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Timestamp: 2017-09-24 22:41:44+00:00

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Grundlage dieser Aufstellung, die vorerst aus technischen Gründen mit einigen Konventionen der IPA-Notation brechen muss, ist das östliche Mittelschwäbisch, wie es im Remstal gesprochen wird. Der Autor ist sich dessen bewusst, dass eine wie auch immer geartete reine Dialektform nicht (mehr) gibt und berücksichtigt daher auch Ausgleichsbildungen. Im Zweifelsfall wurde die standardferne Form bevorzugt.
Die Kurzvokale /ö/, /ü/ des Standards sind im Schwäbischen zu /e/, /i/ entrundet: sw. Helle ['hele] = std. Hölle.
Der gespannte hintere Kurzvokal /i/ des Standards wird im Schwäbischen durch den vorderen ungespannten Kurzvokal /e/ ersetzt: sw. Fengr ['fengr] = std. Finger.
Der Kurzvokal /u/ des Standards wird im Schwäbischen vor /n/, /m/ oft zu /o/ verdumpft (sw. Hond ['hond] = std. Hund). In anderer Umgebung wird er gelegentlich diphthongiert (sw. Muadr ['muadr] = std. Mutter oder bleibt erhalten.
Der Kurzvokal /i/ des Standards wird im Schwäbischen in geschlossenen Tonsilben mitunter zu /ie/ diphthongiert: sw. Liecht ['liext] = std. Licht.
Der Langvokal /ö:/ des Standards ist im Schwäbischen zu /e:/ entrundet: sw. Hehle ['he:la] = std. Höhle.
Der Langvokal /ü:/ des Standards ist im Schwäbischen zu /ie/ diphthongiert: sw. Briedr ['briedr] = std. Brüder.
Der gespannte Langvokal /e:/ der Hochsprache entspricht im Schwäbischen dem ungespannten Langvokal /ae/: sw. Läba ['laeba] = std. Leben.
Gelegentlich treten im Schwäbischen Vokalkürzungen auf, die oft Lautbestände des Mittelhochdeutschen wiederspiegeln: sw. nemma ['nema] = std. nehmen, sw. Schbadda = std. Spaten.
Besonders vor Konsonantenhäufungen im Auslaut sind im Schwäbischen Vokale lang, die im Standard kurz sind: sw. Duurschd = std. Durst].
Der Diphthong /ai/ der Hochsprache wird im Schwäbischen oft als /ei/ oder als /oi/ realisiert: sw. Eis [eis] = std. Eis [ais], sw. loid [loid] = std. leid.
Der Diphthong /oi/ der Hochsprache wird im Schwäbischen in Form der Diphthonge /ei/ und /ai/ verwirklicht: sw. Leit [leit] = std. Leute, sw. Fraid [fraid] = std. Freude.
Der Diphthong /ao/ der Hochsprache wird im Schwäbischen in Form der Diphthonge /ao/ und /au/ verwirklicht: sw. ao = std. auch, sw. Sau [sau] = std. Sau [zao].
Die stimmlosen Verschlusslaute /p/, /t/, /k/ der Hochsprache werden im Schwäbischen meist durch die stimmhaften Verschlusslaute /b/, /d/, /g/ ersetzt.
Hochsprachlich intervokalisches /t/ entspricht meist dem sonoranten Schwäbischen /d/: sw. Grodda [groda] = std. Kröte, desgleichen /t/ im Anlaut vor Vokal.
Hochsprachlich aspiriertes /t/ im Anlaut entspricht dem nicht aspirierten /d/ des Schwäbischen: sw. Dopf ['dom] = std. Topf.
Plosive vor silbischem /l/ sind meist sonorant (stimmhaft): sw. Droddl ['drodl] = std. Trottel, sw. Daggl ['dagl] = std. Dackel.
Die komplementäre Distribution des Ach-Lauts und des Ich-Lauts scheint im Schwäbischen außer Kraft gesetzt: nach Diphthongen aus vorderen Vokalen erscheint der Ach-Laut: sw. Viechr ['viexr], vielleicht als Anpassung an die gutturale Bildung des silbischen /r/.
Das aus der Hochsprache erhaltene /s/ vor Plosiven wie /p/ und /t/ wird im Schwäbischen zu /sch/ erweicht: sw. Väschbr [vaeschbr] = std. Vesper.
Ein stimmhaftes /z/ im Anlaut gibt es im Schwäbischen nicht; stattdessen steht /s/.
In bestimmten Wörtern (Lexemen) entfallen Fugenelemente (leere Morpheme): so wird das Morphem (e) in std. Badewanne getilgt: sw. Badwanna.
In anderen Wörtern stehen im Schwäbischen andere Fugenelemente als im Standard: std. Hundehütte / (e) = sw. Hondshidde (s).
Apokope der unbetonten Endsilben
Im Schwäbischen sind die unbetonten Endsilben vieler Nomina und der von ihnen regierten Attrribute weggefallen: std. Stunde = sw. Schdond, std. viele Leute = sw. viel Leit, std. meinen Hund = sw. mein Hond.
Einige Verben, die im Standard mit den Präfixen (zer-) oder (er-) gebildet werden, bedienen sich im Schwäbischen des Präfix (ver-). Dazu gehören: verfriera (erfrieren), verschlaga (schlagen), vergenna (missgönnen), verkloinra (zerkleinern), verbrecha (zerbrechen).
Einige Adjektive (für Stoffeigenschaften), die der Standard mit dem Suffix (-en) bildet, sind im Schwäbischen mit (-ig) zu bilden: knechrig (knöchern), helzrig (hölzern), wollig (wollen), goldig (golden), seidig (seide).
Der Diminutiv wird nicht mit dem Suffix (-chen) gebildet, sonder mit (-le ). Er hat jedoch eine gänzlich andere Semantik.
Artikel, Formen und Gebrauch
Die bestimmten Artikel lauten im Schwäbischen:
männl. weibl. neutral
Nom. Sing. dr / der d' / dui 's / dees
Gen. Sing. 's --- 's
Akk. Sing. dr / dean d' / dui 's / dees
Dat. Sing. dem / deam derra dem / deam
Nom. Pl. dia dia dia
Gen. Pl. --- --- ---
Akk. Pl. dia dia dia
Dat. Pl. denne denne denne
In attributiver Stellung steht in der Regel die erstgenannte Schwachform; die Vollform wird demonstrativ verwendet: sw. dr Mâ ond s'Weib = std. der Mann und die Ehefrau vs. sw. der Mâ ond dees Weib = std. dieser Mann und diese Frau.
Die Artikel können auch als Demonstrativpronomen verwendet werden; dann steht immer die Vollform: sw. Dean hao e aierschd ledschd Woch gsä = std. Den habe ich letzte Woche erst gesehen.
Beim bestimmten Artikel tritt besonders nach Präpositionen (uff, onder, an, en) Enklise auf - d. h. der Artikel lehnt phonologisch an die vorausgehende Wortform an: sw. uff'm Heisle = std. auf dem Haus.
Proklise tritt beim femininen Artikel vor geeigneten Folgekonsonanten auf: d. h. der Artikel lehnt sich an die nachfolgende Worform an: d'Monika = std. (die) Monika.
Die unbestimmten Artikel lauten im Schwäbischen:
Nom. Sing. ân â â
Gen. Sing. --- --- ---
Akk. Sing. ân â â
Dat. Sing. 'm / 'ma 'ra 'm
Beim unbestimmten Artikel tritt besonders nach Präpositionen (uff, onder, an, en) Enklise auf - d. h. der Artikel lehnt phonologisch an die vorausgehende Wortform an: sw. uff'ma Heisle = std. auf einem Haus.
Im Schwäbischen steht der bestimmte Artikel in Umgebungen, in denen er im Standard fehlt:
Eigennamen: sw. d'Emmi = std. Emilie
Verwandschaftsbezeichnungen: sw. dr Deede = std. (dein) Patenonkel
Krankheitsbezeitsbezeichnungen: sw. dr Huaschda hao = std. (einen) Husten haben
Titel: dr Lährer = der (Herr) Lehrer
Der unbestimmte Artikel steht im Gegensatz zum Standard auch bei
Abstrakta: sw. Dr Meiers Eigen hot abbr ao a Pech gheet = std. Eugen Meier hatte aber auch Pech
Im Schwäbischen haben (ohne erkennbaren grund) einige Nomen andere Genera als im Standard. Dazu zählen:
dr Bagga (die Backe)
dr Bank (die Bank - Sitzmöbel)
dr Buddr (die Butter)
dr Schogglad (die Schokolade)
dr Horniss (die Hornisse)
dr Brommhommel (die Hummel)
dr A, B, C... (das A, B, C...)
dr Oiser, Zwoier... (die Eins, Zwei...)
dr Heischrägg (die Heuschrecke)
dr Sogga (die Socke)
dr Zaia (die Zehe)
dr Zengga (die Zinke)
dr Zwiebel (die Zwiebel)
dr Gaddr (das Gatter)
dr Radio (das Radio)
dr Sofa (das Sofa)
dr Dermomeder (das Thermometer)
dr Sieb (das Sieb)
dr Bult (das Pult)
dr Rollo (das Roleau, Rollo)
dr Schnegg (die Schnecke)
dr Scherba (die Scherbe)
dr Schramma (die Schramme)
's Bleischdift (der Bleistift)
's Viadukt (der V.)
's Aquädukt (der A.)
's Eck (die Ecke)
's Kamee (der Kamin)
's Käfig (der Käfig)
's Deller (der Teller)
Im Gegensatz zur landläufigen Meinung besitzt das Schwäbische durchaus einen Genitiv. Er wird jedoch nicht regelhaft gebraucht, sondern ist idiomatisiert, tritt also nur in festen Verbindungen auf. Konstruktionen, für die der Standard den Genitiv vorsieht (Possessiv; Partitiv etc.) werden im Schwäbischen periphrastisch (durch Umschreibung) gebildet. Der Genitiv wird ausgedrückt:
Durch die Ersatzform von + Dativ: sw. Dr Hond von meiner Doode = std. Der Hund meiner Patentante.
Durch die Ersatzform Dativobjekt + Pronomen im Dativ: sw. mai'ra Doode ir Hond = std. Der Hund meiner Patentante.
Der Genitiv bleibt erhalten, wenn eine Familienzugehörigkeit ausgedrückt werden soll. Dazu wird der Nachname als Genitivobjekt attributiv vor den Eigennamen gestellt: sw. Zerrers Uli, Maiers Dorle = std. Ulrich Zerrer, Dora Maier.
Einige Nomina werden im Schwäbischen anders gebildet als im Standard, teils durch Umlautung, teils durch eine abweichende Suffigierung.
Durch Umlautung werden gebildet: die Erm (die Arme), d' Däg (die Tage), d'Hälm (die Halme), d'Kräga (die Kragen), d'Wäga (die Wagen), d'Hemder (die Hemden)
Durch Suffigierung mit (er) werden gebildet: d'Schdoinr (die Steine), d'Gwichdr (die Gewichte), d'Gschäfdr (die Geschäfte), d'Gschmäggr (die Geschmäcke) , d'Hefdr (die Hefte).
Auch die Pluralendungen sind von der Endsilbentilgung betroffen: d'Hend (die Hände).
Abweichend vom Standard wird zuweilen manchen Fremdwörter nicht das Pluralmorphem (s) angehängt: d'Foddo (die Fotos), d'Kanu (die Kanus). Hierin ist der Sprachgebrauch allerdings uneinheitlich.
Komparation und Superlativierung des Schwäbischen weichen nicht grundsätzlich vom Standard ab, es gibt jedoch einige Ausnahmen, an denen die Komparation teils einen Umlaut hervorbringt. Andere, im Standard nicht regelmäßig steigerbare Adjektive und Adverbien können im Schwäbischen regelmäßige gesteigert und superlativiert werden:
Steigerung mit Umlaut: brav - bräver - am brävschda, krank - krängger - am kränggschda, falsch - fälscher - am fälscheschda, mager - mägrer - am mägerschda, nass - nässer - am nässeschda.
Regelmäßige Steigerung: gern - gernr - am gernschda (gern - lieber - am liebsten), wohl - wöhler / wehler - am wohlschda (wohl - besser - am besten), bald - bälder - am bäldeschda (bald - eher - am ehesten).
Konjugation und Tempussystem
Das Präteritum ist im Schwäbischen grundsätzlich nicht üblich. Einzig das irreguläre Verbum sein bildet gelegentlich die standardgemäße Form war aus. Stattdessen wird das Perfekt verwendet.
Einige Verben bilden im Präs. Singular starke Formen aus (Ablaut): I wirf (ich werfe), I vergiss (ich vergesse), I hilf (ich helfe), I brich (ich breche), I befiehl (ich befehle), I flicht (ich flechte), I sieh (ich sehe), I sprich (ich spreche), I stirb (ich sterbe), I tritt (ich trete), I schilt (ich schelte), I iss (ich esse), I drisch (dresche), I milk (ich melke), I nimm (ich nehme), I miss (ich messe), I gib (ich gebe).
Andere Verben verzichten auf die im Standard erforderliche Umlautung: du fangsch (du fängst), du saufsch (du säufst), du laufsch (du läufst), du haldesch (du hältst), du blôsch (du bläst), du schdoosch (du stößt), du fallsch (du fällst), du fahrsch (du fährst), du grabsch (du gräbst).
Manche Verben, die im Standard stark dekliniert werden, sind im Schwäbischen (Perfekt) schwach: d'Sonna hôt gscheint (die Sonne hat geschienen), 's hôt brennt (es hat gebrannt), I hao denggt (ich habe gedacht).
Andere Verben, die im Standard schwach dekliniert werden, sind im Schwäbischen dagegen stark: 's hôt gschnia (es hat geschneit).
Wegen der Tilgung der Nebensilbenvokale entfällt im Schwäbischen der erste Bestandteil des Zirkumfix in der Bildung des Partizip Perfekt: I hao droscha (ich habe gedroschen).
Bei einigen Verben wird anstelle des zirkumfigierten Partizip der Infinitiv gebraucht: I han miaßa (ich habe gemusst).
Dagegen ist im Präsens (2. Pers. Plural) der Nebensilbenvokal erhalten: ihr laufet (ihr lauft).
Das Partizip Präsens mancher Verben wird durch deverbale Adjektive ersetzt: glänzig (glänzend).
Bei der Bildung des Konjunktiv ist zu beachten: das Fehlen der Präteritalformen verdeutlicht, weshalb im Schwäbischen einige Konjunktive nicht ausgebildet werden. Es wäre jedoch verfehlt, ein gänzliches Fehlen der Konjunktivformen zu behaupten - die Konjunktive der Modalverben können (Kenndasch mr môl den Leffel gäa?), müssen (I miaßt etz afanga hoam.) und wollen (I wellt's et andersch hao.) sind überaus verbreitet. Auch Verben der Bewegung weisen in der Regel einen Konjunktiv auf (I geeng, I keem). Grundsätzlich kennt das Schwäbische diese Varianten der Konjunktivierung:
Konjunktiv I des Präsens. Hilfsverb tun im Konjunktiv + Infinitiv: sw. Se secht, sui däd komma = std. Sie sagt, sie komme / werde kommen.
Konjunktiv I des Perfekt. Hilfsverb haben im Konjunktiv + Partizip: sw. Se häb's et gsä = std. Sie habe es nicht gesehen.
Konjunktiv II (Irrealis). Ganz vermieden wird im Schwäbischen die Konstruktion mit dem Auxiliar werden (würde-Konjunktiv). Stattdessen steht meist das Hilfsverb tun: sw. Des däd dr so bassa! = std. Das würde dir so passen!
Konjunktiv II (Irrealis der Vergangenheit). Hier steht wie im Standard das Hilfsverb haben im Konjunktiv: sw. I hätt's'em et gsaid. = std. Ich hätte es ihm nicht gesagt.
Das Relativpronomen des Schwäbischen ist wo. Gelegentlich tritt es in Zweifachfügungen mit den Relativpronomina des Standards auf: der wo, die wo, des wo, dia wo....
Die Demonstrativpronomina des Schwäbischend sind: der, dui, dees (der, die, das); der sell, dui sell, 's sell (jener, jene, jenes), der well, dui well (welcher, welche).
Die Indefinitpronomina lauten: ebbr (jemand), ebbes (etwas), neamerd (niemand), koiner (keiner).
Die Possessivpronomina lauten für Feminina: maira, daira, saira / ihrer / saira, onser, eier, (denne) ihr; für Maskulina und Neutra: mai, dai, sai / ihr / sai, onser, eier, (denne) ihr.
Die Personalpronomina lauten: Sing. I, du, 'r, sui, 's; Pl. mr, 'r, se. Im Überblick:
Nom. I du 'r, sui / se, 's
Gen. --- --- ---
Akk. mi di, de ean, se, 's
Dat. mr dr
eam, ihra, ('eam)
Im Schwäbischen sind einige Partikel üblich, die im Standard nicht vorkommen:
Das Fragepartikel gell, das eine bestätigende Antwort einfordert, steht im Vorfeld oder im Nachfeld eines Satzes: sw. Gell, du hosch'en ao gsä? = std. Stimmt's, du hast ihn auch gesehen? / sw. Du hosch'en ao gsä, gell? = Du hast ihn auch gesehen, oder?
Das Fragepartikel halt, das häufig eine Festellung begleitet und den ausgesagten Sachverhalt als unvermeidlich oder naturgegeben kennzeichnet, steht vor dem jeweils fokussierten Satzglied: sw. 'r isch halt mai Vaddr. = std. Er ist eben mein Vater.
Im Schwäbischen treten einige Interjektionen auf, die im Standard nicht gebraucht werden:
Die Interjektion ha begleitet Ausrufe der Verblüffung (schwebende Intonation) oder der Bestätigung (kurz, fallende Intonation).
Die Interjektion hano, oft gedoppelt oder verdreifacht und stets auf der zweiten Silbe betont, begleitet Ausrufe des Erstaunens, der Ungläubigkeit oder des Unwillens.
Die Interjektion hâ (steigende Intonation) begleitet häufig Verständnisfragen.
Die wohl auffallendsten Eigenarten des Schwäbischen gehören in den Bereich der Lexik (Wortschatz). Es ist freilich nicht möglich, alle abweichenden Lexeme aufzuführen. Zur verdeutlichen seien jedoch einige Nomina, Verben und Adjektive aufgeführt. Grundsätzlich gilt es zu bedenken,
Dass im Schwäbischen gänzlich andere Lexeme gebraucht werden: sw. Kehrawisch = std. Handbesen.
Dass im Schwäbischen einige in Teilen verschiedene Komposita üblich sind: sw. Auggadeggl = std. Augenlid.
Dass Lexeme des Schwäbische mehreren Lexemen des Standards zueordnet sein können: sw. Leit = std. Leute, Eltern.
Dass einzelne Lexeme, die in beiden Varietäten vorkommen, unterschiedliche Konnotationen haben: sw. Weib > neutral, std. Weib > pejorativ.
Dass manche Lexeme des Schwäbischen kaum zu übersetzen sind: gell, halt.
Dass einige Lexeme des Schwäbischen Dinge bezeichnen, die in dieser Form nur im Verbreitungsraum des Schwäbischen bekannt sind: Kehrwoch, Ochsamaulsalat.
Zur Übersicht nun noch einige Beispiele für Differenzen zwischen Standard und Dialekt:
Nomina Verben Adjektive und Adverbien
Dode (Patentante) gautscha (schaukeln) hählenga (heimlich)
Deede (Patenonkel) glotza (starren) grädig (missgelaunt)
Breschdleng (Erbeere) bruddla (murren) raubelig (rauh)
Gsälz (Marmelade) lupfa (heben) bugglig (uneben)
Fetz (Strolch) heba (halten) verloga (unehrlich)
Batsch (Handschlag) blärra (schreien) schäbbs (schief)
Hafa (Topf) schmegga (riechen)
Weib (Ehefrau) schbrenga (laufen)
Angga (Nacken) laufa (gehen)
Schwäbische Infinitivsätze unterscheiden sich deutlich von ihren standardisierten Gegenstücken. Zwei Konstruktionen kommen im Schwäbischen, aber nicht im Standard vor:
Infinitiv des Vollverbs + Infinitiv des Modalverbs: sw. 'r hôt des dirfa macha = std. Er durfte das machen. Man beachte besonders die Stellung der Verben: das Modalverb steht vor dem Vollverb!
zum + Infinitiv. sw. Heer uff zom heila = std. Hör auf zu weinen.
Schwäbische Orthographie
Dies ist keine Orthographie im streng normativen Sinne. Weil es eine geregelte Standardschreibung des Schwäbischen nicht gibt, steht der Verfasser von Mundartgedichten in der angenehmen Pflicht, sich seine eigene Schreibung zu schaffen. Die jeweils gewählte Form bewegt sich zwischen zwei Sprachfeldern: zwischen der Hochsprache, die als Verkehrssprache zugleich die Lesesprache ist, und der Mundart, die sich in ihrer Aussprache markant von der Schreibung des hochsprachlichen Standards unterscheidet. Die Nähe zur Schreibung der Hochsprache sucht der Mundartschreiber deshalb, weil er ein möglichst großes Publikum erreichen möchte, ohne seine Mundart ganz aufzugeben. Nun ist die Schreibung der Hochsprache keineswegs ein Abbild der phonetischen Wirklichkeit des Sprechens, und der Dialektschreiber tut besser daran, seinen Ehrgeiz im Hinblick auf eine lauttreue Schreibung zu zügeln. Es scheint vernünftig, den Sprechern anderer Mundarten und der Hochsprache ein System anzubieten, das mit möglichst wenigen Zusatzregeln auskommt, das den Lautbestand des Schwäbischen mit den Mitteln der Standardschrift abbildet und dem Schreiber zugleich Raum lässt für die binnenmundartliche Verschiedenheit. Es sollte einfach lern- und lehrbar sein, regelhaft und abweichungstolerant. Keineswegs soll es dazu dienen, andere Schreibweisen abzuwerten. Die gegenwärtige Lage der Mundart erlaubt es kaum, "ursprüngliche" von "verwässerten", "primordiale" von "sekundären" oder "hybriden" Mundarten zu scheiden. Einwanderungswellen haben immer wieder zur Veränderung des Schwäbischen beigetragen, das Schwäbische bereichert und flexibler gemacht: kein Sprecher kann heute von sich behaupten, keine hochsprachlichen Einflüsse empfangen zu haben. Deshalb gilt für diese Orthographie wie für jede andere auch: nüchtern betrachtet geht es darum, Menschen zum Lesen in einer ungewohnten oder fremden Sprache zu bewegen, sie zu befähigen, diese Sprache so zu lesen, dass Muttersprachler und andere Sprecher das Vorgetragene verstehen.
§1 Prinzip der Aussprachetreue: Geschriebenes Schwäbisch sollte die tatsächliche Aussprache vor Ort so treffend wie möglich abbilden.
§2 Prinzip der Worttreue: Die Schreibung folgt, soweit als irgend möglich, der standardsprachlichen Graphie der Lexeme.
NICHT: *Xicht oder *Ksicht für Gsicht ("Gesicht")
Es soll keine Idealsprache geschaffen werden, in der für die Zeichen-Laut-Beziehung ein strenges Eins zu Eins gilt - wer sich wissenschaftlich mit der Phonetik des Schwäbischen beschäftigt, wird ohnehin das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) anwenden. Die in der Standardsprache üblichen Digraphen <ck, ch> und der Trigraph <sch> bleiben erhalten, ebenso die gewohnten Diakritika (Umlautzeichen, i-Punkt).
§3 Prinzip der Anpassung: Die Schreibung folgt der im Heimatgebiet des Dialekts tradierten Aussprache. Man unterscheidet: ost-, süd- und mittelschwäbische Schreibweisen. Ein künstliches Standardschwäbisch ist nicht bezweckt.
hao ("habe") neben han ("habe)
Angestrebt wird, dass jeder Sprecher seine örtliche Mundart mit allen Merkmalen seiner Identität spricht. Dazu gehört auch der mächtige Einfluss der Hochsprache und der Sondersprachen. Für wen das Wort "Troddwar" ungewohnt klingt, wird auch den Begriff "Gehwäg" verwenden dürfen, wenn er ihm geläufiger ist. Die unverbindliche Empfehlung an alle Schreiber ist gleichwohl: verwendet Begriffe der Mundart, auch wenn sie mittlerweile selbst für hausbackene Schwaben exotisch klingen. Die Mundart als erfrischende Quelle des Sprachgebrauchs ist zwar nahezu versiegt, kann aber - nicht künstlich, sondern mit den Mitteln der Kunst - wieder zum Fließen gebracht werden. Der Wortschatz ist ein aufnahmefähiges und produktives System, das bereits mehrfach Begriffe der Mundart in den Standard aufgenommen hat; und was ist die Hochsprache anderes als eine Verbindung geläufiger Mundarten?
§1 Wo in hochdeutscher Lautung Spielräume für die Schreibung der schwäbischen Aussprache bestehen, sind diese voll auszuschöpfen. Wo dies nicht der Fall ist, sind die der schwäbischen Lautung entsprechenden Grapheme einzusetzen:
Schuld > Schuld, nicht: *Schult
ABER: Drâfonzl ("Tranfunzel")
§2 Wegen der bedeutungsunterscheidenden Funktion der Nasalisierung im Schwäbischen sind nasalisierte Vokale mit einem Zirkumflex zu kennzeichnen:
nâ = hin vs. naa = hinab
Wird die Nasalisierung durch andere Diakritika einheitlich ausgedrückt (etwa durch ein Gravis über dem jeweiligen Vokal), dann ist die Lösung gleichfalls möglich. Andere Diakritika sind unpraktikabel, da sie auf Standardtastaturen in der Regel nicht vorgesehen sind. Die Gefahr einer Verwechslung mit dem in der Schreibung des Mittelhochdeutschen üblichen Längendiakritikums <^> ist u.. E. nicht gegeben.
§3 Langvokale sind, wo nicht in der Schreibung des Standards bereits durch Dopplung und Dehnungs-h angezeigt, durch Verdoppelung zu kennzeichnen.
naa = hinunter, na = na, nanu
ABER: Ã‚hnong ("Ahnung")
Die Doppelung als Anzeiger vokalischer Länge ist in Sprachen mit einer regelmäigen Unterscheidung vokalischer Länge und Kürze durchaus üblich. Wir verweisen auf das Beispiel des Estnischen und des Mongolischen.
§4 Das Dehnungs-e der hochdeutschen Lautung ist wegen der Verwechslungsgefahr hinsichtlich der schwäbischen Diphthonge zu tilgen, wo Diphthonge im Schwäbischen auftreten, ist der zusätzlich auftretende Vokal einzufügen.
liebe Brüder > liabe Briader
§5 Die im Schwäbischen bekannten Schwas sind mit den Vokalgraphemen <e> und <a> und im Falle des o-Schwas mit dem silbischen r-Suffix wiederzugeben.
Katza ("Katzen")
Briader ("Brüder")
Bruadr ("Bruder")
§6 Das offen gesprochene, ungespannte kurze und lange /e/ des Schwäbischen wird in der geschriebenen Form mit <ä> wiedergegeben.
Läba ("Leben")
§1 Die Groß- und Kleinschreibung entspricht vollkommen der Standardsprache. Die Einführung einer moderaten Kleinschreibung ist aus Gründen der Verständlichkeit vorerst nicht möglich, soll aber für die Zukunft nicht grundsätzlich ausgeschlossen bleiben.
§1 Die Interpunktion entspricht im wesentlichen der Standardsprache. Auslassung von ganzen Silben und Silbenteilen ist mit Apostroph zu kennzeichnen, wo (a) entsprechende Vollformen im Schwäbischen lexikalisiert sind, oder wo (b) die Auslassung Verständnisschwierigkeiten bewirkt, nicht aber, wo (c) die Vollform sich aus der standardsprachlichen Morphologie herleiten lässt.
I hao d` Leit nemme kennt (dia Leit)
I hao `s dr gsait (std. "es")
ABER: Gsicht (std. "Gesicht")
§1 Die Graphie der Fremdwörter ist behutsam der schwäbischen Aussprache anzupassen.
std. Computer > sw. Kombuudr
Das gilt nicht weniger für Begriffe aus der Standardsprache, aus anderen Mundarten und den Sondersprachen.
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References: §1

§2

§3

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§4

§5

§6

§1

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