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Timestamp: 2019-09-17 04:32:58+00:00

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Bundeswehrforum.de - Reserveoffizier als Polizeibeamter
17. September 2019, 06:32:57
Reserveoffizier als Polizeibeamter
Autor Thema: Reserveoffizier als Polizeibeamter (Gelesen 1826 mal)
« am: 12. Juni 2019, 15:18:45 »
ich habe mich hier ein wenig durchgelesen, bin aber nicht auf einen vergleichbaren Fall gestoßen.
Ich bin Polizeivollzugsbeamter im geh. Dienst der Landespolizei (A9) und interessiere mich dafür Reserveoffizier zu werden. Ich habe jetzt verschiedene Versionen von Zoll- und Justizbeamten gelesen. Die einen sagen das ist nicht möglich weil man nicht zwei Dienstherren dienen kann - Stichwort Verteidigungsfall. Die anderen sagen ja ist möglich, kommt aber darauf an, ob die Polizeibehörde den Beamten für Wehrübungen freistellt. Eine Meinung sagt das ist absolut unmöglich, da Polizeibeamte keinen Kombattantenstatus haben.
Vielleicht weiß hier jemand eine „Musterlösung“ und kann mir weiterhelfen?
Bin ich hier überhaupt richtig oder sollte ich mich erstmal bei meiner vorgesetzten Dienststelle erkundigen?
Bevor ich mein Studium bei der Polizei begann, habe ich sieben Monate freiwilligen Wehrdienst geleistet. Wenn ich das richtig verstanden habe wäre ich dann ein gedienter Bewerber. Hat das irgendwelche Auswirkungen ?
Die Zeit bei der Bundeswehr hat mir persönlich und beruflich sehr viel gebracht und deshalb hege ich schon länger den Wunsch, wieder eine militärische Funktion aufzunehmen ohne dafür aber meinen aktuellen "Job" komplett aufzugeben.
Antw:Reserveoffizier als Polizeibeamter
« Antwort #1 am: 12. Juni 2019, 15:34:13 »
Als PVB unterliegst Du nicht mehr der Wehrpflicht - "freiwillig" geht allerdings schon - sofern der Dienstherr mitspielt.
Da viele Polizeibehörden unterbesetzt sind, ist dort oft (durchaus nachvollziehbar) die Bereitschaft nicht vorhanden, den Polizeibeamten "ziehen" zu lassen.
Unabhängig davon hast Du kein "verwertbares" Studium - kannst dich natürlich trotzdem als Reserveoffizier bewerben - kommt ja nur die Option "außerhalb des Wehrdienstes" in Frage, die ist start überlaufen - die Chancen sind also nicht so gut.
cinc1101
« Antwort #2 am: 12. Juni 2019, 17:45:39 »
Hallo titaner,
falls du daran interessiert bist, schicke mit mal ne PN. Ich bin so ein Fall und will das nicht öffentlichen diskutieren.
« Antwort #3 am: 12. Juni 2019, 17:48:32 »
Zitat von: cinc1101 am 12. Juni 2019, 17:45:39
Dazu muss er sich hier anmelden. Mit "Gästen" ist kein PM-Austausch möglich.
« Antwort #4 am: 13. Juni 2019, 23:54:37 »
Ich kenne drei aktive Polizeivollzugsbeamte die Reserveoffiziere sind und regelmäßig üben. Scheint also schon mal rechtlich machbar zu sein. Ob es auch praktisch machbar ist, wird, wie bei allen anderen auch, wohl im Wesentlichen am Goodwill deiner Vorgesetzten liegen.
« Antwort #5 am: 14. Juni 2019, 08:05:12 »
Zitat von: HosaBrack am 13. Juni 2019, 23:54:37
Scheint also schon mal rechtlich machbar zu sein.
Kommt aber da auch wieder auf die Rechtsvorschriften des Dientherrn an. Denn die Unterscheiden sich ja oftmal erheblich zwischen dem Bund und den einzelnen Bundesländern.
« Antwort #6 am: 16. Juni 2019, 15:20:55 »
ich bin selbst PVB und Reserveoffizier und habe schon einige Male geübt. Man kann sich für eine Übung gemäß § 9 (2) Arbeitsplatzschutzgesetz beurlauben lassen. Das ist ein recht strittiges Thema, was auch daran liegt das sich nicht viele mit der Materie auskennen. Ich habe selbst sicherheitshalber einmal einen Juristen dazu befragt:
"bei der Heranziehung von Reservisten ist das Wehrpflichtgesetz nicht einschlägig, da es nach § 58 Abs. 1 Soldatengesetz nur für den (nach § 2 WPflG derzeit nur im Spannungs- oder Verteidigungsfall bestehenden) Pflicht-Wehrdienst gilt. Damit gilt auch die Ausnahmeregelung für Polizeivollzugsbeamte nach § 42 WPflG nicht für die Heranziehung von Reservisten. § 9 Abs. 2 ArbPlSchG gilt damit uneingeschränkt für Polizeivollzugsbeamte, die als Reservisten zu einer RDL herangezogen werden."
Ich habe die Erfahrung gemacht, das es die meisten Kollegen gut fanden bzw. positiv interessiert waren. Der Dienststellenleiter ist jedoch nicht unbedingt begeistert wenn jemand fehlt, egal warum.
« Antwort #7 am: 17. Juni 2019, 12:06:20 »
Vor fünf oder sechs Jahren war es, als den damalige Bundesinnenminister de Maizière mit der Bundesinnenministerkonferenz beschlossen hat PVB die freiwillige Möglichkeit des Reservedienstes bei der Bundeswehr zu eröffnen. Basis dafür ist eine Uminterpretation des § 42 WehrPflG "Sondervorschriften für Angehörige des Polizeivollzugsdienstes" dahingehend gewesen, dass nunmehr Satz (1)
"Wehrpflichtige, die dem Vollzugsdienst der Polizei angehören oder für diesen durch schriftlichen Bescheid angenommen sind, werden für die Dauer ihrer Zugehörigkeit nicht zum Wehrdienst herangezogen."
nicht mehr als pauschaler Ausschluss des Wehrdienstes gesehen wird und damit ein freiwilliger Dienst als Reservist in den Streitkräften möglich wird.
Zitat von: titaner am 12. Juni 2019, 15:18:45
Wie F_K bereits angedeutet hat ist die für dich relevante Laufbahn die des "Reserveoffizieranwärters außerhalb des Wehrdienstes". Dabei absolvierst du über mehrere Jahre in Wehrübungen über ein bis zwei Monate deine Laufbahnlehrgänge und Praktika und wirst am Ende Offizier. Ab diesem Moment kannst du dann in einem aktiven oder nichtaktiven Truppenteil beordert werden und wirkliche Reservistendienstleitungen machen.
Diese Laufbahn gibt es allerdings nur in einigen wenigen Truppengattungen/Verwendungen. Wenn du Panzeroffizier werden willst geht das, Feldjägeroffizier aber geht nur auf Umwegen (dann musst du die Laufbahnausbildung einmal komplett durchlaufen und dann einen Umsetzerlehrgang zum Erwerb der jeweiligen Truppengattungszugführer-ATN und etwaiger weiterer Nachweise absolvieren - wenn es den gibt).
Ich selbst hatte in meiner Kompanie einen Personenschützer des LKA unseres Bundeslandes, der über die Laufbahn ROA a.d.W. Panzergrenadieroffizier geworden ist und nachdem er alle relevanten Laufbahnlehrgänge hatte, hat er bei uns geübt und sollte auf einen Feldjägerlehrgang gehen. Hätte er sich dann nicht komplett beruflich umorientiert wäre er wohl heute nach wie vor dabei.
Dieses Beispiel soll übrigens zeigen, dass auch in Dienststellen mit hoher Personalknappheit eine Zustimmung des Dienstherrn möglich ist.
Da es ohne das Einverständnis deines Dienstherren nicht klappen wird solltest du das tun, aber vorher solltest du dich schon mal schlau gemacht haben, um entsprechend ein "fertiges" Konzept vorlegen zu können. Nein sagen kann dein Dienstherr natürlich immer.
Ansprechpartner ist dein örtlich zuständiger Karriereberater der Bundeswehr.
Nur, dass du schon einen Dienstgrad hast und evtl. keine Grundausbildung mehr machen musst.
« Antwort #8 am: 17. Juni 2019, 21:41:21 »
erstmal vielen Dank für die Beiträge und die Rechtsauskunft. Das hat mir schon mal geholfen. In meiner Behörde ist das Anliegen Reserveoffizier zu werden gänzlich unbekannt. Beim Umhören unter den Kollegen konnte mir keiner sagen, dass auch nur jemals ein Kollege so ein Anliegen geäußert hat.
Ich werde als Nächstes ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten suchen und dann weiter sehen.
Parallel dazu mache ich einen Termin mit dem Karriereberater.
« Antwort #9 am: 20. Juni 2019, 08:49:39 »
Zitat von: titaner am 17. Juni 2019, 21:41:21
Hallo titaner, ich würde mir an deiner Stelle sehr genau überlegen, ob du mit deinem Wunsch deinen Dienstherren, bzw. deine Vorgesetzen konfrontieren möchtest. Leider ist es oft so, dass derartige Fragen/Wünsche fehlinterpretiert werden und durchaus der Eindruck entstehen könnte, dass du weg möchtest. Bzw. wird es die Frage aufwerfen "Warum wollen Sie das tun, gefällt es Ihnen nicht bei uns?".
Leider erschließt sich einigen Vorgesetzten ein derartiges Interesse an einer Reservistenlaufbahn nicht, da die selber keinen Bezug dazu oder auch auch keine Erfahrung damit haben.
Auf der anderen Seite gibt es Vorgesetzte, die es durchaus schätzen, dass ihre Polizei- oder Zollbeamten den Blick über den Tellerrand hinaus machen möchten und eine Reservistenlaufbahn angehen. Durchaus sind es doch "ähnliche" Strukturen und man kann stets von neuen Erfahrungen partizipieren, nicht nur persönlich, sondern auch der jeweilige Dienstherr.
Also klopfe tatsächlich erst mal ab, wie dein unmittelbarer Vorgesetzter dazu steht!
« Antwort #10 am: 21. Juni 2019, 14:35:03 »
Also gerade in Zeiten abstrakter Terrorbedrohung, die jedem PVB im alltäglichen Dienst beim "ersten Angriff" begegnen kann ist das Verständnis und auch das Interesse bei vielen Kollegen in Leitungs-/Führungsfunktion deutlich erhöht. Ein Reservist kann da mit wenigen Wehrübungstagen und bereits mit allgemeinmilitärischer Ausbildung unheimlich viel nützliches abgreifen.
Wenn man sich z.B. an den schlimmen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin erinnert und an die Fernsehbilder in der unmittelbaren Folge vom Ort des Geschehens ist klar, dass die Polizei mit dem Umgang mit solchen Szenarien pauschal einfach nicht ausgebildet ist.
Ich erinnere mich beispielsweise an den LKW, der als Tatwaffe missbraucht wurde und der nach der Tat mitten auf dem Platz stand. Als Beweismittel und Tatort wurde er aber der kriminalistischen Logik zufolge sofort "gesperrt," bis irgendwann (Stunden später) die Spurensicherung angerückt ist. Direkt daneben fuhren teilweise über 20 Krankenwagen auf, während Rettungs- und Sicherheitskräfte vor Ort die Verletzten versorgt haben.
Jeder Soldat der Bundeswehr, der auch nur annähernd für momentane Einsatzszenarien ausgebildet ist würde in dieser Situation als allererstes den "second hit" erwarten - also z.B. davon ausgehen, dass auf dem LKW z.B. noch Sprengmittel sind. Und bevor der LKW nicht delaboriert ist würde - unter dem entsprechenden Risiko für die Rettungskräfte - ausschließlich schnellstmöglich evakuiert und gerettet werden. Aber niemand stellt seinen Rettungsagen neben dem LKW ab oder diskutiert die Lage zwei Meter neben dem Tatfahrzeug. Bevor irgendetwas passiert wird auf jeden Fall der "Tatort" bzw. das Beweismittel LKW grob durchsucht werden. In der damaligen Lage hat aber z.B. über Stunden niemand den Auflieger des LKW auch nur geöffnet.
Es geht explizit nicht um eine "Militarisierung" der Polizei, es geht rein um elementares Wissen für bestimmte Lagen, es geht um Erfahrungsaustausch, der sehr effektiv Leben retten kann. Und ich habe mich - zumindest in Bayern - in den letzten Jahren mit sehr vielen Dienststellenleistern der Polizei unterhalten und bei allen herrscht da die selbe Meinung vor: Dieser Erfahrungsaustausch durch Reservisten ist absolut erforderlich.
« Antwort #11 am: 21. Juni 2019, 16:47:16 »
Es gibt Landespolizeien, oder auch Teile davon, die diesen Nutzen nicht sehen (wollen)
« Antwort #12 am: 21. Juni 2019, 18:40:34 »
Zitat von: Andi am 21. Juni 2019, 14:35:03
s geht rein um elementares Wissen für bestimmte Lagen, es geht um Erfahrungsaustausch, der sehr effektiv Leben retten kann.
Hierbei darf man auch die EEHA Vollausbildung aufführen. Bei der Vollausbildung anno 2017 (RAG SanDst RP) waren drei Landespolizisten dabei und waren begeistert vom Lg mit Rollenspielern und der Darstellung verschiedener Lagen. Care under Fire wird auch ein wichtiger Aspekt werden für unsere Kolleginnen und Kollegen von der Polizei... inklusive Gebrauch des TQ.
Der Erfahrungsaustausch wird dringend gebrauch, siehe Andi. Ein dienstlicher Zweck wäre so gegeben.
« Antwort #13 am: 21. Juni 2019, 20:24:43 »
Auf der EnforceTac vor zwei oder drei Jahren war das Cross Training von Polizei und Militär das Thema. Einige haben zugehört und andere nicht.
« Antwort #14 am: 24. Juni 2019, 09:11:15 »
auch ich bin nach 12 Dienstjahren als Feldjäger (HptFw - 3./FJgBtl 151) in die Polizei gegangen und versehe nun meinen Dienst bei der LaPo Schleswig-Holstein.
Reserveübungen sind bei uns möglich und auch diesntrechtlich abgesichert. Selbst eine direkte Anfrage an das Personalamt Kiel bestätigte dies.
Ich ziehe eine Reservekarriere nun auch in Erwägung.
Leider geht der Dinestherr bei Auslandseinsätzen nicht mit. Aber auch dafür werde ich beim Innenministerium eine Anfrage stellen udn um eine Ausnahmegenhmigung bitten.
Hat da bereits jemand Erfahrungen?

References: § 9
 § 58
 § 2
 § 42
 § 9
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