Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.02.1996&Aktenzeichen=IX%20ZR%20153%2F95
Timestamp: 2018-03-21 14:31:22+00:00

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§ 766 BGB, Schriftformerfordernis erstreckt sich (entgegen § 167 Abs. 2 BGB) auch auf die Bevollmächtigung zur Erteilung einer Bürgschaft;
Art. 20 Abs. 3 GG, Zulässigkeit "rückwirkender" Rechtsprechungsänderung
BGB § 126 Abs 1, BGB § 167 Abs 2, BGB § 172 Abs 2, BGB § 181, BGB § 185 Abs 1, BGB § 242, BGB § 765, BGB § 766 S 1, GG Art 2 Abs 1, GG Art 20 Abs 3
Blanko-Unterschrift bei Kreditbürgschaften
Gerichte sind regelmäßig nicht an eine feststehende Rechtsprechung gebunden, die sich im Licht besserer Erkenntnis als nicht mehr haltbar erweist (vgl. BGH, Urteil vom 29. Februar 1996 - IX ZR 153/95, BGHZ 132, 119, 129 mwN;… Urteil vom 7. März 2007 - VIII ZR 125/06, NJW 2007, 2987 Rn. 28).
Dieser Einwand betont zu einseitig das Prinzip der "materiellen Rechtsrichtigkeit" und vernachlässigt damit das gleichrangige (vgl. z.B. auch BGH-Urteil in BGHZ 132, 119, 130, m.w.N. aus der Rechtsprechung des BVerfG), ebenfalls im Rechtsstaatsprinzip gründende, von allen Trägern hoheitlicher Gewalt und folglich auch von den Gerichten zu beachtende Gebot der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes (vgl. schon oben unter bb und cc).
Bei der somit zu treffenden Abwägung ist zu beachten, dass die materielle Gerechtigkeit einen dem Grundsatz der Rechtssicherheit mindestens ebenbürtigen Bestandteil des Rechtsstaatsprinzips verkörpert (BGH 29. Februar 1996 - IX ZR 153/95 - Rn. 26, BGHZ 132, 119 mwN).
Einer Partei ist nur dann zuzumuten, ein ihr ungünstiges Urteil hinzunehmen, obwohl sie nach gegenwärtiger höchstrichterlicher Erkenntnis das Recht auf ihrer Seite hat, wenn die daraus für den Gegner erwachsenden Folgen unter dem Gesichtspunkt des Vertrauens auf die Fortdauer der bisherigen Rechtsprechung zu unbilligen, ihm nicht zumutbaren Härten führen würden (BGH 29. Februar 1996 - IX ZR 153/95 - Rn. 27, aaO).
Daß gerichtliche Entscheidungen zur Auslegung einer Vorschrift Auswirkungen auf in der Vergangenheit liegende, noch nicht abgeschlossene Sachverhalte haben, steht nicht einmal der Zulässigkeit einer Änderung der Rechtsprechung entgegen (BGHZ 132, 119, 129;… Schimansky WM 2001, 1889, 1890).
Eine teleologische Reduktion dieser Bestimmung, wie sie der Bundesgerichtshof in Bezug auf das Formerfordernis bei Bürgschaftsversprechen nach § 766 Satz 1 BGB vorgenommen hat (BGH 29. Februar 1996 - IX ZR 153/95 - BGHZ 132, 119), ist bei dem Formerfordernis des § 623 BGB nicht geboten.
§ 766 Satz 1 BGB dient ausschließlich dem Schutzbedürfnis des Bürgen, der durch diese Bestimmung zu größerer Vorsicht angehalten und vor nicht ausreichend überlegten Erklärungen gesichert werden soll (BGH 29. Februar 1996 - IX ZR 153/95 - BGHZ 132, 119, 122 f., zu II 1 der Gründe;… MünchKommBGB/Habersack 4. Aufl. § 766 Rn. 1).
Zwar genügt eine Blankounterschrift dem Schriftformerfordernis des § 4 Abs. 1 Satz 1 VerbrKrG nicht (BGHZ 132, 119, 126; BGH, Urteil vom 19. Mai 2005 - III ZR 240/04, WM 2005, 1330, 1332).
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Auslegung von Verbindlichkeiten auf einem Kontokorrentkonto

References: § 167

Art. 20
 § 126
 § 167
 § 172
 § 181
 § 185
 § 242
 § 765
 § 766
 § 766
 § 623

§ 766
 § 766
 § 4