Source: http://www.dettes.ch/dynasite.cfm?dsmid=75347
Timestamp: 2018-12-17 18:29:08+00:00

Document:
Inkassobüros und Kommerzielle Sanierer
Ein Gläubiger kann ein Inkassobüro mit der Eintreibung von Schulden beauftragen.
Somit ist das Inkassobüro an die Stelle des ursprünglichen Gläubigers getreten.
Häufig versucht das Inkassobüro, unter Bezeichnungen wie „Verzugsschaden" oder „Forderung gemäss Art. 106 OR" seine Honorarforderung in die Rechnung einzufügen.
Die Kosten des Inkassobüros sind vom ursprünglichen Gläubiger zu bezahlen, er ist der Auftraggeber für das Inkasso. Er könnte die Forderung auch selbst anmahnen und betreiben, so wie es die meisten Gläubiger machen.
Wenn nichts anderes im ursprünglichen Vertrag vereinbart wurde, darf der Gläubiger Verzugszinsen von 5 Prozent pro Jahr verlangen sowie die Mahnkosten, die im ursprünglichen Vertrag, zum Beispiel in den Allgemeinen Vertragsbedingungen stehen. Mehr könnte er nur verlangen, wenn er nachweist, dass diese Gebühren nicht den gesamten Schaden decken.
Es kommt vor, dass ein Inkassobüro bei der Nichtbezahlung mit rechtlichen Schritten droht: „Sie machen sich strafbar, wenn ...!" Der einzige rechtliche Schritt, den das Inkassobüro einleiten kann, heisst Betreibung. Lassen Sie sich nicht einschüchtern, wenn ein Inkassobüro so auftritt.
Bestreiten der zu hohen Zusatzkosten
Wenn das Inkassobüro Sie betreibt, wenn Sie einen Zahlungsbefehl erhalten:
Bei überhöhten Kosten erheben Sie innerhalb von 10 Tagen Teilrechtsvorschlag.
Kreuzen Sie das entsprechende Feld an.
Geben Sie den bestrittenen Betrag so genau wie möglich an.
CHF … (Summe von Verzugsschaden, Bonitätsprüfung, sonstige Kosten, Nebenforderung…..)
Wenn Sie eine Einladung zur einem Gerichtstermin erhalten sollten, aufgrund des Rechtsöffnungsbegehrens des Inkassobüros, melden Sie sich bei einer Schuldenberatungs- oder sozialen Beratungsstelle in Ihrem Kanton.
Muster Zahlungsbefehl mit Teilrechtsvorschlag gegen die überhöhten Zusatzkosten
„Der Verspätungsschaden nach Art. 106 OR ist nur soweit zusätzlich zu den gesetzlich geschuldeten Verzugszinsen gemäss Art. 104 OR zu ersetzen, als er diese übersteigt..... Macht der Gläubiger einen den Verzugszins übersteigenden Schaden geltend, trägt er hierfür die Beweislast (Art. 106 OR in Verbindung mit Art. 8 ZGB; BGE 117 II 256 E. 2b S. 258). In der Regel ist dafür ein konkreter Schadensnachweis erforderlich“ (BGE 123 III 241 39. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 7. Mai 1997)
Verzugsschadenspauschalen sind gemäss Obligationenrecht Artikel 42 Absatz 1 und 2 unzulässig.
OR Art. 42
1Wer Schadenersatz beansprucht, hat den Schaden zu beweisen.
Im Haftpflichtrecht wird der vorprozessuale Aufwand des Anwaltes als Schadensposten zugelassen. Das gilt nicht für den Verzugsschaden. Der Gläubiger ist verpflichtet zur Schadensminderungspflicht: der Beizug eines Inkassobüros ist unnötig.
Beispiel: Das Inkassobüro X hat vom Zahnarzt Y den Auftrag erhalten, eine ausstehende Rechnung in Höhe von Fr. 1'000.-- bei Frau Z einzukassieren. Das Inkassobüro versucht, unter der Bezeichnung „Verzugsschaden nach OR 105/107" sein Honorar in Höhe von Fr. 78.00 in die Abrechnung zu schmuggeln. Frau Z schuldet diese Spesen nicht und kann die Rechnung über Fr. 1000.00 plus allfällig 5% Verzugszins bezahlen. Damit ist die Sache erledigt.
Informieren Sie den ursprünglichen Gläubiger über die Art und Weise, wie das Büro mit den Kunden umgeht. Bezahlen Sie nur den Rechnungsbetrag plus Zinsen und Betreibungskosten ohne die weiteren Kosten des Inkassobüros.
Sie können einem den letzten Nerv ausreissen: Inkassobüros. Sie verschicken endlos Mahnungen – auch per Telefon und SMS. Ob die Empfänger tatsächlich jemandem Geld schulden, scheint niemanden zu interessieren. http://www.srf.ch/konsum/themen/geld/inkasso-albtraum-geldeintreiber-bedraengt-unbescholtene
SRF Schweizer Radio und Fernsehen Sendung Kassensturz vom 18.12.12
Inkassobüros arbeiten mit umstrittenen Methoden und Gebühren. Sie werden deshalb regelmässig kritisiert, besonders auch von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).
Die Stiftung für Konsumentenschutz ist nach wie vor der Überzeugung, dass der Verzugsschaden nicht geschuldet wird... lhttp://www.srf.ch/konsum/services/was-inkassobueros-nicht-duerfen
SRF Schweizer Radio und Fernsehen Sendung Kassensturz vom 22.10.13

References: Art. 106
 Art. 106
 Art. 104
 Art. 8
 BGE 
 Art. 42