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Timestamp: 2019-09-15 14:04:18+00:00

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Geschäfts- oder Firmenwert - Handelsrecht
Unsere Experten erläutern den Geschäfts- oder Firmenwert nach Handelsrecht.
Durch das BilMoG wurde der Geschäfts- oder Firmenwert (GeFi) für den Ansatz und die Bewertung im Wege der Fiktion zum Vermögensgegenstand erhoben, §§ 246 Abs. 1 Satz 4, 253 Abs. 5 Satz 2 HGB.
Es sind alle Unternehmen betroffen, die durch Unternehmenskauf einen Geschäfts- oder Firmenwert erworben haben (derivativer Firmenwert).
Dabei errechnet sich der Geschäfts- oder Firmenwert als Unterschiedsbetrag zwischen dem vereinbarten Kaufpreis und dem Wert der übernommenen Vermögensgegenstände im Zeitpunkt der Übernahme (beizulegender Wert, steuerrechtlich Teilwert) abzüglich der vorhanden Schulden.
Der vom Unternehmen selbst geschaffene Geschäfts- oder Firmenwert (originärer Firmenwert) darf weder handels- noch steuerrechtlich angesetzt werden.
Der Geschäfts- oder Firmenwert ist nach der Definition eines Vermögensgegenstandes eigentlich kein Vermögensgegenstand, da er nicht einzeln veräußerbar und bewertbar ist. Er stellt vielmehr die Summe von geschäftswertbildenden Faktoren dar, die nicht bilanziert werden: Kundenstamm, Image, Markenname, Know-how, Organisation, Patente etc.
§ 246 Abs. 1 Satz 4 HGB fingiert jedoch den erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert als Vermögensgegenstand („… gilt als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand…“) und postuliert eine Aktivierungspflicht.
Im Einzelabschluss kann ein Geschäfts- oder Firmenwert lediglich bei einem sogenannten asset deal auftreten: ein Unternehmen erwirbt die Vermögensgegenstände und Schulden eines anderen Unternehmens und nimmt diese in seine Bilanz auf.
Im Konzernabschluss hat der Geschäfts- oder Firmenwert einen anderen Ursprung. Dort ergibt er sich im Rahmen der Kapitalkonsolidierung und basiert letztlich auf einem share deal, bei dem der Konzern Anteile eines anderen Unternehmens erwirbt.
Der Geschäfts- oder Firmenwert ist im Konzernabschluss nach § 301 Abs. 3 HGB ein nach der Verrechnung i.S.d. § 301 Abs. 1 HGB (Kapitalkonsolidierung) verbleibender positiver, aktiver Unterschiedsbetrag. Ist der Unterschiedsbetrag in Ausnahmefällen negativ bzw. passiv, ist er unter dem Posten „Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung“ nach dem Eigenkapital auszuweisen. Vgl. Beitrag → Kapitalkonsolidierung.
Zum Zugangszeitpunkt ist der Geschäfts- oder Firmenwert als Differenz zwischen dem gezahlten Kaufpreis und dem übernommenen Reinvermögen anzusetzen. Dazu ist das übernommene Vermögen zu den individuellen Anschaffungskosten anzusetzen. Von diesem Betrag sind die übernommen Schulden abzuziehen (siehe dazu auch das Beispiel unter H.4).
In der Folge ist der aktivierte Firmenwert planmäßig über die individuelle betriebliche Nutzungsdauer abzuschreiben, § 253 Abs. 3 Satz 1 HGB.
Es müssen jedoch stichhaltige und sachgerechte Gründe vorgebracht werden. Eine Angleichung an die steuerlich vorgeschriebene Nutzungsdauer für Geschäfts- und Firmenwerte von 15 Jahren (§ 7 Abs. 1 Satz 3 EStG) ist als Begründung nicht ausreichend.
Ist die handelsrechtliche Nutzungsdauer hingegen länger als die steuerrechtliche Nutzungsdauer – was nur in Ausnahmefällen zutreffen wird – führt dies zu passiven latenten Steuern.
Zudem können bei einem Geschäfts- oder Firmenwert außerplanmäßige Abschreibungen nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB vorzunehmen sein, sofern entsprechende Anzeichen (der Markt bricht weg, Großkunden springen ab, die Erträge gehen stark zurück etc.) für eine dauerhafte Wertminderung vorliegen.
Wenn sich in späteren Jahren der Firmenwert wieder erholt, d.h. der Grund für die außerplanmäßige Abschreibung wegfällt, erfolgt keine Zuschreibung. Ein niedrigerer Wertansatz eines entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwertes ist beizubehalten, § 253 Abs. 5 Satz 2 HGB. Dieses Wertaufholungsverbot beruht auf der Überlegung, dass eine später eintretende Werterholung des außerplanmäßig abgeschriebenen Geschäfts- oder Firmenwertes Ergebnis der Geschäfts- oder Betriebstätigkeit bzw. der unternehmerischen Leistung des Managements des Unternehmens ist, das den vorher abgeschriebenen Geschäfts- oder Firmenwert erworben hat. Eine Wertaufholung beruht dann nicht auf einem Wegfall der Gründe für die außerplanmäßige Abschreibung zu einem späteren Zeitpunkt sondern wäre dann eine Aktivierung eines selbst geschaffenen (originären) Geschäfts- oder Firmenwertes, die verboten ist.
4 Beispiel zur Ermittlung des Firmenwerts
Ein Unternehmen erwirbt zum 1. Januar 2001 sämtliche Vermögensgegenstände und Schulden (Verbindlichkeiten und Rückstellungen) eines anderen Unternehmens im Rahmen eines asset deals zu einem Kaufpreis von 1 Mio. Euro.
Der Kaufpreis übersteigt den Wert des Eigenkapitals (das Reinvermögen) nach Aufdeckung aller stillen Reserven um 600.000 Euro. Der Kaufpreis vergütet neben dem Reinvermögen betriebliche Erfolgsfaktoren, z.B. eine treue Kundschaft und ein hoher Bekanntheitsgrad des Unternehmens.
Die Berechnung des Geschäfts- und Firmenwerts stellt sich in der Übersicht wie folgt dar:
Beizulegender Wert aller Vermögensgegenstände (inkl. stille Reserven):
Unterschiedsbetrag zwischen beizulegendem Wert und Schulden:
Für den errechneten Geschäfts- oder Firmenwert von 600.000 Euro muss noch die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ermittelt werden, über die dieser Betrag abgeschrieben wird.
Das Käuferunternehmen geht davon aus, dass aufgrund der treuen, langjährigen Kundschaft der entgeltlich erworbene Geschäfts- oder Firmenwert über zehn Jahre genutzt werden kann bzw. seine Wirkung entfaltet. Im Anhang seines Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2001 macht das Käuferunternehmen entsprechende Angaben und Begründungen zu der angesetzten Nutzungsdauer.
Ergibt in den Folgejahren eine Überprüfung der Höhe des Firmenwertes eine dauerhafte Wertminderung, ist eine außerplanmäßige Abschreibung auf den neuen Wert vorzunehmen.
Die Anhangangabe ist unabhängig von der verbleibenden Nutzungsdauer in jedem Geschäftsjahr im Anhang zu machen, bis der Geschäfts- oder Firmenwert vollständig abgeschrieben ist.
Im Jahr 2001 ist ein entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert entstanden, dessen Nutzungsdauer mit zehn Jahren angesetzt wurde. Auch im Geschäftsjahr 2008 ist die Anhangangabe zur Nutzungsdauer zu machen, obwohl die Restlaufzeit lediglich noch zwei Jahre beträgt.
Dies gilt auch für Altfälle, die aus der Zeit vor der BilMoG-Umstellung stammen.

References: § 246
 § 301
 § 301
 § 253
 § 253
 § 253