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Timestamp: 2019-09-18 22:13:19+00:00

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§ 135 SGB V in der seit dem 1.01.2004 gel­ten­den Fas­sung des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung vom 14.11.20031 – inso­weit nach wie vor in Kraft in der Fas­sung des Geset­zes zur Stär­kung der Ver­sor­gung in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung vom 16.07.20152 – lau­tet:
Die amt­li­che Begrün­dung für die Ein­füh­rung von § 135 Abs. 2 Satz 4 SGB V lau­tet3:
Das Sozi­al­ge­richt Ber­lin ver­pflich­te­te die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung Ber­lin, dem Beschwer­de­füh­rer die Abrech­nungs­ge­neh­mi­gung für die Durch­füh­rung der begehr­ten MRT-Leis­tun­gen zu ertei­len4. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hob dage­gen das Urteil des Sozi­al­ge­richts auf und wies die Kla­ge ab5. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt wies die vom Beschwer­de­füh­rer erho­be­ne Revi­si­on zurück6. Mit der hier­ge­gen gerich­te­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de macht der Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung des Gleich­heits­sat­zes gel­tend.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt führt zum Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG in stän­di­ger Recht­spre­chung aus7: "Die­ser gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Damit ist dem Gesetz­ge­ber aller­dings nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung ver­wehrt. Er ver­letzt aber das Gleich­heits­grund­recht, wenn er bei Rege­lun­gen, die Per­so­nen­grup­pen betref­fen, eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu einer ande­ren Grup­pe anders behan­delt, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten8. Dabei sind dem Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung der jewei­li­gen Rege­lung umso enge­re Gren­zen gesetzt, je stär­ker sich die Ungleich­be­hand­lung auf die Aus­übung grund­recht­lich geschütz­ter Frei­hei­ten, etwa auf die durch Art. 12 Abs. 1 GG garan­tier­te Frei­heit der beruf­li­chen Tätig­keit9, nach­tei­lig aus­wir­ken kann10."
Gegen die Ver­gleichs­grup­pen­bil­dung anhand der tat­säch­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten spricht zum einen, dass der inso­weit maß­geb­li­che Erfah­rungs- und Kennt­nis­stand zum Zeit­punkt des Abschlus­ses der Zusatz­wei­terbil­dung tes­tiert wird, jedoch offen bleibt, wie sich die tat­säch­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten spä­ter ent­wi­ckeln. Die­se Unge­wiss­heit haf­tet zwar grund­sätz­lich jeder Berufs­zu­las­sungs­prü­fung mit Stich­tags­prin­zip an, kann sich für MRT-Leis­tun­gen, die nicht zum Kern­be­reich der Tätig­keit von Fach­ärz­ten gehö­ren und daher nicht die Gewähr der stän­di­gen Durch­füh­rung in sich tra­gen, aber ver­stärkt aus­wir­ken. Dies gilt unab­hän­gig von den indi­vi­du­el­len Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten des Beschwer­de­füh­rers, da die Rege­lun­gen in den Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­ein­ba­run­gen gene­rel­ler Natur sind und sich nicht nur auf die beruf­li­che Tätig­keit des Beschwer­de­füh­rers bezie­hen11.
Zum ande­ren aber spre­chen dem­ge­gen­über gute Grün­de für eine Ver­gleichs­grup­pen­bil­dung unter Zugrun­de­le­gung des jewei­li­gen Fach­arzt­ge­bie­tes. Denn der Fach­arzt­wahl kommt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts jeden­falls eine der Berufs­wahl nahe­kom­men­de, grund­le­gen­de Spe­zia­li­sie­rungs­ent­schei­dung zu12, so dass die Zuge­hö­rig­keit zu einer Fach­arzt­grup­pe der Ord­nung des Ver­trags­arzt­rechts ins­ge­samt dient und des­halb Grund­la­ge für struk­tu­rel­le Zuord­nun­gen sein kann. Die Ein­füh­rung von Zusatz­wei­terbil­dun­gen führt hin­ge­gen gera­de nicht zu einer wei­te­ren, nor­ma­tiv gepräg­ten Arzt­grup­pe, da eine Zusatz­wei­terbil­dung einer Fach­arzt­aus­bil­dung nicht gleich­wer­tig ist13.
Eine mög­li­che Ungleich­be­hand­lung ver­gleich­ba­rer Grup­pen durch die Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­ein­ba­run­gen und in deren Anwen­dung auch durch die ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen ist selbst dann durch § 135 Abs. 2 Satz 4 SGB V gerecht­fer­tigt, wenn die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben den Spiel­raum der Ver­trags­part­ner eng begren­zen soll­ten14.
Für eine eng­ma­schi­ge gericht­li­che Kon­trol­le spricht, dass die mög­li­che Ungleich­be­hand­lung der Ärz­te an Kri­te­ri­en anknüpft, auf die der Ein­zel­ne nach der Fest­le­gung auf ein Fach­arzt­ge­biet fak­tisch kei­nen Ein­fluss mehr hat, und er daher nach­tei­li­ge Fol­gen nicht mehr ver­mei­den kann15. Zwar steht im Rah­men der Berufs- und Fach­arzt­wahl das Fach­ge­biet zunächst der Dis­po­si­ti­on des Ein­zel­nen offen. Mit der ein­mal getrof­fe­nen Aus­wahl liegt aber eine zumeist dau­er­haf­te Fest­le­gung vor16.
Ein redu­zier­ter Prü­fungs­maß­stab könn­te sich hin­ge­gen aus den Grund­sät­zen erge­ben, die für die Über­prü­fung unter­ge­setz­li­cher Nor­men von Selbst­ver­wal­tungs­kör­per­schaf­ten bestehen17. Der Beschwer­de­füh­rer ist als ermäch­tig­ter Arzt Mit­glied der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Ber­lin (§ 77 Abs. 3 Satz 1 SGB V), die mit den übri­gen Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen die Kas­sen­ärzt­li­che Bun­des­ver­ei­ni­gung bil­det (§ 77 Abs. 4 Satz 1 SGB V). Auch das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ist inso­weit für die Über­prü­fung der auf § 135 Abs. 2 Satz 1 SGB V beru­hen­den Zyto­lo­gie-Ver­ein­ba­rung von einem eher wei­ten Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raum bei ein­ge­schränk­ter Über­prüf­bar­keit durch die Gerich­te aus­ge­gan­gen18.
Die Dif­fe­ren­zie­rung lässt sich jeden­falls auf den Recht­fer­ti­gungs­grund der "Siche­rung der Wirt­schaft­lich­keit" stüt­zen. Die­se war für den Gesetz­ge­ber ein wesent­li­cher Gesichts­punkt für die Ein­füh­rung des § 135 Abs. 2 Satz 4 SGB V. Es soll­te die Wirt­schaft­lich­keit im Bereich der teu­ren Gerä­te­me­di­zin durch den feh­len­den Anreiz gesi­chert wer­den, sich als Arzt der soge­nann­ten Organ­fä­cher sel­ber Pati­en­ten für die eige­ne Tätig­keit als Arzt der soge­nann­ten Metho­den­fä­cher zu über­wei­sen. Der Wirt­schaft­lich­keit der Ver­sor­gung dient letzt­lich auch die Qua­li­täts­si­che­rung in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, indem sie nicht nur ein bestimm­tes Niveau der Ver­sor­gung gewähr­leis­tet, son­dern auch den spar­sa­men Ein­satz von Res­sour­cen19.
Die in den Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­ein­ba­run­gen auf­ge­grif­fe­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach Fach­arzt­grup­pen lässt sich auf § 135 Abs. 2 Satz 4 SGB V rück­füh­ren, der die Leis­tungs- und Abrech­nungs­be­fug­nis der Fach­arzt­grup­pe zuord­net, für die die jewei­li­gen Leis­tun­gen "zum Kern ihres Fach­ge­bie­tes gehö­ren". Die Norm knüpft dabei an die dies­be­züg­li­che Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu Art. 12 GG an20.
§ 135 Abs. 2 Satz 4 SGB V erlaubt Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen für die Erbrin­gung der dort bezeich­ne­ten Leis­tun­gen, die "den Fach­ärz­ten vor­be­hal­ten" sind. Somit geht die Norm sel­ber von der aus­schließ­li­chen Zustän­dig­keit einer Fach­arzt­grup­pe im Ver­hält­nis zu den übri­gen Fach­arzt­grup­pen aus und bedient sich der Fach­arzt­grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit als ord­nen­dem bezie­hungs­wei­se dif­fe­ren­zie­ren­dem Merk­mal. Der Gesetz­ge­ber hat davon abge­se­hen, etwa an die Gesamt­heit des Wei­ter­bil­dungs­rechts – so § 135 Abs. 2 Satz 2 SGB V – oder an die Sicher­stel­lung der Ver­sor­gung – so in ande­rem Zusam­men­hang §§ 116, 119c SGB V – oder an die Eig­nung des jewei­li­gen Arz­tes im Ein­zel­fall anzu­knüp­fen. Ange­sichts des Stel­len­wer­tes, der der Fach­arzt­grup­pen­bil­dung für die Berufs­aus­übung zukommt21, ist an einer nach Fach­arzt­grup­pen dif­fe­ren­zie­ren­den Rege­lung von Ver­fas­sungs wegen nichts zu erin­nern.
Dar­über hin­aus geht die Beschrän­kung der Behand­lungs­be­fug­nis auf Radio­lo­gen nach dem vom unter­ge­setz­li­chen Norm­ge­ber ver­folg­ten Rege­lungs­kon­zept ein­her mit der Abrech­nungs­be­fug­nis. Denn die Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­ein­ba­run­gen sehen kei­ne nach Orga­nen dif­fe­ren­zier­te Unter­su­chungs- und Abrech­nungs­teil­be­fug­nis vor, son­dern gehen von einer Gesamt­be­fug­nis aus. Die dafür erfor­der­li­chen umfas­sen­den Kennt­nis­se wei­sen nach dem Aus­bil­dungs­recht jedoch allein Radio­lo­gen auf. Die gene­rel­le Ein­be­zie­hung von Fach­ärz­ten, die kei­ne Radio­lo­gen sind und über die Zusatz­wei­terbil­dung "MRT – fach­ge­bun­den -" ver­fü­gen, wäre des­halb zu weit­ge­hend. Sie beträ­fe wegen der Viel­zahl der Fach­ärz­te, die nicht Radio­lo­gen sind, auch nicht nur eine unter­ge­ord­ne­te Grup­pe22.
BGBl I S. 1211 [↩]
BT-Drs. 15/​1525, S. 124 [↩]
SG Ber­lin, Urteil vom 06.04.2011 – S 71 KA 151/​10 [↩]
LSG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vo 20.02.2013 – L 7 KA 60/​11 [↩]
BSG, Urteil vom 02.04.2014 – B 6 KA 24/​13 R [↩]
BVerfGE 107, 133, 141; vgl. auch BVerfGE 62, 256, 274 m.w.N.; 102, 41, 54; 104, 126, 144 f. [↩]
vgl. BVerfGE 102, 41 [54]; 104, 126 [144 f.]; stRspr [↩]
vgl. BVerfGE 62, 256 [274] [↩]
vgl. BVerfGE 92, 53 [69]; stRspr [↩]
vgl. bereits BSG, Urteil vom 11.10.2006 – B 6 KA 1/​05 R20 ff. [↩]
vgl. BVerfGE 33, 125, 161 f. [↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.03.2000 – 1 BvR 1662/​97 25 [↩]
vgl. zu den unter­schied­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an gesetz­li­che Vor­schrif­ten: BVerfGE 110, 274, 291; 117, 1, 30; 121, 317, 369 f.; 122, 39, 52 m.w.N. [↩]
vgl. BVerfGE 122, 39, 52 [↩]
vgl. BVerfGE 33, 125, 161 [↩]
vgl. BVerfGE 33, 125, 159 ff.; vgl. auch Schmidt-Aßmann, in: Maunz/​Dürig, GG, Art.19 Abs. 4, Rn. 217 f., Juli 2014 [↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 18.03.1998 – B 6 KA 23/​97 R 21 f. [↩]
BVerfG, Beschluss vom 16.07.2004 – 1 BvR 1127/​01 25 [↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.07.2004 – 1 BvR 1127/​01 21 f.; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 08.07.2010 – 2 BvR 520/​07 13 [↩]
vgl. BSG, Urteil vom 02.04.2014 – B 6 KA 24/​13 R 33 [↩]

References: § 135
 Art. 3
 Art. 12
 § 135
 § 135
 § 135
 § 135
 Art. 12

§ 135
 § 135
 Art.19