Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XI%20ZR%20216/04
Timestamp: 2019-03-20 12:15:19+00:00

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BGH, 27.09.2005 - XI ZR 216/04 - dejure.org
EMRK Art. 6 Abs. 1 GG Art. 2 Abs. 1, Art. 20 Abs. 3, Art. 103 Abs. 1 ZPO §§ 141, 448
Parteianhörung/Parteivernehmung: Fehlender Zeuge für Vier-Augen-Gespräch; Inhalt des Grundsatzes der Waffengleichheit im Zivilprozess; Verletzung des Interesses des Darlehensnehmers durch Änderung des Empfängerkontos bei der Auszahlung; Bestehen eines Schadensersatzanspruch wegen eines Fehlers bei der Valutierung eines Darlehens; Eintritt der Erfüllung trotz Überweisung auf falsches Konto ; Ausnahmen vom Grundsatz des Vorranges der Leistungsklage vor der Feststellungsklage; Voraussetzungen für das Entstehen einer Aufklärungspflicht der Bank über ein Risikogeschäft
Zum Erfordernis der Vernehmung ( 448 ZPO) oder Anhörung ( 141 ZPO) der Partei, wenn der Inhalt eines Vier-Augengesprächs streitig ist
Anforderungen an die Sachverhaltsaufklärung; Vernehmung oder Anhörung einer Partei
Verfahrensrecht - Grundsatz der Waffengleichheit im Zivilprozess
Prozesstaktik - Vier-Augen-Gespräch: So tragen Sie richtig vor
Art. 6 Abs. 1 EMRK, Art. 2 Abs. 1, Art. 20 Abs. 3, Art. 103 Abs. 1 GG, §§ 141, 448 ZPO
Zum Vorgehen, wenn eine Partei für ein Gespräch mit der anderen keinen Zeugen hat; Prozessrecht
wgk.eu (Auszüge)
Grundsatz der Waffengleichheit bei 4-Augen-Gesprächen
Eigene Aussage einer Partei zulässig? (IBR 2006, 1078)
Zusammenfassung von "Vier-Augen-Gespräch: So tragen Sie richtig vor" von der Redaktion Prozessrecht aktiv, original erschienen in: PA 2006, 23 - 24.
NJW-RR 2006, 61
MDR 2006, 285
NZBau 2005, 690
FamRZ 2005, 2063 (Ls.)
WM 2006, 548
Auch in einem solchen Falle gebietet der Grundsatz der Waffengleichheit, der Partei, die für ein Vier-Augen-Gespräch keinen Zeugen hat, Gelegenheit zu geben, ihre Darstellung des Gesprächs in den Prozess persönlich einzubringen (Senatsurteil vom 27. September 2005 - XI ZR 216/04, NJW-RR 2005, 61, 63).
Dem Grundsatz der Waffengleichheit, dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäß Art. 103 Abs. 1 GG und dem Recht auf Gewährleistung eines fairen Prozesses und eines wirkungsvollen Rechtsschutzes gemäß Art. 2 Abs. 1 GG i.V. mit Art. 20 Abs. 3 GG ist Genüge getan, wenn die Partei gemäß § 141 ZPO angehört wird (Senat, Urteil vom 27. September 2005 - XI ZR 216/04, NJW-RR 2006, 61, 63, m.w.Nachw.).
(1) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (siehe nur BGHZ 83, 278, 282; 86, 267, 269 und 271; 139, 357, 367 f.; 152, 233, 244 f.; Urt. v. 27. September 2005, XI ZR 216/04, NJW-RR 2006, 61, 62 f.; ebenso KG WuM 2006, 46; OLG Düsseldorf NJW-RR 1989, 27, 28 und 1996, 1430; OLG Hamm NJW-RR 1987, 985, 986; OLG Naumburg OLGR 2005, 637, 639; OLG Saarbrücken MDR 2004, 329 f.;… Staudinger/Olzen, BGB [2000], § 362 Rdn. 24 ff.;… MünchKomm-BGB/Wenzel, 4. Aufl. § 362 Rdn. 4, 29;… Soergel/Zeiss, BGB [1990], § 362 Rdn. 15;… RGRK/Weber, BGB, 12. Aufl., § 362 Rdn. 35 f.;… JurisPK-BGB/Kerwer, § 362 Rdn. 33, 49;… AnwKomm-BGB/Avenarius, § 362 Rdn. 13 f.;… Bamberger/Roth/Dennhardt, BGB, § 362 Rdn. 25;… Erman/H.P. Westermann, BGB, 11. Aufl., § 362 Rdn. 13, 16;… Palandt/Grüneberg, BGB, 65. Aufl., § 362 Rdn. 11 f.;… Hk-BGB/Schulze, 4. Aufl., § 362 Rdn. 9 f.;… PWW/Pfeiffer, BGB, § 362 Rdn. 13; a.A. Seibert, JR 1983, 491 f.) ist bei einer Leistung unter Vorbehalt zu unterscheiden: Will der Schuldner lediglich dem Verständnis seiner Leistung als Anerkenntnis (§ 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB) entgegentreten und die Wirkung des § 814 BGB ausschließen, sich also die Möglichkeit offen halten, das Geleistete nach § 812 BGB zurückzufordern, so stellt dies die Ordnungsmäßigkeit der Erfüllung nicht in Frage.
Diese tatrichterliche Auslegung ist revisionsrechtlich nur beschränkt, nämlich darauf überprüfbar, ob der Auslegungsstoff vollständig berücksichtigt worden ist und ob gesetzliche oder allgemein anerkannte Auslegungsregeln, die Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungssätze verletzt sind (st. Rspr.;… vgl. nur Senat, Urt. v. 5. November 2004, LwZR 2/04, NJ 2005, 173, 174; für den Vorbehalt BGH, Urt. v. 27. September 2005, XI ZR 216/04, NJW-RR 2006, 61, 62).
Zu diesem Zweck ist die Partei gemäß § 448 ZPO zu vernehmen oder gemäß § 141 ZPO anzuhören (vgl. BGH…, Beschluss vom 30. September 2004 - III ZR 369/03, juris Rn. 3; Urteil vom 27. September 2005 - XI ZR 216/04, NJW-RR 2006, 61, 63, jeweils mwN; BVerfG, NJW 2008, 2170, 2171).
In deren Verlauf wird das Berufungsgericht auch gegebenenfalls dem Umstand Rechnung tragen müssen, dass sich für die Klägerin im Rahmen der ihrer Anlageentscheidung vorausgehenden Vier-Augen-Gespräche mit dem Handelsvertreter eine Beweisnot ergeben kann, die ihre persönliche Anhörung gemäß § 141 ZPO oder ihre Vernehmung als Partei gemäß § 448 ZPO erfordert (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 27. September 2005 - XI ZR 216/04 - NJW-RR 2006, 61, 63 m.w.N.).
Denn zur Wahrung des Grundsatzes der Waffengleichheit und des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie des Rechts auf Gewährleistung eines fairen Prozesses und eines wirkungsvollen Rechtsschutzes ist es erforderlich, einer Partei, die für ein Vieraugengespräch keinen Zeugen hat, Gelegenheit zu geben, ihre Darstellung des Gesprächs in den Prozess persönlich einzubringen und sie zu diesem Zweck entweder gemäß § 448 ZPO zu vernehmen oder gemäß § 141 ZPO anzuhören, es sei denn die Feststellungen über den Gesprächsverlauf werden nicht nur auf die Aussage des von der Gegenpartei benannten Zeugen, sondern zusätzlich auf sonstige Beweismittel oder Indizien gestützt (vgl. BGH, Urteil vom 27. September 2005 - XI ZR 216/04 -, NJW-RR 2006, S. 61 m.w.N.).
Da es sich dabei um ein Vier-Augen-Gespräch der Parteien handelt, wird das Berufungsgericht zum Zwecke der Beweiserhebung eine Anhörung beider Parteien entweder auf der Grundlage des § 141 ZPO oder des § 448 ZPO vorzunehmen haben (vgl. BGH, Urteil vom 16. Juli 1998 - I ZR 32/96, NJW 1999, 363, 364; vom 27. September 2005 - XI ZR 216/04, NJW-RR 2006, 61, 63).
Im Übrigen liegen auch keine besonderen Umstände vor, die die Klägerin als Kreditgeberin zur Risikoaufklärung über das finanzierte Geschäfte hätten verpflichten können (vgl. hierzu Senat, Urteile vom 15. März 2005 - XI ZR 135/04, WM 2005, 828, 830 und vom 27. September 2005 - XI ZR 216/04, Umdruck S. 9 f.; jeweils m.w.Nachw.).
OLG Düsseldorf, 07.12.2005 - Verg 68/05
Nachweisbare schwere Verfehlung
Unbegründeter Schadensersatzanspruch aus eigenem und abgetretenem Recht wegen …

References: Art. 6
 Art. 2
 Art. 20
 Art. 103

Art. 6
 Art. 2
 Art. 20
 Art. 103
 Art. 103
 Art. 2
 Art. 20
 § 141
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 362
 § 814
 § 812
 § 448
 § 141
 § 141
 § 448
 § 448
 § 141
 § 141
 § 448