Source: http://pfarrerblatt.de/steffen-schramm/von-der-verwaltung-zur-gestaltung-das-amt-des-dekans-der-dekanin-im-wandel-1/
Timestamp: 2020-02-25 02:44:01+00:00

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Von der Verwaltung zur Gestaltung: Das Amt des Dekans/der Dekanin im Wandel [1] – Pfarrerblatt
Bisher galt: Parochien wünschten sich kein Programm, sondern eine Person: einen Pfarrer, einen Gemeindediakon. Personen sind Programme. Sofern das Konzept der Gemeindepädagogischen Dienste funktional ist (d.h. sofern nicht mehr Mitarbeitende in den GPDs bestimmten Regionen oder Gemeinden in unspezifischer Weise zugeordnet sind, sondern sich funktional, d.h. themen- oder projektspezifisch auf Kirchenbezirksebene verorten) müssen die pädagogischen Mitarbeitenden, die bislang in den Gemeinde selbst Programm waren, jetzt Konzepte und Projekte entwickeln, die sie auf Kirchenbezirksebene oder mit einzelnen oder mehreren Gemeinden zusammen realisieren. Die Gemeinden müssen überlegen, ob und wie sie sich an diese Konzepte und Projekte andocken. Im Blick auf Steuerung und Führungsdenken vollzieht sich also ein Wandel von „Personen als Programme“ hin zu „Konzepte/ Strategien als Programme“. Mussten sich Gemeindepfarrer bisher überlegen wie sie sich mit den den Parochien zu- und ihnen faktisch untergeordneten pädagogischen Mitarbeitenden ins Benehmen setzen, so sehen sie sich jetzt funktionalen Spezialisten gegenüber, mit denen zusammen sie Konzepte entwickeln oder an deren Konzepte und Angebote sie andocken.&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;
Für Dekaninnen und Dekane hat die Einführung von Gemeindepädagogischen Diensten unmittelbare Folgen:Die pädagogischen Mitarbeitenden wechseln nicht nur die Rolle, sondern auch die Systemebene. Sie werden von Mitarbeitern der Parochie zu Mitarbeitenden des Dekanats; und von parochial arbeitenden Mitarbeitenden werden sie zu funktional arbeitenden Mitarbeitenden. Dekaninnen und Dekane hatten vorher mit dem Personaleinsatz der pädagogischen Mitarbeitenden nur am Rande zu tun. Jetzt sind sie letztlich verantwortlich für die Konzept-, Struktur- und Kulturentwicklung der Gemeindepädagogischen Dienste. Waren Dekaninnen und Dekane vorher primär in Konfliktfällen mit pädagogischen Mitarbeitenden beschäftigt, so haben sie nun die Verantwortung dafür, dass der Gemeindepädagogische Dienst gut arbeitet – wozu er entsprechende Rahmenbedingungen braucht, angefangen von Räumlichkeiten und deren Ausstattung, über Konzepte bis zur Einbindung in Strukturen. Hatte der Dekan vorher nur interpersonale Führungsaufgaben innerhalb eines bestehenden Systems, so ist er jetzt (mit)verantwortlich für die Gestaltung des Systems selbst. Dekaninnen und Dekane sind nun jedoch nicht nur für die Politik- und Strukturentwicklung verantwortlich, sondern auch für die Personalentwicklung (Instrument: u.a. Jahresgespräche), sie werden zu „Personalentwicklern vor Ort“. Ihre Aufgaben verlagern sich von der Aufsicht hin zur Gestaltung.
Pfarramt/Presbyterium Dekansamt/Bezirkskirchenrat Landessynode/Kirchenregierung/ Landeskirchenrat
§ 53 Bezirkssynode1 Aussprache2 Förderung (Kirchl. Leben, Zsa. KG, Zsa. m. funktionalen Diensten)3 Stellungnahme4 Beschlussfassung Haushalt5 Entlastung Haushaltsrechnung6 Beratung von Anträgen7 Erledigung von Vorlagen des LKR8 Wahl § 66 Landessynode: „Inhaberin der Kirchengewalt“§75 „über alle Angelegenheiten der Landeskirche beraten und beschließen“
§13,1 Presbyterinnen, Presbyter, Pfarrerinnen und Pfarrer (Presbyterium) leiten zusammen die Kirchengemeinde. § 60 Bezirkskirchenrat1 Vorbereitung Tagungen BZ-Synode2 Bericht über seine Tätigkeiten3 Vorlage des HH-Planes4 Ausführung von Aufträgen der Bezirks-Synode5 Mitwirkung bei Visitationen, d.h. Aufsicht6 Schlichtung bei Unstimmigkeiten7 Mitwirkung bei Wahlen8 Stellungnahmen9 Mitwirkung bei Baumaßnahmen+ weitere Aufgaben können übertragen werden § 81 Kirchenregierung:„oberste Stelle zur Leitung und Verwaltungder Landeskirche im Auftrag der Landessynode“
§16 Pfarrer„Diener des Wortes Gottes“„Amt gewissenhaft und treu führen…in ihrem ganzen Leben….“ §17 „besondere Aufgaben der Pfarrerin“• Leitung des Gottesdienstes mit Predigt und Verwaltung der Sakramente, • die Amtshandlungen,• Seelsorge• christliche Unterweisung.• pfarramtliche Geschäftsführung• sonstige Aufgaben § 19 „öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis der besonderen Art“ § 64 „Amtspflichten“ der Dekanin/desDekans1 „Sorge“ für kirchliches Leben im KB2 Vertretung KB in Öffentlichkeit3 Aufsicht ü. Lehre und Ordnung i. d. KG4 Kirchenvisitation (= Aufsicht)5 Aufsicht über PfarrerInnen6 Dienstaufsicht über MitarbeiterInnen7 Gespräch in Konfliktfällen8 Leitung Pfarrwahlen9 Ordination und Einführung von Pfr. im Auftrag des LKR10 Einweihung von Kirchen im Auftrag des LKR11 Bericht an&xnbsp; BZ-Synode12 Leitung Pfarrkonferenzen13 Förderung der Gemeinschaft aller MA14 Beratung und Förderung des theol. Nachwuchses15 Vermittlung zwischen KG und LKR16 Regelung von Vertretungen und Aushilfen § 93 Landeskirchenrat:„oberste Behörde zur Leitung und Verwaltungder Landeskirche“
[2] Einen Eindruck von der „Amtszuständigkeit der Dekanate“ vermitteln Edikte und Instruktionen aus dem 19. Jahrhundert, die im Hintergrund der Verfassung von 1920 stehen. Vgl. Wand‘s Handbuch der Verfassung und Verwaltung der protestantisch-evangelisch-christlichen Kirche der Pfalz. In dritter Auflage neu bearbeitet von Ludwig Wagner, Kaiserslautern 1899, 138ff.
[3] Analog dazu werden bisher dem Pfarramt zugeordnete pastorale Aufgaben in die gemeinsame Verantwortung von PfarrerInnen und Presbyterium überführt, vgl. KV Pfalz § 13 (1): „Presbyterinnen, Presbyter, Pfarrerinnen und Pfarrer (Presbyterium) leiten zusammen die Kirchengemeinde. Sie tragen deshalb gemeinsam Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Sakrament, die Seelsorge, die christliche Unterweisung, die Diakonie und Mission sowie für die Einhaltung der kirchlichen Ordnung.“
[5] 1996: Abschlussbericht des Perspektivausschusses an die Landessynode, in: Zukunftsperspektiven der Kirche und Abschlussbericht des Perspektivausschusses (Protestantische Pfalz Texte 3), Speyer 19992, 10-40 (erarbeitet von Anfang 1995-11/1996) (Strategiepapier).
[8] 2011: Mutig voranschreiten, den Wandel gestalten, Gott vertrauen (1/2010-2/2011) (Strategiepapier, von der Synode verabschiedet im Mai 2011). Der Arbeitskreis Zukunft setzt seine Arbeit fort.
[9] Mit Beschluss des Landeskirchenrats vom 12. Januar 2010 werden ab dem Berichtszeitraum 2008/2009 die Richtlinien für die Jahresberichte der Dekanate und Pfarrämter verändert. Waren die Jahresberichte bislang in der Zuständigkeit des Dekans/der Dekanin, des Pfarrers/der Pfarrerin, so müssen sie jetzt mit dem Bezirkskirchenrat bzw. dem Presbyterium abgestimmt sein (so unter Punkt 6.) Unter Punkt 4. werden die Pfarrer und Presbyterien verpflichtet, Herausforderungen und Ziele für den kommenden Berichtszeitraum zu nennen: „Der Bericht soll Ziele und Herausforderungen enthalten, über die sich die Pfarrerinnen und Pfarrer bzw. die Dekanin, der Dekan und die anderen Mitarbeitenden mit dem Presbyterium bzw. dem Bezirkskirchenrat verständigt und vereinbart haben. Dazu ist der Bericht in einer Sitzung aufzurufen und über seine Behandlung eine Niederschrift anzufertigen. Im nächsten Jahresbericht ist über die Zielerreichung zu berichten.“
[13] Die Unterscheidung von Verkündigungshandeln, Bildungshandeln, Hilfehandeln und Gerechtigkeitshandeln versucht die Aufgaben von Kirche zu benennen, mithin das, was eine Kirche nicht unterlassen kann, wenn sie denn Kirche sein will.

References: § 53
 § 66

§13
 § 60
 § 81

§16
 §17
 § 19
 § 64
 § 93
 § 13