Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=28.09.2017&Aktenzeichen=V%20ZB%20109/16
Timestamp: 2019-06-20 04:29:10+00:00

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BGH, 28.09.2017 - V ZB 109/16 - dejure.org
https://dejure.org/2017,45604
BGH, 28.09.2017 - V ZB 109/16 (https://dejure.org/2017,45604)
BGH, Entscheidung vom 28.09.2017 - V ZB 109/16 (https://dejure.org/2017,45604)
BGH, Entscheidung vom 28. September 2017 - V ZB 109/16 (https://dejure.org/2017,45604)
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§ 72 Abs. 2 Satz 1 GVG, § ... 72 Abs. 2 GVG, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 522 Abs. 1 Satz 4, § 238 Abs. 2 Satz 1 ZPO, § 574 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 ZPO, Art. 2 Abs. 1 GG, § 517 ZPO, § 43 Nr. 3 WEG, § 233 ZPO, § 233 Satz 2 ZPO, § 72 Abs. 2 Satz 2 GVG,  § 43 Nr. 1 bis 4 oder Nr. 6 WEG, § 520 Abs. 2 Satz 1 ZPO
§ 72 Abs 2 S 1 GVG, § 43 Nr 3 WoEigG, § 85 Abs 2 ZPO, § 233 ZPO, § 234 ZPO
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: Einlegung der Berufung in einer Wohnungseigentumssache beim unzuständigen Gericht aufgrund einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung
Vertrauen des Prozessbevollmächtigten auf eine zutreffende Rechtsmittelbelehrung in Wohnungseigentumssachen und in Zivilsachen mit wohnungseigentumsrechtlichem Bezug; Entschuldbarkeit eines Rechtsirrtums des Prozessbevollmächtigten; Kausalität zwischen der inhaltlich unzutreffenden Rechtsmittelbelehrung und der Versäumung der Berufungsfrist
GVG § 72 Abs. 2; WEG § 43 Nr. 1; ZPO § 233
Unverschuldeter Rechtsirrtum (auch) des Fachanwalts für Miet- und WEG-Recht bei das Berufungsgericht falsch bezeichnender Rechtsmittelbelehrung
Auch ein Fachanwalt darf auf eine falsche Rechtsmittelbelehrung vertrauen; §§ 43 Nr. 1 WEG; 72 Abs.2 GVG; 233 ZPO
Verlass auf zutreffende Rechtsmittelbelehrung in WEG-Sachen, falsche Rechtsmittelbelehrung in WEG-Sachen
GVG § 72 Abs. 2; WEG § 43 Nr. 1; ZPO § 233 B
Auch Fachanwalt darf auf Rechtsmittelbelehrung vertrauen!
Der Anwalt - und sein Vertrauen in eine Rechtsmittelbelehrung
Auch Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht darf auf zutreffende Rechtsmittelbelehrung in WEG-Sachen vertrauen
Vertrauen auf ordnungsgemäße Rechtsmittelbelehrung
GG Art. 2, GVG § 72 II; WEG § 43; ZPO § 233
Fachanwaltskenntnisse über WEG-Zentralgerichtsbarkeit - Falsche Rechtsmittelbelehrung
Vertrauen auf den Inhalt der Rechtsbehelfsbelehrung
Auch Fachanwalt darf auf Rechtsmittelbelehrung vertrauen! (IMR 2018, 41)
AG Fulda, 27.10.2015 - 37 C 14/14
LG Frankfurt/Main, 13.07.2016 - 9 S 12/16
NJW 2018, 164
MDR 2018, 108
MDR 2018, 134
NZM 2018, 43
ZMR 2018, 233
NJ 2018, 69
AnwBl 2018, 42
NZG 2018, 228
Die Berufung gegen im ersten Rechtszug erlassene Endurteile ist gemäß § 519 Abs. 1 ZPO "bei dem Berufungsgericht", das heißt bei dem für die Entscheidung über das Rechtsmittel zuständigen Gericht (vgl. BGH, Urteil v. 9. Dezember 1999 - III ZR 73/99 , NJW 2000, 1574 [1575] [unter 3.a)] m.w.N.; Beschluss v. 28. September 2017 - V ZB 109/16 , NJW 2018, 164 Rz. 7; vgl. auch Rimmelspacher , Münchener Kommentar zur ZPO [MüKoZPO], 5. Aufl. [2016], § 519 Rz. 21; Wulf in Beck´scher Online-Kommentar zur ZPO [BeckOKZPO], Stand 15.09.2017, § 519 Rz. 16), einzulegen, und zwar binnen der Monatsfrist des § 517 ZPO.
Da die Berufung - wie vorstehend unter A. ausgeführt - nicht bei dem gemäß § 519 Abs. 1 ZPO zur Entscheidung über das Rechtsmittel zuständigen Gericht eingelegt worden ist, wäre bei Anwendung der allgemeinen Grundsätze davon auszugehen, dass die Klägerin die Einhaltung der Berufungsfrist des § 517 ZPO versäumt hat und ihr Rechtsmittel im Hinblick auf § 522 Abs. 1 Satz 2 ZPO als unzulässig zu verwerfen ist (vgl. hierzu nochmals BGH, Urteil v. 9. Dezember 1999 - III ZR 73/99 , NJW 2000, 1574 [1575] [unter 3.a)] m.w.N.; Beschluss v. 28. September 2017 - V ZB 109/16 , NJW 2018, 164 Rz. 7).
Im Fall der unzutreffenden Rechtsmittelbelehrung und einer Versäumung der Rechtsmittelfrist wird für das Verfahren auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen des durch die Rechtsmittelbelehrung erzeugten Anscheins der Richtigkeit gemäß § 233 Satz 2 ZPO die Vermutung aufgestellt, dass die Fristversäumung nicht auf ein Verschulden der rechtsmittelführenden Partei zurückzuführen ist (vgl. in diesem Sinne BGH, Beschluss v. 28. September 2017 - V ZB 109/16 , NJW 2018, 164 Rz. 13).
Da die Berufung - wie vorstehend unter A. ausgeführt - nicht bei dem gemäß § 519 Abs. 1 ZPO zur Entscheidung über das Rechtsmittel zuständigen Gericht eingelegt worden ist und die Beklagte die Einhaltung der Berufungsfrist des § 517 ZPO versäumt hat, ist das Rechtsmittel im Hinblick auf § 522 Abs. 1 Satz 2 ZPO als unzulässig zu verwerfen (vgl. hierzu etwa BGH, Urteil v. 9. Dezember 1999 - III ZR 73/99 , NJW 2000, 1574 [1575] [unter 3.a)] m.w.N.; Beschluss v. 28. September 2017 - V ZB 109/16 , NJW 2018, 164 Rz. 7; Senat, Beschluss v. 24. Januar 2018 - VI-U (Kart) 10/17 , NZKart 2018, 145, Rz. 43 bei juris - Berufungseinlegung beim Kartell-Oberlandesgericht ; vgl. auch Rimmelspacher , Münchener Kommentar zur ZPO [MüKoZPO], 5. Aufl. [2016], § 519 Rz. 21; Wulf in Beck´scher Online-Kommentar zur ZPO [BeckOKZPO], Stand 01.03.2018, § 519 Rz. 16).
Die dem Landgericht unterlaufenen Rechtsfehler sind jedoch nicht geeignet gewesen, den Anschein der Richtigkeit zu erwecken und unter diesem Gesichtspunkt - ähnlich wie eine solch einen Anschein hervorrufende fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung (vgl. hierzu BGH, Beschluss v. 28. September 2017 - V ZB 109/16 , NJW 2018, 164 Rzn. 13 ff.) - ein schutzwürdiges Vertrauen der Beklagten zu begründen, das Kartell-Oberlandesgericht sei zur Entscheidung über ihre Berufung zuständig.
Die Anrufung des unzuständigen Rechtsmittelgerichts oder die Versäumung der Rechtsmittelfrist ist auch in den Fällen einer unrichtigen Rechtsbehelfsbelehrung daher nicht unverschuldet, wenn diese offenkundig falsch gewesen ist und deshalb, ausgehend von dem bei einem im betreffenden Rechtsgebiet tätigen Rechtsanwalt, nicht einmal den Anschein der Richtigkeit zu erwecken vermocht hat (vgl. in diesem Sinne BGH, Beschluss v. 28. September 2017 - V ZB 109/16 , NJW 2018, 164 Rz. 13;… Beschluss v. 24. Januar 2018 - XII ZB 534/17 , MDR 2018, 420 Rz. 7).
Die im Landwirtschaftsverfahrensgesetz getroffene Regelung unterscheidet sich damit maßgeblich von anderen Vorschriften wie beispielsweise § 72 Abs. 2 GVG in Wohnungseigentumssachen, auf deren Grundlage sich das zuständige Berufungsgericht nicht immer zweifelsfrei ermitteln lässt (vgl. zu § 72 Abs. 2 GVG BGH…, Beschluss vom 9. März 2017 - V ZB 18/16, juris Rn. 13 ff.; Beschluss vom 28. September 2017 - V ZB 109/16, zur Veröffentlichung bestimmt).
OLG München, 01.02.2018 - WXV 3/17
Auch ein auf ein Rechtsgebiet spezialisierter Anwalt darf sich grundsätzlich auf eine vom Gericht - zumal von einem auf ein Rechtsgebiet spezialisierten Spruchkörper - erteilte Rechtsbehelfsbelehrung:verlassen (vgl. BGH, Beschluss vom 28.09.2017 - V ZB 109/16 - NJW 2018, 164/165 Rn. 15 zu Wohnungseigentumssachen; Beschluss vom 23.09.1993 - LwZR 10/92 - NJW 1993, 3206 zur unrichtigen Belehrung durch einen Fachsenat).
LG Kleve, 14.12.2017 - 6 S 23/17
Objektive Klagehäufung in WEG-Sachen: Wo ist die Berufung einzulegen?
Ob den Klägern wegen dieser fehlerhaften Belehrung Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand zu gewähren wäre (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 28.09.2017 - V ZB 109/16 = BeckRS 2017, 133070), wenn sie nunmehr Berufung bei dem Landgericht Düsseldorf einlegen, hat die Kammer nicht zu entscheiden.

References: § 72
 § 574
 § 522
 § 238
 § 574
 Art. 2
 § 517
 § 43
 § 233
 § 233
 § 72
 § 520

§ 72
 § 43
 § 85
 § 233
 § 234
 § 72
 § 43
 § 233
 § 72
 § 43
 § 233
 Art. 2
 § 72
 § 43
 § 233
 § 519
 § 519
 § 519
 § 517
 § 519
 § 517
 § 522
 § 233
 § 519
 § 517
 § 522
 § 519
 § 519
 § 72
 § 72