Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20211/05
Timestamp: 2019-03-25 17:07:46+00:00

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BGH, 07.11.2006 - VI ZR 211/05 - dejure.org
EWG-VO 1408/71 Art. 13, 14, 93; SGB VII § 105
Beurteilung der Haftungsbefreiung bei Arbeitsunfällen nach dem Recht des jeweiligen Sozialversicherungsträgers des Mitgliedstaates; Ausgleich unter Gesamtschuldnern für die Haftung nach einem Verkehrsunfall; Haftungsausschluss nach § 105 Abs. 1 Sozialgesetzbuch Siebtes Buch (SGB VII) bei einem Arbeitsunfall auf einem Betriebsweg; Entsendung eines österreichischen Arbeitgebers zu Bauarbeiten nach Deutschland; Außervertragliche Haftung eines schadensverursachenden Dritten; Voraussetzungen einer Haftungsprivilegierung
Arbeitsunfall - Haftungsbefreiung bei Wohnsitz in einem anderen EU-Mitgliedsstaat
Art. Rom I-VO, 27 Rom II-VO
Verhältnis zu anderen Gemeinschaftsrechtsakten - Regelungsinhalt
Haftungsbefreiung bei Arbeitsunfällen - Beteiligung eines Arbeitnehmers, der bzw. dessen Arbeitgeber seinen Wohnsitz in anderem Mitgliedstaat der EU hat
Haftungsprivilegierung bei Arbeitsunfällen unter Arbeitnehmern aus einem anderen Mitgliedsstaat der Europäischen Union
Haftungsbefreiung bei Arbeitsunfällen mit Ausländerbeteiligung
LG Landshut, 22.12.2004 - 55 O 2502/04
OLG München, 29.06.2005 - 20 U 1779/05
NJW 2007, 1754
EuZW 2007, 318
NZV 2007, 404
VersR 2007, 64
a) Gemäß Art. 249 Abs. 2 EGV ist die EWG-VO 1408/71 unmittelbar anzuwendendes Recht und genießt Vorrang vor den entsprechenden nationalen Vorschriften der Mitgliedstaaten (Senatsurteil vom 7. November 2006 - VI ZR 211/05 - VersR 2007, 64, 65 m.w.N.).
Nach gefestigter Rechtsmeinung sind sozialrechtliche Haftungsprivilegien nicht dem materiellen Deliktsrecht zuzuordnen, welches die EWG-VO 1408/71 unberührt lässt (…vgl. EuGH, Urteile vom 2. Juni 1994 - C-428/92 Slg. 1994, I-2259 Rn. 21 - DAK;… vom 21. September 1999 - C-397/96 Slg. 1999, I-5959 Rn. 15 - Kordel), sondern dem Recht der Systeme der sozialen Sicherheit (Senatsurteil vom 7. November 2006 - VI ZR 211/05 - aaO, S. 66 m.w.N.).
Für die Frage der Haftungsbefreiung bei Arbeitsunfällen gelten nach Art. 93 Abs. 2 EWG-VO 1408/71 die Rechtsvorschriften des Mitgliedstaates, nach denen für den Arbeitsunfall Leistungen zu erbringen sind, dessen Sozialversicherungsträger die Unfallfürsorge also zu gewähren haben; diese Rechtsvorschriften gelten auch dann, wenn das zivilrechtliche Haftungsrecht und das Sozialversicherungsrecht für Arbeitsunfälle dem Recht verschiedener Mitgliedstaaten zu entnehmen sind (vgl. Senatsurteil vom 7. November 2006 - VI ZR 211/05 - aaO;… Palandt/Heldrich, BGB, 67. Aufl., Art. 3 EGBGB Rn. 12; Eichenhofer, IPRax 2003, 525, 526 f.;… Fuchs/Eichenhofer, Europäisches Sozialrecht, 4. Aufl., Art. 93 Rn. 7;… Wannagat/Waltermann, Sozialgesetzbuch, Stand: 15. Lieferg. 2007, § 104 SGB VII Rn. 27;… Lauterbach/Raschke, Unfallversicherung, 4. Aufl., Stand: 35. Lieferg. 2007, § 97 SGB VII Rn. 10.9;… Daum, Der Sozialversicherungsregress nach § 116 SGB X im Internationalen Privatrecht, 1995, S. 37 ff.;… Birk, in: Münchner Handbuch zum Arbeitsrecht, 2. Aufl., § 20 Rn. 150; Haas, ZZP 108 [1995], 219, 236, 238;… Staudinger/Hausmann, BGB, Bearb. 2002, Art. 33 EGBGB Rn. 92).
Für Arbeitnehmer, die die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft besitzen und für die die EWG-VO 1408/71 nach Art. 2 Abs. 1 gilt, ist nach Art. 13 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 lit. a EWG-VO 1408/71 allein das Sozialrecht des Mitgliedstaats anzuwenden, in dem der Arbeitnehmer abhängig beschäftigt ist, selbst wenn er in einem anderen Mitgliedstaat wohnt (vgl. Senatsurteil vom 7. November 2006 - VI ZR 211/05 - aaO).
Diese Rechtsvorschriften gelten auch dann, wenn das zivilrechtliche Haftungsrecht und das Sozialversicherungsrecht für Arbeitsunfälle dem Recht verschiedener Mitgliedsstaaten zu entnehmen ist (vgl. BGHZ 177, 237; BGH, NJW 2007, 1754).
Sowohl ein Auseinanderfallen von Deliktsrecht (nach deutschem Recht) und Sozialversicherungsrecht (nach auswärtigem Recht) ist möglich als auch das Fehlen einer Haftungsfreistellung nach dem ausländischen Recht, obwohl der Tatort in Deutschland war (vgl. BGHZ 177, 237; BGH, NJW 2007, 1754; beide ohne eine offensichtliche Unvereinbarkeit mit wesentlichen Grundsätzen des deutschen Rechts auch nur zu erörtern).

References: Art. 13
 § 105
 § 105
 Art. 249
 Art. 93
 Art. 3
 Art. 93
 § 104
 § 97
 § 116
 § 20
 Art. 33
 Art. 2
 Art. 13