Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Hessen&Datum=14.03.2006&Aktenzeichen=11%20UE%201426/04
Timestamp: 2019-07-21 01:32:42+00:00

Document:
VGH Hessen, 14.03.2006 - 11 UE 1426/04 - dejure.org
https://dejure.org/2006,2393
VGH Hessen, 14.03.2006 - 11 UE 1426/04 (https://dejure.org/2006,2393)
VGH Hessen, Entscheidung vom 14.03.2006 - 11 UE 1426/04 (https://dejure.org/2006,2393)
VGH Hessen, Entscheidung vom 14. März 2006 - 11 UE 1426/04 (https://dejure.org/2006,2393)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2006,2393) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Einstufung eines Mischlingshundes als gefährlicher Hund
HundeVO § 2 Abs. 1 S. 2
Begriff der Kreuzung eines Hundes im Sinne von § 2 Abs. 1 S. 2 Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden (HundeVO) ; Voraussetzungen der Einstufung eines aus der zweiten oder einer späteren Generation stammenden Abkömmlings eines Listenhundes i.S.d. HundeVO als einen gefährlichen Hund; Verstoß der Verwendung des Begriffs "Kreuzung" in § 2 Abs. 1 S. 2 HundeVO gegen den Bestimmtheitsgrundsatz; Verstoß der Ungleichbehandlung von Haltern von Mischlingshunden mit Kenntnis über die Abstammung ihres Hundes von einem Listenhund und Haltern ohne Kenntnis der Abstammung ihres Hundes gegen Art. 3 GG
Erlaubnispflichtigkeit der Haltung eines Mischlingshundes, der in zweiter Generation von einem Pitbull-Terrier abstammt
Erlaubnispflichtigkeit bei Haltung eines Mischlingshundes - Auch Pitbull-Terrier in zweiter Generation gelten als gefährlich
VG Gießen, 10.03.2003 - 10 E 4091/01
ESVGH 56, 250 (Ls.)
NVwZ-RR 2006, 794
DÖV 2006, 968
vgl. Hess. VGH, Urteil vom 14. März 2006 - 11 UE 1426/04 -, juris, Rn. 22; OVG Berlin-Bbg., Beschluss vom 3. August 2015 - OVG5 S 36.14 -, juris, Rn. 7.
So im Ergebnis auch Hess. VGH, Urteil vom 14. März 2006 - 11 UE 1426/04 -, juris, Rn. 21 ff.; OVG Berlin-Bbg., Beschluss vom 3. August 2015 - OVG 5 S 36.14 -, juris, Rn. 6 ff., zu den insoweit vergleichbaren Formulierungen in § 2 Abs. 1 Satz 2 HundVO Hessen bzw. § 8 Abs. 2 HundehV Brandenburg; zur abweichenden Rechtslage in Bayern siehe Bay. VGH, Beschluss vom 17. Juli 2009 - 10 B 09.89 -, juris, Rn. 23.
In diesem Sinne auch Hess. VGH, Urteil vom 14. März 2006 - 11 UE 1426/04 -, juris, Rn. 28 f.; OVG Berlin-Bbg., Beschluss vom 3. August 2015 - OVG 5 S 36.14 -, juris, Rn. 12.
Eine Unterscheidung erfolgt insoweit lediglich durch die Einordnung in bestimmten Generationen, etwa Nachkommen der F1-, F2-, F3-, usw.- Generationen (vgl. Hessischer VGH, Urteil vom 14. März 2006 - 11 UE 1426/04 -, juris Rn. 22).
Diese Wortlautauslegung steht im Einklang mit der übereinstimmenden obergerichtlichen Rechtsprechung zu den wortgleichen Bestimmungen in den entsprechenden Gefahrenabwehrvorschriften anderer Bundesländer (vgl. Hessischer VGH, Urteil vom 14. März 2006, a.a.O., juris Rn. 20, zu § 2 Abs. 1 Satz 2 HuV Hessen; OVG Nordrhein-Westfalen…, Urteil vom 17. Juni 2004 - 14 A 953/02 -, juris Rn. 26, in Bezug auf § 3 Abs. 2 LHundG Nordrhein-Westfalen, bestätigt durch BVerwG…, Beschluss vom 22. Dezember 2004 - BVerwG 10 B 21.04 -, juris Rn. 9; Niedersächsisches OVG…, Urteil vom 30. Mai 2001 - 11 K 2877/00 -, juris Rn. 59, zu § 1 Abs. 2 Nr. 3 GefTVO Niedersachsen; OVG Hamburg…, Beschluss vom 11. Dezember 2000 - 2 Bs 306/00 -, juris Rn. 14, zu § 1 Abs. 1 und 2 HundeVO Hamburg; OVG des Saarlandes, Urteil vom 1. Dezember 1993 - 3 N 3/93 -, juris Rn 194, zu § 1 der KampfhundeVO Saarland; VGH Baden-Württemberg…, Urteil vom 18. August 1992 - 1 S 2550/91 -, juris Rn. 52, zu § 1 HuV Baden-Württemberg).
Vielmehr hat er durch die Verwendung des Begriffs im Plural ("Kreuzungen") deutlich gemacht, dass damit nicht nur der aus der Verpaarung zweier Rassehunde oder der Kreuzung eines solchen Hundes mit einem anderen Hund unmittelbar hervorgegangene Mischlingshund, sondern auch die Mischlinge der nachfolgenden Generationen erfasst werden sollten (vgl. auch Hessischer VGH, Urteil vom 14. März 2006, a.a.O. juris Rn. 23, zu dem wortlautgleichen Begriff in § 2 Abs. 1 Satz 2 HundeVO).
Dass eine Abgrenzung nach derartigen Merkmalen erfolgt, wird davon abgesehen auch in der Rechtsprechung (vgl. OVG LSA, Urteil vom 12. Februar 2008, 4 L 384/05, juris; HambOVG, Beschluss vom 18. August 2008, 4 Bs 72/08, juris; HessVGH, Urteil vom 14. März 2006, NVwZ-RR 2006, S. 794, 795) angenommen.
Dass eine Rassenzuordnung nach phänotypischen Merkmalen erfolgt, entspricht auch allgemeiner Ansicht (…vgl. OVG Magdeburg, Urt. v. 12.2.2008, 4 L 384/05, juris, Rn. 24;… VGH München, Beschl. v. 21.12.2006, 24 ZB 06.2008, juris, Rn. 18; VGH Kassel, Urt. v. 14.3.2006, NVwZ-RR 2006, 794, 795).
Dabei spricht Vieles dafür, von einer Kreuzung im Sinne des § 2 Abs. 1 HundeG nur dann zu sprechen, wenn sich phänotypische Merkmale einer der in dieser Bestimmung aufgeführten Rassen auch bei dem Mischling wiederfinden (…in diesem Sinne auch: OVG Magdeburg, Urt. v. 12.2.2008, 4 L 384/05, juris, Rn. 24; VGH Kassel, Urt. v. 14.3.2006, NVwZ-RR 2006, 794, 795).
Eine Unterscheidung erfolgt insoweit lediglich durch die Einordnung in bestimmte Generationen (vgl. HessVGH, Urt. v. 14.03.2006 -11 UE 1426/04 -, juris).
Zur Begründung wird im Wesentlichen darauf verwiesen, dass der Gesetzeswortlaut (des Bundesgesetzes) eine weitergehende Beschränkung auf bestimmte Elterngenerationen nicht gebiete (HessVGH, Urt. v. 14.03.2006, a. a. O.).
VGH Bayern, 02.04.2019 - 10 CS 19.277
Haltungsuntersagung, Aufschiebende Wirkung, Sachverständigengutachten
Bei Kreuzungen wird die Kampfhundeeigenschaft allerdings nur bis zur sog. F 1 -Generation angenommen, d.h. ein Elternteil des Mischlingshundes ist ein reinqassiger Kampfhund im Sinne des § 1 Abs. 1 KampfhundeV (…vgl. BayVGH, B.v. 17.7.2009 - 10 B 09.89 - juris Rn. 23;… B.v. 18.9.2013 - 10 CS 13.1544 - juris Rn. 26;… a.A. OVG Bln-Bgb, B.v. 3.8.2015 - OVG 5 S 36.14 - juris Rn. 12; HessVGH, B.v. 14.3.2006 - 11 UE 1426/04 - juris).
Die Beweislast dafür, dass es sich beim Hund des Antragstellers um einen Hund der Kategorie 1 handelt, trifft die Antragsgegnerin (HessVGH, U.v. 14.3. 2006 - 11 UE 1426/04 - juris;… OVG LSA, B.v. 26.4.2016 - 3 L 129/15 - juris Rn. 17).
Bloße Vermutungen und Hypothesen genügen für die Einstufung als Kampfhund nicht (vgl. HessVGH vom 14.3.2006 NVwZ-RR 2006, 794).
OVG Nordrhein-Westfalen, 23.06.2017 - 5 B 1311/16
vgl. OVG NRW, Urteil vom 17. Juni 2004 - 14 A 953/02 -, juris, Rn. 26; Hess. VGH, Urteil vom 14. März 2006 - 11 UE 1426/04 -, juris, Rn. 19; Haurand, Landeshundegesetz NRW, 6. Aufl. 2014, § 3 Anm. 2.
So aber u.a. Hessischer Verwaltungsgerichtshof, Urteil vom 14. März 2006 - 11 UE 1426/04 -, juris Rn. 29 und OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 3. August 2015 - 5 S 36.14 -, juris Rn. 12.
Da hinsichtlich des Vorliegens der Voraussetzungen der Normen der Hundeverordnung die zuständige Behörde im Zweifelsfall die Beweislast trifft (vgl. Hess. VGH, Urteil vom 14.03.2006 - 11 UE 1426/04 -, NVwZ-RR 2006, 794), ist der aufgerufene Tatbestand mithin nicht gegeben.
VG Gießen, 19.08.2010 - 8 K 168/09
VG Gießen, 19.08.2010 - 8 K 4293/09
VG Frankfurt/Oder, 13.02.2013 - 6 L 28/13

References: § 2
 § 2
 § 2
 Art. 3
 § 2
 § 8
 § 2
 § 3
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 2
 § 2
 § 1
 § 3