Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4130.htm
Timestamp: 2018-12-15 23:45:31+00:00

Document:
4.130 Goldland-Klausenberg
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet »Goldland-Klausenberg« vom 6. November 1985 (GBl. v. 13.12.1985, S. 394).
Auf Grund von § § 21, 22, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl, S. 199), wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde und Gemarkung Dettingen an der Erms, Landkreis Reutlingen, wird zum Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Schutzgebiet führt die Bezeichnung »Goldland-Klausenberg «.
(1) Das Naturschutzgebiet ist 118,90 ha und das Landschaftsschutzgebiet ist 12,18 ha groß. Das Schutzgebiet umfaßt die bewaldeten Hänge des Sommerberges von der Gemeindegrenze im Nordwesten bis zum Gemeindeverbindungsweg nach Hülben sowie die dem Wald vorgelagerten, zum Teil mit Hecken durchsetzten Halbtrockenrasen.
Die Flurstücke 12100 und 12102 sind vollständig, die Flurstücke 12099, 12101, 12104/1 und 95 (Feldweg) liegen teilweise im Naturschutzgebiet. Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt den Südwestteil des Flurstückes 12099.
(2) Die Grenzen des Natur‑ und Landschaftsschutzgebietes sind in sechs Flurkarten im Maßstab 1:2500 und in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 des Regierungspräsidiums vom 25.Juni 1985 gekennzeichnet, wobei die Grenzen des Naturschutzgebietes rot und die des Landschaftsschutzgebietes grün angelegt sind. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die. Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Das Naturschutzgebiet dient der Erhaltung artenreicher, mit zahlreichen Hecken durchsetzter Halbtrockenrasen mit Quellhorizonten sowie eines naturnahen Hangwaldes als artenreicher Lebensraum von vielen seltenen gefährdeten Pflanzen und Tierarten, insbesondere von Insekten, Amphibien und höhlenbrütenden Vogelarten.
(2) Das Landschaftsschutzgebiet dient der Vermeidung nachteiliger Einflüsse auf das Naturschutzgebiet durch störende oder den Naturhaushalt beeinträchtigende Veränderungen der mit dem Naturschutzgebiet in einer Wechselbeziehung stehenden Randzone,
§ 4 Verbote und Erlaubnisvorbehalte
1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Sperren jeder Art zu errichten;
7. neu aufzuforsten oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören; die Entnahme von Handsträußen ungeschützter Blumen ist erlaubt, ebenso die Entnahme von Zweigen und Reisig zur Ausschmückung von Veranstaltungen über die Gemeinde sowie das ortsübliche nichtgewerbliche Sammeln von Pilzen;
9. die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Intensivobstanlagen anzulegen;
11. Flüge von Modellflugzeugen mit Verbrennungsmotoren durchzuführen;
12. das Schutzgebiet zu befahren; das Begehen der Orchideenstandorte ist in der Zeit vom 15.Mai bis 15. Juli nicht zulässig;
(2) Im Landschaftsschutzgebiet sind Änderungen verboten, welche die Landschaft verunstalten oder die Natur schädigen oder den Naturgenuß beeinträchtigen. Maßnahmen, die geeignet sind, eine dieser Wirkungen hervorzurufen, bedürfen der vorherigen schriftlichen Erlaubnis des Landratsamtes. Der Erlaubnis bedürfen insbesondere die in Absatz 1 Nummern 1 bis 6, 7 (bezüglich Neuaufforstungen), 9, 10 (soweit es sich um nicht nur vorübergehende Handlungen handelt) und 14 genannten Handlungen. Ferner bedarf insbesondere der Erlaubnis die Beseitigung oder Änderung wesentlicher Landschaftsbestandteile, insbesondere Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld‑ und Ufergehölzen, Schilf‑ und Röhrichtbeständen, Felsen sowie ähnlichen Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen.
Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung keine der in Satz 1 genannten Wirkungen zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können; zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflage kann eine Sicherheitsleistung verlangt werden. In den übrigen Fällen ist die Erlaubnis zu versagen. Eine nach anderen Vorschriften vorgesehene Gestattung, die im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde ergeht, ersetzt die nach Satz 2 erforderliche Erlaubnis.
(1) Im gesamten Schutzgebiet gelten die Verbote des § 4 nicht:
2. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung im Rahmen der Ausweisung zum Schonwaldgebiet »Dettinger Sommerberg« durch die Forstdirektion Tübingen;
3. für die sonstige, nicht in Nummer 1 und 2 sowie Absatz 2 Nummer 1 und 2 genannte bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege, der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;
4. für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;
(2) Außerdem gelten die Verbote des § 4:
1. im Naturschutzgebiet nicht für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang (Beweidung mit Schafen; rund 0,7 ha großer extensiver Acker im Süden des Flurstück 12101 auf Höhe des außerhalb des Schutzgebietes liegenden Flurstücks 9324/2) mit der Maßgabe, daß keine Chemikalien (Insektizide, Fungizide, Herbizide) angewendet werden;
2. im Landschaftsschutzgebiet nicht für das Landschaftsbild schonende Änderungen
a) durch die Acker in Grünland oder Grünland in Acker umgewandelt wird oder
b) die nach den Regeln einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung zur land‑ und forstwirtschaftlichen Nutzung erforderlich sind, soweit es sich nicht um Neuaufforstungen, die Errichtung von baulichen Anlagen, die Anlage von Intensivobstanlagen und die Durchführung von Entwässerungsmaßnahmen (§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4) handelt, die eine Änderung des bestehenden Landschaftscharakters zur Folge haben.
Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Schutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 verbotenen Handlungen vornimmt oder ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Maßnahmen durchführt, welche die Landschaft verunstalten, die Natur schädigen oder den Naturhaushalt beeinträchtigen können.
(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Reutlingen über das Landschaftsschutzgebiet »Reutlinger/Uracher Alb« vom 4.Januar 1974 (Münsinger Kreiszeitung Alb-Bote vom 9.Januar 1974), soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, außer Kraft.
TÜBINGEN, den 6. November 1985

References: § 21
 § 64
 § 2

§ 4
 § 4
 § 4
 § 64
 § 4
 § 5