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Timestamp: 2016-10-22 19:48:07+00:00

Document:
I 548/03 (21.09.2004)
I 548/03
Pr�sident Ferrari, Bundesrichter Meyer und Ursprung; Gerichtsschreiber Traub
S.________, 1962, Beschwerdef�hrer, vertreten
durch Rechtsanwalt Erich Leuzinger, Hauptstrasse 47, 8750 Glarus,
Der 1962 geborene S.________, seit 1998 als Hauswart und Kochaushilfe im Alterswohnheim X.________ t�tig, erlitt am 12. September 1999 bei einem Sturz vom Fahrrad eine Meisselfraktur des linken Radiusk�pfchens (Caput radii; proximales Ende der Speiche und als solches Teil des Ellbogengelenks). Die Verletzung zog mehrere operative Eingriffe nach sich (Osteosynthese vom 24. September 1999 und Re-Osteosynthese vom 23. Dezember 1999; Arthrolyse des Ellbogens und Resektion nekrotischer Knochenfragmente vom 8. Dezember 2000; Entfernung des Radiusk�pfchens am 7. Januar 2002). Die Verletzung f�hrte zu einer Arthrose des betroffenen Gelenks. Diese �ussert sich in chronischen Schmerzen und einer funktionellen Beeintr�chtigung (eingeschr�nkte Kraft und Beweglichkeit) des linken Ellbogens.
Am 22. Mai 2000 meldete sich S.________ zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die IV-Stelle Glarus nahm medizinische und erwerbliche Abkl�rungen vor und lehnte den Antrag auf eine Invalidenrente unter Annahme eines Invalidit�tsgrades von 13 % ab (Verf�gung vom 2. September 2002).
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Glarus mit Entscheid vom 24. Juni 2003 ab.
S.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit den Rechtsbegehren, es sei ihm, unter Aufhebung von angefochtenem Entscheid und strittiger Verf�gung, eine Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei die Sache zu weiterer Abkl�rung an die Vorinstanz oder Verwaltung zur�ckzuweisen.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Glarus schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Die IV-Stelle und das Bundesamt f�r Sozialversicherung verzichten auf Vernehmlassung.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze zum Begriff der Erwerbsunf�higkeit bzw. Invalidit�t (Art. 4 Abs. 1 IVG; BGE 116 V 249 Erw. 1b), zu den Voraussetzungen und zum Umfang des Anspruchs auf eine Invalidenrente (Art. 28 Abs. 1 IVG) sowie zur Bemessung des Invalidit�tsgrades bei Erwerbst�tigen nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 28 Abs. 2 IVG; BGE 126 V 75, 104 V 136 Erw. 2a/b) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Mit der Vorinstanz bleibt festzuhalten, dass das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 (in Kraft seit dem 1. Januar 2003) keine Anwendung findet (BGE 129 V 4 Erw. 1.2). Das Gleiche gilt f�r die auf den 1. Januar 2004 in Kraft getretenen Bestimmungen gem�ss der �nderung des IVG vom 21. M�rz 2003 (4. IVG-Revision).
F�r die gerichtliche Beurteilung sind grunds�tzlich die tats�chlichen Verh�ltnisse zur Zeit des Erlasses der strittigen Verwaltungsverf�gung (vom 2. September 2002) massgebend (BGE 121 V 366 Erw. 1b). Sp�tere medizinische Berichte sind indes miteinzubeziehen, soweit sie R�ckschl�sse auf den zeitlich massgebenden Sachverhalt zulassen (vgl. BGE 99 V 102). Am 4. Dezember 2002 erstattete der Orthop�de Dr. A.________ zuhanden des Unfallversicherers ein Gutachten, dessen Schlussfolgerungen f�r den hier interessierenden Zeitraum g�ltig sind. Der Sachverst�ndige diagnostizierte im Wesentlichen eine manifeste, mit der Zeit langsam zunehmende Arthrose des linken Ellbogengelenks mit einer Einschr�nkung von Kraft und Beweglichkeit, Druckdolenz und einer leichten Vorderarmatrophie. Der Versicherte sei in der bisherigen T�tigkeit als Abwart zu 50 % arbeitsf�hig. In einer angepassten T�tigkeit bestehe eine Arbeitsf�higkeit von 100 %, wobei t�glich zwei zus�tzliche Pausen von je einer Viertelstunde n�tig seien; die maximale Trage- und Hebef�higkeit des linken Armes betrage zwei Kilogramm.
Mit dieser Einsch�tzung ist die Stellungnahme des Orthop�den und behandelnden Arztes Dr. B.________ vom 27. Juni 2002, an deren Beweiswert nicht zu zweifeln ist, vereinbar, liegt dieser doch offenkundig die Bezifferung der Arbeitsf�higkeit im angestammten Beruf des Hauswarts zugrunde (vgl. auch das Schreiben an den Hausarzt vom 24. Mai 2002). Soweit der Arzt am 9. August 2002 ausf�hrt, der Versicherte sei beruflich kaum mehr integrierbar, betrifft dies nicht die medizinische Sch�tzung der verbliebenen Leistungsf�higkeit, sondern die berufskundlichen und arbeitsmarktlichen Aspekte der Verwertung dieser Kapazit�t.
3.1 Nach dem Unfall vom 12. September 1999 wurden insgesamt vier Operationen (vom 24. September und 23. Dezember 1999, 8. Dezember 2000 und 7. Januar 2002) notwendig, nach denen der Heilungsverlauf jeweils verz�gert war und zu l�ngerdauernden physiotherapeutischen Behandlungen und verschiedenen orthop�dischen und neurologischen Konsilien Anlass gab. Aus den anamnestischen Angaben im Gutachten des Dr. A.________ vom 4. Dezember 2002 ergibt sich, dass der Beschwerdef�hrer w�hrend weit �ber zwei Jahren nie eine 50 % �bersteigende Arbeitsf�higkeit erreichte (vgl. auch die fortgesetzten Taggeldzahlungen des obligatorischen Unfallversicherers sowie den Arbeitgeberbericht des Alterswohnheims X.________ vom 5. Juli 2000, gem�ss welchem der Versicherte am 3. April 2000 die angestammte Arbeit mit einem Pensum von 50 % wieder aufgenommen hatte). Zumindest w�hrend dieses Zeitraums laufender Behandlungen und wiederholter operativer Eingriffe konnte der Beschwerdef�hrer nicht auf den Weg der erwerblichen Selbsteingliederung verwiesen werden. Damit hat er jedenfalls einen Anspruch auf eine befristete Invalidenrente erworben (vgl. BGE 122 V 78 Erw. 2b, 121 V 191 Erw. 4, 116 V 92 Erw. 4).
3.2 Der Rentenbeginn richtet sich - nebst Art. 48 Abs. 2 IVG - nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG. Im Anwendungsbereich dieser Bestimmung entsteht der Rentenanspruch fr�hestens zu dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte w�hrend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunf�hig gewesen war. Die Rentenh�he ist sowohl vom Ausmass der nach Ablauf der Wartezeit weiterhin bestehenden Erwerbsunf�higkeit als auch von einem entsprechend hohen Grad der durchschnittlichen Arbeitsunf�higkeit w�hrend des vorangegangenen Jahres abh�ngig. So kommt etwa eine halbe Rente in Betracht, wenn der Versicherte w�hrend eines Jahres durchschnittlich mindestens zur H�lfte arbeitsunf�hig gewesen und weiterhin wenigstens zur H�lfte invalid im Sinne von Art. 28 Abs. 1 IVG ist (BGE 105 V 160 f. Erw. 2c/d). Unter Arbeitsunf�higkeit ist die durch den Gesundheitsschaden bedingte Einbusse an funktionellem Leistungsverm�gen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen, w�hrend die finanziellen Konsequenzen einer solchen Einbusse (beispielsweise Bezug von Arbeitslosenentsch�digung, Unfalltaggeld oder Erhalt von Soziallohn im Sinne von Art. 25 Abs. 1 lit. b IVV) f�r deren Beurteilung w�hrend der Wartezeit grunds�tzlich unerheblich sind (BGE 105 V 159 Erw. 2a; vgl. BGE 104 V 191; ZAK 1965 S. 164).
3.3 Zur analog-revisionsweisen (Art. 41 IVG [vgl. fortan Art. 17 ATSG]; BGE 125 V 417 Erw. 2d) Festlegung der Invalidenrente in masslicher und zeitlicher Hinsicht, entsprechend dem Verlauf der Arbeitsunf�higkeit, und zur Berechnung sowie �berversicherungsm�ssigen Behandlung im Verh�ltnis zum zeitentsprechenden Taggeld der Unfallversicherung ist die Sache an die IV-Stelle zur�ckzuweisen.
Damit bleibt zu pr�fen, wie die IV-Stelle den Invalidit�tsgrad von dem Zeitpunkt an zu bemessen hat, in welchem der Versicherte auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verwiesen werden kann (vgl. dazu AHI 1998 S. 290 Erw. 3b).
4.1 Zun�chst ist zu ber�cksichtigen, dass im Bericht zur beruflichen Abkl�rung durch die IV-Stelle Z�rich (zuhanden der IV-Stelle Glarus) vom 7. September 2001 (gem�ss Auftrag vom 10. April 2001) verschiedene T�tigkeiten genannt wurden, die mit der gesundheitlichen Beeintr�chtigung des Beschwerdef�hrers besser vereinbar sein sollen als die bisherige Arbeit. Im Einzelnen handelt es sich um eine Besch�ftigung als Staplerfahrer, Hilfsarbeiter an einer Kleinteilepresse, Wiederaufbereiter von Altmaterial oder als Chauffeur/Magaziner f�r leichte Produkte. Zu einem sp�teren Zeitpunkt, am 7. Januar 2002, fand indes noch ein bedeutsamer Eingriff (Entfernung des Radiusk�pfchens) statt, hinsichtlich dessen nach Lage der Akten nicht feststeht, ob und inwieweit er zu einer Konsolidierung der Verh�ltnisse am betroffenen Ellbogengelenk gef�hrt hat. Es ist daher sicherzustellen, dass die erw�hnten Verweisungsarbeiten dem gesundheitlichen Zustand, wie er sich bei Erlass der strittigen Verf�gung im Herbst 2002 darbot, angemessen sind und dem tats�chlichen medizinischen Anforderungsprofil gerecht werden. Denn bei der Bestimmung des trotz gesundheitlicher Beeintr�chtigung erzielbaren Einkommens fallen nur Einsatzm�glichkeiten in Betracht, die unter Ber�cksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar erscheinen (BGE 113 V 28 Erw. 4a).
4.2 Hinsichtlich des Valideneinkommens (hypothetisches Einkommen ohne Invalidit�t) hat das kantonale Gericht - anders als die IV-Stelle - auf den Durchschnitt der vor Eintritt des Gesundheitsschadens (September 1999) ausbezahlten Monatsl�hne abgestellt. F�r den Einkommensvergleich sind indes die Verh�ltnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und rentenwirksame �nderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verf�gungserlass zu ber�cksichtigen sind (BGE 129 V 223 Erw. 4.1 und 4.2, 128 V 174). Ein allf�lliger Rentenanspruch entst�nde fr�hestens im Herbst 2000 (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG). Mit der Verwaltung ist daher auf die f�r das Jahr 2000 geltenden Zahlen abzustellen. Der Beschwerdef�hrer nahm die bisherige Arbeit im Mai 2000 bei einem Teilpensum von 50 % wieder auf. Laut Arbeitgeberbericht des Alterswohnheims X.________ vom 5. Juli 2000 bezog er nunmehr ein Jahresgehalt von Fr. 27'323.-. Das massgebende Valideneinkommen bel�uft sich mithin auf Fr. 54'646.-.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdef�hrer eine Parteientsch�digung zu bezahlen (Art. 159 OG; Urteil K. vom 10. Februar 2004, U 199/02, Erw. 6).
In teilweiser Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Glarus vom 24. Juni 2003 und die Verf�gung vom 2. September 2002 aufgehoben und es wird die Sache an die IV-Stelle Glarus zur�ckgewiesen, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber den Rentenanspruch neu verf�ge.
Die IV-Stelle Glarus hat dem Beschwerdef�hrer f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht eine Parteientsch�digung von Fr. 2500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Glarus wird �ber eine Parteientsch�digung f�r das kantonale Verfahren entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen Prozesses zu befinden haben.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Glarus, der Kantonalen Ausgleichskasse Glarus und dem Bundesamt f�r Sozialversicherung zugestellt.

References: BGE 
 BGE 
 BGE 
 BGE 
 Art. 48
 Art. 29
 Art. 28
 Art. 25
 BGE 
 Art. 17
 BGE 
 Art. 29