Source: http://wdb.fh-schmalkalden.de/BesitzSchutz
Timestamp: 2019-09-23 11:13:00+00:00

Document:
Wissensdatenbank Wirtschaftsrecht: Der Besitz
ich war hier: BesitzSchutz
A. Abgrenzung von Besitz un...
B. Besitzarten
C. Unmittelbarer Besitz
1. Erwerb des unmittelbaren...
a. Gemäß § 854 Abs. 1 BG...
b. Gemäß § 854 Abs. 2 BG...
c. Gemäß § 857 BGB durch...
2. Verlust des unmittelbare...
D. Mittelbarer Besitz
E. Besitzschutz nach Sachen...
1. Besitzwehr gem. § 859 A...
2. Besitzkehr
a. für bewegliche Sachen g...
b. für Grundstücke gem. �...
3. Possessorischer Besitzsc...
a. bei Besitzentziehung, ge...
b. bei Besitzstörung, gem....
4. Petitorischer Besitzschutz
a. Herausgabeanspruch gem. ...
b. Herausgabeanspruch gem. ...
Besitzerwerb und -Verlust, sowie Besitzschutzrechte
A. Abgrenzung von Besitz und Eigentum
Besitz und Eigentum sind zwei Zentralbegriffe des Sachenrechts, die im Umgangsprachlichen häufig verwechselt werden, im Juristischen aber klar voneinander abzugrenzen sind. Das BGB regelt zu Beginn des 3. Buches zuerst den Besitz in den §§ 854 - 872 BGB. Als Besitz kann die tatsächliche Herrschaft einer Person über eine Sache bezeichnet werden, vgl. § 854 Abs. 1 BGB. Der Besitzer hat demzufolge die tatsächliche Sachherrschaft. Im Gegensatz dazu hat der Eigentümer die rechtliche Herrschaft über eine Sache. Demzufolge lässt sich sagen, dass das Eigentum das wichtigste dingliche Recht ist, dem im Sachenrecht eine besondere Bedeutung zukommt. Aber auch der Besitz ist als Rechtsinstitut durch die §§ 854 ff. BGB besonders geschützt.
Unmittelbarer Besitz (§ 854 BGB, § 855 BGB) / Mittelbarer Besitz (§ 868 BGB)
Alleinbesitz / Mitbesitz (§ 866 BGB) / Teilbesitz (§ 865 BGB)
Eigenbesitz (§ 872 BGB) / Fremdbesitz (vgl. § 937 BGB, § 955 BGB, § 991 BGB)
Berechtigter Besitz / Fehlerhafter Besitz (§ 858 BGB)
Unberechtigter Besitz / Nicht fehlerhafter Besitz
Unmittelbarer Besitzer ist derjenige, der die tatsächliche Herrschaft über eine Sache hat, z.B. ein Mieter, Pächter oder Entleiher.
Besitzbegriffe
Besitzer = Besitzer ist, wer nach der Verkehrsanschauung, getragen von einem allgemeinen Besitzwillen, die tatsächliche Sachherrschaft an einer Sache ausübt, § 854 Abs. 1 BGB. Es werden allerdings zwei Arten von Besitzern unterschieden:
Unmittelbarer Besitzer = derjenige, der (im Moment) die tatsächliche Sachherrschaft hat = Besitzmittler
Mittelbarer Besitzer = derjenige, der dem anderen die Sache (auf Zeit) zum Besitz überlässt, § 868 BGB = Oberbesitzer (kann ggf. der Eigentümer der Sache sein). Er ist trotzdem ein vollwertiger, schützwürdiger Besitzer und hat alle Besitzschutzrechte!
Das Verhältnis zwischen Besitzmittler und Oberbesitzer nennt man Besitzmittlungsverhältnis (kurz: BMV).
Besitzdiener = wer im Rahmen eines sozialen Abhängigkeitsverhältnisses tatsächliche Gewalt über eine Sache ausübt, § 855 BGB. Er ist nicht Besitzer der Sache. Besitzer ist der Besitzherr, also derjenige, für den der Besitzdiener die tatsächliche Sachherrschaft ausübt.
1. Erwerb des unmittelbaren Besitzes. Es gibt drei Erwerbsformen:
a. Gemäß § 854 Abs. 1 BGB durch Erlangung der unmittelbaren Sachherrschaft
b. Gemäß § 854 Abs. 2 BGB durch rechtsgeschäftliche Einigung
Rechtsgeschäftliche Einigung
Bisheriger Besitzer gibt Sachherrschaft auf
Neuer Besitzer kann Sachherrschaft ausüben
c. Gemäß § 857 BGB durch Erbschaft
Erbenbesitz auch ohne Kenntnis des Erbfalls und ohne tatsächliche Sachherrschaft möglich.
2. Verlust des unmittelbaren Besitzes
Verlustmöglichkeiten:
gem.§ 856 Abs. 1 1. Alt. BGB : Dauerhafte Aufgabe des unmittelbaren Besitzes
gem. § 856 Abs. 1 2. Alt. BGB: Besitzverlust in sonstiger Weise: Unfreiwilliger Verlust des Besitzes, z.B. durch Diebstahl
Voraussetzung: Beendigung nicht nur vorübergehend. Beispiel: Abstellen eines PKW
Verlust bei Sachherrschaft des Besitzdieners. Beispiel: nicht bei kurzer Spritztour des Chauffeurs
Gem. § 857 BGB bei Verlust der Erbenstellung
Mittelbarer Besitzer ist derjenige, der dem Besitzmittler die Sache auf Zeit zum Besitz überlässt, z.B. ein Vermieter, Verpächter oder Verleiher.
Besitzmittler = unmittelbarer Besitzer
Besitzmittlungsverhältnis = Besitzkonstitut i.S.d. § 868 BGB
Erkennbarer Fremdbesitzerwillen des Besitzmittlers
Wirksamer Herausgabeanspruch des mittelbaren Besitzers gegen den Besitzmittler (künftiger oder bedingter Anspruch ausreichend)
Beendigungsmöglichkeiten:
§ 870 BGB: Abtretung des Herausgabeanspruchs
Aufhebung des Besitzmittlungsverhältnisses
Verlust des unmittelbaren Besitzes durch den Besitzmittler
Besitzmittler generiert sich als Eigenbesitzer oder mittelt neuem Oberbesitzer
E. Besitzschutz nach Sachenrecht
Der Besitzer hat bestimmte Schutzrechte, die den Besitz bei unerlaubter Besitzentzug oder Besitzstörung schützen sollen. Diese Rechte stehen sowohl dem unmittelbaren als auch dem mittelbaren Besitzer zu.
Besitzschutzrechte im Überblick:
Besitzwehr gem. § 859 Abs. 1 BGB
Besitzkehr gem. § 859 Abs. 2 BGB und § 859 Abs. 3 BGB
Possessorischer Besitzschutz gem. (die Zeichen §§ 861 BGB sind keine funktionierende Verlinkung zu Gesetzestexten) und § 862 BGB
Petitorischer Besitzschutz gem. § 1007 Abs. 1 BGB und § 1007 Abs. 2 BGB
1. Besitzwehr gem. § 859 Abs. 1 BGB.
Besitzwehr ist ein Selbsthilferecht und bezieht sich auf den Zeitpunkt, in dem der Besitz durch verbotene Eigenmacht gestört oder entzogen wird. Der § 859 Abs. 1 BGB erlaubt dem Besitzer, sich bei verbotener Eigenmacht durch Gewalt zu wehren, d.h. den Besitz durch Gewalt zu schützen (allerdings innerhalb des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes). Er muss also nicht vorher die Polizei anrufen, damit die für ihn handeln darf.
Drohende Besitzstörung oder Besitzentziehung durch verbotene Eigenmacht gem. § 858 BGB.
Entziehung oder Störung des Besitzes ohne den Willen des Besitzers (nicht unbedingt "gegen", nur "ohne"den Willen)
Keine Rechtfertigung durch Gesetz
Nichtüberschreitung der Grenzen einer gebotenen, erforderlichen und angemessenen Gewaltanwendung
Achtung: für beide Arten der Besitzkehr gilt ein enger zeitlicher Rahmen ("sofort")
a. für bewegliche Sachen gem. § 859 Abs. 2 BGB
Auch die Besitzkehr ist ein Selbsthilferecht und bezieht sich auf den Zeitpunkt, in dem der Besitz durch verbotene Eigenmacht gestört oder entzogen wird (=auf frischer Tat betroffen) oder der Täter unmittelbar nach der verbotenen Eigenmacht verfolgt wurde. Als Rechtsfolge darf der Besitzer die bewegliche Sache dem Täter durch Gewalt wieder abnehmen. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
Besitzentziehung durch verbotene Eigenmacht, § 858 BGB
Auf frischer Tat betroffen oder nach der Tat unmittelbar verfolgt (Nacheile)
b. für Grundstücke gem. § 859 Abs. 3 BGB
Sofortige Wiederbeschaffung des Besitzes
3. Possessorischer Besitzschutz
Der possessorische Besitzschutz leitet sich aus dem faktischen Besitz ab (unabhängig vom Recht zum Besitz) und bezieht sich auf den Zeitpunkt, in dem eine Besitzstörung (§ 862 Abs. 1 BGB) bzw. Besitzentziehung (§ 861 Abs. 1 BGB) bereits stattgefunden hat. Diese Ansprüche sind also kein "Sofortschutz" wie die Besitzwehr oder die Besitzkehr. Sie zielen auf eine Unterlassung der Störung (§ 862 Abs. 1 BGB) oder auf eine Wiedereinräumung des Besitzes (§ 861 Abs. 1 BGB) als Rechtsfolge ab.
a. bei Besitzentziehung, gem. § 861 Abs. 1 BGB
Anspruchsteller ehemaliger Besitzer
Anspruchsgegner fehlerhafter Besitzer nach § 858 Abs. 1 S.2 BGB: Besitzer hat Besitz selbst durch verb. Eigenmacht entzogen oder § 858 Abs. 2 S.2 BGB: Nachfolger im Besitz bei Kenntnis Fehlerhaftigkeit oder Besitznachfolger bei Erbschaft, § 858 Abs. 2 S.2 1. Alt. BGB
Besitzentzug selbst war erlaubte Besitzkehr,§ 859 Abs. 1 BGB und § 859 Abs. 3 BGB
Entzogener Besitz war fehlerhaft, § 861 Abs. 2 BGB
Erlöschen nach einem Jahr ab Verüben der verbotenen Eigenmacht, § 864 BGB
Beachte: alle anderen Einwendungen sind ausgeschlossen! § 863 BGB
Rechtsfolge: Ehemaliger Besitzer kann vom Täter die Wiedereinräumung des Besitzes verlangen.
b. bei Besitzstörung, gem. § 862 Abs. 1 BGB
Anspruchsteller Besitzer
Besitzstörung durch verbotene Eigenmacht
Besitzentzug selbst war erlaubte Besitzwehr, § 859 Abs. 1 BGB
Besitzer besitzt Störer selbst gegenüber fehlerhaft, § 862 Abs. 2 BGB
Rechtsfolge: Besitzer kann vom Täter die Unterlassung der Störung verlangen.
Der petitorische Besitzschutz leitet sich aus dem Recht zum Besitz ab, nicht aus dem Besitz selbst. Der Besitzschutz ( § 1007 Abs. 1 und 2 BGB) schützt den früheren Besitzer. Auch hier gibt es zwei Anspruchsgrundlagen. Bei beiden zielt die Rechtsfolge auf die Herausgabe einer beweglichen Sache ab. Der petitorische Besitzschutz hat allerdings nur geringe praktische Bedeutung neben den anderen Herausgabeansprüchen, da die Bösgläubigkeit des Anspruchsgegners oftmals schwer nachweisbar ist und im Rahmen des § 985 BGB die Eigentumsvermutung nach § 1006 BGB hilft.
a. Herausgabeanspruch gem. § 1007 Abs. 1 BGB
Anspruchsteller früherer Besitzer
Aktueller Besitz des Anspruchsgegners
Anspruchsgegner bösgläubig beim Besitzerwerb, vgl. § 932 Abs. 2 BGB
Bösgläubigkeit des Anspruchstellers beim Besitzerwerb, § 1007 Abs. 1 Abs. 3 S.1, 1. Hs. BGB
Freiwillige Besitzaufgabe,§ 1007 Abs. 1 Abs. 3 S.1, 2. Hs. BGB
Gegenwärtiger Besitzer hat Recht zum Besitz, § 1007 Abs. 3 S.2 BGB, § 986 BGB
b. Herausgabeanspruch gem. § 1007 Abs. 2 BGB
Besitz des Anspruchsgegners
Abhandenkommen beim Anspruchssteller (Diebstahl, Verlust oder sonst abhanden gekommen) = unfreiwilliger Verlust des unmittelbaren Besitzes
Bösgläubigkeit des Anspruchstellers beim Besitzerwerb, § 1007 Abs. 3 S. 1, 1. HS. BGB
Freiwillige Besitzaufgabe, § 1007 Abs. 3 S. 1, 2. HS. BGB nicht möglich, da Abhandenkommen immer unfreiwillig
Sache ist Anspruchsgegner abhanden gekommen, § 1007 Abs. 2 S.1, 2. HS BGB
Gegenwärtiger Besitzer hat Recht zum Besitz, § 1007 Abs. 3 S.2 BGB ,§ 986 BGB
Keine Anwendung auf Geld oder Inhaberpapiere, § 1007 Abs. 2 S.2 BGB

References: § 854
 § 854
 § 857
 § 859
 § 854
 § 855
 § 937
 § 955
 § 991
 § 854
 § 868
 § 855
 § 854
 § 854
 § 857
 § 856
 § 857
 § 868

§ 870
 § 859
 § 859
 § 859
 § 862
 § 1007
 § 1007
 § 859
 § 859
 § 858
 § 859
 § 858
 § 859
 § 861
 § 858
 § 858
 § 858
 § 859
 § 861
 § 864
 § 863
 § 862
 § 859
 § 862
 § 1007
 § 985
 § 1006
 § 1007
 § 932
 § 1007
 § 1007
 § 986
 § 1007
 § 1007
 § 1007
 § 1007
 § 1007
 § 1007