Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201980,%20281
Timestamp: 2019-02-23 03:53:14+00:00

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BGH, 18.09.1979 - VI ZR 16/79 - dejure.org
Schadensersatz auf Grund eines Verkehrsunfalls - Ersatz eines merkantilen Minderwerts - Schäden an einem Nutzfahrzeug
Wertminderung Gewerbefahrzeug
Wertminderung - Wertminderung an gewerblich genutztem Transporter
NJW 1980, 281
MDR 1980, 133
VersR 1980, 46
DB 1980, 827
In einer späteren Entscheidung vom 18. September 1979 - VI ZR 16/79 - (VersR 1980, 46, 47) hat der Senat zwar erwogen, bei Personenkraftwagen könne im allgemeinen eine Fahrleistung von 100.000 km als obere Grenze für den Ersatz eines merkantilen Minderwerts angesetzt werden.
Diese Einschätzung stützte sich jedoch unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse auf dem Gebrauchtwagenmarkt auf die Überlegung, daß solche PKW im allgemeinen nur noch einen derart geringen Handelswert hätten, daß ein meßbarer Minderwert nach Behebung der Unfallschäden nicht mehr eintrete (vgl. Senatsurteil vom 18. September 1979 - VI ZR 16/79 - aaO).
Dabei beruht die Minderbewertung einer beschädigt gewesenen Sache im Wesentlichen auf der Vorstellung der Kaufinteressenten, dass erheblich geschädigte und dann reparierte Sachen im allgemeinen eine größere Schadensanfälligkeit zeigen, ohne dass der Zusammenhang neuer Schäden mit dem schädigenden Ereignis oder einer unzureichenden Reparatur im Einzelfall nachweisbar zu sein braucht (vgl. BGHZ 35, 396 (398); BGH VersR 1980, 46 (48)).
Zwar wird in der Praxis wohl überwiegend die Methode nach Ruhkopf/Sahm angewendet, die auch der Bundesgerichtshof als brauchbar angesehen hat (vgl. BGH, Urt. v. 18.06.1979, Az.: VI ZR 16/79, zitert nach juris, Rdnr. 13 m.w.N.).
Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann die Methode Ruhkopf/Sahm eine brauchbare Bewertungsgrundlage abgeben (BGH NJW 1980, 281, 282.), wobei sich aber eine schematische Anwendung eines Schätzverfahrens verbietet (…LG Saarbrücken, Urt. v. 21.09.2012 - 13 S 3/12, juris Rn. 19).
Dies gilt nicht nur für Kraftfahrzeuge, sondern auch für andere Sachen, wie z.B. Nutzfahrzeuge (vgl. BGH VersR 1980, 46), Grundstücke (BGH NJW 1981, 1663) oder Musikinstrumente (BAG NJW 1988, 932; vgl. auch Grunsky in MünchKomm 3. A., Vor § 249 RZ 14; Halbgewachs, Der merkantile Minderwert, 11. A. S. 11, 12).
Auch bei einem Tankmotorschiff kann deshalb ein merkantiler Minderwert jedenfalls dann eintreten, wenn hierfür, wie es die Klägerin behauptet, ein Gebrauchtmarkt besteht (vgl. BGH VersR 1980, 46).
Denn die Minderbewertung einer beschädigt gewesenen Sache beruht im Wesentlichen auf der Vorstellung der Kaufinteressenten, dass erheblich geschädigte und dann reparierte Sachen im allgemeinen eine größere Schadensanfälligkeit zeigen, ohne dass der Zusammenhang neuer Schäden mit dem schädigenden Ereignis oder einer unzureichenden Reparatur im Einzelfall nachweisbar zu sein braucht (BGH a.a.O., VersR 1980, 46, 48).
Ist eine merkantile Wertminderung eingetreten, kommt es nicht darauf an, ob der Eigentümer die Sache veräußert oder selbst weiterbenutzt, da die merkantile Wertminderung nichts anderes ist als die Wertdifferenz zwischen dem Zustand vor dem schädigenden Ereignis und nach der Reparatur (BGHZ 27, 181, 184; 35, 396, 397; VersR 1961, 707, 708; 1980, 46, 47).
Denn bei der Bewertung von Sachschäden kommt es allein auf den objektiven Verkehrswert an, also auf die Einschätzung des Gutes durch den Markt, nicht aber auf Verhandlungsargumente, zumal wenn diesen nur ein gefühlsmäßig zu erklärendes und im Grunde unberechtigtes Vorurteil zugrunde liegen kann (vgl. BGH VersR 1980, 46, 48).
Ein solcher Mindererlös stellt auch dann eine adäquate Folge des Schadensereignisses dar, wenn er nur Ausfluss eines im Grunde unberechtigten Vorurteils des Käufers sein sollte (vgl. BGH VersR 1980, 46, 48).
Beim merkantilen Minderwert handelt es sich nach allgemeiner Ansicht um einen nach § 251 I BGB zu ersetzenden unmittelbaren Sachschaden, der trotz Reparatur am Unfallfahrzeug verbleibt (…vgl. Palandt/Grüneberg, BGB, 77. Aufl. 2018, § 251 Rn. 14; BGH NJW 1958, 1085; NJW 1961, 2253; BGH, NJW 1980, 281, 282; NJW 2005, 277).
Häufig wird die Methode von Ruhkopf und Sahm angewendet, die auch der Bundesgerichtshof als brauchbar angesehen hat (vgl. BGH NJW 1980, 281; OLG Saarbrücken DAR 1989, 345;… Geigel/Rixecker, Haftpflichtprozess, 20. Aufl., Kapitel 4, Rn. 34;… Palandt/Grüneberg, a.a.O., § 251 Rn. 17;… Staudinger/Schiemann [2017], BGB, § 251 Rn. 35).
Die Methode Ruhkopf/Sahm (VersR 1962, 593 f.) ist eine anerkannte Methode der Schadensermittlung, die von der Rechtsprechung angewendet wird und nach verbreiteter Ansicht zu brauchbaren Ergebnissen führt (vgl. BGH, Urteil vom 18. September 1979 VI ZR 16/79 , VersR 1980, 46, insbes. juris-Rdnr. 13 m. w. N.. OLG Düsseldorf…, Urteil vom 23. Oktober 2006 - 1 U 110/06, insbes. juris-Rdnr. 33. Landgericht Karlsruhe…, Urteil vom 26. Januar 2007 - 3 O 471/05, insbes. juris-Rdnr. 52. Amtsgericht Erkelenz, Urteil 30. September 2008 - 6 C 215/08, VRR 2009, 65, juris-Rdnr. 32. Palandt/Heinrichs, BGB, 68. Aufl. 2009, § 251, Rdnr. 15 m. w. N.).
Aber auch in solchen Fällen überschreitet der Richter die Grenzen, die seinem Ermessen gesetzt sind, wenn er zu einer Schätzung greift, ohne für sie eine tragfähige Grundlage zu haben, und sich dabei eine Sachkunde zutraut, über die er nicht verfügen kann (vgl. Senatsurteile vom 22. Januar 1957 - VI ZR 336/55 - VersR 1957, 244; vom 15. Dezember 1961 - VI ZR 45/61 - VersR 1962, 419, 420 und vom 18. September 1979 - VI ZR 16/79 - VersR 1980, 46, 47 f;… Stein/Jonas/Leipold, ZPO 20. Aufl., § 287 Rdn. 31 Fn. 73 und Rdn. 34 Fn. 76).
Ebenso wie das Landgericht bedient sich die Praxis häufig der Berechnungsmethode von Ruhkopf/Sahm (VersR 1962, 593; zustimmend BGH NJW 1980, 281).
Diese Wertdifferens stellt, wie der Bundesgerichtshof wiederholt ausgeführt hat, einen echten Schäden des betroffenen Eigentümers dar (vgl. BGHZ 27, 181 [BGH 29.04.1958 - VI ZR 82/57]/184 = NJW 1958, 1085 [BGH 29.04.1958 - VI ZR 82/57]; BGHZ 35, 396/397 = NJW 1961, 2253; VRS 21, 81 = NJW 1961, 1571 = VersR 1961, 707/708; NJW 1980, 281 [BGH 18.09.1979 - VI ZR 16/79] = VersR 1980, 46).
Es kann auch berücksichtigt werden, in welchem Umfang sogenannte Sicherheitsteile des Kraftfahrzeugs durch den Unfall in Mitleidenschaft gezogen worden sind (vgl. BGH in NJW 1980, 281 [BGH 18.09.1979 - VI ZR 16/79]/282 = VersR 1980, 46/47; OLG Hamburg in DAR 1981, 388/390 = VersR 1981, 1186;… Palandt-Heinrichs, BGB, 42. Aufl., § 251 Anm. 4 b aa).
Nicht selten wird der merkantile Minderwert eines PKW nach der Methode Ruhkopf-Sahm (VersR 1962, 593) berechnet, die der BGH als brauchbare Bewertungsgrundlage bezeichnet hat (vgl. BGH in NJW 1980, 281 [BGH 18.09.1979 - VI ZR 16/79]/282 = VersR 1980, 46/47; ferner OLG Hamm in ZfS 1983, 5).
Der merkantile Minderwert ist schadensersatzrechtlich betrachtet nichts anderes als die Wertdifferenz einer Sache vor dem Schadensereignis und nach Durchführung der Reparatur (BGH, NJW 1980, 281 im Anschluss an BGHZ 27, 181).
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Gerichtliche Schätzung des merkantilen Minderwerts ohne Sachverständigen
AG Karlsruhe-Durlach, 20.06.2013 - 2 C 151/13

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 § 251
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 § 287
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