Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZB%2023/13
Timestamp: 2018-11-20 18:49:04+00:00

Document:
BGH, 27.01.2015 - II ZB 23/13 - dejure.org
§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 522 Abs. 1 Satz 4, § 238 Abs. 2 Satz 1 ZPO, § 574 Abs. 2 ZPO, Art. 2 Abs. 1 GG, § 233 Satz 1 ZPO, § 85 Abs. 2 ZPO
Rechtsanwaltsverschulden bei Versäumung der Berufungsbegründungsfrist: Pflicht zur Handaktenkontrolle auf etwaige Fristabläufe nach Ausfall der Computeranlage mit dem elektronischen Fristenkalender
Ausgestaltung der Sorgfaltspflicht des Rechtsanwalts bei der Fristenkontrolle
Zur Sorgfaltspflicht des Rechtsanwalts in Fristensachen, wenn der Zugriff auf einen ausschließlich elektronisch geführten Fristenkalender wegen eines technischen Defekts einen ganzen Arbeitstag lang nicht möglich ist
Kein Zugriff auf elektronischen Fristenkalender: Rechtsanwalt muss Handakten kontrollieren!
Fristenkontrolle bei elektronischer Aktenführung
Elektronischer Fristenkalender - und die Vorlage der Handakten
Wenn der Fristenkalender ausschließlich elektronisch geführt wird...
Keine Wiedereinsetzung bei Organisationsverschulden des Anwalts durch technischen Defekt des elektronisch geführten Fristenkalenders
Sorgfaltspflicht des Rechtsanwalts in Fristensachen bei Serverausfall
Kein Zugriff auf elektronischen Fristenkalender: Rechtsanwalt muss Handakten kontrollieren! (IBR 2015, 287)
OLG Hamburg, 08.11.2013 - 11 U 184/13
NJW 2015, 2040
MDR 2015, 538
FamRZ 2015, 855
WM 2015, 780
DB 2015, 1042
AnwBl 2015, 528
7 a) aa) Die Verwendung einer elektronischen Kalenderführung darf keine hinter der manuellen Führung zurückbleibende Überprüfungssicherheit bieten (vgl. Senat, Beschluss vom 2. März 2000 - V ZB 1/00, NJW 2000, 1957 mwN; BGH, Beschluss vom 27. Januar 2015 - II ZB 23/13, WM 2015, 780 Rn. 9;… Beschluss vom 4. November 2014 - VIII ZB 38/14, WM 2014, 2388 Rn. 10;… Beschluss vom 17. April 2012 - VI ZB 55/11, NJW-RR 2012, 1085 Rn. 8;… Beschluss vom 21. Dezember 2010 - IX ZB 115/10, HFR 2011, 706 Rn. 9;… Beschluss vom 2. Februar 2010 - XI ZB 23/08 und XI ZB 24/08, NJW 2010, 1363 Rn. 12).
Ob bereits der Ausfall der IT-Technik in der Kanzlei des Beschwerdeführers am 29.09.2016 und/oder die lange Bearbeitungszeit bis zur Wiederinbetriebnahme als Verschulden des Beschwerdeführers bei der Fristversäumnis anzusehen ist (…s. BGH Beschlüsse vom 10.10.1996- VII ZB 31/95, juris Rn. 10 -13 und vom 27.01.2015 - II ZB 23/13), kann offen bleiben.
Dies gilt umso mehr, wenn sich die Kanzlei der elektronischen Aktenführung einschließlich elektronischer Fristenkalender bedient (vgl. auch Beschluss des BGH vom 27.01.2015 - II ZB 23/13,juris Rn. 7 ff., 9, 11 = NJW 2015, 2040).
Zu seinen Aufgaben gehört es deshalb, durch entsprechende Organisation seines Büros dafür zu sorgen, dass die Fristen ordnungsgemäß eingetragen und beachtet werden (Beschlüsse des Bundesgerichtshofs --BGH-- vom 27. Januar 2015 II ZB 21/13, Wertpapier-Mitteilungen --WM-- 2015, 779, Rz 7, und vom 27. Januar 2015 II ZB 23/13, WM 2015, 780, Rz 8).
Diese Sorgfaltsanforderungen gelten auch für einen Rechtsanwalt, der nur einen elektronischen Fristenkalender führt (vgl. BVerwG, Beschl. v. 21. Februar 2008 - 2 B 6.08 -, juris Rn. 9 und BGH, Beschl. v. 27. Januar 2015 - II ZB 23/13 -, juris Rn. 8 und 9 m. w. N. …und Beschl. v. 10. Oktober 1996 - VII ZB 31/95 -, juris Rn. 9 f.).
OLG Köln, 15.12.2016 - 12 U 139/16
Danach ist insbesondere nicht ausgeschlossen, dass die Frist für den Ablauf der Berufungsbegründungsfrist fälschlich und ohne die gebotene Notierung einer Vorfrist (vgl. BGH, Beschl. v. 27.1.2015, II ZB 23/13, NJW 2015, 2040 f., juris Rn. 11) auf den 19.11.2016 berechnet worden ist, und dass hierbei ein Verschulden des Prozessbevollmächtigten der Kläger mitgewirkt hat.

References: § 574
 § 522
 § 238
 § 574
 Art. 2
 § 233
 § 85
 BGH 
 BGH