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Timestamp: 2020-08-12 18:39:40+00:00

Document:
1 Berufsrecht in der mündlichen Steuerberaterprüfung
1.1 Nach der schriftlichen Prüfung
1.2 Ablauf der mündlichen Prüfung
1.3 Vorbereitung auf die mündliche Prüfung im Fach Berufsrecht
1.3.1 Vier Tage je vier Stunden – die Grundlagen
1.3.2 Ein Tag je vier Stunden – Ausarbeitung von sechs Themen
1.3.3 Zwei Tage je vier Stunden – 100 Fragen
1.3.4 Ein Tag je vier Stunden – 100 Fragen wiederholen
1.3.5 Ein Tag je vier Stunden – 60 grundlegende und 20 aktuelle Fragen wiederholen
1.3.6 Ein Tag je vier Stunden – Die sechs Themen wiederholen
1.3.7 Mail an okrass@gfs.eu
1.4 Der mündliche Kurzvortrag im Fach Berufsrecht
1.5 Berufsstand im Wandel
1.5.1 Leitbild des steuerberatenden Berufs
1.5.2 Perspektiven durch Leistung
1.5.3 Perspektiven durch vorausschauende Planung
1.5.4 Perspektiven durch gemeinsame Werte und Ziele
1.5.5 Handlungsfelder auf dem Weg zur zukunftsfähigen Kanzlei
1.5.6 Fortbildung der Mitarbeiter
1.5.7 Leitbild der Steuerberaterkammern
2 Grundlagen des Berufsrechts
2.1 Hilfeleistungen in Steuersachen
2.1.1 Für das Examen wichtige Regelungen im Steuerberatungsgesetz
2.1.2 Steuerberater als Angehörige der Freien Berufe
2.1.3 Befugnis zur geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen
2.1.4 Lohnsteuerhilfevereine
2.1.5 Buchhalter
2.1.6 Abgrenzung gegenüber anderen freien Beratungsberufen
2.1.7 Rechtsberatung durch Steuerberater
2.1.8 Hilfeleistung im ausländischen Abgabenrecht (§ 12 StBerG)
2.1.9 Mitteilungen über Pflichtverletzungen und andere Informationen (§ 10 StBerG)
2.2 Tätigkeit und Bestellung
2.2.1 Aufgaben der Steuerberater
2.2.2 Formen der Berufsausübung
2.2.3 Unselbständige Tätigkeit
2.2.4 Syndikus-Steuerberater
2.2.5 Steuerberaterprüfung
2.2.6 Zulassungsverfahren
2.2.7 Bestellung und Berufsbezeichnung
2.2.8 Erlöschen, Rücknahme und Widerruf der Bestellung
2.3 Steuerberatungsgesellschaft
2.3.1 Grundlagen zur Steuerberatungsgesellschaft
2.3.2 Partnerschaftsgesellschaft als Steuerberatungsgesellschaft
2.4 Rechte und Pflichten der Steuerberater
2.4.1 Allgemeine Berufspflichten
2.4.2 Eigenverantwortlichkeit
2.4.3 Sonstige Tätigkeiten
2.4.4 Steuerberater-Vergütungsverordnung
2.4.5 Haftung
2.4.6 Berufsmäßiges Verhalten
2.4.7 Weiterführung der Praxis
2.4.8 Steuerberatungsvertrag
2.5 Organisation des Berufs
2.5.1 Steuerberaterkammer
2.5.2 Berufsverbände
2.5.3 Steuerberaterversorgung
2.6 Berufsgerichtsbarkeit
2.6.1 Berufsgerichtliche Maßnahmen
2.6.2 Gerichte
2.6.3 Verfahrensvorschriften
2.7 Geschichte des steuerberatenden Berufs
2.7.1 Entwicklung des Steuerberatungswesens bis zum Steuerberatungsgesetz
2.7.2 Steuerberatungsgesetz von 1961
2.7.3 Steuerberatungsänderungsgesetze
2.7.4 Änderungen der Berufsordnung
2.7.5 Steuerberatung in den neuen Bundesländern
3 Fragenkatalog mit Lösungen
3.1 60 grundlegende Fragen
3.2 20 vertiefende Fragen
3.3 20 aktuelle Fragen
Print: ISBN 978-3-7910-4477-4 Bestell-Nr. 20455-0004
ePub: ISBN 978-3-7910-4479-8 Bestell-Nr. 20455-0153
ePDF: ISBN 978-3-7910-4478-1 Bestell-Nr. 20455-0101
6. Auflage, September 2019
Lektorat: Petra Bandl
[5]Vorwort zur 6. Auflage
In den letzten Jahren hat sich im Bereich Berufsrecht viel getan:
Digitalisierung. Dieses Thema ist für den Berufsstand eine Herausforderung, der sich alle Berufsangehörigen stellen müssen. Einige Kollegen sind der Meinung, dass die Digitalisierung unterschätzt wird, andere wiederum sehen diese überschätzt.
Datenschutz. Nach dem neuen deutschen Bundesdatenschutzgesetz sind Steuerberater verpflichtet, die personenbezogenen Daten ihrer Mandanten zu dokumentieren und nicht mehr benötigte Daten fristgemäß zu löschen.
Fachassistenten – die neue Fortbildungsebene. Die Qualifizierung von Steuerfachangestellten, aber auch von anderen Mitarbeitern ist eine von vielen Möglichkeiten, den Beruf attraktiver zu machen.
EU-Geldwäscherichtlinie. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, im Rahmen der Novellierung des Geldwäschegesetzes »Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten«, verstärkte Sorgfaltspflichten in das nationale Gesetz einzubinden.
Anzeigepflicht von Steuergestaltungen. Die EU-Richtlinie »Maßnahmen zur Vermeidung von aggressiven Steuergestaltungsmodellen« ist im EU-Amtsblatt verkündet. Der deutsche Gesetzgeber muss diese Vorgaben kurzfristig umsetzen.
Steuerberatung 2020. Neben der Beratung in steuerlichen Fragen erlangt die betriebswirtschaftliche Beratung, Stichwort Unternehmensberatung, eine immer größere Bedeutung für den steuerberatenden Beruf.
Auch für die nächsten Jahre zeichnen sich bereits einige Änderungen ab:
Vorbehaltsaufgaben. Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen der Vorbehaltsaufgaben eingeleitet. Aus Sicht des Berufsstandes schützt gerade diese Regelung die Allgemeinheit vor Falschberatung.
Kapitalbindung und Kammermitgliedschaft. Auch zu diesen beiden Fragen hat die EU-Kommission eine andere Meinung als der deutsche Berufsstand.
Hinweisgeberschutz. Dieser gesetzliche Schutz vor Diskriminierung von »Whistleblowern« muss in Einklang gebracht werden mit der Verschwiegenheitspflicht von Steuerberatern.
[6]Steuerberaterprüfung. Die Rahmenbedingungen sollen verbessert werden. Ähnlich wie bei der Prüfung zum Wirtschaftsprüfer hat die Bundessteuerberaterkammer ein modulares System vorgeschlagen, das (leider) vom zuständigen Bundesfinanzminister nicht genehmigt wurde.
All diese Fragen werden in unserer 6. Auflage berücksichtigt, daneben natürlich die aktuelle Rechtsprechung. Auf www.berufsrecht-steuerberater.com finden Sie weitere aktuelle Informationen zum Berufsrecht.
Beide Autoren sind seit vielen Jahren als Dozenten auf dem Gebiet des Berufsrechts im gesamten Bundesgebiet tätig.
Oliver Kispert LL.M.
[7]Vorwort zur 1. Auflage
Das Gebiet »Berufsrecht« ist gemäß § 37 Abs. 3 Nr. 8 Steuerberatungsgesetz Bestandteil der Steuerberaterprüfung. Es wird ausschließlich in der mündlichen Prüfung behandelt. Erfahrungsgemäß werden zwei Fragen zum Berufsrecht gestellt. Da die Prüfer nicht davon ausgehen, dass Sie sich in Ihrer bisherigen praktischen Tätigkeit mit dem Berufsrecht beschäftigt haben, werden überwiegend grundlegende Fragen geprüft. Wenn Sie dieses Gebiet in Ihren Prüfungsvorbereitungen außen vor lassen, wird Ihnen dies als Desinteresse an dem Beruf ausgelegt. Sollten Ihre Leistungen auf der Kippe stehen, werden die zwei oder drei Steuerberater im Prüfungsausschuss kein gutes Wort für Sie einlegen, wenn Sie sich auf Fragen des Berufsrechts nur ungenügend vorbereitet haben. Im Teil »Grundlagen« des vorliegenden Buchs werden nahezu alle Themen berücksichtigt, die bundesweit in den letzten fünf Jahren im Rahmen der mündlichen Prüfung behandelt wurden. Der Grundlagenteil wurde überwiegend kurz gehalten. Themen, die immer wieder vorkommen (Rechte und Pflichten des Steuerberaters), werden ausführlich beschrieben. Themen, die nur selten geprüft werden (Prüfungsvoraussetzungen, Berufsgerichtsverfahren), werden kürzer dargestellt. Im Teil »Fragenkatalog mit Lösungen« werden 100 Fragen mit ausführlichen Lösungen angeboten. Davon sind 60 grundlegende Fragen; diese müssen Sie sicher beantworten können. Die 20 vertiefenden Fragen sind für Bewerber bestimmt, die in der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck hinterlassen müssen, weil die schriftliche Prüfung nicht so gut ausfiel. Die 20 aktuellen Fragen sollten Sie beantworten können, hier ist es aber notwendig, kurz vor der Prüfung noch ergänzend auf der Homepage der zuständigen Steuerberaterkammer zu surfen, um dort den tatsächlich aktuellen Stand herauszufinden. Dieses Buch ist speziell für Leser geschrieben, die das Werk zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung nutzen wollen. Nach bestandener Prüfung sollten Sie dann diesen Band zu Ihrer Steuerliteratur stellen, um bei berufsrechtlichen Problemen eine erste Antwort zu erhalten. In dem einleitenden Teil »Die mündliche Steuerberaterprüfung« erhalten Sie einen Arbeitsplan, so dass Sie mit einem Arbeitsaufwand von 10 mal 4 Stunden die Prüfung auf dem Gebiet »Berufsrecht« bestehen sollten. Zu guter Letzt möchte ich mich bei den Teilnehmern der GFS bedanken, die seit nunmehr 30 Jahren ihrer »Verpflichtung« nachgekommen sind und sofort nach der mündlichen Prüfung ein Protokoll geschrieben haben.
Berlin, im Juli 2007 Jochen Okraß
BVBC Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller
DStV Deutscher Steuerberaterverband
EStH Einkommensteuerhinweise
FALG Fachassistent Lohn und Gehalt
FARC Fachassistent Rechnungswesen und Controlling
[12]GewO Gewerbeordnung
GmbH & Co. KG Gesellschaft mit beschränkter Haftung und Co. Kommanditgesellschaft
PatAO Patentanwaltsordnung
PartGmbB PartG mit beschränkter Berufshaftung
[13]StBerG Steuerberatungsgesetz
StBerÄndG Steuerberatungsänderungsgesetz
StBGes Steuerberatungsgesellschaft
StBK Steuerberaterkammer
UKlaG Gesetz über Unterlassungsklage
VEB ReWi Volkseigene Betriebe Rechnungsführung und Wirtschaftsberatung
WPGes Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
[15]1 Berufsrecht in der mündlichen Steuerberaterprüfung
Ausführliche Hinweise zur mündlichen Steuerberaterprüfung finden Sie in der Reihe »Die Steuerberaterprüfung«, in dem Band »Der mündliche Kurzvortrag«. Sie finden dort ausgewählte Prüfungsthemen als Kurzvorträge.
Jetzt benötigen Sie erst einmal eine Pause. Eine Erholungszeit von 14 Tagen sollten Sie sich gönnen. Während dieser 14 Tage können Sie aber schon darüber nachdenken, wie Sie sich auf die mündliche Prüfung vorbereiten wollen.
Über drei große Aufgabenblöcke müssen Sie nachdenken:
den mündlichen Kurzvortrag,
die »Hauptgebiete«, mit denen Sie sich in den letzten Monaten ausschließlich beschäftigt hatten, sowie
die »Nebengebiete«, die für die schriftliche Prüfung keine Rolle gespielt haben, die folglich jetzt für Sie neu sind.
In der Zeit von Ende Oktober bis Ende Dezember sollte der mündliche Kurzvortrag im Vordergrund Ihrer Vorbereitung stehen. Zumindest 50 Themen müssen Sie in dieser Zeit bearbeiten. Eine gute Auswahl von über 100 ausgearbeiteten Themen finden Sie in der Reihe »Die Steuerberaterprüfung«, v. Campenhausen/Liebelt, »Der mündliche Kurzvortrag«. Sie kennen den Spruch: »Ein guter Vortrag ist die halbe Miete«. Zwar geht der Kurzvortrag nur mit 1/7 in die mündliche Note ein, aber ein guter Eindruck beim Vortrag kann sich auf die gesamte mündliche Prüfung positiv auswirken.
Die Hauptgebiete der schriftlichen Prüfung sind auch im Rahmen der mündlichen Prüfung die Hauptgebiete; vgl. § 37 Abs. 3 Nr. 1–4 StBerG. Eine mündliche Prüfung ohne Fragen zur Abgabenordnung, ohne Fragen zur Einkommensteuer, ohne Fragen zur Umsatzsteuer ist kaum denkbar. Ihre Übungsaufgaben und die vielen Klausuren, die Sie geschrieben haben, können Sie getrost in die Ecke legen, zur mündlichen Prüfung benötigen Sie nur noch die »Grundlagen« Ihrer Skripte bzw. Band 1 bis Band 3 der Reihe Preißer, »Die Steuerberaterprüfung«.
Die so genannten Nebengebiete werden nur in der mündlichen Prüfung gefragt. Diese sind gem. § 37 Abs. 3 Nr. 5–8 StBerG:
[16] Nr. 5 Handelsrecht, BGB, Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Europarecht,
Nr. 6 Betriebswirtschaft und Rechnungswesen,
Nr. 7 Volkswirtschaft,
Nr. 8 Berufsrecht.
Bis Mitte Dezember, also noch vor Bekanntgabe der Noten der schriftlichen Prüfung, sollten Sie sich einen guten Überblick über die Nebengebiete verschafft haben. Ab Mitte Dezember haben Sie für die Nebengebiete kaum noch Zeit, dann müssen Sie Ihre ganze Kraft den Hauptgebieten zuwenden. Sie werden gerade hier viel Zeit benötigen, um alle aktuellen Steuerrechtsänderungen zu erfassen.
Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung der mündlichen Prüfung!
Da Sie gem. § 28 Abs. 1 Durchführungsverordnung zum Steuerberatungsgesetz (DVStB) eine Gesamtnote von 4,15 erreichen müssen und Sie gem. § 25 Abs. 2 DVStB nur mit einer schriftlichen Note von 4,5 oder besser zur mündlichen Prüfung zugelassen werden, müssen Sie im schlechtesten Fall in der mündlichen Prüfung die Note 3,8 erzielen; 4,5 + 3,8 = 8,3 geteilt durch 2 = 4,15 und haben damit die Prüfung bestanden.
Auch die schriftliche Note von 4,33 (z. B. 4,5 – 4,5 – 4,0) müssen Sie ausgleichen, um eine Gesamtnote von 4,15 zu erreichen. In der mündlichen Prüfung wäre dann eine 3,97 notwendig, denn 4,33 + 3,97 ergibt wieder 8,3 geteilt durch 2 = 4,15.
Haben Sie z. B. die schriftliche Note von 4,16 (z. B. 4,5 – 6,0 – 2,0) erreicht, müssen Sie auch diese verbessern, um eine Gesamtnote von 4,15 zu erreichen. In der mündlichen Prüfung wäre dann eine 4,14 notwendig, denn 4,16 + 4,14 ergibt wieder 8,3 geteilt durch 2 = 4,15. Die Noten werden übrigens gem. § 15 Abs. 2 DVStB auf zwei Stellen hinter dem Komma abgerundet.
Sollten Sie sich in der mündlichen Prüfung aber verschlechtern, kann es Ihnen auch anders ergehen. Sollten Sie in der schriftlichen Prüfung z. B. die Note 3,5 erreicht haben, in der mündlichen Prüfung aber nur eine 4,9, so haben Sie die Prüfung insgesamt nicht bestanden; denn 3,5 + 4,9 = 8,4 geteilt durch 2 = 4,2.
Im Falle des Nichtbestehens müssen Sie die gesamte Prüfung wiederholen, also auch die komplette schriftliche Prüfung.
Da in der mündlichen Prüfung im Bundesdurchschnitt jeder 7. Teilnehmer durchfällt, sollten Sie sich spätestens ab Ende Oktober so intensiv mit der mündlichen Prüfung beschäftigen, dass Sie nicht zu den »Durchfallern« gehören werden. Wer die schriftliche Prüfung bestanden hat, sollte nicht leichtfertig die gesamte Prüfung aufs Spiel setzen.
[17]1.2 Ablauf der mündlichen Prüfung
Der Ablauf der mündlichen Prüfung ergibt sich aus § 10 und § 25 bis § 32 DVStB. Danach wird ein Bewerber zur mündlichen Prüfung nur geladen, wenn die Gesamtnote aus der schriftlichen Prüfung die Zahl 4,5 nicht übersteigt. Spätestens zwei Wochen vor dem Prüfungstermin ist der Bewerber von der zuständigen Steuerberaterkammer zu laden.
Überlegen Sie rechtzeitig, wie Sie sich kleiden wollen. Die männlichen Bewerber haben es da einfach: Jackett, Hose und Krawatte oder Anzug und Krawatte. Für die weiblichen Bewerber ist die Kleiderordnung meist etwas schwieriger: Dezent ist auf alle Fälle nicht falsch.
Sofern Sie weit vom Prüfungsort entfernt wohnen, sollten Sie sich am Prüfungsort in einem Hotel einquartieren. Auf alle Fälle muss es Ihnen möglich sein, auch bei Verkehrsstau oder ähnlichen Vorkommnissen rechtzeitig zur Prüfung zu erscheinen. Versäumt ein Bewerber die mündliche Prüfung ohne ausreichende Entschuldigung (Verkehrsstau ist keine ausreichende Entschuldigung), so gilt die gesamte Prüfung als nicht bestanden.
Die mündliche Prüfung besteht aus einem kurzen Vortrag und aus sechs Prüfungsabschnitten. Für den Vortrag werden dem Bewerber eine halbe Stunde vor Beginn der Prüfung drei Themen zur Wahl gestellt. Nur etwa jedes 20. Thema stammt aus dem Gebiet »Berufsrecht«. Die sechs Prüfungsabschnitte werden als Prüfungsdialog nach dem System Frage und Antwort abgehalten.
Wie umfangreich das Gebiet »Berufsrecht« gefragt wird, ist auch davon abhängig, ob dem Prüfungsausschuss neben den drei Beamten der Finanzverwaltung drei StB oder zwei StB und ein Vertreter der Wirtschaft angehören. Der Vertreter der Wirtschaft wird sich intensiv mit Betriebswirtschaft, Rechnungswesen und Volkswirtschaft beschäftigen; in diesem Fall verbleibt den zwei Steuerberaterprüfern nicht viel Zeit für das Gebiet »Berufsrecht«. Eine oder höchstens zwei Fragen je Teilnehmer zum Berufsrecht werden dann die Regel sein, davon eine grundlegende Frage und eine aktuelle Frage. Sollten aber drei StB dem Ausschuss angehören, werden diese lieber Berufsrecht als Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft prüfen. Zwei bis drei Fragen zum Berufsrecht pro Bewerber sind dann die Regel, davon eine grundlegende Frage, eine vertiefende Frage und eine aktuelle Frage.
Als Hilfsmittel stehen im Regelfall die Beck’schen Gesetzestexte zur Verfügung. Für das Prüfungsgebiet Berufsrecht dürfte dies ohne Bedeutung sein, denn ein »normaler« Bewerber wird nicht auf die Idee kommen, im Steuerberatungsgesetz nachzuschlagen; im Rahmen Ihrer Prüfungsvorbereitung werden Sie die Paragraphen des Steuerberatungsgesetzes ohnehin nicht annähernd behalten.
Entweder ist nach jedem Prüfungsabschnitt oder nach drei Prüfungsabschnitten jeweils eine Pause. Nach dem letzten Prüfungsabschnitt stehen Sie voller Ungeduld auf dem Flur und [18]machen sich gegenseitig Mut. Ist sich die Prüfungskommission nicht einig, kann es zu einer »Nachprüfung« kommen; der Prüfungsvorsitzende stellt dann noch einige weitere Fragen an den Bewerber, der »auf der Kippe« steht. Diese Nachprüfungen sind aber äußerst selten geworden.
Werden Sie zur Verkündung des Prüfungsergebnisses einzeln in den Prüfungsraum gerufen, ist das ein schlechtes Zeichen. Man will Ihnen dann ganz persönlich mitteilen, dass Sie die Prüfung insgesamt nicht bestanden haben und die gesamte Prüfung noch einmal wiederholen müssen. Der Bewerber kann in diesem Fall eine Bekanntgabe der tragenden Gründe verlangen.
Die Prüfer sind im Rahmen eines »Überdenkungsverfahrens« verpflichtet, die Bewertung der Prüfungsleistungen zu überdenken, wenn dies von dem Bewerber schriftlich bei der zuständigen Steuerberaterkammer mit begründeten Einwendungen beantragt wird und die Entscheidung über das Ergebnis der Prüfung noch nicht rechtskräftig ist. Im Rahmen des Überdenkungsverfahrens werden die Prüfungsleistungen erneut überdacht.
Wird die gesamte Prüfungsgruppe oder der Rest der Prüfungsgruppe in den Prüfungsraum gebeten, dann können Sie tief durchatmen – Sie haben es geschafft!
Noten werden dort dann übrigens nicht mitgeteilt. Es gibt keine offizielle Endnote, sondern nur das Prädikat »bestanden«.
Das Prüfungsgebiet »Berufsrecht« gehört zu den so genannten Nebengebieten. Sie dürfen dieses Nebengebiet aber nicht vernachlässigen, denn durch Nichtwissen auf diesem Gebiet würden Sie Desinteresse an dem Beruf StB bekunden, was Ihnen negativ angekreidet werden würde
Sie sollten die Vorbereitung auf dem Gebiet Berufsrecht jedoch zeitlich nicht übermäßig ausdehnen. Im Höchstfall wird Berufsrecht für die Dauer eines halben Prüfungsabschnitts gefragt.
Der folgende Arbeitsplan geht davon aus, dass Sie an insgesamt zehn Tagen je vier Stunden dieses Gebiet bearbeiten und damit fit sind für die Prüfung.
Lesen Sie die Grundlagen durch und schlagen Sie jede zitierte Vorschrift nach. An vier Tagen je vier Stunden sollten Sie Teil II dieses Buches »Grundlagen des Berufsrechts« durchgearbei[19]tet haben. Als Zeitplan nehmen Sie sich den November vor. Sie können entspannt lernen, der Weihnachtstrubel ist noch fern.
Ein weiterer Vorschlag: Wiederholen Sie die Grundlagen, indem Sie zu jeder Überschrift des Inhaltsverzeichnisses drei Sätze formulieren.
Anhand der Grundlagen sollten Sie zu dem Gebiet Berufsrecht sechs Vortragsthemen ausarbeiten. Sechs mögliche Themen schlagen wir Ihnen im folgenden Kapitel vor. Mit Hilfe dieser sechs Themen wiederholen Sie den Stoff der Grundlagen. Dafür sollten Sie die erste Woche im Dezember vorsehen.
Die 100 Fragen können Sie zügig in zwei Arbeitseinheiten durchgehen. Sofern Sie eine Frage nur ausreichend beantworten können, schreiben Sie die Nummer der Frage auf die letzte Seite dieses Buches. Diese »schwierigen« Fragen müssen Sie am Ende der beiden Arbeitseinheiten noch einmal wiederholen. Dafür sollten Sie die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr vorsehen.
Noch ein Vorschlag: Bearbeiten Sie die Fragen zu zweit. Sie können sich dann gegenseitig abfragen und erzielen so einen größeren Lernerfolg.
Wiederholen Sie die 100 Fragen. Im Rahmen der Vorbereitung dürften vier Stunden ausreichend sein. Alle Fragen, die Sie nicht sicher beantworten können, vermerken Sie wieder auf der letzten Seite dieses Buches. Damit sollten Sie ca. vier Wochen vor dem möglichen Prüfungstermin beginnen.
Auch hier empfiehlt sich eine Vorbereitung zu zweit, um über die Möglichkeit des Abfragens und Beantwortens zu einer objektiveren Leistungsbeurteilung zu gelangen.
Die 60 grundlegenden Fragen und die 20 aktuellen Fragen wiederholen Sie kurz vor der Prüfung so lange, bis Sie alle diese 80 Fragen sicher beherrschen. Die 20 vertiefenden Fragen können [20]Sie diesmal überschlagen: »Mut zur Lücke«. Damit sollten Sie ca. sieben Tage vor der Prüfung beginnen.
Die fünf Themen sollten Sie auch noch einmal wiederholen. Damit wiederholen Sie gleichzeitig das Training des Kurzvortrags und Sie wiederholen den überwiegenden Stoff der Grundlagen. Damit sollten Sie sechs Tage vor der Prüfung beginnen.
Mit dieser Vorbereitung sollten Sie es sicher schaffen, das Prüfungsgebiet Berufsrecht zu bestehen.
Ich drücke Ihnen fest die Daumen, dass Sie die Prüfung erfolgreich abschließen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn Sie alle Fragen zum Berufsrecht mit Hilfe dieses Buches sicher beantworten können und die entsprechenden Antworten Ihnen Pluspunkte bei der Bewertung Ihrer mündlichen Prüfung gebracht haben.
Ich bitte Sie, mir sofort nach der mündlichen Prüfung alle Themen und die Fragen zum Berufsrecht per Mail an okrass@gfs.eu zu senden.
Hinweise zum mündlichen Kurzvortrag finden Sie ausführlich in dem Band »Der mündliche Kurzvortrag« der Reihe »Die Steuerberaterprüfung«. In diesem Kapitel sollen spezielle Hinweise zum Prüfungsgebiet »Berufsrecht« gegeben werden.
Erfahrungsgemäß wird ein Thema zum Berufsrecht von den Bewerbern nur selten vorgetragen. Dies ist verständlich, weil das Berufsrecht für die Bewerber im Regelfall völlig neu ist. Sollten Sie (zufälligerweise) in einem Lohnsteuerhilfeverein gearbeitet haben, so könnte das Thema »Der Lohnsteuerhilfeverein« von Ihnen gewählt werden. Sofern Sie bisher als selbständiger Bilanzbuchhalter gearbeitet haben und auch für einen StB als freier Mitarbeiter tätig waren, könnte das Thema »Bilanzbuchhalter oder Steuerfachwirt als freier Mitarbeiter bei einem StB« von Ihnen gewählt werden. Ansonsten werden Sie – so wie Ihre Vorgänger – ein Thema zum Berufsrecht nur dann wählen, wenn Sie gerade dieses Thema im Rahmen der Vorbereitung ausgearbeitet und schon mehrfach als Probevortrag gehalten haben.
[21]Ich empfehle Ihnen die Ausarbeitung der folgenden Themen:
Rechte und Pflichten der StB
Die einfache und die qualifizierte Partnerschaftsgesellschaft
Die Berufsordnung der StB
Die Ausarbeitung dieser Themen hat zwei Vorteile. Zum einen sind dies die Themen, die in den vergangenen fünf Jahren zu etwa 80% als Thema zum Berufsrecht zur Wahl gestellt wurden, zum anderen haben Sie nach Ausarbeitung dieser Themen etwa 60% des Prüfungsstoffes zum Berufsrecht gleich mit bearbeitet.
Es wird von Ihnen nicht erwartet, dass Sie zu »seltenen« Themen (und dazu gehören die Themen des Berufsrechts) sämtliche Paragraphen nennen können. Zu jedem Thema sollten Sie aber die grundlegenden Paragraphen im Rahmen des Kurzvortrags erwähnen. Dies wären beispielhaft:
Rechte und Pflichten (§§ 32, 33, 57 StBerG),
Steuerberatungsgesellschaften (§§ 49, 50, 50a StBerG),
Partnerschaftsgesellschaft (§ 1 Abs. 1 PartGG, §§ 3 Nr. 2 , 49 Abs. 1 StBerG),
Berufsordnung (§§ 86 Abs. 2 Nr. 2, 86a StBerG, §§ 1 bis 30 BOStB),
Syndikus (§ 58 S. 2 Nr. 5a StBerG),
Berufsgerichtsbarkeit (§§ 81, 89, 90 StBerG).
Diese sechs Themen sollten Sie mehrmals Freunden, Bekannten und Mitstreitern vortragen. Nur wenn Sie diese Themen mehrfach vorgetragen haben, könnte das Thema während der Prüfung in die engere Wahl fallen.
Die Ausarbeitung Ihrer zumindest 50 Themen sollte genau so erfolgen, wie Sie dies in der halben Stunde Vorbereitung im Rahmen der mündlichen Prüfung tun wollen. Da Sie etwa fünf Minuten auf die richtige Auswahl verwenden, haben Sie zur eigentlichen Ausarbeitung nur 25 Minuten Zeit. Die Ausarbeitung eines der oben genannten sechs Themen möchte ich Ihnen hier demonstrieren. In kursiver Schrift steht die eigentliche Ausarbeitung.
Die einführenden Sätze sollten Sie in Ihrer Ausarbeitung ausformulieren. Denn wenn Sie vor lauter Nervosität die Anrede vergessen oder das gewählte Thema nicht nennen, werden Sie noch nervöser. Sie können die einführenden Sätze notfalls auch ablesen. Wenn Sie in den Prüfungsraum eintreten und die Prüfungskommission sehen, sollten Sie kurz stehen bleiben und einen »Guten Morgen«, »Guten Tag« oder »Grüß Gott« wünschen. Richten Sie dann Ihren »Arbeitsplatz« ein. Wenn Sie im Stehen vortragen wollen, dann stellen Sie den »störenden« Stuhl an die Seite.
[22]Sehr geehrte Damen und Herren,
als Thema habe ich »Steuerberatungsgesellschaften« gewählt.
Meinen Kurzvortrag werde ich wie folgt gliedern:
Andere Formen der beruflichen Zusammenschlüsse
Und zum Schluss werde ich auf die Änderungen im Rahmen des 8. StBerÄndG sowie auf weitere mögliche Änderungen eingehen.
Den Hauptteil sollten Sie nicht ausformulieren. Dazu fehlt Ihnen im Regelfall die Zeit und eine Ausarbeitung in Stichworten zwingt Sie zur freien Rede. Der Kurzvortrag sollte zumindest teilweise frei gesprochen sein, Sie sollten jedes Prüfungsmitglied ein oder zweimal angeschaut haben. Vergessen sie dabei nicht die ganz außen sitzenden Prüfungsmitglieder, vielleicht sind gerade sie für den Kurzvortrag zuständig. Lassen Sie sich aber auch nicht durch »Desinteresse« einzelner Prüfungsmitglieder verunsichern.
Den jeweiligen einleitenden Satz zu den einzelnen Teilen sollten Sie wieder ausformulieren.
Zunächst möchte ich auf die zulässigen Rechtsformen eingehen. Diese sind in § 49 Steuerberatungsgesetz abschließend aufgezählt. Dies sind:
AG: die Großen, meist gleichzeitig WPGes und StBGes,
KGaA: in dieser Rechtsform gibt es meines Wissens keine StBGes,
GmbH: etwa 80 % der StBGes werden als GmbH geführt,
GmbH & Co. KG: seit 8. StBerÄndG,
GmbH: in der Form einer UG (haftungsbeschränkt),
OHG/KG: nur, wenn sie wegen ihrer Treuhandtätigkeit ins Handelsregister eingetragen ist,
PartG: die qualifizierte Partnerschaftsgesellschaft,
PartGmbB: mit beschränkter Berufshaftung.
Sodann möchte ich auf die Voraussetzungen der Anerkennung eingehen. Diese sind in den §§ 50 und 50a des StBerG genannt. Einige Vorschriften zur Anerkennung finden sich auch in der Durchführungsverordnung zum StBerG und in der Berufsordnung. Folgend möchte ich die wesentlichen Voraussetzungen nennen. Beispielhaft gehe ich von einer GmbH aus:
Geschäftsführer muss mindestens ein StB sein.
Residenzpflicht: Mindestens ein StB muss seine berufliche Niederlassung im Nahbereich haben.
Daneben sind als GF der StBGes auch möglich: StBv, RAe, WP – nicht aber Rechtsbeistand.
Besonders befähigte Personen: können auch GF sein.
Die Hälfte der GF müssen StB sein.
[23] Haftpflichtversicherung oder Deckungszusage muss vorliegen.
Kapitalbindung: Gesellschafter können nur sein StB, StBv, RAe, WP und besonders befähigte Personen. Auch möglich: Gesellschafter sind nur RAe. Nicht möglich: Gesellschafter sind nur besonders. befähigte Personen. Auch möglich: Gesellschafter ist eine andere StBGes.
Name der StBGes: Die Bezeichnung »Steuerberatungsgesellschaft« muss ungekürzt im Firmennamen vorkommen.
Antrag auf Anerkennung: Die zuständige StBK prüft und erteilt Anerkennungsurkunde.
Ferner möchte ich auf andere Formen der beruflichen Zusammenschlüsse eingehen:
Bürogemeinschaft ist eine GbR: Zweck ist gemeinschaftliche Nutzung von Büro, Kopiergerät etc.,
Sozietät ist eine GbR: Zweck ist die gemeinsame Berufsausübung,
Kooperation: eine lockere Form der Zusammenarbeit – häufig auch überregional,
Berufsausübungsgemeinschaft: Kooperation mit Angehörigen Freier Berufe,
PartG: die einfache PartG, die keine StBGes ist.
Der Schlusssatz hat eine besondere Bedeutung. Es sollte auf keinen Fall eine Zusammenfassung gegeben werden; einen Kurzvortrag kann ich nicht auch noch zusammenfassen. Der Schlusssatz ist der Prüfungskommission bei der Notenvergabe noch präsent. Auch hier empfehle ich, den Text auszuformulieren und lieber abzulesen als etwas zu vergessen.
Abschließend möchte ich auf die Änderungen im Rahmen des 8. StBerÄndG eingehen und aktuelle Fragen zur StBGes diskutieren.
Im Rahmen des 8. Änderungsgesetzes wurde die GmbH & Co. KG als Rechtsform zugelassen. Dies wurde als notwendig erachtet, da diese Gesellschaftsform in Deutschland üblich ist und sich als Rechtsform zur Haftungsbeschränkung bewährt hat. Für die StBGes als GmbH & Co. KG gilt auch der Grundsatz der Kapitalbindung. Im Endeffekt müssen also auch hier die hinter der Gesellschaft stehenden Personen zur unbeschränkten Hilfeleistung in Steuersachen befugt sein.
Andere europäische Rechtsformen sind (noch) nicht als Steuerberatungsgesellschaft zugelassen. So kann sich also eine englische Limited nicht an einer StBGes beteiligen, auch dann nicht, wenn deren Gesellschafter zur unbeschränkten Hilfeleistung in Steuersachen befugt sind. Auch die in Planung befindliche Einpersonengesellschaft SUP (Societas Unius Personae) kommt nicht als StBGes in Frage.
Noch ein wichtiger Hinweis: Sprechen Sie stets vom Steuerberatungsgesetz, niemals vom Steuerberatergesetz!
[24]1.5 Berufsstand im Wandel
Der Berufsstand der StB befindet sich in einem ständigen Wandel. Die Bundeskammerversammlung hat daher am 12.06.2006 das »Leitbild des steuerberatenden Berufs« verabschiedet. Es steht unter dem Motto »Perspektiven für morgen«. Sie als zukünftiger StB sollten sich mit dem Leitbild gut auskennen, das Leitbild fasst die Ideen, die gemeinsamen Werte und die Stellung der StB in der Gesellschaft zusammen. Im Rahmen der mündlichen Prüfung müssen Sie zu erkennen geben, dass Sie »würdig« sind, diesen anspruchsvollen Beruf auszuüben, dass Sie ein Angehöriger dieses Freien Berufs und somit ein Organ der Steuerrechtspflege werden wollen.
Im Folgenden sind wichtige Inhalte hinsichtlich des Leitbilds wiedergegeben. Die vollständige Fassung finden Sie unter www.steuerberater-perspektiven.de.
StB sind Angehörige eines Freien Berufs und ein unabhängiges Organ der Steuerrechtspflege. Durch die gesetzlich geschützte berufliche Verschwiegenheit und die detaillierte Kenntnis der wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse ihrer Mandanten tragen Sie ein hohes Maß an Verantwortung und haben eine besondere Vertrauensstellung.
StB begleiten ihre Mandanten als unabhängige und kompetente Ratgeber bei allen steuerlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen mit dem Ziel, deren Interessen als Unternehmer, Institutionen oder Privatpersonen optimal zu vertreten sowie deren wirtschaftlichen Erfolg zu fördern und zu sichern.
Das Leistungsangebot der StB umfasst insbesondere die Rechnungslegung nach nationalen und internationalen Vorgaben, die Steuerberatung und den steuerlichen Rechtsschutz. Die Beratung in privaten Vermögensangelegenheiten, die betriebswirtschaftliche Beratung sowie die Durchführung von gesetzlichen und freiwilligen Prüfungen sind weitere wesentliche Tätigkeitsfelder.
StB üben ihren Beruf unabhängig, eigenverantwortlich und gewissenhaft aus. Durch hohe Qualifikation verbunden mit konsequenter Fortbildung, effizienter Kanzleiführung und Qualitätsmanagement schaffen sie die Grundlage, um auch zukünftigen Anforderungen flexibel begegnen zu können.
In der Steuerberatung gibt es keinen Stillstand, die Steuerberatung unterliegt einem ständigen Wandel, da sich nicht nur steuerrechtliche, sondern auch wirtschaftliche, gesellschaftliche [25]und politische Bedingungen permanent ändern. StB müssen ein breites Fachgebiet souverän beherrschen, ihre Mandanten sicher durch das komplexe deutsche Steuerrecht leiten und umsichtig beraten. StB müssen auch die Grundzüge des Internationalen Steuerrechts kennen. Deswegen ist nach einer umfassenden theoretischen und praktischen Ausbildung sowie dem anspruchsvollen staatlichen Steuerberaterexamen konsequente fachliche Fortbildung Pflicht. Die verlässlich hohe Qualität der Leistungen ist einer der entscheidenden Werte, mit denen sich StB im Wettbewerb positiv abgrenzen.
StB müssen sich den ständig steigenden Erwartungen der Mandanten und einem hohen Wettbewerbsdruck stellen. Neben fachlicher Fortbildung sind daher effiziente Kanzleiführung, Qualitätsmanagement sowie die aktive Kommunikation des Leistungsangebots zentrale Elemente einer zukunftsfähigen Planung. Zukunft ist zwar nicht vorhersehbar, aber sie ist auch nicht vollkommen ungewiss. Langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen liefern bei genauer Analyse den Rahmen für eine vorausschauende Strategie.
Die Herausforderungen der Zukunft zu erkennen und ihnen gewappnet zu begegnen, Chancen frühzeitig zu sehen und sie zu ergreifen, das sind die Zielsetzungen der Initiative »Perspektiven für morgen«, die von den Steuerberaterkammern und der Bundessteuerberaterkammer gemeinsam ins Leben gerufen wurde. Sie beginnt mit einem Leitbildprozess, denn die Frage nach den Stärken, Werten und Zielen des Berufsstands sollte am Anfang jeder Zukunftsplanung stehen. Das Leitbild soll nicht etwa Bestehendes festschreiben. Es soll vielmehr die Perspektive auf langfristig gültige, zukunftsorientierte Zielsetzungen eröffnen. Wenn es lebt und gelebt wird, kann das Leitbild den Berufsstand nach innen und nach außen stärken. StB, die sich dazu bekennen, bekennen sich aktiv zu einem gemeinsamen Selbstverständnis des Berufs.
In den folgend (nur) aufgezählten neun Handlungsfeldern sind Aufgaben und Maßnahmen skizziert, mit denen Berufsangehörige bei der Umsetzung einer zukunftsfähigen Kanzlei durch die Steuerberaterkammer unterstützt werden können.
Unterstützung der Kanzlei bei der Standortbestimmung (Mindestanforderungen),
strategische Ausrichtung der Kanzleien anhand der Kanzleikandidaten,
Personalgewinnung/-entwicklung und Mitarbeiterführung,
effiziente Kanzleiführung und Digitalisierung der Geschäftsprozesse,
aktives Marketing und Akquisition,
[26] Ausbau der vereinbaren Tätigkeiten,
Beratungskonzepte für spezifische Zielgruppen,
Kampagne zur Verbesserung des Images,
Digitalisierung, das papierlose Büro.
Mitarbeiter in der Steuerkanzlei haben überwiegend die Ausbildung zum Steuerfachangestellten erfolgreich durchgeführt. Zur weiteren Fortbildung gibt es seit vielen Jahren die Qualifikation zum Steuerfachwirt. Diese Fortbildung war nur möglich für Mitarbeiter, die bereits die Prüfung zum Steuerfachangestellten erfolgreich absolviert haben. Im Rahmen der Mitarbeiterausbildung hat die BStBK weitere Berufstitel mit Zertifikat entwickelt, um so die Tätigkeit in der Steuerkanzlei noch attraktiver zu machen.
Zunächst wurde der »Fachassistent Lohn und Gehalt« ins Leben gerufen, es folgte der »Fachassistent Rechnungswesen und Controlling«.
Vorgesehen ist diese Fortbildung im Wesentlichen für Steuerfachangestellte bzw. für Mitarbeiter mit einer vergleichbaren Ausbildung (zum Beispiel Rechtsanwaltsfachangestellter, Industriekaufmann, Groß- und Außenhandelskaufmann, Bankkaufmann). Die Zulassung zur Prüfung erfordert auch praktische Arbeitserfahrungen in einer Steuerkanzlei. Interessant ist diese Fortbildung auch für Mitarbeiter ohne Berufsabschluss, sofern sie eine langjährige Berufserfahrung in einem Steuerbüro haben. Die Prüfung zum Fachassistenten gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil. Nähere Informationen zur Prüfungsinstitution und zu den Prüfungsorten sind bei den jeweiligen Steuerberaterkammern erhältlich.
1.5.6.1 Fachassistent/-in Lohn und Gehalt
Der Fachassistent Lohn und Gehalt ist ein Berufstitel im Bereich des Lohnwesens, den zum Beispiel Steuerfachangestellte bereits seit dem Jahr 2015 über die Steuerberaterkammern erlangen können. Die Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Steuerwesen sowie im Sozialversicherungs-und Arbeitsrecht. Dazu zählen insbesondere die Durchführung des Lohnsteuerabzugs und die Statusfeststellungs- und Umlageverfahren. Die Kenntnisse im Arbeitsrecht sollen dazu dienen, Probleme zu erkennen und Empfehlungen für anwaltliche Beratung auszusprechen.
[27]1.5.6.2 Fachassistent/-in Rechnungswesen und Controlling
Der Fachassistent Rechnungswesen und Controlling ist ein Berufstitel im Bereich des Steuerwesens, der ab Herbst 2019 durch eine Fortbildungsprüfung bei den Steuerberaterkammern erlangt werden kann. Der Tätigkeitsschwerpunkt des Fachassistenten liegt auf dem externen und internen Rechnungswesen. Dazu zählen insbesondere Buchführung und Bilanzierung, betriebswirtschaftliche Auswertung, Jahresabschlusserstellung sowie die integrierte Unternehmensplanung.
Der Bedarf an betriebswirtschaftlicher Beratung durch den Steuerberater ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, da Mandanten beispielsweise Unterstützung in der Unternehmensführung benötigen. Der Steuerberater ist dabei auf speziell fortgebildete Mitarbeiter in diesem Fachgebiet angewiesen, die Beratungsvorgänge vor- und nachbereiten. Der Fachassistent Rechnungswesen und Controlling bietet Mitarbeitern von Steuerkanzleien eine attraktive Aufstiegschance im Zuge der betriebswirtschaftlichen Beratung.
Die Steuerberaterkammern sind die berufliche Selbstverwaltung aller in ihrem Kammerbezirk niedergelassenen StB und Steuerbevollmächtigten. Als Körperschaften des öffentlichen Rechts nehmen sie die ihnen durch Gesetz übertragenen Aufgaben wahr und vertreten die beruflichen Interessen ihrer Mitglieder.
Ihr Ziel ist es, den steuerberatenden Beruf als Freien Beruf und als Organ der Steuerrechtspflege zu fördern, weiterzuentwickeln und in der Öffentlichkeit zu positionieren. Dabei sind sie besonders dem Gemeinwohl und den Belangen der Verbraucher, Unternehmer und Unternehmen verpflichtet.
Als Ratgeber und Dienstleister unterstützen sie ihre Mitglieder in Fragen der Berufsausübung. Sie sorgen für ein breites Angebot der beruflichen Aus- und Fortbildung für Berufsangehörige und deren Mitarbeiter. Die Qualität der Berufsausübung sichern sie durch Beratung und Berufsaufsicht. Darüber hinaus begleiten sie die Entwicklung neuer Beratungsfelder.
Die Bundessteuerberaterkammer ist die gesetzliche Spitzenorganisation der 21 Steuerberaterkammern und vertritt die Interessen des Berufsstands in seiner Gesamtheit im In- und Ausland. Sie koordiniert die Meinungsbildung zwischen den Steuerberaterkammern und führt Entscheidungen zu berufsrechtlichen und den Beruf betreffenden Angelegenheiten herbei, die sie an den Gesetzgeber und an andere Institutionen weiterleitet.

References: § 37
 § 37
 § 37
 § 28
 § 25
 § 15
 § 10
 § 25
 § 32
 § 49