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Timestamp: 2017-09-20 07:16:48+00:00

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Arbeitsschutz | Lexikon für den Betriebsrat | W.A.F.
Begriff und Zweck des Arbeitsschutzes
Öffentlicher Arbeitsschutz
Arbeitsschutzvorschriften der Unfallversicherungsträger
Individualrechtlicher Arbeitsschutz
Kollektivrechtlicher Arbeitsschutz
Unter dem Begriff Arbeitsschutz werden gem. § 2 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) zwei Bereiche definiert:
die Verhütung von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren,
der öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Arbeitsschutz,
das staatliche und berufsgenossenschaftliche Arbeitsschutzrecht,
das deutsche und europäische Arbeitsschutzrecht,
der technische, soziale und medizinische Arbeitsschutz.
Die wohl mit am wichtigsten zu bezeichnende Vorschrift ist das Arbeitsschutzgesetz, das seit 08/1996 in Kraft ist. Die Gewerbeordnung von 1869 wurde als staatliche Grundlage des Arbeitsschutzrechts weitgehend abgelöst. Das Arbeitsschutzgesetz gilt für fast alle Arbeitgeber und Bereiche der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes, siehe § 1 f. ArbSchG.
Eine Ergänzung der staatlichen Vorschriften erfährt der Arbeitsschutz durch die Arbeitsschutzvorschriften der Unfallversicherungsträger, die Berufsgenossenschaften. Rechtsgrundlage ihrer Tätigkeit ist das Siebte Buch zum Sozialgesetzbuch - SGBVII, das die Reichsversicherungsordnung - RVO abgelöst hat.
Die Aufgaben der Unfallversicherungsträger erstrecken sich von der Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, Erkennung arbeitsbedingter Gefahren für Leben und Gesundheit der Beschäftigten bis hin zu Programmen der Ersten Hilfe.
Aufgrund staatlicher Ermächtigung dürfen die Unfallversicherungsträger autonom Unfallverhütungsvorschriften erlassen. Durch den Einsatz eigener Überwachungsorgane, die technischen Aufsichtsbeamten, werden Normen kontrolliert und durchgesetzt.
Die Basis des autonomen Schutzrechts bildet die Unfallverhütungsvorschrift (UVV) „Allgemeine Vorschriften“ VBG 1. Diese allgemein gehaltenen Regeln werden durch eine Vielzahl speziellerer Regeln ergänzt.
Die Rechtssetzungskompetenzen der europäischen Gemeinschaft auf dem Gebiet des Arbeitsschutzrechts beruhen auf dem EG-Vertrag Art. 100a EGV.
Art. 118a EGV regelt die Befugnis zum Erlass von Richtlinien mit dem Ziel, die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.
Als Beispiel sei noch die Arbeitsschutzrahmenrichtlinie genannt, die aufgrund Art. 118a EWGV dem deutschen Arbeitsschutzgesetz als Vorbild gedient hat.
In diesem Sinne versteht man das „Nebeneinander“ von staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Arbeitsschutzvorschriften und Überwachungsorganen.
In § 21 des Arbeitsschutzgesetzes ist eine „Überlappung“ der Zuständigkeiten der staatlichen Arbeitsschutzbehörden und der technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaften vorgesehen.
Die staatlichen Arbeitsschutzbehörden können die Einhaltung berufsgenossenschaftlicher Unfallverhütungsvorschriften kontrollieren und durchsetzen.
Man kennt den Begriff „Fürsorgepflicht“ des Arbeitgebers. Seinen rechtliche Ursprung findet er in § 618 BGB, nach dem der Arbeitgeber verpflichtet ist, Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften, die er zur Verrichtung der Dienste zu beschaffen hat, so einzurichten und zu unterhalten und Dienstleistungen, die unter seiner Anordnung oder seiner Leitung vorzunehmen sind, so zu regeln, dass der Verpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt ist, als die Natur der Dienstleistung es gestattet.
Sollte der Arbeitgeber öffentliche Arbeitsschutzvorschriften verletzen oder missachten, so können dem Arbeitnehmer Erfüllungs-, Schadens- oder Unterlassungsansprüche zustehen.
Des weiteren kann der Arbeitnehmer ein Zurückbehaltungsrecht nach 273 BGB oder schlimmstenfalls eine (außer)ordentliche Kündigung in Betracht ziehen.
In Tarifverträgen sind Arbeitsschutzregelungen eher selten, so z.B. Pausen und Erholungszeiten für Akkord-Löhner (Akkordarbeiter). Deshalb kommt der Mitbestimmung der Betriebsräte besondere Bedeutung zu.
Der Betriebsrat hat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht gem. § 87 Abs. 1 Nr.7 BetrVG bei der innerbetrieblichen Durchführung der öffentlich-rechtlichen Arbeitsschutzvorschriften, soweit bei der Umsetzung dem Arbeitgeber Gestaltungsspielräume bleiben.
Sollte ein Arbeitgeber einseitig Anordnungen treffen, so kann der Betriebsrat die Beseitigung des gesetzwidrigen Zustandes verlangen (BAG, 16.06.1998, 1 ABR 68/97).
Siehe weitere Gesetze, wie z.B. Arbeitssicherheitsgesetz, Arbeitsstättenverordnung usw.
Abgesehen von der erzwingbaren Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG können Betriebsrat und Arbeitgeber gem. § 88 BetrVG weitergehende freiwillige Betriebsvereinbarungen abschließen. Sie dürfen der Ergänzung bzw. dem Ausbau der öffentlich-rechtlichen Vorschriften genügen. Gesetzesrecht oder UVVs dürfen nicht unterschritten oder gar beseitigt werden.
Des Weiteren sei auf die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift über das Zusammenwirken der technischen Aufsichtsbeamten der Träger der Unfallversicherung mit den Betriebsvertretungen“ verwiesen.
Z.B. hat gem. § 4 der technische Aufsichtsbeamte bei Betriebsbesichtigungen usw. die Betriebsvertretung oder von ihr beauftragte Mitglieder hinzuzuziehen.
Nach § 89 BetrVG hat sich der Betriebsrat dafür einzusetzen, dass die Vorschriften über den Arbeitsschutz und die Unfallverhütung im Betrieb durchgeführt werden.
Der Arbeitgeber und alle zuständigen Stellen im Betrieb oder außerhalb sind verpflichtet, den Betriebsrat bei allen im Zusammenhang mit dem Arbeitsschutz und der Unfallverhütung stehenden Fragen und Angelegenheiten hinzuzuziehen.
Der Betriebsrat hat Anspruch auf Kenntnisnahme bzgl. aller Auflagen und Anordnungen der entsprechenden Stellen durch den Arbeitgeber.
Checkliste: Telearbeit - Gesundheits-Tipps
Betriebsvereinbarung zum Thema Unfallverhütung

References: § 2
 § 1
 Art. 100

Art. 118
 Art. 118
 § 21
 § 618
 § 87
 § 87
 § 88
 § 4
 § 89