Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201998,%202747
Timestamp: 2020-02-20 19:08:27+00:00

Document:
Rechtsprechung: NJW 1998, 2747 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: LG Heidelberg, 05.11.1996
https://dejure.org/1998,280
OLG Frankfurt, 15.07.1998 - 20 W 224/98 (https://dejure.org/1998,280)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 15.07.1998 - 20 W 224/98 (https://dejure.org/1998,280)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 15. Juli 1998 - 20 W 224/98 (https://dejure.org/1998,280)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1998,280) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Sterbehilfe durch den Betreuer
§ 1904 BGB ist analog anwendbar bei Fällen indirekter Sterbehilfe
Vormundschaftsgerichtliche Genehmigung der Einwilligung des Betreuers in Behandlungsabbruch bei Komapatienten (Sterbehilfe)
Vormundschaftsgerichtliche Genehmigung nach § 1904 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ; Selbstbestimmungsrecht des Patienten bei Abbruch einer lebenserhaltenden Maßnahme ; Analoge Anwendung des § 1904 BGB auf den Behandlungsabbruch ; Patiententestament
Behandlungsabbruch, Sterbehilfe, Sondenernährung
archive.org (Volltext und Pressemitteilung)
Vormundschaftsrichter dürfen über Hilfe zum Sterben entscheiden // mutmaßlicher Willen des Patienten ist zu beachten
Betreuungsrecht und Abbruch der Sondenernährung
Vormundschaftsgerichtliche Genehmigung der Einwilligung in einen Behandlungsabbruch
Betreuungsrecht - Vormundschaftliche Genehmigung der Einwilligung des Betreuers in Behandlungsabbruch bei Komapatienten (Sterbehilfe)
Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen - Genehmigung durch Vormundschaftsgericht
archive.org (Entscheidungsanmerkung und Pressemitteilung)
Entscheidungsfindung beim Verzicht auf eine lebensrettende Maßnahme und die Rolle des Vormundschaftsrichters
AG Frankfurt/Main, 14.05.1998 - 45 XVII MUE 65/98
NJW 1998, 2747
MDR 1998, 1483
FGPrax 1998, 183
FamRZ 1998, 1137
FamRZ 1998, 1256
Rpfleger 1998, 424
JR 1999, 71
Er ist gesetzlicher Vertreter des Betroffenen und in dessen Interesse auch beschwerdeberechtigt (OLG Frankfurt NJW 98, 2747, 2748;… Kayser in Keidel/Kuntze/Winkler, FGG, 14. Aufl. § 67 Rdn. 1, 7, § 69g Rdn. 10).
Die gegen diese Entscheidung und die sie in das Betreuungsrecht umsetzende Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt vom 15.7.98 (NJW 98, 2747) vorgebrachten Bedenken greifen nicht durch.
Der Gesetzgeber hat zudem - wie das OLG Frankfurt (NJW 98, 2747, 2748) zutreffend ausgeführt hat - in den Gesetzgebungsmaterialien zu § 1904 BGB (BT-Drs. 11/4528, S. 142) zum Ausdruck gebracht, dass er den Betreuer ermächtigen will, die mutmaßliche Weigerung des Betroffenen bezüglich einer lebensverlängernden Maßnahme zur Geltung zu bringen.
Die Einwilligung in den Abbruch der künstlichen Ernährung fällt vielmehr in den Aufgabenkreis der Gesundheitsfürsorge (LG Duisburg NJW 99, 2744; Gründel NJW 99, 3391, 3392; hinsichtlich des Aufgabenkreises nicht näher präzisiert von OLG Frankfurt NJW 98, 2747, 2748; Coeppicus NJW 98, 3381, 3387).
Der Hinweis auf rechtshistorische Gründe, also die Euthanasieverbrechen in der NS-Zeit, ist verfehlt, da die Vernichtung "lebensunwerten Lebens" weder vom Zustand noch vom Willen des Opfers abhängig gemacht wurde (zutr. OLG Frankfurt NJW 98, 2747, 2748 m.w.Nachw.; Müller-Freienfels JZ 98, 1123, 1126; Saliger JuS 99, 16, 18 f).
Bedarf also die Einwilligung des Betreuers schon dann der vormundschaftsgerichtlichen Genehmigung, wenn die begründete Gefahr besteht, dass der Betreute aufgrund der Maßnahme stirbt oder einen schweren und länger dauernden Schaden erleidet, muss - wie der Bundesgerichtshof überzeugend ausgeführt hat - die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts erst recht eingeholt werden, wenn die ärztliche Maßnahme nicht nur mit einer Gefährdung des Rechtsguts Leben verbunden ist, sondern wenn sie mit Sicherheit binnen kurzem zum Tod des Betroffenen führt (OLG Frankfurt NJW 98, 2747, 2748; LG Duisburg NJW 99, 2744; Coeppicus NJW 98, 3381, 3383).
Das Vormundschaftsgericht muss im Wege der Amtsermittlung feststellen, also sich davon überzeugen, dass der Betreute unfähig ist, seinen Willen zu äußern (krankheitsbedingte Entscheidungsunfähigkeit), sein Zustand nach ärztlicher Erfahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit irreversibel ist (…vgl. Taupitz aaO, A 125) und sein mutmaßlicher Wille dahin geht, nicht länger behandelt und künstlich ernährt zu werden, sondern dem natürlichen Gang der Dinge seinen Lauf zu lassen (zutreffend LG Duisburg NJW 99, 2744, 2745; vgl. auch OLG Frankfurt NJW 98, 2747, 2749).
So gibt es deswegen gute Gründe, vom Erfordernis einer vormundschaftsgerichtlichen Genehmigung abzusehen und die Ermittlung und den Vollzug des Willens des Betreuten - und nur darum geht es unter der Prämisse seiner Selbstbestimmung - dem Betreuer in Verbindung mit den Familienangehörigen und den behandelnden Ärzten zu überlassen (LG München NJW 1999, 1788, 1789; Alberts NJW 1999, 835, 836; Deichmann MDR 1995, 983, 985; Eberbach MedR 2000, 267, 269; Laufs NJW 1998, 3399, 3400; May/Brink/Baumann BtPrax 1998, 213; Scheffen ZRP 2000, 313, 314; Seitz ZRP 1998, 417, 420; Stalinski BtPrax 1999, 86, 88; Wagenitz FamRZ 1998, 1256, 1257).
§ 1904 Abs. 1 BGB hat weder ein Unterlassen des Arztes, noch den Widerruf oder die Verweigerung einer Einwilligung des Betreuers zum Gegenstand, diese Tatbestände sind vielmehr nach dieser Vorschrift genehmigungsfrei (Alberts NJW 1999, 835; Bernsmann ZRP 1996, 87, 90; May/Brink/Baumann BtPrax 1998, 213; Stalinski BtPrax 1999, 86, 87, 88; Steffen NJW 1996, 1581; Vogel MDR 1995, 337, 338; Wagenitz FamRZ 1998, 1256, 1257).
Maßgebliches Kriterium der Entscheidung ist eine mutmaßliche Einwilligung des Betroffenen (Bestätigung des Beschl. v. 15.7.98, NJW 98, 2747).
Der Senat hat in seinem Beschluss vom 15. Juli 1998 (NJW 1998, 2747 = FamRZ 1998, 1137 = BtPrax 1998, 186 = JZ 1998, 1122 = JuS 1998, 1062 = MDR 1998, 1483 = Rpfleger 1998, 424 = FG Prax 1998, 183 = MedR 1998, 1483 = JR 1999, 71 = OLG-Report Frankfurt 1998, 245) in Übereinstimmung mit dem in einer Strafsache ergangenen Urteil des Bundesgerichtshofes vom 13. September 1994 ( BGHSt 40, 257 = NJW 1995, 204 = NStZ 1995, 80 = JR 1995, 335 = MDR 1995, 80) entschieden, dass bei einem irreversibel hirngeschädigten Betroffenen die Entscheidung des Betreuers über den Abbruch der Ernährung durch eine PEG-Magensonde in entsprechender Anwendung des § 1904 BGB der vormundschaftsgerichtlichen Genehmigung bedarf und als Kriterium für diese Entscheidung maßgeblich auf eine mutmaßliche Einwilligung des Betroffenen abzustellen ist, an deren Feststellung wegen des Lebensschutzes in tatsächlicher Hinsicht strenge Anforderungen zu stellen sind, während bei deren Nichtaufklärbarkeit die Genehmigung zu versagen ist.
Die Entscheidung hat nach ihrer Veröffentlichung sowohl Ablehnung (vgl. etwa Laufs NJW 1998, 3399; Müller-Freienfels JZ 1998, 1125; Seitz JZ 1998, 1125; Jürgens BtPrax 1998, 159; Bienwald FamRZ 1998, 1138; Vormundschaftsgerichtstag e.V. BtPrax 1998, 161; Nickel MedR 1998, 520; Wagenitz FamRZ 1998, 1256; Stalinski BtPrax 1999, 86; Dodegge NJW 1999, 2709; Alberts NJW 1999, 835; Ankermann MedR 1999, 387; Schlund JR 2000, 65; Eberbach MedR 2000, 267; Paehler BtPrax 2000, 21; Kutzer MedR 2001, 77 sowie in der Rechtsprechung LG München und Augsburg a.a.0.; AG Ratzeburg SchlHA 1999, 50; AG Garmisch-Partenkirchen FamRZ 2000, 319; ) als auch Zustimmung erfahren (vgl. etwa Saliger JuS 1999, 16; Coeppicus NJW 1998, 3381; Rehborn MDR 1998, 1464; Knieper NJW 1998, 2720; Frister JR 1999, 73; Verrel JR 1999, 5; Berger JZ 2000, 797; Spickhoff NJW 2000, 2297; Zöller ZRP 2000, 317; Taupitz NJW 2000, Beilage zu Heft 25; Lipp DRiZ 2000, 231; Hufen NJW 2001, 849; Meier BtPrax 2001, 181 sowie in der Rechtsprechung LG Duisburg NJW 1999, 2744).
Ob der Abbruch einer lebenserhaltenden Maßnahme in entsprechender Anwendung des § 1904 BGB vormundschaftsgerichtlich genehmigt werden darf, ist streitig (so BGH NJW 1995, 204; OLG Frankfurt/Main FamRZ 1998, 1137; a.A. OLG Brandenburg, FamRZ 2000, 1033 für ein minderjähriges Kind).
Diesen Gedanken, den der Bundesgerichtshof in einer strafrechtlichen Entscheidung aufgeworfen hat (BGH NJW 1995, 204, 205), hat das OLG Frankfurt a. M. in seinem bekannten Beschluß vom 15.7.1998 (BtPrax 1998, 186) für das Betreuungsrecht umgesetzt.
Allein die analoge Heranziehung des in § 1904 geregelten Genehmigungsverfahrens vermag eine sachgerechte Lösung für diese Situation zu schaffen (so auch OLG FfM BtPrax 1998, 186, 187; Knittel, § 1904 BGB Rn 9 h).
b) Darüber hinaus ist § 1904 BGB auf die vorliegende Fallkonstellation nicht, auch nicht analog (so vor allem BGH, NJW 1995, 204; OLG Frankfurt, FamRZ 1998, 1137 ff) anwendbar.
Das OLG Frankfurt hat diese Frage im Beschluss vom 15. Juli 1998 (NJW 1998, 2747) in Anlehnung an eine strafrechtliche Entscheidung des BGH vom 13. September 1994 (NJW 1995, 204> bejaht.
LG Heidelberg, 05.11.1996 - 4 O 129/93
https://dejure.org/1996,4496
LG Heidelberg, 05.11.1996 - 4 O 129/93 (https://dejure.org/1996,4496)
LG Heidelberg, Entscheidung vom 05.11.1996 - 4 O 129/93 (https://dejure.org/1996,4496)
LG Heidelberg, Entscheidung vom 05. November 1996 - 4 O 129/93 (https://dejure.org/1996,4496)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1996,4496) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Anspruch auf Schmerzensgeld wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers; Klage auf Feststellung der Verpflichtung zur Leistung von Schadensersatz; Anspruch auf Schadensersatz wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers; Positive Forderungsverletzung eines ...
Schutz von Krankenhauspatienten vor Selbstverletzung, bewußtseinsgetrübte Patienten, Fesselung, permanente Sitzwache, Krankenhaus
LG Arnsberg, 12.01.2016 - 5 O 22/14
Regressansprüche eines privaten Krankenversicherers für die Behandlung eines …
Grundsätzlich hat auch ein allgemeines Krankenhaus dafür Sorge zu tragen, dass Patienten, deren Bewusstsein getrübt ist, vor Selbstverletzung oder Selbstgefährdung geschützt werden (OLG Düsseldorf, AHRS 3500/314; LG Heidelberg, NJW 1998, 2747;… Staudinger- Hager (2009), BGB § 823 I, Rz. 38).
OLG Frankfurt, 24.01.2002 - 22 U 98/99
Pflegevertrag: Sturz eines pflegebedürftigen Heimbewohners aus dem Bett; …
Diese Frage ist jedenfalls dann zu bejahen, wenn bei dem Pflegebedürftigen infolge der bei ihm vorliegenden geistigen Behinderung und der damit einhergehenden Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit und Desorientiertheit die Gefahr besteht, dass er aus dem Bett stürzen und sich dabei gesundheitlichen Schaden zufügen kann (in diesem Sinne auch OLG Frankfurt am Main in VersR 95, 1498 f.; OLG Stuttgart in OLGR Stuttgart 01, 239 if.; LG Heidelberg in MedR 93, 300 und in NJW 98, 2747).

References: § 1904
 § 1904
 § 1904
 § 67
 § 69
 § 1904

§ 1904
 § 1904
 § 1904
 BGH 
 § 1904
 § 1904
 § 1904
 BGH 
 § 823