Source: http://jataka.nibbanam.com/Band_II/j284.htm
Timestamp: 2019-05-23 02:01:24+00:00

Document:
284. Die Erzählung von dem Glück (Siri-Jataka)
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Brahmanen, der das Glück [1] stehlen wollte.
§D. In diesem Jataka ist die Erzählung aus der Gegenwart schon oben im Khadirangara-Jataka [2] auseinandergesetzt.
Nachdem aber auch hier die im Hause des Anathapindika im vierten Türerker wohnende irrgläubige Gottheit in Vollziehung ihrer Buße fünfhundertvierzig Millionen Goldes herbeigebracht und damit die Schatzkammern gefüllt hatte, war sie dem Großkaufmann befreundet. Dieser aber nahm sie mit sich und brachte sie zu dem Meister. Der Meister erklärte ihr die Lehre. Als sie die Lehre vernommen, gelangte sie zur Bekehrung. Von da wurde der Ruhm des Großkaufmanns wieder wie zuvor.
Es dachte aber ein zu Savatthi wohnender Brahmane, der die Glücksabzeichen kannte [3]: „Anathapindika war im Unglück und ist jetzt wieder mächtig geworden. Wie, wenn ich jetzt zu ihm hinginge, als wollte ich ihn besuchen, und aus seinem Hause das Glück stehlen würde?“ Und er ging in das Haus des Großkaufmanns und erhielt von diesem Ehrenbezeugungen. Als er nun während der freundlichen Unterhaltung, die sich entspann, gefragt wurde, warum er gekommen sei, schaute er sich um, wo sich das Glück des Hauses befinde. Der Großkaufmann aber besaß einen ganz weißen, einer glänzenden Muschel gleichenden Hahn, der in einem goldenen Käfig verwahrt wurde; in dessen Schopf wohnte das Glück. Als nun der Brahmane sich umschaute, merkte er, wo sich das Glück befand, und sagte: „Ich, o Großkaufmann, unterrichte fünfhundert junge Brahmanen in den Weisheitssprüchen. Weil unser Hahn aber zur Unzeit kräht, sind diese und auch ich belästigt [4]. Dieser Hahn aber ist einer, der zur rechten Zeit kräht; um seinetwillen bin ich gekommen. Gib mir diesen Hahn!“
Der Großkaufmann erwiderte: „Nimm ihn, Brahmane, ich schenke dir den Hahn.“ In dem Augenblicke aber, da er sagte: „Ich schenke dir den Hahn“, entfernte sich das Glück aus dessen Schopf und begab sich in einen großen Edelstein, der auf einem Kissen lag. Als der Brahmane merkte, dass das Glück in den Edelstein übergegangen war, bat er auch um diesen Edelstein. In dem Augenblick aber, da der Großkaufmann sagte: „Ich schenke dir den Edelstein“, verließ das Glück den Edelstein und ging in einen Schutzstab [5] über, der auf einem Kissen lag. Als der Brahmane merkte, dass sich das Glück dorthin begeben habe, bat er auch darum; kaum hatte jener aber gesagt: „Nehmt ihn und geht“, so entfernte sich auch von dort das Glück und ging in das Haupt der ersten Gemahlin des Großkaufmanns, der Fürstin Punnalakkhana [6] [6a] ein.
Da nun der Brahmane, der das Glück stehlen wollte, merkte, dass das Glück sich dorthin geflüchtet habe, dachte er: „Um dies Gut, das man nicht von sich lassen kann, darf ich nicht bitten.“ Und er sprach zum Großkaufmann: „O Großkaufmann, ich kam hierher, um aus Eurem Hause das Glück zu stehlen und mitzunehmen. Das Glück aber weilte im Schopfe deines Hahnes. Als du mir diesen schenktest, ging es von dort weg und begab sich in den Edelstein. Nachdem du mir den Edelstein geschenkt, ging es in den Schutzstab über; und als du mir auch diesen schenktest, ging es von dort weg und flüchtete sich in das Haupt der Fürstin Punnalakkhana. Da aber dies ein Gut ist, das man nicht von sich lassen kann, bekam ich dies nicht. Ich bin nicht im Stande, dir dein Glück zu stehlen; möge dein Eigentum bei dir bleiben.“ Mit diesen Worten stand er von seinem Sitze auf und entfernte sich.
Anathapindika aber dachte: „Ich will diese Begebenheit dem Meister mitteilen.“ Er begab sich nach dem Kloster, bezeigte dem Meister seine Verehrung, begrüßte ihn und erzählte dem Vollendeten alles, während er an seiner Seite saß. Als dies der Meister hörte, sagte er: „O Hausvater, das Glück von anderen geht nicht anderswohin. Auch in der Vorzeit begab sich das von den Bösen erworbene Glück nach den Füßen der Tugendhaften.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva im Reiche Kasi in einer Brahmanenfamilie seine Wiedergeburt. Nachdem er herangewachsen war und zu Takkasila die Künste erlernt hatte, wählte er das Leben im Hause. Nach dem Tode seiner Eltern aber verließ er erschüttert sein Haus, betätigte im Himalaya die Weltflucht der Weisen und erlangte die Vollkommenheiten. Nach langer Zeit begab er sich einmal auf das Land, um sich mit Salz und Saurem zu versehen. Nachdem er im Parke des Königs von Benares die Nacht verbracht hatte, machte er am nächsten Tage seinen Almosengang und kam dabei an die Haustüre des Elefantenabrichters. Dieser war über seinen Wandel und seine Haltung befriedigt, gab ihm ein Almosen, ließ ihn im Parke wohnen und sorgte beständig für ihn.
Es schliefen aber in diesem Tempel viele freigelassene Hähne unweit von dem Manne auf einem Baume. Von diesem ließ ein Hahn, der weiter oberhalb saß, zur Zeit der Morgendämmerung seinen Kot fallen und traf damit den Körper des unter ihm sitzenden Hahnes. Dieser fragte: „Wer hat seinen Kot auf meinen Körper fallen lassen?“ Der andere antwortete: „Ich war es“, und fügte auf die Frage, warum er es getan habe, hinzu: „Ich tat es ohne Absicht.“ Darauf ließ er wieder Kot hinabfallen. Jetzt sprachen sie beide zueinander: „Was hast du für Kraft, was für eine Kraft hast du?“, und fingen an zu streiten.
In diesem Augenblick kam eine vom Winde aufgepeitschte Welle daher und nahm den Speisetopf mit sich fort. Als der Topf so in der Strömung des Flusses dahintrieb, sah ihn der Elefantenabrichter, ein Mann vom Hofe, der gerade die Elefanten baden ließ. Er ließ den Topf herausheben und fragte: „Was ist darinnen?“ Man gab ihm zur Antwort: „Reisbrei und Hahnfleisch, Herr.“ Er ließ den Topf verschließen und versiegelte ihn; dann schickte er ihn seiner Gattin mit dem Auftrage, sie solle den Topf nicht öffnen, bis er zurückgekehrt sei.
§1. „Wenn viele Schätze voll von Eifer
sich sammelt, wer des Glückes bar,
ob weise oder ohne Weisheit,
der Glückliche wird sie genießen.
§2.1. „Dies [11] ist der Schatz, der alle Freude
den Göttern wie den Menschen gibt.
§2.2. Schönheit des Aussehns, schöne Stimme,
schöne Gestalt, Schönheit des Körpers,
der Herrschaft Fülle und Umgebung
§2.3. Die Königsherrschaft, Fürstenwürde,
ja selbst das Glück der Weltherrschaft,
auch in der Götterwelt die Herrschaft
§2.4. Das Wohlergehen bei den Menschen,
die Freude in der Götterwelt,
auch die Erreichung des Nirvana
§2.5. Das Glück der Freundschaft zu erlangen,
wenn weise einer danach strebt,
Weisheit, Erlösung, Selbstbezwingung
§2.6. Die Unterscheidung [12], Leidbefreiung,
des Buddhaschülers höchstes Ziel,
die Teilerleuchtung [13], Buddhawürde [14]
§2.7. Von solchem Einfluss ist es also,
der Tugend Fülle zu besitzen;
Um darauf zu zeigen, auf welche Dinge sich das Glück des Anathapindika begeben hatte, sprach er folgende Strophe, die mit „der Hahn“ beginnt:
§3. „Der Hahn, der Edelstein, der Stab
und Punnalakkhana, die Frau [15],
die blieben alle bei dem Edlen,
§C. Nach diesen Worten verband er das Jataka folgendermaßen [16]: „Damals war der König der Thera Ananda, der zum Hofe gehörige Asket aber war der völlig Erleuchtete.“
[2] Dies ist das 40. Jataka.
[4] Vgl. dazu das 119. Jataka.
[6] Auf Deutsch: „die Fürstin von guter Vorbedeutung“.
[6a] Auf Pali: „Punnalakkhanadeviya“.
[12] Vgl. Jataka 4 Anm. 15. [Damit sind die vier Teile des übernatürlichen Wissens eines Heiligen gemeint, nämlich
Doch sind die Buddhisten selbst über die Ausdehnung dieser Begriffe untereinander nicht einig.]
[15] Rouse fasst „punnalakkhana“ als zu allen dreien gehörig auf (vgl. oben Anm. 6) und übersetzt: „All these with lucky marks were rife.“ Die Auffassung des Kommentators entspricht der oben gegebenen Übersetzung.

References: §1

§2

§2

§2

§2

§2

§2

§2

§3