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Timestamp: 2016-10-23 11:54:54+00:00

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Fragen & Antworten | hnGeno
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Fragen & Antworten zu hnGeno – Genossenschaft zur Weiterführung von hessnatur
Wem gehört hessnatur heute?
Warum gehört hessnatur zum Arcandor-Konzern?
Wie viele Mitarbeiter hat hessnatur?
Ist hessnatur wirtschaftlich gesund?
Gibt es Zinsen auf das eingezahlte Kapital?
Was können Kunden neben ihrer Einlage zur Genossenschaft beitragen?
Welche Rechte haben die Mitarbeitern in der Genossenschaft?
Wird es weiterhin einen Betriebsrat geben?
Wird verhindert, dass große Investoren die Genossenschaft dominieren und – wenn ja – wie?
Welche (Sonder-)rechte haben (größere) Investoren und warum?
Ist das Stimmrecht abhängig vom eingezahlten Kapital?
Wie sind die Entscheidungsstrukturen innerhalb der Genossenschaft?
Wer entscheidet in der Genossenschaft über die Höhe der Gehälter und die Gehaltsstruktur?
Wie werden Gewinne verteilt und wer entscheidet darüber?
Muss ein Genossenschaftsmitglied Geld nachschießen, wenn es der Genossenschaft wirtschaftlich schlecht geht?
Wie wird mit Verlusten umgegangen?
Wer gehört zur Gründungsgruppe der Genossenschaft und welche Organisationen sind dort vertreten?
Wer berät die Gründungsgruppe juristisch?
Wie läuft – nach den Vorstellungen der Genossenschaftsgründer – das Kaufverfahren ab?
Was geschieht mit meinem eingezahlten Geld, wenn der Kauf von hessnatur nicht zustande kommt?
Warum wird eine Genossenschaft gegründet und nicht eine AG oder GmbH?
Was sind die Ziele der Genossenschaft?
Warum hat die hnGeno einen Treuhänder?
Warum bekomme ich als Bestätigung meiner Genossenschaft eine E-Mail und keine Post?
Warum spricht hessnatur nicht öffentlich über die hnGeno?
Was ist der aktuelle Stand im Kaufprozess? Wie hoch ist der Kaufpreis?
Kann es zu einer GmbH-Lösung kommen?
Verändert sich der Wert des Genossenschaftsanteils im Laufe der Zeit?
Wer ist der Vorstand der hnGeno?
Wie sieht die Beteiligungsstruktur nach Übernahme aus?
Gibt es ein Mindestalter für Genossen?
Was ist der Unterschied zwischen einem investierendes Mitglied und einem Mitglied?
Was passiert bei schlechter wirtschaftlicher Entwicklung des Unternehmens und wer zahlt Jahresfehlbeträge?
Was regelt der §16?
Was regelt der §17?
Was regelt der §18?
Wann wird mein Genossenschaftsanteil abgebucht?
Bei welchem Bankinstitut ist die Treuhandgesellschaft?
1) Wem gehört hessnatur heute?
hessnatur gehört noch zum Essener Handelskonzern Arcandor (ehemals Karstadt-Quelle).
Seit dessen Insolvenz im Juni 2009 ist der Karstadt-Quelle-Mitarbeiter-Trust (KQMT) einziger Gesellschafter der Hess Natur-Textilien GmbH.
2) Warum gehört hessnatur zum Arcandor-Konzern?
2001 wurde das Unternehmen hessnatur vom Gründer Heinz Hess aufgrund finanzieller Schwierigkeiten an die Neckermann
Versand AG verkauft und dort in der Quelle-Neckermann-Spezialversender-GmbH geführt. (Seit 2002 wurde ein gemeinsamer
Geschäftsführer für die Versandhändler Neckermann und Quelle eingesetzt.) Neckermann gehörte schon seit 1977 zur Karstadt AG,
die 1999 mit Quelle zur KarstadtQuelle AG fusioniert war und sich 2007 in „Arcandor“ umbenannte. Die Versandunternehmen innerhalb
Arcandors wurden nun in der Gruppe Primondo (ehem. Quelle-Neckermann-Spezialversender-GmbH) zusammengefasst,
die Spezialversandhändler innerhalb Primondos wiederum – inklusive der Hess Natur-Textil GmbH – bildeten fortan die Primondo Specialty Group (PSG).
3) Wie viele Mitarbeiter hat hessnatur?
hessnatur hat zur Zeit ca. 340 Mitarbeitern. Davon arbeiten die Meisten im Stammhaus bzw. Laden in Butzbach.
Weiterhin arbeiten ca. 30 Mitarbeitern in den Läden München und Hamburg. Weitere 10 Mitarbeiter sind bei der Tochter in der Schweiz beschäftigt.
4) Ist hessnatur wirtschaftlich gesund?
Der Betriebsrat hat die aktuellen Zahlen (2009/10) prüfen lassen. Aufgrund der Gewinnsituation
kann hessnatur als wirtschaftlich gesund bezeichnet werden. Es ist darüber hinaus ein ökonomisch erfolgreiches Jahr 2010/ 11 zu erwarten.
5) Wer kann Mitglied der Genossenschaft werden?
Der Mitgliederkreis ist nicht beschränkt.
6) Was sind die Rechte und Pflichten der Genossenschaftsmitglieder?
Zu den wichtigsten Pflichten der Mitglieder gehört die Zahlung auf den Anteil, also einen Beitrag zum Eigenkapital der Genossenschaft zu leisten (250,- € oder ein Vielfaches davon). Die Mitglieder haben das Recht, an der Generalversammlung mit Stimmrecht teilzunehmen. Dort entscheiden Sie über den Aufsichtsrat, die Mitglieder des sog. „Genossenschaftsrates“ (des Gremiums, das den Vorstand wählt), stellen den Jahresabschluss fest und entscheiden über die Verwendung des Jahresüberschusses bzw. die Deckung des Jahresfehlbetrages. Darüber hinaus können sie sich an Minderheitenbegehren zur Einberufung einer Generalversammlung, bzw. zur Ankündigung von Anträgen an die Generalversammlung beteiligen und die wichtigsten Ergebnisse der regelmäßigen Prüfung einsehen.
Sofern der Vorstand unter Zustimmung des Aufsichtsrates eine sog. „Rückvergütung“ beschließt und die Mitglieder Artikel
bei der Genossenschaft gekauft haben, erhalten sie hierfür einen nachträglichen Rabatt nach Jahresabschluss.
7) Gibt es Zinsen auf das eingezahlte Kapital? Anstelle von Zinsen sind für die Kunden in der Genossenschaft in erster Linie sogenannte Rückvergütungen (nachträglicher Rabatt) vorgesehen. Diese Rückvergütungen sind eine Besonderheit und gleichzeitig ein Vorteil von Genossenschaften gegenüber anderen Rechtsformen. Denn: der Betrieb muss den Teil des Überschusses am Geschäftsjahresende, den er in Form von Rückvergütungen an die Mitglieder auszahlt, nicht als Gewinn versteuern. Das Gleiche gilt für diejenigen, die die Rückvergütungen erhalten: Auch sie müssen anfallende Zinsen auf ihre Anteile versteuern, den nachträglichen Rabatt (= Rückvergütung) auf die Produkte, die sie erstanden haben jedoch nicht.
Darüber hinaus erhalten alle Mitglieder, die 4 Anteile (1.000,- €) und mehr eingelegt haben, Zinsen von mindestens 4%. Diese Verzinsung erfolgt natürlich unter der Voraussetzung eines erwirtschafteten Überschusses (nach Steuern). Die Satzung lässt auch weitere Ausschüttungen an alle Mitglieder zu, über die die Generalversammlung beschließt.
Da keine Rückvergütungen ausgeschüttet werden können solange die Genossenschaft nicht selbst Handel treibt, sollen bis dahin die „normalen Mitglieder” (potenzielle Kunden und Beschäftigte) die gleiche Verzinsung, wie die “investierenden Mitglieder” (Geldgebern) erhalten. 8) Was können Kunden neben ihrer Einlage zur Genossenschaft beitragen?
Kunden können Nachbarn, Verwandte und Freunden informieren und die Idee weiter verbreiten! Für die wirtschaftliche Stabilität ist darüber hinaus natürlich jeder Einkauf wichtig. Wer Mitglied wird, kann zu den Generalversammlungen der hnGeno kommen, dort mitentscheiden und dadurch mitgestalten. Kunden, die sich aktiv in die Genossenschaft einbringen, können helfen, die weitere Entwicklung des Unternehmens im Sinne der Kunden positiv zu beeinflussen. Derzeit steht allerdings die Gewinnung von Mitgliedern im Vordergrund, da für den Kauf (oder die Umwandlung der GmbH) mehrere Millionen Euro zusammengetragen werden müssen.
9) Welche Rechte haben die Mitarbeitern in der Genossenschaft?
Diejenigen, die gleichzeitig Mitglieder der Genossenschaft sind, können mit Stimmrecht an der Generalversammlung teilnehmen und in den Genossenschaftsrat und/oder den Aufsichtsrat gewählt werden.
Beschäftigte Genossenschaftsmitglieder bekommen zusätzlich zu ihrem Arbeitsentgelt jährlich von der Genossenschaft weitere Geschäftsanteile im Rahmen der Steuerfreistellung im Einkommenssteuergesetz und der Förderung im Rahmen der Vermögensbildung in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens angeboten.
10) Wird es weiterhin einen Betriebsrat geben?
Selbstverständlich gilt in der Genossenschaft weiterhin das Betriebsverfassungsgesetz – die Mitarbeiteren wählen wie bisher einen Betriebsrat. Bestehende Betriebsvereinbarungen sind weiterhin gültig.
11) Wird verhindert, dass große Investoren die Genossenschaft dominieren und – wenn ja – wie? Nach dem Genossenschaftsgesetz und der Satzung wird ausgeschlossen, dass die Investoren die Nutzeren überstimmen. Das bedeutet, dass die Investoren nicht alleine über die Ausrichtung der Genossenschaft entscheiden können. Darüber hinaus wird es v.a. auch viele kleine “Investoren” neben den wenigen großen Investoren geben. Anders als bei den Nutzern muss der Aufsichtrat der Aufnahme jeder Investorin bzw. jedes Investors zustimmen. 12) Welche (Sonder-)rechte haben (größere) Investoren und warum?
Investoren ab 1.000,- € erhalten eine angemessene Verzinsung (mindestens 4%) auf ihr Kapital, die aus den „Überschüssen nach Steuern“ gezahlt wird. Vorher werden die Rückvergütungen (nachträglicher Rabatt) an sämtliche Kunden vom „Überschuss vor Steuern“ ausgezahlt und nach der Versteuerung gehen wiederum ersteinmal 20% in die sogenannte „gesetzliche Rücklage“, d.h. sie verbleiben im Betrieb.
Investoren, die mindestens 1 Mio. € einbringen können einen Beirat bilden, der mit zusätzlichen Informationen versorgt wird und der das Recht hat auf der Generalversammlung zu Anträgen Stellung zu nehmen. Dies soll den geringeren Einfluss von Investoren bei Abstimmungen auf der Generalversammlung (siehe 6.) kompensieren.
Diese geringfügigen Vorrechte für kleinere und größere Investoren scheinen uns notwendig, um schnell das für einen Kauf notwendige Kapital zusammen zu bringen.
13) Ist das Stimmrecht abhängig vom eingezahlten Kapital?
Nein, jedes Mitglied hat unabhängig von der Höhe der Beteiligung eine Stimme. Dabei dürfen die sog. „investierenden Mitglieder“ die sog. „nutzenden Mitglieder“ (Mitarbeiteren und Kunden) nicht überstimmen.
14) Wie sind die Entscheidungsstrukturen innerhalb der Genossenschaft?
Das höchste Entscheidungsgremium innerhalb der Genossenschaft ist die Generalversammlung. Dort haben alle Mitglieder eine Stimme – unabhängig von der Zahl ihrer Anteile. Sie tagt i.d.R. jährlich, bei Bedarf auch häufiger. Darüber hinaus gibt es einen Aufsichtsrat und einen Vorstand.
Der Aufsichtsrat soll die Interessen der Mitglieder zwischen den Generalversammlungen wahrnehmen und wird zur Aufsicht und Beratung des Vorstandes – daher der Name – von der Generalversammlung gewählt.
Der Vorstand soll von einem Gremium gewählt werden, in dem die Kunden, Mitarbeitern und Investoren jeweils ein Drittel der Sitze haben. Dieser „Genossenschaftsrat“ hat darüber hinaus keine Aufgaben. Durch ihn sollen lediglich die zahlenmäßigen Kräfteverhältnisse (die Kunden werden wohl den allergrößten Mitgliederkreis stellen) bei der Vorstandswahl ausgeglichen werden.
15) Wer entscheidet in der Genossenschaft über die Höhe der Gehälter und die Gehaltsstruktur?
Durch den Kauf der Hess Natur-Textilien GmbH ändert sich an den Rechten und Pflichten der Mitarbeitern nichts, das heißt alle Verträge gelten weiter, die Gehälter ändern sich nicht. Die weitere Entwicklung wird vom Vorstand verhandelt. Der finanzielle Rahmen wird dabei durch den Wirtschaftsplan gesteckt, der der Zustimmung des Aufsichtsrates bedarf.
16) Wie werden Gewinne verteilt und wer entscheidet darüber?
Kunden können bei einem Überschuss am Geschäftsjahresende eine sog. Rückvergütung erhalten (nachträglicher Rabatt auf die Einkäufe). Dieser gilt für den Betrieb als weitere Ausgabe, muss daher nicht als Gewinn versteuert werden.
Die Gewinnverwendung wird zum Teil durch die Satzung festgeschrieben: Die Genossenschaft bildet zunächst eine sogenannte gesetzliche Rücklage in Höhe von 20% des Gewinns. Dann werden die Guthaben der Mitglieder, die 1.000,- € und mehr eingezahlt haben, verzinst (mit mindestens 4%). Über ggf. bestehende weitere Gewinne entscheidet die Generalversammlung. 10% sollen für zu fördernde Projekte ausgezahlt werden.
17) Muss ein Genossenschaftsmitglied Geld nachschießen, wenn es der
Genossenschaft wirtschaftlich schlecht geht?
Nein. Wer die Einzahlungen auf seine Anteile vollständig geleistet hat, ist nicht verpflichtet, weiteres Geld zu zahlen. Insbesondere im Falle der Insolvenz der Genossenschaft müssen keine weiteren Zahlungen geleistet werden.
18) Wie wird mit Verlusten umgegangen?
Über die Deckung von Verlusten entscheidet die Generalversammlung. Die Verluste können vorgetragen werden (damit sie mit Gewinnen späterer Jahre verrechnet werden), sie können durch die Auflösung von Rücklagen (aus Gewinnen früherer Jahre) gedeckt oder in letzter Konsequenz durch die Abschreibung (Abwertung) der Guthaben der Mitglieder gedeckt werden.
19) Wer gehört zur Gründungsgruppe der Genossenschaft und welche
Organisationen sind dort vertreten?
Die Genossenschaft ist am 17. März gegründet worden. Zu den Initiatoren gehören das Netzwerk Solidarische Ökonomie, die Attac AG Solidarische Ökonomie, der Betriebsrat von hessnatur und die Kampagne für Saubere Kleidung. Der Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften (ZdK) ist beratend mit dabei, ebenso die innova eG (Beratung und Qualifizierungen im Bereich Genossenschaften).
20) Wer berät die Gründungsgruppe juristisch?
Die Gründungsinitiative wird juristisch derzeit betreut vom Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften e.V. Weiteres Fachwissen bringt die innova eG ein (s. 14.).
21) Wie läuft – nach den Vorstellungen der Genossenschaftsgründern – das Kaufverfahren ab?
Mitte März wurde die Genossenschaft gegründet. Danach steht zum einen der formale Prozess der Eintragung ins Genossenschaftsregister an. Bis die Kaufverhandlungen abgeschlossen worden sind, werden Beitrittserklärungen und Einzahlungen auf die Anteile bei einem Treuhänder gesammelt. Dies dient dem Schutz derjenigen, die beitreten wollen, da das Risiko des Scheiterns der Verhandlungen dann alleine von den Gründern getragen wird.
Auf Basis der beim Treuhänder eingezahlten Gelder bzw. entsprechender Absichtserklärungen führt dann der Vorstand der Genossenschaft die Kaufverhandlungen.
22) Was geschieht mit meinem eingezahlten Geld, wenn der Kauf von hessnatur nicht zustande kommt?
Solange nicht klar ist, dass die Genossenschaft hessnatur kaufen kann, entweder direkt zu 100%, oder mit Anderen zusammen mit einem geringeren Anteil, wird das Geld der Beitrittswilligen auf einem Treuhandkonto gesammelt. Kommt es zum Kauf, übergibt der Treuhänder das Geld an die Genossenschaft. Scheitert die Übernahme endgültig, dann zahlt der Treuhänder das Geld an die Beitrittswilligen zurück. Die Genossenschaft wird dann aufgelöst. Die tatsächlichen Gründern tragen die Kosten für die Gründung und Auflösung der Genossenschaft.
23) Warum wird eine Genossenschaft gegründet und nicht eine AG oder GmbH?
In der Rechtsform der Genossenschaft (eG) lassen sich die ideellen Ziele von hessnatur am besten umsetzen. In Genossenschaften gilt das Demokratieprinzip, d.h. anders als in Aktiengesellschaften haben alle Mitglieder eine Stimme unabhängig von der Anzahl ihrer Geschäftsanteile.
Ein- und Austritte sind bei Genossenschaften – anders als bei GmbHs – ohne großen Aufwand und Kosten möglich (keine Notargebühren etc). Dadurch können problemlos auch viele kleine Anteilseignern beteiligt werden. Beim Ausscheiden aus der Genossenschaft haben die Mitglieder keinen Anspruch auf Auszahlung des inneren Wertes, d.h. die Anteile können im Wert nicht über die ursprünglich eingezahlte Summe steigen. Das Unternehmen kann dadurch langfristig arbeiten.
Grundsätzlich stellen Genossenschaften quasi wirtschaftliche Selbsthilfeeinrichtungen dar. Deshalb müssen sie (im Gegensatz zu anderen Rechtsformen) nicht gewinnorientiert wirtschaften, sondern nutzen- und bedürfnisorientiert – zur Förderung ihrer Mitglieder.
24) Was sind die Ziele der Genossenschaft?
Das wichtigste Ziel besteht im Handel mit ökologischer und sozialverträglicher Kleidung zu fairen Preisen für alle Beteiligten. Bevor es hierzu überhaupt kommt, ist natürlich das Hautziel der Kauf von hessnatur, bzw. die Umwandlung der Hess Natur-Textilien GmbH in eine Genossenschaft. Genaueres wird in der Präambel und im Zweck der Satzung beschrieben.
25) Warum hat die hnGeno einen Treuhänder?
Der Treuhänder, die GENO EQUITY eG, wurde eingerichtet für den Fall, dass die hnGeno hessnatur nicht kaufen und übernehmen kann. Wir arbeiten mit dem Treuhänder zusammen, um Ihre Anteile zu schützen. Sollte die hnGeno hessnatur nicht übernehmen, sorgt die GENO EQUITY dafür, dass Ihr gezahltes Geld zu 100% an Sie zurückgezahlt wird. Der Treuhänder ist daher für Sie und auch uns wichtig, denn wir wollen, dass alles fair und sauber läuft.
26) Warum bekomme ich als Bestätigung meiner Genossenschaft eine E-Mail und keine Post?
Wir haben in §2, Satz 2 geregelt, das der Treuhänder und die hnGeno die Annahme des Treuhandvertrages in Textform bestätigt. Dies wird aus Kostengründen per E-Mail-Adresse durchgeführt bzw. wenn keine Mailadresse vorhanden ist, schriftlich per Post. Die E-Mail-Adresse des Treuhänders GENO EQUITY eG lautet treuhandhngeno@genoequity.de.
27) Warum spricht hessnatur nicht öffentlich über die hnGeno?
Das Thema Widerstand gegen Carlyle ist im Blog von hessnatur und auch von Seiten der Geschäftsleitung in der Presse genannt worden. Die hessnatur-Geschäftsleitung von Seiten des Eigentümers verpflichtet, so wenig wie möglich zu dem Thema Genossenschaft zu sagen. Einher geht, dass die hnGeno nicht die hessnatur-Kundinnen und Kunden anschreiben kann. Denn hessnatur und die hnGeno sind aktuell zwei unterschiedliche und rechtmäßig eigenständige Institutionen. Die Kommunikation mit den Kunden kann die Genossenschaft erst nach Übernahme des Unternehmens starten. Durch sehr eingeschränkte finanzielle Mittel gehen wir daher auch davon aus, dass bislang sehr wenige hessnatur-Kundinnen und Kunden über die Problematik der Übernahme und die Möglichkeit der Weiterführung von hessnatur als Genossenschaft informiert sind.
28) Was ist der aktuelle Stand im Kaufprozess?
Uns als Genossenschaft stehen derzeit nur die Zahlen zur Verfügung, die über die offiziellen Kanäle (zum Beispiel den elektronischen Bundesanzeiger) ermittelt werden können. Laut hessnatur-Geschäftsführer Wolf Lüdge hat hessnatur im Geschäftsjahr 2009/2010 den Umsatz von hessnatur um 4 Prozent gesteigert (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1126/wirtschaft/0100/index.html). Andere Zahlen haben wir nicht. Alle Zahlen, die wir im Rahmen der Verhandlungen erhalten werden, unterliegen der Verschwiegenheit. Das im Zuge von Unternehmensverkäufen auch üblich. Da bei Verletzung der Verschwiegenheitspflicht harte Sanktionen drohen, bitten wir um Verständnis Ihnen nicht mehr sagen zu können. Seien Sie aber versichert, dass die Organe der Genossenschaft die Zahlen und Unterlagen sorgsam prüfen. Selbstverständlich erlauben wir uns im erlaubten Rahmen professionelle Hilfe zu nehmen, damit die Entscheidung über den Preis im Interesse der Genossenschaft und Ihrer Mitglieder getroffen werden.
Aufgrund der in der Presse veröffentlichen Zahlen gehen wir im Moment von einem Kaufpreis im zweistelligen Millionenbetrag aus.
Durch die bereits eingegangenen Genossenschaftsanteile hat die hnGeno derzeit ein Vermögen im einstelligen Millionenbereich. Wir hoffen, dass wir vor dem Verkauf bzw. der Zahlung des Kaufpreises noch einige Monate haben, um weitere Interessenten von der Genossenschaft zu überzeugen. Da wir erst nach dem Kauf von hessnatur Kundendaten und damit weitere mögliche Mitglieder der Genossenschaft anschreiben können, ist eine Zwischenfinanzierung über Darlehen höchstwahrscheinlich nötig. Sollte die hnGeno hessnatur nicht übernehmen können, bekommen Sie Ihre Anteile entsprechend des von Ihnen gezeichneten Wertes zurück.
29) Kann es zu einer GmbH-Lösung kommen?
Leider kann es in dem Kaufprozess zu einer GmbH-Lösung kommen. Natürlich ist die GmbH-Lösung nicht die von uns präferierte Organisationsform zur Weiterführung von hessnatur. Der Abwehrkampf gegen Private Equitys schließt allerdings diese Möglichkeit nicht aus. Unabhängig von der vollzogenen Organisationsform können Sie Ihr Geld, das Sie in die Genossenschaft für Anteile eingezahlt haben, im Rahmen der normalen Kündigungsfrist zurückerhalten.
30) Verändert sich der Wert des Genossenschaftsanteils im Laufe der Zeit?
Bei einem Genossenschaftsanteil ist es anders als bei einer Aktie. Der nominale Anteilswert verändert sich nicht. Die 4% Zinsen erhalten Sie bei Abschluss eines gewinnbringenden Geschäftsjahres auf Ihr Konto ausgezahlt.
31) Wer ist der Vorstand der hnGeno?
Walter Strasheim-Weitz ist seit 20 Jahren im Unternehmen hessnatur und Betriebsratsvorsitzender des Unternehmens. Christina Pöttner ist auch bereits seit 15 Jahren bei hessnatur und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Dagmar Embshoff ist seit Jahren bei attac tätig. Die drei Vorstände und viele ehrenamtliche Mitglieder arbeiten am Ziel der hnGeno, hessnatur als Genossenschaft weiterzuführen. Die Arbeit erfolgt im Übrigen unentgeltlich.
32) Wer zahlt Steuern?
Die Genossenschaft führt die Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab. Die Mitglieder der hnGeno bekommen diese dann (bei Einhaltung der Freibeträge) im Rahmen der Steuererklärung wieder zurück.
33) Wie sieht die Beteiligungsstruktur nach Übernahme aus?
Wir haben uns die Möglichkeit offen gehalten, im Rahmen des anstehenden Bieterverfahrens einen Minderheitengesellschafter an Bord zu holen, der zur hnGeno, ihren Zielen und zu hessnatur passt. Unser klares Ziel ist aber die 100%ige Genossenschaft.
34) Gibt es ein Mindestalter für Genossen?
Auch Minderjährige (unter 18 Jahren) können Mitglied werden. In diesem Fall muss der gesetzliche Vormund zustimmen und unterschreiben.
35) Wie lange ist die Kündigungsfrist?
Im §4 der Satzung steht, dass die Kündigungsfrist zwei Jahre jeweils zum Schluss des Geschäftsjahres beträgt. Außerhalb der Zeit ist ein Tausch mit jemand anderen möglich. Ggf. werden Sie natürlich auch von uns bei der Suche unterstützt.
36) Was ist der Unterschied zwischen einem investierendes Mitglied und einem Mitglied?
Ein investierendes Mitglied ist ein Unternehmen, eine Institution oder eine andere natürliche und juristische Personen mit vier und mehr Anteilen. Als investierendes Mitglied ist man kein Kunde und erhält nicht wie bei normalen Mitgliedern die vorgesehene Umsatzrückvergütung bei erfolgreichem Jahresabschluss. Investierende Mitglieder erhalten auf ihr an Mitgliedsanteilen eingezahltes Kapital bei erfolgreichen Jahresabschluss eine Verzinsung von einem Prozentpunkt über dem Euribor, mindestens jedoch 4%* pro Jahr.
Wenn Sie als normales Mitglied vier oder mehr Anteile zeichnen, ist die Verzinsung die Gleiche wie bei einem investierenden Mitglied. Als Kunde von hessnatur und Mitglied der hnGeno erhalten Sie zusätzlich bei erfolgreichem Jahresabschluss eine Rückvergütung in Form eines nachträglichen Rabatts. Dieser entfällt für investierende Mitglieder. Der Unterschied ist mit Graphik im Menüpunkt “Mitglied werden” beschrieben.
37) Was passiert bei schlechter wirtschaftlicher Entwicklung des Unternehmens und wer zahlt Jahresfehlbeträge?
Die Mitgliedschaft in der Genossenschaft und die Beteiligung mit Anteilen an der Genossenschaft ist eine unternehmerische Beteiligung wie an jedem Unternehmen in anderer Rechtsform auch. Das Risiko Einzahlungen zu verlieren hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens ab. Gibt es Verluste, dann müssen diese im schlimmsten Fall durch die Abschreibung von
Einzahlungen der Mitglieder gedeckt werden. Natürlich ist durch die Satzung ein Nachschuss ausgeschlossen (§16, Satz 4). Das bedeutet, dass Sie kein weiteres Kapital in die Genossenschaft zahlen müssen.
38) Wer haftet bei Verlust?
Das Risiko die Einzahlungen zu verlieren hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens ab. Gibt es Verluste, dann müssen diese im schlimmsten Fall durch die Abschreibung von Einzahlungen der Mitglieder gedeckt werden (§ 17 Satz 7). Eine sog. Nachschusspflicht haben wir bewusst nicht eingebaut (§16, Satz 4), so dass der durch Genossen getragene Verlust maximal in der Höhe der gezeichneten Anteile erfolgen kann.
39) Was regelt der §16?
Wichtigste Regel ist im §16 der Satz 4. Dieser regelt, dass über den geleisteten Anteil die Mitglieder keine Zahlung (Nachschuss) leisten müssen. Der maximale Verlust eines jeden Mitglieds ist die Höhe der gezeichneten Anteile.
40) Was regelt der §17?
Wichtig ist der §17 Satz 7. Hier ist die Möglichkeit geklärt, dass bei möglichen Verlusten des Unternehmens ein Jahresfehlbetrag mit den Einlagen der Mitglieder verrechnet werden kann. Wichtig zu beachten ist hier die im §16 Satz 4 geregelte Nachschusspflicht.
41) Was regelt der §18?
Der §18 regelt die Auflösung der Genossenschaft. Die Höhe der Beteiligung würde auf jeden Fall an die Mitglieder der Genossenschaft zurückgezahlt werden.
Das nach Begleichen aller Verbindlichkeiten und Rückzahlungen verbleibende Reinvermögen wird nicht an die Mitglieder, sondern wie folgt verteilt:
50% an Organisationen, welche die in der Präambel von hessnatur festgehaltenen Werte verfolgen
50% an Organisationen, welche Genossenschaften fördern und sich für soziale Belange ihrer Mitglieder einsetzen.
Die Auswahl der Organisation wird in der letzten Generalversammlung beschlossen.
42) Wann wird mein Genossenschaftsanteil abgebucht?
Nach Eingang Ihrer Genossenschaftsunterlagen erhalten Sie von unserem Treuhänder eine Rückmeldung per E-Mail. Die Abbuchung erfolgt dann innerhalb kürzester Zeit.
43) Bei welchem Bankinstitut ist die Treuhandgesellschaft?
Das Konto des Treuhänders haben wir bei der Volksbank Butzbach errichtet. hessnatur teilt mit der Volksbank eine gemeinsame Vergangenheit im Rahmen der Arcandor-Insolvenz. Weiter wird die hnGeno von der Volksbank Butzbach im Gründungsprozess unterstützt, zudem sind alle Ansprechpartner vor Ort und schnell und direkt erreichbar.
Eine Antwort auf Fragen & Antworten
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