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Timestamp: 2018-09-20 12:06:00+00:00

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Einladung zum Vermittlungsseminar, ohne §§ und ohne RFB - Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum)
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08.04.2017, 17:59 #1
ich habe ein Schreiben vom JC meiner Kreisstadt erhalten, und es geht darin um die Teilnahme an einem Vermittlungsseminar. Inhalte des (normalen) Briefumschlags sind die Einladung vom JC meiner Kreisstadt, ein Rückantwort-Formular falls man nicht teilnehmen kann, und eine s.g. persönliche Einladung des Veranstalters.
Eigene Bewerbungsunterlagen sollen ausdrücklich mitgebracht und dort bearbeitet werden, und im Anschluss ans Seminar findet ein Austausch zwischen Veranstalter und JC statt. Als Voraussetzung für die Teilnahme rechne ich daher mit entsprechenden Datenfreigabe-Erklärungen aller TN.
Aus der Website des Veranstalters habe ich ein paar Auszüge über dieses Seminar zusammengestellt:
Der erste Seminartag (…) arbeiten wir nicht nur mit den Bewerbungsunterlagen der Teilnehmer, sondern rufen auch Arbeitgeber an (…) Darauf richten wir neue Bewerbungen aus (...) greifen wir auch Vitae von anwesenden Bewerbern auf, um anschaulich für alle Seminarteilnehmer zu zeigen (…)
Der zweite Seminartag (…) negative äußere Einflüsse von Dritten bleiben außen vor (…) rufen wir auch direkt im Seminar schon mal Arbeitgeber an (…) Umsetzungsphase, zu der sich die Teilnehmer am Ende der zweiten Veranstaltung überprüfbare und feste Ziele setzen (…) Auch in der Umsetzungsphase ist der Seminarleiter XY für die Teilnehmer erreichbar
Zum dritten Termin (…) Verbliebene Kandidaten hatten womöglich in der Gruppe Hemmungen (…) Deshalb erarbeiten wir (…) in besonders intensiven Einzelcoachings individuelle Strategien zur Arbeitsaufnahme für die einzelnen Bewerber (…) ruft der Seminarleiter XY gleich direkt Arbeitgeber an.
Nach der Veranstaltungsreihe findet eine Auswertung und die Ausgabe von Empfehlungen an die Fallmanager statt (…) Dieser interne Erfahrungsaustausch belebt (…) die Ideenvielfalt und Kreativität in der Herangehensweise stark (…) Aus den Antworten unseres Fragebogens nach dem Seminar wissen wir (…)
(…) Unser Unternehmen ist als Träger für die Maßnahmen nach dem SGB III zugelassen. Die [Seminarbezeichnung] sind nach § 45 SGB III zertifiziert (…)
Ich stelle unten alle anonymisierten Seiten der Einladung sowie die Seite meiner EGV ein, auf der konkret das Thema Maßnahmen genannt wird. Diese Maßnahmen werden allerdings nur ganz allgemein bezeichnet. Meine Frage ist nun, ob die Einladung zum Seminar tatsächlich verpflichtend ist, oder doch freiwillig, denn die §§ fehlen komplett, und eine RFB ist ebenfalls nicht beigefügt. Bitte entschuldigt die furchtbare Qualität der Bilder.
Vielen herzlichen Dank im Voraus für eure Hilfe, eure Fairy11
08.04.2017, 18:18 #2
AW: Einladung zum Vermittlungsseminar, ohne §§ und ohne RFB
Das ist ja echt die Härte!
Wie soll das gehen, wenn man mit fiktiven Bewerbungsunterlagen arbeitet? Reale Daten bekommt der Träger nicht und geht diesem auch rein gar nichts an (Sozialdatenschutz)! Wie man greift Lebenslauf/Bewerbungen anderer Teilnehmer auf? Hat der Träger schon mal was von Datenschutz gehört?
Der zweite Seminartag (…) negative äußere Einflüsse von Dritten bleiben außen vor (…) rufen wir auch direkt im Seminar schon mal Arbeitgeber an (…) Umsetzungsphase, zu der sich die Teilnehmer am Ende der zweiten Veranstaltung überprüfbare und feste Ziele setzen...
Ziel sollte sein, sowas unverschämtes energisch entgegen zu treten und andere Teilnehmer ins Boot zu holen.
Hatten die Teilnehmer Hemmungen oder beharrte man vielmehr auf den Datenschutz den der Gesetzgeber dem mündigen Bürger zugesteht? Oder sind mit Hemmungen ZAF-Klitschen gemeint. Die Arbeitsvermittlung ist und bleibt dem Amt überlassen, ein auslagern geht nicht.
...wir üben die Kontaktaufnahme zu Arbeitgebern
Das kann der Träger gerne mit sich selbst üben, sofern Bedarf besteht, der mündiger Bürger läßt das nicht mit sich machen und sollte dies strikt untersagen! Das kann bez. sollte der mündige Bürger selbst. Kontaktaufnahme bei potentiellen Arbeitgebern durch den Träger wird nicht geduldet!
...so werden Sie für den Arbeitgeber interessant
Vermittlungsgutschein, Umsonst malochen als Praktikum oder Maßnahme getarnt... .
Bei Seite 5 von 6 steht ganz oben: Vermittlungs...
Was kommt danach, vielleicht Gutschein?
08.04.2017, 18:23 #3
Ohne Paragraphen und ohne RFB ist es keine verbindliche Vorladung des JC.
In der EGV hätte diese Maßnahme konkret aufgeführt sein müssen, um daran etwas zu ändern. Eine generelle Verpflichtung, an "allen Maßnahmen" teilzunehmen, ist nicht rechtskonform.
Auf der 1. Seite steht "ESF". ESF-Maßnahmen sind laut Arbeitsministerium freiwillig. Eine umfassende Sammlung an Infos dazu findest du hier.
08.04.2017, 18:35 #4
Auf der 1. Seite steht "ESF". ESF-Maßnahmen sind laut Arbeitsministerium freiwillig
Schön, daß hab ich glatt übersehen. Ablage P Fairy11.
08.04.2017, 18:39 #5
Auf dem EGV-Blättchen steht zwar drei Mal der § 2 SGB II in Teilen, was wohl tüchtig beeindrucken soll, aber als Gesetz sowieso gilt.
Da Gesetze auch nicht vereinbart werden und die Bestimmungen unbestimmt sind, folgt da auch erstmal nicht draus.
Kannst Du die ESF-Förderung der Maßnahme erkennen? Nicht, dass das Logo auf allen JC-Schreiben prangt.
Meine Vita wird nicht veröffentlicht, meine Telefonate führe ich im rein privaten Rahmen und Auftragstelefonate gebe ich generell nicht in Auftrag.
Aber gut zu wissen, dass man für Pausenbrote selber sorgen muss. Oh ja.
08.04.2017, 20:24 #6
von Sorata:
Auf der 1. Seite steht "ESF".
von Ozymandias:
Das steht wirklich nur auf der ersten Seite der JC-Einladung, ganz unten mit den 3 anderen Bildchen: "Bundesministerium für Arbeit und Soziales", "ESF Europäischer Sozialfonds für Deutschland", "Europäische Union" und "Zusammen. Zukunft. Gestalten". Auf der Website des Veranstalters habe ich jedoch nichts zur ESF-Förderung gefunden.
Bleibt es dennoch bei Ablage P?
von DonOs:
Nein, zum Glück DAS nicht auch noch... Das ist der Name des Veranstalters, und ich habe den letzten Teil unkenntlich gemacht.
08.04.2017, 21:07 #7
Es schaut aus, als würde ein JC einem Arbeitsvermitter-Team massig ahnungslose zuspielen, dass den Anschein eines lockeren Seminars erwecken soll!
Muss man sich alles trocken durchlesen und dann verstehen!
JC schickt Einladung, Kostenübernahme nicht erwähnt. Fahrtkosten so la la, dafür fett der § 2 Hinweis mit tränenden Augen ausgedruckt!
Ein Arbeitsvermittler, der in der Beschreibung die Nachricht vom Wunder der Vermittlung von ganz schockierenden Fällen verkündet, gibt ein "Seminar"
Ziel des Seminars ist die Bewerbungsunterlagen zu sichten, gleich die Übung der Kontaktaufnahme zu vollziehen und die schüchternen separat zu bearbeiten! Ob die Prämie dann vom ESF oder per AVGS eintrudelt ist wohl ein Geheimnis!
Ich wette, vor Ort wird kein JC Mitarbeiter anwesend sein! Falls was ist, wird die freiwilligkeit der Datenweitergabe und Anwesenheit erwähnt! Der Vermittler meldet dann, wer nicht gekommen ist!
Bei Beschwerden hört man dann, man hätte sich das einfach mal anhören können und was man dann macht, kann man ja selbst entscheiden! Doof nur, dass viele Elos bei offensichtlich offiziellen Schreiben gleich an "das muss wohl so und ist richtig" denken!
Meine eigene Meinung über das Handeln vieler JC behalte ich mal für mich. Aber es muss wirklich schwer sein, die wenigen Menschen in die vielen vorhandenen Jobs zu pressen!
Nachtrag: wenn das Wunderkind so viel weiß und an drei tagen mehr schafft als in drei Monaten, dann stellt sich für mich immer die Frage, warum das JC sich das Konzept nicht kauft oder in jeder Filiale so ein Wunderkind hat und alles einfach nachmacht! Ich schaffe das sogar an einem Tag! Wenn ich nämlich mein Hirn ausschalte und zu Randsuff gehe und in eigener Kleidung noch um 22 Uhr die Nachtschicht irgendwo in Dunkeldeutschland antrete! Fahrt auf eigene Kosten natürlich.
Kannst ja aus Interesse mal vor Beginn erscheinen und die Erscheinenden Zählen! Argumente für Dich hast Du ja jetzt genug!
Geändert von Sonne11 (08.04.2017 um 21:36 Uhr)
08.04.2017, 21:28 #8
Keine Fahrtkostenerstattung zugesichert (u.a. "Eigenleistungsfähigkeit", die es im SGB II eben nicht gibt), keine RFB -> Nicht hingehen.
Normalerweise würde ich bei zwei Tagen anraten, hinzugehen, weil es die höhere Aufwandseffizienz hätte.
Aber: Das grundlegende Konzept ist klar übergriffig, auf Gruppendruck und auf die Art Dampfplauderei ausgerichtet, bei der man nachher mit Heizdecken und Medikamentenabonnements dasteht.
Da können zwei Tage sehr, seeeehr lang sein.
Wenn Du dafür das Temperament und eine gewisse Resilenz hast, könntest Du ständig sagen:
"Ich bin hier, um mich zu informieren und nicht um hier jemanden zu informieren. Niemand wird in meinem Namen Anrufe führen."
Wie in der Genfer Konvention: Name, Dienstrang, Personalnummer, sonst nichts.
Falls Du das zwei Tage lang, vielleicht auch noch intensiv in Einzelcoachings, tun kannst und möchtest,
wärest Du hinsichtlich einer Sanktion auf der sichereren Seite.
(Ich persönlich würde schon am ersten Tag sarkastisch werden müssen (Tust Du schön für mich Dummi anrufen? Das ist aber feini! ) und von da an ginge es bergab. )
08.04.2017, 22:21 #9
Ach 0zymandias, Du musst doch nicht hin und bist schon jetzt sarkastisch!
Völlig richtig! Es gibt mehr Argumente dagegen, als dafür!
Wenn man mal schnuppern würde, besteht die Gefahr, sich den großen Künsten des Wunderkindes (Na der AV-Typ halt der sich auf der Internetseite so sehr lobt) ausgesetzt sehen zu müssen! Es wäre schwierig zu erklären, warum man nichts mitgebracht hat, oder verraten möchte! "Man will doch nur Hilfe anbieten, warum verweigert man das?" Heißt es dann ganz schnell!
Meine Floskeln:
-Bin nicht hin meine Bewerbungsunterlagen sind super
-Es wurde nicht erwähnt wer die Kosten trägt
-Fahrtkosten Eigenleistung, meine Mama sagt was anderes!
-Habe mir alles aus der Internetseite verinnerlicht! Werde dort nach Stellen gucken! Fast versprochen!
-Wäre wegen Datenschutz besorgt, weiß ja nicht was von mir verlangt wird? Was ist, wenn der herumtelefoniert und ich das nicht will? Behält er meine Daten?
-Meinen SB habe ich einfach viel mehr lieb! Betrüge den doch nicht mit einen anderen "Arbeistvermitter"
Dass keine Verpflichtung besteht, würde ich nicht erwähnen!
08.04.2017, 22:39 #10
Anders als Sarkastisch veranlagt zu sein und das auch gewitzt zu bekunden, sowie damit gewandt umzugehen, vor allem regios anzugehen, kann man den ganzem auch "kaum" mehr entgegen treten. Ich für meinen Fall, kann des Öfteren immer herzhaft lachen. Weiter so!
10.04.2017, 16:08 #11
Liebe Helfer, ich bedanke mich ganz herzlich für eure Unterstützung. Ihr alle habt mir so viele gute Argumente gegen die Teilnahme am Seminar aufgezeigt, dass ich definitiv nicht hingehen werde.
In Hinblick auf mögliche Folgen möchte ich die Weigerung, meine Daten auszuhändigen und entsprechende Freigaben zu unterschreiben, lieber für eine längere Maßnahme aufsparen. Mit möglichen Folgen meine ich, dass der Veranstalter ans JC petzen könnte, woraufhin das JC ggfls. meine Betreuung intensivieren würde. Schlimmstenfalls könnte vielleicht sogar versucht werden, eine Sanktion wegen Verweigerung der Mitwirkungspflicht zu konstruieren.
Jetzt überlege ich noch hin und her, ob ich einfach nur wegbleibe und gar nicht reagiere, oder ob eine AU doch die bessere Variante ist. Falls es im ersten Fall zu einer Anhörung kommen sollte, so würde ich argumentieren, dass ich das Schreiben zwar erhalten habe; von einer Verpflichtung zur Teilnahme am Seminar bin ich aber gar nicht ausgegangen. Die Einladung habe ich nur als einen unverbindlichen Vorschlag betrachtet (weil ein zulässiger Meldegrund und die entsprechende RFB fehlen).
Wenn man mich dann trotzdem sanktionieren würde, würde ich damit sofort zum Anwalt für Sozialrecht gehen. Vielleicht kann man den Fall L 7 AS 1058/13 B vom LSG Niedersachsen-Bremen anwenden:
(...) habe er nicht gewusst, dass er zur Teilnahme an der Veranstaltung am 15. Mai 2012 verpflichtet gewesen sei.
(…) der Kläger sich dann dort auf bis dahin ihm unbekannte Arbeitsangebote bewerben müsste, gehört diese Veranstaltung nicht zu den zulässigen Meldezwecken nach § 309 Abs. 2 SGB III.
Und in meiner Einladung wird dieser Meldezweck-Paragraf ja noch nicht einmal genannt; vielleicht weiß das JC also ganz genau, dass solch ein Vermittlungs-Seminar gar nicht als Pflichtveranstaltung deklariert werden kann… Des Weiteren fällt mir der Fall S 1 AL 251/15 vom SG Leipzig zum Thema unzumutbare Maßnahmen ein. Als Argumente gegen die Zumutbarkeit könnte ich z.B. die im Schreiben angekündigte Datenerhebung, ihre Offenlegung in großer Runde und die Datenweitergabe anführen.
In einem Gerichtverfahren würde ich unbedingt auch den höchst zweifelhaften Charakter des Veranstalters aufzeigen wollen. Es erscheint mir als durchaus möglich, dass die gepriesenen Wunder-Strategien des Veranstalters direkt aus dem Einmaleins berühmter Sektengurus importiert worden sind. Dazu reiche ich euch im Folgenden noch ein paar ausführliche Zitate von der Veranstalter-Website nach, worin eine stattfindende Gehirnwäsche beschrieben und die Teilnehmer in absolut diffamierender und menschenverachtender Weise darstellt werden:
Um die Bewerber aber erst einmal zu öffnen und zu aktivieren, gestatten wir unseren Teilnehmern in der ersten halben Seminarstunde, sich selbst zu bemitleiden und allen Frust herauszulassen. Das macht den Kopf frei. Dann beginnen wir unmittelbar damit, einen klaren Schnitt zwischen Vergangenheit und Zukunft zu setzen.
Am Ende des ersten Tages haben die meisten Anwesenden erkannt, dass nicht Dritte, sondern sie selbst für sich verantwortlich sind. Ein eigenverantwortliches Handeln beginnt.
Der zweite Seminartag findet schon 24 bis 48 Stunden nach der Auftaktveranstaltung statt. Da ist die Motivationskurve noch hoch und negative äußere Einflüsse von Dritten bleiben außen vor. Die Teilnehmer hatten Zeit, über sich und ihr bisheriges Wirken auf andere nachzudenken und erste Vorbereitungen für den Schritt in Lohn und Brot zu treffen.
Die Teilnehmer erleben, wie sie die eigene Wirkung auf Dritte verändern können und erkennen, dass sie es selbst sind, die etwas verändern müssen.
Seminarleiter XY erklärt die Methoden, die zu der (manchmal unerwarteten) Aktivierung selbst sehr "schüchterner" oder auch aufbrausender Kunden führten. Aus den Antworten unseres Fragebogens nach dem Seminar wissen wir, dass besonders für Fallmanager eine Teilnahme an den Vermittlungstagen dauerhaften Nutzen (weil übertragbar auf weitere Kunden) und eine neue Arbeitsqualität bringt.
Wie seht ihr das, und würdet ihr einfach nur nicht zum Seminar gehen, oder das Fehlen lieber doch absichern? Und falls ich mich für eine AU entscheide; wohin würdet ihr diese dann schicken? AU plus Rückantwort-Formular (siehe Bild 3, ganz oben beim Threadstart) ans JC der Kreisstadt, oder AU an den eigenen SB, und nichts an die Kreisstadt? LG, eure Fairy11
Geändert von Fairy11 (10.04.2017 um 16:44 Uhr) Grund: Anhörungs-Argumentation leicht abgeschwächt
25.05.2017, 14:16 #12
Die Einladung hat mir einfach keine Ruhe gelassen, und so habe ich das Schreiben juristisch prüfen lassen.
Überzeugung des Anwalts ist, dass die Teilnahme am Seminar definitiv verpflichtend sei; er hat sich dabei wiederholt auf § 2 SGB II bezogen. Das ESF-Zeichen und das Fehlen von Paragrafen plus RFB würden, seiner Aussage nach, überhaupt keine Rolle spielen. JC-Einladungen seien generell immer als verpflichtend anzusehen. Zur EGV: Sie sei von mir so unterschrieben worden, also gelte sie nun auch bis zum Ablaufdatum. Dass § 2 SGB II sowieso gilt, und dass die Maßnahmen in meiner EGV gar nicht näher definiert sind, sei nicht relevant.
Das übergriffige Seminarkonzept, die Verletzung des Datenschutzes und die eingeschränkte Fahrtkosten-Regelung wurden vom Juristen komplett heruntergespielt. Ich erklärte mich mit den Praktiken jedoch nachdrücklich nicht einverstanden und wies darauf hin, dass ich dem Veranstalter weder meine Daten aushändigen, noch irgendwelche Maßnahme-Dokumente unterschreiben würde. Um eine daraus resultierende Sanktion zu vermeiden, würde ich daher lieber gar nicht am Seminar teilnehmen wollen.
Auf einmal bekam der Jurist doch seine Zweifel. Er ließ sich auch den Briefumschlag zeigen, weil er sehen wollte, ob das Schreiben tatsächlich vom JC stammen würde. Sein abschließendes Fazit: Die Einladung sei zwar seltsam aber dennoch verbindlich, und man könnte sie juristisch nicht angreifen. Im Falle einer Sanktion würde er dem Gerichtsverfahren maximal eine fifty-fifty Chance zu meinen Gunsten ausrechnen, eher noch weniger. Ich könnte den Brief gar nicht erhalten haben, doch am sichersten sei in dieser Situation eine AU.
Der Termin war insgesamt sehr ernüchternd, denn ich hatte im Vorfeld deutlich mehr Engagement, Kampfgeist und Abwehr-Strategien erwartet; auch schon als Basis für zukünftige Ereignisse. Während des Gesprächs hatte ich jedoch nicht den Eindruck, dass der Fachanwalt für Sozialrecht seine Aufgabe darin sieht, mich zu schützen und meine Interessen zu vertreten. Letztendlich habe ich den Ratschlag befolgt, meinen Arzt aufzusuchen; bei derart kurzen Veranstaltungen ist das ja zumindest eine Option.
25.05.2017, 15:46 #13
Kannte sich der RA nicht mit zulässigen Meldezwecken nach § 309 Abs. 2 SGB III aus und wußte folglich nichts zu den Verpflichtungen nach § 32 SGB II (Sanktion wegen Meldeversäumnisses) zu vermelden?
Hier zwei Links aus meiner Sammlung:
Rechtsprechung der niedersächsischen Justiz-L 7 AS 1058-13 B-unzulässiger Meldezweck-AG-Messe
Klingonenteddy - Vermittlungsvorschlag zu "Herr/Frau Jobmesse"
Die Überschriften verweisen zwar auf Jobmessen, im Kern geht's jedoch um zulässtigen Meldezweck bei Vorladungen durch wen auch immer.
Nicht das erste Mal ist mir aufgefallen, daß sich RAs zum Jagen tragen lassen.
Wenn sie verlieren, kann es denen auch egal sein.
Berufsehre? Was ist das?
Unzufriedenheit nehmen sie nonchalant zur Kenntnis und bauen darauf, daß keiner die Kraft hat, denen Untätigkeit, fatale Uninformiertheit, gar Parteiverrat nachzuweisen.
Im Sozialrecht gibt's keinen Blumentopp zu gewinnen, solange es sich um niedrige Streitwerte handelt.
So ist's für mich nachvollziehbar, daß RAs abwimmeln, was NUR Arbeit macht.
Falls du dich trotzdem alleine auf die Hinterbeine stellen willst, gibt es Lesestoff, den du dir in der Auszeit rein helfen könntest.
25.05.2017, 22:12 #14
Dankeschön vielmals für all die guten Infos!
Der Termin war definitiv ein Reinfall; ich hatte mir erhofft, dass der Anwalt nach dem Einladungsschreiben direkt auch die ganze menschenverachtende Veranstaltung juristisch in Stücke reißen würde. Offenbar wird man aber erst dann aktiv, wenn das Kind längst im Brunnen liegt und die Sanktion bereits verhängt wurde. Einer Person, welche sich bewusst für die Fachrichtung Sozialrecht entscheidet, hätte ich eigentlich schon sehr gerne ein gewisses Maß an sozialen Kompetenzen unterstellen wollen…
PS: Simor´s Bericht ist wirklich großartig, schade dass ER kein Anwalt geworden ist:)
25.05.2017, 23:51 #15
Offenbar wird man aber erst dann aktiv, wenn das Kind längst im Brunnen liegt und die Sanktion bereits verhängt wurde.
Von so nen "Anwalt" der sowas wie
das Fehlen von Paragrafen plus RFB würden, seiner Aussage nach, überhaupt keine Rolle spielen. JC-Einladungen seien generell immer als verpflichtend anzusehen
von sich gibt, würde ich mich vor Gericht nicht mal wegen ein paar geklauten Kirschen vertreten lassen.
26.05.2017, 13:39 #16
User TimoNRW hat hier ein aktuelles Dönkens zum Thema "unzulässiger Meldezweck" zu erzählen.
Einladung OHNE §59 SGB II i.V.m. 309 SGB III, OHNE RFB, OHNE RBB - Rechtens? Ah4entheater ALG II 27 28.12.2014 20:45
Einladung ohne Leistungen GegenHartz4 ALG II 5 14.06.2012 17:43
Einladung ohne ALG 2 Bezug Frau Otter Existenzgründung und Selbstständigkeit 10 21.05.2012 15:06

References: § 45
 § 2
 § 2
 § 309
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 § 309
 § 32
 §59