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Hartz IV Forum - Maßnahme abgelehnt, was nun?
Maßnahme abgelehnt, was nun? (Begonnen von: Benutzer50)
Autor Thema: Maßnahme abgelehnt, was nun? (Gelesen 2199 mal)
Maßnahme abgelehnt, was nun?
« am: 08. März 2017, 14:36:07 »
ich befinde mich in einer Krisensituation. Ich bin über 20 bzw. unter 25 Jahre alt und wohne (alleine) in einer WG, die weiter nichts mit mir/dem KJC zu tun hat. Seit letzten Sommer bin ich auf ALG2 angewiesen und habe bis Anfang dieses Jahres eine Maßnahme gemacht.
Ich war noch nie in einer Ausbildung, möchte aber unbedingt diesen Sommer eine in einem bestimmten Beruf beginnen und habe recht gute Qualifikationen. Bei über 50 Unternehmen habe ich mich dieses Bewerbungsjahr schon beworben, davon habe ich bereits knapp 20 Absagen und 4 Einladungen zu Gesprächen erhalten. 2 weitere Gespräche stehen schon bald an. Damit will ich sagen, dass ich derzeit noch große Hoffnungen und Erwartungen habe, dass sich eine Stelle für mich ergibt und ich auch gerade jetzt viel Zeit habe, mich weiter gut darauf vorzubereiten. Mein Fallmanager sagte auch, dass man mich bei meiner Berufswahl unterstützt.
Nun erhielt ich jedoch vor einer Woche eine Einladung zu einer neuen Maßnahme, bei der es um die Berufsorientierung, die Verbesserung der Bewerbungsunterlagen usw. geht. Also alles, was ich schon mit vielseitiger Unterstützung länger hinter mir habe und was mir für überhaupt nichts mehr weiterhilft. Ich habe den Termin wahrgenommen und dem Leiter das auch freundlich erklärt. Ich habe auch gesagt, dass sich die alte Maßnahme als sehr sinnvoll für meinen Berufswunsch erwiesen hat und ich eine Weiterführung dessen als deutlich sinnvoller empfinde und ich mich ansonsten auf die kommenden Gespräche zu Hause sehr gut vorbereiten kann.
Er hat daraufhin meinen Fallmanager angerufen, aber der hat kein Verständnis für meine Meinung gezeigt und ließ die Aufforderung zur Maßnahme auch nicht fallen. Schließlich habe ich an der Maßnahme nicht teilgenommen. Ich hatte vor Ort ein paar allgemeine Unterschriften gegeben, wie Datenweitergabe usw, aber eine Eingliederungsvereinbarung bzw. ein Vertrag oder ähnliches habe ich nicht unterschrieben.
Das bedeutet nun, dass mir das Geld gestrichen wird, was mir wiederum in anderen Bereichen zum Nachteil wird. Letztens wurden mir bereits 10% für die nächsten 3 Monate gestrichen, da ich einen Termin nicht wahrgenommen hatte, da ich den Brief zu spät empfangen habe.
- Wird mir nun für die Ablehnung das gesamte Geld gestrichen?
- Auch die Miete?
- Wie lange dauert es, bis eine erneute Aufforderung folgt?
- Kann ich irgendetwas dagegen machen, oder das regeln?
Ich will diesen Sommer schleunigst ganz von dem KJC wegkommen und ich brauche grundsätzlich neben der bezahlten Miete nur maximal 50% des ALGs, aber wenn es ganz gestrichen wird, sogar noch die Miete, dann weiß ich nun auch nicht weiter. Ich weiß nicht einmal, was mit meinen Sachen passiert, wenn ich die Wohnung bzw. das Zimmer verlassen muss. Ich kann sie nirgends unterbringen.
Re: Maßnahme abgelehnt, was nun?
« Antwort #1 am: 08. März 2017, 14:48:48 »
1) zusätzlich zu den 10% kanns nun lediglich eine 30% Sanktion geben.
2) KJC sagt mir was von einem berüchtigten JC
- Details habe ich aber gerade nicht im Kopf
3) wirf mal den Scanner auch bezüglich der 10% Sanktion (Termin, Zugang und Sanktionsschreiben, Maßnahmezuweisung)
4) die erste Maßnahme war auch ein Bewerbungstraining (auch hierzu die Maßnahmezuweisung)?
« Antwort #2 am: 08. März 2017, 15:40:40 »
Der TE ist U25, dann stimmt die Reduzierung auf die KdU und KdH leider schon.
Wenn formal keine Fehler zu finden sind, lässt sich noch damit argumentieren, dass du gerade erst eine Maßnahme mit dem gleichen Inhalt abgeschlossen hast.
« Antwort #3 am: 08. März 2017, 15:42:06 »
- Der Leiter der Maßnahme sagte, dass mir direkt alles gestrichen wird, da ich unter 25 Jahre alt bin. Das stimmt also nicht? Wundern würde es mich nicht, da leider öfters falsche, fehlerhafte oder unvollständige Informationen vermittelt werden, bei allem was mit dem JobCenter zu tun hat. Dann kann ich aber trotzdem bald eine neue Aufforderung erwarten, nehme ich an. Edit: BigMama hat es gerade bestätigt.
- Ja, mit KJC meine ich den JobCenter. Die heißen ja von Landkreis zu Landkreis etwas unterschiedlich. Ich lasse das besser mit meinen Abkürzungen.
- Den dritten Punkt verstehe ich nicht ganz. Du meinst, ich soll eine Kopie von dem Brief der Aufforderung hier reinstellen? Das kann ich machen, wenn das gemeint war.
- Nein, die Maßnahme war in einem festen Betrieb, wo ich gearbeitet habe, welcher unter anderem Maßnahmenarbeiter aufnimmt. Diese Maßnahme wurde damals von 6 Monaten auf ein Jahr verlängert. Ich hatte aber die Möglichkeit, an einem Tag in der Woche eine Hilfe beim Bewerben zu bekommen, von dem Verein, zudem der Betrieb gehörte. Das war wiederum nicht verpflichtend, aber ich habe es mindestens 1 mal im Monat genutzt.
« Antwort #4 am: 08. März 2017, 15:45:00 »
Sorry, die U25 hatte ich übersehen!
« Antwort #5 am: 08. März 2017, 19:20:35 »
Gibt es hier einen Thread, wie das Ganze dann abläuft, oder wie man sich während den 3 Monaten selbst helfen kann? Ich kann es mir gerade noch gar nicht vorstellen, dass es wirklich passieren wird.
In dem Fall, dass ich und meine Sachen zu niemandem können, werden sie wohl bei einer Wohnungsräumung entsorgt. Ich kann wahrscheinlich nicht mal alles Wichtige als Wohnungsloser mitnehmen. Ironischerweise werden mir die Folgen einer Obdachlosigkeit oder öffentlichen Wohnheim auch zu einem großen Nachteil bei Vorstellungsgesprächen.
« Antwort #6 am: 08. März 2017, 19:28:46 »
Zitat von: BigMama
dann stimmt die Reduzierung auf die KdU und KdH leider schon.
Nix mit kostenlosem Umzug
« Antwort #7 am: 08. März 2017, 19:48:29 »
Zitat von: Benutzer50 am 08. März 2017, 14:36:07
Letztens wurden mir bereits 10% für die nächsten 3 Monate gestrichen, da ich einen Termin nicht wahrgenommen hatte, da ich den Brief zu spät empfangen habe.
Wie lange ist es her seit dem Sanktionsbescheid?
« Antwort #8 am: 08. März 2017, 19:50:41 »
Jetzt warte erstmal die Anhörung zum Nichtantritt der Maßnahme ab und las sie hier anonymisiert zusammen mit der Zuweisung hoch. Dann sehen wir weiter.
« Antwort #9 am: 08. März 2017, 20:48:40 »
BigMama hat recht. Ganz so schnell werden sie dir das Geld nicht streichen. Erst mal kommt ein Anhörungsbogen von dem für dich zuständigen Arbeitsverhinderer bzw. Sachbearbeiter.
Probiere dich erst mal nicht verrückt zu machen. Ich weiß, ist leichter gesagt als getan...
Du hast in jedem Fall das Richtige getan! Ich wünschte mehr Menschen würden sich gegen den Schwachsinn wehren. Den Sachbearbeitern reicht in der Regel schon ein Fall, der ihnen richtig viel Arbeit macht. Was wohl passiert, wenn sich sowas häuft?
Hab sowas ähnliches auch schon durch. Ich sollte auch genau so eine Maßnahme machen, obwohl meine Bewerbungsunterlagen schon absolut top gewesen sind. Interessiert hat das keinen, selbst eine Beschwerde beim GF des JC hat nichts geholfen. Das ist denen dann total egal, Hauptsache du fällst aus der Statistik. Ich denk grad nur wieder an mein letztes Thema wg. Verschwendung von Geldern.
Das ist sicher auch nicht die Art von Hilfestellung, die du jetzt brauchst.
Letztlich hat es gereicht, dass ich den Maßnahmevertrag nicht unterschrieben habe. Damit hatte der MT keine Abrechnungsrundlage mit dem JC. Sowas doofes auch. Sanktioniert wurden bin ich zwar auch. Vor Gericht konnte ich hier aber zumindest einen Vergleich rausholen.
Lass den Kopf nicht hängen! Irgendwie geht es immer weiter.
"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." - Bertolt Brecht
« Antwort #10 am: 08. März 2017, 23:43:16 »
Zitat von: Benutzer50 am 08. März 2017, 15:42:06
Bei U25 wird direkt nach einer solchen Pflichtverletzung alles an Geldern für drei Monate gestrichen, es wird nur noch die Miete und Heizung bezahlt.
Sh. dazu §31a Abs. 2 SGB II: "(2) Bei erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist das Arbeitslosengeld II bei einer Pflichtverletzung nach § 31 auf die für die Bedarfe nach § 22 zu erbringenden Leistungen beschränkt. Bei wiederholter Pflichtverletzung nach § 31 entfällt das Arbeitslosengeld II vollständig. Absatz 1 Satz 4 und 5 gilt entsprechend. Erklären sich erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nachträglich bereit, ihren Pflichten nachzukommen, kann der Träger unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles ab diesem Zeitpunkt wieder die für die Bedarfe nach § 22 zu erbringenden Leistungen gewähren."
Das bedeutet du wirst nicht obdachlos, aber hast kaum Geld. Ggf. kannst du Sachleistungen/Lebensmittelgutscheine beantragen und bekommen.
« Antwort #11 am: 08. März 2017, 23:59:15 »
Achtung: Eine Minderung wegen Meldeversäumnis (10% / §32 SGB II) tritt zwar zu einer Sanktion nach §31 SGB II hinzu,
löst aber keine wiederholtes (gleichartige) Pflichtverletzung aus.
Folglich würde es nicht zu einer Einstellung der KDU kommen ("volle Vollsanktion").

References: §31
 § 31
 § 22
 § 31
 § 22
 §32
 §31