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Timestamp: 2018-05-20 15:55:28+00:00

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VG Karlsruhe, Urteil vom 9. Juni 2016 - Az. 9 K 5175/15
Urteil vom 9. Juni 2016 - Az. 9 K 5175/15
VG Karlsruhe · Urteil vom 9. Juni 2016 · Az. 9 K 5175/15
9 K 5175/15
openJur 2016, 9677
Die während der Elternzeit bezogene Krankenfürsorge ist in entsprechender Anwendung des § 15 Abs. 1 BWBVO nicht um eine Kostendämpfungspauschale zu kürzen.
Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin auf ihren Antrag vom 22.09.2015 weitere Krankenfürsorge in Höhe von 150 € zu gewähren.
Der Bescheid des Landesamts für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg vom 14.10.2015 und dessen Widerspruchsbescheid vom 19.10.2015 werden aufgehoben, soweit sie dem entgegenstehen.
Die Klägerin begehrt die Gewährung von Krankenfürsorge ohne Abzug einer Kostendämpfungspauschale.
Die Klägerin ist als Beamtin der Besoldungsgruppe A 12 gegenüber dem Beklagten mit einem Bemessungssatz von 50 % beihilfe- bzw. krankenfürsorgeberechtigt. Am 21.07.2014 brachte sie ein Kind zur Welt und befindet sich seit Ablauf des Mutterschutzes in Elternzeit, wobei sie während des ersten Jahres Elterngeld in Höhe von etwa 1.000 € bezog. Unter dem 22.09.2015 beantragte sie die Gewährung von Beihilfe bzw. Krankenfürsorge zu verschiedenen Aufwendungen aus dem Jahr 2015.
Mit Bescheid vom 14.10.2015 gewährte ihr das Landesamt für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg Beihilfe bzw. Krankenfürsorge in beantragter Höhe, allerdings unter Abzug einer Kostendämpfungspauschale in Höhe von 150 €. Zur Begründung führte es aus, die Beihilfe werde um eine Kostendämpfungspauschale für jedes Kalenderjahr gekürzt, in dem beihilfefähige Aufwendungen in Rechnung gestellt seien. Der Betrag sei unabhängig von der Fortdauer der Beihilfeberechtigung. Die Höhe richte sich nach der Besoldungsgruppe, nach der die laufenden Bezüge bei Rechnungsstellung bemessen seien. Änderungen der Besoldung im Laufe eines Jahres führten nicht zu einer Änderung der Stufe der Kostendämpfungspauschale. Diese betrage in der Besoldungsgruppe A 12 150 €.
Hiergegen legte die Klägerin Widerspruch ein. Zur Begründung führte sie aus, die Kostendämpfungspauschale sei abgezogen worden, obwohl sie das gesamte Jahr 2015 aufgrund von Elternzeit keine Bezüge vom Landesamt erhalten habe. In der Erläuterung des Bescheids heiße es, die Höhe der Kostendämpfungspauschale richte sich nach der Besoldungsgruppe, nach der die laufenden Bezüge bei Rechnungsstellung bemessen seien. Da sie aufgrund der Elternzeit keine laufenden Bezüge erhalten habe, dürfe auch keine Kostendämpfungspauschale einbehalten werden.
Mit Widerspruchsbescheid vom 19.10.2015 wies das Landesamt den Widerspruch zurück. Nach § 15 Abs. 1 BVO werde die Beihilfe um eine Kostendämpfungspauschale für jedes Kalenderjahr gekürzt, in dem beihilfefähige Aufwendungen in Rechnung gestellt seien. Der Betrag sei unabhängig von der Fortdauer der Beihilfeberechtigung. Die Höhe richte sich nach der Besoldungsgruppe, nach der die laufenden Bezüge bei Rechnungsstellung bemessen seien, und zwar unabhängig vom tatsächlichen Zahlbetrag. So sei beispielsweise auch bei Teilzeitbeschäftigung stets die volle Kostendämpfungspauschale zu erbringen, da der Beihilfeanspruch selbst auch nicht anteilig gekürzt werde. Die Pauschale betrage bei Bezügen nach der Besoldungsgruppe A 12 seit dem 01.01.2013 150 €. Die Bestimmungen zur Krankenfürsorge während der Elternzeit sorgten dafür, dass die Klägerin während dieser Zeit gegenüber den übrigen Beihilfeberechtigten nicht schlechter gestellt werde. Eine Besserstellung, wie sie die Befreiung von der Kostendämpfungspauschale bedeuten würde, sei vom Gesetzgeber jedoch zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt gewesen. Die Fürsorgepflicht fordere nicht den Ausgleich jeglicher aus Anlass von Krankheitsfällen entstandenen Aufwendungen und auch nicht deren Erstattung in vollem Umfang. Die Kostendämpfungspauschale sei daher zu Recht erhoben worden. Deren Rechtmäßigkeit sei durch Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs bestätigt worden. Auch das Bundesverwaltungsgericht habe entschieden, dass eine pauschalierte Eigenbeteiligung des Beamten an den Krankheitskosten in Form einer Kostendämpfungspauschale mit der Fürsorgepflicht des Dienstherrn vereinbar sei.
Am 16.11.2015 hat die Klägerin Klage erhoben. Sie trägt vor, nach dem eindeutigen Wortlaut des § 15 Abs. 1 Satz 2 BVO richte sich die Höhe der Kostendämpfungspauschale nach der Besoldungsgruppe, nach der die laufenden Bezüge bei Rechnungsstellung bemessen seien. Seit dem 16.09.2014 habe sie jedoch aufgrund ihrer Elternzeit keine laufenden Bezüge mehr von ihrem Dienstherrn nach der Besoldungsgruppe A 12 erhalten. Daher könne bei der Bemessung der Kostendämpfungspauschale auch nicht die Besoldungsgruppe A 12 zugrunde gelegt werden, wenn es aufgrund der Elternzeit nicht zu einer Auszahlung der laufenden Bezüge komme. Das Landesamt gehe zu Unrecht davon aus, dass es auf den tatsächlichen Zahlbetrag der Bezüge nicht ankomme. Eine derartige Aussage könne dem Gesetzeswortlaut nicht entnommen werden. Die Formulierung in § 15 Abs. 1 Satz 2 BVO „laufende Bezüge“ und „bemessen sind“ deute vielmehr darauf hin, dass es gerade auf die tatsächliche Auszahlung der Bezüge ankomme. Durch die Bezugnahme auf den Zeitpunkt der Rechnungsstellung könne es auch nicht darauf ankommen, ob der Beamte in der Vergangenheit laufende Bezüge nach einer bestimmten Besoldungsgruppe erhalten habe. Maßgebend seien die Verhältnisse zum Zeitpunkt der Ausstellung der Rechnungen. Die in § 15 Abs. 1 BVO enthaltene Abstufung der Höhe der Kostendämpfungspauschale nach Besoldungsgruppen sowie die Trennung nach aktiven Beamten und Versorgungsempfängern lege zudem den Schluss nahe, dass der Gesetzgeber die Kostendämpfungspauschale bewusst nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Beamten habe staffeln wollen. Besoldungsgruppen mit hohen laufenden Bezügen hätten einen höheren Eigenanteil an den Krankheitskosten zu tragen als Besoldungsgruppen mit niedrigeren laufenden Bezügen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit betrage Null, wenn aufgrund der Elternzeit keine laufenden Bezüge mehr gezahlt würden. Daher sei in diesem Fall der Abzug einer Kostendämpfungspauschale nicht berechtigt. Anderenfalls läge auch ein Verstoß gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 GG vor; denn ein Beamter in Elternzeit mit Null Euro laufenden Bezügen müsse eine höhere Kostendämpfungspauschale tragen als beispielsweise ein Beamter, der laufende Bezüge der Besoldungsgruppe A 10 erhalte. Der Gesetzgeber habe bei Einfügung des § 15 Abs. 1 BVO darauf Wert gelegt, dass eine im Vergleich zu anderen Bundesländern moderate Kostendämpfungspauschale unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des einzelnen Beamten erfolge. Eine angemessene Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erfolge jedoch nicht, wenn die Kostendämpfungspauschale auch dann zum Abzug zu bringen sei, wenn wie vorliegend aufgrund der Elternzeit keine laufenden Bezüge ausgezahlt würden. Daher spreche neben der wortgetreuen auch die teleologische Auslegung des Gesetzestextes dafür, den Abzug der Kostendämpfungspauschale vom Umfang der ausgezahlten Bezüge abhängig zu machen. Aktuell würden in acht Bundesländern überhaupt keine Kostendämpfungspauschalen erhoben. In drei Bundesländern sei ausdrücklich gesetzlich geregelt, dass für Beamte in Elternzeit keine Kostendämpfungspauschale gelte. In drei weiteren Bundesländern werde für Beamte in Elternzeit aufgrund einer einkommensabhängigen Belastungsgrenze keine Kostendämpfungspauschale erhoben. Ein weiteres Bundesland mache den Eigenbehalt nicht von der Höhe der laufenden Bezüge, sondern vom Beihilfebemessungssatz abhängig. Wenn Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern eine moderate Kostendämpfungspauschale habe einführen wollen, dann würde die Berücksichtigung einer Kostendämpfungspauschale während der Elternzeit eine massive Schlechterstellung gegenüber den Beamten in anderen Bundesländern darstellen, was erkennbar nicht in der Absicht des baden-württembergischen Gesetzgebers gelegen habe. Soweit der Beklagte vortrage, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vorliegend nicht Null betrage, da sich das Elterngeld aus dem in den letzten 12 Monaten vor dem Entbindungstermin erzielten Einkommen errechne, letztlich also auf der Besoldungsgruppe A 12 beruhe, gehe dies fehl. Im Jahr 2015 seien keinerlei laufende Bezüge ausbezahlt worden. Die davor erhaltenen Bezüge hätten schon in den Jahren 2013 und 2014 zum Einbehalt der Kostendämpfungspauschale geführt und könnten folgerichtig nicht noch einmal zum Einbehalt einer Kostendämpfungspauschale im Jahr 2015 führen. Der Beklagte verkenne, dass der baden-württembergische Gesetzgeber selbst den Vergleich mit anderen Bundesländern in der Gesetzesbegründung vorgenommen habe, indem er ausgeführt habe, dass die Neuregelung im Vergleich zu einigen Ländern eine immer noch moderate Kostendämpfungspauschale vorsehe und die Leistungsfähigkeit der unterschiedlichen Besoldungsgruppen angemessen berücksichtige. Die Frage, ob bei Beamten in Elternzeit in anderen Bundesländern eine Kostendämpfungspauschale erhoben werde oder nicht, sei daher für die teleologische Auslegung der BVO von erheblicher Bedeutung. Im Zeitpunkt des Einbehalts der Kostendämpfungspauschale habe sie kein Elterngeld mehr bezogen.
Die Klägerin beantragt - sachdienlich gefasst -,
den Beklagten zu verpflichten, ihr auf ihren Antrag vom 22.09.2015 weitere Krankenfürsorge in Höhe von 150 € zu gewähren und den Bescheid des Landesamts für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg vom 14.10.2015 und dessen Widerspruchsbescheid vom 19.10.2015 aufzuheben, soweit sie dem entgegenstehen.
Zur Begründung trägt er vor, die Klägerin befinde sich seit dem 16.09.2014 bis zum 20.07.2016 in Elternzeit. Elternzeit stelle eine Beurlaubung ohne Dienstbezüge dar. Der Klägerin sei also insoweit zuzustimmen, als sie im Jahr 2015 keine laufenden Bezüge nach der Besoldungsgruppe A 12 erhalten habe. Es stelle sich jedoch keineswegs so dar, dass ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Null betrage. Dabei bliebe nämlich unberücksichtigt, dass sich das Elterngeld aus dem in den letzten 12 Monaten vor dem Entbindungstermin erzielten Einkommen (bereinigtes Nettoeinkommen) errechne, letztlich also nach der Besoldungsgruppe A 12. Zudem sei auch die bislang vertretene Auffassung, wonach es auf den tatsächlichen Zahlbetrag der Bezüge nicht ankomme, zutreffend. Maßgebend für die Höhe der Kostendämpfungspauschale sei allein die Besoldungsgruppe. Die jeweilige Höhe der Besoldung im Einzelfall sei nicht entscheidend. Im Übrigen sei es unerheblich, ob in anderen Bundesländern eine Kostendämpfungspauschale erhoben werde. Der vorliegende Fall beurteile sich ausschließlich nach der baden-württembergischen BVO. Ein Vergleich mit anderen Bundesländern sei daher nicht zielführend. Abgesehen davon sei der Jahresbetrag der Kostendämpfungspauschale immer noch als moderat anzusehen.
Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die gewechselten Schriftsätze und die vorliegende Akte des Landesamts für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg verwiesen.
1. Die Kammer konnte trotz Ausbleibens der Beteiligten mündlich verhandeln und entscheiden, da in der ordnungsgemäßen Ladung auf diese Möglichkeit hingewiesen wurde (§ 102 Abs. 2 VwGO). Überdies haben sowohl die Klägerin als auch der Vertreter des Beklagten hierzu vorab (fern-)mündlich ihr Einverständnis erklärt.
2. Die Klage ist sachdienlich dahingehend auszulegen, dass die Klägerin den aus dem Tatbestand ersichtlichen Antrag stellt. Mit dem angegriffenen Bescheid vom 14.10.2015 hat das Landesamt eine Kostendämpfungspauschale in Höhe von 150 € einbehalten. Da sich die Klägerin gegen diese Kürzung der Leistungen wendet, begehrt sie der Sache nach die Zahlung von weiteren 150 €. Da Beihilfe nach § 2 Abs. 2 Satz 1 BVO nur gewährt wird, wenn und solange die grundsätzlich beihilfeberechtigte Person (§ 2 Abs. 1 BVO) Dienstbezüge oder ähnliche Bezüge erhält, und während einer Elternzeit die Dienstbezüge entfallen (vgl. § 40 Abs. 1 Satz 1 AzUVO), kann es vorliegend nicht um die Gewährung von Beihilfe im eigentlichen Sinne gehen. Vielmehr steht der Klägerin während ihrer Elternzeit nach § 46 Abs. 1 AzUVO Krankenfürsorge in Form des prozentualen Krankheitskostenersatzes entsprechend den Beihilfevorschriften zu. Daher ist vorliegend davon auszugehen, dass die Klägerin mit ihrer Klage sachdienlicherweise die Gewährung weiterer Krankenfürsorge in Höhe von 150 € begehrt. Dass sie in ihrer Klage insoweit stets von „Beihilfe“ und nicht von „Krankenfürsorge“ spricht, ist angesichts des pauschalen Verweises des § 46 Abs. 1 AzUVO auf die beihilferechtlichen Vorschriften sowie der ebenso uneinheitlichen Bezeichnung durch den Beklagten unschädlich.
3. Die so verstandene Klage ist als Verpflichtungsklage zulässig und auch begründet. Die Klägerin hat auf ihren Antrag vom 22.09.2015 einen Anspruch auf Gewährung von Krankenfürsorge ohne Abzug einer Kostendämpfungspauschale in Höhe von 150 €. Der Bescheid des Landesamts für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg vom 14.10.2015 ist, soweit er dies versagt, rechtswidrig und verletzt die Klägerin in ihren Rechten (§ 113 Abs. 5 Satz 1 VwGO).
Nach § 46 Abs. 1 AzUVO wird einem Beamten während der Elternzeit, während der gemäß § 40 Abs. 1 AzUVO Dienstbezüge nicht gezahlt werden, Krankenfürsorge in Form des prozentualen Krankheitskostenersatzes entsprechend den Beihilfevorschriften gewährt. Verwiesen wird insoweit nicht auf die vor der Elternzeit für den Beihilfeberechtigten geltenden Vorschriften, sondern auf die jeweils aktuell geltenden. Diese entsprechende Anwendbarkeit der Vorschriften der Beihilfeverordnung führt vorliegend zwar zur Gewährung von Krankenfürsorge unter Anwendung des bisher für die Klägerin geltenden Beihilfebemessungssatzes. Eine Kostendämpfungspauschale durfte hiervon jedoch nicht einbehalten werden.
Gemäß § 15 Abs. 1 BVO wird die Beihilfe um eine Kostendämpfungspauschale für jedes Kalenderjahr gekürzt, in dem beihilfefähige Aufwendungen in Rechnung gestellt sind (Satz 1). Der Betrag ist unabhängig von der Fortdauer der Beihilfeberechtigung; die Höhe richtet sich nach der Besoldungsgruppe, nach der die laufenden Bezüge bei Rechnungsstellung bemessen sind. Änderungen der Besoldung im Lauf eines Jahres führen nicht zu einer Änderung der Stufe (Satz 2). Sind die laufenden Bezüge nicht nach einer nachstehend genannten Besoldungsgruppe bemessen, so hat die Zuordnung zu der Stufe der Besoldungsgruppe zu erfolgen, deren Anfangsgrundgehalt den laufenden Bezügen am nächsten kommt (Satz 3). Die Kostendämpfungspauschale beträgt in der Stufe 4 für Bezüge nach der Besoldungsgruppe A 12 für aktive Beamte jährlich 150 € (Satz 5). Entscheidend ist damit nach der ausdrücklichen Regelung in § 15 Abs. 1 Satz 2 BVO für die Höhe der Kostendämpfungspauschale nicht, welcher Besoldungsgruppe der Betreffende grundsätzlich angehört, sondern nach welcher die laufenden Bezüge bemessen sind.
Die entsprechende Anwendbarkeit des § 15 Abs. 1 BVO im Rahmen der Krankenfürsorge nach § 46 Abs. 1 AzUVO führt im Ergebnis dazu, dass während der Elternzeit die Krankenfürsorgeleistungen nicht um eine Kostendämpfungspauschale für jedes Kalenderjahr zu kürzen sind. Dies folgt zwar - entgegen der Ansicht der Klägerin - nicht bereits daraus, dass sie während der Elternzeit teilweise keine laufenden Bezüge erhalten hat (a). Vielmehr ergibt sich dies aus der entsprechenden Anwendbarkeit des § 15 Abs. 1 Satz 3 BVO (b).
a) § 15 Abs. 1 Satz 1 BVO stellt den Grundsatz auf, dass die Beihilfe um eine Kostendämpfungspauschale für jedes Kalenderjahr gekürzt wird, in dem beihilfefähige Aufwendungen in Rechnung gestellt sind. Eine entsprechende Anwendbarkeit dieser Norm im Rahmen der Krankenfürsorge verbietet sich grundsätzlich nicht. Auch der Umstand, dass während der Elternzeit keine „laufenden Bezüge“ im Sinne des § 15 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 BVO bezogen werden, hindert die entsprechende Anwendbarkeit der Vorschrift nicht. Bei dem während der ersten 12 Monate der Elternzeit bezogenen Elterngeld nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) handelt es sich zwar nicht um laufende Bezüge des Dienstherrn, auf die § 15 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 BVO grundsätzlich Bezug nimmt. Während der über 12 Monate hinausgehenden Elternzeit hatte die Klägerin ferner keinerlei regelmäßiges Einkommen. Dies als solches hindert die entsprechende Anwendbarkeit des § 15 Abs. 1 BVO im Rahmen der Krankenfürsorge indes nicht. Denn einer entsprechenden Anwendbarkeit, wie sie § 46 Abs. 1 AzUVO anordnet, ist es immanent, dass gerade nicht alle Voraussetzungen der entsprechend anzuwendenden Norm vorliegen. Während der Elternzeit werden gemäß § 40 Abs. 1 AzUVO Dienstbezüge nicht gezahlt. Gerade dies führt gemäß § 2 Abs. 2 Satz 1 BVO zu einem Wegfall der Beihilfeberechtigung und zur Notwendigkeit der in § 46 Abs. 1 AzUVO normierten entsprechenden Anwendbarkeit der Beihilfevorschriften. Der Umstand, dass die Klägerin im hier relevanten Zeitpunkt keine laufenden Bezüge im Sinne der Beihilfevorschriften bezogen hat, ist damit gerade der typische Fall der in § 46 Abs. 1 AzUVO enthaltenen Verweisung auf die Beihilfevorschriften und wird damit durch die Anordnung der entsprechenden Anwendbarkeit überwunden.
b) Aus Vorstehendem folgt jedoch nicht die Rechtmäßigkeit des Abzugs der Kostendämpfungspauschale im Fall der Klägerin. Denn gemäß § 15 Abs. 1 Satz 2 BVO richtet sich die Höhe der Kostendämpfungspauschale nach der Besoldungsgruppe, nach der die laufenden Bezüge bei Rechnungsstellung bemessen sind. Anders als der Beklagte meint, bemisst sich das Einkommen der Klägerin während des Bezugs von Elterngeld nicht in diesem Sinne nach einer Besoldungsgruppe. Zwar wird die Höhe des Elterngelds in Anlehnung an das bereinigte Nettoeinkommen aus Erwerbstätigkeit errechnet (vgl. §§ 2 ff. BEEG), so dass sich mittelbar auch die Besoldungsgruppe auf dessen Höhe auswirkt. Jedoch hängt die Höhe des Elterngelds von vielen weiteren, von der Besoldung unabhängigen Faktoren - wie etwa der Steuerklasse oder dem Vorhandensein weiteren Erwerbseinkommens - ab. Ferner ist es gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 BEEG der Höhe nach gedeckelt. Nach alledem kann nicht angenommen werden, dass es sich um eine nach einer Besoldungsgruppe bemessene Einkommensart handelt. Zwar liegt auch in diesem Aspekt eine typische Folge der Elternzeit. Jedoch wird das Fehlen dieser Tatbestandsvoraussetzung des § 15 Abs. 1 Satz 2 BVO - anders als im Hinblick auf die laufenden Bezüge - nicht durch die Anordnung der entsprechenden Anwendbarkeit in § 46 Abs. 1 AzUVO überwunden. Denn da der Beihilfeverordnungsgeber in § 15 Abs. 1 Satz 3 BVO selbst eine Regelung zur Höhe der Kostendämpfungspauschale für den Fall getroffen hat, dass sich die laufenden Bezüge gerade nicht nach einer Besoldungsgruppe bemessen, besteht hierzu kein Bedürfnis.
Gemäß § 15 Abs. 1 Satz 3 BVO hat die Zuordnung zu der Stufe der Besoldungsgruppe nach der in Satz 5 enthaltenen Tabelle zu erfolgen, deren Anfangsgrundgehalt den laufenden Bezügen am nächsten kommt, wenn diese nicht nach einer dort genannten Besoldungsgruppe bemessen sind. Im Jahr 2015 bezog die Klägerin teilweise noch Elterngeld in Höhe von monatlich ca. 1.000 €. Nach der für diesen Zeitpunkt maßgeblichen Besoldungstabelle nach dem Landesbesoldungsgesetz Baden-Württemberg liegt dieser Betrag noch deutlich unter dem Anfangsgrundgehalt der untersten Besoldungsgruppe A 5. Dies würde selbst dann gelten, wenn die Klägerin den nach § 2 Abs. 1 Satz 2 BEEG möglichen Höchstbetrag an Elterngeld (1.800 €) bezogen hätte. Da die in § 15 Abs. 1 Satz 5 BVO enthaltene Tabelle eine Kostendämpfungspauschale erst ab der Besoldungsgruppe A 6 (Stufe 1) vorsieht und der Verordnungsgeber sämtliche anderen Besoldungsgruppen der Besoldungsordnung A einer Stufe zugeordnet hat, ist davon auszugehen, dass die Besoldungsgruppe A 5 angesichts der geringeren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ihrer Angehörigen bewusst von der Erhebung der Kostendämpfungspauschale ausgenommen wurde. Entsprechendes gilt auch dann, wenn - wie hier während der Elternzeit - im Sinne des § 15 Abs. 1 Satz 3 BVO das laufende Einkommen von allen Besoldungsgruppen dem Anfangsgrundgehalt der Besoldungsgruppe A 5 am nächsten kommt.
Dieses Ergebnis widerspricht auch nicht dem Willen des Beihilfeverordnungsgebers. Nach der bis zum 31.03.2004 geltenden Fassung des § 15 Abs. 1 Satz 1 BVO wurde die Beihilfe einheitlich, das heißt ohne Unterscheidung nach Besoldungsgruppen, um eine Kostendämpfungspauschale in Höhe von 76,69 € für jedes Kalenderjahr gekürzt. Erst durch das Haushaltsstrukturgesetz 2004 vom 17.02.2004 (GBl. S. 66) fand die Staffelung nach Besoldungsgruppen Eingang in die Vorschrift. Damit sollte sie eine im Vergleich zu einigen anderen Ländern immer noch moderate Kostendämpfungspauschale vorsehen und die Leistungsfähigkeit der unterschiedlichen Besoldungsgruppen angemessen berücksichtigen. Hierbei betonte der Gesetzgeber auch die Familienfreundlichkeit der Regelung (LT-Drucks 13/2816, S. 18). Sowohl dem Aspekt der Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der Beihilfe- bzw. Krankenfürsorgeberechtigten als auch dem der Familienfreundlichkeit wird durch die Herausnahme der sich in Elternzeit befindenden Beamten von der Belastung mit einer Kostendämpfungspauschale - entsprechend den Angehörigen der Besoldungsgruppe A 5 - Rechnung getragen.
4. Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO. Die Kammer sieht keinen Anlass, die Entscheidung wegen der Kosten für vorläufig vollstreckbar zu erklären (§ 167 Abs. 2 VwGO).
5. Die Berufung ist zuzulassen, da die Frage, ob die Krankenfürsorge während der Elternzeit um eine Kostendämpfungspauschale entsprechend § 15 Abs. 1 BVO zu kürzen ist, grundsätzliche Bedeutung hat (vgl. § 124a Abs. 1 Satz 1 VwGO i.V.m. § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO).
Der Streitwert wird gemäß § 52 Abs. 3 GKG auf 150,-- € festgesetzt.
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References: § 15
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 § 15
 Art. 3
 § 15
 § 2
 § 40
 § 46
 § 46
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 § 154
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 § 124
 § 124
 § 52