Source: http://jataka.nibbanam.com/Band_II/j276.htm
Timestamp: 2019-05-24 18:12:25+00:00

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276 Kurudhamma-Jataka
276. Die Erzählung von der Kuru-Tugend (Kurudhamma-Jataka) [1]
„Da deinen Glauben, deine Tugend“
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Mönch, der einen Schwan getötet hatte. — Zwei Freunde nämlich, die zu Savatthi wohnten, waren Mönche geworden. Nachdem sie die Weihe erhalten, blieben sie noch mehr beieinander. — Eines Tages gingen sie an den Aciravati-Fluss und badeten; danach legten sie sich auf einer Sandbank in die Sonne und unterhielten sich gemütlich miteinander. In diesem Augenblick flogen zwei Schwäne durch die Luft [2]. Der eine junge Mönch nahm einen Kiesel und sagte: „Ich will das Auge dieses jungen Schwanes treffen.“ Der andre versetzte: „Du wirst es nicht können.“ „Im Gegenteil, ich werde von dieser Seite nach seinem Auge werfen und ihn auf der andern Seite am Auge treffen.“ „Dies wirst du gewiss nicht können!“ „Passe also auf“, versetzte der erstere; und er nahm einen dreieckigen Kiesel und warf ihn hinter den Schwan. Als der Schwan den Ton des Kiesels hörte, drehte er sich um und schaute hin. Jetzt nahm jener einen runden Kiesel und traf ihn auf der andern Seite am Auge, dass der Kiesel beim andern Auge herauskam. Der Schwan stieß einen Schrei aus, drehte sich um und fiel zu den Füßen des Mönches auf den Boden.
Als dies die allenthalben stehenden Mönche sahen, kamen sie herbei und sagten: „Freund, nachdem du in der Buddhalehre Mönch geworden, hast du etwas Unpassendes getan damit, dass du ein lebendes Wesen tötetest.“ Und sie nahmen ihn mit sich und führten ihn zu dem Vollendeten hin. Der Meister fragte: „Ist es wahr, o Mönch, dass du ein lebendes Wesen getötet hast?“ Als jener antwortete: „Es ist wahr, o Herr“, sprach der Meister: „In der Vorzeit, da noch kein Buddha erschienen war, machten sich Weise, die im Hause ein beflecktes Dasein führten, auch bei geringfügigen Dingen Vorwürfe; du aber, der du in dieser Lehre Mönch geworden, machst dir nicht einmal Vorwürfe! Muss nicht ein Mensch seinen Körper, seine Rede und seine Gedanken im Zaume halten?“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Als ehedem im Reiche Kuru in der Stadt Indapatta [3] Dhananjaya regierte, nahm der Bodhisattva im Schoße von dessen erster Gemahlin seine Wiedergeburt. Nachdem er allmählich zu Verstand gekommen war und zu Takkasila die Künste erlernt hatte, wurde er von seinem Vater zum Vizekönig gemacht. Später nach dem Tode seines Vaters gelangte er auf den Thron. Er übte die zehn Königsvorzüge aus und beharrte bei der Kuru-Tugend. Unter der Kuru-Tugend versteht man die fünf Gebote. Sie beobachtete der Bodhisattva sehr sorgfältig; und ebenso wie
(1.) der Bodhisattva beobachteten sie auch
(2.) seine Mutter,
(3.) seine erste Gemahlin,
(4.) sein jüngerer Bruder, der Vizekönig,
(5.) sein Hauspriester, der Brahmane,
(6.) sein Minister, der die Felder abmaß [4],
(7.) sein Wagenlenker,
(8.) der Großkaufmann,
(9.) sein Minister, der die Speicher verwaltete,
(10. sein Türhüter und
(11.) die Dirne, die Stadtschönheit.
§0.1 „Der König, Mutter und Gemahlin,
der Vizekönig, der Hauspriester,
der Zügelhalter [4a], Wagenlenker,
Großkaufmann, Türhüter, Verwalter
dazu die Dirne, diese elf
beharrten in der Kuru-Tugend.“
Diese alle also beobachteten sehr genau die Kuru-Tugend.
Der König ließ an den vier Stadttoren, in der Mitte der Stadt und am Tore seines Palastes sechs Almosenhallen bauen; und indem er täglich den Betrag von sechshunderttausend dafür aufwendete, erfüllte er den ganzen Jambu-Erdteil mit dem Ruhme seiner Freigebigkeit. Seine Freude und Lust am Almosen Geben aber durchdrang den ganzen Jambu-Erdteil.
Zu dieser Zeit herrschte im Reiche Kalinga [5] in der Stadt Dantapura der König Kalinga. In dessen Reiche blieb der Regen aus. Da es nun nicht regnete, entstand im ganzen Reiche eine Hungersnot. Da man fürchtete, es möchte infolge des Fehlens der Nahrung eine Krankheit unter den Menschen ausbrechen, entstand eine dreifache Furcht, nämlich eine Furcht vor der Dürre, eine Furcht vor der Hungersnot und eine Furcht vor der Krankheit. Ohne Hilfe zu finden, nahmen die Leute ihre Kinder an der Hand und gingen überall umher. Die Bewohner des ganzen Landes taten sich zusammen, zogen nach Dantapura und erhoben am Tore des königlichen Palastes ein Geschrei.
Der König hörte, an seinem Fenster stehend, den Lärm und fragte: „Warum schreien diese Leute?“ Man antwortete ihm: „O Großkönig, im ganzen Reiche ist eine dreifache Furcht entstanden. Es regnet nicht, das Getreide ist zugrunde gegangen, eine Hungersnot hat begonnen. Infolge der schlechten Nahrung sind die Menschen krank geworden, und da sie keine Hilfe finden, gehen sie umher, ihre Kinder an der Hand. Lasse es wieder regnen, o Großkönig!“ Der König fragte: „Was taten die früheren Könige, wenn es nicht regnete?“ „Wenn es nicht regnete, o Großkönig, so spendeten die früheren Könige Almosen, hielten den Uposatha-Tag und betraten dann, nachdem sie die Befolgung der Gebote auf sich genommen, ihr fürstliches Schlafgemach. Hier lagen sie sieben Tage auf einem Bett von Gras; dann sendete der Gott wieder Regen.“
Der König stimmte zu und tat so. Aber trotzdem ließ der Gott nicht regnen. Darauf fragte der König seine Minister: „Ich tat das, was ich zu tun hatte; der Gott sendet aber keinen Regen. Was sollen wir tun?“ Sie antworteten: „O Großkönig, in der Stadt Indapatta ist der Leibelefant des Dhananjaya, des Königs vom Kuru-Reiche, namens Anjanavasabha [6]. Ihn wollen wir herbeiholen, dann wird der Gott Regen senden.“ Der König erwiderte: „Dieser König ist mit einem starken Heere versehen und schwer zu besiegen. Wie sollen wir dessen Elefanten erhalten?“ Doch die Minister entgegneten: „O Großkönig, mit ihm braucht man nicht zu kämpfen. Der König hat Freude und Lust am Schenken. Wenn man ihn darum bittet, so würde er auch sein geschmücktes Haupt abschlagen, seine glänzenden Augen sich ausreißen und sein ganzes Reich wegschenken. Wegen des Elefanten braucht man kaum zu reden; gewiss wird er ihn hergeben, wenn man ihn darum bittet.“ Jetzt fragte der König: „Wer aber ist fähig, ihn zu bitten?“ „Die Brahmanen, o Großkönig“, war die Antwort.
Darauf ließ der König aus einem Brahmanendorfe acht Brahmanen herbeirufen, erwies ihnen alle Ehrung und sandte sie fort, um um den Elefanten zu bitten. Sie nahmen Reisegeld mit und zogen Reisegewänder an. Indem sie überall nur eine Nacht blieben, legten sie rasch ihre Reise zurück und speisten schon nach ein paar Tagen in der Almosenhalle am Stadttor. Nachdem sie ihren Körper befriedigt hatten, fragten sie: „Wann wird der König zur Almosenhalle kommen?“ Die Leute gaben zur Antwort: „In jeder Monatshälfte kommt er an drei Tagen, am vierzehnten, am fünfzehnten und am achten. Morgen ist aber Vollmond; deshalb wird er auch morgen kommen.“
Am nächsten Tage begaben sich die Brahmanen in der Frühe dorthin und stellten sich an das Osttor. Nachdem nun der Bodhisattva am Morgen sich gebadet und mit Wohlgerüchen besprengt hatte, bestieg er, mit allem Schmuck angetan, den Rücken seines prächtig gezierten Leibelefanten und begab sich mit großem Gefolge nach der Almosenhalle am Osttore. Hier stieg er ab, gab sieben oder acht Leuten mit eigner Hand Speise und sagte dann: „Gebt auf dieselbe Weise den anderen!“ Hierauf bestieg er wieder seinen Elefanten und begab sich nach dem Südtore.
Da nun die Brahmanen am Osttore wegen der Stärke der Leibwache keine Gelegenheit erhalten hatten, mit dem Könige zu reden, gingen sie ebenfalls nach dem Südtore und warteten, bis der König herankam, auf einem erhöhten Punkte unweit des Tores. Als der König herbeikam, hoben sie die Hände und wünschten ihm Sieg. Der König gab dem Elefanten mit seinem Diamantstachel das Zeichen umzukehren, ritt zu ihnen hin und fragte: „He, ihr Brahmanen, was wünscht ihr?“ Die Brahmanen sprachen hierauf, die Tugend des Bodhisattva rühmend, folgende erste Strophe:
§1. „Da deinen Glauben, deine Tugend
wir rühmen hörten, Völkerfürst,
verbrauchten wir des Schwarzen wegen [7]
zu Kalinga all unser Gut.“
Nach diesen Worten tröstete sie der Bodhisattva, indem er sagte: „Wenn ihr, ihr Brahmanen, wegen dieses Elefanten euer Geld verbrauchtet, so seid unbekümmert. So wie er geschmückt ist, will ich euch den Elefanten geben.“ Und er sprach die folgenden beiden anderen Strophen:
§2. „Ob einer Speise wünscht, ob nicht,
wer zu dem Zwecke hierher kommt,
die darf man alle nicht abweisen;
so sagte einst ein alter Lehrer.
§3. Ich schenke euch, Brahmanen, den Elefanten,
des Königs würdig, für ihn nur passend, den schönen,
den reich geschmückten, mit goldnem Netz bedeckten,
samt seinem Lenker. Gehet, wohin ihr möget.“
Nachdem ihn der Bodhisattva mit diesen Worten, auf dem Rücken des Elefanten sitzend, den Brahmanen geschenkt hatte, stieg er wieder vom Rücken des Elefanten herab. Indem er dachte: „Wenn eine Stelle an ihm nicht geziert ist, werde ich sie erst mit Schmuck versehen und ihn dann ihnen geben“, ging er dreimal von rechts um ihn herum und untersuchte ihn. Da er aber keine ungeschmückte Stelle fand, goss er aus einem goldenen Gefäß Wasser aus, das mit Blumenduft parfümiert war [8], legte den Rüssel des Elefanten in die Hände des Brahmanen und gab ihn ihnen. Die Brahmanen nahmen den Elefanten samt seiner Begleitung an, setzten sich auf den Rücken des Elefanten, begaben sich nach der Stadt Dantapura zurück und gaben den Elefanten dem Könige.
Aber auch nachdem der Elefant gekommen war, schickte der Gott noch keinen Regen. Der König fragte wieder: „Was ist daran schuld?“ Da hörte er: „Dhananjaya, der König der Kuru-Leute, beobachtet die Kuru-Tugend; darum regnet es in dessen Lande jeden halben Monat oder alle zehn Tage. Dies ist die Folge der Tugend des Königs. Die Vorzüge dieses Tieres aber, wenn sie vorhanden sind, wie gering müssen sie dagegen sein!“ Darauf sprach der König: „Führet darum den Elefanten mit seinem vollen Schmuck und mit seiner Begleitung zum Könige zurück und gebt ihm denselben zurück. Die Kuru-Tugend aber, die er ausübt, schreibt auf eine goldene Platte und bringt sie mir.“ Mit diesen Worten schickte er die Brahmanen und seine Minister fort.
Diese gingen hin, gaben dem Könige den Elefanten zurück und sprachen: „O Fürst, auch als dieser Elefant kam, schickte der Gott unserm Lande keinen Regen. Ihr übt aber die Kuru-Tugend aus. Auch unser König möchte sie ausüben und hat uns hierher geschickt mit dem Auftrage, sie auf diese goldene Platte aufzuzeichnen und ihm so zu bringen. Gebt uns die Kuru-Tugend!“ Der König erwiderte: „Ihr Lieben, es ist wahr, ich übte diese Kuru-Tugend aus. Jetzt aber mache ich mir Vorwürfe darüber. Diese Kuru-Tugend befriedigt mein Herz nicht mehr, daher kann ich sie euch nicht mitteilen“. —
Warum befriedigte aber den König die Tugend nicht mehr? Damals hatten nämlich die Könige in jedem dritten Jahre im Monat Kattika [9] ein Kattika-Fest. Wenn die Könige dieses Fest begingen, schmückten sie sich mit aller Pracht, legten ein göttliches Gewand an und schossen, in der Nähe der Halle des Gottes Cittaraja stehend, nach allen vier Himmelsgegenden Pfeile ab, die mit Blumen geschmückt und bunt bemalt waren. Als nun jener König gleichfalls dieses Fest feierte, schoss er, indem er am Rande eines Sees in der Nähe des Halbgottes Cittaraja stand, nach den vier Himmelsgegenden bunte Pfeile ab. Die drei Pfeile, die er nach den anderen Richtungen abgeschossen hatte, sah man; den auf das Wasser hinausgeschossenen aber sah man nicht. Da dachte der König: „Vielleicht hat der von mir abgeschossene Pfeil den Körper eines Fisches getroffen“; und er machte sich Vorwürfe, er habe ein lebendes Wesen getötet und dadurch die Gebote übertreten. Darum hatte er die Gebote nicht vollständig erfüllt.
Daher sprach der König: „Ihr Lieben, ich habe Gewissensbisse wegen der Kuru-Tugend. Meine Mutter aber beobachtet sie genau; lasst sie euch von ihr mitteilen.“ Doch die Boten erwiderten: „O Großkönig, Ihr hattet nicht die Absicht, ein Wesen zu töten; ohne Absicht aber gibt es keine Tötung von lebenden Wesen. Gebt uns die von Euch beobachtete Kuru-Tugend.“ „Schreibt also“, versetzte er und ließ sie auf eine goldene Tafel folgendes schreiben:
„Man darf kein Wesen töten,
man darf nicht nehmen, was einem nicht gegeben wird,
man darf keine Unkeuschheit treiben,
man darf keine Unwahrheit sagen,
man darf keine berauschenden Getränke trinken.“
Nachdem er dies hatte schreiben lassen, sagte er: „Obwohl es aber so ist, erfreut es mich nicht; lasst euch die Vorschriften von meiner Mutter mitteilen.“
Die Boten grüßten den König, gingen zu seiner Mutter hin und sprachen: „O Fürstin, Ihr beobachtet doch die Kuru-Tugend; gebt sie uns.“ Sie erwiderte: „Ihr Lieben, es ist wahr, dass ich die Kuru-Tugend beobachte. Jetzt aber mache ich mir einen Vorwurf darüber. Die Tugend erfreut mich nicht mehr; darum kann ich sie euch nicht geben.“ — Sie hatte nämlich zwei Söhne; der ältere war der König und der jüngere der Vizekönig. Nun hatte ein König dem Bodhisattva Sandelholz im Werte von hunderttausend und eine goldene Halskette im Werte von tausend geschickt. Der Bodhisattva dachte: „Ich will meiner Mutter eine Ehrung erweisen“, und schickte alles seiner Mutter. Diese dachte aber: „Ich parfümiere mich nicht mit Sandel und trage auch keine Halskette; ich will es meinen Schwiegertöchtern schenken.“ Doch da kam ihr folgender Gedanke: „Meine ältere Schwiegertochter ist die Herrin und nimmt den Platz der ersten Gemahlin ein; ihr will ich die goldene Halskette geben. Meiner jüngern Schwiegertochter aber geht es schlecht; ihr will ich das Sandelholz schenken.“ Und sie schenkte der Gemahlin des Königs die goldene Halskette und der Gattin des Vizekönigs das Sandelholz.
Nachdem sie aber so getan, dachte sie: „Ich beobachte die Kuru-Tugend. Ob es dieser schlecht oder nicht schlecht geht, ist für mich nicht maßgebend; wohl aber kommt es mir zu, der älteren Ehrung zu erweisen. Habe ich nicht durch diese Handlungsweise die Gebote übertreten?“ Und sie machte sich Vorwürfe darüber; darum sprach sie so zu den Boten. Die Boten aber erwiderten ihr: „Was einem gehört, kann man nach Belieben verschenken. Wenn Ihr Euch wegen einer solchen Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr da eine andre böse Tat verüben können? Durch etwas derartiges werden die Gebote nicht übertreten. Teilt uns die Kuru-Tugend mit!“ Sie erhielten sie von ihr und schrieben sie auch auf die goldene Tafel. Doch die Mutter des Königs fügte hinzu: „Ihr Lieben, obwohl es sich so verhält, gefällt es mir so nicht. Meine Schwiegertochter aber beobachtet die Tugend wohl; lasst sie euch von ihr mitteilen.“
Darauf begaben sie sich zur ersten Gemahlin des Königs und baten sie in der oben angegebenen Art um die Kuru-Tugend. Sie aber sprach auch, wie oben ausgeführt, und fügte hinzu: „Jetzt gefällt mir meine Beobachtung der Tugend nicht; darum kann ich sie euch nicht mitteilen.“ Als sie nämlich eines Tages am Fenster stand und der König gerade von rechts her die Stadt umritt, sah sie den hinter ihm auf dem Rücken des Elefanten sitzenden Vizekönig. Da wurde sie von Begierde erfüllt und sie dachte: „Wenn ich mit diesem ein Verhältnis beginnen würde, so würde er mich nach dem Tode seines Bruders zur Frau nehmen, wenn er auf dem Throne sitzt.“ Da kam ihr zum Bewusstsein: „Ich, die ich die Kuru-Tugend beobachte und einen Gatten habe, habe durch die Gewalt der Lust einen andern Mann angeschaut. Ich muss die Gebote übertreten haben.“ Und sie machte sich Vorwürfe darüber; darum sprach sie so.
Darauf sagten die Boten zu ihr: „Einen Fehltritt, du Edle, gibt es nicht, wenn nur ein Gedanke aufsteigt. Wenn Ihr Euch über eine solche Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr da eine Sünde tun können? Durch etwas so Unbedeutendes wird das Gebot nicht übertreten. Teilt uns die Kuru-Tugend mit!“ Nach diesen Worten empfingen sie die Mitteilung und schrieben sie auf die goldene Platte. Aber die Königin fügte hinzu: „Ihr Lieben, obwohl es sich so verhält, gefällt mir dies nicht. Der Vizekönig aber beobachtet sie genau; lasst sie euch von ihm sagen.“
Hierauf gingen die Boten zum Vizekönig hin und fragten wie oben nach der Kuru-Tugend. Wenn nun dieser am Abend dem König seine Aufwartung machen wollte und mit seinem Wagen in den Hof des Palastes kam, so legte er, wenn er bei dem König speisen und dortselbst schlafen wollte, die Zügel und den Stachelstock auf das Joch des Wagens. Wenn die Leute dies bemerkten, so gingen sie fort, kamen am nächsten Morgen wieder und blieben stehen, auf sein Herauskommen wartend. Der Wagenlenker seinerseits verwahrte den Wagen, kehrte am nächsten Morgen mit dem Wagen zurück und wartete an dem Tor des königlichen Palastes. Wenn aber der Vizekönig sogleich wieder herauskommen wollte, so legte er die Zügel und den Stachelstock in den Wagen hinein, um dann dem König seine Aufwartung zu machen; und wenn die Leute das merkten, so dachten sie: „Sogleich wird er herauskommen“, und blieben am Tore des königlichen Palastes stehen.
Nachdem nun der Vizekönig eines Tages so getan, ging er in den Palast des Königs hinein. Kaum war er aber darinnen, so begann es zu regnen. Als der König merkte, dass es regnete, ließ er seinen Bruder nicht weggehen, sondern dieser speiste bei ihm und verbrachte hier die Nacht. Viele Leute aber blieben, da sie dachten, er werde jetzt gleich herauskommen, die ganze Nacht da stehen und wurden nass. Als nun am nächsten Tage der Vizekönig herauskam und die durchnässten Leute da stehen sah, dachte er: „Ich, der ich die Kuru-Tugend beobachtet, habe so vielen Leuten eine Unannehmlichkeit bereitet; ich muss das Gebot übertreten haben.“ Und er machte sich Vorwürfe darüber.
Darum erwiderte er den Boten: „Es ist wahr, ich beobachte die Kuru-Tugend. Jetzt aber mache ich mir Vorwürfe; darum kann ich sie euch nicht mitteilen.“ Und er erzählte ihnen die Begebenheit. Doch die Boten antworteten: „Ihr, o Fürst, hattet nicht die Absicht, die Leute zu belästigen. Eine unabsichtliche böse Tat gibt es nicht. Wenn Ihr Euch über solch eine Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr dann eine Sünde begehen können?“ Und sie ließen es sich von ihm mitteilen und schrieben es auf die goldene Tafel. Doch der Vizekönig fügte hinzu: „Obwohl sich dies so verhält, gefällt es mir so nicht. Der Hauspriester aber beobachtet genau die Gebote; lasst sie euch von diesem mitteilen!“
Darauf gingen sie zu dem Hauspriester des Königs hin und baten ihn darum. Als aber dieser eines Tages ging, um dem Könige seine Aufwartung zu machen, sah er unterwegs einen Wagen, leuchtend wie die junge Sonne, den ein König dem Könige geschickt hatte. Als er auf seine Frage, wem der Wagen gehöre, erfuhr, er sei für den König herbeigebracht worden, dachte er: „Ich bin ein alter Mann. Wenn mir der König diesen Wagen schenkte, könnte ich ihn behaglich besteigen und darin verweilen.“ Hierauf machte er dem Könige seine Aufwartung. Als er ihm Sieg gewünscht hatte und stehen blieb, zeigte man dem Könige den Wagen. Da ihn der König sah, sprach er: „Sehr schön ist dieser Wagen; gebt ihn dem Lehrer!“ Der Hauspriester aber wollte ihn nicht; und obwohl es ihm immer wieder gesagt wurde, wollte er ihn doch nicht. Warum? Es kam ihm folgender Gedanke: „Ich, der ich die Kuru-Tugend beobachte, empfand Verlangen nach dem Eigentum eines andern; ich muss das Gebot übertreten haben.“
Er erzählte den Boten diese Begebenheit und fügte hinzu: „Ihr Lieben, ich mache mir Vorwürfe wegen der Kuru-Tugend. Die Tugendausübung gefällt mir nicht; deshalb kann ich sie euch nicht mitteilen.“ Doch die Boten antworteten: „Du Edler, durch das Aufsteigen des Verlangens wird das Gebot nicht übertreten. Wenn Ihr Euch wegen einer solchen Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr dann eine Sünde tun können? Und sie ließen sich von ihm die Gebote mitteilen und schrieben sie auf die goldene Platte. Doch der Hauspriester fügte hinzu: „Obwohl sich dies so verhält, gefällt es mir so nicht. Der Hofbeamte aber, der die Felder abmisst [10], beobachtet genau die Gebote; lasst sie euch von diesem sagen.“
Darauf gingen sie zu diesem hin und fragten ihn danach. Dieser hatte, als er eines Tages auf dem Lande ein Feld abmaß, einen Strick an einen Stab gebunden. Das eine Ende ließ er den Besitzer des Feldes nehmen, das andre nahm er selbst. Der Stab aber, an den das von ihm gefasste Strickende gebunden war, traf mitten auf ein Krebsloch. Jetzt bedachte er: „Wenn ich den Stab in das Loch hineinstecke, so wird in dem Loch der Krebs zugrunde gehen. Wenn ich ihn aber weiter nach vorn befestige, wird das Eigentum des Königs geschädigt werden; und wenn ich ihn weiter nach hinten befestige, so wird das Eigentum des Gutsbesitzers geschädigt werden. Was soll man da tun?“ Da kam ihm folgender Gedanke: „In dem Loch soll der Krebs sein. Wenn er aber drinnen wäre, würde man ihn bemerken. Ich werde hier hinein den Stab stecken.“ Und er steckte den Stab in das Loch. Der Krebs gab den Laut „kiri“ von sich. Da dachte jener: „Der Stab wird in den Rücken des Krebses gesteckt sein; der Krebs wird verendet sein. Ich aber beobachte die Kuru-Tugend; darum muss ich sie jetzt übertreten haben.“
Er teilte den Boten diese Begebenheit mit und fügte hinzu: „Aus diesem Grunde mache ich mir Vorwürfe wegen der Kuru-Tugend; darum kann ich sie euch nicht mitteilen.“ Die Boten aber erwiderten: „Ihr wolltet ja nicht, dass der Krebs sterbe. Eine böse Tat ohne Absicht aber gibt es nicht. Wenn Ihr Euch wegen einer solchen Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr dann eine Sünde tun können?“ Und sie ließen sich von ihm die Gebote mitteilen und schrieben sie auf die goldene Platte. Er fügte aber hinzu: „Trotzdem aber gefällt es mir so nicht. Der Wagenlenker jedoch beobachtet genau die Gebote; lasst sie euch von diesem mitteilen!“
Darauf gingen sie zu diesem hin und baten ihn darum. — Dieser fuhr eines Tages den König in seinem Wagen nach dem Parke. Nachdem sich hier der König den Tag über ergangen hatte, verließ er am Abend den Park und bestieg seinen Wagen. Bevor er aber noch die Stadt erreicht hatte, zeigte sich zur Zeit des Sonnenunterganges am Himmel eine Regenwolke. Aus Furcht, der König möchte nass werden, gab der Wagenlenker den Sindhu-Rossen ein Zeichen mit dem Stachelstock; die Sindhu-Rosse galoppierten rasch dahin. Von da an liefen sie immer, wenn sie nach dem Parke sich begaben oder vom Parke zurückkehrten, im Galopp, wenn sie an diese Stelle kamen, und warum? Sie dachten sich nämlich: „An dieser Stelle muss eine Gefahr sein; deshalb gab uns damals der Wagenlenker ein Zeichen mit dem Stachelstock.“ Der Wagenlenker aber dachte: „Ob der König nass wird oder nicht, das ist nicht meine Schuld. Ich gab aber zur unpassenden Zeit den gut abgerichteten Sindhu-Rossen ein Zeichen mit dem Stachelstock. Da sie deshalb fortgesetzt Galopp laufen, sind sie durch mich belästigt. Ich aber betätige die Kuru-Tugend; daher muss ich sie übertreten haben.“
Er erzählte den Boten diese Begebenheit und fügte hinzu: „Aus diesem Grunde mache ich mir Vorwürfe wegen der Kuru-Tugend; darum kann ich sie euch nicht mitteilen.“ Die Boten aber sprachen: „Ihr hattet nicht die Absicht die Sindhu-Rosse zu belästigen; eine böse Tat ohne Absicht aber gibt es nicht. Wenn Ihr Euch wegen einer solchen Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr da eine Sünde tun können?“ Darauf erhielten sie von ihm die Kuru-Tugend mitgeteilt und schrieben sie auf die goldene Platte. Der Wagenlenker aber fügte hinzu: „Trotzdem gefällt es mir so nicht. Der Großkaufmann aber beobachtet genau die Gebote; lasst sie euch von ihm mitteilen.“
Darauf gingen sie zu diesem hin und fragten ihn darnach. Dieser sah eines Tages, als er auf sein Reisfeld ging, die aus ihrer Hülle herausspitzenden Köpfchen des Reises; er kehrte um und nahm, indem er dachte: „Ich will einen Reiskranz binden lassen“, eine Handvoll von den Köpfchen mit, die er um eine Säule schlingen ließ. Da kam ihm folgender Gedanke: „Von diesem Reisfeld habe ich dem König einen Anteil zu geben. Von meinem Reisfeld aber nahm ich von dem Anteil, den er noch nicht erhielt, eine Handvoll Reisköpfchen weg. Ich aber beobachte die Kuru-Tugend; darum muss ich sie jetzt übertreten haben.“ — Er teilte ihnen diese Begebenheit mit und fügte hinzu: „Aus diesem Grunde mache ich mir Vorwürfe über die Kuru-Tugend; darum kann ich sie euch nicht mitteilen.“
Die Boten aber sprachen zu ihm: „Ihr hattet nicht die Absicht zu stehlen; ohne dieselbe aber kann man nicht vom Wegnehmen einer Sache reden [11]. Wenn Ihr Euch wegen einer solchen Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr dann etwas, das einem andern gehört, Euch aneignen können?“ Und sie ließen sich von ihm die Gebote mitteilen und schrieben sie auf die goldene Platte. Der Großkaufmann aber fügte hinzu: „Obwohl dies sich so verhält, befriedigt es mich nicht. Der Minister aber, der die königlichen Vorräte verwaltet, beobachtet genau die Gebote. Lasst sie euch von diesem mitteilen!“
Darauf gingen sie zu diesem hin und baten ihn darum. Dieser hatte eines Tages, als er am Tore des Vorratshauses saß und für den Anteil des Königs Reis abmessen ließ, von dem Haufen des noch nicht abgemessenen Reises Reiskörner genommen und diese als Markierung hingelegt. In diesem Augenblick begann es zu regnen. Der Verwalter zählte die Markierungszeichen, nahm mit den Worten: „Soviel beträgt der abgemessene Reis“, die Reiskörner, die als Markierung gedient hatten, zusammen und warf sie auf den Haufen des abgemessenen Reises. Dann ging er schnell fort. An dem Torerker blieb er stehen und dachte: „Habe ich jetzt die als Markierung dienenden Reiskörner auf den Haufen des abgemessenen oder des nicht abgemessenen Reises geworfen?“ Dabei kam ihm folgender Gedanke: „Wenn ich sie auf den Haufen des abgemessenen Reises warf, so habe ich ohne Grund das Eigentum des Königs vermehrt und das Eigentum der Hausväter gemindert. Ich aber beobachte die Kuru-Tugend; darum muss ich jetzt das Gebot übertreten haben.“
Er teilte den Boten diesen Sachverhalt mit und fügte hinzu: „Aus diesem Grunde mache ich mir Vorwürfe wegen der Kuru-Tugend; darum kann ich sie euch nicht mitteilen.“ Doch die Boten erwiderten: „Ihr habt nicht die Absicht gehabt zu stehlen. Ohne dieselbe aber kann man nicht vom Wegnehmen einer Sache reden. Wenn Ihr Euch wegen einer solchen Kleinigkeit Vorwürfe macht, wie werdet Ihr dann das Eigentum eines andern nehmen können?“ Und sie ließen sich auch von ihm die Gebote mitteilen und schrieben sie auf die goldene Platte. Der Verwalter aber fügte hinzu: „Trotzdem befriedigt es mich nicht. Der Torwächter aber beobachtet genau die Gebote; lasst sie euch von ihm mitteilen.“
Darum gingen die Boten zu dem Torwächter hin und baten ihn darum. Dieser hatte eines Tages zur Zeit, da das Stadttor geschlossen werden sollte, dreimal laut gerufen. Ein armer Mann, der mit seiner jüngsten Schwester in den Wald gegangen war, um Holz zu holen, und sich auf dem Heimwege befand, begann mit seiner Schwester rasch zu laufen, als er diesen Laut hörte. Der Torwächter aber sprach: „Weißt du nicht, dass es in der Stadt einen König gibt? Weißt du nicht, dass zur rechten Zeit das Tor dieser Stadt geschlossen wird? Du aber hast ein Weib mit dir genommen und im Walde das Liebesspiel mit ihr getrieben!“ Der andre erwiderte: „Herr, dies ist nicht mein Weib; dies ist meine Schwester.“
Jetzt dachte sich der Torwächter: „Fürwahr, etwas Unrechtes habe ich getan, dass ich seine Schwester als seine Frau bezeichnete. Ich aber beobachte die Kuru-Tugend; darum muss ich sie jetzt übertreten haben.“ Er teilte den Boten diesen Sachverhalt mit und fügte hinzu: „Aus diesem Grunde mache ich mir Vorwürfe wegen der Kuru-Tugend; darum kann ich sie euch nicht mitteilen.“ Die Boten aber erwiderten: „Ihr habt nur geredet, wie Ihr es Euch dachtet. Hier liegt keine Übertretung der Gebote vor. Wenn Ihr Euch wegen einer solchen Kleinigkeit in der Kuru-Tugend Vorwürfe macht, wie werdet Ihr dann eine absichtliche Unwahrheit sagen können?“ Und sie ließen sich auch von ihm die Gebote mitteilen und schrieben sie auf die goldene Platte. Der Torwächter aber fügte hinzu: „Trotzdem befriedigt es mich nicht. Eine Dirne aber beobachtet genau die Gebote; lasst sie euch von ihr mitteilen!“
Darauf gingen die Boten auch zu der Dirne hin und fragten sie danach. Auch diese wies sie in der oben angegebenen Weise zurück; warum? Sakka, der Herr der Götter, war, um ihre Tugend auf die Probe zu stellen, in der Gestalt eines Brahmanenjünglings zu ihr gekommen und hatte ihr tausend gegeben mit den Worten: „Ich werde zu dir kommen.“ Darauf war er in seine Götterwelt zurückgekehrt und drei Jahre nicht wieder erschienen. Die Dirne aber nahm aus Furcht, die Gebote zu übertreten, während dieser drei Jahre von der Hand eines andern Mannes nicht einmal Betel an. Allmählich kam sie so ins Elend und sie dachte: „Weil der Mann, der wegging, nachdem er mir tausend gegeben, während drei Jahren nicht wieder kam, bin ich ins Elend geraten. Ich kann mein Leben nicht mehr so weiter führen. Ich muss dies den Ministern, die das Gericht halten, mitteilen und von jetzt an wieder Lohn annehmen.“ Sie ging zum Gerichte hin und sprach: „Herr, ein Mann, der mir Lohn gegeben, ist seit drei Jahren nicht wieder gekommen. Ich weiß nicht, ob er gestorben ist. Ich kann mein Leben nicht mehr so aushalten; was soll ich tun, Herr?“ Der Richter antwortete: „Was sollst du tun, wenn er drei Jahre lang nicht zurückkehrt? Nimm von jetzt an wieder Geld an.“
Als sie nun mit diesem Urteilsspruch die Gerichtsstätte verließ, bot ihr sogleich ein Mann einen Beutel mit tausend Goldstücken. Da sie aber die Hände ausstreckte, um ihn zu nehmen, zeigte sich ihr Sakka. Als sie ihn sah, sagte sie: „Der Mann, der mir vor drei Jahren tausend gab, ist zurückgekehrt; ich brauche deine Kahapanas nicht.“ Und sie zog ihre Hand wieder zurück. Da veränderte Sakka sein Aussehen und stand am Himmel, leuchtend wie die junge Sonne. Die ganze Stadt strömte zusammen. Jetzt sprach Sakka inmitten der Volksmenge: „Ich gab dieser Dirne, um sie auf die Probe zu stellen, vor drei Jahren tausend Kahapanas. Wenn ihr die Gebote beobachtet, so beobachtet sie in derselben Art!“ Nachdem er diese Ermahnung erteilt, füllte er ihr Haus mit den sieben Arten der Kostbarkeiten und ermunterte sie mit den Worten: „Strebe also unablässig!“
Aus diesem Grunde aber wies sie die Boten zurück, indem sie sagte: „Ich habe, ohne den mir gegebenen Lohn mir abverdient zu haben, nach dem Gelde, das mir ein andrer gab, die Hand ausgestreckt. Aus diesem Grunde befriedigt mich mein Verhalten nicht; darum kann ich es euch nicht mitteilen.“ Doch die Boten entgegneten: „Dadurch, dass du nur die Hand ausgestreckt, hast du doch das Gebot nicht übertreten. Dies Verhalten ist doch die höchste Reinheit.“ Und sie ließen sich auch von ihr die Gebote mitteilen und schrieben sie auf die goldene Platte.
Nachdem sie so die Gebote, wie sie die elf Leute beobachteten, auf ihre goldene Platte geschrieben hatten, kehrten sie nach Dantapura zurück, gaben dem König Kalinga die goldene Platte und teilten ihm die Begebenheit mit. Der König aber nahm die Kuru-Tugend an und erfüllte die fünf Gebote. — Von dieser Zeit an regnete es wieder im ganzen Königreich Kalinga; die drei Befürchtungen [12] verschwanden und das Land wurde wieder ruhig und reich an Lebensmitteln.
Nachdem aber der Bodhisattva zeit seines Lebens Almosen gespendet und noch andre gute Werke getan hatte, gelangte er mitsamt seiner Umgebung in den Himmel.
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beendigt und die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jataka. Am Ende der Verkündigung der Wahrheiten aber wurden einige bekehrt, einige einmalzurückkehrend, einige nichtzurückkehrend und einige heilig. Bei der Jataka-Verbindung aber sagte er folgendes:
§4. „Die Dirne war Uppalavanna,
der Torwächter damals war Punna [13],
der Feldabmesser war Kaccana
und Kolita [13a] Speicherverwalter;
§5. der Großkaufmann war Sāriputta,
der Wagenlenker Anuruddha,
Kassapa Thera [13b] der Brahmane,
der weise Nanda [13c]Vizekönig.
§6. Rahulas Mutter [13d] war die Fürstin,
die Fürstin Maya Königin-Mutter,
der Bodhisattva Kuru-König;
so merkt euch dieses Jataka.“
Ende der Erzählung von der Kuru-Tugend
[1] Die Erklärung erfolgt in der Erzählung.
[2] Vgl. die ähnliche Erzählung in der Vorgeschichte zum 107. Jataka.
[3] Diese Stadt, die Hauptstadt des Landes Kuru, ist auch im Jataka 228 in diesem Bande erwähnt.
[4] Vgl. unten Anm. 10.
[4a] Nach Dutoits Anmerkungen 4 und 10 ist statt „Zügelhalter“ hier besser „Messschnurhalter“ zu übersetzen.
[5] Ein Reich an der Koromandel-Küste.
[6] Auf Deutsch: „der Stier, schwarz wie Augenwimpernsalbe“.
[7] D. h. weil wir dachten, durch deine Huld würden wir deinen Elefanten geschenkt erhalten, gaben wir in unsrer Heimat, im Reiche Kalinga all unser Gut aus.
[8] Die Zeremonie des sog. Schenkungswassers; vgl. Jataka 4 Anm. 17. [Wenn eine Stiftung gemacht werden sollte, bot der Stifter Buddha oder der Gemeinde eine Schale mit Wasser an, die das Geschenk selbst symbolisch darstellte.]
[9] Ein Monat im Spätherbst.
[10] Mit „rajjugahako“ kann nicht der Zügelhalter gemeint sein, was die gewöhnliche Bedeutung des Wortes ist, sondern der die Messschnur Haltende.
[11] Es kann auch heißen: „kann nicht verkündet werden, dass einer etwas gestohlen hat.“
[12] Siehe oben am Anfang der Geschichte aus der Vergangenheit.
[13] Wegen der größern Menge der Personen treten uns hier Jünger Buddhas entgegen, die sonst weniger bekannt sind.
[13a] Kolita ist der frühere Name von Mogallana.
[13b] Gemeint ist vermutlich Mahakassapa.
[13c] Auf Pali: „Nandapandita“. Nach Dutoit ist damit Nanda, der Bruder des Buddha, gemeint. Es fällt auf, das Ananda in dieser Aufzählung fehlt.
[13d] Auf Pali: „Rahulamata“, die frühere Frau des Buddha.

References: §0

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§2

§3

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§5

§6