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Timestamp: 2017-02-23 13:54:03+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 25 Sa 1080/10
Kündigung: Außerordentlich, Kündigung: Fristlos
Arbeitsgericht Neuruppin, Urteil vom 2.03.2010, 4 Ca 1424/09
Verkündet am 16.09.2010 Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 25 Sa 1080/10
4 Ca 1424/09Ar­beits­ge­richt Neu­rup­pin K.,RHS als Ur­kunds­be­am­ter/in der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes Ur­teil
In dem Rechts­streit pp hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Kam­mer 25, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16. Sep­tem­ber 2010 durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt J. als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter K. und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Sch.
Am 26. Sep­tem­ber 2009 ver­kauf­te die Kläge­rin an ei­nen Kun­den ei­nen Com­pu­ter­tisch zu ei­nem Preis in Höhe von 58,- €. Sie ging dar­auf­hin mit dem Kun­den zur Kas­se und bat ih­re Kol­le­gin M. den Kauf­preis ab­zu­kas­sie­ren. Während die Ehe­frau des Kun­den den Kauf­preis in vol­ler Höhe be­glich, ver­lud die Kläge­rin zu­sam­men mit dem Kun­den den Com­pu­ter­tisch in das Au­to des Kun­den. Nach­dem die Kun­den das Geschäfts­lo­kal ver­las­sen hat­ten und die Kläge­rin in das La­den­lo­kal zurück­ge­kehrt war, kam es zwi­schen der Kläge­rin und ih­rer Kol­le­gin M. zu ei­nem kur­zen Gespräch, des­sen In­halt zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist. Ein - an­sons­ten übli­cher – Kauf­ver­trag über den Ver­kauf die­ses Com­pu­ter­ti­sches wur­de nicht ge­schrie­ben und dem Kun­den nur ei­ne hand­schrift­li­che Quit­tung (Bl. 125 d. A.) über ei­nen Be­trag in Höhe von 58,- € aus­gehändigt. Am 28. Sep­tem­ber 2009 wur­de der Ver­kauf die­ses Com­pu­ter­ti­sches als Bar­ver­kauf in der Kas­se er­fasst und an­stel­le des ver­ein­nahm­ten Be­tra­ges in Höhe von 58,- € wur­de le­dig­lich ein Be­trag in Höhe von 8,- € ein­ge­bucht (Bl. 126 d. A.). Der Rest­be­trag in Höhe von 50,- € wur­de in ei­nem Brief­um­schlag mit der Auf­schrift „Weih­nachts­fei­er“ zunächst in der Kas­se auf­be­wahrt. Bei ei­ner Kon­trol­le fiel der Be­klag­ten auf, dass für den Ver­kauf des Com­pu­ter­ti­sches ein fal­scher Be­trag ein­ge­bucht wor­den war. Die Be­klag­te führ­te mit der Kläge­rin und ih­rer Kol­le­gin M. dies­bezüglich ein Gespräch, in des­sen Fol­ge die Kläge­rin fol­gen­de schrift­li­che Erklärung ab­gab:
Ei­ne wei­te­re Erklärung der Zeu­gin M. hat fol­gen­den Wort­laut: „Frau B. kam mit PS vom Schreib­tisch zum ab­kas­sie­ren der Kun­din. Hat mit Mann Schreib­tisch raus­ge­fah­ren und Kun­din stand am Tre­sen und be­zahl­te. Ha­be ihr Hand­quit­tung aus­ge­stellt und Kun­din ging. Als Kun­den weg wa­ren Frau B. ge­fragt zwecks Pro­vi­si­on. Ha­be dann Com­pu­ter­tisch am nächs­ten Tag für 8,- € ge­bucht und 50,- € in Um­schlag für Weih­nachts­fei­er in Schub­kas­ten (Kas­se) ge­legt.“
Das Ar­beits­ge­richt Neu­rup­pin hat mit sei­nem Ur­teil vom 02. März 2010 die Kla­ge ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung, auf die zur nähe­ren Sach­dar­stel­lung ergänzend Be­zug ge­nom­men wird, hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die außer­or­dent­li­che Kündi­gung sei wirk­sam und ha­be das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mit ih­rem Zu­gang be­en­det, weil ein wich­ti­ger Grund im Sin­ne des § 626 BGB ge­ge­ben sei. Der Vor­wurf ei­nes Ei­gen­tums­de­lik­tes zum Nach­teil der Be­klag­ten sei zur Über­zeu­gung der Kam­mer er­wie­sen. Aus den schrift­li­chen Erklärun­gen so­wohl der Kol­le­gin M. als auch aus der der Kläge­rin er­ge­be sich, dass bei­der­seits die Ab­sicht be­stan­den ha­be, ei­nen Be­trag in Höhe von 50,- € nicht an die Be­klag­te ab­zuführen. Dies sei mit dem Wis­sen und der Dul­dung der Kläge­rin ge­sche­hen und ha­be das er­for­der­li­che Ver­trau­en in die Kläge­rin un­heil­bar zerstört, weil un­mit­tel­bar Ar­beits­pflich­ten be­trof­fen sei­en und ei­ne schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zung vor­lie­ge. Des­halb sei auch ei­ne Ab­mah­nung ent­behr­lich ge­we­sen. Ge­gen das der Kläge­rin am 20. April 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin am 12. Mai 2010 Be­ru­fung zum Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt und die­se mit dem am 07. Ju­ni 2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 16. März 2010 - 52 Ca 17962/09 ab­zuändern und 1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung vom 01. Ok­to­ber 2009, noch durch die hilfs­wei­se or­dent­li­che Kündi­gung vom 01. Ok­to­ber 2009 be­en­det wor­den ist,
Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist nach § 8 Abs. 2, § 64 Abs. 1 und 2 Buch­sta­be c ArbGG statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht i. S. v. § 64 Abs. 6, § 66 Abs. 1 Satz 1, 2 und 5 ArbGG, § 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO ein­ge­legt und be­gründet wor­den. In der Sa­che hat die Be­ru­fung der Kläge­rin je­doch kei­nen Er­folg. So­wohl im Er­geb­nis als auch in der zu­tref­fen­den Be­gründung zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt Neu­rup­pin die Kla­ge ab­ge­wie­sen. I.
Vom Ar­beit­neh­mer zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers be­gan­ge­ne Vermögens­de­lik­te sind re­gelmäßig ge­eig­net, ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund zu recht­fer­ti­gen. Ein Ar­beit­neh­mer, der im Zu­sam­men­hang mit sei­ner Ar­beits­leis­tung straf­recht­lich re­le­van­te Hand­lun­gen ge­gen das Vermögen sei­nes Ar­beit­ge­bers be­geht, ver­letzt da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Rück­sicht­nah­me­pflicht schwer­wie­gend und miss­braucht das in ihn ge­setz­te Ver­trau­en in er­heb­li­cher Wei­se (ständi­ge Recht­spre­chung, vgl. BAG, Ur­teil vom 23. Ju­ni 2009 – 2 AZR 103/08 – NZA 2009, 1098; BAG, Ur­teil vom 13. De­zem­ber 2007 – 2 AZR 537/06 – AP Nr. 210 zu § 626 BGB = NZA 2008, 1008; BAG, Ur­teil vom 11. De­zem­ber 2003 – 2 AZR 36/03 – AP Nr. 179 zu § 626 BGB; BAG, Ur­teil vom 17. Mai 1984 – 2 AZR 6/83 – AP Nr. 14 zu § 626 BGB). Ein der­ar­ti­ges Vermögens­de­likt liegt vor. Die Kläge­rin hat im Zu­sam­men­wir­ken mit der Kol­le­gin M. von dem ver­ein­nahm­ten und vom Kun­den kas­sier­ten Kauf­preis in Höhe von 58,- € den Dif­fe­renz­be­trag in Höhe von 50,- € zurück­ge­hal­ten und der Be­klag­ten vor­ent­hal­ten. Dies steht gemäß § 286 ZPO nach dem ge­sam­ten In­halt der Ver­hand­lung, dem Er­geb­nis der durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me und ins­be­son­de­re den schrift­li­chen Ein­las­sun­gen der Kläge­rin zum Ab­lauf der Ge­scheh­nis­se am 26. Sep­tem­ber 2009 zur Über­zeu­gung der Kam­mer fest. Sämt­li­che Ein­wen­dun­gen, die die Kläge­rin zu ih­rer Ent­las­tung im vor­lie­gen­den Pro­zess vor­ge­bracht hat, sind ent­we­der un­glaub­haft, wi­der­legt wor­den oder le­bens­fremd.
aa) Zunächst hat die Kläge­rin selbst in ih­rer schrift­li­chen Erklärung, da­tiert auf den 26. Sep­tem­ber 2009 (Bl. 48 d. A.) den hier vor­ge­wor­fe­nen Sach­ver­halt ein­geräumt. Der Vor­trag
der Par­tei­en hin­sicht­lich des Ab­laufs bis nach dem ei­gent­li­chen Kas­sier­vor­gang stimmt auch noch übe­rein. Hin­sicht­lich des Ge­sche­hens nach dem Ver­la­den hat die Kläge­rin in die­ser Erklärung, de­ren Ur­he­ber­schaft sie selbst nicht in Zwei­fel zieht – an­ge­ge­ben, mit dem Ein­bu­chen von nur 8,- € aus­drück­lich ein­ver­stan­den ge­we­sen zu sein. Sie führt dies­bezüglich aus: „(…) Frau M. erzähl­te mir ne­ben­bei, das sei ein ab­ge­wer­te­ter Schreib­tisch, und ob wir den für 8,-€ kas­sie­ren soll und das an­de­re Geld für die Weih­nachts­fei­er neh­men wol­len. Ich stimm­te zu. Außer Frau M. wuss­te nie­mand was.“
In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass un­be­strit­ten übli­cher­wei­se Kauf­verträge aus­ge­fer­tigt wer­den und dies im vor­lie­gen­den Fall un­ter­blie­ben ist. Da auch der Ver­kauf von Kleinmöbeln wie dem Com­pu­ter­tisch ein pro­vi­si­ons­pflich­ti­ges Geschäft ist, be­durf­te es auch in­so­weit der Ab­spra­che zwi­schen der Kläge­rin und der Zeu­gin M.. bb) Auch die Zeu­gin M. hat im Er­geb­nis des we­gen die­ses Bu­chungs­vor­fal­les durch­geführ­ten Gespräches zwei schrift­li­che Erklärun­gen ab­ge­ge­ben, die den Kündi­gungs­vor­wurf bestäti­gen. In der zunächst von der Be­klag­ten zur Ak­te ge­reich­ten Erklärung (Bl. 47 d. A.) hat Frau M. aus­drück­lich bestätigt, die Kläge­rin we­gen der Bu­chung ei­nes ge­rin­ge­ren Be­tra­ges ge­fragt zu ha­ben. In der wei­te­ren Erklärung (Bl. 118 d. A.) hat sie an­ge­ge­ben, die Kläge­rin we­gen der Pro­vi­si­on zu der Vor­ge­hens­wei­se ge­fragt zu ha­ben. Auch wenn dort nicht aus­drück­lich von der Zu­stim­mung der Kläge­rin die Re­de ist, lie­fern die­se Erklärun­gen ein In­diz für das Vor­lie­gen ei­ner Zu­stim­mung der Kläge­rin bzw. ei­nes ge­mein­sa­men Tat­plans. Denn oh­ne die Kläge­rin „mit ins Boot zu ho­len“, wäre die Tat über­haupt nicht möglich ge­we­sen. Spätes­tens bei der Pro­vi­si­ons­ab­rech­nung wäre die Ver­ein­nah­mung der 50,- € bzw. un­ter­blie­be­ne Bu­chung an­sons­ten auf­ge­fal­len, weil die der Kläge­rin zu­ste­hen­de Pro­vi­si­on deut­lich ge­rin­ger aus­ge­fal­len wäre. Auch „ins Bild“ passt der Um­stand, dass kein Kauf­ver­trag aus­ge­fer­tigt wur­de und dem Kun­den le­dig­lich ei­ne hand­schrift­li­che Quit­tung aus­ge­stellt wur­de.
- 13 - Da­bei konn­te die Be­ru­fungs­kam­mer auch die schrift­li­che Erklärung der Zeu­gin M. ge­genüber der Be­klag­ten (Bl. 47, 118 d. A.) würdi­gen, ob­wohl sich die Zeu­gin M. im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung über die Be­ru­fung auf ein be­ste­hen­des Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rungs­recht be­ru­fen hat. Denn das Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht ei­nes Zeu­gen im Zi­vil­pro­zess schließt – an­ders als § 252 St­PO im Straf­pro­zess – die Ver­wer­tung von Nie­der­schrif­ten über frühe­rer Äußerun­gen nicht aus (OLG Köln, Ur­teil vom 15. Ju­ni 1992 – 5 U 191/91 – VersR 1993, 335). Denn die ZPO sieht ein all­ge­mei­nes Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot ge­ra­de nicht vor (OLG Hamm, Ur­teil vom 15- Ju­ni 1988 – 11 W 71/88 – NJW-RR 1989, 573). Die nachträgli­che Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung schließt des­halb ei­ne Ver­wer­tung be­reits getätig­ter Aus­sa­gen nicht aus (Gre­ger in Zöller, ZPO, 28. Auf­la­ge 2010, § 383 Rn. 6). cc)
Auch der als präsen­ter Zeu­ge ver­nom­me­ne Fi­li­al­lei­ter W. hat bestätigt, dass die Kläge­rin in ei­nem Gespräch am 01.Ok­to­ber 2009 den ihr ge­mach­ten Tat­vor­wurf ein­geräumt und die Tat bzw. ih­ren Tat­bei­trag aus­drück­lich zu­ge­ge­ben hat. Er hat aus­ge­sagt, dass ein Com­pu­ter­tisch oh­ne den ei­gent­lich da­zu­gehören­den schrift­li­chen Kauf­ver­trag ver­kauft wor­den ist und auch ein fal­scher Kauf­preis (Be­trag) ver­bucht wor­den ist. Ihm ge­genüber hat dann die Kläge­rin an­ge­ge­ben, dass Frau M. ihr den Vor­schlag un­ter­brei­tet hat, den Kauf­preis an­ders zu bu­chen und 50,- € ein­zu­be­hal­ten. Sie hat in dem mit dem Zeu­gen geführ­ten Gespräch nach des­sen Aus­sa­ge auch zum Aus­druck ge­bracht, dass die Kläge­rin die­sem Vor­schlag zu­ge­stimmt ha­be. Die Kam­mer hat­te kei­ner­lei Grund, die Glaubwürdig­keit des Zeu­gen oder die Glaub­haf­tig­keit sei­ner Aus­sa­ge in Zwei­fel zu zie­hen. Die­se deckt sich viel­mehr mit den schrift­li­chen An­ga­ben der Zeu­gin M. und der Kläge­rin. Die­se sind erst im An­schluss an das mit dem Zeu­gen W. geführ­te Gespräch schrift­lich fi­xiert wor­den und las­sen sich mit der Aus­sa­ge des Zeu­gen in Übe­rein­stim­mung brin­gen. So­weit der Zeu­ge nicht mehr den ge­nau­en Wort­laut die­ses Gesprächs schil­dern konn­te, er­scheint dies auf­grund des Zeit­ab­laufs nach­voll­zieh­bar. Eben­so nach­voll­zieh­bar er­scheint es der Kam­mer, dass trotz des Zeit­ab­laufs der In­halt sei­nem we­sent­li­chen In­halt nach noch präsent war. Denn die­ser Vor­gang ist so außer­gewöhn­lich, dass man ihn auch nach länge­rer Zeit noch nicht ver­ges­sen ha­ben dürf­te. Le­dig­lich hin­sicht­lich der Ver­wen­dung hat der Zeu­ge ei­ne ge­ringfügig an­de­re Dar­stel­lung ge­ge­ben. In­so­weit hat er aus­ge­sagt, die Kläge­rin ha­be ge­sagt, das Geld soll­te ge­teilt wer­den. Dem­ge­genüber ha­ben Frau M. und die Kläge­rin zwar schrift­lich die Ver­wen­dung für
- 15 - ee) Im Übri­gen würde sich auch nach dem als wi­der­legt an­ge­se­he­nen Vor­trag der Kläge­rin kündi­gungs­re­le­van­tes Fehl­ver­hal­ten er­ge­ben. Hätte die Kläge­rin – wie sie be­haup­tet – zwar von dem An­sin­nen der Zeu­gin M. und des be­vor­ste­hen­den Dieb­stahls et­was mit­be­kom­men, hier­auf aber nicht re­agiert, läge dar­in auch ei­ne Ver­trags­pflicht­ver­let­zung. Denn dann wäre es die Pflicht der Kläge­rin ge­we­sen, die­sen Dieb­stahl an­zu­zei­gen. Denn – je­den­falls im Auf­ga­ben­be­reich des Ar­beit­neh­mers – be­steht die Ver­pflich­tung, ge­gen den Ar­beit­ge­ber ge­rich­te­te Hand­lun­gen an­zu­zei­gen (BAG, Ur­teil vom 18. Ju­ni 1970 – 1 AZR 520/69 – BA­GE 22, 375 = AP Nr. 57 zu § 611 BGB Haf­tung des Ar­beit­neh­mers LAG Hamm, Ur­teil vom 29. Ju­li 2004 – 18 (2) Sa 2016/93 – BB 1994, 2352).
Ins­ge­samt hat die Kam­mer die Über­zeu­gung ge­won­nen, dass die Kläge­rin zu­sam­men mit der Zeu­gin M. be­schlos­sen hat, statt des ver­ein­bar­ten Kauf­prei­ses in Höhe von 58,- € nur ei­nen Be­trag in Höhe von 8,- € als kas­siert ein­zu­bu­chen und den Rest der Be­klag­ten vor­zu­ent­hal­ten und an­der­wei­tig zu ver­wen­den. Ein sol­ches Ver­hal­ten verstößt in gra­vie­ren­der Wei­se ge­gen die Vermögens­in­ter­es­sen der Be­klag­ten und ist da­her zwei­fel­los grundsätz­lich ge­eig­net, ei­nen wich­ti­gen Grund im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB zu bil­den. Umstände, die das be­tref­fen­de Fehl­ver­hal­ten der Kläge­rin recht­fer­ti­gen könn­ten, sind we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich. b) An­ge­sichts der Schwe­re der Ver­trags­ver­let­zun­gen be­durf­te es auch kei­ner vor­he­ri­gen Ab­mah­nung. Un­ter den Umständen des vor­lie­gen­den Fal­les war der vor­he­ri­ge Aus­spruch ei­ner Ab­mah­nung ge­genüber der Kläge­rin ent­behr­lich.
Zu Guns­ten der Kläge­rin fällt ih­re langjähri­ge, annähernd 14-jähri­ge und bis­lang im We­sent­li­chen be­an­stan­dungs­freie Be­triebs­zu­gehörig­keit ins Ge­wicht. Da­bei lässt die Kam­mer die von der Be­klag­ten an­geführ­te Ab­mah­nung zu Guns­ten der Kläge­rin außer Be­tracht. Den­noch führt dies nicht da­zu, dass der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb Geld un­ter­schla­gen oder steh­len darf. Auch in An­se­hung der langjähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit der Kläge­rin stellt sich ihr Fehl­ver­hal­ten nicht als Ba­ga­tell­fall dar. Die Pflicht­wid­rig­keit ih­res Ver­hal­tens war für die Kläge­rin oh­ne wei­te­res er­kenn­bar. Mit ei­ner Bil­li­gung konn­te sie nicht rech­nen. Das Fehl­ver­hal­ten ist gra­vie­rend und hat das Ver­trau­ens­verhält­nis der Par­tei­en zerstört. Dies kann nicht wie­der un­ge­sche­hen ge­macht wer­den. Dies gilt auch un­ter Berück­sich­ti­gung der lan­gen Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit. An­ders als et­wa im Fal­le ei­ner Kas­sie­re­rin, der ei­ne Un­ter­schla­gung von Pfand­bons im Wert von
1,30 € vor­ge­wor­fen wur­de (vgl. BAG, Ur­teil vom 10. Ju­ni 2010 – 2 AZR 541/09 – PM des BAG) lag hier ei­ne di­rek­te Schädi­gung der Be­klag­ten als Ar­beit­ge­ber vor, die auch nicht mehr dem Ba­ga­tell­be­reich zu­zu­ord­nen ist. Un­abhängig da­von, dass fes­te Wert­gren­zen schwer­lich zu be­stim­men sind, han­delt es sich bei ei­nem dro­hen­den Scha­den von 50,- € nicht mehr um ei­ne ge­ring­wer­ti­ge Sa­che bzw. ge­ringfügi­ge wirt­schaft­li­che Schädi­gung. Das Ver­trau­en der Be­klag­ten in die Red­lich­keit der Kläge­rin ist un­wie­der­bring­lich zerstört. Zu­mal die­ses Ver­hal­ten den Kern­be­reich der Ar­beits­auf­ga­ben der Kläge­rin als Verkäufe­r­in be­trifft. Der Ver­trags­ver­s­toß wiegt des­halb schwer. Auch ein durch die lan­ge und be­an­stan­dungs­freie Beschäfti­gung er­wor­be­nes Ver­trau­en­s­ka­pi­tal steht die­sem Er­geb­nis nicht ent­ge­gen. Die Kläge­rin weist zwar ei­ne er­heb­li­che Beschäfti­gungs­zeit auf, dies be­deu­tet aber nicht, dass man zu­min­dest ein­mal sank­ti­ons­los „in die Kas­se grei­fen“ darf. Berück­sich­tigt man wei­ter das be­rech­tig­te In­ter­es­se der Be­klag­ten, sich auf die Ehr­lich­keit der Verkäufe­r­in­nen und Kas­sie­re­rin­nen ver­las­sen zu können und zu müssen und durch den Aus­spruch ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung auch ge­genüber den an­de­ren Beschäftig­ten deut­lich zu ma­chen, dass ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten un­ter kei­nen Umständen hin­ge­nom­men wird, er­scheint ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist und erst recht darüber hin­aus auch un­ter Berück­sich­ti­gung der be­an­stan­dungs­frei­en Be­triebs­zu­gehörig­keit der Kläge­rin nicht zu­mut­bar. Ab­ge­se­hen von der mit der Tätig­keit ein­her­ge­hen­den Ver­trau­ens­stel­lung und der feh­len­den Kon­trollmöglich­kei­ten hat der Kündi­gungs­vor­wurf auch Aus­wir­kun­gen auf die Kun­den der Be­klag­ten. Denn zu­min­dest der Kun­de vom 26. Sep­tem­ber 2009, der den frag­li­chen Com­pu­ter­tisch zu Preis von 58,- € ge­kauft hat­te, wird sich bei be­kannt wer­den die­ser Vorgänge be­tro­gen fühlen.
Ins­ge­samt er­scheint auch der Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen Kündi­gung als an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on. Auf­grund der Schwe­re der Pflicht­wid­rig­keit, die sich die Kläge­rin hat zu­schul­den kom­men las­sen, be­stand bei der Be­klag­ten nicht mehr die Möglich­keit ei­ner ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit in der Zu­kunft. Nach al­le­dem sind kei­ne Umstände fest­stell­bar, die die Be­klag­te hätten ver­an­las­sen müssen, im kon­kre­ten Ein­zel­fall trotz der Schwe­re der Pflicht­ver­let­zung von ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung ab­zu­se­hen. 3.
Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on nach § 72 Abs. 2 ArbGG lie­gen nicht vor. Rechts­mit­tel­be­leh­rung
Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Auf die Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird hin­ge­wie­sen (§ 72 a ArbGG). (J.) (K.)
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References: § 626
 § 8
 § 64
 § 64
 § 66
 § 519
 § 626
 § 626
 § 626
 § 286
 § 252
 § 383
 § 611
 § 626
 § 72