Source: http://medievalsteel.de/Seiten/Zeittafel/J1100.htm
Timestamp: 2018-11-14 07:40:55+00:00

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Zeittafel 1100 bis 1199
Aufkommen des Zahnhammers. Im höfischen Leben wird der Met vom Wein abgelöst. Der Met entwickelt sich nun zu einem Volksgetränk. Mitte des 12. Jahrhunderts wird in Spanien bereits Papier erzeugt, doch ist eine Kontinuität nicht nachweisbar. [Freilich ist das maurische Spanien damit gemeint!]
Erst im 12. und 13. Jahrhundert wird es in allen Gesellschaftsschichten üblich, Brot zu den Mahlzeiten zu essen (statt Mehlbrei).
Ende 12. Jahrhundert: Entstehung des anonymen Epos "Mainet" (oder: Karlot) in pikardischer Mundart.
Ende 12. Jahrhundert: Entstehung des anonymen französischen Epos "Aspremont" (Karlsepik mit Einflüssen aus der Artusepik).
Ende 12. Jahrhundert: Entstehung des pikardischen Epos "La Déstruction de Rome" (Die Zerstörung Roms), zugeschrieben Louis Le Roi oder Gautier von Douai (Karlsepik über die Eroberung Roms Anno 864). Ebenfalls diesen beiden Autoren zugeschrieben wird das wohl etwa gleichzeitige Epos "Fierabras" (Fierebrac), eine Fortsetzung davon.
In York wird ein Hospital errichtet.
Ca.: Blütezeit des keltischen (kymrischen) Schrifttums in Wales.
Ca.: Beginn des Kupferbergbaus in Schlesien.
Ca.: In Deutschland und Italien sind Fahnenwagen (Karraschen) üblich.
Ca.: Europa hat etwa 48 Mio. Einwohner.
Ca.: Der Mönch Frutilo von Michelsberg (im Bamberger Milieu) wertet die "Erzählung des Volkes" (vulgaris fabulatio) und den "Vortrag der Lieder" (modulatio cantilenarum) gegenüber seiner neuen kritischen Geschichtsschreibung ab. Immerhin scheint aber die Heldensage noch als Geschichtsbewußtsein im Gegensatz zur gelehrten kirchlichen Historiographie bestanden zu haben.
Ca.: Auf Gotland hört die Herstellung von Bildsteinen (bildstenar) auf. Diese Steine, von denen ca. 450 ganz oder telweise erhalten sind, wurden etwa ab dem Jahre 400 ausschließlich auf Gotland hergestellt. Es sind Fliesen aus Kalkstein oder Sandstein, die auf einer Seite mit bemalten Ritzungen versehen sind. Ihr Zweck ist unklar, sie treten oft auf oder bei Gräbern, aber auch als Wegsteine auf. Sie trugen heidnische und später christliche Darstellungen, Runeninschriften und Flechtbandornamente.
Ca.: Anlage einer Straße vom Allgäu nach Meersburg.
Der Normanne Roger II. von Hauteville (später König von Sizilien, Kalabrien und Apulien) muß eine im Vorjahr angefertigte Urkunde seiner Mutter, der Gräfin Adelasia wiederholen, "weil sie auf Papier geschrieben war". Es geht darin übrigens um die Übereignung einer Mühle, welche von einem Araber angelegt worden war, an das Kloster San Filippo. In diesem Gebiet ist die Konstruktion von Mühlen eine Domäne der Araber. Guy von Rochefort kehrt "in Ruhm und Fülle" vom Kreuzzug heim. Dies ist einer der sehr wenigen Hinweise darauf, daß Kreuzfahrer reich heimkehren - zumindest in den frühen Kreuzzügen. Die anderen Hinweise seien an dieser Stelle aufgeführt [weil die exakte Datierung gerade nicht zur Verfügung steht]: Ein Ritter namens Grimald, der auf der Heimreise an Cluny verbeikommt, wird dort confrater, macht ein Testament zugunsten der Abtei und schenkt ihr eine Unze Gold. Hadwig von Chiny, die ihren Mann Dodo von Cons-la-Grandville auf dem Kreuzzug begleitet hat, schenkt der Kirche St. Hubert-en-Ardenne einen kompletten Satz Gewänder aus kostbarem Stoff und einen Abendmahlskelch, welcher neun Unzen wiegt und mit Juwelen besetzt ist.
Ca.: Rahier, ein Spielmann am Hofe König Heinrichs I. von England gründet aus seinem angehäuften Vermögen in London das Hospital St. Bartholomäus.
"Im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1103 setzte Kaiser Heinrich zu Mainz einen Frieden ein und bekräftigte ihn eigenhändig, und die Erzbischöfe und Bischöfe bekräftigten ihn eigenhändig. Der Sohn des Königs schwur und die Großen des ganzen Reiches, Herzöge, Markgrafen, Grafen und viele andere. Herzog Welf und Herzog Berthold und Herzog Friedrich beschworen diesen Frieden bis Pfingsten und danach auf vier Jahre. Sie schworen, sage ich, Frieden den Kirchen, Geistlichen, Mönchen und Laien - Kaufleuten, Frauen (daß sie nicht mit Gewalt entführt werden sollten) und Juden. - Dies ist der Schwur: Keiner soll in jemandes Haus feindlich eindringen noch es durch Brand verwüsten. Keiner soll jemanden um Geldes willen fangen noch verwunden noch durchbohren noch töten. Und wenn einer das tut, der soll die Augen oder die Hand verlieren. Wenn einer ihn schützt, der soll die gleiche Buße erleiden. Wenn er in eine Burg flieht, soll sie drei Tage belagert und von den Schwurbrüdern zerstört werden. Wenn einer dies Gericht flieht, soll, wenn er ein Lehen hat, sein Herr es ihm nehmen; das Eigen sollen ihm seine Verwandten nehmen. Wenn einer einen Diebstahl begangen hat im Werte von 5 Schillingen oder mehr, der soll die Augen oder die Hand verlieren. Wenn er einen Diebstahl begangen hat im Werte von weniger als 5 Schillingen, der soll die Haare verlieren und mit Ruten fortgetrieben werden und das Gestohlene zurückgeben, und wenn er dreimal einen solchen Diebstahl begangen hat oder Raub zum dritten Male, soll er die Augen oder die Hand verlieren. Wenn dich auf der Straße dein Feind berennt, magst du ihm schaden, wenn du ihm schaden kannst; wenn er in jemandes Haus oder Hof flieht, soll er unverletzt bleiben. - Dieser Schwur dient den Freunden des Königs als Schild, den Feinden aber nützt er keineswegs"(Constitutiones et acta publica imperatorum et regum; MGH Const. 1, S. 125 f; ed. L. Weiland). Es werden unter Schutz gestellt: Geistliche, Frauen, reisende Kaufleute inklusive Juden, Bauern, Jäger und Fischer, auch Kirchen, Wohnhäuser, Mühlen, Ackergeräte auf dem Felde und Königsstraßen. Dieses Gesetz soll durch Landfriedensgerichte überwacht werden. Es stirbt der Mönch Frutolf von Michelsberg, dessen Chronik von der Schöpfung bis 1099 reicht. Seine Darstellung ist nüchtern und distanziert.
Älteste bekannte Eisenmühle in Cardedeu (Katalonien). Markgraf Wiprecht von Groitzsch bringt aus Franken, wo seine Mutter verheiratet ist, viele bauern mit, "die den Gau [das Land zwischen Pleiße und Mulde] nach völliger Rodung des Waldes besiedeln und künftig zu Erbrecht besitzen sollten". Dies scheint das früheste Zeugnis der deutschen Ostkolonisation zu sein. Guibert wird Abt von Nogent.
Mit hinterhältigen Tricks gelingt es dem Thronfolger Heinrich V., seinen Vater Heinrich IV. zum Thronverzicht zu bewegen (Weihnachten). Heinrich V. wird unterstützt von Bayern und Sachsen sowie einigen Adligen aus Alemannien und Ostfranken. All diese sind Reformfreunde.
Bischof und Graf von Worms errichten eine Innung (mitteldeutsche Bezeichnung für "Zunft") von 23 Fischhändlern mit Erbrecht für die Mitgliedschaft bzw. Zuwahlrecht durch den gemeinsamen Beschluß der Städter. Erzbischof Friedrich von Hamburg gibt Holländern in der Nähe von Bremen Land zum Trockenlegen. Das Kölner Patriziat (meist reiche Kaufleute) bildet eine durch mündlichen Schwur verbundene Gemeinschaft. Die Fläche von Köln ist von 120 aif 136 Hektar angewachsen. In Köln ist die Judengemeinde wieder so konstituiert, daß ihr ein besonderes Tor der Stadtbefestigung (das Judentor) zur Verteidigung überlassen wird. Das sächsische Geschlecht der Billunger stirbt aus. Der abgesetzte Heinrich IV. kann sich der Bewachung durch die Anhänger seines Sohnes entziehen und sucht Hilfe, wobei seine eigenen Anhänger besonders in Niederlothringen, Lüttich und Köln sitzen. 7. August: Heinrich IV. (56) stirbt in Lüttich, bevor es zu einer Entscheidung kommt. König wird Heinrich V. (20; bis 1125).
Bis 1113: In dieser Zeit wird der erste bekannte Ansiedlungsvertrag zwischen Erzbischof Friedrich I. von Hamburg und einer Gruppe niederländischer Siedler geschlossen, aber es wird kein genauer Ort genannt.
Bis 1124: Etwa in dieser Zeit entsteht das Rolandslied (Chanson de Roland), dessen früheste bekannte Handschrift von 1170 (Oxford) datiert. Diese fassung enthält ca. 4000 zehnsilbige Verse.
Rechtsunsicherheit um die Rechte der Kreuzfahrer: Graf Hugo II. von Le Puiset, welcher das Kreuz genommen hat, fühlt sich bedroht, weil Graf Rotrou von Mortagne (der übrigens am ersten Kreuzzug teilgenommen hat) eine Burg auf einem Gutshof Hugos hat schleifen lassen. Hugos Bischof Ivo von Chartres überstellt den Fall an ein weltliches Gericht, obwohl er einer der führenden Kirchenrechtler seiner Zeit ist. Es folgt eine Fehde und Hugo wendet sich an den Papst, welcher den Streit schlichtet. Nach Ivo konnten sich die Kleriker nicht einigen, was zu tun sei, weil "dieses Gesetz, welches die Güter der Ritter schützt, die nach jerusalem gehen, neu war. Sie wußten nicht, ob sich der Schutz nicht nur auf die Besitztümer der Kreuzfahrer oder auch auf ihre Befestigungsanlagen erstreckte."
Im Gebiet zwischen Pleiße und Mulde sind Rodungsdörfer des Hochstifts Naumburg bezeugt.
Brand in Xanten. Dabei brennt auch die ottonische Pfeilerbasilika ab. Es stirbt Anselm von Canterbury, der "Vater der Scholastik".
Gerhard aus Amalfi, der Meister der Amalfitaner erhebt diese Hospitalsgenossenschaft zu einem selbständigen Orden, den Hospitalitern, die nicht mehr den Benediktinern, sondern nur unmittelbar dem Papst unterstellt sind. Den Ordensgütern wird der Zehnte erlassen. Das Strandrecht wird vom Laterankonzil verurteilt.
Herzog Lothar von Sachsen belehnt nun Graf Adolf I. von Schauenburg mit Holstein, Wagrien und Stormarn (darunter auch Hamburg). König Heinrich V. (25) nimmt Papst Paschalis II. im Petersdom gefangen und erzwingt von ihm Investitur und Kaiserkrönung (im nächsten Jahr widerrufen). Speyer wird Reichsstadt.
Das Kölner Patriziat wird als Gemeinschaft vom Erzbischof anerkannt. Diese Genossenschaft regiert von nun an durch eine aus ihren Reihen gebildete Gruppe, die Richerzeche. Sie besitzt ein Siegel und ein Rathaus. Bei einem Streit am Königshpf wird persönliche Unfreiheit als Folge des Strandrechts (d.h. Verknechtung von Schiffbrüchigen) als unzeitgemäß betrachtet und kann nicht mehr durchgesetzt werden. [Annales Stadenses 320f.] Die Bekämpfung des Strandrechts, das ohnehin meist gegen Sachen (Schiffsladungen) angewandt wird (durch Küstenbewohner bzw. deren - auch geistliche - Territorialherren), zieht sich bis in die Neuzeit und ist praktisch nur schwer durchführbar. Bernhard von Clairvaux, ein lokaler Adliger, tritt der Uisterzienserabtei Molesme bei (mitsamt seinen Gefährten).
Papst Paschalis II. bestätigt die Bruderschaft der Johanniter (Hospitaliter) und alle Schenkungen an sie. Tracht: Schwarzer Mantel mit weißem Kreuz, im Krieg ein roter Waffenrock. Die Ordensbrüder dürfen ihren eigenen Vorsteher wählen. Verwendung von Steinkohle in Deutschland nachgewiesen. Erzbischof Friedrich von Hamburg-Bremen sichert angesiedelten Holländern urkundlich eine günstige Rechtsstellung. Sie erhalten Sumpfland an der Niederweser zugewiesen, um es trockenzulegen und zu bebauen.
Die Messen von Bar und Troyes (Champagne) existieren bereits seit längerer Zeit. Matilde von Canossa begibt sich zum schwerkranken Abt Alberico des Klosters San Benedetto di Polirone und erteilt ihm die Erlaubnis, seine Schweine in den Wäldern des Fürstentums weiden zu lassen sowie das Recht, in einigen dieser Waldgebiete Canossas Abgaben für die Weidung fremden Viehs zu erheben. Auf sein Ersuchen werden die Knechte des Klosters auch von der Pflicht befreit, Hilfe (aida) bei der Suche nach fremdem Vieh zu leisten. "Die Männer des Klosters seien nicht mehr verpflichtet, beim Einfangen der Tiere in den Wäldern zu helfen." Das bedeutet: Die Wälder dieses großen Klosters reichen (107 Jahre nach seiner Gründung) nicht mehr aus und es fehlt an Hirten. Mit dem Rückgang der Wald- und Weidewirtschaft in Italien verschwindet allmählich auch der jahrhundertealte Zusammenhalt (aida) unter den Hirten.
Planmäßige Seezeichen an Nord- und Ostseeküste. Bernhard wird erster Abt von Clairvaux (Clara vallis; Zisterzienser). In Laon bricht ein Aufstand gegen den Bischof aus. Dieser versteckt sich in einem Faß, wird jedoch entdeckt und niedergemetzelt. Dem Leichnam schneidet man den Finger mit dem Bischofsring ab. Die Mainzer erzwingen in offenem Aufruhr bei Kaiser Heinrich V. die Freilassung ihres gefangenen Erzbischofes Adalbert I. Die Grafen von Scheyern verlegen ihren Sitz nach Wittelsbach und nennen sich fürderhin die Wittelsbacher. Roger II. von Sizilien "erneuert und bestätigt (...?) eine Urkunde seines Vaters, des Großgrafen Roger, von 1090...weil sie auf Papier geschrieben war". Man kann mit dem leichten importierten Baumwollpapier aus Kairuan noch nicht sachgemäß umgehen, weil man an das robustere Pergament gewöhnt ist.
Ca.: Guibert von Nogent verfaßt seine Autobiographie.
Es stirbt der Bischof und Kirchenrechtsgelehrte Yvo von Chartres. Auf ihn geht eine bis heute akzeptierte Definition der Dispens zurück: "eine Milderung der Strenge des Gesetzes auf Zeit der Umstände oder des Nutzens halber".
Der Abt von Maursmünster (Marmoutier) im Elsaß ersetzt das Scharwerk, den kostenlosen Frondienst von drei Wochentagen, der auf karolingische Zeit zurückgeht, durch einen Geldzins, wegen der "Saumseligkeit, Nutzlosigkeit, Trägheit und Faulheit derer, die dienen."
Nach dem Tode von Gerhard von Amalfi leitet Raymond von Le Puy nun den Orden der Johanniter (Hospitaliter) und verwandelt ihn in einen Ritterorden (oder 1120). (Oder 1120): Hugo von Payns aus der Champagne gründet mit Gottfried von Saint-Omer und sieben weiteren Rittern den Orden der Templer (Fratres militiae Templi oder Pauperes commilitones Christi templique Salomonis). Sie geloben Keuschheit, Gehorsam und Armut sowie Kampf gegen die Ungläubigen. Neun Jahre lang sollen sie nur aus neun Rittern bestehen. Sie sollen sich in dieser Zeit nicht an Kämpfen beteiligt haben und sich nur im Tempelgelände zu Jerusalem aufgehalten haben.
Zu Bologna wird die erste Universität Europas gegründet.
Norbert von Xanten gründet in Prémontré den Orden der Prämonstratenser. Freiburg im Breisgau wird "gegründet" (wobei allerdings die Urkunde umstritten ist): "Kund sei allen, Zukünftigen wie Gegenwärtigen, daß ich, Konrad, in meinem Ort Freiburg einen Markt errichtet habe im Jahre 1120 nach der Geburt des Herrn. Mit den von überallher zusammengerufenen angesehenen Kaufleuten habe ich in einer besonderen Vereinbarung beschlossen, daß sie die Marktsiedlung beginnen und ausbauen sollen. Daher habe ich jedem Kaufmann in der geplanten Marktsiedlung eine Hausstätte zugewiesen, auf der er ein eigenes Haus erbauen kann, und habe verfügt, daß mir und meinen Nachfolgern von jeder Hausstätte ein Schilling öffentlicher Münze am Martinstage zu zahlen sei. Es sei daher jedermann kund, daß ich auf ihre Bitten und Wünsche hin folgende Rechte bewilligt habe, die - so schien es mir ratsam - in einer Urkunde zusammengeschrieben werden sollten, damit man sie auf lange Zeit im Gedächtnis bewahre, so daß meine Kaufleute und ihre Nachkommen mir und meinen Nachkommen gegenüber dieses Privileg für alle Zeiten behaupten können.
1. Ich verspreche Frieden und sichere Reise in meinem Machtbereich und Herrschaftsgebiet allen, die meinen Markt aufsuchen. Wenn einer von ihnen auf dieser Strecke beraubt wird, werde ich, wenn er den Räuber namhaft macht, entweder dafür sorgen, daß die Beute zurückgegeben wird, oder ich werde selbst zahlen.
2. Wenn einer meiner Bürger stirbt, soll seine Frau mit den Kindern alles besitzen und frei von allen Ansprüchen behalten, was ihr Mann hinterlassen hat.
3. Allen Marktsiedlern verleihe ich, daß sie an den Rechten meines Volkes und der Landsleute teilhaben sollen, soweit ich es vermag, daß sie insbesondere frei von aller Banngewalt die Weiden, Wasserläufe, Gehölze und Wälder nutzen können.
4. Allen Kaufleuten erlasse ich den Zoll.
5. Niemals werde ich meinen Bürgern einen neuen Vogt oder einen neuen Priester ohne ihre Wahl setzen, sondern wen sie dazu wählen, den sollen sie unter meiner Bestätigung haben.
6. Wenn sich zwischen meinen Bürgern ein Zwist oder Streit erhebt, soll er nicht nach meinem oder ihres Vorstehers Belieben entschieden werden, sondern soll gerichtlich entschieden werden, wie es Gewohnheit und Recht aller Kaufleute, besonders aber derer von Köln ist.
7. Wenn jemand durch Mangel am Lebensnotwendigen dazu gezwungen ist, darf er seinen Besitz verkaufen, wem er will. Der Käufer aber soll von der Hausstätte den festgesetzten Zins entrichten. Damit meine Bürger diesen Zusagen nicht etwa nur geringen Glauben schenken, habe ich mit zwölf meiner namhaftesten Ministerialen durch Eid auf die Reliquien der Heiligen dafür Sicherheit geleistet, daß ich und meine Nachfahren alles Vorstehende stets erfüllen werden. Damit ich aber diesen Eid nicht um irgendeiner Not willen breche, habe ich mit meiner Rechten dem freien Manne... und den Vereidigten des Marktes wegen dieser Sache ein unverbrüchliches Treugelöbnis gegeben. Amen." Es entsteht ein Markt und eine Ansiedlung von Kaufleuten und anderen Siedlern, die zusammen mit den Vorbewohnern (burgenses) einen Schwurverband bilden. Jeder Neuankömmling erhält gegen einen Jahreszins von einem Schilling ein Hausgrundstück von 50 x 100 Fuß zu Erbzinsrecht, Nutzungsrechte an der Allmende, Marktfrieden und Zollfreiheit, und nicht zuletzt: "Wer aber über Jahr und Tag in der Stadt gewohnt hat, ohne daß irgendein Herr ihn als seinen Leibeigenen gefordert hat, der genießt von da an sicher und unangefochten die Freiheit." Freiburg wird in seiner gesamten Länge von einer überall gleich breiten Handelsstraße durchschnitten. Es gibt drei Hauptmärkte. Der zähringische Stadtplan wird an anderen Orten nachgeahmt: Breisach, Worms, Dinkelsbühl, Lippstadt, Lemgo. Dies ist das älteste Privileg für eine Stadtgründung.
Beispiel für Reliquienverehrung im Kloster Rastede (bei Oldenburg): "Der erste Abt war bekanntlich Thetmarus (= Detmar). Er war ein heiliger und frommer Mann und leitete dieses Kloster viele Jahre hindurch in geistlichen und weltlichen Dingen umsichtig und ehrenhaft. Zu seiner Zeit machte ein Mönch namens Sweder, ein kluger und tugendreicher Mann, eine Wallfahrt nach dem hl. Land und kam im Jahre des Herrn 1121 am Freitag nach Christi Himmelfahrt (20. Mai) zurück. Er brachte Reliquien der Gefährten des seligen Nicasius, des Bischofs von Reims, mit, und zwar einen vollständigen Leichnam, mit großer Ehrerbietung aus der Kirche dieses Bischofs. Diese Reliquien ruhen noch heute bei uns; sie künden einige Zeit vorher durch Klopfen an, wenn einer der Grafen von Oldenburg oder einer von unseren Brüdern demnächst sterben muß. Ferner brachte er mit: Ein Stück vom Gürtel des Bischofs Nicasius. Einen Zahn der seligen Jungfrau und Märtyrerin Eutropia, einer Schwester des seligen Nicasius. Ein Stück von ihrem Schleier. Einen Knochen des seligen Abtes Benedikt. Ein Stück vom Arm dieses unseres Vaters. Ein Gebein von seiner Schwester, der heiligen Jungfrau Scholastica. Ein Stück vom Haupte des heiligen Märtyrers Jocundus, der einer von seinen Gefährten war. Reliquien der heiligen Märtyrer Crispinus und Crispinianus. Einen Knochen des heiligen Märtyrers Hippolyt. Ein Stück vom Gelenk des hl. Crispinus. Einen Splitter vom Stab des hl. Odelricus, des Bischofs von Augsburg. Reliquien des Märtyrers Vincentius, des Bischofs Remaclus, des Bischofs Hubertus, des Kölner Erzbischofs Herebert. Reliquien der hl. Jungfrau Rosa, die eine der Elftausend Jungfrauen war. Reliquien der hl. Jungfrau Odilia. Weiter ein Stück der Stola des hl. Remigius, des Bischofs von Reims, ferner von seinem Mundtuch, von dem Bahrtuch, worin sein Leichnam eingehüllt war, und von dem Altartuch, auf dem er die Messe zelebrierte. Weiter vom Arm des hl. Sinnicius, des Erzbischofs und Apostels der Remer (= Bewohner der Gegend um Reims)." [Rasteder Chronik]
Entwicklung der Gezeitenmühle.
Ca.: Das Wort "riterschaft" taucht auf und bedeutet "Kriegsleute zu Pferde".
Ca.: Theophilus Presbyter berichtet in der "Schedula diversarum artium" eingehend über Stahl.
Bis 1130: Wahrscheinlich in dieser Zeit entsteht "De institutione novitiorum", verfaßt von Hugo von St. Viktor. In dieser kleinen Schrift über die Erziehung von Klosterschülern liegt der Akzent nicht auf der geistlichen Ausbildung, sondern auf dem Zusammenhang zwischen innerer Einstellung und äußerem Auftreten. Durch Wissen (scientia) gelangt man zur Zucht (disciplina), durch Zucht zum Gutsein (bonitas) und dadurch wieder zur Seligkeit (beatitudo), aber nur die ersten beiden Teile werden behandelt. "Es gibt vornehmlich vier Bereiche, in denen disciplina bewahrt werden muß, nämlich in der Kleidung, in der Gestik, in der Sprechweise und am Tisch, das heißt beim Essen." Diese Schrift, die übrigens in 172 Handschriften überliefert ist kann zur Erhellung der sich entwickelnden höfischen Kultur beitragen, denn wesentliche Aspekte davon sind von Geistlichen formuliert worden. Ein weiterer Auszug: "Die einen breiten ihre Kleider aus, um sich noch prächtiger aufzuführen, und spannen sie noch weiter auseinander, soviel sie können. Andere ziehen ohne Grund die Falten in eins zusammen; andere umhüllen sich, indem sie die Kleidung herumschlingen; andere schnüren und schlitzen sie, soviel sie können, und enthüllen alle Formen ihres Körpers, um sie mit schamlosester Unsittlichkeit den Blicken der Betrachter darzubieten. Andere offenbaren die Leichtfertigkeit ihres Geistes durch das Bewegen ihrer Kleidung, indem sie die Gewänder unruhig hin und her schwingen. Andere fegen beim Gehen die Erde mit bauschigen Schleppen." [Sp. 936] Fast alles, was hier an der "Art des Tragens" als falsch und tadelnswert hingestellt wird, gilt an den Höfen als Kennzeichen moderner Mode: ganz enge und weit fließende Gewänder, reicher Faltenwurf, ganz kurze und überlange Gewänder, Schleppen und Schmuckärmel.
Nach 1121 wird in Münster ein neuer größerer Straßenmarkt (Prinzipalmarkt) angelegt.
Nach dem Empfang der Annobertus-Reliquien beginnt man in der Abteikirche von Notre-Dame in Morienval mit der Erneuerung der Kirche. Die Außenmauer der Apsis ist in zwei Schichten zerlegt, zwischen denen ein schmaler Zwischenraum mit neuartigem Rippengewölbe liegt. Hier wird für den Chor mit dem normannischen Rippengewölbe experimentiert. (Vorübungen zur Gotik) Wormser Konkordat: Kaiser Heinrich V. verzichtet auf das Recht der Investitur, erhält jedoch vom Papst das Recht, bei der Wahl der deutschen Bischöfe persönlich anwesend zu sein und die Übertragung der weltlichen Besitz- und Herrschaftsrechte des Bistums vor der Weihe durch ein Szepter vorzunehmen. In Burgund und Italien ist er jedoch verpflichtet, die Regalien nach vollzogener Weihe zu übertragen. Der Papst macht diese Zugeständnisse zwar Heinrich persönlich, doch haben die deutschen Könige bis zum Beginn des 13. Jhs. maßgeblichen Einfluß auf die Besetzung der Bischofsstühle im Reich (vergleichbar bei den Königen von Frankreich und England). Petrus Venerabilis läßt den Koran ins Lateinische übersetzen. Der Übersetzungskommission gehören ein Moslem, ein Jude und ein Christ an. Suger wird Abt von St.-Denis.
Nach einer Halberstädter Urkunde sind an der Kolonisation neben Franken, Sachsen und Lothringern auch Slawen beteiligt, die als Neusiedler die gleichen Rechte wie die Deutschen erhalten. Es stirbt Marbod, ein angesehener Vertreter der neuen "klassizistischen" Richtung der Dichtung. Er hat in seiner Jungend gewagte Liebesbriefdichtungen veröffentlicht und später ein "Liber lapidum" ("Buch von den Steinen") verfaßt, einen Schulklassiker in reimlosen Hexametern.
Für eine Kornmühle in Hamburg wird erstmals die Alster gestaut. In stettin werden 900 Hausvorstände gezählt, was einer Einwohnerzahl von etwa 5000 entspricht. Stettin ist derzeit die größte Stadt der heidnischen Pomoranen (Fläche etwa 60000 m², zwei Häuser auf 100 m²). Es gibt drei bis vier heidnische Tempel. Weitere Details in den Viten Bischof Ottos von Bamberg, der hier missioniert. Heinrich V. plant im Bunde mit Heinrich I. von England (seinem Schwiegervater) einen Kriegszug gegen Frankreich, insbesondere gegen Reims, aber nachdem Ludwig VI. von Frankreich reichliche Unterstützung im Lande erhält, wird das Unternehmen abgeblasen. Trotz dieser Ausnahme sind die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Reich im Mittelalter normalerweise friedlich.
Kaiser Heinrich V., der letzte Salier (39), stirbt kinderlos. Er hat zum Erben den Staufer Friedrich von Schwaben, einen Neffen engesetzt. Dieser verhält sich jedoch auf der Wahlversammlung so ungeschickt, daß Herzog Lothar von Sachsen, ein Todfeind Heinrichs V., gewählt wird - ein Welfe (Lothar III., ca 50 und ohne männliche Nachkommen). Es kommt zum Konflikt mit den Staufern, weil Reichsgut und salisches Eigengut während der Salierzeit unentwirrbar zusammengewachsen sind. Es beginnt der Kampf zwischen Welfen und Staufern (dessen Bedeutung oft überschätzt wird).
Nach 1125: Es stirbt der Chronist Ekkehard von Aura. Er hat in mehreren Schüben die Weltchronik Frutolfs von Michelsberg für die Zeit zwischen 1098/99 bis 1125 fortgeführt.
Bis 1140: Aus dieser Zeit datiert eine Urkunde, in welcher erstmals mit Sicherheit die Dreifelderwirtschaft bezeugt ist.
Es stirbt Wilhelm von Aquitanien (55), der als der erste bekannte Troubadour gilt. In Artois bohren Karthäusermönche den ersten (nach Artois benannten) artesischen Brunnen, indem sie einen Eisenstab durch Hämmern in den Boden treiben und unter einer wasserundurchlässigen Bodenschicht auf Wasser stoßen, das unter Druck steht und von selbst aus dem Bohrloch fließt.
Erste Erwähnung der Jakobsbrüder, auch Hospitaliter vom heiligen Jakob genannt. Er widmet sich dem Pilgerschutz, der Krankenpflege und dem Brückenbau. Dezember: Konrad, der Bruder Friedrichs von Schwaben, wird zum Gegenkönig erhoben (bis 1135). 12. August: König Lothar III. wird zu Würzburg von den Staufern Konrad und Friedrich belagert. Diese veranstalten vor den Toren wie zum Hohne ein Reiterspiel, welches vielleicht das erste deutsche Turnier genannt werden kann.
Nach 1127: Teile des Oderhaffs entstehen durch Überflutung.
In Würzburg werden die Rechte und stadtherrlichen Abgaben der Schuhmacher festgehalten, die ein consortium (Zunft) bilden. Großer Brand in Deutz. Das Konzil von Troyes bestätigt auf Betreiben von Bernhard von Clairvaux den Templerorden.
In Avignon wird das früheste bekannte (bürgerliche) Konsulat eingerichtet (eine Art Stadtrat).
Der Erzbischof von Trier stellt die Juden in seiner Diözese vor die Wahl, sich entweder taufen zu lassen oder auszuwandern. Als er kurz darauf stirbt, werden die Juden beschuldigt, seinen Tod verursacht zu haben, indem sie eine Wachsfigur des Bischofs "getauft" und über dem Feuer geschmolzen hätten. Es stirbt Budri von Bourgueil, einer der besten Vertreter der neuen "klassizistischen" Richtung in der Dichtung.
Ca.: In Köln werden "Schreinsbücher" geführt, eine Art Grundbuch.
Ca.: Es erscheint "Liber peregrinationis" von Aymeric Picaud, einem Kleriker aus dem Poitou. Diese Anleitung für Santjago-Pilger kann als der erste europäische Reiseführer angesehen werden.
In Beziers wird ein Konsulat (Stadtrat) eingerichtet. Die Kathedrale von Noyon brennt ab.
Der Zisterzienserorden erhält einen weiblichen Zweig. In Narbonne wird ein Konsulat (Stadtrat) eingerichtet. Die Benediktinerabtei von St.-Germer-de-Fly an der Grenze zwischen der französischen Krondomäne und der Normandie gewinnen ihre Germarus-Reliqien zurück, worauf der Pilgerstrom anschwillt. Der englische König stiftet Bauholz und bald wird eine neue Kirche errichtet, wo bereits mit neuen Formen experimentiert wird. Der Erzbischof von Ravenna erläßt dem Abt des Klosters von San Benedetto di Po den Zehnten für alle Kirchen, die dem Bischofssitz von Reggio Emilia unterstehen. Der Bischof von Reggio behält sich die kanonische Rechtsprechung und Priesterweihe sowie einen bescheidenen Geldbetrag vor. Später wird der Erlaß auf sämtliche Gebiete des Klosters ausgedehnt. Es gibt zu dieser Zeit in Norditalien, wo viel neues Land urbar gemacht worden ist, Streit um den Zehnten. Unbebautes Land ist rar und teuer zu pachten geworden, was zusammen mit den geringen Erträgen von Neuland die Nutzung stark einschränkt. Daher wird der zehnte durch Bauerngemeinschaften öfter verweigert. "Der Leichnam des heiligen Godehard wird am 4. Mai unter großen Wundern aus dem Grabe erhoben. Der König kam auf der Reise nach Rom zur Krönung friedlich nach Augsburg; daselbst entstand durch Anstiften einiger Bürger ein Streit mit den Leuten des Königs, und eine Feuersbrunst, welche in Folge des Tumultes plötzlich ausbrach, verbrannte fast die ganze Stadt und viele kamen teils durchs Schwert, teils im Feuer um. Ein Komet erschien am 2. Oktober." [Annalen von Pöhlde]
Lothar III. (ca. 58) wird von Innozenz II. zum Kaiser gekrönt. Steinerne Brücke in Würzburg. Beispiel für die Tätigkeit von Vermittlern in mittelalterlichen Konflikten: Pfalzgraf Otto von Wittelsbach schlichtet eine Fehde zwischen dem Bischof von Regensburg und dem welfischen Herzog Heinrich dem Stolzen, als sich beide Parteien bereits auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen: "Mittlerweile sieht sich der Pfalzgraf Otto, ein kluger Mann, der zu beiden Seiten Zutritt hatte, den Aufmarsch der Heere an. Er meldet jenen, daß unseres (das der Welfen) stärker sei, und setzt sie dadurch in Schrecken. Darauf bedacht, wie man in Güte den Frieden herbeiführen könne, ermahnt er zunächst den mit ihm verwandten Vogt Friedrich (von Falkenstein), sich zu ergeben. Dieser fügt sich, von allen seinen Leuten im Stich gelassen, dem Rate des Pfalzgrafen, geht in dessen Begleitung in das Lager des Herzogs, wirft sich ihm zu Füßen und wird wieder zu Gnaden angenommen. Als der Pfalzgraf dies erreicht hat, drängt er unter Vorstellungen über das den Seinigen drohende Unglück auch seinen Schwiegersohn Otto (von Wolfratshausen), sich zu ergeben und Genugtuung zu leisten. Dieser folgt seinem, ihm auch von anderen erteilten Rat, zögert nicht mit der Übergabe und liefert sich selbst mit seiner Burg in aller Unterwürfigkeit dem Herzog aus. ... So ist auch der letzte Widerstand in Bayern nach Gottes Fügung unterdrückt worden. Nicht lange danach kommt es auch zwischen Herzog und Bischof zu einer Verständigung." (Historia Welforum, Ed. Erich König, S. 40ff.) Dies ist im Mittelalter durchaus kein untypischer Fall. Solche Vermittler sind normalerweise hochrangige Personen, die zu beiden Konfliktparteien Beziehungen haben. Es soll hier stellvertretend aufgezeigt werden, daß mittelalterliche Konflikte nicht einfach in barbarischer Weise durch eskalierende Gewaltanwendung bestritten werden, sondern daß auf persönlicher und vertraulicher Ebene durchaus um eine friedliche Beilegung gerungen wird. Erst wenn solches mißlingt, kommt es zu den (einschlägig und einseitig bekannten) Formen "mittelalterlicher" Kriegsführung. (Vgl. 1001)
Es stirbt König Heinrich I. von England. "Sein Leichnam wurde nach Rouen gebracht und da begrub man seine Eingeweide, sein Gehirn und seine Augen. Der übrige Körper wurde überall mit kleinen Messern geschnitten, mit vielem Salze bestreut, in Rindshäute gehüllt und so, um den üblen Geruch zu vermeiden, eingenäht. Aber letzterer war doch so stark und überwältigend, daß er die Umstehenden krank machte. Darum starb auch der Mann, welcher, durch eine große Belohnung gewonnen, des Toten Haupt, um das stinkende Gehirn herauszunehmen, mit einem Beile gespalten hatte, obwohl er sich den Kopf mit Leintüchern umwickelt, und hatte schlechte Freude an dem Lohne. Das ist auch der letzte von vielen, die König Heinrich umgebracht hat. Darauf wurde die königliche Leiche nach Caen von den Dienstleuten getragen, und als man sie daselbst in der Kirche, in der sein Vater beerdigt war, aufgestellt hatte, so floß doch, obschon der Körper mit vielem Salze gefüllt und in viele Häute gepackt war, beständig eine schwarze und gräßliche Flüssigkeit durch die Häute hindurch und wurde in unter die Bahre gestellten Gefäßen von den Dienern, die vor Ekel fast vergingen, aufgefangen und fortgeschüttet." [Matthäus Parisiensis]
Oder 1136: Baubeginn einer steinernen Brücke in Regensburg. Für ihren Bau und Unterhalt muß vom Kaiser persönlich die Berechtigung erkauft werden (libertatem lapidei pontis). Erste Erwähnung von Düsseldorf (Dusseldorp) in einer Kölner Schreinsurkunde. Es stirbt Hildebert von Lavardin, der berühmteste Vertreter der neuen "klassizistischen" Richtung in der Dichtung.
Bis 1142: Es wird erstmals ein besonderes Gerichtshaus erwähnt (für Köln).
Geoffrey von Monmouth schreibt die "Geschichte der Könige der Briten", worin erstmals der Zauberer Merlin erwähnt wird. Petrus von Bruys, der Anführer der Petrobusianer, welche u.a. die Kreuzverehrung ablehnen zündet an einem Karfreitag vor der Kirche St. Gilles-du-Gard ein Feuer an, um dort öffentlich Kreuze zu verbrennen. Am nächsten Tag wird er auf seinem eigenen Scheiterhaufen verbrannt. Slawenaufstand im Spreegebiet. Wahrscheinlich in diesem Jahr nehmen das Salzburger Domkapitel und die Benediktinerabtei St. Peter einen Fachmann (Steinmetz oder Baumeister) namens Albert in Dienst, um einen Stollen durch den Mönchsberg zu treiben, um so dem ständigen Wassermangel Salzburgs abzuhelfen. Nach Unterbrechung durch einen Bergsturz wird das Werk um 1143 fertiggestellt.
Erste Erwähnung des Fußballspiels: Das "Chronicon Montis Sereini" berichtet von einem Knaben, der durch einen Stoß beim Fußballspiel umgekommen ist. Die Bürger von St. Omer in Flandern erwirken von ihrem gräflichen Stadtherrn das Münzrecht. Die ersten städtischen Münzen entstehen. Die Kathedrale von Le Mans brennt ab. (?, bis 1144) Abt Suger von St.-Denis läßt die dortige Abteikirche umbauen und neugestalten. Der offizielle Termin für ihre Grundsteinlegung ist zwar der 14. Juli 1140, liegt aber vermutlich etwas früher. Um die Notwendigkeit einer Erweiterung des Chores deutlich zu machen, beschreibt Suger einen Festtag: "Oft war die Basilika an Festtagen so voll, daß die Menschenmengen wieder aus den Türen hinausquollen. Es war nicht nur so, daß jene, die hereinwollten, nicht hereinkamen, sondern daß die, die schon drinnen waren, von den Vorderen zurückgedrängt wurden und notgedrungen wieder hinausgehen mußten. So erstaunlich es auch ist, aber manchmal konnte man ein derartiges Drängen der Massen nach hinten gegen jene beobachten, die gerade eintraten, um die heiligen Reliquien - den Nagel und die Dornenkrone des Heilands - zu ehren und zu küssen, daß niemand unter den Tausenden von Menschen auch nur den geringsten Schritt tun konnte, so eng waren sie aneinandergepreßt. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als sich einer regungslosen Marmorstatue gleich nicht vom Fleck zu rühren; der einzige Ausweg: Schreien nach Leibeskräften. Die Frauen, die zwischen den Männern wie in einer Presse eingequetscht waren, ergriff eine so große und unüberwindliche Angst, daß ihre Gesichter blutleer wurden, als seien sie in Todesangst. Sie schrien ganz fürchterlich, gerade so, als lägen sie in den Wehen. Viele von ihnen wurden erbärmlich niedergetreten. Manchmal eilten ihnen unerschrockene Männer aus Mitleid zu Hilfe und trugen sie auf dem Kopf, um ihnen eine sichere Unterlage zu bieten. Viele flüchteten sich mit ihrem letzten Atem in den Mönchsgarten. Mehr als einmal waren die Mönche, die den Besuchern die Zeugnisse der Leiden Christi zeigten, des Ärgers und der Zänkereien dermaßen überdrüssig, daß sie, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sahen, mitsamt den Reliquien aus den Fenstern flüchteten." Die Baumaßnahmen beginnen mit der Wiederherstellung der kaiserlichen Gedächtnisstiftungen zur Erinnerung an Karl den Kahlen, der dort bestattet ist. Die Kirche ist weiterhin Grabstätte des französischen Nationalheiligen Dionysius, des angeblich ersten Bischofs von Paris. Dieser wird mit Dionysios Areopagites verwechselt, einem Schüler des Apostels Paulus, welchem die Schriften des Pseudo-Dionysios zugeschrieben werden. Selbiger hat die Lehren der himmlischen Hierarchien formuliert, dergemäß sich der König als ein irdischer, jedoch göttlich legitimierter Vertreter innerhalb dieser Hierarchie begreifen kann. Diese Kirche zeigt erstmals gotische Stilformen. Diese Kunstform entsteht in der Provinz Francien zwischen Compiègne und Bourges mit Paris als Zentrum. Beim Umbau dieser Kirche werden erstmals burgundische Spitzbogen und normannische Rippengewölbe vereinigt. Kaiser Lothar III. (62) stirbt.
Bis 1648: In Trier und dem Suffraganbistum Metz (dort bis 1581) datiert man den Jahresanfang zum 25. März.
Die erste Gerbermühle taucht bei Chelles in einer Neustadt auf. In Lüttich ist ein jüdischer Arzt bezeugt. Ansonsten leben dort im Mittelalter keine Juden, weil nämlich die Lütticher selbst im Geldhandel engagiert sind. Alt-Lübeck wird verwüstet. Neuer König wird Konrad III. (41; bis 1152).
Auf dem 2. Laterankonzil wird die Armbrust für die christliche Kriegführung als zu mörderisch verboten - außer gegen die Heiden. Gegenpapst Anaklet II. wird verdammt. Den Teilnehmern an Turnieren wird wieder mit dem Kirchenbann gedroht. Für Kleriker aller Weihegrade vom Subdiakon aufwärts sowie für Regularkanoniker, Mönche und Konversen wird das Gebot der Ehelosigkeit (Zölibat) definitiv festgelegt. Der Templerorden wird ausschließlich dem Papst unterstellt und von allen Zehnten und Zöllen befreit.
Konrad III. erobert die welfische Burg Weinsberg und gewährt den dortigen Frauen freien Abzug mit soviel, als sie auf der Schulter tragen können. Diese tragen alsdann ihre Männer auf den Schultern heraus und der König hat das Nachsehen, da sein Wort gilt. Dies ist freilich eine vielzitierte Sage, die noch zu anderen Zeiten und an anderen Orten angesiedelt wird. Gratian stellt eine Sammlung von kirchlichen Rechtsvorschriften zusammen (die bis 1917 Gültigkeit haben!). Danach ist z.B. bei unehelichen Kindern nicht das Kind, sondern der Erzeuger für diesen Makel haftbar. "Priestersöhne sollen nicht zum geistlichen Dienst zugelassen werden; das gilt für diejenigen, welche die väterliche Unenthaltsamkeit nachahmen. Wenn sie aber gemäß den kirchlichen Geboten leben, können sie nicht nur Priester, sondern gar Päpste werden." Spätere Päpste und Konzilsbeschlüsse werden diese Dekretalen noch ergänzen.
Ca.: Von den Gefahren des Burglebens: Als auf der Felsenburg Ravenstein bei Geislingen ein Holzgeländer bricht, stürzen mehrere Ritter den Felsen hinab zu Tode.
Bis 1148: Im Alten land am Südufer der Elbe sind niederländische Siedler feststellbar.
Es stirbt der Scholastker Peter Abaelard (63). Ein Ausspruch von ihm: "Man vermag nicht zu glauben, was man nicht versteht." In seiner autobiographischen Unglückschronik ("Historia calamitatum") berichtet er, wie er seine Schülerin Heloise verführt hat. Deren Vormund hat ihn, nachdem ihr ein Sohn geboren ward und beide heimlich geheiratet haben, überfallen und entmannen lassen. Beide gehen ins Kloster. (Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist mitunter angezweifelt worden.) Abaelard war ein früher Repräsentant städtischen offenen Denkens - vielleicht ein früher Versuch mittelalterlicher "Aufklärung". Naumburg an der Saale wird Stadt. Ausgleich zwischen Staufern und Welfen auf dem Fürstentag zu Frankfurt.
Ca.: Im Kloster Rastede (bei Oldenburg) wird nach dem Tode von Abt Simon der Ire Siward, vormals Bischof von Uppsala (aber dort von den Heiden vertrieben) zum neuen Abt gewählt. Interessant ist hier die Auflistung seiner Besitztümer: "Nunmehr wählte der Konvent jenen Abt Siward, da er ein gottesfürchtiger und frommer Mann war, einmütig zum Abt. Alles, was er mit seinen bischöflichen Amtshandlungen verdient hatte, vermachte er diesem Kloster mitsamt den nachfolgend aufgezählten Kleinodien, und zwar: vier Meßgewänder und sechs Stolen mit Fransen, davon zwei silberdurchwirkte, nebst einem Gürtel. Zwei Taschentücher für Subdiakone, ein größeres und ein kleineres. Sechs weiße Linnengewänder oder Alben mit Gürteln. Einen Silberkelch mit silbernem Saugröhrchen. Zwei Bischofsmützen und vier Handschuhe. Drei Dalmatiken (Obergewänder), vier Unterkleider. Vier Chormäntel. Zwei Bischofsmäntel (Pallien) und ein seidenes Handtuch. Fünf Kreuze, davon zwei von Elfenbein, zwei von Silber und eines von Kupfer. Zwei Marmorsteine und ein ...[Lücke im Text]... von Silber. Zwei kupferne Leuchter und zwei von Kristall und Kupfer. Drei Altarhandtücher und acht Hostientüchlein samt Behältern. Ferner schenkte er Bücher, und zwar: Amtsbücher für Bischöfe. Ein Meßbuch und ein Morgengesangbuch in einem Band und ein liturgisches Gesangbuch. Ein Gebetbuch. Auszüge aus dem Kirchenrecht. Die vier Evangelien einzeln. Ein Kräuterbuch und ein Steinbuch in einem Band. Ein Edelstein der Seele. Ein Dogmenhandbuch. Ein Beichthandbuch. Ein Taufhandbuch. Eine Chronik. Isidors Buch vom höchsten Gut. Die Regel des hl. Benedikt und das Märtyrerbuch in einem Band. Die Ordnung des Gottesdienstes, ein Beichtbuch und ein Naturkundebuch in einem Band. Das Leben der hl. Maria von Ägypten. Die Werke des Arator, Juvencus, Sedulius und Prosperus in einem Band. Sechs Bücher der Heilkunde. Ein Buch über den Streit der Laster und Tugenden. Plato (Timäos?). Ferner Prosperus, eine Verslehre und Theodulus. Cato und die Hymnen des Prudentius in einem Band. Prudentius, Horaz und Boethius. Außerdem noch ein Buch über die Bedeutung der Kirchengewänder." [Rasteder Chronik]
Bis 1155: In Arles entsteht ein Konsulat aus zwölf Konsuln. Vier sind Ritter, vier vertreten den Ort (Bürger), zwei den Markt und zwei den Vorort Borriano.
Graf Adolf II. von Holstein gründet Lübeck neu, indem er das slawische Kastell neu befestigt (oder schon 1142). Erstes Auftreten der Katharer (Albigenser) - in Köln - bezeugt. Sie nennen sich "pauperes Christi" und betreiben, besitzlos wandernd, Gebet, Fasten und Handarbeit. "Hier in der Nähe von Köln sind kürzlich einige Häretiker entdeckt worden (...) Zwei von ihnen - ein Mann, den sie ihren Bischof nannten, und sein Assistent - (...) verteidigten ihre Ketzerei mit den Worten Christi und des Apostel Paulus. (...) In dieser Zeit wurden diese Leute gegen unseren Willen vom Volk (...) ergriffen, ins Feuer geworfen und verbrannt...Das ist die häretische Lehre dieser Menschen: Sie sagen, daß nur sie die Kirche seien, da nur sie Christus wirklich nachfolgten. Sie fahren fort, daß sie die wahren Nachfolger des apostolischen Lebens seien und nach nichts suchten, was die Welt bieten könne. 'Ihr aber', so sagen sie zu uns, 'fügt Haus zu Haus, Feld zu Feld und sucht die Dinge, die von dieser Welt sind.' Über sich selbst sagen sie: 'Wir, die Armen Christi, (...) werden verfolgt wie die Apostel und die Märtyrer, obwohl wir ein äußerst strenges und heiliges Leben führen (...) Wie erdulden dies, weil wir nicht von dieser Welt sind. Aber ihr, die ihr diese Welt liebt, lebt auch im Frieden mit ihr, weil ihr von dieser Welt seid. Falsche Apostel, verunreinigt ihr das Wort Christi (...)' Ihre Nahrungsvorschriften verbieten den Genuß jeder Art von Milch und von allem, was daraus hergestellt ist, und auch von allem, was aus Zeugung hervorgegangen ist. (...) Ihre Sakramente halten sie geheim (...) Sie konsekrieren ihr Essen und Trinken durch das Vaterunser und verwandeln es dadurch in Leib und Blut Christi (...) Sie taufen und sind getauft im Feuer und im Geist (...) Wer von ihnen die Taufe empfangen hat, den nennen sie 'Erwählten', und sagen, daß er die Macht habe, andere zu taufen, die es wert sind, und den Leib und das Blut Christi bei Tisch zu konsekrieren. Durch die Handauflegung wird man in den Rang eines, den sie 'auditor' nennen, in die Reihen der 'Gläubigen' aufgenommen. So erhält man die Erlaubnis, an allen Predigten teilzunehmen, bis sie ihn für hinreichend erprobt halten, um aus ihm einen 'Erwählten' zu machen. Diejenigen von ihnen, die in den Schoß der Kirche zurückgekehrt sind, haben uns auch erzählt, daß eine große Zahl ihrer Anhänger über die ganze Welt verstreut sei, unter denen sich auch viele unserer Kleriker und Mönche befänden. Die Verbrannten haben uns während des Verhörs auch berichtet, daß sich diese Häresie von den Tagen der Märtyrer bis heute verborgen gehalten und in Griechenland und in gewissen anderen Ländern fortbestanden habe (...) Diese Apostolischen des Satans haben Frauen unter sich, die Enthaltsamkeit gelobt haben, wie sie sagen: Witwen, Jungfrauen und ihre Ehefrauen, einige von ihnen als Erwählte, andere als Gläubige." (Brief von Everwin, Probst der Prämonstratenserabtei von Steinfeld an Bernhard von Clairvaux) In Saint-Gilles wird ein Konsulat (Stadtrat) eingerichtet.
Bis 1146: Otto von Freising verfaßt seine Chronik (er selbst nennt es das "Buch von den zwei Reichen"). Dazu Wattenbach: "Otto verfaßte dieses Werk zuerst in der Zeit vor dem Kreuzzug Konrads, als die Zerrüttung des Reiches durch die lange dauernden und entscheidungslosen Parteikämpfe aufs äußerste gestiegen war, als alles von Krieg und Fehden, von Raub und Brand erfüllt war. Dabei fühlte sich Otto auch in seiner Betrachtung der Geschichte beengt durch seine doppelte Stellung, einerseits als Mönch und Bischof, andererseits als Fürst des Reiches und erster Rat des Königs. Auf allen Seiten sah er nur gutes und böses unheilbar vermengt und den Untergang der Welt nahe bevorstehend: nur die Frömmigkeit und die Gebete der Mönche, meinte er, gewähren noch ein Gegengewicht gegen die Schlechtigkeit der Menschen. Diese Auffassung beherrscht das ganze Werk, und die philosophisch-theologische Behandlung des Stoffes ist durchaus als die Hauptsache zu betrachten, nicht die historische Forschung, wenn auch uns der letzte Teil des Werkes nicht unwichtige Nachrichten darbietet, und Otto keineswegs ohne historische Kritik verfuhr. So erwähnten wir schon, daß er die Lügenhaftigkeit der Leidensgeschichte des Erzbischofs Thiemo von Salzburg nachgewiesen hat; ebenso widerlegte er die Fabeln im Leben des Pabstes Silvester (VI, 1) und verhehlt nicht seine Bedenken gegen die berüchtigte Schenkung Konstantins (IV, 3). Auffallend aber ist seine Unsicherheit in Bezug auf die wichtigsten staatsrechtlichen Fragen der Zeit. Sein Bericht über das Wormser Konkordat von 1122 ist durchaus ungenau, und er scheint die Ansicht zu teilen, daß nach einem besonderen Vorrecht im römischen Reiche die Wahl der Fürsten allein, ohne Rücksicht auf Verwandtschaft, über die Nachfolge entscheide. Es ist das ein einzelnes Beispiel unter vielen von den schädlichen Folgen der grenzenlosen Nachlässigkeit, mit welcher man das Reichsrecht der Vergessenheit anheim fallen ließ, und auch die wichtigsten Beschlüsse und Gesetze in keiner authentischen Sammlung aufbewahrte, während die Kirche nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Ansprüche in den Sammlungen des kanonischen Rechtes jedem ihrer Mitglieder als unabänderliche Basis ihrer Stellung stets gegenwärtig erhielt." [Geschichtsquellen II]
Bis 1216: Die päpstliche Kanzlei verwendet nun allein den Jahresanfang nach Florentiner Rechnung (25. März nach unserem Jahresanfang).
Robert von Chester übersetzt einen arabischen alchimistischen Traktat ins Lateinische und macht das christliche Europa damit erstmals mit der Alchimie bekannt.
Die Katharer treten in der Diözese Lüttich auf. Der örtliche Klerus berichtet solches an Papst Lucius II., dabei bemerkend, daß bereits ganz Frankreich von dieser Häresie erfaßt sei.
Bis 1147: Bernhard von Clairvaux erwähnt die Verbreitung der Katharer auch im Süden Frankreichs.
Arnold von Brescia übt in Rom eine Art republikanischer Diktatur aus (bis 1155), vor der Papst Eugen III. sich nach Viterbo zurückzieht. Im päpstlichen Gefolge befindet sich der deutsche Chronist Otto von Freising, der erstmals den Priester Johannes erwähnt. Die erste antiketzerische päpstliche Mission führt in das Gebiet von Toulouse und Albi. 1. Dezember: Papst Eugen III. verkündet in der Bulle "Quantum praedecessores" den Zweiten Kreuzzug. Der Aufruf richtet sich speziell an König Ludwig VII. von Frankreich. "In diesem Jahre brachen die Menschen - zunächst in Chartes - auf, um mit ihren Schultern Karren voller Steine, Holz, Nahrung und andere Dinge für das Werk der Kirche herbeizuschaffen, deren Türme damals gerade im Bau waren." [Robert von Torigny]
Die steinerne Brücke in Regensburg wird fertiggestellt. Sie hat 16 Pfeiler und eine Länge von 305 m (oder 336 m). Sie wird von drei Brückentürmen gesichert. Die Tempelritter übernehmen als ihr Zeichen das achtspitzige rote Kreuz (Tatzenkreuz). Griechische Arbeiter bringen die Seidenherstellung nach Palermo, von wo sich sie sich nach Italien verbreitet. Ludwig VII. von Frankreich soll eine Steuer zur Kreuzzugsfinanzierung erhoben haben, aber dies ist nicht schlüssig belegt.
Februar: Auf seinem Reichstag in Regensburg beginnt Kaiser Konrad, sein Kreuzheer zu sammeln. Sie brechen im Mai auf, die Franzosen unter Ludwig VII. im Juni. Letzterer ernennt Suger von St.-Denis für die Zeit seiner Abwesenheit zum Reichsverwalter. Suger wird seit dieser Zeit "Vater des Vaterlandes" genannt. Ein "Kreuzzug" gegen die Wenden schlägt fehl; die Wenden erheben sich (vorher oder nachher?). Spätestens jetzt haben sich die Katharer bis zum Perigord verbreitet. In einer Urkunde des Herzogs von der Steiermark erscheinen Spielleut als Zeugen. Nach einer südfranzösischen Quelle erhält ein Kloster sieben große aufgeblasene Bälle ("VII maximos ballones") als Spende, mit denen Fußball (soule) gespielt wird.
Aus diesem Jahr stammt die Stiftungsurkunde der Bruderschaft der Bettziechenweber (Bettücherweber) zu Köln. Ratibor von Pommern läßt sich taufen und unterstützt in der Folgezeit die deutsche Besiedlung Pommerns.
Bis 1250: In dieser Zeit werden im Burgenbau häufig Buckelquader verwendet. Heinrich der Löwe "gründet" Braunschweig. Ein Dorf dieses Namens existiert bereits. Soest wird Stadt (dessen Stadtrecht wird Grundlage des Lübischen) und später führend im Osthandel.
Ca.: Es kommen auf: Ritterliche Wappen, Wappensiegel, Städtesiegel.
Ca.: In Deutschland kommen Familiennamen auf.
Ca.: Im Reich gibt es etwa 200 Städte.
Ca.: Gründung der Universität Paris.
Ca.: Sachsen werden in Siebenbürgen angesiedelt.
Ca.: Handwerk der Goldschläger in Nürnberg erwähnt.
Ca.: Die Kunst des Ziegelbrennens kommt, vermittelt durch Kreuzfahrer, nach Deutschland.
Ca.: In den Abgabenbüchern des Klosters Reichenbach werden erstmals Tübinger Pfennige erwähnt. Diese in Tübingen geprägten Münzen sind im ganzen Herrschaftsbereich der Grafen von Tübingen verbreitet, bis sie Ende des 13. Jhs. zunehmend vom Heller verdrängt werden.
Ca.: Die Frankfurter Herbstmesse soll zu dieser Zeit bereits jährlich zu Mariä Himmelfahrt (15. August) stattfinden.
Ca.: Der Chronist des Klosters Muri beschreibt erstmals die halbnomadische Kultur der Almhirten - als eine Besonderheit. Existenzgrundlage ist hier noch die Schafzucht (Rinderhaltung scheint erst im 14. Jh. zu dominieren.).
Ca.: Alanus ab Insulis verfaßt eine "Klage der Natur über den Menschen (De planctu naturae), wonach sich der Mensch von allen Kreaturen nicht an die Regeln des Schöpfers hält.
Ca.: Es entsteht das "Alexanderlied" des Pfaffen Lamprecht. Hier erscheint in der deutschen Literatur erstmals ein antiker Stoff. Alexander erscheint hier als kämpferischer Held, jedoch noch nicht als höfischer Ritter.
Ca.: König Geza II. von Ungarn gründet zur Unterhaltung eines Pilgerhospitals in Jerusalem den Orden der Stephaniter (Cruciferi Sancti Regis Stefani de Strigonio). Dieser erste ungarische Orden (der in Vergessenheit gerät und erst 1968 wiederentdeckt wird) wird 1187 vom Papst anerkannt, befolgt die Augustinerregel und betreibt ein Hospital in Strigonium (Esztergom, Gran) und in Jerusalem (später in Akkon). Der Orden wird etwa 1440 in einem Bürgerkrieg untergehen. Die Technik der Papierherstellung wird durch die Araber nach Spanien gebracht.
Nach 1150/1160 werden in Münster im Rahmen der Stadterweiterung die Wehranlagen der Domburg niedergelegt.
Die Zunft der Bettzeugweber entsteht in Köln. In den alemannischen und fränkischen Gebieten entsteht die Allmende, Gemeinschaftseigentum an Wald und Weideland. Hungersnot in Deutschland (oder Teilen davon). In den katalanischen Pyrenäen sind 14 Schmieden mit einer Mühle ausgestattet. Wie man zu Land kommen kann: Nach den Erinnerungen des Zeugen eines Prozesses aus diesem Jahr soll der Vater des Streitenden dem Abt von Santa Maria di Felonica vorgeworfen haben, dieser habe ihm wertloses Land (bei Bologna) überlassen, um es dann umgebrochen und bestellt zurückzuerhalten: "Für den Finger, den du mir gewährst, bekommst du eine ganze Hand zurück." Die Famile des Bauen bekommt das Eigentumsrecht für das Land zugesprochen und muß dem Kloster dafür 40 Batzen zahlen. Es stirbt Suger von St.-Denis (70). Heinrich der Löwe erneuert seine Ansprüche auf Bayern. Er bleibt diversen Reichstagen fern. Geza II. wird König von Ungarn (bis 1162). Unter seiner Herrschaft beginnt die Ansiedlung von "Sachsen" - deutscher Bauern von Rhein, Maas und Mosel in Siebenbürgen.
15. Februar: Konrad III. (55) stirbt an den Spätfolger einer Malaria, ohne die Kaiserwürde erhalten zu haben. Da sein Sohn Friedrich erst sechs oder sieben Jahre alt ist, hat er die Wahl seines Neffen Herzog Friedrich von Schwaben (30) zum König empfohlen. Dies geschieht, damit nicht der stauferfeindliche Erzbischof Heinrich von Mainz die Regentschaft erhält. Am 4. März wird er zum König gewählt, nachdem er den Fürsten Zusagen gemacht hat: Welf VI. soll Tuszien, Spoleto und Sardinien erhalten, sein Neffe Heinrich der Löwe soll Bayern zurückerhalten, der Zähringer Berthold wird Rektor in Burgund und Provence. Am 9. März wird Friedrich in Aachen gekrönt. Es wird ein Landfriedensgesetz erlassen: "Friedrich, von Gottes Gnaden Kaiser [?] der Römer und immer Augustus [wirklich Augustus?] entbietet den Bischöfen, Herzögen, Grafen, Markgrafen und Richtern, welche diesen seinen Brief zu Gesicht bekommen, den Gruß seiner Gnade und seinen Frieden und seine Liebe...:
1. Wenn jemand während des verordneten Friedens einen anderen Menschen tötet, muß er die Todesstrafe auf sich nehmen. Es sei denn, er könne durch Zweikampf beweisen, daß er jenen anderen bei Verteidigung des eigenen Lebens erschlagen habe. Wenn es aber allen deutlich ist, daß er nicht unter dem Druck der Not, sondern vorsätzlich jenen getötet hat, dann gebe es für ihn weder den Zweikampf noch eine andere Entschuldigung, sondern er werde zum Tode verurteilt.
2. Wenn ein Friedensbrecher das Antlitz des Richters flieht, dann soll der Richter beschlagnahmen, was er an beweglichem Eigentum hat, und in Verwaltung nehmen. Seine Erben aber sollen die Erbschaft, die der Täter noch in Besitz hatte, antreten unter der Bedingung, daß sie sich durch Eid verpflichten, jenen Friedensstörer niemals mit ihrem Willen und Wissen einen Vorteil zukommen zu lassen. Sollten aber die Erben dieses Gesetz brechen und jenem die Erbschaft aushändigen, dann soll der Richter die Erbschaft dem König überweisen, und vom König werden sie dann die Erbschaft zum Lehen erhalten.
3. Wenn jemand während des verordneten Friedens einen anderen Menschen verwundet, dann werde ihm, falls er nicht im Zweikampf beweisen kann, daß er dies bei der Verteidigung des eigenen Lebens getan hat, die rechte Hand abgeschlagen...
4. Wenn jemand einen anderen Menschen der Freiheit beraubt und ihn, ohne dabei Blut zu vergießen, mit den Fäusten schlägt oder ihm Haare oder den Bart ausrauft, dann soll er an den Verletzten eine Buße von zehn Pfund zahlen und bei dem Richter 20 Pfund hinterlegen. Wenn er den fremden Menschen aber gelinder angegriffen hat, nur mit der flachen Hand, so, wie der Volksmund sagt, und wenn er ihn nur mit solchen Schlägen und Schimpfworten übel traktiert hat, dann soll er für ein solches Vergehen fünf Pfund zahlen.
5. Wer seinem Richter für irgendein Vergehen 20 Pfund schuldet, soll dem Richter seinen Besitz als Pfand übergeben und innerhalb von vier Wochen die verpfändete Summe einlösen, dann sollen die Erbberechtigten, falls sie es wollen, das Erbe antreten und dem Richter innerhalb sechs Wochen 20 Pfund auszahlen. Wenn aber der Richter den Besitz der Gewalt des Königs übereignet, dann soll er dem Kläger den Schaden ersetzen und das Gut vom König als Lehen empfangen.
6. Wenn ein Kleriker wegen Friedensbruches verklagt ist oder deshalb, weil er einen Friedensbrecher versteckt hält, und wenn er in Gegenwart seines Bischofs durch hinreichendes Zeugnis dessen überführt wird, dann soll er dem Grafen, in dessen Grafschaft der Kleriker sein Verbrechen begangen hat, 20 Pfund zahlen und sich vor seinem Bischof für ein solches Vergehen den kanonischen Gesetzen
nach verantworten. Wenn sich aber dieser selbe Priester halsstarrig zeigt, dann soll er nicht nur Amt und kirchliche Lehen verlieren, sondern auch geächtet werden.
7. Sollte ein Richter einen Friedensbrecher vor der erregten Volksmenge auf die Burg eines Herrn geführt haben, dann soll der Herr, um dessen Burg es sich handelt, den Mann zur Gerichtsverhandlung stellen. Wenn er nicht unschuldig ist und sich fürchtet, vor dem Richter zu erscheinen, dann soll der Herr, falls der Mann ein Zimmer in der Burg bewohnt hat, alle seine bewegliche Habe dem Richter mit einem Eide übergeben und ihn, weil er als geächtet gilt, in seinem Hause nicht mehr aufnehmen. Wenn er aber in der Burg kein Zimmer bewohnt hat, dann soll der Herr ihn in Sicherheit vor Gericht stellen. Der Richter aber soll nicht ablassen, ihn mit dem Volke als Friedensbrecher zu verfolgen.
8. Wenn sich zwei Männer um dasselbe Lehen bewerben und einer von ihnen den Herrn des Lehens als Zeuge benennen kann, dann soll der Graf, falls der Lehnsherr anerkennt, die Gebühr für die Investitur erhalten zu haben, sein Zeugnis an erster Stelle anerkennen; und wenn derselbe Mann durch einwandfreie Zeugen beweisen kann, daß er das Lehen ohne Gewalt besitzt, dann soll der Rechtshandel abgewiesen werden und er das Lehen weiterhin behalten. Wird er aber vor dem Richter der Gewalttat überführt, dann soll er den doppelten Wert seines Gewinns bezahlen und das Lehen einbüßen, falls er es nicht nach Recht und Richterspruch späterhin zurückgewinnen kann.
9. Soll der Fall eintreten, daß drei oder gar noch mehr Männer im Streit liegen und sich dabei auf verschiedene Lehnsherren berufen, dann soll der zuständige Richter, vor welchem der Fall verhandelt wird, feststellen, wer von den Parteien im rechtsgültigen Besitz des Lehens ist, indem er zwei Männer, die aus der Gegend des Streitenden stammen, und sich eines guten Rufs erfreuen, einen Zeugeneid schwören läßt. Wenn durch diesen Zeugeneid die Wahrheit gefunden ist, dann soll der Inhaber des Lehens in aller Ruhe das Lehen besitzen, es sei denn, daß ein anderer durch Recht und Spruch des Richters imstande ist, es ihm aus der Hand zu nehmen.
10. Wenn ein Bauer schwört, er habe einen Krieger wegen Friedensbruchs mit der flachen Hand geschlagen, er habe das aber nicht vorsätzlich, sondern nur aus Notwehr getan, dann soll sich der Krieger vom Verdachte reinigen mit drei Eideshelfern. Wenn umgekehrt ein Krieger schwört, er habe einen Bauer mit der flachen Hand geschlagen, er habe das aber nicht vorsätzlich, sondern nur aus Notwehr getan, dann soll der Bauer die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten haben: Entweder legt er nach menschlichem und göttlichem Recht seine Unschuld dar, oder er reinigt sich vom Verdachte mit Hilfe von sieben Eideshelfern, die der Richter bestimmt. Wenn ein Krieger gegen einen anderen Krieger wegen Friedensbruchs oder wegen einer anderen Kapitalsache Entscheidung durch gerichtlichen Zweikampf verlangt, dann darf dem nur unter der Bedingung stattgegeben werden, daß er und seine Eltern schon von jeher echte Ritter gewesen sind.
11. Nach dem St. Marientag soll jeder Graf sieben Männer auswählen, die sich eines guten Leumundes erfreuen, und diese Männer soll er geschickt in alle Teile seines Amtsbereichs verteilen und vorherbestimmen, zu welchem Preise das Getreide entsprechend der Zeit verkauft werden soll. Wenn jemand diesem Beschlusse zuwider im Laufe des Jahres höhere Preise nehmen und teuerer verkaufen möchte, dann soll er als Friedensbrecher gelten und dem Graf 20 Pfund für jedes Maß Getreide bezahlen, das er zu teuer verkauft hat.
12. Wenn ein Bauer Panzer, Lanze oder Schwert trägt, dann soll der zuständige Richter entweder die Waffen beschlagnahmen oder ihn mit 20 Schillingen büßen.
13. Ein Kaufmann soll auf einer Geschäftsreise sein Schwert am Sattel oder auf seinem Fahrzeug befestigen, auf daß er nicht einen Unschuldigen verletze, sich selber aber gegen Räuber verteidigen könne.
16. Menschen, die entweder als Räuber überführt oder allgemein als solche bekannt sind, sollen nach altem Strafrecht verurteilt werden.
17. Wenn ein Mann seine Vogtei oder ein anderes Amt schlecht verwaltet und auf Mahnungen seines Herrn hin sich nicht zusammennimmt, sondern in seiner Ungebühr verharrt, dann soll er durch Richterspruch von seiner Vogtei oder seinem Lehen abberufen werden; sollte er danach den verbrecherischen Versuch machen, seine Vogtei oder sein Amt gewaltsam wiederzugewinnen, dann gelte er als Friedensbrecher.
18. Wer einen Gegenstand im Werte von fünf Schillingen oder mehr stiehlt, soll am Strick aufgehenkt werden; wenn der Wert geringer ist, werde der Dieb mit Ruten gestrichen, mit Zangen gepeinigt und kahl geschoren.
20. Wer auf der Reise über Land sein Pferd füttern will, darf ungestraft dem Tiere geben, was er, unmittelbar am Wege stehend, mit den Armen erreichen kann, um ihm Nahrung und Erholung zu verschaffen. Soweit das ohne Verwüstung und Schaden geschieht, darf er auch Kräuter und Grünzeug im Walde zu seiner Bequemlichkeit und zu seinem Bedarf verwenden." Neu daran ist die meist fehlende Unterscheidung zwischen Freien und Unfreien und die (teilweise) Unterstellung von Klerikern unter die weltliche Gerichtsbarkeit. (Ein Kommentar hierzu: Man sollte mittelalterliche Gesetze nicht überbewerten, insbesondere nicht die zeitlich befristeten Landfrieden. Entscheidend ist ihre Anwendung, die im Einzelfall belegt werden muß.) 15. Juni: Barbarossa kommt erstmals nach Augsburg, wo man sich über die Gewalttätigkeit der Vögte und Rechtsunsicherheit beklagt. Er befiehlt dem Klerus und der Bürgerschaft, gemeinsame Grundsätze zu erarbeiten, nach denen Stadt und Kirche regiert werden sollen. Wichmann, bisher Bischof von Naumburg wird Erzbischof von Magdeburg. (Er verdankt seine Erhebung Barbarossa.) Er entwickelt eine gezielte planmäßige Siedlungspolitik, wofür er besondere Agenten einsetzt, die sog. Lokatoren. Diese agieren als Mittelsmänner zwischen interessierten Grundherren und den Siedlern; sie sind für Logistik und Technik zuständig, für die Anwerbung von Siedlern und die Landverteilung. Sie bekommen dafür Ländereien und Privilegien in den neuen Siedlungen. (Ein Beispiel: Siehe 1159) Die Kathedrale von Amiens wird geweiht. Heinrich Plantagenêt, der in Angers sitzt, heiratet Eleonore von Aquitanien, die geschiedene Ehefrau des französischen Königs Ludwig VII. Dadurch werden die Plantagenêts zu den größten Territorialherren in Frankreich. In China werden die ersten Raketen gebaut.
Die Ehe Friedrichs I. mit Adele von Vohburg (Tochter des Markgrafen Diepold III. von der Oberpfalz) wird geschieden. Die Begründungen reichen von zu naher Verwandschaft bis (in späteren Chroniken) Ehebruch. Ehebruch ist aber nach dem Kirchenrecht kein Scheidungsgrund. Adele heiratet anschließend in zweiter Ehe mit Friedrichs Erlaubnis den Ministerialen Dieto von Ravensburg, den Ahnherrn der Kämmerer von Ravensburg. Es sterben: Papst Eugen III. und Bernhard von Clairvaux (63). Letzterer hat einmal behauptet: "Das Dogma will nicht begriffen, es will gelebt werden." Er hat unter Mönchtum ein Leben strikten Gehorsams und äußerster Selbstverleugnung (besonders in puncto persönlicher Bequemlichkeit, Ernährung und Schlaf) verstanden. Eventuell stirbt er auch erst August 1154. Neuer Papst: Anastasius IV. (nicht lange).
Ca.: Aus dieser Zeit stammt (nach der neueren Forschung, nicht, wie früher angenommen, von 1064/65), das Tafelgüterverzeichnis von einer fragmentarisch erhaltenen Handschrift aus Aachen. Es ist eine Liste von Gütern, deren Erträge für die königliche Tafel bestimmt sind: "Dies sind die Höfe, die zur Tafel des Römischen Königs gehören. In Sachsen mit all ihrem Zubehör: die Lausitz - sie gibt 5 königliche Dienste; der Milzengau; der Nisangau; Bautzen; Altenburg; Eisleben; Allstadt; Wolferstedt; Farnstedt; Wallhausen; Tilleda; Aschersleben; Werla; Goslar; Homburg; Pöhlde; Grone, dort gehören die Sichelschmiede des Königs dazu; Eschwege; Mühlhausen; Merseburg 40 Dienste. Diese Höfe in Sachsen also geben dem König soviel Dienste, wie Tage im Jahr sind, und 40 mehr. Wir machen euch auch bekannt, was ein königlicher Dienst in Sachsen ist: Es sind 30 große Schweine, 3 Kühe, 5 Ferkel, 50 Hühner, 50 Eier, 90 Käse, 10 Gänse, 5 Fuder Bier, 5 Pfund Pfeffer, 10 Pfund Wachs, Wein aus ihrem Keller überall in Sachsen. Dies sind die Höfe in Rheinfranken: Tiel 2 königliche Dienste, Nymwegen 8; Aachen 8; Konzen 2; Düren 2; Remagen 2; Sinzig 2; Hammerstein 2; Andernach 2; Boppard 3; Ingelheim 3; Lautern 8; die Burg Briey 8; Diedenhofen 3; Flörchingen 7; Zolver 7; Sierck 7; Haßloch 1; Nierstein 1; Trebur 4; Frankfurt 3.Dies sind die Höfe in Franken. Soviel geben sie: 40 Schweine, 7 saugende Ferkel, 50 Hühner, 5 Kühe, 500 Eier, 10 Gänse, 5 Pfund Pfeffer, 90 Käse, 10 Pfund Wachs, 4 große Fuder Wein. Dies sind die Höfe in Bayern: Nürnberg gibt 2 königliche Dienste; Gründlach 1; Schübelsberg 1; Pattenhofen 1; Weißenburg 1; die Burg Nürnberg 7; Hafenberg 7; Greding 5; Neuburg an der Donau 2; Creußen 3; Neumarkt mit 1000 Hufen; Dornberg 2. Dies sind die Höfe in Bayern. Sie geben 26 königliche Dienste, und zwar so groß wie die in Franken. Dies sind die Höfe in der Lombardei: Settimo gibt 2 königliche Dienste; Turin gibt sein Allod; Susa 2000 Mark; die Burg Avigliana 1000 Mark; Piossasco 500 Mark; Chieri 500 Mark; Testona 500 Mark; Revello 500 Mark; Saluzzo 200 Mark; Albenga 200 Mark; die Stadt Sitten 200 Mark; die Städte Tarvil, Cavallermaggiore, Canelli geben 8 Dienste. Annone gibt 10 königliche Dienste; Revigniano 1; Sangiorgio 5; Castellazzo Gamondo 4; Marengo 8; Sezzé 3; Retorto 2; Pontecurone 2; Basaluzzo 2; der Edelhof Vigevano; der Edelhof Tromello; Lomello; Montiglio; Coriano mit großem Zubehör. Dies sind die Höfe der Lombardei. Sie geben so viel, wie keiner erzählen oder erfahren kann, es sei denn, wir kämen zuvor in die Lombardei."
Bischof Gerung von Meißen siedelt "tüchtige Männer, die aus dem Land der Flandrer kommen, an einem unangebauten und fast menschenleeren Orte" an, um dort ein Dorf mit 18 Hufen (mansi) zu gründen. Papstwechsel: Anastasius IV. stirbt, Papst wird Hadrian IV. (bis 1159), der erste und einzige Engländer auf dem Papstthron. Oktober: Beginn der Italienzüge Friedrichs I. mit einem kleinen Heer und in Begleitung Heinrichs des Löwen. Sein Heer versammelt sich auf dem Lechfeld und zählt nur 1800 Ritter, insgesamt vielleicht 5000 bis 6000 Krieger. Den größten Anteil, angeblich die Hälfte stellen die Sachsen Heinrichs des Löwen. Otto von Freising über die oberitalienischen Städte: "Schließlich lieben sie die Freiheit so stark, daß sie sich bei jedem Übergriff der Gewalt entziehen und lieber von Konsuln als von Herrschern regiert werden. Da es bekanntlich bei ihnen drei Stände gibt, nämlich Kapitäne, Valvassoren und Bürger, werde, um keinen Hochmut aufkommen zu lassen, diese Konsuln nicht aus einem, sondern aus allen Ständen gewählt, und damit sie sich nicht zur Herrschsucht verleiten lassen, werden sie fast jedes Jahr ausgetauscht. So kommt es, daß das Land fast vollständig unter Stadtstaaten aufgeteilt ist, und daß jeder derselben die Bewohner seines Gebietes mit ihnen zusammenzuleben zwingt, daß man ferner kaum einen Edlen und Großen von noch so großem Ehrgeiz findet, der sich nicht trotzdem der Herrschaft seines Staates beugte. Damit sie nicht der Mittel entraten, auch die Nachbarn zu unterdrücken, halten sie es nicht für unter ihrer Würde, junge Leute der unteren Stände und auch Handwerker, die irgendein verachtetes mechanisches Gewerbe betreiben, zum Rittergürtel und zu höheren Würden zuzulassen, während die übrigen Völker solche wie die Pest von den ehrenvolleren und freieren Beschäftigungen ausschließen...(?) So kommt es, daß sie an Reichtum und Macht die übrigen Städte der Welt übertreffen. Förderlich war ihnen dabei nicht nur, wie gesagt, ihr tatkräftiger Charakter, sondern auch die Abwesenheit der Herrscher, die sich angewöhnt hatten, im transalpinen Gebiet zu bleiben. Darin bewahren sie, uneingedenk der antiken adeligen Haltung, einen Rest barbarischen Bodensatzes, daß sie den Gesetzen nicht gehorchen, obwohl sie sich rühmen, nach ihren Gesetzen zu leben. Denn ihrem Fürsten, dem sie freiwillig ehrfürchtigen Gehorsam schuldeten, begegnen sie kaum jemals mit Ehrfurcht, noch anerkennen sie Gehorsam, was er nach gültigem Gesetz anordnet, es sei denn, daß sie, unter dem Zwang eines starken militärischen Aufgebots, die Autorität zu spüren bekommen." Dezember: Barbarossa hält auf den Ronkalischen Feldern bei Piacenza einen Reichstag ab. Es wird dabei dekretiert:
1. daß ein Vasall, oder sein Erbe, sein Lehen einbüßen soll, wenn er nach dem Tode des Lehnsherren Jahr und Tag verstreichen läßt, ohne demm Herrn oder Erben des Herrn den Treueschwur zu leisten und ohne um die Investitur zu bitten.
2. daß es dem Herrn erlaubt sein soll, alle vorgefallenen Entfremdungen von Lehnsgut zu widerrufen, da einem solchen Verfahren keine Bestimmung im Wege steht.
3. daß Ähnliches für die Feldzugsbeiträge gilt. So nennt man die Steuer, die von den Vasallen an die mit dem König nach Rom ziehenden Herren abzuführen sind.
4. daß wenn ein Kleriker, ein Bischof oder ein Abt ein Lehen verliert, das er nicht nur für seine eigene Person, sondern für die Kirche vom König erhalten hat, und das durch seine persönliche Schuld, dann soll dieses Lehen, solange er lebt und im Besitz seiner kirchlichen Ehren ist, dem König anheimfallen, nach seinem Tode aber an seinen Nachfolger wieder ausgegeben werden. Heinrich Plantagenêt wird König von England. Imbreviatur-Buch von Genua, die älteste datierte Papierhandschrift auf italienischem Boden, geschrieben auf arabischem Importpapier. (Vgl. Sizilien 1102 und 1115)
Eine Geschichte aus Barbarossas Belagerung von Tortona: "Der langen Belagerung überdrüssig, wollte er (ein deutscher Reitknecht) den anderen zeigen, wie man die Burg ersteigen könne, und nur mit Schwert und Schild ausgerüstet, wie es diese Leute am Sattel tragen, ging er den dem Roten Turm vorgelagerten Wall an, indem er sich mit seinem Beil einen Weg bahnte, auf dem sein Fuß einen Halt finden konnte, stieg er den Berg empor. Ihn konnten nicht die zahlreichen Steine einschüchtern, die mit der ganzen Kraft der Geschütze von den Maschinen des Königs gegen den Turm geschleudert wurden, nicht die wie ein Regenguß ununterbrochen von der Burg aus heranprasselnden Wurfspieße und Felsbrocken zurückhalten; er stieg bis zum schon halbzerstörten Turm empor, streckte dort im mannhaftem Kampf einen ebenfalls bewaffneten Ritter durch einen Streich zu Boden und konnte trotz der vielen schweren Gefahren unversehrt ins Lager zurückkehren. Der König ließ ihn zu sich rufen und wollte ihn wegen seiner ruhmvollen Tat durch die Verleihung des Rittergürtels ehren. Doch als jener erklärte, er sei ein Mann niedrigen Standes und wolle in diesem bleiben, er sei mit diesem Los zufrieden, beschenkte er ihn reich und ließ ihn zu seinen Zeltgenossen zurückkehren." 18. Juni: Friedrich I. Barbarossa (33) wird in Rom zum Kaiser gekrönt. Am gleichen Tag noch wird dort ein Aufstand blutig niedergeschlagen. Arnold von Brescia wird als Haupt der antipäpstlichen Bewegung hingerichtet. Der Papst siedelt nach Benevent über - wegen Unruhen in Rom. Ulm wird Reichsstadt. Brauordnung in Augsburg. Ludwig VII. von Frankreich bestätigt die Statuten von Lorris (wie auch Philipp II. August 1187 wieder). Es handelt sich um ein in Nordfrankreich verbreitetes Gewohnheitsrecht, welches von Ludwig VI. von Frankreich (1108 bis 1137) dem damals zur Krondomäne gehörenden Dorf Lorris-en-Gâtinais (Dép. Loiret) verliehen hat. Es ist kein Freiheitsprivileg, denn die Bewohner von Lorris verbleiben unter der Jurisdiktion des königlichen Prévôt, aber die seit Jahr und Tag in dem Ort Ansässigen sind von bestimmten Frindiensten und dem Wachdienst befreit (Bemessung von Spanndiensten auf einen Tag). Nur die Weinfuhre von der königlichen Domäne zu Lorris nach Orléans und die Holzlieferung an den Königshof zu Lorris werden aufrechterhalten. Die direkten Steuern werden aufgehoben zugunsten eines Grundzinses von sechs Denier pro Haus und Morgen. Der Weinbann (banvin) gilt nur noch für die königlichen Weinberge und diverse Abgaben werden aufgehoben. Die Bewohner von Lorris genießen Zollfreiheit, ihr Markt steht unter dem Schutz des Königs und sie dürfen nur vom königlichen Prévôt gerichtet werden, was zu einer starken Reduzierung der Bußen führt. Das Statut von Lorris wird im 12. Jh. ganz oder teilweise von etwa 50 Dörfern der Krondomäne, Burgund, Champagne und Berry übernommen. Im 13. Jh. wird sich diese Bewegung abschwächen. 29. Oktober: Eine Urkunde Barbarossas aus Würzburg regelt die Freiheit der Mainschiffahrt und verbietet ungerechtfertigte hohe Zölle. Weihnachten: Auf dem Hoftag zu Worms verkündet Barbarossa seinen Spruch im Streit des Erzbischofs Arnold von Mainz mit dem Pfalzgrafen bei Rhein, Hermann von Stahleck, die sich in des Kaisers Abwesenheit blutig befehdet hatten. Beide Seiten werden des Landfriedensbruches für schuldig erklärt und zu schändlichem Hundetragen verurteilt: Der Pfalzgraf muß in der Winterkälte barfuß eine deutsche Meile weit, von einer Grafschaft zur anderen, im Angesicht der gesamten Versammlung einen Hund am Hals tragen. Auch der Erzbischof wird dazu verurteilt, jedoch wegen seines Alters von der Ausführung der Strafe befreit. Diese Bestrafung zweier so hoher Reichsfürsten macht Eindruck.
1155 oder 1156
Es stirbt Petrus Venerabilis, der letzte große Abt von Cluny.
1155 und 1156: Die Weizenaussaat auf den burgundischen Besitzungen von Cluny ergibt den zwei- bis vierfachen Ertrag des Saatguts. Vor 1200 scheint es im Mittel das dreifache gewesen zu sein.
Bis 1160: Entstehung des "Roman de Brut" von Robert Wace. In diesem Werk der Artusepik wird erstmals die Tafelrunde erwähnt.
Bis 1160: Entstehung des "Roman d'Enéas," in welchem der Magnet erwähnt wird. (Danach seien die Mauern von Didos Karthago mit Magneten besetzt gewesen, die gepanzerte Feinde, welche ihnen zu nahe kamen, festgehalten hätten). Da keine weitere Erklärung dazu gegeben wird, kann daraus geschlossen werden, daß die Wirkung des Magneten allgemein bekannt ist.
Auf dem Berge Karmel in Palästina wird der Orden der Karmeliter gegründet.
Mai: Rainald von Dassel, ein Papstgegner wird Reichskanzler. Er bildet (in Urkunden) einen das Kaisertum verherrlichenden Reichsstil aus; die Bezeichnung "sacrum imperium" ("Heiliges Reich") taucht wieder auf. Reichstag zu Regensburg: Heinrich der Löwe erhält das Herzogtum Bayern (ein Wahlversprechen Friedrichs). Um die Babenberger, welche dieses Herzogtum seit 1139 innehaben, zu entschädigen, löst der König die Mark Österreich von Bayern, erhebt sie zum Herzogtum und stattet den Babenberger Heinrich Jasomirgott mit besonderen Rechten aus: Er kann (neben Erblichkeit des Herzogstums) auch im Falle kinderlosen Todes seinen Nachfolger frei bestimmen dürfen. Dies ist ein erster Schritt zur Zerschlagung des Herzogtums Bayern. 10. - 16. Juni: Hoftag zu Würzburg. Barbarossa heiratet hier Beatrix von Burgund. 21. Juni: Barbarossa verkündet in Nürnberg das Augsburger Stadtrecht. An der Spitze stehen Bestimmungen gegen Friedensbrecher. Der Bischof setzt unter Berücksichtigung der Wünsche der Ministerialen, der Bürger und des ganzen Stadtvolkes den Burggrafen und den Münzer ein. Geldwechsel (ein Recht des Münzers) bis zur Höhe von zehn Mark ist nur den Kaufleuten erlaubt, die mit Köln Handel treiben. Leipzig erhält Magdeburger Stadtrecht. Der Bischof wird vom König als Stadtherrn und obersten Gerichtsherrn, als Bewahrer des Stadt- und Marktfriedens eingesetzt. Er ist oberster Grundherr, oberster Münzer und Inhaber der öffentlichen Gewalt. Ihm ist der Burggraf unterstellt. Die Bürger haben bereits Grundbesitz und die persönliche Freiheit.
Winter auf 1157: König Svend Grate plündert Schleswig inklusive der in der Schlei ankernden Nowgoroder Handelsflotte. Ernteerträge der Landgüter der Abtei Cluny in Burgund: 1 : 3 für Weizen, 1 : 5 für Roggen, 1 : 2,5 für Gerste.
Die erste Kaufmannssiedlung von Lübeck (relativ weit entfernt vom alten slawischen Kastell) brennt ab. Erste Erwähnung des Kegelspiels (aber wo?). Das Kloster Walkenried, seit 28 Jahren bestehend, erhält von Barbarossa ein Viertel der Erzausbeute des Rammelsberges zugesprochen, vermutlich in Anerkennung der Leistungen des Klosters bei der Urbarmachung des südöstlichen Harzvorlandes. Gleichzeitig dürfen die Mönche für 12 Mark Silber im Harzwald ohne Einschränkung Kohle brennen. 22. August: Barbarossa zieht nach Polen und unterwirft Boleslaw IV., der jahrelang keinen Tribut gezahlt hat. König Heinrich II. Plantagenet von England schickt mit einer Gesandtschaft an Barbarossa ein kostbares Zelt: "Ebendort waren damals auch Gesandte des Königs Heinrich (II.) von England zugegen, welche mancherlei kostbare Geschenke mit vielen anmutigen Worten darbrachten. Darunter erblickten wir ein Zelt, sehr groß an Umfang, sehr schön von Beschaffenheit. Fragst Du nach seiner Größe, so wisse, daß es nur mit Maschinen und Werkzeugen aller Art und mit Stützen gehoben werden konnte; fragst Du nach seiner Beschaffenheit, so wisse, daß ich glaube, es werde weder in Bezug auf das Material noch in Bezug auf die Ausführung jemals von irgendeinem derartigen Gerät übertroffen werden." [Rahewin, Taten Friedrichs III, 7] Kaufleute aus Köln erhalten von Barbarossa ein erstes Handelsprivileg.
Ca.: Der von Kürenberg, erster namentlich bekannter deutscher Minnesänger.
Heinrich der Löwe zerstört die Zollbrücke des Bischofs von Freising. Stattdessen läßt er Brücke, Markt und Münze bei der alten Mönchssiedlung Apud Munichen (München) neu errichten und mit einem Mauerring befestigen (Gründung von München). Der Ort wird bald Mittelpunkt des Salzhandels. 14. Juni: Barbarossa bestätigt Markt- und Münzrecht von München. Zunft der Schuhmacher in Magdeburg. "Während der Kaiser ein Lager bezieht und das aus den verschiedenen Städten Italiens ankommende Heer erwartet, beschäftigt er sich nach weiser Überlegung in passender und frommer Weise mit Geschäften des Friedens eher als mit denen des Krieges. Er berief also eine Fürstenversammlung und verordnete, daß folgende Friedensgesetze im Heere beachtet werden sollten:
§. 1. "Wir verordnen und wollen streng beachtet wissen, daß kein Ritter noch Knecht Streit anzufangen wage. Wenn einer mit dem andern in Streit gerät, so soll keiner von beiden den Lagerruf schreien, damit nicht dadurch seine Kameraden zum Kampfe gereizt werden. Wenn aber ein Streit entstanden ist, soll niemand mit Waffen, nämlich mit Schwert Lanze oder Pfeilen herbeilaufen, sondern, bekleidet mit Panzer, Schild und Helm, bringe er in der Hand nichts als einen Knittel mit sich, um damit den Streit zu schlichten. Niemand soll den Lagerruf erschallen lassen, außer wer sein Quartier sucht. Hat aber ein Ritter durch Schreien des Lagerrufs Streit verursacht, so soll ihm seine ganze Rüstung (harnascha) genommen und er aus dem Heere ausgestoßen werden. Hat es ein Knecht getan, so soll er geschoren, gegeißelt und an der Kinnlade gebrandmarkt werden, oder sein Herr soll ihn loskaufen mit seiner ganzen Rüstung.
§. 2. Wer einen andern verwundet hat und leugnet, es getan zu haben, dem soll dann, wenn der Verwundete durch zwei glaubwürdige, nicht blutsverwandte Zeugen ihn überführen kann, die Hand abgehauen werden. Fehlen Zeugen und will der Angeklagte durch einen Eid sich reinigen, so kann der Kläger, wenn er will, den Eid zurückweisen und jenen zum Zweikampf fordern.
§. 3. Wenn Jemand einen Todschlag begangen hat und von einem Verwandten oder Freunde oder Genossen des Erschlagenen durch zwei glaubwürdige, mit dem Erschlagenen nicht blutsverwandte Zeugen überführt worden ist, so wird er mit dem Tode bestraft. Fehlen aber Zeugen und will der Täter durch einen Eid sich reinigen, so kann der Freund oder Verwandte des Erschlagenen ihn zum Zweikampf fordern.
§. 4. Wenn ein fremder Ritter friedlich zum Lager kommt, sitzend auf seinem Gaule ohne Schild und Waffen, so soll, wer ihn verletzt, für einen Friedensbrecher gelten. Kommt er aber auf einem Streitroß sitzend, mit dem Schild am Halse, der Lanze in der Hand zum Lager, so hat, wer ihn verletzt, den Frieden nicht gebrochen.
§. 5. Ein Ritter, der einen Kaufmann ausgeplündert hat, soll das Geraubte doppelt erstatten und schwören, er habe nicht gewußt, daß jener ein Kaufmann sei. Tat es ein Knecht, so soll er geschoren und an der Kinnlade gebrandmarkt werden, oder sein Herr soll für ihn den Raub erstatten.
§. 6. Wer einen andern eine Kirche oder einen Markt berauben sieht, soll es hindern, doch ohne Streit anzufangen; kann ers nicht hindern, so soll er den Schuldigen bei Hofe verklagen.
§. 7. Niemand soll ein Weib in seinem Quartier haben; wer aber eins zu haben wagt, dem soll seine ganze Rüstung genommen werden, und er soll für exkommuniziert gelten, und dem Weibe soll die Nase abgeschnitten werden.
§ 8. Niemand soll eine Burg angreifen, welche vom Hofe eine Besatzung hat.
§ 9. Hat ein Knecht einen Diebstahl begangen und wird beim Diebstahl ertappt, so soll er, wenn er zuvor kein Dieb war, deshalb nicht gehenkt werden, sondern er soll geschoren, gegeißelt und an der Kinnlade gebrandmarkt und aus dem Heere gestoßen werden, es sei denn, daß sein Herr ihn mit seiner ganzen Rüstung loskauft. War er zuvor schon ein Dieb, so soll er gehenkt werden.
§ 10. Wird ein Knecht nur des Diebstahls beschuldigt, nicht aber dabei ertappt, so soll er sich am Tage darauf durch die Probe des glühenden Eisens reinigen, oder sein Herr soll für ihn einen Eid leisten. Der Kläger aber soll schwören, daß er ihn aus keinem anderen Grunde des Diebstahls bezichtige, als weil er ihn für schuldig erachte.
§ 11. Hat einer des andern Pferd gefunden, so soll er es nicht scheren noch unkenntlich machen, sondern er solls dem Marschall sagen; und soll es nicht geheim halten, sondern ihm sein Gepäck aufbürden. Trifft nun der, welcher das Pferd verloren hat, es unterwegs beladen, so soll er das Gepäck nicht herabwerfen, sondern zum Quartier folgen, und dort wird er sein Pferd zurückerhalten.
§ 12. Wenn aber einer ein Dorf oder Haus angezündet hat, so soll er geschoren und an den Kinnladen gebrandmarkt und gegeißelt werden.
§ 13. Der Schmied soll im Dorfe keine Kohlen brennen, sondern er soll das Holz nach seinem Quartiere tragen und dort Kohlen brennen; tut ers im Dorfe, so soll er geschoren, gegeißelt und an den Kinnladen gebrandmarkt werden.
§ 14. Hat einer den andern verletzt, indem er ihm vorwirft, er habe den Frieden nicht beschworen, so soll er nicht des Friedensbruches schuldig sein, wenn jener nicht durch zwei geeignete Zeugen beweisen kann, daß er den Frieden beschworen habe.
§ 15. Niemand soll in sein Ouartier einen Knecht aufnehmen, der ohne Herrn ist; wenn er's tut, so soll er zwiefach wiedererstatten, was jener gestohlen hat.
§ 16. Wer eine Vorratsgrube findet, mag sich ihrer ungehindert bedienen. Werden die Vorräte ihm genommen, so soll er nicht Böses mit Bösem vergelten, soll das ihm angetane Unrecht nicht rächen, sondern soll's dem Marschall klagen, um Gerechtigkeit zu empfangen.
§ 17. Wenn ein deutscher Kaufmann in eine Stadt geht, Waren kauft, sie zum Heere bringt und teurer im Heere verkauft, so soll ihm der Kämmerer seinen ganzen Kram wegnehmen und soll ihn geißeln und scheren und an der Kinnlade brandmarken.
§ 18. Kein Deutscher soll einen Lateiner zum Genossen haben, er verstehe denn das Deutsche; hat er ihn zum Genossen, so soll ihm genommen werden, was er hat.
§ 19. Hat ein Ritter einem Ritter Schmähworte gesagt, so kann er es durch einen Eid ableugnen; leugnet er es nicht ab, so soll er ihm 10 Pfund Münze zahlen, wie sie zu der Zeit im Heere gilt.
§ 20. Hat einer gefüllte Weinfässer gefunden, so hebe er den Wein so vorsichtig heraus, daß er die Fässer nicht zerbricht noch die Bänder der Fässer zerschneidet, damit nicht zum Nachteil des Heeres der ganze Wein auslaufe.
§ 21. Ist eine Burg erobert worden, so mag die Habe, die darin ist, geraubt werden, aber die Burg soll nicht angezündet werden, wenn es der Marschall nicht etwa selbst tut.
§ 22. Hat einer mit Jagdhunden gejagt, so soll das Wild, welches er gefunden und mit den Hunden aufgetrieben hat, ohne Widerspruch von irgend jemand ihm gehören.
§ 23. Hat jemand mit Windhunden ein Wild aufgescheucht, so gehört es nicht notwendig ihm, sondern dem, der's ergreift.
§ 24. Hat einer mit Lanze oder Schwert ein Wild durchbohrt, und ein anderer ergreift es, ehe jener es mit der Hand aufgehoben, so soll es nicht dem gehören, der's ergreift, sondern dem, welcher es tötete, ohne Widerrede.
§ 25. Hat einer auf der Pirsch (birsando) mit Armbrust oder Bogen ein Wild getödtet, so soll es ihm gehören."
Diesen Frieden bekräftigten die Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, indem sie für sich die Rechte zum Handschlag boten, und sie versprachen, die Friedensstörer mit der Strenge des pontifikalen Amtes (d. h. mit kirchlicher Strafe) zu züchtigen." [Rahewin, Taten Friedrichs III. 28] Ein Generalkapitel der Zisterzienser verbietet diesen das Tragen von Wildfellen und teuren Pelzen. Wladislaw von Böhmen wird zum König erhoben. 22. September: Otto von Freising stirbt (unter 50). Durch ein Privileg Barbarossas entsteht in Bologna eine Universität mit akademischer Freiheit. Es wird nur Recht gelehrt. Der Umbau der Kathedrale von Le Mans ist abgeschlossen. Es ist ein erheblicher Aufwand betrieben worden. Die enormen romanischen Mauermassen dienen hier als Basis für Neuerungen (z.B. neue Zwischenpfeiler, neue Spitzbogen unter alten Rundbogen), bei denen alles noch schwerer und massiver wird. Es soll das dynastische Monument des Hauses Plantagenêt werden.
1158 oder 1159
Lübeck wird von Heinrich dem Löwen neu gegründet. Er weist den Kaufleuten zunächst einen wenig günstigen Siedlungsplatz an der Wakenitz zu, während der bevorzugte Platz am Südende (der Landzunge zwischen Wakenitz und Trave) an den ersten Bischof von Oldenburg fällt. In der Grafenburg residieren die Vertreter der Fürsten. Bei dieser Neugründung werden zur Entlastung des Marktes schmale Parallelstraßen angelegt. Durch die Anlage von Längs- und Querstraßen "Rückgrat- und Rippenstraßen") um den Markt herum wird dieser zunehmend zum eigentlichen Mittelpunkt der Stadt erhoben. (Dieses neue System der Stadtplanung wird im 13. Jh. viele Stadtgründungen, besonders im Osten beherrschen).
"...und der Winter war in jenem Jahre [in Italien] mehr als gewöhnlich regnerisch und durch Kälte streng." [Rahewin, Taten Friedrichs IV. 67] "Wenige Monate, nachdem Bischof Otto am 10. Tag vor den Kalenden des Oktober um die Zeit der Wintersonnenwende [22. September 1158] gestorben war, brannte ungefähr um die Sommersonnenwende, an den Nonen des April [5. April], auf welche damals der Palmsonntag fiel, während der Frühmette die Stadt Freising vollständig nieder, also daß, um von den größeren Kirchen, welche mit ihren Schmuckstücken zu Grunde gingen, sowie von der bischöflichen Kirche selbst und der Pfalz zu schweigen, auch keine einzige von den kleineren Kapellen und kein Bethaus übrig blieb. Auch die Häuser und Wirthschaftsgebäude der Kanoniker und die Häuser der Ritter verbrannten, bis auf sehr wenige. Diese Kirche war zu dieser Zeit in solchem Wohlstand, daß sie an Vermögen, Gebäuden und Reichtum beinahe alle angrenzenden und benachbarten Bistümer übertraf oder ihnen gleichkam; durch die Trefflichkeit ihres Klerus war sie so ausgezeichnet, daß in Ehrbarkeit und Zucht, in Freigebigkeit, in Kenntnis der Wissenschaften wenige ihren Klerikern gleich waren und keine Geistlichkeit im römischen Reiche für besser oder überlegen gehalten werden konnte. 16. Vorzeichen des Unglücks. Welche Vorzeichen diesem Unglück vorangingen und daß Albert dem Otto nachfolgte. Diesem vielfachen Unglück der Stadt Freising und dem Unfall trübseligen Ausgangs waren mancherlei Vor- und Wunderzeichen vorausgegangen. Einmal nämlich, am Tage der Beschneidung des Herrn [1. Januar] stürzte, während der Priester zur feierlichen Messe am Hochaltar stand und schon das zuletzt bei dem heiligen Sakrament beobachtete Stillschweigen aufgehoben hatte, der Kelch mit dem Blute so gänzlich um und ergoß seinen Inhalt vor aller Augen über den Altar, daß auch nicht ein Tropfen übrig blieb. Aber der hochweise Bischof, der erkannte, daß durch ein solches Vorzeichen nichts Glückliches verheißen worden sei, riet durch Fasten und Litaneien der göttlichen Strafe vorzubeugen und Gottes Zorn zu besänftigen. Um dieselbe Zeit sahen auch glaubwürdige Geistliche und Laien vierfüßige Ungeheuer und andere Gespenster der Nacht hierhin und dorthin fliegen. Tiere der Wildnis, wie Füchse und Hasen, wagten sich wie Haustiere in die Vorhallen der Kirche und in die Wirthschaftsgebäude der Kanoniker und ließen sich geduldig den Fangstrick anlegen. Knaben und Mädchen zogen öfters in Prozession mitten durch die Stadt, und wahre Bittgesänge nachahmend, prophezeiten sie durch ihre Scherze bitteren Ernst. Denn im folgenden Jahre brannte gerade die Stelle, wo die Domkirche und die bischöfliche Residenz erbaut werden sollten, vom Blitz getroffen, durch himmlisches Feuer nieder. Käuzlein, Wiedehopfe, Uhus schrieen das ganze Jahr hindurch auf den Dächern den Sterberuf und erfüllten die Ohren aller Menschen mit ihrer trauerverheißenden Stimme. Kobolde (pilosi), welche man Satyrn nennt, hörte man sehr häufig in den Häusern. Aus dieser, durch solche Anzeichen vorherverkündeten Verwüstung und trostlosen Verödung erwartet die genannte Freisinger Kirche mit göttlicher Hilfe durch die Nachfolge des frömmsten Hirten Adalbert, welcher sie gegenwärtig leitet und regiert, den Wiederaufbau und hofft durch seine Fürsorge sich erholen und wiederaufleben zu können. 17. Der Brand der Kirche von Speyer. Von dem Brande der Kirche von Speyer und dem Tode anderer (Bischöfe und) Fürsten. In demselben Jahre wurde auch die herrliche Kirche in der Stadt Speyer - ein königlicher Bau - auf ähnliche Weise durch Feuer verzehrt, und noch dazu begrub, da der Zusammenhang der Mauer sich löste, der schwere Schutt sehr viele Menschen, wie damals das Gerücht ging." [Rahewin, Taten Friedrichs IV, 15 - 17] Abt Arnold von Ballenstedt verkauft flämischen Kolonisten einige Weiler nahe der Elbe, wo zuvor Slawen gewohnt haben. Diese Siedler fassen die vorhandenen Weiler zu einem großen Dorf von 24 Hufen zusammen, in dem das flämische Recht (iura Flamiggorum) gilt. Die Beteiligung von Flamen an der Besiedlung Ostelbiens ist so verbreitet, daß eine der beiden Standardformen der Hufen "flämische Hufe" genannt wird. Beispiel für die Tätigkeit der Lokatoren (Siedlungsagenten im Erzbistum Magdeburg; siehe 1152): Erzbischof Wichmann überträgt dem Lokator Herbert das Dorf Pechau südöstlich von Magedeburg "zur Besiedlung und Nutzbarmachung", wobei vertraglich festgelegt wird, daß der Lokator selbst als Lohn sechs Hufen Land erhalten soll sowie das Recht, als Schulze zu amtieren und ein Drittel der Gerichtsgefälle (meist Bußgelder und eingezogenes Eigentum) zu behalten. Diese Privilegien sind erblich. Den Siedlern gewährt man als Anreiz das vorteilhafte Recht von Burg (bei Magdeburg) sowie eine zehnjährige Befreiung von der Pflicht, beim Burgenbau mitzuarbeiten ("Burgwerk"). Auch die flämischen Siedler in Großwusteritz an der Havel werden in diesem Jahr durch den Erzbischof vom Burgwerk-Dienst befreit, aber: "die Verpflichtung ausgenommen, sich zu Schutz und Trutz gegen die benachbarten Heiden (die Westslawen) mit einem Wall zu umgeben". Johannes von Salisbury erwähnt eine kirchliche Schwertsegnung, wobei das Schwert beim Eintritt in die Kirche auf den Altar gelegt wird und der Ritter den Dienst für Gott gelobt. Von jenem stammt übrigens auch die Bemerkung, in der Falknerei überträfen die Frauen die Männer.
Der Mainzer Erzbischof Arnold von Selenhofen wird im Konflikt mit der städtischen Oberschicht ermordet.
Ca.: In Salzburg wird das Wasser des Rosittenbachs (am Untersberg) in hölzerne Gerinne gefaßt, um die Wasserzufuhr der Stadt zu erhöhen.
Ca.: Aktivität der Katharer in Norditalien, das neben Südfrankreich eines ihrer Hauptgebiete wird.
Ca.: Ein anonymer Normanne verfaßt nach Vorlagen Ovids und Vergils den "Roman d'Eneas". Das Werk gehört zusammen mit dem "Roman de Thebes" und dem "Roman de Troie" zum Umkreis Heinrichs II. von England und dessen Frau Eleonore. Der "Roman de Troie" (1160/70) wird von Benoit de Sainte Maure verfaßt und ist die erste ausführliche französische Troja-Darstellung.
Ca.: Erste Erwähnung von Stuttgart. Genannt wird ein Hugo de Stukarten.
1160/1165: Der Kanonist Rufin verfaßt die "Summa decretorum", worin die Dispens als "Aufhebung einer kanonischen Vorschrift im Einzelfall" gilt.
Bildung einer deutschen Hanse ("Schar") in Wisby, geheißen "Gemeinschaft der Kaufleute des Römischen Reiches, die Gotland besuchen". Die eigentliche Hanse geht aus diesem Bund hervor. Hier erscheinen auch die ersten Lübecker in Wisby. Trier erhält Stadtrecht. Das früheste Handels- und Seerecht entsteht in Pisa: Constitutum Usus.
Barbarossa zerstört Mailand. Thomas Becket wird Erzbischof von Canterbury.
Ca.: Die Katharer versuchen, in England zu missionieren. Die etwa 30 "deutschen" Männer und Frauen unter einem "etwas gebildeten" Gerhard haben wenig Erfolg und werden bald ergriffen, als Ketzer verurteilt und hingerichtet. Sie stammen wahrscheinlich aus der Rheingegend.
Die Kölner Königschronik (von ca. 1200) berichtet, daß in diesem Jahre einige Katharer aus Flandern nach Köln gekommen seien. Sie werden entdeckt und verhört, und da sie nicht abschwören wollen, am 5. August außerhalb der Stadt verbrannt. In diesem Jahr taucht der Name Katharer ("Catharos") erstmals auf - bei dem Benediktiner Ekbert (später Abt von Schönau bei Trier). Das Wort wird als "Ketzer" zur Bezeichnung für dogmatische Abweichler. Die Katharer selbst, die sich für die wahren Christen halten, nennen sich (veri oder boni) christiani oder boni homines. Papst Alexander III. verbietet die Zinssatzung. Bei diesem Geschäft stellt der Gläubiger dem Schuldner einen Geldbetrag zur Verfügung und erhält dafür fruchttragende Güter (z.B. einen Acker, Weinberg oder eine Mühle) als Pfand. Solange die Schulden nicht zurückgezahlt werden, streicht der Gläubiger die Erträge als Zinsen ein. (Vgl. 829) Der Papst verlangt nun, daß diese Erträge von der Schuld abzuziehen seien und das Gut dem Schuldner zurückzugeben sei, sobald die angesammelten Pfanderträge die Höhe der ursprünglichen Schuld erreicht hätten. Die Zulässigkeit der Zinssatzung ist bereits in den 30er Jahren in den Klöstern diskutiert worden, wo dieses Geschäft eine beliebte und verbreitete Geldanlage ist. Insbesondere Kreuzfahrer haben solcherart ihre Güter an Klöster verpfändet, um sich für ihren Kreuzzug flüssig zu machen. Die Zisterzienser haben die Zinssatzung für ihren Orden bereits 1157 verboten. Trotz des päpstlichen Verbotes wird die Zinssatzung bis in die frühe Neuzeit weiterhin praktiziert, aber auch bekämpft. Papst Alexander III. legt den Grundstein für die Kathredrale Notre-Dame in Paris. Mit 130 Meter Länge und 35 (oder 32,8) Meter Gewölbehöhe geht man damit weit über das übliche Maß hinaus. Diese Emporenbasilika wird fünfschiffig, wie bisher nur St. Peter in Rom und die Abteikirche in Cluny. Mainz verfällt der Reichsacht (siehe 1160). Seine Mauern werden zerstört. Erste Erwähnung der Herren von Dinslaken.
Slawenaufstand im südlichen Mecklenburg. Fernkaufleute aus Ulm sind bezeugt. 1. Februar: In der Julianenflut entsteht durch schwere Sturmfluten und Deichbrüche der Anfang des Jadebusens. Es sollen an der Nordseeküste 20000 umgekommen sein. Rainald von Dassel bringt die angeblichen Gebeine der Hl. Drei Könige nach Köln. Diese ziehen während des ganzen Mittelalters zahlreiche Pilger in die Stadt.
England: In den Konstitutionen von Clarendon wird festgelegt, daß kriminelle Geistliche durch ein geistliches Gericht verurteilt und durch ein weltliches Gericht bestraft werden sollen. Die geistlichen Appellationen an Rom werden eingeschränkt.
Im sogenannten Konzil von Lombers (bei Albi) findet eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen Katharern und Katholiken statt. Das hier gesprochene kirchliche Verdammungsurteil bleibt folgenlos. Friedrich I. läßt durch Gegenpapst Paschalis III. Karl den Großen in die Schar der Heiligen aufnehmen. In Leipzig findet die erste Messe statt; in der Nähe der Burg wird eine Marktsiedlung errichtet. Lübecker Händler erscheinen an der Dünamündung.
Ca.: Johann von Würzburg verfaßt eine Art Pilgerhandbuch für Palästina, worin er nicht nur die Waffentaten der deutschen Ritter besonders hervorhebt, sondern auch empört feststellt, daß im Heiligen Land der Anteil der deutschen an der Eroberung Jerusalems unterschlagen werde, daß sogar "Verunglimpfer unseres Volkes" durch die Entfernung von Grabsteinen die Erinnerung daran bewußt auszulöschen suchten. Dies sei deswegen, weil die meisten Deutschen nach der Eroberung in ihre Heimat zurückgekehrt seien und Franzosen, Lothringer, Normannen, Provenzalen, Italiener, Spanier und Burgunder diese besetzt hätten. Wären die Deutschen geblieben, so wären die Grenzen der Kreuzfahrerstaaten schon längst weit über den Nil und Damaskus hinaus vorgeschoben.
Ca.: In den 1160er Jahren findet die Tübinger Fehde statt. Zwar ist es nur eine von vielen mittelalterlichen Fehden, deren Zahl zu groß ist, um sie im Rahmen dieser Darstellung auch nur annähernd zu erfassen, jedoch findet sich darüber eine interessante Darstellung der mittelalterlichen Kriegsführung: "Jetzt eilt auch unsere Hauptmacht in geschlossener Front...herbei, aber wegen der Schwierigkeit des Zugangs erreichen nur wenige den Kampfplatz. Gleichwohl haben alle, die zum Schlagen kamen, zwei Stunden lang aufs tapferste gekämpft, obgleich mit Ausnahme eines einzigen auf keiner Seite jemand fiel. So gut waren sie nämlich alle durch ihre Rüstungen geschützt, daß sie viel leichter gefangengenommen als getötet werden konnten. (...?) Als die Feinde dieser Flucht gewahr werden, nehmen sie zunächst ihre noch kämpfenden Gegner, von denen nur wenige entkommen, gefangen und schicken sie in die Burg; dann setzen sie den anderen nach. Wie Schafe von der Weide in den Stall treiben sie sie vor sich her und nehmen ihnen alles in allem 900 Gefangene und ungeheure Beute ab." (Historia Welforum) Zu dieser Zeit ist die Körperpanzerung noch nicht so weit entwickelt, daß realistischerweise solche Resultate zu erwarten sind. Es zeigt sich vielmehr daran, daß die Motivation in solchen Fehden begrenzt ist: Es wird nicht bis zum letzten Blutstropfen gefochten, sondern der Einsatz wird dosiert; energischer Widerstand gegen eine Gefangennahme findet nicht statt. Mittelalterliche Fehdeführung besteht mehr aus demonstrativ-rituellen Drohgebärden als aus wirklichen Gewaltakten - ausgenommen natürlich gegen die Resourcen und die Bauern des Gegners! (Vgl. 1001 und 1133)
Dieses Jahr soll der Wein so schlecht sein, daß man angeblich damit den Kalk zum Mauern zubereitet. [Nach Dillich, Hessische Chronik; vgl. 1450] Barbarossa zieht nach Italien, wozu rasch ein Heer aufgestellt worden ist. Da ihn die deutschen Fürsten nur zum Teil mit Lehnsaufgeboten unterstützen, werden hier Söldnerkontingente aus Flandern, Brabant und Lothringen, die (gefürchteten) Brabanzonen, herangezogen. Hier wird erstmals das freie Söldnertum legitimiert. Ludwig VII. von Frankreich und Heinrich II. von England erheben eine Steuer, um Geld für einen Kreuzzug aufzutreiben. Sie hängt vom individuellen Einkommen und Besitz ab. Hier liegen die Ursprünge einer allgemeinen Kreuzzugsbesteuerung.
Wismar wird erstmals erwähnt. Die Katharer gründen Bistümer in Toulouse und Carcassonne. In Albi besteht bereits ein katharisches Bistum. In St.-Felix-de-Caraman halten sie ein Konzil ab; als Gast erscheint u.a. der bogumilische "Papst" (Pope?) Niketas aus Konstantinopel. Hier wird der Grundstein des Wirkens der Katharer als Kirche gelegt. Der radikale Dualismus wird als Grundlage übernommen. Über Salzburg wird die Reichsacht verhängt. Beim Angriff kaiserlicher Truppen gerät die Stadt in Brand. Waldemar I. (der Große) von Dänemark) macht dem Erzbischof Absalom ein Fischerdorf namens Havn zum Geschenk (später Kopenhagen). Gründung der Lombardischen Liga, eines Vorläufers der späteren Städtebünde.
Im Gebiet des heutigen Freiberg wird Silber gefunden. Barbarossa erzwingt, daß die Söhne des vertriebenen und inzwischen verstorbenen Wladislaw als Herzöge in die beiden schlesischen Herzogtümer Breslau und Ratibor einzusetzen sind. Diese, am deutschen Hof aufgewachsen, wenden sich dem Reich zu und lösen Schlesien aus Polen heraus. In Pisa wird auf dem zugefrorenen Arno ein Kampfspiel veranstaltet. 23. Dezember: In Rennes stirbt Stephan von Fougères (Étienne de Fougères), der in seine letzten Lebensjahren das der Gräfin von Hereford gewidmete "Livre des manières" verfaßt hat. Dieses aus 1344 Achtsilbern bestehende Gedicht ist eins der frühesten Beispiele einer Ständedidaxe in französischer Sprache und behandelt im ersten Teil die höheren Stände (König, Klerus, Ritter) und im zweiten, gleich langen Teil die niederen Stände (Bauern, Bürger, Frauen). Es ist nur in einer einzigen Handschrift Anf. 13. Jh.) erhalten.
1169 bis 1173
Wilhelm von Tyrus verfaßt die "Historia rerum in partibus transmarinis gestarum", eine Geschichte des "lateinischen" Ostens seit 614.
Der Pfaffe Chunrat (Konrad), vermutlich im Dienste Heinrichs des Löwen, beginnt mit der Übersetzung des Rolandsliedes aus dem Französischen. In 9094 Versen wird die Vorlage religiös modifiziert. Lübeck erhält Soester Stadtrecht, welches sich bald als Lübisches Recht verbreitet. Eine Sturmflut in der Nordsee erweitert die Zuidersee und bildet die Inseln Texel und Wieringen. Goslarer Bergleute beginnen mit der Erschließung der Silbervorkommen bei Freiberg im Erzgebirge. Thomas Becket kehrt nach England zurück und bringt eine neumodische zweizinkige (italienische) Gabel mit. Der Legende nach sollen Adlige am Hof mit solchem Eßbesteck Zweikämpfe machen. (Die Gabel wird sich erst im 18. Jh. verbreiten.) Becket wird in diesem Jahr ermordet, als er König Heinrich II. von England Widerstand leistet. 25. Juli: Gründung von Gelnhausen als Stadt, gleich mit Zollfreiheit. In einem Brief kritisiert Peter von Blois den Verfall der Kriegszucht: Früher hätten sich die Ritter durch einen Eid gebunden, in der Schlacht nicht zu fliehen und den Nutzen des Gemeinwohls dem eigenen Leben voranzustellen; auch heute erhielten sie ihre Schwerter vom Altar zur Ehrung der Priester, zum Schutz der Armen und zur Strafe der Übeltäter, ihre Handlungen jedoch kehrten das ins Gegenteil: Sie wenden sich gegen Priester, wüten im kirchlichen Grundbesitz, plündern die Mönche aus, bedrängen die Elenden und befriedigen ihre Gelüste im Schmerz der anderen. Statt im Krieg gegen die Feinde des Kreuzes ihre Kräfte zu messen, streiten sie beim Trinken um die Wette; die Ritter ziehen nicht mit dem Schwert, sondern mit Wein in den Krieg, nicht mit Lanzen, sondern mit Käse, nicht mit Wurfspießen, sondern mit Bratspießen. Sie leben in Muße und entehren so die Ritterpflicht (das officium militiae); goldene Schilde sprächen der Kampfpflicht Hohn, an die Stelle der Kampfbegierde sei der Wunsch nach Beute und nach unberührten Jungfrauen getreten; Kriege ließen sie nur noch auf Bildern darstellen.
Ca.: Etienne de Fougères, Bischof von Lisieux, verfaßt mit dem "Livre des manières" die erste systematische Abhandlung über das Rittertum, ausgehend von der Dreiteilung der Gesellschaft. Als Kirchenmann sieht er es als Aufgabe des Ritters an, der starke rechte Arm der Kirche zu sein, ohne allzu viele Fragen zu stellen. Das Rittertum wird als "Orden" definiert.
Ca.: In England übernimmt man die "französische", d.h. gotische Bauweise.
Ca.: Steyr wird als "urbs" genannt.
Ca.: Entstehung des "Straßburger Alexanders", einer Bearbeitung des Alexanderliedes des Pfaffen Lamprecht, wo Alexander bereits als höfischer Ritter erscheint.
Ca.: Eilhart von Oberg verfaßt, vermutlich am Hofe Heinrichs des Löwen in Braunschweig, "Tristrant und Isalde".
Ca.: Entstehung der "Historia Welforum", der Hausgeschichte der Welfen.
Ca.: Abfassung der Pöhlder Annalen.
Seit diesem Jahr taucht in Urkunden aus dem Rhein-Main-Gebiet Friedrich von Hausen auf, der Sohn des Freiherrn Walther von Hausen. Dieser einflußreiche Ministeriale sitzt wahrscheinlich auf der Burg Rheinhausen nördlich von Mannheim. Es ist der erste als historische Gestalt faßbare Dichter des Minnesangs, zugleich der erste, bei dem provencalische Einflüsse deutlich nachweisbar sind und schließlich der erste, bei dem sich nicht nur einzelne Motive des Hohen Minnesangs finden, sondern bei dem das gesamte System minnesängerischer Selbstdarstellung ausgebildet vorliegt: das unerwiderte, ungelohnte Dienen, die Erziehung des Ritters zu Beständigkeit und zu Maßhalten, die Spiritualisierung der Herrin als einer in der Distanz angebeteten, bewunderten und geliebten Frau, die ihm das Herz raubt und sich ihm entzieht, das bejahte und beklagte Minneleid. Florenz erhält durch ein Bündnis mit Pisa freien Zugang zum Meer.
Ca.: Helmolds "Chronica Slavorum". Bis 1175: Auf Betreiben des Kaisers erhält Aachen eine Stadtmauer.
Ludwig III. der Milde wird Landgraf von Thüringen (bis 1190). Rothenburg ob der Tauber erhält Stadtrecht. In Florenz beginnt man mit dem Bau der Stadtbefestigung; sie umfaßt etwa 80 Hektar Land. (vgl. 1284) Nach 14 Jahren Bauzeit wird in Prag eine steinerne Brücke fertiggestellt, die nach Königin Judith benannt wird. Heinrich der Löwe weilt als Pilger in Jerusalem. Bis 1175: Der Anglonormanne Thomas d'Angleterre verfaßt am Londoner Hof seinen "Tristan", der in zehn Fragmenten erhalten ist.
Erste historisch nachweisbare Grippeepidemie. (Unklar; vgl. 1323 und 1367) Der spanische Rabbiner Benjamin von Tudela, von einer Reise durch die Mittelmeerländer zurück, verfaßt den "Itinerarius".
Landgraf Ludwig III. von Thüringen heiratet Gräfin Margarete von Cleve. Zu diesem Anlaß leiht der Dichter Heinrich von Veldeke (wahrsch. aus einem Maastrichter Ministerialengeschlecht) das Manuskript seines unfertigen Romans "Eneide" der Gräfin. Graf Heinrich Raspe, ein jüngerer Bruder Ludwigs entwendet das Manuskript und schickt es nach Thüringen. Der Autor erhält es erst in neun Jahren zurück. In diesem Werk findet sich eine frühe Erwähnung der Zugbrücke (valbrucken). Für die Messen in der Champagne taucht erstmals ein Messeaufseher auf. Dieser ist beauftragt, Ordnung zu schaffen und und einen ungestörten Ablauf der Geschäfte zu gewährleisten. Er übernimmt die juristische Garantie für die Ausführung der vor ihm eingegangenen Verträge. In Brixen brennt der Dom ab. Barbarossa verwendet für seinen Italienzug erneut Brabanzonen (Söldner, siehe 1166).
Nachdem bei Turnieren in Sachsen 16 Ritter zu Tode gekommen sind, belegt der Erzbischof von Magdeburg alle Turnierteilnehmer mit dem Bann und läßt alle weltlichen Fürsten bei den heiligen Reliquien schwören, den Rittern ihres Herrschaftsgebietes die Teilnahme an Turnieren zu verbieten. (Wer wird sich über die Wirkung solcher Vorschriften irgendwelche Illusionen machen?) Herzog Boleslaus von Schlesien gewährt den Zisterziensern von Leubus für "alle Deutschen, die künftig die Güter des Klosters bebauen oder, durch den Abt auf ihnen angesiedelt, dort Wohnung nehmen werden", Freiheit vom "polnischen Recht". In den 1170er Jahren: Wahrscheinlich in dieser Zeit verfaßt Chretien de Troyes den "Yvain." Hierin wird eine Rattenfalle erwähnt: "This gate was very high and wide, but had such a narrow entry-way that two men or two horses could not pass through together or meet one another in the gate without crowding or great difficulty; for it was built just like a trap that awaits the rat on its furtive scavenging: it had a blade poised above, ready to fall, strike, and pin, and triggered to be released and to fall at the slightest touch." Es scheint sich dabei um die einzige mittelalterlicheErwähnung einer Rattenfalle zu handeln.
Lokale Hungersnot in Mittelfrankreich. Das Straßbuger Münster brennt ab (nach den Marnacher Annalen zum vierten Mal, nach den Jahrbüchern von Straßburg zum fünften Mal). Dietrich, der Sohn des Markgrafen von Meißen kommt bei einem Turnier ums Leben. Barbarossa verlangt für seinen Italienzug fußfällig die Unterstützung Heinrichs des Löwen, doch dieser fordert als Gegenleistung für Hilfstruppen die Übertragung der Reichsvogtei Goslar mit ihren Silbergruben und so wird nichts daraus.
Im Sommer gibt es (zumindest in den Kreuzfahrerstaaten) neue Kreuzzugsgerüchte. Der Papst schickt seinen Arzt Philipp aus, um den Priesterkönig Johannes zu suchen und um Unterstützung zu bitten. Seine Reise endet, wie es den Anschein hat, ergebnislos in Abessinien. Etwa zu dieser Zeit - 1179? - schickt der Papst einen Brief an den Priester Johannes, der freilich nie beantwortet wird.
Ca.: Das Wort "Weihnachten" (wihe naht) wird erstmals gebraucht. Bis 1182: Entstehung der "Alexandreis" des Walter von Chatillon, der beliebtesten lateinischen Alexanderdichtung. In Köln sind 48 Häuser und Hofstätten im Besitz von Juden.
Es stirbt Hildegard von Bingen. Heinrich der Löwe verfällt der Acht. Das dritte Laterankonzil: Die Katharer und deren Helfer werden mit dem Bann belegt; wer gegen sie kämpft, erhält Ablaß. Das Strandrecht wird verurteilt. Erneut - und wieder vergeblich - werden Turnierteilnehmer mit dem Bann bedroht. Ebenso mit dem Bann bedroht wird die Verwendung von Söldnern zur Kriegsführung. In diesen Jahrzehnten hat sich ein Söldnerwesen in folgenden Gebieten entwickelt: Flandern, Brabant, Lothringen, Aragon, Navarra, Baskenland. Portugal wird von Papst Alexander III. als Königreich anerkannt. Lissabon erhält Stadtrechte (Hauptstadt ist aber noch Coimbra).
Entstehung der Version I (Branche I) von Berols "Tristan", der Sprache nach normannischer Herkunft und für ein englisches Publikum konzipiert - in einem Fragment überliefert. Obwohl unverkennbar zwei Autoren am Werk waren, wird das Werk in dieser uneinheitlichen Form vom Publikum rezipiert.
13. April: Heinrich der Löwe wird abgesetzt und geächtet, weil er dem Kaiser die Gefolgschaft verweigert hat. An seine Stelle tritt Pfalzgraf Otto von Wittelsbach. Das Herzogtum Sachsen geht auf die Askanier über. Sie herrschen nur um Lauenburg und Wittenberg. Westfalen wird selbständiges Herzogtum unter dem Erzbischof von Köln. Die Markgrafschaft Steiermark wird (unter Otakar I.) Herzogtum. Die Kölner bauen gegen den Willen des Bischofs eine neue Mauer. Sie wird 6,9 km lang werden. Johannes von Salisbury (ca. 65) stirbt.
Ca.: Gründung von Dinkelsbühl.
Ca.: Barbarossa verleiht Reutlingen das Marktrecht.
Ca.: An europäischen Schiffen taucht das Heckruder auf.
Ca.: Bei Alexander Neckham wird (offenbar erstmals) ein Spiegel aus Glas erwähnt: "Take away the lead which is behind the glass and there will be no image of the one looking in." [Holmes 1952, p 144]
Ca.: Pierre de Chantre, ein Domherr der Kathedrale von Paris kritisiert den Kathedralenbau: "Es ist eine Sünde, Kirchen zu bauen, wie es momentan geschieht...Dahinter steht die ständige Leidenschaft zu bauen...Die Klosterbauten und die Kathedralen werden zur Zeit mit dem Wucher des Geizes, der List und der Lüge und mit den Betrügereien der Prediger gebaut."
Ca.: Gautier von Arras verfaßt den "Éraclé", einen Roman um den byzantinischen Kaiser Heraclius (gest. 641).
Bis 1190: In Urkunden von Basel werden erstmals Rat (consilium) und Ratsleute (consiliarii) erwähnt.
Bis 1208: Die "Historia Danica" (Dänengeschichte) von Saxo Grammaticus wird zusammengestellt, enthaltend neben einer Geschichte der Dänen auch einen Abschnitt über die Sagen und Bräuche Nordeuropas. Im dritten und vierten Buch findet sich unter jenen Sagen die Geschichte von Amlethus, ein Stoff, welcher später durch Shakespeares Hamlet bekannt wird.
Bis 1240: Köln erhält eine neue Befestigung. Es wird die größte und stärkste Befestigung ihrer Zeit in Europa. Die alte römische Stadtmauer ist bereits im 10. Jh. teilweise niedergelegt worden. Köln erreicht damit eine Fläche von 400 Hektar, was bis zum 19. Jh. nicht mehr überschritten wird.
Bis 1247: In England wird der Short-cross Sterling herausgegeben. Sterling ist die Bezeichnung für englischen Pfennige (Pennies).
Bis 1250: Das mittlerweile mit zwei t geschriebene Wort "Ritter" gewinnt eine auffallende Beliebtheit, die auf einen Wandel seiner Bedeutung hinweist. Es wird zur Benennung von Adligen und Königen verwendet.
"Herzog Heinrich von Sachsen wird vom Kaiser unterworfen. Das Getreide war teuer, der Wein gut und wohlfeil. Im selben Jahre starb Papst Alexander und Lucius folgte ihm." [Marbacher Annalen]
Philipp II. August nimmt den Titel "König von Frankreich" an, statt wie bisher "König der Franzosen" (bzw. Franken). Frühjahr: Heinrich, Kardinallegat und Abt von Clairvaux leitet einen ersten Kreuzzug gegen die Katharer in Okzitanien, speziell gegen den Vizegrafen Roger II. von Albi, Beziers und Carcassonne. Die Beteiligung ist gering und die Sache verläuft im Sand. Der Adel unterstützt vielfach die Katharer oder läßt sie gewähren, da sie jegliche Autorität der Kirche (und damit auch die Angaben an sie) ablehnen. So haben sich sie Vizegrafen von Albi, Beziers und Carcassonne sowie die Grafen und Toulouse und die von Foix gewaltsam Kirchengüter angeeignet. Die Stimmung in Okzitanien ist antiklerikal. Die Abtei Saint-Mary of Swineshead in Lincolnshire richtet die erste bekannte Windmühle ein. (Möglicherweise hat es gleichzeitig oder etwas früher auch in der Normandie und auf der iberischen Halbinsel Windmühlen gegeben.) Andererseits soll die erste Erwähnung einer Windmühle erst 1185 erfolgt sein und sich auf Yorkshire beziehen. Andererseits sind Windmühlen mit horizontalen Flügeln (also nicht mit vertikalen wie in Europa) bereits seit dem 7. Jh. im Gebiet von Iran und Afghanistan bekannt. Diese benötigen zwar kein Zahnradgetriebe, sind aber gerade wegen dieser fehlenden Übersetzung zu langsam und kaum effektiv zum Mahlen. Die Heiligsprechung wird ein Vorrecht des Papstes. Das Abhalten von peinlichen Gerichten innerhalb von Kirchen wird verboten. (vgl. 1273) Reichstag zu Erfurt. Barbarossa erhebt Zollplatz und Kaiserpfalz Kaiserswerth zur Stadt. Es stirbt Serlo von Wilton, von welchem der Satz stammt: "Natur befiehlt, ihr nicht zu folgen wäre ein Verbrechen." (Poèmes latins, ed. Öberg 29.19) Konrad III., der erste Kardinal in Salzburg beginnt mit dem Neubau des romanischen Domes, eines der größten nördlich der Alpen. In Frankreich wird bereits gotisch gebaut.
"Am Feste des heiligen Jakob wurde Bischof Heinrich von Straßburg in Italien unter großen Schwierigkeiten von Christian, dem Bischof von Mainz geweiht. Viel und guter Wein; der Eimer wurde um sechs Straßburger Pfenninge verkauft." [Marbacher Annalen]
Ludwig I. der Kelheimer (9) wird Herzog von Bayern. Urkunde des Grafen Wilhelm von Valentinois: "Es ist ein besonderes Merkmal des Adels, und es erfordert die Gewalt unseres Schwertes, daß wir Witwen und Waisen verteidigen und beschützen, Recht sprechen und Gerechtigkeit üben an den Armen in ihrer Not." Die allgemeine Zisterzienser-Versammlung verhängt schwere Strafen gegen jedes Mitglied, welches Wahrsagerei getrieben hat. Heinrich von Veldeke erhält sein unfertiges Manuskript der "Eneide" zurück und kann den Roman fertigstellen - im Auftrag seines neuen Mäzens, des zukünftigen Landgrafen Hermann von Thüringen. Gladbach erhält Marktrecht. Der Friede von Konstanz legitimiert das städtische Bündnisrecht.
20. Mai (Pfingsten): Hoffest zu Mainz. Barbarossa schmückt sich mit den angeblichen Insignien Karls des Großen. Zwischen Rhein und Main wird eigens eine Feststadt aus Hütten und Zelten errichtet. Es nimmt eine ungewöhnlich große Zahl an Rittern aus dem Reich (inkl. Italien und Burgund) teil. Der einzige ausländische Teilnehmer ist der französische Dichter Guiot de Provins. Es wird als das glänzendste Reichsfest des Mittelalters bezeichnet. "Am Pfingstmontage wurden der Herr Heinrich, König der Römer, und der Schwabenherzog Friedrich, Söhne des Herrn Kaisers Friedrich, zu Rittern geschlagen. Diese Ehrung veranlaßte diese sowie alle Fürsten und viele Edelleute, den Rittern, Gefangenen, solchen, die das Kreuz genommen hatten, Spielleuten, Gauklern und Gauklerinnen reiche Geschenke zu übergeben: Pferde, kostbare Kleider, Gold und Silber. Die Fürsten taten dies nicht bloß zur Ehre des Kaisers und seiner Söhne, sondern sie spendeten auch, um ihren eigenen Ruhm weithin bekannt zu machen, mit freigiebiger Hand. Am Pfingstmontag und Pfingstdienstag begannen die Söhne des Kaisers nach dem Morgenmahl das Turnier, an dem sich schätzungsweise zwanzigtausend oder mehr Ritter beteiligten. Die Turniere wurden ohne eigentlichen Kampf abgehalten; die Ritter ergötzten sich bloß am Schild- Lanzen- und Fahnenschwingen sowie ihrer Reitkunst. Auch der Herr Kaiser tat mit, und wenn er auch an Größe und Schönheit nicht alle übertraf, so führte er doch seinen Schild am besten. Der Graf von Hennegau diente ihm beim Turnier und trug seine Lanze. Am Dienstag erhob sich gegen Abend ein Sturm und warf die Kapelle des Herrn Kaisers sowie einige Häuser, die man wegen der Menge des Volkes am Rheinufer erbaut hatte, um. Die Trümmer erschlugen einige Leute, viele Zelte wurden zerrissen, und alle Menschen befiel Furcht. Zu diesem Hoftage waren, wie schon erwähnt, 70000 Ritter erschienen, zumal schon die bedeutensten Fürsten eine große Zahl herbeigeführt hatten: der Herzog von Böhmen 2000, der Herzog von Österreich 500, der Herzog von Sachsen 700, der Pfalzgraf bei Rhein 1000 oder mehr, der Landgraf von Thüringen 1000 oder mehr, der Herr Erzbischof Konrad von Mainz, ein Vetter des Kaisers, 1000, der Herr Erzbischof von Philipp von Köln, ein Vetter des Grafen von Hennegau, 1700, der Herr Erzbischof von Magdeburg 600, der Herr Abt von Fulda 500, dazu kamen dann noch die übrigen Fürsten...Das für Ingelheim am Rhein angesagte Turnier unterblieb nach dem Rate der Fürsten." (La chronique de Gislebert de Mons, ed. Léon Vanderkindere, S. 154 - 161) Es nimmt auch Heinrich von Veldeke, der Dichter des "Eneit" an diesem Fest teil, wie man aus Angaben aus ebendiesem Werk weiß. Barbarossa unternimmt seinen sechsten Italienzug (bis 1186). Nach einem Bündnis mit Mailand wird Heinrich (VI.) dort zum König von Italien gekrönt und mit Konstanze von Sizilien vermählt. An dessen Brautfahrt nach Apulien soll auch Markgraf Dedo II. von Rochlitz und Goiz als Begleiter teilnehmen. Dieser, ein kleiner, dicker und kurzatmiger Mensch fürchtet die Hitze und die Anstrengungen, weswegen er einen Arzt konsultiert. Der Arzt schneidet dem Markgrafen kurzerhand den Bauch auf und das Fett heraus - eine Prozedur, welche er freilich nicht überlebt. "Mittlerweile hielt König Heinrich zu Augsburg, einer Stadt Rätiens, Hof; daselbst verlobte er sich mit Constantia, der Tochter des Königs Roger von Apulien. In diesem Jahre war der Sommer warm und trocken, aber im Monat November war eine sehr bedeutende Überschwemmung, denn die Gewässer stiegen nicht allein in Folge des Regens, sondern auch aus verborgenen Quellen hervorbrechend so hoch, daß sie fast die ganze herumliegende Ebene [um Augsburg oder um Marbach?] bedeckten und den Menschen sehr großen Schaden brachten. Im selben Jahre hatte Heinrich zu Erfurt, einer vornehmen Stadt in Thüringen, eine Besprechung mit einigen Fürsten und Baronen. Während dieser Unterredung stürzte der untere Teil des Gebäudes, in welchem die Fürsten, Grafen und andere Leute verschiedenen Standes versammelt waren, zusammen und viele fanden den Tod, indem sie in die Abtrittsgrube fielen und versanken. Unter ihnen wurden Graf Friderich von Habenberc und vier andere mächtige und reiche Grafen und viele andere an verschiedenen Körperstellen verletzt, tot oder halbtot herausgezogen. Nur König Heinrich klammerte sich an einem Fenster des Hauses an und wurde auf der einen Seite von Cunrad, dem Erzbischof von Mainz, und auf der andern Seite von seinem Kanzler Godefrid gestützt." [Marbacher Annalen]
Auf dem Konzil von Verona ruft Papst Lucius III. die Bischöfe zur Verfolgung und Exkommunikation von Ketzern auf.
In Paris werden die Straßen gepflastert. Erste Walkmühle in England. Der Bamberger Dom brennt. Alfons II. von Aragon unterstützt die Besiedlung von Valmadrid im Ebro-Tal durch das Kloster San Salvador in Saragossa und dessen Prokurator Domingo de Luna unter folgenden Bedingungen: "Ich befehle, daß alle, die als Siedler dorthin kommen oder die dort ein Landstück besitzen, bis Weihnachten Häuser bauen, und wenn sie dort bis zu diesem Termin keine Häuser gebaut haben, soll der obengenannte Domingo de Luna bevollmächtigt sein, das Landstück einzuziehen und es anderen zu geben, die dort siedeln und Häuser bauen wollen." Der arabische Autor Ibn Jubair beschreibt Akkon: "Akkon ist...der Anlaufhafen für alle Schiffe. Die Stadt ist das Ziel der Schiffe und Karawanen und der Treffpunkt der muslimischen und christlichen Kaufleute aus aller Herren Länder. Ihre Wege und Straßen sind von dem Andrang von Menschen verstopft, so daß man kaum seinen Fuß auf den Boden setzen kann. Es stinkt und ist schmutzig, überall liegen Müll und Exkremente herum." "Im selben Jahre schickte ein Astronom von Toledo namens Johannes in alle Gegenden der Welt Briefe mit der Versicherung, daß im nächsten Jahre, ungefähr im Monat September alle Planeten in einem Hause zusammenkommen würden, verkündete einen beinahe jedes Gebäude zerstörenden Wind, Sterblichkeit, Hungersnot und viele andere Übel, das Ende der Welt und die Ankunft des Antichristes, worüber alle Astronomen und andere Philosophen und Magier, sowohl christliche als heidnische und jüdische einverstanden wären. Daher bemächtigte sich vieler die größte Angst, so daß sich einige unterirdische Wohnungen herstellten und in vielen Kirchen Fasten, Prozessionen und Bittgänge veranstaltet wurden. Aber damit sich zeigte, daß die Weisheit dieser Welt Torheit vor Gott ist, war zur vorherbestimmten Zeit große Heiterkeit und Ruhe in der Luft und nichts von allem, was verkündet war, traf ein. (Im gleichen Jahre wird die Burg Breisach von König Heinrich gegründet.)" [Marbacher Annalen]
Die Normannen erobern Thessaloniki, die zweitgrößte Stadt des byzantinischen Reiches.
"In diesem Jahre war ein warmer Winter, so daß im Dezember und Januar viele
Bäume blühten, an welchen man um die Zeit des Februar Birnen von der Größe einer Haselnuß erblickte. Auch hatten Raben, Elstern und andere derartige Vögel im Januar Junge." [Marbacher Annalen]
Friedrich I. erläßt das Landfriedensgesetz "Constitutio contra incendiarios", wonach Söhne von Priestern, Diakonen und Bauern vom Rittertum ausgeschlossen werden. Gegebenenfalls muß sie der Landrichter ihrer Würde entkleiden. Dieses strenge Gesetz wird natürlich nicht immer beachtet. Ein Artikel im Bremer Stadtrecht besagt, daß derjenige, der binnen Jahr und Tag in der Stadt unter Weichbildrecht sitze, frei sei, wobei ausdrücklich Männer und Frauen genannt werden (ebenso 1209 in Stade). König Sverrir von Norwegen gerät über die deutschen Kaufleute in Zorn, die auf sehr großen Schiffen Wein und Luxusprodukte nach Bergen bringen, um "sein Volk zu verderben". Geoffrey Plantagenet, der Sohn König Heinrichs II. von England kommt bei einem Turnier ums Leben.
"Aber im folgenden Jahre, nämlich 1187 kam um die Zeit des März eine sehr ungünstige Witterung und heftige Kälte, welche bis zum ersten Juni anhielt, so daß an Pfingsten, nämlich Mitte Mai, viel Schnee fiel und fast alles Obst zu Grunde ging. In eben diesem Jahre und in genanntem Monat wurde Straßburg zum großen Teil durch Feuer verwüstet. In diesem Jahre wurde zwischen dem Papst und dem Kaiser über den Frieden unterhandelt, aber es nützte nichts, weil er damit umging, den Kaiser und den König zu excommuniziren. Gott vereitelte aber seine böse Absicht, denn in eben diesem Jahre starb er und folgte ihm Gregor der achte, ein guter und frommer Mann. Im selben Jahre drang Saladin, der König von Babylon, welcher dem Kaiser früher befreundet gewesen - denn sie hatten sich wechselseitig Gesandte und Geschenke zugeschickt - mit einem Heere in das Land der Christen ein und errang, nachdem er den Kampf mit ihnen begonnen, einen blutigen Krieg. Denn mehr als dreißigtausend Menschen wurden
niedergemacht, Jerusalem zur Übergabe gezwungen und nicht lange darauf, nachdem alle seine Bürger entweder gefangen oder gegen eine Loskaufsumme entlassen und vertrieben waren, von Heiden bewohnt; auch das rehrungswürdige Holz des heiligen Kreuzes wurde geraubt, Acharon und fast alle benachbarte Städte bis auf das einzige Tyrus erobert und andere unzählige und unerhörte Greuel verübt." [Marbacher Annalen]
2. Oktober: Saladin erobert Jerusalem. In Stettin (früher rein heidnisch) wird die durch den Bamberger Kaufmann Beringer gestiftete St. Jakobikirche geweiht.
Januar: Erzbischof Josias von Tyros trifft sich in Gisors an der Grenze zwischen Normandie und Frankreich mit Heinrich II. von England und Philipp August von Frankreich, wohin diese gekommen sind, um nach Jahren planlosen Krieges einen Waffenstillstand zu verhandeln. Er kann sie zum Frieden bewegen und nötigt ihnen das Versprechen ab, sich so bald wie möglich auf den Kreuzzug zu begeben. Graf Philipp von Flandern, der sich möglicherweise seines fruchtlosen Kreuzzuges vor zehn Jahren schämt, folgt nebst anderen Angehörigen des Hochadels beider Königreiche ihrem Beispiel. Ende des Monats tritt Heinrichs Kronrat in Le Mans zusammen und ordnet die Einrichtung des Saladin-Zehnten für England und Frankreich an. Der Saladin-Zehnte wird einigermaßen erfolgreich eingetrieben, trotz der Versuche eines Tempelritters namens Gilbert von Hoxton, seinen Anteil in die eigene Tasche zu stecken und der Unfähigkeit des schottischen Königs Williams des Löwen, seinen Baronen auch nur einen einzigen Penny zu entlocken. (Ein frühes Beispiel für schottische Sparsamkeit.) Allein in England sollen 70000 Pfund Einnahmen erzielt worden sein, was wahrscheinlich übertrieben ist. In Frankreich gibt es Widerstand. Kreuzfahrer sind von dieser Steuer ausgenommen. Es wird bestimmt, daß die Untergebenen Philipps II. von Frankreich rote, die Heinrichs II. von England weiße und die des Grafen von Flandern grüne Kreuze tragen sollen. Lange, ehe das Kreuzheer versammelt werden kann, bricht in Frankreich wieder Krieg aus. Philipp II. August von Frankreich und Heinrich II. von England erlassen gemeinsam eine Heeresordnung, welche das Tragen von Buntwerk, Grauwerk, Zobel oder Scharlach, sowie von ausgeschnittenen und geschnürten Kleidern verbietet. Es stirbt der Emir Ussama ibn Munkidh (93), der Neffe des Herrschers von Scheisar, welcher (irgendwann vorher) einmal ein Erlebnis aus seiner Jugend berichtet hat, betreffend die abendländische Medizin: "Schon nach zehn Tagen stand Thabit wieder vor meinem Onkel. Und wir hatten geglaubt, er kuriere im Libanon fränkische Wunden! Die Herren Kreuzfahrer nämlich hatten verdammt wenig Zutrauen zu der Heilkunst ihrer eigenen Leute und zogen es vor, hier im "Heiligen Lande" ihre Hautausschläge, Koliken und Durchfälle von unseren Ärzten behandeln zu lassen. Und wie recht sie taten (Allah verfluche sie)! Mein Onkel, der Emir von Schaisar, hatte unserem fränkischen Nachbarn auf der Burg Munaitira den Gefallen getan und ihm auf sein Drängen für einige Zeit unseren tüchtigen Thabit überlassen, auß daß er an seinen kranken Freunden verschiedene Kuren durchführe. Aber Thabit war aus der fränkischen Garnison schon wieder zurückgekehrt. "Wie hast du nur so schnell die Kranken geheilt?" fragten wir ihn erstaunt. "Man brachte mir einen Reiter, an dessen Bein sich ein Geschwür gebildet hatte", erwiderte der Arzt, "und eine Frau, die von einem zehrenden Fieber befallen war. Dem Reiter habe ich ein Zugpflaster aufgelegt. Das Geschwür brach auf und nahm einen gutartigen Verlauf. Der Frau verordnete ich Diät und besserte ihr körperliches Befinden durch Darreichung von pflanzlicher Nahrung. Da kam ein fränkischer Arzt hinzu und sagte: "Der versteht nicht, sie zu heilen." Darauf wandte er sich an den Reiter mit der Frage: "Was ist dir lieber: zu leben mit einem Bein oder zu sterben mit zwei Beinen?" Der antwortete: "Leben mit einem Bein." Dann sagte der fränkische Arzt: "Holt mir einen starken Reiter mit einem scharfen Beil!" Der Reiter mit dem Beil erschien. Ich war noch zugegen. Nun legte der Arzt das Bein des Patienten auf einen hölzernen Hauklotz und befahl dem Reiter: "Schlag ihm das Bein mit einem einzigen Axthieb ab!" Der Reiter versetzte ihm einen Hieb, während ich zusah. Aber das Bein war damit noch nicht abgetrennt. Er schlug zum zweitenmal zu. Da floß das Mark des Beines aus, und der Unglückliche starb zur Stunde. Darauf untersuchte der Arzt die Frau und sagte: "Dieses Weib hat hat einen Teufel im Kopf, der in sie verliebt ist. Schneidet ihr die Haare ab!" Man schnitt sie ihr ab, und sie aß wieder die Speisen ihrer Landsleute, Knoblauch und Senf. Das Fieber stieg bei ihr. Der Arzt sprach: "Der Teufel ist ihr in den Kopf gestiegen." Mit diesen Worten ergriff er das Rasiermesser, machte ihr kreuzweis einen Schnitt in den Kopf und zog ihr die mittlere Kopfhaut ab, bis der Schädelknochen bloßgelegt war, den er nun mit Salz rieb. Die Frau starb zur selbigen Stunde. Ich fragte die Leute: "Habt ihr noch eine nötige Verrichtung für mich?" Sie antworteten: "Nein", und so ging ich, nachdem ich von ihrer Heilkunst gelernt hatte, was mir bis dahin unbekannt geblieben war." Spätestes Datum für die Entstehung des russischen Igorliedes.
Ca.: In Wales lebt Sylvester Geraldus, der Verfasser des "Itinerarium Cambriae".
Ca.: Engelhard von Langheim verfaßt für die Nonnen von Wechterswinkel das Exempelbuch "Liber diversarum miraculorum".
7. Mai: Barbarossa gewährt für die gräfliche Hamburger Neustadt (gegründet von Adolf III. von Schauenburg für Schiffer und Kaufleute) u.a. Zollfreiheit für Handel und Schiffahrt auf der Niederelbe und auf See. Es scheint dafür keine Urkunde zu geben (siehe 1265). Der Bischof von Mantua und der Abt von San Benedetto di Polirone machen sich gegenseitig für abgeholzte Wälder, zerstörte Wiesen und die auf einst unbebautem Land errichteten Bauernhäuser verantwortlich. Letztere sollen gar wieder abgerissen werden, um wieder Bäume und Gras wachsen zu lassen. Ein Dokument aus dem gleichen Jahr (oder die gleiche Quelle?) beklagt, daß Zäune und Hecken verhindern, daß das Vieh sich frei in den Wäldern und an den Wassergräben bewegen kann, um an deren Rändern zu weiden, und daß es nicht mehr über öffentliche Straßen zur Weide getrieben werden kann. Die freie Weide ist in Italien am Verschwinden. 3. September: Richard I. Löwenherz wird in Westminster gekrönt. Sogleich kommt es in London und York zu einer lebhaften Verfolgung der Juden, denen sein Vorgänger Heinrich II. Vergünstigungen gewährt hatte. Richard bestraft die Aufrührer und gestattet einem Juden, der, um sein Leben zu retten, konvertiert war, zu seinem Glauben zurückzukehren. Beginn des dritten Kreuzzuges (bis 1192). Unter den Zeugen einer Kaiserurkunde taucht ein "Rubertus ioculator" auf (ein Spielmann).
10. Juni: Friedrich I. Barbarossa (68) ertrinkt auf dem Kreuzzug im anatolischen Flusse Saleph. Heinrich VI. (25) wird König. Seit der Regierung Heinrichs VI. erscheint in der Königskanzlei die Tagesbezeichnung nach Monatstagen (wie heute noch üblich). Die häufigste Tagesbezeichnung des Mittelalters ist nach Fest- oder Heiligentagen; in der Frühzeit kommen auich die römischen Bezeichnungen (Kalenden, Nonen und Iden) vor. 4. Juli: Die englischen und französischen Kreuzfahrer brechen nach zahlreichen Verschiebungen jetzt erst auf. Gründung des Deutschen Ordens vor Akkon als Bruderschaft zur Krankenpflege. Weil Graf Adolf III. von Schauenburg sich auf dem Kreuzzug befindet, nutzen die Hamburger diese Gelegenheit, um sich von der gräflichen Bevormundung zu befreien. Die bischöfliche Altstadt und die gräfliche Neustadt wählen einen adligen Rat. Beide Ortsteile zusammen haben etwa 1000 - 1500 Einwohner. Auf dem Kreuzzug stirbt der Minnesänger Friedrich von Hausen (siehe 1171). Sein Tod wird von mehreren Chronisten als wichtiges Ereignis notiert und beklagt. Nach dem Tode von Ludwig III. wird Hermann I. Landgraf von Thüringen (bis 1217). Ein Massaker an Juden in York hat vor allem die Beschlagnahme von deren Eigentum zum Ziel.
Ca.: Beginn der Erweiterung der Mainzer Stadtmauer.
Ca.: Es verstirbt William Fitzstephen, der Autor einer Biographie Thomas Beckets (enthaltend einen wertvollen Bericht über das frühe London). Aus ihm schöpft noch 1598 John Stow: "The Citie of London (saith Fitzstephen) hath in the East a verie great and most strong Palatine Tower, whose turrets and walles doe rise from a deepe foundation, the morter therof being tempered with the bloud of beasts...it hath beene the common opinion: ...that Iulius Caesar, the first conquerour of the Brytains, was the originall Authour and founder...therof..." [Survey of London, Ed. Charles Lethbridge Kingsford, 2 Bde., Oxford 1908, Repr. 1971, I. S. 44]
Bis 1202: In Urkunden von Straßburg werden erstmals Rat (consilium) und Ratsleute (consiliarii, rectores) erwähnt.
Bis 1217: Herbort von Fritzlar verfaßt im Auftrag von Landgraf Hermann von Thüringen die Versdichtung "Liet von Troye" nach dem Vorbild des "Roman de Troie".
Neuer Papst wird Coelestin III. (bis 1198). Es werden Tübinger Kaufleute erwähnt, woraus gefolgert wird, daß Tübingen einen Markt hat. Der Graf von Flandern erlaubt Gent die Eröffnung weltlicher Schulen. In der Abtei von Glastonbury in Südwestengland werden mit großem propagandistischem Aufwand die angeblichen Gebeine von König Arthur und Gwenyver entdeckt, weil der König von England die walisische Legende von der Wiederkehr Arthurs buchstäblich begraben möchte. Heinrich VI. (26) wird zum Kaiser gekrönt. 12. Juli: Die Kreuzfahrer erobern Akkon. Die Engländer beleidigen Herzog Leopold von Österreich, indem sie dessen Banner in den Schmutz werfen. Dies wird noch Folgen haben.
In Venedig führt der Doge Enrico Dandolo eine neue Münze ein, den Groschen oder Matapan. Er wiegt etwas über zwei Gramm und kommt zwölf alten Denaren im Wert gleich. Die Steiermark fällt an Österreich (Babenberger). 9. Oktober: Richard Löwenherz verläßt Palästina, erleidet bei Aquileia Schiffbruch und reist über Land weiter durch Kärnten und Österreich, um unbemerkt ins Land seines Schwagers Heinrich von Sachsen zu gelangen. 11. Dezember: Richard wird in einem Gasthaus bei Wien erkannt und zu Herzog Leopold geführt. Dieser beschuldigt ihn des Mordes an Konrad von Montferrat und wirft ihn in den Kerker. 14. Dezember: Richard wird an Kaiser Heinrich IV. übergeben, der ihn haßt und ihn ein Jahr lang auf dem Trifels gefangen hält.
Ein weiteres Laterankonzil droht wieder einmal den Turnierteilnehmern mit dem Bann.
Bis 1194: Eine Empörung Prinz Johns von England gegen seinen abwesenden Bruder Richard Löwenherz gelingt nicht. Der tatsächliche Herr von England ist in dieser Zeit Erzbischof Hubert Walter von Canterbury. [Zu dieser Zeit spielen üblicherweise die Filme um Robin Hood.]
Leopold VI. der Glorreiche (27) wird Herzog von Österreich. März: Gegen ein gewaltiges Lösegeld und nach Ableistung eines Lehnseides kommt Richard Löwenherz aus der Gefangenschaft Kaiser Heinrichs VI. frei. Zurück in England, muß er zunächst seinen aufrührerischen Bruder John unterwerfen. Die Kathedrale von Chartres, dem bedeutendsten Marienheiligtum von Frankreich brennt ab. Die Rettung der Marienreliquie wird bald als Wunsch der Jungfrau nach einer neueren und schöneren Kirche interpretiert, welche sogleich begonnen wird.
Aufkommen der Schleifmühle. Der Seekompaß wird in Europa bekannt. Der deutsche Reichsadler (mit einem Kopf) ist nachweisbar. Papst Coelestin III. bestimmt, daß der Wind der Kirche gehört und daß deshalb der Müller der Kirche gegenüber steuerpflichtig sei. Daraus läßt sich schließen, daß Windmühlen bereits eine gewisse Verbreitung erfahren haben. Es stirbt Heinrich der Löwe.
Ca.: Papst Innozenz III. korrigiert die Angabe des 89. Psalms, der Mensch werde 70, wenn es hochkomme 80 Jahre: "Wenige erreichen jetzt 60, ganz wenige 70 Jahre."
Papst Coelestin III. bannt Philipp von Schwaben. Heidelberg wird urkundlich erwähnt. In Utrecht werden Ratsherren (consules) erwähnt. In Hildesheim wird ein Bürgermeister (magister civilis) erwähnt. [Im 12. Jh. ist auch für Köln ein magister civium bezeugt.] "Im selben Jahre brach eine sehr bedeutende Fehde aus zwischen dem Bischof Cunrad von Straßburg und dem [Pfalz]Grafen Otto, durch welche das ganze Elsaß vier Jahre lang ohne Unterbrechung verwüstet wurde." [Marbacher Annalen] Heinrich V. versucht, das Strandrecht abzuschaffen. Gislebert von Mons' "Chronik des Hennegaus".
28. September: Kaiser Heinrich VI. (32) stirbt. "Nachdem man also den Tod des Kaisers erfahren, versöhnten sich der Bischof von Straßburg und der Graf Albert von Dachsburg, welche früher Feinde waren, und sowohl sie, wie auch Herzog Berthold von Zäringen und Luotold, der Bischof von Basel, und viele Grafen machten eine Verschwörung gegen ihn und fingen an, nicht nur ihn selbst und die Seinigen, sondern auch die Leute des Kaisers anzugreifen und alles durch Brand und Plünderung zu verheeren. Unter dem vielen Übel, das sie dem Grafen Otto zufügten, wurde auch seine Vogtei im Gregorienthale, welche für uneinnehmbar galt und niemals von jemandem erobert worden, von ihnen mit leichtester Mühe eingenommen. Und nachdem sie dort alles geplündert und zerstört hatten, verübten sie in Colmar, Schlettstadt, Ehnheim, Rosheim und vielen anderen Städten und Dörfern ihre Greueltaten. Auch die Leute und Besitzungen des Kaisers wurden allenthalben und von allen geplündert, weil sie keinen Beschützer hatten. Denn als sein Bruder Philipp, der Herzog von Schwaben, noch von ihm herbeigerufen, auf seiner Reise nach Rom gekommen war und den Tod des Kaisers erfahren hatte, begab er sich auf den Rückweg; aber nach einem falschen Gerücht gaben ihn einige für gefangen und geschunden, andere für krank aus. In diesem Jahre erschien ein Komet. Im selben Jahre war auch eine so gewaltige Hungersnot im Elsaß, daß an verschiedenen Orten, aus Feldern und in Dörfern haufenweise Verhungerte gefunden wurden. Denn das Gemäß, welches man gewöhnlich "Burevirteil" nennt, wurde um eine Mark Silber verkauft. In eben diesem Jahre starb Papst Celestin, welchem Innocenz folgte." [Marbacher Annalen] Dietrich der Bedrängte wird Markgraf von Meißen. Die schwedische Abtei Soroë richtet eine Eisenmühle ein. Beispiel für Dienstmannenhuldigung: Auf einem dem Johanniterorden gehörenden Herrenhof bei Toulouse schwört ein Leibeigener auf die Bibel, aufrecht und treu zu sein und nicht zu fliehen.
Walther von der Vogelweide beginnt seine Wanderschaft als fahrender Sänger. Dem Herzog Berthold V. von Zähringen wird die Königswürde angeboten, aber er lehnt ab, weil er vor den Kosten zurückschreckt und unterstützt stattdessen die Bewerbung Philipps von Schwaben, was ihm dieser wiederum reichlich lohnt. Er läßt sogar seine Neffen im Stich, die er als Geiseln dafür gestellt hat, daß er sich zum König würde wählen lassen. Juni: Der Graf von Poitou (bzw. Braunschweig) wird in Köln als Otto IV. zum König gewählt und im Juli in Aachen gekrönt. Er ist Welfe und wird von England unterstützt (wo er auch erzogen worden ist). Erzbischof Adalbert III. von Salzburg vollendet den dortigen romanischen Dom. 8. September: Herzog Philipp von Schwaben (Staufer) wird in Thüringen zum Gegenkönig gewählt und später in Mainz gekrönt. Er hat Rückhalt in Frankreich. Etwa um diese Zeit kommt Walther von der Vogelweide an seinen Hof (bis 1201). Unter Philipp von Schwaben tritt in Deutschland öfter der 25. März als Jahresanfang auf. In der kaiserlichen Kanzlei ist der Jahresanfang seit der Karolingerzeit normalerweise der 25. Dezember. Es stirbt Ibn Roschd (Averroes). Der Deutsche Orden wird zum Ritterorden. Otto IV. (23) wird zum König gewählt. Nach einer Belagerung wird Aachen an Otto IV. übergeben.
Es stirbt der Troubadour Giraut de Bornelh (ca. 37). Aus einem seiner Lieder: "Schande über den Ritter, der sich anschickt, um die Damen zu werben, wenn er blökende Schafe mit den Händen greift und Kirchen und Reisende ausplündert." [Ed. Ad. Kolsen, Nr. 65, V. 27 - 30] Papst Innozenz III. führt den Brauch ein, in den Kirchen Sammelkästen für Geldspenden zum Wohle des Heiligen Landes aufzustellen. Solche Kästen ähneln einer großen Schatztruhe (eher einem Sarkophag als, wie man vielleicht heute fälschlich meinen könnte, einer Spendenbüchse); ein Exemplar aus Climping in Sussex ist erhalten. "Zu eben dieser Zeit ereignete sich auch etwas Wunderbares und in unseren Tagen ganz Unerhörtes zu Augsburg. Ein Weib behielt nämlich, anstatt zu kommunizieren, den Leib des Herrn im Munde, überzog ihn hierauf mit Wachs und bewahrte ihn bei sich im Hause, ich weiß nicht, was sie mit solchem Verfahren bezwecken wollte. Später bereute sie es, ging zu einem Ordensgeistlichen von gutem Rufe und bekannte ihm ihre Sünde. Dieser wollte ihr keine Buße auferlegen, ehevor sie den Leib des Herrn zurückgebracht hätte, welchen sie unerlaubter Weise zu Hause behalten. Sie ging also und brachte den Leib des Herrn, mit Wachs überzogen wie er war, dem Priester. Derselbe empfing ihn ehrfurchtsvoll, nachdem er noch viele andere Gläubige versammelt hatte, öffnete das Wachs und fand den göttlichen Leib, das geheimnisvolle Brot, in wirkliches Fleisch und Blut verwandelt. Auf diesen außerordentlichen Vorfall hin strömt nicht nur aus den benachbarten Orten, sondern auch aus entfernteren Gegenden eine sehr große Menge herbei und der Herr wirkt daselbst sehr viele Wunder zur Ehre seines Namens. In diesem Jahre nahm Cunrad, der Erzbischof von Mainz, nach großen jenseits des Meeres ausgestandenen Mühsalen mit vielen anderen Pilgern zurückgekehrt, obgleich er wegen des Todes des Kaisers nichts dort ausgerichtet, doch aus Verlangen nach der Wiederherstellung des heiligen Grabes des Herrn aufs neue das Kreuz. In demselben Jahre verbrannte vor Geburt des Herrn das Kloster Hohenburg." [Marbacher Annalen]
26. März: Richard Löwenherz fällt durch einen verirrten Pfeil aus der Aufrührerburg Chalus im Limousin. Sein Bruder Johann (der böse Prinz John etlicher Filme) wird sein Nachfolger (bis 1216).

References: § 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12

§ 13

§ 14

§ 15

§ 16

§ 17

§ 18

§ 19

§ 20

§ 21

§ 22

§ 23

§ 24

§ 25