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Timestamp: 2020-08-04 00:20:42+00:00

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Der Verrichtungsgehilfe und das UWG | Rechtslupe
Der Ver­rich­tungs­ge­hil­fe und das UWG
Auch im Anwen­dungs­be­reich des § 8 Abs. 2 UWG kommt eine Haf­tung für den Ver­rich­tungs­ge­hil­fen nach § 831 BGB in Betracht.
Der Anwen­dung des § 831 BGB steht die in § 8 Abs. 2 UWG ent­hal­te­ne Rege­lung nicht ent­ge­gen. Die Bestim­mung des § 8 Abs. 2 UWG soll ver­hin­dern, dass sich der Inha­ber eines Unter­neh­mens hin­ter von ihm abhän­gi­gen Drit­ten ver­ste­cken kann, und begrün­det daher einen zusätz­li­chen selb­stän­di­gen Anspruch gegen den Inha­ber des Unter­neh­mens [1]. Sie gilt nach ihrem Wort­laut für Unter­las­sungs- und Besei­ti­gungs­an­sprü­che und erfasst nach ihrem Sinn und Zweck auch Aus­kunfts­an­sprü­che, die der Durch­set­zung die­ser Abwehr­an­sprü­che die­nen [2]. Dage­gen gilt sie – anders als die mit ihr ansons­ten ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen in § 13 Abs. 7 und § 128 Abs. 3 Mar­kenG – nicht für Scha­dens­er­satz­an­sprü­che nach § 9 UWG und damit in Zusam­men­hang ste­hen­de Aus­kunfts­an­sprü­che [3]. Schon aus die­sem Grund erweist sich die Annah­me des Beru­fungs­ge­richts, die Bestim­mung des § 8 Abs. 2 UWG ste­he einer Anwen­dung des § 831 BGB im Rah­men des § 9 UWG ent­ge­gen, als nicht zutref­fend. Zudem lie­fe die vom Beru­fungs­ge­richt bejah­te Sperr­wir­kung gera­de dem erklär­ten Zweck der Rege­lung des § 8 Abs. 2 UWG zuwi­der, den Gläu­bi­gern wett­be­werbs­recht­li­cher Ansprü­che eine stär­ke­re Stel­lung zu ver­schaf­fen.
Nach § 831 BGB ist Ver­rich­tungs­ge­hil­fe, wer von den Wei­sun­gen sei­nes Geschäfts­herrn abhän­gig ist. Ihm muss von einem ande­ren, in des­sen Ein­fluss­be­reich er all­ge­mein oder im kon­kre­ten Fall steht und von dem er in gewis­ser Wei­se abhän­gig ist, eine Tätig­keit über­tra­gen wor­den sein. Das dabei vor­aus­ge­setz­te Wei­sungs­recht braucht nicht ins Ein­zel­ne zu gehen. Es genügt, dass der Geschäfts­herr die Tätig­keit des Han­deln­den jeder­zeit beschrän­ken oder ent­zie­hen oder nach Zeit und Umfang bestim­men kann [4].
Selb­stän­di­ge Unter­neh­men haben im All­ge­mei­nen zwar nicht die Stel­lung eines Ver­rich­tungs­ge­hil­fen nach § 831 BGB, weil es bei ihnen an der erfor­der­li­chen Abhän­gig­keit und Wei­sungs­ge­bun­den­heit gegen­über dem Geschäfts­herrn fehlt [5]. Beim Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de ist es aller­dings nicht aus­ge­schlos­sen, dass ein recht­lich selb­stän­di­ges Unter­neh­men, soweit es eine Tätig­keit aus­übt, bei der es den Wei­sun­gen eines ande­ren Unter­neh­mens unter­wor­fen ist, auch des­sen Ver­rich­tungs­ge­hil­fe sein kann [6]. Für die Abgren­zung kommt es nicht auf die recht­li­che Aus­ge­stal­tung der Bezie­hung oder den gesell­schafts­recht­li­chen Sta­tus an. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob nach den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen eine Ein­glie­de­rung in den Orga­ni­sa­ti­ons­be­reich des Geschäfts­herrn erfolgt ist und der Han­deln­de des­sen Wei­sun­gen unter­liegt [7]. Dies ist im hier ent­schie­de­nen Fall wegen des zwi­schen den Beklag­ten abge­schlos­se­nen Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trags der Fall.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. April 2012 – I ZR 105/​10
vgl. BGH, Urteil vom 05.04.1995 – I ZR 133/​93, GRUR 1995, 605, 608 = WRP 1995, 696 – Fran­chise-Neh­mer, zu § 13 Abs. 4 UWG aF; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 8 Rn.02.32; Harte/​Henning/​Bergmann, UWG, 2. Aufl., § 8 Rn. 255; Münch­Komm-UWG/­Fritz­sche, § 8 Rn. 293[↩]
vgl. Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs des UWG 2004, BT-Drucks. 15/​1487, S. 22; BGH, Urteil vom 23.02.1995 – I ZR 75/​93, GRUR 1995, 427, 428 = WRP 1995, 493 – Schwar­ze Lis­te; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 8 Rn.02.35; Münch­Komm-UWG/­Fritz­sche, § 8 Rn. 296; Fezer/​Büscher, UWG, 2. Aufl., § 8 Rn. 218[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.02.2006 – I ZR 73/​02, GRUR 2006, 426 Rn. 24 = WRP 2006, 577 – Direkt­an­spra­che am Arbeits­platz II; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 8 Rn.02.36; Fezer/​Büscher aaO § 8 Rn. 219; Münch­Komm-UWG/­Fritz­sche, § 8 Rn. 296; Fritz­sche in Gloy/​Loschelder/​Erdmann, Hand­buch des Wett­be­werbs­rechts, 4. Aufl., § 79 Rn. 118; Teplitz­ky, Wett­be­werbs­recht­li­che Ansprü­che und Ver­fah­ren, 10. Aufl., Kap. 31 Rn. 10 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.06.1997 – I ZR 36/​95, GRUR 1998, 167, 169 = WRP 1998, 48 – Restau­rant­füh­rer; Fezer/​Büscher aaO § 9 Rn. 5[↩]
vgl. Münch­Komm-BGB/­Wag­ner, 5. Aufl., § 831 Rn. 16[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 28.02.1989 – XI ZR 70/​88, WM 1989, 1047, 1050; Bux­baum, GRUR 2009, 240, 243[↩]
vgl. OLG Köln, Urteil vom 25.10.2007 – 18 U 164/​06, juris Rn. 30; Staudinger/​Belling/​Borges, BGB [2002], § 831 Rn. 60; Münch­Komm-BGB/­Wag­ner aaO § 831 Rn. 16; Soergel/​Krause, BGB, 13. Aufl., § 831 Rn. 22, jeweils mwN[↩]
Unlauterer WettbewerbVerrichtungsgehilfe

References: § 8
 § 831
 § 831
 § 8
 § 8
 § 13
 § 128
 § 9
 § 8
 § 831
 § 9
 § 8
 § 831
 § 831
 § 13
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 8
 § 79
 § 9
 § 831
 § 831
 § 831
 § 831