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Timestamp: 2017-02-28 01:53:46+00:00

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1 HAUPTVERBAND DER GERICHTSSACHVERSTÄNDIGEN 1010 Wien, Doblhoffgasse 3/5 +43(1) Fax ZVR-Zahl Prüfungsstandards für die Zertifizierungsprüfung nach 4a SDG Fachgruppe/Fachgebiet: Forensische Datensicherung, Datenrekonstruktion, Datenauswertung Fassung: Juli 2014 Die in diesen Standards verwendeten personenbezogenen Ausdrücke umfassen Frauen und Männer gleichermaßen. 1. Allgemeines Das Sachverständigen- und Dolmetschergesetz idgf (zu finden unter sieht ein gerichtliches Zertifizierungsverfahren vor, in dem die Eignung jener Personen geprüft wird, die sich in die gerichtliche Sachverständigenliste eintragen lassen und dort verbleiben wollen. In einem eigenen Begutachtungsverfahren, das von den Präsidenten der Landesgerichte geführt wird, werden die in den 2, 2a SDG angeführten materiellen Eintragungsvoraussetzungen überprüft. Neben den in der Person des Bewerbers allgemein erforderlichen Voraussetzungen (Geschäftsfähigkeit, körperliche und geistige Eignung, Vertrauenswürdigkeit, österreichische Staatsbürgerschaft oder Staatsangehörigkeit eines EWR-Staates oder der Schweiz, gewöhnlicher Aufenthalt oder Ort der beruflichen Tätigkeit im Sprengel des Landesgerichts, bei dessen Präsidenten die Aufnahme beantragt wird, geordnete wirtschaftliche Verhältnisse) werden folgende fachliche Voraussetzungen gefordert: Sachkunde Verfahrensrechtskunde (Kenntnis der wichtigsten Vorschriften des Verfahrensrechts und über das Sachverständigenwesen) Gestaltung der Befundaufnahme und Aufbau eines schlüssigen und nachvollziehbaren Gutachtens auf dem betreffenden Fachgebiet (Gutachtensmethodik) Berufserfahrung in der vom Gesetz geforderten Art und Dauer Ausstattung mit der erforderlichen Ausrüstung für die konkrete Gutachterarbeit im betreffenden Fachgebiet2 Weiters ist vor Eintragung in die Liste auch der Abschluss einer Haftpflichtversicherung nachzuweisen. Über das Vorliegen der genannten fachlichen Voraussetzungen holt der entscheidende Präsident ein Gutachten einer unabhängigen Kommission nach 4 a SDG ein (Zertifizierungskommission). Dieser Kommission gehören ein Richter als Vorsitzender und zwei Fachleute an, die von der Kammer oder gesetzlichen Interessensvertretung, zu der das betreffende Fachgebiet gehört und vom Hauptverband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs namhaft gemacht wurden. Die Kommission hat den Bewerber mündlich, allenfalls auch schriftlich zu prüfen. Die Kommission hat die Prüfungsschritte zu dokumentieren und ein Gutachten zu erstatten. Um eine faire und transparente Abwicklung der Prüfung zu gewährleisten und den Bewerberinnen und Bewerbern eine effiziente Vorbereitung auf die Prüfung durch die Kommission zu ermöglichen, wurden diese Prüfungsstandards geschaffen, die einen Überblick über die erwarteten Kenntnisse und Fähigkeiten und über die Prüfungsmodalitäten geben. 2. Voraussetzungen allgemein Ganz allgemein wird von zertifizierten Sachverständigen sehr hohe Sachkunde und ein Wissen erwartet, das deutlich über dem Durchschnitt der auf dem betreffenden Gebiet Fachkundigen liegt. Die Fachgruppe 68 Informationstechnik umfasst derzeit die folgenden Fachgebiete: IT-Systeme, Computer inkl. Betriebssysteme, Computerperipherie Personal-Computer (PC) Prozessdatenverarbeitung, Echtzeitsysteme Mikroprozessoren in der Gerätetechnik, Embedded Systems Analogsysteme Gebäudeautomation, Gebäudetechnik, Zutrittskontrolle, Alarmsysteme Softwaretechnik, Programmierung IT Sicherheit, Datenschutz, Verschlüsselung und Signaturerstellung, Virenschutz Forensische Datensicherung, Datenrekonstruktion, Datenauswertung Internetsoftware, WEB Programmierung, Netzwerkanwendung Anwendungssoftware, Standardprogramme Kommunikationssysteme: LAN, WAN, MAN, Internet IT-Projektplanung, IT-Projektmanagement Anlagensteuerungen, Messtechnik, Regelungstechnik und Fernwirktechnik, SPS3 Für alle Fachgebiete bilden das jeweilige Fachwissen und die jeweilige berufliche Praxis ebenso wie die Verfügbarkeit einer für das spezifische Fachgebiet entsprechenden Ausrüstung die notwendigen Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Befundaufnahme und für die Erstattung eines darauf aufbauenden, schlüssigen und nachvollziehbaren Gutachtens. In der gerichtlichen Praxis bildet die Beurteilung von informationstechnischen Systemen in Hinblick auf die Übereinstimmung mit Vorgaben sowie in Hinblick auf behauptete Mängel einen Schwerpunkt. Die im Rahmen dieser Fachgebiete zu beurteilenden Objekte stellen sowohl Geräte (Computer, Automationsgeräte, Controller, Peripherie etc.) dar, als auch Software und in diesem Zusammenhang häufig auch Verfahren und Algorithmen, die im Zuge einer Programmerstellung entwickelt oder zugrunde gelegt wurden. Die Gliederung der Fachgebiete orientiert sich dementsprechend überwiegend an der Art der zu beurteilenden Objekte Hardware und Software sowie weiters in spezielle Anwendungen von IT Systemen und Verfahren. Die den einzelnen Fachgebieten zugeordneten Inhalte ergeben sich dabei einerseits aus den Überschriften, andererseits werden im nachstehenden Kapitel Sachbereiche und Beispiele dazu dargestellt, aus denen sich auch Informationen zur Detaillierung und zur Abgrenzung zwischen den Fachgebieten ergeben. Für den Gegenstand der einzelnen Fachgebiete ist eine, den gesetzlichen Vorgaben entsprechende fünf- bzw. zehnjährige praktische Tätigkeit im Zeitraum vor der Eintragung erforderlich. Diese Tätigkeit muss dabei geeignet sein, die entsprechenden Praxiskenntnisse und Erfahrungen zu vermitteln. Daraus ergibt sich, dass die Befassung mit den einzelnen Sachbereichen bzw. Beurteilungsgegenständen, wie sie den Fachgebieten zugeordnet sind, einen wesentlichen Teil des Berufslebens des Eintragungswerbers in Hinblick auf die geforderten Praxiszeiten darstellen muss. Da die Praxis mit IT Systemen Sachbereiche in sehr unterschiedlichen Ausprägungen betreffen kann, wird klärend dargestellt, dass der jeweilige Inhalt eines Fachgebietes als Schwerpunkt der Praxistätigkeit vorgelegen sein muss. Die Fachgruppe Informationstechnik basiert auf Erkenntnissen, Methoden und Verfahren, die weitgehend aus der Informatik, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik sowie der Mess-, Steuer- und Regeltechnik resultieren. Dementsprechend sind wesentliche Kenntnisse über die technischen und methodischen Grundlagen, die den einzelnen Geräten und Verfahren der Fachgebiete zugrunde liegen, erforderlich. Einen häufigen Schwerpunkt der Beurteilung in diesem Bereich bildet auch die Frage, inwieweit einzelne Ausführungen dem Stand der Technik oder den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Auch für eine derartige Beurteilung sind grundlegende Kenntnisse über die technischen Grundlagen der einzelnen Geräte, Methoden und Verfahren und deren Verbreitung sowohl im Bereich der Hardware als auch der Software erforderlich. Gleichrangig zum Fachwissen kommt einer klaren und verständlichen Ausdrucksweise bei der schriftlichen Erstattung und vor allem bei der Erörterung von Befund und Gutachten höchste Priorität zu. Weder Rhetorik noch exakte Formulierung sind ausdrücklich als Prüfungsfelder der Sachverständigenprüfung genannt, doch sollte jede Bewerberin und jeder Bewerber sich dessen bewusst sein, dass die Qualität4 ihrer/seiner Tätigkeit unvermeidlich daran gemessen wird. Für Laien unverständliche oder unexakt formulierte Gutachten, die zu Missverständnissen oder Fehldeutungen Anlass geben, oder Sachverständige, die im Rahmen der Gerichtsverhandlung nicht die nötige fachliche Souveränität und Akkuratesse aufbringen, sondern im Zuge der verhandlungsüblichen Kontroverse unsicher werden oder sogar die Nerven verlieren, erschüttern das Vertrauen der Öffentlichkeit in eine unabhängige und effiziente Rechtsprechung und schädigen den Ruf aller allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen als bedeutendes Element der Rechtspflege in Österreich. Dass für jeden Sachverständigen absolute Objektivität in allen Fällen oberstes Gebot zu sein hat, völlig unabhängig, ob im Gerichtsauftrag oder als Privatgutachter tätig, gilt als unverzichtbarer Bestand der Standesregeln. So genannte Gefälligkeitsgutachten haben keinen Platz innerhalb der Tätigkeit des Gerichtssachverständigen und können nicht nur zu Haftungsproblemen, sondern auch zur Entziehung der Eigenschaft als allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger führen. 3. Prüfungsfelder 3.1. Berufserfahrung Zehnjährige, möglichst berufliche Tätigkeit in verantwortlicher Stellung auf dem bestimmten oder einem verwandten Fachgebiet unmittelbar vor der Eintragung; eine fünfjährige Tätigkeit solcher Art genügt, wenn die Bewerberin oder der Bewerber als Berufsvorbildung ein entsprechendes Hochschulstudium oder Studium an einer berufsbildenden höheren Schule erfolgreich abgeschlossen hat. Für alle Fachgebiete der Fachgruppe 68 wird als Mindestvoraussetzung für eine Tätigkeit im vorstehenden Sinn gefordert: Mindestens zehnjährige bzw. fünfjährige (siehe nachstehend) Tätigkeit als Selbständiger oder Unselbständiger in verantwortlicher Stellung in einem facheinschlägigen Unternehmen oder einer mit der Herstellung oder inhaltlich wesentlichen Bearbeitung des Sachinhaltes des Fachgebietes, oder mit der technisch inhaltlichen Beurteilung beschäftigten Institution. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium an einer Universität, Fachhochschule, berufsbildenden höheren Schule eine mindestens fünfjährige Tätigkeit im vorstehenden Sinne. Dabei müssen sowohl die Schulausbildung als auch die Berufspraxis einschlägig zu den jeweiligen Fachgebieten sein Sachkunde5 Hat eine Bewerberin oder ein Bewerber eine Lehrbefugnis für das betreffende wissenschaftliche Fach an einer Hochschule eines EWR-Vertragsstaats oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft oder die Befugnis, einen Beruf auszuüben, dessen Zugangs- und Ausübungsvoraussetzungen in einer österreichischen Berufsordnung umfassend gesetzlich festgelegt sind und zu dem auch die Erstattung von Gutachten gehört, so ist die Sachkunde nach 2 Abs. 2 Z1 lit. a nicht zu prüfen ( 4a Abs 2 SDG). Ebenso wie im Fall einer Lehrbefugnis besteht die Ausnahme für bestimmte Berufsgruppen (Ärzte, Zahnärzte, Dentisten, Ziviltechniker, Wirtschaftstreuhänder, Psychologen und Patentanwälte, nicht aber Gewerbetreibende wie Inhaber technischer Büros) nur dann, wenn die erworbene Befähigung das angestrebte Fachgebiet abdeckt. Keine Befreiung besteht hinsichtlich der übrigen Prüfungsgegenstände Verfahrensrechtskunde, Gutachtensmethodik, Berufserfahrung und Ausstattung Allgemeines (für alle Fachgebiete der Fachgruppe 68): Den Gegenstand der Prüfung im Bereich der Sachkunde bilden das Wissen des Kandidaten über den Sachgegenstand des jeweiligen Fachgebietes, die zugrunde liegenden Methoden und üblichen Ausführungen, sowie die technischen Grundlagen. Die Prüfer sind dabei bemüht, die Kenntnisse und Fähigkeiten des Kandidaten zur Beurteilung der jeweiligen technischen Fragestellungen festzustellen. Für einzelne Fachgebiete stellen Regelwerke in Form von Normen oder verbreiteten Standardisierungen einen wesentlichen Bestandteil dar. Es wird im Allgemeinen von den Kandidaten nicht erwartet, Inhalte der Normen im Detail zitieren zu können, oder solche Kenntnis spezifische technische Regelwerke zu haben. Dort, wo es für die übliche Beurteilung von Sachfragen erforderlich ist, müssen allerdings die Normen an sich und deren grundlegender Inhalt, sowie ihre Bedeutung bekannt sein, bei speziellen technischen Aufgabenstellungen kann das auch Details umfassen Inhalt des Fachgebietes Forensische Datensicherung, Datenrekonstruktion, Datenauswertung: Die forensische Datensicherung oder auch Computer-Forensik bzw. digitale Forensik behandelt die streng methodisch vorgenommene Untersuchung von verdächtigen Vorfällen im Zusammenhang mit IT-Systemen auf Datenträgern und in Computernetzen zur Aufklärung von Vorfällen unter Einbeziehung der Möglichkeiten der strategischen Vorbereitung insbesondere aus der Sicht des Anlagenbetreibers eines IT-Systems. Sie umfasst die Feststellung des Tatbestandes und der Täter durch Erfassung, Analyse und Auswertung digitaler Spuren in Computersystemen. Damit sind forensische Untersuchungen und Vorgehensweisen auch zur Bearbeitung von Supportfällen, dh Hardware- und Softwareversagen und Fehlbedienung durch den Nutzer, geeignet. Um Beweise zu sichern, werden zum Beispiel Datenträger, sowie Protokolle des Netzverkehrs gesichert und analysiert. Neben der klassischen Datenträgeranalyse von Festplatten aus PC- und Serversystemen gehören auch die Auswertung digitaler Spuren in Smartphones und PDAs dazu.6 Datenrekonstruktion oder Datenwiederherstellung (engl.: Data Restore, Data Recovery) bedeutet die Wiederherstellung von Originaldaten nach einem Datenverlust auf einem Datenträger im engeren Sinn wie auch die Erkennung fehlerhaft übertragener Dateneinheiten und deren Wiederherstellung im weiteren Sinne. Durch äußere Einflüsse (mechanische Beschädigungen, starke elektromagnetische Felder, Sonnenlicht bei optischem Datenträger, Elementarschäden etc.) können Daten auf Speichermedien verändert oder unbrauchbar werden. Die Ursache kann aber auch im Fehlverhalten von Datenbenutzern liegen, indem versehentlich oder absichtlich Veränderungen an Daten vorgenommen werden, um zum Beispiel Spuren zu verwischen. Datenauswertung oder Datenanalyse fasst solche Techniken zusammen, die die Erkennung von Mustern bzw. die Suche nach Strukturen, Gefügen und Besonderheiten explorativ ermöglichen. Bei einer Datenanalyse geht es primär darum, vorhandene Daten kennenzulernen, aufzubereiten und darzustellen und aus den vorhandenen Daten Informationen zu entdecken, zu beschreiben und darzustellen. Generell finden hier Methoden Anwendung, die mehrere Datenquellen zueinander ins Verhältnis setzen Prüfungsthemen: Die Fragen zum Inhalt des Fachgebietes betreffen Grundlagen zur Datensicherung, Auswertung und Rekonstruktion. Es sind Kenntnisse über die gängigen und üblichen Durchführungsformen, Normen und Leitfäden erforderlich. Das Fachgebiet beinhaltet sämtliche Aspekte der digitalen Forensik. Prüfungsthemen betreffen zb: Incident Analyse, Post-mortem-Analyse, Live-Forensik, Schlüsselelemente für forensische Prozesse, forensische Duplikation, CERT- Taxonomie, Grundaufbau von Datenträgern und Dateisystemen, Strukturen zur Speicherorganisation, Filecarving, Konzepte der Datensicherung, RAID Systeme, Bare-metal restore, Cloud Computing Storage, Kenntnisse der aktuellen Softwarepakete für Acquisition und Auswertung wie Encase, FTK, CTK usw Befundaufnahme und Gutachtensmethodik Eine umfassende und exakte Befundaufnahme gehört zu den wesentlichen Voraussetzungen für ein Gutachten. Dabei können Bilder, Skizzen, Pläne etc. mithelfen, das Gutachten auch für Laien verständlich und anschaulich zu machen. Für die Sachverständigentätigkeit muss man über die entsprechenden Kenntnisse hinsichtlich Befundaufnahme und Gutachtensmethodik verfügen und in der Lage sein, das Gutachten richtig aufzubauen. Dabei sind häufig auch Eigenschaften von Programmen, die auf Computersystemen ausgeführt werden, zu beurteilen, oder auch Eigenschaften von Programmen allgemein bzw. die Eigenschaften spezifischer Hardware.7 Als Grundlage ist dazu ein methodisches Vorgehen zur Dokumentation der Sachverhalte erforderlich. Dazu sind häufig Messungen (beispielsweise betreffend funktionale Eigenschaften und Performance) zweckmäßig, weiters auch Tests, um beispielsweise das Verhalten von Hardware und Software in bestimmten Betriebssituationen feststellen zu können, sowie auch Analysen von Daten. Die erforderlichen Grundlagen sind dabei zum Teil an Ort und Stelle zu dokumentieren, zum Teil müssen dazu Datensicherungen erstellt werden, die mit den Einrichtungen des SV bzw. spezifisch dazu beschafften Einrichtungen in Hinblick auf die Fragestellungen des Gerichtes ausgewertet werden. Der Sachverständige muss dementsprechend in der Lage sein, Konzepte und Pläne in Hinblick darauf erstellen zu können, welche Grundlagen in Anbetracht der Fragestellungen des Gerichtes relevant sind, wie diese zweckmäßig methodisch erhoben und dokumentiert und im Weiteren der Beurteilung zugrunde gelegt werden können Ausstattung Ausstattung und technische Ausrüstung sind grundsätzlich vom jeweiligen Fachgebiet abhängig und sollten es dem Sachverständigen ermöglichen, bei der örtlichen Befundaufnahme die erforderlichen Daten mit ausreichender Genauigkeit zu erheben, wie sie für die Gutachtenserstattung notwendig sind. Nachfolgende Mindestausstattung ist erforderlich (diese muss im Eigentum des Bewerbers oder ihm zumindest aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung jederzeit zur Verfügung stehen): Personal Computer mit erforderlicher Software Internetanschluss und -Adresse Drucker Telefon Fotokopiergerät oder -möglichkeit Fachliteratur Weiters sinnvoll: Zugriff auf die einschlägigen Normen und Fachliteratur Fachspezifische Messgeräte oder deren Verfügbarkeit Fachspezifische Software Mobile Datenträger Digitalkamera (zur Ergänzung schriftlicher Notizen bei der Befundaufnahme) Diktiergerät (akustisches Notizbuch) Scanner mit OCR-Software (zur Erstellung von Bild- und Textzitaten)8 3.5. Verfahrensrecht und Sachverständigenwesen Dieses Prüfungsfeld wird durch den richterlichen Vorsitzenden geprüft und umfasst Grundzüge der Gerichtsorganisation und der Gerichtsverfahren (ZPO, StPO): Beweisverfahren Sachverständigenbeweis Sachverständigengebühren - Warnpflicht - Besonderheiten bei Verfahrenshilfe Aktenführung Sachverständigenlistenwesen (Zertifizierung, Rezertifizierung - Fortbildung von Sachverständigen, Bildungs-Pass, Beeidigung) sonstiges Sachverständigenrecht: Gutachtensaufbau Was ist zu tun bei Zustellung des Gerichtsbeschlusses? Analyse des Gerichtsauftrags Befangenheit Unterlagenanforderung (insbesondere auch im Zivilverfahren) Alternativgutachten Hilfsbefund - Hilfsgutachten Hausdurchsuchungen Rechte und Pflichten des Sachverständigen in der Hauptverhandlung Beiziehung von Hilfskräften Beweissicherungsverfahren Eigenschaften eines Gutachtens (Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit, Verständlichkeit, Angaben über Methoden und Hilfsmittel, Vollständigkeit der Untersuchung, Fehlerquellen angeben) Fristeinhaltung Beweiswürdigung Beurteilung von Rechtsfragen Schiedswesen Werbefragen Haftung des Sachverständigen - Haftpflichtversicherung Rechtskunde für Sachverständige: Grundbegriffe des bürgerlichen Rechts und des Handels- und Gesellschaftsrechts sowie des Strafrechts 4. Prüfungsablauf 4.1. Ort Der Ort, an dem die Prüfung statt findet, wird rechtzeitig (in der Regel mit der Einladung zur Prüfung) bekannt gegeben.9 4.2. Art Die Fragen zur in der Regel mündlich ablaufenden Prüfung für das jeweilige Fachgebiet werden von den Fachprüfern ausgewählt bzw. zusammengestellt. Dabei können Hilfsmittel wie z.b. Befunde, Fotos, Objekte, Textzitate etc. verwendet werden. Die Prüfungen sind nicht öffentlich. Nach Beendigung der Befragung und einer anschließenden kommissionellen Beratung wird dem Bewerber der Beschluss der kommissionellen Begutachtung durch den Vorsitzenden bekannt gegeben Dauer Die Fachprüfung dauert mindestens 40 Minuten, die Rechtskundeprüfung durch den Vorsitzenden mindestens 20 Minuten. Eine längere Prüfungsdauer ist bei der Bewerbung um mehrere Fachgebiete zu erwarten Dokumentation Sämtliche Prüfungsschritte sind zu dokumentieren. Der Ablauf der Prüfung wird in einem Protokoll festgehalten, aus dem insbesondere auch die gestellten Fragen und der wesentliche Inhalt der darauf gegebenen Antworten ersichtlich sind. Das Protokoll ist von den Mitgliedern der Prüfungskommission zu unterschreiben. 5. Vorbereitung 5.1. Fachbezogene Literatur, Seminare u.ä. Die in der Fachgruppe Informationstechnik zusammengefassten Fachgebiete basieren wie vorstehend schon dargestellt, überwiegend auf Grundlagen der Informatik, Nachrichtentechnik und Elektrotechnik und betreffen technische Umsetzungen dieser Grundlagen. Die erforderlichen Kenntnisse dafür müssen sich aus der Ausbildung des Kandidaten ergeben, sowie aus der praktischen Tätigkeit. Eine punktuelle Vorbereitung zu einzelnen, technischen Themen in Form von Literaturstudien oder Seminaren kann daher lediglich für jene Sachbereiche empfohlen werden, in denen der Kandidat Lücken, gemessen an den durch den Sachgegenstand des Fachgebietes jeweils definierten Inhalt, aufweist. Solche Lücken können sich aus Spezifika der jeweiligen Ausbildung, sowie vor allem auch aus beruflichen Schwerpunkten ergeben.10 Eine Empfehlung für gezielte, spezielle Ausbildungsmaßnahmen kann daher an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden Vorbereitung auf Verfahrensrecht und Sachverständigenwesen Die Landesverbände bieten jeweils eine rechtliche Grundausbildung für Sachverständige an. Folgende Literatur ist zu empfehlen: SACHVERSTÄNDIGE, Offizielles Organ des Hauptverbandes der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs Skripten (rechtliche Grundausbildung für SV) der Landesverbände - nur in Verbindung mit dem Besuch des Seminars erhältlich Krammer/Schiller/Schmidt/Tanczos, Sachverständige und ihre Gutachten (2012), Verlag MANZ Dokalik/Weber, Das Recht der Sachverständigen und Dolmetscher (2012), Verlag Linde Rant (Hrsg.), Sachverständige in Österreich - Festschrift 100 Jahre Hauptverband der Gerichtssachverständigen (2012) - zu beziehen über den Hauptverband Krammer/Schmidt, Sachverständigen- und DolmetscherG, GebührenanspruchsG³ (2001), Verlag MANZ P. Bydlinski, Grundzüge des Privatrechts 8 (2010), Verlag MANZ Rechberger/Simotta, Grundriss des österreichischen Zivilprozessrechts Erkenntnisverfahren 8 (2010), Verlag MANZ Fabrizy, Strafgesetzbuch StGB 11 (2013), Verlag MANZ Bertel/Venier, Strafprozessrecht 6 (2013), Verlag MANZ Ähnliche Dokumente
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