Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Arbeitsgericht_Frankfurt_Benachteiligung_11Ca8952-06.html
Timestamp: 2018-11-18 17:10:08+00:00

Document:
Jung genug zu arbeiten, aber zu alt für eine unbefristete Einstellung? - HENSCHE Arbeitsrecht
ARBEITSRECHT AKTUELL // 07/49
Ab Al­ter 45 kei­ne un­be­fris­te­te An­stel­lung mehr?
Gibt es Sach­gründe für den Aus­schluss von über 44jähri­gen Ste­war­des­sen von ei­ner un­be­fris­te­ten Beschäfti­gung?
Der Streit­fall: 46jähri­ge Ste­war­dess erhält we­gen ih­res Al­ters kei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag
Ar­beits­ge­richt Frank­furt: Der ge­ne­rel­le Aus­schluss der über 44jähri­gen von ei­ner un­be­fris­te­ten Beschäfti­gung ist al­ters­dis­kri­mi­nie­rend
Bei ei­nem un­ge­recht­fer­tig­ten Ver­s­toß ge­gen die­ses Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ist der Ar­beit­ge­ber nach § 15 Abs.1 AGG ver­pflich­tet, den hier­durch ent­stan­de­nen Scha­den zu er­set­zen.
Die Höhe des Entschädi­gungs­an­spruchs rich­tet sich im Fal­le der Nicht­ein­stel­lung ei­nes Be­wer­bers nach § 15 Abs.2 AGG, der die Zah­lung ei­ner an­ge­mes­se­nen Entschädi­gung vor­sieht. Als Höchst­gren­ze im Fall der Nicht­ein­stel­lung sieht § 15 Abs.2 AGG drei Mo­nats­gehälter vor, wenn der oder die Beschäftig­te auch bei be­nach­tei­li­gungs­frei­er Aus­wahl nicht ein­ge­stellt wor­den wäre.
Zur Be­gründung der Ab­leh­nung der Ste­war­dess führ­te das Un­ter­neh­men aus, dass der Grund der Ab­leh­nung in der Sys­te­ma­tik sei­ner Über­g­angs­ver­sor­gung lie­ge. Wer­de ein Flug­be­glei­ter, der älter als 45 Jah­re ist, dau­er­haft flug­dienst­un­taug­lich, so er­hal­te er nach die­ser Re­ge­lung bis zur ge­setz­li­chen Re­gel­al­ters­gren­ze ei­ne Über­g­angs­ver­sor­gung.
Aus ei­ner in­ter­nen Ana­ly­se des Un­ter­neh­mens er­ge­be sich, dass Flug­be­glei­ter ab dem 45. Le­bens­jahr in erhöhtem Maße flug­dienst­un­taug­lich würden.
Das Un­ter­neh­men stel­le da­her kei­ne Flug­dienst­be­glei­ter un­be­fris­tet ein, die älter als 40 Jah­re und 364 Ta­ge sei­en. Sch­ließlich würden dem Un­ter­neh­men an­dern­falls erhöhte Kos­ten ent­ste­hen, die nicht zu­mut­bar sei­en.
Da­bei ar­gu­men­tier­te das Ge­richt da­mit, dass die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Be­wer­be­rin we­gen des Al­ters nicht ob­jek­tiv an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt sei. Al­lein das wirt­schaft­li­che Ri­si­ko, ei­ne Über­g­angs­ver­sor­gung auf­grund Flug­dienst­un­taug­lich­keit an die Be­wer­be­rin zah­len zu müssen, oder die Not­wen­dig­keit der Gewähr­leis­tung der Funk­ti­on ei­nes Fir­men­ren­ten­mo­dells sei­en kei­ne le­gi­ti­men Zie­le, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters recht­fer­tig­ten, son­dern le­dig­lich in­di­vi­du­el­le Un­ter­neh­mer­inter­es­sen.
Bei der Ab­leh­nung der Ste­war­dess we­gen ih­res Al­ters han­de­le es sich ge­ra­de um die nach dem AGG ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung, denn im vor­lie­gen­den Fall gäbe al­lein das Al­ter der Be­wer­be­rin auf­grund bloßer Wahr­schein­lich­kei­ten den Aus­schlag für die Ab­leh­nung, völlig un­abhängig von ih­rer kon­kre­ten ge­sund­heit­li­chen Si­tua­ti­on.
Zwar hat­te die ab­ge­lehn­te Be­wer­be­rin we­gen § 15 Abs.6 AGG kei­nen An­spruch auf Ein­stel­lung auf die von ihr be­gehr­te un­be­fris­te­te Stel­le, das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main sprach ihr aber ei­ne Entschädi­gung nach § 15 Abs.2 AGG zu, und zwar in vol­ler Höhe von drei Net­to­mo­nats­gehältern. Das Ge­richt setz­te da­mit ei­ne Entschädi­gung für die Ste­war­dess in Höhe von 4.050,00 EUR ge­gen die Luft­han­sa fest.
Das Ge­richt be­ton­te die An­ge­mes­sen­heit der Entschädi­gung mit der Be­gründung, dass bei je­dem Be­wer­ber, der we­gen ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Aus­wahl nicht berück­sich­tigt wor­den sei, die Höchst­gren­ze des § 15 Abs.2 AGG zu be­ach­ten sei und die Entschädi­gungshöhe un­ter dem As­pekt der Ge­ne­ral­präven­ti­on ge­eig­net sein müsse, den Ar­beit­ge­ber ge­ne­rell von Dis­kri­mi­nie­run­gen ab­zu­hal­ten.

References: § 15
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