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Timestamp: 2019-05-20 16:28:23+00:00

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Blauer Brief - Versetzung gefährdet - Fehlerhafter Brief? - recht.de
Blauer Brief - Versetzung gefährdet - Fehlerhafter Brief?
Familienbande68
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Beitrag von Familienbande68 » 28.04.18, 23:18
Leider bekamen wir gestern einen "blauen Brief" vom Gymnasium unseres Sohnes (NRW, 8. Schuljahr). Wegen einer 5 in Latein wäre er versetzungsgefährdet. Da wir das angesichts der Klassenarbeiten schon gefürchtet hatten, scheint diese Note nachvollziehbar (wobei da noch ein Lehrergespräch aussteht, vor allem auch wegen der mündlichen und sonstigen Mitarbeit, die nach Aussage unseres Sohnes eigentlich besser sein sollte).
Meiner Meinung nach, hätte er auch in mindestens einem anderen Hauptfach (Englisch) eine drei um die fünf auszugleichen, vielleicht sogar noch in einem weiteren Fach (Mathe), so dass die Nichtversetzung damit sowieso vom Tisch wäre (allerdings kenne ich die mündliche Benotung in den Fächern noch nicht, die erfahre ich wohl erst im Elterngespräch).
Nun schrieb die Schule aber folgendes:
"Sollten sich die Leistungen nicht verbessern, so wird ihr Kind nicht versetzt werden können und muss zum Ende des Schuljahres die Schule verlassen." Dahinter ein Verweis auf das Schulgesetzt NRW, Paragraph 50.
Letzteres versetzt uns doch in Erstaunen, denn unser Sohn hat bisher keine Klasse wiederholen müssen. Und laut Schulgesetzt NRW §50, Absatz 5 heißt es ja, dass erst bei einer zweiten Wiederholung das Gymnasium verlassen werden muss.
Jetzt unsere Frage: ist diese Aussage, dass unser Sohn bei erstmaliger Nicht-Versetzung die Schule verlassen MUSS korrekt?
Ich bin davon ausgegangen, dass man bei erstmaliger Nicht-Versetzung die Klasse widerholen kann. Dieses passiert an der Schule auch regelmäßig, dass Kinder Klassen widerholen.
Gibt es irgendeinen Grund, weshalb ein Wiederholen der Klasse 8 vom Gymnasium ausgeschlossen werden kann?
Das Verhalten unseres Sohnes war immer einwandfrei, von daher sehe ich da auch keine Punkte, die so eine Aussage rechtfertigen könnten.
Welche Möglichkeiten haben wir, diese Aussage berichtigen zu lassen?
Ich gehe davon aus, dass jemand irtümlich den falschen Textbaustein genutzt hat. Generell war das Schreiben sehr unprofessionell gestaltet, unsere Adresse war zB auch fehlerhaft (gsd ist der Brief trotzdem angekommen).
Ein Elterngespräch mit dem Klassenlehrer wird nächste Woche stattfinden, ich möchte mich nur im Vorfeld informieren, wie die Rechtslage ist.
Ich (als Laie) interpretiere den Paragraphen so, dass unser Kind bei erstmaliger Nichtversetzung die Klasse widerholen darf.
Ich möchte aber, falls dieses der Fall ist und die Schule den Brief falsch aufgesetzt hat, erreichen, dass der Text geändert wird und auch geändert in der Schülerakte landet.
Natürlich möchten wir auch eine Eskalation verhindern, da wir ja vermutlich auf goodwill der Lehrer angewiesen sein werden, wenn unser Kind doch noch versetzt werden soll (was wir natürlich mit Nachhilfe und Unterstützung versuchen werden, zu erreichen).
Wir können auch auf kurzem Dienstweg mit dem Schulleiter sprechen, weil der zufällig auch als Fachlehrer in der Klasse unterrichtet. Zuerst möchte ich mich aber an den Klassenlehrer wenden, der ja auch den Brief unterzeichnet hat und der nicht übergangen werden soll (den Dienstweg sollte man in Behörden ja tunlichst einhalten).
Ich würde mich sehr über ein kurzfristiges Feedback Ihrerseits freuen, wie sich die Rechtslage in unserem Fall darstellt. Insbesondere sind folgende Punkte für uns von Interesse: Wann darf eine Klasse widerholt werden? Wann muss ein Schüler das Gymnasium verlassen? Gibt es Gründe, die der Schule ermöglichen, ein Kind trotzdem an eine andere Schulform zu verweisen, obwohl es zum ersten Mal die Klasse widerholen müsste (die Orientierungsstufe ist ja nun lange vorbei)?
Ich hoffe, dass ich dann gut vorbereitet in das Elterngespräch gehen kann.
Re: Blauer Brief - Versetzung gefährdet - Fehlerhafter Brief
Beitrag von Kurt Knitz » 29.04.18, 05:42
Hallo Familienbande,
Wie ist denn der Verweis genau formuliert?
laut Schulgesetzt NRW §50, Absatz 5 heißt es ja, dass erst bei einer zweiten Wiederholung das Gymnasium verlassen werden muss.
Ja, so steht das im Schulgesetz NRW.
Ich gehe davon aus, dass jemand irtümlich den falschen Textbaustein genutzt hat.
Ja, eine Schulsekretärin.
Gute Idee. Das schreiben Sie in einen Brief, an dessen Ende Sie eine Formulierung für eine Empfangsbestätigung einfügen. Dann drucken Sie den Brief zweimal aus und lassen sich ein Exemplar vom Klassenlehrer mit Unterschrift und Namen in Druckbuchstaben unterzeichnen. So sparen Sie das Porto für ein Einschreiben. Erwähnen Sie in dem Brief auch die falsche Adresse, damit der neue Brief Sie dann sicher erreicht.
Natürlich möchten wir auch eine Eskalation verhindern
Dann erwähnen Sie doch im Gespräch in warmen Worten Ihr grundsätzliches Verständnis dafür, dass auch eine Sekretärin mal einen oder mehrere Fehler machen kann und ein Klassenlehrer solche Fehler dann übersehen kann.
Wir können auch auf kurzem Dienstweg mit dem Schulleiter sprechen, weil der zufällig auch als Fachlehrer in der Klasse unterrichtet.
Dann würde sich m.E. anbieten, ihn zu fragen, ob er grundsätzlich mit der betreffenden Schulsekretärin zufrieden ist oder ob Sie ihm einen Gefallen tun würden, wenn Sie sich bei deren Dienstvorgesetzten (beim Schulträger, vermutlich bei der Stadt, fragen Sie den Schulleiter nach Ansprechpartner mit E-Mail-Adresse) schriftlich bzw. per Mail beschweren würden.
An allgemeinbildenden Gymnasien ist nach meinem persönlichen Eindruck häufig die zweite Fremdsprache das Fach, an dem die meisten Versetzungen scheitern. In NRW scheint es berufliche Gymnasien erst ab Klasse 11 zu geben. In BW gibt es ein paar, die schon ab Klasse 8 starten.
Alles halb so schlimm, schöne Grüße
Beitrag von Tastenspitz » 29.04.18, 08:23
Sie sollten weniger Zeit dafür verwenden einen Lapsus zu bearbeiten und sich lieber um das eigentliche Problem kümmern.
Ihr Sohn wird wiederholen oder mit viel Glück die Klasse schaffen. Das ist ihre Baustelle.
Beitrag von michael61s » 29.04.18, 09:19
Dies ist genauer als nur der § 50 SchulG.
https://www.schulministerium.nrw.de/doc ... APO_SI.pdf
Der §22 Allgemeine Versetzungsanforderungen verweist auf §27 Besondere Versetzungsbestimmungen für das Gymnasium.
In der Anlage 11 ist ein Musterschreiben an die Eltern, wobei das zum Halbjahr geschickt wird und nicht 10 Wochen vor dem Ende des Schuljahrs.
Ebenso Verweist er auf §50 SchulG.
https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_det ... _id=394974
Beitrag von Luan » 29.04.18, 10:18
Man könnte sich sogar relativ entspannt zurücklehnen und die Schule nicht auf den fehlerhaften Textbaustein bzgl. des Verlassens der Schule hinweisen. (Die gesparte Zeit investiert man dann in das Lernen der aktuellen Vokabeln aus dem Lateinunterricht.)
Es handelt sich nur um ein Schreiben, das auf Wissenslücken in einem Fach und eine drohende Nichtversetzung hinweisen soll. Die Information ist offensichtlich angekommen.
Erst in der Zeugniskonferenz wird beraten über eine mögliche Nichtversetzung.
Und nur bei den Schülern, die schon mal wiederholt haben, wird geprüft, ob eine Wiederholung noch mal möglich ist. In der Konferenz wird keiner aus Versehen einen falschen Textbaustein auswählen... das ist ein Versehen, das hier nicht passieren kann. (Und für diejenigen, die vom Worst Case ausgehen wollen: Der Fehler wäre so offensichtlich, dass dann ein kurzes Schreiben (meinetwegen mit der Überschrift 'Widerspruch') sofort zu einer Berichtigung des Fehlers führen würde. Und nein, nur weil man das vorherige Schreiben ignoriert/nicht geändert hat, werden das Schulgesetz und die Ausbildungs- und Prüfungsordnung nicht außer Kraft gesetzt.)
Was im Schreiben allerdings richtig ist (aber zu Verwunderung führte): Auch wenn ein Ausgleich vorhanden ist (hier Latein 5 in Verbindung mit Mathe 3), wird gewarnt. Denn: Was wäre, wenn aus der Mathe-Drei eine Mathe-Vier-Plus würde? (Anscheinend stehen Deutsch und Englisch als Ausgleich nicht zur Verfügung...)
(In manchen Bundesländern ist es auch so, dass ein Ausgleich nicht automatisch eintritt, sondern durch die Zeugniskonferenz geprüft werden muss. Erst wenn die Konferenz festgestellt hat, dass von einem erfolgreichem Mitarbeiten im nächsten Schuljahr ausgegangen werden kann, lässt sie den Ausgleich zu (das wäre bei Latein 5, Mathe 3, der Rest 4(-) vielleicht nicht der Fall)).
Beitrag von Kurt Knitz » 29.04.18, 17:28
michael61s hat geschrieben: Dies ist genauer als nur der § 50 SchulG.
Ja, aber für die Fragestellung ist die Aussage des § 50 Absatz (5) SchulG völlig ausreichend: Eine Klasse darf einmal wiederholt werden. Wird dann die Versetzung erneut nicht geschafft, ist eine zweite Wiederholung in der Regel ausgeschlossen und die Schullaufbahn kann nur auf einer anderen Schulart weitergehen.
In dem Link sind nur von 1-9 durchnummerierte Anlagen enthalten und dabei handelt es sich nicht um Musterschreiben, sondern um Stundentafeln verschiedener Schularten und -stufen.
Die verspätete Zustellung der Mitteilung an die Eltern wirft ein weiteres schlechtes Licht auf die Organisation dieser Schule.
Luan hat geschrieben: Und nein, nur weil man das vorherige Schreiben ignoriert/nicht geändert hat, werden das Schulgesetz und die Ausbildungs- und Prüfungsordnung nicht außer Kraft gesetzt.
Ja. Trotzdem braucht man nicht jede Schlamperei ungerügt durchgehen lassen.
Was im Schreiben allerdings richtig ist (aber zu Verwunderung führte): Auch wenn ein Ausgleich vorhanden ist (hier Latein 5 in Verbindung mit Mathe 3), wird gewarnt.
Es ist gut, dass die Schule schon bei einer einzelnen versetzungsgefährdenden Note warnt, aber es wäre möglich, dafür zutreffende Formulierungen zu verwenden anstelle von "Sollten sich die Leistungen nicht verbessern, so wird ihr Kind nicht versetzt werden können"
Beitrag von michael61s » 29.04.18, 18:11
Kurt Knitz hat geschrieben: In dem Link sind nur von 1-9 durchnummerierte Anlagen enthalten und dabei handelt es sich nicht um Musterschreiben,
Stimmt, da ich in die VV zur APO-SI mir angesehen hatte.
Beitrag von Kurt Knitz » 29.04.18, 19:27
Seite 20 in diesem Link.
Beitrag von mitternacht » 03.12.18, 01:48
Woher wollen Sie das wissen? Nach meiner Einschätzung hat da ein gestresster Kollege aus Versehen in einer ziemlich unübersichtlichen Eingabemaske das Häkchen an der falschen Stelle gesetzt.
Kurt Knitz hat geschrieben: Das schreiben Sie in einen Brief, an dessen Ende Sie eine Formulierung für eine Empfangsbestätigung einfügen. Dann drucken Sie den Brief zweimal aus und lassen sich ein Exemplar vom Klassenlehrer mit Unterschrift und Namen in Druckbuchstaben unterzeichnen. So sparen Sie das Porto für ein Einschreiben.
Ein schlichter Anruf beim Klassenlehrer sollte genügen, um den Irrtum aufzuklären.
Halte ich für keine gute Idee. Wenn es kein Verwaltungsangestellter war, sondern der Lehrer, hat der nämlich anschließend ein Gespräch mit dem Schulleiter zu führen und ist davon vermutlich nicht sehr begeistert.
P.S.: Mir ist klar, dass das Kind längst sein Zeugnis bekommen hat und vermutlich an der Schule geblieben ist. Aber solche Fehler sind ja nicht unbedingt einmalig ...
Beitrag von misti » 05.12.18, 09:57
Warum sollte man einen Blauen Brief richtigstellen wollen?
Einen blauen Brief muss die Schule an alle Schüler schicken, die schlechte versetzungsgefährdende Noten haben, also ab einem schlechten "ausreichend"
Nur dann kann später eine Nivchtversetzung erfolgen, weil es problematisch ist ohne eine solche Warnung nicht zu versetzen.
Der blaue Brief hat also nur für die Schule eine Rechtsfolge, nicht für den Schüler.
Ob ein "falscher" blauer Brief in diesem Fall tatsächölich einen Vorteil für den Schüler bei einer möglicherweise ansonstnen fälligen Nichtversetzung hätte, kann dahingestellt bleiben.
Wenn die Schule den blauen Bruef "korrigiert", dann ist ein eventueller Vorteil jedenfalls weg.
Beitrag von mitternacht » 05.12.18, 10:59
misti hat geschrieben: Nur dann kann später eine Nivchtversetzung erfolgen, weil es problematisch ist ohne eine solche Warnung nicht zu versetzen.
Schulgesetz NRW § 50 hat geschrieben: (4) Ist die Versetzung einer Schülerin oder eines Schülers gefährdet, weil
die Leistungen in einem Fach abweichend von den im letzten Zeugnis erteilten Noten nicht mehr ausreichen, so sind die Eltern schriftlich zu benachrichtigen. Auf etwaige besondere Folgen einer Nichtversetzung der
Schülerin oder des Schülers ist hinzuweisen. Hat die Schule die Eltern
nicht benachrichtigt, so kann daraus kein Anspruch auf Versetzung hergeleitet werden.
Nein. Für die Schule ändert sich rechtlich überhaupt nichts, wenn der Schüler versetzt wird oder nicht.
Die Schule hat gesetzeskonform auf die Gefährdung hingewiesen. Damit ist der Fall eindeutig. Dass die falschen Rechtsfolgen genannt wurden, hat keinerlei rechtliche Folgen, zumal diese Benachrichtigung ja den Zweck hat, dass eine Nichtversetzung vermieden werden soll.

References: §50
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 §22
 §27
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