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Timestamp: 2017-07-29 12:01:43+00:00

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4A_388/2012: Streit über Geldforderung aus Arbeitsvertrag ist schiedsfähig, auch wenn eine Bestimmung einer ausländischen Rechtsordnung, die mit dem Rechtsstreit Verbindungen aufweist, für solche Streitigkeiten zwingend die staatliche Gerichtsbarkeit vorschreibt - swissblawg
Next2C_1031/2012: Biologisch Tochter aber rechtlich Nichte — keine Befreiung von der Erbschaftssteuer
Michael Feit	• 26. April 2013
Zivilprozess u. Schiedsgericht	Im Ent­scheid 4A_388/2012 vom 18. März 2013 befass­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Fra­ge, ob ein Rechts­streit aus einem Arbeits­ver­trag des­halb nicht schieds­fä­hig war, weil eine Bestim­mung einer aus­län­di­schen Rechts­ord­nung, die mit dem Rechts­streit Ver­bin­dun­gen auf­wies, für Arbeits­rechts­strei­tig­kei­ten zwin­gend die staat­li­che Gerichts­bar­keit vor­schreibt.
Beschwer­de­füh­rer vor Bun­des­ge­richt war der ehe­ma­li­ge Chef­trai­ner der natio­na­len Fuss­ball­mann­schaft Bul­ga­ri­ens. Beschwer­de­geg­ne­rin war der natio­na­le Fuss­ball­ver­band Bul­ga­ri­ens. Im Janu­ar 2008 schlos­sen die Par­tei­en einen Arbeits­ver­trag ab. Ziff 16 des Arbeits­ver­trags lau­te­te:
The dis­pu­tes con­cer­ning the inter­pre­ta­ti­on of the mea­ning and the per­for­mance of the con­tract will be resol­ved ami­ca­bly by agree­ment of the par­ties. In case an agree­ment is impos­si­ble to reach, the dis­pu­te shall be refer­red for resol­ving by the com­pe­tent court. The par­ties to the con­tract reco­gni­ze the Court of Arbi­tra­ti­on for Sport (CAS) in Lau­sanne, Switz­er­land as in this case the Sta­tu­te and the regu­la­ti­ons of BFU and the pro­vi­si­ons of Bul­ga­ri­an legis­la­ti­on will apply.
Als die Beschwer­de­geg­ne­rin den Arbeits­ver­trag vor­zei­tig kün­dig­te, klag­te der Beschwer­de­füh­rer vor dem Regio­nal­ge­richt Sofia und bean­trag­te die Zah­lung von EUR 132’000. Das Regio­nal­ge­richt erklär­te sich mit der Begrün­dung für zustän­dig, arbeits­recht­li­che Strei­tig­kei­ten sei­en nach Art. 19 Abs. 1 der bul­ga­ri­schen Zivil­pro­zess­ord­nung (“bZPO”) nicht schieds­fä­hig, son­dern müss­ten von den staat­li­chen Gerich­ten beur­teilt wer­den. Das Gericht wies die Kla­ge in der Fol­ge ab. Art. 19 Abs. 1 bZPO sieht (in sei­ner eng­li­schen Über­set­zung) Fol­gen­des vor:
The par­ties to a pro­per­ty dis­pu­te may agree that it be sett­led by a court of arbi­tra­ti­on, unless the dis­pu­te has as its sub­ject pro­per­ty rights or pos­ses­si­on of immo­ve­able pro­per­ty, ali­mo­ny or rights as per employ­ment rela­ti­onship.
Im Okto­ber 2011 reich­te der Beschwer­de­füh­rer beim Regio­nal­ge­richt Sofia eine wei­te­re Kla­ge ein und ver­lang­te Scha­den­er­satz aus Ver­trags­ver­let­zung. Das Regio­nal­ge­richt erklär­te sich man­gels Schieds­fä­hig­keit der Streit­sa­che wie­der­um in Anwen­dung von Art. 19 bZPO für zustän­dig.
Am 8. Novem­ber 2011 erhob der Beschwer­de­füh­rer beim Tri­bu­nal Arbi­tral du Sport (“TAS”) Schieds­kla­ge gegen die Beschwer­de­geg­ne­rin. Mit Schieds­ent­scheid vom 24. Mai 2012 erklär­te sich das TAS man­gels Schieds­fä­hig­keit für unzu­stän­dig. Es erach­te­te Art. 19 Abs. 1 bZPO für anwend­bar, der arbeits­recht­li­che Strei­tig­kei­ten von der Beur­tei­lung durch ein Schieds­ge­richt aus­schliesst. Die­sem Ergeb­nis ste­he auch Art. 177 IPRG nicht im Weg, zumal das IPRG eine Berück­sich­ti­gung zwin­gen­der Bestim­mun­gen eines aus­län­di­schen Rechts zulas­se. Im Wei­te­ren wies das TAS dar­auf hin, es bestehe die reel­le Gefahr, dass ein Schieds­ent­scheid des TAS in Bul­ga­ri­en nicht durch­ge­setzt wer­den kön­ne.
Mit Beschwer­de in Zivil­sa­chen bean­tragt der Klä­ger dem Bun­des­ge­richt, der Schieds­ent­scheid vom 24. Mai 2012 sei auf­zu­he­ben und das TAS sei für zustän­dig zu erklä­ren. Die Beschwer­de­geg­ne­rin bestritt nicht, dass es sich bei den mit der Schieds­kla­ge gel­tend gemach­ten Geld­for­de­run­gen infol­ge Ver­let­zung des Arbeits­ver­trags um ver­mö­gens­recht­li­che Ansprü­che im Sin­ne von Art. 177 Abs. 1 IPRG han­del­te. Sie argu­men­tier­te jedoch, Art. 19 Abs. 1 bZPO, nach dem arbeits­recht­li­che Strei­tig­kei­ten nicht von Schieds­ge­rich­ten beur­teilt wer­den kön­nen, sei im kon­kre­ten Fall als Teil des bul­ga­ri­schen Ord­re public zu beach­ten und ver­bie­te die Anru­fung eines Schieds­ge­richts. Das Bun­des­ge­richt teil­te die­se Auf­fas­sung nicht (E. 3.3):
Das Bun­des­ge­richt hat in sei­ner Recht­spre­chung zwar die Mög­lich­keit in Betracht gezo­gen, die Schieds­fä­hig­keit eines kon­kre­ten Rechts­streits gege­be­nen­falls mit Blick auf Bestim­mun­gen zu ver­nei­nen, die zwin­gend die staat­li­che Gerichts­bar­keit vor­schrei­ben und deren Beach­tung unter dem Blick­win­kel des Ord­re public (Art. 190 Abs. 2 lit. e IPRG) gebo­ten ist (BGE 118 II 353 E. 3c S. 357; Urtei­le 4A_654/2011 vom 23. Mai 2012 E. 3.4; 4A_370/2007 vom 21. Febru­ar 2008 E. 5.2.2). Dies kann ent­ge­gen dem ange­foch­te­nen Ent­scheid aller­dings nicht dahin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass ohne Wei­te­res zwin­gen­de Bestim­mun­gen einer aus­län­di­schen Rechts­ord­nung zu berück­sich­ti­gen wären, mit wel­cher die Rechts­strei­tig­keit Ver­bin­dun­gen auf­weist, und die den Begriff der Schieds­fä­hig­keit mög­li­cher­wei­se enger fas­sen (vgl. BGE 118 II 193 E. 5c/aa S. 196).
Das Bun­des­ge­richt kri­ti­sier­te auch, dass das TAS im Rah­men der Zustän­dig­keits­fra­ge die Gefahr der feh­len­den Durch­set­zung des Schieds­spruchs in Bul­ga­ri­en berück­sich­tig­te (E. 3.3):
Zudem hat es im Rah­men der Zustän­dig­keits­fra­ge zu Unrecht berück­sich­tigt, es bestehe auf­grund von Art. 19 bZPO und Art. V Abs. 2 lit. ades New Yor­ker Über­ein­kom­mens vom 10. Juni 1958 über die Aner­ken­nung und Voll­streckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che (SR 0.277.12) die Gefahr, dass ein Schieds­ent­scheid des TAS in Bul­ga­ri­en nicht durch­ge­setzt wer­den kön­ne. Dass Ent­schei­de inter­na­tio­na­ler Schieds­ge­rich­te mit Sitz in der Schweiz, die gestützt auf Art. 177 Abs. 1 IPRG einen Rechts­streit als schieds­fä­hig erach­tet haben, in einem bestimm­ten Land gege­be­nen­falls nicht voll­streckt wer­den kön­nen, ist nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers, der sich ganz bewusst für eine mate­ri­el­le Rege­lung der Schieds­fä­hig­keit aus­ge­spro­chen hat, hin­zu­neh­men; es ist mit­hin Sache der Par­tei­en, ein sol­ches Risi­ko abzu­wä­gen (BGE 118 II 353 E. 3c S. 357 und E. 3d S. 358; Urteil 4A_654/2011 vom 23. Mai 2012 E. 3.4; vgl. auch BGE 118 II 193 E. 5c/aa S. 196; vgl. bereits die Bot­schaft vom 10. Novem­ber 1982 zum Bun­des­ge­setz über das inter­na­tio­na­le Pri­vat­recht, BBl 1983 I 460). Abge­se­hen davon kann das Schieds­ge­richt im Erkennt­nis­ver­fah­ren ohne­hin nicht mit Sicher­heit vor­her­se­hen, in wel­chem Staat eine Par­tei der­einst die Voll­streckung des Schieds­ent­scheids ver­lan­gen wird (vgl. BERNHARD BERGER/FRANZ KELLERHALS, Inter­na­tio­nal and Dome­stic Arbi­tra­ti­on in Switz­er­land, 2. Aufl. 2010, Rz. 179, 256; BBl 1983 I 460).
Das Bun­des­ge­richt prüf­te in einem näch­sten Schritt die Fra­ge, ob die Schieds­ver­ein­ba­rung nach Art. 178 Abs. 2 IPRG gül­tig zustan­de gekom­men wor­den war. Das Bun­des­ge­richt erklär­te, dass die Schieds­ver­ein­ba­rung nach bul­ga­ri­schem Recht als das sowohl auf die Schieds­ver­ein­ba­rung als auch auf den Arbeits­ver­trag anwend­ba­re Recht ungül­tig war (E. 3.4.1):
Die Gül­tig­keit einer Schieds­ver­ein­ba­rung beur­teilt sich gemäss Art. 178 Abs. 2 IPRG in inhalt­li­cher Hin­sicht nach dem von den Par­tei­en gewähl­ten, dem auf die Streit­sa­che, ins­be­son­de­re dem auf den Haupt­ver­trag anwend­ba­ren oder dem schwei­ze­ri­schen Recht. Soweit der Ver­weis auf die Bestim­mun­gen des bul­ga­ri­schen Rechts in Zif­fer 16 des Arbeits­ver­trags als Rechts­wahl hin­sicht­lich des Zustan­de­kom­mens der Schieds­klau­sel ver­stan­den wird und auf den Arbeits­ver­trag bul­ga­ri­sches Recht anwend­bar ist, wie dies in der Beschwer­de­ant­wort vor­ge­bracht wird, ist ange­sichts der zwin­gen­den Bestim­mun­gen über den Abschluss von Schieds­ver­ein­ba­run­gen mit der Beschwer­de­geg­ne­rin von der Ungül­tig­keit der Schieds­klau­sel aus­zu­ge­hen.
Das Bun­des­ge­richt unter­such­te dar­auf­hin, ob die Schieds­ver­ein­ba­rung nach Schwei­zer Recht gül­tig zustan­de gekom­men war. Das Bun­des­ge­richt ver­nein­te die­se Fra­ge. Es befand, dass sich nach Mass­ga­be des Ver­trau­ens­prin­zips kein hin­rei­chend kla­rer Par­tei­wil­le ent­neh­men liess, wonach Streit­sa­chen aus dem Ver­trag von der staat­li­chen Gerichts­bar­keit aus­zu­neh­men und einer Ent­schei­dung durch ein Schieds­ge­richt zu unter­stel­len sei­en (E. 3.4.3):
Zif­fer 16 des Arbeits­ver­trags hält einer­seits fest, dass die Par­tei­en im Fal­le des Schei­terns einer güt­li­chen Eini­gung all­fäl­li­ge Strei­tig­kei­ten dem zustän­di­gen Gericht unter­brei­ten (“the dis­pu­te shall be refer­red for resol­ving by the com­pe­tent court”). Ein Aus­schluss der staat­li­chen Gerichts­bar­keit lässt sich dar­aus nicht ent­neh­men; im Gegen­teil spricht die all­ge­mei­ne For­mu­lie­rung für die Bei­be­hal­tung der staat­li­chen Gerichts­bar­keit. Die Par­tei­en aner­ken­nen zwar in der glei­chen Ver­trags­klau­sel die Zustän­dig­keit des TAS (“The par­ties to the con­tract reco­gni­ze the Court of Arbi­tra­ti­on for Sport …”), ver­wei­sen jedoch gleich­zei­tig auf die Bestim­mun­gen des bul­ga­ri­schen Rechts (“… as in this case … the pro­vi­si­ons of Bul­ga­ri­an legis­la­ti­on will apply”), das ein
Schieds­ver­fah­ren nicht zulässt, son­dern zwin­gend von der staat­li­chen Gerichts­bar­keit aus­geht. Es erscheint daher zumin­dest als frag­lich, ob sich der ver­trag­li­chen Abma­chung nach dem Ver­trau­ens­prin­zip ein hin­rei­chend kla­rer Wil­le ent­neh­men lässt, Streit­sa­chen aus dem Ver­trag von der staat­li­chen Gerichts­bar­keit aus­zu­neh­men und einer Ent­schei­dung durch ein Schieds­ge­richt zu unter­stel­len (vgl. auch Urteil 4A_244/2012 vom 17. Janu­ar 2013 E. 4.4). Dass die Ver­trags­klau­sel von Zif­fer 16 nach Treu und Glau­ben auf den mut­mass­li­chen Wil­len der Par­tei­en schlie­ssen lie­sse, dem Klä­ger wahl­wei­se den Rechts­weg an das TAS oder die staat­li­chen Gerich­te in Bul­ga­ri­en zu eröff­nen, macht der Beschwer­de­füh­rer zu Recht nicht gel­tend. Der Uti­li­täts­ge­dan­ke, nach dem mög­lichst ein Ver­trags­ver­ständ­nis zu suchen ist, das die Schieds­ver­ein­ba­rung bestehen lässt, greift im Übri­gen erst, wenn als Aus­le­gungs­er­geb­nis fest­steht, dass die Par­tei­en die Streit­sa­che von der staat­li­chen Gerichts­bar­keit aus­neh­men woll­ten (BGE 138 III 29 E. 2.2.3 S. 36; 130 III 66 E. 3.2 S. 71 f.; je mit Hin­wei­sen). Der Beschwer­de­füh­rer hat bei den staat­li­chen Gerich­ten in Bul­ga­ri­en zwei Kla­gen gegen die Beschwer­de­geg­ne­rin ein­ge­reicht, mit denen er Ansprü­che aus dem Arbeits­ver­trag vom 11. Janu­ar 2008 gel­tend macht; er hat mit sei­nem Vor­ge­hen zu erken­nen gege­ben, dass er selbst von der Bei­be­hal­tung der staat­li­chen Gerichts­bar­keit aus­ge­gan­gen war. Dar­auf, dass die Ver­trags­part­ne­rin eine Ver­ein­ba­rung nach Treu und Glau­ben in einem gewis­sen Sin­ne hät­te ver­ste­hen müs­sen, darf sich die Gegen­par­tei jedoch nur beru­fen, soweit sie selbst die Bestim­mung tat­säch­lich so ver­stan­den hat (vgl. BGE 105 II 16 E. 3a S. 19; Urtei­le 4A_538/2011 vom 9. März 2012 E. 2.2; 4A_219/2010 vom 28. Sep­tem­ber 2010 E. 1, nicht publ. in: BGE 136 III 528; KRAMER, in: Ber­ner Kom­men­tar, 1986, N. 122 ff. und N. 146 zu Art. 1 OR). Der Beschwer­de­füh­rer kann sich daher nach Treu und Glau­ben nicht auf ein Aus­le­gungs­er­geb­nis beru­fen, das gar nicht sei­nem dama­li­gen Ver­trags­ver­ständ­nis ent­spricht.
Eine Aus­le­gung von Zif­fer 16 des Arbeits­ver­trags nach dem Ver­trau­ens­prin­zip kann somit nicht zum Aus­schluss der staat­li­chen Gerichts­bar­keit zugun­sten eines Schieds­ge­richts und damit zur Wirk­sam­keit der Schieds­klau­sel füh­ren. Ent­spre­chend hat das TAS sei­ne Zustän­dig­keit im Ergeb­nis zu Recht ver­neint.
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References: Art. 19
 Art. 19
 Art. 19
 Art. 19
 Art. 177
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 BGE 
 Art. 19
 Art. 177
 BGE 
 Art. 178
 Art. 178
 BGE 
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 Art. 1