Source: http://www.hensche.de/Insolvenzanfechtung_von_Arbeitslohn_verfassungsgemaess_LAG_Berlin_Brandenburg_22_Sa_1238-12.html
Timestamp: 2018-03-20 23:11:59+00:00

Document:
3 Ca 26/12
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 22. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 2. No­vem­ber 2012
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt K. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter O. und K.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt (Oder) vom 21.06.2011 – 3 Ca 26/12 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Der Be­klag­te war seit dem 14.03.2005 als Kraft­fah­rer und Bau­wer­ker im Be­trieb der A. & D. T. GmbH (im Fol­gen­den: Schuld­ne­rin) beschäftigt und schloss mit die­ser ei­nen Ver­gleich über die Zah­lung rückständi­ger Vergütung für die Mo­na­te No­vem­ber 2010 bis Fe­bru­ar 2011, des­sen In­halt am 29.03.2011 durch ge­richt­li­chen Be­schluss
2.1 Ent­ge­gen der An­sicht des Be­klag­ten ist die nach Ein­lei­tung der Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Ver­gleich vom 29.03.2011 am 09.06.2011 ge­leis­te­te
2.1.1.2 Oh­ne Er­folg be­ruft sich der Be­klag­te auf sei­ne Un­kennt­nis ei­ner Zah­lungs­unfähig­keit der Schuld­ne­rin und ei­nes Eröff­nungs­an­tra­ges.
An­ders als nach § 130 Abs. 1 Nr. 2 In­sO ist bei ei­ner in­kon­gru­en­ten De­ckung nach § 131 Abs. 1 In­sO ei­ne da­hin­ge­hen­de Kennt­nis des Gläubi­gers zum Zeit­punkt der Hand­lung nicht Vor­aus­set­zung für die An­fecht­bar­keit. Ei­ner Pri­vi­le­gie­rung ei­nes „gutgläubi­gen“ Ar­beit­neh­mers im Rah­men der Aus­le­gung der Be­rei­che­rungs­re­ge­lung steht die Gleich­stel­lung des An­fech­tungs­geg­ners mit ei­nem bösgläubi­gen Be­rei­chungs­schuld­ner in § 143 Abs. 1 Satz 2 In­sO ent­ge­gen (BAG vom 19.05.2011 – 6 AZR 736/09 – a.a.O., I. 5. e) der Gründe).
2.1.1.3 Ob bei ei­nem Bar­geschäft nach § 142 In­sO dann ei­ne In­kon­gru­enz nach § 131 In­sO an­zu­neh­men ist, wenn die Leis­tung im Rah­men der
Ab­ge­se­hen da­von, dass ei­ne Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der §§ 131, 143 In­sO al­len­falls ei­ne Vor­la­ge­pflicht nach Art. 100 GG auslösen könn­te, die vor­lie­gend man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit oh­ne­hin nicht in Be­tracht käme, hat die Kam­mer auch
2.2.2 Der Kläger hat die Aus­schluss­frist des § 15 BRTV nicht ge­wahrt.
Er hat mit sei­nem Schrei­ben vom 18.10.2011, das dem Be­klag­ten am Fol­ge­tag zu­ge­gan­gen ist, den An­spruch zunächst in­ner­halb der Frist des § 15 Abs. 1 BRTV
Hier­aus folgt, dass auch in Be­zug auf die Ein­ord­nung des Rück­gewähran­spruchs ge­gen den Ar­beit­neh­mer nicht ein­ge­wandt wer­den kann, dass der In­sol­venz­ver­wal­ter hier nicht als Ar­beit­ge­ber han­de­le, da nur ihm in sei­ner Funk­ti­on als In­sol­venz­ver­wal­ter, nicht je­doch ei­nem sons­ti­gen Ar­beit­ge­ber ein In­sol­venz­an­fech­tungs­recht, das zu dem Rück­zah­lungs­an­spruch führt, zu­ste­he.
2.2.3.2.2 Ei­ne Ein­schränkung der ta­rif­li­chen Re­ge­lung da­hin­ge­hend, dass ein aus ei­ner In­sol­venz­an­fech­tung re­sul­tie­ren­der Rück­gewähran­spruch aus­ge­nom­men sein soll, folgt nicht aus ei­ner Be­schränkung der Re­ge­lungs­macht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en.
Bei der ta­rif­li­chen Aus­schluss­klau­sel han­delt es sich um ei­ne In­halts­norm i. S. d. § 1 Abs. 1 TVG, die grundsätz­lich in­ner­halb der Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en liegt. Da­bei ist in der Recht­spre­chung an­er­kannt, dass Gel­tend­ma­chungs­fris­ten auch für sol­che Ansprüche ge­re­gelt wer­den können, die auf nicht dis­po­si­ti­ven ge­setz­li­chen Nor­men be­ru­hen (vgl. et­wa für
3. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Re­vi­si­on war nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 und 2 ArbGG zu­zu­las­sen.
zur Übersicht 22 Sa 1238/12

References: § 130
 § 131
 § 143
 § 142
 § 131
 Art. 100
 § 15
 § 15
 § 1
 § 97
 § 72