Source: https://www.heide-wendland.de/ueber-den-kreis/sportgericht-urteile/urteile-201314/
Timestamp: 2019-08-23 01:16:52+00:00

Document:
Urteile 2013/14 - NFV Kreis Heide-Wendland
Teurer Griff
In dem Sportgerichtsverfahren Nr. 09/13/14 (Vergehen des Spielers X des TSV Bardowick wegen der Vorfälle im Spiel der 1. KK NR. 233 TSV Bardowick II – SV Barnstedt am 25.05.2014 hat das Kreissportgericht Lüneburg folgende Entscheidung getroffen:
Gegen den Spieler X wird eine Sperrstrafe von 3 Monaten bis zum 25.08.2014 einschließlich verhängt. Zusätzlich wird ihm eine Geldstrafe von 140 € unter Vereinshaftung des TSV Bardowick auferlegt.
Die Kosten des Verfahrens hat der Spieler X (unter Haftung des Vereins TSV Bardowick zu tragen.
Im Sonderbericht des Schiedsrichters ist festgehalten, dass der Spieler X in einer Spielunterbrechung wegen eines Freistoßes, seinem Gegenspieler schupste. Er hat dann nach Ansicht des Schiedsrichters dem Spieler vom SV Barnstedt, Y, mit der Faust in die Geschlechtsteile geschlagen.
Der Kreisspielausschuss hat unter dem 12.06.2014 gegen den betroffenen Spieler X ein Sportgerichtsverfahren beantragt. Den betroffenen Vereinen und dem Spieler ist unter Fristsetzung bis zum 22.06.2014 Gelegenheit gegeben worden, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Den Beteiligten wurde auch mitgeteilt, dass das Sportgericht beabsichtigt, im schriftlichen Verfahren zu entscheiden. Auch hierzu wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.
Der TSV Bardowick hat durch seinen Fußballobmann mitgeteilt, dass es sich nicht um einen Faustschlag, sondern um einen Griff gehandelt habe und der Spieler ohne Behandlung weiterspielen konnte. Damit sei die Sachlage eine völlig andere und der Spieler sei milder zu bestrafen. Der 1. Vorsitzende des SV Barnstedt hat ebenfalls bestätigt, dass es sich um „einen sehr festen und schmerzhaften Griff in die Kronjuwelen“ des Barnstedter Spielers gehandelt habe.
Ob der Spieler X nun seinem Gegenspieler einen Faustschlag in die Geschlechtsteile verabreicht hat, wie dies der Schiedsrichter gesehen haben will, oder diese abgegriffen hat, kann dahin stehen. Beides würde zu derselben Strafe führen.
Dabei kann auch dahin stehen, ob dies schmerzhaft und hart war, wie dies der 1. Vorsitzende vom SV Barnstedt gefühlt haben will. Letzlich kommt es bei einem Schlag oder Griff in die Geschlechtsteile erstrangig nicht auf die körperlichen Folgen an, sondern auf die obszöne Geste, die der Spieler damit zum Ausdruck bringt. Hinzu kommt, dass dies nicht während eines Zweikampfes um den Ball geschehen ist, sondern in einer Spielpause. Der Bardowicker Spieler wollte damit seinen Widersacher absichtlich erniedriegen und nicht nur körperlichen Schmerz zufügen.
Der oben genannte Spieler hat sich damit einer Tätlichkeit nach § 43 Abs. 8 der Rechts- und Verfahrensordnung strafbar gemacht. Hierfür ist eine Sperrstrafe von drei Wochen bis zwölf Monaten bzw. eine Geldstrafe von bis zu 250,00 € vorgesehen.
Bei der Bemessung der Strafe ist sind hier insbesondere die oben bereits genannten Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Eine derartige Gewaltanwendung und Obszönität hat auf dem Sportplatz nichts zu suchen.
Deshalb sieht das Kreissportgericht hier eine Sperrstrafe von drei Monaten und eine Geldstrafe von 140€ unter Vereinshaftung gem. § 11 Abs. 4 RuV für angemessen an . Die zusätzliche Geldstrafe war zu verhängen, da durch die Sommerpause der Sühnezweck der Sperrstrafe nicht erreicht werden kann (§ 43 letzter Absatz RuV). Die Sperrstrafe fiel mit 7 Wochen in die Sommerpause.
Die Kosten des Verfahrens haben der Spieler X gemäß § 11 Abs. 1 RuV unter Vereinshaftung des TSV Bardowick gemäß § 11 Abs. 4 RuV zu tragen. Sie sind zusammen mit der Geldstrafe bis zum 30.08.2014 zu überweisen, sofern keine Einzugsermächtigung erteilt worden ist.
Gemäß § 17 Abs. 1 RuV ist innerhalb von 7 Tagen nach Zustellung des Urteils die gebührenpflichtige Berufung beim Bezirkssportgericht des Bezirks Lüneburg zu Händen des Vorsitzenden, Rüdiger Wiegand, Soltauer Straße 34, 27356 Rotenburg (Wümme) zulässig.
Nach § 18 RuV kann die gebührenfreie Beschwerde gegen Entscheidungen eines vor dem Sportgericht durchgeführten Verfahrens wegen formeller Mängel binnen 7 Tagen nach Zustellung eingelegt werden. Mit der Beschwerde kann eine Änderung des sachlichen Inhaltes des Urteils nicht herbeigeführt werden. Die Beschwerde ist beim Kreissportgericht Lüneburg einzulegen.

References: § 43
 § 11
 § 11
 § 11
 § 17
 § 18