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Timestamp: 2020-04-04 06:58:26+00:00

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Gemein­sa­mes Sor­ge­recht – und die Suche nach ent­ge­gen­ste­hen­den Grün­den | Rechtslupe
Gemein­sa­mes Sor­ge­recht – und die Suche nach ent­ge­gen­ste­hen­den Grün­den
Die Ent­schei­dung hängt in den bei­den von § 1626 a Abs. 2 BGB erfass­ten Ver­fah­rens­kon­stel­la­tio­nen davon ab, ob die Über­tra­gung der elter­li­chen Sor­ge auf die Eltern gemein­sam dem Kin­des­wohl wider­spricht. Wie bei § 1671 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 BGB sind alle für und gegen die gemein­sa­me Sor­ge spre­chen­den Umstän­de im Rah­men einer ein­zel­fall­be­zo­ge­nen und umfas­sen­den Betrach­tung gegen­ein­an­der abzu­wä­gen 6.
Da nach § 1626 a Abs. 2 Satz 2 BGB bereits die Mög­lich­keit aus­reicht, dass die Grün­de einer gemein­sa­men Sor­ge ent­ge­gen­ste­hen, sind an deren Dar­le­gung kei­ne hohen Anfor­de­run­gen zu stel­len. Erfor­der­lich ist, dass sich aus den dem Gericht vor­lie­gen­den Ent­schei­dungs­grund­la­gen auf­grund kon­kre­ter tat­säch­li­cher Anhalts­punk­te die Mög­lich­keit ergibt, dass die gemein­sa­me elter­li­che Sor­ge nicht mit dem Kin­des­wohl ver­ein­bar ist. Hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te sind nicht erst dann gege­ben, wenn der Tat­sa­chen­vor­trag genügt, um in einer den Maß­ga­ben der Recht­spre­chung fol­gen­den umfas­sen­den Abwä­gung fest­zu­stel­len, dass die gemein­sa­me elter­li­che Sor­ge dem Kin­des­wohl wider­spricht 7. Unbe­acht­lich sind dage­gen Umstän­de, die kei­nen Bezug zum kon­kre­ten Fall oder dem Wohl des Kin­des auf­wei­sen 8. Es genügt aber, wenn kon­kre­te tat­säch­li­che Umstän­de dar­ge­legt wer­den oder erkenn­bar sind, die ein Indiz gegen die gemein­sa­me elter­li­che Sor­ge sein kön­nen 9. Lie­gen hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te vor, löst dies die Amts­er­mitt­lungs­pflicht aus und führt zur im nor­ma­len Sor­ge­rechts­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren­den umfas­sen­den Prü­fung 10.
Durch die in § 1626 a Abs. 2 Satz 2 BGB, § 155 a Abs. 3 FamFG getrof­fe­ne Rege­lung schränkt das Gesetz den Amts­er­mitt­lungs­grund­satz nach §§ 26, 155 ff. FamFG ein 11. Es sieht unter den genann­ten Vor­aus­set­zun­gen eine hin­rei­chen­de tat­säch­li­che Ent­schei­dungs­grund­la­ge auch ohne erschöp­fen­de Sach­ver­halts­auf­klä­rung als gege­ben an. Bereits auf Grund­la­ge die­ser nur ein­ge­schränkt durch­ge­führ­ten Amts­er­mitt­lung greift die in § 1626 a Abs. 2 Satz 2 BGB vor­ge­se­he­ne (Tatsachen)Vermutung, dass die Über­tra­gung der Sor­ge auf die Eltern gemein­sam dem Kin­des­wohl nicht wider­spricht.
Außer­halb von § 1626 a Abs. 2 Satz 2 BGB sieht das Gesetz hin­ge­gen kei­ne Ein­schrän­kun­gen der gericht­li­chen Amts­er­mitt­lungs­pflicht vor. Für das Ver­fah­ren in allen ande­ren Fäl­len – wie auch nach einer Über­lei­tung gemäß § 155 a Abs. 4 FamFG – bestehen dann kei­ne Beson­der­hei­ten. Es gel­ten wie im Ver­fah­ren zur Ent­schei­dung nach § 1671 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 BGB die all­ge­mei­nen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re hat nach § 26 FamFG eine erschöp­fen­de Amts­auf­klä­rung aller für das Kin­des­wohl erheb­li­chen Umstän­de zu erfol­gen 12.
Eine in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ver­tre­te­ne Ansicht, nach der die Neu­re­ge­lung ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis, einen Vor­rang oder eine Ver­mu­tung zuguns­ten der gemein­sa­men elter­li­chen Sor­ge begrün­de 13, und die Auf­fas­sung, für Umstän­de, die der Über­tra­gung der Sor­ge gemein­sam ent­ge­gen­ste­hen, sei ein höhe­res Beweis­maß zu for­dern 14, fin­den im Gesetz kei­ne Stüt­ze.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und der Bun­des­ge­richts­hof haben einen so ver­stan­de­nen Vor­rang der gemein­sa­men elter­li­chen Sor­ge in Fäl­len des § 1671 BGB abge­lehnt 15.
Davon ist der Gesetz­ge­ber auch bei der Neu­fas­sung des § 1626 a BGB aus­ge­gan­gen. Die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs ver­weist dar­auf, dass außer­halb der aus­drück­lich gere­gel­ten Ver­mu­tung des § 1626 a Abs. 2 Satz 2 BGB die Prü­fung, ob die gemein­sa­me Sor­ge dem Kin­des­wohl wider­spricht, unter unein­ge­schränk­ter Gel­tung des Amts­er­mitt­lungs­grund­sat­zes erfol­gen muss 16. Eine auf unvoll­stän­di­ger Sach­ver­halts­er­mitt­lung beru­hen­de Ver­mu­tung stellt das Gesetz somit nur in § 1626 a Abs. 2 Satz 2 BGB für den dort genann­ten Fall auf. Dar­aus folgt im Umkehr­schluss, dass es im Übri­gen bei der Anwend­bar­keit der all­ge­mei­nen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ver­bleibt 17. Der Sach­ver­halt ist dann vom Fami­li­en­ge­richt umfas­send und ergeb­nis­of­fen auf­zu­klä­ren 18.
Über­tra­gung der elter­li­chen Sor­ge auf den bis­lang nicht… Mit dem Gesetz zur Reform der elter­li­chen Sor­ge nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ter Eltern 19 hat der Gesetz­ge­ber dem gesetz­li­chen Leit­bild der…
a.A. OLG Bran­den­burg [4. FamS] Fam­RZ 2016, 240, 243[↩]
OLG Karls­ru­he Fam­RZ 2014, 1797, 1798; vgl. auch die Bei­spie­le in BT-Drs. 17/​11048 S. 18 sowie Prütting/​Helms/​Hammer FamFG 3. Aufl. § 155 a Rn. 23 ff.[↩]
vgl. OLG Bre­men Fam­RZ 2015, 2170, 2171; OLG Karls­ru­he Fam­RZ 2014, 1797, 1798; OLG Frank­furt Fam­RZ 2014, 852, 853; Beck­OK FamFG/​Schlünder [Stand: 1.01.2016] § 155 a Rn. 16a[↩]
OLG Karls­ru­he Fam­RZ 2014, 1797, 1798; Staudinger/​Coester BGB [2015] § 1626 a Rn. 119[↩]
BT-Drs. 17/​11048 S. 18; Prütting/​Helms/​Hammer FamFG 3. Aufl. § 155 a Rn. 15[↩]
OLG Cel­le [15. ZS] Fam­RZ 2016, 385 f.; OLG Stutt­gart [11. ZS] Fam­RZ 2015, 674; OLG Frank­furt Fam­RZ 2014, 1120; BT-Drs. 17/​11048 S. 23; Staudinger/​Coester BGB [2015] § 1626 a Rn. 86; Beck­OK BGB/​Veit [Stand: 1.05.2015] § 1626 a Rn. 26[↩]

References: § 1626
 § 1671
 § 1626
 § 1626
 § 155
 § 1626
 § 1626
 § 155
 § 1671
 § 26
 § 1671
 § 1626
 § 1626
 § 1626
 § 155
 § 155
 § 1626
 § 155
 § 1626
 § 1626