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Timestamp: 2019-02-17 22:57:18+00:00

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Rechtsprechung: C-120/08 - dejure.org
Vorabentscheidungsersuchen - Verordnungen (EWG) Nr. 2081/92 und (EG) Nr. 510/2006 - Zeitliche Geltung - Art. 14 - Eintragung im vereinfachten Verfahren - Verhältnis zwischen Marken und geschützten geografischen Angaben
Vorabentscheidungsersuchen - Verordnungen (EWG) Nr. 2081/92 und (EG) Nr. 510/2006 - Zeitliche Geltung - Art. 14 - Eintragung im vereinfachten Verfahren - Verhältnis zwischen Marken und geschützten geografischen Angaben“
Verhältnis zwischen Marken und geschützten geografischen Angaben (Bayerisches Bier); Bavaria NV gegen Bayerischer Brauerbund e. V.
Vorabentscheidungsersuchen des Bundesgerichtshofs (Deutschland) eingereicht am 20. März 2008 - Bayerischer Brauerbund e.V. gegen Bavaria N.V.
Vorabentscheidungsersuchen - Bundesgerichtshof - Auslegung von Art. 13 Abs. 1 Buchst. b und Art. 14 Abs. 1 und 2 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 des Rates vom 20. März 2006 zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (ABl. L 93, S. 12) sowie von Art. 17 der Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 des Rates vom 14. Juli 1992 zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (ABl. L 208, S. 1) - Verordnung (EG) Nr. 1347/2001 des Rates vom 28. Juni 2001 zur Ergänzung des Anhangs der Verordnung (EG) Nr. 1107/96 der Kommission zur Eintragung geografischer Angaben und Ursprungsbezeichnungen gemäß dem Verfahren nach Art. 17 der Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 des Rates (ABl. L 182, S. 3) - Konflikt zwischen einer geschützten geografischen Angabe, die gemäß dem vereinfachten Verfahren nach Art. 17 der Verordnung (EG) Nr. 2081/92 eingetragen wurde (hier: "Bayerisches Bier"), und einer internationalen Marke (hier: Marke mit dem Wortbestandteil "Bavaria")
GRUR 2011, 240
GRUR Int. 2011, 137
EuZW 2011, 143
Der Gerichtshof der Europäischen Union hat darüber durch Urteil vom 22. Dezember 2010 (C120/08, GRUR 2011, 240 = WRP 2011, 189 - Bavaria N.V./Bayerischer Brauerbund II) wie folgt entschieden:.
aa) Die Frage des zeitlichen Vorrangs bei der Kollision der geschützten geographischen Angabe "Bayerisches Bier" mit der IR-Marke richtet sich nach der ursprünglichen Fassung der Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 und nicht nach der durch die Verordnung (EG) Nr. 692/2003 geänderten Fassung (vgl. EuGH, GRUR 2011, 240 Rn. 42 f. - Bavaria N.V./Bayerischer Brauerbund II).
Maßgeblicher Zeitpunkt bei der Anwendung des Art. 14 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 ist danach der Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Eintragung (vgl. EuGH, GRUR 2011, 240 Rn. 62 bis 67 - Bavaria N.V./Bayerischer Brauerbund II).
Daraus folgt, dass die von den Mitgliedstaaten der Kommission im vereinfachten Verfahren nach Art. 17 Abs. 1 der Verordnung mitgeteilten Bezeichnungen auf einzelstaatlicher Ebene so lange geschützt bleiben können, bis über ihre Eintragung entschieden worden ist (vgl. EuGH, GRUR 2011, 240 Rn. 63 f. - Bavaria N.V./Bayerischer Brauerbund II).
Nach Art. 17 Abs. 3 der Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 konnten die Mitgliedstaaten den einzelstaatlichen Schutz bis zu dem Zeitpunkt, zu dem über die Eintragung entschieden wurde, beibehalten (vgl. auch EuGH, GRUR 2011, 240 Rn. 63 f. - Bavaria/Bayerischer Brauerbund II; BGH…, Urteil vom 22. September 2011 - I ZR 69/04, GRUR 2012, 394 Rn. 37 = WRP 2012, 550 - Bayerisches Bier II).
Vorliegend geht es um einen nationalen Schutz, solange der unionsrechtliche Schutz noch nicht besteht, also um ein Nacheinander des Schutzes, den Art. 17 Abs. 3 der Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 ermöglicht (vgl. EuGH, GRUR 2011, 240 Rn. 63 f. - Bavaria/Bayerischer Brauerbund II).
Der Europäische Gerichtshof hat darüber durch Urteil vom 22. Dezember 2010 (GRUR 2011, 240 - Bavaria/Bayerischer Brauerbund) wie folgt entschieden: Art. 14 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2081/92 des Rates vom 14. Juli 1992 zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel ist zur Regelung der Kollision zwischen einer im vereinfachten Verfahren nach Art. 17 dieser Verordnung wirksam als geschützte geografische Angabe eingetragenen Bezeichnung und einer Marke anwendbar, auf die einer der in Art. 13 dieser Verordnung aufgeführten Tatbestände zutrifft und die die gleiche Art von Erzeugnis betrifft und für die der Antrag auf Eintragung sowohl vor der Eintragung dieser Bezeichnung als auch vor dem Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nr. 692/2003 des Rates vom 8. April 2003 zur Änderung der Verordnung Nr. 2081/92 gestellt wurde.
Daraus folgt, dass die von den Mitgliedstaaten der Kommission im vereinfachten Verfahren nach Art. 17 Abs. 1 der Verordnung mitgeteilten Bezeichnungen auf einzelstaatlicher Ebene so lange geschützt bleiben können, bis über ihre Eintragung entschieden worden ist (vgl. EuGH GRUR 2011, 240, Tz. 63 f. - Bavaria/Bayerischer Brauerbund).
Im Übrigen hat der Europäische Gerichtshof in dem den vorliegenden Rechtsstreit betreffenden Vorabentscheidungsverfahren bekräftigt, dass die Prüfung nichts ergeben habe, was die Gültigkeit der Verordnung (EG) Nr. 1347/2001 berühren könnte (EUGH GRUR 2011, 240, Tz. 34 - Bavaria/Bayerischer Brauerbund).
Auch der Europäische Gerichtshof hat in dem den vorliegenden Rechtsstreit betreffenden Vorabentscheidungsverfahren festgestellt, dass der Beklagten für einige ihrer Marken, die das Wort "Bavaria" enthalten, in den Jahren 1973, 1992 und 1993 Schutz in der Bundesrepublik Deutschland verweigert worden ist (GRUR 2011, 240 - Bavaria/Bayerischer Brauerbund).
Der Grundsatz der Rechtssicherheit verlangt nämlich, dass jeder Sachverhalt normalerweise, soweit nicht ausdrücklich etwas Gegenteiliges bestimmt ist, anhand der seinerzeit geltenden Rechtsvorschriften beurteilt wird (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 22. Dezember 2010, Bavaria, C-120/08, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnrn. 40 und 41).
Nach ständiger Rechtsprechung verbietet es der Grundsatz der Rechtssicherheit im Allgemeinen, den Beginn der Geltungsdauer eines Rechtsakts der Union auf einen Zeitpunkt vor dessen Veröffentlichung zu legen, wobei ausnahmsweise anderes dann gelten kann, wenn das angestrebte Ziel es verlangt und das berechtigte Vertrauen der Betroffenen gebührend beachtet wird (vgl. u. a. Urteile vom 24. September 2002, Falck und Acciaierie di Bolzano/Kommission, C-74/00 P und C-75/00 P, Slg. 2002, I-7869, Randnr. 119, und vom 22. Dezember 2010, Bavaria, C-120/08, Slg. 2010, I-0000, Randnr. 40).
In dieser Hinsicht sind die materiell-rechtlichen Unionsvorschriften, um die Beachtung der Grundsätze der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes zu gewährleisten, so auszulegen, dass sie für vor ihrem Inkrafttreten eingetretene Sachverhalte nur gelten, soweit aus ihrem Wortlaut, ihrer Zielsetzung oder ihrem Aufbau eindeutig hervorgeht, dass ihnen eine solche Wirkung beizumessen ist (vgl. u. a. Urteile Falck und Acciaierie di Bolzano/Kommission, Randnr. 119, Bavaria, Randnr. 40, und vom 24. März 2011, 1SD Polska u. a./Kommission, C-369/09 P, Slg. 2011, I-0000, Randnr. 98).
46 - In diesem Sinne Urteile vom 10. Februar 1982, Bout (21/81, Slg. 1982, 381, Randnr. 13), vom 22. Dezember 2010, Bayerischer Brauerbund (C-120/08, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnrn. 40 und 41), und vom 24. März 2011, 1SD Polska u. a. (C-369/09 P, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 98).
49 - Urteil Bayerischer Brauerbund (zitiert in Fn. 46, Randnr. 41).
À cet égard, le principe de sécurité juridique s'oppose à ce qu'un acte de l'Union soit appliqué rétroactivement, c'est-à-dire que sa portée dans le temps voie son point de départ fixé a' une date antérieure a' sa publication, et qu'il s'applique donc à une situation acquise antérieurement à son entrée en vigueur, et ce indépendamment des effets favorables ou défavorables qu'une telle application pourrait avoir sur l'intéressé, sauf lorsque, à titre exceptionnel, le but à atteindre l'exige et que la confiance légitime des intéressés est dûment respectée (voir, en ce sens, arrêts du 13 novembre 1990, Fedesa e.a., C-331/88, EU:C:1990:391, point 45 ; du 22 décembre 2010, Bavaria, C-120/08, EU:C:2010:798, point 40 ; du 3 septembre 2015, A2A, C-89/14, EU:C:2015:537, point 37, et du 7 octobre 2015, Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks/Commission, T-49/14, non publié, EU:T:2015:755, point 26).
Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks / Kommission
Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass der Grundsatz der Rechtssicherheit es im Allgemeinen verbietet, den Beginn der Geltungsdauer eines Rechtsakts der Union auf einen Zeitpunkt vor dessen Veröffentlichung zu legen, wobei ausnahmsweise anderes dann gelten kann, wenn das angestrebte Ziel es verlangt und das berechtigte Vertrauen der Betroffenen gebührend beachtet wird (vgl. Urteil vom 22. Dezember 2010, Bavaria, C-120/08, Slg, EU:C:2010:798, Rn. 40).
Die materiell-rechtlichen Unionsvorschriften sind insoweit, um die Beachtung der Grundsätze der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes zu gewährleisten, nämlich so auszulegen, dass sie für vor ihrem Inkrafttreten eingetretene Sachverhalte nur gelten, soweit aus ihrem Wortlaut, ihrer Zielsetzung oder ihrem Aufbau eindeutig hervorgeht, dass ihnen eine solche Wirkung beizumessen ist (vgl. Urteil Bavaria, oben in Rn. 26 angeführt, EU:C:2010:798, Rn. 40 und die dort angeführte Rechtsprechung).
À cet égard, le principe de sécurité juridique s'oppose à ce qu'un acte de l'Union soit appliqué rétroactivement, c'est-à-dire, que sa portée dans le temps voie son point de départ fixé a' une date antérieure a' sa publication, et qu'il s'applique donc à une situation acquise antérieurement à son entrée en vigueur, et ce indépendamment des effets favorables ou défavorables qu'une telle application pourrait avoir pour l'intéressé, sauf lorsque, à titre exceptionnel, le but à atteindre l'exige et que la confiance légitime des intéressés est dûment respectée (voir, en ce sens, arrêts du 13 novembre 1990, Fedesa e.a., C-331/88, EU:C:1990:391, point 45 ; du 22 décembre 2010, Bavaria, C-120/08, EU:C:2010:798, point 40 ; du 3 septembre 2015, A2A, C-89/14, EU:C:2015:537, point 37, et du 7 octobre 2015, Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks/Commission, T-49/14, non publié, EU:T:2015:755, point 26).
EuGH, 03.09.2015 - C-89/14
Das Unionsrecht steht einer italienischen Regelung nicht entgegen, die durch …
Auch wenn die neue Regelung somit nur für die Zukunft gilt, gilt sie, soweit nichts anderes bestimmt ist, jedoch auch für die künftigen Wirkungen der unter dem alten Recht entstandenen Sachverhalte (vgl. in diesem Sinne Urteil Bavaria, C-120/08, EU:C:2010:798, Rn. 40 und 41 sowie die dort angeführte Rechtsprechung).

References: Art. 14
 Art. 14
 Art. 13
 Art. 14
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 14
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 17
 Art. 14
 Art. 17
 Art. 13
 Art. 17
 EuGH