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Timestamp: 2020-07-11 02:09:23+00:00

Document:
Standespolitische Arbeit erfolgreich – Aufhebung von Paragraf 6a
Kurz vor Ostern wurde das Behandlungsspektrum der Zahnärzteschaft
durch Paragraf 6a der Corona-Verordnung der Landesregierung
Baden-Württemberg auf akute und Notfallbehandlungen reduziert.
Nach wochenlangen Bemühungen und Interventionen seitens der
Kammer und der KZV wurden die Vorgaben schließlich drei Wochen
nach ihrem Erscheinen am 4. Mai 2020 vollständig aufgehoben.
Eigentlich sollten die Vorgaben, die während der Osterfeiertage im Sozialministerium in Paragraf 6a Nie-derschlag fanden, bis 15. Juni 2020 gelten – soweit sie nicht aufgrund der Entwicklungen hätten vorher aufgehoben werden können oder gegebenenfalls sogar noch verlängert werden müssen. Da KZV und Kammer aufgrund dieser Verordnung unabsehbare Folgen auf die Zahnärzteschaft zu-kommen sahen, fanden seit Karfreitag regelmäßige Gespräche zwischen den Körperschaften und dem Ge-sundheitsministerium statt. Noch vor Ende der Osterfeiertage erfolgte ein erstes Einlenken, indem das Ministerium „Auslegungshinweise“ zur Einschränkung zahnärztlicher Behand-lungen erarbeitete, wie die Regierung am 13. April mitteilte.
Nur akute Notfälle. Diese besagten, dass „bei der zahnärztlichen Versorgung von Patientinnen und Patienten in den Fachgebieten Oralchirurgie, Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und Kieferorthopädie [...] nur akute Erkrankungen oder Schmerzzustände [Notfälle] behandelt werden [dürfen]. Andere als Notfallbehandlungen sind auf einen Zeitpunkt nach dem Außerkrafttreten dieser Verordnung zu verschieben“, so die Corona-Verordnung. Zwar wurde damit das absolute Berufsverbot wieder aufgehoben, doch für zahlreiche Praxen im Land bedeuteten diese Einschränkungen eine Flut an Terminabsagen und eine große Verunsicherung sowohl bei den Patient*innen, als auch bei den Zahnärzt*innen selbst. Beide Körperschaften betrachteten diese Regelung von Beginn an als unverhältnismäßigen Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Berufsausübungsfreiheit der Zahnärzteschaft und forderten deshalb ihre Streichung. Den mündlichen Verhandlungen folgte ein gemeinsames Schreiben an Minister-präsident Kretschmann und Sozialminister Lucha. Darin bekräftigten Dr. Ute Maier und Dr. Torsten Tomppert erneut, dass die Zahnärzt*innen in Baden-Württemberg zu den systemrelevanten Gesundheitsberufen zählen. Gerade in Zahnarztpraxen werden schon immer strenge Hygienevor-schriften angewandt, die zu einem entsprechend hohen Schutzniveau bei der zahnärztlichen Behandlung bei-tragen, und zwar unabhängig von der derzeitigen Situation.
Erfolgreiche Standespolitik. Bemühungen, die Erfolg zeigten: Sechs Wochen vor der geplanten Aufhebung des Paragrafen 6a änderte die Landesregierung ihre Rechtsverordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus erneut, und hob die Bestimmungen, die zahnärztliche Behandlungen bis dato eingeschränkt hatten, auf. Damit bestehen seitdem keine Behandlungsbeschränkungen mehr.
Gewisse Sorgen bleiben. Die Sorgen der zahnmedizinischen Familie sind damit jedoch nicht vom Tisch, denn die Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung, die das ursprüngliche Sozialschutzpaket für Zahnarztpraxen auf einen reinen Kredit reduziert, wird sich unmittelbar auf die Arbeits- und Ausbildungsplätze auswirken. Die Gesamtvergütungen für Zahnärzte in diesem Jahr sollen auf 90 Prozent der 2019 erfolgten Zahlungen festgeschrieben werden. Einzelleistungen werden weiterhin nach den für 2020 bereits vereinbarten Kriterien vergütet. Sollte es aufgrund von Nachholeffekten bei aufgeschobenen Leistungen wie etwa Zahnersatz kommen, müssen die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen die von den Krankenkassen zu viel gezahlte Vergütung in den Jahren 2021 und 2022 vollständig ausgleichen. Der Referentenentwurf hingegen sah vor, dass die Zahnärzte 30 Prozent möglicher Überzahlungen behalten dürfen. Aufgenommen wurde auch ein Passus, nachdem alle Kassenzahnärztlichen Vereinigungen „im Benehmen mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen“ im Honorarverteilungsmaßstab abweichende Regelungen in den Jahren 2020 bis 2022 vorsehen können.
Schwerpunktpraxen. Bereits in der Anfangsphase der Pandemie wurden durch Bemühungen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung mehrere Schwerpunktpraxen eingerichtet. Patienten, die an COVID-19 erkrankt sind oder sich in Quarantäne befinden, werden dort behandelt. Die Liste der infrage kommenden Universitäts-kliniken, Kliniken und Praxen wird regelmäßig aktualisiert und findet sich auf den Internetseiten der Kassen-zahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg.
Oberstes Gebot: Mundgesundheit. Nicht zuletzt in Zeiten der Corona-Pandemie gilt, dass eine gute Mundhygiene zum Schutz vor Krankheiten beitragen kann. Darauf wies auch die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hin. „Prävention stärkt die Immunkompetenz am Entstehungsort der Virusinfektion und hilft über diese Fitmacherfunktion, sie zu vermeiden oder ihren Verlauf abzumildern“, betont der Präsident der DGZMK, Prof. Dr. Roland Frankenberger. Für die Patienten sei es wichtig, sich immunologisch bestmöglich gegen COVID-19 zu wappnen. Dies schließe eine konsequente Mundhygiene mit ein.
Bericht aus einer Schwerpunktpraxis
Seit einigen Wochen beherrscht die Corona-Pandemie unseren Alltag. Auch auf den Praxisbetrieb hat die Coronakrise gewaltige Auswirkungen. Die ZBW-Redaktion möchte gerne die Auswirkungen der Krise auf den zahnärztlichen Praxisbetrieb beleuchten und hat einige Praxen gebeten, aus ihrem Alltag in den letzten Wochen zu berichten: Wie haben Sie die letzten Wochen gemeistert? Wie haben Sie und Ihr Praxisteam gearbeitet? Hatten Sie genügend Schutzausrüstung? Welche Auswirkungen hatte die Corona-Verordnung der Landesregierung und der unsägliche § 6a, der den Praxen lediglich Notfallbehandlungen gestattete, bevor das Sozialministerium Auslegungshinweise nachschob und den Paragrafen jetzt endlich aufgehoben hat?
Dr. Yvonne Rydlewski-Feller aus Freiburg hat uns folgenden Bericht übermittelt: Die COVID-19-Pandemie hat unsere Praxis in ihrer Struktur mit Sicherheit ziemlich durchgewirbelt. Aber es gab zu keinem Zeitpunkt eine wirkliche Panik.
Als die ersten Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung bekannt wurden, haben wir zuerst unter uns Behandlern entschieden, wie jede Einzelne von uns (meine angestellte Zahnärztin, meine Ü70-Teilzeit-ZÄ und ich als hochschwangere Chefin) da-mit umgehen werden und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir weiterarbeiten möchten (mit Ausnahme der Ü70-ZÄ, die ich als risikogefährdet nicht zur Behandlung zugelassen habe). In einer Teamsitzung haben wir dann unser Team über die COVID-19-Situation und die damit verbundenen praxisinternen Maßnahmen informiert. Das Team hat sich daraufhin einstimmig dafür entschieden, mit uns weiterzuarbeiten. Es bestand zu keinem Zeitpunkt Unsicherheit oder Angst im Team. Alle Mitarbeiterinnen haben sich und ihren Beruf als Teil des medizinischen Systems gesehen und die sowieso sehr hohen Hygieneanforderungen in einer Zahnarztpraxis als Schutzschild vor COVID-19 empfunden.
So wurden in den unterschiedlichen Bereichen unserer Praxis daraufhin auch unterschiedliche Vorkehrungen getroffen. Die Praxisverwaltung hat die von der LZK empfohlenen Hinweise umgesetzt und einen Türaushang sowie eine spezielle COVID-19-Anamnese eingeführt. Die Patienten, die zur Risikogruppe gehörten, wurden umterminiert, Telefonate mit verunsicherten Patienten geführt und die Entscheidung von Patienten, aus Angst die Behandlung nicht durchführen zu wollen, stets unterstützt und diese Termine dann verschoben. Die Prophylaxe-assistentinnen haben medizinisch nicht indizierte Behandlungen abgesagt und in der zahnärztlichen Behandlung haben wir antiseptische Mundspülungen zur Keimreduktion, Gesichtsvisiere als Behandlerschutz und vermehrte Behandlungspausen zur erhöhten Durchlüftung eingeführt. Die Patienten wurden nicht so engmaschig einbestellt, damit sich keine Wartezeiten im Wartezimmer ergaben und sich auch nicht so viele Patienten gleichzeitig in der Praxis befanden.
Die Praxis lief somit ziemlich unbeeindruckt weiter, wobei sich die Patientenzahlen und auch die Praxis-einnahmen selbstverständlich von denen außerhalb der Pandemie deutlich unterschieden haben, aber an Arbeit hat es nie wirklich gemangelt. Von den Patienten haben wir ausschließlich positives Feedback bekommen. Sie waren sehr dankbar, dass wir für sie da waren und ihnen eine gewisse Struktur in dieser verunsichernden COVID-19-Situation geben konnten. Nach dieser aufregenden Zeit bin ich unheimlich stolz auf mein Team, dass wir es so unaufgeregt geschafft haben, die Praxis so gut weiter am Laufen zu halten.
Aus Remseck erreichte uns der Bericht von Dr. Heike Bächler: Am Montag, dem 16.3.2020 rief eine meiner Patientinnen an, dass sie positiv auf COVID-19 getestet wurde. Sie erfuhr ihr Testergebnis Samstagabend, welches ihr durch die Polizei überbracht wurde.
Sofort haben wir nachgeschaut, wann die Patientin zur Behandlung da war: am Donnerstag, dem 12.03.2020. Es folgten mehrere Telefonate an den darauffolgenden Tagen. Die Patientin wohnt in einem anderen Landkreis. Das war schon problematisch: verschiedene Gesundheitsämter, verschiedene Aussagen.
Schließlich „durfte“ ich meine Praxis zwei Wochen auf behördliche Anordnung schließen und ich hatte unverhofft zwei Wochen „Corona-Zwangsurlaub“. Diesen nutzte ich, um mich über COVID-19 zu informieren und privat nutzte ich die Zeit, um z. B. meine im Keller über 25 Jahre schlummernde Trompete zum Leben zu erwecken und die Nachbarn zu „erfreuen“. Auch hatte ich endlich einmal Zeit, mit den Nachbarn Gespräche zu führen.
Seit Januar ist das Zentrallager meines Dental-depots überfordert. Es war wie Weihnachten und Geburtstag zusammen, als ich im April eine große Lieferung Handschuhe bekam. Leider wurde mir im April meine im Januar erfolgte Bestellung von Mund-Nasen-Schutz ersatzlos gestrichen.
Inzwischen habe ich über einen Chinahandel FFP2-Masken bekommen. Die bei einem Supermarkt Ende März bestellten FFP3-Masken hängen noch an der holländischen Grenze (oder wo auch immer) fest.
Meine Mitarbeiterinnen und ich behandeln inzwischen mit FFP2-Masken und tragen zusätzlich über Schutzbrillen ein Schutzschild.
Das Wartezimmer war zwischenzeitlich einige Wochen das „Spiel- und Lernzimmer“ für die Kinder einer Mitarbeiterin, welche jetzt in der „Notbetreuung“ sind.
Die Patienten lesen die Krankenversichertenkarte selbständig ein und desinfizieren nach Eintreten und vor dem Verlassen der Praxis die Hände. Sie wer-den, wenn möglich, direkt ins Behandlungszimmer gesetzt. Im Wartezimmer wartet, wenn überhaupt, nur ein Patient oder eine Familie.
Da wir in unserer Zahnarztpraxis schon immer einen hohen Hygienestandard vorweisen, bzw. bisher schon alle Patienten so behandelt haben, als wären sie „hochinfektiös“, hat sich nicht so viel für uns ver-ändert.
Der Gesprächsstoff mit den Patienten hat sich verändert. Wir hoffen sehr, dass es bald Schutzausrüstung zu „vor Coronazeit“-vernünftigen Preisen gibt.
Praxismanagerin Jutta Barsch berichtet aus der Praxis Dr. Ulf Barsch in Bietigheim-Bissingen: Zu Beginn dieser Krise waren alle unsere Patienten verunsichert, es gab die Verschwörungs-Theoretiker, die entspannten Aufgeklärten und die Verweigerer. Wir hatten alle davon. Von einer Woche auf die andere hatten wir plötzlich nichts mehr zu tun. Das Telefon klingelte nicht mehr, die Patienten kamen nicht zum vereinbarten Termin. Lediglich unsere begonnenen Behandlungen wurden zu Ende geführt. Meine PZR-Mitarbeiterinnen hatten nichts mehr zu tun und die Auszubildenden im 3. Lehrjahr keine Schule mehr. Es herrschte Stillstand, Ratlosigkeit und auch Angst. Da es zu diesem Zeitpunkt, Mitte März, noch keine haltbaren Verhaltensregeln seitens der KZV gab, waren wir auf uns alleine gestellt. Wir beschlossen auf Notfallbehandlung in der Praxis umzustellen und darüber hinaus telefonische Erreichbarkeit den ganzen Tag. Unsere Praxiskapazität wurde von 100 Prozent auf 5 Prozent zwangsweise zurückgefahren. Alle geplanten Termine haben wir bis Anfang Mai verschoben. Manche Patienten, die zu uns kamen, da sie Beschwerden oder dergleichen hatten, behandelten uns als wären wir giftig, totale Ablehnung, als wenn wir die Krankheitsüberbringer wären.
Wir hatten jeden Montag Krisen-Teambesprechung und planten dann die Arbeitstage durch. Unsere Azubis durften bei uns im Büro lernen, da sie zuhause keine Ruhe hatten, da beide jüngere Geschwister haben. Wir lernten zusammen und versuchten auch diese Aufgabe zu meistern.
Unsere Materialbestände sind meistens gut gefüllt, sodass wir nicht in die Notlage kamen, keine Schutzausrüstung mehr zu haben. Lediglich die FFP2-Masken waren nicht zu bekommen, was aber nicht besonders schlimm war, denn es kamen ja eh keine Patienten. Wir bestellten 100 FFP2-Masken zu 900 Euro bei unserem Großhändler und bekamen diese auch recht zügig geliefert. Wir bestellten kontinuierlich unsere Schutzausrüstung nach, da sich die Lieferzeiten auf ungewisse Zeit hinauszögerten. Es gibt Material u. a. Händedesinfektion, das bis heute im Rückstand ist. Wir hatten aber immer genügend Toilettenpapier zu Verfügung.
Wir bekamen tägliche Mails von der Kammer und der KZV, wie wir uns verhalten sollen, was nicht immer beruhigend oder gar aussagefähig war. Der Höhepunkt war dann Ostern mit dem Hinweis des Berufsverbotes. Ich denke, dies ist auch der Grund, warum die Patienten so verunsichert sind. Unsere Termin-Patienten werden alle angerufen und persönlich aufgeklärt, über die Notwendigkeit und ob die Behandlung stattfinden soll.
Unsere Praxis wurde Corona-tauglich umfunktioniert, die Patienten müssen zuerst Hände waschen und desinfizieren, bevor sie im Wartezimmer mit ihrem Mundschutz Platz nehmen. Des Weiteren müssen sie uns einen Fragebogen ausfüllen, damit wir ihren Gesundheitszustand einschätzen können. Die Rezeption wurde mit einer Plexiglasscheibe abgetrennt. Händeschütteln zur Begrüßung und Verabschiedung wurde gleich abgeschafft. Das Tragen des Mund-Nasen-Schutz für die Mitarbeiter ist mittler-weile auch im Rezeptionsbereich Pflicht, im Behandlungszimmer wurde dies schon vor einigen Wochen eingeführt. Mittlerweile kommen die ersten Patienten in die Praxis, die eine COVID-19 Erkrankung überstanden haben, negativ getestet sind und eine Behandlung brauchen.
Nach jeder überstandenen Woche bin ich sehr froh, dass wir alle gesund geblieben sind und dass wir die Woche geschafft haben. Die große Unsicherheit wie alles weitergeht, bestimmt unseren Alltag und die Sorgen darüber. Dies wird sicherlich ein schwieriges Jahr und ich hoffe wir werden es gesund überstehen.
Ich werde ein Corona-Tagebuch schreiben, um alle Ereignisse und Eindrücke festzuhalten, die mich in diesen Wochen umgeben. Es ist wie eine Irrfahrt, die keinen Ausstieg hat und kein Ende in Sicht. Eine unbeschreibliche Situation, die alles von einem fordert und einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich hoffe sehr, dass unsere Patienten diesen Einsatz schätzen und wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.
Und einen sehr ausführlichen Bericht übermittelte uns Dr. Peter Fuchs aus Neckarsulm: Als wir am 27. Januar dieses Jahres erfuhren, dass ein Mann aus Bayern sich als erster bekannter Fall in Deutschland infiziert hat, war das Coronavirus noch immer ziemlich weit weg. Wir waren alle gesund, niemand von uns aus der Praxis oder Angehörige waren in China und „die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt nach Einschätzung des RKI weiterhin gering“, so unser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in diesen Tagen.
Wir sind eine Praxis mit einem Hauptstandort mit fünf Behandlungszimmern und einer Zweigpraxis mit zwei Behandlungszimmern. Außer KFO bieten wir alle zahnärztlichen Leistungen in unserer Praxis an. Zum Team gehören 25 Mitarbeiterinnen.
Der Praxisbetrieb lief ganz normal weiter, auch als im Februar klar war, dass das Coronavirus weltweite Auswirkungen hat. Die bisherigen Maßnahmen betrafen nur den internationalen Reiseverkehr. Vonseiten unserer Patienten war das Virus in Bezug auf zahnärztliche Behandlungen zu dieser Zeit kein Thema.
Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte am 26. Februar: „Wir befinden uns am Beginn einer Epidemie in Deutschland“. In diesen Tagen wird klar, dass es weltweit und natürlich auch in Deutschland einen Mangel an persönlicher Schutzausrüstung gibt.
Der inzwischen eingerichtete Corona-Krisenstab beschließt eine zentrale Beschaffung durch das Bundesgesundheitsministerium. Nun haben wir in unserem Warenwirtschaftssystem nachgesehen, wie lange unser Vorrat wohl reichen wird. Sicher hatten wir auch Glück, dass wir bei Bestellungen von länger haltbaren Dingen immer ein paar Monate im Voraus planen. Von dieser Seite gab es bei uns keine Probleme. Bei normalem Praxisbetrieb sollte unser Vorrat vier bis fünf Monate reichen. Corona hat uns, zumindest in dieser Hinsicht, zeitlich nicht auf dem falschen Fuß erwischt.
Wir hatten am Wochenende vom 7./8. März Not-dienst und versorgten 50 Patienten. Das ist für unsere Praxis ein normaler Notdienst. Trotz der Empfehlungen aus der Politik, größere Veranstaltungen abzusagen, fanden bis einschließlich 13. März alle von uns angebotenen Behandlungen statt.
Als am 13. März von allen Bundesländern die Schließung der Schulen und Kitas beschlossen wurde, ging es ziemlich schnell. Am Montag, den 16. März standen bei uns die Telefone nicht mehr still. Sehr viele Patienten sagten ihre Termine für die kommende Woche ab. Auf einen Schlag hatten wir in dieser Woche nur noch ein Patientenaufkommen von ca. 50 Prozent des sonst üblichen Umfangs. In dieser Woche haben wir von uns aus einige geplante aber aufschiebbare Behandlungen bei besonders gefährdeten Menschen abgesagt.
Bei unserer bisher letzten Teambesprechung, bei der noch alle Teammitglieder anwesend waren, am 17. März, haben wir das Vorgehen und unsere Maß-nahmen für die kommenden Wochen beschlossen. Wie viele Kolleginnen und Kollegen auch, haben wir das Team in Gruppen aufgeteilt, die sich nicht mehr begegnen. Zu den 25 Mitarbeiterinnen zählen drei an-gestellte Zahnärztinnen sowie zwei Vorbereitungsassistentinnen. Wir haben drei Behandlungsteams (1x ZÄ/ZA, 2x ZFA, 1x Rezeption/Verwaltung) gebildet.
In unserer Hauptpraxis haben wir seither eine Pufferzeit in der Mittagspause. Durch die stark gesunkenen Patientenzahlen und unser Ziel, so wenige Personen, wie möglich, gleichzeitig in der Praxis zu haben, waren wir gezwungen, Mitarbeiterinnen „nach Hause zu schicken“. Dies gelang im März durch Überstundenabbau und Urlaub. Teilweise konnten wir die „freie Zeit“ für aufgeschobene Dinge nutzen: Arbeitsanweisungen aktualisieren, Inventur der Verbrauchsmaterialien. „Teilweise“ deshalb, weil wir die Größe der Teams klein halten wollen und die in der Praxis Anwesenden mit der Betreuung der Patienten ausgelastet waren. Wo es ging, zum Beispiel im QM, konnten wir einige Aufgaben ins Homeoffice auslagern. Trotzdem mussten wir ab dem 1. April Kurzarbeit beantragen. Als Praxisinhaber war ich sehr froh, dass alle getroffenen Maßnahmen, die letztendlich in Lohneinbußen münden, vom gesamten Team getragen wurden. Ich konnte und kann bis heute auf die Loyalität des Teams bauen.
Da wir aktuell keine Präsenz-Praxis-Teambesprechungen durchführen können, gibt es neben den Teambriefings bei uns im sehr kleinen Kreis, analog zu Kammer KOMPAKT, eine Praxis-Rundmail. So halten wir die Mitarbeiterinnen, die zu Hause sind, auf dem Laufenden. Kurz vor der Coronakrise wollten wir die Schichtpläne über eine Smartphone-App organisieren. Die Krise hat uns jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt müssen die Schichtpläne eben noch über Telefon oder SMS verteilt werden.
Die Arbeitsbelastung für unser Verwaltungsteam ist seither immens: Zuerst mussten die durchzuführen-den Behandlungen terminlich koordiniert und parallel dazu die Behandlungsteams zusammengestellt wer-den. Das bedeutete von da an: Alle Patienten müssen angerufen werden. Üblicherweise erinnern wir seit einigen Monaten unsere Patienten per SMS oder E-Mail an ihre Termine.
In dieser Situation war unserer Meinung nach die Kommunikation am Telefon erforderlicher denn je. Vonseiten der Patienten gab es sehr viel Verständnis und positive Rückmeldungen für die durchgeführten Änderungen.
Unsere Patientenzahlen nahmen nach dem Verhängen der Ausgangs- oder Kontaktsperren natürlich weiter ab. Wir erhielten auch sehr kurzfristige Absagen. Auffallend war, dass unsere Patienten offensichtlich häufig das Wochenende abgewartet haben und dann entschieden, ob sie Termine wahrnehmen. Wir haben versucht, uns auf dieses Verhalten möglichst gut ein-zustellen, was vom gesamten Team eine unheimliche Flexibilität verlangte.
Im Gegensatz zu manchen anderen Praxen waren wir der Meinung, dass sämtliche notwendigen zahn-ärztlichen Behandlungen bei vermutet gesunden Patienten durchgeführt werden können. Dazu gehört bei uns auch die Professionelle Zahnreinigung als notwendige Behandlung. Diese Auffassung habe ich in enger Abstimmung mit Kolleginnen und Kollegen geteilt.
Für an COVID-19 erkrankte Patienten wurden von der Kammer und der KZV Notfallzentren eingerichtet.
Schon immer legen wir großen Wert darauf, dass wir „Fachärzte“ für Zahnheilkunde sind. Unser Beruf birgt wie auch viele andere Berufe, gewisse Risiken bei seiner Ausübung. Das war schon immer so. Vor Corona gab es HIV, Hepatitis, Grippe und viele andere Erreger. Ich bin sicher, dass die Zahnärzteschaft in den vergangenen Jahrzehnten ordentliche Hygienestrukturen in den Praxen aufgebaut hat. Diese Strukturen haben meiner Ansicht nach erfolgreich dafür gesorgt, dass unter zahnärztlichem Praxispersonal keine erhöhten Infektionszahlen, nicht nur bei Corona, vorlagen bzw. vorliegen. Aktuell fühle ich mich in unserer Praxis und zu Hause am wohlsten. An diesen Orten weiß ich sehr genau, wie Hygiene betrieben wird.
Den Ansatz, zum Beispiel die PZR während der Coronakrise als nicht notwendig und aufschiebbar zu bewerten oder gar deren Durchführung zu unter-sagen, halte ich im medizinischen Sinne als auch berufsethisch für sehr fragwürdig. Ich meine, auch die PZR gehört zu unserem Sicherstellungsauftrag, um die Entstehung parodontaler Erkrankungen zu verhindern oder bei bestehender bzw. bereits behandelter PAR eine Verschlechterung zu vermeiden.
Wir haben gegenüber Politik und Kostenträgern jahrelang dafür gekämpft und werden das auch weiter tun müssen, dass die PZR eine medizinisch notwendige, wissenschaftlich fundierte Leistung ist.
Die im Bereich von Social Media vielleicht etwas vorschnell geposteten Forderungen nach behördlich verordneten Praxisschließungen wegen fehlender Schutzausrüstung, höchster Infektionsgefahr und fehlender Unterstützung durch wen auch immer, waren im Sinne der Zahnheilkunde sicher etwas kontraproduktiv. Wir werden diesen Posts in den kommenden Jahren, so glaube ich, immer mal wieder unangenehm begegnen, sei es in Vertragsverhandlungen oder bei der Positionierung der Zahnheilkunde als Fachdisziplin der Medizin.
Ich glaube, dass diese Meinungsäußerungen ihren Beitrag zum unsäglichen § 6a der Corona-Verordnung der Landesregierung geleistet haben. Schlimm, dass die Politik vor dem Erlass dieser Verordnung keinen „zahnärztlichen Rat“ eingeholt hat. Schlimm auch, aber zu erwarten war, dass Sozialminister Manfred Lucha trotz intensiver Verhandlungen mit Dr. Ute Mai-er und Dr. Torsten Tomppert über die Osterfeiertage den § 6a nicht gestrichen hat.
Die nachgeschobene gemeinsame Presseerklärung hat von unseren Patienten niemand gelesen.
Nach dem Osterwochenende gab es unter den Patienten eine große Unsicherheit. Wir bekamen An-fragen, ob es denn strafbar sei, zur Behandlung z. B. dem Legen einer Füllung, in der Praxis zu erscheinen. Glücklicherweise hat sich diese Situation mit Wirkung vom 4. Mai durch Streichung des § 6a wieder geklärt.
Wie die meisten Menschen und Branchen trifft auch uns die Coronakrise in jeglicher Hinsicht sehr hart. Ohne finanzielle Einbußen geht das natürlich nicht. Umsätze gingen verloren. Teilweise werden wir diese sicher nachholen können. Die notwendige prothetische Versorgung, die Erneuerung der insuffizienten Füllung oder die Entfernung des teilretinierten 8ers müssen „abgearbeitet“ werden. Vermutlich werden wir unsere Urlaubspläne für dieses Jahr – nicht nur wegen Corona – ändern müssen. Schön, wenn man besonders in bisher ungekannten Krisenzeiten, ein motiviertes und loyales Team hat!
Vonseiten unserer Standesvertretung auf Landes- und Bezirksebene, der Landeszahnärztekammer und dem Vorstand der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, haben sich mein Team und ich jederzeit gut informiert und unterstützt gefühlt. Es ist mir vollkommen klar, dass auch eine Landeszahn-ärztekammer Baden-Württemberg keine Möglichkeiten hat, auf dem leergefegten Weltmarkt Schutz-ausrüstungen zu bekommen. Das Päckchen mit 20 Mundschutzen war sicher eine symbolische Geste der Unterstützung. Aber nachdem wir unser „Schul-chinesisch“ aufgefrischt haben, konnten wir auch die Gebrauchsanweisung lesen. – Das soll aber ein Witz sein.
In solchen Zeiten ist auch Kollegialität gefragt. Ein schönes Beispiel hierfür ist eine Heilbronner kieferorthopädische Praxis, die ganz spontan ihre 3D-Drucker zur Produktion von einfachen Gesichtsvisieren verwendet. Eine kostenlose Grundausstattung wurde an die Kollegenschaft versandt. Auf Nachfrage gibt es weitere Exemplare auf Spendenbasis.
Der Informationsfluss über Kammer KOMPAKT klappt sehr gut. Die Website gibt einen schnellen Überblick über die Lage. Informationen zu Verordnungen, Maßnahmen und mögliche Unterstützungen können sehr einfach und schnell abgerufen werden. Ich finde, unsere Standesvertretung macht einen sehr guten Job! Ich bin sehr gespannt, welche (finanzielle) Unterstützungen tatsächlich zum Tragen kommen.
Am Montag, den 4. Mai, nach Streichung des § 6a, wurde in vielen Medien berichtet, dass nun auch Zahnärzte wieder alle Leistungen anbieten dürfen. Das war meiner Ansicht eine etwas unglückliche Formulierung, erweckte sie doch den Anschein, dass alle Praxen, die während der Gültigkeit von § 6a geöffnet hatten, sich im Bereich einer Grauzone bewegten.
Sei´s drum. Unter veränderten Bedingungen geht es, so glaube ich, hin zu einer neuen „Normalität“ in der Gesellschaft und auch in unseren Praxen.
Ich habe aber keine Zweifel, daran, dass die Zahn-ärzteschaft gut aufgestellt ist.
Mit herzlichen Grüßen übermittelten Katja und Dr. Harald Remsch aus Langenau mit dem gesamten Praxisteam ihren Stimmungsbericht: Auch uns hat die Corona-krise, wie alle Menschen auf der Welt, überrollt. Wir waren in Sorge um die Gesundheit unserer Angehörigen, waren aber auch in Sorge um unsere Praxis. Wie geht es und geht es überhaupt weiter in der Coronakrise für uns?
An dieser Stelle möchten wir ein herzliches Danke-schön an die LZK BW sagen, für den unermüdlichen Ein-satz und die sehr interessanten und informativen Rund-briefe, die wir so zuverlässig und immer sehr zeitnah zu den aktuellen Themen bekommen haben. Auch an Sonn- und Feiertagen haben wir die Rundbriefe von der LZK BW bekommen.
Als ich noch in Panik im Kreis gelaufen bin durch die Wohnung, war mein Mann im Büro verschwunden. Nach einiger Zeit kam er und zeigte mir die Rundbriefe der LZK, aus welchen wir herauslesen konnten, wie der Arbeitstag am Montag für uns weitergeht nach dem Aufkommen der Coronakrise.
Wir erstellten am Wochenende einen Chat in WhatsApp mit unserem Team und haben all diese Rundbriefe mit zusätzlichen Informationen zur Umsetzung in unserer Praxis an unser Team geschickt. So konnten wir uns austauschen und auch unser Team wusste, dass wir auf fundiertes Wissen der LZK zugreifen, die sich bei allen wichtigen Institutionen informierte, was in der Krise von uns als Zahnarztpraxis erwartet wird. Die Rundbriefe haben wir jedes Mal in den Chat geschickt, so wussten auch unsere Mitarbeiterinnen, was jeweils am nächsten Tag auf uns zu kommt.
Durch diese Rundbriefe hatten wir immer einen Rück-halt und konnten durchatmen, trotz aller Umstände, die so eine Pandemie mit sich bringt, so fühlten wir uns getragen von unserer LZK BW, der wir zugehörig sind.
Wir wurden auch informiert, wie Kurzarbeit vor sich geht, wo wir unsere finanziellen Hilfen beantragen können, wo wir Schutzausrüstung beziehen können, wenn es knapp wird.
Wenn man die Rundbriefe aufmerksam gelesen hatte, blieb keine Frage mehr offen. Mein Mann und ich fragten uns, wo und wie die LZK das nur in so kurzer Zeit und wie schon erwähnt, auch am Wochenende auf die Beine gestellt hat. Wir fühlten uns keine Sekunde alleine gelassen.
Die Pressemitteilung traf uns auch nicht wie ein Schlag ins Gesicht, denn schon am Karfreitag und Ostermontag kam das schriftliche Dementi im Rundbrief sowie die Information, dass gegen den § 6a Einspruch eingelegt wurde. So konnte ich am Dienstag den Patienten, die an-gerufen haben, fachlich kompetent antworten, was wir im Moment behandeln dürfen und was nicht.
Ein Vorteil unserer Praxis war für mich, dass wir die Begehung des Regierungspräsidiums im Juli 2019 hatten, denn so haben wir uns als Praxis nochmals bestärkt gesehen, alles richtig zu machen im Hygiene- und Aufbereitungsbereich. Ebenso war ich als Hygienebeauftragte der Praxis im Oktober 2019 bei einem einwöchigen Hygienelehrgang, der mir und unserer Praxis das Hintergrundwissen nochmals sehr tiefgründig und intensiv vermittelt hat, wie die Viren, Bakterien und Sporen in unserem Aufbereitungsvorgang abgetötet werden, was wir immer, auch unabhängig von COVID-19, aufgrund des Aerosolnebels zu beachten haben.
Die Validierung der Hygienekette, die wir regelmäßig durchführen, gibt auch in einer solchen Zeit die Sicherheit, dass wir das Bestmöglichste zum Schutze unserer Mitarbeiterinnen und unserer Patienten umsetzen.
Wenn man bei der Validierung einmal zuschaut (was ich persönlich immer mache und dem Validierer Löcher in den Bauch frage) und dann sieht, was der Validierer da an mitgebrachten kontaminierten Instrumenten mit eingetrocknetem Blut etc. mitbringt und in den Thermo packt, dann kann man sich auch sicher sein in seiner Hygienekette als Praxisbetreiber, wenn die Validierung erfolgreich ist. So kann man den Patienten auch mit gutem Gewissen mitteilen, dass man auch in einer Pandemie die Viren und sonstigen Erreger mit unserem Aufbereitungssystem erfolgreich und nachweislich abgetötet hat, da eine nicht erfolgreiche Charge vom Programm gar nicht freigegeben wird und somit nicht in Umlauf kommt.
Ich informierte die Patienten in der Pandemie bei An-rufen bezüglich eines Termins auch über unsere Aufbereitungsprogramme, die wir in der Zahnarztpraxis haben, die jeden Aufbereitungsschritt im Thermo und Melag aufzeichnen, dokumentieren und grafisch darstellen, damit sichergestellt ist, dass die Zyklen und Haltezeiten korrekt ablaufen. Das sind Dinge, die die Patienten gerade in der Zeit interessieren und über diese Informationen gibt man den Patienten die Sicherheit auch in dieser Zeit gut auf-gehoben zu sein in einer Zahnarztpraxis.
Das bedurfte in der Anfangszeit sehr viel Aufklärung und ich war ca. die ersten fünf Wochen damit beschäftigt, die Patienten aufzuklären, wie wir in dieser Zeit arbeiten und uns als Team und die Patienten schützen und was der aktuelle Stand der Anforderungen an eine Zahn-arztpraxis in der Pandemie ist, die wir ja immer aktuell aus den Rundbriefen der LZK entnehmen konnten.
Abschließend möchte ich nochmals sagen, dass mein Mann und ich sowie das gesamte Team uns in den für alle Menschen turbulenten Zeiten extrem gut unterstützt und aufgefangen gefühlt haben und fühlen von der LZK BW. Man hat in jedem Rundbrief gespürt, wie sich die LZK für die Interessen, Ängste und Fragen der Zahnärzte/innen eingesetzt hat.
Wahrscheinlich benötigen alle Mitarbeiter der LZK jetzt erst einmal etwas Erholung, denn so strukturiert und in-formativ wie dort in den letzten Wochen gearbeitet wurde in einer nicht alltäglichen Situation, war da wohl nicht mehr viel Freizeit übrig.
Wir bedanken uns bei den Zahnärztinnen und Zahn-ärzten für ihre authentischen Berichte und dass sie ihre Sorgen und Einschätzungen mit uns geteilt haben!
Die Stimmungsbilder holte Andrea Mader ein
Engagement der Standesvertretung
Die Corona-Pandemie bestimmt seit Wochen unseren Alltag. Auch für die Zahnärztinnen und Zahnärzte im Land brachte sie erhebliche Einschnitte. Neben dem völlig überraschenden und unnötigen „Oster-geschenk“ der Landesregierung, der Corona-Verordnung, mussten die Zahnärzteschaft und die beiden zahnärztlichen Körperschaften noch viele andere Herausforderungen bewältigen. Stetes Ziel von KZV BW und LZK BW: Die Interessen des Berufsstandes in der Politik zu ver-treten, aber auch die Kolleginnen und Kollegen zu entlasten und in der gegenwärtigen Krise zu unterstützen und zu schützen. Dazu gehört auch die permanente Kommunikation nach innen und nach außen. Wie sieht das Engagement der Körperschaften im Detail aus?
Atemschutzmasken. Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereini-gung haben ein weiteres und letztes Kontingent an FFP2/KN95 Atemschutzmasken auf dem freien Markt beschafft.
Kämpfen für Berufsfreiheit. Der Gründonnerstag dieses Jahres war für die Berufsfreiheit der Zahnärzteschaft in Baden-Württemberg ein schwarzer Tag: Die völlig überraschende Einführung des § 6a der vierten Corona-Verordnung reduzierte die zahnärztliche Versorgung auf akute Erkrankungen und Notfälle. In konsensualen Gesprächen mit Sozialminister Lucha über die Osterfeiertage konnten Dr. Ute Maier, Vorsitzende des Vorstandes der KZV BW, und Dr. Torsten Tomppert, Präsident der LZK BW, erreichen, dass durch ministerielle Auslegungshinweise medizinisch notwendige zahnärztliche Behandlungen weiter durchgeführt werden konnten. In einem zweiten Schritt wurde dann das standespolitische Ziel – die Aufhebung von § 6a –erreicht. „Nachdem auch die ausreichende Ausstattung der Zahnarztpraxen mit der in der Corona-Krise unverzichtbaren persönlichen Schutzausrüstung mittlerweile sichergestellt ist, können wir die Einschränkungen für zahnärztliche Behandlungen wieder aufheben. Ich bedanke mich bei allen Akteuren für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit in schwierigen Zeiten“, sagte Gesundheitsminister Lucha. Seit dem 4. Mai sind zahnärztliche Behandlungen daher wieder ohne Einschränkung möglich.
Unterstützung für Praxisalltag. Große Unsicherheit herrschte auch in den Praxen: Wie komme ich an die dringend benötigte Schutzausrüstung? Wer liefert Atemschutzmasken? Können Zahnarztpraxen die Soforthilfe des Landes beantragen? Kann ich für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Praxis Kurzarbeit beantragen? Wer kann bei Liquiditätsengpässen aushelfen? Zur Beantwortung von Fragen wie diesen stehen in der LZK-Geschäftsstelle die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Abteilungen Praxisführung, Recht und Finanzbuchhaltung telefonisch und für E-Mail-Anfragen zur Verfügung. Bei der KZV BW wurde eine Hotline eingerichtet, über die Mitarbeiter der KZV BW und der Landesbeirat den Praxen, aber auch an COVID-19 erkrankten Patienten, beratend zur Seite standen und weiterhin stehen. Vielfältige Informationen wurden zudem auf den jeweiligen Webseiten beider Körperschaften zur Verfügung gestellt, u. a. auch eine FAQ-Liste auf der Website der KZV BW und eine Übersicht über die Schwerpunktpraxen und Corona-Ambulanzen für die Behandlung von COVID-19-Erkrankten. Die LZK BW hat auf ihrer Webseite einen neuen Bereich unter Zahnärzte – Praxisführung – Coronavirus eingerichtet und sukzessive Informationen zum Umgang mit COVID-19 in der Praxis, zu arbeitsrechtlichen Problemstellungen, behördlichen Maßnahmen und finanziellen Hilfen erarbeitet. Beide Webseiten werden regelmäßig aktualisiert und überarbeitet.
Interessen vertreten. Regelmäßig werden aktuelle Entwicklungen und neue Informationen an die Kollegenschaft, aber auch an Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg kommuniziert und dabei verschiedene Kanäle wie Rundschreiben, Gesundheitstelegramm und KammerKOMPAKT genutzt. Über die Social-Media-Kanäle kommunizierten die Körperschaften das Angebot der Schwerpunktpraxen ebenso wie den politischen Erfolg der Abschaffung des § 6a der Corona-Verordnung. Um der durch die Corona-Verordnung und den damit zusammenhängenden Presseveröffentlichungen entstandenen Verunsicherung bei den Patientinnen und Patienten entgegenzuwirken, schaltete das Informationszentrum Zahn- und Mundgesundheit (IZZ) nahezu flächendeckend in den Gemeindeblättern Baden-Württembergs eine Anzeige, die deutlich zum Ausdruck brachte, dass alle medizinisch notwendigen zahnärztlichen Behandlungen auch trotz Corona-Ver-ordnung erbracht werden dürfen. Verschiedene Presseinformationen wurden von der LZK BW und der KZV BW gemeinsam herausgegeben, so beispielsweise auch die Meldung zur vollständigen Streichung von § 6a der Corona-Ver-ordnung, die an sämtliche Medien des Landes versendet und vielfach abgedruckt wurde. Auch Minister-präsident Winfried Kretschmann war Adressat mehrerer Briefe der Körperschaften. So forderten Dr. Ute Maier und Dr. Torsten Tomppert unter anderem die Aufhebung des § 6a der Corona-Verordnung, die Notbetreuung von Kindern für Angehörige zahnmedizinischer Berufe und einen Schutzschirm für die Zahnärzteschaft.
Schwerpunktpraxen. Auf der Grundlage einer Abfrage der KZV BW konnte Mitte April ein Netz mit Schwerpunktpraxen eingerichtet werden. Zuvor hatten sich LZK BW und KZV BW bereits für die Einrichtung von Klinikambulanzen für COVID-19-Erkrankte eingesetzt. Für Corona-Patienten wird so eine zahnmedizinische Versorgung im Notfall gewährleistet und die Zahnarztpraxen gleichzeitig entlastet, da Patienten, die positiv auf CO-VID-19 getestet oder in Quarantäne sind, so ausschließlich in speziellen Zentren behandelt und an diese weiterverwiesen werden können. 24 Standorte in Baden-Württemberg sind Teil des Netzwerks, darunter mit den Universitätskliniken Freiburg und Tübingen wie auch dem Katharinenhospital Stuttgart und dem Städtischen Klinikum Karlsruhe vier Klinikambulanzen. „Wir können somit für COVID-19-Erkrankte flächendeckend eine zahnmedizinische Notfallversorgung gewährleisten, die den besonderen Anforderungen dieser Patientinnen und Patienten gerecht wird“, so Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW. Die Übersicht der teilnehmenden Praxen ist unter bit.ly/2WszzY9 einsehbar.
Atemschutzmasken beschafft. Die Schutzausrüstung war seit Beginn der Pandemie ein knappes Gut und die Versorgungslage durch die weltweite Nachfrage extrem angespannt. Um die Versorgung in den baden-württembergischen Praxen zu gewährleisten, haben sich die Körperschaften entschlossen, FFP 2/KN95-Atemschutzmasken auf dem freien Markt zu beschaffen und an die Praxen zu verteilen. Ebenso wurden Gesichtsvisiere und FFP2-Masken an notdiensthabende Praxen und Desinfektionsmittel an die Sicherstellungspraxen versendet.
Einsatz für die Existenz. Eine Blitz-Umfrage durch die KZV BW ergab, dass im April 2020 die KCH-Honorarumsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat um durchschnittlich 43,2 Prozent zurückgegangen sind. Am häufigsten wurde ein Rückgang zwischen 50 und 60 Prozent angegeben. Umso ernüchternder ist der Umstand, dass trotz intensiver Bemühungen auf den unterschiedlichen politischen Ebenen die Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung (COVID-19-VSt-SchutzV) schlussendlich – im Gegensatz zum ursprünglichen Entwurf – lediglich Kredite für die Zahnarztpraxen statt echter Hilfen vorsieht. Dr. Ute Maier stellte hierzu klar: „Unter sehr widrigen Umständen stehen wir wie alle im Gesundheitswesen seit dem ersten Tag der Pandemie in unseren Praxen und sorgen für eine bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten. Der Umstand, dass viele Kolleginnen und Kollegen existenzgefährdende Umsatzeinbußen haben, wird von-seiten der Politik einfach vom Tisch gefegt“. Im gleichen Schritt kündigte die KZV BW eine Taskforce an, die Lösungen beschreiben soll, wie mit diesen Beschlüssen umzugehen ist. „Die Politik würdigt in keinster Weise unsere Systemrelevanz und unsere wirtschaftliche Bedeutung. Wir stellen knapp eine halbe Million Arbeitsplätze in Deutschland.“ Mit diesen Worten drückt LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert sein Missfallen über die am 4. Mai 2020 vom Bundesministerium für Gesundheit erlassene COVID-19-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung aus.
Andrea Mader & Benedikt Schweizer
BW-Datenschutzbeauftragter Dr. Stefan Brink zu Corona-Gesundheitsdaten
In vielen Debatten über die Bewältigung der gegenwärtigen Krise spielt auch Datenschutz eine Rolle. Nicht nur bei der Frage nach einer geeigneten App zur Kontaktverfolgung, auch bei alltäglichen Fragen der Praxisführung taucht das Thema immer wieder auf. Welche Daten dürfen erhoben, gespeichert oder an Gesundheitsämter weitergegeben werden? Die KZV Baden-Württemberg wandte sich mit diesen Fragen an Dr. Stefan Brink, der seit 2017 Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit (LFDI) in Baden-Württemberg ist.
Grundlage. „Im Mittelpunkt vieler Datenverarbeitungen
seitens der Arbeitgeber allgemein und im Gesundheitsbereich
im Besonderen steht derzeit das Infektionsschutzgesetz
(IfSG).“
ZBW: Herr Dr. Brink, eine Verarbeitung von Gesundheitsdaten ist grundsätzlich nur restriktiv möglich. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie können aber datenschutzkonform Daten erhoben und verwendet werden. Dabei ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und der gesetzlichen Grundlage stets zu beachten. Was bedeutet das in der Zahn-arztpraxis im Hinblick auf Gesundheitsdaten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Dr. Stefan Brink: Gesundheitsdaten sind besonders sensible und daher besonders geschützte Informationen. Es bedarf stets einer besonderen Rechtsgrundlage für ihre Verarbeitung, insbesondere also für ihre Erhebung und Übermittlung. Bei einem begründeten Verdacht auf Infektion von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer Zahnarztpraxis mit einer ansteckenden Krankheit –also auch mit dem neuartigen Coronavirus – kann es zum Schutz von weiteren Mitarbeiten-den, aber auch zum Schutz der Patienten erforderlich sein, diesen Verdacht abzuklären, um –darauf aufbauend – reagieren zu können. Hierzu kann der Arbeit-geber den infektionsverdächtigen Mitarbeitenden vorübergehend freistellen und auch das Gesundheitsamt einschalten, wenn er Infektionen in der Praxis befürchtet. Im Mittelpunkt vieler Datenverarbeitungen seitens der Arbeitgeber allgemein und im Gesundheitsbereich im Besonderen steht derzeit das Infektions-schutzgesetz (IfSG). Hinsichtlich sämtlicher dieser Datenverarbeitungen muss aber auch in technischer Hinsicht ein hohes Schutz-niveau gewährleistet sein.
Und in Bezug auf Patienten? Wie ist es datenschutzrechtlich zu bewerten, wenn Patient*innen zur Klärung des Infektionsrisikos, anders als sonst üblich, um erweiterte Angaben und Informationen gebeten werden?
Dr. Stefan Brink: In Bezug auf Patienten gilt dasselbe: Auch deren Gesundheitsdaten – ebenso wie die aller sonstigen Betroffenen – sind besonders geschützt und dürfen nur auf einer tragfähigen Rechtsgrundlage und in sonstiger Weise verarbeitet werden. Soweit es Zahnärztinnen und Zahn-ärzten, etwa aus (zahn-) medizinischen oder epidemiologischen Gründen sachgerecht oder angezeigt scheint, von ihren Patienten „erweiterte Angaben und Informationen als üblich“ zu erbitten, müssen sie in datenschutz-rechtlicher Hinsicht u. a. prüfen, ob sie eine entsprechende Erhebungsbefugnis haben. Falls keine der Voraussetzungen einer „einwilligungslosen“ Erhebungsbefugnis vorliegt, kann der Zahnarzt seine Patienten um eine datenschutzrechtliche Einwilligung bitten. Diese bedarf nicht der Schriftform und kann beispielsweise auch mündlich erteilt werden. Der Zahnarzt muss die Einwilligung allerdings nachweisen können, etwa gegen-über einem Gericht oder einer Datenschutzaufsichtsbehörde. Der Nachweis kann nicht nur durch die Vorlage einer schriftlichen Einwilligung, sondern beispielsweise auch durch einen entsprechen-den aussagekräftigen Vermerk in der Patientenakte geführt wer-den.
Was ist einer Praxis angeraten, die den konkreten Verdacht hat, dass ein Patient mit Corona infiziert ist? Darf ich hier Meldungen an dritte, beispielsweise das Gesundheitsamt, weitergeben? Wie verhält es sich mit einem Datenaustausch beispielsweise zwischen Gesundheitsämtern und Polizeibehörden?
Dr. Stefan Brink: Einer Praxis ist mit Blick auf datenschutzrechtliche Aspekte u. a. anzuraten, insbesondere auch die einschlägigen Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) zu beachten. Danach besteht bei Verdacht einer solchen Erkrankung für Meldungen an Gesundheitsämter nicht nur eine Melde-befugnis, sondern sogar eine Meldepflicht. Welche Daten dabei gemeldet werden müssen ergibt sich aus § 9 IfSG. Danach müssen Zahnärzte und andere Melde-pflichtige diese Daten allerdings nur melden „soweit vorliegend“; sie sind somit nach diesen infektionsschutzrechtlichen Vorschriften also nicht verpflichtet, vor Erstattung ihrer (in der Regel wohl eilbedürftigen) Meldung bei ihnen nicht vorliegende Daten erst noch aufwändig zu erheben. Auch der Datenaustausch zwischen Gesundheitsämtern und Polizeibehörden darf nur im datenschutzrechtlich zulässigen Rahmen stattfinden. Das Innen- und das Sozialministerium haben zur näheren Ausgestaltung der Datenverarbeitung in diesen Fällen eine Rechtsverordnung (ab dem 4. Mai 2020 in Kraft) zur Verarbeitung personenbezogener Daten zwischen Gesundheitsbehörden, Ortspolizeibehörden und Polizeivollzugsdienst aus Gründen des Infektionsschutzes (Corona-Verordnung Datenverarbeitung) erlassen.
Was ist Ihre Haltung zur Diskussion um die Corona Tracking-App? Ist der nun eingeschlagene Weg der dezentralen Speicherung ein guter Kompromiss zwischen Datenschutz und Gesundheits-schutz?
Dr. Stefan Brink: Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist der dezentrale Abgleich, ob man mit jemandem, der erkrankt ist, im Inkubationszeitraum Kontakt hatte, sicherlich einer zentralen Zusammenführung der Daten vorzuziehen. Kritisch an der de-zentralen Variante wird gesehen, dass er mehr „Einsatz“ von der Bevölkerung verlangt. Nicht nur der Neu-Infizierte muss seine Erkrankung aktiv melden, auch alle anderen Nutzer*innen der App müssen regelmäßig selbst abgleichen, ob die in ihrem Smartphone hinterlegten Codes mit einem der als infiziert gemeldeten Codes übereinstimmt. Aus unserer Sicht sollte man in erster Linie auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger*innen setzen, welche die App ja ganz bewusst nutzen möchten, um sich selbst und andere zu schützen. Aus unserer Sicht problematisch sind die immer wieder neu aufkommenden Vorstöße, die freiwillige Nutzung der App auszuhebeln, indem man an deren Nutzung bestimmte Vorteile knüpft, wie beispielsweise Restaurantbesuch oder Reisefreiheit. Freiheit darf nicht als Privileg oder als Belohnung für Wohlverhalten verstanden werden, Freiwilligkeit muss freiwillig bleiben. Das gilt besonders für die Corona-App.
Die Fragen stellte Benedikt Schweizer
Nachweis von COVID-19-Infektionen
Je länger die Corona-Pandemie andauert, desto wichtiger sind Erkenntnisse darüber, wie weit das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) in Deutschland tatsächlich verbreitet ist bzw. wie viele Menschen schon eine COVID-19-Infektion durchgemacht haben. Während man sich bei akuten Coronavirus-Infektionen auf den direkten Nachweis des Virus in Rachenabstrichen konzentriert, sollen Antikörpertests herausfinden, ob das Immunsystem bereits mit dem Erreger fertig geworden ist. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Antikörpertests auf dem Markt, doch nicht alle Testverfahren sind tatsächlich aussagekräftig. Ein Überblick.
Nachweis. Im Verlauf der Corona-Pandemie gewinnt die Testung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 zunehmend an Bedeutung, um Aussagen über den Immunstatus der Bevölkerung treffen zu können.
Da die Symptome einer COVID-19-Infektion vielfältig sind und manche Infektionen sogar symptomlos verlaufen können, ist es möglich, dass viele Menschen diese Infektion schon hinter sich haben, ohne es zu wissen. Um besser einschätzen zu können, wie groß die Durchseuchung der Bevölkerung mit dem neuartigen Coronavirus tatsächlich ist, können Antikörpertests dabei eine gute Hilfe sein. Insbesondere für Ärzte, Zahnärzte und Pflegepersonal wäre es im Hinblick auf ihre Berufsausübung beruhigend zu wissen, ob bei ihnen eine Immunität besteht.
Grundlagen. Virologen gehen davon aus, dass die Corona-Pandemie erst dann zu Ende ist, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung eine Infektion durchgemacht haben. Erste Studien haben gezeigt, dass Menschen nach durchlaufener SARS-CoV-2-Infektion spezifische Antikörper entwickeln, die man aber erst nach einer gewissen Zeit im Blut nachweisen kann. Bei den Tests liegt das Augen-merk auf drei Klassen von Antikörpern: Das Immunglobulin A (IgA) zeigt ca. zwei Wochen nach Beginn der Erkrankung, ob die Person Antikörper gebildet hat. Das Immunglobulin G (IgG) kann erst nach etwa drei Wochen im Blut nachgewiesen werden. Bei den Corona-Antikörper-Schnelltests konzentriert man sich auch auf das Immunglobulin M (IgM). Dieses Immunglobulin ist die früheste Immunantwort des Immunsystems und zeigt die akute Infektionsphase einer Krankheit an.
Der Corona-Antikörpertest, auch Serologietest genannt, funktioniert folgendermaßen: Auf eine Testplatte, die mit Bruchstücken des neuen Coronavirus präpariert ist, wird das zu untersuchende Blut aufgetragen. Enthält das Blut Antikörper, so verbinden sie sich mit den Virus-Bruchstücken. Die Verbindung kann anschließend mit einem Farbmarker dargestellt werden. Diese Art von Testverfahren nennt man ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay).
Sicherheit. Besonders wichtig ist, dass der Corona-Antikörpertest zuverlässig funktioniert. Er sollte im Idealfall nur auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 anschlagen, aber keine Kreuzreaktion mit an-deren ähnlichen, aber harmlosen Coronaviren-Antikörpern zeigen. Diese sogenannten falsch-positiven Befunde würden dazu führen, dass sich die untersuchten Personen fälschlicherweise für immun halten, sich durch unvorsichtiges Verhalten anstecken und das Virus weiterverbreiten. Somit sind zwei Kriterien bei einem Antikörpertest entscheidend: die Spezifität und die Sensitivität. Die Spezifität gibt an, wie viel Prozent gesunde Personen der Test auch tatsächlich als gesund erkennt. Die Sensitivität gibt schließlich an, wie viel Prozent der Antikörperträger tatsächlich er-kannt werden. Je höher beide Werte sind, desto sicherer ist das Testergebnis.
Bandbreite. In Apotheken und im Internet gibt es bereits seit einigen Wochen verschiedene Corona-Anti-körper-Schnelltests. Sie eignen sich jedoch nur bedingt zum Nachweis ei-ner COVID-19-Infektion, da sie oft eine hohe Fehlerquote haben und so-wohl falsch-positive als auch falsch-negative Ergebnisse liefern können. Problematisch ist außerdem, dass die Hersteller ihre Tests selbst zertifizieren dürfen, weil sie als Medizinprodukte niedrigen Risikos eingestuft sind. Somit gilt eine Validierung der Tests als nicht gesichert. Zunehmend werden auch Fälschungen verkauft, vor denen bereits die WHO warnte. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) lehnt eine alleinige Corona-Diagnostik mithilfe von Antikörper-Schnelltests ab. Bei einem Verdacht auf eine COVID-19-Infektion sollen die amtlich empfohlenen Testverfahren zum Nachweis von SARS-CoV-2 durchgeführt werden.
Unterstützung. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder unterstützt die Investitionen der Firma Roche am Standort Penzberg, um besser gegen Corona gewappnet zu sein.
Durchbruch. Anfang Mai 2020 verkündete der Pharmakonzern Roche, dass der eigens entwickelte „Elecsys-Anti-SARS-CoV-2-Antikörpertest“ von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) eine Genehmigung zur Verwendung in Notfallsituationen (Emergency Use Authorization EUA) erhalten habe. Damit kann der Test in Ländern, in denen die CE-Kennzeichnung anerkannt wird, also auch in allen EU-Ländern, zum Einsatz kommen. Laut Pressemitteilung von Roche hat dieser Corona-Antikörpertest 14 Tage nach einer bestätigten Infektion mittels PCR eine Spezifität von mehr als 99,8 Prozent und eine Sensitivität von 100 Prozent. Das wäre die bislang niedrigste Fehlerquote unter allen auf dem Markt angebotenen Tests. In Deutschland wird der Test ab Mitte Mai verfügbar sein und auf speziellen immunologischen Analysegeräten von Roche durchgeführt. Diese Roche-Geräte sind weltweit nahezu flächendeckend installiert, somit kann die Testung fast überall durchgeführt werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betrachtet diesen Corona-Antikörpertest als „eine wichtige neue Wegmarke im Kampf gegen das Virus“. Er hat mit Roche bereits die Lieferung von drei Millionen Corona-Antikörpertests alleine im Monat Mai vereinbart. Für die kommenden Monate sind je fünf Millionen Tests zur Aus-lieferung nach Deutschland bestellt. Auch wenn sich laut Spahn grundsätzlich jeder testen lassen kann, wird noch beraten, welchen Personen der Test primär zur Verfügung stehen soll. Zu den Kosten des Tests hat sich Roche noch nicht konkret ausgedrückt und sie mit „weniger als mehrere hundert Euro“ beziffert. Es muss außerdem festgelegt werden, für welche Menschen die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernimmt. Um die Tests in großen Char-gen produzieren zu können, wird die Firma Roche im bayerischen Penzberg die Produktionskapazität der biochemischen Anlagen ausbauen und zudem in ein neues Forschungs- und Entwicklungs-zentrum investieren. Ministerpräsident Markus Söder hat bereits zugesagt, dass sich Bayern mit 40 Millionen Euro an den Baumaß-nahmen in Penzberg beteiligen wird.
Immunität. Noch ist unklar, wie robust und dauerhaft der Immun-status gegen Corona ist und ob es von Mensch zu Mensch möglicherweise Unterschiede gibt. Laut RKI deuten die Erfahrungen mit anderen Coronavirus-Erkrankungen wie SARS oder MERS darauf hin, dass die Immunität gegen das neuartige Coronavirus bis zu drei Jahre anhalten könne. Mithilfe der Corona-Antikörpertests können Aussagen über den Immunstatus der Bevölkerung getroffen und daraus abgeleitet werden, wann die Pandemie all-mählich abflaut. Die Ergebnisse könnten wichtige Entscheidungen über Eindämmungsmaßnahmen gegen Corona oder die Lockerung beeinflussen. Durch Testung des Personals könnten Kliniken gezielt Ärzte und Pflegende mit positivem Antikörper-Test für die Betreuung von Patienten mit COVID-19 ab-stellen. Mit einem Antikörper-Test können aber auch rekonvaleszente Personen ermittelt werden, deren Serum zur Behandlung einer aktiven Infektion geeignet wäre. Das RKI hat bereits verschiedene bundesweite Antikörper-Studien begonnen, um Verlauf und Schwere der Pandemie genauer ab-schätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können. Erste Ergebnis-se werden im Juni 2020 erwartet.
In Praxen läuft der „Normalbetrieb“ wieder an
Nachdem aufgrund der Corona-Pandemie in den Arztpraxen verschiebbare Patientenkontakte zu unterlassen waren und die Zahnärzte zeitweise nur Notfälle behandeln durften, fahren die Praxen nun den Regelbetrieb wieder hoch, wie auch im Raum Vaihingen zu spüren ist. – Ein Bericht der Vaihinger Kreiszeitung vom 12. Mai.
Behandlung in vollem Umfang. „Teilweise wissen die Patienten noch nicht, dass wir wieder in vollem Umfang behandeln dürfen“, stellt Dr. Udo Lenke fest.
Die Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten können ab sofort wieder schrittweise den bisherigen Versorgungsumfang aufnehmen, allerdings unter strengen Hygieneanforderungen, heißt es hierzu in einer Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).„Wir freuen uns, dass die Patientinnen und Patienten wieder Be-handlungen in Anspruch nehmen können, die aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden mussten“, wird der Vorstandsvor-sitzende der KVBW, Dr. Norbert Metke, zitiert. In den Praxen werde der Betrieb aber weiterhin teilweise eingeschränkt bleiben müssen. Beispielsweise müssen die Praxen ihr Terminmanagement anpassen, damit sich immer nur wenige Patienten in den Praxisräumen auf-halten. Metke verwies auf strenge Hygieneanforderungen. „Wir haben bis Ende der letzten Woche 400 .000 Masken an unsere Mitglieder verteilt und weit über eine Million Mund-Nasenschutztücher und weiteres Material. Gut die Hälfte davon haben wir selbst beschafft. Die Versorgung mit Schutzausrüstung ist eine Voraussetzung dafür, dass unsere Mitglieder wieder stärker in den Praxen tätig werden können. Das gilt für die eigene, insbesondere aber auch für die Sicherheit der Patienten.“
Schutz der Praxen. Wichtig sei, so Metke, dass die Patienten selbst zum Schutz der Praxen beitragen. „Patienten, die ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, vereinbaren bitte telefonisch einen Termin in den Praxen. Wichtig ist ferner, dass die Patienten eine Mund-Nasen-Be-deckung auch beim Besuch in den Arztpraxen tragen“, so der KVBW-Vorstandsvorsitzende Metke.
Angebot der Fachärzte. Dass die Patienten Untersuchungen durch die Ärzte wieder mehr wahrnehmen, be-richtet beispielsweise Sandra Klett, Praxismanagerin des Vaihinger Vaisana Ärztehauses. Es habe noch im April aufgrund der Corona-Ereignisse sehr viele Terminabsagen von den Patienten bei den Fachärzten gegeben, zum Beispiel im Zusammen-hang mit Herzuntersuchungen oder Magen- beziehungsweise Darmspiegelungen. Dies sei nun im Mai nicht mehr der Fall. Seit 27. April sei der Regelbetrieb unter den Auflagen der Hygienebestimmungen wieder möglich, sagt Klett. Zu diesen Bestimmungen zählen unter anderem bei Patienten, Ärzten und Mitarbeitern das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie die Händedesinfektion, ebenso die Einhaltung erforderlicher Abstände im Wartebereich. Der Betrieb laufe unter den Auflagen natürlich ein wenig eingeschränkt, sagt Klett. Infektpatienten werden zudem in der zeitlich und räumlich separierten COVID-Sprechstunde behandelt.
Zahnarztpraxen. Auch bei den Zahnärzten im Ländle darf wieder ohne Einschränkung – unter Beachtung der Hygienemaßnahmen – praktiziert werden. In der siebten Änderung der Corona-Verordnung des Landes heißt es: „Zahnärzte dürfen wieder uneingeschränkt praktizieren.“ Am 9. April habe die Landesregierung veröffentlicht, dass bei der zahn-ärztlichen Versorgung von Patienten nur noch akute Erkrankungen und Notfälle behandelt werden dürfen und alle anderen Behandlungen zu verschieben seien, berichtet die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg auf ihrer Homepage. Wenige Tage später sei es auf-grund von Gesprächen zwischen der zahnärztlichen Körperschaft und der Führung des Sozialministeriums zur Konkretisierung gekommen: Danach konnten medizinisch notwendige zahnärztliche Behand-lungen, insbesondere solche zur Vermeidung einer Verschlechterung des Gesundheitszustands im Falle chronischer Zahnerkrankungen, weiterhin durchgeführt werden. Nun sind also wieder alle Be-handlungen, auch die Professionelle Zahnreinigung und Prophylaxe, möglich. „Ich begrüße die Klarstellung“, sagt der Vaihinger Zahnarzt Dr. Udo Lenke, Ehrenpräsident der Landeszahnärztekammer. Notwendig seien ja eigentlich immer alle Zahnbehandlungen. Die Patienten müssten keine Angst davor haben, in die Praxis zu kommen. „Weil die Sicherheitsmaßnahmen in den Zahnarztpraxen schon immer sehr gut waren und durch die Corona-Pandemie erweitert wurden“, führt Lenke aus. So gebe es zum Beispiel einen aufgestockten Fragebogen für jeden Patienten, „um Risikofälle auszusortieren“.
Behandlung in vollem Umfang. Inzwischen kämen schon wieder mehr Patienten, „aber teilweise wissen die Patienten noch nicht, dass wir wieder in vollem Umfang behandeln dürfen“, stellt der Zahn-mediziner in seiner Praxis fest. Die allgemeinen Hygienemaßnahmen halte man natürlich – sofern möglich – ein. „Die Abstandsregelung geht leider nicht, weil wir ja nicht per Homeoffice behandeln können“, verdeutlicht Lenke. Zur neu-esten Entwicklung meint der Vaihinger Zahnarzt: „Natürlich arbeiten wir gerne und sind auch gerne für unsere Patienten da.“ Bei der Gelegenheit muss er einen großen Dank an die Mitarbeiter loswerden. Diese kümmerten sich um die Patienten und die Abläufe und seien eine ganz große Stütze für die Praxis, „speziell auch jetzt in Corona-Zeiten“. Eine Anmeldung beim Zahnarzt sollte, wie auch bei den Kollegen der Haus- und Facharzt-praxen, auf jeden Fall telefonisch erfolgen. Dann könne auch geregelt werden, ob im Falle eines Zahnarzt-besuchs die Praxis oder der Corona-Stützpunkt im Stuttgarter Katharinenhospital zuständig sei.
der Vaihinger Kreiszeitung
Zahnschmerzen nehmen keine Rücksicht auf die Coronakrise. Auch Personen, die selbst an COVID-19 erkrankt sind, können zahnmedizinische Notfälle darstellen, die trotz bestehender Infektionsrisiken akut und dringend zahnärztlich behandelt werden müssen. Die Kassen-zahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KZV BW) hat daher für die Notfallversorgung von COVID-19-Infizierten bzw. in Quarantäne befindlichen Patienten flächendeckend ein Netz von Klinikambulanzen und Schwerpunktpraxen organisiert. Doch wie funktioniert die zahnärztliche Behandlung dieser Patient*innen in der Praxis und welche Erfahrungen gibt es bisher? Dr. Christian Pfau aus Rottweil gibt Auskunft darüber.
Für die zahnärztliche Versorgung ist es eine doppelte Herausforderung: Einerseits schließt eine lückenlose Versorgung die Notfallbehandlung von an COVID-19 erkrankten bzw. in Quarantäne befindlichen Personen ein. Andererseits hat der gesundheitliche Schutz von Zahnärzt*innen, Zahnmedizinischen Fachangestellten sowie den anderen Patient*innen höchste Pri-orität. Dies soll mit dem Netz von Klinikambulanzen und Schwerpunktpraxen bestmöglich gewähr-leistet werden. Insgesamt stehen landesweit 20 Zahnarztpraxen für das Netzwerk der Schwerpunktpraxen zur Verfügung. Ergänzend dazu haben die Unikliniken Freiburg und Tübingen sowie das Katharinenhospital in Stuttgart und das Städtische Klinikum Karlsruhe sogenannte Corona-Ambulanzen eingerichtet.
Erfahrungen. Dr. Christian Pfau ist Inhaber der Praxis Rottweil Zahnärzte (MVZ) Dr. Pfau & Kol-legen, die zu den Schwerpunktpraxen gehört. Seiner Auskunft nach halten sich die Fälle von Corona-infizierten Patient*innen bislang sehr in Grenzen, deren Versorgung läuft hingegen problemlos. Die Kontakt-aufnahme funktioniere gut, bislang habe es keine Fälle gegeben, in denen betroffene Patient*innen unangekündigt in der Praxis aufgetaucht seien. Auch wenn das Netzwerk von Schwerpunktpraxen grundsätzlich für bestätigte COVID-19-Fälle vorgesehen war, würden in diesem Rahmen auch Patienten ohne positives Testergebnis behandelt. „Wer Halsschmerzen oder andere Symptome bekommt, begibt sich vor-sorglich in Quarantäne. Bei akuten Zahnschmerzen kann man aber oft nicht so lange warten, bis ein Test-ergebnis vorliegt“, erläutert Praxis-inhaber Dr. Christian Pfau.
Praxisalltag. Während sich die Praxis um die Versorgung dieser speziellen Zielgruppe kümmert, wird nach dem Einbruch im April gleichzeitig auch der Normalbetrieb wieder hochgefahren – unter den Hygienebedingungen entsprechend der RKI-Empfehlungen. Die Patient*innen kommen lang-sam wieder zurück, so Dr. Pfau: „Wir haben gut zu tun und unsere eigenen Patienten sind sehr froh, dass wir für sie zur Verfügung stehen.“ Das Nebeneinander von Praxisalltag und dem Betrieb als Schwerpunktpraxis lässt sich gut organisieren. „Ich mache damit keine Werbung, aber jede*r Patient*in sollte mit akuten Schmerzen eine Anlaufstation haben“, betont Dr. Pfau. Einerseits übernehme die Praxis bewusst Verantwortung in einer schwierigen Zeit, damit nicht eine Gruppe durch das Netz der Versorgung fällt. Andererseits soll vermieden werden, dass die eigenen Patienten wegbleiben, weil sie sich unbegründet einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sehen. Und wie sieht es mit dem Praxispersonal und deren Bereitschaft aus? „Ich habe das offen kommuniziert“, betont Dr. Pfau. Wer nicht in diesem Rahmen behandeln möchte, habe sich melden können und werde hier nicht eingesetzt. Alle Kolleg*innen in der Praxis und genügend Ange-stellte erklärten sich jedoch sofort bereit, für diese Behandlungen zur Verfügung zu stehen.
Schutzmaßnahmen. Dass die Sicherheit aller Beteiligten in dieser Praxis höchste Priorität hat, zeigt sich an dem Konzept der Praxisorganisation von Dr. Pfau & Kolle-gen. Reguläre Behandlungen und die Versorgung der von Corona betroffenen Patient*innen erfolgen räumlich und zeitlich getrennt. Potenziell an COVID-19-Erkrankte werden nur abends an drei Tagen in der Woche behandelt. In dringen-den Fällen kann an andere Schwerpunktpraxen vermittelt werden. Die konsequente Trennung der Patientengruppen sei wichtig, um die Ab-läufe zu vereinfachen und Risiken zu senken. Beispielsweise müsse man so nicht ständig die spezielle Schutzkleidung für die Behandlung von Risikopatienten aus- und wie-der anziehen.
Das Problem mangelnder Schutz-ausrüstung konnte ebenfalls gelöst werden. Die Bestände, die zu Beginn der Coronakrise noch vorrätig waren, seien angesichts der riesigen Nachfrage schnell sehr knapp geworden. Die Ausrüstung, die die Praxis zwischenzeitlich von der KZV erhalten habe, sei bei dem bisherigen Aufkommen an Patienten aber völlig ausreichend. Eine reguläre Behandlung ist also möglich, der Schutz der beteiligten Personen bleibt gewährleistet.

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