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Timestamp: 2016-10-24 12:28:53+00:00

Document:
U 69/00 (19.06.2001)
Pr�sident Lustenberger, Bundesrichter Meyer und Ferrari; Gerichtsschreiber Fessler
A.________, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanw�ltin Christina Ammann, Bahnhofstrasse 12, 8610 Uster,
A.- Die 1964 geborene A.________ wurde am 3. Mai 1982 als Mofa-Lenkerin von einem auf die Fahrbahn kippenden D�ngerstreuer auf einem Traktor-Anh�nger getroffen. Dabei erlitt sie u.a. eine Schulterprellung links, eine Rissquetschwunde �ber der Nasenwurzel sowie Sch�rfungen an der Stirn. Am 7. Februar 1984 verunfallte A.________ erneut als Beifahrerin eines Personenwagens, wobei sie sich neben einer Commotio cerebri eine Kalkaneusfraktur links und eine Unterschenkelfraktur rechts zuzog. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), bei welcher sie gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert war, kam f�r die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus. Nachdem die Anstalt mit Schreiben vom 20. Dezember 1989 den (zweiten) Unfall als abgeschlossen erkl�rt hatte, ersuchte A.________ im August 1991 um eine Invalidenrente und eine Integrit�tsentsch�digung. Sie begr�ndete ihren Antrag u.a. damit, wegen des Unfalles in ihrer beruflichen Karriere behindert worden zu sein, keine k�rperlich schweren Arbeiten mehr verrichten zu k�nnen und unter starker Vergesslichkeit zu leiden. Nach orthop�dischen, neurologischen und neuropsychologischen Abkl�rungen teilte die SUVA der Versicherten mit Schreiben vom 12. Februar 1993 mit, die spezial�rztlichen Untersuchungen h�tten den Nachweis f�r einen Zusammenhang der Ged�chtnisst�rungen mit den Unf�llen vom 3. Mai 1982 und 7. Februar 1984 nicht erbracht. Sie lehne es daher ab, f�r das Ged�chtnisleiden Leistungen zu erbringen. Zuvor hatte sie am 18. Dezember 1992 die Einstellung der Leistungen f�r den am 27. Oktober 1992 gemeldeten R�ckfall (�berlastungsschmerzen am rechten Unterschenkel und dadurch bedingte Arbeitsunf�higkeit) verf�gt, was unangefochten blieb.
Am 5. Oktober 1994 stellte A.________, nunmehr anwaltlich vertreten, erneut ein Rentengesuch, dies u.a. unter Hinweis auf eine neuropsychologische Begutachtung im Rahmen der Invalidenversicherung. Mit Verf�gung vom 26. Januar 1995 verneinte die SUVA einen Anspruch auf Versicherungsleistungen f�r das Ged�chtnisleiden. Daran hielt die Anstalt nach Einholung der Stellungnahme der Abteilung Unfallmedizin mit Einspracheentscheid vom 18. Mai 1995 fest, wobei sie in Bezug auf die Unfallfolgen am rechten Bein auf die rechtskr�ftige Verf�gung vom 18. Dezember 1992 verwies.
B.- A.________ liess beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich Beschwerde einreichen und beantragen, in Aufhebung von Verf�gung und Einspracheentscheid sie ihr "eine Rente basierend auf einer Erwerbsunf�higkeit von mindestens 50 % und eine Integrit�tsentsch�digung basierend auf einer durch ein gerichtliches Gutachten festzusetzenden Integrit�tsentsch�digung zuzusprechen".
Die SUVA stellte in der Vernehmlassung den Antrag auf Abweisung des Rechtsmittels. Nach Durchf�hrung eines zweiten Schriftenwechsels zog das angerufene Gericht die Akten der Invalidenversicherung bei, wobei sie den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme gab.
Mit der Begr�ndung, die SUVA habe die Unfallkausalit�t der neuropsychologischen St�rungen zu Recht verneint, hingegen es unterlassen zu pr�fen, ob und inwieweit am rechten Unterschenkel noch Unfallfolgen vorhanden sind, hob das kantonale Sozialversicherungsgericht den Einspracheentscheid vom 18. Mai 1995 auf und wies die Sache an den Unfallversicherer zur�ck, damit er nach entsprechenden Abkl�rungen �ber den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integrit�tsentsch�digung neu verf�ge (Entscheid vom 21. Dezember 1999).
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst A.________ die im kantonalen Verfahren gestellten Rechtsbegehren erneuern.
Die SUVA verzichtet unter Hinweis auf den angefochtenen Entscheid auf eine Stellungnahme und einen bestimmten Antrag zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung hat sich nicht vernehmen lassen.
1.- Das kantonale Gericht hat mit �berzeugender Begr�ndung die Tragweite der Verf�gung vom 18. Dezember 1992 auf die Leistungspflicht der SUVA f�r den am 27. Oktober 1992 gemeldeten R�ckfall beschr�nkt und folgerichtig die Frage allf�lliger Unfallfolgen am Unterschenkel rechts in die Beurteilung miteinbezogen. Auf diesen im �brigen nicht beanstandeten Punkt ist hier nicht weiter einzugehen.
2.- Im angefochtenen Entscheid werden der Begriff des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhanges zwischen Unfall, Gesundheitsschaden und gesundheitlich bedingten Einschr�nkungen der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit als einer Voraussetzung der Leistungspflicht des Unfallversicherers, ferner die von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien zur Ad�quanzbeurteilung bei einem Sch�del-Hirntrauma (vgl. BGE 117 V 382 ff. Erw. 4a-c) zutreffend dargelegt. Richtig sind auch die Ausf�hrungen zur Bedeutung der Neuropsychologie f�r die Frage der nat�rlichen Unfallkausalit�t bei einem Schleudertrauma der HWS oder einem Sch�del-Hirntrauma (vgl. BGE 119 V 341 Erw. 2b/bb sowie RKUV 2000 Nr. U 395 S. 318 Erw. 3). Darauf wird verwiesen.
3.- Das kantonale Gericht hat eine Leistungspflicht des Unfallversicherers f�r die neuropsychologischen Defizite (u.a. starke Vergesslichkeit, St�rungen bestimmter Frontalhirnfunktionen) mangels Kausalzusammenhang mit den Unf�llen vom 3. Mai 1982 und 7. Februar 1984 verneint. Soweit sich, so die Vorinstanz, die Berichte von lic. phil. H.________ vom 26. Juni und 21. Juli 1992, des Spitals X.________ (Neuropsychologische Abteilung der Neurologischen Klinik) vom 13. Februar 1994 sowie des Spitals Y.________ (Institut f�r Nuklearmedizin) vom 18. Juli 1995 f�r die Unfallkausalit�t der erhobenen neuropsychologischen Befunde ausspr�chen, verm�chten diese nicht zu �berzeugen. So sei lic. phil. H.________ hinsichtlich der Kausalit�tsbeurteilung keineswegs sicher und die von ihm vorgeschlagenen neurologischen Abkl�rungen durch Dr. med. T.________ h�tten keinerlei Befunde ergeben. Im Gegenteil habe dieser Arzt in seinem Bericht vom 17. November 1992 im Hinblick auf eine allf�llige Kausalit�tsbeurteilung auf die lange Latenzzeit ("Umstand einer erst in den letzten Jahren langsam aufgetretenen Verminderung des Ged�chtnisses") und die (bei der Untersuchung beobachtete) Aggravationstendenz hingewiesen. Auf die Berichte von lic. phil. H.________ und des Spitals X.________ k�nne auch deshalb nicht abgestellt werden, weil sie auf der Annahme beruhten, die Beschwerdef�hrerin habe bei beiden Unf�llen eine Commotio cerebri erlitten. In den Akten zum Unfall vom 3. Mai 1982 f�nden sich jedoch keinerlei Hinweise auf ein "Gehirntrauma". Schliesslich gebe es auch keine Anhaltspunkte daf�r, dass es am 7. Februar 1984 zu einer frontalen Sch�delkontusion gekommen sei. Dass gem�ss dem Institut f�r Nuklearmedizin der massive SPECT-Befund mit dem typischen Bild einer frontalen Sch�delkontusion vereinbar sei, verm�ge daher den Nachweis eines nat�rlichen Kausalzusammenhanges zwischen diesem Unfall und der Hirnleistungsschw�che ebenfalls nicht zu erbringen. Selbst wenn im �brigen die nunmehr vorhandenen Ged�chtnisst�rungen, Kopfschmerzen und rasche Erm�dbarkeit nat�rliche Unfallfolgen darstellten, m�sste die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges verneint werden.
4.- a) Aufgrund der Akten, insbesondere der neuropsychologischen Berichte, ist im Sinne von BGE 117 V 378 Erw. 3d vom Bestehen neuropsychologisch zuverl�ssig festgestellter Funktionsausf�lle auszugehen. An dieser Beurteilung vermag der Umstand nichts zu �ndern, dass neurologisch keine Befunde erhoben werden konnten (BGE 117 V 378 f. Erw. 3d). Anderseits kann, entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen den Unf�llen vom 3. Mai 1982 und 7. Februar 1984 und den hier im Vordergrund stehenden neuropsychologischen Defiziten (im Wesentlichen verbale Lern- und Ged�chtnisschw�chen, St�rungen von Frontalhirnfunktionen, insbesondere im konzeptuellen Lernen) nicht allein aufgrund der erw�hnten fachspezifischen Unterlagen als erstellt gelten (vgl. BGE 119 V 341 Erw. 2b/bb sowie RKUV 2000 Nr. U 395 S. 318 Erw. 3). F�r die Frage der nat�rlichen Kausalit�t nicht von Bedeutung ist im �brigen der nuklearmedizinisch mit dem typischen Bild einer frontalen Sch�delkontusion vereinbare SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography)-Befund. Die SPECT-Untersuchung des Gehirns stellt nach dem gegenw�rtigen Kenntnisstand keine wissenschaftlich anerkannte Methode zur Beurteilung von Schleudertraumata, schleudertrauma�hnlichen Verletzungen und Sch�del-Hirntraumata dar, weshalb ihr ebenfalls die Geeignetheit als Beweismittel zur Beurteilung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs abgesprochen werden muss (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 320 f. Erw. 6).
b) aa) Dagegen, die Unf�lle vom 3. Mai 1982 und 7. Februar 1984 im Sinne �berwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest als Teilursache der Hirnleistungsst�rungen zu betrachten, spricht in erster Linie der Umstand, dass nach Lage der Akten die Beschwerdef�hrerin sich erstmals im September 1991, somit �ber sieben Jahre nach dem zweiten Unfall vom 7. Februar 1984, gegen�ber dem SUVA-Inspektor �ber Vergesslichkeit beklagt hatte. Es ist allerdings nicht auszuschliessen, dass solche Defizite schon vorher bestanden, sich aber insofern nicht auswirkten und demzufolge von der Versicherten auch nicht angegeben wurden, als sie w�hrend dieser Zeit von wenigen nicht ins Gewicht fallenden Ausnahmen abgesehen keiner Erwerbst�tigkeit nachgegangen war. Es kommt dazu, dass Dr. med. T.________, welcher als Einziger die Beschwerdef�hrerin neurologisch untersucht hat, in seinem Bericht vom 17. November 1992 ausdr�cklich darauf hinweist,
dass es sich gem�ss �berweisung nicht um eine Begutachtung handle, "weshalb ich mich auf meine konsiliarisch-neurologischen Feststellungen beschr�nke, ohne in die Beurteilung der Kausalit�t (...) vertieft einzugehen". Bei dieser Sachlage k�nnte der nat�rliche Kausalzusammenhang nur verneint werden, wenn die Tatsache der gem�ss Akten erst einige Jahre nach den Unf�llen geklagten und in der Folge festgestellten neuropsychologischen Defizite allein diesen Schluss zuliesse.
bb) Auf eine Abkl�rung dieser auch im Lichte der Gerichtspraxis nicht in zuverl�ssiger Weise beantwortbaren Frage kann nicht verzichtet werden. Zum einen bedeutet die Rechtsprechung, wonach die Neuropsychologie die Beurteilung der Genese nicht selbstst�ndig und abschliessend vorzunehmen vermag (BGE 119 V 341 Erw. 2b/bb, RKUV 2000 Nr. U 395 S. 318 Erw. 3), nicht, dass solchen Berichten beweism�ssig �berhaupt kein Gewicht zukommt (BGE 117 V 380 ff. Erw. 3f). Zumindest wenn, wie vorliegend, mehrere �bereinstimmend die nat�rliche Kausalit�t bejahende Aussagen neuropsychologischer Fachleute vorliegen und diese nicht als so genannte "post hoc ergo propter hoc"-Beurteilungen (BGE 119 V 341 unten, RKUV 1999 Nr. U S. 408 Erw. 3b) bezeichnet werden k�nnen, bedarf es (anderer) fachmedizinischer Unterlagen, um den Zusammenhang zu verneinen. Solche fehlen indessen, da, wie gezeigt, Dr. med. T.________ der Kausalit�tsfrage nicht vertieft nachgegangen ist.
Zum andern ist fraglich, ob hier die bei einem Sch�del-Hirntrauma sinngem�ss anwendbare Rechtsprechung zur Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhangs zum Tragen kommt, wie die Vorinstanz annimmt. Abgesehen davon, dass mit Bezug auf die Ged�chtnisst�rungen ein neuropsychologisch zuverl�ssig festgestellter Befund gegeben ist (Erw. 4a), entsprechen die geklagten Beschwerden insofern nicht dem typischen (bunten) Beschwerdebild bei Schleuderverletzungen der HWS, als die Funktionsausf�lle klar im Vordergrund stehen und ausser ebenfalls erstmals 1991 erw�hnten Kopfschmerzen keine anderen nennenswerten Beeintr�chtigungen aktenkundig sind (vgl. BGE 117 V 359 in Verbindung mit BGE 117 V 382 f. Erw. 4b und c). Im �brigen bestehen keine gewichtigen Anhaltspunkte in den Akten f�r eine allenfalls schon bald nach den beiden Unf�llen begonnene oder manifest gewordene psychische Fehlentwicklung.
c) Nach dem Gesagten bedarf es eines neurologischen Gutachtens und allenfalls weiterer fach�rztlicher Unterlagen, um die Frage der nat�rlichen Kausalit�t zuverl�ssig beurteilen zu k�nnen. Dabei erscheint es mit Blick auf den vorinstanzlichen R�ckweisungsentscheid betreffend allf�lliger Unfallfolgen am Unterschenkel rechts (Erw. 1) zweckm�ssig, auch insoweit die Sache an die SUVA zur�ckzuweisen.
Dem Prozessausgang entsprechend steht der Beschwerdef�hrerin eine Parteientsch�digung zu (Art. 159 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 135 OG).
des Kantons Z�rich vom 21. Dezember
die SUVA zur�ckgewiesen wird, damit sie im Sinne der
Erw�gungen verfahre.

References: BGE 
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 Art. 135