Source: https://www.ans-andere-ufer.de/berichte/berichte-2014/
Timestamp: 2019-02-16 22:33:03+00:00

Document:
Berichte 2014 - ANS ANDERE UFER ?! - Selbsthilfegruppe für das späte Coming Out für schwule Männer aus Bremen und Niedersachsen - schwule Väter, schwule Ehemänner, schwule Paare, schwule Singles - Webseite!
Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende . . .
Schon am letzten Gruppenabend im Dezember hielten wir Rückschau auf das Jahr 2014. Für die meisten von uns gab es Höhepunkte und Tiefen, aber insgesamt herrschte ausgeglichene Zufriedenheit mit diesem Jahr. Rückblickend war es für die Gruppe selbst genau so.
Das Gruppenjahr fing an mit einer schönen Kohltour und einem DVD-Abend. An zwei Gruppenabenden hatten wir interessante Themenabende. Im Sommer hatten wir an den CSD Nord-West in Oldenburg und an den CSD Cloppenburg teilgenommen. Im Juli war ein Großteil der Gruppe auf der „Party der Toleranz“ in Westerstede – das alles kann auf der Seite „Gruppen-Aktivitäten 2014“ nachgelesen werden. Alle diese Unternehmungen waren gut und schön und machten die Gruppe stärker.
Im August wurde uns durch einen nicht zu verstehenden Zwischenfall die Homepage genommen. Das war bitter für die Gruppe. Aber durch Zusammenhalt und vielen aufmunternden Worten konnte die Homepage wieder in neuer Form aufgebaut werden und erfreut sich mittlerweile bundesweit einer wachsenden Leserschaft. Daher macht es Spaß immer wieder Neues in unserer Homepage einzubauen.
Im Oktober hatte die Gruppe wieder viel Vergnügen auf dem Bremer Freimarkt zur Gay-Night im Hansezelt. Und schon bald darauf hatten wir unseren Adventskaffee bei Martin in Garrel. Für die Gruppe war nach dem darauf folgenden Gruppenabend das Jahr 2014 zu Ende.
Jetzt ist auch Weihnachten fast vorbei und nur noch wenige Tage trennen uns von dem Jahr 2015, welches seine Schatten bereits voraus wirft. Diesem Jahr dürfen wir wieder voller Spannung entgegen blicken. Die Kohltour im Januar ist schon geplant, der DVD-Abend auch. Im Mai 2016 wird unsere Gruppe das Vätertreffen im Waldschlösschen ausrichten, die Orga-Gruppe steht und wird sich erstmalig jetzt im Februar treffen. Es wird sicher auch wieder Themenabende geben und am 20. Juni 2015 findet der 21. CSD Nord-West in Oldenburg statt.
So gesehen ist alles gut. Was mir Sorge bereitet ist die momentane Ausländerfeindlichkeit und die wachsende Homophobie in unserem Land. In Hannover konnten wir Queer-Leute den konservativen und falsch informierten Menschen Paroli bieten. In Hamburg wird es nun eine Demo am 24. Januar 2015 von den „Besorgten Eltern“ geben. Auch hier werden nur Lügen und Hass verbreitet. Lesben und Schwule werden auch diesen Hetzern die Stirn bieten. Die Gegendemo wird vorbereitet.
Mehr denn je müssen wir wachsam sein. Wenn wir nicht aufpassen, werden unsere Rechte, die wir uns über das Bundesverfassungsgericht erkämpfen mussten, beschnitten. Der Kampf um Gleichberechtigung und Akzeptanz ist noch lange nicht vorbei.
Machen wir wie immer das Beste darauf und freuen uns auf das Jahr 2015.
Erstellt im Dezember 2014
Die Geschichte der Verfolgung Schwuler in Deutschland
Erst um die letzte Jahrhundertwende wurde Deutschland gegenüber Homosexuellen zu einer relativ aufgeschlossenen Nation. Vorher waren Schwule lange Zeit – am schlimmsten während des „Dritten Reichs“ und in den ersten zwei Jahrzehnten der Bundesrepublik – von Diskriminierung und Verfolgung betroffen. In der heutigen deutschen Gesellschaft wird Homosexualität weitgehenst akzeptiert, eine Ehe ist Homosexuellen im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern in Deutschland immer noch nicht möglich – nur die Eingetragene Lebenspartnerschaft seit dem 1. August 2001.
Schon in den Anfängen des Christentums im deutschsprachigen Raum wurden homosexuelle Männer verfolgt. Männer, die gleichgeschlechtlicher Handlungen verdächtigt oder überführt wurden, wurden vereinzelt wegen „Sodomie“, „widernatürlicher Wollust“ oder „Unzucht wider der Natur“ verfolgt, angeklagt und hingerichtet.
Wegen der herrschenden Moralvorstellungen im Deutschen Reich war Homosexualität politisch und gesellschaftlich geächtet.
Der aus Aurich stammende Karl Heinrich Ulrichs (25.08.1825 – 14.07.1895) war der erste bekennende Schwule in Deutschland. 1869 wurden von ihm erstmals von der Polizei geführte Listen über „Urninge“ (ein von ihm damals geführter Begriff für Schwule) erwähnt, in denen mehr als 2.000 in Berlin wohnende „Urninge“ aufgelistet waren.
Der traurig berühmte § 175 wurde am 15.05.1871 beschlossen und stellte damit sexuelle Handlungen zwischen Männern im ganzen Kaiserreich unter Strafe.
Am 15.05.1897 wurde das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee von Magnus Hirschfeld, Eduard Oberg, Max Spor und Franz Joseph von Bülow gegründet. Das Ziel des Komitees war hauptsächlich die Aufhebung des § 175. Es wurde später eng mit dem ebenfalls von Magnus Hirschfeld gegründeten (1919) Institut für Sexualwissenschaft zusammen gearbeitet. Nach ihren Theorien waren Homosexuelle ein biologisches drittes Geschlecht zwischen Mann und Frau. Da es sich um eine angeborene Eigenschaft handelte, sollten Homosexuelle nicht länger strafrechtlich verfolgt werden.
August Bebel, Vorsitzender der SPD, wies 1898 darauf hin, dass die Berliner Polizei Listen mit Namen von Homosexuellen führe, die später als Rosa Listen bezeichnet wurden.
Von 1907 bis 1909 kam es zu etlichen Gerichtsverfahren wegen homosexuellen Verhaltens, davon waren auch Mitglieder des Kabinetts von Kaiser Wilhelm II. betroffen. Diese Affären gelten heute als der größte Skandal des damaligen Kaiserreichs.
In der Weimarer Republik war der Reichsjustizminister Gustav Radbruch von der SPD erfolglos bemüht den § 175 zu streichen. Als am 15.01.1925 eine konservative Regierung gewählt wurde, kam es sogar noch zu einer Verschärfung des Paragrafen und im Juni 1927 wurde er wieder etwas entschärft. Am 16.10.2929 empfahl eine knappe Mehrheit des Strafrechtsausschusses des Reichstages die Straffreiheit der „einfachen Homosexualität“ unter Erwachsenen. Leider konnte der Beschluss bedingt durch die Krisen jener Zeit nicht mehr umgesetzt werden.
Am 30.01.1933 war die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Homosexuelle, insbesondere die Männer, standen der Ideologie der Nazis entgegen, weil sie nicht zur Fortpflanzung der Herrenrasse beitrugen.
1935 wurde die §§ 175 und 175a RStGB verschärft. Schwule Männer die aufgrund dieser Paragrafen verurteilt wurden, kamen nach der Verbüßung der Straftat ins Konzentrationslager. Dort wurden sie nach Einführung der Winkel-Kennzeichnung mit dem Rosa Winkel markiert. Lesbische Frauen wurden nicht verfolgt, es sei denn, dass sie jüdischer Herkunft waren.
Für Hitler waren Schwule Volksfeinde. In seinen Augen hatten Schwule ein entartetes Verhalten, das die Leistungsfähigkeit des Staates und den männlichen Charakter des deutschen Volkes bedrohe. Die Höchststrafe für den § 175 wurde von sechs Monaten auf fünf Jahre stark verschärft. Darüber hinaus wurde der Tatbestand von beischlafähnlichen auf sämtliche „unzüchtigen“ Handlungen ausgeweitet. Der neu eingefügte § 175a bestimmte für erschwerte Fälle zwischen einem und zehn Jahren Zuchthaus.
Am 10. Juni 1936 wurde die Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung gegründet. Nach den Olympischen Spielen 1936 begann durch diese Einrichtung wieder verstärkt die Schwulen-verfolgung. Die Reichszentrale sammelte vorrangig Daten über Homosexuelle. Die Rosa Liste enthielt schließlich Dateien von etwa 100.000 als homosexuell bestrafter oder verdächtiger Männer. Homosexuelle Männer wurden in Zuchthäusern und Gefängnissen, aber auch in den Konzentrationslagern durch Folter und Misshandlung zu „freiwilligen“ Anträgen auf Kastration genötigt und kastriert.
In der DDR wurde 1957 der von den Nazis verschärfte § 175 StGB (Unzucht zwischen Männern) auf sexuelle Handlungen mit Jugendlichen unter 21 Jahren beschränkt. Dieses „Schutzalter“ wurde 1968 auf 18 Jahre herabgesetzt. Das hieß aber nicht, dass die Bevölkerung der DDR Schwule tolerierte. Homosexualität wurde totgeschwiegen, schwul-lesbische Emanzipation wurde nicht zugelassen. Die Sondergesetzgebung (§ 151) gegen Homosexualität wurde 1989 von der Volkskammer ersatzlos gestrichen – das Schutzalter lag somit wie bei Heterosexuellen bei 14 Jahren. Dieses Schutzalter war in den neuen Bundesländern bis zum 9. März 1994 rechtswirksam, zeitgleich existierte in den alten Bundesländern ein Schutzalter von 18 Jahren nach dem § 175.
Von Anfang an wurde in der Bundesrepublik der § 175 beibehalten. Homosexuelle Handlungen waren strafbar und wurden verfolgt. Das Bundesverfassungsgericht entschied am 10.05.1957: „Gleichgeschlechtliche Betätigung verstößt eindeutig gegen das Sittengesetz“ und deshalb konnten sich Schwule nicht auf das Grundgesetz garantierte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit berufen. Man war außerdem der Meinung, dass der § 175 nicht durch die Nazis geprägtes Recht sei und somit auch in einem demokratischen Staat gelten kann. Die Anwendung des § 175 erfolgte konsequent. Über 50.000 Männer wurden verurteilt. 1969 wurde gleichgeschlechtlicher sexueller Verkehr bei einem Schutzalter von 21 Jahren legalisiert und 1973 wurde das Schutzalter auf 18 Jahre reduziert. Trotzdem wurden danach durch die Polizei die „Rosa Listen“ fortgesetzt. Der Deutsche Bundestag hob im Zuge der Rechtsangleichung nach der Wiedervereinigung auf und das Schutzalter liegt nun für Homo- und Heterosexuelle bei 14 bzw. 16 Jahren. Ende der 90er Jahre wurde in Deutschland um die staatliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren gekämpft, die im Februar 2001 zur Verabschiedung des Lebenspartnerschaftsgesetzes führte. Seit einigen Jahren wird darüber hinaus die Einführung der Gleichgeschlechtlichen Ehe gefordert.
Eine Online-Umfrage ermittelte 2013 für Deutschland unter anderem folgende Zahlen: 46 % der befragten Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen fühlte sich in Deutschland im letzten Jahr diskriminiert, 68 % haben ihre sexuelle Identität oft, oder immer, während der Schulzeit versteckt. 6 % der Befragten wurden im letzten Jahr Opfer von physischer oder sexueller Gewalt. Nur 4 % der gleichgeschlechtlichen Paare wagen es, sich Händchen haltend in der deutschen Öffentlichkeit zu bewegen, während dies umgekehrt 68 % der heterosexuellen Paare tun.
Obwohl die Lesben und Schwulen, Bi- und Transsexuellen sich in den letzten Jahren viele Rechte erkämpft haben – gestärkt durch die Urteile des Bundesverfassungsgerichtes – müssen sie weiter um jede Gleichstellung kämpfen. Nach wie vor gibt es für Homosexuelle keine gleichwertige Ehe wie in einigen anderen europäischen Staaten, sondern nur die „Verpartnerung“. Ebenso ist es homosexuellen Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft nicht erlaubt gemeinsam Kinder zu adoptieren.
Auch wenn sich rechtlich vieles in Deutschland verbessert hat, wir sind noch nicht am Ziel. Die breite Mehrheit der Deutschen ist für eine völlige Gleichstellung aller Homosexuellen, unsere Regierung noch nicht. Noch immer sind in Deutschland sogenannte Homoheiler zugelassen, obwohl sie großen Schaden anrichten. Noch immer gibt es viele, zu viele, Deutsche, die Homosexualität für ansteckend und beeinflussbar halten. Und weil diese dummen Menschen noch immer mit falschen Argumenten gegen Homosexuelle hetzen dürfen, müssen Schwule und Lesben wachsam sein.
Wir sollen und müssen aus der Geschichte lernen. Jede Frau, jeder Mann, die sich outen, leisten einen Beitrag zur Normalität von Homosexualität, denn wir sind normal!
﻿Das Coming-Out des Ehemannes aus der Sicht der Ehefrau
Vor nunmehr 11 Jahren wurde ich in meiner Ehe mit dem Thema schwul sein oder eventuell bisexuell konfrontiert. Bis dahin dachte ich, es sei alles ok bei uns.
Klar war es nicht mehr wie am Anfang. Wir hatten zwischenzeitlich zwei Kinder, Höhen und Tiefen, die man in einer Ehe so hat. Ehealltag eben.
Es war an einem warmen Juniabend. Mein Mann und ich saßen auf der Terrasse. Ich hatte schon eine Weile gemerkt, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt und sprach ihn darauf an. Er druckste eine Weile rum bis er mir gestand er habe da jemanden kennengelernt. Das war erst schon mal ein Schock. Ich fragte natürlich weiter wo und wie. Ich ging wie selbstverständlich von einer Frau aus. Ich fragte willst du die Trennung, willst du zu ihr? Daraufhin antwortete er, es ist ein Mann. Ich war völlig fertig. In meinem Kopf liefen hunderttausend Gedanken auf einmal ab. Die erste Frage von mir hast du mit ihm geschlafen? Alles andere war mir erst mal egal. Nein hätte er nicht. Warum dann ein Mann?
Er hätte einfach einen Kumpel gesucht und Zuneigung und eben einen Freund zum Reden. Zu dieser Zeit gab es in unserer Ehe viele Probleme, arbeitstechnisch und mit den Kindern. Irgendwann hätte er gemerkt, dass sich da auch noch andere Gefühle zu demjenigen entwickelt hätten, die mein Mann erst einmal auch nicht einordnen konnte und die ihn genauso verwirrten wie mich. Das einzige was er mir sagen konnte war, dass er keine Trennung möchte und dass er mich und die Kinder liebt. Das musste ich nun verarbeiten. Viel reden konnte ich mit meinem Mann nicht darüber. Das war schon immer ein Thema in unserer Ehe. Ich konnte reden, er nicht. Doch darüber mit jemandem zu reden konnte auch ich nicht. Aus Scham oder weil es auch im 21. Jahrhundert noch Tabuthema ist und gerade auf dem Dorf? Also machte ich alles mit mir selber aus und es tat weh.
Ich traf mich dann mit demjenigen, den mein Mann kennengelernt hatte. Wir führten ein sehr langes und interessantes Gespräch. Auch er versicherte mir, dass mein Mann sich nicht von uns trennen will. Das war eigentlich genau dass was ich hören wollte. Natürlich hatte das Vertrauen zu meinem Mann einen Knacks bekommen.
Er organisierte ein Wochenende auf Langeoog für uns beide. Es war sehr schön und ich hatte die Hoffnung, dass ich auch wieder Vertrauen zu ihm aufbauen kann, was ich auch tat.
Ich dachte damals ich habe gesiegt. Dass es nicht so war, weiß ich heute.
Ein paar Jahre lief alles normal, glaube ich zumindest. Vielleicht wollte ich auch nichts merken und habe die Augen davor zugemacht und heute möchte ich es nicht mehr wissen. Denn als 2faches Scheidungskind hatte ich den Traum Ehe bis der Tod euch scheidet und ich liebte meinen Mann ja auch noch.
Vor ca. sechs Jahren fand ich dann am PC heraus, dass mein Mann sich immer noch mit Männern beschäftigte. Er hatte den Verlauf nicht gelöscht. Ich bin mir heute sicher, er wollte „erwischt“ werden, denn er hätte mir das nicht sagen können. Ich war wütend, enttäuscht und verletzt. Ich heulte und schrie. Es war keiner zu Hause zum Glück. Die Auseinandersetzung mit meinem Mann am Abend war nicht sehr aufschlussreich. Ich redete und heulte, er sagte wenig bis nichts. Das einzige was kam er will das eigentlich gar nicht, aber es wäre wie eine Sucht immer auf diese Seiten zu gehen. Was ihn da so anmachen würde fragte ich ihn, denn es kam bei mir im Kopf noch nicht an, dass er schwul sein könnte. Er erzählte mir irgendwas von wegen er wäre mit seinem Aussehen und Körper nicht zufrieden und die Männer dort hätten alle so tolle Körper. Er versprach mir hoch und heilig nicht mehr auf diese Seiten zu gehen. Ich drängte ihn noch zu einer Therapie, die er auch machte. Ich hoffte, dass dabei rauskommen würde, dass es tatsächlich nur eine Phase der Midlifecrisis wäre. Nein so war es natürlich nicht. Bisexualität war es schon mal definitiv. Das bekam ich dann in einem Paargespräch von der Therapeutin gesagt. In mir brach alles zusammen. Herausfinden zu wem mein Mann sich stärker hingezogen fühlt, dass musste er selber. Da konnte ihm keiner helfen laut Aussage der Therapeutin. Für mich hörte sich das nach Freifahrtschein an und da fing auch mein Kontrollwahn an.
Ich wollte nicht wahr haben, dass unsere Ehe gescheitert war bis letztes Jahr im Juni. Ich hatte auch einfach Angst vor dem Alleinsein und einem Neuanfang. Nach einem sehr aufschlussreichen Telefonanruf nachts machte es anscheinend klick in meinem Kopf. Ich wusste irgendetwas muss jetzt passieren sonst geht unsere ganze Familie kaputt. Den Ausschlag aber für meinen Entschluss mich endgültig zu trennen gab ein paar Tage später eine sehr eindeutige SMS, die mein Mann auf seinem Handy erhielt. Ich wusste jetzt so kann es nicht weiter gehen. Ich wäre daran über kurz oder lang kaputt gegangen, denn auf Hilfe von irgendwelchen Beratungsstellen zu hoffen konnte ich mir abschminken. Anscheinend will keiner etwas mit diesem Thema zu tun haben. So hatte ich den Eindruck.
Einen Tag später am Abend teilte ich meinem Mann mit, dass ich die Trennung wollte im Guten. Er sagte wenig dazu. Zumindest an diesem Abend. Ich schlief schlecht in dieser Nacht bis gar nicht. Mein Kopf war so voll von Gedanken. Das heulende Elend kam noch dazu. Wir mussten es den Kindern sagen, mussten eine schnelle Lösung mit dem Haus finden. Wer bleibt erst mal drin und wer zieht aus. Und dann diese unendliche Traurigkeit und die Angst wie geht es weiter. Wie schaffe ich das alles?
Am nächsten Tag sprachen mein Mann und ich noch einmal in Ruhe über die Trennung. Wir versuchten es zumindest. Ich glaube er war froh darüber, dass ihm auf eine gewisse Art und Weise eine Entscheidung abgenommen worden war. Er erklärte sich bereit auszuziehen. Wir hatten uns auch darauf geeinigt erst mal keinem aus dem Freundes- und Bekanntenkreis den wahren Grund unserer Trennung zu sagen.
Relativ schnell hatte mein Mann eine Wohnung gefunden. Die Zeit in der er noch zu Hause wohnte war für mich eine Qual. Da ist noch jemand da, den du eigentlich noch liebst, aber der für dich nicht mehr erreichbar ist. Um mich selbst vor meinem ganzen Gefühlschaos zu schützen trennte ich strikt alles. Er bekam sein eigenes Bad, zum Glück hatten wir zwei, ich kochte nicht mehr für ihn mit, Wäsche wurde strikt sortiert. Im Kühlschrank bekam er sein eigenes Fach, eingekauft habe ich auch nicht mehr für ihn. Ich musste das machen, um mich schnell daran zu gewöhnen, dass er bald weg ist. Er konnte es nicht verstehen warum ich das mache.
Als er anfing Kartons zu packen tat es unendlich weh. Der Tag seines Auszugs war schlimm. Das waren nun 23 Jahre Ehe. An dem Tag fiel ich komplett in ein tiefes Loch. Schlaflosigkeit, Depressionen, innere Unruhe und nichts essen. So viel wie in dieser Zeit habe ich in meinem Leben nicht geheult. Ich funktionierte nur noch. Mein Mann kam in dieser Zeit öfters vorbei. Und wir fingen an zu reden und konnten es auch auf einmal. Zwar auch unter Tränen, weil es sehr oft weh tat was gesagt wurde, aber schwul sein war für mich jetzt greifbarer geworden, nachdem mein Mann sich mir gegenüber endlich öffnete. Und er war sehr offen. Ihm war es manchmal sehr unangenehm mir auf gewisse Fragen zu antworten. Er hatte Angst mir noch mehr weh zu tun. Ich aber konnte ihn so besser verstehen und das Ganze für mich besser verarbeiten. Natürlich machte auch das Kopfkino vor mir nicht halt. Dazu kam, dass ich mir professionelle Hilfe geholt habe, denn im Internet betroffene Frauen zu finden oder Gruppen ist mehr als schwierig. Die Frauen, die man findet waren alle so voller Hass gegenüber ihren Männern. Das war nicht meins. Es ist doch für den Mann genauso schwierig damit klar zu kommen und die Erkenntnis zu erlangen ich bin schwul. Geholfen hat mir auch ein sehr langes Gespräch mit einem betroffenen Mann aus dem Oldenburger Schwulenzentrum und sehr viel später Gespräche mit zwei betroffenen Frauen.
Trotzdem dauerte mein Tief noch bis Silvester an. An diesem Abend, den ich alleine in meiner neuen Wohnung verbrachte (die mir übrigens mein Mann komplett tapeziert hat und die Möbel aufgestellt hat, sowie die Schränke eingeräumt), begriff ich endlich dass mein Mann schwul ist und stellte fest, dass es nicht mehr weh tut und nicht mehr 24 Stunden beherrschendes Thema in meinem Kopf sein muss.
Wir beschlossen dann auch Anfang Januar im Freundes- und Bekanntenkreis den Grund unserer Trennung bekannt zu geben und auch im Dorf nicht mehr hinterm Berg zu halten.
Das war für mich eine Befreiung. Endlich konnte auch ich darüber reden, denn die Resonanz darauf, dass mein Mann schwul ist, ist durchweg positiv, vor allem wie wir damit umgehen. Dass wir noch vieles gemeinsam machen und wir uns so gut verstehen. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass wir uns schon vor 10 Jahren hätten trennen sollen, aber wer weiß auch wofür es gut war, dass wir es erst letztes Jahr gemacht haben.
Aber eines weiß ich sehr genau: ich habe meinen Ehemann verloren, dafür den besten Freund und engsten Vertrauten bekommen und er ist der Vater unserer zwei tollen Kinder.
Es war ein langer und steiniger Weg, aber wir hatten ein gemeinsames Ziel. Wir haben es erreicht und darauf bin ich unsagbar stolz.
Schwarz-weiß, Format 4:3, aus dem Jahr 1977 – und trotzdem . . .
Es gibt viele queere Filme, neue und alte, gute und schlechte, Komödien und Dramen. Doch nun wurde einer im Fernsehen gezeigt (einsfestival) der war in schwarz-weiß gedreht, hatte noch das alte Fernsehformat 4:3, stammte aus dem Jahre 1977 und aus Deutschland und selbst HD machte die Qualität des Filmmaterials nicht besser. Und doch die Qualität lag im Inhalt. Absolut spitzenmäßig, aufwühlend, bewegend. Der Titel: Die Konsequenz.
Der homosexuelle Schauspieler Martin Kurath (Jürgen Prochnow) lernt im Gefängnis den erst 17-jährigen Sohn des Gefängnisaufsehers, Thomas Manzoni (Ernst Hannawald), kennen. Die beiden verlieben sich und ziehen nach der Entlassung Kuraths zusammen. Dies löst heftige Empörung in ihrer Umgebung aus. Thomas’ Vater setzt die Einweisung des Jungen in eine Erziehungsanstalt durch, um die Beziehung zu unterbinden. Doch der sensible Junge verkraftet die Unterbringung dort nicht. Durch die Folgen des Aufenthaltes dort sind seine psychischen Probleme für eine zufrieden stellende Fortsetzung der Beziehung zu groß geworden. Thomas begeht später einen Suizidversuch und wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, aus der er ausbricht.
Der aus der Perspektive Martin Kuraths tagebuchartig gestaltete Roman „Die Konsequenz“ spielt im Jahr 1974. Der Schweizer Alexander Ziegler verarbeitet in dem Buch seine persönlichen Erfahrungen. Er selbst war wegen „Verführung Unmündiger zu widernatürlicher Unzucht“ zweieinhalb Jahre lang inhaftiert. Bei seiner Erstausstrahlung 1977 in der ARD sorgte Petersens tolerantes Fernsehspiel für Schlagzeilen, der Bayerische Rundfunk schaltete sich gar aus.
Zwar hatte ich den Film schon mal vor langer Zeit (Jahre, Jahrzehnte) gesehen, aber er ist auch noch in der heutigen Zeit fesselnd und von der Aktualität nichts verloren. Für mich war das Erschreckende, dass die Zeit noch gar nicht so lange her ist. Viele von uns haben sie noch erlebt. Die Diskriminierung und der Hass, die uns Schwulen damals entgegen gebracht wurden waren unglaublich. Vieles hat sich durch die Schwulenbewegung seit der Zeit zum Positiven geändert. Leider sind wir aber noch immer nicht am Ziel. Auch wenn sich die Gesellschaft heute tolerant gibt, akzeptiert werden Lesben, Schwule und Gender heutzutage nicht überall.
Da gibt es immer noch die Konservativen, die Angst haben, dass sie und ihre Kinder durch uns homosexuell werden. Die Unbelehrbaren, die meinen Regenbogenfamilien seien schädlich für die Kinder. Hier ist die Politik gefordert. Durch das Nicht-ändern-wollen der Bundesregierung an der Schwulenpolitik werden die Homohasser in ihren Meinungen noch bestärkt. Ein falsches Zeichen.
Nach wie vor müssen Lesben, Schwule und Gender auf die Straße gehen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Ich bin dabei – auf jede Demo gegen Homohasser, auf jeden CSD in der Nähe. Wer aufhört für seine Rechte zu kämpfen hat verloren.
Die Antidiskriminierungskampagne zum Welt-AIDS-Tag 2014 stand unter dem Motto "Positiv zusammen leben". Die Aktion wurde durchgeführt von dem Bundesministerium für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Deutschen AIDS-Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung.
Die Beratungsstelle des Rat & Tat Zentrums in Bremen ist eine Mitgliedsorganisation der Deutschen AIDS-Hilfe und beteiligte sich vor Ort an dieser Aktion. Bernd Thiede, Mitarbeiter der Beratungsstelle sagte: "Ein erfülltes Leben mit HIV ist heute in allen Lebensbereichen möglich – aber nicht mit Diskriminierung. Die Ursache von Diskriminierung ist oft die unbegründete Angst vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus. Mit der neuen Kampagne werden die Menschen aufgefordert, sich mit ihren Unsicherheiten gegenüber Menschen mit HIV auseinanderzusetzen."
Diese Aktion wird ergänzt durch die neue Website www.welt-aids-tag.de, auf der umfassende Informationen zu den Themen dargestellt werden.
In Deutschland leben derzeit rund 80.000 Menschen mit dem HI-Virus. Davon leben ca. 1.200 HIV-Positive und AIDS-Kranke in Bremen. Im letzten Jahr wurden in Bremen 45 Menschen neu mit HIV diagnostiziert.
Auch in diesem Jahr gab es Aktionen und Veranstaltungen rund um den Welt-AIDS-Tag in Bremen.
Traditionell sind in Bremen am Samstag vor dem Welt-AIDS-Tag (29.11.2014) freiwillige Helfer_innen auf den Märkten in der Neustadt und Findorff unterwegs, um zu informieren und Spenden für die notwendige AIDS-Arbeit des Rat & Tat Zentrums zu sammeln. Anlässlich des Welt-AIDS-Tages wird der AIDS-Teddy in ganz Europa gegen eine Spende (mindestens 6,00 €) abgegeben.
So wie im letzten Jahr waren Kurt und ich auch dieses Jahr wieder dabei – bewaffnet mit Sammeldose, Bauchladen und AIDS-Teddys sowie den Red Ribbons – zum Spenden sammeln am Findorff-Markt. Am Findorff-Markt deshalb, weil wir laut der Markt-Ordnung nicht mehr direkt durch die Gänge zum Sammeln laufen dürfen. Das war wie schon in den letzten beiden Jahren sehr schade, denn dadurch erreichten wir nicht mehr so viele Spender – auch wenn wir an einem der Markt-Ausgänge standen. Zusätzlich machte uns dieses Jahr die winterliche Kälte sehr zu schaffen. Über zwei Grad stieg die Temperatur nicht. Die Finger wurden immer steifer und durch das ständige Stehen schmerzten die Rücken und die Knie. Aber nicht nur uns machte die Kälte zu schaffen, auch die Marktbesucher waren zugeknöpfter.
Trotz allem wanderten einige aufgerollte Scheine sowie etliche Zwei-Euro-Stücke in die Sammeldose. Manch nettes kurzes Gespräch ergab sich. Auch mit Erzählungen, dass man selber Angehörige durch AIDS verloren habe. Das machte betroffen und ließ einem für kurze Zeit die Kälte vergessen. Schön war es auch, wenn jemand etwas gespendet hatte und wir mit einem Lächeln einen „schönen 1. Advent“ gewünscht hatten, zu sehen wie die Besucher zufrieden weiter gingen. Das heißt doch nichts anderes als Gutes tun macht glücklich!
Und deshalb bin ich nächstes Jahr wieder dabei . . .
Erstellt im November 2014
Das Klima wird rauer . . .
Ich war entsetzt. Von der erzkonservativen rechtsorientierten FAZ ist man es schon gewohnt, dass die Redaktion gegen Lesben, Schwule und Gender argumentiert. Nun wollen uns auch noch Reformhäuser mit Yin-und-Yang-Gequatsche aus ihren Läden raus ekeln. Und dann kam es anders . . .
In dem in vielen Reformhäusern kostenlos ausliegenden Magazin „Reform-Rundschau“ gab es nun den Artikel „Yin und Yang im täglichen Leben“ von dem Allgemeinmediziner Dr. med. Jürgen Freiherr von Rosen, der im osthessischen Gersfeld eine "Praxis für naturgemäße Ganzheitsmedizin" betreibt, zu lesen.
In der neuesten Ausgabe dieses Magazins empört man sich über die Gleichbehandlung von Homosexuellen. Triumphierend wird erklärt, dass sich die Natur bald den unnatürlichen Lesben und Schwulen annimmt. In diesem Artikel heißt es: „Wenn heute auf die Homosexualität so großer Wert gelegt wird und sogar 'Ehen' zwischen Homosexuellen geschlossen werden, so ist das ein Verstoß gegen das universelle Gesetz von Yin und Yang bzw. das Gesetz der Polarität." Dr. Rosen behauptet sogar, dass die Gesetzmäßigkeit von Yin und Yang bereits für den Untergang der Drittes Reichs verantwortlich war und jetzt sollen seiner Meinung nach die Homos dran sein.
Ich frage mich, warum lässt eine Redaktion zu, dass so ein Unsinn in der „Reform-Rundschau“ veröffentlicht wird. Das hat doch mit Reform gar nicht zu tun. Das ist ein Schritt zurück ins Mittelalter, einer Zeit, wo man die Bevölkerung dumm gehalten hat, um Macht auszuüben.
Deutsche Reformhäuser wollen uns für unser gutes Geld Vollwertkost und Gesundheit verkaufen. Dort wo dieses Magazin ausliegt, sollten Lesben, Schwule und Gender nicht mehr einkaufen. Und wenn auch noch Freunde und Verwandte über diesen Reform-Unsinn informiert werden, dann wird es sich die Redaktion dieses Blattes dreimal überlegen, ob sie so diskriminierende Artikel noch mal zulässt.
In einer ersten Reaktion schrieb ich direkt die Redaktion an und machte meiner Empörung Luft. Die Überraschung bei mir war groß, denn innerhalb einer Stund bekam ich eine Antwort. Das hatte ich nicht erwartet.
. . . und wieder milder.
Die Antwort vom Geschäftsführer Frank Höpping der Vital Medien GmbH:
mit außerordentlichem Bedauern und mit großem Verständnis nehme ich Ihre Empörung und Ihre Verärgerung über den Beitrag von Herrn Dr. von Rosen zur Kenntnis.
Sie haben Recht: derartige Ansichten gehören nicht in eine Kundenzeitschrift.
Der Beitrag war polemisch und hätte in dieser Form nicht veröffentlicht werden dürfen.
Dafür übernehme ich persönlich die Verantwortung und entschuldige ich mich bei Ihnen in aller Form.
Es ist weder meine Absicht noch die Absicht der Redaktion, Gefühle anderer Menschen zu verletzen oder gar jemandes Lebensweise zu diskreditieren.
Respekt, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie Toleranz gegenüber der sexuellen Orientierung und Lebensweise eines jeden Einzelnen sind die Leitmotive und Grundlage der journalistischen Arbeit der Reform Rundschau.
Ich verspreche Ihnen, dass derartige Beiträge in der Reform Rundschau künftig nicht mehr veröffentlicht werden.
Dazu werde ich auch in der Januar-Ausgabe der Reform Rundschau deutlich Stellung beziehen. Aus druck- und produktionstechnischen Gründen war das für die Dezember-Ausgabe leider nicht mehr möglich
Es bleibt mir zu hoffen, dass ich Sie von meiner Aufrichtigkeit überzeugen kann und Sie meine Entschuldigung annehmen.
Frank Höpping
Entschuldigung angenommen. Jetzt bin ich gespannt auf die Januar-Ausgabe . . .
Zu dieser Kundgebung hatte ein großes Aktionsbündnis zum 22.11.2014 ab 12:30 Uhr in Hannover auf dem Platz an der Goseriede eingeladen. Genau wie die Berliner, Hamburger, Wilhelmshavener usw. wollten auch wir Bremer Lesben und Schwule die Hannoveraner unterstützen. Das Rat und Tat mit den verschiedenen Gruppierungen, die sie in ihrem Hause beherbergt, hatte dazu aufgerufen.
Zu dieser Kundgebung kam es, weil die „ewig Gestrigen“ von der AfD mit der Gruppierung „Demo für alle“– wie schon zuvor in Baden-Württemberg und Dresden mit den Gruppierungen „Rettet die Familie“, „Kirche in Not“ oder „Starke Mütter“ – gegen den Lehrplan an den Schulen „Sexuelle Vielfalt“ sind. Diese ultrakonservativen, extrem rechts orientierten Menschen meinen doch tatsächlich, dass ihre Kinder allein durch den Sexualkundeunterricht sexualisiert werden und durch das Gehörte lesbisch oder schwul werden.
Um 09:50 Uhr wollten wir uns alle vor dem Bremer Hauptbahnhof treffen, um rechzeitig die Niedersachsentickets, die wir brauchten zu kaufen. Nach und nach tauchten die ersten bekannten Gesichter auf und die unbekannten wurden bekannt gemacht. Über dreißig Lesben und Schwule fuhren letztendlich von Bremen nach Hannover. Es war eine angenehme Zugfahrt mit netten Gesprächen. Vom Hannoverschen Bahnhof ging es gleich rüber zum Platz an der Goseriese. Hier waren schon die Aktionsbühne sowie ein Infostand aufgebaut. Wir Bremer waren natürlich zu früh da, aber es dauerte nicht lange und der Platz füllte sich immer mehr mit Schwulen und Lesben. Es war fast wie auf einem CSD, nur nicht so bunt, schrill und laut. Die Sache, um die es ging, war ernst.
Etwa 500 bis 600 Schwule und Lesben hatten sich zur Kundgebung eingefunden, um für Toleranz und Vielfalt zu demonstrierten. Organisatoren waren u.a. der Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen e.V. (Befah), Hannover Pride, Gaypeople Zelt, LSVD Hannover, Pro Familia Niedersachen e.V., SchLAu Niedersachen und viele, viele mehr. Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter verschiedener Parteien, darunter der Linken, der Grünen, Jusos, der FDP und der Gewerkschaften.
Mit dem Beginn der Kundgebung gab es viele Rednerinnen und Redner der verschiedenen Gruppen, zwischen den einzelnen Reden unterbrochen Gesang von einem Sören. Die vielen Reden bezogen sich auf das Thema „Vielfalt der sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten“ im Unterricht und in der Schule, welches von Niedersächsischen Landtag in den letzten Monaten beraten wurde. Verabschiedet wurde im Kultusausschuss von der Regierungsparteien SPD/Grüne und der FDP ein Entschließungsantrag: „Schule muss der Vielfalt sexueller Identitäten gerecht werden – Persönlichkeitsentwicklung der Schüler_innen fördern – Mobbing vorbeugen“.
Im Mittelpunkt der Entschließung steht, dass die Diversität der sexuellen und geschlechtlichen Identitäten sensibel auch im Schulunterricht behandelt werden soll.
Die CDU forderte in einem eigenen Antrag, dass Offenheit und Achtung gegenüber verschiedenen Lebensstilen, auch der sexuellen Orientierung vermittelt werden müsse.
Diesem parteienübergreifenden Konsens steht eine Gruppe von Menschen gegenüber, die immer noch glaubt, dass junge Menschen durch sachgerechte Aufklärung erst zur Homosexualität erzogen werden könnten.
Diese friedliche Kundgebung mit vielen Bannern und Regenbogenfahnen endete um 14:00 Uhr waren auch Vertreter verschiedener Parteien, darunter der Linken, der Grünen, Jusos, der FDP und der Gewerkschaften.
Mit etwa 200 Teilnehmern begann ab 14:15 Uhr die Kundgebung des Aktionsbündnisses „Ehe und Familie vor – stoppt Genderideologie und Sexualisierung unserer Kinder“ auf dem Steintorplatz gegenüber. Dieser Platz wurde schon Freitag auf Anordnung der Stadt Hannover mit vielen Regenbogenfahnen geschmückt. Das war ein deutliches Zeichen der Stadt Hannover für die Lesben und Schwulen und gegen die Ultrakonservativen. Danke Hannover.
Mit Beginn der Kundgebung der „ewig Gestrigen“ marschierten nun fast alle Lesben und Schwule rüber zum Steintorplatz. Die Konservativen waren schnell von einem breiten Gürtel dieser Lesben und Schwulen umzingelt – getrennt nur von einer Reihe Polizei ohne Helm usw. Die hetzenden Redner wurden ununterbrochen mit Buhrufen und Trillerpfeifen sowie mit lauten Sprechchören wie z.B. „Haut ab, haut ab“. Einige sangen: „Eure Kinder werden so wie wir“. Die einzigen, die mir Leid taten waren die Babys und Kinder der „besorgten Eltern“, die diesen Gegenwind aushalten mussten.
Leider fuhr nach 15:00 Uhr unser Zug gen Bremen, so dass wir Bremer unsere lesbischen und schwulen Freunde aus Hannover und anderswo verlassen mussten. Dennoch war es toller Tag. Wir hatten mit unserer Gemeinschaft den Freunden der AfD ordentlich Paroli geboten – und das war gut so . . .
Ich bin froh, dass heutzutage Lesben und Schwule sich informieren können und das die Schulen dazu beitragen. Dennoch müssen wir immer weiter für unsere Akzeptanz kämpfen. Und zwar solange bis die sexuelle Identität keine Rolle mehr spielt. Nur das ist normal.
Unterschätzt – verharmlost – ignoriert
Homophobie im Alltag . . .
. . . . unter diesem Titel lud der „AK PLuS“ (Politik für Lesben und Schwule, Bi-, Inter- und Transidentitäten) am 19:11.2014 zu einer öffentlichen Talkrunde im DGB-Haus ein. Ich muss gestehen, dass ich mit dieser politischen Gruppe erst einmal gar nichts anfangen konnte. Google sei dank war der Link zu dieser Gruppierung schnell gefunden:
http://www.ak-plus-bremen.de. Hier konnte ich mich darüber informieren. „Das könnte interessant sein“, dachte ich mir und so sind Helmut und ich dahin gefahren, um uns mit Ingo zu treffen. Im Veranstaltungssaal trafen wir noch Holger und waren somit ein gutes Quartet aus unserer Gruppe.
Homophobie – bei diesem Wort denken viele an gewaltige Übergriffe auf Lesben und Schwule. Für andere scheint sie in unserer Gesellschaft kein Thema mehr zu sein. Die Frage ist aber: Wo hört Toleranz auf und wo fängt Homophobie an? Können sich die sexuell vielfältigen Gruppierungen in ihrem Sportverein oder in ihrer Kirchengemeinde outen, ohne ausgegrenzt zu werden? Und wie reagiert man, wenn Lesben und Schwule Kinder adoptieren wollen? Warum gibt es trotz zunehmender öffentlicher Akzeptanz im Alltag dennoch Anfeindungen oder gewaltsame Angriffe? Zu diesen Fragen waren Experten/Expertinnen aus den Bereichen Polizei, Kirche und Fußball eingeladen.
Den Fragen der Moderatorin Gudrun Fischer (Journalistin) und etwas später den Zuhörern stellten sich Jürgen Osmers (stellvertretender Leiter des LKAs Bremen), Ruth Heß (Gleichstellungsbeauftragte der bremischen ev. Kirche), Dr. Ulrich Klocke (Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin) und Tanja Walther-Ahrens (Sportwissenschaftlerin, Lehrerin und ehemalige deutsche Bundesfußballerin). Zu guter Letzt stellte sich noch ein schwuler Kotaktpolizist für Lesben und Schwule vor.
Die Vielfalt der Fragen und Antworten kann ich diesem Bericht gar nicht gerecht werden. Bemerken möchte ich nur, dass Straftaten gegenüber Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle (kurz LGBTI) nur wenig bekannt sind – die Dunkelziffer ist extrem hoch, obwohl es auch bei den 2.500 bremischen Polizisten bekannter Weise genügend Lesben und Schwule gibt. Auf der Homepage des Rat und Tats wird es bald einen Fragebogen zum Thema Homophobie / Gewalttaten geben. Herr Osmers wird sich über die Ergebnisse informieren. Frau Heß ist zwar gegenüber den LGBTI sehr engagiert, aber durch die Vielfalt der 60 Bremischen Kirchengemeinden ist ihre Arbeit beschwerlich, um überall etwas zu erreichen. Dr. Klocke erzählte von Zuständen an den Schulen. Hier bedarf es guter Pädagogen auf den Schulhöfen, die nicht weghören, wenn das Wort „schwul“ als Schimpfwort benutzt wird. Das gleiche gilt für die Trainer in den Sportvereinen, so Frau Walther-Ahrens.
Die Arbeit gegen Homophobie muss aber nicht nur von „unten“ beginnen. Hier sind Gespräche und Hinweise zu diesem Thema, um nachdenklich und sensibel zu machen, angebracht. Auch von „oben“ in den Chefetagen muss etwas passieren. Hier können klare Anweisungen gegen Diskriminierungen gegeben werden. Nur angstfreie LGBTI können in unserer Gesellschaft gute Arbeit leisten.
Insgesamt gesehen brachte die Talkrunde nichts Neues. Dennoch war es gut, dass diese Themen mal wieder auf den Tisch gebracht wurden. Es muss sich trotz aller Fortschritte in unserer Gesellschaft noch viel in manchen Köpfen tun. Schade nur, dass in dieser Runde nur Zuhörer waren, die das gleiche Ziel gegen Homophobie hatten und sich somit einig waren. Aber wer gibt schon öffentlich zu, dass er etwas gegen LGBTI hat.
Nach gut zwei Stunden war die Diskussion beendet. Wir vier wollten das Gehörte noch kurz sacken lassen. Eine nette Cocktail-Bar am Bahnhof war dafür genau das Richtige. Es wurden dann noch fast zwei schöne gesellige Stunden mit guten Gesprächen und vielen Lachern . . .
PRIDE – ein Kino-Erlebnis
Die neue Feel-Good Komödie aus England!
Nach einer außergewöhnlichen wahren Begebenheit.
Von Michael aus unserer Gruppe bekamen wir den Tipp mal wieder ins Kino zu gehen. Er hatte sich den Film „PRIDE“ in der Schauburg angesehen und war gleichzeitig begeistert und berührt. Mir war klar, wenn Michael einen Film dermaßen lobt, dann muss er absolut sehenswert sein. Helmut und ich machten uns darauf hin kurz entschlossen auf dem Weg, um uns auch diesen Film anzusehen. Vorweg sahen wir uns im Internet den Trailer an und lasen den Inhalt. Das war schon mal viel versprechend. Wir waren gespannt . . .
So auch die außergewöhnliche Liaison zweier Gruppen, die sich im Sommer 1984 in England gefunden haben: Bronski Beat trifft Gaelic Folk oder auch… eine ausgelassene Schwulen- und Lesbentruppe aus London trifft auf streikende Waliser Bergarbeiter. Irritationen beim ersten Aufeinandertreffen sind vorprogrammiert! Doch spätestens als der exzentrische Jonathan den hüftsteifen Walisern zeigt, was echtes Disco-Feeling ist, scheint das Eis gebrochen… Doch nicht in jedem Waliser finden die couragierten Großstädter einen dankbaren Verbündeten und stellen so ein ganzes Dorf auf den Kopf.
Wir hatten uns mit Ingo im Kino verabredet – die Karten waren schnell gekauft. Nachdem wir uns noch ein wenig umgeschaut hatten (Popkorn hatten wir weg gelassen), suchten wir in dem betreffenden Saal unsere Plätze auf. Insgesamt acht Besucher hatten sich in den kleinen Saal eingefunden. Das lag aber wohl eher an der ungewöhnlichen Zeit – Montag, 17:30 Uhr – für einen Kinobesuch. Kurze Zeit später begann ein wenig Kinowerbung und dann folgte der Film. Ein Film nach einer wahren Begebenheit. Es dauerte gar nicht lange, da herrschte in uns 120 Minuten lang ein Feuerwerk der Gefühle. Humor mit vielen Lachern wechselte sich ab mit Betroffenheit, Wut und Rührung – ohne auch nur ansatzweise kitschig zu wirken. Die Schauspieler waren allesamt gut ausgewählt und waren in ihren Rollen überzeugend. Mit einem Wort: Grandios.
„Pride“, dessen erste von hoffentlich noch vielen kommenden Auszeichnungen die Queere Palme in Cannes war, hat das Potential zum Kultfilm. Ähnlich wie "Priscilla", „I Killed My Mother“ oder „Beautiful Thing“ strahlt die britische Komödie eine Stärke und Souveränität aus, die es so noch nicht gegeben hat im queeren Film.
Der Film war zu Ende und als der Nachspann abgespielt wurde standen die acht Besucher nicht auf, sondern blieben einfach noch fünf Minuten wortlos sitzen und ließen den Film noch nachwirken. Draußen hatten wir das Bedürfnis noch ein wenig durch die frische Nachtluft zu laufen, um noch im Gehen ein wenig über den Film zu reden. Diskussionen kamen nicht auf – wir waren uns einig. Wir landeten schließlich in unserem geschichtsträchtigen Ratskeller zu einem Absacker. Das hatten der Film und wir uns verdient . . .
Mein erstes "Vätertreffen" im Waldschlösschen
Wie Norbert ja schon geschrieben hatte, bin auch ich im Waldschlösschen gewesen . . . zum ersten Mal, nicht ganz so aufgeregt wie andere vor mir, da ich ja nun mal inzwischen geoutet und getrennt lebend von meiner Frau bin, trotzdem voller spannender Erwartung, was mich dort wohl erwarten wird.
Ich konnte ab Achim mit Manni, einem guten alten Freund aus meinen ersten ungeouteten Zeiten und einem weiteren Mann, Frank, der sich erst vor kurzem geoutet hat, mitfahren. Somit verlief schon die Hinfahrt sehr gesprächig. Frank hat sich erst vor kurzem in seiner Familie geoutet und ab diesen Monat bezieht er seine eigene Wohnung, da seine Frau und er die Trennung für richtig hielten – allerdings alles in harmonischem Ablauf. Er musste uns deshalb viel über sich mitteilen und das war auch gut so. Wir beide waren dann somit "Neue" auf diesem 58zigsten Vätertreffen, die dann dort auch einen besonderen Status genießen und bevorzugt behandelt werden. Das war mir vorher schon bekannt. Manni war schon zum dritten Mal dort und gehörte deshalb schon zu den "alten" Hasen.
Im Gegensatz zu Norbert, der ja in seinem Bericht viel über den Ablauf des Vätertreffens erzählt hat, möchte ich mal versuchen, über mein Gefühlsleben und meine Empfindungen zu schreiben. Wird ein bisschen schwierig, aber ich versuch´s mal.
Dort angekommen, ging es erstmal zum Empfang. Schnell sah man, dass ich ein "Neuer" war und sofort wurde mir mein "Pate" für die Zeit des Treffens vorgestellt. Oliver hieß er, einer der Mitorganisatoren des Treffens. An ihn durfte ich mich wenden, sobald irgendwas war, hauptsächlich ging es dabei aber nicht organisatorische Dinge, klar auch, aber gemeint war, wenn es mir mental, psychisch nicht gut gehen würde. Es ist sehr gut zu wissen für einen Neuen..."hoppla...da ist einer, an den darfst du dich ohne wenn und aber wenden, wenn dir das hier alles zu viel wird". Es ist ja nun mal so, dass auch einige Männer, ungeoutet, noch bei Frau und Familie lebend, dann auf mal in einen Pulk von ca. 80 Männern losgelassen werden, das kann schon mal dazu führen, dass einem das alles zu viel wird. Schon mal vorweg genommen, ich brauchte meinen Paten nicht in Anspruch nehmen, aber halt gut zu wissen, dass er da war. Er war dann auch der, der mir die Räumlichkeiten und den Ablauf des Treffens genau erklärt hat.
Nach den anfänglichen Regularien zum Empfang eines solchen Treffens wurden wir Neuen zusammengerufen und besonders begrüßt. Jeder stellte sich kurz vor und wurde gefragt, mit welchen Erwartungen man hergekommen sei. Ich hatte jetzt keine "besonderen" Erwartungen an dieses Treffen, hatte aber ja im Vorfeld die Themen, die zur Auswahl standen, zugemailt bekommen und deshalb schon Schwerpunkte für mich festgelegt. Für mich ging es dabei um "Nähe und Distanz zur (Ex)-Frau", "Wenn Kinder groß werden" und "Partner schwuler Väter", da ich nun mal einen Partner habe, der selber nie verheiratet war und keine Kinder hat und ich deshalb aus anderer Sicht mal hören wollte, was diese Partner eigentlich mit uns "durchmachen". Diese Themen sind eigentlich für so ein Treffen "Hardcore", weil ich mir keinerlei Sport, Entspannung oder Kreativität, was in anderen Workshops ja geboten wird, ausgesucht hatte. Aber ich wollte es so, weil mir diese Themen auf den Fingernägeln brannten und ich dort Rat und vielleicht sogar Antworten suchte.
Ich merkte schnell, da ich geoutet bin und dadurch, dass ich natürlich schon getrennt von Frau und Familie lebe, zu den "gefestigteren" Männern gehörte und das beruhigte mich auch sehr. Vielleicht konnte ich ja sogar anderen helfen, ihren Weg zu finden. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich das Angebot vom Waldschlösschen zum Vätertreffen viel, viel eher nutzen sollen, da ja mein Weg bis heute sehr beschwerlich war. Vielleicht hätte ich mir einiges ersparen können oder einen einfacheren Weg finden können. Aber bekanntlich ist man später immer klüger. Was ich damit eigentlich sagen will, ist, dass ich nur jedem ans Herz legen kann, egal, im welchem Stadium des Outings man(n) sich befindet, man auf alle Fälle, das Angebot zum Vätertreffen rechtzeitig nutzen sollte, da dort eine derart große Vielfalt von Lebensmodellen, Meinungen, Anregungen aufeinander treffen, so dass jeder dort für sich etwas mitnehmen kann.
Natürlich hatte auch ich meinen Tiefpunkt auf diesem Treffen, den hat meiner Ansicht nach jeder irgendwie und irgendwann zwischendurch. Bei mir war es zwischendurch auf der Party, wo alle eigentlich ausgelassen tanzten und feierten, was mir dann aber wieder schmerzlich vor Augen führte, dass meine jetzige Beziehung zum Mann zur Zeit kriselt und dass mir einiges fehlte. Aber selbst in dieser Situation war es einem der Organisatoren aufgefallen, dass ich wohl eine Träne im Auge hatte und mich ein wenig zurückgezogen hatte. Er war sofort an meiner Seite, hat mit mir gesprochen und hat mich "aufgefangen", so dass ich später auch wieder weitergefeiert habe und es noch ein schöner Abend für mich war.
Im Vorfeld eines Workshops hat man ja immer so seine Bedenken . . . "was wird das wohl? . . . ein Rumgedruchse . . . keiner mag reden" . . .für den Moderator krampfhaft, eine Diskussion oder ein Gespräch zugange zu bekommen. Hat man alles schon irgendwo erlebt . . . aber es war jedes Mal genial hier . . . . eine nie da gewesene Offenheit . . . jedes Mal eine lebendige Diskussion . . . Erzählungen aus dem vielfältigen Leben der einzelnen Männer und deren Situation, ich war begeistert und angetan. Es war einfach nur schön. Es war einfach so, wie Norbert auch schon geschrieben hat, dass einem einfach die Zeit in den Fingern zerrann und man am liebsten hätte noch weitermachen wollen. Gott sei Dank sind die Pausen zwischen den Workshop´s sehr großzügig gestaltet und somit viel Platz und Raum für weitere Einzelgespräche und weitere Vertiefungen war. Auch das ist sehr, sehr wichtig auf solch einem Treffen und für viele kam dann auch wohl erst eine Lösung oder ein Denkanstoß nach dem eigentlichen Workshop. Teilweise entwickelt sich das Ganze später zu einem "Selbstläufer" . . . aber grad das ist das Geniale daran.
Als Fazit, um den Bericht hier nicht endlos wirken zu lassen, weil ich könnte noch stundenlang an das Wochenende zurückdenken und mich in dem schönen Gefühl, das ich dort hatte, schwelgen. Es war ein wunderschönes, von soviel Offenheit getragenes Wochenende. So viele nette, herzliche, liebenswerte, offene Männer habe ich kennen gelernt, die der Welt soviel schönes geben könnten, wenn sie nicht soviel mit sich selber und ihren Problemen beschäftigt wären, die eigentlich nicht sein müssten, wenn die Welt nicht so intolerant gegenüber anders Lebenden oder anders Fühlenden wäre.
Ich habe für mich festgelegt und festgestellt, so wie es meine Zeit zulässt, dass ich meine inzwischen gemachten Erfahrungen weitergeben und mitteilen möchte, um anderen den Weg zu vereinfachen, denn es gibt so viele von uns, die alle irgendwo Starthilfe brauchen, und diese Starthilfe, das kann ich hier nur jedem ans Herz legen, die sollte man sich auf alle Fälle auch im Waldschlösschen holen. Man ist dort zwar ein Wochenende lang wie auf einer Insel, aber diesen "Inselaufenthalt", den sollte man sich gönnen, um gestärkt durch die Wogen des Lebens, das einen anschließend ja wieder mit aller Härte einholt, weiterschippern zu können.
Gerne geben die auf unserer Homepage genannten Personen Auskunft zum Waldschlösschen oder einfach unter "Akademie Waldschlösschen" googeln.
Waldschlösschen 2014 – 58. Vätertreffen
Ein schönes Wochenende im Waldschlösschen ist vorüber. Das Herbsttreffen der schwulen Väter aus Deutschland „Zwischen den Welten“ wurde dieses Mal von der Frankfurter Gruppe ausgerichtet.
In Bremen sind wir, Helmut und ich, morgens bei leicht diesigem Wetter gestartet. Der Wetterbericht, eine Stunde zuvor, versprach nur Gutes für das Wochenende vom 31. Oktober bis 1. November. Die Fahrt war angenehm – ohne Stau. Die Pause an der Raststätte Hildesheimer Börde tat trotzdem ganz gut. Hier trafen wir schon auf erste bekannte Gesichter aus früheren Zeiten. Da war das „hallo“ groß. Eine Stunde später hatten wir es geschafft – das Waldschlösschen tauchte in den hügeligen herbstlich gefärbten Wäldern auf.
Von der Frankfurter Gruppe wurden wir mit hessischen Spezialitäten be-grüßt: Rindswurst mit Stullen, Hand-käs’ und Äppelwoi. Viele Bekannte aus früheren Treffen sahen wir wieder, aber auch zwanzig neue Gesichter – Männer, die das erste Mal den Weg zum Treffen der schwulen Väter ge-funden hatten. Aus unserer Gruppe waren noch Uwe da, der nun in Bielefeld lebt und Martin sowie drei weitere Männer aus Bremen und Niedersachen. Ebenso waren da noch uns bekannte Männer vom bundes-weiten CO30-Chat und deren Treffs.
Dann wurde es auch schon Zeit für das Mittagessen. Nach kurzer Pause folgte für alle das offizielle übliche Begrüßungsritual mit der ausrichtenden Gruppe und Rainer Marbach, dem Leiter des Waldschlösschens. Die Begrüßungsrunde stand unter dem Motto „Ei Gude!“ Damit konnten wir Nordlichter gar nichts anfangen. Später wurden wir darüber in Kenntnis gesetzt, dass das so viel heißt wie „Wie geht’s?“ Deutschland und seine Dialekte . . . J Und dann: Kaffeepause.
In dem ersten Workshop, den ich belegte, ging es um das Coming Out im Job. Von den 14 Teilnehmern waren eine Hälfte fast komplett geoutet und die andere Hälfte kaum. Dementsprechend gab es recht unterschiedliche Meinungen. Letztendlich ist es jeden Mann selbst überlassen wie weit und bei wem er sich outen will. Aber eins wurde auch ganz klar: Alle, die sich komplett am Arbeitsplatz outeten, fühlten sich danach besser, freier und ungezwungener. Arbeitgeber sollten einem Coming-Out im Job positiv gegenüber stehen, das kann die Arbeitsleistung nur steigern.
An diesem Nachmittag gab es noch folgende Workshops: „Zusammenleben in der Familie/ . . . ein Konstrukt zerbricht“ – „Ich bin schwul und das ist gut so?“ – „Zuhause kommt auch mal ohne mich aus“ – „Partner schwuler Väter“ – „Men can dance - Dance Arobic“.
Die zwei Stunden waren schnell vergangen. Das Abendessen in der großen Runde schmeckte allen der gut achtzig Teilnehmer. Das Abendprogramm war vielseitig. Helmut und ich entschieden uns für die Filmvorführung „Priscilla“. Zum Inhalt: Mit einem klapprigen Reisebus, getauft auf den Namen Priscilla, machen sich drei Travestie-Künstler auf eine abenteuerliche Reise. Für einen Auftritt in Alice Springs muss das Trio quer durch die australische Provinz. Bei jedem Stop bringen sie ganze Heerscharen von Dorf-Machos gegen sich auf, treffen aber auch ABBA-liebende Ureinwohner und asiatische Konkurrenz . . . Eine wunderbare australische Komödie mit ernstem Hintergrund. Wir hatten während der Vorführung viel zu lachen. Der erste Abend endete anschließend gemütlich bei einem Gläschen Rotwein und guten Gesprächen.
Gut gelaunt erwachten wir am nächsten Morgen. Der Samstag konnte beginnen. Gut gestärkt durch das Frühstück waren wir fit für die nächsten Workshops. Für mich stand das Thema „Distanz und Nähe zur (Ex-)Frau“ auf dem Programm. Es war eine große Gruppe von 18 Männern, die daran teilnahmen. Die meisten Männer waren erst zwischen ein und drei Jahren bei ihren Familien geoutet. Dementsprechend gab es hier noch viele Ängste und Spannungen. Einige hatte bereits – so wie ich – ihren Weg gefunden, doch die meisten wussten noch nicht wo sie der Weg hinführen würde. Auch der eigene Wunsch und die Wirklichkeit waren zum Teil weit von einander entfernt. Die drei Stunden, die dafür angesetzt waren, waren schnell vorbei, wir hätten noch gerne ein, zwei Stunden diskutieren können. Aber so ein Workshop kann auch nur Denkanstöße geben und keine Lösungen. Um 13:00 Uhr war definitiv Schluss und wir wurden mit einem guten Mittagessen belohnt.
Parallel fanden zu diesem Workshop noch diese statt: „Wie sag ich’s meinem Kind?“ – KERLsex ­- Hart . . . , härter . . . oder soft?“ – „Yoga“ – „Achtsamkeit - einmal juristisch“ – „Ausflug zum Grenzmuseum Duderstadt“.
Nach der Mittagspause musste man erst wieder durch die Kaffeepause „geweckt“ werden. Für mich ging es weiter mit dem Thema „Das Atelier der Schmetterlinge“. Dieser wohlklingende Workshop beinhaltete einen Ausflug in die Farbenwelt der Malerei. Sieben „Künstler“ schwangen hier Pinsel bzw. Pastellfarben. Nach zwei Stunden hatte jeder Maler sein Werk vollendet. Wir hatten bei den Themen freie Auswahl – man konnte seiner Kreativität freien Lauf lassen. Es waren zwei Stunden der Ruhe und Gelassenheit, die aber nicht minder anstrengend waren wie die Diskussions-Workshops. Fast nahtlos ging es zum Abendessen. Ab 19:00 Uhr sollte der große Saal frei sein. Die letzten Vorbereitungen für die große Samstagabend-Discoparty ab 21:00 Uhr begannen. Thema: „Helden der Jugend“.
Neben diesen Workshop gab es noch andere: „Älter werden“ – „Let’s work out, stretch & relax“ – „Internet: Dating-Portale / Infos“ – „Wenn Kinder groß werden“ – „Mediation“.
Ab 20:30 Uhr war für die Party der Empfang im Kaminzimmer. Der dargebotene Sekt lockerte schon mal die Stimmung – als wenn wir das nötig gehabt hätten . . . Pünktlich um 21:00 Uhr durften wir in den großen Saal. Hier wurde uns zunächst ein Video auf der Leinwand gezeigt. Alle Frankfurter „Macher“ erzählten in dem selbstgedrehten Film über ihre Helden der Jugend, die dann eingeblendet wurden. Je nach Alter waren die Helden ganz unterschiedlich. Es fing an mit Dick und Doof, über Miss Piggy, der Crew der Enterprise bis zum Captain Future. Zehn Minuten später standen bereits vierzig Männer auf dem Parkett und gaben zur rhythmischen Discomusik ihr Bestes. Einige waren auch entsprechend dem Motto verkleidet. Es gab Supermänner, Pipi Langstrumpf, Fred Feuerstein, Dracula, Agneta von ABBA und viele mehr. Es war wunderbar wieder achtzig gut gelaunte, glückliche und ausgelassene Männer zu sehen. Es dauerte gar nicht lange, da waren die erste Kerle auch schon vom Tanzen durchgeschwitzt und mussten sich umziehen J. Leider geht auch die schönste Party einmal zu Ende. Für Helmut und mich war die Zeit um 01:00 Uhr reif . . .
Frisch und ausgeschlafen konnte der Sonntagmorgen mit dem Frühstück beginnen. Nach und nach trafen die Nachtschwärmer in den wieder aufgeräumten großen Saal ein. Wenig später war der Raum wieder mit fröhlichem Geschnatter erfüllt. Helmut und ich brauchten nach dem Frühstück erst einmal ein wenig Sauerstoff. Was lag näher als eine halbe Stunde in den herbstlichen, morgendlichen Wald zu gehen. Das war gut.
Die Koffer für die Rückreise waren schnell voll gestopft. Nun mussten wir und schon beeilen. Wir hatten uns für den Workshop „Traumreise“, veranstaltet von Uwe, entschieden. Das war Entspannung pur. Parallel wurde „Laufen zur Entspannung . . .“ angeboten. Die Neuen hatten währenddessen ihre „Abschlussrunde“.
Für mich ging es dann zum Gruppenleitertreffen. Hier gab es die neuesten Informationen für die nächsten Vätertreffen. Der Abschluss bildete wie immer das Schluss-Plenum. Es gab viele Dankesreden für die Frankfurter Gruppe begleitet mit einigem verdienten Applaus. Dem kann ich mich nur anschließen.
Schnell war schon wieder Mittagszeit und wir konnten unsere letzte Mahlzeit für dieses gelungene Wochenende im Waldschlösschen einnehmen. Mit vollen Bäuchen verabschiedeten dich die ersten Teilnehmer. Viele hatten ja auch noch einen langen Heimweg vor sich – da waren wir mit unseren drei Stunden noch gut dran. Oft hieß es: „Bis zum nächsten Mal.“ Wir sagen an dieser Stelle auch: „Bis zum nächsten Mal, Waldschlösschen. Es war wieder schön hier zu sein . . .“
Weitere Informationen zur Akademie Waldschlösschen und deren Programm findet man unter www.waldschloesschen.org. Informationen zu schwulen Vätern gibt es unter www.schwule-vaeter.org. Den CO30-Chat (Coming-Out über 30) gibt es unter www.co30.de. Alle diese Links und weitere sind auch auf der Seite „Links“ zu entdecken.
Eindrücke und Gedanken zum Kinoabend in Walle
Am Mittwochabend, den 22.10.2014 fand, wie angekündigt, der Kinoabend in der Immanuel-Gemeinde in der Elisabethstr. 17/18 in Bremen-Walle statt.
Als Teil der Reihe: "RAINBOW PIECES 2014" zum Thema: Homophobie in Uganda - wer schürt den Hass?
Gezeigt wurde der Film:
(Doku, Uganda/USA 2012, Regie: M. Zouhali-Worrall/K. Fairfax Wright)
Durch den Abend führte Pastor Gunnar Held und die Gleichstellungsbeauftragte der bremischen Kirche Ruth Heß.
Im Film ist es sehr beeindruckend dargestellt, wie mutig sich die schwul-lesbischen Aktivisten der homophoben Gesellschaft in Uganda entgegenstellen, obwohl sie dadurch täglich ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Ich hatte streckenweise sehr mit meinen Emotionen zu kämpfen. Besonders mit Ohnmacht und Wut über die vorherrschende Ungerechtigkeit in Uganda und anderen Teilen der Welt, sowie tiefe Traurigkeit über den Tod des schwul-lesbischen Aktivisten David Kato. Er wurde noch während der Dreharbeiten 2011 ermordet. Ihm wurde nachts mit einem Hammer der Schädel zertrümmert. Dies erfolgte zeitnah nach einen erfolgreich gewonnen Zivilprozess gegen die Missachtung der Menschenrechte aufgrund einer Pressekampagne in Uganda. In dieser Hass-Kampange wurden Schwule und Lesben namentlich benannt und mit einem Foto und Hinweis auf Wohnort und Adresse geoutet. Und ein solches Outing bedeutet in Uganda dann meist Verfolgung, Gefängnis oder Tod.
Selbst auf der Trauerfeier von David Kato predigte der Pastor Schwulenhass sinngemäß wie: "er hat bekommen was er verdiente, er ist endlich in der Hölle wo er hin gehört oder ihr anderen kommt da auch noch hin". Der darauf folgende Tumult führte immerhin dazu, dass Uganda in den Fokus der weltweiten Medien und Menschenrechtler geriet. Es wurde soviel Druck auf die Regierung ausgeübt, dass der Tod von David Kato nicht einfach unter den Tisch gekehrt, sondern vollständig aufgeklärt wurde.
Nach der Dokumentation war ich tief betroffen und frage mich, was macht der Gesellschaft besonders in Uganda und anderen homophob gesinnten Ländern solche Angst vor uns als "homosexuelle Minderheit". Ich habe doch nur vor jemanden Angst, der stärker ist als ich, mehr Kraft hat oder mir überlegen ist. Vielleicht spüren die Homophoben unsere innere Kraft, die vielleicht darin besteht, dass wir den männlichen sowie den weiblichen Anteilen und Aspekten in uns Raum geben und somit in der Lage sind verschiedenste Blickwinkel in jeglichen Lebensbereichen, wie z.B. in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, unserer Emotionalität, sexueller Flexibilität und Vielseitigkeit, einzunehmen. Denn nur dann macht es für mich Sinn, dass sie uns so fürchten, dass man uns mit Verfolgung, Verspottung, Verteufelung, Diskriminierung und unter Androhung von Gefängnis oder Todesstrafe versucht klein zu halten. Klein zu halten um uns zu brechen, damit wir unsere innere Kraft und Stärke gar nicht erst entdecken oder um bereits Entdecktes gleich wieder Einhalt zu gebieten!
Das bedeutet doch im Umkehrschluss, dass ich gerade durch mein "anders sein" über eine besondere, einzigartige innere Kraft verfüge, die der homophoben Gesellschaft Angst macht!
. . . aber wenn ich das große Potential einer besonderen inneren Kraft in mir habe, warum lass ich es dann verdammt noch mal immer wieder zu, dass sogar hier in Deutschland andere Menschen mein Leben bestimmen, und versuchen mich daran zu hindern meine innere Kraft zu finden, bzw. sie mir zu rauben ???
Ich denke, sobald ich in der Lage bin meine Homosexualität voll und ganz zu akzeptieren und sie als das selbstverständlichste von der Welt anzusehen, spürt die Gesellschaft meine innere Stärke und ich nehme der Diskriminierung im wahrsten Sinne des Wortes den Wind aus den Segeln.
Durch mein "zu mir selbst stehen", mein "mich selbst akzeptieren" und mein "mich selbst annehmen so ich bin" ist einfach keine Angriffsfläche mehr vorhanden.
Ich weiß, dass meine eigene Identitätsfindung in Bezug auf die noch weit verbreitete weltweite Homophobie nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Dennoch glaube ich, dass jeder mit seiner individuellen Selbstakzeptanz eine weitere Kraft entfacht, die auch im Ganzen früher oder später Wirkung zeigen wird.
Wer in meiner schwulen Beziehung die Frau ist
Wenn man mal so im Internet am Surfen ist, kann man hin und wieder überrascht werden – überrascht im positiven Sinne. So habe ich z.B. den Blog Kopfkompass von Ronald Gerber gefunden. Ein Blog, den ich mir gleich abonniert habe. Viele gute Texte sind in diesem Blog zu finden – einige mit ernstem Thema, andere wiederum mit einer guten Portion Humor. Leider habe ich noch nicht die Zeit gehabt mir den ganzen Blog durchzulesen. Das werde ich aber nach und nach erledigen. Den Link zu diesem Blog findet ihr dann auf unserer „Link“-Seite.
Den nun folgenden Text durfte ich mit der freundlichen Genehmigung von Ronald Gerber hier veröffentlichen:
Publiziert am 12. Mrz. 2013 von Ron
Als unser Geplänkel beendet war und ich schon einen Treppenabsatz genommen hatte, rief sie: “Ach, und-“.
“Was ich schon lange mal fragen wollte: Wer ist eigentlich bei euch die Frau?”
“Schwule Beziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie von Männern geführt werden.”, antwortete ich im zynischsten Oberlehrerton. “Beziehungen, in denen Frauen vorkommen, sind nicht schwul.“
“Na, das ist doch klar.”, antwortete sie, als hätte ich ihr einen Witz erklärt. “Aber einer muss doch so ein bisschen die Rolle der Frau übernehmen.”
“Welche Rolle ist das denn?”, wollte ich wissen.
“Naja.”, sagte sie, als wisse ich schon. Ich wusste aber nicht.
“Wer putzt?”, fragte ich. “Er. Wer kocht? Ich. Wer wäscht? Beide. Wer bügelt? Keiner. Meinen Sie das?”
“Nee!”, rief sie. Und schwieg dann wieder, lächelnd.
“Wer sensibler ist? Ich. Wer bei Filmen schneller weint? Er.” fuhr ich fort.
“So meine ich das nicht!” Sie winkte ab. Ich aber war in Fahrt.
“Wer Löcher bohrt? Wer Reifen wechselt? Wer Fußboden verlegt? Beide. Es gleichermaßen hassend.”
“Nein, nein. Ich meine das nicht so!“ Sie verstummte wieder.
“Ja, aber wie meinen Sie das denn? Sexuell?” Ich sage ja, ich war in Fahrt.
“Was?”, rief sie erschrocken.
“Meinen Sie das sexuell?”, wiederholte ich.
“Um Himmels Willen! Aus dem Alter sind wir raus!”, lachte sie.
“Wir nicht.”, sagte ich ernst.
“Nee, ist schon gut.“, beschwichtige sie. „Ich wollte das nur mal wissen.”
“Gute Nacht.”, sagte sie noch, bevor sie in ihrer Wohnung verschwand.
Dieser Text ist klasse. Er spricht mir so richtig aus der Seele. Selbst Helmut und mir wurde schön öfter diese Frage in ein paar Varianten gestellt. Leider kam die Frage immer so unerwartet plötzlich, dass mir jedes Mal die Sprache fehlte.
Ich weiß gar nicht, warum unser Sexleben für die heterosexuelle Welt so interessant ist. Haben die Heten über uns zu viel Phantasie? Oder ist ihr Sexleben langweilig? Vielleicht beides.
Der Link zu dieser Blogseite lautet:
http://kopfkompass.de/2013/03/wer-in-meiner-schwulen-beziehung-die-frau-ist/
– Anaïs Nin, franz. Schriftstellerin –
Durch Zufall erfuhr ich vor ein paar Tagen, dass am 11. Oktober 2014 der Coming-Out Day begangen wird. Mein erster Gedanke war: Oh nein, nicht noch so ein Tag, das erinnert an den Tag des Handtuches und andere unsinnige Gedenktage. Doch nach und nach begann ich zu grübeln. Was ist eigentlich verkehrt daran?
Entstanden ist der Tag am 11. Oktober 1987 und wird seit 1988 dort begangen. An diesem Tag nahmen etwa eine halbe Million Menschen am Second National March on Washington for Lebian and Gay Rights teil. Später erkannte eine Gruppe von Aktivisten, dass Lesben und Schwule noch immer oft sehr defensiv auf antihomosexuelle Aktionen reagieren. So kam die Idee auf, einen nationalen Aktionstag zu organisieren, um Coming-Out zu zelebrieren und wählte als Termin den Jahrestag des March on Washington. Die Urheber dieser Idee waren Rob Eichberg († 1995) und Jean O’Leary. Der erste Coming-Out Day am 11. Oktober 1988 wurde in 18 Bundesstaaten der USA begangen und erreichte landesweite Medienaufmerksamkeit. Tausende von schwulen und lesbischen Amerikanern ließen ihre Namen in Zeitungen veröffentlichen. Im Laufe der Jahre breiteten sich die Aktivitäten auf 50 Bundesstaaten und sieben weiteren Ländern aus.
In Deutschland gibt es den Verein COMING OUT DAY e.V. Dieser Verein unterstützt lesbische und schwule Jugendprojekte mit Ihrer Hilfe und sorgt dafür, dass lesbische Mädchen und schwule Jungen einen gleichberechtigten Start in Ihr Leben bekommen. Mehr zu diesem Verein unter http://www.coming-out-day.de
Lesbische und schwule Jugendliche, aber auch Schwule über 30, sind in ihrem Coming out zumeist einsam und allein, von der Außenwelt ausgegrenzt und oft ganz auf sich alleine gestellt. Ältere Schwule verleugnen dann oft sich und ihre Sexualität. Und niemand scheint ebenso zu sein und zu fühlen wie sie selbst . . .
In Deutschland machen engstirnige Politiker in der in der Bundesregierung ein Outing nicht leichter. Das gilt auch für Spät-Outler. Homo-Hass ist hierzulande in manchen Gruppen nach wie vor gesellschaftsfähig. In vielen christlichen Vereinigungen ist Homosexualität verpönt – wo bleibt da die oft erwähnte christliche Nächstenliebe?
Wenn wir unsere Ängste verlieren wollen, dann müssen wir uns ihnen stellen. Lesben und Schwule, die das Coming-Out hinter sich haben, berichten immer wieder von ihrer großen Befreiung. Ein Coming-Out Day macht das Coming-Out nicht leichter, aber es gibt Denkanstöße dazu.
Segnungen zur Verpartnerung
Ich gebe zu, dass ich zur Kirche ein sehr gespaltenes Verhältnis habe – besonders zu der katholischen. Das liegt zum einen in meiner Kindheit begründet und zum anderen in dem mittelalterlichen Verhalten der katholischen Amtskirche. So wie mir geht es vielen Lesben und Schwulen.
Es ist müßig darüber noch zu schreiben, denn in all den letzten Jahren / Jahrzehnten hat sich die Meinung der katholischen Kirche gegenüber uns Lesben und Schwulen kaum geändert bzw. verbessert.
Umso erfreulicher ist es für die Gläubigen unter uns, dass sich die evangelische bewegt, wenn auch nur in kleinen Schritten. So sind z.B. Segnungen zur Verpartnerung von Lesben und Schwulen vielerorts möglich. Wenigstens hier wird Diskriminierung uns gegenüber etwas weniger. Wünschenswert wäre es, wenn beide christlichen Kirchen uns Lesben und Schwule vollkommen gleich stellen würden – so dass man über das Thema nicht mehr diskutieren müsste. Wir werden es wohl nicht mehr erleben.
Einen kleinen Schritt machte jetzt die evangelische Nordkirche.
Dazu gibt es unter dem Link: http://www.queer.de/detail.php?article_id=22379 von Queer.de vom 28.09.2014 folgenden Artikel:
Beschluss der Landessynagoge
Homosegnungen jetzt in der gesamten Nordkirche
Lesbische und schwule Partnerschaften können künftig im gesamten Gebiet der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland gesegnet werden. Eine entsprechende Vorlage der Kirchenleitung hat die dreitägige Landessynode der Nordkirche in Travemünde am Wochenende mit großer Mehrheit beschlossen.
Bislang war eine Segnung im öffentlichen Gottesdienst nur im Bereich der ehemaligen nordelbischen Kirche in Hamburg und Schleswig-Holstein rechtlich möglich. Kirchengemeinderat und Propst müssen allerdings nach wie vor zustimmen – oft findet eine Segnung von Menschen in eingetragenen Lebenspartnerschaften deshalb nur im Rahmen eines seelsorgerlichen Gespräches statt. Öffentliche Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare waren dagegen in Mecklenburg-Vorpommern bislang überhaupt nicht möglich.
Die Nordkirche ist der Zusammenschluss der ehemaligen Landeskirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern mit über zwei Millionen Kirchenmitgliedern. Sie ist Pfingsten 2012 gegründet worden. (cw)
Es gäbe sicher noch einiges zu diesem Artikel zu sagen. Doch ich bin der Meinung, dass sich zum Thema Kirche –egal welcher – jeder seine eigene Meinung machen sollte.
Das niemals endende Coming-Out
Das Coming-Out hat viele Gesichter. Der schwierigste Schritt ist der aller erste. Danach werden die Schritte leichter und schneller. Wenn man dann noch einen Partner hat, verselbstständlicht sich das Coming-Out. Es passiert einfach. Und es ist o.k.
Für Helmut und mich ist es schon lange selbstverständlich offen und frei mit unserem Schwulsein zu leben. Trotzdem geht das Coming-Out immer weiter. Der letzte Anlass war die Hochzeit einer unserer Töchter.
Schon vor langer Zeit musste sie ihrem Mann sagen, dass ihr Vater schwul ist. Für junge Leute scheint es heutzutage kein Problem zu sein, wenn sie von schwulen Vätern hören. Aber damit war es ja nicht getan. Bald darauf wusste auch die Familie des damaligen Freundes bescheid. Es dauerte aber noch eine ganze Zeit bis ich die Familie kennen lernen sollte. Es war vor ca. drei Jahren als der Großvater verstarb. Für unsere Tochter war es klar, dass sie ihrem Freund beiseite stand und fuhr mit ihrem Freund zu dessen Familie. Als Helmut und ich von dem Trauerfall hörten, rief ich spontan meine Frau an und wir einigten uns darauf an der Beerdigung teilzunehmen. Für uns war es eine entspannte vierstündige Fahrt. Wir hatten uns viel zu erzählen – kein Wunder bei drei Kindern. Auch wenn der Anlass traurig war, so wurden wir herzlich von der Familie aufgenommen. Später erzählte uns unsere Tochter, dass es für sie sehr schön war, dass wir dort als Eltern gemeinsam aufgetreten sind.
Danach folgten aus verschiedenen Anlässen Besuche von der anderen Familie bei meiner Frau, aber auch bei Helmut und mir. Die Zeit ging dahin und im Sommer dieses Jahres teilte uns unsere Tochter mit, dass sie heiraten wollen. Die Hochzeitsfeier sollte zu Hause ganz im privaten Rahmen gestaltet werden, am Besten noch mit schönem Wetter im Garten. Für meine Frau, Helmut und mich war es selbstverständlich, dass wir bei diesem Vorhaben helfen würden. Die Zeit danach wurde mit vielen Planungen und Vorbereitungen gefüllt. Plötzlich war der Tag da: Die Hochzeit. Die allerletzten Dinge wurden im und am Haus und an der Braut erledigt J. Am Standesamt in Bremen Mitte trafen wir schon auf die ersten Gäste, die einen längeren Anfahrtsweg hatten. Auf die Umarmungen folgte das Bekanntmachen der Personen beider Familien, die sich noch nicht kannten. Im Standesamt wurden wir alle von einem sehr netten und lockeren Standesbeamten begrüßt. Er machte seine Sache sehr gut und brachte die Hochzeitsgesellschaft immer wieder zum Schmunzeln und lautem Lachen. In seiner Rede hatte er eine Geschichte über die Liebe eingebaut, die ich hier nun wiedergebe:
Nach der Trauung war eine Fotosession im Bürgerpark angesagt. Der Fotograf war ebenso locker wie der Standesbeamte und brachte auch hier die ganze Sippe immer wieder zum Lachen. Wieder zu Hause konnten wir das Brautpaar hochleben lassen. Auf ein kleines Mittagessen folgte die Kuchenschlacht. Das Bratpaar musste natürlich die Hochzeitstorte gemeinsam anschneiden. Der nun schon erwartete DJ beschallte den im Sonnenschein liegenden Garten mit angenehmer Musik. Überall gab es Smalltalk. Alle Gäste waren gut gelaunt. Am frühen Abend gab es dann die Schlacht am warm-kalten Buffet. Die angefressenen Kalorien mussten wir uns wieder abtanzen. Helmut und ich waren dabei auch nicht zu halten. Für viele war es sicher das erste Mal, dass sie zwei Männer zusammen tanzen gesehen haben. Es gab aber auch Anerkennung darüber wie wir alle als Familie harmonieren.
Es war ein tolles Fest. Um Mitternacht war es für uns zu Ende. Wir waren mittlerweile 18 Stunden auf den Beinen. Glücklich und zufrieden brachte uns der Taxifahrer nach Hause.
Erstellt im September 2014
CSD Aurich 2014 – der erste
Aurich ist schaurig. Ostfriesen sind stur und eigensinnig. Das Land ist so platt wie seine Sprache. Kluntje und schwarzer Tee sind hier so verbreitet wie Möwen und Robben. Alles, alles nur Vorurteile. Doch der Reihe nach.
Letzter Samstag im August, 13:00 Uhr, der Rucksack war gepackt, der große Regenbogen-Regenschirm war rausgesucht. Helmut und ich waren starklar. Es war eine ruhige Fahrt mit eigentlich recht viel Sonnenschein und ein paar Wolken. Der Wetterbericht hatte Regen vom Westen her angekündigt. Als wir um 14:45 Uhr das Ortsschild von Aurich sahen, begann ein Wolkenbruch vom Feinsten. Man konnte kaum etwas sehen, aber dank „Navi“ kamen wir nun sicher ans Ziel. Ein Parkplatz in der Innenstadt in der Nähe der Stadthalle war schnell gefunden und trocken war es auch wieder, jedenfalls von oben. Da wir einen guten Plan von der Route des CSDs mit hatten, hatten wir auch schnell den Kundgebungsplatz erreicht. Hin und wieder sahen wir in der Menschenmenge ein bekanntes Gesicht aus Bremen und umzu, aber das wars.
Auf der Bühne sprach schon die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt. Sie hatte kurz zuvor den Platz bei der Sparkassenarena in den Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz eingeweiht. Karl-Heinrich Ulrichs (siehe Themenabend), vor 189 Jahren in Aurich geboren, war der erste offen bekennende Schwule. Es folgten noch ein paar der üblichen Reden. Etwas Regen gab es auch noch mal, aber wir waren ja durch den Schirm geschützt. Eine Sängerin sang einige Songs von Amy Winehouse. Sie sang die Lieder von ihr nicht nur sehr gut, sie war auch so angezogen. Man hätte meinen können, Amy wäre auferstanden.
Mit etwas Verspätung setze sich der Demonstrationszug – begleitet von drei Trucks und vorneweg dem schwulen Heidekönig im offenen Cabrio – in Bewegung. Begleitet wurden wir von Wolken und Sonne. Schätzungsweise 400 bis 500 Menschen waren dabei. Die Parade verlief rund um die Altstadt von Aurich auf der B72. Die Polizei hatte alles abgesperrt und wir mussten ganz schön marschieren. So schnell sind wir in einer Parade noch nie gegangen. Zuschauer bekamen wir kaum zu sehen, die waren wohl in der Altstadt zum Shoppen. Die weinigen Zuschauer, die den Zug am Straßenrand verfolgten, waren freundlich verhalten. An dieser Stelle hätte ich mir die Strecke durch die Burgstraße, der Einkaufsmeile, gewünscht.
Nach einer Stunde waren wir wieder am Ausgangspunkt angekommen. Der Start war auch das Ziel. Wir bekamen noch ein paar Dankesreden zu hören und zum Abschluss wurde die neue CSD-Hymne „100 % Mensch“ vorgetragen. Die letzten Töne waren noch nicht ganz verklungen, da kam aus einer großen schwarzen Wolke ein heftiger Platzregen. Alle Schirme wurden schnell aufgespannt bzw. man stellte sich gemeinsam dichtgedrängt unter die wenigen Stände. Gleichzeitig schien noch die Sonne und ein wunderbarer kräftiger Regenbogen wurde uns von der Natur geschenkt. Ein toller Abschluss.
Wir hatten noch über eine Stunde Zeit bis die CSD-Party in der Auricher Stadthalle beginnen sollte. Die meisten Geschäfte in der City hatten leider schön geschlossen. Da war es etwas langweilig. Vergnügen bereitete es uns, die Auricher zu beobachten, als wir beide Hand in Hand durch die Burgstraße gingen. Manchmal hatten wir den Eindruck, dass die Menschen hier ein Schraubgewinde unter dem Kopf hätten – herrlich.
Der Einlass zur Party verzögerte sich auch noch etwas. Wir waren einer der ersten, die in die Stadthalle kamen. Der Eintritt von 3,00 € war günstig, vielleicht zu günstig. Wir kamen in ein großes Foyer. Zwei große Theken gab es hier. Aus dem großen Saal dröhnten die Bässe House-Musik. Es gab noch einen etwas kleineren Saal – auch hier spielte ein DJ. Für unsere Begriffe war das wohl etwas überdimensioniert. Da hätten wir in Bremen die Säle gerade mal voll bekommen. So war es dann auch. Der kleinere Saal wurde nach zwei Stunden geschlossen, denn der DJ hatte keine Gäste. Selbst das Foyer und der große Saal waren auch nach vier Stunden sehr übersichtlich. Aber das tat der guten Stimmung, die hier herrschte, keinen Abbruch. Helmut und ich waren wie üblich die ersten auf der Tanzfläche und dann folgten auch andere TänzerInnen. Obwohl wir hier keine Menschenseele kannten, kamen wir mit vielen schnell ins Gespräch. Offen und freundlich war man uns gegenüber. Das haben wir in Bremen so noch nicht erlebt. Das war schön. Gerne hätten wir noch weiter gefeiert, doch wir hatten noch einen langen Weg vor uns. Leider war der Rückweg, bedingt durch Nebelbänke und kräftigen Schauern, etwas anstrengend.
Es war ein schöner Tag, in einem schönen Aurich. Wir haben offene Menschen kennen gelernt. Schwarzen Tee haben wir nicht getrunken, nur Kaffee. Die Vorurteile haben sich nicht bestätigt. J
Ach ja. Der Spruch in der Überschrift: „Ich bin nicht zickig, ich bin emotionsflexibel“ – den fanden wir einfach nur klasse. Wir lasen ihn auf dem T-Shirt einer Lesbe. Auch wieder nur ein Vorurteil; Schwule können genau so emotionsflexibel sein. Also, weg mit den Vorurteilen . . .
Seit zwei Wochen war unsere alte Homepage nicht mehr zu gebrauchen. Alle Berichte und Informationen wurden der Gruppe genommen. Da hieß es einfach: Nach vorne schauen. Innerhalb von nur zehn Tagen wurde eine neue Homepage aufgebaut. Nun erstrahlt die Gruppe ANS ANDERE UFER ?! wieder im World Wide Web. Die Bedeutung nach Duden: weltweites Informationssystem im Internet; Abkürzung: WWW; Kurzform: Web J
Wir sind wieder unter der altbekannten Web-Adresse zu erreichen. Juh-juh-juh, hipp hipp hurra. Geschafft. Ich auch. Nun können sich alle Gruppenmitglieder sowie hilfesuchende schwule Männer wieder informieren und uns erreichen. Das Kontaktformular ist einfach zu bedienen und die Mails hieraus erreichen mich direkt.
Alle Berichte sind auf den einzelnen Seiten klar gegliedert. Die älteren Berichte stehen unten und bauen sich chronologisch nach oben auf. Mit dem Pfeil rechts unten kommt man mit einem Klick wieder nach oben.
Bei dieser Gelegenheit: Das Gästebuch darf gerne benutzt werden. Auch hier ist alles benutzerfreundlich. Schaut immer wieder rein, ob es neue Informationen bzw. Berichte zu lesen gibt.
Allen Lesern unserer Homepage wünsche ich nun viel Spaß beim Durchstöbern.
BREMEN TOTAL! –
Die Gala-Party-Night zum 32. Geburtstag des RAT & TAT
Am 23. August um 22 Uhr war es wieder soweit: Die Gala des Rat & Tat, die einmal jährlich stattfindet, begann. Wir (Helmut und ich) wollten wieder als einer der Ersten mit dabei sein. Die Stretchlimo (Straßenbahn) fuhr pünktlich los und vom Sielwall waren es nur noch 1.000 Schritte bis zur Sielwallfähre. Unsere „Tanzbänder“ hatten wir schon im Vorverkauf am letzten Gruppenabend im Café Kweer gekauft. Somit konnten wir gleich durch die Kontrolle, welche übrigens auch von Nils-Thore, einem Gruppenmitglied bedient wurde. Nach der herzlichen Begrüßung konnten wir das Schiff entern. Eine Minute später kamen wir ans andere Ufer der Weser an. Das Café Sand, wo die Gala in den letzten Jahren auch schon stattfand, erstrahlte im funkelnden Licht, welches sich in der Weser widerspiegelte.
Im Haus sicherten wir uns an der Theke die ersten Getränke. Mit unseren Gläsern in der Hand blickten wir so in die Runde. Unsere Augen erspähten alte Bekannte, u. a. Gerhard, ein Gruppenmitglied aus alten Zeiten, der ganz zu Anfang bei uns in der Gruppe war. Zwei weitere Gruppenmitglieder wurden von uns entdeckt. Die Freude war groß – schnell kamen wir ins Plaudern. Einer von ihnen war gerade an diesem Tag ausgezogen, um sich von der Familie zu trennen. Anstatt in der neuen Wohnung alleine zu sein, ist er unter Menschen gegangen – gut so!
Durch die Unterhaltung haben wir das Kulturprogramm verpasst. Wir bekamen noch mit, das die Band „wirmaschine“ aus Kiel anfing zu spielen, doch zum Reden wurde es zu laut und wir sind nach draußen gegangen. Dort hörten wir nach einer Stunde, dass Corinna May, die hier zu Gast war, sang. Zwei, drei Songs bekamen wir noch mit. Weitere Bekannte und Freunde wurden begrüßt. Wir hatten das Gefühl, dass wir halb Bremen kennen würden.
Dann kam endlich der DJ. Heiße Scheiben wurden aufgelegt, die Füße begannen zu zucken und schon ging es auf die Tanzfläche. Hier konnten wir uns wieder so richtig austoben. Das tat gut. Zwischendurch gingen wir nach draußen, um sich abzukühlen. Das tat auch gut. Dann wurde weitergetanzt. Doch nun wurde es schon zu eng auf dem Parkett. Es war bereits weit nach Mitternacht und die ständig pendelnde Fähre brachte immer mehr partybegeisterte Lesben und Schwule. Es herrschte eine fröhliche, ausgelassene Stimmung. Die einzigen, die Langeweile hatten, waren die Leute vom Security – sie hatten nichts zu tun.
Und dann wurden wir in unserer letzten Tanzpause von einem Mann angesprochen, der uns noch aus einer früheren Zeit kannte. Er brauchte schon recht lange bis wir begriffen wer er war. Aber dann fiel es uns wie Schuppen aus den Haaren. Wir wussten damals nicht, dass er und sein Bekannter schwul sind – ahnten es nur. Vor einem Jahr haben sie sich geoutet. Wie schön. Wir haben ihn und seinen Freund eingeladen zu uns in unsere Gruppe zu kommen – sie würden gut zu uns passen. Wir hoffen, dass wir sie bald wiedersehen werden.
Nun mussten wir es noch einmal auf der Tanzfläche krachen lasen. Die Party hatte ihren Höhepunkt: Gute Musik, gut gelaunte Gäste. Doch ein Blick zur Uhr sagte uns, dass es Zeit wurde. Die Fähre brachte uns wieder ans andere ufer – dieses Mal in die andere Richtung. Die Stretchlimo sollte um 02:17 Uhr vorfahren. Da mussten wir uns nun sputen. Kaum an der Haltestelle angekommen fuhr die Bahn auch schon vor. Umgeben von fröhlichen jungen Leuten war es eine kurzweilige Fahrt nach Hause.
Das war mal wieder ein sehr schöner Abend. Und überall bekannte Gesichter. Das hätten wir, als wir uns vor gut elf Jahren outeten, nicht vorstellen können.
48 Gruppenabende liegen nun hinter uns. Im August 2014 können wir uns dann zu unserem vierten Geburtstag beglückwünschen. Eigentlich bräuchte das keiner Erwähnung und doch . . .
„Was sind schon vier Jahre“, mag mancher denken, „andere Selbsthilfegruppen existieren schon viel länger“. Viel ist in dieser Zeit passiert. Abgesehen von den offiziellen Gruppenabenden einmal im Monat, gibt es anschließend noch das lockere Treffen im Café Kweer im Rat + Tat-Zentrum. Hier kann munter geplaudert werden oder man bespricht in kleiner Runde, was man vielleicht nicht in der großen Gruppe sagen wollte. Dazu kommen noch die offiziellen Begegnungen bei den CSDs, unserem Kohlessen, dem Adventskaffee oder einem von unseren DVD-Abenden. Verabredungen zwischen den Gruppenmitgliedern oder Telefonate sind oft ein Thema.
Waren wir zu Anfang noch eine Gruppe, deren Mitglieder man an zwei Händen abzählen konnte, so brauchen wir heute sieben Hände dazu. Zu den Treffen kommen oft schon mehr als zwanzig Mitglieder.
Wir glauben, dass das für unsere Gruppe und unser gegenseitiges Vertrauen, das wir haben, spricht.
Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Werbung, durch ständig neue Berichte über uns auf unserer Homepage, ist das Eine. Mittlerweile haben wir auch eine treue Leserschaft die sich informieren möchte. Das Andere ist die Gruppe selber. Jeder, der etwas sagen möchte, kann das ungezwungen machen. Das oberste Gebot unserer Gruppe lautet: „Alles was in diesem Raum gesagt wird, bleibt auch dort!“. Das hat nichts mit Geheimniskrämerei zu tun, das ist einfach Vertrauenssache. Männer, die den Weg zu uns finden, sind oft nicht geoutet. Sie werden es auch nicht durch uns. Diese noch ungeouteten Männer müssen ihren eigenen Weg finden, wobei wir gern vertrauensvolle Unterstützung leisten. Sie bestimmen den Zeitpunkt ihres Outings und bei wem sie sich outen selbst. Die Art und Weise des Outings ist jedem selber überlassen und bei jedem Mann anders. Wir als Selbsthilfegruppe können nur von unseren eigenen Erfahrungen berichten. Und deshalb verlässt auch nichts Gesprochenes den Raum. Das gilt auch für Dinge, die man mit einem Mann seines Vertrauens aus der Gruppe bespricht. Wir sprechen nicht übereinander, sondern miteinander. Jedes alte, jedes neue und jedes zukünftige Mitglied kann sich in dieser Sache sicher sein.
Für uns persönlich ist es immer wieder eine Freude, wenn ich sehe, dass ein neues Mitglied durch die Gruppe sein schwules Selbstvertrauen findet. Auch ein Verdienst der „alten Hasen“, die neue Mitglieder mal „an die Hand nehmen“, damit sie das eine oder andere schwule Event kennen lernen. Gemeinsam ist es leichter in ein Lokal mit schwulem Publikum, zu einer schwullesbischen Tanzveranstaltung oder zu einem CSD zu gehen. Wie oft haben wir es in den letzten vier Jahren erlebt, dass die Männer nach dem Outing bei ihrer Familie und/oder ihrem Bekanntenkreis regelrecht aufgeblüht sind. Wenn Männer von ihrem frischen Outing erzählen, ist das von unserer Seite immer ein Applaus wert.
Wenn wir viel über uns auf der Homepage schreiben, das gesprochene Wort und die Anonymität außerhalb der Gruppe bleiben bewahrt, denn das ist Vertrauenssache.
Auch möchten wir uns für vier interessante, lebhafte Jahre und für euer aller Vertrauen und Unterstützung untereinander in allen Lebenslagen (Trauer, Umzüge, Familienproblemen etc.) von Herzen bedanken.
Gemeinsam sind wir stark. Wir freuen uns über jeden Einzelnen von Euch. Jungs, ihr seid eine tolle Truppe.
Norbert und Helmut
Erstellt im Juli 2014
Ein paar Tage im schwulen Zeltlager Schillig
Nach 4 Tagen Kölner CSD, habe ich mir zum 2ten mal einen Urlaub im schwulen Zeltlager in Schillig gegönnt. Schillig liegt an der Nordsee im Wangerland.
Dass es ein schwules Zeltlager gibt, haben mir im letzten Jahr Freunde erzählt und gemeint es sei wohl was für mich (Zeltlageratmosphäre ist ja nicht jedermann Sache). Einfach ein paar Tage mit vielen schwulen Männern verbringen. Spiele, Gespräche und einfaches Beisammen sein.
Wie der Zufall es wollte, hatte ich im letzten Jahr die Tage frei und es wirklich ganz spontan gebucht . . . und dass ich jetzt wieder dabei war, zeigt, dass es mir gefallen hat.
Ich bin also am Donnerstag, dem 10.07.2014, um 10:30 Uhr, los gefahren, habe einen Freund aus dem Nachbardorf Damme noch abgeholt und sind dann sehr früh (um 11:15 Uhr) in Wilhelmshaven angekommen, da ich dort meinen Zeltmitbewohner Michael aus Hamburg (wir hatten uns letztes Jahr dort kennen gelernt), abgeholt habe. Da der Zug Verspätung hatte konnten wir erst noch einen Kaffee trinken
Nachdem Michael dann angekommen ist, sind wir nach 20 Minuten auch schon im Zeltlager in Schillig angekommen. Schnell angemeldet ging es auf den Platz und dann kam das große Hallo und Begrüßen . . . schön, so viele bekannte und auch neue Gesichter zu sehen. Insgesamt waren 55 Männer angemeldet.
Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten ging es kurz an den Strand, denn es waren 25°C und pure Sonne. Abends gab es dann die offizielle Begrüßung mit Freigetränken und danach wurde gegrillt. Ausgeklungen ist der Abend in vielen Gesprächen mit guten Getränken ;-).
Die nächsten Tage waren dann mit Strand, Spaziergänge, Spiele, Entspannen und immer wieder gute Gespräche im Zeltlager ausgefüllt. Unter anderem habe ich am Boule Turnier teilgenommen. Da Michael keine Lust hatte habe ich einen Teilnehmer gefunden der alleine dort war.
Am Freitagnachmittag gab es einen Info Nachmittag von der Aids Hilfe mit gesponsertem Kaffee und Kuchen.
Am Samstag stand dann plötzlich mein Freund Carsten (dem das Zelten nicht so liegt) mit zwei guten Freunden von uns auf dem Platz. Darüber habe ich mich sehr gefreut :-) . Da ich noch im Boule Spiel war, sind sie erst einmal essen gegangen und später haben wir dann alle am Strand gelegen.
Abends war die Siegerehrung vom Boule Turnier (wir haben den zweiten Platz erreicht *freu*) und danach wurde wieder gegrillt. Um 20 Uhr sind Carsten und unsere Freunde dann gefahren und um 21 Uhr ging es mit Bollerwagen an den Strand, wo dann Sangria aus Flaschen mit langen Strohhalmen getrunken und einige Fackeln angezündet wurden. Jeder hatte eine Decke mitgenommen, so dass wir zusammen im Sand saßen und den Abend dann gemütlich ausklingen lassen konnten. Einige haben noch ein paar “Mallorca Spiele“ gespielt . . . aber *lach* dazu musste man auch genügend Sangria getrunken haben. Ich habe mich mit dem trinken zurück gehalten, da ich ja am nächsten Tag noch fahren musste.
Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück am Sonntag (13.07.2014) haben wir unser Zelt eingepackt, ich habe Michael zum Bahnhof nach Wilhelmshaven gebracht und war um 14 Uhr zu Hause und hatte noch einen schönen Nachmittag mit Carsten und den Kindern.
Die Männer kommen aus ganz Deutschland, aus Berlin, Hildesheim, Hamburg, Oldenburg etc. selbst zwei Belgier waren dabei. Das Alter war diesmal von 23 bis an die 60 Jahren . . . und genau diese Mischung macht die Atmosphäre aus. Da immer helfende Hände gebraucht werden, kommt man, ob beim Salat schnippeln oder Abwasch, schnell mit den Leuten ins Gespräch.
Falls es ein nächstes Mal gibt, werde ich wohl wieder dabei sein, wenn der Urlaubsplan es zulässt.
Es waren mal wieder ein paar tolle Tage mit super Wetter.
Aller guten Dinge sind drei – CSD Köln 2014
Motto: Wir sind „nur“ der rosa Karneval
Vielleicht lag es an der Hitze der Nacht untern Dachgeschoss oder an der senilen Bettflucht. Egal, jedenfalls waren Helmut und ich schon an diesem Sonntagmorgen ganz früh wach. Die Sonne strahlte, der Wetterbericht sagte erst für den Abend Schauer voraus. Somit kam uns ganz Spontan die Idee kurz entschlossen nach Köln zum CSD zu fahren. Der CSD-Rucksack war noch von Oldenburg und Cloppenburg gepackt und somit ging es schon um sieben Uhr gen Westen. Die Fahrt verlief angenehm, keine Staus, nur vor Köln eine größere Baustelle, aber um diese Uhrzeit noch kein Problem. Somit konnten wir schon um 10:30 Uhr bequem parken, den Rucksack umhängen und zur Deutzer Brücke marschieren.
Schon bald sahen wir die ersten Buden und Info-Stände auf dem Alten Markt. Überall mal kurz reingeguckt und weiter ging es zum Heumarkt. Dieser ist größer und somit gab es schon mehr zu schauen. In unmittelbarer Nähe gab es am Straßenrand eine Baumgruppe. „Wie schön, Schatten“, dachten wir. Die Sonne brannte trotz ein paar Wölkchen ganz gut. Wir mussten noch eine Stunde auf die Parade warten, derweil uns Helmut erst einmal mit Kaffee versorgte. Auf einmal sah ich auf der anderen Straßenseite unseren Recken Heino (lange Kerle sind gut erkennbar *grins*). Derweil ich unseren Platz verteidigte – es wurde immer enger um uns – sprintete Helmut zu Heino und seinem Norbert, um die beiden zu begrüßen.
Vor uns war eine Familie aus dem Kölner Milieu, so Richtig mit kölschem Dialekt usw. und sorgte doch gelegentlich für verstohlene Heiterkeit bei den anderen umstehenden Wartenden. Der meistgehörte Satz war dann: „Ey, tu mal nen Fottoo machen!“
Von Ferne hörten wir Sambatrommel ab zwölf Uhr: Die Parade startete. Zehn Minuten später zeigte sich – wie eigentlich immer – die lesbische Biker-Gruppe mit einem Höllenlärm. Dann folgten die üblichen Fußgruppen und Wagen. Das Motto, welches nun überall zu lesen war, fanden wir nicht so glücklich. „Nur ein rosa Karneval?“ konnte leicht missverstanden werden. Trotz aller Buntheit gab es auch sehr viele politische Aussagen. Besonders die Verfolgungen von Homosexuellen in vielen afrikanischen Staaten und den Diskriminierungen in Russland und China waren ein Thema. Besonders gut gefiel mir, dass aus den Lautsprecherboxen nicht nur Partymusik kam, sondern von einigen Wagen waren auch politische aufklärende Worte zu hören. Das kannte ich in dieser Form noch nicht. Sehr gut. Obwohl wir doch fast am Anfang des Zuges standen, kam es immer wieder zu längeren Stauungen; das war schon manchmal nervig. Als um 15:15 Uhr die Müllwagen zur Reinigung der Straßen zu sehen waren, waren wir froh, dass wir wieder laufen konnten; eine Wohltat für die Füße.
Wieder auf dem Heumarkt angekommen, schauten wir uns nach etwas Essbarem um. Leider kam dann auch der erste Schauer – ohne Regen kein CSD. Wir hatten mit unseren Knirpsen vorgesorgt und waren entsprechend geschützt. Unsere Neugier führte uns weiter zum Gürzenich, dem dritten Platz des CSDs. Von nun an liefen wir kreuz und quer, landeten am Dom und sahen einen Teil der Parade noch einmal bevor sie sich auflöste. Es war bereits nach 17 Uhr als wir uns auf den Weg zum Auto machten. Und dann erst Mal raus aus Köln. Der kleinere Stau war nicht so schlimm, die zwei Pausen waren gut, um sich die Füße zu vertreten und um sich zu stärken.
Es war dann später Abend als wir wieder zu hause waren. Trotz aller Anstrengungen war es ein schöner Tag und der dritte CSD hintereinander. Puh. Sollten wir nächstes Jahr wieder zum CSD nach Köln – dem größten Europas – kommen, dann wieder mit Übernachtung . . .
Mein erster CSD, der nicht zum Schauen war
Zum CSD in Cloppenburg habe ich mich entschieden mal mitzugehen. Bislang war ich als Zuschauer in Köln und Hamburg . . . nun bin ich selbst mal mitgegangen und es war ein ganz anderes Gefühl.
Um kurz nach 16:00 Uhr war ich am Bahnhof in Cloppenburg, wo schon ein paar Männer aus der Gruppe "Ans andere Ufer" warteten. Durch unsere T-Shirts und unseren Bollerwagen waren wir auch erkennbar eine Gruppe.
Dann startete um 16:30 Uhr der Umzug. Es standen Leute am Rand die allesamt freundlich zuschauten. So gingen wir unseren Weg und ich hatte ein schönes Gefühl im Bauch. Flagge zeigen (ich hatte den Regenschirm von Helmut und Norbert aufgespannt) für mehr Akzeptanz und Toleranz. Ich hatte ein gutes Gefühl dabei, ich bin wie ich bin . . . wir sind wie wir sind . . . und genau so möchte ich auch gesehen und akzeptiert werden. Es war ein schöner Gang durch Cloppenburg, Zum Schluss gab es Ansprachen von den Organisatoren, der stellv. Bürgermeisterin und einigen Gruppen und danach war Party angesagt . . . und wer hätte das gedacht, es folgte eine super Stimmung mit viel Tanz und Partylaune, so dass es doch tatsächlich 23:30 Uhr war als ich nach Hause kam.
Ja . . . vom Gefühl her, ist es anders ob man zuschaut oder selbst mitgeht. Ich habe mich sehr wohl mit und in der Gruppe gefühlt und bin stolz darauf, dass ich so bin wie ich bin . . . nämlich schwul. Es war ein tolles Erlebnis, ein schöner Tag.
Erstellt im Juni 2014
Vor gut einem Jahr war Martin umgezogen. Schon damals beschlich uns allen ein mulmiges Gefühl: „Kann das gut gehen?“. Leider sind unsere Befürchtungen wahr geworden. Wenn man aber aus seinen Erfahrungen lernt, kann man auch wieder aufstehen – wie Phönix aus der Asche . . .
Nun war es wieder soweit. Martin wollte umziehen. Dieses Mal kann der Hilferuf rechtzeitig. Und alle, die Martin kennen, freuten sich mit ihm. In der Gruppe erzählte Martin voller Euphorie von seiner neuen Wohnung, die er nun tatsächlich bekommen hatte. Jetzt mitten im Ort. Wie schön. Da war es klar, dass Helmut (der von Fred) und ich spontan zum Helfen zugesagt hatten.
Als es dann soweit war, hieß es, dass nur noch ein paar große Teile, wie Couch-Garnitur, Tische, Stühle und Schränke zu transportieren seien. Helmut holte mich ab. Für eine Tasse Kaffee war auch noch Zeit, denn er kam sehr rechtzeitig. Die einstündige Fahrt verlief ohne Komplikationen. Bei der Ankunft war aber schon der erste Anhänger voll. Zwei ortsansässige Freunde von Martin und Robert, der dritte aus der Gruppe, waren schon fleißig. Und schon konnten wir hinterher zur neuen, nicht weit entfernten Wohnung fahren. Rundherum war noch ein wenig Baustelle, aber als wir die Wohnung betraten und inspizierten waren wir positiv überrascht. Ein großes, sonniges Wohnzimmer, ungewöhnlich geschnitten (aber nicht verschnitten *lach*), ein riesiges Schlafzimmer (der Kleiderschrank und das Bettgestell standen schon), die Küche komplett mit neuen Einbauschränken und Elektrogeräten ausgestattet, ein riesiger Abstellraum und ein Badezimmer, in dem man langsamen Walzer tanzen konnte, bekamen wir zu sehen. Und alles mit ungewöhnlichen Tapeten und Farben geschmackvoll renoviert. Das kam von seiner Vermieterin, einer Innenarchitektin.
Nun aber wurde schnell den Anhänger ausgeladen. Nach zehn Minuten konnten wir die zweite Fuhre holen. Alles ging so schnell, dass wir schon fast ratlos waren. Robert, Helmut und ich fingen dann erst einmal an das Wohnzimmer nach unseren Vorstellungen einzurichten (Martin möge uns verzeihen). Dann wurde noch ein neuer Couchtisch zusammen geschraubt und alles andere noch einmal übergeputzt. Helmut und ich besorgten noch ein Blümelein, damit etwas Grünzeug in der Wohnung ist. Dann spielten wir drei, derweil Martin etwas zu essen holte, noch etwas Tine Wittler, indem wir uns Hinstellerchen zum dekorieren suchten. Als Martin mit der Spargelsuppe wiederkam hatten wir unser Werk vollbracht. Er schien sichtlich zufrieden.
Schnell war dann der Tisch zum Essen gedeckt. Die Suppe war lecker, der Kaffee auch. Um zwei Uhr waren wir mit allem fertig, es gab für uns Helfer nichts mehr zu tun. Dabei sind wir nicht einmal ins Schwitzen gekommen. Beim Abschied ließen wir einen strahlenden Martin, der jetzt noch seine persönlichen Sachen verstauen musste, zurück. Für die Helfer war es der leichteste Umzug überhaupt. Einfach schön . . .
Wir wünschen Martin alles Gute in seinem neuen zu Hause.
Erstellt im Mai 2014
Waldschlösschen 2014 – 57. Vätertreffen
Schon im Januar hatten wir uns bei der Akademie Waldschlösschen zum Vätertreffen „Zwischen den Welten“ angemeldet. Die Zusage kam prompt. Im April kam dann das Programm dazu. Ausgerichtet wird das Treffen von „Halle & Friends“, d.h. das Orgateam kommt dieses Mal aus Halle/Magdeburg, aus Sachsen und aus Thüringen (wir freuen uns schon auf die lustigen Dialekte *grins*).
Heute wurde bei uns gewaschen, gebügelt und Koffer gepackt. Das war ein hartes Stück Arbeit, allein schon die Überlegung „Was ziehe ich an?“. Morgen früh wird Jürgen zu uns kommen, damit wir in mitnehmen können. Um 09:00 Uhr soll es los gehen. Wir freuen uns . . .
Die letzen Sachen wurden in den Koffern gepackt. Ab mit denen ins Auto und das Navi wird programmiert. Jürgen kam pünktlich an und somit konnten wir starten. Wir hatten eine angenehme kurzweilige Fahrt. Kurz nach12:00 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht. Gleich nachdem wir das Gartentor durchquert hatten trafen wir auf alte Bekannte vom letzten Jahr und alle anderen aus unserer Gruppe waren auch schon da. Das gab gleich viele Umarmungen und „Hallos“. Der Empfang von den Männern der östlichen Bundesländer war herzlich – die Dialekte waren ihnen größtenteils verloren gegangen. Nach den Anmeldeformalitäten gab es thüringische/sächsische Spezialitäten (Snaks) zu essen und ein Glas Sekt trinken.
Die Zeit Zwischen Mittagessen und Auftaktrunde verging wie im Fluge. Helmut und ich hatten uns als erstes für den Kurs „Alles Walzer“ entschieden. Es wurde versucht den Teilnehmern langsamen und Wiener Walzer beizubringen. Wie gut, dass wir beide das nicht das erste Mal Walzer getanzt hatten. Somit war das eine Auffrischung für uns. Aber anstrengend war es trotzdem. Der Schweiß floss, die T-Shirts waren nass. Es hat aber allen Teilnehmern viel Spaß bereitet, nicht zuletzt ein Verdienst des Tanzlehrers Andreas.
Bis zum Abendessen konnten wir uns noch etwas erholen. Nach Kartoffelsalat und Würstchen wurde ein Saunabesuch oder ein Film anzusehen angeboten. Wir entschieden uns einfach bei einem Glas Wein am Tisch sitzen zu bleiben und uns mit anderen zu unterhalten.
Nun ist es mittlerweile 23:00 Uhr – Zeit sich langsam bettfertig zu machen. Es war ein anstrengender, aber auch ein schöner Tag. Morgen früh geht es weiter . . .
Wie immer klingelte um 06:30 Uhr der Wecker. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, das Haus erwachte langsam. Das Bad wartete schon auf uns. Wir konnten uns in ruhe für den Tag fertig machen und bald darauf ging es zum Frühstück.
Für den Vormittag hatten wir uns für den Kurs Tai Qi / Massage entschieden. Wir wollen es ruhig angehen lassen. Das Tai Qi kam leider etwas zu kurz, davon hätten sich die meisten Männer mehr gewünscht. Nicht desto trotz hatten alle Teilnehmer die gegenseitige (nacheinander) Massage einschließlich der anschließenden Gesichtsmassage sehr genossen. Wir alle gingen danach sehr entspannt und relaxt zum Mittagessen.
Die Pause bis zum Nachmittagskaffee wurde von mir für die Bundesversammlung der schwulen Väter genutzt. Es war interessant was die einzelnen Gruppenleiter zu berichten hatten. Da merkt man mal wieder was für eine große tolle Truppe die Bremer und Niedersachsen sind. Der Kaffee und der Kuchen taten darauf gut.
Dann stand für Helmut und für mich „Quantum light breath“, eine Atemtechnik, auf dem Programm. Keiner der Kursteilnehmer konnte sich das genau vorstellen, für alle war das Neuland. Nach 90 Minuten hatte jeder diese Technik, die Energie aufbauen sollte, anders empfunden. Interessant war zu hören wie diese Atemmeditation auf jeden gewirkt hat. Ich persönlich würde sie so schnell nicht wieder machen – zu tief waren meine Empfindungen, weil ich mich darauf komplett eingelassen hatte.
Bis zu Abendessen hatten wir noch eine Stunde Zeit.
Das war auch gut so. Wir sind noch etwas im Wald spazieren gegangen und auf dem Rückweg kreuzte eine kleine Blindschleiche unseren Weg – die erste, die wir in Natur gesehen hatten.
Nach dem Abendessen sollten wir rasch den Saal verlassen, weil das hallensische Orgateam selbigen für die abendliche Party mit dem Motto „Himmel und Hölle“ herrichten wollte. Wir zwei nutzen die Zeit, um uns selber herzurichten, was uns auch recht gut gelungen war, wenn man den Komplimenten der anderen Teufel und Engel und alles was dazwischen lag glauben darf.
Ab 20:30 Uhr wurden wir alle mit einem Glas Sekt mit Schuss empfangen. Bald darauf durften wir den Saal betreten. In der einen Ecke war eine kleine Bühne aufgebaut, wo dann bald zwei „Göttinnen“ mit thüringischem Dialekt einen brillanten Sketch mit Gesangeinlage zum Besten gaben. Der folgenden Liedtext wird nach der Melodie „Zwei kleine Italiener“ gesungen:
Ein kleiner schwuler Vater
der hatte sich was getraut
ganz ohne viel Theater
da schaffte er sein Coming out.
Der kleine schwule Vater
der ist jetzt allein.
würd er gern zu Hause sein,
nur der kleine schwule Vater
der zieht aus aus seinem Heim.
Doch erstmal geht’s ins Waldschloss
wo er ganz lieb willkommen ist
und so für ein paar Stunden
den schlimmen Gram vergisst.
Nach Göttingen ins Waldschloss
seit so vielen Jahren schon
da kommen schwule Väter
aus Stadt und ferner Region.
Der kleine schule Vater
gehört nun dazu
er erzählt seine Geschichte
findet Freunde hier im Nu
und für sich allein zu Hause
lernt er auch noch was hinzu.
Doch vorher wird im Waldschloss
erst einmal richtig Spaß gemacht
mal abends bei der Disco
und mal im Bett bei Macht.
der ist gar nicht mehr so klein
er lädt jetzt andre Männer
gemeinsam ins Waldschloss ein.
Und diese schwulen Väter
steh’n erst stumm und klein
doch auch sie werden im Waldschloss
bald gut aufgehoben sein.
Voller Mut in ihren Herzen
fahren sie dann wieder heim.
Und nächstes Jahr im Waldschloss
da werden wir uns wiederseh’n,
zum nächsten Vätertreffen,
das wird genau so schön.
(der Text ist von Matthias Jentzsch)
Am Ende dieser Aufführung ging es fließend in die Party über – einer wirklich gelungenen Party. Die Musik war immer so gut, dass man automatisch auf Tanzfläche gezwungen wurde. Wir allen hatte sehr viel Spaß und das war auch auf jedem Gesicht abzulesen. Es war schon 02:00 Uhr in der Frühe als wir wieder auf unserem Zimmer waren – ein langer ereignisreicher Tag geht zu Ende . . .
Heute sind wir eine Stunde später wach geworden. Wen wundert’s? Schnell Wasser über den Luxuskörper und der Tag kann beginnen. Die ersten Sachen wurden zusammen gerafft und in den Koffern verstaut (nur drei Minikoffer wohl bemerkt *lach*). Das Frühstück wartete schon auf uns, ebenso die ersten wachen Männer. Wir hatten uns am Sonntagvormittag für den Waldspaziergang, der auch angeboten wurde, entschieden, um auch wieder fit für die Heimfahrt am Nachmittag zu sein.
Bevor es zum Mittagessen ging, gab es noch eine große Feetback-Runde. Lob und Anregungen wurden ausgesprochen, ebenso der Dank an alle Helfer und das Orgateam.
Kaum waren die letzten Teller des Mittagessens abgeräumt, gab es die ersten Verabschiedungen. Küsschen hier, Küsschen da, ein paar Umarmungen und ein „bis zum nächsten Mal“ und schon fuhren die ersten gen Heimat. Uns ging es genau so. Die Koffer waren schon im Auto, wir mussten nur noch Jürgen einpacken und schon konnten wir die Rückfahrt starten. Die Rückreise verlief unproblematisch.
Jürgen packte seinen Koffer noch in sein Auto und dann war er nicht mehr zu halten, um auch nach hause zu kommen.
Wir sind jetzt wieder zu hause. Die Koffer müssen noch ausgepackt werden. Heute aber nicht mehr – wir sind zu kaputt. Waschen können wir auch noch Montag . . .
Insgesamt war es ein schönes Wochenende im Waldschlösschen. Wir haben viele alte Bekannte wiedergesehen. Nette Gespräche hatten wir und viel Spaß. Vielen Dank an das Orgateam „Halle & Friends“. Ihr habt eure Sache gut gemacht.
Es ist noch gar nicht so lange her . . .
Da fiel mir doch ein Buch aus dem Jahre 1952 mit dem Titel „Der neue Weg zur Gesundheit“ in die Hände. Neugierig blätterte ich darin rum. Viele gesundheitliche Fragen wurden darin beantwortet über die man sich heute nur wundern kann. Dann kam ich zu einem Kapitel über das ich erst schmunzeln musste, aber rasch kam bei mir auch das Entsetzen, als mir bewusst wurde, dass solche Bücher noch vor sechzig Jahren vielfach gelesen und auch danach gehandelt wurde. Es ist noch gar nicht solange her . . .
Samenverluste und Selbstbefleckung (Onanie)
Beide Begriffe stellen keine eigentliche Erkrankung der Geschlechtorgane dar, sondern beruhen auf nervöser Erschöpfung, und zwar handelt es sich fast ausnahmslos um körperlich schwächlich entwickelte, nervös veranlagte Personen mit geringer Willenskraft. Die Samenverluste sind meistens ein Zeichen der Überreizung der Geschlechtsorgane, und an dieser Überreizung ist in den meisten Fällen eben das vielbekannte Laster der Onanie, d. h. der selbstgewollten Samenabtreibung durch künstliche Reibung der Geschlechtsteile, schuld. – Leider ist die Onanie ein bei beiden Geschlechtern unendlich verbreitertes Leiden, das in Pensionaten, Seminaren und überall, wo viele jugendliche Personen in enger Gemeinschaft nebeneinander wohnen und schlafen, so grassiert, daß es als unausrottbares Übel angesehen werden muss.
Vom Publikum werden sowohl der Samenabgang im Traum (Pollution), als die Onanie durchweg zu schwarz beurteilt! Allerdings kann nicht bestritten werden, daß sowohl durch die ungewollten als durch die künstlich bewirkten Samenverluste wertvolle Eiweißstoffe verlorengehen, deren Ersatz dem Körper nicht immer leicht wird. Die Erfahrung lehrt indessen, daß nach dem Eingehen einer gesunden Ehe fast immer Heilung eintritt. – Kühle Waschungen des Unterleibes, Meidung aufregender Lektüre, vernünftiges Zureden der Eltern, Einschränkung des Alkohols und regelmäßige sportliche Betätigung sind die wichtigsten Gegenmaßregeln, während mit Gewalt und Züchtigung selten ein Erfolg erreicht wird.
Puh, da bin ich aber froh, dass sich das heute grundlegend geändert hat. Es ist sicher noch nicht in allen Köpfen angekommen, aber der Großteil der Bevölkerung Deutschlands hat heute nichts mehr gegen Schwule und Lesben. Heute können Jugendliche – aber auch die Spätoutler – befreit ihre Sexualität entdecken. Und das ist gut so.
Erstellt im April 2014
Bremen helau –
wehe, wenn in Bremen die Narren losgelassen werden . . .
Schon vor über zwei Wochen hing im Rendezvous bei Frank ein kleines Plakat mit dem Hinweis, dass es dort am 1. März eine kleine Travestieshow mit Meryl und Pamela geben solle und jeder, der dort kostümiert erscheinen würde ein Gas Sekt bekäme. „Warum eigentlich nicht?“ dachten wir. Wir hatten sowieso nichts weiter vor. Obwohl wir eigentlich nichts mit Karneval zu tun haben, machten sich in unseren Köpfen erste Gedanke zur Kostümierung breit. Es muss ja nicht das Kaufhauskostüm sein, man kann auch mit preiswerten Mitteln eine Verkleidung zaubern.
Tags zuvor mussten wir dann doch noch los: Ich brauchte Faschingsschminke. Die war schnell besorgt. Den Rest zur Verwandlung hatte ich zu Hause. Helmut zog es dann ins Schuhgeschäft, in seinem Kopf „rauchte“ es noch. In der Damenabteilung fand er trotz seiner Schuhgröße ein Paar schicke und zudem preiswerte Highheels. Beim Anprobieren der selbigen war die amüsierte Verkäuferin doch sehr erstaunt wie gut er sich damit bewegen konnte. „Besser als manche Frau“, meinte sie anerkennend. An der Kasse gab es die nächsten Tipps zum Tragen. Die Mädels hatten an diesem Abend zu hause etwas zu erzählen. *grins*
Helmut hatte in seinem Salon noch diverse Kosmetik und ein Haarteil. Hier wurde Samstagnachmittag nach Feierabend schon mal kurz probiert wie alles passen könnte und dann mitgenommen. Pünktlich um 18:00 Uhr gab es Abendessen und danach mussten wir uns fertig stylen. Helmut hatte das Bad belegt und ich hatte mich im Wohnzimmer mit Schminke und Spiegel ausgebreitet. Zwischendurch brauchte ich mal Hilfe von Helmut für meine Haare. Sie wurden pumuckelrot eingesprüht und aufgerichtet. Helmut hatte auch schon seine ersten Verwandlungen vorgenommen. Wieder an meinem Platz machte ich mit dem Schminken weiter: Es sollte ein Pantomimengesicht werden. Dann war das Umziehen dran: Ein schwarzes Jackett, darunter ein leuchtendfarbiges Hemd mit schwarzer Fliege, dazu weiße Baumwollhandschuhe und weiße Sneaker. Fertig. Auch Helmut war mittlerweile soweit: Kaum wiederzuerkennen. Keine Dragqueen, aber doch ein rassiger Hingucker in seinem schwarzen Outfit – enge schwarze Hose, schwarzes Hemd, darüber ein weißer Gürtel, die besagten Highheels, dezent geschminktes Gesicht und seine „neue asymmetrische Frisur“. Alles perfekt. Mittlerweile waren auch schon zwei Stunden vergangen und nun konnten wir los ziehen.
Mit der Straßenbahn zu fahren war uns zu riskant, deshalb sind wir selber mit dem Auto gefahren. Zurück konnten wir ja ein Taxi nehmen. Da es regnete hatte ich Helmut vor dir Tür abgesetzt, um dann einen Parkplatz zu suchen. Es waren schon einige Gäste da als ich das Rendezvous betrat. Viele guckten mehrfach, ehe sie uns erkannten. Wir bekamen viel Anerkennung für unsere Kostümierung. Auch sehr viele der anderen Gäste hatte sich dem Anlass entsprechend „schick“ gemacht. Es war schon lustig die verschiedenen Typen so zu sehen. Nach und nach wurde das Lokal immer voller. Es begann nach einiger Zeit auch die Show. Sicher nicht so perfekt wie auf den großen Travestiebühnen, aber für die Bremer Travestieprovinz doch nett anzusehen. Auf jeden Fall haben alle mitgemacht, ob jung oder alt, hetero oder homo. Es herrschte gute Stimmung, alle Gäste waren gut drauf. Wer hier keinen Spaß hatte, war selber Schuld.
Bemerkenswert waren auch die hetischen Männer, die an diesem Abend sehr offen waren. Man scheute sich nicht mit mir zu tanzen und trotz der vielen Schminke ein Küsschen zu geben. Ja, so sollte es immer sein, dass alle Menschen ohne Scheu und Vorurteile aufeinander zugehen. Das Rendezvous ist eine Begegnungsstätte für alle Menschen und das ist auch gut so.
Doch jeder Spaß hat auch mal sein Ende. In den frühen Morgenstunden ließen wir uns ein Taxi rufen. Komisch der Taxifahrer schaute etwas irritiert. *lach*
Nach dem Frühstück am nächsten Tag machten Helmut und ich uns auf, um einen langen Spaziergang zu machen. Wir mussten das Auto ja noch abholen. Unterwegs ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren und mussten noch einmal über das eine oder andere schmunzeln.
Erstellt im März 2014
„Gott und die Welt“:
Mein Mann ist schwul – Coming-out eines Familienvaters
2. März 2014, 17:30 Uhr: Da war er nun, der Film auf den wir so lange gewartet hatten. "Mein Mann ist schwul - Coming-out eines Familienvaters". Das, was wir zu sehen bekamen, war vertraut, sehr vertraut und berührte uns.
Jörg, Manuela und deren zwei Töchter im Teenager-Alter gaben uns Einblick in ihren Leben zwischen Jörgs Outing und der Trennung von der Familie. Wir alle, die das erlebt haben, können die Höhen und Tiefen, die diese Familie in dieser Zeit durchlebt hat, sehr gut nachvollziehen. Die Gefühle aller Beteiligten fahren Achterbahn. Aber es gab, wie oft bei Trennungen, wenn der Mann eine andere Frau hat, nicht den üblichen Rosenkrieg. Wenn der Mann einen Mann liebt, dann ist das anders: Frau droht zu zerbrechen. Das schmerzt, das verbittert.
Der Film spiegelte uns in vielen Punkten das eigene Outing wider. Auch wenn jede Familie einzigartig ist, ist es so, dass sich viele Situationen ähneln. Man erkennt sich und andere aus unserer Gruppe wieder.
Es war eine gute halbstündige Dokumentation. Der Film hatte nur einen Fehler: Er war auf einmal zu Ende. Wir hätten noch gerne weitergeschaut. Eine Fortsetzung vom heutigen Leben dieser Familie wäre interessant..
Ich bin froh, dass wir Nicola Peters kennen lernen durften und dass sie nicht locker gelassen hat eine Familie wie diese zu finden. Großen Respekt habe ich vor Manuela, Jörg und deren Töchtern. Ein halbes Jahr haben sie sich von Zeit zu Zeit von Kameras begleiten lassen, um einen Teil ihres Lebens mit uns zu teilen. Danke an allen Beteiligten.
Immer wieder kommt es vor, dass ich als Moderator unserer Gruppe und somit als öffentliche Person angerufen werde, ob ich Personen kenne, die zum Thema „spätes Coming Out“ oder „schwule Väter“ ein Interview geben wollen. Grundsätzlich stehe ich dem positiv gegenüber, wenn es nicht gerade die reißerischen Medien wie RTL, Sat1 oder Bild sind, denn gute Berichtserstattung über unsere gute Sache ist wichtig, um in der breiten Bevölkerung Vorurteile abzubauen.
Es war im Herbst 2012 als mich Frau Nicola Peters anrief. Bei dem Wort „Fernsehen“ wurde ich misstrauisch: „Nicht schon wieder!“ dachte ich. Aber Frau Peters war vom NDR und somit hörte ich mir ihre Geschichte an. Sie suchte für die Sendung „Gott und die Welt“ im ARD, die normalerweise sonntags um 17:30 Uhr gesendet wird, ein Ehepaar, in deren Ehe sich der Ehemann gerade geoutet hatte. „Puh, das wird schwierig,“ sagte ich. Aus Erfahrung weiß ich, dass schon der Mann allein mit seinem Coming Out schon sehr beschäftigt ist. Und dann erst die Ehefrau, die psychisch am Ende ist, weil alles in ihrer Welt alles zusammenbricht.
Beim nächsten Gruppentreffen hatte ich von der Journalistin erzählt. Wie erwartet erntete ich nur betretenes Schweigen als ich fragte, ob jemand bereit ist, da mitzumachen. Fred, Uwe und ich standen dieser Berichterstattung zwar positiv gegenüber, aber unsere Ehefrauen würden aus unterschiedlichen Gründen bei dieser Aktion nicht mitmachen. Es gab noch einen regen E-Mail-Austausch mit Frau Peters. Sie ließ nicht locker. Im Dezember hatten wir sie dann zu uns nach Hause eingeladen, um uns persönlich kennen zu lernen. Fred und Helmut, Uwe und mein Helmut waren mit dabei. Es waren sehr gute Gespräche am Tisch. Frau Peters erzählte von ihrer Sichtweise der Dinge und wir die unsrige. Von unseren Geschichten war sie schon beeindruckt, aber uns alleine ohne die Frauen? Nein, das war es nicht, zumal wir ja auch schon lange Zeit geoutet waren.
Dann zog Uwe Ende des Jahres 2012 nach Bielefeld. Rasch war er bei der Gruppe „Schwule Väter Bielfeld“ gelandet. Dort erzählte er auch von Frau Peters und deren Absichten. Und man glaubt es kaum: Hier gab es einen frisch geouteten Mann, der zusammen mit seiner Frau bereit war für diese Sendung mitzumachen.
Nach einigen Vorbereitungen wurden Jörg und Manuela ein halbes Jahr lang vom NDR-Fernsehen begleitet, um immer wieder neue Einblicke in ihr Leben zu geben und um die Entwicklung ihrer Ehe aufzuzeigen.
Und nun hatte ich diese Woche einen Anruf von Frau Peters. Sie erzählte mir freudestrahlend, dass der Film fertig ist. Es ist ein Film ohne jegliche Bewertung geworden, nur das Ehepaar Jörg und Manuela kommen zu Wort. Frau Peters selber war sehr berührt von dem Ehepaar und von dem was sie sehr intensiv erfahren hat. Während des Telefonats war sie noch voller Emotionen als sie von den beiden erzählte und mir lief ein Schauer über den Rücken. Zu sehr kennt man noch die eigene Situation und die der anderen Männer in unserer Gruppe.
Und nun ist es soweit: Am 2. März 2014, um 17:30 Uhr, wird diese Sendung „Gott und die Welt“ mit der Reportage "Mein Mann ist schwul - Coming-out eines Familienvaters" gezeigt. Ich bin sehr gespannt darauf. Hier ist schon mal für eine Vorinformation der Link zu dieser Sengung:
http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/gott-und-die-welt/index.html
Ich wünsche allen, die diese Sendung sehen, dass sie bewegt werden. Denn es ist nicht nur die Geschichte von Jörg und Manuela, sondern auch unsere Geschichte.
Erstellt im Februar 2014
Hilfe für zwei Studentinnen
Vor zwei Wochen rief Bernd vom Rat und Tat an, um zu fragen, ob ich zwei Studentinnen helfen könne. Sie würden einen Mann suchen, der sich erst spät geoutet hatte. Laut Bernd wäre ich wohl der Richtige dafür. Nun denn, ich gab ihm die Erlaubnis meine Daten weiter zu leiten. Drei Tage später bekam ich einen Anruf von einer dieser besagten Studentinnen. Diese beiden hatte von ihrem Professor die Aufgabe gestellt bekommen, einen dreiminütigen Film zu drehen – Thema: Wendepunkte.
Und nun waren sie da: Zwei hübsche Mädels, nach denen sich jeder Heten-Mann umdreht – Journalistik-Studentinnen im dritten Semester. Es passte gut, dass mein Helmut auch frei hatte. Erst einmal musste alles aufgebaut werden. Camcorder (mindestens viel Mal so groß wie meiner) mit Stativ, zwei Scheinwerfer mit Farbscheiben und Lichtstreufolie und Mikrofon. Allein das war schon witzig wie sich unsere Wohnzimmer in ein kleines Filmstudio verwandelte – RTL ließ grüßen *grins*. Nun musste ich auf dem Sofa Platz nehmen und die Schärfe und das Mikrofon wurden eingestellt (Für den aufmerksamen Leser: Nein, ich wurde nicht geschminkt). Nun konnte es los gehen.
Die beiden jungen Damen hatte sich Fragen zurecht gelegt, zu denen ich dann etwas erzählte. Und es gab viel zu erzählen. Zwischendurch kamen neue Fragen und ich erzählte weiter. Einige ihrer Fragen beantwortete ich schon einfach durch das Erzählen meiner eigenen Geschichte und den damit gemachten Erfahrungen. Dann kam Helmut mit ins Spiel. Wir setzten uns in unserer Ohrensessel (wie Opa und Opa) und nun wurde zu zweit erzählt. Eine perfekte Ergänzung glaube ich. Zwei Stunden dauerte die ganze Aktion im Wohnzimmer und ich denke, dass die Mädels zufrieden waren.
Dann ging es raus zur Weser. Helmut und ich liefen Hand in Hand über eine Fußgängerbrücke: Auf ans andere Ufer, so die Symbolik. Am Ende des Weges setzten wir und auf eine Bank und es gab ein Küsschen. Auf der kleinen Insel auf der wir jetzt waren, kam ich nun um eine Wegbiegung um dann Helmut zu begrüßen (wieder ganz RTL-like).
Wieder zu Hause mussten wir uns wieder aufwärmen. Gerade am Wasser war es lausig kalt. Der Tee, den Helmut kochte, tat dann wirklich gut. Die Gespräche am Tisch waren locker und herzlich. Es war schön zu sehen, dass die uns eigentlich unbekannten jungen Mädels so offen mit uns und unserem Leben umgegangen sind. Vieles wurde auch gesagt, was gar nicht aufgenommen worden ist. Ich denke, dass umgekehrt genau die gleiche Sympathie da gewesen ist. Natürlich kennen die jungen Frauen auch Schwule – aber eben in ihren Alter. Für sie war es eine neue Erfahrung von älteren Schwulen mit einem späten Coming Out zu hören.
Es war ein schöner Nachmittag – für alle vier. Und durch unserer aller Offenheit hat es auch allen Spaß gemacht. Nun sind wir gespannt, was von diesen ganzen Szenen übrig bleibt, wenn alles auf drei Minuten geschnitten worden ist. Wir hoffen, dass die Beiden eine gute Bewertung von ihrem Professor bekommen und dass sie weiter offenen Auges in ihrem späteren Beruf durchs Leben gehen.
Erstellt im Januar 2014
Eigentlich gehört er zu uns in die Gruppe . . .
Zum Outing des Ex-Profi-Fußballers Thomas Hitzlsperger
Das ist er nun: Der erste Nationalspieler der sich kurz nach seinem Karriere-Ende als schwul outet. Viele Stimmen wurden in den Medien laut – meist positive. Auch aus unserer Gruppe bekam ich schon Meinungen dazu zu lesen. Man sicher über ein öffentliches Outing geteilter Meinung sein.
Grundsätzlich geht es aber in erster Linie um den Menschen Thomas Hitzlsperger. Und dieser Mensch kann sich outen wann und wo er will, so wie es für ihn richtig ist. Dafür gibt es kein Patentrezept. Thomas Hitzlsperger ist eine so genannte öffentliche Person. Was liegt da näher als sich auch öffentlich zu outen. Hätten die Medien ohne sein Outing von Seiten Dritter bzw. durch Zufall seine Homosexualität in Erfahrung gebracht, dann hätte es Hetze und Häme gegeben. Da sind unsere Medien gnadenlos. Sicher war es ein mutiger Entschluss sich zu outen und verdient unseren Respekt. Wir alle in der Gruppe kennen diese Situation und die damit verbundenen Ängste. Für Thomas Hitzlsperger war das Outing aber auch eine Befreiung. Nun kann er sich einen Freund suchen (wenn er ihn nicht schon hat) und sich mit ihm in der Öffentlichkeit zeigen. Er ist wegen seiner Sexualität nicht mehr angreifbar und nicht erpressbar. Er kann sein Leben so leben wie ihn die Natur geschaffen hat.
Von Thomas Hitzlsperger wünsche ich mir, dass das Outing nicht alles war. Um anderen beim Outing zu helfen wäre eine aktive Rolle seinerseits optimal. Sein Satz zur Öffentlichkeit: „Wichtig ist es nur für die Leute, die homophob sind, andere ausgrenzen aufgrund ihrer Sexualität – und die sollen wissen: Sie haben jetzt einen Gegner mehr.“ gibt mir dazu Hoffnung. Wer weiß: Vielleicht sehen wir ihn auf den nächsten CSD in Köln. Auf jeden Fall ist Thomas Hitzlsperger ehrlicher als die anstehenden Olympischen Spiele in Sotschi. In Sotschi darf man sich nicht zu seiner Homosexualität äußern, denn das wäre ja politisch. Was für ein Irrsinn, wo doch gerade diese Spiele durch und durch politisiert sind.
An dieser Stelle möchte ich nun Holger zitieren: „Schade nur, das darum so ein Wirbel gemacht wird. Gut, ein Outing war im Fußball bisher wohl auch besonders schwierig. Das zeigt aber auch ganz deutlich, dass Deutschland noch lange nicht dort ist, wo es längst hätte sein sollen und ich auch annahm schon längst ist. Das Gute daran ist, das solche Idole wie er, halt auch dazu beitragen, dass wir zumindest in Deutschland vielleicht irgendwann da ankommen, dass so eine Nachricht nur noch eine Randnotiz ist, weil es tatsächlich als normal angesehen wird.“
Neben all diesem Medienrummel zum Thema Outing und Fußball bekam ich auch noch diese Nachricht von Andre: „Ich habe das Outing auch seit vorgestern im Gange . . . Ich wollte euch nie so richtig glauben, dass man sich so gut dabei fühlt! Aber es ist so! Die Leute, die mir wichtig sind und mit denen ich jeden Tag zu tun habe, wissen es jetzt! Alles andere passiert von ganz allein! Und es ist wirklich befreiend!“ – Andre, das hast du gut gemacht. Auch für dich war es ein mutiger Schritt und auch wir sind stolz auf dich.
Für mich sind es diese „kleinen“ Outings, die bedeutsam sind. Viele dieser „kleinen“ Outings zusammen bringen uns weiter. Normal ist, wenn sich Mann und Mann (bzw. Frau und Frau) in der Öffentlichkeit küssen, beim Spazierengehen die Hände halten, ohne dass jemand davon Notiz nimmt. Das ist das Ziel, aber es ist noch ein langer Weg dahin.
Sechs zu sechs mit Maskottchen Trudi
Es war der der erste Dienstag im diesem Jahr – Gay-Stammtisch im Rendezvous. Nach all’ den vielen Festtagen inklusiver der Verwandtschaft dachten Helmut und ich, dass es eine gute Gelegenheit wäre mal wieder hinzugehen.
Schon an der Haltestelle unserer Stretchlimo (Straßenbahn) trafen wir das erste bekannte Gesicht: Hermann, der auch schon ein paar Mal dort gewesen ist. Ein paar Haltestellen weiter hielt unser Chauffeur wieder an, um uns drei aussteigen zu lassen. Nach weiteren fünf Minuten hatten wir unser Ziel erreicht. Vorsichtig schauten wir durch die Tür, ob schon jemand da ist. Ein frohes „Neues Jahr“ hallte uns entgegen. Wir waren nicht die ersten. Ein paar bekannte Gesichter und ein unbekanntes konnten wir ausmachen. Doch was sahen unsere müden Augen zwischen all’ den reizenden Männern? Ein weibliches Wesen auf vier Pfoten. Dieses schwarz-weiße Wollknäuel, namens Trudi, gehörte zu Peter. Peter bekam natürlich zum Thema „Hund“ sein Fett weg und musste sich schon einiges anhören. Nach und nach trudelten immer mehr Männern ein. Wir mussten immer enger zusammenrücken. Zum Schluss waren es sechs Männer von unserer Gruppe und sechs die so den Weg zum Stammtisch gefunden hatten.
Es wurde ein lauter Abend – mit viel Gelächter und mitunter frechen Bemerkunken. Der eigentliche Star des Abends war natürlich Trudi, die noch nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte. Schutz suchte sie nicht unbedingt nur bei Peter, ihrem Herrchen, sondern auch bei Kurt. Immer wieder zog es sie zu ihm hin – oder waren es die drei Katzen, die sie an ihm erschnüffelt hatte? Wer weiß das schon? Trotzdem, rasch wurde Trudi oder Trudchen, wie wir sie nannten, zu unserem Stammtisch-Maskottchen erkoren. Allerdings, wenn ich mir so die Pfoten ansah, dann wird Trudi sicher bald ein großes zotteliges Urvieh sein *grins*
Aber nicht nur Trudi war das Thema, es gab auch viele andere Themen, ernsterer und heiterer Art. Immer so, wie es sich gerade so ergab. Wie heißt es so schön? Wir redeten über Gott und die Welt. Die Zeit verging wie im Fluge. Ratzfatz war es 23:00 Uhr und wir mussten uns sputen, weil kurze Zeit später unser Chauffeur mit der Strechlimo an der Heerstraße halten wollte . . .
Tschüß 2013, hallo 2014
Da war er nun – nach der ganzen weihnachtlichen Festtagsorgie – der Silvesterabend. Leise sagte nun das Jahr 2013 mit all’ seinen Höhen und Tiefen „Tschüß“. Stimmt nicht ganz, schon am frühen Abend wurde es rund ums Haus immer Lauter, es knallte und zischte von überall her.
Silvester war noch Helmuts Sohn seit Weihnachten zu Hause, der am Neujahrsmorgen wieder Richtung Rheinlandpfalz fuhr. Daher begann der Silvesterabend mit dem üblichen „Dinner For One“ (dieses Mal in einer kölschen Version) und dem obligatorischen „Silvesterpunsch“ mit „Ekel Alfred“. Nahtlos ging es zu Viert vom Fernseher zum Esstisch, um die letzte Mahlzeit des Jahres zu vertilgen. Lecker war es – auch wenn ich der Koch war. Ratz-fatz waren drei Stunden vergangen. Es war ein netter Abend im kleinen Kreis.
Nun wurde es langsam Zeit, denn Helmut und ich wollten das Jahr bei Frank im Rendezvous ausklingen lassen, was ja auch soweit bekannt war. Beim Eintritt in dieses Lokal gab es gleich viele „Hallos“ und Küsschen hier und Küsschen da. Viele der schon anwesenden Gäste waren uns bekannt. Weiter hinten an der Theke saßen überraschender Weise Jürgen und Andreas von der Gruppe auf ihren Barhockern und daneben ein uns bekanntes schwules Paar. Kurze Zeit später ging die Eingangtür auf und Kurt kam auf uns zu. Schön – es war schon ein kleines Gruppentreffen. Rotwein und Bier rann den durstigen Kehlen runter, es wurde ein lustiger Abend. Man konnte sich sogar normal unterhalten ohne sich anschreien zu müssen, denn die Musik dröhnte nicht in unseren Ohren.
Kurz vor Zwölf – Frank hatte schon für jeden Gast ein Sektglas gefüllt und hingestellt. Dann war es soweit: Mitternacht. „Frohes Neues Jahr“. Es wurde angestoßen, geknuddelt und geherzt – Heten mit Schwulen, Jung mit Alt usw. Draußen in der Kälte begann das große Knallen, Pfeifen, Böllern. Raketen wurden zu tausenden überall gezündet. Drinnen war es aber wärmer und so füllte sich das Lokal schnell wieder. Da war es nun – das Jahr 2014. Die Gespräche wurden wieder aufgenommen, Lachen durchzog den Raum. Getanzt wurde auch noch. Ein schöner Start ins Neue Jahr.
Gegen zwei Uhr in der Früh wurde es für uns Zeit aufzubrechen, denn Helmut musste noch seinen Sohn zum Bahnhof bringen. Wir waren praktisch die ersten, die gegangen sind. Glücklich und zufrieden lagen wir eine Stunde später in der Falle. Gute Nacht und schnarch.
Nun ist es da, das Jahr 2014. Für viele wird es wieder aufregend sein – oder auch nicht. Wer weiß das schon? Silvester 2014 wissen wir mehr, aber bis dahin gibt es noch viel zu tun – packen wir’s an . . .

References: § 175
 § 175
 § 175
 § 175
 § 175
 § 175
 § 175
 § 175
 § 175
 § 175