Source: https://www.grin.com/document/365273
Timestamp: 2017-12-14 18:59:01+00:00

Document:
Einsatzmöglichkeiten für Bachelorabsolventen eines grundständigen ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Einsatzmöglichkeiten für Bachelorabsolventen eines grundständigen Pflegestudienganges mit integriertem Berufsabschluss für Gesundheits- und Krankenpflege in der Praxis
2. Fragestellungen der Bachelorarbeit
3. Methodik der Literaturrecherche
4.1 Notwendigkeit der grundständigen Akademisierung des Pflegeberufes
4.2 Aktuelle Forschungsmeinung zu den Einsatzmöglichkeiten der Bachelorabsolventen
4.3 Gruppe eins - Pflegeakademiker am Patientenbett
4.4 Gruppe zwei - Pflegeakademiker in übergeordneter Sonderstellung
4.5 Gruppe drei - Pflegeakademiker in Führungspositionen
5. Vergleich der Tätigkeitsfelder von Bachelorabsolventen
5.1 Steigerung der Pflegequalität
5.1.1 Entwicklung der Pflegequalität durch Bachelors am Patientenbett
5.1.2 Entwicklung der Pflegequalität durch Bachelors in übergeordneten Sonderstellungen
5.1.3 Entwicklung der Pflegequalität durch Bachelors in Leitungsfunktionen
5.2 Effizienzsteigerung für das Unternehmen
5.2.1 Entwicklung der Effizienz des Unternehmens durch den Einsatz von Bachelors am Patientenbett
5.2.2 Entwicklung der Effizienz des Unternehmens durch Bachelors in übergeordneten Sonderstellungen
5.2.3 Entwicklung der Effizienz des Unternehmens durch Bachelors in Leitungsfunktionen
5.3 Lösungsansatz des Fachkräftemangels
5.3.1 Lösungsansatz zur Behebung des Fachkräftemangels durch den Einsatz von Bachelors am Patientenbett
5.3.2 Lösungsansatz zur Behebung des Fachkräftemangels durch Bachelors in übergeordneten Sonderstellungen
5.3.3 Lösungsansatz zur Behebung des Fachkräftemangels durch Bachelors in Leitungsfunktionen
7. Auswertung und Diskussion der Ergebnisse
9. Bedeutung für die Pflege
10. Ausblick in die Bereiche der ambulanten und Intensivpflege
- In welchen Tätigkeitsfeldern können Bachelorabsolventen eines grundständi- gen Pflegestudiengangs in der Praxis eingesetzt werden, um einen Mehrwert für das Unternehmen und die Pflegearbeit zu leisten?
- Wie unterscheiden sich die Einsatzmöglichkeiten der akademisch ausgebilde- ten Pflegenden?
- Ist in den verschiedenen Einsatzfeldern eine Steigerung der Pflegequa- lität zu erwarten? Warum ist eine/keine Steigerung zu erwarten?
- Ist eine Effizienzsteigerung auf den jeweiligen Stationen im Kranken- haus mit der Einführung der verschiedenen Aufgabenbereiche zu er- warten? Warum ist eine/keine Steigerung zu erwarten?
- Inwiefern können die entsprechenden Einsatzmöglichkeiten von Ba- chelorabsolventen das Problem des Fachkräftemangels lösen?
Hintergrund: Die Pflegeausbildung in Deutschland befindet sich im Wandel. Im Zuge der Professionalisierung der deutschen Pflegeberufe gelangen nun erste grundständig dual ausgebildete Pflegende mit akademischem Grad auf den Arbeits- markt. Ihre Integration innerhalb des Strukturgefüges eines Krankenhauses mit ent- sprechend neuen Aufgabenfeldern bestimmt die weitere Entwicklung des Pflegebe- rufs in Deutschland stark mit. Dementsprechend müssen die Tätigkeitsfelder und Kompetenzbereiche der Hochschulabsolventen vor dem Implementierungsprozess hinsichtlich des Nutzens detailliert geprüft werden, um deren tatsächlichen Mehrwert zu evaluieren. Der vorliegende Vergleich von Tätigkeitsfeldern soll dabei eine Ent- scheidungshilfe zur Beantwortung der Frage nach dem genauen Einsatz der Pflege- bachelor in den peripheren Bereichen von Krankenhäusern bieten.
Material und Methoden: Es wurde eine Literaturrecherche auf der Basis von 49 thematisch treffenden Literaturquellen durchgeführt. Hierbei wurden auch die Datenbanken CINAHL und CareLit genutzt. Diese Recherche sollte mögliche Tätigkeitsfelder der Bachelorabsolventen identifizieren, welche anschließend in festgelegten Punkten verglichen wurden.
Ergebnisse: Die recherchierten Tätigkeitsfelder ließen sich in drei Gruppen teilen. Hierbei stellte sich der Einsatz der Bachelorabsolventen in Leitungsfunktionen (Gruppe 3) als irrelevant dar. Die Einsatzfelder der Hochschulabsolventen in fachli- chen Sonderfunktionen (Gruppe 2) und am Patientenbett in originär pflegerischen Settings (Gruppe 1) stellten sich hingegen als lukrative Möglichkeiten zur Steigerung der Versorgungsqualität und der Effizienz sowie der Behebung des Fachkräfteman- gels heraus. Um in allen drei Kriterien gleichzeitig optimale Ergebnisse zu erzielen, müssen die von Fachmeinungen vorgestellten Modelle jedoch individuell modifiziert werden.
Schlüsselwörter: Pflegebachelor, Pflegeakademisierung, Qualitätssteige-rung, Effizienzsteigerung, Fachkräftemangel
In Germany the system of vocational training for nurses is changing. In the year 2000 the World Health Organisation (WHO) demands better opportunities to get an aca- demic graduation in nursing in europe. After that many european states had changed their system of vocational training. Now the first graduates with a Nursing Degree from german colleges pour onto the labour market. The change of an educational level presupposes a change of the fields of duties and responsibilities of the new pro- fessions. It is very important to find out how their skills can be used in the everyday work to get an optimal benefit for the patients and the business. This bachelor thesis considers the possibilities in which way the new academically trained nurses can be employed in the praxis. Therefor the autor used the method of literature research be- cause methods like interviews or other surveys would have exeeded the volume of the bachelor thesis. The literature mostly shows fields of duties which can be struc- tured in three relevant groups. In the bachelor thesis these three groups will be ex- plained and compared to answer the questions of what working fields for academic nurses exists and what are the differences between them.
Abb. 1: Bedarf an akademisierten Pflegekräften. Fragestellung: „Gibt es an Ihrem Krankenhaus einen Bedarf an akademisierten Pflegekräften?“ (Krankenhäuser in %) (n=284) Eigene Darstellung nach Blum, K., Löffert, S., Offermanns, M., Steffen, P. (2014): Krankenhaus Barometer. Umfrage 2014. Seite 48
Abb. 2: Tätigkeitsbereiche für den Einsatz von Pflegekräften mit akademischem Abschluss (Nennungen in %) (n=284) Eigene Darstellung nach Blum, K.,Löffert, S., Offermanns, M., Steffen, P. (2014): Krankenhaus Barometer. Umfrage 2014. Seite 49
Abb. 3: Pflegekernprozess nach VPU Grünewald, M. et al. (2014): Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegefachper- sonen in der Praxis - unter Berücksichtigung des Qualifikationsmix am Bei- spiel der Betreuung eines Patienten nach Herzinfarkt. Seite 5
Abb. 4: Veränderungen im Haus durch den Einsatz von akademisierten Pflegekräften (Krankenhäuser in %) (n=284) Eigene Darstellung nach Blum, K.,Löffert, S., Offermanns, M., Steffen, P. (2014): Krankenhaus Barometer. Umfrage 2014. Seite 57
Abb. 5: Bedarf und Leistungsprofile akademisch qualifizierten Personals (Krankenhäuser in %) (n=125) Eigene Darstellung nach dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pfle- ge und Alter des Landes Nordrhein-Westfaalen (2015): Landesberichterstat- tung Gesundheitsberufe Nordrein-Westfalen. Situation der Ausbildung der Be- schäftigung. Seite 141
Abb. 6: Bedarf und Leistungsprofile akademisch qualifizierten Personals II (Krankenhäuser in %) (n=125) Eigene Darstellung nach dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pfle- ge und Alter des Landes Nordrhein-Westfaalen (2015): Landesberichterstat- tung Gesundheitsberufe Nordrein-Westfalen. Situation der Ausbildung der Be- schäftigung. Seite 142
Abb. 7: Rollenbezogene Aufgaben zu Studienbeginn und zum Befragungszeitpunkt (Angaben in %) (N=73) Eigene Darstellung nach Wiedermann, F., Brückner, M., Johannßen, C., Rot- he, P. (2015): Rollen professioneller Pflege - Veränderungen im Kontext des berufsbegleitenden Studienganges „Bachelor of Nursing“. Seite 90
Abb. 8: Arbeitsbereiche von akademisierten Pflegekräften (Krankenhäuser in %) (n=284) Eigene Darstellung nach Blum, K.,Löffert, S., Offermanns, M., Steffen, P. (2014): Krankenhaus Barometer. Umfrage 2014. Seite 55
Tabelle 1: Krankenhäuser und Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen (Anzahl und je 100.000 Einwohner) sowie Aufenthalte (Fallzahl, Berechnungs- /Belegungstage und Verweildauer). Gliederungsmerkmale: Jahre, Deutschland, Ein- richtungsmerkmale (Einrichtungsart / Bettenzahl / Träger / Art der Zulassung) Eigene Darstellung nach der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2016): Tabelle zu Krankenhäuser und Vorsorge- oder Rehabilitationseinrich-tungen (Anzahl und je 100.000 Einwohner) sowie Aufenthalte (Fallzahl, Be-rechnungs-/Belegungstage und Verweildauer). Gliederungsmerkmale: Jahre, Deutschland, Einrichtungsmerkmale (Einrichtungsart / Bettenzahl / Träger / Art der Zulassung)
Tabelle 2: Arbeitsbereiche und dafür notwendige Qualifikationen Eigene Darstellung nach Fleischmann, N. (2013): Arbeitsmarktperspektiven für Absolventen pflegebezogener Studiengänge. In: Friederich, D. et al. (2013): Pflegeforschung trifft Pflegepraxis. Seite 96
Tabelle 3: Musterstation Herz - Kostenneutrales Modell Eigene Darstellung nach Grünewald, M. et al. (2014): Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegefachpersonen in der Praxis - unter Berücksichtigung des Qualifikationsmix am Beispiel der Betreuung eines Patienten nach Herzinfarkt
Tabelle 4: Musterstation Herz - qualitätssteigerndes Modell Eigene Darstellung nach Grünewald, M. et al. (2014): Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegefachpersonen in der Praxis - unter Berücksichtigung des Qualifikationsmix am Beispiel der Betreuung eines Patienten nach Herzinfarkt
Advanced Nursing Practice: „Eine Pflegeexpertin APN (Advanced Practice Nur- se) ist eine Pflegefachperson, welche sich Expertenwissen, Fähigkeiten zur Entscheidungsfindung bei komplexen Sachverhalten und klinische Kompeten- zen für eine erweiterte pflegerische Praxis angeeignet hat“ (DBfK 2013: 2)
DRG: „DRGs (Diagnosis Related Groups) fassen eine Vielzahl unterschiedlicher Di- agnosen- und Prozedurenkombinationen zu Gruppen mit vergleichbarem öko- nomischem Aufwand in möglichst auch medizinisch-klinisch homogenen Gruppen zusammen“ (https://www.gkv- spitzenver- band.de/krankenversicherung/krankenhaeuser/drg_system/fragen_und_antwo rten_drg/fragen_und_antworten_drg.jsp 25.07.2016, 22:00 Uhr)
Evidence based Nursing: „Evidence-based Nursing ist die Nutzung der der- zeit besten wissenschaftlich belegten Erfahrungen Dritter im Arbeitsbündnis zwischen einzigartigen Pflegebedürftigen und professionell Pflegenden“ (Behrens & Langer 2004: 21)
Lean Management: „Lean-Management umfasst alle Methoden, Denkweisen und Werkzeuge, die Unternehmen zur Verfügung stehen, um ihre Prozesse zu optimieren. Lean-Management zielt darauf ab, eine prozessorientierte Unter- nehmensführung mit höchstmöglicher Effizienz sowie eindeutig definierte Pro- zesse und Abläufe zu gestalten. Verantwortlichkeiten und Kommunikations- wege sollen logisch gestaltet werden, wobei die zwei bedeutendsten Aspekte des Lean-Management-Ansatzes die Kundenorientiertheit und die Kostensen- kung sind“ (http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/lean-management 25.07.2016, 22:30 Uhr)
Mintzberger Struktur: Die Mintzberger Struktur ist eine komplexes Organisati- onsmodell, welches folgende fünf Positionen beinhaltet: strategische Spitze, operativer Kern, mittleres Management, Technostruktur, Unterstützungsstab. Je nach Ausbildungsintensität und Relevanz der einzelnen Positionen entste- hen verschiedene organisationstypen. (Vgl. http://www.ewi-psy.fu- ber- lin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/allg_paedagogik/v12109_merkens_zsfsg/ zusammenfassung_14/index.html 25.07.2016, 23:00 Uhr )
Die Pflegeausbildung in Deutschland befindet sich im Wandel. Bereits im Jahr 2000 forderte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verbesserung des Zuganges „[...] zu einer akademischen Pflege- und Hebammenausbildung [...]“ (WHO 2000: 1) in Europa. Deutschland reagierte auf diese WHO-Forderung mit der Neugestaltung des Altenpflege- (AltPflG) und Krankenpflegegesetzes (KrPlfG). Mit dem In-Kraft- Treten des novellierten AltPflG 2003 sowie des KrPflG 2004 wurde die sog. Modell- klausel eingefügt. Sie beschreibt die Möglichkeit der „Erprobung von neuen Ausbil- dungsangeboten, die der Weiterentwicklung der Pflegeberufe [...] dienen sollen“ (KrPflG 2003: §4 Abs. 6). Weiterführend ermöglicht diese Klausel auch die Verlage- rung der grundständigen Ausbildung an höheren Berufsfachschulen auf Hochschul- niveau, was vorher nicht möglich war (Vgl. KrPflG 2003: §4 Abs. 7). Die daraus resul- tierenden neuen Studiengänge bezogen sich jedoch vorerst hauptsächlich auf die Akademisierung von Führungs- und Lehrkräften. Die Anhebung der grundständigen Pflegeausbildungen auf tertiäres Bildungsniveau verlief nur schleppend. 2007 forder- te der Deutsche Bildungsrat für Pflegeberufe (DBR) eine grundlegende Umgestaltung der Ausbildungslandschaft für die Pflege und legte ein entsprechendes Bildungskon- zept vor. Diese Konzeption sah unter anderem eine Veränderung der Ausbildungs- struktur vor, die einen Weg der Erstqualifizierung auf tertiärem Bildungsniveau bein- haltete, wobei parallel dazu die klassische Lehre über eine höhere Berufsfachschule weiterhin möglich war (Vgl. DBR 2007: 4ff). Mittlerweile erfährt der Pflegeberuf einen regen Umbruch im Sinne dieser Vorstellungen des DBR. Bundesweit existieren mitt- lerweile eine Vielzahl von Studiengängen auf Bachelor- und Masterniveau, welche die Ausübenden des Pflegeberufes höher qualifizieren. Die Basis zur Reformation der Pflegeberufe ist demnach geschaffen. Doch reicht das aus? Endet der Weg der Umgestaltung des Berufsbildes der Pflege mit der Anhebung des Ausbildungsni- veaus auf eine akademische Ebene? Die ersten Pflegerinnen und Pfleger auf Ba- chelorniveau haben das Bachelorstudium abgeschlossen und treten nun in den Ar- beitsalltag ein. Mit dieser nächsten Etappe stellt sich nun die Frage, wie man die zu- sätzlich erworbenen Fähigkeiten der Bachelorabsolventen in der Praxis optimal nut- zen kann. Denn eine Änderung des Ausbildungsniveaus bringt auch eine Änderung der praktischen Tätigkeiten, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen mit sich. So schrieb Bögemann-Großheim bereits 2004, dass „[...] in jedem Fall mit der Einfüh- rung eines alternativen Zuganges zum Berufsfeld über ein Studium eine Dynamik entsteht, von der die bestehenden Kompetenzprofile nicht unberührt bleiben werden“ (Bögemann-Großheim 2004: 104). Ohne Anpassung der Aufgaben- und Kompetenz- bereiche im praktischen Berufsalltag erscheint die akademische Pflegeausbildung bedeutungslos. Auf die Frage, wie Bachelorabsolventen der Pflege optimal einge- setzt werden können, sucht der Autor in seiner Bachelorarbeit eine Antwort.
Die Einsatzmöglichkeiten bzw. die Stellung der Bachelorabsolventen in der Praxis und im Unternehmen müssen nun, da erste Pflegeakademiker dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, genau untersucht werden. Die Schwelle zwischen Über- und Un- terforderung der Absolventen in der Praxis ist genauso schmal wie der Grat zwischen dem optimalen Nutzen der Bachelorkompetenzen und einer möglichen Ressour- cenverschwendung. Das richtige Aufgabenfeld für diesen neuen Berufsabschluss zu finden, ist also nicht nur für den Pflegebachelor selbst entscheidend, sondern auch für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und die Versorgungsqualität der Patien- ten. Ziel dieser Bachelorarbeit ist es daher, mit bereits vorhandener Literatur ver- schiedene Einsatzmöglichkeiten von grundständigen Bachelorabsolventen der Pfle- geberufe aufzuzeigen und miteinander zu vergleichen, um so eine Orientierungshilfe für die Praxis bereitzustellen. Daraus leiten sich die grundlegende und eine weiter- führende Forschungsfrage der Bachelorarbeit ab:
1. In welchen Tätigkeitsfeldern können Bachelorabsolventen eines grundständigen Pflegestudiengangs in der Praxis eingesetzt werden, um einen Mehrwert für das Unternehmen und die Pflegearbeit zu leisten?
2. Wie unterscheiden sich die Einsatzmöglichkeiten der akademisch ausgebildeten Pflegenden?
Um Unterschiede der Einsatzmöglichkeiten festzustellen werden sie in folgenden Punkten verglichen:
- Ist in den verschiedenen Einsatzfeldern eine Steigerung der Pflegequalität zu erwarten? Warum ist eine/keine Steigerung zu erwarten?
- Ist eine Effizienzsteigerung auf den jeweiligen Stationen mit der Einführung der verschiedenen Aufgabenbereiche zu erwarten? Warum ist eine/keine Steigerung zu erwarten?
- Inwiefern können die entsprechenden Einsatzmöglichkeiten von Bachelorab- solventen das Problem des Fachkräftemangels lösen?
Bei der Beantwortung dieser Fragen konzentrierte sich der Verfasser der Arbeit hauptsächlich auf die Einsatzmöglichkeiten der Absolventen auf peripheren Stationen von Krankenhäusern.
Zur Bearbeitung des Themas wurde eine Literaturrecherche durchgeführt. Da die ersten grundständigen Bachelorstudiengänge der Pflege bereits Absolventen hervor- gebracht haben, ließ sich eine große Fülle an Literatur zu dieser Thematik finden. Von einer Datenerhebung durch Interviews oder Fragbögen hat der Autor abgese- hen, da diese Methoden den Arbeitsumfang einer Bachelorarbeit überschreiten wür- den. Die Recherche bezog die Arbeit mit den Datenbanken CINAHL und CareLit ein. Die gefundenen Treffer in den Datenbanken wurden hinsichtlich inhaltlicher Relevanz selektiert und zutreffende Texte näher betrachtet. In der CareLit -Datenbank erhielt man am 13.01.2016 unter den Stichworten ‚Aufgaben Bachelor‘ drei Treffer, wovon zwei genutzt wurden. Neun entsprechende Artikel wurden zu ‚Bachelor Tätigkeiten‘ gefunden, wovon lediglich einer genutzt werden konnte. Die Stichworte ‚akademi- sche Pflege‘ ergaben 22 Treffer, wovon zwei Artikel weiter verfolgt wurden. Und die meisten Treffer ergaben ‚Akademisierung der Pflege‘ mit 91 Treffern, von denen sechs gefundene Artikel vom Autor hinzugezogen wurden. Die CINAHL -Datenbank zeigte neun Funde zu ‚Akademisierung der Pflege‘ an, von denen drei zur Recherche hinzugezogen wurden. Zu den Stichworten ‚Professionalisierung Pflege‘ erhielt der Autor lediglich einen relevanten Vorschlag, welcher ebenfalls einbezogen wurde. Weitere nützliche Treffer wurden in den Datenbanken nicht gefunden. Zusätzliche Literatur wurde mittels Durchsicht der Literaturverzeichnisse wissenschaftlicher Pub- likationen gewonnen.
Insgesamt erstreckte sich die Literaturrecherche über einen Zeitraum vom 13.01.2016 - 10.06.2016, in welchem insgesamt 95 Quellen, in deutscher und auch englischer Sprache, gesichtet wurden. 49 von diesen Quellen wurden anschließend als besonders relevant eingestuft und näher hinzugezogen. Darunter befanden sich nicht nur diverse Artikel aus Fachzeitschriften, wie der Pflegewissenschaft und der Pflegezeitschrift, sondern auch Analysen und Ergebnisdarstellungen von Studien und Positionierungen von einflussreichen Institutionen der Pflege . Hauptaugenmerk legte der Verfasser dabei auf wissenschaftliche Arbeiten und Untersuchungen, die sich mit den Tätigkeitsfeldern der Pflegenden auseinandersetzten. Ebenso wurden neben Fachbüchern zur Vertiefung der einzelnen inhaltlichen Teilbereiche, auch zwei Ge- setzestexte einbezogen.
4.1 Notwendigkeit der grundständigen Akademisierung des Pfle- geberufes
Um die möglichen Aufgabenbereiche der Pflegebachelor diskutieren zu können, ist ein Blick auf die Frage, warum eine grundständige Akademisierung überhaupt statt- finden muss, hilfreich. Denn anhand der Gründe, die zur Entwicklung dieser Studien- gänge geführt haben, lassen sich durchaus auch mögliche Aufgabenfelder erahnen und bewerten.
Durch wachsende Anforderungen an die pflegerische Arbeit, Delegationsprogramme und fehlende Fachkräfte wachsen Verantwortung und Aufgabenspektrum der Pflege- kräfte. So werden heute bereits Aufgaben mit hohem Anforderungsniveau, die vor- nehmlich Ärzten vorbehalten sind, von Pflegekräften durchgeführt (Vgl. WR 2012: 44). Deshalb wird die Forderung nach besser ausgebildeten, akademisierten Pflege- kräften laut, um den steigenden Anforderungen zu entsprechen und dem wachsen- den Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Bereits jetzt sind spezielle Bereiche der Patientenversorgung, wie z.B. das Wundmanagement und die Ernährungsberatung, im pflegerischen Kompetenzbereich angesiedelt. Diese Kompetenzbereiche werden originär jedoch von ärztlicher Seite delegiert. Durch akademisierte Pflegekräfte, sog. Pflegeexperten, wächst die Anforderung an die Pflegeberufe jedoch noch weiter an. Immerhin könnten Studien zufolge 25-75 % der ärztlichen Arbeit auch Pflegeexper- ten übernehmen, so der Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) (Vgl. Gör- res 2008: 56). Laut diesem besteht die Möglichkeit, dass die Primärprävention, die Betreuung und das Management chronischer kranker Menschen in die Verantwor- tungsbereiche der Pflege übergehen. Somit würde die Pflegearbeit unabhängiger vom Fachbereich der Mediziner werden. Die Selbstständigkeit und Eigenverantwor- tung der Pflegenden würde wachsen, wodurch sich diese stark vom Status des me- dizinischen Hilfsberufes entfernen und einen eigenständigen, gesonderten Fachbe- reich bilden.
Der demographische Wandel in Deutschland hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die pflegerische Ausbildungslandschaft des 21. Jahrhunderts. Die deutsche Bevölke- rung altert, Fallzahlen steigen, Liegedauern verkürzen sich, die Pflegebedürftigkeit und Multimorbidität der deutschen Bevölkerung wächst stetig und gleichzeitig redu- ziert sich die Anzahl der Pflegekräfte, so die Aussagen des Statistischen Bundesam- tes (Vgl. Statistisches Bundesamt 2013: 7ff; Statistisches Bundesamt 2015: 7ff) und des Wissenschaftsrates (WR) (Vgl. WR 2012: 7ff). Im deutschen Ärzteblatt wird ge- äußert „[...], dass infolge der demographischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts die Anzahl der multimorbiden Kranken enorm zunehmen werde - parallel dazu würden die Ansprüche an Diagnostik und Therapie steigen“ (Gerst & Hibeler 2012: 2459). Weiter äußert sich der Leiter des Ausschusses für Medizin im Wissen- schaftsrat, Prof. Dr. med. Heinze, wie folgt: „Wir glauben, dass diese komplexen Auf- gaben im Idealfall durch ein multidisziplinäres Team geleistet werden. Zumindest ein Teil des Teams sollte die Kriterien des reflective practitioners [...] erfüllen“ (Heinze in Gerst & Hibeler 2012: 2459). Hierzu schaffe die primärqualifizierende akademische Ausbildung unserer Pflegekräfte die beste Voraussetzung, so Heinze. Die zukünfti- gen Pflegenden sollen demnach lernen, selbstständig Lösungsansätze für Probleme zu finden, anstatt darin zu verharren. Es wird erwartet, dass Sie weiterführend auf wissenschaftlichen Grundlagen arbeiten oder auch selbst neue Konzepte entwickeln, um so dem erhöhten Arbeitsaufwand gerecht zu werden.
Die demographische Entwicklung in Deutschland hat also zur Folge, dass in Zukunft immer weniger Pflegepersonen für immer mehr pflegebedürftige Menschen verant- wortlich sein werden. Zum einen ist dies die Folge der Bevölkerungsalterung, da durch den Fortschritt der modernen Medizin und Technik die Lebenserwartung steigt sowie die aus wirtschaftlichen Gründen notwendige Personalminimierung im Pflege- sektor. Zum anderen sinkt die Zahl der nachwachsenden pflegerischen Fachkräfte. Dabei ist auch das sinkende Interesse der Jugend, einen Pflegeberuf zu erlernen, maßgebend daran beteiligt, da sich der Pflegeberuf in Deutschland durch eine ge- wisse Unattraktivität auszeichnet (Vgl. Simon et al. 2005). Diese Unattraktivität folgt bspw. aus hoher physischer und psychischer Belastung sowie hohem Zeitdruck im Pflegeberuf. Die Akademisierung der Pflegeberufe könnte hier einen nachhaltigen Beitrag dazu leisten dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Durch vermehrte Ange- bote grundständiger Pflegestudiengänge wird das Ausbildungsniveau angehoben. Somit erhält der Pflegeberuf einen besseren Stellenwert in der Gesellschaft und bei Jugendlichen steigt das Interesse am Erlernen eines Pflegeberufes. Vor allem Abitu- rienten werden dann zunehmend Pflegeausbildungen beginnen, was momentan nur vereinzelt der Fall ist (Vgl. Reuschenbach 2012). Auch durch die bereits angespro- chenen weiter wachsenden Anforderungen und Kompetenzen der modernen Pflege 17 steigt das Ansehen des Berufes in der Gesellschaft, wodurch dieser für junge Men- schen attraktiver wird und der Fachkräftemangel auf Dauer gedämpft werden kann (Vgl. Gerst & Hibbeler 2012).
Die Meinungen zum Einsatz der Bachelorabsolventen im Berufsalltag gehen weit auseinander. Ein dementsprechend weites Spektrum an empfohlenen Einsatzmög- lichkeiten herrscht hier vor. Die Wissenschaftler, welche diese Thematik bereits auf- griffen, wendeten verschiedene Methoden an, um sich der Problematik anzunähern. Die Bandbreite erstreckt sich von Literaturrecherchen über qualitative Erhebungen mit Hilfe von Interviews, welche mit akademisierten Pflegekräften (Vgl. Kaltenbach- Schmökel 2014) sowie Stationsleitungen und anderen Führungskräften (Vgl. Bartels, Simon, Pohlmann 2012) geführt wurden, bis hin zu quantitativen Studien mittels Fra- gebögen (Vgl. Wiedermann et al. 2015). Bei der Anwendung dieser zahlreichen Me- thoden sind die Wissenschaftler teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt. Auf der Basis der durchgeführten Recherchen lassen sich daher die potenziellen Tä- tigkeitsprofile in drei Gruppen untergliedern:
- In Gruppe eins sollen die Bachelorabsolventen direkt am Patientenbett einge- setzt werden. Dort sollen die Akademiker neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis am Patienten einbeziehen und den Arbeitsalltag wie auch die Tätigkeiten der Pflegenden reflektieren. Sie nehmen also dieselbe Stelle ein wie ein/e gewöhnlich ausgebildete/r Gesundheits- und Krankenpfleger/-in mit mehr Knowhow (Vgl. Robert Bosch Stiftung 2000: 62ff).
- Die zweite Gruppe ist von der Übernahme übergeordneter Rollen als Stabstel- le im niederen bis mittleren Management durch akademisch Pflegende ge- prägt (Vgl. Kaltenbach-Schmökel 2014: 310f). Hier nehmen die Akademiker eine Sonderstellung ein, sind weisungsberechtigt und gelten als Pflegeexper- ten, welche nicht alltäglich am Patientenbett pflegerische Tätigkeiten ei- nes/einer berufsfachschulisch ausgebildete/n Gesundheits- und Krankenpfle- gers/Krankenpflegerin übernehmen (Vgl. Bögemann-Großheim 2004: 105f).
- In der dritten Gruppe wird vermutet, dass die neuen akademischen Pflegebe- rufe ausschließlich patientenfern arbeiten werden. Demnach sind Leitungspo- sitionen, wie bspw. Stationsleitung oder Posten in höheren Managementebe- 18 nen, ebenso denkbar, wie der Einsatz der Pflegeakademiker in Krankenkas- sen oder Berufsverbänden (Vgl. Lüftl & Kerres 2012: 45).
Um die Relevanz der einzelnen Tätigkeitsgruppen der Absolventen näher betrachten zu können, muss man vorerst die erlernten Kompetenzen in der Ausbildung betrach- ten. Der Autor bezieht sich in seiner Themenwahl auf duale Studiengänge mit einem integrierten Berufsabschluss für Gesundheits- und Krankenpflege, da eben diese verzahnte Struktur zur grundständigen Ausbildung neuer Pflegefachkräfte ein hohes Potential zur Revolutionierung der zukünftigen Arbeit im Pflegesektor mit sich bringt. Hier bearbeiten die Studierenden all die Inhalte, welche bisher auch die über drei Jahre ausgebildeten Gesundheits- und Krankenpflegeschüler behandelt haben (Vgl. KrPflG 2003: §4 Abs. 6 und 7). Somit erhalten sie mindestens die gleiche pflegeri- sche Fachkompetenz. Darüber hinaus erhalten die Studenten weiterführende Kennt- nisse im wissenschaftlichen Arbeiten, da sie einen Hochschulabschluss erhalten. Das bedeutet, dass sie wissenschaftliche Texte verfassen und besser erfassen kön- nen und ihnen der Zugang zu neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen erleichtert wird. Der Deutsche Bildungsrat für Pflegeberufe (DBR) äußert sich zu den Ausbil- dungsunterschieden wie folgt: „Die berufliche und die hochschulische Ausbildung führen zu Kompetenzen für eine professionelle Berufsausübung, diese sind jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Insbesondere von Absolventinnen der hochschulischen Pflegeerstausbildung ist zu erwarten, dass sie ihr Praxisfeld wissenschaftlich fundiert weiterentwickeln. Hochschulisch ausgebildete Pflegende sollen darüber hinaus in der Lage sein, Praxissituationen wissenschaftlich zu analysieren, pflegerelevante Kon- zepte zu entwickeln und gegebenenfalls Forschungsbedarf zu initiieren sowie ihr Wissensgebiet international zu beobachten, das Management mit entsprechenden Daten zu versorgen und die Anliegen der Pflege politisch argumentativ aufzuberei- ten“ (DBR 2007: 6). Die Erwartungen an die hochschulisch vermittelten Kompeten- zen der Absolventen ähneln sich in mehreren Quellen. So werden bspw. eine ausge- prägte Handlungskompetenz mit ausgeprägter Reflexionsfähigkeit, eine hohe Sozial- kompetenz, die Fähigkeit zur interdisziplinären Arbeit, ein verändertes Verständnis des Pflegeprozesses als Teil der Therapie des Patienten, ein souveräner Umgang mit belastenden Situationen auf verschiedenen Ebenen sowie betriebswirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse erwartet (Vgl. Bartels, Simon, Pohlmann 2010: 552; Am- mende et al. 2010: 9ff; Keuchel 2007: 13ff). Durch die Schwerpunkterweiterung hin zum wissenschaftlichen Verständnis, neben der Ausprägung der Fachkompetenz, 19 entwickelt sich die Fähigkeit zur Reflexion der eigenen Arbeit. Diese zusätzlich er- worbene Kompetenz ist demnach der signifikante Unterschied zwischen den Absolventen der bisherigen dreijährigen Berufsausbildung und den Bachelorabsolventen. Die zukünftigen Tätigkeitsfelder der Bachelorabsolventen müssen folglich auf der Nutzung dieser reflektorische Kompetenz basieren.
Ein Problem bei der Bearbeitung der Thematik stellte die weit verbreitete diffuse Dar- stellung der akademisch gebildeten Pflegekräfte dar. Viele Studien und Untersu- chungen differenzierten nicht zwischen grundständig dual und nachträglich qualifi- zierten Bachelorabsolventen, was die Analyse der Ergebnisse undurchsichtig mach- te. Der Begriff akademisierte Pflegekraft wurde daher oft auch für nachträglich quali- fizierte Pflegekräfte auf tertiärem Bildungsniveau gebraucht. Allerdings sind die nach- träglichen Qualifikationen eher für Management und Lehre, statt für die patientenna- he Pflege ausgelegt. Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich nicht zutreffen- de Tätigkeitsfelder in Studien herausbilden. Zu dieser Problematik werden zunächst zwei Beispiele angeführt:
Beispiel 1: In einer Umfrage des deutschen Krankenhausinstituts im Rah- men des KrankenhausBarometer s wurden 2014 insgesamt 284 Krankenhäuser zum Bedarf akademisierter Pflegekräfte befragt. Insgesamt bejahten grundlegend ca. 57 % der befragten Einrichtungen den Bedarf an akademisch ausgebildeten Pflegekräf- ten. Lediglich 11 % differenzierten dabei den Einsatz der Pflegekräfte nicht nach Funktions- oder Tätigkeitsbereichen, sondern benannten den Bedarf als kranken-hausweit. Deutlich mehr Befragte, nämlich 27 % der Kliniken, grenzten ihre Antwort ein, indem sie nur für ausgewählte Funktions-/Tätigkeitsbereiche einen Bedarf anga- ben. (Vgl. Abb. 1). Von diesen 27 % wurden die Funktions- und Tätigkeitsbereiche weiter differenziert. Demnach wurden die akademischen Pflegekräfte in 64 % der Fälle in die Gruppe der Leitungsfunktionen eingeteilt, was demnach die Majorität darstellt. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass nicht speziell nach dual ausgebilde- ten Bachelorabsolventen oder grundständig ausgebildeten Bachelorabsolventen un- terschieden wurde. Hier wurden nachträglich qualifizierte Pflegekräfte mit Studien- fachrichtungen, wie bspw. Personalmanagement oder Pflegemanagement, ebenso einbezogen wie grundständig hochschulqualifizierte Pflegekräfte. Die Tatsache, dass die Akademisierung der Lehr- und Führungskräfte in der Pflege bereits länger prakti- ziert wird als die duale Grundausbildung der Pflegeberufe an Hochschulen, bedingt den Umstand, dass der Bedarf an akademisierten Pflegekräften in Leitungspositio- nen auch höher eingeschätzt wird. Zudem sind mehr Pflegeakademiker mit einer Management-Fachrichtung auf dem Arbeitsmarkt vorherrschend. Zu jeweils 6 % wurden Bedarfe in den Bereichen innerbetriebliche Fortbildung/Lehre, Case Ma-nagement, an Pflegeexperten und in der Projektarbeit angegeben. Lediglich 4 % der Pflegeakademiker werden im Qualitätsmanagement benötigt und 3 % zur Arztassis-tenz (Vgl. Abb. 2).
Beispiel 2: Im Rahmen der Landesberichterstattung Gesundheitsberufe Nordrhein-Westfalen 2013 wurden 1.020 Einrichtungen (ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser) zu dem Bedarf an akademi- sierten Pflegekräften befragt. Hier gaben insgesamt 56 % der Krankenhäuser einen generellen Bedarf an Pflegeakademikern an. Weiterhin wurde von den Krankenhäu- sern der Bedarf an Pflegeakademikern in vorgeschlagenen Bereichen evaluiert, wo- bei Mehrfachnennungen möglich waren. 66,4 % der Krankenhäuser gaben demnach an, dass studierte Fachkräfte für pflegerische Fachfragen benötigt werden. Für Lei- tungsaufgaben benötigen lediglich 48,8 % der Krankenhäuser akademische Verstär- kung. Im Bereich der Patientenedukation sind es 33,2 % der Kliniken und für pflege- rische Projekte 57,6 %. Weiterhin planen 32,8 % den Einsatz der neuen Pflegekräfte im Bereich der Arztassistenz und Übernahme ärztlicher Tätigkeiten. (Vgl. Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen 2014: 40f; Vgl. Abb. 5; Vgl. Abb. 6). In dieser Studie wurde ebenfalls nicht zwischen grundständig akademisch ausgebildeten und nachträglich akademisch qualifizierten Pflegekräften unterschieden. Entscheidend bei beiden Beispielstudien war also der akademische Qualifikationsgrad, nicht der Studiengangsfokus innerhalb des absol- vierten Pflegestudiums.
Prinzipiell lässt sich trotzdem festhalten, dass in verschiedenen Studien hohe Bedar- fe an akademisierten Pflegekräften geäußert werden (Vgl. Bartels, Simon, Pohlmann 2010: 552; Vgl. Abb. 1; Vgl. Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen 2015: 40), wobei die angegebenen Bedarfe von Krankenhäusern stets weitaus höher eingeschätzt werden, als die der stationä- ren Pflegeeinrichtungen oder ambulanten Pflegedienste. Wie genau deren Tätig- keitsprofil aussieht ist jedoch fraglich und nicht einheitlich definiert: „Entgegen der hohen Einigkeit unter den Experten zum zukünftigen Bedarf und Nutzen studierter Pflegekräfte, ist bezüglich der Frage zu potenziellen Einsatzfeldern kein genaues Meinungsbild feststellbar. Vielmehr scheint hier eher Unklarheit bzw. Unsicherheit zu möglichen Aufgabengebieten zu herrschen“ (Bartels, Simon, Pohlmann 2010: 552). Mögliche Wirkungsbereiche der Bachelorabsolventen wurden von den befragten Ex- perten in einem sehr breiten Spektrum angegeben: „Finanzwesen/Controlling, [...]Personal- oder Projektmanagement und Qualitätssicherung[...][,] [...]Überleitungsmanagement, Schnittstellenfunktionen zwischen Pflegeteam und Pflegedienstleitung, Fort- und Weiterbildung, Erstellung von Pflegekonzepten, Dise- ase-Management-Programme oder die häusliche und Altenpflege[...]“ (Bartels, Simon & Pohlmann 2010: 552). Diese Wirkungsbereiche scheinen sehr managementlastig zu sein, wodurch sie als patientenfern zu bewerten sind. Sie weisen dadurch auf zu- künftige Stabstellenfunktionen der Bachelorabsolventen hin. Laut Bartels, Simon & Pohlmann bilden sich jedoch zwei weitere Schwerpunkte der Tätigkeitsbereiche her- aus: „Studierte in der Rolle als Pflegeexperten (hier auch die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten) und in der Berater- und Anleiterrolle (hier vor allem Beratung von Pfle- gebedürftigen im Umgang mit der Erkrankung und in Krisensituationen sowie die Be- ratung und Anleitung von Pflegepersonal bei komplexen Problemen im Arbeitsum- feld)“ (Bartels, Simon, Pohlmann 2010: 552). Beide Tätigkeitsbereiche sind dabei als patientennah einzuschätzen und weisen auf einen Einsatz am Patientenbett hin. In einer anderen wissenschaftlichen Untersuchung beschreiben sich die Bachelorab- solventen als reflektierendes Instrument der Pflegepraxis, welches eine hohe Bera- tungskompetenz aufweist und neue wissenschaftliche Erkenntnisse in den Pflegeall- tag einbringt (Vgl. Kaltenbach-Schmökel 2014: 309). Die Fachmeinung zum Einsatz der zukünftig dual ausgebildeten akademischen Pflegekräfte ist demnach ambivalent zwischen patientennaher und patientenferner Tätigkeitsausrichtung. Ein Blick auf den Arbeitsmarkt könnte hierbei ggf. die Unklarheiten beseitigen, denn dieser bestimmt den Einsatz der neuen Berufsgruppe stark mit. Eine Analyse der Stellenangebote in pflegerischen Fachzeitschriften zeigte, dass insgesamt 46,4 % der hinzugezogenen Stellenangebote explizit oder potenziell an akademisch ausgebildete Fachkräfte ge- richtet waren (Vgl. Fleischmann 2013: 95f). Von diesem Prozentsatz bestand die Majorität der Ausschreibungen aus managementausgerichteten Stellen, wie Stations- leitungen oder Pflegedienstleitungen (Vgl. Tab. 2). Der Einsatz von dual ausgebilde- ten Pflegeakademikern in Leitungspositionen steht paradoxerweise bei der Exper- tenmeinung eher im Hintergrund. Dieses Ergebnis der Arbeitsmarktanalyse ist wiede- rum dem Sachverhalt der nachträglichen Akademisierung von Pflegekräften zuzu- schreiben, da deren Studiengänge meist einen Pädagogik- oder Leitungs- bzw. Ma- nagementfokus besitzen. Von insgesamt 1566 analysierten Ausschreibungen wurden lediglich sieben der Suche nach einem Pflegeexperten gewidmet, wovon nur sechs nach einem Pflegestudium verlangten (Vgl. Tab. 2). Im Bereich des Ablauf- und Pati- entenmanagements wurde lediglich eine einzige Ausschreibung an akademische Pflegekräfte gerichtet (Vgl. Tab. 2). Demnach ist der momentane Bedarf an dual ausgebildeten Pflegeakademikern auf dem Arbeitsmarkt erst schwach ausgebildet und somit keine Hilfe bei der Findung eines konstruktiven Lösungsansatzes der zent- ralen Fragestellung dieser Arbeit.
Wie bereits unter 4.2 beschrieben, zeichnet sich die erste Gruppe der Tätigkeitsfelder dadurch aus, dass die Pflegeakademiker hauptsächlich normale pflegerische Tätigkeitsbereiche wahrnehmen. Sie arbeiten direkt am Patienten und erfüllen originär pflegerische Aufgaben, ohne dabei herkömmlich ausgebildeten Pflegekräften hierarchisch übergestellt zu sein. Innerhalb der Erfüllung dieses Aufgabenspektrums werden die an der Hochschule zusätzlich erworbenen Kompetenzen, wie bspw. die wissenschaftliche Recherche sowie Auswertung und Interpretation der Ergebnisse (Vgl. Trewes 2014: 229), sinnvoll integriert. So werden eigene pflegerische Handlungen, Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation reflektorisch betrachtet und mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft abgeglichen. Auf diese Weise entsteht eine evidenzbasierte Pflege direkt am Patientenbett (Vgl. Kälbe 2013: 1131).
Laut Wissenschaftsrat (WR) ist diese Veränderung der Ausbildung der Gesundheits- berufe notwendig, „um für die komplexen und komplexer werdenden Aufgabenfelder in den Pflege- und Therapieberufen und der Geburtshilfe wissenschaftliche Erkennt- nisse über die Wirksamkeit einzelner Interventionen zu gewinnen und in der Versor- gungspraxis verstärkt evidenzbasiert handeln zu können“ (WR 2012: 98). Zwar ist auch das momentane Ziel, die pflegerische Patientenversorgung auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft durchzuführen (Vgl. KrPflG 2008: §3 Abs. 1), jedoch wird die Erreichung dieses Zieles durch die fehlende reflektorische Kompetenz der dreijährig ausgebildeten Pflegekräfte an Berufsfachschulen sowie durch das Vorhandensein zu vieler hierarchischer Instanzen gehemmt. Mit Hilfe von Pflegenden auf Bachelorni- veau können neue wissenschaftliche Erkenntnisse demnach schneller in die Praxis implementiert werden (Vgl. Grünewald et al. 2014: 4). Sie können die Krankenhaus- instanzen zwar nicht minimieren, jedoch werden eine evidenzbasierte Tätigkeitsaus- richtung sowie die selbstständige Integration aktueller wissenschaftlicher Kenntnisse in die eigenen Handlungen möglich, was automatisch zu einer Weiterentwicklung des hiesigen Pflegeberufes führt: „Fortschritt entsteht dann, wenn Pflegende ihr Handeln unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden reflektieren, d.h. erforschen“ (Hack- mann & Möller 2013: 66). Somit bildet sich in Deutschland die Basis für eine evi- denzbasierte und qualitativ hochwertige Pflege, wie sie in anderen Staaten in For- men von Evidence Based Nursing (EBN) oder Advanced Nursing Practice (ANP) längst als Standard gilt.
Der Einsatz akademischer Pflegekräfte in klientennahen pflegerischen Settings um- fasst ebenso die Assistenz bei sowie die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten im Zuge von Delegationen: „Die berufliche Zusammenarbeit im Gesundheitswesen war in den letzten Jahren auch von einem Trend zu vermehrter Delegation geprägt“ (WR 2012: 44). Darunter fallen viele Tätigkeiten, die umfangreiches Hintergrundwissen zu Komplikationen, Abläufen und Indikationen sowie Kontraindikationen erfordern. Vom gemeinsamen Bundesausschuss (GB) wurde bspw. 2011 eine Richtlinie erlassen, die im Zuge der Umstrukturierung von ärztlichen Tätigkeiten dementsprechend aus- gebildetem Pflegepersonal 31 Tätigkeiten überschrieb, welche bislang unter ärztli- cher Obhut durchgeführt werden mussten. Hier werden bspw. Tätigkeiten, wie die Versorgung und der Wechsel eines suprapubischen Blasenkatheters, Blutentnah- men, Aspekte der Infusionstherapie und intravenöse Injektionen, Stomaversorgung sowie die Anlage und Versorgung von nasogastralen Sonden, peripheren Venenver- weilkanülen und transurethralen Blasenkathetern genannt (Vgl. GB 2011: 27-32). Ebenso zählen Verbandswechsel, intramuskuläre sowie subcutane Injektionen (Vgl. Blum, Offermanns, Perner 2007: 36f), Medikamentenanamnesen, die Applikation von Zytostatika und sonstigen Medikamenten jedweder Applikationsform, die selbststän- dige Kontrolle und Intervention bei Schmerztherapien oder im operativen Bereich auch Venenstripping, Nahtverschluss sowie Wundklammerungen mittlerweile zu den delegierten Standardtätigkeiten von Pflegenden in vielen Krankenhäusern (Vgl. Of- fermanns, Bergmann 2008: 30ff). Die Pflegenden können potenziell auch die Verord- nung von Medizinprodukten und Pflegehilfsmitteln, die Durchführung einer Inhalati- onstherapie, die Beratung und Anleitung der Patienten in bestimmten Aspekten der Lebensführung und Therapie sowie Aspekten des Patienten-, Überleitungs- und 24 Casemanagements prinzipiell selbstständig übernehmen (Vgl. GB 2011: 32-38).
Auch eine Reihe heilkundlicher Tätigkeiten, welche diagnosebezogen bei Diabetes, chronischen Wunden, Demenz und Hypertonie Anwendung finden, werden dabei beschrieben (Vgl. GB 2011: 6-24). Die Ausbildung studierter Pflegekräfte dient der Umgestaltung dieser Kompetenzbereiche und steigert die Effizienz der Krankenver- sorgung durch Erschließung neuer Tätigkeitsbereiche der Pflegenden (Vgl. Zündel in Reichel 2013). Die reflektiven Fähigkeiten der Bachelorabsolventen sowie die hoch- schulische Fundierung des Fachwissens helfen hierbei die delegierbaren Aufgaben- bereiche sowie neugestaltete Kompetenzbereiche aufrechtzuerhalten, qualitativ hochwertig auszuführen und ggf. sogar zu erweitern. Demnach ist in Fachkreisen vermehrt von einer neuen Kompetenz- und Aufgabenverteilung im medizinischen und pflegerischen Versorgungssektor die Rede, wodurch die Pflegenden zukünftig immer mehr neue und hochqualifizierte Tätigkeiten übernehmen müssen (Vgl. Zündel in Reichel 2013). Hierbei bietet der Gesetzgeber bereits seit 2008, durch die Ergän- zung einer Klausel im Krankenpflegegesetz (KrPflG), die Möglichkeit zur Erweiterung der Kompetenzbereiche von Gesundheitsberufen: „Zur zeitlich befristeten Erprobung von Ausbildungsangeboten, die der Weiterentwicklung der nach diesem Gesetz ge- regelten Berufe im Rahmen von Modellvorhaben nach § 63 Abs. 3c des Fünften Bu- ches Sozialgesetzbuch dienen, können über die in § 3 Abs. 1 und 2 beschriebenen Aufgaben hinausgehende erweiterte Kompetenzen zur Ausübung heilkundlicher Tä- tigkeiten vermittelt werden“ (KrPflG 2008: §4 Abs. 7). Der Wissenschaftsrat äußert sich diesbezüglich wie folgt: „Damit hat der Gesetzgeber ermöglicht, dass Pflege- fachkräfte auf der Basis einer weitergehenden Qualifizierung auch vermehrt Tätigkei- ten übernehmen können, die zwar nicht weiter normiert sind, aber prinzipiell dem Heilkundevorbehalt unterliegen“ (WR 2012: 35). Durch die Erweiterung der pflegeri- schen Zuständigkeiten können Abläufe effektiver gestaltet und somit die Versor- gungsqualität gesteigert werden. Dies bestätigt auch Grünewald: „Zudem können akademisierte Pflegefachpersonen aufgrund ihres höheren Bildungsniveaus eine größere Eigenständigkeit in der Patientenversorgung erreichen [...]. Aufgrund unter- schiedlicher theoretischer Ansätze, die im Studium vermittelt werden, steigt die Si- cherheit in der Bearbeitung von Pflegesituationen in der klinischen Versorgung, de- ren Komplexität in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist und weiter ansteigen wird“ (Grünewald et al. 2014: 4). Hier wird nochmals deutlich auf die erhöhte Kompe- tenz der Bachelorabsolventen eingegangen, mit komplexen Situationen besser um- gehen zu können, welche durch die bereits erwähnten angestiegenen Anforderungen an den Pflegeberuf am Patientenbett vorherrschen. Die akademisierten Pflegenden können demnach aufgrund ihres hochschulischen Bildungsgrades eigenständiger und sicherer arbeiten, was sich positiv auf die Versorgungsqualität auswirkt.
Aufgrund der vielen Vorteile betont der Wissenschaftsrat mehrfach die Empfehlung des Einsatzes akademisch ausgebildeter Pflegekräfte in der direkten Patientenver- sorgung (WR 2012: 8, 81-82). Dies wurde auch im Kabinettentwurf des neuen Pfle- geberufegesetzes (PflBG) berücksichtigt. Dort ist das Ausbildungsziel wie folgt for- muliert: „Die primärqualifizierende Pflegeausbildung an Hochschulen befähigt zur unmittelbaren Tätigkeit an zu pflegenden Menschen aller Altersstufen und verfolgt gegenüber der beruflichen Pflegeausbildung [...] ein erweitertes Ausbildungsziel“ (Gesetzesentwurf PflBG 2016: 26, §37 Abs. 1). Dieser geplante patientennahe Ein- satz von Pflege-Bachelors trifft ebenso auf die Befürwortung des Verbandes der Pflegedirektorinnen der Unikliniken (VPU). Bei der Beschreibung eines Modells zum Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegekräfte äußert sich die zuständige Arbeits- gruppe des VPU wie folgt: „Die Aufgaben der Bachelor-Pflegefachpersonen sollen vorrangig in der direkten Patientenversorgung verortet und mit konzeptionellen Auf- gaben ergänzt sein. [...] Die Erweiterung der Aufgaben von akademisch ausgebilde- tem Personal bezieht sich vor allem auf die Bereiche Fallsteuerung, Konzeption von pflegerischen Interventionen und Angeboten einschließlich der Patientenedukation sowie kollegiale Beratung“ (Grünewald et al. 2014: 9). Die VPU hat diesbezüglich insgesamt drei Modelle zum Einsatz der an Hochschulen dual ausgebildeten Pfle- genden entwickelt. Diese Modelle welche beziehen sich auf die mögliche Strukturie- rung des Skill- & Grademixes, unter Berücksichtigung der Kosten. Diese befassen sich jedoch nur mit den verschiedenen Formen an Einsatzfeldern der Bachelorabsol- venten. Da die Empfehlung des Wissenschaftsrates einer Akademisierungsrate von 10-20 % (Vgl. WR 2012: 8) entspricht, wird das Verhältnis von akademisch zu her- kömmlich ausgebildeten Pflegekräften bereits stark eingegrenzt. Damit soll ein aus- gewogenes Kompetenzgemisch verschiedener Mitarbeiter entstehen. Interviewte Pflegeakademiker berichten über einen Profit für die Pflegepraxis und den Patienten selbst durch einen solchen ausgewogenen Mix aus Pflegekräften verschiedener Qualifikationsniveaus direkt am Patientenbett (Vgl. Kaltenbach-Schmökel 2014: 310). In den Modellen des VPU bestimmt eben dieser Mix der verschiedenen Berufsab- schlüsse deutlich die Tätigkeitsfelder jedes Einzelnen mit, wovon auch die Bachelor- 26 zuständigkeiten nicht unbeeinträchtigt bleiben. Dabei stellt das kostenneutrale Modell (Vgl. Grünewald et al. 2014: 13f; Vgl. Tab. 3) der VPU von 2014 eine Möglichkeit dar, die Pflegeakademiker am Patienten mit pflegerischen Aufgaben zu etablieren (Vgl. Grünewald et al. 2014: 13f). In diesem Modell werden detailliert Maßnahmen be- schrieben, welche von den Bachelorabsolventen durchgeführt werden sollen. So werden hier bspw. Fallanalysen, Fallsteuerung, Auswahl der Assessmentinstrumen- te, Einführung und Anpassung von Standards, deren Evaluation und Umsetzung so- wie Konzeptentwicklungen im Aufgabenspektrum der Bachelor angesiedelt (Vgl. Grünewald et al. 2014: 11). Es wird allerdings auch deutlich darauf hingewiesen, dass dies alles zusätzliche Aufgaben sind und die eigentliche Patientenversorgung mit Aufgabenspektren der bisherigen Gesundheits-und Krankenpfleger/-innen mit einschließt (Vgl. Grünewald et al. 2014: 5ff). Die Robert Bosch Stiftung stellte bereits im Jahr 2000 ein Ausbildungsmodell für Pflegeberufe vor, in welchem grundständig akademisierte Pflegekräfte berücksichtigt wurden (Robert Bosch Stiftung 2000: 52ff). Ihr Tätigkeitsumfang, welcher damals noch wesentlich allgemeiner formuliert wurde, ist wie folgt beschrieben: „Pflegefachpersonen II mit einem an einer Hochschule oder Berufsakademie erworbenen akademischen Abschluß sollen, wie die im Sekundar- bereich II ausgebildeten Pflegefachkräfte, für die genannten beruflichen Tätigkeiten ausgebildet und mit gleichen pflegerischen Aufgaben betraut werden. Zudem sollen sie verstärkt auf die Übernahme von Aufgaben im organisations- und gesellschafts- bezogenen Aufgabenfeld vorbereitet sowie zur Durchführung kleinerer Forschungs- projekte oder Teile von Forschungsprojekten befähigt werden“ (Robert Bosch Stif- tung 2000: 53). In beiden Aufgabenbeschreibungen sind erweiterte Tätigkeiten im patientennahen Sektor thematisiert. Dieses Reservoir an möglichen Tätigkeitsspek- tren der patientennahen Versorgung hat auch der Wissenschaftsrat erkannt: „Es geht uns vielmehr um die Qualifikation am Bett. Da ist noch eine Menge Potenzial vorhan- den, das bei uns einfach nicht ausgeschöpft wird“ (Heinze in Gerst & Hibbeler 2012: 2459). In der Abbildung des Pflegekernprozesses der VPU (Vgl. Abb. 3) ist die Ver- ankerung akademischer Pflegekräfte in der klientennahen Tätigkeitsausrichtung deutlich zu erkennen, was dazu dient, eben diese genannten Potenziale zu nutzen. Dort werden für Arbeiten, die direkt mit und am Patienten verübt werden sollen, Pfle- gende mit der Qualitätsniveauspanne, gemäß des Deutschen Qualitätsrahmens (DQR), von drei bis sieben angegeben (Vgl. Abb. 3), wobei Stufe sechs dem Ba- chelorniveau und Stufe sieben dem Masterniveau entspricht (Vgl. DQR 2015: 2). In der aktuellen Liste der zugeordneten Qualifikationen des DQR ist unter Niveau sechs jedoch kein Beruf des Pflegesektors angegeben. Die Angaben zu Kompetenzen, welche das Niveau sechs beinhalten, sind sowohl auf patientennahe Tätigkeiten als auch auf übergeordnete Tätigkeiten oder sogar Leitungspositionen zutreffend. Demnach wird das Bachelorniveau wie folgt beschrieben: „Über Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben- und Problemstellungen sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen in Teilbereichen eines wissenschaftlichen Faches oder in einem beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen. Die Anforderungsstruktur ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet“ (DQR 2011: 7). Aus dieser Beschreibung allein lassen sich demnach keine eindeutigen Rückschlüsse auf mögliche Einsatzfelder der neuen Bachelorabsolventen ziehen, da sie auf mehrere Arbeitssettings der Hierarchieebenen zutreffend sind. Somit sind die Merkmale der Bachelorabsolventen auch auf die Arbeit am Patientenbett, im Sinne des VPU, übertragbar. Dies spiegelt sich auch in der bereits erwähnten VPU-Tätigkeitsübersicht der Bachelor wieder (Vgl. Grünewald 2014: 11).
Ein Blick auf die Ausbildungsinhalte zeigt, in welchen Feldern die zukünftig akademisch ausgebildeten Pflegenden eingesetzt werden können. So erhalten die dual studierten Pflegekräfte in der Regel nach 3 Jahren (6 Semestern) die Erlaubnis zum Tragen der Berufsbezeichnung Gesundheits- und Krankenpfleger/-in. Ergo müssen bis dato die Ausbildungsinhalte mindestens denen der konventionell dreijährig ausgebildeten Pflegekräfte entsprechen. Auch die praktischen Einsätze während des Studiums sind denen der herkömmlichen Ausbildung gleich (Vgl. Darmann-Finck 2012: 29). Im siebenten und achten Semester wird den Studenten nach dem Berufsabschluss das wissenschaftliche Arbeiten beigebracht und eine Abschlussarbeit erstellt. In der gesamten Studienzeit sind folglich alle Kenntnisse auf die Arbeit am Patienten ausgelegt. Kompetenzen im Bereich des Managements werden demnach nicht vermittelt, was einem Einsatz der Akademiker in Führungspositionen widerspricht. Das Fazit einer Studie, welche auf der Basis von Interviews mit dual ausgebildeten Pflege-Bachelors gestaltet wurde, lautet: „Die befragten Studenten sehen neben dem Erwerb der kognitiven Kompetenz und dem Umgang mit wissenschaftlichen Methoden vor allem auch den Erwerb von kommunikativen Fähigkeiten als besonderen Kompetenzerwerb des Studiums an.
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena (Fachbereich Gesundheit und Pflege)
Andre Günther (Autor)
V365273
9783668446564
9783668446571
Pflegebachelor Pflegeakademisierung Qualitätssteigerung Effizienzsteigerung Fachkräftemangel
Andre Günther (Autor), 2016, Einsatzmöglichkeiten für Bachelorabsolventen eines grundständigen Pflegestudienganges mit integriertem Berufsabschluss für Gesundheits- und Krankenpflege in der Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365273
Notfallmedizinische Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpfleg...
Didaktische Konsequenzen aus dem Deutungsmusteransatz für die Ausbi...
Die Pflegetheorien von Virg...
Qualitätssteigerung durch eine patientenbezogene Krankenhausorganis...
Zusammenfassung, 25 Seiten

References: §4
 §4
 §4
 §3
 § 63
 § 3
 §4
 §37