Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F12-05-2006-4C-69-2006
Timestamp: 2016-10-28 21:52:13+00:00

Document:
4C.69/2006 (12.05.2006)
4C.69/2006 /ruo
Arbeitsvertrag; Gesamtarbeitsvertrag,
Berufung gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, III. Zivilkammer, vom 24. Januar 2006.
A.________ (nachstehend: Kl�ger) arbeitete ab 1. Februar 1990 als Metallbauer f�r die X.________ AG, Metallbau und Stahlbau (nachstehend: Beklagte). Gem�ss schriftlichem Arbeitsvertrag vom 18. Dezember 1990 galten die Anstellungsbedingungen gem�ss Gesamtarbeitsvertrag der SMU.
Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag f�r das Metallgewerbe (L-GAV) vom August 2000 sah f�r die Vertragsperiode 1. Januar 2001 - 31. Dezember 2005 im Kapitel "Sozialleistungen" folgende Regelungen vor:
"Art. 50 Grundsatz der begrenzten Lohnzahlungspflicht im Falle von unverschuldeter Verhinderung an der Arbeit
50.1 Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer f�r eine beschr�nkte Zeit den Lohn zu entrichten, wenn der Arbeitnehmer aus pers�nlichen Gr�nden und ohne Verschulden an der Erf�llung der Arbeitsleistung verhindert ist, sofern das Arbeitsverh�ltnis mehr als drei Monate gedauert hat oder f�r mehr als drei Monate eingegangen ist.
50.2 [...]
50.3 In Ber�cksichtigung vom Grundsatz gem�ss Art. 50.1 ist die Lohnzahlungspflicht im Falle von Krankheit und Unfall in einer besonderen Regelung gem�ss Art. 51 und 52 hiernach ausgestaltet.
50.4 [...]
50.5 Die Lohnzahlungspflicht des Arbeitgebers gem�ss Art. 50.1 w�hrend der beschr�nkten Zeit im Falle von Krankheit und Unfall des Arbeitnehmers ist damit abgegolten.
Art. 51 Verhinderung durch Krankheit - Versicherungspflicht
51.1 Der Arbeitgeber schliesst f�r den Arbeitnehmer eine Kollektiv- Taggeldversicherung ab. Diese versichert im Falle der Krankheit den normalen Lohn in der H�he von 80 %.
51.2 [...]
51.3 [...]
Art. 52 Versicherungsbedingungen
52.1 Die Versicherungsbedingungen sehen vor:
a. Lohnzahlungen bei Krankheit ab Beginn zu 80 % des normalen Lohnes:
b. Lohnersatz w�hrend 720 Tagen innerhalb von 900 aufeinander folgenden Tagen;
f. es d�rfen nur Versicherer gew�hlt werden, die dem Freiz�gigkeitsabkommen in den Kollektiv-Krankentaggeldversicherung zwischen der Vereinigung privater Kranken- und Unfallversicherer (PKU) und dem Konkordat der Schweizerischen Krankenversicherer (KSK) unterstellt sind.
52.2 [...]
52.3 Die Leistungen gem�ss Art. 52.1 gelten als Lohnzahlungen im Sinne von Art. 324a OR.
52.4 [...]
53.5 Dem Arbeitnehmer wird empfohlen, die Differenz der Lohnersatzleistung gem�ss Art. 52.1 Bst. a) zum vollen Monatslohn privat zu versichern.
Art. 53 Krankenversicherungen in der Berufsbranche
53.1 Die Versicherung ist bei einer vom Bunde anerkannten und dem KVG unterstellten Krankenkasse abzuschliessen.
53.2 Den Arbeitgebern wird empfohlen, die Versicherung bei der "Parit�tischen Krankenversicherung f�r das metallverarbeitende Gewerbe PKG" oder bei der "Krankenkasse Schweizerischer Metallbaufirmen KSM" abzuschliessen.
Art. 57 Lohnzahlungen bei Milit�r-, Zivildienst- und Zivilschutzdienst
57.1 Bei Leistungen von Schweizerischem Milit�r-, Zivildienst- und Zivilschutzdienst erh�lt der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber Lohn ausbezahlt. [...]
57.2 [...]
57.3 Im Rahmen der Lohnzahlungen fallen die Leistungen der EO an den Arbeitgeber.
Mit Beschluss vom 28. Dezember 2000 hat der Bundesrat insbesondere Art. 51 und Art. 52.1-52.4 L-GAV ab dem 1. Februar 2001 allgemeinverbindlich erkl�rt (vgl. BBl. 2001 S. 125 f.).
Die Beklagte schloss mit der Versicherung Z.________ eine Kollektiv-Krankentaggeldversicherung ab, welche gem�ss der gew�hlten Variante "CASH" vorsah, dass bei gleichzeitigen Taggeld- und/oder Rentenleistungen einer Sozialversicherung nur eine "Aufzahlung auf das versicherte Taggeld" zu leisten ist. Dies um Unterschied zur Variante "WIN", welche eine "Aufzahlung auf 100 % des Verdienstausfalls" vorsah.
Ab dem 8. Mai 2001 war der Kl�ger krankheitsbedingt - mit Unterbr�chen - arbeitsunf�hig. Die Versicherung Z.________ bezahlte dem Kl�ger f�r die Zeit von 8. Mai 2001 bis 21. November 2003 Krankentaggelder in der H�he von insgesamt Fr. 112'140.50.
Die Beklagte k�ndigte das Arbeitsverh�ltnis nach Ablauf der gesamtarbeitsvertraglichen Sperrfrist ordentlich auf den 3. Mai 2004.
Im Juli 2004 wurde dem Kl�ger von der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen f�r die Zeit ab 1. Februar 2003 eine Invalidenrente zugesprochen. Mit Schreiben vom 30. Juli 2004 teilte die Versicherung Z.________ dem Kl�ger mit, sie habe ihm Fr. 9'641.80 zu viel bezahlt, da die IV-Renten von den Taggeldleistungen in Abzug zu bringen seien; die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen habe bereits Fr. 8'329.-- erstattet, weshalb der Kl�ger der Versicherung Z.________ noch Fr. 1'312.80 zur�ckzubezahlen habe.
Die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen brachte den an die Versicherung Z.________ bezahlten Betrag von Fr. 8'329.-- von Nachzahlungsanspr�chen des Kl�gers in Abzug.
B. Mit anwaltlichem Schreiben vom 5. Oktober 2004 machte der Kl�ger verschiedene Forderungen geltend, darunter eine Forderung auf Schadenersatz, da die von der Beklagten abgeschlossene Taggeldversicherung der Variante "CASH" der ordentlichen Regelung der �berversicherung widerspreche und daher vom L-GAV nicht gedeckt werde.
Mit Eingabe vom 1. Februar 2005 belangte der Kl�ger die Beklagte beim Arbeitsgericht St. Gallen auf Zahlung von Fr. 12'795.80 nebst 5 % Zins seit 5. Oktober 2004. Damit forderte der Kl�ger Fr. 103.-- f�r einen zu Unrecht vorgenommenen Abzug f�r �berkleider, Fr. 1'760.-- als R�ckerstattung von BVG-Pr�mien, Fr. 977.-- f�r �berstundenzuschl�ge, Fr. 314.-- als Lohn f�r zu viel gemeldete Krankheitstage und Fr. 9'641.80 als Schadenersatz wegen ungen�gender Versicherungsdeckung bei der Krankentaggeldversicherung. Zur Begr�ndung dieser Schadenersatzforderung machte der Kl�ger geltend, der Landes-Gesamtarbeitsvertrag f�r das Metallgewerbe verlange eine Taggelddeckung von 80 % des Lohnes f�r 720 Tage. W�hrend dieser Zeit sei eine Anrechnung von IV-Renten nur statthaft, soweit Rente und Taggeldleistungen den vollen Verdienstausfall �berstiegen. Der von der Beklagten mit der Versicherung Z.________ abgeschlossene Versicherungsvertrag mit der Variante "CASH" entspreche diesen Anforderungen nicht. Die Beklagte habe daher dem Kl�ger den durch die ungen�gende Versicherungsdeckung entstandenen Schaden zu ersetzen.
In ihrer Klageantwort anerkannte die Beklagte die ersten beiden Posten und schloss im �brigen auf Abweisung der Klage. An der Hauptverhandlung verlangte der Kl�ger zus�tzlich die Zahlung von Fr. 1'018.--.
Mit Entscheid vom 3. Mai 2005 trat das Arbeitsgericht auf die an der Hauptverhandlung vorgebrachte Klage�nderung nicht ein, hiess die Klage im Umfang von Fr. 2'177.-- (Fr. 103.-- f�r Abzug �berkleider; Fr. 1'760.-- BVG-Pr�mien, Fr. 314.-- Krankheitstage und Fr. 976.50 brutto f�r �berstundenzuschl�ge) nebst 5 % Zins seit 5. Oktober 2004 gut und wies die Klage im Restbetrag ab.
Dieser Entscheid wurde vom Kl�ger mit Berufung und von der Beklagten mit Anschlussberufung angefochten. Das Kantonsgericht St. Gallen wies beide Rechtsmittel mit Entscheid vom 24. Januar 2006 ab.
Der Kl�ger erhebt eidgen�ssische Berufung mit dem Antrag, in Ab�nderung des Entscheides des Kantonsgerichts vom 24. Januar 2006 sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kl�ger in Erg�nzung des Urteils des Arbeitsgerichts St. Gallen vom 3. Mai 2005 weitere Fr. 9'641.80 nebst Zins zu 5 % seit 5. Oktober 2005 zu bezahlen. Eventuell sei die Streitsache zur Erg�nzung des Sachverhalts und neuer Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
Der angefochtene Endentscheid ist berufungsf�hig, da er eine Zivilrechtsstreitigkeit mit einem Streitwert von �ber Fr. 8'000.-- betrifft und er mit keinem ordentlichen kantonalen Rechtsmittel angefochten werden kann (Art. 46 und Art. 48 Abs. 1 OG). Auf die form- und fristgerechte Berufung ist daher einzutreten.
2.1 Das Kantonsgericht f�hrte zur Schadenersatzforderung des Kl�gers zusammengefasst aus, das vorliegende Arbeitsverh�ltnis habe zur massgebenden Zeit dem Landes-Gesamtarbeitsvertrag f�r das Metallgewerbe vom August 2000 (L-GAV) unterstanden, der in Art. 51 und 52 vorsehe, dass der Arbeitgeber f�r den Arbeitnehmer eine Kollektiv-Taggeldversicherung abzuschliessen habe, die im Falle von Krankheit den normalen Lohn in der H�he von 80 % versichert, und zwar f�r die Dauer von 720 Tagen innerhalb von 900 aufeinander folgenden Tagen. Unbestritten sei, dass diese Regelung als solche der gesetzlichen Regelung in Art. 324a Abs. 1 OR gleichwertig sei. Umstritten sei dagegen, ob der L-GAV f�r den Fall, dass dem Arbeitnehmer neben den Krankentaggeldern eine IV-Rente ausgerichtet wird, die Anrechnung der Rente vorsehe oder ob eine Anrechnung nur statthaft sei, soweit die bezahlten Krankentaggelder und die IV-Rente zusammen 100 % des Verdienstausfalls �bersteigen.
Die Auslegung von normativen Bestimmungen eines Gesamtarbeitsvertrages richte sich grunds�tzlich nach den f�r die Auslegung von Gesetzen geltenden Regeln. Allf�llige L�cken im normativen Teil eines Gesamtarbeitsvertrages k�nnten jedoch nur dann wie Gesetzesl�cken ausgef�llt werden, wenn die Tarifparteien erkennbar den Willen gehabt h�tten, die betroffene Materie umfassend zu regeln. Andernfalls sei vom Fehlen einer gesamtarbeitsvertraglichen Vereinbarung auszugehen, und es komme die gesetzliche oder einzelvertragliche Regelung zur Anwendung.
Dem Wortlaut von Art. 51.1 und 52.1 lit. a und b L-GAV lasse sich zur Frage, ob bzw. in welchem Umfang IV-Renten an die Krankentaggeldleistungen anzurechnen seien, nichts entnehmen. Auch im �brigen enthalte der L-GAV - abgesehen von Art. 57.3, welcher Leistungen gem�ss Erwerbsersatzgesetz (EOG) betreffe - keine Bestimmungen zur Koordination zwischen Leistungen aus Arbeitsvertrag bzw. Privatversicherungen einerseits und Sozialversicherungen andererseits. Auch wenn man sodann Art. 51.1 und 52.1 lit. a und b L-GAV im Gesamtzusammenhang betrachte, erg�ben sich keine Hinweise, die im vorliegenden Kontext schl�ssig seien. Insbesondere best�nden keine Anhaltspunkte daf�r, dass die in Art. 52.5 L-GAV vorgesehene Empfehlung an den Arbeitnehmer, die Differenz zwischen der Lohnersatzleistung und dem vollen Monatslohn zu versichern, die vorliegende Konstellation im Auge habe. Letztlich lasse auch der Zweck von Art. 51 f. L-GAV und/oder die Interessenlage der Tarifparteien nicht darauf schliessen, dass und gegebenenfalls wie die hier umstrittene Koordinationsfrage im L-GAV geregelt werden sollte; insbesondere fehlten Hinweise, dass sich die Tarifparteien durch qualifiziertes Schweigen f�r oder gegen eine Anrechnung von IV-Renten h�tten aussprechen wollen. Demnach sei anzunehmen, die Tarifparteien h�tten zur Koordination zwischen Leistungen aus Arbeitsvertrag/Privatversicherung einerseits und Sozialversicherungsleistungen andererseits - abgesehen von Art. 57.3 L-GAV - keine besondere Regelung getroffen. Damit liege eine L�cke des Gesamtarbeitsvertrages vor, welche durch die gesetzliche Regelung des Arbeitsvertrags im Obligationenrecht zu schliessen sei. Da diese Regelung gem�ss herrschender Lehre die Anrechnung der Leistungen der IV an die Krankentaggelder zulasse, sei die Beklagte mit der Versicherung nach der Variante "CASH" ihrer Verpflichtung zum Abschluss einer Versicherung nach Art. 51 f. L-GAV hinreichend nachgekommen. Daraus folge, dass dem Kl�ger im Zusammenhang mit der Versicherungsdeckung kein von der Beklagten zu vertretener Schaden entstanden sei.
2.2 Der Kl�ger r�gt dem Sinne nach, das Kantonsgericht habe zu Unrecht erkannt, dass Hinweise fehlten, wie die Tarifparteien die hier umstrittene Koordinationsfrage geregelt haben wollten. Es habe in historischer Hinsicht nicht beachtet, dass die im L-GAV 2000 vorgesehene Taggeldregelung bereits im L-GAV 1993 gegolten habe und erst das 1996 in Kraft getretene Krankenversicherungsgesetz (KVG) erm�glicht habe, dass die zugelassenen Krankenversicherer auch Vertr�ge nach dem Versicherungsvertragsgesetz abschliessen k�nnen. Da es 1993 noch keine solche Versicherungsprodukte gegeben habe, h�tten solche von den Sozialpartnern damals nicht gemeint sein k�nnen. Dies m�sse auch f�r den L-GAV 2000 gelten, da die Regelung des Taggelds seit 1993 unver�ndert geblieben sei. Zudem habe das Kantonsgericht Art. 53 L-GAV nicht beachtet, der vorschreibe, die Versicherung sei bei einer vom Bund anerkannten und dem KVG unterstellten Krankenkasse abzuschliessen. Dies zeige, dass die Versicherung dem KVG-Standard entsprechen m�sse. Insoweit k�men Art. 72 Abs. 5 und Art. 78 KVG zur Anwendung, wobei zu beachten sei, dass Art. 78 KVG seit 1. Januar 2003 abge�ndert und durch Art. 69 des Bundesgesetzes �ber den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts erg�nzt worden sei. Nach diesen Bestimmungen erfolge eine K�rzung des Taggeldes wegen Zusammentreffens mit Leistungen anderer Sozialversicherer nur bei �berentsch�digung, wobei das Recht auf 720 volle Taggelder gew�hrleistet sei.
2.3 Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung richtet sich die Auslegung der normativen Bestimmungen eines Gesamtarbeitsvertrages, welche auf die Vertragsbeziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern anwendbar sind, nach den f�r die Gesetzesauslegung geltenden Grunds�tzen (BGE 127 III 318 E. 2a). Die Auslegung des Gesetzes ist im Grundsatz auf die Regelungsabsicht des Gesetzgebers und die von ihm erkennbar getroffenen Wertentscheidungen auszurichten (BGE 128 I 34 E. 3b S. 41). Ausgangspunkt der Auslegung einer Gesetzesnorm bildet ihr Wortlaut. Daneben sind jedoch alle herk�mmlichen Auslegungselemente zu ber�cksichtigen. Dazu geh�ren der systematische Zusammenhang mit anderen Normen und die Entstehungsgeschichte. Von einem aus dem Wortlaut abgeleiteten Sinn einer Norm ist abzuweichen, wenn sich aus den �brigen Auslegungselementen ergibt, dass der Gesetzgeber dieses Ergebnis nicht gewollt haben kann (BGE 130 III 76 E. 4 S. 82; 127 III 318 E. 2b mit Hinweisen).
2.4 Gem�ss Art. 53 Abs. 1 L-GAV 2000 ist die Versicherung bei einer vom Bunde anerkannten und dem KVG unterstellten Krankenkasse abzuschliessen, wobei zwei Versicherungen empfohlen werden. Aus dieser Bestimmung des L-GAV ergibt sich, dass der vom Arbeitgeber abzuschliessende Versicherungsvertrag den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 18. M�rz 1994 �ber die Krankenversicherung (AS 1995 1328 ff.) entsprechen muss (vgl. Urteil 4C.504/1997 vom 17. November 1998 E. 5d). Gem�ss der urspr�nglichen Fassung von Art. 78 Abs. 2 KVG hat der Bundesrat daf�r zu sorgen, dass die Versicherten oder die Leistungserbringer durch die Leistungen der sozialen Krankenversicherung oder durch deren Zusammentreffen mit den Leistungen anderer Sozialversicherungen nicht �berentsch�digt werden. Der Bundesrat bestimmte, dass eine �berentsch�digung vorliege, wenn die jeweiligen Sozialversicherungsleistungen f�r denselben Gesundheitsschaden den der versicherten Person durch den Versicherungsfall mutmasslich entgangenen Verdienst oder Wert der ihr verunm�glichten Arbeitsleistung �bersteigt (Art. 122 Abs. 2 lit. c der Verordnung �ber die Krankenversicherung vom 27. Juni 1995; KVV; AS 1995 3867 ff., in Kraft seit 1. Januar 1996). Die Definition der �berentsch�digung wurde in das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) �berf�hrt, das am 1. Januar 2003 in Kraft trat. Gem�ss Art. 69 Abs. 2 ATSG liegt eine �berentsch�digung in dem Masse vor, als die gesetzlichen Sozialversicherungsleistungen den wegen des Versicherungsfalls mutmasslich entgangenen Verdienst zuz�glich der durch den Versicherungsfall verursachten Mehrkosten und allf�lliger Einkommenseinbussen von Angeh�rigen �bersteigen. Gem�ss Art. 69 Abs. 3 ATSG werden die Leistungen um den Betrag der �berentsch�digung gek�rzt. Nach Art. 72 Abs. 5 KVG hat die arbeitsunf�hige versicherte Person bei K�rzung des Taggeldes infolge �berentsch�digung nach Art. 78 dieses Gesetzes und Art. 69 ATSG Anspruch auf den Gegenwert von 720 vollen Taggeldern, was entsprechend der K�rzung die Fristen f�r den Bezug des Taggeldes verl�ngert (vgl. Urteil 4C.504/1997 vom 17. November 1998 E. 7).
Zusammenfassend ergibt sich aus Art. 53 Abs. 1 L-GAV, dass die Krankentaggeldversicherung bei einer Versicherung abzuschliessen ist, die dem Krankenversicherungsgesetz unterstellt ist. Dieses Gesetz l�sst eine K�rzung der Krankentaggelder bei Kumulation mit Leistungen von Sozialversicherungen - wozu insbesondere die Invalidenversicherung zu z�hlen ist - nur bei �berentsch�digung zu. Demnach ergibt sich aus dem Gesamtarbeitsvertrag in Verbindung mit dem Krankenversicherungsgesetz, von welchem Verh�ltnis der Leistungen der Krankentaggeld- und Invalidenversicherung die Tarifparteien ausgegangen sein mussten. Das Kantonsgericht hat demnach Bundesrecht verletzt, wenn es annahm, es liege insoweit eine L�cke des Gesamtarbeitsvertrages vor, welche durch das Gesetz zu schliessen sei. Da im Gesamtarbeitsvertrag eine ausdr�ckliche Regelung vorgesehen ist, kann offen bleiben, ob auf Grund der historischen Entwicklung von einer impliziten Regelung h�tte ausgegangen werden k�nnen, wie dies der Kl�ger annimmt.
3.1 Ein Arbeitgeber, der seiner Verpflichtung zum Abschluss einer Kollektivversicherung mit den zugesicherten Leistungen nicht nachkommt, haftet f�r den Schaden, welcher dem Arbeitnehmer in Form von entgangenen Versicherungsleistungen entstanden ist (BGE 115 II 251 E. 4b). Dabei handelt es sich um eine Haftung wegen Verletzung vertraglicher Pflichten bzw. wegen Nichterf�llung im Sinne von Art. 97 OR (BGE 127 III 318 E. 5 S. 326 f. mit Hinweisen). Von dieser Haftung kann sich befreien, wer nachweist, dass ihm kein Verschulden zur Last f�llt (vgl. Art. 97 Abs. 1 OR; vgl. auch Kurt Meier/Thomas Fingerhuth, Krankentaggeld statt Lohnfortzahlung, pl�doyer 3/1999 26 ff., S. 28.).
3.2 Der Kl�ger macht geltend, ihm sei dadurch ein Schaden erwachsen, dass die Beklagte keine dem Krankenversicherungsgesetz entsprechende Taggeldversicherung abgeschlossen habe, welche K�rzungen wegen der Zahlung von IV-Renten zugelassen habe. Gem�ss Art. 72 Abs. 5 KVG h�tte mangels einer �berversicherung keine Taggeldk�rzung vorgenommen werden d�rfen. Dass keine �berentsch�digung eingetreten sei, werde im angefochtenen Urteil zwar nicht ausdr�cklich best�tigt. Die entsprechende Behauptung des Kl�gers habe jedoch als anerkannt zu gelten, da sie von der Beklagten im kantonalen Verfahren nicht bestritten worden sei.
3.3 Gem�ss der vorstehenden Erw�gung 2.4 war die Beklagte vertraglich verpflichtet, eine dem Krankenversicherungsgesetz unterstellte Kollektivversicherung abzuschliessen. H�tte die Beklagte dies getan, so w�re gem�ss Art. 72 Abs. 5 und Art. 78 KVG eine K�rzung der Taggelder erst bei einer �berentsch�digung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 lit. c KVV bzw. Art. 69 Abs. 2 ATSG zul�ssig gewesen. Ob der Kl�ger zutreffend angibt, es sei keine solche �berentsch�digung entstanden, kann offen bleiben. Selbst wenn eine solche vorgelegen h�tte und die Kollektivversicherung deshalb zu einer K�rzung ihrer Leistungen berechtigt gewesen w�re, h�tte der invalid und damit langfristig arbeitsunf�hig gewordene Kl�ger gem�ss Art. 72 Abs. 5 KVG gegen�ber der Versicherung Anspruch auf den Gegenwert von 720 vollen Taggeldern gehabt, was entsprechend der K�rzung die Fristen f�r den Bezug des Taggeldes verl�ngert h�tte. Demnach ist dem Kl�ger im Umfang der von der Versicherung vorgenommenen K�rzung ihrer Leistungen um Fr. 9'641.80 ein Schaden erwachsen.
3.4 In ihrer Berufungsantwort macht die Beklagte sinngem�ss geltend, sie habe nicht schuldhaft Bestimmungen des Arbeits- bzw. Gesamtarbeitsvertrages verletzt. W�re dem Kl�ger keine Invalidenrente zugesprochen worden, so h�tte sich die Frage einer angeblichen Vertragsverletzung nicht gestellt. Da die Beklagte auf die Zusprechung solcher Renten keinen Einfluss habe, k�nne ihr nicht vorgeworfen werden, sie habe schuldhaft gehandelt, weil sie bei der Taggeldversicherung die Variante "CASH" gew�hlt habe.
3.5 Der Umstand, dass die Zusprechung von Invalidenrenten durch die Beklagte nicht beeinflusst werden kann, vermag sie nicht zu entschuldigen, da sie gerade im Hinblick auf von ihr nicht beherrschbare Umst�nde gehalten ist, die entsprechenden vertraglich vereinbarten Versicherungen abzuschliessen. Dies hat die Beklagte gem�ss den vorstehenden Erw�gungen mit der Wahl der Taggeldversicherung der Variante "CASH" nicht getan.
4.1 Der Kl�ger verlangte f�r alle eingeklagten Forderungen Verzugszins von 5 % Zins ab dem 5. Oktober 2004, welcher von den kantonalen Gerichten bez�glich der von ihnen gutgeheissenen Forderungen des Kl�gers zugesprochen wurde. Da die Mahnung vom 5. Oktober 2004 auch die vom Kl�ger erhobene Schadenersatzforderung umfasste, ist auch bez�glich dieser Forderung der verlangte Verzugszins geschuldet.
Nach dem Gesagten ist die Berufung gutzuheissen und die Sache zur Neuverlegung der Kosten des kantonalen Verfahrens an die Vorinstanz zur�ckzuweisen (Art. 157 OG). Da eine arbeitsrechtliche Streitigkeit vorliegt, deren Streitwert Fr. 30'000.-- nicht �bersteigt, werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 343 OR). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Beklagte den Kl�ger f�r das bundesgerichtliche Verfahren zu entsch�digen (Art. 159 Abs. 2 OG; BGE 122 III 495 E. 4; 115 II 30 E. 5c S. 42). Bei der Bemessung der Parteientsch�digung wird die Mehrwertsteuer im Rahmen des geltenden Tarifs pauschal ber�cksichtigt (Urteil des Bundesgerichts 2P.69/1996 vom 28. Februar 1996 E. 2, SJ 1996, S. 275).
In Gutheissung der Berufung wird das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 24. Januar 2006 dahingehend abge�ndert, dass die Beklagte verpflichtet wird, dem Kl�ger zus�tzlich zu den vom Arbeitsgericht St. Gallen am 3. Mai 2005 zugesprochenen Betr�gen Fr. 9'641.80 nebst Zins zu 5 % seit 5. Oktober 2004 zu bezahlen.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten des kantonalen Verfahrens an das Kantonsgericht zur�ckgewiesen.

References: Art. 50
 Art. 51
 Art. 50

Art. 51

Art. 52
 Art. 52
 Art. 324
 Art. 52

Art. 53

Art. 57
 Art. 51
 Art. 52
 Art. 48
 Art. 51
 Art. 324
 Art. 51
 Art. 57
 Art. 51
 Art. 52
 Art. 51
 Art. 57
 Art. 51
 Art. 53
 Art. 72
 Art. 78
 Art. 78
 Art. 69
 Art. 53
 Art. 78
 Art. 69
 Art. 69
 Art. 72
 Art. 78
 Art. 69
 Art. 53
 Art. 97
 Art. 97
 Art. 72
 Art. 72
 Art. 78
 Art. 122
 Art. 69
 Art. 72
 BGE