Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/altersvorsorgezulage-und-die-alleinige-zustaendigkeit-des-finanzgerichts-berlin-brandenburg-3100232?pk_campaign=feed&pk_kwd=altersvorsorgezulage-und-die-alleinige-zustaendigkeit-des-finanzgerichts-berlin-brandenburg
Timestamp: 2020-04-02 00:26:29+00:00

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Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge – und die allei­ni­ge Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg | Rechtslupe
Nach die­ser Vor­schrift ist das Finanz­ge­richt zustän­dig, in des­sen Bezirk die Behör­de, gegen wel­che die Kla­ge gerich­tet ist, ihren Sitz hat. Die Kla­ge rich­tet sich gegen die Beschei­de und die Ein­spruchs­ent­schei­dung der ZfA. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ist die mit dem Zula­ge­ver­fah­ren beauf­trag­te "zen­tra­le Stel­le" i.S. des § 81 EStG und damit eine Finanz­be­hör­de gemäß § 6 Abs. 2 Nr. 7 der Abga­ben­ord­nung in der im Streit­jahr gül­ti­gen Fas­sung (AO), so dass sie und nicht das die Fach­auf­sicht gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 18 Satz 3 des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes (FVG) aus­üben­de BZSt die für die Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt ent­schei­den­de Behör­de ist 1. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund hat für die Ver­wal­tung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge in Bran­den­burg an der Havel eine Dienst­stel­le, die ZfA, errich­tet, die die ange­foch­te­nen Beschei­de erlas­sen hat. Ihren Behör­den­sitz hat die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund in Ber­lin. Da die Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg sowohl Ber­lin als auch Bran­den­burg umfasst (sie­he Art. 1 Abs. 1 Nr. 3 des Staats­ver­tra­ges über die Errich­tung gemein­sa­mer Fach­ober­ge­rich­te der Län­der Ber­lin und Bran­den­burg 2), kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob im Streit­fall auf den Sitz der Dienst­stel­le oder den Behör­den­sitz abzu­stel­len ist 3.
Zwei­fel an der ört­li­chen Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg auf­grund von § 38 Abs. 1 FGO teilt der Bun­des­fi­nanz­hof nicht. Ins­be­son­de­re kommt eine Zustän­dig­keit des für sei­nen Wohn­sitz Kre­feld zustän­di­gen Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf gemäß § 38 Abs. 2 FGO nicht in Betracht. Weder das BZSt noch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund sind ‑wie von § 38 Abs. 2 FGO gefor­dert- obers­te Finanz­be­hör­den. Die­se sind nur die in § 1 Nr. 1, § 2 Abs. 1 Nr. 1 FVG und § 6 Abs. 2 Nr. 1 AO genann­ten Finanz­be­hör­den 4.
Auf eine aus­drück­li­che Zustän­dig­keits­re­ge­lung, wie sie in § 38 Abs. 2a FGO für Ange­le­gen­hei­ten des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs ‑bis zum 1.05.2016 befris­tet- geschaf­fen wur­de 5, hat der Gesetz­ge­ber für die Alters­vor­sor­ge­zu­la­gen­ver­fah­ren ver­zich­tet. Gera­de die spe­zi­el­le Zustän­dig­keits­zu­wei­sung des § 38 Abs. 2a FGO zeigt, dass dem Klä­ger in sei­ner Argu­men­ta­ti­on nicht gefolgt wer­den kann, eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 38 Abs. 2 FGO sei im Streit­fall des­halb nicht mög­lich, weil bei der Zuwei­sung der ört­li­chen Zustän­dig­keit in § 38 FGO die Kon­stel­la­ti­on der Aus­glie­de­rung von Kom­pe­ten­zen im Wege der Organ­lei­he nicht gese­hen wor­den sei. § 38 Abs. 2a FGO nor­miert einen Fall der Organ­lei­he.
Der Rechts­weg, den Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG für (behaup­te­te) Rechts­ver­let­zun­gen durch die öffent­li­che Gewalt gewähr­leis­tet, bedarf der nor­ma­ti­ven Aus­ge­stal­tung. Dem Gesetz­ge­ber kommt dabei nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) eine wei­te Gestal­tungs­frei­heit zu. Ins­be­son­de­re gebührt ihm der Vor­rang, zwi­schen Erfor­der­nis­sen der Rechts­si­cher­heit und mög­li­chen Ein­bu­ßen an Chan­cen, mate­ria­le Gerech­tig­keit im Ein­zel­fall her­zu­stel­len, abzu­wä­gen. Die Aus­ge­stal­tung des Rechts­wegs muss dabei dem Schutz­zweck des Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG Genü­ge tun: Sie muss das Ziel die­ser Gewähr­leis­tung ‑den wir­kungs­vol­len Rechts­schutz- ver­fol­gen; sie muss hier­für zweck­ge­rich­tet, geeig­net und ange­mes­sen sowie für den Recht­su­chen­den zumut­bar sein, ins­be­son­de­re nicht unan­ge­mes­sen hohe ver­fah­rens­recht­li­che Hin­der­nis­se für den Zugang zum Gericht auf­stel­len 6.
Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Auf­ga­be der Gewäh­rung der Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund zu über­tra­gen und damit als Kon­se­quenz die allei­ni­ge erst­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit des Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zu begrün­den, nicht unver­hält­nis­mä­ßig. Die Zen­tra­li­sie­rung der Auf­ga­ben auf eine Bun­des­be­hör­de beruh­te auf einer aus­drück­li­chen For­de­rung des Bun­des­ra­tes im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren. Die­ser hat­te den ursprüng­li­chen Vor­schlag der Bun­des­re­gie­rung, den Voll­zug der Zula­gen­ge­wäh­rung den Finanz­äm­tern zu über­tra­gen, u.a. wegen der damit ver­bun­de­nen Per­so­nal­kos­ten abge­lehnt 7. Die­sem Anlie­gen hat der Gesetz­ge­ber auf Vor­schlag des Ver­mitt­lungs­aus­schus­ses 8 Rech­nung getra­gen, indem er in § 81 EStG als zen­tra­le Stel­le die Bun­des­ver­si­che­rungs­an­stalt für Ange­stell­te (jetzt Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund) bestimm­te. Die zen­tra­li­sier­te Auf­ga­ben­er­fül­lung mit allen damit auch für den Rechts­schutz ver­bun­de­nen Kon­se­quen­zen war infol­ge­des­sen das Resul­tat eines poli­ti­schen Wil­lens­bil­dungs­pro­zes­ses und der Abwä­gung der unter­schied­li­chen Inter­es­sen durch die Gesetz­ge­bungs­or­ga­ne, die kei­ne Not­wen­dig­keit sahen, die Grund­re­gel des § 38 Abs. 1 FGO, die im Übri­gen auch für ande­re zen­tra­li­sier­te Auf­ga­ben u.a. des BZSt gilt, unter dem Aspekt des orts­na­hen Rechts­schut­zes zu durch­bre­chen.

References: § 81
 § 6
 § 5
 Art. 1
 § 38
 § 38
 § 38
 § 1
 § 2
 § 6
 § 38
 § 38
 § 38
 § 38
 § 38
 Art.19
 Art.19
 § 81
 § 38