Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bgh/af8e44669926a93ff6cae45917dff5060d44e99d771b9843bcb19ce8bf359cef
Timestamp: 2019-08-25 22:14:58+00:00

Document:
BGH, V ZR 81/12: Leitsatzentscheidung
Urteil des BGH vom 05.07.2013, V ZR 81/12
Nachlass, Erbe, Eigentumswohnung, Grundbuch, Erbschaft, Insolvenz, Verfügung, Erbrecht, Miteigentumsanteil, Haftungsbeschränkung
V ZR 81/12 Verkündet am: 5. Juli 2013 Weschenfelder Justizhauptsekretärin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
Nach dem Erbfall fällig werdende oder durch Beschluss der Wohnungseigentümergemeinschaft begründete Wohngeldschulden sind (jedenfalls auch) Eigenverbindlichkeiten des Erben, wenn ihm das Halten der Wohnung als ein Handeln bei der
Verwaltung des Nachlasses zugerechnet werden kann.
Hiervon ist in der Regel spätestens dann auszugehen, wenn er die Erbschaft angenommen hat oder die Ausschlagungsfrist abgelaufen ist und ihm faktisch die Möglichkeit zusteht, die Wohnung zu nutzen.
BGH, Urteil vom 5. Juli 2013 - V ZR 81/12 - LG Düsseldorf
vom 15. März 2013 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Stresemann, die Richter
Dr. Czub, Dr. Roth, die Richterin Weinland und den Richter Dr. Kazele
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil der 25. Zivilkammer
des Landgerichts Düsseldorf vom 29. Februar 2012 aufgehoben.
1Die Beklagten zu 2 und 3 sowie weitere Personen sind die Erben der im
Jahr 1999 verstorbenen Erblasserin U. H. . Zum Nachlass gehört der
hälftige Miteigentumsanteil an einer Eigentumswohnung. Die Erben wurden am
3. Juli 2008 als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen. Die Beklagte zu 1
ist Erbin des Erblassers A. H. . Zu dessen Nachlass gehörte der andere
hälftige Miteigentumsanteil an der Eigentumswohnung. Ihre Eintragung in das
Grundbuch erfolgte am 28. August 2008. Am 27. Januar 2009 wurde für die
Wohnung ein Zwangsversteigerungsvermerk in das Grundbuch eingetragen.
2Die Wohnungseigentümergemeinschaft verlangt von den Beklagten die
Zahlung der Wohngeldrückstände aus den Jahresabrechnungen für die Jahre
2009 und 2010 sowie des Hausgeldes gemäß den Wirtschaftsplänen 2010 und
2011. Die Beschlussfassung über die jeweiligen Jahresabrechnungen und Wirtschaftspläne erfolgte in den Eigentümerversammlungen vom 28. August 2010
und 25. Mai 2011.
3Das Amtsgericht hat die Beklagten, die die Überschuldung des Nachlasses einwenden, durch Teilurteil zur Zahlung von 10.731,58 € nebst Zinsen unter
Beschränkung der Haftung auf den Nachlass verurteilt. Auf die Berufung der
Klägerin hat das Landgericht das Urteil dahingehend geändert, dass es den
Vorbehalt der beschränkten Erbenhaftung aufgehoben hat. Dagegen richtet
sich die Revision der Beklagten, deren Zurückweisung die Klägerin beantragt.
4Nach Ansicht des Berufungsgerichts ist kein Vorbehalt der Haftungsbeschränkung gemäß § 780 Abs. 1 ZPO auszusprechen. Bei den geltend gemachten Wohngeldforderungen, die auf einem erst nach dem Erbfall gefassten
Beschluss der Wohnungseigentümergemeinschaft beruhten, handle es sich
nicht um reine Nachlassverbindlichkeiten. Vielmehr seien sie als Eigenschulden
oder zumindest als Nachlasserbenschulden anzusehen, die keine Haftungsbeschränkung auf den Nachlass erlaubten.
der bisher getroffenen Feststellungen lässt sich nicht beurteilen, ob die Beklagten berechtigt sind, ihre Haftung auf den Nachlass zu beschränken.
61. Nach § 1967 Abs. 1 BGB haftet der Erbe für die Nachlassverbindlichkeiten grundsätzlich unbeschränkt, d.h. nicht nur mit dem Nachlass, sondern
auch mit seinem eigenen Vermögen. Er kann seine Haftung aber auf den Nachlass beschränken (§§ 1975 ff. BGB). Nach § 780 Abs. 1 ZPO kann er die Beschränkung seiner Haftung nur dann im Vollstreckungsverfahren geltend machen, wenn sie ihm im Urteil vorbehalten ist. Voraussetzung für einen Vorbehalt
ist, dass der Erbe als Prozesspartei wegen einer (reinen) Nachlassverbindlichkeit (§ 1967 BGB) in Anspruch genommen wird (MünchKomm-ZPO/
Schmidt/Brinkmann, 4. Aufl., § 780 Rn. 5; Musielak, ZPO, 10 Aufl., § 780
Rn. 3). Handelt es sich dagegen (auch) um eine Eigenverbindlichkeit des Erben, kommt ein Vorbehalt einer beschränkten Erbenhaftung nach § 780 Abs. 1
ZPO nicht in Betracht.
72. Ob es sich bei Wohngeldschulden für eine im Wege der Erbfolge erworbene Eigentumswohnung, die auf die Zeit nach dem Erbfall entfallen, um
Nachlassverbindlichkeiten oder (auch) um Eigenverbindlichkeiten des Erben
handelt, ist umstritten.
8 Das hält revisionsrechtlicher Nachprüfung nicht stand. Auf der Grundlage
a) Nach einer Auffassung stellen sie reine Nachlassverbindlichkeiten dar.
Die Beitragsverpflichtung beruhe nicht auf dem freien Entschluss des Erben,
eine Verbindlichkeit neu zu begründen, sondern auf dem Entschluss des Erblassers, Wohnungseigentum zu erwerben und Mitglied einer Wohnungseigentümergemeinschaft zu werden, und auf der auf § 1922 BGB beruhenden Eigentümerstellung des Erben (Staudinger/Bub, BGB [2005], § 28 WEG Rn. 174; im
Ergebnis auch BayObLG, NJW-RR 2000, 306 und OLG Hamburg, NJW-RR
1986, 177; letzteres behandelt Wohngeldschulden aus Billigkeitsgründen wie
reine Nachlassverbindlichkeiten). Überwiegend wird diese Ansicht allerdings
dahingehend modifiziert, dass dann, wenn der Erbe zu erkennen gebe, dass er
die Wohnung für sich behalten wolle, eine Eigenverbindlichkeit des Erben entstehe, für die er mit seinem eigenen Vermögen hafte (OLG Köln, NJW-RR
1992, 460, 461; Köhler, ZWE 2007, 186, 187; Hügel, ZWE 2006, 174, 180;
Niedenführ, NZM 2000, 641; ders. in Niedenführ/Kümmel/Vandenhouten, WEG,
10. Aufl., § 16 WEG, Rn. 166; Bub, Finanz- und Rechnungswesen, 2. Aufl.,
S. 142; wohl auch OLG Hamburg, aaO).
9b) Andere differenzieren danach, ob die Hausgeldschuld ihre Grundlage
in einem bereits vor dem Erbfall gefassten Beschluss der Wohnungseigentümer
hat oder auf einem erst danach gefassten Beschluss beruht.
10aa) Für nach dem Erbfall fällig werdende Wohngeldschulden, die auf einem vor dem Erbfall gefassten Beschluss beruhen, wird überwiegend angenommen, dass es sich um eine reine Nachlassverbindlichkeit handelt, da der
Beschluss noch unter der Mitwirkung oder zumindest Mitwirkungsmöglichkeit
des Erblassers zustande gekommen sei (Bonifacio, MDR 2006, 244; Dötsch,
ZMR 2006, 902, 906; Joachim, Die Haftung des Erben für Nachlassverbindlichkeiten, 3. Aufl., Rn. 101; offen gelassen bei Siegmann, NZM 2000, 995, 997; für
Eigenverbindlichkeit Marotzke, ZEV 2000, 151, 154).
11bb) Gründeten sich die Hausgeldschulden hingegen auf einen nach dem
Erbfall gefassten Beschluss der Wohnungseigentümergemeinschaft, seien sie
jedenfalls auch Eigenverbindlichkeiten des Erben mit der Folge, dass eine Beschränkung der Haftung auf den Nachlass nicht möglich sei. Zum Teil wird dies
damit begründet, dass die Beschlussfassung über das Hausgeld unter der Mög-
lichkeit der Beteiligung des stimmberechtigten Erben erfolge. Daher handle es
sich bei der Begründung einer solchen Hausgeldschuld um ein dem Erben zuzurechnendes Rechtsgeschäft (MünchKomm-BGB/Küpper, 5. Aufl., § 1967
Rn. 20; Becker in Bärmann, WEG, 11. Aufl., § 16 Rn. 168; Rieke/Schmid/Elzer,
WEG, 3. Aufl., § 16 Rn. 199; ders. ZMR 2012, 212; Dötsch, ZMR 2006, 902,
905; Bonifacio, MDR 2006, 244, 245; Siegmann, NZM 2000, 995, 996). Andere
verweisen darauf, dass der Erbe für Wohngeldverbindlichkeiten primär aufgrund
seiner Stellung als Wohnungseigentümer und nicht als Erbe hafte (Marotzke,
ZEV 2000, 151, 154, der allerdings ein Haftungsbeschränkungsrecht des Erben
entsprechend § 139 Abs. 4 HGB annimmt; Rebmann, Der Eintritt des Erben in
pflichtbelastete Rechtspositionen, S. 202, 248; Joachim, Die Haftung des Erben
für Nachlassverbindlichkeiten, 3. Aufl., Rn. 101).
123. Der Senat entscheidet die Streitfrage dahin, dass nach dem Erbfall fällig werdende oder durch Beschluss neu begründete Wohngeldschulden bei einer Verwaltung des Nachlasses durch den Erben im Regelfall (jedenfalls auch)
Eigenverbindlichkeiten des Erben sind und er seine Haftung daher nicht auf den
Nachlass beschränken kann (bei Testamentsvollstreckung vgl. Senat, Urteil
vom 4. November 2011 - V ZR 82/11, NJW 2012, 316, 317).
13a) Zu den Nachlassverbindlichkeiten zählen gemäß § 1967 Abs. 2 BGB
die „vom Erblasser herrührenden Schulden“, also im Zeitpunkt des Erbfalls in
der Person des Erblassers bereits begründete Verpflichtungen, sowie „die den
Erben als solchen treffenden Verbindlichkeiten“, also Schulden, die erst nach
und aus Anlass des Erbfalls entstehen. Zu Letzterem können auch Verpflichtungen gehören, die nach dem Erbfall im Rahmen der Verwaltung des Nachlasses entstehen. Das wird angenommen für Verbindlichkeiten aus Rechtshandlungen des Nachlassverwalters und des Nachlassinsolvenzverwalters
(RGZ 132, 138, 144; Joachim, Die Haftung des Erben für Nachlassverbindlich-
keiten, 3. Aufl., Rn. 116; Muscheler, Erbrecht, Rn. 3396, ebenso für den Nachlasspfleger). Für den Testamentsvollstrecker ergibt es sich ausdrücklich aus
§ 2206 BGB. Nach dessen Abs. 1 ist er im Rahmen ordnungsgemäßer Verwaltung berechtigt, Verbindlichkeiten für den Nachlass einzugehen; nach Abs. 2 ist
der Erbe zur Einwilligung in derartige Verbindlichkeiten verpflichtet, kann die
Haftung aber auf den Nachlass beschränken.
14b) Anders werden hingegen allgemein Verbindlichkeiten beurteilt, die der
Erbe selbst im Rahmen der „eigenhändigen“ Verwaltung des Nachlasses eingeht. Solche Rechtshandlungen des Erben begründen persönliche Eigenverbindlichkeiten des Erben (vgl. BGH, Urteil vom 31. Januar 1990 - IV ZR 326/88,
BGHZ 110, 176, 179; RGZ 146, 343, 346); sie können daneben zugleich Nachlassverbindlichkeiten sein, soweit sie auf ordnungsgemäßer Verwaltung des
Nachlasses beruhen (sog. Nachlasserbenschulden, vgl. Senat, BGH, Urteil vom
23. Januar 2013 - VIII ZR 68/12, NJW 2013, 933, 934 Rn. 16; Urteil vom
10. Februar 1960 - V ZR 39/58, BGHZ 32, 60, 64 f.; Muscheler, Erbrecht,
Rn. 3397). Durch ein Handeln des Erben bei der Verwaltung des Nachlasses
- sei es durch ein rechtsgeschäftliches Handeln, sei es durch eine sonstige
Verwaltungsmaßnahme (etwa durch Unterlassen einer möglichen Kündigung,
vgl. Soergel/Stein, BGB, 13. Aufl., § 1967 Rn. 2) - entsteht eine Eigenschuld
oder Nachlasserbenschuld des Erben, für die er mit seinem Vermögen und
nicht nur beschränkt auf den Nachlass haftet. Entscheidend ist stets, ob ein eigenes Verhalten des Erben Haftungsgrundlage ist. Für Verbindlichkeiten aus
der Verwaltung des Nachlasses, die ohne sein Zutun entstehen, haftet der Erbe
demgegenüber nur als Träger des Nachlasses (vgl. MünchKomm-BGB/Küpper,
5. Aufl., § 1967 Rn. 21).
15c) Diese Grundsätze gelten auch für die laufenden Kosten einer in den
Nachlass fallenden Eigentumswohnung. Bei ihnen besteht allerdings die Be-
sonderheit, dass sie in aller Regel ohne Zutun des Erben aufgrund von (Mehrheits-)Beschlüssen der Wohnungseigentümer anfallen. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass den Kosten Leistungen gegenüberstehen (z.B. Treppenhausreinigung, Aufzugswartung, Reparaturen), die der Erbe bei einem zum
Nachlass gehörenden Haus nur über den Abschluss oder die Fortführung von
Verträgen und damit unter Begründung einer Eigenschuld erhalten würde. Richtigerweise ist deshalb nicht darauf abzustellen, ob die Begründung der Hausgeldschulden auf einem Verhalten des Erben beruht, sondern ob ihm das Halten der Wohnung als ein Handeln bei der Verwaltung des Nachlasses zugerechnet werden kann. Ist dies der Fall, haftet er für die damit verbundenen Verbindlichkeiten, zu denen das laufende Hausgeld gehört, (auch) mit seinem eigenen Vermögen.
16Ein Handeln des Erben bei der Verwaltung einer in den Nachlass fallenden Eigentumswohnung liegt nicht erst dann vor, wenn er eine nach außen
wahrnehmbare Tätigkeit entfaltet, etwa indem er die Mieten einzieht, Handwerker beauftragt oder an Beschlüssen der Wohnungseigentümergemeinschaft
mitwirkt. Vielmehr ist von einem Verwaltungshandeln des Erben in der Regel
spätestens dann auszugehen, wenn er die Erbschaft angenommen hat oder die
Ausschlagungsfrist abgelaufen ist und ihm faktisch die Möglichkeit zusteht, die
Wohnung zu nutzen. Ab diesem Zeitpunkt beruht es allein auf seiner als Verwaltungsmaßnahme zu qualifizierenden Entscheidung, wie er mit der Wohnung
verfährt, ob er sie selbst nutzt, vermietet bzw. vermietet lässt, verkauft oder in
sonstiger Weise aus ihr Nutzen zieht. Auch wenn er die Wohnung leer stehen
lässt, stellt dies eine Maßnahme der Verwaltung der Wohnung durch den Erben
dar. Denn einer solchen Vorgehensweise liegt ebenfalls eine Entscheidung des
Erben zugrunde. Diese kann von vielfältigen Erwägungen getragen sein, wie
etwa der, dass im Falle eines Verkaufes für eine unvermietete Wohnung ein
höherer Erlös zu erzielen ist (vgl. Siegmann, NZM 2000, 995, 996). Nur in - von
dem Erben darzulegenden und zu beweisenden - Ausnahmefällen ist ein passives Verhalten des Erben im Hinblick auf eine zum Nachlass gehörende Eigentumswohnung nicht als Maßnahme ihrer Verwaltung zu qualifizieren. Dies ist
beispielsweise dann der Fall, wenn der Erbe aufgrund einer Belastung der
Wohnung mit einem Wohnrecht für einen Dritten keine Handlungsoptionen im
Hinblick auf die Nutzung der Wohnung hat und er zudem keine Nutzungen aus
ihr zieht und auch nicht ziehen kann (zu einer solchen Fallgestaltung vgl. AG
Düsseldorf, ZMR 2012, 583); sobald er aber an Beschlüssen der Eigentümerversammlung mitwirkt, liegt auch in diesen Konstellationen ein Verwaltungshandeln des Erben vor.
17Gegen eine Haftung des Erben für laufendes Wohngeld (auch) mit seinem eigenen Vermögen spricht nicht, dass die Wohnungseigentümergemeinschaft damit bei Unzulänglichkeit des Nachlasses besser gestellt wird als bei
Durchführung eines Nachlassverwaltungs- oder Nachlassinsolvenzverfahrens
(so aber Staudinger/Bub, BGB [2005], § 28 WEG Rn. 174). Denn eine etwaige
Besserstellung der Wohnungseigentümergemeinschaft beruht nicht auf den
Besonderheiten des Wohngelds, sondern allgemein auf der unterschiedlichen
Behandlung von Rechtshandlungen des Nachlass(insolvenz)verwalters einerseits und dem Eigenhandeln des Erben bei dürftigem Nachlass andererseits.
So etwa lassen notwendige Erhaltungsmaßnahmen an einem zum Nachlass
gehörenden Einfamilienhaus bei den amtlichen Verfahren zur Nachlasssonderung eine reine Nachlassverbindlichkeit entstehen, bei dürftigem Nachlass (also
beim Handeln des Erben) hingegen auch eine Eigenschuld des Erben. Diese
unterschiedliche Behandlung liegt darin begründet, dass bei der Eigenverwaltung der Rechtsverkehr grundsätzlich davon ausgehen kann, dass für Verbindlichkeiten das Vermögen des Erben als Vollstreckungsobjekt zur Verfügung
steht. Tritt hingegen ein Nachlass(insolvenz)verwalter auf, wird der Rechtsverkehr diese Erwartung nicht haben.
18Die Haftung des Erben für Wohngeldschulden mit seinem Eigenvermögen im Falle der Eigenverwaltung des Nachlasses ist nicht unbillig. Zu Recht
wird darauf hingewiesen, dass das Gesetz dem Erben ausreichend Möglichkeiten zur Verfügung stellt, die persönliche Haftung auszuschließen (vgl. Siegmann, NZM 2000, 995, 997). Er kann die Erbschaft binnen sechs Wochen seit
Kenntnis des Erbfalls ausschlagen (§ 1944 BGB); dieser Zeitraum reicht in der
Regel aus, um die Überschuldung des Nachlasses festzustellen. Hat er die
Überschuldung des Nachlasses nicht erkannt, kann er unter bestimmten Voraussetzungen die Annahme anfechten (vgl. BGH, Urteil vom 8. Februar, 1989 -
IVa ZR 98/87, BGHZ 106, 359, 363). Will er sich der persönlichen Haftung für
künftige Wohngeldschulden entziehen, steht es ihm frei, die Wohnung zu veräußern oder gem. § 175 ZVG die Zwangsversteigerung zu beantragen.
19Die Sache ist zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, da die oben dargestellten rechtlichen Gesichtspunkte bisher von den Parteien nicht bedacht und in den Tatsacheninstanzen nicht erörtert worden sind. Die Zurückverweisung gibt den Beklagten
Gelegenheit ergänzend vorzutragen, ob hier ein Sachverhalt vorliegt, bei dem
ausnahmsweise ein Handeln der Erben bei der Verwaltung der Wohnung zu

References: BGH 
 § 780
 § 1967
 § 780
 § 780
 § 780
 § 780
 § 1922
 § 28
 § 16
 § 1967
 § 16
 § 16
 § 139
 § 1967

§ 2206
 § 1967
 § 1967
 § 28
 § 175