Source: https://www.frag-einen-steuerprofi.de/Verrechnung-Aussch%C3%BCttung-mit-Termingesch%C3%A4ften__f34672.html
Timestamp: 2019-09-16 08:19:29+00:00

Document:
Verrechnung Ausschüttung mit Termingeschäften Kapitalvermögen www.frag-einen-steuerprofi.de
9/13/2019, Guten Morgen
Sie sind hier: www.frag-einen-steuerprofi.de » Kapitalvermögen » Verrechnung Ausschüttung mit Termingeschäften
Frage geschrieben am 24.06.2013 15:20:52
Betreff: Verrechnung Ausschüttung mit Termingeschäften
Können Ausschüttungen aus der 100%tig eigenen GmbH - wie bei Aktien-Dividenden - mit Verlusten aus Wertpapier- und Termingeschäften verrechnet werden?
Falls ja, wie verläuft die Verrechnung im Fall der Wahl des Teileinkünfte-Verfahrens? Wird der Verlust um den vollen Ausschüttungsbetrag oder um die 60% gemindert.
Liege ich richtig, dass bei Wahl des Teileinkünfte-Verfahrens Zeile 27 der Anlage KAP 2012 angekreuzt und der volle Betrag (nicht 60%) in Zeile 28 eingetragen wird?
-- Einsatz geändert am 28.06.2013 10:57:10
Antwort geschrieben am 30.06.2013 20:03:26
Ihre Frage möchte ich Ihnen gerne auf Basis der vorgegebenen Informationen beantworten. Der Bereich Kapitalvermögen und Abgeltungssteuer ist -entgegen der Absicht des Gesetzgebers- eher komplexer geworden!
Im Bereich der Kapitaleinkünfte gibt es sog. "Verlustverrechnungskreise", wonach nur bestimmte Arten von Gewinnen und Verlusten nur miteinander verrechnet werden dürfen (z.B. Aktienveräußerungsgewinne mit -verlusten).
Außerdem ist zu beachten, dass neben diesen "internen" Verlustverrechnungstöpfen die Einkünfte aus Kapitalvermögen seit Geltung der Abgeltungsteuer (bzw. bei dessen Anwendung) nicht mehr mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden dürfen (in denen die individuelle Besteuerung zum Tragen kommt). Besonderheiten gelten schließlich noch bis 2013 für bis 2008 erzielte Verluste aus Spekulationsgeschäften, die nur noch in diesem Zeitraum "verbraucht" werden können. Veräußerungsverluste, die sich nach 2008 gebildet haben, aber auf einer Anschaffung von vor 2009 beziehen, gehen ohne Verrechnungsmöglichkeit unter (im Gegenzug wären Gewinne steuerfrei, sofern die damals noch geltende Spekulationsfrist von 1 Jahr eingehalten ist).
Ich gehe davon aus, dass Sie von aktuell entstandenen Verlusten sprechen. Daher bedeutet das für Ihren Fall:
Richtigerweise können Sie für Dividenden aus "Ihrer" GmbH die Option zur Anwendung des Teileinkünfteverfahrens wählen (Formularstelle zutreffend genannt, Eingabe sollte 100% sein). Dies ist im übrigen häufig (nur) dann sinnvoll, wenn Sie Werbungskosten (z.B. Refinanzierungszinsen für Erwerb Beteiligung) geltend machen wollen, denn Werbungskosten sind ja pauschal nicht mehr abzugsfähig (Ausnahme Sparerpauschbetrag).
(kurzer Exkurs: Beachten Sie hierzu ein neues Finanzgerichtsurteil, in dem ausnahmsweise doch ein Werbungskostenabzug zugelassen wird, wenn die Option zur Veranlagung nach individuellem Steuersatz gewählt wird, wenn dieser geringer als 25%).
Die Anwendung des Teileinkünfteverfahrens führt aber dazu, dass Sie die Dividenden NICHT MEHR mit anderen Verlusten aus Kapitalvermögen (Ausnahem Aktienveräußerungsgewinne-/verluste s.o.). verrechnen können, siehe § 32d Abs. 2 Nr. 3 S. 2 EStG.
Daher sollten Sie in Ihrem Fall eine Vorteilhaftigkeitsanalyse anstellen, ob die Option zum Teileinkünfteverfahren Ihnen mehr Vorteile bringt (Werbungskostenabzug) als der Verzicht darauf, d.h. die Verrechnungsmöglichkeit innerhalb der Kapitaleinkünfte (Verluste mit Dividende).
Ich hoffe ich konnte Ihnen Ihre Frage zufriedenstellend beantworten! Auf Basis Ihrer Angaben kann man keine weiteren Besonderheiten nennen. Ich weise aber darauf hin, dass je nach individueller Verhältnisse weitere Aspekte relevant sein könnten.
Nachfrage vom Fragesteller geschrieben am 30.06.2013 20:29:17
vielen Dank für Ihre Antwort. Sie haben mir einige Zusatzinformationen gegeben, leider aber nicht die Frage nach dem genauen Verrechnungsmechanismus beantwortet, die der Anlass meinen Anfrage war.
Zum Teileeinkünfteverfahren: Die Ausschüttung (2012) stammt aus der Auflösung meiner GmbH. Im Jahr der Ausschüttung hatte ich wegen eines Sabbatjahres keine weiteren Einkünfte, so dass das Teileinkünfteverfahren für sich betrachtet günstiger ist.
Darüber hinaus habe ich Verluste im selben Jahr und Verlustvorträge aus Aktien vor 2009 und Aktien und Termingeschäften ab 2009. Eine Verrechnung der Verluste könnte dazu führen, dass es sich lohnt, auf das Teileinkünfteverfahren zu verzichten.
Generell bin ich mit den Verrechnungskreisen vertraut, weiß jedoch nicht wie wesentliche Beteiligungen an einer GmbH hier in den beiden Fällen, Teileinkünfteverfahren oder Abgeltungssteuer, einzuordnen sind. Mit welchen Verlusten kann die Ausschüttung in beiden Fällen verrechnet werden.
Weiterhin ist die Frage wichtig, ob im Falle des Teileinkünfteverfahrens die Verlustberechnung auf Basis des gesamten Betrages oder der 60% erfolgt.
Antwort auf Nachfrage vom Steuerprofi geschrieben am 30.06.2013 21:36:29
vielen Dank für Ihre Nachfrage und ergänzenden Informationen. Ihr Hinweis auf die "Auflösung Ihrer GmbH" bringt mich noch dazu, darauf hinzuweisen, dass die Rückgewähr von Einlagen (Rückzahlung von Stammkapital) nicht unter § 20 EStG fällt. Ich gehe davon aus, dass Sie dennoch eine "normale Ausschüttung" meinen:
Wenn Sie zum Teileinkünfteverfahren optieren, ist eine Verrechnung der Dividende mit anderen Verlusten aus KAPITALVERMÖGEN AUSGESCHLOSSEN ,§ 32d Abs. 2 Nr. 3 S.2 i.V.m. § 20 Abs.6 EStG (die Frage nach einer Verlustverrechnung 60% oder 100% stellte sich daher nicht).
Sie könnten jedoch mit ANDEREN Einkunftsarten verrechnet werden. Da Sie angabegemäß keine anderen Einkünfte hatten, gehen in die Ermittlung Ihres zvE 60% der Dividende ein, die Sie mit dem individuellen Steuersatz versteuern.
Daneben werden die Verlustvorträge aus Kapitalvermögen vorgetragen, sofern -so verstehe ich Sie- keine anderen Gewinne aus § 20 verrechnet werden könnten
Wenn Sie NICHT optieren, können Sie diese Dividende nur verrechnen mit:
- Verlusten/Verlustvorträgen aus Termingeschäften ab 2009
- "Verlusten/Verlustvorträge aus Aktien" (ab 2009) sofern damit nicht Verluste aus VERÄUßERUNGSVERLUSTEN von Aktien gemeint sind.
Ist die Frage für Sie jetzt präziser beantwortet? Bei Rückfragen gerne noch einmal melden!
Ergänzende Informationen vom Steuerprofi geschrieben am 30.06.2013 23:33:01
ich möchte gerne -im Sinne der Vollständigkeit und mangels Detailskenntnisse zur "Ausschüttung"- noch auf folgenden Punkt im Zusammenhang mit der "Auflösung" Ihrer GmbH hinweisen:
Bei Anteilen über 1% ist zu beachten, dass bei
- der Veräußerung von solchen Anteilen nicht § 20 EStG (Einkünfte aus Kapitalvermögen) gilt, sondern dies gewerbliche Einkünfte (§ 17) darstellen. Einer Veräußerung wird nach § 17 Abs. 4 EStG auch die Auflösung/Ausschüttung und Rückzahlung von Einlagen gleichgestellt.
Da Sie schreiben, daß die "Ausschüttung" aus der AUFLÖSUNG der GmbH stammt, müsste man je nach Sachverhalt ggf. diese Einnahme aufteilen in verschiedene Komponenten, die entweder § 17 EStG (Stammkapital und Einlagekonto) oder § 20 EStG (Auskehrung sonstige Rücklagen) zuzuordnen sind. Die obigen Ausführungen können daher nur für den Teil gelten, die unter § 20 einzuordnen sind (Auskehrung sonstiger Rücklagen bei Auflösung bzw. "normale" Ausschüttungen ggf. vor Auflösung).
Der "gewerbliche Teil" dieser Einnahme (annahmegemäß wäre ein Veräußerungsgewinn entstanden) würde automatisch dem Teileinkünfteverfahren unterliegen und ist wieder nicht mit den Verlusten aus § 20 verrechenbar.
Es wäre also zu prüfen, wieviel von der "Ausschüttung" für § 20 "optionfähig" wäre....
Ich hoffe, Sie haben nun ein vollständiges Bild!
Besteuerung von Termingeschäften
Verrechnung Ausschüttung mit Termingeschäften Kapitalvermögen www.frag-einen-steuerprofi.de © QNC GmbH 2019 Haftungsausschluss

References: § 32
 § 20
 § 20
 § 20
 § 20
 § 17
 § 17
 § 20
 § 20
 § 20
 § 20