Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=24.06.2004&Aktenzeichen=VII%20ZR%20271/01
Timestamp: 2019-08-20 04:10:10+00:00

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BGH, 24.06.2004 - VII ZR 271/01 - dejure.org
https://dejure.org/2004,1189
BGH, 24.06.2004 - VII ZR 271/01 (https://dejure.org/2004,1189)
BGH, Entscheidung vom 24.06.2004 - VII ZR 271/01 (https://dejure.org/2004,1189)
BGH, Entscheidung vom 24. Juni 2004 - VII ZR 271/01 (https://dejure.org/2004,1189)
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Bestimmung der internationalen Zuständigkeit von Gerichten; Voraussetzungen zur Kündigung eines Bauvertrags aus wichtigem Grund ohne Fristsetzung; Fristlose Kündigung eines VOB/B-Vertrages wegen positiver Vertragsverletzung; Anforderungen an vertragswidriges Verhalten; Fehlerhafte gerichtliche Feststellung als Revisionsgrund
Streit um Vergütung von zusätzlichen Leistungen
Umgang mit Baufirmen - So bieten Sie ausführenden Unternehmen bei Nachtragsforderungen paroli
VOB/B § 1 Nr. 4, § 2 Nr. 6
Berechtigung des Auftragnehmers zur Verweigerung einer zusätzlichen Bauleistung bei endgültiger Verweigerung seiner Vergütung durch Auftraggeber
Nachtragsvergütung engültig abgelehnt: Auftragnehmer darf Leistung verweigern! (IBR 2004, 486)
Es ist jedoch richterrechtlich anerkannt (vgl. BGH…, Urteil vom 8. März 2012 - VII ZR 118/10, BauR 2012, 949 Rn. 22 = NZBau 2012, 357; BGH…, Urteil vom 20. August 2009 - VII ZR 212/07, BauR 2009, 1736 Rn. 26 = NZBau 2010, 47; BGH, Urteil vom 24. Juni 2004 - VII ZR 271/01, BauR 2004, 1613, 1615, juris Rn. 24 = NZBau 2004, 612;… Urteil vom 23. Mai 1996 - VII ZR 140/95, BauR 1996, 704, 705, juris Rn. 24;… Urteil vom 30. Juni 1983 - VII ZR 293/82, BauR 1983, 459, 461, juris Rn. 11; OLG Brandenburg…, Urteil vom 15. Januar 2008 - 11 U 98/07, juris Rn. 27) und folgt aus dem Rechtsgedanken des § 314 BGB (…vgl. OLG Hamm, NZBau 2015, 480 Rn. 50; OLG Nürnberg…, Urteil vom 29. Dezember 2011 - 13 U 967/11, juris Rn. 67;… Kniffka/Schmitz, Bauvertragsrecht, 2. Aufl., § 649 Rn. 9 ff.).
Ein wichtiger Grund ist unter anderem dann anzunehmen, wenn der Auftragnehmer das für den Bauvertrag als eines auf Kooperation der Vertragspartner angelegten Langzeitvertrags vorauszusetzende Vertrauensverhältnis durch sein schuldhaftes Verhalten derart empfindlich stört, dass die Erreichung des Vertragszwecks gefährdet und dem Auftraggeber die Vertragsfortsetzung nicht mehr zumutbar ist (vgl. BGH, Urteil vom 24. Juni 2004 - VII ZR 271/01, BauR 2004, 1613, 1615, juris Rn. 24 = NZBau 2004, 612;… Urteil vom 23. Mai 1996 - VII ZR 140/95, BauR 1996, 704, 705, juris Rn. 24;… Urteil vom 30. Juni 1983 - VII ZR 293/82, BauR 1983, 459, 461, juris Rn. 11; OLG Brandenburg…, Urteil vom 15. Januar 2008 - 11 U 98/07, juris Rn. 27).
Die Beklagte war zwar befugt, die geänderte Ausführung der Lüftung anzuordnen, § 1 Nr. 3 VOB/B. Die Klägerin ihrerseits war jedoch grundsätzlich berechtigt, die geänderte Leistung zu verweigern, wenn die Beklagte die Bezahlung einer gemäß § 2 Nr. 5 VOB/B angepassten Vergütung von vornherein ablehnte (vgl. BGH, Urteil vom 24. Juni 2004 - VII ZR 271/01, BauR 2004, 1613, 1614 = NZBau 2004, 612 = ZfBR 2004, 786).
Die vorstehend beschriebenen und hier nicht erfüllten Anforderungen an die Darlegungslast des Auftragnehmers betreffend eine rechtsgeschäftliche Anordnung des Auftraggebers im Sinne einer verpflichtenden Vertragserklärung des Auftraggebers gemäß § 2 Nr. 5 VOB/B benachteiligen die Klägerin als Auftragnehmerin nicht unzumutbar, da ihr während des Bauablaufs ggf. die Möglichkeit offen stand, ein Leistungsverweigerungsrecht geltend zu machen (vgl. BGH, Urteil vom 13.03.2008, VII ZR 194/06, BGHZ 176, 34; BGH, Urteil vom 24.06.2004, VII ZR 271/01, BauR 2004, 1613), ihre Arbeiten bis auf weiteres einzustellen und auf eine Anordnung bzw. eine Einigung über einen geänderten Preis zu bestehen.
Diese Anforderungen an die Dokumentationsobliegenheiten des Auftragnehmers sind weder unzumutbar streng noch stehen sie in Widerspruch zu dem o.a. Grundsatz, dass der Auftragnehmer den Auftraggeber nicht auf Mängel der Ausschreibung hinweisen muss, denn der Auftragnehmer hat auch die weitere Alternative, seine Arbeiten im Rahmen des ihm zustehenden Leistungsverweigerungsrechts (vgl. BGH, Urteil vom 13.03.2008, VII ZR 194/06, BGHZ 176, 34; BGH, Urteil vom 24.06.2004, VII ZR 271/01, BauR 2004, 1613) einzustellen und auf eine Einigung über einen geänderten Preis zu bestehen (siehe bereits oben).
Für das Vorliegen eines wichtigen Grundes trägt der Auftraggeber die Darlegungs- und Beweislast (vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2004, VII ZR 271/04, BauR 2004, 1613;… Werner/Pastor, Der Bauprozess, 14. Auflage 2013, Rn 1752 ff. mwN).
Dass sie die Fortsetzung der Werkausführung von der Anerkennung einer Vergütungspflicht für die Zusatzleistungen abhängig machte, stellt noch kein wichtiger Grund zur Kündigung dar (vgl. auch BGH BauR 1996, 846, 847; BGH BauR 2004, 1613, 1615; OLG Celle BauR 2003, 890).
Sie brauchte nicht ihre Bereitschaft zur Erbringung von Mehrleistungen zu erklären, ohne dass die Beklagte ihre Vergütungspflicht anerkannte (vgl. BGH BauR 2004, 1613, 1615; OLG Celle BauR 2003, 890, 892;… Riedl in Heierman/Riedl/Rusam, VOB, 10. Aufl., § 2 VOB/B Rdn.139 b).
LG Magdeburg, 23.08.2011 - 9 O 1935/08
Anspruch auf Rückzahlung zu viel geleisteten Werklohns

References: § 1
 § 2
 § 314
 § 649
 § 1
 § 2
 § 2
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 2