Source: https://www.ihre-vorsorge.de/drv-forum/forum/detail/pflicht-oder-mindestbeitrag.html
Timestamp: 2018-07-21 15:46:49+00:00

Document:
Guten Tag, ich benötige Hilfe bzgl. der Rentenversicherung, hier Beitragszahlung.
Ich bin privat krankenversichert, aber gesetzlich rentenversichert. Seit dem 28.05.2016 bin ich krank geschrieben - Ende offen. Ich erhalte von meiner Krankenkasse Krankengeld, da die Lohnfortzahlung im August endete.
Es ist von den Ärzten geplant, eine weitere Reha zu beantragen und evtl. eine (befristete) Erwerbsminderungsrente nach der Reha zu beantragen.
Die Frage ist nun, da ich keine Beiträge an die Rentenversicherung seit Ende der Lohnfortzahlung gezahlt habe, welche Beiträge ich zahlen sollte. Pflichtbeiträge? Mindestbeiträge? Bei der Zahlung von Pflichtbeiträge würde ich ja den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zahlen müssen, was natürlich recht hoch wäre. Aber ich möchte keinesfalls, dass Lücken in meiner Beitragszeit entstehen und vor allem, dass ich mich im Falle einer Erwerbsminderung nicht schlechter stelle.
Ich wäre Ihnen daher dankbar, wenn Sie mir diese Frage beantworten könnten. Also was sinnvoller für mich wäre: Pflicht- oder Mindestbeitrag?
Sie können nur freiwillige Beiträge entrichten.
Die Höhe der Beträge reicht vom Mindestbeitrag 84,15 Euro monatlich bis zum Höchsteitrag
1159,40 Euro monatlich. In diese Rahmen können Sie die Beitragshöhe frei bestimmen und immer bis zum 31.03. des Folgejahres für das zurückliegende Kalenderjahr einzahlen oder laufend monatlich zahlen. Welche Höhe ratsam wäre, ist hier im Forum schwierig zu beantworten, da dies u.a. auch davon abhängt, wie viel Beiträge Sie in der Vergangenheit entrichtet haben und welche Beitragshöhe Sie zahlen könnten. Ich würde Ihnen raten sich mit einer Auskunft- und Beratungsstelle der DRV in Verbindung zu setzen, um abschätzen zu können, in welcher Höhe sich eine freiwillige Beitragszahlung lohnt.
In der Vergangenheit habe ich etwa (AG- und AN-Anteil) in Höhe von ca. 1.000 Euro gezahlt. Wenn ich nun den "Pflichtbeitrag" zahlen würde, würde dies bedeuten, dass ich monatlich ca. 920 Euro zahlen müsste - das ist schon sehr viel!
Wenn ich nun weniger zahle (z.B. Mindestbetrag), wie würde sich dies auf eine Erwerbs- bzw. Altersrente auswirken?
Problem ist, dass die Beratungsstellen der Rentenversicherung frühestens im April wieder Termine hier frei haben.....
Eine Antragspflichtversicherung nach §4 Abs. 3 SGB VI ist nicht möglich???
Ja, das ist prinzipiell möglich. Aber der Beitrag der sich hier errechnet (sog. Pflichtbeitrag) wäre eben 920,- Euro im Monat (Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Anteil) und das ist mir in meiner derzeitigen Situation zu viel.
Mir stellt sich auch die Frage, ob ich hier nicht auch einen Antrag auf Zahlung eines anderen oder des Mindestbeitrages stellen kann?
Wie wäre denn die Auswirkung bei Zahlung des Pflicht-/Mindesbeitrages auf eine Erwerbsminderungs- oder Altersrente? Ich bin Jahrgang 1971.
Sie der erste Satz, in welchem steht, dass nur freiwillige Beiträge entrichtet werden können (vgl. § 7 SGB VI).
Zitiert von: Bernd Gräf
Bei Einzahlung des Mindestbeitrags i.H.v. 84,15 € erhöht sich Ihr monatlicher Rentenanspruch
pro Jahr Beitragszahlung um rund 4,43 €.
Anbei noch ein Link zur Broschüre der DRV. Auf S. 11 können Sie einsehen, wie hoch die Rentenanwartschaft bei freiwilligen Beiträgen in etwa ist.
Ein freiwilliger Beitrag ist möglich? Was heißt das konkret?
Ich kann als quasi bis zum Höchstbeitrag jeden Betrag zahlen? Was ist denn dann der Unterscheid zwischen einem Antrag auf Pflichtversicherung und freiwilliger Versicherung? Was hat welcher Antrag für Konsequenzen auf eine Erwerbsminderungs. bzw. Altersrente?
Ich sage es mal platt: Wenn die Zahlung des Höchstbeitrages (hier bei mir 925 Euro) gegenüber dem Mindestbeitrag später nur "ein paar Cent" pro Monat ausmacht, zahle ich natürlich nur den Mindestbeitrag. Oder habe ich hinsichtlich Reha, Erwerbsminderung usw. Nachteile, wenn ich statt der Pflichtversicherung eine freiwillige Versicherung bentrage?
Bei freiwilligen Beiträgen können Sie selbst die Höhe der Beiträge bestimmen, wie oben beschrieben. Dieser muss zwischen dem Mindest- und dem Höchstbeitrag liegen und kann auch noch im Folgejahr bis zum 31.03. für das zurückliegende Jahr gezahlt werden.
Die Rentenanwartschaftshöhe ist abhängig davon, in welcher Höhe Sie freiwillige Beiträge geleistet haben (siehe Seit 11 der Broschüre).
Vielen Dank - das habe ich nun verstanden. Es gibt also quasi hier keinen Unterschied zwischen dem Antrag auf Pflicht- oder dem Antrag auf freiwillige Versicherung. Auf Seite 11 der Broschüre sind die Auswirkungen ja beschrieben.
Aber habe ich bei Bentragung der Erwerbsminderungsrente oder einer Reha ggf. Nachteile je nachdem welchen Beitrag ich zahle?
Wichtig ist vor allem, dass Sie mit freiwilligen Beiträgen die Anwartschaft für eine Erwerbsminderungsrente NICHT erhalten können, sondern nur mit Pflichtbeiträgen. Das ist nur über § 4 Abs. 3 SGB VI möglich. Die Versicherungspflicht ist auf längstens 18 Monate begrenzt (dies entspricht dem Leistungsrahmen bei Krankengeldbezug der Pflichtversicherten) und endet bei Beendigung der AU. Sie hat auch den Vorteil, dass später evtl. eintretende Anrechnungszeiten anrechenbar werden.
Wird der Antrag auf Versicherungspflicht nicht innerhalb von 3 Monaten gestellt, beginnt die Versicherungspflicht erst mit dem Tag, der dem Tag des EINGANGS des Antrags auf Versicherungspflicht folgt. Da Sie bereits seit Mai 2016 Krankentagegeld beziehen, wäre Versicherungspflicht frühestens ab Januar 2017 möglich, wenn der Antrag bis spätestens 25.01.2017 gestellt wird (lieber ein paar Tage früher als knapp am Monatsende).
Ich empfehle Ihnen ebenfalls dringend einen Beratungstermin. Sie können sich auch bei einem Versichertenberater erkundigen (in der Hoffnung, dort früher einen Termin zu bekommen und dass der VB sich auch auskennt). Oder Sie fragen SCHRIFTLICH bei Ihrer zuständigen DRV nach mit der Bitte, in welcher genauen Höhe Sie Pflichtbeitrag zahlen müssten. Um die Frist zu wahren, können Sie zunächst einen FORMLOSEN Antrag auf Pflichtversicherung stellen.
Freiwillige Beiträge erhöhen zwar die späteren Renten, aber vielleicht irgendwann den Versicherungsschutz für eine EM-Rente zu verlieren, halte ich nicht für ratsam.
- ich müsste also "in den Apfel beißen" und die 920 Euro/Monat zahlen?
- und das längstens für 18 Monate? Richtig?
Aber wenn die Erwerbsminderungsrente nun - z.B. - im Mai 2017 beantragt wird? Verliere ich dann den Anspruch hierauf, wenn ich bis dahin keine Pflichtbeiträge gezahlt habe?
Müssen müssen Sie nichts. :-)
Erkundigen Sie sich deshalb bitte bei Ihrem RV-Träger, denn ich kenne Ihren Versicherungsverlauf nicht und nur dort kann man Sie individuell beraten.
Bei einer EM-Rente kommt es auf den Eintritt des Leistungsfalles, nicht auf das Datum des Rentenantrags an. Dieses Jahr werden Sie den Anspruch noch nicht verlieren, denn Sie waren ja bis Mai 2016 als Arbeitnehmer pflichtversichert. Und selbst wenn der Antrag auf EM-Rente gestellt wird, heißt das noch lange nicht, dass eine Rente auch bewilligt wird.
In den letzten 5 Jahren vor Eintritt des Leistungsfalles müssen mindestens 36 Monate mit Pflichtbeiträgen belegt sein. Also wenn Sie vor der AU immer lückenlos pflichtversichert waren, verlieren Sie (ab Mai?) 2019 den Versicherungsschutz.
Nach der Arbeitsunfähigkeit können Sie entweder wieder arbeiten, Sie melden sich arbeitslos oder Sie beziehen eine EM-Rente.
Danke! Sehr gute Antwort!!!!
Aber was, wenn die AU immer wieder verlängert wird? Ich bin ja privat krankenversichert.... endet die irgendwann automatisch??
Ja ich zahle seit 1990 ununterbrochen Pflichtbeiträge. Dh im Grunde würde ja nichts "passieren" wenn ich jetzt rückwirkend zB 6 Monate den Mindestbeitrag zahle? Wäre eine spätere Pflichtversicherung möglich?
Peterle II
die Antwort ist nicht m.E. zutreffend, anhand der Schilderung ist eine Antragspflichtversicherung nach § 4 Abs. 3 S. 1 Nr. 2 SGB VI für exakt diesen Personenkreis möglich (private Krankenversicherung und Krankentagegeld). §7 ist eine Möglichkeit, schließt aber doch die Antragspflichtversicherung nicht aus, oder? Was in welchem Maße für den Einzelfall sinnvoll ist, steht sicherlich auf einem anderen Blatt, dass sich hier aber die freiwillge Versicherung aufdrängen würde, gibt der Sachverhalt nicht her.
Zitiert von: Peterle II
da haben Sie Recht. Ich hatte die Möglichkeit bereits ausgeschlossen, da der Threadsteller meinte, die Beiträge wären zu hoch. Insofern ist es aber korrekt, dass sowohl die freiwillige Versicherung als auch die Antragspflichtversicherung in Betracht kommen würde.
Eine abschließende Beurteilung, was vorliegend am sinnvollsten ist, kann hier jedoch nicht zufriedenstellend getroffen werden, so dass aus der Sicht von Bernd Gräf ratsam wäre eine Auskunft- und Beratungsstelle aufzusuchen.
Entscheidend sind neben der Beitragshöhe vor allem die Folgen.
Und es bleibt meine Frage, ob die AU auch bei privat Versicherten irgendwann endet und Sieges mit dem Anspruch ruch auf EM Rente aussieht.
der Nachweis einer Anrechnungszeit/Krankheit reicht hier bereits zum Erhalt des EM-Anspruchs aus, eine Aufrechterhaltung des Versicherungsschutzes durch Pflichtbeiträge ist nicht erforderlich (dient lediglich der adäquaten Rentensteigerung in dieser Zeit).
Der Nachweis ist allgemein über med. Unterlagen möglich:
http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_58ABS1S1NR1AR4
dieser Abs. trifft eher zu, Bernd Gräf kann ohne die Antragspflichtversicherung nach §4 auch keine AZ wegen Krankheit bekommen!
Auszug aus § 58 Abs. (3) Anrechnungszeiten wegen Arbeitsunfähigkeit oder der Ausführung der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben liegen bei Versicherten, die nach § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 >>(SGB VI § 4 G0) versicherungspflichtig werden konnten, erst nach Ablauf der auf Antrag begründeten Versicherungspflicht vor.

References: §4
 § 7
 § 4
 § 4
 §7
 §4
 § 58
 § 4
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