Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-lag-duesseldorf-6-tabv-30-12-06.07.2012-arbeitnehmereigenschaft-b.html
Timestamp: 2020-05-27 21:52:09+00:00

Document:
LAG Düsseldorf, Beschluss vom 06.07.2012, 6 TaBV 30/12 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Düs­sel­dorf, Be­schluss vom 06.07.2012, 6 TaBV 30/12
Aktenzeichen: 6 TaBV 30/12
Leitsätze: 1. Rote-Kreuz-Schwestern, die ihre pflegerischen Leistungen aufgrund einer mitgliedschaftlichen Verpflichtung erbringen, sind keine Arbeitnehmer/innen. Es liegt keine Umgehung arbeitsrechtlicher Schutzbestimmungen vor (ebenso z.B. BAG v. 22.04.1997 - 1 ABR 74/96 -). Unerheblich ist, ob den Schwestern die Wahlfreiheit eingeräumt wird, die Dienstleistungen alternativ im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses zu erbringen (ebenso LAG Düsseldorf v. 27.03.2012 - 17 TaBV 86/11 -).
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Essen, Beschluss vom 02.02.2012, 3 BV 94/11
Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, 6 TaBV 30/12
Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 02.02.2012 - 3 BV 94/11 - wird zurück­ge­wie­sen.
3 Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Fra­ge, ob die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ein­stel­lung ei­ner DRK-Kran­ken­schwes­ter zu er­set­zen ist.
4 Die Be­tei­lig­te zu 1) (im Fol­gen­den: Ar­beit­ge­be­rin) be­treibt in F. ei­ne sta­ti­onäre Ein­rich­tung zur Präven­ti­on, Dia­gnos­tik und Be­hand­lung von Lun­gen- und Atem­wegs­er­kran­kun­gen. Be­tei­lig­ter zu 2) ist der bei der Ar­beit­ge­be­rin ge­bil­de­te Be­triebs­rat.
5 Im De­zem­ber 2011 beschäftig­te die Ar­beit­ge­be­rin 194 ex­ami­nier­te Pfle­ge­kräfte. Zehn der Pfle­ge­kräfte wur­den auf der Grund­la­ge ei­nes zwi­schen der Ar­beit­ge­be­rin und dem ge­meinnützi­gen Ver­ein DRK-Schwes­tern­schaft F. e.V. (im Fol­gen­den: Schwes­tern­schaft) ge­schlos­se­nen Ge­stel­lungs­ver­tra­ges ein­ge­setzt. Der Zweck der Schwes­tern­schaft be­steht laut Sat­zung u.a. in der Förde­rung der öffent­li­chen Ge­sund­heits­pfle­ge. Die Schwes­tern­schaft ist Mit­glied des Ver­ban­des der Schwes­tern­schaft und des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes e.V. Sie beschäftigt über­wie­gend Pfle­ge­kräfte, die mit­glied­schaft­lich bei ihr or­ga­ni­siert sind. Darüber hin­aus sind auch noch Pfle­ge­kräfte tätig, die auf Ba­sis ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges beschäftigt wer­den. Im Jahr 2003 be­schloss der Vor­stand der Schwes­tern­schaft, zukünf­tig kei­ne Ar­beits­verträge mit Be­wer­bern um ei­ne Pfle­ge­kraft­stel­le ab­zu­sch­ließen, son­dern nur noch Ver­eins­mit­glie­der zu beschäfti­gen. Die Schwes­tern­schaft verfügt über ei­ne Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung.
6 In dem Ge­stel­lungs­ver­trag vom 24.03.2010 ist u.a. Fol­gen­des ge­re­gelt:
7 "§ 3
8 (1)Die von der Schwes­tern­schaft auf­grund die­ses Ver­tra­ges ein­ge­setz­ten Ge­stel­lungs­kräfte ste­hen in kei­nem Ar­beits­verhält­nis zur S.. Ih­re Rech­te und Pflich­ten er­ge­ben sich aus ih­rer Ver­eins­mit­glied­schaft in der Schwes­tern­schaft.
9 Bei der in­ter­nen Aus­ge­stal­tung der Mit­glied­schaft ist die Schwes­tern­schaft frei. Die in­halt­li­che Aus­ge­stal­tung der Mit­glied­schaft ein­sch­ließlich der An­wen­dung oder Ände­rung des Vergütungs­sys­tems, Ein- und Um­grup­pie­run­gen etc. ob­liegt aus­sch­ließlich der Schwes­tern­schaft.
11 (3)Bei sei­ner Tätig­keit in der S. un­ter­liegt das Ge­stel­lungs­per­so­nal den fach­li­chen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Wei­sun­gen der zuständi­gen Stel­len der S.. Das ver­eins­recht­li­che Di­rek­ti­ons­recht der Schwes­tern­schaft bleibt un­berührt. Wei­sun­gen und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men, die in das ver­eins­recht­li­che Grund­verhält­nis zwi­schen Ge­stel­lungs­per­so­nal und der Schwes­tern­schaft ein­grei­fen, die ins­be­son­de­re das ver­eins­recht­li­che Di­rek­ti­ons­recht über­schrei­ten können, neh­men die Par­tei­en die­ses Ver­tra­ges nur in wech­sel­sei­ti­ger Ab­stim­mung vor."
12 Hin­sicht­lich des wei­te­ren In­halts des Ge­stel­lungs­ver­tra­ges wird auf Bl. 352 - 361 d.A. Be­zug ge­nom­men.
13 Die ver­eins­recht­li­che Stel­lung der Mit­glie­der der Schwes­tern­schaft, der so­ge­nann­ten DRK-Schwes­tern, wird durch die Sat­zung der DRK-Schwes­tern­schaft (Stand: 05.07.2006) be­stimmt. Dort ist u.a. Fol­gen­des ge­re­gelt:
14 "§ 8
15 Aus­schluss aus der Schwes­tern­schaft und Wi­der­ruf der Auf­nah­me
16 1.Je­des Mit­glied kann aus der Schwes­tern­schaft aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn ein wich­ti­ger Grund vor­liegt.
17 2.Ein wich­ti­ger Grund liegt ins­be­son­de­re vor, wenn das Mit­glied ge­gen die Grundsätze der Rot­kreuz- oder Rothalb­mond­be­we­gung schwer­wie­gend und nach­hal­tig verstößt, wenn es über­nom­me­ne Pflich­ten nach­hal­tig ver­letzt, ins­be­son­de­re bei Ausübung der be­ruf­li­chen Tätig­keit, oder wenn es in sons­ti­ger Wei­se durch sein Ver­hal­ten die Ge­mein­schaft er­heb­lich stört und es die­ses Ver­hal­ten trotz schrift­li­chen Hin­wei­ses auf die im Wie­der­ho­lungs­fall dro­hen­den Fol­gen fort­setzt. Der Hin­weis auf den dro­hen­den Aus­schluss kann nur dann un­ter­blei­ben, wenn der Schwes­tern­schaft ei­ne Fort­set­zung der Mit­glied­schaft nicht zu­mut­bar ist.
18 […]"
19 Für Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen der Schwes­tern­schaft und ih­ren Mit­glie­dern ist die Zuständig­keit ei­nes Schieds­ge­richts im Sin­ne von §§ 1025 ff. ZPO ge­re­gelt. We­gen des wei­te­ren In­halts der Sat­zung ein­sch­ließlich der als An­la­ge 1 bei­gefügten Schieds­ord­nung für das Deut­sche Ro­te Kreuz wird auf Bl. 150 - 173 d.A. ver­wie­sen.
20 Darüber hin­aus enthält die von der Mit­glie­der­ver­samm­lung be­schlos­se­ne Mit­glie­der­ord­nung für die Schwes­tern­schaft vom Deut­schen Ro­ten Kreuz Re­ge­lun­gen über die Rech­te und Pflich­ten der Mit­glie­der. U.a. heißt es dort:
21 "Ar­ti­kel 2
22 Be­ruf­li­che Tätig­keit
24 Tätig­keits­be­reich
25 Das Mit­glied übt sei­nen Be­ruf als Mit­glied und im Auf­trag der Schwes­tern­schaft aus. ...
27 Rechts­grund­la­ge der Tätig­keit
28 Zwi­schen dem Mit­glied und dem Träger des Ar­beits­fel­des be­ste­hen kei­ne ar­beits- oder dienst­ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen.
31 Vergütung
32 Das Mit­glied (mit Aus­nah­me der Mit­glie­der gem. § 4 Abs. IV Ziff. 2, Abs. V Ziff. 4, Abs. VI, Abs. VII und Abs. VIII) erhält während sei­ner Mit­glied­schaft
34 ei­ne mo­nat­li­che Zah­lung (Vergütung), de­ren Be­rech­nung sich nach den für die je­wei­li­ge Tätig­keit übli­chen Kri­te­ri­en rich­tet,
36 Zu­la­gen, Zu­wen­dun­gen, Rei­se- und Um­zugs­kos­ten in ent­spre­chen­der An­wen­dung der für das je­wei­li­ge Ar­beits­feld gel­ten­den Be­din­gun­gen,
39 Ei­ne An­wart­schaft auf ein zusätz­li­ches Ru­he­geld nach Erfüllung der War­te­zeit nach den zwi­schen der Schwes­tern­schaft und dem Schwes­tern-Ver­si­che­rungs­ver­ein vom Ro­ten Kreuz in Deutsch­land ver­ein­bar­ten Be­din­gun­gen oder auf der Grund­la­ge ei­ner ver­gleich­ba­ren Re­ge­lung.…
40 Die So­zi­al- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung so­wie der
41 Ver­si­che­rungs­schutz ge­gen Be­rufs­krank­heit und Ar­beits­un­fall
42 rich­ten sich nach den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen.
44 Er­ho­lungs­ur­laub
45 Das Mit­glied erhält ei­nen jähr­li­chen Er­ho­lungs­ur­laub in ent­spre­chen­der An­wen­dung der ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen und der im je­wei­li­gen Ar­beits­feld gel­ten­den Be­stim­mun­gen.
48 Un­fall und Krank­heit
49 Für die­je­ni­gen Mit­glie­der, die An­spruch auf ei­ne mo­nat­li­che Zah­lung (Vergütung) ha­ben, gilt im Fal­le ei­ner durch Un­fall oder Krank­heit ver­ur­sach­ten Ar­beits­unfähig­keit fol­gen­de Re­ge­lung:
51 Das Mit­glied erhält Kran­ken­bezüge bis zum En­de der sechs­ten Wo­che. Mit Be­ginn der sieb­ten Wo­che der Ar­beits­unfähig­keit erhält das Mit­glied ei­nen Kran­ken­geld­zu­schuss in Höhe des Un­ter­schieds­be­tra­ges zwi­schen den tatsächli­chen Bar­leis­tun­gen des So­zi­al­leis­tungs­trägers und der dem Mit­glied zu­ste­hen­den Net­to-Ur­laubs­vergütung. Die Net­to-Ur­laubs­vergütung ist die um die ge­setz­li­chen Abzüge ver­min­der­te Ur­laubs­vergütung.
54 Für die Mut­ter­schutz­zei­ten und die El­tern­zeit gel­ten die all­ge­mei­nen ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen in der je­weils gülti­gen Fas­sung.
56 We­gen des wei­te­ren In­halts der Mit­glie­der­ord­nung wird auf Bl. 193 - 207 d.A. Be­zug ge­nom­men.
57 Die Ar­beit­ge­be­rin be­ab­sich­tig­te, ei­ne auf der Sta­ti­on S 5 zum 01.01.2012 frei wer­den­de Stel­le auf der Grund­la­ge des Ge­stel­lungs­ver­tra­ges vom 24.03.2010 mit der Kran­ken­schwes­ter D. L. zu be­set­zen, die seit dem Jahr 1986 Mit­glied der Schwes­tern­schaft ist. Mit Schrei­ben vom 25.11.2011 un­ter­rich­te­te die Ar­beit­ge­be­rin den Be­triebs­rat über die ge­plan­te Ein­stel­lung von Frau L. und leg­te ihm die Be­wer­bungs­un­ter­la­gen vor. Gleich­zei­tig teil­te sie mit, dass die per­so­nel­le Maßnah­me vorläufig durch­geführt wer­de und not­wen­dig sei, da drin­gen­der Per­so­nal­be­darf im Be­reich der Sta­ti­on S 5 be­ste­he. Ex­ter­ne Be­wer­bun­gen für die Stel­le lägen nicht vor. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens wird auf Bl. 22 u. 23 d.A. ver­wie­sen.
58 Der Be­triebs­rat ver­wei­ger­te sei­ne Zu­stim­mung zu der Ein­stel­lung mit Schrei­ben vom 02.12.2011 (Bl. 33 - 36 d.A.). Zur Be­gründung hat er sich auf § 99 Abs. 2 Nr. 3 und Nr. 1 Be­trVG be­ru­fen. Zu § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG hat er aus­geführt, es be­ste­he die Be­sorg­nis, dass in Fol­ge der per­so­nel­len Maßnah­me im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern Nach­tei­le entstünden. Die Ar­beit­ge­be­rin wol­le künf­tig ver­mehrt oder so­gar aus­sch­ließlich Ge­sund­heits- oder Kran­ken­pfle­ge­rin­nen über die DRK-Schwes­tern­schaft ein­set­zen. Dies führe zu ei­ner Ver­nich­tung von Stamm­ar­beitsplätzen. Bezüglich § 99 Abs. 2 Nr. 1 Be­trVG hat der Be­triebs­rat sich auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz be­ru­fen, da die Mit­ar­bei­te­rin nicht nur vorüber­ge­hend in der Kli­nik tätig wer­den sol­le. Der Ein­satz von Pfle­ge­kräften über die DRK-Schwes­tern­schaft führe zu ei­ner Um­ge­hung von Ar­beit­neh­mer­schutz­rech­ten und den Aus­schluss der für die Beschäftig­ten der Ar­beit­ge­be­rin gel­ten­den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen. Auf den darüber hin­aus zunächst er­ho­be­nen Ein­wand, die Ar­beit­ge­be­rin sei ih­rer Ver­pflich­tung nach § 81 SGB IX nicht nach­ge­kom­men, hat der Be­triebs­rat später aus­drück­lich ver­zich­tet.
59 Wei­ter hat der Be­triebs­rat be­strit­ten, dass die per­so­nel­le Maßnah­me drin­gend er­for­der­lich sei. Es ha­be zahl­rei­che Be­wer­bungs­gespräche mit Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­gern ge­ge­ben, die sich bei der Ar­beit­ge­be­rin be­wor­ben hätten.
60 Die Ar­beit­ge­be­rin hat vor­ge­tra­gen, sie be­ab­sich­ti­ge nicht, zukünf­tig Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin­nen aus­sch­ließlich über die Schwes­tern­schaft ein­zu­stel­len. Sie hat dar­auf ver­wie­sen, dass im Jahr 2011 - un­strei­tig - bei ins­ge­samt 13 Ein­stel­lun­gen ex­ami­nier­ter Pfle­ge­kräfte le­dig­lich zwei im We­ge der Ge­stel­lung durch die Schwes­tern­schaft er­folgt sei­en. Sie schrei­be - eben­falls un­strei­tig - fort­lau­fend Stel­len im Be­reich von Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ger/in­nen auf ih­rer Home­page aus.
61 Dem Be­triebs­rat ste­he kein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­recht zu, da das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz kei­ne An­wen­dung fin­de. Die Kran­ken­schwes­ter L. sei kei­ne Ar­beit­neh­me­rin der Schwes­tern­schaft.
62 Die Ar­beit­ge­be­rin hat mit ih­rer An­trags­schrift vom 02.12.2012, die am sel­ben Tag beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist, be­an­tragt,
63 1.die vom Be­triebs­rat ver­wei­ger­te Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung der Kran­ken­schwes­ter Frau D. L. als Kran­ken­schwes­ter auf der Sta­ti­on S 5 auf­grund des Ge­stel­lungs­ver­tra­ges zwi­schen ihr und der DRK-Schwes­tern­schaft F. e.V. zu er­set­zen;
64 2.fest­zu­stel­len, dass die Beschäfti­gung der DRK-Kran­ken­schwes­ter D. L. auf der Sta­ti­on S 5 ab dem 01.01.2012 aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ist.
65 Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt,
66 1.die Anträge zurück­zu­wei­sen;
67 2.fest­zu­stel­len, dass die vorläufi­ge Ein­stel­lung der Mit­ar­bei­te­rin D. L. nicht aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ist;
68 3.fest­zu­stel­len, dass er be­rech­tigt ist, der Ein­stel­lung von Beschäftig­ten, die von der DRK-Schwes­tern­schaft F. e.V. ge­stellt wer­den, die Zu­stim­mung mit der Be­gründung zu ver­wei­gern, dass die Beschäfti­gung die­ser Per­so­nen ge­gen § 1 AÜG verstößt, da es sich um Ar­beit­neh­merüber­las­sung han­delt, die nicht nur vorüber­ge­hend im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Satz 2 AÜG ist.
69 Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt,
70 die Anträge des Be­triebs­rats zurück­zu­wei­sen.
71 Der Be­triebs­rat hat vor­ge­tra­gen, die Ein­stel­lung der Kran­ken­schwes­ter L. be­inhal­te ei­nen Ver­s­toß ge­gen § 1 Abs. 1 S. 2 AÜG. Das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz sei an­wend­bar, da die Mit­glie­der der Schwes­tern­schaft als Ar­beit­neh­mer zu qua­li­fi­zie­ren sei­en. So­weit das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­ner grund­le­gen­den Ent­schei­dung vom 18.02.1956 - 2 AZR 294/54 - dar­auf ab­ge­stellt ha­be, bei den Schwes­tern des Ro­ten Kreu­zes ste­he das ka­ri­ta­ti­ve Mo­ment im Vor­der­grund, tref­fe dies heut­zu­ta­ge nicht mehr zu. Die ursprüng­li­che Wahl­frei­heit, statt der Mit­glied­schaft im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses bei der DRK-Schwes­tern­schaft tätig zu wer­den, be­ste­he nicht mehr. Ein Großteil der Mit­glie­der der Schwes­tern­schaft würde eben­so wie an­de­re Pfle­ge­kräfte nicht über­wie­gend aus ka­ri­ta­ti­ven, son­dern aus er­werbs­wirt­schaft­li­chen Mo­ti­ven tätig. Die in dem Ein­satz auf­grund des Ge­stel­lungs­ver­tra­ges lie­gen­de Ar­beit­neh­merüber­las­sung sei un­zulässig, da sie nicht nur vorüber­ge­hend er­fol­ge. Mit dem Wi­der­an­trag zu 3) sol­le für die Zu­kunft ver­bind­lich zwi­schen den Be­tei­lig­ten geklärt wer­den, ob der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung von Beschäftig­ten der Schwes­tern­schaft mit der Be­gründung ver­wei­gern könne, es lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz vor, weil die Ge­stel­lung nicht nur vorüber­ge­hend er­fol­ge.
72 Das Ar­beits­ge­richt Es­sen hat den Anträgen der Ar­beit­ge­be­rin mit Be­schluss vom 02.02.2012 - AZ: 3 BV 94/11 - statt­ge­ge­ben und die Anträge des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund lie­ge nicht vor. Auf­grund der Ein­stel­lung von Frau L. sei­en kei­ne Nach­tei­le für die Be­leg­schaft zu befürch­ten; auch sei die Ein­stel­lung als sol­che kei­ne Be­nach­tei­li­gung für die Kran­ken­schwes­ter L.. Es lie­ge kein Ver­s­toß ge­gen § 1 Abs. 1 S. 2 AÜG vor, da der Ein­satz von Frau L. im We­ge der Per­so­nal­ge­stel­lung kei­nen Fall ei­ner Ar­beit­neh­merüber­las­sung im Sin­ne des AÜG dar­stel­le. Frau L. er­brin­ge ih­re Leis­tung nicht als Ar­beit­neh­me­rin, son­dern als Ver­eins­mit­glied. Zu­dem sei die vorläufi­ge per­so­nel­le Maßnah­me aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ge­we­sen. Die Wi­der­anträge des Be­triebs­rats sei­en be­reits un­zulässig.
73 Ge­gen die­sen Be­schluss, wel­cher ihm am 05.03.2012 zu­ge­stellt wor­den ist, hat der Be­triebs­rat mit ei­nem am 26.03.2012 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 26.04.2012 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
74 Der Be­triebs­rat wie­der­holt sei­nen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag und ver­tieft die­sen im Hin­blick auf die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft der Kran­ken­schwes­ter L.. Es lie­ge ei­ne Um­ge­hung ar­beits­recht­li­cher Schutz­vor­schrif­ten vor. Be­son­ders deut­lich wer­de dies da­durch, dass den Mit­glie­dern der Schwes­tern­schaft nicht das Recht zustünde, sich an Streiks zu be­tei­li­gen. Das Ar­beits­ge­richt ha­be die Wi­der­anträge zu Un­recht als un­zulässig zurück­ge­wie­sen. Für den Fall, dass das Ge­richt zu der An­sicht kom­me, die Maßnah­me sei zwar als vorläufi­ge of­fen­sicht­lich nicht drin­gend er­for­der­lich, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats sei aber zu er­set­zen, blie­be die zu Un­recht er­folg­te vorläufi­ge Maßnah­me oh­ne Sank­ti­on. Dem beu­ge der An­trag zu 2) vor. Durch den An­trag zu 3) könne die zwi­schen den Be­tei­lig­ten strei­ti­ge Fra­ge, ob die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung auf die im An­trag ge­nann­ten Gründe gestützt wer­den könne, für die Zu­kunft ab­sch­ließend geklärt wer­den.
75 Der Be­triebs­rat be­an­tragt,
76 den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 02.02.2012, Az. 3 BV 94/11, ab­zuändern und
77 1.die Anträge der Ar­beit­ge­be­rin zurück­zu­wei­sen;
78 2.fest­zu­stel­len, dass die vorläufi­ge Ein­stel­lung der Mit­ar­bei­te­rin D. L. of­fen­sicht­lich nicht aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ist;
79 3.fest­zu­stel­len, dass der Be­triebs­rat be­rech­tigt ist, der Ein­stel­lung von Beschäftig­ten, die von der DRK-Schwes­tern­schaft F. e.V. ge­stellt wer­den, die Zu­stim­mung mit der Be­gründung zu ver­wei­gern, dass die Beschäfti­gung die­ser Per­so­nen ge­gen § 1 AÜG verstößt, da es sich um ei­ne Ar­beit­neh­merüber­las­sung han­delt, die nicht nur vorüber­ge­hend im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Satz 2 AÜG er­folgt.
80 Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt,
81 die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.
Sie ver­tei­digt den an­ge­foch­te­nen Be­schluss und wie­der­holt im We­sent­li­chen ih­ren erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. In Be­zug auf die Wahlmöglich­keit zwi­schen Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses und mit­glied­schaft­li­cher Beschäfti­gung lie­ge der Fall bei Frau L. oh­ne­hin an­ders, da sie be­reits seit lan­gen Jah­ren Mit­glied der Schwes­tern­schaft sei.
83 We­gen des wei­te­ren Sach- und Streit­stan­des wird auf den erst­in­stanz­li­chen Be­schluss, auf sämt­li­che zum Ge­gen­stand der münd­li­chen Anhörung ge­mach­ten Schriftsätze der Be­tei­lig­ten nebst An­la­gen so­wie die Sit­zungs­pro­to­kol­le vom 02.02.2012 und 06.07.2012 ver­wie­sen.
85 Die Be­schwer­de ist zulässig, aber un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt Es­sen hat rich­tig ent­schie­den.
86 1. Die Be­schwer­de ist zulässig. Sie ist statt­haft gemäß § 87 Abs. 1 ArbGG. Sie wur­de zu­dem form- und frist­ge­recht im Sin­ne von § 87 Abs. 2 i.V.m. §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 520 ZPO ein­ge­legt und be­gründet.
87 2. Die von der per­so­nel­len Maßnah­me be­trof­fe­ne Frau L. war an dem Ver­fah­ren nicht zu be­tei­li­gen.
88 Nach § 83 Abs. 3 ArbGG ha­ben in ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren ne­ben dem An­trag­stel­ler die­je­ni­gen Stel­len ein Recht auf Anhörung, die nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz im ein­zel­nen Fall be­tei­ligt sind. Be­tei­lig­ter in An­ge­le­gen­hei­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ist je­de Stel­le, die durch die be­gehr­te Ent­schei­dung in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist (BAG v. 12.12.2006 - 1 ABR 38/05 - a. a. O.; BAG v. 26.10.2004 - 1 ABR 31/03 (A) - BA­GE 112, 227 ff.). Im Streit um per­so­nel­le Ein­zel­maßnah­men nach § 99 Be­trVG sind die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer nicht zu be­tei­li­gen (ständi­ge Recht­spre­chung, vgl. zu­letzt BAG v. 23.06.2010 - 7 ABR 3/09 - NZA 2010, 1361 ff., Rn. 17.; vgl. auch Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glöge, Ar­beits­ge­richts­ge­setz, 7. Auf­la­ge 2009, § 83 Rn. 46 mit ausführ­li­chen Nach­wei­sen der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts).
89 3. Die Be­schwer­de ist un­be­gründet.
90 a) Der An­trag zu 1) der Ar­beit­ge­be­rin ist zulässig und be­gründet. Die vom Be­triebs­rat ver­wei­ger­te Zu­stim­mung ist zu er­set­zen.
91 aa) Der An­trag ist zulässig.
92 Die Ar­beit­ge­be­rin hat das er­for­der­li­che Rechts­schutz­bedürf­nis. In ih­rem Un­ter­neh­men sind in der Re­gel mehr als 20 wahl­be­rech­tig­te Ar­beit­neh­mer beschäftigt, so­dass es bei ei­ner Ein­stel­lung gemäß § 99 Abs. 1 S. 1 Be­trVG der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats be­darf. Bei der be­ab­sich­tig­ten Über­nah­me der Pfle­ge­kraft L. auf der Grund­la­ge des Ge­stel­lungs­ver­tra­ges mit der Schwes­tern­schaft han­delt es sich um ei­ne Ein­stel­lung im Sin­ne des § 99 Abs. 1 S. 1 Be­trVG. Dies gilt un­abhängig da­von, ob die­se Pfle­ge­kraft als Ar­beit­neh­me­rin zu qua­li­fi­zie­ren ist. Ei­ne Ein­stel­lung im Sin­ne von § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG setzt nicht not­wen­dig die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses vor­aus (BAG v. 23.06.2010 - 7 ABR 1/09 - Rn. 13, AP Nr. 60 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung; BAG v. 02.10.2007 - 1 ABR 60/06 - Rn. 15, AP Nr. 54 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung; BAG v. 12.11.2002 - 1 ABR 60/01 - AP Nr. 43 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung; BAG v. 22.04.1997 - 1 ABR 74/96 - AP Nr. 18 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung). Das Rechts­verhält­nis zum Be­triebs­in­ha­ber kann auch ein Dienst- oder Werk­ver­trag sein, es kann ver­eins­recht­li­cher Art sein und es kann - wie § 14 Abs. 3 AÜG für Leih­ar­beit­neh­mer zeigt - so­gar ganz feh­len. Für die An­nah­me ei­ner Ein­stel­lung reicht es da­mit aus, wenn ein Ver­eins­mit­glied auf ver­eins­recht­li­cher Grund­la­ge ei­ne ih­rer Art nach wei­sungs­ge­bun­de­ne Tätig­keit ver­rich­tet (BAG v. 23.06.2010 a.a.O.; BAG v. 12.11.2002 a.a.O., un­ter B II 2 a bb der Gründe; BAG v. 22.04.1997 a.a.O.). Da der Be­triebs­rat der Ein­stel­lung sei­ne Zu­stim­mung ver­wei­gert hat, kann die Ar­beit­ge­be­rin sie nach § 99 Abs. 4 Be­trVG ge­richt­lich er­set­zen las­sen.
93 bb) Der An­trag ist auch be­gründet.
94 aaa) Die Ar­beit­ge­be­rin hat den Be­triebs­rat ord­nungs­gemäß von der ge­plan­ten Ein­stel­lung der Kran­ken­schwes­ter L. un­ter­rich­tet und so­mit die Frist des § 99 Abs. 3 Be­trVG in Gang ge­setzt. Auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts un­ter Zif­fer I. 2. b der Gründe wird in­so­weit Be­zug ge­nom­men. Der Be­triebs­rat hat die­se nicht an­ge­grif­fen und in der münd­li­chen Anhörung am 06.07.2012 zu­dem aus­drück­lich erklärt, es wer­de nicht gerügt, dass ei­ne un­zu­rei­chen­de In­for­ma­ti­on er­folgt sei.
95 bbb) Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats gilt nicht nach § 99 Abs. 3 S. 2 Be­trVG als er­teilt.
96 Der Be­triebs­rat hat sei­ne Zu­stim­mung in­ner­halb ei­ner Wo­che nach der Un­ter­rich­tung durch die Ar­beit­ge­be­rin vom 25.11.2011 schrift­lich ver­wei­gert. Sein Schrei­ben vom 02.12.2011 enthält in aus­rei­chen­der Wei­se die nach § 99 Abs. 3 S. 1 Be­trVG er­for­der­li­che An­ga­be von Gründen.
97 Der Be­triebs­rat genügt sei­ner ge­setz­li­chen Be­gründungs­pflicht im Sin­ne von § 99 Abs. 3 S. 1 Be­trVG, wenn es als möglich er­scheint, dass er mit sei­ner schrift­lich ge­ge­be­nen Be­gründung ei­nen der in § 99 Abs. 2 Be­trVG auf­geführ­ten Ver­wei­ge­rungs­gründe gel­tend macht (ständi­ge Recht­spre­chung, vgl. nur BAG v. 09.12.2008 - 1 ABR 79/07 - NZA 2009, 627 m.w.N.). Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 02.12.2011. Er nimmt dar­in kon­kret auf § 99 Abs. 2 Nr. 1 und 3 Be­trVG Be­zug und be­gründet da­zu ausführ­lich, aus wel­chen Gründen er die­se Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe für ge­ge­ben hält.
98 ccc) Der Be­triebs­rat hat sei­ne Zu­stim­mung zu Un­recht ver­wei­gert. Die von ihm gel­tend ge­mach­ten - und da­mit im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren zu berück­sich­ti­gen­den (vgl. nur BAG v. 01.06.2011 - 7 ABR 117/09 - Rn.40, AP Nr. 64 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung) - Gründe lie­gen nicht vor.
99 (1) Der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund des § 99 Abs. 2 Nr. 1 Be­trVG liegt nicht vor. Die Ein­stel­lung der Kran­ken­schwes­ter L. im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin verstößt nicht ge­gen das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz.
100 Da die Schwes­tern­schaft über ei­ne Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung verfügt, kommt nur ein Ver­s­toß ge­gen § 1 Abs. 1 S. 2 AÜG in Be­tracht. Da­nach er­folgt die Über­las­sung von Ent­lei­hern an Ar­beit­neh­mer "vorüber­ge­hend". Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, wie die­ser Be­griff aus­zu­le­gen ist und wel­che Rechts­fol­gen sich aus ei­nem et­wai­gen Ver­s­toß er­ge­ben (vgl. zu den un­ter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen: Sand­mann/Mar­schall/Schnei­der, Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz, Kom­men­tar, Lo­se­blatt, Stand: April 2012, Anm. 52 zu § 1 AÜG; Henns­ler/Wil­lem­sen/Kalb |HWK|- Kalb, Ar­beits­rechts Kom­men­tar, 5. Auf­la­ge 2012, AÜG § 1 Rn. 35; Wank in Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 12. Auf­la­ge 2012, AÜG § 1 Rn.37 so­wie Ein­lei­tung Rn. 12; Kran­nich/Si­mon, BB 2012, 1414 ff.; Lembke DB 2011, 414 ff.; Thüsing/Stie­bert DB 2012, 632 ff.; Zim­mer, AuR 2012, 89; Ha­mann NZA 2011, 70 ff.). Des Wei­te­ren be­darf es kei­ner Ent­schei­dung, ob der Be­triebs­rat des Ent­lei­her­be­trie­bes der Ein­stel­lung ei­nes Leih­ar­beit­neh­mers gemäß § 99 Abs. 2 Nr. 1 Be­trVG über­haupt mit der Be­gründung wi­der­spre­chen kann, die Über­las­sung sol­le nicht nur vorüber­ge­hend er­fol­gen (ab­leh­nend: HWK-Gott­hardt, AÜG § 14 Rn. 19 so­wie ArbG Leip­zig v. 15.02.2012 - 11 BV 79/11 - ju­ris; kri­tisch hier­zu z.B.: Zim­mer AuR 2012, 89 und Brors, ju­ris­PR-ArbR 16/2012 Anm.6). Das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz fin­det hier des­halb kei­ne An­wen­dung, weil die Pfle­ge­kraft L. als Mit­glied der Schwes­tern­schaft kei­ne Ar­beit­neh­me­rin im Sin­ne die­ses Ge­set­zes ist.
101 (a) Das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz enthält kei­ne ei­ge­ne Be­griffs­be­stim­mung, son­dern geht von ei­nem all­ge­mei­nen Ar­beit­neh­mer­be­griff aus (vgl. nur ErfKomm - Wank, AÜG § 1 Rn.5).
102 Auch die Richt­li­nie 2008/104/EG de­fi­niert den Be­griff des Ar­beit­neh­mers nicht, son­dern überlässt dies dem na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber. Gemäß Ar­ti­kel 3 Abs. 1 der Richt­li­nie ist "Ar­beit­neh­mer" ei­ne Per­son, die in dem be­tref­fen­den Mit­glieds­staat nach dem na­tio­na­len Ar­beits­recht als Ar­beit­neh­mer geschützt ist. Nach herkömm­li­chem Verständ­nis in Deutsch­land ist Ar­beit­neh­mer, wer auf­grund ei­nes pri­vat­recht­li­chen Ver­tra­ges im Diens­te ei­nes an­de­ren zur fremd­be­stimm­ten Ar­beit in persönli­cher Abhängig­keit ver­pflich­tet ist (BAG v. 20.01.2010 - 5 AZR 106/09 - Rn. 18, AP Nr. 120 zu § 611 BGB Abhängig­keit; v. 14.03.2007 - 5 AZR 499/06 - Rn. 13, AP Nr. 13 zu § 611 BGB Ar­beit­neh­merähn­lich­keit Nr. 3).
103 Es ist al­ler­dings an­er­kannt, dass als Rechts­grund­la­ge für die Leis­tung von Diens­ten in persönli­cher Abhängig­keit auch die Mit­glied­schaft in ei­nem Ver­ein in Be­tracht kommt (vgl. BAG v. 26.09.2002 - 5 AZB 19/01 - Rn. 71, AP Nr. 83 zu § 2 ArbGG 1979; BAG v. 06.07.1995 - 5 AZB 9/93 - AP Nr. 22 zu § 5 ArbGG 1979, un­ter B. I. 2. b der Gründe; BAG v. 29.03.1995 - 5 AZB 21/94 - un­ter B. II. 3. a der Gründe; BAG v. 10.05.1990 - 2 AZR 607/89 - AP Nr. 51 zu § 611 BGB Abhängig­keit; BAG v. 03.06.1975 - 1 ABR 98/74 - BA­GE 27, 163; BAG v. 18.02.1956 - 2 AZR 294/54 - BA­GE 2, 289). Der Mit­glieds­bei­trag im Sin­ne des § 58 Nr. 2 BGB kann in der Leis­tung von Diens­ten be­ste­hen. Es gibt kei­nen Rechts­satz des In­halts, dass Diens­te in persönli­cher Abhängig­keit aus­sch­ließlich auf­grund ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses und nicht auf­grund ver­eins­recht­li­cher Mit­glied­schaft er­bracht wer­den können. Dies er­gibt sich aus der Ver­ein­s­au­to­no­mie. Rech­te und Pflich­ten der Ver­eins­mit­glie­der und des Ver­eins wer­den im All­ge­mei­nen durch die Sat­zung des Ver­eins be­gründet (§ 25 BGB). Auf­grund der all­ge­mei­nen Frei­heit rechts­geschäft­li­chen Han­delns kann sich der Ver­ein in frei­er Selbst­be­stim­mung ei­ne ei­ge­ne in­ne­re Ord­nung ge­ben.
104 Die Be­gründung ver­eins­recht­li­cher Ar­beits­pflich­ten darf aber nicht auf­grund ei­ner Um­ge­hung zwin­gen­der ar­beits­recht­li­cher Schutz­be­stim­mun­gen ge­gen §§ 134, 138 BGB ver­s­toßen (vgl. BAG v. 26.09.2002 und v. 06.07.1995 a.a.O.). Ein Rechts­geschäft kann die mit ihm be­ab­sich­tig­te Wir­kung nicht ent­fal­ten, wenn es sich als ob­jek­ti­ve Um­ge­hung zwin­gen­der Rechts­nor­men dar­stellt. Ei­ne ob­jek­ti­ve Ge­set­zes­um­ge­hung liegt vor, wenn der Zweck ei­ner zwin­gen­den Rechts­norm da­durch ver­ei­telt wird, dass an­de­re recht­li­che Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten miss­bräuch­lich, d.h. oh­ne ei­nen im Gefüge der ein­schlägi­gen Rechts­norm sach­lich be­rech­tig­ten Grund, ver­wen­det wer­den. Da­bei kommt es nicht auf ei­ne Um­ge­hungs­ab­sicht oder ei­ne be­wuss­te Miss­ach­tung der zwin­gen­den Rechts­nor­men an; ent­schei­dend ist die ob­jek­ti­ve Funk­ti­ons­wid­rig­keit des Rechts­geschäfts (BAG v. 07.11.2007 - 5 AZR 1007/06 - Rn. 13, AP Nr. 329 zu § 613a BGB; BAG v. 23.11.2006 - 8 AZR 349/06 - Rn. 24, AP Nr. 1 zu § 613a BGB Wie­der­ein­stel­lung; BAG v. 06.07.1995 a.a.O.).
105 Ei­ne et­wai­ge Um­ge­hung ar­beits­recht­li­cher Nor­men ist in ers­ter Li­nie in den Be­rei­chen des Be­stands­schut­zes, der Vergütung und der Mit­be­stim­mung zu prüfen (so aus­drück­lich: LAG Düssel­dorf v. 27.03.2012 - 17 TaBV 86/11 - Rn41, ju­ris; vgl. auch Hess. LAG v. 30.07.2009 - 5 Sa 225/09 - ju­ris und OLG Ham­burg v. 29.10.2007 - 11 W 27/07 - DB 2007, 2762), da die we­sent­li­chen ar­beits­recht­li­chen Schutz­rech­te die­se Be­rei­che be­tref­fen.
106 Nach ständi­ger - al­ler­dings schon älte­rer - Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind Ro­te-Kreuz-Schwes­tern nicht als Ar­beit­neh­mer/in­nen zu qua­li­fi­zie­ren (grund­le­gend: BAG v. 18.02.1956 - 2 AZR 254/54 - AP ArbGG 1953 § 5 Nr. 1; vgl. wei­ter: BAG v. 22.04.1997 - 1 ABR 74/96 - AP Nr. 18 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung; BAG v. 06.07.1995 - 5 AZB 9/93 - AP Nr. 22 zu § 5 ArbGG 1979; BAG v. 20.02.1986 - 6 ABR 5/85 - AP Nr. 2 zu § 5 Be­trVG 1972 Ro­tes Kreuz; BAG v. 03.06.1975 - 1 ABR 98/74 - AP Nr. 1 zu § 5 Be­trVG 1972 Ro­tes Kreuz). Dem sind die In­stanz­ge­rich­te (vgl. LAG Düssel­dorf v. 27.03.2012 - 17 TaBV 86/11 - ju­ris; Hess. LAG v. 30.07.2009 - 5 Sa 225/09 - ju­ris; OLG Ham­burg v. 29.10.2007 - 11 W 27/07 - DB 2007, 2762) und ein Teil des Schrift­tums (vgl. Ge­mein­schafts­kom­men­tar zum Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz [GK] - Raab, 9. Auf­la­ge 2010, § 5 Rn. 83) ge­folgt. Die­ser Auf­fas­sung ste­hen Tei­le des Schrift­tums kri­tisch ge­genüber (Däubler/Kitt­ner/Kle­be/Wed­de [DKKW] - Trümner, Be­trVG, 12. Auf­la­ge 2010, § 5 Rn. 145, 146; Fit­ting u.a., Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 26. Auf­la­ge 2012, § 5 Rn. 333, 334; vgl. auch Ri­char­di, Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 13. Auf­la­ge 2012, § 5 Rn. 178, der von ar­beits­recht­li­chen Be­zie­hun­gen der DRK-Schwes­tern zum Träger des Kran­ken­hau­ses aus­geht). Sie hal­ten die Dif­fe­ren­zie­rung bezüglich der Qua­li­fi­zie­rung der Rechts­verhält­nis­se der ar­beits­ver­trag­lich ge­bun­de­nen sog. Gast­schwes­tern ei­ner­seits und der mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­nen Schwes­tern an­de­rer­seits für willkürlich. Die mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­nen Ro­te-Kreuz-Schwes­tern würden oh­ne sach­li­chen Grund dem Gel­tungs­be­reich des Ar­beits­rechts ent­zo­gen. Da sich in der Ge­stal­tung der Ar­beits­leis­tung kei­ne we­sent­li­chen Un­ter­schie­de fest­stel­len ließen, würde es al­lein vom Par­tei­wil­len abhängen, ob die be­trof­fe­nen Per­so­nen in den Schutz­be­reich des Be­trVG (und an­de­rer ar­beits­recht­li­cher Ge­set­ze) fie­len oder nicht. Das sei nicht da­mit zu ver­ein­ba­ren, dass es für die Kon­struk­ti­on ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die tatsächli­che Ge­stal­tung des Ver­trags­verhält­nis­ses an­kom­me. Ar­beits- und Mit­glied­schafts­verhält­nis schlössen sich im Übri­gen nicht aus, son­dern könn­ten auch ne­ben­ein­an­der be­ste­hen.
107 (b) Die strei­tent­schei­den­de Kam­mer schließt sich eben­so wie die 17. Kam­mer des LAG Düssel­dorf (vgl. den Be­schluss v. 27.03.2012 a.a.O.) der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts an. Die mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­nen Ro­te-Kreuz-Schwes­tern sind kei­ne Ar­beit­neh­mer/in­nen.
108 (aa) Zunächst ein­mal schei­det die An­nah­me ei­nes ne­ben dem Mit­glied­schafts­verhält­nis be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses aus.
109 Aus­drück­lich ist ein sol­ches zusätz­li­ches Ar­beits­verhält­nis nicht ge­schlos­sen wor­den. Auch kon­klu­dent ist kein Ar­beits­verhält­nis ne­ben dem Mit­glied­schafts­verhält­nis zu­stan­de ge­kom­men. Zu­min­dest die Schwes­tern­schaft hat deut­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass sie den Ab­schluss ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ne­ben der Mit­glied­schaft aus­sch­ließt. So heißt es un­ter Ar­ti­kel 2 Zif­fer 1 der Mit­glieds­ord­nung aus­drück­lich, dass die mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­ne Schwes­ter ih­ren Be­ruf "als Mit­glied" ausübt. Auch der wei­te­ren Re­ge­lun­gen un­ter Ar­ti­kel 2 bedürf­te es in der Mit­glieds­ord­nung nicht, wenn es sich in Wirk­lich­keit nicht um mit­glied­schaft­li­che, son­dern ar­beits­recht­li­che Rech­te und Pflich­ten han­deln würde. Darüber hin­aus wird in der Sat­zung aus­drück­lich ei­ne "Mit­glied­schaft zur Be­rufs­ausübung" ge­re­gelt, wo­durch eben­falls deut­lich zum Aus­druck kommt, dass die be­ruf­li­che Tätig­keit nicht ne­ben der Mit­glied­schaft be­steht, son­dern aus die­ser re­sul­tiert.
110 (bb) Es liegt auch kei­ne Um­ge­hung ar­beits­recht­li­cher Schutz­vor­schrif­ten vor (eben­so LAG Düssel­dorf v. 27.03.2012 a.a.O.).
111 Hin­sicht­lich der im Ar­beits­recht ganz zen­tra­len Fra­ge des Be­stands­schut­zes steht die ver­eins­recht­li­che Mit­glied­schaft nicht hin­ter der Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft zurück. Im Ge­gen­teil: Das Mit­glied un­ter­liegt so­gar ei­nem deut­lich stärke­ren Schutz als Ar­beit­neh­mer. Das Mit­glied der Schwes­tern­schaft kann nämlich nach Ab­lauf der einjähri­gen Einführungs­zeit gemäß § 8 Nr. 1 der Sat­zung nur noch aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn ein wich­ti­ger Grund vor­liegt. Dem­ge­genüber kann ein Ar­beit­neh­mer - so­fern über­haupt das KSchG gilt - nicht nur bei Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des (§ 626 BGB), son­dern schon bei Vor­lie­gen per­so­nen-, ver­hal­tens- oder be­triebs­be­ding­ter Gründe im Sin­ne des § 1 KSchG gekündigt wer­den. Die An­for­de­run­gen hier­an sind deut­lich ge­rin­ger.
112 Im Be­reich der Vergütung ist eben­falls kein An­halts­punkt dafür er­sicht­lich, dass die be­ste­hen­de Re­ge­lung für die Ver­eins­mit­glie­der im Ver­gleich zu Ar­beit­neh­mern ei­ne Um­ge­hung zwin­gen­der Rechts­for­men dar­stellt. Nach Ar­ti­kel 2 Nr. 3 a) der Mit­glie­der­ord­nung erhält das Ver­eins­mit­glied ei­ne mo­nat­li­che Zah­lung, de­ren Be­rech­nung sich nach den für die je­wei­li­ge Tätig­keit übli­chen Kri­te­ri­en rich­tet. Da­mit sind die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge in Be­zug ge­nom­men. Zu­dem wer­den nach Ar­ti­kel 2 Nr. 3 b) und c) Zu­la­gen, Zu­wen­dun­gen so­wie Rei­se- und Um­zugs­kos­ten gewährt. Das Mit­glied erhält gemäß Ar­ti­kel 2 Nr. 7 a) der Mit­glie­der­ord­nung im Fal­le ei­ner durch Un­fall oder Krank­heit ver­ur­sach­ten Ar­beits­unfähig­keit Kran­ken­bezüge bis zum En­de der sechs­ten Wo­che. Dies ent­spricht der Re­ge­lung in § 3 EFZG. Darüber hin­aus erhält das Mit­glied ab der sieb­ten Wo­che der Ar­beits­unfähig­keit ei­nen Kran­ken­geld­zu­schuss. Sch­ließlich wird so­gar - ent­spre­chend ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung - ein Ru­he­geld zu­ge­sagt.
113 Ei­ne Um­ge­hung ar­beits­recht­li­cher Schutz­vor­schrif­ten schei­det auch im Be­reich des Er­ho­lungs­ur­laubs, des Mut­ter­schut­zes und der El­tern­zeit aus. Hin­sicht­lich des dem Mit­glied zu­ste­hen­den Er­ho­lungs­ur­laubs fin­den laut der Re­ge­lung in Ar­ti­kel 2 Nr. 4 der Mit­glie­der­ord­nung aus­drück­lich die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen und die im je­wei­li­gen Ar­beits­feld gel­ten­den Be­stim­mun­gen - al­so et­wai­ge ta­rif­li­che Ur­laubs­re­ge­lun­gen - ent­spre­chen­de An­wen­dung. Zu­dem wird bezüglich der Mut­ter­schutz­zei­ten und der El­tern­zeit in Ar­ti­kel 2 Nr. 4 bzw. Nr. 7 c) der Mit­glie­der­ord­nung die Gel­tung der all­ge­mei­nen ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen si­cher­ge­stellt.
114 Un­er­heb­lich ist, dass die Mit­glied­schafts­rech­te le­dig­lich ver­bands­au­to­nom fest­ge­legt wer­den, während der Ar­beit­neh­mer­schutz ge­setz­lich ver­an­kert ist. Zu­tref­fend ist zwar, dass es al­lein der Schwes­tern­schaft ob­liegt, wie sie die Rech­te ih­rer Ver­eins­mit­glie­der aus­ge­stal­tet. Soll­ten zukünf­ti­ge Ände­run­gen der Sat­zung oder Mit­glie­der­ord­nung zu ei­ner Ver­schlech­te­rung der Rechts­stel­lung der Mit­glie­der führen, müss­te dies zum An­lass ei­ner Prüfung ge­nom­men wer­den, ob nun­mehr ei­ne Um­ge­hung von ar­beits­recht­li­chen Schutz­vor­schrif­ten vor­liegt. Nach dem der­zei­ti­gen Stand ist dies hin­sicht­lich des Be­stands­schut­zes, der Vergütung und sons­ti­ger in­di­vi­du­al­recht­li­cher Be­stim­mun­gen je­den­falls nicht an­zu­neh­men.
115 Die Mit­be­stim­mungs­rech­te der Mit­glie­der der Schwes­tern­schaft un­ter­schei­den sich zwar von den Mit­be­stim­mungs­rech­ten der Ar­beit­neh­mer. Ins­be­son­de­re sind die Auf­ga­ben und Be­fug­nis­se des sog. Bei­rats nicht mit den­je­ni­gen ei­nes Be­triebs- oder Per­so­nal­rats ver­gleich­bar. So kann der Bei­rat gemäß § 24 Abs. 1 Nr. 1 der Sat­zung nur Emp­feh­lun­gen aus­spre­chen. Außer­dem gehört dem Bei­rat die Vor­sit­zen­de der Schwes­tern­schaft mit an, während im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ei­ne Be­tei­li­gung der den Ar­beit­ge­ber ver­tre­ten­den oder die­sen na­he­ste­hen­den Per­so­nen gemäß § 5 Abs. 2 Nr. 1, 2 und 5 so­wie Abs. 3 Be­trVG aus­ge­schlos­sen ist. Dem be­ste­hen­den Man­gel im Rah­men der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ste­hen aber die ver­eins­recht­li­chen Mit­glied­schafts­rech­te als gleich­wer­tig ge­genüber (vgl. LAG Düssel­dorf v. 27.03.2012 - 17 TaBV 86/11 - ju­ris, Rn.46). Die 17. Kam­mer hat hier­zu in der vor­ge­nann­ten Ent­schei­dung Fol­gen­des aus­geführt:
116 "Sie wer­den über die Mit­glie­der­ver­samm­lung als obers­tes Or­gan der Schwes­tern­schaft aus­geübt. In der Mit­glie­der­ver­samm­lung sind die Schwes­tern mit Sitz und Stimm­recht ver­tre­ten. Sie ist qua­si für al­le we­sent­li­chen Fra­gen zuständig. Sie hat die Mit­glie­der des Vor­stan­des ein­sch­ließlich der Vor­sit­zen­den des Bei­ra­tes zu wählen, ab­zu­be­ru­fen oder aus­zu­sch­ließen, so­weit dies in der Sat­zung vor­ge­se­hen ist und be­stimmt über Sat­zungsände­run­gen und/oder über die Auflösung und Um­wand­lung der Schwes­tern­schaft, die Höhe des Mit­glieds- und/oder des Ge­mein­schaft­kos­ten­bei­tra­ges und die Bei­rats­ord­nung (§ 11 Nr. 1.- 4.). Die Rech­te der Schwes­tern (Brüder) geht da­mit weit über die­je­ni­gen der Ar­beit­neh­mer in ei­nem Be­trieb hin­aus. Da­mit ist ein do­mi­nie­ren­der in­ter­ner Ein­fluss der Mit­glieds­schwes­tern (Brüder) auf die Ge­schi­cke der Schwes­tern­schaft in­sti­tu­tio­nell ver­an­kert (Ha­mann Anm. zu BAG, Be­schluss vom 23.06.2010 - 7 ABR 1/09 - a.a.O.)."
117 Die­sen über­zeu­gen­den Ausführun­gen schließt sich die strei­tent­schei­den­de Kam­mer an.
118 Ent­spre­chen­des gilt auch für den Ein­wand des Be­triebs­rats, die mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­nen Schwes­tern könn­ten kein Streik­recht ausüben. Hier­bei über­sieht der Be­triebs­rat, dass dem Streik­recht kein Selbst­zweck zu­kommt. Das Streik­recht dient viel­mehr der Durch­set­zung von For­de­run­gen ge­genüber den Ar­beit­ge­bern. An­ders als Ar­beit­neh­mer ha­ben die Ver­eins­mit­glie­der die Möglich­keit, ih­re Vor­stel­lun­gen über die Mit­glie­der­ver­samm­lung durch­zu­set­zen. Da­bei über­sieht die Kam­mer nicht, dass dem ein­zel­nen Mit­glied mit sei­ner Stim­me in der Mit­glie­der­ver­samm­lung kein nen­nens­wer­tes Ge­wicht zu­kommt. In­so­weit be­steht aber kein Un­ter­schied zu ei­ner ge­werk­schaft­li­chen Betäti­gung, bei wel­cher der Ein­zel­ne eben­falls kei­nen großen Ein­fluss hat, son­dern Mehr­hei­ten für sei­ne An­lie­gen fin­den muss.
119 Wei­ter führt auch die Schieds­ge­richts­ver­ein­ba­rung nicht zu ei­ner Um­ge­hung von Schutz­vor­schrif­ten. Das schieds­rich­ter­li­che Ver­fah­ren wird vom Ge­setz­ge­ber in den §§ 1025 ff. BGB aus­drück­lich als ein - bei Vor­lie­gen der dor­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen - dem staat­li­chen Ge­richts­ver­fah­ren gleich­wer­ti­ges Ver­fah­ren an­er­kannt.
120 Un­er­heb­lich ist wei­ter­hin, dass bei der Schwes­tern­schaft kei­ne Wahlmöglich­keit zwi­schen ei­ner An­stel­lung als Pfle­ge­kraft und ei­ner Mit­glied­schaft mehr be­steht. Auf wel­cher Grund­la­ge die Schwes­tern­schaft ih­re Pfle­ge­kräfte ein­setzt, ob­liegt der Ver­ein­s­au­to­no­mie. Da­durch wird die Tätig­keits­ausübung von Pfle­ge­kräften nicht ein­ge­schränkt. Es steht ih­nen, wie das Ar­beits­ge­richt zu Recht aus­geführt hat, frei, sich bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern der Kran­ken­pfle­ge­bran­che zu be­wer­ben und dort ein Ar­beits­verhält­nis ein­zu­ge­hen. Ei­ne sol­che Tätig­keit ist nicht aus­sch­ließlich als Ver­eins­mit­glied beim Deut­schen Ro­ten Kreuz möglich.
121 Im Rah­men ei­ner Ge­samtwürdi­gung darf schließlich nicht außer Acht blei­ben, dass die Schwes­tern­schaft über den Deut­schen Ro­ten Kreuz e.V. zu den in­ter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gun­gen des Ro­ten Kreu­zes und des Ro­ten Halb­mon­des gehört, ei­nes in der ge­sam­ten Welt an­er­kann­ten Zu­sam­men­schlus­ses (vgl. zu die­sem As­pekt BAG v. 06.07.1995 - 5 AZB 9/93 - AP Nr. 22 zu § 5 ArbGG 1979, zu B. I. 2. c der Gründe und BAG v. 18.02.1956 - 2 AZR 254/54 - AP Nr.1 zu § 5 ArbGG 1953). Die Schwes­tern­schaft ist ge­meinnützig. "Zweck der Schwes­tern­schaft ist die Förde­rung der öffent­li­chen Ge­sund­heits­pfle­ge..." (§ 3 S.1 der Sat­zung). Sie "ist ei­ne Ge­mein­schaft, die den Mit­glie­dern die Ausübung ih­res Be­ru­fes im ca­ri­ta­ti­ven Geist un­ter dem Zei­chen des Ro­ten Kreu­zes ermöglicht und das Zu­sam­men­gehörig­keits­be­wusst­sein fes­tigt" (§ 1 Abs. 3 der Sat­zung). Auch die­se be­son­de­re, ge­wach­se­ne Struk­tur spricht ge­gen ei­ne Um­ge­hung ar­beits­recht­li­cher Schutz­be­stim­mun­gen.
122 (2) Die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung kann nicht auf § 99 Abs. 2 Nr.3 Be­trVG gestützt wer­den.
123 Der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund des § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG er­for­dert die durch Tat­sa­chen be­gründe­te Be­sorg­nis, dass im Be­trieb beschäftig­te Ar­beit­neh­mer gekündigt wer­den oder sons­ti­ge Nach­tei­le er­lei­den, oh­ne dass dies aus be­trieb­li­chen oder persönli­chen Gründen ge­recht­fer­tigt wäre. "Sons­ti­ge Nach­tei­le" sind nicht un­er­heb­li­che Ver­schlech­te­run­gen in der tatsächli­chen oder recht­li­chen Stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers. Re­ge­lungs­zweck des § 99 Abs. 2 Nr. 3 Be­trVG ist die Er­hal­tung des Sta­tus quo der im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer (BAG v. 01.06.2011 - 7 ABR 117/09 - NZA 2011, 1435).
124 Der Be­triebs­rat hat nicht dar­ge­legt, dass sich die be­reits bei der Ar­beit­ge­be­rin Beschäftig­ten in ih­rer fak­ti­schen oder recht­li­chen Stel­lung ver­schlech­tern. So hat er bei­spiels­wei­se nicht vor­ge­tra­gen, dass es auf­grund der Ein­stel­lung bzw. Ge­stel­lung von DRK-Schwes­tern zu ei­ner Kündi­gung oder sons­ti­gen Schlech­ter­stel­lung der übri­gen Beschäftig­ten kommt. Die vom Be­triebs­rat geäußer­te Befürch­tung ei­ner Ver­nich­tung von Stamm­ar­beitsplätzen be­zieht sich nicht auf die fak­ti­sche Po­si­ti­on der im Be­trieb Beschäftig­ten. Selbst be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer ha­ben kei­nen An­spruch dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber ih­re Verträge verlängert an­statt den Ar­beits­platz mit Fremd­per­so­nal zu be­set­zen (vgl. BAG v. 25.01.2005 - 1 ABR 61/03 - AP Nr. 48 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­stel­lung, un­ter B II. 4. c bb der Gründe). Erst Recht ha­ben die Ar­beit­neh­mer kei­nen An­spruch dar­auf, auch zukünf­tig aus­sch­ließlich oder über­wie­gend mit Kol­leg/in­nen zu­sam­men zu ar­bei­ten, die in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu ih­rem ei­ge­nen Ar­beit­ge­ber ste­hen.
125 (3) Der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund des § 99 Abs. 2 Nr. 4 Be­trVG ist nicht zu prüfen, da der Be­triebs­rat hier­auf sei­nen Wi­der­spruch nicht gestützt hat.
126 b) Der An­trag zu 2) der Ar­beit­ge­be­rin ist eben­falls zulässig und be­gründet.
127 aa) Die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen des § 100 Abs. 2 Be­trVG sind ein­ge­hal­ten wor­den.
128 Die Ar­beit­ge­be­rin hat den Be­triebs­rat gemäß § 100 Abs. 2 S. 1 Be­trVG un­verzüglich von der vorläufi­gen per­so­nel­len Maßnah­me un­ter­rich­tet. Sie hat ihn zu­sam­men mit ih­rem Schrei­ben vom 25.11.2011 nicht nur über die ge­plan­te Ein­stel­lung der Pfle­ge­kraft L., son­dern auch über die be­ab­sich­tig­te vorläufi­ge Durchführung der Maßnah­me in Kennt­nis ge­setzt. Nach­dem der Be­triebs­rat un­verzüglich be­strit­ten hat, dass die Ein­stel­lung aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich sei, hat die Ar­beit­ge­be­rin in­ner­halb der Frist des § 100 Abs. 2 S. 3 Be­trVG so­wohl die Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats als auch die Fest­stel­lung be­an­tragt, dass die Maßnah­me aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ist.
129 bb) Bei Ein­hal­tung der For­ma­li­en darf dem An­trag nur dann nicht ent­spro­chen wer­den, wenn die vorläufi­ge Maßnah­me aus sach­li­chen Gründen of­fen­sicht­lich nicht aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war (vgl. BAG v. 18.10.1988 - 1 ABR 36/87 - AP Nr. 4 zu § 100 Be­trVG 1972; BAG v. 07.11.1977 - 1 ABR 55/75 - EzA § 100 Be­trVG 1972 Nr. 1, zu II. 4 der Gründe; Fit­ting u.a., § 100 Be­trVG Rn. 13). Das Merk­mal der Of­fen­sicht­lich­keit er­for­dert ei­ne gro­be, oh­ne wei­te­res er­sicht­li­che Ver­ken­nung der sach­lich-be­trieb­li­chen Not­wen­dig­keit für ei­ne als­bal­di­ge Durchführung der Maßnah­me (Fit­ting u.a., § 100 Be­trVG Rn. 13).
130 Ei­ne sol­che gro­be, oh­ne wei­te­res er­sicht­li­che Ver­ken­nung der Not­wen­dig­keit zur um­ge­hen­den Be­set­zung der Stel­le liegt nicht vor. Die Stel­le ist va­kant. Der Ein­wand, die Stel­le soll­te mit ei­nem (an­de­ren) Ar­beit­neh­mer be­setzt wer­den, ist bei Be­ur­tei­lung des Er­for­der­nis­ses ei­ner vorläufi­gen Durchführung der Maßnah­me un­be­acht­lich (vgl. BAG v. 07.11.1977 a.a.O., zu II. 4 der Gründe).
131 c) Der An­trag zu 2) des Be­triebs­rats ist ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts zulässig, aber un­be­gründet.
132 Für den Fall, dass der An­trag der Ar­beit­ge­be­rin gemäß § 100 Abs. 2 S. 3 Be­trVG als un­be­gründet er­ach­tet wird, ist der An­trag nicht le­dig­lich zurück­zu­wei­sen. Viel­mehr ver­langt § 100 Abs. 3 S. 1 Be­trVG aus­drück­lich ei­ne rechts­kräfti­ge Fest­stel­lung, dass die Maßnah­me of­fen­sicht­lich aus sach­li­chen Gründen nicht drin­gend er­for­der­lich ist (BAG v. 18.10.1988 - 1 ABR 36/87 - AP Nr. 4 zu § 100 Be­trVG 1972). Dies bringt der Be­triebs­rat mit sei­nem An­trag zu 2) zu­tref­fend zum Aus­druck.
133 Der An­trag ist aber un­be­gründet. Auf die obi­gen Ausführun­gen un­ter II. 3. b) der Gründe wird ver­wie­sen.
134 d) Auch der Fest­stel­lun­g­an­trag des Be­triebs­rats zu 3) ist zurück­zu­wei­sen.
135 aa) Der An­trag be­darf zunächst ein­mal der Aus­le­gung.
136 Nach sei­nem Wort­laut ist er nicht auf sol­che Pfle­ge­kräfte be­grenzt, die von der Schwes­tern­schaft auf mit­glied­schaft­li­cher Ba­sis beschäftigt wer­den. Der Be­gründung, die sich auf die Ausführun­gen zur an­geb­li­chen Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft von mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­nen Schwes­tern be­zieht, lässt sich aber ent­neh­men, dass für die­se Beschäftig­ten­grup­pe ei­ne Klärung her­bei­geführt wer­den soll. Dies geht zu­dem dar­aus her­vor, dass der Be­triebs­rat aus­drück­lich ei­nen Be­zug zu dem Haupt­an­trag die­ses Ver­fah­rens her­stellt. Der Fest­stel­lungs­an­trag zu 3) wird nämlich im Hin­blick dar­auf ge­stellt, dass sich die Anträge der Ar­beit­ge­be­rin da­durch er­le­di­gen könn­ten, dass die Pfle­ge­kraft L. aus der Kli­nik der Ar­beit­ge­be­rin aus­schei­de. Im Rah­men der Anträge der Ar­beit­ge­be­rin ist aber nur die Fra­ge von Re­le­vanz, ob dem Be­triebs­rat bei der Ein­stel­lung von der Schwes­tern­schaft mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­nen Schwes­tern ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­recht zu­steht, nicht bei Schwes­tern, die un­strei­tig Ar­beit­neh­mer/in­nen sind.
137 bb) Der An­trag ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts zulässig.
138 Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, dass bei ei­nem be­haup­te­ten Ver­s­toß ge­gen Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­rats, der in der Ver­gan­gen­heit liegt, die Fest­stel­lung be­gehrt wer­den kann, dem Be­triebs­rat ste­he ein be­stimm­tes Be­tei­li­gungs­recht zu, wenn die Streit­fra­ge in ei­ner Viel­zahl von Fällen auf­ge­tre­ten ist und auch in Zu­kunft auf­tre­ten wird (vgl. nur BAG v. 28.09.1988 - 1 ABR 85/87 - AP Nr.60 zu § 99 Be­trVG 1972; BAG v. 10.04.1984 - 1 ABR 73/82 - zu B II. 1. der Gründe). Nur mit sol­chen Fest­stel­lungs­anträgen wird bei per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­men vorüber­ge­hen­der Art ei­ne höchst­rich­ter­li­che Klärung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Streit­fra­gen ermöglicht. Dem­ent­spre­chend wur­de vom Bun­des­ar­beits­ge­richt auch der An­trag auf Fest­stel­lung, dass in ei­ner be­stimm­ten Fall­kon­stel­la­ti­on ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­recht gemäß § 99 Be­trVG be­ste­he, als zulässig an­er­kannt (vgl. BAG v. 28.09.1988 a.a.O., zu B I. 1. der Gründe).
139 Das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren wird von den Be­tei­lig­ten als Pi­lot­ver­fah­ren geführt. Für die wei­te­ren Fälle und auch zukünf­tig zu er­war­ten­den Ein­stel­lun­gen von Pfle­ge­kräften auf­grund von Ge­stel­lungs­verträgen kann der Streit über die Möglich­keit ei­ner Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung durch den An­trag des Be­triebs­rats zu 3) ab­sch­ließend geklärt wer­den.
140 cc) Der An­trag ist aber un­be­gründet. Da die der Schwes­tern­schaft mit­glied­schaft­lich ver­bun­de­nen Pfle­ge­kräfte kei­ne Ar­beit­neh­mer sind, steht dem Be­triebs­rat kein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grund we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen § 1 AÜG zu.
141 4. Die Kam­mer hat die Rechts­be­schwer­de gemäß §§ 92 Abs.1, 72 Abs.2 Nr.1 ArbGG we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Rechts­fra­gen zu­ge­las­sen.
142 RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG
143 Ge­gen die­sen Be­schluss kann von dem Be­tei­lig­ten zu 2.
144 R E C H T S B E S C H W E R D E
145 ein­ge­legt wer­den.
146 Für wei­te­re Be­tei­lig­te ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
147 Die Rechts­be­schwer­de muss
148 in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat
149 nach der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Be­schlus­ses schrift­lich beim
150 Bun­des­ar­beits­ge­richt
151 Hu­go-Preuß-Platz 1
152 99084 Er­furt
153 Fax: 0361-2636 2000
154 ein­ge­legt wer­den.
155 Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Be­schlus­ses, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
156 Die Rechts­be­schwer­de­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:
157 1.Rechts­anwälte,
158 2.Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
159 3.Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
160 In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Rechts­be­schwer­de­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.
161 Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.
162 * ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.
163 Barth Rus­sin Hart­mann
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References: § 4
 § 99
 § 99
 § 99
 § 81
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 87
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 § 83
 § 99
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 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 14
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 99
 § 14
 § 1
 § 611
 § 611
 § 2
 § 5
 § 611
 § 58
 § 613
 § 613
 § 5
 § 99
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 5
 § 8
 § 1
 § 3
 § 24
 § 5
 § 5
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 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 99
 § 100
 § 100
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 § 100
 § 100
 § 100
 § 100
 § 100
 § 100
 § 99
 § 99
 § 1