Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VRS%20112%20(2007),%20311
Timestamp: 2019-04-24 13:01:54+00:00

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VGH Baden-Württemberg, 09.01.2007 - 10 S 1874/06 - dejure.org
Maßgeblicher Zeitpunkt für die Punkteberechnung nach § 4 Abs 3 StVG - Rechtskraftprinzip/Tattagprinzip
§ 4 Abs 2 S 1 StVG, § ... 4 Abs 3 S 1 Nr 2 StVG, § 4 Abs 4 S 1 StVG, § 4 Abs 4 S 4 StVG, § 4 Abs 5 StVG, § 4 Abs 6 StVG, § 28 Abs 3 Nr 1 StVG, § 28 Abs 3 Nr 2 StVG, § 28 Abs 3 Nr 3 StVG, § 14 Abs 2 S 1 VwKostG, § 1 StGebO, § 2 StGebO
Unschuldsvermutung, Rechtskraft, Verwarnung, Punktsystem, Punkteabzug, Punktestand, Aufbauseminar, Verkehrszentralregister, Rechtskraftprinzip, Tattagprinzip
Verbindlichkeit der Mitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamtes über die Gewichtung der Verkehrsverstöße eines Fahrerlaubnisinhabers; Eigene Beurteilung der Verstöße durch die zuständige Straßenverkehrsbehörde; Rechtswidrigkeit der Erhebung von Kosten für eine rechtswidrige Maßnahme; Maßgeblicher Zeitpunkt für die Berechnung des Punktestandes; Reduzierung des Punktestandes durch die Teilnahme an einem Aufbauseminar; Anwendbarkeit der Unschuldsvermutung auf Entscheidungen der Fahrerlaubnisbehörde
§ 4 Abs. 3 StVG
Ermittlung des Punktestandes im Rahmen des § 4 Abs. 3 StVG
VBlBW 2007, 308
VBlBW 2007, 479
DVBl 2007, 455 (Ls.)
DÖV 2007, 479
VRS 112, 311
Dass der Lärm rechtswidrig sein muss, kann auch nicht mit der These bezweifelt werden, dass es für die Rechtmäßigkeit der Festsetzung einer Verwaltungsgebühr nur auf die Wirksamkeit der zugrunde liegenden Amtshandlung und nicht auf deren Rechtmäßigkeit ankommt (…vgl. VGH Bad.-Württ., Urt. v. 11.03.2005 - 5 S 2421/03 - juris Rn. 22 mwN; a.A. VGH Bad.-Württ., Urt. v. 09.01.2007 - 10 S 1874/06 - juris Rn. 30 mwN;… offen VGH Bad.-Württ., Urt. v. 11.09.2015 - 3 S 411/15 - juris Rn. 31 mwN).
Bei der gerichtlichen Überprüfung eines auf die genannten Rechtsgrundlagen gestützten Verwaltungsgebührenbescheids hat über die gebührenrechtliche Kontrolle im engeren Sinn hinaus auch eine Inzidentkontrolle der Rechtmäßigkeit der jeweiligen Amtshandlung zu erfolgen (vgl. Senatsurteile vom 20.09.2011 - 10 S 2850/10 - VBlBW 2012, 307, bestätigt durch BVerwG, Urteil vom 27.09.2012 - 3 C 33.11 - NJW 2013, 552, und vom 09.01.2007 - 10 S 1874/06 - VBlBW 2007, 479).
Der Strafbefehl hat vielmehr im Rechtsverkehr als nicht ergangen zu gelten und kann dem Kläger auch außerhalb des unmittelbaren strafrechtlichen Kontextes, das heißt auch hier im Fahrerlaubnisrecht, nicht zur Last gelegt werden (vgl. OVG NW…, Beschluss vom 24.01.2008, a.a.O.; vgl. auch VGH Bad.-Württ., Urteil vom 09.01.2007 - 10 S 1874/06 -, VBlBW 2007, 479 zur Geltung des Rechtskraftprinzips für die Punktberechnung nach § 4 Abs. 3 StVG auch unter dem Gesichtspunkt rechtlicher Folgewirkungen der strafprozessualen Unschuldsvermutung).
Diese Mitteilungen sind, wie auch in den der Beklagten im vorliegenden Verfahren zugegangenen zutreffend angeführt, rechtlich unverbindlich und entbinden die nach § 73 Abs. 2 FeV örtlich zuständige Behörde nicht von der selbständigen Beurteilung von Verstößen entsprechend der Anlage 13 zu § 40 FeV (vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 09.01.2007, a.a.O.) Gebunden ist die Fahrerlaubnisbehörde gem. § 4 Abs. 3 Satz 2 StVG an rechtskräftig gewordene und gebliebene - das heißt auch nicht rückwirkend beseitigte - rechtskräftige Entscheidungen über Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten.
Legt man das Rechtskraftprinzip zu Grunde (für dieses: VGH Bad.-Württ., Urt. v. 9.1.2007 - 10 S 1874/06 - DAR 2007, 412;… Janker, in: Jagow/Burmann/Heß, Straßenverkehrsrecht, 20. Auflage 2008, § 4 StVG, Rdnr. 3a), so haben sich 18 Punkte mit Rechtskraft des Bußgeldbescheids vom 26.2.2007 am 17.3.2007 ergeben.
In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass bis zu dem Ergehen einschlägiger höchstrichterlicher Rechtsprechung im Jahr 2008 strittig war, ob - allgemein oder jedenfalls für den Regelungsbereich des § 4 Abs. 4 StVG - vom Tattag- oder aber vom sog. Rechtskraftprinzip auszugehen war, vgl. BVerwG, Urteil vom 25. September 2008 - 3 C 3.07 -, BVerwGE 132, 48 = NJW 2009, 612 = VRS 115 (2008), 443 = DAR 2009, 46 = juris, Rn. 27 bis 39; anders noch etwa die Vorinstanz, vgl. VGH Bad.-Württ. Urteil vom 9. Januar 2007 - 10 S 1874/06 -, DÖV 2007, 479 = VRS 112 (2007), 311 = juris, Rn. 33 bis 40, mit weiteren Nachweisen zum damaligen Streitstand, ohne dass wegen der bis dahin gegebenen Rechtsunsicherheit die Anwendbarkeit des Sanktionensystems insgesamt - etwa mangels Bestimmtheit der Rechtsgrundlage - in Frage gestanden hätte.
So wird einerseits unter Berufung auf Grundsätze der Rechtssicherheit und -klarheit sowie der für das gesamte Ordnungswidrigkeitenverfahren geltenden Unschuldsvermutung auf das sogenannte Rechtskraftprinzip abgestellt, weil im Verkehrszentralregister nur rechtskräftige Entscheidungen gespeichert würden (vgl. z.B. VGH Baden Württemberg, Urt. v. 09.01.2007 in VRS 112, 311 - 320; OVG Münster, Beschl. v. 09.02.2007, Az.
a) Der Beklagte hat bei der Berechnung der für den Kläger eingetragenen Punkte zu Recht das Tattagprinzip und nicht das Rechtskraftprinzip zugrunde gelegt (BVerwG vom 25.9.2008, Az. 3 C 3/07; a.A. VGH Baden-Württemberg vom 9.1.2007, Az. 10 S 1874/06; OVG Münster, Beschluss vom 9. Februar 2007 - 16 B 2174/06 VG Stuttgart vom 27.2.2006, Az. 10 K 5180/04).
Für die Rechtmäßigkeit der streitgegenständlichen Anordnung ist es unerheblich, ob der maßgebliche Punktestand nach demRechtskraftprinzip(NdsOVG vom 24.1.2007, NVZ 2007, 265; VGH BW vom 9.1.2007, DAR 2007, 412 m.w.N.;… Dauer in Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 39. Auflage 2007, § 4 StVG RdNr. 2) oder demTattagsprinzip(vgl. nur BayVGH vom 14.12.2005, DAR 2006, 169; vom 11.8.2006, 11 CS 05.2735) bestimmt wird.
Für die Rechtmäßigkeit der streitgegenständlichen Anordnung ist es auch unerheblich, ob der maßgebliche Punktestand nach dem Rechtskraftprinzip (NdsOVG vom 24.1.2007, NZV 2007, 265; VGH BW vom 9.1.2007, DAR 2007, 412 m.w.N.;… Dauer in Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 39. Auflage 2007, RdNr. 2 zu § 4 StVG) oder dem Tattagsprinzip (BayVGH vom 14.12.2005, DAR 2006, 169; vom 11.8.2006, 11 CS 05.2735 ständige Rechtsprechung; Kalus, VD 2007, 166, 196/203) bestimmt wird.

References: § 4

§ 4
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 § 4
 § 28
 § 28
 § 28
 § 14
 § 1
 § 2

§ 4
 § 4
 § 4
 § 73
 § 40
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
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