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Timestamp: 2020-07-10 02:28:45+00:00

Document:
Lawbrary | ZGB - Schweizerisches Zivilgesetzbuch
Einleitung (1 - 10)
Das Recht der Persönlichkeit (11 - 38)
Die Beurkundung des Personenstandes (39 - 50)
Allgemeine Bestimmungen (52 - 59)
Die Vereine (60 - 79)
Die Stiftungen (80 - 89)
Die Sammelvermögen (89 - 89)
Das Verlöbnis (90 - 93)
Die Ehevoraussetzungen (94 - 96)
Vorbereitung der Eheschliessung und Trauung (97 - 103)
Die Eheungültigkeit (104 - 110)
Die Scheidungsvoraussetzungen (111 - 116)
Die Ehetrennung (117 - 118)
Die Scheidungsfolgen (119 - 150)
Die Wirkungen der Ehe im Allgemeinen (159 - 180)
Allgemeine Vorschriften (181 - 195)
Der ordentliche Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung (196 - 220)
Die Gütergemeinschaft (221 - 246)
Die Gütertrennung (247 - 251)
Die Entstehung des Kindesverhältnisses
Allgemeine Bestimmungen (252 - 254)
Die Vaterschaft des Ehemannes (255 - 259)
Anerkennung und Vaterschaftsurteil (260 - 263)
Die Adoption (264 - 269)
Die Wirkungen des Kindesverhältnisses
Die Gemeinschaft der Eltern und Kinder (270 - 275)
Die Unterhaltspflicht der Eltern (276 - 295)
Die elterliche Sorge (296 - 317)
Das Kindesvermögen (318 - 327)
Minderjährige unter Vormundschaft (327 - 327)
Die Unterstützungspflicht (328 - 330)
Die Hausgewalt (331 - 334)
Das Familienvermögen (335 - 359)
Der Vorsorgeauftrag (360 - 369)
Die Patientenverfügung (370 - 373)
Vertretung durch den Ehegatten, die eingetragene Partnerin oder den eingetragenen Partner (374 - 376)
Vertretung bei medizinischen Massnahmen (377 - 381)
Aufenthalt in Wohn- oder Pflegeeinrichtungen (382 - 387)
Allgemeine Grundsätze (388 - 389)
Allgemeine Bestimmungen (390 - 392)
Die Arten von Beistandschaften (393 - 398)
Ende der Beistandschaft (399 - 399)
Der Beistand oder die Beiständin (400 - 404)
Die Führung der Beistandschaft (405 - 414)
Die Mitwirkung der Erwachsenenschutzbehörde (415 - 418)
Einschreiten der Erwachsenenschutzbehörde (419 - 419)
Besondere Bestimmungen für Angehörige (420 - 420)
Das Ende des Amtes des Beistands oder der Beiständin (421 - 425)
Die fürsorgerische Unterbringung (426 - 439)
Behörden und örtliche Zuständigkeit (440 - 442)
Vor der Erwachsenenschutzbehörde (443 - 449)
Vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz (450 - 450)
Gemeinsame Bestimmung (450 - 450)
Vollstreckung (450 - 450)
Verhältnis zu Dritten und Zusammenarbeitspflicht (451 - 453)
Verantwortlichkeit (454 - 456)
Die gesetzlichen Erben (457 - 466)
Die Verfügungsfähigkeit (467 - 469)
Die Verfügungsfreiheit (470 - 480)
Die Verfügungsarten (481 - 497)
Die Verfügungsformen (498 - 516)
Die Willensvollstrecker (517 - 518)
Die Ungültigkeit und Herabsetzung der Verfügungen (519 - 533)
Klagen aus Erbverträgen (534 - 536)
Die Eröffnung des Erbganges (537 - 550)
Die Sicherungsmassregeln (551 - 559)
Der Erwerb der Erbschaft (560 - 579)
Das öffentliche Inventar (580 - 592)
Die amtliche Liquidation (593 - 597)
Die Erbschaftsklage (598 - 601)
Die Gemeinschaft vor der Teilung (602 - 606)
Die Teilungsart (607 - 620)
Die Ausgleichung (626 - 633)
Abschluss und Wirkung der Teilung (634 - 640)
Allgemeine Bestimmungen (641 - 654)
Gegenstand, Erwerb und Verlust des Grundeigentums (655 - 666)
Inhalt und Beschränkung des Grundeigentums (667 - 712)
Das Stockwerkeigentum (712 - 712)
Das Fahrniseigentum (713 - 729)
Die Grunddienstbarkeiten (730 - 744)
Nutzniessung und andere Dienstbarkeiten (745 - 781)
Die Grundlasten (782 - 792)
Allgemeine Bestimmungen (793 - 823)
Die Grundpfandverschreibung (824 - 841)
Der Schuldbrief (842 - 866)
Ausgabe von Anleihenstiteln mit Grundpfandrecht (875 - 876)
Das Fahrnispfand
Faustpfand und Retentionsrecht (884 - 898)
Das Pfandrecht an Forderungen und andern Rechten (899 - 906)
Das Versatzpfand (907 - 915)
... (916 - 916)
Der Besitz (919 - 941)
Das Grundbuch (942 - 977)
Die Anwendung bisherigen und neuen Rechts (1 - 50)
Einführungs- und Übergangsbestimmungen (51 - 61)
Wortlaut der früheren Bestimmungen des sechsten Titels
Allgemeine Vorschriften (178 - 193)
Die Güterverbindung (194 - 214)
Die Gütergemeinschaft (215 - 240)
Die Gütertrennung (241 - 247)
Das Güterrechtsregister (248 - 251)
vom 10. Dezember 1907 (Stand am 1. Januar 2019)
gestützt auf Artikel 64 der Bundesverfassung1,2 nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 28. Mai 19043,
A. An­wen­dung des Rechts
1Das Ge­setz fin­det auf al­le Rechts­fra­gen An­wen­dung, für die es nach Wort­laut oder Aus­le­gung ei­ne Be­stim­mung ent­hält.
2Kann dem Ge­setz kei­ne Vor­schrift ent­nom­men wer­den, so soll das Ge­richt1 nach Ge­wohn­heits­recht und, wo auch ein sol­ches fehlt, nach der Re­gel ent­schei­den, die es als Ge­setz­ge­ber auf­stel­len wür­de.
3Es folgt da­bei be­währ­ter Leh­re und Über­lie­fe­rung.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
B. In­halt der Rechts­ver­hält­nis­se
I. Han­deln nach Treu und Glau­ben
1Je­der­mann hat in der Aus­übung sei­ner Rech­te und in der Er­fül­lung sei­ner Pflich­ten nach Treu und Glau­ben zu han­deln.
2Der of­fen­ba­re Miss­brauch ei­nes Rech­tes fin­det kei­nen Rechts­schutz.
II. Gu­ter Glau­be
1Wo das Ge­setz ei­ne Rechts­wir­kung an den gu­ten Glau­ben ei­ner Per­son ge­knüpft hat, ist des­sen Da­sein zu ver­mu­ten.
2Wer bei der Auf­merk­sam­keit, wie sie nach den Um­stän­den von ihm ver­langt wer­den darf, nicht gut­gläu­big sein konn­te, ist nicht be­rech­tigt, sich auf den gu­ten Glau­ben zu be­ru­fen.
III. Ge­richt­li­ches1 Er­mes­sen
Wo das Ge­setz das Ge­richt auf sein Er­mes­sen oder auf die Wür­di­gung der Um­stän­de oder auf wich­ti­ge Grün­de ver­weist, hat es sei­ne Ent­schei­dung nach Recht und Bil­lig­keit zu tref­fen.
C. Ver­hält­nis zu den Kan­to­nen
I. Kan­to­na­les Zi­vil­recht und Orts­übung
1So­weit das Bun­des­recht die Gel­tung kan­to­na­len Rech­tes vor­be­hält, sind die Kan­to­ne be­fugt, zi­vil­recht­li­che Be­stim­mun­gen auf­zu­stel­len oder auf­zu­he­ben.
2Wo das Ge­setz auf die Übung oder den Orts­ge­brauch ver­weist, gilt das bis­he­ri­ge kan­to­na­le Recht als de­ren Aus­druck, so­lan­ge nicht ei­ne ab­wei­chen­de Übung nach­ge­wie­sen ist.
II. Öf­fent­li­ches Recht der Kan­to­ne
1Die Kan­to­ne wer­den in ih­ren öf­fent­lich-recht­li­chen Be­fug­nis­sen durch das Bun­des­zi­vil­recht nicht be­schränkt.
2Sie kön­nen in den Schran­ken ih­rer Ho­heit den Ver­kehr mit ge­wis­sen Ar­ten von Sa­chen be­schrän­ken oder un­ter­sa­gen oder die Rechts­ge­schäf­te über sol­che Sa­chen als un­gül­tig be­zeich­nen.
D. All­ge­mei­ne Be­stim­mun­gen des Ob­li­ga­tio­nen­rech­tes
Die all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen des Ob­li­ga­tio­nen­rech­tes1 über die Ent­ste­hung, Er­fül­lung und Auf­he­bung der Ver­trä­ge fin­den auch An­wen­dung auf an­de­re zi­vil­recht­li­che Ver­hält­nis­se.
E. Be­weis­re­geln
I. Be­weis­last
Wo das Ge­setz es nicht an­ders be­stimmt, hat der­je­ni­ge das Vor­han­den­sein ei­ner be­haup­te­ten Tat­sa­che zu be­wei­sen, der aus ihr Rech­te ab­lei­tet.
II. Be­weis mit öf­fent­li­cher Ur­kun­de
1Öf­fent­li­che Re­gis­ter und öf­fent­li­che Ur­kun­den er­brin­gen für die durch sie be­zeug­ten Tat­sa­chen vol­len Be­weis, so­lan­ge nicht die Un­rich­tig­keit ih­res In­hal­tes nach­ge­wie­sen ist.
2Die­ser Nach­weis ist an kei­ne be­son­de­re Form ge­bun­den.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 3 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
Erster Abschnitt: Das Recht der Persönlichkeit
A. Per­sön­lich­keit im All­ge­mei­nen
I. Rechts­fä­hig­keit
1Rechts­fä­hig ist je­der­mann.
2Für al­le Men­schen be­steht dem­ge­mä­ss in den Schran­ken der Rechts­ord­nung die glei­che Fä­hig­keit, Rech­te und Pflich­ten zu ha­ben.
II. Hand­lungs­fä­hig­keit
1. In­halt
Wer hand­lungs­fä­hig ist, hat die Fä­hig­keit, durch sei­ne Hand­lun­gen Rech­te und Pflich­ten zu be­grün­den.
2. Vor­aus­set­zun­gen
Die Hand­lungs­fä­hig­keit be­sitzt, wer voll­jäh­rig und ur­teils­fä­hig ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
b. Voll­jäh­rig­keit
Voll­jäh­rig ist, wer das 18. Le­bens­jahr zu­rück­ge­legt hat.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 7. Okt. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1996 (AS 1995 1126; BBl 1993 I 1169).
d. Ur­teils­fä­hig­keit
Ur­teils­fä­hig im Sin­ne die­ses Ge­set­zes ist je­de Per­son, der nicht we­gen ih­res Kin­desal­ters, in­fol­ge geis­ti­ger Be­hin­de­rung, psy­chi­scher Stö­rung, Rausch oder ähn­li­cher Zu­stän­de die Fä­hig­keit man­gelt, ver­nunft­ge­mä­ss zu han­deln.
III. Hand­lungs­un­fä­hig­keit
1. Im All­ge­mei­nen
Hand­lungs­un­fä­hig sind ur­teil­s­un­fä­hi­ge Per­so­nen, Min­der­jäh­ri­ge so­wie Per­so­nen un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft.
2. Feh­len der Ur­teils­fä­hig­keit
Wer nicht ur­teils­fä­hig ist, ver­mag un­ter Vor­be­halt der ge­setz­li­chen Aus­nah­men durch sei­ne Hand­lun­gen kei­ne recht­li­che Wir­kung her­bei­zu­füh­ren.
3. Ur­teils­fä­hi­ge hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­so­nen
1Ur­teils­fä­hi­ge hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­so­nen kön­nen nur mit Zu­stim­mung ih­res ge­setz­li­chen Ver­tre­ters Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen oder Rech­te auf­ge­ben.2
2Oh­ne die­se Zu­stim­mung ver­mö­gen sie Vor­tei­le zu er­lan­gen, die un­ent­gelt­lich sind, so­wie ge­ring­fü­gi­ge An­ge­le­gen­hei­ten des täg­li­chen Le­bens zu be­sor­gen.3
3Sie wer­den aus un­er­laub­ten Hand­lun­gen scha­den­er­satz­pflich­tig.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
b. Zu­stim­mung des ge­setz­li­chen Ver­tre­ters
1So­fern das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, kann der ge­setz­li­che Ver­tre­ter die Zu­stim­mung aus­drück­lich oder still­schwei­gend im Vor­aus ge­ben oder das Ge­schäft nach­träg­lich ge­neh­mi­gen.
2Der an­de­re Teil wird frei, wenn die Ge­neh­mi­gung nicht in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist er­folgt, die er sel­ber an­setzt oder durch das Ge­richt an­set­zen lässt.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
c. Feh­len der Zu­stim­mung
1Er­folgt die Ge­neh­mi­gung des ge­setz­li­chen Ver­tre­ters nicht, so kann je­der Teil die voll­zo­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­for­dern. Die hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­son haf­tet je­doch nur in­so­weit, als die Leis­tung in ih­rem Nut­zen ver­wen­det wor­den ist oder als sie zur Zeit der Rück­for­de­rung noch be­rei­chert ist oder sich bös­wil­lig der Be­rei­che­rung en­täus­sert hat.
2Hat die hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­son den an­dern Teil zur irr­tüm­li­chen An­nah­me ih­rer Hand­lungs­fä­hig­keit ver­lei­tet, so ist sie ihm für den ver­ur­sach­ten Scha­den ver­ant­wort­lich.
4. Höchst­per­sön­li­che Rech­te
1Ur­teils­fä­hi­ge hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­so­nen üben die Rech­te, die ih­nen um ih­rer Per­sön­lich­keit wil­len zu­ste­hen, selbst­stän­dig aus; vor­be­hal­ten blei­ben Fäl­le, in wel­chen das Ge­setz die Zu­stim­mung des ge­setz­li­chen Ver­tre­ters vor­sieht.
2Für ur­teil­s­un­fä­hi­ge Per­so­nen han­delt der ge­setz­li­che Ver­tre­ter, so­fern nicht ein Recht so eng mit der Per­sön­lich­keit ver­bun­den ist, dass je­de Ver­tre­tung aus­ge­schlos­sen ist.
IIIbis. Ein­schrän­kung der Hand­lungs­fä­hig­keit
Die Hand­lungs­fä­hig­keit kann durch ei­ne Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes ein­ge­schränkt wer­den.
IV.1 Ver­wandt­schaft und Schwä­ger­schaft
1. Ver­wandt­schaft
1Der Grad der Ver­wandt­schaft2 be­stimmt sich nach der Zahl der sie ver­mit­teln­den Ge­bur­ten.
2In ge­ra­der Li­nie sind zwei Per­so­nen mit­ein­an­der ver­wandt, wenn die ei­ne von der an­dern ab­stammt, und in der Sei­ten­li­nie, wenn sie von ei­ner drit­ten Per­son ab­stam­men und un­ter sich nicht in ge­ra­der Li­nie ver­wandt sind.
1 Fas­sung des Rand­tit. ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819, 1973 92; BBl 1971 I 1200).
2 Fas­sung die­ses Wor­tes ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).
2. Schwä­ger­schaft
1Wer mit ei­ner Per­son ver­wandt ist, ist mit de­ren Ehe­gat­ten, de­ren ein­ge­tra­ge­ner Part­ne­rin oder de­ren ein­ge­tra­ge­nem Part­ner in der glei­chen Li­nie und in dem glei­chen Gra­de ver­schwä­gert.
2Die Schwä­ger­schaft wird durch die Auf­lö­sung der Ehe oder der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft, die sie be­grün­det hat, nicht auf­ge­ho­ben.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
V. Hei­mat und Wohn­sitz
1. Hei­matan­ge­hö­rig­keit
1Die Hei­mat ei­ner Per­son be­stimmt sich nach ih­rem Bür­ger­recht.
2Das Bür­ger­recht wird durch das öf­fent­li­che Recht be­stimmt.
3Wenn ei­ner Per­son das Bür­ger­recht an meh­re­ren Or­ten zu­steht, so ist für ih­re Hei­matan­ge­hö­rig­keit der Ort ent­schei­dend, wo sie zu­gleich ih­ren Wohn­sitz hat oder zu­letzt ge­habt hat, und man­gels ei­nes sol­chen Wohn­sit­zes der Ort, des­sen Bür­ger­recht von ihr oder ih­ren Vor­fah­ren zu­letzt er­wor­ben wor­den ist.
2. Wohn­sitz
a. Be­griff
1Der Wohn­sitz ei­ner Per­son be­fin­det sich an dem Or­te, wo sie sich mit der Ab­sicht dau­ern­den Ver­blei­bens auf­hält; der Auf­ent­halt zum Zweck der Aus­bil­dung oder die Un­ter­brin­gung ei­ner Per­son in ei­ner Er­zie­hungs- oder Pfle­ge­ein­rich­tung, ei­nem Spi­tal oder ei­ner Straf­an­stalt be­grün­det für sich al­lein kei­nen Wohn­sitz.1
2Nie­mand kann an meh­re­ren Or­ten zu­gleich sei­nen Wohn­sitz ha­ben.
3Die ge­schäft­li­che Nie­der­las­sung wird von die­ser Be­stim­mung nicht be­trof­fen.
b. Wech­sel im Wohn­sitz oder Auf­ent­halt
1Der ein­mal be­grün­de­te Wohn­sitz ei­ner Per­son bleibt be­ste­hen bis zum Er­wer­be ei­nes neu­en Wohn­sit­zes.
2Ist ein frü­her be­grün­de­ter Wohn­sitz nicht nach­weis­bar oder ist ein im Aus­land be­grün­de­ter Wohn­sitz auf­ge­ge­ben und in der Schweiz kein neu­er be­grün­det wor­den, so gilt der Auf­ent­halts­ort als Wohn­sitz.
c. Wohn­sitz Min­der­jäh­ri­ger2
1Als Wohn­sitz des Kin­des un­ter el­ter­li­cher Sor­ge3 gilt der Wohn­sitz der El­tern oder, wenn die El­tern kei­nen ge­mein­sa­men Wohn­sitz ha­ben, der Wohn­sitz des El­tern­teils, un­ter des­sen Ob­hut das Kind steht; in den üb­ri­gen Fäl­len gilt sein Auf­ent­halts­ort als Wohn­sitz.
2Be­vor­mun­de­te Kin­der ha­ben ih­ren Wohn­sitz am Sitz der Kin­des­schutz­be­hör­de.4
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).
3 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
d. Wohn­sitz Voll­jäh­ri­ger un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft
Voll­jäh­ri­ge un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft ha­ben ih­ren Wohn­sitz am Sitz der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de.
B. Schutz der Per­sön­lich­keit
I. Vor über­mäs­si­ger Bin­dung1
1Auf die Rechts- und Hand­lungs­fä­hig­keit kann nie­mand ganz oder zum Teil ver­zich­ten.
2Nie­mand kann sich sei­ner Frei­heit en­täus­sern oder sich in ih­rem Ge­brauch in ei­nem das Recht oder die Sitt­lich­keit ver­let­zen­den Gra­de be­schrän­ken.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1983, in Kraft seit 1. Ju­li 1985 (AS 1984 778; BBl 1982 II 636).
II. Ge­gen Ver­let­zun­gen
1Wer in sei­ner Per­sön­lich­keit wi­der­recht­lich ver­letzt wird, kann zu sei­nem Schutz ge­gen je­den, der an der Ver­let­zung mit­wirkt, das Ge­richt an­ru­fen.
2Ei­ne Ver­let­zung ist wi­der­recht­lich, wenn sie nicht durch Ein­wil­li­gung des Ver­letz­ten, durch ein über­wie­gen­des pri­va­tes oder öf­fent­li­ches In­ter­es­se oder durch Ge­setz ge­recht­fer­tigt ist.
2. Kla­ge
a. Im All­ge­mei­nen2
1Der Klä­ger kann dem Ge­richt be­an­tra­gen:
2Er kann ins­be­son­de­re ver­lan­gen, dass ei­ne Be­rich­ti­gung oder das Ur­teil Drit­ten mit­ge­teilt oder ver­öf­fent­licht wird.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die Kla­gen auf Scha­den­er­satz und Ge­nug­tu­ung so­wie auf Her­aus­ga­be ei­nes Ge­winns ent­spre­chend den Be­stim­mun­gen über die Ge­schäfts­füh­rung oh­ne Auf­trag.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1983, in Kraft seit 1. Ju­li 1985 (AS 1984 778; BBl 1982 II 636).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 2006 (Schutz der Per­sön­lich­keit ge­gen Ge­walt, Dro­hun­gen oder Nach­stel­lun­gen), in Kraft seit 1. Ju­li 2007 (AS 2007 137; BBl 2005 6871 6897).
b. Ge­walt, Dro­hun­gen oder Nach­stel­lun­gen
1Zum Schutz ge­gen Ge­walt, Dro­hun­gen oder Nach­stel­lun­gen kann die kla­gen­de Per­son dem Ge­richt be­an­tra­gen, der ver­let­zen­den Per­son ins­be­son­de­re zu ver­bie­ten:
sich ihr an­zunä­hern oder sich in ei­nem be­stimm­ten Um­kreis ih­rer Woh­nung auf­zu­hal­ten;
sich an be­stimm­ten Or­ten, na­ment­lich be­stimm­ten Stras­sen, Plät­zen oder Quar­tie­ren, auf­zu­hal­ten;
mit ihr Kon­takt auf­zu­neh­men, na­ment­lich auf te­le­fo­ni­schem, schrift­li­chem oder elek­tro­ni­schem Weg, oder sie in an­de­rer Wei­se zu be­läs­ti­gen.
2Lebt die kla­gen­de Per­son mit der ver­let­zen­den Per­son in ei­ner Woh­nung zu­sam­men, so kann sie dem Ge­richt zu­dem be­an­tra­gen, die ver­let­zen­de Per­son für ei­ne be­stimm­te Zeit aus der Woh­nung aus­zu­wei­sen. Aus wich­ti­gen Grün­den kann die­se Frist ein­mal ver­län­gert wer­den.
3Das Ge­richt kann, so­fern dies nach den ge­sam­ten Um­stän­den als ge­recht­fer­tigt er­scheint, der kla­gen­den Per­son:
für die aus­sch­liess­li­che Be­nüt­zung der Woh­nung ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung der ver­let­zen­den Per­son auf­er­le­gen; oder
mit Zu­stim­mung des Ver­mie­ters die Rech­te und Pflich­ten aus ei­nem Miet­ver­trag al­lein über­tra­gen.
4Die Kan­to­ne be­zeich­nen ei­ne Stel­le, die im Kri­sen­fall die so­for­ti­ge Aus­wei­sung der ver­let­zen­den Per­son aus der ge­mein­sa­men Woh­nung ver­fü­gen kann, und re­geln das Ver­fah­ren.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1983 (AS 1984 778; BBl 1982 II 636). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 2006 (Schutz der Per­sön­lich­keit ge­gen Ge­walt, Dro­hun­gen oder Nach­stel­lun­gen), in Kraft seit 1. Ju­li 2007 (AS 2007 137; BBl 2005 6871 6897).
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1983 (AS 1984 778; BBl 1982 II 636). Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 3 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
4. Recht auf Ge­gen­dar­stel­lung
a. Grund­satz2
1Wer durch Tat­sa­chen­dar­stel­lun­gen in pe­ri­odisch er­schei­nen­den Me­di­en, ins­be­son­de­re Pres­se, Ra­dio und Fern­se­hen, in sei­ner Per­sön­lich­keit un­mit­tel­bar be­trof­fen ist, hat An­spruch auf Ge­gen­dar­stel­lung.
2Kein An­spruch auf Ge­gen­dar­stel­lung be­steht, wenn über öf­fent­li­che Ver­hand­lun­gen ei­ner Be­hör­de wahr­heits­ge­treu be­rich­tet wur­de und die be­trof­fe­ne Per­son an den Ver­hand­lun­gen teil­ge­nom­men hat.
b. Form und In­halt
1Der Text der Ge­gen­dar­stel­lung ist in knap­per Form auf den Ge­gen­stand der be­an­stan­de­ten Dar­stel­lung zu be­schrän­ken.
2Die Ge­gen­dar­stel­lung kann ver­wei­gert wer­den, wenn sie of­fen­sicht­lich un­rich­tig ist oder wenn sie ge­gen das Recht oder die gu­ten Sit­ten ver­stösst.
c. Ver­fah­ren
1Der Be­trof­fe­ne muss den Text der Ge­gen­dar­stel­lung in­nert 20 Ta­gen, nach­dem er von der be­an­stan­de­ten Tat­sa­chen­dar­stel­lung Kennt­nis er­hal­ten hat, spä­tes­tens je­doch drei Mo­na­te nach der Ver­brei­tung, an das Me­dien­un­ter­neh­men ab­sen­den.
2Das Me­dien­un­ter­neh­men teilt dem Be­trof­fe­nen un­ver­züg­lich mit, wann es die Ge­gen­dar­stel­lung ver­öf­fent­licht oder wes­halb es sie zu­rück­weist.
d. Ver­öf­fent­li­chung
1Die Ge­gen­dar­stel­lung ist so­bald als mög­lich zu ver­öf­fent­li­chen, und zwar so, dass sie den glei­chen Per­so­nen­kreis wie die be­an­stan­de­te Tat­sa­chen­dar­stel­lung er­reicht.
2Die Ge­gen­dar­stel­lung ist als sol­che zu kenn­zeich­nen; das Me­dien­un­ter­neh­men darf da­zu nur die Er­klä­rung bei­fü­gen, ob es an sei­ner Tat­sa­chen­dar­stel­lung fest­hält oder auf wel­che Quel­len es sich stützt.
3Die Ver­öf­fent­li­chung der Ge­gen­dar­stel­lung er­folgt kos­ten­los.
e. An­ru­fung des Ge­richts
1Ver­hin­dert das Me­dien­un­ter­neh­men die Aus­übung des Ge­gen­dar­stel­lungs­rechts, ver­wei­gert es die Ge­gen­dar­stel­lung oder ver­öf­fent­licht es die­se nicht kor­rekt, so kann der Be­trof­fe­ne das Ge­richt an­ru­fen.
3und 4…3
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
3 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 3 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
III. Recht auf den Na­men
1. Na­mens­schutz
1Wird je­man­dem die Füh­rung sei­nes Na­mens be­strit­ten, so kann er auf Fest­stel­lung sei­nes Rech­tes kla­gen.
2Wird je­mand da­durch be­ein­träch­tigt, dass ein an­de­rer sich sei­nen Na­men an­masst, so kann er auf Un­ter­las­sung die­ser An­mas­sung so­wie bei Ver­schul­den auf Scha­den­er­satz und, wo die Art der Be­ein­träch­ti­gung es recht­fer­tigt, auf Leis­tung ei­ner Geld­sum­me als Ge­nug­tu­ung kla­gen.
2. Na­mens­än­de­rung
a. Im All­ge­mei­nen1
1Die Re­gie­rung des Wohn­sitz­kan­tons kann ei­ner Per­son die Än­de­rung des Na­mens be­wil­li­gen, wenn ach­tens­wer­te Grün­de vor­lie­gen.2
3Wer durch Na­mens­än­de­rung ver­letzt wird, kann sie bin­nen Jah­res­frist, nach­dem er von ihr Kennt­nis er­langt hat, ge­richt­lich an­fech­ten.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581).
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581).
b. Bei Tod ei­nes Ehe­gat­ten
Stirbt ein Ehe­gat­te, so kann der an­de­re, wenn er bei der Ehe­schlies­sung sei­nen Na­men ge­än­dert hat, je­der­zeit ge­gen­über der Zi­vil­stands­be­am­tin oder dem Zi­vil­stands­be­am­ten er­klä­ren, dass er wie­der sei­nen Le­di­gna­men tra­gen will.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581).
C. An­fang und En­de der Per­sön­lich­keit
I. Ge­burt und Tod
1Die Per­sön­lich­keit be­ginnt mit dem Le­ben nach der vollen­de­ten Ge­burt und en­det mit dem To­de.
2Vor der Ge­burt ist das Kind un­ter dem Vor­be­halt rechts­fä­hig, dass es le­ben­dig ge­bo­ren wird.
II. Be­weis
1. Be­weis­last
1Wer zur Aus­übung ei­nes Rech­tes sich dar­auf be­ruft, dass ei­ne Per­son le­be oder ge­stor­ben sei oder zu ei­ner be­stimm­ten Zeit ge­lebt oder ei­ne an­de­re Per­son über­lebt ha­be, hat hie­für den Be­weis zu er­brin­gen.
2Kann nicht be­wie­sen wer­den, dass von meh­re­ren ge­stor­be­nen Per­so­nen die ei­ne die an­de­re über­lebt ha­be, so gel­ten sie als gleich­zei­tig ge­stor­ben.
2. Be­weis­mit­tel
1Der Be­weis für die Ge­burt oder den Tod ei­ner Per­son wird mit den Zi­vil­stand­sur­kun­den ge­führt.
2Feh­len sol­che oder sind die vor­han­de­nen als un­rich­tig er­wie­sen, so kann der Be­weis auf an­de­re Wei­se er­bracht wer­den.
b. An­zei­chen des To­des
Der Tod ei­ner Per­son kann, auch wenn nie­mand die Lei­che ge­se­hen hat, als er­wie­sen be­trach­tet wer­den, so­bald die Per­son un­ter Um­stän­den ver­schwun­den ist, die ih­ren Tod als si­cher er­schei­nen las­sen.
III. Ver­schol­le­n­er­klä­rung
1Ist der Tod ei­ner Per­son höchst wahr­schein­lich, weil sie in ho­her To­des­ge­fahr ver­schwun­den oder seit lan­gem nach­richt­los ab­we­send ist, so kann sie das Ge­richt auf das Ge­such de­rer, die aus ih­rem To­de Rech­te ab­lei­ten, für ver­schol­len er­klä­ren.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
2. Ver­fah­ren
1Das Ge­such kann nach Ab­lauf von min­des­tens ei­nem Jah­re seit dem Zeit­punk­te der To­des­ge­fahr oder von fünf Jah­ren seit der letz­ten Nach­richt an­ge­bracht wer­den.
2Das Ge­richt hat je­der­mann, der Nach­rich­ten über den Ver­schwun­de­nen oder Ab­we­sen­den ge­ben kann, in an­ge­mes­se­ner Wei­se öf­fent­lich auf­zu­for­dern, sich bin­nen ei­ner be­stimm­ten Frist zu mel­den.
3Die­se Frist ist auf min­des­tens ein Jahr seit der erst­ma­li­gen Aus­kün­dung an­zu­set­zen.
3. Weg­fal­len des Ge­su­ches
Mel­det sich in­ner­halb der Frist der Ver­schwun­de­ne oder Ab­we­sen­de, oder lau­fen Nach­rich­ten über ihn ein, oder wird der Zeit­punkt sei­nes To­des nach­ge­wie­sen, so fällt das Ge­such da­hin.
4. Wir­kung
1Läuft wäh­rend der an­ge­setz­ten Zeit kei­ne Mel­dung ein, so wird der Ver­schwun­de­ne oder Ab­we­sen­de für ver­schol­len er­klärt, und es kön­nen die aus sei­nem To­de ab­ge­lei­te­ten Rech­te gel­tend ge­macht wer­den, wie wenn der Tod be­wie­sen wä­re.
2Die Wir­kung der Ver­schol­le­n­er­klä­rung wird auf den Zeit­punkt der To­des­ge­fahr oder der letz­ten Nach­richt zu­rück­be­zo­gen.
3Die Ver­schol­le­n­er­klä­rung löst die Ehe auf.1
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).
Zweiter Abschnitt: Die Beurkundung des Personenstandes
A. Re­gis­ter
1Der Per­so­nen­stand wird in ei­nem elek­tro­ni­schen Re­gis­ter be­ur­kun­det (Per­so­nen­stands­re­gis­ter).
2Zum Per­so­nen­stand ge­hö­ren ins­be­son­de­re:
die Zi­vil­stand­stat­sa­chen wie die Ge­burt, die Hei­rat, die Be­ur­kun­dung ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft, der Tod;
die per­so­nen- und fa­mi­li­en­recht­li­che Stel­lung wie die Voll­jäh­rig­keit, die Ab­stam­mung, die Ehe, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft;
die Na­men;
die Kan­tons- und Ge­mein­de­bür­ger­rech­te;
die Staats­an­ge­hö­rig­keit.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 15. Dez. 2017 (Be­ur­kun­dung des Per­so­nen­stands und Grund­buch), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4017; BBl 2014 3551).
II. Mel­de­pflicht1
1Der Bun­des­rat be­stimmt die Per­so­nen und Be­hör­den, die ver­pflich­tet sind, die zur Be­ur­kun­dung des Per­so­nen­stan­des nö­ti­gen An­ga­ben zu mel­den.
2Er kann vor­se­hen, dass Ver­stös­se ge­gen die Mel­de­pflicht mit Bus­se ge­ahn­det wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2001 (Elek­tro­ni­sche Füh­rung der Per­so­nen­stands­re­gis­ter), in Kraft seit 1. Ju­li 2004 (AS 2004 2911; BBl 2001 1639).
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2001 (Elek­tro­ni­sche Füh­rung der Per­so­nen­stands­re­gis­ter), mit Wir­kung seit 1. Ju­li 2004 (AS 2004 2911; BBl 2001 1639).
III. Nach­weis nicht strei­ti­ger An­ga­ben
1Wenn An­ga­ben über den Per­so­nen­stand durch Ur­kun­den zu be­le­gen sind, kann die kan­to­na­le Auf­sichts­be­hör­de den Nach­weis durch Ab­ga­be ei­ner Er­klä­rung vor der Zi­vil­stands­be­am­tin oder dem Zi­vil­stands­be­am­ten be­wil­li­gen, so­fern es sich nach hin­rei­chen­den Be­mü­hun­gen als un­mög­lich oder un­zu­mut­bar er­weist, die Ur­kun­den zu be­schaf­fen, und die An­ga­ben nicht strei­tig sind.
2Die Zi­vil­stands­be­am­tin oder der Zi­vil­stands­be­am­te er­mahnt die er­klä­ren­de Per­son zur Wahr­heit und weist sie auf die Straf­fol­gen ei­ner falschen Er­klä­rung hin.
IV. Be­rei­ni­gung
1. Durch das Ge­richt
1Wer ein schüt­zens­wer­tes per­sön­li­ches In­ter­es­se glaub­haft macht, kann beim Ge­richt auf Ein­tra­gung von strei­ti­gen An­ga­ben über den Per­so­nen­stand, auf Be­rich­ti­gung oder auf Lö­schung ei­ner Ein­tra­gung kla­gen. Das Ge­richt hört die be­trof­fe­nen kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den an und stellt ih­nen das Ur­teil zu.
2Die kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den sind eben­falls kla­ge­be­rech­tigt.
2. Durch die Zi­vil­stands­be­hör­den
Die Zi­vil­stands­be­hör­den be­he­ben von Am­tes we­gen Feh­ler, die auf ei­nem of­fen­sicht­li­chen Ver­se­hen oder Irr­tum be­ru­hen.
V. Da­ten­schutz und Be­kannt­ga­be der Da­ten
1Der Bun­des­rat sorgt auf dem Ge­biet der Be­ur­kun­dung des Per­so­nen­stan­des für den Schutz der Per­sön­lich­keit und der Grund­rech­te der Per­so­nen, über die Da­ten be­ar­bei­tet wer­den.
2Er re­gelt die Be­kannt­ga­be von Da­ten an Pri­va­te, die ein un­mit­tel­ba­res schutz­wür­di­ges In­ter­es­se nach­wei­sen kön­nen.
3Er be­stimmt die Be­hör­den aus­ser­halb des Zi­vil­stands­we­sens, de­nen die zur Er­fül­lung ih­rer ge­setz­li­chen Auf­ga­ben nö­ti­gen Da­ten re­gel­mäs­sig oder auf An­fra­ge be­kannt ge­ge­ben wer­den. Vor­be­hal­ten blei­ben die Vor­schrif­ten über die Be­kannt­ga­be nach ei­nem kan­to­na­len Ge­setz.
3bisDie Zi­vil­stands­be­hör­den sind ver­pflich­tet, al­le Straf­ta­ten, die sie bei ih­rer amt­li­chen Tä­tig­keit fest­stel­len, der zu­stän­di­gen Be­hör­de an­zu­zei­gen.2
4Auf Da­ten, die für die Über­prü­fung der Iden­ti­tät ei­ner Per­son not­wen­dig sind, ha­ben im Ab­ruf­ver­fah­ren Zu­griff:
die aus­stel­len­den Be­hör­den nach dem Bun­des­ge­setz vom 22. Ju­ni 20013 über die Aus­wei­se für Schwei­zer Staats­an­ge­hö­ri­ge;
die für die Füh­rung des au­to­ma­ti­sier­ten Po­li­zei­fahn­dungs­sys­tem nach Ar­ti­kel 15 des Bun­des­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 20085 über die po­li­zei­li­chen In­for­ma­ti­ons­sys­te­me des Bun­des zu­stän­di­ge Stel­le des Bun­des und die Fil­trier­stel­len der im Fahn­dungs­sys­tem aus­schrei­ben­den kan­to­na­len und städ­ti­schen Po­li­zei­korps;
die für die Füh­rung des au­to­ma­ti­sier­ten Straf­re­gis­ters nach Ar­ti­kel 3596 des Straf­ge­setz­bu­ches zu­stän­di­ge Stel­le des Bun­des;
die für die Nach­for­schun­gen nach ver­miss­ten Per­so­nen zu­stän­di­ge Stel­le des Bun­des7;
der Nach­rich­ten­dienst des Bun­des für das früh­zei­ti­ge Er­ken­nen und Ver­hin­dern von Be­dro­hun­gen für die in­ne­re oder äus­se­re Si­cher­heit nach Ar­ti­kel 6 Ab­satz 1 Buch­sta­be a des Nach­rich­ten­dienst­ge­set­zes vom 25. Sep­tem­ber 20159;
die für die Füh­rung der kan­to­na­len und kom­mu­na­len Ein­wohn­er­re­gis­ter nach dem Re­gis­ter­har­mo­ni­sie­rungs­ge­setz vom 23. Ju­ni 200611 zu­stän­di­gen Be­hör­den;
die für die Füh­rung des zen­tra­len Ver­si­cher­ten­re­gis­ters nach Ar­ti­kel 71 Ab­satz 4 Buch­sta­be a des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 194613 über die Al­ters- und Hin­ter­las­se­nen­ver­si­che­rung zu­stän­di­ge Stel­le des Bun­des;
die für die Füh­rung des Aus­land­schwei­zer­re­gis­ters nach Ar­ti­kel 4 Ab­satz 1 des Bun­des­ge­set­zes vom 24. März 200015 über die Be­ar­bei­tung von Per­so­nen­da­ten im Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­ment für aus­wär­ti­ge An­ge­le­gen­hei­ten zu­stän­di­gen Stel­len des Bun­des.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2001 (Elek­tro­ni­sche Füh­rung der Per­so­nen­stands­re­gis­ter), in Kraft seit 1. Ju­li 2004 (AS 2004 2911; BBl 2001 1639).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. 4 des BG vom 13. Ju­ni 2008 über die po­li­zei­li­chen In­for­ma­ti­ons­sys­te­me des Bun­des, in Kraft seit 5. Dez. 2008 (AS 2008 4989; BBl 2006 5061).
6 Heu­te: Art. 365.
7 Zur­zeit das Bun­des­amt für Po­li­zei.
8 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 4 des Nach­rich­ten­dienst­ge­set­zes vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 4095; BBl 2014 2105).
10 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 15. Dez. 2017 (Be­ur­kun­dung des Per­so­nen­stands und Grund­buch), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4017; BBl 2014 3551).
12 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 15. Dez. 2017 (Be­ur­kun­dung des Per­so­nen­stands und Grund­buch), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4017; BBl 2014 3551).
14 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 15. Dez. 2017 (Be­ur­kun­dung des Per­so­nen­stands und Grund­buch), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4017; BBl 2014 3551).
B. Or­ga­ni­sa­ti­on
I. Zi­vil­stands­be­hör­den
1. Zi­vil­stands­be­am­tin­nen und Zi­vil­stands­be­am­te
1Die Zi­vil­stands­be­am­tin­nen und Zi­vil­stands­be­am­ten er­fül­len ins­be­son­de­re fol­gen­de Auf­ga­ben:
Sie füh­ren die Re­gis­ter.
Sie er­stel­len die Mit­tei­lun­gen und Aus­zü­ge.
Sie füh­ren das Vor­be­rei­tungs­ver­fah­ren der Ehe­schlies­sung durch und voll­zie­hen die Trau­ung.
Sie neh­men Er­klä­run­gen zum Per­so­nen­stand ent­ge­gen.
2Der Bun­des­rat kann aus­nahms­wei­se ei­ne Ver­tre­te­rin oder einen Ver­tre­ter der Schweiz im Aus­land mit die­sen Auf­ga­ben be­trau­en.
2. Auf­sichts­be­hör­den
1Je­der Kan­ton be­stellt die Auf­sichts­be­hör­de.
2Die­se Be­hör­de er­füllt ins­be­son­de­re fol­gen­de Auf­ga­ben:
Sie be­auf­sich­tigt die Zi­vil­stand­säm­ter.
Sie un­ter­stützt und berät die Zi­vil­stand­säm­ter.
Sie wirkt bei der Re­gis­ter­füh­rung und beim Vor­be­rei­tungs­ver­fah­ren der Ehe­schlies­sung mit.
Sie er­lässt Ver­fü­gun­gen über die An­er­ken­nung und die Ein­tra­gung im Aus­land ein­ge­tre­te­ner Zi­vil­stand­stat­sa­chen so­wie aus­län­di­scher Ent­schei­dun­gen, die den Per­so­nen­stand be­tref­fen.
Sie sorgt für die Aus- und Wei­ter­bil­dung der im Zi­vil­stands­we­sen tä­ti­gen Per­so­nen.
3Der Bund übt die Ober­auf­sicht aus. Er kann ge­gen Ver­fü­gun­gen der Zi­vil­stands­be­am­tin­nen und Zi­vil­stands­be­am­ten so­wie der Auf­sichts­be­hör­den die kan­to­na­len Rechts­mit­tel ein­le­gen.1
Ia. Zen­tra­les Per­so­nen-In­for­ma­ti­ons­sys­tem
1Der Bund be­treibt und ent­wi­ckelt für die Füh­rung des Per­so­nen­stands­re­gis­ters ein zen­tra­les Per­so­nen-In­for­ma­ti­ons­sys­tem.
2Er trägt die Be­triebs- und die Ent­wick­lungs­kos­ten.
3Die Kan­to­ne be­zah­len dem Bund jähr­lich ei­ne Ge­bühr für die An­wen­dung des Sys­tems für Zwe­cke des Zi­vil­stands­we­sens.
4Der Bund be­zieht die Kan­to­ne in die Ent­wick­lung des Sys­tems ein. Er un­ter­stützt sie fach­lich bei des­sen An­wen­dung.
5Der Bun­des­rat re­gelt un­ter Mit­wir­kung der Kan­to­ne:
die Ein­zel­hei­ten des Ein­be­zu­ges der Kan­to­ne in die Ent­wick­lung des Sys­tems;
die Hö­he der Ge­bühr der Kan­to­ne für die An­wen­dung;
die Zu­griffs­rech­te der Zi­vil­stands­be­hör­den und der wei­te­ren Stel­len, die Zu­griff ha­ben;
die be­trieb­li­che Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Bund und Kan­to­nen;
die zur Si­cher­stel­lung des Da­ten­schut­zes und der Da­ten­si­cher­heit er­for­der­li­chen tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Mass­nah­men;
die Ar­chi­vie­rung der Da­ten.
6Er kann vor­se­hen, dass Kos­ten von Dienst­leis­tun­gen für Drit­te für Zwe­cke aus­ser­halb des Zi­vil­stands­we­sens die­sen Drit­ten in Rech­nung ge­stellt wer­den.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2001 (Elek­tro­ni­sche Füh­rung der Per­so­nen­stands­re­gis­ter) (AS 2004 2911; BBl 2001 1639). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 15. Dez. 2017 (Be­ur­kun­dung des Per­so­nen­stands und Grund­buch), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4017; BBl 2014 3551).
1Wer durch die im Zi­vil­stands­we­sen tä­ti­gen Per­so­nen in Aus­übung ih­rer amt­li­chen Tä­tig­keit wi­der­recht­lich ver­letzt wird, hat An­spruch auf Scha­den­er­satz und, wo die Schwe­re der Ver­let­zung es recht­fer­tigt, auf Ge­nug­tu­ung.
2Haft­bar ist der Kan­ton; er kann auf die Per­so­nen, wel­che die Ver­let­zung ab­sicht­lich oder grob­fahr­läs­sig ver­ur­sacht ha­ben, Rück­griff neh­men.
3Auf Per­so­nen, die vom Bund an­ge­stellt sind, fin­det das Ver­ant­wort­lich­keits­ge­setz vom 14. März 19581 An­wen­dung.
III. Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men
1Vor­sätz­li­che oder fahr­läs­si­ge Amts­pflicht­ver­let­zun­gen der auf den Zi­vil­stand­säm­tern tä­ti­gen Per­so­nen wer­den von der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­de mit Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men ge­ahn­det.
2Die Dis­zi­plin­ar­mass­nah­me be­steht in ei­nem Ver­weis, in Bus­se bis zu 1000 Fran­ken oder, in schwe­ren Fäl­len, in Amts­ent­he­bung.
3Vor­be­hal­ten bleibt die straf­recht­li­che Ver­fol­gung.
C. Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen
I. Bun­des­recht
2Er re­gelt na­ment­lich:
die zu füh­ren­den Re­gis­ter und die ein­zu­tra­gen­den An­ga­ben;
die Ver­wen­dung der Ver­si­cher­ten­num­mer nach Ar­ti­kel 50c des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 19461 über die Al­ters- und Hin­ter­las­se­nen­ver­si­che­rung zum Zweck des elek­tro­ni­schen Da­ten­aus­tauschs zwi­schen amt­li­chen Per­so­nen­re­gis­tern;
die Re­gis­ter­füh­rung;
die Auf­sicht.2
3Zur Si­cher­stel­lung ei­nes fach­lich zu­ver­läs­si­gen Voll­zugs kann der Bun­des­rat Min­dest­an­for­de­run­gen an die Aus- und Wei­ter­bil­dung der im Zi­vil­stands­we­sen tä­ti­gen Per­so­nen so­wie an den Be­schäf­ti­gungs­grad der Zi­vil­stands­be­am­tin­nen und Zi­vil­stands­be­am­ten er­las­sen.
4Er legt die im Zi­vil­stands­we­sen zu er­he­ben­den Ge­büh­ren fest.
5Er be­stimmt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen es zu­läs­sig ist, auf elek­tro­ni­schem Weg:
Zi­vil­stands­fäl­le zu mel­den;
Er­klä­run­gen zum Per­so­nen­stand ab­zu­ge­ben;
Mit­tei­lun­gen und Re­gis­ter­aus­zü­ge zu­zu­stel­len.3
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des Re­gis­ter­har­mo­ni­sie­rungs­ge­set­zes vom 23. Ju­ni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 4165; BBl 2006 427).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2001 (Elek­tro­ni­sche Füh­rung der Per­so­nen­stands­re­gis­ter), in Kraft seit 1. Ju­li 2004 (AS 2004 2911; BBl 2001 1639).
II. Kan­to­na­les Recht
1Die Kan­to­ne le­gen die Zi­vil­stands­krei­se fest.
2Sie er­las­sen im Rah­men des Bun­des­rechts die nö­ti­gen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen.
3Die kan­to­na­len Vor­schrif­ten, aus­ge­nom­men die­je­ni­gen über die Be­sol­dung der im Zi­vil­stands­we­sen tä­ti­gen Per­so­nen, be­dür­fen zu ih­rer Gül­tig­keit der Ge­neh­mi­gung des Bun­des.
A. Per­sön­lich­keit
1Die kör­per­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Per­so­nen­ver­bin­dun­gen und die ei­nem be­son­dern Zwe­cke ge­wid­me­ten und selb­stän­di­gen An­stal­ten er­lan­gen das Recht der Per­sön­lich­keit durch die Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter.
2Kei­ner Ein­tra­gung be­dür­fen die öf­fent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und An­stal­ten so­wie die Ver­ei­ne, die nicht wirt­schaft­li­che Zwe­cke ver­fol­gen.1
3Per­so­nen­ver­bin­dun­gen und An­stal­ten zu un­sitt­li­chen oder wi­der­recht­li­chen Zwe­cken kön­nen das Recht der Per­sön­lich­keit nicht er­lan­gen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1389; BBl 2014 605).
B. Rechts­fä­hig­keit
Die ju­ris­ti­schen Per­so­nen sind al­ler Rech­te und Pflich­ten fä­hig, die nicht die na­tür­li­chen Ei­gen­schaf­ten des Men­schen, wie das Ge­schlecht, das Al­ter oder die Ver­wandt­schaft zur not­wen­di­gen Vor­aus­set­zung ha­ben.
C. Hand­lungs­fä­hig­keit
I. Vor­aus­set­zung
Die ju­ris­ti­schen Per­so­nen sind hand­lungs­fä­hig, so­bald die nach Ge­setz und Sta­tu­ten hie­für un­ent­behr­li­chen Or­ga­ne be­stellt sind.
II. Be­tä­ti­gung
1Die Or­ga­ne sind be­ru­fen, dem Wil­len der ju­ris­ti­schen Per­son Aus­druck zu ge­ben.
2Sie ver­pflich­ten die ju­ris­ti­sche Per­son so­wohl durch den Ab­schluss von Rechts­ge­schäf­ten als durch ihr sons­ti­ges Ver­hal­ten.
3Für ihr Ver­schul­den sind die han­deln­den Per­so­nen aus­ser­dem per­sön­lich ver­ant­wort­lich.
Der Sitz der ju­ris­ti­schen Per­so­nen be­fin­det sich, wenn ih­re Sta­tu­ten es nicht an­ders be­stim­men, an dem Or­te, wo ih­re Ver­wal­tung ge­führt wird.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
E. Auf­he­bung
I. Ver­mö­gens­ver­wen­dung
1Wird ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son auf­ge­ho­ben, so fällt ihr Ver­mö­gen, wenn das Ge­setz, die Sta­tu­ten, die Stif­tungs­ur­kun­de oder die zu­stän­di­gen Or­ga­ne es nicht an­ders be­stim­men, an das Ge­mein­we­sen (Bund, Kan­ton, Ge­mein­de), dem sie nach ih­rer Be­stim­mung an­ge­hört hat.
2Das Ver­mö­gen ist dem bis­he­ri­gen Zwe­cke mög­lichst ent­spre­chend zu ver­wen­den.
3Wird ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son we­gen Ver­fol­gung un­sitt­li­cher oder wi­der­recht­li­cher Zwe­cke auf­ge­ho­ben, so fällt das Ver­mö­gen an das Ge­mein­we­sen, auch wenn et­was an­de­res be­stimmt wor­den ist.1
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 8. Okt. 2004 (Stif­tungs­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2006 (AS 2005 4545; BBl 2003 8153 8191).
II. Li­qui­da­ti­on
Das Ver­fah­ren bei der Li­qui­da­ti­on des Ver­mö­gens der ju­ris­ti­schen Per­so­nen rich­tet sich nach den Vor­schrif­ten, die für die Ge­nos­sen­schaf­ten auf­ge­stellt sind.
F. Vor­be­halt des öf­fent­li­chen und des Ge­sell­schafts- und Ge­nos­sen­schafts­rech­tes
1Für die öf­fent­lich-recht­li­chen und kirch­li­chen Kör­per­schaf­ten und An­stal­ten bleibt das öf­fent­li­che Recht des Bun­des und der Kan­to­ne vor­be­hal­ten.
2Per­so­nen­ver­bin­dun­gen, die einen wirt­schaft­li­chen Zweck ver­fol­gen, ste­hen un­ter den Be­stim­mun­gen über die Ge­sell­schaf­ten und Ge­nos­sen­schaf­ten.
3All­mend­ge­nos­sen­schaf­ten und ähn­li­che Kör­per­schaf­ten ver­blei­ben un­ter den Be­stim­mun­gen des kan­to­na­len Rech­tes.
A. Grün­dung
I. Kör­per­schaft­li­che Per­so­nen­ver­bin­dung
1Ver­ei­ne, die sich ei­ner po­li­ti­schen, re­li­gi­ösen, wis­sen­schaft­li­chen, künst­le­ri­schen, wohl­tä­ti­gen, ge­sel­li­gen oder an­dern nicht wirt­schaft­li­chen Auf­ga­be wid­men, er­lan­gen die Per­sön­lich­keit, so­bald der Wil­le, als Kör­per­schaft zu be­ste­hen, aus den Sta­tu­ten er­sicht­lich ist.
2Die Sta­tu­ten müs­sen in schrift­li­cher Form er­rich­tet sein und über den Zweck des Ver­eins, sei­ne Mit­tel und sei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on Auf­schluss ge­ben.
II. Ein­tra­gung ins Han­dels­re­gis­ter1
1Sind die Ver­eins­sta­tu­ten an­ge­nom­men und ist der Vor­stand be­stellt, so ist der Ver­ein be­fugt, sich in das Han­dels­re­gis­ter ein­tra­gen zu las­sen.
2Der Ver­ein ist zur Ein­tra­gung ver­pflich­tet, wenn er:
für sei­nen Zweck ein nach kauf­män­ni­scher Art ge­führ­tes Ge­wer­be be­treibt;
re­vi­si­ons­pflich­tig ist.2
3Der An­mel­dung sind die Sta­tu­ten und das Ver­zeich­nis der Vor­stands­mit­glie­der bei­zu­fü­gen.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
III. Ver­ei­ne oh­ne Per­sön­lich­keit
Ver­ei­ne, de­nen die Per­sön­lich­keit nicht zu­kommt, oder die sie noch nicht er­langt ha­ben, sind den ein­fa­chen Ge­sell­schaf­ten gleich­ge­stellt.
IV. Ver­hält­nis der Sta­tu­ten zum Ge­setz
1So­weit die Sta­tu­ten über die Or­ga­ni­sa­ti­on und über das Ver­hält­nis des Ver­eins zu sei­nen Mit­glie­dern kei­ne Vor­schrif­ten auf­stel­len, fin­den die nach­ste­hen­den Be­stim­mun­gen An­wen­dung.
2Be­stim­mun­gen, de­ren An­wen­dung von Ge­set­zes we­gen vor­ge­schrie­ben ist, kön­nen durch die Sta­tu­ten nicht ab­ge­än­dert wer­den.
I. Ver­eins­ver­samm­lung
1. Be­deu­tung und Ein­be­ru­fung
1Die Ver­samm­lung der Mit­glie­der bil­det das obers­te Or­gan des Ver­eins.
2Sie wird vom Vor­stand ein­be­ru­fen.
3Die Ein­be­ru­fung er­folgt nach Vor­schrift der Sta­tu­ten und über­dies von Ge­set­zes we­gen, wenn ein Fünf­tel der Mit­glie­der die Ein­be­ru­fung ver­langt.
2. Zu­stän­dig­keit
1Die Ver­eins­ver­samm­lung be­schliesst über die Auf­nah­me und den Aus­schluss von Mit­glie­dern, wählt den Vor­stand und ent­schei­det in al­len An­ge­le­gen­hei­ten, die nicht an­dern Or­ga­nen des Ver­eins über­tra­gen sind.
2Sie hat die Auf­sicht über die Tä­tig­keit der Or­ga­ne und kann sie je­der­zeit ab­be­ru­fen, un­be­scha­det der An­sprü­che, die den Ab­be­ru­fe­nen aus be­ste­hen­den Ver­trä­gen zu­ste­hen.
3Das Recht der Ab­be­ru­fung be­steht, wenn ein wich­ti­ger Grund sie recht­fer­tigt, von Ge­set­zes we­gen.
3. Ver­eins­be­schluss
a. Be­schluss­fas­sung
1Ver­eins­be­schlüs­se wer­den von der Ver­eins­ver­samm­lung ge­fasst.
2Die schrift­li­che Zu­stim­mung al­ler Mit­glie­der zu ei­nem An­trag ist ei­nem Be­schlus­se der Ver­eins­ver­samm­lung gleich­ge­stellt.
b. Stimm­recht und Mehr­heit
1Al­le Mit­glie­der ha­ben in der Ver­eins­ver­samm­lung das glei­che Stimm­recht.
2Die Ver­eins­be­schlüs­se wer­den mit Mehr­heit der Stim­men der an­we­sen­den Mit­glie­der ge­fasst.
3Über Ge­gen­stän­de, die nicht ge­hö­rig an­ge­kün­digt sind, darf ein Be­schluss nur dann ge­fasst wer­den, wenn die Sta­tu­ten es aus­drück­lich ge­stat­ten.
c. Aus­sch­lies­sung vom Stimm­recht
Je­des Mit­glied ist von Ge­set­zes we­gen vom Stimm­rech­te aus­ge­schlos­sen bei der Be­schluss­fas­sung über ein Rechts­ge­schäft oder einen Rechtss­treit zwi­schen ihm, sei­nem Ehe­gat­ten oder ei­ner mit ihm in ge­ra­der Li­nie ver­wand­ten Per­son ei­ner­seits und dem Ver­ei­ne an­der­seits.
II. Vor­stand
1. Rech­te und Pflich­ten im All­ge­mei­nen1
Der Vor­stand hat das Recht und die Pflicht, nach den Be­fug­nis­sen, die die Sta­tu­ten ihm ein­räu­men, die An­ge­le­gen­hei­ten des Ver­eins zu be­sor­gen und den Ver­ein zu ver­tre­ten.
2. Buch­füh­rung
Der Vor­stand führt die Ge­schäfts­bü­cher des Ver­eins. Die Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts2 über die kauf­män­ni­sche Buch­füh­rung und Rech­nungs­le­gung gel­ten sinn­ge­mä­ss.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht) (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 23. Dez. 2011 (Rech­nungs­le­gungs­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 6679; BBl 2008 1589).
III. Re­vi­si­ons­stel­le
1Der Ver­ein muss sei­ne Buch­füh­rung durch ei­ne Re­vi­si­ons­stel­le or­dent­lich prü­fen las­sen, wenn zwei der nach­ste­hen­den Grös­sen in zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Ge­schäfts­jah­ren über­schrit­ten wer­den:
Bi­lanz­sum­me von 10 Mil­lio­nen Fran­ken;
Um­sat­z­er­lös von 20 Mil­lio­nen Fran­ken;
50 Voll­zeit­stel­len im Jah­res­durch­schnitt.
2Der Ver­ein muss sei­ne Buch­füh­rung durch ei­ne Re­vi­si­ons­stel­le ein­ge­schränkt prü­fen las­sen, wenn ein Ver­eins­mit­glied, das ei­ner per­sön­li­chen Haf­tung oder ei­ner Nach­schuss­pflicht un­ter­liegt, dies ver­langt.
3Die Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts2 über die Re­vi­si­ons­stel­le bei Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten sind ent­spre­chend an­wend­bar.
4In den üb­ri­gen Fäl­len sind die Sta­tu­ten und die Ver­eins­ver­samm­lung3 in der Ord­nung der Re­vi­si­on frei.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
3 Be­rich­tigt von der Re­dak­ti­ons­kom­mis­si­on der BVers (Art. 58 Abs. 1 ParlG - SR 171.10).
IV. Män­gel in der Or­ga­ni­sa­ti­on
1Fehlt dem Ver­ein ei­nes der vor­ge­schrie­be­nen Or­ga­ne, so kann ein Mit­glied oder ein Gläu­bi­ger dem Ge­richt be­an­tra­gen, die er­for­der­li­chen Mass­nah­men zu er­grei­fen.
2Das Ge­richt kann dem Ver­ein ins­be­son­de­re ei­ne Frist zur Wie­der­her­stel­lung des recht­mäs­si­gen Zu­stan­des an­set­zen und, wenn nö­tig, einen Sach­wal­ter er­nen­nen.
3Der Ver­ein trägt die Kos­ten der Mass­nah­men. Das Ge­richt kann den Ver­ein ver­pflich­ten, den er­nann­ten Per­so­nen einen Vor­schuss zu leis­ten.
4Liegt ein wich­ti­ger Grund vor, so kann der Ver­ein vom Ge­richt die Ab­be­ru­fung von Per­so­nen ver­lan­gen, die die­ses ein­ge­setzt hat.
C. Mit­glied­schaft
I. Ein- und Aus­tritt
1Der Ein­tritt von Mit­glie­dern kann je­der­zeit er­fol­gen.
2Der Aus­tritt ist von Ge­set­zes we­gen zu­läs­sig, wenn er mit Be­ob­ach­tung ei­ner halb­jäh­ri­gen Frist auf das En­de des Ka­len­der­jah­res oder, wenn ei­ne Ver­wal­tungs­pe­ri­ode vor­ge­se­hen ist, auf de­ren En­de an­ge­sagt wird.
3Die Mit­glied­schaft ist we­der ver­äus­ser­lich noch ver­erb­lich.
II. Bei­trags­pflicht
Bei­trä­ge kön­nen von den Mit­glie­dern ver­langt wer­den, so­fern die Sta­tu­ten dies vor­se­hen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Dez. 2004 (Fest­le­gung der Bei­trags­pflicht von Ver­eins­mit­glie­dern), in Kraft seit 1. Ju­ni 2005 (AS 2005 2117; BBl 2004 4835 4843).
III. Aus­sch­lies­sung
1Die Sta­tu­ten kön­nen die Grün­de be­stim­men, aus de­nen ein Mit­glied aus­ge­schlos­sen wer­den darf, sie kön­nen aber auch die Aus­sch­lies­sung oh­ne An­ga­be der Grün­de ge­stat­ten.
2Ei­ne An­fech­tung der Aus­sch­lies­sung we­gen ih­res Grun­des ist in die­sen Fäl­len nicht statt­haft.
3Ent­hal­ten die Sta­tu­ten hier­über kei­ne Be­stim­mung, so darf die Aus­sch­lies­sung nur durch Ver­eins­be­schluss und aus wich­ti­gen Grün­den er­fol­gen.
IV. Stel­lung aus­ge­schie­de­ner Mit­glie­der
1Mit­glie­der, die aus­tre­ten oder aus­ge­schlos­sen wer­den, ha­ben auf das Ver­eins­ver­mö­gen kei­nen An­spruch.
2Für die Bei­trä­ge haf­ten sie nach Mass­ga­be der Zeit ih­rer Mit­glied­schaft.
V. Schutz des Ver­eins­zweckes
Ei­ne Um­wand­lung des Ver­eins­zweckes kann kei­nem Mit­glie­de auf­ge­nö­tigt wer­den.
VI. Schutz der Mit­glied­schaft
Be­schlüs­se, die das Ge­setz oder die Sta­tu­ten ver­let­zen, kann je­des Mit­glied, das nicht zu­ge­stimmt hat, von Ge­set­zes we­gen bin­nen Mo­nats­frist, nach­dem es von ih­nen Kennt­nis er­hal­ten hat, beim Ge­richt an­fech­ten.
Cbis. Haf­tung
Für die Ver­bind­lich­kei­ten des Ver­eins haf­tet das Ver­eins­ver­mö­gen. Es haf­tet aus­sch­liess­lich, so­fern die Sta­tu­ten nichts an­de­res be­stim­men.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Dez. 2004 (Fest­le­gung der Bei­trags­pflicht von Ver­eins­mit­glie­dern), in Kraft seit 1. Ju­ni 2005 (AS 2005 2117; BBl 2004 4835 4843).
D. Auf­lö­sung
I. Auf­lö­sungs­ar­ten
1. Ver­eins­be­schluss
Die Auf­lö­sung des Ver­eins kann je­der­zeit durch Ver­eins­be­schluss her­bei­ge­führt wer­den.
2. Von Ge­set­zes we­gen
Die Auf­lö­sung er­folgt von Ge­set­zes we­gen, wenn der Ver­ein zah­lungs­un­fä­hig ist, so­wie wenn der Vor­stand nicht mehr sta­tu­ten­ge­mä­ss be­stellt wer­den kann.
3. Ur­teil
Die Auf­lö­sung er­folgt durch das Ge­richt auf Kla­ge der zu­stän­di­gen Be­hör­de oder ei­nes Be­tei­lig­ten, wenn der Zweck des Ver­eins wi­der­recht­lich oder un­sitt­lich ist.
II. Lö­schung des Re­gis­te­r­ein­tra­ges
Ist der Ver­ein im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, so hat der Vor­stand oder das Ge­richt dem Re­gis­ter­füh­rer die Auf­lö­sung be­hufs Lö­schung des Ein­tra­ges mit­zu­tei­len.
A. Er­rich­tung
I. Im All­ge­mei­nen
Zur Er­rich­tung ei­ner Stif­tung be­darf es der Wid­mung ei­nes Ver­mö­gens für einen be­son­dern Zweck.
II. Form der Er­rich­tung
1Die Stif­tung wird durch ei­ne öf­fent­li­che Ur­kun­de oder durch ei­ne Ver­fü­gung von To­des we­gen er­rich­tet.1
2Die Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter er­folgt auf Grund der Stif­tungs­ur­kun­de und nö­ti­gen­falls nach An­ord­nung der Auf­sichts­be­hör­de un­ter An­ga­be der Mit­glie­der der Ver­wal­tung.
3Die Be­hör­de, wel­che die Ver­fü­gung von To­des we­gen er­öff­net, teilt dem Han­dels­re­gis­ter­füh­rer die Er­rich­tung der Stif­tung mit.2
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 8. Okt. 2004 (Stif­tungs­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2006 (AS 2005 4545; BBl 2003 8153 8191).
III. An­fech­tung
Ei­ne Stif­tung kann von den Er­ben oder den Gläu­bi­gern des Stif­ters gleich ei­ner Schen­kung an­ge­foch­ten wer­den.
Die Or­ga­ne der Stif­tung und die Art der Ver­wal­tung wer­den durch die Stif­tungs­ur­kun­de fest­ge­stellt.
II. Buch­füh­rung
Das obers­te Stif­tungs­or­gan führt die Ge­schäfts­bü­cher der Stif­tung. Die Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts2 über die kauf­män­ni­sche Buch­füh­rung und Rech­nungs­le­gung gel­ten sinn­ge­mä­ss.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 8. Okt. 2004 (Stif­tungs­recht) (AS 2005 4545; BBl 2003 8153 8191). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 23. Dez. 2011 (Rech­nungs­le­gungs­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 6679; BBl 2008 1589).
1. Re­vi­si­ons­pflicht und an­wend­ba­res Recht
1Das obers­te Stif­tungs­or­gan be­zeich­net ei­ne Re­vi­si­ons­stel­le.
2Die Auf­sichts­be­hör­de kann ei­ne Stif­tung von der Pflicht be­frei­en, ei­ne Re­vi­si­ons­stel­le zu be­zeich­nen. Der Bun­des­rat legt die Vor­aus­set­zun­gen der Be­frei­ung fest.
3So­weit für Stif­tun­gen kei­ne be­son­de­ren Vor­schrif­ten be­ste­hen, sind die Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts2 über die Re­vi­si­ons­stel­le bei Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten ent­spre­chend an­wend­bar.
4 Ist die Stif­tung zu ei­ner ein­ge­schränk­ten Re­vi­si­on ver­pflich­tet, so kann die Auf­sichts­be­hör­de ei­ne or­dent­li­che Re­vi­si­on ver­lan­gen, wenn dies für die zu­ver­läs­si­ge Be­ur­tei­lung der Ver­mö­gens- und Er­trags­la­ge der Stif­tung not­wen­dig ist.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 8. Okt. 2004 (Stif­tungs­recht) (AS 2005 4545; BBl 2003 8153 8191). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
2. Ver­hält­nis zur Auf­sichts­be­hör­de
Die Re­vi­si­ons­stel­le über­mit­telt der Auf­sichts­be­hör­de ei­ne Ko­pie des Re­vi­si­ons­be­richts so­wie al­ler wich­ti­gen Mit­tei­lun­gen an die Stif­tung.
1Ist die vor­ge­se­he­ne Or­ga­ni­sa­ti­on nicht ge­nü­gend, fehlt der Stif­tung ei­nes der vor­ge­schrie­be­nen Or­ga­ne oder ist ei­nes die­ser Or­ga­ne nicht recht­mäs­sig zu­sam­men­ge­setzt, so muss die Auf­sichts­be­hör­de die er­for­der­li­chen Mass­nah­men er­grei­fen. Sie kann ins­be­son­de­re:
der Stif­tung ei­ne Frist an­set­zen, bin­nen de­rer der recht­mäs­si­ge Zu­stand wie­der her­zu­stel­len ist; oder
das feh­len­de Or­gan oder einen Sach­wal­ter er­nen­nen.
2Kann ei­ne zweck­dien­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on nicht ge­währ­leis­tet wer­den, so hat die Auf­sichts­be­hör­de das Ver­mö­gen ei­ner an­de­ren Stif­tung mit mög­lichst gleich­ar­ti­gem Zweck zu­zu­wen­den.
3Die Stif­tung trägt die Kos­ten der Mass­nah­men. Die Auf­sichts­be­hör­de kann die Stif­tung ver­pflich­ten, den er­nann­ten Per­so­nen einen Vor­schuss zu leis­ten.
4Liegt ein wich­ti­ger Grund vor, so kann die Stif­tung von der Auf­sichts­be­hör­de die Ab­be­ru­fung von Per­so­nen ver­lan­gen, die die­se ein­ge­setzt hat.
C. Auf­sicht
1Die Stif­tun­gen ste­hen un­ter der Auf­sicht des Ge­mein­we­sens (Bund, Kan­ton, Ge­mein­de), dem sie nach ih­rer Be­stim­mung an­ge­hö­ren.
1bisDie Kan­to­ne kön­nen die ih­ren Ge­mein­den an­ge­hö­ren­den Stif­tun­gen der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­de un­ter­stel­len.1
2Die Auf­sichts­be­hör­de hat da­für zu sor­gen, dass das Stif­tungs­ver­mö­gen sei­nen Zwe­cken ge­mä­ss ver­wen­det wird.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 8. Okt. 2004 (Stif­tungs­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2006 (AS 2005 4545; BBl 2003 8153 8191).
Cbis. Mass­nah­men bei Über­schul­dung und Zah­lungs­un­fä­hig­keit
1Be­steht be­grün­de­te Be­sorg­nis, dass die Stif­tung über­schul­det ist oder ih­re Ver­bind­lich­kei­ten län­ger­fris­tig nicht mehr er­fül­len kann, so stellt das obers­te Stif­tungs­or­gan auf Grund der Ver­äus­se­rungs­wer­te ei­ne Zwi­schen­bi­lanz auf und legt sie der Re­vi­si­ons­stel­le zur Prü­fung vor. Ver­fügt die Stif­tung über kei­ne Re­vi­si­ons­stel­le, so legt das obers­te Stif­tungs­or­gan die Zwi­schen­bi­lanz der Auf­sichts­be­hör­de vor.
2Stellt die Re­vi­si­ons­stel­le fest, dass die Stif­tung über­schul­det ist oder ih­re Ver­bind­lich­kei­ten län­ger­fris­tig nicht er­fül­len kann, so legt sie die Zwi­schen­bi­lanz der Auf­sichts­be­hör­de vor.
3Die Auf­sichts­be­hör­de hält das obers­te Stif­tungs­or­gan zur Ein­lei­tung der er­for­der­li­chen Mass­nah­men an. Bleibt die­ses un­tä­tig, so trifft die Auf­sichts­be­hör­de die nö­ti­gen Mass­nah­men.
4Nö­ti­gen­falls be­an­tragt die Auf­sichts­be­hör­de voll­stre­ckungs­recht­li­che Mass­nah­men; die ak­ti­en­recht­li­chen Be­stim­mun­gen über die Er­öff­nung oder den Auf­schub des Kon­kur­ses sind sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 8. Okt. 2004 (Stif­tungs­recht) (AS 2005 4545; BBl 2003 8153 8191). Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
D. Um­wand­lung der Stif­tung
I. Än­de­rung der Or­ga­ni­sa­ti­on
Die zu­stän­di­ge Bun­des- oder Kan­tons­be­hör­de kann auf An­trag der Auf­sichts­be­hör­de und nach An­hö­rung des obers­ten Stif­tungs­or­gans die Or­ga­ni­sa­ti­on der Stif­tung än­dern, wenn die Er­hal­tung des Ver­mö­gens oder die Wah­rung des Stif­tungs­zwecks die Än­de­rung drin­gend er­for­dert.
II. Än­de­rung des Zwecks
1. Auf An­trag der Auf­sichts­be­hör­de oder des obers­ten Stif­tungs­or­gans1
1Die zu­stän­di­ge Bun­des- oder Kan­tons­be­hör­de kann auf An­trag der Auf­sichts­be­hör­de oder des obers­ten Stif­tungs­or­gans den Zweck der Stif­tung än­dern, wenn de­ren ur­sprüng­li­cher Zweck ei­ne ganz an­de­re Be­deu­tung oder Wir­kung er­hal­ten hat, so dass die Stif­tung dem Wil­len des Stif­ters of­fen­bar ent­frem­det wor­den ist.2
2Un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen kön­nen Auf­la­gen oder Be­din­gun­gen, die den Stif­tungs­zweck be­ein­träch­ti­gen, auf­ge­ho­ben oder ab­ge­än­dert wer­den.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 8. Okt. 2004 (Stif­tungs­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2006 (AS 2005 4545; BBl 2003 8153 8191).
2. Auf An­trag des Stif­ters oder auf Grund sei­ner Ver­fü­gung von To­des we­gen
1Die zu­stän­di­ge Bun­des- oder Kan­tons­be­hör­de än­dert den Zweck ei­ner Stif­tung auf An­trag des Stif­ters oder auf Grund von des­sen Ver­fü­gung von To­des we­gen, wenn in der Stif­tungs­ur­kun­de ei­ne Zweck­än­de­rung vor­be­hal­ten wor­den ist und seit der Er­rich­tung der Stif­tung oder seit der letz­ten vom Stif­ter ver­lang­ten Än­de­rung min­des­tens zehn Jah­re ver­stri­chen sind.
2Ver­folgt die Stif­tung einen öf­fent­li­chen oder ge­mein­nüt­zi­gen Zweck nach Ar­ti­kel 56 Buch­sta­be g des Bun­des­ge­set­zes vom 14. De­zem­ber 19902 über die di­rek­te Bun­des­steu­er, so muss der ge­än­der­te Zweck eben­falls öf­fent­lich oder ge­mein­nüt­zig sein.
3Das Recht auf Än­de­rung des Stif­tungs­zwecks ist un­ver­erb­lich und un­über­trag­bar. Ist der Stif­ter ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son, so er­lischt die­ses Recht spä­tes­tens 20 Jah­re nach der Er­rich­tung der Stif­tung.
4Ha­ben meh­re­re Per­so­nen die Stif­tung er­rich­tet, so kön­nen sie die Än­de­rung des Stif­tungs­zwecks nur ge­mein­sam ver­lan­gen.
5Die Be­hör­de, wel­che die Ver­fü­gung von To­des we­gen er­öff­net, teilt der zu­stän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de die An­ord­nung zur Än­de­rung des Stif­tungs­zwecks mit.
III. Un­we­sent­li­che Än­de­run­gen der Stif­tungs­ur­kun­de
Die Auf­sichts­be­hör­de kann nach An­hö­rung des obers­ten Stif­tungs­or­gans un­we­sent­li­che Än­de­run­gen der Stif­tungs­ur­kun­de vor­neh­men, so­fern dies aus trif­ti­gen sach­li­chen Grün­den als ge­bo­ten er­scheint und kei­ne Rech­te Drit­ter be­ein­träch­tigt.
E. Fa­mi­li­en­stif­tun­gen und kirch­li­che Stif­tun­gen
1Die Fa­mi­li­en­stif­tun­gen und die kirch­li­chen Stif­tun­gen sind un­ter Vor­be­halt des öf­fent­li­chen Rech­tes der Auf­sichts­be­hör­de nicht un­ter­stellt.
1bisSie sind von der Pflicht be­freit, ei­ne Re­vi­si­ons­stel­le zu be­zeich­nen.1
2Über An­stän­de pri­vat­recht­li­cher Na­tur ent­schei­det das Ge­richt.
F. Auf­he­bung und Lö­schung im Re­gis­ter
I. Auf­he­bung durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de
1Die zu­stän­di­ge Bun­des- oder Kan­tons­be­hör­de hebt die Stif­tung auf An­trag oder von Am­tes we­gen auf, wenn:
de­ren Zweck un­er­reich­bar ge­wor­den ist und die Stif­tung durch ei­ne Än­de­rung der Stif­tungs­ur­kun­de nicht auf­recht­er­hal­ten wer­den kann; oder
de­ren Zweck wi­der­recht­lich oder un­sitt­lich ge­wor­den ist.
2Fa­mi­li­en­stif­tun­gen und kirch­li­che Stif­tun­gen wer­den durch das Ge­richt auf­ge­ho­ben.
II. An­trags- und Kla­ge­recht, Lö­schung im Re­gis­ter
1Zur An­trags­stel­lung oder zur Kla­ge auf Auf­he­bung der Stif­tung be­rech­tigt ist je­de Per­son, die ein In­ter­es­se hat.
2Die Auf­he­bung ist dem Re­gis­ter­füh­rer zur Lö­schung des Ein­trags an­zu­mel­den.
G. Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen2
1Für Per­so­nal­für­sor­ge­ein­rich­tun­gen, die ge­mä­ss Ar­ti­kel 331 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts3 in Form der Stif­tung er­rich­tet wor­den sind, gel­ten über­dies noch fol­gen­de Be­stim­mun­gen.4
2Die Stif­tungs­or­ga­ne ha­ben den Be­güns­tig­ten über die Or­ga­ni­sa­ti­on, die Tä­tig­keit und die Ver­mö­gens­la­ge der Stif­tung den er­for­der­li­chen Auf­schluss zu er­tei­len.
3Leis­ten die Ar­beit­neh­mer Bei­trä­ge an die Stif­tung, so sind sie an der Ver­wal­tung we­nigs­tens nach Mass­ga­be die­ser Bei­trä­ge zu be­tei­li­gen; so­weit mög­lich ha­ben die Ar­beit­neh­mer ih­re Ver­tre­tung aus dem Per­so­nal des Ar­beit­ge­bers zu wäh­len.5
5Die Be­güns­tig­ten kön­nen auf Aus­rich­tung von Leis­tun­gen der Stif­tung kla­gen, wenn sie Bei­trä­ge an die­se ent­rich­tet ha­ben oder wenn ih­nen nach den Stif­tungs­be­stim­mun­gen ein Rechts­an­spruch auf Leis­tun­gen zu­steht.
6Für Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen, die auf dem Ge­biet der Al­ters-, Hin­ter­las­se­nen- und In­va­li­den­vor­sor­ge tä­tig sind und die dem Frei­zü­gig­keits­ge­setz vom 17. De­zem­ber 19937 (FZG) un­ter­stellt sind, gel­ten über­dies die fol­gen­den Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 25. Ju­ni 19828 über die be­ruf­li­che Al­ters-, Hin­ter­las­se­nen- und In­va­li­den­vor­sor­ge (BVG) über:9
die De­fi­ni­ti­on und Grund­sät­ze der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge so­wie des ver­sicher­ba­ren Loh­nes oder des ver­sicher­ba­ren Ein­kom­mens (Art. 1, 33a und 33b);
die Un­ter­stel­lung der Per­so­nen un­ter die AHV (Art. 5 Abs. 1);
die Be­güns­tig­ten bei Hin­ter­las­se­nen­leis­tun­gen (Art. 20a);
die An­pas­sung der In­va­li­den­ren­te nach dem Vor­sor­ge­aus­gleich (Art. 24 Abs. 5);
die pro­vi­so­ri­sche Wei­ter­ver­si­che­rung und Auf­recht­er­hal­tung des Leis­tungs­an­spruchs bei Her­ab­set­zung oder Auf­he­bung der Ren­te der In­va­li­den­ver­si­che­rung (Art. 26a);
die An­pas­sung der re­gle­men­ta­ri­schen Leis­tun­gen an die Preis­ent­wick­lung (Art. 36 Abs. 2-4);
4a.15 die Zu­stim­mung bei Ka­pi­tal­ab­fin­dung (Art. 37a);
die Ver­jäh­rung von An­sprü­chen und die Auf­be­wah­rung von Vor­sor­ge­un­ter­la­gen (Art. 41);
5a.16 die Ver­wen­dung, Be­ar­bei­tung und Be­kannt­ga­be der Ver­si­cher­ten­num­mer der Al­ters- und Hin­ter­las­se­nen­ver­si­che­rung (Art. 48 Abs. 4, Art. 85a Bst. f und Art. 86a Abs. 2 Bst. bbis);
die Ver­ant­wort­lich­keit (Art. 52);
die Zu­las­sung und die Auf­ga­ben der Kon­troll­or­ga­ne (Art. 52a-52e);
die In­te­gri­tät und Loya­li­tät der Ver­ant­wort­li­chen, die Rechts­ge­schäf­te mit Na­he­ste­hen­den und die In­ter­es­sen­kon­flik­te (Art. 51b, 51c und 53a);
die Teil- oder Ge­samt­li­qui­da­ti­on (Art. 53b-53d);
die Auf­lö­sung von Ver­trä­gen (Art. 53e und 53f);
den Si­cher­heits­fonds (Art. 56 Abs. 1 Bst. c und Abs. 2-5, Art. 56a, 57 und 59);
die Auf­sicht und die Ober­auf­sicht (Art. 61-62a und 64-64c);
die fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit (Art. 65 Abs. 1, 3 und 4, Art. 66 Abs. 4, Art. 67 und Art. 72a-72g);
die Trans­pa­renz (Art. 65a);
die Rück­stel­lun­gen (Art. 65b);
die Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge zwi­schen Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen und Ver­si­che­rungs­ein­rich­tun­gen (Art. 68 Abs. 3 und 4);
die Ver­mö­gens­ver­wal­tung (Art. 71);
die Rechts­pfle­ge (Art. 73 und 74);
die Straf­be­stim­mun­gen (Art. 75-79);
den Ein­kauf (Art. 79b);
den ver­sicher­ba­ren Lohn und das ver­sicher­ba­re Ein­kom­men (Art. 79c);
die In­for­ma­ti­on der Ver­si­cher­ten (Art. 86b).23
7Für Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen, die auf dem Ge­biet der Al­ters-, Hin­ter­las­se­nen- und In­va­li­den­vor­sor­ge tä­tig sind, aber nicht dem FZG un­ter­stellt sind, wie so­ge­nann­te pa­tro­na­le Wohl­fahrts­fonds mit Er­mes­sens­leis­tun­gen so­wie Fi­nan­zie­rungs­stif­tun­gen, gel­ten von den Be­stim­mun­gen des BVG nur die fol­gen­den:
die Ver­wen­dung, Be­ar­bei­tung und Be­kannt­ga­be der Ver­si­cher­ten­num­mer der AHV (Art. 48 Abs. 4, 85a Bst. f und 86a Abs. 2 Bst. bbis);
die Zu­las­sung und die Auf­ga­ben der Re­vi­si­ons­stel­le (Art. 52a, 52b und 52c Abs. 1 Bst. a-d und g, 2 und 3);
die Ge­samt­li­qui­da­ti­on (Art. 53c);
die Auf­sicht und die Ober­auf­sicht (Art. 61-62a und 64-64b);
die steu­er­li­che Be­hand­lung (Art. 80, 81 Abs. 1 und 83).24
8Für Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen nach Ab­satz 7 gel­ten zu­dem die fol­gen­den Be­stim­mun­gen:
Sie ver­wal­ten ihr Ver­mö­gen so, dass Si­cher­heit, ge­nü­gen­der Er­trag auf den An­la­gen und die für ih­re Auf­ga­ben be­nö­tig­ten flüs­si­gen Mit­tel ge­währ­leis­tet sind.
Über Teil­li­qui­da­ti­ons­sach­ver­hal­te von pa­tro­na­len Wohl­fahrts­fonds mit Er­mes­sens­leis­tun­gen ver­fügt die Auf­sichts­be­hör­de auf An­trag des Stif­tungs­rats.
Sie be­ach­ten die Grund­sät­ze der Gleich­be­hand­lung und der An­ge­mes­sen­heit sinn­ge­mä­ss.25
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 21. März 1958, in Kraft seit 1. Ju­li 1958 (AS 1958 379; BBl 1956 II 825). Bis zum In­kraft­tre­ten des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht) am 1. Jan. 2013 (AS 2011 725): Art. 89bis.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 2 Ziff. 1 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 2 Ziff. 1 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 2 Ziff. 1 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241).
6 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. III des BG vom 21. Ju­ni 1996, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1996 3067; BBl 1996 I 564 580).
9 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015 (Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen), in Kraft seit 1. April 2016 (AS 2016 935; BBl 2014 6143 6649).
10 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 11. Dez. 2009 (Mass­nah­men zur Er­leich­te­rung der Ar­beits­markt­be­tei­li­gung äl­te­rer Ar­beit­neh­men­der), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4427; BBl 2007 5669).
11 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015 (Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen), in Kraft seit 1. April 2016 (AS 2016 935; BBl 2014 6143 6649).
12 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 18. März 2011 (6. IV-Re­vi­si­on, ers­tes Mass­nah­me­pa­ket) (AS 2011 5659; BBl 2010 1817). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Vor­sor­ge­aus­gleich bei Schei­dung), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 2313; BBl 2013 4887).
13 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Vor­sor­ge­aus­gleich bei Schei­dung), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 2313; BBl 2013 4887).
14 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2005 (AS 2004 4635; BBl 2003 6399).
15 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Vor­sor­ge­aus­gleich bei Schei­dung), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 2313; BBl 2013 4887).
16 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 23. Ju­ni 2006 (Neue AHV-Ver­si­cher­ten­num­mer), in Kraft seit 1. Dez. 2007 (AS 2007 5259; BBl 2006 501).
17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 19. März 2010 (Struk­tur­re­form BVG), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 3393; BBl 2007 5669).
18 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 19. März 2010 (Struk­tur­re­form BVG), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 3393; BBl 2007 5669).
19 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 20. Dez. 2006 (Wech­sel der Vor­sor­ge­ein­rich­tung), in Kraft seit 1. Mai 2007 (AS 2007 1803; BBl 2005 5941 5953).
20 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 19. März 2010 (Struk­tur­re­form BVG), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 3393; BBl 2007 5669).
21 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. II 1 des BG vom 19. März 2010 (Struk­tur­re­form BVG), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 3393; BBl 2007 5669).
22 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 17. Dez. 2010 (Fi­nan­zie­rung von Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen öf­fent­lich-recht­li­cher Kör­per­schaf­ten), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 3385; BBl 2008 8411).
23 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 25. Ju­ni 1982 über die be­ruf­li­che Al­ters-, Hin­ter­las­se­nen- und In­va­li­den­vor­sor­ge (AS 1983 797; BBl 1976 I 149). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 3. Okt. 2003 (1. BVG-Re­vi­si­on), Ziff. 6, 7, 10-12, 14 (mit Aus­nah­me von Art. 66 Abs. 4), 15, 17-20 und 23 in Kraft seit 1. April 2004, Ziff. 3-5, 8, 9, 13, 14 (Art. 66 Abs. 4) und 16 in Kraft seit 1. Jan. 2005, Ziff. 1, 21 und 22 in Kraft seit 1. Jan. 2006 (AS 2004 1677; BBl 2000 2637).
24 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015 (Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen), in Kraft seit 1. April 2016 (AS 2016 935; BBl 2014 6143 6649).
25 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015 (Per­so­nal­für­sor­ge­stif­tun­gen), in Kraft seit 1. April 2016 (AS 2016 935; BBl 2014 6143 6649).
Zweiter Titel : Die Sammelvermögen
A. Feh­len­de Ver­wal­tung
1Ist bei öf­fent­li­cher Samm­lung für ge­mein­nüt­zi­ge Zwe­cke nicht für die Ver­wal­tung oder Ver­wen­dung des Sam­mel­ver­mö­gens ge­sorgt, so ord­net die zu­stän­di­ge Be­hör­de das Er­for­der­li­che an.
2Sie kann für das Sam­mel­ver­mö­gen einen Sach­wal­ter oder ei­ne Sach­wal­te­rin er­nen­nen oder es ei­nem Ver­ein oder ei­ner Stif­tung mit mög­lichst gleich­ar­ti­gem Zweck zu­wen­den.
3Auf die Sach­wal­ter­schaft sind die Vor­schrif­ten über die Bei­stand­schaf­ten im Er­wach­se­nen­schutz sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
B. Zu­stän­dig­keit
1Zu­stän­dig ist der Kan­ton, in dem das Sam­mel­ver­mö­gen in sei­nem Haupt­be­stand­teil ver­wal­tet wor­den ist.
2So­fern der Kan­ton nichts an­de­res be­stimmt, ist die Be­hör­de zu­stän­dig, die die Stif­tun­gen be­auf­sich­tigt.
A. Ver­lo­bung
1Das Ver­löb­nis wird durch das Ehe­ver­spre­chen be­grün­det.
2Min­der­jäh­ri­ge wer­den oh­ne Zu­stim­mung des ge­setz­li­chen Ver­tre­ters durch ih­re Ver­lo­bung nicht ver­pflich­tet.1
3Aus dem Ver­löb­nis ent­steht kein klag­ba­rer An­spruch auf Ein­ge­hung der Ehe.
B. Auf­lö­sung des Ver­löb­nis­ses
I. Ge­schen­ke
1Mit Aus­nah­me der ge­wöhn­li­chen Ge­le­gen­heits­ge­schen­ke kön­nen die Ver­lob­ten Ge­schen­ke, die sie ein­an­der ge­macht ha­ben, bei Auf­lö­sung des Ver­löb­nis­ses zu­rück­for­dern, es sei denn, das Ver­löb­nis sei durch Tod auf­ge­löst wor­den.
2Sind die Ge­schen­ke nicht mehr vor­han­den, so rich­tet sich die Rück­er­stat­tung nach den Be­stim­mun­gen über die un­ge­recht­fer­tig­te Be­rei­che­rung.
Hat ei­ner der Ver­lob­ten im Hin­blick auf die Ehe­schlies­sung in gu­ten Treu­en Ver­an­stal­tun­gen ge­trof­fen, so kann er bei Auf­lö­sung des Ver­löb­nis­ses vom an­dern einen an­ge­mes­se­nen Bei­trag ver­lan­gen, so­fern dies nach den ge­sam­ten Um­stän­den nicht als un­bil­lig er­scheint.
III. Ver­jäh­rung
Die An­sprü­che aus dem Ver­löb­nis ver­jäh­ren mit Ab­lauf ei­nes Jah­res nach der Auf­lö­sung.
A. Ehe­fä­hig­keit
1Um die Ehe ein­ge­hen zu kön­nen, müs­sen die Braut­leu­te das 18. Al­ters­jahr zu­rück­ge­legt ha­ben und ur­teils­fä­hig sein.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
B. Ehe­hin­der­nis­se
I. Ver­wandt­schaft1
1Die Ehe­schlies­sung ist zwi­schen Ver­wand­ten in ge­ra­der Li­nie so­wie zwi­schen Ge­schwis­tern oder Halb­ge­schwis­tern, gleich­gül­tig ob sie mit­ein­an­der durch Ab­stam­mung oder durch Ad­op­ti­on ver­wandt sind, ver­bo­ten.2
2Die Ad­op­ti­on hebt das Ehe­hin­der­nis der Ver­wandt­schaft zwi­schen dem Ad­op­tiv­kind und sei­nen Nach­kom­men ei­ner­seits und sei­ner an­ge­stamm­ten Fa­mi­lie an­der­seits nicht auf.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2006 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2006 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
II. Frü­he­re Ehe
Wer ei­ne neue Ehe ein­ge­hen will, hat den Nach­weis zu er­brin­gen, dass die frü­he­re Ehe für un­gül­tig er­klärt oder auf­ge­löst wor­den ist.
Dritter Abschnitt: Vorbereitung der Eheschliessung und Trauung
A. Grund­sät­ze
1Die Ehe wird nach dem Vor­be­rei­tungs­ver­fah­ren vor der Zi­vil­stands­be­am­tin oder dem Zi­vil­stands­be­am­ten ge­schlos­sen.
2Die Ver­lob­ten kön­nen sich im Zi­vil­stands­kreis ih­rer Wahl trau­en las­sen.
3Ei­ne re­li­gi­öse Ehe­schlies­sung darf vor der Zi­vil­trau­ung nicht durch­ge­führt wer­den.
Abis. Um­ge­hung des Aus­län­der­rechts
1Die Zi­vil­stands­be­am­tin oder der Zi­vil­stands­be­am­te tritt auf das Ge­such nicht ein, wenn die Braut oder der Bräu­ti­gam of­fen­sicht­lich kei­ne Le­bens­ge­mein­schaft be­grün­den, son­dern die Be­stim­mun­gen über Zu­las­sung und Auf­ent­halt von Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­dern um­ge­hen will.
2Die Zi­vil­stands­be­am­tin oder der Zi­vil­stands­be­am­te hört die Braut­leu­te an und kann bei an­de­ren Be­hör­den oder bei Dritt­per­so­nen Aus­künf­te ein­ho­len.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 4 des BG vom 16. Dez. 2005 über Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 5437; BBl 2002 3709).
B. Vor­be­rei­tungs­ver­fah­ren
I. Ge­such
1Die Ver­lob­ten stel­len das Ge­such um Durch­füh­rung des Vor­be­rei­tungs­ver­fah­rens beim Zi­vil­stands­amt des Wohn­or­tes der Braut oder des Bräu­ti­gams.
2Sie müs­sen per­sön­lich er­schei­nen. Falls sie nach­wei­sen, dass dies für sie of­fen­sicht­lich un­zu­mut­bar ist, wird die schrift­li­che Durch­füh­rung des Vor­be­rei­tungs­ver­fah­rens be­wil­ligt.
3Sie ha­ben ih­re Per­so­na­li­en mit­tels Do­ku­men­ten zu be­le­gen und beim Zi­vil­stands­amt per­sön­lich zu er­klä­ren, dass sie die Ehe­vor­aus­set­zun­gen er­fül­len; sie le­gen die nö­ti­gen Zu­stim­mun­gen vor.
4Ver­lob­te, die nicht Schwei­zer­bür­ge­rin­nen oder Schwei­zer­bür­ger sind, müs­sen wäh­rend des Vor­be­rei­tungs­ver­fah­rens ih­ren recht­mäs­si­gen Auf­ent­halt in der Schweiz nach­wei­sen.1
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 12. Ju­ni 2009 (Un­ter­bin­dung von Ehen bei rechts­wid­ri­gem Auf­ent­halt), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3057; BBl 2008 2467 2481).
II. Durch­füh­rung und Ab­schluss des Vor­be­rei­tungs­ver­fah­rens
1Das Zi­vil­stands­amt prüft, ob:
das Ge­such ord­nungs­ge­mä­ss ein­ge­reicht wor­den ist;
die Iden­ti­tät der Ver­lob­ten fest­steht; und
die Ehe­vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind, ins­be­son­de­re ob kei­ne Um­stän­de vor­lie­gen, die er­ken­nen las­sen, dass das Ge­such of­fen­sicht­lich nicht dem frei­en Wil­len der Ver­lob­ten ent­spricht.
2Sind die­se An­for­de­run­gen er­füllt, teilt es den Ver­lob­ten den Ab­schluss des Vor­be­rei­tungs­ver­fah­rens so­wie die ge­setz­li­chen Fris­ten für die Trau­ung mit.
3Es legt im Ein­ver­neh­men mit den Ver­lob­ten im Rah­men der kan­to­na­len Vor­schrif­ten den Zeit­punkt der Trau­ung fest oder stellt auf An­trag ei­ne Er­mäch­ti­gung zur Trau­ung in ei­nem an­dern Zi­vil­stands­kreis aus.
4Das Zi­vil­stands­amt teilt der zu­stän­di­gen Be­hör­de die Iden­ti­tät von Ver­lob­ten mit, die ih­ren recht­mäs­si­gen Auf­ent­halt in der Schweiz nicht nach­ge­wie­sen ha­ben.2
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 12. Ju­ni 2009 (Un­ter­bin­dung von Ehen bei rechts­wid­ri­gem Auf­ent­halt), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3057; BBl 2008 2467 2481).
III. Fris­ten
1Die Trau­ung kann frü­he­s­tens zehn Ta­ge und spä­tes­tens drei Mo­na­te, nach­dem der Ab­schluss des Vor­be­rei­tungs­ver­fah­rens mit­ge­teilt wur­de, statt­fin­den.
2Ist ei­ner der Ver­lob­ten in To­des­ge­fahr und ist zu be­fürch­ten, dass die Trau­ung bei Be­ach­tung der Frist von zehn Ta­gen nicht mehr mög­lich ist, so kann die Zi­vil­stands­be­am­tin oder der Zi­vil­stands­be­am­te auf ärzt­li­che Be­stä­ti­gung hin die Frist ab­kür­zen oder die Trau­ung un­ver­züg­lich vor­neh­men.
C. Trau­ung
1Die Trau­ung fin­det im Trau­ungs­lo­kal des Zi­vil­stands­krei­ses statt, den die Ver­lob­ten ge­wählt ha­ben.
2Ist das Vor­be­rei­tungs­ver­fah­ren in ei­nem an­dern Zi­vil­stands­kreis durch­ge­führt wor­den, so müs­sen die Ver­lob­ten ei­ne Trau­ungs­er­mäch­ti­gung vor­le­gen.
3Wei­sen die Ver­lob­ten nach, dass es für sie of­fen­sicht­lich un­zu­mut­bar ist, sich in das Trau­ungs­lo­kal zu be­ge­ben, so kann die Trau­ung an ei­nem an­dern Ort statt­fin­den.
1Die Trau­ung ist öf­fent­lich und fin­det in An­we­sen­heit von zwei voll­jäh­ri­gen und ur­teils­fä­hi­gen Zeu­gin­nen oder Zeu­gen statt.1
2Die Zi­vil­stands­be­am­tin oder der Zi­vil­stands­be­am­te rich­tet an die Braut und an den Bräu­ti­gam ein­zeln die Fra­ge, ob sie mit­ein­an­der die Ehe ein­ge­hen wol­len.
3Be­ja­hen die Ver­lob­ten die Fra­ge, wird die Ehe durch ih­re beid­sei­ti­ge Zu­stim­mung als ge­schlos­sen er­klärt.
D. Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen
Der Bun­des­rat und, im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­keit, die Kan­to­ne er­las­sen die nö­ti­gen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen.
Vierter Abschnitt: Die Eheungültigkeit
A. Grund­satz
Die vor der Zi­vil­stands­be­am­tin oder dem Zi­vil­stands­be­am­ten ge­schlos­se­ne Ehe kann nur aus ei­nem in die­sem Ab­schnitt vor­ge­se­he­nen Grund für un­gül­tig er­klärt wer­den.
B. Un­be­fris­te­te Un­gül­tig­keit
Ein Un­gül­tig­keits­grund liegt vor, wenn:
zur Zeit der Ehe­schlies­sung ei­ner der Ehe­gat­ten1 be­reits ver­hei­ra­tet ist und die frü­he­re Ehe nicht durch Schei­dung oder Tod des Part­ners auf­ge­löst wor­den ist;
zur Zeit der Ehe­schlies­sung ei­ner der Ehe­gat­ten nicht ur­teils­fä­hig ist und seit­her nicht wie­der ur­teils­fä­hig ge­wor­den ist;
die Ehe­schlies­sung in­fol­ge Ver­wandt­schaft un­ter den Ehe­gat­ten ver­bo­ten ist;
ei­ner der Ehe­gat­ten nicht ei­ne Le­bens­ge­mein­schaft be­grün­den, son­dern die Be­stim­mun­gen über Zu­las­sung und Auf­ent­halt von Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­dern um­ge­hen will;
ein Ehe­gat­te die Ehe nicht aus frei­em Wil­len ge­schlos­sen hat;
ei­ner der Ehe­gat­ten min­der­jäh­rig ist, es sei denn, die Wei­ter­füh­rung der Ehe ent­spricht den über­wie­gen­den In­ter­es­sen die­ses Ehe­gat­ten.
1 Es han­delt sich um einen fest­ste­hen­den Rechts­be­griff, der sich auf Per­so­nen bei­der Ge­schlech­ter be­zieht (im Ge­gen­satz zu den Aus­drücken «Ehe­mann» und «Ehe­frau»).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 4 des BG vom 16. Dez. 2005 über Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 5437; BBl 2002 3709).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
II. Kla­ge
1Die Kla­ge ist von der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de am Wohn­sitz der Ehe­gat­ten von Am­tes we­gen zu er­he­ben; über­dies kann je­der­mann kla­gen, der ein In­ter­es­se hat. So­weit dies mit ih­ren Auf­ga­ben ver­ein­bar ist, mel­den die Be­hör­den des Bun­des und der Kan­to­ne der für die Kla­ge zu­stän­di­gen Be­hör­de, wenn sie An­lass zur An­nah­me ha­ben, dass ein Un­gül­tig­keits­grund vor­liegt.1
2Nach Auf­lö­sung der Ehe wird de­ren Un­gül­tig­keit nicht mehr von Am­tes we­gen ver­folgt; es kann aber je­der­mann, der ein In­ter­es­se hat, die Un­gül­ti­g­er­klä­rung ver­lan­gen.
3Die Kla­ge kann je­der­zeit ein­ge­reicht wer­den.
1 Letz­ter Satz ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs­hei­ra­ten, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
C. Be­fris­te­te Un­gül­tig­keit
Ein Ehe­gat­te kann ver­lan­gen, dass die Ehe für un­gül­tig er­klärt wird, wenn er:
bei der Trau­ung aus ei­nem vor­über­ge­hen­den Grund nicht ur­teils­fä­hig war;
sich aus Irr­tum hat trau­en las­sen, sei es, dass er die Ehe selbst oder die Trau­ung mit der be­tref­fen­den Per­son nicht ge­wollt hat;
die Ehe ge­schlos­sen hat, weil er über we­sent­li­che per­sön­li­che Ei­gen­schaf­ten des an­de­ren ab­sicht­lich ge­täuscht wor­den ist;
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 über Mass­nah­men ge­gen Zwangs- hei­ra­ten, mit Wir­kung seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1035; BBl 2011 2185).
1Die Un­gül­tig­keits­kla­ge ist in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit Kennt­nis des Un­gül­tig­keits­grun­des oder seit dem Weg­fall der Dro­hung ein­zu­rei­chen, in je­dem Fall aber vor Ab­lauf von fünf Jah­ren seit der Ehe­schlies­sung.
2Das Kla­ge­recht geht nicht auf die Er­ben über; ein Er­be kann je­doch an der be­reits er­ho­be­nen Kla­ge fest­hal­ten.
D. Wir­kun­gen des Ur­teils
1Die Un­gül­tig­keit ei­ner Ehe wird erst wirk­sam, nach­dem das Ge­richt die Un­gül­ti­g­er­klä­rung aus­ge­spro­chen hat; bis zum Ur­teil hat die Ehe mit Aus­nah­me der erbrecht­li­chen An­sprü­che, die der über­le­ben­de Ehe­gat­te in je­dem Fall ver­liert, al­le Wir­kun­gen ei­ner gül­ti­gen Ehe.
2Für die Wir­kun­gen der ge­richt­li­chen Un­gül­ti­g­er­klä­rung auf die Ehe­gat­ten und die Kin­der gel­ten sinn­ge­mä­ss die Be­stim­mun­gen über die Schei­dung.
3Die Va­ter­schafts­ver­mu­tung des Ehe­man­nes ent­fällt, wenn die Ehe für un­gül­tig er­klärt wor­den ist, weil sie da­zu diente, die Be­stim­mun­gen über Zu­las­sung und Auf­ent­halt von Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­dern zu um­ge­hen.1
A. Schei­dung auf ge­mein­sa­mes Be­geh­ren
I. Um­fas­sen­de Ei­ni­gung
1Ver­lan­gen die Ehe­gat­ten ge­mein­sam die Schei­dung und rei­chen sie ei­ne voll­stän­di­ge Ver­ein­ba­rung über die Schei­dungs­fol­gen mit den nö­ti­gen Be­le­gen und mit ge­mein­sa­men An­trä­gen hin­sicht­lich der Kin­der ein, so hört das Ge­richt sie ge­trennt und zu­sam­men an. Die An­hö­rung kann aus meh­re­ren Sit­zun­gen be­ste­hen.
2Hat sich das Ge­richt da­von über­zeugt, dass das Schei­dungs­be­geh­ren und die Ver­ein­ba­rung auf frei­em Wil­len und reif­li­cher Über­le­gung be­ru­hen und die Ver­ein­ba­rung mit den An­trä­gen hin­sicht­lich der Kin­der ge­neh­migt wer­den kann, so spricht das Ge­richt die Schei­dung aus.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2009 (Be­denk­zeit im Schei­dungs­ver­fah­ren auf ge­mein­sa­mes Be­geh­ren), in Kraft seit 1. Fe­br. 2010 (AS 2010 281; BBl 2008 1959 1975).
II. Tei­lei­ni­gung
1Die Ehe­gat­ten kön­nen ge­mein­sam die Schei­dung ver­lan­gen und er­klä­ren, dass das Ge­richt die Schei­dungs­fol­gen be­ur­tei­len soll, über die sie sich nicht ei­nig sind.
2Das Ge­richt hört sie wie bei der um­fas­sen­den Ei­ni­gung zum Schei­dungs­be­geh­ren, zu den Schei­dungs­fol­gen, über die sie sich ge­ei­nigt ha­ben, so­wie zur Er­klä­rung, dass die üb­ri­gen Fol­gen ge­richt­lich zu be­ur­tei­len sind, an.
B. Schei­dung auf Kla­ge ei­nes Ehe­gat­ten
I. Nach Ge­trennt­le­ben
Ein Ehe­gat­te kann die Schei­dung ver­lan­gen, wenn die Ehe­gat­ten bei Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit der Kla­ge oder bei Wech­sel zur Schei­dung auf Kla­ge min­des­tens zwei Jah­re ge­trennt ge­lebt ha­ben.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Dez. 2003 (Tren­nungs­frist im Schei­dungs­recht), in Kraft seit 1. Ju­ni 2004 (AS 2004 2161; BBl 2003 3927 5825).
II. Un­zu­mut­bar­keit
Vor Ab­lauf der zwei­jäh­ri­gen Frist kann ein Ehe­gat­te die Schei­dung ver­lan­gen, wenn ihm die Fort­set­zung der Ehe aus schwer­wie­gen­den Grün­den, die ihm nicht zu­zu­rech­nen sind, nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann.
A. Vor­aus­set­zun­gen und Ver­fah­ren
1Die Ehe­gat­ten kön­nen die Tren­nung un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen wie bei der Schei­dung ver­lan­gen.
3Das Recht, die Schei­dung zu ver­lan­gen, wird durch das Tren­nungs­ur­teil nicht be­rührt.
B. Tren­nungs­fol­gen
1Mit der Tren­nung tritt von Ge­set­zes we­gen Gü­ter­tren­nung ein.
2Im Üb­ri­gen fin­den die Be­stim­mun­gen über Mass­nah­men zum Schutz der ehe­li­chen Ge­mein­schaft sinn­ge­mä­ss An­wen­dung.
A. Na­me
Der Ehe­gat­te, der sei­nen Na­men bei der Ehe­schlies­sung ge­än­dert hat, be­hält die­sen Na­men nach der Schei­dung; er kann aber je­der­zeit ge­gen­über der Zi­vil­stands­be­am­tin oder dem Zi­vil­stands­be­am­ten er­klä­ren, dass er wie­der sei­nen Le­di­gna­men tra­gen will.
B. Gü­ter­recht und Erbrecht
1Für die gü­ter­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung gel­ten die Be­stim­mun­gen über das Gü­ter­recht.
2Ge­schie­de­ne Ehe­gat­ten ha­ben zu­ein­an­der kein ge­setz­li­ches Erbrecht und kön­nen aus Ver­fü­gun­gen von To­des we­gen, die sie vor der Rechts­hän­gig­keit des Schei­dungs­ver­fah­rens er­rich­tet ha­ben, kei­ne An­sprü­che er­he­ben.
C. Woh­nung der Fa­mi­lie
1Ist ein Ehe­gat­te we­gen der Kin­der oder aus an­de­ren wich­ti­gen Grün­den auf die Woh­nung der Fa­mi­lie an­ge­wie­sen, so kann das Ge­richt ihm die Rech­te und Pflich­ten aus dem Miet­ver­trag al­lein über­tra­gen, so­fern dies dem an­de­ren bil­li­ger­wei­se zu­ge­mu­tet wer­den kann.
2Der bis­he­ri­ge Mie­ter haf­tet so­li­da­risch für den Miet­zins bis zum Zeit­punkt, in dem das Miet­ver­hält­nis ge­mä­ss Ver­trag oder Ge­setz en­det oder be­en­det wer­den kann, höchs­tens aber wäh­rend zwei­er Jah­re; wird er für den Miet­zins be­langt, so kann er den be­zahl­ten Be­trag ra­ten­wei­se in der Hö­he des mo­nat­li­chen Miet­zin­ses mit den Un­ter­halts­bei­trä­gen, die er dem an­de­ren Ehe­gat­ten schul­det, ver­rech­nen.
3Ge­hört die Woh­nung der Fa­mi­lie ei­nem Ehe­gat­ten, so kann das Ge­richt dem an­de­ren un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen und ge­gen an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung oder un­ter An­rech­nung auf Un­ter­halts­bei­trä­ge ein be­fris­te­tes Wohn­recht ein­räu­men. Wenn wich­ti­ge neue Tat­sa­chen es er­for­dern, ist das Wohn­recht ein­zu­schrän­ken oder auf­zu­he­ben.
D. Be­ruf­li­che Vor­sor­ge
Die wäh­rend der Ehe bis zum Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Schei­dungs­ver­fah­rens er­wor­be­nen An­sprü­che aus der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge wer­den bei der Schei­dung aus­ge­gli­chen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Vor­sor­ge­aus­gleich bei Schei­dung), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 2313; BBl 2013 4887).
II. Aus­gleich bei Aus­tritts­leis­tun­gen
1Die er­wor­be­nen Aus­tritts­leis­tun­gen samt Frei­zü­gig­keits­gut­ha­ben und Vor­be­zü­gen für Wohn­ei­gen­tum wer­den hälf­tig ge­teilt.
2Ab­satz 1 ist nicht an­wend­bar auf Ein­mal­ein­la­gen aus Ei­gen­gut nach Ge­setz.
3Die zu tei­len­den Aus­tritts­leis­tun­gen be­rech­nen sich nach den Ar­ti­keln 15-17 und 22a oder 22b des Frei­zü­gig­keits­ge­set­zes vom 17. De­zem­ber 19932.
III. Aus­gleich bei In­va­li­den­ren­ten vor dem re­gle­men­ta­ri­schen Ren­ten­al­ter
1Be­zieht ein Ehe­gat­te im Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Schei­dungs­ver­fah­rens ei­ne In­va­li­den­ren­te vor dem re­gle­men­ta­ri­schen Ren­ten­al­ter, so gilt der Be­trag, der ihm nach Ar­ti­kel 2 Ab­satz 1ter des Frei­zü­gig­keits­ge­set­zes vom 17. De­zem­ber 19932 nach Auf­he­bung der In­va­li­den­ren­te zu­kom­men wür­de, als Aus­tritts­leis­tung.
2Die Be­stim­mun­gen über den Aus­gleich bei Aus­tritts­leis­tun­gen gel­ten sinn­ge­mä­ss.
3Der Bun­des­rat re­gelt, in wel­chen Fäl­len der Be­trag nach Ab­satz 1 we­gen ei­ner Über­ent­schä­di­gungs­kür­zung der In­va­li­den­ren­te nicht für den Aus­gleich ver­wen­det wer­den kann.
IV. Aus­gleich bei In­va­li­den­ren­ten nach dem re­gle­men­ta­ri­schen Ren­ten­al­ter und bei Al­ters­ren­ten
1Be­zieht ein Ehe­gat­te im Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Schei­dungs­ver­fah­rens ei­ne In­va­li­den­ren­te nach dem re­gle­men­ta­ri­schen Ren­ten­al­ter oder ei­ne Al­ters­ren­te, so ent­schei­det das Ge­richt nach Er­mes­sen über die Tei­lung der Ren­te. Es be­ach­tet da­bei ins­be­son­de­re die Dau­er der Ehe und die Vor­sor­ge­be­dürf­nis­se bei­der Ehe­gat­ten.
2Der dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten zu­ge­spro­che­ne Ren­ten­an­teil wird in ei­ne le­bens­lan­ge Ren­te um­ge­rech­net. Die­se wird ihm von der Vor­sor­ge­ein­rich­tung des ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten aus­ge­rich­tet oder in sei­ne Vor­sor­ge über­tra­gen.
3Der Bun­des­rat re­gelt:
die ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Um­rech­nung des Ren­ten­an­teils in ei­ne le­bens­lan­ge Ren­te;
das Vor­ge­hen in Fäl­len, in de­nen die Al­ters­leis­tung auf­ge­scho­ben oder die In­va­li­den­ren­te we­gen Über­ent­schä­di­gung ge­kürzt ist.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Vor­sor­ge­aus­gleich bei Schei­dung), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 2313; BBl 2013 4887).
V. Aus­nah­men
1Die Ehe­gat­ten kön­nen in ei­ner Ver­ein­ba­rung über die Schei­dungs­fol­gen von der hälf­ti­gen Tei­lung ab­wei­chen oder auf den Vor­sor­ge­aus­gleich ver­zich­ten, wenn ei­ne an­ge­mes­se­ne Al­ters- und In­va­li­den­vor­sor­ge ge­währ­leis­tet bleibt.
2Das Ge­richt spricht dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten we­ni­ger als die Hälf­te der Aus­tritts­leis­tung zu oder ver­wei­gert die Tei­lung ganz, wenn wich­ti­ge Grün­de vor­lie­gen. Ein wich­ti­ger Grund liegt ins­be­son­de­re vor, wenn die hälf­ti­ge Tei­lung un­bil­lig wä­re:
auf­grund der gü­ter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung oder der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nach der Schei­dung;
auf­grund der Vor­sor­ge­be­dürf­nis­se, ins­be­son­de­re un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Al­ters­un­ter­schie­des zwi­schen den Ehe­gat­ten.
3Das Ge­richt kann dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten mehr als die Hälf­te der Aus­tritts­leis­tung zu­spre­chen, wenn er nach der Schei­dung ge­mein­sa­me Kin­der be­treut und der ver­pflich­te­te Ehe­gat­te wei­ter­hin über ei­ne an­ge­mes­se­ne Al­ters- und In­va­li­den­vor­sor­ge ver­fügt.
VI. Ver­rech­nung ge­gen­sei­ti­ger An­sprü­che
1Ge­gen­sei­ti­ge An­sprü­che der Ehe­gat­ten auf Aus­tritts­leis­tun­gen oder auf Ren­ten­an­tei­le wer­den ver­rech­net. Die Ver­rech­nung der Ren­ten­an­sprü­che fin­det vor der Um­rech­nung des dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten zu­ge­spro­che­nen Ren­ten­an­teils in ei­ne le­bens­lan­ge Ren­te statt.
2Aus­tritts­leis­tun­gen kön­nen mit Ren­ten­an­tei­len nur dann ver­rech­net wer­den, wenn die Ehe­gat­ten und die Ein­rich­tun­gen der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge ein­ver­stan­den sind.
VII. Un­zu­mut­bar­keit
Ist auf­grund ei­ner Ab­wä­gung der Vor­sor­ge­be­dürf­nis­se bei­der Ehe­gat­ten ein Aus­gleich aus Mit­teln der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge nicht zu­mut­bar, so schul­det der ver­pflich­te­te Ehe­gat­te dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten ei­ne Ka­pi­tal­ab­fin­dung.
VIII. Un­mög­lich­keit
1 Ist ein Aus­gleich aus Mit­teln der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge nicht mög­lich, so schul­det der ver­pflich­te­te Ehe­gat­te dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung in Form ei­ner Ka­pi­tal­ab­fin­dung oder ei­ner Ren­te.
2Ein schwei­ze­ri­sches Ur­teil kann auf Be­geh­ren des ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten ab­ge­än­dert wer­den, wenn im Aus­land be­ste­hen­de Vor­sor­gean­sprü­che durch ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung nach Ab­satz 1 aus­ge­gli­chen wur­den und die­se Vor­sor­gean­sprü­che da­nach durch ei­ne für den aus­län­di­schen Vor­sor­ge­schuld­ner ver­bind­li­che aus­län­di­sche Ent­schei­dung ge­teilt wer­den.
E. Nach­e­he­li­cher Un­ter­halt
1Ist ei­nem Ehe­gat­ten nicht zu­zu­mu­ten, dass er für den ihm ge­büh­ren­den Un­ter­halt un­ter Ein­schluss ei­ner an­ge­mes­se­nen Al­ters­vor­sor­ge selbst auf­kommt, so hat ihm der an­de­re einen an­ge­mes­se­nen Bei­trag zu leis­ten.
2Beim Ent­scheid, ob ein Bei­trag zu leis­ten sei und ge­ge­be­nen­falls in wel­cher Hö­he und wie lan­ge, sind ins­be­son­de­re zu be­rück­sich­ti­gen:
die Auf­ga­ben­tei­lung wäh­rend der Ehe;
die Dau­er der Ehe;
die Le­bens­stel­lung wäh­rend der Ehe;
das Al­ter und die Ge­sund­heit der Ehe­gat­ten;
Ein­kom­men und Ver­mö­gen der Ehe­gat­ten;
der Um­fang und die Dau­er der von den Ehe­gat­ten noch zu leis­ten­den Be­treu­ung der Kin­der;
die be­ruf­li­che Aus­bil­dung und die Er­werbs­aus­sich­ten der Ehe­gat­ten so­wie der mut­mass­li­che Auf­wand für die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son;
die An­wart­schaf­ten aus der eid­ge­nös­si­schen Al­ters- und Hin­ter­las­se­nen­ver­si­che­rung und aus der be­ruf­li­chen oder ei­ner an­de­ren pri­va­ten oder staat­li­chen Vor­sor­ge ein­sch­liess­lich des vor­aus­sicht­li­chen Er­geb­nis­ses der Tei­lung der Aus­tritts­leis­tun­gen.
3Ein Bei­trag kann aus­nahms­wei­se ver­sagt oder ge­kürzt wer­den, wenn er of­fen­sicht­lich un­bil­lig wä­re, ins­be­son­de­re weil die be­rech­tig­te Per­son:
ih­re Pflicht, zum Un­ter­halt der Fa­mi­lie bei­zu­tra­gen, grob ver­letzt hat;
ih­re Be­dürf­tig­keit mut­wil­lig her­bei­ge­führt hat;
ge­gen die ver­pflich­te­te Per­son oder ei­ne die­ser na­he ver­bun­de­nen Per­son ei­ne schwe­re Straf­tat be­gan­gen hat.
II. Mo­da­li­tä­ten des Un­ter­halts­bei­tra­ges
1Das Ge­richt setzt als Un­ter­halts­bei­trag ei­ne Ren­te fest und be­stimmt den Be­ginn der Bei­trags­pflicht.
2Recht­fer­ti­gen es be­son­de­re Um­stän­de, so kann an­stel­le ei­ner Ren­te ei­ne Ab­fin­dung fest­ge­setzt wer­den.
3Das Ge­richt kann den Un­ter­halts­bei­trag von Be­din­gun­gen ab­hän­gig ma­chen.
III. Ren­te
1. Be­son­de­re Ver­ein­ba­run­gen
Die Ehe­gat­ten kön­nen in der Ver­ein­ba­rung die Än­de­rung der dar­in fest­ge­setz­ten Ren­te ganz oder teil­wei­se aus­sch­lies­sen.
2. An­pas­sung an die Teue­rung
Das Ge­richt kann an­ord­nen, dass der Un­ter­halts­bei­trag sich bei be­stimm­ten Ver­än­de­run­gen der Le­bens­kos­ten oh­ne wei­te­res er­höht oder ver­min­dert.
3. Ab­än­de­rung durch Ur­teil
1Bei er­heb­li­cher und dau­ern­der Ver­än­de­rung der Ver­hält­nis­se kann die Ren­te her­ab­ge­setzt, auf­ge­ho­ben oder für ei­ne be­stimm­te Zeit ein­ge­stellt wer­den; ei­ne Ver­bes­se­rung der Ver­hält­nis­se der be­rech­tig­ten Per­son ist nur dann zu be­rück­sich­ti­gen, wenn im Schei­dungs­ur­teil ei­ne den ge­büh­ren­den Un­ter­halt de­cken­de Ren­te fest­ge­setzt wer­den konn­te.
2Die be­rech­tig­te Per­son kann für die Zu­kunft ei­ne An­pas­sung der Ren­te an die Teue­rung ver­lan­gen, wenn das Ein­kom­men der ver­pflich­te­ten Per­son nach der Schei­dung un­vor­her­ge­se­he­n­er­wei­se ge­stie­gen ist.
3Die be­rech­tig­te Per­son kann in­ner­halb von fünf Jah­ren seit der Schei­dung die Fest­set­zung ei­ner Ren­te oder de­ren Er­hö­hung ver­lan­gen, wenn im Ur­teil fest­ge­hal­ten wor­den ist, dass kei­ne zur De­ckung des ge­büh­ren­den Un­ter­halts aus­rei­chen­de Ren­te fest­ge­setzt wer­den konn­te, die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se der ver­pflich­te­ten Per­son sich aber ent­spre­chend ver­bes­sert ha­ben.
4. Er­lö­schen von Ge­set­zes we­gen
1Die Bei­trags­pflicht er­lischt mit dem Tod der be­rech­tig­ten oder der ver­pflich­te­ten Per­son.
2Vor­be­hält­lich ei­ner an­de­ren Ver­ein­ba­rung ent­fällt sie auch bei Wie­der­ver­hei­ra­tung der be­rech­tig­ten Per­son.
IV. Voll­stre­ckung
1. In­kas­so­hil­fe
1Er­füllt die ver­pflich­te­te Per­son die Un­ter­halts­pflicht nicht, so hilft ei­ne vom kan­to­na­len Recht be­zeich­ne­te Fach­stel­le der be­rech­tig­ten Per­son auf Ge­such hin bei der Voll­stre­ckung des Un­ter­halts­an­spruchs in ge­eig­ne­ter Wei­se und in der Re­gel un­ent­gelt­lich.
2Der Bun­des­rat legt die Leis­tun­gen der In­kas­so­hil­fe fest.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 2015 (Kin­des­un­ter­halt), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2015 4299; BBl 2014 529).
2. Vor­schüs­se
1Dem öf­fent­li­chen Recht bleibt vor­be­hal­ten, die Aus­rich­tung von Vor­schüs­sen zu re­geln, wenn die ver­pflich­te­te Per­son ih­rer Un­ter­halts­pflicht nicht nach­kommt.
2So­weit das Ge­mein­we­sen für den Un­ter­halt der be­rech­tig­ten Per­son auf­kommt, geht der Un­ter­halts­an­spruch mit al­len Rech­ten auf das Ge­mein­we­sen über.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 20. März 2015 (Kin­des­un­ter­halt), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2015 4299; BBl 2014 529).
3. An­wei­sun­gen an die Schuld­ner und Si­cher­stel­lung1
1Ver­nach­läs­sigt die ver­pflich­te­te Per­son die Er­fül­lung der Un­ter­halts­pflicht, so kann das Ge­richt ih­re Schuld­ner an­wei­sen, die Zah­lun­gen ganz oder teil­wei­se an die be­rech­tig­te Per­son zu leis­ten.
2Ver­nach­läs­sigt die ver­pflich­te­te Per­son be­harr­lich die Er­fül­lung der Un­ter­halts­pflicht oder ist an­zu­neh­men, dass sie An­stal­ten zur Flucht trifft oder ihr Ver­mö­gen ver­schleu­dert oder bei­sei­te schafft, so kann sie ver­pflich­tet wer­den, für die künf­ti­gen Un­ter­halts­bei­trä­ge an­ge­mes­se­ne Si­cher­heit zu leis­ten.
F. Kin­der
I. El­tern­rech­te und -pflich­ten
1Das Ge­richt re­gelt die El­tern­rech­te und -pflich­ten nach den Be­stim­mun­gen über die Wir­kun­gen des Kin­des­ver­hält­nis­ses. Ins­be­son­de­re re­gelt es:
die el­ter­li­che Sor­ge;
die Ob­hut;
den per­sön­li­chen Ver­kehr (Art. 273) oder die Be­treu­ungs­an­tei­le; und
den Un­ter­halts­bei­trag.
2Es be­ach­tet al­le für das Kin­des­wohl wich­ti­gen Um­stän­de. Es be­rück­sich­tigt einen ge­mein­sa­men An­trag der El­tern und, so­weit tun­lich, die Mei­nung des Kin­des.
3Es kann den Un­ter­halts­bei­trag über den Ein­tritt der Voll­jäh­rig­keit hin­aus fest­le­gen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013 (El­ter­li­che Sor­ge), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 357; BBl 2011 9077).
II. Ver­än­de­rung der Ver­hält­nis­se
1Auf Be­geh­ren ei­nes El­tern­teils, des Kin­des oder der Kin­des­schutz­be­hör­de ist die Zu­tei­lung der el­ter­li­chen Sor­ge neu zu re­geln, wenn dies we­gen we­sent­li­cher Ver­än­de­rung der Ver­hält­nis­se zum Wohl des Kin­des ge­bo­ten ist.
2Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Än­de­rung der üb­ri­gen El­tern­rech­te und -pflich­ten rich­ten sich nach den Be­stim­mun­gen über die Wir­kun­gen des Kin­des­ver­hält­nis­ses.1
3Sind sich die El­tern ei­nig, so ist die Kin­des­schutz­be­hör­de für die Neu­re­ge­lung der el­ter­li­chen Sor­ge, der Ob­hut und die Ge­neh­mi­gung ei­nes Un­ter­halts­ver­tra­ges zu­stän­dig. In den üb­ri­gen Fäl­len ent­schei­det das für die Ab­än­de­rung des Schei­dungs­ur­teils zu­stän­di­ge Ge­richt.2
4Hat das Ge­richt über die Än­de­rung der el­ter­li­chen Sor­ge, der Ob­hut oder des Un­ter­halts­bei­tra­ges für das min­der­jäh­ri­ge Kind zu be­fin­den, so re­gelt es nö­ti­gen­falls auch den per­sön­li­chen Ver­kehr oder die Be­treu­ungs­an­tei­le neu; in den an­dern Fäl­len ent­schei­det die Kin­des­schutz­be­hör­de über die Än­de­rung des per­sön­li­chen Ver­kehrs oder der Be­treu­ungs­an­tei­le.3
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013 (El­ter­li­che Sor­ge), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 357; BBl 2011 9077).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013 (El­ter­li­che Sor­ge), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 357; BBl 2011 9077).
A. Ehe­li­che Ge­mein­schaft; Rech­te und Pflich­ten der Ehe­gat­ten
1Durch die Trau­ung wer­den die Ehe­gat­ten zur ehe­li­chen Ge­mein­schaft ver­bun­den.
2Sie ver­pflich­ten sich ge­gen­sei­tig, das Wohl der Ge­mein­schaft in ein­träch­ti­gem Zu­sam­men­wir­ken zu wah­ren und für die Kin­der ge­mein­sam zu sor­gen.
3Sie schul­den ein­an­der Treue und Bei­stand.
B. Na­me
1Je­der Ehe­gat­te be­hält sei­nen Na­men.
2Die Braut­leu­te kön­nen aber ge­gen­über der Zi­vil­stands­be­am­tin oder dem Zi­vil­stands­be­am­ten er­klä­ren, dass sie den Le­di­gna­men der Braut oder des Bräu­ti­gams als ge­mein­sa­men Fa­mi­li­enna­men tra­gen wol­len.
3Be­hal­ten die Braut­leu­te ih­ren Na­men, so be­stim­men sie, wel­chen ih­rer Le­di­gna­men ih­re Kin­der tra­gen sol­len. In be­grün­de­ten Fäl­len kann die Zi­vil­stands­be­am­tin oder der Zi­vil­stands­be­am­te die Braut­leu­te von die­ser Pflicht be­frei­en.
C. Bür­ger­recht
Je­der Ehe­gat­te be­hält sein Kan­tons- und Ge­mein­de­bür­ger­recht.
D. Ehe­li­che Woh­nung
Die Ehe­gat­ten be­stim­men ge­mein­sam die ehe­li­che Woh­nung.
E. Un­ter­halt der Fa­mi­lie
1Die Ehe­gat­ten sor­gen ge­mein­sam, ein je­der nach sei­nen Kräf­ten, für den ge­büh­ren­den Un­ter­halt der Fa­mi­lie.
2Sie ver­stän­di­gen sich über den Bei­trag, den je­der von ih­nen leis­tet, na­ment­lich durch Geld­zah­lun­gen, Be­sor­gen des Haus­hal­tes, Be­treu­en der Kin­der oder durch Mit­hil­fe im Be­ruf oder Ge­wer­be des an­dern.
3Da­bei be­rück­sich­ti­gen sie die Be­dürf­nis­se der ehe­li­chen Ge­mein­schaft und ih­re per­sön­li­chen Um­stän­de.
II. Be­trag zur frei­en Ver­fü­gung
1Der Ehe­gat­te, der den Haus­halt be­sorgt, die Kin­der be­treut oder dem an­dern im Be­ruf oder Ge­wer­be hilft, hat An­spruch dar­auf, dass der an­de­re ihm re­gel­mäs­sig einen an­ge­mes­se­nen Be­trag zur frei­en Ver­fü­gung aus­rich­tet.
2Bei der Fest­set­zung des Be­tra­ges sind ei­ge­ne Ein­künf­te des be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten und ei­ne ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Vor­sor­ge für Fa­mi­lie, Be­ruf oder Ge­wer­be zu be­rück­sich­ti­gen.
III. Aus­ser­or­dent­li­che Bei­trä­ge ei­nes Ehe­gat­ten
1Hat ein Ehe­gat­te im Be­ruf oder Ge­wer­be des an­dern er­heb­lich mehr mit­ge­ar­bei­tet, als sein Bei­trag an den Un­ter­halt der Fa­mi­lie ver­langt, so hat er da­für An­spruch auf an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung.
2Dies gilt auch, wenn ein Ehe­gat­te aus sei­nem Ein­kom­men oder Ver­mö­gen an den Un­ter­halt der Fa­mi­lie be­deu­tend mehr bei­ge­tra­gen hat, als er ver­pflich­tet war.
3Ein Ehe­gat­te kann aber kei­ne Ent­schä­di­gung for­dern, wenn er sei­nen aus­ser­or­dent­li­chen Bei­trag auf­grund ei­nes Ar­beits-, Dar­le­hens- oder Ge­sell­schafts­ver­tra­ges oder ei­nes an­dern Rechts­ver­hält­nis­ses ge­leis­tet hat.
F. Ver­tre­tung der ehe­li­chen Ge­mein­schaft
1Je­der Ehe­gat­te ver­tritt wäh­rend des Zu­sam­men­le­bens die ehe­li­che Ge­mein­schaft für die lau­fen­den Be­dürf­nis­se der Fa­mi­lie.
2Für die üb­ri­gen Be­dürf­nis­se der Fa­mi­lie kann ein Ehe­gat­te die ehe­li­che Ge­mein­schaft nur ver­tre­ten:
wenn er vom an­dern oder vom Ge­richt da­zu er­mäch­tigt wor­den ist;
wenn das In­ter­es­se der ehe­li­chen Ge­mein­schaft kei­nen Auf­schub des Ge­schäf­tes dul­det und der an­de­re Ehe­gat­te we­gen Krank­heit, Ab­we­sen­heit oder ähn­li­chen Grün­den nicht zu­stim­men kann.
3Je­der Ehe­gat­te ver­pflich­tet sich durch sei­ne Hand­lun­gen per­sön­lich und, so­weit die­se nicht für Drit­te er­kenn­bar über die Ver­tre­tungs­be­fug­nis hin­aus­ge­hen, so­li­da­risch auch den an­dern Ehe­gat­ten.
G. Be­ruf und Ge­wer­be der Ehe­gat­ten
Bei der Wahl und Aus­übung sei­nes Be­ru­fes oder Ge­wer­bes nimmt je­der Ehe­gat­te auf den an­dern und das Wohl der ehe­li­chen Ge­mein­schaft Rück­sicht.
H. Rechts­ge­schäf­te der Ehe­gat­ten
Je­der Ehe­gat­te kann mit dem an­dern oder mit Drit­ten Rechts­ge­schäf­te ab­sch­lies­sen, so­fern das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
II. Woh­nung der Fa­mi­lie
1Ein Ehe­gat­te kann nur mit der aus­drück­li­chen Zu­stim­mung des an­dern einen Miet­ver­trag kün­di­gen, das Haus oder die Woh­nung der Fa­mi­lie ver­äus­sern oder durch an­de­re Rechts­ge­schäf­te die Rech­te an den Wohn­räu­men der Fa­mi­lie be­schrän­ken.
2Kann der Ehe­gat­te die­se Zu­stim­mung nicht ein­ho­len oder wird sie ihm oh­ne trif­ti­gen Grund ver­wei­gert, so kann er das Ge­richt an­ru­fen.
J. Aus­kunfts­pflicht
1Je­der Ehe­gat­te kann vom an­dern Aus­kunft über des­sen Ein­kom­men, Ver­mö­gen und Schul­den ver­lan­gen.
2Auf sein Be­geh­ren kann das Ge­richt den an­dern Ehe­gat­ten oder Drit­te ver­pflich­ten, die er­for­der­li­chen Aus­künf­te zu er­tei­len und die not­wen­di­gen Ur­kun­den vor­zu­le­gen.
K. Schutz der ehe­li­chen Ge­mein­schaft
I. Be­ra­tungs­stel­len
Die Kan­to­ne sor­gen da­für, dass sich die Ehe­gat­ten bei Ehe­schwie­rig­kei­ten ge­mein­sam oder ein­zeln an Ehe- oder Fa­mi­li­en­be­ra­tungs­stel­len wen­den kön­nen.
II. Ge­richt­li­che Mass­nah­men
1Er­füllt ein Ehe­gat­te sei­ne Pflich­ten ge­gen­über der Fa­mi­lie nicht oder sind die Ehe­gat­ten in ei­ner für die ehe­li­che Ge­mein­schaft wich­ti­gen An­ge­le­gen­heit un­ei­nig, so kön­nen sie ge­mein­sam oder ein­zeln das Ge­richt um Ver­mitt­lung an­ru­fen.
2Das Ge­richt mahnt die Ehe­gat­ten an ih­re Pflich­ten und ver­sucht, sie zu ver­söh­nen; es kann mit ih­rem Ein­ver­ständ­nis Sach­ver­stän­di­ge bei­zie­hen oder sie an ei­ne Ehe- oder Fa­mi­li­en­be­ra­tungs­stel­le wei­sen.
3Wenn nö­tig, trifft das Ge­richt auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten die vom Ge­setz vor­ge­se­he­nen Mass­nah­men. Die Be­stim­mung über den Schutz der Per­sön­lich­keit ge­gen Ge­walt, Dro­hun­gen oder Nach­stel­lun­gen ist sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.1
1 Zwei­ter Satz ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 2006 (Schutz der Per­sön­lich­keit ge­gen Ge­walt, Dro­hun­gen oder Nach­stel­lun­gen), in Kraft seit 1. Ju­li 2007 (AS 2007 137; BBl 2005 6871 6897).
2. Wäh­rend des Zu­sam­men­le­bens
a. Geld­leis­tun­gen
1Auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten setzt das Ge­richt die Geld­bei­trä­ge an den Un­ter­halt der Fa­mi­lie fest.
2Eben­so setzt es auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten den Be­trag für den Ehe­gat­ten fest, der den Haus­halt be­sorgt, die Kin­der be­treut oder dem an­dern im Be­ruf oder Ge­wer­be hilft.
3Die Leis­tun­gen kön­nen für die Zu­kunft und für das Jahr vor Ein­rei­chung des Be­geh­rens ge­for­dert wer­den.
b. Ent­zug der Ver­tre­tungs­be­fug­nis
1Über­schrei­tet ein Ehe­gat­te sei­ne Be­fug­nis zur Ver­tre­tung der ehe­li­chen Ge­mein­schaft oder er­weist er sich als un­fä­hig, sie aus­zuü­ben, so kann ihm das Ge­richt auf Be­geh­ren des an­dern die Ver­tre­tungs­be­fug­nis ganz oder teil­wei­se ent­zie­hen.
2Der Ehe­gat­te, der das Be­geh­ren stellt, darf Drit­ten den Ent­zug nur durch per­sön­li­che Mit­tei­lung be­kannt ge­ben.
3Gut­gläu­bi­gen Drit­ten ge­gen­über ist der Ent­zug nur wirk­sam, wenn er auf An­ord­nung des Ge­richts ver­öf­fent­licht wor­den ist.
3. Auf­he­bung des ge­mein­sa­men Haus­hal­tes
a. Grün­de
Ein Ehe­gat­te ist be­rech­tigt, den ge­mein­sa­men Haus­halt für so­lan­ge auf­zu­he­ben, als sei­ne Per­sön­lich­keit, sei­ne wirt­schaft­li­che Si­cher­heit oder das Wohl der Fa­mi­lie durch das Zu­sam­men­le­ben ernst­lich ge­fähr­det ist.
b. Re­ge­lung des Ge­trennt­le­bens
1Ist die Auf­he­bung des ge­mein­sa­men Haus­hal­tes be­grün­det, so muss das Ge­richt auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten:
die Un­ter­halts­bei­trä­ge an die Kin­der und den Un­ter­halts­bei­trag an den Ehe­gat­ten fest­le­gen;
die Be­nüt­zung der Woh­nung und des Haus­ra­tes re­geln;
die Gü­ter­tren­nung an­ord­nen, wenn es die Um­stän­de recht­fer­ti­gen.
2Die­se Be­geh­ren kann ein Ehe­gat­te auch stel­len, wenn das Zu­sam­men­le­ben un­mög­lich ist, na­ment­lich weil der an­de­re es grund­los ab­lehnt.
3Ha­ben die Ehe­gat­ten min­der­jäh­ri­ge Kin­der, so trifft das Ge­richt nach den Be­stim­mun­gen über die Wir­kun­gen des Kin­des­ver­hält­nis­ses die nö­ti­gen Mass­nah­men.2
4. Voll­stre­ckung
a. In­kas­so­hil­fe und Vor­schüs­se
Die Be­stim­mun­gen über die In­kas­so­hil­fe und die Vor­schüs­se bei Schei­dung und bei den Wir­kun­gen des Kin­des­ver­hält­nis­ses fin­den An­wen­dung.
b. An­wei­sun­gen an die Schuld­ner1
Er­füllt ein Ehe­gat­te sei­ne Un­ter­halts­pflicht ge­gen­über der Fa­mi­lie nicht, so kann das Ge­richt des­sen Schuld­ner an­wei­sen, ih­re Zah­lun­gen ganz oder teil­wei­se dem an­dern Ehe­gat­ten zu leis­ten.
5. Be­schrän­kun­gen der Ver­fü­gungs­be­fug­nis
1So­weit es die Si­che­rung der wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen der Fa­mi­lie oder die Er­fül­lung ei­ner ver­mö­gens­recht­li­chen Ver­pflich­tung aus der ehe­li­chen Ge­mein­schaft er­for­dert, kann das Ge­richt auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten die Ver­fü­gung über be­stimm­te Ver­mö­gens­wer­te von des­sen Zu­stim­mung ab­hän­gig ma­chen.
2Das Ge­richt trifft die ge­eig­ne­ten si­chern­den Mass­nah­men.
3Un­ter­sagt es ei­nem Ehe­gat­ten, über ein Grund­stück zu ver­fü­gen, lässt es dies von Am­tes we­gen im Grund­buch an­mer­ken.
6. Än­de­rung der Ver­hält­nis­se2
1Än­dern sich die Ver­hält­nis­se, so passt das Ge­richt auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten die Mass­nah­men an oder hebt sie auf, wenn ihr Grund weg­ge­fal­len ist. Die Be­stim­mun­gen über die Än­de­rung der Ver­hält­nis­se bei Schei­dung gel­ten sinn­ge­mä­ss.3
2Neh­men die Ehe­gat­ten das Zu­sam­men­le­ben wie­der auf, so fal­len die für das Ge­trennt­le­ben an­ge­ord­ne­ten Mass­nah­men mit Aus­nah­me der Gü­ter­tren­nung und der Kin­des­schutz­mass­nah­men da­hin.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).
C: CC CEDH CL CLaH 2000 CLaH 96 CO CP CPC CPM CPP Caclid Cpecmdi

References: Art. 1
 Art. 365
 Art. 85
 Art. 86
 Art. 56
 Art. 66
 Art. 67
 Art. 72
 Art. 89
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 2
 Art. 66