Source: https://www.hensche.de/Anspruch_auf_Informationen_ueber_Mitbewerber_bei_Ablehnung_einer_Bewerbung_EuGH_C-104-10-u.html
Timestamp: 2019-10-14 01:10:26+00:00

Document:
EuGH, Urteil vom 21.07.2011, C-104/10 - Kelly - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 21.07.2011, C-104/10 - Kel­ly
Aktenzeichen: C-104/10
1. Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 97/80/EG des Rates vom 15. Dezember 1997 über die Beweislast bei Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist dahin auszulegen, dass er einem Bewerber für eine Berufsausbildung, der meint, dass ihm der Zugang zu dieser Ausbildung wegen Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes verwehrt worden ist, keinen Anspruch auf im Besitz des Veranstalters dieser Ausbildung befindliche Informationen über die Qualifikationen der anderen Bewerber für diese Ausbildung verleiht, um ihn in die Lage zu versetzen, gemäß dieser Bestimmung „Tatsachen glaubhaft [zu] machen, die das Vorliegen einer unmittelbaren oder mittelbaren Diskriminierung vermuten lassen“.
Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass eine Verweigerung von Informationen durch einen Beklagten im Rahmen des Nachweises solcher Tatsachen die Verwirklichung des mit dieser Richtlinie verfolgten Ziels beeinträchtigen und auf diese Weise insbesondere deren Art. 4 Abs. 1 ihre praktische Wirksamkeit nehmen kann.
2. Art. 4 der Richtlinie 76/207/EWG des Rates vom 9. Februar 1976 zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen oder Art. 1 Nr. 3 der Richtlinie 2002/73/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. September 2002 zur Änderung der Richtlinie 76/207 sind dahin auszulegen, dass sie einem Bewerber für eine Berufsausbildung keinen Anspruch auf Einsichtnahme in im Besitz des Veranstalters dieser Ausbildung befindliche Informationen über die Qualifikationen der anderen Bewerber um diese Ausbildung verleihen, wenn dieser Bewerber meint, keinen Zugang zu dieser Ausbildung nach den gleichen Kriterien wie die anderen Bewerber gehabt zu haben und im Sinne von Art. 4 aufgrund des Geschlechts diskriminiert worden zu sein, oder wenn dieser Bewerber rügt, im Sinne von Art. 1 Nr. 3 aufgrund des Geschlechts in Bezug auf den Zugang zu dieser Berufsausbildung diskriminiert worden zu sein.
3. Wenn sich ein Bewerber für eine Berufsausbildung für die Einsichtnahme in im Besitz des Veranstalters dieser Ausbildung befindliche Informationen über die Qualifikationen der anderen Bewerber auf die Richtlinie 97/80 berufen könnte, kann dieser Einsichtnahmeanspruch durch die Bestimmungen des Unionsrechts über die Vertraulichkeit berührt werden.
4. Die in Art. 267 Abs. 3 AEUV vorgesehene Pflicht ist nicht unterschiedlicher Art je nachdem, ob in einem Mitgliedstaat ein Rechtssystem besteht, in dem der Verhandlungsgrundsatz gilt, oder ein Rechtssystem, in dem der Untersuchungsgrundsatz gilt.
„Richt­li­ni­en 76/207/EWG, 97/80/EG und 2002/73/EG – Zu­gang zur Be­rufs­aus­bil­dung – Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en – Ab­leh­nung ei­ner Be­wer­bung – Zu­gang ei­nes Be­wer­bers für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung zu In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber“
In der Rechts­sa­che C‑104/10
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom High Court (Ir­land) mit Ent­schei­dung vom 29. Ja­nu­ar 2010, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 24. Fe­bru­ar 2010, in dem Ver­fah­ren
Pa­trick Kel­ly
Na­tio­nal Uni­ver­si­ty of Ire­land (Uni­ver­si­ty Col­le­ge, Dub­lin)
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, der Rich­ter A. Ara­b­ad­jiev, A. Ro­sas (Be­richt­er­stat­ter) und U. Lõhmus so­wie der Rich­te­rin P. Lindh,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 13. Ja­nu­ar 2011,
– von Herrn Kel­ly, ver­tre­ten durch sich selbst,
– der Na­tio­nal Uni­ver­si­ty of Ire­land (Uni­ver­si­ty Col­le­ge, Dub­lin), ver­tre­ten durch M. Bol­ger, SC, in­stru­iert durch E. O’Sul­li­van, So­li­ci­tor,
– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch M. van Beek und N. Yer­rell als Be­vollmäch­tig­te,
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts, ins­be­son­de­re von Art. 4 der Richt­li­nie 76/207/EWG des Ra­tes vom 9. Fe­bru­ar 1976 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en hin­sicht­lich des Zu­gangs zur Beschäfti­gung, zur Be­rufs­bil­dung und zum be­ruf­li­chen Auf­stieg so­wie in Be­zug auf die Ar­beits­be­din­gun­gen (ABl. L 39, S. 40), Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 über die Be­weis­last bei Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts (ABl. 1998, L 14, S. 6) und Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23. Sep­tem­ber 2002 zur Ände­rung der Richt­li­nie 76/207 (ABl. L 269, S. 15).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits von Herrn Kel­ly ge­gen die Na­tio­nal Uni­ver­si­ty of Ire­land (Uni­ver­si­ty Col­le­ge, Dub­lin) (im Fol­gen­den: UCD), in dem es um de­ren Wei­ge­rung geht, Un­ter­la­gen über das Ver­fah­ren der Aus­wahl von Be­wer­bern für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung in ei­ner nicht re­di­gier­ten Fas­sung of­fen­zu­le­gen.
Richt­li­nie 76/207
Die Richt­li­nie 76/207, die zur Zeit des Sach­ver­halts, der An­lass zur Be­schwer­de we­gen Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts gab, al­so in den Mo­na­ten März und April 2002, an­wend­bar war, sah in Art. 4 vor:
„Die An­wen­dung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in Be­zug auf den Zu­gang zu al­len Ar­ten und Stu­fen der Be­rufs­be­ra­tung, der Be­rufs­bil­dung, der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung und Um­schu­lung be­inhal­tet, dass die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men tref­fen, um si­cher­zu­stel­len,
a) dass die mit dem Grund­satz der Gleich­be­hand­lung un­ver­ein­ba­ren Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten be­sei­tigt wer­den;
b) dass die mit dem Grund­satz der Gleich­be­hand­lung un­ver­ein­ba­ren Be­stim­mun­gen in Ta­rif­verträgen oder Ein­zel­ar­beits­verträgen, in Be­triebs­ord­nun­gen so­wie in den Sta­tu­ten der frei­en Be­ru­fe nich­tig sind, für nich­tig erklärt oder geändert wer­den können;
c) dass Be­rufs­be­ra­tung, Be­rufs­bil­dung, be­ruf­li­che Wei­ter­bil­dung um Um­schu­lung – vor­be­halt­lich in der in ei­ni­gen Mit­glied­staa­ten be­stimm­ten pri­va­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen gewähr­ten Au­to­no­mie – auf al­len Stu­fen zu glei­chen Be­din­gun­gen oh­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund des Ge­schlechts zugäng­lich sind.“
Art. 6 der Richt­li­nie sah vor:
Richt­li­nie 2002/73
Die Richt­li­nie 76/207 wur­de durch die Richt­li­nie 2002/73 geändert, nach de­ren Art. 2 Abs. 1 Un­terabs. 1 die Mit­glied­staa­ten die Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten in Kraft zu set­zen hat­ten, die er­for­der­lich wa­ren, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens am 5. Ok­to­ber 2005 nach­zu­kom­men.
Mit der Richt­li­nie 2002/73 wur­de ins­be­son­de­re Art. 4 der Richt­li­nie 76/207 auf­ge­ho­ben, und gemäß ih­rem Art. 1 Nr. 3 er­hielt Art. 3 der Richt­li­nie 76/207 fol­gen­den Wort­laut:
„(1) Die An­wen­dung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung be­deu­tet, dass es im öffent­li­chen und pri­va­ten Be­reich ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len in Be­zug auf fol­gen­de Punk­te kei­ner­lei un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ge­ben darf:
b) den Zu­gang zu al­len For­men und al­len Ebe­nen der Be­rufs­be­ra­tung, der Be­rufs­aus­bil­dung, der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung und der Um­schu­lung ein­sch­ließlich der prak­ti­schen Be­rufs­er­fah­rung;
(2) Zu die­sem Zweck tref­fen die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass
b) die mit dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht zu ver­ein­ba­ren­den Be­stim­mun­gen in Ar­beits- und Ta­rif­verträgen, Be­triebs­ord­nun­gen und Sta­tu­ten der frei­en Be­ru­fe und der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen nich­tig sind, für nich­tig erklärt wer­den können oder geändert wer­den.“
Richt­li­nie 97/80
Durch die Richt­li­nie 97/80, de­ren Um­set­zungs­zeit­punkt auf den 1. Ja­nu­ar 2001 fest­ge­setzt wur­de, wur­den Be­stim­mun­gen über die Be­weis­last bei Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ein­geführt.
Nach dem 13. Erwägungs­grund die­ser Richt­li­nie ob­liegt die Be­wer­tung der Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, dem ein­zel­staat­li­chen Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le im Ein­klang mit den in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten.
Dem 18. Erwägungs­grund der Richt­li­nie zu­fol­ge hat der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten ent­schie­den, dass ei­ne Ände­rung der Re­geln für die Be­weis­last­ver­tei­lung ge­bo­ten ist, wenn der An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­steht, und dass in sol­chen Fällen zur wirk­sa­men An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ei­ne Ver­la­ge­rung der Be­weis­last auf die be­klag­te Par­tei er­for­der­lich ist.
Nach Art. 1 die­ser Richt­li­nie soll mit ihr ei­ne wirk­sa­me­re Durchführung der Maßnah­men gewähr­leis­tet wer­den, die von den Mit­glied­staa­ten in An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ge­trof­fen wer­den, da­mit je­der, der sich we­gen Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hält, sei­ne Rech­te nach et­wai­ger Be­fas­sung an­de­rer zuständi­ger Stel­len ge­richt­lich gel­tend ma­chen kann.
Nach ih­rem Art. 3 Abs. 1 Buchst. a fin­det die Richt­li­nie 97/80 ins­be­son­de­re auf die Si­tua­tio­nen An­wen­dung, die von der Richt­li­nie 76/207 er­fasst wer­den.
Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80 lau­tet:
„Die Mit­glied­staa­ten er­grei­fen im Ein­klang mit dem Sys­tem ih­rer na­tio­na­len Ge­richts­bar­keit die er­for­der­li­chen Maßnah­men, nach de­nen dann, wenn Per­so­nen, die sich durch die Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hal­ten und bei ei­nem Ge­richt bzw. ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, es dem Be­klag­ten ob­liegt zu be­wei­sen, dass kei­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­ge­le­gen hat.“
Nach der Vor­la­ge­ent­schei­dung ent­spre­chen die Grundsätze über die Ver­brei­tung von Schriftstücken gemäß Ru­le 6(6) der Or­der 57A der Cir­cuit Court Ru­les (Ver­fah­rens­re­geln des Cir­cuit Court) den Grundsätzen über Of­fen­le­gung („dis­co­very“) und Ein­sicht­nah­me („in­spec­tion“) so­wohl nach Or­der 32 der Ru­les of the Cir­cuit 2001-2006 (Ver­fah­rens­re­geln des Cir­cuit Court von 2001 bis 2006) als auch nach Or­der 31 der Ru­les of the Su­pe­ri­or Courts 1986 (Ver­fah­rens­re­geln der höhe­r­instanz­li­chen Ge­rich­te von 1986) in geänder­ter Fas­sung.
Nach die­sen Re­geln wird die Of­fen­le­gung ei­nes Schriftstücks be­wil­ligt, wenn nach­ge­wie­sen ist, dass es für die vom Rechts­streit auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen er­heb­lich ist und dass es ins­be­son­de­re not­wen­dig ist, da­mit ge­recht über die Sa­che ent­schie­den wer­den kann.
Un­be­scha­det des­sen, dass ein Schriftstück als er­heb­lich und not­wen­dig be­trach­tet wird, kann sei­ne Wei­ter­ga­be ver­wei­gert wer­den, wenn es dem Be­rufs­ge­heim­nis oder der Ver­trau­lich­keit un­ter­liegt.
Im Fall ei­ner Kol­li­si­on zwi­schen Aus­kunfts­an­spruch ei­ner­seits und der Pflicht zum Schutz der Ver­trau­lich­keit bzw. zur Be­ach­tung ent­ge­gen­ste­hen­der Pflich­ten oder Ansprüche an­de­rer­seits muss das na­tio­na­le Ge­richt das We­sen des gel­tend ge­mach­ten An­spruchs und den Grad der gel­tend ge­mach­ten Ver­trau­lich­keit ge­gen das In­ter­es­se der All­ge­mein­heit an ei­ner um­fas­sen­den Of­fen­le­gung im Rah­men der Rechts­pfle­ge abwägen.
Herr Kel­ly ist aus­ge­bil­de­ter Leh­rer und wohnt in Dub­lin.
Die UCD ist ei­ne Hoch­schu­le. Für den aka­de­mi­schen Zeit­raum 2002–2004 bot sie ei­ne Aus­bil­dung mit dem Ti­tel „Mas­ters de­gree in So­ci­al Sci­ence (So­ci­al Worker) mo­de A“ (Mas­ter der So­zi­al­wis­sen­schaft [So­zi­al­ar­bei­ter] Mo­dus A) an.
Am 23. De­zem­ber 2001 stell­te Herr Kel­ly bei der ge­nann­ten Uni­ver­sität ei­nen An­trag auf Zu­las­sung zu ei­ner sol­chen Aus­bil­dung. Nach Ab­schluss des Ver­fah­rens zur Aus­wahl der Be­wer­ber wur­de ihm mit Schrei­ben vom 15. März 2002 mit­ge­teilt, dass sein An­trag ab­ge­lehnt wor­den sei.
Herr Kel­ly leg­te ge­gen die­se Ent­schei­dung im April 2002 ei­ne förm­li­che Be­schwer­de we­gen Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts beim Di­rec­tor of the Equa­li­ty Tri­bu­nal mit der Be­gründung ein, er sei qua­li­fi­zier­ter als die am ge­rings­ten qua­li­fi­zier­te Be­wer­be­rin für die erwähn­te Aus­bil­dung.
Am 2. No­vem­ber 2006 er­ließ der Equa­li­ty Of­fi­cer, der vom Di­rec­tor of the Equa­li­ty Tri­bu­nal mit der Prüfung der Be­schwer­de von Herrn Kel­ly be­traut wur­de, ei­ne Ent­schei­dung, wo­nach der Be­schwer­deführer ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts nicht schlüssig dar­ge­tan ha­be. Herr Kel­ly er­hob ge­gen die­se Ent­schei­dung Kla­ge beim Cir­cuit Court (Be­zirks­ge­richt).
Außer­dem er­hob Herr Kel­ly am 4. Ja­nu­ar 2007 Kla­ge nach Ru­le 6(6) von Or­der 57A der Cir­cuit Court Ru­les, die dem Cir­cuit Court vor­ge­legt wur­de und mit der er die An­ord­nung an die UCD be­an­trag­te, Ko­pi­en der Schriftstücke vor­zu­le­gen, die in der Kla­ge­schrift ge­nau be­schrie­ben wa­ren (dis­clo­sure, im Fol­gen­den: Of­fen­le­gungs­an­trag). Mit die­ser Kla­ge wur­de die Über­mitt­lung von Ko­pi­en der auf­be­wahr­ten An­trags­for­mu­la­re, der die­sen For­mu­la­ren als An­la­ge bei­gefügten oder dar­in ent­hal­te­nen Un­ter­la­gen und der Be­wer­tungsbögen der Be­wer­ber be­gehrt, de­ren An­trags­for­mu­la­re auf­be­wahrt wor­den wa­ren.
Der Präsi­dent des Cir­cuit Court wies die Of­fen­le­gungs­kla­ge mit Be­schluss vom 12. März 2007 ab. Am 14. März 2007 leg­te Herr Kel­ly ge­gen die­sen Be­schluss Rechts­mit­tel beim High Court ein.
Am 23. April 2007 reich­te Herr Kel­ly eben­falls beim High Court ei­nen An­trag ein, ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten zu rich­ten. Am 14. März 2008 be­fand das na­tio­na­le Ge­richt, ein sol­ches Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen sei ver­früht, denn es ha­be noch nicht über die Fra­ge ent­schie­den, ob Ein­sicht in die be­tref­fen­den Un­ter­la­gen nach na­tio­na­lem Recht gewährt wer­den könne. Nach Prüfung ge­lang­te der High Court zu dem Er­geb­nis, dass die UCD die Un­ter­la­gen, de­ren Über­mitt­lung Herr Kel­ly be­an­tragt ha­be, nicht in un­re­di­gier­ter Form of­fen­le­gen müsse.
Der High Court hat Zwei­fel, ob ei­ne Ab­leh­nung des An­trags auf Of­fen­le­gung mit dem Uni­ons­recht ver­ein­bar ist, und hat da­her das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof die fol­gen­den Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
1. Hat ein Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung, der meint, ihm sei in­fol­ge der Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes der Zu­gang zu der Be­rufs­aus­bil­dung ver­wehrt wor­den, nach Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80 An­spruch auf In­for­ma­tio­nen über die je­wei­li­gen Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für den frag­li­chen Kurs und ins­be­son­de­re der­je­ni­gen Be­wer­ber, de­nen der Zu­gang zu der Be­rufs­aus­bil­dung nicht ver­wehrt wor­den ist, da­mit der Be­wer­ber „bei ei­nem Ge­richt bzw. ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen [kann], die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“?
2. Hat ein Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung, der meint, dass ihm der Zu­gang zu der Be­rufs­aus­bil­dung „zu glei­chen Be­din­gun­gen“ ver­wehrt wor­den ist und dass er hin­sicht­lich des Zu­gangs zu der Be­rufs­aus­bil­dung „auf­grund des Ge­schlechts“ dis­kri­mi­niert wor­den ist, nach Art. 4 der Richt­li­nie 76/207 An­spruch auf im Be­sitz des Kurs­an­bie­ters be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die je­wei­li­gen Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für den frag­li­chen Kurs und ins­be­son­de­re der­je­ni­gen Be­wer­ber, de­nen der Zu­gang zu der Be­rufs­aus­bil­dung nicht ver­wehrt wor­den ist?
3. Hat ein Be­wer­ber, der sich beim Zu­gang zu ei­ner Be­rufs­aus­bil­dung für „auf­grund des Ge­schlechts“ dis­kri­mi­niert hält, nach Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73, der die „un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts“ beim „Zu­gang“ zu der Be­rufs­aus­bil­dung ver­bie­tet, An­spruch auf im Be­sitz des Kurs­an­bie­ters be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die je­wei­li­gen Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für den frag­li­chen Kurs und ins­be­son­de­re der­je­ni­gen Be­wer­ber, de­nen der Zu­gang zu der Be­rufs­aus­bil­dung nicht ver­wehrt wor­den ist?
4. Un­ter­schei­det sich die in Art. 267 Abs. 3 AEUV vor­ge­se­he­ne Pflicht in ei­nem Mit­glied­staat mit ei­nem Rechts­sys­tem, in dem der Ver­hand­lungs­grund­satz gilt, ih­rem We­sen nach von der­je­ni­gen in ei­nem Mit­glied­staat mit ei­nem Rechts­sys­tem, in dem der Un­ter­su­chungs­grund­satz gilt, und falls ja, in wel­cher Hin­sicht?
5. Können sich na­tio­na­le oder eu­ropäische Rechts­vor­schrif­ten über die Ver­trau­lich­keit auf ei­nen et­wai­gen nach Maßga­be der vor­ge­nann­ten Richt­li­ni­en be­ste­hen­den In­for­ma­ti­ons­an­spruch aus­wir­ken?
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung, der glaubt, dass ihm der Zu­gang zu die­ser Aus­bil­dung we­gen Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­wehrt wor­den ist, An­spruch auf im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für die­se Aus­bil­dung ver­leiht, um ihn in die La­ge zu ver­set­zen, „Tat­sa­chen glaub­haft [zu] ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“.
Herr Kel­ly macht gel­tend, Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80 ver­lei­he ei­ner Per­son, die sich durch die Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hal­te, ei­nen An­spruch auf Ein­sicht­nah­me in die In­for­ma­tio­nen, die, un­ter­stellt, dass die­ser Grund­satz zu Un­recht auf ihn nicht an­ge­wandt wor­den sei, vor ei­nem Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen na­tio­na­len Stel­le den Nach­weis von Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten ließen, er­bräch­ten oder er­leich­ter­ten. Bei ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung, der sich durch die Ver­let­zung die­ses Grund­sat­zes ver­letzt fühle, um­fas­se dies In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber.
Die deut­sche Re­gie­rung führt aus, der Wort­laut von Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80 ent­hal­te kei­nen Hin­weis auf die Gewährung ei­nes Aus­kunfts­an­spruchs. Die­se Be­stim­mung reg­le – wie auch die UCD und die Eu­ropäische Kom­mis­si­on gel­tend ma­chen – die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ver­la­ge­rung der Be­weis­last vom Kläger auf den Be­klag­ten. Nach An­sicht die­ser Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten er­folgt ei­ne sol­che Ver­la­ge­rung nur dann, wenn ein Be­wer­ber zu­vor Tat­sa­chen glaub­haft ge­macht hat, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten ließen.
Die Richt­li­nie 97/80 be­stimmt in Art. 4 Abs. 1, dass die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men er­grei­fen, nach de­nen dann, wenn Per­so­nen, die sich durch die Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hal­ten und bei ei­nem Ge­richt bzw. ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, es dem Be­klag­ten ob­liegt, zu be­wei­sen, dass kei­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­ge­le­gen hat (vgl. Ur­teil vom 10. März 2005, Ni­ko­lou­di, C‑196/02, Slg. 2005, I‑1789, Rand­nr. 68).
Da­her ob­liegt es der Per­son, die sich durch die Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hält, zunächst Tat­sa­chen glaub­haft zu ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen. Nur wenn die­se Per­son sol­che Tat­sa­chen glaub­haft macht, hat der Be­klag­te so­dann nach­zu­wei­sen, dass kei­ne Ver­let­zung des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots vor­liegt.
Hier­zu geht aus dem 13. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 97/80 her­vor, dass es dem ein­zel­staat­li­chen Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le ob­liegt, die Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, im Ein­klang mit den in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten zu be­wer­ten.
Da­her ob­liegt es dem vor­le­gen­den Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen iri­schen Stel­le, im Ein­klang mit den iri­schen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten zu be­ur­tei­len, ob Herr Kel­ly Tat­sa­chen glaub­haft ge­macht hat, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen.
Es ist je­doch klar­zu­stel­len, dass mit der Richt­li­nie 97/80 nach ih­rem Art. 1 ei­ne wirk­sa­me­re Durchführung der Maßnah­men gewähr­leis­tet wer­den soll, die von den Mit­glied­staa­ten in An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ge­trof­fen wer­den, da­mit je­der, der sich we­gen Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hält, sei­ne Rech­te nach et­wai­ger Be­fas­sung an­de­rer zuständi­ger Stel­len ge­richt­lich gel­tend ma­chen kann.
So sieht zwar Art. 4 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie kei­nen spe­zi­fi­schen An­spruch ei­ner Per­son, die sich durch die Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hält, auf Ein­sicht­nah­me in In­for­ma­tio­nen vor, um sie in die La­ge zu ver­set­zen, „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“, gemäß die­ser Be­stim­mung glaub­haft zu ma­chen, doch kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass ei­ne Ver­wei­ge­rung von In­for­ma­tio­nen durch den Be­klag­ten im Rah­men des Nach­wei­ses sol­cher Tat­sa­chen die Ver­wirk­li­chung des mit die­ser Richt­li­nie ver­folg­ten Ziels be­ein­träch­ti­gen und auf die­se Wei­se die­ser Be­stim­mung ih­re prak­ti­sche Wirk­sam­keit neh­men kann.
In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten kei­ne Re­ge­lung, auch straf­recht­li­cher Art, an­wen­den dürfen, die die Ver­wirk­li­chung der mit ei­ner Richt­li­nie ver­folg­ten Zie­le gefähr­den und sie da­mit ih­rer prak­ti­schen Wirk­sam­keit be­rau­ben könn­te (vgl. Ur­teil vom 28. April 2011, El Dri­di, C‑61/11 PPU, Slg. 2011, I‑0000, Rand­nr. 55).
In Art. 4 Abs. 3 EUV heißt es nämlich, dass die Mit­glied­staa­ten u. a. „al­le ge­eig­ne­ten Maßnah­men all­ge­mei­ner oder be­son­de­rer Art zur Erfüllung der Ver­pflich­tun­gen [er­grei­fen], die sich aus den Verträgen oder den Hand­lun­gen der Or­ga­ne der Uni­on er­ge­ben“, und „al­le Maßnah­men [un­ter­las­sen], die die Ver­wirk­li­chung der Zie­le der Uni­on gefähr­den könn­ten“; da­zu gehören auch die mit den Richt­li­ni­en ver­folg­ten Zie­le (vgl. Ur­teil El Dri­di, Rand­nr. 56).
Im vor­lie­gen­den Fall geht je­doch aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung her­vor, dass der Präsi­dent des Cir­cuit Court zwar die Of­fen­le­gungs­kla­ge von Herrn Kel­ly ab­ge­wie­sen hat, doch hat die UCD vor­ge­schla­gen, Herrn Kel­ly ei­nen Teil der von ihm be­an­trag­ten In­for­ma­tio­nen zu­kom­men zu las­sen, was die­ser nicht be­strit­ten hat.
Da­her ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung, der meint, dass ihm der Zu­gang zu die­ser Aus­bil­dung we­gen Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­wehrt wor­den ist, kei­nen An­spruch auf im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für die­se Aus­bil­dung ver­leiht, um ihn in die La­ge zu ver­set­zen, gemäß die­ser Be­stim­mung „Tat­sa­chen glaub­haft [zu] ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“.
Es kann je­doch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass ei­ne Ver­wei­ge­rung von In­for­ma­tio­nen durch ei­nen Be­klag­ten im Rah­men des Nach­wei­ses sol­cher Tat­sa­chen die Ver­wirk­li­chung des mit die­ser Richt­li­nie ver­folg­ten Ziels be­ein­träch­ti­gen und auf die­se Wei­se ins­be­son­de­re de­ren Art. 4 Abs. 1 ih­re prak­ti­sche Wirk­sam­keit neh­men kann.
Mit der zwei­ten und der drit­ten Fra­ge, die ge­mein­sam zu be­ant­wor­ten sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 4 der Richt­li­nie 76/207 oder Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung ei­nen An­spruch auf Ein­sicht­nah­me in im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber um die­se Aus­bil­dung ver­lei­hen, wenn die­ser Be­wer­ber meint, kei­nen Zu­gang zu die­ser Aus­bil­dung nach den glei­chen Kri­te­ri­en wie die an­de­ren Be­wer­ber ge­habt zu ha­ben und im Sin­ne von Art. 4 auf­grund des Ge­schlechts dis­kri­mi­niert wor­den zu sein, oder wenn die­ser Be­wer­ber rügt, im Sin­ne von Art. 1 Nr. 3 auf­grund des Ge­schlechts in Be­zug auf den Zu­gang zu die­ser Be­rufs­aus­bil­dung dis­kri­mi­niert wor­den zu sein.
Herr Kel­ly ver­tritt die An­sicht, dass Art. 4 der Richt­li­nie 76/207 oder Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73 ei­ner Per­son, die mei­ne, dass ihr der Zu­gang zu ei­ner Be­rufs­aus­bil­dung we­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ver­wei­gert wor­den sei, ei­nen An­spruch auf In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für die be­tref­fen­de Be­rufs­aus­bil­dung ver­lei­he.
Die deut­sche Re­gie­rung und die Kom­mis­si­on ma­chen gel­tend, dass die erwähn­ten Be­stim­mun­gen in­halt­li­che Re­ge­lun­gen in Be­zug auf das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts dar­stell­ten und nichts mit der Fra­ge der Ver­fah­rens­re­geln zu tun hätten. Die­se Be­stim­mun­gen sei­en nicht hin­rei­chend kon­kret ge­fasst, um die An­nah­me zu er­lau­ben, dass sich dar­aus ein An­spruch auf Durchführung ei­ner be­stimm­ten Maßnah­me wie ei­nes In­for­ma­ti­ons­an­spruchs er­ge­be.
Aus dem Wort­laut von Art. 4 der Richt­li­nie 76/207 oder Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73 geht nicht her­vor, dass ein Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung über ei­nen An­spruch auf Ein­sicht­nah­me in im Be­sitz von de­ren Ver­an­stal­ter be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für die­se Aus­bil­dung verfügt.
Art. 4 Buchst. c. der Richt­li­nie 76/207 sieht nämlich vor, dass die An­wen­dung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung auf den Zu­gang zu al­len Ar­ten und Stu­fen der Be­rufs­bil­dung be­inhal­tet, dass die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men tref­fen, um si­cher­zu­stel­len, dass Be­rufs­bil­dung – vor­be­halt­lich der in ei­ni­gen Mit­glied­staa­ten be­stimm­ten pri­va­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen gewähr­ten Au­to­no­mie – auf al­len Stu­fen zu glei­chen Be­din­gun­gen oh­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts zugäng­lich ist.
Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73 be­stimmt, dass die An­wen­dung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung be­deu­tet, dass es im öffent­li­chen und pri­va­ten Be­reich ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len in Be­zug auf den Zu­gang zu al­len For­men und al­len Ebe­nen der Be­rufs­be­ra­tung, der Be­rufs­aus­bil­dung, der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung und der Um­schu­lung ein­sch­ließlich der prak­ti­schen Be­rufs­er­fah­rung kei­ner­lei un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ge­ben darf. Zu die­sem Zweck tref­fen die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass die Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, die dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zu­wi­der­lau­fen, auf­ge­ho­ben wer­den.
Die erwähn­ten Be­stim­mun­gen die­nen nämlich da­zu, die An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes beim Zu­gang zur Be­rufs­aus­bil­dung um­zu­set­zen, doch über­las­sen sie nach Art. 288 Abs. 3 AEUV den in­ner­staat­li­chen Stel­len die Wahl der Form und der Mit­tel beim Tref­fen der er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass „die Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten“, die dem erwähn­ten Grund­satz zu­wi­der­lau­fen, auf­ge­ho­ben wer­den.
So­mit lässt sich den ge­nann­ten Be­stim­mun­gen kei­ne be­son­de­re Ver­pflich­tung ent­neh­men, die ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung Ein­sicht­nah­me in die In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber er­laub­te.
Da­her ist auf die zwei­te und die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 4 der Richt­li­nie 76/207 oder Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung kei­nen An­spruch auf Ein­sicht­nah­me in im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber um die­se Aus­bil­dung ver­lei­hen, wenn die­ser Be­wer­ber meint, kei­nen Zu­gang zu die­ser Aus­bil­dung nach den glei­chen Kri­te­ri­en wie die an­de­ren Be­wer­ber ge­habt zu ha­ben und im Sin­ne von Art. 4 auf­grund des Ge­schlechts dis­kri­mi­niert wor­den zu sein, oder wenn die­ser Be­wer­ber rügt, im Sin­ne von Art. 1 Nr. 3 auf­grund des Ge­schlechts in Be­zug auf den Zu­gang zu die­ser Be­rufs­aus­bil­dung dis­kri­mi­niert wor­den zu sein.
Mit sei­ner fünf­ten Fra­ge, die vor der vier­ten Fra­ge zu prüfen ist, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob der In­for­ma­ti­ons­an­spruch nach den Richt­li­ni­en 76/207, 97/80 und 2002/73 durch uni­ons- oder na­tio­nal­recht­li­che Be­stim­mun­gen über die Ver­trau­lich­keit berührt wer­den kann.
In An­be­tracht der Ant­wort, die auf die ers­ten drei Fra­gen ge­ge­ben wor­den ist, und an­ge­sichts des­sen, dass der Ge­richts­hof im Ver­fah­ren nach Art. 267 AEUV nicht zur Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts be­fugt ist, da die­se Auf­ga­be aus­sch­ließlich Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts ist (vgl. Ur­tei­le vom 7. Sep­tem­ber 2006, Mar­ro­su und Sar­di­no, C‑53/04, Slg. 2006, I‑7213, Rand­nr. 54, und vom 18. No­vem­ber 2010, Ge­or­giev, C‑250/09 und C‑268/09, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 75), ist die fünf­te Fra­ge so zu ver­ste­hen, dass das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen möch­te, ob ein Recht, sich auf ei­ne der in den ers­ten drei Fra­gen ge­nann­ten Richt­li­ni­en für den Zu­gang zu im Be­sitz des Ver­an­stal­ters ei­ner Be­rufs­aus­bil­dung be­find­li­chen In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der Be­wer­ber zu be­ru­fen, durch Be­stim­mun­gen des Uni­ons­rechts über die Ver­trau­lich­keit berührt wer­den kann.
Herr Kel­ly ist der An­sicht, ein durch ei­nen ver­bind­li­chen Rechts­akt der Uni­on, auch ei­ne Richt­li­nie, wie sie in Art. 288 Abs. 3 AEUV de­fi­niert sei, gewähr­tes Recht könne nicht durch na­tio­na­le Rechts­vor­schrif­ten oder de­ren Um­set­zung, son­dern nur durch ei­nen an­de­ren ver­bind­li­chen Rechts­akt der Uni­on berührt wer­den.
Die UCD und die deut­sche Re­gie­rung ver­tre­ten die An­sicht, die­se Fra­ge sei nur hilfs­wei­se zu be­ant­wor­ten, denn ein Aus­kunfts­an­spruch der vom Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens be­schrie­be­nen Art be­ste­he gemäß Art. 4 der Richt­li­nie 76/207 und Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73 nicht. Soll­te der Ge­richts­hof je­doch zu dem Er­geb­nis ge­lan­gen, dass die­se Be­stim­mun­gen Herrn Kel­ly ei­nen sol­chen An­spruch ver­schaff­ten, ha­be die Ver­trau­lich­keit, die ein im Uni­ons­recht an­er­kann­ter und in meh­re­ren Rechts­ak­ten der Uni­on ver­an­ker­ter Be­griff sei, Vor­rang vor die­sem In­for­ma­ti­ons­an­spruch.
Wie der Ge­richts­hof in Rand­nr. 38 des vor­lie­gen­den Ur­teils ent­schie­den hat, ver­leiht Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80 ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung, der meint, dass ihm der Zu­gang zu die­ser Aus­bil­dung we­gen Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­wehrt wor­den sei, kei­nen An­spruch auf im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für die­se Aus­bil­dung, um ihn in die La­ge zu ver­set­zen, gemäß die­ser Be­stim­mung „Tat­sa­chen glaub­haft [zu] ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“.
Er hat je­doch in Rand­nr. 39 des vor­lie­gen­den Ur­teils auch fest­ge­stellt, dass ei­ne Ver­wei­ge­rung von In­for­ma­tio­nen durch ei­nen Be­klag­ten im Rah­men des Nach­wei­ses sol­cher Tat­sa­chen die Ver­wirk­li­chung des mit der Richt­li­nie 97/80 ver­folg­ten Ziels be­ein­träch­ti­gen und auf die­se Wei­se ins­be­son­de­re de­ren Art. 4 Abs. 1 die prak­ti­sche Wirk­sam­keit neh­men kann.
Bei der Be­ur­tei­lung sol­cher Umstände müssen die na­tio­na­len Ge­rich­te oder an­de­ren zuständi­gen Stel­len die Ver­trau­lich­keits­be­stim­mun­gen berück­sich­ti­gen, die sich aus den Ak­ten des Uni­ons­rechts wie der Richt­li­nie 95/46/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 24. Ok­to­ber 1995 zum Schutz natürli­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten und zum frei­en Da­ten­ver­kehr (ABl. L 281, S. 31) und der Richt­li­nie 2002/58/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 12. Ju­li 2002 über die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten und den Schutz der Pri­vat­sphäre in der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on (Da­ten­schutz­richt­li­nie für elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on) (ABl. L 201, S. 37) in der durch die Richt­li­nie 2009/136/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 25. No­vem­ber 2009 (ABl. L 337, S. 11) geänder­ten Fas­sung er­ge­ben. Der Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten ist auch in Art. 8 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on vor­ge­se­hen.
Da­her ist auf die fünf­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass dann, wenn sich ein Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung für die Ein­sicht­nah­me in im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber auf die Richt­li­nie 97/80 be­ru­fen könn­te, die­ser Ein­sicht­nah­me­an­spruch durch die Be­stim­mun­gen des Uni­ons­rechts über die Ver­trau­lich­keit berührt wer­den kann.
Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die in Art. 267 Abs. 3 AEUV vor­ge­se­he­ne Pflicht un­ter­schied­li­cher Art ist je nach­dem, ob in ei­nem Mit­glied­staat ein Rechts­sys­tem be­steht, in dem der Ver­hand­lungs­grund­satz gilt, oder ein Rechts­sys­tem, in dem der Un­ter­su­chungs­grund­satz gilt.
Herr Kel­ly macht gel­tend, dass die Ver­pflich­tung ei­nes na­tio­na­len Ge­richts, das in ei­nem Rechts­sys­tem ent­schei­de, in dem der Ver­hand­lungs­grund­satz gel­te, dem Ge­richts­hof Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen, wei­ter ge­he als die ei­nes Ge­richts ei­nes Mit­glied­staats, in dem der Un­ter­su­chungs­grund­satz gel­te, denn in ei­nem Rechts­sys­tem, in dem der Ver­hand­lungs­grund­satz gel­te, sei­en es die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten und nicht das Ge­richt selbst, die Form, In­halt und Ab­lauf des Ver­fah­rens be­stimm­ten. Da­her könne ein na­tio­na­les Ge­richt in die­sem Staat ei­ne von ei­nem Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge sach­lich nicht ändern oder dem Ge­richts­hof sei­ne ei­ge­ne An­sicht über die Art und Wei­se, in der die Fra­ge zu ent­schei­den sei, vor­tra­gen.
Die UCD, die deut­sche Re­gie­rung und die Kom­mis­si­on sind übe­rein­stim­mend der Auf­fas­sung, dass das We­sen der in Art. 267 Abs. 3 AEUV vor­ge­se­he­nen Ver­pflich­tung nicht von den be­son­de­ren Merk­ma­len der Rechts­sys­te­me der Mit­glied­staa­ten abhänge. Fer­ner er­ge­be sich aus dem Ur­teil vom 6. Ok­to­ber 1982, Cil­fit u. a. (283/81, Slg. 1982, 3415), dass es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts sei, zu ent­schei­den, ob und ge­ge­be­nen­falls wie die Vor­la­ge­fra­gen zu stel­len sei­en.
Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs wird mit Art. 267 AEUV ein Vor­ab­ent­schei­dungs­me­cha­nis­mus fest­ge­legt, der un­ter­schied­li­che Aus­le­gun­gen des von den na­tio­na­len Ge­rich­ten an­zu­wen­den­den Uni­ons­rechts ver­hin­dern und die An­wen­dung die­ses Rechts gewähr­leis­ten soll, in­dem er dem na­tio­na­len Rich­ter die Möglich­keit gibt, die Schwie­rig­kei­ten aus­zuräum­en, die sich aus dem Er­for­der­nis er­ge­ben könn­ten, dem Uni­ons­recht im Rah­men der Ge­richts­sys­te­me der Mit­glied­staa­ten zu vol­ler Gel­tung zu ver­hel­fen (vgl. in die­sem Sin­ne Gut­ach­ten 1/09 vom 8. März 2011, Slg. 2011, I‑0000, Rand­nr. 83 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Nach Art. 267 AEUV sind die na­tio­na­len Ge­rich­te nämlich zur Vor­la­ge be­rech­tigt und ge­ge­be­nen­falls ver­pflich­tet, wenn sie von Amts we­gen oder auf An­re­gung der Par­tei­en fest­stel­len, dass es für die Ent­schei­dung des Rechts­streits auf ei­ne von Abs. 1 die­ses Ar­ti­kels er­fass­te Fra­ge an­kommt. Dar­aus folgt, dass die na­tio­na­len Ge­rich­te ein un­be­schränk­tes Recht zur Vor­la­ge an den Ge­richts­hof ha­ben, wenn sie der Auf­fas­sung sind, dass ei­ne bei ih­nen anhängi­ge Rechts­sa­che Fra­gen der Aus­le­gung oder der Gültig­keit der uni­ons­recht­li­chen Be­stim­mun­gen auf­wirft, über die die­se Ge­rich­te im kon­kre­ten Fall ent­schei­den müssen (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 16. De­zem­ber 2008, Car­te­sio, C‑210/06, Slg. 2008, I‑9641, Rand­nr. 88, und vom 22. Ju­ni 2010, Mel­ki und Ab­de­li, C‑188/10 und C‑189/10, Slg. 2010, I‑0000, Rand­nr. 41).
Der Ge­richts­hof hat wei­ter ent­schie­den, dass das Sys­tem, das mit Art. 267 AEUV ge­schaf­fen wur­de, um die ein­heit­li­che Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts in den Mit­glied­staa­ten zu gewähr­leis­ten, ei­ne un­mit­tel­ba­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem Ge­richts­hof und den na­tio­na­len Ge­rich­ten durch ein Ver­fah­ren einführt, das der Par­tei­herr­schaft ent­zo­gen ist (vgl. u. a. Ur­teil Car­te­sio, Rand­nr. 90).
Die Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung be­ruht nämlich auf ei­nem Dia­log des ei­nen mit dem an­de­ren Ge­richt, des­sen Auf­nah­me aus­sch­ließlich von der Be­ur­tei­lung der Er­heb­lich­keit und der Not­wen­dig­keit der Vor­la­ge durch das na­tio­na­le Ge­richt abhängt (Ur­teil Car­te­sio, Rand­nr. 91).
Da­her ist es zwar Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu be­ur­tei­len, ob die Aus­le­gung ei­ner Be­stim­mung des Uni­ons­rechts not­wen­dig ist, um ihm die Ent­schei­dung des bei ihm anhängi­gen Rechts­streits zu ermögli­chen, doch ob­liegt es in An­be­tracht des in Art. 267 AEUV vor­ge­se­he­nen Ver­fah­rens­me­cha­nis­mus die­sem Ge­richt, zu ent­schei­den, wie die­se Fra­gen zu for­mu­lie­ren sind.
Auch wenn es die­sem Ge­richt frei­steht, die Par­tei­en des bei ihm anhängi­gen Rechts­streits auf­zu­for­dern, For­mu­lie­run­gen vor­zu­schla­gen, die bei der Ab­fas­sung der Vor­ab­ent­schei­dungs­fra­gen über­nom­men wer­den können, ist die Ent­schei­dung so­wohl über Form als auch über In­halt die­ser Fra­gen doch letzt­lich Sa­che des Ge­richts al­lein.
Da­her ist auf die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die in Art. 267 Abs. 3 AEUV vor­ge­se­he­ne Pflicht nicht un­ter­schied­li­cher Art ist je nach­dem, ob in ei­nem Mit­glied­staat ein Rechts­sys­tem be­steht, in dem der Ver­hand­lungs­grund­satz gilt, oder ein Rechts­sys­tem, in dem der Un­ter­su­chungs­grund­satz gilt.
1. Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 97/80/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 über die Be­weis­last bei Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung, der meint, dass ihm der Zu­gang zu die­ser Aus­bil­dung we­gen Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­wehrt wor­den ist, kei­nen An­spruch auf im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber für die­se Aus­bil­dung ver­leiht, um ihn in die La­ge zu ver­set­zen, gemäß die­ser Be­stim­mung „Tat­sa­chen glaub­haft [zu] ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“.
2. Art. 4 der Richt­li­nie 76/207/EWG des Ra­tes vom 9. Fe­bru­ar 1976 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en hin­sicht­lich des Zu­gangs zur Beschäfti­gung, zur Be­rufs­bil­dung und zum be­ruf­li­chen Auf­stieg so­wie in Be­zug auf die Ar­beits­be­din­gun­gen oder Art. 1 Nr. 3 der Richt­li­nie 2002/73/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23. Sep­tem­ber 2002 zur Ände­rung der Richt­li­nie 76/207 sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­nem Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung kei­nen An­spruch auf Ein­sicht­nah­me in im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber um die­se Aus­bil­dung ver­lei­hen, wenn die­ser Be­wer­ber meint, kei­nen Zu­gang zu die­ser Aus­bil­dung nach den glei­chen Kri­te­ri­en wie die an­de­ren Be­wer­ber ge­habt zu ha­ben und im Sin­ne von Art. 4 auf­grund des Ge­schlechts dis­kri­mi­niert wor­den zu sein, oder wenn die­ser Be­wer­ber rügt, im Sin­ne von Art. 1 Nr. 3 auf­grund des Ge­schlechts in Be­zug auf den Zu­gang zu die­ser Be­rufs­aus­bil­dung dis­kri­mi­niert wor­den zu sein.
3. Wenn sich ein Be­wer­ber für ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung für die Ein­sicht­nah­me in im Be­sitz des Ver­an­stal­ters die­ser Aus­bil­dung be­find­li­che In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­fi­ka­tio­nen der an­de­ren Be­wer­ber auf die Richt­li­nie 97/80 be­ru­fen könn­te, kann die­ser Ein­sicht­nah­me­an­spruch durch die Be­stim­mun­gen des Uni­ons­rechts über die Ver­trau­lich­keit berührt wer­den.
4. Die in Art. 267 Abs. 3 AEUV vor­ge­se­he­ne Pflicht ist nicht un­ter­schied­li­cher Art je nach­dem, ob in ei­nem Mit­glied­staat ein Rechts­sys­tem be­steht, in dem der Ver­hand­lungs­grund­satz gilt, oder ein Rechts­sys­tem, in dem der Un­ter­su­chungs­grund­satz gilt.
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References: Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 1
 Art. 4
 Art. 1
 Art. 267
 Art. 267
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 1
 Art. 4

Art. 6
 Art. 2
 Art. 4
 Art. 1
 Art. 3
 Art. 1
 Art. 3

Art. 4
 Art. 4
 Art. 4
 Art. 1
 Art. 267
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 Art. 4
 Art. 1
 Art. 4
 Art. 4
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 Art. 288
 Art. 4
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 Art. 267
 Art. 288
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 Art. 8
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