Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_3Ca1819-13.html
Timestamp: 2016-12-08 20:04:08+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 3 Ca 1819/13
Weihnachtsgeld, Gleichbehandlungsgrundsatz
Tat­be­stand: Der Kläger nimmt die Be­klag­te auf Übe­reig­nung ei­nes iPads mi­ni so­wie Zah­lung ei­ner Prämie aus Gleich­be­hand­lung in An­spruch.
- 2 - Ge­schenk“. Die 42 Mit­ar­bei­ter, die an der Weih­nachts­fei­er – gleich aus wel­chen Gründen – nicht teil­nah­men, er­hiel­ten kein iPad mi­ni, auch nicht zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt.
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 3.000,00 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5%punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Be­klag­te meint, bei den ver­schenk­ten iPads han­de­le es sich we­der um Ar­beits­lohn noch um ei­ne Son­der­leis­tung. Die iPads sei­en aus An­lass und als Teil der Weih­nachts­fei­er nur an die auf der Fei­er an­we­sen­den Mit­ar­bei­ter ver­schenkt wor­den. Dies sei der Zweck des Ge­schenks und zu­gleich Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung, nach der kein Mit­ar­bei­ter, der – aus wel­chem Grund auch im­mer – an der Weih­nachts­fei­er nicht teil­ge­nom­men ha­be, ein iPad er­hal­ten ha­be.
Ent­schei­dungs­gründe: Die Kla­ge ist zulässig. So­weit der Kläger sei­nen zunächst an­gekündig­ten An­trag in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer am 18.09.2013 in geänder­ter Fas­sung ge­stellt hat, hat die Be­klag­te sich hier­zu durch die be­an­trag­te Kla­ge­ab­wei­sung rüge­los ein­ge­las­sen. Ih­re Zu­stim­mung gilt da­mit gemäß §§ 263, 267 ZPO als er­teilt.
a. Der gel­tend ge­mach­te An­spruch folgt nicht aus § 3 EFZG. Die anläss­lich der Weih­nachts­fei­er im De­zem­ber 2012 an die an­we­sen­den Mit­ar­bei­ter übe­reig­ne­ten iPads mi­ni sind kei­ne Vergütung im Sin­ne der ge­nann­ten Vor­schrift. Dies folgt zwar nicht un­mit­tel­bar aus der Tat­sa­che, dass die Be­klag­te die iPads ih­rer Ein­las­sung nach „ver­schenkt“ hat. Rei­ne Schen­kun­gen sind im Ar­beits­verhält­nis le­dig­lich dann an­zu­neh­men, wenn die zu­ge­wand­te Leis­tung kei­ne Be­zie­hung zum Ar­beits­verhält­nis auf­weist (vgl. Stau­din­ger-Ri­char­di/Fi­schin­ger, 2011, § 611 BGB Rn. 861 mit wei­te­ren Nach­wei­sen). Die Übe­reig­nung der iPads er­folg­te nicht los­gelöst vom Ar­beits­verhält­nis, son­dern im Rah­men ei­ner be­trieb­li­chen Ver­an­stal­tung, de­ren Be­such zwar frei­wil­lig, aber nicht un­abhängig vomAr­beits­verhält­nis ver­an­lasst war. Dies be­legt der Hin­weis der Be­klag­ten dar­auf, dass
b. Der gel­tend ge­mach­te An­spruch folgt auch nicht aus § 4a EFZG. Die iPads stel­len be­reits kei­ne Son­der­vergütung, ins­be­son­de­re kei­ne An­we­sen­heits­prämie im Sin­ne der ge­nann­ten Re­ge­lung dar. Zwar sind Son­der­vergütun­gen sol­che Leis­tun­gen, die der Ar­beit­ge­ber zusätz­lich zum lau­fen­den Ar­beits­ent­gelt er­bringt. Gleich­wohl sind auch sie Teil des Ar­beits­ent­gelts, da sie die im Be­trieb ge­leis­te­te Ar­beit (zusätz­lich) vergüten (BAG 05.08.1992 – 10 AZR 88/90, NZA 1993, 130 ff; BAG 26.10.1994 – 10 AZR 492/93 – zi­tiert nach ju­ris). An­ders als das lau­fen­de Ar­beits­ent­gelt können Son­der­vergütun­gen je­doch für Zei­ten der Ar­beits­unfähig­keit gemäß § 4a EFZG gekürzt wer­den, wenn dies ver­ein­bart ist. Ei­ne Son­der­vergütung kann auch ei­ne so ge­nann­te An­we­sen­heits­prämie sein. Ei­ne An­we­sen­heits­prämie ist ei­ne (Geld-)Leis­tung, mit de­ren Zu­sa­ge dem Ar­beit­neh­mer der An­reiz ge­bo­ten wird, die Zahl sei­ner be­rech­tig­ten oder un­be­rech­tig­ten Fehl­ta­ge im Be­zugs­zeit­raum möglichst ge­ring zu hal­ten (BAG 25.07.2001 – 10 AZR 502/00 – zi­tiert nach ju­ris). Auf die­se Wei­se knüpft die An­we­sen­heits­prämie an die im Aus­tausch­verhält­nis er­brach­te Ar­beits­leis­tung und die An­we­sen­heit während der be­trieb­li­chen Ar­beits­zeit an (vgl. Stau­din­ger-Ri­char­di/Fi­schin­ger, a.a.O., Rn. 841). Dar­an fehlt es im vor­lie­gen­den Fall. Prämie­ren woll­te die Be­klag­te ein frei­wil­li­ges En­ga­ge­ment für das Mit­ein­an­der im Be­trieb außer­halb der be­trieb­li­chen Ar­beits­zeit, das sie recht­lich ge­ra­de nicht ver­lan­gen kann, weil es nicht Be­stand­teil des ver­trag­li­chen Aus­tausch­verhält­nis­ses ist. Auf die Ausführun­gen un­ter Zif­fer 1a.) wird Be­zug ge­nom­men.
c. Der gel­tend ge­mach­te An­spruch steht dem Kläger auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der Gleich­be­hand­lung zu. Die An­wend­bar­keit des all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes un­ter­stellt, gilt für den vor­lie­gen­den Fall Fol­gen­des:
d. Et­was an­de­res folgt schließlich nicht aus der Tat­sa­che, dass die „Zu­wen­dung“ der iPads ge­genüber den Fi­nanz­behörden zu ver­steu­ern ist und die Be­klag­te die­se als anläss­lich der Weih­nachts­fei­er gewähr­te Zu­wen­dung pau­scha­liert (§ 40 EStG) – so hat sie es in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer am 18.09.2013 vom Kläger un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen – ver­steu­ert hat. Der zur Lohn­steu­er­pau­scha­lie­rung nach § 40 EStG be­rech­ti­gen­de und da­mit er­for­der­li­che in­ne­re Zu­sam­men­hang zwi­schen der Zu­wen­dung und der Ver­an­stal­tung selbst (vgl. in­so­weit BFH 07.11.2006 – VI R 58/04 – zi­tiert nach ju­ris) steht zwi­schen den Par­tei­en nicht im Streit.
2. Der nach Ab­wei­sung des Haupt­an­tra­ges zur Ent­schei­dung ge­stell­te Hilfs­an­trag zu 1.) ist eben­falls un­be­gründet.
3. - 6 -
4. Den im Ur­teil gemäß § 61 Abs. 1 ArbGG aus­zu­wei­sen­den Streit­wert hat die Kam­mer in Höhe der gel­tend ge­mach­ten For­de­run­gen so­wie wei­te­ren € 429,00 für den An­trag zu 1.) fest­ge­setzt. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 46 Abs. 2 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 91, 269 Abs. 3 ZPO.
Die Be­ru­fung hat die Kam­mer gemäß § 64 Abs. 3 Zif­fer 1 ArbGG zu­ge­las­sen. RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG
Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln Blu­ment­hals­traße 33 50670 Köln Fax: 0221-7740 356 ein­ge­gan­gen sein. Die elek­tro­ni­sche Form wird durch ein qua­li­fi­ziert si­gnier­tes elek­tro­ni­sches Do­ku­ment ge­wahrt, das nach Maßga­be der Ver­ord­nung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr bei den Ar­beits­ge­rich­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (ERV­VO ArbG) vom 2. Mai 2013 in der je­weils gel­ten­den Fas­sung in die
Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. * Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den. m.hensche.de
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References: § 3
 § 611
 § 4
 § 4
 § 40
 § 61
 § 46
 § 64