Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/arbeitsgericht-sozialgericht-der-3132255
Timestamp: 2019-11-12 21:31:52+00:00

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Gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a ArbGG sind die Gerich­te für Arbeits­sa­chen aus­schließ­lich zustän­dig für bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern aus dem Arbeits­ver­hält­nis. Ob es sich um eine bür­ger­lich-recht­li­che oder eine öffent­lich-recht­li­che Strei­tig­keit han­delt, bestimmt sich nach der Natur des Rechts­ver­hält­nis­ses, aus dem der Kla­ge­an­spruch her­ge­lei­tet wird 1. Maß­geb­lich ist, ob der zur Kla­ge­be­grün­dung vor­ge­tra­ge­ne Sach­ver­halt für die aus ihm her­ge­lei­te­te Rechts­fol­ge von Rechts­sät­zen des bür­ger­li­chen Rechts oder des öffent­li­chen Rechts geprägt wird 2.
So auch im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall: Mit ihrer Kla­ge möch­te die Arbeit­neh­me­rin in ers­ter Linie die Berech­ti­gung des Abzugs von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen über­prü­fen las­sen. Dies ergibt sich ein­deu­tig aus der Begrün­dung ihrer Kla­ge. Dar­in rekla­miert sie die Sozi­al­ver­si­che­rungs­frei­heit für ihr Arbeits­ver­hält­nis und moniert die Abfüh­rung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen. Ob das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en der Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht unter­lag, kann allein unter Her­an­zie­hung öffent­lich-recht­li­cher Vor­schrif­ten beant­wor­tet wer­den. Wäh­rend die Beschäf­ti­gung iSv. § 7 SGB IV regel­mä­ßig zur Ver­si­che­rungs­pflicht in der Sozi­al­ver­si­che­rung führt, sind Per­so­nen, die einer nur gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gung iSv. § 8 Abs. 1 SGB IV nach­ge­hen, in der Kran­ken, Ren­ten, Pfle­ge- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung gewöhn­lich ver­si­che­rungs­frei (§ 7 SGB V, § 5 Abs. 2 Satz 1 SGB VI, § 27 Abs. 2 Satz 1 SGB III). Die­se öffent­lich-recht­li­chen Bestim­mun­gen geben dem Streit über die Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht der Arbeit­neh­me­rin das Geprä­ge. Die Gerich­te für Arbeits­sa­chen sind indes nicht befugt, die Berech­ti­gung der Abzü­ge für Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zu über­prü­fen 3. Legt der Arbeit­ge­ber nach­voll­zieh­bar dar, dass er bestimm­te Abzü­ge für Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ein­be­hal­ten und abge­führt hat, kann der Arbeit­neh­mer die nach sei­ner Auf­fas­sung unbe­rech­tigt ein­be­hal­te­nen und abge­führ­ten Beträ­ge nicht erfolg­reich mit einer Ver­gü­tungs­kla­ge gel­tend machen. Er ist viel­mehr auf die sozi­al­recht­li­chen Rechts­be­hel­fe beschränkt, es sei denn, für den Arbeit­ge­ber wäre auf­grund der für ihn zum Zeit­punkt des Abzugs bekann­ten Umstän­de ein­deu­tig erkenn­bar gewe­sen, dass eine Ver­pflich­tung zum Abzug nicht bestand. Andern­falls tritt die Erfül­lungs­wir­kung ein 4. Vor­lie­gend steht zwi­schen den Par­tei­en gera­de nicht im Streit, ob die Beklag­te Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge abge­führt hat, son­dern die allein nach öffent­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten zu beur­tei­len­de Fra­ge, ob sie hier­zu ver­pflich­tet war.
Auch das (Nicht-)Bestehen einer Mel­de­pflicht zur Sozi­al­ver­si­che­rung ergibt sich aus Rechts­nor­men des öffent­li­chen Rechts. Der Arbeit­ge­ber hat nach § 28a SGB IV iVm. der gemäß § 28c SGB IV erlas­se­nen Daten­er­fas­sungs- und ‑über­mitt­lungs­ver­ord­nung (DEÜV) für jeden kraft Geset­zes in der Kran­ken, Ren­ten- und Pfle­ge­ver­si­che­rung oder nach dem Recht der Arbeits­för­de­rung ver­si­cher­ten Beschäf­tig­ten (§§ 5 ff. SGB V, §§ 1 ff. SGB VI, §§ 20 ff. SGB XI und §§ 24 ff. SGB III) der Ein­zugs­stel­le Mel­dung zu erstat­ten. Er hat der Ein­zugs­stel­le ua. Beginn und Ende der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung (§ 28a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 SGB IV) sowie die Unter­bre­chung der Ent­gelt­zah­lung (§ 28a Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 SGB IV) mit­zu­tei­len. Der Inhalt der Mel­dun­gen bestimmt sich im Wesent­li­chen nach § 28a Abs. 3 SGB IV. Die DEÜV regelt maß­geb­lich das for­mel­le Mel­de­ver­fah­ren, wie Fris­ten, Ände­rung, Berich­ti­gung und Stor­nie­rung der Mel­dung und kon­kre­ti­siert den Inhalt der Mel­dun­gen. Die Ver­si­che­rungs­trä­ger kön­nen die Mel­de­pflich­ten, soweit die­se pri­va­ten Per­so­nen oder Insti­tu­tio­nen oblie­gen und im Streit ste­hen, durch Ver­wal­tungs­akt fest­stel­len und nach dem Ver­wal­tungs­voll­stre­ckungs­ge­setz des Bun­des oder des jewei­li­gen Lan­des voll­stre­cken 5. Der Annah­me einer öffent­lich-recht­li­chen Ver­pflich­tung der Beklag­ten steht nicht ent­ge­gen, dass die sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten eine auf § 242 BGB beru­hen­de Neben­pflicht des Arbeit­ge­bers begrün­den kön­nen 6.
GmS-OGB 10.04.1986 – GmS-OGB 1/​85, zu III 1 der Grün­de, BGHZ 97, 312; BAG 19.08.2008 – 5 AZB 75/​08, Rn. 6[↩]
BAG 5.10.2005 – 5 AZB 27/​05, zu B I der Grün­de mwN, BAGE 116, 131[↩]
vgl. ausf. BAG 30.04.2008 – 5 AZR 725/​07, Rn. 18 ff., BAGE 126, 325[↩]
vgl. BAG 21.12 2016 – 5 AZR 266/​16, Rn.20, BAGE 157, 336; 30.04.2008 – 5 AZR 725/​07, Rn. 21, aaO[↩]
BAG 5.10.2005 – 5 AZB 27/​05, Rn. 15, BAGE 116, 131[↩]
BAG 5.10.2005 – 5 AZB 27/​05, Rn. 17, aaO[↩]

References: § 2
 § 7
 § 8
 § 5
 § 27
 § 28
 § 28
 § 28
 § 242