Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.09.2006&Aktenzeichen=XI%20ZR%20209/04
Timestamp: 2019-07-15 19:18:52+00:00

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BGH, 19.09.2006 - XI ZR 209/04 - dejure.org
https://dejure.org/2006,2966
BGH, 19.09.2006 - XI ZR 209/04 (https://dejure.org/2006,2966)
BGH, Entscheidung vom 19.09.2006 - XI ZR 209/04 (https://dejure.org/2006,2966)
BGH, Entscheidung vom 19. September 2006 - XI ZR 209/04 (https://dejure.org/2006,2966)
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Anwendbarkeit des Verbraucherkreditgesetzes (VerbKrG) auf übliche Realkreditverträge für grundpfandrechtlich abgesicherte Kredite; Risikoaufklärungpflicht der kreditgebenden Bank über das finanzierte Geschäft bei steuersparenden Bauherrenmodellen, Bauträgermodellen und Erwerbermodellen; Widerlegliche Vermutung der Kenntnis der Bank von einer arglistigen Täuschung bei Zusammenwirken des Verkäufers oder Fondsinitiators mit der finanzierenden Bank; Widerruf eines Darlehensvertrags nach dem Haustürwiderrufsgesetz (HWiG); Kausalität der unterlassenen Belehrung über das Widerrufsrecht
LG Düsseldorf, 30.05.2003 - 15 O 522/02
OLG Düsseldorf, 27.05.2004 - 6 U 137/03
Ein die Aufklärungspflicht der finanzierenden Bank auslösender konkreter Wissensvorsprung im Zusammenhang mit einer arglistigen Täuschung des Anlegers setzt dem entsprechend konkrete, dem Beweis zugängliche unrichtige Angaben des Vermittlers, Verkäufers oder Fondsinitiators über das Anlageobjekt voraus (Senat, Urteil vom 19. September 2006 - XI ZR 209/04, Umdruck S. 12, für BGHZ vorgesehen).
Zwar ist es im Ausgangspunkt zutreffend, dass subjektive Werturteile und unverbindliche, werbende Anpreisungen, die keine Aussagen über konkrete wertbildende Merkmale einer Kapitalanlage enthalten, welche objektiv nachprüfbar und einem Beweis zugänglich wären, weder geeignet sind, eine arglistige Täuschung des Anlegers zu begründen (BGHZ 169, 109; 183, 169; BGH, WM 2007, 440; BKR 2013, 280; Urteil vom 19.09.2006 - XI ZR 209/04), noch als solche einen Prospektfehler darstellen können (BGH, WM 2009, 2303; WM 2009, 2306; Haas/Hanowski, NZG 2010, 254;… Münchner Kommentar zum BGB/Emmerich, § 311 Rn. 162).
Zutreffend ist weiter, dass die Aussage, eine Kapitalanlage sei "hervorragend zur Altersvorsorge geeignet" bzw. stelle eine "bombensichere Altersversorgung" dar, in der Rechtsprechung regelmäßig als eine derartige lediglich werbende Anpreisung gewertet wird (BGHZ 169, 109; 183, 169; BGH, Urteil vom 19.09.2006 - XI ZR 209/04; OLG München, WM 2011, 2133).
Ein danach in Betracht kommender Schadensersatzanspruch wegen unterbliebener Widerrufsbelehrung gemäß § 2 Abs. 1 HWiG a. F. scheitert vorliegend daran, dass die Kläger zum Zeitpunkt des Abschlusses des Darlehensvertrages bereits an den Kaufvertrag gebunden waren, weshalb die unterlassene Widerrufsbelehrung für einen eventuellen Schaden in Gestalt der Realisierung von Anlagerisiken nicht kausal war (…vgl. dazu BGH Urt. v. 16. Mai 2006 - XI ZR 6/04, BGHReport 2006, 1036 ff Tz 36; Urt. v. 19.09.2006 - XI ZR 209/04, BGHReport 2007, 121 ff Tz 39 ff;… Urt. v. 26.09.2006 - XI ZR 283/03 Tz 24, zitiert nach juris;… Urt. v. 19.12.2006 - XI ZR 192/04 Tz 24, zitiert nach juris).
Insofern ist zu beachten, dass sich die arglistige Täuschung als eine konkrete, dem Beweis zugängliche objektiv evident unrichtige Angabe des Vermittlers oder Verkäufers über gegenwärtige aber auch zukünftige (…Münchner Kommentar- Kramer, BGB, 5. Aufl.,2006, Rdnr. 15 zu § 123) Tatsachen darstellen muss (BGH WM 2006, 2343; BGH BKR 07, 152;… BGH, Urt. v. 13.3.07 - XI ZR 159/05;… BGH, Urt. v. 19.12.06 - XI ZR 401/03 und XI ZR 192/04, BGH, Urt. v. 20.3.07 -XI ZR 414/04) und subjektive Werturteile oder marktschreierische Anpreisungen sowie entsprechende Prognosen hierfür nicht ausreichen (BGH, Urt. v. 19.9.06 - XI ZR 209/04;… BGH, Urt. v. 13.3.07 - XI ZR 159/05).
Subjektive Werturteile oder marktschreierische Anpreisungen sowie entsprechende Prognosen reichen nicht (BGH, Urt. v. 19.9.06 XI ZR 209/04;… BGH, Urt. v. 13.3.07 XI ZR 159/05).
Wohl aber ist es erforderlich, dass sie im Einzelnen die wertbildenden Faktoren konkret darlegt (vgl. zuletzt BGH, Urteile vom 19.09.2006 - XI ZR 204/04, für BGHZ 169, 109 vorgesehen, und XI ZR 209/04, jeweils Tz. 20 f., wo nicht einmal vom Gutachterausschuss eingeholte, aber im Prozess hinsichtlich Anfrage und Antwort nicht näher erläuterte Auskünfte als ausreichend angesehen wurden) und dadurch ihre vermutende Behauptung nachvollziehbar und plausibel macht.
Schließlich muss der Frage nicht nachgegangen werden, ob die "Ergänzung" der Rechtsprechung des XI. Senats des BGH in seinen Entscheidungen vom 16.05.2006 (…z.B. XI ZR 6/04 Rdnr. 50ff = NJW 2006, 2099, 2104f) sich lediglich darauf beschränkt, dass bei der Fallgruppe des konkreten Wissensvorsprungs eine Beweislasterleichterung für den Vorsatz der Bank eingeführt wurde, oder ob die Bank für Falschangaben des Vermittlers generell haftet, selbst wenn die objektiven Voraussetzungen dieser Fallgruppe nicht erfüllt sind (in diese Richtung deuten die Entscheidungen vom 19.09.2006 XI ZR 204/04 und XI ZR 209/04, jeweils Rdnr. 25 und 26).

References: § 311
 § 2
 BGH 
 § 123
 BGH 
 BGH