Source: http://brandwende.com/deutsch/spezialgebiet-br-brandschutz-im-holzbau/projekte-und-referenzen-holzbau/pack-die-badehose-ein.html
Timestamp: 2018-01-24 05:15:59+00:00

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Pack die Badehose ein – Reinhard Eberl-Pacan – Architekten + Ingenieure Brandschutz, Berlin
Detail Schieferfassade Foto: Roswag Architekten
Auf einem Seegrundstück am Kleinen Wannsee wurde eine hochdämmendes, diffusionsoffenes Gebäude aus Naturbaustoffen errichtet. Der Baukörper minimiert die Wärmeverluste 30% unter das Referenzgebäude EnEV2014. Mit Ausnahme von Tiefgarage und Aufzugschacht wurden alle Bauteile in vorgefertigter Holzbauweise hergestellt und in nur 5 Wochen zusammengefügt.
Roswag Architekten (in Kooperation mit Susan Draeger)
Jan Schreiber, Projektleiter, Planung, Bauüberwachung
Kathrin Dietsche, Planung
Niklas Heinen, Planung
Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure für Brandschutz
David Niedermeiser, Projektleiter
Das langgestreckte Seegrundstück zwischen dem Kleinen Wannsee und der Königstrasse wurde 2013 von einer Eigentümergemeinschaft erworben. Die Villa im seeseitigen Teil war zu sanieren und im nördlichen Teil durch einen Neubau mit 6 Wohneinheiten (90 – 140 m2) und eine Tiefgarage mit 12 Stellplätzen zu ergänzen. Alle Wohnungen werden barrierefrei erschlossen und haben einen direkten Seezugang.
Der polygonale Baukörper des Neubaus nimmt Bezug auf die vorhandenen Fluchten von Grundstücks- und Baugrenze sowie auf die Ausrichtung der Bestandsvilla. Gleichzeitig spiegelt sich die Außenform des Baukörpers in seinem Inneren wieder:
So entstehen großzügige Dielen als zentrale Verbindungsräume. Präzise Einschnitte in das Gebäudevolumen erzeugen den Eingangsbereich bzw. dienen der Belichtung des Treppenraumes. Die schuppenartige, hinterlüftete Fassade aus Naturschiefer betont mit ihrer lebendigen Textur das kompakte Gebäudevolumen.
Die Lage an der Straße sowie die Himmelsrichtungen ergeben verschiedene Themen für die Fassaden. Die Nord-, West und Ostfassade wurden als Lochfassaden geplant, während die Südfassade großzügige Öffnungen aufweist. Durch- gehende Balkonbänder bilden einen privaten Freibereich in den Obergeschossen. Die Form der Balkonbänder entsteht sowohl durch die Baukörpergeometrie als auch durch die Ausrichtung zum See.
Haus am Wannsee: Südfassade Foto: Roswag Architekten
Eine hochdämmende, diffusionsoffene Gebäudehülle aus Naturbaustoffen umschließt den Baukörper und minimiert die Wärmeverluste (30% unter Referenzgebäude EnEV2014). Mit Ausnahme von Tiefgarage und Aufzugschacht wurden alle Bauteile in vorgefertigter Holzbauweise hergestellt und in nur 5 Wochen errichtet.
Für die Außenwände wurden Holzrahmenbauelemente mit einer 24 cm starken Zellulosedämmung eingesetzt, die Decken hingegen bestehen aus massivem Brettsperrholz und kragen als Balkonbänder bis zu 3 m weit aus. Treppenhauswände und Treppenläufe bestehen ebenfalls aus Brettsperrholz und wurden unterseitig sichtig belassen. Trotz hoher Schallschutzanforderungen wurden auch die Holzdecken so konzipiert, dass diese ebenfalls sichtig bleiben könnten. Die Tragstruktur verzichtet auf statische Wandscheiben innerhalb der Wohnungen und ermöglicht so auch offene Grundrisse. Schlanke Unterzüge aus Furnierschichtholz lassen sich optimal in Trennwände integrieren.
Die schadstofffreie, diffusionsoffene Bauweise im Zusammenspiel mit den sorptionsfähigen Raumoberflächen und freier Fensterlüftung (2 x täglich Stoßlüften) sorgen für eine natürliche Regulierung des Raumklimas. So kann trotz luftdichter Ausführung der Gebäudehülle auf eine kontrollierte Wohnraumlüftung verzichtet werden. Auf dem Dach sorgt eine extensive Begrünung für die Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes, eine dachintegrierte Solarthermieanlage (14 m2) unterstützt die Warmwasserbereitung und Wärmeversorgung. Auch in der Gründung konnte CO2 eingespart werden: Anstelle einer durchgehenden Bodenplatte wurde die gesamte Tiefgarage gepflastert.
B05 Wohnraum Dachgeschoss Foto: Roswag Architekten
Rechtliche Grundlage für das vorliegende Brandschutzkonzept ist die Bauordnung für Berlin (BauO Bln) vom 29. September 2005, zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. Juni 2011. Das Gebäude ist gem. § 2 BauO Bln ein Gebäude der Gebäudeklasse (GK) 3, da die max. Fußbodenhöhe des obersten Aufenthaltsraumes bei ≤ 7,00 m über Gelände liegt. Die Tiefgarage wird gem. § 1 Muster-Garagenverordnung (MGarVO) mit einer Fläche < 1.000 m² als Mittelgarage eingestuft.
Das Gebäude liegt im vorderen Teil des Seegrundstückes Am Kleinen Wannsee 1. Das Grundstück grenzt an die Hauptverkehrsstraße Königstraße an. In der Einbahnstraße „Am Kleinen Wannsee“ (öffentlichen Verkehrsfläche) befindet sich die Zufahrt zum Grundstück. Die Erschließung für die Feuerwehr erfolgt über diese Straße.
Die tragenden Wände und Stützen im Kellergeschoss wurden aus Stahlbeton errichtet und erfüllen die Anforderung „feuerbeständig“ gem. BauO Bln § 27 (2). Die Umfassungswände des Aufzuges sind Bestandteil der tragenden Konstruktion und sind aus Stahlbeton erstellt. Weitere tragende Wände und Stützen im Wohngeschoss wurden mindestens feuerhemmend erstellt.
Außenwände wurden aus Holzrahmenbauelementen erstellt, die mit Zellulosedämmung ausgeblasen werden. Außen wurde die Fassade mit einer vorgehängten, hinterlüfteten Bekleidung aus Schieferschindeln versehen. Im Sockelbereich springt der Wandaufbau leicht zurück. Hier ist ein Sockelputz vorgesehen. Zwischen dem 1. und 2. Obergeschoss wurden in der hinterlüfteten Ebene, umlaufend horizontale Brandsperren in Form einer Verblockung errichtet.
Je Geschoss wurden zwei Wohneinheiten errichtet, die als Nutzungseinheiten durch Trennwände gem. § 29 BauO Bln getrennt wurden. Die Trennwände bestehen aus einer Trockenbau-Metallständer-Konstruktion mit beidseitiger doppelter Beplankung aus Gipsbauplatten und erfüllen die Anforderung feuerhemmend.
Die Decke über der Tiefgarage wurde aus Stahlbeton, die Decken über Erdgeschoss und 1. Obergeschoss werden aus Massivholz hergestellt. Auf Brettsperrholzplatten wurden für Schallschutz und Heizung eine Schüttung, eine Trittschalldämmung und ein Heizestrich aufgebracht. Die Anforderung feuerhemmend der auszuführende Decke ist auf Abbrand der Decken nachgewiesen. Die Decke der Tiefgarage wurde aus Stahlbeton erstellt und erfüllt die Anforderung feuerbeständig.
Es musste gesichert werden, dass über Durchbrüche in Decken oder Wänden, an die eine Anforderung hinsichtlich des Feuerwiderstandes gestellt wird, kein Feuer oder Rauch in andere Geschosse oder Nutzungseinheiten gelangen kann. Montagebedingte Öffnungen für Leitungen wurden dazu in der Qualität der Decken oder Wände geschlossen. Versorgungsschächte wurden im Deckenbereich entsprechend der Deckenqualität geschottet.
Dachgeschoss im Bauzustand Foto: Roswag Architekten
Das um ca. 6° geneigte Dachtragwerk besteht aus einer massiven Brettsperrholzplatte, auf welche die Wärmedämmung aufgelegt wurde. Die Abdichtungsebene liegt oberhalb der Wärmedämmung. Es wurde ein Gründach gebaut, dessen Aufbau aus einer Schutz-, Drän- und Filtermatte und einer Substratschicht besteht.
Nordfassade mit Treppenraum Foto: Roswag Architekten
Nach § 32 (4) BauO Bln sind Gründächer zulässig, wenn eine Brandentstehung bei einer Brandbeanspruchung von außen durch Flugfeuer und strahlende Wärme nicht zu befürchten ist oder Vorkehrungen dagegen getroffen werden. Bei Dächern mit Extensivbegrünung ist ein ausreichender Widerstand gegen Flugfeuer und strahlende Wärme gegeben, wenn eine mindestens 3 cm dicke Schicht Substrat mit höchstens 20 Gew.% organische Bestandteile vorhanden ist. Vor Öffnungen in der Dachfläche (Dachfenster, Lichtkuppeln) und vor Wänden mit Öffnungen musste ein mindestens 0,5 m breiter Streifen aus massiven Platten oder Grobkies angeordnet werden.
Die Wohnungen sind unmittelbar an einen notwendigen Treppenraum angeschlossen. Die Vorgabe der BauO Bln § 35 (2), dass von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes ein Treppenraum in höchsten 35 m Entfernung zu erreichen sein muss, wurde eingehalten. Den ersten Rettungsweg im Kellergeschoss bildet eine notwendige Treppe mit Treppenraum, die über eine vorgelagerte Schleuse erreicht werden kann. Der zweite Rettungsweg erfolgt über eine Rampe direkt ins Freie.
Den zweiten Rettungsweg bilden die Rettungsgeräte der Feuerwehr mittels tragbaren Leitern. Die max. Anleiterhöhe (2.OG) beträgt ca. 7,46 m. Entsprechende Anleiterpositionen für die Rettungsgeräte der Feuerwehr sind in der Brandschutz-Visualisierungszeichnung (BVZ) eingetragen.
Die Treppe wurde als tragendes Bauteil in einer geschlossenen Holzkonstruktion erstellt. Die Anforderung feuerhemmend wurde durch Abbrand nachgewiesen. Die Treppe verfügt über ein erweitertes Treppenauge durch das Geräte der Feuerwehr (Schläuche) bewegt und transportiert werden können.
Das Gebäude verfügt über einen notwendigen Treppenraum, an den die nicht zu ebener Erde liegenden Geschosse in einem Zuge angebunden sind. Der Treppenraum liegt an einer Außenwand und besitzt im EG einen Ausgang ins Freie. In den oberirdischen Geschossen wurden Öffnung mit mindestens 0,60 m x 0,90 m und einer maximalen Brüstungshöhe von 1,20 m erstellt. Die Wände des notwendigen Treppenraums sind feuerhemmend. Sie wurden aus massivem Brettsperrholz mit einer nichtbrennbaren Bekleidung im Treppenraum erstellt. Eine Öffnung zur Rauchableitung war gemäß § 35 BauO Bln (8) nicht erforderlich. Die Wohnungseingangstüren der Wohnungen sind als dicht- und selbstschließende (dsT) Abschlüsse hergestellt. Als Bodenbelag wurde ein Holzbelag vorgesehen. Dieser erfüllt die Anforderung schwerentflammbar nach § 35 BauO Bln (5).
Neubau eines Geschosswohnungsbaus als reiner Holzbau in Niedrigenergiestandard
Gebäudehülle aus Naturbaustoffen
Verzicht auf kontrollierte Wohnraumlüftung
Entwicklung der polygonalen Grundform aus dem Städtebau und aus den Wohnungen heraus
Sechs Wohnungen zwischen 90 – 140 m2 mit großzügigen Terrassen und Balkonen mit Südausrichtung
direkter Seezugang und barrierefreie Erschließung
Transmissionswärmeverlust um ca. 30% besser als EnEV 2014 Referenzgebäude
KMD-Wohnen Am Kleinen Wannsee GmbH
Jan Schreiber, Projektleiter, Kathrin Dietsche, Niklas Heinen
2B Planungsgesellschaft bR
Marko Ludwig, Tragwerksplanung
Ziegert | Seiler Ingenieure Marius Zobel, Philipp Müller
HDH-Ingenieure Thomas Wolf
Akustikbüro Krämer+Stegmaier

References: § 2
 § 1
 § 27
 § 29
 § 32
 § 35
 § 35
 § 35