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Timestamp: 2020-07-13 08:48:23+00:00

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Die Gebiete mit besonderer Erholungseignung (siehe Kapitel 4.1.6: Gebiete mit besonderer Erholungseignung sowie Hauptkarte 2 Blatt 1 und Blatt 2) stellen gleichzeitig wichtige Bereiche für den Tourismus dar. In diesen Gebieten sollen vorrangig Einrichtungen für die landschaftsgebundene Erholung (beispielsweise Wander- und Radwege, Parkplätze) nach Maßgabe einer umweltverträglichen Standortwahl und Gestaltung geschaffen werden.
Die örtlichen Landschaftspläne sind die dazu geeigneten Planungsinstrumente. Schutzgebiete wie Natura 2000-Gebiete, NSG und gesetzlich geschützte Biotope bieten dabei die Möglichkeit, Menschen an den Naturabläufen teilhaben zu lassen und so das Schutzanliegen für diese Gebiete deutlich zu machen. Das Besucherinformationssystem für die NSG in Schleswig-Holstein (BIS) verfolgt hier unterstützend das Ziel, die Eigenarten und Besonderheiten dieser Gebiete anschaulich darzustellen und die Schutzziele sowie die dafür getroffenen Regelungen für die Besucherinnen und Besucher anschaulich zu vermitteln. Die Erhaltungsziele bzw. der Schutzzweck des einzelnen Schutzgebietes sind dabei mit den besucherlenkenden Maßnahmen in Einklang zu bringen. In den Schutzgebieten wie etwa auf den nordfriesischen Inseln haben sich diese bereits als wirksame Maßnahmen zum Schutz und zum Erleben der Gebiete erwiesen.
Die vorhandenen Erholungseinrichtungen (zum Beispiel Campingplätze, Wildparks, Erlebnisparks) sollen möglichst landschaftsgerecht in die Umgebung eingebunden werden. Auch der naturnahe Umbau von Wäldern und die Neuwaldbildung dienen dem Tourismus, der Freizeitgestaltung und der Erholungsnutzung.
Weitere Erholungseinrichtungen sollen insbesondere der Qualitätsverbesserung dienen. Bei Campingplätzen ist es grundsätzlich das Ziel, sie aus dem Gewässer- und Erholungsschutzstreifen, den überflutungsgefährdeten Bereichen, den Außendeichs- (bei schützenswerten Strandwällen und Dünen) und den Binnendeichsflächen (Niederungswiesen und ehemalige Strandseen) herauszunehmen und in etwas weiter landeinwärts gelegene, höhere Bereiche zu verlegen. Bei Einrichtungen, die Bestandsschutz genießen, kann dieses nur im Einvernehmen mit den Betroffenen erfolgen.
Die Zunahme an Outdooraktivitäten und Trendsportarten stellt zunehmend vor neue Herausforderungen. So nimmt die Dichte der Wassersportler in Nord- und Ostsee aber auch der Nutzungsdruck durch Geocaching stetig zu (siehe Kapitel 2.2.7: Tourismus, Erholung und Sport). So müssen die Nutzungen durch verschiedene Maßnahmen mit den Zielen des Naturschutzes in Einklang gebracht werden. Hierbei sind vor allem die Aufklärung vor Ort durch Hinweistafeln (BIS) sowie eine gezielte Lenkung der Besucherinnen und Besucher von großer Bedeutung. Ebenso sollten künftig verbesserte Infrastrukturen in geeigneten Gebieten zur Schonung sensibler Bereiche beitragen.
Im Übrigen soll bei der Planung von Erholungs-, Sport- und Fremdenverkehrseinrichtungen grundsätzlich Folgendes beachtet werden:
Erholungseinrichtungen mit hoher Anziehungskraft und Nutzerfrequenz sollen schwerpunktmäßig gebündelt und nur bedarfsorientiert ausgebaut werden. Neue Anlagen sind erforderlichenfalls in Zusammenarbeit und in Abstimmung zwischen den Kommunen über administrative Grenzen hinweg zu planen und zu betreiben.
Neubauvorhaben sollen möglichst in Anbindung an vorhandene Anlagen und Ortschaften erfolgen; in Küstenlebensräumen, Biotopverbundflächen sowie den Klimaschutz- und Klimaanpassungsräumen sollen grundsätzlich keine Baumaßnahmen erfolgen.
Wassersportanlagen und Badestrände an den Küsten und den Gewässern des Binnenlandes sollen auf einzelne Uferabschnitte konzentriert werden und möglichst große Entfernungen zu vorhandenen Schutzgebieten, Gebieten die die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung nach den Naturschutz-gesetzen des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein erfüllen und geschützten Biotopen aufweisen, sofern der Schutzzweck dieses erfordert. Vorhandene Einzelsteganlagen und Bojenliegeplätze sollen zu Gemeinschaftsanlagen zusammengefasst werden.
Durch die Ausweisung von NSG, Vernässungsmaßnahmen, dem Bau von Treibselwegen auf Landesschutzdeichen und die Umnutzung von Grünland in Acker stehen viele traditionelle Boßelstrecken nicht mehr zur Verfügung. Um die Ausübung des Boßelsports in Nordfriesland langfristig zu sichern, ist es daher erforderlich, die aus Naturschutzsicht unbedenklichen Boßelstrecken dauerhaft zu sichern sowie zusätzlich eine zusammenhängende Fläche im Binnenland für die ganzjährige Boßelnutzung neu vorzusehen. Die Ausweisungen des Landschaftsrahmenplanes sind hierbei entsprechend zu berücksichtigen.
Geocaching soll durch gezielte Aufklärung und Hinweistafeln in sensiblen Bereichen vermieden werden.
Das Kitesurfen an der Ostsee soll durch freiwillige Vereinbarungen sowie durch eine neue Befahrensverordnung des Bundes im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und in den NSG der Ostsee auf naturverträgliche Gebiete konzentriert werden. In sensiblen Bereichen werden Hinweistafeln die Wassersportler aufklären. Infrastruktureinrichtungen wie Toilettenhäuser und Parkplätze werden nur in den dafür geeigneten Gebieten geplant. Für die Nordsee ist für den Bereich des Nationalparks eine Änderung der Befahrensverordnung beim Bund beantragt, die auch die Ausweisung spezieller Kitesurfgebiete umfasst.
Die Binnengewässer können auch für den Aufbau des Angeltourismus bedeutsam werden. Hierbei ist eine sanfte und umweltschonende Weiterentwicklung dieser Erholungsaktivitäten anzustreben.
Durch die Schaffung und Beschilderung von kreisübergreifenden Radroutennetzen, Wander- und Reitwegenetzen soll den Besucherinnen und Besuchern die Natur nahe gebracht und ökologisch sensible Bereiche geschont werden. Zur Förderung einer nachhaltig ausgerichteten Tourismusentwicklung ist dabei auch eine stärkere Verknüpfung der wander- und radtouristischen Basisinfrastrukturen mit den Sehenswürdigkeiten, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie den gewerblichen Gastronomie- und Beherbergungsangeboten entlang der vorhandenen touristischen Wander- und Radrouten sinnvoll.
In den Schwerpunktbereichen für die Erholung wird der Aufbau von Informationszentren empfohlen. Hier soll auf umweltverträgliche Erholungsmöglichkeiten und -aktivitäten hingewiesen und zur Akzeptanzförderung einschränkender Maßnahmen über die Gründe von Auflagen informiert werden.
Die natürliche Küstendynamik darf grundsätzlich durch Planungen von Erholungs-, Sport- und Tourismuseinrichtungen nicht eingeschränkt werden. Somit ist die Möglichkeit kontrollierter Überflutungen von landeinwärts gelegenen Niederungswiesen zum Wasseraustausch zwischen der Ostsee und den noch vorhandenen Strandseen auch weiterhin gegeben. Dieses dient gleichzeitig den Zielen des Klimaschutzes und der Klimafolgenanpassung.
Im Bereich angrenzender Vogelschutzgebiete mit dem Erhaltungsziel der Sicherung möglichst störungsfreier Überwinterungsgebiete für Meeresenten sind bandartige Wintercampingeinrichtungen zu vermeiden.
Es gibt Badestellen an der Nordseeküste (siehe Kapitel 2.2.7: Tourismus, Erholung und Sport) die verlanden. Teilweise ist die Nutzung kaum noch oder nur sehr eingeschränkt möglich. Der gänzliche Verlust dieser Basisinfrastruktur für den Tourismus ist absehbar. Tourismuswirtschaft und Naturschutz sollten hier gemeinsame Wege finden, die Infrastruktur zu erhalten und ggf. naturverträglich anzupassen.
Naturerlebnisräume gemäß § 38 LNatSchG (siehe in den Erläuterungen, Kapitel 1.9: Naturerlebnisräume) sind in besonderem Maße für die naturgebundene Erholung von Bedeutung. Hier soll es den Besuchern ermöglicht werden, Natur, Naturzusammenhänge und den unmittelbaren Einfluss des Menschen auf die Natur zu erfahren. Bestehende Naturerlebnisräume sollen auf ihre Qualität hin überprüft werden. Neben den bereits anerkannten Naturerlebnisräumen (siehe Kapitel 4.2.9: Natur erleben) sollen vorzugsweise in den Übergangsbereichen zwischen Schutz- und intensiv genutzten Gebieten weitere Naturerlebnisräume für die landschaftsgebundene Erholung geschaffen werden.
Eine weitere bedeutende Rolle im Bereich des nachhaltigen Tourismus spielen die Naturparke gemäß § 27 BNatSchG in Verbindung mit § 16 LNatSchG (siehe Kapitel 4.2.9: Natur erleben).
Für die Naturparke hat der Verband Deutscher Naturparke (VDN) im gutachterlichen Auftrag des MELUND (2016/ 2017) die Aufgaben gemäß § 27 BNatSchG in folgende vier Handlungsfelder eingeteilt:
Natur und Landschaftspflege,
Erholung und nachhaltiger Tourismus,
Umweltbildung und Kommunikation sowie
Künftig sollen diese verstärkt gefördert werden, um die Verbindung zwischen Schutz und Nutzung in den ausgewiesenen Gebieten zu optimieren. Hierzu wurden in einem Naturparkkonzept, der so genannten „Qualitätsoffensive Naturparke“, zur Umsetzung der Handlungsbedarf ermittelt und Rahmenbedingungen festgelegt. Von Bedeutung wird auch die Überarbeitung bzw. Neufassung der Naturparkpläne sein, um auf dieser Basis verstärkt auch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu fördern. Um diese einheitlich zu gestalten, wird seitens des MELUND eine Muster-Naturparkplangliederung erstellt, an welcher sich die jeweiligen Naturparkträger orientieren sollen.
Es ist vorgesehen, künftig alle vier Handlungsfelder der Naturparke verstärkt zu fördern. Die Förderung seitens des MELUND wird schwerpunktmäßig die Naturparkarbeit umfassen. Da im bundesweiten Vergleich die schleswig-holsteinischen Naturparke schlecht abgeschlossen haben, wurde bei der Überarbeitung der Förderrichtlinie auch ein Schwerpunkt auf die Personalausstattung der Naturparke gelegt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ressorts, vor allem dem MELUND und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein (MWVATT) wird angestrebt.
Das MWAVT hat mit der „Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2025“ eine Fülle von Handlungsfeldern und-strategien herausgearbeitet. Hier wird auch dem Schutz der natürlichen Ressourcen unter dem Handlungsfeld „Nachhaltigkeit“ ein besonderes Gewicht beigemessen.
Schwerpunktbereiche für Tourismus, Erholung und Sport
Im Planungsraum sollen aufgrund der landschaftlichen und infrastrukturellen Ausstattung folgende Schwerpunktbereiche für Erholung gesichert und entwickelt werden:
die Nordseeküste mit der Hochseeinsel Helgoland,
die Ostseeküste, insbesondere Neustädter Bucht zwischen Sierksdorf und Niendorf,
Travemünde und Priwall,
die Küstenabschnitte zwischen Neustadt und Grömitz sowie Kellenhusen, zwischen Dahme und Großenbroder Binnensee,
Nord- und Westküste Fehmarns,
die Naturparke Aukrug, Holsteinische Schweiz und Lauenburgische Seen,
die Eider-Treene-Sorge-Niederung,
das Elbetal und Hohes Elbufer mit Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“,
das Eidertal,
die Störniederung,
die abwechslungsreiche strukturierte Landschaft im Übergang zwischen Marsch und Geest,
die Holmer Sandberge/Klövensteen,
der Bereich Wedel – Elbmarschen,
der Bereich Norderstedt/ Rantzauer Forst/ Hommoor,
der Kisdorfer Wohld,
der Segeberger Forst,
die Talräume der Osterau mit Schmalfelder Au,
der Ricklinger Forst,
der Bereich Itzstedt/ Nahe und Sülfeld,
der Segeberger See und Umgebung,
der Bereich Alster, Jersbek, Nienwohlder Moor, Wittmoor und Hansdorfer Brook,
der Bredenbeker Teich – Stellmoor Tunneltal – Lasbek/ Tremsbüttel/ Rohlshagen/ Grabeuer See,
das Travetal, Poggensee/ Seefeld,
Reinfeld, Heilsautal,
die Stormaner Schweiz, Hahnheide,
der Höltigbaum,
der Sachsenwald/ Billetal,
der Bereich Güster/ Basedow/ Lanze/ Witzeeze.
Ferner sind hierzu die in Kapitel 2.2.7: Tourismus, Erholung und Sport genannten anerkannten Heilbäder, Kurorte, Seebäder und Erholungsorte sowie Standorte erholungswirksamer Infrastruktureinrichtungen wie Campingplätze, Golfplätze und Sportboothäfen zu zählen.
Sofern sich vorgenannte „Schwerpunktbereiche für Erholung“ mit NSG und Natura 2000 – Gebieten räumlich überlagern sollten, ist den Belangen des Naturschutzes hier ein Vorrang vor anderen Nutzungen und Nutzungsansprüchen einzuräumen.
Ansonsten sollen Einrichtungen für Freizeit und Erholung vorrangig in den vorgenannten Bereichen geschaffen beziehungsweise erhalten oder auch naturverträglicher gestaltet werden. Dieses schließt nicht aus, dass auch in anderen Bereichen Tourismus-, Freizeit- und Erholungseinrichtungen entstehen können. Spezialisierte, das Naturerlebnis einschränkende Freizeit- und Erholungseinrichtungen, wie beispielsweise Anlagen für den Motorsport, sollen hier nicht geschaffen werden. Soweit außerhalb dieser Gebiete Möglichkeiten für spezielle Erholungs- und Freizeitformen geschaffen werden sollen, ist hierfür eine landschaftspflegerische Begleitplanung erforderlich. Derartige Einrichtungen sollen - soweit in dem betreffenden Raum hierfür die Möglichkeit besteht - vorrangig auf denjenigen Flächen errichtet werden, die für die Land- und Forstwirtschaft oder für den Naturschutz und das Naturerleben keine besondere Bedeutung haben.
Gemäß § 13 BNatSchG sind alle erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft vom Verursacher vorrangig zu vermeiden. Nicht vermeidbare erhebliche Beeinträchtigungen sind durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen oder, soweit dieses nicht möglich ist, durch einen Ersatz in Geld zu kompensieren. Der Gesetzgeber in Schleswig-Holstein hat in § 8 Absatz 1 LNatSchG gemäß der Definition eines Eingriffes des § 14 BNatSchG eine Positivliste beispielhafter Eingriffe erstellt. Ausgenommen sind gemäß § 14 Absatz 2 BNatSchG die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung, soweit dabei die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege berücksichtigt werden.
Das aktualisierte Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2016 ist es, den Flächenverbrauch bis 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag bundesweit zu reduzieren.
Somit sind im Rahmen der Zulassungsverfahren von Vorhaben sowie bei der Aufstellung von Plänen alle Auswirkungen auf Natur und Landschaft zu ermitteln, zu bewerten und Lösungen zur Vermeidung bzw. Kompensation aufzuzeigen. Zur Umsetzung der Kompensationspflichten wurden in der Vergangenheit verschiedene Instrumente entwickelt.
Um Genehmigungsverfahren im besiedelten Bereich zu beschleunigen, ist die Eingriffsregelung nicht im einzelnen Baugenehmigungsverfahren anzuwenden, sondern wurde auf die Ebene des Bebauungsplanes verlagert. Das bedeutet, dass - außer im Außenbereich nach § 35 BauGB - die Eingriffsregelung bereits bei Aufstellung und Änderung eines Bebauungsplanes als Teil der bauleitplanerischen Abwägung anzuwenden ist. Ersatzzahlungen sind in Verfahren zur Aufstellung von qualifizierten Bebauungsplänen im Sinne des § 30 BauGB unzulässig. In Bauleitverfahren in Anwendung der §§ 13a und 13b BauGB (beschleunigtes Verfahren) beschränkt sich die Eingriffsregelung zudem auf die Fragen des Erfordernisses, der Vermeidung und der Minimierung von Eingriffsfolgen. Ausgleichsmaßnahmen sind hier nicht erforderlich.
Neben der Möglichkeit über die Bildung von Ökokonten mit Kompensationsverpflichtungen aus unterschiedlichen Vorhaben größere Vorhaben des Naturschutzes umsetzen zu können, sollen Ersatzzahlungen gezielt in Programmgebiete des Landes, aber auch in entsprechende Konzepte der Kreise und kreisfreien Städte eingesetzt werden. Hierzu gehören seitens des Landes insbesondere das Moorschutzprogramm, das Auenprogramm sowie das Schutzgebiets- und Biotopverbundsystem. Weitere Möglichkeiten liegen insbesondere in der Entwicklung von naturnahen Uferbereichen.
Nach § 15 Absatz 2 BNatSchG ist zur Kompensation von Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes dieses landschaftsgerecht neu zu gestalten. Die Neugestaltung des Landschaftsbildes kann in Form einer Realkompensation oder in Form von Ersatzzahlungen geschehen, wobei die Realkompensation vorrangig ist. Freistehende Windkraftanlagen, Hochspannungs- und Funkmasten, in die Landschaft gebaute Wohnbau- und Gewerbesiedlungen sind Beispiele für tief in die Landschaft hinein wirkende bauliche Strukturen. Um deren Einfluss zurückzudrängen bzw. diesen abzumildern, sollten verstärkt Maßnahmen mit Blick auf das Erlebnis „Landschaft“ mit seinen natürlichen Strukturen wie gewässerbegleitende Gehölze, Waldränder, Alleen, Straßen- und Einzelbäume neben der landschaftsgerechten Einbindung von Siedlungs- und Gewerbestrukturen und soweit möglich auch von Windkraftanlagen, Hochspannungs- und Funkmasten mit Gehölzpflanzungen und unter Berücksichtigung von Sichtachsen ausgerichtet werden. Hierzu gehört auch das Erlebnis Historischer Kulturlandschaften, wobei Maßnahmen an den baulichen Anlagen selbst rechtlich nicht mit einbezogen werden können.
Auf Kreisebene bereitet der Kreis Dithmarschen ein entsprechendes Konzept vor (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen).
Nach § 15 Absatz 3 Satz 2 BNatSchG ist vorrangig zu prüfen, ob – im Rahmen der Eingriffsregelung – der Aus-gleich oder Ersatz auch durch Maßnahmen zur Entsiegelung erbracht werden kann. Um diesem rechtlichen Auftrag gerecht zu werden, plant das MELUND in einem mehrjährigen Projekt in ausgewählten Kreisen über die Stiftung Naturschutz Flächen zu identifizieren, die sich hierfür eignen würden. Sie sollen anschließend in ein Kataster aufgenommen werden, um somit über ein entsprechendes Angebot, insbesondere für Vorhaben, die eine Flächenversiegelung zur Folge haben, zu verfügen.
Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. Februar 2010 (BGBl. I Seite 94), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 08. September 2017 (BGBl. I Seite 3370) geändert worden ist und
Landesgesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (LUVPG) vom 13. Mai 2003 (GVOBl. 2003, Seite 246).
Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, Bodennutzung, Rohstoffabbau und Energiegewinnung und Reduzierung der Flächeninanspruchnahme für Siedlung, Verkehr und Mobilität,
Die Aktualisierung des Landschaftsrahmenplanes stützt sich zum einen auf die derzeit noch rechtsgültigen Landschaftsrahmenpläne der ehemaligen Planungsräume I, III, IV. Diese verlieren mit der Veröffentlichung des vorliegenden Landschaftsrahmenplanes ihre Gültigkeit.
Die Fortschreibung des Landschaftsrahmenplanes greift verschiedene Zielvorgaben des internationalen und nationalen Naturschutzrechts und –abkommen auf. Insbesondere handelt es sich dabei um das Übereinkommen zur biologischen Vielfalt von 1992 und der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt von 2007 sowie den Natura 2000-Richtlinien, der WRRL von 2000 und der MSRL von 2008. Sie werden in Kapitel 1.2: Nationale und internationale Abkommen und Programme des Landschaftsrahmenplanes näher beschrieben.
In dem Landschaftsrahmenplan werden konkrete Aussagen zum Zustand und der Bewertung des Status Quo der Umwelt, insbesondere der Schutzgüter, sowie zukünftige Ziele und Leitbilder getroffen.
Gemäß § 10 Absatz 2 BNatSchG sind Landschaftsrahmenpläne für alle Teile des Landes aufzustellen, soweit nicht ein Landschaftsprogramm seinen Inhalten und seinem Konkretisierungsgrad nach einem Landschaftsrahmenplan entspricht. Außerdem sind die Pläne fortzuschreiben, sobald und soweit dies erforderlich ist (siehe § 9 Absatz 4 BNatSchG). Die Neuaufstellung der Regionalpläne macht die Fortschreibung der Landschaftsrahmenpläne erforderlich. Eine Nullvariante, das heißt eine „Nicht-Erstellung“ oder auch die „Nicht-Fortschreibung“ ist nicht rechtmäßig und somit auch nicht zulässig. Sie ist grundsätzlich keine Planalternative.
Der Landschaftsrahmenplan zielt auf den Erhalt der natürlichen Ressourcen Klima, Luft, Boden und Wasser sowie Verbesserungen der Schutzgüter Tiere, Pflanzen, Klima, Fläche, biologische Vielfalt und den Menschen. Im Speziellen werden Anforderungen an die Nutzungen zur Sicherung einer nachhaltigen Leistungsfähigkeit der Naturgüter benannt.
Maßnahmen und Planungen werden sowohl in 4 Kapitel: Entwicklungsteil als auch in Kapitel 5: Naturschutzfachliche Hinweise und Empfehlungen des Landschaftsrahmenplanes genannt. Diese werden im Folgenden geprüft.
Im Hinblick auf die zu untersuchenden Schutzgüter des UVPG sind für die in dem Kapitel 4.1: Räumlich funktionale Ziele und Erfordernisse festgelegten Planungen keine erheblichen negativen Umweltauswirkungen zu erwarten. Die Ziele und Maßnahmen führen zu vielfältigen Wechselwirkungen der Schutzgüter. Grundsätzlich korrespondieren die jeweiligen Planungen positiv miteinander. So dienen beispielsweise Wildnisgebiete auch der Entwicklung des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems.
Die durch die touristische Nutzung in Teilbereichen des Landes auftretenden Nutzungskonflikte mit dem Naturschutz werden in den Gebieten mit besonderer Erholungseignung aufgegriffen und in Verbindung mit den Aussagen in Kapitel 5.8: Tourismus, Erholung und Sport durch gezielte Planungsaussagen in ihren negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft so weit wie möglich minimiert. Durch Konkretisierungen der Planungen unter Anbetracht der individuellen Empfindlichkeit eines Gebietes, beispielsweise gegenüber touristischen Nutzungen, sollten jedoch auch hier auf kommunaler Ebene negative Auswirkungen auf Natur und Landschaft weiter minimiert werden.
Auch bei der Planung von Energielandschaften im Kontext der Energiewende und Küstensicherungsmaßnahmen im Hinblick auf Klimafolgenanpassungen müssen negative Folgen auf die einzelnen Schutzgüter von Beginn der Planungen an möglichst vermieden werden.
In den Natura 2000 Gebieten ist ein genereller rechtlicher Schutz gegeben. Bestehende NSG, gesetzlich geschützte Biotope größer als 20 Hektar und bestimmte Natura 2000-Gebiete wurden in den Regionalplänen zusätzlich als Vorranggebiete für den Naturschutz ausgewiesen. Diese Planung ist darauf ausgerichtet, eine nachhaltige Flächennutzung im Einklang mit dem Naturschutz zu ermöglichen.
Die Entwicklungsziele und Planungen im Kontext des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystem wirken sich vor allem positiv auf Flora und Fauna aus. Weiterhin dienen die Planungen dem Schutzgut Mensch, da diese sowohl dem Landschaftsbild als auch dem Erholungswert der Landschaft zu Gute kommen. In siedlungsnahen Bereichen wirken sich weitläufige Grünzüge positiv auf das Schutzgut Klima aus, da diese Luftdurchmischung und Kaltluftzufuhr fördern.
Die in dem Kapitel 4.1.1: Gebiete mit besonderer Eignung zum Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems formulierten Entwicklungsziele beziehen sich sowohl auf die Entwicklung bestehender Schutzgebiete, auf die Erhaltung und Entwicklung von Biotopkomplexen, auf die Wiederherstellung ehemals naturraumtypischer Biotope, die Biotoperhaltung und -erweiterung als auch auf die Unterschutzstellung neuer Gebiete und die gesamträumliche Stärkung eines räumlichen Verbundes. Es werden ausschließlich positive Auswirkungen auf die Schutzgüter Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Klima, Luft, Mensch und Landschaftsbild erwartet.
Im Planungsraum sind die Westküste, die Förden der Ostsee wie auch die Ostseeküste als Leitlinien für den überregionalen Vogelzug von besonderer Bedeutung. Konkrete Maßnahmen sind in diesen Gebieten nicht vorgesehen. Die Bedeutung dieser Leitlinien für den Artenerhalt muss jedoch auf den nachfolgenden planerischen Ebenen beachtet werden.
Im Landschaftsrahmenplan werden Bereiche dargestellt, die für den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung von besonderer Bedeutung sind.
Im Landschaftsrahmenplan werden verschiedene Instrumente zum Meeresschutz aufgeführt. So ist ein Großteil der schleswig-holsteinischen Küsten als Bestandteil des Netzes Natura 2000 ausgewiesen. Mit der WRRL wird zudem eine Verbesserung des Zustandes der aquatischen Umwelt angestrebt. Eine konkrete Maßnahmenplanung und -umsetzung wird dabei auf Ebene der einzelnen Flussgebietseinheiten durchgeführt. Diese Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme können im Rahmen des Landschaftsrahmenplanes nicht geprüft werden. Allgemein sind die Kernthemen der WRRL für den Meeresschutz die Reduzierung der Nähr- und Schadstoffeinträge. Die MSRL inklusive der regionalen Meeresübereinkommen OSPAR und HELCOM (s.u.), betrachtet alle Aspekte im Meer und wird durch sogenannte nationale „Meeresstrategien“ umgesetzt, die innerhalb definierter Meeresregionen (z. B. die Geltungsbereiche von OSPAR für die Nordsee und HELCOM für die Ostsee) kohärent sein sollen. Diese Strategien bestehen aus der Bewertung des aktuellen Zustandes, der Beschreibung des zu erreichenden guten Zustandes, der Festlegung von Umweltzielen, der Entwicklung und Umsetzung eines Überwachungsprogrammes und der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen. Wesentliches Ziel ist es, die Meeresumwelt zu schützen und zu erhalten und die Einträge in die Meeresumwelt zu verhindern und zu verringern.
Sämtliche Ziele und Maßnahmen der MSRL und WRRL wirken sich ausschließlich positiv auf die einzelnen Schutzgüter aus. Negative Auswirkungen sind nicht zu erwarten.
Das Oslo-Paris-Übereinkommen (OSPAR) und das Helsinki-Übereinkommen (HELCOM) sind als internationales Völkerrecht und im Rahmen der MSRL für den Meeresschutz relevant. Sie stellen die Koordinierungsplattformen zur regional kohärenten Umsetzung der MSRL dar. Vor diesem Hintergrund haben OSPAR und HELCOM jeweils Aktionspläne zur Bekämpfung von Meeresmüll verabschiedet, Maßnahmenpakete zu bedrohten Arten und Lebensraumtypen erstellt, eine Vereinbarung mit der internationalen Fischereikommission zum Management geschützter Gebiete angenommen und ein Monitoringprogramm verabschiedet. Zudem hat HELCOM bereits 2007 einen Ostsee-Aktionsplan zur Selbstverpflichtung, Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung der Meeresumwelt in der Ostsee zu ergreifen, erstellt. In ihm wurden Maßnahmen zur Minimierung der Nährstoffeinträge und des Eintrages gefährlicher Stoffe, zur umweltfreundlichen Seeschifffahrt und zum Schutz der Biodiversität festgelegt.
Die Entwicklungsziele und Maßnahmen der oben genannten Programme werden ausschließlich positive Auswirkungen auf die Schutzgüter Klima, Boden, Fläche, Wasser, Biodiversität und Menschen haben. Sie sichern die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und leisten unter anderem einen Beitrag zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels, zur Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen sowie zur Erreichung der Ziele der WRRL. Die Programme bewirken insbesondere den zielgerichteten Schutz der für SchleswigHolstein charakteristischen natürlichen Lebensräume.
Im Biosphärenreservat „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen“ sowie in den Natura 2000Gebieten, den LSG und NSG, den Naturparken, den Naturdenkmälern und Geschützten Landschaftsbestandteilen wird der Schutz der Arten und Lebensräume durch zahlreiche Schutzprogramme sowie durch gemeinschaftliches und nationales Recht sichergestellt. Die Natura 2000Gebiete dienen im Wesentlichen dem Ziel, den günstigen Erhaltungszustand für die Arten- und Lebensraumtypen (LRT) von gemeinschaftlicher Bedeutung in Schleswig-Holstein zu erreichen. Dazu wurden und werden in Schleswig-Holstein Managementpläne aufgestellt, welche konkrete Maßnahmen enthalten.
Die in dem Kapitel 4.1: Räumliche funktionale Ziele und Erfordernisse des Landschaftsrahmenplanes formulierten Entwicklungsziele und Maßnahmen beziehen sich sowohl auf die Entwicklung bestehender Schutzgebiete, als auch auf die Unterschutzstellung neuer Gebiete. Es werden ausschließlich positive Auswirkungen auf die Schutzgüter Tiere, Pflanzen, Biodiversität, Boden, Fläche, Wasser, Klima, Luft und Landschaftsbild erwartet. Die Beschränkung verschiedener Nutzungen in den Schutzgebieten schafft sowohl für seltene Tier- und Pflanzenarten als auch für den Menschen einen Rückzugsraum.
Die Befahrung des Nationalparkes als Bundeswasserstraße wird über die (gerade in der Aktualisierung befindliche) Befahrensverordnung des Bundes geregelt. Diese bezieht sich auf die drei deutschen Wattenmeernationalparke. Zur Verhinderung der Verschmutzung der Meeresumwelt, beispielsweise durch auslaufendes Öl wurden Vorschriften und Maßnahmen vereinbart. Diese werden auch weiterhin konsequent durchgesetzt und gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt. Dieses unterstützt die Zielerreichung der MSRL. Des Weiteren sollen Tiefflüge des (Freizeit-) Flugverkehres insbesondere über Brut- und Rastgebieten sowie Robbenliegeplätzen vermieden werden. Militärmanöver sind in Abstimmung mit der Bundeswehr außerhalb störungsempfindlicher Zeiten durchzuführen. Ziel des Landes ist es, die waffentechnische Erprobung im Dithmarscher Teil des Nationalparkes vollständig einzustellen.
Unter Einbeziehung der Interessensvertreter der Fischerei und des Naturschutzes und der Nationalpark-Kuratorien soll eine nachhaltige Fischerei, insbesondere Krabbenfischerei, weiterentwickelt werden.
Jagd ist Nationalpark verboten, aus Gründen des Artenschutzes findet im Einzelfall eine Bejagung von Prädatoren wie Fuchs oder Marder statt. Die Beweidung der Vorlandwiesen erfolgt nur dort, wo sie aus Gründen des Küstenschutzes erforderlich ist. Die Strategie Wattenmeer 2100 enthält Anpassungsstrategien hinsichtlich des zu erwartenden Klimawandels, die gemeinsam von Vertretern des Küsten- und Naturschutzes entwickelt wurden.
Die Erdölförderung im Nationalpark beschränkt sich auf die bestehende Bohr- und Förderplattform Mittelplate A. Weitere Verfahren der Rohstoffgewinnung sind im Nationalpark nicht zulässig. Auch der Bau von Windkraftanlagen ist verboten.
Tourismus, naturverträgliche Erholung und Naturerleben nehmen eine Sonderstellung unter den Nutzungen des Nationalparkes ein. Generell sind jedoch die für den Tourismus benötigten Flächen von den ökologisch sensiblen Bereichen zu trennen. Voraussetzung für die Umsetzung und Akzeptanz der Nationalpark- und Betretungsregelungen vor Ort stützen sich auf das Besucherinformationssystem, die Ansprache der Gäste vor Ort durch haupt- und ehrenamtliche Beschäftigte und die Informationseinrichtungen an der Westküste. . Grundsätzlich wird mit der Umsetzung der trilateralen nachhaltigen Tourismusstrategie mit den touristischen Anbietern vor Ort zusammengearbeitet, um einen nachhaltigen Tourismus in der Welterberegion zu etablieren bzw. weiter auszubauen.
Das Hauptziel des Nationalparkes ist der Prozessschutz („Natur Natur sein lassen“), trotzdem müssen für einzelne Arten spezielle Artenschutzmaßnahmen umgesetzt werden, wie die Sicherung des Brutplatzes der Lachseeschwalben im Neufelder Vorland oder die Ausweisung von Brut- und Rastgebieten für weitere Vogelarten zum Schutz vor Störungen. Bezüglich der Ausbreitung von gebietsfremden Arten soll auf trilateraler Ebene eine gemeinsame Strategie für den Umgang damit entwickelt werden. Dies erfolgt unter Berücksichtigung auch der entsprechenden Ziele der MSRL.
Die in Kapitel 5: Naturschutzfachliche Hinweise beschriebenen naturschutzfachlichen Hinweise und Empfehlungen haben ausschließlich positive Wirkungen auf den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Teilweise kann es zu Zielkonflikten innerhalb des Naturschutzes kommen (Prozessschutz versus artenschutzrechtliche Maßnahmen), es ist jedoch abzusehen, dass die Natur und Landschaft insgesamt von der Umsetzung dieser Hinweise und Empfehlungen profitieren wird.
Das Artenhilfsprogramm enthält aktive Maßnahmen zur Erhaltung oder Verbesserung des Zustandes von Artvorkommen. Im Planungsraum umfasst es unter anderem den Schutz von Wiesen- und Küstenvögeln wie beispielsweise Zwergseeschwalbe, Uferschnepfe und Seeregenpfeifer sowie seltener Pflanzenarten (zum Beispiel Küchenschelle).
In dem Kapitel 4.2.13: Trinkwasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebiete wird dargestellt, dass eine Neuausweisung von Wasserschutzgebieten derzeit nicht erforderlich ist. Um die Belange des Grundwasserschutzes in der räumlichen Planung zu verankern, sollen Trinkwassergewinnungsgebiete nachrichtlich in die Regional- und Bauleitpläne übernommen werden. Das Kapitel 4.2.12: Gewässer beschreibt die Ziele und Maßnahmen der WRRL bezüglich des Grundwassers sowie der Fließgewässer und Seen. Übergeordnetes Ziel ist die Wiederherstellung eines guten chemischen, ökologischen und morphologischen Zustandes der Gewässer. Um dieses zu erreichen, werden beispielsweise Gewässerrandstreifen angelegt, Landwirte bezüglich der Düngung sowie des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln beraten und die ökologische Durchgängigkeit verbessert.
Die Begrenzung der Flächeninanspruchnahme und der sparsamen Umgang mit den Bodenflächen insbesondere für Siedlungs- und Verkehrszwecke stellt eines der wichtigsten Handlungsfelder auf dem Weg zu einer nachhaltigen und umweltgerechten räumlichen Entwicklung dar. Dieses soll durch die Innenentwicklung und –verdichtung von Siedlungen, die Revitalisierung von Siedlungsbrachen, die Umnutzung vorhandener Gebäude und städtebauliche Sanierungsmaßnahmen in Bestandsquartieren erreicht werden. Unabhängig hiervon sind angemessene Abstände zu naturschutzfachlich sensiblen Bereichen notwendig, um nachteilige Auswirkungen auf diese empfindlichen Bereiche frühzeitig zu vermeiden. Darüber hinaus soll sich die Art der baulichen Entwicklung nicht beeinträchtigend auf das Landschaftsbild auswirken (Splittersiedlungen, bandartige Entwicklung und Ähnliches). Eine großräumige landschaftliche Untergliederung der Siedlungsgebiete ist durch die Ausweisung von zusammenhängenden Grünzäsuren und regionalen Grünverbindungen sicherzustellen. Die Ansprüche des Arten- und Biotopschutzes sind hier in besonderem Maße zu berücksichtigen. Außerdem ist eine Verbindung der innerörtlichen Grünsysteme und –strukturen mit denen der freien Landschaft anzustreben, um Naherholungsräume zu schaffen. Bei der Entwicklung von Verkehrsflächen soll die Sicherung und Wiederherstellung von UZVR berücksichtigt werden.
Durch den Bau von Windkraftanlagen nehmen die vertikalen Strukturen in der Landschaft deutlich zu. Dieser Landschaftswandel wirkt sich visuell teils stark auf das Landschaftsbild aus. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, tragen die im Landschaftsrahmenplan genannten naturschutzfachlichen Hinweise dazu bei, den weiteren Ausbau der Windenergie im Sinne der Ziele des Naturschutzes zu entwickeln. Außerdem entstehen durch den Anschluss eines Windparkes an das Stromnetz weitere Eingriffe in Natur und Landschaft, die ebenfalls durch eine Konzentration von Anlagen in bereits bestehenden Strukturen vermindert werden könnten. Das wichtigste landesplanerische Instrument bei der Neuordnung der Windenergie stellt die Neuaufstellung der Regionalpläne (Sachthema Wind) dar.
Die im Landschaftsrahmenplan aufgeführten naturschutzfachlichen Hinweise haben ausnahmslos positive Auswirkungen für die Schutzgüter. Besonders die Schutzgüter Tiere und Pflanzen, Landschaft, Boden, Fläche sowie Mensch profitieren von einem geordneten Ausbau der Windénergie und der Umsetzung der „Empfehlungen zur Berücksichtigung tierökologischer Belange bei Windenergieplanungen in Schleswig-Holstein“ (LANU, 2008).
Zur Minimierung des Eingriffes in Natur und Landschaft soll die Solarenergienutzung grundsätzlich auf und an vorhandenen baulichen Anlagen – vorzugsweise in Siedlungs- und Gewerbegebieten sowie auf Konversionsflächen – erfolgen. Eine Nutzung von Freiflächen soll nur dann ermöglicht werden, wenn keine naturschutzfachlichen Wertflächen wie beispielsweise NSG oder das artenreiche Grünland negativ beeinflusst werden. Grundsätzlich sollten Erzeugungsstandorte, die im Umfeld vorhandener Netzanschlusskapazitäten errichtet werden sollen, der Vorrang eingeräumt werden.
Um die Konflikte, die mit dem erhöhten Anbau von Energiepflanzen wie dem Silomaisanbau einhergehen, zu vermindern, sollte die energetische Nutzung von organischen Reststoffen, insbesondere Holz, Stroh und Gülle, Vorrang vor der Nutzung von Energiepflanzen haben. Möglicherweise kann dieses die Anbaufläche vermindern. Um dem schleichenden Grünlandverlust entgegenzuwirken, war ein wichtiger Schritt bereits die Unterschutzstellung von arten- und strukturreichem Dauergrünland als gesetzlich geschütztes Biotop (§ 21 Absatz 1 Nummer 6 LNatSchG). Zudem regelt das Dauergrünlanderhaltungsgesetz Schleswig-Holstein das Verbot der Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland.
Energieleitungen sollen landschaftsgerecht geführt, gestaltet und so gebündelt werden, dass die Zerschneidung und Inanspruchnahme der Landschaft sowie die Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden.
Daher sollte vorrangig geprüft werden, ob bestehende Freileitungen zurückgebaut werden und stattdessen als Erdkabel verlegt werden können, um die Zerschneidung der Landschaft zu minimieren.
Außerdem sollten die „Empfehlungen zur Berücksichtigung der tierökologischen Belange beim Leitungsbau auf der Höchstspannungsebene“ (LLUR, 2013) unbedingt beachtet werden.
Um die Bodenverdichtung und die damit verbundenen Bodenschäden, insbesondere bei Infrastrukturmaßnahmen im Außenbereich zu vermindern wird empfohlen, geeignete Maßnahmen wie das Auslegen von Lastverteilungsplatten oder die Anlage von Baustraßen zu ergreifen. Um die negativen Auswirkungen auf das Bodengefüge bei Infrastrukturmaßnahmen im Außenbereich zu minimieren, sind die naturschutzfachlichen Hinweise gut geeignet. Sie haben eine besonders positive Auswirkung auf die Schutzgüter Boden und Fläche.
Die im Landschaftsrahmenplan genannten naturschutzfachlichen Hinweise und Empfehlungen zielen darauf ab, bei der Nutzung der Lagerstätten und Rohstoffvorkommen die hierbei zu erwartenden Eingriffe in Natur und Landschaft im Sinne der Ziele des Naturschutzes zu vermeiden bzw. zu minimieren. So darf der Abbau von oberflächennahen, mineralischen Rohstoffen wie Sand oder Kies die natürlichen abiotischen und biotischen Faktoren des Abbaugebietes nur so wenig wie möglich beanspruchen. Veränderungen des Landschaftsbildes und des Naturhaushaltes müssen ausgeglichen werden, das heißt nach Beendigung des Abbaues ist der Eingriffsbereich zu naturnahen Lebensräumen zu entwickeln. In naturschutzfachlich hoch sensiblen Bereichen wie NSG, Natura 2000-Gebieten oder auch gesetzlich geschützten Biotopen ist der Abbau nicht gestattet. Außerdem soll grundsätzlich kein Sand- und Kiesabbau in der Nordsee zwischen Nationalpark und 12-Seemeilengrenze sowie in der Ostsee innerhalb der 12-Seemeilengrenze erfolgen. Unter Waldbeständen und in LSG darf nur ausnahmsweise abgebaut werden.
Vorhandene Erholungseinrichtungen (beispielsweise Campingplätze, Wildparke, Erlebnisparke) sollen möglichst landschaftsgerecht in die Umgebung eingefügt werden. Verschiedene Campingplätze im Gewässer- und Erholungsschutzstreifen, den überflutungsgefährdeten Bereichen, den Außendeichs- und Binnendeichsflächen sollen in weiter landeinwärts gelegene, höhere Bereiche verlagert werden. Dieses soll nur im Einvernehmen mit den Eigentümern erfolgen.
Bei der Planung von zusätzlichen Erholungs-, Sport- und Tourismuseinrichtungen soll beachtet werden, dass diese schwerpunktmäßig gebündelt und nur bedarfsorientiert ausgebaut werden. Neubauten sollten möglichst in Anbindung an vorhandene Anlagen und Ortschaften erfolgen. Außerdem ist der Ausbau von kreisübergreifenden Radrouten, Wander- und Reitwegenetzen zu empfehlen. Die natürliche Küstendynamik darf durch die Planungen nicht eingeschränkt werden. Wassersportanlagen und Badestrände sollten sich auf Uferabschnitte konzentrieren und möglichst große Entfernungen zu naturschutzfachlich sensiblen Bereichen aufweisen. Der Aufbau von Informationszentren, die unter anderem auf umweltverträgliche Erholungsmöglichkeiten und –aktivitäten hinweisen wird empfohlen.
Diese naturschutzfachlichen Hinweise und Empfehlungen haben positive Auswirkungen für die Natur und Landschaft des Planungsraumes. Obwohl das Schutzgut Mensch deutlich am meisten von dessen Umsetzung profitiert, sind günstige Auswirkungen auch auf andere Schutzgüter, wie Tiere und Pflanzen oder Landschaft, anzunehmen.
Es folgt eine Auswirkungsprognose der Erfordernisse, Maßnahmen und naturschutzfachlichen Hinweise und Empfehlungen bezogen auf die Umweltschutzgüter (siehe § 2 Absatz 4 UVPG).
Tabelle 31: Auswirkungsprognosen der Strategischen Umweltprüfung
Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum III
Schutzgüter des § 2 Abs. 1 UVPG Räumlich funktionale Ziele und Erfordernisse & Einzelmaßnahmen Hinweise
Biotopver-bund Nationalpark Gebiete mit bes. Erholungseignung Klimaschutz Meeresschutz Programmgebiete Naturschutz Schutzgebiete Siedlung, Verkehr Energiewende Landwirtschaft Forstwirtschaft Rohstoffgewinnung Tourismus
Mensch, Gesundheit (+) + + + + + + + + + (+) + +
Tiere + + + + + + + + + (+) + (+) (+)
Pflanzen + + + + + + + + O (+) + (+) (+)
biolog. Vielfalt + + + + + + + + + (+) + (+) (+)
Boden + + + + + + + + + + + + o
Fläche + + + + o + + + + + + + o
Wasser + + + + + + + + O + + + o
Luft, Klima + + + + + + + + + (+) + (+) o
Landschaft + + + + (+) + + (+) + o + o (+)
Kultur-, Sachgüter o (+) + (+) (+) + (+) (+) + o (+) o +
Wechselwirkungen + + + + + + + + + (+) + (+) (+)

References: § 38
 § 27
 § 16
 § 27
 § 13
 § 8
 § 14
 § 14
 § 35
 § 30
 § 15
 § 15
 § 10
 § 9
 § 2
 § 2