Source: http://bravors.brandenburg.de/verordnungen/nsgmittlerehavel_2015
Timestamp: 2019-05-25 11:33:45+00:00

Document:
(GVBl.II/03, [Nr. 05], S.94)
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche im Landkreis Potsdam-Mittelmark und der kreisfreien Stadt Brandenburg an der Havel wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Mittlere Havel“.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 796 Hektar. Es umfasst Flächen in folgenden Fluren:
Stadt Brandenburg Stadt Brandenburg Stadt Brandenburg 13, 38, 82, 86, 87;
Stadt Brandenburg Stadt Brandenburg Klein Kreutz 1, 3;
Potsdam-Mittelmark Gollwitz Gollwitz 1, 4, 5, 6;
Potsdam-Mittelmark Wust Wust 1, 2, 3.
(3) Die Verordnung mit Karten kann beim Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg, oberste Naturschutzbehörde, in Potsdam sowie beim Landkreis Potsdam-Mittelmark und in der kreisfreien Stadt Brandenburg an der Havel, untere Naturschutzbehörden, von jedermann während der Dienstzeiten kostenlos eingesehen werden.
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes als Teil der Brandenburger Havelniederung mit großräumigen Überschwemmungsbereichen, Auenüberflutungsmooren und Altarmen ist
die Erhaltung und Entwicklung als Lebensraum wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere der Gewässer (Schwimmblattgesellschaften), der Röhrichte (Schilfröhricht, Sumpfrispen-Rohrglanzgras -Röhricht), der Großseggenriede (Schlankseggenried), der Feucht- und Frischwiesen sowie der Trockenrasen;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensräume wild lebender Pflanzenarten, darunter nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützter Arten, beispielsweise Kartäuser-Nelke, (Dianthus carthusianorum), Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris), Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua), Große Teichrose (Nuphar lutea) und Weiße Seerose (Nymphaea alba);
die Erhaltung und Entwicklung als Lebensraum wild lebender Tierarten, insbesondere als bedeutsames Brut-, Nahrungs- und Rastgebiet für in ihrem Bestand bedrohte Vogelarten der Feuchtgebiete, als Rückzugsgebiet für bestandsbedrohte Amphibien und an aquatische Lebensräume gebundene Säugetiere sowie als Rückzugsraum, Wiederausbreitungszentrum und Teil des Wanderkorridors entlang der Havel für weitere Tierarten der Gewässer, der Verlandungszonen und der Feucht- und Frischwiesen;
die Erhaltung und Entwicklung als Lebens- beziehungsweise Rückzugsraum und potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, darunter nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 und 11 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützter Arten, beispielsweise Rohrdommel (Botaurus stellaris), Weißstorch (Ciconia ciconia), Bekassine (Gallinago gallinago), Rohrschwirl (Locustella luscinioides), Blaukehlchen (Luscinia svecica), Tüpfelralle (Porzana porzana), Flussseeschwalbe (Sterna hirundo), Rotschenkel (Tringa totanus), Moorfrosch (Rana arvalis), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), Pappelglucke (Gastropacha populifolia), Perlmuttfalter (Argynnisino) und Körniger Laufkäfer (Carabus granulatus);
die Erhaltung des Gebietes aus wissenschaftlichen Gründen zur Beobachtung und Erforschung der Lebensgemeinschaften der Flussaue;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als wesentlicher Teil des überregionalen Biotopverbundes zwischen dem Rietzer See, der Stadthavel und der Niederung der unteren Havel.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Mittlere Havel“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes) mit seinen Vorkommen von
Natürlichen eutrophen Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions, Flüssen der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion, Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae), Feuchten Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe, Brenndolden-Auenwiesen (Cnidion dubii) und Mageren Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis) als natürliche Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 4 des Bundesnaturschutzgesetzes;
Biber (Castor fiber), Fischotter (Lutra lutra), Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis), Rapfen (Aspius aspius), Bitterling (Rhodeus amarus) und Steinbeißer (Cobitis taenia) als Arten von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 10 des Bundesnaturschutzgesetzes, einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume.
von anderen Zugangsstellen aus als dem in der Kartenskizze und den topografischen Karten entsprechend gekennzeichneten Uferbereich und den Vereinsgeländen des Bootsschuppenvereins Wust und des Sportfischervereins Wust zu baden oder zu tauchen;
Wasserfahrzeuge aller Art außerhalb von Bundeswasserstraßen oder schiffbaren Landesgewässern zu benutzen;
die im Sinne des § 11 Abs. 2 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang auf den bisher rechtmäßig dafür genutzten Flächen mit der Maßgabe, dass auf den in der topografischen Karte und der Flurkarte der Gemarkung Gollwitz, Flur 5, im Bereich der Flurstücke 163, 164 und 166/7 dargestellten Flächen (Pfeifengraswiesen)
die Nutzung vor dem 16. August eines jeden Jahres unzulässig ist,
§ 4 Abs. 2 Nr. 17, 23 und 24 gilt;
Kahlhiebe nur bis zu einem Hektar erfolgen,
bei Pflanzungen ausschließlich Baumarten der potenziell natürlichen Vegetation verwendet werden,
die in § 3 genannten Auen-Wälder mit Schwarzerle (Alnus glutinosa) und Esche (Fraxinus excelsior) in einem günstigen Erhaltungszustand zu erhalten sind;
die rechtmäßige Ausübung der Angelfischerei mit der Maßgabe, dass diese in der Zeit vom 1. April bis zum 31. Juli eines jeden Jahres
vom Ufer der Havelinseln aus unzulässig ist,
im Bereich der Wuster Erdelöcher und Wuster Teiche vom Boot aus nur in einem Mindestabstand von 20 Metern zu Schilfröhricht und vom Land aus nur außerhalb von Schilfröhricht zulässig ist;
aa) in der Zeit vom 1. März bis zum 30. Juni eines jeden Jahres die Ausübung der Jagd nur vom Ansitz aus erfolgt,
bb) die Drückjagd und die Jagd auf Wasservögel in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 15. November und vom 15. Januar bis zum 28. Februar eines jeden Jahres verboten ist. Falls sich die Wasservögel noch nicht beziehungsweise nicht mehr im Gebiet aufhalten, können nach vorheriger Anzeige bei der zuständigen unteren Naturschutzbehörde Drückjagden durchgeführt werden;
die Errichtung ortsunveränderlicher jagdlicher Einrichtungen zur Ansitzjagd mit Zustimmung der zuständigen unteren Naturschutzbehörde. Die Zustimmung ist zu erteilen, wenn der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird. Transportable und mobile Ansitzeinrichtungen sind der zuständigen unteren Naturschutzbehörde vor der Errichtung anzuzeigen. Die zuständige untere Naturschutzbehörde kann in begründeten Einzelfällen das Aufstellen verbieten, wenn es dem Schutzzweck entgegensteht. Die Entscheidung hierüber soll unverzüglich erfolgen,
Unzulässig bleibt die Anlage von Wildfütterungen, Ansaatwildwiesen und Wildäckern;
das Befahren im Rahmen des Gemeingebrauchs gemäß § 43 des Brandenburgischen Wassergesetzes mit der Maßgabe, dass das Befahren von Röhrichten und Schwimmblattzonen unzulässig ist,
das Befahren der Gewässer im Bereich des Großen Wuster Erdelochs, der Alten Emster, des Flurstücks 49/1 (Gemarkung Gollwitz, Flur 6) und des nicht zur Bundeswasserstraße gehörenden Bereiches der Steinhavel auf kürzestem Wege von und zu genehmigten Liegeplätzen. § 43 Abs. 3 des Brandenburgischen Wassergesetzes bleibt unberührt,
die Nutzung folgender Liegeplätze:
aa) in den Uferbereichen des Bootsschuppenvereins Wust (Gemarkung Wust, Flur 2, Flurstück 162) mit der Maßgabe, dass maximal 26 Liegeplätze zulässig sind,
bb) in den Uferbereichen des Sportfischervereins Wust (Gemarkung Wust, Flur 2, Flurstück 170)mit der Maßgabe, dass maximal 50 Liegeplätze zulässig sind,
cc) an dem am Weg befindlichen Uferstreifen des Flurstücks 167 (Gemarkung Wust, Flur 2) mit der Maßgabe, dass maximal acht Liegeplätze zulässig sind, dd) im Bereich des Flurstücks 49/1 (Gemarkung Gollwitz, Flur 6) mit der Maßgabe, dass maximal 20 Liegeplätze zulässig sind. Das Erfordernis des Einholens der nach anderen Rechtsvorschriften notwendigen Zulassungen für die Errichtung und Nutzung von Liegeplätzen bleibt unberührt,
die Errichtung eines Sammelbootssteges auf dem Flurstück 163 (Gemarkung Wust, Flur 2) in einem Abstand von maximal 25 Metern zum Flurstück 162 mit der Maßgabe, dass maximal zwölf Liegeplätze zulässig sind, die Länge des Steges 20 Meter nicht überschreitet und die Längsseite parallel zur Grenze zwischen den Flurstücken 162 und 163 ausgerichtet ist. Das Erfordernis des Einholens der nach anderen Rechtsvorschriften notwendigen Zulassungen für die Errichtung und Nutzung von Steganlagen bleibt unberührt;
die im Sinne des § 10 des Brandenburgischen Straßengesetzes ordnungsgemäße Unterhaltung der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege, die im Sinne des § 78 des Brandenburgischen Wassergesetzes ordnungsgemäße Unterhaltung der Gewässer, die ordnungsgemäße Unterhaltung sonstiger rechtmäßig bestehender Anlagen sowie die ordnungsgemäße Unterhaltung der Bundeswasserstraße, sofern sie den gesetzlichen Umfang nicht überschreitet, jeweils unter besonderer Beachtung des § 3 Abs. 2 und im Einvernehmen mit der zuständigen unteren Naturschutzbehörde;
es sollen Maßnahmen zur Verbesserung des gebietsbezogenen Landschaftswasserhaushaltes entwickelt und umgesetzt werden (Schaffung offener Wasserflächen, Entwicklung der Feucht- und Nasswiesen);
die Grünlandbereiche, insbesondere das Überschwemmungsgrünland, sollen dauerhaft extensiv bewirtschaftet werden;
die Lebensbedingungen für bodenbrütende Vogelarten sollen, beispielsweise mittels Einhaltung später Mahdtermine, verbessert werden;
die Bewirtschaftung der Auenwälder soll möglichst einzelstammweise, unter Berücksichtigung eines hohen Totholzanteils und nur bei gefrorenem Boden erfolgen.
Flurstücksliste zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Mittlere Havel“ vom 20. Dezember 2002
Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 796 Hektar. Es umfasst folgende Flächen in den Gemarkungen:
an der Havel 13 3 bis 22, 24 bis 27, 28, 29 anteilig, 30 anteilig;
38 1 bis 21, 24 bis 30, 31 anteilig, 32 bis 274, 275/2, 277/2 anteilig, 279 bis 330 jeweils anteilig, 343/3 anteilig;
82 132 bis 170, 171/2, 176;
86 10 bis 12, 13/1, 13/2, 14 bis 19, 27 bis 117, 118/3, 19 bis 122, 123/3 anteilig, 123/4, 125/3 anteilig,126, 127/3, 144 bis 148, 149/9, 149/25 anteilig;
86 Beiblatt 149/21 anteilig, 149/25, 150, 151, 153 bis 196;
87 1 bis 21;
Klein Kreutz 1 144, 145 anteilig, 146, 147, 186 bis 194, 195/1, 195/2, 196 bis 198, 200 bis 203, 204 anteilig, 205 bis 207, 209 bis 241, 242/1, 242/2, 243 bis 252, 253/1, 253/2, 254 bis 263, 264/6, 268 bis 271;
3 86 anteilig, 87 bis 89, 98 anteilig, 99 anteilig;
Gollwitz 1 170 bis 209;
4 203/4 anteilig, 228, 230;
5 3 anteilig, 4 anteilig, 5 bis 7, 141 anteilig, 142 bis 143/1, 147 bis 165, 166/1 bis 166/18, 167, 168, 170, 172, 173 anteilig, 174, 175 anteilig, 176/1 bis 176/5;
6 1/1, 2 bis 48, 49/1 anteilig, 49/2, 50 anteilig, 52 bis 61;
Wust 1 1 bis 7, 8 anteilig, 170 bis 175 jeweils anteilig, 208 anteilig, 209/2, 210/1, 210/2, 211/2, 211/3, 211/5, 212/1 anteilig, 213 anteilig, 214, 216 bis 219 jeweils anteilig, 220/1 anteilig, 223/1 bis 223/5, 224, 225, 226 anteilig, 227, 236 anteilig;
2 112 anteilig, 113, 114, 115/1 anteilig, 115/2, 116 bis 118, 119 anteilig, 120 anteilig, 124 anteilig, 125/1, 125/2, 126 bis 137, 138/1, 138/2, 139 bis 141, 142/1, 143/1, 144 bis 146, 147 anteilig, 148 bis 161, 162 anteilig, 163,164/1, 165 anteilig, 166 bis 169, 170 anteilig, 171 bis 175, 176 anteilig, 177 anteilig, 178 bis 181, 182 anteilig, 183, 184, 185 anteilig, 187 bis 189 jeweils anteilig;
3 1, 2 bis 6 jeweils anteilig, 7/2 anteilig.

References: § 2
 § 10
 § 10
 § 7
 § 7
 § 11

§ 4
 § 3
 § 43
 § 43
 § 10
 § 78
 § 3