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Timestamp: 2018-05-25 16:31:50+00:00

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Häufig gestellte Fragen (FAQ) | PädagogInnen mit Behinderung | Grundlagenarbeit | bundessache.at
Der folgende Text stammt vom 06.10.2015 und somit aus der Zeit des laufenden Projektes.
Ist eine Anstellung als LehrerIn in Österreich trotz Behinderung möglich und erlaubt?
Kann ich der gesetzlichen Vorgabe der Aufsichtspflicht in den Pausen oder im Klassenraum aufgrund meiner Behinderung überhaupt nachkommen?
Bekomme ich nach abgeschlossener Ausbildung überhaupt die Chance, als LehrerIn an einer Schule zu arbeiten?
Ich habe gehört, dass an Schulen nur Lehrende mit Behinderungen arbeiten, die bei Berufsantritt noch keine Behinderung hatten.
Mit einer Behinderung hat man nur eine Chance in Sonderschulen zu unterrichten und wird nicht im "normalen Schulbetrieb" eingesetzt.
Der legistische Rahmen der PädagogInnenbildung NEU ist das Hochschulgesetz 2005 und das Universitätsgesetz 2002.
Bezüglich der Aufnahme an Pädagogischen Hochschulen gilt die Hochschulzulassungsverordnung (HZV).
Mit Anfang des Jahres 2015 hat sich die rechtliche Situation deutlich verbessert und Pädagogische Hochschulen können nun einfacher Aufnahmen durchführen: HZV: §5
(2) Die Feststellung der Eignung erfolgt nach dem Antrag auf Zulassung.
Bei Bedarf können spezielle Eignungsfeststellungen (§ 10) angewendet
werden. Die Feststellung der Eignung kann auch in Form von Nachweisen (§
11) erfolgen, die von der Aufnahmewerberin oder vom Aufnahmewerber
vorgelegt werden. Die Pädagogischen Hochschulen können weiters bei Bedarf
Eignungs- und Beratungsgespräche durchführen.
(3) Es ist vom Nachweis jener Eignungskriterien Abstand zu nehmen,
die bei Erfüllung der wesentlichen Anforderungen für den angestrebten
Beruf aufgrund einer anderen Erstsprache als Deutsch oder einer
Behinderung im Sinne des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes,
BGBl. I Nr. 82/2005, nicht erfüllt werden können. Bei Bedarf sind im
Rahmen des Eignungsfeststellungsverfahrens geeignete
Ausgleichsmaßnahmen (zB Assistenz,
Gebärdensprachdolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetscher)
Während des Studiums gibt es bei Nichterfüllbarkeit von Anforderungen die Möglichkeit auf individuelle Curricula: HG 2005:
§ 9. (6) Im Besonderen sind über Abs. 1 bis 5 hinaus folgende leitende
Grundsätze zu beachten:
14. die besondere Berücksichtigung der Erfordernisse von Menschen mit
Behinderungen im Sinne des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes,
BGBl. I Nr. 82/2005, […]
§42 (1b) Für Studierende mit einer Behinderung im Sinne des § 3 des
Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes, BGBl. I Nr. 82/2005, sind
die Anforderungen der Curricula – allenfalls unter Bedachtnahme auf
gemäß § 63 Abs. 1 Z 7 beantragte abweichende Prüfungsmethoden – zu
modifizieren (individuelles Curriculum), wobei das Ausbildungsziel des
gewählten Studiums erreichbar sein muss.
Bsp.: Wenn eine Person mit Körperbehinderung VolksschullehrerIn
werden möchte, allerdings die Anforderungen für den Turnunterricht
nicht gerecht werden kann, erhält die Person einen Bescheid während
des Studiums, der dies belegt. Dieser Bescheid wird dem
Lehramtszeugnis beigelegt.
Die Aufsichtspflicht ist im Schulunterrichtsgesetz (SchUG) unter § 51 geregelt. Vor allem ist hier Absatz 3 bekannt:
(3) Der Lehrer hat nach der jeweiligen Diensteinteilung die Schüler in der
Schule auch 15 Minuten vor Beginn des Unterrichtes, in den
Unterrichtspausen - ausgenommen die zwischen dem Vormittags- und dem
Nachmittagsunterricht liegende Zeit - und unmittelbar nach Beendigung des
Unterrichtes beim Verlassen der Schule sowie bei allen Schulveranstaltungen
und schulbezogenen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb des
Schulhauses zu beaufsichtigen, soweit dies nach dem Alter und der geistigen
Reife der Schüler erforderlich ist. Hiebei hat er insbesondere auf die
körperliche Sicherheit und auf die Gesundheit der Schüler zu achten und
Gefahren nach Kräften abzuwehren. Dies gilt sinngemäß für den
Betreuungsteil an ganztägigen Schulformen, wobei an die Stelle des
Unterrichtes der Betreuungsteil tritt.
Die Aufsichtspflicht sollte für Menschen mit Behinderungen heute kein Hinderungsgrund mehr am Weg zum LehrerInnenberuf sein, auch wenn das SchUG (noch?) nicht novelliert wurde. Bezüglich Aufsichtspflicht haben Lehrende mit Behinderungen die Möglichkeit auf Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz, wobei die Verantwortung über die Kinder nicht der/die persönliche Assistentin, sondern der/die LehrerIn trägt. Wenn es zukünftig im Beruf um vermeintlich schwierige Situationen geht, finden sich auch hier Lösungen (z.B. muss bei Ausflügen ein/e zweite/r LehrerIn mitfahren).
Die Ausbildung ist rechtlich so angelegt, dass nach ihrer Absolvierung eine Aufnahme an einer Schule möglich sein soll. Wenn jemand fertig studiert hat und eine Anstellung anstrebt, richtet die Person das Bewerbungsschreiben, das Lehramtszeugnis sowie ggf. den dazu erhaltenen Bescheid an das Personalmanagement. Ein/e Landesschulrat/rätin kann a priori keine Einstellzusage oder nähere Angaben dahingehend machen. Allerdings haben nun alle ausgebildeten LehrerInnen (mit oder ohne Behinderungen) die gleichen Chancen und das gleiche Recht auf Berufsausübung.
Gesetzliche Grundlage: HG 2005, §46 (1a):
"(1a) Erfolgreich absolvierte Studien nach individuellen Curricula gemäß § 42 Abs. 1b sind im studienabschließenden Zeugnis durch einen Hinweis auf das festgesetzte abweichende Curriculum zu kennzeichnen."
Auf Grundlage der Bewerbungsunterlagen und dem beigefügten Bescheid wird auf LSR-Ebene versucht, eine Lösung für den/die LehrerIn zu finden (z.B. Kann der/die LehrerIn in einer Kleingruppe eingesetzt werden?). Jeder Fall wird vom LSR individuell bearbeitet. Die Personalmanagement-Ebene ist somit angehalten, dass Menschen mit Behinderungen eine Arbeitsstelle erhalten können (vorausgesetzt, dass es eine freie Stelle gibt). Grundsätzlich muss der/die LSRIn aber immer abklären und abwägen: Was ist möglich? Wo gibt es Einschränkungen?
Praxissituation von ausgebildeten Lehrenden, die auf Jobsuche sind: Es wurden bereits Gespräche mit DirektorInnen geführt und im Bewerbungsschreiben an den/die LSRIn auf diese Gespräche oder darauf verwiesen, dass bereits ein Unterrichtspraktikum an dieser Schule absolviert wurde.

References: §5

§ 9

§42
 § 3
 § 63
 § 51
 §46
 § 42