Source: http://www.plettenberg-lexikon.de/thema/boxclub48/sommerfest1949.htm
Timestamp: 2018-01-20 05:30:19+00:00

Document:
Sommerfest beim BC 48
Bierzeitung zum Sommerfest des Boxclub 48
im Jahre 1949 (Ort: Schade-Baracke)
wir wollen hier heute feiern feste,
das Sommerfest vom Boxclub 48
und wer es nicht glaubt, der irrt sich,
denn nach langen Reden ist es soweit,
der Vorstand erklärte sich endlich bereit
für alles zu sorgen, was nötig ist.
Dass sich jedoch niemand überfrisst,
denn die Portionen sind reichlich da,
da haben alle mitgesorgt, ja, ja.
Auch für den Alkohol ist gesorgt in Mengen,
alles kann sich an die Theke drängen,
doch die Affen sind an die Leine zu nehmen,
es wird sonst ein zu starkes Gedränge geben.
Wer nötig für seine Verdauung muss sorgen,
darf sich eine von den Gummibänken borgen,
die an diesem Abend zu verleihen sind,
damit sich keiner auf der Erde wiederfind.
Auch im Hirtenböhl können die Bänke aufgestellt werden,
das bedeutet dann für verschiedene den Himmel auf Erden.
Ein jeder muss mit für Stimmung sorgen,
die darf er sich nicht von seinem Nachbarn borgen.
Auch wir haben uns zusammengetan
und mit Gefühl und viel Elan
diese Zeitung auf die Beine gebracht,
vorher haben die Verfasser schon selber gelacht
über alle die Sache, die hier vereinigt,
doch wir haben unser Gewissen bereinigt.
Es kommen nur wahre Geschichten auf den Tisch,
die wir hier Euch servieren, fast noch ganz frisch.
Wir wollen nun beginnen mit dem Verlesen
und hoffen, dass alle mit dran sind gewesen.
Es wird natürlich nichts übelgenommen.
Wer es doch tut, der wird kräftig hergenommen.
Ein Boxhieb, mit anschließendem K.O.
ja, liebe Freunde, das macht man bei uns so.
Jedoch nun fangen wir endlich an,
ein jeder kommt jetzt ganz sicher dran. (1.)
Polizeibericht!! Neuestes vom Tage
Durch jahrelanges Training ist es mir gelungen, mich in den Besitz von Röntgenaugen zu bringen. Mit selbigen bin ich augenblicklich in der Lage, Tatsachen und andere Verbrechen aufzuklären, welches für normale Menschen verschlossen bleibt. Um euch alle von meinem Können zu überzeugen, berichte ich euch einiges, was ich aus weiter Ferne sah:
Ihr dürft dieses Blatt zerreissen,
dürft es in die Ecke schmeissen.
Ihr dürft alles, selbst euch schämen,
doch hieraus nichts übelnehmen.
Redakteure: ???????????
zur Zeit in Feststimmung, für den Inhalt nicht mehr verantwortlich.
Dieses Blatt erscheint täglich, mit Ausnahme der Tage, an dem kein Fest stattfindet.
Wir halten es für unsere Pflicht, allen lieben Festteilnehmern folgende Paragraphen besonders einzuschärfen:
§ 1. Für guten Appetit und Durst hat jeder selbst zu sorgen.
§ 2. Sämtliche Damen sind gebeten, möglichst fröhliche Gesichter, die unverheirateten Herren ernste Absichten mitzubringen.
§ 3. Wer heute abend zu wenig trinkt, gilt nicht als guter Deutscher.
§ 4. Hunden ist der Zutritt untersagt, nur ein kleiner Spitz ist zulässig. Affen sind in vorgerückter Stunde an der Leine zu führen.
§ 5. Jeder hat sich unbedingt zu amüsieren.
§ 6. Hausschluffen sind an der Garderobe abzugeben.
§ 7. Wer als vornehmer Mann gelten will, hat bei Tage nach Hause zu gehen.
Es wird folgendes bekanntgemacht:
Als unser früherer Sportskamerad Ernst Keitmann in russischer Kriegsgefangenschaft von der Neugründung des Boxclub Plettenberg erfuhr, gab es für ihn kein Halten mehr. Er wollte doch auch wieder dabei sein. Kurzentschlossen packte er seine Sachen und meldete sich vorschriftsmäßig ab. Grund: Zwecks Neugründung des Boxclubs. Und siehe da, das große Wunder ist geschehen, Keitmann hatte es geschafft. Schon auf dem Wege in die alte Heimat musste er Berichte entgegennehmen und dieses alles fesselte unseren Kameraden so sehr, dass er beschloss, bis zum anderen Morgen bei seiner Gastgeberin zu bleiben. Auch hörte er hier erstmalig von dem Bestehen der "Goldenen Sieben" und machte gleich (es war die Managerin der Kapelle) Verträge für unsere Kampfabende . . . Oder wollte er bei ihr nur das Singen lernen??? Vielleicht das nette Liedchen "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine . . ."
Als 2. Vorsitzenden sieht man Otto Niebling hier,
ganz harmlos sitzen bei seinem Bier.
Er ist ein Mann von großem Format,
bei ihm nur der Boxclub Chancen hat.
Doch in letzter Zeit wurde es zu toll,
seine Ehehälfte hatte die Nase voll
von den vielen langen Nächten, die er durchwacht,
die er beim Zechen an der Theke zugebracht.
Das Ausgehen wurde verboten dem Otto,
er lebt jetzt nach dem einen Motto:
Wie komme ich aus dem Haus ohne meine Frau?
Ja Otto, wir hoffen, du bist so schlau!
Wer bringt die wilden Tiere in Plettenberg um die Ecke,
im Schlachthof unten um die Wette?
Das ist der Rademacher, auch als 1. Vorsitzender des B.C. bekannt,
so schreitet er stolz durchs schöne Sauerland.
Wer kommt da wieder zum Boxen ganz allein
und lässt seine junge Frau daheim?
Sieht lieber nach einer anderen Maid,
denkt sich, du hast viel zu früh gefreit.
Ja, Fritz Hanne, du hättest noch warten müssen,
dann könntest du jetzt andere Mädchen küssen.
Alfred Schreiber eine große Vorliebe hat,
für alles, was lange Haare hat,
schon in aller Frühe er junge Frauen besucht,
und dann als größten Erfolg verbucht
mit dieser Brüderschaft zu trinken,
ja, man könnt noch mit so allerhand winken.
Aber wir wollen schonen den guten Mann,
sonst ist er bei seiner Frau schlecht dran,
schiefe Ehe ist dann die nächste Zeit bei ihm
und das ist dann doch etwas zu intim.
Der Alfred und seine zwei Begleiter,
das waren alle drei sehr gute Streiter.
Das Wetter war gut, die Welt ist so schön,
drum beschlossen die drei, mal hamstern zu gehn.
Man fuhr mit dem Zuge, von Hagen ab getrennt,
es blieb uns nichts übrigen, wir haben im Stehen gepennt!
Wir waren am Endziel, wo kann ich nicht sagen,
sonst kriegt mich der Alfred nachher noch am Kragen.
Die Nacht in dem Bahnhof war goldig,
die weibliche Gesellschaft war schön,
mancher Kumpel gedachte, nach draußen zu gehn.
Das Hamstern klappte (zum Teil), das Wetter war schön,
einfach verführerisch mit 'ner Frau allein hamstern zu gehn.
Unsere Rücksäcke füllten sich (zum Teil), wir zogen befriedigt nach Haus,
zwei vor Freude, dem andern schlug das Herz bis zum Hals . . .
- Ein stiller Teilnehmer !!!!
Charlie Märker, dieser Streiter,
Gründer des Clubs und Wegbereiter,
steht seit Jahren nun schon im Ring
und drehte inzwischen so manch dolles Ding.
Heut' ist er vernünftig und sehr weise, und trinken tut er vor keiner Reise.
Denn tät er das, könnt's nochmal geschehen,
dass er seinen Gegner säh zweimal im Ringe stehen.
Wie es geschah in alten Zeiten,
in Hamburg, in der Nähe der "Vier Jahreszeiten".
Und als er erwachte dann nach 9 Stunden,
hat er sich in Westerland wiedergefunden.
Und seit dieser Zeit, ihr werdet's verstehen,
lässt Charlie den Alkohol überall stehen.
Und auch die kleinen Mädchen meidet er,
denn das Treusein, das ist doch gar zu schwer.
Doch heimlicherweise, ich wills nicht beschwören, könnt ihr da auch manch Geschichtlein hören.
Ich schweige von Narvik, von Holland und Frankreich,
der Balkan und Russland hatte auch Mädchen sehr zahlreich.
Charlie wandelt nun auf Plettenbergs Fluren,
mit Mädchen mit dunklen und blonden Frisuren.
Und ab und zu, es kommt nicht drauf an,
kreuzt er auch die umliegenden Ortschaften an.
Doch auch dir, lieber Charlie, rufen wir zu,
heirate endlich und lass die kleinen Mädchen in Ruh.
Und du lieber Charlie, nimm gleich für deine Verdienste, die du dir um den Boxclub 48 Plettenberg erworben hast, 5 Schnapsmarken entgegen und leere alle Gläschen hintereinander auf das Wohl unsres Vereins. Hu u! Hu u!!!
Der Gerd hatte sich betrunken, das konnte man sehn,
man sah ihn mit seiner Frau in die Herrentoilette gehn,
der Finger wurde in den Hals gesteckt,
und im Magen wurden allerhand Gefühle erweckt.
Nur in einem sah man nicht ganz klar,
ob Gerd oder seine Frau betrunken war . . .
Der "Clown im Ring", so hört man von Schweizer sagen,
sogar seine Tochter tut es wagen,
drei Runden fürchterlich über ihn zu lachen,
Ja, "Kurzer", was sind denn das für Sachen?
Mädchengeschichten brauchen wir gar nicht erst erwähnen,
die tut er nebenbei mitnehmen.
Doch Lenchen will ihm trotzdem wohl
und sucht ihr Heil im Alkohol.
Charlie sieht man mit Frau Niebling entschweben,
er tut doch sonst so solide leben!
Doch auf einmal küssen sich die zwei ganz toll,
ob das wohl Otto wissen soll???
Ernst Weber verwaltet die Schützenhalle,
er ist gewissenhaft, das wissen alle.
Doch nie war ihm was recht zu machen,
denn er dachte zuviel an seinen Sohn, das macht ihm zu schaffen.
Doch jetzt ist es geschafft, der Junge ist da
der Boxclub schreit ganz laut "Hurra!", denn als aktives Mitglied tritt er jetzt ein,
er will doch nicht der Letzte sein.
Hermann Gissel bediente einst den Gong unregelmäßig,
das kam vom Trinken, wo er auch nicht war mäßig,
die Runden waren mal kurz und mal lang,
allen Eingeweihten wurde sehr bang . . .
Ist jemand hier noch nicht rasiert im Saal?
Der komme nach Erwin Kalthoff schnell mal.
Leukoplast ist aber mitzubringen,
den vom Schneiden, da kann er ein Liedchen singen.
Aus dem großen Flüchtlingsschlamassel,
kam ein Mann zu unserer Staffel,
mit Beinen wie 'ne Honigwaffel.
Er wollte bei uns das Boxen erlehren,
um sich seiner Feinde zu erwehren.
Mit allen kann man es nicht so machen,
ein Schlag und aus . . . Es ist zum Lachen.
Drum, lieber Günter, ich dir nur raten kann, lass den Weidenhof stehn,
denn wir alle wollen noch recht oft ins Kino gehn. (Günter Hirsemann)
Päckchen [Maslo], dieser junge Mann, ist gewachsen wie ne Kerz.
Doch leider, ich muss euch gestehn, hat ein kleines Herz!
Er zittert immer, wenn es heißt kämpfen,
am liebsten bekäme er erst die Krämpfen.
4 - 5 Meter Bandage brauche ich für meinen Daumen,
braucht er aber nicht einzusteigen, fängt er mit allen an zu maulen,
ich wollte doch kämpfen, warum habe ich keinen Mann, ich fange sofort das Saufen an.
Gesagt, getan, der Alkohol machte ihn ganz K.O.
man sah ihn tauchen, wie einen Wasserfloh.
Den anderen wurde Angst und Bange,
sie zogen ihn hoch an einer Stange.
Drum, lieber Günther, solche Versuche lass lieber sein,
mach lieber welche bei kleinen Mägdelein.
Der Ghandi ist ein feiner Mann,
der sieht sich das Boxen nur von weitem an.
Ihr könnt es glauben, man muss damit rechnen,
Willi Nölle könnt sich Verzierungen abbrechen.
Ernst Junge steht in der Sundhelle allein,
und wartet auf sein Edithlein,
ein Armband hat er in der Hand,
von Edith so als Liebespfand.
Damit sie wiederkommt geschwind,
wie sah man rennen da das gute Kind.
Ist Ernst weggefahren und kommt des Nachts hier an,
geht er trotzt später Stunde erst noch bei Edith ran.
In Gummersbach ist so allerhand passiert, [28.05.1949]
auch Herr Nölle und Buchhold haben sich angeschmiert,
sie wollten draußen auf die Gummibank gehen,
doch die wae besetzt, das konnte man sehn.
Sie setzten sich mit den Mädchen aufs Bahngeleise,
plötzlich kam die Bahnpolizei geschlichen ganz leise,
der Hund wurde losgelassen auf die Vier,
sie erreichten gerade noch die Bahnhofstür.
Und so Willi Nölle auch mal rennen kunnt,
ich hätts nicht geglaubt bis zur damaligen Stund!!!!!
Die Ortwigs sind ein Vetternpaar,
der eine hat Temperament, dem andern fehlt es ganz und gar.
Günther hat 14 Pfund zugenommen,
und kommt in Fett bald angeschwommen.
Er muss mehr trainieren, das ist uns klar,
hoffentlich wird es nun bald wahr.
Die Sundhelle hat es dem Günter Schreiber angetan,
da kam er mit einem kleinen Mädchen an,
aber nichts konnte ihn hindern in Gummersbach,
zu werden bei einer anderen schwach.
Arm in Arm, Kopf an Kopf, so saß er mit Tita da,
und vergaß ganz die Ermahnungen von seiner Mama.
Makka [Rötz] ist auch nicht von Pappe,
nebenbei ein großer Rappe,
die Grüne hat es ihm angetan,
doch dann lief ihm ein Mädchen aus Belgien in die Bahn.
Er drehte sich zur "Pfütze" um, auch hier nach dem rechten zu sehn,
am liebsten möchte er überhaupt keinen Ring noch Handschuhe sehn.
Du hattest in der Grüne das kleine Permit,
heirate endlich, ein zweites Verlobungsgeschenk bekommst du von uns nicht!
Auch solche Männer, hinter denen man es nicht sucht,
verführen oft kleine Mädchen. So hatte ich wieder mal die Gelegenheit, mit meinen scharfen Röntgenaugen den Vorgang im Autobus auf der Fahrt Gummersbach - Plettenberg zu beobachten: In aller Stille kletterte eine junge temperamentvolle Dame von vorne nach hinten (ungeachtet der vielen Schläfer), setzte sich bei diesem Herzensbrecher kurzerhand auf den Schoß, verabreichte ihm einige herzliche Küsse und verschwand wieder. Robert aber war für die restliche Fahrt still und glücklich. Auch dir, liebes Evchen, ich nur raten kann, lass Robert in Ruh, bleib bei deinem Mann! Ihr seht, ich sehe mit meinen Röntgenaugen viel, was andere nicht sehen können.
Vor Jahren, es war so 35,
da war unser Fritz Kojawski mal im Boxen sehr fleißig,
er schlug die Gegener, es war eine Lust,
doch heute kommt nur ein Jammern aus seiner Brust.
"Ich muss mich erst sammeln, zuviel wirkt auf mich ein!"
Ich rufe dir zu: Vergiss endlich, komm zu uns und steigt wieder ein.
Auch dir, lieber Kamerad Sobiroy, gebe ich einen Rat, du warst beim Militär und warst Soldat. Es dürfte dir also nicht all zu schwer fallen, den richtigen Kurs nach Hause zu finden. Sollte es aber noch einmal vorkommen, dass du unangemeldet auf fremde Höfe einsteigst, bin ich gezwungen, dich durch den Hofhund zu stellen. Oder aber bring letzterem zum dicken Niebling, damit er selbigen durch den Wolf dreht und du sowie deine Partnerin - und damit der gesamte Boxklub - ein gutes Essen zum Gemütlichen bekommt.
Wenn jemand eine Reise tut, - ja, ja, lieber Kumpel Walter! Das Hamstern macht viel Freude, besonders wenn dein Stallgefährte sich mit deinen Sachen abschleppen muss und du erst mal für einige Minuten frische Luft schnappen musst. Ich kann es ja verstehen, lieber Walter: wenn man irgendwo anders ist, dann genießt man auch gerne andere Luft. Ich aber sage dir, lieber Walter Wulfert: warum in die Ferne schweifen, fahre getrost wieder nach Werdohl. Diese Blutgruppe dürfte dir ja nicht so ganz unbekannt sein und dir am besten liegen.
Ein freies Leben führen wir, ein Leben voller Wonne,
wie schön ist es, Junggeselle zu sein unter Plettenbergs Sonne.
So hört man Karl Heinz Tebs stets sagen,
seine erste Frau war immer am klagen
der Gesang von Karl Heinz tat sie mächtig plagen.
Im Januar tat sich Böhley-Tusch sehr besaufen,
er konnte nicht mehr nach Hause laufen,
mit ihm da war es völlig aus,
per Schubkarre brachte man ihn nach Haus.
Im Bett hörte man ihn rufen "Walli komm doch wieder,
ich werde jetzt auch brav und bieder!"
Manfred Schäfer war mal etwas blau,
da sagte er zu seiner Frau:
Tita, wenn du nicht meine Verwandte würdest sein,
wahrhaftig, ich stiege bei dir mal ein!
Günther Griebsch ist beim Boxen immer zur Stelle,
in die Halle geht es mit großer Schnelle,
wenn er könnte, machte er gerne mit,
und hielt mit den Aktiven schritt.
Was sonst noch geschah in heimlichen Stunden,
hat an dieser Stelle keinen Platz gefunden.
Da kommt demnächst ein Buch heraus,
mit vielen Fortsetzungen - und dann ist es erst aus!
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References: § 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

§ 7