Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=24.06.2003&Aktenzeichen=IX%20ZR%20120%2F02
Timestamp: 2019-04-24 03:33:11+00:00

Document:
BGH, 24.06.2003 - IX ZR 120/02 - dejure.org
InsO §§ 47, 48
Kein Aussonderungsrecht für eingezogene Miete auf von Verwalter auch für eigene Zahlungen verwendeten Konto
Aussonderungsrecht im Insolvenzverfahren; Mietkonto als Treuhandkonto; Bestimmtheit und Bestimmbarkeit auszusondernder Gegenstände; Aussonderung bei Geldsummenanspruch; Trennung von Treugut; Teilung der Berechtigung; Ersatzaussonderung von Mietzinsforderungen; Begriff der unberechtigten Veräußerung i.S.v. § 48 Insolvenzordnung (InsO)
Kein (Ersatz-)Aussonderungsrecht des Vermieters an absprachegemäß auf Eigenkonto des insolventen Hausverwalters eingezahltem Mietzins
Mietkonto der Hausverwaltung nicht insolvenzfest
Zur Frage eines Aussonderungsrechts aufgrund eines vom Wohnungseigentümer als Vermieter mit dem Verwalter geschlossenen Auftrags zur Einziehung der Mietzahlungen
InsO §§ 47 48
Insolvenz des Verwalters: Aussonderungsrecht bei Veruntreuung?
Mietrecht - Miete besser nicht auf Verwalterkonto zahlen lassen!
Hausverwaltung - Mietkonto nicht insolvenzfest
InsO §§ 48, 47
Kein (Ersatz-)Aussonderungsrecht des Vermieters an absprachegemäß auf Eigenkonto des insolventen Hausverwalters eingezahlten Mietzins
Aussonderung und Ersatzaussonderung bei Mietkonto
Zusammenfassung von "Kein Aussonderungsrecht des Vermieters an Mietzahlungen auf nicht allein für diese bestimmtes Verwalterkonto" von Ministerialrat Dr. Ulf Gundlach und RA Dr. Volkhard Frenzel, original erschienen in: NZI 2003, 549 - 552.
NJW 2004, 954 (Ls.)
NJW-RR 2003, 1375
ZIP 2002, 947
ZIP 2003, 1404
NZI 2003, 549
NZM 2003, 818
ZMR 2003, 662
WM 2003, 1641
WM 2003, 512
Da dies ausscheidet, wenn der Schuldner oder der Insolvenzverwalter mit Einwilligung oder Genehmigung des Gläubigers gehandelt hat (vgl. BGH, Urteil vom 16. März 1977 - VIII ZR 215/75, BGHZ 68, 199, 201;… vom 6. April 2006, aaO Rn. 18;… vom 23. September 2010 - IX ZR 212/09, ZIP 2010, 2009 Rn. 17 mwN), konnte hier nur die unbefugte Einziehung einer mit einem Absonderungsrecht belasteten Forderung das Ersatzabsonderungsrecht nach § 48 InsO auslösen (BGH, Urteil vom 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02, ZIP 2003, 1404, 1406;… HK-InsO/Lohmann, 7. Aufl., § 48 Rn. 17 ff).
Damit scheidet eine Treuhand aus (vgl. BGH, Urt. v. 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02, NZI 2003, 549, 550;… MünchKomm-InsO/Ganter, 2. Aufl. § 47 Rn. 358, 392a).
Eine Aussonderungsbefugnis bezüglich eines Kontoguthabens kann nur dann entstanden sein, wenn es sich um ein ausschließlich zur Aufnahme von treuhänderisch gebundenen Fremdgeldern bestimmtes Konto handelt (…BGH, Urt. v. 16. Dezember 1970 - VIII ZR 36/69, NJW 1971, 559, 560; v. 8. Februar 1996 - IX ZR 151/95, WM 1996, 662; Urt. v. 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02, ZIP 2003, 1404, 1405;… Urt. v. 7. Juli 2005 - III ZR 422/04, ZIP 2005, 1465, 1466).
Eine rechtmäßig mit Einwilligung des Eigentümers vorgenommene Forderungseinziehung kann einen Ersatzaussonderungsanspruch des Forderungsinhabers nicht begründen (vgl. BGH, Urteil vom 16. März 1977 - VIII ZR 215/75, BGHZ 68, 199, 201; BGH, Urteil vom 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02, ZIP 2003, 1404, 1406).
aa) Guthaben auf Konten, die auch für eigene Zwecke des Treuhänders genutzt werden, können in der Insolvenz des Treuhänders nicht ausgesondert werden (BGH, Urteil vom 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02, NZI 2003, 549, 550).
Der Senat hat bereits im Urteil vom 24. Juni 2003 (IX ZR 120/02, aaO) dargelegt, aus welchen Gründen eine geteilte Berechtigung von Treuhänder und Treugeber an aus Eigen- und Treugut bestehenden Vermögensgegenständen rechtlich nicht möglich ist.
Mit der Einzahlung fremder Gelder auf ein allgemeines Konto geht ein an dem Geld bestehendes Aussonderungsrecht unter (…BGHZ 174, 228, 235 Rn. 21; BGH, Urt. v. 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02, WM 2003, 1641 f;… Urt. v. 6. April 2006 - IX ZR 185/04, NJW-RR 2006, 1134, 1136 Rn. 26;… HK-InsO/Lohmann, 5. Aufl. § 47 Rn. 6).
Ein auf diese Vorschrift gegründeter Anspruch scheidet daher nach allgemeiner Ansicht aus, wenn der Schuldner mit Einwilligung oder Genehmigung des Gläubigers verfügt hat (BGH, Urt. v. 24. Juni 2003, aaO S. 1642;… Urt. v. 6. April 2006, aaO S. 1135 Rn. 18;… MünchKomm-InsO/Ganter, aaO § 48 Rn. 27;… Jaeger/Henckel, aaO § 48 Rn. 44;… HK-InsO/Lohmann, aaO § 48 Rn. 8;… Uhlenbruck/Brinkmann, aaO § 48 Rn. 15;… HmbKomm-InsO/Büchler, aaO § 48 Rn. 12; ebenso zu § 46 KO BGHZ 68, 199, 201; 144, 192, 197 f).
Die Schuldnerin, die das Handeln ihres Gesellschafters gegen sich gelten lässt, hatte sich mit der Beklagten im Rahmen des vor dem Oberlandesgericht Hamburg geschlossenen Vergleichs dahin verständigt, die eingenommenen Gelder über ihr bei der S. P. geführtes Geschäftskonto auf ein Konto der Beklagten bei der Bank .../F. zu überweisen (ähnlich der Sachverhalt bei BGH, Urt. v. 24. Juni 2003, aaO).
Ein solches entsteht - entgegen der Auffassung der Revisionserwiderung - nicht ohne weiteres mit einer Lohnauszahlung an die Arbeitnehmer (zu den Voraussetzungen im einzelnen vgl. außer BGHZ 149, 100, 105 ff auch Senatsurt. v. 24. Juni 2003 - IX ZR 75/01, z.V.b. in BGHZ, und v. 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02, z.V.b.).
Daran fehlt es hier bereits, weil das etwaige Treugut nach den vom Verwaltungsgericht getroffenen Feststellungen nicht auf einem Konto eingezahlt worden ist, das ausschließlich zur Aufnahme von treuhänderisch gebundenen Fremdgeldern bestimmt war (vgl. BGH, Urteil vom 24. Juni 2003 - IX ZR 120/02 - NJW-RR 2003, 1375 m.w.N.).
BGH, 08.02.2007 - IX ZR 218/04
Abgrenzung von Treuhand- und Einlagengeschäft

References: § 48
 § 48
 § 48
 § 47
 § 47
 § 48
 § 48
 § 48
 § 48
 § 48
 § 46