Source: https://vfj-giessen.de/magazin/2019-04-sqkl/
Timestamp: 2019-07-18 09:41:11+00:00

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2018 Jahresbericht Ärztlich-Psychologische Beratungsstelle - Gießen
Vorbemerkung Die Nachfrage nach Beratungen in der Ärztlich- Psychologischen Beratungsstelle ist enorm. Nach dem „Höchststand“ in der Erziehungsberatung im Jahr zu- vor lagen die Neuanmeldungen auch im Berichtsjahr nahezu auf gleich hohem Niveau. Aber auch in der Einzel- und Paarberatung stiegen die Zahlen im Raum Gießen kräftig an und auch das „Projekt Wetterau“ wird immer besser angenommen. Die Beratung vor Ort in den Gießener und Wetten- berger Familienzentren fand weiterhin statt und soll erfreulicherweise auch in den nächsten Jahren fort- gesetzt werden. Darüber hinaus binden Anfragen zu Beratungen vor familiengerichtlichem Hintergrund und insbesondere Fachberatungen im Kontext von Kindes- wohlgefährdungen zunehmend mehr Kapazitäten, so- dass Grenzen des Machbaren erreicht scheinen. Etwas längere Wartezeiten für Klienten und tendenziell kür- zere Beratungsverläufe in der Erziehungsberatung kön- nen Ausdruck dieser Gesamtsituation sein und müssen genauer analysiert werden. Das diesjährige Schwerpunktthema widmet sich einem speziellen Gebiet, nämlich der Beratung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die straf- rechtlich auffällig geworden sind und bei denen eine Beratungsauflage ausgesprochen wurde. Die Abläufe der Beratung und der Kooperation mit der in diesen Fällen zuständigen Jugendgerichtshilfe von Stadt und Landkreis Gießen soll an dieser Stelle exemplarisch be- schrieben werden. Allgemein versteht sich die Ärztlich-Psychologische Beratungsstelle als integrierte Beratungsstelle mit dem Schwerpunkt der Erziehungs- und Familienberatung sowie dem rein kirchlich getragenen Angebot der Einzel- und Paarberatung. Die Beratungsstelle finanziert sich über die Stadt und den Landkreis Gießen (leistungsorientierter Zuwen- dungsvertrag) sowie über die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Träger der Beratungsstelle ist der Verein für Jugendfürsorge und Jugendpflege e.V. Gießen, Mitglied im Diakonischen Werk (DWHN). Wichtige Prinzipien für unsere Tätigkeit sind die Frei- willigkeit der Ratsuchenden, die Schweigepflicht der Beraterinnen und Berater und der verantwortungsbe- wusste Umgang mit personenbezogenen Daten (Da- 2 tenschutz). Die Beratungsangebote können von den Bürgern und Bürgerinnen von Stadt und Kreis Gießen kostenfrei in Anspruch genommen werden. Die Termine werden mit den Ratsuchenden individuell vereinbart und liegen in der Regel montags bis freitags in der Zeit von 9.00 - 18.00 bzw. im Einzelfall bis 19.00 Uhr. Die Anmeldungen für Beratungen in der Außenstelle in Friedberg (Einzel- und Paarberatung Wetterau) erfolgen ebenfalls über die Gießener Hauptstelle. In der Einzel- und Paarberatung werden individuelle Probleme oder Krisen in der Partnerschaft beraten. Es können sich Einzelpersonen und Paare mit und ohne Kinder, unabhängig von Konfession, Weltanschauung oder Geschlecht anmelden. Die Erziehungs- und Familienberatung richtet sich an Kinder, Jugendliche und deren Familien. Es werden Hilfen angeboten, wenn Fragen, Konflikte und Krisen bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen auf- treten. Prinzipielles Ziel der Beratung ist der eigen- ständige Umgang der einzelnen Familienmitglieder mit den genannten Problemen und nach Möglichkeit die Bewältigung dieser. Auf der Grundlage eines diag- nostischen Prozesses setzt die Beratung sowohl bei den Auffälligkeiten der jeweiligen Familienmitglieder als auch bei der Aktivierung von Stärken und Ressourcen der einzelnen Personen an. Die Interventionspalette reicht von diagnostischer Klärung, informatorischer Be- ratung, über das intensive Beratungsgespräch bis hin zu kurztherapeutischen Interventionen und dem Einbezug des sozialen Umfeldes. Der Beratungsprozess soll dazu beitragen, dass sich die Kinder und Jugendlichen besser ihren Fähigkeiten entsprechend entfalten und sich aktiv mit den Anfor- derungen der Umwelt auseinandersetzen können. Auf Elternseite wird eine Stärkung der Elternrolle sowie ein Aufbau von erzieherischen Kompetenzen angestrebt. Im Kern lassen sich die Aufgabenfelder der Bera- tungsstelle wie folgt aufteilen: • Beratung und Kurztherapie • Präventive Angebote • Vernetzung und Kooperation
Inhalt 4 15 19 20 23 1. Erziehungs- und Familienberatung: Beispiele und Zahlen, Aufgabenbereiche und Entwicklungen 2. Einzel- und Paarberatung 3. Fallübergreifende Aktivitäten - Prävention 4. Jugendgerichtshilfe - Beratung und Kooperation 5. Ausblick 2019 Das Team Roswitha Hertelt, David Fischer, Carmen Detlefsen, Daniela Bonnert, André Erb, Stefanie von Gimborn (Sekretariat), Peter Siemon (Leitung), Sarah Hendel, Karin Büttner (Sekretariat) (v.l.) 3
1. Erziehungs- und Familienberatung: Beispiele und Zahlen, Aufgabenbereiche und Entwicklungen I Im Jahr 2018 verzeichneten wir erneut mit 451 Nach- fragen mehr Neuanmeldungen als im Mittel der Jahre bis 2016 (2017 = 460; 2016 = 428 und 2015 = 412). Am stärksten waren die Monate Februar und September mit jeweils ca. 50 Anmeldungen, während es im Juni und Juli weniger Nachfragen gab (Ferienzeit). Es wurden auch diesmal mehr Jungen als Mädchen vorgestellt, allerdings verringerte sich die Differenz zwi- schen beiden (276/209 zu 302/198 in 2017). Die Ge- schwisteranzahl variierte von 0 bis 5, durchschnittlich hatte jedes angemeldete Kind 2,05 Geschwister. 153 angemeldete Kinder (32 %) werden ohne Geschwister Die Wartezeit von der Anmeldung bis zum Erstbera- tungsgespräch variierte im Einzelfall. Nach wie vor sind wir jedoch bemüht, gerade Anfragen in Krisensituati- onen oder auch Gesprächsanliegen von Jugendlichen sehr zeitnah zu bedienen, was uns in der Regel auch gelingt. 74 % der Ratsuchenden erhielten einen Termin in- nerhalb von vier Wochen. Dies ist ein Mittelwert im Vergleich der letzten drei Jahre (2017 = 87 %; 2016 = 68 %). 23 % der Fälle warteten bis zu zwei Monate und ein recht geringer Anteil (3 %), der bis zu drei Monate auf ein Erstgespräch warten musste. Die etwas längeren Wartezeiten haben sicher verschiedene Grün- de. Eine nicht unwesentliche Rolle spielten vermutlich eine vakante 50 %-Stelle über fünf Monate, eine hohe Anmeldezahl sowie eine Verdichtung von zeitlich auf- wendigen Beratungen vor familiengerichtlichem Hin- tergrund und Fachberatungen zum Kinderschutz als insoweit erfahrene Fachkraft. Generell ist hierbei immer noch zu bemerken, dass die Wartezeit zwischen Anmeldung und Erstgespräch nicht immer identisch ist mit der Wartezeit zwischen Anmeldung und frühestmöglichem Beratungsbeginn. Öfters passen die nächstmöglich angebotenen Termine nicht in den Zeitplan der Klienten, sodass ein späterer, passender Termin bevorzugt wird. Wartezeiten (n=485) absolut 0 Tage bis 01 Woche bis 02 Wochen bis 03 Wochen bis 04 Wochen bis 08 Wochen bis 12 Wochen über 12 Wochen 22 67 85 97 86 110 16 02 % 5 14 18 20 18 22 3 <1 4 erzogen. Von den insgesamt 510 Geschwisterkindern nahmen viele an den Familienberatungen teil. Fallzahlen 2018 Fälle gesamt Fallzahlen weiblich Fallzahlen männlich Neuaufnahmen Übernahme Vorjahr Neuanmeldungen Abgeschlossene Fälle 485 209 (43%) 276 (57%) 360 125 451 353 Bei der regionalen Verteilung des Klientels fiel die Differenz bei den Anmeldungen aus der Stadt Gießen und dem Landkreis wieder ähnlich wie im Vorjahr aus, d. h. 40 % kamen aus der Stadt und 60 % aus dem Landkreis Gießen. Dies entspricht dem Mittel der letzten Jahre (2017 = 39/61). Stadt 40% Landkreis 60% Bei der Altersstruktur der angemeldeten Kinder und Jugendlichen finden sich diesmal wieder mehr Unter- schiede als zuletzt. Mädchen wurden etwas mehr bei den Jüngsten angemeldet (0-3 Jahre) sowie in den älteren Altersgruppen 15–18 Jahre und 21–24 Jah- re. Am meisten Kinder werden in der Altersklasse 6–9 Jahre vorgestellt mit deutlichem Überhang der Jungen, gefolgt von den beiden Gruppen 9–15 Jahre. Eng bei- einander liegt das Kita-Alter (3-6 Jahre) und die He- ranwachsenden (15-18 Jahre). Aber auch die jungen Erwachsenen tauchen regelhaft in der Beratung auf im Alter von 18–24 Jahren. Das Durchschnittsalter der angemeldeten Kinder und Jugendlichen lag bei 10,3 Jahren (w=10,8 Jahre; m=9,9 Jahre) und fiel damit jünger aus als in den Vorjahren.
Altersstruktur in % (n=485) weiblich männlich 0-3 J. 3-6 J. 6-9 J. 9-12 J. 12-15 J. 15-18 J. 18-21 J. 21-24 J. 24-27 J. Alter 0-3 Jahre 3-6 Jahre 6-9 Jahre 9-12 Jahre 12-15 Jahre 15-18 Jahre 18-21 Jahre 21-24 Jahre 24-27 Jahre Gesamt 22 73 112 83 80 72 33 9 1 % 4,5 15 23,1 17 16,5 15 6,8 1,8 0,2 männlich % weiblich % 10 41 74 53 41 34 20 2 1 2 8,5 15,3 11 8,5 7 4 0,4 0,2 12 32 38 30 39 38 13 7 0 2,5 6,6 7,8 6,2 8 7,8 2,7 1,4 0 Wohnsituation der Kinder und Jugendlichen (n=353) Über alle Altersgruppen verteilt wuchsen die jungen Menschen am häufigsten bei ihren leiblichen Eltern auf (44 %), sehr oft befanden sich die Kinder auch bei einem alleinerziehenden Elternteil (41 %). Etwa 11 % der Kinder leben bei einem Elternteil mit Partner (Patchwork). Die restlichen 4 % waren in einer eigenen Wohnung, in einer Wohngemeinschaft oder Wohn- gruppe (Heimerziehung), bei Großeltern, Verwandten oder Pflegeeltern zuhause. bei den Eltern 44% bei allein- erziehendem Elternteil 41% 5 bei Elternteil mit Stiefelternteil/Partner 11%
Kind ist betroffen von … (Mehrfachnennungen möglich, n=485) Trennung/Scheidung/ Verlust der Eltern Misshandlung (körperl./seel.) Sexualisierte Gewalt 293 60% 4 2 1% <1% Arbeitslosigkeit Eltern Wohnungsprobleme Migration Binationale Familie Keine Belastung 29 27 74 40 144 6% 6% 15% 8% 30% 70 % der Kinder (n=485) waren von einem oder mehreren belastenden Lebensereignissen betroffen (identisch mit Vorjahr). 60 % dieser Kinder erleben eine „Trennung/Scheidung/Verlust der Eltern“ (wie 2017). „Migration“ und „Binationale Familie“ spielen in über 20 % eine Rolle in der Beratung, wobei bezüglich des Merkmals „Migration“ anzumerken ist, dass dies nicht abhängig von Pass, Dauer oder Aufenthalt in Deutschland ist, sondern es um kul- turelle Anpassungsschwierigkeiten geht, die Gegenstand der Beratung sind. „Arbeitslosigkeit“ der Eltern (6 %) oder „Wohnungsprobleme“ (6 %) können im Einzelfall Hinweise auf schwierige sozioökonomische Bedingungen sein, in denen die Kinder aufwachsen. Eine Anregung/Information, die Beratungsstelle aufzusuchen, bekamen die Familien auf unterschiedliche Art und Weise (n=485). Mit 34 % meldeten sich die Klienten auf Eigeninitiative hin an (Öffentlichkeitsarbeit der Beratungs- stelle, Internet, frühere Beratung). Dies bedeutet auch, dass 66 % des Klientels durch andere Institutionen/Personen auf uns aufmerksam gemacht wurden, was auf einen guten Bekanntheitsgrad und gute Vernetzungsstrukturen der Beratungsstelle schließen lässt (2017=63 %). Das Jugendamt ist auch diesmal stärkster „Zuweiser“ zusammen mit anderen Beratungsstellen (14 bzw. 15 %). Schule (10 %), ehemalige Klienten (9 %), (Kinder-)Ärzte, Kliniken (8 %) sowie Kitas (5 %) vermitteln die Familien ebenfalls gern an unser Angebot. Eigeninitiative 34 % Sonstige 5 % ehemalige Klienten 9 % Kita 5 % Schule/Ausbildung 10 % 15 % andere Beratungsstellen Arzt/Klinik 8 % 14 % Jugendamt Nach dem Erstgespräch werden von den Beratern die Themen/Anlässe anhand eines Anlasskataloges vermerkt, weshalb die Klienten die Beratungsstelle aufgesucht haben. Es werden in der Regel mehrere Anlässe genannt, d. h. die Klienten kommen zumeist mit mehr als einer Fragestellung in die Beratung – in 2018 waren es durchschnittlich 2,95 Themen/Anlässe pro Beratungsfall (2017 = 3,05). 6
Themen/Anlässe der Ratsuchenden (1431) in % zu Fallzahl (485) • Probleme im Familiensystem/im familienersetzenden Bezugssystem (z.B. Eltern-Kind-Ebene, Sorgerecht-Umgangsregelungen, Geschwisterebene) • Probleme in Ehe und Partnerschaft (z.B. Trennung-Scheidung-Ambivalenzphase, Beziehungskrisen, eskalierendes Streitverhalten, Kommunikationsprobleme, Spätfolgen nach Trennung-Scheidung) • Probleme durch besondere Lebensumstände/Erlebnisse (z.B. Bewältigung belastender Lebensumstände, Probleme mit Freunden/Bekannten, Verlust von Bezugspersonen, Wohnprobleme, soziale Zurückweisung) • Probleme in der Erziehung (z.B. Unsicherheit, Überforderung, Überbehütung, Vernachlässigung) • Probleme mit/in der Entwicklung (z.B. soziale-emotionale Entwicklung, Teilleistungsstörung, Entwicklungsverzögerung) • Probleme mit der eigenen Gesundheit/dem Erleben und Verhalten (z.B. Ängste, Selbstwert, depressive Symptome, Einnässen, psychische Störungen, Aggressivität, Hyperaktivität, Lügen, Stehlen, Sucht, Schlafstörungen, Psychosomatik) • Probleme mit/in Sozialisationsinstanzen (z.B. Leistungsmotivation, Schulverweigerung, Schulangst, Konzentration und Aufmerksam- keit, soziale Integration, Auffälligkeiten in Kita) • Sonstige 78 32 24 63 22 46 26 4 Am häufigsten wurden Schwierigkeiten im Famili- ensystem benannt (Eltern-Kind-Ebene, Sorgerechts- streitigkeiten, psychische Auffälligkeiten von Familien- mitgliedern etc.), diesmal etwas weniger als im Vorjahr (84 %). Ungünstige Erziehungsbedingungen (Unsicher- heit, Überforderung, unterschiedliche Einstellungen) werden in fast 2/3 der Fälle benannt, gefolgt von Problemen mit der Gesundheit/Verhalten des Kindes oder Jugendlichen (unangemessenes Sozialverhalten, Aggressivität, Ängste, psychische Auffälligkeiten etc.) bei fast jedem zweiten Fall. Bei jeder dritten Anmeldung spielen Krisen in Ehe und Partnerschaft eine Rolle. Etwa bei jedem Vierten finden sich Probleme in der Entwick- lung oder in Sozialisationsinstanzen (Kita, Schule) sowie Schwierigkeiten durch besondere Lebensumstände. Erläuternd sei zu diesen Zahlen erwähnt, dass aufgrund von durch- schnittlich 2,95 Nennungen pro Fall die Summe der Zahlen nicht 100% sondern 295% ergibt (2,95 x 100%). Als (Haupt-)Beratungsschwerpunkt bezogen auf sämtliche 485 Beratungsfälle wurden von den Bera- terinnen und Beratern am häufigsten Verhaltensauffäl- ligkeiten vermerkt (23 %), gefolgt von Trennungs- und Scheidungsfragen (21 %) sowie Erziehungsprobleme (19 %). Dies korrespondiert gut mit den Anlässen der Beratung (s. o.). Kita-, Schul- und Ausbildungsthemen werden vorrangig in 9 % der Beratungen behandelt. Es folgen Psychische Probleme und Beziehungsprobleme als Fokus der Gespräche sowie Lern- und Entwick- lungsauffälligkeiten. Damit zeigt sich auch, dass die Beratungsschwerpunkte im Wesentlichen auch den Arbeitsschwerpunkten einer Erziehungs- und Famili- enberatungsstelle entsprechen (aus: Beratungsstellen- statistik Stadt und Landkreis Gießen). 7
Beratungsschwerpunkt (n=485) Erziehungsprobleme Verhaltensauffälligkeiten Trennung und Scheidung Lern- und Leistungsprobleme, Entwicklungsauffälligkeiten Beziehungsprobleme Kita-/Schul-/Ausbildungsprobleme Missbrauch, Gewalterfahrungen Psychische Probleme Suchtprobleme/Abhängigkeiten Sonstiges in % 19 23 21 4 5 9 <1 8 <1 9 Der (Haupt-)Schwerpunkt des Beratungssettings lag bei über der Hälfte der Fälle in der Erziehungsbera- tung vorrangig mit den Eltern. Die intensive Arbeit mit den Familien fand bei über einem Drittel der Fälle statt, während Kinder/Jugendliche in 7% der Beratungen im Fokus standen. Damit bestätigt sich der Trend aus den Vorjahren, dass die Arbeit mit den Eltern häufiger als mit der Familie als Beratungssetting gewählt wurde. Die Arbeit mit den jungen Menschen als Schwerpunkt verringerte sich hingegen etwas. Erläuternd sei gesagt, dass es hier um einen „vorrangigen“ Schwerpunkt geht, so dass Settingvariationen immer möglich und wahr- scheinlich sind. Junge Menschen Familie Eltern Beratungssetting (n=485) Erziehungsberatung vorrangig mit Familie Eltern jungen Menschen absolut % 187 262 36 39 54 07 Sitzungsanzahl (n=353) absolut % 01 Sitzung 02 - 05 Sitzungen 06 - 10 Sitzungen 11 - 15 Sitzungen >15 Sitzungen 183 124 38 5 3 52 35 11 1 <1 Bei der Dauer der Beratungen verkürzten sich diese im Vergleich zum Vorjahr, die durchschnittliche Dauer einer Beratung lag demnach bei 3,84 Kontakten (4,39 in 2017), so die Berechnung laut Statistisches Landesamt Hessen. Im Detail bildete sich dies so ab, dass 52 % der abgeschlossenen Fälle Einmalberatungen waren (46 % im Vorjahr). Bei dieser recht hohen Anzahl von Einmal- beratungen tauchen natürlich Hypothesen hierzu auf, die weiterverfolgt werden müssen (z. B. Angemessen- heit der Beratung, veränderte Beratungsschwerpunkte, Abbrüche etc.). 2-5 Beratungsgespräche erfolgten in 35 %, 6–10 Sitzungen in 11 % der Verläufe (ähnlich wie im Vorjahr). Mehr als 10 Beratungsgespräche gab es in 2 % der Fälle. Entsprechend diesen Werten ist somit zu ergänzen, dass in 87 % der Fälle eine Beratungs- sequenz zwischen 1 und 5 Sitzungen andauerte – dies entspricht dem Profil einer Erziehungsberatungsstelle, Familien in Problemlagen eine kurz- bis mittelfristi- 8
ge Unterstützung anzubieten. Die Dauer einer Sitzung selbst variiert dabei zwischen 60 Minuten pro Gespräch (z. B. Einzelgespräch), 90 Minuten (z. B. Familienerst- gespräch) oder 180 Minuten (testpsychologische Dia- gnostik). In der Mehrzahl der Beratungen (68 %) konnten die- se gemäß einer gemeinsam festgelegten Zielsetzung beendet werden (2017=77 %). Hierunter fallen in der Regel auch die Beratungen, welche sich über einen Zeitraum von 6 Monaten nach dem letzten Kontakt nicht mehr gemeldet hatten. Diese „Quote“ ist einer- seits erfreulich, sie soll aber auch nicht verschleiern, dass der konzeptionelle Rahmen hierbei zu beachten ist. Dies bedeutet, dass realistische Ziel- und insbeson- dere Teilzielsetzungen in der Beratung eine wesentliche Rolle spielen, dass Prioritäten gesetzt und natürlich nicht immer sämtliche Problemstellungen einer Familie gleichermaßen angegangen werden. Ein „beraterischer Erfolg“ ist somit auch eine effektive Orientierung in die richtige Richtung, z. B. Regeln bezüglich TV-Konsum zum Thema zu machen und abzusprechen, Überlegun- gen und Hinweise aus dem Gespräch auf zu Hause zu übertragen, „Hausaufgaben“ im Alltag auszuprobieren, weitere Hilfen im sozialen Umfeld einzuholen etc. In 32 % der Fälle gelang dies offensichtlich nicht in gewünschtem Umfang, hier wurden z. B. durch die Klienten die Beratungen abgebrochen (13 %, z. B. nicht mehr zum vereinbarten Folgetermin erschienen), im Einzelfall wurde die Beratung auch unsererseits beendet (5 %). Und schließlich konnten einige Bera- tungsabschlüsse keiner der vorhandenen Kategorien zugeordnet werden. Beratungsabschluss (n=353) Beendigung gemäß Beratungszielen Beendigung abweichend von Beratungszielen durch Sorgeberechtigten/jungen Volljährigen Beendigung abweichend von Beratungszielen durch Kind/Jugendlichen Beendigung abweichend von Beratungszielen durch Berater/Beraterin Sonstige absolut 239 35 9 20 50 % 68 10 3 5 14 Weitere Aufgabenbereiche und Entwicklungen Bei den sog. Fachberatungen hat sich der Trend im Wesentlichen fortgesetzt, dass die Beratungsstelle ge- häuft angefragt wird als „insoweit erfahrene Fachkraft“ nach §§ 8a Abs. 4, 8b Abs. 1 SGB VIII und § 4 Abs. 2 KKG. Bei diesen Gefährdungseinschätzungen geht es immer um die Frage, ob ein Kind oder Jugendlicher aktuell einer Kindeswohlgefährdung ausgesetzt ist und welche Schritte ggf. notwendig sind, diese Gefährdung abzu- wenden. Dabei sind gesetzliche Vorgaben zu beachten und umzusetzen, in der Regel erhalten die Mitarbeiter der entsprechenden Institutionen abschließend ein Protokoll über die Ergebnisse der Einschätzung und die Absprachen für das weitere Vorgehen. In 2018 führte die ÄPB mehr Gefährdungseinschätzungen die- ser Art durch als in den letzten Jahren, d. h. es wur- den insgesamt 97 Einschätzungen von den Beratern und Beraterinnen durchgeführt (2017 = 66; 2016 = 52). Die Nachfragen ergaben sich aus dem Schulbe- reich von Lehrkräften und auch Schulsozialarbeitern und den Kitas und Familienzentren. Aber auch Perso- nen aus dem Gesundheitswesen und ambulante wie stationäre Jugendhilfeeinrichtungen führten mit uns Gefährdungseinschätzungen durch. Das Verhältnis von Anfragen aus der Stadt bzw. dem Landkreis näherte sich diesmal wieder etwas mehr an. Dies bedeutet, dass 65 % der Einschätzungen mit Gießener Institutionen, die anderen 35 % mit Einrichtungen und Personen aus dem Landkreis stattfanden (2017 = 74/26; 2016 = 60/40). Neben den „iseF-Beratungen“ fanden weitere 27 Fachberatungen durch die ÄPB statt, d. h. spezielle Nachfragen aus Kitas, Schulen etc. zu dort betreuten Kindern und deren Familien (2017 = 30). Über Aspekte der akuten Kindeswohlgefährdung hinaus geht es hier meistens um schwierige oder zugespitzte Fallkonstel- lationen, die das Handeln eines Teams erschweren oder auch blockieren können. Fachberatung ist dabei angesiedelt zwischen Supervision und Coaching, be- 9
grenzt auf 1–3 Sitzungen pro Anliegen und kann von Einzelpersonen oder Teams aus der Jugendhilfe ange- fragt werden. Eine Ausnahme bei diesem fokussierten Angebot ist die Fachberatung der „Heilpädagogischen Tagesstätte“ (Tagesgruppe nach § 32 SGB VIII). Das Team der HPT wird seit vielen Jahren von der Beratungsstelle kontinuierlich beraten, was eine trägerinterne Abspra- che und Besonderheit darstellt. In diesem Zusammenhang ist auch die Mitwirkung der Beratungsstelle bei der Arbeit des Heimrates zweier Jugendwohnheime des Trägers zu nennen (§ 8 Abs.1 SGB VIII – Beteiligung von Kindern und Jugendlichen). Die Jugendlichen (Heimrat) werden hierbei vertrau- ensvoll unterstützt und angeleitet, indem sie zu recht- lichen, organisatorischen und inhaltlichen Fragen im Kontext der Wohngruppe beraten und begleitet werden. Nicht unerwähnt sollen die sog. „Helferkonferen- zen“ (fallbezogene Gespräche mit anderen Institu- tionen) bleiben. Diese fanden mit unserer Beteiligung 9x statt (identisch mit 2017). In der Regel sind dies Besprechungen mit der Familie und dem Jugendamt (ASD) zur Erörterung des weiteren Vorgehens (z. T. im Rahmen der Hilfeplanung). Die Trennungs- und Scheidungsberatung nach §§ 17, 18 SGB VIII bildet nach wie vor einen Schwerpunkt unserer Beratungstätigkeit. Eltern melden sich zur Beratung an, um kindgerechte Lösungen zu entwickeln und auszuprobieren, um Informationen zu bekommen oder auch nur Entlastung in schwierigen Zeiten zu er- fahren. Viele Eltern zeigen sich in dieser auch für sie schwierigen Phase sehr bemüht, bringen selbst Wis- sen und Kompetenzen mit, wie Kompromisse mit dem anderen Elternteil zu vereinbaren sind. Hier geht es oft darum, den Blickwinkel und die Bedürfnisse der Kinder nicht aus den Augen zu verlieren, gerade dann, wenn sich Krisen in Ehe und Partnerschaft der Eltern bereits deutlich angebahnt haben. Sind gar schon Fakten im Sinne einer Trennung geschaffen worden, dann spie- len negative Emotionen und Affekte und damit ver- bundene „Altlasten“ auf der Paarebene nicht selten eine entscheidende Rolle bei der (Nicht-)Bewältigung anstehender Probleme mit den Kindern. Je nach Grad der familiären Konflikteskalation bleibt bei manchen mitunter wenig Spielraum für gemeinsam getragene Absprachen oder notwendige Neudefinitionen von Elternrollen in dieser Situation. Ein Teil dieser Beratungen kann dann auch vor einem familiengerichtlichen Hintergrund erfolgen, welche für uns besonders zeit- und personalaufwendig durchge- führt werden (müssen). Konkret geht es um Fragen wie: wer soll das Sorge- recht bekommen, wo lebt das Kind nach einer Tren- nung der Eltern, wie/wann/wie oft/wo findet der Um- gang zwischen Vater und Tochter statt, was ist eine für das Kindeswohl akzeptable Kommunikation zwischen den Eltern? Eine außergerichtliche Beratung soll in dieser Lage den Beteiligten helfen, Enttäuschungen zu überwinden, Konflikte zu regulieren und erste kleine Lösungsideen und Handlungsalternativen zu planen – im Idealfall gut vorbereitet („gerahmt“) und dann ohne weitere Anhörungen vor dem Familiengericht. Entwickelt und fortgesetzt wurde in diesem Zusam- menhang die Kooperation mit der Gießener Bera- tungsstelle „Lösungswege“, bei der u. a. monatliche, feste Termine für familiengerichtliche Fälle vereinbart werden (Lösungswege handelt im Auftrag und für die Jugendämter von Stadt und Landkreis Gießen). Damit gibt es für alle Beteiligten Klarheit darüber, wann eine Beratung in der ÄPB mit zwei Beratern aufgenommen werden kann (Klarheit für die beteiligten Eltern, Fami- lienrichterinnen, Lösungswege und ÄPB bereits beim Gerichtstermin). Diese Termine wurden bis auf wenige Ausnahmen „rege gebucht“ (zumeist Begleiteter Um- gang, Sorgerechtsfragen). Insgesamt wurden im Be- richtsjahr 23 familiengerichtliche Fälle bearbeitet, was die konstante Nachfrage in diesem Bereich sicher unterstreicht (nimmt man in diesen Fällen die ange- meldeten Geschwister mit hinzu mit z. T. eigenstän- digen Themen/Vereinbarungen, zählen wir insgesamt sogar 32 Fälle dieser Art. 2017 = 25/29). Neben den Begleiteten Umgängen (11 bearbeitete Fälle) waren dies weitere 12 bearbeitete Fälle aus dem Bereich (Hoch-)Strittigkeit der Eltern. Dies sind Beratungen, die in der Mehrzahl über Lösungswege (7x), aber auch über Verfahrensbeteiligte (4x) oder das Jugendamt (1x) angemeldet wurden. Eine spezifische Facette dieser Trennungs- und Scheidungsberatung ist der sog. Begleitete Umgang – in aller Regel eine familiengerichtliche Vereinbarung (hoch-)strittiger Eltern. In 2018 wurden genau wie im Vorjahr 11 Fälle nach den „Gießener Rahmenbedin- gungen“ bearbeitet, davon 7 Fälle über Lösungswege und 4 Fälle über das Jugendamt vermittelt. Durch den Begleiteten Umgang kann das Recht des Kindes, den abwesenden Elternteil zu sehen, umgesetzt werden. Es geht darum, Kontakte (erstmals) anzubahnen, Ent- fremdung zu verhindern und Konflikte der Eltern zu regulieren. Im Idealfall mündet der (künstliche) Be- gleitete Umgang in einen unbegleiteten Umgang oder in eine Entwicklung hin in diese Zielrichtung. Dieses (hohe) Ziel wird in einigen Fällen durchaus erreicht. Häufig können Teil- und Zwischenlösungen vereinbart werden und in manchen Fällen bleiben die Bemühun- gen auch erfolglos und die Parteien treffen sich wieder vor dem Familiengericht. Insgesamt ist zur Trennungs- und Scheidungsbera- tung für das Berichtsjahr zu ergänzen, dass aufgrund 10
Jahre 2012 und 2013 wurden bereits umfänglich er- fasst mit sehr positiven Beurteilungen auf allen Seiten. Im Berichtsjahr betreuten wir weiterhin folgende Einrichtungen: Familienzentrum Rödgen der Stadt Gie- ßen, SkF Integratives Montessori Kinderhaus und Fami- lienzentrum/Kita und Familienzentrum Hildegard von Bingen, Ev. Kita und Familienzentrum Westwind/Kin- dertageseinrichtung und Familienzentrum des Diako- nischen Werkes Gießen im Wilhelm-Liebknecht-Haus/ Kita und Familienzentrum Krofdorfer Straße der Stadt Gießen/Ev. Kita und Familienzentrum Stephanus und Ev. Kita und Familienzentrum Schlangenzahl sowie neu hinzugekommen das Familienzentrum & Städtische Kita Die Wilde 13 Lützellinden. Die Zeiten für Beratung vor Ort sind geblieben, d. h. es finden zwei Stunden Erzie- hungsberatung am jeweiligen Standort pro Monat statt. Diese können von Eltern selbst oder von Erzieherinnen der Kita gebucht werden. Die Auslastung der Sprech- stunde variiert sowohl von Monat zu Monat als auch von Einrichtung zu Einrichtung. Ebenso unterschiedlich fällt die Dauer einer Beratung aus (zwischen 30 und 90 Minuten für einen Termin). Insgesamt deutet jedoch vieles darauf hin, dass sich das Angebot mehr und mehr etabliert und als Bestandteil eines Familienzentrums wahrgenommen wird. von „Beratungsstopps“ bzw. Aussetzen von Angeboten zum Begleiteten Umgang von kooperierenden Bera- tungsstellen, mehr Fälle in der ÄPB außerhalb des hier geschilderten Kontingentes Eingang fanden. Diese Be- dingungen im Umfeld erhöhten den Nachfragedruck bei uns ganz enorm und führten an Grenzen der Möglich- keiten in diesem Bereich. Zu ergänzen ist, dass neben den familiengerichtlichen Fällen weitere 9 Beratungen aus der Jugendgerichts- hilfe bearbeitet wurden. Die Anzahl dieser JGH-Fälle stellte ein Mittelwert der letzten drei Jahre dar (2017 = 12; 2016 = 5). Dies bedeutet auch, dass insgesamt 32 (bzw. 41 s. o.) Beratungsfälle angenommen wurden, die im Kontext „gelenkter Beratungsmotivation“ bei den Klienten das Beraterteam der ÄPB vor besondere Herausforderungen gestellt hat und weiter stellen wird. Zählt man weitere (außergerichtliche) Fälle mit Bera- tungsauflagen hinzu (z. B. Jobcenter sowie Jugendamt im Rahmen der Hilfeplanung oder Erziehungsberatung als Bestandteil eines Schutzkonzeptes), so finden sich mittlerweile über 10 % unserer Beratungsfälle in die- sem Kontext wieder. Die Erziehungsberatung und Fachberatung vor Ort in Familienzentren erfolgte bereits von 2012 bis April 2014 und ging dann kontinuierlich seit Ende 2015 weiter. Eine aktuelle Evaluation der Ergebnisse durch die Gießener Jugendhilfeplanung steht noch aus, die Hierzu auch ein paar Zahlen und Ergebnisse: Gießener Familienzentren Anzahl Erziehungsberatung Anzahl Fachberatung Gesamt 2016 62 5 67 2017 52 18 70 2018 40 9 49 Die Anzahl der Beratungen ging im Berichtsjahr ins- gesamt zurück. In den Auswertungsgesprächen wurde dies thematisiert und zusammen überlegt, was in der Kommunikation zwischen Kita und Familienzentrum, den Familien selbst und der Erziehungsberatung ver- bessert werden kann. Andererseits stellte sich heraus, dass viele Termine länger als 30 Minuten dauerten bzw. veranschlagt wurden: Nur 41 % der Gespräche verliefen wie konzeptionell geplant eine halbe Stunde, in 59 % der Fälle wurde die Beratung deutlich länger durchgeführt. Diese Ent- wicklung relativiert die oben beschriebene geringere Auslastung der Sprechstunde vor Ort. 11
Gesprächsdauer 2018 konnte das Anliegen der Ratsuchenden in 80 % der Fälle bei einmaliger Beratung so geklärt werden, dass offensichtlich zunächst ausreichende „Inputs“ für die Ratsuchenden vermittelt werden konnten. Bei den restlichen 20 % der Fälle wurde an eine andere Institution verwiesen, es wurde ein erneuter Termin vereinbart oder das Stammhaus empfohlen. Ergebnisse der Beratung 2018 4% 10% Klärung bei einmaliger Beratung 6% 80 % erneuter Termin im FZ Verweis ans Stammhaus Verweis an andere Institution Insgesamt 45 Kinder waren Anlass der Beratungen, 53 % Jungen und 45 % Mädchen (nicht bekannt=2 %). Der Altersdurchschnitt lag bei 4,57 Jahren, wobei dies- mal die Altersgruppe der 3-4-Jährigen am häufigsten besprochen wurde. Das Beratungssetting war vielfältig, am häufigsten er- schien erwartungsgemäß die Kindesmutter zum Ge- spräch (49 %). Aber auch der Kindesvater allein oder zusammen mit der Mutter sowie die Kinder und Fach- kräfte suchten regelhaft die Sprechstunde vor Ort auf. 12
Zur Beratung erschienene Personen 2018 Zur Beratung erschienene Personen 2018 Und schließlich kann festgehalten werden, dass die große Mehrzahl der Kinder, die Thema der Beratungen waren, auch in den entsprechenden Familienzentren betreut wurden. Ein kleinerer Anteil von Kindern mit Beratungsbedarf ist dem Umfeld des Familienzentrums zuzuordnen (Geschwister, Verwandte etc.). Betreuung im Familienzentrum 13
Parallel zu diesen Entwicklungen in der Stadt prak- tizieren wir das Modell der Beratung vor Ort mit der Gemeinde Wettenberg aus dem Landkreis seit 2015. Folgende fünf Kitas und Familienzentren der Gemeinde werden kontinuierlich mit dem Beratungsangebot ver- sorgt: Kita Finkenweg, Schatzkiste, Mäusenest/Zauber- wald, Wiesenhaus und Pfiffikus. Die Inanspruchnahme der Sprechstunde vor Ort war auch in Wettenberg sehr unterschiedlich, was Thema in den Auswertungsge- sprächen war. Aber auch hier fiel noch deutlicher aus, dass die Dauer der einzelnen Beratung zugenommen hat. So fanden nur 27 % der Beratungsgespräche wie geplant im Rahmen einer halben Stunde statt, wäh- rend 73 % der Beratungen deutlich länger und inten- siver durchgeführt wurden. Insgesamt verlief die Zusammenarbeit mit den Kitas, deren Leitungen sowie der Fachstelle Familie und De- mografie der Gemeinde weiterhin so erfreulich, dass eine neue Kooperationsvereinbarung bis 31.12.2019 frühzeitig festgeschrieben wurde. Wettenberger Kitas Erziehungsberatung Fachberatung Gesamt 2016 50 14 64 2017 34 08 42 2018 27 03 30 Gesprächsdauer 14
2. Einzel- und Paarberatung Fallzahlen (EP) 2018 124 Familienstand (n = 124) Fallzahlen weiblich Fallzahlen männlich Neuaufnahmen Übernahme Vorjahr Neuanmeldungen Abgeschlossene Fälle 76 (61%) 48 (39%) 94 30 127 66 ledig verheiratet geschieden getrennt lebend Die Einzel- und Paarberatung ist der personell kleine- re Bereich der Beratungsstelle und wird ausschließlich über die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau getragen. Mit diesem Angebot verstehen wir uns als „Integrierte Beratungsstelle“ gemäß der Rahmenkon- zeption Psychologische Beratungsarbeit in der Evan- gelischen Kirche und im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau. „Psychologische Beratung in evangelischer Trägerschaft ist eine fachliche Unterstützung im Sinne einer qualifizierten Problem-, Konflikt- oder Krisen- bewältigungshilfe. Sie kann bei psychischen Fragestel- lungen und Konflikten in verschiedenen Phasen des Lebens in Anspruch genommen werden“ (aus: Konzept „Seelsorge in der EKHN“). In diesem Zusammenhang tagte Ende des Jahres erst- malig ein neu gegründeter Beirat der Beratungsstelle. Der Beirat berät, begleitet und unterstützt die Arbeit der Psychologischen Beratungsstelle in allen wichtigen Alter und Geschlecht (n = 124) Fragen. Er ist Bestandteil der o.g. kirchlichen Rahmen- konzeption und wird jährlich einberufen. In Ergänzung zur Erziehungsberatung können in der EP auch explizit Einzelpersonen und Paare ohne Kinder beraten werden. Dieses Beratungsangebot existiert bei uns seit 2004 (früher Ehe-, Familien- und Lebensbe- ratung von Diakonie und Caritas). Im Gießener Ein- zugsgebiet herrscht seit Jahren eine relativ konstante Nachfrage zwischen 80 und 100 Anmeldungen pro Jahr. Diesmal zählten wir 127 Neuanmeldungen, was einen „Höchstwert“ in diesem Arbeitsbereich darstellt (2017 = 95). 51 % der Personen, die sich als Paar oder allein an- meldeten, waren verheiratet, während 30 % als Fa- milienstand ledig angaben. Der übrige Anteil lebte vorwiegend geschieden bzw. getrennt voneinander. m w 0-18 Jahre 19-27 Jahre 28-35 Jahre 36-40 Jahre 41-45 Jahre 46-50 Jahre 51-55 Jahre 56-60 Jahre 61-65 Jahre älter als 65 Jahre 15
Bei der Altersverteilung liegt das durchschnittliche Alter der Frauen bei 42,5 Jahren, das der Männer bei 45,1 Jahren (41,6 und 44,0 in 2017). Wie im letzten Jahr kamen auch diesmal mehr Frauen in die Einzel- und Paarberatung insbesondere in der Gruppe der 19- 27- und 56-60-Jährigen. In jeder Altersgruppe waren diesmal aber auch Männer anwesend, in der Gruppe der „Ältesten“ überwiegt sogar der Männeranteil leicht. Am stärksten sind auch diesmal wieder die Jahrgänge im erwerbsfähigen Alter vertreten (28-60 Jahre), was nach wie vor die Hypothese bekräftigt, dass die Ver- einbarkeit von Familie, Partnerschaft und Beruf eine besondere Herausforderung darzustellen scheint. Der Jahrgang 0–18 ist erwartungsgemäß nicht vertreten, gehört in die Erziehungs- und Familienberatung. Themen/Anlässe der Ratsuchenden (362) Personenbezogene Themen (z.B. Selbstwert, Psychosomatik, Ängste, depressives Erleben, krit. Lebensereignisse, Burn-Out-Symptome, Ein- samkeit, körperl. Beeinträchtigungen) Partnerbezogene Themen (z.B. Auseinanderleben, Beziehungskrisen, eskalierendes Streitverhalten, Eifersucht, Kommunikationsprobleme, Spätfolgen nach Trennung-Scheidung) Familien- und kinderbezogene Themen (z.B. familiäres Umfeld, unterschiedliche Erziehungsvorstellungen, Trennungs- und Scheidungsfragen, Bezie- hungsprobleme zwischen Eltern und Kindern) Themen im sozialen Umfeld (z.B. Ausbildung, Arbeitssituation, finanzielle Situation) in % zu Fallzahl (124) 87 155 31 19 Erläuternd sei zu diesen Zahlen erwähnt, dass aufgrund von durchschnittlich 2,92 Nennungen pro Fall die Summe der Zahlen nicht 100% sondern 292% ergibt (2,92 x 100%). Nach dem Erstgespräch werden vom Berater die The- men/Anlässe anhand eines Anlasskataloges vermerkt, weshalb die Klienten die Beratungsstelle aufgesucht haben (analog Erziehungsberatung). Auch hier werden in der Regel mehrere Anlässe genannt, d. h. in 2018 waren es durchschnittlich 2,92 Themen/Anlässe pro Beratungsfall. Nachdem die Komplexität der Beratungs- anlässe in den drei Jahren zuvor leicht rückläufig war (2,35 Themen pro Fall in 2017), gab es diesmal offen- sichtlich zu Beratungsbeginn wieder etwas mehr Prob- lembereiche aus der Sicht der Klienten zu besprechen. Die Ambivalenzen und Krisen in Ehe und Partner- schaft dominieren bei den Themen und Anlässen der Ratsuchenden erneut ganz eindeutig. Dies war in den vorherigen Jahren recht ähnlich und resultiert aus dem Schwerpunkt der „Paarberatung“ im Paar- aber auch Einzelsetting. Darüber hinaus benennen fast 90 % der Klienten personenbezogene Probleme (depressive Symptome, Selbstwertkrisen, kritische Lebensereignis- se), während bei fast jedem Dritten Schwierigkeiten innerhalb der Familie als relevantes Beratungsthema auftauchen. Beim Schwerpunkt der Beratung (Beratungssetting) lag erstmalig die Einzelberatung vorn, wobei auch hier gehäuft Themen aus der Partnerschaft eine Rolle spiel- ten (55 %). In 45 % der Fälle wurden im Schwerpunkt Ehe- und Paarprobleme mit beiden Partnern beraten, während das Familiensetting diesmal als Schwerpunkt gar nicht auftauchte. Schwerpunkt der Beratung absolut (n = 66 abgeschlossene Fälle) Ehe- und Paarberatung Familienberatung Einzelberatung 0 20 40 16
Dauer der Beratung absolut (n = 66 abgeschlossene Fälle) KJHG-Anteile der Beratung absolut (Mehrfachnennung möglich) Bei der Dauer der Beratung kann man festhalten, dass zwei Drittel der Fälle Kurzberatungen mit 1–2 Kontak- ten waren, noch mehr als im Vorjahr. 3-5 Beratungs- termine pro Fall finden sich in 21 % der Fälle, während längere Beratungen diesmal in 12 % der abgeschlosse- nen Fälle vorkamen (2017 = 27 %). Ca. 40 % der Beratungen konnten gemäß gemeinsam festgelegter Ziele und Teilziele beendet werden. Etwa genauso oft wurden Beratungen durch die Klienten selbst beendet (z. B. Folgetermin nicht wahrgenom- men) und bei 20 % wurde an andere Institutionen verwiesen oder „sonstig“ beendet. Prinzipiell gilt auch in der Einzel- und Paarbera- tung, dass sich Probleme in der Regel nicht einfach „in Luft aufgelöst“ haben, d. h. nicht alle Fragestel- lungen werden in einer Beratung gelöst. Die Klienten bekommen aber immer Anstöße und Impulse, wie es in ihrem Leben weitergehen kann und was hierfür künftig getan werden sollte. Dies prägt die Arbeitsweise der Beratungsstelle und ist ein wichtiges konzeptionelles Element sowohl für die Einzel- und Paarberatung als auch gleichermaßen für die Erziehungs- und Famili- enberatung. Die Personen in der Einzel- und Paarberatung kön- nen, müssen aber nicht zwangsläufig auch Eltern sein. Der Fokus der Beratung liegt jedoch bei beiden ein- deutig auf der Paarebene („Bei uns kriselt es in der Beziehung“) und dies geben die Frauen und Männer in aller Regel auch sehr direkt bei der Anmeldung an. Generell gehen wir jedoch davon aus, dass eine ge- lungene Einzel- oder Paarberatung übergreifend nicht ausschließlich den direkt zu Beratenden zugutekommt, sondern in der Mehrzahl eben auch den Kindern und Jugendlichen, die ggf. mit im Haushalt der (Eltern-) Paare leben. Es liegt auf der Hand, dass auch die Kinder davon profitieren, wenn ihre Eltern sinnvolle und prak- tikable Lösungsansätze für die Partnerschaftskonflikte erarbeiten können. 17 In den letzten Jahren lag der Anteil von Klienten, bei denen minderjährige Kinder im Haushalt wohnten, immer zwischen 50 und 75 %. In 2018 waren es 66 % Ratsuchende mit Kindern. Spätestens an dieser Stelle wird auch der sehr enge Bezug zur Jugendhilfe deutlich. Im letzten Jahr profitierten insgesamt 115 Kinder von der Beratung ihrer Eltern – Kinder und Jugendliche, die im Haushalt der Klienten aus der Einzel- und Paarbe- ratung leben! Themen aus dem Bereich des SGB VIII, die dann in der Einzel- oder Paarberatung direkt mit bearbeitet wurden, betreffen im Schwerpunkt § 28 (Erziehungs- beratung) und kindbezogene Fragen zu Partnerschaft, Trennung und Scheidung (§§ 17, 18). Auch wenn der prinzipielle Fokus der Einzel- und insbesondere der Paarberatung nicht identisch ist mit dem der Erziehungsberatung, so wird anhand der dar- gestellten Zahlen sichtbar, dass beide Bereiche nicht isoliert nebeneinander zu betrachten sind. Vielmehr stellt gerade die Paarberatung aus unserer Sicht auch eine sinnvolle Ergänzung des Angebots der Erziehungs- beratung und damit einer integrierten Beratungsstelle dar – nämlich in den Fällen, bei denen Kinder mit betroffen sind. 34% keine Kinder 66% Kinder
Beratung in der Wetterau Nach Gesprächen mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bietet die ÄPB seit 2017 auch Einzel- und Paarberatung für Ratsuchende aus dem Wetteraukreis an. Es ist die Fortsetzung des kirchlichen Angebotes in diesem Bereich, welches bis Ende des Jahres 2016 durch das Diakonische Werk Wetterau durchgeführt wurde, dann aber nicht mehr fortgesetzt werden konn- te, sodass unsere Beratungsstelle auch unter regionalen Gesichtspunkten diesbezüglich als Nachfolgeinstitution angefragt wurde. Auch hierzu einige Zahlen und Ergebnisse: 82 Fallzahlen gesamt Fallzahlen weiblich 50 (61 %) Fallzahlen männlich 39 (39 %) 60 Neuaufnahmen 22 Übernahme Vorjahr 77 Neuanmeldungen Abgeschlossene Fälle 48 Erstmalig kann man auf ein ganzes Jahr zurückblicken. Hatten wir anfangs in 2017 noch etwas Probleme, auf unser Angebot aufmerksam zu machen, so sah es ein Jahr später schon deutlich besser aus. Die Fallzahlen sind vergleichbar mit dem Mittel der letzten Jahre aus Gießen. Interessant ist, dass der Schwerpunkt der Beratung in der Wetterau im Gegensatz zu Gießen bei der Ehe- und Paarberatung lag (71 %). 63 % der angemeldeten Personen waren verheira- tet, mehr als in Gießen. 23 % lebten geschieden oder getrennt voneinander und 14 % gaben ledig als Fa- milienstand an. Ca. 83 % der Ratsuchenden aus der Wetterau finden sich in der Altersgruppe der 28-55-Jährigen wieder. Im Durchschnitt waren die Klienten 45 Jahre alt. Wie im Vorjahr lebten bei 76 % der Klienten Kinder mit im Haushalt, d. h. hier waren die Paare gleichzeitig auch Eltern. Bestenfalls profitierten 91 minderjährige Kinder von der Beratung ihrer Eltern. Bei der Dauer der Beratung überwogen ganz ein- deutig die Kurzberatungen. Ein bis zwei Beratungskon- takte pro Anmeldung erfolgten in über 73 % der Fälle. 21 % erschienen 3-5x und in 6 % der Fälle wurde bis zu zehn Sitzungen beraten. Insgesamt kann man festhalten, dass das neue Bera- tungsprojekt in den Räumlichkeiten der Evangelischen Familienbildung Wetterau in Friedberg zufriedenstel- lend angelaufen ist. Unser Ziel ist es, das Angebot der Einzel- und Paarberatung in der Wetterau weiter be- kanntzumachen und damit vor Ort zu etablieren. Familienstand (n = 82) Schwerpunkt der Beratung (n = 48 abgeschlossene Fälle) ledig verheiratet geschieden getrennt lebend Ehe- und Paarberatung Familienberatung Einzelberatung 20 40 10 30 18
3. Fallübergreifende Aktivitäten - Prävention Über die Fallarbeit hinaus ist die Beratungsstelle in ver- schiedenen Gremien bzw. Arbeitskreisen der Jugend- hilfe und der Evangelischen Kirche tätig. Im Einzelnen waren dies: • AK Keine Gewalt gegen Kinder – Stadt und Landkreis • AK Männerberatung – Stadt und Landkreis • Fachausschuss Hilfen zur Erziehung – Stadt • AG nach § 78 SGB VIII Hilfen zur Erziehung – Stadt und Landkreis • AG Kooperation in Familienzentren - Stadt • Gießener AK Trennung und Scheidung – Stadt und Landkreis • Anbietertreffen der Jugendämter und Beratungsstel- len – Reg. FrühPrävention in Stadt und Landkreis Gießen • Treffen der „insoweit erfahrenen Fachkräfte“ nach § 8a Abs. 2 SGB VIII – Stadt und Landkreis • Reg. Stellenleiterkonferenz (Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Wetzlar, Limburg/Weilburg) • Stellenleiterkonferenz für Psychologische Beratungs- stellen in der EKHN Neben regelmäßigen Vorstellungen der Beratungsar- beit bei unterschiedlichen Personen und Institutionen (Jugendhilfe, Uni, Kirche, Beratungsstellen, Ärzte, The- rapeuten etc.) gestalteten die Mitarbeiter und Mitarbei- terinnen der Beratungsstelle folgende Vorträge, Diskus- sions- und Elternabende mit: • Auffälliges Verhalten in der Pubertät (Kursangebot Ev. Familien-Bildungsstätte, Gießen) • Umgang mit digitalen Medien (Familienzentrum St. Martin, Gießen) • Beratungszugänge (Hallo-Welt, Gießen) • Aggressives Verhalten im Kleinkindalter (FZ Wiesen- haus sowie Kita Mäusenest, Wettenberg) • Grenzen setzen (Kita Pfiffikus, Wettenberg) • Erziehungsberatung sowie • Gelingende Kommunikation mit Kindern sowie • Eltern sein und trotzdem Paar bleiben (Aktino-Müt- tercafe, Nordstadt) • Wie kann Familie gelingen? (Aktion Perspektiven) Des Weiteren sind wir bemüht, möglichst zeitnah An- liegen aller Art im Sinne einer „Info-Börse“ zu bear- beiten. Hierunter verstehen wir Anfragen von Eltern, Kindern und Jugendlichen oder von Mitarbeitern aus Kitas, Schulen, Beratungsstellen, Kliniken, Jugendäm- tern, Heimen etc., die sowohl konkrete Anlässe („was kann ich tun?“) wie auch allgemeine Angelegenheiten 19 („wer kann am ehesten weiter helfen?“) als Hinter- grund haben. Je nach Thematik werden die Infos häufig telefonisch oder auch persönlich im Gespräch vermittelt. Diesmal waren es wieder 81 Kontakte dieser Art. Die Beratung der Klienten erfolgt durch das Fachteam der Ärztlich-Psychologischen Beratungsstelle. Es be- steht aus sieben Personen und ist aktuell mit 4 Frauen und 3 Männern besetzt. Danken möchten wir an dieser Stelle Frau Carmen Detlefsen, die ihr Engagement in der freiberuflichen psychotherapeutischen Praxis verstärken möchte und deshalb die ÄPB verlassen hat. Prinzipiell sind in der Beratungsstelle die Bereiche Pädagogik und Psychologie vertreten, konsiliarisch kann trägerintern problemlos auf ärztliches, insbesondere kinder- und jugendpsy- chiatrisches Know-how zurückgegriffen werden. An allgemeinen beraterisch-therapeutischen Zusatzquali- fikationen im Team sind insbesondere die Fachrichtun- gen Verhaltenstherapie, Kinder-, Jugendlichen- und Familientherapie sowie Systemische – und Paarbera- tung zu nennen. Einige Mitarbeiter und Mitarbeiterin- nen sind staatlich approbierte Kinder- und Jugend- lichenpsychotherapeutinnen und/oder Psychologische Psychotherapeuten und verfügen über mehrjährige Berufserfahrung. Dreh- und Angelpunkt der Beratungsstelle ist das ganztägig besetzte und fachspezifisch geschulte Sekre- tariat. Die beiden Verwaltungsangestellten vermitteln und verbinden das Team miteinander, leiten die Rat- suchenden weiter, klären erste Fragen und sind damit wichtige „Erstinstanz“ für die späteren Klienten. Spezifische Qualifikationen werden regelmäßig im Team durch Fortbildungen, Vorträge, Tagungen etc. er- weitert und ergänzt. So nahmen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in 2018 an folgenden Veranstaltungen teil: • Safer Internetday – Polizeipräsidium Mittelhessen, Marburg • Ängste und Depressionen bei Vorschul- u. Schulkin- dern – KJP, Herborn • Inklusive Beratung – ZSB, Friedberg • Paartherapie kompakt – bke Königswinter • Supervision – Weiterbildung, Grasellenbach • Systemische Kinder- und Jugendlichentherapie – Weiterbildung, Heidelberg
4. Jugendgerichtshilfe - Beratung und Kooperation JGH und ÄPB Zwischen den Jugendämtern von Stadt und Landkreis Gießen und unserer Beratungsstelle besteht auf der Grundlage der Rahmenverträge seit langem eine be- währte Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe der Jugendämter (JGH). Die Mitarbeiter der JGH, auch „Jugendhilfe im Strafverfahren“ genannt, beraten und betreuen straffällig gewordene Jugendliche (14 – 18 Jahre) und deren Eltern sowie Heranwachsende, die zur Tatzeit das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Mitwirkung der Jugendhilfe an Jugendstrafverfah- ren ergibt sich aus der Rechtsgrundlage des SGB VIII (Sozialgesetzbuch) und des JGG (Jugendgerichtsgesetz), nach der die Jugendhilfe zur Einlösung des „Rechts junger Menschen auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ beitragen soll. So kommt im Rahmen von Jugendstrafverfahren erzieherischen Maßnahmen ein besonderer Stellen- wert zu. Anders als im allgemeinen Strafrecht steht im Jugendstrafrecht nicht die Sanktionierung begangenen Unrechts, der Schuldausgleich durch Strafe im Vorder- grund, sondern die Vermeidung künftiger Straffälligkeit. Dementsprechend bringt die JGH ihre sozialpädagogi- sche Kompetenz in das Strafverfahren ein und prüft im Einzelfall Ansatzpunkte für ein erzieherisches Einwirken sowie, ob Leistungen der Jugendhilfe eingeleitet und ob auf strafrechtliche Maßnahmen verzichtet werden sollte. Aus dem Spektrum der Jugendhilfeleistungen (gemäß dem SGB VIII) kann die JGH dem Gericht so auch eine Beratungsauflage für den/die Jugendliche/n bzw. Heranwachsende/n in einer Erziehungsberatungsstelle vorschlagen. Haben z. B. Jugendliche oder Heranwachsende, die von der JGH im Rahmen von Hauptverfahren nach StGB und JGG betreut werden, Schwierigkeiten und Krisen in der eigenen Entwicklung, der Familie, Schule oder Ausbildung, kann die JGH eine gerichtliche Beratungs- auflage für sinnvoll und förderlich erachten. Entspre- chend der Kooperationsvereinbarung zwischen der JGH und der Ärztlich-Psychologischen Beratungsstelle wird dann folgendermaßen vorgegangen: Der Mitarbeiter der JGH erkundigt sich bei der Be- ratungsstelle, ob eine verbindliche Übernahme einer Beratung auf der Grundlage eines Urteils vom Jugend- gericht möglich ist. Ist Kapazität vorhanden, folgt ein fachlicher Austausch und eine Abwägung der Gründe die für oder gegen eine Beratung sprechen. Entscheidet sich der JGH-Mitarbeiter für eine Beratung als mögliche Auflage, erfolgen Terminabsprachen für ein gemeinsames Erstgespräch, zu dem der Klient und ggf. dessen Eltern bzw. Bezugspersonen eingeladen werden. In dem gemeinsamen Erstgespräch vermittelt der Mit- arbeiter der JGH ausführlich für den Klienten und ggf. dessen Begleiter das Konzept der Beratung mit deut- lichem Hinweis auf Verbindlichkeit. Es werden sinn- volle Themen, die Inhalt der Beratung sein könnten, umrissen, wie z. B. schulische/berufliche, persönliche oder familiäre Schwierigkeiten. Damit wird deutlich, dass es in der Beratung nicht vorrangig um das Delikt des Klienten geht. Der Klient und die Erziehungsbe- rechtigten entbinden die Beratungsstelle von ihrer Schweigepflicht gegenüber der JGH. Dabei bezieht sich die Schweigepflichtentbindung auf die Terminwahr- nehmung, nicht auf die Inhalte der Beratung. In dem Erstgespräch geht es auch um die fachliche Einschätzung, ob ausreichend Motivation des Klien- ten vorhanden ist und die Beratung durch das soziale Umfeld als Unterstützung wahrgenommen wird. Nur bei positiver Einschätzung wird die JGH einen Bera- tungsvorschlag an das Jugendgericht weiterleiten. Die Beratungsstelle erhält eine Kopie dieses Vorschlages. Der zuständige Berater hat die Möglichkeit, nach Ab- sprache an der gerichtlichen Hauptverhandlung teil- zunehmen. Anklageschrift, Gerichtsurteil und seine Begründung werden der Beratungsstelle nach Bedarf zugänglich gemacht. Mit den Beratungsterminen wird möglichst bald nach der Auflage begonnen. Beratungsumfang sind in der Regel 5 bis 8 Termine im Zeitraum von 4 bis 6 Monaten. Neben den Einzelgesprächen mit dem/der Jugendlichen können bei Bedarf auch Familienmitglieder in die Be- ratung einbezogen oder ggf. auch testpsychologische Untersuchungen durchgeführt werden. Nach der Durchführung der angeordneten Beratungs- termine folgt ein gemeinsames Abschlussgespräch mit dem Mitarbeiter der JGH. Zudem erhält die JGH von dem/der Berater/in einen kurzen Bericht über den Be- ratungsverlauf und die besprochenen Themen in Stich- worten, der an das Gericht weitergeleitet wird. Danach hat der Jugendliche und seine Familie über das Gerichtsverfahren hinaus bei späteren Anlässen die Möglichkeit, erneut Beratungstermine eigeninitiativ bzw. freiwillig in Anspruch zu nehmen. 20
Zahlen und Ergebnisse In den Jahren 2016 bis 2018 wurden insgesamt achtzehn Fälle der Jugendgerichtshilfe in der Ärzt- lich-Psychologischen Beratungsstelle bearbeitet und abgeschlossen. Die Bandbreite der Straftaten ist vielfältig. Zu nennen sind beispielsweise Delikte wie Diebstahl, Körperverlet- zung, Sachbeschädigung, Fundunterschlagung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Nötigung etc. Es wurden in diesem Zeitraum sieben weibliche und elf männliche Personen beraten. Aus der Stadt Gießen wurden dreizehn Fälle, aus dem Landkreis Gießen fünf Fälle bearbeitet. Zwei Fälle wurden durch den Berater, ein Fall durch die Klienten vorzeitig beendet. Fünfzehn der achtzehn Fälle wurden nach dem Beratungsziel erfolgreich ab- geschlossen. Geschlechterverteilung Fälle 2016 - 2018 weiblich 7 männlich 11 2016 2 2018 9 2017 7 Anzahl der Sitzungen Beendigungsmodus 1 4 1 2 13 15 1 - 5 Termine 5 - 8 Termine mehr als 8 Termine 21 nach Beratungsziel vorzeitige Beendigung durch Berater vorzeitige Beendigung durch Klient
Fallbeispiel (anonymisiert) 1. Vorinformationen Frau X. von der Jugendgerichtshilfe (JGH) setzt sich mit der Erziehungsberatungsstelle in Verbindung. Es gehe um einen männlichen jungen Erwachsenen, der in der Vergangenheit einen Freund heftig gemobbt und schikaniert habe. Die Anklage beinhaltete unter an- derem unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln, körperliche Misshandlung und Nötigung. Die Gerichts- verhandlung hatte eine Jugendstrafe mit Bewährung von 6 Monaten zur Folge. Aufgrund der Ergebnisse der ersten Gerichtsverhand- lung hatten die Eltern des Jugendlichen eine Beru- fungsverhandlung angestrengt, bei der Frau X. nun Beratung vorschlagen möchte. Aufgrund der Erstinstanz „müsse man mit 8 – 10 Gesprächen“ rechnen. Frau X. halte den jungen Mann für ausreichend beratungsmo- tiviert, er leide psychisch darunter, in der Vergangenheit einen Freund so schikaniert zu haben. Nach fachlichem Austausch und einem Abwägen der Gründe, die für oder gegen eine Beratung sprechen könnten, wird klar, dass eine JGH-Beratung eine mög- liche Auflage für den vorgestellten Fall sein könnte. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes werde diesen Vorschlag bei Gericht einbringen und sich ggf. wieder bezüglich einer Terminabsprache melden. Im Berufungsverfahren stellt die Staatsanwaltschaft den Antrag: Schwere der Schuld liegt vor, Schadens- wiedergutmachung, acht Gespräche in der Beratungs- stelle. Die Verteidigung plädiert auf keine Schwere der Schuld, d. h. keine Jugendstrafe auf Bewährung, eine Verwarnung, acht Gespräche in der Beratungsstelle und Schadenswiedergutmachung. Das Gericht folgt schließlich der Auffassung der Vertei- digung. Außerdem wird der Gebrauch von Rauschmit- teln (THC) untersagt und mit mehreren unangemeldeten Urinkontrollen überprüft. 2. Beratungsverlauf Zum Erstgespräch erscheinen der Klient und Frau X. vom Jugendamt. Es werden das Konzept der Beratungsstelle sowie die Rahmenbedingungen geklärt. Ebenso wer- den die Anliegen, die verschiedenen Aufträge sowie letztendlich der Kontrakt für die Beratung differen- ziert. Die Beratung in einem JGH-Fall stellt einen „Zwangskontext“ dar, sollte der Klient die gemeinsam besprochenen Termine nicht einhalten, wird die Maß- nahme beendet und eine entsprechende Abschlussin- formation an die JGH gesendet. Der Auftrag der JGH an die Beratung sieht vor, dass sich der Klient noch einmal differenziert mit dem gerichts- relevanten Thema auseinandersetzt. Er soll das Erlebte besser verorten und eventuell auch damit abschließen können. Ebenso könnte ein Ergebnis sein, dass der 22 Klient mit dem Geschädigten „Frieden schließen“ kann. Der Klient selbst gibt an, dass sich sein Leben seit der „Sache“ sehr verändert hätte und es gut wäre darüber noch einmal zu sprechen. Insbesondere gegenüber dem Geschädigten sei der Kontakt komplett abgebro- chen. Obwohl er viele Dinge nicht verstehen könne, würde er sich für sein Verhalten gerne entschuldigen. Zudem möchte er natürlich die vom Gericht geforderte Auflage erfüllen. Die Beratungsschwerpunkte liegen demnach auf ei- ner Reflexion der Vorfälle und Konfrontation mit dem eigenen Verhalten (Deliktbezug) sowie auf dem Be- sprechen von alternativen und damit präventiven Ver- haltensweisen sowie auf den Veränderungen, die sich dadurch für den Klienten, sein familiäres und soziales Umfeld ergeben haben. Reflexion und Konfrontation (Deliktbezug) In den ersten Beratungsgesprächen berichtet der Klient, wie er die Delikte wahrgenommen hat. Damals sei er jünger gewesen und hätte in der Schule einige Freunde in der Klasse gehabt. Sie hätten Dinge gemacht, die man in diesem Alter „eben so macht“ und manchmal sei es auch etwas rauer zugegangen. Irgendwann hätte das Ganze eine Eigendynamik entwickelt, die vor allem den Geschädigten getroffen hätte. Dieser wäre im Freun- deskreis das schwächste Glied gewesen und hätte viel einstecken müssen. Dies hätte der Klient erst so richtig wahrgenommen als Anklage gegen ihn erhoben wurde. Zuvor hätte er die Vorfälle gar nicht so schlimm emp- funden, kann aber jetzt rückblickend reflektieren, dass er ja auch kaum Leidtragender von Misshandlungen und Erpressungen war. Über den Drogenkonsum und Handel habe er sich damals auch wenige Gedanken ge- macht, das hätte „damals dazugehört“ und die meisten in seinem Alter hätten damit zu tun gehabt. Als belastend empfinde er jedoch auch, dass er seiner Ansicht nach nicht der einzige Schuldige bei den Vor- fällen war, aber als Einziger verurteilt wurde, da den Anderen hätte nichts nachgewiesen werden können. Seine Freunde hätten dann bei der ersten Gerichtsver- handlung sogar gegen ihn ausgesagt, ihm alle Schuld zugeschoben und wären nicht belangt worden. Das wäre sehr bitter für ihn gewesen. Zudem beschäftige den Klienten nachhaltig, dass der „Geschädigte“ ja auch sein Freund gewesen sei. Sie hätten sich gut verstanden und eine gute Zeit gemein- sam gehabt, „bis die Stimmung gekippt“ sei. Erschre- cken würde ihn vor allem, dass er erst im Nachgang empfinden und begreifen könne, was er ihm alles angetan hat. Dazu komme, dass der Kontakt nach der Verhandlung abgebrochen sei, das würde sich „komisch anfühlen“, es blieben viele Dinge unausgesprochen.
Umgang und Veränderungen Der Klient wäre damals von der Schule abgegangen und hätte eine Ausbildung angefangen. Mit der Clique von damals hätte er keinen Kontakt mehr. Mit der Ausbil- dung würde es gut laufen und es bestehe die Aussicht, vom Betrieb übernommen zu werden. Er hätte jetzt eine Freundin und wäre ruhiger geworden. Allerdings habe er sich stark aus dem öffentlichen Leben zurück- gezogen. Er versuche allen Problemen aus dem Weg zu gehen, aus Angst wieder mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Wenn er doch einmal mit seinen neuen Freunden feiern gehe, würde ihn diese Angst perma- nent begleiten. Ebenso würde er oft die Luft anhalten wenn Post komme, aus Sorge, vielleicht wieder einen Brief von der Staatsanwaltschaft zu bekommen. Diesen Auswirkungen stehe er ambivalent gegen- über. Positiv sei, dass er keine Straftaten mehr begangen habe. Andererseits habe er Ängste entwickelt, sich aus dem sozialen Leben zurückgezogen („Abtauchen“), was etliche Einschränkungen nach sich ziehe. Neben pragmatischen Überlegungen und Hinweisen zur Gestaltung des Lebensalltags soll an dieser Stelle erläutert werden, wie versucht wurde, Veränderung zu initiieren. Dabei wurde seitens des Beraters auf die Methode der Wirklichkeits- und Möglichkeitskonstruk- tionen zurückgegriffen. Es handelt sich hierbei um eine systemische Methode bei der durch Fragen zu den Wirk- lichkeitskonstruktionen der aktuelle Kontext erhellt und deutlicher wird, wie sich die Lebenswelt und die Bezie- hungsmuster des Klienten darstellen. In einem zweiten Schritt werden Möglichkeitskonstruktionen entwickelt, um der Frage nachzugehen, wie der Klient sich sein Leben vorstellen könnte, also was für ihn möglich wäre. Idealerweise entsteht für den Klienten, der sich zuvor in einer handlungsunfähigen Situation befunden hat, eine Richtung, in die er gehen möchte. Der Klient kam so mehr und mehr zu der Erkenntnis, dass sich sein Leben grundlegend verändert hat, aber in 5. Ausblick 2019 Die Nachfrage an Beratung in den unterschiedlichen und vielfältigen Gebieten der Beratungsstelle ist in 2018 nochmals angestiegen. Der Zulauf in der Wet- terau (Einzel- und Paarberatung) war sehr zufrieden- stellend, in der Region Gießen erreichte er sogar einen Höchststand. Die Weiterentwicklung der Einzel- und Paarberatung in der Wetterau bleibt eine Herausfor- derung. Wir hoffen, dass das Angebot Zukunft hat und verstetigt wird. In der Erziehungsberatung blieb die Nachfrage nahe- zu auf dem Höchststand des letzten Jahres. Der Druck vielen Bereichen mit sehr positiven Ergebnissen. Durch den Perspektivwechsel wurde es für ihn möglich, die Veränderungen der letzten Jahre neu zu be- werten und konnte diese somit besser annehmen. Im weiteren Verlauf der Beratung wurde der Schwer- punkt auf die Schuld- und Schamgefühle, die aus der Tat heraus entstanden waren, gelegt. Diese Ebene war für den Klienten nachhaltig belastend und bedrü- ckend, da er von seinem Handeln damals noch sehr beeindruckt und es mit dem Opfer nie zu einer direkten Aussprache gekommen war. Der Akt der Entschuldigung ist weit verbreitet und ist vermutlich eine der wirksamsten Möglich- keiten um Schuld- und Schamgefühle zu überwin- den. Von daher wurden gemeinsam mit dem Klienten Überlegungen angestellt, wie im vorliegenden Fall eine Entschuldigung aussehen könnte. Dies mit dem Ziel, Verantwortung für die Taten zu übernehmen, um dann einen besseren Umgang mit den negativen Gefühlen zu finden. Der Klient entschied sich schließlich dazu, unter An- leitung seinem ehemaligen Freund einen bzw. zwei Briefe zu schreiben. Er sah darin die beste Möglichkeit, Unausgesprochenes loszuwerden und eine Entschuldi- gung authentisch zu formulieren. 3. Beratungsende Die Beratung mündete in einem gemeinsamen Ab- schlussgespräch mit der Vertreterin der Jugendgerichts- hilfe, um den Verlauf zu besprechen und die Ergebnisse zu sichern. Die Maßnahme konnte erfolgreich beendet werden. Der Klient nahm über die vorgeschriebenen acht Termine weitere Beratungsgespräche in Anspruch. Ergänzend sei erwähnt, dass es bei den unangekün- digten Urin-Proben letztlich keine Beanstandungen mehr gab. Daniela Bonnert, André Erb, David Fischer in der Trennungs- und Scheidungsberatung sowie bei den Fachberatungen im Kontext von potentiellen Kin- deswohlgefährdungen war enorm und wir merkten gerade in diesen Bereichen, dass kooperierende Fach- stellen ihr Angebot über längere Phasen einschränkten/ einschränken mussten. Die Grenzen des Machbaren wurden für uns damit definitiv erreicht und es bleibt zu hoffen, dass wir nicht auch partielle „Beratungsstopps“ aussprechen müssen. 23
Ärztlich-Psychologische Beratungsstelle Erziehungs- und Familienberatung Einzel- und Paarberatung Hein-Heckroth-Str. 28 a 35394 Gießen Tel: O641 40 007 40 Fax: 0641 40 007 49 mail@erziehungsberatung-giessen.de www.erziehungsberatung-giessen.de gefördert durch: Träger: Impressum Herausgeber: Ärztlich-Psychologische Beratungsstelle Texte: Peter Siemon (Leiter der Beratungsstelle) Statistische Auswertung: Karin Büttner (Sekretariat) Foto, Gestaltung und Layout: Mechthild Bäppler (Öffentlichkeitsarbeit, Verein für Jugendfürsorge und Jugendpflege)

References: § 4
 § 32
 Art. 2017
 § 28
 § 78
 § 8