Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F11-01-2012-9C_700-2011
Timestamp: 2016-10-26 13:34:02+00:00

Document:
9C_700/2011 (11.01.2012)
9C_700/2011
Der 1953 geborene A.________ meldete sich im Januar 2010 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abkl�rungen und Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens sprach ihm die IV-Stelle des Kantons Thurgau mit Verf�gung vom 18. April 2011 eine vom 1. Juli 2010 bis 31. Januar 2011 befristete halbe Invalidenrente zu.
Die Beschwerde des A.________ wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau mit Entscheid vom 17. August 2011 ab.
A.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, unter Aufhebung des Entscheids vom 17. August 2011 sei ihm ab 1. Juli 2010 eine volle (recte: ganze) Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zu erg�nzenden medizinischen Abkl�rungen und zur neuerlichen Pr�fung des Leistungsbegehrens an die Vorinstanz resp. die IV-Stelle zur�ckzuweisen.
2.1 Die Vorinstanz hat unter Verweis auf die medizinischen Unterlagen und die Auffassung des Regionalen �rztlichen Dienstes festgestellt, die Arbeitsf�higkeit des Versicherten in einer angepassten T�tigkeit sei weder aus kardiologischer noch aus rheumatologischer Sicht eingeschr�nkt. Alle involvierten �rzte h�tten die psychische Situation als bestimmend f�r die Beschwerden und die Einschr�nkung der Leistungsf�higkeit gehalten. Sodann hat das kantonale Gericht dem psychiatrischen Gutachten des Dr. med. R.________ vom 2. November 2010 Beweiskraft beigemessen und dementsprechend festgestellt, seit 20. Oktober 2010 sei der Beschwerdef�hrer in einer adaptierten T�tigkeit zu 100 % arbeitsf�hig. Gest�tzt auf den Bericht des Externen Psychiatrischen Dienstes (EPD) vom 10. Mai 2010 hat es eine seit 1. April 2009 um 50 % eingeschr�nkte Arbeitsf�higkeit festgestellt. F�r die Invalidit�tsgradbemessung hat es unter Ber�cksichtigung eines Leidensabzugs von 5 % einen Prozentvergleich durchgef�hrt und schliesslich den befristeten Rentenanspruch best�tigt.
2.3 Die vorinstanzliche Feststellung betreffend die somatischen Aspekte wird vom Beschwerdef�hrer nicht in Abrede gestellt. Was er gegen die weiteren vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen vorbringt, h�lt nicht stand. Das Gutachten des Dr. med. R.________ gen�gt den materiellen bundesrechtlichen Anforderungen an die Beweiskraft (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis): Es beruht auf eingehender Untersuchung des Beschwerdef�hrers und der Experte ber�cksichtigte die medizinischen Unterlagen, und dabei insbesondere die Berichte der Dres. med. K.________ und M.________. Anhaltspunkte f�r eine ungen�gende Beachtung der Medikation fehlen. Weiter hat der Gutachter die Arbeitsf�higkeit zu Recht mit Blick auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu somatoformen Schmerzst�rungen und �hnlichen Zust�nden (BGE 130 V 352) eingesch�tzt (vgl. Urteil 8C_426/2011 vom 29. September 2011 E. 8.5; SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 4.2), zumal keine gen�genden Gr�nde f�r eine diesbez�gliche Praxis�nderung (vgl. BGE 136 III 6 E. 3 S. 8; 135 I 79 E. 3 S. 82; 134 V 72 E. 3.3 S. 76) vorgebracht werden. Den in diesem Zusammenhang ge�usserten Vorbringen in der Beschwerde (bez�glich der von medizinischer Seite ge�usserten Kritik an der Rechtsprechung BGE 130 V 352), welche die Berechtigung normativer Anforderungen mit dem Hinweis in Frage stellen, den "Mustermenschen" gebe es nicht, der eine Patient tue "sich leichter damit", etwas "wegzustecken", ein anderer sei dazu unf�hig, kann nicht beigepflichtet werden (vgl. Urteil 9C_776/2010 vom 20. Dezember 2011). Die Rechtsprechung hat seit je das vom psychisch beeintr�chtigten Rentenbewerber Forderbare im Rahmen einer objektivierenden Betrachtungsweise festgelegt (BGE 102 V 165 mit Hinweis), woran BGE 130 V 352 nichts ge�ndert hat. Im Gutachten wird nachvollziehbar und einleuchtend dargelegt, dass neben den Schmerzen keine eigenst�ndige psychische Komorbidit�t diagnostiziert werden konnte, die somatischen Begleiterkrankungen angepasste T�tigkeiten nicht limitieren, kein sozialer R�ckzug in allen Belangen des Lebens erfolgte, ein prim�rer Krankheitsgewinn nicht ersichtlich ist und das Kriterium unbefriedigender Behandlungsergebnisse nicht zutrifft. Die durchgemachte schwere, medizinisch erfolgreiche Herzoperation, die �ngste wegen Autograft und Herzschrittmacher sowie das Alter stellen keine invalidisierenden gesundheitlichen Beeintr�chtigungen dar.
Was die Arbeitsf�higkeit vor dem 20. Oktober 2010 betrifft, hat das kantonale Gericht das Vorliegen eines rechtlich relevanten Gesundheitsschadens in Zweifel gezogen (vgl. Urteil 8C_302/2011 vom 20. September 2011 E. 2.5.2). Dennoch nahm es zu Gunsten des Versicherten einen solchen an und stellte eine um 50 % reduzierte Arbeitsf�higkeit fest. Eine geringere �rztlich attestierte Arbeitsf�higkeit ab 1. Juli 2009 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) l�sst sich einzig dem Bericht des Dr. med. M.________ (Allgemeinmediziner und Hom�opath) vom 2. Februar 2010 entnehmen; diesbez�glich ist indessen der geeigneteren fachlichen Qualifikation der �rzte des EPD, welche auch im Verlaufsbericht vom 22. September 2010 grunds�tzlich von einer Einschr�nkung um 50 % ausging, Rechnung zu tragen. Der Beschwerdef�hrer bringt denn auch nichts gegen die Berichte des EPD oder die darin enthaltenen Arbeitsf�higkeitssch�tzungen vor. Was die Berufung auf den Kardiologen Dr. med. K.________ anbelangt, hat dieser einerseits keine durch Befunde aus diesem Fachgebiet begr�ndete Arbeitsunf�higkeit attestiert; andererseits ist es nicht Sache der behandelnden �rzte, im Streitfall verbindlich zur Arbeitsunf�higkeit Stellung zu nehmen, ist deren Einsch�tzung doch der medizinischen Begutachtung vorbehalten (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353; Urteile 8C_740/2010 vom 29. September 2011 E. 6; 9C_842/2009 vom 17. November 2009 E. 2.2). Im �brigen beschr�nkt sich der Beschwerdef�hrer im Wesentlichen ohnehin darauf, die Beweise abweichend von der Vorinstanz zu w�rdigen und daraus andere Schl�sse zu ziehen, was nicht gen�gt (Urteile 9C_688/2007 vom 22. Januar 2008 E. 2.3 und 4A_28/2007 vom 30. Mai 2007 E. 1.3 [in BGE 133 III 421 nicht publiziert]).
2.4 Nach dem Gesagten sind die vorinstanzliche Beweisw�rdigung und Sachverhaltsfeststellung nicht offensichtlich unrichtig und beruhen auch nicht auf einer Rechtsverletzung. Sie bleiben daher f�r das Bundesgericht verbindlich (E. 1).
2.5 Soweit der Beschwerdef�hrer das Verhalten der IV-Stelle r�gt, ist darauf nicht einzugehen, weil nicht dieses, sondern der vorinstanzliche Entscheid Anfechtungsobjekt im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren bildet (vgl. Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG; Urteil 9C_447/2011 vom 21. Juli 2011 E. 4.1.3). Was die von der Vorinstanz angewendete Methode der Invalidit�tsbemessung (vgl. Art. 16 ATSG) resp. die Festsetzung des Valideneinkommens anbelangt, wird nicht dargelegt und ist nicht ersichtlich, inwiefern sich das Abstellen auf den fr�her erzielten Lohn auf den Rentenanspruch auswirken sollte; Weiterungen er�brigen sich daher auch diesbez�glich. Die �brigen Faktoren der Invalidit�tsbemessung und die zeitlichen Aspekte des Rentenanspruchs werden nicht angefochten. Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten zu Recht die befristete Zusprache einer halben Invalidenrente best�tigt (Art. 28 Abs. 2 IVG).
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau, der Ostschweizerischen Ausgleichskasse f�r Handel und Industrie, St. Gallen, und dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 29
 BGE 
 Art. 86
 Art. 16