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Zwischen Risikomanagement und Eigenverantwortung - Umgang mit Unfallgefahren im Wald - - PDF
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1 Zwischen Risikomanagement und Eigenverantwortung - Umgang mit Unfallgefahren im Wald - Runder Waldtisch vom 28. Mai 2015 in Biel Prof. Dr. Andreas Furrer Professor für Privatrecht, Rechtsvergleichung, Internationales Privatrecht und Europarecht, Universität Luzern MME Legal Tax Compliance, Zürich/Zug Prof. Dr. Andreas Furrer Prof. Dr. Andreas Furrer Universität Luzern MME Legal Tax Compliance Rechtswissenschaftliche Fakultät Kreuzstrasse 42 Frohburgstrasse 3 CH-8008 Zürich 6002 Luzern Tel.: Tel.:
2 Überblick Haftungsrechtlicher Ausgangspunkt Einzelfragen Ausservertragliche Haftung für Hilfspersonen nach OR 55 Vertragliche Hilfspersonenhaftung nach OR 101 Haftung des Halters von Fahrzeugen (SVG 58) Produktehaftung und Produktsicherheitsgesetz Verantwortlichkeiten Strafrechtliche Verantwortlichkeit des Managements Strafrechtliche Verantwortlichkeit des Unternehmens Empfehlungen 28. April 2015 Prof. Dr. Andreas Furrer Haftungsrechtlicher Ausgangspunkt Freies Betretungsrecht in der Schweiz: Rechtsgrundlagen Art. 699 ZGB IV. Recht auf Zutritt und Abwehr 1. Zutritt 1 Das Betreten von Wald und Weide und die Aneignung wildwachsender Beeren, Pilze u. dgl. sind in ortsüblichem Umfange jedermann gestattet, soweit nicht im Interesse der Kulturen seitens der zuständigen Behörde einzelne bestimmt umgrenzte Verbote erlassen werden. 2 Über das Betreten fremden Eigentums zur Ausübung von Jagd und Fischerei kann das kantonale Recht nähere Vorschriften aufstellen. Art. 14 WaG Zugänglichkeit 1 Die Kantone sorgen dafür, dass der Wald der Allgemeinheit zugänglich ist. 2 Wo es die Erhaltung des Waldes oder andere öffentliche Interessen, wie namentlich der Schutz von Pflanzen und wildlebenden Tieren erfordern, haben die Kantone: a. für bestimmte Waldgebiete die Zugänglichkeit einzuschränken; b. die Durchführung von grossen Veranstaltungen im Wald einer Bewilligung zu unterstellen. 2
3 Haftungsrechtlicher Ausgangspunkt Grundsatz: Haftung auf eigene Gefahr! 14 Bundeswaldgesetz D «(1) Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist gestattet. Das Radfahren, das Fahren mit Krankenfahrstühlen und das Reiten im Walde ist nur auf Straßen und Wegen gestattet. Die Benutzung geschieht auf eigene Gefahr. Dies gilt insbesondere für waldtypische Gefahren.» Haftungsrecht als Ausgleichsmechanismus zw. divergierenden Interessen Waldnutzer: trägt die Gefahr der waldtypischen Gefahren Waldeigentümer/-besitzer: trägt die Gefahr der ordentlichen Waldpflege Staat: Regelt Rechte und Pflichten beider Parteien Strafrecht: Begleitendes Steuerungsinstrument Haftungsrechtlicher Ausgangspunkt Grundsatz: Haftung einer Drittperson braucht gesetzliche Anspruchsgrundlage Anspruchsgrundlagen für die Übertragung des Haftungsrisikos Direkte Haftung des sich fehlverhaltenden Personals Verschuldenshaftung (Art. 41 OR) Indirekte Haftung der verantwortliche Personen Geschäftsherrenhaftung (Art. 55 OR) Werkeigentümerhaftung (Art. 58 OR) Vertrag und Haftungsfreizeichnung (Art. 97 I und 101/399 OR) Motorfahrzeughaftung nach Art. 58 SVG Nachbarrecht (Art. 679, 684 ZGB) Produktehaftungs- und Produktesicherheitsgesetz Staatshaftungsrecht (Art. 61 OR, kantonales Recht) 3
4 Haftung und Organisationspflichten nach OR 55 Wer Geschäftsherr Ziel Geschäftsherr haftet für das schädigende Verhalten seiner Hilfsperson Warum Hat Vorteile durch Einsatz der Hilfsperson, muss daher auch Nachteile/Gefahr tragen Geschäftsherr verletzt Sorgfaltspflichten Haftung und Organisationspflichten nach OR 55 Besondere Voraussetzungen: Geschäftsherr / Hilfsperson Handeln der Hilfsperson in Ausübung geschäftlicher Verrichtung Schädigendes Verhalten der Hilfsperson: Schaden Adäquate Kausalität Widerrechtlichkeit Verschulden keine Voraussetzung, aber Entlastungsbeweis möglich Entlastungsbeweis des Geschäftsherrn Sorgfaltsmassstab Auswahl der Hilfsperson Instruktion Überwachung Ausrüstung Organisation 4
5 Haftung des Werkeigentümers (OR 58) Wer Werkeigentümer Ziel Ersatz des Schadens, der durch einen Werkmangel entsteht Warum Werkeigentümer hat Nutzen und soll haften für Schäden, die aus Mängel am Werk entstehen Werkeigentümer soll das Werk in gutem Zustand halten (Zustandshaftung) Verantwortlichkeit des Eigentümers Haftung des Werkeigentümers (OR 58) Besondere Voraussetzungen: Werkeigentümer Eigentümer, unabhängig vom Besitz Umstritten: Dienstbarkeitsberechtigter Mieter nicht passivlegitimiert Schaden durch Werkmangel Werk Gebäude oder andere, von Menschen gestaltete und mit dem Erdboden stabil, direkt oder indirekt verbundene künstliche Vorrichtung Werkmangel Werk bietet bei bestimmungsgemässen Gebrauch keine genügende Sicherheit Grund für Mangel irrelevant Objektiver Massstab, ob Mangel vorliegt:» Zumutbare Schutzmassnahmen ergriffen» Konstruktionsfehler, Mangelnder Unterhalt etc. KEIN Entlastungsbeweis möglich 5
6 Vertragliche Haftung für Hilfsperson (OR 101) Wer Geschäftsherr der Hilfsperson für deren Vertragsverletzung Ziel Vertragsgemässe Erfüllung durch Hilfsperson Warum Sehr strenge Haftung (als ob man selber erfüllte), weil nicht selber erfüllt Einsatz der Hilfsperson ist v.a. im Interesse des Geschäftsherrn Vertragliche Haftung für Hilfsperson (OR 101) Besondere Voraussetzungen: Vertrag Vertragsverletzung durch Hilfsperson Schaden Adäquater Kausalzusammenhang zwischen Vertragsverletzung und Schaden Hilfspersonenhaftung kann vertraglich abgedungen werden (OR 101 Abs. 2)! 6
7 Vertragliche Haftung für Substitut Wer Geschäftsherr des Substituten für dessen Vertragsverletzung Substitut = Person, die im Einverständnis mit Vertragspartner als Spezialist mit der Erfüllung des Vertrages beauftragt wurde Ziel Vertragsgemässe Erfüllung durch Hilfsperson Warum Weniger strenge Haftung, ähnlich wie OR 55 Einsatz des Substituten ist v.a. im Interesse des Vertragspartners (durch qualifiziertes Knowhow) Vertragliche Haftung für Substitut Besondere Voraussetzungen: Vertrag Geschäftsherr / Substitut Vertrag Vertragsverletzung durch Hilfsperson Schaden Adäquater Kausalzusammenhang zwischen Vertragsverletzung und Schaden Entlastungsbeweis des Geschäftsherrn Sorgfaltsmassstab Auswahl der Hilfsperson Instruktion Überwachung Ausrüstung Organisation Direktes Klagerecht Vertragspartner gegen Substituten (OR 399) 7
8 Produktehaftung und Produktsicherheit Wer Hersteller, Quasihersteller, Importeur, ev. Lieferant Ziel Nur ungefährliche Produkte sollen auf den Markt kommen Warum Hersteller etc. kennen das Risiko und könne es besser vermeiden Nur Hersteller etc. können Konsumenten rechtzeitig warnen und die richtigen Massnahmen ergreifen, wenn sich Produkt als gefährlich erweist Produktehaftung und Produktsicherheit Besondere Voraussetzungen: Schaden Verletzung geschützter Rechtsgüter (Leben, Gesundheit, Habe der Konsumenten) Produkt Fehlerhaftigkeit Produkt erfüllt berechtigte Sicherheitserwartungen nicht Konstruktions-, Fabrikations-, Instruktionsfehler Berechtigte Sicherheitserwartungen ermitteln Massstab bildet durchschnittlicher Benutzer/Zielgruppe, soweit Produkt dort eingesetzt wird Produktpräsentation, Vernünftiger Gebrauch, Natur des Produktes, Sicherheitsvorschriften, Preis etc. Zeitpunkt: Inverkehrbringen, keine Produktbeobachtungspflicht, wohl aber aus PrSG 8!! Kein Entlastungsgrund nach PrHG 5 (Entwicklungsrisiko) Adäquate Kausalität zw. Fehler und Schaden 8
9 Verwaltungsrat Verschuldenshaftung (OR 41) Ausservertragliche Haftung für Hilfspersonen (OR 55) Vertragliche Hilfspersonenhaftung (OR 101) Haftung des Halters von Fahrzeugen (SVG 58)?Produktehaftung und Produktsicherheitsgesetz Vertragliche oder ausservertragliche Haftung Zivilrechtliche Verantwortlichkeit des Verwaltungsrates Art. 716a OR: Pflichten VR Ø Oberleitung der Gesellschaft Ø Organisationspflicht Festlegung der Organisation und Abläufe Delegationen an Geschäftsleitung / Dritte durch Organisationsreglement (OR 716b) Weisungspflicht Berichtserstattungspflichten Ø Überwachungspflicht Ø Sorgfalts- und Treuepflichten (OR 717) Ø Selbst- und Doppelkontrahieren 9
10 Strafrechtliche Verantwortlichkeit Strafrechtliche Verantwortlichkeit des sich fehlverhaltenden Personals Strafnormen in den einzelnen Rechtsakten (Nebenstrafrecht) Bewusstes oder fahrlässiges Fehlverhalten des Personals Strafrechtliche Verantwortlichkeit des Managements Organisationsverschulden (spätestens seit BGE 122 IV 103 von Roll) Betrieb ist so zu organisieren, dass Gesetze nicht verletzt werden «Zusammenfassend ergibt sich, dass der Angeklagte F., indem er als Konzernchef und insbesondere in seiner Funktion als Betreuer des Konzernstabs Recht der vorliegend zu beurteilenden Problematik keine Aufmerksamkeit schenkte und sich deshalb nicht für eine hinreichende Organisation einsetzte, es fahrlässig unterlassen hat, die Verletzung des Kriegsmaterialgesetzes zu verhindern» (E. VI.2) Strafrechtliche Verantwortlichkeit des Unternehmens Art. 102 StGB: Organisationsverschulden, wenn aufgrund mangelnder Organisation keine individuelle Verantwortlichkeit festgestellt werden kann Verwaltungsrat Verantwortlichkeit (OR 716a/StGB 102) Verschuldenshaftung (OR 41) Ausservertragliche Haftung für Hilfspersonen (OR 55) Vertragliche Hilfspersonenhaftung (OR 101) Haftung des Halters von Fahrzeugen (SVG 58) Produktehaftung und Produktsicherheitsgesetz Vertragliche oder ausservertragliche Haftung 10
11 Fazit: Empfehlungen zur Beschränkung des Haftungsrisikos Das Haftungsrisiko ist beschränkt, aber Dokumentation, wenn in Wald eingegriffen wird wenn Aufträge vergeben werden wenn Mitarbeiter instruiert werden Risiko-Assessment Vorgängige Compliance Prüfungen Checkliste für vorhersehbare Gefahren- / Gefährdungslagen Kontrollplanung Jährliches Vertragscontrolling bei neuen Projekten Welche zusätzlichen Risiken entstehen? Welche Auswirkungen hat eine Bewilligung durch die Verwaltung? Wer hat welche Verantwortlichkeiten Mit wem sind vertragliche Vereinbarungen zu prüfen? wenn Konflikte auftreten Checklisten über Ansprechpersonen und Verantwortlichkeiten Unternehmen muss interne Struktur an diese Verantwortung anpassen Fragerunde Prof. Dr. Andreas Furrer Universität Luzern MME Legal Tax Compliance Rechtswissenschaftliche Fakultät Kreuzstrasse 42 Frohburgstrasse 3 CH-8008 Zürich 6002 Luzern Tel.: Tel.:
damnum sentit dominus (frei übersetzt: der Geschädigte trägt seinen Schaden selbst).
DER HAFTUNG DES WALDEIGENTÜMERS Prof. Dr. Andreas Furrer, LL.M.Eur., n Universität Luzern, Partner bei MME Meyer Müller Eckert Partners, Zürich/Zug. SR 921.0. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 31.
Eugénie Holliger-Hagmann Dr. iur., Rechtsanwältin Produktesicherheitsgesetz (PrSG) Produktsicherheit und Haftpflicht Vorwort Inhaltsübersicht Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis III V VIII XV 1. Teil

References: Art. 699
 Art. 14
 Art. 58
 Art. 716
 BGE 
 Art. 102