Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/vorsteuer-verguetungsverfahren-und-die-umsatzsteuer-jahreserklaerung-367448
Timestamp: 2020-04-07 21:07:36+00:00

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Vor­steu­er-Ver­gü­tungs­ver­fah­ren und die Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­rung | Rechtslupe
Vor­steu­er-Ver­gü­tungs­ver­fah­ren und die Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­rung
Ein im Aus­land ansäs­si­ger Unter­neh­mer, der gemäß § 18 Abs. 3 Satz 1 UStG eine Umsatz­steu­er­erklä­rung für das Kalen­der­jahr abzu­ge­ben hat, ist berech­tigt und ver­pflich­tet, alle in die­sem Kalen­der­jahr abzieh­ba­ren Vor­steu­er­be­trä­ge in die­ser Steu­er­erklä­rung gel­tend zu machen. Damit wider­spricht der Bun­des­fi­nanz­hof der Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung 1.
Dem steht –ent­ge­gen der Ansicht des Finanz­amt– nicht ent­ge­gen, dass nach § 18 Abs. 9 UStG zur Ver­ein­fa­chung des Besteue­rungs­ver­fah­rens die Ver­gü­tung der Vor­steu­er­be­trä­ge (§ 15 UStG) an im Aus­land ansäs­si­ge Unter­neh­mer, abwei­chend von § 16 und § 18 Abs. 1 bis 4 UStG, in einem beson­de­ren Ver­fah­ren durch Rechts­ver­ord­nung gere­gelt wer­den kann 2.
Auf­grund die­ser Ermäch­ti­gung ist gemäß § 59 USt­DV die Ver­gü­tung der abzieh­ba­ren Vor­steu­er­be­trä­ge (§ 15 UStG) an im Aus­land ansäs­si­ge Unter­neh­mer (§ 13b Abs. 4 UStG) abwei­chend von § 16 und § 18 Abs. 1 bis 4 UStG nach den §§ 60 und 61 USt­DV durch­zu­füh­ren, wenn der Unter­neh­mer im Ver­gü­tungs­zeit­raum
Nach Art. 1 der Richt­li­nie 79/​1072/​EWG gilt für "die Anwen­dung die­ser Richt­li­nie … als nicht im Inland ansäs­si­ger Steu­er­pflich­ti­ger der­je­ni­ge Steu­er­pflich­ti­ge nach Arti­kel 4 Absatz 1 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, der in dem Zeit­raum nach Arti­kel 7 Absatz 1 ers­ter Unter­ab­satz Sät­ze 1 und 2 in die­sem Land weder den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit noch eine fes­te Nie­der­las­sung, von wo aus die Umsät­ze bewirkt wor­den sind, noch – in Erman­ge­lung eines sol­chen Sit­zes oder einer fes­ten Nie­der­las­sung – sei­nen Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort gehabt hat und der in dem glei­chen Zeit­raum im Inland kei­ne Gegen­stän­de gelie­fert oder Dienst­leis­tun­gen erbracht hat mit Aus­nah­me von:
Dienst­leis­tun­gen, bei denen die Steu­er gemäß Arti­kel 21 Num­mer 1 Buch­sta­be b) der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ledig­lich vom Emp­fän­ger geschul­det wird".
Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen lie­gen im Streit­fall die Vor­aus­set­zun­gen für die Anwen­dung des Ver­gü­tungs­ver­fah­rens nach § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. § 59 USt­DV nicht vor. Zwar han­delt es sich bei der Klä­ge­rin um ein im Aus­land ansäs­si­ges Unter­neh­men, das ent­spre­chend § 59 Nr. 2 USt­DV nur Umsät­ze aus­ge­führt hat, für die der Leis­tungs­emp­fän­ger die Steu­er schul­det (§ 13b UStG).
Gleich­wohl reicht dies für die Anwen­dung des Ver­gü­tungs­ver­fah­rens nicht aus; denn im Fall einer Steu­er­fest­set­zung durch das Finanz­amt ent­fal­tet § 59 USt­DV bei der gebo­te­nen uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung für gleich­zei­tig gel­tend gemach­te Vor­steu­er­be­trä­ge –ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amt– kei­ne Sperr­wir­kung für das all­ge­mei­ne Besteue­rungs­ver­fah­ren (vgl. § 18 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. § 16 Abs. 2 Satz 1 UStG) 3.
Die Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung steht im Wider­spruch zu dem fünf­ten Erwä­gungs­grund der Richt­li­nie 79/​1072/​EWG, nach dem die Rege­lung nicht dazu füh­ren darf, dass die Steu­er­pflich­ti­gen, je nach­dem, in wel­chem Mit­glied­staat sie ansäs­sig sind, unter­schied­lich behan­delt wer­den. Daher ist es uni­ons­recht­lich gebo­ten, dass jeder Unter­neh­mer, der dem all­ge­mei­nen Besteue­rungs­ver­fah­ren im Inland unter­liegt –unab­hän­gig davon, wo er ansäs­sig ist– auch den Vor­steu­er­ab­zug aus abzieh­ba­ren Vor­steu­er­be­trä­gen gel­tend machen kann 4.
Es wür­de zudem nicht zu der von dem Ver­gü­tungs­ver­fah­ren ange­streb­ten "Ver­ein­fa­chung des Besteue­rungs­ver­fah­rens" (vgl. § 18 Abs. 9 Satz 1 UStG) füh­ren, den im Aus­land ansäs­si­gen Unter­neh­mer für ein Kalen­der­jahr, für das er nach § 18 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. § 16 Abs. 1 UStG eine Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­rung abzu­ge­ben hat, dane­ben zur Gel­tend­ma­chung der abzieh­ba­ren Vor­steu­er im Ver­gü­tungs­ver­fah­ren zu ver­pflich­ten 5.
Der Wort­laut des § 18 Abs. 9 Satz 1 UStG i.V.m. § 59 USt­DV steht einer sol­chen uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung nicht ent­ge­gen; denn dort heißt es nicht, dass in den in § 59 USt­DV genann­ten Fäl­len nur eine Erstat­tung im Vor­steu­er-Ver­gü­tungs­ver­fah­ren mög­lich ist.
Viel­mehr sieht § 62 Abs. 1 USt­DV aus­drück­lich Rege­lun­gen für den Fall vor, dass bei einem in § 59 USt­DV genann­ten Unter­neh­mer eine Besteue­rung nach § 18 Abs. 1 bis 4 UStG durch­zu­füh­ren ist; im Rah­men des all­ge­mei­nen Besteue­rungs­ver­fah­rens sind dann nur die Vor­steu­er­be­trä­ge nicht zu berück­sich­ti­gen, "die nach § 59 USt­DV ver­gü­tet wor­den sind", nicht aber all­ge­mein die nach § 59 USt­DV ver­güt­ba­ren Vor­steu­er­be­trä­ge 6. Die­ser aus dem Wort­laut des § 62 Abs. 1 USt­DV abge­lei­te­te Umkehr­schluss ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amt zuläs­sig.
Die­ses Ergeb­nis stimmt mit dem des BFH, Urteils in BFHE 233, 360, BSt­Bl II 2011, 834 über­ein.
Der BFH hat dort ent­schie­den, ein im Aus­land ansäs­si­ger Unter­neh­mer, der Steu­er­schuld­ner nach § 13b Abs. 2 UStG ist und gemäß § 18 Abs. 3 Satz 1 UStG eine Steu­er­erklä­rung für das Kalen­der­jahr abzu­ge­ben hat, sei berech­tigt, alle in die­sem Kalen­der­jahr ent­stan­de­nen Vor­steu­er­be­trä­ge in der Jah­res­er­klä­rung gel­tend zu machen 7.
Auch die wei­te­re Ein­wen­dung des Finanz­amt, bei einem Wahl­recht des Steu­er­pflich­ti­gen, die Vor­steu­er sowohl im Ver­gü­tungs­ver­fah­ren als auch im all­ge­mei­nen Besteue­rungs­ver­fah­ren gel­tend zu machen, wäre eine Kon­trol­le durch die Finanz­ver­wal­tung nicht gewähr­leis­tet und es bestün­de die Gefahr einer dop­pel­ten Gewäh­rung des Vor­steu­er­ab­zugs, greift nicht durch; denn ein sol­ches "Wahl­recht" besteht nicht. Im Übri­gen hat im Streit­fall die Klä­ge­rin den –frist­ge­recht gestell­ten– Antrag auf Vor­steu­er­ver­gü­tung beim BfF zurück­ge­nom­men.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. August 2013 – XI R 5/​11
Abschn. 18.15. Abs. 1 Satz 2 UStAE[↩]
gl. A. Bunjes/​Leonard, UStG, 11. Aufl., § 18 Rz 37; Maunz in Hartmann/​Metzenmacher, Umsatz­steu­er­ge­setz, § 18 Rz 248; a.A. Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 03.12.2009 – IV B 9‑S 7359/​09/​10001, BSt­Bl I 2009, 1520, Rz 29; Abschn. 18.15. Abs. 1 Satz 2 UStAE; Ster­zin­ger, Umsatz­steu­er-Rund­schau 2011, 713, 714; Ster­zin­ger in Birkenfeld/​Wäger, Umsatz­steu­er-Hand­buch, § 214 Rz 332; Huschens, Lexi­kon des Steu­er- und Wirt­schafts­rechts Heft 2/​2013, Grup­pe 7, 145, 175; Huschens in Vogel/​Schwarz, UStG, § 18 Rz 150[↩]
vgl. auch BFH, Urteil vom 07.03.2013 – V R 12/​12, BFH/​NV 2013, 1133, Rz 15[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 1133, Rz 17[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 14.04.2011 – V R 14/​10, BFHE 233, 360, BSt­Bl II 2011, 834, Rz 29[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 233, 360, BSt­Bl II 2011, 834, Rz 29[↩]
Urteil in BFHE 233, 360, BSt­Bl II 2011, 834, Leit­satz 1[↩]
Umsatzsteuer-JahreserklärungVorsteuervergütung

References: § 18
 § 18
 § 16
 § 18
 § 59
 § 16
 § 18
 Art. 1
 § 18
 § 59
 § 59
 § 59
 § 18
 § 16
 § 18
 § 18
 § 16
 § 18
 § 59
 § 59
 § 62
 § 59
 § 18
 § 59
 § 59
 § 62
 § 13
 § 18
 § 18
 § 18
 § 214
 § 18