Source: http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2013/01/target-2-salden-leistungsbilanzdefizite.html
Timestamp: 2018-02-20 05:36:26+00:00

Document:
Oeffinger Freidenker: TARGET 2-Salden, Leistungsbilanzdefizite und die Solvenzkrise im Bankensektor
TARGET 2-Salden, Leistungsbilanzdefizite und die Solvenzkrise im Bankensektor
Von Olaf Schlotmann und Sikandar Siddiqui
Seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008/09 und dem Offenbarwerden der Verschuldungsprobleme mehrerer EU-Mitgliedsstaaten steigt das Interesse an der Funktionsweise des Echtzeit-Brutto-Zahlungssystem TARGET (=Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer System) der EZB bzw. seiner aktuellen Version TARGET 2. Aufgabe dieses Systems ist es, den täglichen Transfer von Zentralbankguthaben zwischen den angeschlossenen Geschäftsbanken vorzunehmen und einen schnellen grenzüberschreitenden Liquiditätsausgleich zwischen den Kreditinstituten zu gewährleisten (Quelle: Deutsche Bundesbank, 2012).
Insbesondere Hans-Werner Sinn (2011, 2012) verurteilte unlängst die Tatsache, dass mehrere Mitgliedsländer im TARGET 2-System große negative Salden akkumuliert haben, als eine Form staatlicher Kreditvergabe an Länder mit chronisch defizitärer Leistungsbilanz, die auf eine europarechtlich unzulässige Vergemeinschaftung öffentlicher Schulden hinauslaufe.
Diese Ansicht ist allerdings nicht unwidersprochen geblieben. Insbesondere Buiter et al. (2011) kommen zu der Auffassung, dass ein positiver TARGET 2-Saldo einer nationalen Zentralbank (im Folgenden: NZB) keinen Kredit an die spezifischen Zentralbanken mit negativen Salden impliziert, sondern eine Forderung an die EZB darstellt. Daraus folgt für die Autoren, dass auch das Ausmaß, in dem Mitgliedsländer an etwaigen Verlusten im Zusammenhang mit den Target 2-Ungleichgewichten resultieren können, sich nicht nach der Höhe des jeweils nationalen Target 2-Saldos bemisst, sondern nach dem jeweiligen Anteil am Eigenkapital der EZB.
Vor dem Hintergrund dieser andauernden Kontroverse wird im Folgenden versucht, die Funktionsweise von TARGET 2 anhand eines einfachen Modells zu beschreiben und daraus einige Aussagen über deren Zusammenhang mit der Euro-Schuldenproblematik abzuleiten.
Ein einfaches Modell des TARGET 2-Systems
Zweck und Funktionsweise von TARGET 2 sollen nachfolgend anhand eines bewusst einfach gewählten Beispiels illustriert werden. In diesem Beispiel wird davon ausgegangen, dass ein spanischer Kunde KE von einem deutschen Lieferanten LD Waren im Wert von € 100 bezieht und die entsprechende Rechnung per Überweisung begleicht. Der Schritte, die unter TARGET 2 ablaufen, damit dieser Betrag von KE in den Besitz von LD übergehen kann, werden im Folgenden näher beschrieben. Dabei werden zur Vereinfachung folgende Annahmen getroffen:
Unterstellt wird, dass die Nichtbanken in jedem Land der Eurozone ausschließlich Girokonten bei inländischen Geschäftsbanken führen.
In jedem Land der Eurozone werden alle inländischen Geschäftsbanken zu einem Aggregat GE bzw. GD zusammengefasst.
Ferner wird so getan, als sei die Kreditaufnahme bei der jeweiligen nationalen Zentralbank NZB die einzige verfügbare Refinanzierungsquelle, die den Geschäftsbanken für Transaktionen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zur Verfügung steht. Andere Formen der Mittelaufbringung, wie etwa die Gewinnung neuer Einlagen, die Inanspruchnahme von Interbankenkrediten, die Eigenemission von Wertpapieren oder die Veräußerung bilanzieller Aktiva bleiben außer Betracht.
Unter diesen Bedingungen verläuft die erforderliche Abfolge von Transaktionen wie in Abbildung 1 skizziert ab:
Durch die Überweisung nimmt in Schritt (1) das Guthaben von KE bei BE um € 100 ab. Aus Sicht von GE steht diesem Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber KE ein Rückgang des eigenen Guthabens bei der Zentralbank Spaniens (ZE) gegenüber (Schritt 2), da diese als erste Schaltstelle im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr fungiert.
Für ZE kommt es zu einer Bilanzverkürzung. Dem Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber BE steht ein gleich hoher Rückgang des Guthabens gegenüber [Schritt (3)], den ZE im Rahmen des TARGET 2-Systems bei der EZB innehat. Grund hierfür ist, dass die EZB als Intermediär im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zwischen den Zentralbanken innerhalb der Eurozone fungiert.
Dem rückläufigen Target 2-Guthaben von ZE steht in Schritt 4 eine gleich hohe Zunahme des Target 2-Guthabens der Deutschen Bundesbank (ZD) gegenüber, die auf der Passivseite der Bilanz von ZD mit einer Zunahme des Guthabens der Hausbank BD des Lieferanten - Schritt (5) - einhergeht.
Bei der Hausbank BD des deutschen Lieferanten findet eine Bilanzverlängerung statt. Spiegelbild ihres gestiegenen Guthabens bei ZD ist in Schritt (6) ein gleich hoher Anstieg des Guthabens des Lieferanten LD – und damit der Verbindlichkeiten von GD gegenüber LD. Per saldo hat nach Vornahme aller Buchungen lediglich das Geldvermögen von LD zugenommen und jenes von KE abgenommen.
Negative TARGET 2-Salden sind (wie) Kontokorrentkredite seitens der EZB
Die Veränderung der TARGET 2-Salden eines Länderpaares impliziert gemäß obiger Abbildung einen Passivtausch auf der Bilanz der EZB. Dies untermauert die eingangs erwähnte Sichtweise von Buiter et al. (2011), wonach ein positiver TARGET 2-Saldo einer Zentralbank eine Forderung an die EZB, aber keinen Zahlungsanspruch an Zentralbanken mit negativen Salden konstituiert. Da die EZB jedoch auch negative TARGET 2-Salden zulässt und (positive wie negative) Salden in diesem System zum Hauptrefinanzierungssatz der EZB verzinst werden, können negative TARGET 2-Salden ökonomisch durchaus wie Kontokorrentkredite der EZB an die betroffenen nationalen Zentralbanken interpretiert werden.
TARGET 2-Negativsalden sind keine Leistungsbilanzdefizite
In dem vereinfachten Modell aus Abschnitt 2 spiegelt sich die Verminderung des Leistungsbilanzsaldos von Spanien (E) in einem gleich hohen Rückgang seines TARGET 2-Saldos wider. Dies spricht – für sich genommen – für die Behauptung, ein dauerhaft hoher, negativer TARGET 2-Saldo sei ein Indiz für die Finanzierung eines chronischen Leistungsbilanzdefizits durch das jeweilige Ausland.
Dieses Ergebnis gilt jedoch nur unter den sehr restriktiven Modellannahmen, die hier eingangs getroffen wurden. In Wirklichkeit hätte die spanische Geschäftsbank BE ihren durch die Transaktion entstandenen Liquiditätsbedarf auch anders decken können, etwa durch die Gewinnung neuer Einlagen, die Inanspruchnahme von Interbankenkrediten, die Eigenemission von Wertpapieren oder die Veräußerung bilanzieller Aktiva. In diesen Fällen wären der infolge der anfänglichen Transaktion eingetretene Rückgang des Zentralbankguthabens von BE und der nachfolgende Rückgang des TARGET 2-Saldos von ZE wieder neutralisiert worden. Diese Möglichkeit wurde in unserem Modell nur aus Vereinfachungsgründen ausgeschlossen; ihr Gebrauch hätte dazu geführt, dass die aus diesem Bündel an Transaktionen resultierende Veränderung des spanischen Leistungsbilanzsaldos sich nicht in einer entsprechenden Veränderung des TARGET 2-Saldos niedergeschlagen hätte. Daraus folgt in Übereinstimmung mit Storbeck (2012) auch, dass die unlängst stark angestiegenen TARGET 2-Negativsalden der Euro-Krisenstaaten nicht in erster Linie einen entsprechend hohen Zuwachs ihrer Leistungsbilanzdefizite widerspiegeln. Diese Situation ist vor allem deswegen eingetreten, weil viele Geschäftsbanken in den Krisenländern aufgrund ihres gestiegenen Insolvenzrisikos der Zugang zu anderen Refinanzierungsquellen als den nationalen Zentralbanken bis auf weiteres weitgehend versperrt ist (so sinngemäß auch Buiter et al., 2011). Das Anwachsen der Target 2-Negativsalden ist also kein separates Phänomen, das neben (oder zusätzlich zu) den bekannten Überschuldungsrisiken existiert, sondern „nur“ Symptom der nach wie vor gewaltigen Solvenz- und Liquiditätsprobleme vieler Geschäftsbanken in den Krisenländern.
Stabilitätsrisiken der Refinanzierungsprobleme der Geschäftsbanken
Isoliert betrachtet ist der oben konstatierte Anstieg des Refinanzierungsvolumens der Geschäftsbanken seitens der nationalen Zentralbanken nicht per se problematisch, da die Vornahme der entsprechenden Transaktionen an die Stellung notenbankfähiger Kreditsicherheiten gebunden ist. Falls diese Kreditsicherheiten wertbeständig sind, setzt diese Situation die EZB keinem Verlustrisiko aus, zumal Sicherheitsabschläge vorgenommen werden.
Verstärkt sich die aktuelle Krisensituation in einigen Euroländern allerdings, droht das Risiko, dass sich die bei den Notenbanken hinterlegten Kreditsicherheiten entwerten und in einer Insolvenzwelle von Banken und Staaten die verlangten Sicherheitsabschläge nicht ausreichen. Die daraus resultierenden Verluste muss die EZB tragen, ein großer Verlust wird im Rahmen einer zwangsweisen Rekapitalisierung auf alle Mitgliedsländer überwälzt. Insofern impliziert der TARGET 2-Mechanismus zwar keine Vergemeinschaftung von Schulden (im Sinne aktuell bereits bestehender Zahlungsverpflichtungen), er schließt aber eine Vergemeinschaftung von Ausfallrisiken keineswegs aus.
Buiter, W. H., , E. Rahbari und J. Michels (2011): Making sense of Target imbalances. VOXeu, 6. September 2011.
Deutsche Bundesbank (2012): TARGET2 - ein einheitliches Europa für Individualzahlungen. Frankfurt am Main (Eigenverlag)
Sinn, H.W. (2011): Die geheime Bailout-Strategie der EZB. Project Syndicate, 20. November 2011.
Sinn, H.W. (2012): Die Europäische Fiskalunion: Gedanken zur Entwicklung der Eurozone. Zeitschrift für Wirtschaftspolitik 13(3), S. 137-178.
Storbeck, Olaf (2012): Target 2-Defizite: Warum die Leistungsbilanz nicht entscheidend ist. Handelsblatt, 7. März 2012.
©KOF ETH Zürich, 11. Dez. 2012
Ursprünglich erschienen auf dem Blog "Ökonomenstimme"
Eingestellt von Stefan Sasse um 08:23
Moto Freitag, 4. Januar 2013 um 09:41:00 MEZ
-- "... können negative TARGET 2-Salden ökonomisch durchaus wie Kontokorrentkredite der EZB an die betroffenen nationalen Zentralbanken
interpretiert werden."
Das ist wohl tatsächlich eine Interpretationsfrage, denn abgesehen von der Verzinsung spricht aus meiner Sicht eher wenig für diese "Kredit-Analogie". Die EZB ist weder frei darin, ob sie Target2-"Kredite" gewährt, noch wann oder wem oder in welchem Umfang. Auch stehen den Target2-Salden, soweit ich sehe, keine Auszahlungsansprüche (positiv) oder Rückzahlungsverpflichtungen (negativ) der nationalen Notenbanken gegenüber. Die Frage ist, ob man so einen buchungstechnischen Saldo noch als "Kredit" bezeichnen kann ...
-- ... ein großer Verlust wird im Rahmen einer zwangsweisen Rekapitalisierung auf alle Mitgliedsländer überwälzt."
Warum sollte das notwendig sein ? Die Kreditsicherheiten sind für die EZB assets, die in einem fiat money-System wie dem EURO zur Deckung der Währung doch eigentlich unnötig sind. Könnte die EZB in einem solchen Fall die wertlosen Kreditsicherheiten nicht schlicht abschreiben und die Verluste durch Schöpfung von neuem Zentralbankgeld ausgleichen ?
Techniknörgler Freitag, 4. Januar 2013 um 23:30:00 MEZ
Im Fiat Moeny System kann die Zentralbank theoretisch beliebig Geld neu schöpfen. Dieses neu geschöpfte Zentralbankgeld steht in der Bilanz der EZB allerdings notwendigerweise auf der Passiv-Seite. "Ansprüche" gegenüber der Zentralbank in Euro sind per Definition äquivalent zum Zentralbankgeld! Die EZB kann sich nicht einfach Zentralbankgeld auf ihre Aktivseite schreiben ohne den selben Betrag auch auf der Passivseite zuzuschreiben.
"Ansprüch gegen die EZB in Euro (gehören zur Passivseite ihrer Bilanz)= Zentralbankgeld = Ansprüch gegen die EZB in Euro" per Definition.
Es wäre, wie wenn ich mir selber einen Schuldschein über 100€ gegen mich selber austellen würde, um diesen dann als einen meiner Aktivposten zu verbuchen - bloß erhöht er als Schuldschein über 100€ gegen mich auch meine Passivseite um den selben Betrag... Ein geistloses Nullsummenspiel.
Ein anderer Aspekt ist folgender: Ich habe oben den Begriff "Ansprüche" in Anführungszeichen gesetzt, als es um die EZB ging. Wenn ich einen Schuldschein über 100€ ausstelle, dann ist das ein Anspruch mir gegenüber auf 100€ in gesetzlichem Zahlungsmittel (=Zentralbankgeld + staatlich geprägte Münzen). Eine echte Verpflichtung (nur wenn ich den Schuldschein selber halte halt ein Nullsummenspiel).
Wenn die Ansprüche gegen die EZB in Euro höher sind als ihre Aktivseite dann... ja was dann? Das ist nicht gut für ihren Ruf, es lässt andere am Wert des Euro-Zentralbankgeldes vielleicht zweifeln (oder auch nicht, je nach dem, ob jemand glaubt gegen Euro jederzeit reale Gegenwerte kaufen zu können), aber ansonsten...??? Denn was ist das für ein Anspruch? Einer auf Zentralbankgeld? Die Ansprüche gegen die EZB in Euro _sind_ das Zentralbankgeld. Quasi ein physische oder virtueller Schuldschein, der meinen Anspruch gegenüber der EZB verbürgt - was zu erhalten? Einen andere Schuldschein?
In Dubio Freitag, 4. Januar 2013 um 15:36:00 MEZ
Prinzipiell ein guter, verständlicher Artikel. Nach meinem Verständnis bestreitet Hans-Werner Sinn nicht, dass derzeit die Target2-Salden als Kontokorrent genutzt werden. Worauf er hinweist, ist zweierlei: erstens erzeugt die griechische Zentralbank mit mit Billigung der EZB Zentralbankgeld zur Begleichung ausländischer Forderungen. Zweitens entsteht das wirtschaftliche Problem bei einem Auseinanderbrechen des Euro. Wenn nämlich Griechenland aus der Währungsgemeinschaft ausscheidet, werden die Negativbestände real. Es entsteht ein buchhalterischer Verlust, den die Anteilseigner ausgleichen müssen. Auch die Bildung eines Korrekturpostens ist lediglich ein Aufschieben dieses Ausgleichs. Im unwahrscheinlichen Fall des vollständigen Zusammenbruchs des Euro müsste die Bundesbank einen entsprechenden Ausgleich vornehmen.
Der derzeitige Bestand von 0,8 Billionen Euro entspricht einem Drittel des deutschen BIP. Es erscheint nicht realistisch, dass eine solide Zentralbank mit einem so hohen negativen Eigenkapital jahrzehntelang arbeitet.
Marc Freitag, 4. Januar 2013 um 18:25:00 MEZ
Das Zentralbankgeld der Target2-Salden existiert nur auf der Ebene der Zentralbanken. Auf der Ebene der EZB sind sie Null und bei den Geschäftsbanken tauchen sie nicht auf. Daher sind sie eine Anomalie, die durch die Währungsunion entsteht. Die entscheidende Frage ist nicht, ob die wie ein Kontokorrentkredite zu sehen sind, sondern welchen Wert sie abbilden. Da es sich um "Kredite" nur zwischen Zentralbanken handelt, die nicht mit realen Werten wie bei einer Geschäftsbank besichert sind, sondern nur mit negativen Zentralbankgeld gegen gebucht werden, sind es nur wertlose Buchungspositionen.
Ich wurde als zugrunde liegendes Beispiel gerne noch weiter vereinfachen und nur eine einfache Überweisung als Beispiel wählen: eine spanische Bank transferiert Guthaben auf ein deutsches Konto. Allein das reicht aus, um den Target2 Mechanismus auszulösen. Dann wird auch deutlicher, um was es sich bei den Target2-Salden im Wesentlichen handelt: Kapitalflucht.
In Dubio Freitag, 4. Januar 2013 um 19:37:00 MEZ
Ich hatte es schon mal geschrieben und keine Antwort darauf erhalten: warum haben dann die USA ebenfalls diese "Anomalie", warum müssen dort die vergleichbaren Target-Salden einmal jährlich mit harten Wertpapieren zwischen den Staatsbanken ausgeglichen werden und warum weisen dort die Salden trotz großer wirtschaftlicher Unterschiede keine so hohen Werte aus?
Theorien sind dazu da, die Realität zu erklären. Und nicht Ideologien.
Marc Freitag, 4. Januar 2013 um 20:12:00 MEZ
Ich hatte bereit damals geantwortet: das amerikanische Finanzsystem hat andere Regelungen, dort müssen die Unterschiede ausgeglichen werden.
Noch eine Anmerkung: die hohen Tagert2 Salden bestehen meiner Meinung nach im Wesentlichen nicht aus wirtschaftlichen Unterschieden, sondern aus einer enormen Kapitalflucht. In Amerika ist eine Kapitalflucht nicht notwendig, da dort kein Auseinanderbrechen des Dollarraums droht.
In Dubio Freitag, 4. Januar 2013 um 20:50:00 MEZ
das amerikanische Finanzsystem hat andere Regelungen, dort müssen die Unterschiede ausgeglichen werden.
Zu beschreiben, was ist, ist keine Antwort auf das Warum. Damit sind jedenfalls Target-Salden keine "Anomalie", sondern eine "Normalie" des Systems.
Noch eine Anmerkung: die hohen Tagert2 Salden bestehen meiner Meinung nach im Wesentlichen nicht aus wirtschaftlichen Unterschieden, sondern aus einer enormen Kapitalflucht.
Auch Wiederholung ist kein zusätzliches Argument. Das steht nämlich bereits im vorherigen Beitrag. Nur besteht das Parallelverhalten zwischen Anstieg der Target-Salden und Kapitalexport aus Greichenland beispielsweise darin, dass als erstes die Target2-Salden stiegen, bevor Kapitalflucht auf breiter Front stattfand. Die Defizite Griechenlands stiegen seit Herbst 2008, während der Abzug von Spar- und Termineinlagen ab 2011 deutlich zunahm. Das spricht völlig gegen die Annahme, die Target2-Salden seien das Ergebnis von Kapitalflucht.
Marc Freitag, 4. Januar 2013 um 21:17:00 MEZ
Der Begriff "Anomalie" verwende ich, da auf den Konten negatives Zentralbankgeld entsteht.
Sie glauben, es gibt nur einen Target2-Mechanismus und das ist falsch. Natürlich bilden sich auch wirtschaftliche Ungleichgewichte in den Target2-Salden ab, aber eben auch eine Kapitalflucht. Es geht daher um die Größenordnungen: welcher Effekt überwiegt? An den negativen Target2-Salden Griechenlands erkennt man sehr schön, dass der weitaus größere Sprung tatsächlich erst ab 2010 einsetzt.
Nochmals: ich behaupte nicht, dass die Target2-Salden ausschließlich auf Kapitalflucht basieren, sondern nur, dass sie den größten Anteil zu den Salden beiträgt.
In Dubio Freitag, 4. Januar 2013 um 21:31:00 MEZ
die hohen Tagert2 Salden bestehen meiner Meinung nach im Wesentlichen nicht aus wirtschaftlichen Unterschieden, sondern aus einer enormen Kapitalflucht.
Natürlich bilden sich auch wirtschaftliche Ungleichgewichte in den Target2-Salden ab, aber eben auch eine Kapitalflucht.
Nur passt auch diese geschönte Version nicht mit der Realität. Ziemlich hoch war der Wert bereits März 2010, während das Hoch der Kapitalflucht in 2011 / 2012 liegt. Sie konstruieren, gehen vorgefasst an die Zahlen, statt neutral zu schauen.
Marc Samstag, 5. Januar 2013 um 20:14:00 MEZ
Die Schwankungen der griechischen Target2-Salden sind enorm, im April 2010 betrug der Sprung über 20 Mrd. €. Das Problem ist, dass die absoluten Warenimporte Griechenlands im April 2010 knapp 4 Mrd. € und die Exporte knapp 1,5 Mrd. € betrugen. Das Leistungsbilanzdefizit betrug demnach etwas über 2 Mrd. € und erklärt somit nur etwa ein zehntel des tatsächlichen Target2-Sprungs.
Sind sie in der Lage, dieses Faktum neutral bewerten zu können?
In Dubio Samstag, 5. Januar 2013 um 21:47:00 MEZ
Nein, bin ich kaum. Wie auch? Was bitte schauen Sie sich an?? Sie betrachten das Außenhandelsdefizit per Monat? Welche Aussage erwarten Sie daraus? Bei näherer Betrachtung können Sie keine Aussage erwarten, vor allem nicht, wenn Sie es mit den Target-Salden kombinieren. Geld wird tatsächlich monatlich ausgegeben, da kann man eine sehr kurzfristige Betrachtung erwägen. Aber beim Außenhandel?! Kennen Sie Käufe auf Ziel? Nein? Von Branche zu Branche sind die Zahlungsfristen unterschiedlich, während in der Außenhandelsstatistik ein Warenfluss mit der Übergabe verzeichnet wird. Das bedeutet, Sie haben einen Exportumsatz im April 2010 verzeichnet, das Geld dafür müssen Sie jedoch erst im Oktober 2010 aufbringen.
Sie jedoch haben gelesen: Umsatz April 2010, Zahlung Oktober 2010. Ich kann daher nur beurteilen, was Sie da bewertet haben: Äpfel und Bananen.
NoSimplification Mittwoch, 8. Mai 2013 um 07:26:00 MESZ
Ich denke "In Dubio" ist hier sehr nah am Kerngedanken des zweistufigen Zentralbanksystems unterwegs. Die Target2-Salden sind keineswegs "wertlose" Buchungen in den Büchern der Zentralbanken. Wie im obigen Beispiel erläutert wurde, muss z.B. bei einer Auslandsüberweisung Zentralbankguthaben transferiert (E abgebucht/D zugebucht) werden. Aber was genau macht dieses Zentralbankguthaben so wertvoll, dass die negativen Salden anscheinend nicht einfach ausgebucht werden können bzw. in den USA Wertpapiere für den Ausgleich beschafft werden müssen?!
Zentralbankguthaben ist das Guthaben auf Zentralbankgeld. Und Zentralbankgeld ist nicht einfach "werthaltig" vorhanden, sondern es entsteht nur wie folgt:
1. Eine Nichtbank (auch Kommunen, Länder, Bund) und ein Kreditinstitut schließen einen Kreditvertrag ab. Das Kreditinstitut verpflichtet sich zur "Gutschreibung" (lat. Kreditierung) eines Geldbetrages, die Nichtbank zur Rückzahlung des Geldes zum vereinbarten Termin.
2. Kredite sind "immer" durch das Eigentum des Kreditinstitutes und das Eigentum der Nichtbank (Pfand) besichert (Kredittitel+Sicherheit). Beim Staat ist es die Anleihe selbst, welche als Sicherheit dient (Staat zahlt "immer" über zukünftige Steuern)
3. Nur wenn Kreditinstitute ausreichende Pfänder besitzen (sie halten nicht das Eigentum, sondern besitzen nur außerbilanziell die Abtretungen am Anrecht des Eigentums des Kreditnehmers) können sie durch Hinterlegung des Kredittitels inklusive Pfand (siehe Pfandpools der deutschen MFIs) ein Zentralbankguthaben erwirken. Dieses Prozedere nennen wir ein "zeitlich befristetes Refinanzierungsgeschäft" (Siehe Passiva der EZB), was nichts anderes darstellt, als die Entstehung des eigentlichen Geldes.
Wenn also ein Spanier sein Guthaben an einen deutschen Zahlungsempfänger anweist, dann löst dies genau die oben beschriebene Kette aus (Spanische Bank muss Zentralbankguthaben an Deutschland anweisen). Ein Giroguthaben alleine kann keine Zahlung bewirken. Es sieht für den Bankkunden zwar so aus, aber tatsächlich wird auf der Stufe der Zentralbank immer die Transaktion von "Zentralbankgeld" verlangt (untertägiges Clearing verhidnert den Grundsatz nicht). Geld ist keine Luftbuchung, sondern ist "immer" durch Kredittitel + Pfand hinterlegt.
Warum haben die Südländer so hohe negative Target2-Salden?! Weil sie ihre Geldschöpfung nicht mehr durch ausreichend Zentralbankgeld (Kredittitel+Pfänder) hinterlegen. Es wird quasi die Tür geöffnet, um über ein europäisches Target-System Geld zu transferieren, für dessen Hinterlegung (Besicherung = Haftung) die Empfängerländer (in diesem Beispiel Deutschland) herhalten müssen. Nur solange sich die Targetsalden insgesamt ausgleichen, kann dieses zweistufige System funktionieren.
Nun ist auch klar, weshalb in den USA Wertpapiere als Ausgleich dienen. Sie sollen die Unterbesicherung der Zentralbankguthaben ausgleichen. Würde dies nicht passieren, so würde die Notenbank an Geschäftsbanken Kredite vergeben, was sie aber niemals kann (sie verleiht kein Geld, sondern wandelt Sicherheiten (ihr Wert sei mal dahingestellt) in Geld.
In Dubio Samstag, 5. Januar 2013 um 21:48:00 MEZ
Korrektur: Sie haben gelesen: Umsatz April 2010, Zahlung April 2010. Sorry.
Stefan Wehmeier Sonntag, 6. Januar 2013 um 14:29:00 MEZ
Es gibt niemanden, der das Folgende nicht verstehen kann, aber viele, die es mit verstehen wollen. Wer allerdings noch nie etwas verstehen wollte, dem fällt auch das verstehen können immer schwerer, bis er am Ende die banalsten Selbstverständlichkeiten nicht mehr versteht.
Seit der Euro-Einführung bis heute hat sich das EU-BIP etwa um den Faktor 1,3 erhöht, während die gesamte Zentralbank-Geldmenge (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) von 400 Mrd. € auf fast 1,8 Bio. € ausgeweitet und damit etwa um den Faktor 4,5 erhöht wurde. Die effektive Umlauffrequenz des Zentralbankgeldes in der EU hat sich also im Durchschnitt um den Faktor 4,5/1,3 = 3,5 verringert.
Die aufgelaufenen Target-2-Salden bedeuten nichts anderes, als dass sich die effektive Umlauffrequenz z. B. in Deutschland um weniger als den Faktor 3,5 und z. B. in Griechenland, Spanien und Italien um mehr als den Faktor 3,5 verringert hat.
Nach der gesetzlich verbindlichen Ankündigung der freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform wird die effektive Umlauffrequenz um einen Faktor > 10 erhöht und somit die gesamte Zentralbank-Geldmenge um den gleichen Faktor reduziert. In einem Zeitraum von sechs Monaten bis zur physischen Einführung der neuen nationalen, konstruktiv umlaufgesichterten Indexwährungen haben sich alle Target-2-Salden eigendynamisch ausgeglichen oder zumindest auf ein unbedeutendes Maß reduziert. Die überflüssige EZB kann dann ohne "großen Krach" einfach aufgelöst werden.
Über irgendetwas anderes als die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (Freiwirtschaft = echte Soziale Marktwirtschaft) braucht niemand mehr nachzudenken:
Buchbesprechung: Why nations fail
Mindestlohn kommt 2014
Augstein und Blome vom 25.1.2013
Augstein und Blome vom 07.09.2012: Arm im Alter - ...
Die drei Dimensionen des Sexismus-Skandals
Wir brauchen eine säkulare Revolution!
Eine Analyse der niedersächsischen Landtagswahl
Wie man einen Artikel nicht schreibt
Buchhinweis: Lutz Hausstein - Ein Plädoyer für Ger...
Eine überfällige Entwicklung
Staatsausgaben und Staatsschulden - ein politische...
Inszenierung von Macht
So viele Erwerbstätige wie noch nie?
TARGET 2-Salden, Leistungsbilanzdefizite und die S...
Meteoriteneinschlag – die Mayas hatten doch recht!...
Klippenspaziergänge

References: In Dubio
In Dubio
In Dubio
In Dubio
In Dubio
In Dubio
In Dubio