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Timestamp: 2019-10-14 17:49:22+00:00

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§242 Rechtslage, kein Diebstahl oder doch? - recht.de
§242 Rechtslage, kein Diebstahl oder doch?
Nikotinum64
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Beitrag von Nikotinum64 » 20.05.14, 12:16
habe eine Frage zum folgendem Szenario und dessen Rechtslage.
Folgenede Tat:
Typ X geht in einen Laden, er öffnet die Verpackung eines Spiels und fotografiert mit seinem Handy nur den Inhalt (CD, Anleitung und CD-Key) und lässt die Ware zurück am Regal.
Typ X nimmt also nix mit und steckt auch nix ein.
Der Wert der Ware/Spiels betrug 40€
Der Hausdetektiv sieht es anders und stellt es als digitalen Raub da.
Der Staatsanwalt sieht es nur als § 242 ohne weiteren Detail, und will Typ X eine Geldbuße von 300€ auferlegen.
Typ X hatte bisher keine Verbrechen bisher in seinem Leben vergangen.
Zählt es als tatsächlichen Diebstahl?
Beitrag von webelch » 20.05.14, 12:22
da hat der richter wohl nicht geglaubt, dass man lediglich fotografieren und nicht auch noch den inhalt der geöffneten verpackung stehen wollte.
oder ging es um einen fotografierten code, der zur nutzung des spiels notwendig ist? und sozusagen durch das fotografieren gestohlen wurde?
die rechtslage dürfte im urteil erläutert sein.
auch die möglichen handlungsoptionen.
Beitrag von -q- » 20.05.14, 13:36
Durch das Fotografieren des Key wäre man in der Lage, das Spiel kostenlos zu aktivieren und somit "umsonst" zu spielen. Das im Laden stehen Spiel könnte diesbezüglich nicht mehr aktiviert werden und wäre somit (fast) Wertlos. Also ist eigentlich der Key die "wirkliche Sache".
Also könnte man dieses schon als Versuch werten - was sollte man sonst mit dem Foto des Key vorhaben?
(Das ist jetzt aber rein eine Überlegung von mir!)
Beitrag von Klimaanlage » 20.05.14, 14:06
-q- hat geschrieben: Also ist eigentlich der Key die "wirkliche Sache".
Eine Sache ist ein beweglicher Gegenstand und setzt eine Körperlichkeit vorraus. (vgl. Fischer 60. Auflage; Erläuterungen zu §242 StGB Rn 3)
Eine Zahl ist keine bewegliche Sache im Sinne des §242 StGB.
M.E. scheidet ein Diebstahl hier deswegen komplett aus!
Was hier m.E. tatsächlich passiert ist war eine Vorbereitungshandlung oder möglicherweise sogar schon die tatsächliche Handlung für einen Betrug.
Beitrag von Michael A. Schaffrath » 20.05.14, 15:04
Vielleicht hätten wir auch einen §202a StGB, je nachdem, wie "gegen Zugang gesichert" die Seriennummer durch die Verpackung war.
Beitrag von Klimaanlage » 20.05.14, 16:53
Das dürfte wohl am Begriff der "Daten" ausscheiden...
§202a Abs. 2 StGB hat geschrieben: Daten im Sinne des Absatzes 1 sind nur solche, die elektronisch, magnetisch oder sonst nicht unmittelbar wahrnehmbar gespeichert sind oder übermittelt werden.
Und eine lesbare Nummer ist wohl zweifelsfrei unmittelbar wahrnehmbar.
Beitrag von Ronny1958 » 20.05.14, 17:45
In einer geschlossenen Verpackung, welche erst aufgerissen werden muß um die Daten zu lesen?
Zweifele ich mal an, da die Unmittelbarkeit nicht zutrifft.
Beitrag von Klimaanlage » 20.05.14, 18:06
Die Unmittelbarkeit bezieht sich auf eine wie auch immer geartete Kodierung und nicht auf eine Verpackung die den Blick auf die "Daten" verhindert.
Der §202a StGB ist für den Bereich des Cybercrime entwickelt worden. Es geht hier um elektronische und magnetische Daten.
Nicht im eine Zahl die völlig unverschlüsselt irgendwo aufgeschrieben ist.
Fischer 60. Auflage, zu §202a StGB Rn 4 hat geschrieben: (...) An unmittelbarer Wahrnehmbarkeit fehlt es, wenn sprachlich oder in Bildern codierte Informationen nicht ohne weiteres mit den Sinnen, sondern erst mittels Instrumenten wie(...) wahrnehmbar sind
Beitrag von Michael A. Schaffrath » 21.05.14, 14:18
Beitrag von Cuby » 21.05.14, 20:48
§202a StGB ist auch für den Diebstahl von Software entwickelt worden, von daher ist das hier
nicht ein §242 StGB sondern ein Versuch des §202a StGB und als solcher auch zu bestrafen.
Das Spiel auf dem Server sind in dem Fall die Daten.
Unbefugt ist der Zugang, weil der Kunde die Ware nicht gekauft hat.
Gesichert ist die Software auf dem Server dadurch, dass ein Key erforderlich ist.
Da das Ganze noch nicht vollendet ist, bleibt es beim Versuch.
Beitrag von fodeure » 21.05.14, 20:53
Cuby hat geschrieben: ein Versuch des §202a StGB und als solcher auch zu bestrafen
Beitrag von Dummerchen » 21.05.14, 21:18
Da hier alle munter Paragraphen werfen, mache ich mal mit:
Das StGB hat geschrieben: § 202c
Absatz 1 Nummer 1 passt doch bestens auf das Fotographieren von CD Keys, wenn wir annehmen, dass die Software auf dem Server die Daten nach 202a seien.
Beitrag von fodeure » 21.05.14, 21:56
Dummerchen hat geschrieben: wenn wir annehmen, dass die Software auf dem Server die Daten nach 202a seien.
Nur daß eine Software nun mal keine Daten sind (auch wenn @Cuby etwas anderes behauptet).
Beitrag von Cuby » 21.05.14, 23:01
Nur daß eine Software nun mal keine Daten sind
Das diese Aussage nicht durch einen Beleg untermauert wird liegt einzig daran, dass Sie schlichtweg falsch ist.
Ich lasse mal sämtliche Internetquellen als auch den Sinn und Zweck der Norm als Beleg weg und erläutere es Ihn lediglich über
Daten sind nach der gängigen Definition alle durch Zeichen oder kontinuierlichen Funktionen dargestellen Informationen, die kodiert sind
oder sich kodieren lassen. (MK/Wohlers, §263a Rn. 13 m.w.N.)
Programm ist jede durch Daten fixierte Arbeitsanweisung an den Computer.
Es folgt, dass Software aus Daten besteht. Aber ich lasse mich gerne belehren, wie Sie Software ohne Daten darstellen wollen, vielleicht arbeitet Ihr PC ja noch über Lochkarte oder Sie ritzen die Informationen in Steine.
Beitrag von Klimaanlage » 22.05.14, 08:51
Cuby hat geschrieben: §202a StGB ist auch für den Diebstahl von Software entwickelt worden, von daher ist das hier
Auch wenn man den §202a StGB von ihrer Sichtweise aus betrachtet, die ich zugegebener Maßen bei meinen Aufführungen gar nicht so gesehen habe da ich nur die Zahl als Daten betratchtet habe, die sie nunmal nicht sind, bleibt die Konsequenz doch die Gleiche: Keine Strafbarkeit nach §202a StGB. Der Versuch ist nämlich nicht strafbar.
Außerdem geht es dem Täter hier ja gar nicht primär darum an irgendwelche geheimen verschlüsselte Daten zu kommen, an die er sonst nciht kommen würde. Denn an diese Daten sind für jeden frei zugänglich, der dafür bezahlt.
Dem Täter geht es darum, den Anbieter um das Geld zu bringen, welches er durch den Verkauf des Zugangscodes bekommen würden.
Und da bleibt m.E. noch immer ein Betrug als mögliche Tat bestehen. Denn der Anbieter wird, durch die spätere Eingabe des Zugangscodes derart getäuscht, dass er davon ausgeht, dass dieser Zugangscode tatsächlich irgendwo von irgendwem rechtmäßig erworben wurden.

References: §242
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 §202

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