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Timestamp: 2020-08-07 03:03:28+00:00

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www.frag-einen-anwalt.deSteuerrechtWerbungskostenAnerkennung Werbungskosten bei ...
| 06.08.2009 15:19 |
im Rahmen der EK-Steuer 2008 habe ich Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen und Veräußerungsgeschäften geltend gemacht. Die Werbungskosten waren in 2008 wesentlich höher als die KAP-Einnahmen, bei den Veräußerungsgeschäften gab es in Summe Verluste.
Im Steuerbescheid wurden die Werbungskosten komplett abgelehnt mit der Begründung der fehlenden Gewinnerzielungsabsicht, auch im Hinblick auf die Zukunft.
In meinem Einspruch habe ich auf die in den letzten Jahren immer vorhandenen positiven KAP-Einkünfte verwiesen sowie auf die Auswirkungen der allgemeinen Finanzkrise, welche ursächlich für das schlechte Ergebnis in 2008 waren.
Als Reaktion auf den Einspruch wurde mir angeboten, die Werbungskosten bei den Veräußerungsgeschäften anzurechnen, d.h. den Verlustvortrag entsprechend zu erhöhen.
Nach einem Telefongespräch mit dem Finanzamts-Sachbearbeiter lautet der Kompromißvorschlag:
1. Anrechnung von 30% der Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen.
2. Anrechnung von 80% der verbleibenden 70%-Werbungskosten bei den Veräußerungs-geschäften, d.h. Verlustvortrag.
a) Muß ich die Ablehnung bzw. die nur teilweise Anrechnung der Werbungskosten bei den KAP-Einkünften akzeptieren?
b) Wenn JA, ist die Aufteilung (30% auf KAP-Einkünfte, 70% auf Veräußerungs-geschäfte) angemessen oder kann ich eine für mich günstigere Aufteilung verlangen?
c) Gibt es Entscheidungen / Urteile, um eine für mich günstigere Aufteilung argumentativ zu begründen?
Werbungskosten Werbungskosten 2008 Aufteilung
ich beantworte gerne Ihre Fragen im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den Vorgaben dieses Forums.
Ich weise Sie rein vorsorglich darauf hin, dass meine Beratung im Rahmen dieses Forums nur als einee erste Orientierung dienen kann und eine Beratung mit einem Kollegen vor Ort mit Sichtung der Unterlagen nicht ersetzen kann.
Da mir nicht bekannt ist, wie sich Ihr Depot im Jahr 2008 zusammengesetzt hat, kann ich hier keine individuelle Überprüfung der vom Finanzamt zum Ansatz gebrachten Werbungskosten leisten.
Ich gebe Ihnen nachfolgend einige Hinweise, die Ihnen behilflich sein können, die Aufteilung der Werbungskosten durch das Finanzamt nachzuvollziehen und möglicherweise im Rahmen eines Einspruchsverfahrens dem eine andere Aufteilung entgegen zu setzen.
Hier liegt offensichtlich eine Schätzung seitens des Finanzamts vor. Das Finanzamt kann Besteuerungsgrundlagen, also auch Werbungskosten schätzen (§ 162 AO).
Dabei muss die Schätzung, bei Ihnen also die Aufteilung auf die jeweilige Einkunftsart und die Kürzung im Rahmen des § 23 EStG nachvollziehbar sein. Sie können im Wege des Einspruchs eine Erläuterung dieser Schätzung verlangen und dann gegebenenfalls eine andere Zuordnung verlangen.
Sie können allerdings Werbungskosten auch nur dann zu 100 % geltend machen, wenn in vollem Umfang ertragbringende Kapitalanlagen vorliegen. Bitte prüfen Sie daher Ihr Depot insgesamt, nicht nur die Erträgnisaufstellungen.
Mit ertragbringenden Kapitalanlagen können sowohl steuerpflichtige Einnahmen nach § 20 (Zinsen etc.) und § 23 EStG (private Veräußerungsgeschäfte, d.h. Spekulationsgeschäfte) als auch nicht steuerbare Einnahmen (nach Ablauf der Spekulationsfrist) erzielt werden.
Sofern mit diesen Kapitalanlagen unterschiedliche Einkunftsarten verwirklicht werden (§§ 20 und 23 EStG), müssen die damit zusammenhängenden laufenden Aufwendungen auf die jeweiligen Einkunftsarten aufgeteilt werden.
So können Sie die beispielsweise bei Zahlung einer Vermögensverwaltungsgebühr folgende Aufteilung vornehmen: Mit dieser Gebühr wird die Leistung zur Bestandsverwaltung (z.B. Überwachung von Dividenden- und Zinszahlungen, Teilnahme an Hauptversammlungen) und zur Umschichtung des Vermögens (Entscheidung über An- und Verkäufe; Entscheidung, die Kapitalanlage zu halten mit der Absicht, spätere Wertsteigerungen zu realisieren) vergütet.
Die Vermögensverwaltungsgebühr kann daher auf diese beiden Tätigkeitsschwerpunkte aufgeteilt werden, wobei aufgrund von Erfahrungen in der Praxis eine Aufteilung im Verhältnis 50 : 50 erfolgen kann. Je nach Aufteilung des Depots und der getätigten Geschäfte kann bei Ihnen auch eine andere Proportion sinnvoll sein.
Soweit die Leistungen mit der Bestandsverwaltung (zur Erlangung von Zinsen und Dividenden) zusammenhängen, liegen Werbungskosten aus § 20 EStG vor.
Der Anteil "Umschichtung" ist nach den Verkaufspreisen für steuerpflichtige private Veräußerungsgeschäfte und für nicht steuerbare Umschichtungen aufzuteilen. Die insoweit auf die Einkünfte aus § 23 EStG entfallenden Aufwendungen sind den Werbungskosten aus § 23 EStG zuzuordnen. Die Umschichtungskosten, die mit nicht steuerbaren Veräußerungen zusammenhängen, stellen regelmäßig Werbungskosten aus § 20 EStG dar (BFH v. 4.5.1993, BStBl 1993 II S. 832; BFH v. 08.07.2003, BStBl 2003 II S. 937).
Können die Aufwendungen direkt zugeordnet werden, sind sie bei der jeweiligen Einkunftsart insgesamt zu berücksichtigen. Es bleibt Ihnen also nichts anderes übrig, als eine Aufstellung aller Werbungskosten zu erstellen und dann die Zuordnung vorzunehmen.
(2) Zu schätzen ist insbesondere dann, wenn der Steuerpflichtige über seine Angaben keine ausreichenden Aufklärungen zu geben vermag oder weitere Auskunft oder eine Versicherung an Eides statt verweigert oder seine Mitwirkungspflicht nach § 90 Abs. 2 verletzt. Das Gleiche gilt, wenn der Steuerpflichtige Bücher oder Aufzeichnungen, die er nach den Steuergesetzen zu führen hat, nicht vorlegen kann oder wenn die Buchführung oder die Aufzeichnungen der Besteuerung nicht nach § 158 zugrunde gelegt werden.
Nachfrage vom Fragesteller	07.08.2009 | 14:20
Zum Vorschlag, die Werbungskosten explizit zuzuordnen, habe ich noch eine Nachfrage zur Umsetzung.
Wenn ich die Werbungskosten nachvollziehbar (zu meinem Vorteil) zuordne, bin ich dann frei in der Wahl des Zuordnungskriteriums, beispielsweise
- nach Einkunftsarten?
- nach Depotpositionen / -struktur?
- nach getätigten Transaktionen?
oder muß ich mich hier Vorgaben des Finanzamtes beugen (d.h. am Ende vor Gericht um die Aufteilung / Zuordnung streiten)?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.08.2009 | 14:42
vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich hier beantworten möchte:
Sie können die jeweiligen Werbungskosten nur der Einkunftsart zuordnen, bei der sie angefallen ist. Sie können daher nicht frei entscheiden, wie Sie die Kosten aufteilen, bzw. zuordnene. Sachgerecht können Sie etwa Verkaufskosten nur im Rahmen des § 23 EStG berücksichtigen;
Depotkosten können Sie an Hand der Erträge und Umsätze aufteilen.
Sie können also nicht willkürlich die Kosten zuordnen sondern nur entsprechend der objektiv getätigten Geschäfte.
Da ich die Vorgaben bei Ihnen durch das Finanzamt nicht kenne, kann ich ohne weiteren Sachverhaltsangaben keine genauen Auskünfte hierüber erteilen.
Wie gesagt, die Beratung auf diesem Weg kann Ihnen eine erste Orientierung und die Grundsätze vermitteln, aber mangels Kenntnis der Verhältnisse keine detaillierte Aufschlüsselung der Kosten.
Sie können aber gerne mich nächste Woche anrufen, damit ich hier die Vorgehensweise allgemein noch einmal erläutere.
Bewertung des Fragestellers 07.08.2009 | 16:37
"Mit der ersten Antwort war ich zufrieden. Auf die Nachfrage wurde leider nur bedingt eingegangen, obwohl sie meines Erachtens sehr konkret formuliert war. "
FRAGESTELLER 07.08.2009 4,2/5,0

References: § 23
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 § 20
 § 90
 § 158
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