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Timestamp: 2020-04-09 14:02:52+00:00

Document:
Vorlage - VII-Ifo-00644
Betreff: Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Ausländer/innen in Zuständigkeit der Stadt Leipzig - Stand III/2019
Die Vorlage gibt den Stand der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Ausländer im 3. Quartal 2019 wieder.
Mit der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Ausländer (umA) in Leipzig werden die Handlungsschwerpunkte „Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt“ und „Lebenslanges Lernen“ im Zielfeld „Leipzig schafft soziale Stabilität“ sowie „Weltoffene Stadt“ im Zielfeld „Leipzig stärkt seine Internationalität“ angesprochen.
Die Stadt Leipzig steht auf der Grundlage des Gesetzes zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher in der Pflicht, unbegleitet eingereiste minderjährige Ausländer in Obhut zu nehmen, zu betreuen und zu versorgen.
Die Zahl der Inobhutnahmen von umA ist konstant. Die Stadt Leipzig ist am 30.09.2019 mit 1 umA über der Verteilungsquote.
In Leipzig lebten mit Stand vom 30.09.2019 80 umA im Alter von 11 bis 17 Jahren, davon 5 Mädchen sowie 53 junge Volljährige, davon 5 junge Frauen in der Zuständigkeit des Fachdienstes.
Abb. 3: umA und jg. Volljährige in der Zuständigkeit der Jugendämter – Stadt Leipzig
Dabei sind Afghanistan und Syrien mit 53 bzw. 31 umA bzw. jungen Volljährigen die Hauptherkunftsländer.
Die Zahl der vorläufigen Inobhutnahmen sank gegenüber dem 2. Quartal 2019 um 2 auf 16 Inobhutnahmen. Davon entzogen sich 6 umA der vorläufigen Inobhutnahme durch mehrmaliges Entweichen.
Mit Stand vom 30.09.2019 waren 10 umA gemäß § 42 und 42a SGB VIII in der IOCE Am Mühlholz in Obhut genommen. Weitere 9 umA waren bei geeigneten Personen nach § 42 SGB VIII untergebracht.
Mit Stichtag 30.09.2019 erhielten 77 umA und junge Volljährige stationäre Hilfen nach § 34 und § 41/34 SGB VIII. Dies ist gegenüber dem Stichtag 30.06.19 ein Rückgang um 16 umA und junge Volljährige in Wohngruppen nach § 34 bzw. § 41/34 SGB VIII. 5 umA lebten zum 30.09.2019 in Pflegefamilien nach § 33 SGB VIII. 38 umA und junge Volljährige wurden zum 30.09.2019 mit ambulanten Hilfen nach § 30, § 31, § 41/30 und § 35a unterstützt.
Im Vergleich zum 30.06.2019 (149 Maßnahmen nach § 42 und § 42a sowie und HzE gem. §27 ff. bzw. Leistungen für junge Volljährige und Eingliederungshilfen nach SGB VIII) sind die Hilfen und Maßnahmen zum 30.09.2019 insgesamt um 16 gesunken.
§ 30 SGB VIII (Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer)
§ 33 SGB VIII (Pflegefamilie)
§ 34 SGB VIII (Wohngruppe)
§ 35a amb (Eingliederungshilfe für seelisch behinderte bzw. von seelischer Behinderung bedrohte Kinder und Jugendliche)
§§ 42a, 42b, 42 (Vorläufige Inobhutnahme / Inobhutnahme)
Quelle: ASD-Statistik, Stand 31.03.2019 30.06.2019 30.09.2019
Eine Zunahme von weiblichen umA ist weiterhin nicht zu verzeichnen. Allerdings steigt nach wie vor die Anzahl der begleiteten ausländischen Mädchen, die in der spezifischen Mädchengruppe in der Inobhutnahmeeinrichtung „Am Mühlholz“ Aufnahme finden müssen.
Im schulischen und beruflichen Bildungsbereich werden den umA und jungen Volljährigen durch den Fachdienst sowohl bestehenden strukturelle als auch Einzelfallhilfen zur Verfügung gestellt.
Für umA mit unterbrochener Bildungsbiographie sind spezifische Problematiken zu beachten. Durch den wesentlich kürzeren Schulbesuch sind Hürden im Bereich Sprache, Wissenserwerb und Integration gegeben.
Der Fachdienst nutzt im Einzelfall zur schulischen Integration bestehende, z.T. geförderte Angebote des AfJFB, wie Schulsozialarbeit und bei Schulvermeidung älterer Jugendlicher auch Projekte zur Sicherung des Schulerfolges (Schulersatzprojekte). Darüber hinaus kann im Einzelfall im Rahmen von Eingliederungshilfe die schulische Integration durch einen Integrationshelfer notwendig sein. Der Fachdienst umA gewährte in einem Einzelfall Schulbegleitung als ambulante Eingliederungshilfe. Zudem werden die umA in den Wohngruppen intensiv durch Haus- und Lernaufgaben unterstützt. Oberstes Ziel ist die Schaffung von Grundlagen, um perspektivisch eine berufliche Bildung zu ermöglichen.
Der Fachdienst bindet umA und junge Volljährige, welche noch ungenügend auf eine berufliche Qualifizierung vorbereitet sind, möglichst frühzeitig (ca. 1 Jahr vor Schulabschluss) sowohl bei der Arbeitsagentur und an bestehende Integrationsangebote, wie z.B. die Jugendberatungsstellen an. Somit können bedarfsorientierte und individuelle Beratungen zu den Themenfeldern Arbeits- und Ausbildungsmarkt und Qualifizierungen stattfinden. Dabei wird deutlich, dass umA, welche mit unterbrochenen Bildungsbiografien nach Deutschland kommen und in der Folge nur unzureichende Schulabschlüsse erlangen können, durch spezielle Angebote, wie z.B. Freiwilligendienst, Einstiegsqualifizierungen Chancen haben, ihre Deutschkenntnisse in Wort und Sprache zu verbessern. Ein ungenügender Spracherwerb erschwert in einer Ausbildung den schulischen Bereich und kann zum Abbruch der Ausbildung führen. Die berufliche Orientierung ist zudem stark abhängig von der Problematik der Aufenthaltssicherung, die durch eine Ausbildung erreicht werden könnte, aber zugleich auch Druck bei den umA und jungen Volljährigen verursachen kann wegen des Aufenthalts eine nicht ihren Interessen und Kompetenzen entsprechenden Ausbildung zu beginnen.
Im 3. Quartal konnten wie im vorangegangenen Quartal zwei umA durch den Familiennachzug eines Elternteils aus den Hilfen zur Erziehung entlassen werden.
Der Fachdienst umA hat im März 2019 sein Aufgabenspektrum erweitert. In seine Zuständigkeit fallen seitdem, neben der Betreuung der umA und jungen Volljährigen, die ASD-Aufgaben für Familien mit Migrationshintergrund, die noch am Anfang ihres Integrationsprozesses stehen, insbesondere im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015 zugezogene Familien des gesamten Stadtgebietes Leipzig. Bis dato eingesetzte Hilfen zur Erziehung durch die einzelnen Sozialbezirke wurde schrittweise vom Fachdienst übernommen.
Tab. 2: Anzahl gewährter Hilfen zur Erziehung in Familien mit Migrationshintergrund/Fluchterfahrung
§ 19 SGB VIII (Mutter/Vater-Kind-WG)
§ 27 (3) SGB VIII (Aufsuchende Familientherapie)
§ 32 SGB VIII (Tagesgruppe)
Quelle: ASD-Statistik zum Stand 30.09.2019
Der überwiegende Teil der Hilfen betraf zum 30.09.019 den Einsatz sozialpädagogischer Familienhilfen nach § 31 SGB VIII und die Betreuung in einer Wohngruppe nach § 34 SGB VIII. Zudem wurden zum 30.09.2019 durch den Fachdienst 59 Familien außerhalb des HzE-Bezugs beraten und betreut. Dies ist ein Anstieg gegenüber dem zweiten Quartal 2019. Mit Stichtag 30.06.2019 waren 47 Hilfen zur Erziehung gewährt und 46 Familien außerhalb des HzE-Bezuges betreut worden.
Als Problemlagen für diese Familien zeigen sich nach wie vor insbesondere Unsicherheiten auf Grund des asyl- und ausländerrechtlichen Verfahrens mit daraus resultierender Perspektivlosigkeit. Sprachliche Barrieren sind häufig Ursache mangelnden Zugangs zur Gesellschaft und sozialer Ausgrenzung. Hierzu wird in bestehende Angebote der Flüchtlingshilfe vermittelt.
Regelmäßig treffen die Sozialarbeiter/-innen des Fachdienstes in der Folge auf Überforderung der Kinder in den Familien durch überdimensionale Einbindung in elterliche Aufgaben (z.B. Begleitung zu Ämtern und Behörden, um Übersetzeraufgaben zu übernehmen).
Die hohe Zahl der Hilfen im Bereich § 34 (Heimerziehung) ist häufig auf gewaltvolle Erziehungsmethoden der Eltern gegenüber den Kindern zurück zu führen. Die Fallzahlen im Bereich § 31 (Sozialpädagogische Familienhilfe) sind als Folge eines erhöhten Bedarfs an Unterstützung im Bereich der Etablierung elterlichen Kompetenzen zur Sicherung der gesunden Entwicklung der Kinder zu sehen.
Die Mitarbeiter des Fachdienstes zeichnen sich durch ihre bisher auf die umA-Betreuung ausgerichtete Arbeit durch besondere interkulturelle Kompetenzen aus. Durch ständige Fortbildungen verfügt der Fachdienst über Wissen zu asyl- und ausländerrechtlichen Verfahren, hat hinreichend Kenntnisse zu kultureller Vielfalt, aber auch zu gegenwärtigen Lebensbedingungen der geflüchteten Familien und deren Belastungsfaktoren. Der Fachdienst ist sehr gut vernetzt und kann auf spezifische Netzwerkpartner zurückgreifen. Die Haltung der Mitarbeiter/-innen zeichnet sich durch Religions- und Kultursensibilität aus, die die Grundvoraussetzung dafür ist, Zugang zu den Familien zu finden und sie auf der Grundlage der geltenden Kinderschutzstandards in ihrer Erziehungsverantwortung zu unterstützen im Sinne von Orientierung, Förderung und Schutz ihrer Kinder.
Mit der Neuausrichtung des Fachdienstes - Zuständigkeit für umA, junge Volljährige und Familien mit Fluchthintergrund - und der Anwendung der Prozess- und Verfahrensstandards für alle zu erfüllenden ASD-Aufgaben sind die Voraussetzungen gegeben, die Hilfen individuell auf der Grundlage des erzieherischen Bedarfs zu gewähren.
Quelle: Ämter-Framework und Trägerabfrage
Abb. 5: Entwicklung der stationären Kapazitäten 2016-2019
Die Angebote und Kapazitäten ausschließlich für die Zielgruppe umA haben sich vor allem zwischen 2017 und 2018 deutlich verringert. Derzeit ist kein Angebot mit einer ausschließlichen Fokussierung auf diese Zielgruppe in Leipzig vorhanden. Der Umbau von Einrichtungen mit Schwerpunkt umA auf alle Zielgruppen der HzE ist abgeschlossen. Alle in Wohngruppen lebenden Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind integrativ untergebracht.
Eine Ausnahme bildet die Einrichtung „Am Mühlholz“ welche als zeitlich begrenztes Angebot im Rahmen der Inobhutnahme sowie der Unterbringung über Tag und Nacht schwerpunktmäßig Klienten mit Migrationshintergrund sowie umA betreut. Die Betreuung ist mit dem pädagogischen Auftrag des Clearings verbunden und dient somit der ersten Integration im Sozialraum. Nach erfolgreichem Abschluss des Clearingprozesses folgt die Überleitung der Klienten entweder in geeignete Einrichtungen der HzE, zur Herkunftsfamilie oder in die Verselbstständigung.
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Auslastung der Inobhutnahmeeinrichtung „Am Mühlholz“ und die prognostizierte weitere Auslastung für das Jahr 2019.
Tab. 4: Auslastung der Inobhutnahmeeinrichtung „Am Mühlholz“ in 2019 (Stand: 30.09.2019)
Höchstauslastung = 29 (bei Schließung Haus 3 während Sanierung)
Prognose (bei Schließung Haus 3 während Sanierung)

References: § 42
 § 42
 § 34
 § 41
 § 34
 § 41
 § 33
 § 30
 § 31
 § 41
 § 35
 § 42
 § 42
 §27

§ 30

§ 33

§ 34

§ 35

§ 19

§ 27

§ 32
 § 31
 § 34
 § 34
 § 31