Source: https://sachsen-anhalt.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de/bestandteile/
Timestamp: 2019-01-20 20:58:45+00:00

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1. Wie wird der Beratungsanspruch durch eine „insoweit erfahrene Fachkraft“ nach § 8b Absatz 1 SGB VIII für schulische Beschäftigte umgesetzt?
In seiner Sitzung vom 03.12.2012 beschloss der Landesjugendhilfeausschuss des Landes Sachsen-Anhalt landeskonkrete Empfehlungen zur Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes vom 01.01.2012 bezüglich der Paragraphen 8a und 72a SGB VIII. Fixiert wurden neben den Akteuren und den Zuständigkeiten bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung u.a. Empfehlungen für das Verfahren bei der Wahrnehmung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung durch das Jugendamt, Empfehlungen zu Vereinbarungen zwischen Jugendamt und Trägern zur Sicherstellung des Schutzauftrages gemäß § 8a sowie der Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen gemäß § 72a SGB VIII.
„... Die insofern erfahrene Fachkraft wird beim Vorliegen von gewichtigen Anhaltspunkten von Kindeswohlgefährdung vom freien Träger der Jugendhilfe beratend hinzugezogen. Bezogen auf die Gefährdungseinschätzung im Einzelfall obliegt ihr die Begleitung und Beratung des Teams. Ziel der Hinzuziehung einer insoweit erfahrenen Fachkraft ist es, eine der Situation angemessene Beratung für den fallverantwortlichen Träger und seiner Fachkräfte im Rahmen der Fallberatung zu gewährleisten sowie eine nicht in das Fallgeschehen involvierte Beratungsinstanz in das Verfahren einzubeziehen.
Eine insoweit erfahrene Fachkraft muss damit abhängig vom jeweiligen Fall über spezifisches Fachwissen und Erfahrungen verfügen. Nicht jede insoweit erfahrene Fachkraft kann vertiefende Erfahrungen im gesamten Spektrum der Gefährdungseinschätzungen des Kinderschutzes besitzen. Eine insoweit erfahrene Fachkraft muss für das Beratungsanliegen (Alter des Kindes oder des/der Jugendlichen, Berücksichtigung der Gefährdungsbereiche, z.B. Gewalt, Missbrauch, medizinische Unterversorgung usw.) passend sein. Dies hat zur Folge, dass eine abschließende Definition dessen, was unter einer insoweit erfahrenen Fachkraft zu verstehen ist, nicht erfolgen kann.
Es lassen sich aber Standards und Kriterien bestimmen, anhand derer eine individuelle Definition erfolgen kann:
Eine insoweit erfahrene Fachkraft muss nicht Fachkraft der Kinder- und Jugendhilfe sein. Der Begriff der insoweit erfahrenen Fachkraft bezieht auch andere Professionen und Bereiche ein, die z.B. im Netzwerk Frühe Hilfen agieren.
Die insoweit erfahrene Fachkraft zeichnet eine vertiefte Erfahrung u.a. in folgenden Bereichen aus:
Risikobewertung/Risikoabschätzung in unterschiedlichen Gefährdungsbereichen – körperliche Gewalt, seelische Gewalt, Verwahrlosung (Gesundheit, Ernährung, körperliche und psychische Konstitution des Kindes oder des/der Jugendlichen), Anzeichen sexuellen Missbrauchs.
Darüber hinaus sollte sie über Kenntnisse in folgenden Bereichen verfügen:
System Kinder- und Jugendhilfe, Administration und Verfahrenswege,
System Hilfe- und Schutzkonzept, Leistungsspektrum von interpersonalen und institutionalisierten Hilfesystemen,
Beratungskompetenz, insbesondere kollegiale Beratung, Fallberatung und interdisziplinäre Beratung,
Eine Zusatzqualifikation, z.B. zur Kinderschutzfachkraft, ist anzuraten, wenn die Fachkraft bei einem Träger, einer Einrichtung oder einem Dienst der freien Jugendhilfe tätig ist. Dies ist jedoch gesetzlich nicht erforderlich.
Der Einsatz von insoweit erfahrenen Fachkräften sollte im Netzwerk Frühe Hilfen oder vom örtlichen Träger der Jugendhilfe koordiniert werden. Basis ist eine zwischen dem Landkreis/der kreisfreien Stadt als örtlichem Träger der Jugendhilfe und dem/den freien Trägern getroffene schriftliche Vereinbarung über die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit.“ (zit. Beschluss des LJHA 2012)
2. Mit welchen Strukturen und Ressourcen unterstützt Sachsen-Anhalt seine Schulen bei der Entwicklung von Schutzkonzepten?
a) Gibt es landesspezifische Angebote zur Schutzkonzept-Entwicklung oder Teile davon, z.B. über ein Landesfortbildungsinstitut oder spezielle Programme?
Die Implementierung und Professionalisierung schulinterner Krisenteams ist grundlegender Baustein schulkonkreter Schutzkonzept-Entwicklung. Das Selbstverständnis der schulinternen Krisenteams sollte so angelegt sein, dass es neben dem Sicherstellen der Handlungsfähigkeit in Krisensituationen auch die Prävention von Gewalt und Krisen umfasst. Das schließt die Einführung von Präventions- und Schutzkonzepten als systemischen und systematischen Bestandteil der Schulentwicklungsplanung ein.
b) Welche Möglichkeiten zur Finanzierung der Schutzkonzeptentwicklung bestehen?
Im Rahmen der Tätigkeit von Schulentwicklungsberater/innen (SEB) kann auch die Entwicklung sog. Schutzkonzepte, unter Begleitung einer spezialisierten Fachberatungsstelle, erfolgen (siehe dazu auch Antwort unter Punkt 4). Die Tätigkeit der SEB wird über die Vergabe von Anrechnungsstunden und eine Reisekostenerstattung finanziert.
3. Gibt es in Sachsen-Anhalt bereits Modellprojekte oder andere Erfahrung mit der Entwicklung von schulischen Schutzkonzepten?
Schulen in Sachsen-Anhalt arbeiten seit vielen Jahren mit verhaltens- und verhältnispräventiven Ansätzen zu Themenkreisen der Gesundheitsförderung, zu dem auch Sexualpädagogik zählt. Konkrete Erfahrungen mit spezifischen Schutzkonzepten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt liegen aber nicht vor.
4. Welche Beratungsstrukturen zur schulischen Qualitätsentwicklung gibt es im Land? Wie sind die Schulberatenden Dienste organisiert?
Nach SchulG des Landes Sachsen-Anhalt sind Schulen und die Schulbehörden zu kontinuierlicher Qualitätssicherung schulischer Arbeit verpflichtet. Hierfür steht ein Unterstützungs- und Beratungssystem zur Verfügung, zu dem insb. Schulentwicklungsberaterinnen und Schulentwicklungsberater, Fachbetreuerinnen und Fachbetreuer für Gymnasien, Gesamtschulen und Schulen des zweiten Bildungsweges, Fachbetreuerinnen und Fachbetreuer für berufsbildende Schulen, medienpädagogische Beraterinnen und Berater sowie Beratungslehrkräfte gehören.
Die externen Verfahren der Qualitätsfeststellung und -bewertung von schulischer Arbeit orientierten sich am im Land geltenden Qualitätsrahmen schulischer Arbeit, zu deren wesentlichen Qualitätsbereichen das Schulklima und die Schulkultur zählen. Im Rahmen von vor Ort stattfindenden Schulbesuchen werden die diesbezüglich gegebenen Bedingungen (z. B. Beziehungs- und Umgangsformen zwischen den Schulbeteiligten, Schulangst, Schulstress) vertiefend betrachtet und analysiert. Die Ergebnisse des Schulbesuches werden der jeweiligen Schule und den zuständigen Mitarbeitern der Schulaufsicht zur Verfügung gestellt und dienen als Basis für gezielte Beratung.
Bei der Planung eigenständiger Entwicklungsprozesse werden Schulen durch Schulentwicklungsberaterinnen und -berater begleitet. Die Unterstützung kann in folgenden Bereichen geleistet werden:
Entwicklung und Fortschreibung pädagogischer Konzepte und des Fortbildungsplanes
Schulentwicklungsprozesse, besonders mit dem Ziel der Unterrichtsentwicklung
Prozessberatung und -begleitung in kritischen Entwicklungsphasen
Etablierung eines Qualitätsmanagements
Schulentwicklungsberaterinnen und -berater werden tätig auf Anforderung durch die Schule in mittel- und langfristigen Projekten nach gemeinsam vereinbarten Zielen, Themen und Strategien in ergebnisorientierten Umsetzungsprozessen bei interner und externer Evaluation und um Schulen aufgrund ihrer bisherigen Aktivitäten zur Entwicklung eigener Strategien für die Gestaltung von Veränderungsprozessen zu ermutigen.
Die Beratung zielt auf eine Optimierung der Kommunikationsstruktur, die Bereitschaft zur Veränderung sowie die Erhöhung der Problemlösefähigkeit der Schule.
Fachbetreuerinnen und Fachbetreuer können auf Aufforderung durch das LSchA bzw. das LISA Schulen
beratend bei der Entwicklung, Implementierung und Evaluation von Schulprogrammen,
unterstützend bei der Vorbereitung und Implementation von Qualitätsmanagementsystemen,
fortbildend im fächerübergreifenden Aufgabenbereich
Die im Land Sachsen-Anhalt tätigen Beratungslehrkräfte unterstützen die individuellen Bildungs- und Erziehungsprozesse in der Schule. Sie beraten sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Erziehungsberechtigte und arbeiten mit außerschulischen Einrichtungen und Unterstützungssystemen zusammen.
Medienpädagogische Beraterinnen und Berater bilden ein umfassendes, mit den regionalen Medienzentren und den Schulträgern vernetztes Unterstützungssystem, das darauf fokussiert, bei Schülerinnen und Schülern die Schlüsselqualifikation „Medienkompetenz“ zu entwickeln. Insbesondere auch Themen des Daten- und Jugendschutzes sind regelmäßiger Beratungsgegenstand.
Ferner wurde in Sachsen-Anhalt zur kontinuierlichen Qualitätssicherung ein Qualitätsmanagementsystem an berufsbildenden Schulen eingeführt. Bei dessen Einführung und Verstetigung standen bzw. stehen die Entwicklung der Unterrichtsqualität sowie Möglichkeiten und Kriterien einer effektiven Evaluation im Fokus.
In Fragestellungen der konkreten Krisenintervention und der schulischen Gewaltprävention wird auf definierte Beratungsstrukturen zurückgegriffen. Diese sind Bestandteil des landesweiten „Krisenordners“, der konkrete Handlungsschritte und -empfehlungen für das Agieren nach Krisenereignissen und das präventive Handeln enthält. Seitens des Landesschulamtes können je nach Fragestellung die zuständigen schulfachlichen Referenten und Referentinnen der Schulaufsicht und/oder die Schulpsychologinnen und -psychologen zur Beratung und Unterstützung einbezogen werden.
1. Gibt es eine Vorlagepflicht für erweiterte Führungszeugnisse bei angestellten Lehrkräften? Gibt es ein vergleichbares Verfahren für verbeamtete Lehrkräfte?
Im Rahmen der Einstellung ist durch die Bewerber generell ein Erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Eine erneute Vorlage bei Verbeamtung ist hingegen grundsätzlich nicht notwendig.
2. An welchen Stellen übernehmen Schulaufsichtsbehörden (Teile der) Personalverantwortung, etwa wenn es um einen Verdacht gegen eine Lehrkraft geht oder sogar um Sanktionen bei einem bestätigten Fall von Fehlverhalten?
Das Vorgehen bei Verdacht gegenüber Schulpersonal bzw. sich bestätigenden Verdachtsmomenten ist in den Notfallplänen der Handreichung „Krisenordner“ für die allgemein- und berufsbildenden Schulen des Landes dargestellt und entspricht den Empfehlungen der KMK zur Vorbeugung und Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen und Gewalthandlungen in Schulen und schulnahen Einrichtungen, 2010/2013.
Im 3. Quartal 2016 wurde durch das Landesschulamt in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium das Ergänzungsmaterial „Umgang bei Verdacht auf sexuellen Übergriff durch Schulpersonal“ an alle Schulen ausgegeben.
Generell gilt, dass bei Verdachtsmomenten gegenüber Schulpersonal unverzüglich die Schulaufsicht zu informieren ist. Hierfür wird das Formblatt zur Meldung „Besonderer Vorkommnisse“, die sog. BV-Meldung, genutzt. Der in Zusammenarbeit mit dem Ministerium des Inneren erstellte Erlass „Verhalten bei Schadensereignissen und Bedrohungslagen“ (Rd.Erl. des MK vom 30.07.2007 – 21-81002, zuletzt geändert am 28.01.2015), definiert die grundsätzliche Verantwortlichkeit der Schulleitung für erforderliche Schutzmaßnahmen unter Beteiligung der dafür fachlich zuständigen Stellen.
Nach erfolgter Information übernimmt die Schulaufsicht unmittelbar die Federführung und leitet unverzüglich alle erforderlichen Schritte ein. Maßgeblich für den Einbezug der Schulaufsicht ist im Sinne des Schutzes der Schülerinnen und Schüler allein der begründete Verdacht.
Die Schulaufsicht leitet umgehend dienst- oder arbeitsrechtliche Maßnahmen ein und schaltet entsprechend die Polizei oder Staatsanwaltschaft ein.
Bestätigt sich der Verdacht nicht, ist fallangemessen und mit der gebotenen Klarheit für die Rehabilitation des in Verdacht Geratenen zu sorgen.
3. Welche disziplinarischen Maßnahmen stehen Schulen zur Verfügung gegen sexuell übergriffige Mitarbeitende (Beamten/Beamtinnen und Angestellte), die sich jedoch noch nicht strafbar gemacht haben?
(siehe oben: begründeter Verdacht ausreichend)
4. Wie sieht die Weisungsbefugnis der Schulleitung gegenüber externen Kräften, z.B. Schulbegleitern aus?
Die Weisungsbefugnis der Schulleitung besteht auch gegenüber externen Kräften, wie Schulbegleitern etc. § 26 des SchulG regelt die Gesamtverantwortung der Schulleitung für die Schule. Dieser hat für die Einhaltung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften sowie der Schulordnung zu sorgen. § 26 (5) konkretisiert, dass die Schulleitung als Vorgesetzte/r im Sinne des § 3 des Landesbeamtengesetzes der an der Schule tätigen Lehrkräfte, der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und des Betreuungspersonals gilt.
1. Gibt es ein Landesfortbildungsinstitut? Welche sonstigen Fortbildungsträger stehen schulischen Beschäftigten zur Verfügung?
Den Schulen in Sachsen-Anhalt steht für Fortbildung und Weiterbildung ein differenziertes Unterstützungs- und Beratungssystem zur Verfügung. Das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) mit Sitz in Halle/Saale bietet umfangreiche Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Betreuungskräfte des Landes an.
Als weitere Träger der Fortbildung fungieren:
das Landesschulamt,
das Aus- und Fortbildungsinstitut Sachsen-Anhalt,
das Landesschulamt, Referat Schulpsychologische Beratung,
die Landeszentrale für politische Bildung,
die Fort- und Weiterbildungseinrichtungen der Kirchen,
die Träger der Erwachsenenbildung und
weitere staatliche und nichtstaatliche Träger.
2. Gibt es dort Fortbildungsangebote zum Thema sexuelle Gewalt?
Für die thematische Professionalisierung zum Thema Prävention bietet der/die zuständige Schulpsychologische/r Referent/in verschiedene Unterstützungsangebote an. Diese nehmen bedarfsorientiert Bezug zu Aspekten der primären Prävention (Aufklärung, psychische Gesunderhaltung und Persönlichkeitsstärkung der Schülerinnen und Schüler), der sekundären Prävention (Kennen und Erkennen von Frühwarnsignalen durch das Lehrpersonal) und der tertiären Prävention (erfolgreiche Reintegration von betroffenen Schülern und Schülerinnen). Bei Bedarf werden auch Fortbildungen zum Thema sexuelle Gewalt angeboten.
3. Gibt es dort Fortbildungsangebote zu Schutzkonzepten oder Angebote, Schulen bei der Entwicklung zu begleiten?
Das Referat Schulpsychologie im LSchA steht dem Schulpersonal im Rahmen seiner Beratungs- und Fortbildungsaufgabe als Ansprechpartner zur Verfügung. Neben dem Professionalisierungsangebot für schulinterne Krisenteams bieten die Schulpsychologen bedarfsorientiert einzelfallbezogene Beratungen für Lehrerkollegien, auch zum Thema sexuelle Gewalt, an oder empfehlen regional ansässige, fachkundige Ansprechpartner.
Im Rahmen der Führungskräftequalifizierung werden im Laufe des Jahres 2019 in verschiedenen Regionen des Landes Fachtage für Schulleitungen und Krisenteams zum Themenkreis „Schule gegen sexualisierte Gewalt“ angeboten.
4. Wie sind grundsätzlich die Rahmenbedingungen von Fortbildungen für schulische Beschäftigte?
Entsprechend dem RdErl. des MK vom 19.11.2012 „Schule als professionelle Lerngemeinschaft“ (SVBl. LSA S. 264), zuletzt geändert durch RdErl. vom 04.02.2015 (SVBl. LSA S. 19, 43) haben Lehrkräfte, Schulleitungen, pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Betreuungskräfte die Pflicht zur regelmäßigen Fortbildung.
Auf Basis ihres Schulprogrammes erstellt jede Schule einen Fortbildungsplan, der für einen Zeitraum von 2 Schuljahren regelmäßig fortzuschreiben ist. Dem kollegialen Lernen als systembezogenes Fortbildungsformat ist dabei eine besondere Bedeutung zu widmen.
Schulen können für systembezogene Fortbildungen insbesondere die Abrufangebote des LISA nutzen.
Nach Ziffer 9 des Erlasses „Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen des Landes Sachsen-Anhalt (RdErl. des MK vom 15.04.2015 (SVBl. LSA S. 46)) sollen durch systembezogene Fortbildungsangebote Möglichkeiten der fächerübergreifenden schulischen Sexualerziehung aufgezeigt werden. Für die jeweilige Schule können Bildungs- und Erziehungskonzepte entwickelt und deren Umsetzung im Bildungs- und Erziehungsprozess beraten werden. Die Unterstützung durch auswärtige Referentinnen und Referenten soll genutzt werden.
Gibt es in Sachsen-Anhalt rechtliche Vorgaben, auf die ein schulischer Verhaltenskodex Bezug nehmen kann?
Ein schulischer Verhaltenskodex kann auf verschiedene Rechtsgrundlagen Bezug nehmen:
Grundgesetz, insbesondere
Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt, insbesondere
Artikel 4 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Artikel 4 (2) Das Volk von Sachsen-Anhalt bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
Artikel 27 (1) Ziel der staatlichen und der unter staatlicher Aufsicht stehenden Erziehung und Bildung der Jugend ist die Entwicklung zur freien Persönlichkeit, die im Geiste der Toleranz bereit ist, Verantwortung für die Gemeinschaft mit anderen Menschen und Völkern und gegenüber künftigen Generationen zu tragen.
§ 1 (2) In Erfüllung dieses Auftrages ist die Schule insbesondere gehalten, ... die Schülerinnen und Schüler zur Achtung der Würde des Menschen, zur Selbstbestimmung in Verantwortung gegenüber Andersdenkenden, zur Anerkennung und Bindung an ethische Werte, zur Achtung religiöser Überzeugungen, zu verantwortlichem Gebrauch der Freiheit und zu friedlicher Gesinnung zu erziehen, ...
Landesgesetz zum Schutz von Kindeswohl und Kindergesundheit (LKindSchG LSA)
§ 1 (1) Jedes Kind hat das Recht auf eine positive Entwicklung und Entfaltung sowie auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit. Es ist das Recht und die besondere Pflicht der Eltern, hierfür Sorge zu tragen. Darüber wacht die staatliche Gemeinschaft; sie hat die Aufgabe, Eltern frühzeitig bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung für Pflege, Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen, Risiken für das gesunde Aufwachsen von Kindern rechtzeitig zu begegnen und bei konkreten Gefährdungen des Kindeswohls konsequent durch wirksame Hilfen für den notwendigen Schutz zu sorgen. Das Land unterstützt die örtlichen Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe bei der Sicherstellung eines wirksamen Kinderschutzes.
§ 1 (3) der Aufbau lokaler Netzwerke zur Förderung des Kindeswohls und zur Verbesserung des Kinderschutzes.
§ 3 (1) Die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe stellen in ihrem jeweiligen Bezirk die Bildung eines lokalen Netzwerks sicher ... Sie wirken darauf hin, dass über die Jugendhilfe hinaus auch alle anderen Einrichtungen und Dienste, die im Rahmen ihrer Aufgaben Risiken für das Kindeswohl feststellen und zu wirksamer Hilfe beitragen können, aktiv in das Netzwerk eingebunden werden.
§ 3 (2) Beteiligte der lokalen Netzwerke sind insbesondere Einrichtungen und Dienste der freien Jugendhilfe, ... Schulen, ...
Die Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrpersonal und anderen Beschäftigten ist in folgenden Rechtsgrundlagen geregelt:
Das Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt ist die rechtsförmliche Basis für die Mitwirkung der Elternvertretung in der Schule (§§ 55 bis 59 SchulG LSA), die Elternvertretung in den Gemeinden und Landkreisen § 62 SchulG LSA) sowie die Elternvertretungen in der obersten Schulbehörde und dem Landessschulbeirat (§§ 75, 76 und 78 SchulG LSA).
Die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler durch Schülervertretungen in der Schule sowie in den Gemeinden und Landkreisen ist in den §§ 45 bis 53, die Mitwirkung des Landesschülerrates auf der Ebene der obersten Schulbehörde und die Mitwirkung im Landesschulbeirat in den §§ 75, 77, 78 SchulG LSA geregelt.
Rechtsgrundlagen zur Mitwirkung der Lehrkräfte finden sich in Kapitel 3 des Personalvertretungsgesetzes (PersVG).
1. Gibt es eine Kooperation mit „Trau dich!“? Ist eine Kooperation geplant?
Geplant ist eine Veröffentlichung von Informationen zum Projekt „Trau dich!“ im Rahmen einer Übersicht über diverse schulische Präventionsmaßnahmen auf dem Landesbildungsserver. Schulen erhalten damit die Empfehlung, die spezifischen Informationen für ihre Unterrichts- und Projektarbeit zu nutzen und methodisch sinnvoll einzubinden.
2. Welche schulgesetzlichen und curricularen Vorgaben gibt es in Sachsen-Anhalt zur Sexualerziehung?
Schulische Sexualerziehung ist im Land Sachsen-Anhalt keinem bestimmten Unterrichtsfach zugeordnet. Sie ist vielmehr eine fächerübergreifende erzieherische Aufgabe der Lehrkräfte aller Schulformen und in allen Unterrichtsfächern. Grundsätze dazu sind im Erlass „Sexualerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“ geregelt.
Gemäß Punkt 7 des Erlasses „Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen des Landes Sachsen-Anhalt (RdErl. des MK vom 02.07.1996 – 26-82113, zuletzt geändert am 15.04.2015) gilt:
„Das altersgerechte Thematisieren von Formen sexualisierter Gewalt im Alltag, z. B. das kritische Werten von Fallbeispielen, soll Schülerinnen und Schüler für das Problem sexualisierter Gewalt sensibilisieren, ohne sie zu verängstigen. Präventive Maßnahmen sollen die Entwicklung von Autonomie und Selbstbewusstsein bei Kindern und Jugendlichen fördern, um der Gefahr entgegenzuwirken, dass sie Opfer sexualisierter Gewalt werden oder selbst sexualisierte Gewalt ausüben. Sie sind über Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die Unterstützung gewähren können, zu informieren.
Die Schülerinnen und Schüler sind in den verantwortungsbewussten Umgang mit den Inhalten des Internets einzuführen, um zu verhindern, dass durch die Verfügbarkeit und Präsenz gewaltverherrlichender Medien sexualisierte Gewalt bagatellisiert wird.
Auf Symptome für eine vorausgegangene Misshandlung ist im Schulalltag zu achten. Da es eindeutige Kriterien für das Vorliegen solcher Gewaltanwendungen nicht gibt, sollten Lehrkräfte bei Schülerinnen und Schülern mit besonderen Verhaltensauffälligkeiten Gesprächsbereitschaft und Verständnis zeigen, um den Betroffenen eine Chance zu geben, sich anzuvertrauen und Hilfe erhalten zu können (§ 38 Abs. 3 Satz 1 SchulG LSA)“ (zitiert aus dem o.g. Erlass).
Gibt es Landesregelungen zu schulischen Beschwerdeverfahren bzw. Vorgaben zur Benennung spezieller Ansprechpersonen wie beispielweise Vertrauens- oder Beratungslehrkräfte?
Lehrkräfte und Schulleitungen, Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie Beratungslehrkräfte stehen als mögliche Vertrauenspersonen zur Verfügung.
Der in Zusammenarbeit mit dem Ministerium des Inneren erstellte Erlass „Verhalten bei Schadensereignissen und Bedrohungslagen“ (Rd.Erl. des MK vom 30.07.2007 – 21-81002, zuletzt geändert am 28.01.2015), definiert die grundsätzliche Verantwortlichkeit der Schulleitung für erforderliche Schutzmaßnahmen unter Beteiligung der dafür fachlich zuständigen Stellen.

References: § 8
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 § 72
 § 26
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 § 3

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 § 62