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Timestamp: 2019-04-23 05:56:50+00:00

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Vorlesung Verfassungsrecht I. Übungsklausur Der janusköpfige Haushaltsbeschluss - PDF
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1 Vorlesung Verfassungsrecht I Übungsklausur Der janusköpfige Haushaltsbeschluss
2 Klausurlösung 1. Schritt: Fallfrage lesen Was soll in der Lösung erarbeitet werden? Struktur finden 2. Schritt: Sachverhalt lesen und Argumente finden Inhalt der Lösung in gedankliche Struktur einordnen Gesetz finden und lesen 3. Schritt: Lösungsskizze 2
3 1. Schritt: Fallfrage Hat das Vorgehen der A-Fraktion gegen den Bundespräsidenten Aussicht auf Erfolg? 3
4 2. Schritt: Sachverhalt Vertrauensfrage (Art. 68 GG) Verbindung Vertrauensfrage & Gesetzesbeschluss Verweigerung der Ausfertigung eines Gesetzes (Art. 82 GG) Anordnung der Auflösung des Bundestags (Art. 68 GG) 4
5 2. Schritt: Argumente Verbindung Gesetzesabstimmung & Vertrauensfrage nicht im GG Keine ausreichende Mehrheit für Gesetzesbeschluss Bundespräsident darf sich nicht zum Richter aufschwingen Auflösung des Bundestags, trotz Zustimmung von 288 Abgeordneten? Verlust Rechtsstatus der A-Fraktion 5
6 3. Schritt: Lösungsskizze Die Lösung beginnt mit einem Obersatz, der 1. die Fallfrage aufnimmt, 2. die Bedingungen ihrer positiven Beantwortung enthält 3. und damit zugleich die Gliederung der Antwort vorgibt 6
7 3. Schritt: Lösungsskizze Obersatz: Das von der A-Fraktion angestrengte Verfahren hat Aussicht auf Erfolg, wenn es zulässig (A.) und begründet (B.) ist. 7
8 3. Schritt: Lösungsskizze Welche Verfahren strengt die A-Fraktion an? Organstreitverfahren Verweigerung der Ausfertigung Anordnung der Auflösung 8
9 A. Zulässigkeit Obersatz: Das Organstreitverfahren gemäß Art. 93 I Nr. 1 GG ivm 13 Nr. 5, 63ff. BVerfGG ist zulässig, wenn alle Sachentscheidungsvoraussetzungen vorliegen. 9
10 A. Zulässigkeit I. Zuständigkeit des BVerfG (+) Art. 93 I Nr. 1 GG, 13 Nr. 5, 63 ff. BVerfGG 10
11 A. Zulässigkeit II. Beteiligungsfähigkeit Art. 93 I Nr. 1 GG, 63 BVerfGG 1. Antragsteller: A-Fraktion a) in 63 BVerfGG genannt? (-) b) mit eigenen Rechten ausgestatteter Teil des Bundestags? 11
12 A. Zulässigkeit aa) A-Fraktion als Teil des Bundestags? (+) 10 GOBT bb) Eigene Rechte? (+) 55 III, 56 II, 57 II, 60 II, 61 II, 64 II 3 GOBT Art. 76 GG ivm 76 I GOBT 12
13 A. Zulässigkeit cc) P: Kann die A-Fraktion auch nach Anordnung der Auflösung das Verfahren anstrengen? (-), wenn Rechtsstatus nach Anordnung der Auflösung verloren Verlust Rechtsstatus, wenn Bundestag aufhört zu existieren Aber: Art. 39 I GG Art. 39 I 2 GG: Bundestag lebt bis zum neuen Bundestag Art. 39 I 4 GG: das gilt auch im Fall der Auflösung = Verfahren durch A-Fraktion möglich 13
14 A. Zulässigkeit dd) Zwischenergebnis: A-Fraktion mit eigenen Rechten ausgestatteter Teil des Bundestags gem. 63 BVerfGG 14
15 A. Zulässigkeit 2.Antragsgegner: Bundespräsident (+) 63 BVerfGG 3.Zwischenergebnis: Beteiligungsfähigkeit (+) 15
16 A. Zulässigkeit III. Antragsgegenstand Art. 93 I Nr. 1 GG, 64 BVerfGG Rechtserhebliche Maßnahme/ Unterlassung des Antragsgegners Im vorliegenden Fall (ivf): Weigerung der Ausfertigung (+) Anordnung der Auflösung (+) 16
17 A. Zulässigkeit IV. Antragsbefugnis Art. 93 I Nr. 1 GG, 64 BVerfGG mögliche Verletzung in eigenen Rechten aus dem GG mögliche Verletzung von Rechten des Organs (hier Bundestag) aus dem GG = gesetzliche Prozessstandschaft 17
18 A. Zulässigkeit 1. Rechtsverletzung durch Weigerung der Ausfertigung Rechtsverletzung der A-Fraktion? (-) Rechtsverletzung des Bundestags? Recht auf Gesetzgebung gem. Art. 77 I GG Mögliche Verletzung durch Weigerung des Bundespräsidenten (+) 18
19 A. Zulässigkeit 2. Rechtsverletzung durch Anordnung der Auflösung des Bundestags Rechtsverletzung der A-Fraktion? Bestandsschutz aus Art. 39 I 2 GG Recht des einzelnen Abgeordneten (ivm Art. 38 I 2 GG) (+) 19
20 A. Zulässigkeit Recht der Fraktion? (+) Teil des Bundestags (+) aus Abgeordneten zusammengesetzt = mögliches Recht der Fraktion aus Art. 39 I 2 GG Rechtsverletzung des Bundestags? (+) 3. Zwischenergebnis: Antragsbefugnis (+) 20
21 A. Zulässigkeit V. Rechtsschutzbedürfnis (+) VI.Form und Frist (+) 23 I, 64 II, 64 III BVerfGG 21
22 A. Zulässigkeit VII.Ergebnis: Zulässigkeit (+) 22
23 B. Begründetheit (I) Begründetheit der Klage wegen Verweigerung der Ausfertigung des Haushaltsgesetzes Obersatz: Das Organstreitverfahren ist begründet, wenn die Weigerung des Bundespräsidenten, das Haushaltsgesetz auszufertigen, nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist und er dadurch Rechte der A-Fraktion oder des Bundestags verletzt hat. 23
24 B. Begründetheit (I) I. Beeinträchtigung organschaftlicher Rechte der A-Fraktion Recht der A-Fraktion (-) Recht des Bundestags aus Art. 77 I GG (+) Beeinträchtigung durch Nichtausfertigung des Haushaltsgesetzes (+) 24
25 B. Begründetheit (I) II. Rechtmäßigkeit der Weigerung des Bundespräsidenten Rechtmäßig, wenn Prüfungskompetenz des Bundespräsidenten Verfassungswidrigkeit des Haushaltsgesetzes ivf: nur formelle Fehler gerügt 25
26 B. Begründetheit (I) 1. Formelle Prüfungskompetenz des Bundespräsidenten aus Art. 82 I 1 GG? a) Wortlaut (+) zustande gekommen b) Systematik (+) kein muss (anders: Art. 67 I 2 GG) (+) Art. 82 I 1 GG Art. 78 GG: mögliche Ausfertigungspflicht für formell verfassungsmäßige Gesetze Umkehrschluss: keine Pflicht für formell verfassungswidrige Gesetze c) Zwischenergebnis (+) 26
27 B. Begründetheit (I) 2. Formelle Verfassungsmäßigkeit des Haushaltsgesetzes a) Gesetzgebungskompetenz Grundsätzlich Art. 70 GG ivf: Bundeshaushalt Art. 110 II 1 GG kraft Natur der Sache 27
28 B. Begründetheit (I) b) Gesetzgebungsverfahren aa) Einleitungsverfahren (1) Gesetzesinitiative (Art. 76 GG) Bundesregierung (Art. 76 I GG) P: gleichzeitige Zuleitung an Bundestag und Bundesrat Art. 76 II 1 GG: zunächst dem Bundesrat zuzuleiten Art. 110 III GG: Haushaltsgesetz gleichzeitig an Bundestag und Bundesrat (2) Vorverfahren (Art. 76 II, III GG) (3) Zwischenergebnis: Einleitungsverfahren (+) 28
29 B. Begründetheit (I) bb) Hauptverfahren (Art. 77 GG) (1)Zulässigkeit der Verbindung von Gesetzesbeschluss & Vertrauensfrage? Wortlaut: Art. 68 GG (+)/(-) Systematik: Art. 81 I 2 GG (+) Sinn & Zweck Art. 68 I GG: Gewissheit über parlamentarische Mehrheit Zwischenergebnis: Zulässigkeit (+) 29
30 B. Begründetheit (I) (2) Zustimmung von 288 Abgeordneten ausreichend? Art. 42 II 1 GG: Mehrheit abgegebene Stimmen (+) 288 von 356 Art. 68 I 1 GG: Mehrheit der Mitglieder des Bundestags (-) Art. 121 GG: gesetzliche Mitgliederzahl 1 I 1 BWG: 598 Mitglieder (Mehrheit: 300) 30
31 B. Begründetheit (I) P: Gilt Art. 68 I 1 GG auch für den Gesetzesbeschluss? (+) Interesse an einheitlichem Ergebnis (+) Art. 68 I 1 GG als lex specialis (-) Wortlaut Art. 42 II GG (-) Art. 77 I GG (-) Verbindung soll nicht Mehrheitserfordernisse verschieben (-) Regierung will, dass Gesetz beschlossen wird (-) strengere Voraussetzung des Art. 79 II GG könnte umgangen werden Zwischenergebnis: Art. 68 I 1 GG (-) Art. 42 II 1 GG (+) 31
32 B. Begründetheit (I) (3) Beteiligung Bundesrat (+) (4) Zwischenergebnis: Hauptverfahren (+) cc) Zwischenergebnis: Gesetzgebungsverfahren (+) c) Zwischenergebnis: formelle Verfassungsmäßigkeit (+) 3. Zwischenergebnis: Rechtmäßigkeit der Weigerung des Bundespräsidenten (-) 32
33 B. Begründetheit (I) III.Ergebnis: Begründetheit (+) 33
34 B. Begründetheit (II) Begründetheit der Klage wegen Anordnung der Auflösung des Bundestags Obersatz: Das Organstreitverfahren ist begründet, wenn die Bundestagsauflösung durch den Bundespräsidenten nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist und er dadurch Rechte der A-Fraktion oder des Bundestags verletzt hat. 34
35 B. Begründetheit (II) I. Beeinträchtigung organschaftlicher Rechte der A-Fraktion Bestandsschutz aus Art. 39 I 2 GG 35
36 B. Begründetheit (II) II. Rechtmäßigkeit der Anordnung des Bundespräsidenten Rechtmäßig, wenn Voraussetzungen des Art. 68 I GG vorliegen Voraussetzungen: Formelle Auflösungslage Materielle Auflösungslage 36
37 B. Begründetheit (II) 1. Formelle Auflösungslage a) Antrag des Bundeskanzlers (+) b) Keine Zustimmung der Mehrheit 37
38 B. Begründetheit (II) Wortlaut Art. 68 I 1 GG: keine Mehrheit P: Gilt Art. 42 II 1 GG auch für die Vertrauensfrage? (+) Gesetz wurde beschlossen, daher kein Bedürfnis für Auflösung des Bundestags (-) Art. 81 I GG regelt keine neuen Mehrheitsverhältnisse Zwischenergebnis: Art. 42 II 1 GG gilt nicht 38
39 B. Begründetheit (II) c)vorschlag des Bundeskanzlers (+) d)zwischenergebnis: formelle Auflösungslage (+) 39
40 B. Begründetheit (II) 2. Materielle Auflösungslage Wortlaut Art. 68 I 1 GG (-) Sinn & Zweck Art. 68 I 1 GG: Ausweg aus parlamentarischer Krise ohne materielle Erfordernisse Auflösung jederzeit möglich BVerfG: Situation, in der Handlungsfähigkeit der Bundesregierung verloren gegangen ist Mehrheit stellt sich wiederholt gegen Bundesregierung 40
41 B. Begründetheit (II) ivf: HaushaltsG hatte Mehrheit Einzelfall nicht entscheidend mehrfaches Scheitern von Gesetzesvorschlägen Zwischenergebnis: materielle Auflösungslage (+) 41
42 B. Begründetheit (II) 3. Zwischenergebnis: Voraussetzungen des Art. 68 I 1 GG liegen vor Anordnung des Bundespräsidenten rechtmäßig 42
43 B. Begründetheit (II) III.Ergebnis: Begründetheit (-) 43
44 Gesamtergebnis C. Ergebnis Zulässigkeit (+) Begründetheit (I): Verweigerung der Ausfertigung des Haushaltsgesetzes (+) Begründetheit (II): Anordnung der Auflösung des Bundestags (-) 44

References: Art. 93
 Art. 93
 Art. 93
 Art. 76
 Art. 39
 Art. 39
 Art. 39
 Art. 93
 Art. 93
 Art. 77
 Art. 39
 Art. 38
 Art. 39
 Art. 77
 Art. 82
 Art. 67
 Art. 82
 Art. 78
 Art. 70
 Art. 110
 Art. 76
 Art. 110
 Art. 68
 Art. 81
 Art. 68
 Art. 42
 Art. 68
 Art. 121
 Art. 68
 Art. 68
 Art. 42
 Art. 77
 Art. 79
 Art. 68
 Art. 42
 Art. 39
 Art. 68
 Art. 68
 Art. 42
 Art. 81
 Art. 42
 Art. 68
 Art. 68
 Art. 68