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Timestamp: 2018-11-14 22:44:02+00:00

Document:
Sophie Schröders Testament (1866) / t_1271
Sophie Schröders
Zum 12. Mai 1907 in Druck gegeben für die »Gesellschaft für Theatergeschichte« vom Geschäftsführenden Ausschuß.
Berlin 1907.
Mit freundlicher Bewilligung des Besitzers der Handschrift, Herrn Fritz Gildemeis­ter, mitgeteilt von Dr. Heinrich Stümcke und in hundert numerierten Exemplaren gedruckt von Otto Elsner, Berlin.
gedruckt für Eugen Kilian
Mittwoch, am 29. August 1866.
Im Auftrag meiner besten, liebevollsten, redlichsten, treuesten Mutter und Freun­din, der Frau Sophie Schröder, geborenen Bürger, pensionierte k. k. österreichische und k. b. Hofschauspielerin, wohnhaft in München, Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Bayern, schreibe ich Unterzeichneter nachstehendes Testament »Letz­ter Wille« (Erbverschreibung) der Obengenannten, wie sie es mir in die Feder dik­tiert, hiermit nieder, da leider die große Schwäche der Sehkraft es der Testarice (Erblasserin) unmöglich macht, ihren letzten Willen eigenhändig aufzuzeichnen.
Alexander Schröder,
quittierter, pens., charakt. Major
im Königreich Bayern.
Da ich bereits in ein ungewöhnlich hohes Lebensalter getreten bin (ich bin am 1. März des Jahres 1781 geboren) und jeden Augenblick erwarten muß, von Gott aus dieser Welt abberufen zu werden, halte ich es für meine Pflicht, über das Wenige, was ich an irdischem Gut besitze, zu verfügen.
§ 1. Meinen leiblichen aus der Ehe mit seinem Vater Friedrich Schröder entspros­senen Sohn Alexander, quittierter pens. char. k. b. Major, in München (Königreich Bayern) wohnhaft, bestimme ich zum Executor meines letzten Willens und übertra­ge ihm hiermit die Ausführung des Nachfolgenden.
§ 2. Von meinem Nachlasse sind zu allererst die allenfalls noch bestehenden Reste, welche nur von sehr geringem Betrage sein können und wovon mein Sohn Alexan­der genaue Kenntnis hat, zu berichtigen.
§ 3. Eben davon sind die Kosten meines Begräbnisses, welches ich so einfach als möglich, und in deutscher Erde, aus der ich entstanden, und zu der ich wieder wer­den will, wünsche, zu bestreiten.
Kein kaltes Gruftgemäuer soll meine irdische Hülle umschließen, sondern weich und warm will ich bettet sein, in der aller Lebenskeime in sich bergenden, mütterli­chen Erde.
§ 4. Ebendavon ist ferner meinem lieben Enkel Alexander, dem Kinde meines Soh­nes und Testamentvollstreckers Alexander, ein Vermächtnis von 100 Gulden (ein­hundert Gulden) bayerisches Geld bestimmt.
Diese Summe wird mein Sohn Alexander in Verwahrung nehmen.
§ 5. Der Rest meines Nachlasses, sowohl baares Geld, Staatspapiere, Schmuck, Hauseinrichtung, überhaupt alles so viel und so wenig sich vorfindet, soll zu ganz gleichen Parzellen (Teilen) unter meine drei Kinder, nämlich den schon genannten Alexander und seine zwei Schwestern, meine lieben Töchter Elisabetha Schmidt, geb. Schröder, eines Arztes Gattin, wohnhaft in der freien Reichsstadt Hamburg an der Elbe, und Auguste Schlönbach, geb. Schröder, herzogl. Hofschauspielerin in Sachsen-Koburg-Gotha, eines Schriftstellers Gattin, wohnhaft in Koburg-Gotha, verteilt werden. Es sei meinen guten Kindern ein Beweis, daß ich sie alle mit glei­cher, zärtlicher Liebe im Herzen trage.
§ 6. Die Broche (Frauenvorstecknadel) mit dem Bild meines Sohnes Alexander soll mir ins Grab mitgegeben werden. Es möge dieser Wunsch ein Zeugnis ablegen, daß ich mit wahrer, treuer, herzlicher Liebe stets an ihm gehangen.
Nimm, mein guter treuer Sohn, meinen innigsten Dank für Deine liebevolle Ausdau­er bei mir. Gott wird es Dir gewiß lohnen, ich segne Dich wie auch Deine Schwes­tern Elisabetha und Auguste, die ja auch brav und gut sind, und mich lieben von ganzem Herzen, und aus tiefstem Seelengrunde-
Möge der Allmächtige Seine schirmende barmherzige Hand stets über Euch halten, und Euch Zufriedenheit und geistige und körperliche Gesundheit schenken!
Noch füge ich zwei Bitten an meinen guten, braven Sohn Alexander hinzu:
1. Sollten wir für einen Unglücklichen, Tiefgefallenen, Du weißt wen ich meine, et­was tun können, daß er sich wieder aufzurichten imstande wäre, so unterlasse es nicht, Du wirst mir die Erde leichter machen!
2. Beauftrage ich Dich, bei Seiner Majestät dem König Ludwig I. von Bayern um die hohe Gnade einer Audienz nachzusuchen, und wird sie Dir gewährt, so bringe mei­nem erhabenen, hochverehrten Gönner und Wohltäter meinen innigsten wärmsten Dank für seine mir stets bewiesene hohe, beglückende Gnade, und sage ihm, daß ich bis zu meinem letzten Hauche ihm in Ehrfurcht, Dankbarkeit, hoher Verehrung und hingebender Anhänglichkeit zugetan und in unwandelbarer Treue gegen ihn gestorben bin.
Indem ich Euch, meine geliebten teuren Kinder, wiederholt aus zärtlichstem treues­ten Herzen segne, und allen, die mir weh getan, aus aufrichtigstem Herzen verge­be, bittet um ein freundliches Andenken
München, am 29. August 1866.
pens. k. k. österr. und pens. k. b. Hofschauspielerin.
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References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6