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Timestamp: 2017-11-20 19:20:56+00:00

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Remmaraweng Boarisch - Abriss der bairischen Grammatik, Teil 1: Lautlehre - Vormerkungen
Remaraweng Boarisch
Aussprache - Abriss der bairischen Grammatik
Teil I - Lautlehre
von Prof. Ludwig Zehetner
~ Vormerkungen ~
Es gibt kein Einheitsbairisch. Bairisch existiert nicht in nur einer einzigen und ein­heit­lichen Form. Die Unter­schiede zwischen den zahlreichen Dialektregionen sind teilweise recht be­acht­lich. Dennoch erlaubt es eine Anzahl von Gemeinsam­keiten, die Mundarten des ge­samten ost­oberdeutschen Sprach­raums – Altbayern und nahezu ganz Österreich umfassend – als „Bairisch“ zusammen­zufassen. Durch bestimmte Kenn­lautungen, Kenn­formen und Kenn­wörter setzen sich die bairischen Dia­lekte klar von den angrenzenden ost­fränkischen und alemannisch-schwäbischen Mund­arten ab.
Die Übersichten in §§ 9 – 15 bietet die bairischen Laute, wie sie im größten Teil von Ober- und Nieder­bayern vorkommen. Diese Art von Bairisch ist zwar die in Bayern bekann­teste Vari­an­te, sie darf aber keineswegs als das einzig „richtige“ Bairisch betrachtet werden. In be­stimm­ten Regionen – so etwa am Alpenrand, im Bayerischen Wald sowie in der Ober­pfalz und an­gren­zenden Gebieten – klingt das Bairische ganz anders; auf solche Sonder­ent­wick­­lungen wird gelegentlich in den Erläuterungen verwiesen.
Es gilt zu beachten, dass es vielerlei Abstufungen hinsichtlich des Mischungsgrads von Dialekt und Hochsprache gibt. Zwischen den kleinräumigen Basisdialekten und der (regionalen) Hochsprache existieren viele Nuancen. Die verschiedenen Sprachebenen sollen kurz demonstriert werden.
(1) Dann sagte ich – Hochsprache im nördlichen Deutschland *)
(2) Dann sagte ich – Hochsprache im südlichen Deutschland *)
(3) Dann habe ich gesagt – Hochsprache im südlichen Deutschland *)
(4) Dånn håb ich gesågt – gemäßigte Hochsprache in Altbayern *)
(5) Nå håb i gsågt – städtische Verkehrssprache in Altbayern *)
(6) Nå hòwi gsògt – eher ländlicher Dialekt *)
(7) Oft hone gsoad – kleinregionaler Basis-Dialekt (hier: Unterer Bayerischer Wald) *)
*) Erläuterungen:
Zu (1): helle a-Laute, stimmhaftes d, stimmhaftes s; ö-ähnlicher Schwa-Laut bei sagte, Kehlkopfknacklaut vor ich
Zu (2): dunklere a-Laute, stimmloses d, stimmloses s; Bindung zwischen sagte und ich (ohne Kehlkopfknacklaut)
Zu (3): Perfekt statt einfachem Präteritum
Zu (4): hab für habe (Apokope des -e)
Zu (5): nå für dann; ge- > g- (Synkope des -e); ich > i (Konsonantenschwund);
gsågt mit Kurzvokal (Silbenschnitt)
Zu (6): weitere a-Verdumpfung; b > w (Spirantisierung)
Zu (7): altes Dialektwort aft/oft für dann; hone < mittelhochdeutsch hân ih
(nicht hòwe, was nur die Ausspracheform darstellt von neuhochdeutsch habe ich);
-oa- < mittelhochdeutsch -age- (gesaget)
Anhand eines längeren Satzes seien die einige weitere der vielfältigen Unterschiede zwi­schen Hochsprache und bairischem Dialekt aufgezeigt:
Sie konnten nicht mehr lenken, weil sie etwas getrunken hatten.
Loatn hams nimma kina, wei de ham èppas drunga ghabt.
Silbengetreue Übertragung:
„Leiten haben sie nimmer können, weil sie haben etwas getrunken gehabt.“
Lautung: sie | s
nicht mehr | nimmer
etwas | èppas
können | kinna (< mhd. künnen)
getrunken | drunga (getr- > dr-; -nk > ng; -en > -a).
Wortschatz: lenken | leiten, loatn
sie | de
Tempus: sie konnten (Präteritum, Imperfekt, 1. Vergangenheit)
| haben können (P­er­fekt, 2. Ver­gangenheit)
sie hatten getrunken (Plusquamperfekt, 3. Vergangenheit)
| sie haben ge­trunken gehabt (Passé surcomposé, 4. Vergangenheit)
Satzbau/Wortstellung: Die wichtige Aussage steht am Anfang (Loatn …), das Übrige folgt; Wortstellung nach weil wie in einem Hauptsatz.
Die bairische Phonologie stellt ein eigenständiges System dar, das nicht von der Hoch­­sprache abhängig ist. Mundartliche Lautformen las­sen sich nor­malerweise nicht von der Hoch­­sprache herleiten; man muss sie kennen.
Für Unkundige ist es beispielsweise nicht durchschaubar, warum „zwei, drei“ oder „ge­hen, drehen, sehen“ im Bairischen jeweils unterschiedliche Vokale aufweisen: zwoa – drei; gêh – dràhn – seng; oder warum sich „biegen“ und „liegen“ im Dialekt nicht reimen (biang – liing), ebensowenig „Krug – Zug“ (Gruag – Zuug), „Ruhe – Truhe“ (Rua – Druuchan) oder „leh­nen – (bei) denen“ (loa­na – dene); dass andererseits aber „Ruß – (sie) muss“, „Glas – Fass“ oder „lü­gen – ziehen“ reine Reime bilden: Ruas – (sie) muas, Glòòs – Fòòs, liang – ziang. Von der Hoch­sprache ausgehend, lässt sich auch nicht erschließen, wa­­rum es etwa für „sie können, er kommt, wir kommen“ im Bairischen heißt: sie kinnan(d), er kimmt, mia kem­man; ebensowenig lässt sich von der Hochsprache her ergründen, warum die Verbform der 2. Per­son Plural im Bairischen unabdingbar die Endung -ts aufweist (Habts ihr/ees? Gehts (ees/ihr) aa mid? Ees/ihr wissts, kemmts „Habt ihr? Geht ihr auch mit? Ihr wisst, kommt“).
Bairi­sche Besonderheiten lassen sich sehr oft aus dem Mittel- oder Althochdeutschen er­klä­ren, da der Dialekt vieles aus dem mittel­alterlichen Deutsch bewahrt hat, was in der heuti­gen Standardsprache verschwunden ist. Für die oben erwähnten Beispiele sind die alt­deutschen Formen maß­­gebli­ch: mhd. zwei, driu/drî, gên, dræjen, sechen; biegen (ahd. biogan, biu­­gan), li­gen; kruoc, zuc; ruowe, truhe(n); leinen, denen; ruoz, muoz; glas, vaz, liegen, zie­gen, si künnent, ahd. er qui­­mit, wir quëman < quë­ma­mês. Die Endung -ts geht auf das bairi­sche Per­sonal­pronomen ees für „ihr“ zurück.
Das Bairische weist im Vergleich mit der Hochsprache eine beachtenswert höhere An­­­zahl an Selbstlauten (vokalischen Phonemen) auf; insbesondere bei den Zwielauten (= Di­phthon­gen) ist die Differenz groß, wie die Aufstellung in §§ 10 – 12 ausweist.
Die Zahl der Mitlaute (Konsonanten) hingegen ist geringer. Die in der Hochsprache ge­trennten Reihen b, d, g – p, t, k und w/v – f sind im Prinzip nicht mehr unterscheidbar. Schwä­chung und gänzlicher Schwund von Konsonanten sind häufig. Dazu ist auch der Verlust der kon­so­nan­tischen Qualität der Liquiden r und l nach Vokal zu zählen (s. § 11).
Durch den Ausfall von unbetontem e reduziert sich die Länge von Wörtern und Sätzen zum Teil erheblich (Silbenreduktion). Die dadurch zusammenrückenden Konsonanten wer­den aneinander angeglichen (Assimilation). So erklärt es sich, dass „leben, reden, liegen, Nu­deln, Stadel, Rindvieh, Bettelmann, Schlittenfahren“ im Bairischen meistens leem (-m < -bn), reen (-n < -dn), liing (-ng < gn), Nulln, Šdòòl (-l < dl), Rimviich (ndf > mf), Bellmô (-llm < tlm), Schlimfòòn (-mf < -tnf) gesprochen werden. Zu den teilweise überraschenden Konso­nan­tenhäufungen siehe unten in § 15.
Hinsichtlich der Silbenzahl stehen sich Hochsprache und Dialekt nicht selten im Ver­hältnis von 2 : 1 gegenüber. Beispiele:
Gebeten hat sie ihn und gebettelt, bis er es ihr zurückgegeben hat. (20 Silben)
→ Bitt hodsn und bedld, biis as ia zruckgem hod. (10 Silben)
Was wird es denn gekostet haben? (9 Silben)
→ Wòs weadsn kost hòm? (4 Silben).
Im Bairischen sind – außer den Liquiden l, r und den Nasalen m, n, ng – alle Kon­so­nanten grundsätzlich stimm­los. Besondere Beachtung verdient die durchwegs stimmlose Aussprache von s sowie der Ver­schluss­­laute (Plo­sive) b, d, g im Wort- und Silbenanlaut; auch j und w/v klingen im Bai­ri­­schen anders als in der deutschen Hochlautung. Auswärtige, die sich bairische Wör­ter an­­ge­eignet haben, neigen dazu, diese Konsonanten stimmhaft auszusprechen.
Um solche störende Fehler zu vermeiden, würde es sich empfehlen, die bairische Aus­sprache von „binden, Bett, Decke“ dadurch zu sichern, dass man sie in der Schrift als pintn, Pett, Teckn wiedergibt (wie es etwa das große Wörterbuch der Mundarten in Österreich hand­habt). Diese Wörter haben nämlich absolut denselben Anlaut wie etwa „Peter, Tisch, Trom­mel“. Im Anlaut wird b völlig gleich gesprochen wie p, anlautendes d wie t; bei g/k gilt dies nur für die Kombinationen gf, gh, gl, gm, gn, gr, gs, gš, gw = kf, kh, kl, km, kn, kr, gs (= „x“), gš, kw (= „qu“). Dennoch wird Abstand genommen von der Dialekt-Verschriftung wie pintn, Pett, Teckn, und zwar aus dem Grund, weil die Aussprache der Buchstaben „p, t, k“ in der Hoch­lautung als „ph, th, kh“ definiert ist – als Starklaute mit Behauchung (aspirierte Fortis-Plosive).
Unser Alphabet hat keine Buchstaben zur Verfügung, mit denen die für das Bairische cha­­rak­teristischen „Halbfortes“ zum Ausdruck gebracht werden könnten, d.h. Verschluss­laute, die weder stimmhaft noch behaucht sind, also artikulatorisch zwischen „b“ und „p“ ste­hen, zwischen „d“ und „t“, zwischen „g“ und „k“. Hilfreich kann der Hinweis sein, dass „p, t, k“ im Bai­ri­schen ungefähr so auszusprechen sind wie im Französischen oder Italienischen (z.B. ton père, paraplui, pizza tonno). Um die geringere Stärke und fehlende Behauchung an­zu­­deuten, hilft man sich mit einem grafischen „Verfremdungseffekt“, indem man die Leser mit ei­nem oder mehreren – vom hoch­sprachlichen Standpunkt her – frappierenden Buch­staben über­rascht, z.B. Dintn, bàtln, Butting, drucka/drockn („Tinte, paddeln, Pudding, tro­cken“). Von der Setzung von bb, dd, gg für „p, pp, t, tt, k, ck“ (z.B. Lambbm, Hiddn, rugga „Lampe, Hütte, rücken“) wird Abstand genommen, weil solche Schreibungen dazu ver­leiten könn­ten, bb, dd, gg stimmhaft auszusprechen, was falsch wäre. Außerdem hätte eine kon­se­quente Setzung von bb, dd, gg für die Halbfortes eine störende Aufschwemmung des Schrift­bilds zur Folge (z.B. ddenggdd, „denkt = gedacht“). Da­her werden hier die Stark­laut-Zei­chen p, t, k gesetzt (Lampm, Hittn, rucka) – mit dem eindringlichen Hin­weis dar­auf, dass keine Be­hau­chung erfolgen darf. Die Verschriftung mit bb, dd, gg bleibt dem Fränkischen vorbehalten (vgl. bair. s Autto is uns văreckt – fränk. s Audo is uns gfreggdd).
Ein Lautgesetz, das insbesondere im Mittelbairischen gilt, betrifft die Wechsel­beziehung zwi­schen Konsonantenstärke und Vokallänge innerhalb einer Silbe. Der Silben­schnitt hat Vor­rang vor den Einzellauten, er bestimmt maßgeblich sowohl Vokal­länge als auch Konsonan­ten­stärke. Vor Fortis-Kon­sonant (gespannte Qualität, Starklaut) kann nur kur­zer Vokal stehen, vor Lenis-Kon­sonant (ungespannte Qualität, Schwachlaut) nur langer Vo­kal.
Nach diesem „Sil­­ben­schnitt-Gesetz“ können Wörter wie „Vater, Mutter, Meter“ in der Mund­­art realisiert werden
– entweder als Voo­dă, Muadă, Meedă
► Typ I: ungespannte, wei­che, schwach­ geschnit­tene Silbe = „Lenis-Silbe“
– oder als Vattă, Muattă, Mèttă
► Typ II: gespannte, straffe, scharf ­­geschnittene Silbe = „Fortis-Silbe“.
Die Kombination „Langvokal + Starklaut“, wie sie etwa in hochsprachlich „Blut, blutig, (ein) Toter, ra­ten, bluten, Hupe, Rute, Beet, Haken, Häkchen“ vorliegt, widerstrebt dem bai­ri­schen Silbenschnittgesetz und kommt daher in stimmigem Dialekt nicht vor. Man ver­glei­che: Bluad, bluadig, ă Dodă/Dou­dă, ròòn (< radn) einerseits (Typ I) – und bluatn/bliatn, Huppm, Ruattn, Bettl, Hackn, Hàckerl andererseits (Typ II). Ebenso ist es bei „Kurzvokal + weicher Konsonant“; das aus dem Englischen entlehnte Wort „Pudding“ wird dialektnah entweder Bu­ding oder Butting aus­­gesprochen; ähnlich bei „Tü­te“, wofür man Düdn/Didn oder Dittn hört (als Er­satz für die Dialektwörter Rogl, Štra­­nizn/Štarizn). Konsonantengruppen wie cht, ft, ks, kt, bst, ndn, ldl, tsch und andere führen meist zum Silbentyp II, so etwa in Nòcht, Luft, lank­­sam, gsakt, er likt, Opst, bintn, gštantn, Runtn, Buitl/Bèitl, Hàntscha für „Nacht, Luft, lang­sam, ge­sagt, er liegt, Obst, binden, gestanden, Runde, Bild(lein), Handschuh“.
(Lenissilbe)
(Fortissilbe)
Šbeeg
i huif/hèif
Huif/Hèif
Sòiz
Griif
Fòòs
òis
hîî
es iis
i giib
Voodă
Schriid
Bliiz
Kind, Kindă
Schuidn
wuid, wèid
Weedă
Schliin
(klebrige Masse)
(Schweiß)
Vater (alt)
← Dehnung in ein­silbigen Wörtern bzw. keine Dehnung in anderen Wort­-
formen →
← Konsonanten-
schwächung bzw.
Fortisqualität oder
Fortisierung →
← Lenis- bzw.
Fortis-
(ggf. Häufung) →
dreckĕ
šbickă
bickăd
hèiffa
ghoiffa
sòizzn
Griff, greiffă
Fàssl
òiss
hint, hintn
(ăso) iss
essn, gessn
du gipst
Vattă
Schwànzz
danzzn
Fišš
ă hoassă
hoassn
Runtn
Kunt, Kuntn
mèitn
Buitl, Bèitl
Dàttum
(klebrig)
Griffe, greifen
Fässlein
essen, gegessen
Schritte (Plural)
Schwänze (Pl.)
Fische (Plural)
ein heißer
Hunde (Plural)
Hände, Hand
(Kerl, Kerle)
Bild (Dim.)
Bedingt durch die grundsätzliche Dehnung von einsilbigen Wörtern ergibt sich unter­schied­­licher Silbenschnitt in ursprünglich ein- bzw. mehrsilbigen Formen desselben Wort­stammes (vgl. „Tanz“ → Dans, aber: „Tänze, tanzen“ → Dànzz, danzzn; „Schritt“ → Schriid, aber: „Schrit­­te“ → Schritt; „heiß“ → hoas, aber: „(eine) heiße, (ein) heißer“ → ă hoassĕ, ă hoassă. Auf diese Weise verfügt das Bairische auch über eine ganz eigene Möglich­keit zur Dif­fe­renzierung von Einzahl- und Mehrzahlformen, die der Hochsprache fremd ist. Beispiele:
auf Schriid und Driid – a bòr Schritt, Dritt (Schritt, Tritt – Schritte)
a Štriig – zwoa Štrick (Strick – Stricke)
mei Roog – deine Reck (Rock – Röcke)
a wèha Fuas / wäiha Fous – gwaschne Fiass / Fäiss (Fuß – Füße)
Koobf – Kepf (Kopf – Köpfe)
a Diisch – zwoa Disch (= Dišš) (Tisch – Tische)
oa Fiisch – a Hauffa Fisch (= Fišš) (Fisch – Fische)
Zur Verschriftung der bairischen Laute siehe auch § 5 und § 8.
Falls erforderlich (d.h. bei Abweichungen von der Hochsprache) wird Länge des Vokals mit­ Hil­­fe von Doppelsetzung dargestellt (z.B. Koobf, Diisch, Einzahlformen; Silben­typ I, wie oben in § 6 erläutert), Vokalkürze durch Verwendung der Fortis-Konsonanten, gegebenenfalls mit Doppelsetzung (Dàttum, Mehrzahlformen wie Kepf, Dišš; Silbentyp II nach § 6). In Kauf ge­nommen wird dabei, dass ein einziger Unterschied – nämlich der zwischen den Silbentypen I und II – teilweise zwei­fach zum Ausdruck gebracht wird. Diese Überdeutlichkeit erscheint notwendig, da Schrift­bil­der wie Riß, Roß von allen, die an die traditionelle Recht­schreibung ge­wöhnt sind, als Riss, Ross (mit kurzem Vokal) interpretiert wer­den. Hier steht Riiß, Rooß, Griif für die Einzahl, für die Mehrzahl dieser Wörter sowie in abgeleiteten Formen aber Riss, Ressl, Griff („Risse, Rösslein, Griffe“).
Es werden nur wenige Zusatzzeichen verwendet, die über das normale lateinische Al­pha­­bet hinausgehen (diakritische Zeichen, teilweise Anleihen aus dem Dänischen, Französi­schen, Tschechischen, Rumä­nischen).
å = dunkler a-Laut, der sich mehr oder weniger dem o nähert, z.B. Stråss „Straße“
Ein Gravis-Akzent zeigt offene Vokalqualität an:
à = offener a-Laut (s. dazu § 9 Nr. 1)
è = offener e-Laut, wie hochsprachlich ä, e in „älter, Eltern, Bett“
ò = offener o-Laut wie in hochsprachlich „offen“
Nasalierung (Näselung) von Vokalen wird durch Zirkumflex über dem Grundzeichen an­­ge­­zeigt, aus technischen Gründen nicht, wie üblich, mit übergesetzter Tilde (õ usw.).
â, ê, î, ô, û = nasaliertes à (hell), e, i, o, u
ã = nasaliertes å (verdumpft)
Ein übergesetztes Häubchen zeigt an, dass der Vokal in unbetonter Stellung nicht voll­tönend ist; es handelt sich um sog. Schwa-Laute, auf denen niemals der Wortakzent liegen kann.
ă = heller à-Laut in unbetonten Silben, z.B. bairisch ăloa, måchă „allein, machen“
ĕ = Laut zwischen i und e in unbetonten Silben, z.B. bairisch wenĕ „wenig“ (nicht zu ver­wechseln mit der hochsprachlichen Aussprache des unbetonten -e als einem Laut, der dem ö ähnelt; siehe dazu auch § 15.5).
Gelegentlich wird das Zeichen š für „sch“ verwendet, wenn in der schriftsprachlichen Ortho­­­gra­fie kein „sch“ steht; demnach also: schreim, wischn für „schreiben, wischen“ – aber Štiă, Duašt, raišpăn für „Stier, Durst, räuspern“. Zur Verdeutlichung des Silbenschnitts kann auch šš vorkommen (z.B. fiššn „fischen“; vgl. oben § 6).
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Seite zuletzt aktualisiert am 2. April 2006
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References: § 11
 § 15
 § 5
 § 8
 § 6
 § 6
 § 9
 § 15
 § 6