Source: https://www.umsatzsteuernachrichten.de/die-eu-beihilfen-2133798/
Timestamp: 2020-07-04 11:09:45+00:00

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Die teilweise durch EU-Beihilfen subventionierte Lieferung in der Umsatzsteuer | UmsatzsteuerNachrichten
Unabhängig davon ist als Buchstabe b der ersten Vorlagefrage zu klären, ob unter Umständen wie denen des Ausgangsverfahrens eine vom Betriebsfonds an die Erzeugerorganisation ausgezahlte finanzielle Beihilfe im Sinne des Art. 15 der VO Nr. 2200/96 eine „mit dem Preis der Lieferung zusammenhängende Subvention“ eines „Dritten“ ist.
Dass nach Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 77/388/EWG in den dort genannten Fällen auch die an die Steuerpflichtigen gezahlten, mit dem Preis der Lieferung zusammenhängenden Subventionen in die Besteuerungsgrundlage einzubeziehen sind, zielt darauf ab, den gesamten Wert der Gegenstände und Dienstleistungen der Mehrwertsteuer zu unterwerfen und somit zu vermeiden, dass die Zahlung einer Subvention zu einem geringeren Steuerertrag führt22. Die Bestimmung betrifft Fallkonstellationen mit drei Beteiligten: die Person23, die die Subvention gewährt, den Wirtschaftsteilnehmer, der die Subvention erhält, und den Käufer des vom subventionierten Wirtschaftsbeteiligten gelieferten Gegenstandes24. Es werden nur die Subventionen erfasst, die vollständig oder teilweise die Gegenleistung für die Lieferung von Gegenständen oder von Dienstleistungen sind und dem Verkäufer oder Dienstleistungsbringer von einem Dritten gezahlt worden sind25. Alle anderen Subventionen werden nicht davon erfasst und „unterliegen als solche nach Artikel 11 Teil A Absatz 1 Buchstabe a nicht der Mehrwertsteuer“26.
Unionsrechtlich ungeklärt ist aus Sicht des Bundesfinanzhofs bereits, wer unter Umständen wie denen des Ausgangsverfahrens der „Dritte“ im Sinne des Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 77/388/EWG ist.
Ob dies allerdings auch unionsrechtlich gilt, lässt sich anhand der VO Nr. 2200/96, VO Nr. 609/2001 und VO Nr. 1433/2003 nicht eindeutig beantworten. Die Kofinanzierung durch den Betriebsfonds erfolgt, damit das Verantwortungsbewusstsein der Erzeugerorganisationen vor allem hinsichtlich ihrer finanziellen Entscheidungen gestärkt wird und die ihnen gewährten öffentlichen Mittel für zukunftsweisende Aufgaben eingesetzt werden (so der 10. Erwägungsgrund der VO Nr. 2200/96). Der Betriebsfonds gewährleistet unter anderem die ordnungsgemäße Verwendung der Gemeinschaftsmittel (vergleiche 4. Erwägungsgrund der VO Nr. 609/2001 sowie 5. Erwägungsgrund der VO Nr. 1433/2003). Deshalb könnten bei der Prüfung, ob eine „mit dem Preis der Lieferung zusammenhängende Subvention“ vorliegt, „Dritte“ die zuständigen Behörden (oder die EU selbst) sein, die die finanziellen Beihilfen durch Bescheid gewähren.
Unionsrechtlich nicht völlig zweifelsfrei ist deshalb auch, ob die finanziellen Beihilfen „unmittelbar mit dem Preis der Lieferung zusammenhängende Subventionen“ sind.
Zu unionsrechtlichen Zweifeln gibt aus Sicht des Bundesfinanzhofs Anlass, dass der EuGH durch die Urteile vom 15.07.2004 Kommission/Italien – C-381/0132, Kommission/Finnland – C-495/0133, Kommission/Deutschland34 und Kommission/Schweden – C-463/0235 entschieden hat, dass Beihilfen für Trockenfutter, die aufgrund der Verordnung (EG) Nr. 603/95 des Rates vom 21.02.1995 über die gemeinsame Marktorganisation für Trockenfutter gezahlt werden, keine „unmittelbar mit dem Preis dieser Umsätze zusammenhängende Subventionen“ sind. Er hat diese Auffassung unter anderem damit begründet, dass
vgl. dazu BFH, Urteile vom 16.04.2008 – XI R 56/06, BFHE 221, 475, BStBl II 2008, 909; vom 24.10.2013 – V R 17/13, BFHE 243, 456, BStBl II 2015, 513; EuGH, Urteil Mercedes-Benz Financial Services UK vom 04.10.2017 – C-164/16, EU:C:2017:734, DStR 2017, 2215, Rz 33 und 34↩
vgl. auch Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 21.08.2012 6 K 1193/10, DStRE 2013, 1047; FG Baden-Württemberg, Urteil vom 14.01.2015 – 14 K 975/13, jeweils zu Fällen der Nutzungsüberlassung↩
BFH, Urteile vom 21.04.2005 – V R 11/03, BFHE 211, 50, BStBl II 2007, 63, unter II. 2., Rz 30; vom 11.07.2012 – XI R 11/11, BFHE 238, 560, BStBl II 2018, 146, Rz 20, mit weiteren Nachweisen↩
vgl. zu diesem Erfordernis EuGH, Urteile RCI Europe vom 03.09.2009 – C-37/08, EU:C:2009:507, DStR 2009, 2003, Rz 33; Serebryannay vek vom 26.09.2013 – C-283/12, EU:C:2013:599, DStRE 2014, 476, Rz 41↩
vgl. dazu BFH, Urteile vom 06.12 2007 – V R 42/06, BFHE 221, 74, BStBl II 2009, 493, unter II. 1.b, Rz 20; vom 15.04.2010 – V R 10/08, BFHE 229, 406, BStBl II 2010, 879, Rz 28; vom 15.12 2016 – V R 44/15, BFHE 256, 557, Sammlung amtlich nicht veröffentlichter Entscheidungen des Bundesfinanzhofs -BFH/NV- 2017, 707, Rz 17↩
vgl. BFH, Urteil vom 31.07.2008 – V R 74/05, BFH/NV 2009, 226, unter II. 2.e, Rz 41↩
vgl. dazu BFH, Urteile in BFHE 221, 475, BStBl II 2008, 909, unter II. 3.b bb, Rz 35 und 38; in BFHE 238, 560, BStBl II 2018, 146↩
vgl. dazu BFH, Urteile vom 18.02.2016 – V R 46/14, BFHE 253, 421, BFH/NV 2016, 1120, Rz 20 f.; vom 10.08.2016 – XI R 41/14, BFHE 255, 300, BStBl II 2017, 590, Rz 50, mit weiteren Nachweisen↩
gleicher Ansicht Tehler in Reiß/Kraeusel/Langer, UStG § 10 Rz 158 „EU-Zuschüsse“; zweifelnd Wäger in Birkenfeld/Wäger, Das Große Umsatzsteuer-Handbuch, Aktuell Berichtszeitraum II. Quartal 2017, Rz 151 f.↩
vgl. dazu auch BMF, Schreiben vom 13.06.1997, Der Betrieb 1997, 1952, unter III.; in den Streitjahren OFD Hannover, Verfügung vom 24.01.2001, UR 2001, 221; jetzt OFD Niedersachsen, Verfügung vom 12.04.2016, UR 2016, 726↩
vgl. zu diesen Erfordernissen BFH, Urteile vom 08.10.1997 – XI R 8/86, BFHE 183, 314, BStBl II 1997, 840; vom 19.06.2011 – XI R 8/09, BFHE 234, 455, BStBl II 2016, 185, Rz 28; vom 07.10.2010 – V R 4/10, BFHE 232, 537, BStBl II 2016, 181, Rz 22↩
vgl. BFH, Urteil vom 24.01.2008 – V R 39/06, BFHE 221, 388, BStBl II 2009, 786; offen geblieben im BFH, Urteil vom 05.06.2014 – XI R 44/12, BFHE 245, 473, BStBl II 2016, 187, Rz 35 ff.↩
vgl. EuGH, Urteile Bertelsmann vom 03.07.2001 – C-380/99, EU:C:2001:372, BFH/NV 2001, Beilage 3, 192, Rz 17; Serebryannay vek, EU:C:2013:599, DStRE 2014, 476, Rz 38↩
vgl. EuGH, Urteil Naturally Yours Cosmetics vom 23.11.1988 – C-230/87, EU:C:1988:508, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung -HFR- 1990, 276, Rz 12 und 16↩
vgl. EuGH, Urteil Empire Stores vom 02.06.1994 – C-33/93, EU:C:1994:225, Betriebs-Berater 1994, 1621, Rz 19↩
vgl. dazu EuGH, Urteile RCI Europe, EU:C:2009:507, DStR 2009, 2003, Rz 31 und 33; Serebryannay vek, EU:C:2013:599, DStRE 2014, 476, Rz 41↩
vgl. Art. 11 Abs. 1 Buchst. c Nr. 3 der VO Nr. 2200/96↩
vgl. EuGH, Urteile BUPA Hospitals und Goldsborough Developments vom 21.02.2006 – C-419/02, EU:C:2006:122, DStRE 2006, 424, Rz 48; Air France-KLM und andere vom 23.12 2015 – C-250/14 und – C-289/14, EU:C:2015:841, Mehrwertsteuerrecht 2016, 197, Rz 39↩
vgl. EuGH, Urteile Mac Donald Resorts vom 16.12 2010 – C-270/09, EU:C:2010:780, DStR 2011, 119, Rz 31; Orfey Balgaria vom 19.12 2012 – C-549/11, EU:C:2012:832, UR 2013, 215, Rz 28↩
EU:C:2009:507, DStR 2009, 2003↩
EU:C:2013:599, DStRE 2014, 476↩
vgl. EuGH, Urteil Kommission/Deutschland vom 15.07.2004 – C-144/02, EU:C:2004:444, UR 2004, 625, Rz 26↩
öffentliche Einrichtung↩
vgl. EuGH, Urteil Keeping Newcastle Warm vom 13.06.2002 – C-353/00, EU:C:2002:369, DStRE 2002, 969, Rz 23↩
EuGH, Urteil Office des produits wallons vom 22.11.2001 – C-184/00, EU:C:2001:629, UR 2002, 177↩
vgl. Schlussanträge des Generalanwalts Geelhoed vom 27.11.2003 – C-381/01, – C-495/01, – C-144/02 und – C-463/02, EU:C:2003:642, Rz 46↩
vgl. EuGH, Urteile Office des produits wallons, EU:C:2001:629, UR 2002, 177, Rz 10, 12 und 18; Kommission/Deutschland, EU:C:2004:444, UR 2004, 625, Rz 28 und 31↩
vgl. EuGH, Urteile Office des produits wallons, EU:C:2001:629, UR 2002, 177, Rz 14; Kommission/Deutschland, EU:C:2004:444, UR 2004, 625, Rz 29↩
EuGH, Urteile Office des produits wallons, EU:C:2001:629, UR 2002, 177, Rz 17; Kommission/Deutschland, EU:C:2004:444, UR 2004, 625, Rz 30↩
EuGH, Urteile Office des produits wallons, EU:C:2001:629, UR 2002, 177, Rz 13; Kommission/Deutschland, EU:C:2004:444, UR 2004, 625, Rz 28↩
vgl. EuGH, Urteil Office des produits wallons, EU:C:2001:629, UR 2002, 177, Rz 14 und 18↩
EU:C:2004:441, BFH/NV 2004, Beilage 4, 367↩
EU:C:2004:442↩
EU:C:2004:444, UR 2004, 625↩
EU:C:2004:455↩
EuGH, Urteil Kommission/Deutschland, EU:C:2004:444, UR 2004, 625, Rz 38↩
EuGH, Urteil Kommission/Deutschland, EU:C:2004:444, UR 2004, 625, Rz 45↩
vgl. BFH, Urteil vom 28.06.2017 – XI R 12/15, BFHE 258, 532, BFH/NV 2017, 1400, Rz 71↩
EuGH, Urteil Skripalle vom 29.05.1997 – C-63/95, EU:C:1997:263, BStBl II 1997, 841, Rz 22 f., 25 f.; BFH, Urteil in BFHE 245, 473, BStBl II 2016, 187, Rz 28↩
vgl. EuGH, Urteil Skripalle, EU:C:1997:263, BStBl II 1997, 841, Rz 26↩
vgl. EuGH, Urteil Balkan and Sea Properties und Provadinvest vom 26.04.2012 – C-621/10 und – C-129/11, EU:C:2012:248, HFR 2012, 675, mit Anmerkung Klenk↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 245, 473, BStBl II 2016, 187↩
BFH, Urteil in BFHE 221, 388, BStBl II 2009, 786↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 221, 388, BStBl II 2009, 786, unter II. 2.b, Rz 13 f.↩
vgl. BFH, Urteile vom 12.06.2008 – V R 22/06, BFHE 222, 106, BStBl II 2009, 165; vom 14.07.2010 – XI R 9/09, BFHE 231, 253, BStBl II 2010, 1086↩
EU:C:2012:248, HFR 2012, 675↩

References: Art. 15
 Art. 11
 Art. 11
 EuGH 
 § 10
 Art. 11