Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/die-befragung-angeklagten-3132899
Timestamp: 2020-07-15 19:04:00+00:00

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Die unterbliebene Befragung des Angeklagten - und der erforderliche Vortrag in der Revisionsbegründung | Rechtslupe
Die unter­blie­be­ne Befra­gung des Ange­klag­ten – und der erfor­der­li­che Vor­trag in der Revi­si­ons­be­grün­dung
Die Pflicht des Vor­sit­zen­den zur Befra­gung des Ange­klag­ten dar­über, ob er sich zu der vor­an­ge­gan­ge­nen Beweis­erhe­bung erklä­ren möch­te, (§ 257 Abs. 1 StPO)ist Aus­fluss des Anspruchs des Ange­klag­ten auf recht­li­ches Gehör aus Art. 103 Abs. 1 GG sowie der gericht­li­chen Für­sor­ge­pflicht [1]. Ihm soll die Mög­lich­keit eröff­net wer­den, sich zeit­nah zur Beweis­erhe­bung zu äußern, um denk­ba­ren Ver­fes­ti­gun­gen eines Mei­nungs­bil­des des Gerichts ent­ge­gen­wir­ken zu kön­nen [2].
Vor dem Hin­ter­grund die­ses Norm­zwecks bedarf es, um § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO zu genü­gen, nicht nur tat­säch­li­chen Vor­trags zu dem Unter­blei­ben der Befra­gung durch den Vor­sit­zen­den, son­dern auch dazu, wel­che Äuße­rungs­mög­lich­kei­ten mit wel­chen Inhal­ten dem Ange­klag­ten ver­lo­ren gegan­gen sind und aus wel­chen Grün­den er durch den Ver­stoß gegen § 257 Abs. 1 StPO in sei­nen Ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten auf­grund unzu­rei­chen­den recht­li­chen Gehörs unzu­läs­sig beschränkt wor­den ist [3].
An der­ar­ti­gem Vor­trag man­gelt es. Auf der Grund­la­ge des Revi­si­ons­vor­trags wäre im Übri­gen ange­sichts des voll­um­fäng­li­chen Geständ­nis­ses sowie der Mög­lich­keit der Äuße­rung bei den Schluss­vor­trä­gen und im letz­ten Wort das Beru­hen des Urteils auf der unter­blie­be­nen Befra­gung aus § 257 Abs. 1 StPO sicher aus­ge­schlos­sen [4].
Ange­sichts des­sen bedarf kei­ner Ent­schei­dung, ob die Ver­let­zung von § 257 Abs. 1 StPO jeden­falls bei einem wie hier ver­tei­dig­ten Ange­klag­ten ledig­lich dann in der Revi­si­on gel­tend gemacht wer­den kann, wenn in der tatrich­ter­li­chen Haupt­ver­hand­lung Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung gemäß § 238 Abs. 2 StPO gestellt wor­den war; für die Ver­let­zung des Äuße­rungs­rechts aus § 257 Abs. 2 StPO ist die­se Oblie­gen­heit aner­kannt [5].
Cierniak/​Niehaus in Mün­che­ner Kom­men­tar zur StPO, Band 2, § 257 Rn. 2[↩]
Cierniak/​Niehaus aaO; sie­he auch Beck­OK-StPO/E­schel­bach, 29. Edit., § 257 Rn. 1[↩]
vgl. Cierniak/​Niehaus aaO § 257 Rn. 24; LR/​Stuckenberg, 26. Aufl., § 257 Rn. 38; sie­he auch Eschel­bach aaO § 257 Rn. 23 sowie BGH, Beschluss vom 23.08.2016 – 3 StR 166/​16, Rn. 4 bzgl. des Beru­hens­zu­sam­men­hangs[↩]
BGH, Beschluss vom 24.10.2006 – 1 StR 503/​06, NStZ 2007, 234, 235[↩]
HauptverhandlungRevisionsbegründungStrafprozess

References: Art. 103
 § 344
 § 257
 § 257
 § 257
 § 238
 § 257
 § 257
 § 257
 § 257
 § 257
 § 257