Source: http://bhkw-infos.de/enev.htm
Timestamp: 2017-12-18 18:27:07+00:00

Document:
EnEV und die Anlagenaufwandszahl
Die Berechnung des Primärenergiebedarfs nach der EnEV lässt sich mit einer einfachen Formel zusammenfassen:
Qp = (Qh+Qtw) * ep <= Qp,max
Für die Begrenzung des baulichen Wärmeschutzes gilt die Nebenanforderung:
Ht <= Htmax
Jahresheizwärmebedarf nach DIN V 4108-6 (basiert auf EN 832)
Wärmebedarf für das Trinkwasser
Anlagen-Aufwandszahl nach DIN V 4701-10 als Ergebnis der Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung
Qp,max
maximal zulässiger Primärenergiebedarf
Ht,max
maximal zulässiger spezifischer Transmissionswärmeverlust
Anlagen-Aufwandszahl ep:
Zur Ermittlung der Anlagen-Aufwandszahl, und damit des Jahres-Primärenergiebedarfs, gibt es wieder verschiedene Verfahren. Am einfachsten ist hier das Diagrammverfahren. Wenn die Anlagenkonfiguration (Heizung, Warmwasser und Lüftung) bekannt ist und in einer der Diagramme aus DIN 4701 Teil 10 enthalten ist, kann die Anlagen-Aufwandszahl direkt aus dem Diagramm abgelesen werden. Dieser Wert enthält jedoch noch sehr viele Sicherheitszuschläge.
Als genauereres Verfahren bietet sich das Tabellenverfahren an, mit Standardwerten aus der DIN 4701-10, oder sofern vorhanden mit Herstellerangaben. Die Standardwerte stellen den unteren Marktdurchschnitt dar, wordurch es sich lohnt Herstellerangaben einzusetzen. Für alle Anlagenkomponenten (Heizung, Warmwasser und Lüftung) und deren notwendige Hilfsenergie gibt es entsprechende Werte, die in Abhängigkeit von der Nutzfläche AN angegeben sind. Diese Werte werden als Aufwandszahlen in Formblätter eingetragen, summiert und primärenergetisch bewertet. Darüber hinaus lässt sich mit Formeln aus dem Rechenverfahren der DIN 4701-10 noch genauer rechnen.
Bei der Berechung der Energie-Aufwandzahl wird die gesamte Kette von der Gewinnung der Energie, inklusive Förderung, Veredelung (z.B. Raffinerie), Transport, Energiewandlung, Wärmeverteilung, Regelung usw. berücksichtigt. Die Energie-Aufwandzahl ist also ein Qualitätsmaßstab für die Heizungsanlage.
Ist die Energie-Aufwandszahl hoch, so ist das betrachtete Heizungs-System ineffektiv, also schlecht, weil man einen hohen Aufwand zur Erreichung eines bestimmten Nutzens hat. Je kleiner also die Energie-Aufwandszahl ist, desto effektiver und somit besser ist das System. Eine Energie-Aufwandszahl E = 2,0 würde bedeuten, dass man das Doppelte an Primärenergie verbraucht, wie man an Nutzwärme benötigt. Bei E = 1,5 wäre es der anderthalbfache und bei E 1,0 wäre der Verbrauch an Primärenergie genau gleich groß wie der benötigte Wärmenutzen.
Elektrische Energie zur Wärmeerzeugung wird mit mit der Energieaufwandszahl 3 bewertet !!!
Herstellerangeben können verwendet werden
"... die Aufwandszahlen ... lassen sich anhand der Verfahren dieses Abschnitts allgemein bestimmen. Die hier beschriebenen Verfahren erlauben insbesondere die Berücksichtigung von gerätespezifischen Kenngrößen, die den Herstellerunterlagen entnommen werden können. Wenn die gerätespezifischen Größen nicht bekannt sind, müssen die in Anhang C angegebenen Standardwerte eingesetzt werden. Diese Standardwerte repräsentieren allerdings Geräte, deren energetische Qualität dem unteren Durchschnitt des Marktniveaus entsprechen, so dass es sich im Normalfall lohnt, mit konkreten Hersteller- bzw. Planungsangaben zu rechnen".
Auslegung zu § 3 Abs. 3 Nr. 1 Fernwärme aus KWK
Unter welchen Bedingungen können Fern- oder Nahwärmelieferungen dem Kriterium "70 % aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen" zugeordnet werden und die Regelung nach § 3 Abs. 3 in Anspruch genommen werden?
Welcher Primärenergie-Umwandlungsfaktor ist bei Fern- oder Nahwärmenetzen mit unterschiedlichen Arten der Wärmeerzeugung zu verwenden?
Im Rechenverfahren nach DIN V 4701-10, auf das die EnEV nach § 3 Abs. 2 in Verbindung mit Anhang 1 Nr. 2.1.1 verweist und das im Grundsatz auch als Grundlage für die Bestimmung des Grenzwertes nach § 3 Abs. 3 Nr. 1 gelten muss, kann der für den Nachweis erforderliche Primärenergiefaktor für Fern- oder Nahwärme pauschal nach Tabelle C.4-1 oder durch Berechnung nach Nr. 5.4.1 oder 5.4.2 der Norm ermittelt werden.
Bei der pauschalen Ermittlung nach Tabelle C.4-1 kann als Randbedingung entweder die Bereitstellung der Wärme durch Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK-Anlagen; Primärenergiefaktor bei fossilen Brennstoffen: 0,7; bei erneuerbaren Brennstoffen: 0,0) oder durch Heizwerke (Primärenergiefaktor bei fossilen Brennstoffen: 1,3; bei erneuerbaren Brennstoffen: 0,1) angenommen werden. Erfolgt eine Wärmebereitstellung vollständig auf eine der genannten Arten, kann der Planer die pauschalen Faktoren nutzen.
In der Regel liegt jedoch ein Mischfall unterschiedlicher Wärmeerzeuger vor. Für diese Fälle haben die genannten pauschalen Angaben keine Gültigkeit. Der Primärenergiefaktor muss in diesem Fall für das konkrete Wärmeversorgungssystem nach Nr. 5.4.1 (oder im Falle geplanter Netze nach 5.4.2) der Norm DIN V 4701-10 ermittelt werden. Die Ermittlung darf gemäß Nr. 5.4.1DIN V 4701-10 nur auf der Grundlage " der buchhalterischen Jahresabschlussbilanz und kaufmännisch nachweisbarer Energiebilanzen " erfolgen; zumindest bei geplanten Netzen nur durch unabhängige Sachverständige. Sie ist nicht Aufgabe des Planers. Stammt die Wärme eines Fern- oder Nahwärmenetzes nicht ausschließlich aus KWK-Anlagen oder aus Heizwerken mit erneuerbarem Brennstoff und hat der Wärmelieferant den Primärenergiefaktor des Netzes nicht nach der technischen Regel bestimmt und vorgelegt, so ist der Primärenergiefaktor der Wärme mit 1,3 anzusetzen.
Die Regelung nach § 3 Abs. 3 Nr. 1 EnEV, nach der die Begrenzung des Jahres-Primärenergiebedarfes nicht erforderlich ist, kann in Anspruch genommen werden, wenn ein ausschließlich aus KWK-Anlagen gespeistes Fern- oder Nahwärmenetz zu mindestens 70 v. H. den Nutzenergiebedarf abdeckt oder
Die Regelung des § 3 Abs. 3 Nr. 1 kann also dann in Anspruch genommen werden, wenn der Endenergiebedarf des Gebäudes aus "Nicht-KWK-Quellen" 30 % des Nutzenergiebedarfs nicht übersteigt. Diese Auslegung steht im Einklang mit der Begründung der Bundesregierung zur Verordnung.Der Nutzenergiebedarf des Gebäudes besteht gemäß Definition der Norm DIN V 4701-10, auf die Anhang 1 Nr. 2.1.1 EnEV diesbezüglich verweist, aus dem Wärmebedarf für Heizen und Lüften (Heizwärmebedarf qh) und dem Bedarf für Trinkwassererwärmung (Trinkwasserwärmebedarf qtw). Letzterer ist verordnungsgemäß bei Wohngebäuden mit 12,5 kWh/(m² · a), in den übrigen Fällen mit "Null" anzusetzen.
Die Regelung des § 3 Abs. 3 Nr. 1 muss nicht zwingend in Anspruch genommen werden. Für die Mehrzahl der Fälle ist ein Nachweis der Begrenzung des Jahres-Primärenergiebedarfs nach
DIN V 4701-10 möglich und nach der Verordnung auch zulässig. Es ist ferner davon auszugehen, dass sich dabei für den Bauherrn im Allgemeinen keine schärferen materiellen Anforderungen ergeben als im Falle der Inanspruchnahme der Regelung des § 3 Abs. 3 Nr. 1.
Die vorstehende Auslegung gilt auch für die Bewertung von Fern- und Nahwärmenetzen, in denen teilweise Wärme aus erneuerbarer Energie (z.B. Geothermie, Deponiegas, etc.) zum Einsatz kommt. Auch hier muss der Primärenergiefaktor für das konkrete Wärmeversorgungssystem nach Nr. 5.4.1 oder 5.4.2 der Norm DIN V 4701-10 ermittelt werden.
Energiemenge, die zur Deckung des Endenergiebedarfs benötigt wird unter Berücksichtigung der zusätzlichen Energiemenge, die durch vorgelagerte Prozessketten außerhalb der Systemgrenze "Gebäude" bei der Gewinnung, Umwandlung und Verteilung der jeweils eingesetzten Brennstoffe entstehen.
Für neu zu errichtende Gebäude wird über die Energieeinsparverordnung die Ausstellung eines Energiebedarfsausweises gefordert. Dieser fasst die wesentlichen Berechnungsergebnisse des Nachweisverfahrens zusammen und weist die Kenngrößen, über welche die Anforderungen formuliert sind, aus.
Weiterhin wird in dem Dokument der Endenergiebedarf angegeben, der als Vergleichswert zu dem tatsächlich auftretenden Verbrauch herangezogen werden kann. Da die Berechnungen auf bestimmten normierten Ansätzen beruhen, ist die Vergleichbarkeit zwischen Rechnung und Messung nur eingeschränkt möglich. Zur genaueren Einschätzung im Einzelfall ist Fach- und Sachverstand erforderlich.
Anforderungen an bestehende Gebäude:
- Einhaltung der EnEV bei Sanierung von > 20% der Bauteilfläche
- Einhaltung der max. zulässigen U-Werte oder max. 40% über Neubaukennwerte
- Dämmung zugänglicher oberster Geschossdecke bis 2005 (U<= 0,3 W/m2K ~ 14 cm WD)
- Pflicht zur Dämmung, wenn Außenputz erneuert wird und U > 0,9 W/m2K
- Dämmung der Rohrleitungen bis 2005
- Ersatz von Heizungskessel, die älter als 1978 sind, bis zum Jahr 2006
- Ersatz von Pumpen
- Wartungsverpflichtung
Stehen keine Regeln der Technik zur Verfügung, z. B. bei der Errichtung eines Anbaus unter Beibehaltung der bestehenden Anlagentechnik, dann muss ein Nachweis des Ht'-Wertes erfolgen. Die Berechnung des Primärenergiebedarfs entfällt in diesen Fällen. Allerdings muss der Ht' bei 76% des zulässigen Wertes liegen.
Typische Fälle bei denen z. Zt. noch keine Regeln der Technik vorliegen sind z. Bsp.:
- Anbauten bei Beibehaltung der alten Heizungsanlage
- Gebäude mit einer Heizungsanlage die nutzungsbedingt Räume mit unterschiedlichen Temperaturen versorgt (Industriebau mit Bürobereich und Produktionsbereich)
Ausblick: Es wird z. Zt. die DIN 4701-12 vorbereitet mit der dann auch bestehende Altheizungsanlagen erfasst werden können. Mit Einführung dieser Norm wird dann eine primärenergetische Betrachtung von Anbauten möglich sein.
- eine Informationsseite der GLIZIE GmbH alle Angaben ohne Gewähr

References: § 3
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