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Timestamp: 2017-12-17 02:21:36+00:00

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Die Geschichte Israels. Eine Zusammenfassung der Standardwerke von Hans-Christoph Schmitt und Jan Christian Gertz
§ 1 Die theologische Aufgabe einer Geschichte Israel und ihre Periodisierung
1.1 Das Verständnis von „Israel“
1.2 Die Perioden der Geschichte Israel in atl. Zeit
1.3 Das Problem des Beginns der Geschichte Israels
§ 2 Die Quellen der Geschichte Israels
§ 4 Terminologische Grundlagen
4.1 Die Begriffe Kanaan, Israel/Israelit, Juda/Judäer, Jehud, Judäa, Jude, Samaritaner und Palästina
4.2 Geschichte, Geschichten, Geschichtsschreibung und Geschichtenerzählen
4.3 Die Begriffe Monotheismus, Polytheismus, Monolatrie, Henotheismus und Polyjahwismus
Kapitel 2: Die Königszeit
§ 5 Die Staatenbildung der „Israeliten“ in Palästina und das Königtum Sauls
5.2 Die Entstehung des israelitischen Königtums
5.3 Die Form des „Königtums“ Sauls
5.4 Das Werk Sauls
§ 6 Die judäisch-israelitische Personalunion unter David und Salomo
6.2 David (ca. 1005 – 965)
6.3 Salomo (965 – 926)
§ 7 Das Nordreich von der Reichstrennung bis zur Eroberung durch die Assyrer (926-722)
7.2 Die Chronologie der Königszeit
7.3 Der Abfall Israels von der Daviddynastie (926)
7.4 Die Dynastie Omris (882-845)
7.5 Die Dynastie Jehus (845-747)
7.6 Der Untergang des Nordreichs
§ 8 Das Südreich von der Reichstrennung bis Josia (926-609)
8.2 Das Südreich neben dem Nordreich (926-722)
8.3 Die Zeit der Alleinexistenz Judas (722-609 v.Chr.)
Kapitel 3: Die die Identität „Israels“ bestimmenden Traditionen der Königszeit
§ 9 Die Mosetradition
9.1 Die Moseüberlieferung
9.2 Die historischen Hintergründe der Exodusüberlieferung
9.3 Die alte Gottesberg- und Sinaiüberlieferung
9.4 Die alte Wüstenüberlieferung
9.5 Landnahmeüberlieferung im Pentateuch
9.6 Die Mosegestalt und ihr ursprünglicher Haftpunkt
§ 10 Die Tradition von den Erzvätern
10.1 Der königszeitliche Bezug der Erzväterüberlieferung
10.2 Das Bild der älteren Väterüberlieferung von der Lebensweise der Erzvätergestalten
10.3 Die in der Erzväterüberlieferung angenommene Herkunft der Erzväter
10.4 Die Kulturlandhaftpunkte der Erzvätergestalten
10.5 Die in der alten Erzväterüberlieferung vorausgesetzte Religionsform
§ 11 Die Landnahmeüberlieferung und die archäologischen, sozialen und ökonomischen Gegebenheiten der beginnenden Eisenzeit
11.1 Die atl. Landnahmeüberlieferungen
11.2 Außerbiblische Befunde
11.3 Theorien zur Landnahme der Israeliten
§ 12 Die biblische Darstellung des vorstaatlichen Stämmesystems und die Frage nach sozialgeschichtlichen Analogien
12.1 Die atl. Überlieferung von der Richterzeit
12.2 Die Stämmeorganisation in der Richterzeit
Kapitel 4: Die exilisch-nachexilische Zeit
§ 13 Die Zeit des babylonischen Exils und die Wiedererrichtung des Jerusalemer Tempelkultes
13.1 Die Einnahmen Jerusalems durch Nebukadnezar (604-562) in den Jahren 597 und 587
13.2 Die Lebensverhältnisse im Land Juda nach 587
13.3 Die Situation in der babylonischen Gola
13.4 Die Rückkehr aus dem babylonischen Exil und der Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels (515 v.Chr.)
§ 14 Die Kooperation mit dem Perserreich im 5. und 4. Jhr. v. Chr.
14.1 Die persische Politik des 5. Jhr. und das Wirken Nehemias
14.2 Das Wirken Esras
12.3 Entwicklungen außerhalb Judas
§ 15 Die Auseinandersetzung mit dem Hellenismus und der Makkabäeraufstand
15.1 Palästina in der hellenistischen Zeit (332-363)
15.2 Die Bestrebungen der jüdischen Hellenistenpartei zur radikalen Hellenisierung des Jerusalemer religiösen Lebens
15.3 Der Makkabäeraufstand und die Wiederherstellung der Religionsfreiheit
15.4 Ausblick auf den Staat der Makkabäer
Repetitionsthemen zur Geschichte Israels
- „Israel“ stellt in der Königszeit die Bezeichnung des Nordreichstaates dar à ab 722 v. Chr. wird auch Juda als Teil von „Israel“ verstanden à Bsp: Geschichtsrückblick von Jes 9,11-15 spricht von den „beiden Häusern Israels“
- Ca. 564 Belege, in denen das AT mit „Israel“ das Nordreich meint à über 1000 Stellen, an denen „Israel“ sich auf das „Volk Jahwes“ bezieht
- Von zentraler Bedeutung für das Israelverständnis des AT: die nachexilische Gemeinde, die sich um den zweiten Tempel versammelt à versteht sich selbst als Verkörperung von „Israel“
Chronologische Übersicht über die Perioden der Geschichte Israels (Daten nach Jepsen):
I. 1400 – 1000 v.Chr.: Vorstaatliche Periode 1. 1400 – 1200 v.Chr.: „Nomadenzeit“ (Erzväter- und Moseüberlieferung) 2. 1200 – 1000 v.Chr.: Landnahme- und Richterzeit
II. 1000 – 587 v. Chr.: Königszeit 1. 1000 – 926 v.Chr.: Zeit der Personalunion zwischen Nord- und Südreich 2. 926 – 722 v.Chr.: Zeit der getrennten Reiche 3. 722 – 587 v.Chr.: Zeit der Alleinexistenz Judas
III. 587 – 164 v.Chr.: „Israel“ als Teil der altorientalischen Großreiche 1. 587 – 539 v.Chr.: Zeit des „babylonischen Exils“2. 539 – 332 v.Chr.: Perserzeit 3. 332 – 63 v.Chr.: Hellenistische Zeit
- Quellenlage à für Königszeit und exilisch-nachexilische Zeit gibt es biblische und außerbiblische Überlieferungen à Quellen für die vorstaatliche Periode fehlen fast vollständig à Als Quellen für die Ereignisse der Zeit der Erzväter gibt es ausschließlich die frühestens in der Königszeit schriftlich fixierten Überlieferungen des Pentateuch + Josua- und Richterbuches à daher: zeitlich genau fixierbare Ereignisse erst nach der Staatswerdung Israels
- Martin Noth: Unterschied zwischen a) Traditionen über die Vorgeschichte Israels (Erzväter-, Exodus- und Sinaiüberlieferung) b) dem Beginn der Geschichte Israels à für ihn stellte dabei die Konstituierung eines Zwölfstämmebunds nach der Landnahme das Ausgangsdatum der Geschichte Israels dar à neuere Forschung: „Zwölfstämmebund“ erst eine im Laufe der Königszeit entwickelte Tradition à über die historische Grundlage wird unterschiedlich geurteilt
- Ausgangspunkt einer Geschichte Israels daher nicht mehr Richterzeit à stattdessen: erst mit der Königszeit à aber: bedeutet nicht, dass atl. Überlieferungen über die vorstaatliche Zeit keinen historischen Kern haben à diese Überlieferungen spiegeln aber primär Erfahrungen der Königszeit wider à daher: nur unter Berücksichtigung der Königszeit kann der Bezug auf die Ereignisse der Vorgeschichte Israels geklärt werden
- „Geschichte Israels“ ist zwar primär auf das AT bezogen à trotzdem: darf sich nicht NUR auf das AT als Geschichtsquelle konzentrieren à biblische Geschichtsbild muss sich auch mit nichtbiblischen Verständnissen der Geschichte konfrontieren à trotzdem bleibt das AT die wichtigste Quelle für die „Geschichte Israels“!
- frühere Ansicht: Palästina war ursprünglich von einer einheimischen Urbevölkerung besiedelt à erst später kamen zuerst die Kanaanäer à ab 1200 v.Chr.: Israeliten sind als neue ethnische Gruppe eingewandert à haben entscheidende Veränderungen in Palästinas Kultur, Geschichte und Religion herbeigeführt - heutige Forschung: keine Einwanderungswellen von außen haben in Palästina Kulturabbrüche- oder umbrüche hervorgerufen à stattdessen: komplexeres Verständnis - Veränderungen nicht zwangsläufig auf Ankunft neuer Bevölkerungsgruppen zurückzuführen à können auch mit sozialen Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur + innergesellschaftlichen Prozessen zusammenhängen à Impulse von außen liegen aber auch vor à müssen aber auf den jeweiligen Einzelfall untersucht werden - AT legt großen Wert darauf, dass „Israel“ in „Kanaan“ eingewandert sei à dabei handele es sich um zwei fremde, feindliche Völker - Heutige Geschichtskonstruktion: eher kleine Gruppe Asiaten + Mann namens Mose wanderten von Ägypten nach Palästina à währenddessen: in Palästina vollzogen sich wichtige innergesellschaftliche Veränderungen à führten in der Folgezeit zur Entstehung von „Israel“ - These: Existenz eines beduinen-nomadischen wüstenbewohnenden + ins kanaanäische Kulturland eingewanderten vorstaatlichen „Israels“ lässt sich kaum halten à durch (Re)Konstruktion einer bäuerlichen und kleinviehzüchtenden Stammesgesellschaft im Kulturland ersetzt à Annahme: dabei Synthese zwischen den ländlichen und städtischen Bevölkerungsteilen - neue Landnahmetheorie: Entstehung „Israels“ als Ereignis eines komplexen gesamtgesellschaftlichen Prozess innerhalb eines kulturellen Systems des Kulturlandes à „Israel“ zum größten Teil in und aus „Kanaan“ entstanden à daher: bei „Israel“ und „Kanaan“ handelt es sich nicht um zwei verschiedene Ethnien - AT hat Gegensatz zwischen „Israel“ und „Kanaan“ aufgebaut à Grund: wird als „ pattern “ (= Interpretationsmuster) verstanden à will damit Distanz zum eigenen Lebensraum, der eigenen Sprache und ethnischen Zugehörigkeit zum Ausdruck bringen à bemüht sich, den Kultgemeinden der (frühesten) Exilszeit Kriterien zur Abgrenzung nach außen und Identitätsstiftung nach innen vorzugeben - „ Israel-vs-Kanaan-pattern “ auch für Religionsgeschichte wichtig à religiösen Praktiken, die das AT bezeugt, wurden in Kategorien angelegt a) israelitisch-nomadisch (häufig verbunden mit monotheistisch) b) kanaanäisch-bäuerlich (häufig verbunden mit polytheistisch) à dabei: Prämisse, dass es sich bei „Israel“ und „Kanaan“ um zwei verschiedene Größen handelt - Ebenso Ansätze, die den (unsachgemäßen) Gegensatz zwischen Wüsten (=Israeliten) und Kulturlandbewohnern (=Kanaanäer) aufsprengen à haben stattdessen die vorstaatliche Situation in Palästina vor Augen - Ursprung und Entwicklung der religiösen Praktiken + Vorstellungen in Palästina sind innerhalb des gesamtgesellschaftlichen Prozesses zu betrachten à religiöse Traditionen der früheren Epochen wurden modifiziert + aufgenommen + weitergeführt à daher: neben Veränderungen auch Kontinuität! - auf Zuweisung bestimmter Rituale, Feste, Vorstellungen von unterschiedlichen Ethnien ist daher zu verzichten à stattdessen: auf soziale Trägergruppe achten - ähnliches bei dem Gegensatz zwischen Jahwe und Baal (bestimmt weite Teile im AT) à Religionsgeschichtliche Forschung: bei Jahwe in Israel und Juda handelt es sich um zwei verschiedene Manifestationen des ursprünglich eingewanderten, südlich von Palästina beheimateten Wettergottes Jahwe à Gott des vorderorientalisch gut belegten Baal-Hadad-Typus à wurde daher auch oft Baal genannt à daher: Baal und Jahwe waren nicht unbedingt zwei verschiedene Gottheiten à zu bestimmten Zeiten, in bestimmten Regionen etc. gab es einfach zwei Namen für denselben Gott - Glaube an Jahwe als den höchsten und später einzigen Gott à entwickelte sich im Verlauf des 1. Jt.v.Chr. im Nordreich Israel + im Südreich Juda à war ein komplizierter Prozess aus der syro-palästinischen Religionsgeschichte à besonders bestimmte Gruppierungen in der Zeit des Exils + Zweiten Tempels waren für die entscheidenden Veränderungen verantwortlich - Palästina ist ein Durchgangs- oder Schwellenland à besondere geographische Lage entspricht einem Korridor à benachbarten Reiche griffen auch diese wirtschaftlich, politisch und militärisch strategisch wichtige Region zurück à südlicher Teil: entweder in kleine regionale Einheiten zerstückelt oder in eine Kolonie, Vasallenstaat oder Provinz einer fremden Großmacht à Oberherrschaften/ Gebietsaufteilungen in Palästina wechselten sich leicht zeitlich verzögert zum Aufstieg und Untergang der jeweiligen Machthaber ab à Ägypter aus dem Süden; „Seevölkergruppen, insb. Philister aus der Ägäis; Aramäer aus dem Norden; Assyrer + Babylonier + Perser aus dem Osten à Griechen und Römer übernahmen die Region erst in späteren Epochen - politische Fremdherrschaften/ Gebietsansprüche + Handelskontakte mit verschiedenen Nachbarn beeinflussten die kulturelle und religiöse Entwicklung Palästinas à daher: Geschichte und Religionsgeschichte Palästinas hängt eng mit den Entwicklungen im Land + Umgebung zusammen à Entwicklung kann deswegen nicht ohne Kenntnis der Geschichte beschrieben werden
Palästina - ursprünglich: Siedlungsgebiet der Philister - seit Herodot: Formulierung „palästinisches Syrien“ belegt à bezieht sich auf den Küstenstreifen zwischen Ägypten und Phönizien - 135 n.Chr. à römische Provinz Judäa wurde in provincia syria palaestina umbenannt à Jerusalem (Hauptstadt von Juda (=Judäa)) wurde in aelia capitolina umbenannt - Gebiet der römischen Provinz umfasste auch das Kulturland im Landesinneren à war deutlich größer als das Siedlungsgebiet der Philister - Ab dem 4 Jhr. n.Chr.: römischer Provinzname in abgekürzter Form palaestina üblich
Kanaan - Volksname: Kanaanäer - genaue Ausdehnung des Gebietes ist nicht bekannt - Ägypter: haben im 12.-14. Jhr. ihre südlichste asiatische Provinz als Kn’n bezeichnet à Hauptstadt dieser Provinz: Gaza - Philister: Philistäische Ansiedlung im in der südlichen Küstenregion im 12. Jhr. à Ägypter verloren Kontrolle über das Gebiet - Phönizier & Punier: Name Kanaan erscheint erst in hellenistisch-römischer Zeit à hier als Selbstbezeichnung Phöniziens - AT: Kanaanäer meist nur als Vorbewohner des Landes, von den einwandernden Israeliten à wurden von ihnen vertrieben und besiegt à setzt Kanaan von dem Gottesvolk Israel ab - Nachexilische Texte: Kanaanäer als Synonym für Händler, Kaufleute à setzen damit implizit Kanaanäer mit Phöniziern gleich
Juda - ursprünglich: Stamm im südpalästinischen Bergland - südliches Nachbarkönigreich von Israel à Hauptstadt: Jerusalem à hat Königsdynastie, die auf David zurück geht - AT: geht von Vereinigung der beiden Königreiche zur Zeit Davids und Salomos aus (historisch nicht verifizierbar!) à für diese kurze Zeit: „Israel“ steht für das vereinigte Reich à nach der Trennung des Reiches nach Salomo: AT geht wieder von zwei Reichen aus à „Israel“ im Norden à „Juda“ im Süden - assyrische Eroberung 722/1 v. Chr.: Ende der Staatlichkeit des Nordreichs „Israel“ à es gibt nur noch das Königreich „Juda“ à Name „Israel“ kann aber auch für das Südreich gebraucht werden - 587/6 oder 582 v.Ch.: Juda verliert seine Staatlichkeit à Perser haben Provinz übernommen à nannten sie Jehud
Jehud - unabhängige persische Provinz „Jehud“ seit Mitte des 5. Jhr. bezeugt - umfasste Teile des ehemaligen Staatsgebiets „Judas“ - Parallel dazu bestand die persische Provinz Samaria à umfasste das Staatsgebiet des alten Nordreichs Israel - persische Provinz Jehud wurde von den Makkabäern ausgeweitet à Jehud umfasste dann das alte Juda + samarische Bergland + Küstenregion + ostjordanische Gebiete - Jehud bestand in hellenistisch-römischer Zeit als Judäa
Judäa - Judäa war römische Provinz à wurde von den Römern 135 n.Chr. in provincia syria palaestina umbenannt à Bezeichnung Jude leitet sich von Juda/Jehud/Judäa ab
Israel - hat im Laufe der Geschichte mehrere Wandlungen erfahren à erste Beleg für „Israel“: Israel-Stele des Pharao Merenptah (1213-1203 v.Chr.) à „Israel“ wird mit dem Determinativ für „Volk“ versehen à Daher: Bezeichnung einer Menschengruppe, keine Ortslage - ursprünglich: Stamm im zentralen oder nordpalästinischen Bergland à erstreckt sich nördlich von Jerusalem bis Dan - 1. Jt.v.Chr.: Name des Nordreichs à Hauptstadt: Samaria - AT: „Israel“ bezeichnet das Gesamtgebilde des vereinigten Königreichs aus „Israel“ (=Nordreich) und „Juda“ (=Südreich) à nach Trennung der beiden Reiche: „Israel“ meint das Nordreich - politischen Ende von „Israel“ 722/1 v.Chr. à „Israel“ konnte trotzdem auch für das Südreich verwendet werden à Ebenso: „Israel“ als Bezeichnung des Gottesvolks „Israel“
Samaria - Hauptstadt des Nordreichs seit König Omri - Einwohner: Samarier à Achtung: „Samaritaner“ = Mitglieder der religiösen Gemeinschaft
Samaritaner - Ursprünge der Glaubensgemeinschaft umstritten à trotzdem un umstritten: Datierung in nachexilische Zeit à Grund: in dieser Zeit kam es zwischen der judäischen Gemeinde um den Jerusalemer Tempel und der nordisraelitischen Gemeinde um den Tempel in Sichem zu einem Schisma (=Glaubensspaltung) à Schisma war zwischen der persischen, frühen hellenistischen und hasmonäischen Zeit à Letzteres wahrscheinlich, weil es durch paläoraphisches Material gestützt wird - heutige Forschung: Evident, dass bereits um 450 v.Chr. ein Tempel auf dem Berg Garizim entstand à Samaritaner glauben an Jhwh als den einen Gott, Mose als Prophet und Tora als das einzige Gesetz Gottes à aber: Haben den Berg Garizim als den erwählten Ort Gottes
- Ernst Axel Knauf, 1991: Geschichtsschreibung findet auf mehreren Ebenen statt à nahm in seinem Aufsatz Bezug auf Fernand Braudel - Fernand Braudel unterscheidet: 1. Die Geschichte der beständigen Dauer: dauerhafte Strukturen menschlichen Lebens in seiner Umwelt 2. Die Konjunkturgeschichte: sozial-, kultur-, religions- und mentalitätsgeschichtlichen Entwicklungen mittlerer Dauer 3. Die Ereignisgeschichte: historische Einzelereignisse, individuell datierbare Personen und Orte à Bsp I: Textliche Quellen (egal ob biblisch oder außerbiblisch) kommen nur als Quellen für die Konjunktur- und Ereignisgeschichte in Betracht à geographische/ archäologische Befunde als Quellen für die Geschichte der beständigen Dauer à Bsp II: Palästina als Gegenstand der Geschichte der beständigen Dauer à bei „Israel“ hingegen schwierig zu bestimmen wegen mangelndem Kontinuums - in biblischen Texten: Abgrenzung zwischen Geschichte (History) und Geschichten (Story) nicht scharf vollzogen à in heutige Forschung unmöglich von dieser Unterscheidung abzusehen! à aber: auch im Alten Orient und in den AT fand Geschichtsschreibungen im Geschichtenerzählen bzw. Geschichte in Geschichten statt - im AT: Gegenwart wird im Modus der Geschichtenschreibung gedeutet à daher: AT kein Kompendium der Geschichte Palästinas à jede „Rekonstruktion“ der Geschichte, wie sie „tatsächlich“ einmal stattgefunden haben soll, ist letztlich immer nur eine Konstruktion und Hypothese dessen, der sie schreibt - Geschichtsschreibung im Alten Orient, staatlichen Israel und Juda gab es in Form von Annalen (=Tagesereignisse) à wurden am Hof festgehalten à Auszüge aus Annalen finden sich auch im AT à sind dort aber oft nur unsicher abzugrenzen à Grund: wurden oft in größere literarische Einheiten eingebettet - Bsp I: Bücher Sam-Kön wurden nicht als Annalen konzipiert à stattdessen: verweisen bei historischen Infos explizit von sich weg auf die offiziell geführten Annalen à literarische Eigenart und historische Intention sind dort eher ein Geschichtskommentar im Rahmen eines theologischen Systementwurfs à wollen Gründe für den Untergang der Staaten Israel und Juda angeben + Fundamente für den erhofften Neubeginn legen - Bsp II: Chronikbücher werden als Annalen charakterisiert à gleichzeitig sind sie auch narrative Auslegung von Tora und Propheten à schildern die Ereignisse so, dass sie zur chronistischen Auffassung passen à daher: auch hier verbinden sich Geschichte (History) und Geschichten (Story)
- Die Entwicklungen dieser Religionsformen wurden in der Vergangenheit unterschiedlich rekonstruiert à These vom uranfänglichen monotheistischen Jahwismus der „Israeliten“ bzw. Mosegruppe beruhte auf der unkritischen Nacherzählung der biblischen Texte à heute: zunehmend entwicklungsorientiertes Modell à Weg vom vorexilischen Polytheismus über Henotheismus und Monolatrie zu einem facettenreichen monotheistischen Jahwe à monotheistischer Jahwe hat aber Züge der verschiedenen Götter absorbiert
Fazit: Polytheismus à Henotheismus/Monolatrie à Monotheismus
Monotheismus - neuzeitliches Kunstwort - bezeichnet Überzeugung, dass er nur einen einzigen Gott gibt à nur dieser wird als einziger verehrt - exklusiver Monotheismus: ist von Polemik gegen Götzen und ihre Diener gekennzeichnet - inklusiver Monotheismus: tolerant gegenüber polytheistischen Vorstellungen, weil er in den verschiedenen Manifestationen der Götter eine Einheit sieht
Polytheismus - geht davon aus, dass eine Vielzahl von Gottheiten existiert die man auch verehren kann - Begriff zuerst bei Philo von Alexandrien (ca. 25 v.Chr. – 25 n.Chr.) nachweisbar - innerhalb des Polytheismus kann es zu verschiedenen Ausprägungen kommen
Monolatrie - Verehrung nur eines Gottes trotz der Überzeugung, dass noch andere Gottheiten existieren
Henotheismus - Begriff von Friedrich Max Müller, 1860 - kann auch monarchischer Polytheismus genannt werden - Glaube an einen einzelnen Gott, dem im Kontext vieler Götter zeitweise Vorrang zugesprochen wird à ihm wird als höchste Gottheit das restliche Pantheon unterstellt à an der Spitze kann aber auch ein Wechsel stattfinden
Polyjahwismus - relativ neue Wortschöpfung von Herbert Donner, 1973 - These: im Nordreich und Juda der Königszeit gab es eine Vielzahl von lokalen Manifestationen von Jahwe-Göttern à Grund: Inschriften von Kuntilet Agrud, in denen der Gottesname Jahwe mit Ortsnamen verbunden war (Jahwe von Samaria, Jahwe von Teman) à wichtigste Lokalformen des Jahwismus: Jahwe von Samaria als Staatsgott des Nordreichs + Jahwe von Jerusalem als Staatsgott Judas à evtl. richtet sich das Schema Israel in Dtn 6,4 ursprünglich gegen diesen religionsinternen Pluralismus innerhalb des Jahwe-Glaubens!
- 1 Sam 1-31: Texte, die auf den ersten „israelitischen“ König Saul bezogen sind
a) Königsfreundliche Darstellung des Königtums in 1Sam 9-11
- 1Sam 9-11 liegt zwei vor-dtr. Erzählungen zugrunde à 1Sam 9,1-10,16 (Eselinnensuche Sauls): historisch kaum verwertbar; Märchenerzählung à 1Sam 11,1-15 (Sauls Sieg über die Ammoniter): Historisches Material
b) Berichte über Sauls Siege gegen die Philister und die Amalekiter 1Sam 13-15
- Spätdtr. Erzählung von Sauls Sieg über die Amalekiter hat kaum mehr alte Tradition
- Alte Überlieferungen sind aber von Sauls Sieg über die Philister erhalten
c) Erzählungen von Samuels Jugend in 1Sam 1-3
- Es wird mit einer Grundschicht gerechnet à dort ist noch keine Polemik gegen den Kult von Silo zu finden
- Vorstellung von prophetischer und priesterlicher Funktion Samuels lässt auf keine alte Samueltradition schließen
d) Die Ladeerzählung in 1Sam 4-6 + 2Sam 6
- Einzelüberlieferungen sind in ihrem Kernbestand historisch verwertbar (1Sam 4,1f.; 1Sam 4,12-21)
e) Die Geschichte von Davids Aufstieg in 1Sam 16-2Sam 5
- Geschichte von Davids Aufstieg stellt eine Komposition dar, die eine ältere und eine jüngere Tradition miteinander verbindet à evtl. lässt sich eine Grundschicht rekonstruieren à ist wohl durch jüngere Stücke ergänzt worden
- Doppelüberlieferungen in 1Sam 19,1ff.//20,1ff., 1Sam 24//26; 1Sam 21,11ff.//27,1ff. sind als Folge sekundärer Erweiterung zu verstehen
- Königtum Sauls ist in außerbiblischen Quellen nicht belegt à für die Beurteilung der außenpolitischen Situation Sauls ist die Geschichte der Philister von zentraler Bedeutung à für die Geschichte der Philister sind vor allem die ägyptischen Angaben über die Seevölker zu berücksichtigen
- Neben dem außenpolitischen Druck auf Israel haben auch innen- und wirtschaftspolitische Entwicklungen zur Entstehung eines israelitischen Königtums beigetragen à dafür wichtig: archäologische Erforschung der „israelitischen“ Siedlungsentwicklung von 12. bis zum 11. Jhr.v.Chr.
Die vorstaatliche Existenz und Sozialstruktur „Israels“
- Israelitische Staatenbildung als Übergang von der Form einer „Sippengesellschaft“ hin in eine Gesellschaftsform mit außerfamiliär geordneten Dauergewalt à „Israel“ dabei die Bevölkerung der Bergregion des West- und Ostjordanlandes à hat sich wegen eines Verwandtschaftsbewusstseins (= gemeinsamer Stammesvater) als zusammengehörig gefühlt à ging dann später in die Nationalstaaten „Israel“ und „Juda“ auf
- Vor dem Königtum: „Israel“ war soziologisch eine akephale Gesellschaft (= ohne eine politische Zentralinstanz) und eine segmentäre Gesellschaft (= politisch aus gleichrangigen Gruppen zusammengesetzt) à Typisch für diese vorstaatliche Gesellschaftsform: a) Jurisdiktionsgewalt im Bereich der Großfamilie beim pater familias b) im Bereich der Sippe beim Sippenältesten
- In der weiteren Entwicklung der israelitischen Gesellschaft kam es zu Herausforderungen à machten es Notwendig, oberhalb der Sippenebene gemeinsam zu handeln
- Herausforderungen waren außenpolitische Bedrohung durch die Philister + ökonomische Entwicklungen die politische Einheit forderten
Die Philisterbedrohung als auslösender Faktor
1. Die Philister als Teil der „Seevölker“
- Entstehung der philistäischen Stadtstaaten muss im Zusammenhang mit der „Seevölkerbewegung“ gesehen werden à Texte am Totentempel von Pharao Ramses III berichten von Auseinandersetzungen mit diesen Seevölkern à hier werden fünf Völker genannt (Philister, Teukrer, Sikuler, Danuna, Achäer) à diesen Völkern wird die Zerstörung des Hethiterreichs und Syriens zugeschrieben
- In Wirklichkeit aber kein „Seevölkersturm“ à Stattdessen: aufgrund der Instabilität des anatolisch-syrisch-palästinischen Staaten- und Wirtschaftssystem um 1200 v.Chr. kam es zu Aufständen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen à hatten den Charakter von Piratenüberfällen à wichtiger Bestandteil dieser Gruppen waren welche aus dem Mittelmeerraum à Ramses III hatte im Jahre 1180 v.Chr. in einer See- und Landschlacht diese Seevölkergruppen aus Ägypten abgedrängt
- In der palästinischen Küstenebene ließen sich die „Philister“ nieder à schufen dort mir den Kanaanäern eine Mischkultur
2. Die Hegemonie der Philister über Palästina
- Bisherigen Kanaanäerstädte Gaza, Aschkelon, Aschdod, Ekron und Gat schlossen sich zu einem „Fünfstädtebund“ zusammen ànach dem Niedergang der ägyptischen Macht: Philister-Städtebund versuchte die Hegemonie über Palästina zu gewinnen à errichteten u.a. auch einen Militärposten auf dem Gebirge Ephraim und auf dem Gebirge Juda
- Durch die Militärposten wurde bei der israelitischen Bevölkerung Kontributionen eingetrieben à zur Stärkung ihrer Militärmacht hatten die Philister auch Söldnertruppen à die Führer der Söldnertruppen wurden durch Belehnungen mit Stadtfürstentümern entlohnt
3. Die Unterlegenheit der „israelitischen“ Bevölkerung
- Widerstand der „israelitischen“ Bevölkerung war wirkungslos à „Ladeerzählung“ von 1Sam 4,1ff. berichtet von der Niederlage der Israeliten gegen die Philister
- Überlegenheit der Philister oft auf die eiserne Bewaffnung der Philister zurückgeführt à Hinweis dazu in 1Sam 17,7: eiserne Spitze des Speeres Goliats à zudem in 1Sam 13,19-22: Philister sicherten sich ein Eisenmonopol
- Neuere Forschung (vgl. Noort): Beschreibung der Rüstung Goliats nimmt nicht auf spezifisch philistäische Gegebenheiten Bezug à 1Sam 13,19-22 spricht nicht von philistäischer Eisen verarbeitung à stattdessen: allgemeine Metall verarbeitungsmonopol der Philister à Eisenwaffen wohl erst im 10 Jhr. der bronzenen Bewaffnung ebenbürtig geworden à Trotzdem: Philister versuchten durch ein Metallverarbeitungsmonopol ihre waffentechnische Überlegenheit zu sichern
- Überlegenheit der Philister auch durch ihre militärische Organisation begründet à Philister hatten Berufskriegertruppen à waren der „ Heerbann “ der israelitischen Sippen & Stämme überlegen à zudem: israelitischer Bevölkerung fehlte politische Organisation, die ein koordiniertes militärisches Handeln ermöglicht hätte
Die ökonomische Entwicklung als zusätzlicher Faktor
- Israel Finkelstein: Untersuchung der Entwicklung der Eisen I-Siedlungen im Gebirge Ephraim zwischen dem frühen 12. Und späten 11 Jhr. à stellte eine starke Bevölkerungsvermehrung in den palästinischen Bergregionen fest à führte in Ephraim zu einer Verschiebung der Siedlungsdichte von den östlichen und mittleren Gebirgsregionen
- Bevölkerungswachstum zwang die „Israeliten“ dazu, in Gebiete zu siedeln, die für die landwirtschaftliche Nutzung schwierig waren (Fehlen von Quellen, Abschüssigkeit, Felsigkeit) à forderte eine stärkere Zusammenarbeit, um Terrassen/ Zisternen zu bauen + Verlangen nach über die Sippe hinausgehenden Organisationsformen
- An den westlichen Hanglagen vor allem Oliven-und Weinbau à an östlichen Gebieten vor allem Getreideanbau und Viehzucht à machte Handelsaustausch möglich à dafür: sippenübergreifende Handelsorganisation notwendig
- Differenzierung in der landwirtschaftlichen Produktion führte zu unterschiedlichem Reichtum + stärkere soziale Schichtung
- Innerhalb der Gesellschaft der Bergregionen fand also eine kontinuierliche Entwicklung statt hin zu sippenübergreifenden Organisationsformen statt à damit: Entstehung des Königtums kann kaum als revolutionärer Akt empfunden werden
Widerstand gegen das Königtum durch Repräsentanten der „Sippengesellschaft“ (Samuel)?
- Königskritische Darstellung der Entstehung des israelitischen Königtums à in der atl. Forschung oft Hinweis auf „Widerstand gegen das Königtum“ zur Zeit Sauls (vgl. Crüsemann) à heute: weitgehend anerkannt, dass das Urteile eines dtr. Redaktors sind
- Häufiger vertreten: Samuel als Repräsentant der vorstaatlichen Ordnung Israels à hat als solcher Widerstand gegen die Einführung des Königtums geleistet à zuletzt Peter Mommer: älteste Samuelüberlieferung liegt in 1Sam 7,15-17 und 25,1 vor à hier sei Samuel als „kleiner Richter“ im Sinne der Liste der „kleinen Richter“ zu verstehen à damit: Samuel als Repräsentant des vorstaatlichen Israels, mit dem Saul (= Vertreter der staatlichen Ordnung Israels) in Konflikt geriet
- Gegen dieses Verständnis von Samuel spricht: à 1Sam 13,7-15 sind relativ junge Überlieferungen, die kaum historische Erinnerungen spiegeln à Zeichnung Samuels als „Kleiner Richter“ wohl dtr. Herkunft à zudem: kaum verlässliche Anhaltspunkte für einen vorstaatlichen gesamtisraelitischen Stämmebund, deren Gesetzessprecher Samuel gewesen wäre
- Grundschicht von 1Sam 9,1-10,16 zeigt, dass Samuel ursprünglich als „charismatische“ Seher-Gestalt zu verstehen ist à stand dem Königtum freundlich gegenüber à damit: Samuelüberlieferung dient nicht als Beleg für einen Widerstand der vorstaatlichen Ordnung Israels gegen das Königtum
Saul als ursprünglicher „charismatischer Führer“?
- Konsens in der atl. Forschung: in 1Sam 11,1-6.7.8-11.15 liegt der älteste Bericht über die Erhebung Sauls zum König vor à gleichzeitig: dem Bericht meint man entnehmen zu können, dass Saul sich im Ammoniterkrieg zunächst als „charismatischer Führer“ bewährte bevor er zum König wurde
- Gegen direkte historische Auswertung von 1Sam 11 liegen Bedenken vor: à umstritten, ob es sich bei der Übereinstimmung zwischen 1Sam 11 und den Erzählungen von den „Großen Richtern“ um einen Kernbestand von 1Sam 11 handelt (vgl. Fritz) à frage, ob während der philistäischen Herrschaft über das israelitische Bergland Saul die Möglichkeit für seine Aktionen aus 1Sam 11 hatte à daher: hinter 1Sam11 steckt zwar eine alte Tradition von Sauls Sieg über die Ammoniter + Befreiung der Stadt Jabesch am Gilead à aber: nicht sicher nachweisbar, dass Saul diesen Sieg als „charismatischer Führer“ vor seiner Königszeit erzielt hat
Saul als „Häuptling“ oder als „König“?
- These der neueren Forschung: die bei Saul vorliegende Herrschaftsform sei noch kein Königtum, sondern als „Häuptlingstum“ zu verstehen à These von E.R. Service: bei der Entstehung des Staates bildete sich beim Übergang von einer segmentären zu einer zentralisierten Gesellschaft als Zwischenstufe das „Häuptlingstum“ à dort gab es schon eine „zentralisierte Lenkungsinstanz“, aber noch keinen „Erzwingungsstab“
- Nach biblischem Verständnis: Herrschaftsform Sauls ging deutlich über ein „Häuptlingstum“ hinaus à Sauls Machtausübung ist nicht nur von seinen verwandtschaftlichen Beziehungen abhängig à stattdessen: nach 1Sam 14,52 zieht Saul „jeden tapferen Mann“ in seinen Dienst à zudem gibt es am Hofe Sauls bereits feste Ämter (Amt des Heerführers, Amt des „Vorstehers der Hirten“ à deutet darauf hin, dass die biblische Bezeichnung Sauls als „König“ nicht unbegründet ist
Umfang des Herrschaftsgebietes Sauls
- Kein klares Ergebnis im atl. Befund zum Umfang des Reiches Sauls à Einerseits kann Saul ohne Schwierigkeiten Militäraktionen auf dem Gebiet Judas unternehmen à andererseits wird Juda nicht als Bestandteil des Herrschaftsgebietes Sauls betrachtet
- Wahrscheinlich: Königtum Sauls als ein Nationalkönigtum für die Gesamtbevölkerung des palästinischen und ostjordanischen Berglandes ohne feste territoriale Begrenzung à unmittelbares Zugehörigkeitsbewusstsein zum Reich Sauls nur bei Gebieten, die nach 2Sam 2,8f. zum Herrschaftsgebiet von Sauls Nachfolger + Sohn Eschbaal gehörten: à Mittelpalästina, Galiläa, Ostjordanland à diese haben sich auch als „Israel“ im Gegenüber zum Südreich „Juda“ verstanden
- Nach 1Sam 13,1: Saul hat zwei Jahre über Israel geherrscht à weil aber in seine Regierungszeit Etappen von Davids Aufstieg fallen, ist wohl mit einer längeren Regierungszeit zu rechnen à Wahrscheinlich Regierungszeit in den Jahren 1010-1005 v.Chr.
- Laut historischem Kern von 1Sam 13f.: Saul ist es gelungen, die Philister dauerhaft aus dem mittelpalästinischen Bergland zu vertreiben
- Historisch wohl auch der Bericht in 1Sam 11,1f.: Sauls Sieg über die Ammoniter + dadurch erzielte Befreiung der Stadt Jabesch in Gilead à Fraglich, ob das eine vorkönigliche Tat Sauls war (siehe Punkt „Saul als ursprünglicher „charismatischer Führer“?)
- Saul ist es nicht gelungen, die Herrschaft der Philister über die Ebenen zurückzudrängen à Beim Versuch von Saul, die Philister aus der Jesreelebene zu vertreiben wird er vernichtend geschlagen à kommt zusammen mit seinen Söhnen Jonatan, Abinadab und Malkischua um
Bedeutung des Königtums Sauls
- Saul hat Israel von den Vorteilen des Königtums überzeug à Damit: im Nordreichsgebiet wurde sein Sohn Eschbaal bald König
- David konnte nun auf den Fundamenten aufbauen à demgegenüber: Versuch von Abimelch, in Sichem und Ophra ein Stadtkönigtum nach kanaanäischem Muster zu errichten, scheiterte à Abimelch fand einen gewaltsamen Tod + keine Nachahmer
1. Über David
- Heute: meist wird von vier vordtr. Quellen der Daviddarstellung der Samuelbücher ausgegangen a) Ladeerzählung in 1Sam 4,1-7.1 + 2Sam 6 b) Geschichte von Davids Aufstieg in 1Sam 16 - 2Sam 5 c) Ammoniterkriegsbericht in 2Sam 10,1 – 11,1; 12,26 – 31 d) Geschichte von der Thronfolge Davids in 2Sam 9-20 + 1Kön 1-2
- Widersprüchliche Auffassungen über Alter, Herkunft und Intention dieser Quellen des Dtr. Geschichtswerks à daher: Textstellen werden bei historischen Rekonstruktionen der Geschichte Davids sehr unterschiedlich berücksichtigt
- Hoher historischer Wert der Listen in den Samuelbüchern (vgl. Beamtenlisten, Elitekämpferlisten)
2. Über Salomo
- Als Quelle für Darstellung der Samuelzeit nennt das Dtr. Geschichtswerk in 1Kön 11,41 das „Buch der Geschichte Salomos“ à über Charakter und Umfang dieses Buches gibt es keine Klarheit à folgende Stücke aus 1Kön 3-11 können auf das „Buch der Geschichte Samuel“ zurückgeführt werden: a) 1Kön 4,2-6: Liste der Beamten Salomos b) 1Kön 4,7-19: Liste der 12 Bezirksvögte Israels c) 1Kön 6,6 – 8,12: Bericht über Palast- und Tempelbauten Salomos d) 1Kön 15-23. 26-28; 10,16-20. 28-29: Bericht über Regierungsmaßnahme Salomos e) 1Kön 11,26-28.40: Bericht über den Aufstand des Jerobeam
- Nicht historisch sind Berichte über den außergewöhnlichen Reichtum Salomons in 1Kön 9,26-10,29 à Wahrscheinlich nachdtr. Nachträge (Vgl. Würthwein)
3. Die David- und Salomodarstellung von 1Chr 10 - 2Chr 9
- Darstellung von David und Salomo in den Chronikbüchern ist nicht zu berücksichtigen à soweit sie historische Elemente enthält gehen sie auf das Dtr. Geschichtswerk als Quelle der Chronikbücher zurück
Außerbiblische schriftliche Quellen
- Über die Regierungszeit von David und Salomo liegen keine außerbiblischen schriftlichen Quellen vor à aber: daraus kann nicht gefolgert werden, dass die biblischen Überlieferungen unhistorisch sind (u.a. Knauf)
Archäologische Befunde zur materiellen Kultur im 10. Jhr. v.Chr.
- Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass die Zeit Salomos keineswegs das „goldene Zeitalter“ war à archäologische Zeugnisse für öffentliche Arbeiten (Bauwerke, Wassersysteme, Befestigungen) für das 10. Jhr. verhältnismäßig gering à wachsen aber im 8. Jhr. stark an à auch für Luxusgegenstände Anstieg erst im 8. Jhr. à in den zu Israel und Juda gehörenden Siedlungen deutliches Wachstum vom 12. zum 10. Jhr. à aber erst für das 8. Jhr. wieder eine beeindruckende Steigerung
- Archäologische Befund bestätigt Würthweins literarische Analyse der Salomoüberlieferung à Vorstellung von einem außergewöhnlichen Reichtum der Salomozeit erst in nachexilischen Schichten der Königbücher belegt
Davids Jugend am Hofe Sauls
- Konsens in der atl. Forschung: Erzählung von der Salbung Davids durch Saul (1Sam 16,1-13) + Goliaterzählung (1Sam 17) stellen eine spätere Erweiterung der Geschichte vom Aufstieg Davids dar à daher: müssen bei der Rekonstruktion des historischen Ablaufs des Aufstieg Davids unberücksichtigt bleiben à Dass Goliatüberlieferung erst sekundär mit David in Verbindung gebracht wurde, sieht man an der alten Tradition von 2Sam 21,19 àSieg über Goliat wird hier nicht auf David, sondern auf Elhanan zurückgeführt
- Zum historischen Kern über den Aufstieg Davids gehört wohl: à 1Sam 16,18: Angabe über die Herkunft Davids aus Bethlehem als Sohn des angesehenen Bauern Isai à1Sam 16,21: David ist zum militärischen Dienst an den Hof Sauls gekommen à 1Sam 16,23: Umstritten, ob hinter den „musiktherapeutischen“ Aufgaben Davids eine alte Tradition steht (Vgl. Donner) à Musikalische Begabung Davids: Vorstellungen der Psalmenüberschriften von David als Psalmendichter liegt hier kaum vor
- Wegen militärischer Erfolge von David (1Sam 18,6-9) à Saul erkennt in ihm eine Gefahr für seinen Königsthron (1Sam 20,31) à David geht vom Hofe Sauls in die Schefela und in die Wüste Juda zurück
Davids Beziehung zur Familie Sauls
- David hatte enge persönliche Beziehung zu Sauls ältestem Sohn Jonatan und seiner Tochter Michal à freundschaftliche Beziehung zum Sohn Jonatan im Leichenlied Davids aus Saul & Jonatan in 2Sam 1,19-27 vorausgesetzt à gehört zum historischen Kern der Davidüberlieferung! à Möglicherweise verbanden sich mit der Freundschaft auch gemeinsame politische Ziele à 1Sam 18,3: „Bund“ Jonatans mit David als eine Art „Teilungsvertrag“ für die Zeit nach Sauls Tod
- Ebenfalls historisch: Davids Ehe mit Sauls Tochter Michal à Strittig: Ehe erst nach Davids Aufstieg zum König von Juda oder schon bei seinem Aufenthalt am Hofe Sauls à An die Ehe waren auch politische Erwartungen an den potentiellen Sohn von David und Michal geknüpft (war ja schließlich Thronerbe von David) à aber: erfüllt sich nicht wegen Michals Kinderlosigkeit
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Geschichte Israels Staatsexamen Skript Zusammenfassung Israel Hans-Christoph Schmitt Jan Christian Gertz
Miryam Besant (Autor), 2017, Die Geschichte Israels. Eine Zusammenfassung der Standardwerke von Hans-Christoph Schmitt und Jan Christian Gertz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/368071
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