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Timestamp: 2020-07-06 09:43:35+00:00

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KWG und GroMiKV 2011 – Neue Regeln und Leitlinien für Großkredite - Teil II - PwC Regulatory Blog
11. Februar 2011 Kommentieren
Risikosensitivität vs. regulatorische Arbitrage
Die Institute müssen prüfen, ob Abhängigkeiten zwischen dem Konstrukt selbst, seinen zugrunde liegenden Vermögenswerten oder beidem und den anderen Kunden des Instituts (einschließlich anderer Konstrukte) bestehen und diese daher zu Großkreditüberwachungszwecken zu einer Kreditnehmereinheit zusammengefasst werden müssen. Es hängt vom jeweiligen Einzelfall ab, nach welchem der drei Ansätze (das Konstrukt, die zugrundeliegenden Vermögenswerte oder beide) bestimmte Sachverhalte beurteilt werden müssen. Die "wirtschaftliche Substanz" und die "strukturinhärente Risiken des Geschäfts" sind für die Ermittlung der Gruppe verbundener Unternehmen ausschlaggebend.
Grundsätzlich müssen die Institute davon ausgehen, dass die vollständige Durchschau der risikosensitivste Ansatz zur Identifizierung von Abhängigkeiten ist – also der vorzuziehende Idealfall. Allerdings erkennen auch die Leitlinien des CEBS an, dass eine Durchschau nicht immer möglich ist. Dann muss eine vorsichtige bzw. konservative Behandlung erfolgen. Z.B. sehen die CEBS Leitlinien vor, dass alle unbekannten zugrunde liegenden Engagements und Konstrukte in einer einzigen separaten Gruppe "unbekannter Kunde" zusammengefasst werden. Denn regulatorische Arbitrage, die in der Vergangenheit bei strukturierten Produkten und mehr oder weniger undurchsichtigen Konstrukten zum Krisenfall geführt hat, soll auf jeden Fall vermieden werden.
Ebenso vorsichtig wie risikosensitiv ist vorzugehen, wenn ein Institut nicht gewährleisten, kann, dass keine Abhängigkeiten zwischen seinen Kunden und den zugrunde liegenden Vermögenswerten eines Produkts bestehen: Dann dürfen solche Engagements und Konstrukte bei der aufsichtlichen Behandlung nicht als voneinander unabhängig betrachtet werden.
Methoden der Durchschau
Für die Beurteilung, ob zwischen den zugrunde liegenden Vermögenswerten eines Konstrukts und anderen Kunden des Instituts Abhängigkeiten bestehen, können die folgenden Ansätze bzw. Kombinationen von Ansätzen herangezogen werden:
a) Vollständige Durchschau, d.h. Identifizierung aller zugrundeliegender Adressenausfallrisiken und anteilige Zuordnung zu den jeweiligen Kreditnehmereinheiten
b) Teilweise Durchschau, d.h. Identifizierung der bekannten Adressenausfallrisiken des Konstrukts und Zuordnung zu den Kreditnehmereinheiten; Erfassung der verbleibenden nicht identifizierten Einzeladressen bei dem "unbekannten Kunden" (vgl. c)
c) "Unbekannter Kunde" umfasst alle unbekannten Adressenausfallrisiken einschließlich der Konstrukte, bei denen das Institut keine Durchschau durchführt und die nicht hinreichend granular sind Ein Konstrukt ist granular, wenn der größte Kredit weniger als 5 % des Gesamtkonstrukts ausmacht.
d) "unabhängige, nicht verbundene Kunden" resultieren aus der Anwendung des strukturbasierten Ansatzes. Sofern ein Institut gewährleisten kann (z. B. über entsprechende Anlagerichtlinien bei Investmentfonds), dass die zugrunde liegenden Vermögenswerte des Fonds nicht mit direkten oder indirekten Adressenausfallrisiken im Portfolio des Instituts verbunden sind, die mehr als 2% des haftenden Eigenkapitals des Instituts ausmachen, kann es die betreffenden Fonds als "unabhängige, nicht verbundene Kunden" behandeln.
Laufende Überwachung ?
Wie engmaschig und häufig eine Überwachung durch die Institute erfolgen muss, hängt davon ab, inwieweit die zugrundeliegenden Vermögenswerte Veränderungen unterworfen sind. So braucht ein statisches Portfolio mit gleichbleibenden Vermögenswerten nach der erstmaligen Beurteilung nicht weiter überwacht werden. Anders dagegen bei dynamischen Portfolios. Hier können sich die zugrundeliegenden Vermögenswerte und auch die Zusammensetzung des Konstrukts über den Zeitverlauf ändern. Entsprechend muss hier die Überwachungshäufigkeit angepasst werden, d.h. die Institute müssen die Zusammensetzung und Zuordnung laufend überwachen, mindestens jedoch einmal im Monat.
Anpassungen bei der Definition der Kreditnehmereinheit – Beherrschung und Risikoeinheit
Beherrschender Einfluss (control) und wirtschaftliche Abhängigkeit/Risikoeinheit (interconnectedness) sind die Schlagwörter, die im Rahmen des § 19 Abs. 2 KWG zukünftig neu interpretiert bzw. erweitert werden. Einerseits haben die Institute nun die Möglichkeit nachzuweisen, dass trotz des Vorliegens eines Beherrschungsverhältnisses keine Kreditnehmereinheit besteht (19 Abs. 2 S. 1 KWG-neu). Andererseits müssen im Gegensatz zur bisherigen Linie jetzt auch einseitige Abhängigkeiten berücksichtigt werden. Für die Zusammenfassung zweier Kreditnehmer reicht es aus, wenn Abhängigkeiten zwischen zwei Kreditnehmern in dem Sinne bestehen, dass es wahrscheinlich erscheint, dass, wenn einer dieser Kreditnehmer in finanzielle Schwierigkeiten, insbesondere in Finanzierungs- oder Rückzahlungsschwierigkeiten gerät, auch der andere oder alle anderen auf Finanzierungs- oder Rückzahlungsschwierigkeiten stoßen (§ 19 Abs. 2 S. 6 KWG-neu). Dabei muss es sich um existentielle Schwierigkeiten handeln. Damit werden jetzt auch Abhängigkeiten auf der Refinanzierungsseite berücksichtigt. Allerdings wird die Zusammenfassung von Kreditnehmern zu einer Risikoeinheit auf Grund einer gemeinsamen Refinanzierungsquelle nur für den Großkreditbereich und nicht für den Millionenkreditbereich nach § 14 KWG relevant (§ 19 Abs. 2 S.6 KWG-neu).
Das einheitliche Risiko bzw. die wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen den Kunden zu identifizieren wird für die Institute eine große Herausforderung. Denn auch wenn ein Kunde keine Kontrolle über einen anderen ausübt, ist ein Institut zu einer Prüfung einer eventuellen wirtschaftlichen Abhängigkeit zwischen den Kunden verpflichtet. Kernpunkt des Konzepts der wirtschaftlichen Abhängigkeit ist die Erkenntnis, dass besondere Geschäftsbeziehungen oder Eigenarten des jeweiligen Geschäfts zwischen an sich unabhängigen Unternehmen oder Personen einen Dominoeffekt von Ausfällen auslösen können.
Letztlich wird es also darauf ankommen, die Geschäftsbeziehungen der Kunden genau auf diese wirtschaftliche Abhängigkeit zu untersuchen. Dazu zählen Sachverhalte wie beispielsweise Wertschöpfungsketten, Abhängigkeiten von Großkunden oder Forderungen der Gegenpartei, Möglichkeiten der Substitution bei Wegfall eines Herstellers oder Händlers, geringe Kundenbasis mit wenig Aussicht auf Ausweitung usw. Im Rundschreiben-Entwurf ist eine Vielzahl von Fällen aufgeführt, die ein Institut zu weiteren Prüfungen im Hinblick auf das Bestehen einer wirtschaftlichen Abhängigkeit veranlassen sollten. Aber vor dem Hintergrund des Prinzips der Risikosensitivität können dies nur Anhaltspunkte sein; in jedem Fall muss eine genaue Kenntnis des Kundengeschäfts vorliegen, um die jeweiligen besonderen Merkmale des Einzelfalls richtig bewerten zu können. Die Identifizierung derartiger Kreditnehmerbeziehungen erfordert ein erhebliches Maß an fachlichem Knowhow und Beurteilungsvermögen. Zudem sind die von der Bank die getroffenen Auslegungen bzw. Entscheidungen nachvollziehbar zu dokumentieren.
Wesentlichkeitsaspekte bei der Prüfung der Risikoeinheit
Grundsätzlich sollte ein Institut sämtliche Engagements auf Abhängigkeiten prüfen, doch bei Kreditengagements, die mehr als 2 % des haftenden Eigenkapitals auf Einzel- oder Konzernebene ausmachen, wird eine eingehende Prüfung und entsprechende Dokumentation möglicher wirtschaftlicher Verbindungen zwingend erwartet. Zudem stellt der in § 18 KWG vorgegebene Grenzwert von 750.000 Euro, ab dem der Offenlegungsprozess für die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Kreditnehmers vorgeschrieben ist, eine nationale Sonderregelung für die Identifizierung von Risikoeinheiten dar. Die Aufsicht geht davon aus, dass die Untersuchung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Rahmen des § 18 KWG auch die Verflechtungen des Kreditnehmers aufgrund Konzernverbindungen oder wirtschaftlichen Abhängigkeiten umfasst, so dass bereits im Rahmen von § 18 KWG Hinweisen auf einseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten nachgegangen wird. Eine gewissenhafte Erfüllung des § 18 KWG kann daher schon früher zu einer Berücksichtigung von Risikoeinheiten führen als die 2 %-Grenze. Andererseits müssen die Institute nicht schon unterhalb der Schwelle von 750.000 Euro wirtschaftliche Abhängigkeiten prüfen; bekannte Abhängigkeiten sind aber zu berücksichtigen. Etwas anderes gilt nur, wenn bei einem Institut der Betrag von 2% des haftenden Eigenkapitals kleiner als 750.000 Euro ist: Hier ist bereits bei Erreichen der Grenze von 2% intensiv prüfen.
Informationsmanagement - Quellen richtig nutzen
Nur mit ausreichenden Informationen über ihre Kunden und deren Geschäftsbeziehungen wird es den Instituten gelingen, die Abhängigkeiten zwischen den Kreditnehmern zu identifizieren und entsprechende Risikoeinheiten zu bilden.
Hinzu kommt, dass aufgrund der Vielzahl denkbarer Fallgestaltungen automatisierte Verfahren zur Identifizierung möglicher Abhängigkeiten kaum möglich sind. Vielmehr wird es um Einzelfallanalysen und individuelle Beurteilungen gehen. Dies stellt erhebliche fachliche Anforderungen an Kreditsachbearbeiter und Risikomanager: Diese sicherzustellen ist Sache des Vorstands und der Geschäftsleitung.
Neben allgemein öffentlich zugänglichen Daten müssen verstärkt auch "weiche Informationen" genutzt werden, die Kreditsachbearbeiter oder sog. Relationship-Manager haben. Solche Informationen werden jedoch selten im back-office erlangt. Persönliches Gespräch und regelmäßiger Kundenkontakt sollten dazu führen, ein tieferes Verständnis für die Geschäfte des Kunden und mögliche Abhängigkeiten zu entwickeln. Denn die Sammlung solcher Informationen ist Teil der umsichtigen Geschäftspolitik der Banken, wie die Aufsicht explizit betont.
Kategorien: Aktuelles, GroMiKV, KWG

References: § 19
 § 14
 § 18
 § 18
 § 18
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