Source: http://www.missbrauch.org/index.php?article_id=107
Timestamp: 2018-12-16 22:23:15+00:00

Document:
Maria La Force Verein gegen sexuellen Kindesmissbrauch & der Folgeschäden e.V
Maria La Force
Was ist sex.Missbrauch
Meine Folgeschäden
Meine Erfahrungen mit der OEG
Mein Statemant
Der Verein wurde 2012 aufgelöst
Hier möchte ich Euch meine eigene Erfahrung mit meinem OEG Antrag schildern.
Außerdem werde ich Euch von zwei OEG Anträgen berichten, die ich durch den Verein mitbekommen habe.
Die Vorgeschichte warum ich erst 2004 den Antrag stellte.
Dass es ein OEG (Opferentschädigungsgesetz) gibt, erfuhr ich das erste l. Mal im Jahr 2001. Damals hatte ich angefangen, mit meinem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Das heißt, eine Homepage ins Internet zu stellen, ein Buch zu schreiben, sowie an die Presse zu gehen, und einen Verein zu gründen.
Der Gedanke einen Antrag auf OEG zu stellen, kam mir 2003. Bis dahin hatte ich mich geweigert. Abgesehen davon wollte ich nicht wahr haben, wie instabil ich bin. Durch die vielen Therapien, war ich zwar in der Lage, ein relativ normales Leben zu führen, jedoch bemerkte ich, dass ich in keinster Weise mehr belastbar war. Dieses schob ich auf den Umstand, das mein Exmann verstorben war. (Er war einer meiner Täter und Täter bei einem Kind von mir). Nun musste ich mich auch noch um die ganzen Erbangelegenheiten meiner Kinder kümmern, obwohl ich mich damit völlig überfordert fühlte. Hierdurch war ich permanent von 2002 an in der Vergangenheit gefangen. Hinzu kam auch noch die Vereinsgründung. Das war zuviel. Es kam, wie es kommen musste, der Zusammenbruch.
Ich dachte, wenn ich dieses Kapitel meines Lebens aufarbeiten kann, werde ich es schaffen. Glücklicherweise bekam ich durch den Tod meines Exmannes, bis das jüngste Kind 18 Jahre ist, (das hieß für mich fünf Jahre) eine Erziehungsrente. Der Druck, arbeiten zu müssen, war mir genommen. Dazu war ich psychisch auch überhaupt nicht in der Lage. Aber diese Zeit wollte ich nutzen, um das Kapitel Exmann aufzuarbeiten und Kraft zu tanken, um mich langsam wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Nach diesem Zusammenbruch, stellte ich sofort einen Antrag auf eine Rehamassnahme. Deshalb musste ich zum medizinischen Dienst. Dort ist dann das passiert, von dem ich dachte, dass es mir nie wieder passieren würde. Denn bei dieser Untersuchung für die Reha, fanden erneut Übergriffe statt und ich war wiedereinmal nicht in der Lage, mich zu wehren.
Auf meine Bitte um Unterstützung eine Anzeige gegen den Arzt und einen Antrag auf OEG zu stellen, bekam ich dann in der Reha zu hören:
„Ich würde an ihrer Stelle keine Anzeige machen. Den Antrag auf OEG werde ich nicht unterstützen. Sie sind noch zu jung, um vom Staat eine Rente zu beziehen.
Durch den erneuten Übergriff, war ich in alte Muster gerutscht, was ich zu diesem Zeitpunkt nicht bemerkte. Deshalb war diese Maßnahme für mich ein Misserfolg. Ich kam kaputter nach Hause als vor dem Klinkaufenthalt.
(Näheres könnt ihr unter dem Punkt Erfahrung mit Kliniken nachlesen, unter Reha 2003)
Den OEG Antrag wollte ich nicht mehr stellen. Von diesem Therapeuten hatte ich folgende Gefühle vermittelt bekommen.
Er glaubt mir nicht was den Übergriff angeht
Das ich mich nur anstelle, auf Entschädigung aus wäre und ein fauler Sozialschmarotzer bin. Auch war ich so dreist mich zu weigern, Psychopharmaka zu nehmen, um wieder Arbeiten zu können,
In der nächsten Zeit verdrängte ich mal wieder alles. Dabei hat mir geholfen den im November gegründeten Verein, bekannt zu machen. Bei Aktionen, wie Vorträge, Spendenaufrufe Gesprächen mit der Presse usw.. bemerkte ich nicht, wie ich begann mich immer mehr abzuspalten. Für den Verein war ich Maria, die kompetente Frau. Ich erlebte auch Zustände, die ich bisher noch nicht kannte. Das waren die Dissos (dissoziative Zustände). Dadurch, dass ich nicht wusste was mit mir los war, bekam ich immer öfter Angst- und Panikattacken. Nach und nach verlor ich immer mehr meine Selbstständigkeit. Seit dem letzten Übergriff war es mir nicht mehr möglich, alleine zum Arzt zu gehen, oder mit einem Mann allein im Zimmer zu sitzen. Operationen mussten ambulant durchgeführt werden, da im Krankenhaus die Zimmer nicht abschließbar sind. Im Juni 2003 habe ich dann auch angefangen auf 400€ Basis, in der Küche in unserem Krankenhaus zu arbeiten. Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß, jedoch ging es mit mir und meinen Kräften immer mehr bergab. Jede Menge Zusammenbrüche von Weinkrämpfen bis hin zu aggressiven Schüben. Auch die Dissos wurden so heftig, dass ich es mir nicht mehr zutraute, Auto zu fahren. Die Blackouts und nicht zu wissen woher meine Verletzungen stammten, war einfach gruselig. Sehr viel später erst, wurde mir bewusst, das ich in einem Zustand war, der sich für mich schlimmer anfühlte, als am Anfang meiner Therapie. Noch viel später kam mir das Bewusstsein dafür, seit wann es mir so schlecht geht, nämlich seit dem letzten Übergriff. Den hatte ich jedoch phasenweise immer wieder verdrängt wie ausgelöscht. Nun kam die Verzweiflung. Wie schaffe ich es wieder, mir die Dinge zurückzuholen, die mir durch den Übergriff verlorengegangen sind? Es war so schwer und kraftaufwendig, die in jahrelanger Therapie stückchenweise zurück zu holen. Ich habe es zugelassen, dass der Täter mir meine Flügel nimmt und es war doch so schwer das Fliegen zu lernen. Wie hole ich mir meine Flügel zurück? Was kann ich selber dafür tun? 15 Jahre harte Arbeit umsonst. Nun bin ich schlimmer dran, als vor meiner ersten Therapie. Diese neuen Dinge, die mir passieren, was kann ich dagegen tun? Wie kann ich dagegen steuern? Wie kann ich damit leben? Hört das jemals wieder auf? Immer wieder der Gedanke: Ich bin verrückt und muss in die Geschlossene.
Werde ich jemals damit leben können? Wie stelle ich das ab und so will ich nicht mehr leben. Am liebsten würde ich sterben.
Nun hatte ich auch noch nach langer Zeit wieder suizidale Gedanken und das immer häufiger. Was mich vom Suizid abgehalten hat, waren
Meine Kinder. Ich möchte nicht dass sie noch mehr Schaden an ihrer Seele nehmen weil ich mich umgebracht habe.
Mein Glaube. Denn ich glaube daran, dass ich im nächsten Leben, dann noch einmal alles erlebe, da ich es in diesem Leben nicht geschafft habe, es zu verarbeiten, um mich daran zu entwickeln.
Mein Zustand schwankte ständig hin und her zwischen resignieren und neu anzufangen. Zwischen der Hoffnung, es zu noch einmal zu schaffen, und die Hoffnungslosigkeit.
Diese Ambivalenz und dass ich nicht in der Lage war eine Entscheidung für mich zu treffen, nahmen mir die Kräfte, deshalb stürzte ich immer mehr in den Abgrund. Ich konnte nicht mehr schlafen, das nahm mir noch mehr Kräfte
Das erste Mal in meinem Leben war ich auf Psychopharmaka angewiesen. Nun kam auch noch die Angst, von den Tabletten abhängig zu werden und das nächste Problem wäre somit vorprogrammiert. Diese Tabletten halfen mir jedoch endlich wieder einigermaßen zu schlafen, so dass ich wieder einigermaßen klar denken konnte. Dann kam der Tag an dem ich endlich eine Entscheidung für mich treffen konnte.
So. Nun zum OEG. Ich stellte den Antrag.
Bevor ich den Antrag für mich stellen konnte, wollte ich meine Glaubwürdigkeit untermauern. Das tat ich, indem ich folgende Dinge regelte.
1. Staatsanwaltschaft und Polizei anrufen, um noch Unterlagen von meinen Anzeigen zu bekommen.
Doch dort bekam ich die Antwort, diese Akten seien aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet. Ich war stocksauer. Jetzt hatte ich noch nicht einmal den Beweis, dass ich schon zwei Anzeigen gemacht hatte. Der Staat verlangte von mir Beweise, die er selbst vernichtet hatte. Ich rief beim Justizministerium an und besprach meine Situation. Dabei machte ich den Vorschlag, dass sie doch mal darüber nachdenken sollten, zumindest Akten von Gewalt und Missbrauch eine längere Aufbewahrungspflicht bekommen sollten. Die Dame war sehr angetan davon, und ich sollte mich noch einmal melden zwecks eines Termins mit der Justizministerin. Ich hielt es für eine diplomatische Taktik und glaubte ihr kein Wort. Wäre ich in einem stabileren Zustand gewesen, dann hätte ich es bestimmt versucht. Jetzt aber musste ich mit meinen Kräften haushalten für meine Dinge.
2. Dann setzte ich mich mit dem Landeskriminalamt in Verbindung und schickte ihnen ein Kinderfoto von mir, damit sie nachprüfen können ob noch pornografisches Material von mir zu finden ist. Ich ging sogar -unter Todesängsten- mit meinem Mann und meiner Schwester ins Kinderheim. Dort bestätigte der jetzige Heimleiter die Misshandlungen, die unter der Führung der Nonnen stattgefunden hatten. Von den Missbräuchen wusste er leider nichts. Er sagte mir, dass sich schon mehrere Personen bei ihm gemeldet hätten, die zu meiner Zeit auch in diesem Heim waren. Ich fragte ihn nach Namen und Anschriften dieser Personen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen durfte er mir diese nicht geben, jedoch wollte er bei ihnen anrufen und nachfragen, ob der Kontakt mit mir erwünscht wäre. Ich sprach von den Gewölbekellern und er sagte mir, dass sie alle so umgebaut seien, dass ich sie nicht mehr erkennen würde. Er bot mir eine Führung durch das Heim an, da das alte Gebäude bis auf die Grundmauern abgerissen und neuaufgebaut wäre. Das lehnte ich ab, denn ich hatte schon einige Kunstwerke erkannt die noch aus meiner Heimzeit stammten. Meine Todesängste wollte ich nicht noch mehr schüren. Nach diesem Besuch fingen meine Flashbacks an und das in einer Häufigkeit die mich zeitweise in Panik versetzten. Schlafstörungen, Angstzustände, aggressive Wutausbrüche und diese Distanz zu meinem Mann und meiner Familie machten mir ganz schön zu schaffen. Ich war jedoch nicht in der Lage, es abzustellen.
3. Mit einer alten Freundin von mir habe ich mich auch in Verbindung gesetzt. Es ist die Freundin, zu der ich damals gelaufen bin, als ich von zu Hause abgehauen bin. Ich fragte sie noch, ob sie sich erinnern kann an damals und sie bestätigte mir ihre Erinnerung. Auch diese benannte ich als Zeugin für die Misshandlungen.
4. Meinen ersten Exmann und die damalige Lebensgefährtin rief ich an und er konnte sich noch daran erinnern, wie ich ihm das mit der Vergewaltigung im Kaufhaus erzählt habe. Zu der damaligen Zeit lebten wir schon getrennt. Ich erzählte es ihm jedoch, weil meine Tochter dabei war. Diese kann sich bis auf dem heutigen Tag nicht daran erinnern. Ich denke, dass sie es verdrängt hat, weil diese so schlimm für sie war.
5. Nun versuchte ich mich auch noch mit einem meiner Täter in Verbindung zu setzen. Das war meine ältester Bruder. Von ihm wollte ich eigentlich wissen, ob er diese Missbräuche mit mir freiwillig oder unter Zwang meiner Stiefmutter tat. Er jedoch war nur wütend und will nichts mehr von der Vergangenheit wissen und legte den Telefonhörer auf.
6. In der Klinik, in der ich bisher 4 Mal war, rief ich an und bat darum, meine 4 Entlassberichte zum Versorgungsamt zu schicken.
7. Ich nahm auch Kontakt zu den jeweiligen Jugendämtern auf (Kinderheimzeit, Mädchenwohnheimzeit, Betreuung als junge Mutter, die ich hatte und die Betreuung vom Jugendamt, die ich hatte, als ich mit dem verstorbenen Ex noch zusammen lebte).
All diese Nachforschungen warfen mich in die Vergangenheit. Ich war nicht in der Lage, Vergangenheit und Gegenwart auseinander zu halten. Meine Stotteranfälle waren außer Kontrolle.
Schließlich war ich dann doch an einem Tag in der Lage, diesen Antrag für mich fertig zu machen. Dafür schrieb ich einige Briefe für das Versorgungsamt, die ich dem Antragsformular als Anhang beilegte. Ebenso einen chronologischen Lebenslauf meiner Missbräuche.
Durch unseren Verein hatte ich einige Anträge hier vor Ort und füllte einen für mich allein am 28.05.2004 aus und bekam auch vom Versorgungsamt die schriftliche Bestätigung, dass er am 10.05. eingegangen sei.
Zu dieser Zeit -muss ich noch einmal betonen- wühlte ich nicht nur in meiner Vergangenheit rum, sondern die Anzeige des letzten Übergriffes lief, und auch diese Briefe von der Staatanwaltschaft trudelten ein.
Dazu jedoch- wie schon oben geschrieben- mehr unter meine Erfahrungen mit Anzeigen, Stichpunkt dritte Anzeige.
Ich stellte erneut einen Reha Antrag und hatte nach langem Suchen im Internet eine Klinik gefunden, bei der ich auch anrief, um mich zu erkundigen, ob diese auch für meine Situation die richtige ist. Der Antrag ging durch, doch der Aufenthalt war die Hölle. Ich brach das erste Mal nach langem Zögern ab. Dazu näheres unter dem Punkt meine Erfahrungen mit Kliniken
Bad Dürkheim 2005.
Am 24.08. bekam ich ein erneutes Schreiben
Sie haben keinen Anspruch auf einen Beschädigtenversorgung nach dem Opferent -
schädigungsgesetz (OEG) in Verbindung mit dem Bundesversorgungsamt (BVG)
Ihren Antrag lehne ich daher ab.
Wer im Grundbereich dieses Gesetzes oder auf einem deutschen Schiff oder Luftfahrzeug infolge eines vorsätzlichen, rechtswidrigentätlichen Angriffs gegen seine oder eine andere Person oder durch dessen rechtmäßige Abwehr eine gesundheitliche Schädigung erlitten hat erhält wegen der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen auf einen Antrag Versorgung in entsprechender Anwendung der Vorschriften des Bundesversorgungsgesetz (§1Absatz 1 Satz OEG ).
Sie beantragen Versorgung nach dem OEG für die Folgen von
gesundheitlichen Schädigungen, die Sie nach Ihren Angaben ab Ihrem 3. Lebensjahr erlitten haben.
Der Nachweis, dass Sie sich die geltend gemachte gesundheitlichen Schädigungen durch vorsätzliche, rechtswidrige tätliche Angriffe im Sinne des § 1 Absatz 1 Satz 1OEG zugezogen, also durch einen anspruchsbegründenden Tatbestand im Sinne des &1 OEG, ist jedoch weder von Ihnen erbracht worden noch von der Versorgungsverwaltung zu erbringen.
Es liegen zu den angegebenen Ereignissen keine eindeutigen und konkreten Beweise vor.
Im Rahmen der Beweiserhebung habe ich daher hilfsweise die zur Verfügung stehenden ärztlichen Unterlagen ausgewertet. Insgesamt gesehen werden sich die Ereignisse jedoch nicht mehr nachweisen lassen.
Nach §6Absatz 3OEG in Verbindung mit §15 des Gesetzes über das Verwaltungsverfahren der Kriegsopferversorgung (VfG/KOV) können zwar die Angaben des Antragsstellers als Nachweis des geltend gemachten Ereignisses herangezogen werden, jedoch nur dann, wenn sie nach den Umständen des Falles Glaubhaft sind. Das bedeutet, dass sie den Schluss zulassen, das der Ablauf des Geschehens so gewesen sein muss, wie vom Antragsteller angegeben wurde. Eine Solche Feststellung lässt sich in Ihrem Fall unter der Berücksichtigung der Vorliegenden Unterlagen nicht treffen. Ihre Angaben können daher nicht als alleiniges Beweismittel herangezogen werden.
Unabdingbare Vorraussetzung für eine Versorgung nach dem OEG ist aber tatbestandsbemäßigen Vorraussetzung des §1 OEG nachgewiesen sind. Lässt sich dieser Nachweis nicht führen, ist der Antrag abzulehnen, da nach dem Versorgungsrecht geltenden Grundsatz der objektiven Beweislast derjenige die Folgen der mangelnden Feststellbarkeit von Tatsachen zu tragen hat, der aus diesen Tatsachen ein Recht herleiten will.
Deshalb musste ich Ihren Antrag ablehnen.
Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats nach seiner Bekanntgabe Widerspruch erhoben werden. Der Widerspruch ist schriftlich oder zur Niederschrift bei dem Versorgungsamt Duisburg zu erheben. Die Frist gilt auch dann als gewahrt, wenn die Widerspruchsschrift bei einer anderen inländischen Behörde oder bei einem Versicherungsträger oder bei einer deutschen Konsularbehörde eingegangen ist.
Ich war am Boden zerstört, denn ich hatte alles erdenklich Mögliche getan, um die Wahrheit zu untermauern. Ich gehe die ganze Zeit noch einmal durch diese Hölle. Wofür?
Die Täter haben Recht, als sie mir sagten, du kannst alles erzählen, es glaubt dir sowie so keiner, du hast zuviel Phantasie.
Weinend rief ich meinen Mann auf der Arbeit an, der mich wieder zurückholte und geduldig mit folgenden Worten zu mir sprach :"Schatz, ich würde dir raten nicht aufzugeben, die werden es wohl immer in dem ersten Verfahren ablehnen. Setze dich mit dem Weißen Ring in Verbindung und schau nach, in wieweit sie dir weiter helfen können. Das hat jetzt sicherlich nichts mit deiner Glaubwürdigkeit zu tun. Die hoffen vielleicht, dass du aufgibst, dann haben sie wieder Geld gespart. Du hast jetzt soviel gemacht und das hat dich soviel Kraft gekostet, das darf nicht umsonst gewesen sein."
Nach diesem Gespräch setzte mich mit dem Weißen Ring in Verbindung. Dieser nannte mir einen Rechtsanwalt, der für sie arbeitet. Die Kosten wurden von ihnen übernommen, da ich keine Rechtschutzversicherung hatte und Prozesskostenhilfe mir auch nicht zustand.
Da Herr.... bemerkte, in welch einem Zustand ich bin, machte er mir auch sofort noch einen Termin mit einem Therapeuten in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau. Er fragte mich, ob ich denn nicht doch noch eine Anzeige gegen den Arzt machen wolle.
Ich weinte und sagte:" Wofür denn, bisher habe ich insgesamt zwei Anzeigen in meinem Leben gemacht und die Täter sind ungeschoren davon gekommen und dass, obwohl die erste Anzeige sogar Beweisfotos - zwar nicht von den Missbräuchen, jedoch von den Misshandlungen- von der Polizei gemacht worden sind. Mir glaubt doch sowie so keiner."
„Ich glaube ihnen doch, sonst würde ich nicht versuchen, ihnen zu helfen. Ich weiß auch, dass dieser Weg sehr schwer ist für die Betroffenen. Jedoch, wenn sie jetzt nichts unternehmen, könnte er das anderen Frauen auch antun. Wie wäre es, wenn ich für sie einen Termin mit unserem Opferschutzbeauftragten der hiesigen Polizei mache?"
Das war schließlich der Ausschlag dafür, dass ich mich entschlossen habe, auch eine Anzeige gegen den Arzt zu machen. Diese Entscheidung traf ich zwar erst später und auch nicht für mich, sondern um andere zu schützen, jedoch habe ich diese Entscheidung allein getroffen. Wie es mit der Anzeige weiter ging und was dabei bis jetzt rauskam, könnt ihr lesen unter meine Erfahrungen bezüglich Anzeigen nachlesen.
Am 03.09.2004 legte ich einen formlosen Widerspruch ein.
Hiermit lege ich einen formlosen Widerspruch gegen den Bescheid vom 23.08.2004 ein.
Eine Begründung folgt zu einem späteren Zeitpunkt, da ich selbst noch einige Recherchen vornehmen werde.
Gleichzeitig möchte ich auch hiermit einen Antrag auf eine Anhörung stellen.
Kurze Zeit nach dem Gespräch mit dem Weißen Ring bekam ich den ersten Termin bei meinem Rechtsanwalt. Bei diesen Terminen war stets und ständig mein Mann dabei. Das hätte ich alleine niemals geschafft.
Nun, beim ersten Termin, musste ich zuerst alles erzählen, was mir widerfahren ist. Auch sagte ich dem Rechtsanwalt, was ich alles unternommen habe, um die Richtigkeit meiner Aussagen zu untermauern.
Ich kann mich an fast nichts mehr erinnern, außer dass ich nur geweint habe. Mein Mann erzählte mir, das ich sehr wütend und laut erzählt habe und zwischendurch gar nicht in der Lage war, weiter zu sprechen. Deshalb hatte er mich zwischendurch immer wieder in den Arm nehmen müssen, bis ich mich wieder etwas gefangen hatte.
Auch einen bestimmten Missbrauch meines Vaters sollte ich nicht erwähnen, da dieser unglaubwürdig klingen würde. Als ich das von ihm hörte und mir bewusst wurde, was das für mich bedeutet, flippte ich total aus. Ich brüllte:" Wie soll mich denn jemand vertreten, der mir nicht glaubt? Dann brauch er mich doch erst gar nicht zu vertreten!" Ich weiß heute nicht mehr, wie lange dieser Wutanfall dauerte, ich weiß nur, dass ich danach angefangen habe, zu resignieren.
Beim nächsten Termin mit dem Rechtsanwalt wurde die Anzeige gemacht. Das war weniger heftig beim Anwalt, da ich den genauen Verlauf der Untersuchung beim Arzt, so detailliert, wie es mir möglich war, aufgeschrieben hatte. Dafür habe ich Stunden gebraucht, da ich immer wieder zu sehr emotionell geworden bin. (wieder in der Situation gelandet)
Wieder zum OEG .
Der Rechtsanwalt holte sich die ganzen Akten vom Versorgungsamt damit wir nachvollziehen konnten, warum das OEG abgelehnt worden ist. Als ich diese zu Gesicht bekam und sie mir zu Hause durchlas, fiel ich aus allen Wolken.
Es wurden gar nicht alle Berichte meiner Klinikaufenthalte angefordert. Von insgesamt bis zu dieser Zeit 4 Klinikaufenthalten a 3 Monaten war nur ein Bericht vorhanden.
Dieser Bericht jedoch mehrfach. In diesem Bericht wurde von meinem Arzt des vierten Klinikaufenthaltes Dinge behauptet, die gar nicht stimmten. Selbst meinen chronologischen Lebenslauf hat er nicht einmal richtig behalten, obwohl er diesen schriftlich hatte.
Ich konnte aus diesem Bericht nicht einmal erkennen, dass dieses mein Lebenslauf sein sollte. Dazu jedoch später in meine Erfahrung mit Kliniken.
Ich bekam die Vermutung, dass wegen diesem Bericht meine OEG abgelehnt wurde. Es hörte sich für mich so an:" Fr. ... ist nur auf Entschädigung aus und verweigert die Therapie."
Das schlug mir das Fass unter dem Boden weg. Ich fand es schon immer eine Unverschämtheit, dass wir, die in einer psychosomatischen Klinik waren, nicht das Recht hatten, unseren Bericht anzuschauen. Was dabei rumkommt, habe ich ja jetzt erfahren.
Wir gingen dagegen an, und das Ganze kam zum Versorgungsamt nach Münster.
Als ich nach mehreren Monaten nichts mehr -weder vom Rechtsanwalt, noch vom Bezirksversorgungsamt in Münster- gehört habe, beschloss ich, bei meinem Rechtsanwalt nach zu fragen.
Er sagte mir, dass er in Duisburg beim Versorgungsamt nachfragen wolle und sich das Aktenzeichen von Münster geben lassen wolle, damit er sich dort dann auch Auskunft holen könne. Dieses wiederholte sich in einem Jahr mehrfach.
Als ich endlich die Faxen dicke hatte, rief ich selbst in Münster an. Dort musste man erst einmal nach der Akte suchen und dann wurde sich bei mir entschuldigt, da ich in Vergessenheit geraten war.
Als ich das hörte, bekam ich einen Weinkrampf am Telefon. Als ich mich wieder beruhigt hatte, sprach ich mit dem Herrn am Ende der Leitung. Ich sagte ihm, dass nur ein Bericht berücksichtigt worden ist, ich jedoch schon 4 Mal in der Klinik war und auch jetzt wieder ein Antrag laufen würde. Außerdem hat man sich weder schriftlich noch telefonisch mit irgendeinem Zeugen, die ich angegeben habe, in Verbindung gesetzt.
Der Herr an der anderen Seite nannte mir einen Namen eines Sachbearbeiters, der jetzt für mich zuständig sei und sich dann um meine Sache kümmern würde, damit es bei mir schneller bearbeitet würde.
Ich rief den anderen Herrn an und gab ihm die Daten meiner Klinikaufenthalte durch. Er versprach mir ,sich so schnell wie möglich darum zu kümmern.
Nun machte ich einen erneuten Termin bei meinem Rechtsanwalt. Bei diesem Termin machte ich ihn drauf aufmerksam, dass ich beim Versorgungsamt in Münster angerufen habe und mit dem Geschäftszeichen von Duisburg durchgekommen bin, und dabei erfahren habe, dass meine Akte in Vergessenheit geraten war, und ich vielleicht noch ein paar Jahre hätte warten müssen, bis das aufgefallen wäre.
Den Vorwurf, ihm zu sagen, dass es eigentlich seine Aufgabe gewesen wäre, sich darum zu kümmern, dass er mein Rechtsanwalt sei und dass es nur einen Anruf für mich gekostet hat, konnte ich mir nicht verkneifen. Ich war sauer und fragte ihn, wieso ich eigentlich seine Arbeit machen müsse.
Ich steckte in einer heftigen Krise, die sich bemerkbar machte durch
-Essstörungen,
-dissoziativen Zuständen mit Black Outs,
-Depressionen in Zusammenhang mit Aggressionen,
-Weinkrämpfen,
-totaler Erschöpfung,
-Schmerzen, die keine körperlichen Ursachen hatten, sondern von der Psyche her kamen,
-suizidale Gedanken,
-völliger Überforderung mit allem
-und absolut null, keine Belastbarkeit.
Am meisten hatte meine Familie darunter zu leiden, denn ich war nicht mehr in der Lage, meinen Haushalt zu führen, noch mit dem Hund Gassi zu gehen, noch meinen Kindern zu zu-hören.
Durch diese Überforderung brüllte ich sie an und war auch ziemlich ungerecht. Wenn da meine Mann nicht da gewesen wäre, der immer und immer wieder mit ihnen geredet hat, weiß ich nicht, welche schlimmeren Schäden sie davongetragen hätten.
Es war einfach zuviel, die Anzeigen gegen den Täter, der Kampf mit dem OEG, die Suche nach einer geeigneten Klinik für mich. Ich befand mich nur noch in der Vergangenheit, hatte und habe bis heute Schwierigkeiten zu erkennen, welches Jahr für mich real ist. Je nachdem, in welcher Vergangenheit ich durch die Dissos gerade hingelangt bin.
Wir sitzen am Sonntagmorgen beim Kaffeetrinken, meine Kinder, mein Mann und ich. Es fällt zufällig ein Satz, der in der Vergangenheit von einem Täter gesagt worden ist.
Ich bin auf einmal wieder an dem Ort. Ich rieche, fühle, sehe, schmecke, die Situation ist für mich real.
Ich sitze nicht mehr am Kaffeetisch mit meinen erwachsenen Kindern, sondern meine Kinder sind wieder klein. Ich unterhalte mich mit Ihnen und auch mit dem Täter, meinen Exmann. Dann frage ich mich, wieso bin ich hier, habe ich mich etwa nur in eine andere zeit geträumt, was ist denn jetzt real, das Jahr 2005 oder das Jahr 1994?
Ich kneife mich, jedoch bin ich immer noch im Jahr 1994.
Irgendwann bin ich dann wieder am Frühstückstisch mit meinen erwachsenen Kindern. Völlig panisch frage ich meinen Mann :" Ist das real, bin ich wirklich hier im Jahr 2005?"
Mein Mann kneift mich und ich erwidere:" Das habe ich gerade eben beim Alfred auch gemacht, und es hat auch wehgetan. Bin ich jetzt in meiner Phantasie oder in der Realität?" Dieser Zustand ist schrecklich und raubte bzw. raubt mir den Verstand.
Trotz und alledem machte ich weiter. Mehrfach rief ich beim Versorgungsamt in Münster an. Als dann endlich alle Unterlagen da waren, -bis auf die Entscheidung über den Verlauf der Anzeige, denn wir waren noch in der Widerspruchphase bei der Oberstaatsanwaltschaft- hatte mein Rechtsanwalt mir empfohlen, diese Geschichte von der OEG abzukoppeln, bis das Verfahren beendet sei, weil wir sonst zu lange mit der OEG warten müssen, da wir ja nicht wissen, wie lange das Verfahren noch dauern wird.
Wir koppelten also den letzten Übergriff ab
Dann bekam ich erst einmal über das Telefon eine Absage von dem Sachbearbeiter, dass die Berichte meiner Klinkaufenthalte nicht eindeutig darauf hinweisen, dass ich missbraucht worden bin, denn meine Diagnosen könnte ich auch deshalb haben, weil ich nur z. B. seelische Misshandlungen oder Missbrauch in meiner Kindheit erfahren hätte. Dafür würde ich nicht unter das OEG fallen.
Ich war fertig, schrie durch das Telefon:" Haben sie denn wenigstens die Zeugen, die ich benannt habe, angehört?" Das wurde verneint.
Ich solle jetzt auf den schriftlichen Ablehnungsbescheid warten, da würde ich die ganzen Ablehnungsgründe erlesen können.
Wieder die Täterstimmen in meinem Kopf :" Es ist gar nichts passiert, wenn du es erzählst, glaubt dir sowieso keiner, du hast ja viel zu viel Phantasie."
Ich fühlte mich hilflos, konnte ja nichts dagegen tun, wie in den Missbrauchssituationen.
Egal, was ich mache, es wird mir nie jemand von offizieller Stelle glauben.
Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, wozu denn auch noch, es bringt ja sowieso nichts, das waren meine Gedanken.
Ich war der Situation ohnmächtig ausgeliefert.
Warum glaubt man mir nicht? Ich war immer ehrlich, auch wenn das für mich mit großen Ängsten verbunden war. Z.B. als meine Wohnung, wie eine Messi-Wohnung aussah und ich befürchten musste, meine Kinder abgenommen zu bekommen.
Oder wenn ich vor lauter Hilflosigkeit meine Kinder geschlagen hatte. Selbst da war ich ehrlich und habe nichts verschwiegen, weil ich ja wollte, dass man mir hilft.
Dass es falsch war, bemerkte ich. Jedoch wusste ich auch, dass ich ohne Hilfe da alleine nicht raus kam.
Deshalb holte ich mir Hilfe vom Jugendamt und musste meine Angst, die Kinder abgenommen zu bekommen überwinden, auch wenn es für mich bedeutet hätte, dass ich sie verlieren würde. Meine Kinder hatten jedoch das Recht auf eine taugliche Mutter.
Ehrlichkeit war immer mit das Wichtigste in meinem Leben und jetzt fühlte es sich für mich an,- ja ich hörte sogar die Stimme in meinem Kopf!- du lügst. Ich merkte, ich brauche jetzt in diesem Moment Hilfe.
Ich rief mal wieder meinen Therapeuten an, der dann -wie schon so oft seit dem letzten Übergriff 2002- mit mir Krisenintervention am Telefon machte.
In dieser Zeit musste ich sogar bis zu meinem nächsten Klinikaufenthalt Psychopharmaka nehmen.
Da ich davon sehr zugenommen habe, steckte ich mir zwischendurch den Finger in den Hals um zu erbrechen.
Als mir dieses bewusst wurde, ging mir durch den Kopf -Nein, nicht das jetzt auch noch!- Dann habe ich angefangen, nicht mehr zu essen, damit ich mir nicht mehr den Finger in den Hals steckte. Auch das wurde mir erst sehr viel später bewusst.
Ich fing an, mir für Essen Rituale zu machen, mindestens 40 mal kauen, bewusst zu essen, d.h. mich hin zu setzen und zu essen. Nicht dabei zu telefonieren, nicht dabei irgendwelche Arbeiten zu machen, und mir vorzustellen, dass die Tiere, dessen Fleisch oder Wurst ich esse, für mich gelebt haben und gestorben sind.
Ich bedankte mich bei ihnen dafür. Das selbige auch bei Brot, Butter und allen anderen Nahrungsmitteln.
Ich machte das Essen zu etwas heiligem.
Dieses klappte mal mehr, mal weniger.
Dann kam folgendes Ablehnungsschreiben:
Ihr Widerspruch gegen den Bescheid des Versorgungsamtes Duisburg vom 23.08.2004 wird
Mit dem vorbezeichneten Bescheid hat das Versorgungsamt Ihren Antrag vom 28.04.2004 auf Versorgung nach dem OEG abgelehnt mit der Begründung, dass die von Ihnen angegebenen Gewaltereignisse ( vom dritten bis zu Ihrem 36. Lebensjahr) nicht mehr nachzuweisen seien.
Nach dem Grundsatz der objektiven Beweislast gingen die folgenden der mangelnden Feststellbarkeit von Tatsachen zu Ihren Lasten. Eine Anerkennung der von Ihnen geltend gemachten Gesundheitsstörungen als Schädigungsfolgen müsse deshalb abgelehnt werden.
Gegen die Entscheidung haben sie fristgerecht Widerspruch erhoben.
Sie sind weiterhin der Auffassung, Sie hätten die geltend gemachten Schädigungen durch vorsätzliche rechtswidrige tätliche Angriffe im Sinne des § 1 Abs. 1Satz 1 OEG erlitten, also durch einen anspruchsbegründenden Tatbestand im Sinne des § 1 OEG. Im einzelnen wird auf Ihre vom 30.01., 01.03 und 02.03.2005 Bezug genommen.
Bezüglich der von Ihnen angegebenen Übergriffe im Rahmen einer Begutachtung für die LVA im November 2002 haben Sie unter dem 12.10.2006 mitgeteilt, dass im Hinblick auf das noch staatsanwaltschaftliche anhängige Verfahren dieser Vorgang im OEG- Verfahren derzeit nicht berücksichtigt werden soll.
Die Bezirksregierung Münster Abteilung Soziales und Arbeit , vermag Ihrem Widerspruch nicht stattzugeben.
Im Rahmen eines Widerspruchsverfahren wurden noch Entlassungsberichte über die ersten drei Heilverfahren in der Klink Reinerzau, Alpiersbach, beigezogen ( stationäre Behandlungen in den Jahren 1995/1996 1996/1997, 2000 ferner der Bericht der Wittekind Klinik über die Reha- Maßnahme im Jahre 2005.
Die von Ihnen angegebenen Gewalttaten lassen sich nicht mehr im Sinne eines Vollbeweises feststellen. Vorraussetzung wäre, dass die anspruchsbegründenen Tatsachen ohne vernünftige Zweifel oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststehen. Das ist d. E. nicht der Fall.
Personen, die zu den von Ihnen angegebenen Vorfällen als Zeugen Angaben machen könnten, gibt es nicht (mehr) .
Ihre Angaben zu den schädigenden Ergebnissen allein können der Entscheidung nicht zugrunde gelegt werden. Insoweit wäre nach § 15 KOVVFG, wenn man trotz der späten Antragsstellung Ihrerseits ausnahmsweise von einer unverschuldeten Beweisnot ausgehen würde, erforderlich, dass Ihre Angaben nach den Umständen des Falles glaubhaft erscheinen , so dass sie den Schluss zulassen, dass der Ablauf der Geschehen so gewesen sein muss, wie von Ihnen angegeben, und nicht nur so gewesen sein kann.
Nach Auffassung der Bezirksregierung lässt sich nicht mehr mit hinreichender Sicherheit feststellen, dass ihre Angaben eine reale Erlebnisgrundlage haben. Insoweit ist der große Zeitabstand zu den angeschuldigten Ereignissen zu berücksichtigen. Medizinische Unterlagen, in denen die Ereignisse thematisiert wurden, finden sich erst ab dem Jahre 1995.
Ihre Angaben, Sie seien im Alter von drei Jahren sexuell missbraucht worden, erscheint nicht ohne weiteres nachvollziehbar, da unter der Berücksichtigung der Aussagepsychologie die Erinnerungsfähigkeit an reale Ereignisse im genannten Alter als zweifelhaft anzusehen ist (vgl. G Jansen, zeuge und Aussagepsychologie, 2004, S. 131 m. w. N.).
Darüber hinaus sind Ihre Angaben nicht einheitlich ( konsistent ).
Ihrem Antrag vom 28.04.2004 haben Sie angegeben, dass sie im Alter 5/ 6 Jahren in einem Kinderheim und 1974 in einem Mädchenwohnheim gewesen sind. Mit dem Schriftsatz vom 31.01. 2005 haben sie mitgeteilt, dass Sie nur ( einmal )in einem Kinderheim untergebracht gewesen seien. Bezüglich der Vergewaltigungen in der 2. Ehe haben Sie im Antrag 2004 angegeben, dass Vergewaltigungen keine Seltenheit gewesen seien, in Ihrem Schriftsatz vom 01.03.2005 geben Sie an, dass dieses zweimal geschehen sei.
Ferner sind Ihre Angaben zu den schädigenden Ereignissen wenig detailliert.
Es ist davon auszugehen, dass im Rahmen psychotherapeutischer Behandlung ab (1995)
mutmaßlich sexuelle Übergriffe thematisiert wurden. Ferner haben sie mitgeteilt, dass Sie im Jahre 2000 eine Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer gegründet haben.
Insoweit stellt sich die Frage nach der Differenzierung zwischen tatsächlich Erlebtem und suggerierten Aussagen. Es ist in der aussagepsychologischen Wissenschaft belegt, dass Aussagen über möglicherweise gar nicht stattgefundene Ereignisse induziert werden können. Es kann zu Überlagerungen des Gedächtnisses durch Inhalte kommen, die erst im Zuge einer späteren Aufarbeitung der berichteten Vorfälle entstanden sein könnten. Die vielfache Auseinandersetzung mit einer solchen Thematik führt gerade bei ohnehin vorhandenen psychischen Problemen häufig dazu, dass ein vermeintlich traumatisches Erlebnis als Erklärung für diese Probleme betrachtet wird. Die so gefundene Erklärung ist subjektiv erleichternd, weil sie eine gewisse Kontrolle über die Probleme vermittelt.
Vorliegend ist es nach Auffassung der Bezirksregierung nicht mehr möglich, mit hinreichender Zuverlässigkeit zwischen tatsächlichen Erinnerungen und nachträglichen Überlagerungen und Umdeutungen zu unterscheiden. Das bedeutet keinesfalls, dass Ihre Angaben falsch oder gar gelogen sind. Sie sind nur zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr mit hinreichender Zuverlässigkeit zu belegen.
Ferner sind aus dem bei Ihnen erhobenen Diagnosen und letztlich vorliegenden Gesundheitsstörungen keine Rückschlüsse auf tatsächlich stattgefundene konkrete Missbrauchshandlungen ableitbar.
Insgesamt lässt sich somit nicht mehr feststellen, dass Sie in den Jahren 1962 bis 1992 Opfer von sexueller Gewalt geworden sind. Die mangelnde Feststellbarkeit geht nach den Grundsätzen objektiver Beweislast zu ihren Lasten.
Hier Widerspruch war als unbegründet zurückzuweisen.
Gegen die angefochtene Entscheidung in der Fassung des Widerspruchsbescheides kann innerhalb eines Monats nach bekannt gaben des Widerspruchsbescheides Klage vor dem Sozialgericht, Mühlheimer Straße 54, 47057 Duisburg erhoben werden.
Wird die Klage schriftlich erhoben, so soll sie in doppelter Ausfertigung unter Angabe vorstehenden Aktenzeichens und es aus dem Bescheid des Versorgungsamts ersichtlichen Geschäftszeichens eingereicht werden. Die Klage kann auch zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle des Sozialgerichts erhoben werden.
Ihre Aktenunterlagen sind mit gleicher Post an das für Sie zuständige Versorgungsamt Duisburg zurück gegeben worden. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das Versorgungsamt.
Zur Zeit muss ich pausieren. Dieser Bericht wird noch aktualisiert bis zum heutigen Stand. Schaut einfach immer wieder mal rein.
Besucher-Nr: | Impressum| Letzte aktualisierung am 04.10.2017

References: § 1
 §6
 §15
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