Source: http://www.hensche.de/Anzeigenredakteure_Tendenztraeger_Mitbestimmung_Betriebsrat_betriebliche_Bildung_BAG_1ABR78-08.html
Timestamp: 2017-12-15 00:42:23+00:00

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hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 20. April 2010 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die
Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Fe­der­lin und Brun­ner für Recht er­kannt:
so­wie für das Ver­fas­sen von An­zei­gen zu fir­men­be­zo­ge­nen The­men wie zB Ju­biläen so­wie Geschäfts­neu- oder -wie­de­reröff­nun­gen, die als Kun­den-an­zei­gen ge­kenn­zeich­net sind. Die Auf­ga­be der An­zei­gen­re­dak­teu­re be­steht in der Auf­be­rei­tung des von Kun­den an­ge­lie­fer­ten Wort- und Bild­ma­te­ri­als, der Be­ar­bei­tung und dem Ver­fas­sen von Tex­ten, ih­rer re­dak­tio­nel­len und tech­ni­schen Aus­ge­stal­tung so­wie in der Ko­or­di­nie­rung sämt­li­cher Tätig­kei­ten. Die An­zei­gen­re­dak­teu­re neh­men an der Re­dak­ti­ons­kon­fe­renz nicht teil. Die von ih­nen be­ar­bei­te­ten An­zei­gen­son­der­veröffent­li­chun­gen er­schei­nen oh­ne Ände­run­gen in ei­ner wei­te­ren K Ta­ges­zei­tung.
1. der Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, es künf­tig zu un­ter­las­sen, ein­sei­tig oh­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats oder der Ent­schei­dung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le in­ner­be­trieb­li­che Bil­dungs­maßnah­men für Mit­glie­der der Re­dak­ti­on Ver­lags­bei­la­gen der An­zei­gen­ab­tei­lung durch­zuführen,
Das Ar­beits­ge­richt hat dem Un­ter­las­sungs­an­trag ent­spro­chen und der Ar­beit­ge­be­rin für den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ein Ord­nungs­geld iHv. 1.000,00 Eu­ro an­ge­droht. Ge­gen die­sen Be­schluss ha­ben die Ar­beit­ge­be­rin Be­schwer­de und der Be­triebs­rat An­schluss­be­schwer­de mit dem Ziel ein­ge­legt,
der Ar­beit­ge­be­rin für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ein Ord­nungs­geld iHv. 10.000,00 Eu­ro an­zu­dro­hen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ent­spro­chen und die An­schluss­be­schwer­de des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen, oh­ne sich mit des­sen hilfs­wei­se ge­stell­ten Fest­stel­lungs­an­trag zu be­fas­sen. In der Rechts­be­schwer­de­instanz ver­folgt der Be­triebs­rat sei­ne zu­letzt vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­stell­ten Anträge wei­ter.
1. Der An­trag be­darf der Aus­le­gung.
Nach sei­nem Wort­laut ist er dar­auf ge­rich­tet, der Ar­beit­ge­be­rin un­ter den im An­trag ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen die Durchführung von Maßnah­men der be­trieb­li­chen Be­rufs­bil­dung iSd. § 98 Be­trVG un­abhängig von ih­rem Ten­denz­be­zug zu un­ter­sa­gen. Die­ses An­trags­verständ­nis ent­spricht auch dem Wil­len des Be­triebs­rats, was die­ser in der Anhörung vor dem Se­nat aus­drück­lich bestätigt hat. Der Be­triebs­rat möch­te ent­spre­chend dem von ihm an­geführ­ten An­lass­fall ver­hin­dern, dass die Ar­beit­ge­be­rin die An­zei­gen­re­dak­teu­re oh­ne sei­ne Zu­stim­mung zu be­trieb­li­chen Be­rufs­bil­dungs­maßnah­men ent­sen­det. Da­mit er­streckt sich der Un­ter­las­sungs­an­trag auch auf Maßnah­men der Ar­beit­ge­be­rin, bei de­nen nicht das „wie“ der be­trieb­li­chen Be­rufs­bil­dungs­maßnah­me, son­dern aus­sch­ließlich das Teil­nah­me­recht von An­zei­gen­re­dak­teu­ren zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en im Streit ist und bei de­nen sich das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats nicht nach § 98 Abs. 1 Be­trVG, son­dern nach § 98 Abs. 3 und 4 Be­trVG rich­tet.
2. Mit die­sem In­halt ist der An­trag hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO und ggf. voll­stre­ckungsfähig gem. § 85 Abs. 1 Satz 1, Satz 3 ArbGG iVm. § 888 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Bei ei­ner dem An­trag statt­ge­ben­den Ent­schei­dung kann die Ar­beit­ge­be­rin ein­deu­tig er­ken­nen, wel­cher Hand­lun­gen sie sich ent­hal­ten soll und wann sie we­gen ei­nes Ver­s­toßes mit der Verhängung ei­nes Ord­nungs­gel­des rech­nen muss.
aus­set­zun­gen Vor­schläge für die Teil­nah­me von Ar­beit­neh­mern an Maßnah­men der be­ruf­li­chen Bil­dung ma­chen und bei de­ren Nicht­an­nah­me durch den Ar­beit­ge­ber über die Aus­wahl der Teil­neh­mer mit­ent­schei­den. Das Be­tei­li­gungs­recht nach § 98 Abs. 3 und 4 Be­trVG setzt aber vor­aus, dass der Be­triebs­rat zu­vor ei­ge­ne Vor­schläge für die Per­son der Teil­neh­mer ge­macht hat; ent­ge­gen der Vor­stel­lun­gen des Be­triebs­rats kann er sich nicht dar­auf be­schränken, der vom Ar­beit­ge­ber ge­trof­fe­nen Aus­wahl zu wi­der­spre­chen (vgl. BAG 8. De­zem­ber 1987 - 1 ABR 32/86 - zu B II 2 der Gründe, BA­GE 57, 114).
Be­richt­er­stat­tung und Mei­nungsäußerung ei­nes Pres­se­un­ter­neh­mens un­mit­tel­bar in­halt­lich Ein­fluss neh­men können (1. Sep­tem­ber 1987 - 1 ABR 22/86 - zu B 2 a aa der Gründe mwN, BA­GE 56, 71). Als ei­ne sol­che Ein­fluss­nah­me auf die Ten­denz­ver­wirk­li­chung kom­men so­wohl ei­ge­ne Veröffent­li­chun­gen wie auch die Aus­wahl und das Re­di­gie­ren von Beiträgen und Tex­ten Drit­ter in Be­tracht (31. Mai 1983 - 1 ABR 57/80 - zu B II 1 b aa der Gründe, BA­GE 43, 35). In der Tätig­keit ei­nes Re­dak­teurs ver­mit­telt sich die für ei­nen Zei­tungs­ver­lag kenn­zeich­nen­de Ten­denz (30. Mai 2006 - 1 ABR 17/05 - Rn. 23, BA­GE 118, 205). Auf des­sen pres­se­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit kommt es hin­ge­gen nicht an (7. No­vem­ber 1975 - 1 AZR 282/74 - zu 1 der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 118 Nr. 4 = EzA Be­trVG 1972 § 118 Nr. 9).
(1) Nach den vom Be­triebs­rat nicht mit Ver­fah­rensrügen an­ge­grif­fe­nen und da­her für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts (§ 559 Abs. 2 ZPO) gehört die Be­ar­bei­tung der Tex­te von An­zei­gen­son­der­veröffent­li­chun­gen zu den Auf­ga­ben der An­zei­gen­re­dak­teu­re. Der über­wie­gen­de Teil ih­rer Tätig­keit be­steht in der Be­ar­bei­tung von frem­den Tex­ten, die ent­we­der von ih­nen selbst oder nach ih­ren Vor­ga­ben durch be­auf­trag­te Re­dak­teu­re re­di­giert wer­den. Da­ne­ben ob­liegt ih­nen das Ver­fas­sen von länge­ren An­zei­gen­tex­ten für Kun­den zB aus An­lass von Fir­men­ju­biläen. Auf die Aus­wahl des veröffent­lich­ten Text- und Bild­ma­te­ri­als und auf de­ren Be­ar­bei­tung ha­ben die An­zei­gen­kun­den der Son­der­veröffent­li­chun­gen kei­nen Ein­fluss.
IV. Der hilfs­wei­se ge­stell­te Fest­stel­lungs­an­trag ist zulässig, aber un­be­gründet.
a) Der Zulässig­keit des An­trags steht nicht ent­ge­gen, dass er er­neut im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren ge­stellt wur­de.
das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus pro­zessöko­no­mi­schen Gründen dann an­er­kannt, wenn der geänder­te Sach­an­trag sich auf ei­nen in der Be­schwer­de­instanz fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt stützen kann (vgl. 26. Ok­to­ber 2004 - 1 ABR 37/03 - zu B I 1 a der Gründe, BA­GE 112, 238). Dies ist bei dem Fest­stel­lungs­an­trag der Fall. Das Prüfpro­gramm des Se­nats wird durch ihn nicht er­wei­tert, son­dern be­schränkt sich auf die be­reits im Rah­men des Un­ter­las­sungs­an­trags zu be­han­deln­den Fra­gen.
zur Übersicht 1 ABR 78/08

References: § 98
 § 98
 § 98
 § 253
 § 85
 § 888
 § 98
 § 118
 § 118