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Wie mit Arbeitssuchenden umgegangen wird..... - Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum)
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01.11.2005, 17:56 #1
Mal eine kurze Geschichte wie mit Arbeitslosen heutzutage umgegangen wird.
Also im Juli steckte mich die Arge in eine Maßnahme bei einer Schulungsgesellschaft die einem helfen sollen bei der Arbeitssuche, also eine art Bewerbungstraining wo unter anderem auch nach Stellenangeboten gesucht wird und die einem „helfen“ sollen Bewerbungen zu schreiben, Lebenslauf zu optimieren usw.
Nun sieht es so aus das wir die meiste Zeit im Internet auf Stellensuche sind. Ich z.B. habe denen von anfang an gesagt das ich nicht mehr in die Branche meines Berufes gehe die ich gelernt habe weil ich das psychisch nicht mehr pack, das mir aber ansonsten ziemlich egal ist was ich mach hauptsache vernünftige arbeit, naja nur leider interessiert die das reichlich wenig und die Begründung glaubt einem da auch keiner. Nur sieht es im Einhzelhandel hier in der Region nicht gerade gut aus mit Jobs und somit gabs anfangs auch nichts worauf ich mich hätte bewerben können, auch in anderen Bereichen war es fehlanzeige. Dies hatte dann zu folge das ich ziemlich schnell zwei Abmahnungen erhielt mit der Begründung ich würde zumutbare Jobs ablehnen
Nun mittlerweile sind einige Bewerbungen unterwegs.
Letzte Woche jedoch kamen die auf die Idee und meinten ich solle ein Anschreiben fertig machen als Bäckereiverkäuferin (was ich ja eigentlich nicht mehr will), hatte dann nur gefragt wohin und bekam zur Antwort ohne konkrete Adresse, ganz allgemein.Habs dann erstmal so hingenommen und das geschrieben, denn ablehnen hätte evtl. zur folge Kündigung und das wiederum Kürzung von der Arge.Nachdem ich das dann fertig hatte, fragte ich nochmals wo denn das jetzt hingehen solle, darauf sagte man mir nur das sie das selber noch nicht wüssten nur das es per fax verschickt würde. Ca. 10 minuten später erfuhr ich dann das der Arbeitsort allerdings hier in der Stadt sein sollte.Das war also letzte Woche Mittwoch. Gestern erfuhr ich dann das es verschickt wurde und man nannte mir lediglich einen Namen an wen. Nach mehrmaligem nachfragen und Kommentar von mir das es sich ja dann um eine Zeitarbeitsfirma oder eine Stelle die von der Arge vorsortiert wird handeln müsse kam dann endlich (unfreundlich) „nein, es ist eine private Stellenvermittlung“.
Nun allerdings sagte man uns zu Beginn der Maßnahme schon, das wenn jemand ein Stellenangebot eines privaten Vermittlers hätte, der/die jenige das aus eigener Tasche zahlen müsse, das die solche Bewerbungen nicht finanzieren.
Gestern mittag rief mich dieser Herr sowieso dann auch an wollte einen Termin zur Vorstellung für den gleichen Tag noch machen. Habe ihm dann erst einmal gesagt das ich am selben Tag so schnell nicht könne, da ich noch einen Nebenjob habe und da noch hin müsse. Nun soll ich ihn morgen früh nochmals anrufen um einen neuen Termin zu vereinbaren, denke mal das das dann auch morgen sein wird.
Frage mich eigentlich nur, dürfen die sowas überhaupt für uns Bewerbungen weg schicken und uns nicht einmal sagen wohin oder das sie uns erst im nachhinein mitteilen wo die hingegangen ist? Bin nämlich leider nicht die einzige mit der sie sowas jetzt veranstaltet haben.
Des weiteren legen die uns Stellenangebote vor auf die wir uns bewerben müssen ohne das uns überhaupt eine Wahl bleibt ob wir das wollen oder nicht.
Ich meine nur weil da waren bei einigen schon Angebote dabei die wirklich unzumutbar waren oder wo den Leuten einfach verlangte Fähigkeiten fehlten. Auch müssen wir die Anschreiben vorher von denen durchsehen lassen und was denen darin nicht passt wird einfach geändert. Da kommt man sich manchmal wirklich wie ein unmündiges Kleinkind vor und nicht wie ein erwachsener Mensch.
Finde das grenzt alles irgendwie schon an verarsche, denn für die zählt nur noch die Vermittlungsquote aber nicht der Mensch.
01.11.2005, 23:57 #2
02.11.2005, 00:29 #3
Das schlimme ist ja das die einem eigentlich helfen sollen endlich wieder Arbeit zu finden und auch zu kriegen. Ich frage mich nur was das für eine hilfe ist wenn die Leute zu was gezwungen werden was sie womöglich garnicht können oder nicht wollen. Das die Leute so hintergangen werden. Ehrlich gesagt, klar ich bin für jede hilfe dankbar wenn es was bringt aber das was die veranstalten bringt garnichts, das ist kein zusammen arbeiten sondern mehr "ich sag und du hast zu machen".
Was mich am meisten ankotzt, man kann nichtmal was dagegen tun, wehrt man sich fliegt man raus und kriegt kürzung. Die drohen ja schon bei jedem kleinsten mucks mit Abmahnung. Ob die nun im recht sind oder nicht ist dabei uninteressant. :kotz:
02.11.2005, 10:55 #4
Nightangel, aus Deiner Erfahrung schließe ich, dass wir mit Hartz IV als ALG-II-Empfänger nicht nur völlig durchsichtig, sondern definitiv auch entmündigt und rechtlos sind.
Totalitäre Strukturen (wie sie die technokratische Nazi-Diktatur auch war) zeichnen sich dadurch aus, dass der einzelne Mensch nichs mehr zählt und nur noch als Ding oder Sache angesehen wird.
Dem Prinzip Fordern und Fordern ist absoluter Gehorsam zu leisten. Der Mensch zählt nicht, nur die Statistik - und hier auch: der Gehorsam gegenüber den Richtlinien ´von oben´.
Offenbar reichen den Kommunen dazu die Paragraphen aus, die besagen, dass ALG-II-Empfänger jeden zumutbaren Job annehmen müssen, und es ist egal, ob sie daran kaputt gehen.
Das ist jetzt sehr böse ausgedrückt. Wenn mir aber jemand Gegenteiliges beweisen kann, lasse ich mich evtl. eines besseren belehren.
02.11.2005, 11:17 #5
nightangel schrieb:Frage mich eigentlich nur, dürfen die sowas überhaupt für uns Bewerbungen weg schicken und uns nicht einmal sagen wohin oder das sie uns erst im nachhinein mitteilen wo die hingegangen ist? Bin nämlich leider nicht die einzige mit der sie sowas jetzt veranstaltet haben.
Im Grundes ist beides unzulässig, denn die Maßnahmeträger können, meines Erachtens, nicht hingehen, und für mich Bewerbungen verschicken, da dies keinen Sinn macht.Bewerbungen auf Stellenangebote, bei denen ich von vorn herein nur etwa 50% Chancen habe sind ebenso sinnlos, denn der mögliche Arbeitgeber suchst sich natürlich Leute, die seine Anforderungen erfüllen aus.
Aber ich kenne solche Maßnahmen, denn auch ich hab sowas hinter mir, zwar noch zu Zeiten der Alhi, aber das war damals schon so.Denn diese Maßnahmen dienen, in der Tat, dazu die Arbeitslosen-Statistik schön zu schreiben.Grund: Wer in einer Maßnahme ist, gilt nicht als arbeitslos, taucht also in keiner Statistik auf.Besonders gern steckt man Leute in solche Maßnahmen wenn eine Wahl stattfindet, denn die Poltiker der Regierung wollen ja irgendwie demonstrieren, das sie was geschafft haben.
02.11.2005, 15:54 #6
So, nochmal zum obigen Fall, nachdem ich ja nichteinmal wusste wo nun meine Bewerbung hin gegangen ist und man mir nur einen Namen nannte, hatte ich heute also einen Termin mit dem Herrn. Dabei kam dann heraus das es sich um einen privaten Arbeitsvermittler handelt. Naja, was der so von sich gab klang erst einmal ganz gut doch als ich dann anmerkte ich wolle mir den Vertrag erst mal mitnehmen um diesen Zuhause noch einmal in ruhe durchzugehen und zu überlegen, kam die Antwort das mache er nicht und ich könne mich gerne vorher bei der Arge über ihn erkundigen, das das alles so rechtens ist. Auch nach einlenken von mir kam es nicht mehr zur Unterschrift und nur die Aussage von ihm das ich mich erst bei der Arge erkundigen solle und mich dann bei ihm melden. Naja, bin Natur aus ein misstrauischer Mensch und unterschreibe eben nichts auf die schnelle.
Habe hier mal den Vertrag (von einer anderen Teilnehmerin) der mir in manchen punkten doch etwas zu denken gibt ob das alles so rechtens ist.
Am meisten stört mich dabei etwas der § 3 pflichten und Rechte der/des Arbeitssuchenden.
Da ich mich mit sowas überhaupt nicht auskenne wollte ich mal fragen ob mir hier jemand sagen kann ob das alles so ok ist oder doch lieber die Finger davon zu lassen sind. Vor allem bei der ganzen Geheimnistuerei die vorher schon von der Schulungsgesellschaft gemacht wurde.
Dienstleistungsvertrag zur Privaten Arbeitsvermittlung
zwischen demArbeitsvermfttter Herr
und der/dem Arbeitsuchenden
wird folgender Vemittlungsvertrag geschlossen
Die/der Arbeitsuchende beauftragt den Arbeitsvermittler mit der Unterstützung zur Vermittlung in ein sozialversicherungspflichitiges Beschäftigungsverhaltnis, Gehalts- und Arbeitvertragsverhandlungen sind nicht Gegenstand des Vertrages.
§ 2 Pflichten und Rechte des Arbeitsvermittlers
Der Arbeitsvermittler verpflichtet sich, die/den Arbeitsuchenden in allen Belangen der Arbeitsvermittlung zu beraten und zu unterstüt*zen. Er ist befugt, Arbeitgebern die persönlichen und vermittlungsrelevanten Daten der/des Arbeitsuchenden zu übermitteln.
§ 3 Pflichten und Rechte der/des Arbeitsuchenden
Die/der Arbeitsuchende verpflichtet sich, dem Arbeitsvermittler alle persönlichen und vermittlungsrelevanten Daten mitzuteilen und auf Verlangen des Arbeitsvermittlers, diesem Einsicht in Unterlagen Dritter; z.B. des Arbeitsamtes, Rentenversicherungsträger u.a.m. zu verschaffen. Er verpflichtet sich, den Arbeitsvermittler entsprechende Nachweise; z.B. Kopie des Arbeitsvertrages, Lohnabrechnun*gen uä. auszuhändigen. Er verpflichtet sich, den Arbeitsvermittler auch über eigene Bemühungen unverzüglich zu informieren.
§ 4 Höhe und Fälligkeit der Vergütung
Die Vergütung bei Vermittlung beträgt 2.000 Euro incl. der jeweiligen gesetzlichen Mehrwertsteuer von z.Zt. 16 %. Die Vergütung wird nach erfolgter Vermittlung sofort und in voller Höhe fällig. Andere Zahlungsmodalitäten bedürfen besonderer schriftlicher Ver*einbarungen. Die Zahlung kann bar, per Überweisung oder per Vermittlungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit erfolgen.
§ 5 Vermittlungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit
Der Arbeitsvermittler verpflichtet sich die Vermittlungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit zu akzeptieren. Die/der Arbeitsuchen*de verpflichtet sich, den Vermittlungsgutschein -mit der jeweils höchst möglichen Vergütung- beizubringen. Nach erfolgter Vermitt*lung tritt die/der Arbeitsuchende alle Ansprüche aus dem Vermittlungsgutschein uneingeschränkt an den Arbeitsvermittler ab.
§ 6 Selbstzahler
Arbeitsuchenden, die keinen Anspruch auf einen Vermittlungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit haben, bietet der Arbeitsvermittler die Möglichkeit einer monatlichen Ratenzahlung pro angefangenen Beschäftigungsmonat Die Höhe der monatlichen Rate beträgt 400,00 Euro bzw. abweichend hiervon ................ Euro.
§ 7 Unwirksamkeit einzelner Vertragsvereinbarungen
Die Unwirksamkeit einzelner Vertragsvereinbarungen hat nicht die Unwirksamkeit des übrigen Vertrages zur Folge.
§ 8 Mehrfachbeauftragung
Die/der Arbeitsuchende verpflichtet sich, den Arbeitsvermittler unverzüglich über die Inanspruchnahme eines oder mehrerer anderer Arbeitsvermittler zu informieren. Die Mitteilung hat schriftlich zu erfolgen.
Der Vertrag ist von vornherein nicht befristet; er kann von beiden Seiten jederzeit ohne Einhaltung einer Frist gekündigt werden. Die Kündigung hat schriftlich zu erfolgen; entscheidend ist der Eingang beim Empfänger.
Erfüllungsort und Gerichtsstand sind am Sitz des Arbeitsvermittlers. Der Gerichtsstand kann in beiderseitigem Einvernehmen an den Wohnsitz der/des Arbeitsuchenden verlegt werden. Die Verlegung des Gerichtsstands ist schriftlich zu dokumentieren.
§ 11 Zusätzliche Leistungen
Der Arbeitsvermittler unterstützt den vermittelten Arbeitsuchenden auch nach erfolgter Arbeitsaufnahme; z.B. bei Konflikten mit dem Arbeitgeber oder am Arbeitsplatz.
02.11.2005, 18:31 #7
Also in meinen Augen verstösst der §3 eindeutig gegen Das BDSG.
Welche Infos will der den von der LVA/BfA holen?
Was gehen ihn meine Lohnabrechnungen oder Kontoauszüge an. Oder mein Arbeitsvertrag?
Auch §10 dürfte Unwirksam sein. Weil bei Veträgen zwischen einem Unternehmen und einem Privatkunden gilt normalerweise der Wohnort des Privatkunden als Gerichtsstand.
Du kannst ja mal spasseshalber der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW http://www.ldi.nrw.de/pressestelle/p...hein_westfalen den Vetrag zur Überprüfung vorlegen. :D
03.11.2005, 02:10 #8
Zitat von hhombergs
Das er den durch ihn zustande gekommenen Arbeitsvertrag braucht kann ich noch einsehen, da er ja bei der Arge nachweisen muss das er einen vermittelt hat um sein Geld zu kriegen. Aber alles andere denke ich auch geht ihn garnichts an.
Vor allem stört mich auch dieser Satz
Die/der Arbeitsuchende verpflichtet sich, dem Arbeitsvermittler alle persönlichen und vermittlungsrelevanten Daten mitzuteilen.....
Ok, vermittlungsrelevante Daten werden ja benötigt aber alle persönlichen Daten ist ein dehnbarer Begriff der so ziemlich alles enthalten kann. Auch Daten die ihn nichts angehen von daher hat das und in dem Satz nichts zu suchen, es müsste höchstens heißen
alle persönlichen vermittlungsrelevanten Daten, denn damit wäre das persönlich schon eingegrenzt.
Naja, vielleicht bin ich auch zu kleinlich und zu misstrauisch aber das bringen nunmal gewisse Erfahrungen mit sich.
Ach ja vor allem lese ich aus diesen beiden §
noch folgendes heraus.
Das heißt doch sollte der Vermittlungsgutschein der Arge einen niedrigeren Betrag als die 2000€ beinhalten, müsste ich selber den Rest drauf zahlen.
03.11.2005, 02:19 #9
Den Vermittler hat es nur anzugehen ob ich einen Job habe und wo.
Aber nicht zu welchen Konditionen (die stehen ja im Vertrag).
Sprich, den geht es nichts an wieviel ich da verdiene und wieviel Urlaub ich bekomme.
Ausserdem, was will er mit den Daten meines Rentenversicherungsträgers? Meine Rente geht nur mich und meinem Träger etwas an. ;)
Deswegen hab ich dir ja mal den Link zur Datenschutzbeauftragten unsers Bundeslandes gepostet. Soll die nette Dame doch mal zu dem Passus Stellung beziehen.
MMhh, weiss nur nicht ob die hier mittlerweile auch so gut drauf sind wie in Niedersachsen. Der DSB würde dann nämlich bei dem Vermittler 50 Euro pro Mitarbeieter und halbe Stunde für die Überprüfung in Rechnung stellen, wenn die Beschwerde Berechtigt ist. :twisted:
03.11.2005, 02:31 #10
Ja, werd es wohl die nächsten Tage sobald ich dazu komm auch mal dort hin schicken. Ok, ich habs wohl nicht unterschrieben da ich von Natur aus Misstrauisch bin, werde es auch nicht, aber andere Teilnehmer aus der Massnahme haben unterschrieben. Ich denke mal wenn das wirklich nicht ok ist kommt es auch denen und nachfolgenden zugute.
arbeitssuchenden, umgegangen

References: § 3

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 11
 §3
 §10