Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Sachsen-Anhalt&Datum=13.04.2012&Aktenzeichen=3%20M%2047%2F12
Timestamp: 2018-07-17 17:26:17+00:00

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OVG Sachsen-Anhalt, 13.04.2012 - 3 M 47/12 - dejure.org
§ 11 FeV, § 3 Abs 3 StVG, § 3 Abs 4 S 2 StVG, § 69 StGB, § 46 Abs 1 S 1 FeV
Entziehung der Fahrerlaubnis wegen einmaligen Konsums sog. harter Drogen (hier: Amphetamin) trotz noch nicht rechtskräftig abgeschlossenen Ordnungswidrigkeitsverfahrens
blutalkohol , S. 438
StVG § 3 Abs. 3
Grundsätze zur Anordnung einer Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Fahrerlaubnisbehörde bei eingeleitetem aber noch nicht abgeschlossenem Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen desselben Sachverhalts
Fahrerlaubnisbehörde kann die Fahrerlaubnis auch dann entziehen, wenn wegen desselben Sachverhalts ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet ist
Auch in der obergerichtlichen Rechtsprechung zum Fahrerlaubnisrecht wird - soweit ersichtlich, einhellig - angenommen, dass es sich bei Amphetamin um eine harte Droge handle (…vgl. etwa OVG NRW, Beschl. v. 02.04.2012 - 16 B 356/12 -, juris Rn. 2; OVG LSA, Beschl. v. 13.04.2012 - 3 M 47/12 -, juris Rn. 6;… BayVGH, Beschl. v. 23.02.2016 - 11 CS 16.38 -, juris Rn. 8).
Behauptet eine Person, in deren Körper ein Betäubungsmittel vorgefunden wurde, also, sie habe diese Droge unwissentlich eingenommen, so muss sie einen detaillierten, in sich schlüssigen und auch im Übrigen glaubhaften Sachverhalt vortragen, der einen solchen Geschehensablauf als ernsthaft möglich erscheinen lässt (vgl. OVG LSA, Beschl. v. 13.04.2012 - 3 M 47/12 - OVG NW, Beschl. v. 22.03.2012 - 16 B 231/12 -, beide zitiert nach juris).
Eine analoge Anwendung von § 3 Abs. 3 StVG kommt im Verhältnis zu Ordnungswidrigkeiten nicht in Betracht (st. Rspr., OVG LSA, Beschl. v. 13.04.2012 - 3 M 47/12 -, a. a. O.; VGH BW, Beschl. v. 24.07.2007 - 10 S 306/07 -, zit. nach juris;… Janker in: Burmann/Heß/Jahnke/Janker, Straßenverkehrsrecht, 22. Aufl. 2012, § 3 StVG Rdnr. 10).
Da im Bußgeldverfahren die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen nicht geprüft wird, entfalten Bußgeldentscheidungen nach § 3 Abs. 4 Satz 2 zweiter Halbs. StVG für das behördliche Entziehungsverfahren auch nur insoweit Bindungswirkung, als sie sich auf die Feststellung des Sachverhalts und die Beurteilung der Schuldfrage beziehen, nicht hingegen hinsichtlich der Eignungsfrage (OVG LSA, Beschl. v. 13.04.2012 - 3 M 47/12 -. a. a. O.).
Die obergerichtliche Rechtsprechung hat derartigen Behauptungen nur dann Beachtlichkeit zuerkannt, wenn überzeugend aufgezeigt werden konnte, dass der Kontakt von Betäubungsmitteln im Körper eines Fahrerlaubnisinhabers einen Kontakt mit Personen vorangegangen ist, die zumindest möglicherweise einen Beweggrund hätten, dem Betroffenen ein drogenhaltiges Getränk zugänglich zu machen, und dass es ferner nahe liegt, dass ihm die Aufnahme des Betäubungsmittels tatsächlich unbekannt blieb (BayVGH, B.v. 21.11.2012 - 11 CS 12.2171 - juris; B.v. 24.7.2012 - II ZB 12.1362 - juris; B.v. 22.9.2011 - 11 CS 11.1969/11 C 11.1970; B.v. 19.9.2011 - 11 CS 11.1527 - juris; B.v. 10.12.2007 - 11 CS 07.2905 - juris; OVG RhPf, B.v. 25.1.2012 - 10 B 11430/11.OVG - DÖV 2012, 447; SächsOVG, B.v. 14.12.2012 - 3 B 274/12 - DÖV 2013, 282; OVG LSA, B.v. 13.4.2012 - 3 M 47/12 - Blutalkohol 49, 327; OVG MV, B.v. 4.10.2011 - 1 M 19/11 - NJW 2012, 549).
Nach § 3 Abs. 4 Satz 2 StVG entfalten Bußgeldentscheidungen hinsichtlich der Eignung keine Bindungswirkung (OVG LSA, B.v. 13.4.2012 - 3 M 47/12 - Blutalkohol 49, 327; BayVGH, B.v. 24.2.2006 - 11 CS 05.1210 - ZfSch 2008, 116; BVerwG, B.v. 21.1.1994 - 11 B 116/93 - NJW 1994, 1672).
vgl. Bay.VGH, Beschluss vom 13. Oktober 2006 - 11 CS 06.1724 -, juris Rn 13; OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 13. April 2012 - 3 M 47/12 -, juris Rn 10.
Nach ständiger Rechtsprechung führt dabei schon die einmalige Einnahme von sog. harten Drogen - zu denen auch Amphetamine gehören - regelmäßig zur Ungeeignetheit des betreffenden Fahrerlaubnisinhabers zum Führen von Kraftfahrzeugen (vgl. u. a. Beschl. d. Senats v. 13.04.2012 - 3 M 47/12 -, juris; OVG Münster, Beschl. v. 02.04.2012 - 16 B 356/12 -, juris).
Ständige Rechtsprechung des OVG NRW, vgl. OVG NRW, Beschlüsse vom 2. April 2012 - 16 B 356/12 -, juris Rn 2, vom 6. März 2007 - 16 B 332/07 -, juris, m.w.N.; so auch OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 13. April 2012 - 3 M 47/12 -, juris Rn 6; BayVGH, Beschluss vom 14. Februar 2012 - 11 CS 12.28 -, juris Rn 9; VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 24. Mai 2002, - 10 S 835/02 -, juris Rn 6; OVG Mecklenburg-Vorpommern, Beschluss vom 2. September 2009 - 1 M 114/09 - juris Rn 11; OVG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 25. Juli 2008 - 10 B 10646/08 -, juris Rn 4. Anders verhält es sich nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (Beschlüsse vom 20. Juni 2002 - 1 BvR 2062/96 -, juris Rn 44 ff. und vom 8. Juli 2002, juris Rn 7) nur hinsichtlich der Frage des Zusammenhangs von gelegentlichem Cannabis-Konsum und Kraftfahrereignung.

References: § 11
 § 3
 § 3
 § 69
 § 46
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3
 § 3