Source: https://bau-und-architektenrechtsanwalt.de/eugh-hoai-bgh-vii-zr-174-19-honorar-mindestsatz-hoechstsatz-unionsrechtswidrigkeit/
Timestamp: 2020-05-30 13:52:01+00:00

Document:
EUGH / HOAI: BGH VII ZR 174/19 ZU HONORAR NACH MINDESTSATZ / HÖCHSTSATZ UND UNIONSRECHTSWIDRIGKEIT | Rechtsanwalt | Architektenrecht | Baurecht | Hamburg
Anstoß: Klage auf Honorar nach Mindestsätzen trotz Pauschalhonorar
Highlight: § 7 HOAI (Mindestsatz und Höchstsatz) auf dem Prüfstand
4:4 nach Senaten – Exkurs zum Streitstand der Instanzgerichte
BGH, VII ZR 174/19 – die Entscheidung in der Verlängerung?
Honorar nach Mindestsatz/Höchstsatz oder Pauschalhonorar? Was ist bei Mindestsatzunterschreitung?
Der Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt am 14.05.2020 über eine Honorarklage nach der HOAI – und damit nach der Entscheidung des EuGH vom 04.07.2019 zu dem Aktenzeichen C-377/17, die eine divergierende Instanzrechtsprechung in Deutschland zum Umgang mit dieser Rechtsprechung hervorgerufen hat. Neben dem o. g. Verfahren zu dem Aktenzeichen VII ZR 174/19 sollen noch zwei weitere Revisionsverfahren zu den Aktenzeichen VII ZR 205/19 und VII ZR 229/19 bei dem BGH anhängig. Die Entscheidung ist für Architekten und Ingenieure ebenso wie für Bauherren von besonderem Interesse. Die Pressemitteilung Nr. 159/2019 des BGH vom 12.12.2019 zur Ankündigung des o. g. Verhandlungstermins finden Sie hier .
In dem vor dem BGH zu dem Az. VII ZR 174/19 verhandelten Fall geht es um restliches Honorar aus einem gekündigten Ingenieurvertrag aus dem Jahr 2016. Der Vertrag sah ein Pauschalhonorar vor. Es kam außerdem zu mehreren Nachträgen zum Vertrag. Der Kläger rechnete nach der Kündigung des Vertrages sein Honorar auf der Grundlage der Mindestsätze nach der HOAI ab. Hiergegen wehrte sich die Beklagte.
Streitentscheidend war in den Vorinstanzen die Rechtsauffassung der vorangegangenen Instanzen (LG Essen, Urteil v. 28.12.2017, Az. 6 O 351/17; OLG Hamm, Urteil vom 23. Juli 2019, Az. 21 U 24/18), dass die im Vertrag getroffene Pauschalpreisvereinbarung wegen Verstoßes gegen den Mindestpreischarakter der HOAI unwirksam sei (Mindestsatzunterschreitung). Daran ändere auch das o. g. Urteil des EuGH vom 04.07.2019, C-377/17 nichts. Eine richtlinienkonforme Auslegung des § 7 HOAI sei ausgeschlossen.
Gegenstand der Verhandlung am 14.05.2020 war das Urteil des OLG Hamm vom 23.07.2019, Az. 21 U 24/18, aus der Fraktion der „Anwendungsbefürworter“. Aus der Fraktion der „Anwendungsgegner“ sind zwei weitere Revisionen anhängig:
Zu dem Urteil des Oberlandesgericht Celle vom 14. August 2019, Az. 14 U 198/18, ist eine Revision bei dem BGH zu dem Aktenzeichen VII ZR 205/19 anhängig.
Zu dem Urteil des Kammgerichts Berlin vom 13. September 2019, Az. 7 U 87/18, ist einer Revision zu dem Aktenzeichen VII ZR 229/19 bei dem BGH anhängig.
Laut Pressemeldung Nr. 59/2020 des Bundesgerichtshofs vom 14.05.2020 hat der Bundesgerichtshof das Verfahren ausgesetzt und dem BGH ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV zu Fragen über die Rechtsfolgen aus Unionsrecht, insb. Art. 15 Abs. 1, Abs. 2 Buchstabe g) und Abs. 3 der sog. Dienstleistungsrichtlinie, zur Frage, ob § 7 HOAI gegen die Niederlassungsfreiheit gemäß Art. 49 EAV oder sonstige Grundsätze des Unionsrechts verstößt sowie ggfs., ob aus solchen Verstößen folgt, dass die Mindestsatzregelungen in § 7 HOAI nicht mehr anzuwenden sind.
Der BGH deutete in seiner o. g. Pressemeldung an, dass er dazu neige, eine unmittelbare Wirkung des Art. 15 der Dienstleistungsrichtlinie nicht anzunehmen und dass Art. 15 insofern einer Anwendung von § 7 HOAI nicht entgegenstehen würde. Einen Verstoß gegen die Niederlassungsfreiheit durch die streitgegenständlichen Regelungen der HOAI, den der EuGH in seinem o. g. Urteil offengelassen hatte, schloss der BGH laut Pressemeldung nicht aus.
Soweit ersichtlich, sind bereits vor der o. g. Entscheidung des BGH Prozesse auf Landgerichtsebene zu Mindestsatzklageverfahren gemäß § 148 ZPO mit Blick auf laufende Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH ausgesetzt worden (z. B. LG Essen mit Beschluss vom 20.03.2019 – 44 O 12/18 mit Blick auf ein Vorabentscheidungsersuchen des Landgerichts Dresden mit Beschluss vom 8.2.2018 – 6 O 1751/15). Der VIII. Zivilsenat des BGH hat hierzu in einem Beschluss vom 24.01.2012 – VIII ZR 236/10, folgenden Leitsatz aufgestellt:
Die Aussetzung des Verfahrens ist in entsprechender Anwendung von § 148 ZPO auch ohne gleichzeitiges Vorabentscheidungsersuchen an den Gerichtshof der Europäischen Union grundsätzlich zulässig, wenn die Entscheidung des Rechtsstreits von der Beantwortung derselben Frage abhängt, die bereits in einem anderen Rechtsstreit dem Gerichtshof der Europäischen Union zur Vorabentscheidung nach Art. 267 AEUV vorgelegt wurde (Anschluss an BAG, NJW 2011, 1836; BAG, Beschlüsse vom 5. Juni 1984, 3 AZR 168/81, juris Rn. 2 f.; vom 6. November 2002, 5 AZR 279/01 (A), juris; BPatG, GRUR 2002, 734 f.; Fortführung von BGH, Beschlüsse vom 25. März 1998 – VIII ZR 337/97, NJW 1998, 1957; vom 18. Juli 2000 – VIII ZR 323/99, RdE 2001, 20; vom 30. März 2005 – X ZB 26/04, BGHZ 162, 373, 378; BVerfG, NJW 2000, 1484, 1485).BGH, Beschl. v. 24.01.2012 - VIII ZR 236/10, Leitsatz Lit. a)
Sie haben Fragen zur Auswirkung zur Entscheidung des BGH vom 14.05.2020 zu dem Az. VII ZR 174/19? Sie sind Architekt oder Ingenieur und haben unbezahlte Honoraransprüche durchzusetzen? Oder Sie sind Bauherr und werden trotz Vereinbarung eines Pauschalhonorars mit einer Abrechnung nach HOAI – Mindestsätzen konfrontiert?

References: BGH 
 § 7
 EuGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 EuGH 
 § 7
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 Art. 267
 Art. 15
 § 7
 Art. 49
 § 7
 BGH 
 Art. 15
 Art. 15
 § 7
 EuGH 
 BGH 
 BGH 
 § 148
 EuGH 
 BGH 
 § 148
 Art. 267
 BGH