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Timestamp: 2019-12-06 01:07:49+00:00

Document:
| 01.10.2015 21:31 |
Zusammenfassung: Hundebetreuung: Gefälligkeit oder Schwarzarbeit
ich bin Beamtin und befinde mich momentan noch in Elternzeit. Ich habe ein angemeldetes Nebengewerbe als Kosmetikerin (Fußpflegerin). Nun kam eine Dame (ist auch Beamtin beim Finanzamt Betriebsprüfung) auf mich zu, die mir gern ihren Hund anvertrauen möchte es wird schwanken zwischen 1-mal bis vielleicht 4-mal im Monat und wenn sie in den Urlaub fährt. Sie möchte mich natürlich für das Hundsitten entlohnen, jedoch stehen wir nun vor folgendem Problem:
Laut Finanzamt: entweder melde ich ein Hundebetreuungs-Gewerbe an oder sie soll mich als Minijober anmelden. Für mich kommt ein weiteres Nebengewerbe definitiv nicht in Frage (wg. Versicherung, Veterinäramt etc....)
Für die Dame kommt aber kein Minijobber in Frage und ich möchte dies ehrlich gesagt auch nicht.
Andere Möglichkeiten gebe es auf dem legalen Wege nicht gab mir der Finanzbeamte zu verstehen.
Wie sehen Sie das? Gibt es einen Weg?
Könnte ich es evtl. über mein bereits bestehendes Gewerbe mit abrechnen?
Wobei ich ja eh nur ein Kassenbuch über die Anzahl der Fußpflegen, Maniküren führe ....
Ganz dreist gefragt: Könnte ich einfach zweimal Hundesitten über ein Fußpflege abrechnen? Oder gibt es evtl eine Regelung, dass man auch artfremde (nicht angemeldete) Tätigkeiten ausführen darf (Hundesitting ist ja nicht erlaubnispflichtig) ...
Ist das dann Betrug, obwohl ich es brav versteuer?
Vielen herzlichen Dank im Voraus über konstruktive Ideen werde ich mich sehr freuen!
1. Idee 1:
Es ist bereits fraglich, ob Sie durch die Betreuung eines Hundes bis 4 Mal/mtl. Ein Gewerbe ausüben. Daher wäre die Idee die Hundebetreuung als Gefälligkeitsverhältnis zu bewerten mit der Folge: keine Versteuerung. Es fehlen leider die Angaben zur Bezahlung, die dafür maßgeblich sind.
„Unterstützung von Angehörigen, Nachbarschaftshilfen oder Gefälligkeiten bleiben gem. § 1 Abs. 3 SchwarzArbG ausdrücklich ausgenommen, solange damit keine nachhaltigen Gewinne erzielt werden sollen. Wer also einem Bekannten beim Tapezieren hilft und dafür als Dankeschön ein paar Euro, „um mal Essen zu gehen", zugesteckt bekommt, hat wohl nichts zu befürchten. Es gibt allerdings keine gesetzliche Grenze, bis zu der eine Bezahlung unbedenklich wäre. Sie sollte aber als Aufwandsentschädigung unter dem wirtschaftlichen Wert der Arbeit liegen. Handelt es sich tatsächlich nur um eine Gefälligkeit oder Vergleichbares, müssen zwar keine Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden, dafür besteht umgekehrt auch kein Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung".
http://www.anwalt.de/rechtstipps/gefaelligkeit-oder-schwarzarbeit-was-ist-noch-erlaubt_045187.html
(Link muss in Browser kopiert werden)
2. Idee 2:
Da Sie schon Ihr (Neben)Gewerbe als Fußpflegerin angemeldet haben, müssen Sie nur die Hundebetreuung als Tätigkeit aufnehmen lassen. Dafür ist nur eine Gewerbeummeldung erforderlich, Gewerbeanzeigeverordnung § 1 Ziff. 2, s. hier:
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/gewanzv_2014/gesamt.pdf
Formular hier:
http://www.gesetze-im-internet.de/normengrafiken/bgbl1_2014/j1208-1_0020.pdf
Der Umstand, dass Sie Nebengewerbe haben, spielt keine Rolle. Ich verstehe aus Ihrer Schilderung nicht, warum eine Ummeldung für Sie kompliziert sein soll. Für die Hundebetreuung eines Hundes brauchen Sie auch keinen Sachkundenachweis des Veterinäramts.
3. Für den Fall, dass eine Gefälligkeit nicht angenommen werden kann:
Falls Sie die Einnahmen als der Hundebetreuung versteuern, begehen Sie weder einen Betrug noch ein Steuerdelikt. Allerdings liegt eine Ordnungswidrigkeit nach § 146 GewO (Geldbuße bis zu eintausend Euro ) vor, wenn Sie die Gewerbeummeldung unterlassen .
„(2) Ordnungswidrig handelt ferner, wer vorsätzlich oder fahrlässig
2.	entgegen
a)	§ 14 Absatz 1 Satz 1, auch in Verbindung mit Satz 2, Absatz 2 oder einer Rechtsverordnung nach § 14 Absatz 14 Satz 2 Nummer 1, oder
eine Anzeige nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erstattet".
4. Ihre Fragen:
1.Könnte ich einfach zweimal Hundesitten über ein Fußpflege abrechnen? Oder gibt es evtl eine Regelung, dass man auch artfremde (nicht angemeldete) Tätigkeiten ausführen darf (Hundesitting ist ja nicht erlaubnispflichtig) ...
Hier liegt ein Verstoß gegen GewO mit Bußgeldgefahr
2. Ist das dann Betrug, obwohl ich es brav versteuer?
Nachfrage vom Fragesteller	02.10.2015 | 10:15
zuerst möchte ich mich recht herzlich für Ihre schnelle und ausführliche Antwort bedanken. Vielen Dank!
Die 1.Idee mit der Gefälligkeit/Nachbarschaftshilfe spricht mich am meisten an. Vor allem weil es eben nur ab und an sein soll und wir uns auf eine Aufwandsentschädigung von 12€ pro Tag geeinigt hatten. Wenn es wirklich mal viel wäre käme ich auf knapp 50€ im Monat, meist weniger. Ein oder zweimal im Jahr wenn sie in den Urlaub fahren würde dann für die Woche, weil der Hund dann auch hier übernachtet um die 90€. Also ich denke schon, dass ich mit 12€ am Tag unter dem Wert der Leistung liege und hiermit keinerlei Gewinnerzielungsabsicht verfolge.
Die zweite Idee mit der Gewerbeausdehnung kam mir bereits in den Sinn, jedoch sagte man mir im Gewerbeamt, dass ich dann auch eine Hundesitterhaftpflicht brauchen würde (stimmt jedoch gar nicht!) und dann nach §11 des Tierschutzgesetzes alles in meinem Haus herzurichten hätte, damit das Veterinäramt eine Abnahme machen kommen könne und dann evtl. noch eine Nutzungsänderung für mein Haus bräuchte, da die Hunde (eigentlich nur ein fremder Hund!) sich in meinen Räumen aufhalten würden und es dann gewerbliche Räume wären...
Diese Aussagen haben mich sehr abgeschreckt, vor allem weil alles wieder mit Kosten verbunden ist und ich ja dabei kaum etwas einnehme mit ganz viel Glück komme ich vielleicht auf 400-700€ im Jahr und schon dieser Minimalbetrag ist nicht einmal vorhersehbar.
Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Mühe und Ihre Hilfe.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.10.2015 | 10:32
1. Also ich denke schon, dass ich mit 12€ am Tag unter dem Wert der Leistung liege und hiermit keinerlei Gewinnerzielungsabsicht verfolge.
Ja, das denke ich auch. M.E. ist dann weder eine Besteuerung erforderlich noch liegt ein Gewerbe vor.
2. Die Auffassung des Gewerbeamtes vertrete ich nicht. Ich würde Ihnen empfehlen eine schriftliche Anfrage zum Thema, ob die genannten Vorkehrungen tatsächlich erforderlich sind, stellen, so wie Sie geschildert haben (ein Hunde, selten, evtl. Freistellung von Haftpflichtansprüchen durch die Hundebesitzerin).
Bewertung des Fragestellers 02.10.2015 | 11:20
"Alle meine Fragen wurden ausführlich geklärt und mit der aktuellen Rechtsprechung untermauert. Vielen Dank ich bin sehr zufrieden!"
FRAGESTELLER 02.10.2015 5/5,0

References: § 1
 § 1
 § 146
	§ 14
 § 14
 §11