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Timestamp: 2020-07-08 10:29:17+00:00

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| Vermögensanlage - Die Auswirkungen des Wegfalls der sofortigen Verlustverrechnung
Nach dem neuen § 15b EStG sind negative Einkünfte unter bestimmten Bedingungen nur noch mit späteren Gewinnen derselben Einkunftsquelle verrechenbar. Diese Beschränkung gilt für Verluste aus Steuerstundungsmodellen,
denen ein Anleger nach dem 10.11.2005 beitritt oder
für die ab dem 11.11.2005 mit dem Außenvertrieb begonnen wurde.
Betroffen sind in erster Linie Medien-, Leasing-, Wertpapierhandels- und Energiefonds sowie fremdfinanzierte Rentenversicherungsmodelle. Eine Reihe von Anbietern hatten den Vertrieb ihrer Modelle am 11.11.2005 gestoppt, andere die Renditeberechnungen auf die neue Gesetzeslage angepasst. Da die Anleger die ihnen zugewiesenen Verluste nur noch mit späteren Gewinnen aus der gleichen Einkunftsquelle, nicht aber mit anderen Einkünften verrechnen können, fällt der sofortige Steuerspareffekt weg. Ob und in welcher Höhe die Verluste anschließend genutzt werden können, hängt nun vom wirtschaftlichen Erfolg der einzelnen Fonds ab. Bis dahin werden die Verluste konserviert.
Beispiel: Ein Anleger mit einer Steuerprogression von 35 v.H. beteiligt sich Anfang 2006 mit 20.000 EUR an einem Solarenergiefonds. Der weist ihm zuerst Verluste und anschließend Gewinne zu.
Fondseinkünfte
Steuerauswirkung
Ergebnis: Die Steuerentlastung wird nicht gestrichen, sondern nur so lange gestundet, bis entsprechende positive Erträge anfallen. Die anfänglichen Verluste werden eingefroren, dafür kommt es in den ersten Jahren mit positiven Einkünften zu keiner Steuerbelastung. Drei Sonderaspekte sind auf Grund des § 15b EStG zu beachten:
1.Der Vorzieheffekt der Steuerentlastung entfällt. Das macht sich besonders negativ bemerkbar, wenn Anleger in der Zeichnungsphase eine höhere Progression als in den Folgejahren haben.
2.Macht der Fonds während der Laufzeit keine ausreichenden Gewinne, verpufft ein Teil der negativen Einkünfte ergebnislos.
3.Ist der Fonds rentabel, kann sich § 15b EStG positiv auswirken, wenn die persönlichen Steuersätze des Anlegers während der Laufzeit ansteigen. Dann müssen die Gewinne im Vergleich zur früheren Regelung zumindest teilweise nicht versteuert werden.
Die Auswirkungen auf die einzelnen Anlagemodelle
Besonders Medien- und Wertpapierhandelsfonds sind von § 15b EStG betroffen. Aber auch andere Modelle müssen ihre wirtschaftlichen Grundlagen zumindest umstellen. Nachfolgend ein kurzer Überblick zu den einzelnen Angebotsarten:
Geschlossene Fonds mit Sitz im Ausland sind nicht betroffen, da die Einkünfte hierzulande nur über den Progressionsvorbehalt erfasst werden.
Film- und Videogamefonds haben in der Vergangenheit oft per Saldo keine positiven Renditen erzielt und Anlegern nur hohe Verlustzuweisungen beschert. Da die schnelle Verrechnung nun nicht mehr möglich ist, wird sich das Angebot auf Grund mangelnder Nachfrage deutlich reduzieren. Allerdings hat die Bundesregierung in Aussicht gestellt, deutsche Filmproduktionen steuerlich zu fördern.
Wertpapierhandelsfonds sind seit dem 11.11.2005 faktisch vom Markt verschwunden. Da die Verluste aus dem Ankauf von Anleihen nun erst im letzten Jahr mit den Gewinnen aus der Veräußerung verrechenbar sind, machen diese Modelle keinen Sinn mehr.
Fonds, die Erträge aus Solarenergie, Windkraft oder Biogas erzielen, weisen derzeit noch Anfangsverluste von bis zu 80 v.H. auf. Sofern anschließend zügig positive Einkünfte erwirtschaftet werden, stellt die kurze temporäre Steuerstundung nur ein minimales Hindernis dar. Rentable Energiefonds werden daher weiter ihre Anhänger finden.
Leasingfonds erzielen in der Investitionsphase Verluste durch Finanzierungskosten und hohe Abschreibungen auf die Anlagegüter. Läuft das Geschäft rentabel, sind die konservierten negativen Einkünfte schnell verrechnet.
Immobilienfonds haben zuletzt kaum noch Anfangsverluste über 30 v.H. erwirtschaftet und sind zügig in den Bereich der positiven Einkünfte gewechselt. Daher kommt es hier lediglich zu einer minimalen zeitlichen Verschiebung beim Ansatz der Verluste in den ersten Jahren. Allerdings entfällt der sofortige steuerliche Entlastungseffekt, wenn die Beteiligung fremdfinanziert wird.
Schiffs-Fonds weisen wegen der Tonnagesteuer gemäß § 5a EStG überhaupt keine Verluste aus. Sie sind von der Neuregelung nicht betroffen.
Private Equity und Venture Capital Fonds sind von § 15a EStG ausgenommen, sofern sie vermögensverwaltend tätig sind. Denn die Begrenzung des § 15b EStG wirkt nicht bei Kapitaleinnahmen.
Lebensversicherungsfonds sind nur betroffen, wenn sie gewerbliche Einkünfte erzielen. Hier kommt es aber schnell zu Gewinnen, so dass die Anfangsverluste problemlos verrechenbar sind. Ist der Fonds vermögensverwaltend tätig, sind die Einkünfte aus Kapitalvermögen nicht betroffen.
Die fremdfinanzierte Kombirente funktioniert nur noch unter geänderten Kalkulationsbedingungen. Da die Schuldzinsen nicht mehr sofort abzugsfähig sind, kann über die entfallende Steuererstattung kein Vermögensaufbau mehr erfolgen. Der ist aber notwendig, um später den Kredit zu tilgen.
Die Besonderheiten des § 15b EStG
Die Neuregelung zielt vorrangig auf geschlossene Fonds in der Rechtsform einer Personen- nicht hingegen einer Kapitalgesellschaft. Auch die Verluste des Sonderbetriebsvermögens wie etwa private Finanzierungskosten sind von der Verlustabzugsbeschränkung betroffen. Bei mehrstöckigen Personengesellschaften und Dachfonds wirkt §15b EStG bereits auf der untersten Ebene, so dass die negativen Einkünfte nicht weiter gereicht werden.
Die Verlustverrechnungsbeschränkung gilt neben Verlusten aus Gewerbebetrieb auch bei anderen Einkunftsarten wie bei Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft, aus selbstständiger Arbeit, bei Einnahmen des typisch stillen Gesellschafters sowie bei den Renten. Nicht erfasst werden hingegen Einkünfte aus Kapitalvermögen, so dass die vorab gezahlten Zinsen bei fremdfinanzierten Wertpapieren abzugsfähig bleiben. Da gleichzeitig § 2b EStG wegfällt, haben Anleger diese Vorschrift ebenfalls nicht zu beachten.
Nach §15b Abs. 2 EStG liegt ein Steuerstundungsmodell vor, wenn auf Grund einer modellhaften Gestaltung steuerliche Vorteile in Form negativer Einkünfte erzielt werden sollen. Dies ist der Fall, wenn es auf Grund eines vorgefertigten Konzepts möglich ist, in der Anfangsphase der Investition Verluste mit übrigen Einkünften zu verrechnen. Nicht betroffen sind übliche unternehmerische Aktivitäten, die ohne die Zielrichtung auf Verlustzuweisungen basieren.
Als Anfangsphase gilt der Zeitraum, bis zu dem nach dem Konzept keine nachhaltig positiven Einkünfte erzielt werden. Dann greift die Verlustabzugsbeschränkung, sofern die prognostizierten Verluste 10 v.H. des gezeichneten oder aufzubringenden Kapitals übersteigen. Sonderbetriebsvermögen ist dabei mit einzubeziehen.
Quelle: Ausgabe 03 / 2006 | Seite 199 | ID 114146

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