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Timestamp: 2019-08-23 15:54:10+00:00

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Rechnungslegung in Deutschland
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Definitionen: "kapitalmarktorientiert" und "börsennotiert"
Laut §264d HGB ist eine Kapitalgesellschaft dann kapitalmarktorientiert, wenn von ihr ausgegebene Wertpapiere an einem organsiertem Markt gehandelt werden oder die Zulassung beantragt wurde. Da der Freiverkehr kein organisierter Markt im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes ist, gelten im Freiverkehr gehandelte Unternehmen nicht als kapitalmarktorientiert.
Börsennotiert sind die kapitalmarktorientierten Unternehmen, deren Aktien an einem regulierten Markt notiert sind.
Im Handelsgesetzbuch werden in §267 HGB und §267a HGB Kapitalgesellschaften in 4 Größenklassen eingeteilt: kleinst, klein, mittelgroß und groß. Dabei gelten kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften immer als große Kapitalgesellschaften. Für ersten drei Größenklassen werden jeweils 3 Kriterien (Bilanzsumme, Umsatzerlöse, Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt) angegeben, von denen mindestens 2 nicht überschritten werden dürfen. Alle übrigen Kapitalgesellschaften sind zwangsläufig große Kapitalgesellschaften.
Bilanzsumme ≤ 350.000 € 6.000.000 € 20.000.000 €
Umsatzerlöse ≤ 700.000 € 12.000.000 € 40.000.000 €
Arbeitnehmer ≤ 10 50 250
Ein Wechsel der Größenklasse erfolgt erst dann, wenn die Kriterien in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zutreffen.
Ein Jahresabschluss besteht bei Kapitalgesellschaften aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang (§242 HGB, §264 HGB). Der Anhang kann von Kleinstkapitalgesellschaften durch Angaben unter der Bilanz ersetzt werden. Kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften, die nicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet sind, müssen den Jahresabschluss um eine Kapitalflussrechnung sowie einen Eigenkapitalspiegel erweitern. Nicht zum Jahresabschluss gehört der Lagebericht, den mittelgroße und große Kapitalgesellschaften zusätzlich erstellen müssen.
Der Jahresabschluss muss für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften innerhalb von 3 Monaten, für Kleinst- und kleine Kapitalgesellschaften innerhalb von 6 Monaten aufgestellt werden.
Kapitalgesellschaften, die auf ein Tochterunternehmen unmittel- oder mittelbar einen beherrschenden Einfluss ausüben, sind innerhalb von 5 Monaten zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet, im Falle einer kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaft innerhalb von 4 Monaten. §290 HGB definiert dabei, wann ein beherrschender Einfluss vorliegt.
Nicht-kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften sind dann von der Aufstellung eines Konzernabschlusses befreit, wenn sie als Tochterunternehmen in den Konzernabschluss eines weiteren Unternehmens einbezogen werden. Dabei gelten insbesondere für den befreienden Konzernabschluss bestimmte Vorschriften (§291 HGB, §292 HGB).
Darüber hinaus gilt eine größenabhängige Befreiung für nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen, allerdings nicht für Banken und Versicherungen, die in §293 HGB definiert ist.
Kapitalgesellschaften sind nach §325 HGB dazu verpflichtet, ihren Jahresabschluss innerhalb von 12 Monaten im Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Börsennotierte Kapitalgesellschaften müssen sogar innerhalb von 4 Monaten veröffentlichen.
Kleinst- und kleine Kapitalgesellschaften sind nicht dazu verpflichtet, ihre Gewinn- und Verlustrechnung zu veröffentlichen oder Anhangangaben dazu zu machen.
In Deutschland gilt eine Pflicht zur Anwendung der IFRS nur für den Konzernabschluss von kapitalmarktorientierten Unternehmen. Andere Unternehmen dürfen ihren Konzernabschluss nach den IFRS aufstellen, müssen aber nicht. Darüber hinaus darf jedes Unternehmen seinen Einzelabschluss nach den IFRS aufstellen. Aber: Der Einzelabschluss muss zur steuerlichen Gewinnermittlung und zur Ausschüttungsbemessung trotzdem immer auch nach HGB aufgestellt werden.

References: §264
 §267
 §267
 §264
 §290
 §292
 §293
 §325