Source: https://www.klugo.de/rechtsgebiete/arbeitsrecht/arbeitszeugnis/anspruch-und-fristen
Timestamp: 2020-07-12 12:09:52+00:00

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Anspruch auf Arbeitszeugnis und Fristen | KLUGO
Wer hat Anspruch auf ein Zwischenzeugnis?
Anspruch auf ein Arbeitszeugnis für Selbständige
Wo kann ein Arbeitszeugnis beantragt werden?
Welche Fristen gelten für das Arbeitszeugnis?
Verjährung und Verwirkung des Arbeitszeugnisses
Arbeitszeugnis>
Fast jeder hat in seinem Leben schon einmal ein Arbeitszeugnis erhalten. Dabei können auch Fragen zum Anspruch oder den Gründen für ein Arbeitszeugnis entstehen. Diese sollen in diesem Artikel näher erläutert werden.
Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf ein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis.
Der Arbeitnehmer muss das Arbeitszeugnis beim Arbeitgeber anfordern.
Bei selbstständiger oder freiberuflicher Tätigkeit besteht kein Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.
Ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend und wahrheitsgemäß formuliert sein.
Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis verjährt in der Regel spätestens nach drei Jahren.
Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer gem. § 109 der Gewerbeordnung einen rechtlichen Anspruch auf ein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis.
Um dieses zu erhalten, muss es beim Arbeitgeber angefordert werden - Arbeitnehmer können also nicht davon ausgehen, automatisch ein Arbeitszeugnis zu erhalten, auch wenn die Pflicht zur Zeugniserteilung als Teil der allgemeinen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers verstanden wird.
Im Arbeitsvertrag selbst findet sich häufig ebenfalls ein Hinweis auf einen Anspruch des Arbeitnehmers auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses.
Der Anspruch besteht für unterschiedliche Beschäftigungsarten:
Voll- und Teilzeitbeschäftigungen
Unbefristete und befristete Arbeitsverhältnisse
Praktika, Aushilfstätigkeiten und Probearbeiten
Der Anspruch gilt grundsätzlich auch für geringfügig Beschäftigte und arbeitnehmerähnliche Personen wie Handelsvertreter oder Scheinselbständige.
Arbeitszeugnisse können ganz unterschiedlich ausfallen. Die verschiedenen Arten von Arbeitszeugnissen sind abhängig von der Art des Arbeitsverhältnisses, dem Zeitpunkt der Erstellung und auch dem Umfang.
Auch Praktikanten haben einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Sie werden damit den Auszubildenden gleichgestellt. Der Anspruch auf ein Praktikumszeugnis ergibt sich aus § 26 BBiG i.V.m. § 16 BBiG.
Genauso wie Praktikanten haben Auszubildende einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dieser ergibt sich aus § 16 BBiG. Im Unterschied zu allen anderen Arbeitnehmern ist der Arbeitgeber hier jedoch immer verpflichtet, das Zeugnis zu erteilen - der Auszubildende muss es nicht erst verlangen.
Anspruch auf eine dienstliche Beurteilung
Beamte des Bundes haben einen Anspruch auf eine dienstliche Beurteilung. Er ergibt sich aus den §§ 48 bis 50 der Bundeslaufbahnverordnung.
Der Anspruch von Arbeitnehmern auf ein Zwischenzeugnis ergibt sich regelmäßig aus dem Tarifvertrag. Fehlt eine entsprechende Regelung, lässt sich aber auch aus einem berechtigten Interesse des Arbeitnehmers - zum Beispiel, weil dieser bei langer Dauer des Arbeitsverhältnisses auch zwischenzeitlich noch keine Beurteilung erhalten hat oder der Betrieb oder ein Betriebsteil auf einen anderen Inhaber übergeht.
Selbständige haben im Gegensatz zu Arbeitnehmern keinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Voraussetzung dafür ist nämlich, dass ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht: Genau daran mangelt es aber bei einer selbständigen bzw. freiberuflichen Tätigkeit. Für Selbständige bietet sich aber die Möglichkeit, den Auftraggeber um eine Referenz mit Beurteilung ihrer Leistung zu bitten: Dies empfiehlt sich insbesondere aus Gründen der Akquise und zur Festigung der eigenen Marke.
Merkmale eines Zwischenzeugnisses – Infografik
Neben dem Abschlusszeugnis – das Arbeitszeugnis nach Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses – haben Sie natürlich auch die Möglichkeit, aus einem anderen Grund ein Zwischenzeugnis zu verlangen:
Ihr Arbeitgeber strebt einen Aufhebungsvertrag an.
Der Betrieb oder ein Betriebsteil geht nach § 613a BGB auf einen anderen Inhaber über.
Abteilungswechsel oder Vorgesetztenwechsel steht an.
Eine längere Arbeitsunterbrechung steht bevor (z. B. Elternzeit).
Sie haben nach mehrjähriger Beschäftigung noch keine Leistungsbeurteilung erhalten.
In den meisten Unternehmen wird einem solchen Wunsch des Arbeitnehmers auch gefolgt. Zwischenzeugnisse werden häufig sehr wohlwollend und positiv bewertet, da Ihr Arbeitgeber ein Interesse an einer weiteren guten Zusammenarbeit mit Ihnen hat. Zwischenzeugnisse können sehr wertvoll sein, da sie Ihnen zum Beispiel bei einem Arbeitsplatzwechsel bereits die positiven Beurteilungen bescheinigen.
Sie haben schon nach wenigen Wochen das Recht, sich ein Arbeitszeugnis ausstellen zu lassen. Dabei ist es irrelevant, ob sie voll- oder teilzeit beschäftigt sind, einer Nebentätigkeit nachgehen oder als Praktikant arbeiten. Beachten Sie nur, dass Sie das Zeugnis selbst anfordern müssen.
Sie sind nicht verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber den Grund für den Zeugniswunsch zu benennen. Allerdings sollten Sie ein Zwischenzeugnis auch nur dann anfordern, wenn Sie es zwingend benötigen. Andernfalls könnten Sie bei Ihrem Arbeitgeber den Eindruck erwecken, auf Stellensuche zu sein und sich damit Aufstiegschancen verbauen.
Ein Zeugnis kann nicht nur bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses beantragt werden. Sie haben ebenfalls ein Anrecht auf ein Zwischenzeugnis, wenn etwa ein Abteilungswechsel ansteht. Sie sind nicht verpflichtet, den Grund für den Zeugniswunsch zu nennen. Das Zeugnis sollte aber nur beantragt werden, wenn es benötigt wird, um keinen falschen Eindruck zu erwecken.
Wo Sie ein Arbeitszeugnis beantragen können, ist von der Größe des Unternehmens abhängig. Sollten Sie in einem Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern und ohne Personalabteilung arbeiten, dann sprechen Sie Ihren Arbeitgeber am besten direkt an und bitten Sie ihn um die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses. Hat das Unternehmen eine gewisse Größe und somit auch eine Personalabteilung, sollten Sie eine schriftliche Beantragung des Zeugnisses an die entsprechende Stelle richten.
Checkliste zum Arbeitszeugnis
Wer kann ein Zeugnis bekommen? Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.
Wann können Sie ein Arbeitszeugnis bekommen? Am Ende des Beschäftigungsverhältnisses, aber auch während der Beschäftigung.
Wo können Sie ein Arbeitszeugnis bekommen? Je nach Unternehmensgröße direkt beim Arbeitgeber oder bei der Personalabteilung.
Wie können Sie ein Arbeitszeugnis bekommen? Ein Zeugnis können Sie auf Nachfrage ohne Angabe von Gründen bekommen.
Rein rechtlich können Sie das Arbeitszeugnis nach § 109 Abs. (1) der Gewerbeordnung mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses beantragen. Endet das Arbeitsverhältnis durch Kündigung, dann können Sie das Arbeitszeugnis zum Ablauf der Kündigungsfrist beantragen.
Achten Sie darauf, dass der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis auch verjähren kann - Sie sollten also nicht allzu lange warten, um das Zeugnis anzufordern.
Es ist nicht ungewöhnlich, wenn die Ausstellung Ihres Zeugnisses einige Wochen in Anspruch nimmt. Sollten Sie auch nach mehreren Wochen noch nichts von der zuständigen Person oder Abteilung gehört haben, können Sie noch einmal nachhaken.
Wenn Sie Ihr Zeugnis bis zu Ihrem letzten Arbeitstag noch nicht erhalten haben und das Unternehmen im Streit mit dem Arbeitgeber verlassen, beachten Sie, dass Sie keinen Anspruch auf Zusendung des Arbeitszeugnisses haben. Allgemein spricht man hier von einer Holschuld des Arbeitnehmers – Sie müssen Ihr Zeugnis also persönlich abholen.
Hin und wieder kann es etwas dauern, bis ein Zeugnis ausgestellt wird. Doch gerade, wenn Sie ein Unternehmen verlassen, sollte das Zeugnis spätestens am letzten Tag vorliegen. Da macht es Sinn, das Zeugnis rechtzeitig zu beantragen.
Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis unterliegt unterschiedlichen Verjährungs-, Verwirkungs- und vertraglichen Ausschlussfristen.
Verjährung des Arbeitszeugnisses
Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis unterliegt der allgemeinen Verjährungsfrist, welche spätestens nach drei Jahren eintritt - siehe § 195 und § 199 BGB.
Verwirkung des Arbeitszeugnisses
Nach der Rechtsprechung ist unter Umständen der Anspruch auf ein Zeugnis bereits nach sechs bis zwölf Monaten verwirkt (siehe § 242 BGB).
Vertragliche Ausschlussfrist
Abhängig von Ihrem jeweiligen Arbeitsvertrag könnte auch ein genereller Anspruch des Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber nach bereits drei Monaten eingetreten sein.
Manchmal werden Zeugnisse auch rückwirkend benötigt. Doch wann verfällt der Anspruch?
Verjährungsfrist nach §§ 195, 199 BGB
Nach § 195 und § 199 BGB dauert eine Verjährungsfrist generell 3 Jahre. Diese beginnt mit dem Ende des Jahres, in welchem der Anspruch entstanden ist.
Bei rechtlichen Fragen zum Thema Arbeitszeugnis helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Rechtsanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.
Beitrag geprüft von Rechtsanwältin Paola Mueller
Der Beitrag wurde mit großer Sorgfalt von der KLUGO-Redaktion erstellt und von unserer KLUGO-Partneranwältin Paola Mueller geprüft. Paola Mueller verfügt über 15 Jahre Berufserfahrung als Rechtsanwältin in mittelständischen und börsennotierten Unternehmen. Sie ist spezialisiert auf Fälle des Arbeitsrechts.
Muster Anforderung qualifiziertes Arbeitszeugnis
Muster qualifiziertes statt einfaches Arbeitszeugnis anfordern
Muster Anforderung befristetes Zwischenzeugnis
Muster Anforderung Zwischenzeugnis Fortbildung
Muster Anforderung Zwischenzeugnis
Muster Zwischenzeugnis Probezeit
Muster Zwischenzeugnis Versetzung

References: § 109
 § 26
 § 16
 § 16
 § 613
 § 109
 § 195
 § 199
 § 242
 § 195
 § 199