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Vorlesung Internationales Privat- und Prozessrecht (Master-Studiengang) WS 2003/2004 A. Einführung - PDF
Vorlesung Internationales Privat- und Prozessrecht (Master-Studiengang) WS 2003/2004 A. Einführung
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Louisa Weiner
1 Vorlesung Internationales Privat- und Prozessrecht (Master-Studiengang) WS 2003/2004 A. Einführung 1 Begriff und Bedeutung des IPR I. Kollisionsrecht Einführungsbeispiele: 1. Deutscher heiratet Französin. Eheschließung in der Eglise Notre Dame des Champs, Montparnasse/Paris. Erster ehelicher Wohnsitz in München. Oder: Eine deutsche Frau heiratet in Ankara einen in Deutschland arbeitenden und lebenden Türken. 2. Der Münchener Kaufmann K bestellt telefonisch in London Textilien. Nach Lieferung der Ware zeigt sich, dass sie dem Qualitätsstandard nicht genügt. 3. Kaufmann K aus Hamburg verkauft unter Eigentumsvorbehalt Ware an einen Abnehmer im Lande X, dessen Recht einen EV nicht kennt. Bei Geschäftsabschluss befindet sich die Ware auf Hoher See. II. Die Struktur der Kollisionsnormen 1. Beispiele für Normen des materiellen Rechts a) aus dem Erbrecht: 1922 I, 1924 I b) aus dem Familienrecht: 1570 BGB c) aus dem Deliktsrecht: 823 I BGB 2. Beispiele für Kollisionsnormen a) aus dem internationalen Erbrecht: Art. 25 I EGBGB b) aus dem internationalen Familienrecht: Art. 18 I 1 EGBGB c) aus dem internationalen Deliktsrecht: Art. 40 EGBGB Materielle Rechtsnormen ordnen Rechtspositionen direkt zu. Kollisionsnormen enthalten demgegenüber lediglich eine Verweisung auf eine bestimmte Rechtsordnung, genauer gesagt auf einen bestimmten Teil dieser Rechtsordnung. Teilweise wird auf das Recht eines Staates verwiesen (Art. 25 I), teilweise auf die Sachvorschriften eines Rechts (Art. 18 I 1). III. Die Bedeutung des IPR
2 - 2 - A. Einführung 1 Begriff und Bedeutung des IPR IV. Abgrenzung des IPR zu anderen Kollisionsrechten 1. Räumliche Kollisionsrechte a) Interlokales Privatrecht (1) Deutschland (2) USA und Kanada (3) Vereinigtes Königreich b) Andere räumliche Kollisionsrechte 2. Nichträumliche Kollisionsrechte a) Personales Kollisionsrecht - Indien: Vorwiegend Hindurecht, aber auch Islam u. a. - Pakistan: Vorwiegend Islam, aber auch Hindurecht, Buddhismus etc. - Islam nochmals gespalten nach den verschiedenen Rechtsschulen: Sunnitisch (hanafitisch, malekitisch, schafiitisch, hanbalitisch) und schiitisch. - Ferner: Libanon, Syrien, Iran etc. b) Zeitliches Kollisionsrecht - 16 ProdHaftG - Art EGBGB - Art Überleitungsvorschrift zum Gesetz zur Beschleunigung fälliger Zahlungen - Art Allgemeine Überleitungsvorsc hrift zum Gesetz zur Modernisierung des Schuldrechts v Art Überleitungsvorschrift zum OLG-Vertretungs-Änderungsgesetz v allg. R echtsgrundsatz: lex posterior der ogat legi priori. c) Rang-Kollisionsrecht V. Nachbarrechtsgebiete 1. Rechtsvergleichung und Auslandsrechtskunde Beitzke, Bemerkungen zur Kollisionsrechtsvergleichung in der Praxis, RabelsZ 48 (1984), 623 ff.; Zweigert/ Kötz, Einführung in die Rechtsvergleichung auf dem Gebiete des Privatrechts, 3. Aufl. 1996; Koch/Magnus/Wink ler von Mohrenfels, IPR und Rechtsvergleichung, 2. Aufl. 1996, insbes Internationales Einheitsrecht Paech, Worldwide Harmonisation of Private Law and Regional Economic Integration - UNIDROIT feiert seinen 75. Geburtstag. IPRax 2003, ; Zweigert/Kropholler (Hrsg.), Quellen des internationalen Einheitsr echts (3 Bände + Ergänzungsband), ; Kropholler, Inter nationales Einheitsrec ht, 1975; Diedrich, in: Jb. Junger Zivilrechtswissenschaftler, 1998; s. auch die Beiträge des Symposiums ` Rechtsvereinheitlichung und RechtsangleichungA 1985, in: RabelsZ 50 (1986), und des Symposiums "Alternative zur legislatorischen Rechtsvereinheitlichung" 1991, RabelsZ 56 (1992),
3 - 3 - A. Einführung 1 Begriff und Bedeutung des IPR Wichtigstes Beispiel: Wiener UN-Kaufrecht, CISG (internationaler Kauf beweglicher Sachen), für die BRD seit in Kraft (BGBl 1990 II 1699). Zum gleichen Zeitpunkt sind EKG und EAG durch Kündigung außer Kraft getreten (BGBl 1990 II 1482) Außerdem: - Einheitliches Wechse lgesetz - Einheitliches Scheckgesetz - Internationaler Eisenbahn- und Straßenverkehr: CIM, CIV, CMR 3. Völkerrecht Definition: Das Völkerrecht regelt die hoheitlichen (d.h. nichtprivatrechtlichen) Beziehungen zwischen Völkerrechtssubjekten (i.e. den souveränen Staaten und insbesondere internationalen Organisationen). 4. Ausländerrecht (Fremdenrecht) Fremdenrecht sind die Normen, die Fremde (Ausländer und Staatenlose) anders behandeln als Inländer. Das Fremdenrecht regelt - wie das IPR - Sachverhalte mit Auslandsbeziehung. Aber es enthält - anders als das IPR - keine Verweisungsnormen, sondern nur Sachnormen. Vgl. dazu Art. 86 EGBGB idf. des G. v : Vorschriften, die den Erwerb von Rechten durch Ausländer oder durch juristische P ersonen, die ihren satzungsmäß igen Sitz, ihre Hauptverwaltung oder ihre Hauptniederlassung nicht im Bundesgebiet hab en (ausländische juristische Personen), beschränken oder von einer Genehmigung abhängig machen, finden vom an keine Anwendung mehr. Die Bundesregierung wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates den Erwerb von Rechten durch Ausländer oder ausländische juristische Personen zu beschränken und von der Erteilung einer Genehmigung abhängig zu machen, wenn D eutsche und inländische juristische Personen in dem betreffenden Staat in dem Erwerb von Rechten eingeschränkt werden und außenpolitische Gründe, insbesondere das Retorsionsrecht, dies erfordern. Satz 2 gilt nicht für Ausländer und ausländische juristische Personen aus Mitgliedstaaten der Europäischen U nion. Siehe auch: Ausländergesetz (vom mit Änderungs-"Gesetz über die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern im Bundesgebiet") (J/ H 11 Nr. 278) und Asylverfahrensgesetz (vom i.d.f. der Bek. v [mit späteren Änderungen]) (J/ H 11 Nr. 18). 5. Staatsangehörigkeitsrecht
4 - 4 - A. Einführung 2 Quellen des IPR 2 Quellen des IPR I. Autonomes Recht 1. Hauptquelle: EGBGB Art Weitere autonome Quellen a) Zur Regelung des Personalstatuts - Art. 1, 2 AHK-Gesetz 23 (Ges. Nr. 23 der Alliierten Hohen Komm ission) von 1950 über die Rechtsstellung der verschleppten Personen und Flüchtlinge (J/H 11 Nr. 14) - 12 Verschollenheitsgesetz v , (J/H 11 Nr. 172) - FamRÄndG vom , Art. 9 II Nr. 5 (J/H 11 Nr. 16) - Gesetz über M aßnahmen für im Rahmen humanitär er Hilfsaktionen aufge nommene Flüchtlinge v (J/H 11 Nr. 17), 1 - Asylverfahrensgesetz idf der Bek. v (BGBl I S. 1361) (J/H 11 Nr. 18), 2 b) Sonstige - Gesetz über den Güterstand der Flüchtlinge und Vertriebenen vom (J/H 11 Nr. 37) - Gesetz über die Rechtsstellung heimatloser Ausländer im Bundesgebiet (J/H 11 Nr. 15) - Konsulargesetz 8 (J/H 11 Nr. 36) - Personenstandsgesetz 5 a (J/H 11 Nr. 35) - BGB 1309, 1409, BörsenG, AIG, UmwandlG, GWB, PreisangG, vgl. (J/H 11 Nr ) - 32 UrhG - 1 AEntG, 21 IV FlaggenRG II. Europarecht Koch/Magnus/Winkler v. Mohrenfels IPR 2 Internationalen Privatrecht, RIW 1998, B mwn; Junker IPR Rn 57; ders., N euere E ntwicklungen im 1. Sekundäres Gemeinschaftsrecht a) EU-Verordnungen b) Harmonisierung durch Richtlinien 2. Begleitendes Gemeinschaftsrecht 3. Einwirkungen des Europarechts auf das IPR a) Vereinbarkeit von IPR mit Gemeinschaftsrecht b) Einfluss des Europarechts auf den deutschen ordre public
5 - 5 - A. Einführung 2 Quellen des IPR III. Staatsverträge Gottschalk, Allgemeine Lehren des IPR in kollisionsrechtlichen Staatsverträgen, Berlin Überblick Fundstelle: Fundstellennachweis B (Beilage BGBl II), s.a. J/H a) Bilaterale b) Multilaterale Sehr viele Abkommen beschlossen von der Haager Konferenz für IPR, hier eine Ausw ahl: - Haager Übk. über das auf Unterhaltspflichten anzuwendende Recht vom (J/H 11 Nr. 41) - Haager Übk. über das auf Unterhaltsverpflichtungen gegenüber Kindern anzuwendende Recht vom (J/H 11 Nr. 40) - Haager Übk zur Regelung der Vormundschaft über Minderjährige vom (J/H 11 Nr. 53) - Haager Übk. über die Z uständigkeit der Behörden und das anzuwendende Recht auf dem Gebiet des Schutzes von Minderjährigen vom (MSA) (J/H 11 Nr. 54) - Haager Übk. über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (HKÜ) (J/H 11 Nr. 222), - Haager Übk. über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Maßnahmen zum Schutz von Kindern vom (KSÜ) (J/H 11 Nr. 55) - Haager Übk. über das auf die Form letztwilliger Verfügungen anzuwendende Recht vom (Haager Testaments-Übk) (J/H 11 Nr. 60) Andere Übereinkommen: - Römisches EWG-Übk. über das auf vertragliche Schuldverhältnisse anzuwendende Recht vom (EVÜ) (J/H 11 Nr. 70) - Wiener UN-Übk. über Verträge über den internationalen Warenkauf vom (Wiener UN- Kaufrecht, CISG) (J/H 11 Nr. 77, 77a) - Genfer UN-Abk. über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom (Genfer FlüchtlKonv) (J/H 11 Nr. 10) - Genfer Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom (J/H 11 Nr. 11) - New-Y orker -UN-Übk über die Rechtsstellung der Staatenlosen vom (J/H 11 Nr. 12) (verdrängt Art. 5 II EGBGB in seinem Anwendungsbereich, vgl. Palandt/Heldrich 62 Rn. 7 zu A rt. 5 EG BGB) - Genfer Wechsel- und Scheckabkommen (J/H 11 Nr. 120 und 121) 2. Staatsverträge der ehemaligen DDR Dannemann, Das staatsvertragliche Kollisionsrecht der DDR nach der Vereinigung, DtZ 1991, ; Drobnig, Das Schicksal der Staatsverträge der DDR nach dem Einigungsvertrag, DtZ 1991, 76-80; von Hoffmann, Internationales Privatrecht im Einigungsvertrag, IPRax 1991, Für Staatsverträge der DDR sieht Art. 12 des EinigungsV (J/ H 11 Regelung vor [Art. 12 EV lesen.] Nr. 2) eine besondere 3. Verhältnis kollisionsrechtlicher Staatsverträge zum autonomen Recht 4. Auslegung von Staatsverträgen Abbo Junker, Die einheitliche europäische Auslegung nach dem EG-Schuldvertragsübereinkommen, RabelsZ 55 (1991), ; Kropholler IPR 4 9 V 1
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References: Art. 25
 Art. 18
 Art. 40
 Art. 86
 Art. 1
 Art. 9
 Art. 5
 Art. 12