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Timestamp: 2020-07-05 08:04:29+00:00

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Höhere Gewalt bis Hohe Schrecke (Bd. 6, Sp. 455 bis 457)
Höhere Gewalt (lat. Vis major, franz. Force majeure) bezeichnet jedes äußere Ereignis, das auch durch die größte, den gegebenen Umständen angemessene und vernünftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht hätte abgewendet werden können (elementare Ereignisse, Krankheit, Feindesgewalt u. dgl., unter Umständen auch Diebstahl, Raub, Brandstiftung u. dgl.). Von höherer Gewalt sprechen z. B. § 453 und 456 des Handelsgesetzbuches, § 75 der Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands vom 26. Okt. 1899, das internationale Übereinkommen über den Frachtverkehr vom 14. Okt. 1890, Art. 5,18,30, das Reichsgesetz vom 7. Juni 1871, betreffend die Verbindlichkeit zum Schadenersatz für die bei dem Betrieb von Eisenbahnen, Bergwerken etc. herbeigeführten Tötungen und Körperverletzungen (s. Meyers Haftpflicht, S. 610). Über die Grenzen des Begriffes der höhern Gewalt herrscht lebhafte Meinungsverschiedenheit; jedenfalls läßt sich keine allgemeine Norm aufstellen, nach der zu entscheiden wäre, wenn und wo h. G. vorgelegen habe, es ist vielmehr nach Lage des einzelnen Falles zu entscheiden. Dah. G. völlig außer dem Bereiche menschlicher Berechnung liegt, ist durch die Gesetze auch die Haftung für jeglichen Schaden, der durch die h. G. verursacht wird, ausgeschlossen, wie auch anderseits durch sie Verjährung und Fristen gehemmt werden, bez. die Setzung einer neuen Frist verlangt werden kann. Vgl. Huber, Die h. G. (Bern 1885); Hafner, Über den Begriff der höhern Gewalt (Zürich 1886); Stucki, Begriff der höhern Gewalt (Bern 1888, umgearbeitet 1890); Gerth, Der Begriff der vis major (Berl. 1890); v. Hollander, Vis major als Schranke der Haftung (Jena 1892); A. Knauer, Die h. G. im Reichsrecht (Berl. 1901).
Höhere Lehranstalten in Deutschland. Unter höhern Lehranstalten versteht die preußische Schulverwaltung seit langem: 1) die Gymnasien, 2) die diesen allmählich als ranggleich an die Seite getretenen vollständigen Realanstalten mit oder neuerdings auch ohne Latein und 3) die zu beiden gehörigen unvollständigen Anstalten; wesentlich dieselben Schulanstalten also, die in Österreich und Süddeutschland wegen ihrer Mittelstellung zwischen Volks- und Hochschulen Mittelschulen heißen. Aus Preußen ist die Bezeichnung h. L. seit 1870 in die amtliche Sprache des Deutschen Reiches übergegangen. Für Begriff und Einteilung der höhern Lehranstalten ist hier maßgebend die in Gemäßheit des § 90, Tit. 1 der Wehrordnung vom 28. Sept. 1875 (neue Redaktion vom 22. Nov. 1888) in verschiedenen Abstufungen eingeräumte Berechtigung hinsichtlich des einjährig-freiwilligen Dienstes (s. Meyers Freiwillige). Nach der Wehrordnung gibt es drei Arten von höhern Lehranstalten: A. solche, die gültige Zeugnisse über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährigfreiwilligen Militärdienst auf Grund des einjährigen erfolgreichen Besuchs der zweiten (zweijährigen) Klasse (von oben gerechnet) ausstellen dürfen; B. solche, bei denen der erfolgreiche einjährige Besuch der ersten (zweijährigen) Klasse zur Erlangung dieses Zeugnisses erforderlich ist; C. solche, bei denen es nur auf Grund der wohlbestandenen Entlassungsprüfung gewährt wird. Außerdem ist einer Anzahl von Privatschulen das Recht, auf Grund wohlbestandener Entlassungsprüfung die wissenschaftliche Befähigung für den einjährigen Dienst zu bescheinigen, widerruflich eingeräumt. Überall ist dabei vorausgesetzt, daß die Entlassungs- oder Reifeprüfung unter Leitung eines staatlichen Kommissars stattfindet. Da das Zeugnis für den einjährigen Dienst nur nach sechsjährigem Besuch einer höhern Lehranstalt, d. h. sechs Jahre nach Beginn des fremdsprachlichen Unterrichts (9. Lebensjahr), erteilt werden soll, folgt, daß die Anstalten bei A. neunjährigen, die bei B. siebenjährigen, die bei C. (der Regel nach) sechsjährigen Lehrgang haben müssen. Demnach unterscheidet das amtliche Gesamtverzeichnis derjenigen Lehranstalten, die gemäß § 90 der Wehrordnung zur Ausstellung von Zeugnissen über die Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt sind (erscheint jährlich im »Zentralblatt für das Deutsche Reich«), folgende einzelne Gruppen: A a. Gymnasien; A b. Realgymnasien; A c Oberrealschulen. B a. Progymnasien (siebenjährige); B b. Realprogymnasien (siebenjährige); B c. Realschulen (siebenjährige). C a. Progymnasien (sechsjährige); C b. Realprogymnasien (sechsjährige); C c. Realschulen (sechsjährige). Dazu kommen noch seit 1900: C d. öffentliche Schullehrerseminare und C e. andre öffentliche Lehranstalten (Landwirtschafts-, Handels-, Industrieschulen) sowie die anerkannten Privatlehranstalten und seit kurzem einige deutsche Lehranstalten im Auslande (nach dem Gesamtverzeichnis 1904: Brüssel, Konstantinopel, Antwerpen, Bukarest und Mailand).
Im J. 1894, wo die Lehrerseminare noch nicht als berechtigt im Sinne von § 90 der Wehrordnung anerkannt waren, gab es 1019 berechtigte Anstalten; 1904 ohne die (205) Seminare 1212. Mehr also im
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letzten Jahrzehnt: 193. Dieses Mehr trifft besonders auf Realschulen (höhere Bürgerschulen) mit 158 (119,89 Proz.) und Oberrealschulen mit 36 (116,18 Proz.). Die Gymnasien nahmen um 44 (10,16 Proz.) zu, die Realgymnasien um 6 (4,58 Proz.) ab. Bei der Ausstellung der amtlich maßgebenden Verzeichnisse wird der Reichskanzler von der Meyers Reichsschulkommission (s. d.) beraten. Eine erhebliche Neuerung im deutschen höhern Schulwesen bedeutet das Auftreten der sogen. Reformlehrpläne nach dem Altonaer und nach dem Frankfurter System, von denen jenes Realschule (Oberrealschule) und Realgymnasium, dieses Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule in engere Verbindung bringt durch einen gemeinsamen oder doch gleichartigen Unterbau von drei Jahresklassen, in denen der fremdsprachliche Unterricht mit der an allen beteiligten Anstalten betriebenen Sprache (Französisch, einzeln auch Englisch) beginnt (vgl. Reformschulen).
Da jedoch durch diese Neuerung in den Unterrichtszielen keine wesentliche Änderung eintritt, ist sie auf die Berechtigungen ohne Einfluß geblieben und in dem amtlichen Verzeichnis der berechtigten höhern Lehranstalten nicht berücksichtigt. Bis 1904 folgten im ganzen dem Frankfurter System 58 h. L., davon 45 in Preußen; dem Altonaer System 12, davon 6 in Preußen.
Die höhern Mädchenschulen (s. Meyers Mädchenschulen) werden, da ihnen das Merkmal der anerkannten Berechtigung fehlt, meist zu den höhern Lehranstalten im engern Sinne nicht gerechnet. Auch steht der Statistik dieser Anstalten im Wege, daß unter ihnen das beweglichere Element der Privatschulen weit mehr hervortritt und in Norddeutschland wenigstens geradezu überwiegt. Doch bildet sich immer mehr ein gemeinsamer Typus heraus, indem für vollgültige höhere Mädchenschulen zehnjähriger (in Preußen mindestens neunjähriger) Kursus vom Schulbeginn ( = sieben Jahren vom Anfange des fremdsprachlichen Unterrichts) an in tunlichst jährigen Klassenstufen vorausgesetzt wird. H. L. für Mädchen, die den Lehrplänen der höhern Knabenschulen folgen (vgl. Mädchengymnasien) und zwar meist dem der Realgymnasien, gab es bis 1904 in Deutschland 16, darunter in Preußen 8. Der Besuch höherer Knabenschulen durch Mädchen ist in Deutschland bisher nur einzeln als Ausnahme gestattet; zuerst und am weitesten ist darin
[Bd. 6, Sp. 457]
Baden entgegengekommen. Vgl. Wiese, Verordnungen und Gesetze für die höhern Schulen in Preußen (2. Ausg., Berl. 1875, 2 Bde.) und Das höhere Schulwesen in Preußen (das. 186474, 3 Bde.); Beier, Die höhern Schulen und ihre Lehrer in Preußen. Sammlung der wichtigsten Gesetze, Verordnungen etc. (2. Aufl., Halle 1902; 1. Ergänzungsheft 1904); Rethwisch, Deutschlands höheres Schulwesen im 19. Jahrhundert (Berl. 1893); Baumeister, Die Einrichtung und Verwaltung des höhern Schulwesens in den Kulturländern von Europa und in Nordamerika (Münch. 1897); Petersilie, Das öffentliche Unterrichtswesen im Deutschen Reich und in den übrigen europäischen Kulturländern (Leipz. 1897, 2 Bde.); Lexis, Die Reform des höhern Schulwesens in Preußen (mit andern, Halle 1902) und Das Unterrichtswesen im Deutschen Reich (aus Anlaß der Weltausstellung in St. Louis, Berl. 1904, 4 Bde. in 6 Tln.); »Deutsche Schulgesetzsammlung« (das., 1872 begründet von Keller, jetzt hrsg. von Krämer); »Zentralblatt für die gesamte preußische Unterrichtsverwaltung« (das.); »Statistisches Jahrbuch der höhern Schulen Deutschlands« (Leipz., seit 1880).
Höheres Schulwesen, s. Meyers Höhere Lehranstalten.
Hoher Göll, Berg in den Salzburger Kalkalpen, 2522 m hoch, erhebt sich zwischen dem Salzachtal und dem Königssee nördlich vom Hagengebirge und wird von Berchtesgaden oder Hallein über das Purtschellerhaus (1771 m) bestiegen. Vgl. Zeppezauer, Der Hohe Göll und sein Gebiet (Salzb. 1900).
Hoher Iser, Berg im Meyers Bregenzer Wald (s. d.).
Hoher Peißenberg, s. Meyers Peißenberg.
Hoherpriester (hebr. »kohen-haggadōl«), der oberste der israelit. Priester. Derselbe wurde aus der Aaronitischen Linie genommen, bis endlich Herodes d. Gr. und die Römer die hohepriesterliche Würde nach Belieben erteilten und entzogen. Nur hielten sie sich in der Regel an die Angehörigen von etwa fünf vornehmen Priesterfamilien, die daher im Neuen Testament »die Hohenpriester« heißen. Dem Gesetz nach folgte der Sohn auf den Vater, und zwar verwaltete ein jeder das Amt, solange er lebte. Die Einweihungszeremonie des Hohenpriesters bestand in Waschungen, Einkleidung, Salbung mit einem köstlichen Öl und Darbringung von Sühn-, Brand- und Dankopfern. Nach jüdischer Tradition soll seit Josia die Einweihung des Hohenpriesters nur in der Anlegung der Amtskleider bestanden haben, weil nämlich das heilige Salböl verloren gegangen war. Die Amtstracht des Hohenpriesters bestand aus folgenden Stücken: dem Oberkleid (mêĭl), purpurblau, mit dreifarbigen Granatäpfeln und goldenen Schellen besetzt, dem Unterkleid (k'tonet), dem Leibrock (efod), dem Gürtel (chescheb), dem viereckigen doppelten Brustschild (choschen) auf der Brust, der in vier Reihen Edelsteinen die eingravierten Namen der Stämme trug und die Urim und Thummim barg, dem Kopfbund (miznefet) und dem daran befindlichen goldenen Diadem (ziz) mit der Aufschrift: »Heilig dem Herrn«. Diese Amtstracht trug der Hohepriester bei allen feierlichen amtlichen Funktionen, an Festen etc.; nur wenn er am großen Versöhnungstag in das Allerheiligste eintrat, legte er eine einfache, aus weißem Leinen bestehende Kleidung an. Außer dem großen Sühnungsakt, den er an diesem Tag verrichtete (s. Meyers Versöhnungstag), hatte er in besonders wichtigen Fällen die Urim und Meyers Thummim (s. d.) zu befragen. Im nachexilischen Zeitalter pflegte er an Sabbaten und an hohen Festen auch an Stelle der gemeinen Priester zu fungieren. Ferner führte er über Kultus und Tempelschatz die Oberaufsicht und war Vorsteher des Synedrions (Hohen Rates), überhaupt kirchliches Oberhaupt aller, auch der außerhalb Palästina wohnenden Juden, dem niemand den Gehorsam verweigern durfte. Während der makkabäischen Periode vertraten die Hohenpriester selbst eine geraume Zeit hindurch die Stelle der Landesfürsten Judäas. Hauptpflicht war es für den Hohenpriester, sich der levitischen Reinheit im weitesten Umfang zu befleißigen, namentlich vor seinen Amtsverrichtungen; einen Toten, mit Ausnahme der nächsten Blutsverwandten, durfte er niemals berühren, ja nicht einmal heftiger Trauer über einen solchen sich hingeben; auch gestattete ihm das Gesetz nur, eine unberührte Jungfrau zu heiraten. Sein Ansehen war noch im hasmonäischen Zeitalter so groß, daß selbst Königstöchter die Ehe mit Hohenpriestern nicht verschmähten sowie auch deren Töchter von den Großen des Landes begehrt wurden. Mit dem Beruf des Hohenpriesters vergleicht die christliche Kirche das Wirken Jesu und spricht von dessen hohenpriesterlichem Amte.
Hoher Rat, s. Synedrion.
Hoher Staufen, Berge, s. Meyers Hohenstaufen und Meyers Reichenhall.

References: § 453
 § 75
 Art. 5
 § 90
 § 90
 § 90