Source: http://marx101.blogspot.com/2009/06/analyse-der-zinsform-revenueform.html
Timestamp: 2017-12-12 19:40:36+00:00

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Marx101: ANALYSE DER ZINSFORM & Revenueform
Abschnitt IV: ANALYSE DER ZINSFORM
§ 1 Zu Beginn der Zinsformanalyse wird das Alltagswissen
aufgegriffen, dass zinstragendes Geld Bewegung von Geld
zu mehr Geld ist. Mit der Bestimmung, Bewegung von Geld zu
mehr Geld zu sein, endete aber auch die Analyse des Pro—
duktionsprozesses des Kapitals in Abschnitt III. Die Analyse der Zinsform geht über das Alltagswissen hinaus, indem sie die Verbindung der Verzinsung von Geld mit der Kapitalverwertung herstellt.
Auch bei Marx finden sich die beiden Momente des Auf—
greifens von kontemporärem Alltagswissen und des In—
bezugsetzens zu einem bestimmten Stand der kategorialen
Entwicklung. “Die Warenzirkulation ist der Ausgangs-
punkt des Kapitals. ... Sehen wir ab vom stofflichen
Inhalt der Warenzirkulation, vom Austausch der ver-
schiedenen Gebrauchswerte, und betrachten wir nur die
ökonomischen Formen, die dieser Prozess erzeugt, so fin-
den wir als sein letztes Produkt das Geld. Dies letzte
Produkt der Warenzirkulation ist die erste Erschei-
nungsform des Kapitals. ... (Es) bedarf nicht des
Rückblicks auf die Entstehungsgeschichte des Kapitals,
um das Geld als seine erste Erscheinungsform zu er-
kennen. Dieselbe Geschichte spielt täglich vor unse-
ren Augen. Jedes neue Kapital betritt in erster In—
stanz die Bühne, d.h. den Markt, Warenmarkt, Arbeits-
markt oder Geldmarkt, immer noch als Geld, Geld, das
sich durch bestimmte Prozesse in Kapital verwandeln soll.“
MEW 23/161.
Marx fasst mit “Warenmarkt, Arbeitsmarkt oder Geldmarkt“
im ersten Schritt das in Abschnitt III behandelte pro-
duktive Kapital (Kauf von Produktionsmittelwaren auf
dem Warenmarkt, Kauf von Arbeitskraft auf dem Arbeits—
markt) und das zinstragende Geldkapital (Verleih von Geld
auf dem Geldmarkt) zusammen. In einem zweiten Schritt
nimmt er jedoch auf die Zirkulationsform G—W—G bezug
und schließt dadurch das zinstragende Kapital wieder aus.
Abschließend heißt es: “Kaufen, um zu verkaufen, oder
vollständiger: Kaufen, um teuerer zu verkaufen, G—W—G‘,
scheint zwar nur einer Art des Kapitals, dem Kaufmanns—
kapital eigentümliche Form. Aber auch das industrielle
Kapital ist Geld, das sich in Ware verwandelt und durch
den Verkauf der Ware in mehr Geld rückverwandelt. ... In
dem zinstragenden Kapital endlich stellt sich die Zirkulation
G—W—G‘ abgekürzt dar ... sozusagen im Lapidarstil
G—G‘. “MEW 23/170
Sehen wir zunächst vom Kaufmannskapital ab (das Waren—
handlungskapital wird in Abschnitt VI behandelt), so
fällt auf, dass die Formel G—G‘ (von Geld zu mehr Geld)
für das zinstragende Kapital gerade nicht als “Kaufen, um
teurer zu verkaufen“ verdolmetscht werden kann.
Marx gibt eine auch das Warenhandlungskapital (und Ge1d-
handlungskapital?) sowie das zinstragende Kapital um-
fassende “allgemeine Formel des Kapitals“ (MEW 23/170)
an, grenzt dann aber im Verlauf der Untersuchung der “Wi—
dersprüche der allgemeinen Formel“ die Analyse auf die
“Grundform des Kapitals“ (MEW 23/178) ein: “das Handels—
kapital (und das) ... zinstragende Kapital werden wir im
Verlauf unsrer Untersuchung als abgeleitete Formen vor-
finden“. MEW 23/179.
In unserer Darstellung wird zunächst nur auf die Grundform
des Kapitals bezug genommen und das zinstragende Kapital
wird von vornherein als abgeleitete Form des Kapitals the—
matisiert. Die Analyse der Zinsform greift eine in der Ana-
lyse der Grundform des Kapitals offen gebliebene Frage auf.
§2 Wenn das Kapital als (durch den Produktionsprozess vermittelte)
Bewegung von Geld zu mehr Geld dargestellt werden konnte, so
blieb bisher die Frage offen, woher das als Kapital vorgeschosse—
ne Geld kommt. Der KapitalVorschuss soll nun als geliehenes Geld
gefasst werden. Zins wird als Leihpreis für vorgeschossenes Ka-
pital verstanden.
§3 Die Ende Abschnitt III entwickelte Verwertung des Geldes
als Kapital lässt sich nun genauer als Bruttoverwertung
fassen. Nach Thematisierung des Zinses spaltet sich die Brutto-
verwertung des Kapitals auf in Verzinsung und Nettoverwer—
§4 In der Bewegung der Verzinsung steht der Zins zu dem
verliehenen/geliehenen Geldbetrag in Bezug. Dieser Geld-
betrag ist aber zugleich vorgeschossenes Kapital und da-
mit Bezugspunkt seiner Verwertung (§3). Der Profit des Ka-
pitals, von dem der Zins für dieses Kapital abgezogen ist,
soll Nettoprofit oder Unternehmergewinn heißen.
In Parallele zur Zinsrate kann von einer Nettoprofitrate
(oder: Rate der Nettoverwertung des Kapitals) gesprochen wer-
Im Marxschen Entwurf des 3. Bandes KAPITAL ist der Ana-
lyse des zinstragenden Kapitals eine Weiterentwicklung
des Profitkonzepts vorgeschaltet. Der Profit wird erst
einmal bezogen auf die industriellen Kapitale quantita-
tiv bestimmt als “Durchschnittsprofit“ Da diese Ent-
wicklung die Konkurrenz der Kapitale einbezieht, ist
sie in unserer Rekonstruktion auf Abschnitt VII ver-
schoben. Zum zweiten aber ist im Marxschen Entwurf der
Begriffsumfang durch Vorschalten der Analyse des “kommer-
ziellen Profits“ vor die Darstellung des Zinses) erweitert.
So heißt es gleich zu Anfang des Zinsabschnitts: “Bei
der ersten Betrachtung der allgemeinen oder Durchschnitts—
profitrate (Abschnitt II dieses Buches; MEW 25) hatten wir die-
se letztre noch nicht in ihrer fertigen Gestalt vor uns,
indem die Ausgleichung noch bloß als Ausgleichung der
in verschiednen Sphären angelegten industriellen Ka—
pitale erschien. Dies wurde ergänzt im vorigen Abschnitt,
wo die Teilnahme des Handelskapitals an dieser Ausgleichung
und der merkantile Profit erörtert wird. Die allgemeine
Profitrate und der Durchschnittsprofit stellten sich
jetzt innerhalb engerer Grenzen dar als vorher. Im Fort—
gang der Entwicklung ist im Auge zu halten, dass, wenn
wir fernerhin von allgemeiner Profitrate oder Durch—
schnittsprofit sprechen, dies in der letztren Fassung
geschieht, also bloß mit Bezug auf die fertige Gestalt
der Durchschnittsrate. Da diese nunmehr für das in-
dustrielle und merkantile Kapital dieselbe ist, ist
es auch nicht weiter nötig, soweit es sich nur um die-
sen Durchschnittsprofit handelt, einen Unterschied
zwischen industriellen und kommerziellen Profit zu
machen. Ob das Kapital innerhalb der Produktionssphäre
industriell oder in der Zirkulationssphäre merkantil
angelegt, es wirft pro rata seiner Größe denselben
jährlichen Durchschnittsprofit ab.“ (MEW 25/350).
Nach dieser Vorbemerkung folgt dann in sehr gedräng-
ter Form die Bestimmung des Zinses als “Teil des Pro—
fits“ (MEW 25/351ff). -
Uns ist am Marxschen Vorgehen aufgefallen, dass wiede-
rum Formanalyse und quantitative Bestimmungen gemischt
sind und wir haben uns zur Entmischung entschlossen. Die
Zinsformanalyse setzt nur die qualitative Entwicklung
des Profits (III §10) voraus. Dass die Kapitalverwer—
tung (wie alle Bewegungen) in der Zeit vor sich geht,
versteht sich. Die Einzelheiten zu entwickeln, wie
Marx es in seiner Analyse der Kapitalzirkulation (im
2. Band des Kapital) und der darauf aufbauenden Behand-
lung der kommerziellen Kapitale getan hat, ist syste-
matisch für die Zinsformanalyse nicht nötig.
In unserer Rekonstruktion haben wir die beiden Marx-
schen Thematisierungen der Kapitalzirkulation (einmal
als Zirkulation der “industriellen“ Kapitale in Band 2
und dann als kommerzielle Kapitale im 4. Abschnitt des
3. Bandes) zusammengefügt und behandeln sie erst im
Anschluss an die Revenueformanalyse. Denn diese kommt
ebenfalls noch mit einem unentwickelten Begriff der
Kapitalzirkulation aus.
Im Marx/Engelschen KAPITAL besteht die Reihenfolge:
Grundformkapital — Mehrwert
1.abgeleiteteKapitalform:kommerzielles Kapital — kom.
2.abgeleiteteKapitalform:zinstragendes Kapital — Zins
3.abgeleiteteKapitalform:rentetragendes Kapital — Rente
In unserer Rekonstruktion des Systemfragments argumentie-
ren wir für die Reihenfolge Rente, Zins, kommerzieller
Profit und: Grundformkapital —
1. abgeleitete Kapitalform: zinstragendes Kapital
2. abgeleitete Kapitalform: rentetragendes Kapital
(dessen Konstituierung setzt Rente (begriffen
als Mehrwertteil, III §§5 und 6) sowie Zins, der
für die Darstellung der “Kapitalisierung der Ren-
te“ (IV §6 Zusatz) entwickelt sein muss, voraus.)
3. abgeleitete Kapitalform: kommerzielles Kapital
(vgl. VI)
§5 Die Bewegung des Geldes als Kapital erscheint von nun
an in einem äußeren und einem inneren Kreislauf. Der Kreis-
lauf des zinstragenden Kapitals umschließt gleichsam den
eigentlichen FunktionsProzess des Kapitals, der von nun ab
auch “Kreislauf des fungierenden Kapitals“ heißen soll:
...............Kreislauf des zinstragenden Kapitals.....................
/ ....Kreisl. d. fungierenden Kapitals.... /
G -? G - Pm PRODUKTION W - G* ? G + Z
G Geld Pm ProduktionsmittelIndustrieWaren Ak Arbeitskraft Bd Boden W industr.Ware G* mehr Geld U Unternehmergewinn L Lohn R Rente Z Zins
Der Ausdruck “fungierendes Kapital“ wird üblicherwei-
se als Oberbegriff, der das industrielle Kapital und
das kommerzielle Kapital (vgl. Abschnitt VI) zusammen-
fasst, verwendet und zwar in Opposition zum zinstragen—
den Kapital. Wir beschränken die Betrachtung bis zur
Revenueformanalyse auf Grundformkapital (vgl. MEW 23/178).
Die Bestimmungen, die an der Grundform des Kapitals ent-
wickelt werden, sind vom Begriff des Profits an offen da-
für, dass sie auf industrielles und kommerzielles Kapital
bezogen werden, wenn bei späterer Entwicklung das Grund—
formkapital in sie zerlegt wird. Ursula Pasero hat in
“Zur Wertformanalyse“ die folgende Bestimmung formuliert:
“Mit der Analyse des zinstragenden Kapitals wird
die Verselbständigung des Kapitals gegenüber der materiel-
len Reproduktion dargestellt, seine scheinbare Loslösung
von dieser: ‘Im zinstragenden Kapital erreicht das Kapi—
talverhältnis seine äußerlichste und fetischartigste
Form. Wir haben hier G—G‘, Geld, das mehr Geld erzeugt,
sich selbst verwertenden Wert, ohne den Prozess, der die
beiden Extreme vermittelt‘ (MEW 25/404)... In der Form
des zinstragenden Kapitals löst sich Kapital in der Er—
scheinungsweise G—G‘ überhaupt von der materiellen Re-
produktion; war sie schon ‘vorher‘ nicht sein Ziel, son-
dern lediglich Mittel der Verwertung, so scheint sie
nun völlig ausgelöscht zu sein.“ (Zur Wertformanalyse1974, es 633, S.119)
Dass der “Zinsfetisch“ nicht nur ein Fetisch unter ande-
ren (dem Warenfetisch, dem Lohnfetisch,...) sei, legt
die Marxsche Formulierung “fetischartigste Form“ nahe.
Um dies näher zu erörtern, muss die Umkehrung des Verhält-
nisses von Kapital und Zins in der “Kapitalisierung“
(vgl. dazu den nächsten §) einbezogen werden.
§6 Ein verliehener Geldbetrag (“wirkliches Kapital“) wirft
einen Geldbetrag als Zins ab. Kapitalisierung ist der prak-
tische Umkehrschluss aus dieser Verzinsung des Geldes. In
der Kapitalisierung wird ausgegangen von einem regelmäßigen
Geldeinkommen (das nicht wirklichem Kapital “entspringt“)
und daraus wird auf ein “fiktives Kapital“ geschlossen. Han-
delt es sich um eine veräußerbare „Quelle“ des Geldeinkommens,
so kann das fiktive Kapital im Veräußerungspreis reale Geld—
‘Die Bildung des fiktiven Kapitals nennt man Kapitali-
sieren. Man kapitalisiert jede regelmäßig sich wieder—
holende Einnahme, indem man sie nach dem Durchschnitts—
zinsfuß berechnet, als Ertrag, den ein Kapital, zu die-
sem Zinsfuß ausgeliehen, abwerfen würde.“ (MEW 25/484)
Wer eine Geldsumme hat, kann sie als wirkliches Kapital
verleihen (und Zins beziehen) oder als Kaufpreis eines
fiktiven Kapital verwenden (und jenes Geldeinkommen
beziehen, dessen Kapitalisierung dieses Fiktivkapital
ist). Der qualitative Unterschied geht in der Spekulation
um quantitative Differenz günstiger und weniger günsti-
ger Geldanlage unter.
Wird die “Selbstverwertungsbewegung des Werts“ als “Zentral-
thema der Kapitalanalyse“ verstanden (Roth, 1974,es
633, 8.192ff), so liegt es nahe, den in der Kapitalisie-
rung von Geldeinnahmen praktisch wirksamen Zinsfetisch vor
den anderen Formen der Verdinglichung gesellschaftlicher
Beziehungen auszuzeichnen. Im Geld, das eine Geldeinnahme
kaufen kann, “hat das Kapital seine dinglichste Form,
seine reine Fetischform erhalten“ (MEW 26.3/489).
(Lassen — Sie — Ihr — Geld — für — sich — arbeiten.
Unser — Anlageberater — berät — Sie — gern. Sparkasse
Das zinstragende Kapital wird so zum Paradigma der
“Geldquelle“.
Nach dem Paradigma des zinstragenden Kapitals konstitu-
iert sich durch Kapitalisierung der Rente ein “rente—
tragendes Kapital“ (vgl. MEW 26.3/508 und 511):
“Die Rente kann gedacht werden als Zins von Kapital.
Z.B. ist die Rente 20 und der Zinafuß 5, so kann gesagt
werden, diese 20 seien Zins von 400 Kapital. Und in der
Tat verkauft sich dann die Erde zu 400 ... Damit ist
die Erde in Kapital verwandelt .. Und damit ist Erde—
Rente verwandelt in Kapital—Zins ... Die mehr ana-
lytischen unter den vulgarians sehen ein, dass der Preis
des Bodens nichts als ein Ausdruck für die Kapitalisie-
rung der Rente ist . .. Sie begreifen, dass diese Kap—
talisierung der Rente die Rente voraussetzt, die Rente
also nicht umgekehrt aus ihrer eigenen Kapitalisierung
erklärt werden kann.“ Das zinstragende Kapital ist zu-
gleich wirkliches Kapital (vgl. III §5), das rentetragen—
de Kapital ist nur fiktives Kapital (auch wenn sein Er-
werb reales Geld kostet).
Abschnitt V ANALYSE DER REVENUEFORM
§1 Die Unternehmer verfügen über die Elemente (V §4) des kapitalistischen Produktionsprozesses, da sie in einem Ausleihverhältnis zu Arbeitern, Grundrentnern und Geldverleihern stehen. Diese werden ihrerseits durch ihr Verleihverhältnis zu Revenuebeziehern.
Das Verleihen ist zum ersten Mal explizit am Beispiel des Leihkapitals thematisiert worden. In IV §5 sind daher zwei Kreisläufe des Geldes als Kapital unterschieden worden.
Was den Boden angeht, so ist die Unterscheidung zwischen Pachten und Kaufen eines Grundstücks geläufig. Bei der Arbeitskraft kann der Lohn analog zum Zins und zur Rente verstanden werden. Lohn ist dann als Verleihpreis verstanden. Geld gegen Zins leihen, Grundstücke gegen Rente pachten und Arbeitskräfte als Lohnarbeiter einstellen konstituiert das Ausleihverhältnis zwischen dem fungierenden Kapitalisten und den „Haltern“ (MEW 26.3, S. 490 – mit einem Dank an Herbert Rünzi!) von Geld, Boden und Arbeitskraft.
§2 Den drei Revenuen: Lohn, Rente, Zins – können drei „Revenuequellen“ zugeordnet werden. Ausgegangen wird von den regelmäßigen Geldzahlungen: Zins, Rente, Lohn. Es erhebt sich nun die Frage, ob den drei Revenuen durch Kapitalisierung (IV §6) ihre Revenuequellen als „fiktive Kapitale“ (so: Roth 1974, 129 ff) zugeordnet werden können. Es würde sich so die konstitutive Bedeutung des Zins-Fetischs für die Formen der „Oberfläche2 (MEW 25 / 33) ergeben. Marx nennt „das zinstragende Kapital überhaupt die Mutter aller verrückten Formen“.
Wird jedoch „Arbeitslohn ...
als Zins aufgefasst und daher die Arbeitskraft als das
Kapital, das diesen Zins abwirft ... treten ... zwei,
diese gedankenlose Vorstellung ... durchkreuzende Um-
stände ein: erstens, dass der Arbeiter arbeiten muss, um
diesen Zins zu erhalten, und zweitens, dass er den Ka—
pitalwert seiner Arbeitskraft nicht ... versilbern kann.“
(MEW 25/483f)
Das Kapitalisieren der Rente ist problemlos möglich und
konstituiert das (fiktive) “rentetragende Kapital“,
vgl. IV §6 Zus. Nicht ohne Grund ist der “Arbeiter als
Kapitalwert“ (vgl. MEW 25/483) in der folgenden, wenig
bekannten Triade der Kapitale nicht zu finden: “In der
Form zinstragendes Kapital, rentetragendes Kapital,
profittragendes Kapital“ — hier ist wohl der “industrial
profit“, wie Marx im weiteren Kontext des Zitats den
Unternehmergewinn (IV §4) nennt, angesprochen — “noch
der gemeinschaftliche Ursprung erkennbar, sofern Kapital
überhaupt Aneignung von Surplusarbeit einschließt, also
diese verschiedenen Formen nur ausdrücken, dass diese
vom Kapital erzeugte (!) Surplusarbeit sich beim Kapital
überhaupt unter zwei Sorten Kapitalisten verteilt und
bei dem agricultural capital zwischen Kapitalist und
landlord verteilt.“ (MEW 26.3/508 — die allerletzte Be-
merkung ist mit Vorsicht zu genießen. Boden ist als all-
gemeiner Arbeitsort auch für die außerhalb der Agrikul-
tur tätigen Kapitale nötig).
Von der Triade der Revenuequellen ist eine wirkliches Ka-
pital, eine fiktives Kapital und eine weder wirkliches
noch fiktives Kapital — wenn dazu gehört, dass der durch
Kapitalisierung der Revenue sich ergebende Geldbetrag
reale Existenz als Verkaufspreis der Revenuequelle ha-
Aber was sind die den drei Revenuen Lohn, Zins, Rente
zuzuordnenden drei Revenuequellen? Herbert Rünzi hat in
einer Vorstudie zu seinem Dissertationsprojekt, im Rahmen des Forschungs—
projekts “Rechtsform“ Überlegungen zur Kritik und Rekon-
struktion der Marxschen Darstellung der “Ebene der Re—
venuequellen“ angestellt, die hier in Auszügen zitiert
“Sei‘s Arbeiter, sei‘s (Geld-) Kapitalist, sei‘s Rentier,
alle verkaufen eine Kraft (Arbeitskraft, Verwertungskraft,
Tragekräft). Der Unternehmer dagegen tritt als allgemei-
ner Käufer auf. In diese Transaktion geht nun mit Notwen-
digkeit ein Zeitmoment ein. Eine Kraft ist nichts anderes
als ihre Äußerung, die mit unterschiedlicher Intensität
erfolgen kann. Wie groß auch immer diese Intensität sein
mag, ist sie einmal gegeben, dann kann die Äußerung der
Kraft nur noch durch die Zeit quantitativ bestimmt wer-
den. Kräfte haben ... keine äußere Gegenständlichkeit
weil Kraft, sind sie überhaupt nur eine Seite, Eigen-
schaft an etwas anderem. Und dieses sind nun greifbare,
handfeste Gegenstände. Da die Kräfte an ihnen festgemacht
sind, aus ihnen fließen, möchte ich diese Gegenstände
ihre Träger nennen.
Es gibt davon ebenfalls drei Arten, entsprechend den
drei Kräften: Träger der Arbeitskraft ist der Arbeiter,
so wie er in seiner Körperlichkeit, die natürlich auch
seine geistigen Vermögen beinhaltet, erscheint. Träger
der Verwertungskraft ist der in Geld ausgedrückte Kapi—
talwert bzw. das Geldkapital. Und die Tragekraft schließ-
lich wird vom bestimmten Stück Boden getragen.
Diese drei Gegenstände (Arbeiter, Geldkapital, Boden), aus
denen die Arbeitskraft, Verwertungskraft, Tragekraft fließen,
möchte ich als die Revenuequellen im eigentlichen Sinne be-
zeichnen.“ (Zur Ableitung von Recht und Staat, mimeo Pro-
jekt 23/78 Universität Konstanz, 1978).
Die Revenuen lassen sich so als Kaufpreis der Kraftäuße—
rung und Leihpreis für zeitweilige Nutzung der Kraft—
quelle durch den Unternehmer verstehen. Was für den Un-
ternehmer Nutzung der Kraftquelle, ist für ihren “Halter“
ihre Nutzung als Revenuequelle. (Diese drei “Kräfte“
sind gleichsam Vektoren der Produktivkraft der Arbeit.)
§3 Den Revenuen steht der Unternehmergewinn gegenüber.
“Es ist aber in den letzten, vermitteltesten Formen
— in Formen, worin zugleich die Vermittlung nicht nur
unsichtbar geworden, sondern ihr direktes Gegenteil aus-
gesprochen ist —‚ dass die Gestalten des Kapitals als wirk-
liche Agentien und unmittelbare Träger der Produktion er-
scheinen. Das zinstragende Kapital personifiziert im
moneyed capitalist, das industrielle im industrial capi—
talist, das rentetragende im Landlord ...‚ endlich die
Arbeit im Lohnarbeiter.“ (MEW 26.3/504)
Im Unterschied zu Fassungen der “trinitarischen Formel“
wie:“Kapital — Zins; Boden — Rente; Lohnarbeit — Arbeitslohn“
(vgl. MEW 25/824) fällt auf, dass hier eine viergliedrige
Liste benutzt wird: Es gibt “zwei Klassen Kapitalisten“
(MEW 26.3/500 vgl. auch GR 73Sf.)
Im Zusatz zum vorigen Paragraphen ist die Kritik an der
“rein illusorischen Vorstellung“ (MEW 25/482) vermerkt
worden, die durch Kapitalisierung des Lohns den Arbeiter
in Kapital verwandeln will: “Die Verrücktheit der kapi-
talistischen Vorstellungsweise erreicht hier ihre Spitze,
indem statt die Verwertung des Kapitals aus der Exploita—
tion der Arbeitskraft zu erklären, umgekehrt die Produk-
tivität der Arbeitskraft daraus erklärt wird, dass Arbeits-
kraft selbst dies mystische Ding, zinstragendes Kapital
ist.“ (MEW 25/483)
Mit Bezug auf jene zweite Klasse Kapitalisten, die
“industrial capitalists“ oder: fungierenden Kapitalisten
(im Gegensatz zu den Geldkapitalisten) findet sich das
Gegenstück in der Marxschen Darstellung: der Unter—
nehmergewinn wurde auf der Oberfläche der kapitalistischen
Gesellschaft zum Unternehmerlohn (MEW 25/395f), der Un-
ternehmer erscheint als Lohnarbeiter:
“Das Kapital selbst wird gespalten. Soweit es Voraus—
setzung der kapitalistischen Produktion ist, soweit es
also die entfremdete Form der Arbeitsbedingungen, ein
spezifisch gesellschaftliches Verhältnis ausdrückt, reali-
siert es sich im Zins. Seinen Charakter als Kapital reali-
siert es im Zins. Andererseits, soweit es funktioniert im
Prozess, erscheint dieser Prozess als getrennt von seinem
spezifisch kapitalistischen Charakter, von seiner spezi-
fisch gesellschaftlichen Bestimmtheit — als bloßer Ar—
beitsProzess überhaupt. Soweit der Kapitalist in ihn ein-
greift, greift er nicht als Kapitalist in ihn ein, denn
dieser sein Charakter ist diskontiert im Zins, sondern
als Funktionär des Arbeitsprozesses überhaupt, als Ar-
beiter, und sein Arbeitslohn stellt sich dar im in-
dustriellen Profit. Es ist besondere Weise der Arbeit —
labour of direction —‚ aber die Arbeitsweisen sind ja
überhaupt voneinander verschieden.“ (MEW 26.3/484)
Es ist erstaunlich, dass die offensichtliche Widersprüch-
lichkeit dieser Argumentation u.W. nirgendwo in der um-
fangreichen Marx—Literatur wahrgenommen wird. Der “spe-
zifisch kapitalistische Charakter“ des Produktionspro—
zesses erscheint im Lohn nicht weniger als im Zins. (Es
handelt sich ja um komplementäre Formen).
Der 677 Seiten starke “Kommentar zu den Theorien über
den Mehrwert“, den die Westberliner Projektgruppe Ent-
wicklung des Marxschen Systems zu Recht unter dem Titel
“Der 4. Band des KAPITAL?“ (Westberlin 1975) publiziert
hat, paraphrasiert zunächst Marxsche Formulierungen
(S.611f) zu “Zins und Unternehmergewinn“, greift dann auf
frühere Teile des Entwurfs 1861-1863 zurück und disku-
tiert, inwiefern der fungierende Kapitalist als Teil des
produktiven Gesamtarbeiters Lohn beziehe. Es wird be—
hauptet: “Dje Verwandlung eines Teils des Profits im Zins
und eines anderen im Unternehmergewinn oder Lohn für die
Arbeit der Oberaufsicht ist Resultat ein und desselben
Formwandlungsprozesses.“ (3.614) Dass in Bezug auf dieses
Forschungsergebnis die Hoffnung kaum besteht, es sei,
wenn schon nicht nachgewiesen (was mehr als die Para—
phrase erforderte), so doch vielleicht vorweggenommen,
legt die folgende Passage nahe: “Indes auch abgesehen von
diesem Aspekt, wo der Kapitalist selbst eine tätige Rol-
le im ArbeitsProzess spielt, ist auch der Teil der Ein-
künfte, die dem Kapitalisten aufgrund der Wahrung aus den
dem Klassengegensatz entspringenden Funktionen innerhalb
des Verwertungsprozesses zufallen, Bestandteil des variab-
len Kapitals“ (5.612). Der Kommentator hat sicherlich den
Verdienst, dass in dieser groben Form die vergleichsweise
kleinen Marxschen Ungereimtheiten in der Argumentation
für die Verwandlung von Unternehmergewinn in Unternehmer—
lohn, (hier gleichgesetzt als Verwandlung von Nehrwert
in variables Kapital) zum schreienden Widerspruch gewor-
Die Struktur der Marxschen Argumentationskette lässt sich
wie folgt explizit machen:
1. Präsupposition: Es gibt genau drei Einkommensquellen.
2. Präsupposition:Einer Revenuequelle kann nur eine Art
Revenue entspringen.
3. Schluß: Dem (Geld-) Kapital entspringt Zins, darum kann
der Unternehmergewinn nicht auch dem Kapital entsprin-
4. Der VerwertungsProzess des Kapitals ist auch Arbeits-
Prozess, an dem der fungierende Kapitalist als Leiter
5. Kann der Unternehmergewinn nicht als Revenue, die aus
der Revenuequelle Arbeit entspringt, aufgefasst werden?
6. Die der Arbeit entspringende Revenue ist der Lohn, da-
her muss der Unternehmergewinn genauer als Unternehmer—
lohn aufgefasst werden.
Ad 1 — ‘Einkommensquelle‘ braucht nicht als synonym zu “Re—
venuequelle‘ gebraucht zu werden. Wir schlagen Vll § 4f
vor, ‘Einkommen‘ als Oberbegriff zu ‘Revenue‘ und ‘Unterneh—
mergewinn‘ zu verwenden.
Ad 2 — Zu Beginn des Zitats heißt es: “Das Kapital
wird gespalten.“ Aber Marx will nicht zwei Revenuequellen
Kapital — das zinstragende Kapital und das fungierende Ka-
pital — zulassen. (Doch das fungierende Kapital kann dem
fungierenden Kapitalisten Einkommen — Unternehmergewinn —
einbringen, ohne Revenuequelle zu sein.)
Ad 3 — Genau so könnte geschlossen werden: Der Arbeit ent-
springt .krbeitslohn als Revenue, daher kann der Unterneh—
mergewinn nicht auch der Arbeit entspringen.
Ad 4 — Es liegt nahe, hier die Ausführungen im 5. Kapitel,
1. Band, “ArbeitsProzess und VerwertungsProzess“ heranzuzie-
hen. Als einfacher ArbeitsProzess gefasst, bringt der kapi-
talistische Produktionsprozess lediglich Arbeitsprodukte
(nicht Revenue) hervor (MEW 23/195 und 551f).
Ad 5 — Da dem funktionierenden Kapital “Arbeitskraft, Wissen-
schaft und Erde“ (MEW 23/636) einverleibt sind, könnte man
auch fragen: Kann der Unternehmergewinn nicht als Revenue,
die der Wissenschaft entspringt, aufgefasst werden? Oder als
der Natur entspringend?
Ad 6 — Dem (Geld) Kapital entspringt Zins, dem Boden ent-
springt Rente als Revenue. Warum soll der Unternehmergewinn
nicht als Unternehmerzins oder Unternehmerrente gefasst wer-
den? Schließlich gibt es gleichzeitig verschiedene Formen
der Rente nebeneinander und abgeworfen vom selben Stück Bo-
Dies lässt die 2. Präsupposition in einem differenzierende
Betrachtung ermöglichenden Licht erscheinen. (Statt: “Der
Kapitalcharakter ist diskontiert im Zins.")
Warum soll nicht dasselbe Argument auf den Lohn hin formu-
liert werden? Die Arbeit ist bezahlt im Lohn.
“Mit dem kooperativen Charakter des Arbeitsprozesses selbst
erweitert sich daher notwendig der Begriff der produktiven
Arbeit und ihres Trägers, des produktiven Arbeiters. Um
produktiv zu arbeiten, ist es nun nicht mehr nötig, selbst
Hand anzulegen; es genügt, Organ des Gesamtarbeiters zu
sein“ (MEW 23/531). Hiernach ist der fungierende Kapi-
talist als Leiter des Arbeitsprozesses Mitglied des pro-
duktiven Gesamtarbeiters.
Doch: “Die obige ursprüngliche Bestimmung der produkti-
ven Arbeit, aus der Natur der materiellen Produktion
selbst abgeleitet, bleibt immer wahr für den Gesamtarbeiter,
als Gesamtheit betrachtet. Aber sie gilt nicht
mehr für jedes seiner Glieder, einzeln genommen.
Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für
den Kapitalisten produziert“ (MEW 23/532).
Wir haben uns aus Gründen der systematischen Weiterent-
wicklung entschlossen, den Unternehmergewinn nicht in
einer anderen Einkommensquelle, in der Revenueform Arbeits—
lohn, aufgehen zu lassen. An der Charaktermaske des
fungierenden Kapitalisten, der in unserer Rekonstruktion
der Revenueformanalyse den Haltern der Revenuequellen als
Partner im Ausleihverhältnis gegenübersteht, soll in der
Konkurrenzformanalyse der Übergang auf das Konkurrenz—
subjekt (Abschnitt VII) vollzogen werden.
Dass Marx einen unserer Ansicht nach verfrühten Versuch
der Auflösung macht, hängt letztlich mit der Unklarheit
zusammen, was denn die “Oberfläche“ konstituiere. Kann
sie schon auf der Ebene der Revenuen oder erst in der -
Analyse der Konkurrenz dargestellt werden?
Klärung kann hier nur der weitere Ausbau des Systems
schaffen. Marx hat diesen aber seit Abbruch der Arbeit
am Entwurf des 3. Bandes KAPITAL 1865 nicht energisch
Roman Rosdolsky gibt dies in seiner Darstellung der Än-
derung des Aufbauplans von 1857 immerhin durch die Blume
zu verstehen: “ was endlich die ursprünglichen Bücher
IV-VI (vom Staat, vom auswärtigen Handel und vom Welt-
markt) anbelangt, so möchten wir hier auf die schon
früher zitierte Stelle aus dem III. Band des KAPITAL
verweisen (MEW 25/12O), wo Marx die Frage der Konkurrenz
auf dem Weltmarkt aus dem Untersuchungsbereich des
KAPITAL ausschloss. Dasselbe gilt- aber auch für das damit
eng zusammenhängende Problem der industriellen Zyklen, der
Abwechslung der Prosperität und Krise, — deren weitere Ana—
lyse — wie Marx wiederholt betont — „außerhalb des Bereichs
unserer Betrachtung fällt“ (MEW 25/370, 372 u. 839) und wohl
erst der etwaigen Fortsetzung des Werkes~‘(1854:MEW 25/120)
zugedacht ward.“ (Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen
KAPITAL, 1968, S.38f).
Es folgt noch eine Bemerkung Rosdolskys, dass es Marx
“nicht mehr gegönnt war“ — er hat noch 15 Jahre vor sich —
seine Krisentheorie auf der “konkretesten Ebene zu be-
handeln." Vom Ausbau des Systems bis zum Überbau kein
Wort: “Soviel über die Planänderungen, die sich in den
besprochenen KAPITAL — Manuskripten selbst feststellen
lassen.“ (Rosdolsky, 1968, S.39).
Und dann folgt der einleuchtende Vorschlag, “in bezug auf die
Planänderung strikt zwischen den ursprünglichen Büchern I—
III und den Büchern IV—VI zu unterscheiden.“ In der Tat:
mit bezug auf die “etwaige Fortsetzung“ ist der Aufbauplan
des Systems eben nicht fortgeschrieben. Zu sagen, die
Bücher IV—VII seien “nie wirklich ‘aufgegeben‘“ (S.39, 75)
ist, wenn man so will — eine sehr zurückhaltende Formulie-
rung des Appells zum Ausbau des Marxschen Systemfragments.
Aber man vergleiche sie mit den entschiedenen Formulie-
rungen, die mit der Autorität der Herausgeber der Marx-
schen Werke vorgetragen, den Mitarbeitern des
Instituts für Marxismus — Leninismus dazu dienten, den
fragmentarischen Charakter des Marxschen Hauptwerks zu
vernebeln. In der ersten Anmerkung zur Herausgabe der
Schrift “Zur Kritik der politischen Ökonomie“ in MEW 13
nehmen sie auf denselben Aufbauplan Bezug. Formal ab—
weichend vom Plan, 6 Bücher zu veröffentlichen, beginnt
Marx ja — inhaltlich diesem Plan nicht widersprechend —
die Veröffentlichung des geplanten “Ersten Buchs: Vom
Kapital“ mit einem ersten „Heft.“ Nach dem ersten Heft
wollte Marx sofort das zweite veröffentlichen... Weitere
Forschungen veranlassten Marx jedoch, den ursprün-
lichen Plan für seine große Arbeit zu ändern. Anstatt
der vorgesehenen sechs Bücher sollten es vier Bände
über das KAPITAL werden. An Stelle der geplanten weiteren
Hefte verfasste Marx daher (!) “Das KAPITAL“ (MEW 13/658).
Dabei kann doch die “Planänderung“ nicht erklären, warum
Marx nicht mit dem Veröffentlichen des ersten Buches
durch zwanglose Folge von Einzelheften fortfährt. Der
neue Plan (auf den die Herausgeber freilich nur, ohne
nähere Angaben zu. machen, bezugnehmen können), ist erst
7 Jahre später, 1865, nachweisbar (Rosdolsky, S.24) und
hinsichtlich des ersten Buches fällt der Unterschied
der Pläne nicht ins Gewicht:
1857: 1. Das Buch vom Kapital
a) Das Kapital im allgemeinen
1) Produktionsprozess des Kapitals
1866: Buch 1 Produktionsprozess des Kapitals
Warum dann also:“Anstatt der vorgesehenen sechs Bücher
Sollten es vier Bände über das KAPITAL werden“? Für die
Frage, warum das zweite Heft von “Zur Kritik . . .“ nicht
erscheint, tut das nichts zur Sache. Nur wimmelt es nun
von “Büchern“, “Heften“ und “Bänden“ (unnötigerweise
gebraucht). Und in diesem Gewimmel kann suggeriert wer-
den: in den Bänden 23,24,25,26 der MEW liegt das Marx—
sche System fertig vor.
(Von der von Marx noch 1865 angesprochenen “etwaigen
Fortsetzung“ ist wohl nicht zufällig keine Rede.)
§4 Die Triade der Revenuequellen ist von der Triade der
Produktionselemente zu unterscheiden. Dieser Unterschied
ist durch das Geldkapital gesetzt, welches erst durch Kauf
von Industriewaren in Produktionsmittel (Maschinerie, Roh-
stoffe, Hilfsstoffe) verwandelt werden muss, damit neben
Arbeitskraft und Boden das dritte Produktjonselement dem
fungierenden Kapitalisten zur Verfügung steht.
Zur Kritik der 3—Bäume Metapher (MEW 25/830):
a) es gibt 4 Früchte—Bezieher, nämlich die 3 Re—
venuebezieher und den Unternehmer, der Unter—
nehmergewinn macht
b) die drei Revenuequellen verwachsen nicht mit
den Naturalformen der drei Produktionselemente
(menschliche Arbeitskraft, Boden, Industriewaren
als Produktionsmittel)
Die hier (vgl. auch §~2 und 3) skizzierte Kritik an der
Marxschen Darstellung der “Ebene der Revenuen“ trifft den
auf Oktober—November 1862 datierten Text “Revenue and
its sources“ (MEW 26.3/445—528 und 604) sowie den gleich-
namigen letzten Abschnitt des Entwurfs des 3. Bandes
KAPITAL (1864/65) in gleichem Maß. Es wäre daher zu er-
warten, dass diese Fragen von der Literatur, die sich aus-
führlich mit der Entstehung des KAPITAL befasst, behandelt
Das Original des (bisher nur auszugsweise veröffentlich-
ten großen Entwurfes 1861—63 ist in Moskau. Der am Mos-
kauer Marx-Engels-Institut (heute: Institut für Marxismus—
Leninismus) tätige Witali S.Wygodski hat in seinem Buch
“Geschichte einer großen Entdeckung“ (1967, das russische
0riginal erschien in Moskau 1965) den Zeitraum 1850—1863
als besonders interessant ausgegrenzt: Die Revenueanalyse
wird von ihm nicht behandelt. Die als “direkte Fortsetzung“
(5.11) bezeichnete zweite Schrift Wygodskis zu diesem
Thema, “Wie DAS KAPITAL entstand“ (Moskau, 1970, Verlag
Marxistische Blätter, Frankfurt a.M. 1976) gibt eine aus—
führliche Würdigung des zweiten Entwurfs des KAPITAL
(1861—1863).
In der S.93 abgedruckten “Zeittafel zu Marx Arbeit an
den "Theorien über den Mehrwert" ist :“Oktober—November
1862“ ausgespart. Das Heft XV wird ohne Erwähnung, dass
darin die erste Fassung der Revenueformanalyse enthalten
ist, dem "größten Teil des Manuskriptes von 1861—1863
einnehmenden kritischen Analyse der Geschichte der bür—
gerlichen politischen Ökonomie" zugeschlagen. In Wygodskis
Besprechung des dritten Entwurfs (S.92) des KAPITAL (1863—
1865 )das “die einzige Variante des dritten Bandes“ ent-
hält, werden die Revenuen übergangen und er hakt (S.110) das
Thema ohne Problematisierung S.122 in zwei Sätzen ab, die
zudem einseitig das “Interesse der herrschenden Klassen“
Tuchscherer hat seine Untersuchung auf den Zeitraum
1843—1858 beschränkt und behandelt in “Bevor DAS KAPITAL
entstand“ (Berlin — DDR 1968) die fehlende Revenueform—
analyse nicht.
Roman Rosdolsky, der 1927—1931 Mitarbeiter des “Marx—En-
gels—Instituts“ Moskau war und den “Rohentwurf des KA-
PITAL 1857—1858“ wohl schon aus der Zeit seiner Druckle-
gung kannte, behandelt in “Zur Entstehungsgeschichte des
Marxschen KAPITAL“ (1955 abgeschlossen, veröffentlicht
Frankfurt 1958) “ Die ‘trinitarische Formel‘ der bürger-
lichen Ökonomie“ (5.46—49) wobei er auf die Passagen in
MEW 26.3 und MEW 25 Bezug nimmt. Hauptgewicht liegt bei
ihm auf der Frage nach der Bedeutung der “Distributions—
formen“ im Verhältnis zu den Produktionsformen. (Im an—
schließenden Abschnitt: “Die drei fundamentalen Gesell—
schaftsklassen‘ S.49—54 wird die Ungleichgewichtigkeit
von Kapitalist und Grundeigentümer in den Vordergrund
gerückt. Dabei beschränkt er den Kapitalisten auf den
Unternehmer und merkt nicht an, dass sich ein gut Teil
der Polemik gegen den Grundrentner auf den Geldrentner
(=Geldkapitalisten) übertragen lässt.)
Ernest Mandel, der sich in seiner ebenfalls 1968 in
Frankfurt erschienenen Schrift “Entstehung und Entwicklung der ökonomischen Lehre von Karl Marx (1843-1863)“
sehr positiv über Rosdolsky ausspricht (8.97), ignoriert die Revenueformanalyse.
Auch in seinem recht aus—
führlichen Kapitel über Entfremdung findet sich nichts
davon. Dies ist zugleich symptomatisch für die dort
referierte und kritisierte Sekundärliteratur zu Marx.
Einen engeren inhaltlichen Bezug auf Rosdolsky nimmt Helmut Reichelt, “Zur logischen Struktur des Kapitalbegriffs bei Karl Marx“, (Frankfurt 1970). Hier wird zu Beginn des
Jahrzehnts, das die “German Staatsableitungs—debate“ her-
vorbringen sollte, eine sehr anregende Erörterung der Er-
scheinungsformen des kapitalistischen Produktionsverhält—
nisses auf der Oberfläche, der Ebene der Revenuen vorge-
legt (S.85—92). (Dies wird allerdings mehr versteckt als
angezeigt durch den Titel: “Allgemeine Aspekte des Kapital—
begriffs“) Reichelt betont die zentrale Stelle der “tri—
nitarischen Formel“ als “Ausgangspunkt der Wissenschaft
der politischen Ökonomie“ (S.88) und ihrer Kritik als Ab-
schluss des KAPITAL. Das Auffällige an der zitierten Fassung
dieser Formel “Kapital—Zins ... Zins (statt Profit)“ und
die Existenz anderer Fassungen der Formel, sowie die Unge—
reimtheiten der Marxschen “Analyse der Oberflächenstruktur
des Kapitals“ (S.88) thematisiert Reichelt nicht.
Die von Rosdolsky und Reichelt, aber auch vom lokalen
geistigen Klima des eigenen systematischen Denkens ange-
regte Marxistische Gruppe / Theoriefraktion hat mit ihrem
Text “Zur Oberfläche des Kapitals“ (in: Cirkular 3, Er-
langen, Politladen Druck, Dez. 1972) den Versuch unter-
nommen, die Revenueanalyse als Scharnier zu verstehen,
das die Kapitalanalyse mit der Staatsanalyse verbindet.
Schon Reichelt hatte ja programmatisch formuliert: “Sie
(die Formen der Oberfläche d.V.) besiegeln ... die theo-
retische Kapitulation vor der Struktur der ‘Verdopplung
aller Elemente in bürgerliche und Staatswesen‘, wie es im
Frühwerk heißt“ (1970, 3.92). Die MG Erlangen macht sich
nun praktisch an den Ausbau des Marxschen Systemfragments.
Die Behandlung der “drei quellen von revenue“ ist etwas
über eine Seite lang und gibt eine Auswahl der Marxschen
Argumentation MEW 25/830—34 wieder. Es folgen 10 Seiten
systematischer Entwicklung von Termini wie ‘Privateigentum‘,
‘Freiheit der Wahl‘, ‘Verstand‘, ‘Allgemeininteresse‘,
‘Konkurrenz um die Distribution‘, ‘Interessenkoalition‘,
‘Klassen‘, ‘Allgemeinwohl‘. Dann werden auf 7 Seiten
“spezifika der revenuequelle arbeit“ und bürgerliches
Arbeiterbewußtsein (=die Revenueinteressen der Arbeiter-
Innen) thematisjert. Die letzten 4 Seiten sind dem Zusammen-
hang von Revenueformen und bürgerlichem Staat gewidmet.
Die MG Erlangen gibt gleich zu Beginn die Bestimmung:
“Karl Marx erreicht mit der Entwicklung der ‘trinita—
rischen formel‘ am Ende des dritten Bandes des KAPITAL
die Oberfläche der kapitalistischen Gesellschaft, wo sich
“die Verdinglichung der gesellschaftlichen Verhältnisse
das unmittelbare Zusammenwachsen der stofflichen Pro-
duktionsverhältnisse mit ihrer geschichtlich—sozialen Be-
stimmtheit vollendet“ (MEW 25/838)“ (S.3). Ungerührt von
der Ungereimtheit heißt es bestätigend weiter unten:
fallen auch Kapital und Grundeigentum zusammen mit
ihrem stofflichen Dasein als Produktionsmittel (und Geld,
das in Produktionsmittel jederzeit verwandelbar)“ — als
wenn dies den Bruch reparierte!
Auf Erlanger Diskussionen aufbauend haben Sybille von Fla—
tow und Freek Huisken im Zusammenhang mit ihrer Veran-
staltung an der Bremer Universität die systematische Dar-
stellung der “Ebene der Revenuen“
als Zusammenfassung des Kapital auch in die “gegenwär-
tige Diskussion über einen historisch—materialistischen
Begriff des bürgerlichen Staates“ -(S.8) einbringen wollen
(“Zum Problem der Ableitung des bürgerlichen Staates“,
in: Prokla 7, Mai 1973, 83—153). Die eigentliche Revenue—
formanalyse wird jedoch (nicht über das Cirkular der MG
Erlangen hinausgehend) knapp und kritiklos auf zwei Seiten resumiert.
Der fungierende Kapitalist wird umstandslos zum Arbeiter
(S.102 + 104). Einkommen wird mit Revenue gleichgesetzt.
“Das Kapital ist nicht mehr ein gesellschaftliches Ver—
hältnis, sondern nur noch produziertes Produktionsmittel“ (S. 105)
— aber wieso ist die stoffliche Form der Revenuequelle
Leihkapital produziertes Produktionsmittel? Lakonisch
folgt die Anmerkung: “Das Geld, welches als Mittel zum Tausch (?) gegen
Produktionsmittel fungiert, muss hier nicht gesondert be—
rücksichtigt werden.“ (S.105). Immerhin dachten sie dran.
Doch Geld wäre als „Mittel zum Zins“ zu behandeln.
Im Diskussionsband “Oberfläche und Staat“ (Westberljn
1974) hat das Projekt Klassenanalyse (PKA) die Texte der
Marxistischen Gruppe Erlangen und Flatow/Hüsken kriti-
siert. “Wir greifen das Cirkular der MG. Erlangen aus der
Masse der Veröffentlichungen („ultralinker“ Gruppen d.V.)
heraus, weil die Begründung ihrer Sonderstellung (außer-
halb der DKP d.V.) vermittelt wird durch ein Stück ein-
- gehender KAPITAL—Interpretation, vor allem gerade des
Schlussabschnitts, der in der bisherigen Diskussion gene-
rell sehr unklar geblieben ist“. (S.15) Dies ist ein Wort!
Es folgt die wohl umfangreichste Thematisierung der
“Oberfläche“, wobei die Autoren zwischen der Darstellungs—
ebene der einfachen Warenzirkulation (gleichsam als ab-
strakt gefasste, unentwickelte Oberfläche) und der Dar—
stellungsebene der Revenueformen des Werts (als entwickel-
te Oberfläche) unterscheiden. Die “Entwicklung der Be-
stimmungen der Warenzirkulation als durch die dahinter—
liegenden Prozesse vermittelte und sie vermittelnde Be-
ziehung (ist) absolute Grundlage der Darstellüng der ent-
wickelten Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft“, da
die “Bestimmungen der einfachen Warenzirkulation an der
entwickelten Oberfläche ... als wirklicher Schein ihres
verborgenen Zusammenhangs wieder erscheinen“ (S.71).
Das Projekt Klassenanalyse hält die “Gesamtinterpretation
des VII. Abschnitts (KAPITAL, Bd.III) durch die MG“ für
“unhaltbar“ (S.17) und bemüht sich “darzustellen, wie
der wirkliche Zusammenhang der Formbestimmungen der Ober-
fläche des Kapitals aussieht.“ (Vgl. 17—26 und die
“Beschreibung der Oberfläche“ sowie die Darstellung der
“Verkehrung von Form und Substanz“ in: Projekt Klassen—
analyse, Materialien zur Klassenstruktur der BRD. Erster
Teil. Theoretische Grundlagen und Kritiken, Westberlin
1973, 3.22—68. Ferner den Abschnitt “Revenue und ihre
Quellen“ in: Projektgruppe Entwicklung des Marxschen
Systems; der 4. Band des KAPITAL? Kommentar zu den -“The—
rien über den Mehrwert“, Westberlin 1975, S.589—624). Das
PKA kommt in der Veröffentlichung seiner “Theoretischen
Grundlagen“ (Westberlin 1973, s.o.) zu folgender apar—
ter Lösung: “... ist der Betrieb neuer Maschinerie mit
Anlaufschwierigkeiten verbunden, aufwendigen Reparatu-
ren usw., die die Kosten ihrer ersten Anwendung gegen-
über später steigen lassen. Dies kann so weit gehen, dass
der erste Anwender der Maschinerie bankrott macht und
erst die Aufkäufer sie profitlich anwenden können.
Solche Beispiele bestärken die Vorstellung, dass der Un—
ternehmergewinn nur ein Äquivalent (?) für die Leistung
des Kapitalisten und das mit dieser Leistung verbundene
Risiko ist (?)‚ weshalb der durchschnittliche (!) Unter—
nehmergewinn eigentlich auch (?) als Unternehmerlohn zu
bezeichnen sei.“ Ist er‘s oder ist er‘s nicht? “Als Ge-
winn bleiben (!) nur noch die kurzfristigen Überschüsse
der Verkaufspreise über die durch die Kosten der Produk-
tionsfaktoren (1,2,3) und den Unternehmerlohn (4) be-
stimmten Preise, welche signalisieren, dass die Güterver—
sorgung der Gesellschaft noch zu verbessern ist. Durch
diese Gewinne wird die ausnahmsweise Leistung (Arbeit?)
des individuellen Kapitalisten zur Befriedigung der ent-
sprechenden Bedürfnisse honoriert (?). Zugleich mit der
Verbesserung der Versorgung schrumpfen diese Gewinne
aber zusammen und verschwinden schließlich, wenn der Über-
schuß der Nachfrage über das Angebot aufgelöst ist. Daraus
kann die beruhigende Vorstellung gewonnen werden, dass
letztlich aller Gewinn vergänglich ist und der Endzweck
der kapitalistischen Produktion die bestmögliche Versor-
gung der Gesellschaft mit den Gebrauchswerten ist, die
sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse braucht.“ (S.36).
Das PKA zählt hierin 5 Arten Einkommen auf: die drei
“Kosten der Produktionsfaktoren“ (wir unterstellen:
Lohn, Rente, Zins) sowie einerseits Unternehmerlohn (in
allen Fällen) und andrerseits Unternehmergewinn (in beson-
deren Fällen). Auch hier wird die trinitarische Formel
gesprengt, was allerdings nicht dazu führt, dass die neo—
orthodoxe Scheu vor “Marx—Revision“ überwunden und die
Marxsche Konstruktion des Zusammenfallens der Revenue—
quellen mit den Produktionselementen (S.51 zitiert) -
explizit kritisiert wird.
Die Arbeitskonferenz München hat in der ersten Nummer
ihrer“Resultate“ (September 1974) die Frage verfolgt:
“Warum scheitern Marxisten an der Erklärung des bürger— -
lichen Staates?“ und dabei sowohl Bischoff (PKA) als
auch Flatow/Huisken besprochen (150-166). Gleich zu
Anfang werden die Revenuequellen mit der Kennzeichnung
(letzte Kategorie des KAPITAL) versehen. Dies ist zumin-
dest zweideutig. Es kann (richtigerweise) heißen: nach
‘Revenueform‘ des Werts wird keine weitere Form* ent—
wickelt (und ‘Unternehmergewinn‘ ist ja bereits in der
voraufgehenden Zinsformanalyse entwickelt worden). Aber
es kann (fälschlicherweise) vormachen — der Unternehmer—
gewinn geht in einer Revenue auf — sei es nun Kapital—
Profit oder Arbeit—Lohn. In der Auseinandersetzung mit
den “theoretischen Grundlagen“ (Materialien..., West—
berlin 1973) des Projekts Klassenanalyse nimmt die AK
München nicht auf den Teil 1, der des PKA Darstellung
der Revenueanalyse enthält, Bezug.
* Aber vgl. unsere Analyse der Lohnform des Werts in der
„Konkurrenzformanalyse“, VII § 38 !
Es bleibt uns das Resümee: wir haben es nicht, wie die
verschiedenen Fassungen und Auslegungen der “trinita—
rischen Formel“ suggerieren, mit einer unheiligen Drei—
einigkeit, sondern mit der ökonomischen “Viereinigkeit“
der Geldverdiener zu tun. Im Bilde gesprochen: das Ka—
pitalverhältnis ist hiermit zu einer “Troika—Formel“
entwickelt. Der fungierende Kapitalist bewegt sich mit
drei ZugPferden, die er eingespannt hat und lenkt, vor-
wärts - Geldeinkünften zu.
§5 Die Darstellungsebene der Revenueformen ist gekennzeichnet durch eine Zusammenfassung: es ist „der Lohn“, „die Grundrente“ und „der Zins“, die „dem Unternehmergewinn“ gegenübergestellt sind.
Der fragmentarische Entwurf zum 3. Band KAPITAL von 1864 /65, den Marx viele Jahre unbearbeitet liegen ließ und den schließlich Engels 1894 herausgab (MEW 25), endet mit einem (nur angefangenen) Kapitel über „Die Klassen“. Marx spricht deutlich unter Bezug auf seine trinitarische Formel von den drei Klassen der modernen Gesellschaft. Dies kontrastiert zu der geläufigen Gegenüberstellung der Arbeiterklasse und der Kapitalistenklasse (die sich gründet auf die Darstellung des „Klassenantagonismus“ zwischen Ausbeutern des Mehrwerts und dem Rohmaterial dieser Ausbeutung, KAPITAL Bd. I).
1.dies scheint für die Agitation griffiger (als das im Band III versuchte Aufsteigen bis zur Oberfläche)
2.lässt man den Unternehmergewinn aufgehen in der Revenue „Lohn“ (eben als „Unternehmerlohn“ MEW 25/396ff vgl. auch Roth 1974, 29f), wird der fungierende Kapitalist – zur Arbeiterklasse geschlagen!
Folgt man aber der hier gegebenen Darstellung, so ergeben sich die 3 Klassen der Revenuebezieher und die Klasse der fungierenden Kapitalisten, mithin 4 Klassen der kapitalistischen Gesellschaft. (Philosophie ist selten gefällig) Das Mit- und Gegeneinander der Klassen wird in der Konkurrenz-Formanalyse Thema sein. Zuvor jedoch soll die zurückgestellte „vermittelnde Bewegung der Zirkulation“ (MEW 23 / 590) dargestellt werden.
einander FORTSETZUNG IM NÄCHSTEN post
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Labels: Revenueformanalyse, trinitarische Formel, Troika Formel, Zins

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