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Timestamp: 2017-05-25 18:20:46+00:00

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Reiserecht - Hochschule Kempten Newsletter Januar 2013 7. Januar 2013
Ausgabe 1/2013 Nummer 144 14. Jahrgang
zuerst wünsche ich Ihnen ein gutes, erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2013!
Wenn ich aus meinem Arbeitszimmer ins Gebirge schaue, ist das Allgäu grün und nur von der Zugspitze glitzert der Schnee! Glauben Sie mir, ich war bisher weder alpin noch mit den Langlaufskiern im Allgäu unterwegs. Reiserechtlich stellt sich daher die Frage, wer trägt eigentlich das Schneerisiko? Mit diesen
Fragen rund um den Schnee im Skiurlaub beschäftigt sich unser Praxistipp auf der Website
www.reiserecht-fuehrich.de und weiter unten in diesem Newsletter!
Wollen wir hoffen, dass der Wettergott im Januar noch ein Einsehen mit unserer Tourismusbranche hat und wir nicht nur in Gletschergebieten Skifahren können. Mit freundlichen Grüßen aus dem grünen Allgäu verbleibe ich als Ihr Führich
################ News im Reiserecht ########################################
+++++++++++++++ Wiesbadener Tabelle ++++++++++++++++++++++++++++++++
RA Prof. Dr. Ronald Schmidt und RA Holger Hopperdietzel die WIESBADENER TABELLE DER FLUGGASTRECHTE fertigt und ins Internet gestellt. Ich war immer der Auffassung,
dass solche tabellarischen Übersichten eine große Hilfe für die Praxis sind, und habe bereits
vor vielen Jahren die Kemptener Reisemängeltabelle publiziert. Die neue Tabelle ist eine
hilfreiche Tabelle, welche die Urteile aller Gerichte zu den EU-Fluggastrechten der VO (EG) Nr. 261/2004 listet. Die Tabelle wird sie laufend aktualisiert.
http://www.reiserecht-fuehrich.de/Kemptener%20Tab%205.03.2011.pdf
+++ Neue EU-Verordnung über die Fahrgastrechte im See- und Binnenschiffsverkehr +++
Am 18. Dezember 2012 trat die Verordnung (EU) Nr. 1177/2010 in Kraft, die Schiffspassagieren ähnliche Mindestrechte wie Flugpassagieren bei Verspätungen und Annullierungen einräumt. Die „EU-Verordnung über die Fahrgastrechte im See- und Binnenschiffsverkehr“ gilt ausdrücklich auch für die Kreuzfahrt.
In einigen wesentlichen Aspekten sind Kreuzfahrtschiffe aber von der Verordnung ausgenommen, sodass sich die Auswirkungen in der Praxis in Grenzen halten meint Franz Neumeier von cruisetricks.
Für welche Kreuzfahrten gilt das neue Recht?
Gültig ist die für Kreuzfahrtschiffe mit Einschiffungshafen in Hoheitsgebiet der EU-Mitgliedstaaten. Entscheidend ist also der Abfahrtshafen der Kreuzfahrt, nicht das Ziel oder die Fahrtroute. Die Verordnung gilt sowohl für Hochsee- als auch Flussschiffe. Die Regelungen gelten auch für Gebiete, die ansonsten einigen Ausnahmeregelungen im EU-Vertrag unterliegen: die Kanarischen Inseln, Madeira, die Azoren sowie die französischen Überseegebiete wie Saint Martin, Martinique, Réunion, Saint Barthélemy, Guadeloupe und Französisch-Guayana. Dagegen gelten die Regelungen nicht für die Färöer-Inseln. Freilich sind diese Definitionen des EU-Hoheitsgebiets lediglich in Hinblick auf die Kanarischen Inseln wirklich relevant, weil für die Gültigkeit bei Kreuzfahrten ausschließlich der Einschiffungshafen zählt.
Die Verordnung definiert eine Schiffsreise erst als Kreuzfahrt, wenn sie ausschließlich „Vergnügungs- und Freizeitzwecken“ dient und mehr als zwei Nächte an Bord umfasst. Kurzkreuzfahrten mit nur zwei Nächten würden also den strengeren Regeln für den „Personenverkehrsdienst“ unterliegen – was vor allem in Hinblick auf Entschädigungszahlungen relevant ist.
Übrigens: EU-Verordnungen sind direkt geltendes Recht – im Gegensatz zu EU-Richtlinien, die nicht direkt wirken, sondern mit denen die EU-Mitgliedsstaaten lediglich gefordert sind, entsprechende nationale Gesetze zu erlassen. Die neue VO ist also bindendes Recht in der gesamten EU.
Bei verspäteter Abfahrt oder gar Absage einer Kreuzfahrt greift die neue Verordnung nur sehr eingeschränkt. Grund: Über die Pauschalreise-Richtlinie beziehungsweise die nationalen Gesetze dazu gibt es hier bereits Entschädigungsregelungen. Kreuzfahrtschiffe sind daher ausdrücklich von Entschädigungszahlungen nach der neuen Verordnung ausgenommen.
Die Passagiere haben bei einer verspäteten Abfahrt von mehr als 90 Minuten Anspruch auf angemessene Verpflegung und Erfrischungen – sofern sie nicht ohnehin bereits am Schiff sind und dort bestens versorgt sind.
Verzögert sich die Abfahrt so lange, dass eine Übernachtung nötig ist (und die Passagiere nicht trotzdem bereits an Bord gehen können), muss die Reederei Hotelübernachtungen und Transport zum Hotel nur dann bereitstellen, wenn sie nicht nachweisen kann, dass die Verspätung wegen Wetterbedingungen entstehen, die die Schiffssicherheit gefährden.
In Hinblick auf mögliche Hotelübernachtungen kann die Reederei ihre Verantwortung übrigens auf maximal drei Nächte und 80 Euro pro Passagier und Nacht begrenzen. Entsprechende Änderungen in den AGB beziehungsweise Reisebedingungen sind also zu erwarten.
Hilfestellung und Informationspflicht für Behinderte
Am meisten dürfte die Fahrgastrechte-Verordnung für den Schiffsverkehr für Behinderte bringen. Hier sind unter anderem umfangreiche Informationspflichten der Reedereien über die Eignung ihrer Schiffe für Behinderte und die zur Verfügung gestellten Hilfeleistungen vorgesehen als auch eine Verpflichtung, Behinderte grundsätzlich gleich zu behandeln wie alle anderen Passagiere.
Die Ausstellung eines Tickets beziehungsweise die Beförderung darf nur abgelehnt werden, wenn dies aus insbesondere aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist oder wenn die Bauart des Schiffs oder des Passagierterminals eine Ein- oder Ausschiffung beziehungsweise Beförderung unmöglich
Außerdem legt die Verordnung zahlreiche Leistungen fest, die Reedereien und Terminalbetreiber für Behinderte kostenlos erbringen müssen, um ihnen die Ein- und Ausschiffung und die Reise zu erleichtern. Dazu zählt auch ein entsprechendes Training der Crew.
Informationspflicht und geregelter Beschwerdeweg
Wie bei der EU-Fluggastrechte-Verordnung sind auch die Reedereien und Terminal-Betreiber verpflichtet, die Passagiere über ihre Rechte aufzuklären. Inwieweit das in der Schifffahrt besser
funktioniert als bei den Airlines, bleibt allerdings zunächst einmal abzuwarten.
Damit die Rechte aus der Verordnung auch durchsetzbar sind, gibt es genaue Regelungen über den Beschwerdeweg. So müssen Passagiere ihre Ansprüche spätestens zwei Monate nach der Reise geltend machen und die Reederei muss innerhalb eines Monats reagieren.
Wetterbedingungen und außergewöhnliche Umstände
Ein Aspekt der neuen Verordnung hat zwar keine direkten Auswirkungen auf Kreuzfahrten und auch nicht auf deutsches Reisevertragsrecht, sorgt abe für Klarheit. Die Verordnung beschäftigt sich mit der Frage, in welchen Situationen die Reederei kein Verschulden an Verspätungen oder Annullierungen trifft: bei extremen Wetterbedingungen und außergewöhnlichen Umständen. Zu letzteren zählt die VO ausdrücklich Terroranschläge, bewaffnete Konflikte und Kriege, Naturkatastrophen, Arbeitskämpfe, Verbringung von kranken Passagieren an Land, Such- und Rettungsaktionen, Umweltschutzgründe sowie Anweisungen und Entscheidungen von Behörden. Den Beweis für das Vorliegen eines solchen Grundes muss im Rahmen der neuen Verordnung immer die Reederei führen.
Alle Rechte nochmals stichwortartig:
- angemessene und zugängliche Informationen für alle Fahrgäste, sowohl vor als auch während der Reise, sowie allgemeine Unterrichtung über die Rechte der Fahrgäste an den Terminals und an Bord der Schiffe;
- angemessene Unterstützung (durch Bereitstellung von Snacks, Mahlzeiten, Erfrischungen und erforderlichenfalls Unterkunftsmöglichkeiten für bis zu drei Nächte mit einer Kostenerstattung von bis zu 80 EUR pro Nacht), falls das Schiff ausfällt oder mit mehr als 90 Minuten Verspätung abfährt;
- die Möglichkeit, zwischen Fahrpreiserstattung und anderweitiger Beförderung wählen zu können, falls das Schiff ausfällt oder mit mehr als 90 Minuten Verspätung abfährt;
- Entschädigung durch Fahrpreisnachlass (zwischen 25 % und 50 %) bei verspäteter Ankunft;
- nichtdiskriminierende Behandlung und kostenlose bedarfsgerechte Hilfe für Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität, sowohl an den Hafenterminals als auch an Bord der Schiffe, sowie finanzielle Entschädigung bei Verlust oder Beschädigung ihrer Mobilitätshilfen;
- die Verpflichtung von Beförderern und Terminalbetreibern, Systeme zur Bearbeitung von Fahrgastbeschwerden einzurichten;
- die Benennung unabhängiger nationaler Stellen, die für die Durchsetzung der Verordnung zuständig sind und dazu gegebenenfalls auch Sanktionen verhängen.
- Fahrgäste, die von einem Unfall auf See betroffen sind, haben Anspruch auf
- Vorschusszahlung (innerhalb von 15 Tagen) zur Deckung der unmittelbaren wirtschaftlichen Bedürfnisse bei Tod oder Körperverletzung;
- direkte Inanspruchnahme des Versicherers des Beförderers bei Tod oder Körperverletzung;
- Anspruch auf angemessene und verständliche Information über diese Rechte vor oder spätestens bei der Abfahrt.
Quellen: http://www.cruisetricks.de/neue-eu-verordnung-nur-geringe-auswirkungen-auf-kreuzfahrt/
http://europa.eu/legislation_summaries/transport/mobility_and_passenger_rights/tr0049_de.htm mehr: www.reiserecht-fuehrich.de
++++++++ Kündigung eines Reisevertrages wegen Aschewolke +++++++++++++++
(18.12.2012) Der für das Reise- und Personenbeförderungsrecht zuständige X. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass ein Reisevertrag über eine Kreuzfahrt wegen höherer Gewalt gekündigt werden darf, wenn die Flugverbindungen zum Ausgangspunkt der Kreuzfahrt wegen eines behördlich angeordneten Flugverbots ausgefallen sind. Der Kläger buchte über ein Reisebüro der Beklagten für sich und seine Ehefrau eine Karibikkreuzfahrt, die von der am Verfahren beteiligten Streithelferin veranstaltet wurde und am 19. April 2010 in Fort Lauderdale/USA beginnen sollte. Die Hin- und Rückflüge sowie weitere Leistungen buchte er gesondert. Im April 2010 wurde aufgrund der von dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull ausgestoßenen Aschewolke ein Flugverbot angeordnet. Der Kläger und seine Ehefrau konnten die gebuchten Flüge in die USA nicht antreten und deshalb an der Kreuzfahrt nicht teilnehmen. Mit Schreiben vom 18. April 2010 kündigte der Kläger gegenüber der Reiseveranstalterin den Vertrag über die Kreuzfahrt wegen höherer Gewalt. Die Reiseveranstalterin verlangte Stornogebühren von 90% des Reisepreises, die die Beklagte an sie zahlte. Der Kläger verlangte von der Beklagten die Erstattung einer geleisteten Anzahlung. Die Beklagte
forderte im Wege der Widerklage die Erstattung der an die Reiseveranstalterin gezahlten Stornogebühren. Das Amtsgericht hat der Klage stattgegeben und die Widerklage abgewiesen. Auf die Berufung der Beklagten hat das Landgericht die Klage abgewiesen und der Beklagten Ersatz für die Stornogebühren
zugesprochen. Zur Begründung hat es ausgeführt, der Vertrag über die Kreuzfahrt sei kein Reisevertrag und könne deshalb nicht wegen höherer Gewalt gekündigt werden. Die Beklagte sei als Reisevermittlerin
auch nicht verpflichtet gewesen, den Kläger darauf hinzuweisen, dass er das Risiko der Anreise trage und im Falle eines Flugausfalls wegen höherer Gewalt den Vertrag über die Kreuzfahrt nicht kostenfrei werde kündigen können. Mit der Revision begehrte der Kläger die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass es sich bei dem Vertrag über die Teilnahme an der Kreuzfahrt
um einen Reisevertrag im Sinne des § 651a BGB handelt, den der Kläger wirksam wegen höherer Gewalt gemäß § 651j BGB* gekündigt hat. Maßgeblich für das Kündigungsrecht ist, dass die individuelle Reise des Reisenden infolge bei Vertragsschluss nicht vorhersehbarer höherer Gewalt nicht stattfinden kann. Hier konnte die Kreuzfahrt als solche zwar durchgeführt werden, an ihr teilzunehmen war den Reisenden jedoch offensichtlich nicht möglich, zumindest aber erheblich erschwert. Infolge der wirksamen Kündigung durch den Kläger hat die Reiseveranstalterin gemäß § 651j Abs. 2 Satz 1
i.V.m. § 651e Abs. 3 Satz 1 BGB** den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis verloren. Die Beklagte kann deshalb vom Kläger keine Erstattung des an die Reiseveranstalterin gezahlten Betrages verlangen. Einen Anspruch auf Erstattung der Anzahlung kann der Kläger hingegen nicht gegen das beklagte Reisebüro, sondern allenfalls gegen die Reiseveranstalterin geltend machen. Urteil vom 18. Dezember 2012 – X ZR 2/12 AG Norderstedt – Urteil vom 18. März 2011 – 47 C 1194/10 LG Kiel – Urteil vom 16. Dezember 2011 – 1 S 77/11 Quelle: Pressestelle des Bundesgerichtshofs
2. Auf Verträge, in denen sich der Reiseveranstalter gegenüber seinem Kunden allein zur Bereitstellung
einer Ferienunterkunft verpflichtet hat, sind die Vorschriften des Reisevertragsrechts insgesamt entsprechend
Fundstelle: Amtliche Entscheidung www.reiserecht-fuehrich.de
Personenbeförderung / Bus / Anschnallpflicht 1. Auch in Bussen müssen Reisende sich anschnallen. Es ist auch nicht notwendig, gesondert auf diese Pflicht hinzuweisen, schließlich ist diese Verpflichtung allgemein bekannt. 2. Sofern sich ein Reisender entgegen der Anschnallpflicht nicht angeschnallt und in der Folge verletzt wird, so trifft diesen eine Mitschuld i.H.v. 30%.
OLG Hamm, 14.5.2012 - Az: I-6 U 187/11
Fundstelle: NJW-Spezial 2012, 425
######### EU-Fluggastrechte und Montrealer Übereinkommen#############################
Anschlussflug / Verspätung Besteht eine Flugreise aus zwei oder mehr Flügen, jeweils von einer Fluggesellschaft unter einer bestimmten Flugnummer für eine bestimmte Route angeboten werden, ist die Anwendung der Fluggastrechteverordnung für jeden Flug gesondert zu prüfen. Dies gilt auch dann, wenn die Flüge von derselben Fluggesellschaft durchgeführt werden und das Anschluss Verbindung gemeinsam gebucht werden können (Bestätigung von BGH 28.5.2009- Xa ZR 113/08, RRa 2009, 242 = NJW 2009, 2743)
BGH, Urteil vom 13.11.2012 – X ZR 12/12 Amtliches Urteil: www.reiserecht-fuehrich.de
Anm.: Antreten des ersten Flugs in Deutschland unerheblich
Der BGH betont, dass ein Anspruch aus der Verordnung in einem solchen Fall auch dann ausscheidet, wenn der jeweils erste Flug in Frankfurt am Main gestartet ist und gemeinsam mit dem Anschlussflug von derselben Fluggesellschaft durchgeführt wird und als Anschlussverbindung gemeinsam gebucht wurde. Bestehe eine Flugreise aus zwei oder mehr Flügen, die jeweils von einer Fluggesellschaft unter einer bestimmten Flugnummer für eine bestimmte Route angeboten werden, sei die Anwendbarkeit der Verordnung für jeden Flug gesondert zu prüfen. Der für das Reise- und Personenbeförderungsrecht zuständige Zehnte Zivilsenat hat die Berufungsurteile damit bestätigt.
Luftverkehr / MÜ / Reisegepäck / Aufgabe durch einen Reisenden Art. 22 Abs. 2 MÜ, ist dahin auszulegen, dass der Anspruch auf Entschädigung und die Haftungsbegrenzung des Luftfrachtführers bei Verlust von Reisegepäck auch für den Reisenden gelten, der diese Entschädigung für den Verlust eines Gepäckstücks fordert, das von einem Mitreisenden aufgegeben wurde, sofern dieses verloren gegangene Gepäckstück tatsächlich Gegenstände des Reisenden enthielt.
EuGH, 22. 11. 2012, C-410/11
Fundstelle: BeckRS 2012, 82470 = EWS 2012, 540 Amtliches Urteil: www.reiserecht-fuehrich.de
EuGH, 22. 11. 2012, C-139/11 Moré gegen Koninklijke Luchtvaart
Amtliches Urteil: www.reiserecht-fuehrich.de
Verordnung (EG) Nr. 261/2004 / Aufeinanderfolgende Flüge / Verpasster Anschlussflug
1. Eine Abflugverspätung ist keine Voraussetzung des Anspruchs auf Ausgleichszahlung.
2. So wie Fluggästen aufeinander folgender Flüge Ausgleichsleistungen wegen Nichtbeförderung zu erbringen sind, wenn diese auf eine vom Luftfahrtunternehmen zu vertretende Verspätung des ersten Fluges zurückzuführen ist, gilt dies auch entsprechend, wenn der Anschlussflug wegen Verspätung des Zubringerfluges nicht erreicht werden konnte (Nicht rechtskräftig).
AG Frankfurt a. M., Urt. v. 13.12.2011 – 29 C 655/12 (11) Anm.: Das nicht rechrkräftige Urteil widerspricht der ständigen Rechtssprechung des LG Frankfurt/M.
Danach sind unter verspäteten Flügen sind nur solche zu verstehen, bei denen sich der Abflug
(um mehr als 3 Stunden) verzögert. Eine um mehr als 3 Stunden verspätete Ankunft am Endziel allein löst den Ausgleichsanspruch nicht aus (LG Frankfurt a.M., 23.9.2010 - 2-24 S 28/10, RRa 2010, 273)
Beachte auch den Vorlagebeschluss des BGH vom 9.12.2010 - X ZR 80/10, RRa 2011, 84: "Steht dem Fluggast eine Ausgleichszahlung nach Artikel 7 der Verordnung (EG) 261/2004 ( 1 ) zu, wenn sich der Abflug um eine Zeitspanne verzögert hat, die unterhalb der in Artikel 6 Absatz 1 der Verordnung definierten Grenzen liegt, die Ankunft am letzten Zielort aber mindestens drei Stunden nach der planmäßigen Ankunftszeit erfolgt? Vgl. auch Vorlage AG Düsseldorf, 25. 11. 2011, 2012/C 32/27
- Christoph Becker gegen Société Air France SA, Rechtssache C-594/11, Fundstelle: ABlEU 4.2.2012, C 32/15
#################### Skirecht #################################################
Unfall / Skipiste / Helm
1. Das Tragen von Helmen auf Skipisten ist eine Obliegenheit i.S.d. § 254 BGB. 2. Wird auf der Piste ein in einer Gruppe anhaltender Skifahrer an einer gut einsehbaren Stelle durch einen mit hoher Geschwindigkeit fahrenden und an einer Bodenwelle stürzenden Skifahrer umgefahren, so ist eine hälftige Schadensteilung angebracht, wenn die Verletzungen des haltenden Fahrers durch das Tragen eines Skihelms vermeidbar gewesen wären.
OLG München, 22.3.2012 - Az: 8 U 3652/11
########## Praxistipp: Schneerisiko im Urlaub ################################
Witterungsbedingte Mängel in der Umgebung des Reiseziels führen grundsätzlich nicht zu einem Reisemangel. Jeder Reisende weiß, dass Schneemangel zur Unbenutzbarkeit von Skipisten oder Loipen führen kann. Auch muss bei risikoreichen Wetterlagen mit Lawinenabgängen und entsprechenden Folgen für die Freizeitgestaltung und die Anreise gerechnet werden. Deshalb sind solche natürlichen Einflüsse auf den Verlauf einer Reise dem "Allgemeinen Lebensrisiko" des Reisenden zuzurechnen. Ansprüche des Reisenden gegen den Reiseveranstalter bestehen nicht und zwar weder auf Minderung des Reisepreises noch auf einen verschuldensabhängigen Schadensersatz wegen nutzloser Aufwendungen oder vertaner Urlaubszeit. Auch ein Skiunfall stellt sich als Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos dar, für das der Veranstalter nicht haftet, hat das Oberlandesgericht Celle entschieden (11 U 70/01). Auch für Lawinen wird daher grundsätzlich außerhalb eines organisierten Skigebiets nicht gehaftet, außer dem Reiseveranstalter und seinen Skiführern kann eine Pflichtverletzung bei der Tourenführung zu Last gelegt werden (Oberlandesgericht München, 8 U 2053/01). Schneemangel berechtigt auch grundsätzlich nicht zu einer kostenlosen Stornierung oder Umbuchung der Reise. Der Gastgeber oder Reiseveranstalter haftet nicht für schlechte Schneeverhältnisse. Fehlender Schnee kann auch nicht als höhere Gewalt wie eine Lawine
oder verschüttete oder gesperrte Straßen angesehen werden, da es an der Gewalteinwirkung fehlt. Eine Reiserücktrittsversicherung übernimmt nicht die oft hohen Stornokosten des Urlaubers. Die eingeschränkte Tauglichkeit der Umgebung eines Feriengebiets zum Skifahren stellt keinen Mangel dar, urteilte das Amtsgericht Viechtach im Bayerischen Wald (2 C 463/06).
Wenn also das gebuchte Hotel oder die Zufahrt (nach Lech) in einem Gebiet liegt, das konkret durch Lawinen gefährdet ist, liegt ein verschuldensunabhängiger Reisemangel vor; nicht aber, wenn sich die Gefährdung lediglich auf die weitere Umgebung des Urlaubsortes auswirkt, mögen dadurch auch die Möglichkeiten der Urlaubsgestaltung eingeschränkt sein. Der Reisende kann dann den Reisepreis mindern oder den Reisevertrag kündigen. Ein Schadensersatzanspruch steht ihm aber nicht zu, da dieser ein Verschulden des Reiseveranstalters voraussetzt.
Ein Mangel kann auch dann vorliegen, wenn der Veranstalter in seiner Reiseausschreibung
unzutreffende Angaben macht. Wenn der Reiseveranstalter allerdings eine Schneegarantie verspricht, liegt eine zugesicherte Eigenschaft der Reise vor. Diese Zusage muss der Veranstalter auch ohne wenn und aber einhalten, wenn die Lifte und Seilbahnen nicht laufen (Amtsgericht Münster, 59 C 2377/03). Schneesicher heißt aber nicht, dass eine längere Anfahrt mit dem Pkw oder dem Skibus bis zur Piste unzumutbar ist. So sprach das Landgericht Frankfurt/M einer Familie eine teilweise Erstattung des Reisepreises zu, weil ihr Wintersportort in der Schweiz mehr als 500 Meter niedriger lag als im Prospekt zugesagt und daher eine schlechte Schneelage hatte (Az: 2/24 S 480/89). Ich rate bei Schneegarantie genau in den Prospekt und in die Geschäftsbedingungen zu schauen, da der Veranstalter die Konditionen der Zusicherung durch eine solche freiwillige Garantie festlegen kann.
mehr: http://www.reiserecht-fuehrich.de/Praxis-Tipp-Index/Schneerisiko%20im%20Skiurlaub.html
Kober-Dehm/Schuster, Aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum Personenbeförderungs- und Reiserecht, RRa 2012, 262
Rodegra, Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos im Pauschalurlaub, NJW 2012, 3536
Schladebach Marcus /Mildenstein Anne-Friederike, Die Konturierung des Nichtbeförderungstatbestandes im Fluggastrecht, EuZW 2012, 940

References: § 651
 § 651
 § 651
 § 651
 BGH 
 BGH 
 Art. 22
 BGH 
 § 254