Source: http://gedenkportal-korbach.de/bernhardsturm.html
Timestamp: 2020-06-01 18:26:36+00:00

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unangepasst – konsequent – kreativ
von Marion Lilienthal
Als Bernhard Sturm 1919 aus der Großstadt Berlin als Kunsterzieher und Turnlehrer an das „Staatliche Landesgymnasium“ in Korbach (ab 1.1.1938 „Alte Landesschule“) kam, erregte er Aufsehen mit seinen ungewöhnlichen Ideen, seiner weltstädtisch eleganten Kleidung und seiner vitalen Art des
Bernhard Sturm, Funkermühle bei Konitz/Westpreußen, 1909, „Hier wohnten wir 1893!“
Künstlerbohémien. Er stellte wohl ein aufsehenerregendes Novum in dem verträumten Korbach dar, denn er passte so gar nicht in das bürgerlich konventionelle Schema eines Gymnasiallehrers. Heute würde man ihn vielleicht einen „Unangepassten“ nennen. Mit Bernhard „Sturm“ kam frischer Wind nach Korbach.
Geistreicher Grandseigneur, extravagant, locker, optimistisch, so wird er immer wieder beschrieben. Er verfasste und rezitierte gerne Gedichte, galt als außergewöhnlicher Lehrertypus, der es verstand, Schüler und Schülerinnen zu fesseln, absolvierte mit 98 Jahren seinen ersten Flug und sprühte noch bis ins hohe Alter nur so vor Vitalität. Ein Mensch, der für Überraschungen immer wieder gut war!
Wo kommt dieser ungewöhnliche Künstler und Pädagoge her? Bernhard Sturms Werdegang macht uns die Rekonstruktion seiner Biographie keineswegs leicht.1 Da wichtige Originalunterlagen während einer Hausdurchsuchung durch die Geheime Staatspolizei 1937 entwendet oder 1943 Opfer des Kasseler Flammenmeeres wurden, zeichnen eigene wie offizielle Angaben ein höchst uneinheitliches Bild. Bombenangriffe und Vernichtungsaktionen wichtiger Dokumente am Ende des Zweiten Weltkrieges taten ihr übriges. Eine Rekonstruktion kann daher nur als Näherung verstanden werden.
Bernhard Eduard Ludwig Sturm, wie sein vollständiger Name lautet, ist am 25. Mai 1886 in Kosse2, in einer ehemaligen Fischereisiedlung am unteren Pregelufer, Kreis Königsberg (Ostpreußen), als zweiter Sohn3 des Schmiedes Eduard Sturm und der aus Königsberg stammenden Mutter Margarethe (geb. Siemens) zur Welt gekommen. Sein Vater, geboren im Kreis Memel4, siedelte später nach Ostpreußen über.
Über seine Jugend und ersten Lebensabschnitte schreibt Bernhard Sturm: „Trotz eines sorgenvollen Elternhauses wurde mir doch viel Kindheitssonne geschenkt, die mein späteres Leben erhellte. Nach meinem Erscheinen [...] folgten eindrucksvolle und erlebnisreiche Jahre und Orte, von denen ich einige erwähnen möchte: Klischen – heute Kleipeda – am Kurischen Haff, Berlin, Gabergischken an der Litauischen Grenze, Greifenhagen in Pommern, Pr. Friedland in Westpreußen“.5 Hier im Memelland, Berlin, Pommern und Westpreußen gewann er erste Eindrücke, die bereits in jungen Jahren nach künstlerischem Ausdruck suchten.
Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Bernhard Sturm am Lehrerseminar in Friedland/Westpreußen seine Ausbildung. Dort legte er am 24. August 1910 seine erste Volksschullehrerprüfung ab. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Holland wirkte er zunächst vom 20. Oktober 1910 bis zum 1. Oktober 1912 als Lehrer an der Volksschule in Gronau/Westfalen.6
Bernhard Sturm, „Arbeitsstatt meines Vaters 1898-1909“, Abbildung in der Zeitschrift „Im Sack“ 2, 1931
Als seine Eltern nach Berlin verzogen, ergab sich für Bernhard Sturm die Gelegenheit, ab Oktober 1912 an der ehrwürdigen (Königlichen) Kunstschule Berlin, Klosterstraße 75, ein Studium aufzunehmen, welches er am 1. Juli 19147 mit einer Zeichenlehrerprüfung für höhere Schulen und Lehrerbildungsanstalten beendete.
Bereits in jungen Jahren war Bernhard Sturm Mitglied der Künstlergruppe der „Juryfreien“ in Berlin und agierte im Künstlerkreis um Herwarth Walden.8 Sein großes künstlerisches Talent wurde ihm bereits ein Jahr nach Studienbeginn bescheinigt: So gewann er bei einem Plakatwettbewerb unter mehr als 200 Bewerbern den ersten Preis.9
Die Berliner Arbeitsgemeinschaft der „Juryfreien“, im Wortsinn „frei von Juroren“ und daher nicht an modische Kunstrichtungen gebunden, war von Hermann Sandkuhl 1911 (Programm in der Deutschen Morgenzeitung vom 22.5.1911) als Forum unabhängiger Kunstrichtungen ins Leben gerufen worden. Sie organisierte seit Oktober 1911 einen unzensierten Bildermarkt, der schnell zum Forum der Moderne avancierte, unabhängig von Cliquenwirtschaft, Nepotismus und Trends. Mitglieder in ihrer Blütezeit 10 waren u.a. Otto Dix, Wassily Kandinski, Oskar Schlemmer und Gerd Wollheim. Ihr Konzept brachte die Arbeitsgemeinschaft der „Juryfreien“ in kunstpolitische Opposition zum Nationalsozialismus. Im Zuge der nationalsozialistischen „Kunstsäuberungen“ 1933 wurden viele Bilder vernichtet oder beschlagnahmt, daher verwischen sich die Spuren der „Juryfreien“ in Berlin. Herwarth Walden (eigentlich Georg Lewin), Schriftsteller, Musiker, Verleger und Galerist, geb. 1878 in Berlin, gilt als Wegbereiter der Moderne in Deutschland. Er war nicht nur der Begründer und Herausgeber der Zeitschrift „Der Sturm“ (1910 1932), sondern organisierte richtungsweisende Kunstausstellungen in der gleichnamigen, 1912 eröffneten Galerie. Zeitschrift und Galerie „Der Sturm“ avancierten schnell zum Forum der Expressionisten und osteuropäischer Konstruktivisten. Darüber hinaus machte er sich als Verfasser expressionistischer Essays, Dramen und Romane einen Namen.
Bernhard Sturm, Selbstportrait, 1920
Nach dem Kunststudium nahm Bernhard Sturm im Juni 1914 seine Lehrtätigkeit zunächst an der Volksschule in Gronau/Westfalen wieder auf. Es folgten Beschäftigungsverhältnisse an der Volksschule in Vreden/Westfalen (1.4.1915-1.2.1916)11 und vom 1. April 1916 bis zum 5. November 1916 als „Zeichen, Musiku. Turnlehrer“ am Gymnasium zu Essen-Borbeck, wo er in Vertretung des zum Heeresdienst eingezogenen Prof. J. Becker eine Zeichenlehrerstelle12 innehatte.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges vom Wehrdienst zunächst zurückgestellt, wurde Bernhard Sturm am 6.11.1916 als Landsturmmann zum Heeresdienst eingezogen. Seiner militärischen Landsturmpflicht genügte er vom 5.11.1916 bis zum 26.11.1918 im Res.Inf.Reg. 417 und 441 sowie im Ers.Inf.Reg. 88 und Lichtmesstrupp Nr. 82, wobei er vom März 1917 bis zum 12. Okt. 1917 an Feldzügen teilnahm. Vom 9. bis 13.10.1917 wurde er zur Abwehrschlacht in Flandern abkommandiert.13 Einsätze führten ihn u.a. in die Argonnen (1916), nach Flandern, Brüssel und Gent. Infolge einer Kriegsverletzung geriet er 1917 ins belgische Kriegslazarett Leuzes.14 Als Auswirkung einer Gasvergiftung litt Bernhard Sturm periodisch an Ödemen, Schwellungen der Augen und anderen unangenehmen Begleiterscheinungen.15
Da er zunächst keine Anstellung erhielt, ging er nach Kriegsende und Entlassung aus der Gefangenschaft zu seinen Eltern nach Berlin zurück. Einer eigenen Notiz zufolge soll er für kurze Zeit am Gymnasium in BerlinPankow tätig gewesen sein.16
In Berlin begegnete Bernhard Sturm zufällig seinem ehemaligen Seminardirektor Martin Walther Leist17, der mittlerweile als Geheimer Regierungsrat im Preußischen „Ministerium für geistliche und Unterrichts-Angelegenheiten“ in Berlin tätig war.18 Zwischen 1910 und 1913 hatte sich M.W. Leist in seiner Eigenschaft als Provinzialschulrat von Kassel auch um das Landesgymnasium in Korbach zu kümmern, dessen Kenntnisse und Beziehungen Bernhard Sturm jetzt zu Nutze kommen sollten. Durch Leists Fürsprache erhielt Bernhard Sturm eine Berufung an das „Staatliche Landesgymnasium zu Corbach“, dessen Stelle der Kunstpädagoge und Turnlehrer am 1. April 1919 antrat.19 Damit erhielt er im Alter von 32 Jahren seine erste feste Anstellung.
Königliche Kunstschule Berlin
Ein Indiz für die Vielseitigkeit seines Schaffens bildet sein Fächerrepertoire. Als Lehrer unterrichtete er während seines gesamten pädagogischen Wirkens nicht nur Kunst und Turnen, sondern zuweilen auch Musik, Rechnen, Physik, Spiel(turnen) und Naturkunde. Im Schuljahr 1923/ 24 wurde er darüber hinaus an die Höhere Mädchenschule (bekannt auch als „Höhere Töchterschule“) abgeordnet.20
In Korbach im Lokal „Zur Waage“ lernte Bernhard Sturm dann seine zukünftige „liebe und tapfere“ Ehefrau Ilse kennen, die er am 2. Oktober 1920 in Düsseldorf21 heiratete. Ilse Bertha Sturm (geb. Becker)22 wurde am 17.10.1899 als Tochter eines rheinländischen Häusermaklers in Düsseldorf geboren. Nach Besuch der Töchterschule in Düsseldorf war sie als Kontoristin bei der Firma Mannesmann beschäftigt. Sie galt als eine kultivierte und gebildete Frau, die eine großbürgerliche Erziehung genossen hatte. Nach ihrer Eheschließung bezog das Paar zunächst ein Zimmer in der Korbacher Violinenstraße. Über ihre erste Zeit schrieb Bernhard Sturm: „Wir heirateten am 2. Oktober 1920 in Düsseldorf und bekamen in Korbach in der Violinenstraße ein Eckzimmer mit Mäusen, die ich nachts in einer Keksdose fing und am frühen Morgen ins freie Feld laufen ließ. Nach dieser Zeit, nachdem wir mehrere Male gezwungen waren, umzuziehen, schenkte mir meine Frau zwei liebenswerte Kinder.“23 Am 10. Oktober 1921 kamen die Tochter Gunda Lilo und am 18. Januar 1923 der Sohn Rolf Nestor zur Welt.
Nachkriegsfolgen,	Arbeitslosigkeit und Inflation hinterließen auch in Korbach ihre Spuren. Mit seinen Entwürfen für das Notgeld der 20 und 50 -Pfennig-Scheine des Kreises des Eisenbergs sollte Bernhard Sturm Anfang der 20er Jahre einen höheren Bekanntheitsgrad erhalten.24 Insbesondere in den Jahren 1920 bis 1923 gaben fast jede größere Gemeinde im Deutschen Reich, dazu viele größere Banken, Handelskammern, Unternehmen, aber auch Verbände und Vereine Notgeld heraus. In Waldeck machte im Oktober 1918 die Stadt Bad Wildungen mit der Herausgabe von Gutscheinen über 10 bis 50 Pfennig den Anfang. Es folgten u.a. im November 1918 Frankenberg und im Dezember 1920 die Stadt Korbach.25 Am 15. Mai 1921 brachte der Kreis des Eisenbergs sein Notgeld mit Entwürfen Bernhard Sturms in Umlauf.
Als Vorlage diente ihm eine von dem waldeckischen Grafen Adolf I. (13. Jh.) in Korbach geprägte Münze, die den Grafen auf einem Thron sitzend zeigt26, in der Rechten ein Schwert und in der Linken einen achtstrahligen Stern haltend – heute noch Wahrzeichen Waldecks. Rechts unten neben Graf Adolf sind unverkennbar Sturms Initialen von oben nach unten lesbar. Die Rückseite ziert das Wahrzeichen des ehemaligen Eisenbergkreises, der Georg-Viktor-Turm auf dem Eisenberg bei Korbach. Seitlich ist zu lesen: „Die Einlösung dieses Gutscheines erfolgt/ nach Bekanntmachung“.
Es ist zu vermuten, dass diese schwere Zeit nicht spurlos an Bernhard Sturm und seiner Familie vorübergegangen ist. Neben öffentlichen erfüllte er auch private Aufträge, wie die Gestaltung eines Ehrenschildes des Schützenkönigs Friedrich Bangert im Jahre 1924. Dass Bernhard Sturm z wischenzeitlich künstlerisch nicht unproduktiv blieb, zeigt die Tatsache, dass seine Arbeiten z wischen 1920 und 1933 neben Werken so bedeutender Maler wie Otto Dix, Max Ernst und Otto Pankow in der Galerie „Junge Kunst – Frau Ey“ in Düsseldorf ausgestellt waren,27 die als Zentrum moderner Kunst galt. Nicht nur diverse Künstler des „Jungen Rheinland“ verkehrten dort, sondern auch Dichter wie Herbert Eulenberg und Adolf Uzarski. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war dies vorbei: Frau Ey – liebevoll auch „Mutter Courage der Moderne“ genannt musste im Frühjahr 1934 ihre Galerie schließen. Denn unter den Nationalsozialisten wurde gegen Repräsentanten der „Moderne“ zum Boykott aufgerufen, ihre Kunst als „entartet“ diffamiert und gegen sie vorgegangen.
Als Künstler ein Könner, band sich Bernhard Sturm nicht an überlieferte Kunstrichtungen, sondern suchte aus eigener Überzeugung und Gestaltungskraft neue Wege zu gehen, auch wenn er durch starke Abweichungen von der Kunstnorm Kritik und Widerspruch erfuhr. Er versuchte seinem Weg und seinen Vorstellungen treu zu bleiben, auch als man seine Kunst als „entartet“ bezeichnete. Sein ehemaliger Schüler Fritz Scheele beschrieb Bernhard Sturm wie folgt:
„Sein Malstil war expressionistisch, in seinem Wesen und der Unterrichtsführung recht sprunghaft, mit Glupschaugen (wie Horst Tappert), mit leicht Berliner Akzent, salopp, aber elegant gekleidet, Rundhut, Kreissäge im Sommer, Stock und Fliege. Sein Unterricht war modern und unorthodox (auch noch im heutigen Sinne), er legte keinen Wert auf sture Disziplin, er wusste zeichnerische und malerische Begabungen zu fördern, so nebenher erzählte er uns von seinen Lebenserkenntnissen, von neuen Büchern, interessanten Persönlichkeiten, kurz von Dingen, über die wir sonst weder in der Schule noch zu Hause etwas hörten. So gehörte[n] sein Unterricht und seine Wirkung auf uns zu den prägenden Faktoren unserer Gymnasialzeit, wir lernten Kitsch von Kunst zu unterscheiden – manchmal war er auch etwas hart in seinem Urteil, wenn er etwa von den ´Ölschinken´ (der Ölmalerei) sprach oder vom ´Gliedersalat´ der Laokoon-Gruppe (ein Ausdruck, der bei unserem Lateinlehrer Schmidt das höchste Entsetzen hervorrief).“28
Dies bedeutet nicht, dass er generell die Beschäftigung mit Klassikern und vormodernistischen Stilrichtungen ablehnte. Anlässlich des 400. Todestages Albrecht Dürers im März 1928 würdigte Bernhard Sturm u.a. am Landesgymnasium Dürers Schaffen in einem ausführlichen Lichtbildvortrag. Die Auseinandersetzungen mit zentralasiatischen, mit der Seidenstraße zusammenhängenden und außereuropäischen Kulturen, wie es auch Picasso bzw. viele Repräsentanten der Moderne taten, fanden ebenso Berücksichtigung wie die Antike. So befasste man sich im Winterhalbjahr 1928/29 in der Prima u.a. neben der Antike mit den Stilrichtungen der Turfan, Kutscha („Tocharische“ Epoche) und Maya.
Schützenschild des Zimmermeisters Friedrich Bangert, Schützenkönig 1924-27, Entwurf
Die hohe Wertigkeit, die der Kunstunterricht am Landesgymnasium durch Bernhard Sturms Aktivitäten erfuhr, verdeutlichen auch die vergleichsweise umfangreichen Berichte über den Zeichenunterricht der 20er Jahre. Bernhard Sturm, experimentierfreudig, Neuem gegenüber aufgeschlossen, vermittelte seinen Schülern und Schülerinnen eine ganze Bandbreite an Ausdrucksformen. So versuchten sich seine Schüler und Schülerinnen u.a. an der Opalographie oder erstellten als Ersatz für herkömmliche Radierungen und Lithographien Helioradierungen. Aber auch den Baudenkmälern des historischen Korbach wurde in graphischen Darstellungen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Neben dem sachgebundenen Zeichnen pflegte man zur Belebung der Phantasie das abstrakte Ornament, Linolund Holzdruck, Glasfensterentwürfe und Versuche mit Kleisterund Gallpapieren. Die Gestaltung primitiver Wohnstätten, von Schiffen und Flugapparaten zeugt von einem reichhaltigen Angebot unterschiedlicher Methoden. Treibarbeiten, Gipsabdrücke, Bühnenund Spritzbilder, Tonarbeiten, Landschaftszeichnungen und Stillleben neben kunsttheoretischen Exkursen runden sein künstlerisches Repertoire ab.29
Bei seinem Engagement war es nicht verwunderlich, dass Bernhard Sturm 1929 auch in der renommierten pädagogischen Zeitschrift „Kunst und Jugend“ publizierte:
„Zeigt sich ein Ansatz, wird er zu formen versucht. Meine Ideen kommen hinzu,nie meine Technik – jeder soll nach seiner Form selig werden. Besondere Freude bereiten mir die Halsstarrigen, die sich nicht biegen lassen. Mog30 gehörte zu diesen. Ich hätte alle seine Anlagen getötet, hätte ich ihn auch nur einen Augenblick in meine Bahn gezwungen. Er las oft in meiner Stunde die „Illustrierte“. Ich setzte mich dazu, gab das Blatt weiter. ... Plötzlich tauchte ein Gespräch auf, das mit meiner Stunde nichts zu tun hatte. Nun ja, was bedeutet eine Stunde in der Ewigkeit. Es kommt vor, daß ich plötzlich von Schülern verstanden werde, die Jahre hindurch eine 4 hatten. Mit besonderer Liebe und Freundschaft arbeiten wir dann an der Sache. Dann ahnt man etwas von der Schönheit unseres Berufs. [...] Ich lobe gern und viel und liege auf der Lauer, wo Größenwahn sich vordrängt.“31
Kollegium des Landesgymnasiums,1929:
Stehend von l.n.r.: Pinterich, Schmidt, Engelhardt, Bernhard Sturm, Dr. Schnelle; Sitzend v.l.n.r.: Büngen, Dr. Kürschner, Direktor Dietrich, Hopff, Dr. Marschner, Bartsch, Hamburger; Hinten rechts: Noll
Hierin zeigt sich Sturms Hingezogensein zu all jenen, die möglicherweise seinem eigenen Charakter entsprechend als kreativ und unangepasst angesehen werden müssen.
Am Landesgymnasium musste Bernhard Sturm seinen Zeichenunterricht jedoch zunächst unter erschwerten Bedingungen erteilen. Da es bis 1929 an einem Zeichensaal mangelte, mussten Übungen, soweit sie nicht im Freien stattfinden konnten, teilweise in ganz ungünstig beleuchteten Klassenzimmern auf engen Schulbänken vorgenommen werden.
Mit der Fertigstellung des Zeichensaales im Herbst 1929 über der Turnhalle boten sich weitere Entfaltungsmöglichkeiten. Eine Ausstattung nach modernen Gesichtspunkten mit beweglichen Staffeleien ermöglichte ein individuelleres Arbeiten, welches sich besonders beim Zeichnen nach dem lebenden Modell sowie beim Malen von Stillleben positiv auswirkte. Da man vom Zeichensaal aus einen guten Blick auf die Stadt hatte, konnten jetzt auch bei schlechtem Wetter vom Fenster aus Landschaftsund Architekturstudien betrieben werden. Stärker als in vergangenen Jahren wurde das Linearzeichnen betont, „das Aufdringliche des Konstruierten (Gegensatz zu konstruktiv) wurde durch ornamentale Auffassung vermieden“.32 Unter Betonung des Experiments bewegte sich der Kunstunterricht im Schuljahr 1930/31.
„Neben der Vielseitigkeit des Fachunterrichtes waren die Anregungen und Querverbindungen, vor allem zu Musik, Biologie, moderner Literatur, sowie nützliche und sehr ernsthafte Tipps in den damaligen Tabus Legion. Welcher Deutschlehrer hätte es damals gewagt, Namen wie Ringelnatz, Erich Kästner oder Berthold Brecht vor der Klasse in den Mund zu nehmen“33, um sich damit unweigerlich in den Verruf eines „Kulturbolschewisten“ zu bringen? Modernste Unterrichtsmethoden, fächerübergreifender Unterricht, der Einsatz moderner Musik im Kunstunterricht zur Steigerung der Vorstellungskraft prägten seinen Unterrichtsstil: ein höchst kreativer und ungewöhnlicher Lehrertypus und Mensch der damaligen Zeit.34
Sein ehemaliger Schüler Helmut Ulrich weiß sogar vom Hörensagen zu berichten, dass Bernhard Sturm, mit einem Rhönrad ausgestattet, von seiner Wohnung in der Lengefelder Straße [eigentlich Im Sack/Ecke Lengefelder Str.] mit höchst beachtlichem Tempo – dem Hirsch an der Apotheke zuwinkend – vor seiner Schule und Arbeitsstätte in der Klosterstraße vor fuhr.35
Bei Schülern und Schülerinnen außerordentlich beliebt, verstand er es, diese für die moderne Kunst zu begeistern. Sein dynamisches und heiteres Naturell, seine Belesenheit, sein pädagogisches Geschick, aber auch seine Offenheit machten ihn für viele zu einer Leitfigur und zum Vorbild eigener Entwicklungsschritte. Daher scheint es nur naheliegend, dass nicht wenige Schüler sich inspirieren und künstlerisch anregen ließen, wie die späteren Künstler und ehemaligen Schüler Hans May[Korbach], Kurt Dittmann und Hans Drescher[Itter].
So war es nicht verwunderlich, dass sich Ende der 20er Jahre eine kleine verschworene Gemeinschaft von Interessierten an moderner Kunst, Literatur und Musik zu einer Vereinigung unter dem Namen „Sturmblock“ zusammenschloss, dem etwa ein Dutzend Schüler und Ehemalige angehörte, in der Mehrzahl ehemalige Korbacher Gymnasiasten, vornehmlich Studenten. Man pflegte eine kritisch-ironische Auseinandersetzung mit dem Kunsttraditionalismus. Neben Bernhard Sturm waren als Erwachsener noch Wilhelm Bachmann („WiBa“) von der Partie, der damals die Buchhandlung „Urspruch“ gepachtet hatte36, und sein Lateinund Griechisch-Kollege Ludwig Kleeberg37.
Die Gruppe traf sich im Nebenzimmer des Gasthauses zur „Herberge“, damals im Besitz der Familie Hebekerl. Neben der modernen Malerei und Kunst Bernhard Sturm brachte entsprechende Reproduktionen bzw. Kunstbücher mit lasen die Teilnehmer moderne Prosa und Lyrik, oft Berthold Brecht, verfassten eigene moderne Gedichte oder beschäftigten sich mit moderner E-Musik, besonders mit Klavierkompositionen.38
In unregelmäßigen Abständen gab die Gruppe zudem eine Zeitschrift unter dem Titel „Im Sack“ erschienen im „Sturmblock-Verlag“ heraus. Der Titel soll auf Bernhard Sturm zurückgehen, der diesen Titel als Anspielung auf die provinzielle, „spießige“ kulturelle Situation der Stadt verstanden wissen wollte.39 Welche Ironie, 1939 bezog er mit seiner Familie eine Wohnung in der Korbacher Straße „Im Sack 2“40 gelegen! Die in dieser Zeitschrift enthaltenen Aufsätze, Lyrikund Prosatexte, Graphiken (vor wiegend Linoldrucke Sturms und seiner Mitstreiter) waren das Ergebnis poetischer, literarischer und gestalterischer Bemühungen der Mitglieder. Es kamen aber auch namhafte „moderne Künstler“ zu Wort, soweit die Autorenrechte einen kostenlosen Nachdruck erlaubten. Der Verkauf der Hefte zum Preis von 30 50 Pfennig deckte kaum die Druckkosten, wobei der Drucker Heinrich Ebbrecht kaum mit Gewinn rechnen konnte.41
Unter den Mitarbeitern bzw. Verantwortlichen lesen wir die Namen der späteren Künstler Hans Drescher, Kurt Dittmann und Hans May neben Hermann Spratte, Rudi Grimm, Fritz Scheele, Lutz Haurand, Bernhard Wohlmuth, Walter Wigha, Aribert Mog und N Ter Haken (man beachte die ungewöhnliche Kreation).
In der Zeitschrift finden sich zudem die Namen von Adolf Schotte, Emmi Kaufmann, Hans Goltz, Heinz Klas, G. Baumgarten, Hans Trummel, Dr. Paul Girkon sowie die Namen der damals noch zehn bis zwölfjährigen Schüler R. Grebe, K. Kleinschmitt, R. Schleicher und H. Bracht. Denn in allen Ausgaben waren auch Schüler (ab dem zehnten Lebensjahr) mit eigenen Versen und Linolschnitten vertreten. Hierin dokumentiert sich Sturms Maxime, der den Kunstbetrieb als nichts Elitäres verstanden wissen wollte und Schülerleistungen zu würdigen und zu fördern wusste.
„Die erste Nummer rief einen Sturm der Entrüstung und des Nichtverständnisses hervor“42, wobei die Ergebnisse gar nicht so revolutionär und ikonoklastisch, vielmehr nur neuartig waren, für viele Bürger und auch Eltern hingegen aber doch gewöhnungsbedürftig. So war es auch nicht ver wunderlich, dass einige Eltern von der Zugehörigkeit ihrer Kinder zu dieser Gruppe wenig erbaut waren.
An kreativen Einfällen schien es dem Sturmblock nicht zu fehlen. So ließ die Gruppe u.a. einen Werbe-Kurzfilm im
Kino vorführen, in dem N. Ter Haken unter dem Jubel des Sturmblocks eine Goethebüste mit einer Kinderkanone zu Fall bringen ließ, mit der Aufforderung „Im Sack“ zu lesen.43 Die künstlerischen Ergebnisse blieben auch in der Kulturmetropole Berlin nicht verborgen. So druckte der Berliner „Kladderadatsch“ das Poem „Wenn ich mir morgens in der nase bohre [Originalschreibweise]“ der ersten Ausgabe „Im Sack“ von Rudolf Grimm zum Teil ab.44
In unregelmäßigen Abständen wurden auch kabarettistische Abende veranstaltet. In Songs, modernen Klavierkompositionen, Gedichten, Texten und kleinen Stücken setzte man sich kritisch mit dem konventionellen kleinbürgerlichen Kunstbetrieb auseinander. Die Gruppe hatte keine Scheu, das kulturelle Niveau der Kleinstadt zu karikieren.
Rudolf Grimm, Gründungsmitglied des Sturmblocks und späterer Journalist berichtet 1961 rückblickend45:
„Nachdem wir, die erste Generation von Sturm-Schülern, als junge Studenten in Düsseldorf und Berlin in die ,goldenen´ zwanziger Jahre hineingeraten waren, versammelten wir uns in den Semesterferien wieder um unseren Lieblingslehrer und gründeten mit ihm den ,Stumblock´, der zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung am 4. Januar 1930 in Korbach mit folgendem Inserat einlud:
„Beachten SIE am 4. JAN/ im GOLDENEN ENGEL mann für mann/ da säuseln frühlingswinde/ um 8 UHR 30 tut sich was / da werden rote rosen blaß / wie sag ich´s meinem kinde / da fallen tote ratten um / da geht der geist von anno um / mit sekt und sommersprossen / wer zutritt herz und beine hat / wer bräute oder keine hat / wer nicht kommt, wird erschossen. STURMBLOCK“
„Das erste Programm begann mit einem Stilleben (der Patron des BLOCKs schlummerte unter einem silbernen Mond, dazu spielte ein Koffergrammophon) und brachte Szenen aus der Dreigroschenoper, Musik von Jarnach und Windsperger, junge Lyrik, Ringelnatziaden, eigene Einund Ausfälle und zum Schluß ein ,Mikrodram´, in dem wir das Publikum durch den Kakao zogen [...] An zwei weiteren Abenden wirkten wir im gleichen Sinne ...“.
Die Lokalpresse reagierte mit Kommentaren wie „Asphaltund Kaffeehausliteratur“, obgleich die Kritik der Waldeckischen Landeszeitung vom 7. Januar 1930 vergleichsweise moderat ausfiel. Ganz anders verhielt es sich mit dem antisemitischen Hetzblatt „Der Sturm. Nationalsozialistisches Kampfblatt für Kurhessen und Waldeck“, welches die Kunstvereinigung „Sturmblock“ in seiner Ausgabe vom 4. Oktober 1930 der Begünstigung des „jüdischen Rassefeindes“ bezichtigte und mit Schimpftiraden nur so überschüttete: „Du hast zu deutscher Kulturernte den Mist geliefert und mit Deiner Hilfe – aber immer nur als Mistlieferant – wird hoffentlich bald echte deutsche Saat aufgehen, eine Saat, die in die Höhe schießt und das Kriechen der jüdischen Wucherpflanze überlässt.“ 46 Obgleich die Mitglieder des Sturmblocks eher unpolitisch waren, hinderte das die Nationalsozialisten in ihrem „Kampfblatt für Kurhessen und Waldeck“ nicht daran, die Vereinigung in dicken Lettern als „Corbacher Sturmblock-Salon-Bolschewisten“ zu bezeichnen.
In einem anderen Artikel wird abwertend von „Negerund Zigeunerkultur“ gesprochen und polemisch angemerkt:
„Hoch die neue Zeit, die uns Sturm mit Gestank beschert, wenn´s auch der Gestank der geistigen Verwesung ist! Auch diese neue Zeit, geboren aus Negerkultur, geht wieder in den stinkenden afrikanischen Urwald zurück“, und etwas weiter heißt es: „Was nutzt alles nationale Streben, wenn dem Rassefeind Gelegenheit gegeben wird, die heiligen Güter des eigenen deutschen Volkstums in Gegenwart Nationaldenkender durch den Kot zu ziehen? Gezeigt hat uns der Abend mit erschreckender Deutlichkeit, wie weit bereits die Ueberfremdung deutschen Geistesund Kulturlebens geht, Ueberfremdung mit der Kultur einer Niederrasse, die als einzigen Lockbissen für ihre tausendjährige Zerstörungskultur – Mommsen sagte: Ferment der Dekomposition – immer wieder das Beiwort bringt: modern.“47
Nicht nur Bernhard Sturm bekam somit weit vor der Machtübernahme einen ersten Eindruck davon, was es bedeutete, nicht den abstrusen Vorstellungen der Nationalsozialisten zu entsprechen. Dies sollte leider nicht das letzte Mal bleiben, dass er in den Fokus nationalsozialistisch-diktatorischer „Meinungsmonopolisten“ geriet.
Die Gruppe wagte sich auch über die Grenzen Korbachs hinaus. Hermann Spratte, Mitglied des „Sturmblockes“, erinnerte sich 1989 an eine Veranstaltung in einem Usselner Gasthaus, „wo die Darbietungen kaum mehr als ein Kopfschütteln der Zuhörer, vornehmlich Bauern und Feriengäste, über die ´verrückten jungen Leute´ bewirkten.“ Für die Gegend und Zeit wohl zu progressiv und modernistisch, forderten die Darbietungen Kritik heraus.48
Die „Aufregung über unseren Modernismus legte sich aber allmählich, denn nach 1930 drängten die harten politischen Ereignisse und die Arbeitslosigkeit alles übrige in den Hintergrund.“49 Da gerade die studentischen Mitglieder durch ihr Studium und entsprechende räumliche Entfernung sehr beansprucht waren, schlief der „Sturmblock“ langsam wieder ein. Aber nicht wenige Künstler aus der „Schule“ Bernhard Sturms haben später Anerkennung und Beachtung gefunden. Für viele Schüler wurde Bernhard Sturm zum wichtigsten Lehrer. Es gab aber auch andere, denen das „Treiben“ mit Formen, Farben und Künstlern wie Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Henri Matisse oder Oskar Kokoschka höchst verdächtig war.
Die vierte und letzte Ausgabe von „Im Sack“ erschien 1932. Bernhard Sturm bemühte sich solange es die politische Lage erlaubte um eine Fortsetzung. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde dem „alternativen Kunstbetrieb“ nicht nur in Korbach durch staatliche Gewalt ein Ende gesetzt. Für einen Individualisten wie Bernhard Sturm, der sich nicht von einem verbrecherischen System vereinnahmen ließ und der für seine Ideale eintrat, stellte dieses politische Ereignis eine Zäsur in seinem Leben bzw. künstlerischen Schaffen dar.
Die Nationalsozialisten ließen mit Drohungen, Repressalien und brutalen Übergriffen nicht lange auf sich warten. Anzeigen, Meldungen und Zwischenfälle häuften sich. Persönliche Beschwerden durch den NSDAP-Ortsgruppenleiter Casselmann, NSDAP-Kreisleiter Geisel und Intervention des Gauleiters Weinrich folgten. Ein erster größerer Zwischenfall ereignete sich bereits im Frühjahr 1933 im „Waldecker Hof“ in Korbach, als ein als Kommunist getarnter SSMann Bernhard Sturm ein blaues Auge verpasste.
Dazu der Bericht des Kreisleiters der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Kreis Eisenberg) vom 18.5.1933:
„Vor einiger Zeit war ein auswärtiger SS-Mann hier in Corbach zu Besuch, der sich im Waldecker Hof Herrn Sturm gegenüber als Kommunist ausgab und den Kommunistenführer Thälmann als den einzigen Retter Deutschlands hinzustellen versuchte. Herr Sturm pflichtete den fingierten Ausführungen des SS-Mannes vollständig bei, erklärte sich selbst als Kommunist und erhielt dafür von einem andern anwesenden SS-Mann ein nettes blaues Auge.“ 50
Diese Aussage des NSDAP-Kreisleiters Geisel ist symptomatisch für die Strategie der Nationalsozialisten, ihnen unliebsame und kritische Zeitgenossen per Diffamierung zu diskreditieren. Denn eines ist sicher: Bernhard Sturm war wohl ein Freigeist – ein Juryfreier , der ganz im Sinne der Aufklärung agierte, er war aber kein Kommunist. Dies stützt zudem die Tatsache, dass er niemals Mitglied irgendeiner Partei war.
Des weiteren wurde Bernhard Sturm am 2. Mai 1933 von einem SS-Mann in einem Korbacher Lokal geohrfeigt, weil Sturm sich angeblich kritisch über den besagten NSDAP-Kreisleiter Geisel geäußert haben soll, und sich sogar damit „brüstete“, für Geisels „baldiges Verschwinden [...] Sorge tragen“ zu wollen.51 Kreisleiter Geisel wandte sich daraufhin am 18. Mai 1933 mit einer schriftlichen Meldung im Namen der NSDAP an die Schulleitung mit der Bitte um Amtsenthebung bzw. Versetzung Bernhard Sturms:
„Das widerliche Benehmen und die kommunistische Weltanschauung des Lehrers Sturm sind hier in Corbach seit Jahren Tagesgespräch, und es ist endlich an der Zeit, daß das hiesige Gymnasium von einem derartig unzuverlässigen Pädagogen befreit wird.“ Und weiter heißt es: „Sollte Lehrer Sturm nicht umgehend seines Amtes enthoben oder wenigstens von hier versetzt werden, so müßte ich überlegen, ihn in Schutzhaft nehmen zu lassen, da der Verdacht besteht, daß er in unsern Reihen kommunistische Zersetzungsversuche macht.“ 52
Unmissverständlich machten die Nazis vor Drohungen und Erpressungsversuchen in Korbach nicht halt. Und wie „Schutzhaft“ bei den Nazis verstanden wurde, sehen wir an den vielen Opfern des Nationalsozialismus, die die sogenannte „Schutzhaft“ nicht überlebten. Mit Diffamierungen und Verunglimpfungen versuchte man unmittelbar nach der Machtübernahme, die Schulleitung unter Druck zu setzen. Der Vorwurf „kommunistischer Zersetzungsversuche“ war immer wieder eine probates Mittel, um sich ob begründet oder unbegründet unbequemer Zeitgenossen zu entledigen und diese kaltzustellen.
Des weiteren führte der Kreisleiter der NSDAP aus, dass Bernhard Sturm einen negativen Einfluss auf die Jugend ausübe, da er im Februar mit seinen Schülern in öffentlichen Lokalen gezecht habe und er angeblich „wiederholt“ „morgens den Schulsaal noch besoffen betritt“.53
Dieser schriftlich vorgelegten Beschwerde ging bereits eine beim Schuldirektor Dieterich persönlich vorgetragene Meldung voraus:
„Sonnabend, den 13. Mai, um 18 Uhr erschienen der Kreisleiter Geisel und der Ortsgruppenführer Casselmannn der Ortsgruppe Corbach der NSDAP bei mir, um über das Verhalten [...] des Herrn Sturm in der Öffentlichkeit Beschwerde zu führen.“54
Über diesen Umweg versuchte man, Bernhard Sturm nicht nur zu diskreditieren, sondern ihn seiner Existenzgrundlage zu berauben.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 hatte sich die Schule substantiell geändert. Der mit so viel Idealismus begonnene Versuch einer Reformpädagogik, die den jungen Menschen zu Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit erziehen wollte, nahm ein jähes Ende. Bildungsziele und Lerninhalte änderten sich schlagartig. Experimentierfreudige und partnerschaftliche Arbeitsformen gerieten in Verruf. An ihre Stelle traten herrschaftsstrukturelle Formen und Inhalte, die repräsentativ für den Führerstaat stehen sollten.
Über eine Reihe von Gesetzesänderungen versuchte man, sukzessiv jede Opposition auszuschalten und eine totalitäre Diktatur zu errichten, auch durch umfassende Kontrolle wichtiger Institutionen und die Erfassung der Bürger. Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7.4.1933 ermöglichte die Entlassung der politisch „unzuverlässigen“ und der „nichtarischen“ Beamten und ihre Ersetzung durch NSDAP-Mitglieder. Es diente als Vehikel, sich „unliebsamer“ (kritischer) Staatsdiener zu entledigen, die nach dem Wortlaut des Gesetzes „nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten“.
Bezugnehmend auf § 4 des Reichsgesetzes zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ bemühte man sich um eine lückenlose Erfassung aller Beamten. Per „Runderlass“ des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 14.6.1933 (Zentralblatt 1933, S. 168 ff.) und entsprechender Rundverfügung vom 1.7.1933 und 7.7.1933 war jeder Beamte verpflichtet, Angaben zu seiner Abstammung, Parteizugehörigkeit und Mitgliedschaften zu den unter 5b genannten Vereinigungen vorzunehmen.55
Darüber hinaus wurden alle Lehrkräfte verpflichtet, dem nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) beizutreten. Um die Gleichschaltung weiter voranzutreiben, wurde jeder Lehrer und jede Lehrerin (Beamte) nach Hindenburgs Tod 1934 verpflichtet, auf den „Führer und Reichskanzler Adolf Hitler“ einen Treueeid abzulegen.56 Grundwerte wie die Meinungsfreiheit wurden unterminiert und ein „Führerstaat“ zementiert.
Aber auch damit begnügten sich die neuen Machthaber nicht. Unter Diensteid musste Bernhard Sturm im Herbst 1935 erklären, keiner Loge oder logenähnlichen Organisation anzugehören. Darüber hinaus war er verpflichtet, sämtliche Mitgliedschaften in Beamtenvereinigungen offenzulegen.57 So bemühten sich die neuen Machthaber sukzessiv um eine lückenlose Erfassung nicht nur ihrer Staatsdiener. Bernhard Sturms Vorliebe für moderne Kunst, Literatur und Musik, die die Nationalsozialisten abfällig als „entartet“ titulierten, vor allem aber sein kritischer Geist, seine Offenheit und seine politische Einstellung machten ihn um so mehr bei den Nationalsozialisten verdächtig.
Das totalitäre Regime der Nationalsozialisten war in mehrfacher Hinsicht ein repressives System: extrem aggressiv, extrem expressiv und extrem antimodern. Es lehnte nicht nur die ästhetische Moderne ab, sondern verfolgte auch ihre Repräsentanten. Der in rassischer Terminologie für angebliche Verfallserscheinungen verwendete Begriff „entartet“ richtete sich vor allem gegen die verschiedensten Richtungen der Moderne, wie u.a. Expressionismus, Kubismus, Dadaismus, Fauvismus, neue Sachlichkeit, aber auch gegen alle politisch nicht genehmen Werke, die man mit Ausstellungen wie „Entartete Kunst“ zu diffamieren suchte. Auch Bernhard Sturm bewegte sich mit seinem künstlerischen Schaffen im Visier dieser inquisitorischen Sicht.
Die verengte nationalsozialistische Sichtweise konnte sich zudem auf Ressentiments in der Bevölkerung gegenüber der als schwer verständlich, fremd und elitär empfundenen Moderne stützen. Diese Vorbehalte wurden politisch als manifeste Opposition gegen die Avantgarde-Kunst interpretiert. Obwohl vor allem auf die bildende Kunst bezogen, richtete sich der „Kampf“ auch gegen alle anderen Richtungen der Moderne, wie in der Musik, Literatur, Architektur oder in Film und Theater. Mit dem Verbot der Kunstkritik 1936 war nur noch die nationalsozialistisch ausgerichtete „Kunstbetrachtung“ erlaubt. 1934 wurde Bernhard Sturm vorgeworfen, er solle im Beisein des SA-Scharführers Marten, des SAObertruppführers v. d. Ehe und der SA-Rottenführer Berg und Steinmetz den Lehrer und Kreisjägermeister Hopff aus Lengefeld am 1. Mai im „Waldecker Hof“ in Korbach nicht nur beleidigt, sondern sich auch abfällig über die Regierung geäußert haben, worauf sich der „übereifrige Parteigenosse“ Hopff veranlasst fühlte, einen Strafantrag gegen Bernhard Sturm zu stellen und die hiesige Ortsgruppenleitung von diesem Vorfall zu unterrichten.58
Von dieser Anzeige erfuhr Bernhard Sturms Schuldirektor eher beiläufig auf einer Gautagung des NS-Lehrerbundes in Kassel am 5.5.1934 vor Beginn der Kundgebung auf dem Friedrichsplatz:
„Darauf teilte er [Hopff] mir [Dieterich] kurz mit, daß er gegen Herrn Sturm Strafantrag wegen Beleidigung gestellt und außerdem die hiesige Ortsgruppenleitung in Kenntnis gesetzt habe, daß von St.[urm] auch eine abfällige Äußerung über die Regierung gefallen sei.“
Studiendirektor Heinrich Dieterich erfuhr darüber hinaus, dass „die Partei auch ihrerseits Schritte gegen St.[urm] unternommen habe.“59
Ungeachtet aller Anzeigen, Meldungen, Drohund Erpressungsversuche und seiner eigenen Stellung ließ sich Schuldirektor Dieterich nicht dazu drängen, sich von seinem Zeichenund Turnlehrer zu trennen. Bei der Häufung der Meldungen, Anzeigen und Entlassungsgesuche wäre es ihm ein Leichtes gewesen, sich seiner zu entledigen. Vielmehr setzte er sich in Schriftwechseln an das Regierungspräsidium und andere Institutionen immer wieder für ihn ein, versuchte Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, zu entkräften und den Umständen entsprechend das „Möglichste“ für ihn zu bewirken, obgleich er immer wieder anmerken musste, dass Bernhard Sturms Temperament und Charakter es ihm nicht immer leicht machten.
So ist es umso verwunderlicher, dass Bernhard Sturm als Vertreter der Moderne bei allen Repressalien diese schlimme Phase deutscher Geschichte vergleichsweise glimpflich überstanden hat. Ein geeignetes Refugium boten ihm nicht nur bei allen Differenzen sein Kollegium und sein Schuldirektor, sondern auch die Unterstützung ehemaliger Schüler sollte sich noch in Folge als positiv, wenn nicht gar lebensrettend erweisen.
Zumindest „äußerlich“ versuchte sich Bernhard Sturm mit dem NS-System zu arrangieren. So musste er wie alle Beamten die Vereidigung auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über sich ergehen lassen, die ganz im Gegensatz zur Vereidigung auf die Weimarer Verfassung und entsprechende Grundrechte stand. Um die Angriffe seiner Gegner abzuwehren und um seine „nationale Gesinnung“ für alle erkennbar zu bezeugen, sammelte er auch für die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“. Im Oktober 1933 trat er darüber hinaus dem R.L.B. (Reichsluftschutzbund) bei, in dem er zum Blockwart und Einsatzführer avancierte. 1937 wurde er Mitglied der NSV, und am 1.05.1938 trat er der „Reichskammer der bildenden Künste“ (R.d.b. Künste) bei.60
Wer aus der Reihe tanzte, befand sich schnell im Visier der Gestapo. Ohne Angabe von Gründen konnte sie willkürlich Verhaftungen vornehmen, nach eigenem Belieben und ohne Rechtsbeistand Personen einsperren, foltern oder töten, Todesurteile ohne Gerichtsurteil vollstrecken, willkürliche Erschießungen vornehmen.
In das Blickfeld der Gestapo geriet auch Bernhard Sturm. In den frühen Morgenstunden des 5. Mai 1937 wurde die Wohnung der Eheleute Sturm wegen angeblicher kulturbolschewistischer Einstellungen und „entarteter Kunst“ des Malers von der Gestapo durchsucht. Zeugnisse, Bilder, Plastiken, Bücher und Briefe wurden beschlagnahmt. Bernhard Sturm wurde neben dem Lehrer Hans Habermann61 und dem Arbeiter Friedrich Bracht62 in „Schutzhaft“ genommen. Darüber berichtet noch am gleichen Tag Schuldirektor Dieterich der vorgesetzten Behörde:
486. 5. Mai 1937 „Betr.: Verhaftung des Zeichenlehrers Sturm. Im Anschluß an meine heutige fernmündliche Anzeige berichte ich folgendes: Heute morgen um 7 Uhr rief die Frau des Zeichenlehrers Bernhard Sturm bei mir an und teilte mir in größter Aufregung mit, daß ihr Mann nach einer von 1/2 5 bis 7 Uhr dauernden Haussuchung von Beamten der Geheimen Staatspolizei verhaftet worden sei. Obwohl mich diese Nachricht gänzlich unerwartet traf, suchte ich Frau Sturm zu beruhigen und versprach ihr, sobald ich Näheres erfahren hätte, persönlich zu ihr zu kommen. Zugleich bat ich sie, ihre beiden Kinder, die unsre O III [Obertertia, 9. Jgst.] besuchen, vorläufig zu Hause zu lassen. Um 1/2 8 Uhr erhielt ich vom Landratsamt die Mitteilung, daß St.[urm] in Schutz haft genommen sei und daher nicht zum Dienst erscheinen könne. Meine Frage nach dem Grund der Verhaftung konnte nicht beantwortet werden. Nach mehrer[e]n erfolglosen Versuchen, fernmündliche Verbindung mit der Behörde zu erhalten, habe ich um 1/2 10 Uhr dem Herrn Anstaltsdezernenten pflichtgemäß sofortige Anzeige erstattet. Darauf habe ich persönlich mit dem Herrn Landrat verhandelt. Er konnte mir aber vor Abschluss der Untersuchung natürlich keine Auskunft geben.
Nach dieser Unterredung ging ich zu Frau St.[urm], die von der Unschuld ihres Mannes überzeugt ist, aber in sehr verzweifelter Stimmung war. Gegen Mittag rief der Herr Landrat an und bat mich, meiner vorgesetzten Behörde mitzuteilen, daß sie am Freitag oder Sonnabend Vormittag von der geheimen Staatspolizei (Polizeipräsidium Kassel) voraussichtlich Auskunft über die Gründe der Verhaftung erhalten könne.
Hans May, 1920
Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, sehe ich von einer Stellungnahme ab. Ich führe nur noch an, daß außer Sturm ein Lehrer der hiesigen Stadtschule und eine Reihe anderer Personen, vermutlich wegen Verdachts kommunistischer Betätigung verhaftet wurden.
Noch bis ins hohe Alter beklagte Bernhard Sturm den damals erlittenen Verlust liebgewonnener Bücher. Unter den beschlagnahmten Bildern befand sich u.a. auch das Gemälde eines „Versorgungssoldaten“ des Ersten Weltkrieges, der auf seinem Rücken einen Kanister mit Essen transportierte. Weit vorgezogene Stellungen machten die Versorgung mit Nachschub schwierig, da diese über viele Kilometer herangetragen werden musste. Gezeichnet vom Krieg und der Last des Transportes, betrachteten die Nationalsozialisten dieses Bild als Verunglimpfung des „heroischen“ und „heldenhaften“ deutschen Soldaten.
Bernhard Sturm hatte aber zum Glück nicht nur Gegner. Gerade von seiten seiner ehemaligen Schüler er fuhr er nicht nur hohe Anerkennung, sondern auch Unterstützung, als es darauf ankam. Ohne das eigene Fortkommen im Blick zu haben, setzte sich sein ehemaliger Schüler und späterer Freund Hans May in einer besonders bedrohlichen Phase für ihn ein.
Hans May, der sich später Hans MayKorbach nannte, wurde 1902 in Posen geboren. Bereits im Alter von zwei Jahren siedelte er mit seinen Eltern nach Korbach über. Am Landesgymnasium in der Klosterstraße fand Hans May in Bernhard Sturm nicht nur einen Lehrer, der seine künstlerische Begabung förderte, sondern ihm wie er bekundete „das Sehen“64 lehrte. Die schlechten und schwierigen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg zwangen ihn zum Schulabgang und zur Erlernung eines praktischen Berufes. So kam Hans May 1922 zur Reichswehr. In seinem späteren Vorgesetzten Kommandant Oberleutnant von Leeb (dem im Zweiten Weltkrieg bekannt gewordenen General) fand er einen Förderer seiner künstlerischen Neigung, der ihm neben seinem Militär-Dienst ein Studium an der Ulmer Kunstschule gewährte. Ein Stipendium in den 30er Jahren ermöglichte ihm darüber hinaus den Besuch der Münchner Akademie.65
Nach dem Ausscheiden aus der Reichswehr 1934 wandte sich Hans May seinem künstlerischen Schaffen zu. Sein Kontakt zu Bernhard Sturm riss in jener Zeit nicht ab. Ganz im Gegenteil, so findet sich sein Name unter den „Mitarbeitern“ der ersten Ausgabe der Zeitschrift „Im Sack“ vom April 1930. Während und nach seiner Militärzeit fanden sich Bilder auf vielen Ausstellungen; in den siebziger Jahren sogar in Biarritz, Paris und Madrid.
Generaloberst von Seeckt, Oberst von Leeb, später im Reichswehrministerium, der Intendant der Berliner Oper Wilhelm Rohde, aber auch der Polizeipräsident von Augsburg SSBrigadeführer und Major a.D. Starck und viele andere ließen sich von Hans May portraitieren.66 Diese Beziehungen sollten ihm offensichtlich später zunutze kommen.
So wandte sich Hans May der über persönliche Kontakte zu wichtigen Personen in der Landeshauptstadt verfügte unmittelbar nach Sturms Inhaftierung an die Geheime Staatspolizei in Berlin. Was er genau tat, lässt sich nur schwerlich rekonstruieren, May bekundete jedoch unmittelbar nach Sturms Freilassung in einem Schreiben vom 23.5.1937 an dessen Schuldirektor Dieterich, dass Bernhard Sturm auf seine (Mays) Intervention hin freigelassen worden sei:
„In dieser Stellungnahme habe ich mich auch sofort nach der Inhaftierung von Herrn Sturm mit maßgebender Stelle der g[G]eheimen Staatspolizei in Berlin in Verbindung gesetzt und freue mich, daß dieses Eingreifen von Erfolg gewesen ist.“67
Als Hans May darüber hinaus er fuhr, dass sein ehemaliger Lehrer weiterhin bedrängt wurde und ihm die „Lehrbefähigung aberkannt“ werden sollte, bekundete er abermals gegenüber Schuldirektor Dieterich, dass er wie auch andere ehemalige Schüler hinter Bernhard Sturm stehen würde:
„Diesbezüglich habe ich mich mit Hilfe meiner persönlichen Beziehungen mit Berlin in Verbindung gesetzt. Es ist mir an Hand vieler vorliegender Unterlagen schon seit gewisser Zeit die Strömung gegen Herrn Sturm bekannt. Den Krach sah ich kommen und sehe nunmehr auch das Resultat, das daraus sich entwickeln wird. Ich bin der festen Überzeugung, daß nur verleumderische Absichten den Fall herbeigeführt haben. Ich bedauere außerordentlich, daß man, und gerade in jetziger Zeit[,] Menschen mit wahrem Charakter und Lehrer mit derart hervorragender pädagogischer Begabung zu Fall bringen will. Ich verstehe nur zu gut die Verhältnisse in einer kleinen Stadt, nicht aber, daß der Wahrheit entgegen das verleumderische Vorgehen unterstützt wird. Sehr geehrter Herr Studiendirektor, ich rechne bestimmt damit, daß Sie den Angriffen, die man Herrn Sturm zuleitet, klar und objektiv gegenüberstehen. Die Verleumder und Mithelfer sind bereits heute schon erkannt[,] und die Zukunft wird zeigen, daß sie sich selbst eine Grube gegraben haben.“68
Trotz der endgültigen Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft hatte die Angelegenheit nicht ihre Erledigung gefunden, „weil der Herr Gauleiter [Weinrich] am 17.9.37 ...[die] Entfernung aus der Lehrertätigkeit für dringend erforderlich gehalten und beantragt hat.“69 Die Schlinge wurde immer enger zugezogen:
„Auf Grund der von dem Herrn Abteilungsleiter Kölling getroffenen Entscheidung ist den Anträgen der Geheimen Staatspolizei und des Gauleiters [Weinrich] auf Entfernung Sturms aus der Lehrertätigkeit, mit Rücksicht auf die Art der künstlerischen Betätigung des Studienrats Sturm und mit Rücksicht auf seine sich hieraus ergebende grundsätzliche Haltung und Einstellung, zu entsprechen und derselbe künftig von jeder unterrichtlichen Tätigkeit fernzuhalten. Falls er nicht in nächster Zeit von sich aus den Antrag auf Zurruhesetzung wegen Dienstunfähigkeit gemäß § 73 O.B.C. stellen sollte, ist gegen ihn ein Verfahren gemäß § 71 O.B.C. einzuleiten. Die Beurlaubung des Oberschullehrers Sturm bleibt bis zu seiner freiwilligen oder unfreiwilligen Zurruhesetzung aufrecht erhalten. Da Sturm zur Zeit auf eigenen Antrag aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt ist, soll der Unterzeichnete innerhalb 2 Wochen in einer persönlichen Rücksprache mit Sturm diesen darüber befragen, ob er von sich aus umgehend um seine Zurruhesetzung nachsuchen will.70
Alle Bemühungen, eine „Zwangspensionierung“ zu verhindern, scheiterten. So wurde Bernhard Sturm nach seiner Freilassung unmissverständlich nahegelegt um weitere Repressalien, wie absolutes Berufsverbot und somit Verlust sämtlicher Altersbezüge zu vermeiden sich freiwillig in den Ruhestand versetzen zu lassen. Darüber hinaus wurde er durch das Oberpräsidium der Provinz Hessen-Nassau (Abt. f. höh. Schulwesen) davon in Kenntnis gesetzt, dass der Regierungsassessor Giese innerhalb zwei Wochen erscheinen werde.
„Sturm ist bekanntzugeben, daß er weiterhin beurlaubt bleibt und daß eine Wiederaufnahme seiner unterrichtlichen Tätigkeit grundsätzlich nicht in Frage kommt.“71
Obgleich Bernhard Sturm zunächst geneigt schien, einer freiwilligen Ruhestandslösung zuzustimmen, lehnte er nach einem Gespräch mit dem Regierungsassistenten Giese diese ab. Hierzu das Schreiben (Manuskript) vom 31. Okt. 1937 des Schuldirektors Dieterich an den Oberpräsidenten (Abt. f. höh. Schulwesen):
„[Erklärung des Zeichenlehrers Sturm, daß er den Vorschlag des Reg. Ass. Giese, freiwillig in den Ruhestand zu gehen, ablehnt.]
Die soeben eingegangene Erklärung des Oberschullehrers Sturm gebe ich sofort weiter. Er hat nunmehr, obwohl er zunächst zuzustimmen geneigt schien, den Vorschlag des Herrn Regierungsassessor[s] Giese mit der vorstehenden kurzen Begründung abgelehnt, obwohl er nach der langen Unterredung mit dem Herrn Vertreter der Behörde ganz genau wissen muß, daß dies Ablehnung nachteilige Folgen für ihn hat. Ob ihn außer den angegebenen noch weitere Gründe zu dieser Ablehnung veranlasst haben, ist mir nicht bekannt.“72
Dass Bernhard Sturm sich aus welchen Gründen auch immer eines anderen besonnen hat, geht aus der Tatsache hervor, dass er am 2. Dez. 1937 dann doch einen „Antrag auf Zurruhesetzung wegen Dienstunfähigkeit gestellt“73 hat. Es ist zu vermuten, dass Schuldirektor Dieterich und sein Umfeld auf ihn eingewirkt hatten, da eine Ablehnung unweigerlich den Verlust all seiner Altersbezüge bedeutet und eine Rückkehr in den Schuldienst von höherer Stelle (Gauleitung und Gestapo) vereitelt worden wäre. Gegen seinen Willen zu einem Antrag genötigt, wurde er am 1. Mai 1938 angeblich aus gesundheitlichen74, in Wirklichkeit aber aus politischen Gründen in den Ruhestand versetzt.
Über seine Verhaftung, die zur frühzeitigen Pensionierung führte, berichtete am 11. Juni 1952 Oberstudiendirektor a.D. Dieterich an seinen Nachfolger Alfred Ehrentreich:
„Etwa 1938 [eigentlich Mai 1937] – die genaue Zeit kann ich ohne Unterlagen nicht mehr angeben – rief mich eines Morgens Frau St.[urm] fernmündlich an und teilte mir mit, ... daß ihr Mann durch die Gestapo verhaftet und eine Haussuchung vorgenommen sei. Daraufhin setzte ich mich sofort persönlich mit ihr und dann mit der Behörde in Verbindung, weil diese Verhaftung wegen „entarteter Kunst“ nach meiner Überzeugung ungerecht war. Da die Bestimmungen inzwischen schärfer geworden e[w]aren, befand sich die Behörde in einer schwierigen Lage. An sich hatte sie ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung und dem Verlust der Pension einleiten müssen, eine Maßnahme, die nach meiner Kenntnis der ganzen Vorgänge ebenfalls als ungerecht anzusehen war. St.[urm] wurde nach etwa 10 Tagen [im Wiedergutmachungsbescheid von 1952 verweist man auf 9 Tage] aus der Haft entlassen, weil die zuständige Parteistelle inzwischen wohl selbst eingesehen hatte, daß diese Verhaftung voreilig gewesen war. Der Justitiar der Behörde kam nach Korbach und legte St.[urm] nach einer länger[e]n Verhandlung nahe, sich unter Gewährung der erdienten Bezüge in den Ruhestand versetzen zu lassen. St.[urm], der eingesehen hatte, daß diese Regelung eine immerhin entgegenkommende und in seiner Lage die zweckmäßigste Lösung sei, entsprach diesem Vorschlag. Da er die Höchstpension noch nicht erreicht hatte und jede Aussicht auf Beförderung ausgeschlossen war, bedeuteten diese Maßnahmen für ihn eine ungerechte Schädigung.“75
Die Begründung seines Gesuchs auf Versetzung in den Ruhestand konnte daher von vornherein nur konstruiert und erfunden sein. Dies ist um so offensichtlicher, als Bernhard Sturm bis ins hohe Alter überdurchschnittlich vital und sportlich war:
Gesuch des Oberschullehrers Sturm Kassel, den 2. Dezember 1937 auf Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit. Ich bitte, mich gemäß § 73, 74 des deutschen Beamtengesetzes wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand zu versetzen. Mein Gesundheitszustand, der schon durch die starke Nervenanspannung im Kriege sehr mitgenommen war, hat sich in den letzten Monaten derart verschlechtert, daß mir ein weiterer erfolgreicher Unterricht auf die Dauer unmöglich ist. Wie auch dem Anstaltsleiter bekannt ist, bin ich schon seit langem mit meinen Nerven vollkommen herunter und der anstrengenden Lehrtätigkeit gesundheitlich nicht mehr gewachsen. Mit Rücksicht auf mein Alter von 52 Jahren ist mit einer Wiederherstellung meiner äußerst angegriffenen Gesundheit in einem Grade, der mir die Ausübung meiner Lehrtätigkeit gestattet, m.E. nicht mehr zu rechnen. Im Interesse der Kostenersparnis bitte ich, von der Einholung eines kreisärztlichen Attests abzusehen. Bis zur Entscheidung dieses Gesuches durch den Herrn Minister bitte ich[,] mich noch weiter zu beurlauben.76 [...] Bernhard Sturm Oberschullehrer
Wie unbegründet dieser Antrag war, verdeutlicht auch der „Wiedergutmachungsbescheid“ des Regierungspräsidiums Kassel vom 10. September 1952:
„Wie aus der beigezogenen Personalakte dieser höheren Lehranstalt eindeutig hervorgeht, stand er schon seit der Machtergreifung in 1933 dem Nationalsozialismus feindlich gegenüber. Er brachte auch in den folgenden Jahren seinen Kollegen gegenüber seine antinazistische Einstellung des öfteren zum Ausdruck, wodurch politische Auseinandersetzungen mit diesen, dem Ortsgruppenleiter [Casselmann] und anderen nationalsozialistischen Stellen nicht ausblieben. Im Jahre 1938 wurde er wegen seiner politischen Einstellung verhaftet und war 9 Tage inhaftiert. Um eine fristlose Entlassung zu vermeiden, wurde dem Antragsteller seitens seiner vorgesetzten Schulbehörde beim Regierungspräsidium in Kassel nahegelegt, sich aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzen zu lassen, was er dann auch, dem seinerzeitigen politischen Drucke folgend, tat. Ohne Zweifel wurde diese Zurruhesetzung auf Grund der politischen Einstellung des Antragstellers, nicht aber wegen seines Gesundheitszustandes ausgesprochen.“77
Über sein Ausscheiden bzw. die Hintergründe seines Ausscheidens ist im Jahresbericht 1937/38 des „Staatlichen Landesgymnasiums“ nur zu lesen:
„Oberschullehrer Bernhard Sturm, der seit 1.4.1919 den gesamten Zeichenunterricht erteilt hatte, wurde Mitte Mai 1937 beurlaubt und später wegen seines Gesundheitszustandes auf seinen Antrag zum 1.5.38 in den Ruhestand versetzt.“78
Ein enormer Druck muss auf Bernhard Sturm gelastet haben, dass er sich trotz sprühender Vitalität zu diesem Schritt durchrang. Aber zwei schulpflichtige Kinder und eine Frau galt es zu versorgen. Der Sohn des ebenfalls verhafteten Lehrers Hans Habermann erinnert sich 1993 rückblickend in einem Interview mit Reinhard Dornieden:
„Sturm war verschrien bei der SA und bei der SS und bei der Partei als unbeugsamer Mann. Er war unbeugsam. Er ließ sich durch nichts beeindrucken und wenn er seine Ansichten hatte, dann stand er dafür gerade. Er war ein großer, starker Mann. Er war Ostpreuße, sehr drahtig. Er war auch Sportlehrer nebenbei. [...] Die Partei hatte ihm aus Kassel zwei Killer geschickt. Er trank gerne einen, und sein Lokal war die Krone und dort hatte er an der Theke gestanden und die beiden Killer links und rechts von ihm. Er hat das zunächst nicht mitgekriegt und da haben sie Bier getrunken und er hat denen auch was ausgegeben und hat dann seine flotten Sprüche von den braunen Affen losgelassen und so weiter. Dann hat er wohl plötzlich gemerkt, wen er da neben sich hatte, hat den ersten geschnappt und ihm eine in die Fresse gehauen, dann den zweiten blitzschnell in den Bauch getreten und ist verschwunden. Raus. Er ist für einige Tage nicht wieder aufgetaucht. Das hat ihn damals gerettet. Merkwürdiger weise haben sie ihn dafür nicht behelligt. Merkwürdiger weise!“79
Wenn man das Vorgehen gegen Oppositionelle in jenen Tagen beleuchtet, scheint es dennoch wie ein Wunder, dass Bernhard Sturm nicht noch übler mitgespielt wurde. Unzählige Biographien von Internierten der Konzentrationslager zeichnen andere Bilder. Denn seinem damaligen Schuldirektor Dieterich wäre es – wenn er gewollte hätte ein leichtes gewesen, sich seiner zu entledigen. Denunziationen, Anklagen und Mitteilungen von Parteigängern der NSDAP unmittelbar nach der Machtübernahme mit der Aufforderung um Amtsenthebung bzw. unmissverständliche Drohungen, weitere Schritte einzuleiten, führten jedoch nicht dazu, dass Schuldirektor Dieterich sich beugte. Handschriftliche Notizen Dieterichs zeichnen das Bild eines Parteigängers, der im Bereich seiner individuell empfundenen Möglichkeiten sich immer wieder für Bernhard Sturm einsetzte. Es wird sogar berichtet, dass Oberstudiendirektor Dieterich ihn damals persönlich vom Gefängnis Kassel-Wehlheiden80 abgeholt haben soll.
Auch die Herausgeber des „Klosterglöckchen“(s) – Zeitschrift ehemaliger Korbacher Gymnasiasten sahen sich keineswegs durch entsprechende Sachzwänge veranlasst, den von Bernhard Sturm entworfenen Linolschnitt der Kopfleiste, den er anlässlich des ersten Erscheinens dieser Zeitschrift 1928 dem „Klosterglöckchen“ übereignet hatte, entfernen zu lassen. So zierte er die ganze NS-Zeit hindurch, noch bis heute, die Kopfleiste des Klosterglöckchens.
Durch den Überfall deutscher Truppen auf Polen am 1. September 1939 und den damit herbeigeführten Zweiten Weltkrieg wurden die Reihen der Schulkollegien sichtbar gelichtet. Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau Abt. für höheres Schulwesen sah sich daher in seinem Erlass vom 5.9.1939 zur „Ver wendung von Ruhestandsbeamten und anderen Hilfskräften zur Deckung des Unterrichtsbedarfes“ genötigt, „die zur Aufrechterhaltung des Unterrichtsbetriebes dringend benötigt wurden.“81 Die Kenntnisnahme dieses Erlasses veranlasste Bernhard Sturm, sich am 18. September mit der Bitte um „Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit“ an die Alte Landesschule zu wenden.
Der Initiative des damaligen Bürgermeisters Dr. Paul Zimmermann war es aber dann erst zu verdanken, dass Bernhard Sturm wieder eine Anstellung erhielt, wenn auch zunächst nur als Vertretungskraft an der Mittelschule in Korbach:
„Der Zeichenlehrer und Kunstmaler Bernhard Sturm stand vor 1933 politisch links und blieb nach 1933 Gegner des Nationalsozialismus. Nach Durchführung einer Haussuchung und Beschlagnahme seiner Bilder wurde Sturm verhaftet und verlor nach Freilassung seine Beamtenstellung als Zeichenlehrer am staatlichen Gymnasium zu Korbach. Ich [Bürgermeister Dr. Paul Zimmermann] habe Sturm eine Wohnung in einem städtischen Hause beschafft, ihn nach Verlust seiner Stellung am Gymnasium als städtischer Mittelschullehrer angestellt und ihn im Jahre 1943 vor Verhaftung und Strafverfolgung bewahrt.“82
Diese Aussage bestätigt Bernhard Sturm schriftlich am 1. Mai 1947 im Zusammenhang mit dem Spruchkammerverfahren Dr. Paul Zimmermanns:
„Am 5. Mai 1937 wurde ich auf Veranlassung des Gauleiters Weinrich wegen meiner Auffassung in Kunstdingen in Haft genommen und aus dem Schuldienst entlassen. Auch nach meiner Haftentlassung erfolgte keine Wiedereinstellung. Wie ich erfuhr, hat Herr Dr. Zimmermann in dieser Zeit alles versucht, um mich zu rehabilitieren. Er sprach sogar persönlich bei der Regierung in Kassel vor und erreichte, dass ich im Mittelschuldienst Verwendung fand. Dadurch gelangte ich in den Genuss meiner vollen Dienstbezüge, die es mir ermöglichten, meine Familie in der schweren Zeit durchzubringen.“83
Bernhard Sturm wurde also mit Wirkung vom 9. November 1939 eine Mittelschullehrerstelle im Angestelltenverhältnis genehmigt. Mit Wirkung vom 1. April 1942 wurde er mit der Vertretung der Stelle des nach dem Osten abgeordneten Mittelschullehrers Bohl beauftragt und galt von dieser Zeit an als Beamter auf Widerruf im Sinne des DBG. Neben Zeichnen und Leibesübung erteilte er auch Physikunterricht. Nach der Wiederbesetzung der Stelle durch den früheren Stelleninhaber am 1. April 1944 schied Bernhard Sturm als Beamter auf Widerruf aus, weil er aus organisatorischen Gründen nicht mehr mit der vollen Pflichtstundenzahl beschäftigt werden konnte. Er wurde als Angestellter beschäftigt und erhielt 10/28 der Bezüge der Gruppe IV TOA.84
Mit seiner Anstellung an der Mittelschule scheint sich die Lebenssituation der Familie zunächst zu normalisieren. Wie aber nicht anders zu vermuten, wurde Bernhard Sturm weiter durch die Geheime Staatspolizei observiert, wie aus einem Schreiben seines späteren Schuldirektors Alfred Ehrentreich („Alte Landesschule“) an den „Herrn Minister für Erziehung und Volksbildung“ vom 20. Juni 1950 hervorgeht:
„Die Pensionierung hinderte aber nicht, daß Herr Sturm dann vom Oktober 1939 bis Ende März 1945 von der Korbacher Mittelschule zur Dienstleistung herangezogen wurde, obwohl die Gestapo ihn und seine Arbeit beobachtete“.85
Trotz Zwangspensionierung und Wiedereinstellung macht Bernhard Sturm aus seiner Einstellung gegenüber undemokratischen Methoden der Geheimen Staatspolizei keinen Hehl. So hat er im Sommer 1944 weder Hemmungen gegenüber dem Schulrat Graf in Arolsen auf die Hausdurchsuchung durch die Gestapo hinzuweisen noch derartiges Eindringen zu billigen, indem er unmissverständlich formulierte, dass die Gestapo Unterlagen „entwendet“ habe.86 Für die damalige Zeit eine mutige Aussage.
1943 drohte für Bernhard Sturm weiteres Ungemach, nachdem er im Gasthof „Kappel“ mit einem ihm unbekannten Wehrmachtsangehörigen gesprochen und diesen zu seinem Quartier begleitet hatte. Angeblich soll er den Soldaten, der zu spät dort erschienen war, vom Dienst abgehalten haben, woraufhin eine Anzeige wegen „Wehrmachtszersetzung“ erfolgte. Seine Verhaftung drohte. Vergegenwärtigt man sich, dass Deutschland eine erhebliche Niederlage in Stalingrad erlitten hatte und man höchst repressiv mit Bürgern verfuhr, die den „Endsieg“ in Zweifel stellten oder boykottierten, hätte diese Anzeige einen tragischen Verlauf nehmen können. Aber wieder fand Bernhard Sturm Fürsprecher.
Denn dem umsichtigen Verhalten des Korbacher Polizeibeamten Wolf und der erneuten Intervention des damaligen Bürgermeisters Dr. Paul Zimmermann in Verhandlungen mit dem Kommandeur der Wehrmachtsabteilung war es zu verdanken, dass weitergehende Konsequenzen abgewandt und die Anzeige niedergeschlagen werden konnte.87 Zum Ablauf des Vorfalls berichtet Bernhard Sturm:
„Es kann an einem Novemberabend des Jahres 1943 gewesen sein, als ich einem Soldaten, der erst kur ze Zeit in der (R88)Turnhalle lag und befürchtete, diese in der Dunkelheit nicht mehr zu finden, meine Begleitung anbot [.] – Als wir das Quartier erreichten und uns verabschiedeten, sprang der wachhabende Soldat auf mich zu und schrie: „Was haben Sie gesagt ?“ „Nichts“, gab ich zur Antwort, wir verabschiedeten uns nur. Grob handgreiflich werdend zwang er mich, ihm zur Polizei zu folgen. Auf der Polizeiwache angekommen, forderte er im Feldwebelton den diensttuenden Polizeibeamten Wolf auf, meine Personalien festzustellen und mich zu verhaften. Herr Wolf lehnte dieses Ansinnen energisch ab mit dem Bemerk, dass er keinen Grund sehe, mich festzusetzen. Auf die Frage, was er, der Soldat[,] eigentlich von mir wollte, konnte dieser nichts Positives antworten. Darauf forderte Herr Wolf den Soldaten auf, zu gehen. Mich entliess er ebenfalls und meinte, dass ich mir dieses Vor falls wegen keine Sorgen machen solle.“ Wie ich am nächsten Tag er fuhr, hatte man gegen mich bei der Truppe Anzeige erstattet, wegen Wehrmachtszersetzung. Angeblich sollte ich den Soldaten, der zu spät am Quartier erschien, vom Dienst abgehalten haben. Den Herren Wolf und Dr. Zimmermann habe ich es zu verdanken, dass dieser Vor fall ohne weitere Folgen für mich blieb.“89
Dieses Beispiel verdeutlicht die Möglichkeit der Rettung, der Rettung letzter Humanität, von der leider zu wenige Menschen der damaligen Zeit Gebrauch machten.
Mit dem letzten Aufgebot versuchte man, Bernhard Sturm Ende des Krieges doch noch einzuziehen, er wurde aber am 18.12.1944 laut Entscheid des Wehrbezirkskommandos in Marburg bis auf weiteres „uk“ (unabkömmlich) gestellt.90
Während anderswo in Deutschland noch gekämpft, Kinder in einem aussichtlosen Krieg für den Nationalsozialismus ihr junges Leben lassen mussten und unbeschreibliches Leid fortgesetzt wurde, endete mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Korbach am 29. März 1945 der Zweite Weltkrieg. Ein barbarisches und menschenverachtendes System fand sein jähes Ende, das vielen Millionen von Menschen das Leben gekostet hatte.
Die Korbacher Bevölkerung konnte bereits Ende März an einen Neuanfang denken. Von vielen Menschen zunächst unbemerkt, wurden mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen die Korbacher Schulen und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen, um eine umfassende Entnazifizierung vornehmen zu können. Vor der Wiederaufnahme des Unterrichts sollten Lehrern und Lehrerinnen, Lehrplänen und Lehrmitteln ihre nationalsozialistische Sichtweise genommen werden. Angesichts der hohen Mitgliedschaft vieler Lehrer und der breiten Bevölkerung in der NSDAP oder deren NS-Gliederungen stellte sich dies unweigerlich als ein organisatorisches Problem heraus. Die Alliierten hielten die Herstellung eines demokratischen Systems, wenn sie diesen Begriff auch höchst unterschiedlich interpretierten und unterschiedlich realisierten, übereinstimmend für ein grundlegendes Kriegsziel und einen wichtigen Besatzungszweck.
Dazu war es zunächst nötig, die Deutschen mit demokratischen Verhaltensweisen bekannt zu machen und sie zu Demokraten zu erziehen. Der Begriff „Umerziehung“, mit der der englische Begriff „reeducation“ umschrieben wurde, war freilich recht unglücklich gewählt und löste auf deutscher Seite heftige Abwehr aus. Nicht nur schien materieller Wiederaufbau viel dringlicher als die Demokratisierung des Bildungswesens und anderer öffentlicher Einrichtungen. Die Deutschen wehrten sich auch dagegen, auf kulturellem Gebiet Lehren von Amerikanern und Sowjetoffizieren, Franzosen und Briten anzunehmen. Die militärische und moralische Niederlage war vielen schmerzlich genug, sie wollten nicht auch noch belehrt und erzogen werden.
Mit den Schließungen der Schulen endete für Bernhard Sturm zunächst das Dienstverhältnis zum 1. April 1945. Laut öffentlichem Anschlag mussten sich am 3. April 1945 in Korbach alle früheren Mitglieder der NSDAP auf dem Rathaus melden und sich registrieren lassen. Lehrer und Schulbeamte, welche vor dem 1. Mai 1937 in die Partei eingetreten waren, wurden automatisch vom Lehrberuf ausgeschlossen; alle diejenigen, welche nach diesem Datum in die Partei eingetreten waren, konnten eingestellt werden, aber nur nach einer strengen Untersuchung. Mit dem 11. September 1945 erfolgte u.a. die endgültige Entlassung aller Lehrer der Landesschule, die der NSDAP angehört hatten. Auch Oberstudiendirektor Dieterich, der bis dahin zuweilen noch Amtsgeschäfte der Alten Landesschule durchgeführt hatte, wurde seines Amtes enthoben. 91 „Nicht-Parteigenossen der Landesschule waren die Studienräte Dr. Durm, Frosch, Kleeberg, Bernhard Sturm (pensioniert) und Wagner“92, die bei der Wiederaufnahme des Unterrichts als einzige dieser Schule nach den neuen Bestimmungen wieder zugelassen werden durften.
Der Schulbetrieb war zunächst durch Mangelwirtschaft gekennzeichnet. Es schien an allem zu fehlen: an Lehrern, Lehrwerken, Schreibpapier, Klassenräumen, Lehrund Heizmaterial. Parallel zur Wiedereröffnung z.B. der Alten Landesschule am 15.10.1945 zunächst im Gebäude der damaligen Berufsschule begann eine Periode mühsamen Wiederaufbaus für Lehrer und Schüler.93
Bernhard Sturm erhielt als ehemaliger Lehrer der Alten Landesschule „im Zuge der politischen Wiedergutmachung seine frühere Stellung“ zurück, da er zu den „politisch Verfolgten“ gehörte, wie dies aus einem Schreiben an den hessischen Kultusminister Dr. E. Stein vom 27.10.1948 hervorgeht.94 Mit Wirkung vom 1.10.1946 (Dienstantritt am 17. Okt.) übernahm er wieder seine alte Stelle als Zeichenlehrer an der Alten Landesschule und wurde mit Urkunde des hessischen Ministers vom 5.10.1950 zum Oberschullehrer im hessischen Landesdienst (zunächst zur Anstellung) in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ernannt.95
So widmete sich Bernhard Sturm zwischen seinem sechzigsten und fünfundsechzigsten Lebensjahr dem Wiederaufbau der Schule nach demokratischen Vorzeichen. Die Schüler sollten nicht mehr zu Befehlsempfängern, sondern zu mündigen Bürgern im Sinne Kants erzogen werden. Demokratische	Einrichtungen	wie die Schülerselbstverwaltung und das Schiedsgericht wurden ins Leben gerufen, der Schüleraustausch zum Zwecke der Völkerverständigung forciert. In der Nachkriegszeit erwarb sich Bernhard Sturm besondere Verdienste durch die Ausbildung von jungen Lehrern, die das Fach der Kunsterziehung lehren wollten.96 Pädagogisch wie fachlich sich qualifizierend nahm er u.a. im Herbst 1948 an einer Tagung für Kunsterzieher in Kassel teil. Am 20.10.1950 konnte Bernhard Sturm auf eine 40jährige Dienstzeit in der Schule zurückblicken und erhielt aus diesem Anlass ein Glückwunschschreiben des hessischen Erziehungsund Volksbildungsministers Dr. Stein. Neben seiner schulischen Tätigkeit setzte er sich zudem für die „Verbreiterung der Volksbildung“ ein und beteiligte sich aktiv an der Gründung des Volksbildungsringes (heute Volkshochschule). Ernsthafte Bemühungen wurden bereits im September 1946 durch seinen ehemaligen Kollegen und das frühere Sturmblock-Mitglied Ludwig Kleeberg eingeleitet. Als Gründungsmitglied der „ersten Stunde“ bildeten Ludwig Kleeberg mit Bernhard Sturm und Rudolf Grimm (auch ehemals Sturmblock-Mitglied) und einer weiteren Person im Oktober 1946 einen „Kulturausschuss“ in Korbach, der Einzelgebiete wie bildende Kunst, Musik, Literatur, Philosophie und Religionskunde zu betreuen hatte.97 Nach einer Teilnehmerund Vorstandsversammlung übernahm Ludwig Kleeberg Anfang Dezember den Vorsitz. Den Auftakt bildete ein musischer Abend am 4. Januar 1947 in der ungeheizten Stadthalle, der ganz im Zeichen Mozarts und unter dem Motto „sub specie aeternitatis“ für die Bildungsarbeit stand. Im April 1947 konnten die ersten Volkshochschulkurse beginnen. Der Volksbildungskreis veranstaltete dann unter der Schirmherrschaft des Landrates von Waldeck und des Bürgermeisters der Stadt Korbach im Herbst 1947 eine erste waldeckische Werkschau in Korbach, die auch Arbeiten Bernhard Sturms zeigte. Als Werkschau regionaler Maler und Bildhauer wurde diese Ausstellung unter erheblichem Anklang der Bevölkerung von mehr als 2500 Personen besucht.98 Ohne jeglichen öffentlichen Zuschuss mussten damals noch alle Unkosten ausschließlich aus den Einnahmen der Besucher bestritten werden. Welch ein Idealismus lag der Anfangsund Aufbauphase zugrunde! Künstlerisch weiter produktiv, wurden seine Werke auch in Bad Wildungen und Arolsen ausgestellt.
Kollegium der Alten Landesschule, 1949:
Stehend v. l. n. r.: Bartsch, Schlufter, Deschauer, Rinke, Schöttler, Henning, Albrecht, Stiehl, Dr. Schnelle, Herbst, Panke, Landau, Bernhard Sturm, Ludwig Kleeberg, Handschuh, Dr. Krienitz
Mitte: Fr. Mauler
Sitzend v. l. n. r.: Stielow, Köster, Dr. Kaeser, Dr. Finkenwirth, Dr. Ehrentreich, Dr. Peper, Noll, Hartwig, Dr. Durm, Dr. Krog
Als Leidtragender des NS-Regimes seiner beruflichen Aufstiegschancen beraubt und durch die Zwangspensionierung finanziell belastet machte Bernhard Sturm beim Regierungspräsidenten in Kassel auf Grund des Bundeswiedergutmachungsgesetzes vom 11.5.1951 (BGBl., S. 291ff.) Ansprüche geltend. Außer einer Ausgleichsentschädigung für entgangene Bezüge für die Zeit von 1938 bis 1946 äußerte er einen Anspruch auf nachträgliche Beförderung.99 Bereits am 10. September 1952 erging der Bescheid über die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts:
Wiedergutmachungsbescheid. Dem Oberschullehrer a.D. Bernhard Sturm, geboren am 25.5.1886 in Königsberg/ Preussen, wohnhaft in Korbach, Westwall 1, wird auf seinen Antrag vom 20.9.1950 auf Grund des § 9 Absatz 2 des Gesetzes zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Angehörige des öffentlichen Dienstes vom 1 .5.1951 (BGBl. S. 291 ff.) folgende Wiedergutmachung gewährt: Dem Antragsteller sind gemäss § 15 des Bundeswiedergutmachungsgesetzes unter Aufrechnung bereits gezahlter Bezüge (§ 29 Abs. 2 des Bundeswiedergutmachungsgesetzes) vom 1.4.1951 ab die Dienstbzw. Versorgungsbezüge zu gewähren, die er erhalten hätte bzw. erhalten würde, wenn er am 1.1.1940 zum Studienrat der Besoldungsgruppe A 2 c 2 unter Festsetzung eines Besoldungsdienstalters vom1.1.1934 ernannt worden wäre. Die Zeit der Dienstunterbrechung ist gemäss § 9 Absatz 2 des Bundeswiedergutmachungsgesetzes auf die ruhegehaltsfähige Dienstzeit anzurechnen. 100
Diese Wiedergutmachung kann natürlich nicht alle aufgrund von Unrecht zugefügten Schäden lindern, stellt aber doch zumindest eine moralische Wiedergutmachung dar. Schmerzhaft war für Bernhard Sturm in diesem Zusammenhang jedoch die Erfahrung, dass er im Rahmen seines Wiedergutmachungsantrages mehr als fünf Jahre nach Beendigung des Nazi-Regimes nicht ungeteilte Unterstützung erfuhr. So verweigerten Mitmenschen die Bezeugung gewisser Vorgänge, die sachdienliche Hinweise auf erlittenes Unrecht hätten dokumentieren können.
Am 1.6.1951 erfolgte seine endgültige Pensionierung wegen Erreichen der Altersgrenze.
Eine Würdigung seiner unbeugsamen politischen Haltung und seiner Verdienste um den Wiederaufbau des Kunstunterrichts nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert ein Schreiben seines letzten Schuldirektors Alfred Ehrentreich, der ebenfalls unter dem NS-Regime zu leiden hatte:
4907 9.5.56 An den Herrn Regierungspräsidenten Abt. IIB (Höhere Schulen) Kassel Betr.: 70. Geburtstag Bezug: II/6-Az.14f v. 5.12.55 Der frühere Zeichenlehrer der Alten Landesschule, Bernhard Sturm, geb. 25.5.1886, feiert am 25. Mai seinen 70. Geburtstag. Wegen seiner Verdienste um den Wiederaufbau des Kunstunterrichts an dieser Schule nach dem Kriege und wegen seiner ungebeugten politischen Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus verdient besonders hervorgehoben [zu] werden.[...] [Ehrentreich]101
Sein berufliches Wirken wurde durch die Versetzung in den Ruhestand beendet, jedoch nicht sein künstlerisches Schaffen. Seitdem malte der Junggebliebene, setzte sich mit Strömungen der Kunst, Literatur und Musik auseinander. Nie soll ihm der Gesprächsstoff ausgegangen sein. Tiefer Ernst und gleichzeitig sprudelnder Humor sollen seine Gespräche durchdrungen haben.
Den Umfang seines künstlerischen Schaffens verdeutlichte im besonderen eine Ausstellung, die anlässlich seines 75. Geburtstages in der Stadthalle Korbach zu sehen war.
Mit Elan feierten Ilse und Bernhard Sturm am 2. Oktober 1980 im Beisein ihrer beiden Kinder, ihrer vier Enkelkinder und vier Urenkel ihre diamantene Hochzeit. Prominente Gratulanten wie der Bürgermeister Wolfgang F. Bonhage und der Landrat Dr. Karl-Hermann Reccius, der Glückwünsche des hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner überbrachte, waren zugegen. Auch im hohen Alter war es für Bernhard Sturm selbstverständlich, sich mit seinen „Ehemaligen“ zu treffen. Bei Kunstausstellungen war er ein gern gesehener Gast, auf dessen fachliches Urteil Wert gelegt wurde, so in der Korbacher Kunstgalerie Bangert, die er noch mit 97 Jahren aufsuchte, um sich Graphiken und Aquarelle des Kasseler Künstlers Fritz Lometsch anzusehen. Beide kannten sich bereits seit 63 Jahren.
Nach dem Tod seiner Frau am 5. Oktober 1982 verbrachte er seinen Lebensabend im Kreisaltenpflegeheim in Korbach. Doch Bernhard Sturm wäre nicht Bernhard Sturm gewesen, hätte er sich jetzt auf sein Altenteil gesetzt. Im Alter von 98 Jahren absolvierte er in Begleitung der Stationsschwester Christa Thiele den ersten Flug seines Lebens, um seine Tochter Gunda in der bayrischen Landeshauptstadt München zu besuchen.
Noch im hohen Alter trug er bei unterschiedlichsten Gelegenheiten gerne Gedichte vor, wie das folgende: Die Fliege
Da sitzt eine Fliege.
Ich fühl mich als Gott
Und verfüg´ über Leben und ihren Tod.
Wie sie so dasitzt,
sich schniegelt und putzt,
ob da Tod etwas nutzt.
Das ist es ja eben, drum schlag ich nicht zu,
wer will mir denn sagen, daß sie nicht mein Du.
Schön wär´s, wenn man wüßt, wo man Gott oder Fliege ist.102
Im Geiste dieses kleinen, nahezu kindlichen Gedichtes erscheint uns der gereifte Bernhard Sturm im hohen Alter als höchst versöhnlicher und meditativer Mensch, der ganz in einem pantheistischen Sinne Erbarmen, Mitgefühl und Zuneigung auch für die scheinbar unscheinbarste Kreatur empfindet. Am 27.2.1985 verstarb Bernhard Sturm im Alter von 98 Jahren in Korbach. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Korbacher Friedhof, Abt. 15, Nr. 80.
„Genialität, Originalität, sprühendes Temperament und Eigenwilligkeit prägten seinen Lebensweg bis ins hohe Alter und waren in Verbindung mit einem grundehrlichen Charakter, drastischer Offenheit und heiterem Naturell Garant für sein so positives Wirken als Lehrerpersönlichkeit“103 und Künstler.
Marion Lilienthal,
Die Alte Landesschule in Korbach.
Ein Kaleidoskop aus fünf Jahrhunderten (1579-1962),
Band 1, Korbach 2016, S. 182-185
Band 1, Korbach 2016, S. 208-214
Über die Biographie Bernhard Sturms lag bislang keine umfassende Arbeit vor. Lediglich einige Artikel im „Klosterglöckchen“ und der „Waldeckischen Landeszeitung“, neben verstreuten Fragmenten, gewährten erste Einblicke in sein Leben. Besonderer Dank gilt daher dem Schulleiter der Alten Landesschule, Herrn Gassner, für die Genehmigung zur Akteneinsicht. Für die tatkräftige Unterstützung bei der Beschaffung von Archivalien ist dem Leiter des Korbacher Stadtarchivs, Herrn Ruppel und seinen Mitarbeitern, Herrn Gerlach und Herrn Thomas, der Leiterin der Korbacher Westwallschule, Frau Gottmann, und Frau Lorenz von der Rudolf-Lorenz-Stiftung (Bad Wildungen) zu danken. Für wegweisende Hinweise und die Bereitstellung wichtiger Materialien ist im besonderen Herrn W. Zimmermann, Herrn J. Eicken, Herrn H. Hayn, Herrn H. Habermann, Herrn Dr. Lindemann vom Gymnasium in Essen-Borbeck, Herrn Dr. Dettmar vom Landesarchiv Berlin, Frau Dr. Scheeben vom Stadtarchiv Düssseldorf, Frau Dr. Baumgarten vom Stadtmuseum Düsseldorf und Frau Dr. Basikow vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Berlin zu danken. Besonderer Dank gilt aber vor allem dem Leiter des Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach, Herrn Dr. Völcker-Janssen, der sein umfassendes Wissen in die Entstehung einfließen ließ.
Auf Bernhard Sturms Heiratsurkunde, Nr. 1920/20, Standesamt Düsseldorf Mitte, ist Cosse vermerkt.
Aus einer kleinen handschriftlichen Notiz, vermutlich aus dem Jahr 1944, erfahren wir über seinen Bruder: „Er [der Bruder] ist natürlich sehr krank. Starken[r] Herzfehler, innere Verwachsungen, Rippenentfernung. Darf sich nur langsam bewegen u. muß alle Augenblick[e] stehen bleiben, um Luft zu bekommen.“ Vgl. Handschriftliche Notiz, undatiert, vermutlich 1944 (Bestand: SchA ALS).
In der Einwohnermeldekartei Berlin befindet sich der Eintrag: Eduard Sturm, geb. 19.04.1855 [...], Kr. Memel, verzog am 1.4.1934 von der Provinzstr. 117 in die Bernerstr. 71 (Auskunft: Landesarchiv Berlin).
Die Auflistung seiner Lebensstationen stammt aus einem Fotoalbum, das Bernhard Sturm anlässlich seiner Goldenen Hochzeit zusammengestellt hat (datiert auf den 2. Oktober 1970).
Vgl. „Personalblatt für Technische, Elementarund Vorschullehrer“ (Bestand: SchA ALS).
Vgl. „Personalblatt für Technische, Elementarund Vorschullehrer“. An anderer Stelle wird berichtet, dass er sein Studium bereits am 15.06.1914 beendet hat.
Vgl. „Klosterglöckchen“, Nachrichten für die Mitglieder des Vereins ehemaliger Korbacher Gymnasiasten, Nr. 2, 33. Jg, Korbach Juli 1966, S. 10.
Vgl. „Klosterglöckchen“, Nr. 3, 47. Jg, Korbach November 1980, S. 6 (Waldeckische Landeszeitung).
Vgl. „Personalblatt für Technische, Elementarund Vorschullehrer“ (Bestand: SchA ALS). Auf Karfreitag, den 2.4.1915, wurde jedoch noch ein Bild in Gronau datiert.
Vgl. „Personalblatt für Technische, Elementarund Vorschullehrer“ (Bestand: SchA ALS) sowie Schulakte „Nachweisung von den Personalund Einkommens-Veränderungen bei dem Städt. Gymnasium zu Essen Borbeck [...]“, Dokumentenordner 1915 (Bestand: Schularchiv des Gymnasiums Borbeck).
Auflistung von Bernhard Sturms Lebensstationen anlässlich seiner Goldenen Hochzeit vom 2. Oktober 1970.
Vgl. Schreiben des Schuldirektors Ehrentreich vom 20.2.1951 an den Hessischen Minister für Erziehung und Volksbildung. Von den Geschehnissen und seinen Kriegseindrücken soll er zuweilen noch seinen Schülern und Schülerinnen berichtet haben. Am 20.09.1935 erhielt er nachträglich für seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Vgl. „Personalblatt für Technische, Elementarund Vorschullehrer“ (Bestand: SchA ALS).
Handschriftliche Notiz, undatiert, vermutlich 1944 (Bestand: SchA ALS). In welchem Dienstverhältnis er dort stand, lässt sich nicht ermitteln, da sich zu diesem Beschäftigungsverhältnis weder Hinweise in entsprechenden Schulakten noch in den Unterlagen des Oberpräsidenten (für höheres Schulwesen) finden lassen.
Vom 26.07.1903-1.10.1907 war M.W. Leist Seminardirektor in Pr. Friedland; ab 1913 Geh. Regierungsrat und vortragender Rat im „Ministerium der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten in Berlin (Auskunft: Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Berlin).
Vgl. „Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1918“, Berlin 1918, S. 83.
Vgl. „Personalblatt für Technische, Elementarund Vorschullehrer“ (Bestand: SchA ALS). Das Schreiben mit seiner Berufung an das Landesgymnasium zum 1. April 1919, datiert vom 28. März 1919, erreichte ihn jedoch so knapp vor Dienstantritt in Reinickendorf-Berlin, Provinzstraße 1 7 II., dass er seinen Dienst nicht am 1. April, sondern erst zu Schulanfang nach den Ferien antreten konnte.
Vgl. „Chronik der Schule zu Corbach [Bürgerund Höhere Mädchenschule], S. 64. In welchem Umfang er dort unterrichtete, ließ sich anhand der Quellenlage nicht ermitteln.
Heiratsurkunde Nr. 1920/20. Die Trauung wurde im Standesamt Düsseldorf Mitte vollzogen.
Ilse Sturm verstarb am 5.10.1982 in Korbach (Auskunft: Standesamt Düsseldorf). Angaben zu ihrer Person finden sich im „Klosterglöckchen“, Nr. 3, 47. Jahrgang, Korbach November 1980, S. 6.
Im weiteren Sinne ist Notgeld die Bezeichnung für Münzund Papiergeld, das in Krisenund Notzeiten herausgegeben wird, um einen zusätzlichen Bedarf abzudecken oder um die bestehende Währung zu ersetzen. Ein verstärkter Geldumlauf – bei fehlender Deckung – führte unweigerlich zu den katastrophalen Erscheinungen, wie sie sich zu Beginn der 20er Jahre zeigten. Welch groteske Züge die Inflation in Waldeck annahm, verdeutlicht die Fahrpreisentwicklung der Bahnstrecke von Wega nach Bad Wildungen. Vor Beginn der galoppierenden Inflation verlangte die Bahn 5 Pfennig für die ca. drei Kilometer lange Strecke, im April 1923 bereits 100 Milliarden Mark, obgleich der absolute Höhepunkt der Inflation keineswegs erreicht war. Vgl. „Als wir alle Millionäre waren. Rückblick in eine schwere Zeit“ von Ludwig Bing, in: Waldeckischer Landeskalender 1979, hrsg. v. L. Bing, Korbach, S. 42.
„Als wir alle Millionäre waren. Rückblick in eine schwere Zeit“, von Ludwig Bing, in: Waldeckischer Landeskalender 1979, hrsg. v. L. Bing, Korbach, S. 41-51.
Vorlage zum Vgl. s. Wolfgang Medding, „Korbach. Die Geschichte einer deutschen Stadt“, hrsg. v. der Stadt Korbach, 3. Aufl., Korbach 1988, S. 29: Erläuterung zur Münztafel, Nr. 12, Pfennig des Grafen Adolf I. Angaben zu seiner Regierungszeit variieren in unterschiedlichen Werken (u.a. 12181270/ 1226-1270).
Vgl. „Klosterglöckchen“, Nr. 2, 33. Jg, Korbach Juli 1966, S. 10.
„Klosterglöckchen“, Nr. 2, 43. Jg, Korbach Juni 1976, S. 5.
Auswertung der „Berichte[e] über das Schuljahr 1927-28 [bis Schuljahr 19311932], Staatl.[iches] Landesgymnasium zu Corbach“ (Bestand: SchA ALS).
Es handelt sich hierbei wohl um Aribert Mog, der als Mitarbeiter in der z weiten Ausgabe der Zeitschrift „Im Sack“ der Sturmblock-Vereinigung aufgeführt wird.
„Über meinen Unterricht. Gedanken von Sturm Corbach i. Waldeck“, in: „Kunst und Jugend“, hrsg. v. Bund Deutscher Kunsterzieher, Heft 9, 1929, S. 246ff.
„Bericht über das Schuljahr 1930 -1931, Staatliches Landesgymnasium zu Corbach“, o. S. (Bestand: SchA ALS).
„Laudatio für Bernhard Sturm“ von Kurt Dittmann, aus: „Klosterglöckchen“, Nr. 2, 37. Jg., Korbach Juli 1970, S. 2.
In seiner Funktion als Turnlehrer oblag ihm mitunter auch die Leitung der „Reichsjugendwettkämpfe“, die in Verbindung mit den beiden anderen höheren Schulen Waldecks (z.B. am 16.9.1925 in Korbach) ausgetragen wurden. Vgl. „Bericht über das Schuljahr 1925-26, Staatliches Landesgymnasium zu Corbach in Waldeck“, S. 16 (Bestand: SchA ALS).
„Klosterglöckchen“, Nr. 1, 54. Jg., Korbach Ostern 1987, o. S. „Von Sturms Farben zu Blumenstengels Musik“. Impressionen aus dem Schulleben von Helmut Ulrich.
Vgl. Fritz Scheele, „Der Sturmblock“, in: „Klosterglöckchen“, Nr. 2, 43. Jg., Korbach Juni 1976, S. 5.
Ludwig Kleeberg lehrte am Landesgymnasium 1925/26 und von 1943 bis 1951 (ab 1.1.1938 „Alte Landesschule“).
Einwohnermeldekarte Bernhard Sturm (Bestand: Stadtarchiv Korbach).
Vgl. Hermann Spratte, „Der Sturmblock“, in: „Klosterglöckchen“, Nr. 1, 56. Jg., Korbach März 1989, o. S.
Fritz Scheele, „Der Sturmblock“, in: „Klosterglöckchen“, Nr. 2, 43. Jg., Korbach Juni 1976, S. 5.
Rudolf Grimm, „Damals spielten wir Bürgerschreck“, in: „Hessische Allgemeine Zeitung“, 25.5.1961.
Bekannt ist dieses Schmierblatt auch für seine großflächigen Anzeigen: „Deutsche Frauen, meidet jüdische Geschäfte! Kauft nur in deutschen Geschäften! Der deutsche Kaufmann steht Euch näher als der rassefremde Jude“., die bereits 1930 für alle unübersehbar zu lesen waren. Eine abstoßende Saat, die nicht erst mit Hitlers Machtübernahme aufging.
Unbezeichnete Quelle.
Schreiben des Kreisleiters Geisel der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Kreis Eisenberg, vom 18. Mai 1933 an die Schulleitung (Bestand: SchA ALS).
Schreiben (Manuskript) des Schuldirektors Dieterich an den Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau (Abt. f. höh. Schulwesen) vom 20.05.1933 (Bestand: SchA ALS).
Vgl. Schreiben des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau (Abt. f. höh. Schulwesen) an „Oberschullehrer Herrn Sturm“ vom 13.07.1933 (Bestand: SchA ALS).
Vgl. „Aus dem Schulleben“ der Bürgerund Höheren Töchterschule: „Vereidigung der Lehrer und Lehrerinnen auf den Führer durch den Schulrat“, in: „1934. Ver waltungsbericht der Kreisstadt Korbach“, Korbach 1935, S. 39.
Vgl. Erklärungen Bernhard Sturms (unter Diensteid) vom 21.08.1935 und 30.09.1935 (Bestand: SchA ALS).
Vgl. Schreiben des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau (Abt. f. höh. Schulwesen) an die Staatsanwaltschaft und den Direktor des Landesgymnasiums vom 16.08.1934 sowie das Schreiben des Schuldirektors an den „Herrn Oberpräsidenten“ vom 1.06.1934 (Bestand: SchA ALS).
Schreiben des Schuldirektors des Landesgymnasiums an den „Herrn Oberpräsidenten“ vom 1.06.1934 (Bestand: SchA ALS). Die Zwangsmitgliedschaft in der „Reichskammer der bildenden Künste“, für die der Ariernachweis Voraussetzung war, ermöglichte ebenso wie das Berufsbeamtengesetz (7.4.1933) die „Säuberung“ und Gleichschaltung des Kulturbereichs. Nichtmitglieder erhielten keine Arbeitsund Publikationserlaubnis.
Vgl. „Personalkarte“ Bernhard Sturms (Bestand: SchA ALS).
Hans Habermann wurde später Reg.Schulrat in Kassel.
Nach Friedrich Bracht wurde später eine Straße in Korbach benannt.
Bericht des Schuldirektors Dieterich am Tag der Verhaftung am 5.05.1937 (Bestand: SchA ALS).
Vgl. Hilmar-G. Stoecker, „Hans MayKorbach 75 Jahre alt“, in: „Waldeckische Landeszeitung“, 14.05.1977.
Vgl. ebd. sowie „Der Maler und Graphiker Hans May-Korbach“, in: „Waldeckische Landeszeitung“, 12.01.1963.
Vgl. „Wildunger Zeitung“, 1.06.1935, 2. Beilage zu Nr. 127.
Schreiben Hans Mays an den Schuldirektor des Landesgymnasiums vom 23.05.1937 (Bestand: SchA ALS). Leider wurden die Unterlagen der Geheimen Staatspolizei Berlin gegen Kriegsende systematisch vernichtet, so dass sich keine genauen Belege mehr finden lassen. Vgl. Angabe des Landesarchivs Berlin.
Siehe Anm. 66.
Schreiben (Abschrift) des Reg.Ass. Giese an Bernhard Sturm vom 8.10.1937 (Bestand: SchA ALS).
Vermerk des Reg.Ass. Giese vom 9. Okt. 1937 (Bestand: SchA ALS).
Schreiben des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau an den Schuldirektor des Landesgymnasiums vom 11. Okt. 1937 (Bestand: SchA ALS). Am 29. Okt. 1937 erfolgte ein Schreiben des Schuldirektors an Bernhard Sturm: „Auftragsgemäß habe ich gestern mit Herrn Medizinalrat Dr. Finckh verhandelt. Er lässt Sie bitten, sich am nächsten Donnerstag gleich zu Beginn seiner Sprechstunde um 9 Uhr auf dem Gesundheitsamt im II. Stock des Landratsamtes einzufinden. Ich habe mit dieser Mitteilung bis zu dem Anruf aus Kassel gewartet. Soeben um 10,30 Uhr hat mir Herr Reg. Ass. Giese fernmündlich mitgeteilt, daß ihr Ruhegehalt nach Abzug der gesetzlichen Kürzungen [...] 301 RM beträgt.“ Bestand: SchA ALS.Vgl. „Waldeckischer Landeskalender nach der allgemeinen christlichen Zeitrechnung auf das Jahr 1937, Hg. L. Bing, Korbach o.J., S. 32: „Staatliches Gesundheitsamt für die Kreise der Eder und des Eisenbergs“, „Med.-Rat Dr. Finckh, Bad Wildungen“. „Jeden Donnerstag Sprechstunde des Amtsarztes i. Korbach“.
Bestand: SchA ALS.
„Gesuch des Oberschullehrers Sturm auf Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit“ vom 2.12.1937 (Bestand: SchA ALS).
Vgl. Schreiben des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau (Abt. f. höh. Schulwesen) vom 24.01.1938.
Schreiben	d.	Schuldirektors	a.D. Dieterich an den Direktor der Alten Landesschule Alfred Ehrentreich, der ab 1946 das Amt des Schuldirektors bekleidete.
Beglaubigte Abschrift des Wiedergutmachungsbescheides vom 10.09.1952 des Regierungspräsidenten in Kassel, I/7 Az.: 3 w EG Reg.Nr. 29811 (Bestand: SchA ALS).
Bericht über das Schuljahr 1937-1938. Staatliches Landesgymnasium zu Korbach. Korbach, d. 15. April 1938, S. 16.
Interview Reinhard Dornieden mit Hans Habermann jun., Juli 1993, S. 8.
Die Inhaftierung im Kasseler Gefängnis Wehlheiden schien lange Zeit umstritten. Aussagen von Freunden und Bekannten dokumentieren heute ein eindeutiges Bild. Gegenüber Herrn Dipl. Ing. Hugo Hayn hat Bernhard Sturm u.a. persönlich bekundet, im Kasseler Gefängnis inhaftiert gewesen zu sein. Vgl. auch „Waldeckische Landeszeitung“, 25.5.1966; „Klosterglöckchen“, Nr. 2, 33.Jg., Korbach Juli 1966, S. 10.
Vgl. Schreiben des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau vom 12.09.1939 All.805 II – an die Alte Landesschule (Posteingang 15.9.39, Tgb.Nr. 978) betreffs „Wiederverwendung von Ruhestandsbeamten und anderen Hilfskräften ....“ (Bestand: SchA ALS).
Verteidigungsschrift Dr. Paul Zimmermanns im Spruchkammerverfahren (Bestand: Stadtarchiv Korbach).
Abschrift der Erklärung Bernhard Sturms vom 1.5.1947 im Spruchkammerverfahren gegen Dr. Paul Zimmermann (Bestand: Stadtarchiv Korbach).
Schreiben des Bürgermeisters der Stadt Korbach – V/534.01-Mr. vom 8.9.1950 (Bestand: SchA ALS).
Schreiben Bernhard Sturms an Schulrat Graf in Arolsen vom 5.06.1944 (Bestand SchA ALS).
Eidesstattliche Erklärung Bernhard Sturms vom 10. April 1947 im Spruchkammerverfahren gegen Dr. Paul Zimmermann sowie Verteidigungsschrift Dr. Zimmermanns im gleichen Verfahren, unter Punkt 16 (Bestand: Stadtarchiv Korbach).
Tippfehler im Original.
Eidesstattliche Erklärung Bernhard Sturms vom 10.04.1947 im Spruchkammerverfahren gegen Dr. Paul Zimmermann (Bestand: Stadtarchiv Korbach). Weiter führt Bernhard Sturm in einer anderen Erklärung aus: „Hinzufügen möchte ich noch, dass Herr Dr. Zimmermann in dem von mir geschilderten Fall wegen angeblicher Zersetzung der Wehrmacht (siehe Entlastungsschreiben für Herrn Polizeimstr. Wolf) alles tat, um mich straffrei zu bekommen.“ Schriftliche Erklärung Bernhard Sturms vom 1. Mai 1947 im Spruchkammerverfahren gegen Dr. P. Zimmermann (Bestand: Stadtarchiv Korbach).
Schreiben des Reg.Präs. (Abt. f. Erz. u. Unterricht) vom 24.1.1945 an Schulrat Graf in Arolsen (Bestand: SchA ALS).
„Jahresbericht über die schulischen Ereignisse der Schuljahre 1944 und 1945 (bis zum 30. September 1946)“, S. 2, in: „Jahresberichte von 1944 bis 1949“ [der Alten Landesschule Korbach] (Bestand: SchA ALS).
Ebd. Die Angaben über „Nicht-Parteigenossen“ beziehen sich auf den Zeitraum von 1933 1945. Eine Rekonstruktion aller beschäftigten Lehrer/ innen ist unmöglich, da es infolge der Kriegswirren zwischen 19411943 keine Jahresberichte gab. Das Kollegium bestand 1933 aus 13 Mitgliedern, 1938 aus 15 und 1940 aus 16 Mitgliedern.
Schreiben Dr. Ludwigs (Wiesbaden) an Minister Dr. E. Stein vom 27.10.1948 (Bestand: Staatliches Schulamt für den Schwalm-Eder-Kreis und den Landkreis Waldeck-Frankenberg).
Vgl. Schreiben des Hessischen Ministers für Erziehung und Volksbildung an den Leiter der Alten Landesschule vom 6. 10.1950 (Bestand: SchA ALS).
Vgl. „Klosterglöckchen“, Nr. 2, 33. Jg., Korbach Juli 1966, S. 11.
Vgl. „Zwei Jahrzehnte Er wachsenbildung in Waldeck. Ein Bericht von Dr. Alfred Ehrentreich und Kurt Finke“ in: Mein Waldeck. Beilage der ,Waldeckischen Landeszeitung´ für Heimatfreunde, Nr. 2, Mitte Januar 1968.
Vgl. „Die Stadt Korbach 1945-1947. Ein Rechenschaftsbericht, Korbach 1948, S. 28.
Vgl. Schreiben des Regierungspräsidenten in Kassel an den Leiter der Alten Landesschule vom 7.03.1952 (Bestand: SchA ALS).
„Wiedergutmachungsbescheid	d. Reg.präs. in Kassel vom 10.9.1952, I/7 Az.: 3 w EG Reg.Nr. 29811.
„Klosterglöckchen“, Nr. 3, 51. Jg., Korbach Dezember 1984, S. 5.
Trauer-Anzeige des Schulleiters Theo Mock zum Tode von Bernhard Sturm (Bestand: SchA ALS).
LEX MIHI ARS, Der Korbacher Kunsterzieher, Grafiker und Maler Bernhard Sturm (1886-1985), Seite 8-35
Herausgegeben von Wilhelm Völcker-Janssen (Wolfgang-Bonhage-MUSEUM KORBACH)
Robert Gassner (Alte Landesschule Korbach)
Korbach 2006
Copyright © Dr. Marion Lilienthal
Technische Realisierung: Anne Kersting, Horst Schötten, Dominic Antony

References: § 4
 § 73
 § 71
 § 73
 § 9
 § 15
 § 9