Source: https://issuu.com/santesuisse/docs/iss_nr_5_2007_de
Timestamp: 2017-05-29 12:49:03+00:00

Document:
infosantésuisse Nr. 5/2007 deustch by santésuisse - issuu
Magazin der Schweizer Krankenversicherer Nr. 5, Mai 2007Aufmarsch der
PanzerbakterienSeite 16Wer geht wie oft zum Arzt?
Seite 20IM FOKUS:Koordination mit den anderen
Sozialversicherungen	INHALT	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007SCHWERPUNKT
4	6	8	10	12	iiz-plus: Für eine schnelle Rückkehr an den Arbeitsplatz
Die 5. IVG-Revision – Auswirkungen auf die Krankenversicherer
Im Gespräch: Markus Abderhalden, Leiter Taggeld-Leistungen bei Swica
Unfallversicherung: «Man kann nicht von einer wirklichen Zusammenarbeit reden»
Wie wird die Pflege heute finanziert?KRANKENVERSICHERUNG
3	Der Countdown läuft – in knapp einem Jahr läuft der Zulassungsstopp aus
14	Drei Fragen an: Didier Juillard, Verantwortlicher für den Kanton Jura von santésuisseIV und Krankentaggeldversicherer
spannen zusammen
Seite 4GESUNDHEITSWESEN
18	20	21	Aufmarsch der Panzerbakterien
Obsan-Studie: Die ärztliche Versorgung ist (noch) überall gewährleistet
Grafik des Monats: Wer geht wie oft zum Arzt?
Listenmodelle: Gemeinsame Erklärung von FMH und santésuisseSERVICE
23	23	23	24	24	25	25	Leserumfrage mit Wettbewerb
BSV will Schnittstellen zwischen Sozialversicherungen erforschen
Gesundheitspolitik im Wahljahr: Wo stehen die Parteien?
Autofreie Tage in der ganzen Schweiz
Hans Wohler neuer Leiter des Ressorts Ausbildung von santésuisse
VeranstaltungskalenderIm Gespräch:Yves Rossier,
Direktor des Bundesamts
für SozialversicherungenSeite 10Didier Juillard über die heikle
im Kanton Jura
Seite 14Nr. 5, Mai 2007 Erscheint zehnmal jährlichLayout: Henriette LuxAbonnementspreis: Fr. 69.− pro Jahr, Einzelnummer Fr. 10.−Anzeigenverwaltung: Alle Inserate − auch Stelleninserate −	sind zu richten an: «infosantésuisse», Römerstrasse 20, Postfach, 4502 SolothurnHerausgeber und Administration: santésuisse, Die Schweizer	Krankenversicherer, Römerstrasse 20, Postfach, 4502 SolothurnE-Mail: shop@santesuisse.chVerantwortliche Redaktion: Peter Kraft, Abteilung Politik und	Kommunikation, Postfach, 4502 Solothurn, Tel. 032 625 42 71,	Fax 032 625 42 70Abonnementsverwaltung: Tel. 032 625 42 74,	Fax 032 625 42 70E-Mail: redaktion@santesuisse.chHomepage: www.santesuisse.chHerstellung: Vogt-Schild Druck AG, Gutenbergstrasse 1, 4552 DerendingenTitelbild: Heiner Grieder, Langenbruck
ISSN 1660-7228EDITORIAL	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Volkswirtschaftliche Verantwortung,
betriebswirtschaftlich sinnvollD
santésuisseie Krankentaggeldversicherer und
mit ihnen die Krankenversicherer
haben in jüngster Zeit ihre tradi­
tionelle Rolle abgelegt und mit dem Case
Management ihre Funktion neu definiert
Über Jahre hinweg war es ihre herkömm­
liche Aufgabe, bei Erwerbsausfall Kranken­
taggelder auszurichten und versicherungs­
rechtliche Ansprüche zu prüfen. Diese eng
definierte Zuständigkeit hat die Kranken­
taggeldversicherer oft als Zahlstellen er­
scheinen lassen. Die Invalidenversiche­
rung als nachgelagertes Versicherungs­
system übernahm die Versicherten und
sprach ihnen eine Rente zu. Allerdings
steckten die Versicherten da bereits in der
Desintegrationsspirale: Zu einem früheren
Zeitpunkt wäre mit einem Stellen- oder gar
Berufswechsel eine Rückkehr ins Arbeits­
leben möglich gewesen. Beide, Kranken­
taggeldversicherer und Invalidenversiche­
rung, standen im Dienste des Versicherten
– nur eben isoliert voneinander. Jahrelang
waren IV und Krankentaggeldversiche­
rung Einzeldisziplinen.
Heute jedoch gehört es zum neuen Selbst­
verständnis der Krankentaggeldversi­
cherer, Leistungsfälle auf ihr integratives
Potenzial zu prüfen und die versicherten
Arbeitnehmer professionell zu begleiten.
Case Management wird für die Kranken­
taggeldversicherer immer bedeutender.
Denn damit führen sie aktiv zwei Versi­
cherungssysteme zusammen, deren Inter­
essen volkswirtschaftlich die selben sind.
Wenn Krankentaggeldversicherer gemein­
sam mit den versicherten Unternehmen
und deren Angestellten frühzeitig nach
integrativen Lösungen suchen, so sparen
die Arbeitgeber Prämien, die Versiche­
rer nicht notwendige Leistungskosten auf
der einen und die IV Rentenzahlungen
auf der anderen Seite. Und dienen damit
einem bislang ungenannten Dritten: der
Allgemeinheit, die nicht anfallende Ge­
sundheitskosten auch nicht zu finanzie­
ren braucht.Mehr noch: Ein Case Management, in dem
Sachbearbeiter, Sozialarbeiter und Psycho­
logen die Versicherten proaktiv beglei­
ten, beweist inzwischen, dass es möglich
ist, volkswirtschaftliche Verantwortung
zu übernehmen und gleichzeitig betriebs­
wirtschaftlich sinnvoll und erfolgreich zu
Mit diesem neuen Ansatz haben sich die
Krankentaggeldversicherer entfernt von
ihrer einst traditionellen Einzelrolle und
forcieren heute das lohnende Zusam­
menwirken. Sie leisten damit einen Bei­
trag zur finanziellen Gesundung der In­
validenversicherung. Nicht auszudenken,
wie es hätte kommen können, wenn das
Schweizer Stimmvolk am 11. März die In­
itiative für eine Einheitskasse gutgeheis­
sen hätte: Zur sanierungsbedürftigen IV
hätte sich innert wenigen Jahren eine sa­
nierungsbedürftige soziale Krankenversi­
cherung gesellt. Eine Schuldenwirtschaft
aber ist das letzte, was wir Krankenversi­
cherer wünschen.	SCHWERPUNKT	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Enge Zusammenarbeit zwischen IV und Krankentaggeld-Versichererniiz-plus: Für eine schnellere Rückkehr
Die Mehrzahl der IV-Rentner haben zuvor Taggeld einer Krankentaggeld-Versicherung bezogen. Bis Anspruch auf
eine IV-Rente entsteht, braucht es eine Arbeitsunfähigkeit von einem Jahr. In dieser Zeit konnte die IV selber bis
vor kurzem wenig zur Wiedereingliederung der Betroffenen unternehmen. Seit 2006 ist die Vereinbarung iiz-plus
in Kraft: Damit wird eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen IV und Krankentaggeld-Versicherung Tatsache.
Die IV kann so rechtzeitig mit der Reintegration beginnen.In den industrialisierten Ländern ver­
lieren immer mehr Menschen aus ge­
sundheitlichen Gründen den Zugang
zum Arbeitsmarkt. Alleine ist es ihnen
kaum mehr möglich, zurück ins Berufs­
leben zu finden – Gesellschaft, Wirtschaft
und Staat sind gefordert. Dabei gilt: Je frü­
her gezielte Reintegrationsbemühungen
beginnen, desto grösser ist die Chance
einer Wiedereingliederung.Fragmentierter Sozialstaat
Der Schweizer Sozialstaat ist ausserordent­
lich komplex. Zehn verschiedene Sozial­
versicherungen plus die Sozialhilfe tei­
len sich die Verantwortung. Die Finan­
zierung dieser Versicherungen könnte
unterschiedlicher nicht sein: Von der Kopf­
prämie über Arbeitgeberfinanzierung und
Lohnprozente bis hin zur reinen Steuerfi­
nanzierung reicht das Spektrum. Die ver­Beitritt freiwillig
Mit der Unterschrift des BSV ist der Bei­
tritt zu iiz-plus für alle IV-Stellen zwin­
gend. Nicht so für die KrankentaggeldVersicherer: Sie können der Vereinba­
rung freiwillig beitreten. Dass das Inter­
esse gross ist, zeigt sich am Beispiel der
santésuisse-Mitglieder: Die grosse Mehr­
heit der Versicherer, die das Kranken­
taggeld-Geschäft betreiben, hat die iizplus-Vereinbarung unterzeichnet.
Jede IV-Stelle und jede beigetretene
Versicherung bezeichnet eine Kontakt­
person für den Partner. Diese Kontakt­
personen sind unter www.iiz-plus.ch
aufgeführt. Dort finden sich auch alle
wichtigen Informationen rund um die
Vereinbarung, darunter alle Anhänge
und Merkblätter.schiedenen Sozialversicherungen werden
von mehreren hundert Versicherungsträ­
gern durchgeführt – ergänzt durch Privat­
versicherungen, vor allem in der Kranken­
taggeld-Versicherung (KTG). Hier die
Übersicht zu bewahren, ist selbst für Ex­
perten schwierig – für die Versicherten
ist es praktisch unmöglich. Weil paral­
lel zu den ausbezahlten Versicherungs­
leistungen auch der Spardruck zunimmt,
ist es in einem derart komplexen System
für die Versicherungsträger eine denkbare
Option, teure Fälle an eine andere Insti­
tution weiterzureichen. Entlastet wird das
Gesamtsystem dadurch nicht – im Ge­
genteil: Die Reintegration verzögert sich
durch diesen Drehtüreffekt, und die Kos­
ten steigen. Die Invalidenversicherung, die
Arbeitslosenversicherung und die Sozial­
hilfe spannen deshalb seit 2001 zusam­
men: Unter der Führung des Staatssekre­
tariats für Wirtschaft haben sie unter dem
Namen iiz (Interinstitutionelle Zusammen­
arbeit) Verfahren entwickelt, welche die
Versicherten durch gemeinsame Anstren­
gungen schneller wieder ins Berufsleben
bringen.Von iiz zu iiz-plus
Schnell wurde klar, dass mit der engeren
Zusammenarbeit zwischen Invalidenver­
sicherung, Arbeitslosenversicherung und
Sozialhilfe längst nicht das gesamte Koor­
dinationspotenzial ausgeschöpft ist. Auch
die berufliche Vorsorge (BV, 2. Säule) ist
vom Risiko Invalidität stark betroffen. Aus­
serdem «erbe» die IV 80 Prozent der Ren­
tenfälle von der Taggeldversicherung: Das
sagte Andreas Dummermuth, Präsident
der IV-Stellenkonferenz, an einem Vor­
trag an der Universität Luzern. Eine Zu­
sammenarbeit im Krankheitsbereich seivor allem mit den Trägern der KTG-Ver­
sicherung nach KVG und VVG möglich.
Deshalb haben die IV-Stellen-Konferenz
(IVSK), der Schweizerische Versicherungs­
verband (SVV), das Bundesamt für So­
zialversicherungen und santésuisse An­
fang 2006 die Vereinbarung iiz-plus ge­
troffen.* Das Hauptziel der Zusammenar­
beit ist eine möglichst schnelle berufliche
Wiedereingliederung.Fokus liegt auf «best care-Fällen»
Die KTG-Versicherer haben schon früh
Kenntnis von Fällen, bei denen das Ri­
siko einer Invalidität besteht. Im Rahmen
von iiz-plus treten die Taggeld-Versicherer
und die IV-Stellen frühzeitig miteinander
in Kontakt. So wird verhindert, dass bis
zum Beginn der WiedereingliederungsMassnahmen wertvolle Zeit vergeht. Dank
standardisierten Dokumenten verfügt die
IV-Stelle über bessere Informationen zur
beruflichen und gesundheitlichen Situa­
tion und kann schneller und präziser re­
agieren. Wie genau die iiz-plus-Zusam­
menarbeit abläuft, hängt von der Schwere
der Fälle ab:
•	«Leichte» Fälle, bei denen die Arbeits­
unfähigkeit voraussichtlich nach weni­
ger als drei Monaten beendet ist, müs­
sen nicht besonders betreut werden.
•	Wenn eine längere Arbeitsunfähigkeit
wahrscheinlich, gleichzeitig aber die
Chance für eine Wiedereingliederung
gross ist, arbeiten die Taggeldversicherer
in der Regel nach drei, spätestens aber
nach acht Monaten mit der IV zusam­
•	Besondere Aufmerksamkeit brauchen
die so genannten «best care-Fälle». Es
sind komplexe Fälle, bei denen die
Chancen auf eine WiedereingliederungSCHWERPUNKT	Foto: Prismainfosantésuisse Nr. 5, Mai 2007gen. Sie stellen die frühzeitige Verbindung
zur IV her und informieren die betroffenen
Versicherten. Insbesondere informieren
die KTG-Versicherer die IV, wenn sie er­
kennen, dass Reintegrationsmassnahmen
angezeigt sind (die KTG-Versicherer kön­
nen im Einzelfall Massnahmen zur Ein­
gliederung sogar direkt einleiten). Weil
die IV-Stellen nun früher Bescheid wis­
sen, können sie die administrativen Ar­
beiten für das Rentengesuch und die ers­
ten Eingliederungs-Schritte parallel durch­
führen. Damit wird verhindert, dass die
einjährige Wartefrist bis zum IV-Rentenan­
spruch ungenutzt verstreicht. Ausserdem
sind die Versicherten nicht mehr Doppel­
begutachtungen durch KTG-Versicherer
und IV ausgesetzt.Zentrale Rolle der VersichertenEine möglichst schnelle Rückkehr an den Arbeitsplatz ist das erklärte Ziel
von iiz-plus.nur bei intensiver Betreuung intakt sind.
Deshalb widmet iiz-plus diesen Fällen
die grösste Aufmerksamkeit: Der Bei­
zug der IV durch die KrankentaggeldVersicherer erfolgt in der Regel inner­
halb von drei Monaten nach Beginn der
•	Rentenfall: Eine Wiedereingliederung ist
nicht zu erwarten. In diesen Fällen mel­
den die Taggeldversicherer die Betrof­
fenen (mit deren Vollmacht) nach acht
Monaten für eine IV-Rente an.
Die Wiedereingliederung ist so in den Ka­
tegorien 2 und 3 frühzeitig möglich, unddie Gefahr der endgültigen «Verrentung»
wird massiv verringert.
Um die «best-care-Fälle» schnell erken­
nen zu können, haben die iiz-plus-Part­
ner Triagekriterien ausgearbeitet. Sie be­
rücksichtigen die gesundheitliche Situa­
tion sowie das berufliche und soziale Um­
feld der Betroffenen.iiz-plus legt grossen Wert darauf, die Ver­
sicherten von Anfang an in den Wieder­
eingliederungsoprozess mit einzubezie­
hen. Das bedingt, dass die Versicherten
umfassend und verständlich über die Zu­
sammenarbeit der Versicherungsträger
und über die Wiedereingliederungs-Mass­
nahmen informiert sind. Sie erhalten des­
halb ein Merkblatt, mit dem sie über die
Ziele und Prozeduren von iiz-plus aufge­
klärt werden. Dazu gehört auch der Hin­
weis, dass mangelnde Kooperation Leis­
tungskürzungen zur Folge haben kann.
Zudem werden die Versicherten laufend
und rechtzeitig über die nächstfolgenden
iiz-plus kann im Einzelfall nur zur Anwen­
dung kommen, wenn der Versicherte eine
Vollmacht unterzeichnet. Diese berech­
tigt die Versicherungsträger unter ande­
rem zum Austausch der notwendigen In­
formationen. Die Versicherten müssen sel­
ber einen aktiven Beitrag, etwa in der Be­
schaffung der nötigen Unterlagen, leisten.
Vor allem aber füllen sie standardmässig
einen Fragenbogen über ihren beruflichen
Hintergrund und ihre Zukunftsvorstellun­
gen aus. Das ist die Grundlage dafür, dass
die Wiedereingliederung nicht nur schnel­
ler, sondern auch den Wünschen und Fä­
higkeiten der Versicherten angepasst über
die Bühne geht. Peter KraftNeue Aufgaben für die
KTG-Versicherer und die IV-Stellen
Für die KTG-Versicherer heisst das, dass
sie sich mehr als bisher mit der beruflichen
Reintegration der Versicherten beschäfti­*	Die 5. IV-Revision wird bei ihrer Annahme auch Auswirkungen auf iiz-plus haben. Lesen Sie mehr dazu
auf den Seiten 6–7.	SCHWERPUNKT	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Die 5. IVG-Revision – Auswirkungen auf die KrankenversichererBei Arbeitsunfähigkeit schneller handeln
Am 17. Juni 2007 findet die Volksabstimmung zur 5. IVG-Revision statt. Das Referendum wurde vom «Zentrum
für selbstbestimmtes Leben» und einigen kleineren Behindertenorganisationen ergriffen. Was bringt die Revision
und welche Auswirkungen hat sie auf die Krankenversicherer?Die 5. IVG-Revision1 sieht neue
Leistungen vor und korrigiert be­
stimmte negative Systemanreize.
Im Bereich der beruflichen Massnahmen
wird ein Paradigmawechsel durch eine
gesetzlich geregelte Früherkennung an­
•	Früherfassung von gesundheitsbe­
dingter Arbeitsunfähigkeit
•	Frühinterventionsmassnahmen
•	Integrationsmassnahmen für psychisch
•	Erweiterter Zugang zu Eingliederungs­
Die Vorlage ist klar eine Sanierungsvor­
lage. Es wird jedoch nicht nur gespart,
sondern auch investiert – und zwar in die
Frühinterventions- und Integrationsmass­
nahmen. Die Revision sieht eine tief grei­
fende Systemkorrektur vor. Sie will bei
den Ursachen ansetzen und die Einglie­
derungsrate nachhaltig erhöhen. Dadurch
würden die Rentenausgaben sinken.
Die neuen Elemente der Früherfassung
und der Frühintervention werden es den
IV-Stellen erlauben, früh und unkompli­
ziert auf die Person und den Arbeitge­
ber zuzugehen und mit niederschwelligen
Massnahmen zu versuchen, den Arbeits­
platz zu erhalten. Erstversicherer wie Un­
fall- oder Krankentaggeld-Versicherer ha­
ben viel früher Kenntnis von der Arbeits­
unfähigkeit. Deshalb bindet die 5. IVGRevision diese Versicherungen in die
Früherfassung mit ein. Dadurch wird dieKennzahlen zur
IV- Ausgaben 2006: 11,5	Mia.	Fr.
Einnahmen 2006: 8,8	Mia.	Fr.
Defizit 2006:	1,6	Mia.	Fr.
Defizit kumuliert:	9,3	Mia.	Fr.
Die IV-Schulden werden dem AHVFonds belastet und gefährden somit
mittelfristig die AHV-Renten.Schadensabwicklung besser koordiniert
und die Eingliederung beschleunigt. Letzt­
lich werden so auch die Gesamtkosten
gesenkt.Paradigmawechsel
Diese verstärkte Zusammenarbeit wird
von allen Beteiligten eine radikale Ände­
rung der Einstellung erfordern. Heute er­
folgen über 90 Prozent der Anmeldungen
wegen Krankheit erst nach Ablauf eines
Jahres – also dann, wenn der Arbeitsplatz
längt verloren ist. Leider stellen die IV-Stel­
len – trotz Abkommen mit den Erstversi­
cherern – in der Praxis noch keine signi­
fikante Veränderung hin zu früheren An­
meldungen fest. Das mag einerseits daran
liegen, dass man der IV-Anmeldung nicht
ansieht, wer sie allenfalls veranlasst hat,
weil die IV-Anmeldung immer durch die
versicherte Person selbst einzureichen ist.
Andererseits verfügen Nichterwerbstätige
und ein Viertel der Erwerbstätigen über
keine Krankentaggeldversicherung.
Früherfassung und Frühintervention sol­
len nach der 5. IVG-Revision schon nach
einem Monat Arbeitsunfähigkeit einset­
zen und haben das Ziel, den Arbeitsplatz
der Betroffenen zu erhalten oder ihnen
rasch einen passenden zu vermitteln. Die
Massnahmen der Frühintervention sind
unter anderem die Anpassung des Arbeits­
platzes, Ausbildungskurse, Arbeitsvermitt­
lung, Berufsberatung, sozialberufliche Re­
habilitation und Beschäftigungsmassnah­
men. Damit die IV-Stelle schnell handeln
kann, hat der Gesetzgeber eine Liste von
Beteiligten erstellt, die die entsprechende
Meldung machen können. Darunter fallen
die Krankentaggeldversicherer nach KVG
und VVG.2 Diese Meldung ist nicht die
IV-Anmeldung. Die IV-Anmeldung kann
nach wie vor nur durch die versicherte
Person eingereicht werden. Weiter haben
die Krankentaggeldversicherer zwar ein
Melderecht, aber keine Meldepflicht. Den­
noch ist die Regelung von der Meldepflichtim UVG inspiriert worden. Der UVG-Ver­
sicherer kennt allfällige Probleme bei der
Rückkehr zur Arbeit früh (oder sicher frü­
her) und kann auch die Behandlung be­
einflussen. Die Unfallmeldung nach spä­
testens drei Tagen ist eine Selbstverständ­
lichkeit für den Verunfallten wie für den
Arbeitgeber. Es gibt keine analoge Melde­
pflicht im Krankheitsfall. Aus Sicht der IV
ist dies gravierend, denn 80 Prozent der
Renten werden aufgrund von Krankheit
zugesprochen.Wichtige neue Leistungen für
Aufgrund der Rechtsprechung ist es heute
nicht erlaubt, sozialberufliche Massnah­
men zulasten der Versicherung durchzu­
führen. Somit fehlen heute der IV Einglie­
derungsinstrumente, die speziell auf Per­
sonen mit psychisch bedingter Einschrän­
kung der Arbeitsfähigkeit zugeschnitten
sind. Die Revision sieht neue Integrations­
massnahmen für diese Personengruppe
vor. Ziel der Integrationsmassnahmen ist
der Aufbau der Eingliederungsfähigkeit
durch schrittweise Erhöhung der Belast­
Weil dies die Gruppe derjenigen Versicher­
ten ist, die zur Erhöhung der Rentenquote
massgeblich beigetragen haben, sind die­se
Leistungen für die Sanierung unabding­
bar. Praktiker erachten die sozialberuf­
lichen Massnahmen als dringend notwen­
dig. Gerade bei den psychisch Behinder­
ten ist der Gesundheitszustand nicht für
alle Zeiten gleich.
Schon eine Teilrente anstelle einer ganzen
Rente ist für die versicherte Person wie
für die Versicherung ein Gewinn. Die be­
rufliche Integration führt auch zu einer
besseren sozialen Integration: Vor diesem
Hintergrund erscheint es einigermassen
verwunderlich, dass Behindertenorga­
nisationen die 5. IVG-Revision mit dem
Argument des Leistungsabbaus bekämp­
fen.SCHWERPUNKT	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Medizinische Massnahmen
nach IVG nur noch bis zum
20. LebensjahrAnreize für Arbeitgeber
Die Revision sieht Einarbeitungszuschüsse
in Form von Taggeldern und eine Entschä­
digung für allfällige Beitragserhöhungen
bei der beruflichen Vorsorge oder der
Krankentaggeldversicherung vor. Die Ar­
beitgeber sind im Rahmen des Zumutba­
ren zur Zusammenarbeit mit der IV-Stelle
verpflichtet.4Auswirkungen auf
den iiz-plus-Vertrag
Inhaltlich hat der Vertrag der Revision
vorgegriffen, denn aktuell fehlt auf Ge­
setzesstufe eine Regelung der systema­
Foto: PrismaDer Bundesrat hatte die Absicht, die me­
dizinischen Massnahmen zur beruflichen
Eingliederung in das Leistungssystem der
Krankenversicherung zu «überführen»: Seit
der Einführung des KV-Obligatoriums sei
dieses Risiko für die gesamte Bevölkerung
versichert.3 Das Parlament entschied sich
dafür, diese Leistungspflicht nach Art. 12
IVG zu erhalten, jedoch nur bis zum voll­
endeten 20. Lebensjahr. Aus Sicht der
Krankenversicherer bedeutet dies, dass
nur die medizinischen Massnahmen für
Personen nach dem vollendeten 20. Le­
bensjahr überführt und sich finanziell zu
Buche schlagen werden. Die ersatzlose
Aufhebung von Art. 12 IVG hätte für dieIV Einsparungen von ca. 50 Mio. Franken
gebracht. Welche Einsparungen der jetzige
Kompromiss erlaubt, ist nicht bekannt.tischen Zusammenarbeit der Versicherer
untereinander. Das ATSG regelt zwar die
Leistungskoordination, nicht aber die Ver­
fahrenskoordination. Die IV ist als Zweit­
versicherung auf Hinweise der Erstversi­
cherer oder auf die Anmeldung des Versi­
cherten selbst angewiesen, die momentan
in über 90 Prozent der Fälle nach zwölf
Monaten erfolgt. Diesen Mangel haben
die Versicherungsträger erkannt und ih­
ren Möglichkeiten entsprechend gehan­
delt: Es bestehen Zusammenarbeitsver­
träge zwischen den Versicherungsträgern
in den Bereichen IV-UV und IV-KTGV.
Ein Beitritt ist bei solchen Verbandsver­
trägen jedoch freiwillig. Solange die Zu­
sammenarbeit der verschiedenen Versi­
cherungsträger aber auf freiwilliger Ba­
sis beruht, bleibt das Risiko, dass die IV
als Zweitversicherung zu spät eingeschal­
tet wird. Der Arbeitsplatz ist dann schon
verloren. Die aktuelle Form der interins­
titutionellen Zusammenarbeit hat gewich­
tige Nachteile: Sie bedingt teilweise das
Einholen einer Vollmacht des Versicher­
ten, die Aufgabenkoordination ist unge­
nügend und der Informationsfluss ist er­
schwert. Der gesetzlich vorgesehene ver­
einfachte Datenaustausch der Sozialversi­
cherer untereinander5 gelangt nämlich bei
der Zusammenarbeit einer IV-Stelle mit
einem Krankentaggeldversicherer nach
VVG nicht zur Anwendung.
Eine klar gesetzlich geregelte Ausrichtung
auf die verbleibende Arbeitsfähigkeit und
die Rückkehr an den Arbeitsplatz hat un­
gleich stärkere Auswirkungen. Eine ge­
setzliche Verankerung dieser Melderechte
hat den Vorteil, dass die Bestimmungen
beim Konsultieren der verschiedenen Ge­
setze rasch gefunden würden. Denn ob­
wohl die Verträge und die dazugehörigen
Hilfsformulare auf dem Internet publiziert
sind (www.iiz-plus.ch), stellt man in der
Praxis immer wieder fest, dass sie nicht
(so) bekannt sind.
Übrigens: Mit der 5. IVG Revision wird der
iiz-plus-Vertrag überarbeitet. Eine Arbeits­
gruppe der Dachverbände arbeitet bereits
an der neuen Version.
Corinne Zbären-Lutz, Geschäftsführerin
IV-Stellen-Konferenz, Luzern	BBl 2006, S. 8313ff
Art. 3b Abs. 2 lit. e und f nIVG
BBl 2005, S. 4541
Art. 18a, Art. 18, Art. 7c nIVG
Art. 31 Abs. 2 ATSG
2Mit der 5. IV-Revision wird nicht nur gespart, sondern auch investiert –
vor allem in die Reintegration.	SCHWERPUNKT	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Im Gespräch: Markus Abderhalden, Leiter Taggeld-Leistungen bei Swica«Man kann nicht von einer wirklichen
Zusammenarbeit reden»
Markus Abderhalden kennt die Koordinationsprobleme mit der Unfallversicherung aus der täglichen Praxis. Der
Leiter Taggeld-Leistungen bei Swica berichtet, wie er selber mit den Unfallversicherern zusammenarbeitet und
nennt Möglichkeiten, wie die Zusammenarbeit unter den Kostenträgern verbessert werden kann.infosantésuisse: In welchen Bereichen
sehen Sie die grössten Berührungspunkte
zwischen der Kranken- und der Unfallversicherung?
Markus Abderhalden: Der wichtigste Be­
rührungspunkt ist die Abgrenzung der
Leistungen: Wer übernimmt was? Das ist
oftmals sehr komplex, aus medizinischer
und aus juristischer Sicht. Klassische Un­
fälle bieten kaum Probleme. Schwieriger
wird es bei unfallähnlichen Körperschädi­
gungen und bei Berufskrankheiten.
Was genau sind unfallähnliche Körperschädigungen?
In der Verordnung zur Unfallversicherung
ist eine Reihe von Leiden aufgeführt, für
die es keine «aussergewöhnliche äussere
Einwirkung» braucht, damit sie als Unfall
gelten (siehe Kasten). Es braucht gemäss
Rechtsprechung lediglich ein «sinnfälliges
Ereignis». Bekanntestes Beispiel für eine
solche unfallähnliche Körperschädigung
ist der Meniskusriss. Das «sinnfällige Ereig­
nis» kann hier ein Misstritt auf der Treppe
sein – also keine «aussergewöhnliche äus­
sere Einwirkung», wie sie das Gesetz nor­
malerweise vorschreibt. Alle anderen Be­
dingungen an einen Unfall müssen aber
erfüllt sein. Die Unfallversicherung über­
nimmt also keinen Meniskusriss, der auf
eine Erkrankung zurückzuführen ist.Unfallähnliche Ereignisse
(Art. 9 UVV)
Unfallähnliche Ereignisse sind mög­
lich bei: Knochenbrüchen, Verren­
kungen von Gelenken, Meniskusris­
sen, Muskelrissen, Muskelzerrungen,
Sehnenrissen, Bandläsionen, Trom­
melfellverletzungen.Haben Sie konkrete Beispiele? Was für
Fälle sind vor allem strittig?
Am besten kann ich das an den Kno­
chenbrüchen illustrieren. Die Fragen lau­
ten etwa: Ist der Bruch durch einen Un­
fall entstanden? Handelt es sich um ei­
nen Ermüdungsbruch? Wenn ja, ist er ein
unfallähnliches Ereignis? Oder ist er auf
eine Krankheit wie Osteoporose zurück­
zuführen? Auch gewisse Schulterleiden
und Muskelrisse geben immer wieder An­
lass zu Diskussionen. Das Alter der Ver­
sicherten spielt hier eine gewisse Rolle:
Bei Menschen über 50 sind solche Lei­
den in der Regel auf eine Krankheit zu­
rückzuführen.sung. Mit externen Unfallversicherern wird
es schwieriger. Dort ist die Koordination
heute viel zu wenig ausgeprägt. Schwie­
rig wird es insbesondere dann, wenn die
Unfallversicherer nach lang dauernden Ar­
beitsunfähigkeiten plötzlich mit dem Un­
fall abschliessen, weil ihrer Ansicht nach
keine Unfallfolgen mehr vorliegen. Trotz­
dem bleibt der Versicherte arbeitsunfähig
– häufig aus psychischen Gründen. Dann
bezieht er im schlechtesten Fall während
zwei Jahren Taggelder.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus der Pra­
xis: Zwei Jahre nach dem Unfall schliesst
die Unfallversicherung einen Fall ab, der
Betroffene meldet sich bei der Taggeld­
versicherung. Im Dossier des Unfallver­
sicherers steht, dass die Chronifizierung
längst eingetreten ist. Der Versicherte
wurde wiederholt begutachtet. Es wur­
den auch Versuche zur Rehabilitation un­
ternommen – ohne Erfolg. Ein Rechtsan­
walt ist bereits involviert, weil der Unfall­
versicherer schon einmal versuchte, den
Fall abzuschliessen. Man hatte also be­
reits zu einem früheren Zeitpunkt den Ein­
druck, dass in diesem Fall krankheitsbe­
dingte Komponenten im Spiel sind. Trotz­
dem sind wir erst nach dem definitiven
Abschluss durch die Unfallversicherung
Was uns bleibt: Ein Versicherter mit einem
stark chronifizierten Beschwerdebild, der
kaum wieder in den Arbeitsprozess einge­
gliedert werden kann. Selbstverständlich
werden wir alles probieren – aber uns ist
durch die fehlende Information viel Zeit
verloren gegangen.Wie regeln Sie strittige Fälle mit den Unfallversicherern?
Innerhalb unserer Unternehmung, die
beides anbietet, funktioniert das gut. Wir
sitzen zusammen und suchen eine Lö­In dem Fall war es klar, dass dieser Versicherte zumindest vorläufig bei Ihnen
bleibt. Wie machen Sie es, wenn diese
Klarheit nicht gegeben ist? Wie werden
dann Einigungen erzielt?Welcher Art sind die Uneinigkeiten oder
Missverständnisse mit den Unfallversicherern, und worauf gründen sie?
Es geht meistens um die Frage, ob die
Unfall- oder die Krankenversicherung zu­
ständig ist. Schlussendlich ist dies nicht
ein medizinischer, sondern ein juristischer
Entscheid. Das letzte Wort liegt also beim
Richter. Grundsätzlich sind die Versiche­
rer nach KVG verpflichtet, in solchen Fäl­
len Vorleistungen zu erbringen. Für die
Taggeldversicherung nach VVG gibt es
keine entsprechende gesetzliche Rege­
lung, sondern ein Abkommen zwischen
santésuisse, der Suva und dem Schweize­
rischen Versicherungsverband.«Die Zuständigkeitsdiskussionen dürfen
auf keinen Fall auf dem Rücken der
Versicherten ausgetragen werden.»SCHWERPUNKT	Foto: Peter Kraftinfosantésuisse Nr. 5, Mai 2007kenversicherer verpflichtet, Vorleistungen
zu erbringen und die Leistungen für ab­
gelehnte Unfälle zu übernehmen. Wenn
der Krankenversicherer mit einem Ent­
scheid des Unfallversicherers nicht ein­
verstanden ist, muss er auch in der OKP
den Rechtsweg beschreiten. Diese Zustän­
digkeitsdiskussionen dürfen aber auf kei­
nen Fall auf dem Rücken des Versicher­
ten ausgetragen werden. Deshalb gibt es
ja die Vorleistungspflicht der Versicherer
nach KVG: Die Versicherten erhalten ihre
Leistungen, und die Diskussionen laufen
Mit der IV besteht der iiz-plus-Vertrag.
Würden Sie eine ähnliche Lösung auch
für die Unfallversicherung begrüssen?
Sehr sogar. Es kann nicht sein, dass wir
nach zwei Jahren von einem Fall Kennt­
nis bekommen, den wir übernehmen und
bei dem es inzwischen aussichtslos ist,
etwas zu machen. Mit einem Abkommen
wie dem iiz-plus wären wir in der Lage,
gemeinsam an der Wiedereingliederung
dieser Leute zu arbeiten.
Gerade in der Taggeldversicherung sind
Case Manager von grosser Bedeutung. Was
halten Sie von gemeinsamen Case Managern von verschiedenen Sozialversicherungen?«Es kommt auf das Musikgehör jedes einzelnen an.»Wie gesagt: Bei externen Unfallversiche­
rungen bekommen wir erst Kenntnis von
den Fällen, wenn bereits eine Verfügung
über den Fallabschluss erlassen ist. Dann
bleibt uns nichts anderes, als im KVG-Be­
reich eine Einsprache gegen den Entscheid
des Unfallversicherers einzulegen.
Sie bestreiten also einfach den Rechtsweg?
Wir haben gar keine andere Möglichkeit
mehr, denn zu diesem Zeitpunkt ist es zu
spät, um noch zusammen zu sitzen.
Sie haben die mangelnde Koordination angesprochen. Was müsste besser werden?
Wir treten an Mitarbeiter von Unfallversi­
cherern heran und bitten sie, uns Kennt­nis zu geben von Fällen, bei denen sich
eine Ablehnung abzeichnet. Auf Sachbe­
arbeiterebene ist uns das punktuell zwar
gelungen – aber nicht bei allen Mitarbei­
tern der Unfallversicherungen stossen wir
damit auf Anklang. Es gibt keine Abkom­
men diesbezüglich, und deshalb kommt
es auf das Musikgehör eines jeden ein­
zelnen an.
Unterscheidet sich die Zusammenarbeit
mit der Unfallversicherung im Taggeldbereich und im übrigen KVG-Bereich?
Mit den anderen Unfallversicherern kann
im Bereich der obligatorischen Kranken­
pflege-Grundversicherung nach KVG nicht
von einer wirklichen Zusammenarbeit ge­
sprochen werden. Auch hier sind die Kran­«Es kann nicht sein, dass wir nach
zwei Jahren von einem Fall Kenntnis
bekommen, den wir übernehmen und
Die Case Manager unserer Unterneh­
mung arbeiten bereits heute systemüber­
greifend, indem sie im konkreten Fall das
Gespräch mit allen Beteiligten suchen, um
die Wiedereingliederung zu koordinieren.
Die Idee von gemeinsamen Case Mana­
gern von verschiedenen Sozialversiche­
rungen, eine Art Case-Manager-Pool, stelle
ich wegen der unterschiedlichen Hand­
lungszyklen der Versicherungen und der
Führungsproblematik in Frage: Wer hat
schlussendlich im Einzelfall das Sagen?
Wer führt diese Case Manager? Auch in­
nerhalb der Sozialversicherungen gibt es
verschiedene Interessen. Ich sehe deshalb
den Weg eher in einem Abkommen mit
der Unfallversicherung, ähnlich dem iizplus. Interview: Peter Kraft10	SCHWERPUNKT	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Im Gespräch: Yves Rossier, Direktor des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV)«Die Koordination findet
auf dem Terrain statt»
Yves Rossier, der Direktor des BSV, kennt die Koordinationsprobleme zwischen den verschiedenen
Sozialversicherungen und deren Auswirkungen. Er stellt aber klar: Die Zusammenarbeit zwischen den
verschiedenen Stellen geschieht in der Praxis, auf dem Feld – und nicht auf der Ebene der Bundesämter.infosantésuisse: Was sind die wichtigsten
Berührungspunkte zwischen der Krankenversicherung und den anderen Sozialversicherungen?
Yves Rossier: Es gibt viele Berührungs­
punkte, wobei keiner von ihnen absolut
zentral ist. Die Pflegefinanzierung hat Aus­
wirkungen auf die Ergänzungsleistungen.
Die Frage der medizinischen Massnahmen
in der IV wird in der vorliegenden Revi­
sion neu geregelt. Die Koordination mit
der EU ist beim BSV angesiedelt, auch für
die Krankenversicherung. Da hätte eine
Aufteilung keinen Sinn gemacht. Ein wich­
tiges Element ist auch der iiz-plus-Vertrag.
Aus meiner Sicht sind die Berührungs­
punkte beispielsweise zwischen der ers­
ten und der zweiten Säule oder zwischen
der IV und der Arbeitslosenversicherung
weitaus grösser als zwischen der Kran­
kenversicherung und den anderen Sozi­
alversicherungen.
Wie hat sich der Wechsel der Krankenversicherung vom BSV ins BAG auf die Koordination der Krankenversicherung mit
den anderen Sozialversicherungen ausgewirkt?«Die IV soll ihre Leistungen zur
Reintegration bereits anbieten
können, wenn noch Krankentaggelder
ausbezahlt werden.»
Das ist für mich schwierig zu sagen. Ich
habe mein Amt erst nach der Umstruktu­
rierung angetreten. Ich würde aber sagen,
sie hat kaum einen Einfluss auf die Ko­
ordination gehabt. Die Krankenversiche­
rung ist ja nur in ein anderes Bundesamt
gewechselt und nicht in ein anderes De­
partement. Die Idee dahinter war wohl
mehr, die politische Gewichtung ein we­nig auszugleichen. Das BSV hatte mit allen
Sozialversicherungen inklusive der Kran­
kenversicherung viele Bereiche, die ge­
setzgeberisch sehr intensiv sind. Zudem
war die Krankenversicherung schon im
BSV etwas getrennt von den anderen Ver­
sicherungen, weil sie sehr viele Besonder­
heiten hat. Insofern sollte man diese Ver­
schiebung nicht überbewerten. Wenn Syn­
ergien (und der Wille sie zu nutzen) vor­
handen sind, dann findet man sie, auch
zwischen zwei Bundesämtern.
Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen
BSV und BAG?
So stark sind die Berührungspunkte
nicht. Natürlich reden wir miteinander,
wo es Sinn macht. Der Austausch ist nicht
schwieriger geworden im Vergleich zu der
Zeit, als die Krankenversicherung noch
im BSV war.
Welche Rolle können die Krankenversicherer (Krankentaggeldversicherer) bei
der Früherfassung und Frühintervention
der IV spielen?
Wichtigster Punkt ist die iiz-plus-Verein­
barung. Wenn sich die Krankenversicherer
danach richten, kann die IV viel schneller
intervenieren, wenn eine Person krankge­
schrieben wird. Das Ziel einer solchen Ver­
einbarung ist, dass die Kräfte von Anfang
an gebündelt werden und die Zusammen­
arbeit intensiviert wird. Die IV soll ihre
Leistungen zur Reintegration bereits an­
bieten können, wenn noch Krankentag­
gelder ausbezahlt werden. Es macht kei­
nen Sinn, bei einer Versicherung abzuwar­
ten, bis der Anspruch an anderer Stelle er­
schöpft ist. Sonst werden die Versicherten
von einer Institution zur nächsten gescho­
ben, und überall beginnt die Prozedur der
Abklärungen von neuem. So geht viel Zeit
und Geld verloren. Ich kann allerdings sa­gen, dass die Koordination zwischen Tag­
geld-Versicherern und IV in einigen Kan­
tonen bereits gut funktioniert.
In den Bereichen IV, UV und KV gibt es
nicht selten Fälle, bei denen eine eindeutige Zuordnung zur zuständigen Versicherung schwierig ist. Haben Sie Übereinkünfte mit dem BAG, wie die Zuteilung
solcher Leistungen vor sich geht?«Die Wahl der Finanzquelle ist eine
Wahl des Kreises der Belasteten,
es ist eine Frage der verschiedenen
Solidaritäten.»
Die Krankenversicherung bezahlt ja keine
Rente, sondern medizinische Leistungen.
Da hat es vorher die Problematik gegeben,
dass die medizinischen Massnahmen von
beiden Versicherungen angeboten wer­
den, auch von der IV. Aber mit der 5. IVGRevision wird dieses Problem ja gelöst.
Es braucht also auf Ebene der Bundesämter
keine Übereinkünfte?
Die Koordination findet in der Praxis statt.
Das Bundesamt arbeitet nicht im Terrain,
sondern die IV-Stellen und die einzel­
nen Krankenversicherer. Mehrfachabklä­
rungen zum Beispiel sind ein Problem der
Zusammenarbeit in der Praxis und nicht
von Abgrenzungen zwischen Bundesäm­
tern. Natürlich braucht es dazu gesetzliche
Richtlinien. Teilweise ist es sogar so, dass
die gesetzlichen Grundlagen die Koordi­
nation erschweren. Die 5. IVG-Revision
wäre diesbezüglich ein grosser Schritt vor­
wärts. Es darf in Zukunft nicht mehr sein,
dass verschiedene Versicherungen Abklä­
rungen mit widersprüchlichen Resultaten
treffen, und am Schluss ist niemand für
den Versicherten zuständig.SCHWERPUNKT	11infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007keine grösseren Schwierigkeiten. Die Kran­
kenversicherer können uns aber gerne mit­
teilen, wo sie noch ein besseres Koordina­
tionspotenzial sehen. Letztlich geht es we­
niger um Koordinationsprobleme, sondern
um die Frage: Wer finanziert die Leistun­
gen? Wird die Finanzquelle über Kopfprä­
mien oder über Steuerbeiträge gespeist?
Die Wahl der Finanzquelle ist eine Wahl
des Kreises der Belasteten, es ist eine Frage
der verschiedenen Solidaritäten. Wenn der
Bundesrat also sagt, die Krankenversiche­schaft funktionieren zentral geführte Sys­
teme einfach schlecht. Zentrale Institutio­
nen kennen nur ein paar wenige Verant­
wortliche zuoberst – für alle anderen sind
ihre Arbeiten nur übertragene Aufgaben. In
unserem System hingegen ist jeder IV-Stel­
len-Leiter für seine IV-Stelle verantwortlich.
Auf Papier ist das vielleicht chaotisch. Trotz­
dem funktioniert unser System besser als
etwa das französische, weil die Verantwort­
lichen in der Praxis eben auch selber Ver­
antwortung tragen. Ich denke auch nicht,Foto: KeystoneZurzeit ist der Vermögensverzehr für ELLeistungen für Heimbewohner nicht einheitlich festgelegt. Sind diesbezüglich Reformen geplant?
Die letzten 40 000 Franken des Vermögens
dürfen nicht angetastet werden. Diese Frei­
grenze ist schweizweit einheitlich. Unter­
schiedlich gelöst ist die Frage, was mit dem
Vermögen darüber geschieht. Ich bin aller­
dings nicht der Meinung, dass das einheit­
lich geregelt werden sollte. Die Kosten zur
Existenzsicherung werden von den Kanto­«Ich denke nicht, dass ein zentrales System eine schlankere Verwaltung hätte.»nen getragen. Also ist es auch richtig, dass
sie entscheiden, wie der Vermögensverzehr
geregelt ist. Im Übrigen halte ich die An­
hebung der Freigrenze für keine gute Idee.
Je höher diese Freigrenze, desto grösser ist
der Schutz der erbrechtlichen Ansprüche.
Und ich denke nicht, dass die sozialstaatli­
che Solidarität zum Zweck haben soll, die
Ansprüche der Erben zu schützen.
Ihr Fazit: Wo besteht in der Koordination
der Krankenversicherung mit den anderen Sozialversicherungen Verbesserungspotenzial?
Den Koordinationsproblemen mit der IV
begegnen wir mit der 5. IV-Revsion und mit
den iiz-plus-Verträgen. Ansonsten sehe ichrung solle nicht noch mehr an die Pflegeleis­
tungen bezahlen, geht es nicht darum, die
Krankenversicherer zu schützen: Es ist ein
sozialpolitischer Entscheid, um die Kopf­
prämien nicht zusätzlich zu belasten. Die
Pflege soll stärker über die Steuern finan­
ziert werden, weil Einkommen und Vermö­
gen in der Regel mit dem Alter steigen.
Wo sehen Sie die grossen Vorteile unseres
doch recht fragmentierten Sozialversicherungssystems?
Die Tatsache, dass das System dezentra­
lisiert ist, ist ganz gewiss ein Vorteil. Für
die Ablehnung der Einheitskasse scheint
mir das das massgebliche Argument ge­
wesen zu sein. In einer komplexen Gesell­dass ein zentrales System eine schlankere
Verwaltung hätte.
Hat das System auch seine Nachteile?
Das System ist immer verbesserungswür­
dig. Reformen sind auch notwendig, weil
die Gesellschaft sich ständig verändert.
Hier wiederum ist ein dezentrales Sys­
tem viel flexibler und anpassungsfähiger.
Das betrifft nicht nur die Sozialversiche­
rung oder die Krankenversicherung, son­
dern es ist ein allgemeiner Grundsatz: Je
mehr die Verantwortungen verteilt werden,
desto effizienter ist das Ergebnis. Natürlich
braucht so ein System viel Koordination,
aber der Preis ist klein gegenüber den Vor­
teilen. Interview: Peter Kraft12	SCHWERPUNKT	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Wie wird die Pflege heute finanziert?Pflegekosten: Krankenversicherung
übernimmt die Heilbehandlungen
Der Ständerat möchte in der Neuordnung der Pflegefinanzierung die Beiträge der obligatorischen Krankenversicherung (OKP) je nach Pflegebedarf in Franken festlegen. Ausserdem sollen Spitex und Pflegeheime gleich finanziertFoto: Prismaund den Anspruch auf Ergänzungsleistungen und Hilflosenentschädigungen erweitert werden. Das ist bekannt.
Doch von welcher Situation geht der Ständerat aus? Wie ist die Pflege heute finanziert? Eine kurze Übersicht.schal nach dem Grad der Hilflosigkeit. Die
Entschädigung beträgt für Heimbewohner
bei mittlerer Hilflosigkeit 538 Franken, bei
schwerer Hilflosigkeit 860 Franken. Die IV
entrichtet auch bei leichter Hilflosigkeit ei­
nen Beitrag, nicht aber die AHV.Ergänzungsleistungen
Wenn Bezüger von AHV- oder IV-Leistun­
gen ihre Krankheits- oder Behinderungs­
kosten mit ihren Renten nicht decken kön­
nen, haben sie Anrecht auf Ergänzungs­
leistungen. Für Personen in einem Heim
werden dabei das Vermögen, alle Ein­
künfte (von den Renten bis zum Eigen­
mietwert) und die nicht gedeckten Pfle­
gekosten verglichen und so der Bedarf an
Ergänzungsleistungen ermittelt. Die Ober­
grenze für die Ergänzungsleistungen liegt
bei 30 900 Franken.2
Kosten für Unterkunft oder Verpflegung fallen nicht in den Bereich
der Grundversicherung.Gemäss KVG vergüten die Kran­
kenversicherer beim Aufenthalt in
einem Pflegeheim «die gleichen
Leistungen wie bei ambulanter Kranken­
pflege und bei Krankenpflege zu Hause».
Das bedeutet, dass die OKP die gesamte
Heilbehandlung, nicht aber die Kosten für
Unterkunft, Verpflegung und Betreuung
in einem Pflegeheim übernimmt. Die oft
gehörte Behauptung, laut Gesetz müsste
die Krankenversicherung sämtliche Kos­
ten eines Heimaufenthalts übernehmen, ist
also falsch. Für die Spitex hingegen sieht
die Verordnung die Leistungspflicht der
Grundversicherung für die Behandlungswie auch für die Grundpflege vor. Ausser­
dem sind die Finanzierungsregeln anders:
Es gelten Stunden- statt Tagestarife. Ein
Spezialfall sind Pflegeleistungen, die we­gen Geburtsgebrechen erbracht werden:
Hier übernimmt die IV bis zum vollen­
deten 20. Lebensjahr die Kosten. Danach
werden die Kosten für die Heilbehandlung
wie in anderen Pflegefällen von der sozia­
len Krankenversicherung getragen.Hilflosenentschädigung
Hilflosenentschädigungen werden an Per­
sonen ausgerichtet, die «wegen der Be­
einträchtigung der Gesundheit für alltäg­
liche Lebensverrichtungen dauernd der
Hilfe Dritter oder der persönlichen Über­
wachung bedürfen»1. Sowohl die AHV als
auch die IV kennen eine Hilflosenent­
schädigung, wobei im Pflegebereich vor
allem die AHV eine Rolle spielt. Sie rich­
tet sich nicht nach den Kosten, die wegen
der Hilflosigkeit anfallen, sondern pau­Private Finanzierung, öffentliche
Hand und informelle Pflege
Wenn die Krankenversicherungsbeiträge,
die AHV-Renten, die Hilflosenentschädi­
gung und die Ergänzungsleistungen nicht
reichen, um die Pflegekosten zu decken,
geht die Differenz zu Lasten der Pflege­
bedürftigen. Erst wenn der Vermögens­
verzehr so weit fortgeschritten ist, dass
nur noch 40 000 Franken übrig bleiben,
springt die öffentliche Hand ein und über­
nimmt die ungedeckten Pflegekosten.
Von grosser Bedeutung ist die unentgelt­
liche Hilfe von Angehörigen und Freun­
den: Ihr Gegenwert wird für 2002 auf über
1,2 Milliarden Franken geschätzt. Zum
Vergleich: Die ausgewiesenen Kosten für
die Pflege betrugen im selber Jahr knapp
sieben Milliarden Franken. Peter Kraft
Art. 3a ELG1
2KRANKENVERSICHERUNG	13infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Der Countdown läuftIn gut einem Jahr läuft
der Zulassungsstopp ausAm 4. Juli 2002 ist der Zulassungsstopp Rückkehr zum Status quo ante
sind. EU-Ärzte, die direkt in die Schweiz
für ambulante Leistungserbringer im Rah­ ist keine Option
für die Eröffnung einer Arztpraxis kom­
men der obligatorischen Krankenpflege­ Soviel zur Geschichtsschreibung. Wie aber men, gibt es höchstens in Fällen mit Un­
versicherung in Kraft getreten. Das Par­ geht es nun weiter? Am 3. August 2008 terversorgung.
lament hat die Massnahme 2005 um drei läuft der Zulassungsstopp aus. Das Parla­ Eine Rückkehr zur früheren Situation be­
Jahre verlängert. Am 3. Juli 2008 läuft die ment hat anlässlich der Debatte über die inhaltet die Gefahr, dass es zu einem un­
so genannte Bedürfnisklausel also aus. Verlängerung der Massnahme im Herbst kontrollierbaren Zuwachs an frei praktizie­
Gestützt auf die Zahlstellennummern 2004 versprochen, dass eine aberma­ renden Ärzten kommen könnte. Denn das
kann in etwa abgeschätzt werden, wie lige Verlängerung des Zulassungsstopps Personenfreizügigkeitsabkommen erlaubt
der Zulassungsstopp gewirkt hat. Die Sta­ nicht zur Diskussion stehe. Ebenso klar es jedem Arzt, der über ein Ärztediplom
tistik des Zahlstellenregisters (ZSR) von ist, dass eine Rückkehr zum Status quo eines EU-Landes verfügt, in der Schweiz
santésuisse zeigt, dass seit 1998 im Jahres­ ante nicht in Frage kommt. Denn gegen­ die Diplomanerkennung zu beantragen.
durchschnitt 820 Zahlstellennummern an über den Ärzten aus der EU hat der Zu­ Diese eröffnet ihm – europaweit einzig­
Ärztinnen und Ärzte neu vergeben wur­ lassungsstopp zweifellos seine Wirkung artig – direkt den Zugang zum Schweizer
den (siehe Grafik). Besonders auffällig ist gezeigt: Bislang konnten die Kantone ge­ Sozialversicherungsmarkt. Es sind deshalb
dabei der Ausschlag im Jahr 2002, als der stützt auf den Zulassungsstopp einem aus­ andere Optionen als die Rückkehr zum
Zulassungsstopp in Kraft trat (+ 1160). Die ländischen Arzt die kantonale Berufsaus­ Status quo ante zu prüfen, welche einer­
Ärzte hatten im Vorfeld der neuen Rege­ übungsbewilligung verweigern. Zwar ge­ seits Chancengleichheit für alle Ärzte ga­
lung einige Monate Zeit, bei den Kantonen hen bereits heute rund ein Viertel aller rantieren, andererseits für den Zugang zur
eine Berufsausübungsbewilligung noch neuen ZSR-Nummern an Ärzte aus der Sozialversicherung eine gewisse Hürde
nach altem Recht zu beantragen. Dies be­ EU, dabei handelt es sich aber vorab um vorsehen. Die Krankenversicherer sind ge­
wirkte eine sehr starke Nachfrage nach Ärzte, die an Schweizer Spitälern tätig sprächsbereit. Peter Marbet
Zahlstellennummern. In der Folge
sank die Zahl der Neuzulassungen
zwar, im vergangenen Jahr stieg sie
Entwicklung der Neuvergabe von
aber wieder über den langjährigen
Zahlstellennummern an Ärzte
Schnitt (862).
Insgesamt sind zwischen dem In­
* 4.7.2002: Der Zulassungsstopp tritt in Kraft
krafttreten des Zulassungsstopps
am 4. Juli 2002 und Ende 2006 3714
neue Zahlstellennummern an Ärzte
vergeben worden. In derselben Zeit
haben 1783 Ärzte ihre Tätigkeit be­
endet, und deren Zahlstellennum­
mern sind sistiert worden. Damit
resultiert ein Nettozuwachs von
1931 Nummern oder – gemessen an
der Gesamtzahl aller aktiven Num­
mern Ende März 2007 – von rund
10 Prozent. Von Kanton zu Kan­
ton variiert der Nettozuwachs von
Null Prozent im Kanton Uri bis zu
21,7 Prozent im steuerfreundlichen
Die Zahl der ZSR-Nummern, die an Ärzte vergeben wird, ist auch nach Inkrafttreten
des Zulassungsstopps hoch geblieben. Im Jahr 2002 liegt sie sogar deutlich höher.Quelle: santésuisseSeit dem Inkrafttreten des Zulassungsstopps hat die Anzahl der Ärzte, die über die Krankenversicherung abrechnen
und im Besitz einer Zahlstellennummer sind, um zehn Prozent zugenommen. Der Zulassungsstopp hat sich im
Inland als schwaches Instrument herausgestellt, gegenüber den EU-Ärzten hat er hingegen zweifellos gewirkt.14	KRANKENVERSICHERUNG	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Drei Fragen an: Didier Juillard, Verantwortlicher für den Kanton Jura von santésuisse«Die somatische Spitalstruktur im
Kanton Jura ist überdimensioniert»
Nimmt man die Einheitskassen-Abstimmung als Gradmesser, ist die Bevölkerung des Kantons Jura gegenüber
den Krankenversicherern kritischer eingestellt als irgendwo sonst in der Schweiz. Kein Wunder: Der Jura ist«Für 70 000 Personen gibt es
drei öffentliche Spitäler.»infosantésuisse: Die Kantone Jura
und Neuenburg haben die Einheitskassen-Initiative als einzige
angenommen. Was hat die Bevölkerung des Jura zum Ja bewogen?
Didier Juillard: Die Kantone der
lateinischen Schweiz sind der In­
itiative generell positiver gegen­
übergestanden als die Deutsch­
schweiz: Der Jastimmen-Anteil
liegt zwischen den beiden Lan­
desteilen um 20 Prozent auseinan­
der. Speziell im Jura haben viele
Patienten und Versicherte Pro­
teststimmen abgegeben. Die Prä­
mienbelastung durch die Grund­
versicherung ist eine der höchs­
ten der Schweiz. Hinzu kommt,
dass das medizinische Angebot
dem eines Randgebiets entspricht.
Das führt dazu, dass die meisten
Jurassier die Zusatzversicherung
«Ganze Schweiz» abschliessen –
eine zusätzliche finanzielle Belas­tung. Darüber hinaus hat der Jura die
höchste Steuerbelastung aller Schweizer
Kantone. Das alles führt dazu, dass die
Belastung durch obligatorische Abgaben
für die Jurassier sehr hoch ist. Entspre­
chend beziehen 40 Prozent der Bevölke­
rung Prämienverbilligung.
Auch die jurassischen Ärzte haben die
Einheitskasse in der Mehrheit befürwor­
tet. Als Einflussfaktor ist das nicht zu un­
terschätzen, weil die Ärzte gegenüber ih­
ren Patienten gerade in Fragen des Ge­
sundheitswesens Meinungsbildner sind.
Der Kanton Jura hat im schweizerischen
Vergleich hohe Prämien – obwohl er die
üblichen Kriterien von Kantonen mit hohen Prämien (urban, hohe Dichte vonLeistungserbringern) nicht aufweist. Was
sind die Gründe dafür?
Zum ersten ist unsere Bevölkerungs­
struktur nicht gerade «kostendämpfend»:
Wir haben zwar einen höheren Kinder­
anteil als der Schweizer Durchschnitt.
Die Altersklasse zwischen 26 und 60 ist
dagegen untervertreten – eine Folge der
Abwanderung in Regionen, wo bessere
Arbeitsplatzchancen winken. Der Anteil
von älteren Menschen ist im Jura dann
wieder grösser als in der Gesamtschweiz
(Grafik 1). Das führt – neben generell ho­
hen Gesundheitsausgaben – dazu, dass
die Dichte von Spitexdiensten und Pflege­
heimen hoch ist, mit den entsprechenden
Kostenfolgen. Der Vergleich der Pflege­
kosten mit anderen ländlichen KantonenGrafik 1: Bevölkerungsanteil in % nach Altersgruppen
4.00CH
JU3.50
0.0019-25 26-30 31-35 36-40 41-45 46-50 51-55 56-60 61-65 66-70 71-75 76-80 81-85 86-90Im Kanton Jura ist der Anteil der älteren Bevölkerung markant höher
als in der Restschweiz.91+Quelle: BfSFoto: Peter Kraftgebeutelt von hohen Prämien – ohne die Infrastruktur und Leistungserbringerdichte eines Stadtkantons als
Gegenwert. Ein schweres Terrain also für den lokalen santésuisse-Verantwortlichen Didier Juillard. Er nennt die
Gründe für die heikle gesundheitspolitische Lage im Jura.15KRANKENVERSICHERUNG	700600
Spital stationär5004003002001000
CHJUAIOWVSDie Spital- und Pflegekosten sind im Kanton Jura markant höher als in anderen
ländlichen Kantonen.CHNWSZZGURAIOWBEZHGRAGLUTGARGLVDVSGEFRSOBLSHSGTINEBSbeweist das (Grafik 2). Die Ärztedichte sich die Feststellung der OECD im Klei­
im Kanton Jura ist gering – so gering al­ nen: Die ökonomische Lage hat grossen
lerdings, dass die Patienten oft gezwun­ Einfluss auf den Gesundheitszustand der
gen sind, direkt das Spital aufzusuchen. Menschen.
Im Gegensatz dazu ist die Spitalstruktur
in unserem Kanton überdimensioniert. An welchen Lösungen arbeiten die VerFür eine Bevölkerung von 70 000 Per­ tragspartner, an welchen die jurassischen
sonen gibt es drei öffentliche Spitäler. Kantonsbehörden?
Zwar hat die Regierung die Spitäler un­ Wir legen den Akzent auf eine Anpas­
ter einer gemeinsamen Trägerschaft ver­ sung der Spitalstruktur auf die wirk­
einigt und eine gewisse Aufga­
benteilung vorgenommen. Doch
die Reform wurde durch poli­
Grafik 3: Anteil der IV-Rentenbezüger
tischen Widerstand aus den Re­
nach Kanton und Einwohner in %
gionen, vor allem aus der Ajoie,
gebremst: Die Bevölkerung sorgte
sich um ihr Spital und wohl auch
um die damit verbundenen Ar­
beitsplätze. Gerade im wirtschaft­
lich schwachen Jura wiegt dieses
Argument besonders schwer. Die
ökonomisch schwierige Situation
hat noch weitergehende Auswir­
kungen auf die Gesundheitskos­
ten: Die Krise der 90er-Jahre hat
zu einer bleibenden Zunahme der
Arbeitslosigkeit geführt. Nicht we­
nige dieser Menschen beziehen
nach der Aussteuerung eine IV0.00%
Rente (Grafik 3). Die damit ver­
bundenen Behandlungen und Un­
tersuchungen gehen aber zulasten
des KVG. Im Kanton Jura zeigt
Nach Basel-Stadt hat der Kanton Jura die höchste IV-Bezügerquote aller Kantone.Quelle: BfSlichen Bedürfnisse. Bisher sind
wir dort auf grossen Widerstand,
vor allem emotionaler Art, gestos­
sen. Mit der neuen Kantonsregie­
rung scheint sich dies allerdings
zu bessern. Sie scheint das Pro­
blem ernst zu nehmen, vor allem
nach den Parlamentsbeschlüssen
vom vergangenen März: Die freie
Spitalwahl in der ganzen Schweiz
ist für die jurassische Bevölkerung
eine Entlastung. Für den finanz­
schwachen Kanton Jura allerdings
heisst das, dass er nicht die über­
dimensionierte Spitalstruktur und
die Aufenthalte von Patienten in
ausserkantonalen Spitälern finan­
zieren kann. Also braucht es Lö­
sungen. Bereits sind mit den Kan­
tonen Basel-Stadt und Bern Ge­
spräche über eine Zusammenar­
beit im Spitalbereich im Gang.
Von den Tarifpartnern machen uns
die Spitäler die grössten Sorgen: Im
Gegensatz zu den Ärzten haben
wir mit ihnen noch immer keine Einigung
darüber, wie es im ambulanten Bereich
nach der Leistungs- und Kostenvereinba­
rung von TARMED weitergeht. Ausser­
dem sind die Akutspitäler des Jura in ihrer
Kategorie die teuersten der Schweiz. Auf
2007 konnten wir die stationären Tarife
aber immerhin um zehn Prozent senken. Interview: Peter KraftGrafik 2: Pflege- und Spitalkosten pro Versicherten/Jahr im
Kanton Jura und in anderen ländlichen Kantonen (2005)
Kantonale und ausserkantonale KostenJUQuelle: santésuisseinfosantésuisse Nr. 5, Mai 200716	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Forschungsprojekt 49 des Nationalfonds zur Antibiotikaresistenz (NFP 49)Aufmarsch der
Panzerbakterien
Der ganze Körper ist von den krankmachenden Bakterien befreit.
Der ganze Körper? Nein! Ein von unbeugsamen Erregern bevölkerter
Krankheitsherd hört nicht auf, den Antibiotika Widerstand zu leisten.
Doch im Gegensatz zu den allseits beliebten gallischen Dorfbewohnern
haben die widerspenstigen Bakterien Expansionsgelüste. Ein
Forschungsprojekt des Schweizer Nationalfonds hat den Kampf
aufgenommen.Manchmal erleben Bakterien zu­
fällig eine genetische Verän­
derung, die sie widerstandsfä­
hig gegen ein bestimmtes Antibiotikum
macht. Wenn das Medikament zum Ein­
satz kommt, haben sie grosse Überlebens­
vorteile gegenüber ihren «Artgenossen».
Sie können sich weiterhin ungehindert
vermehren, und sie haben sogar noch eine
weitere Möglichkeit, ihre Resistenz wei­
terzugeben: Plasmide sind Gen-Sequen­
zen, die in Bakterienzellen vorkommen,
ohne zum Zellkern zu gehören. Manche
dieser Plasmide lösen bei den Bakterien
eine Vorstufe einer sexuellen Handlung
aus – die so genannte Konjugation. Dabei
entsteht eine Art Brücke zwischen zwei
Bakterien, und das Plasmid wird von ei­
ner Bakterie auf die andere übertragen.Staphylococcus aureus
Diese Bakterien kommen beim Men­
schen häufig auf der Haut und in den
Schleimhäuten vor. Findet der Erre­
ger günstige Bedingungen wie ein ge­
schwächtes Immunsystem vor, kann er
Hautreizungen und Geschwüre, aber
auch schwere Krankheiten wie Lungenoder Hirnhautentzündung verursachen.
Staphylococcus aureus hat nun einige
Stämme entwickelt, die gegen den Wirk­
stoff Methicillin resistent sind. Damit
sind sie auch immun gegen alle BetaLactam-Antibiotika, die wiederum einen
Grossteil aller erhältlichen Antibiotika
ausmachen. Eine Behandlung dieser so
genannten MRSA-Bakterien ist deshalb
enorm schwierig.Wenn das Plasmid eine Antibiotikaresi­
tenz trägt, ist das zweite Bakterium nun
auch damit «angesteckt».
Es gibt mehrere Arten von AntiobiotikaResistenzen: Die Bakterien können ein Ei­
weiss bilden, welches das Antibiotikum
neutralisiert, sie können ihre Zellstruktur
so verändern, dass das Antibiotikum kei­
nen Angriffspunkt mehr findet, oder sie
können den Stoffwechselschritt, den das
Antibiotikum stören soll, durch einen an­
deren ersetzen.Globales Problem
Mit den Antibiotika verbreiten sich auch
die Resistenzen, und zwar auf der ganzen
Welt. Einige Bakterienarten wie etwa Sta­
phylococcus aureus (siehe Kasten) haben
Stämme entwickelt, die nicht nur einem,
sondern den meisten Antibiotika die lange
Nase zeigen. Weil Antibiotika auch in der
Nutztierhaltung zum Einsatz kommen,
können resistente Erreger über den Dung,
aber auch über die Nahrungsmittel ver­
breitet werden. Schon seit einiger Zeit ist
bekannt, dass sich Antiobiotikaresistenzen
exponentiell ausbreiten: Zuerst langsam,
später aber sehr schnell. Handeln ist also
angesagt, wenn das Problem noch schein­
bar unbedeutend ist. Deshalb hat die Welt­
gesundheitsorganisation 1998 allen Staa­
ten empfohlen, Konzepte für den Kampf
gegen die widerstandsfähigen «Panzerbak­
terien» zu erarbeiten. Gestützt darauf ver­
abschiedete der Bundesrat im Juni 1999
das Nationale Forschungsprogramm 49
zur Antiobiotikaresistenz. Der National­
fond erhielt dafür 12 Millionen Franken
über fünf Jahre verteilt.Führendes Überwachungssystem
Heute liegen die Resultate des NFP 49 vor.
Wichtigstes Ergebnis ist der Aufbau eines
bereits funktionierenden Überwachungs­
systems: Seit kurzem liefert das an der Uni
Bern angesiedelte SEARCH erste Daten
über die Resistenzsituation in der Schweiz.
Sie lassen darauf schliessen, dass jedes
Jahr 80 Menschen wegen der «Panzerbak­
terien» sterben. Alleine die MRSA-Bakte­
rien (siehe Kasten) verursachen heute Kos­
ten von 14 Millionen Franken pro Jahr. In
acht Jahren dürfte es zehnmal so viel sein,
wenn keine Massnahmen ergriffen wer­
den, sagt die SEARCH-Projektleiterin Ka­
thrin Mühlemann. Trotzdem ist die Re­
sistenzsituation in der Schweiz noch ver­
gleichsweise günstig: Andere Länder ha­
ben viel grössere Probleme. Trotzdem, so
Kathrin Mühlemann, müsse man rasch
handeln, bevor die exponentielle Ver­
breitung der resistenten Bakterien ihrenGESUNDHEITSWESEN	17Foto: Keystoneinfosantésuisse Nr. 5, Mai 2007ins Erdreich, werden von dort ausgewa­
schen und erreichen sogar das Grund­
wasser: Spuren von Antibiotikaresten
wurden dort vom Nationalfonds iden­
tifiziert. Die Konzentrationen sind zwar
so klein, dass nicht klar ist, ob sie zu ei­
ner Verbreitung von resistenten Keimen
beitragen können. Trotzdem empfiehlt
der Nationalfonds, an Orten mit starker
Abschwemmung möglichst wenig Gülle
auszubringen.Antibiotika in den meisten Flüssen
Vom Menschen ausgeschiedene Medika­
mente fliessen mit dem Abwasser in die
Oberflächengewässer. In vielen Schwei­
zer Flüssen sind Antibiotika nachweisbar
– wenn auch nur in meist geringer Kon­
zentration. Grund dafür ist, dass die Me­
dikamenten-Rückstände in den Abwäs­
sern von den Kläranlagen nur ungenü­
gend neutralisiert werden. Der National­
fonds schlägt deshalb vor, das Abwasser
mit Ozon zu behandeln, weil diese Me­
thode die meisten Antiobiotika-Reste ent­
fernt. Nötig wäre dies insbesondere bei
Kläranlagen, die Spitalabwässer aufneh­
men: Erwartungsgemäss ist dort die Anti­
biotika-Konzentration am höchsten.
Die Bakterie Staphylococcus aureus kann Lungen- oder Hirnhautentzündungen
hervorrufen. Sie hat einige Stämme entwickelt, die gegen die meisten
Antibiotika restistent sind.rasanten Lauf nimmt. In der Datenbank
von SEARCH laufen die Messresultate von
22 klinischen Mikrobiologie-Labors zu­
sammen. SEARCH deckt damit 80 Pro­
zent der Spitaltage und 30 Prozent der
praktizierenden Ärzte ab. Damit sind die
Messungen nicht nur repräsentativ, son­
dern gelten als weltweit führend. Sie lie­
fern eine gute Grundlage, um bei nega­
tiven Entwicklungen rechtzeitig Massnah­
men einzuleiten.Resistenz in Landwirtschaft
Seit 2006 werden Geflügel, Schweine und
Rinder in der Schweiz auf antibiotikare­
sistente Keime getestet. Von jeder Tier­
art werden pro Jahr mehr als 100 Proben
auf Schlachthöfen genommen, dazu Pro­
ben von schon im Verkauf befindlichem
Fleisch. Das Ergebnis: Es wurden zwar
Bakterien gefunden, die gegen ältereWirkstoffe resistent sind, aber nur sehr
wenige, bei denen auch moderne Antibi­
otika nichts ausrichten können. Eine wei­
tere Teilstudie des NFP 49 hat aufgezeigt,
dass bei tiergerechter Haltung der Antibi­
otikaverbrauch und damit auch die Resis­
tenzen deutlich tiefer liegen. In der kon­
ventionellen Landwirtschaft wird zudem
die Milch der Kühe, die Antibiotika erhal­
ten, an Kälber und Schweine verfüttert.
Schliesslich untersuchte das NFP 49 auch
die landwirtschaftlichen Produkte. In 40
bis 60 Prozent der getesteten Wurst- und
Käseproben wurden resistente Keime ge­
funden. Der Nationalfonds empfiehlt des­
halb, den Gehalt an solchen Bakterien
für gewisse Lebensmittel zu einem Qua­
litätskriterium mit Deklarationspflicht zu
Antibiotika, die den Nutztieren verab­
reicht werden, kommen via Gülle oder
Mist wieder in die Umwelt. Sie gelangenWichtigste Empfehlung:
Überwachung fortführen
Die Schweiz steht in Sachen Antibiotika­
resistenz also noch vergleichsweise gut
da. Das kann sich aber, wie gesehen,
sehr schnell ändern. Deshalb empfiehlt
der Nationalfonds dringend, die Über­
wachungssysteme in Human- und Veteri­
närmedizin sowie in Umwelt und Gewäs­
sern beizubehalten. Sie sollen in einem
Nationalen Antibiotikaresistenzzentrum
(NARC) zusammengefasst werden. Das
NARC würde neben den Analysen auch
Handlungsrichtlinien im Falle von nega­
tiven Entwicklungen herausgeben. Ge­
nerell würde es als Informations- und
Beratungsplattform zum Thema dienen.
Ab 2008 kann das SEARCH-Projekt nicht
mehr mit Nationalfonds-Mitteln finanziert
werden. Die Schätzungen für das NARC
liegen bei einem Bedarf von 700 000 Fran­
ken pro Jahr. Je 150 000 Franken wollen
das BAG und das Inselspital übernehmen.
Um die restlichen 400 000 Franken sicher­
zustellen, ist der Nationalfonds mit den
Kantonen, Spitälern und verschiedenen
Sponsoren in Kontakt. Peter Kraft18	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Obsan-Studie «Offre et recours aux soins médicaux ambulatoires en Suisse»Die ärztliche Versorgung ist (noch) in
allen Regionen der Schweiz gewährleistet
Das schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) in Neuenburg hat anhand der Daten aus dem
santésuisse-Datenpool die ärztliche Versorgung in den einzelnen Regionen der Schweiz umfassend analysiert.
Zurzeit herrscht in keiner Landesregion Unterversorgung. In ländlichen Regionen ist aber die Arbeitsbelastung
der einzelnen Ärzte weitaus höher als in städtischen Gebieten. Auf eine zusätzliche Nachfrage aufgrund der
demografischen Alterung oder auf eine Abnahme des Angebots wegen Praxisschliessungen kann deshalb in
ländlichen Regionen schlechter reagiert werden.Die Studie geht auf zwei Aspekte
der ärztlichen Versorgung – das
Angebot und die Inanspruch­
nahme – ein und klammert die Kosten­
seite bewusst aus. Die emotionalen Ar­
gumente über den angeblichen Haus­
arztmangel in den Randregionen und die
Überversorgung mit Spezialisten in den
Zentren lassen sich mit dieser Studie wis­
senschaftlich belegen oder widerlegen.Vollzeitäquivalente versus
Bis anhin wurde die Ärztedichte in der
Anzahl niedergelassene Ärzte pro Ein­
wohner ausgedrückt. Sinnvoller ist aber
die Berücksichtigung der Beschäfti­
gungsgrade der Ärzte: So kann es durch­
aus vorkommen, dass ein einzelner Arzt
mehr arbeitet als zwei seiner Berufskol­
leginnen. Bereits im Jahr 2005 ist santé­
suisse zusammen mit Vertretern des Ob­
san, des BAG, der FMH und der Kantone
dieser Frage nachgegangen. In der «Un­
tersuchung der ärztlichen Versorgung»wurde eine Methode entwickelt, die es
erlaubt, für jeden einzelnen Arzt anhand
der Anzahl Patienten und der Anzahl
Konsultationen einen Aktivitätsgrad zu
berechnen (siehe auch infosantésuisse
Nr. 1/2, Februar 2006). Mit den Aktivitäts­
graden können die Vollzeitäquivalente
einer Region berechnet werden. Die All­
gemeinmediziner – zu welchen das Ob­
san neben den Allgemeinpraktikern auch
die Allgemeininternisten, die Gruppen­
praxen und die Ärzte ohne Facharzttitel
zählt – haben gesamtschweizerisch ei­
nen Aktivitätsgrad von durchschnittlich
67 Prozent (siehe Tabelle). Dieser Aktivi­
tätsgrad ist in den Zentren mit Universi­
tätsspitälern mit 50 Prozent am tiefsten
und mit 84 Prozent in den sehr länd­
lichen Regionen am höchsten.Noch keine Unterversorgung
– Gefahr besteht in ländlichen
Mit anderen Worten: Die Ärzte in Regi­
onen mit einer tiefen Ärztedichte arbeitenmehr als Ärzte in Regionen, wo es viele
Ärzte gibt. Bei den Vollzeitäquivalenten
sind demzufolge die regionalen Abwei­
chungen vom schweizerischen Mittel­
wert weitaus geringer als bei der klas­
sischen Ärztedichte. Die ärztliche Grund­
versorgung ist somit trotz sehr unter­
schiedlicher Ärztedichte in der ganzen
Schweiz gewährleistet. Allerdings kann
sich die Situation in den Randgebieten
rasch ändern, weil die meisten dort täti­
gen Ärzte bereits vollzeitig tätig sind und
ihre Arbeitsleistung bei einer steigenden
Nachfrage oder einer Praxisschliessung
eines Kollegen nicht noch weiter aus­
bauen können. Bei den Allgemeinme­
dizinern beträgt das Durchschnittsalter
sowohl in städtischen als auch in länd­
lichen Gebieten 53 Jahre. Jüngere Ärzte
scheinen aber eine Niederlassung in städ­
tischen Regionen zu bevorzugen. Dies
kann dazu führen, dass es in ländlichen
Regionen schwierig wird, einen Praxis­
nachfolger zu finden.Urbane und periphere Medizin
Angebot an Allgemeinmedizin im Jahr 2004, nach MS-Regionentypen
AllgemeinmedizinÄrzte/
EinwohnerSchweizVersorgungseinheiten/
EinwohnerAktivitätsgrad der
Ärzte (%)% Frauen% Ärzte
< 41 Jahre% Ärzte
> 60 Jahre9,46,36720101912,76,350251120Metropolräume8,55,868201118Tertiäre Agglomerationen9,16,774181018Industrielle Regionen7,96,68314917Touristische Regionen9,66,97214820Rurale Regionen7,86,68412718Zentren mit UniversitätsspitalQuellen: BFS, santésuisse, FMH; Analyse: ObsanEin Grund für den tieferen Aktivitätsgrad
der Ärzte in den städtischen Regionen ist
der höhere Frauenanteil. Dieser liegt in
den Zentren und Agglomerationen mit
20 bis 25 Prozent markant höher als in
ländlichen Regionen mit nur 12 Prozent.
Ärztinnen arbeiten in der Regel weniger
als ihre männlichen Kollegen. Im Gegen­
satz zum Geschlecht hat das Alter kei­
nen Einfluss auf den Aktivitätsgrad der
Ärzte: So arbeiten ältere Ärzte nicht we­
niger als junge Ärzte.
Die Studie stellt weiter fest, dass es auf
dem Land deutlich weniger FachärzteGESUNDHEITSWESEN	19infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Allgemeinmedizin: Lokalisationsindex, 2003
Nach MS-Regionen
Lokalisationsindex
0,86 – 0,89
< 0,75Analyse: IEFO
Quellen: santésuisse, BFS© BFS, ThemaKart, Neuenburg 2006Der Lokalisationsindex zeigt: Die meisten Behandlungen durch den Hausarzt finden innerhalb der Wohnregion statt.gibt. Besuche bei ausgesprochenen Spe­
zialisten sind nicht so häufig, und des­
halb können auch längere Anfahrtswege
in Kauf genommen werden. Ausserdem
ist bei den chirurgischen Tätigkeiten die
Nähe zu einem Spital notwendig. Gynä­
kologen, Pädiater und Psychiater sind auf
dem Land seltener. Es wird vermutet, dass
ein Teil dieser Tätigkeiten von den Allge­
meinmedizinern übernommen wird.
Zusammenfassend werden zwei Arten
der ärztlichen Vorsorgung unterschieden:
In der urbanen Medizin arbeiten die Ärzte
vermehrt Teilzeit, und der Frauen­anteil ist
höher. Zudem gibt es sehr viele Spezialis­
ten. Die periphere Medizin zeichnet sich
durch einen geringen Frauen­anteil aus
und besteht vorwiegend aus Allgemein­
medizinern, welche ein breites Tätigkeits­
spektrum abdecken und eine hohe Ar­
beitsbelastung aufweisen.Zum Allgemein-Praktiker meist
innerhalb der Wohnregion
Der zweite Teil der Studie befasst sich mit
der Inanspruchnahme von ambulanten
Leistungen. Die Patientenströme werden
mit zwei Indikatoren – dem Lokalisations­
index und dem Market Share-Index – ge­
messen. Der Lokalisationsindex gibt die
Sicht der Patienten wieder und drückt aus,
welcher Anteil der Patienten sich innerhalb
der Wohnregion behandeln lässt. Der Mar­
ket Share-Index betrachtet die Patienten­
ströme aus Sicht der Leistungserbringer.
Er gibt an, welcher Anteil der Patienten
aus der Standortregion der Leistungser­
bringer stammt.
Die Analyse zeigt, dass 60 Prozent der
ambulanten Behandlungen vor Ort vor­
genommen werden. Bei den Allgemein­
medizinern ist der Lokalisationsindex mit
85 Prozent am höchsten, bei der Psychia­trie mit 49 Prozent am tiefsten, d.h. weni­
ger als die Hälfte der ambulanten psychi­
atrischen Behandlungen findet innerhalb
der Wohnregion der Patienten statt. Die
Grafik zeigt den Lokalisationsindex für
die Allgemeinmedizin. Nicht unerwartet
lassen sich die Patienten in abgelegenen
Regionen wie beispielsweise dem Enga­
din, dem Jura oder dem Urnerland über­
durchschnittlich häufig in der eigenen Re­
gion behandeln. Aber auch in den grös­
seren Städten ist der Lokalisationsindex
höher – dies hauptsächlich wegen dem
hohen Angebot. Im Vergleich zu anderen
Facharztgruppen lassen sich bei den All­
gemeinmedizinern keine grossen StadtLand-Unterschiede erkennen. Ambulante
Leistungen der Allgemeinmedizin werden
vorwiegend lokal beansprucht, und die
Ärzte behandeln vor allem ortsansässige
Patienten. Michael Bertschi20	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Grafik des MonatsDeutschschweiz: Mehr Konsultationen,
aber geringere Kosten
In der Westschweiz gehen die Leute zwar weniger häufig zum Arzt als in der Deutschschweiz, dafür sind die
Konsultationen länger und teurer.Isind in der Westschweiz die Tarife höher
(mit Ausnahme des Wallis haben alle West­
schweizer Kantone überdurchschnittliche
Taxpunktwerte) und die Ärzte wenden den
Tarif extensiver an (mehr abgerechnete Ta­
rifpositionen pro Konsultation).
Eine durchschnittliche Arztkonsultation
(ohne Medikamente) kostete gesamt­
schweizerisch 113 Franken. In der West­
schweiz waren es 143 Franken, in der
Deutschschweiz 105 Franken. Eine Kon­
sultation kostete 2005 in der Westschweiz
also 37 Prozent mehr als in der Deutsch­
schweiz. Die Grafik des Monats zeigt den
Zusammenhang zwischen den Kosten pro
Konsultation und der Häufigkeit der Arzt­
besuche auf: Im Kanton Jura gehen dieLeute beispielsweise nur 4,2-mal pro Jahr
zum Arzt. Eine Konsultation kostet durch­
schnittlich 116 Franken. Das andere Extrem
stellt der Kanton Basel-Stadt dar: Basler ge­
hen 7,2-mal pro Jahr zum Arzt. Dafür sind
die Kosten einer Konsultation mit 101 Fran­
ken vergleichsweise tief. Die höchsten Kon­
sultationskosten weist mit 181 Franken der
Kanton Genf auf.
Weil in der Westschweiz die Kosten pro
Konsultation massiv höher und die Anzahl
Konsultation pro Versicherten nur leicht
tiefer sind als in der Deutschschweiz, re­
sultieren in der Westschweiz höhere Arzt­
kosten pro Versicherten (700 Franken)
als in der Deutschschweiz (598 Fran­
ken). Michael BertschiÄrztliche Konsultationen und deren
Kosten in den Kantonen 2005
Durchschnittskosten einer KonsultationQuelle: santésuisse-Datenpool 2005n der aktuellen Studie des Obsan (siehe
Artikel auf Seite 18) wurde unter an­
derem festgestellt, dass die Romands
weniger häufig zum Arzt gehen als die
Deutschweizer. Dies wirft die Frage auf,
warum die Krankenversicherungsprämien
in der Westschweiz höher sind als in der
Auswertungen aus dem santésuisse-Da­
tenpool zeigen, dass die Westschweizer
im Jahr 2005 durchschnittlich 4,9-mal ei­
nen frei praktizierenden Arzt aufsuchten,
die Deutschweizer hingegen 5,7-mal. Aller­
dings dauert eine Konsultation in der West­
schweiz mit 11,8 Minuten durchschnittlich
11 Prozent länger als in der Deutschschweiz
(10,6 Minuten pro Konsultation). Zudem150^ GE (181/5.6)
|VDØ W-CH140
FR120JUZH110VS100LUNW
Ø D-CHAGAI80
4.0Ø CHZG
SZSOARBESGBLBSGLSHURGR
4.55.05.56.06.57.07.5Anzahl Konsultationen pro VersichertenDie Westschweizer gehen weniger zum Arzt als die Deutschschweizer. Allerdings ist eine Konsultation in der Romandie
deutlich kostenintensiver.GESUNDHEITSWESEN	21infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Gespräch Versicherer – Ärzteschaft vom 28.3.07Förderung von Managed Care
und/oder «Listenmodellen»
Im Zuge der öffentlichen Diskussion um die «Listenmodelle» haben sich Vertreter der Versicherer und der
Ärzteschaft am 23. März zu einer Aussprache getroffen. Nachfolgend die gemeinsame Erklärung im Wortlaut.Die Förderung von Managed Care ist
ein zentrales Thema der laufenden
KVG Revision. Interessierte Versi­
cherer wie auch die Ärzteschaft wollen die
in den letzten zehn Jahren eingeleitete Ent­
wicklung aktiv vorantreiben. Die jeweiligen
Grundhaltungen finden sich im Thesenpa­
pier der Ärztekammer, dem obersten Organ
der FMH1 bzw. im Positionspapier von san­
tésuisse, dem Dachverband der Kranken­
versicherer2.In den letzten Monaten fand
eine zunehmend polarisierende, öffentliche
Diskussion rund um die Listenmodelle ver­
schiedener Versicherer (vgl. Kasten) statt.
Dies ist insofern problematisch weil di­
ese Modelle im gleichen Atemzug wie Ma­
naged Care-Modelle genannt wurden.
In der Überzeugung, dass die offenen Fra­
gen rund um die Entwicklung von Managed
Care nur im Dialog gelöst werden können,
hat die FMH zu einer Aussprache zwischen
den verschiedenen Exponenten der Ärzte­
schaft und der Versicherer eingeladen. Das
Gespräch fand am 28.03.07 statt. Die Ver­
sicherer wurden dabei wie folgt vertreten:
CSS (Reto Dahinden), Helsana (Philippe Si­
gner, Petra Geiser, Georg Raguth), santé­
suisse (Stefan Kaufmann), SWICA (HansUeli Regius). Für die Ärzteschaft nahmen
teil: FMH: (Jacques de Haller, Olivier Kap­
peler), med-swiss net: (Max Albrecht Fi­
scher), Ordine dei Medici: (Franco Eu­
genio Denti, Francesca Gemnetti), Société
Neuchâteloise de Médicine: (Pierre-Yves Bi­
lat, Simone Walder-de Montmollin), Verein
für Hausarztmedizin im Kanton Schaffhau­
sen (Gerhard Schilling), Walliser Ärztever­
band: (Marc-Henri Gauchat). Der Anlass
wurde von Peter Berchtold, Präsident Fo­
rum Managed, moderiert.Die Listenmodelle werden kontrovers be­
urteilt. Während sich die betroffenen Ver­
sicherer auf den Standpunkt stellen, die
Grundlage für diese Modelle sei im KVG
gegeben (siehe unten), wehren sich die
Ärztinnen und Ärzte der betroffenen Re­
gionen und Kantone gegen die unilaterale
Auswahl und bestreiten die Rechtmässig­
keit dieser Modelle.Aktuell gültige Formulierung im
KVG (Art. 41, Absatz 4)
Die Versicherten können ihr Wahlrecht
im Einvernehmen mit dem Versicherer auf
Leistungserbringer beschränken, die der
Versicherer im Hinblick auf eine kosten­
günstigere Versorgung auswählt (Art. 62
Abs. 1 und 3). Der Versicherer muss dann
nur die Kosten für Leistungen übernehmen,
die von diesen Leistungserbringern ausge­
führt oder veranlasst werden; Absatz 2 gilt
sinngemäss. Die gesetzlichen Pflichtleistun­
gen sind in jedem Fall versichert.Ausgehend von den jeweiligen Positionen
diskutierten die Teilnehmer die Vorausset­
zungen, die nötig sind, um die Attraktivi­
tät von Managed Care Modellen zu erhö­
hen und wie solche Modelle durch Ärzte­
schaft und Versicherer einvernehmlich wei­
terentwickelt werden können.
Die Teilnehmer stimmen darin überein,
dass die offenen Fragen im Dialog geklärt
werden sollen. In den kommenden Mona­
ten soll die Praktikabilität dieses Lösungs­
ansatzes ausgelotet werden. Für Juni 2007
wird ein weiteres Gespräch vereinbart an
dem eine Zwischenbilanz gezogen und wei­
tere Schritte diskutiert werden.Aktueller Stand der Diskussion
dieses Artikels in der KVG-Revision
(Position des Ständerates). Auszug
aus Amtlichem Bulletin SR Plenum
auf Leistungserbringer beschränken, mit
denen ihr Versicherer einen Vertrag über
die Behandlung und deren Steuerung ab­
geschlossen hat (Managed Care). Die ge­
setzlichen Pflichtleistungen sind in jedem
Fall versichert.Die Teilnehmer verabschiedeten sich in der
Überzeugung, einen Lösungsansatz gefun­
den zu haben der zwar noch fragil, aber doch
mit dem nötigen Respekt belastbar sei.
stv. Direktor santésuisse
Olivier Kappeler,
Mitglied des Zentralvorstands FMH	http://www.fmh.ch/ww/de/pub/fmh/standespolitik.htm
www.santesuisse.ch (Rubrik «Politik und Recht» –	Positionspapiere)1222	SANTÉSUISSE – SERVICE	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Leserumfrage!
schriftt
n Sie ze
n, d a s I
Nur wen
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m fr a
r ei s :
e s er u
A l soservice
BSV will Schnittstellen zwischen Sozialversicherungen erforschenWas geschieht beim Wechsel in eine andere
Sozialversicherung?Porsche als Ambulanz: Bulga­
rien verwendet einen Weltbank­
kredit für sein Gesundheitswe­
sen auf umstrittene Weise: Das
Land hat eine Flotte von 32 Por­
sche Cayenne angeschafft, die
zu Ambulanzen umgerüstet
werden. Dem Gesundheitsmi­
nisterium zufolge sollen mit die­
sen Geländewagen auch abge­
legene Gebiete erreichbar wer­
den. Kritiker meinen hingegen,
der Weltbankkredit wäre bes­
ser in eine moderne Spitalinfra­
struktur investiert worden.
Erboste Ärzte: In Irland sol­
len Haus- und Fachärzte künf­
tig regelmässig vor staatlichen
Gutachtern ihre Fähigkeiten un­
ter Beweis stellen. Ausserdem
sollen Gerichtsverfahren wegen
ärztlichen Kunstfehlern öffent­
lich werden. Der irische Ärzte­
bund reagiert erbost: Die Re­
form sei ein Angriff auf das
MPAs auf Hausbesuch: Sach­
sen startet einen Pilotversuch
zur Entlastung von Hausärzten
in ländlichen Regionen: Spezi­
ell ausgebildete Arzthelferinnen
übernehmen einfachere Haus­
besuche. Durch ein Videokon­
ferenz-System sind sie jederzeit
mit den ÄrztInnen verbunden.
Rauch in Brüssel: Das EU-Par­
lament lockert das eben erlas­
sene strikte Rauchverbot bereits
wieder. Manche Parlamentarier
hätten das Verbot systematisch
unterlaufen. Die Regel sei des­
halb nicht durchsetzbar gewe­
sen, sagt eine Parlamentsspre­
cherin.Seit Anfang der 90er-Jahre ver­
zeichnen die Sozialhilfe, die In­
validenversicherung und die Ar­
beitslosenversicherung einen
starken Zuwachs der Leistungs­
bezüger und Leistungsbezüge­
rinnen. Deshalb will das Bun­
desamt für Sozialversicherungen
(BSV) die Schnittstellen und
Übergangsmöglichkeiten zwi­
schen diesen drei Versicherungen
genau untersuchen lassen. Auch
sollen die Auswirkungen allfäl­
liger Gesetzesrevisionen im einenauf die anderen Systeme besser
voraussehbar werden. Das BSV
schreibt zu diesem Zweck den
Forschungsauftrag «Quantifizie­
rung der Übergänge zwischen
Systemen der sozialen Sicherheit»
Es soll statistisch ermittelt wer­
den, wie viele Personen aus
einem System austreten und in­
nerhalb einer bestimmten Frist
in ein anderes eintreten – oder
möglicherweise bei mehreren
Systemen gleichzeitig angemel­det sind. Ziel der Studie ist eine
regelmässige Erhebung und län­
gerfristig die Einführung eines
Monitorings zu den Übergängen
zwischen den drei Systemen.
Die Studie soll auch Hypothesen
zu den finanziellen Aspekten der
Systemübertritte von Leistungs­
bezügern und -bezügerinnen for­
mulieren und Indikatoren zur Er­
fassung der finanziellen Aspekte
vorschlagen. Die effektive Mes­
sung der Indikatoren ist jedoch
nicht Inhalt der Studie.Kurztagung im Anschluss an die santésuisse-Generalversammlung: «Gesundheitspolitik im Fokus»Gesundheitspolitik im Wahljahr:
Die KVG-Revision kommt zwar
voran – doch nicht so schnell
wie erhofft. Die Interessen und
Allianzen sind sehr vielfältig
und manchmal unüberschau­
bar. Die Folge sind hart ge­
führte, nicht immer lösungso­
rientierte Diskussionen. santé­
suisse versammelt deshalb
gesundheitspolitische Expo­
nenten aller vier Bundesrats­
parteien, um sie ein Bekennt­
nis abgeben zu lassen: Erika
Forster-Vannini (FDP), Urs
Schwaller (CVP) und Toni Bor­
toluzzi (SVP) legen dar, in wel­
che Richtung sie das Gesund­
heitswesen mit ihren Parteien
entwickeln möchten. Die Ver­
tretung der SP ist noch vakant.
Am 1. Juni ab 10.30 Uhr disku­
tieren die vier Politiker im Ho­
tel Bellevue Palace in Bern.
Moderiert wird die Veranstal­
tung von Iwan Rickenbacher.
Die Teilnahme an der Veran­
staltung ist gratis. Programm
und Anmeldeformular finden
Sie unter www.santesuisse.ch
im Veranstaltungskalender.Foto: KeystoneNews aus
aller Welt24	SANTÉSUISSE – SERVICE	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Gesundheitsförderung Schweiz: Kampagne für mehr BewegungAutofreie Tage in der ganzen Schweiz
gramm für gesunde Unterhaltung.
Auch 2006 findet wieder eine
Reihe von slowUps in der ganzen
Schweiz statt (www.slowup.ch).
ist in Sachen Bewegungsförde­
rung auch mit einer neuen Pla­
katserie aktiv: Die Sujets sollen
die Bevölkerung dazu animie­
ren, lange vergessene Sportgeräte
wieder hervorzuholen. Schliess­lich steht Gesundheitsförderung
Schweiz Pate für die SF-Sendung
«Bi de Lüt». Während zwölf wö­
chentlichen Sendungen können
die Zuschauer mitverfolgen, wie
die Bewohner von Eglisau versu­
chen, überflüssige Pfunde loszu­
Daten slowUps:
27.5.	slowUp Wallis10.6.	slowUp Schaffhausen-Hegau
17.6.	slowUp Hochrhein
1.7.	slowUp Vallée de Joux
8.7.	slowUp Gruyère
5.8.	slowUp Genf
19.8.	slowUp Sempachersee
26.8.	slowUp Euregio Bodensee
3.9.	slowUp Albula
9.9.	slowUp Emmental
16.9.	slowUp Basel-Dreland
23.9.	slowUp ZürichseeFoto: KeystoneSeit Jahren organisieren Gesund­
heitsförderung Schweiz und die
Stiftung Veloland Schweiz auto­
freie Tage in der ganzen Schweiz.
Während der so genannten slow­
Ups werden bestimmte Routen
für den motorisierten Verkehr ge­
sperrt und bleiben Läufern, Velo­
fahrern und Inlineskaterinnen
vorbehalten. Entlang der Strecke
sorgt ein vielseitiges Rahmenpro­Hans Wohler löst Sonja Althaus abNeuer Leiter des Ressorts Ausbildung von santésuisse
Nach über fünfjähriger Tätig­
keit als Leiterin der Ausbildungs­
abteilung verlässt Sonja Althaus
santésuisse, um sich beruflich
einer neuen Herausforderung zu
stellen. Wir danken ihr an die­
ser Stelle für die geleistete Arbeit
und wünschen alles Gute und
viel Befriedigung in der neuen
Per 1. Juni 2007 wird Hans
Wohler (58), dipl. Krankenver­sicherungsexperte und dipl. Er­
wachsenenbildner HF, die Lei­
tung der Ausbildung und damit
auch die Nachfolge von Sonja
Althaus übernehmen. Wir freuen
uns sehr, dass hierbei eine in­
terne Lösung gefunden wurde
und wir einen engagierten Prak­
tiker für diese Führungsarbeit
Hans Wohler war 20 Jahre im
Aussendienst tätig – zuerst10 Jahre bei einer Privatversiche­
rung als Organisationsinspektor,
und anschliessend 10 Jahre bei
einem Krankenversicherer als
Kollektivspezialist. Der direkte
Kontakt mit Kunden hinter­
liess entsprechend umfassende
Kenntnisse in der Krankenversi­
cherungsbranche.
Seine grosse Erfahrung als Aus­
bildner konnte er sich während
acht Jahren als interner Trainerfür Fach-, Führungs- und Ver­
kaufsausbildung bei einem gros­
sen Krankenversicherer aneig­
Hans Wohler arbeitet nicht
nur seit fünf Jahren bei santé­
suisse und kennt damit die Ver­
hältnisse bestens, sondern war
massgeblich an der Neuausrich­
tung der Lehrgänge und der
neuen kaufmännischen Grund­
bildung beteiligt.SANTÉSUISSE – SERVICE	infosantésuisse Nr. 5, Mai 2007Veranstaltungen
VeranstalterBesonderesDatum/OrtWeitere InformationenU.a. mit Fritz Britt, Direktor santésuisse24. Mai 2007
Hotel Bern, Bernwww.gdk-cds.ch29. Mai 2007
Bruder Klaus, Zürichwww.patientenstellen.ch31. Mai bis 1. Juni
Bernwww.nkgg.chMit Erika Forster-Vannini (FDP), Urs
Schwaller (CVP) und Toni Bortoluzzi (SVP).
Vertretung SP vakant.1. Juni 2007
Palace, Bernwww.santesuisse.chBisherige Erfahrungen mit Codierrevisionen
im Hinblick auf die SwissDRG-Einführung5. Juni 2007
Zürichwww.lenz-schweiz.comThema: Mehr Qualität und
Patientensicherheit – Managed Care als
Schlüsselfaktor6. Juni 2007
Zürich-Oerlikonwww.fmc.chTagung zur Psychiatrieplanung
GDKPatientendaten – zunehmend gefährdet?
Verein Patientenstelle ZürichReferat des Datenschutzbeauftragten des
Kantons Zürich, Bruno BaeriswylNationaler Kongress für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen
santésuisse ist PatronatspartnerZweitägige Veranstaltung mit Referaten und
Workshops«Gesundheitspolitik im Fokus»: Die Bundesratsparteien im Wahljahr
santésuisseFachtagung Codierrevision
Lenz SchweizForum Managed Care
santésuisse ist MedienpartnerZeichnung: Marc RoulinSymposium Forum Managed Care25Ausschreibung
Fachspezialist Leistungen und Vertrauensärztlicher Dienst
Die Ausbildung richtet sich an Kader und erfahrene Spezialisten, welche im Leistungsbereich oder in vertrauensärztlichen Diensten tätig sind.
Die Ausbildung wird gemeinsam von santésuisse und der Schweizerischen Gesellschaft der Vertrauensärzte durchgeführt. Die verpflichteten Referenten und Referentinnen rekrutieren sich aus dem Umfeld der beiden Ausbildungsträger und verfügen über entsprechende Fachkompetenzen. Ein Grossteil der Referierenden sind Ärztinnen und Ärzte
mit vertrauensärztlichem Mandat.
Die Ausbildung soll die Zusammenarbeit und die Prozesse zwischen vertrauensärztlichen Diensten und Leistungsabteilungen bei Krankenversicherern oder anderen Leistungsträgern fördern und effizienter gestalten. Die Teilnehmenden erhalten nach bestandener Schlussprüfung ein Attest (Zertifikat).
Der Kursinhalt besteht aus zwei Hauptteilen: Einem Teil, der die gesetzlichen Rahmenbedingungen behandelt und
einem Teil, der die medizinischen Bereiche unterrichtet. Nähere Angaben entnehmen Sie bitte dem Kursprogramm.
Voraussetzungen für die Teilnehmenden sind Grundlagenkenntnisse der Medizin und praktische Erfahrungen im Bereich der Rechnungsstellung bzw. Leistungsabrechnung. Absolventen des kompletten Medizinkurses von santésuisse
verfügen über die entsprechen Voraussetzungen und werden bei der Anmeldung bevorzugt behandelt. Die Teilnehmenden verfügen über einen Internetanschluss, weil sich der Unterricht teilweise darauf abstützt. Neben dem Besuch
der ganztägigen Unterrichtstage wird von den Teilnehmenden auch Selbststudium erwartet.
Es sind zwei Pilotkurse vorgesehen: Der Kurs 1 beginnt am 10. Oktober 2007 und endet am 17. Dezember 2008. Der
Kurs 2 beginnt am 11. Oktober 2007 und endet am 18. Dezember 2008. Insgesamt sind 10 ½ Unterrichtstage sowie
ein halber Tag Abschlussprüfung geplant.
Im Gebäude der HWZ, Sihlhof, Lagerstrasse 5, 8004 Zürich nähe Hauptbahnhof (5 Min. zu Fuss).
Ihre Anmeldung tätigen Sie bitte über unsere Homepage www.santesuisse.ch oder
per e-Mail direkt an: ausbildung@santesuisse.ch
10./11. Okt. 07
Sozialsystem CH, Leistungspflicht nach KLV, MiGeL, ALT, SL, WZW-Übungen
21./22. Nov. 07
ATSG, Koordinationsteil, Versicherungen nach VVG, Taggeld,
Rechtssprechung und Verfahren inkl. Risikoprüfung
19./20. Dez. 07
Spitalbedürftigkeit, Rehabilitation, Kuren, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie,
Ernährungsberatung, Prävention
12./13. März 08
Datenschutz und VA-Vertrag, Tariffragen
23./24. April 08
Medizinische Ethik, Genetik, Gynäkologie, Geburtshilfe, Fertilisationsbehandlungen
28./29. Mai 08
Plastische Chirurgie, Gastroenterologie/Endokrinologie/Adipositas, Orthopädie,
25./26. Juni 08
Kardiologie, Pneumologie, Hämatologie, Phlebologie
10./11. Sept. 08
Neurologie, Geriatrie, Psychiatrie
22./23. Okt. 08
Onkologie, Zahnmedizin, ORL
19./20. Nov. 08
Dermatologie, Pädiatrie, Ophthalmologie, Nephrologie/Urologie
17./18. Dez. 08
Infektions-KK, Impfungen und Prüfung
CHF 3900.– (Personen, welche den kompletten Medizinkurs als Vorbereitung besucht haben, erhalten CHF 120.–
Ermässigung.)
20. August 2007. Die Anmeldungen werden nach dem Eingang berücksichtigt!Erfassen Sie
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www.imageware.ch22.-25. Mai 2007
Halle 5 Stand C23Gesundheitswesen Schweiz 2007 – 2009
Dieses Buch ist ein Nachschlagewerk für
alle, die sich für das Gesundheitssystem
und die Gesundheitspolitik interessieren.
Das Buch gibt eine aktuelle und sachliche
Gesamtübersicht in 37 Kapiteln von 49
Autorinnen und Autoren.Die Stiftung THERAPLUS hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität von chronisch
kranken Menschen durch kompetente Unterstützung im Bereich der Sozialversicherungen
zu verbessern. Die individuelle Beratung hilft Langzeitpatienten, Zusammenhänge besser
zu verstehen, Ängste und Unsicherheiten abzubauen, Ihre Eigenkompetenz zu erhöhen
und vor allem Fragen rund um die Sozialversicherungen zu klären.
Zur Ergänzung unseres Teams suchen wir nach Vereinbarung eine(n)Dipl. Sozialversicherungsfachfrau/-fachmann (50 – 100 %)
Die französische Ausgabe wird
Mitte Jahr erscheinen.BestellungSie betreuen selbstständig und in Eigenverantwortung chronisch kranke Menschen in
Sozialversicherungsfragen. Die individuelle, persönliche Beratung erfolgt in der Regel
telefonisch oder falls notwendig zu Hause. Dadurch werden Sie zu einer wichtigen
Bezugsperson im Betreuungsnetzwerk für Langzeitpatienten in der ganzen Schweiz.
Unsere Anforderungen sind:_____Ex. «Gesundheitswesen Schweiz 2007 – 2009
Gerhard Kocher / Willy Oggier, 422 S., Fr. 39.90Bestellung an:
Fax 031 300 45 94, E-mail: distribution@hanshuber.com-Ausbildung im Sozialversicherungsbereich
Kenntnisse in Sozialversicherungsfragen
Berufliche und praktische Erfahrung im Gesundheitsbereich (mind. 5 Jahre)
Französisch W/S und evtl. Italienischkenntnisse
Selbstständigkeit, Flexibilität und MobilitätWenn Sie eine abwechslungsreiche, selbstständige und eigenverantwortliche Tätigkeit
in einem dynamischen Umfeld anspricht, bei der die Patientin/der Patient im Mittelpunkt
steht, dann freuen wir uns auf Ihre vollständige Bewerbung per Post.Vorname / NameTHERAPLUS
Stiftung für Therapiebegleitung
4001 BaselStrasse / Nr.Tel. 061 207 77 00PLZ / OrtMail: harald.grossmann@theraplus.ch
www.theraplus.chAll pages:23456789101112131415161718192021222324252627InfoSaveLikeShareDownloadMoreinfosantésuisse Nr. 5/2007 deustch Published on Dec 1, 2009 infosantésuisse Nr. 5/2007 deustchsantesuisseFollowRead moreRead moreSimilar toPopular nowJust for youGo explore

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