Source: https://delzepich.de/125jahrebfac/x-spezielles/125-jahre-vorbeugender-brandschutz/
Timestamp: 2020-02-18 09:56:57+00:00

Document:
125 Jahre Vorbeugender Brandschutz – delzepich.de – aachen
Die Notwendigkeit vorbeugen­der Brandschutzmaßnahmen bei der Errich­tung von Gebäuden wurde in Aachen spätestens nach dem großen Stadt­brand vom 02. Mai 1656 erkannt. Bei diesem katastro­phalen Brand wurden innerhalb von 20 Stun­den 4.664 Häuser in Schutt und Asche gelegt. Für die rasante Ausbreitung des Bran­des dürfte neben der dichten Bebauung vor allem die Ver­wendung brennbarer Materia­lien im Dachbereich aus­schlagge­bend ge­wesen sein.
Baupolizeiverordnung 1911
So wird denn auch in der "Baupolizeiverordnung für den Regie­rungsbezirk Aachen" vom 17. März 1911 gefordert:
Die Dachdeckung ist aus feu­ersi­cherem Baustoff herzu­stellen, so­weit nicht in der aller­höchsten Kabinettsordre vom 02. Juli 1836 Ausnahmen ge­stattet sind. Die "Ka­bi­nett­sordre" besagt folgen­des: Auf Ihren Be­richt vom 07. v.Mts. will ich nach Ihrem An­trage hier­durch bestimmen, daß es auch in der Rheinpro­vinz mit der Zulassung von Strohdä­chern dergestalt ge­hal­ten werden soll, wie dies in den übrigen Landesteilen ge­schieht, indem die Her­stel­lung einer feuer­sicheren Be­dachung von jedem ver­langt werden muß, dem die zur Be­schaffung derselben erforder­lichen Mittel nicht fehlen, und verordnen daher, unter Aufhebung der über die Stroh­bedachung der Gebäude in der Rheinprovinz bisher in Anwen­dung gekommenen älteren Be­stimmun­gen, hierdurch folgen­des:
1. ­Die Ortsbehörden dürfen in den Flecken, Dörfern, Wei­lern und über­all, wo meh­rere Häu­ser zusam­men­ste­hen, bei der Anle­gung neuer Dächer nur Beda­chung von Me­tall, Schie­fer oder Zie­geln und Lehm­schindeldächer nach der be­kannt­zuma­chenden Be­rei­tungsart gestat­ten.
2. Stroh- oder Rohrbeda­chungen und Holzschin­deln sind nur erlaubt:
a) auf einzelnen Gebäuden und zusammenhängenden Ge­höf­ten eines und des­sel­ben Be­sitzers, welche min­destens 2.000 preu­ßi­sche Fuß von an­deren ent­fernt stehen;
b) in den der Überschwem­mung ausge­setzten Rheinniederungen insofern dieselben zur Siche­rung der Bewoh­ner bei Über­schwemmungen für not­wendig erkannt worden sind.
3. Größere Reparaturen an schon vorhandenen Stroh-, Rohr- oder Holzschin­deldächern mit Stroh oder Rohr auf Gebäuden, die nicht zu den im § 2 be­zeichneten gehören, dürfen in der Regel nicht gestat­tet werden.
4. Wer künftig dieser Ver­ordnung entgegen ein neues Stroh- oder Rohr­dach auflegen läßt oder ein Stroh- oder Rohrdach mit Stroh oder Rohr aus­bes­sert, ohne die in § 2 oder 3 gedachte Erlaub­nis erhalten zu haben, wird mit einer Geld­buße von 1 bis 5 Talern oder im Falle des Neubaues mit Niederlegung des Stroh- oder Rohrdaches bestraft.
Sie haben diese Bestimmungen durch die Amtsblätter der Regierun­gen zur allgemeinen Kenntnis zu brin­gen.
Berlin, den 02. Juli 1836
Es ist beachtenswert, daß bereits im Jahr 1836 weiche Bedachun­gen nur in sehr be­grenztem Umfange statthaft waren. Bemerkens­wert ist je­doch, daß zur damali­gen Zeit auch die Finanzkraft des ein­zelnen Bauherrn zu berück­sichtigen war.
Aus der o.g. "Baupolizeiver­ord­nung" werden noch folgende Vor­schriften des "Vorbeugen­den Brand­schutzes" zitiert, die teilwei­se schon deutlich als Vorläufer der heutigen Bestimmungen in der Bau­ord­nung erkennbar sind:
§ 11 (3)
Außenwände von Holz dürfen nur in einem Abstand von 10 m, auf dem platten Lande von 6 m, von der Nachbar­grenze er­richtet wer­den.
Außenwände, die auf der Nach­bar­grenze errichtet wer­den, müssen als Brandmau­ern, d.h. aus massivem Mauer­werk ohne Öffnungen und zwar bei Zie­gelmauerwerk in einer Stär­ke von wenigstens 1 1/2 Stein, bei Bruchstein­mauerwerk von wenigstens 45 cm hergestellt und bis unmit­telbar unter die Dachdeckung ge­führt werden. Das gilt auch für Außenwände, die in einem Abstand von weniger als 3 m von der Nach­bargrenze errrichtet werden.
Bei Neu- und Umbauten ausge­dehnter Gebäude von mehr als 40 m Länge oder Tiefe müssen an geeigneten Stellen in Ab­ständen von höchstens 40 m Brandmauern (Ziffer 3) bis unmittelbar unter die Dach­deckung geführt werden. In den Brandmauern sind Türöff­nungen zulässig, wenn diese mit
feuersicheren, selbst­tä­tig in einen Falz zufal­lenden Tü­ren ohne Verschluß versehen sind. In Wohnge­bäuden be­darf es solcher Türen nur im Dach­geschoß.
§ 15 (7) Alle inneren nicht massiven Wände müssen durch Mörtelputz oder in anderer Weise gegen die rasche Übertragung von Feuer gesi­chert werden.
§ 17 (2) Balkendecken sind mit Zwi­schendecken zu versehen und unter­halb entweder mit Mörtel zu ver­putzen oder in anderer Weise gegen die rasche Über­tragung von Feuer zu sichern.
§ 20 (1) Stallungen, Scheunen, Holz­bearbei­tungswerkstätten u.a. zum Auf­be­wahren feuergefähr­licher Stoffe dienende Räume dürfen mit Wohn- oder anderen mit Feuerstätten ver­sehenen Räumen nur dann unter ei­nem Dache verbunden werden, wenn sie von diesen durch Wände aus feuersicherem Material oder durch beider­seitig gegen die rasche Übertragung von Feuer gesicherte ausgemauerte Holz­fachwerkswände getrennt und die in den Trennungs­wän­den befindli­chen Öffnungen feu­ersicher verwahrt sind.
§ 20 (2) Türen, Luken und Läden sind als feuersicher zu betrach­ten, wenn sie aus Metall her­gestellt oder beiderseits mit Eisenblech oder dergl. die Kanten umgreifend be­kleidet sind und sich selbsttätig schließen.
§ 22 (2) In jedem Wohnhaus muß die Haupt­treppe und der Zugang zu dieser Treppe von Wänden aus feuersiche­rem Material, die bis unter Dach oder bis unter die Decke des Trep­penhauses zu führen sind, um­schlossen sein.
§ 22 (4) Die unteren Ansichtsflächen höl­zerner Treppen müssen durch Mör­telputz oder in an­derer Weise ge­gen die rasche Übertragung von Feuer gesi­chert werden.
§ 22 (5) Gebäude, die einem Fabrikbe­triebe oder einem feuergefährlichen Ge­werbe dienen, müssen feuersichere Treppen haben. Arbeitsräume in diesen Gebäuden, die nicht zu ebe­ner Erde liegen, müssen wenig­stens zwei Ausgänge haben, die zu ver­schiedenen an ent­ge­gengesetzten Seiten anzule­genden Treppen füh­ren.
Vorschriftsmaßig aufgestellte Feuerstätten
§ 22 (6) Als feuersicher gilt eine Treppe, wenn die tragenden Teile, Wangen, Tritt- und Setzstufen massiv oder in Eisen hergestellt sind; ein Belag eiserner Treppen mit Holz ist zulässig, durch­bro­chene eiser­ne Trittstufen sind ver­boten.
§ 24 (2) Feuerstätten sind feuersicher her­zustellen. Die sie begren­zenden Wände sind in einer nach Art und Umfang der Feue­rung zu bemes­senden Ausdeh­nung und Stärke unverbrenn­bar anzulegen.
§ 26 (1) Für die Errichtung von Feuer­stät­ten in besonders gefähr­lichen Räu­men können besonde­re Vorschriften erlassen wer­den.
§ 26 (2) Als besonders gefährlich gel­ten Räume, in denen leicht­entzündli­che, schwer­löschbare oder im Falle der Entzündung qualmverursa­chende Stoffe verarbeitet, Vorräte sol­cher Stoffe aufbewahrt, Feuerstät­ten von größerem Umfange, Brau­kes­sel, Backöfen, Schmie­dees­sen, Obst-, Flachs-, Hanfdarren und dergl. er­richtet oder feuerge­fähr­liche Gewerbe betrieben werden sol­len.
§ 26 (9) Auf ausgedehnten oder gewerb­lich genutzten Grundstücken kann zu Feuerlösch­zwecken die Anlage einer ausreichenden Anzahl von Hydranten verlangt werden.
§ 32 Die Vorschriften dieser Bau­poli­zeiverordnung finden keine Anwen­dung auf zu Recht bestehende bau­liche Anlagen. Die Ortspoli­zei­be­hörde ist jedoch befugt, die Be­seiti­gung eines den Vorschrif­ten dieser Verordnung nicht ent­spre­chenden Zustandes zu ver­lan­gen, wenn dies aus sicher­heits- oder gesundheitspoli­zeilichen Gründen nötig ist.
Für die damals verwendeten Begrif­fe wie feuersicher, feuerbe­ständig oder feuerfest gab es noch keine klare Defi­nition. In der Baupoli­zeiver­ordnung ist z.B. beschrie­ben, daß eine Treppe als feuersi­cher gilt (§ 22 Ziffer 6), wenn sie massiv oder in Eisen herge­stellt ist. Türen gelten auch dann als feuersi­cher, wenn sie beider­seits mit Ei­senblech bekleidet sind (§ 20 Ziffer 2).
Zu den brandschutztechnischen Be­griffen schreibt Georg Els­ner, Branddirektor der Stadt Danzig, in einem Lehrbuch für Architek­ten, Revisions- und Ver­waltungsbeamte und Fabrik­besitzer mit dem Titel
"Feuerschutz für Fabriken" von 1910
folgendes: Der Begriff der Feuer­sicherheit hat mit der Zeit große Änderungen erfah­ren. Stein und Eisen galten noch vor gar nicht so langer Zeit als absolut feuersi­cher, bis größere Brand­katastro­phen zeigten, daß Gebäude aus die­sen Baustoffen dem Feuer we­niger widerstehen als solche, in denen Holz zum Bau verwen­det wurde. Kein Feuerwehr­techniker wird die im Inneren von Gebäuden befindlichen eiser­nen Säulen und Stützen, die nicht glutsicher ummantelt sind, heute noch für feuersi­cher erklä­ren, nachdem eine größere Zahl von Bränden die Gefährlichkeit dieser Bauart bewiesen hat.
Immer wieder­holte sich das gleiche Schau­spiel, die glühend gewordenen Stützen verlieren ihre Trag­kraft, das Mau­erwerk senkte sich und stürzte zusammen und riß hierbei Träger und Anker aus ihrer Lage.
Beim Bau von Fabriken werden z.T. feuersichere, feuerfeste oder mas­sive Konstruktionen gefordert. Die einzelnen Be­zeichnungen sind der Ausdruck für größere oder geringe­re Widerstandsfähig­keit. Feuer­be­ständig und unverbrenn­lich sind ebenfalls Ausdrücke, die allein nicht eine absolut richtige und zuverlässige Bezeichnung sind.
Man nennt ein Gebäude massiv, wenn es aus natürlichen oder ge­brannten Steinen herge­stellt ist, also aus Materia­lien besteht, die imstande sind, dem Feuer einen bedeu­tenden Widerstand entgegenzusetzen. Die­ser Ausdruck umfaßt die Bezeich­nungen feu­ersi­cher, feuerfest und un­verbrennlich und kann als voll­ständig richtig gelten für Mauern und Wände, aber nicht für freitra­gende Kon­struktionen. Wenn wir aber z.B. von einer "massiven" Treppe sprechen, so gibt das Wort "massiv" nur die Erklä­rung dafür, daß die Treppe aus natürlichen oder gebrann­ten Steinen ausgeführt ist, aber nicht, daß sie auch feu­erfest und feuersicher ist. Denn gerade die natürlichen Steine springen unter der Einwirkung der Glut und eine freitragende Treppe würde dadurch ungangbar werden. Hier genügt die Bezeichnung "mas­siv" nicht.
Wird also die Anlage eines Fabrik­gebäudes begutachtet, bei dem ein wider­standsfähi­ges Material oder eine wider­standsfähige Konstruk­tion notwendig ist, so können, wo es erforderlich ist, massive Wände verlangt werden, da darin die For­derung der Feu­er­sicherheit und -festigkeit enthalten ist.
Es müßte aber bei irgendwel­chen Konstruktionen noch her­vorgehoben werden, daß sie auch feuerfest sein müssen.
Das gleiche kann von der Be­zeich­nung "unverbrennlich" gesagt wer­den; massive Bau­stoffe sind unver­brennlich, aber, wie wir eben ge­sehen haben, nicht auch gleichzei­tig feuerfest und feuer­si­cher.
Die am meisten vorkommenden Be­zeichnungen sind "feuersi­cher" und "feuerfest".
Wenn man den ersten Ausdruck prä­zisieren wollte, so können wir sagen, daß dieses Wort in der Technik folgende Bedeu­tung hat: Wir nennen eine Konstruk­tion, eine Wand feu­ersicher, wenn sie aus ver­brennlichem Material herge­stellt ist und durch Gips, Kalk­mörtel, Eisenblech etc. verkleidet und geschützt ist. Wenn auch im eigentlichen Sinne des Wortes die Bezeich­nung "feuersi­cher" nicht ganz zutrifft, es kann ruhig in diesem Sinne wei­tergebraucht wer­den, die Hauptsache bleibt, daß ihm stets die gleiche Bedeutung beigelegt wird, d.h., daß es nur für solche Konstruktionen ge­braucht wird, die an sich ver­brennlich sind, aber gegen eine leichte Entflammung durch äußere Verkleidung ge­schützt sind.
"Feuerfest" wurden in der Praxis vielfach diejenigen Konstruk­tionen bezeich­net, die unverbrennlich sind. Aber was nützt hier die Un­ver­brennlichkeit, wenn die Trag­fähigkeit des Eisens schon bei einer Temperatur von 350°C um 10 % sinkt und bei höherer Temperatur gleich 0 ist? Feuerfest werden solche Konstruktionen doch erst, wenn sie genügend gegen Glut und Flammen geschützt sind.
Warum heißen dann solche Kon­struk­tionen immer "feuersi­cher", da doch damit nur feu­erfeste Kon­struktionen ge­meint sind? Diese allgemein noch heut ge­brauchte Bezeich­nung kennzeichnet doch so recht die Unklarheit der ein­zelnen Ausdrücke.
Es wäre gut, wenn diese Be­zeich­nungen so gewählt wür­den, daß ein Irrtum nicht möglich ist.
Dieser gut nachvollziehbare Wunsch des BD Elsner aus dem Jahre 1910 ging erst Jahr­zehnte später in Erfüllung mit Herausgabe des Norm­blatts DIN 4102 "Brand­verhalten von Baustoffen und Bautei­len".
Das Lehrbuch aus dem Jahr 1910 äußert sich auch kri­tisch zu Durchfahrten für die Feuerwehr:
Die Baupolizei-Verordnungen for­dern für die Durchfahrten be­stimmte Maße, und zwar wer­den i.a. verlangt, eine lich­te Breite von durchweg 2,30 m und eine lichte Höhe von 2,80 m. Für die Feuer­wehrgeräte-Fabriken ist dadurch ein Zwang geschaffen, viel­fach mit großen Schwierigkeiten, diese Maße einzuhal­ten. Nun aber besitzen die meisten Feuerwehren Leitern mit grö­ßeren Ab­messun­gen, und wenn auch die Breite von 2,30 m ausrei­chend sein wird, so genügt viel­fach nicht die Höhe, wenn es sich auch nur um geringere Abweichungen handelt. Es soll nicht nur eine, son­dern alle mechani­schen Leitern der Feuerwehr die Durchfahrt pas­sieren kön­nen. 2,80 m ist auch darum zu wenig, weil selbst die Lei­tern, die für solche Durch­fahr­ten gebaut sind, nur mit großer Vorsicht und nur lang­sam hindurch­gebracht werden können.
Auch hier ging der Wunsch des Ver­fassers in Erfüllung, denn seit der ersten Bau­ordnung für das Land Nordrhein-West­fa­len (1962) wird bei Durchfahrten für Feu­er­wehr­fahrzeu­ge eine lichte Höhe von 3,50 m gefordert.
Von besonderer Wichtigkeit für die Sicherheit der Perso­nen sind die Treppen­häuser. Die Baupolizei-Ver­ordnungen schreiben all­gemein vor, daß jedes nicht zu ebener Erde gelegene Geschoß mindestens durch eine Treppe zu­gänglich sein muß. Besondere feu­erpolizeiliche Anfor­derun­gen blei­ben vorbe­halten für Gebäude, in denen sich Fabri­ken be­finden. Ver­schläge je­der Art sind in Treppen­häu­sern nicht ge­stattet. Für die Feuerwehr soll­ten in den Treppenhäu­sern besondere Ent­lüf­tungsklappen mit einer Größe von ca. 1/7 der Grund­fläche des Trep­penhauses vor­gesehen werden. Die Bedienung muß vom Erdgeschoß, am besten vom Hof aus, erfolgen kön­nen.
Da die geltenden Bestimmungen vielfach übertreten werden, bedür­fen Fabrikbe­triebe der ständigen Überwachung, um vorgefundene Män­gel zu rügen und deren Beseitigung zu ver­anlassen. Die Revi­sionen sol­len vorgenommen werden im In­teresse der in den Betrie­ben be­schäftigten Arbeiter, damit ihre Rettung im Falle eines Feuers mög­lich ist und damit ein Feuer nicht so leicht eine gefährliche Aus­deh­nung annehmen kann. Zur Vornahme der Revisio­nen kom­men infrage die Gewerbein­spektoren, Bauinspektoren und Feuerwehroffiziere.
Bei der Erörterung möglicher Ge­fahren wird ausführlich auf Be­leuchtungs- und Heizungs­einrich­tungen eingegangen, die mit Pe­tro­leum und Gas betrieben werden. Grundsätz­lich wurde hiergegen nichts eingewandt, jedoch wurden bei der Revision eines Betrie­bes für künstliche Blumen Gaslam­pen vorgefunden:
Beim genauen Betrach­ten der Ar­beit stellte sich her­aus, daß vor jeder Arbei­terin ein kleines Gefäß mit einer Ben­zin-Kautschuk-Lösung stand. Hier mußte eine elektrische Beleuchtung ein­gerichtet wer­den mit dicht­schlie­ßenden Überglocken, die auch die Fassung mit ein­schlossen, so daß die Bildung von Funken und dadurch eine Ent­zündung der Benzingase nicht möglich war.
Die elektrische Beleuchtung gilt als die sicherste Be­leuchtung, auch wenn bei grö­ßeren Bränden mit Vorliebe der Kurzschluß als Brand­ursa­che angeführt wird, ohne daß es sich hat nachweisen las­sen.
Lagerkeller für qualmerzeu­gende Stoffe und Abfälle sind, wenn aus­reichende Fen­ster zur Lüftung feh­len, mit einer tunlichst auch von au­ßen zu handhaben­den Entlüf­tungs­vorrichtung zu ver­sehen.
Wo die Rettungsmöglichkeiten be­sonders ungünstig sind, ist der Hof behufs Verwendung des Sprung­tuchs längs der Fen­sterfront auf 5 m Tiefe von Gegen­ständen jeder Art dau­ernd freizuhalten.
Senkrechte Notleitern sollten nur zugelassen werden als Rück­zugsweg für männliche Personen. Außerdem setzt man hierbei vor­aus, daß es sich um Jugend­liche und gewandte Arbeiter handelt. Die Anbrin­gung von Rückenschutzlehnen wurde nicht als praktisch erkannt. Für weibli­che Perso­nen werden schräg ge­stellte Leitern verlangt.
Es werden auch schon Feuerlö­scher und Feuerlöscheinrich­tungen be­schrieben.
Ein 50 kg schwerer "Extinkteur" (Löschge­rät) mit 30 Li­ter Was­ser wird an­gepran­gert. Da­ge­gen werden neuere Appa­ra­te mit einigen Li­tern Wasser hervor­ge­ho­ben, die für die Lö­schung von Bränden, die im Ent­stehen sind, Bedeu­tung haben kön­nen. Bei Inbe­trieb­nahme wird Koh­len­säure ent­wickelt, die das Was­ser in ei­nem Strahl von 8 - 10 m Weite hinaus­schleu­dert. Zu diesen Geräten äu­ßerte sich der Ver­band der Berufs­feuer­wehren wie f­olgt:
Der Verband Deut­scher Be­rufs­feu­er­wehren ist der An­sicht, daß Hand-Feuer­lösch­apparate in vielen Fäl­len auch in der Hand des Laien mit gutem Erfolg Ver­wendung finden können, wenn die Ge­wißheit be­steht, daß die Ap­parate sachgemäß kontrolliert wer­den, so daß sie stets be­­triebsbereit bleiben."
In dem Lehr­buch werden außer­dem als Löscheinrichtungen kleine trag­bare Handdruck­spritzen - of­fensichtlich der Vorläufer unserer Kübelsprit­ze -, mit Wasser gefüll­te Eimer, Sand für Petroleum-Brän­de und Löschdecken ge­nannt. Für be­sonders feuerge­fährdete Be­triebe wird bei vorhandener Wasserleitung auf die Ein­richtung von Was­ser­stöcken oder Feuerhähnen mit Schlauch und Strahlrohr hin­ge­wie­sen. Bei der Frage nach den Schläuchen standen 4 Va­rian­ten zur Auswahl: Von den hier und da noch anzutreffen­den Leder­schläuchen ist man schon des Preises wegen abge­kommen. Gummi­schläuche werden brü­chig. Bleiben die innen gummierten oder die rohen Hanf­schläuche übrig, von de­nen den Er­steren ent­schieden der Vorrang zu ge­ben ist, weil sie halbtba­rer und un­durch­lässig sind.
Bereits zum damaligen Zeit­punkt wird darauf hingewie­sen, daß bei Einbau einer selbsttätigen Feuer­löschein­richtung (Sprinkleran­lage) ein Rabatt bis zu 50% bei der Feu­erversicherung möglich ist.
Bauordnung 1927
Die "Bauordnung für den ge­samten Umfang des Regierungs­bezirks Aa­chen" vom 15. Sep­tember 1927 macht zur Feuer­widerstandsdauer von Bau­tei­len schon wesentlich kon­kretere Angaben, die je­doch mit den heuti­gen Defini­tionen insbe­sondere be­züglich der Zeiten nicht überein­stim­men:
§ 10	Feuerbeständige und feu­erhem­mende Bauweise
Abs. 1 Bauliche Anlagen sind in allen wesentlichen Teilen feuer­beständig herzustel­len, sofern nicht in den Vor­schriften dieser Bauordnung ein geringerer Feuer­schutz - feuerhem­mende Bauweise - zu­gestanden oder überhaupt kein besonderer Feuer­schutz gefor­dert wird.
Abs. 3 als feuerbeständig gelten: Wände, Decken, Unterzüge, Träger, Stützen und Treppen, wenn sie un­verbrenn­lich sind, unter dem Ein­flusse des Bran­des und des Lösch­wassers ihre Tragfä­higkeit oder ihr Gefüge nicht wesentlich ändern und den Durchgang des Feuers für geraume Zeit verhindern.
Im besonderen gelten als feuerbe­ständig:
a) Wände mit vollfugig ge­mauer­ten Ziegelsteinen, Kalksand­stei­nen von min­destens 1/2 Steinstärke ...
b) Türen, wenn sie bei amt­licher Probe einer Feu­ersglut von etwa 1000 ° Celsius minde­stens 1/2 Stunde Widerstand lei­sten, ...
c) Verglasungen können in Ver­tikalwänden als feu­erbestän­dig angesehen werden, wenn sie den Einwirkungen des Feu­ers und Löschwasser soviel Widerstand bieten, daß inner­halb einer ein­halbstündigen Brenndauer bei der amtlichen Probe (etwa 1000°) ein Aus­brechen der Scheibe oder Ver­lorengehen des Zusam­menhanges nicht ein­tritt.
Als feuerhemmend gel­ten Bauteile, wenn sie, ohne sofort­ selbst in Brand zu ge­raten, wenigstens eine Vier­telstunde dem Feuer erfolg­reich Widerstand leisten und den Durchgang des Feu­ers ver­hindern.
Das Anliegen des Verfassers "Brandschutz für Fabriken" aus dem Jahr 1910, die lich­ten Maße von Durchfahrten von Feuerwehrfahr­zeu­gen zu ver­größern, ist offen­sicht­lich nicht bis zum Aachener Regie­rungspräsidenten gedrungen, denn
§ 6 Abs. 9 der Bauord­nung fordert:
Alle rückwärtigen Gebäude, die Räume zum dauernden Auf­ent­halt von Menschen enthal­ten, müssen mit der Straße durch einen gera­den Zugang verbunden sein, der mindestens 1,20 m breit ist. Für alle rückwärtigen Gebäude, die von der Straße mehr als 35m ent­fernt sind, muß eine gerade unbehinderte Zufahrt von 2,30 m lichter Breite und 2,80 m lichter Höhe angelegt werden.
Damit sind die lichten Durch­fahrt­maße immer noch so knapp beme­sen wie vor 17 Jahren.
Erst in der "Bauordnung für den Stadt­kreis Aachen" vom 1. April 1939 wurden die lichten Durch­fahrt-Maße ver­größert auf 2,50 m Breite und 3,20 m Höhe. In der "BauO für den ge­samten Um­fang des Regierungs­bezirks Aa­chen mit Aus­nahme des Stadtkreises Aa­chen" vom 1. Aug. 1940 wurde wie­derum eine lichte Höhe von 3 m für ausreichend erach­tet.
Beteiligung der Feuerwehr im bauaufsichtlichen Verfahren
In der oben zitierten Baupo­li­zei-Verordnung von 1911 sowie in den Bauord­nungen von 1927, 1939 und 1940 war eine Beteiligung der Feu­erwehr im bauauf­sichtli­chen Ver­fahren nicht vorgesehen. Eine dies­bezügliche Regelung erfolgte mit RdErl. d. Pr. Fin­Min. vom 7.2.1942 der unter an­derem fol­gen­des be­stimmt:
Die Bau­polizei hat bei ihren Ent­scheidun­gen alle zur Gefah­ren­ab­wehr nötigen poli­zeili­chen Maßnah­men zu treffen und von sich aus stets selb­stän­dig pflichtgemäß zu prü­fen, ob eine gutachterliche Anhö­rung der Feu­er­schutz­polizei ratsam er­scheint. Dies wird in der Regel der Fall sein bei Ge­bäuden von größerer Aus­dehnung und Feuer­ge­fahr sowie bei Anlagen zur Lage­rung leicht­entzünd­licher Stoffe oder Gegen­stände. Im Interesse der Schadens­verhü­tung halte ich auch sonst ein enges Zusammen­arbeiten zwi­schen Bau- und Feu­er­schutz­poli­zei für not­wendig und versuche, in allen Fällen, in denen irgendwie beson­dere Feuerschutzmaßnahmen in Frage kommen, für die rechtzeitige Be­teiligung der Feuerschutz­polizei im bau­polizei­lichen Genehmi­gungs­verfahren zu sor­gen.
Im "Gesetz über den Feuerschutz im Lande Nordrhein-Westfalen (FSG) vom 2. Juni 1948 wird unter § 4 u.a. be­stimmt, daß die Ge­mein­den und Äm­ter zuständig und ver­ant­wortlich sind für Feuerver­hü­tungs­maßnahmen. Dagegen wird dem "Vor­beugenden Brandschutz" im "Ge­setz über den Feuerschutz und die Hil­felei­stung bei Un­glücks­fäl­len und öffentli­chen Not­ständen (FSHG) vom 25. Februar 1975 ein eigener Ab­schnitt zuerkannt mit den §§ 22 "Be­tei­li­gung im bau­aufsichtli­chen Ver­fah­ren", § 23 "Brandschau" und § 24 "Brand­si­cherheitswa­chen".
In der Landesbauordnung (BauO­NW) vom 25. Juni 1962 und vom 27. Jan. 1970 ist die Beteiligung der Brandschutzdienststellen im Gesetz selbst im § 69 Abs. 2 wie folgt geregelt:
Zu dem Bauantrag für bauliche An­lagen im Sinne des Absatzes 3 sind die für den Brandschutz zuständi­gen Dienststellen zu hören. Im Absatz 3 sind Gebäude besonderer Art oder Nutzung bei­spielhaft wie folgt aufge­führt:
Geschäftshäuser, Versammm­lungsstätten, Büro- und Ver­wal­tungs­gebäude, Krankenanstalten, Altenpflegehei­me, Entbindungs- und Säuglings­hei­me, Schulen und Sport­stät­ten, Bauliche Anlagen und Räu­me von großer Aus­dehnung oder er­höhter Brand-, Explo­sions- oder Verkehrs­gefahr, bau­liche Anlagen und Räume für ge­werbliche Betriebe und flie­gende Bauten.
Ferner ist die Brandschutz­dienst­stelle bei der Gestat­tung einer Ausnahme von sol­chen Vor­schrif­ten der Bauord­nung zu be­teiligen, bei denen eine Abwei­chung ausdrücklich nur dann mög­lich ist, wenn wegen des Brand­schutzes Be­denken nicht beste­hen.
Mit Verkündung der BauO NW vom 26. Juni 1984 wird die Betei­li­gung der Brand­schutzdienst­stelle nicht mehr im Gesetz selbst, sondern in den dazu ergange­nen Verwaltungsvor­schriften unter
Nr. 50.3 wie folgt geregelt:
Nr. 50.31 Zu dem Bauantrag für bauliche Anlagen und Räu­me im Sin­ne des § 50 Abs. 3 (das sind Ge­bäude besonderer Art oder Nut­zung wie bereits oben aufge­zählt) sol­len die für den Brand­schutz zu­ständi­gen Dienststellen gehört wer­den.
Während sich die Brandschutz­dienststellen bis dahin zu allen den Brandschutz irgend­wie tan­gie­renden Angelegen­heiten äußer­ten, auch wenn diesbezügliche Anforde­rungen in der Bauordnung klar for­mu­liert waren, so werden in dieser Verwaltungsvorschrift erstmals die Aufgaben der Brand­schutzdienst­stellen klar umris­sen in Nr. 50.33 Beteiligung der Brandschutzdienststellen:
Die Brandschutzdienststellen sol­len sich äußern, ob die An­forde­rungen erfüllt sind an
die Löschwasserversor­gung und die Einrichtung zur Lösch­was­server­sor­gung,
die Zugänglichkeit der Grundstücke und der baulichen An­lagen für die Feuer­wehr so­wie an Zufahr­ten, Durchfahr­ten, Aufstell- und Be­we­gungs­flächen, soweit eine von Nr. 5 VVBauO NW ab­wei­chende Lö­sung ge­plant ist,
Anlagen, Einrichtungen und Geräte für die Brandbekämpfung (wie Wandhy­dranten, Schlauch­anschlußlei­tungen, Feu­er­löschgeräte) und für den Rauch- und Wärmeab­zug bei Brän­den, Anlagen und Einrichtun­gen für die Feuermeldung (wie Rauch­melder, Feuer­melder) und für die Alarmierung im Brand­fall, Betriebliche Maßnahmen zur Brandverhütung und Brandbe­kämpfung sowie zur Rettung von Menschen und Tieren (wie Haus­feu­erwehr, Brandschutz­ord­nung, Feuerschutzübun­gen).
Die am 1. Januar 1996 in Kraft getretene BauO NW vom 7. März 1995 beinhal­tet we­sentliche Än­derungen gegen­über dem bisheri­gen Recht. Zum Zweck der Verein­fachung und Beschleunigung des Bauge­nehmigungsverfahrens wird die Genehmi­gungsfreiheit für Wohnge­bäude bis zur Hochhaus­grenze eingeführt, sofern be­stimmte Rand­bedingungen erfüllt sind (§ 67 BauO NW). Die fachli­che Prüftä­tigkeit soll verstärkt durch private staatlich aner­kannte Sach­ver­ständige erfolgen, die durch den Bauherrn zu beauf­tragen sind. Dies gilt auch für den Brandschutz. Die Anforderun­gen an die staatlich aner­kannten Sachverständigen sind in der Sachver­ständigen-VO vom 14. Juni 1995 be­schrie­ben.
Bei Wohngebäuden geringer Höhe muß der/die Entwurfsver­fasser/in erklären, daß das Bauvorhaben den Anforderungen an den Brand­schutz ent­spricht.
Bei Wohnge­bäuden mittlerer Höhe muß von ei­ner/einem staatlich aner­kann­ten Sachverstän­digen ge­prüft und be­scheinigt werden, daß das Vor­haben den Anfor­de­rungen an den Brand­schutz entspricht. Die Be­tei­ligung der Brand­schutz­dienst­stelle ist in der BauO NW 1995 selbst nicht geregelt. Es ist zu erwar­ten, daß die diesbe­zügliche Rege­lung in der bis Anfang Dezember 1995 noch nicht ver­öf­fent­lichen Verwal­tungsvor­schrift er­folgt und inhaltlich mit der Ver­wal­tungsvorschrift aus dem Jah­re 1984 über­ein­stimmt.
Zu den Aufgaben des vorbeu­genden Brandschutzes (VB) gehören
die brandschutztechni­sche Be­urteilung von Bauanträgen
die Durchführung der Brand­schau
die Gestellung von Si­cher­heitswachen
zu a) Die Errichtung baulicher An­lagen ist in Gesetzen und Verordnun­gen geregelt. In der Bauordnung für das Land NW (BauO NW) findet sich der Grundsatz, daß "bauli­che An­lagen so anzuordnen, zu er­richten, zu ändern und zu un­terhalten sind, daß die öffent­liche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben und Gesund­heit, nicht gefähr­det wer­den".
Um die Einhaltung dieser "Ge­ne­ral­klausel" und der anderen Be­stim­mungen des Bauordnungs­rechts zu gewährleisten, müs­sen bau­li­che Anlagen der zu­ständigen Bau­ord­nungsbehörde (Bauordnungs­amt) an­gezeigt bzw. von dieser geneh­migt wer­den. Zu Gebäuden beson­derer Art oder Nutzung fordert das Bauord­nungsamt eine brand­schutztechni­sche Stellungnahme der zu­ständigen Brandschutz­dienststelle an; dies ist in Aachen die Berufs­feuerwehr. Da die Forderungen der Be­rufsfeuerwehr in aller Regel durch das Bauordnungsamt zur Auflage im Bauschein gemacht werden, erfolgt die Abfassung der Stel­lungnahmen so, daß diese ohne wei­teren­Schreibaufwand als Anlage zum Bau­schein genommen werden kön­nen.
zu b) Zu einer Brandschau in regel­mä­ßi­gen Zeitabständen sind die Kom­mu­nen nach § 23 des Gesetzes über den Feuerschutz und die Hilfe­lei­stung bei Unglücksfällen und öf­fentli­chen Notständen (FSHG) vom 25.2.1975 verpflich­tet. Diese Auf­gabe nimmt in Aa­chen die Berufs­feuerwehr wahr. Durch die Brand­schau werden Ge­bäude und Einrich­tungen über­prüft, die in erhöhtem Maße Brand- oder explosionsgefährdet sind oder in denen bei Ausbruch eines Brandes oder einer Explosion eine große Anzahl Personen oder erhebliche Sachwerte gefährdet sein würden. Hierzu gehören insbesondere:
Hochhäuser, Geschäftshäuser, Versammlungsstätten, Gaststätten u. Beherbungsbe­trie­be, Bürogebäude, Krankenhäuser und Heime, Schulen und Sportstätten, Museen und besonders brandge­fährdete Baudenkmäler, Garagen, Betriebe mit erhöhter Brand- oder Explosionsgefahr, Landwirtschaftliche Betriebe.
Bei der Brandschau wird be­son­ders auf folgende Punkte geach­tet:
Ist durch bauliche, techni­sche oder betriebliche Mängel die Ge­fahr von Feuer oder Explosion ge­geben?
Sind die vorgeschriebenen Brand­abschnitte und Brand­schutztüren in den Gebäu­den vorhanden?
Sind die vorgeschriebenen Ret­tungswege vorhanden?
Werden sie ständig freigehal­ten?
Sind die vorgeschriebenen Lösch­geräte und Feuermelde­einrich­tungen vorhanden und einsatzfä­hig?
Ist eine Brandschutzordnung vor­handen?
Ist diese dem Per­sonal bekannt?
Über jede Brandschau wird ein Be­richt gefertigt und dem Nutzer übersandt. Die festge­stellten Män­gel werden aufge­zeigt und glei­chzeitig mitgeteilt, ge­gen welche Vorschrift versto­ßen wur­de. Schließlich werden die zur Besei­tigung der Män­gel erforder­lichen Maßnahmen aufgezeigt und je nach erfor­derlichem Aufwand eine ange­messene Frist gesetzt. Nach Ablauf dieser Frist wird bei der "Nach­schau" kontrol­liert, ob die Mängel beseitigt wor­den sind.
Mit dieser Verfahrensweise weicht die Berufsfeuerwehr Aa­chen vom üblichen Verfahren ab, wonach die Ordnungsbehör­de die notwen­di­gen Maßnah­men zur Be­sei­tigung der bei der Bran­schau festgestel­ten Gefah­ren tref­fen. Da je­doch die Män­gel auf­grund des Brand­schaube­richtes vom je­wei­li­gen Be­trei­ber des Ob­jek­tes be­sei­tigt wer­den - von wenigen Aus­nah­men ab­ge­se­hen - wird durch diese Verfah­rens­wei­se der Ver­wal­tungs­aufwand er­heb­lich redu­ziert.
zu c: Gemäß § 24 FSHG dürfen Veranstal­tungen, bei denen eine erhöhte Brandgefahr besteht und bei denen bei Ausbruch eines Brandes eine große Anzahl von Personen gefähr­det würde, nur in Anwesenheit ei­ner Sicherheitsheitwache durchge­führt werden. Solche Sicherheits­wachen werden z.B. durch die Feu­erwehr beim Abbrennen der Feuer­werke beim Abschluß des "Öcher Bend" ge­stellt.
Ferner werden Sicherheitswachen­nach den Vorschriften der Versamm­lungsstätten­verordnung gestellt.
Bei jeder Vorstellung im großen Haus des Stadttheaters befindet sich auf der Bühne eine aus drei Angehörigen der Feuerwehr beste­hende Sicherheitswache. Deren Auf­gabe besteht darin, auf ordnungs­gemäße Rettungswege zu achten, mögliche Brandursachen zu erkennen und zu beseitigen, im Brandfall erste Löschmaßnahmen durchzufüh­ren, die Feuerwehr zu
alarmieren, die Hausalarm­anlage auszulösen, den Schutzvorhang (Eiserner Vor­hang) rechtzeitig zu schließen, das Ventil für die Bühnenberiese­lung zu öffnen und die Rauchabzüge im Bühnen- sowie im Zuschauerhaus zu öffnen.
Vor jeder ersten Aufführung eines Stückes findet eine nichtöffentli­che Probe statt, bei der die Feu­erwehr anwesend ist. Hierbei wer­den Besonderheiten, die den Brand­schutz oder die Rettungswege be­einflussen könnten, abgestimmt. Falls in einem Stück geraucht oder offenes Feuer benutzt werden soll, so ist dies vor der Probe bei der Feuerwehr zu beantragen. Die Feu­erwehr prüft, ob und ggfs. unter welchen Bedingungen eine Ausnahme vom Verbot des Rauchens und der Verwendung von offenem Feuer ge­stattet werden kann.
In den Kammerspielen des Stadt­theaters werden Sicherheitswachen nur dann gestellt, wenn auf der Bühne geraucht oder offenes Feuer verwandt wird. Diese Sicherheits­wache besteht aus einem Mann.
Im Eurogress werden ebenfalls Si­cherheitswachen gestellt. Diese bestehen aus zwei Feuerwehrangehö­rigen bei Vorstellungen auf der Szenenfläche im großen Saal und aus einem Feuerwehrangehörigen bei Vorstellungen auf der Mittelbühne im kleinen Saal.
zu d: Zu den sonstigen Aufgaben des VB gehören beratende Gespräche mit Bauherrn oder Architekten zu Bau­vorhaben. Zu dieser beratenden Tätigkeit gehört auch die Erledi­gung telefonischer Anfragen nicht nur durch Architekten, sondern auch durch Bürger zu Sicherheits­fragen, die den Brandschutz tan­gieren. Hier einige Beispiele:
Ist es eigentlich zulässig, daß mein Vermieter vor meinen Fen­stern Gitter zum Schutz gegen Einbruch anbringt?
mein Mieter seinen Keller total mit alten Möbeln und Matratzen voll­stopft?
ein Bewohner seine alten Möbel im Treppenraum abstellt?
Die Frau von der 3. Etage ihren Kinderwagen im Treppenraum abstellt?
Die Haustür zum Treppenraum abends verriegelt wird?
Zum Zwecke der Beschleunigung der Baugenehmigungsverfahren finden einmal wöchentlich Besprechungen im Bauordnungsamt statt, um ein­zelne brandschutz­technische Fragen zu klären, so daß sich eine schriftliche Stellungnahme der Feuerwehr erübrigt.
Weiterhin werden Besprechungen mit anderen Ämtern geführt und Stel­lungnahmen abgegeben, wenn es um Bebauungspläne, Wohnumfeldverbes­serungen, Straßenbau­maßnahmen oder die Nutzung öffentlicher Verkehrs­flächen für private Zwecke geht. Hierbei ist stets zu prüfen, ob die Straßen oder sonstigen Flächen zum Befahren mit Feuerwehrfahrzeu­gen ausreichend sind. Besonders wichtig ist, daß vor höheren Ge­bäuden die Drehleiter aufgestellt werden kann und die erforder­liche Bewegungsfreiheit vorhanden ist. Denn nach den Vorschriften der BauO muß jede Nutzungseinheit mit Aufenthaltsräumen zwei Rettungs­wege haben. Wird zum Beispiel bei einem Brand der Treppenraum eines Wohngebäudes verraucht, so ist sämtlichen Bewohnern in den Ober­geschossen der Rettungsweg abge­schnit­ten. In diesem Fall muß der 2. Rettungsweg über die Leitern der Feuerwehr gesichert werden. Liegen die Fensterbrüstungen in ­mehr als 8 m Höhe, reichen die tragbaren Leitern nicht mehr aus; hier muß die Drehleiter aufge­stellt werden können.
Stellt die Feuerwehr bei Einsätzen gravierende bauliche oder betrieb­liche Mängel in Objekten fest, so wird deren Beseitigung gefordert.
Ein gravierender baulicher Mangel ist zum Beispiel, wenn der 2. Ret­tungsweg fehlt, ein betrieblicher Mangel ist beispielsweise die Nut­zung des Treppen­raumes als Lager.
Bei der Bearbeitung von Bauanträ­gen und bei Besprechungen mit Ar­chitekten wurde vielfach festge­stellt, daß Kenntnisse des bauli­chen Brandschutzes fehlen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß an den Universitäten und Fach­hoch­schulen dieses Thema äußerst sel­ten zum Ausbildungsprogramm ge­hört. Hier wurde die Berufsfeuer­wehr im Jahr 1995 aktiv mit zwei Vorlesungen vor den Architektur­studenten an der RWTH Aachen. Die Hochschule hat signalisiert, diese Aktion auch im kommenden Semester fortzuführen.
Die zuvor dargestellten Aufgaben des Vorbeugenden Brandschutzes werden in Aachen von 8 Feuerwehr­beamten wahrgenommen, davon sind jedoch 7 Beamte gleichzeitig im Einsatzführungsdienst tätig, so daß für die Belange des Vorbeugen­den Brandschutzes (VB) nur die halbe Dienstzeit zur Verfügung steht.
Trotzdem sind in der Abteilung VB verhältnismäßig viele Beamte tä­tig. Die Erledigung der vielfälti­gen Aufgaben zahlt sich jedoch aus nach dem Motto: Vorbeugen ist bes­ser als löschen

References: § 2
 § 2

§ 11

§ 15

§ 17

§ 20

§ 20

§ 22

§ 22

§ 22

§ 22

§ 24

§ 26

§ 26

§ 26

§ 32

§ 10

§ 6
 § 4
 § 23
 § 24
 § 69
 § 50
 § 23
 § 24