Source: http://diewaschbaerenkommen.de/html/schonzeiten.html
Timestamp: 2017-02-23 18:44:25+00:00

Document:
Ein Neozoe/Feinde/Rechtliches/Schon- und Setzzeiten
Ist der Waschbär eine heimische Tierart? Haben Waschbären natürliche Feinde? Können wir diesen Neozoen nicht wieder ausrotten? Steht der Waschbär unter Naturschutz? Unterliegt der Waschbär dem Jagdrecht? Darf man Waschbären in der Stadt fangen oder erlegen? Macht es Sinn einen Stadt-Waschbären zu töten? Schon- und Setzzeiten für Waschbären in den Bundesländern
Ist der Waschbär eine heimische Tierart?
Natürlich hat sich der Waschbär, wie seine gesamte Verwandtsschaft, die "Kleinbären" auf dem Amerkianischen Kontinent entwickelt und ist nur dank menschlicher Hilfe nach Europa gelangt. Er ist hier ein Neozoe: Das ist der Fachausdruck für vom Menschen in neue Gebiete eingeführte Tierarten. Aber: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz gilt jede Tierart als "heimisch", die sich im Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten kann, auch wenn sie durch menschliche Einflüsse eingebürgert wurde. Somit besitzt der Waschbär nach bundesdeutschem Recht den Status einer "heimischen Art". Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja!zurück zum Seitenanfang
Haben Waschbären natürliche Feinde?
Regelmäßig wird die Überzeugung vertreten, dass die Waschbären sich bei uns nur deshalb ausbreiten konnten, weil sie in Europa keine natürlichen Feinde hätten. Mit "natürlichen Feinden" sind dabei andere Tiere gemeint, die ihrer Beute so erfolgreich nachstellen, dass sie deren Bestand nachhaltig reduzieren. Die haben Waschbären tatsächlich nicht, weder bei uns, noch in ihrer amerikanischen Heimat! Dort kommen zwar einige zusätzliche Tierarten als Fressfeinde in Frage, etwa Rotluchs, Puma, Alligator und andere, aber einen entscheidenden Einfluss auf die Bestandesgröße haben sie nirgends. Die Sterblichkeit, insbesondere von Jungtieren, ist auch ohne "natürliche Feinde" sehr hoch. Die Ursachen dafür sind vielfältig, aber die entscheidenden Faktoren sind das Nahrungsangebot sowie Krankheiten und Parasiten.Wer das Argument von den fehlenden "natürlichen" Feinden vorbringt, ist meist auch der Meinung, der Mensch müsse diese Rolle übernehmen, da die Bestände andernfalls außer Kontrolle gerieten. Immerhin stieg die Jagdstrecke seit den 1970er Jahren von ca. 1 000 auf fast 20 000 Tiere im Jagdjahr 2002/03. (Ein gutes Drittel davon wurde allein im Regierungsbezirk Kassel erlegt!) Der Bestand in Deutschland ist in dieser Zeit allerdings von damals schätzungsweise einigen Zehntausend Tieren auf mittlerweile (mindestens) mehrere Hunderttausend gewachsen! Ganz offensichtlich konnte die Jagd diese Entwicklung nicht bremsen, sondern dokumentiert nur den Anstieg. Trotzdem wird in Jagdzeitschriften unverdrossen eine "scharfe Bejagung" empfohlen – oft mit dem bedauernden Hinweis, dass diese in vielen Revieren meist unterbleibt. Und da sich die Jagdpraxis diesbezüglich auf absehbare Zeit höchstwahrscheinlich nicht tiefgreifend und flächendeckend ändern wird, werden derartige Appelle auch weiterhin ins Leere laufen.
Wesentlich stärker als Fressfeinde können seuchenartig verlaufende Krankheitsepidemien in die Populationsentwicklung eingreifen. In Amerika sind hierbei besonders die Staupe und die Tollwut von Bedeutung. Diese Krankheiten können wahre Kahlschläge verursachen. Allerdings wird das alte Populationsniveau nach einigen Jahren stets wieder erreicht. Und die Randerscheinungen, die diese Epidemien in bezug auf Gesundheitsgefahren bei Menschen und Haustieren und damit auch an ökonomischen Schäden verurschen, sind so immens, dass wir nur froh sein können, davon bisher verschont worden zu sein! Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Staupe oder die Waschbär-Tollwut in Europa je aufgetreten sind.zurück zum Seitenanfang
Können wir diesen Neozoen nicht wieder ausrotten?
Das kann nicht gelingen! Die Verfolgung müßte dabei so flächendeckend und möglicherweise mit bei uns gesetzlich verbotenen Mitteln durchgeführt werden, dass das bei realistischer Betrachtung nicht möglich ist. Da wo Waschbärpopulationen gute Lebensbedingungen vorfinden (Nahrung!) und z.T. seit Jahrzehnten fest etabliert sind, können sie sehr hohe Verlustraten von einem zum anderen Jahr ausgleichen. Weder die Jagd, noch Verkehrsopfer, noch natürliche Feinde können da wirklich etwas ausrichten. Die Jagd trägt nicht einmal dazu bei, die Population niedriger zu halten, als sie es ohne Bejagung wäre. Das Argument der Populationskontrolle entbehrt jeder Grundlage! Unsere Natur und wir werden lernen müssen, uns mit dem Vorkommen von Waschbären zu arrangieren.zurück zum Seitenanfang
Nein. Aber er stand in Hessen nach seiner Auswilderung am Edersee in den 1930er Jahren unter Naturschutz. Die folgenden Kriegswirren waren wohl der beste Schutz. Lange Zeit hörte man nichts von Waschbären und offensichtlich konnten sie ganz in Ruhe eine stabile Kernpopulation aufbauen. 1954 erklärte Hessen ihn als erstes Bundesland zum jagdbaren Wild. zurück zum Seitenanfang
Unterliegt der Waschbär dem Jagdrecht?
Der Waschbär wurde meist zusammen mit den anderen Neozoen (eingeführte Tierarten) Marderhund (=Enok), amerikanischem Nerz (=Mink) und z.T. auch dem Nutria in fast allen Bundesländern mittels Verordnung der im Bundesjagdgesetz (BJagdG §2 Abs.1) vorgegebenen Liste an jagdbaren Wildarten zugefügt. Er unterliegt somit in allen Bundesländern mit Ausnahme von Bremen und Saarland dem Jagdrecht.Eine Tierart die nicht dem Jagdrecht unterliegt, darf zwar eigentlich nicht erlegt werden, aber bei vorliegen eines "vernünftigen Grundes" (TierSchG §1 und §17 Abs.1), darf ein Tier doch getötet werden. Dies ist z. B. bei Bisamratte oder Hausmaus der Fall, die laut Gesetz als Schädlinge (=vernünftiger Tötungsgrund) verfolgt werden dürfen. Ebenso verhält es sich nach Lesart einiger Juristen, wenn Krähen nicht dem Jagdrecht unterliegen oder mit streunenden Katzen. Hier darf der Jäger diese im Sinne einer Schädlingsbekämpfung erlegen (sog. Raubzeugbekämpfung). Im Saarland und Bremen fällt auch der Waschbär in diese Kategorie, darf also erlegt werden und zwar ohne Schonzeit. Auch die im BJagdG ausgeführte Setzzeiten-Regelung (§22, Abs.4 BJagdG, siehe unten) greift dann nicht. Die kann allerdings unter Berufung auf eine "Störung des biologischen Gleichgewichts oder bei schwerer Schädigung der Landeskultur" (§22, Abs.2 BJagdG) ebenfalls außer Kraft gesetzt werden, wie das Bayern im Falle des Waschbären tut.
Hier folgen die für den Waschbär relevanten Abschnitte des § 22 Bundesjagdgesetz (BJagdG): Jagd- und Schonzeiten:
(1) Nach den in § 1 Abs. 2 bestimmten Grundsätzen der Hege bestimmt der Bundesminister durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die Zeiten, in denen die Jagd auf Wild ausgeübt werden darf (Jagdzeiten). Außerhalb der Jagdzeiten ist Wild mit der Jagd zu verschonen (Schonzeiten). Die Länder können die Jagdzeiten abkürzen oder aufheben; sie können die Schonzeiten für bestimmte Gebiete oder für einzelne Jagdbezirke aus besonderen Gründen, insbesondere aus Gründen der Wildseuchenbekämpfung und Landeskultur, zur Beseitigung kranken oder kümmernden Wildes, zur Vermeidung von übermäßigen Wildschäden, zu wissenschaftlichen, Lehr- und Forschungszwecken, bei Störung des biologischen Gleichgewichts oder der Wildhege aufheben. Für den Lebendfang von Wild können die Länder in Einzelfällen Ausnahmen von Satz 2 zulassen.(2) Wild, für das eine Jagdzeit nicht festgesetzt ist, ist während des ganzen Jahres mit der Jagd zu verschonen. Die Länder können bei Störung des biologischen Gleichgewichts oder bei schwerer Schädigung der Landeskultur Jagdzeiten festsetzen oder in Einzelfällen zu wissenschaftlichen, Lehr- und Forschungszwecken Ausnahmen zulassen.(3) Aus Gründen der Landeskultur können Schonzeiten für Wild gänzlich versagt werden (Wild ohne Schonzeit).(4) In den Setz- und Brutzeiten dürfen bis zum Selbständigwerden der Jungtiere die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere, auch die von Wild ohne Schonzeit, nicht bejagt werden. Die Länder können für Schwarzwild, Wildkaninchen, Fuchs, Ringel- und Türkentaube, Silber- und Lachmöwe sowie für nach Landesrecht dem Jagdrecht unterliegende Tierarten aus den in Absatz 2 Satz 2 und Absatz 3 genannten Gründen Ausnahmen bestimmen. ...
In Literatur und Rechtsprechung ist ein Jungtier selbständig geworden, sobald es sich selbständig fortbewegen und sich selbst Nahrung beschaffen kann. Zur Aufzucht notwendig sind Elterntiere insoweit, als ohne sie das Jungtier zugrunde gehen würde (Mitzschke/Schäfer, Kommentar zum Bundesjagdgesetz, 4. Auflage, Anmerkung 11 zu § 22 BJagdG). Die Festlegung der Setzzeiten ist Angelegenheit der einzelnen Bundesländer (s.u.). zurück zum Seitenanfang
Darf man Waschbären in der Stadt fangen oder erlegen?
Zum Zwecke der Schadensabwehr darf ein Grundeigentümer in einem befriedeten Bezirk bestimmte, bei ihm lebende Wildtiere, wozu auch der Waschbär gehört, fangen und töten. Dabei müssen jagd- und tierschutzrechtliche Vorschriften ebenfalls eingehalten werden, z.B. ist es verboten, vergiftete Köder auszulegen. Wenn Sie einen Waschbären unbedingt los werden wollen, dann wenden Sie sich am besten an den örtlichen Jagdpächter, bzw. an die Bevollmächtigten der Unteren Jagdbehörde (z.B. Förster). Wer selbst auf dem eigenen Grundstück einen Waschbären fangen will, muß die Berechtigung zur Fallenjagd besitzen. Diese kann z.T. auch von Nicht-Jägern durch Teilnahme an einem speziellen Lehrgang mit Abschlußprüfung erworben werden. In Berlin ist jegliche Fallenjagd nur mit behördlicher Ausnahmegenehmigung erlaubt. Es ist nicht verboten, einen Waschbären woanders wieder laufen zu lassen, wenn das Einverständnis des Jagdausübungsberechtigten vorliegt. Der Einsatz einer Schußwaffe ist innerhalb eines befriedeten Bezirks auch dem Grundbesitzer oder einem beauftragten Jäger in jedem Fall nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde erlaubt. Solche Ausnahmegenehmigungen werden i.d.R. nur zur akuten Gefahrenabwehr oder zur Tierseuchenbekämpfung erteilt. zurück zum Seitenanfang
Macht es Sinn einen Stadt-Waschbären zu töten?
Nein! Das Problem läßt sich nicht lösen, indem Sie "den" Waschbären "einfach" fangen und töten oder woanders hin bringen. Die Forschungen im östlichen Stadtgebiet von Kassel haben ergeben, dass dort auf einer Fläche von 100 ha mehr als fünfzig erwachsene Waschbären leben und jeder dieser Waschbären hatte im Durchschnitt einen Aktionsraum von über 100 ha Hektar. Die Aktionsräume dieser Waschbären überschneiden sich also hochgradig. Daher könnten theoretisch auf einem Grundstück in diesem Gebiet auch über fünfzig verschiedene Waschbären auftauchen! Im Sommer und Herbst sind wegen der vielen Jungtiere auf der Fläche sogar mindestens einhundert Tiere unterwegs!So manch einer wird schon erfahren haben, welchen Aufwand und Kosten es verursacht, auch nur einen einzigen Waschbären fangen und töten zu lassen. Ihn einfach an einem anderen Ort wieder laufen zu lassen, würde das Problem ebenso wenig lösen und höchstens woanders ein neues schaffen! Und selbst wenn Sie alle Waschbären bekommen könnten, dann würden aus den umliegenden Gebieten viele, viele in den nun unbesetzten Lebensraum drängen. Glauben Sie mir: Es bringt gar nichts! Statt dessen sollten Sie dazu beitragen, dass draußen nicht zu viel Fressbares herumliegt, vor allem nicht auch noch füttern! Und dann müssen Sie die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, um die Waschbären daran zu hindern, in Ihr Haus einzudringen.Wirksame Maßnahmen sind auf der Seite Stadtbären beschrieben.
Schon- und Setzzeiten für den Waschbärin den einzelnen Bundesländern
Die Jagd auf Waschbär, Marderhund und Nutria darf das ganze Jahr ausgeübt werden.Die untere Jagdbehörde kann von dem Verbot des §22 Abs. 4 Satz 1 des Bundesjagdgesetzes für Wildkaninchen, Waschbär, Marderhund und Nutria Ausnahmen zulassen, wenn die Voraussetzungen des 22 Abs. 2 Satz 2 des Bundesjagdgesetzes vorliegen.(LJagdGDVO §8, Abs. 3 und 4)
Waschbären dürfen auch in der Setzzeit bejagt werden. (AVBayJG §19: abweichend von § 1 Abs. 2 der Bundesverordnung in Verbindung mit § 22 Abs. 4 Satz 2 BJagdG)
Ganzjährig jagdbar, vorbehaltlich der Bestimmungen des &22 Abs.4 BJagdG
keine jagdbare Tierart
Auf Jungtiere beim Waschbär darf die Jagddas ganze Jahr ausgeübt werden, jedoch dürfen nach §22Abs.4BJagdG die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere von Haarwild in der Zeit vom 1.3.-30.6. bis zum Selbständigwerden der Jungtiere nicht bejagt werden.
Kein Abschuss der zur Aufzucht notwendigen Elterntiere in den biologisch jeweils verschiedenen Brut- und Setzzeiten
Schonzeit gilt für Waschbären beiderlei Geschlechts, aber nicht für Jungwaschbären
Ganzjährig jagdbar, vorbehaltlich des § 22 Abs.4 Satz 1 des BJagdG. Setzzeiten nicht weiter definiert, aber die Kommentierung zum BJagdG nennt als Setzzeit: 1.3.-15.6.
Ganzjährig jagdbar, vorbehaltlich des § 22 Abs.4 Satz 1 des BJagdG. Schleswig-Holstein
1.3.-15-7
Jungwaschbären sind ganzjährig jagdbar
Ganzjährig jagdbar, vorbehaltlich des § 22 Abs.4 Satz 1 des BJagdG. zurück zum Seitenanfang [Home] [Stadt-Waschbären] [Verbreitung] [Bücher] [Magazinbeiträge] [Die Ausstellung] [Foto-Galerie] [Postkarten] [Rückmeldungen] [Links] [Impressum]

References: §2
 §1
 §17
 § 22
 § 1
 § 22
 §22
 §8
 §19
 § 1
 § 22
 §22
 § 22
 § 22
 § 22