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Timestamp: 2018-06-24 12:51:03+00:00

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509 Hatthipala-Jataka
509. Die Erzählung von Hatthipala (Hatthipala-Jataka)
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Weltentsagung. — Nachdem aber damals der Meister gesagt hatte: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon betätigte der Vollendete die Weltflucht“, erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B. Ehedem lebte zu Benares der König Esukari. Dessen Hauspriester war von Jugend auf sein lieber Freund. Die beiden aber waren kinderlos. Als sie nun eines Tages in behaglicher Ruhe zusammensaßen, sagten sie zu einander: „Unsere Machtfülle ist groß, doch haben wir weder einen Sohn noch eine Tochter. Was ist da zu tun?“ Darauf sprach der König zu dem Hauspriester: „Freund, wenn in deinem Hause ein Sohn wird geboren werden, so wird er der Herr meines Reiches werden; wenn mir aber ein Sohn wird geboren werden, so wird er der Herr der Reichtümer in deinem Hause werden.“ So trafen sie untereinander diese Verabredung.
Am nächsten Tage ließ der Hauspriester starke Männer zasammenkommen, nahm Beile, Äxte und andere Werkzeuge mit und begab sich mit ihnen an den Fuß des Baumes. Hier fasste er einen Zweig und sprach: „Holla, Gottheit, heute ist der siebente Tag, dass ich dich bitte; jetzt ist die Zeit gekommen, dich zu vernichten.“ Jetzt kam die Baumgottheit mit großer Macht aus einer Öffnung des Stammes hervor, redete ihn mit süßer Stimme an und sagte: „Brahmane, sehen wir ab von einem Sohne: vier Söhne werde ich dir schenken.“
§1. „Seit langem, fürwahr, sahn wir nicht
einen Brahmanen göttergleich [8],
mit langen Flechten, Lasten tragend [9],
mit schmutz'gen Zähnen, staub'gem Haupte.
§2. Schon lange, fürwahr, sahn wir nicht
den Weisen, der die Tugend liebt,
der rotgelbe Gewänder trägt
und sich in Kleider hüllt aus Bast.
§3. 'nen Sitz und Wasser für die Füße
entgegennehm' von uns der Herr.
Wertvolles wollen wir ihn fragen,
Wertvolles tu an uns der Herr [10]!“
§4. „Lern erst die Veden und erwirb dir Schätze,
erzeuge Söhne in dem Haus, mein Lieber;
wenn alle guten Dinge [11] du genossen,
dann ist der Wald gut, dann der Mönch ist edel!“
§5. „Veden und Gelderwerb sind nicht das Wahre,
durch Kinderzeugung scheucht man nicht das Alter,
Freiheit von Sinnenlust lehren die Weisen,
von seinen Taten erntet man die Früchte [12].“
§6. „Gewiss sind Wahrheit diese deine Worte:
‘Von seinen Taten erntet man die Früchte’;
doch alt sind deine Eltern und sie möchten
gesund dich sehen hundert Jahre lang.“
§7. „Wenn einer ist des Todes Freund, o König,
und liebt das Alter, Bester von den Männern,
und wenn er meint: ‘Ich werde niemals sterben’,
den mag gesund man sehen hundert Jahre.
§8. Gleich wie ein Mann sein Schiff im Wasser rudert,
um es ans andre Ufer hinzubringen,
so führt beständig Krankheit auch und Alter
den Sterblichen in die Gewalt des Todes.“
§9. „Schmutz sind die Lüste und ein Haufen Dreck [13],
bezaubernd, schwer besiegbar, Tod verschuldend;
und die in diesem Schmutz und Schlamm versunken,
die Niedrigen gelangen nicht hinüber [14].
§10. Es tat hier einer früher rohe Taten;
verstrickt war ich, nicht gab 's für mich Befreiung;
zurück will ich ihn halten, gut bewachen,
dass er nicht fürder [14a] rohe Taten tue.“
§11. „Wie ein verlornes Rind ein Mann im Walde
beständig sucht und es nicht findet, König,
so auch mein Ziel verlor ich, Esukari:
warum sollt' ich danach nicht suchen, König?“
§12. „‘Morgen, ja morgen’, ruft man, ‘nächster Tage’;
doch dass die Zukunft nicht bestimmt ist, weiß
der Weise und stößt weg die Lust des Augenblicks [16].“
§13. „Ich sehe wohl ein junges Mädchen, das
ein Bild der Freude, Glanz in seinen Augen [17];
doch eh' das Mädchen Freuden hat genossen,
in früher Jugend nimmt 's der Tod mit sich.
§14. Ein edler Jüngling, schön von Aug' und Antlitz,
mit dunklem Haar, den Bart wie von Safflor [18] —
die Lüste geb ich auf, geh aus dem Hause.
Erlaub mir 's, Fürst; ich will die Welt verlassen.“
§15. „Durch seine Zweige ist der Baum ein Ganzes;
wenn er von Zweigen leer, nennt man ihn Stumpf.
Da ich der Söhne ging verlustig, ist jetzt,
Vasetthi [19], Zeit für mich, Almosen zu sammeln.“
§16. „Wie Vögel in der Luft zur Winterszeit,
die Schwäne, die zerrissen Draht und Netze [20],
so gehn mir fort die Söhne und der Gatte;
warum sollt ich nicht meinen Sprossen [21] folgen?“
Sie ließ aus dem Schlachthause Fleisch herbeibringen und daraus im Hofe des königlichen Palastes einen Haufen machen; darum ließ sie ein Netz herumlegen und nur einen Weg gerade nach oben frei lassen. Die Geier bemerkten dies von ferne und kamen zu diesem Zwecke heruntergeflogen. Diejenigen nun von ihnen, die klug waren und das ausgespannte Netz bemerkten, dachten, als sie zu schwer geworden waren: „Wir werden nicht im Stande sein, gerade in die Höhe zu fliegen“; darum gaben sie das von ihnen verzehrte Fleisch wieder von sich, flogen, ohne am Netze hängen zu bleiben, gerade hinauf und entfernten sich. Die blinden Toren aber verzehrten das von jenen ausgespieene Fleisch, wurden dadurch schwer, konnten nicht mehr gerade hinauf fliegen und fingen sich im Netze.
§17. „Nachdem die Vögel erst gefressen,
dann ausgespieen, ziehn sie fort;
doch welche fraßen und nicht spieen,
die sind in meine Hand gelangt.
§18. Die Lüste spie aus der Brahmane
und du hast sie hinabgeschlungen;
ein Mann, der das Gespiene isst,
der ist, o König, nicht zu loben.“
§19. „Wie einen, der in Schmutz und Schlamm versunken,
so wie ein Starker den Schwachen herauszieht,
so hast du mich herausgezogen, Liebe,
Pancali [24], mit den wohlgesprochnen Versen.“
§20. Da so der Großkönig gesprochen,
Esukari, der Völkerfürst,
warf er den Thron weg und verließ die Welt,
so wie der Elefant bricht seine Bande.
§21. „Der König hat die Weltflucht sich erwählt,
verzichtet auf den Thron der Männer Bester.
Darum sei du uns jetzt an Königs Statt,
beschütze uns und führe die Regierung.“
§22. „Der König hat die Weltflucht sich erwählt,
Auch ich will einsam wandeln in der Welt
und von den angenehmen Freuden lassen.
§23. Der König hat die Weltflucht sich erwählt,
verzichtet auf den Thron, der Männer Bester.
Auch ich will einsam wandeln auf der Welt,
die Lüste lassen, wie sie auch begrenzt sind.
§24. Die Zeit verfliegt und es vergehn die Nächte [25]
und immer mehr verlässt uns unsre Jugend.
Auch ich will einsam wandeln auf der Welt
und von den angenehmen Lüsten lassen.
§25. Die Zeit verfließt und es vergehn die Nächte
§26. Die Zeit verfließt und es vergehn die Nächte
leidenschaftslos, befreit von allen Banden.“
Nachdem sie so mit diesen Strophen der Volksmenge die Wahrheit verkündet hatte, ließ sie die Gattinnen der Minister zu sich rufen und sagte: „Was werdet ihr tun?“ Sie fragten: „Was tut aber Ihr, Edle?“ „Ich werde die Weltflucht betätigen.“ „Dann werden auch wir die Welt verlassen“, antworteten die Frauen. Die Königin erwiderte: „Gut.“ Sie ließ im königlichen Palaste die Geldvorratshäuser öffnen; auf eine goldene Platte ließ sie einritzen: „An dem und dem Orte ist ein großer Schatz vergraben“, und indem sie hinzufügte: „Man soll nur das Geschenkte mitnehmen“, ließ sie die goldene Platte im Thronsaale an einer Säule befestigen und dies durch Trommelschlag in der Stadt bekannt machen. Nachdem sie so auf ihre große Glücksfülle verzichtet hatte, verließ sie die Stadt.
§D. Auf dieser Insel Ceylon waren es der Thera Dhammagutta, der die Erde erschütterte, der zu Katakandhakara wohnende Thera Phussadeva, der zu Uparimandalakamalaya wohnende Thera Mahasamgharakkhita, der Thera Malimahadeva, der zu Bhaggiri wohnende Thera Mahadeva, der in der Berghöhle Vamanta wohnende Thera Mahasiva und der zu Kalavallimandapa wohnende Thera Mahanaga, die in der Vereinigung mit Kuddala, mit Mugapakkha, mit Culasutasoma, ferner in der Vereinigung mit dem weisen Ayoghara und in der Vereinigung mit Hatthipala alle später die Weltentsagung betätigten [28]. Darum sagte auch der Erhabene:
„Eilt euch, ihr Glücklichen [29]“;
denn das Glück ist mit aller nur möglichen Eile zu suchen. —
Dhp 116
§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, hat der Vollendete auch schon früher die große Weltentsagung ausgeführt“, und verband hierauf das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war der König Esukari der Großkönig Suddhodana, die Königin war die große Maya, der Hauspriester war Kassapa, seine Gattin war Bhaddakapilani, Ajapala war Anuruddha, Gopala war Moggalana, Assapala war Sāriputta, die übrige Versammlung war die Buddhaschar, Hatthipala aber war ich.“
[1] Rouse übersetzt unrichtig: “approched his revenue-village and entered by the southern gate.”
[2] Es ist wohl „satakam“ für „sarakam“ zu lesen.
[3] Es war wohl eine Dirne, die, wie Rouse anführt, als Gattinnen bestimmter Bäume gelten; und weil kein andrer Baum in der Nähe stand, wies sie auf den Bananenbaum bzw. die in demselben wohnende Gottheit hin.
[4] Wenn der Baum, in dem die Baumgottheit wohnt, gefällt wird, muss die Gottheit sich eine andere Wohnung suchen.
[5] Dasselbe wie die vier Welthüter („lokapala“). Jeder führt über eine der vier Weltgegenden die Aufsicht.
[6] Nicht die den Göttern feindlichen Asuras, sondern die Raksas (Halbgötter). Sie werden wie ein irdisches Volk von Heerführern befehligt.
[7] Der dritte von den sechs Freudenhimmeln.
[8] Vgl. Samyutta-Nikaya Band I, S. 1.
[9] Gemeint sind wohl die Ausrüstungsgegenstände der Asketen.
[10] Diese Strophe steht auch im Jataka 498 Strophe 9.
[11] Wörtlich: „alles von wohlriechenden und wohlschmeckenden Dingen“.
[12] Nämlich in der folgenden Existenz.
[13] Dieser Vers steht auch im Jataka 378 Strophe 1.
[14] Wörtlich: „an das andere Ufer“, nämlich zur Befreiung vom Leid.
[14a] = „weiterhin“.
[15] Der Nominativ „natthagono viya“ muss nach dem ganzen Zusammenhang die Bedeutung des Akkusativs haben; vielleicht zu erklären „wie es bei einem verlorenen Rinde der Fall ist“. Rouse übersetzt wörtlich gegen den Sinn.
[16] Fausböll ergänzt „ko“ bei „dhiro“; dann würde es heißen: „Welcher Weise stößt die Gelegenheit des Augenblicks von sich?“ Ähnlich auch Rouse.
[17] Wörtlich: „Augen wie Ketaka-Blumen“. Ketaka ist der Baum Pandanus odoratissimus.
[18] Carthamus tinctorius. Wörtlich: „den Bart mit Safflor besprengt“.
[19] Der Name der Gattin des Hauspriesters. Das Wort bedeutet „die aus dem Vasista-Geschlechte stammende“.
[20] Der Kommentator erzählt dabei, wie einst zwei Schwäne ein von einer großen Spinne gewebtes Netz durch ihre Kraft zerrissen und wie die anderen ihnen durch die Öffnung in die Freiheit nachfolgten. [Vgl. Jataka 537 Kap. 6 mit den Strophen 21-22.]
[21] In der Strophe ist „pajanam“ doch wohl Genitiv Plural von paja, abhängig von „anuvaje“. Die Atthakatha umschreibt allerdings sofort darauf mit „pajananti“, was auch einen guten Sinn gibt. Unwahrscheinlich ist dagegen die Auffassung von Rouse, der die Form für den Akkusativ von „pajana“ = „Erkenntnis“ hält.
[22] Weil er sich als der im Rang höher Stehende fühlt. Bei seinem Vater predigt er in der Luft stehend. [Hier hat sich Dutoit vertan: In der Luft stehend predigt er nur bei dem Hauspriester.]
[23] Nämlich die sinnliche, die körperliche und die unkörperliche Existenz; Gegensatz Nirvana.
[24] Wie der Kommentator bemerkt, stammte sie aus dem Geschlechte der Könige von Pancala.
[25] Vgl. Samyutta-Nikaya Band I, S. 3.
[26] Diese sind die Existenz als Mensch, das Leben in einem der Götterhimmel und das Nirvana.
[27] Diese vier Arten des Daseins sind die vier „apaya“ oder Strafexistenzen.
[28] Es soll wohl lediglich eine dem Kommentator bekannte ceylonesische Tradition über einheimische Heilige wiedergegeben werden. Mit Kuddala usw. sind gemeint die in Jataka 70, Jataka 538, Jataka 525, Jataka 510 und hier genannten Hauptpersonen.
[29] Dhammapadam Vers 116.
[Mit Eile tu das Gute man,
vom Bösen halt´ den Geist man fern.
Wer ´s Gute nämlich zögernd tut,
dess´ Geist am Bösen sich erfreut.]

References: §1

§2

§3

§4

§5

§6

§7

§8

§9

§10

§11

§12

§13

§14

§15

§16

§17

§18

§19

§20

§21

§22

§23

§24

§25

§26