Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NStZ%202007,%20103
Timestamp: 2017-11-22 16:27:52+00:00

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Rechtsprechung: NStZ 2007, 103 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BGH, 02.08.2006
Konfrontationsrecht (Verwertungsverbot hinsichtlich einer entscheidenden Verwertung unkonfrontierter Aussagen; anonyme Zeugen; Mitangeklagte als Zeugen; Hörensagen; Fragerecht; verhältnismäßige Einschränkungen; erweiterte Einschränkungen bei unmöglicher Befragung: Unerreichbarkeit; besonders vorsichtige Beweiswürdigung; Hinwirkungspflichten des Staates; Rechtshilfe; Unmittelbarkeitsprinzip); Recht auf ein faires Strafverfahren (Gesamtbetrachtung und Gesamtrecht); Redaktioneller Hinweis
Mittelbare Verwertung der Aussage sich im Ausland befindlicher Zeugen - Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen bei Vernehmungen außerhalb der Hauptverhandlung - Vernehmung von Auslandszeugen im Wege der Rechtshilfe - Recht auf Anwesenheit und Befragung eines Belastungszeugen bei Vernehmung im Ausland - Offenlegung der Identität von anonymen nachrichtendienstlichen Informanten - Kumulation mehrerer Beweise vom Hörensagen - Begriff des "Zeugen" im Rahmen der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)
Art. 6, Art. 6 Abs. 1, Art. 6 Abs. 3 Buchst. d
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des EGMR vom 23.11.2005, Beschwerde-Nr.: 73047/01 (Zum Recht des Angeklagten auf Konfrontation mit einem Belastungszeugen - Der Fall Monika Haas)" von Karsten Gaede, original erschienen in: JR 2006, 289 - 297.
Bei der Prüfung, ob insgesamt ein faires Verfahren vorlag, kommt es nach der Rechtsprechung des EGMR insbesondere auch darauf an, ob der Umstand, dass der Angeklagte keine Gelegenheit zur konfrontativen Befragung hatte, der Justiz zuzurechnen ist (EGMR [Ferrantelli &Santangelo] ÖJZ 1997, 151, 152; [Haas] JR 2006, 289, 291).
So hat der EGMR entschieden, dass im Fall ausreichender, jedoch fehlgeschlagener Bemühungen seitens der Justiz eine Verurteilung aufgrund der Angaben eines nicht kontradiktorisch vernommenen Zeugen - bei äußerst sorgfältiger ("extreme care") Würdigung - möglich ist, solange sie nicht einzig und allein ("solely") auf diesen Angaben beruht 18 (EGMR [Artner] EuGRZ 1992, 476; [Haas] JR 2006, 289, 291).
[ Redaktioneller Hinweis: Vgl. auch EGMR HRRS 2006 Nr. 63 = Haas v. Deutschland, JR 2006, 289 ff. mit Anmerkung Gaede.].
Wenn die Unmöglichkeit konfrontativer Befragung der Justiz nicht zuzurechnen ist, kann eine Verurteilung auf die Aussage des Zeugen bei äußerst sorgfältiger Würdigung gestützt werden, wenn sie nicht einzig und allein auf dieser Aussage beruht (EGMR NJW 2006, 2753 [Haas/Deutschland]; BGHSt 51, 150, 155;… vgl. dazu auch Schädler in KK 6. Auflage, Art. 6 MRK Rdn. 51 ff., 59 f.;… Meyer-Goßner StPO 52. Auflage, Art. 6 MRK Rdn. 22;… Esser NStZ 2007, 106;… Schädler StraFo 2008, 229; jeweils m.w.N.).
While the Court is not unmindful of the domestic courts" obligation to secure the proper conduct of the trial and avoid undue delays in the criminal proceedings, it does not consider that a five-day stay in the proceedings for the purpose of obtaining Mr I."s testimony at the trial, in which the applicant stood accused of a very serious offence and was risking a long term of imprisonment, would have constituted an insuperable hindrance to the expediency of the proceedings at hand (see Artner, cited above, p. 10, § 21; Berisha v. the Netherlands (dec.), no. 42965/98, 4 May 2000; and Haas v. Germany (dec.), no. 73047/01, 17 November 2005).
EGMR, 08.06.2006 - 60018/00
§ 261 StPO; § 96 StPO; § 54 StPO; Art. 6 Abs. 3 lit. d EMRK
Überzeugungsbildung (Bestätigung der Angaben gesperrter polizeilicher Vertrauenspersonen durch andere Beweisergebnisse auch hinsichtlich des Schuldumfangs; Zeuge vom Hörensagen; Konfrontationsrecht)
Beweiswürdigung bei Vernehmung des Führungsbeamten einer gesperrten Vertrauensperson

References: Art. 6
 Art. 6
 Art. 6
 EGMR 
 EGMR 
 EGMR 
 EGMR 
 Art. 6
 Art. 6
 § 21

§ 261
 § 96
 § 54
 Art. 6