Source: http://www.urbs.de/archiv/steu/steu106.htm
Timestamp: 2017-11-20 09:48:25+00:00

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Neues BMF-Schreiben zur einkommensteuerliche Behandlung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer
urbs-media, 16.4.2007: Dass Steuerpflichtige ihre Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer bei der Steuer geltend machen, war der Finanzverwaltung schon seit längerem ein Dorn im Auge. Deshalb wurden die Anforderungen für die steuerliche Anerkennung derartiger Aufwendungen laufend verschärft und die Abzugsmöglichkeiten drastisch eingeschränkt. Seit Beginn des Jahres 1996 konnten die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer im Regelfall nur noch bis zu einem Höchstbetrag von 2.400 DM (seit 1.1.2002 = 1.250 Euro) steuerlich als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden.
Eine weitere Verschlechterung bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Kosten für ein Heimbüro gilt seit 1.1.2007 durch das so genannte Steueränderungsgesetz 2007 vom 19. Juli 2006 (BGBl. I S. 1652, BStBl I S. 432). Jetzt werden die Arbeitszimmer-Kosten nur noch dann als Werbungskosten oder Betriebsausgaben anerkannt, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung darstellt (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b, § 9 Abs. 5 und § 10 Abs. 1 Nr. 7 EstG). Insgesamt erwartet die Bundesregierung durch die erneuten Verschlechterungen bei der Abzugsfähigkeit von Arbeitszimmerkosten Steuer-Mehreinnahmen von ca. 300 Mio. Euro pro Jahr.
Um die mit der Neuregelung verbundenen zahlreichen Zweifelsfragen zu klären, hat das Bundesministerium der Finanzen jetzt in einem BMF-Schreiben vom 19. Januar 2007 (IV B 2 - S 2145 - 28/06) erlätert, wie die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer ab dem Veranlagungszeitraum 2007 aus Sicht der Finanzverwaltung steuerlich zu behandeln sind.
Schreiben des BMF vom 19. Januar 2007 - IV B 2 - S 2145 - 28/06 - Schreiben des Niedersächsischen Finanzministeriums vom 19. Februar 2007 - S 2145 - 38 - 312 - Schreiben des Finanzministeriums des Landes Schleswig-Holstein vom 26. Februar 2007 - VI 304 - S 2145 - 106 -
Im Einvernehmen mit den obersten Finanzbehörden der Länder gilt zur einkommensteuer-rechtlichen Behandlung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b, § 9 Abs. 5 und § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG in der Fassung des Steueränderungsgesetzes 2007 (BGBl. 2006 I S. 1652, BStBl I 2006 S. 432) Folgendes:
Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist, vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten dient (BFH-Urteile vom 19. September 2002, - VI R 70/01 -, BStBl II 2003 S. 139 und vom 16. Oktober 2002, - XI R 89/00 -, BStBl II 2003 S. 185) und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird. Es muss sich aber nicht zwingend um Arbeiten büromäßiger Art handeln; ein häusliches Arbeitszimmer kann auch bei geistiger, künstlerischer oder schriftstellerischer Betätigung gegeben sein. In die häusliche Sphäre eingebunden ist ein als Arbeitszimmer genutzter Raum regelmäßig dann, wenn er zur privaten Wohnung oder zum Wohnhaus des Steuerpflichtigen gehört. Dies betrifft nicht nur die Wohnräume, sondern ebenso Zubehörräume (BFH-Urteil vom 26. Februar 2003, - VI R 130/01 -, BStBl II 2004 S. 74 und BFH-Urteil vom 19. September 2002, - VI R 70/01 -, BStBl II 2003 S. 139). So kann auch ein Raum, z.B. im Keller oder unter dem Dach (Mansarde) des Wohnhauses, in dem der Steuerpflichtige seine Wohnung hat, ein häusliches Arbeitszimmer sein, wenn die Räumlichkeiten aufgrund der unmittelbaren Nähe mit den privaten Wohnräumen des Steuerpflichtigen als gemeinsame Wohneinheit verbunden sind.
Dagegen kann es sich bei einem im Keller oder Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses befindlichen Raum, der nicht zur Privatwohnung des Steuerpflichtigen gehört, sondern zusätzlich angemietet wurde, um ein außerhäusliches Arbeitszimmer handeln (BFH-Urteil vom 26. Februar 2003, - VI R 160/99 -, BStBl II S. 515 und vom 18. August 2005, - VI R 39/04 -, BStBl II 2006 S. 428). Maßgebend ist, ob eine innere häusliche Verbindung des Arbeitszimmers mit der privaten Lebenssphäre des Steuerpflichtigen besteht. Dabei ist das Gesamtbild der Verhältnisse im Einzelfall entscheidend. Für die Anwendung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b, des § 9 Abs. 5 und des § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG ist es ohne Bedeutung, ob die Wohnung, zu der das häusliche Arbeitszimmer gehört, gemietet ist oder ob sie sich im Eigentum des Steuerpflichtigen befindet. Auch mehrere Räume können als ein häusliches Arbeitszimmer anzusehen sein; die Abtrennung der Räumlichkeiten vom übrigen Wohnbereich ist erforderlich.
Nicht unter die Abzugsbeschränkung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b und § 9 Abs. 5 EStG fallen Räume, bei denen es sich um Betriebsräume, Lagerräume, Ausstellungsräume handelt, selbst wenn diese an die Wohnung angrenzen (BFH-Urteil vom 28. August 2003, - IV R 53/01 -, BStBl II 2004 S. 55).
bei Anmietung einer unmittelbar angrenzenden oder unmittelbar gegenüberliegenden Zweitwohnung in einem Mehrfamilienhaus (BFH-Urteile vom 26. Februar 2003, - VI R 124/01 - und - VI R 125/01 -, BStBl II 2004 S. 69 und 72),
Arzt-, Steuerberater- oder Anwaltspraxis grenzt an das Einfamilienhaus an oder befindet sich im selben Gebäude wie die Privatwohnung, wenn diese Räumlichkeiten für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr geöffnet und z.B. bei häuslichen Arztpraxen für Patientenbesuche und -untersuchungen eingerichtet sind (BFH-Urteil vom 5. Dezember 2002, - IV R 7/01 -, BStBl II 2003 S. 463 zu einer Notfallpraxis und Negativabgrenzung im BFH-Urteil vom 23. Januar 2003, - IV R 71/00 -, BStBl II 2004 S. 43 zur Gutachtertätigkeit einer Ärztin).
Im Keller ist ein Arbeitsraum belegen, der - anders als z.B. ein Archiv (BFH-Urteil vom 19. September 2002, - VI R 70/01 -, BStBl II 2003 S. 139) - keine (Teil-)Funktionen erfüllt, die typischerweise einem häuslichen Arbeitszimmer zukommen, z.B. Lager für Waren und Werbematerialien.
Die Kosten einer Gartenerneuerung können anteilig den Kosten des häuslichen Arbeitszimmers zuzurechnen sein, wenn bei einer Reparatur des Gebäudes Schäden am Garten verursacht worden sind. Den Kosten des Arbeitszimmers zuzurechnen sind allerdings nur diejenigen Aufwendungen, die der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands dienen (BFH-Urteil vom 6. Oktober 2004, - VI R 27/01 -, BStBl II S. 1071). Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers, wie z.B. Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen gehören ebenfalls zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer.
Luxusgegenstände wie z.B. Kunstgegenstände, die vorrangig der Ausschmückung des Arbeitszimmers dienen, gehören zu den nach § 12 Nr. 1 EStG nicht abziehbaren Aufwendungen (BFH-Urteil vom 30. Oktober 1990, - VIII R 42/87 -, BStBl II 1991 S. 340).
Keine Aufwendungen i.S.d. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG sind die Aufwendungen für Arbeitsmittel (BFH-Urteil vom 21. November 1997, - VI R 4/97 -, BStBl II 1998 S. 351). Diese werden daher von § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG nicht berührt.
Ein häusliches Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung des Steuerpflichtigen, wenn nach Würdigung des Gesamtbildes der Verhältnisse und der Tätigkeitsmerkmale dort diejenigen Handlungen vorgenommen und Leistungen erbracht werden, die für die konkret ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeit wesentlich und prägend sind. Der Tätigkeitsmittelpunkt i.S.d. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG bestimmt sich nach dem inhaltlichen (qualitativen) Schwerpunkt der betrieblichen und beruflichen Betätigung des Steuerpflichtigen.
Dem zeitlichen (quantitativen) Umfang der Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers kommt im Rahmen dieser Würdigung lediglich eine indizielle Bedeutung zu; das zeitliche Überwiegen der außerhäuslichen Tätigkeit schließt einen unbeschränkten Abzug der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer nicht von vornherein aus (BFH-Urteile vom 13. November 2002, - VI R 82/01 -, BStBl II 2004 S. 62; - VI R 104/01 -, BStBl II 2004 S. 65 und - VI R 28/02 -, BStBl II 2004 S. 59).
Übt ein Steuerpflichtiger nur eine betriebliche oder berufliche Tätigkeit aus, die in qualitativer Hinsicht gleichwertig sowohl im häuslichen Arbeitszimmer als auch am außerhäuslichen Arbeitsort erbracht wird, so liegt der Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung dann im häuslichen Arbeitzimmer, wenn der Steuerpflichtige mehr als die Hälfte der Arbeitszeit im häuslichen Arbeitszimmer tätig wird (BFH-Urteil vom 23. Mai 2006, -VI R 21/03 -, BStBl II S. 600).
Bildet das häusliche Arbeitszimmer schließlich den qualitativen Mittelpunkt lediglich ei-ner Einzeltätigkeit, nicht jedoch im Hinblick auf die übrigen Tätigkeiten, ist regelmäßig davon auszugehen, dass das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der Gesamttätigkeit bildet.
Der Steuerpflichtige hat jedoch die Möglichkeit, anhand konkreter Umstände des Einzelfalls glaubhaft zu machen oder nachzuweisen, dass die Gesamttätigkeit gleichwohl einem einzelnen qualitativen Schwerpunkt zugeordnet werden kann und dass dieser im häuslichen Arbeitszimmer liegt. Abzustellen ist dabei auf das Gesamtbild der Verhältnisse und auf die Verkehrsanschauung, nicht auf die Vorstellung des betroffenen Steuerpflichtigen (BFH-Urteil vom 13. Oktober 2003, - VI R 27/02 -, BStBl II 2004 S. 771 und vom 16. Dezember 2004, - IV R 19/03 -, BStBl II 2005 S. 212).
Das häusliche Arbeitszimmer und der Außendienst können nicht gleichermaßen "Mittelpunkt" der beruflichen Betätigung eines Steuerpflichtigen i.S.d. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG sein (BFH-Urteil vom 21. Februar 2003, - VI R 14/02 -, BStBl II 2004 S. 68).
Bei einem Verkaufsleiter, der zur Überwachung von Mitarbeitern und zur Betreuung von Großkunden auch im Außendienst tätig ist, kann das häusliche Arbeitszimmer Tätigkeitsmittelpunkt sein, wenn er dort die für den Beruf wesentlichen Leistungen (z.B. Organisation der Betriebsabläufe) erbringt (BFH-Urteil vom 13. November 2002, - VI R 104/01 -, BStBl II 2004 S. 65).
Bei einem Ingenieur, dessen Tätigkeit durch die Erarbeitung theoretischer, komplexer Problemlösungen im häuslichen Arbeitszimmer geprägt ist, kann dieses auch dann der Mittelpunkt der beruflichen Betätigung sein, wenn die Betreuung von Kunden im Außendienst ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört (BFH-Urteil vom 13. November 2002, - VI R 28/02 -, BStBl II 2004 S. 59).
Bei einem Praxis-Konsultant, der ärztliche Praxen in betriebswirtschaftlichen Fragen berät, betreut und unterstützt, kann das häusliche Arbeitszimmer auch dann den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bilden, wenn er einen nicht unerheblichen Teil seiner Arbeitszeit im Außendienst verbringt (BFH-Urteil vom 29. April 2003, - VI R 78/02 -, BStBl II 2004 S. 76).
Bei einem - freien oder angestellten - Handelsvertreter liegt der Tätigkeitsschwerpunkt außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers, wenn die Tätigkeit nach dem Gesamtbild der Verhältnisse durch die Arbeit im Außendienst geprägt ist, auch wenn die zu Hause verrichteten Tätigkeiten zur Erfüllung der beruflichen Aufgaben unerlässlich sind (BFH-Urteil vom 13. November 2002, - VI R 82/01 -, BStBl II 2004 S. 62).
Ein kaufmännischer Angestellter eines Industrieunternehmens ist nebenbei als Mitarbeiter für einen Lohnsteuerhilfeverein selbständig tätig und nutzt für letztere Tätigkeit sein häusliches Arbeitszimmer als "Beratungsstelle", in dem er Steuererklärungen erstellt, Beratungsgespräche führt und Rechtsbehelfe bearbeitet. Für diese Nebentätigkeit ist das Arbeitszimmer zwar der Tätigkeitsmittelpunkt. Aufgrund der erforderlichen Gesamtbetrachtung ist das Arbeitszimmer jedoch nicht Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung (BFH-Urteil vom 23. September 1999, - VI R 74/98 -; BStBl II 2000 S. 7).
Bei einer Ärztin, die Gutachten über die Einstufung der Pflegebedürftigkeit erstellt und dazu ihre Patienten ausschließlich außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers untersucht und dort (vor Ort) alle erforderlichen Befunde erhebt, liegt der qualitative Schwerpunkt nicht im häuslichen Arbeitszimmer, in welchem lediglich die Tätigkeit begleitende Aufgaben erledigt werden (BFH-Urteil vom 23. Januar 2003, - IV R 71/00 -, BStBl II 2004 S. 43).
Bei Lehrern befindet sich der Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Betätigung regelmäßig nicht im häuslichen Arbeitszimmer, weil die berufsprägenden Merkmale eines Lehrers im Unterrichten bestehen und diese Leistungen in der Schule o.ä. erbracht werden (BFH-Urteil vom 26. Februar 2003, - VI R 125/01 -, BStBl II 2004 S. 72). Deshalb sind die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer auch dann nicht abziehbar, wenn die überwiegende Arbeitszeit auf die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts verwendet und diese Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübt wird.
Wird das Arbeitszimmer für eine spätere Nutzung vorbereitet, bei der die Abzugsvoraussetzungen vorliegen, sind die darauf entfallenden Aufwendungen entsprechend zu berücksichtigen (BFH-Urteil vom 23. Mai 2006, - VI R 21/03 -, BStBl II S. 600).
Nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 Satz 4 EStG ist die Regelung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG auch für Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer anzuwenden, das für die eigene Berufsausbildung genutzt wird. Im Rahmen der Ausbildungskosten können jedoch in jedem Fall Aufwendungen nur bis zu insgesamt 4.000 € als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 Satz 1 EStG). Wird das häusliche Arbeitszimmer auch zur Einkunftserzielung genutzt, ist für die Aufteilung der Kosten Absatz IV (Nutzung des Arbeitszimmers zur Erzielung unterschiedlicher Einkünfte) entsprechend anzuwenden.
urbs-media Praxistipp: Wer in seiner Wohnung ein beruflich genutztes Arbeitszimmer unterhält, der muss abgesehen von der Nichtanerkennung seiner Aufwendungen auch noch mit anderen gravierenden Nachteilen rechnen. Denn das Vorhandensein eines Arbeitszimmers in der selbstgenutzten Eigentumswohnung oder im selbstgenutzten Einfamilienhaus kann auch beim Verkauf der Immobilie gravierende steuerliche Mehrbelastungen mit sich bringen. Hintergrund dieser Steuerfalle ist, dass mit Wirkung zum 1.1.1999 die so genannte Spekulationsfrist bei der Veräußerung von Grundvermögen von zuvor zwei Jahren auf nunmehr zehn Jahre verlängert worden ist (§ 23 Abs. 1 EStG). Von dieser Steuerpflicht sind nur diejenigen Räumlichkeiten ausgenommen, die im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden.
Die Finanzverwaltung stellt sich nunmehr auf den Standpunkt, dass bei einem steuerlich anerkannten häuslichen Arbeitszimmer keine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken im Sinne von § 23 EStG vorliegt und der entsprechende Veräußerungsgewinn innerhalb der 10-Jahres-Frist daher als sonstige Einkünfte im Sinne von § 22 Nr. 2 EStG (Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften) zu versteuern sind. Hierzu gibt es auch ein entsprechendes BMF-Schreiben (BStBl I 2000 S. 1383), wo diese Auffassung ausdrücklich bestätigt wird. Dort heißt es unter Ziffer 21: "Auch ein häusliches Arbeitszimmer (BMF-Schreiben vom 16.6.1998 - BStBl I S. 863 Rdz. 7) dient nicht Wohnzwecken, selbst wenn der Abzug der Aufwendungen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b, § 9 Abs. 5 EStG ausgeschlossen oder eingeschränkt ist."
Das Finanzgericht Münster hat diese Auffassung der Finanzverwaltung ausdrücklich bestätigt und den auf das Arbeitszimmer entfallenden Anteil am Veräußerungsgewinn der Steuerpflicht unterworfen. Im Urteilsfall hatten die Kläger eine Eigentumswohnung erworben und einen Raum als Arbeitszimmer genutzt. Als die Eheleute die Wohnung nach sieben Jahren mit Gewinn veräußerten, setzte das Finanzamt den auf das Arbeitszimmer entfallenden Anteil am Veräußerungsgewinn (im Urteilsfall 8,9 Prozent) als steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn fest (Finanzgericht Münster, Urteil vom 28.8.2003 - 11 K 6243/01 E).
Gegen dieses Urteil ist zwar beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen IX R 57/03 ein Revisionsverfahren anhängig, derzeit ist aber noch keine Entscheidung des BFH absehbar. Wegen der anhaltenden Rechtsunsicherheit empfiehlt es sich daher unter Umständen, vor einer Veräußerung des Gebäudes die Nutzung des Arbeitsraumes zu beenden und damit auf die steuerliche Abzugsfähigkeit der entsprechenden Kosten zu verzichten. Denn die Spekulationssteuer für den Arbeitsraum im Falle der Verkaufs der Wohnung oder des Eigenheims entfällt, wenn die Räume im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren vollständig zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden.

References: § 9
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 § 12
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