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Timestamp: 2017-08-22 20:44:13+00:00

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Die EnEV2009 schreibt die Luftdichtheit nicht mehr zwingend vor - Luftdicht-Forum.de
Die EnEV2009 schreibt die Luftdichtheit nicht mehr zwingend vor
20.03.2009, 18:29 #1
Schreibt die EnEV2009 die Luftdichtheit nicht mehr zwingend vor?
Zumindest sind die Grenzwertpassagen an eine Bedingung geknüpft.
Mich überraschen einige merkwürdige Formulierungen der die Luftdichtheit betreffenden Vorschriften in der Mitte dieser Woche beschlossenen Energieeinsparverordnung 2009:
Die Texte habe ich unter http://www.luftdicht.de/luftdicht_in_enev2009.htm zusammengetragen.
Bitte kritisch lesen und evtl. Fehler mitteilen!
In §6 heißt es in Satz 3:
... Wird die Dichtheit nach den Sätzen 1 und 2 überprüft, kann der Nachweis der Luftdichtheit bei der nach § 3 Abs. 3 und § 4 Abs. 3 erforderlichen Berechnung berücksichtigt werden, wenn die Anforderungen nach Anlage 4 Nr. 2 eingehalten sind. (Anmerkung: bisher hieß es: "... ist Anhang 4 Nr. 2 einzuhalten.")
In Anlage 4 Nr. 2 heißt es:
2 Nachweis der Dichtheit des gesamten Gebäudes Wird bei Anwendung des § 6 Absatz 1 Satz 3 eine Überprüfung der Anforderungen nach § 6 Abs. 1 durchgeführt, darf der nach DIN EN 13 829 : 2001-02 bei einer Druckdifferenz zwischen innen und außen von 50 Pa gemessene Volumenstrom - bezogen auf das beheizte oder gekühlte Luftvolumen - bei Gebäuden
- ohne raumlufttechnische Anlagen 3,0 h-1 und
Mit anderen Worten: Wenn nicht geprüft wird, brauchen die Grenzwerte nicht eingehalten zu werden. Die Dichtheitsgrenzwerte sind an die Bedingung geknüpft, dass aus einem ganz bestimmten Grund eine Nachweismessung durchgeführt wurde.
Es scheint nur noch geregelt zu sein, ab wann die Luftdichtheit in der Berechnung berücksichtigt werden darf.
Bleibt nur noch zu rätseln, was eine Umfassungsfläche (einschließlich der Fugen) ist, die dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist. Und wie man die Luftundurchlässigkeit sicherstellen kann.
Kann bitte mal jemand das juristische Verwirrspiel auflösen?
23.03.2009, 07:17 #2
Jetzt mal positiv ausgedrückt:
1.) Die EnEV fordert, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig abgedichtet ist.
2.) Der Grad der geforderten Luftundurchlässigkeit (falls es den bei einem so absoluten Begriff überhaupt geben kann) richtet sich nach anerkannten Regeln der Technik. Anerkannten Regeln der Technik gibt es beim Thema Luftdichtheit aber leider noch nicht!
3.) Die EnEV zeigt an einem Beispiel (Nachweis wegen Anrechnung bei der Energiebedarfsberechnung), wie Dichtheit überprüft werden kann. Für die Anrechenbarkeit reicht die Einhaltung der im Anhang der EnEV genannten Grenzwerte.
10.07.2009, 11:23 #3
Ort: Deutschlands Pleite City
AaRdT und Fugen(un)durchlässigkeit
Regeln der Technik zu Fugen(un)durchlässigkeit gibt es, sogar allgemein anerkannte, die aber allgemein ignoriert werden. Zum Beispiel DIN 18055 (wobei die DIN nur manchmal zu den aaRdT zählen). Zum Verständnis ein Zitat:
"Der moderne Unsinn
Noch dazu, wo der Verbraucher Tag für Tag eingehämmert bekommt, wie er mit seinem ach so hohen Heizaufwand "das Klima" schädigt - unbewiesen, unbegründet, aber immer wieder heruntergebetet - und was ihm doch für immense finanzielle Nachteile aus den Lüftungswärmeverlusten entstehen."
Oktober 2002 - immer noch topaktuell
http://www.schimmelpilz-sanieren.de/info/fe/fe02.htm
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10.07.2009, 11:32 #4
Sollte dieser Zusammenhang der Grund dafür sein, dass die Formulierungen in der EnEV 2009 so irritierend gewählt sind?
Kann eine "allgemein ignorierte Regel" eine "allgemein anerkannte Regel sein" sein?
10.07.2009, 13:04 #5
Sollte dieser Zusammenhang der Grund dafür sein, dass die Formulierungen in der EnEV 2009 so irritierend gewählt sind?.....
Wohl kaum. Ebensowenig, wie Normen aus dem Antiquariat, Reduktion des Problems auf ein einziges Bauteil, oder Mitgliedschaft in der Öllobby......
Besagte Schimmelprobleme traten in der Anfangsphase dichter Konstruktionen häufiger auf und sind auch jetzt noch nicht ganz verschwunden, insbesondere bei Nutzern, die
- eine kontrollierte Wohnraumlüftung verteufeln
- bei Fehlen einer solchen nicht wirksam lüften können oder wollen
oder bei unvollständiger oder inkonsequenter Planung des Gesamtgebäudes oder falscher Teilsanierung.
Moderne Technik funktioniert eben nur bei richtiger Handhabung.
Und falls jemand doch lieber zurück ins Mittelalter oder gar in die Steinzeit will: Es werden immer wieder Freiwillige für entsprechende Experimente gesucht.......
Das Formulierungsproblem sehe ich eher in der Macht des hl. Bürokratius. Ob Luftdichtheit in der EnEV steht, oder indirekt in "Nebenbedingungen", ist eigentlich nicht so wichtig.
10.07.2009, 14:31 #6
Ich bedanke mich bei dem Herrn Fachmann für die überaus sachliche und konstruktive Kritik, die ich zum Anlass für eine kleine Ergänzung genommen habe.
Leider gibt es außer neuen Namen keine wesentlichen Änderungen, dem Fenster wird es wohl egal sein, ob es zu Klasse 1 oder Gruppe A gehört. Das Kernproblem ist und bleibt*, dass ohne Not hermetisiert wird.
Dazu kommt dann noch der dumme Bewohner als das größte Schimmelrisiko.
http://www.schimmelpilz-sanieren.de/info/fe/fe04.htm
* Wie in gewöhnlich gut informierten Kreisen bekannt ist, wird heimlich, still und leise unter Rosenheimer Federführung und nach drängenden Hinweisen aus der Wohnungswirtschaft am Regelwerk gefeilt - damit dies eben nicht so bleibt.
10.07.2009, 15:13 #7
@dimag: Das Thema Fugendurchlässigkeit (Sinn oder Unsinn) hat mit der Ausgangsfrage bzw. Feststellung (irritierende Formulierungen in der EnEV 2009) nicht mehr direkt etwas zu tun. Bitte ein neues Thema beginnen und damit füllen, wenn gewünscht. Wenn Bedarf besteht, füge ich ein Unterforum "Schimmel" ein.
Ein Zurück zur unkontrollierten Lüftung über Fugen wird es aber kaum geben.
12.07.2009, 11:42 #8
EnEV2009 und Luftdichtheit
ohne auf die Hinweise zur DIN 18055 und den in Konformitätsphase befindlichen Normen "EN 1026, Prüfung Fugendichtigkeit, EN 12207, Beurteilung" einzugehen; die Fugendurchlasskoeffizienten für Fenster sind geregelt. Das hat aber nichts mit der Forderung nach der Luftdichtheit von Gebäuden oder Gebäudeteilen zu tun.
Sofern die Dinge - einem Sachverständigen sind die vielen formalen Knoten in seinem Gehirn bitte nachzusehen - strittig diskutiert werden, bleibt die Rechtsposition; die aRdT sind selbstverständlicher Vertragsbestandteil. Und DIN 4108 ist unstrittig den aRdT zuzurechnen.
DIN 4108-7 "Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, Luftdichtheit von Gebäuden, Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele" sagt unter 4.4 Anforderungen an die Luftdichtheit:
• bezogen auf das Raumluftvolumen 3 h–1 nicht überschreiten oder
• bezogen auf die Netto-Grundfläche 7,8 m3/(m2 · h) nicht überschreiten
- bei Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen (auch Abluftanlagen)
• bezogen auf das Raumluftvolumen 1,5 h–1 nicht überschreiten oder
• bezogen auf die Netto-Grundfläche 3,9 m3/(m2 · h) nicht überschreiten
Zur Beurteilung der Gebäudehülle kann zusätzlich der hüllenflächenbezogene Leckagestrom q50 herangezogen werden, der einen Wert von 3,0 m3/(m2 · h) nicht überschreiten darf.
12.07.2009, 12:43 #9
... Und DIN 4108 ist unstrittig den aRdT zuzurechnen.
Weitgehende Zustimmung. Nur bei der Frage, ob die DIN4108-7 als aRdT zu betrachten ist, folge ich eher dem Artikel "Die Luftdichtheit der Gebäudehülle im öffentlichen und privaten Baurecht" von RA Ulf Köpcke, veröffentlicht im FLiB-Buch "Gebäudeluftdichtheit". Ich zitiere Seite 122, 3. Absatz:
"Es kann...nicht damit gerechnet werden, dass die einschlägige DIN 4108-7...als für Luftdichtheit maßgebliche allgemein anerkannte Regel der Technik festgeschrieben würde. Diese Norm muss in ihrer Fassung 2001 als veraltet angesehen werden..."
Dem neuen Entwurf (2009) gebe ich aus anderen Gründen keine Chance den Status einer aRdT zu erhalten.
16.07.2009, 16:30 #10
... und somit bleibt dann die Interpretation der EnEV-Passage im § 6 (1) ...
"Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist" ...
weiter fest in der Hand von Juristen ... eine spannende Angelegenheit!

References: §6
 § 3
 § 4
 § 6
 § 6
 § 6