen die Abwicklung des (bargeldlosen) Zahlungsverkehrs, absolut sichere Anlagemöglichkeit für die Ersparnisse der Bevölkerung und Ausreichung von Krediten aus den Einlagen für den gegenständlich und regional begrenzten Immobilienerwerb, für die örtliche Wirtschaft und zum Teil auch für ihre Träger. 14 Schon lange vor Ausbruch der gegenwärtigen Krise haben die Girozentralen, später Landesbanken, diesen gegenständlich und regional sehr begrenzten Auftrag überschritten. Die kommunalen Sparkassen blieben aber in der Regel maßgebende Träger und Eigentümer der Landesbanken und sollten ihren typischen Passivüberhang bei ihnen anlegen. Ein Risiko für die Masse der Bevölkerung war damit nicht verbunden, da sämtliche Landesbanken durch Anstaltslast und Gewährträgerhaftung vor der Insolvenz mit höchstmöglicher Sicherheit geschützt waren. Mit dem wachsenden 14 Deutlich zu erkennen in der Dritten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 6. Oktober 1931, durch welche den kommunalen Sparkassen Rechtsfähigkeit verliehen worden ist (Fünfter Teil, Kapitel I, 2 Abs. 1), RGBl. I, S. 537 (554). Bis dahin waren sie rechtlich unselbständige Teile der Kommunalverwaltung; in Preußen nach dem Reglement, die Einrichtung des Sparkassenwesens betreffend, vom 12. Dezember 1838, Gesetzes-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten 1838, S. 5 (No. 1956). Nach 5 Abs. 2 war die Liquiditätsreserve der Sparkassen bei den zuständigen Girozentralen, den Vorläufern der Landesbanken, anzulegen. Organisation und Geschäftsbetrieb der Girozentralen waren so zu regeln, wie es die Liquidität der Sparkassen erforderte, 8 der Verordnung. 11
18 Konsolidierungsbedarf bei den Landesbanken auf Grund von zum Teil grotesken Fehlinvestitionen haben sich die Sparkassen immer mehr aus ihrer Eigentümerstellung entfernt und statt dessen den Ländern im Wesentlichen die Konsolidierungslasten zugeschoben. Zuletzt musste der Bund sogar einspringen (WestLB AG), obwohl er jahrelang die Landesbanken als ein Problem behandelt hatte, dass ausschließlich die Länder und ihre Kommunalkörperschaften als Träger der Banken zu lösen hätten. 1. Die Sparkassen Die Sparkassen sind mit wenigen Ausnahmen 15 als Anstalten des öffentlichen Rechts organisiert. Sie besitzen Rechtsfähigkeit und werden von Kommunalkörperschaften 16 getragen. Sie können daher immer noch als kommunale Sparkassen bezeichnet werden. Dies gilt allerdings nicht für einige der größten Sparkassen Deutschlands, die sich nicht in der Hand von Kommunen befinden. (1) Die Baden-Württembergische Bank ist eine rechtlich unselbstständige Anstalt des öffentlichen Rechts innerhalb der Landesbank Baden- Württemberg. Sie nimmt für den Bereich Stuttgart die Aufgaben einer Sparkasse wahr. 17 Die Berliner Sparkasse ist dagegen eine teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts in der Trägerschaft der Landesbank Berlin AG 18. Die Braunschweigische Landessparkasse (BLSK) ist eine teil- 15 Oben Fn Das sind traditionell Gemeinden, Kreise und Zweckverbände. Teilweise ist aber neuerdings auch die Möglichkeit zur Gründung von Sparkassenholdings als Anstalten des öffentlichen Recht eingeräumt worden, beispielsweise 17c Hessischer Sparkassengesetz vom 24. Februar 1991 (GVBl. Hessen I, S. 78), eingefügt durch Gesetz vom 29. September 2008 (GVBl. Hessen I, S. 875). In Hessen ist auch Möglichkeit einer Trägerschaft durch Stiftungen des öffentlichen Rechts eröffnet worden. Dagegen sieht 1 Abs. 1 Satz 1 SpkG NRW die Errichtung einer Sparkasse nur durch Gemeinden oder Gemeindeverbände vor. 17 Näher unten S Näher unten S. 22,
19 rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts innerhalb der Nord/LB. 19 Die Frankfurter Sparkasse von 1822 ist erst vor wenigen Jahren in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt worden. Sie besitzt Rechtsfähigkeit wie die anderen Sparkassen. Sie ist jedoch eine landesunmittelbare Anstalt des Landes Hessen. Ihre Trägerin ist die Landesbank Hessen- Thüringen. 20 In diesen Fällen ist die vieldiskutierte vertikale Integration also bereits verwirklicht worden, wenn auch in unterschiedlichen Formen. 21 (2) Wieder eine andere Rolle war den Sparkassen in Sachsen durch Schaffung des sächsischen Finanzverbandes zugewiesen worden, der eine Beteiligung der kommunalen Sparkassen vorsah aber nur auf freiwilliger Basis. 22 Diese ungewöhnliche Konstruktion war zwar vom Verfassungsgerichtshof des Freistaats Sachsen grundsätzlich gebilligt worden, 23 ist aber im Zusammenhang mit einem dagegen gerichteten Volksbegehren, kurze Zeit später wieder beseitigt worden. 24 Der Verfassungsgerichtshof hatte den Weg dafür frei gemacht und den ablehnenden Bescheid der Staatsregierung auf Zulassung des Volksbegehrens aufgehoben. 25 An die Stelle des Verbandes ist die Sachsen-Finanzgruppe als rechtsfähige Kör- 19 Näher unten S Näher unten S Näher unten S Gesetz über den Sachsen-Finanzverband (VerbG) und Sparkassengesetz des Freistaates Sachsen (SächsSparkG) [Neuregelung], die als Art. 1 und 2 des Gesetzes zur Neuordnung der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute im Freistaat Sachsen einschließlich der Sächsischen Aufbaubank GmbH vom 3. Mai 1999 (SächsGVBl., S. 190, 195) erlassen worden waren. 23 Urteil vom 23. November 2000 Vf. 62-II Artikel 9, 2 des Gesetzes über das öffentlich-rechtliche Kreditwesen im Freistaat Sachsen vom 13. Dezember 2002 (GVBl. Sachsen, S. 333, 351). 25 Urteil vom 15. März Vf. 59-X-00. Zuvor war aber ein Antrag auf einstweilige Anordnung abgelehnt worden, Beschluss vom 26. August Vf. 59-I
20 perschaft des öffentlichen Rechts getreten, 26 an der einige große Sparkassen und das Land Sachsen beteiligt sind. 27 Bis zur Übernahme der Landesbank Sachsen-Girozentrale durch die Landesbank Baden- Württemberg zur Abwendung der Insolvenz dieses Instituts im April war die Gruppe auch Träger der Landesbank, die noch im Verlauf der Krise in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ist Landesbanken Die Landesbankenlandschaft ist mittlerweile sehr heterogen. Schon die grundlegenden Organisationsformen weisen erhebliche Unterschiede auf. Davon unabhängig sind aber alle Institute auf Wettbewerbsmärkten tätig; teilweise immer noch weit über das Territorium der sie tragenden Gebietskörperschaften hinaus. Ein Teil der Landesbanken übt immer noch hoheitliche Funktionen aus. Im Einzelnen sind verschiedene Ordnungsmerkmale zu beachten. Teilweise, aber nicht mehrheitlich, sind die Landesbanken dergestalt vertikal integriert, dass sie unmittelbar oder über Tochterinstitute in nennenswertem Umfang mit Verbrauchern Bankgeschäfte abwickeln. Teilweise sind sie Einrichtungen nur eines Bundeslandes unter Einschluss seiner Kommunalkörperschaften. Teilweise sind zwei oder mehr Bundesländer Träger Abs. 1 des Gesetzes über die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute im Freistaat Sachsen und die Sachsen-Finanzgruppe, erlassen als Artikel 1 des Gesetzes über das öffentlich-rechtliche Kreditwesen im Freistaat Sachsen vom 13. Dezember 2002 (GVBl. Sachsen, S. 333). 27 Weitere Einzelheiten: Dino Uhle, Der Sachsen-Finanzverband und die Sachsen- Finanzgruppe: Über die Umstrukturierung des öffentlich-rechtlichen Kreditsektors im Freistaat Sachsen, Vgl. Martin Fischer, Die Ursachen der Immobilienkrise und ihre Auswirkungen auf den Finanzmarkt Deutschland, 2009, S Gesetz zur Umwandlung der Landesbank Sachsen Girozentrale in eine Aktiengesellschaft (Landesbank Sachsen Umwandlungsgesetz SachsenLBUmwG) = Artikel 1 des Gesetzes zur Umwandlung der Landesbank Sachsen Girozentrale in eine Aktiengesellschaft und zur Änderung anderer Gesetze vom 4. Juli 2007, SächsGVBl. S
21 oder Eigentümer. Soweit es sich um juristische Personen des öffentlichen Rechts handelt, ist in jedem Fall ein Staatsvertrag als Grundlage erforderlich, wie bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Beteiligung des Bundes an Anstalten des öffentlichen Rechts ist eindeutig unzulässig, während sie bei Privatrechtssubjekten, wie der WestLB AG, gesellschaftsrechtlich möglich ist; wenn auch verbunden mit einer Reihe öffentlichrechtlicher Zweifelsfragen. Überwiegend nehmen die Landesbanken noch Aufgaben als Förderbanken wahr, vereinzelt sind aber auch selbstständige Institute als rechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechts mit Anstaltslast und Gewährträgerhaftung gegründet worden, wie die NRW.BANK in Nordrhein-Westfalen. Ob die NRW.Bank zur Gruppe der Landesbanken gerechnet werden sollte, ist eine offene Frage. Auch ist die gesellschaftsrechtliche oder organisationsrechtliche Beteiligung der (kommunalen) Sparkassen und ihrer (öffentlich-rechtlichen) Verbände an den Instituten nach Art und Umfang von sehr unterschiedlichem Gewicht und hat sich zum Teil im Verlauf der Krisenbewältigung dramatisch gewandelt. Schließlich gibt es auch Ansätze zur Bildung von vertikalen Konzernen innerhalb des Landesbankensektors wie in Bremen und Oldenburg. Wenn also über Landesbanken gesprochen wird, ist es regelmäßig angezeigt, nach folgenden Kriterien zu differenzieren: - Rechtsform - vertikale Integration - staatliche Trägerschaft - Beteiligung kommunaler Sparkassen oder ihrer Verbände - Ausgliederung von Förderbanken - Konzernbildung. Wesentlich ist aber in jedem Fall die Unterteilung anhand der Rechtsform, in der sie organisiert sind: - Rechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechts (1) - Aktiengesellschaften (2) 15
agw-stellungnahme zur Frage der Bilanzierung von Verbandsmitgliedschaften im Rahmen der Umsetzung des Neuen Kommunalen Finanzmanagement (NKF)

References: Art. 92
 Art. 92
 Art. 93
 Art. 88
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 1