Source: http://www.maennerarbeit-ekd.de/pp2017/
Timestamp: 2019-04-19 13:04:01+00:00

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Predigtpreis 2017
Männertheologischer Predigtpreis 2017
„Gnade! – Womit habe ich das verdient? [1. Kor 10,15]
Zum fünften Mal verleiht die Männerarbeit der EKD den männertheologischen Predigtpreis. Die Männerarbeit der EKD freut sich die Preisträger 2017 bekannt zu geben und gratuliert ihnen herzlich. Es sind: Joachim Wehrenbrecht Frank Karpa Helmut Herberg Hier werden sie und ihre Predigten vorgestellt… Weitere Entwürfe, die interessante Formen oder Aspekte des Themas aufweisen, werden hier in Kürze im im Sinne einer Predigt-Werkstatt veröffentlicht… Warum gibt es den Predigtpreis? Wer lobt ihn aus, wer bildet die Jury? Alle Infos gibt es hier…
„Jetzt fängt sie an zu spinnen, dachte er und entschloss sich zu gehen. Doch plötzlich stand die alte Frau auf, schaute zum Himmel und rief: „Oh, es wird gleich regnen, meine Wäsche, mein Heu, das Heu für die Hasen!“ Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Heu in den kleinen Schuppen zu tragen.“
„Wenn ein Fußballer das ‚simul‘ klar hat, dann nimmt er das geschenkte Talent an und arbeitet damit. Er wird nur dann ein guter Fußballer sein, wenn er etwas von der Haltung der Gelassenheit hat, die Gelassenheit dessen, der um die Gnade weiß oder zumindest ahnt, dass es sie gibt.“
„Jedes Mal ist es ein Gefühlt wie reine Gnade, beim Trampen mitgenommen zu werden. Diese Erfahrung kannte ich schon, jetzt aber verschlug es mir die Sprache. Ich hatte nie und nimmer damit gerechnet, dass mich ein LKW samt meinem Roller mitnehmen würde. „Sie sind ein Engel!“ sagte ich zu dem kräftigen Mann um die fünfzig.“
Helmut Herberg Jahrgang 1943J, Pfr. i. R., früher Klinikpfarrer in Ulm
Frank Karpa Jg. ‘73, vier Kinder, Pastor für Männer- und Familienarbeit im Kirchenkreis Ostholstein, Lübeck
Joachim Wehrenbrecht Jg ‘62, drei erw. Kinder, Pfarrer in Herzogenrath, Autor von: „Die Schwere. Mein langer Weg mit Depressionen zu leben“.
Gnade erfahren „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin.“ (1.Kor15,10a; Basis Bibel) (von Joachim Wehrenbrecht) Liebe Gemeinde, auf einer Fahrt von Maastricht nach Wetzlar bei Gießen fing meine BMW C1, ein überdachter Motorroller, an zu stottern. Mir schwante nichts Gutes. Nach einem Überholvorgang auf der Autobahn – noch in den Niederlanden – setzte der Motor vom einen zum anderen Moment aus. Ich konnte nur noch auf der Standspur ausrollen. Der Roller sprang nicht mehr an, er tat keinen Mucks mehr. Ich ahnte, dass es etwas mit dem Motoröl zu tun hatte, war mir aber nicht sicher. Zur nächsten Ausfahrt waren es 1500m, jedoch war keine Tankstelle oder Ähnliches in Sicht. Ich schob den Roller und merkte schnell, dass er zu schwer war, um ihn mehrere Kilometer zu schieben. Was sollte ich tun? Wider besseres Wissen streckte ich meinen Daumen raus, um ein Auto anzuhalten – vielleicht könnte das Auto mich ja zur nächsten Tankstelle fahren, um Öl zu besorgen. Nach einer Viertelstunde blinkte ein LKW und hielt auf dem Standstreifen. Ich rannte dem aussteigenden Fahrer, der mir zurief: „Was ist los?“, entgegen und erzählte ihm die Lage. Wegen des Öls winkte er ab, bot mir aber an, den „Bock“ aufzuladen. Er müsste nach Siegen, bis dahin könnte ich mitkommen. Ich war perplex und gemeinsam hievten wir die 185 kg schwere Maschine über eine Bohle in den leeren LKW. Jedes Mal ist es ein Gefühlt wie reine Gnade, beim Trampen mitgenommen zu werden. Diese Erfahrung kannte ich schon als leidenschaftlicher Tramper in der Studienzeit, jetzt aber verschlug es mir die Sprache. Ich hatte nie und nimmer damit gerechnet, dass mich ein LKW samt meinem Roller mitnehmen würde. „Sie sind ein Engel!“ sagte ich zu dem kräftigen Mann um die fünfzig. „Ich bin kein Engel“ entgegnete er, „ich mach nur, was mein Vater uns Jungs beigebracht hat. Der war auch LKW-Fahrer wie seine sieben Jungs und er hat immer gesagt: Wenn jemand deine Hilfe braucht, halt an, frag nach und schau, ob du helfen kannst. Das mache ich und ich bin damit nicht schlecht gefahren.“ „Aber sie stehen doch gewaltig unter Druck, dass sie rechtzeitig von A nach B kommen?!“ „Es gibt Wichtigeres im Leben als sich für den Chef krumm zu machen. Wenn er mich deshalb feuert, soll er machen. Dann suche ich mir ´ne andere Arbeit.“ Diesen rauen, leicht übertriebenen Ton, dieses „Ich – gegen die ganze Welt“, diese Sprache kannte ich. Sie war nicht meine und dennoch imponierte mir die Kraft, die darin war. Mein „Retter“ war einer aus dem Ruhrgebiet, wie ich auch. Zwischendurch funkte seine Frau ihn an, mit ihr sprach er im selben Ton und die beiden verstanden sich, dachte ich bei mir, gerade weil es laut und derb hin- und herging. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass ich jetzt mit meinem Roller Richtung Heimat unterwegs war. Das ist gelebte Nächstenliebe, ohne dick aufzutragen. Das ist Gnade. Mir wird geholfen. Ich bin auf Hilfe angewiesen und jemand Wildfremdes hilft mir. Ich, der ich gerade dabei bin meine Frau zu verlassen und meine Geliebte in Maastricht besucht habe, ich Trottel, der ich kein Öl nachgegossen hatte, mir wird geholfen. Liebe Gemeinde, ich war glücklich und beschämt zugleich. Es war ein schönes Gefühl, dass mir Hilfe widerfuhr und dass ich einem Menschen begegnet war, dem ich sonst nie begegnet wäre. Als er hörte, was ich von Beruf bin, schwieg er lange, bis er auf ein Bild zeigte. Es war mir schon vorher aufgefallen. Es zeigte einen jungen Mann um die zwanzig Jahre. „Das ist mein Sohn“, sagte er „dieser Idiot musste in der Kurve überholen und ich habe immer gesagt, rase nicht so schnell, selbst schuld, jetzt ist er tot…“ In seinen Worten steckte noch der Schmerz über den Verlust seines Sohnes. Das war seine Grenze, seine Ohnmacht, ihn nicht abgehalten zu haben, ihn nicht mehr retten zu können. Aus vorbei. Tod. Leere. Ein schreckliches Widerfahrnis. Was sagte ich darauf? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass es gut war, dass er es ausgesprochen hatte. Jetzt war der Sohn unter uns, ich teilte seine Unruhe mit ihm und wir waren uns nah, näher als wir uns je im normalen Leben gekommen wären. Ist das nicht auch Gnade, sich nahe kommen, für einen Moment gemeinsam Schweres teilen und tragen, manches unausgesprochen zu lassen und dennoch zu spüren: Gott ist jetzt da? Jetzt hatte ich mich vergessen und war ganz bei ihm und seiner Geschichte. Von sich selbst abzusehen kann auch Gnade sein, weil gerade dadurch Erlebnisse geteilt werden und die Zuwendung zum Anderen den anderen bestärkt, sein Erlebtes zu deuten, dem Sinnlosen einen Sinn zu geben oder zumindest dem eigenen Erleben eine Sprache zu geben. Von der Gnade, aufgelesen zu werden, von der Gnade, zur Sprache zu kommen mit dem, was mich bewegt und ausmacht, davon habe ich erzählt. Zeigt dieses kleine, wundersame Erlebnis nicht, dass wir aufeinander angewiesen sind, dass es keinen und keine gibt, der oder die aus sich selbst heraus das Leben allein meistert? Ist es nicht gerade unser Abgeschlossensein, unser Selbstverständnis, uns in jeder Notlage selbst helfen zu müssen, dass solche Erfahrungen, wie sich etwas unverdient fügt, gar nicht erst einstellen? Wir brauchen mehr Mut uns den anderen zuzumuten mit unseren Gefühlen, Fragen und Sehnsüchten. Und wenn wir uns in der einen oder anderen Situation öffnen, werden wir beschenkt werden, und auch die anderen werden uns ihre Bedürftigkeit zeigen. Sich zu öffnen ist auch Gnade, ebenso, wenn eine echte Begegnung geschenkt wird: ein Geben und Nehmen. All das ist mir in den Sinn gekommen, als ich das Predigtwort des Apostels Paulus für heute las. Wenn ich mich in Paulus hineinversetze, sehe ich, wie sehr er seine Lebenswirklichkeit, seine Berufung zum Apostel, seine Mühen, ja selbst sein Scheitern und seine Schwächen, seine ganzen Identitätsfragen zu Gott hin öffnet (Gott anheim stellt) und ihm als Widerhall selbst Gnade widerfährt. Für Paulus scheint es selbstverständlich: Ich bin auf Gott angewiesen. Aber es war für ihn ein langer Weg bis zu dieser Erkenntnis. Hatte er nicht früher selbstgerecht die ersten Christinnen und Christen verfolgt? Verfolgung und Diskriminierung anderer geht oft mit einem hermetisch abgeschlossenen Welt- und Gottesbild einher. Dann aber widerfuhr ihm ein Erlebnis – eine Christusbegegnung –, das ihn veränderte, das ihn öffnete für eine neue Wahrnehmung Gottes und seines Lebens. Deshalb schreibt er den Korinthern und uns heute: „Ich bin das, was ich bin, durch die Gnade Gottes“; selbst das, was ich mache oder was ich erleide, geschieht durch Gottes Gnade. Paulus macht seine Identität an Gott fest, genauer gesagt, an Gottes Liebe. Sie widerfährt ihm in allem. Auch ich habe es erfahren: Selbst dort, wo ich schuldig wurde, wie in der Trennungsgeschichte mit meiner Frau und dem Auseinanderbrechen der Familie, überlässt mich Gott nicht mir selbst, sondern begegnet mir gnädig im menschlichen Du und in der konkreten Hilfe. „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Wenn wir uns für diese Sichtweise öffnen, werden wir Gottes Gnade erfahren und gnädig sein: zu uns selbst, zu anderen und zu allem, was uns begegnet in dieser Welt. Diese Gnade ist nicht beliebig und hat auch nichts mit Laisser-faire zu tun; sie ist eine streitbare Gnade für die Menschen und für die gesamte Schöpfung, sie ist voller Energie, weil sie von der Liebe Gottes gespeist wird. Wir sind auf Gott angewiesen und verweisen auf ihn. Lasst uns so in die neue Woche gehen. Amen
Laudatio auf die Predigt „Gnade erfahren“ von Joachim Wehrenbrecht (von Martin Eberstein und Dr. Volker Lehnert) Wie predigt man Männern? Was ist eine männertheologisch gelungene Predigt? Wie kann geschlechtergerechte Sprache und Gedankenführung mannsgerecht gestaltet werden ohne in neue alte Klischees zu verfallen? Unsere diesjährige Preisträgerpredigt zeigt, wie es gelingen kann. Der Prediger setzt ein mit einer Situation, die in der Tat bei Männern häufiger eintreten dürfte. Er nimmt seine Zuhörer mit auf eine Motorrollerreise. Und er lässt sie teilhaben an einer Panne mitten auf der Autobahn. Kein Sprit? Kein Öl? Die nächste Ausfahrt noch weit weg. Es klingt glaubhaft, wie der Erzähler seine Not am Straßenrand schildert. Wir bangen mit: Was nun? Woher kommt ihm Hilfe? Wie geht es weiter? Dann naht sie, die Hilfe. Ein zupackender LKW-Fahrer hält an und lädt den Pannenroller auf. Er hat von seinem Vater offenbar nicht nur gelernt zu fragen, ob jemand Hilfe braucht. Selbst wenn dadurch der Zeitplan des Chefs durcheinander gerät. Es gibt eben nichts Gutes, außer man tut es. Lukas 10 wird Realität. Im LKW wird der Aufgelesene zum Seelsorger. Das Foto des tödlich verunglückten Sohns am Armaturenbrett stiftet eine Verbindung zwischen LKW-Fahrer und seinem neuen Beifahrer. Und wieder es bedarf nicht vieler Worte. Schweigend teilen sie den Schmerz über das Unglück. Zuwendung vollzieht sich. Ein Engel? Kein gelber, aber so etwas ähnliches. Es müssen ja auch nicht ‚immer Männer mit Flügeln sein, die Engel‘ (R.O. Wiemer). Der Mitfahrer zeigt sich fast beschämt. Hilfe? Mir? Recht unvermittelt kommt es zu einem Selbstbekenntnis des Predigers: Er trägt nicht nur selbst Schuld an seiner Panne, weil er Motoröl vergessen hatte; er sieht die Analogie in seinem Leben und räumt seinen Ehebruch ein. Die Situation wird zur Metapher, transparent für Existenzfragen. Nicht geölte Beziehungen bleiben eben auch liegen. Und die Gnade rechtfertigt, nicht den Ehebruch, wohl aber den nicht vollkommenen Menschen. Dann die direktere Zuwendung des Predigers zur Gemeinde. Entscheidend sind Offenheit und Zuwendung. Seine Misere und der Verlust des Fahrers. Beides schmerzt. Es wird deutlich, wie sehr sie sich begegnen. Niemand meistert sein Leben allein. Aber: Es erfordert Mut, sich anderen zu öffnen. Und Vertrauen. Und da ist sie dann plötzlich, die Frage nach Gott: „Ist Gott da?“. Der Prediger vermag nun von sich ganz abzusehen, ganz auf IHN und den anderen Menschen. Auch das ist Erlösung: Absehen können von sich selbst! So wird der Prediger gleich zweimal von der „Gnade aufgelesen“, einmal am Straßenrand und einmal auf seinem Lebensweg. Wie Paulus damals vor Damaskus: „Aus Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ (1 Kor 15,10). Dass Paulus hier ursprünglich von seiner Berufung ins Apostolat spricht, geht auf Kulanz. Gnade gilt auch existenziell – die Predigt zeigt in welcher Weise. Wir werden gehalten, auch wenn wir fallen. Das ist Gnade. Der letzte Satz der Predigt lautet: „Wir sind auf Gott angewiesen und verweisen auf ihn. Lasst uns so in die neue Woche gehen“. Machen wir!
„Gnade – Womit habe ich das verdient?“ (von Frank Karpa) Einleitung Dieser Gottesdienst war der Teil meiner diesjährigen Predigtreihe „Mann, Luther!“, die im ersten Halbjahr 2017 in verschiedenen Kirchen unseres Kirchenkreises stattgefunden hat. Die Predigt nimmt Bezug auf Eph. 2,4-10 und Luthers Vorrede zu seiner Übersetzung des Römerbriefs. 1. Lesung: Brief an die Epheser (2, 4-10) Die erste Lesung steht im Brief an die Gemeinde in Ephesus, im 2. Kapitel. Da steht geschrieben: Gott ist reich an Barmherzigkeit. Er hat uns seine ganze Liebe geschenkt und uns zusammen mit Christus lebendig gemacht. Das tat er, obwohl wir aufgrund unserer Verfehlungen doch tot waren. – Ihr seid also aus Gnade gerettet! – Gott hat uns mit Christus auferweckt und zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben. Denn wir gehören zu Jesus Christus! So wollte Gott für alle Zukunft zeigen, wie unendlich reich seine Gnade ist: die Güte, die er uns erweist, die wir zu Jesus Christus gehören. Denn aus Gnade seid ihr gerettet – durch den Glauben. Und das verdankt ihr nicht eurer eigenen Leistung, sondern es ist Gottes Geschenk. Er gibt es unabhängig von irgendwelchen Taten, damit niemand sich damit brüsten kann. Denn wir sind Gottes Werk, neu geschaffen mit Jesus Christus, dazu bestimmt, zu wirken, was Gott wirkt, weil er uns dazu befähigt hat. 2. Lesung: Aus Luthers Vorrede zu seiner Übersetzung des Römerbriefs Der Glaube ist ein göttliches Werk in uns, das uns wandelt und […] aus uns ganz andere Menschen macht in Herz, Gemüt, Sinn und allen Kräften. Der Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade […]. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und voller Lust gegenüber Gott und allen Kreaturen: Das macht der Heilige Geist im Glauben. Daher wird der Mensch ohne Zwang willig und voller Lust, jedermann Gutes zu tun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden, Gott zu Liebe und ihm zum Lob, der einem solche Gnade gezeigt hat. Predigt Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. I. „Wer ein guter Fußballer sein will, der muss das ‚simul‘ klar haben.“ Es wird ein Championsleague-Halbfinale oder WM-Qualifikationsspiel gewesen sein, als ich diesen Satz hörte. Tatsächlich weiß ich nicht mehr, wer da gegen wen spielte, nicht mal ob es ein Länderspiel war, oder es um einen der europäischen Vereinswettbewerbe ging. Aber dieser Satz ist mir doch nachhaltig in Erinnerung geblieben. Das Seminar bei meinem Theologieprofessor hatte ausnahmsweise mal bei ihm zu Hause stattgefunden. Als die Arbeit dann getan war, setzten wir uns vor den Fernseher, um gemeinsam Fußball zu gucken. Und dabei fiel eben jener Satz, den ich auch so viele Jahre später noch im Kopf habe: „Wer ein guter Fußballer sein will, der muss das ‚simul‘ klar haben.“ Ich glaube, ich habe mir das deshalb gemerkt, weil mein theologischer Lehrer da zwei Dinge zusammenbrachte, die scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben: Das theologische Vokabular der protestantischen Theologie einerseits und die Gesetzmäßigkeiten im Profisport „Fußball“ auf der anderen Seite. Am Anfang habe ich mir den Satz wohl vor allem wegen dieser kuriosen Verknüpfung zweier Lebenswelten gemerkt, die vermeintlich so weit von einander entfernt sind, wie die Erde vom Mond. Aber im Laufe der Jahre ist mir diese Formulierung immer wieder in den Sinn gekommen, und hat sich als zutreffend erwiesen. Und das hat mich daran erinnert, dass eine gute Theologie alle Lebensbereiche – auch scheinbar ganz weit entfernte – durchdringt, wie geschehen in dem Satz: „Wer ein guter Fußballer sein will, der muss das ‚simul‘ klar haben.“ II. Was hat es nun mit diesem „simul“ auf sich? Wer Latein in der Schule hatte, mag sich möglicherweise noch daran erinnern, dass dieses Wort mit „zugleich“ oder „gleichzeitig“ zu übersetzen ist. Aber damit ist natürlich gar nichts erklärt. Für eine Erklärung muss ich etwas weiter ausholen und einen Szenenwechsel machen – weg vom Fußballplatz hin zum Abort des Wittenberger Augustinerklosters. Denn an dieser Stelle hatte Martin Luther sein sogenanntes Turmerlebnis. Noch Jahre später erinnert sich der Reformator, dass ihn hier die entscheidende Erkenntnis seines Lebens überkam: Die Entdeckung der Gnade. Natürlich hatte er schon zuvor als Student und später Doktor der Theologie allerlei über die Gnade gelesen, er kannte die biblischen Texte und die kirchliche Lehre dazu, aber wie das mit der Gnade wirklich zu verstehen ist, dass ging ihm eben erst hier – auf dem Klo – auf. „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Lange Zeit hatte Luther sich zuvor mit dieser Frage herumgeschlagen, wie er selbst – und ebenso auch alle anderen Menschen – vor Gott bestehen können, wo doch klar ist, dass niemand ohne Fehler ist, dass es keinen gibt, der für sich in Anspruch nehmen kann, dass sein Leben tadellos ist, sondern zum Leben eben Versagen und Schuld dazugehören. Oder um es im theologischen Vokabular auszudrücken: wo doch klar ist, dass wir alle Sünder sind. Diese Frage ließ ihm keine Ruhe und die Antwort, die die Kirche seiner Zeit auf diese Frage hatte, beruhigte ihn auch nicht: Diese kirchenoffizielle Antwort lautete: Wenn wir Menschen nur genügend Bußleistungen erbringen,dann können wir von uns aus mit Gott ins Reine kommen. Bekanntlich betrieb die Kirche mit diesen Bußleistungen sogar einen regen Handel: Man konnte einen Ablassbrief erwerben und sich oder seine Angehörigen so freikaufen von der Last der Sünde. „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Wie kann ich vor Gott bestehen? Die einfache Antwort der Kirche lautete also: Ich muss entweder viel leisten und weiß trotzdem nie, ob es tatsächlich genug ist, was ich tue, um mit Gott ins Reine zu kommen. Oder ich muss viel zahlen und kann mich so von der Sündenlast befreien. Aber dann – im sogenannten „Turm“ des Klosters – ging Luther offenbar die biblischen Texte noch einmal in Gedanken durch und begriff auf einmal, dass Gnade wirklich Gnade heißt. Dass wir vor Gott bestehen können, das schenkt er uns, ohne dass wir etwas dazu beitragen müssen oder überhaupt etwas dazu beitragen könnten. Mit der Gnade Gottes sind eben nicht irgendwelche verkappten Forderungen verbunden, sondern sie ist gratis. Es geht nicht um das, was wir tun oder zahlen können, sondern nur darum, dieses Geschenk anzunehmen, indem wir darauf vertrauen. So wie wir es in dem biblischen Lesungstext gehört haben: „Aus Gnade seid ihr gerettet – durch den Glauben. Und das verdankt ihr nicht eurer eigenen Leistung, sondern es ist Gottes Geschenk.“ III. Sie ahnen oder wissen es schon längst: Dieses Schlüsselerlebnis im Turm war die Grundlage für Luthers 95 Thesen und damit letztlich der Anstoß für den Streit um den Ablass. Mit dieser bahnbrechenden Entdeckung der Gnade im Rücken kämpfte Luther gegen alle Geschäftemacherei der Kirchenfunktionäre seiner Zeit. Aus heutiger Sicht kann einem dieser ganze Streit schon eigenartig fremd vorkommen. Denn die wenigsten Menschen kommen heute noch auf die Idee, sich vor einem Fegefeuer zu fürchten. Die wenigsten Menschen glauben, dass es im Leben darum geht, sich vor Gott Verdienste zu erarbeiten. Und es mutet aus heutiger Sicht geradezu absurd an, dass Menschen wirklich ernsthaft gedacht haben, man könne sich erkaufen, dass man vor Gott gut dasteht. Auch die Gnade hat heute keinen guten Ruf. Denn das Reden von der Gnade steht in dem Verdacht, Menschen klein zu machen. Wenn wir von der Sünde und der Gnade zu sprechen anfangen, dann antwortet unser aufgeklärtes, zeitgenössisches Bewusstsein: „Geh mir damit weg! Ich will nicht von dir zum Sünder erklärt werden, nur damit du mir anschließend deine Gnade andrehen kannst.“ Selbst wenn damit kein Handel im eigentlichen Sinne betrieben wird, wie seinerzeit mit den Ablassbriefen, so misstrauen wir Menschen unserer Zeit doch der Rede von Sünde und Gnade. Der Tenor dieses Argwohns lautet: „Ich habe keine Lust, mich von dir schlechtreden zu lassen, und dann anschließend zu Kreuze kriechen zu müssen.“ Ja, man kann sagen: Den Menschen unserer Zeit ist eigentlich diese ganze Fragestellung, die Luther und seine Zeitgenossen so sehr umtrieb, fremd. „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Diese Frage raubt im Jahr 2017 nicht annähernd so vielen Menschen den Schlaf, wie sie es im Jahr 1517 getan hat. III. Ist damit der Kernimpuls der Reformation also aus der Zeit gefallen? Wenn die Grundfrage, die Luther und die übrigen Menschen damals so sehr bewegt hat, uns gar nicht mehr beschäftigt, heißt das das dann, dass auch die Antwort auf diese Frage uns Heutigen nichts mehr zu sagen hat? Ich glaube nicht. Ich glaube, es gilt vielmehr, die Frage nach dem gnädigen Gott in unsere Zeit zu übersetzen, also zu überlegen, was die Entsprechung dieser Frage in der Gegenwart ist. Ich glaube, die Grundfrage, die Menschen heute so beschäftigt und bewegt, wie seinerzeit die Frage nach dem gnädigen Gott lautet: Wie gelingt mein Leben? Und interessanterweise sind die Antworten, die uns heute auf diese Frage gegeben werden, den Antworten von damals sehr ähnlich. Da ist zunächst die Antwort: Dass dein Leben gelingt, dafür musst du selbst sorgen. Die ganze moderne Ratgeberliteratur ist voller solcher Hinweise, was zu tun ist, damit man etwas aus seinem Leben macht. Ähnlich wie man zu Luthers Zeit den Menschen eingeredet hat, sie müssten nur hart genug für ihre Gnade arbeiten, so vermitteln uns viele dieser Ratgeber die Illusion, dass es einfach Handlungsrezepte zu befolgen gilt, um sich ein gelingendes Leben zu schaffen. „Der Weg zum Glück in 7 Schritten!“ oder so ähnlich heißen die verheißungsvollen Titel. In die gleiche Richtung gehen die Selbstoptimierungs-Apps, die es inzwischen gibt. Das sind Handyprogramme, die die Schritte zählen, die man am Tag geht, die die eigene Arbeitseffizienz steuern, die die Ernährung kontrollieren, ja, die sogar den Schlaf überwachen und messen, ob man sich in der Nacht effektiv genug erholt hat. In einem Interview erklärt ein solcher Selbstoptimierer sein Motiv dafür, warum er seinen ganzen Alltag einem solchen ständigen Optimierungscheck unterzieht. Er sagt: „Wenn ich sehe, dass ich meine Ziele erreiche, macht mich das glücklich. Früher hatte ich immer ein gewisses Schuldgefühl, weil ich dachte, ich arbeite nicht genug oder ich verschwende meine Zeit. Und jetzt, da es messbar ist, kann ich mich endlich kontrollieren.“ („Die ZEIT“) Wir sind damit auf einer Spur, die uns zur Grundprogrammierung führt, die vor allem in vielen Männern angelegt ist. Der Code dieser Programmierung lautet: Mach was aus deinem Leben, indem du etwas schaffst, indem du dir etwas erarbeitest, indem du durch deine Leistung bestätigst, dass du zu recht an der Stelle bist, an der du stehst. Aber wann ist es denn genug? Wann habe ich denn ausreichend gearbeitet? Wann bin ich denn weit genug in meiner Karriere vorangekommen? Ähnlich wie Luther getrieben wurde von der Angst, nicht ausreichend viel getan zu haben, um vor Gott zu bestehen, gibt es heute viele – v.a. – Männer, die von dieser Programmierung getrieben werden, die sich vor allem über ihre Leistung definieren, über das, was sie sie schaffen und erreicht haben. Und sogar, was uns mit Blick auf die Reformationszeit besonders absurd vorkam, nämlich dass Menschen versuchten, sich die Gnade Gottes zu erkaufen, hat seine moderne Entsprechung in dem Irrglauben, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Lebensglück und Konsum. So wie also 1517 Luther laut wurde gegen den Ablasshandel und das gnadenlose Hamsterrad der Bußübungen,so müssen wir heute deutlich werden gegenüber diesen gnadenlosen Programmierungen und dem Irrglauben unserer Zeit. Noch einmal: Im Epheserbrief heißt es: „Aus Gnade seid ihr gerettet – durch den Glauben. Und das verdankt ihr nicht eurer eigenen Leistung, sondern es ist Gottes Geschenk.“ In unsere Zeit übersetzt heißt das: Das, worum es im Leben geht, kann man sich nicht erarbeiten und schon gar nicht erkaufen. Das, was mein Leben erfüllt, ist am Ende des Tages nicht meine Leistung oder mein Portemonnaie, sondern das, was mir geschenkt wird, was mir an Glück und Liebe widerfährt, ohne dass ich das selbst machen könnte. IV. Kommen wir also zurück zu dem Satz, mit dem ich diese Predigt begonnen habe: „Wer ein guter Fußballer sein will, der muss das ‚simul‘ klar haben.“ Dieses ‚simul‘ stammt aus dem reformatorischen Lehrsatz, wonach wir Menschen immer „simul peccator et iustus“ sind. „Simul peccator et iustus“ das bedeutet auf deutsch: „Zugleich Sünder und Gerechte“. Wir sind also in jedem Augenblick unseres Lebens immer beides: Menschen, die Fehler machen, die Dinge vergeigen, die anderen etwas schuldig bleiben, die am Leben vorbeileben, und zugleich Menschen, die etwas leisten, die sich daran freuen können, was ihnen gelingt, und die auch noch in dem Moment angenommen sind, wo sie versagt haben. Wenn ein Fußballer das ‚simul‘ klar hat, dann wird er – wenn er ein brillantes Tor geschossen hat – wissen, dass vielleicht etwas Glück dazugehörte, dass er zuvor ein gutes Zuspiel bekommen hat und dass das, was er kann, eine Mischung ist aus eigener harter Arbeit und geschenktem Talent. Und er wird beim verschossenen Elfmeter wissen, dass er mehr ist als dieser eine Moment des Misslingens. Er wird also weder das eine noch das andere absolut setzen, weder die eigene Leistung noch das eigene Misslingen. So wird er nach einem guten Spiel nicht nur sich selbst abfeiern und nach einem schlechten Spiel nicht mit der Brechstange versuchen, es jetzt besser zu machen. Denn so viel ist doch klar: das unbedingte Wollen führt zur Verkrampfung, auf dem Fußballplatz genauso wie im übrigen Leben. Wenn er das ‚simul‘ klar hat, dann nimmt er das geschenkte Talent an und arbeitet damit. Doch so anspruchsvoll und leistungsorientiert sein Trainingsprogramm dabei auch sein mag – Er wird nur dann ein guter Fußballer sein, wenn er etwas von der Haltung der Gelassenheit hat, von der wir in der zweiten Lesung gehört haben, die Gelassenheit dessen, der um die Gnade weiß oder zumindest ahnt, dass es sie gibt. Diese Haltung, die Luther als eine „verwegene Zuversicht“ beschreibt, und die uns – wie es da heißt – manchmal fröhlich, manchmal trotzig und manchmal voller Lust sein lässt. Und damit wird hoffentlich deutlich, dass der Sinn vom Glauben an die Gnade nicht ist, Menschen klein zu machen, sondern im Gegenteil: Der Sinn des Vertrauens auf die Gnade ist es, in dieser vitalen Lebenshaltung zu leben. Natürlich ist es nicht falsch, sich anzustrengen, es gut machen zu wollen, seine Leistung auf der Position abzuliefern, auf der man eingesetzt wird. Aber das Vertrauen auf die Gnade weiß, dass wir zum Glück mehr sind als das, was wir können, leisten oder erreichen. Das Vertrauen auf die Gnade hilft uns, die eigene Leistung zu relativieren, weil wir wissen, dass das, was wir leisten, gegenüber allem, was uns geschenkt wird, eigentlich nicht ins Gewicht fällt. Das Vertrauen auf die Gnade richtet uns nach Niederlagen wieder auf und hilft uns, nach Siegen auf dem Teppich zu bleiben. Im Vertrauen auf die Gnade können wir entspannt mit unserem Scheitern, unseren Fehlpässen und Misserfolgen leben, und müssen uns daran nicht festbeißen und verkrampfen. Das Vertrauen auf die Gnade hilft uns, Freude an dem Spiel zu haben, das unser Leben ist. Amen. Und der Friede Gottes der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Laudatio auf die Predigt „Gnade – Womit habe ich das verdient?“ von Frank Karpa (von Gerd Kiefer) Was haben Profi-Fußball, ein Klo, Theologie und die Erkenntnis des Lebens aus Gnade miteinander zu tun? Für Frank Karpa verknüpft sich da einiges, was sonst schwer zu sagen wäre. „Wer ein guter Fußballer sein will, der muss das ‚simul‘ klar haben.“ Damit setzt er ein – und zieht die Hörenden sofort in den Bann. Fußball – keine Frage, das ist ein Männerthema. Und „das ‚simul‘“? Für theologisch Vorgebildete rattert bei dem Begriff sofort eine Assoziationskette los: Fußball und Reformationstheologie – interessant! Die anderen werden vielleicht vermuten, dass es um eine raffinierte taktische Formel geht – und lassen sich dann schon aus Neugier darauf ein, sich etwas erklären zu lassen. Denn es ist eine lehrhafte Predigt, die Frank Karpa vorlegt. Er hat sie ursprünglich für eine Predigtreihe im Jahr des Reformationsjubiläums entworfen, und sie verlangt vom Hörenden, Männern zumal, Geduld und die Bereitschaft, sich mitnehmen zu lassen auf den Weg der Erklärung, was denn die Reformatoren mit Gnade gemeint haben mögen. Da ist es ein hilfreicher Kniff, eine Nebenspur zu legen bzw. das hochtheologische Thema der „Rechtfertigung durch Glaube aus Gnade“ herunterzubrechen auf die Höhe der Alltagserfahrungen. Etwa in der Einsicht, dass ein versierter Fußballer sich bei einem verwegenen Schuss nicht und niemals auf sein Können allein verlassen wird. Und dass die Erkenntnis von der Gnade Luther auf dem Wittenberger Abtritt traf. Unvermutet werden unsere ganz normalen Verrichtungen durchbrochen – das kennen alle – und auf einmal weisen sie auf einen größeren, zuweilen ganz großen, ja lebensentscheidenden Zusammenhang. Denn im täglichen Leben begrübelt ja kein Mann andauernd Fragen wie: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“, oder, von Karpa für heute übersetzt: „Wie gelingt mein Leben?“ Und die Antworten, die die Theologie liefert, liegen Männern eben genauso fern. Karpa nimmt die Zielgruppe der Männer ernst, indem er diesen Abstand zum Thema der Predigt zugrundelegt. So stellt er richtig fest: „ … die Gnade hat heute keinen guten Ruf. […]Wenn wir von der Sünde und der Gnade zu sprechen anfangen, dann antwortet unser aufgeklärtes, zeitgenössisches Bewusstsein: „Geh mir damit weg! Ich will nicht von dir zum Sünder erklärt werden, nur damit du mir anschließend deine Gnade andrehen kannst.“ So etwas tut dem Hörer gut, und ermöglicht es ihm erst, genauer darauf zu lauschen, was dann doch wesentlich für ihn sein kann. Etwa dies: „… das Vertrauen auf die Gnade weiß, dass wir zum Glück mehr sind als das, was wir können, leisten oder erreichen. Das Vertrauen auf die Gnade hilft uns, die eigene Leistung zu relativieren, weil wir wissen, dass das, was wir leisten, gegenüber allem, was uns geschenkt wird, eigentlich nicht ins Gewicht fällt.“ Und schließlich: „Das Vertrauen auf die Gnade hilft uns, Freude an dem Spiel zu haben, das unser Leben ist.“ Mit solchem Vertrauen hat sich Frank Karpa an unserer Ausschreibung zum Männertheologischen Predigtpreis beteiligt. Er selbst muss heute gewiss nicht „die eigene Leistung relativieren“, sondern er darf sich über den von der Jury vergebenen zweiten Platz freuen und die Anerkennung genießen. Und wenn es nicht der erste Platz war, so helfen ihm bestimmt die eigenen Worte: Nicht nur ein erfolgreiche Fußballer, auch ein Pastor hat „das ‚simul‘ klar“!
„Gnade erfahren heißt Vergebung erfahren“ (von Helmut Herberg) Die halbleere Wohnung, die Berge von ungespültem Geschirr in der Küche, der übervolle Wäschekorb, manchmal spürte er den Drang alles aus dem Fenster zu werfen. Und… ja, und ganz neu anzufangen. Aber wo anfangen? Und was heißt da neu? Seit seiner Frau ausgezogen war, beschlich ihn oft gleich nach dem Aufwachen das quälende Gefühl, etwas Wesentliches versäumt, etwas falsch gemacht zu haben. Und in dieses Gefühl mischte sich Hilflosigkeit. Nein, das war eher wie ein Zwang, wie ein inneres Verbot zu leben, lebendig zu sein. Sollte das alles gewesen sein?, fragte er sich selbst im Spiegel. Thomas! Ich muss Thomas heute Mittag von der Schule abholen. Er bleibt dann bis Sonntagabend bei mir. Wo soll ich mit ihm hin? Was soll ich mit ihm unternehmen? Einen Augenblick überlegte er, ob er mit seinem achtjährigen Sohn verreisen sollte, irgendwohin in ein Hotel. Oder... Er konnte sich, wie so oft, nicht entschließen. Aber wenn Thomas den ganzen Dreck hier sieht!? Das Chaos in meinen vier Wänden!? „Horst, du kannst nur einen Weg gehen“, hatte seine Grundschullehrerin oft zu ihm gesagt. Merkwürdig, dachte er, dass mir in letzter Zeit dieser Satz immer wieder einfällt. Du kannst nur einen Weg gehen. Ob ich mal mit der alten Else reden sollte? Kurzentschlossen setzte er sich auf seine Rad und fuhr in die Grabenstraße 15. Die alte Elsen Nerbig ich saß am Küchentisch und flickte die Kleider ihre Enkelkinder. „Entschuldigen Sie”“ sie, begann er: „aber ich muss mal mit ihm reden…“ „Du kommst spät“, sagte sie ohne aufzuschauen. Hat die Alte auf mich gewartet?, dachte er einen Augenblick. Wie meinen Sie das?, wollte er fragen, zögerte aber und antwortete: „Ich weiß oft nicht mehr, was ich tun soll.“ Die alte Lehrerin hob langsam den Kopf und schaute ihn mit großen Augen an:“Du bist nicht zu Hause bei dir“, sagte sie langsam. „Ja, ja“, stammelte er, „ich grüble in letzter Zeit zu viel.“ Sie schüttelte den Kopf: „Du lebst im gestern, hängst an dem wie es hätte sein sollen. Oder, sie zögerte, „oder du verfällst, wie in der Schule, deine Tagträumen, wie du sein möchtest. Und wenn du dich dann mit deinen Idealen vergleichst, bist du klein, traurig und unzufrieden. Wer nicht in sich zu Hause ist, kann nirgendwo hingehen.“ Jetzt fängt sie an zu spinnen, dachte er und entschloss sich zu gehen. Doch plötzlich stand die alte Frau auf, schaute zum Himmel und rief: „Oh, es wird gleich regnen, meine Wäsche, mein Heu, das Heu für die Hasen!“ Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Heu in den kleinen Schuppen zu tragen. „Wenn du nicht gewesen wärst...“, sagte sie, als die ersten Tropfen fielen. Dabei drückte sie ihm den Wäschekorb die Hand und wies den Weg nach oben, die schmale Treppe hinauf. „Wo waren wir stehengeblieben?“, fragt sie, als sie sich wieder am Küchentisch gegenüber saßen. „Beim zu Hause sein“, antwortete er mürrisch. Sie lachte: „Die wenigsten Menschen sind bei sich zu Hause und darum immer in Eile. Sie haben keine Bleibe. Zu Hause sein beginnt im eigenen Herzen.“ „Ich halte es bei mir nicht aus, verstehst du!“, rief er aufgebracht. „Ich habe schon viel zu viel falsch gemacht!“ Sie nickte: „Du musst nach Hause kommen!“ „Und wie, bitteschön?“ Er dachte wieder ans Aufstehen und Gehen. „Indem du Frieden schließt mit dem, was war.“ „Sie meinen, ich sollte mir meine Fehler vergeben. Das habe ich schon hunderte Male gemacht.“ „Nicht selbst vergeben – vergeben lassen“, sagte sie ruhig, „von dem da.“ Sie zeigte auf das Kruzifix an der Wand. „Wie sagte er doch: Dir sind deine Sünden vergeben und nimm dein Bett und geh. Beides gehört zusammen, den vergeben hast Chancen geben, Chancen zu einem Neuanfang. Chancen alte Fehler nicht zu wiederholen. Das Leben liegt vor dir, mein lieber, nicht hinter dir!“ Sie sagte das wie eine Prophetin und verfiel in ein tiefes Schweigen. „Übrigens“, füge sie dann leise hinzu, „das haben nur wenige verstanden: Er“, und sie zeigte wiederum auf den gekreuzigten Christus, „er ist für seine Botschaft gestorben. Ja, er hat sein Blut dafür vergossen. Einige gelehrte Leute haben aus seinem Tod eine neue Lehre, eine Erlösungslehre, machen wollen. Aber er hat keine neue Lehre gebracht, sondern vorgelebt was Versöhnung nach den Worten der Väter und Mütter seines Volkes bedeutet: Nahe kommen, Gott nahe kommen, den Menschen nahekommen. Vergeben heißt Chancen geben, Chancen zum Leben. „Bei ihnen war Religion nie langweilig“, sagte Horst ein wenig verlegen. Die alte Else nahm das Kompliment gerne an. „Danke“, rief sie, stand auf und ging zum Herd. „Tut mir leid, ich muss jetzt kochen.“ Sie ließ ihn sitzen und begann, am Küchenherd zu hantieren. „Oh je!“ Er sprang auf. „Oh je!, ich muss meinen Sohn von der Schule abholen!“ „Siehst du…“, sagte sie und schaute ihn dabei aus den Augenwinkeln an. Als er dann die schmale Treppe hinunterstieg, stand sie oben am Geländer: „Wundere Dich nicht, wenn du in den kommenden Tagen traurig sein wirst und weinen kannst.“ Nach Weinen ist mir gerade nicht zu Mute“, rief er zurück und ließ die Tür ins Schloss fallen. Thomas, sein Sohn, war sehr erstaunt, als ihn sein Vater in die Arme nahm, fest an sich drückte und sagte: „Na, wie war es in der Schule?“ „Papa“, sagte Thomas am Abend, „du bist heute so anders. Ist was?“ Sein Vater lächelte: „Ja, es ist viel los und ich bin gespannt auf morgen.“ Thomas konnte lange nicht einschlafen. In der Stimme seines Vaters lag eine Traurigkeit, dachte er, traurig und müde klang seine Stimme, und doch irgendwie sehr erwartungsvoll...
Laudatio auf die Predigt „Gnade erfahren heißt Vergebung erfahren“ von Helmut Herberg (von Henning Busse) „Gleich beim Aufwachen beschleicht ihn das quälende Gefühl, etwas Wesentliches versäumt, etwas falsch gemacht zu haben.“ Horst hat den Zusammenbruch seiner Familie erlebt. Eine Situation, die nicht wenige Männer kennen und in die sich noch mehr einfühlen können. In der Wohnung herrscht Chaos. Das Wochenende mit dem Sohn steht bevor. Knapp, aber dennoch anschaulich schildert Helmut Herberg die Situation, die in dem Satz gipfelt: „Es war wie ein Zwang, wie ein inneres Verbot zu leben, lebendig zu sein.“ Die alte Grundschullehrerin Else hatte ihm als Kind gesagt: „Horst, du kannst nur einen Weg gehen.“ In dieser Erinnerung sucht er sie auf. Eine Mischung aus Prophetin und Medium ist sie. Herberg verfremdet bewusst. Die Narration bekommt etwas Märchenhaftes, Zeitloses. Sie hört nicht zu und fühlt sich nicht seelsorgerlich ein. Es scheint als hätte sie ihn erwartet und spricht ihr Orakel. „Du bist nicht bei dir zu Hause. Du lebst im Gestern und hängst an dem, wie es hätte sein sollen. Aber wer nicht zu Hause ist, kann nirgendwohin gehen.“ Es geht ums Friedenschließen mit dem was war. Herberg gelingt es, das Formelhafte dieses Satzes ins Leben zu stellen. „Vergeben habe ich mir schon hundert Mal.“ Es ist kein Leichtes, sich mit dem Alten zu versöhnen. Sie verweist auf das Kruzifix an der Wand. „Vergeben lassen!“, sagt sie und meint wohl das „mehr“ des von außen kommenden Wortes und des von außen herangetragenen Zutrauens. In der Narration Ist ihr Wort selbst das von außen geschehende Ereignis dieses Wortes, durch das sich bei Horst etwas in Bewegung setzt. Indem sie vom Nahekommen spricht, ereignet sich ein Stück unmittelbarer Gnaden-Christologie, nicht als Lehre, sondern als Ereignis. Wie Christus sich als der nahe kommende Gott ereignet, kommen wir Gott nahe, den Menschen nahe, vielleicht auch uns selbst. In der Erzählung ereignet sich gleichzeitig das, was erzählt wird. „Vergebungszuspruch und die Chance zum Leben.“ Ist es dieses Wort, das den Mann Danke sagen lässt? Sich eine Chance geben? Jedenfalls ist ihm nicht zum Weinen zumute, als er aufspringt, um seinen Sohn abzuholen. Ein Stück anfänglicher Veränderung deutet sich an. Positive Gestimmtheit. Sich eine Chance geben. Gespanntsein auf Morgen. Aber billig wird es nicht. Der Sohn hat noch immer die Traurigkeit bemerkt und wie müde die Stimme des Vaters klingt. Nur eine neue Erwartung hat begonnen. Dass es möglich sein könnte, sich eine Chance geben. Eine Chance, den einen, nämlich den eigenen Weg zu gehen. Eine erzählende, kurze Predigt bietet Helmut Herberg, Klinikpfarrer in Ruhe, seiner Predigtgemeinde und besonders den Männern an. Nicht belehrend, sondern tröstend. Nicht analytisch, sondern empathisch. Ohne direkte Ansprache, aber gut zum Mitgehen, und in den quasi zeitlosen Weisheits-Sätzen der alten Else bietet er Anknüpfungen an, die über die Situation hinausgehen. Christus wird nahbar, kommt nah und lässt eine Gnade aufscheinen, die es ermöglicht, im Haus und in der Seele nicht nur Chaos zu sehen, sondern zu sich nach Hause zu kommen. Wer zu Hause ist, kann sich eine Chance geben. Wer zu Hause ist, kann den eigenen Weg neu betreten. Nicht, dass das Alte einfach zurück bleibt. Aber dass sich Neues erwarten lässt, soll nicht im Alten ersticken. Ein Predigt mit Verständnis und eine Predigt zum Mut – nicht nur, aber besonders für Männer.
Der männertheologische Predigtpreis wurde 2013 ins Leben gerufen, um Ideen zu sammeln und gute Beispiele vermitteln zu können, wie eine Auslegung biblischer Texte und eine Verkündigung aussehen kann, die Männer ernst nimmt. Männer sind in Gottesdiensten meistens unterrepräsentiert. Es ist zu vermuten, dass sie sowohl den Gottesdienstgestaltungen als auch insbesondere den Inhalten und Formen der Predigt oft skeptisch gegenüber stehen. Woran mag das liegen? Denn Männer sind an spirituellem Erleben und religiösen Fragen durchaus interessiert! Die Frage ist: Wie werden sie angesprochen und wann fühlen sie sich auch wirklich gemeint? Die evangelischen Einrichtungen für Männerarbeit bemühen sich um den lebendigen Austausch mit den Männern der Gemeinden. Denn Männer wollen auf Augenhöhe angesprochen werden und in ihrer Lebenswelt wahrgenommen werden. Und damit ernst genommen in ihren eigenen Sichtweisen auf die Themen, Inhalte und Ausdrucksformen des Glaubens – und Zweifelns. Ausgehend von den vielen Erfahrungen aus kirchlicher Männerarbeit möchten wir anregen, die Lebensthemen und -wirklichkeiten von Männern in Predigten deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Gebraucht wird fachwissenschaftlich fundiertes Handwerkszeug, um die Lebenswelten von Männern, ihre Spiritualität und ihre Glaubensfragen nachhaltig zu reflektieren und in die Praxis umzusetzen. Dabei muss selbstverständlich bewusst sein: Die Männer gibt es nicht! Es gibt unterschiedliche Bilder von Männlichkeit(en), die differenziert wahrzunehmen sind.
Der männertheologische Predigtpreis wurde 2013 ins Leben gerufen, um Ideen zu sammeln und gute Beispiele vermitteln zu können, wie eine Auslegung biblischer Texte und eine Verkündigung aussehen kann, die Männer ernst nimmt und in ihrer Lebenswirklichkeit erreicht. Die Ausschreibung lehnt sich jeweils an das von der Männerarbeit der EKD beschlossene Jahresthema an. Die Predigten können so auch für eine eigene Gottesdienstfeier anregen bzw. genutzt werden. Ablauf Einsendeschluss war der 31. Juli. Nach dem Auswahlverfahren werden die besten Beiträge unter www.predigtpreis.maennerarbeit-ekd.de veröffentlicht. Die Preistragenden werden zum Männersonntag, 15. Oktober 2017, bekannt gegeben. Die Preisverleihung erfolgt am Abend des 28. November 2017 im Rahmen eines Gottesdienstes im Michaeliskloster Hildesheim. Die Jury: Für die Auswahl und Prämierung der eingereichten Predigten stellt eine Jury großzügig ihre Expertenschaft zur Verfügung. Ihr gehören an: • Pfr. Henning Busse (Landespastor für Männerarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers, Hannover) • Michael Eberstein (früherer Chefredakteur der Evangelischen Zeitung, Hannover) • Pfr. Gerd Kiefer (Vorsitzender der Männerarbeit der EKD, Leiter der Ev. Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft der Ev. Kirche der Pfalz, Kaiserslautern) • Pfr. Dr. Volker A. Lehnert (Kirchenrat, Ausbildungsdezernent im Kirchenamt der Ev. Kirche im Rheinland, Düsseldorf) • Inken Richter-Rethwisch (Oberkirchenrätin im Kirchenamt der EKD, Hannover) • Martin Rosowski (Geschäftsführer Evangelisches Zentrum Frauen und Männer gGmbH, Hannover)
Aus guter, reflektierter Praxis lassen sich neue Impulse gewinnen. Daher zeichnet die Männerarbeit der EKD Predigten aus, die besonders dazu geeignet sind, männerspezifische Fragen für den Verkündigungskontext zu erschließen – aufgrund ihrer männerbezogenen Textauslegung, einer der Situation angemessenen Sprache, ihrer theologischen Fundierung sowie ihrer Innovation und Originalität. Einige Kriterien für die Erstellung und Einschätzung der Predigten: Männerbewusste Zugänge • Werden Themen aus der Lebenswelt von Männern aufgegriffen? • Ist die Lebenswirklichkeit von Männern aufgenommen? • Ist die Botschaft für Männer relevant? • Wird die „männliche“ Perspektive für alle Hörenden nachvollziehbar? • Macht die Predigt – neben der besonderen Wahrnehmung von Männern – die geschlechterübergreifende, verbindende Perspektive des Evangeliums deutlich? Text- und Themenbezug • Sind die zentralen Aussagen des Predigttextes aufgenommen? • Kommt das Leitthema „Gnade! – Womit habe ich das verdient?“ im Bezug zum Text überzeugend zur Sprache? • Werden die leitenden Predigtaussagen schlüssig entfaltet? Gehalt und Gestalt der Predigt • Wird eine Predigtintention und Botschaft deutlich? • Dient die Predigtsprache der Kommunikation mit den Hörenden? • Ist die Predigt in Konzeption und Aufbau angemessen umgesetzt? Wahrnehmung der Predigt-Situation • Ist die Predigt auf die heutige Lebenswelt und die aktuelle Situation der Hörenden bezogen? • Werden die Hörenden mit ihren Assoziationen und Widerständen ernst genommen? • Macht sich der Prediger / die Predigerin als Person authentisch erkennbar?
Am 15. Oktober ist Männersonntag! Seit 1946 empfiehlt die Evangelische Kirche in Deutschland, am 3. Oktobersonntag jeden Jahres einen Gottesdienst zu begehen, der sich in besonderer Weise an Männer wendet. Die Männerarbeit der EKD beschließt jeweils ein Jahresthema, das einen Aspekt aus der Lebenssituation von Männern aufgreift, und das auch für die Feier des Männergottesdienstes empfohlen wird. Das Evangelische Zentrum Frauen und Männer, Fachbereich ev. Männer in Deutschland, gibt dazu jährlich das unter einem jeweiligen Jahresthema stehende “Werkheft” heraus. Es bietet inhaltliche Einführungen sowie Materialien zum Thema, zur Gestaltung von Gottesdiensten, Seminaren und Männer-Treffs.
Infos über das Werkeft:
Impressum: www.predigtpreis.maennerarbeit-ekd.de wird herausgegeben von: Evangelisches Zentrum Frauen und Männer gGmbH Geschäftsführende: Martin Rosowski, Dr. Eske Wollrad Berliner Allee 9-11 30175 Hannover Tel.: 0511.89768.200 Fax: 0511.89768.199 Die Männerarbeit der EKD ist Gesellschafter des Ev. Zentrums Frauen und Männer gGmbH (Verein zur Förderung der Männerarbeit der EKD e. V., Vorsitzender: Pfr. Gerd Kiefer) info@maennerarbeit-ekd.de www.maennerarbeit-ekd.de Bildnachweis: Home und weiteren Seiten: © David-W- / photocase.com (bearbeitet)
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Zentrum Frauen und Männer gGmbH Martin Rosowski (Geschäftsführer) Berliner Allee 9-11 30175 Hannover Tel.: 0511-89768-200 Fax: 0511-89768-199 info@evangelisches-zentrum.de www.evangelisches-zentrum.de Arten der verarbeiteten Daten: • Bestandsdaten (z.B., Namen, Adressen). • Kontaktdaten (z.B., E-Mail, Telefonnummern). • Inhaltsdaten (z.B., Texteingaben, Fotografien, Videos). • Nutzungsdaten (z.B., besuchte Webseiten, Interesse an Inhalten, Zugriffszeiten). • Meta-/Kommunikationsdaten (z.B., Geräte-Informationen, IP-Adressen). • Zweck der Verarbeitung • Zurverfügungstellung des Onlineangebotes, seiner Funktionen und Inhalte. • Beantwortung von Kontaktanfragen und Kommunikation mit Nutzern. • Sicherheitsmaßnahmen. • Reichweitenmessung/Marketing Verwendete Begrifflichkeiten „Personenbezogene Daten“ sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person (im Folgenden „betroffene Person“) beziehen; als identifizierbar wird eine natürliche Person angesehen, die direkt oder indirekt, insbesondere mittels Zuordnung zu einer Kennung wie einem Namen, zu einer Kennnummer, zu Standortdaten, zu einer Online-Kennung (z.B. 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