Source: http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/497/1064
Timestamp: 2017-12-13 18:46:03+00:00

Document:
Volume 6, No. 1, Art. 48 – Januar 2005
Editorial: Die aktuelle FQS-Schwerpunktausgabe "Sekundäranalyse qualitativer Daten"
mit der heute erschienenen Schwerpunktausgabe zur Sekundäranalyse qualitativer Daten greifen wir ein Thema auf, mit dem wir uns bereits im ersten Jahr der Herausgabe von FQS befasst haben: FQS 1(3) – Text . Archiv . Re-Analyse – war ein damals bereits überfälliger Versuch, die Voraussetzungen qualitativer Archivierung, datenschutzrechtliche Fragen, die Erstellung und Nutzung qualitativer Datenbanken und Fragen der Wiederverwendung qualitativer Daten zu diskutieren; zusätzlich stellten sich ausgewählte internationale Archive vor (siehe für einen einführenden Überblick MRUCK, CORTI, KLUGE & OPITZ 2000). [1]
Die heute veröffentlichte Schwerpunktausgabe zeigt, dass in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt werden konnten, sie verweist aber auch auf weiteren Aufklärungs- und Diskussionsbedarf: Viele Forschende sind erst in Anfängen über die methodischen und technischen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, informiert; in den meisten Ländern fehlen Infrastruktur-Einrichtungen1), an die sie sich mit ihren Fragen wenden könnten – das britische Qualidata, das an der Herausgabe von FQS 1(3) und FQS 6(1) beteiligt war, ist hier weiter ein wichtiger Vorreiter. Und es ist Bedarf, methodologische Implikationen von Sekundäranalysen in einer breiten internationalen Fachöffentlichkeit zu diskutieren. Dies betrifft Fragen der Anonymisierung und prinzipieller der Forschungsethik ebenso wie die Frage, wie mit Daten, die in anderen Kontexten und für andere Fragestellungen gewonnen wurden, valide, produktiv und ressourcenschonend umgegangen werden kann. Wir hoffen, dass die neue Schwerpunktausgabe hier weitere Einsichten vermitteln und Gespräche eröffnen kann (siehe für einen Überblick CORTI, WITZEL & BISHOP 2005). [2]
Wie alle Ausgaben enthält auch FQS 6(1) neben den Beiträgen, die unmittelbar dem Schwerpunktthema zugehören, Beiträge aus verschiedenen FQS-Debatten: Die im letzten Jahr eröffnete FQS-Debatte über Qualitative Forschung und Ethik wird in zehn Artikeln von amerikanischen und kanadischen Autor(inn)en weitergeführt (siehe zur Einführung in diese Debatte ROTH 2004). Abgerundet wird FQS 6(1) durch drei weitere Beiträge zur Debatte über Qualitätsstandards qualitativer Sozialforschung und durch neun Rezensionen bzw. Rezensionsaufsätze zu unterschiedlichen, für qualitative Sozialforschung und für sozialwissenschaftliche Internetnutzung relevanten Themen. [3]
Als wir FQS 1(3) veröffentlichten, befand sich unsere Zeitschrift noch in den Anfängen: Insgesamt war bis Ende Dezember 2000 von 33.317 Hosts auf 374.806 HTML-Dateien und auf 19.638 PDF-Dateien zugegriffen worden; der Newsletter wurde damals an ca. 600 Kolleginnen und Kollegen verschickt. Ende Dezember 2004 ging der monatliche Newsletter bereits an knapp 4.700 Kollegen und Kolleginnen; es war von 892.278 Hosts auf 5.662.255 HTML-Dateien zugegriffen und es waren 1.227.746 PDF-Dateien von unserem Server herunter geladen worden. Bis Ende Dezember 2000 waren 122 Artikel in FQS veröffentlicht worden – keine schlechte Bilanz für eine elektronische Zeitschrift in ihrem ersten Jahr. Mittlerweile ist mit der heute vorgelegten 17. Schwerpunktausgabe der Gesamtbestand an in FQS veröffentlichten Beiträgen auf über 600 angestiegen, unsere Autor(inn)en und Leser(innen) kommen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Ländern.2) FQS ist faktisch geworden, was der Name zu Beginn nur programmatisch benannte: ein Forum für die internationale qualitative Sozialforschung. [4]
Dass dies gelungen ist, hat viele Gründe: Wäre FQS eine nur deutsche Zeitschrift, dann wäre sie für den überwiegenden Teil der Welt verschlossen; Wissen "von außen" käme sehr viel weniger an deutsche Wissenschaftler(innen), umgekehrt würde deren Arbeit im Ausland weniger rezipiert, wenn es FQS nicht gäbe.3) Neben der Mehrsprachigkeit muss FQS als wissenschaftliche Zeitschrift in der Lage sein, Qualität – für ein recht breites Spektrum an Disziplinen und Nationalitäten – zu sichern; hierzu gehört neben der Begutachtung das muttersprachliche Lektorat in den drei FQS-Sprachen. Doch auch Mehrsprachigkeit und Begutachtung wären nicht ausreichend, wäre FQS eine zwar elektronische, aber kostenpflichtige Zeitschrift: Insbesondere zu Beginn wäre eine aus Deutschland stammende Zeitschrift für viele nicht-deutsche Wissenschaftler(innen) nicht sehr attraktiv gewesen; andere hätten die Zugangskosten nicht oder nur sehr begrenzt tragen können: Insoweit ist, dass FQS sehr früh und aktiv in der Open Access-Bewegung mitgewirkt hat und ist die wachsende Bedeutung und Resonanz, die diese Bewegung erfährt, ein sehr fruchtbarer Boden für unsere Aktivitäten gewesen (siehe zu Geschichte, Stand und Perspektiven der Open Access-Bewegung MRUCK, GRADMANN & MEY 2004). [5]
FQS hat sehr viel Unterstützung durch Kollegen und Kolleginnen überall auf der Welt erfahren. Dieses – meist ehrenamtliche – Engagement hätte aber nicht genügt angesichts des enormen Aufwandes, der mit einem so schnell wachsenden und erfolgreichen Projekt verbunden ist. Hier ist die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft eine weitere essentielle Voraussetzung für unsere Arbeit und ihren Erfolg gewesen.4) [6]
Ihnen allen herzlichen Dank für Ihr Vertrauen in unsere Arbeit und eine angenehme Lektüre!
Katja Mruck für die FQS-Redaktion
1) Die Frage von Infrastruktur-Einrichtungen und -Dienstleistungen wird uns systematischer in der nächsten Schwerpunktausgabe beschäftigen. <zurück>
2) Alleine an FQS 6(1) waren 72 Autorinnen und Autoren aus 12 Ländern beteiligt mit Schwerpunkten in Deutschland (24), Kanada (15), USA (11) und Großbritannien (9); die Abonnent(innen) unseres monatlichen Newsletters kommen aus über 100 Ländern. <zurück>
3) Durch die iberoamerikanische FQS-Redaktion und durch die Mithilfe von externen Kolleg(inn)en, die unsere Arbeit unterstützen, konnten in der letzten Zeit vermehrt Beiträge, die zunächst nur in deutscher oder englischer Sprache vorlagen, auch ins Spanische übersetzt werden. Zusätzlich geht die Reichweite in einigen Fällen noch über die eigentliche Publikation in FQS hinaus, da Reprints von in FQS veröffentlichten Originalbeiträgen in deutschen, japanischen, mexikanischen, peruanischen und tschechischen Print-Zeitschriften erschienen sind. <zurück>
4) Wir werden in den nächsten Monaten mit unseren Partnern – insbesondere dem Center für Digitale Systeme der FU Berlin, dem Informationszentrum Sozialwissenschaften Bonn und dem Projekt German Academic Publishers der Universität Hamburg – daran arbeiten, die technischen Mittel für die redaktionelle Arbeit zu verbessern, Mittel, die dann auch für andere Projekte zur Nachnutzung zur Verfügung stehen werden. Und wir werden wichtige nächste Schritte der Institutionalisierung bzw. institutioneller Kooperationen (u.a. mit unseren kanadischen und mexikanischen Partnern) zu leisten haben. Wir hoffen, dass unsere vergangene und zukünftige Arbeit zu Modellen beitragen kann, die auch für andere elektronische Projekte helfen, die Potenziale des Internet schöpferisch und ohne unnötige Barrieren bestmöglichst zu nutzen. <zurück>
Corti, Louise; Witzel, Andreas & Bishop, Libby (2005). Einführung. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 6(1), Art. 49. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-05/05-1-49-d.htm.
Mruck, Katja; Gradmann, Stefan & Mey, Günter (2004). Open Access: Wissenschaft als Öffentliches Gut [32 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 5(2), Art. 14. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2-04mrucketal-d.htm.
Mruck, Katja; Corti, Louise; Kluge, Susanne & Opitz, Diane (2000). Zu diesem Band [30 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [Online Journal], 1(3), Art. 1. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/3-00/3-00hrsg1-d.htm.
Roth, Wolff-Michael (2004). Ethik als soziale Praxis: Einführung zur Debatte über qualitative Forschung und Ethik [22 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 6(1), Art. 9. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-05/05-1-9-d.htm.
Mruck, Katja (2005). Editorial: Die aktuelle FQS-Schwerpunktausgabe "Sekundäranalyse qualitativer Daten" [6 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 6(1), Art. 48, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0501488.

References: Art. 48
 Art. 49
 Art. 14
 Art. 1
 Art. 9
 Art. 48