Source: https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/familiennachzug-auslaendischer-mutter-zum-minderjaehrigen-deutschen-kind-bei-zweckvaterschaftsanerkennung
Timestamp: 2020-07-03 23:55:07+00:00

Document:
AufenthaltserlaubnisZweckvaterschaftsanerkennung
© Aufort Jérome / stock.adobe.com
Zweckvaterschaftsanerkennung vermutet
Die Klägerin, eine vietnamesische Staatsangehörige, reiste im Mai 2005 nach Deutschland. Nach der Rücknahme eines Asylantrages wurde ihr Aufenthalt zunächst geduldet. Im Mai 2006 erkannte ein deutscher Staatsangehöriger die Vaterschaft für ihren seinerzeit noch ungeborenen Sohn an. In der Folgezeit wurde ihr eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 5 AufenthG erteilt. Im November 2009 beantragte die Klägerin die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Wahrung der familiären Lebensgemeinschaft zwischen ihr und ihrem Sohn (§ 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 AufenthG). Wegen des Verdachts einer Vaterschaftsanerkennung allein aus aufenthaltsrechtlichen Gründen (Zweckvaterschaftsanerkennung) wurde der Antrag nicht beschieden.
VGH bejaht Anspruch auf Aufenthaltserlaubnis
Ein behördlicher Vaterschaftsanfechtungsantrag wurde im Anschluss an die Feststellung der Nichtigkeit des § 1600 Abs. 1 Nr. 5 BGB a.F. durch das Bundesverfassungsgericht zurückgenommen. Auf die beim Verwaltungsgericht erfolglose Untätigkeitsklage hin hat der Verwaltungsgerichtshof die Ausländerbehörde zur auch rückwirkenden Erteilung der begehrten Aufenthaltserlaubnis verpflichtet. Die Ausschlussklausel des § 27 Abs. 1a Nr. 1 Alt. 2 AufenthG sei nicht auf den Nachzugsanspruch einer ausländischen Mutter zu ihrem deutschen Kind anzuwenden, das die deutsche Staatsangehörigkeit aufgrund der Vaterschaftsanerkennung durch einen Deutschen erworben hat, so der VGH (BeckRS 2019, 7797).
BVerwG: Kein Verwandtschaftsverhältnis zu nachzugswilliger Mutter begründet
Das BVerwG hat die Entscheidung des VGH zur Unanwendbarkeit der Ausschlussklausel bestätigt. Der Erste Senat hat dabei offengelassen, ob § 27 Abs. 1a Nr. 1 AufenthG Vaterschaftsanerkennungen insgesamt nicht erfasst und den Familiennachzug nur bei Ehen, Lebenspartnerschaften und Adoptionen ausschließt, die allein der Ermöglichung des Aufenthalts im Bundesgebiet dienen. § 27 Abs. 1a Nr. 1 Alt. 2 AufenthG sei jedenfalls dann nicht auf eine Vaterschaftsanerkennung anzuwenden, wenn diese nicht das Verwandtschaftsverhältnis zwischen nachzugswilligem Ausländer (hier: der Mutter) und dem im Deutschland lebenden Familienmitglied (hier: deren Sohn) begründet. Die Anerkennung der Vaterschaft eines Kindes durch einen Deutschen mit dem Ziel, der ausländischen Mutter des Kindes den Familiennachzug zu ermöglichen, begründe weder zwischen dem Anerkennenden und der ausländischen Mutter noch zwischen dieser und ihrem Kind ein Verwandtschaftsverhältnis im Sinne des § 27 Abs. 1a Nr. 1 Alt. 2 AufenthG.
zu BVerwG, Urteil vom 26.05.2020 - 1 C 12.19
VGH München, Anerkennung der Vaterschaft eines ausländischen Kindes durch einen Deutschen, BeckRS 2019, 7797
VGH München, Nachzugsanspruch aufgrund Vaterschaftsanerkennung, NJW 2016, 664
VGH Mannheim, Rechtsmissbräuchliche Vaterschaftsanerkennung, BeckRS 2014, 58738
Mach-Hour, Das behördliche Anfechtungsrecht der Vaterschaft und die Folgen für die Kinder, FPR 2009, 147

References: § 25
 § 1600
 § 27
 § 27
 § 27
 § 27