Source: http://www.sprachlog.de/2011/01/27/warum-die-petition-keine-aufnahme-der-deutschen-sprache-ins-grundgesetz-sinnvoll-ist/
Timestamp: 2019-11-16 01:09:19+00:00

Document:
Warum die Petition “Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz” sinnvoll ist | Sprachlog
Die Peti­tion gegen die Auf­nahme der deutschen Sprache ins Grundge­setz ist gut ange­laufen, aber bis wir die 5 200 Stim­men erre­ichen, die ich als Min­i­malziel for­muliert habe, ist es noch ein weit­er Weg. Es find­en an ver­schiede­nen Stellen inter­es­sante (manch­mal aber auch erschreck­ende) Diskus­sio­nen über die Peti­tion statt, schon diese Diskus­sio­nen waren die Sache wert. Susanne Flach hat in ihrem Blog einige der wichtig­sten inhaltlichen Argu­mente und Gege­nar­gu­mente aus der Diskus­sion exzel­lent zusam­menge­fasst; ich möchte hier kurz eine Rei­he von Argu­menten gegen die Form der Peti­tion an und für sich auf­greifen und ver­suchen, sie zu entkräften. Vielle­icht kann ich damit zögernde poten­zielle Mitzeichner/innen ermuti­gen, zu entschlosse­nen tat­säch­lichen Mitzeichner/innen zu wer­den.
„Die Peti­tion des Vere­ins Deutsche Sprache ist lächer­lich, aber mit der Gegen­pe­ti­tion lässt man sich auf das­selbe Niveau herab“, oder anders for­muliert: „Indem man eine Gegen­pe­ti­tion startet, zeigt man nur, dass man die lächer­lichen Forderun­gen des VDS ernst nimmt.“
Vielle­icht sind die Posi­tio­nen des Vere­ins Deutsche Sprache tat­säch­lich lächer­lich, aber die Peti­tion ist es sich­er nicht. Es gibt in bei­den großen Volksparteien Unter­stützer dieser Forderung, und vor allem aus der CDU kom­men mit Volk­er Kaud­er und Nor­bert Lam­mert zwei gewichtige Stim­men, die die Argu­men­ta­tion des VDS seit Jahren öffentlich und öffentlichkeitswirk­sam stützen. Die CDU hat gegen den Willen ihrer Vor­sitzen­den, Bun­deskan­z­lerin Merkel, einen Parteitags­beschluss gefasst, der die Auf­nahme des Deutschen ins Grundge­setz vor­sieht. Es han­delt sich also nicht um eine kuriose Forderung eines kleinen Sprachvere­ins, son­dern um einen ern­stzunehmenden Ver­such, ein sprach­lich­es Monopol des Deutschen im Grundge­setz festzuschreiben. Meine Peti­tion dient einem klaren Ziel: Die 46 000 Unter­schriften, die der VDS gemein­sam mit der Bild nach eige­nen Aus­sagen gesam­melt hat, dür­fen nicht unwider­sprochen als Mehrheitsmei­n­ung der Bevölkerung ste­hen bleiben.
„Die Peti­tion gegen die Auf­nahme des Deutschen ins Grundge­setz wird nicht so viele Mitze­ich­n­er zusam­men­bekom­men, wie die VDS-Peti­tion, und der VDS wird diese Tat­sache für seine eige­nen Zwecke auss­chlacht­en.“
Der VDS hat gemein­sam mit der Bild zwar 46 000 Unter­schriften gesam­melt, aber die Peti­tion hat nur 5 165 Mitze­ich­n­er. Es wird nicht ein­fach, aber ich glaube immer noch, dass wir diese Zahl übertr­e­f­fen kön­nen. Es liegt an uns allen: Wenn jed­er, der die Peti­tion bere­its geze­ich­net hat, nur drei zusät­zliche Mitze­ich­n­er gewin­nen würde, wäre es geschafft. Natür­lich bin ich mir im Klaren darüber, dass wir dieses Ziel möglicher­weise nicht erre­ichen – wenn der VDS, ein finanzs­tark­er Vere­in mit (nach eigen­er Auskun­ft) 35 000 Mit­gliedern und mit der Medi­en­macht des Springerver­lags im Rück­en nur gut 5 000 Mitze­ich­n­er zusam­men­bekommt, wäre es fast ein Wun­der, wenn es uns gelänge, ohne Vere­in und ohne Medi­en­macht auch nur die Hälfte der Mitze­ich­nun­gen zu bekom­men. Ich bin bere­it, mich der Her­aus­forderung zu stellen, und auch der Häme des VDS, wenn ich mit meinem Min­i­malziel von 5 200 Mitze­ich­nun­gen scheit­ere. Das ist immer noch bess­er, als wenn die Peti­tion des VDS völ­lig ohne Wider­spruch bliebe.
„Eine Peti­tion, die fordert, etwas nicht zu tun, ist absurd.“
Bevor ich die Peti­tion ein­gere­icht habe, habe ich darüber natür­lich nachgedacht. Eine Über­legung war, die Auf­nahme eines Grundge­set­zartikels zu fordern, der in ein­er Art Spiegel­bild zum VDS-Vorschlag expliz­it Sprachvielfalt festschreibt. Aber erstens ste­ht im Grundge­setz bere­its jet­zt „Nie­mand darf wegen … sein­er Sprache … benachteiligt oder bevorzugt wer­den“ (Artikel 3, Abs. 3); zweit­ens bin ich der Überzeu­gung, dass ich für eine über dieses Grun­drecht hin­aus­ge­hende Forderung keine nen­nenswerte Unter­stützung gefun­den hätte.
Und schließlich, und vor allen Din­gen, ist die Sache doch die: Der Sta­tus Quo ist gut. Er ste­ht aber seit Jahrzehn­ten unter einem zer­mür­ben­den Dauer­feuer von Seit­en des Vere­ins Deutsche Sprache und seinen wech­sel­nden poli­tis­chen und medi­alen Part­nern. Warum sollte man diesen Angrif­f­en begeg­nen, indem man einen eige­nen Angriff auf das Grundge­setz in sein­er derzeit­i­gen Form startet? Nein, bei der Peti­tion geht es genau darum, laut und deut­lich zu sagen: Wir wollen, dass das Grundge­setz bleibt, was es ist. Es soll ein Garant für Frei­heit sein, nicht ein Werkzeug zur Aus­gren­zung und Abschot­tung.
„Die Peti­tion gegen die Auf­nahme des Deutschen ins Grundge­setz ist eigentlich gut, aber die Begrün­dun­gen sind mir zu ober­fläch­lich.“
Es ist eine Peti­tion, kein wis­senschaftlich­er Auf­satz. Ich habe ver­sucht, die Punk­te, die aus mein­er Sicht gegen eine Auf­nahme des Deutschen ins Grundge­setz sprechen, knapp und all­ge­mein­ver­ständlich in die Sprache gesellschaft­spoli­tis­ch­er Forderun­gen zu über­set­zen. Das ist mir schw­erge­fall­en – ich bin kein Poli­tik­er, und wer mich ken­nt oder regelmäßig das Sprachlog liest, weiß, dass Diplo­matie und Kon­sens­fähigkeit nicht zu meinen naturgegebe­nen Tal­en­ten zählen. Ich muss hart daran arbeit­en, und das habe ich auch hier getan. Dabei ist ein Text her­aus­gekom­men, den ich für aufrichtig und prinzip­iell wis­senschaftlich begründ­bar halte, der aber gle­ichzeit­ig auf eine all­ge­meine Akzep­tanz bei möglichst vie­len poten­ziellen Mitzeichner/innen abzielt.
„Mir ist es egal, ob Deutsch im Grundge­setz ste­ht, oder nicht“, oder „Es gibt wichtigere Dinge.“
Wenn es egal ist, warum dann nicht ein­fach die Peti­tion mitze­ich­nen? Sie wirbt für den Sta­tus Quo! Tat­säch­lich ist es nicht egal: Es gibt Argu­mente dafür, Deutsch zur grundge­set­zlich ver­ankerten Lan­dessprache zu machen (und diese Argu­mente sind größ­ten­teils hässlich), und es gibt Argu­mente dage­gen (und die habe ich in ein­er Rei­he von früheren Beiträ­gen aus­führlich dargelegt).
Gibt es wichtigere Dinge? Nun ja, solange wir die glob­ale Erder­wär­mung nicht unter Kon­trolle gebracht, den Welt­frieden hergestellt und alle Men­schen aus­re­ichend mit Nahrungsmit­teln und Medika­menten ver­sorgt haben, wird es immer Dinge geben, die wichtiger sind als fast alles andere. Aber es gibt einen Diskurs in Deutsch­land, der das Deutsch­sein nicht über Freude an der kul­turellen Vielfalt, über die demokratis­chen Grund­prinzip­i­en und die müh­sam erar­beit­eten Frei­heit­en unser­er Gesellschaft definiert, son­dern über Abgren­zung, Abschot­tung und völ­lig fehlplatzierte Nos­tal­gie. Diesem Diskurs etwas ent­ge­gen­zuset­zen ist vielle­icht nicht ganz so wichtig wie eine Weit­er­en­twick­lung des Kyoto-Pro­tokolls, die Beendi­gung von Kriegen und Bürg­erkriegen oder ein gerecht­es Patentsys­tem für Medika­mente, aber unwichtig ist es mit Sicher­heit nicht.
Deshalb meine Bitte: Zeich­net die Peti­tion. Sie ist nicht per­fekt, aber sie ist gut und richtig.
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40 Gedanken zu „Warum die Petition “Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz” sinnvoll ist“
Markus 27. Januar 2011 um 11:17
Sehr gut, die Posi­tion der Zöger­er ernst zu nehmen und hier noch ein­mal zu ver­suchen, sie doch noch von der Bedeu­tung des Zeich­nens der Gegen­pe­ti­tion zu überzeu­gen. Danke für den Ein­satz.
Kommentor 27. Januar 2011 um 11:24
“Gibt’s nichts wichtigeres?” Ja! Na und?
Hier gibt es eine sehr schöne, aus­führliche Zusam­men­fas­sung und Wider­legung des “Wichtiger”-Scheinarguments, mit dem in der Regel etwas ver­meintlich unwichtiges zu ver­hin­dern ver­sucht wird:
(Zwar ursprünglich in anderem the­ma­tis­chen Zusam­men­hang als “Deutsch im GG”, aber all­ge­mein genug for­muliert.)
Stefan 27. Januar 2011 um 11:44
Erledigt (und mich wegen dieser Bagatelle extra beim Bun­destag reg­istri­ert). Danke für dieses Blog (das wollte ich ohne­hin mal loswer­den) und die sehr sin­nvolle Diskus­sion. Sprache wird unter­schätzt. Demokratie und Gesellschaft sind sprachge­bun­den.
Sven Türpe 27. Januar 2011 um 11:56
Wenn es egal ist, warum dann nicht ein­fach die Peti­tion mitze­ich­nen?
(1) Aus ökonomis­chen Grün­den. Da es unbe­gren­zt viele Angele­gen­heit­en geben kann — vielle­icht sog­ar muss — die einem egal sind, ist jed­er beliebig kleine Aufwand schon zuviel, wenn man stets dieselbe Strate­gie anwen­det. Das aber muss man, denn wenn man einzelne Angele­gen­heit­en her­aushebt und anders behan­delt, sind sie einem ger­ade nicht mehr egal.
(2) Aus poli­tisch-philosophis­chen Grün­den. Ein Staat ist kein Mach­tap­pa­rat zur Gestal­tung der Gesellschaft nach irgend jeman­des Vorstel­lun­gen. Der Staat ist eine Zwangs­ge­mein­schaft mit spez­i­fis­chen Auf­gaben, die sich auf­grund gesellschaftlich­er Entwick­lun­gen wan­deln kön­nen. Was den meis­ten Leuten egal ist, kann keine bedeut­same gesellschaftliche Entwick­lung sein und soll den Staat nicht berühren.
(3) Aus seman­tis­chen Grün­den. Eine Enthal­tung ist eine Enhal­tung und keine Stimme für die eine oder die andere Seite. Deut­lich­er: wenn es egal ist und ich trotz­dem Partei ergreifen soll, warum dann nicht für die Gegen­seite? Nach der aktuellen Zahl der Stim­men würde dies immer­hin die Chance erhöhen, am Ende zu den Gewin­nern zu gehören. Wenn es egal ist, kann man ja nüchtern kalkulieren.
[Zu 1: Alles beim Sta­tus Quo zu lassen ist ökonomis­ch­er als eine Grundge­set­zän­derung — also: mitze­ich­nen! Zu 2: Wenn der Staat kein Mach­tap­pa­rat zur Gestal­tung der Gesellschaft ist, wäre es am besten, wenn er hier nicht aktiv würde son­dern alles beim Alten ließe — also: mitze­ich­nen! Zu 3: Je eher das Min­i­malziel erre­icht ist, desto eher höre ich auf, über das The­ma zu reden. Wem das The­ma egal ist, der sollte sich wün­schen, dass das so schnell wie möglich passiert — also: mitze­ich­nen. — A.S.]
Matthias 27. Januar 2011 um 13:59
Türkisch als zweite Amt­sprache!
Eine der vier Amt­sprachen bei uns in der Schweiz ist Rätoro­man­isch. Das wird von rund einem hal­ben Prozent der Schweiz­er Bevölkerung gesprochen. Wie sieht es mit Min­der­heit­en­sprachen in Deutsch­land aus? Da müssten doch noch ganz andere Sprachen als Deutsch in die Ver­fas­sung aufgenom­men wer­den ;-).
Klausi 27. Januar 2011 um 14:24
A.S. schrieb: Dabei ist ein Text her­aus­gekom­men, den ich für aufrichtig und prinzip­iell wis­senschaftlich begründ­bar halte…
Auszug aus der Peti­tion: Sie wäre ein Sig­nal der Abschot­tung gegen die inter­na­tionalen Fre­unde und Ver­bün­de­ten der Bun­desre­pub­lik eben­so, wie gegen die in Deutsch­land heimis­chen Mit­bürg­er mit Migra­tionsh­in­ter­grund, die einen wichti­gen Teil der bun­des­deutschen Gesellschaft, Wirtschaft und Kul­tur darstellen.
Let­zter­er Satz ist in etwa genau so “aufrichtig” und genau so gut oder so schlecht “prinzip­iell wis­senschaftlich begründ­bar” wie §2 der VDS-Satzung:
§ 2 Zweck des Vere­ins
Der Vere­in ver­fol­gt das Ziel, die deutsche Sprache als eigen­ständi­ge Kul­tur­sprache zu erhal­ten und zu fördern. Er wider­set­zt sich ins­beson­dere der fortschre­i­t­en­den Anglisierung des Deutschen und der Ver­drän­gung der deutschen Sprache aus immer mehr Bere­ichen des mod­er­nen Lebens. Er will bewirken, dass Deutsch als voll­w­er­tige Wis­senschaftssprache erhal­ten bleibt und als Arbeitssprache in inter­na­tionalen Organ­i­sa­tio­nen den ihm gebühren­den Rang erhält.
Das alles macht aber nichts, es geht let­z­tendlich auf bei­den Seit­en (nur) um Empfind­lichkeit­en. Und das darf man get­rost zugeben. Mit anderen Worten, Sie sind hier, wie ich im übri­gen auch, als gemein­er Bürg­er unter­wegs. Mit Sprach­wis­senschaft hat Ihre Peti­tion nichts zu tun.
Bei ein­er anderen Sache dreht sich bei mir, wann immer ich sie auch vernehme, mit Regelmäßigkeit der Magen um, näm­lich immer dann, wenn die Rede von Fre­un­den (und Ver­bün­de­ten) eines Staates die Rede ist. Sie und ich haben Fre­unde, Staat­en jedoch nicht, die haben nur Inter­essen. Und Ver­bün­dete sind Ver­bün­dete, mehr nicht — und das auch nur auf Zeit.
Dabei wären wir wieder beim eigentlichen The­ma. Nach meinem Dafürhal­ten ist die Peti­tion “Deutsch ins Grundge­setz” in unserem Inter­esse, Ihre hinge­gen nicht. Auch darüber kann man natür­lich unter­schiedlich­er Mei­n­ung sein, aber wie dem auch sei, bei­de Hal­tun­gen ver­di­enen keine ver­bis­se­nen Kreuz­züge.
[Die Satzung des VDS benen­nt Ziele (also zukün­ftige Ereignisse, die man her­beiführen möchte), die von Ihnen zitierte Pas­sage aus mein­er Peti­tion stellt eine Tat­sachen­be­haup­tung über eine mögliche Welt auf, in der Deutsch im Grundge­setz stünde. Die bei­den Texte kön­nen somit in Bezug auf ihre wis­senschaftliche Begründ­barkeit über­haupt nicht ver­glichen wer­den. Meine Aus­sage kann logisch und empirisch wahr oder falsch sein, es ist also eine Hypothese, die sich the­o­retisch wider­legen ließe. Die Satzung des VDS ist eine Selb­stverpflich­tung zum Han­deln, die wed­er logisch noch empirisch wahr oder falsch sein kann. Daran ist nicht der VDS schuld, son­dern Satzun­gen haben das so an sich. Allerd­ings ste­hen hin­ter der Satzung bes­timmte Prä­sup­po­si­tio­nen (z.B., dass es eine zunehmende Anglisierung und eine Ver­drän­gung der deutschen Sprache gibt. Diese Prä­sup­po­si­tio­nen sind ein­deutig empirisch falsch. Zur Frage der Inter­essen­poli­tik (die mir gar nicht wichtig ist): Wenn Ihnen kein Grund ein­fällt, warum der Verzicht auf über­flüs­sige Sig­nale nationalen Selb­st­be­wusst­seins im deutschen Inter­esse liegen kön­nte, wis­sen Sie offen­sichtlich wenig über die jün­gere deutsche Geschichte. — A.S.]
David 27. Januar 2011 um 19:11
Das sage ich Leuten, die in Uni­ver­sitätscafe­te­rien über Poli­tik und DSDS disku­tieren, auch immer: Hin­fort! hier gehört ihr nicht hin. Zurück in Eure Höhlen! (Die hören aber nie auf mich.)
Grau, K. 27. Januar 2011 um 19:34
Bei poli­tis­chen Debat­ten sind …
… in ein­er Demokratie alle Mei­n­un­gen rel­e­vant — und ernst zu nehmen.
Nur weil Herr S. ein Lin­guist und Pro­fes­sor ist, ist seine Mei­n­ung nicht trotz­dem (auch von ‘Laien’) anzweifel­bar. Mir scheint, dass die Leser hier oft zwis­chen der Mei­n­ung von Her­rn S. und dem, was man Fak­ten nen­nen sollte, nicht streng genug unter­schei­den.
Das ist so, als wenn man über Frau A. Merkel sagte, dass sie als Physik­erin bess­er über Kernkraft Bescheid wisse und daher alle Laien zum The­ma Kernen­ergie in Deutsch­land schweigen soll­ten. Natür­lich hat sie vielle­icht in manchen Gebi­eten mehr Ahnung als manch­er Laie. Trotz­dem darf man sie anzweifeln, und vor allem auch die Reich­weite ihrer Argu­mente. Das­selbe gilt hier.
Für mich ist es kein großes Wun­der, dass die Mehrheit in diesem Forum sich jedoch an Her­rn S.’ Mei­n­ung hält: es ist momen­tan ein­er­seits ‘in’ gegen Deutsch­land zu sein. (Auch solch eine Moti­va­tion ste­ht hin­ter vie­len der ‘posts’.) Und ander­er­seits ist es immer schw­er­er, gegen den Strom zu schwim­men, als mit dem Strom.
Herr S. hat in einem solchen Forum eine ver­ant­wor­tungsvolle Rolle: Als Wis­senschaftler sollte er alle Seit­en abwä­gen. Und auch mit seinen Kri­tik­ern unter allen Umstän­den sach­lich argu­men­tieren. Begriffe wie ‘Sprach­nör­gler’ oder ‘Trolls’ u.ä. sind dabei kon­trapro­duk­tiv. Nicht die Form der von den Kri­tik­ern vorge­bracht­en Argu­mente wäre zu debat­tieren, son­dern auss­chließlich die Inhalte! Wenn die Kri­tik­er selb­st sich durch Unsach­lichkeit ausze­ich­nen soll­ten, so kann man doch nur auf eine Weise reagieren: mit eigen­er Sach­lichkeit. Son­st ist man nicht bess­er.
Zulet­zt noch dies: Ich halte die ganze Diskus­sion let­zten Endes für poli­tisch und finde, dass Spek­trum an dieser Stelle als Forum miss­braucht wird. Die Diskus­sion mag wichtig sein — aber nicht hier.
Wentus 27. Januar 2011 um 20:45
Ich habe ger­ade abges­timmt. Inter­es­sant ist, dass der heutige Tag alleine etwa 150 Stim­men gebracht hat.
Mir ist vor allem wichtig, dass die Weit­er­en­twick­lung der Sprache nicht auf geset­zlichem Wege ver­hin­dert wer­den darf. Was wäre passiert, wenn man im 14. Jhd. auf die Idee gekom­men wäre, das Mit­tel­hochdeutsche festzuschreiben?
Dann hät­ten wir jet­zt eine Sit­u­a­tion wie in den ara­bis­chen Län­dern, wo eine Sprache (Hochara­bisch) geschrieben wird, und eine andere Sprache (der jew­eilige Dialekt) gesprochen wird. Dort führt es dazu, dass kaum neue Lit­er­atur her­aus­ge­bracht wird und Schulkinder Lern­be­hin­derun­gen beim Ler­nen der Schrift haben, weil sie erst eine neue Sprache ler­nen müssen.
H. Schnabl 27. Januar 2011 um 20:47
Willkom­men im Club!
Ich wollte vor der Antwort von AS schon schreiben, dass Sie sich­er gle­ich als Troll und unsach­lich beze­ich­net wer­den — wie es allen Kri­tik­ern hier geschieht … und prompt ist es passiert. Wert­er Herr Ste­fanow­itsch, wenn Sie denken, dass meine Email Adresse ‘erfun­den’ sei, dann seien Sie doch wenig­stens ‘ein­mal’ wis­senschaftlich und TESTEN Sie Ihre Mei­n­ung! Ich antworte Ihnen dann umge­hend.
Ich denke, mit dieser Antwort an Ihre Leser haben Sie bewiesen, dass Sie Ihre Mei­n­un­gen allzu oft nicht über­prüfen — und außer­dem wohl unter Ver­fol­gungswahn lei­den: alle Ihre Geg­n­er sind in Ihren Augen Lügn­er und haben falsche Emailadressen und sind wom­öglich noch alle miteinan­der iden­tisch und Sock­en­pup­pe­nac­counts. Das Tragis­che ist, dass Sie dadurch die Chance ver­säu­men, auf die Mei­n­un­gen Ihrer ‘Geg­n­er’ adäquat zu antworten. Oh, ich ver­gaß… eigentlich haben Sie ja nur einen Geg­n­er, wenn man Ihren Verdäch­ti­gun­gen Glauben schenkt.
Herr Ste­fanow­itsch, Ihr Beitrag erschien bei Spek­trum mit­ten auf der Seite und wurde auch mit Spek­trum assozi­iert. Die Spek­trum­seite wird somit miss­braucht (siehe auch die Kri­tik von Grau, ich stimme Ihnen zu), um Stim­men für Ihre Peti­tion zu gewin­nen. Neben der poli­tis­chen Aktion ist es auch eine reine Selb­st­darstel­lung von Ihnen. Ich finde es zutief­st zu bedauern, dass so etwas hier möglich ist.
Michael Allers 27. Januar 2011 um 23:23
‘in’, gegen Deutsch­land zu sein???
Hätte ich die Peti­tion nicht längst geze­ich­net, würde ich es spätestens nach Ihrem Beitrag tun.
Wer — an sich richtig — eine strenge Unter­schei­dung zwis­chen Fak­ten und Mei­n­ung fordert, sollte auch zwis­chen Fak­ten und Unter­stel­lun­gen dif­feren­zieren kön­nen.
es ist momen­tan ein­er­seits ‘in’ gegen Deutsch­land zu sein. (Auch solch eine Moti­va­tion ste­ht hin­ter vie­len der ‘posts’.)
1. ‘Wer gegen “Deutsch ins GG” ist, ist gegen die deutsche Sprache.’
Auf A.S. trifft das beleg­bar nicht zu. Auch son­st kenne ich nie­man­den, der gegen die deutsche Sprache ist. Denn es gibt schlicht keinen Grund dazu.
2. ‘Wer gegen die deutsche Sprache ist, ist gegen Deutsch­land.’
Es gibt zwar einiges, was mich an Deutsch­land bzw. an seinem Staatsvolk stört, z.B. ein gewiss­er Chau­vin­is­mus.
Das “next stop” ist über­flüs­sig und ärg­er­lich. Wir sind keine britis­che Kolonie.
Aber für solch kuriose Befind­lichkeit­en ist wiederum nicht die dt. Sprache ver­ant­wortlich zu machen.
Die Moti­va­tion der Peti­tions­be­für­worter müssen Sie schon woan­ders suchen. Viel Glück!
DrNI 28. Januar 2011 um 09:13
Es gibt immer wichtigeres. Zum Beispiel, wer beim per­fek­ten Din­ner gewin­nt, wer wie lange im Dschun­gel­camp über­lebt, welch­er Bauer welche Frau find­et und welch­er Hund mal wieder falsch erzo­gen wurde. “Es gibt Wichtigeres” ist zwar fast immer genau so richtig wie “es gibt Unwichtigeres”, am Ende ist die Aus­sage auf der gle­ichen Ebene wie “dafür wäre mir meine Zeit zu schade”: Es ist ein Aus­druck der Ger­ingschätzung eines Vorhabens oder ein­er Tätigkeit. Dass sich A.S. hier den­noch sach­lich damit auseinan­der­set­zt zeigt, dass er sich über diesem Lev­el bewegt und dafür ein­ste­ht, was *ihm* und vie­len anderen wichtig ist.
Sven Türpe 28. Januar 2011 um 11:28
Alles beim Sta­tus Quo zu belassen, sollte ger­ade hin­sichtlich des Grundge­set­zes die Regel sein. Jede Änderung an dieser Stelle sollte gewichtige Gründe erstens für den Inhalt und zweit­ens für die Tat­sache der Änderung erfordern. Ist das nicht der Fall, so liegt das Prob­lem nicht bei den­jeni­gen Spiel­ern(*), die eine zu leichte Änder­barkeit aus­nutzen, son­dern es liegt in der Entwick­lung des Spiels. Dass man gle­ichgewichtige Gegen­po­si­tio­nen zu einzel­nen Änderungsvorhaben auf­baut, wo jedes Vorhaben ide­al­er­weise schon an sein­er Bedeut­ingslosigkeit scheit­ern sollte, ist dann eine Schein­lö­sung. Zumal jede Aktion, auch jede Aktion dage­gen, im näch­sten Zug als Beleg für die Bedeu­tung des The­mas herange­zo­gen wer­den kann.
gnaddrig 28. Januar 2011 um 11:38
Der Ver­gle­ich mit der Schweiz hinkt, weil Sie nicht zwis­chen anges­tammten Min­der­heit­en und Migranten (der jün­geren Ver­gan­gen­heit) unter­schei­den. In der Schweiz haben die Sprachen aller Gemein­den, die sich zur Eidgenossen­schaft zusam­mengeschlossen haben, unab­hängig von der Anzahl der Sprech­er den Sta­tus von Amtssprachen. Auch wenn nur ein halbes Prozent der Schweiz­er Rätoro­man­isch als Mut­ter­sprache haben – ihre Heimat­ge­mein­den sind eben seit Jahrhun­derten voll­w­er­tiger Teil der Schweiz.
Ver­gle­ich­bar kleine Min­der­heit­en gibt es in Deutsch­land auch, die Sor­ben und die Dänen. Und deren Sprachen sind zumin­d­est dort, wo sie ansäs­sig sind, auch Amtssprachen. Dazu kom­men noch Friesisch und Niederdeutsch, die region­al als Amtssprachen anerkan­nt sind, weil viele Leute dort eben so sprechen. Ein fest umris­senes türkisches Sied­lungs­ge­bi­et (wie etwa früher die wol­gadeutschen Kan­tone in Rus­s­land oder die deutschen Sied­lungs­ge­bi­ete in Südos­teu­ropa) gibt es in Deutsch­land nicht, und deshalb stellt sich die Frage nach Türkisch als zweit­er Amtssprache zunächst nicht.
gnaddrig 28. Januar 2011 um 11:59
Mein voriger Kom­men­tar bezog sich auf “Türkisch als zweite Amtssprache!” von Matthias.
Andy 29. Januar 2011 um 21:40
Grundge­set­ze
Im Grundge­setz von Honk Kong, zum Beispiel, ist die Frei­heit der Sprache schon ver­ankert.
Marc 30. Januar 2011 um 11:56
die Peti­tion ist grund­sät­zlich nicht zu bean­standen, nur hätte die Umset­zung doch sehr inter­es­sante Auswirkun­gen in Bezug auf unsere Jus­tiz. So hat am 26. Jan­u­ar der Bun­des­gericht­shof entsch­ieden, dass Schöf­fen zwin­gend deutsch sprechen und ver­ste­hen müssen. Somit ist die Par­tizipa­tion in diesem Bere­ich eingeschränkt und ste­ht im Wider­spruch zur Peti­tion. Quelle des Urteils im Lawblog.de: http://www.lawblog.de/…mussen-deutsch-ver­ste­hen/
[Im Gegen­teil: Das Urteil, auf das Sie sich hier beziehen, ist ein exzel­lentes Beispiel dafür, dass eine Ver­ankerung der deutschen Sprache im Grundge­setz über­flüs­sig wäre. Die aktuellen ver­fahren­srechtlichen Regelun­gen erfüllen ihren Zweck ganz ohne Hil­fe des Grundge­set­zes. Das Gerichtsver­fas­sungs­ge­setz, §33, Abs. 5 regelt, dass „Per­so­n­en, die man­gels aus­re­ichen­der Beherrschung der deutschen Sprache für das Amt nicht geeignet sind“ nicht zum Schöf­fen berufen wer­den sollen. Das ergibt sich im Prinzip automa­tisch aus §184 GVG („Die Gerichtssprache ist deutsch.“) und §261, StPO („Über das Ergeb­nis der Beweisauf­nahme entschei­det das Gericht nach sein­er freien, aus dem Inbe­griff der Ver­hand­lung geschöpften Überzeu­gung.“): Wenn ein Schöffe dem „Inbe­griff der Ver­hand­lung“ nicht selb­st, son­dern nur über einen Dol­metsch­er fol­gen kann, ist eine „freie Überzeu­gung“ nicht mehr gewährleis­tet, da der Dol­metsch­er eine eigene Per­spek­tive in die Über­set­zung ein­fließen lassen kön­nte. Unsere Peti­tion richtet sich ja nicht gegen geset­zliche Regelun­gen bezüglich Amts- und Gerichtssprache, son­dern auss­chließlich gegen eine über­flüs­sige und aus­gren­zende Auf­nahme des Deutschen als Lan­dessprache in das Grundge­setz. — A.S.]
Armin 30. Januar 2011 um 13:02
Grundge­setz in Hongkong
Ich weiss nicht wo Du aus dem ver­link­ten Artikel eine Frei­heit der Sprache ableitest, aber soll­test Du Dich auf Free­dom of Speech beziehen ist das “nur” die gute alte Mei­n­ungs­frei­heit. Die gibt’s im Deutschen Grundge­setz auch schon lange.
Rainer Grün 31. Januar 2011 um 01:25
Bei unseren Nach­bar­län­dern ist das selb­stver­ständlich, dass eine offzielle Lan­dessprache in der Ver­fas­sung ste­ht.
Solange auch Min­der­heit­en­sprachen erlaubt sind und im pri­vat­en Leben keine Sprachvorschriften gemacht wer­den sehe ich da kein großes Prob­lem.
Und ich bin selb­st auch zweis­prachig!
Dierk 31. Januar 2011 um 09:33
Eine Änderung der Ver­fas­sung ohne Auswirkung auf die fol­gende Geset­zge­bung wäre, wie Ana­tol Ste­fanow­itsch mehrfach schrieb, über­flüs­sig und sin­n­frei. Es ließe sich sog­ar kon­stru­ieren, sie sei ver­fas­sungswidrig, da Geset­ze in Deutsch­land anwend- und durch­set­zbar sein müssen. Außer­dem, auch das wurde schon gesagt, wider­spräche die Son­der­stel­lung des Deutschen Artikel 3–3, der zu den so genan­nten ‘all­ge­meinen Men­schen­recht­en’ zählt.
Diax's Rake 31. Januar 2011 um 10:35
Peti­tion gegen die Auf­nahme der deutschen Sprache ins Grundge­set­zAna­tol Ste­fanow­itsch vom Sprachlog hat eine Peti­tion an den Deutschen Bun­destag ges­tartet, die ich sehr unter­stütze und auf die ich kurz hin­weisen möchte. Die Peti­tion befind­et sich in der Zeich­nung, und ihr soll­tet euch über­legen mitzu­machen. Grund ist eine abge­laufene…
Logiker 31. Januar 2011 um 11:39
Hab natür­lich­längst mit­geze­ich­net.….
Schö­nen Gruß!
Armin 1. Februar 2011 um 15:34
Frage an A.S. — Nach­bar­laen­der
In den Kom­mentaren sowohl hier als auch ander­swo lese ich immer wieder dass es doch in den Nach­bar­laen­dern ganz selb­stver­staendlich und nor­mal waere die Lan­dessprache in der Ver­fas­sung zu haben.
Meine Kurzrecherche hat keine brauch­bare Ueber­sicht ergeben und bevor ich mich da stun­den­lang durch Suchen, Ver­fas­sun­gen und sonst­was quaele, gibt es dazu irgend­wo schon Untersuchungen/Auflistungen/Analysen die unter Sprach­wis­senschaftlern bekan­nt sind? Wuerde mich mal inter­essieren ob und wenn ja in welchem Masse diese immer wieder gebrachte Aus­sage denn nun stimmt.
Klausi 1. Februar 2011 um 15:45
Wenn Ihnen kein Grund ein­fällt
A.S. schrieb: Wenn Ihnen kein Grund ein­fällt, warum der Verzicht auf über­flüs­sige Sig­nale nationalen Selb­st­be­wusst­seins im deutschen Inter­esse liegen kön­nte, wis­sen Sie offen­sichtlich wenig über die jün­gere deutsche Geschichte.
Patri­o­tismus sollte man nicht mit Nation­al­is­mus ver­wech­seln.
Es ist doch eher ein Aus­druck von man­gel­n­dem Selb­st­be­wusst­sein (und Furcht vor der Auflö­sung), wenn man eine der­ar­tige Selb­stver­ständlichkeit (die eigene Sprache) im Grundge­setz ver­ankert wis­sen will. Selb­st­be­wusstein, bess­er ein aus­geprägtes Selb­st­be­wusst­sein, ist jedoch uner­lässlich, wenn man sich Neuem oder gar Frem­den öff­nen soll. Dass wir als Deutsche ein eher gestörtes Selb­stver­ständ­nis und Selb­st­be­wusst­sein gegenüber der eige­nen Nation­al­ität haben, zeigt nicht nur die Ini­tia­tive des VDS. Die Ihre ist noch ang­ster­füll­ter als die des VDS. Während der VDS die deutsche Sprache und Kul­tur schwarz malt, malen Sie das Teufel­bild eines neu aufkeimenden Nation­al­is­mus an die Wand. Der VDS hebt den mah­nen­den Zeigefin­ger, Sie — so manch­mal mein Ein­druck — den Stinkefin­ger.
Wenn man Migranten im besten Sinne des Wortes ein­bürg­ern will, darf man sie nicht nur willkom­men heißen, son­dern man muss ihnen auch so etwas wie eine Ersatzheimat mit emo­tionaler Anbindung bieten. Die Heimat muss man als Inlän­der jedoch auch selb­st mögen, anson­sten ist das Ange­bot des Absenders für den Empfänger im wahrsten Sinne des Wortes wert­los. Deshalb halte ich auch die sym­bol­is­chen Begrüßungsak­te, wie sie mit­tler­weile in vie­len deutschen Städten abge­hal­ten wer­den, für sehr hil­fre­ich und nicht für über­flüs­sige Sig­nale, weil sie so etwas wie eine bei­d­seit­ige Freude — und bei­d­seit­ige Verpflich­tung — aus­drück­en sollen.
Den Migranten jede­falls helfen bloße Beken­nt­nisse der Sol­i­dar­ität wenig, falsch ver­standene Sol­i­dar­ität wie die Ihre noch weniger. Die Aktion “Deutsch nicht ins Grundge­setz” über­haupt nicht. Und ohne Gegen­leis­tung gibt es keine Akzep­tanz. Eigentlich ganz ein­fach.
Achim 1. Februar 2011 um 15:54
warum ich mit­geze­ich­net habe
Es ist ziem­lich müßig, Deutsch ins GG aufzunehmen. Der VDS wehr sich doch dage­gen, dass Deutsch in immer mehr Bere­ichen des Lebens ange­blich auf dem Rück­zug ist.
Abge­se­hen davon, dass — wie hier ja schon öfter aus­ge­führt wurde — Ver­wal­tun­gen und Gerichte i.d.R. per Gesetz schon verpflichtet sind, auf Deutsch zu arbeit­en, lässt sich doch von so einem GG-Artikel nie­mand beein­druck­en.
Nicht der Wis­senschaftler, der vorzus­g­weise in englis­chsprachi­gen Zeitschriften pub­liziert und auf englis­chsprachige Kon­feren­zen fährt, weil er sich dort das größere Pub­likum erhofft. (Außer­dem ist es eine Anerken­nung, dort angenom­men zu wer­den, denn es gibt einen entsprechend harten Wet­tbe­werb. Was ist schon die Zeitschrift für Sprach­wis­senschaft gegen Lin­guis­tics, Lan­guage, Lin­guis­tic Review etc.?) Das war mal anders, ich weiß, aber nicht zulet­zt deutsche Poli­tik ist mit daran beteiligt gewe­sen, dass sich das geän­dert hat.
Nicht der Ein­wan­der­er, der mit Seines­gle­ichen lieber in der Sprache des Herkun­ft­s­lan­des spricht, entsprechende Medi­en bevorzugt etc. (Je stärk­er diese Ein­wan­der­er aus­ge­gren­zt wer­den, desto weniger sprechen sie deutsch, wenn sie nicht müssen.)
Nicht die Wer­beleute, die glauben, mit (echt­en oder ver­meintlichen) englis­chen Begrif­f­en die Kun­den in die Läden zu lock­en.
Und schon gar nicht lässt sich der Sprach­wan­del aufhal­ten, in diesem Fall die Auf­nahme von Lehn­wörtern etc.
Achim 1. Februar 2011 um 16:11
Ver­fas­sungsrang
Frankre­ich: Art. 2: Die Sprache der Repub­lik ist Franzö­sisch.
Däne­mark: Keine Erwäh­nung.
Por­tu­gal: Art. 9. Wesentliche Auf­gaben des Staates sind: […] f) die Lehre und dauer­hafte Wertschätzung der por­tugiesis­chen Sprache sicherzustellen, ihren Gebrauch zu vertei­di­gen und ihre inter­na­tionale Ver­bre­itung zu fördern.
Bel­gien: Art. 129 § 1 “Die Räte der Franzö­sis­chen und der Flämis­chen Gemein­schaft regeln, jed­er für seinen Bere­ich” erset­zt durch: “Die Par­la­mente der Franzö­sis­chen und der Flämis­chen Gemein­schaft regeln, jedes für seinen Bere­ich, durch Dekret und unter Auss­chluß des föderalen Geset­zge­bers den Gebrauch der Sprachen für:
1. die Ver­wal­tungsan­gele­gen­heit­en;
2. den Unter­richt in den von den öffentlichen Behör­den geschaf­fe­nen, bezuschußten oder anerkan­nten Ein­rich­tun­gen;
3. die sozialen Beziehun­gen zwis­chen den Arbeit­ge­bern und ihrem Per­son­al sowie die durch Gesetz und Verord­nun­gen vorgeschriebe­nen Hand­lun­gen und Doku­mente der Unternehmen. “. Dann Aus­nah­meregelun­gen für Gren­zge­mein­den und Art 130 für die Deutschsprachige Gemein­schaft.
UK: keine Ver­fas­sung im engeren Sinne
Nieder­lande: keine Erwäh­nung
Öster­re­ich: Art. 8. (1) Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprach­lichen Min­der­heit­en bun­des­ge­set­zlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Repub­lik.
(2) Die Repub­lik (Bund, Län­der und Gemein­den) beken­nt sich zu ihrer gewach­se­nen sprach­lichen und kul­turellen Vielfalt, die in den autochtho­nen Volks­grup­pen zum Aus­druck kommt. Sprache und Kul­tur, Bestand und Erhal­tung dieser Volks­grup­pen sind zu acht­en, zu sich­ern und zu fördern.
(3) Die Öster­re­ichis­che Gebär­den­sprache ist als eigen­ständi­ge Sprache anerkan­nt. Das Nähere bes­tim­men die Geset­ze.
Polen: Art. 27. In der Repub­lik Polen ist die pol­nis­che Sprache die Amtssprache. Diese Vorschrift ver­let­zt nicht Rechte der nationalen Min­der­heit­en, die sich aus rat­i­fizierten völk­er­rechtlichen Verträ­gen ergeben.
Ital­ien: Keine Erwäh­nung
Schwe­den: Keine Erwäh­nung
Slowakei: Art. 6. (1) Die slowakische Sprache ist im Gebi­et der Slowakischen Repub­lik die Staatssprache.
(2) Der Gebrauch ander­er Sprachen als der Staatssprache im amtlichen Verkehr wird durch Gesetz geregelt.
Quelle: http://www.verfassungen.eu; ich habe ein­fach ein paar her­aus­gepickt.
Achim 1. Februar 2011 um 16:17
Sor­ry,
in mein­er Quelle war die Änderungs­geschichte des Artikels 129 nachgeze­ich­net, ich wollte eigentlich nur den End­stand hineinkopieren (“pas­ten” :-).
Bis auf Por­tu­gal bläst nie­mand zum Kul­turkampf, wenn ich das richtig sehe.
NörglerIn 2. Februar 2011 um 01:34
Die Ver­fas­sungstra­di­tio­nen sind sehr unter­schiedlich. In Län­dern mit ein­er vorherrschen­den Lan­dessprache wurde diese häu­fig als selb­stver­ständlich unter­stellt und daher nicht aus­drück­lich — aber häu­fig impliz­it — fest­gelegt:
Weimar­er Ver­fas­sung:
Die fremd­sprachi­gen Volk­steile des Reichs dür­fen durch die Geset­zge­bung und Ver­wal­tung nicht in ihrer freien, volk­stüm­lich­er Entwick­lung, beson­ders im Gebrauch ihrer Mut­ter­sprache beim Unter­richt, sowie bei der inneren Ver­wal­tung und der Recht­spflege beein­trächtigt wer­den.
(krasse “Aus­gren­zung” der “fremd­sprachi­gen Volk­steile”)
Nor­wegis­che Ver­fas­sung:
Für Ämter im Staat kön­nen nur nor­wegis­che Staat­sange­hörige, Män­ner oder Frauen, ernan­nt wer­den, welche die Sprache des Lan­des sprechen, sowie …
(implizite Fes­tle­gung der “Lan­dessprache” und damit auch “Aus­gren­zung”)
Auch in der franzö­sis­chen Ver­fas­sung war eine Lan­des- oder Nation­al­sprache ursprünglich nicht fest­gelegt, was die Unter­drück­ung der Region­al­sprachen Deutsch, Bask­isch, Kata­lanisch usw. aber nicht behin­dert hat. Die aus­drück­liche Fes­tle­gung als “Sprache der Repub­lik” erfol­gte erst in den 90er Jahren. Auf dieser Grund­lage hat der “Con­seil d’etat” die Rat­i­fi­fizierung der europäis­chen Sprachenkon­ven­tion auch ver­hin­dert. Von “Kul­turkammpf” kann man man daher im franzö­sis­chen Fall noch viel mehr sprechen als im por­tugiesis­chen.
Ander­er­seits enthal­ten manche Ver­fas­sun­gen Fes­tle­gun­gen über die “Staat­sre­li­gion”, die aus deutsch­er Sicht schw­er zu ver­ste­hen sind:
Dänis­che Ver­fas­sung:
4. Den evan­ge­lisk-lutherske kirke er den danske folkekirke og under­støttes som sådan af stat­en.
Alle Ein­wohn­er des Reichs haben das Recht auf freie Reli­gion­sausübung. Die evan­ge­lisch-lutherische Kon­fes­sion verbleibt öffentliche Reli­gion des Staates. Die Ein­wohn­er, die sich zu ihr beken­nen, sind verpflichtet, ihre Kinder in der­sel­ben zu erziehen.
Griechis­che Ver­fas­sung:
Artikel 3. (1) Vorherrschende Reli­gion in Griechen­land ist die der Östlich-Ortho­dox­en Kirche Christi.
1. Wenn man ver­gle­ichende Ver­fas­sungskunde betreiben will, muß man schon sehr genau hin­schauen.
2. Was die Staats- oder Nation­al­sprache anbe­t­rifft, so sind die Aus­gangsla­gen in ver­schiede­nen Län­dern sehr unter­schiedlich. Was vor Jahrzehn­ten noch selb­stver­ständlich war, ist im Zeital­ter der Glob­al­isierung und der weltweit­en Hege­monie des Englis­chen schon lange nicht mehr selb­stver­ständlich.
Achim 2. Februar 2011 um 08:50
Ver­fas­sungsregelun­gen
@ Nör­g­lerIn:
Eigentlich bestäti­gen Sie ja die Posi­tion von Her­rn Ste­fanow­itsch. Dort, wo Ver­fas­sun­gen (außer der Por­tu­gals) etwas über die Sprach­wahl aus­sagen, geht es um die Sprache des Staates und sein­er Insti­tu­tio­nen, also der Amtssprache. Dazu gehört auch die Schul­sprache.
Meine Frage also: All diese Dinge sind in Deutsch­land geregelt, ein­schließlich der erforder­lichen Aus­nah­men. Welchen Nutzen soll also der Ver­fas­sungsrang haben?
Er wird sicher­lich nicht die Auf­nahme von Lehn­wörtern in den deutschen Wortschatz ein­schränken kön­nen, und diese ange­bliche Anglisierung der deutschen Sprache ist doch die Haupt­sorge des VDS, oder? (Das per­fide Albion — honi soit qui mal y pense.)
Und für unverbindliche Absicht­serk­lärun­gen ist eine Ver­fas­sung der falsche Ort.
Michael Khan 2. Februar 2011 um 09:32
Frage zur Weimar­er Ver­fas­sung, Art.113
Die fremd­sprachi­gen Volk­steile des Reichs dür­fen durch die Geset­zge­bung und Ver­wal­tung nicht in ihrer freien, volk­stüm­lichen Entwick­lung, beson­ders im Gebrauch ihrer Mut­ter­sprache beim Unter­richt, sowie bei der inneren Ver­wal­tung und der Recht­spflege beein­trächtigt wer­den.
Frage: Inwiefern stellt dies eine krasse Aus­gren­zung dar? Und wo wird die Lan­dessprache hier impliz­it oder expliz­it fest­gelegt?
Der Text dieses Artikels sagt doch das Gegen­teil, näm­lich dass nicht-deutschsprachige Deutsche ihre Sprache im Unter­richt und in der Ver­wal­tung ver­wen­den dür­fen und dass die Geset­zge­bung sie hier­an nicht hin­dern darf. Also das gegen­teil dessen, was Sie behaupten. Oder nicht?
gnaddrig 2. Februar 2011 um 14:16
Implizite Fes­tle­gung; Aus­gren­zung
@ Michael Khan: Wenn von “fremd­sprachi­gen Volk­steilen des Reichs” die Rede ist, muss es im Gegen­satz dazu auch “nicht fremd­sprachige Volk­steile” geben, son­st wäre der Pas­sus über­flüs­sig.
Dass die deutschsprachi­gen Gegen­den bzw. Bevölkerungs­grup­pen im Deutschen Reich “in ihrer freien, volk­stüm­lichen Entwick­lung, beson­ders im Gebrauch ihrer Mut­ter­sprache beim Unter­richt, sowie bei der inneren Ver­wal­tung und der Recht­spflege” nicht durch Geset­ze und Ver­wal­tungsvorschriften beein­trächtigt wur­den, war offen­bar so selb­stver­ständlich, dass es nicht extra erwäh­nt wer­den musste. Das kann man als implizite Fes­tle­gung des Deutschen als Lan­dessprache sehen.
@ Nör­g­lerIn: Eine Aus­gren­zung kann ich nicht erken­nen, es sei denn, man will die bloße Erwäh­nung (tat­säch­lich vorhan­den­er) “fremd­sprachiger Volk­steile” schon so nen­nen. Aber das wäre unangemessen, umso mehr als der von Ihnen zitierte Pas­sus die sprach­liche und kul­turelle Eigen­ständigkeit dieser Volk­steile anerken­nt und ihre Diskri­m­inierung ver­bi­etet. Aus­gren­zung geht anders.
Michael Khan 2. Februar 2011 um 15:54
@gnaddrig: Ein­ver­standen!
Das kann man als implizite Fes­tle­gung des Deutschen als Lan­dessprache sehen.
Ja, wenn man will. Eigentlich ist es nur eine Anerken­nung der Fak­ten­lage.
Eine Aus­gren­zung kann ich nicht erken­nen, es sei denn, man will die bloße Erwäh­nung (tat­säch­lich vorhan­den­er) “fremd­sprachiger Volk­steile” schon so nen­nen. Aber das wäre unangemessen, umso mehr als der von Ihnen zitierte Pas­sus die sprach­liche und kul­turelle Eigen­ständigkeit dieser Volk­steile anerken­nt und ihre Diskri­m­inierung ver­bi­etet. Aus­gren­zung geht anders.
Das sehe ich ganz genau­so. Die For­mulierung des Artikels 113 bietet eigentlich auch keinen Anlass zu Missver­ständ­nis­sen, also ist mir rät­sel­haft, wie es zu der Ein­schätzung “kresse Aus­gren­zung” kam.
Gregor 2. Februar 2011 um 16:07
Beispiel Est­land
Ein echt­es Poli­tikum stellt die Frage des Staatssprache in Est­land dar.
Art. 6 der est­nis­chen Ver­fas­sung besagt, daß die die Amtssprache Est­lands Est­nisch ist. Für die Esten scheint es ein wichtiges Anliegen zu sein, nach dem Ende der rus­sis­chen “Okku­pa­tion” (auch dies ein umstrit­ten­er Begriff), den Ein­fluß des Rus­sis­chen zurück­zu­drän­gen und Rolle der indi­ge­nen Kul­tur zu stärken. Darum müssen Beamte und Men­schen in Dien­stleis­tungs­berufen zwin­gend die est­nis­che Sprache beherrschen. Die beachtliche rus­sis­che Min­der­heit (ca. ein Vier­tel der Gesamt­bevölkerung) sieht dies als bewußte Diskri­m­inierung, die Esten wiederum betra­cht­en entsprechende Kla­gen der Russen als von Moskau ges­teuert.
Hier ein inter­es­san­ter Artikel dazu aus einem Blog, der eher mit der rus­sis­chen Sicht der Dinge sym­pa­thisiert:
NörglerIn 3. Februar 2011 um 00:25
Ich halte an sich sehr wenig von dem über­stra­pazierten Begriff “Aus­gren­zung”. Wenn man aber schon die Fes­tle­gung der Staatssprache Deutsch im GG als “Aus­gren­zung” ver­ste­ht, so halte ich die Beze­ich­nung von seit Urzeit­en in Deutsch­land gesproch­en­er autochthon­er Sprachen als “Fremd­sprachen” für noch erhe­blich “aus­gren­zen­der”.
Eigentlich ist es nur eine Anerken­nung der Fak­ten­lage.
Wäre die Anerken­nung des Deutschen als Staat­sprache im GG nicht auch “nur eine Anerken­nung der Fak­ten­lage”?
In der Ver­fas­sung Öster­re­ichs heißt es:
Artikel 8. (1) Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprach­lichen Min­der­heit­en bun­des­ge­set­zlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Repub­lik.
Wer­den auch durch diesen Artikel die “sprach­lichen Min­der­heit­en” Öster­re­ichs “aus­ge­gren­zt” oder wer­den nicht vielmehr ihre sprach­lichen Rechte garantiert? Eine ähn­liche Klarstel­lung wöre ja auch im Grundge­setz ohne weit­eres möglich.
All diese Dinge sind in Deutsch­land geregelt, ein­schließlich der erforder­lichen Aus­nah­men. Welchen Nutzen soll also der Ver­fas­sungsrang haben?
Es macht nun ein­mal einen Unter­schied, ob etwas nur ein­fachge­set­zlich oder ver­fas­sungsrechtlich geregelt ist. Im ersten Fall reicht eine ein­fache Mehrheit des Bun­destags aus, um die Regelung zu ändern oder abzuschaf­fen, im zweit­en Fall ist dafür eine Zwei­drit­telmehrheit erforder­lich. Das ist doch der Grund dafür, daß alle möglichen Grup­pen alles mögliche in der Ver­fas­sung ver­ankern wollen. Das ist ja auch dur­chaus ver­ständlich: Wenn einem etwas beson­ders am Herzen liegt, will man es gern in der Ver­fas­sung vor tage­spoli­tis­ch­er Ver­füg­barkeit schützen.
Amts- und Gerichtssprache sind zwar ein­fachge­set­zlich fest­gelegt, aber dem Bun­destag liegt bere­its ein Geset­zen­twurf vor, der die Gerichtssprache Englisch in inter­na­tionalen Han­delsver­fahren zulassen würde.
Da stimme ich Ihnen vol­lkom­men zu. Mich stört an der Peti­tion von A.S. nur die Ein­seit­igkeit. Im vorherge­hen­den Diskus­sion­sstrang habe ich gesagt:
An sich bin ich gegen all­ge­meine Wun­schvorstel­lun­gen im Grundge­setz. Wenn wir uns darauf eini­gen kön­nten, der­ar­tige “Pro­gramm­sätze” aus der Ver­fas­sung her­auszuhal­ten und die Peti­tion so zu erweit­ern, daß auch die Auf­nahme des Sports und des Rechts auf Arbeit ins GG abgelehnt und der nachträglich einge­fügte Natur- und Tier­schutz wieder aus dem GG getil­gt wer­den, dann unter­schreibe ich die Peti­tion sehr gerne. Anderen­falls ist mir die deutsche Sprache wichtig genug, um neben anderem Wün­schenswerten auch in der Ver­fas­sung zu ste­hen.
Joachim 3. Februar 2011 um 01:27
Warum ins Grundge­setz?
“Das ist doch der Grund dafür, daß alle möglichen Grup­pen alles mögliche in der Ver­fas­sung ver­ankern wollen. Das ist ja auch dur­chaus ver­ständlich: Wenn einem etwas beson­ders am Herzen liegt, will man es gern in der Ver­fas­sung vor tage­spoli­tis­ch­er Ver­füg­barkeit schützen.”
Dann ver­ste­he ich aber immer noch nicht, warum der VDS die Sprache über­haupt ins Grundge­setz schreiben möchte. Sprache gehört, wenn über­haupt in eine Ver­fas­sung, in die Lan­desver­fas­sun­gen. Schließlich haben die Län­der in der Bun­desre­pub­lik die Kul­turho­heit und es gibt erhe­bliche Unter­schiede in den sprach­lichen Tra­di­tion der einzel­nen Bun­deslän­der. So gibt es zum Beispiel keinen Grund in Bay­ern Dänisch als Min­der­heit­en­sprache zu schützen, in Schleswig-Hol­stein ist es dage­gen unumgänglich.
Ich habe übri­gens schon lange die Peti­tion gegen die Auf­nahme ins Grundgestz geze­ich­net.
Achim 3. Februar 2011 um 08:43
Und wo ist das Prob­lem, wenn Kon­tra­hen­ten in inter­na­tionalen Stre­it­sachen, die im Zweifels­fall ohne­hin auf Englisch kom­mu­nizieren, dies nun auch vor Gericht tun dür­fen? Sowohl die Parteien als auch ihre Klagev­ertreter dürften hier keine Prob­leme bzgl. der notwendi­gen Englis­chken­nt­nisse haben. Und sehr viele Beweis­mit­tel (Verträge, Kor­re­spon­denz, Zeu­ge­naus­sagen) liegen ohne­hin auf Englisch vor.
Ich habe jet­zt den Geset­zen­twurf nicht recher­chiert, aber ich gehe davon aus, dass bei­de Parteien zus­tim­men müssen, wenn die Ver­hand­lung auf Englisch geführt wer­den soll. Da wird nie­mand über­fahren. Und ich mache die Vorher­sage, dass Außen­ste­hende, die der Ver­hand­lung fol­gen wollen (Stich­wort Öffentlichkeit), das auch auf Englisch kön­nen, sofern die entsprechende Fachkunde vorhan­den ist.
Ich ver­ste­he wirk­lich nicht, wie so eine Änderung des GG die Ziele des VDS befördern soll.
NörglerIn 3. Februar 2011 um 23:45
Sprache gehört, wenn über­haupt in eine Ver­fas­sung, in die Lan­desver­fas­sun­gen.
Da sind die Schweiz und Öster­re­ich — obwohl eben­falls Bun­desstaat­en — aber ander­er Mei­n­ung. Dort sind die Lan­dessprachen bzw. die Staatssprache dur­chaus in der Bun­desver­fas­sung geregelt. Übri­gens sind Lan­des- und Staatssprache(n) nicht immer iden­tisch mit Amtssprache(n).
Das Gerichtsver­fas­sungs­ge­setz und das Ver­wal­tungsver­fahrens­ge­setz, in denen Deutsch als Gerichts- und Amtssprache fest­gelegt sind, sind Bun­des­ge­set­ze. Die Bun­deslän­der sind dadurch allerd­ings nur insoweit gebun­den, als sie Bun­desrecht in Auf­tragsver­wal­tung anwen­den.
Wür­den Sie auch eine Peti­tion gegen die Auf­nahme des Rechts auf Arbeit ins Grundge­setz zeich­nen?
Über Englisch als Gerichtssprache gibt es in diesem Blog bere­its eine Diskus­sion, an der ich mich (noch nicht gen­derg­erecht) beteiligt habe. Ich halte die Begrün­dung für diesen Geset­ze­santrag für sehr schwach.
ich gehe davon aus, dass bei­de Parteien zus­tim­men müssen, wenn die Ver­hand­lung auf Englisch geführt wer­den soll.
Da haben Sie im Grund­satz schon recht. Die Frage ist nur, wer am län­geren Hebel sitzt. Die deutsche Exportwirtschaft ist aber auf ihre inter­na­tionalen Kun­den angewiesen und muß auf deren Wün­sche Rück­sicht nehmen. Das zeigt sich ger­ade darin, daß diese inter­na­tionalen Kun­den in aller Regel auf die Anwen­dung angel­säch­sis­chen Rechts, jeden­falls nicht deutschen Rechts, beste­hen. Entsprechen­des ist bei der Wahl der Gerichtssprache Englisch zu erwarten, falls die aus­ländis­chen Abnehmer über­haupt deutsches Recht akzep­tieren soll­ten.
Ob das die Ziele des VDS befördern würde, weiß ich auch nicht. Ich bin eher skep­tisch. Die Moti­va­tion des VDS kann ich aber schon etwas ver­ste­hen. Englisch als Gericht­sprache, immer mehr englis­chsprachige Stu­di­engänge an deutschen Uni­ver­sitäten, Anträge auf Forschungs­förderung oder im Rah­men der Exzel­len­zini­tia­tive, die nur in Englisch ein­gere­icht wer­den dür­fen, Englisch als “Amtssprache” in großen Deutschen Unternehmen — all das scheint mir schon Sorge über die kün­ftige Rolle des Deutschen zu recht­fer­ti­gen.
Joachim 4. Februar 2011 um 06:26
Liebe Nör­g­lerin,
“Da sind die Schweiz und Öster­re­ich — obwohl eben­falls Bun­desstaat­en — aber ander­er Mei­n­ung.”
Das kann ich nicht ändern. Vielle­icht fände ich es als Schweiz­er oder Öster­re­ich­er auch falsch, dass die Sprache in der Bun­desver­fas­sung fest­gelegt ist. Aber ich bin kein Schweiz­er oder Öster­re­ich­er und füh­le mich nicht berechtigt, mich dort in die Geset­zge­bung einzu­mis­chen. Für die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land halte ich es für falsch, die Sprache im Grundge­setz festzuschreiben.
Achim 4. Februar 2011 um 09:30
Da sind die Schweiz und Öster­re­ich — obwohl eben­falls Bun­desstaat­en — aber ander­er Mei­n­ung. Dort sind die Lan­dessprachen bzw. die Staatssprache dur­chaus in der Bun­desver­fas­sung geregelt.
Wie andere Bun­desstaat­en die Kom­pe­ten­zen zwis­chen Bund und Län­dern / Staat­en / Kan­to­nen aufgeteilt haben, ist doch kein Argu­ment in ein­er deutschen Debat­te.
Im übri­gen hätte ich gerne eine empirisch fundierte Dar­legung, wieso der ver­mehrte Gebrauch des Englis­chen in Unternehmen, Hochschulen etc. die deutsche Sprache gefährdet.
Was wären denn die Kri­te­rien? Spon­tane Beispiele:
— Rück­gang der Sprecherzahl
— eingeschränk­te Möglichkeit, sich in bes­timmten Fachge­bi­eten angemessen auszu­drück­en
— Auss­chluss von bes­timmten Teilen der Bevölkerung von der Teil­nahme an entsprechen­den Debat­ten
Einen Rüch­gang der Sprecherzahl (gemeint sind Mut­ter­sprach­ler) sehe ich nicht. Gemeint ist hier die Auf­gabe von Deutsch als Haupt­sprache zugun­sten ein­er anderen Sprache. Auch der anglophilste Wer­be­fritze oder Wis­senschaftler wird, wenn er in Deutsch­land lebt und Deutsch als Mut­ter­sprache hat, weit­er­hin haupt­säch­lich auf Deutsch kom­mu­nizieren. Hier set­zt (Hoch-)Deutsch eher die autochtho­nen Min­der­heitssprachen unter Druck. (Ich rede von Deutsch­land, wie das in der vier­sprachi­gen Schweiz ist, weiß ich nicht.) Das sind meis­tens ganz prag­ma­tis­che Prozesse, z.B. hat Deutsch im späten 19. Jhdt. den Gebrauch von Dänisch in Süd­schleswig stark zurückge­drängt.
Dass wir uns zu bes­timmten The­men auf Deutsch nur eingeschränkt unter­hal­ten kön­nen, kön­nte in manchen Wis­senschafts­ge­bi­eten der Fall sein, wenn man auf die Zahl von Lehn­wörtern, Lehnüber­set­zun­gen oder auf englis­che Begriffe zurück­ge­hende Abkürzun­gen und Akro­nyme mitzählt. Dann sollte man aber fair sein und auch Latin­is­men und Gräzis­men mitzählen 😉 Hier ist aber Ökonomie im Spiel: Wenn ich aus dem englis­chen Sprachraum neue Ideen, The­o­rien oder Mod­elle übernehme, dann eben mit dem Etikett, das schon dran­klebt.
Und der Auss­chluss von der Fremd­sprache nicht mächti­gen Sprech­ern von der Teil­habe an Debat­ten? Da sehe ich, wie schon früher aus­ge­führt, das Prob­lem eher in der Fachkunde als in der Sprachken­nt­nis. Im Übri­gen kön­nen Juris­ten in lupen­reinem Deutsch höchst unver­ständliche Texte fab­rizieren, und ich halte es für ein größeres Prob­lem, wenn die Rechtssub­jek­te die Recht­snor­men nicht begreifen, als wenn jemand wie ich nicht ver­ste­ht, was eine Astropühysik­erin oder ein Man­age­ment­the­o­retik­er von sich geben.
Frischer Wind 18. Februar 2011 um 20:20
Eine unter­stützenswerte Petition“Ich will keine Zuwan­der­erfam­i­lien, die sich bis in die dritte Gen­er­a­tion weigern, die Sprache des Lan­des kor­rekt zu ler­nen, in dem sie leben!” Mit diesem recht unmissver­ständlichen Satz forderte die BILD-Zeitung ihre Leser im Novem­ber dazu auf, eine Bun­destags-Peti­tion für die Auf­nahme der deutschen Sprache ins Grundge­setz zu zeich­nen. Inzwis­chen gibt es eine — unter­stützenswerte — Gegen­pe­ti­tion, für die ich heute aus­drück­lich wer­ben möchte.

References: §2

§ 2
 §33
 §184
 §261
 Art. 2
 Art. 9
 Art. 129
 § 1
 Art. 8
 Art. 27
 Art. 6
 Art.113

Art. 6