Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Kuendigung_Schriftform_GbR_LAG_Hannover_10Sa594-09.html
Timestamp: 2017-10-20 16:09:34+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 10 Sa 594/09
Schlag­worte: Kündigung: Schriftform, Schriftform
Akten­zeichen: 10 Sa 594/09
Un­ter­zeich­net nur ei­ner von meh­re­ren Ge­sell­schaf­tern ei­ner BGB-Ge­sell­schaft die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses, so muss das Ver­tre­tungs­verhält­nis in der Ur­kun­de deut­lich zum Aus­druck kom­men.
Un­ter­schreibt nur ein Ge­sell­schaf­ter und fügt er kei­nen Ver­tre­tungs­zu­satz hin­zu, ist nicht aus­zu­sch­ließen, dass die Un­ter­zeich­nung der Ur­kun­de auch durch die an­de­ren Ge­sell­schaf­ter vor­ge­se­hen war und de­ren Un­ter­schrift noch fehlt. In die­sem Fall ist zu prüfen, ob die Ur­kun­de er­ken­nen lässt, dass die Un­ter­schrift des Ge­sell­schaf­ters auch im Na­men der an­de­ren er­folgt ist.
Für die Fra­ge, ob je­mand ei­ne Erklärung auch in frem­dem Na­men ab­gibt, kommt es auf de­ren ob­jek­ti­ven Erklärungs­wert an. Zu berück­sich­ti­gen­de An­halts­punk­te sind zum Bei­spiel: die dem Rechts­geschäft zu­grun­de lie­gen­den Le­bens­verhält­nis­se, die In­ter­es­sen­la­ge, der Geschäfts­be­reich, dem der Erklärungs­stand an­gehört, und ver­kehrs­ty­pi­sche Ver­hal­tens­wei­sen.
Die ge­setz­li­che Schrift­form ist ge­wahrt, wenn der so er­mit­tel­te rechts­geschäft­li­che Ver­tre­tungs­wil­le in der Ur­kun­de, wenn auch un­voll­kom­men, Aus­druck ge­fun­den hat.Aus dem Ent­schei­dungs­text
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Os­nabrück
vom 18. März 2009 – 4 Ca 462/08 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Vor­ins­tan­zen: 4 CA 462/08 Arbeitsgericht Osnabrück Urteil vom 18.03.2009
10 Sa 594/09
4 Ca 462/08 ArbG Os­nabrück
Be­klag­te und Be­ru­fungskläger,
hat die 10. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 11. De­zem­ber 2009 durch
den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dre­her,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Schmidt,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Hei­te­faut
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Os­nabrück vom 18. März 2009 – 4 Ca 462/08 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die im Jah­re 1975 ge­bo­re­ne Kläge­rin trat am 1. Ju­li 2000 als Arzt­hel­fe­rin in die Diens­te der Be­klag­ten; Grund­la­ge war der von der Kläge­rin und von bei­den Be­klag­ten un­ter­zeich­ne­te Ar­beits­ver­trag vom 3. Ju­li 2000 (Bl. 22 bis 25 d. A.). Das mo­nat­li­che Brut­to­ent­gelt der Kläge­rin be­trug zu­letzt 1.783,00 Eu­ro.
Der Kläge­rin ging ein auf den 29. Sep­tem­ber 2008 da­tier­tes Kündi­gungs­schrei­ben zu, we­gen des­sen äußerer Form auf die An­la­ge zur Kla­ge­schrift (Bl. 5 d. A.) ver­wie­sen wird. Das Schrei­ben trägt im Kopf links die Na­men der bei­den Be­klag­ten, rechts die An­schrift, die Te­le­fon- und Te­le­fax­num­mer der Be­klag­ten so­wie das Da­tum. Es lau­tet:
„Sehr ge­ehr­te Frau ...,
zu un­se­rem Be­dau­ern se­hen wir uns ge­zwun­gen, das be­ste­hen­de, auf­grund Ver­tra­ges vom 01.07.2000 be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen zu be­en­den und des­halb zum
Bit­te be­den­ken Sie, daß zur Auf­recht­er­hal­tung un­gekürz­ter Ansprüche auf Ar­beits­lo­sen­geld die Ver­pflich­tung be­steht, sich un­verzüglich nach Er­halt ei­ner Kündi­gung persönlich beim Ar­beits­amt ar­beits­su­chend zu mel­den.
Un­ter der Zei­le „Mit freund­li­chen Grüßen“ fin­det sich die Un­ter­schrift des Be­klag­ten zu 1.; sie nimmt et­wa die Hälf­te der Brei­te des Pa­piers ein.
Die Kläge­rin hat gel­tend ge­macht, im Kündi­gungs­zeit­punkt sei­en re­gelmäßig mehr als fünf Ar­beit­neh­mer im Be­trieb beschäftigt ge­we­sen. Die Kündi­gung sei so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, je­den­falls aber gemäß § 242 BGB un­wirk­sam. We­gen der in­so­fern gel­tend ge­mach­ten Un­wirk­sam­keits­gründe wird auf Zif­fer 4. des Schrift­sat­zes vom 8. Ja­nu­ar 2009 (Bl. 37 f. d. A.) ver­wie­sen. Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kündi­gung ent­spre­che nicht dem ge­setz­li­chen Schrift­for­mer­for­der­nis, weil nur der Be­klag­te zu 1. un­ter­zeich­net ha­be, sie aber nicht wis­se, ob die­ser al­lein­ver­tre­tungs­be­rech­tigt sei.
1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 29. Sep­tem­ber 2008 nicht be­en­det wird,
2. im Fal­le des Ob­sie­gens mit dem An­trag zu 1. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen als me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te wei­ter­zu­beschäfti­gen.
Sie ha­ben be­haup­tet, im Kündi­gungs­zeit­punkt nicht mehr als fünf Ar­beit­neh­mer re­gelmäßig beschäftigt zu ha­ben. Der Be­klag­te zu 1. sei be­rech­tigt ge­we­sen, die Kündi­gung zu un­ter­zeich­nen. Mit dem Schrei­ben ha­be er ei­ne ge­mein­sa­me Ent­schei­dung bei­der Be­klag­ter um­ge­setzt. In der hier vor­lie­gen­den Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts sei im Zwei­fel je­der Ge­sell­schaf­ter zur Al­lein­ver­tre­tung be­rech­tigt, so dass die Schrift­form be­reits durch ei­ne Un­ter­schrift ge­wahrt sei.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Es hat aus­geführt, die Kündi­gung sei form­nich­tig. Ein Ver­tre­tungs­verhält­nis kom­me in der Ur­kun­de nicht hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck, so dass nicht aus­zu­sch­ließen sei, dass ei­ne Un­ter­schrifts­leis­tung auch des Be­klag­ten zu 2. noch vor­ge­se­hen und le­dig­lich noch nicht aus­geführt wor­den sei.
Ge­gen das ih­nen am 30. März 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil ha­ben die Be­klag­ten mit Schrift­satz vom 27. April 2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 2. Ju­ni 2009, dem Diens­tag nach Pfings­ten, be­gründet.
Die Be­ru­fung führt aus, das Ar­beits­ge­richt ha­be die in § 714 BGB nor­mier­te Ver­tre­tungs­macht nicht be­ach­tet. Ein Han­deln in Voll­macht fin­de in der Ur­kun­de hin­rei­chen­den Aus­druck, et­wa durch die im Plu­ral ge­hal­te­nen For­mu­lie­run­gen. Die Kläge­rin ha­be sich nach Er­halt der Kündi­gung denn auch an bei­de Be­klag­te ge­wandt. Sie ha­be aber die Kündi­gung nicht un­verzüglich im Sin­ne von § 174 BGB zurück­ge­wie­sen, so dass sie sich auf Mängel der Voll­macht nicht be­ru­fen könne.
Sie be­strei­tet wei­ter­hin die Be­vollmäch­tig­ten des Be­klag­ten zu 1. zur Ab­ga­be von Wil­lens­erklärun­gen für den Be­klag­ten zu 2. und meint, ei­ne un­verzügli­che Zurück­wei­sung gemäß § 174 BGB sei ent­behr­lich, weil über­haupt kein Han­deln in Voll­macht vor­lie­ge.
Im Ter­min zur Be­ru­fungs­ver­hand­lung ha­ben die Par­tei­en den Rechts­streit übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärt, so­weit er die Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin als me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stell­te be­trifft; Hin­ter­grund ist, dass die Be­klag­ten ei­ne wei­te­re Kündi­gung zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt aus­spra­chen und das Ar­beits­ge­richt Os­nabrück die da­ge­gen ge­rich­te­te Kla­ge mitt­ler­wei­le rechts­kräftig ab­ge­wie­sen hat.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren.
Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Be­klag­ten ist von die­sen frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 66 Abs. 1 ArbGG, §§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO) und da­mit ins­ge­samt zulässig.
Die Be­ru­fung ist je­doch nicht be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt dem in der Be­ru­fungs­in­stanz al­lein noch strei­ti­gen Kündi­gungs­schutz­an­trag ent­spro­chen, denn die Kündi­gung ist gemäß §§ 623, 125 Satz 1 BGB form­nich­tig.
Nach § 623 BGB be­darf die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch Kündi­gung zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form. Die nach dem Ge­setz er­for­der­li­che Schrift­form wird nach § 126 Abs. 1 BGB da­durch erfüllt, dass die Ur­kun­de von dem Aus­stel­ler ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift oder mit­tels no­ta­ri­ell be­glau­big­ten Hand­zei­chens un­ter­zeich­net wird.
Das ge­setz­li­che Schrift­for­mer­for­der­nis hat vor al­lem Klar­stel­lungs- und Be­weis­funk­ti­on. Es soll Rechts­si­cher­heit für die Ver­trags­par­tei­en und ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung im Rechts­streit be­wir­ken. Die ei­genhändi­ge Un­ter­schrift stellt darüber hin­aus ei­ne ein­deu­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen der Ur­kun­de und dem Aus­stel­ler her (Iden­titäts­funk­ti­on). Die Ver­bin­dung zwi­schen Un­ter­schrift und Erklärungs­text gewähr­leis­tet, dass die Erklärung in­halt­lich vom Un­ter­zeich­ner herrührt (Echt­heits­funk­ti­on). Durch die Un­ter­schrift erhält der Empfänger der Erklärung die Möglich­keit zu über­prüfen, wer die Erklärung ab­ge­ge­ben hat und ob die Erklärung echt ist (Ve­ri­fi­ka­ti­ons­funk­ti­on). Für die Ein­hal­tung der Schrift­form ist des­halb er­for­der­lich, dass al­le Erklären­den die schrift­li­che Wil­lens­erklärung un­ter­zeich­nen. Un­ter­zeich­net für ei­ne Ver­trags­par­tei ein Ver­tre­ter die Erklärung, muss das Ver­tre­tungs­verhält­nis in der Ur­kun­de deut­lich zum Aus­druck kom­men. Dies kann ins­be­son­de­re durch ei­nen ent­spre­chen­den Zu­satz bei der Un­ter­schrift er­fol­gen (BAG 28.11.2007 – 6 AZR 1108/06 – AP BGB § 620 Auf­he­bungs­ver­trag Nr. 36 = EzA BGB 2002 § 123 Nr. 7; auch zur amt­li­chen Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen; 21.4.2005 – 2 AZR 162/04 – AP BGB § 623 Nr. 4 = EzA BGB 2002 § 623 Nr. 4; vgl. auch BAG 18.11.2009 – 4 AZR 491/08; BGH 5.11.2003 – XII ZR 134/02 – NJW 2004, 1103).
Un­ter­schreibt für ei­ne Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts nur ein Ge­sell­schaf­ter und fügt er der Un­ter­schrift kei­nen Ver­tre­tungs­zu­satz hin­zu, ist nicht aus­zu­sch­ließen, dass die Un­ter­zeich­nung der Ur­kun­de auch durch die an­de­ren Ge­sell­schaf­ter vor­ge­se­hen war und de­ren Un­ter­schrift noch fehlt. In die­sem Fall ist zu prüfen, ob die Ur­kun­de er­ken­nen lässt, dass die Un­ter­schrift des han­deln­den Ge­sell­schaf­ters auch die Erklärung der nicht un­ter­zeich­nen­den Ge­sell­schaf­ter de­cken soll, al­so auch in de­ren Na­men er­folgt ist (BAG 28.11.2007 – 6 AZR 1108/06 – a.a.O.; 21.4.2005 – 2 AZR 162/04 – a.a.O.; BGH 22.2. 1994 – LwZR 4/93 – BGHZ 125, 175).
Für die Fra­ge, ob je­mand ei­ne Erklärung auch in frem­dem Na­men ab­gibt, kommt es auf de­ren ob­jek­ti­ven Erklärungs­wert an. Maßgeb­lich ist gemäß § 157 BGB, wie sich die Erklärung nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te für den Empfänger
dar­stellt. Hier­bei sind außer dem Wort­laut der Erklärung al­le Umstände zu berück­sich­ti­gen, die un­ter Be­ach­tung der Ver­kehrs­sit­te Schlüsse auf den Sinn der Erklärung zu­las­sen. Von Be­deu­tung sind ins­be­son­de­re die dem Rechts­verhält­nis zu­grun­de lie­gen­den Le­bens­verhält­nis­se, die In­ter­es­sen­la­ge, der Geschäfts­be­reich, dem der Erklärungs­ge­gen­stand an­gehört, und ver­kehrs­ty­pi­sche Ver­hal­tens­wei­sen. Die ge­setz­li­che Schrift­form (§ 126 BGB) ist nur ge­wahrt, wenn der so er­mit­tel­te rechts­geschäft­li­che Ver­tre­tungs­wil­le in der Ur­kun­de, wenn auch nur un­voll­kom­men, Aus­druck ge­fun­den hat (BAG 28.11.2007 – 6 AZR 1108/06 – a.a.O.; 21.4.2005 – 2 AZR 162/04 – a.a.O.; BGH 22.2.1994 – LwZR 4/93 – a.a.O.).
Die An­wen­dung die­ser Grundsätze er­gibt, dass der Wil­le des Be­klag­ten zu 1., zu­gleich als Ver­tre­ter des Be­klag­ten zu 2. die Kündi­gung aus­zu­spre­chen, in der Ur­kun­de kei­nen hin­rei­chen­den Aus­druck fin­det, so dass das Ar­beits­ge­richt die Kündi­gung zu Recht als form­nich­tig an­ge­se­hen hat.
Der Wil­le zu ei­nem Han­deln in al­lei­ni­ger Ver­tre­tung ei­ner Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts wird deut­lich, wenn der Ver­tre­ter mit ei­nem klar ge­fass­ten Ver­tre­tungs­zu­satz un­ter­zeich­net, bei­spiels­wei­se „als al­lei­ni­ger Ver­tre­ter der X GbR“; mit ei­ner sol­chen Erklärung bringt der Ver­tre­ter zum Aus­druck, dass er die an­de­ren Ge­sell­schaf­ter dem Drit­ten ge­genüber al­lein ver­tritt. Ob er hier­zu tatsächlich ermäch­tigt ist, ist in Be­zug auf die Ein­hal­tung der Form­vor­schrif­ten un­er­heb­lich (BAG 28.11.2007 – 6 AZR 1108/06 – a.a.O.).
Ist ein rechts­geschäft­li­cher Ver­tre­tungs­wil­le nicht ein­deu­tig durch ei­nen ent­spre­chen­den Zu­satz bei der Un­ter­schrift kennt­lich ge­macht, son­dern hat der Erklären­de oh­ne Ver­tre­tungs­zu­satz im räum­li­chen Zu­sam­men­hang mit ei­nem Klar­text un­ter­zeich­net, der sei­nen Na­men wie­der­gibt, fin­det der Ver­tre­tungs­wil­le in der Ur­kun­de kei­ner­lei An­klang. In sol­chen Fällen fehlt es, wenn nicht an­de­re Be­son­der­hei­ten hin­zu­tre­ten, an ei­nem sich aus der Ur­kun­de er­ge­ben­den An­halts­punkt für den Wil­len, die Erklärung in al­lei­ni­ger Ver­tre­tung der an­de­ren Ge­sell­schaf­ter ab­ge­ben zu wol­len (BAG 28.11.2007 – 6 AZR 1108/06 – a.a.O.).
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­ru­fung ist der Ver­trags­ur­kun­de nicht ein­mal an­deu­tungs­wei­se zu ent­neh­men, dass der Be­klag­te zu 1. die Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts mit
sei­ner Un­ter­schrift al­lein ver­tre­ten woll­te. Das Kündi­gungs­schrei­ben enthält kei­ne Un­ter­schrifts­zei­le, die Un­ter­schrift kei­nen Ver­tre­tungs­zu­satz. Die Un­ter­schrift er­streckt sich auch nicht et­wa über die ge­sam­te Brei­te des Blat­tes, son­dern nur über et­wa die Hälf­te. Sie ließ so­mit für ei­ne ne­ben­ste­hen­de Un­ter­schrift des Be­klag­ten zu 2. hin­rei­chen­den Raum, zu­mal des­sen Un­ter­schrift – ent­spre­chend sei­nem kürze­ren Na­men – aus­weis­lich des Ar­beits­ver­tra­ges vom 3. Ju­li 2000 we­ni­ger Raum ein­nimmt als die­je­ni­ge des Be­klag­ten zu 1. Im Übri­gen be­fin­det sich auch un­ter­halb der Un­ter­schrift des Be­klag­ten zu 1. noch hin­rei­chend Platz für ei­ne wei­te­re Si­gna­tur. For­ma­tie­rung und In­halt der Ur­kun­de schließen da­mit nicht für die Kläge­rin er­kenn­bar aus, dass die Un­ter­zeich­nung durch bei­de Ge­sell­schaf­ter er­fol­gen soll­te.
Auch die dem Ver­trags­verhält­nis der Par­tei­en zu­grun­de lie­gen­den Le­bens­verhält­nis­se und die wei­te­ren zu berück­sich­ti­gen Umstände führen zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis, son­dern stützen viel­mehr die Auf­fas­sung der Kläge­rin. Ei­ne ge­ne­rel­le Ver­kehrs­sit­te, dass in Ge­sell­schaf­ten bürger­li­chen Rechts im All­ge­mei­nen oder in ärzt­li­chen Ge­mein­schafts­pra­xen im Be­son­de­ren stets ein Ge­sell­schaf­ter al­lein oh­ne Hin­weis auf ein Han­deln in Voll­macht Wil­lens­erklärun­gen ab­gibt, be­steht nicht und wird von den Be­klag­ten auch nicht be­haup­tet. Vor­lie­gend hielt die Kläge­rin so­gar ei­nen Ar­beits­ver­trag in Händen, der die Un­ter­schrift bei­der Ärz­te trug. Un­ter sol­chen Umständen bleibt un­er­find­lich, wes­halb die Kläge­rin da­von Kennt­nis ge­habt ha­ben könn­te, dass – wie die Be­klag­ten be­haup­ten – in ih­rem Verhält­nis zu­ein­an­der der Be­klag­te zu 1. al­lein für den Aus­spruch von Kündi­gun­gen zuständig ge­we­sen sein könn­te.
So­weit die Be­ru­fung ge­sell­schafts­recht­li­che Vor­schrif­ten wie § 714 BGB bemüht, um zur Form­wirk­sam­keit der Kündi­gung zu ge­lan­gen, ist dies un­be­hel­flich. Die­se Ar­gu­men­ta­ti­on ver­kennt, dass vor­lie­gend nicht in Re­de steht, ob der Be­klag­te zu 1. be­vollmäch­tigt war, sei­nen Mit­ge­sell­schaf­ter zu ver­tre­ten, son­dern ob die Kläge­rin nach dem In­halt und der Ge­stal­tung der Ur­kun­de so­wie nach den ihr er­kenn­ba­ren Be­gleit­umständen da­von aus­ge­hen konn­te und muss­te, dass der Be­klag­te zu 1. in Ver­tre­tung han­deln woll­te. Dies ist wie dar­ge­legt nicht der Fall.
Die Kos­ten ih­res er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels wa­ren nach § 97 Abs. 1 ZPO den Be­klag­ten auf­zu­er­le­gen. Dies gilt auch für die Kos­ten, die durch den in der Be­ru­fungs­in­stanz übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärten Beschäfti­gungs­an­trag aus­gelöst wor­den sind. Oh­ne die
nach­fol­gen­de Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses als er­le­di­gen­des Er­eig­nis hätte die Kläge­rin auch mit die­sem An­tra­ge ob­siegt.
Gründe, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen, lie­gen nicht vor. Es han­delt sich um ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung, bei der das Be­ru­fungs­ge­richt die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung an­ge­wandt hat.
Hei­te­faut
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References: § 242
 § 714
 § 174
 § 174
 § 623
 § 126
 § 620
 § 123
 § 623
 § 623
 BGH 
 BGH 
 § 157
 BGH 
 § 714
 § 97