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Timestamp: 2020-07-15 05:50:41+00:00

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Spenden an eine Kirche - und die Insovlenzanfechtung | Rechtslupe
Spenden an eine Kirche - und die Insovlenzanfechtung
Spen­den an eine Kir­che – und die Insov­lenzan­fech­tung
Spen­den des Schuld­ners an eine Kir­che sind nach § 134 InsO anfecht­bar.
Spen­den sind unent­gelt­li­che Leis­tun­gen.
Frei­wil­li­ge Spen­den sind auch gegen­über Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten in der Rechts­form von Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts anfecht­bar, und zwar selbst dann, wenn die Reli­gi­ons­ge­sell­schaft an sich befugt wäre, gleich hohe Beträ­ge als Kir­chen­steu­er ein­zu­zie­hen [1].
Die hier­ge­gen erho­be­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken sind nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs unbe­grün­det [2].
Nach­dem die Kir­che als Spen­den­emp­fän­ge­rin im vor­lie­gen­den Fall die Spen­den dazu ver­wen­det hat, die Gehäl­ter von Pries­tern zu bezah­len, führt dies allein nicht zur Ent­rei­che­rung. Denn sie hat damit eige­ne Ver­bind­lich­kei­ten getilgt. Ver­wen­det der Emp­fän­ger die Mit­tel dazu, sich von einer Ver­bind­lich­keit zu befrei­en, besteht die Berei­che­rung – wie das Beru­fungs­ge­richt letzt­lich nicht in Fra­ge stellt – grund­sätz­lich fort [3].
Die Kir­che kann sich auch nicht mit der Begrün­dung auf ihre Ent­rei­che­rung beru­fen, dass sie die Spen­den zur Bezah­lung ihrer Pries­ter ver­wen­det habe.
Die erlang­te Zuwen­dung besteht auf­grund der Bezah­lung der Gehäl­ter der Pries­ter im Ver­mö­gen der Kir­chen fort. Die­ses Erlang­te ent­fällt – anders als das Beru­fungs­ge­richt meint – nicht allein des­halb, weil die Kir­che Man­gel ver­wal­tet, sich nahe­zu aus­schließ­lich durch Spen­den finan­ziert und ihre Aus­ga­ben den vor­han­de­nen Ein­nah­men anpasst. Sol­che all­ge­mei­nen Dar­le­gun­gen ohne kon­kre­ten Bezug zu dem tat­säch­lich erlang­ten Vor­teil genü­gen nicht, um die vol­le Über­zeu­gung davon gewin­nen zu kön­nen, dass der Emp­fän­ger ent­rei­chert ist. Zwar ist es Grund­ge­dan­ke der Rege­lun­gen über die Her­aus­ga­be­pflicht des Berei­che­rungs­rechts, dass die Her­aus­ga­be­pflicht des gut­gläu­bi­gen Berei­cher­ten kei­nes­falls zu einer Ver­min­de­rung sei­nes Ver­mö­gens über den Betrag der wirk­li­chen Berei­che­rung füh­ren darf [4]. Die Par­tei, die sich auf Ent­rei­che­rung beruft, muss jedoch die kon­kre­ten Aus­ga­ben, die ohne die emp­fan­ge­ne Leis­tung unter­blie­ben wären, im Ein­zel­nen dar­le­gen [5]. Da der Emp­fän­ger die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die Ent­rei­che­rung trägt [6], hat er zu bewei­sen, dass das Erlang­te ersatz­los weg­ge­fal­len ist und nicht in ande­rer Form, etwa durch Bil­dung von Erspar­nis­sen, durch Anschaf­fun­gen oder durch Til­gung von Schul­den noch im Ver­mö­gen vor­han­den ist [7].
Ver­wen­det der Emp­fän­ger das Erlang­te zur Til­gung eige­ner Ver­bind­lich­kei­ten, kommt eine Ent­rei­che­rung nur in Betracht, wenn der Emp­fän­ger sub­stan­ti­iert dar­legt und beweist, dass und wofür genau er sei­ne durch die Ver­wen­dung der unent­gelt­li­chen Leis­tung zur Schuld­til­gung frei­ge­wor­de­nen Mit­tel ander­wei­tig aus­ge­ge­ben hat, dass er hier­durch kei­nen blei­ben­den Vor­teil erlangt hat und die­se ander­wei­ti­ge Ver­wen­dung der frei­ge­wor­de­nen Mit­tel ohne die – nun­mehr ange­foch­te­ne – unent­gelt­li­che Leis­tung des Schuld­ners unter­blie­ben wäre. Ent­schei­dend ist der Ver­gleich mit dem Fall, wie der Emp­fän­ger sich ver­hal­ten hät­te, wenn der Vor­teil ihm nicht zuge­flos­sen wäre.
Im Streit­fall kommt des­halb eine Ent­rei­che­rung nur in Betracht, wenn die Kir­che dar­legt und nach­weist, dass sie die von ihr durch die Spen­den bezahl­ten Pries­ter­ge­häl­ter ohne die Spen­den des Schuld­ners aus ande­ren Mit­teln bezahlt und statt des­sen ande­re Aus­ga­ben unter­las­sen hät­te, ohne dass ihr durch sol­che Ein­spa­run­gen an ande­rer Stel­le Ver­mö­gens­nach­tei­le ent­stan­den wären. Dies käme etwa in Betracht, wenn die Kir­che dar­legt und nach­weist, einen erheb­li­chen Teil ihrer Mit­tel zu kari­ta­ti­ven Zwe­cken ohne jeden Ver­mö­gens­vor­teil zu ver­wen­den (etwa zur Unter­stüt­zung von Bedürf­ti­gen etc.). Sie müss­te dar­über hin­aus dar­le­gen und bewei­sen, dass sie Schwan­kun­gen in ihren Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen dadurch aus­gleicht, dass sie gerin­ge­re Ein­nah­men durch eine Kür­zung der Aus­ga­ben aus­gleicht, die sie ohne blei­ben­den Ver­mö­gens­vor­teil – etwa für wohl­tä­ti­ge Zwe­cke – tätigt. Dabei hat die­ser Aus­gleich zeit­nah zu den jewei­li­gen Ein­nah­me­rück­gän­gen zu erfol­gen.
Die Behaup­tung der Kir­chen, sie habe im Ver­trau­en auf den (regel­mä­ßi­gen) Zufluss von Spen­den des Schuld­ners wei­te­re Pries­ter ein­ge­stellt und hier­durch zusätz­li­che Ver­bind­lich­kei­ten begrün­det, die sie nicht ein­ge­gan­gen wäre, wenn ihr die Spen­den nicht zuge­flos­sen wären, ist uner­heb­lich. Die Kir­che hat eine hier­durch erfolg­te Ent­rei­che­rung nicht schlüs­sig dar­ge­legt.
Zwar kön­nen sich berei­che­rungs­min­dernd im Sin­ne des § 818 Abs. 3 BGB auch Ver­mö­gens­dis­po­si­tio­nen aus­wir­ken, die im Ver­trau­en auf die Rechts­be­stän­dig­keit des Erwerbs getrof­fen wur­den, so dass die spä­te­re Rück­ge­währ dem Emp­fän­ger einen Nach­teil brin­gen wür­de [8]. Ent­rei­che­rung kann danach vor­lie­gen, wenn der Emp­fän­ger den Berei­che­rungs­ge­gen­stand zu Aus­ga­ben ver­wen­det, die er sich sonst nicht geleis­tet hät­te (soge­nann­te Luxus­aus­ga­ben, vgl. Palandt/​Sprau, BGB, 75. Aufl., § 818 Rn. 41; Münch­Komm-BGB/­Schwab, 6. Aufl., § 818 Rn. 165 f; Staudinger/​Lorenz, BGB, 2007, § 818 Rn. 38). Dies setzt aber vor­aus, dass das Emp­fan­ge­ne für außer­ge­wöhn­li­che Zwe­cke ver­wen­det wor­den ist, dies zu kei­nem die Her­aus­ga­be recht­fer­ti­gen­den Ver­mö­gens­vor­teil beim Emp­fän­ger geführt hat [9] und nicht anzu­neh­men ist, dass die Aus­ga­ben ansons­ten mit ande­ren ver­füg­ba­ren Mit­teln bestrit­ten wor­den wären [10]. Ins­be­son­de­re genügt es nicht, wenn die Tat­sa­chen, wel­che die Grund­la­ge des Ver­mö­gens­zu­flus­ses bil­den, nur einen Beweg­grund für die Ein­ge­hung wei­te­rer Ver­bind­lich­kei­ten abga­ben [11]. Ein Weg­fall der Berei­che­rung schei­det aus, wenn anzu­neh­men ist, dass der Emp­fän­ger die Aus­ga­be, wäre das rechts­grund­los emp­fan­ge­ne Geld nicht geflos­sen, aus ande­ren Mit­teln bestrit­ten hät­te [12].
Die durch die behaup­te­te Ein­stel­lung wei­te­rer Pries­ter zum 15.12 2007 und 15.03.2009 begrün­de­ten Ver­bind­lich­kei­ten stel­len nach die­sen Maß­stä­ben kei­nen zur Ent­rei­che­rung füh­ren­den Umstand dar. Viel­mehr ist schon nach den eige­nen Behaup­tun­gen der Kir­chen anzu­neh­men, dass sie die Aus­ga­ben andern­falls aus ande­ren ver­füg­ba­ren Mit­teln bestrit­ten hät­te. Hier­für spricht schon, dass es sich nicht etwa um für die Kir­che außer­ge­wöhn­li­che Auf­wen­dun­gen han­del­te, son­dern um ein für sie übli­ches Rechts­ge­schäft. Die Ein­stel­lung der Pries­ter dien­te ihr dazu, den Kern­be­reich ihrer geist­li­chen und seel­sor­ge­ri­schen Tätig­kei­ten zu erfül­len; im Gegen­zug zur Bezah­lung der Pries­ter erhielt sie deren Dienst­leis­tun­gen, die als Vor­teil in ihrem Ver­mö­gen blei­ben. Wei­ter fehlt es an einer hin­rei­chen­den Über­ein­stim­mung zwi­schen den Spen­den und den behaup­te­ten Aus­ga­ben. Die Spen­den des Schuld­ners, die schon ange­sichts ihrer Unre­gel­mä­ßig­keit und erheb­lich schwan­ken­den Höhe kei­ne siche­re Grund­la­ge zur dau­er­haf­ten Bezah­lung der Pries­ter eröff­ne­ten, decken sich weder zeit­lich noch der Höhe nach mit den behaup­te­ten Aus­ga­ben (2007: Spen­de von 3.000 €, Aus­ga­be von 417,72 €; 2008: Spen­den von 29.000 €, Aus­ga­ben von 9.916,56 €; 2009: Spen­de von 1.000 €, Aus­ga­ben von 33.119, 80 €; 2010: kei­ne Spen­de, Aus­ga­ben von 39.687, 63 €). Sie bil­de­ten mit­hin allen­falls einen von meh­re­ren Beweg­grün­den für die Ein­stel­lung wei­te­rer Pries­ter.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Okto­ber 2016 – IX ZR 160/​14
BGH, Urteil vom 04.02.2016 – IX ZR 77/​15, WM 2016, 518 Rn. 16 ff[↩]
BGH aaO Rn. 18 ff[↩]
BGH, Urteil vom 18.04.1985 – VII ZR 309/​84, NJW 1985, 2700 unter 3.; vom 08.12 1995 – LwZR 1/​95, ZIP 1996, 336, 337 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 07.01.1971 – VII ZR 9/​70, BGHZ 55, 128, 134[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 03.02.2004 – XI ZR 125/​03, BGHZ 158, 1, 8 f[↩]
BGH, Urteil vom 17.12 2009 – IX ZR 16/​09, ZIP 2010, 531 Rn. 17; Staudinger/​Lorenz, BGB, 2007, § 818 Rn. 48[↩]
Jäh­rig in Baumgärtel/​Laumen/​Prütting, Hand­buch der Beweis­last, 3. Aufl., § 818 Rn. 26 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 21.03.1996 – III ZR 245/​94, BGHZ 132, 198, 210[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 20.10.1958 – III ZR 101/​57, MDR 1959, 109 f; vom 07.01.1971 – VII ZR 9/​70, BGHZ 55, 128, 132[↩]
BGH, Urteil vom 17.01.2003 – V ZR 235/​02, NJW 2003, 3271 f[↩]
BGH, Urteil vom 19.01.1951 – I ZR 15/​50, BGHZ 1, 75, 81[↩]
Münch­Komm-BGB/­Schwab, aaO Rn. 166[↩]
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BGH 
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