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Timestamp: 2019-08-22 12:37:45+00:00

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Wegzugsteuer ist rechtmäßig | Außenwirtschaftslupe
Die Weg­zug­steu­er nach § 6 AStG ist, wie jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof urteil­te, recht­mä­ßig. Mit die­ser Weg­zug­steu­er gemäß § 6 AStG nimmt der deut­sche Fis­kus bei sol­chen Per­so­nen, die min­des­tens zehn Jah­re in Deutsch­land gewohnt haben und dann ins Aus­land ver­zie­hen, Zugriff auf bis zum Weg­zugs­zeit­punkt ent­stan­de­ne Wert­stei­ge­run­gen von Betei­li­gun­gen an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten. Die Steu­er ent­steht auch dann, wenn sich die Wert­stei­ge­run­gen noch nicht –wie bei Inlands­sach­ver­hal­ten für eine Besteue­rung erfor­der­lich– z.B. durch einen Ver­kauf der Antei­le tat­säch­lich „rea­li­siert” haben.
Die sog. Weg­zug­steu­er nach § 6 Abs. 1 AStG i.d.F. bis zur Ände­rung durch das SEStEG vom 7. Dezem­ber 20061 i.V.m. § 6 Abs. 5, § 21 Abs. 13 Satz 2 AStG i.d.F. der Ände­run­gen durch das SEStEG ver­stößt weder gegen Abkom­mens­recht noch Gemein­schafts­recht oder gegen Ver­fas­sungs­recht2.
Die Anwen­dung der Weg­zugs­be­steue­rung nach Maß­ga­be von § 6 Abs. 1 AStG a.F. i.V.m. § 6 Abs. 5, § 21 Abs. 13 AStG n.F. ver­stößt nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs weder gegen Abkom­mens­recht noch gegen die gemein­schafts­recht­lich ver­bürg­te Nie­der­las­sungs­frei­heit (Art. 43 EG3 ); sie wirkt, so der Bun­des­fi­nanz­hof wei­ter, auch nicht in ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­ger Wei­se zurück und steht den Rechts­staats­er­for­der­nis­sen des Art. 20 Abs. 3 GG nicht ent­ge­gen.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die­se, sei­ne Ansicht, bereits nach sum­ma­ri­scher Prü­fung in dem im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ergan­ge­nen Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 20084 begrün­det. In dem jetzt ver­kün­de­ten Urteil bekräf­tigt er sei­ne Auf­fas­sung nach noch­ma­li­ger Prü­fung; die dort für einen Weg­zug nach Por­tu­gal gefun­de­ne Lösung ist glei­cher­ma­ßen ein­schlä­gig für den in den Streit­fäl­len in Rede ste­hen­den Weg­zug nach Bel­gi­en und die dafür gege­be­ne, inso­weit par­al­le­le Abkom­mens­la­ge nach Maß­ga­be von Art. 13 Abs. 3 DBA-Bel­gi­en5 (i.V.m. dem dazu ergan­ge­nen Schluss­pro­to­koll). Die Ein­wän­de, wel­che aus unter­schied­li­chen Grün­den im Schrift­tum gegen den zitier­ten Senats­be­schluss erho­ben wor­den sind6, ändern an die­ser Ein­schät­zung nichts; sie wur­den in der Sache nach Über­zeu­gung des Bun­des­fi­nanz­hofs bereits sämt­lich in sei­nem ers­ten Beschluss zur Weg­zug­steu­er7 erwo­gen.
Ins­be­son­de­re hält der Bun­des­fi­nanz­hof dar­an fest, dass das Ver­trau­en des Steu­er­pflich­ti­gen auf die Gemein­schafts­rechts­wid­rig­keit einer inner­staat­li­chen Vor­schrift grund­sätz­lich nicht schüt­zens­wert sein kann. Ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en kann nicht wei­ter rei­chen, als der aus dem Ver­stoß gegen das Gemein­schafts­recht fol­gen­de Anwen­dungs­vor­rang des Gemein­schafts­rechts reicht; in dem Umfang, in dem die Norm ohne Ver­stoß gegen Gemein­schafts­recht ange­wen­det wer­den kann, besteht des­halb kein Raum für einen Ver­trau­ens­schutz. Ein ande­res Ergeb­nis ergibt sich für die Streit­fäl­le nicht aus dem Umstand, dass zum Zeit­punkt der Erhe­bung der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Kla­gen im Jahr 2002 die gesetz­li­chen Modi­fi­ka­tio­nen des § 6 AStG a.F. durch die Rege­lun­gen des SEStEG noch nicht exis­tiert haben, § 6 AStG a.F. des­halb mög­li­cher­wei­se wegen Ver­sto­ßes gegen die gemein­schafts­recht­lich ver­bürg­te Nie­der­las­sungs­frei­heit nicht anwend­bar war8 und die Kla­gen folg­lich ursprüng­lich begrün­det gewe­sen sein könn­ten. Dem durch die Modi­fi­ka­tio­nen des SEStEG bewirk­ten nach­träg­li­chen Weg­fall der bis dahin mög­li­cher­wei­se bestehen­den gemein­schafts­recht­li­chen Anwen­dungs­sper­re –einem erle­di­gen­den Ereig­nis i.S. von § 138 Abs. 1 FGO– hät­ten die Klä­ger pro­zes­su­al durch eine Ein­schrän­kung ihrer Kla­ge­an­trä­ge Rech­nung tra­gen kön­nen, um dro­hen­de Kos­ten­nach­tei­le zu ver­mei­den. Für die Kos­ten­ent­schei­dung wäre es dann ggf. auf die Rechts­la­ge vor der Geset­zes­än­de­rung ange­kom­men (§ 138 Abs. 1 FGO).
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. August 2009 — I R 88, 89⁄07
Vor­steu­er­ver­gü­tung und die Unter­neh­mens­be­schei­ni­gung der Ber­mu­das Nach § 18 Abs. 9 Satz 1 UStG kann das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen mit Zustim­mung des Bun­des­rats die Ver­gü­tung der Vor­steu­er­be­trä­ge an im Aus­land ansäs­si­ge Unter­neh­mer abwei­chend von § 16 und § 18 Abs. 1…
BGBl I 2006, 2782, berich­tigt BGBl I 2007, 68↩
Bestä­ti­gung des BFH-Beschlus­ses vom 23.09.2008 — I B 92⁄08, BFHE 223, 73, BSt­Bl II 2009, 524↩
Ver­trag von Ams­ter­dam zur Ände­rung des Ver­tra­ges über die Euro­päi­sche Uni­on, der Ver­trä­ge zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten –EGV – , sowie eini­ger damit zusam­men­hän­gen­der Rechts­ak­te –EG – , ABlEG 1997 Nr. C‑340, 1↩
BFH, Beschluss vom 23.09.2008 — I B 92⁄08, BFHE 223, 73, BSt­Bl II 2009, 524↩
Abkom­men zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem König­reich Bel­gi­en zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung und zur Regu­lie­rung ver­schie­de­ner ande­rer Fra­gen auf dem Gebie­te der Steu­ern vom Ein­kom­men und vom Ver­mö­gen ein­schließ­lich der Gewer­be­steu­er und der Grund­steu­ern vom 11. April 1967, BGBl II 1968, 18, BSt­Bl I 1969, 39, i.d.F. des Zusatz­ab­kom­mens vom 5. Novem­ber 2002, BGBl II 2003, 1616↩
vgl. Was­ser­mey­er, NJW 2009, 112; Inte­mann, NWB Fach 2, Weg­zugs­be­steue­rung, 10101; Bei­ser, IStR 2009, 236; Häck in Haa­se, AStG/​DBA, § 6 AStG Rz 17 ff.↩
BFHE 223, 73, BSt­Bl II 2009, 524↩
vgl. BFHE 223, 73, BSt­Bl II 2009, 524↩
BelgienDoppelbesteuerungDoppelbesteuerungsabkommenSchweizWegzugbesteuerungWegzugsteuer

References: § 6
 § 6
 § 6
 § 6
 § 21
 § 6
 § 6
 § 21
 Art. 20
 Art. 13
 § 6
 § 6
 § 138
 § 18
 § 16
 § 18
 § 6