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Timestamp: 2020-08-11 07:46:37+00:00

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Rentenanpassung und Einkommensteuerpflicht | Rechtslupe
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs [1] ist § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG wie folgt aus­zu­le­gen: Satz 4 und 5 EStG sehen nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs vor, dass der steu­er­freie Teil der Ren­te in einem lebens­lang gel­ten­den, grund­sätz­lich gleich­blei­ben­den Frei­be­trag fest­ge­schrie­ben wird. Regel­mä­ßi­ge Ren­ten­an­pas­sun­gen füh­ren nicht zu einer Erhö­hung des steu­er­frei­en Teils der Ren­te (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 7 EStG) [2], so dass spä­te­re regu­lä­re Ren­ten­er­hö­hun­gen unein­ge­schränkt der Besteue­rung unter­wor­fen wer­den. Hin­ter­grund die­ser Fest­schrei­bung ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs die vom Gesetz­ge­ber gese­he­ne und ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­de Not­wen­dig­keit, der ansons­ten in der Über­gangs­pha­se ein­tre­ten­den erneu­ten Ver­grö­ße­rung der Besteue­rungs­un­ter­schie­de zwi­schen Sozi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten und Beam­ten­pen­sio­nen ent­ge­gen­zu­wir­ken [3], weil die Erhö­hung von Beam­ten­pen­sio­nen zu 100% steu­er­pflich­tig ist. Für Sozi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten soll nach Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers inso­weit nichts ande­res gel­ten.
Die­se Aus­le­gung ent­spricht der Auf­fas­sung sowohl der Finanz­ver­wal­tung [4] als auch der Lite­ra­tur [5].
Im Übri­gen über­sieht der Klä­ger­ver­tre­ter Fol­gen­des: Bei der Aus­le­gung einer Norm nach ihrem Wort­laut ist zu berück­sich­ti­gen, dass die­se nur eine von meh­re­ren aner­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den ist. Maß­ge­bend für die Inter­pre­ta­ti­on eines Geset­zes ist indes der in ihm zum Aus­druck kom­men­de objek­ti­vier­te Wil­le des Gesetz­ge­bers [6]. Der Fest­stel­lung des zum Aus­druck gekom­me­nen objek­ti­vier­ten Wil­lens des Gesetz­ge­bers die­nen die Aus­le­gung aus dem Wort­laut der Norm (gram­ma­ti­ka­li­sche Aus­le­gung), aus dem Zusam­men­hang (sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung), aus ihrem Zweck (teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung) sowie aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te als his­to­ri­sche Aus­le­gung [7]. Hin­zu kommt die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung, wenn offen­sicht­lich meh­re­re Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten in Betracht kom­men, die zu unter­schied­lich star­ken Ein­grif­fen in grund­recht­lich geschütz­te Posi­tio­nen füh­ren [8]. Zur Erfas­sung des Inhalts einer Norm darf das Gericht sich die­ser ver­schie­de­nen Aus­le­gungs­me­tho­den gleich­zei­tig und neben­ein­an­der bedie­nen [9].
Hier spre­chen sowohl die his­to­risch-teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung auf­grund der Erwä­gun­gen und Zie­le des Gesetz­ge­bers, die in den oben zitier­ten Geset­zes­ma­te­ria­li­en nie­der­ge­legt sind und im Geset­zes­wort­laut Nie­der­schlag gefun­den haben, als auch die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung (steu­er­recht­li­che Gleich­be­hand­lung der Erhö­hung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten und Ver­sor­gungs­be­zü­gen) für die vom Bun­des­fi­nanz­hof [10] ver­tre­te­ne Aus­le­gung.
Soweit der Klä­ger­ver­tre­ter wegen die­ser Aus­le­gung ein struk­tu­rel­les Voll­zugs­de­fi­zit befürch­tet, die die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der gesetz­li­chen Besteue­rungs­grund­la­ge nach sich zie­hen könn­te [11], sieht das Gericht die­se Gefahr hier wegen § 22a EStG nicht. Die Ren­ten­be­trä­ge des Jah­res 2005 sind bei den Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gern vor­han­den und wer­den auch in den Fäl­len gemel­det, in denen z.B. (zunächst) kei­ne Ver­an­la­gung erfolgt.
Aller­dings darf nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs [10] nicht auf den tat­säch­li­chen Beginn des Ren­ten­ein­tritts abge­stellt wer­den, son­dern es muss –als Ergeb­nis einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on– der ers­te ganz­jäh­ri­ge Ren­ten­be­zug unter dem neu­en Régime des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes zu Grun­de gelegt wer­den, so dass die Ren­ten­be­zü­ge des Jah­res 2005 den maß­geb­li­chen Jah­res­be­trag bil­den. Dies hat das Finanz­amt bei sei­ner Berech­nung eben­falls zutref­fend beach­tet.
BFH, Urteil vom 26.11.2008 X R 15/​07, BFHE 223, 445, BStBl II 2009, 710, unter II.3.b[↩]
BFH,in BFHE 223, 445, BStBl II 2009, 710[↩]
z.B. BMF-Schrei­ben vom 13.09.2010, BStBl I 2010, 681, Tz. 156, 169 f.[↩]
z.B. Schmid­t/­We­ber-Grel­let, EStG, § 22 Rz. 103; Fischer in Kirch­hof, EStG, § 22 Rz. 40; Rist­haus in Herrmann/​Heuer/​Raupach, EStG, § 22 Rz. 286, 289; Blümich/​Stuhr­mann, EStG, § 22 Rz. 126; Lind­berg in Frot­scher, EStG, § 22 EStG Rz. 152[↩]
BFH-Urteil vom 21.10.2010 IV R 23/​08, BFHE 231, 544, BStBl II 2011, 277[↩]
BFH in BFHE 223, 445, BStBl II 2009, 710[↩][↩]
vgl. BVerfG-Urtei­le vom 09.03.2004, 2 BvL 17/​02, BVerfGE 110, 94, BStBl II 2005, 56; vom 27.06.1991 2 BvR 1493/​89, BVerfGE 84, 239, BStBl II 1991, 654[↩]
Kapi­tal­ab­fin­dung aus berufstän­di­scher… Eine Teil­ka­pi­tal­leis­tung (Kapi­tal­ab­fin­dung) ist als ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge „ande­re Leis­tung“ der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen i.S. von § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG anzu­se­hen.…

References: § 22
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