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Timestamp: 2020-08-07 10:15:10+00:00

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Comply-or-Explain. Regulierungsansätze im Bereich der - GRIN
Abkürzungsverzeichnis. II
2. Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 2
2.1 Begriff der Nachhaltigkeit 2
2.2 Adressaten und Zwecke der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 2
3. Regulierungsansätze im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 3
3.1 Ursprüngliche Rechtsgrundlagen in Deutschland. 3
3.2 Aktuelle Regulierungsansätze und Entwicklungen an den Beispielen von Südafrika, Dänemark und Deutschland. 5
3.2.1 Grundlagen des Comply-or-Explain-Prinzips. 7
3.2.2 Kritische Würdigung der bestehenden Regulierungsansätze insbesondere im Hinblick auf die „Comply-or-Explain-Option“. 8
4. Fazit und Ausblick. 9
Literaturverzeichnis. III
Verzeichnis der Rechtsnormen. VII
Das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung (Corporate Social Responsibility) und des nachhaltigen Wirtschaftens hat sich in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gespielt. Beides bedarf unabdingbar der Transparenz.[1] Dies haben nicht nur die Unternehmen erkannt: mittlerweile beschäftigen sich ebenfalls die politischen Institutionen in Europa zunehmend damit, welche Rahmenbedingungen es braucht, um mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit im unternehmerischen Handeln herbeizuführen.[2] Insbesondere angesichts der von der EU kürzlich verabschiedeten Berichtspflicht über Umwelt und Soziales für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern – das sind rund 6000 Unternehmen in Europa[3] - wurde eine enorme Aufmerksamkeit für das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung sowohl in Politik als auch in Wirtschaft und Wissenschaft erweckt und eine kontroverse Diskussion ausgelöst. [4]
In der vorliegenden Arbeit sollen die umstrittenen Regulierungsansätze im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung aufgearbeitet und insbesondere im Hinblick auf die „Comply-or-Explain-Option“, welche bspw. im deutschen Nachhaltigkeitskodex konstituiert ist, untersucht und einer kritischen Würdigung unterzogen werden. Um zu diesem Ziel zu gelangen, werden zu Beginn die theoretischen Grundlagen bzw. Begriffsbestimmungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung dargelegt. Im zweiten Schritt werden die derzeitigen Vorschriften im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung anhand der Beispiele von Südafrika, Dänemark und Deutschland, insbesondere im Hinblick auf die „Comply-or-Explain-Option“ thematisiert, um im Anschluss einer kritischen Würdigung unterzogen zu werden. Darauf aufbauend wird ein Ausblick in die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung gewährt.
Kaum ein anderer Begriff hat so rasant und tiefgreifend eine Entwicklung durchlebt, wie der Begriff der „Nachhaltigkeit“. [5] Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde mittlerweile als eine Art Leitbild für eine zukunftsfähige Entwicklung der Menschheit im 21. Jahrhundert etabliert.[6] Eine allgemein gültige Definition lässt sich nicht eindeutig herausarbeiten.[7] Der Kerngedanke, der sich hinter dem Begriff verbirgt, lässt sich hingegen aus der Vielfalt der vorhandenen Begriffsdefinitionen ableiten und lautet: Zukünftige Generationen sollen dieselben Chancen auf ein erfülltes Leben erhalten wie wir. Gleichzeitig müssen Chancen für alle Menschen auf diesem Planeten fairer verteilt werden. [8] Der DRS 20.11[9] liefert zur Nachhaltigkeit die nachfolgende Begriffsdefinition: „Konzept, das eine ganzheitliche und dauerhaft zukunftsfähige Entwicklung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistung eines Unternehmens oder Konzerns anstrebt.“[10]
Trotz der nicht exakt eingegrenzten Definition lässt sich eindeutig erkennen, dass der Begriff der Nachhaltigkeit von Langfristigkeit geprägt ist und einen Weg, um die Welt im Gleichgewicht zu halten und dieses Gleichgewicht als Grundlage für eine wohlhabende Zukunft der Weltgesellschaft beizubehalten, beschreibt.
2.2 Adressaten und Zwecke der Nachhaltigkeitsberichterstattung
Sowohl die Adressaten als auch den Zweck der Nachhaltigkeitsberichterstattung findet man am besten in dem von der GRI herausgegebenen Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung beschrieben. Als Adressaten werden interne, aber auch externe Stakeholder des berichtenden Unternehmens gesehen. [11] Somit wird davon ausgegangen, dass alle Anspruchsgruppen des Unternehmens, welche seine Geschäftstätigkeit beeinflussen können, tendenziell an einem nachhaltigen Handeln des Unternehmens interessiert sind. [12] Die Stakeholder treffen ständig Entscheidungen, die sich mittelbar oder unmittelbar auf das Unternehmen auswirken.[13] Diese Entscheidungen können u. a. von der Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens abhängen. Um diese Entscheidungen fällen zu können, benötigen die Stakeholder Informationen darüber, wie sich die Geschäftstätigkeit des Unternehmens bspw. auf die Situation der heute ärmsten Menschen (intragenerationelle Gerechtigkeit) und auf die Situation der künftigen Generationen (intergenerationelle Gerechtigkeit) ausgewirkt hat.[14] Also ist der Zweck der Nachhaltigkeitsberichterstattung die Vermittlung entscheidungsrelevanter Informationen an die Stakeholder. [15]
3. Regulierungsansätze im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung
3.1 Ursprüngliche Rechtsgrundlagen in Deutschland
Hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit lässt sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Systematik der handelsrechtlichen Rechenwerke zunächst in den Bereich des (Konzern-)lageberichts einordnen, welcher neben dem Einzelabschluss bzw. dem Konzernabschluss einen Zusatz zu diesen darstellt. [16] Die Konkretisierung der inhaltlichen Ausgestaltung des Konzernlageberichts nimmt ihren Anfang im § 315 Abs. 1 Satz 1 HGB,[17] wobei die ersten Nachhaltigkeitsaspekte im § 315 Abs. 1 Satz 3 auftauchen. Diese sind als sogenannte nicht finanzielle Leistungsindikatoren, wie Informationen über Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, ausdrücklich in die Analyse des Geschäftsverlaufs und der Lage einzubeziehen, soweit sie für das Verständnis des Geschäftsverlaufs oder der Lage von Bedeutung sind. [18] Insgesamt werden in den HGB-Vorschriften jedoch keine präzisen Angaben bspw. hinsichtlich des vorausgesetzten Umfangs oder der exakten Ausgestaltung der Nachhaltigkeitsinformationen im (Konzern-)Lagebericht gemacht - sie geben lediglich einen Rahmen vor.[19]
Der zur Konkretisierung der HGB-Vorschriften geltende DRS 20 schreibt im Gegensatz zu seinen Vorgängern, dem DRS 5 und dem DRS 15, in den Abschnitten 103 bis 113 die Berichterstattung über die bedeutsamsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren vor, soweit sie für das Verständnis des Geschäftsverlaufs und der Lage des Konzerns von Bedeutung sind.[20] Dem DRS 20 sei also verdankt, dass der Nachhaltigkeitsberichterstattung zumindest auf dem Papier nun ein größerer Stellenwert zukommt. Allerdings lässt der DRS 20 den Unternehmen relativ viel Spielraum, z.B. bei der Entscheidung, welche nichtfinanziellen Leistungsindikatoren in die Berichterstattung einbezogen werden und wie über sie berichtet wird, offen.[21] Die Angaben müssen zwar quantitativer Natur sein und wesentliche Veränderungen gegenüber dem Vorjahr erläutern, jedoch erscheinen diese Vorgaben ebenfalls nicht präzise genug.[22]
Abgesehen davon, dass die nichtfinanziellen Leistungsindikatoren relativ unpräzise definiert wurden, entspricht dieser Standard zudem nicht der idealtypischen Vorstellung von einer Nachhaltigkeitsberichterstattung, die den Kriterien Informationsgehalt, Transparenz und insbesondere Vergleichbarkeit genügt. Um diesen Kriterien in einer Welt von global agierenden Wirtschaftssubjekten gerecht zu werden, werden von internationalen Institutionen Regulierungsansätze entwickelt.[23] In Deutschland erlaubt der DRS 20.110 die Darstellung der finanziellen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung unter der Verwendung von allgemein anerkannten Rahmenkonzepten. Bisher existieren in Deutschland lediglich solche zur freiwilligen Verwendung freigegebenen Rahmenkonzepte, wohingegen in Ländern wie Südafrika oder Dänemark bereits Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung mit Gesetzescharakter Anwendung finden. Im Folgenden werden die derzeitigen Regulierungsansätze in den drei beispielhaft ausgewählten Ländern näher thematisiert.
[1] Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit (2002): Nachhaltigkeitsberichte & CSR-Berichterstattungspflicht.
[2] Vgl. Fifka (2014), S.1 und Hentze (2014), S. 1.
[3] Vgl. RESET – Smart Approaches to Sustainability (2014), Stehling (2014), S. 1 sowie Council of the European Union (2014).
[4] Vgl. Fifka (2014), S. 1.
[5] Vgl. Vogt (2010), S. 1.
[6] Vgl. Weltdekane der Vereinten Nationen (2005), Stichwort: Was ist Nachhaltigkeit? und Lexikon der Nachhaltigkeit, Stichwort: Definition Nachhaltigkeit.
[7] Vgl. Zwick (2014), S.241.
[8] Vgl. Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (1987), Chapter 2; Weltdekade der Vereinten Nationen (2005-2014): Was ist Nachhaltigkeit?
[9] Näheres zu DRS 20 unter 3.1.
[10] DRS 20.11.
[11] Vgl. GRI (2013), S. 3.
[12] Vgl. Freeman (2010), S. 25.
[13] Bspw. die Entscheidung eines Kunden, Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens nachzufragen.
[14] Vgl. Schmidt (2012), S.31.
[15] Vgl. GRI (2013), S. 3.
[16] Vgl. Baetge (1989), S. 9; § 264 Abs. 1 HGB verpflichtet große und mittelgroße Kapitalgesellschaften neben der Aufstellung eines Jahresabschlusses, bestehend aus einer Bilanz, einer GuV und einem Anhang, zur Erstellung und Veröffentlichung eines Lageberichts. Für Konzernmutterunternehmen schreibt zudem § 315 Abs. 1 HGB i.V.m. § 289 die Aufstellungspflicht für den Konzernlagebericht vor. Die Lage- und Konzernlageberichterstattung bleibt zwar auf der Grundlage der handelsrechtlichen Vorschriften von den Vorschriften der internationalen Rechnungslegung unberührt, auch wenn ein kapitalmarktorientiertes Unternehmen den (Konzern-)Abschluss nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt, jedoch bildet dieser nach IFRS erstellte Abschluss die Grundlage für die Erläuterungen im Lagebericht.
[17] Nach § 315 Abs. 1 Satz 1 HGB sind der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage des Konzerns im Konzernlagebericht so darzustellen, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird. In diesem Zusammenhang hat der Konzernlagebericht eine Analyse des Geschäftsverlaufs und der Lage des Konzerns zu enthalten.
[18] Vgl. ebenfalls § 315 Abs. 1 Satz 4 HGB.
[19] Ausgefüllt werden solche Rahmen durch Rechnungslegungsstandards, die durch private Rechnungslegungsgremien auf der Grundlage des § 342 HGB erarbeitet werden. So hat am 4.12.2012 der Deutsche Standardisierungsrat (DSR), ein dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) untergeordnetes Gremium, den deutschen Rechnungslegungs Standard Nr. 20 (DRS 20) zur Regelung der Lageberichterstattung veröffentlicht. Dieser Standard erzeugt zwar keine unmittelbare Gesetzeswirkung, bekommt jedoch nach seiner Veröffentlichung im Bundesanzeiger als Bekanntmachung des Bundesministeriums der Justiz eine faktische Bindungswirkung zugesprochen. Vgl. dazu Müller (2013), S. 7.
[20] Vgl. Lackmann und Stich (2013), S. 236-242; Gemäß DRS 20.107 werden als nichtfinanzielle Leistungsindikatoren beispielhaft Indikatoren zu Kunden- und Arbeitnehmerbelangen oder zum sozialen und kulturellen Engagement des Unternehmens angeführt.
[21] DRS 20 enthält außerdem keine eigenständigen Normen zur Bereitstellung von Informationen, die typischerweise einem Nachhaltigkeitsbericht zugeordnet werden.
[22] Aufgrund der wenig restriktiven Vorgaben zu Art und Umfang der Darstellung muss nicht notwendigerweise über eine bloße Nennung des Nachhaltigkeitsbezugs hinausgegangen werden. Vgl. DRS 20.111 i.V.m. DRS 20.11 und Lackmann und Stich (2013), S. 239.
[23] Vgl. Beile et al. (2006), S. 11.
9783656891727
9783656891734
v288908
Comply-or-Explain Nachhaltigkeit Nachhaltigkeitsberichterstattung
Das Schattenbankensystem - Funktionsweise und Regulierungsansätze

References: § 315
 § 315
 § 264
 § 315
 § 289
 § 315
 § 315
 § 342