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Timestamp: 2019-02-17 12:59:48+00:00

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recht.de • Thema anzeigen - Haben gläubiger eine Frist und.
Haben gläubiger eine Frist und.
von xtci » 17.04.18, 00:02
auf der Suche nach einer Antwort bin ich hier gelandet und hoffe, dass jemand die Rechtslage kennt.
Haben die Gläubiger eine bestimmte Frist, sich in die Tabelle einzutragen?
Angenommen es stehen nach ca 6 Monaten, nach Eröffnung der Insolvenz nur 2 von 10 gläubiger, besteht dann die Möglichkeit diese zu bezahlen und schneller ein RSB zu beantragen?
Weiterhin interessiert mich, wie hoch bei einer PI die Verfahrenskosten sind.
Würde echt gerne wissen, wie die Rechtslage ist.
Registriert: 16.04.18, 23:54
Re: Haben gläubiger eine Frist und.
von Der Internationale » 18.04.18, 08:58
Grundsätzlich können Gläubiger sich bis zum Schlusstermin melden und ihre Forderungen anmelden. Auf genaue Details will ich hier mal nicht eingehen. Zwei während des laufenden Insolvenzverfahrens bezahlen ist nicht so clever. Es könnten ja jederzeit weitere hinzukommen. Interessanter könnte sein, den Insolvenzverwalter zu bewegen, das Insolvenzverfahren abzuschließen. DANN kann niemand mehr anmelden. Wenn es denn bei den beiden bisherigen Gläubigern bleibt, dann kann man mit diesen einen Vergleich schließen - gegen eine Teilzahlung werden die in der Regel auf den Rest verzichten. Hat man das erreicht, so kann man bei Gericht gem. § 300 Abs. 1 Nr. 1 InsO die vorzeitige RSB beantragen.
Was soll denn ein Insolvenzplan? (Planinsolvenz gibt es nur in den Gutenberg'schen Wäldern )
von Dirty Uschi » 18.04.18, 09:07
Die Gläubiger können auch nach der Abhaltung des Prüfungstermins Forderungen zur Tabelle anmelden.
Die Möglichkeit der Berücksichtigung im Schlussverzeichnis endet mit der Veröffentlichung gem. § 188 InsO. Lapidar ausgedrückt gibt der Insolvenzverwalter im Internet das Ergebnis des Insolvenzverfahrens bekannt: Festgestellte Forderungen 10.000,00 EUR. Verteilbare Masse an die Gläubiger 1.250,00 EUR.
Die Höhe der Kosten kann man nur ermitteln, wenn man weiß, wie hoch die von dem Insolvenzverwalter erwirtschafte Masse ist, da sich hieran die Gerichtskosten und die Verwaltervergütung orientiert.
Für den Fall, dass der Verwalter keine Masse erwirtschaftet hat (=0), sieht das ungefähr so aus:
Gerichtskosten: 105,00 EUR ( 0,5 Gebühren für das Antragsverfahren, 2,5 Geb. für das Verfahren, eine Gebühr = 35 EUR)
Verwaltervergütung: 800,00
Auslagen: 120,00 (bei einer Dauer des Verfahrens < 1Jahr)
Zustellauslagen: 28,00 ( 10 Zustellungen a 2,80 (hängt vom Gericht ab)
Umsatzsteuer: 180,12
Gesamt 1.128,12 EUR
Hinzukommt die Mindestvergütung für jedes Jahr der Wohlverhaltensphase in Höhe von 119,00 EUR p.a.
von Dirty Uschi » 18.04.18, 09:09
Der Internationale hat geschrieben: Interessanter könnte sein, den Insolvenzverwalter zu bewegen, das Insolvenzverfahren abzuschließen. DANN kann niemand mehr anmelden.
Mich würde kein Gläubiger "bewegen". Ich halte mich an § 196 InsO.
von Der Internationale » 18.04.18, 10:36
...wenn du denn nicht die einzige wärst. § 196 InsO ist die meist ignorierte Norm in der ganzen Insolvenzordnung
Lese gerade wieder in IV-Berichten, wo 4 Jahre lang jedes halbe Jahr unverändert berichtet wurde "mit dem Abschluss des Verfahrens ist kurzfristig zu rechnen".
von Dirty Uschi » 18.04.18, 11:13
Der Internationale hat geschrieben: :mrgreen:
Da habe ich, wie Du schon immer vermutet hast, das Insolvenzverwalter-Raff-Gen. Das bringt doch in gestundeten Verfahren nix.
Je eher das Verfahren abgeschlossen ist, umso weniger Arbeit und umso mehr üppige Jahresvergütung von 119,00 EUR.
Zumal mir kein Gericht aufgrund von Schiebeberichten mehr als die 15% pauschale Auslagen zubilligen würde.
von Der Internationale » 18.04.18, 16:25
Dirty Uschi hat geschrieben: Zumal mir kein Gericht aufgrund von Schiebeberichten mehr als die 15% pauschale Auslagen zubilligen würde.
Du scheinst so manche Gerichte NICHT zu kennen. Wie auch die Faulheit, die Chuzpe und die Hemmungslosigkeit vieler deiner Kollegen nicht.
von xtci » 18.04.18, 18:44
Erstmal recht herzlichen Danke für die Erläuterung der Rechtslage.
Im in etwa habe ich folgendes gefunden.
"Wurden alle Insolvenzgläubiger befriedigt oder hat [b]kein Insolvenzgläubiger eine Forderung angemeldet[b], ist eine sofortige Restschuldbefreiung möglich."
Muss dieser gesondert beantragt werden?
Was ist, wenn während des Antrages sich weitere Gläubiger melden?
Es tut mir leid, dass die Rechtslage für mich nicht so einfach verständlich ist.
von Dirty Uschi » 19.04.18, 10:04
Das steht so in § 300 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 InsO.
In Satz 2 steht auch "auch seinen Antrag" was darauf schließen lässt, dass eine vorzeitige Erteilung der RSB einen gesonderten Antrag bedarf. Manche Gerichte sehen das aber nicht so eng. M.E. schadet aber ein gesonderter Antrag nicht.
In Bezug auf weitere Gläubiger steht in Nr. 1 weiter das Wort "sind". Das bedeutet also nicht, dass ohne das weitere Gläubiger noch anmelden, dass erst einmal die bereits angemeldeten Gläubiger ihre 100%-Quote erhalten. Das setzt voraus, dass bereits der Schlusstermin abgehalten worden ist (dann können Nachmelder aber keine Quote mehr erhalten) oder aber eine Abschlagsverteilung stattgefunden hat.
Nach meiner Auffassung dürfte es auch nicht schädlich sein, dass wenn erst einmal der Beschluss über die vorzeitige Erteilung der RSB in der Welt ist und die Rechtsmittelfristen abgelaufen sind, ein weiterer Gläubiger anmeldet. Allein deswegen sehe ich keine Widerrufsmöglichkeit. Diese ergeben sich alleine aus § 303 InsO und sind mE abschließend.

References: § 300
 § 188
 § 196
 § 196
 § 300
 § 303