Source: https://schierwaldenrath.de/vereine/musikverein/geschichte/1907-1945?tmpl=component&print=1
Timestamp: 2020-01-23 13:15:47+00:00

Document:
1907 - 1945 - Schierwaldenrath
Geschichte 1907 - 1945
Die Anfangsjahre: 1907 – 1945
Die Ursprünge des Musikverein Schierwaldenrarth reichen bis ins Jahr 1904 zurück. In Schierwaldenrath gab es zu dieser Zeit ein Streichorchester. Eine Musik die die Fronleichnamsprozession begleiten könne, diesen Wunsch äußerte die Geistlichkeit Pastor Wilhelm Herbertz. In Jahre 1907 war es dann soweit. Am St. Josefs-Tag wurden die Statuten des Instrumentalvereins geschrieben, die uns bis heute im Original erhalten sind.
Hier die Übersetzung der Statuten des Instrumentalvereins Schierwaldenrath:
Durch das Schöne stets das Gute
Unter diesem Wahlspruch versammelten sich am 19. März 1907 die bei nachfolgenden Statuten Unterzeichneten und gründeten einen Instrumentalverein behufs musikalischer Belehrung und geselliger Unterhaltung. Demselben werden die nachfolgenden Statuten zu Grunde gelegt.
Statuten des Instrumentalvereins Schierwaldenrath
Die Unterzeichneten traten am genannten Tage behufs Gründung eines Instrumentalvereins zusammen, die Mitglieder beschließen unter sich, dem Verein den Namen Instrumentalverein Schierwaldenrath zu geben.
§ 1 Zweck des Vereins ist musikalische Belehrung sowie Unterhaltung zupflegen.
§ 2 Die aktiven Mitglieder des Vereins wählen aus ihrer Mitte einen Kassen- und Schriftführer.
§ 3 Die Beschaffung von Musikalien und sonstigen Requisiten sind dem Ermessen des Leiters anheimgestellt, und ist jede Auslage hierfür aus der Vereinskasse zu vergüten, die Musikalien bleiben stets Eigentum des Vereins.
§ 4 Begründete Entschuldigung von der Übung, unentschuldigtes Ausbleiben wird mit 30Pfg.bestraft und Verspätung mit 10 bis 20 Pfg.
§ 5 Kein Mitglied darf über Vereinsangelegenheiten sich Nichtmitgliedern gegenüber äußern, Verstöße hiergegen werden im ersten Falle mit 3 Mark bestraft, im Wiederholungsfalle mit Ausschluß aus dem Verein.
§ 6 Musikalien und sonstige Vereinsgegenstände dürfen an Nichtmitglieder nicht verabreicht werden.
§ 7 Bei freiwilligem unbegründetem Austritt sowie bei selbstverschuldetem Ausschluß aus dem Verein hat das betr. Mitglied für den genossenen Unterricht 20 Mark an den Leiter des Vereins zu zahlen und verliert das Anrecht auf das Vereinseigentum.
§ 8 Der Verein bleibt solange bestehen, als noch vier Mitglieder sind, welche sich in harmonischem Zusammenklang zu unterhalten vermögen.
§ 9 Die Mitglieder verpflichten sich in jeder Beziehung einen tadellosen Lebenswandel zu führen, und keinen Anlaß zum Ärgernis zu geben, Verstöße hiergegen werden mit Ausschluß aus dem Verein bestraft.
§ 10 Die Wahl eines neuen Mitgliedes geschieht mittels Stimmzettel auf Stimmenmehrheit.
§ 11 Der Vorstand wird auf drei Jahre gewählt, und findet nach Ablauf diese Frist eine Neuwahl durch Stimmenmehrheit statt.
§ 12 Tritt ein Mitglied des Vorstandes aus dem Verein aus, so findet sofort eine Ersatzwahl statt.
Schierwaldenrath, den 19.März 1907
Die Unterzeichneten erkennen die vorstehenden Statuten durch Namensunterschrift an.
Es folgen die Unterschriften des Vorstandes P.J. Beckers, A. J. Houben, Wilh. Ohlenforst und Heinrich Gerhards und die Unterschriften weiterer 26 Mitglieder.
Die Verhaltensregeln waren streng: Man hatte sich entschlossen, jährlich ein Konzert zu geben. Der junge Verein bestand nun aus zwei Gruppen, den Bläsern und den Streichern. Die Konzerte des Instrumentalverein Schierwaldenrath fanden in Verbindung mit den Kirmesfeierlichkeiten oder zur Karnevalszeit statt. Bei diesen Konzerten bestand der erste Teil aus Streichmusik, und die zweite Hälfte aus Blasmusik. Es wurde fleißig geprobt und geübt, und so erschien am 22. Februar 1908 die Einladung zum ersten Konzert in der Heinsberger Volkszeitung.
Alle Mitglieder verpflichteten sich durch Disziplin, einen geregelten Spielbetrieb zu ermöglichen. Die Freude an der Musik war die treibende Kraft. Seit dieser Zeit ist der Musikverein ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in unserem Ort. Es wurde gespielt und musiziert bis der 1. Weltkrieg sie zu einer Pause zwang. Kurz nach dem 1.Weltkreig wurde die Arbeit des Instrumentalvereins wieder aufgenommen, und die Konzerte um gelungene Theatervorführungen erweitert. Reiner Gerhards oblag schon damals die musikalische Verantwortung. Der 2. Weltkrieg traf den Ort Schierwaldenrath mit ganzer Wucht. Einige Mitglieder überlebten den Krieg nicht. Für lange Zeit kam das Vereinsleben zwangsläufig zum Erliegen. Die heimkehrenden Musiker fanden weder Noten noch bespielbare Instrumente nach ihrer Evakuierung wieder. So ist uns überliefert, dass die Tuba des Instrumentalvereins von einem Panzer überrollt auf dem Friedhof in Gangelt gefunden wurde.

References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7

§ 8

§ 9

§ 10

§ 11

§ 12