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Rechtsanspruch auf Lärmschutz (hier Straßenverkehrslärm in München) Rechtsanwalt Wolfram Sedlak, Köln - PDF
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1 Rechtsanspruch auf Lärmschutz (hier Straßenverkehrslärm in München) Rechtsanwalt Wolfram Sedlak, Köln A) Neubau bzw. wesentliche Änderung einer Straße Rechtsanspruch nach 41 Abs. 1 BImSchG i.v.m. 16. BImSchV bei Überschreiten der dort genannten Grenzwerte = db(a). Gebietskategorie Tag ( Uhr) Nacht ( Uhr) Krankenhäuser, Schulen, Kur- und Altenheime reine und allgemeine Wohnsowie Kleinsiedlungsgebiete Kern-, Dorf- und Mischgebiete Gewerbegebiete Eine Änderung ist wesentlich, wenn 1.) eine Straße um einen oder mehrere durchgehende Fahrstreifen baulich erweitert wird oder 2.) durch einen erheblichen baulichen Eingriff der Beurteilungspegel des von dem zu ändernden Verkehrsweg ausgehenden Verkehrslärms um mindestens 3 Dezibel (A) oder 3.) auf mindestens 70 Dezibel (A) am Tag oder 60 Dezibel (A) in der Nacht erhöht wird 4.) von mindestens 70 Dezibel (A) am Tag oder 60 Dezibel (A) in der Nacht erhöht wird; dies gilt nicht in Gewerbegebieten. Die Verkehrswege-Schallschutzmaßnahmenverordnung (24. BImSchV) regelt Art und Umfang von passiven Schallschutzmaßnahmen sofern nach 41 Abs. 2 BImSchG die Kosten von aktiven Schallschutzmaßnahmen außer Verhältnis zum angestrebten Schutzzweck stehen. B) Bestandsstraßen I.) Anspruch auf nachträgliche Schutzvorkehrungen nach 75 Abs. 2 Satz 2 VwVfG i.v.m. LandesVwVfG-Regelungen bei nicht voraussehbaren Veränderungen und planfestgestellten Vorhaben a) Frist: Innerhalb von 3 Jahren ab Kenntnis der Veränderungen! ( 75 Abs. 3 Satz 2 VwVfG)
2 2 b) Prüfungszeitraum aber seit BVerwGE 9 C 2.06 (v ) nicht nur der untersuchte Prognosezeitraum (i.d.r Jahre), sondern 30 Jahre! Steigt innerhalb dieses Zeitraumes der Lärmpegel um mehr als 2,1 db(a) = gerundet 3 db(a) oder über die enteignungsrechtliche Zumutbarkeitschwelle (bei WA etwa 70 db(a) /60 db(a) tags/nachts), dann kann von einer nicht voraussehbaren Veränderung ausgegangen werden (BVerwGE a.a.o., Rz 28f). c) Fehler des Planfeststellungsbeschlusses und deren z.b. lärmmäßigen Auswirkungen müssen jedoch innerhalb der Klagefrist des Planfeststellungsverfahrens geltend gemacht werden. II.) 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 StVO Formal kein Rechtsanspruch auf Lärmschutzmaßnahmen, sondern nur Anspruch auf ermessensfehlerfreie Prüfung verkehrsbeschränkender Maßnahmen Gefestigte Rechtsprechung seit 1986 (BVerwGE 74, 234). Gesetzeswortlaut: (1) Die Straßenverkehrsbehörden können die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken aus Gründen der Sicherheit oder Ordnung des Verkehrs beschränken oder verbieten und den Verkehr umleiten. Das gleiche Recht haben sie... Nr. 3: zum Schutz der Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen 45 Abs. 1a) StVO benennt noch weitere spezielle Orte, an denen verkehrsbeschränkende Maßnahmen zulässig sind. a) Mit Antragstellung wird ein Verwaltungsverfahren in Gang gesetzt, d.h. die zuständige Straßenverkehrsbehörde muß einen Bescheid (= Verwaltungsakt) erlassen, gegen den das Rechtsmittel der Klage beim Verwaltungsgericht eingelegt werden kann. In Bayern wurde das Widerspruchsverfahren ebenso wie in vielen anderen Bundesländern (z.b. NRW) abgeschafft. b) können = ins Ermessen der Behörde gestellt Das klingt so, als ob kein Rechtsanspruch gegen die Straßenverkehrsbehörde gestellt werden könnte. Dem ist aber nach der gefestigten Rechtsprechung zu 45 StVO nicht so. Ab Erreichen bestimmter Lärmpegel besteht eine Prüfungs-
3 3 pflicht der Behörde, die nach strengen Regeln durch die Verwaltungsgerichte kontrolliert werden kann. c) Ermessensauslösende Schwelle Ermessensauslösende Schwelle sind jedoch nicht, wie die Lärmschutz- Richtlinie StV 2007 mißverständlich formuliert Lärmpegel von 70/60 db(a) tags/nachts z.b. für allgemeine Wohngebiete (=WA), sondern jeweils die Orientierungswerte der 16. BImSchV für z.b. WA: 59 db(a) tags 49 db(a) nachts (vergl.: VG Berlin vom VG 11 A (in Ule/Laubinger, BImSchG- Kommentar, Teil III, Rechtsprechung, 40 Nr. 9, Seite 4-6 (auch NVwZ RR 1996, 257); VG Frankfurt vom VG 15 E 851/97 (3), Seite 12 u. 13 der Urteilsgründe; VG Berlin vom VG 27 A 313/94, Seite der Urteilsgründe; OVG Münster v Az 8 A 4230/01, Seite 14ff der Urteilsgründe, OVG Münster v Az 8 A 2350/04, Seite 18 der Urteilsgründe; sowie Götz Frank, Verkehrsberuhigung und Verkehrsrecht, 1. Aufl., Baden-Baden 1992, Seite 32 und ausdrücklich BVerwG vom NZV 1994, 244; VGH Kassel vom NJW 1989, 2767; Bay.VGH, Urteil vom 13. Mai B , BayVBl 1999, 118; Bay.VGH, Beschluß vom Az 11 B 95/ VRS Bd. 96/99, Ziff. 174, S. 477; Bay.VGH, Urteil vom 18. Februar B , BayVBl 2003, 80; Bay.VGH vom Az 11 B , juris Rz 28.). Begründet wird dies damit, daß die als Schutzkriterien für Anwohner beim Neubau oder einer wesentlichen Änderungen von Verkehrswegen beschlossenen Grenzwerte ebenso auf bestehende Straßen angewendet werden müssen, denn hier sind die Beeinträchtigungen gesundheitlich nicht anders zu beurteilen. Die Immissionsgrenzwerte der 16. BImSchV bringen ganz allgemein die Wertung des Normgebers zum Ausdruck, von welcher Schwelle an eine nicht mehr hinzunehmende Beeinträchtigung der jeweiligen Gebietsfunktion, zumindest auch dem Wohnen zu dienen, anzunehmen ist. Somit setzt die Pflicht der Straßenverkehrsbehörde zu einer Ermessensausübung bei Erreichen der Werte der 16. BImSchVO ein, während bei Überschreitung der Richtwerte der Lärmschutz- RiLi (s.o.) sich das Ermessen der Behörde bereits zu einer Pflicht zum Einschreiten verdichten kann (VG Berlin vom Az: 11 A 568/93 - S.7 und vom Az: 11 A 183/95, S.8; Bay.VGH, Urteil vom 18. Februar B , BayVBl 2003, 80; OVG Münster v Az: 8 A 4230/01, Seite 15 der Urteilsgründe; VG Düsseldorf v bzgl. der A 44 Az: 6 K 6832/03 sowie VG Düsseldorf v bzgl. der A 44 Az 6 K 5454/06; OVG Berlin v Az: 1 N 71.09; zuletzt VGH München v Az 11 B , juris Rz 30). Die Rechtsprechung nimmt immer eine Einzelfallprüfung vor, bei der die besonderen Umstände der örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Demnach u.u. auch unterhalb der Orientierungswerte Anspruch möglich (z.b. VG
4 4 Würzburg v Az: W 6 K , Rz. 33ff juris bei 56 db(a) tags / 46 db(a) nachts). Die Lärmschutz-RL-StV vom hat keine Gesetzesqualität und formuliert unter Ziff. 2.1 lediglich, daß insbesondere ab bestimmten Richtwerten straßenverkehrsrechtliche Lärmschutzmaßnahmen in Betracht zu ziehen sind. Damit sind diese auch ausdrücklich bei niedrigeren Richtwerten möglich. Vgl. eingehend OVG Berlin vom Az: 1 N 71.09, insbes. Rz. 10: Eine umfassende Ermessensausübung ist deshalb auch dann geboten, wenn diese Werte nicht erreicht werden, aber jedenfalls die sog. fachplanungsrechtliche Zumutbarkeitsschwelle (= Orientierungswerte der 16. BImSchV - eigene Anmerkung, vgl. hierzu Rz. 8) überschritten wird. Ebenso VGH München vom Az 11 B , juris Rz Beurteilungspegel werden nach der RLS 90 berechnet. Messungen werden von der Rechtsprechung lediglich als Anhaltspunkte gesehen, die aber zufällig sein können. Häufige Fehlerquellen: Eingabeparameter DTV, Lkw-Anteile, Tag/Nacht- Anteile, Gebietseinstufungen (wenn kein Bebauungsplan vorliegt). d) Gesundheitsgefährdende Lärmschwelle Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Lärm ab einem Dauerschallpegel von 65 db(a) tags, bzw. nachts zwischen db(a) als gesundheitsschädigend bzw. gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Leider ist die genaue Grenze immer noch wissenschaftlich umstritten (vergl. hierzu zusammenfassend das Sondergutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen Umwelt und Gesundheit, Stuttgart, Dez. 1999, Seite 174, Tz. 434 und Seite 177, Tz. 441, sowie Seite 184f, Tz ; SRU 220b; 2004; SRU Umweltgutachten 2012, Tz.297). Nach fundierten Schätzungen werden in Deutschland durch Lärmeinwirkung drei Mal so viele Todesfälle verursacht wie durch krebserzeugende Luftverunreinigungen. (Landmann/Rohmer-Hansmann, Umweltrecht-Kommentar, München 2000, Bd. II, Nr. 3.1 Vorb. TA Lärm, Rd.Ziff.1, m.w.nw. Hansmann, NuR 97, 53).
5 5 e) Summenpegelbildung? Grundsätzlich ist nur der jeweilige Straßenbereich singulär zu betrachten also nicht im Zusammenwirken mit anderen Nebenstraßen oder anderen Verkehrsarten. Das mag aus Sicht der Anwohner schwer verständlich erscheinen, muß aber so hingenommen werden. Diese Vorgabe der 16. BImSchV ist hinreichend gerichtlich überprüft und bestätigt worden. Eine Ausnahme liegt aber dann vor, wenn die Grenze der Gesundheitsgefährdung erreicht oder überschritten wird. Dann hat eine Summenpegelbildung zu erfolgen, so bereits 1996 in BVerwGE 101,1ff. Das wird in der Praxis gerne vernachlässigt. Erschwerend kommt hinzu, daß die Grenze der Gesundheitsgefährdung im Lärmbereich noch nicht genau beziffert werden kann, da sie immer noch wissenschaftlich sehr umstritten ist (s.o. unter d). f) Innenraummaximalpegel Nach dem Urteil des BVerwG v Az: 11 A ist die Schwelle der Gesundheitsgefährdung im Innenraum (=Wohnung) am Ohr einer schlafenden Person mit einem Dauerschallpegel zwischen db(a) und Pegelspitzen von 40 db(a) zu bemessen. Hier sind demnach die Schalldämmwerte der Fenster und Außenmauern zu berücksichtigen im Gegensatz zur RLS 90 und 16. BImSchV, wo vor dem Fenster 20 cm über Fensteroberkante der zu berechnende Immissionspunkt liegt (vgl. Anlage 1 der 16. BImSchV). g) Abwägung Die beteiligten Interessen der Autofahrer (des fließenden Verkehrs) müssen mit den Beeinträchtigungen der Anwohner abgewogen werden (Prinzip der Waagschale). Je stärker die gesundheitlichen Beeinträchtigungen desto höher die Pflicht der Behörde, zu handeln. Die Verkehrsbedeutung bzw. Klassifizierung einer Straße stellt dabei ein Prüfungskriterium dar, ist aber kein Hinderungsgrund per se gegen verkehrsbeschränkende Maßnahmen. Diese sind auch auf Bundesstraßen und u.u. auch Autobahnen anzuordnen, wenn die entsprechenden Abwägungsgesichtspunkte dies erfordern (vgl. z.b. Schildhornstr. Berlin 6 spurige Straße zwischen zwei Autobahnabschnitten DTV VG Berlin vom VG 27 A 313/94 - Tempo 30 tags/nachts; Detmolder Str. Bielefeld B 66 - OVG Münster v Az 8 A 2350/04 und Az 8 A 2351/04 - Tempo 30 nachts; A44 Düsseldorf-Ratingen - VG Düsseldorf v Az 6 K 6832/03 - sowie VG Düsseldorf v Az 6 K 5454/06 - Tempo 100).
6 6 h) Maßnahmen Eine bestimmte Maßnahme (z.b. Lkw-Durchfahrtverbot, o.ä.) kann nur bei einer Ermessensreduzierung auf Null, d.h. wenn keine andere Maßnahme denkbar ist, das Ziel zu erreichen, gefordert werden. Das ist kaum nachweisbar. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll, die anderen in 45 StVO genannten Maßnahmen ( z.b. Tempo 30-Zone, 45 Abs. 1c StVO oder Abs. 1d weniger als 30 km/h; verkehrsberuhigter Bereich oder Fußgängerbereich, Abs. 1b Nr.3 ) gezielt zu beantragen. In der Regel kommen eine Vielzahl von Maßnahmen und v.a. Maßnahmenkombinationen in Betracht. Die Auswahl der konkreten Mittel muß dem Ermessen der Behörde überlassen bleiben. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind i.d.r. fast immer zu erwägen. Verkehrsverlagerungen dürfen nicht zum Nachteil andere Anwohner führen, sind aber häufig nur vorgeschobene Ablehnungsgründe. Lkw-Durchfahrtverbote bzw. Beschränkungen müssen hinsichtl. der Mehrwege für die Speditionsunternehmen besonders sorgfältig abgewogen werden. Hier erfolgen viele Gegenklagen. Richtungsweisend dazu BVerwG - Urteil v Az: 3 C 40/10: Der 3. Senat des BVerwG erklärte die Sperrung des Durchgangsverkehres für Lkw über 12 t nach 45 Abs. 9 Satz 3 StVO auf der Bundesstraße B 8 zur Unterbindung des Mautausweichverkehres für rechtmäßig. Ein Speditions- u. Logistikunternehmen hatte hiergegen geklagt, u.a. mit der Begründung, daß finanzielle Belastungen des Transportgewerbes durch zusätzliche Autobahnmautausgaben in Höhe von ca EUR entstünden. Im vorliegenden Verfahren kam es zu einer Reduzierung des werktäglichen Verkehres von rund 660 schweren Lkw bei Beurteilungspegeln von über 70 db(a) tags u. 60 db(a) nachts, die nach dem aufgehobenen Berufungsgerichtsurteil lediglich zu einer geringen Verbesserung der Lärmsituation der Anwohner in Höhe von maximal 1 db(a) führte. Dem widersprach das BVerwG. Nicht erst bei einer Verringerung der Beurteilungspegel um 3 db(a) liege ein relevanter Entlastungseffekt vor, da dieser eine Halbierung des Verkehrsaufkommens voraussetze, sondern schon wie hier bei einer Reduzierung des Schwerverkehrs um rund 28 %. Die Summe der Mautausgaben müsse in Relation zu den erzielten Umsätzen und Gewinnen der Transportunternehmen gesetzt werden. Auch bereits in Gebäude eingebaute Schallschutzeinrichtungen seien kein Hinderungsgrund, da nach Anlage 1 zu 3 der 16. BImSchV die Berechnung an außerhalb der Gebäude liegenden Meßpunkten maßgeblich ist. Auch die Berufsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) oder die allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG) der Kläger werde nicht verletzt, weil die Einschränkungen durch vernünftige Gründe des Gemeinwohls, wie den Schutz der Wohnbevölkerung vor einer erheblichen Zunahme des Verkehrslärmes, gerechtfertigt und daher verhältnismäßig seien. Es können aber keine baulichen Maßnahmen nach 45 StVO gefordert werden! i) 3 Dezibel-Grenze notwendig? Häufig wird von Behörden gefordert, daß die verkehrsbeschränkenden Maßnahmen eine Pegelreduzierung von 3 db(a) bewirken müssen, um wahrnehmbar bzw. gerechtfertigt zu sein (so z.b. Lärmschutz-Richtlinie StV 2007, Ziff. 2.3).
7 7 Das ist wissenschaftlich falsch. Eine Wahrnehmbarkeitsgrenze von 3 db(a) kann nur bei Pegelabsenkungen im Labor bei einem gleichmäßigen Ton festgestellt werden. Im Straßenverkehr herrschen jedoch sehr unterschiedliche Lärmpegel, v.a. die Pegelspitzen und die tieffrequenten Geräusche werden als besonders lästig empfunden. Vgl. hierzu bereits J.Ortscheid, H. Wende, Sind 3 db wahrnehmbar?, ZfL(Zeitschrift für Lärmbekämpfung) 2004, 80ff. reine Setzung bzw. Konvention (a.a.o., S. 84). j) Erfordernis 45 Abs. 9 StVO: besondere örtliche Verhältnisse Gefahrenlage, die über das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung der genannten Rechtsgüter erheblich übersteigt D.h.: genaue Prüfung der Straßenverkehrsbehörde notwendig. Das Ermessen muß ausgeübt werden. Vertragliche oder politische Absprachen aus Vorverhandlungen werden von der Rechtsprechung als Hinderungsgründe für eine ordnungsgemäße Ermessensprüfung angesehen (VG Aachen v Az: 2 K 1352/11, Rz 52ff juris; VG Bayreuth v Az: B 1 K , Rz 32 juris; Bayr. VGH v Az: 11 ZB , Rz.20 juris). Eine besondere Gefahrenlage ist aber bei Erreichen der Orientierungswerte der 16. BImSchV i.d.r. gegeben (Begründung s.o.). k) Gleichzeitig kann Schutz vor Abgasen beantragt werden! l) Vorteil von 45 StVO-Verfahren: Deckung über Rechtsschutzversicherungen möglich, wenn Grundstücksrechtsschutz vereinbart wurde. Fazit: 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 StVO gewährt zwar keinen Rechtsanspruch auf Lärmschutz, ist aber als eine der wirksamsten Rechtsnormen zum Schutz gegen Straßenverkehrsimmissionen im Bestandsnetz zu bezeichnen. Die Straßenverkehrsbehörden werden so zur Ermittlung der Belastungssituation gezwungen und müssen die in Betracht kommenden verkehrsbeschränkenden Maßnahmen rechtsfehlerfrei abwägen gegen die Gesundheitsbeeinträchtigungen der Anwohner. Über das Ausmaß der Prüfungspflicht und deren einzelnen Schritte gibt es ausreichende gefestigte Rechtsprechung. Die Erfolgsquoten von 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 StVO Anträgen sind in der Praxis sehr hoch!
8 8 C) Klagerecht auf Lärmaktionsplan bzw. dessen Verbesserungen? 1.) Klagerecht Einzelner (sehr streitig, h.m. und Rspr. lehnen dies ab, da LAP = verwaltungsinterne Regelung) Der EuGH v Rs. C 237/07 hat jedoch ein Klagerecht des Einzelnen gegen Luftreinhalteplanung entgegen BVerwG und ähnlicher Argumentation (verwaltungsinterne Regelung) gewährt. Entscheidende Argumente: Es ist mit der zugrundeliegenden EG-RiLi unvereinbar, grdsl. auszuschließen, daß ihre Durchsetzung von betroffenen Personen geltend gemacht werden kann, insbesondere da der Schutz der öffentlichen Gesundheit bezweckt wird. Dagegen wird angeführt, daß die UmgebungsLärmRL keine verbindlichen Grenzwerte festsetzt im Unterschied zur Luftreinhalteplanung. Grenze jedoch nach meiner Rechtsauffassung: Erreichen der gesundheitsgefährdenden Schwelle einer Lärmbelastung. Trotz langjährigen Streits in der Wissenschaft über die genaue Grenze dieser Schwelle gibt es eine ganz erhebliche Anzahl von Straßen in München und der BRD, in denen die Lärmwerte so hoch sind, daß unstreitig die gesundheitsgefährdenden Lärmschwellen überschritten werden. Leistungsklage daher m.e. in solchen Fällen zulässig (so auch Heitsch in Kotulla, BImSchG, 13. Aufl., Rz 54; B. Söhnlein, Natur u. Recht 2006, 276 (279). Musterprozeß zum EuGH bisher leider noch nicht unternommen. 2.) Klagerecht ebenso von anerkannten Umweltschutzverbänden wegen Verstoßes gegen umweltrechtlicher Vorschriften (nach überwiegender Auffassung in Literatur und Teilen der deutschen Rechtsprechung gegeben) Grundlage: Art. 9 Abs. 3 Aarhus-Konvention (Zugang zu Gerichten) Gesetzestext: (3) Zusätzlich und unbeschadet der in den Absätzen 1 und 2 genannten Überprüfungsverfahren stellt jede Vertragspartei sicher, dass Mitglieder der Öffentlichkeit, sofern sie etwaige in ihrem innerstaatlichen Recht festgelegte Kriterien erfüllen, Zugang zu verwaltungsbehördlichen oder gerichtlichen Verfahren haben, um die von Privatpersonen und Behörden vorgenommenen Handlungen und begangenen Unterlassungen anzufechten, die gegen umweltbezogene Bestimmungen ihres innerstaatlichen Rechts verstoßen.
9 9 Vgl. EuGH v Rs. C-240/09, Rz. 45ff, es muß ein effektiver gerichtlicher Rechtsschutz gewährleistet werden. Dazu A. Kröner, UPR 2013, 89 (92) m.w.nw., sowie S. Schlacke, ZUR 2011, 312 (316) mit zahlreichen Nachweisen. Weiterhin EuGH v Rs. C-115/09. Ebenso VG München vom 9. Okt Az: M 1 K : Ein anerkannter Umweltschutzverband ist berechtigt, jede verwaltungsbehördliche Entscheidung, die möglicherweise im Widerspruch zum Umweltrecht der Europäischen Union steht, vor Gericht anzufechten (Anschluss an EuGH, Urt. v. 08. März 2011 EUGH Aktenzeichen C-240/09). 3.) Weitere Voraussetzung: Bei Vorliegen eines Lärmaktionsplanes muß absehbar sein, daß dieser nicht geeignet ist, die angestrebten Ziele zu erreichen. Laut Urteil des VG München vom 9. Okt Az: M 1 K zur Luftreinhalteplanung genügt es nicht, daß die zuständigen Behörden lediglich Bemühungen zur Einhaltung der Immissionsgrenzwerte unternehmen und überhaupt einen Luftreinhalteplan aufstellen oder fortschreiben. Ist absehbar, daß die ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, besteht eine Verpflichtung zur Anordnung weiterer effektiverer Schritte. Dies ist auf die Lärmaktionsplanung übertragbar. Wolfram Sedlak (Rechtsanwalt) Rechtsanwaltsbüro Wolfram Sedlak Lütticher Str Köln Tel.: 0221 / Fax: 0221 / Mail: Internet:
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Köln, den 18.6.2016 Rechtsanwaltsbüro Wolfram Sedlak Lütticher Str. 67 50674 Köln Tel.: 0221/ 510 65 48 Fax: 0221/ 78 98 773 SteuerNr.: 215/5160/1269 Email: wolfram-sedlakrechtsanwaltsbuero@gmx.de Internet:

References: EuGH 
 EuGH 
 Art. 9
 EuGH 
 EuGH 
 EUGH