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Timestamp: 2018-07-19 19:33:56+00:00

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Jan Willem Nienhuys – Pagina 2 – Skepsis Blog
Kritische Betrachtungen über die Homöopathie
16/04/2016 03/08/2016 Jan Willem Nienhuys	2 Reacties
1943 vollendete der Mediziner David Karel de Jongh eine Dissertation über die Homöopathie. Er kam zu der Schlussfolgerung, dass es besser wäre, wenn sie verschwinden würde. Die Grundlage für dieses Urteil war zweierlei. Er hatte viele hunderte Artikel und Bücher eingehend durchgelesen und dazu einige Zeit in einem homöopathischen Krankenhaus mitgearbeitet. Die Dissertation ist jetzt vollständig digitalisiert. Die Schlussfolgerungen de Jonghs sind noch genauso korrekt. Dies wurde schon von C.P. van der Smagt in seiner Broschüre Homeopathie, het wonder van het gelijkende bemerkt. Nicht viele wissen, welche Unordnung die Homöopathie darstellt. Das Publikum meint, dass sie mit harmlosen Kräutern zu tun hat. Diejenigen die besser informiert sind, meinen, dass es sich um außerordentliche Verdünnungen handele.
Similia Grundsatz
Bei der Homöopathie geht es um den sogenannten Similia-Grundsatz. Als der Erfinder Hahnemann 1796 damit anfing, lautete das ungefähr so: Wenn man einen Kranken heilen möchte, sollte man zuerst die Symptome des Kranken feststellen und dann eine Substanz suchen, die die gleichen Symptome bei einem Gesunden hervorruft. Wie Hahnemann zu dieser Idee kam, ist unklar. Er zitierte ein Buch aus 1738, in dem diese Idee bereits formuliert war. Der Verfasser, ein gewisser Johann Christian Hummel, schrieb über einen Dänischen Regimentsarzt, Stahl geheißen. Dieser Stahl sollte in seinem eigenen Land ziemlich berühmt sein, und um seinen Erfolg zu erklären, behauptete er, dass man Krankheiten besser gemäß „Similia Similibus“ behandeln könne.
Hahnemann selber behauptete, er sei auf die Idee gekommen, nachdem er als Versuch zweimal täglich einen aufgehäuften Esslöffel zermahlener Chinarinde eingenommen hatte, damals ein Mittel gegen Malaria. Das war etwa fünfmal die Dosis, die heutzutage als ungefährlich gilt. Er bekam „Fieber“, eine in der Zeit unbestimmte Benennung, die auch auf die Effekte starken Kaffees, Pfeffers, Strychnins und Arsens zutraf. Das bei Malaria typische Schauderfieber trat jedoch nicht auf. Es handelte sich möglicherweise um eine Reaktion auf eine der vielen Bestandteilen der Chinarinde. Später wurde bekannt, dass eine derartige Reaktion auf Chinarinde sehr selten ist.
Hahnemann über sein Chinarindeversuch. Kommentar hier
Hahnemann bewies seine Methode nicht dadurch, dass er sie systematisch ausprobierte. Seine Erforschung beruhte auf dem Sammeln von Anekdoten aus der medizinischen Literatur, die von ihm oft sehr einseitig interpretiert wurden. Sein System war ein typisches Produkt des Schreibtisches. Er war auch nicht der einzige. In der Zeit kontrollierten die Ärzte niemals ihre Tätigkeiten. Sie wussten daher auch kaum etwas.
Zunächst verabreichte Hahnemann keine absurd niedrigen Dosierungen. Das änderte sich rasch. 1799, drei Jahre nach seinem ersten Artikel, sehen wir schon tausend- bis millionenfache Verdünnungen. Derartige Verdünnungen wurden auch bei den Versuchen seiner Heilmittel an gesunden Freiwilligen verwendet – das heißt, was für gesund gehalten wurde. Man kann sich vorstellen, dass er ihnen keine hohe Dosierungen geben wollte, aber das kann nicht der Grund gewesen sein, um nur mit einigen Tropfen Kamillentee zu behandeln, der auch noch millionenfach verdünnt war.
Vielleicht entdeckte er, dass die Freiwilligen weiterhin allerhand „Symptome“ aufwiesen, auch wenn er stark verdünnte Mittel verabreichte. Die Erklärung besteht natürlich darin, dass es keine Blindstudie war. Die Paragrafen 128 – 142 im Organon lesen sich wie eine Anleitung zur Produktion möglichst vieler falscher Ergebnisse. Dieser Fehler Hahnemanns ist zur Tradition geworden. Später stellte sich heraus, dass in einer Blindstudie nichts festgestellt wurde, mit Ausnahme von fast toxischen Dosierungen.
Wie dem auch sei, in diesem Moment hätte er zu der Einsicht kommen können: dies stimmt nicht. Dazu kam er nicht. Mehr noch, er gab keinerlei Erläuterung zu seinem Umstieg auf starke Verdünnungen. In der Homöopathie wird seit Hahnemann großer Wert gelegt auf das zwischenzeitliche Schütteln während der Verdünnung: hundert Stöße pro Verdünnung gegen einen harten aber elastischen Gegenstand (s. Organon § 270: Fußnote 3 spricht sogar von einem in Leder gebundenen Buch). Hahnemann hat selber keine Beweise erbracht, dass dies etwas ausmacht, und sie wurden nach ihm auch nicht geliefert. Von einem physikalischen Standpunkt her ist es unsinnig. Die sich in einer Flüssigkeit befindlichen Moleküle stoßen viele Millionen Male pro Sekunde kräftig gegen einander und nur sehr unstabile Substanzen wie Nitroglycerin können von Schockwellen beeinflusst werden.
Trotzdem Krankheiten!
Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei), nach die Homöopathie die Ursache fast aller chronischer Erkrankungen.
Ein weiterer Hinweis dafür, dass sein System nicht stimmte, war die Tatsache, dass die Behandlung chronisch Kranker keinen Erfolg hatte. Er hatte am Anfang unterstellt, dass es keine Krankheiten gäbe, nur Kranke, jeder mit seinem völlig individuellen Zusammenspiel von „Symptomen“, d.h. das was der Patient im Gespräch mit dem Arzt erwähnt. Als Hahnemann aber keinen Erfolg hatte bei chronisch Kranken, erfand er drei universelle Erkrankungen, die allen chronischen Erkrankungen zugrunde lagen. Das waren Syphilis, Gonorrhoe und „Psora“, und von diesen war Psora bei weitem die wichtigste. Er nannte diese Erkrankungen Miasmen. Zu seiner Zeit war Miasma (griechisch für Verunreinigung) der Begriff für eine unsichtbare Krankheitsursache, von der vermutet wurde, sie sei eine Ausdünstung feuchten Bodens, Sumpfes oder verrottenden Materials. Hahnemann gab dem Begriff also eine präzise und gleichzeitig unsinnige Bedeutung.
Psora ist lediglich griechisch für Skabies und bereits 1687 hatten die Italiener Diacinto Cestoni und Giovan Cosimo Bonomo entdeckt, dass Skabies durch die Krätzmilbe verursacht wurde. Sie macht kleine Kanäle in der Haut und verursacht dadurch einen entsetzlichen Juckreiz. Das war sogar die erste Entdeckung einer Ursache für eine menschliche Erkrankung! Nur hörten viele Ärzte nicht auf die Behauptungen von Biologen. Sie schauten damals noch nicht selber durch ein Mikroskop. 1845, dreiviertel Jahrhundert nach den Versuchen von Spallanzani, dachte der Wiener homöopathische Arzt Franz Puffer noch, dass die Krätzmilbe spontan in der juckenden Haut entsteht und dass Generatio spontanea auch andere Parasiten wie Würmer der Eingeweide und Kopfläuse hervorbringt.
Hahnemann fragte seine Patienten, ob sie jemals in ihrem Leben an Jucken, Ekzem, Ausschlag, Warzen oder egal an welchen Hauterkrankungen gelitten hatten. Im Falle einer Bejahung war das ein Beweis, dass Psora eine Rolle spielte. Laut Hahnemann war Psora eigentlich die frühere Leprakrankheit, die durch bessere Hygiene verändert war. Das Bezwingen des Psora-Juckens wirkte nach seiner Meinung entgegengesetzt, da die Krankheit nach innen gezwungen wurde.
Hahnemann veröffentlichte 1828 ein ganzes Buch über chronische Krankheiten, mit vielen „Symptomen“ hochverdünnter Mittel zur möglichen Heilung von Psora.
Hahnemann und seine Anhänger schienen Erfolg zu haben. Mehrere Erklärungen liegen auf der Hand. Erstens geht es vielen Leuten von selbst besser, unabhängig davon, wie man sie behandelt und solange man ihren Zustand nicht aktiv verschlimmert. Selektive Wahrnehmung und selektives Gedächtnis sind wichtige Faktoren, die Menschen dazu verleiten, jede Besserung ihrer Symptome der Behandlung zuzuschreiben, sogar wenn der Behandler ein Quacksalber ist. Zudem war das eigentliche „Nicht-Behandeln“, wie es die Homöopathen machten, wahrscheinlich besser als das, was die Allgemeinärzte anstellten: Aderlassen, Mittel zum Erbrechen und Abführen verabreichen, Geschwüre hervorrufen und allerhand Kräutermischungen verschreiben.
Während und nach Hahnemanns Leben wurden mehrere Varianten der Homöopathie entwickelt. Wie für die Methode Hahnemanns gab es dafür nie einen experimentellen Beweis. Das heißt, dass nie Gruppen mit und ohne Behandlung ordentlich untersucht wurden. Die wichtigsten Neuerungen waren die Isopathie, die Konstitutionslehre und Komplex-Homöopathie und die sog. Biochemie. De Jongh beschreibt wohl vierzig Nachfolger, jeder mit eigensinnigen Ideen. Die Grundidee der Isopathie stammt vom deutsch-amerikanischen Homöopathen Constantin Hering, der sie später jedoch wieder verwarf.
Das Konzept wurde erst ausgearbeitet von dem Tierarzt Johan Joseph Wilhelm Lux in seinem Buch vom 1833 Isopathik der Contagionen, oder: alle ansteckenden Krankheiten tragen in ihren Ansteckungsstoffe das Mittel zur ihrer Heilung. So behandelte Lux Anthrax mit hochverdünntem Blut von Tieren, die an Milzbrand litten. Er behandelte eine Reihe von nicht-„ansteckenden“ Erkrankungen isopathisch: Schweißfüße mit hochverdünntem Fußschweiß, Krampfanfälle mit hochverdünntem Speichel (Schaum auf dem Mund) eines Epileptikers und Nierensteine mit hochverdünnten Nierensteinen. Die widerlichsten Krankheitsprodukte wurden durch Verdünnung in „Heilmittel“ verwandelt: Eiter, Krebsgeschwülste, Würmer aus der Eingeweide. Man kann es sich kaum abartiger vorstellen. Eine Variante der Isopathie ist die Anwendung verdünnter Organe für die Behandlung von Krankheiten, die mit diesen Organen korrespondieren, also Hepatinum bei Lebererkrankungen usw. Lux hatte viele Nachfolger, die mit dieser Lehre den homöopathischen Grundsatz aufgaben, dass es keine Krankheiten gibt. Bei der Behandlung von Masern benutzten sie z.B. „Morbillin“. Das waren Zuckerkörner, die von einem Patienten mit Masern berührt wurden.
Das Konzept von Lux lässt sich natürlich generalisieren zum „hochverdünntem Impfstoff“ für die vermeintlich durch Impfstoff hervorgerufene Krankheit, und in der Form ist es immer noch springlebendig. Der kollektive Name für hochverdünnte Krankheitsursachen oder Krankheitsprodukte als isopathische Mittel gegen die dazugehörigen spezifischen Krankheiten ist Nosode. Auch das immer noch viel verkaufte Mittel Oscillococcinum ist eine Nosode. Es soll eine extreme Verdünnung eines bestimmten Bakteriums sein, der Oscillokokken, die Verursacher aller Krankheiten sein soll. Dass es keine Oscillokokken gibt und sie wahrscheinlich nicht mehr sind als ein Beobachtungsfehler eines französischen Armee-Arztes (Joseph Roy), scheint weder Hersteller noch Anwender zu stören.
Hahnemann stand der Isopathie völlig ablehnend gegenüber, s. § 56 des Organons. Wenn man etwas verdünnt, dann ändert sich die Beschaffenheit und daher sollte man erst Arzneimittelversuche durchführen. Lux und seine Nachfolger betrachten Arzneimittelversuchte jedoch als überflüssig.
Die konstitutionelle Homöopathie ist eine Erfindung von Dr. Eduard von Grauvogl. Er stellt sie in seinem Lehrbuch der Homöopathie (1866) vor. Die Idee besteht darin, dass bestimmte allgemeine Kennzeichen einer Person zu einem homöopathischen Mittel passen. Der Behandelnde stellt also erst die Konstitution fest und verabreicht danach ein Mittel, das zu der Konstitution passt, ungeachtet der spezifischen Beschwerden. Von Grauvogl unterschied eine hydrogenoide, oxygenoide und carbonitrogene Gruppe von Patienten.
Nach von Grauvogl wurden allerhand andere Versionen homöopathischer Konstitutionen erfunden. So gibt es z.B. die Pulsatilla-Konstitution, nämlich die von weinerlichen, launenhaften blonden Frauen mit Veranlagung für Krampfadern und Problemen mit der Menstruation, die Frischluft, lauwarmen Tee und Süßigkeiten lieben sowie keine fetten Speisen mögen. Dagegen gehört die Natrum-muriaticum-Konstitution zu den hochsensiblen nachtragenden, geizigen Persönlichkeiten, die wegen eines Mangels an mütterlichen Liebe trauern. Und so weiter und so fort. (Natrum muriaticum ist ein altmodischer Name für Kochsalz, immer noch gängig bei Homöopathen; einige Reformer schreiben Natrium muriaticum).
Homöopathen sind sich jedoch nicht einig was sie unter Konstitution verstehen, und sie können auch keine Definition geben. Die Ergebnisse homöopathischer Arzneimittelversuche geben keine Hinweise darauf, welches Mittel zu welcher Konstitution passt. Wenn man hochverdünnte Pulsatilla gibt, ändert sich eine Person nicht in eine weinerliche Frau. Die Anwendung von Konstitutionen erleichtert es dem Homöopathen, Kranken mit derselben Krankheit doch ganz verschiedene Mittel zu verabreichen, um die Illusion einer individuellen Behandlung zu schaffen. Anderseits verschreibt der Homöopath oft ein gleiches Mittel bei verschiedenen Krankheiten. Alle „Schwefel“-Fälle, egal was ihnen genau fehlt, bekommen Sulphur.
Zellensalze
Mit “Biochemie” oder “Zellensalzen” werden homöopathische Mittel bezeichent, die 1873 von Wilhelm Heinrich Schüßler (1821-1898) erfunden wurden. Fünfzehn Jahre zuvor hatte Rudolph Virchow die damals revolutionäre Idee formuliert, dass die Zelle die Grundlage des Lebens ist. Schüßler entdeckte durch das Studium von Asche von Kremierten, dass diese zwölf wichtige Salze enthielt. Er vereinfachte die Idee Virchows: Krankheiten entstehen durch ein Ungleichgewicht dieser Salze in den Zellen. Die Homöopathie wurde reduziert auf die Verabreichung von Salzen, um das Gleichgewicht widerherzustellen, und zwar in homöopathischen Verdünnungen D6 oder D12. In Dachau wurden 1942 im Auftrag Himmlers Versuche durchgeführt mit Schüßlersalzen, um zu erforschen, ob damit eine Blutvergiftung geheilt werden konnte. Selbstverständlich misslangen die Versuche. Alle 80 Versuchspersonen starben einen grausamen und völlig sinnlosen Tod, denn Schüßlersalze werden immer noch verkauft.
Der Pfarrer Emanuel Felke (1856-1926), mit dem Beinamen Lehmpastor, wurde bekannt, indem er Iriskopie anwandte sowie Umschläge mit Lehm gegen alle mögliche Krankheiten. Am Ende seines Lebens kam er auf die Idee, dass Krankheiten oft kompliziert sind und man „deshalb“ Krankheiten mit Mischungen homöopathischer Mittel behandeln sollte. Magdalene Madaus wurde nach einer erfolgreichen Genesung eine begeisterte Nachfolgerin Felkes und ihr Sohn, der Arzt Gerhard Madaus (1890-1942), begann 1919 mit der Fabrikation derartiger Mittel. Während seines Lebens hatte Hahnemann betont, dass homöopathische Mittel einfach sein sollten. Das war eine Reaktion gegen Ärzte, die aus allen möglichen Kombinationen zusammengesetzte Arzneimittel verschrieben. S. § 273 des Organons. Dort wendet er sich sogar von Chinin ab: die Chinarinde ist einfach, aber Chinin ist ein kompliziert hergestellter chemischer Extrakt. Übrigens war Hahnemann selber nicht sehr konsequent, denn er gibt ein außerordentlich kompliziertes Rezept für „Causticum“, das wahrscheinlich verdünnte Kalilauge ist.
Solche Komplexmittel, oft mit wunderschönen Phantasienamen in der Drogerie verkauft, stellten in jedem Fall noch bis vor kurzem einen wichtigen Teil des Angebotes homöopathischer Mittel dar. Sie widersprechen dem ursprünglichen Grundsatz Hahnemanns, denn sie waren für deutlich umschriebene Beschwerden vorgesehen. Die heutige Europäische Gesetzgebung hat das zumindest beendet. Dieselbe Gesetzgebung fordert, dass homöopathische Mittel im Grunde unwirksam sind: sie sollten entweder 10.000 Mal verdünnt sein oder ein Hundertstel der geringsten therapeutischen Dosierung enthalten (wenn es sich um ein gängiges Mittel handelt) und in jedem Falle völlig harmlos sein. So ist das gefährliche nierenschädigende und krebserzeugende Aristolochia – das übrigens etwa 2000 Jahre als Kräutermittel in der Volksmedizin angewendet wurde, ohne dass irgendjemand die extreme Schädlichkeit bemerkte – in den Niederlanden als homöopathisches Mittel nur mindestens hundert Millionen Mal verdünnt erhältlich.
Während der Zeit Hahnemanns betrieben viele Ärzte alle möglichen grausamen Behandlungen, die unter anderem darauf abzielten, vermeintliche Schadstoffe auszutreiben. So meinte man, Eiter sei eine Abscheidung von bösen Stoffen, und die Erzeugung künstlich eiternder Wunden (mit Garn) war eine der Methoden. Zu Recht ging Hahnemann dagegen an. Aber mit der sog. Drainagetherapie war der Kreis wieder geschlossen. Sie ist eine Variante, erfunden von dem bedeutenden französischen Homöopathen Léon Vannier (1890-1963).
Die Idee ist, dass Krankheiten eigentlich von Giftstoffen, vornehm Toxine genannt, verursacht werden. Sie machen den Körper empfindlich für Bakterien oder Krebs. Die homöopathischen Mittel sorgen „deshalb“ dafür, dass die Giftstoffe entsorgt werden. Natürlich sind die Giftstoffe nie nachgewiesen, geschweige denn, dass verständlich wäre, wie die homöopathischen Mittel diese Drainage erzielen. Es ist eine Idee die immer wieder aufkommt in allen möglichen Varianten. Der Mensch ist voller Giftstoffe, Schlacken, Lasten, Störungen, Sünden oder Komplexen, kurzum von allerhand Elend – und nur der Guru kann das alles wegzaubern und alles wird danach besser.
Die Symptome, die bei homöopathischen Arzneimittelversuchen beobachtet wurden, sind verzeichnet in zwei Sorten von Handbüchern: sortiert nach Mittel und dann nach Symptom ist es eine (homöopathische) Materia Medica, wogegen ein Repertorium erst nach Symptom und dann nach Mittel gegliedert ist. Das berühmte Repertorium des amerikanischen Homöopathen J.T. Kent zählt mehr als 1400 Seiten, mit 200 bis 300 Mitteln pro Seite. Hahnemann fand letztendlich, dass Versuche immer mit C30 (eine Verdünnung von 10 hoch 60) durchgeführt werden sollten (s. § 128 des Organons). Es gibt jedoch auch „Symptome“, die aus medizinischen Fallbeschreibungen stammen. Im Falle Apis mellifica (zermahlene Honigbiene oder Bienengift) sind es z.B. ernsthafte Reaktionen auf einen Bienenstich. In einer maßgebenden Materia Medica (von Allen aus 1874) gehen fast alle 1651 Symptome der spanischen Fliege aus Fallbeschreibungen von Vergiftungen durch dieses vermeintliche Aphrodisiakum hervor. In den Handbüchern wird nahezu nirgendwo die Verdünnungsstufe erwähnt. Für den Fall, dass nach Einnahme eines bestimmten Mittels eine Besserung bei einem Patienten eintrat, wurde dies als „klinischer Beweis“ aufgefasst, und dann werden die Symptome zusammen mit dem Mittel in die Materia Medica aufgenommen. Viele dieser „Symptome“ sind subjektiv bis zum Absurden. Ein Beispiel sollte ausreichen: Symptom 546 von Anacardium in Hahnemanns Buch (2. Auflage, 1835) über chronische Krankheiten: „Von Klavier-Spielen wird es ihm schwer und voll im Körper.“
Viele dieser Symptome sind nur einmal aufgetreten. Donner erzählt die Geschichte der Hundemilch. Diese soll angeblich sehr wirksam gegen Diphtherie sein. Diese Annahme geht zurück auf eine Amerikanerin die einige Körner Lac caninum CM eingenommen hatte, danach zwei Jahre an Delirium tremens litt (natürlich nicht infolge dieser Körner) und einmal während dieser Zeit leichte Halsschmerzen hatte, die von einem Arzt als Diphtherie diagnostiziert worden waren. Das war in einer Zeit (1870), als man in Amerika lediglich mit Grundschulabschluss ein Arztdiplom innerhalb eines Jahres erhalten konnte, ohne dass je ein Patient behandelt worden wäre.
Extreme Verdünnungen erklärt
Die extremen Verdünnungen in der Homöopathie waren von Anfang an ein großes Problem. Heutzutage ist die Idee des „Wassergedächtnisses“ weit verbreitet (vergessen Sie, dass die meisten homöopathischen Mittel Zuckerkörner sind, auf die man homöopathischen Alkohol versprüht hat, um ihn anschließend auftrocknen zu lassen). Diese Idee erfuhr jedoch erst Verbreitung durch die Veröffentlichungen der Versuchen von Benveniste (1988). Es hat viele Versuche gegeben, den Effekt der Verdünnungen zu erklären. Diese litten alle an der Schwierigkeit, dass es sich bloß um Spekulationen über die Effekte kleiner Mengen handelte.
Hahnemann selber sah wenig Probleme. Für ihn war jede Aktion aus einer Entfernung etwas Spirituelles. Magnetismus, Schwerkraft einschließlich Ebbe und Flut, Ansteckung von Pocken oder Masern, sie waren alle „dynamisch“, „virtuell“ oder „geistig“. Auch das Erbrechen beim Anblick widerlicher Dinge ist ein geistiger Effekt, und sogar die Tatsache, dass man den Arm anheben kann, so man will, wurde von Hahnemann zu den spirituellen Einflüssen gerechnet. Lesen Sie dazu die Erläuterung bei „dynamisch“ im § 11 des Organons. Heilkraft war ebenso eine spirituelle Kraft, die durch Reiben oder Schütteln hervorgerufen werden kann. Die Tatsache, dass man einen eisernen Stab magnetisch machen kann durch kräftiges Reiben mit einer stumpfen Feile (Fußnote 2 bei § 269), war für ihn ein deutlicher Beweis für diese Idee.
Hahnemann verstarb 1843, gerade ein Jahr nachdem der Arzt Robert Mayer auf etwas unbeholfene Weise zum erste Mal dargestellt hatte, das Wärme schlicht eine Energieform ist (kurze Zeit nach Mayer, 1847, arbeitete Hermann von Helmholtz das Prinzip der Erhaltung der Energie viel genauer aus, nachdem James Prescott durch Versuche erforscht hat, wieviel Wärme aus mechanischer Energie gewonnen werden kann). Zur Hahnemanns Zeit wurden nicht nur Magnetismus, sondern auch Licht und Wärme als immateriell angesehen. Unklare und verwirrte Ideen über „Kräfte“ waren zu der Zeit allgemein. Der allgemeine Begriff „Energie“ für alle Arten von Energie wurde erst ab 1850 unter Physikern gängig. Ärzte späterer Zeiten konnten natürlich nicht auf ihrem Glauben an diese primitiven Ideen beharren. Hier sind einige ihrer Theorien:
1. Paul Wolf, 1838: wenn gesunde Menschen nach hohen Dosierungen bestimmte Symptome zeigen, sollte man Kranken mit den gleichen Symptomen niedrige Dosierungen verabreichen.
2. Arndt und Schulz: niedrige Dosierungen haben eine stimulierende Wirkung, hohe Dosierungen eine hemmende (kein Wort über gesund und krank). Altschul: niedrige und hohe Dosierungen haben eine entgegengesetzte Wirkung.
3. Wapler: es gibt einen Zusammenhang zwischen Mittel und Organ, das kranke Organ ist empfindlicher für so ein organspezifisches Mittel.
4. Kötschau: jedes Mittel hat einen eigenen „Wirkungstyp“, nämlich einen konzentrations- und zeitabhängigen Effekt.
5. von Bakody, Stiegele und auch bei Schulz: das kranke Organ ist viel empfindlicher, so dass eine kleine Menge darauf bereites einen Effekt hat.
6. Schimert: die Reaktion auf ein homöopathisches Mittel ist eine Art allergische Reaktion.
7. Guttmann: homöopathische Therapie ist eine Art Desensibilisierung, wie man sie auch bei Allergikern durchführt.
8. Martiny: homöopathische Mittel sind eine Art Katalysatoren.
9. Schier: homöopathische Mittel sind eine Art Hormone.
August Bier, Chirurg und Professor. Sein Plädoyer für Homöopathie (1925) verursachte ein Wiederaufleben des Interesses an Homöopathie.
10. Bier: Homöopathie ist eine Art Reiztherapie.
11. Schömmer: homöopathische Mittel wirken wie ein virusartiges Enzym.
12. Schlegel: jede Krankheit ist eine Art Vergiftung und jedes Gift ist in einer niedrigen Dosierung dessen Gegengift. Und homöopathische Verdünnungen sind eine Art Elektrizität.
13. Borliachon: Homöopathie wirkt durch Resonanz.
14. Leeser (1934): die neue Quantenphysik erklärt die Wirksamkeit hoher Verdünnungen. Konstitutionen hängen mit der Bedeutung verschiedener chemischer Elemente im Körper zusammen.
15. Bercher: bei den hohen Verdünnungen entsteht ein vierter Aggregatzustand.
16. Faré: Krankheit ist ein metastabiler Zustand, der durch sehr kleine Einflüsse gestört werden kann, wonach eine Rückkehr zur stabilen Gesundheit erfolgt.
Für einige dieser Ideen war ein nicht gut verstandenes Phänomen die Grundlage. Man sieht, wie jede neue Entdeckung innerhalb und außerhalb der Medizin angewandt wird, um daraus eine Wirkungstheorie für die Homöopathie zu bilden. Es machte auf Homöopathen einen großen Eindruck, dass von Hormonen, Viren, Vitaminen und Enzymen nur so wenig notwendig ist für einen Effekt. Schulz ist der eigentliche Entdecker der Hormese, obwohl der Name 1943 – das Jahr von de Jonghs Promotion – gebildet wurde. Hormese bedeutet unter anderem, dass die Reaktion auf schädliche Reize einen beschützenden Effekt hat, der die ursprüngliche Schädigung weitgehend kompensiert. Schutz gegen Langzeiteffekte von schwachen schädlichen Reizen ist jedoch etwas anderes als Heilung einer Krankheit.
Wie dem auch sei, keine dieser Ideen konnte eine Erklärung dafür liefern, weshalb extreme Verdünnungen wie C30 etwas ausrichten sollten, oder warum unendlich kleine Mengen Holzkohle, Kochsalz, Kalk und Sand solche kräftige Effekte haben sollten. Es muss erwähnt werden, dass es früher viele Homöopathen gab, die nicht viel von hohen Verdünnungen hielten. Man sieht heutzutage immer noch die Vorschläge von Wolf, Arndt und Schulz als Verteidigung der Homöopathie. Nach Auffassung vieler Homöopathen folgen sie ungefähr Wolf: kleine Dosierungen für Kranke, obwohl sie nicht wissen, welche Symptome in der Materia Medica mit hohen Dosierungen zusammenhängen. Nicht nur steht die Idee Wolfs im Widerspruch zur Grundlage Hahnemanns, sie geht auch an der Tatsache vorbei, dass die unterstellte heilende Dosierung genau so absurd klein ist wie die in den Arzneimittelversuchen. Alles in allem scheint es, dass die meisten Homöopathen nicht an Mengen interessiert sind. Es gibt kaum eine Theorie, in welchem Fall man welche Verdünnung verabreichen sollte. De Jongh liefert einen eindrucksvollen Bericht der chaotischen Praxis der derzeitigen homöopathischen Ärzte.
Jacques Benveniste erfand die Theorie des Wassergedächtnisses.
Nach den Forschungen de Jonghs hat man weitere phantastische Erklärungen erfunden. Das Gedächtnis des Wassers (basierend auf der Entdeckung, dass sich im Wasser während eines Zeitraumes eines winzigen Bruchteils einer Nanosekunde lokale Strukturen befinden; Benveniste zitierte 1988 ein Artikel aus 1981 darüber) ist nur eine davon, aber es gibt mehrere, eine noch phantastischer als die andere. Eine moderne Entwicklung ist auch freie Erfinden von Experimenten zur Untersuchung der Wirkung – egal welcher – extremer Verdünnungen. Das bizarrste Beispiel in dieser Hinsicht ist die Detektion von Kristallfehlern in Schwerwassereis bei der Temperatur flüssigen Stickstoffs. Heute wird oft behauptet, dass die Homöopathie die selbstheilende Kraft stimuliert oder das Immunsystem unterstützt oder dass homöopathische Mittel „Information“ enthalten. Auch hier wird mit neuen Entdeckungen geworben – ohne irgendwelche experimentelle Rechtfertigung –.
Ebenfalls neu ist die sog. klinische Homöopathie. Sie wird ausgeübt von homöopathischen Ärzten, die bei der Diagnose auch die herkömmliche Diagnose einbeziehen. Sie müssen das, denn ein Arzt der deutliche Hinweisen für eine Diagnose übersieht, riskiert ein Disziplinarverfahren. Saubere medizinische Vergleichsuntersuchungen zur Wirksamkeit der Homöopathie als Arzneimittel stammen erst aus einer Zeit lange nach der Untersuchung de Jonghs. Er weist auf diese Möglichkeit auf Seite 429 hin. Inzwischen haben solche Untersuchungen in großem Ausmaß stattgefunden mit allerhand Formen von Homöopathie und viele Untersucher haben versucht die Ergebnisse zusammenzufassen. Die Antwort lautet wie zu erwarten war: Homöopathie wirkt nicht. Homöopathen behaupten oft, dass diese Untersuchungen gerade das Gegenteil zeigen. Ihre eigene Überzeugung gründet jedoch meistens auf die Erfahrungen aus der eigenen Praxis.
Die homöopathische Praxis
Die Praxis der Homöopathie hat nur wenig mit der Theorie zu tun. Das geht auch nicht anders. Erstens gibt es nicht nur eine Theorie, sondern viele einander widersprechende. Das größte Problem ist jedoch, dass sich die „Symptome“ eines Patienten nicht mit einem Mittel verknüpfen lassen. Wenn der Homöopath den Patienten eine Stunde oder länger Löcher in den Bauch fragt, ergibt das natürlich eine Flut an hauptsächlich irrelevanten Einzelheiten. Für jedes Mittel gibt es oft mehr als tausend „Symptome“. Es kommt also darauf an, irgendwie eine Auswahl zu treffen, sowohl aus den Symptomen als auch aus den Mitteln.
Hahnemann selber kannte bereits dieses Problem. Er meinte, dass die auffallendsten Symptome (ein rein subjektives Kriterium) die wichtigsten wären. De Jongh hat einige Zeit im Homöopathischen Krankenhaus Oudenrijn gearbeitet (1914 errichtet, 1942 wurden Gebäude und Gelände vom Besatzungsmacht gefordert) und in der Praxis festgestellt, dass sich eine Auswahl nicht auf rationale Weise treffen lässt. Aus seiner umfangreichen Literaturstudie geht hervor, dass dies ein allgemeines Phänomen ist, laut zahlreicher Fallbeschreibungen homöopathischer Wundergenesungen.
Zusammenfassung: alles Unsinn
Das Similia-Prinzip ist Unsinn, die hohen Verdünnungen sind Unsinn, die Arzneimittelversuche mit hohen Verdünnungen ergeben nur Nocebo-Erscheinungen und die Daten über die niedrigen Verdünnungen und Vergiftungserscheinungen sind unbrauchbar. Die homöopathische Materia Medica ist unbrauchbar. Und sogar wenn das Similia-Prinzip stimmen würde (quod non), die hohen Verdünnungen einen Effekt hätten (quod non) und die Materia Medica zuverlässig sein sollte (quod non), dann wäre es dennoch wegen der großen Anzahl von “Symptomen“ bei Patienten und in den homöopathischen Handbüchern unmöglich, Patienten anständig zu behandeln. Die homöopathische Praxis stimmt nicht mit der homöopathischen Theorie überein, so dass eigentlich jeder Homöopath macht, was er will, und gar nicht immer dasselbe.
Die Schlussfolgerung de Jonghs lautet, dass die homöopathischen Ärzte primitiv denken. In ihren Schriften findet man eine Auswahl an Trugschlüssen. Sie habe auch eine starke Neigung, jede Verbesserung bei ihren Patienten der Homöopathie zuzuschreiben. Sie finden die Medizin eigentlich zu schwierig und halten sich an allen möglichen Regeln fest. „Wenn man [den homöopathischen Arzt] fragt weshalb er eigentlich Homöopath geworden ist, dann gibt er dafür oft entsetzlich naive Gründe“.
Homöopathie raus!
De Jonghs eigene Schlussbetrachtung (in korrigiertem Deutsch) ist:
E. SCHLUSSBETRACHTUNGEN.
Dieses Werk, das geschrieben wurde mit der Absicht, zu einem objektiven Urteil in Bezug auf den Wert des homöopathischen Systems zu kommen, unterscheidet sich von den vorhandenen Schriften auf diesem Gebiete dadurch, daß es auf einer möglichst vollständigen Darstellung vom Ursprung des Systems und von dessen Theorie und Praxis beruht.
Die Untersuchung verlief folgendermaßen: Zuerst wurde nachgeforscht, welche Rolle der Similitätsgedanke in der Medizin in der Zeit vor HAHNEMANN gespielt hat. Gezeigt wurde, daß diese Rolle wesentlich weniger wichtig ist, als von vielen Homöopathen unterstellt wird. Bei dieser historischen Untersuchung stellte sich außerdem heraus, daß HAHNEMANN, als er sein spekulatives System entwarf, nicht in Widerspruch geriet mit den damaligen wissenschaftlichen Ansichten; er war ein Kind seiner Zeit.
Zweitens wurde die Entwicklung HAHNEMANNs, die ihn von einem Anhänger der konventionellen Heilkunde zum Entwerfer eines eigenen Systems machte, nachgezeichnet. Deutlich stellte sich dabei heraus, daß das kritische Denkvermögen, das diesen Arzt am Anfang seiner Laufbahn auszeichnete, später verloren ging. Sein System, das außerdem im Laufe der Zeit ungenügend motivierte und einschneidende Änderungen erlitt, ist nichts als eine Spekulation über ein altes Thema. Die klassische Homöopathie ist eine vollkommen unhaltbare Konstruktion.
Als nächster Schritt wurde ausführlich beschrieben, wie die Lehre des Meisters von den vielen Homöopathen in den verschiedenen Ländern geändert wurde. Sowohl die Veränderung der Lehre, als auch die Divergenz der Auffassungen der verschiedenen Anhänger versuchten wir klar zu beleuchten.
Der deskriptive Teil dieser Studie schließt mit einem Abschnitt, in dem jene divergierende Auffassungen und Handlungen, die die heutige Homöopathie bilden, ausführlich beschrieben wurden. Es zeigte sich, daß die Lehre auch jetzt kein einheitliches Ganzes ist, sondern daß sie aus einer Sammlung von Auffassungen und Handlungen besteht, die oft lediglich den Namen der Homöopathie als gemeinsames Kennzeichen aufzuweisen haben. Schon in diesem Stadium der Untersuchung drängte sich die Schlußfolgerung auf, daß es für die Kritik der Homöopathie nicht genügt, wenn man die Unhaltbarkeit bestimmter Auffassungen oder die Unrichtigkeit bestimmter Handlungen nachweist. Soll eine Kritik der Homöopathie wertvoll sein, so muß sie notwendigerweise von einer Betrachtung des vollständigen Materials ausgehen.
Wir glauben in dem vorliegenden Werk dieser Forderung genügt und keine einzige wichtige Facette der Homöopathie außer Betracht gelassen zu haben. Diese Verfahrensweise führt uns zu der Erkenntnis, daß die Theorie der Homöopathie aus einer Unmenge unbewiesener, unwahrscheinlicher oder unrichtiger Meinungen besteht und folglich insgesamt ohne Zweifel als verwerflich qualifiziert zu werden verdient; daß weiter kein enger Zusammenhang besteht zwischen der Theorie und der Praxis des Systems, und schließlich, daß man keinen einzigen Grund hat, den Homöopathen in ihrer Krankenbehandlung zu folgen. Dieses Ergebnis wagen wir deshalb wesentlich zu nennen, weil wir das vollständige Material in Betracht gezogen haben.
Wir kamen zu der Erkenntnis, daß dieses System ein Mittel ist zur Scheinbehandlung eines großen Teils der medizinischen Klientel, die verlassen werden muß und meistens auch verlassen wird, sobald es sich um eine ernsthafte Krankheit handelt, wofür eine echte Therapie besteht. Das System kann überzeugte Anhänger bloß unter jenen Ärzten finden, die sich durch einen Mangel an wissenschaftlicher Einsicht auszeichnen. Die Homöopathie ist nämlich keine wissenschaftliche Methode, sondern eine Sammlung von Glaubensartikeln. Der Mangel an wissenschaftlichem Denken, und die Neigung zu einer Art religiöser Einstellung der Lehre gegenüber wurde auf Grund der Tatsachen festgestellt.
Wir untersuchten auch noch, inwiefern der Kerngedanke der Homöopathie, nämlich die Behandlung des Gleichen durch das Gleiche in der heutigen Medizin eine Rolle spielt. Wir setzten auseinander, daß die heutige wissenschaftliche Medizin der Similiatherapie nur einen sehr bescheidenen Platz einräumen kann; daß man mit andern Worten gar kein Bedürfnis empfindet, aus der Therapie als Ganzes ein Similiaprinzip zu isolieren, auch wenn dies äußerst bescheiden formuliert wird.
Es kann also von einer Einigung zwischen Homöopathie und Allopathie nicht die Rede sein; sie sind keine mehr oder weniger gleichwertigen Komponenten der allgemein angewandte wissenschaftlichen Therapie. Die offizielle medikamentöse Heilkunde anerkennt die üblichen Normen des wissenschaftlichen Denkens und erzielt Erfolge, auf die sie mit Recht stolz sein kann. Man denke bloß an den gewaltigen Aufschwung, den nicht nur die Chirurgie und die Epidemiologie, sondern auch die Endokrinologie und die Chemotherapie usw. genommen haben, um nur einige Beispiele zu nennen von der Erweiterung der medizinischen Kenntnis und des medizinischen Könnens, deren Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Wenn man sich nur einen Augenblick die Situation vor Augen führt, in der sich der Homöopath befinden würde, wenn er bloß seine eigenen Mittel zur Verfügung hätte, jetzt, beim heutigen Stand der Wissenschaft, so wird sofort klar, daß der Wettstreit, der sich nach der Meinung des Homöopathen zwischen Homöopathie und Allopathie abspielt, bloß in seiner Einbildung und nicht in der Wirklichkeit besteht. Und er wird dort, in der Einbildung, weiter existieren, solange es Homöopathen, d. h. Träger des autistisch-undisziplinierten Denkens der Homöopathie, geben wird. Er wird auch diese irreale Existenz verlieren, sobald der letzte Homöopath die Unhaltbarkeit seiner Traumwelt erkannt hat. Die wissenschaftliche Medizin wird dadurch keine einzige Änderung erfahren. Sie wird ruhig an der Erfüllung ihrer großen Aufgabe weiterarbeiten und sie wird sich davor hüten, ihre Energie zu verschwenden an Dinge, die ihren Fortschritt nicht fördern können. Es erschien uns notwendig, daß endlich und endgültig völlige Klarheit in Bezug auf die Homöopathie geschaffen wird. Wir dachten, daß wir uns dieser bescheidenen Aufgabe annehmen dürften.
Da wir jetzt an das Ende unserer Studien über die Homöopathie angelangt sind, erachten wir es für nützlich, unsere Schlußfolgerungen in einigen Punkten zusammenzufassen. Diese werden, wenn man sie aus ihrem Zusammenhang reißt, wohl etwas scharf klingen, ihre Rechtfertigung ist aber im Vorhergehenden reichlich gegeben.
I. Die Theorie der Homöopathie besteht aus einem heterogenen Komplex von unhaltbaren, unrichtigen und unwahrscheinlichen Behauptungen.
II. Zwischen der Theorie und der Praxis der Homöopathie liegen Welten.
III. Die Praxis der Homöopathie ist ein Konglomerat widersprüchlichster Handlungen, die nicht unter eine reale gemeinsame Betrachtungsweise gebracht werden können, so dass die praktische Zweckmäßigkeit als sehr unwahrscheinlich betrachtet werden muß.
IV. Die Homöopathie als Ganzes gesehen ist ein mißlungener Versuch, die Therapie nach einem festen Schema verlaufen zu lassen, das auf der alten Similia-Idee gründet. Dafür gibt es in der heutigen Medizin keinen Platz mehr.
V. Ein wissenschaftlich denkender Arzt kann kein überzeugter Anhänger der Homöopathie sein.
VI. Objektiv betrachtet wäre es besser, wenn die Homöopathie von der medizinischen Bildfläche verschwinden würde.
Ich danke allen die mir geholfen haben, besonders bei der Übersetzung und der Korrektur der Übersetzungen ins English und Deutsch.
16/04/2016 14/04/2017 Jan Willem Nienhuys	2 Reacties
In 1943 David Karel de Jongh M.D. defended a Ph.D. dissertation on homeopathy, which he ended by concluding that homeopathy should be abolished. He based his judgment on his meticulous examination of many hundreds of articles and books and his experiences while working for quite some time in a homeopathic hospital in Utrecht.
Kritische beschouwing van de homeopathie
16/04/2016 21/07/2016 Jan Willem Nienhuys	6 Reacties
In 1943 voltooide de arts David Karel de Jongh een proefschrift over de homeopathie. Hij besloot met de conclusie dat de homeopathie maar beter weg kon. De basis voor dit oordeel was tweeërlei. Hij had vele honderden artikelen en boeken nauwkeurig doorgelezen, en hij had een tijd meegedraaid in een homeopathisch ziekenhuis. Het proefschrift is nu geheel gedigitaliseerd. De conclusies van De Jongh zijn nog even correct. Dit werd al opgemerkt door C.P. van der Smagt in zijn boekje Homeopathie, het wonder van het gelijkende (elders op deze website). Niet velen weten wat een rommeltje de homeopathie is. Het grote publiek meent dat het iets is met onschuldige kruiden. Degenen die er meer van weten, menen dat het over extreme verdunningen gaat.
Similiabeginsel
De homeopathie draait echter om het zogeheten similiabeginsel. Toen de bedenker Hahnemann er in 1796 mee begon, luidde dit ongeveer: als je een zieke wilt genezen, moet je eerst de symptomen van de zieke vaststellen, en dan iets zoeken dat net zulke symptomen bij gezonden geeft. Hoe Hahnemann op dit idee kwam, is onduidelijk. Hij citeerde een boek uit 1738 waar dit al met zoveel woorden in staat. De auteur, een zekere Johann Christian Hummel, schreef daarin over een Deense regimentsarts genaamd Stahl. Deze Stahl zou in eigen land tamelijk beroemd zijn en om zijn succes te verklaren, beweerde hij dat je ziekten beter volgens ‘similia similibus’ kon behandelen.
Hippocrates was geen homeopaat!
28/12/2015 19/01/2017 Jan Willem Nienhuys
Homeopaten beweren dat hun leer teruggaat op de aartsvader van de geneeskunst, namelijk op Hippocrates. Iets in deze trant staat al in vroeg werk van Hahnemann. Maar er klopt niets van.
Laten we maar beginnen met Hahnemann, de bedenker van de homeopathie. In 1805 publiceerde hij het geschrift ‘Heilkunde der Erfahrung’. Daar schrijft hij op pagina 33:
Soms vermoedden echter de artsen dat het dat vermogen was … waardoor ze echte genezing tot stand brachten’
en in een voetnoot schrijft hij:
Zo zegt Hippocrates, of althans de auteur van het boek ‘Peri topoon toon kata anthropoon’ de merkwaardige woorden:
(volgt een Grieks citaat zonder vertaling of toelichting; Hahnemann durft zijn lezers niet te beledigen door te veronderstellen dat ze wellicht geen Grieks kennen). Hetzelfde citaat vinden we ook tegen het eind van de inleiding van Hahnemanns Organon. In de Nederlandse versie staat er een Nederlandse vertaling tussen haakjes achter. Het citaat klopt niet helemaal, want Hahnemann verving doodleuk een stuk van ongeveer 90 woorden door een gedachtestreepje.
03/06/2015 27/03/2016 Jan Willem Nienhuys	13 Reacties
Dyslexie bestaat maar wetenschappelijk onderzoek heeft duidelijk gemaakt dat dyslexie vele oorzaken kan hebben. Er zijn ook geen tests of wat dan ook om dyslectische kinderen te onderscheiden van kinderen die ‘gewoon’ zwak in lezen zijn. Aan de diagnose dyslexie heb je ook niets. Zwakke lezers moeten extra oefening krijgen. Hoe ernstiger het probleem hoe intensiever en langer er geoefend moet worden. Het enige criterium voor dyslexie is ‘hardnekkigheid ondanks adequate hulp.’ Punt.

References: § 270
 § 56
 § 273
 § 128
 § 11
 § 269