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Timestamp: 2017-02-26 03:13:52+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 5 AZR 992/06
Arbeitsgericht Dortmund, Urteil vom 15.02.2006, 9 Ca 1999/05
5 AZR 992/06 3 Sa 751/06Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm Im Na­men des Vol­kes!
Verkündet am28. No­vem­ber 2007
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 28. No­vem­ber 2007 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Heel und Zol­ler für Recht er­kannt: - 2 - 1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 13. Sep­tem­ber 2006 - 3 Sa 751/06 - wird mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass die Be­klag­te zur Zah­lung von 7,20 Eu­ro ab­zugs-frei und im Übri­gen zu Brut­to­zah­lun­gen ver­ur­teilt so­wie fest­ge­stellt wird, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger den durch die ver­späte­te Leis­tung der mit den Zah­lungs­anträgen be­gehr­ten Vergütung er­wach­sen­den Steu­er­scha­den zu er­set­zen.
Der An­stel­lungs­ver­trag enthält fol­gen­de for­mu­larmäßige Re­ge­lung: „...
- 3 - Wo­chen nach Gel­tend­ma­chung des An­spruchs, so verfällt die­ser, wenn er nicht in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach der Ab­leh­nung oder dem Frist­ab­lauf ge­richt­lich gel­tend ge­macht wird.
Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt, 1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 128.845,44 Eu­ro brut­to abzüglich er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des iHv. 16.002,00 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz nach be­stimm­ter zeit­li­cher Staf­fe­lung zu zah­len,
3. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger den Steu­er­scha­den zu er­set­zen, der durch die ver­späte­te Leis­tung der mit den Zah­lungs­anträgen be­gehr­ten Vergütung ent­steht. - 4 - Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat gel­tend ge­macht, die Ansprüche sei­en auf­grund der ein­zel­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten ver­fal­len.
I. Die Kla­ge­ansprüche sind ent­stan­den. 1. Die Be­klag­te schul­de­te die Brut­to­vergütung iHv. 5.368,56 Eu­ro/Mo­nat 12 für die Jah­re 2003 und 2004, ins­ge­samt 128.845,44 Eu­ro, abzüglich des Ar­beits­lo­sen­gel­des gemäß den §§ 611, 615 BGB. Die Vor­aus­set­zun­gen des An­spruchs, Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses und An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten, sind zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig. Der Zins­an­spruch be­ruht auf § 286 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1, § 288 Abs. 1 BGB.
2. Ent­spre­chen­des gilt für die vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen iHv. 13 957,12 Eu­ro (24 x 39,88 Eu­ro). Es han­delt sich hier­bei um Ar­beits­vergütung und da­mit nicht um ei­ne Net­to-, son­dern um ei­ne Brut­to­for­de­rung. Für die An­nah­me ei­ner Net­to­for­de­rung fehlt es an schlüssi­gem Vor­trag. Viel­mehr hat - 5 - das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­drück­lich ei­ne Brut­to­leis­tung fest­ge­stellt. Der Kläger konn­te auch Zah­lung an sich selbst ver­lan­gen, da er den Be­trag selbst auf sein Bau­spar­kon­to ge­zahlt hat. Der Zins­an­spruch be­ruht auf § 291 BGB. Zin­sen wer­den iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ge­schul­det.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis rich­tig und mit im We­sent­li­chen zu­tref­fen­der Be­gründung er­kannt, dass die Ansprüche nicht ver­fal­len sind. - 6 - a) Der Kläger hat die Ver­fall­frist in Nr. 10.1 des Ar­beits­ver­trags ge­wahrt. Die im Ok­to­ber 2002 er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge wur­de der ge­for­der­ten Schrift­form ge­recht und be­inhal­te­te die wirk­sa­me Gel­tend­ma­chung der Ansprüche aus An­nah­me­ver­zug. Die Be­klag­te muss­te er­ken­nen, dass der Kläger nicht nur den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern auch die durch die Kündi­gung be­droh­ten re­gelmäßig fällig wer­den­den Ein­zel­ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis si­chern woll­te (vgl. nur Se­nat 26. April 2006 - 5 AZR 403/05 - BA­GE 118, 60, 62 mwN zur ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts). Das be­trifft die mo­nat­lich zu zah­len­de Vergütung ein­schl. der vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen eben­so wie die jähr­li­che Bei­trags­zah­lung zur Le­bens­ver­si­che­rung des Klägers. Es be­durf­te in die­sem Zu­sam­men­hang nicht re­gelmäßiger Gel­tend­ma­chungs­ak­te je­weils nach Ein­tritt der Fällig­keit.
(2) Die Be­stim­mung stellt ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Re­ge­lung dar (§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB); denn ge­setz­lich blei­ben Ansprüche ab­ge­se­hen von ei­ner Ver­wir­kung (§ 242 BGB) er­hal­ten und sind nur im Rah­men des Verjährungs­rechts gel­tend zu ma­chen. Die Klau­sel ent­spricht auch nicht ei­ner ta­rif­li­chen Be­stim­mung oder an­de­ren Norm iSd. § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB, - 7 - die auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en un­mit­tel­bar An­wen­dung fin­den kann (vgl. Se­nat 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19, 22; 28. Sep­tem­ber 2005 - 5 AZR 52/05 - BA­GE 116, 66, 71, 72 f.).
Ei­ne sog. gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on ist im Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht vor­ge­se­hen (Se­nat 28. Sep­tem­ber 2005 - 5 AZR 52/05 - BA­GE 116, 66, 76; 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19, 27; - 8 - BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - BA­GE 110, 8, 26; BGH 17. Mai 1982 - VII ZR 316/81 - BGHZ 84, 109, 116; 25. Ju­ni 2003 - VIII ZR 344/02 - NJW 2003, 2899 f., zu II 2 der Gründe). Der Ge­setz­ge­ber hat sich mit Art. 229 § 5 EGBGB für die An­wend­bar­keit der §§ 305 ff. BGB auch auf Verträge ent­schie­den, die bei ih­rem Ab­schluss noch nicht dem An­wen­dungs­be­reich des Rechts All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen un­ter­fie­len. Durch die Über­lei­tungs­vor­schrift war den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ein zeit­li­cher Spiel­raum eröff­net, sich auf die geänder­te recht­li­che La­ge ein­zu­stel­len. Die Ver­trags­par­tei­en können nicht da­von aus­ge­hen, dass die recht­li­che Be­ur­tei­lung ein­zel­ner Ver­trags­re­ge­lun­gen während der ge­sam­ten Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses un­verändert bleibt. Ein et­wai­ges Ver­trau­en des Ver­wen­ders dar­auf, zu kur­ze und da­mit un­wirk­sam ge­wor­de­ne Aus­schluss­fris­ten würden ge­ne­rell auf das ge­ra­de noch zulässi­ge Maß verlängert, wäre nicht be­rech­tigt und nicht schützens­wert.
- 9 - 153, 157). Das ist nicht et­wa stets die Re­ge­lung, die der AGB-Kon­trol­le ge­ra­de noch ge­recht wird.
Die dar­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung sind im Streit­fall nicht erfüllt. Die Un­wirk­sam­keit der be­an­stan­de­ten Klau­sel lässt den Re­ge­lungs­plan der Par­tei­en nicht als ver­vollständi­gungs-bedürf­tig er­schei­nen. An­ders als et­wa bei der Un­wirk­sam­keit ei­nes ver­ein­bar­ten Wi­der­rufs­vor­be­halts (Se­nat 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - BA­GE 113, 140) bie­tet das Ge­setz hier ei­ne an­ge­mes­se­ne Lösung, die den ty­pi­schen In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner Rech­nung trägt. Der mit der Aus­schluss­frist ver­folg­te Zweck, Rechts­frie­den und Rechts­si­cher­heit her­zu­stel­len, wird durch die re­gelmäßige Verjährungs­frist des § 195 BGB er­reicht. Zwar hat der Ab­lauf der Aus­schluss­frist rechts­ver­nich­ten­de Wir­kung und ist von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen, während die Verjährung dem Schuld­ner ei­ne Ein­re­de gibt und da­mit nur die Durch­set­zung der recht­lich fort­be­ste­hen­den For­de­rung hin­dert. Doch so­wohl Aus­schluss- als auch Verjährungs­fris­ten be­gren­zen die Möglich­keit, das Recht durch­zu­set­zen, in­dem sie ein Tätig­wer­den des An­spruchs­in­ha­bers ver­lan­gen. Sie sind Aus­druck des vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Ziels, Rechts­frie­den her­zu­stel­len, und be­zwe­cken ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen dem Schutz des Schuld­ners vor ei­ner dro­hen­den Be­weis­not und mögli­chem Ver­lust von Re­gress­ansprüchen ge­gen Drit­te ei­ner­seits und der Not­wen­dig­keit, den Gläubi­ger vor ei­nem un­ge­recht­fer­tig­ten An­spruchs­ver­lust zu be­wah­ren, an­de­rer­seits. Aus­schluss­klau­seln stel­len an­ge­sichts der Verjährungs­re­ge­lun­gen auch kei­ne zwin­gend ge­bo­te­ne ar­beits­recht­li­che Be­son­der­heit dar. Zahl­rei­che Ar­beits­verträge kom­men oh­ne sie aus. Die Verjährungs­frist von drei Jah­ren nach § 195 BGB ist an­ge­mes­sen lang, im Fall der Un­wirk­sam­keit ei­ner Ver­fall­klau­sel dem Bedürf­nis der Par­tei­en nach Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit zu genügen (vgl. Se­nat 28. Sep­tem­ber 2005 - 5 AZR 52/05 - BA­GE 116, 66, 77; 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19, 27 f.). Das gilt un­abhängig da­von, ob es sich um ei­nen Neu- oder ei­nen Alt­ver­trag han­delt. Der Um­stand, dass die §§ 305 ff. BGB bei Ver­trags­schluss nicht berück­sich­tigt wer­den konn­ten, be­gründet kei­ne Not­wen­dig­keit ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung. - 10 -
2. Die Ansprüche sind nicht ver­wirkt. a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, es feh­le je­den­falls an dem sog. Um­stands­mo­ment ei­ner Ver­wir­kung. Der Ar­beit­ge­ber könne nicht oh­ne be­son­de­re ent­ge­gen­ste­hen­de An­halts­punk­te da­von aus­ge­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer das Be­stands­schutz­ver­fah­ren führe, um le­dig­lich „for­mal“ den Be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu er­hal­ten, oh­ne aus dem Fort­be­stand Ansprüche auf Vergütungs­zah­lung her­lei­ten zu wol­len. Sol­che An­halts­punk­te sei­en we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich.
b) Hier­ge­gen bringt die Re­vi­si­on nichts Er­heb­li­ches vor. Sie räumt viel­mehr so­gar ein, dass der Kläger die Ansprüche durch die Er­he­bung der Kündi- - 11 - gungs­schutz­kla­ge gel­tend ge­macht hat. Ei­ner wei­te­ren Gel­tend­ma­chung be­durf­te es un­ter dem Ge­sichts­punkt der Ver­wir­kung nicht. Da­mit ist schon das sog. Zeit­mo­ment nicht erfüllt. Es spielt kei­ne Rol­le, dass und aus wel­chen Gründen der Kläger die Zah­lungs­ansprüche nicht ein­ge­klagt hat. Ei­ne sog. Pro­zess­ver­wir­kung liegt nicht vor.
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References: § 286
 § 288
 § 291
 § 310
 BGH 
 Art. 229
 § 5
 § 195
 § 195