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Timestamp: 2017-01-22 16:14:13+00:00

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HENSCHE Arbeitsrecht: 5 AZR 310/08
Saison-Kurzarbeit, Kurzarbeit, Baugewerbe
§ 4 Nr. 6.1 Satz 2 des Bun­des­rah­men­ta­rif­ver­trags für das Bau­ge­wer­be ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber zur Zah­lung des Sai­son-Kurz­ar­bei­ter­gelds in der ge­setz­li­chen Höhe un­abhängig da­von, ob die persönli­chen Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen für das Kurz­ar­bei­ter­geld gemäß §§ 169, 172 SGB III erfüllt sind.
Arbeitsgericht Kiel, Urteil vom 22.11.2007 - 5 Ca 917 a/07Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 25.03.2008 - 2 Sa 5/08
5 AZR 310/08 2 Sa 5/08Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein Im Na­men des Vol­kes!
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. April 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch und Brein­lin­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Reh­wald und Dr. Dom­brow­sky für Recht er­kannt: - 2 -
Der Kläger war seit 1999 im Bau­be­trieb der Be­klag­ten als Mau­rer beschäftigt. Er be­zog zu­letzt ei­ne Ar­beits­vergütung von mo­nat­lich 2.524,00 Eu­ro brut­to. Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 30. Ja­nu­ar 2007, dem Kläger zu­ge­gan­gen am sel­ben Tag, „we­gen Ar­beits-man­gels“ zum 31. März 2007. Der Kläger reich­te am 20. Fe­bru­ar 2007 ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge beim Ar­beits­ge­richt ein. Im Fe­bru­ar und März 2007 fiel die Ar­beit bei der Be­klag­ten auf­grund von Kurz­ar­beit aus. Die Par­tei­en schlos­sen am 12. März 2007 ei­nen Ver­gleich, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis bei Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung iHv. 1.500,00 Eu­ro zum 31. März 2007 en­de­te und die Be­klag­te den Kläger un­ter Fort­zah­lung der Vergütung, aber oh­ne An­rech­nung auf Ur­laub, für die letz­te März­wo­che frei­stell­te. - 3 - Die Be­klag­te hat­te für Fe­bru­ar 2007 Sai­son-Kurz­ar­bei­ter­geld iHv. 1.133,47 Eu­ro zu­guns­ten des Klägers ab­ge­rech­net. Mit der März­ab­rech­nung brach­te sie die­sen Be­trag wie­der in Ab­zug. Für die Zeit vom 1. bis zum 12. März 2007 zahl­te die Be­klag­te kei­ne Vergütung. Sie rech­ne­te für den an­sch­ließen­den Zeit­raum bis zum 26. März 2007 Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall und für den rest­li­chen März 31 Nor­mal­stun­den ab.
Der Kläger hat, so­weit in der Re­vi­si­on noch von In­ter­es­se, be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.515,59 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Mai 2007 zu zah­len.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen An­spruch wei­ter. - 4 -
I. Der An­spruch be­ruht nicht auf § 615 iVm. § 611 Abs. 1 BGB. 1. Nach § 615 Satz 1 BGB kann der Ar­beit­neh­mer die ver­ein­bar­te Vergütung ver­lan­gen, wenn der Ar­beit­ge­ber in An­nah­me­ver­zug kommt (§§ 293 ff. BGB). Zur Nach­leis­tung der Ar­beit ist der Ar­beit­neh­mer nicht ver­pflich­tet. Ent­spre­chen­des gilt, wenn die Ar­beit ausfällt und der Ar­beit­ge­ber das Ri­si­ko des Ar­beits­aus­falls trägt, § 615 Satz 3 BGB.
3. Al­ler­dings entfällt bei ei­ner ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer rechtmäßig und wirk­sam an­ge­ord­ne­ten Kurz­ar­beit die Ar­beits­pflicht des Ar­beit­neh­mers ganz oder teil­wei­se. An­nah­me­ver­zug tritt in­so­weit nicht ein (vgl. BAG 18. Ok­to­ber 1994 - 1 AZR 503/93 - zu I 1 und II der Gründe, AP BGB § 615 Kurz­ar­beit Nr. 11 = EzA BGB § 615 Kurz­ar­beit Nr. 2; ErfK/Preis 9. Aufl. § 615 BGB Rn. 14). Der Ar­beit­ge­ber trägt auch nicht mehr das vol­le Ri­si­ko des Ar­beits­aus­falls iSv. § 615 Satz 3 BGB. Der Ar­beit­neh­mer behält den Lohn­an­spruch in Höhe des Kurz­ar­bei­ter­gelds (BAG 11. Ju­li 1990 - 5 AZR 557/89 - BA­GE 65, 260, 262 ff.). Die Vergütungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers entfällt al­so nicht vollständig. Das ist ins­be­son­de­re von Be­deu­tung, wenn ein An­spruch auf Kurz­ar­bei­ter­geld nicht be­steht (BAG 11. Ju­li 1990 - 5 AZR 557/89 - aaO; - 5 - ErfK/Preis § 615 BGB Rn. 15). Ob die An­ord­nung der Kurz­ar­beit ge­genüber dem Kläger rechtmäßig und wirk­sam war, be­darf kei­ner Ent­schei­dung, weil der Kläger Vergütung nur in Höhe des Kurz­ar­bei­ter­gelds ver­langt. Die­ser An­spruch steht ihm - ab­ge­se­hen von an­zu­wen­den­den ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten - zu.
3. Ei­ne Aus­zah­lungs­pflicht enthält auch § 320 SGB III. Nach des­sen Abs. 1 Satz 1 und 2 hat der Ar­beit­ge­ber der Agen­tur für Ar­beit auf Ver­lan­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die Er­brin­gung von Kurz­ar­bei­ter­geld nach­zu­wei­sen so­wie die­se Leis­tung kos­ten­los zu er­rech­nen und aus­zu­zah­len. Die Vor­schrift be­gründet aber le­dig­lich die Pflicht des Ar­beit­ge­bers, die durch die Ar­beits­agen­tur zur Verfügung ge­stell­ten Beträge an die Ar­beit­neh­mer wei­ter­zu­lei­ten (Hüne­cke in Ga­gel SGB III Stand Ja­nu­ar 2009 § 320 Rn. 15; Kro­del in Nie­sel SGB III 4. Aufl. § 320 Rn. 4, 6). Die Ar­beits­agen­tur hat für den Kläger im Hin­blick auf § 172 Abs. 1 Nr. 2 SGB III kei­ne Leis­tung er­bracht. Da­ge­gen konn­te der Kläger nicht ge­richt­lich vor­ge­hen (vgl. BSG 25. Mai 2005 - B 11a/11AL 15/04 R - NZA-RR 2006, 102). Darüber hin­aus spricht viel dafür, dass ei­nem An­spruch des Klägers auf Leis­tun­gen gem. § 175 SGB III in der Tat die Be­stim­mung des § 172 Abs. 1 Nr. 2 SGB III ent­ge­gen­steht. Hier­nach sind die persönli­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nur erfüllt, wenn das Ar­beits­verhält­nis nicht gekündigt oder durch Auf­he­bungs­ver­trag auf­gelöst ist. Der Kläger hat­te am 30. Ja­nu­ar 2007 ei­ne schrift­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten zum 31. März 2007 er­hal­ten, das Ar­beits­verhält­nis war des­halb im Fe­bru­ar und März 2007, auch schon vor dem Ver­gleichs­ab­schluss vom 12. März 2007, gekündigt. Al­ler­dings soll bei Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge bis zur Bestäti­gung der Kündi­gung für die Zeit ei­ner Wei­ter­ar­beit Kurz­ar­bei­ter­geld zu zah­len sein, da es so lan­ge im­mer­hin noch möglich und of­fen sei, ob der Ar­beits­platz er­hal­ten wer­de (Pet­zold in Hauck/Noftz SGB III Stand März 2009 § 172 Rn. 12; Ro­eder in Nie­sel SGB III 3. Aufl. § 172 Rn. 7, eben­so Kro­del in Nie­sel SGB III 4. Aufl. § 172 Rn. 7; Bie­back in Ga­gel SGB III § 172 Rn. 33; Rund­er­lass der - 7 - Bun­des­agen­tur zu § 172 SGB III DA 4.2. 2006/9 S. 57 ff.; aA Es­tel­mann in Ei­cher/Schle­gel SGB III Stand März 2009 § 172 Rn. 43, 45 ff.; Mutsch­ler in NK-SGB III 3. Aufl. § 172 Rn. 39). Dem­ge­genüber stellt die ge­setz­li­che Re­ge­lung al­lein auf die Tat­sa­che der Kündi­gung, nicht dar­auf ab, ob die­se noch ge­richt-lich über­prüft wird. Das gilt auch während der Dau­er der Kündi­gungs­frist.
b) Ge­gen ei­ne bloß de­kla­ra­to­ri­sche Re­ge­lung in dem be­zeich­ne­ten Sin­ne spricht, dass der Ta­rif­ver­trag aus­drück­lich ei­ne Zah­lungs­pflicht, nicht nur ei­ne Pflicht zur Aus­zah­lung be­gründet. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind of­fen­bar übe­rein­stim­mend da­von aus­ge­gan­gen, dass das Un­ter­blei­ben der An­zei­ge des Ar­beits­aus­falls an die Agen­tur für Ar­beit (§ 175 Abs. 1 Nr. 4 iVm. § 173 SGB III) der Zah­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers nicht ent­ge­gen­ste­hen soll. Der Ar­beit- - 8 -
- 9 - un­ter bloßem Ver­weis auf die er­satz­wei­se ein­tre­ten­den So­zi­al­leis­tun­gen bedürf­te ei­ner ein­deu­ti­gen Re­ge­lung, denn nicht al­le Ar­beit­neh­mer sind in den Be­zug des Kurz­ar­bei­ter­gelds ein­be­zo­gen. Die Ta­rif­norm lässt nicht hin­rei­chend deut­lich er­ken­nen, dass sie das Ri­si­ko des Ar­beits­aus­falls auch dann auf den Ar­beit­neh­mer ver­la­gern will, wenn kein Kurz­ar­bei­ter­geld ge­leis­tet wird, weil es an den persönli­chen Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen des § 172 Abs. 1 SGB III fehlt. Die in § 172 Abs. 1 bis 3 SGB III ge­re­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen be­tref­fen die be­son­de­ren Verhält­nis­se des Ver­si­cher­ten im Verhält­nis zur Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft. Sie ha­ben kei­nen aus­rei­chen­den Be­zug zu § 615 BGB. Des­halb sind die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 615 Satz 3 BGB in­so­weit nicht mo­di­fi­ziert.
- 10 - ei­ne Net­to-Vergütungs­pflicht nicht her­lei­ten. Da die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen über die Steu­er- und Bei­trags­pflicht nicht zu ent­schei­den ha­ben und et­wai­ge Abzüge der Kläger zu tra­gen hat, kommt nur die Ver­ur­tei­lung zu ei­ner Brut­to-Zah­lung in Be­tracht (vgl. Se­nat 30. April 2008 - 5 AZR 725/07 - Rn. 20, AP SGB IV § 28g Nr. 4 = EzA BGB 2002 § 611 Net­to­lohn, Lohn­steu­er Nr. 3).
Müller-Glöge Mi­kosch Brein­lin­ger
R. Reh­wald Dom­brow­sky	m.hensche.de
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References: § 4
 § 615
 § 611
 § 615
 § 615
 § 615
 § 615
 § 615
 § 615
 § 615
 § 320
 § 320
 § 320
 § 172
 § 175
 § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 172
 § 173
 § 172
 § 172
 § 615
 § 615
 § 28
 § 611