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Timestamp: 2020-07-14 11:20:00+00:00

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Urteilstatbestand - und der Beweis mündlich gestellter Prozessanträge | Rechtslupe
Urteilstatbestand - und der Beweis mündlich gestellter Prozessanträge
Urteils­tat­be­stand – und der Beweis münd­lich gestell­ter Pro­zess­an­trä­ge
Nach § 314 Satz 1 ZPO lie­fert der Tat­be­stand eines Urteils den Beweis für das münd­li­che Par­tei­vor­brin­gen vor dem Gericht. Dies schließt die Abga­be von Pro­zess­er­klä­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung ein [1].
§ 314 ZPO gilt auch für die Antrag­stel­lung in der münd­li­chen Ver­hand­lung [2].
Dabei konn­te es das Bun­des­ar­beits­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall dahin­ste­hen las­sen, ob sich die Beweis­kraft des Tat­be­stands bei in ihm wie­der­ge­ge­be­nen Anträ­gen nur auf die Tat­sa­che ihrer Ver­le­sung bezieht [3] oder auch auf ihren Inhalt [4]. Denn vor­lie­gend ging es nur um die Fra­ge, ob die Arbeit­ge­be­rin die schrift­sätz­lich ange­kün­dig­ten Anträ­ge gestellt hat.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im tat­be­stand­li­chen Teil des ange­foch­te­nen Beschlus­ses fest­ge­stellt, dass die Arbeit­ge­be­rin im Beschwer­de­ver­fah­ren bean­tragt hat, den Beschluss des Arbeits­ge­richts Essen vom 23.04.2015 – 1 BV 87/​14 – abzu­än­dern und die Anträ­ge zurück­zu­wei­sen, soweit ihnen statt­ge­ge­ben wur­de, und dass der Betriebs­rat die Zurück­wei­sung der Beschwer­de bean­tragt hat. Die­se Fest­stel­lun­gen lie­fern nach dem auch im arbeits­ge­richt­li­chen Beschluss­ver­fah­ren anwend­ba­ren § 314 Satz 1 ZPO Beweis dafür, dass die Anträ­ge gestellt wor­den sind. Der Beweis wird nicht durch das Sit­zungs­pro­to­koll ent­kräf­tet.
Nach § 314 Satz 2 ZPO kann der durch die tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen geführ­te Beweis nur durch das Sit­zungs­pro­to­koll, das sei­ner­seits Beweis­wir­kung ent­fal­tet, ent­kräf­tet wer­den. Nach § 165 Satz 1 ZPO kann die Beach­tung der für die Ver­hand­lung vor­ge­schrie­be­nen Förm­lich­kei­ten, zu denen nach § 160 Abs. 3 Nr. 2 ZPO auch die Anträ­ge gehö­ren, nur durch das Pro­to­koll bewie­sen wer­den. Die posi­ti­ve Fest­stel­lung im Pro­to­koll beweist, dass die Förm­lich­keit gewahrt ist; das Schwei­gen des Pro­to­kolls beweist, dass sie nicht gewahrt ist [5]. Die Beweis­wir­kung des Sit­zungs­pro­to­kolls kann nach § 165 Satz 2 ZPO nur durch den Nach­weis der Fäl­schung ent­kräf­tet wer­den. Aller­dings kommt dem Sit­zungs­pro­to­koll kei­ne Beweis­kraft zu, wenn die Pro­to­kol­lie­rung eines wesent­li­chen Pro­zess­vor­gangs offen­sicht­lich lücken­haft oder wider­sprüch­lich ist [6].
Danach bewei­sen im vor­lie­gen­den Fall die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten vom 04.11.2015; und vom 10.02.2016 nicht, dass die Antrag­stel­lung unter­blie­ben ist. Im Pro­to­koll vom 04.11.2015 ist eine Antrag­stel­lung nicht fest­ge­stellt. Das spricht dafür, dass eine Antrag­stel­lung nicht erfolgt ist. In der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 10.02.2016 heißt es, die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ver­han­del­ten "mit den Anträ­gen wie zu Pro­to­koll vom 04.11.2015". Das deu­tet dar­auf hin, dass die Anträ­ge im Anhö­rungs­ter­min vom 04.11.2015 gestellt wur­den. Die Pro­to­kol­lie­rung wäre in die­sem Fall lücken­haft. Soll­te die Antrag­stel­lung unter­blie­ben sein, wäre die Pro­to­kol­lie­rung zwar nicht lücken­haft, aber wider­sprüch­lich.
BAG 24.10.2017 – 1 AZR 166/​16, Rn. 18; BGH 19.03.2013 – VIII ZB 45/​12, Rn. 11 [Erle­di­gungs­er­klä­rung]; BVerwG 3.07.1987 – 4 C 12.84 – [Zustim­mung zur Kla­ge­än­de­rung]; OLG Düs­sel­dorf 15.03.1990 – 6 U 215/​89 – [Aner­kennt­nis; Ver­zicht; Ver­gleich; Erklä­run­gen zur Zustän­dig­keit][↩]
BAG 24.10.2017 – 1 AZR 166/​16, Rn. 18; BGH 18.07.2013 – III ZR 208/​12, Rn. 8; BVerwG 3.07.1987 – 4 C 12.84[↩]
so BVerwG 3.07.1987 – 4 C 12.84; Thomas/​Putzo/​Reichold ZPO 39. Aufl. § 314 Rn. 1; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann ZPO 76. Aufl. § 314 Rn. 5 Stich­wort "Antrags­in­halt"[↩]
so BGH 18.07.2013 – III ZR 208/​12, Rn. 8; offen­ge­las­sen in BAG 24.10.2017 – 1 AZR 166/​16, Rn. 18[↩]
Thomas/​Putzo/​Reichold ZPO 39. Aufl. § 314 Rn. 1[↩]
BGH 26.04.1989 – I ZR 220/​87, zu II 2 a der Grün­de[↩]
ProzessanträgeUrteilsgründeUrteilstatbestand

References: § 314

§ 314
 § 314
 § 314
 § 165
 § 160
 § 165
 BGH 
 BGH 
 § 314
 § 314
 BGH 
 § 314

BGH