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Timestamp: 2020-08-11 08:18:35+00:00

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Ehrenamtliche Bank-Aufsichtsräte | Rechtslupe
Die Tätig­keit im Auf­sichts­rat einer Volks­bank e.G. ist war nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs bis­her als ehren­amt­li­che Tätig­keit ange­se­hen und war damit nach § 4 Nr. 26 UStG von der Umsatz­steu­er befreit [1]. Die­se Recht­spre­chung hat der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt aus­drück­lich auf­ge­ge­ben. Nun­mehr sieht der Bun­des­fi­nanz­hof die Tätig­keit im Auf­sichts­rat einer Volks­bank e.G. nicht mehr als ehren­amt­li­che Tätig­keit an, so dass sie auch nicht nach § 4 Nr. 26 UStG von der Umsatz­steu­er befreit ist.
Der Klä­ger des jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Falls war – neben sei­ner selb­stän­di­gen Tätig­keit als Ver­si­che­rungs­kauf­mann – Auf­sichts­rat einer Volks­bank e.G. und erhielt hier­für Sit­zungs­gel­der. Die­se beur­teil­te das Finanz­amt als Ent­gelt für steu­er­pflich­ti­ge Leis­tun­gen des Klä­gers und unter­warf sie der Umsatz­steu­er. Die nach erfolg­lo­sem Ein­spruch­ver­fah­ren hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge hat­te vor dem Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt kei­nen Erfolg [2]. Der BFH hat nun das Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts bestä­tigt und die Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen.
Die Auf­sichts­rats­tä­tig­keit für eine Volks­bank wer­de, so der BFH, weder in einem Gesetz – ins­be­son­de­re auch nicht im Genos­sen­schafts­ge­setz – als ehren­amt­lich bezeich­net noch fas­se der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch die Auf­sichts­rats­tä­tig­keit unter den Begriff der Ehren­amt­lich­keit [3]. Der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch unter­schei­de nicht mehr zwi­schen der Auf­sichts­rats­tä­tig­keit für Volks­ban­ken und der­sel­ben Tätig­keit für ande­re Geschäfts­ban­ken.
Es ist auch nicht erkenn­bar, dass die­se Tätig­keit im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch her­kömm­li­cher­wei­se als ehren­amt­lich bezeich­net wird (Ände­rung der Recht­spre­chung; anders noch BFH, Urteil in BFHE 106, 479, BStBl II 1972, 844). Das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt hat inso­weit nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs zu Recht fest­ge­stellt, dass die Volks­ban­ken heu­te im Wett­be­werb mit ande­ren Geschäfts­ban­ken ste­hen. Es ist des­halb nicht ersicht­lich, dass der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch zwi­schen der Auf­sichts­rats­tä­tig­keit für eine Volks­bank und der­sel­ben Tätig­keit für eine sons­ti­ge Geschäfts­bank unter­schei­det und die erst­ge­nann­te als ehren­amt­lich ansieht.
Die Tätig­keit als Auf­sichts­rat einer Volks­bank wird, so der BFH in sei­nem neu­en Urteil wei­ter, aber auch nicht vom mate­ri­el­len Begriff der Ehren­amt­lich­keit umfasst. Die­ser setzt das Feh­len eines eigen­nüt­zi­gen Erwerbs­stre­bens, die feh­len­de Haupt­be­ruf­lich­keit und den Ein­satz für eine fremd­nüt­zig bestimm­te Ein­rich­tung vor­aus [4]. Jeden­falls han­delt es sich bei der Volks­bank nicht um eine fremd­nüt­zig bestimm­te Ein­rich­tung.
Im Übri­gen sieht, so der BFH wei­ter, auch die Sechs­te Umsatz­steu­er-Richt­li­nie [5], die zum Zeit­punkt der frü­he­ren BFH-Ent­schei­dung zur Auf­sichts­rats­tä­tig­keit in Genos­sen­schafts­ban­ken noch nicht in Kraft war, gene­rell kei­ne Steu­er­be­frei­ung für ehren­amt­li­che Tätig­kei­ten vor.
Damit ist aber nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs über­haupt frag­lich, ob § 4 Nr. 26 Buchst. b UStG im Ein­klang mit der Richt­li­nie 77/​388/​EWG steht. Nach einer Pro­to­koll­erklä­rung zu Art. 4 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG steht es den Mit­glied­staa­ten zwar frei, ehren­amt­li­che Leis­tun­gen von der Steu­er zu befrei­en. Ob das zur Bei­be­hal­tung der Befrei­ung in § 4 Nr. 26 Buchst. b UStG berech­tigt, ist aber frag­lich und in der Lite­ra­tur umstrit­ten [6]. Der BFH brauch­te die Fra­ge im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren aller­dings nicht zu ent­schei­den, weil ein Anwen­dungs­vor­rang der Richt­li­nie vor­lie­gend nicht in Betracht kam, den ein sol­cher Anwen­dungs­vor­rang der Richt­li­nie setzt vor­aus, dass die Richt­li­ni­en­be­stim­mung für den Steu­er­pflich­ti­gen güns­ti­ger ist als die Rege­lung im UStG.
Dar­über hin­aus ist zu berück­sich­ti­gen, dass Steu­er­be­frei­un­gen im Zwei­fel eng aus­zu­le­gen sind, weil sie Aus­nah­men von dem all­ge­mei­nen Grund­satz dar­stel­len, dass jede Dienst­leis­tung, die ein Steu­er­pflich­ti­ger gegen Ent­gelt erbringt, der Umsatz­steu­er unter­liegt [7].
BFH, Urteil vom 27.07.1972 – V R 33/​72, BFHE 106, 479, BStBl II 1972, 844[↩]
(so aber noch BFH-Urteil in BFHE 106, 479, BStBl II 1972, 844[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 221, 517, BStBl II 2008, 912; in BFHE 152, 182, BStBl II 1988, 384; in BFHE 174, 573, BStBl II 1994, 773[↩]
beja­hend Krae­u­sel in Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG, § 4 Nr. 26 Rz 11; Handz­ik in Offerhaus/​Söhn/​Lange, UStG, § 4 Nr. 26 Rz 5; ver­nei­nend Oel­mai­er in Sölch/​Ringleb, UStG, § 4 Nr. 26 Rz 4[↩]

References: § 4
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 Art. 4
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