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Timestamp: 2016-10-01 15:31:04+00:00

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Kostenansatz bei Verfahrenstrennung	3. Juni 2016 | SteuerrechtGeschätzte Lesezeit: 4 Minuten	Kommt es zu einer Abtrennung von Verfahrensteilen, ist für jeden Verfahrensteil rückwirkend auf den Zeitpunkt der Verfahrenseinleitung (§ 40 GKG) ein Einzelstreitwert anzusetzen1.
Dieser entspricht bei der hier zu beurteilenden Klage eines Haftungsschuldners gegen das Leistungsgebot grundsätzlich dem vollen im Leistungsgebot angeforderten Betrag2.
Nach 21 Abs. 1 Satz 1 GKG werden Kosten, die bei richtiger Behandlung der Sache nicht entstanden wären, nicht erhoben. Dies bewirkt nach ständiger Rechtsprechung jedoch nicht, dass unanfechtbare (§ 128 Abs. 2 FGO) oder rechtskräftige (§ 116 Abs. 5 Satz 3 FGO) Gerichtsentscheidungen, die dem Kostenansatz vorausgegangen sind bzw. zugrunde liegen, im Verfahren der Erinnerung inzident auf ihre Rechtmäßigkeit hin überprüft werden könnten. Ausnahmen hiervon kommen nur bei erkennbaren Versehen des Gerichts oder offensichtlichen Verstößen gegen eindeutige gesetzliche Vorschriften in Betracht3. Dafür ist im Streitfall jedoch nichts ersichtlich.
Der Beschluss des Finanzgericht Baden-Württemberg in EFG 2007, 221 ist vorliegend nicht einschlägig. Dies ergibt sich daraus, dass der Streitwertbemessung in jenem Fall keine Abtrennung des Verfahrens wegen des Leistungsgebots vorausging, sondern eine einheitliche Streitwertbemessung vorzunehmen war4. Es kann daher dahinstehen, ob den vom Finanzgericht Baden-Württemberg aufgestellten Grundsätzen zur Streitwertbemessung in der dort behandelten Konstellation der Sache nach zugestimmt werden könnte.
Die vom Kostenschuldner begehrte Übertragung der in dem genannten Finanzgericht, Beschluss aufgestellten Grundsätze kann auch nicht mittelbar über eine vermeintlich unrichtige Sachbehandlung bei der Abtrennung des Verfahrens wegen der Leistungsgebote bewirkt werden (§ 21 Abs. 1 Satz 1 GKG). Der Abtrennungsbeschluss des Bundesfinanzhofs beruht weder auf einem erkennbaren Versehen noch auf einem offensichtlichen Verstoß gegen eindeutige gesetzliche Vorschriften. Vielmehr bewegte er sich innerhalb des von § 73 Abs. 1 Satz 2 FGO eröffneten richterlichen Ermessensspielraums, da das Rechtsmittelverfahren hinsichtlich der Spendenhaftungsbescheide nicht gleichfalls beendet, sondern -mit offenem Ausgang- als Revisionsverfahren fortzusetzen war (§ 116 Abs. 7 Satz 1 FGO). Damit war das im Zweiten Teil, Abschnitt V., der FGO geregelte Rechtsmittelverfahren, zu dem im hiesigen Kontext auch das Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren zu zählen ist, entgegen der Auffassung des Kostenschuldners insgesamt noch nicht “entscheidungsreif”5. Der von ihm beanstandete offensichtliche Rechtsanwendungs- bzw. Ermessensfehler bei der Anwendung von § 73 Abs. 1 Satz 2 FGO (i.V.m. § 121 FGO analog) scheidet schon deshalb aus, weil durch die Verfahrenstrennung eine übersichtlichere Ordnung der verschiedenen -vom Kostenschuldner uneingeschränkt zum Gegenstand der Nichtzulassungsbeschwerde gemachten- Streitgegenstände ermöglicht wurde. Dabei handelt es sich um einen sachlichen Grund zur Vornahme einer Verfahrenstrennung6.
Die dagegen vorgebrachten kostenrechtlichen Einwände können bereits im Ausgangspunkt nicht durchdringen, weil Kostengesichtspunkte für sich betrachtet sachfremde Erwägungen bei der Ausübung des dem Gericht nach § 73 Abs. 1 FGO zustehenden Ermessens darstellen7.
Soweit der Kostenschuldner seiner Erinnerungsschrift “vorsorglich für den Fall der Zurückweisung der Erinnerung” einen an die Kostenstelle des BFH adressierten Antrag auf Erlass bzw. Stundung der Gerichtskosten “bis auf einen zu zahlenden Betrag von 480, 18 EUR” beigefügt und hilfsweise um Weiterleitung desselben gebeten hat, ist darauf hinzuweisen, dass ein solcher, sich auf das Stadium der Beitreibung der Gerichtskosten beziehender Billigkeitsantrag (so versteht der Bundesfinanzhof das diesbezügliche Vorbringen) unmittelbar bei dem hierfür gemäß § 2 Abs. 2, § 6 Abs. 2 Satz 1 Justizbeitreibungsordnung zuständigen Bundesamt für Justiz anzubringen ist8.
Bundesfinanzhof, Beschluss vom 13. April 2016 – X E 5/16
BFH, Beschluss vom 22.09.2008 – II E 14/07, m.w.N.↩
vgl. BFH, Beschluss vom 15.06.2015 – VII E 18/14, BFH/NV 2015, 1417↩
s. dazu z.B. BFH, Beschluss vom 12.10.2005 – X E 2/05, BFH/NV 2006, 326; Gräber/Ratschow, a.a.O., Vor § 135 Rz 70, 87 ff., jeweils m.w.N↩
vgl. zu einer ähnlichen Abgrenzung BFH, Beschluss in BFH/NV 2015, 1417↩
s. hierzu auch BFH, Beschluss vom 23.06.2004 – VI B 28/04, BFH/NV 2004, 1420, unter 1., und BGH, Beschluss vom 25.11.2015 – II ZR 384/13, NJW-Rechtsprechungsreport Zivilrecht 2016, 189, unter II.↩
vgl. Schleswig-Holsteinisches FG, Beschluss vom 03.08.2011 – 5 KO 101/11, EFG 2011, 1924, 1925, m. Anm. Lemaire, zum Fall der Verfahrenstrennung nach Teilrücknahme der Klage↩
vgl. BFH, Beschluss vom 24.11.1994 – VII E 7/94, BFH/NV 1995, 720, für den umgekehrten Fall der Rüge einer unterlassenen Verfahrensverbindung↩
vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 17.04.2012 – X E 1/12, BFH/NV 2012, 1459, unter II. 3.↩
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References: § 73
 § 73
 § 121
 § 73
 § 2
 § 6
 § 135