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Timestamp: 2020-01-17 18:59:48+00:00

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https://dejure.org/2002,448
BayObLG, 22.01.2002 - Verg 18/01 (https://dejure.org/2002,448)
BayObLG, Entscheidung vom 22.01.2002 - Verg 18/01 (https://dejure.org/2002,448)
BayObLG, Entscheidung vom 22. Januar 2002 - Verg 18/01 (https://dejure.org/2002,448)
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Abgrenzung einer vergaberechtlich relevanten Auftragsvergabe "nach außen" von einer einfachen vergabefreien innerorganisatorischen Aufgabenverlagerung; Vorliegen einer eine öffentliche Ausschreibung im Sinne der Vergabeordnung und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) ...
Primärrechtsschutz und Antragsbefugnis bei Verletzung von Bieterrechten durch unterlassene Ausschreibung des Dienstleistungsauftrags - Rügeobliegenheit bei unterbliebenem Vergabeverfahren - Voraussetzungen eines Eigengeschäfts bei Vergabe eines Entsorgungsauftrags - ...
Wann liegt ein - vergabefreies - "in-house-Geschäft" vor?
Vergabeprüfung bei unterlassener Ausschreibung
De-facto-Vergabe: Vorbeugender Rechtsschutz im Vergabenachprüfungsverfahren? (IBR 2002, 206)
Wann liegt ein - vergabefreies - "in-house-Geschäft" vor? (IBR 2002, 268)
Unter diesen Umständen bedarf es im Streitfall auch keiner Beantwortung der streitigen Frage, ob § 107 Abs. 3 Satz 1 GWB nach seinem Wortlaut oder Sinngehalt der Zulässigkeit eines Nachprüfungsantrags überhaupt entgegenstehen kann, wenn das Nachprüfungsverfahren geführt wird, damit ein bisher unterbliebenes geregeltes Vergabeverfahren eingeleitet und durchgeführt wird (verneinend z.B. BayObLG u.a. VergabeR 2002, 244; OLG Frankfurt NZBau 2004, 692, 693; OLG Düsseldorf NZBau 2001, 696; Burgi, NZBau 2003, 16, 21; bejahend z.B. Wagner, VergabeR 2002, 250, 251; Otting, VergabeR 2002, 146, 147; Bär, ZfBR 2001, 375, 377).
Das schließt es aus, eine zur Präklusion führende Rügeobliegenheit anzunehmen, wenn der öffentliche Auftraggeber überhaupt kein Vergabeverfahren durchführt (BayObLG, VergabeR 2002, 244, 247. OLG Düsseldorf, NZBau 2001, 696, 703. OLG Frankfurt, NZBau 2004, 692, 693).
Im Fall einer derartigen Direktvergabe ist der Antragsteller von der Rügeobliegenheit nach § 107 Abs. 3 GWB befreit (so BayObLG, Beschl. v. 22.1.2002 - Verg 18/01, NZBau 2002, 398; Beschl. v. 27.2.2003 - Verg 25/02, NZBau 2003, 634; OLG Düsseldorf, Beschl. v. 20.6.2001 - Verg 3/01, NZBau 2001, 696; OLG Frankfurt am Main NZBau 2004, 692, 693; Kammergericht, Beschl. v. 11.11.2004 - 2 Verg 16/04, NZBau 2005, 538; OLG Naumburg NZBau 2006, 58; Burgi, NZBau 2003, 16, 21; a.A. Bär, ZfBR 2001, 375, 377; Otting, VergabeR 2002, 146; Wagner, VergabeR 2002, 250, 251).
Dies ist indes unschädlich, da die Rügeobliegenheit im Fall einer De-facto- oder Direktvergabe nicht gilt (Saarländisches OLG, Beschl. v. 20.9.2006 - 1 Verg 3/06, VergabeR 2007, 110, 111 f.; BayObLG, Beschl. v. 22.1.2002 - Verg 18/01, NZBau 2002, 397, 398 = VergabeR 2002, 244, 247 und Beschl. v. 27.2.2003 - Verg 25/02, NZBau 2003, 634; OLG Düsseldorf, Beschl. v. 20.6.2001 - Verg 3/01, NZBau 2001, 696; OLG Frankfurt am Main NZBau 2004, 692, 693; KG, Beschl. v. 11.11.2004 - 2 Verg 16/04, NZBau 2005, 538; OLG Naumburg NZBau 2006, 58; ebenso Burgi, NZBau 2003, 16, 21; a.A. sind Bär, ZfBR 2001, 375, 377, Otting, VergabeR 2002, 146 und Wagner, VergabeR 2002, 250, 251; der BGH hat dies im Beschluss vom 1.2.2005 - X ZB 27/04, NZBau 2005, 290 = VergabeR 2005, 328, 331 hingegen offen gelassen).
Hat der Auftraggeber kein geregeltes Vergabeverfahren durchgeführt, sondern - wie hier - den "Auftrag" direkt (de facto) vergeben, unterliegt der Antragsteller im Übrigen keiner Rügeobliegenheit (vgl. OLG Düsseldorf NZBau 2001, 696; BayObLG VergabeR 2002, 244; OLG Frankfurt am Main NZBau 2004, 692, 693).
Nach gefestigter Rechtsprechung ist ein vergaberechtsfreies Eigengeschäft (Inhouse-Geschäft) anzunehmen, wenn der öffentliche Auftraggeber (oder eine Mehrheit von Auftraggebern) über die beauftragte Person eine Kontrolle wie über eigene Dienststellen ausübt und diese Person zugleich im Wesentlichen für den sie kontrollierenden Auftraggeber (oder deren Mehrheit) geschäftlich tätig ist (…vgl. EuGH, Urt. v. 18.11.1999 - C-107/98 [Teckal], NZBau 2000, 90 = WuW/E Verg 311, Tz. 50;… EuGH, 1. Kammer, Urt. v. 11.1.2005 - C-26/03 [Stadt Halle], NZBau 2005, 111 = VergabeR 2005, 44 = WuW/E Verg 1025, Tz. 49;… EuGH, 1. Kammer, Urt. v. 11.5.2006 - C-340/04 [Carbotermo], Tz. 33; BGH, VergabeR 2001, 286, 289; BayObLG, NZBau 2002, 397, 400; Brandenburgisches OLG, VergabeR 2003, 168, 171 f.; OLG Naumburg, Beschl. v. 13.5.2003 - 1 Verg 2/03, Umdruck S. 14 f.).
Die Versäumung der in § 117 Abs. 4 GWB verankerten Obliegenheit macht eine sofortige Beschwerde nach einhelliger Auffassung nicht unzulässig (vgl. OLG Düsseldorf BauR 1999, 751, 755; BayObLG VergabeR 2002, 244, 245;… Byok/Jäger, Vergaberecht, 2. Aufl., § 117 GWB, Rn. 1161 mit weit. Nachw.).
Allerdings haben inzwischen verschiedene Nachprüfungsbehörden (so die Vergabekammer beim Regierungspräsidium Magdeburg, vgl. WuW/E Verg 604 ff.; und die Vergabekammer Düsseldorf, - unveröffentlicht -) sowie verschiedene Vergabesenate (des Thüringer Oberlandesgerichts Jena, vgl. VergabeR 2001, 52 ff., des Oberlandesgerichts Düsseldorf, vgl. NZBau 2001, 696 ff., und des Bayerischen Obersten Landgerichts, vgl. VergabeR 2002, 244 ff.) die Auffassung vertreten, dass die Vorschriften der §§ 102 ff. GWB dahin auszulegen seien, dass der Begriff "in einem Vergabeverfahren" in § 104 Abs. 2 S. 1 GWB nicht formell, sondern materiell verstanden werde.
Schließlich ist im Interesse einer funktionsfähigen Nachprüfungsbehörde zu bedenken, dass die insbesondere durch § 107 Abs. 2 GWB beabsichtigte erhebliche persönliche Beschränkung des Zugangs zum vergaberechtlichen Nachprüfungsverfahren, und zwar durch das Erfordernis eines unmittelbaren eigenen wirtschaftlichen Interesses an einem bestimmten öffentlichen Auftrag und das Erfordernis einer Möglichkeit der Verletzung subjektiver Rechte, nahezu aufgehoben wird und dass die Präklusionsregelungen des § 107 Abs. 3 GWB ins Leere gehen (vgl. OLG Düsseldorf NZBau 2001, 696, 698; BayObLG VergabeR 2002, 244, 246-248).
Der erkennende Senat geht davon aus, dass mit diesem Kriterium nicht eine identische, sondern nur eine vergleichbare Kontrolle gemeint sein kann (vgl. auch BayObLG NZBau 2002, 397, 398 f. m.w.N.).
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References: § 107
 § 107
 BGH 
 § 117
 § 117
 § 104
 § 107
 § 107