Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F09-03-2000-2A-504-1999
Timestamp: 2016-10-22 23:41:07+00:00

Document:
2A.504/1999 (09.03.2000)
2A.504/1999/bol
M�ller, Ersatzrichter Rohner und Gerichtsschreiber Uebersax.
Kanton Thurgau, Beschwerdef�hrer, vertreten durch das
Regierungsgeb�ude, Frauenfeld,
Kanton Z�rich, Beschwerdegegner, vertreten durch die
Direktion f�r Soziales und Sicherheit des Kantons Z�rich,
Sozialamt, Abteilung �ffentliche F�rsorge, Obstgartenstrasse 21, Z�rich,
Kostenersatz in der Unterst�tzungsangelegenheit G.________, hat sich ergeben:
A.-Der 1993 geborene G.________ lebte zun�chst in Kreuzlingen bei seiner Mutter, der auch die elterliche Gewalt bzw. Obhut zusteht. Am 1. September 1996 wurde er bei einer Pflegefamilie in Sulgen fremdplatziert, wof�r die F�rsorgekommission der Stadt Kreuzlingen am 11. April 1996 subsidi�re Kostengutsprache erteilt hatte. Am 1. November 1997 zog die Mutter nach Z�rich. G.________ blieb vorerst bei der bisherigen Pflegefamilie. Da sich das Pflegeverh�ltnis in dieser Familie aber nicht weiterf�hren liess, versuchten die Z�rcher F�rsorgebeh�rden zun�chst, ihn bei einer Pflegefamilie in Z�rich unterzubringen. Vom 26. Februar bis zum 26. Juli 1998 weilte er im Kinderhaus Entlisberg in Z�rich; seit dem 27. Juli 1998 ist er im Stadtz�rcher Jugendheim Neum�nsterallee, Z�rich, platziert.
B.- Schon am 3. Dezember 1997 hatte das Jugendsekretariat Waidberg in Z�rich die F�rsorgekommission Kreuzlingen um �bernahme der anfallenden Fremdplatzierungskosten ersucht. Zur Begr�ndung wies sie darauf hin, dass der Unterst�tzungswohnsitz G.________s nach Art. 7 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes �ber die Zust�ndigkeit f�r die Unterst�tzung Bed�rftiger vom 24. Juni 1977 (Zust�ndigkeitsgesetz, ZUG; SR 851. 1) sich weiterhin in Kreuzlingen befinde. Die F�rsorgekommission Kreuzlingen erachtete sich jedoch nicht f�r zust�ndig und hielt an diesem Standpunkt auch in der Folge fest. Am 10. September 1998 erstattete die Direktion der F�rsorge des Kantons Z�rich dem zust�ndigen Departement des Kantons Thurgau eine Unterst�tzungsanzeige gem�ss Art. 30 ZUG (Anzeige in Notf�llen) und verlangte unter Hinweis auf den nach Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG in Kreuzlingen verbliebenen Unterst�tzungswohnsitz G.________s die R�ckerstattung der seit November 1997 bis und mit Juni 1998 aufgelaufenen Kosten von total Fr. 24'629. 80. Innert der 30-t�gigen Frist wurde hiegegen weder seitens der Stadt Kreuzlingen noch des Kantons Thurgau Einsprache nach Art. 33 ZUG erhoben.
C.- Mit Schreiben vom 30. November 1998 ersuchte die F�rsorge der Stadt Kreuzlingen das F�rsorgeamt des Kantons Thurgau um Einleitung eines Verfahrens um Richtigstellung nach Art. 28 ZUG. Sie machte gest�tzt auf verschiedene Gr�nde geltend, dass der vorliegende Fall offensichtlich unrichtig geregelt sei. Das F�rsorgeamt des Kantons Thurgau stellte der Direktion der F�rsorge des Kantons Z�rich mit Schreiben vom 17. Dezember 1998 ein entsprechendes Gesuch. Darin legte es unter anderem dar, dass die Interkantonale Vereinbarung �ber Verg�tungen an Betriebsdefizite und die Zusammenarbeit zugunsten von Kinder- und Jugendheimen sowie von Behinderteneinrichtungen vom 2. Februar 1984 (Heimvereinbarung; IHV) anwendbar sei, sodass die Unterst�tzungswohnsitzgemeinde richtigerweise nur f�r das Kostgeld von rund Fr. 25.--/Tag aufzukommen habe. Es bezweifelte auch, dass �berhaupt eine ununterbrochene Fremdplatzierung im Sinne von Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG vorliege.
D.- Gegen dieses Richtigstellungsbegehren erhob die Direktion f�r Soziales und Sicherheit (bis Ende 1998: F�rsorgedirektion) des Kantons Z�rich am 11. Januar 1999 Einsprache nach Art. 33 ZUG beim F�rsorgeamt des Kantons Thurgau. Sie machte geltend, dass die zur Begr�ndung des Richtigstellungsbegehrens herangezogenen Einw�nde mit fristgerechter Einsprache geltend zu machen gewesen w�ren, und sie bestritt, dass der vorliegende Fall offensichtlich unrichtig geregelt sei. Die Heimvereinbarung erachtete sie nicht als anwendbar, da diese auf den zivilrechtlichen Wohnsitz abstelle. Der zivilrechtliche Wohnsitz G.________s befinde sich bei seiner im Kanton Z�rich wohnhaften Mutter. Somit liege insoweit keine ausserkantonale Heimplatzierung im Sinne der Heimvereinbarung vor.
E.- Mit Entscheid vom 10. M�rz 1999 wies das F�rsorgeamt des Kantons Thurgau die Einsprache ab. Es erwog im Wesentlichen, dass zufolge falscher Bezeichnung des Unterbringungsortes G.________s auf der Unterst�tzungsanzeige erst nach Ablauf der durch diese Anzeige er�ffneten Einsprachefrist erkennbar geworden sei, dass das fragliche Heim auf der Heimliste aufgef�hrt und somit die Heimvereinbarung anwendbar sei. Dadurch habe sich f�r die Finanzierung des Heimaufenthalts ein neuer Gesichtspunkt ergeben, der zeige, dass der Fall offensichtlich unrichtig geregelt und eine Richtigstellung gerechtfertigt sei. Die Frage, ob eine ausserkantonale Heimplatzierung vorliege, sei, wenn schon, aus der Optik des unterst�tzungsrechtlichen Wohnsitzes zu beurteilen. Zudem h�tten zwischenzeitliche Abkl�rungen ergeben, dass keine ununterbrochene Fremdplatzierung vorliege, sodass Kreuzlingen nicht mehr Unterst�tzungswohnsitz sei und eine Kostenbeteiligung auch deshalb entfalle.
F.- Gegen diesen Entscheid beschwerte sich die Direktion f�r Soziales und Sicherheit des Kantons Z�rich beim Eidgen�ssischen Justiz- und Polizeidepartement. Dieses hiess am 2. September 1999 die Beschwerde gut und hob den Einspracheentscheid des F�rsorgeamtes des Kantons Thurgau vom 10. M�rz 1999 auf.
G.- Der Kanton Thurgau, vertreten durch sein Departement f�r Finanzen und Soziales, f�hrt mit Eingabe vom 1. Oktober 1999 Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht und beantragt:
"1. Es sei der Entscheid des EJPD vom 2. September 1999 aufzuheben.
2. Der Beschwerdegegner sei zu verpflichten, ab Unterbringung
von G.________ im "Stadtz�rcher
Jugendheim Neum�nsterallee" in Z�rich f�r deren
Kosten aufzukommen, soweit diese �ber das Kostgeld
von rund Fr. 25.-- pro Tag hinausgehen;
unter Kosten- und Entsch�digungsfolgen. "
Die Direktion f�r Soziales und Sicherheit des Kantons Z�rich sowie das Eidgen�ssische Justiz- und Polizeidepartement schliessen auf Abweisung der Beschwerde.
1.- a) Das Bundesgericht pr�ft frei und von Amtes wegen, ob die Eintretensvoraussetzungen eines bei ihm anh�ngig gemachten und gegebenenfalls welchen Rechtsmittels oder Rechtsbehelfs gegeben sind (BGE 119 Ia 285 E. 1, mit Hinweis).
b) Gem�ss Art. 97 Abs. 1 OG beurteilt das Bundesgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen Verf�gungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern sie von einer der in Art. 98 OG genannten Vorinstanzen ausgehen und keiner der in Art. 99 ff. OG oder in der Spezialgesetzgebung vorgesehenen Ausschlussgr�nde vorliegt. Der angefochtene Entscheid beruht auf Bundesverwaltungsrecht, indem er in Anwendung von Art. 28 ZUG die Voraussetzungen der Richtigstellung einer rechtskr�ftigen Unterst�tzungsanzeige ablehnt, die sich ihrerseits auf Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG st�tzte. Das Eidgen�ssische Justiz- und Polizeidepartement ist eine Vorinstanz nach Art. 98 lit. b OG, und eine Ausnahme nach den Art. 99 ff. OG ist nicht gegeben.
c) Der Beschwerdef�hrer ist nach Art. 103 lit. c OG in Verbindung mit Art. 34 ZUG zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde legitimiert, da die vom Gesetzgeber vorgesehene M�glichkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zwingend auch die Legitimation des beschwerten Kantons voraussetzt.
d) Als Beschwerdegr�nde fallen die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss der �berschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens (Art. 104 lit. a OG) sowie die unrichtige oder unvollst�ndige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 104 lit. b OG) in Betracht. Dagegen kann das Bundesgericht die Angemessenheit des angefochtenen Entscheides nicht �berpr�fen, da keiner der in Art. 104 lit. c OG genannten F�lle vorliegt.
Bei der Auslegung und Anwendung des Zust�ndigkeitsgesetzes handelt es sich um eine bundesrechtliche Frage. Eine Bundesrechtsverletzung kann dabei auch gegeben sein, wenn dieses Gesetz auf einen Sachverhalt angewendet wird, f�r den es nicht einschl�gig ist. Dagegen ist die Auslegung und Anwendung der Heimvereinbarung keine Frage des Bundesrechts.
e) Nach Art. 113 in Verbindung mit Art 96 Abs. 3 OG ist die in der Hauptsache zust�ndige Beh�rde auch f�r Vorfragen zust�ndig, selbst wenn diese Rechtsgebiete betreffen, f�r welche die Beh�rde hauptfrageweise nicht zust�ndig ist (BGE 112 IV 115 E. 1 S. 118; 76 IV 109 E. 1 S. 114; Wilhelm Birchmeier, Bundesrechtspflege, Z�rich 1950, S. 410 ff., 412 ff.). Darunter kann auch die nicht bundesrechtliche Frage der Anwendbarkeit und Auslegung der Heimvereinbarung fallen, soweit dies zur Beurteilung der Voraussetzungen der Richtigstellung nach Art. 28 ZUG erforderlich ist.
f) Im �brigen ist die Anwendbarkeit und Auslegung der Heimvereinbarung eine konkordatsrechtliche Frage. Solche Fragen k�nnen Gegenstand einer staatsrechtlichen Klage nach Art. 189 Abs. 1 lit. d BV (vgl. Art. 113 Abs. 1 Ziff. 2 aBV) in Verbindung mit Art. 83 lit. b OG bilden. Da das Bundesgericht seine Zust�ndigkeit und die Frage des anwendbaren Rechtsmittels von Amtes wegen und frei pr�ft, kann das Bundesgericht die vorliegende Eingabe allenfalls als staatsrechtliche Klage entgegennehmen, soweit sich dies als erforderlich erweist; die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist gegen�ber der staatsrechtlichen Klage subsidi�r (Art. 102 lit. a OG). Gegenstand der staatsrechtlichen Klage nach Art. 83 lit. b OG k�nnen alle �ffentlichrechtlichen (nicht bundesverwaltungsrechtlichen) Streitigkeiten zwischen Kantonen sein, einschliesslich solche verwaltungsrechtlicher Natur (Walter Haller, in Kommentar BV, Rz. 28 zu Art. 113; sinngem�ss wohl auch Walther Burckhardt, Kommentar der schweizerischen Bundesverfassung vom 29. Mai 1874, 3. Aufl. Bern 1931, S. 778). Darunter fallen auch Streitigkeiten �ber Tragweite und Auslegung interkantonaler Vereinbarungen (vgl. Haller, a.a.O., Rz. 29 f.; Birchmeier, a.a.O., S. 288 f., Burckhardt, a.a.O., S. 778).
Die im vorliegenden Zusammenhang als Parteien auftretenden Kantone Thurgau und Z�rich sind im Verfahren der staatsrechtlichen Klage parteif�hig (Birchmeier, a.a.O., S. 300) und machen rechtliche Interessen geltend (Birchmeier, a.a.O., S. 286). Die Rechtsfragen, welche sich im Zusammenhang mit der Heimvereinbarung ergeben, k�nnen somit n�tigenfalls sogar hauptfrageweise mitgepr�ft werden, da wegen der in beiden F�llen gegebenen Zust�ndigkeit des Bundesgerichts einer allenfalls erforderlichen Verfahrensvereinigung nichts entgegensteht (vgl. Art. 40 OG in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 BZP).
2.- Vorab zu entscheiden ist, ob die Voraussetzungen einer Richtigstellung nach Art. 28 ZUG gegeben sind. Diese
"Ein beteiligter Kanton kann eine Richtigstellung
verlangen, wenn ein Unterst�tzungsfall offensichtlich
unrichtig geregelt oder beurteilt worden ist.
Der Anspruch auf Richtigstellung besteht nur f�r
Unterst�tzungsleistungen, die in den letzten f�nf
Jahren vor dem Begehren ausgerichtet worden sind. "
Die Richtigstellung wird sowohl in der bundesr�tlichen Botschaft vom 17. November 1976 zum Zust�ndigkeitsgesetz (BBl 1976 III S. 1193 ff., S. 1214, Ziff. 254) als auch in der Literatur (Werner Thomet, Kommentar zum Bundesgesetz �ber die Zust�ndigkeit f�r die Unterst�tzung Bed�rftiger, 2. Aufl. Z�rich 1994, Rz. 272) sinngem�ss als ein der Revision nachgebildetes Rechtsinstitut bezeichnet. Indes beschr�nkt sich die Richtigstellung nicht auf die klassischen Revisionsgr�nde, wie sie etwa in Art. 136 f. OG oder in Art. 66 VwVG enthalten sind. Vielmehr soll nach der zitierten Botschaft ein Kanton die Richtigstellung verlangen k�nnen, sobald er entdeckt, dass die bisherige Regelung des Falls, auf die sich die Kantone ausdr�cklich oder stillschweigend geeinigt hatten, auf einem Sachverhalt beruhte, den sie irrt�mlich als richtig betrachteten.
Ob die in der Literatur vertretene Auffassung, dass es bei der Richtigstellung nicht um eine �nderung von Art oder Mass der Unterst�tzung, sondern (nur) um die Berichtigung des f�r die Beurteilung der Unterst�tzungs- oder Kostenersatzpflicht eines Kantons massgebenden Tatbestandes sowie um die Rechtsfolgen dieser Ber�cksichtigung gehe (vgl. Thomet, a.a.O., Rz. 272; �hnlich auch Peter Stadler, Erl�uterungen zur Richtigstellung im ZUG, ZeSo 12/1998, S. 193 ff.), in dieser Allgemeinheit richtig ist, kann offen bleiben. Jedenfalls hebt die gesetzlich vorgesehene M�glichkeit der Richtigstellung die allgemeinen Grunds�tze des Verwaltungsrechts, insbesondere die sich aus der formellen Rechtskraft von Verf�gungen ergebenden Folgen nicht auf. Aus Art. 28 ZUG l�sst sich daher nicht ein vorbehaltloser Anspruch auf Korrektur sachlich nicht voll befriedigender Unterhaltsregelungen ableiten, mit dem sich die Folgen einer vers�umten Rechtsmittelfrist jederzeit r�ckg�ngig machen lassen. Vielmehr folgt aus dem in Art. 28 ZUG verwendeten Ausdruck "offensichtlich", dass qualifizierte Gr�nde f�r eine Richtigstellung sprechen m�ssen und es nicht ausreicht, wenn sich eine andere L�sung ebenfalls mit sachlichen Erw�gungen vertreten l�sst.
3.- a) Im vorliegenden Verfahren begr�ndet der Beschwerdef�hrer die Richtigstellung vor dem Bundesgericht nur noch mit der Anwendbarkeit der Heimvereinbarung und dem Argument, die F�rsorge Kreuzlingen habe wegen der falschen Bezeichnung auf der Unterst�tzungsanzeige ("Kinderheim M�nsterallee" statt "Stadtz�rcher Jugendheim Neum�nsterallee") keinen Anlass gehabt, von der Anwendbarkeit der Heimvereinbarung auszugehen und die Unterst�tzungsanzeige anzufechten, da die IHV-Liste ein "Kinderheim M�nsterallee" nicht auff�hre. Sei aber die Heimvereinbarung anwendbar, so k�nnten dem Unterst�tzungswohnsitz Kreuzlingen nicht die ganzen Kosten der Unterbringung G.________s in diesem Heim, sondern lediglich ein Kostgeld auferlegt werden. Die �brigen Argumente, auf die er sich zuvor berufen hatte - die Fremdplatzierung sei seit 1996 unterbrochen worden und Kreuzlingen daher nicht mehr Unterst�tzungswohnsitz, und die zust�ndigen Kreuzlinger Beh�rden seien von den handelnden Z�rcher Stellen vor dem Entscheid �ber die Platzierung G.________s nicht konsultiert worden - hat der Beschwerdef�hrer fallen lassen.
b) Der Beschwerdef�hrer macht geltend, er habe wegen der falschen Bezeichnung des Unterbringungsortes G.________s nicht erkennen k�nnen, dass richtigerweise die Kostentragungsgrunds�tze der Heimvereinbarung und nicht des Zust�ndigkeitsgesetzes anwendbar seien. Diese Argumentation stellt bei richtiger Betrachtung nicht so sehr einen Anlass f�r eine Richtigstellung nach Art. 28 ZUG dar, die an sich (qualifizierte) materielle Gr�nde voraussetzt, sondern �hnelt seiner Art nach eher einem Grund zur Wiederherstellung einer vers�umten Rechtsmittelfrist (vgl. etwa Art. 35 OG oder Art. 24 VwVG). F�r eine Wiederherstellung wird regelm�ssig verlangt, dass der Gesuchsteller wegen eines unverschuldeten Hindernisses oder wenigstens in entschuldbarer Weise eine Frist nicht eingehalten hat. Aber auch diesfalls sind gewisse Fristen ab Entdeckung des Wiederherstellungsgrundes einzuhalten, und die vers�umte Prozesshandlung muss entweder zugleich oder innert Nachfrist nachgeholt werden. Wie es sich damit verh�lt, kann jedoch offen bleiben, weil der behauptete Umstand, dass die F�rsorgebeh�rde Kreuzlingen die Anwendbarkeit der Heimvereinbarung wegen der falschen Bezeichnung in der Unterst�tzungsanzeige nicht erkannt haben will, nicht unverschuldet oder entschuldbar ist. Zun�chst war im Begleitbrief vom 10. September 1998 zur Unterst�tzungsanzeige das Heim mit seinem richtigen Namen genannt (ausser dass von "Kinderheim" statt von "Jugendheim" die Rede war). Die Stellungnahme der F�rsorgekommission Kreuzlingen l�sst sodann, wie der angefochtene Entscheid zu Recht darlegt, darauf schliessen, dass diese sich die Frage der Anwendbarkeit der Heimvereinbarung schon unmittelbar nach Zugang der Unterst�tzungsanzeige im September 1998 gestellt hat. Zudem war die Zust�ndigkeitsfrage schon seit Dezember 1997 streitig, was seinerseits erh�hte Aufmerksamkeit nahelegte. Unter diesen Umst�nden fehlt es an einem Wiederherstellungsgrund, der rechtfertigen w�rde, die streitige Frage gleich wie in einem ordentlichen Rechtsmittelverfahren gegen die Sachverf�gung (hier die Unterst�tzungsanzeige) in vollem Umfang frei zu pr�fen.
4.- Zu entscheiden bleibt, ob der angefochtene Entscheid und damit die Auffassung, dass die Gemeinde Kreuzlingen als Unterst�tzungswohnsitz G.________s nach wie vor f�r dessen Unterbringung kostenpflichtig sei, als offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 28 ZUG anzusehen ist.
a) Nachdem heute nicht mehr bestritten wird, dass G.________ seit dem 1. September 1996 ununterbrochen fremdplatziert ist, muss davon ausgegangen werden, dass Kreuzlingen nach wie vor Unterst�tzungswohnsitz von G.________ ist. Damit ist die Gemeinde Kreuzlingen f�r seine Unterst�tzung in Anwendung von Art. 1 Abs. 1 ZUG zust�ndig. Daran �ndert nichts, dass G.________ inzwischen zivilrechtlichen Wohnsitz im Kanton Z�rich hat, wo seine Mutter, der die elterliche Gewalt bzw. Obhut weiterhin zusteht, heute wohnt. Es fragt sich einzig, ob sich aus der vom Beschwerdef�hrer angerufenen Heimvereinbarung ergibt, dass die aus dem Zust�ndigkeitsgesetz gezogenen Folgerungen offensichtlich nicht zutreffen. Das Bundesgericht ist, wie dargelegt (vgl. E. 1e), gem�ss Art. 113 in Verbindung mit Art. 96 Abs. 3 OG zumindest zur vorfrageweisen Beurteilung dieser Frage zust�ndig.
b) Bundesrecht geht kantonalem Recht - und damit auchKonkordatsrecht - vor (Art. 48 Abs. 3 und 49 Abs. 1 BV; Art. 2 �bBest. aBV). Konkordatsrecht k�nnte daher nicht eine bundesgesetzliche Regelung in allgemeinverbindlicher Weise ab�ndern oder einschr�nken. Die im Zust�ndigkeitsgesetz enthaltenen Bestimmungen �ber die Zust�ndigkeit zur Unterst�tzung Bed�rftiger (Art. 1 und 14 ff. ZUG) und zum Unterst�tzungswohnsitz (Art. 4 ff. ZUG) sind vorbehaltlos formuliert. Dies l�sst eine einschr�nkende Auslegung in dem Sinne, dass abweichende interkantonale Vereinbarungen vorbehalten bleiben, als ausgeschlossen erscheinen; es fehlt an einem Vorbehalt kantonalen (oder interkantonalen) Rechts.
c) Art. 3 Abs. 3 IHV sieht allerdings vor, dass die Vereinbarungskantone im Rahmen der Anwendbarkeit dieses Konkordats darauf verzichten, die bei Unterbringung von Kantonseinwohnern in einem ausserkantonalen Heim nach Abs. 1 und 2 zu verg�tenden Betriebsdefizitanteile nach dem Zust�ndigkeitsgesetz zur�ckzufordern. Dies zeigt, dass diese Vereinbarung die Rechtslage gem�ss diesem Gesetz gar nicht ab�ndern will - was sie aus den bereits dargelegten Gr�nden auch nicht k�nnte -, sondern dass die Vereinbarungskantone aus praktischen Erw�gungen rechtsgesch�ftlich auf eine ihnen bundesgesetzlich einger�umte M�glichkeit gegenseitig verzichten, um die interkantonale Kooperation zu erleichtern. Die vom Beschwerdef�hrer eingereichten Erl�uterungen zur Heimvereinbarung (�berschrieben als Kommentar zur Heimvereinbarung ohne Angaben zu Autor und Erscheinungsort und -jahr) verweisen denn auch darauf, dass es sich bei der Heimvereinbarung um eine blosse Verwaltungsvereinbarung ohne allgemeinverbindlichen (d.h. rechtsetzenden) Charakter handle. Inwieweit auch solche blosse Verwaltungsvereinbarungen als verbindliche, eine bundesgesetzliche Normierung (rechtsgesch�ftlich) einschr�nkende Entscheidregeln eines interkantonalen Rechtsstreits dienen k�nnen, braucht indes nur dann n�her gekl�rt zu werden, wenn sich zeigen w�rde, dass der angefochtene Entscheid in offensichtlicher Weise dem Sinn dieser Vereinbarung zuwiderliefe, was jedoch zu verneinen ist.
d) Zwischen den Parteien ist an sich unbestritten, dass die Heimvereinbarung grunds�tzlich auf den zivilrechtlichen Wohnsitz abstellt. Allerdings ziehen sie daraus unterschiedliche Schl�sse. Der Beschwerdegegner nimmt gest�tzt darauf an, dass gar kein der Heimvereinbarung unterstehender interkantonaler Tatbestand gegeben sei, da der zivilrechtliche Wohnsitz von G.________ im Kanton Z�rich liege und er auch dort untergebracht sei. Der Beschwerdef�hrer geht demgegen�ber davon aus, dass die Frage, ob eine Heimunterbringung als ausserkantonal zu bezeichnen sei oder nicht, immer vom Standpunkt des urspr�nglich fremdplatzierenden Kantons aus beurteilt werden m�sse. Die Heimvereinbarung bezwecke in �bereinstimmung mit der Auslegung des Eidgen�ssischen Justiz- und Polizeidepartements den Ausgleich der Kostentragung von Heimen unter den Vereinbarungskantonen. Vorliegend werde vom Kanton Thurgau f�r eine Heimunterbringung in einer der Heimvereinbarung unterstehenden Institution im Kanton Z�rich Kostentragung verlangt. Dieser interkantonale Tatbestand stelle eine die Kantonsgrenzen �berschreitende Finanzierung dar und falle somit offensichtlich unter die Regelung der Heimvereinbarung. Diese bestimme, dass das Restdefizit von dem Kanton zu tragen sei, in dem die im Heim untergebrachte Person zivilrechtlichen Wohnsitz habe. Da eine Heimunterbringung stets mit einer Fremdplatzierung verbunden sei und nach dem Zust�ndigkeitsgesetz der Unterst�tzungswohnsitz eines fremdplatzierten Kindes andaure, finde im Falle der Verlegung des zivilrechtlichen Wohnsitzes ein Splitting der Kosten statt.
Die Heimvereinbarung kann von vornherein nur dann zur Anwendung gelangen, wenn ein interkantonaler Sachverhalt gegeben ist. Dieser liegt im zu beurteilenden Fall insoweit vor, als der Kanton des Unterst�tzungswohnsitzes (Beschwerdef�hrer) und derjenige des zivilrechtlichen Wohnsitzes (Beschwerdegegner) nicht identisch sind. Soweit die Heimvereinbarung ausschliesslich auf den zivilrechtlichen Wohnsitz abstellen sollte - wie es die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid und der Beschwerdegegner darlegen und wof�r unter anderem Hinweise im genannten Kommentar zur Heimvereinbarung sprechen -, liegt keine ausserkantonale Platzierung im Sinne dieser Vereinbarung vor. W�re aber mit dem Beschwerdef�hrer die Frage, ob eine ausserkantonale Heimunterbringung anzunehmen sei, vom Standpunkt des urspr�nglich fremdplatzierenden Kantons aus zu beurteilen, so schiene, wenn schon, die Konsequenz naheliegender, dass dieser Kanton - zumal er ja der Kanton des Unterst�tzungswohnsitzes ist - die entsprechenden Anteile am Betriebsdefizit (Art. 14 i.V.m. Art. 3 IHV) und nicht (nur) Kostgelder zu tragen h�tte. Diese Konsequenz zieht der Beschwerdef�hrer aber nicht. Seine L�sung, die zwar mit Bezug auf die Frage, ob eine ausserkantonale Platzierung vorliege, auf die Optik des urspr�nglich fremdplatzierenden Kantons abstellt, diesen dann aber - obwohl er nach wie vor Unterst�tzungswohnsitz ist - lediglich zu einem Kostgeld verpflichten will, erscheint gegenteils als geradezu methodendualistisch und l�sst den angefochtenen Entscheid jedenfalls nicht als offensichtlich unrichtig erscheinen.
5.- Damit erweist sich die Verwaltungsgerichtsbeschwerde als unbegr�ndet. Dies gilt auch insoweit, als sie allenfalls als staatsrechtliche Klage entgegenzunehmen w�re.
Bei diesem Verfahrensausgang wird der beschwerdef�hrende Kanton Thurgau kostenpflichtig, da es sich um eine verm�gensrechtliche Sache handelt (Art. 156 Abs. 1 und 2 OG). Eine Parteientsch�digung entf�llt, da der Kanton Z�rich seine Sache - zumutbarerweise - selber durch seine Verwaltung vertreten hat.
2.- Die Gerichtsgeb�hr von Fr. 2'000. -- wird dem Kanton Thurgau auferlegt.
3.- Dieses Urteil wird dem Kanton Thurgau (Departement f�r Finanzen und Soziales), dem Kanton Z�rich (Direktion f�r Soziales und Sicherheit, Sozialamt, Abteilung �ffentliche F�rsorge) und dem Eidgen�ssischen Justiz- und Polizeidepartement schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 7
 Art. 30
 Art. 7
 Art. 33
 Art. 28
 Art. 7
 Art. 33
 Art. 97
 Art. 5
 Art. 98
 Art. 99
 Art. 28
 Art. 7
 Art. 98
 Art. 99
 Art. 103
 Art. 34
 Art. 104
 Art. 113
 Art. 28
 Art. 189
 Art. 113
 Art. 83
 Art. 83
 Art. 113
 Art. 40
 Art. 24
 Art. 28
 Art. 136
 Art. 66
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 28
 Art. 35
 Art. 24
 Art. 28
 Art. 1
 Art. 113
 Art. 96
 Art. 2
 Art. 3
 Art. 3