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Timestamp: 2020-04-10 04:01:00+00:00

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Rich­ter­wech­sel – und der Grund­satz der Unmit­tel­bar­keit der Beweis­auf­nah­me | Rechtslupe
Richterwechsel - und der Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme
Rich­ter­wech­sel – und der Grund­satz der Unmit­tel­bar­keit der Beweis­auf­nah­me
Ein Rich­ter­wech­sel nach einer Beweis­auf­nah­me erfor­dert jedoch nicht grund­sätz­lich deren Wie­der­ho­lung. So kön­nen frü­he­re Zeu­gen­aus­sa­gen im Wege des Urkun­den­be­wei­ses durch Aus­wer­tung des Ver­neh­mungs­pro­to­kolls ver­wer­tet wer­den. Das Gericht darf dann bei der Beweis­wür­di­gung aller­dings nur das berück­sich­ti­gen, was auf der Wahr­neh­mung aller an der Ent­schei­dung betei­lig­ten Rich­ter beruht oder akten­kun­dig ist und wozu die Par­tei­en sich erklä­ren konn­ten.
Das gilt auch, wenn das Gericht den per­sön­li­chen Ein­druck eines Zeu­gen zur Beur­tei­lung sei­ner Glaub­wür­dig­keit her­an­zie­hen will. Ein­drü­cke, die nicht in das Ver­hand­lungs­pro­to­koll auf­ge­nom­men wor­den sind, zu denen also die Par­tei­en auch kei­ne Stel­lung neh­men konn­ten, dür­fen daher nach einem Rich­ter­wech­sel bei der Ent­schei­dung nicht ver­wer­tet wer­den.
Kommt es auf einen per­sön­li­chen Ein­druck von den Zeu­gen an, ins­be­son­de­re zur Beur­tei­lung der Glaub­wür­dig­keit, so muss das Gericht in der Spruch­be­set­zung einen per­sön­li­chen Ein­druck von den Zeu­gen gewon­nen haben oder auf eine akten­kun­di­ge Beur­tei­lung zurück­grei­fen kön­nen 1. Ent­spre­chen­des gilt für den Beweis durch Augen­schein 2 und die Wür­di­gung eines bei einer Anhö­rung gemäß § 411 Abs. 3 ZPO ergänz­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens 3.
Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen liegt hier kein Ver­stoß gegen den Grund­satz der Unmit­tel­bar­keit der Beweis­auf­nah­me vor. Viel­mehr erfor­dert ein Rich­ter­wech­sel nach der Beweis­auf­nah­me die wie­der­hol­te Erhe­bung des Sach­ver­stän­di­gen­be­wei­ses im Regel­fall nicht. Über eine sach­li­che Wür­di­gung geht die Beur­tei­lung der Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen als "nach­voll­zieh­bar", "plau­si­bel" und "über­zeu­gend" nicht hin­aus. Wel­che nicht pro­to­kol­lier­ten Äuße­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen für die Über­zeu­gungs­bil­dung des Land­ge­richts dane­ben noch ursäch­lich gewor­den sein kön­nen, führt die Beru­fung zur Begrün­dung ihrer Rüge, die auf sol­che Mög­lich­kei­ten anspielt, nicht aus 4.
Soweit ein Ver­stoß gegen den Grund­satz der Bweis­un­mit­tel­bar­keit vor­liegt, der als Ver­fah­rens­feh­ler ver­zicht­bar i.S. des § 295 ZPO ist, wird die­ser Ver­stoß nicht dadurch geheilt, dass die Par­tei­en bei der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung die feh­len­de erneu­te Anhö­rung des Sach­ver­stän­di­gen oder Zeu­gen nicht gerügt haben. Denn ein Rüge­ver­zicht nach § 295 ZPO schei­det aus, wenn der Ver­fah­rens­feh­ler erst aus dem Urteil ersicht­lich wird 5.
Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 13. August 2014 – 7 U 128/​13
Die gefälsch­te Urkun­de – und der unter­blie­be­ne Augen­schein § 261 StPO ist ver­letzt, wenn der erfor­der­li­che Augen­schein einer Urkun­de nicht statt­ge­fun­den hat. Im vor­lie­gen­den Fall waren für die rich­ter­li­che Über­zeu­gung das äuße­re Erschei­nungs­bild…
Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen… Bei einer Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung müs­sen die steu­er­lich erheb­li­chen Tat­sa­chen fest­ge­stellt sein. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die­je­ni­gen Para­me­ter, die maß­geb­li­che Grund­la­ge für die Steu­er­be­rech­nung sind (Besteue­rungs­grund­la­gen)…
Ände­rung der Rei­se­leis­tung durch den Rei­se­ver­an­stal­ter –… Bei einer Pau­schal­rei­se kann der Rei­sen­de nach § 651a Abs. 5 Satz 2 BGB auch bei einer erheb­li­chen Ände­rung einer wesent­li­chen Rei­se­leis­tung vom Rei­se­ver­trag zurück­tre­ten.…
BGH, NJW 1997, 1586 f. 13; NJW 1995, 1292 ff 10; NJW 1991, 1180 6; KG, BauR 2011, 297 f 27 m.w.N.; Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 355 Rn. 6[↩]
BGH, VersR 1992, 883 ff. 25[↩]
BGH, Beschluss vom 14.05.2009 – IX ZB 40/​08, Tz. 2, juris; BGH, NJW 1970, 946 ff 138 ff.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 14.05.2009 – IX ZB 40/​08, Tz. 2[↩]
BGH, VersR 1992, 883 ff. 25, zum Augen­schein; OLG Schles­wig, MDR 1999, 761 f. 9[↩]
BeweisaufnahmeBeweiswürdigungRichterwechselZivilprozess

References: § 411
 § 295
 § 295
 § 261
 § 651
 § 355