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Timestamp: 2018-04-27 08:47:46+00:00

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Kritik der Urteilskraft - I. Kant - Seite 2
Übergang zwischen den Naturreichen - KdU
Devino Melchizedek am Di Nov 18 2014, 23:34
§ 82. Von dem Teleologischen System in den äussern Verhältnissen Organisierter Wesen
Wenn man sich eine objektive Zweckmäßigkeit in der Mannigfaltigkeit der Gattungen der Erdgeschöpfe und ihren äußern Verhältnissen zu einander als zweckmäßig konstruierter Wesen, zum Prinzip macht: so ist es der Vernunft gemäß, sich in diesem Verhältnisse wiederum eine gewisse Organisation und ein System aller Naturreiche nach Endursachen zu denken. Allein hier scheint die Erfahrung der Vernunftmaxime laut zu widersprechen, vornehmlich was einen letzten Zweck der Natur betrifft, der doch zu der Möglichkeit eines solchen Systems erforderlich ist, und den wir nirgend anders als im Menschen setzen können: da vielmehr in Ansehung dieses, als einer der vielen Tiergattungen, die Natur so wenig von der zerstörenden als erzeugenden Kräften die mindeste Ausnahme gemacht hat, alles einem Mechanism derselben, ohne einen Zweck, zu unterwerfen.
Es mag vielleicht daran liegen, dass der größere Zweck, dem der Mensch unterliegt, mehr in der Natur darüber (dem Seelenreich) gipfelt, und er als Mittler zwischen diesem und dem Tierreich dient. Ebenso könnte es zwischen dem Tierreich und dem Pflanzenreich und diesem und dem Mineralreich Mittler in Schlüsselpositionen geben.
Das Markante sollte dann tatsächlich der Punkt sein, dass der Zweck mehr aus dem Naturreich darüber gebildet wird, denn aus dem eigenen, um eben hierdurch eine Schlüsselposition auszumachen wäre. Auch gewisse Eigenschaften des darüber liegenden Reiches könnten verstärkt hier vorgefunden werden oder das die Reiche darunter sich weniger stark darauf auswirken etc.
So könnte man sich vorstellen, dass in einer Hinsicht Gold, als eine Form von verdichtetem Licht, mehr von einem höheren Reich in sich bergen könnte, als andere Dinge, die nicht direkt belebt sind und so in das Reich der Mineralien fallen. Zwar will sich darin kein größerer Zweck für das Pflanzenreich finden, aber mit ihrem Glanz scheint Gold doch eine Eigentümlichkeit hervorzubringen, die eine Suche nach höheren Zwecken darstellen mag, obwohl das Licht darin sich zur Photosynthese der Pflanzen wohl nicht eignen wird.
In anderer Hinsicht kann man sich fragen, wofür die Blume denn ihre Schönheit kundtun möchte und ob die Tierwelt in besonderer Weise hierdurch angeregt wird oder dies gar nur die höhere Entwicklung daraus, des Menschen Herz allein erreichen möchte. Wobei der ungewöhnlichere Part des Pflanzenreiches wohl dem Baum am nächsten käme, wenns darin gipfelt, dass sich dort auch Devas niederzulassen pflegen.
Aber die Weiterentwicklung verschiedener Art von Seelen, muss wohl nicht zwingend einen bestimmten Weg einhalten, da ein freier Wille wie der Name bereits sagt, durch sich selber nur begrenzt sein darf, sollte und wohl auch wird (mindestens sobald sich alles weitläufig wieder auspendelt), der höhere Zweck aber wohl in einem gemeinsamen Willen wiederum auszumachen ist.
Kultur der Zucht (Disziplin) - KdU
Devino Melchizedek am Do Nov 27 2014, 23:41
§ 83. Von dem letzten Zwecke der Natur als eines Teleologischen Systems
... Die Hervorbringung der Tauglichkeit eines vernünftigen Wesens zu beliebigen Zwecken überhaupt (folglich in seiner Freiheit) ist die Kultur. Also kann nur die Kultur der letzte Zweck sein, den man der Natur in Ansehung der Menschengattung beizulegen Ursache hat (nicht seine eigene Glückseligkeit auf Erden, oder wohl gar bloß das vornehmste Werkzeug zu sein, Ordnung und Einhelligkeit in der vernunftlosen Natur außer ihm zu stiften).
Aber nicht jede Kultur ist zu diesem letzten Zwecke der Natur hinlänglich. Die der Geschicklichkeit ist freilich die vornehmste subjektive Bedingung der Tauglichkeit zur Beförderung der Zwecke überhaupt; aber doch nicht hinreichend, den Willen, in der Bestimmung und Wahl seiner Zwecke, zu befördern, welche doch zum ganzen Umfange einer Tauglichkeit zu Zwecken wesentlich gehört. Die letztere Bedingung der Tauglichkeit, welche man die Kultur der Zucht (Disziplin) nennen könnte, ist negativ, und besteht in der Befreiung des Willens von dem Despotism der Begierden, wodurch wir, an gewisse Naturdinge geheftet, unfähig gemacht werden, selbst zu wählen, indem wir uns die Triebe zu Fesseln dienen lassen, die uns die Natur nur statt Leitfäden beigegeben hat, um die Bestimmung der Tierheit in uns nicht zu vernachlässigen, oder gar zu verletzen, indes wir doch frei genug sind, sie anzuziehen oder nachzulassen, zu verlängern oder zu verkürzen, nachdem es die Zwecke der Vernunft erfordern.
Früher war Disziplin in meinen Augen, sich zu etwas Sinnvollem und Nützlichem zu zwingen, was inzwischen mehr schon unter den Punkt sich Gewalt anzutun zählt. Inzwischen wird so lange an der Einsicht, warum etwas sinnvoll und gut für einen ist, gearbeitet, bis man es freiwillig und ohne Zwang macht, aus einer gesunden Überzeugung heraus, so dass Zucht immer mehr zu einer Disziplin wird, die in innerer Aktivität mündet.
Bildung ist eine Lebensaufgabe, an der wohl keiner mehr, als man selber verantwortlich sein kann und schulische Einrichtungen, vergleichbar der Natur wie o.g., vorrangig einen tauglich machen sollen, um gebildet die Bildung angehen zu können und ein höherer Zweck mit der Bildung nicht gleich mitgeliefert, sondern in sich erfunden und gefunden werden muss.
Freiheit liegt in dem Zusammenhang vor allem in der Freiwilligkeit und etwas Vortreffliches kann einen derweil vor allem weniger Vorzüglichem bewahren...
Schranken aufheben - KdU
Devino Melchizedek am Fr Dez 05 2014, 01:55
§ 84. Von dem Endzwecke des Daseins einer Welt, d.i. der Schöpfung selbst
... Von dem Menschen nun (und so jedem vernünftigen Wesen in der Welt), als einem moralischen Wesen, kann nicht weiter gefragt werden: wozu (quem in finem) er existiere. Sein Dasein hat den höchsten Zweck selbst in sich, dem, so viel er vermag, er die ganze Natur unterwerfen kann, wenigstens welchem zuwider er sich keinem Einflusse der Natur unterworfen halten darf. - Wenn nun Dinge der Welt, als ihrer Existenz nach abhängige Wesen, einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache bedürfen, so ist der Mensch der Schöpfung Endzweck; denn ohne diesen wäre die Kette der einander untergeordneten Zwecke nicht vollständig gegründet; und nur im Menschen, aber auch in diesem nur als Subjekte der Moralität, ist die unbedingte Gesetzgebung in Ansehung der Zwecke anzutreffen, welche ihn also allein fähig macht, ein Endzweck zu sein, dem die ganze Natur teleologisch untergeordnet ist.
Wenn im Menschen sich weitere Aspekte, wie Moralität, höhere Vernunft, ein Sinn für Schönheit und Kunst finden lassen und in der Natur um ihn, aus sich selbst heraus nicht unbedingt, so kann vermittelst ihm, dieses der Natur überbracht werden und eben dadurch diese in ihrem Sinn und Zweck Erweiterung erfahren und bereichert werden oder gar überhaupt die Möglichkeit erhalten sich nach einer bestimmten Weise weiter entwickeln zu können.
So ist der Zweck im Menschen individuell nach seiner subjektiven Welt und seiner Möglichkeiten und der Sinn seines Lebens ebenso darin zu suchen und weniger allgemeiner Natur und Gültigkeit.
Die Gesellschaft kann also am stärksten Bereicherung erfahren, wenn sie vorab keine unnötigen Normen aufstellt oder gelten lässt und den Menschen zu einem Mitteln einspannt, sondern gerade im Handlungsfreiraum kann das Individuelle Potenzial zum Allgemeinen sich erweitern und zur größten Beförderung für alle beitragen und somit auch der Mensch die Möglichkeit erhalten, dem größtmöglichem Endzweck gerecht werden zu können, welcher in ihm ruht.
Es ist auch an der Zeit, die unnötigen Schranken aufzuheben, welche aus dem Gegeneinander mehr ein Miteinander erlauben, in der jegliche Vielfalt als Erweiterung aufgefasst werden kann, wenn sie zu dieser irgendwie taugt und beiträgt.
Von der Physikotheologie - KdU
Devino Melchizedek am Fr Dez 12 2014, 02:12
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 85. Von der Physikotheologie
Wozu die Dinge in der Welt einander nützen; wozu das Mannigfaltige in einem Dinge für dieses Ding selbst gut ist; wie man sogar Grund habe anzunehmen, daß nichts in der Welt umsonst, sondern alles irgend wozu in der Natur, unter der Bedingung, daß gewisse Dinge (als Zwecke) existieren sollten, gut sei, wobei mithin unsere Vernunft für die Urteilskraft kein anderes Prinzip der Möglichkeit des Objekts ihrer unvermeidlichen teleologischen Beurteilung in ihrem Vermögen hat, als das, den Mechanism der Natur der Architektonik eines verständigen Welturhebers unterzuordnen...
Überhaupt ist es m.E. im Großen, wie im Kleinen, so, dass alles eine Ordnung findet, wenn die darauf einströmenden oder einwirkenden Kräfte ins Gleichgewicht gebracht werden. Sei es in der Anordnung der Planeten eines Sonnensystems oder bei kleinen Atomen. Und macht etwas hiervon eine Weiterentwicklung durch, beginnen sich alle Teile von vorn zu reiben und zu ordnen um das Gleichgewicht nach einer neuen und höheren Ordnung wiederherzustellen.
Umsonst kann dies nicht sein, was eben von sich aus aktiv ist oder auf Kräfte reagiert und ja daher intelligenter Verbindungen fähig und in einer solchen befindlich ist, von daher auch einer erzeugenden Ursache nach Zwecken folgen müsste. Nur das, was nicht reagiert und keinen Zweck verfolgt, könnte ein Ableger sein, der keiner Bestimmung folgen kann und vielleicht in den Bereich eines Phänomens, einer bloßen Erscheinung oder einer Illusion gehört, die keinen Sinn hat, weil kein höherer Zweck damit in Verbindung und dahinter steht.
Es kann auch nichts umsonst sein, was nach Ordnung strebt, indem es einer Bestimmung folgt, die sowohl Grundlage der Bewegung/Aktivität ist, als auch beim Abschluss dessen, um eine Fähigkeit erweitert und diese in sich vereint und damit die Bereiche aushält oder dorthin vordringt, welche diese Fähigkeit voraussetzen um darauf einen anderen Zweck und eine neue Bestimmung zu knüpfen.
Denn wie sollte eine höhere Bestimmung einem geringeren Zwecke dienlich sein, als eine Niedere es tat und ebenso kann alles, was vorwärts schreitet, nicht umsonst sein.
Von der Ethikotheologie - KdU
Devino Melchizedek am Fr Dez 19 2014, 01:55
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 86. Von der Ethikotheologie
... Also ist es nur das Begehrungsvermögen:
aber nicht dasjenige, was ihn von der Natur (durch sinnliche Antriebe) abhängig macht, nicht das, in Ansehung dessen der Wert seines Daseins auf dem, was er empfängt und genießt, beruht; sondern der Wert, welchen er allein sich selbst geben kann, und welcher in dem besteht was er tut, wie und nach welchen Prinzipien er, nicht als Naturglied, sondern in der Freiheit seines Begehrungsvermögens, handelt; d.h. ein guter Wille ist dasjenige, wodurch sein Dasein allein einen absoluten Wert und in Beziehung auf welches das Dasein der Welt einen Endzweck haben kann.
Auch stimmt damit das gemeinste Urteil der gesunden Menschenvernunft vollkommen zusammen: nämlich daß der Mensch nur als moralisches Wesen ein Endzweck der Schöpfung sein könne, wenn man die Beurteilung nur auf diese Frage leitet und veranlaßt, sie zu versuchen.
Und man frag schon mal "Was ist nun die Moral von der Geschichte?", um zu eruieren, was für gewöhnlich der tiefere Sinn hinter ansonsten womöglich mehr ungereimten Erlebnissen oder Erzählungen ist, um dieses in Verbindung zu einem höheren und umfassenderen Zusammenhang zu stellen, in dem die Verknüpfung dahin durch einen Zweck besiegelt wird.
Anders gesagt, durch einen Moralischen Zweck können die Dinge, die von sich aus diesen nicht anzustreben wissen oder dazu fähig wären, zu Höherem erhoben werden, in dem diesen Dingen auf einer höheren Spiralwindung eine sinnvolle Zuordnung, durch Verknüpfung mit einem Zweck und in dem sie darunter aufgehangen sind, zuteil wird.
Und dieses ist es auch m.E., was in der Bibel darunter aufgefasst werden soll, wenn es heißt, der Mensch wäre eingesetzt um sich die Erde untertan zu machen. Und nicht, in dem eine Herrschaft auf selbstsüchtige und ausbeuterische Weise vorgesehen wäre, denn eben in dieser Weise, würde der Mensch sich selber vom höheren Moralischen Zweck ausschließen, in dem er sich selber zum letzten Nutznießer setzt, anstelle eben anderen Wesen über ihm, zu gestattet, dass auch ihm ein höherer Zweck zugeordnet werde.
Vorsätze und denkbarer Radius - KdU
Devino Melchizedek am Fr Dez 26 2014, 01:31
Kritik der Urteilskraft - I. Kant -
§ 87. Von dem Moralischen Beweise des Daseins Gottes
... Nun ist, wenn man der letzten Ordnung nachgeht, es ein Grundsatz, dem selbst die gemeinste Menschenvernunft unmittelbar Beifall zu geben genötigt ist: daß, wenn überall ein Endzweck, den die Vernunft a priori angeben muß, Statt finden soll, dieser kein anderer, als der Mensch (ein jedes vernünftige Weltwesen) unter moralischen Gesetzen sein könne.
Denn: (so urteilt ein jeder) bestände die Welt aus lauter leblosen, oder zwar zum Teil aus lebenden aber Vernunftlosen, so würde das Dasein einer solchen Welt gar keinen Wert haben, weil in ihr kein Wesen existierte, das von einem Werte den mindesten Begriff hat.
Was den Menschen wohl früher oder später ebendrum dazu führen muss, sich die Frage nach dem/einem Sinn des Lebens zu stellen.
Wenn also höhere Wesenheiten und Meister der Weisheit sich dem Menschen angenähert haben, dann muss es auch auf Seiten der Menschheit eine Entwicklung gegeben haben oder mindestens ein entsprechendes Potenzial vorhanden sein, um diesem einen Wert beimessen zu können.
Welchen Wert sollte es denn auch haben, gäbe es keine Schnittmenge, um allen Seiten einen Zweck zu gestatten? Wäre dem nicht so, dann wären viele weiterhin nur einsam für sich dahin am werkeln... die einen, weil sie so wollen, die anderen, weil sie anders nicht könnten. Jedenfalls in Anbetracht der rasanten Veränderungen, welche wohl kaum für jedermann verkennbar sein dürften, liegt die Schlussfolgerung zumindest nahe, dass mehr Kräfte am Werke sind, als dieses vor Jahrzehnten erkennbar war.
Uns steht es also nicht nur frei, den Weg zu bereiten oder zu räumen, sondern dem ganzen Vorgang den höchstmöglichen Zweck zu ermöglichen, damit weder die Mittel ungenutzt bleiben, noch irgendwer keinen Raum findet sich einzubringen, nur weil der Wert darin verkannt wird, obwohl es zur Erweiterung und dem Reichtum des Gesamten beitragen könnte.
So wird es auch nicht gerade leicht, sich für das Jahr 2015 Vorsätze vorzunehmen.. immerhin, man weiß ja nicht einmal, was alles möglich sein wird, was heute sich noch gar nicht im Radius des denkbaren befinden mag!
Wohin moralische Gesinnung führt - KdU
Devino Melchizedek am So Jan 04 2015, 00:49
... Gesetzt also: ein Mensch überredete sich, teils durch die Schwäche aller so sehr gepriesenen spekulativen Argumente, teils durch manche in der Natur und Sittenwelt ihm vorkommende Unregelmäßigkeiten bewogen, von dem Satze: es sei kein Gott:
so würde er doch in seinen eigenen Augen ein Nichtswürdiger sein, wenn er darum die Gesetze der Pflicht für bloß eingebildet, ungültig, unverbindlich halten, und ungescheut zu übertreten beschließen wollte. Ein solcher würde auch als dann noch, wenn er sich in der Folge von dem, was er anfangs bezweifelt hatte, überzeugen könnte, mit jener Denkungsart doch immer ein Nichtswürdiger bleiben: ob er gleich seine Pflicht, aber aus Furcht, oder aus lohnsüchtiger Absicht, ohne Pflichtverehrende Gesinnung, der Wirkung noch so pünktlich, wie es immer verlangt werden mag, erfüllte.
Umgekehrt, wenn er sie als Gläubiger seinem Bewusstsein nach aufrichtig und uneigennützig befolgt, und gleichwohl, so oft er zum Versuche den Fall setzt, er könnte einmal überzeuget werden, es sei kein Gott, sich sogleich von aller sittlichen Verbindlichkeit frei glaubte: müsste es doch mit der innern moralischen Gesinnung in ihm nur schlecht bestellt sein.
Sowie der Mensch nicht durch sich selber, sich selbst Leben verleihen und sich zum Leben erwecken kann, wäre es bereits anmaßend, zu meinen, es sei kein Gott. Ebenso wäre jedes höhere Bestreben in der Tat fraglich, denn welchen Wert könnte es letztlich haben für einen Menschen, vor allem, wenn hierfür auch jeglicher Beifall Anderer wegbliebe?! Denn es gäbe nichts, wohin man sich hin, durch eine hohe moralische Gesinnung annähern könnte, indem man durch Ähnlichkeit diesem versucht der Nächste zu werden/sein.
Ohne gute moralische Gesinnung, wo keiner freiwillig bereit wäre zum Guten beizutragen und immerzu auf eigenen Vorteil zu verzichten, kann keine bessere Welt werden, denn wie sollte sie sich selber aufwirtschaften, wenn in ihr nur die Bestrebung da wäre alles runter- und abzuwirtschaften? Von daher führt jede höhere Moralität vor allem dazu, die Welt und ja auch das Leben mit unter Lebenswert zu gestalten.
Ob nun die Moralische Gesinnung beweisen mag, ob es einen Gott gibt oder nicht, sie selbst wäre jedenfalls von kaum einem Wert um überzeugen zu können, vor allem wenns drauf ankäme, diese ernstlich zu befolgen. Ebenso ist es wohl auch um vieles andere bestellt und aus der Summe dieser, kann ja jeder selbst entscheiden, wohin er sich anzunähern sucht...
Die vorab gesetzte Moralische Bedingung - KdU
Devino Melchizedek am Fr Jan 09 2015, 00:04
Das moralische Gesetz, als formale Vernunftbedingung des Gebrauchs unserer Freiheit, verbindet uns für sich allein, ohne von irgend einem Zwecke, als materialer Bedingung, abzuhangen; aber es bestimmt uns doch auch, und zwar a priori einen Endzweck, welchem nachzustreben es uns verbindlich macht: und dieser ist das höchste durch Freiheit mögliche Gut in der Welt.
Die subjektive Bedingung, unter welcher der Mensch (und nach allen unsern Begriffen auch jedes vernünftige endliche Wesen) sich, unter dem obigen Gesetze, einen Endzweck setzen kann, ist die Glückseligkeit. Folglich das höchste in der Welt mögliche, und, so viel an uns ist, als Endzweck zu befördernde, physische Gut ist Glückseligkeit: unter der objektiven Bedingung der Einstimmung des Menschen mit dem Gesetze der Sittlichkeit, als der Würdigkeit glücklich zu sein.
Einer sich selbst vorab gesetzten Moralischen Bedingung gerecht zu werden und zu folgen, ist vor allem einer freien Absicht zugrunde gelegt, und hebt uns gerade dann aus dem bloßen materiellen Streben und Dasein heraus, empor zu dem, was über der physischen Bedingtheit steht.
Es ist fraglich, ob die freie Entscheidung einer selbst gewählten Moralischen Ausrichtung an Wert gewinnt, wenn sie einer bestimmten Ideologie untergeordnet, und damit in ihrer Freiheit in gewisser Weise beschnitten und diese zugunsten der Ideologie einbüßen sollte, vor allem wenn Letztere mehr geborgt (z.B. aus einer ganz bestimmten Theologischen Richtung) und zudem selbst wenig reflektiert und für sich erkennt und gewonnen werden konnte.
Denn das aus sich heraus Geborene lässt einem nicht nur mehr Freiheit, es lässt auch mehr Raum dafür, was einem zukommen kann. Aber doch ist dem, was mehr zum Guten und in größerem Umfang zu diesem beizutragen vermag, durchaus der Vorzug zu gewähren.
Ist Religion weniger als Vernunft? - KdU
Devino Melchizedek am Fr Jan 16 2015, 23:08
§ 89. Von dem Nutzen des Moralischen Arguments
... Denn, wenn man der Eitelkeit oder Vermessenheit des Vernünftelns in Ansehung dessen, was über die Sinnenwelt hinausliegt, auch nur das mindeste theoretisch (und Erkenntnis-erweiternd) zu bestimmten einräumt; wenn man mit Einsichten vom Dasein und von der Beschaffenheit der göttlichen Natur, von seinem Verstande und Willen, den Gesetzen beider und den daraus auf die Welt abfließenden Eigenschaften groß zu tuen verstattet: so möchte ich wohl wissen, wo und an welcher Stelle man die Anmaßungen der Vernunft begrenzen wolle; denn, wo jene Einsichten hergenommen sind, eben daher können ja noch mehrere (wenn man nur, wie man meint, sein Nachdenken anstrengte) erwartet werden.
Ist Religion mehr als Vernunft?
Das ist wohl anzunehmen, dass diese doch noch mehr solcher Qualitäten bei sich führte. Wenn man daher etwas auf göttliche Weisheit gibt, dann darf man sich zuerst gerne umfassend auch der Vernunft bedienen, die dazu nicht konträr sein kann. So gebietet mir meine Vernunft, das Religion nicht auch im Ansatz etwas auf der Straße zu suchen hat, als mehr dies wäre, was man erst einmal in sich selbst kultiviert, um damit dem Höheren näher zu kommen.
Es wird von daher keine Religion wohl sein, wenn sie der Vernunft des durchschnittlichen Menschen unterläge. Überzeugungen können nicht heiliger als der Mensch an sich sein, denn das eine kommt ja bekanntlich von Gott (denn wo kann Leben sein, wo Gott dieses nicht verliehe?), während das andere ja doch nur dem Menschen selbst entstammt. Während doch Glaube als solcher mehr noch ist, er ist als wirksame Kraft bekannt, welche es vermag Berge zu versetzen. Das was solches vermag, wird Menschen ja nicht fürchten müssen, noch Ansichten derer, die da anderer Meinung sein sollten.
So man auch meinen mag, dass Unglaube sich selbst die Schwäche ist und keiner weiteren Behandlung bedürfte!
Der nahtlose Übergang - KdU
Devino Melchizedek am So Jan 25 2015, 00:33
§ 90 Von der Art des Fürwahrhaltens in einem Moralischen Beweise des Daseins Gottes
... Das Resultat hievon ist: daß für das Dasein des Urwesens, als einer Gottheit, oder der Seele, als eines unsterblichen Geistes, schlechterdings kein Beweis in theoretischer Absicht, um auch nur den mindesten Grad des Führwahrhaltens zu wirken, für die menschliche Vernunft möglich sei; und dieses aus dem ganz begreiflichen Grunde: weil zur Bestimmung der Ideen des Übersinnlichen für uns gar kein Stoff da ist, indem wir diesen letzteren von Dingen in der Sinnenwelt hernehmen müßten, ein solcher aber jenem Objekte schlechterdings nicht angemessen ist, aber, ohne alle Bestimmung derselben, nichts mehr, als der Begriff von einem nichtsinnlichen Etwas übrig bleibt, welches den letzten Grund der Sinnenwelt enthalte, der noch kein Erkenntnis (als Erweiterung des Begriffs) von seiner inneren Beschaffenheit ausmacht.
Wenn auch es dem Menschen an sich nicht gegeben sein mag, mit dem was er hat, Gott sogleich zu erkennen, mindestens in gleicher Weise kann der Mensch auch nicht erkennen woraus Leben und Bewusstsein herkommen und doch gibt es genug Beweise alsdann die den Rückschluss nahelegen, dass mehr sein muss, als das Fassbare, damit alles diesseits überhaupt Sinn und Ordnung finden können, die nicht offensichtlich zufällig da sind.
Die Wahrheit trifft sich doch selbst immer am besten und nichts bleibt von ihr unberührt, worin sie auch ist. Auch kann niemand dies widerlegen, was ihm nicht zugänglich sein sollte. Jemand, der nicht weit genug geht, wird schwerlich den Stoff überwinden, der ebenso nicht weit genug reicht, um ein Reich dem Nächsten nahe zu führen, wo kein nahtloser Übergang erkennbar ist.
Der Sinn des Lebens besteht m.E. unter anderem und vielleicht auch vor allem anderen für den Menschen darin, diesen nahtlosen Übergang für sich selbst heraus zu bilden.
Glaube & Beförderung des höchsten Guten - KdU
Devino Melchizedek am Fr Jan 30 2015, 02:03
§ 91. Von der Art des Fürwahrhaltens durch einen praktischen Glauben
Wenn wir bloß auf die Art sehen, wie etwas für uns (nach der subjektiven Beschaffenheit unserer Vorstellungskräfte) Objekt der Erkenntnis (res cognoscibilis) sein kann: so werden alsdann die Begriffe nicht mit den Objekten, sondern bloß mit unsern Erkenntnisvermögen und dem Gebrauche, den diese von der gegebenen Vorstellung (in theoretischer oder praktischer Absicht) machen können, zusammengehalten; und die Frage, ob etwas ein erkennbares Wesen sei oder nicht ist keine Frage, die die Möglichkeit der Dinge selbst, sondern unserer Erkenntnis derselben angeht.
Wenn man annähme der Mensch sei mehr eines göttlich oder geistig gesinnten Wesens, dann ist dem Geistigen eine Idee oder auch ein Gedanke näher, denn ein äußeres Objekt und von daher auch die Annäherung von dieser Art an derlei Dinge.
Denn ohne diese Annährung gäbe es ja kaum eine Verbindung dazu, die Erkenntnis oder gar Bewusstsein bei sich führte und so auch nicht eine Bedeutung die einen höheren Zweck kennen kann.
So kommt allem nicht aus- und vom äußern her eine höhere Bedeutung zu, als vom innern, und so gebietet wohl auch kaum das Äußre über die innern Dinge, als mehr das Innere es auch ist, was dem Äußeren überhaupt Sinn und Zweck verleihen kann.
Von daher ist m.E. der Glaube in praktischer Hinsicht mehr dieser, der den höchsten Zweck einer äußern Sache zuführen kann und diese zur größten Wirksamkeit hinzuführen vermag im Gebrauch und zur Beförderung des höchsten Guten.
Gewissheit - KdU
Devino Melchizedek am Sa Feb 14 2015, 00:58
... Denn, ob von uns gleich, was wir nur von der Erfahrung anderer durch Zeugnis lernen können, geglaubt werden muß, so ist es darum doch noch nicht an sich Glaubenssache; denn bei jener Zeugen einem war es doch eigene Erfahrung und Tatsache, oder wird als solche vorausgesetzt. Zudem muß es möglich sein, durch diesen Weg (des historischen Glaubens) zum Wissen zu gelangen; und die Objekte der Geschichte und Geographie, wie alles überhaupt, was zu wissen nach der Beschaffenheit unserer Erkenntnisvermögen wenigstens möglich ist, gehört nicht zu Glaubenssachen, sondern zu Tatsachen.
Einen Weg kennen, ist eine Sache, ihn gehen, eine andere, aber zu wissen das einer diesen erfolgreich beschritten hat, führt zumindest zur Gewissheit, dass er funktioniert, was einen wiederum zum praktischen Glauben heranführt im o.g. Sinne.
Es gibt ja vielleicht Viele, die für Vieles Zeugnis ablegen mögen, aber es ist doch das meiste ja mehr im alten Zeitalter gewesen und das neue Zeitalter eröffnet wiederum viele neue Gelegenheiten und sorgt dafür, dass vieles aufgegeben werden muss, weil es einfach immer weniger funktioniert. Es wäre ja auch zu schön, wenn es mehr an einem vorüber ginge, ohne das man angepikst wird, aber wenn man dabei sein will, kommt man ja nicht umhin, dass alles auf dem Prüfstand ist und nur die Schwelle passiert, was auch hinüber gehört. Aber das Neue soll ja auch nicht mehr das Alte sein.
Und man wird sich wohl auch damit anfreunden müssen, dass die alten Hasen mal das nachsehen haben, denn es zählt nicht immer, was man alles hinter sich hat, sondern wie man mit dem klarkommt, was vor einem ist und nicht alles Alte ist dabei eine Stütze. Es ist ja doch im gewissen Sinne eine höhere Schanzengleichheit da, auch hat jeder wohl genug an seinem Zeugs zu knabbern und Herausforderungen bleiben wohl auf unabsehbare Zeit keine Mangelware...
Philosophische Betrachtungsweisen: Lernen
Devino Melchizedek am So März 15 2015, 01:02
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §64
Von dem eigentümlichen Charakter der Dinge als Naturzwecke
Um einzusehen, daß ein Ding nur als Zweck möglich sei, d.h. die Kausalität seines Ursprungs nicht im Mechanism der Natur, sondern in einer Ursache, deren Vermögen zu wirken durch Begriffe bestimmt wird, suchen zu müssen, dazu wird erfordert: daß seine Form nicht nach bloßen Naturgesetzen möglich sei, d.i. solchen, welche von uns durch den Verstand allein, auf Gegenstände der Sinne angewandt, erkannt werden können; sondern daß selbst ihr empirisches Erkenntnis, ihrer Ursache und Wirkung nach, Begriffe der Vernunft voraussetzte. Diese Zufälligkeit seiner Form bei allen empirischen Naturgesetzen in Beziehung auf die Vernunft, da die Vernunft, welche an einer jeden Form eines Naturprodukts auch die Notwendigkeit derselben erkennen muß, wenn sie auch nur die mit seiner Erzeugung verknüpften Bedingungen einsehen will, gleichwohl aber an jener gegebenen Form diese Notwendigkeit nicht annehmen kann, ist selbst ein Grund, die Kausalität desselben so anzunehmen, als ob sie eben darum nur durch Vernunft möglich sei; diese aber ist alsdann das Vermögen, nach Zwecken zu handeln (ein Wille); und das Objekt, welches nur als aus diesem möglich vorgestellt wird, würde nur als Zweck für möglich vorgestellt werden.
Manches lässt sich am besten durch sich selbst oder etwas gleichartiges nachvollziehen oder erschließen. Nicht das es keinen andere Bezug oder Beurteilungsmöglichkeiten hierzu gäbe, nur wird die Kausalität dann womöglich nicht angetroffen und so wird schnell die diesem beigelegte oder abgerungene Bedeutung, eine andere, und meist dann auch der jeweils befolgte Zweck. Somit ist die Grundlage für mögliche Missverständnisse dadurch gelegt worden.
Der Beweggrund, als Ursache, die eine eingeschlagene Richtung hervorbringt, welche so lange anhält, wie kein Widerstand oder Einfluss folgt und welche weiter verfolgt wird, mag der natürliche Lauf der Dinge sein. Aber wie ließe sich ein Lernerfolg am besten messen, wenn dieser nicht durch eigenständigen Willen aufgezeigt wird, der das Gelernte widerspiegelt?!
Um über die Natur einer Sache zu obsiegen, bedarf es nicht nur sie zu kennen, sondern sie zu prüfen, hinterfragen zu können sowie eine eigene Anlage in sich zu bilden, die jene ersetzen und zu übersteigen vermag. Erst dann hat man nicht nur Kenntnis einer Sache, sondern auch ein Verständnis davon und wirklich etwas gelernt.
So würde ich sagen, lässt sich Philosophie nicht einfach als eine Art Stoff vermitteln, denn es ist mehr eine Art die Dinge überhaupt anzugehen und mehr noch eine Lebenseinstellung, denn etwas, das unbedingt benennbaren Parametern und Kriterien folgt.
Selbstdenken - KdU
Devino Melchizedek am So Apr 19 2015, 01:16
Kritik der Urteilskraft § 40.
1. Selbstdenken;
2. An der Stelle jedes andern denken;
3. Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken.
Die erste ist die Maxime der vorurteilsfreien, die zweite der erweiterten, die dritte der konsequenten Denkungsart.
... Man kann sagen: die erste dieser Maximen ist die Maxime des Verstandes, die zweite der Urteilskraft, die dritte der Vernunft.
Aberglaube oder Vorurteile sollte man meiden, denn das fällt meist in den Bereich und eine Art von Heteronomie und man bleibt bei dem hängen, was andere dachten.
Sich über eigene subjektive Privatbedingungen erheben, da man nur das recht zu beurteilen vermag, wo man nicht ständig selber versucht ist, sich damit in eine Verbindung zu stellen.
Aber so sehr man sich auch für vernunftbegabt hält, kann man dies nicht in seinem Umfeld beobachten oder bekommt es von diesem gespiegelt, nutzt man selbst wohl nur Hilfsmittel diesbezüglich, aber in einem Selbst ist die Vernunft dann nicht unbedingt verankert oder verwirklicht, weil dann alles um einen i.d.R. darauf anspringen und reagieren müsste.
Vergegenwärtigung - KdU
Devino Melchizedek am Do Mai 28 2015, 01:05
Kritik der Urteilskraft -
§ 29. Von der Modalität des Urteils über das Erhabene der Natur -
... Es ist auch nicht zu leugnen, dass alle Vorstellungen in uns, sie mögen objektiv bloß sinnlich, oder ganz Intellektuell sein, doch subjektiv mit Vergnügen oder Schmerz, so unmerklich beides auch sein mag, verbunden werden können (weil sie insgesamt das Gefühl des Lebens affizieren, und keine derselben, sofern als sie Modifikation des Subjekts ist, indifferent sein kann); sogar, dass, wie Epikur behauptete, immer Vergnügen und Schmerz zuletzt doch körperlich sei, es mag nun von der Einbildung, oder gar von Verstandesvorstellungen anfangen: weil das Leben ohne das Gefühl des körperlichen Organs bloß Bewusstsein seiner Existenz, aber kein Gefühl des Wohl- oder Übelbefindens, d.i. der Beförderung oder Hemmung der Lebenskräfte sei; weil das Gemüt für sich allein ganz Leben (das Lebensprinzip selbst) ist, und Hindernisse oder Beförderungen außer demselben und doch im Menschen selbst, mithin in der Verbindung mit seinem Körper, gesucht werden müssen.
Eine Münze hat zwei Seiten, selbst während sie auf dem Tisch liegt und die untere Seite nicht sichtbar wäre. So ähnlich mag es sich mit dem, wessen die Sinne gewahr sind, verhalten. Meist wird alles auf das, was dem Sinn zugeht gelegt, aber das Organ, welches dieses erzeugt oder zugänglich macht, mag in Mitleidenschaft gezogen sein.
Nicht selten mag einen Introvertierten eben dieses an Extrovertierten schonmal wurmen, dass er auf dem ein oder anderen Organ rumtrampeln mag, nur dessen wegen, was durch dieses kommt, ohne Rücksicht auf das Organ selber. Aber es gäbe wohl auch keinen auf der innern Seite, wenn es keinen auf der Äußern gäbe; und die ein und andere Erfahrung wäre wohl in der Weise nicht gegeben. Da der, der etwas bereit stellt idR. eine größere Handhabe darüber hat und eine bessere Übersicht, ist er meist doch besser dran.
Dazu ist so vieles gerade mal nur relativ, vor allem je weiter unten es liegen mag, vielleicht, damit es Oben umso wesenhafter dadurch werden kann. Aber schafft man's die Münze auf die Kante zu legen, sind alle beiden Seiten nur Seiten, nach irgendwohin offen und alles hat seine Bedeutung oder ist nicht mehr oder weniger...
Geisteskraft - KdU
Devino Melchizedek am So Jun 07 2015, 01:31
§49. Von den Vermögen des Gemüts, welche das Genie ausmachen
... Geist, in ästhetischer Bedeutung, heißt das belebende Prinzip im Gemüte. Dasjenige aber, wodurch dieses Prinzip die Seele belebt, der Stoff, den es dazu anwendet, ist das, was die Gemütskräfte zweckmäßig in Schwung versetzt, d.i. in ein solches Spiel, welches sich von selbst erhält und selbst die Kräfte dazu stärkt.
Nun behaupte ich, dieses Prinzip sei nichts anders, als das Vermögen der Darstellung ästhetischer Ideen; unter einer ästhetischen Idee aber verstehe ich diejenige Vorstellung der Einbildungskraft, die viel zu denken veranlasst, ohne dass ihr doch irgend ein bestimmter Gedanke, d.i. Begriff adäquat sein kann, die folglich keine Sprache völlig erreicht und verständlich machen kann. -
Man sieht leicht, dass sie das Gegenstück (Pendant) von einer Vernunftidee sei, welche umgekehrt ein Begriff ist, dem keine Anschauung (Vorstellung der Einbildungskraft) adäquat sein kann.
Wie also wenn vielverzweigte und aneinander gereihte Dominosteine fallen, so die Gedanken in alle Richtungen dahin purzeln. Der erste Stein aber nicht von sich aus, sondern durch eine andere Kraft, die ihm den Anstoß gab, alles ins Rollen kam. Und wer ist's wieder gewesen? In diesem Fall kann man dann alles auf den Geist schieben...
Und ist mal alles etwas zäh und übersättigt und möchte sich nicht dem Geiste zuwenden, dann könnte wohl wieder das Salz weiter helfen. Sei's in Form eines Gedankens, der einfach keine Ruhe lässt, weil ihm anderes nicht genügt oder hinreichend Tiefe bietet, um bedient zu sein und darin aufzugehen.
Jedenfalls ohne Geist würde wohl schnell alles stagnieren und wie weit sich wer noch rührt, wenn man schon vollauf damit zufrieden wäre, wenn's sich alles nur allein z.B. ums bedienen von Wünschen sich drehen würde.
Nur wie könnte es an sich dann alles wirklich besser werden? Und was wäre man wohl überhaupt bereit zu opfern für eine bessere Welt? Von selbst kann sie schließlich kaum besser werden, wie sie ja auch nicht von selbst entstanden ist...
Re: Kritik der Urteilskraft - I. Kant
Devino Melchizedek am Fr Jun 19 2015, 01:21
§ 47. Erläuterung und Bestätigung obiger Erklärung vom Genie
... Da die Naturgabe der Kunst (als schönen Kunst) die Regel geben muß: welcherlei Art ist denn diese Regel? Sie kann in keiner Formel abgefaßt zur Vorschrift dienen; denn sonst würde das Urteil über das Schöne nach Begriffen bestimmbar sein: sondern die Regel muß von der Tat, d.i. vom Produkt abstrahiert werden, an welchem andere ihr eigenes Talent prüfen mögen, um sich jenes zum Muster, nicht der Nachmachung, sondern der Nachahmung, dienen zu lassen. Wie dieses möglich sei, ist schwer zu erklären. Die Ideen des Künstlers erregen ähnliche Ideen seines Lehrlings, wenn ihn die Natur mit einer ähnlichen Proportion der Gemütskräfte versehen hat.
Es ist wohl mehr eine Kunst, auf Augenhöhe, mit vielleicht dem Selben an der Hand, etwas zu verrichten, als mit etwas, was darüber hinaus geht. Wobei ein jeder, das, was er sich erarbeitet hat, dessen nicht zu fein sein bräuchte, ums auch anzuwenden, wofür sollte es andernfalls da sein.
Vielleicht mehr noch zählt aber, was man wirklich einbringt und aus welchem Beweggrund, der ja dem Verrichteten seinen Ton mit beigibt, als dass es überhaupt etwas brächte, danach zu gehen, wonach es ausschauen mag. Sich allem ehrlich stellen ist ja auch bereits eine Herausforderung und man wird zu anderen nicht ehrlicher sein können, als zuvörderst zu sich selbst. Wie auch das wohl mehr zählt, was wirklich vor sich geht, als wofür es gehalten wird, wenngleich Ersteres vordergründig sein mag, aber eines ist das, was bleibt, und ein anderes ist, was jeder mit sich nimmt oder trägt.
Was man selber einbringt, und sei es noch so klein, ist's doch immer noch größer und kann ja auch wachsen, als wenn es noch so herausragend oder auffällig sein mag und doch nicht's enthält von einem. Letztlich macht man sich damit ja am meisten selber etwas vor. Ansonsten sei's auch nur eben etwas, wo man voll dahinter steht und es aus einem spricht, als man nur etwas sprechen lässt, weil man's als wirklich seins angenommen hat.
Von daher ist Mehr nicht immer Mehr und Weniger nicht unbedingt wenig und vielleicht auch dazu wesenhafter.
Devino Melchizedek am Sa Jun 27 2015, 02:41
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §22.
... Die Regelmäßigkeit, die zum Begriffe von einem Gegenstande führt, ist zwar die unentbehrliche Bedingung (conditio sine qua non), den Gegenstand in eine einzige Vorstellung zu fassen und das Mannigfaltige in der Form desselben zu bestimmen. Diese Bestimmung ist ein Zweck in Ansehung der Erkenntnis; und in Beziehung auf diese ist sie auch jederzeit mit Wohlgefallen (welches die Bewirkung einer jeden auch bloß problematischen Absicht begleitet) verbunden. Es ist alsdann bloß die Billigung der Auflösung, die einer Aufgabe Genüge tut, und nicht eine freie und unbestimmt-zweckmäßige Unterhaltung der Gemütskräfte, mit dem, was wir schön nennen, und wobei der Verstand der Einbildungskraft und nicht diese jenem zu Diensten ist.
Eine passende Vorstellung zu erwecken ist mehr als bloße Worte...
Immerhin tauschen sich Seelen ja nicht mit Worten aus, denn spätestens am nächsten "Ausländer" täten sich unüberwindliche Hürden auf. Auch wird ein gebildeter Begriff mit jeder passenden Vorstellung erst recht belebt. Und Verständigung, ohne gemeinsamen Nenner (auf einer bestimmten Ebene) oder Schnittmenge (bei etwas Bestimmtem), kann kaum stattfinden.
Verständigung muss also eine Verbindung herstellen, weniger von einem zum anderen, als zu etwas Gegenständlichem, d.h. einen gemeinsamen Nenner bedeuten, seis auch subtil oder auf einer Ebene, die jeder nicht gleichermaßen auffassen kann, die aber doch einen irgendwo erreicht. Ansonsten bliebe jeder ja nur bei seinen Sachen und es fände keine echte Verständigung statt.
Wie viele Worte braucht man also um etwas zu erklären?
Eigentlich nur so viel, wie es erfordert eine bestimmte Vorstellung als Mittler zu erreichen. Und wenn es nicht darum ginge, etwas mitzuteilen der Verständigung wegen, dann dient es vielleicht der Unterhaltung oder es legt womöglich den Schluss der Unnütze nahe..
Wohlgefallen am Gegenstand - KdU
Devino Melchizedek am Mo Jun 29 2015, 00:42
§ 29. Von der Modalität des Urteils über das Erhabene der Natur
... Setzt man aber das Wohlgefallen am Gegenstand ganz und gar darin, dass dieser durch Reiz oder durch Rührung vergnügt: so muss man auch keinem andern zumuten, zu dem ästhetischen Urteile, was wir fällen, beizustimmen; denn darüber befragt ein jeder mit Recht nur seinen Privatsinn. Alsdann aber hört auch alle Zensur des Geschmacks gänzlich auf; man müsste denn das Beispiel, welches andere, durch die zufällige Übereinstimmung ihrer Urteile, geben, zum Gebot des Beifalls für uns machen, wider welches Prinzip wir uns doch vermutlich sträuben und auf das natürliche Recht berufen würden, das Urteil, welches auf dem unmittelbaren Gefühle des eigenen Wohlbefindens beruht, seinem eigenen Sinne, und nicht anderer ihrem, zu unterwerfen.
Nicht alles taugt zum Allgemeinen, bedauerlicherweise gilt aber oft das Nichtige mehr, weil es anderen vertrauter ist, als das, was von Tragweite ist. Die Auswirkungen werden nicht selten auch erst dann bewusst, wenn etwas ging bereits zu Bruch.
Die kleinen Gemüter sich mehr erhitzen,
wenn sie am eignen Fell nur schwitzen.
Und beizubringen oft nur schwer,
so dass man erledigen kann mehr,
wenn man recht schweigt,
es einfach händelt, nichts vergeigt,
dann wird es kaum einer bemerken,
wenn man vor sich ist hin am werkeln.
Doch muss man sich entscheiden, wie weit man sein Privat-Bereich will teilen.
Denn wertvoll ist ein Rückzugs-Hort,
bei dem einen nur wenig stört,
was unerhört und nur empört.
Prinzipien - KdU
Devino Melchizedek am Sa Jul 04 2015, 00:41
§ 72. Von den mancherlei Systemen über die Zweckmässigkeit der Natur
Die Richtigkeit des Grundsatzes: daß über gewisse Dinge der Natur (organisierte Wesen) und ihre Möglichkeit nach dem Begriffe von Endursachen geurteilt werden müsse, selbst auch nur, wenn man, um ihre Beschaffenheit durch Beobachtung kennen zu lernen, einen Leitfaden verlangt, ohne sich bis zur Untersuchung über ihren ersten Ursprung zu versteigen, hat noch niemand bezweifelt. Die Frage kann also nur sein: ob dieser Grundsatz bloß subjektiv gültig, d.i. bloß Maxime unserer Urteilskraft oder ein objektives Prinzip der Natur sei, nach welchem ihr, außer ihrem Mechanism (nach bloßen Bewegungsgesetzen), nach eine andere Art von Kausalität zukomme, nämlich die der Endursachen, unter denen jene (der bewegenden Kräfte) nur als Mittelursachen ständen.
Ursache und Wirkung - Zweck und Mittel - Alpha und Omega - Sein und Werden
hmm.. das Erste kann nicht erstes sein, wenn dem nichts folgt, dann ist auch etwas als Ursache sodann gegeben. Prinzipien sind doch etwas Schönes, da sie sich vor allem darin auszeichnen, nicht ohne weiteres umgestoßen werden zu können, meist sogar nur relativiert werden zu können oder auf ihren Kontext hin begrenzt, ihrer Grenze verwiesen.
Beliebt wird man damit sicher nicht, eben weil es doch was gibt, womit man jeden kriegt und will er es nicht zeigen, dann muss erst recht was da sein und man muss es ihm nur noch beweisen. So oder so ähnlich denkt es sich, wer da selber oft an irgend etwas hängt und nicht selten zu viel an sich denkt..
Im Großen, wie im Kleinen, es sind oft die selben Prinzipien, nur ein anderer Blickwinkel. Je besser die kleinen Dinge geordnet sind, desto besser kann man auch mit den Größeren umgehen. Und die Nebenwirkungen im Kleinen, sind viel leichter zu beseitigen, als im Großen. Von daher, früh übt sich's und kaum je etwas ist vergebens, wenn es einem Zwecke dienlich sein kann, was nicht selten eine Anbindung zu Höherem kennzeichnet. Wie eben ein Baum der Früchte trägt...
Und einfach etwas zu bearbeiten, ist für sich meist mehr,
etwas gültiges aufstellen für andere zählt vielleicht sehr,
muss aber längst nicht etwas ergeben, was es gilt zu erstreben.
Ist nur Ursache oder Wirkung besser?
Es gehört zusammen, da beides voneinander abhängt und einander das werden lässt, was draus werden kann. Vermutlich kann etwas sogar nur Endursache für etwas sein, wenn es für etwas weiteres eine Ursache wiederum hervorbringt, wo es weiter geht, denn würde es sonst in irgend einer Weise als erstrebenswert zählen?
Nachahmung / Nachmachen - KdU
Devino Melchizedek am Mi Jul 08 2015, 00:54
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 32.
... Es gibt gar keinen Gebrauch unserer Kräfte, so frei er auch sein mag, und selbst der Vernunft (die alle ihre Urteile aus der gemeinschaftlichen Quelle a priori schöpfen muss), welcher, wenn jedes Subjekt immer gänzlich von der rohen Anlage seines Naturells anfangen sollte, nicht in fehlerhafte Versuche geraten würde, wenn nicht andere mit den ihrigen ihm vorgegangen wären, nicht um die Nachfolgenden zu bloßen Nachahmern zu machen, sondern durch ihr Verfahren andere auf die Spur zu bringen, um die Prinzipien in sich selbst zu suchen, und so ihren eigenen, oft besseren, Gang zu nehmen.
Selbst in der Religion, wo gewiss ein jeder die Regel seines Verhaltens aus sich selbst hernehmen muss, weil er dafür auch selbst verantwortlich bleibt, und die Schuld seiner Vergehungen nicht auf andre, als Lehrer oder Vorgänger, schieben kann, wird doch nie durch allgemeine Vorschriften, die man entweder von Priestern oder Philosophen bekommen, oder auch aus sich selbst genommen haben mag, so viel ausgerichtet werden, als durch ein Beispiel der Tugend oder Heiligkeit, welches, in der Geschichte aufgestellt, die Autonomie der Tugend, aus der eigenen und ursprünglichen Idee der Sittlichkeit (a priori), nicht entbehrlich macht, oder diese in einen Mechanism der Nachahmung verwandelt.
Man muss ein Rad nicht mehrfach oder neu erfinden und alles, was funktioniert hat, kann richtungweisend sein, da man zumindest in Ansehung dessen, der Funktionalität an sich gewiss sein kann, was daraus eine der wohl bedeutendsten Lernmethoden macht.
Nachahmen ist daher von Nutzen, Nachmachen schon weniger, da der eigene Ansatz fehlt und alles nur auf etwas anderem aufsetzt und beruht, der eigene Beitrag also völlig ruht bzw. nichts zur Sache selbst beisteuert oder über diese hinaus geht.
Während es für andere ja immer noch von Wert sein kann, da sie ja immer noch etwas daraus entstehen lassen können oder es zur Nachahmung verwenden können, um selber dann darüber hinaus zu gehen, so bleibt es aber für den Nachmachenden irgendwo von geringstem Nutzen, wenn es nur dabei also bliebe.
Abstand / Abstossende Kraft - KdU
Devino Melchizedek am Sa Jul 11 2015, 00:38
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 91
... Wenn ich einem Körper bewegende Kraft beilege, mithin ihn durch die Kategorie der Kausalität denke: so erkenne ich ihn dadurch zugleich, d.i. ich bestimme den Begriff desselben, als Objekts überhaupt, durch das, was ihm, als Gegenstande der Sinne, für sich (als Bedingung der Möglichkeit jener Relation) zukommt. Denn, ist die bewegende Kraft, die ich ihm beilege, eine abstoßende: so kommt ihm (wenn ich gleich noch nicht einen andern, gegen den er sie ausübt, neben ihm setze) ein Ort im Raume, ferner eine Ausdehnung, d.i. Raum in ihm selbst, überdem Erfüllung desselben durch die abstoßenden Kräfte seiner Teile zu, endlich auch das Gesetz dieser Erfüllung (dass der Grund der Abstoßung der letzteren in derselben Proportion abnehmen müsse, als die Ausdehnung des Körpers wächst, und der Raum, den er mit denselben Teilen durch diese Kraft erfüllt, zunimmt).
D.h. auch, will man nicht etwas direkt abstoßen, sich aber auch dem keinesfalls nähern, vor allem wenn es keinen notwendigen Grund hierzu gibt, dann gibt es noch die Möglichkeit den Raum auszudehnen, indem man diesen mit etwas aufbaut und erfüllt. Eine weitere Möglichkeit wäre, abhängig davon, worauf es sich bezieht, dass man den Raum wechselt oder sich in andere Räume hin bewegt.
Was eher schon schwieriger ist, ist nicht mehr an das zu denken, was in irgend einem Zusammenhang oder Verbindung steht und hierdurch schon dieses aufgebaut oder aufrecht erhalten wird. Da hilft dann aber wohl nur noch Übung in Gedankenkontrolle weiter...
Zufällig ästhetisch Schön - KdU
Devino Melchizedek am Sa Jul 18 2015, 22:36
§ 67. Vom Prinzip der teleologischen der Natur überhaupt als System Zwecke
... Es ist also nur die Materie, sofern sie organisiert ist, welche den Begriff von ihr als einem Naturzwecke notwendig bei sich führt, weil diese ihre spezifische Form zugleich Produkt der Natur ist. Aber dieser Begriff führt nun notwendig auf die Idee der gesamten Natur als eines Systems nach der Regel der Zwecke; welcher Idee nun aller Mechanism der Natur nach Prinzipien der Vernunft (wenigstens um daran die Naturerscheinung zu versuchen) untergeordnet werden muss. Das Prinzip der Vernunft ist ihr als nur subjektiv, d.i. als Maxime zuständig: Alles in der Welt ist irgend wozu gut; nichts ist in ihr umsonst; und man ist durch das Beispiel, das die Natur an ihren organischen Produkten gibt, berechtigt, ja berufen, von ihr und ihren Gesetzen nichts, als was im Ganzen zweckmäßig ist, zu erwarten...
So könnte man z.B. sagen: das Ungeziefer, welches die Menschen in ihren Kleidern, Haaren, oder Bettstellen plagt, sei nach einer weisen Naturanstalt ein Antrieb zur Reinlichkeit, die für sich schon ein wichtiges Mittel der Erhaltung der Gesundheit ist. Oder die Moskitomücken und andere stechenden Insekten, welche die Wüsten von Amerika den Wilden so beschwerlich machen, seien so viel Stacheln der Tätigkeit für diese angehende Menschen, um die Moräste abzuleiten, und die dichten den Luftzug abhaltenden Wälder lichter zu machen, und dadurch, imgleichen durch den Anbau des Bodens, ihren Aufenthalt zugleich gesünder zu machen. Selbst was dem Menschen in seiner innern Organisation widernatürlich zu sein scheint, wenn es auf die Weise behandelt wird, gibt eine unterhaltende, bisweilen auch belehrende Aussicht in eine teleologische Ordnung der Dinge, auf die uns, ohne ein solches Prinzip, die bloß physische Betrachtung allein nicht führen würde.
Daher ist es naheliegend auch anzunehmen, dass kaum etwas zufällig und ohne Grund da sei, sei der Grund nun in der Natur selbst als Zweck oder vielleicht nur im Ätherischen und womöglich in einem Kosmischen Zusammenhang erst gegeben, oder eben als eine Form der Kontradiktion entstanden, zu dem, was nicht von sich aus geregelte Bahnen fand.
Es steckte ja irgendwo hinter allem eine Art von Kraft, die es so werden ließ. Und trifft Kraft nicht auf eine Bahn, die den Lauf begünstigt, dann bahnt sie sich ihren Weg auch so und es wird allemal wohl besser sein, wenn erst eine intelligente Bahn da ist, denn zufällig ergibt sich wohl selten eine Bessere.
Man kann sich Fragen, ob die Ästhetische Schönheit, die so reich verschwendet gar oder willkürlich aufzutreten in der Natur vermag, nur zufällig da sein kann? Vielleicht ist es aber auch der Götter Schauspiel, welches sich darin widerfindet, auch dort, wo es kaum oder keiner zu sehen vermag. Nehmen wir die Unterwassergeschöpfe, aber auch hier, selbst in großer Tiefe, macht die Technik bereits möglich, das sie gesehen werden.
Vielleicht ist es somit auch alles nur eine Frage der Zeit, aber die, die an der Zeit nicht hingen, konnten es sich nicht nehmen lassen, auch in der Zukunft für allerlei Überraschung zu sorgen, was die ästhetische Schönheit angeht und worin sich diese zu finden vermag. Nur wenn auch so viel Grund zur Annahme besteht, dass vieles, doch so sehr zufällig nicht sein mag, dann kann wohl auch von der Schönheit angenommen werden, dass auch diese so zufällig nicht in der umfassenden Weise in der Natur auftreten dürfte!?
Über den Wert von Analogien - KdU
Devino Melchizedek am Di Jul 21 2015, 02:06
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 72
... Ob die Zweckverknüpfung in der Natur eine besondere Art der Kausalität für dieselbe beweise; oder ob sie, an sich und nach objektiven Prinzipien betrachtet, nicht vielmehr mit dem Mechanism der Natur einerlei sei, oder auf einem und demselben Grunde beruhe: nur daß wir, da dieser für unsere Nachforschung in manchen Naturprodukten oft zu tief versteckt ist, es mit einem subjektiven Prinzip, um sie der Natur der Analogie nach unterzulegen; welche Nothilfe uns auch in vielen Fällen gelingt, in einigen zwar zu mißlingen scheint, auf alle Fälle aber nicht berechtigt, eine besondere, von der Kausalität nach bloß mechanischen Gesetzen der Natur selbst unterschiedene, Wirkungsart in die Naturwissenschaft einzuführen.
Ob man nun in die technischen Feinheiten geht, soweit diese den Naturvorgängen entsprechen, oder vermittelst von Zuordnungen (Analogien) die dem Gegenstand der Betrachtung unterlegt werden, etwas aufzeigt, hängt wohl mit davon ab, ob es in der Konklusion letztlich hin zum Mikro- oder Makrokosmos geht. Dem Ersteren wird man sich allein durch Analogien kaum annähern können, dem Zweiten mittels technischer Feinheiten kaum beikommen.
Generell lässt sich mittels Zuordnungen, d.h. Gegenüberstellungen und Analogien mit am einfachsten und meist effizientesten etwas aufzeigen und vermitteln, wenns nicht gerade um technische Details als solches ginge.
Der Grund hierfür dürfte eben derart sein, dass man ja eine Art von Gegenstand einbringt und hier zum Objekt eine weitere Fläche zwischen beiden entsteht und diese also zusätzlichen Raum für das herstellen von Zusammenhängen anbietet, ohne welche man mehr auf eigene Mittel zurückgreifen müsste und diese, vor allem spontan, selten besser sich eignen werden, als das, was speziell hierzu bereits als Mittel (Gegenstand der Betrachtung) ausgearbeitet und angeboten wird.
Bestimmende/Reflektierende Urteilskraft - KdU
Devino Melchizedek am Sa Jul 25 2015, 02:03
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 74
Wir verfahren mit einem Begriffe (wenn er gleich empirisch bedingt sein sollte) dogmatisch, wenn wir ihn als unter einem anderen Begriffe des Objekts, der ein Prinzip der Vernunft ausmacht, enthalten betrachten, und ihn diesem gemäß bestimmen. Wir verfahren aber mit ihm bloß kritisch, wenn wir ihn nur in Beziehung auf unser Erkenntnisvermögen, mithin auf die subjektiven Bedingungen, ihn zu denken, betrachten, ohne es zu unternehmen, über sein Objekt etwas zu entscheiden. Das dogmatische Verfahren mit einem Begriffe ist also dasjenige, welches für die bestimmende, das kritische das, welches bloß für die reflektierende Urteilskraft gesetzmäßig ist.
Um diese Sätze, mit anderen Worten widerzugeben, könnte man sagen:
Auf uns selbst betrachtet und sich auseinander setzend mit etwas, gehörte zur reflektierenden, hin auf ein Objekt bezogen, diesem etwas zuordnend, gehörte zur bestimmenden Urteilskraft. Wobei es im Dogma mündet, eine Zuordnung unternehmen zu wollen, wenn wir sie zum Objekt gehörig annehmen, es aber mehr nur zu unserer individuellen Erfahrung, aber nicht grundsätzlich zum Objekt gehörig objektiv feststellbar wäre. Allerdings bliebe es eine kritische Betrachtung, wenn wir es auf uns und nur die Auseinandersetzung mit dem Objekte hin beziehen, ohne sich darauf zu versteifen, es zum Objekt gehörig anzunehmen bzw. feststellen zu wollen.
Es ist also ein Unterschied, ob man sich mit Etwas befasst und bei sich damit bleibt, oder es unbedingt mit etwas verbunden betrachten möchte, selbst wenn in allen Fällen es ja in uns bliebe, soweit wie es nicht nach außen hin zum Ausdruck kommt. Bliebe man beim Ersteren, wäre nahezu alles denkbar, ohne eine anderweitige Wirkung, außer der auf uns selbst, zu haben. Wenn wir aber zum nächsten Schritt gehen und sei es nur in uns selbst, könnte man dennoch das Verhältnis zum Objekte hin belasten, weil man sich nicht im rechten Verhältnis dazu aufstellt, wenn man Zuordnungen vornimmt, die vom Objekt nicht getragen werden. Denn wenn wir so verfahren, wird meist ein Teil in uns davon ausgehen, dass es wahr ist, sonst wäre ja auch eine Annahme in sich diesbezüglich nicht denkbar und wenn ein Teil es so als wahr annimmt, wird dieser auch entsprechend, und sei es nur unbewusst, so darauf reagieren, als wäre es wahr.
Von daher wäre es auch denkbar, dass u.a. in Religiösen Kontexten so einige Konflikte nicht anzutreffen wären oder entschärft werden könnten, wenn man sich hinreichend mit diesen Gedanken befassen würde. So könnte es dazu führen, dass wesentlich mehr Aussagen von einer reflektierenden anstelle einer bestimmenden Urteilskraft ausgingen. Weniger würde man dadurch nicht bewirken, denn es würde ja das Innere Verhältnis der Betreffenden eher verbessern, als es durch Geltungsaussprüche lediglich zu etwas hin überbetonen, was womöglich bereits durch die reflektierende Urteilskraft hinreichend hinsichtlich der Objektivität in Frage gestellt würde und somit gänzlich aus der Welt geschafft werden könnte, um sich gegebenenfalls anstelle dem, Wesentlicherem zuwenden zu können.
Zur Aufwertung - KdU
Devino Melchizedek am Sa Aug 01 2015, 03:21
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 75
... Wir können uns die Zweckmäßigkeit, die selbst unserer Erkenntnis der inneren Möglichkeit vieler Naturdinge zum Grunde gelegt werden muss, gar nicht anders denken und begreiflich machen, als indem wir sie und überhaupt die Welt uns als ein Produkt einer verständigen Ursache (eines Gottes) vorstellen.
Wenn nun dieser auf einer unumgänglich notwendigen Maxime unserer Urteilskraft gegründete Satz allem sowohl spekulativen als praktischen Gebrauche unserer Vernunft in jeder menschlichen Absicht vollkommen genugtuend ist; so möchte ich wohl wissen, was uns dann darunter abgehe, dass wir ihn nicht auch für höhere Wesen gültig, nämlich aus reinen objektiven Gründen (die leider unser Vermögen übersteigen) beweisen können. Es ist nämlich ganz gewiss, dass wir die organisierten Wesen und deren innere Möglichkeit nach bloß mechanischen Prinzipien der Natur nicht einmal zureichend kennenlernen, viel weniger uns erklären können; und zwar so gewiss, dass man dreist sagen kann, es ist für Menschen ungereimt, auch nur einen solchen Anschlag zu fassen, oder zu hoffen, dass noch etwa dereinst ein Newton aufstehen könne, der auch nur die Erzeugung eines Grashalms nach Naturgesetzen, die keine Absicht geordnet hat, begreiflich machen werde: sondern man muss diese Einsicht den Menschen schlechterdings absprechen.
Man könnte wohl, nicht nur etwas in seiner Existenz abzusprechen suchen, sondern genauso darauf pochen, dass etwas so lange existiert, wie nicht das Gegenteil bewiesen ist!
Der Wert liegt dann allem voran in dem, was das Vermögen zu einer größeren Aufwertung bei sich führt. Dies kann bereits darin liegen, Gedanken zuzulassen, die bei einer Nichtexistenz von Etwas, keine Grundlage hätten um überhaupt gedacht oder gehegt zu werden, andernfalls aber dazu befördern könnten, eine systematische Ordnung hervorzubringen, nach der sich etwas ordnen oder erklären ließe und ohnedies, nur Entsprechendes eine vage Vorstellung zuließe oder sich gar nicht als Thema erst behandelt werden könnte etc. Auch könnte es Grundlage zur moralischen Entwicklung mit sich führen und dazu befördern, dann kann es nicht mehr sein, auf die Nichtexistenz davon zu setzen, die gar nichts mit sich führte...
Abgesehen auch davon, wenn überhaupt Etwas nicht mal den Rahmen hätte, etwas anzufechten, wenn es sich nicht zugleich der Kausalität bediente, um es gegen eben selbige zu richten, um es so zugleich zu widerlegen suchen, mit dem, was überhaupt dazu befähigt u.dg.vm. Somit wäre es fast so, als würde man an einer Aufwertung von etwas vorbeischrauben, weil man anstelle von Gewinde, an Schrauben lediglich Kringel hätte und ihnen den gleichen Zweck aber zusprechen wollte.
Wo wäre also oben, wenn es nichts Höheres gäbe?
Und warum sollte man daher besser dran sein, das als nichtexistent dar zutuen, was überhaupt eine Unterscheidung ermöglicht und sei es darum, dass man keinen Beweis dafür festmachen könnte aber auch keinen dagegen hätte..
Fragen der Vernunft - KdU
Devino Melchizedek am Di Aug 04 2015, 01:36
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §76
... So wie die Vernunft, in theoretischer Betrachtung der Natur, die Idee einer unbedingten Notwendigkeit ihres Urgrundes annehmen muss; so setzt sie auch, in praktischer, ihre eigene (in Ansehung der Natur) unbedingte Kausalität, d.i. Freiheit, voraus, indem sie sich ihres moralischen Gebots bewusst ist.
Warum ist etwas, wie es ist?
Und warum bin Ich, wie Ich Bin?
Fragen der Vernunft setzen gerne mal etwas Bestimmtes in einen Zusammenhang zu einer Idee, obwohl Jeweiligem selber, diese Idee keineswegs inhärent sein mag, weil es rein technisch keine Vernunftidee befolgt oder dieser gar folgen könnte und doch holt die Vernunft Jeweiliges in seine Welt, indem sie einen größeren Zusammenhang darauf anwendet, ganz so, als wäre er gegeben, um daraus Einsichten zu ziehen. Wobei dadurch Jeweiliges tatsächlich so mit einer Idee zusammen ein Bindeglied findet, wenn auch nur in einem bestimmten Kontext, und es mittels von daraus erzeugter Bedeutung im entsprechenden Kontext auch anwendbar gemacht werden kann.
All dieses wäre aus rein technischen Abfolgen, als Entwicklung weniger denkbar, wenn nicht etwas aus sich und unabhängig der technischen Mechanismen, daran geht, sowohl in Ansehung einer Idee, als auch diese zu fassen und in sich abzubilden, um sie letztlich reifen zu lassen und hervorzubringen, d.h. zu gebären.
Alles in Allem, ohne die Kausalität, also Ursache von Etwas, entsteht Manches nicht einfach zufällig, so wie auch manche Ursache außerhalb liegt und manche innerhalb und für eine Art eine Solche und für eine andere Art die Andere benötigt wird. D.h. eine beigefügte Ursache ist eine andere, als eine Erschaffene und sicher auch mit anderen Kosten verbunden, damit umzugehen...
Zweck kommt zugute, Mittel macht schnute - KdU
Devino Melchizedek am Di Aug 18 2015, 01:45
§ 82. Von dem teleologischen System in dem äußern Verhältnisse organisierter Wesen
Unter der äußern Zweckmäßigkeit verstehe ich diejenige, da ein Ding der Natur einem andern als Mittel zum Zwecke dient. Nun können Dinge, die keine innere Zweckmäßigkeit haben, oder zu ihrer Möglichkeit voraussetzen, z.B. Erden, Luft, Wasser usw. gleichwohl äußerlich, d.i. im Verhältnis auf andere Wesen, sehr zweckmäßig sein; aber diese müssen jederzeit organisierte Wesen, d.i. Naturzwecke sein, denn sonst könnten jene auch nicht als Mittel beurteilt werden. So können Wasser, Luft, und Erden nicht als Mittel zur Anhäufung von Gebirgen angesehen werden, weil diese an sich gar nichts enthalten, was einen Grund ihrer Möglichkeit nach Zwecken erforderte, worauf in Beziehung also ihre Ursache niemals unter dem Prädikate eines Mittels (das dazu nützte) vorgestellt werden kann.
Die äußere Zweckmäßigkeit ist ein ganz anderer Begriff, als der Begriff der innern, welche mit der Möglichkeit eines Gegenstandes, unangesehen ob seine Wirklichkeit selbst Zweck sei oder nicht, verbunden ist.
Ein Zweck drum fasst die Mittel, die Mittel nicht den Zweck, so kann das Eine halten, das Andere was verspricht, und beides nur zusammen, hält ohne das es bricht.
Die Mittel daher sind zu Diensten berufen, wenn sie sind vom Zwecke dafür gerufen.
Der Äußere sie erst bedient, bis ihre Hilfe er verdient,
der Innere sie berufen kann, wenn sie dem folgen irgendwann.
Der Zweck kommt zugute, das Mittel macht schnute,
doch nur beides Hand in Hand, schafft zusammen dieses Band.
Es folgt doch noch viel mehr, wo es hilft allen sehr,
ein organisiertes Wesen entsteht, was dies dann versteht,
was alles zusammengeführt, was es hat berührt.
Hin zum edlen Gemüt - KdU
Devino Melchizedek am Sa Aug 29 2015, 04:01
Die Geschicklichkeit kann in der Menschengattung nicht wohl entwickelt werden, als vermittelst der Ungleichheit unter Menschen; da die größte Zahl die Notwendigkeit des Lebens gleichsam mechanisch, ohne dazu besonders Kunst zu bedürfen, zur Gemächlichkeit und Muße anderer, besorget, welche die minder notwendigen Stücke der Kultur, Wissenschaft und Kunst, bearbeiten, und von diesen in einem Stande des Drucks, saurer Arbeit und wenig Genusses gehalten wird, auf welche Klasse sich denn doch manches von der Kultur der höheren nach und nach auch verbreitet. Die Plagen aber wachsen im Fortschritte derselben (dessen Höhe, wenn der Hang zum Entbehrlichen schon dem Unentbehrlichen Abbruch zu tun anfängt, Luxus heißt) auf beiden Seiten gleich mächtig, auf der einen durch fremde Gewalttätigkeit, auf der andern durch innere Ungenügsamkeit; aber das glänzende Elend ist doch mit der Entwicklung der Naturanlangen in der Menschengattung verbunden, und der Zweck der Natur selbst, wenn es gleich nicht unser Zweck ist, wird doch hiebei erreicht. Die formale Bedingung, unter welcher die Natur diese ihre Endabsicht allein erreichen kann, ist diejenige Verfassung im Verhältnisse der Menschen untereinander, wo dem Abbruche der einander wechselseitig widerstreitenden Freiheit gesetzmäßige Gewalt in einem Ganzen, welches bürgerliche Gesellschaft heißt, entgegengesetzt wird; denn nur in ihr kann die größte Entwicklung der Naturanlagen geschehen.
Von selbst fällt einem wohl nur das in den Schoß, was einem von der Natur zukommt oder was man bereits entwickelt hatte. Was mehr zählt, ist aber wohl das, woran man ist es zu entwickeln. Für Mancherlei hiervon wird ein gewisser (sagen wir konstruktiver) Druck sogar erforderlich sein, entweder, weil man freiwillig sich an Derlei nicht heranwagen würde, oder aber, weil die Hervorbringung allen aufzubringenden Einsatz erfordert ggf. auch weil der Umfang Dessen, es schon naturgemäß und evtl. im Verhältnis, mit sich bringt.
D.h. sich bis zu einem gewissen Grade zwar quälen, zumindest um über die bloße Natur und Naturbedingungen hinaus zu kommen und um über allen gar mechanischen Müßiggang hinauszugehen, um so überhaupt erst Anspruch auf Sittlichkeit zwar stellen zu können, ohne diesen aber zu erheben, eben so weit, das ein Gut auch als solches auszumachen ist und dieses dann auch noch weiter zu geben, darin wird sich ein edles Gemüt wohl kenntlich machen.
Ähnlich der Kunst also, so die Selbstentwicklung und Verwirklichung mindestens ein aktives Hinarbeiten oder Streben zum Übernaturellem erfordert und kein passives Zustandekommen zufällig entstehen wird, allein naturbedingt schon nicht, denn unwahrscheinlich wäre es sonst, überhaupt sagen zu können, es wäre von einem oder man wäre dieses selbst oder es hätte mit einem zu tuen...
Was Begriffsbestimmung mit sich führt - KdU
Devino Melchizedek am Do Sep 03 2015, 00:42
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §85
... welche Eigenschaften, welchen Grad und welches Verhältnis der obersten Ursache der Natur ich mir zu denken habe, um diese als teleologisches System zu beurteilen; wie und mit welchem Rechte darf ich da meinen sehr eingeschränkten Begriff von jenem ursprünglichen Verstande, den ich auf meine geringe Welterkenntnis gründen kann, von der Macht dieses Urwesens, seine Ideen zur Wirklichkeit zu bringen, von seinem Willen es zu tun usw., nach Belieben erweitern, und bis zur Idee eines allweisen unendlichen Wesens ergänzen?
Dies würde, wenn es theoretisch geschehen sollte, in mir selbst Allwissenheit voraussetzen, um die Zwecke der Natur in ihrem ganzen Zusammenhange einzusehen, und noch obenein alle andere mögliche Plane denken zu können, mit denen in Vergleichung der gegenwärtige als der beste mit Grunde beurteilt werden müßte. Denn, ohne diese vollendete Kenntnis der Wirkung, kann ich auf keinen bestimmten Begriff von der obersten Ursache, der nur in dem von einer in allem Betracht unendlichen Intelligenz, d.i. dem Begriffe einer Gottheit, angetroffen werden kann, schließen, und eine Grundlage zur Theologie zustande bringen.
Mit welchem Substrat ist ein Begriff überhaupt genährt, um den Anspruch zu bestehen, auf etwas Höheres zu verweisen?
Sicher ist es nicht schwer Begriffe anzuführen, um damit auf etwas Höheres verweisen zu wollen. Ist, während man einen Begriff ins Feld führt, aber kein Bezug zum Jeweiligen vorhanden, geht dieser entweder zu einer kollektiven Bedeutung (wo jeder das daraus leiten wird, was seiner bestimmten Anbindung zufällt), oder es ist das, was der dem beilegt, der sich damit befasst, andernfalls mündet es nur in irgend etwas oder bedeutet bloß irgend etwas anderes, was ja dann lediglich künstlich ist, aber daher weder etwas eröffnen kann, noch dazu beitragen, außer gerade nur aufzuzeigen, was etwas nicht ist.
Andererseits kann man daher auch irgend einen Begriff nehmen und darin mehr einfließen lassen, als dieser an sich an Bedeutung bei sich führt und mehr noch erzielen, als mit hochtrabenden Worten, während man lediglich über banale Dinge daher philosophiert und mehr erreichen, als eben Begriffe ins Feld zu führen, die ihrem Anspruch bloß nachsehen lassen.
Trotzt allem ist es nicht immer leicht, in dem, was man vermeint zu erkennen, auch noch das auszumachen, was man bei sich gerade führt, womit das Gesagte aufgewogen wird. Aber durch einfache Begriffe kann man nicht notwendig weniger zum Ausdruck bringen, weniger aber Gefahr laufen, zu falschweisen, allemal. Und alles, was man vermeint zu erkennen, ist zwar bedingt auch durch das, was man bei sich führt, nur ist nicht immer das bei sich Geführte mit eben der Einsicht ausgestattet, alles so einzuordnen, wie es sich verhält, denn dann müsste man der Allwissenheit wohl nahe sein, womit die Theorie zur Vollkommenheit geführt werden mag, für eine dem gleichkommende Praxis, wird man wohl lediglich etwas in Richtung Allmacht benötigen...
Zur moralischen Intelligenz - KdU
Devino Melchizedek am So Sep 13 2015, 00:07
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 86
Setzet einen Menschen in den Augenblick der Stimmung seines Gemüts zur moralischen Empfindung. Wenn er sich, umgeben von einer schönen Natur, in einem ruhigen, heitern Genusse seines Daseins befindet, so fühlt er in sich ein Bedürfnis, irgend jemand dafür dankbar zu sein.
Oder er sehe sich ein andermal in derselben Gemütsverfassung im Gedränge von Pflichten, denen er nur durch freiwillige Aufopferung Genüge leisten kann und will; so fühlt er in sich ein Bedürfnis, hiermit zugleich etwas Befohlenes ausgerichtet und einem Oberherrn gehorcht zu haben. Oder er habe sich etwa unbedachtsamer Weise wider seine Pflicht vergangen, wodurch er doch eben nicht Menschen verantwortlich geworden ist; so werden die strengen Selbstverweise dennoch eine Sprache in ihm führen, als ob sie die Stimme eines Richters wären, dem er darüber Rechenschaft abzulegen hätte.
Mit einem Worte: er bedarf einer moralischen Intelligenz, um für den Zweck, wozu er existiert, ein Wesen zu haben, welches diesem gemäß von ihm und der Welt die Ursache sei.
Es ist wie Treppen steigen, wenn man sich etwas vornimmt zu erreichen, etwas dem Moralischen Angehörige und es dann auch vollzieht, kann es bis hin zur Erhabenheit führen, anders, als wenn man es nicht vollzieht, ein Teil in einem schonmal straffend aufzutreten vermag um sich selber Vorwürfe zu machen, es wie eine Leiter ist, die man nicht erklommen hat und auch dies nicht erreicht, was darüber geht.
Dabei zählt ja mehr noch die Summe aller moralischen Bestrebungen und nicht nur eine einzige, denn mit einer Treppenstufe allein ist noch nicht viel getan. Dabei ist es doch genau das, das Licht, womit man seinen eigenen Weg beleuchtet und worin ein gewisser Aufstieg sich vollzieht und das kleinste Opfer, was man vor sich darbringen muss, wenn man den eigenen Weg beschreiten will.
Denn viele Treppen mag es geben, die eigene muss aber doch erbaut sein, um als eigene gelten zu können, die man nach seinem eigenen blieben nutzt.
Fassetten - KdU
Devino Melchizedek am Di Sep 15 2015, 01:45
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §87
Es gibt eine physische Teleologie, welche einen für unsere theoretisch reflektierende Urteilskraft hinreichenden Beweisgrund an die Hand gibt, das Dasein einer verständigen Weltursache anzunehmen.
Wir finden aber in uns selbst, und noch mehr in dem Begriffe eines vernünftigen mit Freiheit (seiner Kausalität) begabten Wesens überhaupt, auch eine moralische Teleologie, die aber, weil die Zweckbeziehung in uns selbst a priori, samt dem Gesetze derselben, bestimmt, mithin als notwendig erkannt werden kann, zu diesem Behuf keiner verständigen Ursache außer uns für diese innere Gesetzmäßigkeit bedarf: so wenig, als wir bei dem, was wir in den geometrischen Eigenschaften der Figuren (für allerlei mögliche Kunstausübung) zweckmäßig finden, auf einen ihnen dieses erteilenden höchsten Verstand hinaus sehen dürfen. Aber diese moralische Teleologie betrifft doch uns, als Weltwesen, und also mit andern Dingen in der Welt verbundene Wesen: auf welche letzteren, entweder als Zwecke oder als Gegenstände in Ansehung deren wir selbst Endzweck sind, unsere Beurteilung zu richten, ebendieselben moralischen Gesetze uns zu Vorschriften machen.
An und für sich selber betrachtet, hat Jeder doch ganz klar Recht, es ist alles genauso, wie er es glaubt.
Im Verhältnis gesehen und worauf auch immer bezogen, ist es genauso, wie die Dinge sich zueinander verhalten und positionieren können.
Auf einen Gegenstand bezogen, ist dieser genauso, wie er ist und nicht mehr oder weniger ist, was ihn ausmacht.
Und weil nun alles so ist, wie es ist, kann es nicht mehr oder weniger von Bedeutung sein, für uns, als so, wie wir diesem beimessen und überhaupt beimessen können.
Dagegen im Verhältnis gesehen, kann es aber keine zwei Gegensätzliche Verhältnisse geben, als sich dieses ins Verhältnis fügen lässt und in diesem besehen auch nicht zwei verschiedene Dinge ein und die selbe Position einnehmen.
Ein Gegenstand ist an sich zu mehr nicht ausgelegt, als seine Funktionen ihm verstatten, dennoch kann er im Verhältnis andere Fassetten einbringen, die sich aus dem Verhältnis ergeben können und dazu kann der Gegenstand auch für Jemanden etwas bedeuten und scheinbar etwas bei sich führen, was dem Gegenstande selbst gar nicht inhärent ist.
Hat man etwas bestimmtes vor Augen, dann kann vieles andere womöglich aus dem Sichtfeld sein, bewegt man sich nur darauf zu, dann womöglich von vielen anderen Dingen weg. In dem Zusammenhang könnte sich die Frage stellen, ob man sich hinreichend umgeschaut hat, bevor man diesem Ziel allein sich verschreibt und aus einem Blickwinkel heraus, obwohl selbst dieses Etwas, verschiedene Fassetten haben könnte, die man nicht mitbekommen mag, wird man diese dennoch ja auch mit bekommen. Wenn etwas nicht den Anspruch erheben kann, wahrhaftig und absolut zu sein, und einen solchen Anspruch wird dieses, was so ist, nicht stellen und erst recht nicht brauchen, dann wird etwas desto wahrhaftiger sein, je umfassender es ist und je mehr es einzubeziehen und zur Synthese zu bringen vermag und weniger, was man für sich diesem einräumt.. es beginnt wohl damit, dass doch alles mehr als eine Fassette hat.
Außen, Innen und Dreiheit - KdU
Devino Melchizedek am Do Sep 24 2015, 02:59
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 88
... Zur objektiven theoretischen Realität also des Begriffs von dem Endzwecke vernünftiger Weltwesen wird erfordert, daß nicht allein wir einen uns a priori vorgesetzt Endzweck haben, sondern daß auch die Schöpfung, d.i. die Welt selbst, ihrer Existenz nach einen Endzweck habe: welches, wenn es a priori bewiesen werden könnte, zur subjektiven Realität des Endzwecks die objektive hinzutun würde. Denn, hat die Schöpfung überall einen Endzweck, so können wir ihn nicht anders denken, als so, daß er mit dem moralischen (der allein den Begriff von einem Zwecke möglich macht) übereinstimmen müsse. Nun finden wir aber in der Welt zwar Zwecke: und die physische Teleologie stellt sie in solchem Maße dar, daß, wenn wir der Vernunft gemäß urteilen, wir zum Prinzip der Nachforschung der Natur zuletzt anzunehmen Grund haben, daß in der Natur gar nichts ohne Zweck sei; allein den Endzweck der Natur suchen wir in ihr selbst vergeblich. Dieser kann und muß daher, so wie die Idee davon nur in der Vernunft liegt, selbst seiner objektiven Möglichkeit nach, nur in vernünftigen Wesen gesucht werden. Die praktische Vernunft der letzteren aber gibt diesen Endzweck nicht allein an, sondern bestimmt auch diesen Begriff in Ansehung der Bedingungen, unter welchen ein Endzweck der Schöpfung allein von uns gedacht werden kann.
Es ist oft die Rede von Innen und Außen, aber was mag das alles bedeuten, vor allem dem praktischen Gebrauche nach und wie kann man es überhaupt zuordnen ohne ein Drittes einzubringen?
Mehr physikalisch gesehen, kann man anführen, dass, wenn wir das Innen nehmen und es hat keinen Bezug zu irgend etwas, dann wäre es bloß theoretisch, denn es gäbe keinen Beleg, was es überhaupt ist und bei sich führt. Wenn diesem aber von Außen ein Bedeutung, d.i. etwas zur Handhabung zugestanden wird, dann kommt diesem auch praktische Bedeutung und die Möglichkeit etwas bewegen zu können hinzu. Sofern das Innen aber etwas Inneres und für sich Bestehendes, das unabhängig von sich bestehend ist, hinzu zieht, dann kann beides mindestens in der Verbindung zueinander auch objektive Realität herstellen. Ebenso kann sich etwas Äußeres gegenseitig etwas in homogener Weise einräumen.
Vertiefen wir es nun etwas weiter, d.i. in heterogener Zweckverbindungen würde auch das, was vom Innern her einem dieser äußern Dinge etwas einräumt, sofern es auf jenes trifft, worin sich die beiden Äußeren überschneiden, auch dem zweiten Äußern das gleiche einräumen. So auch umgekehrt aber das Äußere, der Schnittmenge des Innern das hinzutuen, was es einem davon übergibt, wenn es darauf gerichtet ist, worin die Schnittmenge von beidem Innern besteht. So gesehen erhalten wir 4 Fassetten, d.h. das Innen und seine innern Verbindungen und das Äußere und seine Beziehungen. Wenn man die Schnittmenge jeweils einzeln besehen im äußeren und im Inneren heranzieht, sogar 6 Fassetten, womit ja das Gesamte davon auch nur die 7te Fassette abgibt. Das Wertvolle wären dann jeweils die beiden Schnittmengen, mit dem, womit keines mit dem Nächstgelegenen allein die Schnittmenge herstellen kann.
Mehr psychologisch gesehen, kann man anführen, dass das Innere sich mehr darin auszeichnet, mehr offene Richtungen und weniger Begrenzungen zu haben und somit mehr Freiheit. Das Äußere tut sich eher dadurch hervor, aufzuzeigen, was in einem Rahmen funktionieren kann und kann den praktischen Nutzen beibringen. Wieder physikalisch betrachtet, wäre es eher so, dass ein Inneres, eingegrenzt wäre, und das Äußere dieses wieder aufhebt.
Ansonsten kann man zwar dem Äußeren die Materie und dem Inneren den Geist zuordnen oder beilegen und sagen, beides gibt dem anderen erst die Möglichkeit, das zu sein, was es ausmacht, andererseits, ist es nur eine Blickrichtung. Womit sich die Frage auftut, woher weiß man denn überhaupt, worauf und wohin man blickt?
Das Innere verbindet mit dem Inneren, aber nur das, was weiter außen ist, und das Äußere verbindet mit dem Äußeren, das, was weniger außen ist. Nur wo man sich darin befindet und wie weit etwas gerade Innen oder Außen ist, dazu benötigt man Bezugspunkte, i.d.R. etwas, was weiter außen ist und auch etwas, was weiter innen ist, um so überhaupt auf das Dritte zu kommen und auf das, wo es ist bzw. um auf das wo man sich befindet eine Zuordnung zu ermöglichen. Damit kann man vielleicht den Wert der Dreiheit oder auch das Trippeln ansatzweise ermessen...
Hypothesen - KdU
Devino Melchizedek am Sa Okt 03 2015, 22:54
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 90
... Was als Hypothese zu Erklärung der Möglichkeit einer gegebenen Erscheinung dienen soll, davon muß wenigstens die Möglichkeit völlig gewiß sein. Es ist genug, daß ich bei einer Hypothese auf die Erkenntnis der Wirklichkeit (die in einer für wahrscheinlich ausgegebenen Meinung noch behauptet wird) Verzicht tue: mehr kann ich nicht preisgegeben; die Möglichkeit dessen, was ich einer Erklärung zum Grunde lege, muß wenigstens keinem Zweifel ausgesetzt sein, weil sonst der leeren Hirngespinste kein Ende sein würde. Die Möglichkeit aber eines nach gewissen Begriffen bestimmten übersinnlichen Wesens anzunehmen, da hierzu keine von den erforderlichen Bedingungen einer Erkenntnis nach dem was in ihr auf Anschauung beruht, gegeben ist, und also der bloße Satz des Widerspruchs (der nichts als die Möglichkeit des Denkens und nicht des gedachten Gegenstandes selbst beweisen kann) als Kriterium dieser Möglichkeit übrig bleibt, würde eine völlig grundlose Voraussetzung sein.
Sofern noch wenig Wahrheit sein Zuhause in einem finden sollte, werden Hypothesen wenig Anklang finden und Geltungsansprüche sich kaum im Zaume halten lassen. Denn wie so oft liegt der Reiz in dem, was einem nicht unbedingt eigen ist. Späterhin wird man Hypothesen umso mehr schätzen, weil es nicht gleich um Kopf und Kragen geht.
Denn eines muss klar sein, mit einer Aussage kann man nicht nur richtig liegen. Es zählt dann auch, als was und wer man welche Aussage tätigt. Davon wird der Umfang dessen abhängen, was einbezogen wird.
Im Falle des Zutreffens, hat man eine Bestärkung oder Ausdehnung zum Ausgesagten erwirkt. Ist dieses von wert, dann ist es hinterher von daher nicht von weniger wert.
Sollte es aber nicht zutreffen, dann wird etwas anderes zutreffen. So manchem kann verziehen sein, manches ist ohnehin in einem relativen Verhältnis und von selbiger Aussagekraft. Es mag auch vorkommen, dass sogar die Umstände so arrangiert werden, damit es sich als zutreffend erweist, wenn es zu schade um Jeniges wäre und der Verlust größer als die Möglichkeit ist, es mit angemessenen Mitteln zu regeln.
Aber was wenn nicht? Was ist dann mit all dem?
Dann wird dies nicht weiter bestehen bleiben können, denn es hat sich ja damit für die Unbeständigkeit entschieden, auf etwas zu setzen, was weniger Wahr ist. Welchen Grund also hätte man, nicht öfter von Hypothesen gebrauch zu machen, als unnötig Kopf und Kragen aufs Spiel zu setzen, jedenfalls und vor allem soweit es keinerlei Not tut?!
Devino Melchizedek am Mi Okt 07 2015, 00:10
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §90
... Meinen findet in Urteilen a priori gar nicht statt; sondern man erkennt durch sie entweder etwas als ganz gewiß, oder gar nichts. Wenn aber auch die gegebenen Beweisgründe, von denen wir ausgehen (wie hier von den Zwecken in der Welt), empirisch sind, so kann man mit diesen doch über die Sinnenwelt hinaus nichts meinen, und solchen gewagten Urteilen den mindesten Anspruch auf Wahrscheinlichkeit zugestehen. Denn Wahrscheinlichkeit ist ein Teil einer in einer gewissen Reihe der Gründe möglichen Gewißheit (die Gründe derselben werden darin mit dem Zureichenden, als Teile mit einem Ganzen, verglichen), zu welchen jener unzureichende Grund muß ergänzt werden können. Weil sie aber als Bestimmungsgründe der Gewißheit eines und desselben Urteils gleichartig sein müssen, indem sie sonst nicht zusammen eine Größe (dergleichen die Gewißheit ist) ausmachen würden: so kann nicht ein Teil derselben innerhalb den Grenzen möglicher Erfahrung, ein anderer außerhalb aller möglichen Erfahrung liegen.
Vom Grundsatz her, kann man wohl sagen, die Bedeutung, die auf einer Sache liegt, ist gewiss größer, als die, die auf einer Meinung über eine Sache gründet. Ein Symbol das auf etwas deutet, ist nicht größer, als das, worauf es deutet. Beiwerk ist nicht essenzieller, als das Werk, welchem es beiliegt. Wenn mit einem Begriff oder Satz alles gesagt ist, dann braucht man ihm nichts hinzufügen, vor allem, wenn es ihn nicht um das erweitert, worauf er deutet. Ansonsten zählt auch weniger, was etwas irgendwo ist, sondern was etwas hier und jetzt bedeutet. Durch viel Unnötiges wird man nicht im mindesten das Notwendige heben.
Wenn man etwas anfasst, womit man nicht vorhat vernünftigen Umgang zu pflegen, wird dieses nicht verbessert, sondern verschlechtert. Das was man anspricht, zieht man zu sich, wenn man damit nicht arbeiten will, dann belastet es einen selber und das Umfeld dazu.
Was ist nun Effizienz?
Das was mit geringster Inanspruchnahme an Mitteln den größten Nutzer für das umfassendere-nächst-Ganze vollbringt, ist effizient oder mit den allgemeinsten und alltäglichsten Mitteln, die Welt zu bewegen, gänzlich ohne aufsehen zu erregen, wäre auch äußerst effizient.
Hat man irgendwelche Widerstände was einen Begriff anbetrifft, hat es mit einem selbst zu tuen und nicht selten mit seiner eigenen Meinung, nicht aber mit dem Begriff. In welchem Zusammenhang ein Begriff gestellt wird, ist noch einmal etwas anderes. Vermutlich kann man mit Begriffen wie "Sittlichkeit", "Vernunft" usw. viele in schnell in die Flucht schlagen. Es liegt aber nicht am Begriff, sondern an dem, was von sich aus damit verbunden wird. Ist so ein Begriff hinreichend gepflegt, dann nutzt man ihn gern, weil er nichts in einem an Widerständen hervorruft, sondern eher etwas Positives bestärkt.
So kann man mit Effizienz natürlich anfangen irgendwelchen Wirtschafts- und Kapitalismus-Nonsens zu verbinden und sich gar Folterszenarien von überbelasteten Arbeitnehmern ausmalen. Aber hat es mit dem hier und jetzt überhaupt zu tuen und ist es in dem Moment überhaupt gefragt, oder hat es überhaupt an sich etwas mit dem Begriff auch nur ansatzweise zu tuen oder mit dem, worum es geht?
Man kann ihn nüchtern betrachten und ins Feld führen, aber genauso auch etwas für einen sehr positives damit verbinden. Für mich selber ist der Onkel ein herausragendes Vorbild, was Effizienz anbetrifft und auch schon so einige empfohlene Methoden und Mittel hat es gegeben und gibt es auch noch heute, die er einem in der Hinsicht nahelegte, wo man nicht einmal einen Zusammenhang in dem sehen konnte, was sich dann beim Einsatz zeigte. Sei es das Postkartenschreiben, womit man locker mit einer einzigen etwas im Umfang von Wochen abarbeiten kann, wenn mans selbst mit irgendwelchen klassischen Meditationsmethoden auch versuchte. Sei es Restaurants als Aufhängung für Kräfte zu nehmen, um etwas durchlaufen zu lassen. Man könnte auch die Nagelschere nehmen, da wird wohl Felix dann mehr ein Liedchen von singen können, was es damit allein schon auf sich haben kann.
Eines der effizientesten Arbeitsmittel überhaupt ist das hier, ein Internetforum. Je nach Organisation und Ausrichtung, kann man fast alles damit bearbeiten, wenn man es den vernünftig nutzt und das direkt vom heimischen Sofa aus.
So viel mal zum Thema Effizienz an sich!
Glaube - KdU
Devino Melchizedek am Do Okt 15 2015, 01:33
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §91
... Glaube (als Habitus, nicht als actus) ist die moralische Denkungsart der Vernunft im Fürwahrhalten desjenigen, was für das theoretische Erkenntnis unzugänglich ist. Er ist also der beharrliche Grundsatz des Gemüts, das, was zur Möglichkeit des höchsten moralischen Endzwecks als Bedingung vorauszusetzen notwendig ist, wegen der Verbindlichkeit zu demselben als wahr anzunehmen; ob zwar die Möglichkeit desselben, aber ebensowohl auch die Unmöglichkeit, von uns nicht eingesehen werden kann. Der Glaube (schlechthin so genannt) ist ein Vertrauen zu der Erreichung einer Absicht, deren Beförderung Pflicht, die Möglichkeit der Ausführung derselben aber für uns nicht einzusehen ist (folglich auch nicht die der einzigen für uns denkbaren Bedingungen). Der Glaube also, der sich auf besondere Gegenstände, die nicht Gegenstände des möglichen Wissens oder Meinens sind, bezieht (in welchem letztern Falle er, vornehmlich im Historischen, Leichtgläubigkeit und nicht Glaube heißen müßte), ist ganz moralisch. Er ist ein freies Fürwahrhalten, nicht dessen, wozu dogmatische Beweise für die theoretisch bestimmende Urteilskraft anzutreffen sind, noch wozu wir uns verbunden halten, sondern dessen, was wir zu Behuf einer Absicht nach Gesetzen der Freiheit, annehmen...
Es ist wohl ein wenig so, wie wenn man einer Karotte nachliefe, wenngleich dieser Drang aus Verlangen heraus (also unfrei), jener aber aus moralischer Überzeugung und aus der Freiheit heraus betrieben wird.
Ja mehr noch, denn ein ausgewachsenes Exemplar eines Glaubens, ist mehr noch als ein Vertrauen auf etwas, dass es sich so verhalten müsse, worin und worauf er gesetzt ist. Denn er führt einen dann tatsächlich zu diesem hin und lässt es zum Teil eigener Realität werden, dass es bis hin zur Handhabe gereicht.
Den Glauben darauf zu setzen, dass etwas sich in einer Zukunft ereigne, ist dabei mehr noch eine Überzeugung, da hieraus kein praktischer Gebrauch entsteht, denn wie so oft, kommt es anders, als man denkt, und das Ereignis kann sich in einem anderen Zusammenhang zudem ergeben u.ä.
Wenn sich etwas nicht ereignet, mag zwar Enttäuschung aufkommen, ein aufrechter Glaube, der über einfache Meinung und Überzeugung hinaus gelangt, der also in einem die Kraft des Glaubens entfachte und wachsen ließ, ist dennoch leicht mehr, als ein bestimmtes Ereignis es womöglich ist.
Dennoch bleibt einer, aus dem keine Kraft entwickelt wird wohl mehrnur Überzeugung und hat in der Hinsicht vielleicht noch einen geringeres Gehalt, als es gar Leichtgläubigkeit an sich haben mag.
Und so zählte wie so oft, nicht wonach es ausschaut oder welche Bezeichnung dem gegeben wird, sondern das, was da wirklich und wahrhaftig ist.
Devino Melchizedek am Di Okt 20 2015, 01:14
Auf Tatsache muß sie alles Fürwahrhalten zuförderst gründen, wenn es nicht völlig grundlos sein soll; und es kann also nur der einzige Unterschied im Beweisen stattfinden, ob auf diese Tatsache ein Fürwahrhalten der daraus gezogenen Folgerung, als Wissen, für das theoretische, oder bloß als Glauben, für das praktische Erkenntnis, könne gegründet werden.
Faktisch lässt sich in der Theorie nicht beweisen, dass es überhaupt einen Gott gäbe. Daher lässt sich einer unleidlichen Debatte, welcher es an Vernunft ermangelt, am besten so begegnen, dass man unparteiische Kritik äußert, wenn auch gar nicht in Worten, sondern bloß innerlich.
Sollte es möglich sein Vernunft einzubringen und diese ihren Raum finden, dann ist es von größerem Werte wohl darauf zu hinterfragen, wie weit es einen wertvolleren Menschen daraus und aus einem macht. Denn die Schöpfung einer Art ist, vor sich gleich, wie auch vor dem Schöpfer und wonach sie berufen ist.
Denn das Argument, etwas sei Gottgewollt, wird theoretisch schnell den Beweis vermissen lassen, vor allem hinsichtlich dessen, warum Er es dann nicht selbst verrichtet hat?
Zwar ist ja die Schöpfung sein Ausdrucksmittel selbst, aber dies begründet sich wesentlich nur in der praktischen Erkenntnis und Erfahrung und ist nicht ein Teil der für sich gesonderten Theoretischen, die es gar nicht erbringen könnte.
Und wie ginge es damit überein, wenn es weder höheren Willen, noch Vernunft oder Liebe mit sich führte und diese Eigenschaften allesamt vermissen ließe, um dann als Gottgewollt zu gelten?
Da doch mindestens eine der höheren Eigenschaften sich doch zeigen lassen müsse, ausgenommen bei bloßem Menschenwerk an sich, wenn es denn mehr, als nur als ebensolches zählen soll.
Zufrieden sein, mit dem, was ist - KdU
Devino Melchizedek am Sa Okt 24 2015, 02:25
... Alle Tatsachen gehören entweder zum Naturbegriff, der seine Realität an den vor allen Naturbegriffen gegebenen (oder zu geben möglichen) Gegenständen der Sinne beweiset; oder zum Freiheitsbegriffe, der seine Realität durch die Kausalität der Vernunft, in Ansehung gewisser durch sie möglichen Wirkungen in der Sinnenwelt, die sie im moralischen Gesetze unwiderleglich postuliert, hinreichend dartut. Der Naturbegriff (bloß zur theoretischen Erkenntnis gehörige) ist nun entweder metaphysisch, und völlig a priori; oder physisch, d.i. a posteriori, und notwendig nur durch bestimmte Erfahrung denkbar. Der metaphysische Naturbegriff (der keine bestimmte Erfahrung voraussetzt) ist also ontologisch.
Alle Gegenstände der Sinne bedürfen einer Erfahrung, um ihnen ihre Bedeutung zuordnen zu können. Die Dinge des Geistes jedoch bloß der Einsicht. Die Einsicht bedarf aber der Freiheit, denn es kann wohl kaum einer zur Einsicht gezwungen werden, denn diese muss aus ihm herrühren, da sie sonst nicht seine Einsicht heißen kann, ebenso aber auch verhält es sich mit der Freiheit.
Den Geschmack an allem Wohlgefälligen zu entwickeln, bedarf meistens persönlicher Opfer, denn selten wird dieses mit der rauen Natur oder (tierischen) Neigungen übereingehen, wenn man daran geht sich Erstgenanntes zu erschließen.
Hat man sich vor 10 Jahren erträumen lassen, dort zu stehen, wo man heute steht?
In mancher Hinsicht wähnte man sich vielleicht gar weiter, als es ist, in anderer jedoch ist man weiter, als man es sich vielleicht vorgestellt hatte, dass es überhaupt sein könne oder dass man von diesem überhaupt auch nur gewusst oder gehört hatte. Der Lauf ist aber doch meist der, wie man ihn nicht unbedingt wollte und je mehr er so ist, desto besser ist man nicht selten sogar dran...
Und der häufigste Fehler ist wohl, das nicht zu schätzen, was man (da)hat. Und das zu begehren, was man nicht hat und sorum auch kaum bei dem ist, was ist. Denn man vermisst ja doch das ein und andere, was mal war, nachdem es nicht mehr ist. Wenn man also nicht so recht weiß, was man damit und daraus machen kann, was man hat, dann kann man sich auch mal Fragen, was diejenigen gern damit machen würden, die dieses gern hätten, was man hat, es ihnen aber nicht zur Verfügung steht? Zumindest von dem, was sie denken, was man alles Gute damit tuen könnte und tut etwas von Ebensolchem.. denn es wird sich für gewöhnlich schnell etwas finden lassen, womit man es doch besser hat, als man es oft meint und es mehr schätzen sollte und damit auch zufriedener sein kann, als man meint.
Bestimmungen und Relation - KdU
Devino Melchizedek am Di Okt 27 2015, 00:06
Dagegen, wenn ich mir ein übersinnliches Wesen als den ersten Beweger, mithin durch die Kategorie der Kausalität in Ansehung derselben Weltbestimmung (der Bewegung der Materie), denke: so muß ich es nicht in irgendeinem Orte im Raume, ebenso wenig als ausgedehnt, ja ich darf es nicht einmal als in der Zeit und mit andern zugleich existierend denken. Also habe ich gar keine Bestimmungen, welche mir die Bedingung der Möglichkeit der Bewegung durch dieses Wesen als Grund verständlich machen könnten. Folglich erkenne ich dasselbe durch das Prädikat der Ursache (als ersten Beweger) für sich nicht im mindesten: sondern ich habe nur die Vorstellung von einem Etwas, welches den Grund der Bewegung in der Welt enthält; und die Relation der selben zu diesen, als deren Ursache, da sie mir sonst nichts zu Beschaffenheit des Dinges, welches Ursache ist, Gehöriges an die Hand gibt, läßt den Begriff von dieser ganz leer. Der Grund davon ist: weil ich mit Prädikaten, die nur in der Sinnenwelt ihr Objekt finden, zwar zu dem Dasein von etwas, was den Grund der letzteren enthalten muß, aber nicht zu der Bestimmung seines Begriffs als übersinnlichen Wesens, welcher alle jene Prädikate ausstößt, fortschreiten kann.
So sehr man sich auch mühen mag, mit dem Äußeren allein, lässt sich das Innere nicht empfangen, erklären oder bestimmen...
So mag sich auch die Frage aufdrängen, wenn man sich nun aber im Außen wähnen oder vorfinden sollte, wie gelangt man dann mehr zum Inneren?
Mittels Veredelung und indem man sich im Innern erkennt und im Äußeren, eine Schale nach der Anderen ablegt, soweit man sie nicht mehr benötigt. Hat also mehr mit einem zu tuen, als dem, was einen umgibt.
Schwierigkeiten können auftreten, wenn man andere der eigenen oder ihrer Schalen allein nach zu beurteilen sucht. Denn die Schalen (vor allem die eigenen) sind weder die anderen, noch führen sie zu den anderen hin, als vielmehr von ihnen weg. Letztlich bilden sie ja nur eine Art Gegensatz, mit welchem einer hadern mag und noch umzugehen lernt, für sich oder vielleicht sogar nur ansich für etwas Allgemeines.
Daher bleibt es ratsam, nicht alles überzubewerten und auch einzubeziehen, dass man sich hinsichtlich vielem auch mal irren kann..
Der Grund möglicher Ursachen - KdU §88
Devino Melchizedek am Sa Dez 12 2015, 03:03
Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §88
So wie wir eine Ursache nach dem Begriffe, den wir von der Wirkung haben (aber nur in Ansehung ihrer Relation zu dieser) benennen, ohne darum die innere Beschaffenheit derselben durch die Eigenschaften, die uns von dergleichen Ursachen einzig und allein bekannt und durch Erfahrung gegeben werden müssen, innerlich bestimmen zu wollen; so wie wir z.B. der Seele unter andern auch eine vim locomotivam beilegen, weil wirklich Bewegungen des Körpers entspringen, deren Ursache in ihren Vorstellungen liegt, ohne ihr darum die einzige Art, wie wir bewegende Kräfte kennen (nämlich durch Anziehung, Druck, Stoß, mithin Bewegung, welche jederzeit ein ausgedehntes Wesen voraussetzen) beilegen zu wollen: - ebenso werden wir etwas, das den Grund der Möglichkeit und der praktischen Realität, d.i. der Ausführbarkeit, eines notwendigen moralischen Endzwecks enthält, annehmen müssen; dieses aber, nach Beschaffenheit der von ihm erwarteten Wirkung, uns als ein weises nach moralischen Gesetzen die Welt beherrschendes Wesen denken können, und der Beschaffenheit unserer Erkenntnisvermögen gemäß, als von der Natur unterschiedene Ursache der Dinge denken müssen, um nur das Verhältnis dieses alle unsere Erkenntnisvermögen übersteigenden Wesens zum Objekte unserer praktischen Vernunft auszudrücken: ohne doch dadurch die einzige uns bekannte Kausalität dieser Art, nämlich einen Verstand und Willen, ihm darum theoretisch beilegen, ja selbst auch nur die an ihm gedachte Kausalität in Ansehung der Natur (und deren Zweckbestimmungen überhaupt) objektiv unterscheiden zu wollen, sondern diesen Unterschied nur als subjektiv notwendig, für die Beschaffenheit unseres Erkenntnisvermögens und gültig für die reflektierende, nicht für die objektiv bestimmende Urteilskraft, annehmen können.
In so mancherlei ist die Beschaffenheit, durch eine Wirkung bloß abzuleiten möglich, wenn es ja nicht die uns inhärente Beschaffenheit betrifft. Denn diese wird anders erfahren in ihrer Inhärenz, als ohnedem in der Wirkung zum anderen hin. Hinsichtlich Ersterem könnte es als treibende Kraft gelten, zum anderen hin aber bloß als anstoßende u.dgl.m.
So ist es vom Prinzip her auch mit einem Endzweck, wo die treibende Kraft ja gar nicht aus den Wirksamkeiten der Begebenheiten u.ä., sondern von der Art Endziel oder Produkt, worauf alles abzielt und teils so gearbeitet wird, als wäre es nicht bloß fiktiv sondern bereits vorhanden vorgestellt und so diesem Ursache gilt, was noch gar nicht besteht.
Nicht viel anders sind moralische Motive, die ja ein Ideal annehmen, welches vielleicht nie erreicht wird und doch dieses als Motiv den Grund eigener Handlung bildet und so Wirkungen erzeugt, welche durch Begebenheit und Umfeld allein nicht begründet werden.
Und wie ist das mit dem Hier und Jetzt zu vereinen?
Vielleicht so, dass das, was inhärent zum Grunde liegt, nicht unbedingt einen von dem entfernt, was einen umgibt, sofern es als einem inneren Antrieb gereicht, aber nicht in berauschender Weise, wie Ablenkung, Konsum, Verlangen etc. diesem abträglich wären und so kann ein entsprechender innere Antrieb in der Weise ja auch die Präsenz sogar bestärken.
Ist die Aufmerksamkeit hingegen bloß auf's Umfeld gerichtet, kann einem vielleicht der Grund abgehen, Möglichkeiten einzubeziehen, die Ursache bilden für einen bestimmten Endzweck, der allein aus den Begebenheiten nicht erreicht werden kann.

References: § 82

§ 83

§ 84
in fine
 § 85
 § 86

§ 87

§ 89

§ 90

§ 91
 §64
 § 40

§ 29

§49

§ 47
 §22

§ 29

§ 72
 § 32
 § 91

§ 67
 § 72
 § 74
 § 75
 §76

§ 82
 §85
 § 86
 §87
 § 88
 § 90
 §90
 §91
 §88
 §88