Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=20.08.2014&Aktenzeichen=I%20R%2086%2F13
Timestamp: 2019-12-06 19:04:55+00:00

Document:
BFH, 20.08.2014 - I R 86/13 - dejure.org
https://dejure.org/2014,29674
BFH, 20.08.2014 - I R 86/13 (https://dejure.org/2014,29674)
BFH, Entscheidung vom 20.08.2014 - I R 86/13 (https://dejure.org/2014,29674)
BFH, Entscheidung vom 20. August 2014 - I R 86/13 (https://dejure.org/2014,29674)
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§ 50d Abs ... 9 S 1 Nr 2 EStG 2002 vom 13.12.2006, § 50d Abs 9 S 3 EStG 2002 vom 13.12.2006, § 50d Abs 8 EStG 2002 vom 15.12.2003, § 50d Abs 9 S 3 EStG 2009 vom 26.06.2013, § 52 Abs 59a S 9 EStG 2009 vom 26.06.2013
Voraussetzungen der Freistellung von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens
Vorlagebeschluss wegen Zweifeln an § 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 2 EStG 2002
Verfassungsmäßigkeit des § 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 2 EStG
Vorlage zur Verfassungsmäßigkeit eines Treaty Overrides
Kurznachricht zu "Verfassungsmäßigkeit eines Treaty Override: Dritte Vorlage des BFH an das BVerfG" von RiBFH Dr. Markus Märtens, original erschienen in: DB 2014, 2439 - 2440.
Kurznachricht zu "BVerfG-Vorlage: Tatbestands- und Verfassungsmäßigkeit von § 50d Abs. 9 S. 1 Nr. 2 EStG und § 52 Abs. 59a S. 9 EStG" von Prof. Dr. Roland Ismer und Stefanie Baur, original erschienen in: IStR 2014, 812 - 822.
Kurznachricht zu "Treaty Override auf dem Prüfstand" von M.Sc. Tobias Hagemann, original erschienen in: StuB 2014, 873 - 878.
Kurznachricht zu "BFH: Erneute Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Treaty Overrides von DBA" von StBin Dr. Melanie Jehl-Magnus, original erschienen in: NWB 2015, 24 - 28.
Kurznachricht zu "Erneute Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit unilateraler Rückfallklauseln (§ 5Od Abs. 9 EStG)" von Wiss.Mit. Christian Kahlenberg und Wiss.MIt. Satenik Melkonyan, original erschienen in: IWB 2015, 115 - 120.
Der Kläger bittet um Entscheidung durch das Gericht, bevor das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) über das anhängige Verfahren 2 BvL 21/14 (über den Vorlagebeschluss des BFH vom 20.08.2014 I R 86/13, BStBl II 2015, 18) entscheidet.
Wenn sich in einem solchen Fall die Nichtbesteuerung bereits unmittelbar aus dem Gesetz ergibt, kann vom Steuerpflichtigen kein zusätzlicher Nachweis angefordert werden (vgl. z. B. BFH-Vorlagebeschluss vom 20.08.2014 I R 86/13, BStBl II 2014, 2065 Rn. 13).
Vor diesem Hintergrund sei es nicht nur gerechtfertigt, sondern auch geboten, die Freistellung der Einkünfte auszuschließen (siehe BFH-Vorlagebeschluss vom 20.08.2014 I R 86/13, BStBl II 2015, 18).
Es ist sachgerecht, die inländische (Gesamt-) Leistungsfähigkeit von der ausländischen (Teil-)Leistungsfähigkeit zu trennen und beide Leistungsfähigkeiten im jeweiligen Kontext einerseits mit dem Welteinkommensprinzip, andererseits mit dem Territorialitätsprinzip und als deren Konkretisierung und Ausformung zu erkennen (vgl. BFH-Vorlagebeschluss I R 86/13 vom 20.08.2014 a. a. O.).
Die Sache war entscheidungsreif, obwohl der BFH § 50d Abs. 9 EStG dem BVerfG vorgelegt hat und das BVerfG noch nicht über die Verfassungswidrigkeit des § 50d Abs. 9 EStG entschieden hat (I R 86/13 vom 20.08.2014; BVerfG 2 BvL 21/14).
Es dürfte allerdings --jedenfalls für die Gegenwart nach der Neuregelung in § 50d Abs. 9 Satz 3 EStG 2009/2013-- auch geklärt sein, und zwar im Sinne eines Nebeneinander beider Vorschriften (s. Vorlagebeschluss des Senats an das BVerfG vom 20. August 2014 I R 86/13, BFHE 246, 486, BStBl II 2015, 18).
Problematisch ist allerdings, dass die nunmehr konstitutiv justierte Verhältnisbestimmung in § 52 Abs. 59a Satz 9 EStG 2009/2013 in besagter Gesetzesfassung rückwirkend angeordnet wird, was aus Sicht des Senats seinerseits verfassungswidrig sein dürfte (so der Vorlagebeschluss des Senats in BFHE 246, 486, BStBl II 2015, 18).
Schließlich braucht auch nicht mehr darauf eingegangen zu werden, ob § 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 2 EStG 2002/2007 als sog. Treaty override verfassungsrechtlichen Anforderungen genügt (das verneint der Senat in seinem Vorlagebeschluss in BFHE 246, 486, BStBl II 2015, 18).
Es dürfte allerdings --jedenfalls für die Gegenwart nach der Neuregelung in § 50d Abs. 9 Satz 3 EStG 2009 i.d.F. der Änderung durch das Gesetz zur Umsetzung der Amtshilferichtlinie sowie zur Änderung steuerlicher Vorschriften (Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz) vom 26. Juni 2013 (BGBl I 2013, 1809, BStBl I 2013, 790)-- auch geklärt sein, und zwar im Sinne eines Nebeneinander beider Vorschriften (s. Vorlagebeschluss des Senats an das Bundesverfassungsgericht vom 20. August 2014 I R 86/13, BFHE 246, 486, BStBl II 2015, 18).
Problematisch ist allerdings, dass die nunmehr konstitutiv justierte Verhältnisbestimmung in § 52 Abs. 59a Satz 9 EStG 2009 in besagter Gesetzesfassung rückwirkend angeordnet wird, was aus Sicht des Senats seinerseits verfassungswidrig sein dürfte (so der Vorlagebeschluss des Senats in BFHE 246, 486, BStBl II 2015, 18).
Vor diesem Hintergrund sei es nicht nur gerechtfertigt, sondern auch geboten, die Freistellung der Einkünfte auszuschließen (siehe BFH, Vorlagebeschluss vom 20. August 2014, I R 86/13, BStBl II 2015, 18).
Vorliegend braucht somit nicht geprüft zu werden, ob letztere Vorschrift als speziellere Regelung eine verdrängende Wirkung hat (vgl. dazu BFH, Beschluss vom 20. August 2014, I R 86/13, BStBl. II 2015, 18, Rn. 13 ff.).
Die Sache war entscheidungsreif, obwohl der BFH § 50d Abs. 9 EStG dem BVerfG vorgelegt und das BVerfG noch nicht über die Verfassungsgemäßheit des § 50d Abs. 9 EStG entschieden hat (vgl. BFH, Beschluss vom 20. August 2014, I R 86/13, BStBl. II 2015, 18; BVerfG 2 BvL 21/14).
Ob die Regelung gegen Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 20 Abs. 3 und Art. 25 GG verstößt und damit verfassungswidrig ist (vgl. BFH-Vorlagebeschluss vom 20.08.2014 I R 86/13, BFHE 246, 486, BStBl. II 2015, 18; BVerfG 2 BvL 21/14), kann vorliegend dahinstehen.
Soweit Verfahren gegen eine im Streitfall anzuwendende Norm vor dem BVerfG anhängig sind, sind die aufgeworfenen Zweifelsfragen nicht entscheidungserheblich (siehe dazu unten 2c a.E. zum Normenkontrollverfahren 2 BvL 1/12 und zum Vorlagebeschluss des BFH I R 86/13).
Damit kommt es weder auf das in der Rspr. und Literatur streitige Verhältnis von § 50d Abs. 9 zu Abs. 8 EStG an, noch auf die damit zusammenhängende Frage, ob die rückwirkende Neuregelung in § 50d Abs. 9 Satz 3 (i.V.m. § 52 Abs. 59a Satz 9) EStG 2009 i.d.F. des Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetzes) unter dem Gesichtspunkt der Rückwirkung oder dem Gesichtspunkt eines vom BFH postulierten grundsätzlichen "Treaty-Override-Verbots" verfassungsrechtlichen Anforderungen genügt (so BFH-Beschluss vom 19.12.2013 I B 138/13, n.v., im hiesigen Verfahren zur Frage der Aussetzung ergangen; siehe auch Vorlagebeschluss des BFH vom 20.08.2014 I R 86/13, juris).
Er beanstandet zudem die Verfassungsmäßigkeit von § 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 2 EStG 2002/2007/2009 und bezieht sich dafür (zuletzt) auf den Vorlagebeschluss des Senats vom 20. August 2014 I R 86/13 (BFHE 246, 486, BStBl II 2015, 18).
FG Düsseldorf, 05.09.2017 - 3 K 2745/16

References: § 50
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 Art. 20
 Art. 25
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