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Timestamp: 2016-10-25 08:36:14+00:00

Document:
6S.394/2001 (27.02.2003)
6S.394/2001 /pai
Bundesrichter Wipr�chtiger, F�raud, Kolly, Karlen,
Till Gontersweiler, Neumarkt 6, Haus zum Steinberg,
Postfach 543, 8025 Z�rich,
Aufschub des Strafvollzugs zugunsten einer ambulanten Massnahme (Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB),
Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Z�rich, II. Strafkammer, vom 1. Februar 2001.
Als Berufungsinstanz verurteilte das Obergericht (II. Strafkammer) des Kantons Z�rich X.________ am 1. Februar 2001 wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfachen Betrugs, Veruntreuung, Hehlerei und versuchter Hehlerei zu drei Jahren Gef�ngnis. Ausserdem ordnete es (gest�tzt auf Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) eine strafvollzugsbegleitende ambulante Massnahme (Psychotherapie) an.
Gegen das Urteil des Obergerichtes gelangte X.________ mit eidgen�ssischer Nichtigkeitsbeschwerde vom 5. Juni 2001 an das Bundesgericht. Er beantragt (im Hauptstandpunkt) die Aufhebung von Ziffer 3 des Dispositives des angefochtenen Urteils bzw. den Aufschub der ausgef�llten Freiheitsstrafe zu Gunsten der angeordneten ambulanten Massnahme.
Das Obergericht des Kantons Z�rich verzichtete am 11. Juni 2001 ausdr�cklich auf eine Vernehmlassung. Eine gegen das Urteil des Obergerichtes eingereichte kantonale Nichtigkeitsbeschwerde wies das Kassationsgericht des Kantons Z�rich mit Beschluss vom 12. April 2002 ab, soweit es darauf eintrat.
Der Beschwerdef�hrer r�gt eine Verletzung des materiellen Bundesstrafrechts (Art. 269 Abs. 1 BStP). Das streitige Urteil des Obergerichtes kann nicht mit einem kantonalen Rechtsmittel wegen Verletzung eidgen�ssischen Rechts angefochten werden (Art. 268 Ziff. 1 BStP). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde des Verurteilten ist einzutreten (Art. 270 lit. a, Art. 272 ff. BStP).
Im angefochtenen Urteil wird erwogen, dass zwar die Voraussetzungen f�r eine ambulante psychotherapeutische Massnahme im Sinne von Art. 43 StGB erf�llt seien. Die ambulante Behandlung sei jedoch vollzugsbegleitend durchzuf�hren, bzw. der Vollzug der ausgef�llten Gef�ngnisstrafe von drei Jahren (abz�glich 462 Tage anrechenbare Untersuchungshaft) sei nicht zu Gunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben. Wohl werde im psychiatrische Gutachten darauf hingewiesen, dass es unter den Bedingungen des Strafvollzuges schwieriger sei, mit dem Straff�lligen die Bew�ltigung seiner Schwierigkeiten im Lebensalltag therapeutisch einzu�ben. Auch treffe es zu, dass der Strafvollzug dazu f�hren w�rde, dass der Beschwerdef�hrer aus seiner aktuellen Lebenssituation (hinsichtlich Arbeitsplatz, Wohnung und sozialer Beziehungen) gerissen w�rde. Diese Umst�nde rechtfertigten jedoch einen Strafaufschub nicht. Beim Aufschub l�ngerer Freiheitsstrafen sei unter dem Aspekt des Gleichheitsgebotes Zur�ckhaltung zu �ben. Er setze voraus, dass einerseits die zu behandelnde psychische St�rung sehr ausgepr�gt ist und anderseits die Erfolgsaussichten der ambulanten Behandlung besonders g�nstig sind. Auch in diesem Fall sei die Strafe nur aufzuschieben, wenn ihr Vollzug die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung erheblich vermindern w�rde. Diese Voraussetzungen seien im vorliegenden Fall nicht gegeben.
Der Beschwerdef�hrer r�gt, die Vorinstanz habe in Verletzung von Bundesrecht davon abgesehen, die ausgef�llte Freiheitsstrafe zu Gunsten der angeordneten ambulanten Massnahme aufzuschieben. Die beim Verurteilten festgestellte Pers�nlichkeitsst�rung sei unbestrittenermassen einer Behandlung zug�nglich. Die Vorinstanz habe festgestellt, dass der bisherige Therapieverlauf "in letzter Zeit einigermassen zufriedenstellend gewesen" sei, "auch wenn es in der Anfangsphase der Behandlung noch zu einem R�ckfall gekommen" sei. Der behandelnde Psychiater sei "prognostisch zuversichtlich gestimmt". Dieser und auch der gerichtliche Experte gingen �bereinstimmend davon aus, dass die Behandlung "durch den Strafvollzug beeintr�chtigt" werde. Zwar w�rde nach Auffassung des Gutachters der gleichzeitige Vollzug der Freiheitsstrafe eine erfolgreiche ambulante Therapie nicht verunm�glichen. Gem�ss der Rechtsprechung schliesse dies den Strafaufschub jedoch nicht aus.
Der Beschwerdef�hrer verf�ge �ber einen Arbeitsplatz und eine Wohnung. Er befinde sich in Ausbildung zum Personalberater, sei verheiratet und habe ein schulpflichtiges Kind. Seine Ehefrau sei krank, und auch er habe psychische und gesundheitliche Beschwerden ("somatoforme autonome Funktionsst�rung des unteren Gastrointestinaltrakts"). Der angeordnete Strafvollzug erschwere die soziale Reintegration und mindere auch die Therapieaussichten. Das Ziel des Strafvollzuges sei jedoch die Resozialisierung. Da er "bereits eine l�ngere Untersuchungshaft hinter sich" habe, sei "den generalpr�ventiven Anliegen bereits Rechnung getragen" worden. Gesamthaft betrachtet, w�rden daher die (f�r einen Strafaufschub sprechenden) spezialpr�ventiven Interessen �berwiegen. Daran �ndere auch die Ansicht des Gutachters nichts, wonach die R�ckfallsgefahr sich "auch mit einer sehr langfristigen Behandlung nicht beseitigen, sondern lediglich vermindern" lasse.
Die Vorinstanz vertrete "offensichtlich" die unzutreffende Meinung, ein Strafaufschub sei nur zul�ssig, wenn die R�ckfallsgefahr hundertprozentig ausgeschlossen werden k�nne. Ausserdem habe sie "Bundesrecht verletzt, wenn sie feststelle, dass der Beschwerdef�hrer zwar therapierbar sei, hingegen geltend mache, es k�nne von der langfristigen Behandlung lediglich eine Verminderung der R�ckfallsgefahr erwartet werden". Das gerichtliche Gutachten enthalte "nicht alle Antworten auf die zur Beurteilung eines Aufschubs massgebenden Fragen", weshalb es zu erg�nzen sei. Zudem sei die Vorinstanz von den Schlussfolgerungen des Gutachters ohne gewichtige und haltbare Gr�nde abgewichen. Die L�nge des drohenden Strafvollzuges erscheine f�r die Frage des Aufschubes nicht relevant. Im �brigen widerspreche sich die Vorinstanz, wenn sie einerseits erw�ge, der Beschwerdef�hrer m�sse noch mit einigen Monaten Strafvollzug rechnen, und anderseits ausf�hre, vom Strafaufschub sei bei langen Freiheitsstrafen nur mit Zur�ckhaltung Gebrauch zu machen. Weitere entscheiderhebliche Gesichtspunkte habe die Vorinstanz ausser Acht gelassen oder falsch gewichtet.
Erfordert der Geisteszustand des T�ters, der eine vom Gesetz mit Zuchthaus oder Gef�ngnis bedrohte Tat begangen hat, die damit im Zusammenhang steht, �rztliche Behandlung oder besondere Pflege und ist anzunehmen, dadurch lasse sich die Gefahr weiterer mit Strafe bedrohter Taten verhindern oder vermindern, so kann der Richter eine ambulante Behandlung anordnen, sofern der T�ter f�r Dritte nicht gef�hrlich ist (Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Der Richter kann den Vollzug der ausgef�llten Strafe aufschieben, um der Art der angeordneten Behandlung Rechnung zu tragen (Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB).
4.1 Gem�ss der Rechtsprechung des Bundesgerichtes ist der Strafaufschub anzuordnen, wenn eine tats�chliche Aussicht auf erfolgreiche Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgef�llten Freiheitsstrafe erheblich beeintr�chtigt w�rde. Die Therapie geht vor, falls eine sofortige Behandlung gute Resozialisierungschancen bietet, welche der Strafvollzug klarerweise verhindern oder vermindern w�rde (BGE 124 IV 246 E. 2b S. 247; 120 IV 1 E. 2b S. 3 f.; 119 IV 309 E. 8b S. 314; 116 IV 101 E. 1a S. 102; 115 IV 87 E. 1a S. 89). Dabei sind einerseits die Auswirkungen des Strafvollzuges, die Erfolgsaussichten der ambulanten Behandlung und die bisherigen Therapiebem�hungen zu ber�cksichtigen, anderseits aber auch das kriminalpolitische Erfordernis, Straftaten schuldangemessen zu ahnden bzw. rechtskr�ftige Strafen grunds�tzlich zu vollziehen (BGE 124 IV 246 E. 2b S. 248; 120 IV 1 E. 2c S. 4 f.; 119 IV 309 E. 8b S. 314; vgl. Marianne Heer, in: Kommentar StGB, Bd. I, Basel 2003, Art. 43 StGB N. 104 ff., 115; J�rg Rehberg, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, Jugendstrafrecht, 7. Aufl., Z�rich 2001, S. 137 f.; G�nter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II: Strafen und Massnahmen, Bern 1989, � 11 Rz. 90 ff.; Stefan Trechsel, Kurzkommentar StGB, 2. Aufl., Z�rich 1997, Art. 43 StGB N. 10a).
Wo ein Therapieerfolg wahrscheinlich ist, sollte nach der Praxis des Bundesgerichtes - tendenziell - zun�chst �rztlich behandelt werden. Ein Strafaufschub ist angezeigt, wenn der Strafvollzug die begr�ndete Aussicht auf erfolgreiche Heilbehandlung erheblich beeintr�chtigen w�rde. Dies ist nicht erst anzunehmen, wenn der Vollzug eine Therapie verunm�glicht oder den Behandlungserfolg v�llig in Frage stellt. Vielmehr geht die Therapie vor, sobald eine sofortige Behandlung gute Resozialisierungschancen bietet, die der Strafvollzug verhindern oder wesentlich vermindern w�rde. In diesem Fall ist der Vollzug mit der Behandlung nicht vereinbar ("n'est pas compatible avec le traitement", gem�ss franz�sischem Gesetzeswortlaut). Unter dem Gesichtspunkt des Gleichheitsgebotes muss der Behandlungsbedarf jedoch um so ausgepr�gter sein, je l�nger die zugunsten der ambulanten Therapie aufzuschiebende Freiheitsstrafe ist. Die ambulante Massnahme darf im �brigen nicht dazu missbraucht werden, den Vollzug der Strafe zu umgehen oder auf unbestimmte Zeit hinauszuschieben. Ein Aufschub muss sich aus Gr�nden der Heilbehandlung hinreichend rechtfertigen (BGE 124 IV 246 E. 2b S. 247; 120 IV 1 E. 2b S. 3, je mit Hinweisen). Der Richter hat diesbez�glich ein psychiatrisches Gutachten einzuholen (BGE 116 IV 101 E. 1b S. 103 mit Hinweisen).
Falls der Richter von der M�glichkeit des Strafaufschubes keinen Gebrauch macht, wird die ausgef�llte Freiheitsstrafe vollstreckt. Sofern eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung geboten erscheint, wird versucht, diese w�hrend des Strafvollzuges einzuleiten bzw. weiterzuf�hren. Die Vollzugsbeh�rde kann sodann im Rahmen der Entlassungsvorbereitung die Fortsetzung der Massnahme mittels Weisungen anordnen (vgl. Art. 38 Ziff. 3 StGB; vgl. Rehberg, a.a.O., S. 137).
4.2 Angesichts einer schweren geistigen "Abnormit�t" darf unter den genannten Voraussetzungen auch eine l�ngere Freiheitsstrafe zugunsten einer ambulanten Behandlung aufgeschoben werden. Dies kann zu Konflikten zwischen dem Gedanken der Spezialpr�vention (durch Behandlung ausserhalb des Strafvollzugs) und demjenigen der Generalpr�vention bzw. des gerechten Schuldausgleichs (durch Vollzug der schuldad�quaten Strafe) f�hren, weil ihre Zielsetzungen unterschiedliche Sanktionen nahe legen k�nnen. Ebenso kann der Gesichtspunkt der Spezialpr�vention mit dem Aspekt der rechtsgleichen Sanktionierung in ein Spannungsverh�ltnis treten. Ob eine Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Behandlung aufzuschieben ist, l�sst sich nicht einfach aus der einen oder andern Zielsetzung ableiten, weil die Strafzwecke einander nicht unvereinbar gegen�berstehen. Sie bilden vielmehr ein komplexes Verh�ltnis wechselseitiger Erg�nzung, wobei je nach Sachzusammenhang das eine oder das andere Kriterium st�rker hervortritt (BGE 124 IV 246 E. 2b S. 247 f.; 120 IV 1 E. 2b S. 4). Die Strafzwecke sind gegeneinander abzuw�gen und in eine Rangfolge zu bringen, wobei dem Anliegen der Spezialpr�vention grunds�tzlich ein Vorrang zukommt. Zum einen dient das Strafrecht in erster Linie nicht der "Vergeltung", sondern der Verbrechensverh�tung. Dies bringt der Gesetzgeber nicht nur mit der Bezeichnung der Resozialisierung als Ziel des Strafvollzuges zum Ausdruck (Art. 37 Ziff. 1 Abs. 1 erster Satz StGB), sondern auch mit der bei der Teilrevision des Strafgesetzbuches von 1971 erfolgten Ausweitung der M�glichkeit der Anordnung von Massnahmen. Deshalb sind Sanktionen, die eher die Besserung oder Heilung des T�ters gew�hrleisten, prim�r zu verh�ngen und solche, die dem Anliegen der Verbrechensverh�tung zuwiderlaufen, m�glichst zu vermeiden. Zum andern ist zu ber�cksichtigen, dass im Konfliktsfall ein "Vorrang" der Generalpr�vention spezialpr�ventive Ziele zu vereiteln droht, die Bevorzugung der Spezialpr�vention hingegen die generalpr�ventiven Wirkungen einer Sanktion nicht zum Vornherein ausschliesst, sondern h�chstens in einer schwer messbaren Weise abschw�cht (BGE 124 IV 246 E. 2b S. 248; 120 IV 1 E. 2b S. 4, je mit Hinweisen).
Andererseits k�nnen spezialpr�ventive Bed�rfnisse nur in dem Masse im Vordergrund stehen, als sie generalpr�ventive Mindesterfordernisse wahren und das Prinzip der Gleichbehandlung nicht aush�hlen (vgl. Ursula Frauenfelder, Die ambulante Behandlung geistig Abnormer und S�chtiger als strafrechtliche Massnahme nach Art. 43 und 44 StGB, Diss. Z�rich 1978, S. 165 f.; Heer, a.a.O., Art. 43 StGB N. 114 ff., 124 f.; Martin Killias, Pr�cis de criminologie, Bern 1991, Rz. 1114 ff., 1126 ff.; Rehberg, a.a.O., S. 138 f.; Stratenwerth, a.a.O., � 11 Rz. 92; Trechsel, a.a.O., Art. 43 StGB N. 10; a.M. Peter Albrecht, Psychiatrische Behandlung: Strafe oder Therapie?, Pl�doyer 1991 1 S. 40). Insbesondere ist zu vermeiden, dass Straft�ter mit therapierbaren Pers�nlichkeitsst�rungen in einem mit dem strafrechtlichen Schuldprinzip nicht mehr zu vereinbarenden Masse privilegiert werden. Dies gilt besonders bei l�ngeren Freiheitsstrafen und bei Verurteilten, deren diagnostizierte Pers�nlichkeitsst�rung nur zu einer leicht verminderten Schuldf�higkeit gef�hrt hat. Ein Strafaufschub kann jedenfalls nicht schon deshalb angezeigt sein, weil sich dadurch die Erfolgsaussichten einer ambulanten Behandlung verbessern w�rden (vgl. Heer, a.a.O., Art. 43 StGB N. 114, 120, 126; Stratenwerth, a.a.O., � 11 Rz. 96).
4.3 Nach der gesetzlichen Regelung des Sanktionenrechts geht bei den station�ren Massnahmen (Art. 43 und 44 StGB) das Resozialisierungs- bzw. Behandlungsziel den Strafzwecken der Generalpr�vention bzw. des gerechten Schuldausgleichs vor. Art. 43 Ziff. 2 Abs. 1 StGB r�umt den station�ren Massnahmen daher die absolute Priorit�t gegen�ber der gleichzeitig ausgef�llten (schuldangemessenen) Freiheitsstrafe ein. Nach der dargelegten Praxis des Bundesgerichtes gibt es hingegen keinen Vorrang der ambulanten Massnahmen gegen�ber dem Vollzug der ausgef�llten Strafe. Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB sieht den Strafaufschub weder zwingend noch als Regelfall vor (vgl. BGE 124 IV 246 E. 2b S. 248; 120 IV 1 E. 2c S. 5). Dieser Unterschied wird auch im Wortlaut des Gesetzes deutlich, indem der Strafaufschub zu Gunsten einer ambulanten Massnahme in das Ermessen des Richters gelegt wird ("kann der Richter den Vollzug der Strafe aufschieben"), w�hrend bei der station�ren Behandlung der Strafaufschub (durch Art. 43 Ziff. 2 Abs. 1 StGB) zwingend vorgeschrieben ist ("so schiebt er im Falle einer Freiheitsstrafe deren Vollzug auf"). Ein Aufschub rechtfertigt sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes nur, wenn die ambulante Therapie (ausserhalb des Strafvollzuges) im konkreten Einzelfall aktuelle und g�nstige Bew�hrungsaussichten er�ffnet, die durch den Strafvollzug zunichte gemacht oder erheblich vermindert w�rden. In diesem Fall �berwiegt nach dem Willen des Gesetzgebers der Resozialisierungszweck (der ambulanten Massnahme) die Ziele der Generalpr�vention bzw. des gerechten Schuldausgleichs (durch den Strafvollzug).
4.4 Der Richter beurteilt im Rahmen von Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB den Einzelfall unter Ber�cksichtigung der erw�hnten Grunds�tze und aller konkreten Umst�nde, insbesondere von Notwendigkeit und Chancen einer Behandlung im Vergleich zu den Auswirkungen des Strafvollzuges sowie des Erfordernisses, Straftaten zu ahnden. Doch selbst wenn er zum Ergebnis gelangt, eine Behandlung sei ohne Beeintr�chtigung der Erfolgsaussichten vollzugsbegleitend nicht durchf�hrbar, verlangt das Gesetz nicht zwingend, den Vollzug der Strafe aufzuschieben. Die Bestimmung �berl�sst es vielmehr dem Richter, nach seinem (pflichtgem�ssen) Ermessen �ber den allf�lligen Strafaufschub zu befinden. In dieses weite Beurteilungsermessen des Sachrichters kann das Bundesgericht nur bei Ermessens�berschreitung oder -missbrauch eingreifen (BGE 124 IV 246 E. 2b S. 248 f.; 120 IV 1 E. 2c S. 5; 119 IV 309 E. 8b S. 314; 116 IV 101 E. 1a S. 102, je mit Hinweisen).
4.5 Von den dargelegten gesetzlichen Ausnahmen abgesehen, sind rechtskr�ftig ausgef�llte Freiheitsstrafen grunds�tzlich zu vollziehen (Art. 374 StGB, vgl. Pra 85/1996 Nr. 175 S. 643). Ein l�ngerer Strafaufschub w�re nach herrschender Lehre und Praxis nur bei �rztlich festgestellter andauernder Hafterstehungsunf�higkeit zul�ssig, bzw. wenn eine ausreichende medizinische Behandlung und Pflege des Gefangenen im Rahmen des �rztlich �berwachten und modifizierten Strafvollzuges (vgl. Art. 6 Abs. 1 VStGB 1, SR 311.01) nicht m�glich ist (BGE 108 Ia 69 E. 2d S. 72; 106 IV 321 E. 7 S. 323-25; vgl. auch Andrea B�chtold, in: Kommentar StGB, Bd. I, Basel 2003, Art. 40 N. 9, 16 f.; Michel Perrin, L'ajournement et l'interruption de la peine, Zeitschrift f�r Walliser Rechtsprechung 36/2002, Heft 4, S. 323 ff., 332-35; Rehberg, a.a.O, S. 47; Reto Andrea Surber, Das Recht der Strafvollstreckung, Diss. Z�rich 1998, S. 317; Trechsel, a.a.O., Art. 40 StGB N. 4).
5.1 Der Beschwerdef�hrer wurde von Dr. med. Martin Kiesewetter, dem Leitenden Arzt des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes der Universit�tsklinik Z�rich, ausf�hrlich begutachtet. Der Gerichtsexperte stellte beim Beschwerdef�hrer eine erhebliche Gefahr der Ver�bung weiterer (gleich oder �hnlich gelagerter) Straftaten fest. Der Gutachter vertritt die Auffassung, dass diese Gefahr durch eine sofortige ambulante psychotherapeutische Behandlung nicht beseitigt werden k�nne. Zwar sei eine Verminderung der R�ckfallsgefahr m�glich. Die Therapie habe zu diesem Zweck jedoch "sehr langfristig" zu erfolgen. Es sei "sicher zweckm�ssig", den Beschwerdef�hrer "auch w�hrend eines" allf�lligen "Strafvollzugs zu behandeln", und die Therapie m�sse, damit sie sinnvoll sei, auch anschliessend langfristig fortgesetzt werden. Der behandelnde Psychiater, Dr. med. Claude Bossy, geht in seinem Therapiebericht ebenfalls davon aus, dass der Beschwerdef�hrer von einer Heilung seiner Pers�nlichkeitsst�rung noch "weit entfernt" sei. Wohl seien gewisse Fortschritte zu verzeichnen. Die therapeutische Behandlung m�sse jedoch noch "einige Jahre" dauern.
Bei dieser Sachlage steht hier keine vordringliche und aktuelle Aussicht auf Erfolg er�ffnende Behandlung zur Diskussion, welche durch den Vollzug der Strafe zunichte gemacht oder erheblich beeintr�chtigt w�rde. Die Experten vertreten nicht die Auffassung, die ambulante psychotherapeutische Behandlung k�nne im Strafvollzug nicht fortgesetzt werden. Zwar werde die Therapie unter den Bedingungen des Strafvollzuges insofern teilweise erschwert, "als die t�gliche Auseinandersetzung mit realistischen Situationen, Versuchungen, Verf�hrungen, Phantasien und Realit�ten in der Welt des Gef�ngnisses ganz anders geartet" sei als in der Freiheit, und der Beschwerdef�hrer die Bew�ltigung realistischer Lebenssituationen (namentlich am Arbeitsplatz oder in der Familie) in deutlich geringerem Masse erlernen k�nne. Der gleichzeitige Vollzug schliesse jedoch einen Erfolg der - nach der Entlassung aus dem Strafvollzug jedenfalls weiterzuf�hrenden - Behandlung nicht aus und beeintr�chtige deren Durchf�hrung insgesamt auch nicht in schwer wiegender Weise. Eine vollzugsbegleitende Behandlung bewahre den Beschwerdef�hrer immerhin davor, "jede Auseinandersetzung mit einer realistischen und selbstverantwortlichen Lebensplanung und -f�hrung 'auf sp�ter'" zu verschieben.
5.2 Ebenso wenig wird von den Experten dargelegt, die Heilungsaussichten einer ambulanten Massnahme seien im Falle des Beschwerdef�hrers gut, oder der Vollzug der verbleibenden Freiheitsstrafe w�rde g�nstige aktuelle Resozialisierungsaussichten klarerweise zunichte machen oder deutlich vermindern. Vielmehr sei "die legalprognostische Wirksamkeit von therapeutischen Interventionen bei Betrugs- und �hnlichen Delikten als gering" einzustufen. Im Falle des Beschwerdef�hrers m�sse jedenfalls mit einer "sehr langfristigen und schwierigen" Behandlung gerechnet werden, die auch nach einer Entlassung aus dem Strafvollzug fortzusetzen w�re. Auch die Schwere der Straftaten bzw. des Schuldvorwurfes, die sich in der (nicht angefochtenen) Freiheitsstrafe von drei Jahren manifestiert, spricht im vorliegenden Fall nicht f�r einen ausnahmsweisen Strafaufschub zu Gunsten der (als alleinige Sanktion vergleichsweise milde erscheinenden) ambulanten Massnahme. Zu ber�cksichtigen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die zu therapierende Pers�nlichkeitsst�rung laut Gutachten lediglich zu einer "leichten Verminderung der Steuerungsf�higkeit" gef�hrt hat. Je schwerer die Straftaten und je leichter die Verminderung der Zurechnungsf�higkeit des Verurteilten, desto weniger dr�ngt sich nach der dargelegten Doktrin und Rechtsprechung ein Strafaufschub auf.
5.3 Einerseits erw�hnt der Beschwerdef�hrer die Ansicht des Gutachters, wonach sich die R�ckfallsgefahr auch mit einer langfristigen ambulanten Behandlung "nicht verhindern", sondern lediglich "vermindern" lasse, und er zitiert dessen Einsch�tzung, dass lediglich die Erwartung einer "verminderten deliktischen R�ckf�lligkeit" bestehe. Anderseits r�gt er, die Vorinstanz habe "Bundesrecht verletzt, wenn sie feststellt, dass der Beschwerdef�hrer zwar therapierbar sei, hingegen geltend macht, es k�nne von der langfristigen Behandlung lediglich eine Verminderung der R�ckfallsgefahr erwartet werden". Diese R�ge ist unbegr�ndet, soweit sie �berhaupt ausreichend substanziiert erscheint. Die Feststellungen und rechtlichen Schl�sse des Obergerichtes sind bundesrechtskonform und st�tzen sich auf die sachlich nachvollziehbaren Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachtens.
5.4 Nach der oben dargelegten Lehre und Praxis kann es nicht der Sinn und Zweck des Gesetzes sein, s�mtlichen Verurteilten, bei denen eine krankheitswertige behandelbare Pers�nlichkeitsst�rung diagnostiziert wurde, den Strafvollzug zu Gunsten einer ambulanten Massnahme zu ersparen. Wenn Erfolgsaussichten der Therapie (wie im vorliegenden Fall) nur auf lange Frist und in eher bescheidenem Ausmass bestehen, sind die Voraussetzungen f�r einen Strafaufschub grunds�tzlich nicht erf�llt. Anders zu entscheiden hiesse, Straft�ter mit therapierbaren Pers�nlichkeitsst�rungen in einem mit dem strafrechtlichen Schuldprinzip und dem Gebot der Gleichbehandlung nicht mehr zu vereinbarenden Masse zu privilegieren. Indem die Vorinstanz den Strafaufschub zu Gunsten einer ambulanten psychotherapeutischen Massnahme im vorliegenden Fall nicht bewilligte, blieb sie im Rahmen ihres weiten Beurteilungsermessens, welches das Gesetz (Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 StGB) dem erkennenden Strafrichter ausdr�cklich zubilligt (vgl. BGE 124 IV 246 E. 2b S.249; 120 IV 1 E. 2c S. 5).
Eine Erg�nzung oder Erl�uterung des psychiatrischen Gutachtens erscheint nach dem Gesagten nicht geboten.
Daraus ergibt sich, dass die Beschwerde als unbegr�ndet abzuweisen ist.
Der Beschwerdef�hrer stellt ein Gesuch um unentgeltliche Prozessf�hrung und Rechtsverbeist�ndung. Da die gesetzlichen Voraussetzungen erf�llt sind und insbesondere die finanzielle Bed�rftigkeit des Gesuchstellers ausreichend dargelegt wird, ist dem Begehren Folge zu leisten (Art. 152 OG).
Mit diesem Entscheid in der Sache wird das Gesuch des Beschwerdef�hrers um aufschiebende Wirkung der Beschwerde hinf�llig.
2.2 Rechtsanwalt Till Gontersweiler, Z�rich, wird als unentgeltlicher Rechtsvertreter ernannt und f�r die bundesgerichtlichen Verfahren aus der Bundesgerichtskasse mit einem Honorar von Fr. 3'000.-- entsch�digt.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer sowie der Staatsanwaltschaft und dem Obergericht, II. Strafkammer, des Kantons Z�rich schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 43
 Art. 272
 Art. 43
 Art. 43
 Art. 43
 Art. 38
 Art. 43
 Art. 43
 Art. 43
 Art. 43
 Art. 43
 Art. 43
 BGE 
 Art. 43
 Art. 43
 Art. 6
 Art. 40
 Art. 40
 BGE