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Timestamp: 2016-12-08 00:06:20+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 8 AZR 130/13
Vertragsstrafe, Allgemeine Geschäftsbedingungen: Vertragsstrafe
Arbeitsgericht Dresden, Urteil vom 4.7.2012 - 10 Ca 4163/11Sächsisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.1.2013 - 3 Sa 441/12
8 AZR 130/13 3 Sa 441/12 Säch­si­schesLan­des­ar­beits­ge­richt Im Na­men des Vol­kes!
hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. Ja­nu­ar 2014 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Brein­lin­ger, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Burr und Dr. Mall­mann für Recht er­kannt: - 2 - Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 18. Ja­nu­ar 2013 - 3 Sa 441/12 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­ne Ver­trags­stra­fen­zah­lung. Der Be­klag­te hat­te mit der C GmbH in F, ei­ner An­la­gen­baue­rin und nach­ma­li­gen Schuld­ne­rin des In­sol­venz­ver­fah­rens, zum 1. Ja­nu­ar 2010 ein Ar­beits­verhält­nis als Ver­fah­ren­sin­ge­nieur be­gon­nen, in dem er zu­letzt mo­nat­lich brut­to 3.800,00 Eu­ro ver­dien­te. In dem zu­grun­de lie­gen­den Ar­beits­ver­trag vom 20. Mai 2009 wur­de ua. Fol­gen­des ver­ein­bart:
„2. Dau­er der Tätig­keit 2.1.Das Ar­beits­verhält­nis be­ginnt am 01.01.2010 bzw. zu je­dem frühe­ren Ter­min und wird auf un­be­stimm­te Zeit ge-schlos­sen. Die ers­ten 6 Mo­na­te gel­ten als Pro­be­zeit.
11. Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses / Fort­bil­dungs­kos­ten
11.1.Das Ar­beits­verhält­nis kann von bei­den Ver­trags­par­tei­en mit ei­ner Frist von 6 Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de gekündigt wer­den.
11.2.Während der Pro­be­zeit kann das Ar­beits­verhält­nis von bei­den Ver­trags­par­tei­en mit der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist von 2 Wo­chen gekündigt wer­den. - 3 - 11.3.Je­de Kündi­gung muss schrift­lich er­fol­gen. Maßgeb­lich für die Recht­zei­tig­keit der Kündi­gung ist der Zu­gang bei der an­de­ren Ver­trags­par­tei. Ei­ne ver­spätet zu­ge­gan­ge­ne Kündi­gung gilt als Kündi­gung zum nächstmögli­chen Zeit­punkt. Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung gilt vor­sorg­lich auch als or­dent­li­che Kündi­gung zum nächst­zulässi­gen Zeit­punkt.Durch die Kündi­gungs­erklärung wird die Be­fug­nis des Un­ter­neh­mens be­gründet, Sie un­ter Fort­zah­lung der Bezüge frei­zu­stel­len. Die wi­der­ruf­li­che Frei­stel­lung er­folgt un­ter An­rech­nung des zu­ste­hen­den Ur­laubs.
14. Ver­trags­stra­fen
14.5.Be­en­den Sie den Ver­trag oh­ne Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist, so ver­pflich­ten Sie sich, als Ver­trags­stra­fe für je­den Tag der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung ei­nen Be­trag in Höhe des durch­schnitt­li­chen Ta­ges­ver­diens­tes der letz­ten drei Mo­na­te, höchs­tens je­doch bis zu ei­nem Brut­to-Mo­nats­grund­ge­halt, zu zah­len.
14.6.Tre­ten Sie nach Ab­schluss des Ver­tra­ges zu dem ver­ein­bar­ten Ter­min die Ar­beit nicht an, so ver­pflich­ten Sie sich, ei­ne Ver­trags­stra­fe des bis zum Ab­lauf der nächstmögli­chen Kündi­gungs­frist auf­grund die­ses Ver­tra­ges er­ziel­ba­ren Ge­hal­tes zu zah­len.“
Vor der In­sol­ven­zeröff­nung kündig­te der Kläger am 27. Sep­tem­ber 2011 an, dass Er­folg ver­spre­chen­de Kon­tak­te we­gen ei­nes Un­ter­neh­mens­kaufs durch In­ves­to­ren bestünden so­wie:
„Aus die­sem Grun­de sind aus An­lass der nun­mehr an­ste­hen­den Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens auch kei­ner­lei Kündi­gun­gen ge­plant.“
Das In­sol­venz­ver­fah­ren über das Vermögen der Ar­beit­ge­be­rin wur­de am 30. Sep­tem­ber 2011 eröff­net und der Kläger zum In­sol­venz­ver­wal­ter be­stimmt (AG Chem­nitz 30. Sep­tem­ber 2011 - 1419 IN 1970/11 -). So­dann kün- - 4 -
dig­te der Kläger am 7. Ok­to­ber 2011 120 der ca. 300 Ar­beit­neh­mer der in­sol­ven­ten Ar­beit­ge­be­rin.
Der Be­klag­te kündig­te am 11. No­vem­ber 2011 das Ar­beits­verhält­nis „zum nächstmögli­chen Ter­min“. Er bat wei­ter, zeit­nah ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag zum 30. No­vem­ber 2011 ab­zu­sch­ließen, da er be­reits am 1. De­zem­ber 2011 ein neu­es Ar­beits­verhält­nis an­tre­ten wol­le. Ei­nen sol­chen Auf­he­bungs­ver­trag schlos­sen die Par­tei­en nicht, je­doch wur­de der Aus­tritt des Be­klag­ten zum 30. No­vem­ber 2011 in der im Un­ter­neh­men übli­chen Art mit Lauf­zet­tel nebst An­la­ge „Überg­a­be der Pro­jek­te“ ab­ge­wi­ckelt.
Der Be­klag­te er­schien am 1. De­zem­ber 2011 nicht zur Ar­beit, was der Kläger per E-Mail be­an­stan­de­te. Er for­der­te den Be­klag­ten auf, sei­ner ver­trag­li­chen Ar­beits­ver­pflich­tung ver­ein­ba­rungs­gemäß nach­zu­kom­men. Dies lehn­te der Be­klag­te mit E-Mail vom 2. De­zem­ber 2011 ab, da er be­reits in ei­nem neu-en Ar­beits­verhält­nis ste­he, wel­ches er ab 1. De­zem­ber 2011 wahr­neh­me. Dar­auf kündig­te der Kläger das Ar­beits­verhält­nis we­gen be­harr­li­cher Ar­beits­ver­wei­ge­rung außer­or­dent­lich frist­los, zu­gleich mach­te er die Ver­trags­stra­fe in Höhe ei­nes Brut­to­mo­nats­ge­halts gel­tend. Der Be­klag­te griff die­se außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung nicht im Rechts­weg an.
Zur Be­gründung der am 28. De­zem­ber 2011 anhängig ge­mach­ten, vor­lie­gen­den Kla­ge hat der Kläger aus­geführt, der Be­klag­te ha­be die Ver­trags­stra­fe nach Ziff. 14.5. des Ar­beits­ver­tra­ges ver­wirkt. Denn er ha­be den Ver­trag oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist be­en­det. Da­bei sei nicht auf die recht­li­che Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses durch die vom Be­klag­ten erklärte frist­gemäße Kündi­gung ab­zu­stel­len. Die­se sei nach In­sol­ven­zeröff­nung gemäß § 113 Satz 2 In­sO zum nächstmögli­chen Ter­min, al­so zum 29. Fe­bru­ar 2012 wirk­sam ge­wor­den. Es sei aber mit der Recht­spre­chung des Se­nats un­ter ei­ner „Be­en­di­gung“ des Ver­tra­ges die Los­sa­gung vom Ver­trag zu ver­ste­hen, wie sie der Be­klag­te schon mit sei­ner Kündi­gung an­gekündigt und mit sei­ner E-Mail vom 2. De­zem­ber 2011 aus­drück­lich bestätigt ha­be. Dies wer­de durch die Ver­trags­klau­sel hin­rei­chend klar aus­ge­drückt, so­dass die­se auch nicht un­ter An- - 5 - wen­dung des Rechts der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen als un­wirk­sam an­zu­se­hen sei.
Der Kläger hat be­an­tragt, den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 3.800,00 Eu­ro zuzüglich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Zur Be­gründung sei­nes An­trags auf Kla­ge­ab­wei­sung hat der Be­klag­te die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er ha­be das Ver­trags­verhält­nis zum Kläger frist­gemäß, al­so zum 29. Fe­bru­ar 2012 be­en­det. Er ha­be nur die Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung ein­ge­stellt. Dies sei von der Ver­trags­stra­fen­klau­sel ge­ra­de nicht er­fasst, die le­dig­lich auf die (recht­li­che) Be­en­di­gung des Ver­tra­ges ab­stel­le. Je­den­falls ergäben sich auf­grund ei­ner Aus­le­gung sol­che Un­klar­hei­ten, dass die Ver­trags­be­stim­mung an sich als un­wirk­sam an­zu­se­hen sei. Auch dif­fe­ren­zie­re sie nicht da­nach, ob ei­ne et­wai­ge un­fris­ti­ge Be­en­di­gung auf Gründe aus der Sphäre des Ar­beit­ge­bers oder auf das Ver­schul­den des Ar­beit­neh­mers zurück­zuführen sei.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung des Klägers blieb vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt oh­ne Er­folg. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger den von ihm gel­tend ge­mach­ten An­spruch wei­ter.
Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Ihm steht die gel­tend ge­mach­te Ver­trags­stra­fe nicht zu.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Durch sein Ver­hal­ten ha­be der Be­klag­te die Vor­aus­set­zun­gen für die Zah­lung der Ver­trags­stra­fe nicht erfüllt, weil er sei­nen Ar­beits­ver­trag nicht oh­ne Ein­hal­tung „der Kündi­gungs­frist“ be­en­det ha­be. Mit der nach § 623 BGB zwin­gend er­for­der­li­chen schrift­li­chen Kündi­gung vom 11. No­vem­ber 2011 ha­be der Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis „zum nächstmögli­chen Ter­min“ gekün- - 6 - digt. Da­mit sei die Kündi­gung nicht zum 30. No­vem­ber 2011, son­dern, wor­in die Par­tei­en übe­rein­stimm­ten, zum Ab­lauf des 29. Fe­bru­ar 2012 erklärt wor­den, was nicht nur aus dem Wort­laut der Kündi­gung, son­dern auch aus der mit ihr ver­bun­de­nen Bit­te um ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag her­vor­ge­he.
In der ver­trags­wid­ri­gen Ein­stel­lung der Ar­beits­leis­tung sei­tens des Be­klag­ten ab dem 1. De­zem­ber 2011 lie­ge kei­ne „Be­en­di­gung“ des Ver­tra­ges. Die bloße Nicht­leis­tung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung stel­le grundsätz­lich kei­ne Kündi­gung und so­mit auch kei­ne Ver­trags-„Be­en­di­gung“ dar.
Auch bei an­de­rer Sicht­wei­se ver­s­toße die Klau­sel je­den­falls ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Es stel­le ei­ne ver­meid­ba­re Un­klar­heit dar, wenn mit dem Be­griff der „Be­en­di­gung des Ver­tra­ges“ auch be­reits die Ar­beits­ein­stel­lung oh­ne fal­sches Be­ru­fen auf ei­nen Be­en­di­gungs­tat­be­stand er­fasst wor­den sein soll­te.
Zu­dem be­nach­tei­li­ge die Ver­trags­stra­fen­klau­sel den Be­klag­ten un­an­ge­mes­sen iSd. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB. Ei­ne Aus­le­gung der Klau­sel er­ge­be, dass sie auch für den Fall ei­ner be­rech­tig­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung des Be­klag­ten die Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe durch ihn vor­se­he. In­so­weit be­ste­he je­doch kein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se des Klägers. Nach dem Ar­beits­ver­trag sei die Ver­trags­stra­fe im­mer ver­wirkt, wenn der Ar­beit­neh­mer den Ver­trag „oh­ne Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist“ be­en­de, al­so oh­ne Ein­hal­tung der in Ziff. 11.1. des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bar­ten Kündi­gungs­frist von sechs Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de. Es heiße nicht „der je­wei­li­gen Kündi­gungs­frist“. Da­mit er­fas­se die Ver­trags­stra­fen­klau­sel auch die Möglich­keit ei­ner ar­beit­neh­mer­sei­ti­gen, be­rech­tig­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung. Dies aber sei nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­an­ge­mes­sen.
B. Im Er­geb­nis hält das Be­ru­fungs­ur­teil ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand. Ei­ne Aus­le­gung der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­trags­stra­fen­klau­sel er­gibt, dass der Be­klag­te durch sein Ver­hal­ten die ver­ein­bar­te Ver­trags­stra­fe nicht ver­wirkt hat. - 7 - I. Die Aus­le­gung der Ver­trags­stra­fen­klau­sel in Ziff. 14.5. des For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges er­gibt, dass der Be­klag­te durch sei­ne Kündi­gung vom 11. No­vem­ber 2011 und sei­ne Ar­beits­ein­stel­lung ab 1. De­zem­ber 2011 die ver-in­bar­te Ver­trags­stra­fe nicht ver­wirkt hat.
1. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. Maßge­bend sind die Verständ­nismöglich­kei­ten des ty­pi­scher­wei­se bei Verträgen der ge­re­gel­ten Art zu er­war­ten­den nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ners (BAG 19. März 2008 - 5 AZR 429/07 - Rn. 23, BA­GE 126, 198). An­satz­punkt für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut (BAG 27. Ju­li 2010 - 3 AZR 777/08 - Rn. 21, AP BGB § 307 Nr. 46 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 48). Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss. So­weit auch der mit dem Ver­trag ver­folg­te Zweck ein­zu­be­zie­hen ist, kann das nur in Be­zug auf ty­pi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Zie­le gel­ten (BAG 7. Ju­ni 2011 - 1 AZR 807/09 - Rn. 24, AP Be­trVG 1972 § 77 Be­triebs­ver­ein­ba­rung Nr. 55; 8. De­zem­ber 2010 - 10 AZR 671/09 - Rn. 15, BA­GE 136, 294).
2. Rechts­feh­ler­frei hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Ver­trags­stra­fen­klau­sel als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung nach die­sen Grundsätzen aus­ge­legt und ge­prüft.
a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass es sich bei der Ziff. 14.5. des Ar­beits­ver­tra­ges vom 20. Mai 2009 um ei­ne All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung iSv. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB han­de­le, da die Klau­sel ei­ne für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gung sei, die die Schuld­ne­rin dem Be­klag­ten bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges ge­stellt ha­be. - 8 - An die­se Fest­stel­lung ist das Re­vi­si­ons­ge­richt ge­bun­den (§ 559 Abs. 2 ZPO). Ein zulässi­ger und be­gründe­ter Re­vi­si­ons­an­griff ist nicht er­folgt. Der Kläger hat die Tat­sa­che der durch die Schuld­ne­rin er­folg­ten Vor­for­mu­lie­rung der Ver­trags­stra­fen­klau­sel in der Re­vi­si­ons­be­gründung nicht in Ab­re­de ge­stellt.
b) Nach der Recht­spre­chung des Se­nats sind zwar Ver­trags­stra­fen­ab­re­den in For­mu­lar­verträgen nach § 309 Nr. 6 BGB ge­ne­rell un­zulässig, in for­mu­larmäßigen Ar­beits­verträgen folgt aber aus der an­ge­mes­se­nen Berück­sich­ti­gung der im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten nach § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB die grundsätz­li­che Zulässig­keit von Ver­trags­stra­fen­ab­re­den (vgl. BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - BA­GE 110, 8 = AP BGB § 309 Nr. 3 = EzA BGB 2002 § 309 Nr. 1). Da­bei ist zum Schutz des Ar­beit­neh­mers ein stren­ger Maßstab an­zu­le­gen (BAG 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 973/06 - Rn. 23, AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28).
c) Re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den ist das Aus­le­gungs­er­geb­nis des Be­ru­fungs­ge­richts, dem­zu­fol­ge die bloße Nicht­leis­tung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung grundsätz­lich kei­ne Kündi­gung und da­mit kei­ne Ver­trags­be­en­di­gung dar­stellt.
aa) Nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB sind Ver­wen­der von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­spre­chend den Grundsätzen von Treu und Glau­ben ver­pflich­tet, Rech­te und Pflich­ten ih­rer Ver­trags­part­ner möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len. Da­zu gehört auch, dass All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen wirt­schaft­li­che Nach­tei­le und Be­las­tun­gen so­weit er­ken­nen las­sen, wie dies nach den Umständen ge­for­dert wer­den kann (BAG 3. April 2007 - 9 AZR 867/06 - Rn. 29, BA­GE 122, 64 = AP TVG § 4 Nach­wir­kung Nr. 46 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 22). Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen müssen so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Ei­ne Klau­sel genügt dem Be­stimmt­heits­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, wenn sie im Rah­men des recht­lich und tatsächlich Zu­mut­ba­ren die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners des Klau­sel­ver­wen­ders so klar und präzi­se wie möglich be­schreibt. Sie ver­letzt das Be­stimmt­heits­ge­bot, wenn sie ver­meid­ba­re Un­klar­hei-
- 9 - ten und Spielräume enthält (BAG 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 973/06 - Rn. 26, AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28).
Bei der Be­ur­tei­lung, ob ei­ne Re­ge­lung dem Trans­pa­renz­ge­bot genügt, ist nicht auf den flüch­ti­gen Be­trach­ter, son­dern auf den auf­merk­sa­men und sorgfälti­gen Teil­neh­mer am Wirt­schafts­ver­kehr ab­zu­stel­len (Pa­landt/Grüne­berg 73. Aufl. § 307 BGB Rn. 23).
bb) Recht­lich zu­tref­fend hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt er­kannt, dass nach die­sen Grundsätzen die Ver­trags­stra­fen­klau­sel der Ziff. 14.5. des Ar­beits­ver­tra­ges nur dann dem Be­stimmt­heits­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB genügt, wenn das die Ver­trags­stra­fe auslösen­de Fehl­ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers präzi­se be­schrie­ben ist. Dies steht ei­ner sich vom Wort­laut lösen­den und den An­wen­dungs­be­reich er­wei­tern­den Aus­le­gung ent­ge­gen. Wenn die Schuld­ne­rin mit der For­mel „Be­en­den Sie den Ver­trag ...“ ei­ne iSd. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB hin­rei­chend be­stimm­te Ver­trags­klau­sel ver­wen­det hat, so gilt dies nur für den Fall, dass die Klau­sel auf den Sach­ver­halt der „Ver­trags­be­en­di­gung“ be­schränkt wird. Ein Ar­beits­ver­trag wird aber we­der im Zeit­punkt des Zu­gangs ei­ner frist­gemäßen Ei­genkündi­gung noch durch die Ein­stel­lung der Ar­beits­leis­tung recht­lich be­en­det. Eben­so trat kei­ne Ver­trags­be­en­di­gung da­durch ein, dass sich der Be­klag­te schon mit sei­nem Kündi­gungs­schrei­ben vom 11. No­vem­ber 2011, je­den­falls aber mit sei­ner E-Mail vom 2. De­zem­ber 2011, deut­lich von sei­ner Haupt­leis­tungs­pflicht aus dem Ar­beits­verhält­nis auf Dau­er los­ge­sagt hat, ob­wohl ihm be­wusst war, dass ein recht­lich wirk­sa­mer Be­en­di­gungs­tat­be­stand noch nicht ein­ge­tre­ten ist.
d) Es ist nicht zu ent­schei­den, was in der Ver­trags­stra­fen­klau­sel Ziff. 14.5. des Ar­beits­ver­tra­ges un­ter Ein­hal­tung „der“ Kündi­gungs­frist zu ver­ste­hen ist.
Das Be­ru­fungs­ge­richt hat die Kündi­gung des Be­klag­ten vom 11. No­vem­ber 2011 „zum nächstmögli­chen Ter­min“ als frist­gemäße Kündi­gung auf­ge­fasst, die nach dem übe­rein­stim­men­den Verständ­nis bei­der Par­tei­en das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des 29. Fe­bru­ar 2012 be­en­den soll­te und da­mit „die“ Kündi­gungs­frist wahr­te. Ge­gen die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis be­ste­hen we­gen des Trans­pa­renz­ge­bo­tes des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB Be­den­ken. Die­se - 10 - sieht das Be­ru­fungs­ge­richt selbst, wenn es auf S. 10, 2. Abs. der Ent­schei­dungs­gründe des Be­ru­fungs­ur­teils er­kennt, dass ein durch­schnitt­li­cher Ver­trags­part­ner der For­mu­lie­rung „der Kündi­gungs­frist“ ent­neh­men kann, dass auf ei­ne kon­kre­te Frist ab­ge­stellt wird. Zu­tref­fend er­ken­nen die Be­ru­fungs­rich­ter wei­ter, dass es na­he liegt, da­mit die un­ter Ziff. 11.1. des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bar­te Kündi­gungs­frist von sechs Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de zu ver­ste­hen, an­dern­falls die For­mu­lie­rung „der je­wei­li­gen Kündi­gungs­frist“ na­he­ge­le­gen hätte. Vor dem Hin­ter­grund des Trans­pa­renz­ge­bo­tes ist es nicht un­pro­ble­ma­tisch, die auf ei­ne kon­kret ver­ein­bar­te ver­trag­li­che Kündi­gungs­frist be­zo­ge­ne Ver­trags­stra­fen­klau­sel auch auf den Son­der­fall der In­sol­venz und der dann spe­zi­al­ge­setz­lich durch § 113 In­sO ge­re­gel­ten be­son­de­ren Kündi­gungs­frist an­zu­wen­den. Die Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges ha­ben be­stimmt, dass die Ver­trags­stra­fe der Ein­hal­tung der in Ziff. 11.1. ver­ein­bar­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Kündi­gungs­frist von sechs Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de die­nen soll.
e) Der Se­nat hat die­se Fra­ge je­doch nicht zu ent­schei­den, weil vor­lie­gend die recht­li­che Be­en­di­gung des Ver­tra­ges nicht durch den Be­klag­ten, son­dern durch den Kläger be­wirkt wur­de.
aa) Ziff. 14.5. des Ar­beits­ver­tra­ges sieht, wie die nach­fol­gen­de Klau­sel, ei­ne Ver­trags­stra­fe nur für den Fall der Ver­trags­be­en­di­gung durch den Ar­beit­neh­mer („Sie“) vor. Die Kündi­gung des Be­klag­ten vom 11. No­vem­ber 2011 hat je­doch den Ar­beits­ver­trag nicht, auch nicht zum 29. Fe­bru­ar 2012 als dem „nächstmögli­chen Ter­min“ be­en­det. Viel­mehr war es der Kläger, der das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 2. De­zem­ber 2011 außer­or­dent­lich frist­los we­gen be­harr­li­cher Ar­beits­ver­wei­ge­rung des Be­klag­ten gekündigt hat. Die­se Kündi­gung hat mit Zu­gang beim Be­klag­ten, der sie in der Fol­ge­zeit nicht an­ge­grif­fen hat, das Ar­beits­verhält­nis be­en­det.
bb) Für die­sen Fall der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Be­en­di­gung des Ver­tra­ges ist die Ver­trags­stra­fe nach Ziff. 14.5. des Ar­beits­ver­tra­ges nicht ver­ein­bart wor­den. Sie soll­te nur im Fal­le ei­ner un­fris­ti­gen Kündi­gung des Ar­beit­neh­mers, al­so des Be­klag­ten ver­wirkt sein. Da­her kommt es nicht dar­auf an, ob der Be­klag­te, et­wa durch ei­ne un­be­rech­tig­te und be­harr­li­che Ver­wei­ge­rung sei­ner Ar­beits­leis­tung - 11 - ei­nen wich­ti­gen Grund für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Klägers ge­schaf­fen hat. Die­ser Fall ist von der Ver­trags­stra­fen­klau­sel des Ar­beits­ver­tra­ges nicht er­fasst. Der Kläger ist in­so­weit auf Scha­dens­er­satz­ansprüche nach § 628 Abs. 2 BGB zu ver­wei­sen. Dies deu­tet er auch selbst im Kündi­gungs­schrei­ben an, mit dem er „hier­mit ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch gem. § 628 Abs. 2 BGB gel­tend“ macht. Recht­lich un­zu­tref­fend ist da­ge­gen sei­ne wei­te­re An­nah­me im Kündi­gungs­schrei­ben, er könne sich in­so­weit auf die „pau­scha­le Ver­trags­stra­fe gem. Ziff. 14.5 des Ar­beits­ver­tra­ges“ be­ru­fen. Sol­ches ha­ben die Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges ge­ra­de nicht ver­ein­bart.
II. Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung kommt schon we­gen des in­so­weit kla­ren Wort­lauts der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­trags­stra­fen­klau­sel und we­gen des Trans­pa­renz­ge­bots des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht in Be­tracht.
C. Der Kläger hat nach § 97 ZPO die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen.
Hauck Brein­lin­ger Win­ter
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References: § 113
 § 623
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 77
 § 305
 § 309
 § 310
 § 309
 § 309
 § 307
 § 307
 § 307
 § 4
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 307
 § 113
 § 628
 § 628
 § 307
 § 97