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BGH VI ZR 274/10 vom 13.12.2011 zu den Rechtsschutzanfragekosten. | Captain HUK
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Dienstag, 31.01.2012 um 13:16 von Willi Wacker | · Gelesen: 51120 · heute: 14 | 6 Kommentare
die Frage der Erstattungspflicht der Deckungsanfragekosten scheint durch den VI. Zivilsenat im Rahmen des Schadensersatzes nun entschieden zu sein. Aber Vorsicht! Der VIII. Zivilsenat hatte, worauf auch der jetzt erkennende Senat hingewiesen hat, entschieden, dass Kosten für die Einholung einer Deckungszusage der Rechtsschutzversicherung Rechtsverfolgungskosten sind, die unter dem Gesichtspunkt des Verzugsschadens ersetzt werden können (BGH, Urteil vom 9. März 2011 – VIII ZR 132/10, aaO, Rn. 23). Das heißt auch der erkennende Senat hat nur für diesen Einzelfall entschieden, dass die Deckungsanfragekosten hier nicht vom Schädiger zu ersetzen sind. Da kann es bei einer schwierigeren Frage durchaus das Gegenteil der Fall sein, nämlich, wenn der Anwalt im Rahmen der Deckungsanfrage noch Erläuterungen juristischer Art abgeben muss. Denn über eins muss man sich im Klaren sein: Wenn Verzug des Schädigers vorliegt, liegt ein Verzögerungsschaden in den Anwaltskosten, die von dem Leistungsschuldner gem. §§ 286, 288 BGB erstattet verlangt werden können. Hier das BGH Urteil vom 13.12.2011. Die Urteilsliste wird damit m.E. nicht unbedingt hinfällig. Ich meine, dass die Urteilsliste aufgrund des Urteils des VI. Zivilsenates nur besonders gekennzeichnet werden sollte. Viele der aufgeführten Urteile finden sich auch im Urteil vom 13.12.2011 wieder. Ich erbitte höflichst Eure Meinungen.
BGH, Urteil vom 13. Dezember 2011 – VI ZR 274/10 – LG Würzburg
. AG Würzburg
VI ZR 274/10 Verkündet am:
. 13. Dezember 2011
HUK-Coburg Allgemeine Versicherung AG, vertreten durch den Vorstand, Ludwigstr. 20, Würzburg
Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 13. Dezember 2011 durch den Vorsitzenden Richter Galke, die Richter Zoll, Pauge und Stöhr sowie die Richterin von Pentz für Recht erkannt:
a) Insoweit wird nicht „dieselbe“, sondern eine besondere Angelegenheit im Sinne des § 15 Abs. 2 Satz 1 RVG überwiegend angenommen, sofern der Anwalt hinsichtlich der Einholung der Deckungszusage gesondert beauftragt wird (vgl. OLG Celle, Urteil vom 12. Januar 2011 – 14 U 78/10, Schaden-Praxis 2011, 265, 226; LG Duisburg, Urteil vom 3. Mai 2010 – 2 0 229/09, zfs 2010, 520; LG München I, Urteil vom 6. Mai 2008 – 30 O 16917/07, zfs 2010, 521; LG Ulm, Urteil vom 8. April 2010 – 6 O 244/09, zfs 2010, 521; LG Wuppertal, Urteil vom 7. April 2010 – 8 S 92/09, zfs 2010, 519; N. Schneider in Schneider/Wolf, AnwaltKommentar RVG, 5. Aufl., § 15 Rn. 65; Winkler in Mayer/Kroiß, Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, 4. Aufl., §15 Rn. 56; Bierschenk, zfs 2011, 603; Hansens, RVGreport 2010, 241; 321, 323; Lensing, AnwBl. 2010, 688; Meinel, zfs 2010, 312 f.; Niehren, AnwBl. 2011, 135; dahingestellt bei KG, Urteil vom 19. März 2010 – 5 U 42/08, AnwBl. 2010, 445, 447; ablehnend Tomson, VersR 2010, 1428).
b) Von anderen wird „dieselbe“ Angelegenheit im Sinne des § 15 Abs. 2 Satz 1 RVG bejaht (vgl. etwa OLG München, Urteil vom 4. Dezember 1990 – 13 U 3085/90, JurBüro 1993, 163 noch zu § 118 BRAGO; LG Koblenz, Urteil vom 2. Februar 2010 – 6 S 236/09, VersR 2010, 1331, 1332; LG Schweinfurt, Urteil vom 20. März 2009 – 23 0 313/08, NJW-RR 2009, 1251, 1252; AG Schwäbisch Hall, Urteil vom 6. Mai 2010 – 6 C 20/10, juris Rn. 20; zweifelnd auch Geigel/Freymann, Der Haftpflichtprozess, 26. Aufl., Kap. 41 Rn. 30). Dies wird überwiegend damit begründet, die Einholung der Deckungszusage sei als Annex zur Hauptsache anzusehen und deshalb nicht gesondert zu vergüten. Die weit verbreitete Praxis kostenloser Deckungsanfragen soll wettbewerbsrechtlich nicht als unzulässige Gebührenunterschreitung verfolgbar sein (KG, Urteil vom 19. März 2010 – 5 U 42/08, AnwBl. 2010, 445, 447 f.).
c) Nach Ansicht des erkennenden Senats spricht viel dafür, dass das Vorliegen einer eigenen Angelegenheit zu verneinen ist, wenn sich – wie es das Berufungsgericht für den Streitfall feststellt – die Tätigkeit des Rechtsanwalts in der Anforderung der Deckungszusage bei dem Rechtsschutzversicherer unter Beifügung eines Entwurfs der Klageschrift erschöpft und der Deckungsschutz anstandslos bewilligt wird. Denn die Annahme einer Angelegenheit im gebührenrechtlichen Sinne setzt nicht voraus, dass der Anwalt nur eine Prüfungsaufgabe zu erfüllen hat. Von einem einheitlichen Rahmen der anwaltlichen Tätigkeit kann vielmehr grundsätzlich auch dann noch gesprochen werden, wenn der Anwalt zur Wahrnehmung der Rechte des Geschädigten verschiedene, in ihren Voraussetzungen voneinander abweichende Anspruchsgrundlagen zu prüfen bzw. mehrere getrennte Prüfungsaufgaben zu erfüllen hat. Unter einer Angelegenheit im gebührenrechtlichen Sinne ist das gesamte Geschäft zu verstehen, das der Rechtsanwalt für den Auftraggeber besorgen soll. Ihr Inhalt bestimmt den Rahmen, innerhalb dessen der Rechtsanwalt tätig wird. Die Angelegenheit ist von dem Gegenstand der anwaltlichen Tätigkeit abzugrenzen, der das konkrete Recht oder Rechtsverhältnis bezeichnet, auf das sich die anwaltliche Tätigkeit bezieht, so dass eine Angelegenheit mehrere Gegenstände umfassen kann (vgl. Senatsurteile vom 26. Mai 2009 – VI ZR 174/08, VersR 2009, 1269, Rn. 23 ff.; vom 21. Juni 2011 – VI ZR 73/10, NJW 2011, 3167 Rn. 9 ff.).
d) Erwägenswert ist auch die Ansicht, nach der der Anwalt den Mandanten darüber zu belehren hat, dass für die Einholung der Deckungszusage eine besondere Gebühr entsteht, wenn er diese Leistung abrechnen will (dafür etwa OLG Celle, Urteil vom 12. Januar 2011 – 14 U 78/10, Schaden-Praxis 2011, 265, 266; LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 9. September 2010 -80 1617/10, juris Rn. 37 f. m. Anm. von Schöller, jurisPR-VerkR 21/2010 Anm. 3; AG Brühl, Urteil vom 14. Oktober 2010 – 28 C 539/09, AGS 2011, 361; Meinel, zfs 2010, 312, 313; Niehren, AnwBl. 2011, 135; Schöller, jurisPR-VerkR 21/2010 Anm. 3; dagegen etwa Hansens, RVGreport 2010, 241, 243; Lensing, AnwBl. 2010, 688, 689). Greift – wie dies im Streitfall möglicherweise der Fall ist – der Einwand des Geschädigten, nicht belehrt worden und daher in dem Gebührenanspruch freizustellen zu sein, gegenüber seinem Anwalt durch, so ist der Geschädigte schon im Innenverhältnis nicht zur Zahlung der in Rechnung gestellten Kosten verpflichtet mit der Folge, dass ein Erstattungsanspruch gegen den Schädiger nicht besteht (vgl. Senatsurteil vom 26. Mai 2009 aaO Rn. 20).
2. Von denjenigen, die einen Gebührenanspruch des Anwalts bejahen (oben 1 a) oder dahinstehen lassen (etwa BGH, Urteil vom 9. März 2011 – VIII ZR 132/10, NJW2011, 1222 Rn. 21 ff.; OLG Karlsruhe, Urteil vom 13. Oktober 2011 – 1 U 105/11, juris Rn. 16), wird ein Ersatzanspruch im Außenverhältnis mit unterschiedlichen Argumenten bejaht oder verneint.
a) Teilweise wird ein Anspruch ohne nähere Begründung bejaht (etwa OLG Köln, Beschluss vom 12. Januar 2011 – 1-11 U 209/10, juris Rn. 5; LG Ulm, Urteil vom 8. April 2010 – 6 0 244/09, zfs 2010, 521; LG Amberg, Urteil vom 26. Mai 1993 – 24 S 1492/92, AGS 1993, 58), teilweise werden die Aufwendungen als erforderlich und zweckmäßig angesehen (etwa LG Duisburg, Urteil vom 3. Mai 2010 – 2 O 229/09, zfs 2010, 520 f.; LG Amberg, Urteil vom 19. Februar 2009 – 24 O 826/08, juris Rn. 35; AG Hersbruck, Urteil vom 26. November 2009 – 2 C 474/09, AGS 2010, 257 f.; AG Karlsruhe Urteil vom 9. April 2009 – 1 C 36/09, AGS 2009, 355, 356). Einige Gerichte – wie hier das Berufungsgericht – bejahen einen entsprechenden Anspruch jedenfalls bei Verzug des Haftpflichtversicherers (LG Berlin, Urteil vom 9. Dezember 2009 – 42 O 162/09, juris; LG Duisburg, aaO; AG Oberndorf, Urteil vom 12. November 2009 – 3 C 698/08, juris; LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 8. September 2009 – 2 O 9658/08, AGS 2010, 257; AG Schwandorf, Urteil vom 11. Juni 2008 – 2 C 189/08, zfs 2010, 524).
aa) Teilweise wird darauf abgestellt, ob im konkreten Einzelfall die Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe bei der Einholung der Deckungszusage zur Wahrung und Durchsetzung der Rechte unter den Umständen des Falles erforderlich und zweckmäßig ist (etwa BGH, Urteil vom 9. März 2011 – VIII ZR 132/10, aaO, Rn. 23; LG Münster, Urteil vom 4. Mai 2010 – 3 S 12/10, VersR2011, 411 f. mit Anm. von Nugel, jurisPR-VerkR 8/2011 Anm. 3), was nach teilweise vertretener Ansicht nur äußerst selten der Fall sein soll (vgl. Geigel/Freymann, aaO; auch Meinel, aaO, S. 314 f.).
20 b) Allerdings hat der Schädiger auch unter dem Gesichtspunkt des Verzugsschadens nicht schlechthin alle durch das Schadensereignis adäquat verursachten Rechtsverfolgungskosten zu ersetzen, sondern nur solche, die aus der Sicht des Geschädigten zur Wahrnehmung seiner Rechte erforderlich und zweckmäßig waren (vgl. etwa Senatsurteile vom 8. November 1994 – VI ZR 3/94, BGHZ 127, 348, 350 ff.; vom 10. Januar 2006 – VI ZR 43/05, VersR 2006, 521 f.; BGH, Urteil vom 9. März 2011 – VIII ZR 132/10, aaO, Rn. 23).
AG Würzburg, Entscheidung vom 31.03.2010 – 12 C 2767/09-
LGWürzlurg, Entscheidung vom 29.09.2010 – 43 S 1138/10-
6 Responses to BGH VI ZR 274/10 vom 13.12.2011 zu den Rechtsschutzanfragekosten.
31. Januar 2012 at 13:58
„Unter dem Gesichtspunkt des Verzugsschadens sind Anwaltskosten für die Einholung einer Deckungszusage der Rechtsschutzversicherung des Geschädigten – unabhängig von der Frage, ob es sich hierbei um eine besondere Angelegenheit im Sinne des § 18 RVG handelt – nicht zu erstatten, wenn die Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe zur Einholung der Deckungszusage nicht erforderlich war (Fortführung des Senatsurteils vom 6. Oktober 2010 – VIII ZR 271/09, WuM 2010, 740)
„Der Klägerin steht kein Anspruch aus § 280 Abs. 1 und 2, § 286 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB auf Erstattung vorgerichtlich entstandener Rechtsanwaltskosten zu. Die Klägerin als gewerbliche Großvermieterin hätte das Kündigungsschreiben selbst abfassen können. Durch die gleichwohl erfolgte Beauftragung eines Rechtsanwalts hat sie ihre Schadensminderungspflicht aus § 254 Abs. 2 BGB verletzt.“
Erstattung von Rechtsschutzanfragekosten in der künftigen Schadenspraxis => Aus die Maus – oder frei nach Joachim Otting:
„Ob 6. oder 8. Zivilsenat – diese Messe ist gelesen!!“
31. Januar 2012 at 16:44
Saaggde Ali zum DAS,…ei Alde,brauchisch oberkrasse rechtdschuz für de Klage zu die Gerischde weisdu,weil de HUG willned bezzahle!
Saggde DAS:
„Ich bitte Sie, die Erfolgsaussichten des beabsichtigten Klageverfahrens näher darzulegen.“
Saggde Ali:…ei Alde,wassislos?…ich nixvesteh´n….isch Unfall nixschuld!
De Anwald sagde er sisch nix kümmert umde Rechdsschudz weiler nach BGH nixe bekommde dafür,also wassollisch jedzd mache…du mussde mir saaache!
Saggde DAS:…..garnixmehr…??!!??
Und schon läuft sie wieder wie geschmiert,die Regulierungsverweigerungsallianz.
RA Alexander Jaeger says:
31. Januar 2012 at 16:48
Die Entscheidung ist schon in ihrem Ansatzpunkt nicht nachvollziehbar, weil sich die Tätigkeit für den Mandanten gegenüber seinem Rechtsschutzversicherer nicht in der Übersendung eines Klageentwurfs erschöpft und deshalb eine gesonderte Angelegenheit im Sinne des § 15 Abs. 1 RVG vorliegt. Sofern nicht schon außergerichtlich eine Deckungszusage angefordert wurde, ist spätestens mit Anforderung der Deckungszusage für eine Klage die Korrespondenz mit der gegnerischen Versicherung zu übersenden. Dann kommen meistens Rückfragen zur versicherten Person und/oder dem Fahrzeug, was eine Rückfrage beim Mandanten erfordert. Die Rechtsschutzversicherer wollen auch über den Verlauf des Rechtsstreits informiert werden. Vor einer Deckungszusage für ein Rechtsmittel wird außerdem eine Stellungnahme zu dem Erfolgsaussichten gefordert. Auch die Abwicklung der Kosten für Gerichtskosten, Auslagen und Kosten der Gegenseite erfordern eine Korrespondenz mit dem Rechtsschutzversicherer und weil Verlust eines Beweismittels oder Zwangsvollstreckung droht, ist ein Fristvermerk, eine Überprüfung und gegebenenfalls eine Nachfrage erforderlich. Auch die für den Rechtsschutzversicherer bestimmten Zahlungen, sind an diesen gesondert zu überweisen. Um das Urteil des 6. Senats konsequent umzusetzen, sollte zukünftig der Klageentwurf unter Hinweis auf dieses Urteil an den Mandanten mit der Bitte übersandt werden, alles Weitere selbst zu veranlassen.
@Vaumann,
echt krass he!
Weisdu Alder, Ali in CH scho langge nix meer so lache.
Die Anfertigung eines Klageentwurfes wird wohl zukünftig erst mit dem Klageauftrag (nachdem die außergerichtlichen Bemühungen – die zunächst allein das Mandat umfasst haben – gescheitert sind) einhergehen können.
Der Geschädigte, der vorab die Deckungszusage seines Rechtsschutzversicherers einholen will, wird sich insoweit ohne diese Unterlage um Deckungsschutz bemühen müssen.
Wenn ihm dergleichen – wie von Vaumann geschildert – dann aber nicht gelingt, dürfte doch die Beiziehung eines Rechtsanwaltes erforderlich und zweckmäßig sein.
Im Falle des Verzuges des Haftpflichtversicherers dürfte dieser dann die Kosten für die Rechtsschutzanfrage zu tragen haben.
Es sollte aber dann nicht vergessen werden auf die gesondert entstehenden Gebühren für die Einholung der Deckungszusage hinzuweisen.
guggsdu http://www.youtube.de(Achmed,Telefonverarsche)
–einfach ein must have!
Lachen ist gesund;es vertreibt so manche Regulierugsalltagstrübsaal!

References: BGH 
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 § 280
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