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Timestamp: 2019-03-25 01:37:50+00:00

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Schönberg, den 14. März 1893
[ => Original lesen: 1893 Nr. 21 Seite 1]
Zum Kaiserbesuch in Rom wird noch gemeldet. Die Gemeinde Rom giebt dem deutschen Kaiserpaare folgende Festlichkeiten: Beleuchtung des Forums, des Kolosseums und des Palatins; Arrangement eines sogenannten Girandola=Feuerwerks auf dem Volksplatze, das sonst immer am Jahrestage der Verfassung stattfindet; eine Ausgrabung von Alterthümern; eine Fahrt auf dem Tiber nach Ostia; Galavorstellung von Verdis Oper "Falstaff" in der Argentina. Der Hof veranstaltet außer den bereits gemeldeten Festen eine große Jagd in den königlichen Waldungen. Die Kaiserin wird im Quirinal diejenigen Gemächer bewohnen, welche Kaiser Wilhelm im Jahre 1888 inne hatte, während für den Kaiser in dem Flügel des Palastes, welcher nach der Via di Venti Setembre geht, 5 Salons hergerichtet werden. Das deutsche Kaiserpaar wird auch Neapel besuchen und einen Ausflug nach Pompeji machen. Im königlichen Palast zu Neapel werden bereits Zimmer in Stand gesetzt.
Nach Meldungen mehrerer wiener Blätter aus Rom hat der Kaiser Wilhelm dem Papste seinen und der Kaiserin Besuch für den 20. April, also einen oder zwei Tage nach seiner Ankunft in Rom angekündigt.
Im großen Ahnensaale und in der anschließenden Galerie des Palais des Prinzen Friedrich Karl zu Berlin wurde am Donnerstag unter dem Protektorate der Frau Erbprinzessin von Sachsen=Meiningen ein Bazar zum Besten des Frauen=Groschen=Vereins eröffnet. Der Kaiser bekundete sein lebhaftes Interesse für den Verein durch Uebersendung einer kunstvollen Etagere. Die Fürstin Bismarck die Vorsitzend des Vereins, sandte eine ganze Fülle von Geschenken und ließ außerdem große Einkäufe machen. Inmitten des großen Saales stand der Tisch, an dem die hohe Protektorin persönlich den Verkauf überwachte. Zahlreiche Damen der Aristokratie walteten an dem Tisch des reich ausgestatteten Bazars.
General Freiherr v. Loë wurde sofort nach seiner Rückkehr von Rom nach Berlin vom Kaiser empfangen. Ein Bericht der "Köln. Ztg." betont die besondere Aufmerksamkeit, welche ihm in Rom erwiesen worden sei. Der Papst habe ihm einen eigenhändigen Privatbrief zur Uebergabe an Kaiser Wilhelm gegeben. Der Kardinal=Staatssekretär Rampolla suchte den General persönlich in seiner Wohnung auf, um ihm selbst die Dekoration des ihm vom Papst verliehenen Christus=Ordens zu überbringen.
In der Militärkommission des Reichstages kam es am Freitag zur ersten Abstimmung, die aber ungünstig ausfiel. Abg. v. Bennigsen hatte seinen früher zu § 2 gestellten Antrag, die 173 neuen vierten Bataillone unter der Bezeichnung "Ersatzbataillone" zu bewilligen, zurückgezogen, beantragte dagegen, dem § 2 der Militärvorlage folgenden Absatz anzufügen: "Die unter 711 Bataillonen befindlichen Bataillonstämme werden nur so lange formirt, als die Dauer des Dienstes bei der Fahne für die Mannschaften der Fußtruppen auf 2 Jahre festgesetzt ist." Es wurde sofort zur Abstimmung über § 2 (Zahl der Kadres) geschritten. Die 711 Bataillone Infanterie wurden gegen 9 Stimmen abgelehnt; 477 Eskadrons Kavallerie wurden ebenfalls abgelehnt gegen 7 Stimmen; 494 Batterien Feldartillerie gegen 9 Stimmen, 37 Bataillone Fußartillerie gegen 6 Stimmen, 7 Battaillone Eisenbahntruppen gegen 9 Stimmen, 21 Bataillone Train ebenfalls gegen 9 Stimmen abgelehnt. Die 6 Stimmen setzten sich aus den Mitgliedern der Konservativen und Freikonservativen zusammen; bei dem Abstimmen sind noch die Nationalliberalen hinzugetreten. § 2 ist somit in allen seinen Theilen abgelehnt. Nunmehr wurde der Absatz 1 des § 1 (Friedenspräsenz - 492 068 Mann als Jahresdurchschnittsstärke bis 31. Mai 1899) zur Debatte gestellt. Hier stellte der Abg. Richter Namens seiner Fraktion folgenden Antrag: § 1 wie folgt zu fassen: "Die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres wird für die Zeit vom 31. Oktober 1893 bis 31. März 1895 auf 486 983 Mann festgestellt. Die Einjährig=Freiwilligen kommen auf die Friedensstärke nicht in Anrechnung." - Bei der Abstimmung wird Absatz 1 des § 1 der Regierungsvorlage gegen die Stimmen der Konservativen und Freikonservativen abgelehnt; der Antrag Richter fällt gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Volkspartei. Die §§ 3 und 4 der Vorlage werden durch die zu §§ 1 und 2 erfolgte Abstimmung gegenstandslos. Damit ist die erste Lesung der Vorlage beendet. Die zweite Lesung in der Kommission beginnt am Donnerstag, den 16. März.
In Spezia, dem italienischen Kriegshafen, wurden etwa 30 Matrosen verhaftet, die versucht hatten die mehrere hunderttausend Lire enthaltende Schiffskasse zu erbrechen und zu plündern. Unter den Verhafteten befinden sich auch einige Unteroffiziere.
[ => Original lesen: 1893 Nr. 21 Seite 2]
Laut der am 8. Mai angeschlagenen Strafverfügung von demselben Dato gegen den wiederholt aus dem Dienst zu Hof Lockwisch entwichenen Knecht Heinrich Foth aus Neuhof, unbekannten Aufenthalts, sind demselben 14 Tage Haft auf Grund der Verordnung vom 3. August 1892, betreffend die Bestrafung der Dienstvergehen, zuerkannt.
Wir ersuchen alle Behörden, den p. Foth nach Rechtskraft der Strafverfügung im Betretungsfalle zur Verbüßung der Strafe hierher zu transportiren.
Schönberg, den 8. März 1893.
Cl. Oertzen.
Der Pferdeknecht Mathias Kupozensky, geb. am 15. Februar 1860 in Thurowen, Kreis Lyck, zuletzt in Schönberg, wird beschuldigt, als beurlaubter Ersatz=Reservist ohne Erlaubniß ausgewandert zu sein, Uebertretung gegen §. 360 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs.
Freitag, den 9. Juni d. Js.,
Bei unentschuldigtem Ausbleiben wird derselbe auf Grund der nach § 472 der Strafprozeßordnung von dem Großherzoglichen Bezirkskommando zu Neustrelitz ausgestellten Erklärung verurtheilt werden.
Schönberg i./M., den 6. März 1893.
In das hiesige Genossenschafts=Register Fol. 37 Nr. 7 - betreffend die Carlower Genossenschafts Meierei, eingetragne Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, ist heute eingetragen:
Col. 4: An Stelle des bisherigen Vorstands=Mitgliedes, Hauswirths H. Holst in Carlow, ist in der am 19. Juli 1892 stattgehabten statutenmäßigen Generalversammlung der Genosse, Büdner W. Beckmann in Carlow als Mitglied des Vorstands wiedergewählt worden und als solches durch die Urkunde d. d. Carlow den 19. Juli 1892, welche auch die Erklärung der Annahme der Wahl und Zeichnung des Namens seitens des W. Beckmann enthält, legitimirt.
den 9. März 1893.
In Sachen betreffend die Curatel über den Hauswirth Heinrich Böttcher in Rieps, wird hiermit bekannt gemacht, daß an Stelle des auf seinen Wunsch entlassenen Curators Peter Burmeister der Althentheiler Heinrich Robrahn in Rieps wiederum als Curator bestellt worden ist.
Schönberg, den 11. März 1893.
In Sachen betreffend die Zwangsversteigerung der der Ehefrau des Hauswirths Kols, Elise geb. Lenschow zu Grieben gehörigen und daselbst sub Nr. II. belegenen Vollstelle c. p. ist in dem heutigen Liquidationstermine sofort zu Protokoll das Ausschlußurtheil erlassen und verkündet worden.
Solches wird hierdurch gemeinkundig gemacht.
Freitag, den 24. März 1893,
Schönberg, den 25. Februar 1893.
In Sachen betreffend die Zwangsversteigerung der dem Hauswirth Asmus Kols gehörigen und zu Grieben belegen Halbstelle sub. Nr. X c. p. ist in dem heutigen Liquidationstermin sofort zu Protokoll das Ausschlußurtheil erlassen und verkündet worden.
Freitag, den 24. März 1893
Am Mittwoch, den 15. März, Morgens 10 Uhr, beim Büdner Holst zu Gr. Rüntz, bei freier Concurrenz:
1. Aus dem Gr. Rüntzer Zuschlag.
25 Stück Fichtenstangen, III. Cl.
50 Stück Fichtenstangen Hopfenstangen, IV. Cl.
2 Fuder Fichtenstangen Durchforstholz, III. Cl.,
8 rm. Buchen=Kluft, II Cl.,
38 Fuder Buchen=Durchforstholz, I., II. u. Olm.
2. Aus Blauer Haube (Gr. Rüntzer Feld).
140 rm. Eichen=Kluft, I., II. und Olm,
45 Fuder Eichen=Pollholz.
[ => Original lesen: 1893 Nr. 21 Seite 3]
Die Geburt eines Sohnes beehren sich hiermit anzuzeigen.
Schönberg, 10. März 1893.
Actuar Breuel und Frau
Eichen=Brennholz=Verkauf.
Im Auftrage der Firma Sager & Klussmann, Lübeck werde ich am
Donnerstag, den 16. März,
in "Stadt Lübeck" hierselbst, nachstehendes Brennholz aus dem Mühlenbruch bei Sabow meistbietend gegen sofortige Baarzahlung verkaufen:
7 Rmtr. Eich. Kluft.
6 Rmtr. Eich. Knüppel.
48 Fuder Eich. Pollholz.
Schönberg, den 12. März 1893.
Revierjäger.
ca. 3 Fuder Dung
Spaten, Harken, Hacker,
Forken mit und ohne Stiel
liefert gut und billig
Offerire ergebenst
Chili-Salpeter
in Original=Säcken, auf Bestellung auch gemahlen,
ferner Anderbacher Saathafer, wovon im vorigen Jahre nachweislich das 16. Korn geerndtet worden ist.
L. St. Freitag.
Stahlblech=Milchsatten
[ => Original lesen: 1893 Nr. 21 Seite 4]
Für die vielen Gratulationen zu unserm Hochzeitstage, sagen auf diesem Wege unsern herzlichsten Dank.
H. Beckmann und Frau.
geb. Schütt.
Heute früh 4 3/4 Uhr verschied sanft nach langem Leiden meine innigst geliebte Frau, meine Tochter, unsere liebe unvergeßliche Schwester und Schwägerin Frau
Helene Buschow,
geb. Hagen
im Alter von 25 Jahren.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 16. März,
Nachmittags 3 Uhr in Schönberg statt.
[ => Original lesen: 1893 Nr. 21 Seite 5]
- Während der nächsten 8 Tage wird man keinen richtigen Münchener nachmittags daheim treffen, denn am Donnerstag hat auf dem Stockherberge in der Schmederer=Brauerei die Massenvertilgung des berühmten Salvatorbieres begonnen.
- Nach einer Meldung der "Pol. Korr." aus Konstantinopel verlieh der Sultan dem deutschen Reichskanzler Caprivi den Stern des Osmanie=Ordens in Brillanten.
- Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Graf Eulenburg fand am Mittwoch im Herrenhause eine Versammlung der Gesamtvorstände der deutschen Verpflegungsstationen statt; vertreten waren durch Abgesandte 18 Verbandsvereine und 668 Verpflegungsstationen. Graf Eulenburg eröffnete die Verhandlungen mit einer kurzen Ansprache, in der er darauf hinwies, das die Unterhaltung der Stationen sich immer schwieriger gestalte. Sämmtliche Berichte der Vertreter waren sehr schwarz gefärbt.
- Die Erkrankung des Fürsten Bismarck an einer Venenentzündung war ziemlich belanglos. Der Fürst hatte früher ähnliche Beschwerden in viel heftigerem Maaße. Jetzt ist der Anfall vollkommen beseitigt. Die geistige Frische und Spannkraft des Fürsten ist bei seinem hohen Alter bewundernswerth.
- Am Freitag Vormittag hat in Berlin in Gegenwart des Kaiserpaares, der fürstlich schwarzburgischen Herrschaften, der Prinzen Friedrich und Heinrich, des Sohnes des Prinzen Albrecht die feierliche Einweihung der Nazarethkirche stattgefunden. Der Weiheakt ist von dem Generalsuperintendenten Braun vollzogen worden.
- Das Denkmal der Königin Louise im Berliner Tiergarten hat am Freitag aus Anlaß des Geburtstages der unvergeßlichen Fürstin in gewohnter Weise im herrlichsten Blumenschmuck geprangt. Auch das gegenüber befindliche Denkmal König Friedrich Wilhelms III. war mit Guirlanden und Kränzen geschmückt, ebenso zeigte der Denkstein auf der Louiseninsel ein reizendes Arrangemant von bunten Frühlingsblumen.
- Eine cause cèlèbre, die zum Theil in Berlin, zum Theil in Hannover spielt, und die augenblicklich auf Ansuchen der Königlichen Staatsanwaltschaft in Hannover die Berliner Strafbehörde beschäftigt, bildet, wie die Vossische Zeitung mittheilt, augenblicklich in der Berliner Sportwelt das Tagesgespräch. Es handelt sich um eine Massenanklage gegen Kavaliere der beiden genannten Städte wegen Falschspiels, Wucher und Schlepperei. Einige der Hauptbetheiligten sind bereits hinter Schloß und Riegel, während es dem Hauptschuldigen gelungen ist, nach Amerika zu flüchten. Ans Tageslicht soll das verbrecherische Treiben der bezeichneten Kavaliere durch einen Herrn vom hohen Adel gekommen sein, dem einige dieser Herren in einem Hotel in Hannover beim Spiel durch betrügerische Manipulationen 27 000 Mark baar und namhafte weitere Beträge auf Wechsel abgenommen hatten.
- Zur Sonntagsruhe. Die Frage, ob in den Nachmittagsstunden, in welchen durch die Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe der Verkauf in den Geschäftsläden untersagt ist, auch die Schaufenster verhängt sein müssen, hat die Strafkammer in Aachen rundweg verneint. In ihrer letzten Sitzung sprach dieselbe mehrere Geschäftsleute, die außerhalb der für den Verkauf freigegebenen Stunden ihr Schaufenster geöffnet, also weder die Läden geschlossen, noch ihre Waren verdeckt gehalten hatten, kostenlos frei, weil ein Geschäftsbetrieb während der fraglichen Zeit nicht stattgefunden habe und die Angeklagten durch das Schließen ihrer Ladenthüren zu erkennen gegeben hätten, daß sie nicht gewillt gewesen seien zu verkaufen.
- In Afrika wird jetzt die Gründung der ersten deutschen Ansiedelung im Hochlande des Kilimandscharo geplant. Ein unternehmungslustiger Deutscher, Namens Hans Liebl, Inhaber des Grand Hotel in Sansibar, will sie nach der "K.=Ztg." auf eigene Rechnung mit einigen Genossen ins Werk setzen und zu dem Ende im Oktober mit einer Expedition von Landwirthen und Handwerkern nebst Trägern und Tragthieren von Sansibar aufbrechen.
- Bei den Abbrucharbeiten des alten berliner Doms hat sich ergeben, daß der Turm aus so großen Sandsteinblöcken zusammengesetzt ist, daß er auf gewöhnlichen Wege nicht abgebrochen werden kann und eine Sprengung durch Dynamit vorgenommen werden muß. Wegen der Nähe des königlichen Schlosses hat man dies zur Kenntnis des Kaisers gebracht. Derselbe bestimmte nun, daß die Sprengung durch Mannschaften der Eisenbahnbrigade bewirkt werden soll. Der Zeitpunkt, wann dies geschehen wird, läßt sich noch nicht bestimmen.
- Der Vorfreude des Bundes der Landwirthe fordert alle Mitglieder des Bundes, sowie alle Berufsgenossen, die zu demselben halten, auf, die dem Bund wohlgesinnten Zeitungen durch Abonnement und Inserate kräftig zu unterstützen, auch in allen Lokalen, wo Landwirthe verkehren, darauf zu dringen, daß solche Blätter nicht fehlen, dagegen auf die dem Bund feindlichen Blätter niemals zu abonnieren, sie niemals durch Inserate zu unterstützen. Die Presse sei eine Macht, mit ihr müsse man rechnen.
- Zwischen einem Dragoner=Offizier und einem Infanterie=Offizier hat in Beiertheim bei Karlsruhe ein Säbelduell stattgefunden. Der Infanterie=Offizier wurde durch einen Hieb auf den Kopf lebensgefährlich verletzt; sein Gegner erhielt 2 Hiebe in den rechten Arm.
- Vom Eisenbahnzuge überfahren wurde auf der Bahnstrecke Neustettin=Stolp ein Fuhrwerk, wobei beide Pferde getötet wurden. Während der Kutscher nur leichte Verletzungen erhielt, wurde der Förster Müller aus Grabau so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb.
- Die Einfuhr von Wiederkäuern und Schweinen aus Dänemark ist durch Erlaß des Senates in Lübeck verboten worden. Die Einfuhr von Vieh aus Schweden ist nur gestattet, wenn die Untersuchung der Transporte ergiebt, daß dieselben seuchenfrei sind.
- Bei Wattwyl wurden in den letzten Tagen zwei Steinadler beobachte. Nun hat ein Jäger in Hummelwald einen erlegt. Die Flügelspannweite des Thieres beträgt zwei Meter.
- Englische Telegraphie. In Großbritanien wurden im Jahre 1892 laut Bericht des Mr. Precce, des Chef=Ingeniers der englischen Postverwaltung rund 72 000 000 Depeschen versandt. Auf Rechnung der englischen Presse kamen 600 Millionen Worte.
- Aus der Schweiz. In Mels ist dieser Tage ein gewaltiger Ahornbaum stehend verkauft worden. Dieser Riesenbaum hat beinahe neun Fuß mittleren Durchmesser und soll nach forstamtlicher Schätzung wenigstens 1200 Kubikfuß Stöcke und noch 12-15 Klafter Brennholz geben. Die Krone hat 320 Fuß im Umfang und sieht aus wie ein kleines Stück Wald.
- Der Kaiser von Rußland wird sich in der siebenten Fastenwoche, welche am 26. d. M. beginnt, nach der Krim begeben, um daselbst das Osterfest zu verbringen.
- Die russische Grenzwache wird jetzt als selbständiges Korps organisiert, entgegen dem ursprünglichen Plan, nicht der aktiven Armee einverleibt werden. Zum Chef der Grenzwache ist der Generallieutenant der Artillerie Swinin ernannt.
[ => Original lesen: 1893 Nr. 21 Seite 6]
- Das französische Preßverschärfungsgesetz, welches die Aufreizung zum Diebstahl, Mord, Raub und zur Brandstiftung durch die Presse unter Strafe stellt, wurde am Dienstag mit 266 gegen 22 Stimmen angenommen.
- Im Pariser Studenten=Viertel wird lustig gelärmt. Fast jeden Tag führen die Studenten aufsehenerregende Gänsemärsche auf und machen in den Vorlesungen einiger unbeliebter Professoren Spektakel. Die Studenten amüsieren sich dabei prächtig, und niemand nimmt den Unfug ernster, als er ist. Am Sonnabend mittag zog eine vergnügte Schaar am Seine=Ufer umher, die Lärmmacher trugen lange Leinwandsäcke, an denen sie sich gegenseitig im Gänsemarsch hielten.
- Die Einnahmen der Pariser Theater haben während des verflossenen Jahres 22 533 316 Frks. betragen, über eine Million weniger als im Vorjahr.
- Die am Dienstag in Paris zu Grabe getragene Schauspielerin Alice Ozy, welche fast ein halbes Menschenalter in der größten Zurückgezogenheit gelebt hatte, sparend und geizend, hat ihr ganzes Vermögen, etwa drei Millionen, dem "Verein der dramatischen Künstler" vermacht. Fünfzigtausend Francs überwies sie einem ihrer Testamentsvollstrecker, der aus den Zinsen arme Schriftsteller unterstützen soll.
- Fünf Spießgesellen des Räuberhauptmanns Anastasios, der sich in dem im Mai 1891 ausgeführten Ueberfall auf einen Eisenbahnzug bei Tscherkeßkiöi betheiligt hatten, sind von den bulgarischen Behörden an die türkische Regierung ausgeliefert worden. Dieselben geben an, von ihrem Führer je 400 Napoleonsdor als Beute=Antheil erhalten zu haben. Anastasios soll nach ihrer Behauptung nach Rumänien oder Rußland geflüchtet sein.
- Im Mailänder Dome wurden starke Risse der Pilaster des Mittelschiffes bemerkt; große Reparaturen sind nöthig, um weiterem Schaden vorzubeugen.
- In Wien hatte man am Montag das erste diesjährige Gewitter mit heftigen Blitzen und Donnerschlägen.
- Der "V. Z." wird aus Athen gemeldet, die vom Parthenon herabgestürtzte Erzieherin des Kindes der Kronprinzessin habe durch Selbstmord geendet. Der Bräutigam derselben, ein junger Militärarzt hat sich am Donnerstag erschossen.
- Für den bisherigen Präsidenten der Vereinigten Staaten ist gesorgt. Herr Harrison hat eine Professur an der Island Starford Universität in Kalifornien angenommen. Er wird dort im nächsten Oktober eine Reihe von Vorlesungen über konstitutionelles Recht halten.
- Das Telephon Boston=Chicago ist vor einigen Tagen eröffnet worden. Diese Telephonlinie ist die längste der Welt; sie beträgt 1200 Meilen.
- Eine der größten New=Yorker Zeitungen ist augenblicklich damit beschäftigt, den kleinsten Frauenfuß auf dem amerikanischen Continent ausfindig zu machen. Das betreffende Blatt ladet alle concurrenzlustigen Damen ein, sich nach seinen Büreaus zu begeben, um einen dort aufgestellten Atlas=Schuh von 7 3/4 engl. Zoll Länge anzuprobiren, welcher mit dem Namen derjenigen, welche den Schuh anzuziehen vermochte, versehen die Weltausstellung zu Chicago "zieren" soll. Ungeachtet der jetzt wenig günstigen Witterung eilen mit ihren besten seidenen Strümpfen angethan, nun alle die modernen amerikanischen "Aschenbrödel" nach New=York, aus allen Gegenden der Vereinigten Staaten strömen sie herbei, doch soll es bis jetzt leider noch keiner der Concurrentinnen gelungen sein, als die "rechte" anerkannt zu werden. 7 engl. Zoll sind gleich 0,18949 Mtr. also noch nicht ganz 19 Cm.
- Der größte Gletscher der Welt. Unter der Leitung eines Schweizer Alpenführers hat der englische Tourist Conway den größten bisher bekannten Gletscher der Welt entdeckt und zwar im Hindu=Kusch Gebirge. Die Februar=Nummer des von der Londoner Geographischen Gesellschaft herausgegebenen Journals bringt eine Schilderung. Conway wurde des Gletschers im Hispar=Paß ansichtig. Ein Thal in der Länge von vierzig englischen Meilen war vollständig von einem langsam abfallenden Gletscher gefüllt. Conway und seine Begleiter, brauchten drei volle Tage, bis sie einen Paß erreichten, wobei der Schweizer Führer mit Namen Zurbriggen "mit großer Geschicklichkeit sie durch ein wahres Labyrinth von Felsen= und Eisrissen hindurchleitete". Darauf sahen sie sich plötzlich angesichts eines ungeheueren Schneefeldes von mindestens 300 englischen Meilen Ausdehnung, "weiß, schweigend, die wahrhaftigste Verkörperung von Stille und Ruhe." Eine Reihe riesiger Felsgipfel und Felsnadel, außerordentlich steil und beiläufig 24 000 Fuß hoch, umgaben das Feld. Niemand unter den Reisenden fühlte Atem=Beschwerden in dieser dünnen Atmosphäre. Mit Bedauern nahmen sie von dem mächtig wirkenden Schauspiele Abschied. Das Schneefeld kreuzend hatten sie oft Stunden lang durch eine "unaussprechliche Mischung von Wasser, Eis und Schnee" zu waten und erst nach anderthalb Tagen erreichten sie eine Stelle, wo sie ein Feuer aus Buschwerk anzünden und auf Gras sich niederstrecken konnten. Die ganze Ausdehnung des Gletschers vom Aufstieg des Hispar=Gletschers bis zum Ende des Biasfo=Gletschers betrug 80 englische Meilen, die größte Gletscher=Länge außerhalb der Nordpol=Region.
- Auch Cigarren haben mitunter ihre Schicksale. Dr. Brehme, der aus Weimar stammende Arzt der Schutztruppe in Ostafrika, der zur Zeit auf Station Maranga weilt, bezieht seine Cigarren aus Weimar. Einer im Oktober v. J. von dort abgegangenen Sendung begegnete nun das Malheur, mit anderen für die auf Maranga stationierten Leute bestimmten Gegenstände von einer Räuberhorde weggekapert zu werden. Nicht lange jedoch sollten die Wilden sich ihres Raubes freuen. Als sie gerade im schönsten Schmauchen "aus fremden Kisten" waren und eben das zweite Hundert anbrechen wollten, kam, so erzählt die weimarsche Zeitung "Deutschland", der Chef Johannes wie Ziethen aus dem Busch über sie und jagte ihnen die Beute wieder ab. Die nach hartnäckigem Kampf, bei dem 5 Schwarze ihre Feinschmeckerei mit dem Leben einbüßen, wiedergewonnenen Cigarren trafen sie dann gerade zur Weihnachtszeit auf Maranga glücklich ein, zur nicht geringen Freude der mit Sehnsucht auf sie Harrenden.
Die Bedeutung des Obstes als Nahrungsmittel
ist überhaupt eine ungekannt hohe. Bei der Abschätzung des Nährwerthes der menschlichen Genußmittel wird ihr Werth größtentheil nach dem Gehalt an Eiweißstoffen - Pflanzen= oder Thiereiweiß - berechnet. Es finden sich noch heute in den Tabellen chemischer Analysen der Nahrungsmittel fast allgemein in der Reihenfolge des geschätzten Nährwerthes neben Wasser: 1) Stickstoff (Eiweiß), 2) Fett, 3) stickstoffreie Extraktivstoffe und ganz in der letzten Spalte, gleichsam als unverbrennliche Schlacke, als Abfallstoff, unter Bezeichnung "Asche" die Stoffe: Kalk, Natron, Chlor, Phosphor, Kali, Eisen, Kieselerde u. s. w. Diesen äußerst wichtigen mineralischen Bestandtheilen ist aber eben der ungemein hohe Nährwerth von Obst und Gemüse zu danken. Erst in den letzten Jahren hat man bei Thierfütterungsversuchen, durch Reichung einer an Eiweiß ausreichenden, an Mineralstoffen aber armen Nahrung von bestimmten Pflanzenstoffen, deren ungeheure Wichtigkeit als Nährmittel für den Aufbau, die Erneuerung des Blutes, der Muskeln und Nerven feststellt.
Jede Frucht ist ein Fläschchen "Nähr=Mineralwasser", hervorgegangen aus dem unerschöpflichen Wurzelsprudel des Mineralsatten Bodens. Wenn man den Saft einer Birne verkostet, so genießt man in homöopatisch feinster Verreibung Mineralkraftwasser von folgenden aufgelösten Mineralien: Kali, Kalk, Phosphorsäure, Schwefel, Kieselsäure, Eisen.
Da die Mineralsalze des Obstes direkt aus dem Safte in das Blut übergehen, so ist das Obst dasjenige Nahrungsmittel, durch welches man einem geschwächten Körper am schnellsten, angenehmsten die benötigten Mineralbestandtheile zuführen kann. Dabei kommt es selbstverständlich immer auf die richtige Auslese der Früchte an, so befindet sich z. B. unter den Mineralstoffen des Apfels 1,5%, der Pflaume 4%, der Stachelbeere 5%, der Erdbeere 6% Eisen.

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