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Timestamp: 2019-12-08 11:06:05+00:00

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BGH, 19.01.1989 - IX ZR 124/88 - dejure.org
https://dejure.org/1989,235
BGH, 19.01.1989 - IX ZR 124/88 (https://dejure.org/1989,235)
BGH, Entscheidung vom 19.01.1989 - IX ZR 124/88 (https://dejure.org/1989,235)
BGH, Entscheidung vom 19. Januar 1989 - IX ZR 124/88 (https://dejure.org/1989,235)
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Bürgschaftsübernahme - Schlechte wirtschaftliche Lage - Sittenwidrigkeit - Nichtigkeit - Bonitätsprüfung
Keine Pflicht der Bank zur Bonitätsprüfung bei Bürgschaft des in der Ausbildung befindlichen Sohnes des Hauptschuldners
Kein Sittenverstoß einer Bank, die vor Abgabe einer Bürgschaftserklärung nicht die Bonität des Bürgen prüft
BGB § 765, § 138
BGHZ 106, 269
NJW 1989, 830
ZIP 1989, 219
MDR 1989, 445
WM 1989, 245
BB 1989, 580
DB 1989, 720
BauR 1989, 232
b) Die Inhaltskontrolle der Verträge durch die Instanzgerichte wurde vom IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs weitgehend verworfen (BGHZ 106, 269 ; 107, 92;… ZIP 1989, S. 629 f.;… NJW 1991, S. 2015 ff. und BB 1992, S. 387 ff.).
Ein Rechtsgeschäft ist nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig, wenn es nach seinem aus der Zusammenfassung von Inhalt, Beweggrund und Zweck zu entnehmenden Gesamtcharakter mit den guten Sitten nicht zu vereinbaren ist (BGHZ 86, 82, 88; BGH Urt. vom 19. Januar 1989 - IX ZR 124/88, WM 1989, 245, 246 = ZIP 1989, 219, 220).
Die Vertragsfreiheit als Teil der Privatautonomie läßt es zu, auch risikoreiche Geschäfte abzuschließen und sich zu Leistungen zu verpflichten, die nur unter besonders günstigen Bedingungen, ggf. unter dauernder Inanspruchnahme des pfändbaren Einkommens, erbracht werden können (vgl. BGH Urt. vom 19. Januar 1989 aaO).
Der Gläubiger kann grundsätzlich davon ausgehen, daß ein voll Geschäftsfähiger, der eine Bürgschaftsverpflichtung übernimmt, sich über die Tragweite seines Handelns im Klaren ist und sein Risiko abschätzt (BGH Urt. vom 19. Januar 1989 aaO).
Aufklärungspflichten des Gläubigers gegenüber dem Bürgen bestehen grundsätzlich nicht (…vgl. BGH Urt. vom 6. Dezember 1984 - IX ZR 115/83, ZIP 1985, 267, 269;… Urt. vom 17. Oktober 1985 - IX ZR 168/84, WM 1986, 11, 12;… Urt. vom 22. Oktober 1987 - IX ZR 267/86, WM 1987, 1481, 1483; Urt. vom 19. Januar 1989 aaO).
Auch als Bürgschaftsgläubigerin war die Klägerin nicht zu einer Bonitätsprüfung verpflichtet (BGH Urt. vom 19. Januar 1989 aaO).
Das im Vorprozeß ergangene, auf der im Beschluß vom 13. Juli 1992 niedergelegten Rechtsauffassung des Landgerichts beruhende Versäumnisurteil vom 14. Oktober 1992 stand indessen damals mit der Rechtsprechung des zu jener Zeit für das Bürgschaftsrecht zuständigen IX. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs in Einklang (vgl. BGHZ 106, 269; 107, 92;… BGH, Urt. v. 16. März 1989 - IX ZR 171/88, ZIP 1989, 629; v. 16. Januar 1992 - IX ZR 113/91, ZIP 1992, 233).
Diesem die Rechtsprechung des erkennenden Senats prägenden Grundsatz (vgl. BGHZ 106, 269, 272 [BGH 19.01.1989 - IX ZR 124/88]; 107, 92, 98;… BGH, Urt. v. 16. Mai 1991 - IX ZR 245/90, NJW 1991, 2015, 2016; v. 16. Januar 1992 - IX ZR 113/91, ZIP 1992, 233, 235 f) stimmt der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs zu (…Urt. v. 24. November 1992 - XI ZR 98/92, ZIP 1993, 26, 27, z.V. in BGHZ 120, 272 bestimmt).
Davon ist im Ansatz auch dann auszugehen, wenn der Bürge dem Hauptschuldner verwandtschaftlich eng verbunden ist (BGHZ 106, 269, 272 [BGH 19.01.1989 - IX ZR 124/88]; 107, 92, 103;… Urt. v. 16. Mai 1991 - IX ZR 245/90; v. 16. Januar 1992 - IX ZR 113/91;… jeweils aaO).
Soweit der Senat in früheren Urteilen den hier dargelegten Gefahren für die Entscheidungsfreiheit des Bürgen und den daraus folgenden Pflichten der Bank keine entsprechende Bedeutung beigemessen hat (BGHZ 106, 269, 272 [BGH 19.01.1989 - IX ZR 124/88];… Urt. v. 16. Mai 1991 - IX ZR 245/90, NJW 1991, 2015, 2017), wird an dieser Auffassung nicht mehr festgehalten.
Aufgrund der Vertragsfreiheit ist es grundsätzlich jedem Volljährigen unbenommen, in eigener Verantwortung Geschäfte abzuschließen und sich zu Leistungen zu verpflichten, die ihn finanziell überfordern und von ihm notfalls nur unter dauernder Inanspruchnahme auch des pfändungsfreien Einkommens erbracht werden können (BGHZ 106, 269, 272; 120, 272, 274; 137, 329, 335).
aa) Ein Rechtsgeschäft ist nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig, wenn es nach seinem aus der Zusammenfassung von Inhalt, Beweggrund und Zweck zu entnehmenden Gesamtcharakter mit den guten Sitten nicht zu vereinbaren ist (vgl. BGHZ 106, 269, 272 [BGH 19.01.1989 - IX ZR 124/88];… Palandt/Heinrichs aaO. § 138 Rdn. 7, 8, 23).
§ 138 Abs. 2 BGB scheidet von vornherein aus, weil diese Vorschrift einen Leistungsaustausch voraussetzt; ein einseitiges Verpflichtungsgeschäft wie die Bürgschaft genügt dafür nicht (Senatsurt. v. 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86, NJW 1988, 2599, 2602;… Staudinger/Sack, BGB 13. Bearb. § 138 Rn. 176;… Erman/Palm, BGB 10. Aufl. § 138 Rn. 13;… Palandt/Heinrichs, BGB 60. Aufl. § 138 Rn. 66; vgl. BGHZ 106, 269, 271 f).
Ein über 18-jähriger und damit nach dem Gesetz Volljähriger (§ 2 BGB) weiß im allgemeinen - auch ohne besondere Erfahrung im Geschäftsverkehr -, wie das Berufungsgericht nicht verkennt, daß die Abgabe einer Bürgschaftserklärung ein riskantes Geschäft ist (Senatsurt. v. 19. Januar 1989 - IX ZR 124/88, ZIP 1989, 219).
Daß sich die Beklagte über die Bonität der Klägerin als Bürgin nicht vergewisserte, ist für die Wirksamkeit der Bürgschaft ohne Bedeutung (Senatsurt. v. 19. Januar 1989 aaO).
b) Nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist ein Kreditvertrag mit Rücksicht auf die Vertragsfreiheit als Teil der Privatautonomie nicht allein deswegen als sittenwidrig und daher nichtig zu erachten, weil der vermögenslose Darlehensnehmer die übernommenen Zahlungsverpflichtungen voraussichtlich nie oder nur unter besonders günstigen Bedingungen erfüllen kann (Urteile vom 28. Februar 1989 - IX ZR 130/88 = BGHZ 107, 92; vom 16. März 1989 III ZR 37/88 = WM 1989, 595; vgl. ferner Urteile vom 19. Januar 1989 - IX ZR 124/88 = WM 1989, 245; vom 16. März 1989 - IX ZR 171/88 = WM 1989, 667 und vom 16. November 1989 III ZR 236/88 = WM 1990, 59).
Die zitierten Urteile, insbesondere die des IX. Zivilsenats, sind im Schrifttum, aber auch von Instanzgerichten teilweise sehr heftig kritisiert worden (vgl. Reinicke/Tiedtke ZIP 1989, 613; Honsell JZ 1989, 495 und EWiR § 138 BGB 2/90, 129; Wochner BB 1989, 1354; Schwintowski ZBB 1989, 91; Reifner ZIP 1990, 427; LG Münster NJW 1990, 1668, 1669, 1671) [LG Münster 26.03.1990 - 15 O 163/89].
LG Münster, 26.03.1990 - 15 O 163/89
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 BGH 
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