Source: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2347977
Timestamp: 2019-08-18 05:49:55+00:00

Document:
Rechtswahlfreiheit im Internationalen Scheidungsrecht der Rom III-Verordnung (Freedom of Choice of Law in the International Law of Divorce under the Rome III Regulation) by Hannes Rösler :: SSRN
Rechtswahlfreiheit im Internationalen Scheidungsrecht der Rom III-Verordnung (Freedom of Choice of Law in the International Law of Divorce under the Rome III Regulation)
Rabel Journal of Comparative and International Private Law (RabelsZ), Vol. 78, No. 1, pp. 155-192, 2014
DOI: 10.1628/003372514X676709
39 Pages Posted: 5 Nov 2013 Last revised: 30 Oct 2014
See all articles by Hannes Rösler
Max Planck Institute for Comparative and Private International Law
Deutsche Zusammenfassung: Der Grundsatz der Parteiautonomie hat mit der Verordnung (EU) Nr. 1259/2010 (Rom III-VO) auch das europäische Scheidungskollisionsrecht erreicht. Bedeutsam ist das wegen des Verbreitungsgrades grenzüberschreitender Familiensachverhalte, anhaltend hoher Scheidungsraten sowie des Fortbestehens von beträchtlichen sachrechtlichen Unterschieden. Dieser Beitrag widmet sich den Beweggründen der Hinwendung zur Parteiautonomie, v.a. aber dem nicht zu unterschätzenden Klärungsbedarf.
Vor Gerichten wird wegen der objektiven Anknüpfung häufiger die lex fori zur Anwendung gelangen, denn ohne Rechtswahl kommt nach Art. 8 Rom III-VO das Recht des gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalts oder unter Umständen des letzten gemeinsamen Aufenthalts der Eheleute zur Anwendung. Das ist der intendierten Integrationswirkung der Verordnung geschuldet, aber auch den Vorzügen des lex fori-Ansatzes, was etwa dem englischen Recht entgegenkommt. Jedoch ist es fraglich, ob die lex fori stets den Interessen der Parteien entspricht, denn das Aufenthaltsprinzip (bei gleichzeitigem Zurücktreten des recht strikten Staatsangehörigkeitsprinzips) schafft einige Rechtsunsicherheit. Diese Unklarheiten können die Parteien durch eine nach Art. 5 Rom III-VO vorrangige Rechtswahl selbst überwinden. Auf diese Weise lässt sich das Kontinuitätsbedürfnis der Parteien aufrechterhalten.
Das Rechtswahlprinzip der Verordnung erweist sich als bedeutender Baustein des EU-IPR – auch wenn „Rom III“ nur auf die teilnehmenden Mitgliedstaaten Anwendung findet. Außerdem bleiben erstaunlich viele Fragen offen, wovon einige hier wie folgt beantwortet werden: Die VO ist nicht nur für gerichtliche oder behördliche Trennungen, sondern auch für Privatscheidungen einschlägig. Außerdem ist sie nach überzeugender Auffassung prinzipiell auch auf gleichgeschlechtliche Ehen anwendbar, wobei die Beurteilung der Frage dem nationalen Recht überlassen ist (siehe Art. 13 Var. 2 Rom III-VO). Umstritten ist, ob nach Art. 5(1)(d) Rom III-VO die lex fori auch abstrakt wählbar ist, was hier bejaht wird, wenn die Ehegatten sich hinreichend konkret informiert haben und sie die Staaten eingegrenzt haben und auch der in Betracht kommende Staat dazu zählt. Die Rechtswahl von Mehrstaatern ist nicht begrenzt auf effektive Staatsangehörigkeit, auch wenn das nationale Recht das vorschreibt. Aus dem Erfordernis der Verordnung, dass eine Rechtswahl die Rechte und die Chancengleichheit der Ehegatten nicht beeinträchtigen darf, wird die Pflicht der mitgliedstaatlichen Gerichte hergeleitet, im Rahmen von Art. 6 Rom III-VO auch eine Inhaltskontrolle nach berufenem Recht vorzunehmen. Unterstrichen wird außerdem die Bedeutung von Art. 10 Rom III-VO, der sich zur Lösung von Geschlechterdiskriminierungen etwa nach islamischem Recht anbietet.
English Abstract: The principle of private autonomy has reached European conflict of laws in divorce matters with Regulation (EU) No. 1259/2010 (Rome III). This is relevant due to the degree of cross-border family matters, the persistently high divorce rates and the considerable differences as to the substantive laws that continue to exist. This article addresses the motives behind the movement to party autonomy, but above all it considers a need for clarification that should not be underestimated.
Due to the objective connecting factor, courts will apply the lex fori more frequently. In the absence of a choice of law, Art. 8 Rome III Regulation declares applicable the law of the common habitual residence or in certain circumstances that of the last common residence of the spouses. This is owing to the integration effect intended by the Regulation but is also due to the advantages of the lex fori approach, which approximates English law. However, it is doubtful whether the lex fori always meets the interests of the parties as the principle of habitual residence (resulting in a simultaneous departure from the quite strict citizenship principle) creates some uncertainty. These ambiguities can be overcome by the parties’ primary right to choose the law under Art. 5 Rome III Regulation. In that way, the continuity needs of the parties can be accommodated.
Acknowledgement: This article is published in this Research Paper Series with the permission of the rights owner, Mohr Siebeck. All full-text Rabel Journal articles are available via pay-per-view or subscription at IngentaConnect, a provider of digital journals on the Internet.
Keywords: Conflict of laws in divorce matters, Rome III, Regulation (EU) No. 1259/2010, party autonomy, principle of free choice of law, family law
Rösler, Hannes, Rechtswahlfreiheit im Internationalen Scheidungsrecht der Rom III-Verordnung (Freedom of Choice of Law in the International Law of Divorce under the Rome III Regulation) (January 1, 2014). Rabel Journal of Comparative and International Private Law (RabelsZ), Vol. 78, No. 1, pp. 155-192, 2014; DOI: 10.1628/003372514X676709; Max Planck Private Law Research Paper No. 13/28. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=2347977
Hannes Rösler (Contact Author)
Max Planck Institute for Comparative and Private International Law ( email )
HOME PAGE: http://www.mpipriv.de/en/pub/academic_staff/affiliates/roesler_hannes.cfm

References: Art. 8
 Art. 5
 Art. 13
 Art. 5
 Art. 6
 Art. 10
 Art. 8
 Art. 5