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Timestamp: 2017-09-20 09:59:13+00:00

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Definitionsversuche zum Begriff Recht - PDF
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1 Definitionsversuche zum Begriff Recht Recht ist die Wirklichkeit, die den Sinn hat, der Gerechtigkeit zu dienen. (Gustav Radbruch, aus: Rechtsphilosophie) The prophecies of what the courts will do in fact, and nothing more pretentious, are what I mean by the law. (Oliver Wendell Holmes) Recht ist die Summe der geltenden, dh. vom Gesetzgeber erlassenen bzw. vor den Gerichten angewendeten ( gerichtsfähigen ) Normen. (Bernd Rüthers, aus: Rechtstheorie) Noch suchen die Juristen eine Definition zu ihrem Begriff von Recht. (Immanuel Kant, aus: Kritik der reinen Vernunft)
2 Normenhierarchie Europarecht Primärrecht: EUV, AEUV Sekundärrecht: Richtlinien, Verordnungen Anwendungsvorrang Bundesrecht Grundgesetz (GG) Allgemeine Regeln des Völkerrechts (vgl. Art. 25 GG) Einfache Bundesgesetze (Parlamentsgesetze) Rechtsverordnungen/Satzungen des Bundes (Gesetze der Bundesexekutive) Geltungsvorrang (Art. 31 GG) Landesrecht Landesverfassungen Einfache Landesgesetze (Parlamentsgesetze) Rechtsverordnungen/Satzungen des Landes (Gesetze der Landesexekutive)
3 Gesetz im formellen und im materiellen Sinn Gesetze im formellen Sinn Parlamentsgesetze Gesetze im formellen und materiellen Sinn Haushaltsgesetz BGB, StGB, VersammlG, Rechtsverordnungen etc. (zb SächsStudPlVergabeVO) Satzungen (zb Zweitwohnungssteuersatzung der Stadt DD) Gesetze im materiellen Sinn abstrakt-generelle Regelungen [Rechtsnormen]
4 Analyse der Normstruktur I Art. 19 IV 1 GG Tatbestand (TB) Wenn jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, Rechtsfolge (RF) dann steht ihm der Rechtsweg offen.
5 Analyse der Normstruktur II Art. 19 IV 1 GG (TB) TBM 1 + TBM 2 + TBM 3 jemand in seinen durch die Rechten öffentliche verletzt Gewalt
6 Analyse der Normstruktur III Art. 42 I 2 GG (TB) TBM 1a Antrag eines Zehntels der Mitglieder (des BT) oder TBM 2 Zweidrittelmehrheit TBM 1b Antrag der Bundesregierung
7 Übung zur Analyse der Normstruktur 177 I BGB: Schließt jemand ohne Vertretungsmacht im Namen eines anderen einen Vertrag, so hängt die Wirksamkeit des Vertrags für und gegen den Vertretenen von dessen Genehmigung ab. 635 I BGB: Verlangt der Besteller Nacherfüllung, so kann der Unternehmer nach seiner Wahl den Mangel beseitigen oder ein neues Werk herstellen. 543 II 2 BGB: Im Falle des Satzes 1 Nr. 3 ist die Kündigung ausgeschlossen, wenn der Vermieter vorher befriedigt wird. 211 I StGB: Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
8 Der Justiz-Syllogismus Obersatz: TB RF Wird jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht ihm der Rechtsweg offen. (allgemeine Aussage) Untersatz: SV = TB Lars Lahm wurde durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt. (konkrete Aussage) Schluss: SV RF Lars Lahm steht der Rechtsweg offen. (Ergebnis)
9 Subsumtion Art. 19 IV 1 GG (TB) TBM 1 + TBM 2 + TBM 3 jemand in seinen durch die Rechten öffentliche verletzt Gewalt von einem Lars geschlagen Polizisten SVE 1 SVE 2 SVE 3
10 Ablauf der Subsumtion Lars wird grundlos von einem Polizisten geschlagen. Steht ihm der Rechtsweg offen? OS: Nach Art. 19 IV 1 GG steht jemandem der Rechtsweg offen, wenn er durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird. TBM 1 + TBM 2 + TBM 3 OS 1: Jemand bedeutet jede Person. US 1: Lars ist eine Person. E 1: Lars ist ein jemand. OS 2: In seinen Rechten wird man verletzt, wenn in diese Rechte ohne Rechtfertigung eingegriffen wird. US 2: Grundlose Schläge sind ein nicht gerechtfertigter Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit. E 2: Lars wurde in seinen Rechten verletzt. OS 3: Die öffentliche Gewalt umfasst auch die Exekutive. US 3: Ein Polizist gehört zur Exekutive. US: Lars wurde durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt. E: Lars steht nach Art. 19 IV 1 GG der Rechtsweg offen. E 3: Die Rechtsverletzung geschah durch die öffentliche Gewalt.
11 Die Interpretationskriterien ( canones ) 1. Wortlaut (grammatikalische Interpretation) Wie wird der fragliche Ausdruck üblicherweise verstanden? 2. Verhältnis zu anderen Vorschriften (systematische Interpretation) Wo im Gesetz steht die fragliche Vorschrift? Wie ist der fragliche Ausdruck im Hinblick auf andere Vorschriften zu verstehen? 3. Zweck der Vorschrift (teleologische Interpretation) Welchem Zweck dient die Anwendung der Vorschrift? 4. Geschichtlicher Kontext (historische Interpretation) Wie hat der Gesetzgeber die fragliche Vorschrift verstanden? In welcher Gesamtsituation hat er die Vorschrift erlassen?
12 Die vier Schritte des Gutachtenstils 1. Frage/Hypothese nur indirekte Fragen (zb. Fraglich ist, ob, Möglicherweise ) 2. Definition vor der Definition einzelner Merkmale sind die Voraussetzungen zu nennen, unter denen die Frage (1.) zu bejahen ist das zu prüfende Merkmal ist (abstrakt, aber fallbezogen) zu definieren 3. Subsumtion ies. Zuordnung von SV-Elementen zu dem definierten Merkmal 4. Ergebnis Stets ein klares Ergebnis festhalten, das auf die Frage (1.) antwortet
13 Urteils- und Gutachtenstil Ein burmesischer Mönch (M) möchte auf der Prager Straße gegen die Militärjunta seines Heimatlandes demonstrieren. Kann er sich auf Art. 8 I GG berufen? Urteilsstil Gutachtenstil M kann sich nicht auf Art. 8 I GG berufen, weil er kein Deutscher ist. Denn er besitzt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit, sondern ist Burmese. F: Möglicherweise kann sich M auf Art. 8 I GG berufen. Voraussetzung hierfür ist, dass er Deutscher ist. D: Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. S: M ist Burmese, besitzt also nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. E: M ist kein Deutscher. Er kann sich daher nicht auf Art. 8 I GG berufen.
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 Art. 19
 Art. 42
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 Art. 8
 Art. 8
 Art. 8
 Art. 8