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Timestamp: 2016-10-26 05:55:38+00:00

Document:
U 327/98 (14.01.2000)
Pr�sident Lustenberger, Bundesrichter Spira und Bundesrichterin Widmer; Gerichtsschreiberin Keel
B.________, 1943, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt K.________,
A.- Der 1943 geborene B.________ arbeitete ab 4. November 1968 als Maschinenschlosser bei der Firma X.________ und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert. Am 3. Juni 1990 erlitt er im damaligen Jugoslawien bei einem Autounfall eine Rippenfraktur 5 und 7 rechts lateral, eine R�ckenprellung der oberen Brustwirbels�ule (BWS), eine Prellung der Handwurzel rechts und eine Bandl�sion im PIP Dig IV rechts (Arztzeugnis von Dr. med. G.________ vom 20. Juni 1990). Seither ist er, abgesehen von einem Arbeitsversuch in der Werkzeugausgabe f�r drei Stunden t�glich in den Monaten September und Oktober 1991, nicht mehr erwerbst�tig.
Wegen Anfang Juli 1990 auftretenden Kopfschmerzen, �belkeit, Schwindel und Schmerzen bei Bewegungen der Halswirbels�ule (HWS) war B.________ vom 7. bis 10. Juli 1990 in der Chirurgischen Klinik des Kantonsspitals Y.________ hospitalisiert. In der Untersuchung vom 30. August 1990 diagnostizierte Kreisarzt Dr. med. N.________, Chirurgie FMH, eine L�sion der HWS mit fraglicher Instabilit�t C4/C5 und Verdacht auf zeitweilige Funktionsverminderung der HWS sowie auf zeitweilige radicul�re Schmerzen im linken Arm und Status nach Handwurzelkontusion rechts. Nach weiteren (handchirurgischen und neurologischen) Untersuchungen hielt sich B.________ vom 7. November 1990 bis 11. Januar 1991 in der Rehabilitationsklinik E.________ auf, wo sich seine Beschwerden (Cervicalsyndrom, Bewegungseinschr�nkung im PIP IV rechts) besserten (Austrittsbericht vom 11. Januar 1991). Ein am 25. Januar 1991 in der Klinik H.________ durchgef�hrtes MRI ergab multisegmentale Spinalstenosen und multiple degenerierte Bandscheiben zwischen C3 und C6 sowie Foraminalstenosen C3 bis C5 beidseits. Wegen einer l�nger dauernden depressiven Reaktion begab sich B.________ am 7. Mai 1991 in psychiatrische Behandlung zu Dr. med. O.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH. In seinem Bericht vom 10. Juni 1991 hielt Dr. med. D.________ von der Neurologischen Abteilung der Klinik S.________ fest, dass der Versicherte bei Status nach indirektem HWS-Trauma unter einem massiven cervico-cephalen Syndrom sowie einem psychovegetativen Syndrom leide, wobei er, da die funktionelle Untersuchung der HWS bei massivster Abwehrspannung der Muskulatur nicht m�glich gewesen sei, eine solche in Kurznarkose empfehle. Nach weiteren kreis�rztlichen Untersuchungen (vom 13. Februar und 31. Juli 1991) erfolgte vom 19. bis 23. August 1991 im Kantonsspital Y.________ eine station�re Abkl�rung, in deren Verlauf eine psychoreaktive �berlagerung des massiven cervico-cephalen Syndroms festgestellt wurde, w�hrend weder die Schmerzen noch die effektive HWS-Beweglichkeit objektiviert werden konnten, weil der Versicherte eine Untersuchung in Narkose ablehnte. Nach verschiedenen Aufenthalten in der Psychiatrischen Klinik I.________ in den Monaten November 1991 bis Januar 1992 war B.________ schliesslich vom 18. Mai bis 21. August 1992 in der Psychiatrischen Poliklinik des Kantonsspitals Y.________ hospitalisiert, in deren Bericht vom 27. August 1992 von einem schweren Somatisierungssyndrom vor dem Hintergrund einer erschwerten, vielfach neurotisch-traumatisierten Lebensentwicklung bei einer Pers�nlichkeit mit �ngstlichen hypochondrischen, teils auch hysterischen Z�gen die Rede ist. Anschliessend nahm B.________ die im Februar 1992 abgebrochene ambulante Psychotherapie bei Dr. med. O.________ wieder auf.
Nach einer weiteren kreis�rztlichen Untersuchung (vom 9. Oktober 1992) wurde der Versicherte am 18. August 1993 letztmals durch die �rzte der SUVA, Dr. med. M.________, Spezialarzt FMH f�r Oto-rhino-laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, und Dr. med. T.________, Spezialarzt FMH f�r Chirurgie, beurteilt. In seinem Bericht vom 30. September 1993 hielt Dr. med. T.________ als Diagnose fest: cervico-cephales Syndrom bei "St. n. wahrscheinlich indirektem HWS-Trauma (3.6.90)" bei "multisegmentaler Spinalstenose, Foraminalstenose C3-C6 beidseits und Bandscheibendegeneration C3-C6 [alle unfallfremd]", "St. n. Thoraxkontusion und Rippenfrakturen rechts (3.6.90)", "St. n. ulnarer Seitenbandl�sion PIP IV rechts (3.6.90)", "St. n. Basisfraktur Metacarpale V rechts (15.8.91)", "funktionelle Herzbeschwerden mit Sinustachykardie bei vegetativer Dystonie" und ein "Somatisierungs-Syndrom bei �ngstlich-hypochondrischer Pers�nlichkeit mit z.T. hysterischen Z�gen". Gleichzeitig wies er darauf hin, dass eine Objektivierung der von B.________geklagten Schwindelbeschwerden in der neurootologischen Untersuchung nicht m�glich gewesen sei (Bericht von Dr. med. M.________ vom 19. August 1993) und das Ausmass der Restbeschwerden im Sinne eines cervico-cephalen Syndroms nicht beurteilt werden k�nne, weil B.________ eine funktionelle Untersuchung der HWS in Narkose weiterhin ablehne.
Mit Schreiben vom 10. November 1993 teilte die SUVA B.________ mit, dass die Heilkostenleistungen (mit Ausnahme lockerer haus�rztlicher Kontrollen sowie der Abgabe von nicht-steroidalen Antirheumatica) sistiert und die Taggelder per 31. Dezember 1993 eingestellt w�rden (Arbeitsunf�higkeit: 100 % bis 30. November 1993, 50 % bis 31. Dezember 1993). Mit Verf�gung vom 7. Februar 1994 sprach sie B.________ f�r die somatischen Unfallfolgen ab 1. Januar 1994 eine Invalidenrente von 50 % und eine Integrit�tsentsch�digung von 10 % zu. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 15. Dezember 1995 fest.
B.- Die von B.________ hiegegen erhobene Beschwerde mit dem sinngem�ssen Antrag auf Zusprechung einer Invalidenrente entsprechend einer 75%-igen Erwerbsunf�higkeit sowie einer Integrit�tsentsch�digung von 50 % und auf �bernahme der Kosten der weiteren Heilbehandlung, insbesondere der Psychotherapie, wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 19. Oktober 1998 ab.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt B.________ die Zusprechung einer Invalidenrente entsprechend einer 75%-igen Erwerbsunf�higkeit, die �bernahme der Kosten der Heilbehandlung, insbesondere der Psychotherapie, und die R�ckweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Ermittlung der Integrit�tseinbusse.
W�hrend die SUVA auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, l�sst sich das Bundesamt f�r Sozialversicherung nicht vernehmen. Die als Mitinteressierte zum Verfahren beigeladene PROVITA Gesundheitsversicherung beantragt, die SUVA sei zu verpflichten, die Kosten der Heilbehandlung, insbesondere der Psychotherapie, zu �bernehmen, soweit diese auf das Unfallereignis zur�ckzuf�hren seien.
1.- Auf Grund der medizinischen Akten steht fest, dass sich beim Beschwerdef�hrer im Anschluss an den Unfall vom 3. Juni 1990 neben den mit einer Invalidenrente von 50 % und einer Integrit�tsentsch�digung von 10 % abgegoltenen somatischen Unfallfolgen auch psychogene St�rungen eingestellt haben. Streitig und zu pr�fen ist vorliegend einzig, ob zwischen dem Unfall und den weiteren Beschwerden ein die Leistungspflicht des Unfallversicherers (Heilbehandlung, Rente, Integrit�tsentsch�digung) begr�ndender ad�quater Kausalzusammenhang besteht.
2.- Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers zun�chst vorausgesetzten nat�rlichen (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen) und ad�quaten Kausalzusammenhang (BGE 122 V 416 Erw. 2a, 121 V 49 Erw. 3a; vgl. auch BGE 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, 123 III 112 Erw. 3a) zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) zutreffend dargelegt. Richtig sind auch die Hinweise auf die unfallbezogenen Kriterien, nach welchen sich praxisgem�ss (BGE 115 V 138 Erw. 6) beurteilt, ob es sich bei einer psychischen Fehlentwicklung um eine ad�quate Unfallfolge handelt, f�r welche der Unfallversicherer einzustehen hat. Darauf kann verwiesen werden.
Zu erg�nzen ist, dass nach der Rechtsprechung bei der Beurteilung der Ad�quanz von psychischen Unfallfolgesch�den zun�chst abzukl�ren ist, ob der Versicherte beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, eine dem Schleudertrauma �quivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Sch�del-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies der Fall, sind bei Unf�llen aus dem mittleren Bereich die in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b umschriebenen Kriterien anzuwenden. Andernfalls erfolgt die Ad�quanzbeurteilung in den dem mittleren Bereich zuzuordnenden F�llen nach den Kriterien gem�ss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa (siehe zur Begr�ndung der teilweise unterschiedlichen Kriterien: BGE 117 V 366 Erw. 6a, letzter Absatz).
Ergeben die Abkl�rungen, dass der Versicherte ein Schleudertrauma der HWS, eine diesem �quivalente Verletzung oder ein Sch�del-Hirntrauma erlitten hat, ist zus�tzlich zu beurteilen, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Ist dies zu bejahen, sind f�r die Ad�quanzbeurteilung bei F�llen aus dem mittleren Bereich die in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa f�r Unf�lle mit psychischen Folgesch�den festgelegten Kriterien (und nicht jene f�r F�lle mit Schleudertrauma der HWS, �quivalenter Verletzung oder Sch�del-Hirntrauma gem�ss BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b) massgebend (BGE 123 V 99 Erw. 2a).
3.- Vorliegend steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdef�hrer beim Unfall vom 3. Juni 1990 ein (indirektes) Schleudertrauma der HWS erlitten hat. Ebenso ist auf Grund der medizinischen Akten erstellt, dass das in den ersten Monaten nach dem Unfall durch die Schleuderverletzung gepr�gte Beschwerdebild in der Folge in eine psychische �berlagerung umgeschlagen hat, welche schliesslich eindeutige Dominanz aufwies. Unter diesen Umst�nden ist die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges, wie das kantonale Gericht zutreffend erkannt hat, nicht anhand der Kriterien, wie sie f�r Schleudertraumen der HWS entwickelt wurden, sondern unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung zu pr�fen (vgl. Erw. 2 hievor).
4.- Die Vorinstanz hat den Unfall vom 3. Juni 1990 dem mittleren Bereich zugeordnet und dabei weder einen Grenzfall zu den leichten, noch einen solchen zu den schweren Unf�llen angenommen, was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu Recht nicht beanstandet wird. Zur Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs ist daher erforderlich, dass ein einzelnes der nach der Rechtsprechung massgebenden unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist oder dass diese Kriterien in geh�ufter Weise gegeben sind (BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb).
Der vom Beschwerdef�hrer erlittene Unfall war nicht von dramatischen Umst�nden begleitet. Angesichts des Unfallherganges - nach den Angaben des Beschwerdef�hrers rammte das von seinem Bruder mit einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h gesteuerte Auto ein von der Seite mit ca. 10 km/h kommendes Fahrzeug, dessen Lenker den Tod fand - ist ihm indessen eine gewisse Eindr�cklichkeit nicht abzusprechen. Die erlittenen Verletzungen (im Wesentlichen Prellungen, Rippenfrakturen) waren nicht schwer und insbesondere nicht geeignet, eine psychische Fehlentwicklung auszul�sen. Die �rztliche Behandlung der k�rperlichen Beschwerden war mit dem Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik E.________ vom 7. November 1990 bis 11. Januar 1991 im Wesentlichen abgeschlossen und dauerte damit nicht ungew�hnlich lange. Von einer �rztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert h�tte, kann ebenso wenig gesprochen werden wie von einem schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen. Von einer gewissen Bedeutung sind sodann Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit, ist doch der Beschwerdef�hrer seit dem Unfall aus somatischen Gr�nden dauernd zu 50 % arbeitsunf�hig. Nicht erf�llt ist demgegen�ber das Kriterium der k�rperlichen Dauerschmerzen; denn das vom Versicherten geklagte cervico-cephale Syndrom konnte von den beteiligten �rzten keiner somatischen Grundlage zugeordnet werden und ist als mit dem psychischen Beschwerdebild im Zusammenhang stehend zu interpretieren, weshalb es hier unber�cksichtigt bleiben muss (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Eine gesamthafte W�rdigung ergibt, dass dem Unfallereignis vom 3. Juni 1990 f�r die Entstehung der psychischen Gesundheitssch�digung und der damit verbundenen Beeintr�chtigung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit keine massgebende Bedeutung zukommt. Die vorinstanzlich best�tigte Ablehnung des Leistungsanspruchs f�r die psychischen Beschwerden des Versicherten erweist sich somit als rechtens.

References: BGE 
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