Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/befristete-arbeitsverhaeltnisse-rettungsgrabung-3126047
Timestamp: 2020-08-07 21:03:16+00:00

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Befristete Arbeitsverhältnisse - wegen einer archäologischen Rettungsgrabung | Rechtslupe
Befristete Arbeitsverhältnisse - wegen einer archäologischen Rettungsgrabung
Soge­nann­te archäo­lo­gi­sche Ret­tungs­gra­bun­gen im Bereich der Denk­mal­pfle­ge sind jeweils eige­ne Pro­jek­te, auch wenn sie das beklag­te Land in gro­ßer Zahl durch­führt [1].
Aller­dings ist dem Arbeits­ge­richt Frei­burg [2] zunächst dar­in bei­zu­pflich­ten, dass die Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V beim beklag­ten Land nicht nur vor­über­ge­hend, son­dern – wie das Land selbst ein­räumt – auf unab­seh­ba­re Zeit immer wie­der anfal­len. Das beklag­te Land hat durch die auf Sei­te 9 der Beru­fungs­be­grün­dung vor­ge­leg­te gra­fi­sche Dar­stel­lung klar­ge­stellt, dass im Jahr 2015 bis zu 120 Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V ange­fal­len sind. Aus der vom beklag­ten Land in der Beru­fungs­ver­hand­lung über­ge­be­nen Auf­stel­lung bezüg­lich des befris­te­ten Per­so­nal­ein­sat­zes für Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V in Baden-Würt­tem­berg ergibt sich, dass hier bis zu 120 Mit­ar­bei­ter (ohne Unter­schei­dung nach dem Teil­zeit­an­teil) in den Som­mer­mo­na­ten ein­ge­setzt wer­den und dass mit Aus­nah­me der Mona­te Janu­ar und Febru­ar wenigs­tens rund 70 Mit­ar­bei­ter bei Ret­tungs­gra­bun­gen tätig waren, wenn auch im Monat Dezem­ber jeder die­ser Mit­ar­bei­ter den ihnen zuste­hen­den Urlaub genom­men hat. Nach dem Vor­trag des Lan­des selbst ergibt sich, dass die Ret­tungs­gra­bung in I., bei der der Arbeit­neh­mer zuletzt beschäf­tigt war, zwar bezo­gen auf die kon­kre­te Gra­bungs­maß­nah­me nur einen bestimm­ten, zeit­lich begrenz­ten Per­so­nal­be­darf her­vor­ge­ru­fen hat, bei dem auch davon aus­zu­ge­hen ist, dass nach Abschluss der Gra­bung bei die­ser Ret­tungs­gra­bung kein wei­te­rer Beschäf­ti­gungs­be­darf für den Arbeit­neh­mer besteht. Aller­dings zeigt die vom Land selbst vor­ge­leg­te sta­tis­ti­sche Auf­stel­lung des Per­so­nal­ein­sat­zes, dass das Land dar­über hin­aus zahl­rei­che ande­re Ret­tungs­gra­bun­gen des Typ V betreibt, bei denen außer­halb der Kalen­der­mo­na­te Janu­ar und Febru­ar jeden­falls im Jahr 2015 ein erheb­li­cher Per­so­nal­be­darf bestan­den hat. Dass ange­sichts die­ses Per­so­nal­be­dar­fes des Lan­des nur eine befris­te­te Beschäf­ti­gung des Arbeit­neh­mers, gege­be­nen­falls unter ungleich­mä­ßi­ger Ver­tei­lung der Arbeits­zeit mit Aus­gleichs­pha­sen im Janu­ar und im Febru­ar mög­lich wäre, hat das Land nicht nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt. Das gilt selbst dann, wenn zu Guns­ten des beklag­ten Lan­des unter­stellt wird, dass es in aus­rei­chen­dem Maße eige­nes unbe­fris­te­tes Per­so­nal vor­hält, um alle ande­ren Gra­bungs­ar­bei­ten der Typen I‑IV durch­füh­ren zu kön­nen und nur der Auf­ga­ben­be­reich der Ret­tungs­gra­bun­gen Typ V betrach­tet wird.
Dem Arbeits­ge­richt ist auch dar­in bei­zu­pflich­ten, dass es sich bei den Ret­tungs­gra­bun­gen Typ V um eine Dau­er­auf­ga­be han­delt. Dabei kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob sich die­se Dau­er­auf­ga­be bereits auf­grund der gesetz­li­chen Auf­ga­ben­zu­wei­sung nach § 1 DSchG BW ergibt. Danach ist es Auf­ga­be von Denk­mal­schutz und Denk­mal­pfle­ge, die Kul­tur­denk­mä­ler zu schüt­zen und zu pfle­gen, ins­be­son­de­re den Zustand der Kul­tur­denk­ma­le zu über­wa­chen sowie auf die Abwen­dung von Gefähr­dun­gen und die Ber­gung von Kul­tur­denk­ma­len hin­zu­wir­ken. Auch wenn das beklag­te Land zutref­fend vor­trägt, dass Ret­tungs­gra­bun­gen des Typ V nicht zu den gesetz­lich zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben gehör­ten, weil sie den Grund­prin­zi­pi­en der Erhal­tung von Kul­tur­denk­mä­lern wider­sprä­chen und auch von Drit­ten durch­ge­führt wer­den kön­nen und zudem dem Land auch ande­re Mög­lich­kei­ten zum Schutz von Kul­tur­denk­mä­lern zur Ver­fü­gung stün­den, als Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V durch­zu­füh­ren, mag das bedeu­ten, dass die Durch­füh­rung die­ser Ret­tungs­gra­bun­gen kei­ne gesetz­lich zuge­wie­se­ne zwin­gen­de Auf­ga­be ist.
Dar­auf kommt es vor­lie­gend jedoch nicht an, denn das Land hat sich ent­schie­den, der­ar­ti­ge Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V in gro­ßer Zahl selbst durch­zu­füh­ren, im Jahr 2015 immer­hin knapp 120 an der Zahl. Ob das Land dazu von Geset­zes wegen ver­pflich­tet war, kann dahin­ge­stellt blei­ben, denn es hat sich ent­schie­den, die­se Auf­ga­be selbst und mit eige­nem Per­so­nal durch­zu­füh­ren. Auch wenn das Land vor­ge­tra­gen hat, die­se Gra­bun­gen wür­den nur „wider­wil­lig“ durch­ge­führt, ändert das nichts dar­an, dass es sich ent­schlos­sen hat, die­se Auf­ga­be anzu­neh­men und nach der von ihm selbst vor­ge­leg­ten Sta­tis­tik seit dem Jah­re 2012 in erheb­li­cher und stei­gen­der Zahl durch­zu­füh­ren.
Das beklag­te Land hat auch nichts dazu vor­ge­tra­gen, dass zum Zeit­punkt des Abschlus­ses des letz­ten befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges mit dem Arbeit­neh­mer abseh­bar gewe­sen sei, dass und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang sich die Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V redu­zie­ren wür­den. Auch die „unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung“, zukünf­tig der­ar­ti­ge Ret­tungs­gra­bun­gen von Fremd­fir­men durch­füh­ren zu las­sen bzw. die bau­wil­li­gen Gemein­den damit zu beauf­tra­gen, der­ar­ti­ge Ret­tungs­gra­bun­gen in Auf­trag zu geben, ver­mag einen nur vor­über­ge­hen­den Bedarf an der Tätig­keit des Arbeit­neh­mers nicht zu begrün­den. Die­se Ent­schei­dung lag jeden­falls zum Zeit­punkt des Abschlus­ses des letz­ten befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges mit dem Arbeit­neh­mer noch nicht vor.
Letzt­end­lich redu­ziert sich der Vor­trag des beklag­ten Lan­des dar­auf, dass zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses nicht genau abseh­bar gewe­sen sei, mit wie­viel Per­so­nal zukünf­tig Ret­tungs­gra­bun­gen durch­ge­führt wer­den müss­ten, da nicht ohne Wei­te­res davon aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne, dass die stark ange­stie­ge­ne Zahl der Ret­tungs­gra­bun­gen des Typ V künf­tig kon­stant blei­be. Eine Pro­gno­se, in wel­chem Umfang mit einem Absin­ken zu rech­nen sei, konn­te das beklag­te Land nicht vor­tra­gen. Letzt­end­lich hat das beklag­te Land ledig­lich die Unsi­cher­heit, nicht zu wis­sen, in wel­chem Umfang zukünf­tig Per­so­nal für Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V benutzt wird, zum Anlass genom­men, mit dem Arbeit­neh­mer befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge abzu­schlie­ßen.
Gleich­wohl liegt ein Sach­grund für die Befris­tung des Arbeits­ver­tra­ges nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG vor, da nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes der­ar­ti­ge Ret­tungs­gra­bun­gen jeweils ein vor­über­ge­hen­des Pro­jekt dar­stel­len.
Im vor­lie­gen­den Fall stellt die jewei­li­ge Ret­tungs­gra­bung eine abge­grenz­te Arbeits­auf­ga­be dar, bei der der Beschäf­ti­gungs­be­darf für den Arbeit­neh­mer nach Abschluss der Ret­tungs­gra­bun­gen jeden­falls im Rah­men die­ser kon­kre­ten Auf­ga­be ent­fällt. Das spricht dafür, dass die Ret­tungs­gra­bun­gen, bei der der Arbeit­neh­mer zuletzt beschäf­tigt gewe­sen ist, ein Pro­jekt im Sin­ne die­ses Ver­ständ­nis­ses waren.
Aller­dings fal­len der­ar­ti­ge Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V beim beklag­ten Land jeden­falls zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses mit dem Arbeit­neh­mer immer wie­der und bezo­gen auf das Jahr 2015 auch in erheb­li­cher Zahl, näm­lich ca. 120 pro Jahr mit stei­gen­der Ten­denz an. Bei der­ar­ti­gen Ret­tungs­gra­bun­gen mag es sich um Auf­ga­ben han­deln, die sich von ande­ren Auf­ga­ben des Denk­mal­schut­zes, ins­be­son­de­re den übri­gen Gra­bun­gen vom Typ I‑IV abgren­zen las­sen. Zu Guns­ten des Lan­des kann auch davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Durch­füh­rung der­ar­ti­ger Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V nicht zu den gesetz­lich zuge­wie­se­nen Dau­er­auf­ga­ben des Denk­mal­schut­zes des Lan­des gehört und das beklag­te Land die­se Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V zusätz­lich und nur des­we­gen über­nimmt, weil sie ihm durch die jewei­li­gen Bau­vor­ha­ben „auf­ge­drängt“ wer­den, so dass an sich die Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me eines Pro­jek­tes bei der iso­lier­ten Betrach­tung der Ret­tungs­gra­bun­gen in N. vor­lie­gen.
Gegen die Annah­me eines Pro­jek­tes im Sin­ne des vor­über­ge­hen­den Beschäf­ti­gungs­be­darfs nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG spricht jedoch, dass das Land im Rah­men sei­ner denk­mal­schüt­zen­den Auf­ga­ben der­ar­ti­ge Ret­tungs­gra­bun­gen kon­se­quent und in gro­ßer Zahl selbst durch­führt. Das kann durch­aus die Betrach­tung recht­fer­ti­gen, dass es sich bei den Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V zwar nicht um eine gesetz­lich zuge­wie­se­ne Dau­er­auf­ga­be han­delt, sich das Land die­se Auf­ga­be als Dau­er­auf­ga­be jedoch selbst gestellt hat. Dafür spricht auch, dass das beklag­te Land kei­ne Alter­na­ti­ven zu den von ihm selbst durch­ge­führ­ten Ret­tungs­gra­bun­gen nutzt. Sol­che Alter­na­ti­ven bestün­den jedoch, wie bei­spiels­wei­se die Fremd­ver­ga­be der­ar­ti­ger Ret­tungs­gra­bun­gen (wie sie vom Land seit 2016 prak­ti­ziert wird) oder auch die Ver­hin­de­rung von Bau­vor­ha­ben, die zur Beein­träch­ti­gung denk­mal­pfle­ge­ri­scher Belan­ge füh­ren.
Wenn das Land sich statt­des­sen ent­schließt, Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V fort­ge­setzt und kon­se­quent fast das gan­ze Jahr über selbst durch­zu­füh­ren, befin­det es sich in einer ver­gleich­ba­ren Lage wie ein Unter­neh­men, das sich ent­schlos­sen hat, bestimm­te abgrenz­ba­re unter­neh­me­ri­sche Tätig­kei­ten, wie Bau­vor­ha­ben oder die Imple­men­tie­rung von Soft­ware oder Anla­gen der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie bei Kun­den fort­ge­setzt durch­zu­füh­ren. Die Ret­tungs­gra­bun­gen sind auf­grund eige­ner Ent­schei­dung zum „Betriebs­zweck“ des beklag­ten Lan­des gewor­den.
So hat auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass z. B. die Über­nah­me eines Auf­trags zur Erstel­lung eines bestimm­ten Bau­werks für ein Bau­un­ter­neh­men kein Pro­jekt dar­stellt, weil die Erbrin­gung von bau­li­chen Leis­tun­gen zu der fort­lau­fend ver­folg­ten Unter­neh­mens­tä­tig­keit zählt, die auf die Aus­füh­rung wei­te­rer Vor­ha­ben gerich­tet ist [6].
Die per­so­nal­wirt­schaft­li­che Situa­ti­on ist hier kei­ne ande­re – nach Ende eines sol­chen „Pro­jekts“ bei einem Kun­den ist vor­her­seh­bar, dass ein neu­es ver­gleich­ba­res Pro­jekt anfällt, indem für die Arbeit­neh­mer des abge­schlos­se­nen „Pro­jekts“ wei­ter ein Beschäf­ti­gungs­be­darf besteht.
Auch hat das beklag­te Land durch sei­ne Ent­schei­dung, Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V selbst durch­zu­füh­ren, nach Abschluss einer Ret­tungs­gra­bung vor­her­seh­bar wei­te­ren Per­so­nal­be­darf für die Viel­zahl wei­te­rer Ret­tungs­gra­bun­gen, die in dem lau­fen­den Jahr noch anste­hen. Inso­weit führt die Annah­me, dass die Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V befris­tungs­recht­lich ein Pro­jekt dar­stel­len, zu einer Pri­vi­le­gie­rung des beklag­ten Lan­des gegen­über Unter­neh­men, die mit einer ver­gleich­ba­ren Auf­trags­struk­tur immer wie­der in zeit­lich begrenz­ten Tätig­keits­fel­dern ope­rie­ren.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat jedoch ent­schie­den, dass der­ar­ti­ge Ret­tungs­gra­bun­gen in befris­tungs­recht­li­cher Hin­sicht im Sin­ne des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG ein Pro­jekt dar­stel­len und die (über­wie­gen­de) Beschäf­ti­gung des Arbeit­neh­mers in die­sem Pro­jekt die Befris­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses recht­fer­tigt. Es hat für das SächsDSchG ent­schie­den, dass auf­grund die­ser Norm es sich das beklag­te Land zur Auf­ga­be gemacht habe, auf sei­nem Ter­ri­to­ri­um befind­li­che Kul­tur­denk­ma­le zu schüt­zen und zu pfle­gen. Dazu gehö­re es, dass vor der Durch­füh­rung von Bau­maß­nah­men an Stel­len, von denen bekannt oder den Umstän­den nach zu ver­mu­ten sei, dass sich dort Kul­tur­denk­ma­le befän­den, archäo­lo­gi­sche Arbei­ten zur Aus­gra­bung, der kon­ser­va­to­ri­schen Siche­rung der Fun­de und der Doku­men­ta­ti­on der Fun­de durch­ge­führt wür­den. Die­se Tätig­kei­ten fie­len zwar auf unab­seh­ba­re Zeit immer wie­der an. Es hand­le sich jedoch nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on nicht um kon­ti­nu­ier­lich zu erle­di­gen­de Auf­ga­ben. Die­se Arbei­ten sei­en nur durch­zu­füh­ren, wenn Erd- oder Bau­ar­bei­ten an ent­spre­chen­den Stel­len bevor­stün­den. Die archäo­lo­gi­schen Arbei­ten sei­en jeweils zeit­lich begrenzt für die vor­aus­sicht­li­che Dau­er der kon­kre­ten archäo­lo­gi­schen Maß­nah­me. Des­halb wür­den Arbeits­kräf­te für die­se Aus­gra­bun­gen nur zeit­wei­se für die Dau­er der jewei­li­gen Maß­nah­me benö­tigt. Dem Pro­jekt­cha­rak­ter der jewei­li­gen Maß­nah­me ent­spre­che es, dass die Trä­ger grö­ße­rer öffent­li­cher oder pri­va­ter Bau­vor­ha­ben nach § 14 Abs. 3 SächsDSchG im Rah­men des Zumut­ba­ren zur Erstat­tung der ent­ste­hen­den Kos­ten her­an­ge­zo­gen wer­den könn­ten bzw. die jewei­li­ge Kom­mu­ne, die ein Bau­ge­biet aus­wei­sen wol­le, die Kos­ten der Ret­tungs­gra­bun­gen über­neh­me. Die Durch­füh­rung einer archäo­lo­gi­schen Gra­bung und der ent­spre­chen­de Beschäf­ti­gungs­be­darf sei­en daher abhän­gig vom Vor­lie­gen eines kon­kre­ten Bau­vor­ha­bens [7].
Unter Anwen­dung die­ser Ent­schei­dung han­delt es sich auch bei der Ret­tungs­gra­bung I. um ein Pro­jekt in dem so beschrie­be­nen Sin­ne. Die Ret­tungs­gra­bung ist durch Bau­vor­ha­ben im Bereich der Stadt I. aus­ge­löst wor­den. Die Kos­ten der Ret­tungs­gra­bun­gen trägt die Stadt zu 70%, sodass es sich um eine Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung han­delt. Der Arbeit­neh­mer ist auf­grund des vor­lie­gen­den befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges ledig­lich mit Auf­ga­ben die­ses Pro­jek­tes beschäf­tigt wor­den und es war von vorn­her­ein abseh­bar, dass die Ret­tungs­gra­bung in I. zeit­lich begrenzt ist und jeden­falls für den Arbeit­neh­mer danach im Rah­men die­ser Ret­tungs­gra­bung kein Beschäf­ti­gungs­be­darf mehr besteht.
Aus die­sem Grun­de ist die ange­grif­fe­ne Befris­tung nicht unwirk­sam, denn sie wird durch den sach­li­chen Grund des vor­über­ge­hen­den Beschäf­ti­gungs­be­dar­fes in einem Pro­jekt getra­gen.
Auf die Fra­ge, ob die Befris­tung aus ande­ren Grün­den von einem Sach­grund getra­gen wird, zB. auf­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung durch den jewei­li­gen Bau­herrn bzw. die pla­nen­de Kom­mu­ne oder ob sich das beklag­te Land zur Recht­fer­ti­gung der Befris­tung dar­auf beru­fen kann, es han­de­le sich um Sai­son­ar­beit, kommt es daher nicht an.
Der Arbeit­neh­mer kann auch nicht ein­wen­den, die zu prü­fen­de Befris­tung sei unwirk­sam, weil das beklag­te Land bei Abschluss die­ses befris­te­ten Arbeits­ver­tra­ges das Insti­tut der Befris­tung rechts­miss­bräuch­lich ver­wen­det habe.
Die befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­se, in denen der Arbeit­neh­mer beschäf­tigt war, hat­ten in der Sum­me eine Ver­trags­lauf­zeit von 64 Mona­ten, also 5, 3 Jah­re. Hin­zu kommt, dass zwi­schen den ein­zel­nen Arbeits­ver­trä­gen immer wie­der, teils beträcht­li­che Zei­ten ohne Beschäf­ti­gung beim beklag­ten Land lagen. Der Arbeit­neh­mer war ins­ge­samt mit 13 befris­te­ten Ver­trä­gen beschäf­tigt, es wur­den also 12 Ver­län­ge­run­gen vor­ge­nom­men.
Zur Bestim­mung der Schwel­le einer rechts­miss­bräuch­li­chen Gestal­tung von Sach­grund­be­fris­tun­gen ist an die gesetz­li­chen Wer­tun­gen in § 14 Abs. 2 Satz 1 TzBfG anzu­knüp­fen. Die Vor­schrift macht eine Aus­nah­me von dem Erfor­der­nis der Sach­grund­be­fris­tung und erleich­tert damit den Abschluss von befris­te­ten Ver­trä­gen bis zu der fest­ge­leg­ten Höchst­dau­er von zwei Jah­ren bei maxi­mal drei­ma­li­ger Ver­län­ge­rungs­mög­lich­keit. Sie kenn­zeich­net den nach Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers unter allen Umstän­den unpro­ble­ma­ti­schen Bereich. Ist ein Sach­grund nach § 14 Abs. 1 TzBfG gege­ben, lässt erst das erheb­li­che Über­schrei­ten die­ser Grenz­wer­te den Schluss auf eine miss­bräuch­li­che Gestal­tung zu. Bei Vor­lie­gen eines die Befris­tung an sich recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds besteht kein gestei­ger­ter Anlass zur Miss­brauchs­kon­trol­le, wenn die in § 14 Abs. 2 Satz 1 TzBfG für die sach­grund­lo­se Befris­tung bezeich­ne­ten Gren­zen nicht um ein Mehr­fa­ches über­schrit­ten sind. Davon ist nicht aus­zu­ge­hen, wenn nicht min­des­tens das Vier­fa­che eines der in § 14 Abs. 2 Satz 1 TzBfG bestimm­ten Wer­te oder das Drei­fa­che bei­der Wer­te über­schrit­ten ist. Liegt ein Sach­grund vor, kann also von der Befris­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses Gebrauch gemacht wer­den, solan­ge das Arbeits­ver­hält­nis nicht die Gesamt­dau­er von sechs Jah­ren über­schrei­tet und zudem nicht mehr als neun Ver­trags­ver­län­ge­run­gen ver­ein­bart wur­den, es sei denn, die Gesamt­dau­er über­steigt bereits acht Jah­re oder es wur­den mehr als zwölf Ver­trags­ver­län­ge­run­gen ver­ein­bart [8]. Das ist bereits nicht der Fall. Die Gesamt­dau­er der befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­se lag unter sechs Jah­ren, die Zahl der „Ver­län­ge­run­gen“ betrug nicht mehr als zwölf, son­dern „genau“ zwölf. Es ist daher kei­ne Rechts­miss­brauchs­kon­trol­le gebo­ten. Im Übri­gen hat der Arbeit­neh­mer dazu auch nichts näher vor­ge­tra­gen, ins­be­son­de­re hat er sich die vom beklag­ten Land in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­leg­te Sta­tis­tik über den Bestand an befris­te­ten Arbeits­kräf­ten im Jahr 2015 in Ret­tungs­gra­bun­gen vom Typ V nicht zu eigen gemacht, aus dem sich mög­li­cher­wei­se hät­te ablei­ten las­sen, dass das beklag­te Land zumin­dest die Alter­na­ti­ve hät­te, einen erheb­li­chen Teil der befris­te­ten Arbeit­neh­mer in den Ret­tungs­gra­bun­gen über das gan­ze Jahr hin­weg unter Zuhil­fe­nah­me einer ungleich­mä­ßi­gen Ver­tei­lung der Arbeits­zeit unbe­fris­tet anzu­stel­len.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 24. Febru­ar 2017 – 11 Sa 62/​16
ArbG Frei­burg 01.06.2016 – 3 Ca 4/​16[↩]

References: § 1
 § 14
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