Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=31.10.2000&Aktenzeichen=VIII%20R%2047/98
Timestamp: 2019-10-17 09:07:54+00:00

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BFH, 31.10.2000 - VIII R 47/98 - dejure.org
https://dejure.org/2000,505
BFH, 31.10.2000 - VIII R 47/98 (https://dejure.org/2000,505)
BFH, Entscheidung vom 31.10.2000 - VIII R 47/98 (https://dejure.org/2000,505)
BFH, Entscheidung vom 31. Januar 2000 - VIII R 47/98 (https://dejure.org/2000,505)
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Zusammenveranlagung von Ehegatten - GmbH - Jahresfehlbetrag - Überschuldung einer GmbH - Darlehensforderung gegen GmbH - Lagebericht zum Jahresabschluss - Einstellung des Geschäftsbetriebes - Rangrücktritt - Geänderter Einkommensteuerbescheid - Verbleibender Verlustabzug ...
BGB § 133; EStG § 17
Im Zweifel ist das als gewollt anzunehmen, was nach den Maßstäben der Rechtsordnung vernünftig ist und der recht verstandenen Interessenlage entspricht (BFH-Urteil vom 31.10.2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589;… BFH-Beschluss vom 6.7.2005 XI B 45/03, BFH/NV 2005, 2029;… Schmidt-Troje in Beermann/Gosch, § 96 FGO Rz. 12).
Im Wege der gebotenen Auslegung (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589) ergibt sich jedoch, dass die Klägerin einen solchen Antrag nicht hat stellen, sondern mit ihrem Antrag nur die gesonderten Feststellungen auf den 31. Dezember 2003 hat anfechten wollen.
Fehlt es, wie hier, jedoch an einer eindeutigen und zweifelsfreien Erklärung des wirklich Gewollten, so ist im Zweifel davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige denjenigen Rechtsbehelf in dem Umfang einlegen wollte, der seinem materiell-rechtlichen Begehren am ehesten zum Erfolg verhilft (vgl. nur BFH-Urteil vom 31. Oktober 2000 - VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589, unter II.1.a, m.w.N.; nachfolgend auch Senatsurteil vom 19. August 2013 - X R 44/11, BFHE 243, 304, BStBl II 2014, 234, Rz 19).
Nach ständiger Rechtsprechung des BFH sind Rechtsbehelfe in entsprechender Anwendung des § 133 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) auszulegen, wenn es an einer eindeutigen und zweifelsfreien Erklärung des wirklich Gewollten fehlt (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589).
Fehlt es an einer eindeutigen und zweifelsfreien Erklärung des tatsächlich gewollten Klagebegehrens, ist der wirkliche Wille des Steuerpflichtigen durch Auslegung seiner Erklärungen in entsprechender Anwendung des § 133 BGB zu ermitteln ( BFH-Urteil vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589; vom 8. Mai 2008 VI R 12/05, BStBl II 2009, 116).
Ungeachtet der Frage, ob dies dem Grunde nach auch für Erklärungen rechtskundiger Personen gilt (…bejahend: BFH-Urteil vom 8. Mai 2008 VI R 12/05, a.a.O.;… verneinend: BFH-Urteil vom 26. April 2006 II R 35/06, BFH/NV 2006, 1800), ist die Erklärung eines Rechtskundigen (z.B. Rechtsanwalt) jedenfalls dann einer Auslegung zugänglich, wenn dieser sich über die rechtliche Tragweite seiner Erklärung nicht im Klaren sein konnte (…Arg. ex BFH-Urteil vom 26. April 2006 II R 35/06, a.a.O.), an seine Erklärung sind lediglich strengere Auslegungsmaßstäbe anzulegen (vgl. BFH-Urteil vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, a.a.O.).
a) Sowohl außerprozessuale als auch prozessuale Rechtsbehelfe sind --wie das FG im Ausgangspunkt zutreffend erkannt hat-- in entsprechender Anwendung des § 133 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auszulegen (BFH-Urteil vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589, unter II.1.a, m.w.N.).
Außerprozessuale und prozessuale Rechtsbehelfe sind in entsprechender Anwendung des § 133 BGB auszulegen, wenn es an einer eindeutigen und zweifelsfreien Erklärung des wirklich Gewollten fehlt (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589;… vom 1. September 1998 VIII R 46/93, BFH/NV 1999, 596;… vom 19. Juni 1997 IV R 51/96, BFH/NV 1998, 6;… vom 30. August 1994 IX R 42/91, BFH/NV 1995, 481).
Im Zweifel ist davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige denjenigen Rechtsbehelf hat einlegen wollen, der seinem materiell-rechtlichen Begehren am ehesten zum Erfolg verhilft (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589, m.w.N.; vom 19. August 2013 X R 44/11, BFHE 243, 304, BStBl II 2014, 234).
Die Verpflichtung des FA und des FG zu einer rechtsschutzgewährenden Auslegung des Einspruchsschreibens ergibt sich in erhöhtem Maße aus der Unübersichtlichkeit und Komplexität der verfahrensrechtlichen Lage hinsichtlich des Verhältnisses zwischen dem Körperschaftsteuerbescheid einerseits und dem Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs nach § 10d Abs. 4 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG andererseits (im Ergebnis ebenso: BFH Urteil vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98 BFH/NV 2001, 589;… Beschluss vom 06. Juli 2005 XI B 45/03, BFH/NV 2005, 2029).
Entsprechendes gilt für die aus der Veräußerung einer wesentlichen Beteiligung entstehenden Verluste (BFH-Urteile vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589; vom 24. April 1997 VIII R 16/94, BFHE 183, 402, BStBl II 1999, 339, unter II. 1. der Gründe, m.w.N.).
Er umfasst nicht nur die zum Erwerb der Beteiligung aufgewendeten Kosten, sondern auch nachträgliche Aufwendungen des Anteilseigners, soweit sie durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst und weder Werbungskosten i.S. der §§ 9, 20 EStG noch Veräußerungskosten sind (BFH-Urteile vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589 vom 24. April 1997 VIII R 16/94, BFHE 183, 402, BStBl II 1999, 339, vom 12. Dezember 2000 VIII R 36/97, BFH/NV 2001, 761 m.w.N.).
26. Januar 1999 VIII R 32/96, BFH/NV 1999, 922, vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589 vom 24. April 1997 VIII R 16/94, BFHE 183, 402, BStBl II 1999, 339; zur krisenbestimmten Finanzierungshilfe vgl. ferner BGH-Urteil 9. März 1992 II ZR 168/91, DB 1992, 981).
Nach diesen Grundsätzen handelte es sich bei dem Darlehen des Klägers auf dem Gesellschafter-Verrechnungskonto zunächst um ein gewöhnliches Darlehen, welches noch vor Eintritt der Krise zu einem krisenbestimmten Darlehen geworden ist und deshalb bei Bemessung der nachträglichen Anschaffungskosten mit dem Nennwert zu berücksichtigen ist (zur Bewertung von krisenbestimmten Darlehen vgl. BFH-Urteile vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589, vom 6. Juli 1999 VIII R 9/98, BFHE 189, 383, BStBl II 1999, 817 …und vom 12. Dezember 2000 VIII R 36/97, BFH/NV 2001, 761).
Kein krisenbestimmtes Darlehen liegt nach der Rechtsprechung des BFH hingegen vor, wenn der Rangrücktritt erst zu einem Zeitpunkt erfolgt, in dem sich die GmbH bereits in der Krise befindet (BFH-Urteil vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589).
Das FG hat jedoch verkannt, dass die von ihm vertretene rechtsschutzgewährende Auslegung des Klageantrags nur dann in Betracht kommt, wenn die Prozesserklärung hierfür Raum lässt, d.h. nach ihrem objektiven Erklärungsgehalt mehrdeutig ist; in ähnlicher Weise ist auch die Umdeutung von Prozesserklärungen daran gebunden, dass die Bezeichnung des fehlerhaften Bescheids auf einem offensichtlichen Rechtsirrtum beruht und deshalb nicht dem wirklichen Willen des Erklärenden entspricht (…BFH-Beschluss vom 22. November 2005 IX B 149/05, BFH/NV 2006, 586; BFH-Urteil vom 31. Oktober 2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589).
Der in der Erklärung verkörperte Wille ist dabei anhand der dem Empfänger erkennbaren Umstände zu ermitteln (…Urteil des BFH vom 30.08.1994 VIIII R 42/91, BFH/NV 1995, 481;… vom 19.06.1997 IV R 51/96, BFH/NV 1998, 6;… vom 01.09.1998 VIII R 46/93, BFH/NV 1999, 596; vom 31.10.2000 VIII R 47/98, BFH/NV 2001, 589).
Eine solche Auslegung kommt auch bei Erklärungen rechtskundiger Personen in Betracht; anderes gilt nur für die sogenannte Umdeutung (…Urteil des BFH vom 29.07.1986 IX R 123/82, BFH/NV 1987, 359; vom 19.06.1997 und 31.10.2000, a.a.O.).
Dabei ist im Zweifel davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige denjenigen Rechtsbehelf hat einlegen wollen, der seinem materiell-rechtlichen Begehren am ehesten zum Erfolg verhilft und damit seiner recht verstandenen Interessenlage entspricht (BFH-Urteile vom 11.09.1986 IV R 11/83, BStBl. II 1987, 5;… vom 08.11.1996 VI R 37/94, BFH/NV 1997, 363; vom 31.10.2000, a.a.O.).
Ein offenkundiges Versehen bei der Bezeichnung des anzufechtenden Verwaltungsakts, das der Adressat der Verfahrenserklärung hätte erkennen können, ist auch dann für die Bestimmung des Erklärungsinhalts irrelevant, wenn es auf Rechtsirrtum beruht (Urteil des BFH vom 31.10.2000, a.a.O.;… Beschluss des BFH vom 02.11.2004 X B 59/04, BFH/NV 2005, 209).
FG München, 21.10.2003 - 6 K 2873/03
Auslegung eines Rechtsschutzbegehrens als Klage; Entnahme eines Grundstücks bei …

References: § 133
 § 17
 § 96
 § 133
 § 133
 § 133
 § 133
 § 10
 § 8