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Timestamp: 2019-08-21 08:33:59+00:00

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Congregavit nos in unum Christi amor – Kathpedia
über das brüderliche Leben in Gemeinschaft
(Quelle: Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite; Die Verwendung der Begriffe "Bruder, brüderlich" folgt dem italienischen Text und meint, wo und wie dieser, beide Geschlechter; Inhaltsübersichtseinteilung nach: VAS 116; auch in: DAS 1994, S. 1118-1173 abgedruckt)
1.1 DIE THEOLOGISCHE ENTWICKLUNG
1.2 DIE KIRCHENRECHTLICHE ENTWICKLUNG
1.3 DIE GESELLSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
1.4 ÄNDERUNGEN IM ORDENSLEBEN
1.5 ZIELE DES DOKUMENTS
2 I. DAS GESCHENK DER COMMUNIO UND DER GEMEINSCHAFT
2.1 Die Kirche als communio
2.2 Die Ordensgemeinschaft als Ausdruck der kirchlichen communio
3 II. DIE ORDENSGEMEINSCHAFT ALS ORT, WO MAN BRUDER UND SCHWESTER WIRD
3.1 Spiritualität und gemeinsames Beten
3.2 Persönliche Freiheit und Verwirklichung der Brüderlichkeit
3.3 Miteinander Wachsen durch gegenseitigen Austausch
3.4 Ordensgemeinschaft und Reifung der Person
3.4.1 Die Identität
3.4.2 Die Affektivität
3.4.3 Unstimmigkeiten
3.5 Vom Ich zum Wir
3.6 Die Ordensgemeinschaft in beständiger Weiterbildung
3.6.1 Die gemeinschaftsbezogene Dimension der evangelischen Räte
3.6.2 Das Charisma
3.7 Die Autorität im Dienste der Brüderlichkeit
3.8 Die Brüderlichkeit als Zeichen
4 III. DIE ORDENSGEMEINSCHAFT ALS ORT UND TRÄGERIN DER SENDUNG
4.1 Ordensgemeinschaft und Sendung
4.2 In der Ortskirche
4.2.1 Die Pfarrgemeinde
4.2.2 Die kirchlichen Bewegungen
4.3 Einige besondere Fragen
4.3.1 Einbindung in das Leben der Armen
4.3.2 Kleine Gemeinschaften
4.3.3 Ordensleute auf Einzelposten
4.3.4 In den Missionsgebieten
4.3.5 Die Neuordnung der Apostolatswerke
4.3.6 Die alten Ordensleute
4.3.7 Ein neues Verhältnis zu den Laien
6.1 DOKUMENTE DES II. VATIKANISCHEN KONZILS
6.2 PÄPSTLICHE VERLAUTBARUNGEN
6.3 DOKUMENTE DES HL. STUHLES
6.4 WEITERE DOKUMENTE
a) Das Thema dieses Dokumentes geht von einer Tatsache aus: In vielen Ländern hat sich das Erscheinungsbild des "brüderlichen, gemeinsamen Lebens", im Vergleich zur Vergangenheit, in vielem verändert. Diese Veränderungen wie auch die Hoffnungen und Enttäuschungen, die bis heute diesen Wandlungsprozess begleiten, rufen nach einer Neubesinnung im Lichte des II. Vatikanischen Konzils. Sie haben zu positiven, aber auch zu umstrittenen Ergebnissen geführt. Sie haben nicht wenige Werte des Evangeliums neu ins Licht gerückt und den Ordensgemeinschaften neue Vitalität geschenkt. Sie haben jedoch auch Fragen geweckt, weil sie einige der typischen Elemente des brüderlichen Lebens in Gemeinschaft verdunkelt haben. In einigen Gegenden scheint die Ordensgemeinschaft sogar in den Augen der Ordensmänner und Ordensfrauen an Bedeutung verloren zu haben und womöglich nicht mehr ein erstrebenswertes Ideal zu sein.
Mit der Gelassenheit und Unruhe dessen, der den Willen Gottes sucht, wollten viele Ordensgemeinschaften diesen Wandlungsprozess auswerten, um der eigenen Berufung im Gottesvolk besser zu entsprechen.
Geist des Ursprungs der einzelnen Institute",[1] oder anders gesagt, die tiefere und umfassendere Begegnung mit dem Evangelium und mit dem ersten Aufbrechen des Gründungscharismas war ein kraftvoller Anstoß zur Aneignung des wahren Geistes der Brüderlichkeit, und zu jenen Strukturen und Verhaltensweisen, die ihn überzeugend ausdrücken sollen. Dort, wo die Begegnung mit diesen Quellen und mit der ursprünglichen Inspiration nur unvollständig oder mit halbem Herzen geschah, war das brüderliche Leben vielfach gefährdet und verblaßte.
- Dieser Prozess hat sich jedoch auch innerhalb allgemeinerer Entwicklungen abgespielt, die den größeren Rahmen dazu bilden, und deren Einflüssen sich das Ordensleben nicht entziehen konnte.[2]
Es war die Entwicklung der Ekklesiologie, die mehr als andere Faktoren die Entfaltung des Verständnisses der Ordensgemeinschaften beeinflußt hat. Das II. Vatikanum betonte, dass das Ordensleben "unerschütterlich" (inconcusse) zum Leben und zur Heiligkeit der Kirche gehört, und hat es im Herzen ihres Geheimnisses der communio und der Heiligkeit beheimatet.[3]
Die Ordensgemeinschaft ist nicht einfachhin ein Zusammenschluss von Christen, die ihre persönliche Vollkommenheit suchen. Sie ist in ihrer Tiefe vielmehr Teilhabe und qualifiziertes Zeugnis für die Kirche als einem Geheimnis, denn sie ist lebendiger Ausdruck und wesensgemäße Verwirklichung ihrer besonderen "communio", der großen trinitarischen "koinonia", an welcher der Vater den Menschen Teilhabe gewähren wollte durch den Sohn im Heiligen Geist.
Die Ordensgemeinschaft macht durch ihre Struktur, durch ihre Motivationen, durch ihre charakteristischen Werte jene Gabe der Brüderlichkeit öffentlich sichtbar und fortwährend erfahrbar, die Christus der ganzen Kirche geschenkt hat. Eben deshalb ist es ihre unverzichtbare Aufgabe und ihre Sendung, eine Zelle intensiv gelebter gemeinschaftlicher Brüderlichkeit zu sein, die Zeichen und Ansporn ist für alle Getauften.[4]
Um einer solchen Gemeinschaft anzugehören ist die besondere Gnade einer Berufung erforderlich. Konkret heißt dies, dass die Mitglieder einer Ordensgemeinschaft untereinander durch einen gemeinsamen Ruf Gottes im Sinne des Charismas der Gründung verbunden sind, durch eine typische kirchliche Lebensweihe und durch eine gemeinschaftliche Antwort, die in der Teilhabe an "der Erfahrung des Geistes" besteht, die vom Gründer gelebt und an seine Sendung in der Kirche weitergegeben wurde.[5]
Sie will auch die "schlichteren und allgemeineren"[6] Gnadengaben dankbar annehmen, die Gott in ihren Mitgliedern zum Wohle des ganzen Leibes erweckt. Die Ordensgemeinschaft existiert für die Kirche, um sie darzustellen, sie zu bereichern[7] und sie für ihre Sendung fähiger zu machen.
Das Lehramt hat seit dem Konzil dieses neue Verständnis der Ordensgemeinschaft vertieft und durch neue Beiträge bereichert.[8]
Wenn von "gemeinsamem Leben" gesprochen wird, sind zwei Gesichtspunkte zu unterscheiden. Während der Kodex von 1917[9] den Eindruck erweckt, sich auf äußerliche Elemente und auf die Einheitlichkeit des Lebensstiles zu konzentrieren, bestehen das II. Vatikanum[10] und der neue Kodex[11] ausdrücklich auf der spirituellen Dimension und auf dem Band der Brüderlichkeit, das alle Mitglieder untereinander in Liebe verbinden muss. Der neue Kodex hat beide Gesichtspunkte zusammengefasst, wenn er von einem "brüderlichen Leben" spricht, das "in Gemeinschaft" zu führen ist.[12]
ein mehr spirituelles: es ist die "Brüderlichkeit", oder "brüderliche Gemeinschaft", die vom Herzen ausgeht und von der Liebe beseelt wird. Es betont eher die "Lebensgemeinschaft" und die Beziehung unter den Personen.[13]
ein mehr äußerliches: es ist das "Leben in Gemeinschaft" oder das "Leben als Gemeinschaft", das sich verwirklicht "im Wohnen im eigenen, rechtmäßig errichteten Ordenshaus" und in "gemeinsamer Lebensführung" durch Treue zu denselben Regeln, durch Teilnahme an den gemeinsamen Übungen und durch Mitarbeit in den gemeinsamen Diensten.[14]
Dies alles wird in den verschiedenen Gemeinschaften jeweils "gemäß der eigenen Lebensordnung"[15] verwirklicht, also auf eine dem Charisma und dem Eigenrecht des Instituts entsprechende Weise.[16] Hierin liegt die Bedeutung des Eigenrechtes, das das Erbgut eines jeden Institutes auf das Gemeinschaftsleben wie auch auf die Mittel zu dessen Verwirklichung anwenden muss.[17]
Es versteht sich, dass das "brüderliche Leben" nicht automatisch schon mit der Einhaltung jener Normen gegeben ist, die das Leben in Gemeinschaft regeln; doch ist es ebenso einleuchtend, dass es Ziel des Lebens in Gemeinschaft ist, das Leben in Brüderlichkeit intensiv zu fördern.
4. Die Gesellschaft befindet sich in ständiger Entwicklung, und die Ordensleute, die nicht von der Welt sind, aber dennoch in ihr leben, werden davon beeinflusst.
Besonders in Lateinamerika wurde durch die Generalversammlungen der dortigen Bischöfe in Medellin, Puebla und Santo Domingo, die "evangeliumsgemäßen und vorrangigen Option für die Armen"[18] in den Vordergrund gerückt, mit einer nachträglichen Verschiebung des Akzentes auf den sozialen Einsatz.
Das beeindruckende Anwachsen des Elends am Rande der Großstädte und die Verarmung der Landbevölkerung beschleunigten in nicht wenigen Ordensgesellschaften den Prozess des "Umzugs" in solche Gebiete des armen Volkes.
Dazu kommt, dass die jüngsten, weiträumigen Wanderungsbewegungen das Problem des Zusammenlebens verschiedener Kulturen stellen, sowie jenes der rassenfeindlichen Reaktionen. Dies alles ist auch in den immer zahlreicher werdenden, kulturell und rassisch gemischten Ordensgemeinschaften spürbar.
Unmittelbar nach dem Konzil hat dieser Prozess - vor allem im Westen - eine Beschleunigung erfahren, die zuweilen von Versammlungssucht und von antiautoritären Verhaltensmustern geprägt war.
c) Die Stärkung der Rolle der Frau - nach Papst Johannes XXIII. eines der Zeichen der Zeit - hat im Leben der christlichen Gemeinschaften in verschiedenen Ländern kein geringes Echo gefunden.[19] Selbst wenn in einigen Gegenden der Einfluß extremistischer Strömungen des Feminismus das Ordensleben tief berührt, so sind die weiblichen Ordensgemeinschaften doch fast überall auf der positiven Suche nach Formen des Gemeinschaftslebens, von denen man annimmt, dass sie einem erneuerten Bewußtsein von der Identität, der Würde und der Rolle der Frau in Gesellschaft, Kirche und Ordensleben mehr entsprechen.
c) Das Verständnis und die Realisierung der eigenen Arbeit, die - besonders in einem säkularisierten Umfeld - eher als schlichte Ausübung eines bestimmten Berufes, und nicht als die Entfaltung einer Sendung im Dienste des Evangeliums angesehen wird, hat zuweilen die Wirklichkeit der Weihe an Gott und die geistliche Dimension des Ordenslebens derart in den Schatten gestellt, dass das Gemeinschaftsleben als ein Hindernis für dieses Apostolat angesehen wurde, oder als ein rein funktionales Mittel zum Zweck.
d) Im unmittelbaren Gefolge des Konzils entwickelte sich ein neues Verständnis der Person, verbunden mit einer starken Betonung der Einzelperson und ihrer Initiativen. Im Anschluss daran erwachte ein feineres Gespür für Gemeinschaft im Sinne eines brüderlichens Lebens, das mehr auf der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen als auf den formalen Aspekten einer satzungsmäßigen Observanz gründet.
I. DAS GESCHENK DER COMMUNIO UND DER GEMEINSCHAFT
8. Noch bevor die Ordensgemeinschaft ein Gebilde des Menschen ist, ist sie eine Gabe des Geistes. Aus der Liebe Gottes, die durch den Geist in die Herzen eingegossen ist, nimmt die Ordensgemeinschaft ihren Ursprung, und aus ihr wird sie auferbaut zu einer wahren Familie, die im Namen des Herrn versammelt ist.[20]
9. Indem Gott den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis erschuf, hat er ihn auf Gemeinschaft hin erschaffen. Der Schöpfer, der sich als Liebe, Dreifaltigkeit, Gemeinschaft geoffenbart hat, hat den Menschen dazu berufen, in engste Beziehung zu Ihm und zur Gemeinschaft zwischen den Menschen einzutreten, d.h. zur allumfassenden Liebe.[21]
In seiner großen Liebe sandte der Vater seinen Sohn, damit Er, der neue Adam, die gesamte Schöpfung wiederherstelle und zu ihrer vollen Einheit zurückführe. Er, der in unsere Mitte kam, hat den Anfang des neuen Gottesvolkes gebildet, indem er Apostel und Jünger, Männer und Frauen, um sich sammelte als ein lebendiges Abbild der in sich geeinten Menschheitsfamilie. Ihnen hat er die universale Brüderlichkeit im Vater verkündet, der uns zu seiner Familie gemacht hat, zu seinen Kindern und zu Geschwistern untereinander. So hat er die Gleichheit durch Brüderlichkeit gelehrt, und Versöhnung durch gegenseitige Vergebung. Er hat die Strukturen der Macht und der Herrschaft auf den Kopf gestellt, indem er selbst das Beispiel gab, wie man dienen und sich an den letzten Platz stellen soll. Beim letzten Abendmahl hat er seinen Jüngern das neue Gebot der gegenseitigen Liebe anvertraut: "Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt; wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben" (Joh 13,34; 15,12); er hat die Eucharistie eingesetzt, die uns zur gegenseitigen Liebe befähigt, indem sie uns durch das eine Brot und den einen Kelch nährt. Dann hat er sich an den Vater gewandt und von ihm, als Summe seines Wollens, die Einheit aller nach dem Vorbild der dreifaltigen Einheit erbeten: "...dass alle eins seien, wie Du, Vater, in mir und ich in dir" (Joh 17,21).
Indem er sich dem Willen des Vaters anheimgab, hat er im Ostergeheimnis jene Einheit vollendet, die er vom Vater erbeten und die zu leben er seine Jünger angewiesen hatte. Mit seinem Kreuzestod hat er die Mauer niedergerissen, die Völker trennt, und hat alle in der Einheit versöhnt (vgl. Eph 2,14-16); so hat er uns gezeigt, dass Gemeinschaft und Einheit Früchte aus der Teilhabe am Geheimnis seines Todes sind.
Diese Gemeinschaft ist das Band der Liebe, das alle Glieder des Leibes Christi untereinander verbindet, und den Leib mit seinem Haupt. Die lebenspendende Gegenwart des Heiligen Geistes[22] selbst schafft in Christus die organische Einheit: Er eint die Kirche in der communio und im Geheimnis, er ordnet und leitet sie durch verschiedene, sich gegenseitig ergänzende hierarchische und charismatische Gaben, er schmückt sie mit seinen Früchten.[23]
Auf ihrem Weg durch die Zeit ist die eine und heilige Kirche ständig geprägt von jenem oft leidvollen Ringen um tatsächliche Einheit. Auf ihrem geschichtlichen Weg wurde sie sich immer stärker bewußt, dass sie Volk und Familie Gottes ist, Leib Christi, Tempel des Geistes, Sakrament der tiefsten Einheit des Menschengeschlechtes, Gemeinschaft, Abbild der Dreifaltigkeit. Das II. Vatikanische Konzil hat diese geheimnishafte und gemeinschaftsbezogene Dimension der Kirche betont.
Im Laufe der Jahrhunderte entstanden unter dem charismatischen Wirken des Geistes vielfältige Formen von Gemeinschaften. Er, der das menschliche Herz erforscht, geht ihm entgegen und antwortet auf seine Bedürfnisse. Er bringt Männer und Frauen hervor, die vom Evangelium erleuchtet und sensibel für die Zeichen der Zeit, neue Ordensfamilien ins Leben rufen, und dadurch auch neue Formen der Verwirklichung der einzigen communio in der Verschiedenheit der Dienste und der Gemeinschaften.[24]
Es ist nicht möglich, den Begriff "Ordensgemeinschaft" in einer einzigen Bedeutung anzuwenden. Die Geschichte des Ordenslebens bezeugt unterschiedliche Formen, wie die eine communio entsprechend der Eigenart der einzelnen Institute gelebt werden kann. So können wir heute die "wunderbare Vielfalt" der Ordensfamilien bewundern, die die Kirche bereichern und sie für jegliches gute Werk ausrüsten.[25]
Dennoch erschien das brüderliche Leben in Gemeinschaft in seinem Formenreichtum immer als eine konsequente Verwirklichung jener gemeinsamen brüderlichen Gesinnung, die alle Christen untereinander verbindet. Die Ordensgemeinschaft ist Gestaltwerdung jener communio, auf der die Kirche gründet, und gleichzeitig Prophetie jener Einheit, die sie als ihr Ziel erstrebt. "Als 'Experten des gemeinschaftlichen Lebens' sind die Ordensleute dazu berufen, in der Kirche, der kirchlichen Gemeinschaft und in der Welt Zeugen und Baumeister im Sinne jenes göttlichen Planes für Gemeinschaft zu sein, der die Geschichte der Menschen krönen soll. Vor allem werden sie durch das Leben nach den evangelischen Räten, das die Liebe von jedem Hindernis befreit, gemeinsam zu einem prophetischen Zeichen der innigsten Vereinigung mit dem über alles geliebten Gott. Durch die tägliche Erfahrung eines Lebens in Gemeinschaft, des Gebets und Apostolates als eines wesentlichen und unterscheidenden Elements ihrer Form gottgeweihten Lebens werden sie ferner zum 'Zeichen brüderlicher Gemeinschaft', denn sie bezeugen in einer oft so tief entzweiten Welt und vor all ihren Glaubensbrüdern die Fähigkeit zur Gütergemeinschaft, zu brüderlicher Zuneigung sowie zu einem Plan ihres Lebens und Tuns. Dies wird ihnen dadurch möglich, dass sie den Anruf zu freierer und engerer Nachfolge Christi angenommen haben, der vom Vater gesandt wurde, um als Erstgeborener unter vielen Brüdern eine neue Gemeinschaft aufzubauen durch das Geschenk seines Geistes".[26]
Dies wird um so sichtbarer sein, je mehr sie nicht nur mit und in der Kirche fühlen, sondern auch, die Kirche selbst erfühlen und sich mit ihr identifizieren in vollständiger Übereinstimmung mit ihrer Lehre, ihrem Leben, ihren Hirten, ihren Gläubigen und mit ihrer Sendung in der Welt.[27]
Das brüderliche Leben in Gemeinschaft muss in einem Kloster lebendiges Zeichen des Geheimnisses der Kirche sein: je größer das Geheimnis der Gnade, um so reicher die Früchte des Heiles.
II. DIE ORDENSGEMEINSCHAFT ALS ORT, WO MAN BRUDER UND SCHWESTER WIRD
12. Ihrem vornehmsten, mystischen Sein nach ist jede Ordensgemeinschaft tatsächlich "in sich selbst eine übernatürliche Wirklichkeit, und als solche Gegenstand der Kontemplation".[28] Daraus folgt, dass die Ordensgemeinschaft in erster Linie ein Geheimnis ist, das mit dankbarem Herzen in einer lauteren Haltung des Glaubens betrachtet und angenommen wird.
Wenn diese mystische und theologale Dimension vergessen wird, die sie zum Kontakt mit dem Geheimnis der in der Gemeinschaft anwesenden und ihr mitgeteilten göttlichen communio hinführt, dann vergißt man zwangsläufig auch die tiefen Gründe für das "gemeinsame Tun" und für das geduldige Auferbauen des brüderlichen Lebens. Dieses scheint zuweilen menschliche Kräfte zu übersteigen, ganz abgesehen davon, dass es manchmal, besonders von sehr aktiven und individualistisch geprägten Menschen, als unnütze Vergeudung von Energien angesehen wird.
13. Als Antwort auf die Aufforderung des Herrn: "Wachet und Betet" (Lk 21,36) hat die Ordensgemeinschaft wachsam zu sein und muss sich für die Gestaltung ihre Lebens die nötige Zeit nehmen. Zuweilen haben die Ordensleute "keine Zeit", und ihr Alltag läuft Gefahr, zu umtriebig und sorgenvoll zu sein und so in Müdigkeit und Leere zu enden. Eine Ordensgemeinschaft wird richtigerweise von einem Tagesplan geführt, der dem Gebet seine bestimmten Zeiten zuweist, und es so leichter ermöglicht, für Gott Zeit zu haben (vacare Deo).
Die gemeinsame Feier des Stundengebets, oder wenigstens seiner Teile, hat in nicht wenigen Gemeinschaften das Beten neu verlebendigt, und sie dadurch zu einem lebendigeren Kontakt zum Wort Gottes und zum Gebet der Kirche hingeführt.[29]
Niemand darf also in seiner Überzeugung nachlassen, dass die Gemeinschaft sich von der Liturgie her aufbaut, besonders von der Feier der Eucharistie[30] und von den anderen Sakramenten. Unter diesen verdient das Bußsakrament, durch das der Herr uns wieder mit sich und unserern Brüdern und Schwestern verbindet, eine neue Aufmerksamkeit.
Leider kann mancherorts der Mangel an Priestern die tägliche Teilnahme an der hl. Messe unmöglich machen. Dies führt zwangsläufig zu einem tieferen Verständnis des großen Geschenkes der Eucharistie und dazu, das Geheimnis des Leibes und Blutes Christi, das in der Gemeinschaft lebendig und gegenwärtig ist, um sie auf dem Weg zum Vater zu kräftigen und zu beleben, zur Mitte des Lebens zu machen. Von hierher rührt auch die Notwendigkeit, dass jedes Ordenshaus seinen Gebetsraum habe,[31] in dem es möglich ist, die eigene eucharistische Spiritualität durch Gebet und Anbetung zu nähren.
Um die gefeierte oder angebetete Eucharistie, "Höhepunkt und Quelle" jeglichen Wirkens der Kirche, erbaut sich jene Einheit des Geistes, die Voraussetzung ist für alles Wachsen in der Brüderlichkeit. "Von ihr muss darum alle Erziehung zum Geist der Gemeinschaft ihren Anfang nehmen".[32]
Das gemeinschaftliche Gebet und das persönliche Gebet stehen in einer engen Beziehung zueinander und ergänzen sich gegenseitig. Überall, besonders aber in bestimmten Gegenden und Kulturen, muss die Betonung vermehrt auf die Bedeutung der Innerlichkeit gelegt werden, auf das kindliche Verhältnis zum Vater, auf den innerlichen, bräutlichen Dialog mit Christus, auf die persönlichen Vertiefung dessen, was im gemeinsamen Gebet gefeiert und erlebt wurde, und auch auf das innere und äußere Schweigen, das dem Wort und dem Geist Raum gewährt, damit sie in die verborgensten Tiefen mit Leben erfüllen können. Die gottgeweihte Person, die in einer Gemeinschaft lebt, nährt ihre Lebensweihe durch die beständige persönliche Zwiesprache mit Gott und durch das gemeinsame Lobpreisen und Bitten.
Besonders fruchtbar waren für viele Gemeinschaften die gemeinsame Schriftlesung und der gemeinsame Austausch über das Wort Gottes und über die apostolischen Anliegen. Verschiedenheiten in Alter, Bildungsstand und Charakter raten zur Klugheit, falls man sie unterschiedslos von der ganzen Gemeinschaft erwartet: Es sei daran erinnert, dass deren Einführung nicht überstürzt werden darf.
17. Die Worte des Herrn: "Betet ohne Unterlaß!" (Lk 18,1; vgl. 1 Thes 5,17) gelten in gleicher Weise für das persönliche wie auch für das gemeinsame Beten. Die Ordensgemeinschaft lebt in der Tat vor dem Angesicht ihres Herrn, dessen Gegenwart ihr stets vor Augen stehen muss. Dennoch hat das Beten in Gemeinschaft seinen (täglichen, wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen) Rhythmus, der im Eigenrecht eines jeden Institutes festgelegt ist.
18. Das Gebet zur Jungfrau Maria, das von der Liebe zu ihr, unserem Vorbild, beseelt ist, wird erreichen, dass ihre beispielhafte und mütterliche Gegenwart für die tägliche Gebetstreue eine große Hilfe (vgl. Apg 1,14) und für die Ordensgemeinschaft ein einigendes Band sein wird.[33]
"Als im Namen des Hern vereinte Familie ist die Ordensgemeinschaft ihrer Natur nach der Ort, wo es in besonderer Weise möglich sein muss, zur Gotteserfahrung in ihrer ganzen Fülle zu gelangen und sie den anderen mitzuteilen":[34] vor allen andern den Mitgliedern der eigenen Gemeinschaft.
Doch entspricht dies alles nicht der Natur des "alten Menschen", der zwar sehr wohl Gemeinschaft und Einheit wünscht, sich jedoch nicht müßig fühlt, den Preis dafür durch seinen persönlichen Einsatz zu bezahlen. Der Weg vom alten Menschen, der gerne auf sich selbst bezogen ist, zum neuen Menschen, der sich den anderen schenkt, ist lang und beschwerlich. Die heiligen Gründer haben ohne Illusionen auf die Schwierigkeiten und auf die Klippen dieses Weges hingewiesen, wohl wissend, dass man eine Gemeinschaft nicht improvisieren kann. Sie ist keine spontane Wirklichkeit und kann nicht in kurzer Zeit bewerkstelligt werden.
Aus der Kraft dieser Liebe wächst die Gemeinschaft als ein Zusammenschluss von freien und durch das Kreuz Christi befreiten Menschen.
Wiederholt wurde bemerkt, dass hier eine der Schwachstellen in der Erneuerungsperiode der vergangenen Jahre liegt. Man hat sich Wissen angeeignet, man hat die unterschiedlichen Aspekte des Gemeinschaftslebens erforscht, aber man hat weniger auf jenes asketische Bemühen gebaut, das für jede Form von Befreiung notwendig und unverzichtbar ist, und das fähig ist, aus einer Gruppe von Menschen eine christliche Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern zu machen.
24. Man muss zugeben, dass ein solches Denken heutzutage bei Jung und Alt Schwierigkeiten hervorruft. Oft entstammen die Jungen einer Kultur, die die Subjektivität und Selbstverwirklichung zu hoch einschätzt, während manchmal die Erwachsenen entweder an Strukturen der Vergangenheit kleben oder ein gewisses Mißbehagen gegenüber der "Versammlungssucht" der zurückliegenden Jahre empfinden, die Unsicherheit und viele Worte gezeitigt hat.
Wenn es zutrifft, dass die communio nicht ohne den Beitrag jedes einzelnen entsteht, dann muss man von Anfang an jene Illusionen ausräumen, die davon ausgehen, alles müsse von den andern kommen, und man muss wieder dankbar erkennen, was man alles schon von den anderen empfangen hat und noch empfängt. Es ist gut, die einzelnen von Anfang an darauf vorzubereiten, dass sie Miterbauer und nicht nur Konsumenten der Gemeinschaft sind, mitverantwortlich für das gegenseitige Wachstum, sowie dass sie lernen, in offener Bereitschaft den anderen und das Geschenk seiner Person anzunehmen und fähig werden, zu helfen und sich helfen zu lassen, zu stützen und gestützt zu werden.
Das Ideal eines echten, brüderlichem Gemeinschaftslebens übt auf junge Leute zunächst eine natürliche Faszination aus, aber das Durchhalten in den realen Lebensumständen kann dann als eine schwere Last erscheinen. Die Anfangsausbildung muss also stets sowohl zu einem Bewußtsein der vom Gemeinschaftsleben geforderten Opfer hinführen und zu deren Annahme im Blick auf eine frohe und echte brüderliche Beziehung, als auch zu allen anderen, einen innerlich freien Menschen auszeichnenden Verhaltensweisen.[35] Denn wer sich für die Brüder verliert, findet sich selbst.
25. Zudem bedarf es einer beständigen Erinnerung daran, dass die Selbstverwirklichung einer gottgeweihten Person auf dem Weg der Gemeinschaft geschieht. Wer ein von der Gemeinschaft unabhängiges Leben sucht, befindet sich gewiß nicht auf dem sicheren Weg zu Heiligkeit seines Standes.
Während die westliche Gesellschaft die unabhängige Person feiert, die sich selbst verwirklicht, also den selbstsicheren Individualisten, ruft das Evangelium nach Menschen, die, wie das Weizenkorn, sich selbst sterben, damit brüderliches Leben entstehe.[36]
26. Das Ideal der Gemeinschaft darf jedoch nicht vergessen machen, dass jede christliche Wirklichkeit auf der menschlichen Schwachheit aufbaut. Die vollkommene "ideale Gemeinschaft" gibt es noch nicht: die vollkommene Gemeinschaft der Heiligen ist unser Ziel im Himmel.
Wir leben in der Zeit des beständigen Aufbaus und Wachsens: immer ist es möglich, besser zu werden und gemeinsam auf jene Gemeinschaft zuzugehen, die Vergebung und Liebe in die Praxis umsetzt. In der Tat können die Gemeinschaften nicht alle Konflikte vermeiden. Die Einheit, zu deren Verwirklichung sie gerufen sind, ist eine Einheit, die auf Vergebung und Versöhnung aufbaut.[37] Der Zustand der Unvollkommenheit der Gemeinschaften darf jedoch nicht entmutigen.
Die Dokumente des Lehramtes dieser Jahre bieten eine Fülle von Anregungen und verweisen auf gemeinschaftsfördernde Verhaltensweisen wie: frohe Bescheidenheit,[38] Offenheit und Vertrauen zueinander,[39] Dialogfähigkeit,[40] aufrichtige Bejahung einer wohltuenden Gemeinschaftsdisziplin.[41]
28. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass der Friede und die Freude am Gemeinschaftsleben eines der Zeichen des Gottesreiches sind. Inmitten der Schwierigkeiten des menschlichen und geistlichen Lebensweges und der täglichen Eintönigkeit gehört zu jenem Reich auch eine gewisse Lebensfreude. Diese Freude ist eine Frucht des Geistes und erhellt die Schlichtheit des Lebens wie die Eintönigkeit des Alltags. Eine Brüderlichkeit ohne Freude ist eine Brüderlichkeit, die am Erlöschen ist. Bald werden die Mitglieder das, was sie in ihrer Gemeinschaft nicht finden, anderswo suchen. Eine frohe Gemeinschaft dagegen stellt ein wirkliches Geschenk von Oben dar für jene Brüder und Schwestern, die es zu erbitten verstehen, und die sich in vollem Vertrauen in das Wirken des Geistes für ihre Gemeinschaft einsetzen. So werden die Psalmworte Wirklichkeit: "Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen. Denn dort spendet der Herr Segen und Leben in Ewigkeit" (Ps 133,1.3), "denn wenn sie brüderlich zusammenleben, vereinigen sie sich in der Versammlung der Kirche und wissen sich eins in der Liebe und im gemeinsamen Wollen".[42]
Die Freude ist ein strahlendes Zeugnis dafür, dass eine Ordensgemeinschaft dem Evangelium entspricht; die Freude ist ja das Ziel eines nicht unbeschwerlichen, jedoch dann immer möglichen Weges, wenn er vom Gebet begleitet wird: "Froh in der Hoffnung, in Drangsal geduldig, im Beten beharrlich" (Röm 12,12).
Die Formen für den Austausch der Gaben des Geistes können unterschiedlich sein. Neben den bereits angeführten - Miteinander Teilen des Wortes Gottes und der Gotteserfahrung, gemeinschaftliche Beratung, gemeinsames Planen -[43] darf auch an die brüderliche Zurechtweisung erinnert werden, an die Revision des Lebens und an andere typische Formen der Tradition. Es handelt sich hier um konkrete Wege, den anderen zu dienen und in der Gemeinschaft jene überreichen Gaben zu verbreiten, die der Geist für deren Auferbauung und für deren Sendung in der Welt spendet.
Es handelt sich um außergewöhnliche Mittel, die klug ausgewählt werden müssen und maßvoll von Gemeinschaften eingesetzt werden können, die jene Mauern der Trennung niederreißen möchten, die zuweilen in ihrem Innern bestehen. Die rein menschlichen Techniken erweisen sich als hilfreich, aber sie sind nicht ausreichend. Es ist vielmehr notwendig, dass allen das Wohl des Mitbruders am Herzen liegt, und sie vom Evangelium her jene Fähigkeit entwickeln, von den anderen all das anzunehmen, was diese schenken und mitteilen wollen und auch tatsächlich allein schon durch ihr Dasein mitteilen.
"Habt untereinander dasselbe Empfinden und dasselbe Herz. Seid herzlich und menschlich. Haltet in großer Demut die anderen für besser als euch selbst. Verfolgt die Interessen der anderen, nicht nur die eurigen. Eure Beziehungen zueinander seien darauf gegründet, dass ihr an Jesus Christus gebunden seid" (Phil 2,2-5).
Ein ausgewogenes Gleichgewicht ist gefordert: der mäßige und weise Gebrauch der Kommunikationsmittel,[44] begleitet von einer gemeinsamen Überprüfung, kann für die Gemeinschaft von Nutzen sein, um die Komplexität der Welt der Kultur besser zu verstehen; er kann eine überprüfte und kritische Rezeption ermöglichen und schließlich ihren wirkungsvolleren Einsatz im Blick auf die verschiedenen Dienste für das Evangelium erleichtern.
35. Weil sie eine "Schola Amoris" ist, die hilft, in der Liebe zu Gott und den Brüdern zu wachsen, wird die Ordensgemeinschaft auch zu einem Ort des menschlichen Reifens. Der Weg dahin ist anspruchsvoll, beinhaltet er doch den Verzicht auf unbestreitbar hohe Güter; [45] er ist jedoch nicht unmöglich, wie es die große Schar der Heiligen und jener wunderbaren Gestalten von Ordensleuten beweist, die deutlich machten, wie die Lebensweihe an Christus "nicht dem wahren Fortschritt der menschlichen Person widerspricht, sondern in sich selbst eine große Hilfe dazu darstellt".[46]
Der Weg zur menschlichen Reife, die ja Bedingung ist für ein Leben mit evangelischer Ausstrahlung, ist ein Prozess ohne Ende, da er eine ständige "Bereicherung" nicht nur mit den geistlichen Werten bedeutet, sondern auch mit jenen des psychologischen, kulturellen und sozialen Bereiches.[47]
36. Der Reifungprozess des Menschen vollzieht sich in der eigenen Identifikation mit dem Berufensein von Gott. Eine unsichere Identität kann besonders in schwierigeren Situationen zu einer falsch verstandenen Selbstverwirklichung führen, verbunden mit einem extremen Bedürfnis nach Erfolg und nach Anerkennung und mit einer übertriebenen Angst vor dem Scheitern, sowie mit Depressionen im Gefolge von Mißerfolgen.
Die Identität des Gottgeweihten hängt von einem geistigen Reifungsprozess ab: sie ist ein Werk des Geistes, der den Betreffenden dazu drängt, Christus gleichförmig zu werden, entsprechend jener besonderen Weise, wie sie dem Institut durch das "Ursprungscharisma" geschenkt ist, das eine "Vermittlung des Evangeliums an die Mitglieder eines Institutes" darstellt.[48] Der Beistand eines geistlichen Führers, der die Spiritualität und die Sendung eines Institutes gut kennt und sie achtet, ist also von großer Bedeutung, um "das Wirken Gottes zu erkennen, den Mitbruder auf den Wegen des Herrn zu begleiten und das Leben durch eine solide Lehre und lebendiges Gebet zu nähren".[49] Eine solche Begleitung, die besonders notwendig ist in der Phase der ersten Ausbildung, ist auch im weiteren Leben für das "Wachsen in Christus hilfreich".
Auch der kulturelle Reifungsprozess hilft mit, sich den Herausforderungen der Sendung zu stellen und die dazu erforderlichen Hilfsmittel anzuwenden, um den Weg in die Zukunft zu erkennen und um die richtigen Antworten zu entwickeln, durch die das Evangelium ständig eine Alternative zu den Angeboten der Welt wird, indem es die positiven Kräfte einbindet und sie von den Keimen des Bösen reinigt.
In dieser Dynamik werden die gottgeweihte Person und die Ordensgemeinschaft zu einer dem Evangelium entsprechenden Einladung, die die Gegenwart Christi in der Welt offenbar macht.[50]
37. Das brüderliche Leben in Gemeinschaft verlangt von allen ein stabiles seelisches Gleichgewicht, innerhalb dessen das affektive Leben des einzelnen reifen kann. Wesentlicher Bestandteil dieses Reifungsprozesses ist die oben erwähnte affektive Freiheit, aufgrund derer der gottgeweihte Mensch seine Berufung liebt, und nach ihren Maßstäben liebt. Gerade diese Freiheit und Reife ermöglichen es, innerhalb wie außerhalb der Gemeinschaft eine gesunde Affektivität zu leben.
Es bedarf also einer besonderen Erziehung der Affektivität, die den menschlichen Aspekt mit dem mehr geistigen in Einklang bringt. Hier scheinen besonders jene Hinweise von Potissimum Institutioni angebracht, die die Prüfung "der Ausgeglichenheit der Affektivität, besonders auch im geschlechtlichen Bereich", sowie die Prüfung der "Fähigkeit zum Gemeinschaftsleben" betreffen.[51]
Wenn also für ein Leben in Gemeinschaft eine gewisse Reife vorausgesetzt werden muss, so ist ein herzliches, brüderliches Miteinander für die Reifung des Ordensmitgliedes nicht minder gefordert. Wo im Mitbruder oder in der Mitschwester eine verminderte affektive Selbständigkeit festgestellt wird, sollte die Antwort der Gemeinschaft in Form einer reichen, menschlichen Liebe nach dem Beispiel Jesu und vieler heiliger Ordensleute nicht ausbleiben, einer Liebe, die Ängste und Freuden, Schwierigkeiten und Hoffnungen mit jener Wärme teilt, die das neue Herz auszeichnet, das den ganzen Menschen anzunehmen vermag. Eine solche besorgte, taktvolle, nicht Besitz ergreifende, selbstlose Liebe wird dem einzelnen die Liebe des Herrn nahebringen, jene Liebe, die den Sohn Gottes dazu führte, uns durch sein Kreuz zu sagen, dass man nicht daran zweifeln kann, von der Ewigen Liebe geliebt zu sein.
38. Das Zusammenleben mit leidenden Menschen, mit solchen, die sich in der Gemeinschaft nicht wohlfühlen und die deshalb Ursache von Leid für die Mitbrüder sind und das Gemeinschaftsleben stören, stellen eine besondere Gelegenheit für das menschliche Wachsen und das christliche Reifen dar.
Es kann gibt auch verschiedene Situationen, in denen die Autorität daran erinnern muss, dass das Gemeinschaftsleben manchmal Opfer abverlangt und zu einer Form von "maxima poenitentia" werden kann.
Der Rückgriff auf solche Maßnahmen erwies sich nicht nur in der Therapie schwererer oder leichterer psychopatischer Fälle als nützlich, sondern auch zu deren Vorbeugung, um eine angemessene Auslese der Kandidaten zu erleichtern und um in einigen Fällen die Ausbildungsverantwortlichen in ihrem Verhalten bei speziellen pädagogisch-formativen Problemen zu beraten.[52]
Der Gebrauch dieser Hilfsmittel wird schließlich dann wirklich hilfreich sein, wenn sie mit einer gewissen Zurückhaltung und auf den jeweiligen Fall bezogen angewandt werden; dies allein schon deshalb, weil sie nicht alle Probleme lösen können und demzufolge "nicht an die Stelle einer echten geistlichen Begleitung treten können".[53]
39. Die Achtung der Person, vom Konzil und in den nachfolgenden Dokumenten[54] empfohlen, hat einen positiven Einfluß auf das konkrete Gemeinschaftsleben ausgeübt.
c) Eine Ausrichtung auf die gemeinsame Sendung hin: ein jedes Institut hat seine eigene Sendung, an der jeder seinen Gaben entsprechend mitarbeiten muss. Der Weg einer gottgeweihten Person besteht gerade darin, dem Herrn zunehmend all das darzubringen, was sie ist und was sie hat, zum Wohl der Sendung ihrer Ordensfamilie.
d) Eine Erinnerung daran, dass die apostolische Sendung in erster Linie der Gemeinschaft anvertraut ist, und dass sie deshalb oft den Unterhalt gemeinschaftseigener Werke mit sich bringt. Die Hingabe an ein solches gemeinschaftliches Apostolat läßt die gottgeweihte Person reifen und auf ihrem besonderen Weg zur Heiligkeit wachsen.
Während der Ausbildungszeit kann es vorkommen, dass es trotz allen guten Willens unmöglich ist, die besonderen Gaben einer gottgeweihten Person mit dem brüderlichen Leben in Gemeinschaft und der gemeinsamen Sendung in Einklang zu bringen. Dann ist die Frage zu stellen: "Tragen die Gaben Gottes in dieser Person (...) zur Einheit und Vertiefung der Gemeinschaft bei? Wenn ja, dann können sie gerne angenommen werden. Im gegenteiligen Falle sind sie nicht für dieses bestimmte Institut geeignet, so wertvoll diese Gaben auch in sich selbst sein und so erstrebenswert sie einigen Mitbrüdern erscheinen mögen. Es ist wirklich nicht vernünftig, stark abweichende Entwicklungen zu dulden, die für die Einheit im Institut kein gediegenes Fundament bieten".[55]
41. In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl der Gemeinschaften mit nur wenigen Mitgliedern, vor allem aus Gründen des Apostolates. Diese Gemeinschaften können auch förderlich sein für die Entwicklung engerer Beziehungen unter den Ordensleuten, für ein intensiveres Gebetsleben und für eine gegenseitige und noch brüderlichere Übernahme von Verantwortung.[56]
Keinesfalls jedoch fehlen auch fragwürdige Gründe, wie z.B. die Übereinstimmung von Interessen und Mentalitäten. In einem solchen Falle mag es leicht geschehen, dass eine Gemeinschaft sich abkapselt und so weit kommen kann, ihre Mitglieder selbst auszuwählen und einen vom Obern versetzten Mitbruder anzunehmen oder abzulehnen. Solches widerspricht der Natur der Ordensgemeinschaft und ihrer Zeichenhaftigkeit. Eine selektive Homogenität hindert die apostolische Beweglichkeit und schwächt außerdem die pneumatische Wirklichkeit der Gemeinschaft, sie entzieht der sie bestimmenden geistigen Wirklichkeit ihre Zeugniskraft.
42. Wenn die westlich geprägte Kultur zum Individualismus neigt, der ein brüderliches Leben in Gemeinschaft erschwert, so können andere Kulturen ihrerseits zum Kommunitarismus führen, der die Wertschätzung der menschlichen Person schwieriger macht. Jede dieser kulturellen Formen muss evangelisiert werden.
43. Die gemeinschaftliche Erneuerung hat aus der beständigen Weiterbildung großen Nutzen gezogen. Sie wird in ihren Grundzügen vom Dokument Potissimum Institutioni empfohlen und umrissen,[57] und wird von allen Verantwortlichen der Ordensinstitute als bedeutungsvoll für das Überleben betrachtet.
Die Ordensgemeinschaft ist außerdem der Ort, wo man sich Tag für Tag gegenseitig hilft, als gottgeweihter Mensch und als Träger desselben Charismas auf die Bedürfnisse der Ärmsten und Letzten ebenso wie auf die Herausforderungen der neuen Gesellschaft zu antworten. Nicht selten mögen die Antworten auf diese Probleme unterschiedlich sein, mit deutlichen Auswirkungen auf das gemeinschaftliche Leben. Dies führt zu der Feststellung, dass ein besonders vordringliches Bedürfnis heute darin besteht, Menschen unterschiedlicher Bildung und unterschiedlicher apostolischer Ausrichtung in ein und dasselbe gemeinschaftliche Leben zu integrieren, in dem die Unterschiede nicht mehr Anlaß zu Gegensätzen bieten, sondern Gelegenheit zur gegenseitigen Bereicherung. In diesen veränderten und sich verändernden Umständen wird die einigende Rolle der für die Gemeinschaft Verantwortlichen immer wichtiger; angesichts deren Aufgabe, das brüderliche und apostolische Leben einer Gemeinschaft zu animieren, sollte die beständige Weiterbildung für sie besondere Hilfen vorsehen.
In diesem "Ja" zu Gott liegt jene Übereinstimmung, die die verschiedenen Ordensleute untereinander zu ein und derselben Lebensgemeinschaft verbindet. Als gemeinsam Geweihte, als in demselben "Ja" Geeinte, als im Heiligen Geist untereinander Verbundene entdecken die Ordensleute täglich, dass ihre Nachfolge des "gehorsamen, armen und keuschen" Christus in der Brüderlichkeit gelebt wird, wie es die Jünger taten, die Jesus in seinem Wirken nachfolgten. Sie sind mit Christus verbunden, und deshalb sind sie berufen, auch untereinander verbunden zu sein. Sie sind untereinander verbunden durch die Sendung, sich in prophetischer Weise dem Götzenkult der Macht, des Besitzes und des Vergnügens zu widersetzen.[58]
Der Gehorsam stellt ein "Ja" zum Plan Gottes dar, der einer Personengruppe eine besondere Aufgabe anvertraut hat. Der Gehorsam steht in Verbindung mit der Sendung, aber auch mit der Gemeinschaft, die hier und jetzt gemeinschaftlich ihre Sendung zu verwirklichen hat; der Gehorsam verlangt außerdem eine durch den Glauben erleuchtete Sicht der Rolle der Obern, die "ihre Aufgabe des Dienstes und der Führung"[59] wahrnehmen und die Übereinstimmung von apostolischer Arbeit und Sendung zu schützen haben. Der allein heilsstiftende Wille Gottes muss so in Gemeinschaft mit den Obern verwirklicht werden.
Die gottgeweihte Keuschheit, die auch eine hohe Reinheit des Geistes, des Herzens und des Leibes einschließt, bringt im Hinblick auf die Gemeinschaft eine große Freiheit zum Ausdruck, die Freiheit nämlich, Gott und alles, was sein ist, mit ungeteilter Liebe zu lieben. Sie stellt deshalb eine vorbehaltlose Bereitschaft dar, alle Menschen zu lieben und für sie da zu sein, und so die Liebe Christi zu vergegenwärtigen. Eine solche Liebe, die nicht egoistisch ist, niemanden ausschließt, niemanden in Besitz nimmt und von der Leidenschaft nicht beherrscht wird, sondern allumfassend ist und selbstlos, selbst frei und befreiend, und die so wesentlich ist für die Sendung, eine solche Liebe wird durch ein brüderliches Leben in ihrem Wachsen gefördert. So rufen alle, die in gottgeweihter Ehelosigkeit leben, "jenen wunderbaren Ehebund in Erinnerung, den Gott begründet hat und der erst in der kommenden Welt ganz offenbar wird, den Ehebund der Kirche mit Christus, ihrem einzigen Bräutigam".[60]
45. Es ist das zweite Element, das im Rahmen der beständigen Weiterbildung hinsichtlich des Wachsens des brüderlichen Lebens hervorgehoben werden muss.
"Die Ordensweihe stiftet eine besondere Gemeinschaft zwischen Gott und der Ordensperson und, in Ihm, zwischen den Mitgliedern ein und desselben Instituts (...). Ihr Fundament ist jene Gemeinschaft in Christus, die im einmaligen Ursprungs-Charisma festgelegt ist".[61]
Der Hinweis auf die eigene Gründergestalt und auf das von ihr gelebte und weitergegebene Charisma, das durch die ganze Lebensspanne des Instituts bewahrt und entfaltet wurde,[62] ist demnach ein grundlegendes Element für die Einheit der Gemeinschaft.
Indem die Erneuerung dieser Jahre die Bedeutung des Ursprungs-Charismas auch durch eine reiche theologische Reflexion hervorgehoben hat,[63] hat sie die Einheit der Gemeinschaft gefestigt, die als Trägerin derselben Gabe des Geistes verstanden wurde, die sie mit den Brüdern teilen soll, und mit der sie die Kirche beschenken kann "für das Leben der Welt". Darum sind jene Bildungs-Programme so hilfreich, die regelmäßige Kurse für Studium und betendes Überdenken der Gründergestalt, des Charismas und der Konstitutionen beinhalten.
ein übermäßiges Nachgeben gegenüber den Ansprüchen der Familie, den Idealen der Nation, der Rasse, des Stammes oder der sozialen Gruppe, was das Charisma auf einseitige Positionen und Interessen hin umzubiegen droht; Die Verallgemeinerung, die das Ordensleben auf einen farblosen, kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert, führt zur Zerstörung von Schönheit und Fruchtbarkeit jener Vielfalt von Charismen, die vom Geist ins Leben gerufen sind.
48. Diese positive Entwicklung war manchmal in Gefahr, durch ein Gefühl des Mißtrauens gegenüber der Autorität verfälscht zu werden.
Wenn das verbreitete Klima der Demokratisierung auch das Wachsen der Mitverantwortlichkeit und der Teilnahme aller an Entscheidungsprozessen innerhalb der Ordensgemeinschaft gefördert haben mag, so darf man doch nicht vergessen, dass Brüderlichkeit nicht nur ein Ergebnis menschlichen Bemühens ist, sondern auch, und ganz besonders, ein Geschenk Gottes. Sie ist ein Geschenk, das dem Gehorsam gegenüber Gottes Wort entspringt, und im Ordensleben auch dem Gehorsam gegenüber der Autorität, die an dieses Wort erinnert und es mit den konkreten Situationen verbindet, ganz gemäß dem Geist des Instituts.
Jede Gemeinschaft hat ihre eigene Sendung. Der Dienst der Autorität richtet sich also auf eine Gemeinschaft, die eine besondere, ihr vom Institut und dessen Charisma übertragene und umschriebene Sendung zu erfüllen hat. Aus der Verschiedenheit der Sendungen ergeben sich unterschiedliche Formen von Gemeinschaften, und demzufolge auch von Diensten der Autorität. Auch dies ist ein Grund dafür, dass es innerhalb des Ordenslebens verschiedene, vom Eigenrecht festgelegte Arten gibt, Autorität zu verstehen und auszuüben.
Wenn die gottgeweihten Personen sich dem umfassenden Dienste Gottes widmen, dann fördert und stützt die Autorität diese ihre Weihe. In gewisser Weise kann die Autorität verstanden werden als "Dienerin der Diener Gottes". Der Autorität kommt die vornehmliche Aufgabe zu, zusammen mit ihren Brüdern und Schwestern "brüderliche Gemeinschaften aufzubauen, in der Gott vor allem gesucht und geliebt wird".[64] Es ist also erforderlich, dass sie vor allem anderen eine geistlich geprägte Person sei, überzeugt vom Primat des Geistlichen sowohl im persönlichen Leben wie auch in der Verwirklichung des brüderlichen Lebens, d.h. dass sie sich bewußt sei, dass die Herzen sich desto enger untereinander verbinden, je mehr die Liebe zu Gott in ihnen wächst.
Eine Autorität, die Einheit bewirkt, ist jene, die sich bemüht, ein günstiges Klima für Austausch und Mitverantwortung zu schaffen; die den Beitrag aller hinsichtlich der gemeinsamen Interessen anregt; die die Mitbrüder zur Übernahme von Verantwortung ermutigt und sie respektiert; die "den Gehorsam der Mitbrüder fördert in Achtung vor der menschlichen Person";[65] die gerne auf die Mitbrüder hört und deren einträchtiges Wirken zum Wohl des Instituts und der Kirche fördert;[66] die den Dialog praktiziert und angemessene Gelegenheit zur Begegnung schafft; die in schwierigen Momenten Mut und Hoffnung zu vermitteln versteht; die nach vorne schaut, um der Sendung neue Horizonte zu erschließen. Und weiter: eine Autorität, die die verschiedenen Aspekte des Gemeinschaftslebens im Gleichgewicht zu halten bemüht ist: Gleichgewicht von Gebet und Arbeit, von Apostolat und Ausbildung, von Tätigkeit und Erholung.
Die Autorität des Obern und der Oberin dient also dazu, dass das Ordenshaus nicht einfach ein Aufenthaltsort, ein Agglomerat von Einzelgängern sei, von denen jeder seine eigene Geschichte lebt, sondern eine "brüderliche Gemeinschaft in Christus".[67]
51. Es ist außerdem unabdingbar, dass das Eigenrecht möglichst präzise die verschiedenen Kompetenzen der Gemeinschaften, der Räte, der Amtsträger und des Obern umschreibt. Unklarheiten in diesem Bereich bieten oft Anlaß zu Konfusion und zu Konflikten.
So kann die Ordensgemeinschaft beispielsweise in der westlichen, vom Individualismus beherrschten Gesellschaft, ein prophetisches Zeichen dafür sein, dass es möglich ist, in Christus Brüderlichkeit und Solidarität zu verwirklichen, während sie in den von Autoritarismus oder Kommunitarismus geprägten Kulturen ein Zeichen für die Achtung und Entwicklung der menschlichen Person und für eine, dem Willen Gottes gemäße Ausübung der Autorität sein kann.
53. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass in dieser ganzen, delikaten, komplexen und oft leidvollen Frage der Glaube eine entscheidende Rolle spielt, der es ermöglicht, das Heilsgeheimnis des Gehorsams zu begreifen.[68] So, wie durch den Ungehorsam eines Menschen die menschliche Familie auseinanderbrach, und wie durch den Gehorsam des neuen Menschen ihre Zusammenführung begann (vgl. Röm 5,19), ebenso wird die Haltung des Gehorsams für jedes Leben in einer Familie immer eine unverzichtbare Kraft darstellen.
54. Besonders in den Instituten mit apostolischen Aufgaben waren die Beziehungen zwischen brüderlichem Leben und apostolischer Tätigkeit nicht immer geklärt und haben öfters zu Spannungen im einzelnen wie auch in der Gemeinschaft geführt. Manch einer empfand das "auf Gemeinschaft machen" als ein Hindernis für die Sendung, als eine Zeitverschwendung mit Nebensächlichkeiten. Allen muss ins Gedächtnis gerufen werden, dass die brüderliche Gemeinschaft als solche bereits ein Apostolat ist und unmittelbar zur Evangelisierung beiträgt. Das herausragende Zeichen, das der Herr hinterlassen hat, ist nämlich das der gelebten Brüderlichkeit: "Daran sollen sie erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr einander liebt" (Joh 13,35).
Neben dem Auftrag, das Evangelium aller Kreatur zu verkünden (vgl. Mt 28, 19-20), hat der Herr seine Jünger dazu ausgesandt, als Brüder miteinander zu leben, "damit die Welt glaubt", dass Jesus der Gesandte des Vaters ist, und dass ihm die volle Zustimmung des Glaubens gebührt (vgl. Joh 17, 21). Dem Zeichen der Brüderlichkeit kommt also höchste Bedeutung zu, denn es ist jenes Zeichen, das den göttlichen Ursprung der christlichen Botschaft aufzeigt und die Kraft besitzt, die Herzen für den Glauben zu öffnen. Darum kann auch gesagt werden, dass "die ganze Fruchtbarkeit des Ordenslebens von der Qualität des brüderlichen Lebens in Gemeinschaft abhängig ist".[69]
Auch aus diesem Grunde liegt der Kirche das brüderliche Leben der Ordensgemeinschaften am Herzen: je stärker die brüderliche Liebe ist, um so größer ist die Glaubwürdigkeit der verkündeten Botschaft, und um so klarer wird die Bedeutung des innersten Geheimnisses der Kirche als Sakrament und der Verbindung der Menschen mit Gott und untereinander.[70]
Man kann sich also nicht auf die Notwendigkeiten des apostolischen Dienstes berufen, um Mängel im Gemeinschaftsleben zuzulassen oder zu rechtfertigen. Die Tätigkeit der Ordensleute muss eine Tätigkeit von Menschen sein, die gemeinsam leben, die ihr Tun durch eine gemeinschaftliche Gesinnung prägen, die den Geist der Gemeinschaft durch Wort, Tat und Beispiel verbreiten.
56. Wenn die Ordensgemeinschaft sich ihrer Verantwortung gegenüber der großen brüderlich-schwesterlichen Gemeinschaft, die die Kirche darstellt, bewußt ist, dann beweist sie auch, dass es möglich ist, die christliche Brüderlichkeit zu leben, und sie zeigt den Preis, den die Verwirklichung einer jeglichen Form von brüderlichem Leben erfordert.
"Die Ordensgemeinschaften, die durch ihr Leben die Freude und den menschlichen und übernatürlichen Wert der christlichen Brüderlichkeit verkünden, bezeugen vor unserer Gesellschaft durch die Sprache der Fakten die verändernde Kraft der Frohen Botschaft".[71]
III. DIE ORDENSGEMEINSCHAFT ALS ORT UND TRÄGERIN DER SENDUNG
Es ist wahr: "Die communio schafft communio und stellt sich wesentlich als missionarische communio dar... Communio und Sendung sind zutiefst miteinander verbunden; sie durchdringen und bedingen einander, so dass die communio zugleich Quelle und Frucht der Sendung ist: die communio ist missionarisch und die Sendung gilt der communio".[72]
59. a) Das II. Vatikanische Konzil sagt: "Die Ordensleute sollen sorgfältig darauf achten, dass durch sie die Kirche wirklich von Tag zu Tag mehr den Gläubigen wie den Ungläubigen Christus sichtbar mache, wie er auf dem Berg in der Beschauung weilte oder wie er den Scharen das Reich Gottes verkündigt oder wie er die Kranken und Schwachen heilt oder wie er die Kinder segnet und allen Wohltaten erweist, immer aber dem Willen des Vaters gehorsam ist, der ihn gesandt hat".[73]
Unter den "apostolischen Gemeinschaften" sind einige mehr auf das gemeinsame Leben ausgerichtet, so dass das Apostolat von der Fähigkeit zum Gemeinschaftsleben abhängt; andere sind entschieden auf die missionarische Tätigkeit hin ausgerichtet, weshalb die Form der Gemeinschaft von der Form der missionarischen Tätigkeit bedingt wird. Die ausgesprochen auf die verschiedenen Arten des apostolischen Dienstes orientierten Institute betonen die Priorität der ganzen Ordensfamilie, die als ein einziger apostolischer Körper und als eine große Gemeinschaft vom Geist eine Sendung in der Kirche empfangen hat. Die communio, die die ganze Familie belebt und eint, wird konkret in den einzelnen Hausgemeinschaften gelebt, denen die Ausführung der Sendung gemäß den unterschiedlichen Erfordernissen anvertaut ist.
c) Allgemein wird betont, dass es besonders für die in apostolischen Werken tätigen Ordensgemeinschaften ziemlich schwierig sei, im praktischen Alltag das Gleichgewicht von Gemeinschaft und apostolischem Einsatz zu wahren. Wenn es gefährlich ist, diese beiden Aspekte einander entgegenzustellen, so ist es doch schwierig, sie miteinander in Einklang zu bringen. Auch hierin liegt eine der fruchtbaren Spannungen des Ordenslebens, dessen Aufgabe es ist, gleichzeitig sowohl das Wachstum des 'Jüngers' zu fördern, der mit Christus und mit der Schar derer, die ihm nachfolgen, lebt, als auch jenes des 'Apostels', der an der Sendung des Herrn teilnimmt.
e) In manchen Instituten hat die Tendenz, die apostolische Tätigkeit stärker als das Gemeinschaftsleben zu betonen, oder die Vielfalt der Einheit vorzuziehen, das gemeinsame brüderliche Leben tief beeinflußt, bis zu dem Punkt, dass es manchmal geradezu zu einer Option wurde anstatt ein integrierender Bestandteil des Ordenslebens zu sein.
Es sei daran erinnert, dass eine zu geringe Berücksichtigung des Charismas einer Ordensgemeinschaft weder für die Ortskirche noch für die Ordensgemeinschaft selbst vorteilhaft ist. Nur eine Ordensgemeinschaft mit klarem Charisma kann sich in die "Gesamtpastoral" einordnen und diese durch ihren Beitrag bereichern, ohne sich selbst zu verfälschen.
Es darf nicht vergessen werden, dass jedes Charisma aus der Kirche und für die Welt heranwächst, dass es beständig auf seine Ursprünge und auf seine Ziele zurückgeführt werden muss und in dem Maße lebt, in welchem es diesen treu bleibt.
Dringend wird empfohlen, in den theologischen Seminaren der Diözesen einen speziellen Kurs über die Theologie des geweihten Lebens vorzusehen, wo diese besonders in ihren dogmatischen, juridischen und pastoralen Aspekten vertieft werde. Ebenso soll den Ordensleuten eine angemessene theologische Ausbildung über die Ortskirche nicht vorenthalten werden.[74]
61. In den Pfarrgemeinden ist es manchmal schwer, das Leben der Pfarrei mit jenem der Gemeinschaft zu verbinden.
In einigen Gegenden verursacht die Schwierigkeit, neben dem Dienst in der Pfarrei auch noch ein Gemeinschaftsleben zu führen, bei den Ordenspriestern nicht geringe Spannungen. Der vielfältige Einsatz in der Pfarrpastoral geschieht oft auf Kosten des Charismas des Instituts und des Gemeinschaftslebens. Dies kann dazu führen, dass die Gläubigen, der Diözesanklerus und die Ordensleute selbst das Gespür für die Besonderheit des Ordenslebens verlieren.
Die drängenden pastoralen Erfordernisse dürfen nicht vergessen lassen, dass der beste Dienst, den eine Ordensgemeinschaft der Kirche leisten kann, darin besteht, ihrem Charisma treu zu sein. Dies äußert sich auch in der Übernahme und Leitung von Pfarreien: jene Pfarrgemeinden sind zu bevorzugen, die weiterhin ein Gemeinschaftsleben gestatten und die Verwirklichung des eigenen Charismas ermöglichen.
Auch hier - es sei wiederholt - wird deren Einbindung in die Pfarrgemeinde um so fruchtbarer sein, je stärker die Ordensgemeinschaft durch die Eigenart ihres Charismas präsent sein kann.[75] Dies mag von großem Nutzen sein für die Ordensgemeinschaft wie für die Pastoral selbst, in der die Ordensfrauen für gewöhnlich gut angenommen und geschätzt sind.
62. Die kirchlichen Bewegungen im weitesten Sinne des Wortes, die von einer lebendigen Spiritualität und apostolischen Vitalität gekennzeichnet sind, haben die Aufmerksamkeit einiger Ordensleute auf sich gezogen, die an ihnen teilnahmen, manchmal mit dem Erfolg einer geistlichen Erneuerung, neuen apostolischen Eifers und einer Verlebendigung ihrer Berufung. Zuweilen jedoch haben sie auch Spaltung in die Gemeinschaft hineingetragen. Dazu ist folgendes zu bemerken:
Jene Ordensleute, die mehr in der Bewegung und für sie zu leben scheinen, als in der eigenen Ordensgemeinschaft und für diese, seien daran erinnert, was Potissimum Institutioni sagt: "Ein Institut besitzt eine innere Kohärenz, die ihm aus seiner Natur, seiner Zielsetzung, seinem Geist, seiner Anlage und seinen Überlieferungen erwächst. Dieses ganze Erbgut stellt den Grundpfeiler sowohl für die Identität und die Einheit des Instituts selbst, als auch für die Einheit des Lebens jedes Mitgliedes dar. Es ist ein Geschenk des Geistes an die Kirche, das keinerlei Einmischung, Überlagerung oder Trübung erfahren darf. Der Dialog und die Teilnahme innerhalb der Kirche setzen voraus, dass sich jeder dessen bewußt ist, was er ist.
Diese Forderungen bleiben über die Ordensweihe hinaus gültig, um jeder Form von 'Mehrfachzugehörigkeiten' im persönlichen geistlichen Leben wie auch in der Sendung des Ordensangehörigen vorzubeugen".[76]
63. Zusammen mit vielen anderen Brüdern und Schwestern im Glauben gehören die Ordensgemeinschaften zu den ersten, die sich auf immer neue Weise der materiellen und geistigen Nöte ihrer Zeit angenommen haben.
Angesichts der Verarmung großer Volksschichten, besonders in den verlassenen Randgebieten der Großstädte und in den vergessenen ländlichen Gegenden sind "inserierte Ordensgemeinschaften" entstanden als eine der Ausdrucksformen der evangeliumsgemäßen vorrangigen und solidarischen Option für die Armen mit dem Ziel, diese in ihrem ganzheitlichen Befreiungsprozess zu begleiten. Zugleich sind sie aber auch eine Frucht des Bestrebens, den armen Christus im gesellschaftlich ausgestoßenen Bruder zu entdecken, um Ihm zu dienen und Ihm gleichförmig zu werden.
Diese Wirklichkeit muss Bewunderung hervorrufen für die Kraft des persönlichen Einsatzes und für die damit verbundenen großen Opfer; für die Liebe zu den Armen, die dazu drängt, deren tatsächliche, bittere Armut zu teilen; für das Bemühen, das Evangelium unter Menschen ohne Hoffnung anzusiedeln, um sie dem Wort Gottes näher zu bringen, damit sie sich als lebendiger Teil der Kirche fühlen.[77] Diese Gemeinschaften finden sich oft an Orten, die stark durch ein Klima der Gewalt geprägt sind, das Unsicherheit mit sich bringt und manchmal auch Verfolgung bis zur Bedrohung des Lebens. Ihr Mut ist groß und stellt ein deutliches Zeugnis dar für die Hoffnung, dass man als Geschwister leben kann, allem Leid und aller Ungerechtigkeit zum Trotz.
Solche Ordensgemeinschaften, die oft an die Frontlinien der Mission entsandt wurden, und die nicht selten Zeugnis ablegen von der apostolischen Kreativität der Gründer, müssen auf das Wohlwollen und das brüderliche Gebet der übrigen Mitglieder des Instituts ebenso vertrauen können, wie auf die besondere Fürsorge seitens der Obern.[78]
b) Diese Ordensgemeinschaften dürfen nicht sich selbst überlassen bleiben, sondern es muss ihnen geholfen werden, damit ihnen ein Gemeinschaftsleben gelinge, d.h. damit sie Raum finden für Gebet und für das gemeinsame Leben; damit sie nicht verleitet werden, die charismatische Originalität des Instituts zugunsten eines unterschiedslosen Dienstes an den Armen zu relativieren; damit ihr Zeugnis für das Evangelium nicht durch einseitige Ausdeutung oder Vereinnahmung gestört werde.[79]
Das alles gibt Zeugnis davon, dass in der Kirche der Glaube lebt, und dass die Liebe zu Christus wirkt, der im Armen gegenwärtig ist: "Was ihr einem der Geringsten von diesen meinen Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40).
Dort, wo die Eingliederung unter die Armen - sowohl für sie wie auch für die Gemeinschaft selbst - zu einer wirklichen Erfahrung Gottes wurde, hat sich die Wahrheit bestätigt, dass die Armen evangelisiert werden und dass die Armen selbst auch evangelisieren.
64. a) Auch andere soziale Faktoren haben einen Einfluß auf die Gemeinschaften ausgeübt. In einigen wirtschaftlich besser entwickelten Gegenden hat der Staat seine Aktivität im Bereich des Schulwesens, des Gesundheitswesens und der Versorgung oft auf eine solche Weise ausgedehnt, dass für andere Träger, auch für die Ordensgemeinschaften, kein Raum mehr bleibt. Andererseits haben der Rückgang der Zahl der Ordensmitglieder, und mancherorts auch ein unvollständiges Verständnis der Präsenz der Katholiken im sozialen Bereich, die oft eher als eine Zutat, denn als eine wesensgemäße Äußerung der christlichen Liebe betrachtet wird, die Weiterführung großangelegter Apostolatswerke erschwert.
Nach Evangelica Testificatio[80] sind solche Gemeinschaften durchaus möglich, selbst wenn sie an ihre Mitglieder höhere Anforderungen stellen.
Es ist also erforderlich, dass diese kleinen Gemeinschaften sich ein tragkräftiges Lebensprogramm geben, das gleichzeitig beweglich und verbindlich ist, das von der zuständigen Autorität gutgeheißen ist und dem Apostolat seine gemeinschaftsbezogene Dimension sichert.
d) Auch wenn die kleinen Gemeinschaften ihre Vorzüge haben können, so ist es in der Regel doch nicht empfehlenswert, dass ein Institut lediglich aus kleinen Gemeinschaften besteht. Die größeren Gemeinschaften sind notwendig. Sie können dem gesamten Institut wie auch den kleinen Gemeinschaften wertvolle Dienste leisten: sie können ein intensiveres und reicheres Gebetsleben pflegen und die Feste entsprechend gestalten, sie können bevorzugte Orte für Studium und Besinnung sein, sie können den Mitgliedern, die an den schwierigeren Fronten der Evangelisierung arbeiten, Möglichkeiten zur Einkehr und Erholung bieten.
65. Zuweilen begegnet man auch dem Phänomen, dass Ordensleute alleine leben. Das gemeinsame Leben in einem Haus des Instituts gehört wesentlich zum Ordensleben. "Die Ordensleute wohnen im eigenen Ordenshaus und führen ein gemeinsames Leben. Sie dürfen nicht ohne ernsthaften Grund allein leben, besonders dann, wenn sich in der Nähe eine Gemeinschaft ihres Instituts befindet".[81]
Es gibt jedoch Ausnahmen, die vom Obern geprüft werden müssen und von ihm erlaubt werden können,[82] und zwar aus Gründen des Apostolats im Namen des Instituts (wie z.B. Aufträge im Namen der Kirche, außergewöhnliche Aufgaben, große Entfernungen in Missionsgebieten, allmähliche Reduzierung einer Gemeinschaft auf ein einzelnes Mitglied in einem institutseigenen Werk), aus Gesundheitsgründen und zum Studium.
Während es Pflicht der Obern ist, häufige Kontakte mit den Mitgliedern auf Einzelposten zu pflegen, ist es gleichzeitig Pflicht dieser Mitglieder, in sich selbst das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum Institut und der Gemeinschaft mit deren Mitgliedern lebendig zu erhalten und kein Mittel ungenützt zu lassen, das die Festigung der brüderlichen Bande fördern kann. Man schaffe deshalb "Zeiten starker Gemeinschaftserfahrung", man plane regelmäßige Zusammenkünfte mit den andern zur Weiterbildung, zu mitbrüderlichem Austausch, zu Neuorientierung und Gebet, zum Durchatmen in einem Klima familiärer Geborgenheit. Wo immer sich das Mitglied eines Institutes jedoch befindet, muss es Träger des Charismas seiner Ordensfamilie sein.
Man hat gute Erfahrungen damit gemacht, dass Ordensfrauen, die in einem Werk an einem Ort zusammenarbeiten, an dem keine Gemeinschaften des eigenen Instituts bestehen, anstatt allein zu wohnen, gemeinsam in einem Haus zusammenleben, miteinander beten, das Wort Gottes bedenken und Mahlzeiten und Hausarbeiten miteinander teilen usw. Immer vorausgesetzt, dass dies keinen Ersatz für eine lebendige Verbindung mit dem eigenen Institut darstellt, kann auch diese Form von "gemeinsamem Leben" zum Nutzen für ein Werk und für die Ordensfrauen selbst sein.
c) Es ist festzuhalten, dass ein Ordensmitglied, das ohne Auftrag oder Erlaubnis seines Obern allein lebt, sich der Verpflichtung zum gemeinsamen Leben entzieht. Es genügt auch nicht, an gelegentlichen Treffen oder Feiern teilzunehmen, um wirklich Ordensmitglied zu sein. Solche Zustände, die für Ordensleute rechtswidrig und unzulässig sind, müssen schrittweise beseitigt werden.
d) Jedenfalls ist die Erinnerung daran nützlich, dass ein Ordensmann oder eine Ordensfrau - selbst wenn sie außerhalb ihrer Gemeinschaft leben - in allem, was ihr Apostolat betrifft,[83] der Autorität des Bischofs unterstellt sind, der von ihrem Aufenthalt in seiner Diözese unterrichtet werden muss.
66. Das brüderliche Leben in Gemeinschaft ist von besonderem Wert in den Missionen ad gentes, weil es dort einer vor allem nicht-christlichen Welt das "Neue" des Christentums zeigt, das heißt jene Liebe, die fähig ist, durch Rasse, Farbe oder Stammeszugehörigkeit bedingte Trennungen zu überwinden. In einigen Gegenden, in denen eine Verkündigung des Evangeliums unmöglich ist, bleiben die Ordensgemeinschaften fast das einzige Zeichen und das stille und wirksame Zeugnis für Christus und die Kirche.
Wichtig ist, dass die Mitglieder der Institute sich des Außergewöhnlichen einer solchen Situation bewußt sind, einen häufigen Austausch untereinander pflegen, sich regelmäßig treffen und dass sie, so bald wie nur möglich, brüderliche und missionarisch geprägte Gemeinschaften bilden, damit das hervorstechendste aller missionarischen Zeichen errichtet werden kann: "dass (...) alle eins seien, damit die Welt glaubt" (Joh 17,21).
67. Die Veränderungen der kulturellen und kirchlichen Gegebenheiten, die inneren Faktoren in der Entwicklung der Institute sowie deren schwankende Einkommen können - besonders in einigen Regionen des Westens - eine Neuorganisierung der Werke und der Präsenz der Ordensgemeinschaften erforderlich machen.
Neben der Rücksicht auf die Bedürfnisse der Ortskirche muss die Ordensgemeinschaft sich auch mitbetroffen fühlen von all dem, was die Welt vernachlässigt, d.h. von der neuen Armut und dem neuen Elend, die in vielerlei Formen in verschiedenen Teilen der Erde bestehen.
68. Das Gemeinschaftsleben sieht sich heute immer häufiger dem Faktum des steigenden Alters seiner Mitglieder gegenüber. Der Prozess der Überalterung hat durch die Abnahme neuer Berufe und durch die Fortschritte der Medizin besondere Bedeutung erhalten.
Die Anwesenheit von alten Menschen in den Gemeinschaften kann sehr positiv sein. Ein altes Ordensmitglied, das sich nicht von den Unpäßlichkeiten und Beschränkungen seines Alters unterkriegen läßt, sondern die Freude, die Liebe und die Hoffnung in sich wachhält, bedeutet für die jungen Leute eine unschätzbare Hilfe. Sein Zeugnis, seine Weisheit und sein Beten stellen eine ständige Ermutigung dar auf ihrem geistlichen und apostolischen Weg. Andererseits trägt ein Ordensmitglied, das sich um seine alten Mitbrüder oder Mitschwestern sorgt, zur evangelischen Glaubwürdigkeit seines Instituts bei als einer "wahren Familie, die im Namen des Herrn beisammen ist".[84]
Es ist angebracht, dass auch die Ordensleute sich frühzeitig auf das Alter vorbereiten und ihre "aktive" Zeit verlängern, indem sie lernen, wie sie auf die ihnen eigene Weise Gemeinschaft bilden und an der gemeinsamen Sendung teilnehmen können, und indem sie durch eine positive Annahme der Herausforderungen des Alters, in geistiger und kultureller Lebendigkeit, durch ihr Gebet und durch ihr Aushalten im Arbeitsbereich solange es nur geht, ihre - wenngleich beschränkten - Dienste leisten. Die Obern mögen Kurse und Treffen veranlassen, die einer persönlichen Vorbereitung dienen und ein möglichst langes Verbleiben im gewohnten Arbeitsbereich wertvoll machen.
Wenn sie dann tatsächlich ihre Selbständigkeit verlieren oder besonderer Pflege bedürfen, muss das Institut, selbst wenn diese Pflege durch Laien geschieht, mit großer Sorgfalt sich um ihre geistige Betreuung kümmern, damit die alten Menschen spüren, dass sie ins Leben des Instituts eingebunden, an dessen Sendung beteiligt, in seine apostolische Dynamik einbezogen, in der Einsamkeit gestützt und im Leiden ermutigt sind. Denn tatsächlich stehen sie nicht außerhalb der Sendung, sondern sind in deren Mitte hineingenommen und haben an ihr auf eine neue und wirksame Weise Anteil.
Die Treue zum kontemplativen Leben der Mitglieder eines Klosters verlangt die Union mit einem anderen Kloster desselben Ordens immer dann, wenn eine monastische Gemeinschaft aus Gründen der Zahl, des Alters oder des Ausbleibens von Berufen dem eigenen Erlöschen entgegensieht. Auch in den schmerzhaften Fällen jener Gemeinschaften, denen es nicht gelingt, ihrer eigenen Berufung gemäß zu leben, die ausgebrannt sind durch ihre praktische Arbeit, oder sich in der Betreuung ihrer Alten und Kranken erschöpfen, wird es erforderlich sein, innerhalb desselben Ordens Verstärkung für sie zu suchen oder eine Union oder Fusion mit einem anderen Kloster anzustreben.[85]
70. Die Ekklesiologie des Konzils hat die gegenseitige Ergänzung der verschiedenen Berufungen in der Kirche herausgestellt, deren Auftrag es ist, miteinander, überall und auf jede Weise Zeugen des auferstandenen Herrn zu sein. Die Begegnung und Zusammenarbeit von Ordensmännern, Ordensfrauen und besonders auch von gläubigen Laien stellt gleichsam ein Muster kirchlicher Gemeinschaft dar und verstärkt die apostolischen Kräfte für die Evangelisierung der Welt.
Es versteht sich, dass diese engere Zusammenarbeit unter Respektierung der verschiedenen Berufungen und der unterschiedlichen Lebensstile der Ordensleute und der Laien geschehen muss. Die Ordensgemeinschaft hat ihre eigenen Bedürfnisse, was geistliche Anregung, Zeitplan, Disziplin und Zurückgezogenheit[86] betrifft. Diese machen jene Formen der Zusammenarbeit unzumutbar, die eine Wohngemeinschaft und ein Zusammenleben von Ordensleuten und Laien mit sich bringen, denn auch die Laien haben ihre eigenen Bedürfnisse, die zu respektieren sind.
Die Ordensgemeinschaft würde sonst ihren eigenen Charakter verlieren, den sie sich durch die Pflege des eigenen Gemeinschaftslebens bewahren muss.
"Die ganze Fruchtbarkeit des Ordenslebens hängt von der Qualität des brüderlichen Lebens in Gemeinschaft ab. Mehr noch: die gegenwärtige Erneuerung in der Kirche und im Ordensleben ist geprägt von einer Suche nach communio und Gemeinschaft".[87]
Es geht darum, die gläubig gelebte Bedeutung des brüderlichen Lebens in Gemeinschaft neu zu bedenken und fest davon überzeugt zu sein, dass sich das Zeugnis der Weihe an Gott durch dieses brüderliche Leben verwirklicht.
"Die Antwort auf diese Einladung, gemeinsam mit dem Herrn die Gemeinschaft in täglicher Geduld aufzuerbauen - fährt der hl. Vater fort - führt auf den Weg des Kreuzes, und verlangt häufigen Selbstverzicht..."[88]
EN Apostolische Ermahnung Evangelii nuntiandi, Paul VI., 1975
MM Enzyklika Mater et magistra, Johannes XXIII., 1961
can. Kanon des Codex Iuris Canonici 1983
SD Santo Domingo, Schlussfolgerungen der IV. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopates, 1992
↑ PC 2
↑ vgl. PC 2-4
↑ vgl. LG 44d
↑ vgl. PC 15a; LG 44c
↑ vgl. MR 11
↑ LG 12
↑ vgl. MR 14
↑ vgl. ET 30-39; MR 2,3,10,14; EE 18-22; PI 25-28; vgl. auch can. 602
↑ vgl. can. 594 § 1
↑ vgl. PC 15
↑ vgl. can. 602, 619
↑ can. 607 § 2
↑ vgl. can 602
↑ vgl. can. 608; 665
↑ can. 731 § 1
↑ vgl. can. 607 § 2; auch can. 602
↑ vgl. can. 587
↑ SD 178 und 180
↑ vgl. Mulieris Dignitatem; vgl.GS 9, 60
↑ vgl. PC 15a; can. 602
↑ vgl. GS 3
↑ vgl. LG 7
↑ vgl. LG 4; MR 2
↑ vgl. PC 1; EE 18-22
↑ vgl. PC 1
↑ RPU 24
↑ vgl. PI 21-22
↑ DC 15
↑ vgl. can. 663 § 3 und 608
↑ vgl. PO 6,; PC 6
↑ vgl. can. 608
↑ PO 6
↑ vgl. can. 663 § 4
↑ vgl. PI 32-34; 87
↑ vgl. LG 46b
↑ vgl. can. 602; PC 15a
↑ vgl. ET 39
↑ vgl. PC 14
↑ vgl. can. 619
↑ vgl. ET 39; EE 19
↑ Hl. Hilarius, Tract. in Ps. 132, PL (Supl.) 1,244
↑ s.o. Nr. 14, 16, 28, 31
↑ vgl. DC 14 und PI 13; can. 666
↑ vgl. LG 46
↑ vgl. EE 45
↑ EE 47
↑ vgl. LG 44
↑ PI 43
↑ vgl. PI 43, 51, 63
↑ PI 52
↑ vgl. PC 14c; can. 618; EE 49
↑ EE 22; vgl. auch MR 12
↑ vgl. ET 40
↑ vgl. PI 66-69
↑ vgl. RPU 25
↑ MR 13
↑ PC 12; vgl. can. 607
↑ EE 18; vgl. MR 11-12
↑ vgl. MR 11-12; EE 11; 41
↑ can. 619
↑ can. 618
↑ can 619
↑ vgl. PC 14; EE 49
↑ Johannes Paul II. vor der Plenaria der CIVCSVA (20.11.1992), nr. 3, OR 21.11.1992
↑ vgl. LG 1
↑ Johannes Paul II. vor der Plenaria der CIVCSVA (20.11.1992), nr. 4, OR 21.11.1992
↑ ChL 32
↑ LG 46a
↑ vgl. MR 30e, 47
↑ vgl. MR 49-50
↑ PI 93
↑ vgl. SD 85
↑ vgl. RPU 6; EN 69; SD 92
↑ vgl. PI 28
↑ EE III,12
↑ vgl. can. 665 § 1
↑ vgl. can. 678 § 1
↑ PC 15a
↑ vgl. PC 21 und 22
↑ vgl. ca. 667, 607 § 3
↑ Johannes Paul II, vor der Plenaria der CIVCSVA (20.11.1992), nr. 2, OR 21.11.1992
↑ ebd. nr. 2
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References: § 1
 § 2
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 § 3
 § 4
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