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Timestamp: 2019-11-19 18:38:19+00:00

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Ände­rungs­be­scheid nach Recht­spre­chungs­än­de­rung – und der Ver­trau­ens­schutz | Rechtslupe
Bei der Auf­he­bung oder Ände­rung eines Steu­er­be­scheids darf gemäß § 176 Abs. 1 Nr. 3 AO nicht zuun­guns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen berück­sich­tigt wer­den, dass sich die Recht­spre­chung eines obers­ten Gerichts­ho­fes des Bun­des geän­dert hat, die bei der bis­he­ri­gen Steu­er­fest­set­zung von der Finanz­be­hör­de ange­wandt wor­den ist.
Nach den BFH, Urtei­len vom 08.02.1995 1; vom 05.09.2000 2; vom 10.06.2008 3; und vom 14.07.2009 4 recht es dabei für eine Ände­rung der Recht­spre­chung aus, dass ein "im wesent­li­chen gleich gela­ger­ter Fall" anders zu ent­schei­den ist 5.
Bei der Prü­fung der Fra­ge, ob eine Recht­spre­chungs­än­de­rung vor­liegt, ist weder auf ein "Gesamt­bild der Recht­spre­chung" 6 noch auf blo­ße Schluss­fol­ge­run­gen aus frü­he­ren Ent­schei­dun­gen des BFH abzu­stel­len 7; denn dar­aus lässt sich kei­ne kon­kre­te ent­schei­dungs­er­heb­li­che Aus­sa­ge ablei­ten, wann eine Ände­rung der Recht­spre­chung vor­liegt. Nur von einem in den ent­schei­den­den Punk­ten iden­ti­schen Sach­ver­halt aus lässt sich die für den Ver­trau­ens­schutz­tat­be­stand ent­schei­den­de Fra­ge beant­wor­ten, inwie­weit sich die Kri­te­ri­en der recht­li­chen Beur­tei­lung der­art geän­dert haben, dass ein bestimm­tes Rechts­pro­blem inzwi­schen anders gelöst wird als zuvor 8. Der danach erfor­der­li­che Ver­gleich setzt in recht­li­cher Hin­sicht eine zwar nicht unbe­dingt aus­drück­li­che, so aber zumin­dest eine deut­li­che Aus­sa­ge zu einem bestimm­ten Rechts­pro­blem vor­aus 9. Auf bei­läu­fig geäu­ßer­te Rechts­an­sich­ten und Erwä­gun­gen, die das Urteil nicht tra­gen, kommt es hin­ge­gen nicht an 10.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 24. Juli 2017 – XI B 25/​17
BFH, Urteil vom 08.02.1995 – I R 127/​93, BFHE 177, 332, BSt­Bl II 1995, 764[↩]
BFH, Urteil vom 05.09.2000 – IX R 33/​97, BFHE 192, 559, BSt­Bl II 2000, 676[↩]
BFH, Urteil vom 10.06.2008 – VIII R 79/​05, BFHE 222, 320, BSt­Bl II 2008, 863[↩]
BFH; vom 14.07.2009 – VIII R 10/​07, BFH/​NV 2009, 1815[↩]
vgl. auch bereits BFH, Urteil vom 07.12 1988 – X R 15/​87, BFHE 155, 353, BSt­Bl II 1989, 421, unter II. 1.b, Rz 21[↩]
so aber Loo­se in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 176 AO Rz 15[↩]
vgl. z.B. Frot­scher in Schwarz/​Pahlke, AO/​FGO, § 176 Rz 43 und 46; Klein/​Rüsken, AO, 13. Aufl., § 176 Rz 17[↩]
vgl. zu § 176 Abs. 2 AO BFH, Urteil vom 28.10.1992 – X R 117/​89, BFHE 170, 11, BSt­Bl II 1993, 261, unter 2.b, Rz 18; von Groll in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 176 AO Rz 180[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 222, 320, BSt­Bl II 2008, 863, unter II. 3.c, Rz 50[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 155, 353, BSt­Bl II 1989, 421, unter II. 1.b, Rz 21; a.A. Loo­se in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 176 AO Rz 15[↩]

References: § 176
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