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Timestamp: 2019-07-18 17:45:27+00:00

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BVerwG, 6 B 63.03: Rechtliches Gehör, Verfahrensmangel, Verschulden, Fax
Urteil des BVerwG vom 29.10.2003, 6 B 63.03
6 B 63.03
Rechtliches Gehör, Verfahrensmangel, Verschulden, Fax
Rechtliches Gehör, Verfahrensmangel, Verschulden, Fax, Übermittlung, Datum, Verwaltungsrecht, Fristablauf, Rechtsnorm, Vertreter
BVerwG 6 B 63.03 OVG 3 LB 83/02
hat der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 29. Oktober 2003 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. B a r d e n h e w e r und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. H a h n und Dr. G r a u l i c h
Die Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Beschluss des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts vom 13. August 2003 wird zurückgewiesen.
Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 14 725 € festgesetzt.
Nichtzulassung der Revision mit der Beschwerde angefochten, muss in der Beschwerdebegründung die grundsätzliche Bedeutung dargelegt oder die Entscheidung, von der die Berufungsentscheidung abweicht, oder der Verfahrensmangel bezeichnet werden (§ 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO). Die Prüfung des beschließenden Senats ist demgemäß auf fristgerecht geltend gemachte Beschwerdegründe im Sinne
des § 132 Abs. 2 VwGO beschränkt.
a) Der Revisionszulassungsgrund der Abweichung von der Rechtsprechung der in
§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO genannten Gerichte ist nicht gegeben. Eine die Zulassung
der Revision rechtfertigende Divergenz im Sinne der genannten Vorschrift liegt nur
vor, wenn das Berufungsgericht mit einem seine Entscheidung tragenden abstrakten
Rechtssatz von einem der in § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO genannten Gerichte aufgestellten ebensolchen Rechtssatz abgerückt ist. Dabei müssen die Rechtssätze sich
grundsätzlich auf dieselbe Rechtsnorm beziehen. Das Darlegungserfordernis des
§ 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO verlangt in diesem Zusammenhang, dass in der Beschwerdebegründung ausgeführt wird, dass und inwiefern das Berufungsgericht seine Entscheidung auf einen in der genannten Weise widersprechenden Rechtssatz
Die Beklagte macht geltend, der angefochtene Beschluss weiche von einem in dem
Urteil vom 16. Oktober 1984 - BVerwG 9 C 453/82 - (Buchholz 310 § 60 VwGO
Nr. 144 = NJW 1985, 1178) aufgestellten Rechtssatz ab. Sie legt indessen nicht in
der erforderlichen Weise einander widersprechende Rechtssätze dar. In dem Urteil
vom 16. Oktober 1984 befasst sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Frage,
unter welchen Voraussetzungen sich der damalige Prozessbevollmächtigte ein Verschulden eines angestellten Rechtsanwalts zurechnen lassen muss, der nicht prozessbevollmächtigt war. Der aus dem genannten Urteil abzuleitende Rechtssatz geht
dahin, dass angestellte Rechtsanwälte nur dann als Vertreter eines Prozessbeteiligten im Sinne des § 85 ZPO angesehen werden können, wenn sie von dem Prozessbevollmächtigten mit der selbständigen Bearbeitung eines Rechtsstreits betraut worden sind. Ferner hat das Bundesverwaltungsgericht unter den Umständen des damaligen Falles ein Verschulden des Prozessbevollmächtigten, das in der Bitte an den
angestellten Rechtsanwalt, eine Rechtsmittelschrift in den Nachtbriefkasten des Gerichts zu werfen, verneint, weil auf den bevorstehenden Fristablauf ausdrücklich hingewiesen worden war. Die Beklagte legt nicht dar, dass das Berufungsgericht davon
mit einem abstrakten Rechtssatz abgewichen ist. Das ist auch nicht der Fall. Denn
hier lag ein anderer Geschehensablauf vor, so dass das Oberverwaltungsgericht sich
nicht in Widerspruch zu dem angeführten Urteil setzen konnte. Rechtsanwalt J., dem
die Bedienung des Fax-Gerätes zur Übermittlung der Berufungsbegründungsschrift
anvertraut gewesen sein soll, war schon im Zeitpunkt der Berufungseinlegung auf
dem Briefkopf der Prozessbevollmächtigten der Beklagten als Rechtsanwalt mit dem
Interessenschwerpunkt Verwaltungsrecht aufgeführt und erschien daher nach außen
als Prozessbevollmächtigter. Die Beauftragung eines Rechtsanwalts mit der Bedienung eines Fax-Gerätes steht zudem der Bitte um Einwurf eines Schriftsatzes in einen Nachtbriefkasten nicht zwangsläufig gleich. Außerdem verweist das Oberverwal-
tungsgericht auf Besonderheiten, etwa hinsichtlich der Arbeitsbelastung des Rechtsanwalts J.
Von alledem abgesehen, beruht der angefochtene Beschluss nicht auf den Erwägungen zum Verschulden des Rechtsanwalts Dr. K. im Zusammenhang mit der Bitte
an Rechtsanwalt J. um Übermittlung der Berufungsbegründungsschrift per Fax. Denn
nach den Ausführungen des Berufungsgerichts (BA S. 4) war dem Wiedereinsetzungsgesuch bereits deshalb der Erfolg zu versagen, weil die Beklagte die zur Begründung des Gesuchs angeführten Tatsachen nicht glaubhaft gemacht hatte, insbesondere hinsichtlich des Vorbringens, die Niederschrift der Berufungsbegründung sei
bereits am 5. September 2002 erfolgt, obwohl der Schriftsatz das Datum des 6. September 2002 aufweise. Diese Erwägung trägt die Entscheidung selbständig. Dabei
kommt es nicht darauf an, ob die Beklagte meint, diesem Umstand dürfe "keine Bedeutung beigemessen werden". Entscheidend ist allein, dass das Berufungsgericht
seine Entscheidung darauf gestützt hat und die Beklagte insoweit einen Revisionszulassungsgrund nicht geltend macht.
VwGO) liegt nicht vor. Die Beklagte führt aus, infolge der Ablehnung des Antrags auf
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand sei ihr rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1
GG) versagt und ihr "Rechtsweganspruch aus Art. 19 Abs. 4 GG verletzt" worden.
Dieser Vorwurf trifft nicht zu. Wenn die Voraussetzungen der Wiedereinsetzung in
den vorigen Stand nicht glaubhaft gemacht worden waren, wie das Berufungsgericht
angenommen hat, ist der Wiedereinsetzungsantrag mit Recht abgelehnt worden.
des Wertes des Streitgegenstandes beruht auf §§ 14, 13 Abs. 2 GKG.

References: § 132

§ 132
 § 132

§ 133
 § 60
 § 85
 Art. 19