Source: https://www.widerruf-darlehen-anwalt.de/verwirkung-des-widerrufsrechts-des-darlehsnehmers-beim-darlehensvertrag/
Timestamp: 2020-07-09 10:57:43+00:00

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Kaum eine Bank hat die Mög­lich­keit der Nach­be­leh­rung genutzt
Nach unse­rer Erfah­rung hat zudem so gut wie kei­ne Bank den Wink des Bun­des­ge­richts­hofs ver­stan­den, der Tei­le der Mus­ter­be­leh­rung die zwi­schen 09.2002 und 03.2008 Ver­wen­dung fand als falsch und irre­füh­rend aus­ge­ur­teilt hat. In dem damals gül­ti­gen Mus­ter der Anla­ge 2 zum § 14 BGB-Info­VO a.F. wur­de der Frist­be­ginn mit dem Pas­sus “Die Frist beginnt frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung.” ange­ge­ben. Die­ser wur­de bis­her von allen damit befass­ten BGH Sena­ten als feh­ler­haft aner­kannt (vgl. BGH, Urtei­le vom 09.12.2009 Az. VIII ZR 219/08; 01.12.2010 Az. VIII ZR 82/10; 02.02.2011 Az. VIII ZR 103/10; 28.06.2011 Az. XI ZR 349/10; 1.04.2012 Az. III ZR 83/11).
Kaum eine Bank hat reagiert und ihre Kun­den nach­be­lehrt. Es gibt durch­aus Aus­nah­men und Ban­ken, die ord­nungs­ge­mäß auf einen Wider­ruf reagie­ren. Die Mehr­zahl hin­ge­gen reagiert gar nicht oder leh­nen den Wider­ruf rund­her­aus ab. Statt­des­sen wer­fen sie den Kun­den, die von ihrem Wider­rufs­recht Gebrauch machen, ein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten vor und ver­wei­gern die Rück­ab­wick­lung. Oft auch dann, wenn die Wider­rufs­be­leh­rung den bis­her vom BGH ent­schie­de­nen Fäl­len ent­spricht.
Gestützt wird dies hin­sicht­lich der Ver­wir­kung auf eine gan­ze Rei­he von ver­meint­lich posi­ti­ven Urtei­len. Dar­un­ter sind u.a. das LG Frank­furt Urteil vom 27.10.2014 Az. 2–21 O 139/14, LG Frank­furt Urteil vom 04.03.2015 Az. 2–21 O 253/14, das LG Ham­burg Urteil vom 27.11.2014 Az. 309 O 37/14 (in Beru­fung Az. 13 U 154/14), das LG Nürn­berg Urteil vom 27.11.2014 Az. 10 O 6125/14 (in Beru­fung Az. 14 U 2519/14 OLG Nürn­berg), das LG Hagen Urteil vom 18.11.2014 Az. 9 O 237/14, das LG Sie­gen Urteil vom 10.10.2014 Az. 2 O 406/13, das LG Essen Urteil vom 24.04.2014 Az. 6 O 12/14 oder auch das OLG Frank­furt Urteil vom 19.11.2014 Az. 19 U 74/14.
Hier wur­de die Ver­wir­kung des Wider­rufs ange­nom­men. Die­se Urtei­le ent­spre­chen aber weder der BGH-Recht­spre­chung noch der gän­gi­gen OLG Recht­spre­chung. So hat sich etwas das OLG Frank­furt in sei­nerm Urteil vom 26.08.2015 Az. 17 U 202/14 explit­zit gegen eine Ver­wir­kung aus­ge­spro­chen.
Unter­mau­ert wird das Gan­ze dann meist noch mit beein­dru­ckend klin­gen­den Auf­sät­zen in der Lite­ra­tur, die eben­falls von einer Ver­wir­kung aus­ge­hen. Der­zeit sind nicht alle der genann­ten Urtei­le rechts­kräf­tig. Schaut man sich die Urtei­le im Detail an, lag der Grund für die Annah­me der Ver­wir­kung oft­mals, aber nicht immer in der Beson­der­heit des Fal­les.
Bis­her geht die Recht­spre­chung in der brei­ten Mas­se zumin­dest bei noch lau­fen­den Dar­le­hens­ver­trä­gen in der Regel gera­de nicht von einer Ver­wir­kung des Wider­rufs­rechts aus.
Der BGH hat in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen bei noch lau­fen­den Ver­trä­gen sowohl Ver­wir­kung als auch Rechts­miss­brauch dezi­diert abge­lehnt. Es macht dabei weder einen Unter­schied wie­so der Dar­le­hens­neh­mer wider­ruft, noch wie lan­ge der Dar­le­hens­ver­trag läuft (z.B. BGH vom 12.07.2016 Az. XI ZR 564/15, 12.07.2016 Az. XI ZR 501/15, 16.03.2016 Az. VIII ZR 146/15).
Der BGH hat jedoch in sei­nen jün­ge­ren Ent­schei­dun­gen zum The­ma Ver­wir­kung und Rechts­miss­brauch, die grund­sätz­li­che Mög­lich­keit bejaht. Ins­be­son­de­re bei bereits abge­lös­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen oder wenn der Dar­le­hens­neh­mer vom Wider­ruf wuss­te und trotz­dem über län­ge­re Zeit nicht wider­ru­fen hat, wird teil­wei­se von eini­gen Gerich­ten ein wei­ter­hin bestehen­des Wider­rufs­recht abge­lehnt. Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen bei denen Gerich­te Ver­wir­kung ange­nom­men haben, hat der BGH zwi­schen­zeit­lich bestä­tigt (z.B. BGH 17.01.2017 Az. XI ZR 82/16). Es han­del­te sich hier­bei um einen bereits seit län­ge­rem abge­lös­ten Dar­le­hens­ver­trag. Gleich­zei­tig macht der BGH aber auch deut­lich, dass allei­ne die Rück­füh­rung oder sogar ein Auf­he­bungs­ver­trag kein Grund für die Annah­me von einer Ver­wir­kung des Wider­rufs­rechts sind (BGH 21.2.2017 XI ZR 381/16).
Zunächst sei aber die Fra­ge geklärt, was ist Ver­wir­kung über­haupt.
Was ist Ver­wir­kung über­haupt?
Die Ver­wir­kung wird im Bür­ger­li­chen Gesetz­buch (BGB) in all­ge­mei­ner Form nicht defi­niert und es gibt auch kei­ne Norm dafür. Ledig­lich in nicht für den Dar­le­hens­ver­trag rele­van­ten Spe­zi­al­ge­set­zen und Spe­zi­al­vor­schrif­ten ist expli­zit von Ver­wir­kung die Rede (z.B. § 654 BGB Mak­ler­recht).
Ver­wir­kung ist daher ein wenig greif­ba­rer Begriff, der sich für alle ande­ren aus dem § 242 BGB ablei­tet.
§ 242 Leis­tung nach Treu und Glau­ben
Der Schuld­ner ist ver­pflich­tet, die Leis­tung so zu bewir­ken, wie Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te es erfor­dern.
Mehr ist es nicht, was im § 242 BGB drin steht. Den Ban­ken und Spar­kas­sen nach soll die­se kur­ze Vor­schrift dafür sor­gen, dass das soge­nann­te ewi­ge Wider­rufs­recht der Dar­le­hens­neh­mer erlo­schen ist.
In der Tat ist es so, dass es so etwas wie Ver­wir­kung im deut­schen Recht gibt und es auf § 242 BGB gestützt wird. In so einer brei­ten Aus­deh­nung ist es ver­mut­lich aber noch nie zuta­ge getre­ten. Der § 242 BGB wird immer dann her­an­ge­zo­gen, wenn jemand der Ansicht ist, dass er unge­recht­fer­tigt behan­delt wird, dass eigent­lich gel­ten­de Recht aber kei­ne Rege­lung zu sei­nen Guns­ten vor­sieht oder es schlicht kei­ne Rege­lung dafür gibt bzw. der Ver­trag etwas ande­res vor­sieht.
Die Ver­wir­kung hat im hier rele­van­ten Zusam­men­hang im Wesent­li­chen nur wenig gro­ße Merk­ma­le, die erfüllt sein müs­sen. Das ist zum einen der Zeit­mo­ment und zum ande­ren der Umstands­mo­ment sowie das Vor­lie­gen einer unbil­li­gen und unan­ge­mes­se­nen Benach­tei­li­gung.
Der Zeit­mo­ment ist dann erfüllt, wenn jeman­dem ein Recht zusteht, wel­ches er aus­üben kann, es aber über lan­ge Zeit nicht aus­übt, obwohl er dazu in der Lage gewe­sen wäre. Darf sich jemand auf­grund des Ver­strei­chens eines lan­gen Zeit­raums dar­auf ver­las­sen, dass gegen ihn aus einem Ver­trag oder Rechts­ver­hält­nis kein Anspruch mehr gel­tend gemacht wird, ist auch der Umstands­mo­ment erfüllt. Hin­zu kom­men muss noch eine unzu­mut­ba­re Benach­tei­li­gung, die durch das Aus­üben des Rechts ent­steht.
Der Ver­wir­kung des Wider­rufs­rechts steht zunächst der Geset­zes­wort­laut des § 355 BGB a.F. ent­ge­gen.
Für den Zeit­raum von 2002 bis zum 12.06.2014 stand in der jewei­li­gen Fas­sung des maß­geb­li­chen § 355 BGB immer eine Vari­an­te des Tex­tes:
“Abwei­chend von Satz 1 erlischt das Wider­rufs­recht nicht, wenn der Ver­brau­cher nicht ord­nungs­ge­mäß über sein Wider­rufs­recht belehrt wor­den ist ..”
Das Gesetz sieht per se kei­ne zeit­li­che Begren­zung für das Wider­rufs­recht vor. Der Ver­trags­part­ner, der sich nicht rechts­kon­form ver­hal­ten hat (nicht ord­nungs­ge­mäß belehrt hat), soll nicht geschützt wer­den.
Über­tra­gen wir dies jetzt auf die Dar­le­hens­ver­trä­ge.
Zeit­mo­ment
Inwie­weit eine lan­ge Zeit bei einem Dar­le­hens­ver­trag zu bestim­men ist, der oft über vie­le Jahr­zehn­te geht, ist schwer zu sagen. Ein paar Jah­re dürf­ten es wohl nicht sein, schließ­lich kann sich der Dar­le­hens­neh­mer auch nicht auf Ver­wir­kung gegen­über dem Dar­le­hens­ge­ber beru­fen, wenn ihm das Zins­ni­veau nicht passt oder er den Ver­trag anpas­sen will.
Letzt­lich wuss­ten vie­le Dar­le­hens­neh­mer bis­her gar nicht, dass ihnen ein Wider­rufs­recht noch zusteht. Dies wur­de erst in jün­ge­rer Zeit vor allem durch medi­en­wirk­sa­me Bericht­erstat­tung bekann­ter. Wenn der Dar­le­hens­neh­mer von sei­nem (noch) bestehen­den Recht auf Wider­ruf aber nichts weiß, wie kann es dann ver­wirkt sein?
Vor Been­di­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges ist eine Ver­wir­kung nur schwer zu Recht­fer­ti­gen. Der Dar­le­hens­ge­ber muss wäh­rend der Dau­er des Ver­tra­ges immer damit rech­nen, dass der Dar­le­hens­neh­mer sei­ne Rech­te gel­tend macht.
Auch nach Been­di­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges ist eine Ver­wir­kung nicht zwin­gend auf­grund des Zeit­mo­ments abzu­leh­nen. Ver­gleicht man hier die Ver­jäh­rungs­fris­ten, kann eine Ver­wir­kung vor einer mög­li­chen Ver­jäh­rung nur unter beson­de­ren Umstän­den zu recht­fer­ti­gen sein.
Fäl­lig gestellt Dar­le­hens­for­de­run­gen des in Ver­zug gesetz­ten Dar­le­hens­schuld­ners ver­jäh­ren jedoch nicht nach 3 Jah­ren, wie es die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rung (§ 195 BGB) vor­sieht, son­dern gemäß § 497 Abs. 3 nicht vor dem Ablauf von 10 Jah­ren. War­um soll­ten dann also die zeit­lich unbe­grenz­ten Rech­te des Dar­le­hens­neh­mers auf Wider­ruf frü­her ver­wirkt sein?
Ein unbil­li­ges Aus­üben des Wider­rufs­rechts durch den Dar­le­hens­neh­mer in die­sem Zeit­raum muss daher nicht vor­lie­gen, wird aber mit zuneh­men­dem Zeit­ab­stand zum Ver­trags­en­de immer wahr­schein­li­cher. Eine kla­re Richt­li­nie des Bun­des­ge­richts­hofs liegt hier noch nicht vor.
Etwas ande­res ist es natür­lich, wenn das Dar­le­hen durch einen Auf­he­bungs­ver­trag been­det wird und wei­te­re Ansprü­che aus­ge­schlos­sen wur­den. In die­sem Fall dürf­te in der Tat eine Art die Ver­wir­kung vor­lie­gen, denn der Dar­le­hens­neh­mer hat bewusst auf wei­te­re Ansprü­che ver­zich­tet und der Dar­le­hens­ge­ber muss­te nicht mehr mit einem Wider­ruf rech­nen.
Umstands­mo­ment
Die Ban­ken und Spar­kas­sen, die feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­run­gen ver­wen­det haben, wuss­ten dies spä­tes­tens mit den ein­schlä­gi­gen BGH Urtei­len. Daher muss­ten sie auch damit rech­nen, dass Dar­le­hens­neh­mer ihr Wider­rufs­recht nut­zen. Es steht betrof­fe­nen Ban­ken und Spar­kas­sen nach wie vor frei, ihre betrof­fe­nen Dar­le­hens­neh­mer nach­zu­be­leh­ren, es oblag die­sen, den Dar­le­hens­neh­mer aus­rei­chend deut­lich über sein Wider­rufs­recht zu infor­mie­ren.
Es erschließt sich daher nicht, wie­so Ban­ken und Spar­kas­sen nicht mehr damit rech­nen muss­ten, dass betrof­fe­ne Dar­le­hens­neh­mer ihren Dar­le­hens­ver­trag wider­ru­fen. Zwi­schen dem 01.01.2002 und dem 12.06.2014 stand in der jewei­li­gen Fas­sung des maß­geb­li­chen § 355 BGB aus­drück­lich drin, dass das Wider­rufs­recht nicht erlischt, wenn der Ver­brau­cher nicht in hin­rei­chen­der Form nach den Vor­ga­ben des jeweils gül­ti­gen Geset­zes über sein Wider­rufs­recht auf­ge­klärt wor­den ist.
Die Ban­ken und Spar­kas­sen wuss­ten, dass per Gesetz ein Wider­rufs­recht nicht erlö­schen kann, wenn eine fal­sche Beleh­rung ver­wen­det wird, stüt­zen sich aber trotz­dem dar­auf, dass sie nach vie­len Jah­ren nicht mehr damit rech­nen müs­sen, dass jemand die­ses ver­brief­te Recht, wel­ches im Gesetz nor­miert ist, auch nutzt. Ein wenig schlüs­si­ge Argu­men­ta­ti­on. Zumal nur weni­ge Ban­ken von ihrem Recht zur Nach­be­leh­rung Gebrauch gemacht haben, obwohl das Gesetz expli­zit die Mög­lich­keit einer Nach­be­leh­rung vor­sieht.
Eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung kann eigent­lich schon des­halb nicht vor­lie­gen, weil der Dar­le­hens­neh­mer das Dar­le­hen markt­üb­lich zu ver­zin­sen und dem Dar­le­hens­ge­ber ent­spre­chen­den Nut­zungs­er­satz leis­ten muss. Es ent­steht also gera­de kein zins­lo­ses Dar­le­hen oder über­mä­ßi­ger Nach­teil. Die betrof­fe­nen Ban­ken und Spar­kas­sen erhal­ten nach wie vor eine ange­mes­se­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung zusätz­lich zu der vol­len Dar­le­hens­sum­me zurück und wer­den damit in vol­lem Umfang für die Kapi­tal­über­las­sung ent­schä­digt. Zwar müs­sen die Ban­ken und Spar­kas­sen auch die Leis­tun­gen des Dar­le­hens­neh­mers ver­zin­sen und zurück­zah­len, jedoch im Ergeb­nis hat dies in allen unse­ren Fäl­len bis­her ledig­lich dazu geführt, dass über die Zeit gerech­net, die Bank etwas weni­ger bekom­men hat, als sie nor­ma­ler­wei­se bekom­men hät­te, jedoch nie zu einem zins­lo­sen Dar­le­hen oder gar einem für die Bank nega­ti­ven Ergeb­nis.
Dies sei an einem pla­ka­ti­ven und ver­ein­fach­ten Bei­spiel kurz dar­ge­legt. Zahlt der Dar­le­hens­neh­mer bei einem nicht wider­ru­fe­nen Dar­le­hen über die Zeit 200% der Dar­le­hens­sum­me an den Dar­le­hens­ge­ber zurück, so zahlt er je nach Wider­rufs­zeit­punkt dann viel­leicht im Ergeb­nis nur noch 180% der Dar­le­hens­sum­me an den Dar­le­hens­ge­ber zurück.
Für eine genaue­re Dar­stel­lung der Rück­ab­wick­lung ver­wei­se ich auf unse­ren Bei­trag hier.
Es ist fer­ner eine Legen­de, dass Ban­ken und Spar­kas­sen sich ihrer­seits das Geld bei der EZB zu einem ähn­li­chen Zins­satz lei­hen müs­sen, wie sie es an ihre Kun­den wei­ter­ge­ben. Der ent­spre­chen­de EZB Zins­satz im Jahr 2003 betrug laut EZB Zins­sta­tis­tik etwa 2 bis 2,5%, wäh­rend der Zins­satz bei Immo­bi­li­en­kre­di­ten mit einer Lauf­zeit von mind. 10 Jah­ren eben­falls laut EZB Zins­sta­tis­tik in die­sem Zeit­raum bei 4,85 — 5,38 lag.
Wenn jetzt einer der Dar­le­hens­neh­mer im Bei­spiel oben sein Dar­le­hen wider­ruft und damit im Ergeb­nis sei­ne Rest­schuld zum Stich­tag des Wider­rufs um bei­spiels­wei­se 10% senkt, wegen des für ihn posi­ti­ven syn­er­ge­ti­schen Effekts beim Wider­ruf (Ver­zin­sung sei­ner Leis­tun­gen), senkt er damit sei­nen effek­ti­ven Zins­satz im Ergeb­nis grob um ca. 10%. Damit liegt die Sum­me an Zin­sen, die der Dar­le­hens­ge­ber erhält, immer noch weit über dem, was die EZB vom Dar­le­hens­ge­ber übli­cher­wei­se ver­langt. Die Fra­ge, die sich hier anschließt, ist dann, wie kann der Wider­ruf eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung dar­stel­len, wenn gar kein Ver­lust beim Dar­le­hens­ge­ber durch den Wider­ruf ein­tritt? Ver­wal­tungs­kos­ten fal­len bei einem lau­fen­den Dar­le­hen nur in gerin­gem Umfang an und bei den hier meist betrof­fe­nen Immo­bi­li­en­dar­le­hen ist auch das Aus­fall­ri­si­ko gering, sodass kaum Abzü­ge bei der Mar­ge zu machen sind.
Recht­spre­chung zum The­ma Ver­wir­kung!
Der BGH hat in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen die Ver­wir­kung und den Rechts­miss­brauch abge­lehnt. Die Grün­de für den Wider­ruf sind irrele­vant. Der Wider­ruf kann daher auch rein aus wirt­schaft­li­chen Grün­den erfol­gen (z.B. BGH vom 12.07.2016 Az. XI ZR 564/15, 12.07.2016 Az. XI ZR 501/15, 16.03.2016 Az. VIII ZR 146/15)).
Nach und nach fol­gen die­ser Ansicht alle ange­schlos­se­nen Ober­lan­des­ge­rich­te. Gleich­falls gibt es immer noch ver­in­zel­te Ent­schei­dun­gen zur Ver­wir­kung und zum Rechts­miss­brauch. Es gibt bedau­er­li­cher­wei­se unbe­irr­ba­re Gerich­te.
Hin­sicht­lich bereits zurück­ge­führ­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen ist es nach wie vor offe, ob und wenn ja unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der BGH Ver­wir­kung aner­ken­nen wird (z.B. BGH 11.09.2016 Az. XI ZR 482/15,17.01.2017 Az. XI ZR 82/16, 21.02.2017 XI ZR 381/16). Hier sind es jeweils Ent­schei­dun­gen des Ein­zel­falls und eine gene­rell Aus­sa­ge, wann Ver­wir­kung vor­liegt, ist nicht mög­lich.
Die Ertei­lung einer nicht ord­nungs­ge­mä­ßen Wider­rufs­be­leh­rung führt zudem dazu, dass der Dar­le­hens­neh­mer auch nach bereits erfolg­ter Kün­di­gung noch den Wider­ruf erklä­ren kann. Der BGH führ­te dies in einer Ent­schei­dung anhand einer feh­ler­haf­ten Wider­rufs­be­leh­run­gen einer Lebens­ver­si­che­rung aus (Urteil vom 16.10.2013, Az. IV ZR 52/12). Mit sei­ner Ent­schei­dung vom 08.04.2015 Az. IV ZR 103/15 bekräf­tig­te der BGH erneut sei­ne bis­her bestehen­de Ansicht, daher dürf­te kurz- und mit­tel­fris­tig kei­ne Abkehr von den hier genann­ten Grund­sät­zen zu erwar­ten sein.
In der Quint­essenz ist es so, dass eine Ver­wir­kung immer beson­de­re Umstän­de erfor­dert. Dar­le­hens­neh­mer deren Ver­trag noch läuft und kei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Absicht haben, kön­nen daher auch ihr gesetz­li­ches Recht auf Wider­ruf wahr­neh­men, wenn sie falsch oder irre­füh­rend über ihr Wider­rufs­recht belehrt wor­den sind und das Wider­rufs­recht noch besteht. Urtei­le, die etwas ande­res ange­nom­men haben, sind bis­her die Aus­nah­me, die die Regel bestä­ti­gen. Ledig­lich bei bereits zurück­ge­führ­ten Ver­trä­gen, kommt es auf den genau­en Ablauf im Ein­zel­fall an, ob ggf. aus­nahms­wei­se Ver­wir­kung vor­lie­gen kann.
Der Tat­be­stand des § 242 BGB, der hin­ter dem Ver­wir­kungs­eind­wand steht, ist ledig­lich dazu gedacht abso­lut unbil­li­ge und untrag­ba­re Ergeb­nis­se des gel­ten­den Rechts im Ein­zel­fall abzu­mil­dern. Er ist kei­ne Recht­fer­ti­gung dafür auf brei­ter Basis und ohne tat­säch­li­che und wirt­schaft­li­che Recht­fer­ti­gung das gel­ten­de Recht aus Oppor­tu­ni­täts­er­wä­gun­gen aus­zu­he­beln. Der Gesetz­ge­ber woll­te expli­zit kei­ne zeit­li­che Begren­zung des Wider­rufs­rechts. Dies hat er in der For­mu­lie­rung des § 355 BGB a.F. deut­lich gemacht und dies war den Ban­ken und Spar­kas­sen zu jeder Zeit bekannt.
Hin­sicht­lich des angeb­li­chen Recht­miss­brauchs hat der BGH zwi­schen­zeit­lich hin­ge­gen klar­ge­stellt, dass die­ser Umstand i.d.R. nicht vor­liegt.
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References: § 14
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 654
 § 242

§ 242
 § 242
 § 242
 § 242
 § 355
 § 355
 § 497
 BGH 
 § 355
 BGH 
 BGH 
 BGH 
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 § 242
 § 355
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