Source: http://www.wpwatch.de/newsletter/newsletter-archiv/nr-64-januar-2016.html
Timestamp: 2018-12-16 03:57:35+00:00

Document:
NR. 64 - JANUAR 2016
1. 2015 - Eine Zäsur in der Geschichte des Berufsstandes
2. Wirtschaftsprüfer als Weltverbesserer?
3. Die Ausschreibungen, die keine sein sollen!
4. Der 1,9 Mio. € - Skandal
5. KPMG - es ist nicht alles Gold was glänzt!
6. EY muss für Toshiba-Skandal geradestehen
7. Sachsen LB - Letzter Akt jetzt vor Gericht
8. Die Auflage der WPg sinkt weiter
9. Wie groß ist Rödl wirklich?
10. Warum PwC die VW-Testate widerrufen muss!
11. Wann tritt das APAReG in Kraft?
12. Lobby-Absurdität des Monats
13. Zum Schluss: Die WPK und die Schüler
14. Mal was anderes lesen
15. Beste Grüße aus Köln!
2015 - EINE ZÄSUR IN DER GESCHICHTE DES BERUFSSTANDES
Zunächst darf ich Ihnen und Ihren Lieben noch für das Jahr 2016 alles Gute, Gesundheit und Erfolg wünschen.
Das Jahr 2015 hatte es in sich, schlugen doch die berufspolitischen Wellen hoch!
Wir mussten erfahren, wie die von den Big4 und ihren Mitläufern dominierte WPK "durchregierte" und nach Geheimabsprachen mit dem BMWi durch das APAReG Eingriffe in das Berufsrecht vorgenommen hat, wie der Berufstand es seit seinem Bestehen (1931) nicht erlebt hat.
Insoweit fängt für WPs und vBPs in 2016 ein neues Kapitel ihrer Berufsgeschichte an.
Die Big4 schaffen es als Allrounder für alle möglichen Dienstleistungsbereiche wahrgenommen zu werden, Negativ-Schlagzeilen durch gezielte "Presse- und Lobbyarbeit" zu vermeiden und sich als "Weltverbesserer" zu generieren.
Opposition (wp.net) wird systematisch ausgeschaltet und Kritiker (PR1MUS, wpwatch) werden mit aller Härte verfolgt und es wird versucht sie mundtot zu machen.
Das Kartell der Big4 hat eigentlich keinen Platz mehr in der Berufskammer, sondern gehört in die IHKs. WPK und IDW werden von den Big4 instrumentalisiert. Dies ist zunehmend ein Fall für das Bundeskartellamt.
Ansonsten hilft hier nur TRANSPARENZ und die Aufdeckung von Machenschaften zwischen den Big4, IDW, WPK und der Politik.
WIRTSCHAFTSPRÜFER ALS WELTVERBESSERER?
"Wo es mehr Wirtschaftsprüfer gibt, da geht es den Menschen besser!" Diese Botschaft posaunte jüngst der internationale Wirtschaftsprüferverband (IFAC) in die Welt:
Man habe in einer Studie herausgefunden, dass es eine starke Korrelation gebe zwischen dem Anteil an Prüfern unter den Beschäftigten eines Landes und dem Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf.
Auch auf die Lebenserwartung und das Einkommen soll diese famose Berufsgattung einen positiven Einfluss haben.
Einem Irrtum unterliegt der IFAC aber bei der Beurteilung des Zusammenhangs zwischen dem Wirtschaftsprüferanteil einer Bevölkerung und deren Wohlfahrt.
Die entdeckte Korrelation besagt lediglich, dass dort, wo das BIP pro Kopf höher ist, tendenziell auch mehr Wirtschaftsprüfer zu finden sind. Indem er aber unterstellt, dass es an den Wirtschaftsprüfern liegt, dass der Wohlstand höher ist, schießt der IFAC über das Ziel hinaus.
Wo eine Korrelation vorhanden ist, da braucht es noch lange keine Kausalität zu geben! In diesem Fall ist - wenn schon - eher der umgekehrte Fall plausibel. Mehr Wohlstand basiert auf mehr wirtschaftlicher Aktivität. Diese wiederum bedingt mehr zu prüfende Jahresabschlüsse.
Sich darüber hinaus als Weltverbesserer zu präsentieren, ist unnötig großspurig!
Schaut man sich die täglichen Pressemeldungen der Big4 an, so können diese ALLES und fühlen sich zu ALLEM berufen. Man macht Aussagen zur Welt-, Landes- und Kommunalpolitik, zur Weltwirtschaft, zur Energiewende, zu Konsumtrends, zur Cyberkriminalität ...- einfach zu allem. Und dies jeden Tag!
Man ist halt ALLESKÖNNER und dient gleichermaßen der Wirtschaft, der Finanzindustrie, der Politik, den Steuervermeidern etc. Hauptsache ist, dass aus diesem Engagement ein lukratives Mandat wird.
DIE AUSSCHREIBUNGEN, DIE KEINE SEIN SOLLEN!
Jetzt werden die neuen Stellen bei der APAS ausgeschrieben.
Dr. h.c. Spindler hat bei der APAK seinen Hut genommen, Kollege Bose erhält eine Riesen-Abfindung und die restlichen Mitglieder der "Skandaltruppe" (Volkmann, Kocks und Koslowski) müssen noch "untergebracht" werden.
D.h. sie müssen jetzt für ihre Big4-linientreue Personalpolitik belohnt und für die künftige Marktbereinigung in Sinne der Big4 installiert werden.
Bei genauem Studium der Stellenausschreibung für den künftigen Leiter der APAS stößt man bereits auf einige "Merkwürdigkeiten":
Frage 1: Von wem stammt diese Stellenausschreibung?
Aus (sehr gut informierten) Berliner Kreisen wird berichtet, dass nicht das zuständige BAFA, sondern das BMWi (Dr. Lücke & Co.) diese maßgeschneiderten Stellenausschreibungen verfasst hat.
Frage 2: Warum braucht man ein universitäres Studium? Warum reicht kein FH-Studium?
Weil man andere ernsthafte Bewerber von vornherein so aus dem Feld schlagen kann, von denen man weiß, dass sie "nur" ein FH-Studium haben.
Frage 3: Wieso reicht nur "ein(!!!) überdurchschnittliches juristisches Staatsexamen" aus?
Weil der Wunschkandidat von Dr. Lücke und den Big4 vielleicht sein 2. Staatsexamen "vergeigt" hat?
Frage 4: Wieso wird die Stelle nur "auf zwei Jahre befristet"?
Damit kein geeignete/er Kandidat/in aus dem Mittelstand etwa auf die Idee kommt, sich zu bewerben! Für ihn/sie gibt es nach dieser Zeit nämlich kein Return-Ticket in den alten Job zurück! Also reine Abschreckung!
Na, das hat man doch soweit gut eingefädelt!
Die Verantwortlichen in diesem Spiel sind das BMWi (Dr. A. Lücke, Dr. S. Hepperle) und die Big4/IDW!
Kennen Sie den Spruch? - Wer die Spielregeln bestimmt, gewinnt das Spiel!
Morgen endet die Bewerbungsfrist bei der BAFA.
DER 1,9 MIO. € - SKANDAL
wpwatch hatte bereits am 01.12.2015 über den neuen "Abfindungsskandal" bei WPK/APAK berichtet.
Im Zuge der Beschlussfassung über den Wirtschaftsplan 2016 musste man in der Beiratssitzung am 30.11.2015 seitens der WPK zugeben, dass an vier Angestellte der WPK/APAK als Folge der gesetzlichen Überleitung des Personals auf die APAS insgesamt 1,9 Mio. € an Abfindungen gezahlt werden.
Unabhängig davon, dass durch einen "Trick" (Erhöhung der § 319a HGB-Umlagen) die Finanzierung bei der WPK "sichergestellt" wird, ist hier die Frage der Verantwortlichkeiten zu klären.
Wer in WPK und APAK hat solche exorbitante Abfindungen vertraglich zugesichert, obwohl bereits seit 2014 bekannt war, dass die APAK aufgelöst werden muss?
Werden Abfindungen auch an Personen gezahlt, die anschließend in die APAS "gesetzlich überführt" werden?
Da alle APAK-Inspektoren einen Big4-Hintergrund haben, betreiben diese hier ein "In-sich-Geschäft":
Erst begünstigt man sich durch entsprechende Personalpolitik und gewährt sich exorbitante Gehälter, lässt sich dann planmäßig "abfinden" und der Big4-lastige Beirat (inkl. Mitläufer) stimmt anschließend zu, dass durch Erhöhung der § 319a-Umlagen die eigenen Mandanten dafür abkassiert werden.
Wenn der hoch bezahlten Geschäftsführung der WPK bei der Abstimmung auch noch erklärt werden muss, wie Enthaltungen zu zählen sind, und einzelne Kollegen/innen (Petra Lorey und Karl Petersen!!!) in völliger Unkenntnis der Verfahrensvorschriften wp.net offen drohen, wirft dies ein schlechtes Bild auf den gesamten Berufsstand!
Durch "Trickserei" im Haushalt hat man es so geschafft, die eigenen Mitgliedsbeiträge zu schonen und spielt gleichzeitig der "Skandaltruppe" hohe Abfindungen zu. - Gratuliere!!!
Dies hat mit Berufsethik nichts mehr zu tun und sollte den Bundesrechnungshof interessieren!
Im Wirtschaftsplan 2016 (Beilage zum WPK Magazin 4/2015) wird dieser Sachverhalt übrigens auf Seite 21 unter "die der APAK-Sparte Sonderuntersuchungen zuzurechnenden weiteren Aufwendungen im Zusammenhang mit dem APAReG" ausgeführt.
KPMG - ES IST NICHT ALLES GOLD WAS GLÄNZT!
Für 500 Versicherungsmakler, die in ganz Deutschland von der Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung (BWF) 2011 zu Goldverkäufern umgeschult wurden, brach eine Glaubenswelt zusammen, als sich bei einer Razzia am 25. Februar 2015 herausstellte, dass 95 Prozent der dort in einem unterirdischen Tresor eingelagerten Goldbarren nur hohle Attrappen waren. Laut Staatsanwalt war es nur "mit Gold ummanteltes Kupfer".
Geschädigt sind rund 6.000 Anleger, die von 2009 bis 2015 rund 54 Mio. € überwiesen hatten. Die meisten von ihnen waren von ihren Beratern überredet worden, ihre sicheren LV-policen zu kündigen und bei der BWF-Stiftung Gold zu kaufen. Fragen nach eventuellen Haken räumten die Berater damit aus, dass sie selbst Gold bei der BWF gekauft haben und im übrigen sogar Franz Beckenbauer Gold gekauft hätte. Die letzten Zweifel räumte die BWF-Stiftung mit einem Prüfbericht der KPMG aus.
Per Post kamen schöne Urkunden über den Besitz von Gold, das in Berlin eingelagert sei. Zudem wurde nach einer Laufzeit von 2 bis 4 Jahren der Rückkauf des Goldes für 130 Prozent der Einzahlung garantiert.
Im KPMG-Prüfbericht vom 4. November 2014 heißt es:
„Die BWF Stiftung hat ... Euro 48,1 Millionen an Kundengeldern angenommen, mit dem Zweck, damit für die Kunden Gold zu erwerben. Entsprechend der Inventur zum Stichtag, welche am 8. November 2014 durchgeführt wurde, befinden sich in den von der BWF genutzten Lagerräumen physisch die Goldmenge, die den Kunden aufgrund ihrer vertraglichen Einzahlungen laut Vertragsdatenbank ... zuzuordnen sind.“
Hinsichtlich der angewandten Prüfungsmethode des Goldbestandes bestätigten die KPMG-Prüfer:
"Stichprobenartige Nachzählung der Goldbarren, stichprobenartiges Wiegen der Goldbarren, stichprobenartige Überprüfung der Echtheit der Goldbarren ..." Die KPMG erwähnte ausdrücklich, dass auftragsgemäß kein Säuretest durchgeführt wurde.
Schon eine Woche nach der Razzia wurde von der Staatsanwaltschaft bestätigt, dass von den beschlagnahmten vier Tonnen BWF-Gold „nach erster Einschätzung lediglich rund 200 Kilogramm echt“ sind.
Anhand beschlagnahmter Unterlagen konnte mittlerweile festgestellt werden, dass Gerald S. die Goldbarren-Dummies für 309.000 € in China hat anfertigen lassen.
Demnach bescheinigte die KPMG Falschgold und ließ sich von den "Schlitzohren" der Stiftung "hinter die Fichte" führen.
Anlegeranwälte wollen jetzt die KPMG zur Kasse bitten.
Eine Frage hab ich noch: Ermittelt die WPK bereits gegen KPMG in dieser Sache? Oder begnügt man sich etwa wieder mit einer "plausiblen Erklärung" seitens KPMG, wie im Falle Deutsche Bank, so dass man gar nicht erst ermittelt!?
EY MUSS FÜR TOSHIBA-SKANDAL GERADESTEHEN
"Die blinden Wirtschaftsprüfer bei Toshiba" - so lautete die Überschrift der NZZ nachdem der interne Untersuchungsbericht zum Bilanzskandal vorlag. wpwatch hatte seinerzeit ausführlich berichtet (31.07.2015).
Der japanische Elektronikkonzern Toshiba hatte von 2007 bis 2013 mehr als 1 Mrd. € Gewinn zu viel verbucht.
Der interne Untersuchungsbericht spricht eine klare Sprache. Es wurden vier missbräuchliche Verbuchungspraktiken beim japanischen Konzern aufgedeckt:
Mit vorgezogenen Verkäufen kurz vor Quartalsende an Lieferanten («channel stuffing») wurde der Gewinn vor Steuern zu hoch ausgewiesen,
ausgebliebene Buchung von Verlusten aus mehrjährigen Verträgen
überhöhte Bewertung des Halbleitervorrates
wissentlich falsche Behandlung von Betriebskosten.
Der Untersuchungsbericht offenbarte Abgründe der Unternehmenskultur bei Toshiba. Er zählte aber auch detailliert auf, welche Kontrollen versagt hatten und den Bilanzskandal erst möglich machten. Zu den Versagern werden auch die externen Prüfer von EY gezählt.
Die japanische Finanzaufsicht FSA verhängte Ende 2015 nach Auswertung aller Unterlagen die Strafen.
Demnach muss EY Japan 17,4 Mio. USD Strafe zahlen und darf für drei Monate keine neuen Geschäftsverträge abschließen. Der Bericht der FSA stellt fest, dass die Abschlussprüfer
"ihre Pflichten schwer verletzt hätten. Sie haben fälschlicherweise darauf vertraut, dass Toshiba solche Dinge nicht tun würde."
Toshiba selbst wurde eine Strafe in Höhe von 60 Mio. USD auferlegt.
SACHSEN LB - LETZTER AKT JETZT VOR GERICHT
Die Sachsen LB wollte vor rund 10 Jahren von der Provinz aufs internationale Finanzparkett – und scheiterte grandios!
Gegen zwei Ex-Vorstände begann letzte Woche der Prozess wegen Bilanzfälschung und Untreue.
Die beiden Angeklagten Herbert Süß und Stefan Leusder waren die zuletzt amtierenden Vorstände der 2007 an die LBBW notverkauften Sächsischen Landesbank. Aus Bürgschaften wurde das Land Sachsen bis heute mit rd. 1,4 Mrd. € in Anspruch genommen.
Die Anklageschrift umfasst 600 Seiten. Die Prozessakten füllen 900 Ordner. Der vorsitzende Richter Volker Sander hat bereits bis Weihnachten 2016 terminiert.
Kapitalmarktvorstand Leusder ging noch in 2007 "unvertretbare Risikogeschäfte" ein, wobei er schon im Jahr 2006 die Anzeichen einer „herannahenden Krise“ hätte erkennen müssen.
Stattdessen versicherten ihm die Wirtschaftsprüfer von PwC noch im April 2007, dass das Risikotragfähigkeitskonzept für die Geschäftsstruktur grundsätzlich angemessen sei. Zu einem Zeitpunkt, wo das Anlagevolumen von Zweckgesellschaften wie Ormond Quay schon fast das Doppelte dessen betrug, was die sächsische Landesbank hätte übernehmen können.
Dem Land Sachsen ist seinerzeit ein Coup bei PwC gelungen. Als "Beitrag zur Schadensminderung" überwies PwC rund 27 Mio. € an die Landeskasse. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass ein Abschlussprüfer für Verluste eines Kunden - "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht" - einen solch hohen Obolus leistete!
Nicht beantwortet werden kann die Frage, ob PwC die 27 Mio. € tatsächlich selbst gezahlt hat oder ob es sich letztlich (teilweise) um einen "Versicherungsfall" der Wiesbadener Versicherungsstelle gehandelt hat.
DIE AUFLAGE DER WPG SINKT WEITER
Einst war die WPg mit einer Auflage von über 13.800 Exemplaren die Fachzeitschrift, die von fast allen Kolleginnen und Kollegen gerne gelesen wurde.
Insbesondere seit 2010 nimmt die Auflage stetig ab.
Da hilft es auch nicht mehr, wenn man das grafische Konzept komplett runderneuert hat.
Allein in 2014 sank die Druckauflage von 7.200 auf 6.000 Exemplare (./. 16,67 %), wobei davon noch mehr als 1.000 Exemplare nicht verkauft werden konnten.
Zu klären bliebe noch, wie viele Exemplare (gelesen oder ungelesen) von den Big4 übernommen werden, damit die "Monstranz" des Berufsstandes noch möglichst lange (aber völlig unrentabel) überleben kann?
Vielleicht sollte man aus der WPg eine Clubzeitschrift für die Big4 und deren Experten in den Grundsatzabteilungen (und an den Hochschulen) machen. Die dort angesprochenen Themen gehen nämlich zu 90% an den Bedürfnissen mittelständischer Kanzleien vorbei.
Viele Kollegen/innen sind darüber hinaus auch von der vom IDW vertretenen Berufspolitik maßlos enttäuscht.
Tipp: Schauen Sie doch einmal in die Zeitschrift WP Praxis aus dem NWB Verlag, die unseren mittelständischen Bedürfnissen und Interessen wesentlich mehr entspricht!
WIE GROß IST RÖDL WIRKLICH?
Rödl ist (nach Selbstauskunft) lt. Lünendonk nach der BDO die Nr. 6 am deutschen Prüfermarkt.
Es stellen sich nach dem Tod des Unternehmensgründers Bernd Rödl diverse Fragen:
Wie geht es bei Rödl jetzt weiter?
Wie groß und stark ist Rödl wirklich?
Wie zuverlässig sind die Lünendonk-Daten?
Die oberste Gesellschaft der Rödl Gruppe, die Sebalder Treuhandgesellschaft WPG StBG, hat im Mai 2015 einen Konzernabschluss für 2012 veröffentlicht, der den größten Teil der weltweiten Rödl Gruppe, mit Ausnahme der Rödl Rechtsanwaltschaftsgesellschaft GmbH, Rödl Consulting AG und kleinere deutsche Consulting Gesellschaften umfasst.
Hieraus ergibt sich ein abschlussgeprüfter Inlandsanteil der Umsatzerlöse von 52,5 Mio. €. Gemeldet an Lünendonk hatte Rödl jedoch einen Inlandsumsatz für 2012 von 153,8 Mio. €. Das macht eine Differenz von mehr als 100 Mio. €, die laut Jahresabschlüssen der Rödl Rechtsanwaltschaftsgesellschaft GmbH, Rödl Consulting AG und kleineren Consulting Gesellschaften für 2012 nur zu rd. 50 Mio. € zu erklären ist.
Beträgt somit die von Rödel für das Jahr 2012 "gezauberte Größe" 50 Mio. €? Das wäre ein ausgemachter Datenskandal, auch mitverantwortet durch eine schlampige Datenvalidierung von Lünendonk. Rödel wäre dann nicht mehr wie bei Lünendonk aufgezeigt Nr. 6 am deutschen WP-Markt, sondern weiter abgeschlagen auf den Plätzen Nr. 10-14 zu finden.
Im Gegensatz zu Rödl liefern die meisten der Top 10 Lünendonk Gesellschaften testierte Konzernabschlüsse, so dass sich auch die Umsatzerlöse validieren lassen.
Auffällig war in diesem Zusammenhang auch die Nähe des Hauses Lünendonk zu Bernd Rödl. Lt. Homepage erhielt Rödl & Partner von Lünendonk den "B2B-Award 2012" in der Kategorie "Innovation". Rödl war darüber hinaus lange Jahre einer der Sponsoren der Lünendonk Listen.
Rödl ist auch gleichzeitig Abschlussprüfer des DFB e.V. Beide Organisationen haben dann wohl das gleiche aktuell virulente Problem mit der Transparenz.
Es ist zu vermuten, dass man sich mit den an Lünendonk gemeldeten überhöhten Umsatzzahlen und damit mit der "gezauberten Größe" das große Geschäft (z.B. im Dax100 Bereich) erhofft hatte.
Wollte Bernd Rödl „mehr Schein als Sein“ und damit sein Lebenswerk krönen?
Eine Frage hab ich noch an Lünendonk: Wie unabhängig ist man eigentlich und wie qualifiziert werden die gemeldeten Zahlen recherchiert?
Auf Anfrage von wpwatch wurde aus dem Hause Rödl keine Stellungnahme abgegeben.
WARUM PWC DIE VW-TESTATE WIDERRUFEN MUSS!
Seit Wochen beherrscht der VW-Abgas-Skandal die Wirtschaftspresse.
Auch unter Kollegen wird fachlich debattiert, was denn nun seitens PwC zu veranlassen sei.
Ziemlich schnell gerieten die Wirtschaftsprüfer von PwC ins Visier und man stellte sich die Frage, wie ein solcher Mega-Gau den Wirtschaftsprüfern "verborgen" geblieben sein konnte!? Der Skandal war dem TOP-Management und der internen Revision nachweislich bereits seit dem Frühjahr 2014 bekannt. Bereits damals gab es Beschuldigungen/Anfragen der amerikanischen Umweltbehörden über manipulierte Abgaswerte und hausinterne Untersuchungen in Wolfsburg.
Der Jahresabschluss 2014 und der Konzernabschluss 2014 wurden am 18. Februar 2015 uneingeschränkt vom CEO Prof. Dr. Winkeljohann (!) testiert. Für die Abschlussprüfung kassierte PwC 13 Mio. €. Für Beratungsleistungen kassierte man weitere 17 Mio. €.
Am 29. April 2015 verlieh PwC seinem Mandanten - wie auch in Vorjahren - den "Automotive Innovations Award" als "innovativstem Automobilkonzern weltweit".
Noch ein Nachweis dafür, dass man "unabhängig" war!?
Und jetzt mal Klartext (unter der Annahme, dass man seitens PwC nicht wissentlich falsche Prüfungsfeststellungen getroffen hat!?):
Nach IDW PS 400 (Tz 111 ff) sind die Testate unverzüglich zu widerrufen, da man in Kenntnis des Abgasskandals damals sicherlich nicht uneingeschränkt testiert hätte.
Nach IDW PS 203 n.F. (Tz 20 f , 28) hat eine Nachtragsprüfung nach § 316 III HGB stattzufinden oder die Testate sind zu widerrufen. Man nennt dies "wertaufhellende Tatsache"!
Zweifellos liegt ein Vertrauensbruch zwischen Mandant und Abschlussprüfer vor, der gemäß § 318 VI HGB und einschlägiger Kommentierungen zur Kündigung des Mandates und zum Widerruf der Testate führen muss.
Wieso sind WPK und APAK eigentlich noch nicht tätig?
Wann wurde die GStA von der WPK eingeschaltet?
Ach, übrigens: Nach dem neuen überarbeiteten IDW PS 201, Tz 29 sind die Prüfungsstandards des IDW e.V. grundsätzlich verbindlich! - Oder für PwC etwa nicht?
Na, da müssen sich Prof. Naumann und Präsident Ziegler noch etwas einfallen lassen, wenn sie dem Rest der Prüferwelt erklären wollen, dass man die Testate nicht widerrufen muss.
WANN TRITT DAS APAREG IN KRAFT?
Gemäß Art. 12 tritt das APAReG am 17.06.2016 in Kraft.
Dies bedeutet, dass das alte System des peer review noch bis dahin wirksam bleibt und es für Teilnahmebescheinigungen, die bis dahin erteilt werden, Bestandsschutz gibt. Gemäß § 57a VI S. 8 WPO ist die Teilnahmebescheinigung auf 6 Jahre befristet. Dies bedeutet, dass die Qualitätskontrollprüfung auch vor Ablauf der Teilnahmebescheinigung durchgeführt werden kann und eine Teilnahmebescheinigung dann wiederum auf 6 Jahre befristet ist.
Konkret ist zu überlegen, ob man den peer review bis Juni 2016 noch nach altem Recht durchführen lässt und damit bis 2021 "Ruhe" hat. Sofern man dies in Erwägung zieht, muss jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass bis zum 17.06.2016 der Qualitätskontrollbericht über den durchgeführten review bei der KfQK in Berlin vorliegen muss!
Der neue peer review ab dem 18.06.2016 hat, auch wenn die WPK dies immer gerne anders darstellen möchte, erhebliche Nachteile, die ich u.a. im Sondernewsletter Nr. 62 ausführlich beschrieben habe.
LOBBY-ABSURDITÄT DES MONATS
PWC verdient sehr viel Geld damit, für Großkonzerne neue Steuertricks zu entwickeln und sich zuvor noch die Absolution von den jeweiligen Steuerbehörden ( z.B. in Luxemburg) zu holen.
Der "Stern" bezeichnete die Big4 deshalb bereits treffend als "legale Staatsfeinde"!
EU-Mitgliedstaaten verlieren durch solche Tricksereien Milliarden an Steuereinnahmen. Deshalb werden Schwimmbäder und Kindergärten geschlossen, Steuern und Gebühren jedoch permanent erhöht. Der Mittelstand erfährt erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber solchen (quasi steuerfreien) Konzernen und gerät dadurch deutlich ins Hintertreffen.
Und weil das alles bei genauerer Betrachtung gar nicht süß schmeckt, wünschte PwC eine frohe Adventszeit mit Schokolade aus dem Adventskalender.
Die Adventskalender wurden von PwC in der Adventzeit tausendfach verteilt.
Lobby Control findet diese Aktion nicht so toll und zeichnet PwC dafür mit der "Lobby-Absurdität des Monats" Dezember 2015 aus.
Gratuliere! Solch einen Preis muss man sich erst einmal verdienen.
ZUM SCHLUSS: DIE WPK UND DIE SCHÜLER
Besonderes Augenmerk legt die WPK in dieser Legislaturperiode auf den Berufsnachwuchs, da es sich trotz einer zweifelhaften millionenschweren Imagekampagne des IDW herumgesprochen hat, dass der Beruf des Wirtschaftsprüfers doch nicht so attraktiv sein soll.
Jetzt stattet die WPK Kollegen/innen mit 24 Folien aus und schlägt vor, dass man mit diesem Foliensatz in Schulklassen aufschlägt und um den Berufsnachwuchs wirbt.
Doch klicken Sie selbst einmal die Folien durch und überlegen Sie sich einen griffigen und passenden Vortrag.
Klartext: Das IDW kann noch so viele Millionen € (an Mitgliedsbeiträgen!) mit Imagekampagnen "verballern". Und die WPK kann noch weitere Hundert Folien malen (lassen).
Das Problem liegt tiefer! Viele wissen dies! - Aber die Diskussion hierüber ist nie ernsthaft geführt worden - und wird auf absehbare Zeit auch nicht geführt werden!
Dieser Aktionismus ist pure Heuchelei!
Um die "Balance" im Leben zu halten, sollte man hin und wieder mal sinnige Themen aufgreifen und gute Bücher lesen. Mein Vorschlag:
Manfred Lütz, Wie Sie unvermeidlich glücklich werden - Eine Psychologie des Gelingens!
ISBN 9 783579 070995, 192 S., 17,99 €. Ein fulminantes und leicht lesbares Buch - für ein nieseliges Winter-Wochenende. Ich habe herzhaft gelacht!
Lütz ist Chefarzt des Alexianer Krankenhauses, einer psychiatrischen Klinik in Porz-Ensen. Er ist zusätzlich Philosoph und Psychologe.
Hier wird (endlich) aufgeräumt mit dem ganzen Unfug der Lebensratgeber, Glücksbücher, medialer Glücks- und heutiger Erfolgstypologie.
Ein unterhaltsames Aufklärungsbuch zum Selberdenken.
Danach brauchen Sie eigentlich nichts mehr über Glück zu lesen.

References: § 319
 § 319
 § 316
 § 318
 Art. 12
 § 57