Source: http://andreasrudolf.blogspot.de/2011/04/
Timestamp: 2018-05-24 13:42:55+00:00

Document:
Wieviel braucht e. Mensch z. gegenwärtigen Zeitpunkt z. Leben u. damit z. Wahrung seiner grundgesetzlichen Rechte nach Art.1, Art.2 sowie Art.3?
Wieviel braucht ein Mensch zum gegenwärtigen Zeitpunkt zum Leben
und damit zur Wahrung seiner grundgesetzlichen Rechte nach Art.1, Art.2 sowie Art.3?
[Der Sozialticker]
In Fortführung der Anfang Februar 2010 veröffentlichten Untersuchung "
Was der Mensch braucht" (http://www.sozialticker.com/empirische-analyse-zur-hoehe-einer-sozialen-mindestsicherung-auf-der-basis-regionalstatistischer-preisdaten_20100203.html) habe ich eine erneute empirische Untersuchung zu einer realitätsgerechten Regelsatzhöhe durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung habe ich als Anlage dieser Nachricht beigefügt. (Hausstein)
Hausstein, Empirische Analyse zur Höhe einer sozialen Mindestsicherung, Stand 03/11 (pdf) http://www.sozialticker.com/anlagen/was-der-mensch-braucht-2011.pdf
Quelle: Leserzuschrift an Sozialticker  veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von L. Hausstein (Autor)
#Dresdner #Frühjahrsgespräch 2011 mit Wolfgang Lieb am 07.04.2011 Ort: #Kulturrathaus Dresden
Eingestellt von Andreas Rudolf um 13:45 Keine Kommentare:
»Tatsächlich suchen fast zehn Millionen Arbeit« (Junge Welt vom 18.04.2011)
»Tatsächlich suchen fast zehn Millionen Arbeit«
Bankenkrise längst nicht ausgestanden.
Ein Gespräch mit Herbert Schui
http://www.jungewelt.de/2011/04-18/050.php
Prof. Herbert Schui lehrte Volkswirtschaft an der früheren Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat Ende vergangener Woche die Wachstumsprognose für die BRD-Wirtschaft von 2,3 Prozent auf 2,6 Prozent im Jahr 2011 angehoben. Auch Forschungsinstitute nennen ähnliche Zahlen. Wie realistisch ist das?
Die Erhöhung liegt in einem statistisch unbedeutenden Bereich. Sie ist aber nicht unwahrscheinlich. Besonders die Aufträge für Investitionsgüter sind auf ein hohes Niveau geklettert. Zwar liegen die Auslandsbestellungen vorne, doch die inländischen Aufträge folgen in dichtem Abstand. Hierzulande wird also wieder mehr investiert.
Nach wie vor sind die Exporte ausschlaggebend. Die sind laut Daten der Bundesbank im Jahr 2010 im Vergleich zu 2009 um rund 20 Prozent gestiegen. Daran haben die Importe der Volksrepublik China einen gewissen Anteil, die größten Abnehmer kommen aus der EU.
Wirtschaftsminister Brüderle geht in der Prognose seines Hauses davon aus, daß sich das Wachstum 2012 auf 1,8 Prozent abschwächen wird. Das hat man von 2011 allerdings auch behauptet, und die Verlangsamung ist deutlich geringer ausgefallen als erwartet. Wie sehen Sie das?
Wir müssen tatsachlich davon ausgehen, daß sich die Konjunkturentwicklung wieder abflacht. Zwar wird jetzt wieder investiert  der Bedarf an diesen Gütern wird jedoch bald abnehmen, sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch weltweit.
Es stecken aber noch weitere Probleme im System. So ist z. B. die Bankenkrise noch längst nicht ausgestanden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert einen Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital von 20 bis 45 Prozent, je nachdem, in welchem Geschäftsfeld die Banken tätig sind. Die Deutsche Bank, als größte Privatbank der Republik, hat aber nur eine Eigenkapitalquote von vier Prozent. Das ist lausig. Denn es stehen noch Abschreibungen aus, also Wertverluste von Geldanlagen. Das betrifft etwa griechische, irische oder portugiesische Staatskredite. Sogar Spanien kann dazukommen, und die Banken besitzen sehr viele dieser Staatspapiere. Wenn diese Geldanlagen weniger wert sind, kann das die Banken ins Wanken bringen. Ihr Eigenkapital würde stark vermindert.
Und was ist mit den Schrottpapieren aus der letzten Krise 2007/08?
Zum Teil sind sie in den Bilanzen immer noch völlig überbewertet, täuschen also Vermögen vor, das es gar nicht gibt. Auch diese Buchungsposten müssen berichtigt werden. Zusammen mit der Euro-Krise kommen Gefahren auf die Banken zu, die vielleicht mit neuen Rettungsschirmen abgefangen werden müssen. Das würde dann wieder mit Steuergeldern finanziert.
Sie sprachen von mehreren Problemen. Was gefährdet außerdem das Wirtschaftswachstum?
Das Geld, das die Regierungen für die Bankenrettung ausgeben, fehlt natürlich bei den öffentlichen Ausgaben. Und wenn die Banken selbst in Schwierigkeiten geraten oder es auch nur befürchten, vergeben sie kaum noch Kredite. Das schwächt die Unternehmensinvestitionen und den Konsum der privaten Haushalte.
FDP-Minister Brüderle hat eine vorsorgliche Erfolgsmeldung abgegeben. Die Arbeitslosigkeit werde im Jahresmittel unterhalb der Drei-Millionen-Marke bleiben. Ist das plausibel?
Das sagt nicht viel aus. Viele Selbständige müssen zu sehr geringen Einkommen arbeiten, und als abhängig beschäftigt gilt schon, wer mehr als 15 Stunden arbeitet.
Eingestellt von Andreas Rudolf um 13:30 Keine Kommentare:
#Dresdener #Frühjahrsgespräch am 7. Mai mit Wolfgang Lieb - Einführung: Was bedeutet "Gegenöffentlichkeit"?
http://www.nachdenkseiten.de/?p=9245
Einführung: Was bedeutet "Gegenöffentlichkeit"?
Volker Bahl, Koordinator für die
Gesprächskreise der "NachDenkSeiten" in Deutschland http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=3921
Vortrag: Demokratie in Not  Empörung ist nicht genug!
Wie aus einem "systemischen Risiko" der Banken ein Risiko für das System wurde  Öffentliche Armut bei privatem Reichtum sprengen das Gemeinwohl
http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/110401_01_DFG_2011_Einl_Flyer.pdf
"Magdeburg #radelnd #erobern": #Faltblattserie mit #Routenvorschlägen [via Landeshauptstadt Magdeburg]
Pressemitteilung von Freitag, 29. April 2011
"Magdeburg radelnd erobern": Faltblattserie mit Routenvorschlägen jetzt im "Otto-Gewand"
Dritte Auflage mit jeweils 10.000 Exemplaren
Achtung, korrigierte Fassung!
Pünktlich zur Eröffnung der diesjährigen Radsaison und zum landesweiten Elberadeltag am Sonntag, dem 1. Mai, ist die erfolgreiche Faltblattserie "Magdeburg radelnd erobern" im neuen Gewand erschienen.
In der mittlerweile dritten Auflage wurden pro Route 10.000 Exemplare gedruckt.
"Wir haben die einzelnen Routenvorschläge der neuen Dachmarke der Landeshauptstadt Magdeburg angepasst, um ein einheitliches Erscheinungsbild aller Ausgaben der Faltblattserie zu erhalten", so der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Dr. Dieter Scheidemann.
"Gleichzeitig wurde die Gelegenheit genutzt, kleinere Aktualisierungen vorzunehmen. So sind beispielsweise die Verknüpfungspunkte der inzwischen auf neun Routen angewachsenen Tourenvorschläge gekennzeichnet, damit eine Kombination der einzelnen Routen noch leichter erkennbar ist.
Darüber hinaus wurden in den Faltblättern auch die Haltestellenbezeichnungen der Magdeburger Verkehrsbetriebe aktualisiert."
Die Neuauflage der Faltblattserie ist ab sofort in den BürgerBüros, bei der Magdeburger Tourist-Information, bei der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH (MMKT) sowie bei der MVB GmbH erhältlich.
Die vorgeschlagenen Strecken und Karten können auch weiterhin im Internet abgerufen werden.
Unter www.magdeburg-radelnd-erobern.de wurde das Erschei-nungsbild der bisher erschienenen Routen ebenfalls der neuen Dachmarke angepasst.
Eingestellt von Andreas Rudolf um 17:04 Keine Kommentare:
Das schmutzige Geheimnis sauberer Windräder um 20:15 Uhr (29.04.) in PANORAMA in #EinsExtra [Business ist eben Business]
um 20:15 Uhr - heute am 29.05.2011 in EinsExtra [ARD-Digital]
Dafür brauchen sie effizientere Generatoren, die sich besonders gut aus diesem Rohstoff herstellen lassen. Neodym wird nahezu ausschließlich in chinesischen Minen abgebaut.
Im nordchinesischen Baotou beispielsweise ist die Umgebung rund um die Fabriken, die das Neodym vom Erz trennen, verseucht.
Die Anwohner sind teilweise schwer krank, das Wasser ist nachhaltig kontaminiert. Studien berichten von einer deutlich erhöhten Krebsrate.
Gregor Gysi: «Das #Bürgertum #läuft #aus #dem #Ruder» [via Nachdenkseiten]
http://www.nachdenkseiten.de/?p=9240#h15
Die Grünen und andere sprachen bisher von einem New Green Deal. Wir brauchen aber einen New Social Green Deal, also einen sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft. Denn eine Gesellschaft ist nur dann bereit, einen solchen anspruchsvollen Weg mitzugehen, wenn der New Green Deal untrennbar mit der sozialen Gerechtigkeit verknüpft wird. Wenn dies nicht der Fall ist, dann können Sie bestenfalls einen Teil der Mittelschichten dafür mobilisieren
Die Grünen sagen zu den vier großen Energiekonzernen: Ihr dürft bleiben, aber euren Profit bezieht ihr künftig nicht aus Atomenergie, sondern aus erneuerbaren Energien. Dann sagen sie: Frau und Mann sollen gleichberechtigt sein. Die Botschaft an die Unternehmen ist: Ihr dürft künftig die Frauen nicht mehr als die Männer ausbeuten. Und Menschen mit Migrationshintergrund sollen so intensiv wie die Deutschen ausgebeutet werden, aber auf keinen Fall mehr, denn das wäre ja ungerecht
Ich hingegen gehe davon aus, dass der Kapitalismus die ökologische Frage im Grundsatz nicht beantworten kann. Weil seine entscheidenden Triebkräfte sich immer gegen das Ökologische wenden. Warum kommen wir denn in der Klimafrage seit Jahrzehnten nicht voran? Weil immer noch die herrschenden wirtschaftlichen Interessen dagegen stehen
Ich muss mir die ökologische Wende leisten können.
Ohne soziale Gerechtigkeit und die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse wird eine ökologische Wende nie ein gesellschaftliches Fundament haben.
http://www.woz.ch/artikel/2011/nr17/international/20656.html
#Spendenaffäre, #Parteiintrigen, #Spiele um #Macht und #Einfluss - alles fast wie im richtigen Leben [Zeitschrift für Medienpsychologie: 2005]
Unterhaltung - Medien - Politik
[Zeitschrift für Medienpsychologie: 2005]
Patrick Rössler, Prof. Dr., Erfurt, Email:
Spendenaffäre, Parteiintrigen, Spiele um Macht und Einfluss - alles fast wie im richtigen Leben. Kleiner Schönheitsfehler:
Es läuft im Fernsehen, Unterhaltung zur Prime Time, beste Sendezeit. Ob Spiele der Macht, Küss mich, Kanzler! oder
- da wird der Regierungschef zwischen Weltpolitik und privaten Sorgen porträtiert, das menschliche Gesicht
des Systems hervorgekehrt (aber - politisch korrekt! - natürlich jede konkrete Parteiorientierung vermieden). Dieser Boom
von Spielfilmen, Mini-Serien und Doku-Soaps im politischen Milieu wird gerne auf den amerikanischen Quotenrenner
zurückgeführt, dessen raffinierte Dramaturgie um die Kommunikationsabteilung des Regierungsstabes Woche
für Woche einem Millionenpublikum zeigt, wie es in der politischen PR vermeintlich zugeht (
Kaiser, 2004; Buß, 2005).
Doch was ist dran am politischen Entertainment (oder umgekehrt: an unterhaltsamer Politikdarstellung), das
Feuilletonisten wie Sozialwissenschaftler gleichzeitig so in Aufruhr versetzt (vgl. etwa
Sarcinelli, 2002)? Dass mit der
speziellen Kombination aus Geschichten im Politik-Milieu und der Art, wie sie erzählt werden, aus 'narratives and
aesthetics', aus Inhalt und Form vielleicht etwas zusammenwächst, was intuitiv nicht zusammengehört, nicht
zusammengehören darf  aber warum eigentlich? Weil Politik etwas Ernsthaftes ist, das nicht ins Lächerliche (oder gar
Seichte) gezogen werden sollte? Weil Politiker befürchten, ihr Image und das des politischen Systems könnte leiden,
wenn der Blick auf die sorgfältig verborgene Hinterbühne fällt? Weil fiktionale Politikdarstellung möglicherweise die realen
Machtverhältnisse ändern, Stimmungen beeinflussen, Wahlen entscheiden könnte? [
1] Weil - und das steht hinter all
diesen Befürchtungen - der einzelne Zuschauer bestenfalls im Rezeptionsprozess, aber nicht mehr bei Verarbeitung und
Einstellungsbildung zwischen politischer Realität und Fiktion unterscheiden kann?
Es besteht Grund zur Annahme, dass es sich hierbei um den Spezialfall einer allgemeinen, oft beklagten
Fehlwahrnehmung handelt, nämlich dem scheinbaren Gegensatz zwischen Information (oft mit politischer Information
gleichgesetzt) und Unterhaltung. Beide sind nicht etwa Pole derselben Skala, obwohl sich dies im Sprachgebrauch von
Medienmachern wie (wissenschaftlichen) Beobachtern noch immer hartnäckig hält - wenn Programmschemata die
Sendungen beispielsweise traditionell den Bereichen Information oder Unterhaltung zuordnen. Aber nicht nur
Hybridformate wie 'Infotainment' verdeutlichen, dass es sich dabei um zwei unterschiedliche Dimensionen handelt, die
analytisch unabhängig voneinander zu betrachten sind. Oder wie
Elisabeth Klaus bereits 1996 treffend formulierte: "Das
Gegenteil von Information ist Desinformation, das Gegenteil von Unterhaltung ist Langeweile." Wesentlich ist freilich, dass
sich in der Vereinfachung eine ideologische Wertung (
Mikos, 2005) ausdrückt, die das Informative als 'gut' und das
Unterhaltende als 'böse' ansieht.
Hinzu kommt, dass es sich bei diesen Dimensionen gerade nicht um Angebots-, sondern um Rezeptionskategorien
handelt. Unterhaltung ist einer viel zitierten Trivia zufolge, was den Zuschauer unterhält, und Information eben das, was
ihn informiert [
2] , und zuweilen tun Programme beides gut oder keines. Und in gut gemachtem Infotainment - d.h.
solchem, das sich "nicht im Schein der medialen Inszenierung auflöst" - liegt sogar eine Chance für den Einzelnen, wie
Meyer (2001, S. 195)
verdeutlicht: "Infotainment ist keineswegs per se der Feind der Information, sondern kann vielmehr
durch seinen Grundton von Unterhaltung, Spannung und emotionaler Beteiligung einen Zugang zum Verständnis von
Sachzusammenhängen eröffnen, der sonst für die meisten eher versperrt bliebe. Darin besteht sein demokratisches
Was lernen wir daraus für die Vorbehalte gegenüber
West Wing und Kanzleramt? Zum einen, dass vieles davon vielleicht
ganz simpel an der negativen Aufladung liegt, die mit Unterhaltung oft (noch) verbunden ist - in diese Niederungen sollte
sich die ernsthafte Politik dann besser nicht begeben. Zum anderen, dass vielleicht die Chance nicht erkannt wird, ganz
im Sinne von "Entertainment Education"-Konzepten (
Singhal, Cody, Rogers & Sadibo, 2004) Bevölkerungskreise
zumindest rudimentär wieder für politische Themen zu interessieren, die sich ansonsten aus dem Prozess der
demokratischen Willensbildung schon weitgehend verabschiedet haben. Deswegen lautet im Einzelfall die entscheidende
Frage: Ist dieses Stück Politainment Desinformation?
Zugespitzt stellt sich dieses Problem sicherlich im Falle des Boulevard-Journalismus. Klassisches Beispiel ist hier die
BILD-Zeitung, die sich - in jüngerer Zeit wieder verstärkt und mit den für sie spezifischen Stilmitteln und thematischen
Frames - (gesellschafts-)politischen Themen mit großem Engagement zuwendet. Das Zitat des BILD-Chefredakteurs,
wonach "guter Boulevard () immer auch außerparlamentarische Opposition" sei (
Reinemann, 2005), verdeutlicht den
Anspruch dieser Mediengattung, außer zur Unterhaltung ebenso zur politischen Willensbildung beitragen zu wollen.
Spektakuläre Aktionen wie beispielsweise das
Kinder-Hartz IV, bei dem die Knirpse den Inhalt ihrer Sparschweine offen
legten, sind aus Sicht der Wirkungsforschung nicht unproblematisch.
Denn als ein möglicher Effekt dieser unterhaltsamen Politikdarstellung wird vermutet, dass Massenmedien durch die Logik
ihrer Berichterstattung (und insbesondere ihre Präferenz für 'Inszenierungspolitiker'; Falter, 2002) zur
Politikverdrossenheit ihres Publikums beitragen. Nicht nur durch den klassischen Skandal- und
'Verdächtigungsjournalismus', sondern gerade auch durch die Banalisierung von Politik in Unterhaltungsformaten kann
die individuelle Entfremdung vom politischen System zunehmen. Politik, nur mehr als Spielart des
Unterhaltungsgewerbes, könnte zu einer Art "Aktualitätenkino mit prominenter Besetzung" (das so genannte
"Christiansen-Syndrom") verkommen (Sarcinelli, 2004, S. 422), das den Zuschauern ihr Vertrauen in die
Funktionsfähigkeit des politischen Systems nimmt.
Wie so oft sind die empirischen Befunde allerdings nicht eindeutig, und gerade neuere Analysen (Wolling, 1999; Maurer,
2003) kommen zu differenzierten Einschätzungen: Im Einzelfall ergibt sich gar ein positiver Zusammenhang zwischen der
Nutzung von Unterhaltungsangeboten im Fernsehen und Institutionenvertrauen, Demokratiezufriedenheit und politischer
Partizipation, je nach Medientyp und Art der Berichterstattung - so etwa im Fall von Vorbild-Effekten durch
Unterhaltungsangebote wie das Forsthaus Falkenau, die quasi durch die Hintertür umweltpolitisches Engagement
propagieren: "Die Menschen sind handlungsbereit im Sinne des klassischen Republikanismus und stellen private
Interessen da, wo Gefahr im Verzug ist, hinter die Erfüllung einer Gemeinwohlnorm - hier konkret: den Schutz von Pflanze
und Tier - zurück" (Dörner & Vogt, 2002, S. 77). Insgesamt finden sich, wie auch Dörner (2001) bilanziert, nur wenige
Hinweise auf eine generelle Entfremdung von Mediennutzer/inne/n durch mediale Unterhaltung und Politainment.
Keinesfalls kann von einer pauschalen Bestätigung der Medienmalaise-Hypothese ausgegangen werden.
Viele der populären Vorwürfe im Zusammenhang mit der Medialisierung von Politik vereint die vor einigen Jahren intensiv
diskutierte "Amerikanisierungsthese" (vgl. ausf. die Beiträge in Kamps, 2000). Ihr zufolge stünde in der Politik "Hollywood
Ante Portas" (S. 11), eingebettet in einen Diskurs, der einen einseitigen Kulturtransfer der US-amerikanischen Massenund
Popkultur auf unsere Werte, hier im Bereich der politischen Kultur, unterstellt. Ein zentrales Wesensmerkmal dieses
Transfers ist die Dominanz des Visuellen und des vordergründigen Scheins, was Wahlkämpfen eine gewisse Theatralität
verleiht (Meyer, Schicha & Brosda, 2002). Deren wesentliches dramaturgisches Prinzip ähnelt einem sportlichen
Wettkampf mit Sieger und Besiegten, und es gibt tatsächlich Hinweise auf einen auf den ersten Blick eher kruden
Zusammenhang zwischen einem speziellen Typ medialer Unterhaltungsdarbietungen - dem Sport, genauer gesagt: dem
Fußball - und dem politischen Prozess. Basierend auf dem Ansatz der 'Public Mood', einer generalisierten Stimmung, die
weite Teile der Öffentlichkeit synchron erfasst, zeigen Zeitreihenanalysen den Einfluss von Spielergebnissen der
Nationalmannschaft und deren Rezeption in der "Stimmungskanone Fernsehen" (S. 280) auf die Popularität von
Spitzenkandidat/inn/en, und dies sogar im langfristigen Trend (Zeh & Müller-Klier, 2004).
Gerade die medial erzeugten Kandidatenimages scheinen durch unterhaltungsorientierte Medienangebote beeinflussbar
(aus attributionstheoretischer Sicht: Försterling, 2000). In einer viel beachteten Reihe von Experimenten benutzte ein
psychologisches Forschungsteam um Norbert Schwarz jüngst Bilder des Präsidenten Bush als Prime - sie erzeugten
dadurch unter ihren Proband/inn/en kurzfristig aggressivere Reaktionen als nach dem Betrachten 'neutraler' Bilder, und
zwar unabhängig von deren politischer Voreinstellung (Konrath, Meier & Schwarz, 2004).
Der Gesamteindruck ist also ambivalent, worauf bereits Dörner in seiner Analyse von "Politik in der medialen
Erlebnisgesellschaft" (2001) hinweist. Seine Argumentation beruht zwar weniger auf empirischen Befunden wie den oben
genannten, sondern eher auf einer interpretativen Betrachtung einzelner Fallbeispiele - mit Blick auf die Rezeptionsseite
identifiziert auch er jedoch fünf wesentliche Grundzüge: Erstens wird Politik im Unterhaltungsformat immer als eine
personalisierte und auf einfache Grundkonstellationen reduzierte Wirklichkeit dargestellt, was eine Entpolitisierung im
Privaten bewirken könnte; zweitens steht die emotionale Komponente im Vordergrund, was auch eine positive
Grundstimmung erzeugen und Entfremdungstendenzen entgegenwirken könnte; drittens werden auch politische
Modellidentitäten angeboten, die Moralität, Zivilcourage und Bereitschaft zum Engagement propagieren; viertens wird
'gute Politik' in der Regel belohnt, was auf das Publikum ermutigend wirken kann; und fünftens fungiert die
Unterhaltungsöffentlichkeit als Forum zur Vermittlung geteilter politisch-kultureller Traditionsbestände.
Besonders trickreich wird es freilich, wenn gerade das hier beschriebene Spannungsfeld von Politik und Medien in
Unterhaltungsangeboten selbst thematisiert wird. Das tut nicht nur West Wing, sondern der Journalismus als Widerpart
der Politik und die Welt des Entertainment als Gegenentwurf zur politischen Bühne gehören zum Standardrepertoire der
Plots: Ob in den Spielen der Macht oder dem Hollywood-Klassiker Wag the Dog - die Verschränkung zwischen Politik und
Medien birgt enorme dramaturgische Möglichkeiten, weil das ständige Ringen zwischen Öffentlichkeit und nichtöffentlichen,
ja sogar geheimen Vorgängen eine prächtige Kulisse abgibt.
Auf der Suche nach möglichen Wirkungen solcher Angebote stößt man schnell auf den so genannten Third-Person-Effekt:
Menschen neigen dazu, (negativen) Medieninhalten eine größere Wirkung auf andere als auf sich selbst zuzuschreiben.
Gründe für diese Diskrepanz können sein, dass Menschen ein positives Selbstbild aufrechterhalten wollen - aber auch,
dass Urteile auf gesellschaftlicher Ebene möglicherweise auf anderer Grundlage gefällt werden, beispielsweise eben auf
Grund von Medienberichten (Brosius & Engel, 1996). Gerade wenn Unterhaltungsangebote das Verhältnis von Politik und
Medien kritisch behandeln, könnte dies Zuschauer vielleicht vermuten lassen, es habe Wirkungen auf das Publikum im
Allgemeinen. Mögliche Konsequenzen liegen dann freilich nicht im Bereich der Politik, sondern der Medien: Empirische
Studien deuten darauf hin, dass sich mit steigender Wirkungsvermutung auf andere tendenziell auch die Bereitschaft
erhöht, einer Kontrolle entsprechender Medieninhalte - in unserem Fall könnte dies z.B. Politainment bedeuten -
zuzustimmen (Rucinski & Salmon, 1990).
"Willkommen in der Wirklichkeit", heißt es an einer Stelle in den Spielen der Macht. Vielleicht ist tatsächlich dies die letzte,
große Befürchtung, die Politiker und Feuilletonisten eint - dass nämlich irgendwann die unterhaltsame Fiktion (die sich
immer zumindest ein Stück weit an den realen Verhältnissen orientieren muss, um plausibel zu bleiben) so realistisch
daherkommt, dass sie für Wirklichkeit gehalten wird  und gleichzeitig ist längst "die mediale Inszenierung ein guter Teil
der Wirklichkeit der Politik in der Mediengesellschaft" geworden (Meyer, 2001, S. 200).
Brosius, H.-B. & Engel, D. (1996). The cause of third-person effects: unrealistic optimism, impersonal impact,
or generalized negative attitudes toward media influence. International Journal of Public Opinion Research, 8,
Buß, C. (2005). Menschen mit Macht. TV-Held Bundeskanzler. Spiegel [On-line], 04. Januar 2005. Verfügbar
unter: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,335426, 00.html [26.02.2005].
Dörner, A. (2001). Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt: Suhrkamp.
Dörner, A. & Vogt, L. (2002). Das Forsthaus als eine moralische Anstalt betrachtet. Politikvermittlung zur Prime
Time. Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. . Vorgänge-Zeitschrift für Bürgerrechte und
Gesellschaftspolitik, 158(2), 70-79.
Falter, J. (2002). Politik im medialen Wanderzirkus. Wie Inszenierung die Politikverdrossenheit befördert.
Vorgänge-Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, 158(2), 5-9.
Försterling, F. (2000). Wahlen aus der Perspektive der Attributionstheorie: Forschungsergebnisse,
Versuchspläne und Analyseperspektiven. In H. Bohrmann, O. Jarren, G. Melischek & J. Seethaler (Hrsg.),
Wahlen und Politikvermittlung durch Massenmedien (S. 91-120). Opladen: Westdeutscher Verlag.
Kaiser, A. (2004). Der Positivkanzler: Wie ARD und ZDF die Berliner Politik verfilmen. Die Zeit [On-line], 52.
Verfügbar unter: http://zeus.zeit.de/text/2004/52/Kanzlerfilme_neu [26.02.2005].
Kamps, K. (Hrsg) (2000). Trans-Atlantik - Trans-Portabel? Die Amerikanisierungsthese in der politischen
Klaus, E. (1996). Der Gegensatz von Information ist Desinformation, der Gegensatz von Unterhaltung ist
Langeweile. Rundfunk und Fernsehen, 44(3), 402-417.
Konrath, S., Meier, B. P. & Schwarz, N. (2004). Seeing President Bush: presidential pictures prime aggressive
thoughts, perceptions, and behaviors [On-line]. Available:
http://sitemaker.umich.edu/skonrath/files/aps_political_primes. pdf [26. 02. 2005].
Maurer, M. (2003). Politikverdrossenheit durch Medienberichte. Konstanz: UVK.
Meyer, T., Schicha, C. & Brosda, C. (2002). Die Theatralität des Wahlkampfs. Politische Kampagnen und
sozialwissenschaftlicher Theatralitätsbegriff. Vorgänge-Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik,
158(2), 23-31.
Mikos, L. (2005). Unterhält Unterhaltung? Für eine differenzierte Betrachtung der Rezeption von
Unterhaltungsangeboten im Fernsehen. Vortrag auf der Tagung: "Unterhaltung durch Medien", Fachgruppe
Rezeptionsforschung der DGPuK, Zürich.
Reinemann, C. (2005). Guter Boulevard ist immer auch außerparlamentarische Opposition. Strategien und
Wirkungen der BILD-Zeitung am Beispiel von Hartz IV. Vortrag auf der Tagung: "Medien als Akteure im
politischen Prozess", Fachgruppe Kommunikation und Politik der DGPuK, Stuttgart-Hohenheim.
Rucinski, D. & Salmon, C. T. (1990). The other as the vulnerable voter: a study of the third-person effect in the
1988 U.S. presidential campaign. International Journal of Public Opinion Research, 2, 345-368.
Sarcinelli, U. (2002). Politik als "legitimes Theater"? Über die Rolle des Politischen in der Mediendemokratie.
Vorgänge-Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, 158(2), 10-22.
Sarcinelli, U. (2004). Das "Christiansen-Syndrom": Politik zwischen Medien- und Verhandlungsdemokratie.
Forschung & Lehre, 8, 422-424.
Singhal, A., Cody, M. J., Rogers, E. M. & Sadibo, M. (Hrsg) (2004). Entertainment-education and social
change: history, research, and practice. Mahwah: Lawrence Erlbaum.
Wolling, J. (1999). Politikverdrossenheit durch Massenmedien? Der Einfluss der Medien auf die Einstellungen
der Bürger zur Politik. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Zeh, R. & Müller-Klier, M. (2004). Unsportliche Wirkungen - Fußball und Politik. In P. Rössler, H. Scherer & D.
Schlütz (Hrsg.), Nutzung von Medienspielen - Spiele der Mediennutzer (S. 77-94). München: R. Fischer.
1. Für illustrative Fallbeispiele vgl. ausf. Dörner (2001, S. 11ff.) mit einer Analyse aus der ersten Amtszeit des
"Medienkanzlers" Gerhard Schröder, der "die Geister, die er () gerufen hatte, () nun nicht mehr los" wurde (13).
2. Dies bedeutet freilich nicht, dass auf der Ebene der empirischen Messung schlicht und ausschließlich dasjenige
Angebot als "Unterhaltung" bezeichnet werden sollte, zu dem Befragte äußern, sie haben "sich unterhalten".
Studie: Von den #Grundlagen #zur #Therapie #der #Sozialen #Angst
Technische Universität Dresden, Mathias Bäumel, 28.04.2011 12:26
Das Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden
startet im Mai eine weitere vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) geförderte Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit von
psychotherapeutischen Therapieelementen in der Praxis.
Soziale Angst, der Fachbegriff dazu lautet "Soziale Phobie", ist eine
vergleichsweise häufige psychische Krankheit, die etwa 10% der Bevölkerung
im Laufe Ihres Lebens betrifft. Die Betroffenen leiden dabei unter starken
und immer wiederkehrenden Ängsten, wenn sie sich in Leistungs- oder
Bewertungssituationen befinden.
"Das kann der Vortrag im Seminar, ein Termin mit dem Chef, aber auch einfach
das Gespräch mit Freunden sein", erklärt Dipl.-Psych. David Bräuer (30).
"Das entscheidende an der Sozialen Phobie ist, dass die Betroffenen befürchten,
sich peinlich zu verhalten oder einen negativen Eindruck zu hinterlassen."
Betroffene ertragen die Situation nur unter starken Ängsten oder vermeiden
die Angst auslösenden Situationen ganz. Das führt nicht nur zu erheblichem
Leiden, sondern auch zu Beeinträchtigungen in der Lebensführung,
einschließlich beruflicher oder sozialer Nachteile. Selbstwertprobleme,
Substanzmissbrauch und Depression gehören zu den Folgeproblemen.
Die Tendenz der Betroffenen, ihre Probleme nicht mit anderen zu besprechen,
führt auch dazu, dass ihre Probleme oft nicht richtig erkannt und
behandelt werden. Dabei ist die Soziale Phobie mit psychotherapeutischen
Methoden, insbesondere der Verhaltenstherapie, sehr gut behandelbar.
Prof. Jürgen Hoyer (52), Leiter der Institutsambulanz und Tagesklinik der
TU-Dresden (IAP) koordiniert und betreut aktuell drei Forschungsprojekte,
die die Soziale Phobie zum Thema haben. "Als praktizierender Forscher oder
forschender Praktiker interessiert mich natürlich einerseits, welche
gedanklichen, emotionalen und körperlichen Prozesse bei der Sozialen
Phobie eine Rolle spielen. Anderseits ist die Therapie von sozialen
Ängsten zwar vergleichsweise erfolgreich, wir wissen jedoch noch nicht,
welche psychotherapeutische Technik bei wem am besten funktioniert."
Die aktuellen Forschungsprojekte, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) und dem BMBF finanziert werden, untersuchen dabei unterschiedliche
Aspekte der Sozialen Angst, von Grundlagenforschung bis zur Psychotherapie.
"Es gibt eine Vielzahl von Fragen, die wir im Moment noch nicht beantworten
können, z. B. ob sich bei Menschen mit Sozialer Angst Veränderungen im
Hormonhaushalt oder bei der Herzrate finden", ergänzt Dipl.-Psych. Dr. Stephen
Crawcour (31), "Wir wissen auch nicht, ob sich an Universitäten entwickelte
Therapieinstrumente 1:1 in die Praxis überführen lassen."
Für einige Fragestellungen reicht jedoch ein Forschungszentrum nicht aus.
"Die enge Kooperation mit anderen Universitäten, in unserem Fall mit
Göttingen oder Frankfurt am Main, ist dabei grundlegend. Wir freuen uns,
dass wir in der neusten Studie das Koordinationszentrum sind", sagt Hoyer.
Aktuell sucht die Institutsambulanz und Tagesklinik noch Patienten und
Kontrollpersonen, die im Rahmen von einer der Studien teilnehmen möchten.
Weiterführende Informationen erhalten Interessierte im Internet unter
http://psychologie.tu-dresden.de/sozialephobie, telefonisch unter 0351
463-36954 (Dipl.-Psych. David Bräuer) oder per Mail an sp-
studie@psychologie.tu-dresden.de.
http://idw-online.de/de/news420203
Eingestellt von Andreas Rudolf um 00:53 Keine Kommentare:
Über das deutsche Schulsystem - Ringvorlesung "Bildung und Bildungsideale".
Fachhochschule Erfurt, Roland Hahn, 28.04.2011 08:12
Vierte Veranstaltung der Ringvorlesung "Bildung und Bildungsideale".
Prof. Dr. Klaus Jürgen Tillmann (Berlin) referiert am Dienstagabend des
03.05. 2011 um 18:00 im Rathausfestsaal zum Thema "Viel Selektion  wenig
Leistung. Ein empirischer Blick auf Erfolg und Scheitern im deutschen
Schulsystem".
Alle drei Jahre liefert die PISA-Studie ein "Röntgenbild" des deutschen
Schulsystems, das auf massive Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten
verweist: Etwa ein Fünftel der Heranwachsenden verlässt mit äußerst
dürftigen Kompetenzen die Schule  ihre berufliche und wohl auch
gesellschaftliche Integration ist massiv gefährdet. Das deutsche
Schulsystem ist in der sozialen Auslese und in der Produktion von
Schulscheitern "Spitze", zugleich kann es im internationalen Vergleich bei
den Spitzenleistungen meist nicht mithalten.
In dem Vortrag wird eine differenzierte Analyse von Erfolg und Versagen
des Schulsystems vorgelegt  zugleich wird nach bildungspolitischen und
pädagogischen Alternativen gefragt.
Die gemeinsame Ringvorlesung von Universität und Fachhochschule Erfurt
steht im Sommersemester 2011 unter dem Motto "Bildung und Bildungsideale".
Die mit Unterstützung beider Fördergesellschaften, der Stadtverwaltung
Erfurt und der HELIOS Klinikum Erfurt GmbH veranstaltete und von der
Thüringer Allgemeine präsentierte populäre Reihe der Ringvorlesung bietet
jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr im Rathausfestsaal) in insgesamt 12
Veranstaltungen Vorträge ausgewiesener Experten. Die Veranstaltungen am
26.04. und 05.07. finden im Audimax der FH Erfurt, Altonaer Str. 25 statt.
Den Abschlussvortrag hält am 5. Juli Prof. Dr. Ronald Lutz, Erfurt.
Programm: <www.uni-erfurt.de/ringvorlesungen>
Nächster Termin in der Reihe: 10. Mai, 18.00 Uhr, Rathausfestsaal, "Sind
die Jungen die neuen Bildungsverlierer?", Prof. Dr. Marianne Horstkemper,
Professor Tillmann:
Klaus Jürgen Tillmann ist Erziehungswissenschaftler und emeritierter
Professor für Schulpädagogik. Bis 2009 hatte er eine Professur für
Schulpädagogik an der Universität Bielefeld inne und war
wissenschaftlicher Leiter der Laborschule Bielefeld, einer Reformschule,
die 1974 von Hartmut von Hentig gegründet worden ist. Tillmann ist Autor
zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen zur empirischen
Bildungsforschung und Schultheorie und u. a. Mitherausgeber der deutschen
Pisa-2000-Studie.
http://idw-online.de/de/news420105
Eingestellt von Andreas Rudolf um 00:44 Keine Kommentare:
25 Jahre nach der #Waldheim-Wahl [via PROFIL]
Studie: Der Antisemitismus hat abgenommen  aber nur in geringem Ausmaß
http://www.profil.at/articles/1116/560/294714/25-jahre-waldheim-wahl
Die Plakate waren in giftigem Gelb gehalten, was Kritiker für ein Zitat der Farbe des Nazi-"Judensterns" hielten. "Wir wählen, wen wir wollen!", stand darauf in blutroter Schrift. Und: "Jetzt erst recht!"
Waldheim rechtfertigte sich trotzig: Er habe von nichts gewusst, nichts gesehen und nur seine Pflicht erfüllt. Die Begleitmusik lieferte die damals unter Alois Mock noch weit bärbeißigere ÖVP und vor allem die "Kronen Zeitung". Mit antisemitischen Untertönen wurde der Waldheim besonders scharf kritisierende World Jewish Congress attackiert. Die "Ostküste" lautete der Kampfbegriff des Waldheim-Lagers. "Freche Juden" wagte man dann doch nicht zu sagen.
Eine Zeitenwende waren die Tage in jenem Frühjahr vor 25 Jahren vor allem aber aus einem anderen Grund: Erstmals erzwang die ab diesem Zeitpunkt so genannte "Zivilgesellschaft" eine Debatte über die Mitverantwortung Österreichs an den NS-Verbrechen. "Da ist vieles an die Oberfläche gekommen. Die Staatsbürger konnten gar nicht umhin, sich mit der Frage nach den Schuldanteilen von Österreichern zu beschäftigen", erinnert sich Franz Vranitzky, der 1991 mit einer viel beachteten Erklärung im Nationalrat als erster Kanzler der Zweiten Republik für Österreich die ­"moralische Mitverantwortung für die Taten unserer Bürger" übernahm: "Viele Österreicher waren an den Unterdrückungsmaßnahmen und Verfolgungen des Dritten Reichs beteiligt, zum Teil an prominenter Stelle."
Die "Kronen Zeitung" tobte und schrieb von Verrat an der "Soldatengeneration".
Einer, der sich seit 1986 für die qualvolle Debatte und ihre medialen Ausläufer interessierte, war der Kommunikationswissenschafter Maximilian Gottschlich von der Universität Wien. Nach der Waldheim-Wahl fand er nach einer umfangreichen Inhaltsanalyse österreichischer Tageszeitungen heraus, dass in knapp einem Viertel der untersuchten Wahlkampfberichte antijüdische Ressentiments anklangen, vor allem in der "Krone". Die Auswirkungen auf das Denken der Österreicher waren entsprechend. Wie Gottschlich 1986 erhob, waren zwei von drei Befragten der Meinung, die Juden würden die internationale Geschäftswelt beherrschen, fast 40 Prozent dachten, die Juden seien an ihrer Verfolgung zum Teil selbst schuld, und 16 Prozent wollten, wie schon seinerzeit die Nazis, überhaupt keine Juden im Land haben.
Das Ergebnis: Die Debatten der Waldheim-Jahre haben Spuren im Bewusstsein der Österreicher hinterlassen  allerdings weniger als wünschenswert. "Nur" ein Drittel und nicht wie noch 1986 zwei Drittel sieht die Juden als Drahtzieher im Big Business; dass diese selbst an ihrer Verfolgung schuld seien, meinten 28 Prozent, und immer noch zwölf Prozent wollen ein "judenfreies" Österreich.
Gottschlichs Fazit: "Der Diskurs ist nur sehr bedingt ins öffentliche Bewusstsein eingesickert." Der "harte" Antisemitismus sei merkbar zurückgegangen  ein beunruhigend starker Sockel sei aber geblieben: Immerhin 22 Prozent der Österreicher sind voll oder zumindest teilweise der Meinung, das Land brauche "mutige Politiker, die ihre Stimme gegen den jüdischen Einfluss erheben". Und: "Es ist eindeutig eine gewisse Erinnerungsmüdigkeit zu konstatieren." Die Hälfte der Österreicher meint, man habe sich nun ausführlich genug mit der NS-Zeit beschäftigt.
Schlau hatte Nachkriegsösterreich die "Moskauer Deklaration" der Alliierten aus dem Jahr 1943 zu seinem Gründungsdokument erklärt. "Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte", hieß es dort historisch zwar nicht ganz korrekt, aber recht praktisch für den politischen Gebrauch in der neuen "Zweiten" Republik. Auf "Österreich  das erste Nazi-Opfer" verkürzten das die Nachkriegs-Ösis listig.
Dieser zentrale Bewusstseinsinhalt der Republik ist eine flagrante Lebenslüge. Denn gleich im nächsten Satz der Moskauer Deklaration hieß es: "Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt." Diese Passage wurde im offiziellen Gebrauch freilich weit seltener zitiert. Erst Franz Vranitzky griff sie 1991 in seiner Rede vor dem Nationalrat wieder auf.
Manche Gründerväter empfanden im April 1945 das Kriegsende auch keineswegs als "Befreiung von der deutschen Herrschaft", wie sie dem "Opfer" Österreich in der Moskauer Deklaration versprochen worden war.
Karl Renner, immer noch ein Großdeutscher, klagte gegenüber Beamten in der Staatskanzlei, der Anschlussgedanke sei "nicht durch unsere Schuld gescheitert. Uns bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu verzichten." Dem Schicksal der ermordeten Juden stand er eher desinteressiert gegenüber, schreibt Renner-Biograf Walter Rauscher. "Es wäre doch unverständlich, dass man jeden kleinen jüdischen Kaufmann oder Hausierer für seinen Verlust entschädigt", nicht aber seine SPÖ, entfuhr es ihm, als die Rückgabe der 1934 von den Austrofaschisten beschlagnahmten Partei-Immobilien stockte.
Renner war freilich nicht der einzige Politiker, dem die Juden egal, wenn nicht gar zuwider waren. Bundeskanzler Leopold Figl (ÖVP), der selbst sechs Jahre im Konzen­trationslager inhaftiert gewesen war, weigerte sich im September 1946, 500 in Rumänien gestrandete Juden aufzunehmen, weil dies zu "Überfremdung" und zum "Aufleben des Antisemitismus" führen würde. Alle von den Nazis instrumentalisierten Vorurteile saßen auch tief im KZ-Opfer Figl. Als Beleg für die "Duldsamkeit" der Österreicher gegenüber den Juden führte er 1947 an, er wisse von einem Juden in Bad Gastein, der schon 120.000 Schilling und vier Anzüge erwirtschaftet habe: "Das österreichische Volk ist nicht so geschäftstüchtig."
Als 1952 im Ministerrat wieder einmal über einen Restitutionsantrag von vertriebenen Österreichern jüdischer Herkunft beraten wurde, warf  sieben Jahre nach Kriegsende!  ein Regierungsmitglied die Frage auf, wie viele österreichische Juden wohl von den Nazis ermordet worden seien. Dafür hatte sich zuvor noch niemand inter­essiert. Die Zahl jüdischer Opfer sei wohl "verhältnismäßig gering", meinte SPÖ-­Vizekanzler Adolf Schärf. So sah das auch Bundeskanzler Leopold Figl: Die großen Deportationen hätten ja erst 1942 begonnen, "da waren unsere Juden gewöhnlich schon fort".
Im selben Jahr 1952 würdigten die "Salzburger Nachrichten" "die deutschen Soldaten ... die im letzten Krieg einen Heldenkampf fochten, um die Flut aus dem Osten einzudämmen." Chefredakteur des Blattes war damals der ehemalige Heimwehr-Mann Gustav Canaval, der ebenfalls mehrere Jahre im KZ zugebracht hatte.
Flut aus dem Osten. So tief ging das mit Nachsicht aller Taxen auch als Harmoniebedürfnis einer irrenden und leidenden Generation interpretierbare Verdrängen, dass selbst entschiedene NS-Gegner haarsträubende Reaktionen an den Tag legten. Als etwa der junge Journalist Oscar Bronner (heute Herausgeber des "Standard") 1965 in einer Artikelserie in der Debatten-Zeitschrift "Forum" nachwies, dass viele der amtierenden Richter und Staatsanwälte während der NS-Zeit Todesurteile verhängt hatten, reagierte der linke Justizminister Christian Broda (SPÖ) dem Zeitgeist entsprechend: Er kündigte an, künftig nicht mehr für das "Forum" zu schreiben.
Im bis 1949 von den alliierten Besatzern regierten Deutschland verlief die Geschichte etwas anders, weil die "Umerziehung" zur Demokratie konsequenter betrieben wurde. Dennoch waren noch 1958 nicht weniger als 33 der 47 Leitungspositionen im Bundeskriminalamt mit ehemaligen SS-Männern besetzt. Konrad Adenauers Kanzleramtsminister Hans Globke hatte an den Nürnberger Rassegesetzen mitgearbeitet. Der KZ-Arzt Aribert Heim (ein gebürtiger Steirer), Jahrgang 1914, hatte bis 1962 eine gut gehende Gynäkologie-Praxis in Baden-Baden betrieben, bevor ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde und er untertauchte. Zeugen wollen Heim noch vor zwei Jahren in Argentinien gesehen haben. Wahrscheinlich ist er aber schon seit 1992 in Kairo. Als Israel 1961 dem Cheflogistiker des Holocaust Adolf Eichmann den Prozess machte, erwog die deutsche Bundesregierung, Eichmann die besten Anwälte zu schicken. So wollte man verhindern, dass der Angeklagte womöglich Belastendes über hohe Funktionäre der Bundesrepublik ausplauderte.
In Österreich sollte die Debatte im Gefolge der Waldheim-Wahl wie ein reinigendes Gewitter wirken. Freilich: Noch im selben Jahr trat der neue FPÖ-Chef Jörg Haider auf den Plan, bezeichnete die österreichische Nation als eine "Missgeburt", lobte später die ­Beschäftigungspolitik der Nazis und traf alte SS-Haudegen in Krumpendorf. Die Diskussion über die NS-Vergangenheit bekam nun eine tagespolitische Komponente, was dem Diskurs nicht wirklich nützte.
Am Fall Waldheim scheiden sich jedenfalls nach wie vor die Geister. Jene, welche die damalige Debatte als "wichtig für Österreich" bezeichnen, ordnen sich zu 60 Prozent links der Mitte ein; diejenigen, die die Waldheim-Causa noch heute als "gezielte Diffamierung" sehen, gehören zu 65 Prozent dem Rechts-der-Mitte-Spektrum an.
Fast noch beunruhigender ist eine andere Zahl: 80 Prozent der Österreicher unter 35 haben noch nie etwas von einem "Fall Waldheim" gehört.
Eingestellt von Andreas Rudolf um 00:15 Keine Kommentare:
#Deutschland #ist #ein #Niedriglohnland. [eben #genial #innovativ ...] (Neues Deutschalnd vom 29.04.2011) [
[Neues Deutschland vom 29.04.2011]
Deutschland ist ein Niedriglohnland. Über eine Million Menschen bekommen Leistungen vom Amt, weil der Lohn nicht zum Leben reicht. Im Buch »Arm wegen Arbeit«, das gestern in Berlin vorgestellt wurde, kommen diejenigen zu Wort, die unter miesen Arbeitsbedingungen leiden, aber auch jene, die dagegen kämpfen.
Der Satz aus dem Frühkapitalismus »Weil du arm bist, musst du früher sterben« habe in Deutschland wieder einen hohen Wahrheitsgehalt, sagte der Publizist Günter Wallraff am Donnerstag. Zusammen mit seinen Co-Herausgebern, dem ver.di-Chef Frank Bsirske und dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) Franz-Josef Möllenberg, stellte er in Berlin ein eindrucksvolles Buch vor  eine beispielgespickte Untermauerung der Forderung nach dem gesetzlichen Mindestlohn.
»Leben ohne Mindestlohn. Arm wegen Arbeit.« heißt es und wirft einen Blick auf den weiter wachsenden Niedriglohnsektor. Zusammengestellt wurde das Buch, das einer Idee der »Initiative Mindestlohn«  einer Kampagne von Gewerkschaften, Organisaionen und Einzelpersonen  entspringt, von den Journalisten Marc Brinkmeier und Ulrich Jonas. Wallraff selbst hatte für die Initiative im Jahr 2008 undercover als Niedriglöhner in einer Fabrik angeheuert, die für den Discounter Lidl Brötchen backt.
Das Buch zeichnet ein düsteres Bild von der Arbeitssituation in Deutschland. »Würde ist ein Begriff, der in der Arbeitswelt nicht (mehr) in Gebrauch ist«, schreibt Wallraff in seinem Vorwort und spricht von »Würde zu Schleuderpreisen« oder »Ein-Euro-Würde«. Die Namen der im Buch Zitierten sind geändert, Fotos so aufgenommen, dass Gesichter nicht zu erkennen sind. Denn Repressalien sind keine Seltenheit, und die gewerkschaftliche Organisationsarbeit wird von manchem Arbeitgeber offen bekämpft, weiß Bsirske zu berichten.
Simone Fichtner ist Leiharbeiterin in einer Kleinstadt bei Dresden. Sie schreibt, dass sie 300 Euro weniger verdient als die Stammbeschäftigten und auf 850 Euro monatlich kommt; zum Leben zu wenig. Ein großer Teil des Lohnes geht für die Miete in Dresden und Benzingeld drauf, weil Fichtner jeden Tag 30 Kilometer pendelt. Ein Zweitjob ist zeitlich nicht drin, schreibt sie weiter. Darum freue sie sich, »wenn meine Mutti mir einen Schein zusteckt«. Simone Fichtner ist 47 Jahre alt. »Für jeden Fall, der im Buch geschildert wird, gibt es 1000 andere«, sagte Wallraff.
Per Definition gilt als Niedriglohn, was unterhalb zwei Dritteln des Durchschnittslohnes liegt und damit nur knapp oberhalb der Armutsgrenze.
Nach Zahlen des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen ist der Niedriglohnsektor in Deutschland zwischen 1995 und 2006 um gut 43 Prozent gewachsen  auf 6,5 Millionen Menschen, Tendenz steigend.
Rund 1,4 Millionen Beschäftigte in Deutschland waren im Juni 2010 Aufstocker, davon 400 000 in Vollzeitstellen. Sie bezogen Leistungen nach Hartz IV, weil der Lohn nicht zum Leben reicht. »Der Wahnsinn ist, dass wir die Hungerlöhne auch noch mit zehn Milliarden Euro jährlich finanzieren«, erklärte Möllenberg.
Er weiß wovon er spricht, denn nicht nur im Gastgewerbe, beispielsweise auch in den Schlachthöfen herrschen oft katastrophale Bedingungen was die Bezahlung angeht. Fehlende Interessenvertretung ist zudem an der Tagesordnung. »Es ist ein schönes Buch geworden, aber aus einem sehr traurigen Anlass«, so der NGG-Vorsitzende. Immerhin sei Deutschland sei eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt.
Doch es finden sich auch Beispiele dafür, dass Widerstand funktionieren kann. Hier sei der Drogeriediscounter »Schlecker« genannt, der erfolgreiche Kampf gegen Leiharbeit am Universitätsklinikum Essen oder auch der Jobcenter-Chef aus Stralsund, der aktiv den Arbeitgebern auf die Pelle rückt, die mit Dumpinglöhnen ihren Profit maximieren.
Insgesamt ist »Arm wegen Arbeit« ein lesenswertes Buch, das wütend macht, nachdenklich und auch schlicht sprachlos. Die Berichte der Niedriglöhner stammen von www.dumpinglohnmelder.de, einer Initiative von ver.di und NGG. Kommentar Seite 4
Wallraff, Bsirske, Möllenberg (Hg.) »Leben ohne Mindestlohn. Arm wegen Arbeit.«, VSA Verlag, Taschenbuch,176 S, 12,80 Euro
#Deutschland, #Niedrigstlohn-Paradies (für Arbeitgeber) und -hölle (für Arbeitnehmer) in #Europa [ #genial #innovativ ....]
global news 2358 28-04-11: Deutschland,
Niedrigstlohn-Paradies (für Arbeitgeber)
und -hölle (für Arbeitnehmer) in Europa
[jjahnke.net]
http://www.jjahnke.net/rundbr82.html#2358
Nach einem Gutachten des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen für das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie vom Januar 2011 war in manchen Branchen die Zunahme der Minijobs noch erheblich ausgeprägter.
So hat sich im Hotel- und Gastgewerbe die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse zwischen 2000 und Ende 2008 insgesamt fast verdoppelt, und die Steigerungsrate bei den Nebenjobs lag sogar bei 474%. Fast jeder zweite Arbeitsplatz in der Gastronomie ist inzwischen ein Minijob. Eine ähnliche Relation gibt es auch in der Gebäudereinigung. Eine aktuelle Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, daß inzwischen mehr als jedes fünfte Arbeitsverhältnis ein Minijobs ist (20,6%).
Unter den Minijobbern breitet sich die Armut aus. Laut dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) waren 1997 gut 10 Prozent der Niedriglohnbezieher arm, 2008 schon fast 18 Prozent.
Ein wichtiger Grund dafür sei, dass Geringverdiener immer öfter Alleinverdiener sind. Angesichts eines insgesamt ohnehin wachsenden Niedriglohnsektors sehen die Wissenschaftler Hennig Lohmann und Hans-Jürgen Andreß (Böckler-Impuls 4/2011) in diesem Trend ein Anzeichen für wachsende soziale Probleme. Niedriglohnbeschäftigung könne nicht mehr mit dem Hinweis gerechtfertigt werden, dabei handele es sich doch nur um Zusatzeinkommen für Mittelschicht-Haushalte.
Eingestellt von Andreas Rudolf um 00:03 Keine Kommentare:
Armutshauptstadt Leipzig und in Dresden?!?[ Nein hier natürlich nicht, hier mit Vor-, End-, Nach- u. Zwischendrinstufenbefähigung] (lol)
18,9 Prozent der Bevölkerung gelten als arm
Denn Luxus ist für viele Leipziger ein Fremdwort und die Armut ist vielen anderen Stadtteilen anzusehen. In ihnen herrscht Verfall statt Aufbau.
Die Verlierer der Wende leben abseits der City im Schatten einstiger städtischer Blüte. In Leipzig hat im Frühjahr 2010 auch ein "Sozialwarenhaus" eröffnet. Dort kaufen die ein, die sich nichts Neues anschaffen können, weil dafür einfach das Geld fehlt.
"Die große Armut von Leipzig hängt mit der wirtschaftlichen Entwicklung und mit dem Arbeitsmarkt zusammen. Das hat nicht nur etwas mit Langzeitarbeitslosigkeit, sondern auch mit dem ausgedehnten Bereich des Niedriglohnsektors zu tun. Wir haben sehr viele Menschen in Leipzig, die täglich arbeiten und trotzdem auf sozialstaatliche Transferleistungen angewiesen sind," sagt Professor Thomas Fabian, Leipziger Bürgermeister für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule. Wer keine Arbeit hat, hofft auf einen Job - egal wie dieser bezahlt ist.
Besonders betroffen sind auch Kinder und Jugendliche. Sozialarbeiterin Gabi Edler gibt im Rahmen von "Straßenkinder e.V." täglich kostenlos Essen an bedürftige Jugendliche ab. Sie selbst hat den Verein mit ins Leben gerufen. Bei der stadtbekannten "Tante E." ist mittags immer sehr viel los. Es werden immer mehr Kinder und Jugendliche, die keine Bleibe haben und bei "Tante E." zum Essen oder einfach auch zum Reden vorbeischauen. Edler finanziert sich über Spenden. "Angefangen haben wir in Grünau mit über 20 Essen. Jetzt sind es über 60 Essen. Das finde ich schlimm. Jeden Monat brauchen wir 6.000 Euro. Wir bekommen keine öffentlichen Gelder, sondern leben nur von Spenden", sagt Gabi Edler.
http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/147416/index.html
Eingestellt von Andreas Rudolf um 21:34 Keine Kommentare:
seit 21 Uhr (28.04.) in #3sat "Scobel" Abgehängt - #Armut #in #Deutschland u. a. mit Christoph Butterwegge
z. Zt in 3sat seit 21 Uhr
In Deutschland haben Gerichtsvollzieher und Schuldnerberater Hochkonjunktur - und ihre Klientel besteht schon lange nicht mehr nur aus den klassischen Gescheiterten aus der Unterschicht.
Armut kann heute jeden treffen: den mittelständischen Unternehmer, den habilitierten Dozenten oder die alleinerziehende Mutter. Wir diskutieren, woher diese Entwicklung kommt und ob sie aufzuhalten ist.
http://www.3sat.de/webtv/?100909_armut1_scobel.rm
Eingestellt von Andreas Rudolf um 21:28 Keine Kommentare:
5. Mai - Gedenktag #gegen #Gewalt und #Rassismus im Gedenken an die #Opfer des #Nationalsozialismus [via erinnern.at]
[erinnern.at]
http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/gedenktag-5-mai/5-mai-gedenktag-neu
Die Bedeutung des 5. Mai zeigt sich daran, dass er - neben dem 1. Mai und dem 26. Oktober - der dritte durch das österreichische Parlament beschlossene nationale Feiertag ist. Hier finden Sie diverse Materialien zur Befreiung des KZ Mauthausen am 5. Mai 1945, zur Geschichte des Gedenktages, zur österreichischen "Erinnerungskultur" und Projekt- und Unterrichtsvorschläge. Ein eigenes Projektportal für Schulen wurde eingerichtet.
Oscar Schiller, Holocaust-Überlebender:
Vergessen ist unmöglich ... hoffen wir, dass so was nicht mehr
Heute gibt es Leute, die mich fragen: »Aber Sie waren doch viel zu jung, um sich an diese schreckliche Zeit erinnern zu können.« Oder vielmehr, sie fragen nicht einmal, sie behaupten es mit Bestimmtheit. Ich denke dann,die wollen mir mein Leben nehmen, denn das Leben ist doch nur die verbrachte Zeit, das einzige, was wir haben, das machen sie mir streitig, wenn sie mir das Recht des Erinnerns in Frage stellen.
Aus: Ruth Klüger: Weiter leben. Eine Jugend. Göttingen 1992, S. 73.
_erinnern.at_ ermutigt und unterstützt LehrerInnen und SchülerInnen, die den österreichischen Gedenktag am 5. Mai - den Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus -würdevoll begehen wollen bzw. ihn zum Anlass nehmen möchten, der Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes zu gedenken, und die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus oder mit der gegenwärtigen Bedrohung durch Rassismus und Gewalt auseinander setzen möchten.
Befreiungsfeier Mauthausen 2008 (Foto: Stefan Matyus BMI/Fotoarchiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen)
Dazu bedarf es einer lebendigen Erinnerungskultur quer durch alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppen. Eine besondere Verantwortung übernehmen dabei die österreichischen Schulen. Alle Lehrer/innen und Schüler/innen sind dazu aufgerufen, in ihrem schulischen Umfeld Gedenk- und Erinnerungsinitiativen zu starten. Diese Projekte können als Upload auf die Homepage von
www.erinnern.at gestellt werden, damit sie über den schulischen Bereich hinaus zum öffentlichen Zeichen gelebter Erinnerung werden. Bitte nützt diese Möglichkeit! Jede Form der Auseinandersetzung mit den Inhalten und Zielen des Gedenktages und die Dokumentation dieser Arbeiten trägt dazu bei, ein sinnvolles Zeichen der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und gegen Rassismus und Gewalt in der Gegenwart zu setzen!
Uploadadresse für Schulprojekte:
http://www.erinnern.at/gedenktag-5-mai/projektdaten/
Folder zum 5. Mai (ab 5. Schulstufe): -
Aktionstage Politische Bildung 2011:
Gerald Lamprecht: Der Gedenktag 5. Mai im Kontext österreichischer Erinnerungspolitik (Printquelle: Erinnerungskulturen, herausgegeben vom Forum Politische Bildung, Informationen zur Politischen Bildung, Bd. 32, Innsbruck - Wien - Bozen 2010, S. 30 - 38) -
Vertiefende Informationen dazu mit der Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen bezüglich Holocaust-Erinnerung (1. November 2005) und der Rede von Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky im Österreichischen Nationalrat am 8. Juli 1991. :
- download ; historische Quelle : Das Staatsgesetzblatt für die Republik Österreich vom 1. Mai 1945 - download
Onlineversion des Themenhefts "Erinnerungskulturen" (hrsg. Forum Politische Bildung, Informationen zur Politischen Bildung, Bd. 32, Innsbruck - Wien - Bozen 2010) -
Weiterführende Hinweise zur Beschäftigung mit dem Themenkomplex "Erinnerungskultur" in Österreich (Im Anhang zu Informationen zur Politischen Bildung, Bd. 32): -
Werner Bundschuh: Anregungen für Unterrichtseinheiten zum Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 5. Mai. (Printquelle: Erinnerungskulturen, herausgegeben vom Forum Politische Bildung, Informationen zur Politischen Bildung, Bd. 32, Innsbruck - Wien - Bozen 2010, S. 43  56) -
"Es öffnen sich die Tore eines der schwersten und blutigsten aller Lager: des Lagers Mauthausen. Nach allen Himmelsrichtungen werden wir in freie und vom Faschismus befreite Länder zurückkehren. Die befreiten Häftlinge danken aus tiefstem Herzen den siegreichen alliierten Nationen für die Befreiung und grüßen alle Völker mit dem Rufe der wiedererlangten Freiheit. "
(Aus dem Appell des internationalen Häftlingskomitees Mauthausen vom 16. Mai 1945)
Das Konzentrationslager Mauthausen war das einzige Konzentrationslager auf österreichischem Territorium. Doch es steht mit seinem weit verzweigten Netz an Nebenlagern für Terror, Schrecken, Sklavenarbeit und Massenmord in ganz Österreich. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung Ende März 1945 bestand es aus fünf großen Lagern mit je 8.000 bis 10.000 Häftlingen, aus acht Fabriklagern, in denen einige tausend Häftlinge interniert waren, sowie aus etwa zwanzig kleineren Lagern. Im KZ Mauthausen wurden zwischen 95.000 und 100.000 Menschen ermordet: Sie verhungerten und erfroren, gingen an Erschöpfung und Seuchen zu Grunde, wurden erschlagen, "auf der Flucht" erschossen, in der Gaskammer erstickt, starben im elektrischen Draht, wurden durch Herzinjektionen getötet, zu Tode "gebadet", exekutiert. Zu dieser Zahl müssen noch all jene Opfer hinzugezählt werden, die nach der Befreiung an den Krankheiten oder an Mangelerscheinungen verstarben, die sie sich durch die Bedingungen im Lager zugezogen hatten.
Weiterführende Informationen (Gerald Lamprecht): -
Augenzeugenberichte: -
Interview mit Karl Brozik (ursprünglich Abeles): "Meine Biographie spiegelt die Widersprüche des 20. Jahrhunderts ziemlich typisch wider":
Schüler und Schülerinnen zum Besuch der KZ-Gedenkstätte Mauthausen: -
Die jüdische Krankenschwester Mignon Langnas erlebt in Wien die Befreiung: -
Zu ihrer Lebensgeschichte siehe: -
Text der Entschließung: -
Gedenktage im Parlament
Seit 1997 wird im Parlament an die Befreiung des KZs Mauthausen unter dem Motto "Nie wieder!" erinnert und der Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus begangen.
Überblick über frühere Aktivitäten zum Gedenktag 5. Mai
Im Archiv sind diverse Materialien, Anregungen und Projekte enthalten. -
Befreiungsfeier in Mauthausen, Mai 2004
Hinweise zur Auseinandersetzung mit rechtsetremem Gedankengut, mit Gewalt und Rassismus:
Leitfaden gegen rassistische, rechtsradikale und sexistische Äußerungen: -
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