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Timestamp: 2016-10-23 01:37:07+00:00

Document:
4C.117/2003 (05.09.2003)
4C.117/2003 /grl
Urteil vom 5. September 2003
Kl�ger und Berufungskl�ger, vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Wolfgang Larese,
Beklagte und Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanw�lte Dr. Lucas David und Dr. Mark Reutter.
Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Z�rich, I. Zivilkammer, vom 13. M�rz 2003.
Der am 6. Februar 1945 in Jamaika geborene und am 11. Mai 1981 in Miami verstorbene Bob Marley war ein weltweit bekannter S�nger von Reggae-Musik. Im Jahre 1978 gab er zusammen mit seiner Gruppe ein Open-Air-Konzert in Santa Barbara in Kalifornien. Der Schweizer Fotograf X.________ besuchte dieses Konzert und machte mehrere fotografische Aufnahmen. Eines dieser Schwarzweissfotos zeigt Bob Marley von der linken Seite vor unscharfem Hintergrund. Sichtbar ist der Oberk�rper des S�ngers, der in der linken Hand ein Mikrofon nahe vor den ge�ffneten Mund h�lt. Auffallend ist die Frisur von Bob Marley, dessen Haare ungef�hr einen Viertel des ganzen Fotos ausf�llen. Die schwarzen langen Haare sind in zahlreiche Str�hnen (Rasta-Locken) gedreht, die - aufgrund einer schnellen Kopfbewegung - konzentrisch vom Kopf abstehen und so an die Umrisse des Wurzelstocks eines Baumes erinnern. Eine dieser Str�hnen befindet sich etwa auf Augenh�he in horizontaler Lage und wirft einen vom Ohr bis zur Nasenspitze reichenden, relativ breiten schwarzen Schatten auf das sonst hellfarbige Gesicht des S�ngers.
Das beschriebene Foto wurde von X.________ unter Umst�nden, die zwischen den Parteien streitig sind, der Keystone Press AG �bergeben und bei deren Niederlassung in London archiviert. Nachdem die Londoner Niederlassung von "The Hulton-Deutsch Collection" �bernommen worden war, �berliess diese das Foto der Y.________ AG mit Sitz im Kanton Z�rich zur Herstellung von Postern.
Im September 2000 erhob X.________ beim Obergericht des Kantons Z�rich Klage gegen die Y.________ AG mit den folgenden Begehren:
1. Die Beklagte sei zu verpflichten, gegen�ber dem Kl�ger bekanntzugeben und offen zu legen:
1.1 Die H�he der Druckauflage des von der Beklagten weltweit angebotenen Posters "Bob Marley", hergestellt ab dem 1978 entstandenen Foto des Kl�gers;
1.3 weitere Verwendungen des Fotos des Kl�gers durch die Beklagte z.B. als Postkarte, Buchillustration, Zeitungsillustration sowie in den elektronischen Medien;
1.4 die H�he der jeweiligen Druckauflage der einzelnen, von der Beklagten noch nachzuweisenden Verwendungsarten;
1.5 den jeweiligen Herstellungs- und Verkaufspreis pro Exemplar der einzelnen, von der Beklagten noch nachzuweisenden Verwendungsarten.
1.6 Namen und Adressen der von ihr belieferten Wiederverk�ufer und Internet-Anbieter;
1.7 alle Gewinne, die mit dem vom Foto des Kl�gers hergestellten Poster sowie anderen Verwendungsarten erzielt wurden;
2. Die Beklagte sei zu verpflichten,
2.1 dem Kl�ger eine Lizenzgeb�hr von mindestens 10% des Verkaufspreises pro gedrucktem Exemplar des Posters und anderer, durch die Beklagte nachzuweisender Verwertungsarten zu entrichten;
2.2 den bisher erzielten Gewinn aus der gesamten Nutzung des Werkes des Kl�gers an den Kl�ger herauszugeben.
3. Eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kl�ger f�r die unberechtigte Nutzung seines Werkes f�r die verschiedenen Verwendungsarten auf der Basis "Preisempfehlung f�r Bildhonorare der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Bildagenturen und -archive" (nach vorl�ufiger Berechnung, ohne Verletzerzuschlag) im Betrag von Fr. 57'342.50 angemessen zu entsch�digen.
4. Die Beklagte sei weiter zu verpflichten, dem Kl�ger eine angemessene Entsch�digung gem�ss vorl�ufiger Berechnung in H�he von mindestens Fr. 3'648.-- wegen widerrechtlicher Verwendung im Internet zu entrichten.
4.1 F�r die definitive Berechnung seien die entsprechenden Tarife der Verwertungsgesellschaft ProLitteris, Z�rich, beizuziehen.
5. Die Beklagte sei ebenfalls zu verpflichten, dem Kl�ger 5% Zins, berechnet vom Datum der Geltendmachung seiner Anspr�che mit Brief vom 18. Mai 1999 zu zahlen.
6. Es sei festzustellen, dass der Kl�ger in seinen urheberpers�nlichkeitsrechtlichen Verh�ltnissen verletzt worden ist; n�mlich in seinem Recht auf Anerkennung der Urheberschaft durch Unterdr�ckung seines Namens als Urheber des Fotos, sowie in seinem ausschliesslichen Recht, dar�ber zu bestimmen, ob, wann und wie das Werk ge�ndert werden kann, wie etwa durch (hier: unbefugten Eingriff mittels) Kolorierung.
7. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kl�ger f�r diese Verletzung in seinen urheberpers�nlichkeitsrechtlichen Verh�ltnissen unter dem Titel der Genugtuung den Betrag von Fr. 2'000.-- zu entrichten.
8. Es sei der Beklagten zu verbieten, Ver�ffentlichungen ab dem Foto des Kl�gers ohne dessen Einverst�ndnis und ohne Nennung seines Namens in gedruckten oder in elektronischen Medien zu publizieren oder publizieren zu lassen.
9. Vorsorglich wird der Antrag gestellt, einen Sachverst�ndigen beizuziehen zur Bestimmung des Ur- und des Reproduktionsnegativs.
Alles unter Kosten- und Entsch�digungsfolge zulasten des Beklagten."
Die Beklagte beantragte die Abweisung der Klage. Sie erhob verschiedene rechtliche und tats�chliche Einw�nde sowie die Einrede der Verj�hrung. Mit Urteil vom 13. M�rz 2003 wies das Obergericht die Klage ab. In der Urteilsbegr�ndung erkl�rte es die Einrede der Verj�hrung f�r unbegr�ndet und nahm zu den rechtlichen Einw�nden der Beklagten insoweit Stellung, als es sich deren Auffassung anschloss, dass dem Foto des Kl�gers keine Werkqualit�t im Sinne von Art. 2 URG zukomme.
Mit Berufung beantragt der Kl�ger dem Bundesgericht, das Urteil des Obergerichts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung und zur Behandlung der gestellten Rechtsbegehren an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Die Beklagte schliesst auf Abweisung der Berufung.
Die Berufungsschrift muss gem�ss Art. 55 Abs. 1 lit. b OG grunds�tzlich einen materiellen Antrag enthalten. Obwohl der Kl�ger bloss die R�ckweisung der Streitsache an die Vorinstanz verlangt, ergibt sich aus dem Zusammenhang zwischen seinem Antrag und der Begr�ndung, dass er als erstes vom Bundesgericht die Feststellung anbegehrt, dass die Fotografie von Bob Marley unter dem Schutz des Urheberrechtes stehe, und dass er als zweites - darauf gest�tzt - die Behandlung der vor Obergericht gestellten weiteren Begehren verlangt. Auf diese brauchte das Obergericht nicht einzutreten, da es den Urheberrechtsschutz verneinte. Weil das Bundesgericht demnach, sollte es die Rechtsauffassung des Kl�gers betreffend Werkqualit�t f�r begr�ndet erachten, kein Sachurteil f�llen k�nnte, sondern die Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckweisen m�sste, gen�gt nach st�ndiger Praxis der blosse R�ckweisungsantrag (BGE 106 II 203 E. 1; 104 II 211 E. 1 je mit Hinweisen).
2.1 Die Vorinstanz ist zum Ergebnis gekommen, die Schadenersatz- und Genugtuungsanspr�che des Kl�gers seien nicht verj�hrt, weil dieser zur jetzigen Zeit weder den Umfang des erlittenen Schadens kenne noch wisse, in welcher Weise er von der Beklagten in seiner Pers�nlichkeit verletzt worden sei.
2.2 Die Beklagte h�lt in der Berufungsantwort an der Verj�hrungseinrede fest und wirft dem Obergericht in diesem Zusammenhang eine Verletzung von Art. 60 Abs. 1 OR vor. Die Beklagte weist darauf hin, dass dem Kl�ger die wesentlichen Schadenselemente bekannt gewesen seien, als ihm von ihr eine vollst�ndige Aufstellung �ber die verkauften St�ckzahlen von Gross-Postern, Mini-Postern und Postkarten �bergeben worden sei. Wenn dem Kl�ger diese Angaben nicht gen�gten, verkenne er, dass die Verj�hrungsfrist nicht erst mit dem Nachweis des Schadens zu laufen beginne, sondern bereits mit dessen Kenntnis. Zudem k�nne der Kl�ger sich nicht darauf beschr�nken, diese Angaben zu bestreiten, um den Beginn der Verj�hrung hinauszuschieben.
2.3 Obschon die Beklagte weder Berufung noch Anschlussberufung erhob, hat sie grunds�tzlich die M�glichkeit, in der Berufungsantwort f�r sie ung�nstige Erw�gungen der Vorinstanz als bundesrechtswidrig zu beanstanden mit dem Ziel, die Abweisung der Klage trotz der Gutheissung einzelner Berufungsr�gen zu erreichen (BGE 118 II 36 E. 3; 61 II 125 E. 1). Zu beachten ist jedoch, dass die gleichen Formvorschriften wie f�r die Berufung gelten (Art. 59 Abs. 3 OG). Dazu geh�ren Art. 63 Abs. 2 und Art. 55 Abs. lit. c OG, wonach Kritik an den tats�chlichen Feststellungen der Vorinstanz unzul�ssig ist, es sei denn, es w�rden Ausnahmen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG vorliegen, was in der Rechtsschrift behauptet und ausreichend belegt werden muss (vgl. zu Letzterem BGE 115 II 484 E. 2a).
Nach dem angefochtenen Urteil steht noch nicht fest, ob die Beklagte �ber die Produktion von Postern hinaus andere Verletzungshandlungen begangen hat. Daraus leitet das Obergericht ab, dass der Kl�ger erst nach Abschluss eines allf�lligen Beweisverfahrens Kenntnis vom Schaden haben kann. Soweit dieser Erw�gung tats�chliche Feststellungen zugrunde liegen, sind sie f�r das Bundesgericht verbindlich, denn die Beklagte erhebt keine im Berufungsverfahren zul�ssigen Sachverhaltsr�gen. Bereits daran scheitert die Kritik an der Abweisung der Verj�hrungseinrede, weshalb auf die rechtlichen Einw�nde der Beklagten gegen das Urteil des Obergerichts nicht weiter einzugehen ist.
3.1 Nach dem angefochtenen Urteil kann der Kl�ger keinen urheberrechtlichen Schutz f�r seine Fotografie von Bob Marley beanspruchen. In der Urteilsbegr�ndung des Obergerichts werden den fallbezogenen Erw�gungen allgemeine Ausf�hrungen zum Begriff des fotografischen Werkes im Sinne von Art. 2 des Urheberrechtsgesetzes vom 9. Oktober 1992 (URG; SR 231.1) vorangestellt. Diese Ausf�hrungen betreffen vor allem die Begriffselemente der "geistigen Sch�pfung" und des "individuellen Charakters" und werden vom Obergericht dahingehend zusammengefasst, dass vom URG nur die "geistige Sch�pfung und also nur das Geschaffene" gesch�tzt wird und nicht schon die banale Pr�sentation von bloss Vorgefundenem. Nach dem Obergericht h�ngt sodann der individuelle Charakter der Fotografie ab vom Einsatz der fotografischen Mittel bei der Abbildung des fotografierten Objekts, allenfalls auch von der Aufbereitung des fotografierten Objektes. Auch das Einmalige des bloss vorgefundenen Objektes k�nne zur Individualit�t der Fotografie beitragen, wenn die Planung und Ausf�hrung zusammen wegen des geistigen Aufwandes ebenfalls als ungew�hnlich erscheinen, was Zufallsergebnisse ausschliesse.
Die Beurteilung nach diesen Kriterien f�hrt das Obergericht zu folgenden Erkenntnissen: Der Vordergrund des Fotos, das heisst die Abbildung von Bob Marley sei zwar im Gegensatz zu dessen Hintergrund einmalig. Fraglich sei aber, ob die Gestaltung der Aufnahme so einmalig sei, dass sie als geistige Sch�pfung im Sinne des Gesetzes erscheine. Auf das Objekt der Aufnahme treffe dies nicht zu, da der Kl�ger keine M�glichkeit gehabt habe, das Verhalten von Bob Marley w�hrend des Konzertes zu beeinflussen; der Kl�ger sei blosser Zuh�rer und Zuschauer gewesen. Das Obergericht h�lt sodann fest, dass auch die vom Kl�ger eingesetzten fotografischen Mittel nicht als einmalig zu bezeichnen seien. Die Abbildung von Bob Marley sei ein Halbportr�t im Profil und damit eine der g�ngigsten Arten der Gestaltung eines Bildnisses. Die Hervorhebung der Person, des wesentlichen Bestandteils des Bildes, mittels geringer Tiefensch�rfe sei eine Selbstverst�ndlichkeit. Die Verwendung eines Objektivs mit langer Brennweite werde bei Portr�taufnahmen oft verwendet, um die Perspektive zu verflachen und Verzerrungen zu vermeiden. Auch der �brige fotografische Aufwand wie die Einstellung der Blende und der Entfernung sowie die Wahl des Objektivs und des Formats des Fotos sei nicht ungew�hnlich; mehr als die Fertigkeit eines ge�bten Fotografen sei f�r die Erzielung eines guten Ergebnisses nicht erforderlich gewesen. Das Obergericht r�umt jedoch ein, dass die Aufnahme unbestreitbar ansprechend und interessant sei. Der Grund liege in der besonderen Mimik und Haltung von Bob Marley, vor allem in den fliegenden Rasta-Locken und ihren an eine Skulptur gemahnenden Formen. Einen besonderen Akzent setze dabei der Schatten, den eine horizontal fliegende Locke auf das Gesicht werfe. Dem Kl�ger sei fraglos ein ungew�hnlich sch�ner Schnappschuss gelungen. Ein Werk habe er damit jedoch nicht geschaffen, weil er diesen Schnappschuss nicht so geplant habe, dass er wegen dieser Planung als geistige Sch�pfung mit individuellem Charakter erscheine.
3.2 Der Kl�ger r�gt, das Obergericht habe den Begriff des urheberrechtlich gesch�tzten Werkes falsch ausgelegt. Er bringt vor, Urheberrecht sei das Recht an einer individuellen Form im Bereiche der Literatur und Kunst, soweit sie vom Menschen geschaffen werde. Individuell heisse prinzipiell unterscheidbar von anderen Werken. Ausgangspunkt sei regelm�ssig die wahrnehmbare Form. Die Wege, wie der Autor zu dieser Form gelange, seien grunds�tzlich irrelevant. Ausf�hrungen der Vorinstanz, wie der Kl�ger angeblich die Fotografie aufgenommen habe, seien reine Hypothesen und Hineininterpretationen. Dies sei nicht zu beachten. Massgebend sei einzig das Ergebnis. Es sei Sache des K�nstlers, zu bestimmen, wie er zu diesem Ergebnis gelange, das er als sein Werk deklariere. Eine besondere Fotografie zeichne sich dadurch aus, dass es ihr gelinge, das Wesentliche einer Situation einzufangen. Der Kl�ger habe ein Werk geschaffen, das in einzigartiger Weise Mensch und Botschaft von Bob Marley wiedergebe und deshalb weltweit als Poster verwendet worden sei. Daran �ndere nichts, dass die Fotografie vom Obergericht als Schnappschuss bezeichnet worden sei. Auch Ideen seien in der Regel "Schnappsch�sse". Entscheidend sei, wie man sie "bekleide". Wenn es gelinge, die Idee in eine unverwechselbare individuelle Form zu kleiden, liege ein Werk vor. Nichts anderes habe der Kl�ger realisiert.
Gem�ss Art. 2 URG sind Werke geistige Sch�pfungen der Literatur und Kunst, die individuellen Charakter haben, wobei es auf deren Wert und Zweck nicht ankommt (Abs. 1). Zu diesen Werken geh�ren gem�ss Gesetz insbesondere auch fotografische, filmische und andere visuelle oder audiovisuelle Werke (Abs. 2 lit. g). In der Botschaft des Bundesrates vom 19. Juni 1989 zum Urheberrechtsgesetz vom 9. Oktober 1992 (BBl 1989 III 477 ff., 520 f.) wird darauf hingewiesen, dass der Werkbegriff im Laufe der Gesetzgebungsarbeiten �ber die literarischen und k�nstlerischen Ausdrucksformen hinaus auf s�mtliche geistige Sch�pfungen mit individuellem Charakter ausgedehnt, dann aber aufgrund von in der Vernehmlassung erhobener Kritik auf Sch�pfungen im Gebiet von Literatur und Kunst eingeschr�nkt worden sei. Es wird zudem festgehalten, dass die Definition auf den von der schweizerischen Lehre und Rechtsprechung entwickelten Abgrenzungskriterien aufbaue und somit im Vergleich zum alten Urheberrechtsgesetz nichts am Anwendungsbereich des Urheberrechts ge�ndert worden sei (ebenso Urteil des Bundesgerichts 4C.448/1997 vom 25. August 1998 E. 3, abgedruckt in sic!, 1999, S. 119 ff.; Barrelet/Egloff, Das neue Urheberrecht, 2. Auflage, Bern 2000, N. 1 und 2 zu Art. 2).
4.1 In der Rechtsprechung des Bundesgerichts zum fr�heren Urheberrechtsgesetz wurde das urheberrechtlich gesch�tzte Werk als "eigenartige Geistessch�pfung von individuellem Gepr�ge" definiert, wobei die Gestaltung des Werkes "der Ausdruck einer neuen, originellen geistigen Idee oder die Verk�rperung eines Gedankens ist, f�r die es einer individuellen geistigen Idee bedurfte" (BGE 106 II 71 E. 2a; 75 II 355 E. 2a S. 359 f., je mit Hinweisen). Wiederholt wurde festgehalten, dass der �sthetische Wert und die Bedeutung des Werkes weder zu beurteilen noch zu ber�cksichtigen seien (BGE 110 IV 102 E. 2; 106 II 71 E. 2a; 75 II 355 E. 2a S. 360). Neuere Entscheide wiesen schliesslich darauf hin, dass an das Mass der geistigen Leistung, an den Grad der Individualit�t oder Originalit�t nicht stets gleich hohe Anforderungen zu stellen seien; das verlangte individuelle Gepr�ge h�nge vielmehr vom Spielraum des Sch�pfers ab; wo ihm von vornherein der Sache nach wenig Raum bleibe, werde der urheberrechtliche Schutz schon gew�hrt, wenn bloss ein geringer Grad selbst�ndiger T�tigkeit vorliege (BGE 113 II 190 E. 2a S. 196 mit Hinweisen; 117 II 466 E. 2a S. 468).
4.2 In der Lehre bildete das Aufkommen der modernen Kunst Anlass, die in der Rechtsprechung und in der damaligen schweizerischen Literatur verwendete Definition des urheberrechtlich gesch�tzten Werkes in bestimmten Teilen in Frage zu stellen. Kritisiert wurde vor allem die Voraussetzung der "eigenartigen Sch�pfung" bzw. der "pers�nlichen Pr�gung" und die Ber�cksichtigung der Umst�nde bei der Entstehung des Werkes. Die Diskussion �ber den urheberrechtlichen Werkbegriff wurde massgebend angeregt von Max Kummer, der in seiner im Jahre 1968 erschienen Monografie "Das urheberrechtlich sch�tzbare Werk" die Auffassung vertrat, dass der urheberrechtliche Schutz in Bezug auf den erforderlichen Abstand zu bereits Bestehendem allein von einer bestimmt verstandenen, als "statistische Einmaligkeit" bezeichneten (S.38 und S.80) Individualit�t des Werkes selbst abh�ngig zu machen sei. Dieser Auffassung hat sich die schweizerische und zum Teil auch die ausl�ndische Lehre angeschlossen (vgl. Alois Troller, Die Bedeutung der statistischen Einmaligkeit im urheberrechtlichen Denken, in Recht und Wirtschaft heute, FS Kummer, Bern 1980, S.268ff.; Elmar Heim, Die statistische Einmaligkeit im Urheberrecht de lege lata und de lege ferenda, Diss. Freiburg 1971, S.28ff.; Karsten Schmidt, Urheberrechtlicher Werkbegriff und Gegenwartskunst - Krise oder Bew�hrung eines gesetzlichen Konzepts? -, UFITA 77/1976, S.1ff., S.22ff.).
4.3 Der Begriff der statistischen Einmaligkeit hat auch Eingang in die Rechtsprechung kantonaler Gerichte gefunden; insbesondere bei der Beurteilung der Werkqualit�t von Fotografien. So verweigerte das Obergericht des Kantons Z�rich im Jahre 1983 der fotografischen Abbildung eines leicht nach vorne gebeugten und sich auf einen Tisch st�tzenden Mannes, der ein Aktenst�ck in der Hand h�lt, den Urheberrechtsschutz. Dieser Aufnahme fehle die statistische Einmaligkeit. Weder im Gesicht des Mannes noch in seiner Haltung komme etwas Besonderes zum Ausdruck. Bildausschnitt und Proportionen seien allt�glich, der Aufnahmewinkel normal; ebenso best�nden keine besonderen Lichteffekte oder Farbzusammensetzungen (Urteil vom 30. Juni 1983; abgedruckt in SMI 1985, S. 221 ff.).
Demgegen�ber wurde, ebenfalls unter Bezugnahme auf das Kriterium der statistischen Einmaligkeit, in einem St. Galler Entscheid die Werkqualit�t einer Portr�tfotografie bejaht. Nach diesem Urteil ist die statistische Einmaligkeit bei einer Fotografie anhand der gestalterischen Elemente wie spezifische Beleuchtung, Kontraste, Tiefensch�rfe, Motivwahl, Lichtf�hrung, Wahl des Ausschnittes oder der Perspektive, Wahl oder Zusammenstellung einzelner abgebildeter Objekte oder Verh�ltnis zwischen Lichtkontrasten zu bestimmen. Bei der beurteilten Portr�taufnahme bejahte das Kantonsgericht die Werkqualit�t mit der Begr�ndung, die Lichtverh�ltnisse und die Lichtkontraste, insbesondere die Tiefensch�rfe, liessen - abgesehen vom Eindruck, den das Objekt selbst erwecke - deutlich erkennen, dass nicht einfach ein Schnappschuss, ein banales mechanisches Knipsen zur Diskussion stehe, sondern ein entsprechender Gestaltungswille der Fotografin zum Ausdruck komme (Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 24. November 1999, abgedruckt in sic! 2000, S. 188 ff.).
4.4 Der Begriff der statistischen Einmaligkeit wurde auch in Urteilen des Bundesgerichts aus den Jahren 1987 und 1993 verwendet. Darin wurde festgehalten, dass Originalit�t und Individualit�t oder statistische Einmaligkeit als Wesensmerkmale des gesch�tzten Werkes zu betrachten seien (Urteil C 273/1986 vom 26. Januar 1987 E. 2, abgedruckt in SMI 1989 I 68 ff.; Urteil 6S.694/1992 vom 2. M�rz 1993 E. 3b, in franz�sischer �bersetzung abgedruckt in JdT 1996 I 242 ff.). �hnliche Formulierungen - allerdings ohne Erw�hnung der "statistischen Einmaligkeit" - finden sich in anderen Urteilen des Bundesgerichts, und zwar auch in solchen, die in Anwendung des revidierten Urheberrechtsgesetzes ergangen sind (vgl. BGE 125 III 328 E. 4b S. 331; Urteil 4C.86/2000 vom 13. Juni 2000 E. 3c/bb, abgedruckt in sic! 2001, S. 729). Soweit in den beiden zuletzt zitierten Urteilen der Begriff der Originalit�t verwendet wird, ist indessen zu beachten, dass die Legaldefinition des revidierten Gesetzes den Schutz ausschliesslich vom individuellen Charakter des Werkes abh�ngig macht und sich insoweit an die Auffassung Kummers anlehnt. Originalit�t im Sinne einer pers�nlichen Pr�gung durch den Urheber ist nach dem revidierten Gesetz nicht erforderlich. Zudem wird vorausgesetzt, dass der individuelle Charakter im Werk selbst zum Ausdruck kommt (BBl 1989 III S. 521). Massgebend ist die Werk-Individualit�t und nicht die Urheber-Individualit�t (Schmidt, a.a.O., S. 10 und 22). In diesem Sinne ist die bereits zitierte �usserung in der Botschaft (oben E. 4) zu relativieren, dass das revidierte Gesetz hinsichtlich der Umschreibung des Werkbegriffs auf den Abgrenzungskriterien der damaligen Rechtsprechung insbesondere des Bundesgerichts aufbaue.
4.5 Wesensmerkmal des urheberrechtlich gesch�tzten Werkes ist neben dem individuellen Charakter das Vorliegen einer geistigen Sch�pfung der Literatur oder Kunst. Als geistige Sch�pfung muss das Werk auf menschlichem Willen beruhen; es muss Ausdruck einer Gedanken�usserung sein (BBl 1989 III S. 521). Bei der Fotografie ist diese Anforderung problematisch, weil der mechanische, durch den Fotoapparat geleistete Anteil an der Erzeugung und Individualisierung des Werkes den menschlichen Anteil �berwiegen kann. Die Fotografie wird deswegen in der Literatur als Sorgenkind des Urheberrechts bezeichnet. Max Kummer hat erfolglos die Schaffung eines Sonderrechtes f�r die Fotografie gefordert (a.a.O., S. 210 f.; ebenso Haenni, Le photographe et ses droits d'auteur, S. 10). Andere Autoren vertreten dagegen die Auffassung, die Eigenheit der Fotografie, mechanisches Abbild der Wirklichkeit zu sein (so die Formulierung von Kummer, a.a.O., S. 208), stehe der Anwendung der Regeln des Urheberrechtsgesetzes, das die Fotografie in Art. 2 Abs. 2 lit. g ausdr�cklich unter den gesch�tzten Werken erw�hnt, nicht entgegen. Nach Alois Troller bestehen bei der Fotografie Gestaltungsm�glichkeiten, welche zu einer individuellen, gesch�tzten Abbildung f�hren k�nnen. Entscheidend ist nach seiner Auffassung die statistische Einmaligkeit der Bildgestaltung und nicht jene des Vorhandenseins eines Ereignisses oder einer Sache. Gem�ss schweizerischem Recht seien, was oft �bersehen werde, nur die individuellen Werke der Fotografie gesch�tzt, nicht aber blosse Lichtbilder, die auch andere in gleicher Weise zustande br�chten (Immaterialg�terrecht, Band I, 3. Auflage, Basel 1983, S. 387). �hnliche �usserungen finden sich bei anderen Autoren und Autorinnen. Es besteht in der Literatur insoweit Einigkeit, als einerseits banale Knipsbilder vom Schutz ausgeschlossen werden und andererseits die M�glichkeit, der Fotografie individuellen Charakter zu verleihen, in deren Gestaltung gesehen wird, zum Beispiel durch die Wahl des abgebildeten Objekts, des Bildausschnitts und des Zeitpunkts des Ausl�sens, durch den Einsatz eines bestimmten Objektivs, von Filtern oder eines besonderen Films, durch die Einstellung von Sch�rfe und Belichtung sowie durch die Bearbeitung des Negativs (Barrelet/Egloff, Das neue Urheberrecht, 2. Auflage, Bern 2000, N. 19 zu Art. 2; von B�ren, in: Schweizerisches Immaterialg�ter- und Wettbewerbsrecht, Bd. II/1, Basel 1995, S. 109 f.; Rehbinder, Schweizerisches Urheberrecht, 3. Auflage, Bern 2000, S. 98 f.; Ackermann/Buri, Der Fotografenvertrag als Konsumentengesch�ft, in: recht 1998, S. 144 ff., S. 152 f.; Hug Kettmeir, Urheberrecht an der Fotografie nach schweizerischem Recht, UFITA 136/1998, S. 151 ff., S. 161 f.; Macciacchini, Urheberrecht vs. Meinungsfreiheit am Beispiel der Fotografie, in: Medialex 2002, S. 24 ff., S. 27; Kamen Troller, Manuel du droit suisse des biens immat�riels, Band I, 2. Auflage, Basel 1996, S. 293). Im �brigen wird in der Lehre zutreffend darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung einer Fotografie als Schnappschuss, soweit sie als Beschreibung eines fototechnischen Vorgangs gemeint ist, nichts �ber deren urheberrechtliche Sch�tzbarkeit aussagt (von B�ren, a.a.O., S. 110). Das leuchtet bereits darum ein, weil andernfalls jede fotografische Abbildung eines sich schnell bewegenden Objektes vom Urheberrechtsschutz ausgenommen w�re. �berdies kann auch die gedankliche Vorbereitung eines Schnappschusses im Sinne einer Zurechtlegung vor dem geistigen Auge oder die reflektierte Auswahl einer Fotografie aus einer Reihe von Schnappsch�ssen eine geistige Leistung darstellen und, sofern sich diese im Werk niederschl�gt, urheberrechtlichen Schutz begr�nden.
5.1 Wie bereits festgehalten wurde, ist die Vorinstanz zum Ergebnis gekommen, dass der Kl�ger die an sich bestehenden fotografischen Gestaltungsmittel nicht in einmaliger Weise eingesetzt hat. Nach ihrer Auffassung ist f�r die Erzielung eines guten Ergebnisses nicht mehr als die Fertigkeit eines ge�bten Fotografen erforderlich gewesen. Damit hat die Vorinstanz indessen nur eine von mehreren nach der vorangehenden Erw�gung gegebenen M�glichkeiten in Betracht gezogen, der Fotografie individuellen Charakter zu verleihen. Welche fototechnischen Mittel zur Gestaltung der Fotografie eingesetzt worden sind, kann nicht allein entscheidend sein. Massgebend ist das erzielte Ergebnis, das f�r sich selbst der Anforderung gerecht werden muss, Ausdruck einer Gedanken�usserung mit individuellem Charakter zu sein. Soweit in der Lehre die Gestaltungsm�glichkeiten anhand der fototechnischen Mittel exemplifiziert werden (oben E. 4.5), ist das nicht anders zu verstehen. Die Benutzung einer bestimmten Technik f�hrt nicht automatisch zum Urheberrechtsschutz. Andererseits gilt aber auch, dass eine Fotografie nicht grunds�tzlich vom Schutz ausgenommen werden darf, weil keine besonderen fototechnischen Mittel verwendet worden sind, wie am Beispiel des Schnappschusses bereits er�rtert worden ist. Dass es dem Kl�ger als gew�hnlichem Zuschauer und Zuh�rer des Konzertes von Bob Marley nicht m�glich war, die fotografischen Aufnahmen mit diesem zu inszenieren, kann sich deshalb nicht zu Ungunsten des Kl�gers auswirken. �bertriebene Anforderungen stellt die Vorinstanz schliesslich auch, wenn sie verlangt, dass der Kl�ger den Schnappschuss auf eine so besondere Art h�tte planen m�ssen, dass er wegen dieser Planung als geistige Sch�pfung mit individuellem Charakter erscheinen w�rde. Diese Auffassung widerspricht dem Prinzip, dass die Fotografie f�r sich allein, unabh�ngig von den Umst�nden ihrer Entstehung zu beurteilen ist (BBl 1989 III S. 521). Das Vorliegen einer solchen Planung wird im �brigen selten aus der Fotografie selbst ersichtlich sein. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das Obergericht bei der Beurteilung der Werkqualit�t auf Grunds�tze abgestellt hat, die dem Bundesrecht widersprechen.
5.2 In anderer Hinsicht ist dem Obergericht dagegen zuzustimmen. Es h�lt fest, dass die Fotografie von Bob Marley ansprechend und interessant sei, und bezeichnet als Grund daf�r die besondere Mimik und Haltung des Abgebildeten, vor allem die fliegenden Rasta-Locken und ihre an eine Skulptur gemahnenden Formen, wobei ein besonderer Akzent durch den Schatten gesetzt werde, den eine horizontal fliegende Locke auf das Gesicht werfe. Damit hat das Obergericht selbst gerade die wesentlichen Merkmale herausgearbeitet, welche der Fotografie des Kl�gers individuellen Charakter verleihen. Anzuf�gen ist noch, dass auch die Anordnung der einzelnen Bildkomponenten und der jeweilige Raum, den sie im Verh�ltnis zueinander ausf�llen, ebenso wie die Verteilung von Licht und Schatten zur individuellen Gestaltung der Fotografie beitragen. Dazu kommt schliesslich, dass auch die Schutzvoraussetzung des Wirkens eines menschlichen Gestaltungswillens erkennbar ist. Dieser manifestiert sich in der Wahl des Bildausschnittes und dem Zeitpunkt des Ausl�sens der Bildaufnahme w�hrend eines bestimmten Bewegungsablaufs des S�ngers. Aus diesen Gr�nden ist die vom Kl�ger aufgenommene Fotografie als urheberrechtlich gesch�tztes Werk, als geistige Sch�pfung der Kunst mit individuellem Charakter im Sinne von Art. 2 URG zu beurteilen. Das angefochtene Urteil, das zum gegenteiligen Ergebnis kam, ist aufzuheben.
Aus Gr�nden, die bereits er�rtert worden sind (oben E. 1), kann das Bundesgericht nicht selbst �ber die Klage entscheiden, sondern muss die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckweisen. Damit obsiegt der Kl�ger vor Bundesgericht mit seinem R�ckweisungsantrag, was es rechtfertigt, die Gerichtskosten der Beklagten aufzuerlegen und diese zur Zahlung einer Parteientsch�digung an den Kl�ger zu verpflichten (Art. 156 Abs. 1 und Art. 159 Abs. 1 und 2 OG).
Die Berufung wird teilweise gutgeheissen, das Urteil des Obergerichtes des Kantons Z�rich, I. Zivilkammer, vom 13. M�rz 2003 wird aufgehoben und die Streitsache zur Neubeurteilung im Sinne der Erw�gungen an die Vorinstanz zur�ckgewiesen.

References: Art. 2
 Art. 55
 Art. 60
 Art. 63
 Art. 55
 Art. 63
 Art. 64
 BGE 
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
de lege lata
de lege ferenda
 BGE 
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 159