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Timestamp: 2013-05-25 03:12:17+00:00

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fwagner » Seite 2 von 10 » Deutsches Architektenblatt
Veröffentlicht am 1. Oktober 2010 von fwagner	Das Airrail am Frankfurter Flughafen ist Deutschlands größtes privates Bauprojekt. Es liegt im Schnittpunkt aller Verkehrswege, bietet aber auch Ruhe | Von Roland Stimpel
Statisch- dynamisch: Das 660 Meter lange Gebäude über dem ICE-Bahnhof steht für stabilen Raum und rasche Bewegung.
U-Boot? Ufo? Wal? Insekt? Beim Frankfurter Airrail kommen Betrachter immer wieder auf Vergleiche mit etwas, das in der Luft und im Wasser rast, schwimmt oder fliegt. Das liegt zunächst an seiner Form: Das Airrail ist lang gestreckt, stromlinienförmig gerundet und auf 43 stramme Stelzen gesetzt. Es liegt aber auch an seiner Lage und Funktion: Es ist Immobilie und steht für deren Gegenteil, für Hyper-Mobilität. Das Airrail liegt am Frankfurter Flughafen auf dem Dach des ICE-Bahnhofs, der wiederum an den Längsseiten von Schnellstraßen gesäumt ist, die zu Deutschlands größtem Autobahnkreuz führen. Die Airrail-Erbauer vom Bonner Immobilienkonzern IVG werben damit, dass man per Jet, Zug oder Auto von überall her ganz schnell hinkommt – und ganz schnell wieder weg.
Die Form mit aerodynamischen Rundungen und flinken Beinen entspricht dieser Funktion. Das ist aber keine herbeigequälte Symbolik, sondern ergab sich aus dem vom Verkehr dominierten Ort. Die Stelzen mussten sein, weil nur so auf dem schma­len Streifen überhaupt ein Gebäude möglich wurde. Das Überkragen über die Platte entspringt dem Wunsch nach viel Nutzfläche auf begrenztem Grund. Und die Rundform ohne Kanten, Ausbuchtungen oder Aufbauten war eine Anforderung der Radar- und Funktechniker von Europas zweitgrößtem Flughafen.
Dort hatte einst das Hamburger Büro Bothe Richter Teherani (BRT) den 1999 fertiggestellten ICE-Bahnhof entworfen, darüber die 660 Meter lange, an den Schmalseiten gerundete Dachplatte sowie Ideen für den darauf zu errichtenden Bau. Diesem ersten Entwurf sieht das, was jetzt nach und nach realisiert und bezogen wird, recht ähnlich. Es ist aber nicht von Bothe Richter Teherani, sondern von JSK aus Frankfurt. BRT fand das nicht sehr originell; dagegen verweist JSK auf die räumlichen und funktionellen Vorgaben, die für jeden Entwerfer eine derartige Form erzwungen hätten.
Den Zuschlag hatte JSK-Gründer Helmut W. Joos in einem Investoren-Auswahlverfahren im Jahr 2000 erhalten; es ging um die Leistungsphasen 1 bis 5. Im Jahr 2006 begann dann der Bau – aber vier Jahre danach waren noch immer rund 15 JSK-Leute vor Ort, neben rund 1 800 weiteren Bau-, Planungs- und Sicherheitsleuten. Der Bedarf an baubegleitender Planung, an Änderungen, an Entwurfsdetails für Mieter geht so schnell nicht aus. Das Airrail steht nicht nur für Mobilität, sondern auch für eine Komplexität, die sich nach den Worten des JSK-Architekten Michael Felka „gar nicht mehr erhöhen lässt“: Seine 214 000 Quadratmeter nutzen Büromieter und Hotels, 250 Läden und Lokale, Arztpraxen, die Bahn und andere mehr. JSK-Projektleiter Felka ist seit 1998 mit dem Airrail beschäftigt.
Der Bau mit der Länge zweier liegender Eiffeltürme ist in sechs Abschnitte gegliedert, die einerseits einzeln genutzt, real geteilt und verkauft werden können. Andererseits werden sie gemeinsam erschlossen, versorgt und technisch genutzt. Auch IVG-Geschäftsführer Gerhard Hilke erlebt hier „große Ausmaße, logistische Herausforderungen, eine Verschiedenartigkeit von Nutzungen und technischen Elementen wie noch bei keinem Projekt zuvor“. Dabei hat der Bauingenieur Hilke schon viel Großes in Frankfurt gemanagt, von Norman Fosters Commerzbank-Hochhaus über Nicholas Grimshaws Messehalle 3 bis zu Christoph Mäcklers Opernturm.
Im Auge des Taifuns: Links und rechts Schnellstraßen, unten die Eisenbahn, ein paar Meter weiter Startbahnen. ­Alles ist rasch erreichbar, aber nichts davon im Inneren allzu spürbar.
Bei aller Vielfalt drinnen wirkt das Airrail von außen homogen und monolithisch. Auch drinnen gibt es Gliederungs- und Gestaltungselemente, die sich durchs ganze Haus ziehen und nach der Erläuterung Felkas „optisch alles zusammenhalten“: einheitlicher Natursteinboden auf Hauptwegen und -flächen, aufeinander abgestimmte Vorhänge und Beschattungselemente an den Fenstern, die von einer der beiden Längszeilen am Gebäuderand nach innen zu den fünf glasgedeckten Atrien gehen. An diesen Innenfassaden dominieren wie außen Glas und Aluminium, deren Gestaltung Felka als „bewusst zurückhaltend“ beschreibt. Die Konstruktion wird nur an den Streben und Schraubverbindungen sichtbar, die das Dach und die Querbrücken zwischen den beiden lang gestreckten Zeilen tragen.
Sehr rasch dürften aber die Eigenheiten der einzelnen Gebäudeteile über das Verbindende dominieren. Das östlichste Atrium ist das Foyer zweier Hilton-Hotels der Drei- und Fünf­sterneklasse, gestaltet von JOI Design aus Hamburg. Das nächste Atrium ist schon seit 1999 von einem gewölbten Glasdach gedeckt, dient als Empfangshalle der ICE-Station und als Airrail-Zugang zur Fußweg- und Laufbandbrücke, die zum Hauptterminal des Flughafens führt. An den mittleren Atrien findet sich ein Potpourri an Nutzern: unten Läden und Lokale, wie die „360-Grad-Bar“, sowie Empfangszonen von Mietern, in den oberen Etagen vor allem Büros, aber auch Konferenzräume, Service verschiedenster Art und eine Jetset-Klinik namens „Metropolitan Medical Center“. Mit Airport-Englisch strengt man sich hier an. Anstelle von „Airrail“ versuchen Marketingleute neuerdings den in einem Namenslabor gebauten Begriff „Squaire“ zu verbreiten – eine Sprachblase aus „Square“ außen und „Air“ darin.
Im Haus wird es nach Westen hin einheitlicher und nüchterner. Hier richtet gerade die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG ihre Europa-Zentrale auf 30 000 Quadratmetern ein. Sie ist eine prototypische Airrail-Nutzerin, deren hoch bezahlte und stets zeitknappe Angestellten immer wieder zu Kunden und Besprechungen unterwegs sind oder andere Vielreisende empfangen.
So dicht das Airrail mit ferneren Weltteilen verknüpft ist, so isoliert ist es von seiner nächsten Umgebung. Lärm, Abgase und Vibration erforderten Höchststandards bei Schallschutz, Klimatisierung, Lüftung und Dämpfung. Kein Außenfenster und keine Dachscheibe lässt sich öffnen. Ins Airrail kommt man vom Terminal auf Laufbändern, von Bahnsteigen und Parkdecks über Rampen, Rolltreppen und Lifts und später vom geplanten Parkhaus nebenan per Kabinenbahn. Nur zu Fuß von draußen und per Rad geht es nicht.
Drinnen herrscht die Stille im Auge des Verkehrstaifuns. An den Schmal- und Südseiten sieht man stumm auf den Trubel der Jets, Autos und Züge. Der Blick nach Norden führt scheinbar in eine andere Welt: vorn Wald, weit hinten der grüne Taunus, nur an den Horizonten hier und da Hochhäuser von Frankfurt und kleineren Rhein-Main-Städten. Zum Wald soll es immerhin eine Brücke über die hauseigene Erschließungs- und die Schnellstraße geben, gedacht für Jogger aus Hotels und Büros und die Kleinen im geplanten Kindergarten.
Schlankes Schiff: Ein Hafen ist die einizige Fernverkehrs-Infrastruktur, die das Airrail nicht bietet, auch wenn es in der Skizzen-Draufsicht an ein Schiff erinnert. Ambitionierte Grünpläne hatte es auch für die Atrien gegeben, erdacht von den Hamburger Landschaftsplanern WES & Partner, die hier fast meditative Ruhepole als Kontrast zum Airport-Milieu entwarfen. Den Bauherren waren aber die halbrunden Großbeete und die Rankpflanzen über fünf Geschosse zu dominant und zu raumgreifend: Die Atriums-Flächen sollten disponibel bleiben für wechselnde Aufbauten und für Veranstaltungen. „Man wollte diese Flächen nicht belasten“, sagt IVG-Projektleiter Stephan Lösch. Die Atrien sind als Versammlungsräume für bis zu 2 000 Menschen konzipiert; als erstes Großmeeting fand im September ein Unternehmertag zu „Innovation und Nachhaltigkeit“ sein passendes Milieu.
In puncto Innovationskraft und Nachhaltigkeit bietet das Airrail Visionäres und Konventionelles zugleich: einerseits eine futuristisch-flüchtige Heimstatt der Globalisierungs-Avantgarde, die reisezeitoptimiert lebt. Hier kann der Bau indirekt Energie sparen helfen, da er viele Taxi- und Mietwagenkilometer erspart und direkt über Deutschlands von Zügen meistfrequentiertem ICE-Bahnhof liegt. Selbst unter einem Himmel voller Vulkanasche bliebe das Airrail Europas besterreichbarer Ort. Andererseits funktionieren Isolierung und Klimatisierung ganz konventionell mit viel Einsatz von Energie und Material. Das aber ist kein Hindernis für das angestrebte Green-Building-Zertifkat. An Nachhaltigkeit ist die IVG mehr interessiert als andere Projektentwickler, die ihre Häuser rasch verkaufen: Ein Teil des Bonner Konzerns zieht ins Airrail-Squaire um.
Manche Frankfurter Unternehmen aus Gastronomie, Handel und Bürovermietung mochten sich auf das Airrail lange gar nicht freuen, Verfechter der Urbanität auch nicht: In ihren Augen drohte der Stadt Konkurrenz durch die Airport-City. Aber die Angst dürfte nachlassen. Erstens gewinnt Gesamt-Frankfurt unterm Strich als Wirtschaftsstandort. Zweitens ist der Urbanitätsverlust nicht allzu groß. In der „New Work City“, wie die IVG das Airrail bezeichnet, kann man alles außer wohnen; da raubt es keinem anderen Ort Leben. Und wer künftig durchs Airrail spaziert, gehörte schon bisher kaum zu den Flaneuren am Römerberg und den Kneipengästen im Nordend. Konkurrenz entsteht nur zu Teilen der Stadt, die ohnehin rettungslos steril sind. Und das Airrail bietet private, aber doch teil- und zeitweise stark belebte Fußgängerstraßen und Plätze für die rund 10 000 Menschen, die sich hier tagsüber aufhalten sollen. „Der Außenraum findet innen statt“, sagt Architekt Michael Felka.
Das Airrail bringt wenig Urbanitätsverlust, aber auf der anderen Seite dem Flughafen einen auch sozialen Gewinn. Es ist einerseits eine Lage-optimierte, Zeit-minimierende und Tempo-maximierende Mobilitätsmaschine. Aber zugleich ist es – gemessen an den Terminals – ein Ort relativer Ruhe, des längeren Aufenthalts, der etwas gemächlicheren Kommunikation und des Rückzugs vom Trubel. Inmitten der Raserei dient die Mobilitäts-Immobilie auch als Ruhepunkt.	Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit DABkompakt 04/10	Büros zum Begegnen
Veröffentlicht am 1. Oktober 2010 von fwagner	Die neue Arbeitswelt erfordert neue Büroformen – und eine andere Planung | Von Roman Wagner
17 Millionen Menschen in Deutsch­land sitzen täglich im Büro. Doch sie sitzen immer weniger. Vor allem den Jüngeren sind behäbige Strukturen ein Greuel: Sie lösen Probleme bevorzugt im Team – wenn es sein muss, auch mehrere gleichzeitig. Sie suchen vielfältige Erfahrungen, leichten Zugang zu Mentoren sowie ein technologisch kluges und innovatives Arbeitsumfeld. Speziell in beratungs- und vertriebsorientierten Unternehmen wird das Bürohaus zum sozialen Treffpunkt. Begegnungsqualität wird immer wichtiger; traditionelle Bürohäuser erhalten nach und nach ein Starbucks-Ambiente. Für deren Bau stellt das neue Anforderungen im Spannungsfeld zwischen Architektur, Organisation und Informationstechnik.
Vielfalt im Büro: ­Ausschnitt einer Etagenanimation für den Düsseldorfer Kö-Bogen (Entwurf des Gebäudes: Daniel Libeskind) mit Einzel- und Gruppenbüros, Kommunikations- und Servicezonen Zugleich wächst in Unternehmen die Sensibilität für Flächenkosten, denn sie sind nach dem Aufwand für Personal oft der zweitgrößte Kostenfaktor. Flächen werden häufig nicht sehr effizient genutzt: In den meisten Unternehmen steht der ­Arbeitsplatz 40 bis 50 Prozent der Zeit leer – wegen Konferenzen und Besprechungen, Reisen, Krankheiten, Urlauben und der zunehmenden Telearbeit daheim und unterwegs. Es ­werden Wege gesucht, mit weniger Raum auszukommen, Arbeitsplätze zu teilen und Flächen intensiver zu nutzen. Doch zugleich bleiben soziale Kontakte und fachliche Abstimmungen wichtig. Mit wachsender Mobilität und Selbstständigkeit gerade jüngerer Beschäftigter nimmt ihre Bedeutung sogar weiter zu.
In herkömmlichen Bürohäusern fällt der Mangel an geeigneten Räumen für formelle und informelle Begegnungen, für Team- und Projektarbeit immer stärker ins Auge. Zeitgemäße Bürokonzepte müssen auf der einen Seite der erhöhten Nachfrage nach Begegnung und Kommunikation Rechnung tragen, auf der anderen Seite den Rückzug für konzentriertes Arbeiten ermöglichen. Zugleich sollen sie flexibel sein, Restrukturierungen schnell und kostengünstig zulassen und ein positives Image nach innen und außen vermitteln. Es gibt vier gängige Grundkonzepte:
Die jüngeren Büroformen zeigen eine deutlich höhere Arbeitsplatzbelegung und Flächenwirtschaftlichkeit – trotz des höheren Anteils an Kommunikationszonen. Pro Mitarbeiter kostet ein Arbeitsplatz etwa 20 Prozent weniger als im Zellen- und Gruppenbüro, im Business-Club bei gleichem Ausstattungsstandard sogar bis zu 50 Prozent weniger – und das trotz höherer Ausbaukosten. Die Abkehr vom Zellenbüro bringt auch mehr Gestaltungsmöglichkeiten für den Baukörper. Das zeigt etwa der Entwurf des Kö-Bogens in Düsseldorf von Daniel Libeskind: In einem Effizienzvergleich mit einem herkömmlichen Riegelgebäude schneidet der Kö-Bogen rund zehn Prozent besser ab. Voraussetzung ist die dreibündige Nutzung und die Akzeptanz der Nutzer für sehr unterschiedliche Bürotypologien.
Moderne Arbeitsplatzkonzepte bieten eine Vielfalt an Raumtypen und -funktionen, die je nach Tätigkeit und Arbeitsstil auf Zeit praktiziert werden. Das reicht vom „Think Tank“ für konzentriertes Arbeiten über Team- und Projektarbeitsplätze bis hin zur Lounge für informelle Gespräche oder zur Entspannung. Der Wunsch von Unternehmen nach Flächenersparnis darf aber keinen Schaden bei Produktivität, Aufenthaltsqualität und Motivation der Beschäftigten anrichten. Denn so hoch die Kosten für Räume sein mögen: Die Kosten für Personal sind um ein Mehrfaches höher. Daher sind soziale Aspekte und das Wohlbefinden der Mitarbeiter entscheidende Faktoren. Hier wirken modern und flexibel gestaltete Arbeitswelten eindeutig positiv, wie die Studie „Begegnungsqualität in Bürogebäuden“ in 16 Unternehmen mit über 1 000 Teilnehmern gezeigt hat (siehe Buchtipp Seite 5). Begegnungsqualität, also gestaltete Kommunikation, ist damit eine zentrale Planungsaufgabe. Die Arbeitswelt muss nur um Lebensräume bereichert werden, die einen Kontrast zu funktional gestalteten Räumen inszenieren. Da es hier in erster Linie um ungenutzte oder vernachlässigte „Zwischenräume“ geht, verlangt höhere Begegnungsqualität kaum zusätzliche Flächen, sondern vor allem eine sensible Gestaltung der Räume und der Ausstattung.
Die Begegnungsqualität stellt aber auch andere Anforderungen an die Planung und technische Ausstattung von Bürohäusern. Hier ist vor allem die Verdichtung von Arbeitsplätzen eine Herausforderung. Die wichtigsten Vorgaben:
Die Mittelzone muss für temporäre Arbeitsplätze und Infrastruktur genutzt werden können. Dafür sind eine Beleuchtung von über 350 Lux und Bodenauslässe vorzusehen.
Auf dem Weg zum Team: Vom Zellenbüro (oben links) führt der Weg über das Kombi- und offene Gruppenbüro zum „Business Club“ (unten rechts). Der Anteil abgeschotteter Kleinräume schrumpft; zugleich wächst die Fläche für Begegnung und Kommunikation.
Darüber hinaus haben sich bei Büronutzern in den letzten Jahren weitere wichtige Kriterien für die Anmietung von Räumen herauskristallisiert – siehe Kasten „Pluspunkte“ unten.
Bei der Modernisierung von Büroräumen suchen Nutzer schnell erreichbare, doch nachhaltig wirksame Optimierungen: mehr Tageslicht, Bewegungsmelder zur Reduzierung der Energie, gesunde Materialien für Bodenbeläge und Oberflächen, ein dezidiertes Energiemanagement. Ohne großen Aufwand lassen sich zudem Angebote für Begegnung und Kommunikation verbessern, speziell der informellen Art. Die dunkle Kaffeeküche kann etwa zu einer offenen, natürlich belichteten Espressobar aufgewertet werden. Farbe, Licht und Grün frischen mit einem Begrünungskonzept das Ambiente im Haus auf.
Die Vorgehensweise großer Nutzer
Für Architekten ist es bei Neubau- wie auch Modernisierungsprojekten essenziell, die Anforderungen und die Vorgehensweise großer Immobiliennutzer zu kennen. Diese haben sich in den letzten Jahren stark professionalisiert und geben heute Trends in der Büroraumgestaltung vor. Bei ihrem Flächenmanagement liegt der Fokus nicht mehr allein auf Kostenkontrolle und -senkung, sondern auch auf Mitarbeiterproduktivität und Nachhaltigkeit. Alternative Arbeitsplatzkonzepte und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Immobilien haben einen festen Platz in ihrem Denken.
Die Immobilienabteilungen großer Unternehmen legen Standards für die Arbeitsplatzausstattung und den Flächenverbrauch fest. Weit verbreitet ist die Arbeit auf Basis von Raummodulen entsprechend der Hierarchie und Funktion im Unternehmen. Sie erarbeiten „Design Workbooks“ mit Vorgaben zu technischen, baulichen und rechtlichen Aspekten für die Anmietung von Gebäuden und deren Umbau.
Wichtige Rollen spielen dabei die Flächenwirtschaftlichkeit, aber auch die Verwendung von gesundheitsfördernden Materialien. Oft werden nachhaltige Produkte für den Ausbau vorgeschrieben. Mit alternativen Arbeitsplatzkonzepten werden mobile Tätigkeiten technisch wie baulich unterstützt, was die benötigte Fläche stark reduziert. Letztlich mindern Flächenersparnis und Telearbeit auch Materialflüsse, Energieverbrauch und Emissionen.
Für Architekten ergeben sich aus den veränderten Anforderungen neue Chancen. Zunächst bedarf es einer dezidierten Anforderungsanalyse in den Unternehmen. Die Erstellung eines Anforderungsprofils in der Leistungsphase 1 war bisher eher Nebensache; in der HOAI ist sie nur als besondere Leistung ausgewiesen.
Konzentrieren und kommunizieren: ­ Auch im FBC Frankfurt (Gebäudeentwurf: Richard Heil) sind Begegnungs- und Rückzugsräume kombiniert.
Empfiehlt sich aber eine Integration in die Standardleistung der Büros? Architekten sollte bewusst sein, dass sich diese Entscheidung nicht von Projekt zu Projekt oder in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation beliebig treffen lässt, da sie ihre Arbeitsweise deutlich prägt. Schließlich unterscheidet sich der oft moderationsgeprägte Entscheidungsfindungsprozess in der Nutzerbetreuung maßgeblich vom herkömmlichen Entwurfs- und Gestaltungsprozess. Insbesondere Letzterer erfordert einigen Aufwand.
In der Analyse- und Beratungsphase ist die Kenntnis organisatorischer und sozialer Eigenheiten von Unternehmen nötig, die in der Architektenausbildung nicht unbedingt vermittelt wurden. Dennoch ist diese Ausbildung hierfür eine bessere Voraussetzung als die von Volks- oder Betriebswirten. Schließlich führt der Architekt in einer ganzheitlichen Betrachtung die Gewerke zusammen, die in den neuen Arbeitswelten zu einem intelligenten System aus Raum, Technologie und Organisation kombiniert werden – mit dem arbeitenden Menschen im Fokus.
Pluspunkte für Nutzer
Aktuelle Kriterien für die Anmietung von Büroräumen
•	Flexibilisierung der Größen von Miet­einheiten für gute Expansions- und Exit-­Strategien sowie Drittverwendungsfähigkeit
•	Möglichkeit der Schaffung von Haus-in-Haus Lösungen bei sinnvoller Organisation der Brandabschnitte (400-m²-Regel). Dabei sollte die Haustechnik (Elektro, Lüftung/ Kühlung) auf kleinstmögliche Mietbereiche ausgelegt werden.
•	14 bis 15 Meter Gebäudetiefe für eine dreibündige Nutzung und differenzierte Raum­szenarien. Bei größeren Etagen interne ­Verbindungstreppen ermöglichen.
•	Zu öffnende Fenster auch im Hochhausbau einplanen.
•	Vorhaltung ausreichend dimensionierter Leerschächte für nachzurüstende Technik des Mieters (intensivste Nutzer sind hier Banken)
•	Partielle Erhöhung der Bodenlasten, um Bibliotheken und Rollregale in den Büro­flächen zu ermöglichen (Juristen und ­Wirtschaftsprüfer konzentrieren Akten und Bibliotheken zunehmend).
•	Flexibilität in der Raumnutzung, Konferenzräume mit flexiblen Wänden, Systemtrennwänden, Teppichfliesen und moderner Gebäudeleittechnik
•	Ausstattung der Kantine als Besprechungsbereich, um diese über den ganzen Tag nutzbar zu machen („Meet & Eat“-Konzept).
•	Nachhaltige Gebäudekonzepte mit individuell auszuwertender Regeltechnik
Dr. Roman Wagner studierte Architektur, ist Mitglied des Immobi­lienverbands RICS und leitet den Bereich „Strategic Architecture“ des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle in Frankfurt	Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit DABkompakt 04/10	Grundstücksgeschäfte und Honorarfragen
Veröffentlicht am 1. Oktober 2010 von fwagner	Weitere aktuelle Urteile für Architekten | Von Erik Budiner
BGH bestätigt Kopplungsverbot
Bereits seit 1971 regelt das sogenannte Mietrechts-Verbesserungsgesetz (MRVG) nicht nur die Ermächtigung zum Erlass der HOAI, sondern in Art. 10 § 3 auch die Unverbindlichkeit der Kopplung von Grundstückskaufverträgen mit Ingenieur- und Architektenverträgen (sog. „Kopplungsverbot“).
Danach ist eine Vereinbarung unwirksam, durch die der Erwerber eines Grundstücks sich im Zusammenhang mit dem Erwerb verpflichtet, bei der Planung oder Ausführung eines Bauwerks auf dem Grundstück die Leistungen eines bestimmten Ingenieurs oder Architekten in Anspruch zu nehmen. Allerdings bleibt die Wirksamkeit des Grundstückskaufvertrages unberührt. Im Ergebnis kommt im Falle einer solchen Verbindung von Architektenvertrag und Grundstücksgeschäft der Grundstückskaufvertrag wirksam zustande, aber kein wirksamer Architektenvertrag.
In der Vergangenheit ist wiederholt insbesondere in der Rechtsliteratur in Zweifel gezogen worden, ob diese Regelung aktuell noch geboten und mit dem Grundrecht der Berufsfreiheit zu vereinbaren ist. Im Jahre 2008 hatte sich der BGH bereits einmal mit dieser Fragestellung befasst und zu erkennen gegeben, dass verfassungsrechtlich zumindest ein enges Verständnis des Kopplungsverbotes notwendig sei. So könne das Kopplungsverbot nicht angewendet werden, wenn der Grundstückserwerber selbst den Architekten veranlasst habe, ihm bei der Grundstückssuche behilflich zu sein und ihn beim Grundstückserwerb vermittelnd zu unterstützen. Habe der Bauherr für eine solche erfolgreiche Vermittlungsbemühung dem Architekten die Beauftragung mit entsprechenden Architektenleistungen in Aussicht gestellt, sei das Kopplungsverbot nicht einschlägig. Im Übrigen aber hatte das Gericht bereits 2008 das Kopplungsverbot für verfassungsrechtlich grundsätzlich unbedenklich erachtet.
Diese Auffassung hat der BGH jetzt mit seiner Entscheidung vom 22.7.2010 (VII ZR 144/09) ausdrücklich bestätigt. Das Kopplungsverbot folge dem Zweck, die freie Wahl des Architekten durch den Bauwilligen allein nach Leistungskriterien und das typische Berufsbild des freien Architekten zu schützen ­sowie den Wettbewerb unter den Architekten zu fördern. Dabei handele es sich um wichtige ­Gemein-
schaftsgüter. Die Berufsfreiheit der freien Architekten, die durch Art. 12 Grundgesetz geschützt ist, wird nicht durch den Eingriff verletzt, der mit dem Kopplungsverbot verbunden ist. Ebenso wenig liege ein Eingriff in das Grundrecht des Eigentums vor.
Bemerkenswert ist allerdings ein zusätzlicher Hinweis des Gerichts zu Architektenwettbewerben. In Abkehr von einer früheren Entscheidung sieht der BGH nicht länger einen Verstoß gegen das Kopplungsverbot, wenn eine Gemeinde als Eigentümerin von Baugrundstücken einen Architektenwettbewerb veranstaltet und nach Beurteilung durch das Preisgericht den Grundstücks­erwerbern zur Auflage macht, einen der Preisträger dieses Wettbewerbs zu beauftragen (sogenannte „Architektenmessen“).
Gemeinden steht es zukünftig frei, aus städtebaulichen und gestalterischen Gesichtspunkten die Erwerber gemeindeeigener Grundstücke dazu zu verpflichten, Preisträger von solchen Architektenwettbewerben zu beauftragen. Damit wird der langjährigen Forderung von Architekten nach rechtlicher Absicherung dieses Sachverhalts Rechnung getragen.
Honorarrechnung: Was beanstandet wird, ist prüfbar
Einwände gegen die Prüfbarkeit der Honorar­schlussrechnung des Architekten waren ein probates prozesstaktisches Mittel, die Fälligkeit einer entsprechenden Honorarforderung in Zweifel zu ziehen. Dem hatte der BGH bereits vor Jahren teilweise einen Riegel vorgeschoben, weil er die Beanstandung der Prüfbarkeit nur für einen Zeitraum von zwei Monaten nach Rechnungsstellung zuließ. In seiner Entscheidung vom 22.4.2010 (VII ZR 48/07) bestätigt der BGH diese Rechtsprechung und konkretisiert die Verpflichtung des Auftraggebers.
Die Fälligkeit einer Forderung, die der Architekt auf der Grundlage einer (nicht prüfbaren) Rechnung für eine vertragsgemäß erbrachte Leistung erhebt, tritt ein, wenn ein Prüfungszeitraum von zwei Monaten ohne Beanstandung zur Prüfbarkeit abgelaufen ist oder wenn der Auftraggeber als Ergebnis seiner Prüfung sachliche Beanstandungen mitteilt und (zunächst) keine Rügen zur Prüfbarkeit der Rechnung erhebt. Gibt der Auftraggeber mit seinen Beanstandungen zu erkennen, dass er gerade doch in die inhaltliche Prüfung der Rechnung eingetreten ist und diese auch vollzogen hat, kann er nicht gleichzeitig die mangelnde Prüfbarkeit der Rechnung rügen.
Im Übrigen erteilt der BGH auch der bloß pauschalen Beanstandung zur Prüfbarkeit eine Absage. Um als eine solche rechtlich wirksame Beanstandung angesehen werden zu können, müsse die vom Auftraggeber erhobene Rüge dem Auftragnehmer verdeutlichen, dass er nicht bereit ist, in die sachliche Auseinandersetzung einzutreten, solange er keine prüfbare Rechnung erhalten hat.
Der Auftraggeber muss dabei konkret zu erkennen geben, in welchen Teilen die Rechnung für ihn nicht prüfbar ist und woran die Prüfbarkeit aus seiner Sicht scheitert. Beanstandet er bloß die inhaltliche Richtigkeit einer Honorarrechnung, stellt dieses gerade keine Rüge der Prüfbarkeit dar. Im Übrigen stellt der BGH auch fest, dass der Architekt selbst im Prozess noch seine Rechnung erläutern, ergänzen oder berichtigen kann, um seinen Honoraranspruch zu realisieren.
Land muss Verzugszinsen zahlen
In seiner Entscheidung vom 25.3.2010 (1 U 108/09) hat sich das OLG Naumburg mit der verspäteten Begleichung einer Honorarrechnung befasst. Wenn der Schuldner eine mit Übergabe fällig gewordene Schlussrechnung nicht zahle, so gerate er unter den Voraussetzungen des § 286 Abs. 3 Satz 1 BGB in Verzug. Handelt es sich bei dem Schuldner nicht um einen Verbraucher, so kommt er spätestens in Verzug, wenn nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung Zahlung geleistet wird. Die Verzugszinsen bemessen sich nach § 288 BGB. Bei Rechtsgeschäften, an denen ein Verbraucher nicht beteiligt ist, beträgt der Zinssatz für Entgeltforderungen acht Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB).
Zusatzhonorar rechtzeitig vereinbaren
In einem vom Oberlandesgericht Hamm entschiedenen Fall ging es um einen Honoraranspruch wegen der Vergütung von Änderungsleistungen. Der klagende Architekt hatte für einen Bauträger Änderungsleistungen während der Planungs- und Bauzeit erbracht. Die Zusatzvergütung solcher Änderungsleistungen stellte der Architekt dem Bauträger später erst nach Abschluss der Baumaßnahmen in Rechnung. Zuvor hatte er trotz mehrfacher Nachfrage des Bauträgers diesem keine Auskunft über mögliche Zusatzhonorare erteilt, obwohl er wusste, dass der Bauträger diese Zusatzkosten für Änderungswünsche seinen eigenen Bauherren weitergeben wollte.
Das OLG Hamm gelangte zu der Entscheidung, dass der klagende Architekt eine nebenvertragliche Auskunftspflicht verletzt hat, weil er seinen Vertragspartner trotz Nachfrage nicht auf die fraglichen Zusatzhonorare für Änderungsplanungen hingewiesen hatte. Wegen der verspäteten Konkretisierung von Zusatzhonoraren war der Bauträger nicht mehr in der Lage, diese Mehrkosten den Hauserwerbern in Rechnung zu stellen. Dem Anspruch des Architekten auf Zusatzhonorar konnte der Bauträger mit einem eigenen Schadensersatzanspruch entgegentreten (OLG Hamm v. 23.04.2010 – 19 U 12/08).	Veröffentlicht unter Recht	| Verschlagwortet mit DAB 10/10	Überwachung unterlassen
Veröffentlicht am 1. Oktober 2010 von fwagner	Wer Teile der Bauüberwachung unterlässt, zu der er verpflichtet war, muss hierüber den Bauherrn aufklären. Sonst droht noch Jahre später Schadenersatz | Von Hans-Christian Schwenker
Ein Architekt hatte die Bauüberwachung für die Sanierung eines Gebäudes übernommen. Später stellte sich heraus, dass eine geplante und vom Bauunternehmer auch abgerechnete Dampfsperre nicht eingebaut worden war. Dadurch gelangte in erheblichen Mengen Tauwasser auf die ursprüngliche Oberfläche der Außenwand und Feuchtigkeit konnte von unten in den Putz aufsteigen. Da Gewährleistungsansprüche gegen das bauausführende Unternehmen nach acht Jahren bereits verjährt waren, nahm der Auftraggeber den Architekten in Anspruch. Dieser berief sich zwar ebenfalls auf Verjährung, hatte damit aber keinen Erfolg, weil das Gericht sein Verhalten als arglistig bewertete. Der Architekt hatte gewusst, dass er den Einbau einer Dampfsperre zu überwachen hatte. Daher hätte er seinen Auftraggeber anschließend darüber aufklären müssen, dass er die Überwachung nicht vorgenommen hat. Der Bundesgerichtshof beschloss zu diesem Fall (VII ZR 46/09): Der Architekt muss dem Auftraggeber bei der Abnahme seines Werkes offenbaren, wenn er Teile der Ausführung des Bauwerkes bewusst vertragswidrig nicht überwacht hat. Unterlässt er dies, so hat er einen Mangel seines Werks arglistig verschwiegen. Unerheblich ist, ob er darauf vertraut, dass der Unternehmer mangelfrei gearbeitet hat.
Arglist ist es auch, wenn er nur einzelne der überwachungspflichtigen Gewerke nicht überwacht hat und dies verschweigt. Voraussetzung für die Arglist ist allerdings, dass der Architekt auch weiß, dass er seine Bauüberwachungsaufgabe nicht vertragsgerecht wahrgenommen hat. Ein solches Bewusstsein fehlt, wenn er nicht erkennt, dass ein Gewerk überwachungspflichtig ist und er deshalb die Aufklärung darüber unterlässt, dass er eine Überwachung nicht durchgeführt hat.
Der Hinweis des BGH, für die Arglist sei das Bewusstsein des Architekten notwendig, dass ein Gewerk überwachungspflichtig ist, darf nicht täuschen. Ein bauüberwachender Architekt wird sich nämlich nicht damit entschuldigen können, er persönlich habe das betroffene Gewerk nicht für überwachungsbedürftig gehalten. Vielmehr kommt es darauf an, ob bei ordnungsgemäßer Bauüberwachung das betreffende Gewerk überwachungsbedürftig war. Dies ist insbesondere bei erfahrungsgemäß schadensanfälligen Gewerken wie Abdichtungen oder Dämmungen der Fall, aber auch, wenn die Gefahr besteht, dass Mängel des Bauwerks durch den weiteren Bauverlauf verdeckt werden. Im Falle der Arglist wird sich die Verjährungsfrist regelmäßig für den Architekten beträchtlich verlängern und damit zugleich sein Risiko steigen, bei Baumängeln erfolgreich in Regress genommen zu werden.
Hans-Christian Schwenker ist Rechtsanwalt in Celle	Veröffentlicht unter Recht	| Verschlagwortet mit DAB 10/10, Haftung	Kostenanschlag: künftig statisch
Veröffentlicht am 1. Oktober 2010 von fwagner	Der Bundesgerichtshof hält die Fortschreibung des Kostenanschlags zum Zwecke der Anpassung der Honorargrundlage für unzulässig | Von Erik Budiner
Rechtsanwalt Erik Budiner (München) ist Vorsitzender des Rechtsausschusses der Bundesarchitektenkammer	Veröffentlicht unter Recht	| Verschlagwortet mit DAB 10/10, Honorar	DIN-Flut
Veröffentlicht am 30. September 2010 von fwagner	Warum es immer mehr Normen gibt – und wie die Kammern im Interesse der Architekten gegenhalten | Von Barbara Chr. Schlesinger und Roland Stimpe
Die Normenflut schwillt immer stärker an. Allein die Zahl neuer Normen wird in diesem Jahr doppelt so hoch sein wie noch im Jahr 2000. Dabei sind für das Bauwesen schon heute fast 24 000 DIN-Normteile relevant, von denen etwa 2 500 die Kernaufgaben von Architekten betreffen. „Die Normenflut steigt aber nicht nur wegen der Entwicklung der Technik“, erläutert Klaus Hecker, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer. „Sondern es gibt da auch handfeste Interessen in der Politik wie in Teilen der Wirtschaft.“ Die Bundesregierung erhofft durch Normung Standort- und Qualitätsvorteile. Die Europäische Kommission sieht sie ebenfalls als Wirtschaftsfaktor; sie will darüber hinaus mit gemeinsamen Normen den internationalen Handel erleichtern und Standards garantieren. Schon heute werden rund 90 Prozent aller Normen auf internationaler Ebene verabschiedet, die meisten auf der europäischen.
Zudem werden staatliche Gesetze immer mehr durch Normen untersetzt. Klassisches Beispiel ist die HOAI-Vorschrift, nach der die Kostenschätzung auf Grundlage der DIN 276 zu erstellen ist. Landesbauordnungen verlangen Arbeit nach „eingeführten technischen Regeln“, die Baustellenverordnung beruft sich auf die nicht staatlichen Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB). Auch Gerichte und Sachverständige ziehen immer wieder Normen heran. Und zu den Normen kommen technische Regeln durch privatwirtschaftliche Gruppen und Verbände – genannt seien hier nur der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZVDH) und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
Planung wird häufig erschwert
BAK-Vizepräsident Hecker weiß: „Architekten empfinden Normen oft mehr als Hemmnis denn als Hilfe.“ Die dauernden Änderungen und Ergänzungen sind nur schwer zu verfolgen, die Recherche ist aufwendig und teuer – was sich durch das neue Normenportal jetzt aber bessert. Doch die Planung wird durch Normen nicht unbedingt erleichtert und in sinnvolle Bahnen gelenkt, sondern häufiger beschränkt und erschwert. Klaus Hecker erläutert: „Aus all diesen Gründen engagieren sich die deutschen Architektenkammern für eine Normungspolitik, die den Bedürfnissen des Berufs entspricht. Die Regelungsdichte soll minimiert, technokratische Hemmnisse sollen abgebaut und nur das wirklich Sinnvolle soll normiert werden. Dabei muss möglichst weit­gehend die planerische Freiheit sichergestellt werden, denn bei jedem Projekt sieht die optimale Lösung anders aus.“
Eine Norm, bei der die Kammern mit dieser Strategie Erfolg hatten, ist die DIN 18040 für barrierefreies Bauen, deren Veröffentlichung im November ansteht. Hier lag zunächst ein Vorläuferentwurf mit dem Kürzel E DIN 18030 auf dem Tisch, der allzu starr vorschreiben wollte, wie Barrierefreiheit aussieht. Die BAK und Mitstreiter aus anderen Organisationen konnten ihn stoppen und für einen besseren sorgen. Dieser ist jetzt tauglicher für die Praxis, rechtlich sicherer und enthält vor allem allgemeingültige Anforderungen auf dem Niveau von Mindeststandards anstelle detaillierter Festschreibungen. Die Norm, die jetzt von den Bundesländern als technische Baubestimmung eingeführt werden kann, ist einfacher, überschaubarer, besser lesbar und logischer gegliedert als der Vorläuferentwurf. Auch bei den Regeln für Arbeitsstätten, die ein Ausschuss des Bundesarbeitsministeriums erstellt, gibt es eine Diskussion um die Barrierefreiheit. Die konkreten Anforderungen soll jetzt eine Arbeitsgruppe definieren, die von der BAK geleitet wird.
25 Kammervertreter in 50 Gremien
An weiteren Normen arbeiten in den DIN-Ausschüssen rund 25 Mitglieder und Beschäftigte von Kammern in etwa 50 Gremien mit. Ihr Engagement koordiniert die BAK. Zu den Schwerpunkten in jüngerer Zeit gehörte neben dem barrierefreien Bauen unter anderem die DIN V 18599 für die Berechnung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, die von den Kammern schon in der Entstehungsphase als viel zu kompliziert bewertet wurde. Hier erreichten sie die Einführung eines ­vereinfachten Verfahrens in die EnEV. Auf Antrag der BAK arbeiten zwischenzeitlich auch die Normungsgremien an Vereinfachungen. Bei den internationalen Nachhaltigkeitsnormen ISO/TC 59/SC 17 und CEN/TC 350 ging und geht es vor allem um den nötigen Wandel von einer stark wissenschaftlich geprägten zu einer praxisnahen Norm.
Daran besteht auch bei anderen Normen Bedarf, da in den Normungsgremien des DIN und anderswo Wissenschaftler relativ stark vertreten sind, dagegen Anwender vergleichsweise schwach. BAK-Vizepräsident Klaus Hecker fordert: „Normen sollen sich als ‚anerkannte Regeln der Technik‘ einführen, Normungsgegenstand darf nicht der Stand der Wissenschaft werden.“
Schon im Jahr 2004 startete die BAK mit 20 weiteren Verbänden eine nachhaltig erfolgreiche Initiative zum baulichen Schallschutz. Hier waren für eine Neuherausgabe der DIN 4109 allzu hohe Anforderungen vorgesehen; die Tätigkeit eines Bauakustikers drohte zur Norm auch bei einfacheren Vorhaben zu werden. Die Verbände konnten erreichen, dass die Norm nicht veröffentlicht wurde und neu bearbeitet wird. Das Ziel: Anforderungen an den Schallschutz sollen technisch einwandfrei und handwerklich zu bewältigen sein. Dabei drücken die Verbände aufs Tempo: Die neue DIN 4109 sollte bald verfügbar sein, da die Rechtsprechung derzeit häufig die konkurrierenden Anforderungen der VDI 4100 als Maßstäbe nimmt.
Wachsamkeit gebieten auch neue Normen für Dienstleistungen. Politiker, Verbraucher- und Wirtschaftsvertreter streben mehr und mehr Standardisierungen zu Leistungsbildern, Qualifikationen, Betriebsprozessen und Verfahren an. Architekten sind beispielsweise von entsprechenden Normen für das öffentliche Beschaffungswesen oder für Gutachterleistungen betroffen.
Hier hat die BAK frühzeitig Mitsprache gefordert, ist in zwei koordinierende Fachbeiräte aufgenommen worden und kann von dort auf die Normarbeit aus nächster Nähe einwirken. Die Kammern sehen Dienstleistungsnormen grundsätzlich kritisch, da es hier oft nicht den nötigen Konsens in Politik und Gesellschaft gibt. BAK-Vizepräsident Klaus Hecker setzt sich für einen solchen Konsens ein: „Normen sind primär technische Regeln und sollten das auch bleiben.“
Architekten erhalten seit Neuestem für einen günstigen Pauschalpreis Zugang zu 500 Normen
Der Zugang zu wichtigen Normen wurde für Architekten stark erleichtert: Seit September ist das Normen-Onlineportal „Architektur“ freigeschaltet, in dem Kammermitglieder zu einem günstigen Pauschalpreis Zugang zu 500 relevanten Normdokumenten erhalten. Hierauf haben sich die Architektenkammern und der Beuth-Verlag des Deutschen Instituts für Normung geeinigt.
Für den Zugang melden sich Kammermitglieder unter www.normenportal-architektur.de oder über den Link an, den die Kammern der Länder von ihren Seiten dorthin legen. Wer ­registriert ist, erhält Zugang zu ausgewählten Dokumenten. Claudia Mi­chalski, Geschäftsführerin des Beuth-Verlags: „Hier ist von berufener Stelle eine Auswahl der für Architekten wesentlichen 500 Normen ­getroffen worden – nämlich von den Architektenkammern selbst. Eingeschlossen sind auch einige historische, im Alltag noch sehr bedeutsame Dokumente.“ Alle drei Monate wird der ­Inhalt ­aktualisiert. Michalski: „So bleiben Nutzer automatisch auf dem Laufenden und müssen sich nicht um den Bezug neuer ­Dokumente kümmern.“
Der Zugang kostet für ein Jahr 198 Euro plus Mehrwertsteuer für ­einen Einzelplatz und 498 Euro plus Steuer in einem Netz mit bis zu fünf Arbeitsplätzen. Für Oktober bis Dezember 2010 wird das ­Normenportal „Architektur“ den Kammermitgliedern zu einem ­Einführungspreis von 49,50 Euro plus Steuer angeboten. Wer sich erst Ende Oktober entscheidet, zahlt für die letzten zwei Monate dieses Jahres nur 33 Euro netto.
Der von den Architektenkammern in langen Verhandlungen erreichte Preis ist günstiger als der Bezug weniger Einzelnormen und quasi eine Normen-Flat­rate: Für diesen Betrag kann im gebuchten Zeitraum beliebig oft und lange im Normenportal gesurft werden. Außerdem lassen sich Normen ausdrucken.
Aber warum kosten Normen überhaupt Geld und werden nicht wie Gesetzestexte kostenfrei angeboten? Claudia Michalski: „Für die ­Erarbeitung von Gesetzen kommen die Steuerzahler auf. Die ­Kosten für die Erarbeitung von DIN-Normen werden zum größten Teil von ihren Anwendern getragen. Jeder von ihnen trägt durch den Kauf von Normen einen kleinen Teil zur Finanzierung der Normungsarbeit bei.“ Bei Architekten stößt dies nicht immer auf Verständnis, da Normen oft mit Gesetzen und Verordnungen für die Planung verbindlich werden – aber Kammermitglieder erhalten jetzt immerhin einen stark vergünstigten Zugang zur unentbehrlichen Norminformation.	Veröffentlicht unter Beruf+Politik, Startseite	| Verschlagwortet mit DAB 10/10, Norm	„Ein ungeeigneter Bau“
Veröffentlicht am 30. September 2010 von fwagner	Arno Sighart Schmid, bisheriger Präsident der Bundesarchitektenkammer, über den Denkmalwert von Nazi-Architektur – speziell in Venedig | Interview: Roland Stimpel
Nur mäßig einladend: Entree des deutschen Pavillons während der Architektur-Biennale 2010
Sie fordern, den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig abzureißen und einen neuen zu bauen. Wollen Sie versuchen, mit dem Abriss einer Architektur von 1938 ein Stück Nazi-Vergangenheit zu entsorgen?
Diese Vergangenheit kann und darf man nicht entsorgen, weder per Abriss noch anderswie. Mir geht es um einen architektonisch hochwertigen, funktionalen Pavillon, mit dem Deutschland sich in Venedig international präsentieren kann.
Geht das nicht auch und gerade mit einem Pavillon, in dem man sich mit der Nazi-Zeit auseinandersetzen muss?
Der Pavillon ist kein überragendes Zeugnis dieser Epoche – auch nicht im Negativen. Kuratoren, Teilnehmer und Besucher ärgern sich da nicht vorrangig mit der Nazi-Zeit herum, sondern mit einem ungeeigneten Bau für Architektur- und Kunstausstellungen. Er ist düster, schwer bespielbar und hat zur Lagune nicht einmal einen Ausblick, geschweige denn Ausgang und Terrasse. Und so wichtig wie die Auseinander­setzung mit der Nazi-Zeit ist, ist sie doch kein vorrangiges Thema an diesem Ort. Der Pavillon muss den künftigen deutschen Beiträgen der Biennale dienen, nicht die Biennale der Geschichte des Pavillons.
Und der Denkmalwert?
Der Pavillon steht zwar unter italienischem Denkmalschutz. Aber den verdient nach meiner Ansicht vielleicht seine Urform, ein antikisierender Tempelbau von Daniele Donghi aus dem Jahr 1909, aber wohl kaum Ernst Haigers Umbau von 1938. Es wäre genauso falsch und verkrampft, jeden Bau aus dieser Zeit zu bewahren, wie es falsch und verkrampft wäre, einen Bau nur wegen seiner Herkunft aus der Nazi-Zeit abzureißen.
Also weg damit – unabhängig von der Geschichte?
Weg damit, wenn ein Bau über die Geschichte wenig sagt. Aber auf keinen Fall weg mit Zentralbauten der Nazis und ihrer Verbrechen etwa in Berlin, in München und in Konzentrationslagern. Sie sind Zeugnisse des Terror-Regimes, die selbstverständlich bleiben müssen.
Die Reaktionen auf Ihren Vorschlag waren teils ziemlich heftig.
Ja, es gab reflexhafte Verdächtigungen, ich wolle ein Stück Nazi-Vergangenheit verdrängen. Aber man muss über die Qualität des Baus diskutieren können, ohne dass man ihn historisch überstrapaziert.
Sind Sie eigentlich der Einzige, der an einen Abriss denkt?
Nein, in Gesprächen erhielt ich viel Zustimmung von unterschiedlichster Seite. Ein Abriss des Pavillons war übrigens auch Thema eines Biennale-Beitrags des Berliner Architekten Roger Bundschuh. Und die Universität Karlsruhe hatte – ohne dass ich dies wusste – bereits im Wintersemester 2009/2010 eine Exkursion nach Venedig veranstaltet und sich mit der Frage „Abriss und Neubau oder Um- und Anbau“ sachlich und fachlich fundiert auseinandergesetzt.
Ein offener Wettbewerb und spätestens zum 25j-ährigen Jubiläum des Mauerfalls 2014 ein anderer Pavillon, der Ausstellern und Besuchern dient, der Deutschlands Gegenwart und Zukunft zeigt und der ein Zeugnis unserer heutigen Baukultur ist.	Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit Biennale, DAB 10/10	Visionen sichtbar machen
Veröffentlicht am 30. September 2010 von fwagner	Immer mehr Architekten nutzen digitale Visualisierungen, um ihre Entwürfe und Ideen zu präsentieren. Doch nicht für jeden Betrachter taugt das gleiche Rendering | Von Fred Wagner
Wettbewerbs-Rendering: Tagperspektive des Euro-Tower in Sofia für HPP Architekten (Bauherr ECE)
„Viele Architekten denken, dass gute Visualisierungen ein gutes Programm und ein schneller Rechner reichen“, sagt der Dortmunder Architekt Marco Lachmann-Anke. „Doch das ist wie bei der Fotografie. Die beste Ausrüstung nutzt nichts, wenn man nicht weiß, wie man ein Bild aufbauen und gestalten muss.“ Wichtigste Voraussetzung für überzeugende Renderings ist nicht Technik, sondern das Wissen um die Wirkung von Bildkomposition, Farbe, Perspektive und Kontrast. Lachmann-Anke hat sich als Architekt auf die Visualisierung von geplanten Gebäuden spezialisiert hat und arbeitet damit in einem stark wachsenden Markt – für Architekturbüros, Bauträger, Projektentwickler und öffentliche Bauherren.
Herkömmliche Architekturzeichnungen reichen vielen Auftraggebern längst nicht mehr; realistisch wirkende Bilder künftiger Bauten sind inzwischen Standard – ebenso der Begriff „Rendering“, der sich für sie eingebürgert hat. Die virtuelle, dreidimensionale Konstruktion des Gebäudes im Computer ermöglicht unterschiedliche Ansichten und Perspektiven, Materialien und Lichtstimmungen, lange bevor die Realisierung beginnt. Preiswerte, relativ leicht erlernbare Programme wie ArCon oder SketchUp treiben die Entwicklung weiter voran.
Der Architekt und Rendering-Produzent Marco Lachmann-Anke von Visualtektur in Dortmund meint: „Ein gutes Rendering muss auch das Herz ansprechen, nicht nur den technischen Verstand oder die künstlerische Neigung.“ Nach seiner Beobachtung denken Architekten oft an etwas besonders Reduziertes, dagegen wollen Immobilienleute eher „blumige“ Bilder. Ein gutes Rendering versucht nach seiner Ansicht nicht in jedem Detail realistisch zu wirken, sondern nur da, wo das dem Betrachter nicht auffällt. Denn dieser weiß ja, dass das Rendering kein Foto ist, und reagiert allergisch auf Versuche, ihm das noch nicht reale als scheinbare Wirklichkeit unterzuschieben. Zwar lassen sich mit modernen Programmen auch organischen Formen aus der Natur und sogar Menschen nachbilden, aber diese wirken meist unecht. „Das menschliche Auge empfindet jede Abweichung vom Natürlichen als falsch und unangenehm“, sagt Lachmann-Anke.
Für Stefan Sauer, Architekt und Geschäftsführer der 3D Betrieb GmbH in Würzburg, ist eine Visualisierung dann gut, wenn der Kunde am Ende mit ihr zufrieden ist. Sauer: „Er wird in unserer mehrstufigen Projektabwicklung so weit wie möglich in den Visualisierungsprozess einbezogen.“ Beispielsweise bekommt der Auftraggeber zu Beginn die Screenshots des CAD-Modells zu Überprüfung. Danach werden Kameraposition und Perspektive festgelegt. Auch hier bekomme der Kunde erste Aufnahmen. Im dritten Schritt werden Previews gemacht, bei denen es letzte Korrekturmöglichkeiten gibt. Sauer: „Am Ende bekommt der Kunde nicht einfach ein fertiges Werk vorgesetzt, sondern war an der Entstehung des Renderings maßgeblich beteiligt.“
Wettbewerbs-Rendering: Innenraumperspektive des Neubaus der Hochschule Hamm-Lippstadt (Auftraggeber: agn Niederberghaus & Partner GmbH Halle)
Auch Stefan Sauer berichtet, dass Immobilien-Unternehmer andere Anforderungen an Renderings haben als Architekten. Diese möchten ihr Werk in den Vordergrund stellen. Die Ausstattung des Gebäudes sei eher uninteressant. Immobilien-Leute dagegen wollen das Haus opulent präsentieren, am liebsten im Grünen mit vielen Terrassemöbeln und Sonnenuntergang. Sauer: „Die wollen nicht die Architektur verkaufen, sondern die Vorstellung, dort zu leben.“
Auch in Wettbewerben helfen Rederings oft. Hier sollen Sachpreisrichter, aber oft vor allem jurierende Architektenkollegen überzeugt werden. Daher sollten hier zum Beispiel bei Innenraum-Renderings nur solche Möbelklassiker oder Designobjekte verwendet werden, die dem aktuellen Architektengeschmack entsprechen. Sauer: „Bitte keine klassische Wohnlandschaft, wie man sie heute in jedem Wohnzimmer findet. Die Darstellung des Entwurf sollte sehr reduziert sein. Material, Licht und einen gute Perspektive stehen im Vordergrund.“
Stimmigkeit im Bild mit Platz für Abstraktion
Gerd Knobling in Düsseldorf produziert seit zehn Jahren 3D-Visualisierungen und Filme für Marketingzwecke und Architekturwettbewerbe. Auch für ihn sind das Licht und die Perspektive entscheidend für eine gute Visualisierung. Zu seinen Kunden gehören unter anderem RKW und HPP Architekten. Knobling: „Eine gute Wettbewerbs-Visualisierung ist letztendlich nicht ein fotorealistisches Rendering, sondern eine Stimmigkeit im Bild, die auch eine Abstraktion und Interpretation des Entwurfsgedankens zulässt.“ Ein wichtiger Punkt sei das Licht. „Wenn das Licht konsequent belassen wird, also nur mit einer Sonne oder der richtigen Beleuchtung gearbeitet wird, dann wird das entstehende Bild in sich konsequenter als eines, das nachträglich in Photoshop aufwendig nachretuschiert ist.“
Apotheke Klinikum Marburg: Die Eingabe der 3D-Daten und die Erstellung mit Umbebung dauerte rund fünf Tage, Kosten ca. 1000 € (Architekt Steffan Rover, Integrale Planung Marburg, Rendering Dirk Lahann)
Reinhard Windt in Jülich beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Visualisierungen. Seit einem Jahr bietet der Architekt über Partner die Erstellung von 3D-Visualisierungen und Renderings für Dritte an. Seiner Meinung nach gibt es keine allgemeingültigen Parameter für ein gutes Rendering, sondern es kommt eher darauf an, ergebnisorientiert zu arbeiten. Windt: „Brauche ich die Perspektive, um zum Beispiel einen Wettbewerb zu gewinnen, sollte das Ergebnis zwar gut sein, oft aber auch so schnell und preiswert wie möglich erzielt werden.“ Weniger ist dann oft mehr. Mann solle sich auf zwei bis drei aussagekräftige Ansichten beschränken und diese dann besonders gut machen oder machen lassen. Die Wirkung einer gerenderten 3D-Perspektive hänge natürlich ganz stark von den Farben, der Materialwahl und der plastischen und der fotorealistischen Darstellung ab. Auch Tools für Reflexe, Spiegelung und Brechung seien wichtig. Das menschliche Auge erwartet immer irgendeinen Schatten, eine Spiegelung eines Baums in einer Fassade und die Brechung des Lichtes durch Luft, Wasser oder Glas. Reinhard Windt: „Da lässt sich das Auge nicht täuschen.“
Bearbeitungsstufen: Im Bild 1 wird auf Schatten und Materialstruktur verzichtet, das Bild wirkt dadurch sehr unrealistisch. Bild 2 zeigt bereits Schatten und Struktur. Im Bild 3 sind zusätzlich Spiegelungen der Umgebung erkennbar, die sich im Material abzeichnen. Renderings von Reinhard Windt, Jülich
Schlechte Renderings könnten zum Beispiel durch einen unglaubwürdigen und damit falschen Betrachtungsstandpunkt entstehen. „Auch eine aufwendige Zeichnung wirkt unrealistisch, wenn der Betrachtungsstandpunkt unrealistisch ist. Vogelperspektiven, Fischaugeperspektiven, Froschperspektiven und Parallelperspektiven kennt das menschliche Auge nicht. Sie sollten laut Windt vor allem genutzt werden, um etwas sonst gar nicht Verstandenes zu erklären oder zu zeigen. „Zum Beispiel die Vogelperspektive, wenn der Investor zeigen möchte, dass das Grundstück komplett bebaut ist oder wenn es um einen Innenhof geht, der in folgenden Bildern nicht als solcher erkennbar ist.“ Richtig sei der Betrachtungswinkel aus Augenhöhe, allenfalls mit leichter Neigung nach oben oder unten.	Veröffentlicht unter Architektur+Raum, Startseite	| Verschlagwortet mit DAB 10/10, Entwurf	Ein Stand für die Baukultur
Veröffentlicht am 30. September 2010 von fwagner	Kammern und ihre Unterstützer präsentieren sich auf der Immobilienmesse Expo Real
Auf ihrem Stand und mit ihrem Stand zeigen 13 Kammern auf der Münchener Immobilienmesse Expo Real den Wert von Architektur und Baukultur. Der Stand ist Anlaufstelle für alle, die sich über Architektenleistungen und spannende Projekte informieren wollen. Und er steht selbst für Verfahrenskultur, denn er ist der realisierte Siegerentwurf eines offenen Wettbewerbs, den die Architektenkammer Bayern organisierte und den Felix Reiter, Lutz Ring sowie Annette Wolf aus München gewannen. Den Stand nutzen auf der Expo Real die Kammern von zwölf Ländern und die des Bundes. Er ermöglicht doppelten Gebrauch: Von der Treppe aus können Besucher Vorträge und Präsentationen verfolgen; darunter sind Empfangstresen, Besprechungstisch und Lager untergebracht. Zudem ist er kein Einwegprodukt, sondern kann demontiert, transportiert und wieder aufgebaut werden. Zu so viel Nachhaltigkeit passt die Standpartnerin der Architektenkammern: die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Die Unternehmen Albrecht JUNG GmbH & Co. KG, Bayer Material Science AG, Cembrit GmbH und Schüco International KG unterstützen den Stand und stellen eigene Projekte vor. Zusammengefasste Darstellungen dieser Projekte stehen auf den folgenden Seiten in diesem Blatt. Auf der Messe selbst werden vom 4. bis 6. Oktober rund 1 500 Aussteller und etwa 35 000 Personen erwartet. Alle BAK- und DGNB-Infos auf www.besser-mit-architekten.de unter „Expo Real“.
Energetisch aktiver Kristall
Das Solar Aktiv Haus in Regensburg mit intelligenter Steuerung von Albrecht Jung
Im bayerischen Regensburg steht der Protoptyp des „Solar Aktiv Hauses“. Es demonstriert mit beispielhafter Solartechnik und einem intelligenten KNX-System der Albrecht Jung GmbH & Co. KG aus Schalksmühle in Nordrhein-Westfalen, wie effizient es sich heute schon bauen lässt. Auch architektonisch hebt sich der Entwurf aus dem Vorstadteinerlei heraus. Mit seiner kristallähnlichen Gestalt reckt sich das Gebäude der Sonne entgegen. Die umfangreiche Verwendung von Solarthermie und Fotovoltaikelementen verleiht dem Bau etwas Futuristisches. Eine neuartige Wärmepumpe ist mit Sonnenkollektoren kombiniert.
Im Solar Aktiv Haus wird der Energiebedarf für Heizung und Warmwasser ganzjährig ausschließlich durch Sonnenenergie gedeckt. Gekühlt wird das Gebäude über die natürliche Lüftung mit Zuführung der Außenluft über das Erdreich. Doch spielt Wohnqualität eine ebenso wichtige Rolle wie das Energiesparen. So gibt es großflächige Parallelschiebetüren, obwohl diese energetisch eher nicht effizient sind. Doch durch die komplette Verglasung der offenen Hauptaufenthaltsräume für Wohnen, Kochen und Essen sollen Innen- und Außenraum verschmelzen.
Das Gebäude wird barrierefrei erschlossen. Falls sich die Nutzungsverhältnisse ändern, kann das Erdgeschoss als separate Wohneinheit abgetrennt werden. Das Einfamilienhaus hat rund 175 Quadratmeter Wohnfläche plus Keller und Terrasse. Eine kompakte Haustechnik regelt die passive Nutzung der Sonnenenergie sowie die automatische Beschattung der Südglasflächen im Sommer. Zur Steuerung aller Funktionen kommt ein System nach dem weltweiten KNX-Standard zum Einsatz, das mit Produkten von Albrecht Jung realisiert wurde.
www.jung.de | Mehr zum Projekt hier
Das EcoCommercial Building Program – Eine Initiative zum nachhaltigen Bauen von Bayer MaterialScience
Klimagerecht bauen ist besser als baugerecht klimatisieren. Diese Erkenntnis bildet die Basis des „EcoCommercial Building Program“- Dahinter verbirgt sich das Konzept, die besten Materialien, Systeme und Technologien in einem Netzwerk von unabhängigen Service- und Materialanbietern zusammenzubringen, um im Einklang mit den klimatischen Bedingungen am jeweiligen Standort zu bauen. Mit dem ECB bietet Bayer MaterialScience Entscheidungsträgern in der Baubranche ein breites Portfolio an Dienstleistungen und Materiallösungen für nachhaltiges Bauen. Ziel des Netzwerkes ist das Finden maßgeschneiderter Lösungen zum Bau energieoptimierter und wirtschaftlicher kommerzieller und öffentlicher Gebäude – von Niedrigenergie-Häusern über Passivhäuser bis hin zu Null-Emissions-Gebäuden.
Gemeinsam mit einem interdisziplinären Netzwerk an Mitgliedern unterstützt das EcoCommercial Building Program beispielsweise Architekten, Projektleiter, Bauunternehmer, Entwickler und Manager größerer Unternehmen bei der Realisierung öffentlicher und gewerblicher Gebäude, die bisherige Standards in Sachen Nachhaltigkeit deutlich übertreffen. Das Angebot reicht von Energieeffizienzberechnungen während der Planung über die Verwendung umweltverträglicher Materialien bis zur Erzeugung erneuerbarer Energie.
Das erste Referenzgebäude, ein Nullemissionsgebäude, ist die im vergangenen Jahr eröffnete Betriebskindertagestätte in Monheim. Auf Basis der Nutzung regenerativer Energie und einer optimalen Dämmung unter Verwendung von Polyurethan-Rohstoffen von Bayer MaterialScience erzielt dieses Gebäude im Jahresverlauf eine emissionsneutrale Energiebilanz. Die klimaneutrale Tagesstätte wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit dem Preis für „Energieoptimiertes Bauen 2009“ ausgezeichnet. Ein weiteres Null-Emissionsgebäude, das für Verwaltungszwecke genutzt wird, wird gegenwärtig in Indien in der Nähe von New Delhi errichtet.
Daneben eröffnete der Konzern im Mai 2009 ein neues Bürogebäude im belgischen Diegem, das nur halb so viel Energie verbraucht wie vergleichbaren Bauten. Es wurde mit dem Belgischen Preis für Architektur und Energie und wurde von der Europäischen Kommission als „Green Building“ zertifiziert. In der künftigen Nullemissionsstadt Masdar in Abu Dhabi, die Modellcharakter für energieeffizientes und wirtschaftliches Bauen in dieser Region haben soll, wird das Netzwerk des EcoCommercial Building Program ebenfalls seine Kompetenzen einbringen. Ferner wird die Ed. Züblin AG in einem gemeinsamen Pilotprojekt zum Bau schlüsselfertiger energieeffizienter Gewerbegebäude mit dem EcoCommercial Building Program und dessen Netzwerk-Mitglieder in den Bereichen integrierte Beratungsleistungen, Energie- und Materiallösungen zusammenarbeiten.
www.bayermaterialscience.de > EcoCommercialBuilding
Die Lutherschule Bremerhaven und ihre Cembrit-Faserzementfassade
Eine traditionelle, ortstypische Bauform und zugleich ein zeitgenössisches Fassadenbild zeichnen die Sanierung und Erweiterung der Lutherschule in Bremerhaven aus. Der von der Planungsabteilung der Seestadt Immobilien Bremerhaven (Leiter: Udo Stössel) entworfene Bau wurde in der Weiterbearbeitung vom Büro JPS Architekten-Ingenieure, Bremerhaven, betreut. Er enthält im Erdgeschoss, das deutlich als Sockelzone markiert ist, eine Mensa mit Küche, Büros, einen „Konfliktraum“ und Sanitäranlagen. In den beiden Geschossen darüber liegen Klassen- und Fachräume. Dieser Bereich ist farblich deutlich vom Sockel abgesetzt, harmoniert jedoch mit ihm ebenso wie mit der Giebelzone unter dem Satteldach, in der Aula, Lehrer-Arbeitszimmer und ein weiterer Klassenraum untergebracht sind.
Das Außenbild ist von der hinterlüfteten Faserzementfassade geprägt, die aus 850 Quadratmetern Cembrit-URBAN-NATURE-Tafeln besteht. Unter diesem Begriff bietet Cembrit 49 neue Farben, die von Stadt und Natur inspiriert sind und eine Synthese aus urbanem Lebensstil und Assoziationen an natürliche Lebensräume ausdrücken wollen. Die klaren und leuchtenden Farben und Oberflächen wurden von Experten für das Produkt und seine Herstellung sowie von Kreativen gemeinsam geplant. Anmutung und Farbabstimmung entwickelte das weltweit renommierte Büro Pentagon Design aus Helsinki.
Aus dem Spektrum der 49 Farben wählten JPS Architekten in Bremerhaven die Produktreihe Cembrit Metro, deren Farben die Namen europäischer Metropolen tragen, und hieraus wiederum den Farbton „Athens“. Der Bau mit 2 422 Quadratmetern Nutzfläche wurde im Oktober 2011 fertiggestellt. Die Lutherschule hat jetzt nicht nur ein zeitgemäßes und ansehnliches Haus, sondern ist nach jahrelanger Aufteilung auf zwei Standorte nun wieder in einem Gebäudekomplex vereint.
Die Unternehmenszentrale von Thyssen Krup mit Fassadenelementen von Schüco
Mit dem Neubau der Unternehmenszentrale am traditionellen Standort Essen markiert ThyssenKrupp den Beginn einer neuen Epoche für den Konzern. Auf einem 20 Hektar großen Areal werden 2 000 Arbeitsplätze entstehen; gleichzeitig soll die Anlage Treffpunkt für Menschen aus allen Nationen werden. Die einzelnen Gebäude gruppieren sich um eine großzügige Längsachse, die als zentrale Wasserfläche den Mittelpunkt bildet. Am Endpunkt ordneten die Büros Chaix & Morel et Associés aus Paris und JSWD Architekten aus Köln, die Gewinner des Architektenwettbewerbs von 2006, einen riesigen, in der Mitte transluzenten Würfel an. Dieser Kubus besteht strukturell aus zwei Winkelelementen, die sich zu einem optisch harmonischen Ganzen mit transparentem Herzen fügen. Er ist eine Allegorie der Partnerschaft von Thyssen und Krupp und deren gemeinsamer offener Firmenphilosophie.
Auf der Außenfassade kamen etwa 7 700 Quadratmeter Elementfassade von Schüco mit Sonnenschutz-Lamellensystem in Edelstahl zum Einsatz, an der Atriumfassade rund 2 100 Quadratmeter PR-Fassade und 850 Quadratmeter Element-Doppelfassade von Schüco.
Mit dem umfassenden Programm an Profilsystemen von Schüco lassen sich konzeptionell die unterschiedlichsten Fassaden und Lichtdächer konstruieren – in Aluminium oder Stahl. Die vielseitigen Möglichkeiten innerhalb der Systeme bieten große kreative Spielräume für Architekten und Planer. Auch Sonderlösungen auf der Basis von geprüften Systemen lassen sich realisieren. Im großflächigen vertikalen Fassadenbau und den Lichtdach-Konstruktionen erlaubt die hohe Eigenstatik des Materials Stahl schon bei vergleichsweise geringen Bautiefen groß gerasterte Fassadenelemente bei gleichbleibend schmalen Profilbreiten.
www.schueco.de	Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit DAB 10/10	„Sich dem ökonomischen Kalkül beugen“
Veröffentlicht am 30. September 2010 von fwagner	Der Immobilienmanager Eckart John von Freyend über die Mentalität und die Kleiderordnung von Architekten – und über den Wert von Wettbewerben| Interview: Roland Stimpel
Dr. Eckart John von Freyend, 68, ist einer der renommiertesten Vertreter der deutschen Immobilienbranche. Er war Vorstandsvorsitzender des Bonner IVG-Konzerns und ist heute unter anderem Ehrenpräsident des von ihm gegründeten Interessenverbandes „Zentraler Immobilienausschuss“, Präsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln und Vorsitzender des Gremiums Architektur im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, in dem rund 400 Unternehmen Mitglied sind.
Was soll ein Architekt für Sie sein: kreativer Vorreiter oder Dienstleister?
Ich finde es geradezu notwendig, dass der Architekt mit jeder Menge interessanter Ideen vorangeht. Aber er muss sich am Ende einem ökonomisch-rationalen Kalkül beugen, auch wenn ein Gutteil seiner Ideen nicht berücksichtigt wird. Gestaltung ist eine Qualität, aber sie kann nicht Vorrang haben. Dinge bauen, die wunderschön sind und sonst nichts – das kann man in einer Welt, in der Leute nicht für das Geld verantwortlich sind, das sie ausgeben.
Erwarten Sie von Architekten mehr Sinn für Ökonomie?
Unbedingt. Manche sehen sich in erster Linie als Künstler und nicht als Dienstleister im komplexen Immobilienumfeld. Aber Letztere spielen oft eine viel größere Rolle als Mitgestalter und Mitschöpfer wichtiger Gebäude. Manche sind sogar selbst erfolgreiche Projektentwickler geworden.
Die Qualität des Architekten als Entwerfer ist für Sie zweitrangig?
Nein, natürlich nicht! Aber mit Kreativität allein ist es nicht getan. Viele Architekten meinen doch, dass ökonomische Realität und Ästhetik nicht zusammen passen. Ich sehe diesen Gegensatz nicht. Wer als Immo­bilienunternehmer Erfolg haben will, muss einschätzen, wie ein Gebäude in zehn oder 15 Jahren bewertet wird – also auch, wie es dann angesehen wird.
Also hat Gestaltung doch Priorität?
Sie ist eine wichtige Komponente, neben vertretbaren Baukosten, Funktionalität, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit im Betrieb. Auch die Gestaltung muss nachhaltig sein. Das bedeutet oft gerade das Gegenteil von aufwendig. Wer vorausschauend baut, muss sich vor vergänglichen Moden in Acht nehmen und eher zurückhaltende Formen wählen, die später auch anpassbar sind. Das Haus soll ja 50 und mehr Jahre mit Anstand dastehen. Das gebietet es, modischen Aperçus einer kurzlebigen Gegenwart mit Zurückhaltung zu begegnen.
Führt das nicht zu einer uniformen grauen Masse an Gebäuden – alles sieht gleich zurückhaltend, gleich langweilig aus?
Selbst bei hoher Rationalität und Betonung der Nachhaltigkeit müssen ja nicht alle Bauherren den gleichen Geschmack und Stil haben.
Widersprechen sich ästhetische, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit?
Im Gegenteil: Sie ergänzen sich in vielfältiger Weise. Wir haben die Verpflichtung gegenüber Gesellschaft und Umwelt, Betriebskosten niedrig zu halten und die Umwelt zu schonen. Da erwarte ich von Architekten Vorlagen, gerade weil sie sich als Vordenker für das Zusammenspiel von Form, Material und Technik verstehen.
Wie sehr stören Sie die Vorgaben durch Städtebauer, etwa für Höhen, Baulinien und Fassadengestaltung?
Allzu bürokratisch sollten die natürlich nicht sein. Aber einfache, klare und für alle gleiche Regeln sind auch für Immobilienfirmen von Vorteil. Zum Beispiel die, die Hans Stimmann in Berlin erlassen hat. Seine Traufhöhe stellt ein wichtiges Element der Kontinuität dar. Für Investoren bedeuten solche Regeln Klarheit und raschere Entscheidungen der Ämter, als wenn in jedem Einzelfall neu über Höhe und Ausnutzung entschieden werden muss. Das treibt übrigens auch die Bodenpreise, weil sich jeder für sein Grundstück mehr Geschossfläche erhofft.
Haben für Sie alte Häuser einen Wert?
In London, Paris und Budapest oder Madrid habe ich für die IVG über 100 Jahre alte Häuser einkaufen dürfen – mit großem Vergnügen. Dort hat man klassische Linien entwickelt, die in allen Epochen nie langweilig geworden sind.
Welche Rolle spielt für Sie Baukultur?
Baukultur ist ja viel mehr als ein ökonomischer Topos. Kultur ist über Generationen geprägte und weitergegebene Lebensform. Sie hat großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen und damit auch auf Vermietung und Verkauf von Immobilien. Aber sie steht trotzdem im Spannungsfeld zu Kosten und anderen Kriterien.
Sie waren vor drei Jahren beim Gründungskonvent der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam. Zugleich lief in Berlin ein großer Immobilienkongress. Zwischen beiden Veranstaltungen gab es fast keinen Austausch. Warum leben Architekten und Immobilienleute nebeneinander statt miteinander?
Wir haben sicher alle die Neigung, uns in unserem jeweiligen Spezialgebiet einzumauern. Und wir müssen uns immer ermahnen, die jeweils andere oder angrenzende Seite zu sehen und mitzubedenken. Das muss aber auch gerade für Architekten gelten, denn ich wundere mich schon, warum sie sich so isolieren. Das fängt schon bei äußeren Merkmalen an. Damals auf dem von Ihnen zitierten Konvent fiel mir auf, dass 90 Prozent der Leute uniform gekleidet waren. Schwarze Hose, schwarzes Hemd, das gehört offenbar zum Selbstverständnis von Architekten. Mir kam es in Verbindung mit den Debattenbeiträgen eher wie Isolierung vor einer als feindlich und unverständig betrachteten Umwelt vor.
Banker und Immobilienleute kleiden sich mindestens ebenso uniform.
Zu Zahlenmenschen passt das ja auch, bei denen es im Beruf nicht so sehr um Individualität geht. Aber es ist doch ein merkwürdiger Widerspruch, wenn Architekten Anspruch auf Originalität, Eigenwilligkeit und Offenheit gegenüber Neuem erheben, sich aber andererseits so stark gruppenspezifisch vorstellen und sich demonstrativ von anderen abgrenzen.
Sie haben in vielen Ländern Europas Häuser gebaut, gekauft und verkauft. Haben Sie Architekten überall so empfunden?
Vor allem in London habe ich Architekten mit großer Of­fenheit und großem Dienstleistungsverständnis angetroffen. Dort schien mir Teamplay verbunden mit einem gewissen Sichzurücknehmen, ein Akzeptieren gegebener Zwänge ausgeprägter als bei uns. Das war durchaus mit Stolz und Selbstbewusstsein verbunden – aber gleichzeitig mit der Bereitschaft, anzuerkennen, dass die Qualität eines Hauses nicht nur aus seiner Architektur besteht, sondern aus der Optimierung der Teilbereiche. Übrigens sehen die Häuser dort nicht schlechter aus als bei uns.
Von deutschen Architekten halten Sie weniger als von Briten und Niederländern?
Deutsche Architekten sind so gut wie deutsche Ingenieure und Kaufleute. Aber manche haben doch gewisse Eigenheiten – am ausgeprägtesten diejenigen, die sich vor allem als Künstler verstehen und ein gewisses Maß an Autismus nicht verbergen wollen.
Wenn Sie einen Architekten für ein bestimmtes Projekt gesucht haben: Haben Sie Wettbewerbe veranstaltet, in denen Sie den devotesten Dienstleister suchten?
Devotheit sicher nicht. Bei der IVG haben wir viele Wettbewerbe veranstaltet. Ich nenne nur den für unsere Bonner Hauptverwaltung vor gut zehn Jahren. Der Wettbewerb war mit dem damaligen Stadtbaurat Sigurd Trommer abgesprochen, der großen Wert auf solche Verfahren legte. Es haben bedeutende Leute wie Ingenhoven und van den Valentyn teilgenommen, aber gewonnen hat am Ende das relativ junge Büro Steves & Borsum aus Köln, das einen sehr schönen und auch in der Umsetzung gut gelungenen Entwurf vorgelegt hat. Wettbewerbe kosten natürlich Zeit und Geld und sind erst mal lästig. Aber auf lange Sicht sind Wettbewerbe allemal gut für den Wert des Gebäudes.
Im Bundesverband der deutschen Industrie gibt es einen Kulturkreis und darin einen Bereich Architektur, den Sie leiten. Suchen Sie dort die Dienstleister von morgen?
Ich finde es immer wieder eindrucksvoll, wie junge Leute, die ja nicht zuerst auf Kosten achten müssen, unbekümmert eine Situation völlig neu interpretieren, wie sie Schneisen durch bestehende Agglomerationen schlagen oder eine Firma räumlich komplett reorganisieren. Das wird man nie eins zu eins umsetzen, aber es bringt immer eine Fülle neuer Gedanken, auf die man ohne diese Radikalität des jugendlichen Denkens nicht gekommen wäre.
Warum veranstaltet ein Industrieverband so etwas?
Dass eine graue Hütte reicht, in der die Menschen ans Fließband gefesselt sind – das ist doch eine Vorstellung von 1860. Heute werben doch Unternehmen auch mit ihrer Architektur um die besten Mitarbeiter und Kunden. Immer mehr Firmen wollen mit ihren Gebäuden auch in ihrer Außendarstellung attraktiv sein. Schon das Bild einer Firmenzentrale sagt viel darüber aus, was dahinter geschieht. Corporate Culture findet oft genug mit herausragenden Architekten interessante und zugleich kostenbewusste Ausdrucksformen.
Sie sind auch Aufsichtsratschef des Berliner Unternehmens GSW, das 55 000 Wohnungen mit meist nicht sehr hoch verdienenden Mietern besitzt und nicht neu baut. Ist da Architektur überhaupt ein Thema?
Auch im Bestand ist architektonische Kreativität gefragt, ob bei der energetischen Sanierung oder bei Substanzeingriffen, die aber erhebliche ästhetische Verbesserungen bewirken können. Manchmal reicht ja schon eine neue Eingangsgestaltung.
Geht gute Architektur für eher ärmere Mieter?
Ein guter Entwurf muss nicht teurer sein als ein schlechter, auch seine Ausführung nicht. Günstige Mietwohnungen ästhetisch zu verbessern, kostet nicht unbedingt mehr Geld. Es kostet vor allem mehr Nachdenken.
Wenn Sie jetzt nach München auf die Immobilienmesse Expo Real gehen: Interessieren Sie da allein wirtschaftliche Erfolge oder gucken Sie auch nach guter Architektur?
Ich schaue mir gerne die Modelle an, aber ich frage mich auch: Was kostet das?
Dr. Eckart John von Freyend, 68, ist einer der renommiertesten Vertreter der deutschen Immobilienbranche. Er war Vorstandsvorsitzender des Bonner IVG-Konzerns und ist heute unter anderem Ehrenpräsident des von ihm gegründeten Interessenverbandes „Zentraler Immobilienausschuss“, Präsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln und Vorsitzender des Gremiums Architektur im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, in dem rund 400 Unternehmen Mitglied sind.	Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit DAB 10/10	Fußgängerzonen
Veröffentlicht am 30. September 2010 von fwagner	Der Beitrag war für mich als Mitautor der Prager Straße in Dresden besonders interessant. Bei der Planung der städtebaulichen Grundsatzkonzeption kamen uns die Erfahrungen mit der Fußgängerzone „Lijnbaan“ unserer Partnerstadt Rotterdam zugute. Der Umgang mit der Prager Straße in den 1990er-Jahren ist bekannt. In dem Leitbild von 1994 wurde festgelegt, den Mittelbereich als „Prager Platz“ neu zu gestalten. Der südliche und nördliche Teil sollten hoch verdichtet bebaut und die alte Straßenbreite von 18 Metern wieder hergestellt werden. 2009 wurde der nordwestliche Bereich in hoher Qualität fertiggestellt und 2010 mit dem Sächsischen Architekturpreis ausgezeichnet. Mit der Centrum-Galerie Prager Straße hat die Dresdner Innenstadt eine weitere Shoppingmall und einen touristischen Magneten erhalten. Der holländische Investor Multi Development hat aber die negativen Erfahrungen aus der Rotterdamer Lijnbaan nicht ausgewertet. Die Centrum-Galerie mit der 18 Meter breiten Straße und die städtebaulich zusätzlich eingeordneten Verbindungsgassen haben keinerlei Freizeitangebote wie Diskotheken, Bars und kulturelle Einrichtungen, die dazu anregen, das Stadtzentrum in den späten Abend- und Nachtstunden aufzusuchen. Die Stadt hat die große Chance, in den noch zu bebauenden Freiflächen an der nordöstlichen Seite der Prager Straße zwischen Ferdinand- und Georgplatz sowie der südwestlichen Seite zwischen Prager Straße und Reitbahnstraße Investoren zu gewinnen, die in solche Freizeitangebote investieren. Wird diese Chance nicht wahrgenommen, dann sagen sich auch in Zukunft die Füchse und Hasen aus der Bürgerwiese in der Prager Straße Gute Nacht.
Hans Konrad, Architekt, Dresden
Dieser Brief bezieht sich auf den Bericht zu Fußgängerzonen in Ausgabe 6/10 auf Seite 14 Veröffentlicht unter Leserbriefe	| Verschlagwortet mit DAB 10/10	Kammerpräsident fordert Abriss des Biennale-Pavillons
Veröffentlicht am 30. September 2010 von fwagner	Auch der NS-Klassizismus war, selbst in seiner Kolossalvariante, eben ein Klassizismus, dem letztlich das griechische Ideal zugrunde lag, dem wir – wie jeder weiß – die Grundlagen der modernen Demokratie verdanken. Sowohl geschichtlich gesehen, als auch ideologisch, widersprechen sich Demokratie und klassische bzw. klassizistische Architektur also nicht. Woran soll man nun die Grenzen der Zumutbarkeit eigentlich festmachen? Der Knackpunkt ist die metaphysische Dimension solcher Bauwerke. Wer sich aber darauf einlassen will, muss sich im Klaren sein, dass dann von der deutschen Baugeschichte, von der Baugeschichte überhaupt, außer der „Neuen Sachlichkeit“, nicht viel übrig bleiben wird. Mit der kategorischen (mitunter hysterische Züge annehmenden) Stigmatisierung bestimmter Bauwerke zur Herrschaftsarchitektur wird man dem Problem nicht beikommen. Maß einer Beurteilung kann in einer überwiegend säkularen und materialistischen Gesellschaft letztlich doch nur die künstlerische, funktionale Qualität eines Bauwerks sein, die man – auch in einer Demokratie – letztlich respektieren sollte.
Dieser Brief bezieht sich auf den Bericht zum Abriss des Bienale-Pavillons in Ausgabe 7/10 auf Seite 6 Veröffentlicht unter Leserbriefe	| Verschlagwortet mit DAB 10/10	Artikelnavigation

References: BGH 
 Art. 10
 § 3
 BGH 
 BGH 
 Art. 12
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 286
 § 288