Source: http://justizkritik.com/kriminalitaetsnaehe.html
Timestamp: 2017-12-16 08:50:08+00:00

Document:
Kriminalitätsnähe
Kriminalitätsnahe Justizpersonen
Die wiedergegebenen Sachverhalte sind historische Momentaufnahmen, die auf vereinzelten Nachrichten beruhen. Über tatsächliche Schuld oder Unschuld der genannten Menschen, geschweige denn über ihre sonstige Lebensführung, soll und kann an dieser Stelle kein abschließendes Urteil gefällt werden.
Zu Freisprüchen oder Strafminderungen im Instanzenzug kann es gekommen sein, und wird ausdrücklich um entsprechende Hinweise gebeten, falls es hierüber Erkenntnisse gibt. Es sind mit anderen Worten Justizpersonen aufgeführt, die zumindest durch konkrete Verdachtsmomente selbst in den Anschein kriminellen Verhaltens geraten sind. Auf den ersten Blick zweifelhafte Urteile sind nicht ausgeschlossen. Nicht aufgenommen sind Fälle, in denen ein Freispruch im Verfahrensfortgang bekannt ist. Manchmal wurde rechtswidriges Verhalten erst nach dem Tode offenbar, wodurch keine strafrechtliche Ahndung mehr möglich war. Andere Verdächtige entzogen sich durch Selbstmord einer drohenden Strafverfolgung. Politisch Verfolgte der demokratischen und liberalen Bewegung nach 1848 sowie zeitgenössisch gefärbte Verurteilungen durch Gerichte von 1933 bis 1945 sind nicht berücksichtigt, weil im Regelfall die Persönlichkeit des Opfers nach heutigem Verständnis dem Recht näher als dem Unrecht gewesen sein dürfte. Immer wieder gab es aus politischen Motiven keine straf- oder disziplinarrechtliche Verfolgung, z.B. derjenigen Personen, die sich 1920 am ,Kapp-Putsch' beteiligt hatten (vgl. JMBl. 1920, S.133). Richter im ,Dritten Reich', insbesondere des Volksgerichtshofes und der Sondergerichte, deren Spruchtätigkeit spätestens nach der gewendeten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Jahre 1993 (vgl. BGH NJW 1994, S.529; BGHSt 41, 317 = NJW 1996, S.857 ff.) strafwürdig erscheint, die jedoch nach 1945 gemäß der damaligen Einstellung der Strafverfolgungsbehörden wie im Falle von Hans-Joachim Rehse (1902-1969), vormals Kammergerichtsrat und Richter am Volksgerichtshof (vgl. BGH NJW 1968, S.1339 f.), nicht behelligt wurden, sind nicht verzeichnet. Zu unterscheiden wäre bei einer näheren Analyse dienstliches und außerdienstliches Fehlverhalten. Oft lag die Ursache in wirtschaftlichen Gründen; durch Haftpflichtversicherungen für Anwälte und Notare sowie höhere Besoldungen für Beamte und Richter ist mittlerweile in weiten Teilen Abhilfe geschaffen worden, wenn sich auch in der menschlichen Natur liegende Versuchungen durch allgemeine Vorsichtsmaßnahmen kaum ganz ausschließen lassen werden. Quellen sind weitgehend fortgelassen, um die Übersichtlichkeit zu wahren. Die Familiennamen sind mit dem Anfangsbuchstaben abgekürzt, wenn entweder der vollständige Name nicht bekannt ist oder es sich nicht eindeutig genug um eine Person der Zeitgeschichte handelt.
Justizangehörige, die vor Gericht stehen, kennen die Rahmenbedingungen. Ob sie abweichend von der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz entweder besonders milde oder besonders hart behandelt werden, ist eine offene Frage. Hin und wieder drängt sich sogar ein humoristischer Beigeschmack auf wie im Falle des Oberamtsrichters Emil Selling in Lichtenfels, der 1887 vom Bayerischen Obersten Landesgericht vom Vorwurf freigesprochen wurde, beim Kartenspiel „Zwicken“ auf eine strafbare Art gemogelt zu haben. Kämpferisch pflegten Juristen in ihren eigenen Angelegenheiten stets zu sein; noch der 84jährige emeritierte Strafrechtsprofessor Karl Eduard Pfotenhauer (1802-1891) wurde 1886 in Zürich wegen „Mißhandlung einer Hausbewohnerin, welche Teppiche ausklopfte und dadurch seinen Zorn erregte, und die er sogar in den Arm gebissen hat,“ zu dreißigtägiger Einzelhaft verurteilt.
Es gibt eine Dunkelziffer von überhaupt nicht bekannt gewordenen oder zumindest hier nicht erfaßten Fällen, deren Umfang erheblich sein dürfte. Häufig sind auch keinerlei Namen überliefert; es wurde z.B. 1811 aus Berlin berichtet: „Hier und in den Provinzen haben sich mehrere Offizianten erschossen und ersäuft, wegen Defekten und Unregelmäßigkeiten.“
Das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit bei einem Personenkreis, der von Berufs wegen mit der Bearbeitung von Justizverfahren zu tun hat, dürfte zusätzlich zur Meinungsäußerungs- und Forschungsfreiheit jedenfalls bei historischen Ereignissen die abstrakte Gefahr von vereinzelt unvollständiger Überlieferung überwiegen (vgl. z.B. BGH NJW 2011, S.2285 f.).
A. Rechtsanwalt in einem deutschen Kleinstaat. Er wurde 1883 zu sechs Monaten Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung verurteilt, weil er im Auftrag der Mutter eines unehelichen Kindes einen Vaterschaftsstreit gegen den Landesfürsten zu betreiben gewagt hatte.
Adamczyk, Alexander. Rechtsanwalt in Görlitz. Von Breslau kommend, wurde er 1883 in Görlitz zugelassen. Auf der politischen Ebene war er in der Stadt Führer der Freisinnigen. Weil er einen „ihn schwer beleidigenden" Offizier zum Duell auf Pistolen gefordert hatte, welcher nicht mehr tat, als den Sachverhalt der Staatsanwaltschaft zu melden, wurde Adamczyk 1891 zu zwei Wochen Festungshaft verurteilt. Im gleichen Jahr auch zum Notar und 1893 zum Justizrat ernannt, starb er 1899.
Albrecht, Otto. Sekretär am Landgericht Braunschweig. Er beging 1892 nach Unterschlagung von mindestens 5.000 Mark Selbstmord.
Altstötter, Josef (1892-1979). Ministerialdirektor im Reichsjustizministerium und Reichsgerichtsrat a.D. Er wurde 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Zugehörigkeit zur SS, in welcher er 1944 in den Rang eines Oberführers befördert worden war, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, und in den übrigen Anklagepunkten freigesprochen. Im Urteil hieß es, „daß die Tätigkeit der SS und die Verbrechen, die sie beging, so weit und umfassend sind, daß kein Mensch von der Intelligenz des Angeklagten, der noch dazu den Rang eines Oberführers in der SS erreicht hatte, dieser ungesetzlichen Tätigkeiten nicht gewahr werden mußte.“ Er arbeitete nach der Haftentlassung von 1950 bis 1966 als Rechtsanwalt.
von Ammon, Wilhelm (1903-1992). Ministerialrat im Reichsjustizministerium a.D. Er war seit seiner Berufung in das Ministerium für das Strafrecht zuständig und wurde 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Begnadigung erfolgte 1951. Von 1957 bis 1970 war er Direktor der Lutherischen Landeskirchenstelle in Ansbach.
Dr.Arndt, Werner (1882-1939). Landgerichtsdirektor in Berlin. Dem Junggesellen Dr.Arndt wurde 1931 nachgesagt, zwei Jahre zuvor vor dem Hintergrund eines Strafprozesses gegen den Industriellen Hugo Stinnes jr. (1897-1982) einen intimeren Umgang mit der hübschen Frau des Assessors Wilhelm Glade gehabt zu haben, der damals auf Seiten der Verteidigung tätig war. Über die Vorgänge befragt, berichtete Frau Assessor Glade „derartige Obszönitäten über den Verkehr mit Landgerichtsdirektor Arndt, daß selbst der Berliner Skandalpresse die Luft wegbleibt.“ Der damalige Referendar Friedrich Karl Kaul (1906-1981), später Anwalt in Ost-Berlin und mehrfach vor bundesdeutschen Gerichten von der Berufsausübung ausgeschlossen (vgl. BGH NJW 1957, S.997 f.; NJW 1961, S.614 f.; „Der Spiegel“ vom 29.März 1961, S.29 ff.; OLG Hamburg NJW 1962, S.1689 f.; BVerfG NJW 1967, S.2051), der keine Gelegenheit ausließ, die bürgerliche Justiz zu brandmarken, kommentierte zum weiteren Schicksal des Richters: „Gegen den Landgerichtsdirektor Arndt wird natürlich ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Er verschwindet von der Bühne der Berliner Justiz. Über alles andere, insbesondere aber über die längst rechtskräftige Entscheidung im Stinnesverfahren, wird der Mantel gemeinsamen Profitbedürfnisses gebreitet.“ Die Wahrheit sah etwas anders aus; Dr.Werner Arndt blieb unangefochten in seinem Dienstrang in Berlin, und was sein Privatleben betraf, gibt es Grund zur Annahme, er sei als verheirateter Mann gestorben.
Auerswald, Heinz (1908-1970). Rechtsanwalt in Berlin. Er war von 15.Mai 1941 bis 1.Januar 1943 deutscherseits Beauftragter für das jüdische Ghetto in Warschau. Niemals strafrechtlich zur Verantwortung gezogen, hat er im Rechtssinne als unschuldig zu gelten.
Prof.Dr.B., Heinz. Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er wurde 2010 in München wegen Betruges, Untreue, Geldwäsche und Urkundenfälschung zu 6 ½ Jahren Gefängnis verurteilt, weil ihm im wesentlichen die Veruntreuung von 3,4 Millionen Euro Mandantengelder zur Last gelegt wurde.
B., Helmut. Rechtsanwalt in Berlin. Er wurde 2002 zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er treuhänderisch verwaltetes Fremdgeld zu spät weitergeleitet hatte.
Beauvrié, Christian Gottlieb. Kammergerichtsrat in Berlin. Er war von 1752 bis zur Suspendierung 1760 im Amt. Von ihm wurde „erzählt, daß er öfters die PupillenActen versetzt, und Geld darauf genommen, worüber er denn zuletzt caßirt worden, in der Folge ernährte er sich mit Schriftstellern für die Advocaten.“
Becker, Otto. Rechtsanwalt in Köln. Berufstätig seit 1878, flüchtete er 1886 nach einer Unterschlagung von 40.000 Mark und wurde seine Zulassung gelöscht.
Dr.Behncke, Friedrich August. Rechtsanwalt in Bremen. Er hat sich 1879 „mit bedeutenden Summen ihm anvertrauter Gelder auf Reisen, wahrscheinlich nach Amerika oder Australien begeben“.
Beinert. Rechtsanwalt in Kempen. Seit 1881 in seiner ersten selbständigen beruflichen Stellung Anwalt in Kempen, wo er im folgenden Jahr auch Notar wurde, gaben ihm unrechtmäßige Vermögensverfügungen Veranlassung zur Flucht bis nach Konstantinopel. Er wurde 1889 in Ostrowo zu drei Jahren Gefängnis wegen Untreue und Unterschlagung verurteilt, und 1890 wurde in einem neuen Verfahrensdurchgang die Strafe auf fünf Jahre Haft erhöht.
Bendisch, Gustav Carl Ludwig Ferdinand. Protokollführer am Stadtgericht Berlin. Er wurde 1861 wegen Wuchers zu vier Monaten Gefängnis und 100 Taler Geldstrafe verurteilt.
Dr.Benecke, Paul. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Seit 1910 Anwalt, wurde er 1920 auch Notar. Weil er Mandantengelder in Höhe von rund 20.000 Mark für sich verbraucht hatte, wurde er 1932 zu einem Jahr Gefängnis sowie drei Jahren Verlust der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter verurteilt, worauf die Zulassung endete und das Notariat erlosch.
Beneckendorff, Carl Friedrich von (1713-1788). Präsident der Oberamtsregierung in Breslau. Er wurde 1751 wegen fehlender Gelder in den Mündelakten des Gerichts zu zehn Jahren Festungshaft mit Zwangsarbeit verurteilt. Er „soll die DepositenBücher in den Abtritt geschmißen und hiernächst durch einen schriftlichen Eyd versichert haben, daß er sie nicht besitze“.
Blohm, L.A. Obergerichtsanwalt in Verden. Er wurde 1866 wenige Wochen vor Ausbruch des deutsch-österreichischen Krieges verhaftet und in Stade wegen Betruges angeklagt. Ihm wurde zur Last gelegt, einen Kaufvertrag über drei Landgüter eines Mandanten, des kinderlosen Staatsministers Johann Caspar von der Wisch (1785-1865), mit einem Werte von einer Million Talern selbst gefertigt zu haben, in dem ein Kaufpreis von 300.000 Talern stand, die mit einer Verzinsung von 3 ¼% nach Belieben des Käufers im Grundbuch stehen bleiben sollten, und den Vertrag nach dem Ableben des Mandanten vorgelegt zu haben, um sich zu bereichern. Zu Lebzeiten seines Mandanten für die anwaltliche Tätigkeit nicht honoriert, sah er die versprochene Aussicht auf eine größere Vergütung im Erbfall getäuscht, nachdem ihm testamentarisch lediglich 10.000 Taler zugewendet worden waren.
Bodensieck, Georg Wilhelm Ludwig. Rechtsanwalt und Notar in Ritzebüttel. Im Alter von 54 Jahren wurde er 1883 wegen Unterschlagung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.
Bolzenthal. Justizkommissar und Notar a.D. in Breslau. Von 1826 bis 1843 amtstätig und danach Gutsbesitzer, stand er 1850 unter der Anklage des Betruges sowie der versuchten Vergiftung. Er erhängte sich in der Untersuchungshaft.
Bredereck, Paul (1877-1931). Rechtsanwalt in Berlin. Seit 1905 zugelassen, erst am Landgericht II, dann am Landgericht I, war er politisch für die Konservativen tätig, wobei er der antisemitischen Einfärbung folgte. Er kandidierte vergeblich für die Reichstagswahlen, und zwar 1907 im III.Berliner Wahlkreis und 1912 im Wahlkreis Oberbarnim. Flüchtig geworden, wurde im Sommer 1912 gegen ihn ein Haftbefehl wegen des Verdachts der Untreue erlassen, und endete im gleichen Jahr die Anwaltszulassung. Kurzzeitig trat er im Frühjahr 1920 noch einmal in das Licht der Öffentlichkeit; während des Kapp-Lüttwitz-Putsches, für den sich auch aktive Berliner Juristen zur Verfügung stellten, übernahm Bredereck einige Stunden lang das Amt des Pressesprechers und flüchtete anschließend nach Geltow bei Potsdam, wo er sich als nervenleidender Ingenieur Karl Schuldig einquartierte. Das nach dem Scheitern des Umsturzes gegen ihn eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde ein halbes Jahr später eingestellt.
Busch, Wilhelm. Rechtsanwalt und Notar in Carthaus. Seit 1888 Anwalt und ab 1891 auch Notar, wurde er 1895 in Danzig wegen Unterschlagung zu 1 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
Croissant, Klaus (1931-2002). Rechtsanwalt in Stuttgart. Er wurde 1979 wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu 2 ½ Jahren Gefängnis und 1993 wegen Agententätigkeit für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.
D., Siegfried. Richter am Amtsgericht in Solingen. Weil er 1979 seine Ehefrau getötet hatte, wurde er 1981 in Düsseldorf zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Dr.Dedekind, Franz (1814-1880). Rechtsanwalt und Notar in Wolfenbüttel. Er wurde 1880 in Hildesheim zu sechs Monaten Festungshaft wegen Majestätsbeleidigung verurteilt.
Dieckmann, August. Rechtsanwalt und Notar in Aschersleben. Seit 1855 im Amt, wurde er 1861 durch rechtskräftiges Urteil entlassen. Damals „wegen wiederholter Unterschlagung ihm amtlich anvertrauter Gelder mit 1 ½ Jahr Gefängniß und 2 Jahr Ehrverlust vorbestraft“, erlitt er 1875 in Berlin eine weitere Strafe von sechs Monaten Gefängnis und einem Jahr Ehrenverlust wegen Unterschlagung und Verstoß gegen § 249 Aktiengesetz im Zusammenhang mit seiner Beteiligung an der Provinzial-Bau-Bank.
Dr.Dorten, Hans Adam (1880-1963). Staatsanwalt in Berlin. Nach dem Referendariat im Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf 1909 zum Assessor ernannt, arbeitete er zunächst als Hilfsrichter. Ende September 1914 erhielt er die Berufung auf eine Lebenszeitstelle als Staatsanwalt am Landgericht III in Berlin. Eine praktische Tätigkeit entfaltete er in der Hauptstadt nicht und zog auch nicht dorthin, weil er schon am Kriegsbeginn zur Armee einberufen worden war. Mit Kriegsende sowohl aus dem Heer entlassen als auch vom Justizdienst beurlaubt, ging er in der Rheinprovinz politischen Interessen nach. Von den Franzosen unterstützt, von der Mehrheit der Deutschen abgelehnt, wurde er Aushängeschild des rheinischen Separatismus, der für die deutsche Regierung Hochverrat war. Nach der Auswanderung nach Frankreich Ende 1923 wurde er 1927 Rechtsanwalt in Nizza.
Ebell, Christian Heinrich. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Nach 12 Jahren Berufstätigkeit wurde er 1851 durch Gerichtsurteil seiner Ämter enthoben, und 1857 wurden gegen ihn zwei Haftstrafen wegen Wuchers verhängt.
Elfe. Büroassistent und vereidigter Protokollführer am Kreisgericht Potsdam. Weil er 1851 ausgesonderte Akten der Kreisgerichtskommission in Beelitz auf eigene Rechnung in Berlin verkauft hatte, wurde er zwei Jahre später in Potsdam zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
F., Jesco. Richter am Amtsgericht Mannheim. Eine allzu enge Zusammenarbeit mit einem Anwalt, welchem er regelmäßig Bestellungen zum Insolvenzverwalter zukommen ließ, wogegen der Richter und sein Sohn mit der kostenlosen Nutzung von Autos belohnt wurden, führte zu einem Strafverfahren. Er wurde 2003 zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung wegen Bestechlichkeit verurteilt.
Faas, Heinrich. Rechtsanwalt in Mannheim. Er wurde 1893 zu vier Monaten Gefängnis wegen Vergehen gegen die Konkursordnung und fahrlässigen Meineides verurteilt. „Bei der Urteilsverkündung zog Faas einen Revolver und suchte, sich zu erschießen, was jedoch verhindert wurde.“
Fier, Johann Peter. Notar in Köln. Er wurde nach rund 40jähriger Amtszeit 1853 zu drei Jahren Gefängnis wegen Unterschlagung verurteilt.
Fischer, Adolf. Rechtsanwalt in Braunschweig. Er war einer der örtlichen Anführer der Antisemiten und wurde 1898 zu sechs Monaten Gefängnis und zwei Jahren Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter wegen Unterschlagung verurteilt.
Dr.Frankenstein, Kurt. Rechtsanwalt und Notar in Wittenberge. Er wurde 1932 von der Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen Betruges angeklagt. In seinem Büro lagerte er Messingbarren, die er für Gold ausgab, auf welches er von leichtgläubigen Mandanten Kredit erhielt.
Friedel, Christian Emanuel Ludwig (1745-1811). Kammergerichtsrat in Berlin. Er saß 1780 in der Affäre um den Prozeß des Müllers Arnold für acht Monate in Festungshaft.
Dr.Friedrich, Konrad. Rechtsanwalt in Leipzig. Er wurde 1896 in Leipzig wegen Erpressung zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Fuchs, Otto. Landrichter in Waldheim a.D. Er war beteiligt an den ,Waldheimer Prozessen', bei denen 1950 durch eine Außenstelle des Landgerichts Chemnitz innerhalb von sechs Wochen durch zwölf große und acht kleine Strafkammern insgesamt 3.442 angebliche Kriegsverbrecher verurteilt wurden. In 24 Fällen kam es anschließend zur Vollstreckung von Todesstrafen. Damals war eine Mischung aus schuldigen Nationalsozialisten, Mitläufern und Unschuldigen vor Gericht gestellt worden. Von der Staatsanwaltschaft Leipzig nach der Wende wegen Rechtsbeugung angeklagt, beging er 1992 in Dresden Selbstmord. Zur zeitgenössischen Wahrnehmung der Waldheim-Prozesse aus Sicht der bundesdeutschen Justiz vgl. KG NJW 1954, S.1652 ff.; BVerwGE 9, 132 = NJW 1960, S.353 ff.
G. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Erstinstanzlich als Gehilfe eines Eingehungsbetruges in seiner notariellen Tätigkeit verurteilt, hob der Bundesgerichtshof das Urteil wegen unklarer Feststellungen zur Schadenshöhe auf (vgl. BGH NJW 2012, S.2370 f.).
G., E. Aktuar am Kammergericht a.D. in Berlin. Während seiner Zeit am Kammergericht beging er Unterschlagungen und wurde zu mehrjährigem Zuchthaus verurteilt. Anschließend war er Bürovorsteher eines Rechtsanwalts und zweigte Geld für Prostituierte ab. Er beging 1855 mit 38 Jahren Selbstmord.
Gaenßler, Anton. Rechtsanwalt in München. Er war einer bekanntesten Anwälte in der bayerischen Hauptstadt und u.a. Verteidiger von Graf Anton von Arco (1897-1945) nach dessen Ermordung von Ministerpräsident Kurt Eisner, der am 16.Januar 1920 zum Tode verurteilt und dann zu Festungshaft begnadigt wurde. Justizrat Gaenßler, dem neben Betrug in Verbindung mit Wechselschulden auch Unterschlagung von Radium im Wert von 2,5 Mio. Mark zur Last gelegt wurde, verschwand im Frühjahr 1922 aus München und wurde einige Zeit später als Wasserleiche in einem Kanal bei Maria-Einsiedel aufgefunden.
Dr.Gätcke, Friedrich Conrad. Rechtsanwalt in Hamburg. Er wurde 1890 wegen Unterschlagung von circa 1.100 Mark angeklagt und entschuldigte sich mit „Vergeßlichkeit und Unachtsamkeit; er sei jederzeit in der Lage gewesen, das Geld zu ersetzen.“
Gebhardt. Kassenrendant am Stadtgericht Charlottenburg. Er wurde 1843 „seines Amtes entsetzt“.
Dr.Gellert. Rechtsanwalt in Lissa. Als Berufsanfänger 1881 nach Lissa gekommen, wurde er 1886 in einem Indizienprozeß, in dem 202 Zeugen an 12 Verhandlungstagen aussagten und in welchen auch sein Bürovorsteher verwickelt war, wegen Unterschlagung, Betrug und Urkundenfälschung zu 2 ½ Jahren Gefängnis und 8.700 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Anwaltszulassung wurde 1888 gelöscht.
Gerbett, Gustav. General-Fiskal sowie Kammergerichtsrat und Geheimer Justizrat in Berlin. Er wurde 1718 Kammergerichtsrat und hatte seit 1733 in den letzten Regierungsjahren des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) das Amt des General-Fiskals mit weitreichenden Kompetenzen inne. „Sein Name wurde von unzähligen Unglücklichen, die er um ihr Vermögen und und ihre Freiheit brachte, verflucht.“ Schließlich wurde er 1739 wegen Bestechlichkeit kassiert und in Festungshaft geschickt.
Gerlach, Ludwig von (1795-1877). Appellationsgerichtspräsident in Magdeburg. Außerdem war er führender konservativer Politiker und schrieb jahrelang die „Rundschau“ in der „Kreuz-Zeitung“. Er wurde 1874 vom Kreisgericht Wohlau wegen seiner Schrift „Die Civilehe und der Reichskanzler“, in welcher er sich gegen die Absicht einer Einführung der Zivilehe durch die Reichsregierung unter Kanzler Otto von Bismarck wandte, zu einer Geldstrafe von 200 Talern verurteilt.
von Gersdorff, Horst. Rechtsanwalt in Stendal. Aus der richterlichen Laufbahn überwechselnd, wurde er 1877 Rechtsanwalt und Notar in Havelberg und ging 1879 nach Stendal. Dort wurde er 1892 zu sechs Monaten Gefängnis wegen Untreue und Unterschlagung verurteilt und die Anwaltszulassung ein halbes Jahr später zur Löschung gebracht.
Girth. Rechtsanwalt a.D. in Torgau. Zu dieser Zeit Bürgermeister in Torgau, wurde er 1897 während seines Sommerurlaubs im Schweizer Ort Sion/Kanton Wallis unter dem Vorwurf festgenommen, in seiner anwaltlichen Zeit mit Zulassung am Amtsgericht Uslar/Landgerichtsbezirk Göttingen bis 1895 mindestens 50.000 Mark veruntreut zu haben. Das Konkursverfahren über das Vermögen von Girth mußte eingestellt werden, weil nicht einmal 200 Mark für die Kosten vorhanden waren.
Gleitsmann, M. Rechtsanwalt in Bärwalde. Kaum mehr als zwei Jahre war es ihm möglich gewesen, seinen Beruf auszuüben. Er wurde 1890 in Küstrin zu drei Monaten Gefängnis wegen Unterschlagung verurteilt, weil er sich in seiner Eigenschaft eines Konkursverwalters des Bärwalder Vorschußvereins bereichert hatte.
Göring, Albert Friedrich. Rechtsanwalt und Notar in Stolp/Pommern. Nach einigen Jahren im Richteramt wurde er 1864 Rechtsanwalt und Notar in Schlawe/Pommern und wechselte 1880 nach Stolp. Erst 1890 bekam er den Titel Justizrat, ein halbes Jahr vor seinem Tod 1891. Er „stand allgemein in hohem Ansehen. Seine Haushaltung und sein Auftreten ließen auf reiche Mittel schließen. Die großen und luxuriösen Gastmähler und Feste, welche er veranstaltete, erregten Aufsehen. Herr G. verstand es vorzüglich, den Aristokraten zu spielen. Politisch war er streng konservativ und Mitglied des konservativen Vereins. Nachdem er mit höchsten Ehren und ehrenvollen Nachrufen begraben worden, hat sich nun herausgestellt, daß große Summen -man spricht von ½ Million Mk.- welche ihm anvertraut worden sind, fehlen."
Goldberg, Ludwig. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Er war seit 1911 Rechtsanwalt und wurde 1920 auch Notar. Wegen Unterschlagung wurde er 1931 zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und endete seine berufliche Tätigkeit.
Dr.Goldschmidt, William. Rechtsanwalt in Hamburg. Er flüchtete 1894 nach Unterschlagung von rund 300.000 Mark.
Dr.Gompertz, Konrad. Rechtsanwalt in Hamburg. Seit 23 Jahren berufstätig, wurde er 1882 im Alter von 47 Jahren wegen Unterschlagung und Begünstigung zu 1 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
Graun, Heinrich Ludwig. Kammergerichtsrat in Berlin. Er saß 1780 in der Affäre um den Prozeß des Müllers Arnold für acht Monate in Festungshaft.
von Gravenreuth, Freiherr Günter (1948-2000). Rechtsanwalt in München. Seit 1981 zugelassen, machte er in den letzten Jahren seines Lebens durch Abmahnungen im Internet von sich reden. Dem Antritt einer Haftstrafe von 14 Monaten wegen Betruges kam er durch Selbstmord zuvor.
Grolp. Rechtsanwalt und Notar in Neustadt/Westpreußen. Er war seit 1849 Rechtsanwalt in dieser Kleinstadt mit einem Gerichtsbezirk von rund 23.000 Personen, und ab 1851 zusätzlich Notar. Mehr als vier Jahrzehnte lang übte er Treu und Redlichkeit, wenn auch die Justizverwaltung sich nicht überzeugen konnte, ihm den Titel Justizrat oder einen Orden zu verleihen. Er wurde am Ende seines Berufslebens 1894 in Danzig zu einem Jahr Gefängnis, zehn Jahren Ehrenverlust und einer Geldbuße von 1.000 Mark wegen Urkundenfälschung und versuchten Betruges verurteilt; er war beschuldigt, „bei der Aufnahme des Testaments einer alten Dame dieselbe in ihren letztwilligen Verfügungen zu seinen Gunsten beeinflußt zu haben.“ Das Notaramt und die Anwaltszulassung wurden daraufhin beendet. Schließlich ereilte ihn doch ein Abglanz der königlichen Gnade aus dem fernen Berlin; er wurde durch Wilhelm II. begnadigt.
H. Gerichtsdiener und Gefangenenaufseher in S. Er wurde 1898 wegen Bestechung verurteilt; sein Vergehen bestand darin, zwei Untersuchungshäftlingen bessere Verpflegung liefern zu lassen und hierfür ein Entgelt anzunehmen.
H., Gerhard. Rechtsanwalt in Heidelberg. Durch seine Mitgliedschaft im ,Kommunistischen Bund Westdeutschland' und eifrigen Kampf gegen Mißstände in der Justiz aus Sicht des Staates unbeliebt, wurde er wegen uneidlicher Falschaussage und Landfriedensbruchs zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. Die Einschätzung von Rechtsanwalt Rüdiger Zuck, der Vorsitzende der Strafkammer habe von seinen prozessualen Befugnissen „einen grundrechtswidrigen Gebrauch gemacht“, half dem Angeklagten nicht; der Bundesgerichtshof bestätigte 1981 das Urteil, und das Bundesverfassungsgericht nahm eine Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung an.
Hache. Kreisrichter in Zossen. Er wurde 1851 wegen Unterschlagung zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Später zu Gefängnishaft begnadigt, wurde ihm 1853 der Strafrest erlassen.
Hammann. Sekretär am Amtsgericht Münder/Landgerichtsbezirk Hannover. Er wurde 1906 verhaftet unter dem Vorwurf der Veruntreuung von rund 80.000 Mark.
Dr.Harder, C.W. Rechtsanwalt in Hamburg. Er wurde 1890, zu dieser Zeit 78 Jahre alt, wegen Unterschlagung von Mündelgeldern im Betrag von 13.000 Mark vor Gericht gestellt. „54 Jahre lang ist er Rechtsanwalt gewesen und fast ein halbes Jahrhundert hindurch hat er seinem Beruf in Treue und Aufopferung gedient; bis vor etwa einem Jahrzehnt gehörte er zu den gesuchtesten Advokaten der ersten deutschen Handelsstadt, deren Rechtsanwalte bekanntlich auch regelmäßig die Börse besuchen und im allgemeinen ihr gutes Brot haben. Während viele seiner Genossen in einem Zeitraum von 40 Jahren reiche Leute geworden sind, war es Dr.Harder trotz seiner großen Kundschaft nicht vergönnt, Reichtümer zu sammeln. Als seit etwa vier Jahren der Wettbewerb der jüngeren Berufsgenossen immer größer wurde, wurden die Einkünfte Dr.Harders immer geringer, ohne daß seine älteren Kollegen eine Ahnung davon hatten. Zu stolz, sich den letzeren anzuvertrauen, griff der verblendete Mann fremde Gelder an. Ein junger Rechtsanwalt zeigte den Kollegen der Staatsanwaltschaft an, worauf Dr.Harder verhaftet wurde. Zwar wurde er wieder entlassen, als die älteren Kollegen die veruntreuten Gelder ersetzten; aber das gerichtliche Verfahren nahm seinen Lauf.“
Hauschteck, H. Landgerichtsrat in Berlin. Zerrüttete Finanzen und gefälschte Wechsel trieben ihn 1891 in den Selbstmord, den er auf dem Friedhof in Gotha beging.
Heilbron, Julius Otto. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Seit 1866 in Berlin zugelassen, befand er sich bei einer Familie mit 17 Kindern aus zwei Ehen ständig in Geldverlegenheiten und wurde 1882 wegen Unterschlagung von Fremdgeldern im Gesamtbetrag von rund 130.000 Mark zu sechs Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrenverlust verurteilt.
Heise, Karl. Justizangestellter in Berlin. Er wurde 1933 vom Reichsgericht zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.
Hering, Oswald. Amtsgerichtssekretär a.D. in Wettin. Er wurde 1896 in Halle/Saale wegen Ermordung eines Sparkassenrendanten zum Tode und wegen Fälschung öffentlicher Urkunden, Betruges und schweren Diebstahls zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Heyder, Karl. Rechtsanwalt in Metz. Er war auch Justitiar des bergmännischen Rechtsschutzvereins und wurde 1893 in Saarbrücken zu drei Wochen Gefängnis und 150 Mark Geldstrafe verurteilt, weil ihm die Beleidigung der Bergwerkdirektion in Saarbrücken, der Bergbeamten des Reviers und des Bürgermeisters in Friedrichsthal bei Bildstock vorgeworfen wurde.
Dr.Hilgenfeldt, Karl Ludwig. Adokat und Notar in Hamburg. Er wurde 1852 wegen Testamentsfälschung zu fünf Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.
Hufeland, Adolph (1798-1862). Stadtgerichtsrat in Berlin. Schwiegersohn und nach dessen Tode Testamentsvollstrecker von Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836), wurde er 1828 von Breslau nach Berlin versetzt. Im Zusammenhang mit Kauf und Unterhalt des Gutes Falkenberg bei Bad Freienwalde in der Märkischen Schweiz verschuldet, beging er Unterschlagungen von rund 20.000 Talern am Vormundschaftsgericht, bis er 1854 sowohl sein Richteramt verlor und in Konkurs fiel als auch zu zwei Jahren Gefängnis und 1.000 Taler Geldstrafe verurteilt wurde.
I., Michael. Richter am Amtsgericht Nürtingen. Er wurde 2008 in Stuttgart wegen Rechtsbeugung, Freiheitsberaubung und Urkundenfälschung in mindestens 62 Fällen angeklagt, weil ihm vorgeworfen wurde, als Betreuungsrichter der Fixierung von Menschen in Pflegeheimen zugestimmt zu haben, ohne sich persönlich von ihrer Lage zu vergewissern. Der Bundesgerichtshof bestätigte mit Beschluß vom 24.Juni 2009 (Aktenzeichen 1 StR 201/09) die Verurteilung zu 3 ½ Jahren Gefängnis wegen Rechtsbeugung in 47 Fällen und versuchter Rechtsbeugung in sieben Fällen. Die Zahl der Betreuungsverfahren in Deutschland hatte sich alleine in den ersten 12 Jahren nach der Reform des Betreuungsrechts 1992 ungefähr verdreifacht, und die zugrundeliegende Problematik war schon damals bekannt, ohne Anlaß zu strukturellen Änderungen gegeben zu haben; in einem Zeitungsartikel aus diesem Jahre hieß es, es liege alleine am jeweiligen Richter, „wie sorgfältig und gewissenhaft er mit den Vorschriften umgeht. Um unter den neuen Anforderungen nicht zusammenzubrechen, nimmt es manch einer allzu leicht: Ein Rechtsvertreter aus Niedersachsen beispielsweise entzog sich seiner Genehmigungspflicht mit dem Hinweis auf die ,die gute Arbeit der Ärzte', auf die er sich blind verlassen könne. Er entlastete seinen Schreibtisch -auf Kosten der Patienten, von Menschen, die sich in der Regel nicht wehren können. Schlimmer noch: der Richter wird kaum je zur Rechenschaft gezogen werden. ...Die Kollegen indessen haben durchaus Verständnis für das Verhalten des Richters, auch wenn sie es unverantwortlich finden.“ („Der Tagesspiegel“ vom 16.Oktober 1992, S.5)
Dr.Jerusalem. Rechtsanwalt in Leipzig und Direktor der Leipziger Diskontobank. Steckbrieflich verfolgt, beging er 1887 Selbstmord in einem Hotel in München.
Joel, Günther. Generalstaatsanwalt a.D. Im Reichsjustizministerium stieg er von 1933 bis 1941 vom Staatsanwalt bis zum Ministerialrat auf, außerdem war Obersturmbannführer der SS im SD. Von 1943 bis Kriegsende war er Generalstaatsanwalt in Hamm. Er wurde 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. In den Urteilsgründen wurde über seine Verbindungen zu den Spitzen von Staat und Partei ausgeführt, Joel sei „bis zum Ende der vertraute und zuverlässige Schützling dieser hervorstechendsten und berüchtigsten Verbrecher aller Zeiten“ gewesen. Nach der Begnadigung 1951 fand er neue Auftraggeber und wurde einige Jahre lang Rechtsberater der Friedrich Flick AG.
Jürgens, Otto. Richter a.D. Er war 1950 Beisitzer in den ,Waldheim-Prozessen' und wurde 1993 im Alter von 87 Jahren in Leipzig zu zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldbuße von 6.000 Mark wegen gemeinschaftlicher Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung verurteilt. Die Gegenmeinung wies zu Gunsten des Angeklagten auf die Ungleichbehandlung hin, es sei niemals ein Richter aus dem ,Dritten Reich' in der Bundesrepublik Deutschland verurteilt worden, und sprach von einem „Schauprozeß“ gegen einen „Entnazifizierungsrichter“ (Otto Fuchs: „Der Leipziger Schauprozeß gegen den Entnazifizierungsrichter Otto Jürgens“, in: Monika Zorn <Hrsg.>: „Hitlers zweimal getötete Opfer“, Freiburg 1994, S.338 ff.). Tatsächlich dürfte es seinerzeit auf beiden Seiten Deutschlands Übertreibungen gegeben haben; es konnten z.B. in der gleichen Epoche in der Bundesrepublik ehemalige Nationalsozialisten erfolgreich gemäß dem Reichsleistungsgesetz auf Schadensersatz für diejenigen Sachwerte klagen, die ihnen nach Kriegsende 1945 weggenommen worden waren (vgl. „Der Spiegel“ vom 22.Februar 1956, S.15 f.), und waren auch Dienstzeiten bei der Gestapo grundsätzlich für Versorgungsansprüche zu berücksichtigen (vgl. BVerwGE 7, 228 = NJW 1959, S.501 L).
K., Gerda. Oberrichterin a.D. in Berlin. Sie war 20 Jahre lang von 1966 bis 1986 Vorsitzende des für politische Taten zuständigen Strafsenats 1a am Stadtgericht Berlin. Nach dem Ende der DDR wurde sie wegen Rechtsbeugung vor dem Landgericht Berlin angeklagt; am ersten Prozeßtag erklärte sie einem Zeitungsbericht zufolge, „sie fühle sich mit der Anklage in ihrem ,Berufsethos angegriffen und in ihrer Ehre verletzt.' In einer verlesenen Erklärung betonte die Frau, daß sie sich ,völlig sicher' sei, während ihrer gesamten richterlichen Tätigkeit niemals wissentlich gegen geltendes Recht der DDR verstoßen zu haben.“ Nachdem sie ihre Stellungnahme beendet hatte, „wurde sie von einer Zuhörerin lautstark beschimpft: ,Alte Schlange, an Ihrer Ehre habe ich heute noch knabbern.'“ Schließlich wurde eine Strafe von einem Jahr und neun Monaten rechtskräftig, und nach einem Jahr Haftverbüßung wurde 1999 der Rest zur Bewährung ausgesetzt.
K., Gordon. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Seit 1998 zur Anwaltschaft zugelassen und zuletzt mit Kanzleianschrift am Kurfürstendamm, brachte ihn Geldbedarf nach privaten Immobiliengeschäften auf die schiefe Bahn. Wegen Veruntreuung von rund 3,7 Mio. Euro, die ihm Mandanten anvertraut hatten, wurde er 2012 zu 4 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
K., Johannes. Landgerichtsdirektor in Frankfurt/Main. Er hatte 1949 die Beförderung in sein Amt erhalten und war Vorsitzender der 3.Strafkammer. Auf der Mainzer Landstraße, die von Frankfurt-Höchst ins Stadtinnere führt, hatte er 1956 ein Auto angehalten, das nachts nicht an einer roten Ampel gehalten hatte. Er stellte sich dem Fahrer, einem amerikanischen Geschäftsmann und ehemaligen jüdischen Emigranten, als Verkehrsrichter vor, verlangte seine Papiere zu sehen, rief dessen Ehefrau „Du hälst das Maul“ zu, schlug ihr mit der Hand ins Gesicht und versetzte ihr dann noch einen Stoß oberhalb der Brust. Eine spätere Blutprobe des Richters ergab einen Alkoholgehalt von 0,7-1,2 Promille zur Tatzeit. In erster Instanz vor dem Schöffengericht zu 1.000 Mark Geldstrafe verurteilt, wurde die in zweiter Instanz auf 500 Mark ermäßigte Strafe gegen den Richter 1957 durch eine Verwerfung der Revision seitens des 1.Feriensenates des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main rechtskräftig. Erst vorläufig suspendiert, schied der Angeklagte aus dem Richteramt aus.
Kirschner, Emil. Rechtsanwalt und Notar in Angermünde. Er flüchtete im Frühjahr 1933, nachdem er in seiner Kanzlei Unterschlagungen in Höhe von rund 32.000 Mark begangen hatte.
Klemm, Herbert. Staatssekretär im Reichsjustizministerium a.D. Anfang 1944 bis 8.Mai 1945 in dieser dienstlichen Stellung, wurde er 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Besondere Verantwortung wurde ihm zugemessen für die unterdrückte Strafverfolgung derjenigen, die sich an abgestürzten alliierten Flugzeugbesatzungen vergriffen hatten. Außerdem spielte er eine Rolle bei der Erschießung von 700-800 Gefangenen im Zuchthaus Sonnenburg durch die Gestapo, als sich die Front näherte. Er wurde 1957 vorzeitig entlassen.
von Koeller. Amtsrichter in Elmshorn. Er wurde 1897 in Altona zu einer Woche Festungshaft und einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt, weil er den Bürgermeister von Elmshorn in einer politischen Streitigkeit zu einem Duell gefordert hatte. Versetzt 1900 an das Amtsgericht Altona, ging von Koeller 1909 in Ruhestand.
Körner, Christian Gottfried Wilhelm. Gerichtsdiener in Berlin. Seit 1850 am Kreisgericht Berlin tätig, wurde er 1854 im Alter von 51 Jahren zu sechs Monaten Gefängnis wegen Unterschlagung verurteilt.
Dr.Korte, Wilhelm. Rechtsanwalt in Nürnberg. Er wurde 1864 aufgrund von Unterschlagungen verhaftet, wobei er sich selbst eine Stichwunde beibrachte, und 1865 in Ansbach wegen Betruges und Unterschlagung vor Gericht gestellt.
L., Hans-Jürgen. Rechtsanwalt in Hamburg. In einer Vielzahl von Insolvenzverfahren tätig, verschwand er zur Jahreswende 2002/2003 und hinterließ ein Defizit von mehreren Millionen Euro in den vom ihm betreuten Fällen.
Langenthal, H. Amtsrichter in Blankenhain/Thüringen. Wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten 1893 festgenommen, wurde er in Rudolstadt zu sechs Jahren Zuchthaus, 1.500 Mark Geldbuße und zehn Jahren Ehrenverlust verurteilt. Das Reichsgericht verwarf die Revision. Der Angeklagte „hatte in den Jahren 1885 bis 1892, in welchen er infolge intimer Beziehungen zu zwei Frauenspersonen Ausgaben machte, die seine Verhältnisse überstiegen, amtlich ihm anvertraute Erbschaftsgelder in Höhe von 8000 Mk. veruntreut, auch Eintragungen unterlassen, die sich auf diese Fälle bezogen.“
Lautz, Ernst (1887-1977). Oberreichsanwalt am Volksgerichtshof a.D. Vorher Generalstaatsanwalt in Berlin und Karlsruhe und dann vom 1.Juli 1939 bis 8.Mai 1945 oberster Ankläger am Volksgerichtshof, wurde er 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die allierten Richter schrieben in die Urteilsbegründung, „daß, wäre das deutsche Gesetz eine Entschuldigung, was es nicht ist, viele seiner Handlungen entschuldbar wären“. Er wurde 1951 begnadigt.
Leopold, August Ludwig Eduard. Advokat in Göttingen. Er reiste 1858 im Alter von 30 Jahren mit 13.000 Talern unterschlagenen Geldes nach Bad Homburg, um dort in der Spielbank vergeblich das Glück zu versuchen, wurde nach seiner Rückkehr auf dem Bahnhof in Göttingen verhaftet und tötete sich auf der Stelle selbst mit einem Pistolenschuß in den Kopf.
Leutwein. Untersuchungsrichter in Frankfurt/Main. Er wurde 1848 „wegen Unterschleife“ verhaftet und versuchte, sich während der Untersuchungshaft im Kerker zu erhängen.
Lewald, Heinrich. Rechtsanwalt und Notar in Breslau. Er beging 1888 Selbstmord, und zwar am gleichen Tag, als er sich vor dem Landgericht Breslau verantworten sollte aufgrund einer Anklage wegen Betruges zu Lasten von Gräfin Ida von Wartensleben geb. Prinzessin von Schönburg-Waldenburg mit einem Schaden von 34.800 Mark.
Dr.Liebing, Bernhard. Amtsgerichtsrat in Mainz. Politisch für die Zentrumspartei aktiv, nahm er 1919 an den Vorbereitungen zur Gründung einer separaten Republik am Rhein teil, obwohl die preußische Regierung zuvor derartige Bestrebungen als Hochverrat qualifiziert hatte. Er wurde daraufhin aus der Partei ausgeschlossen. Über sein berufliches Umfeld hieß es: „Die Richter und auch die Anwälte des Mainzer Gerichts haben es offiziell abgelehnt, mit Liebing zu amtieren."
Dr.Liebknecht, Karl (1871-1919). Rechtsanwalt in Berlin. Er wurde 1899 zur Anwaltschaft zugelassen. Vom Reichsgericht wurde er 1907 zu 1 ½ Jahren Festungshaft wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. Seit 1912 war er für die SPD Mitglied des Reichstages. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wandte er sich von der Parteilinie ab und verfolgte einen radikaleren Kurs. Aufgrund seiner Teilnahme an einer Friedensdemonstration auf dem Potsdamer Platz 1916 wurde er kriegsgerichtlich zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus sowie sechs Jahren Ehrenverlust verurteilt. Die Anwaltszulassung wurde daraufhin gelöscht.
Lorek, Franz. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Von Heiligenstadt 1864 nach Berlin versetzt, beging er 1880 Selbstmord, unmittelbar vor Beginn eines Strafprozesses gegen ihn und einen Mitangeklagten wegen des Vorwurfs der Untreue.
Ludolff, Johann Wilhelm Heinrich. Justizkommissar und Notar in Berlin. Er wechselte 1812 von der Richterlaufbahn in die Anwaltschaft und war in erster Linie den schönen Künsten zugetan. Sein glänzendes Haus erlebte rauschende Biedermeierfeste. Von Schulden umzingelt, flüchtete er Anfang 1834 kurz vor seinem 61.Geburtstag aus Berlin und gilt als verschollen.
M., Horst. Rechtsanwalt und Notar a.D. in Berlin Er wurde 1964 sowie erneut 1987 (vgl. BGH NJW 1983, S.756 ff.; NJW 1988, S.1793 f.) und bis 2009 zur Anwaltschaft zugelassen, und erst wegen links- und danach rechtsextremer Sachverhalte verurteilt. Sein Fall stellte den Bundesgerichtshof vor die Rechtsfrage, inwieweit ein Notar für die verfassungsmäßige Ordnung einzutreten hat (vgl. BGHZ 73, 46 = NJW 1979, S.552 ff.).
M., Stefan. Staatsanwalt in Hof. Wegen Verwicklung in einen versuchten Versicherungsbetrug, deren Haupttäterin die nachfolgend u.a. durch eine Liaison mit einem Hohenzollernprinzen bekannte Schönheitschirurgenwitwe Tatjana G. war, erhielt er 2004 eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung und eine Geldstrafe von 3.000 Euro.
Manzel, Otto. Justiz-Kanzlist in Berlin. Wegen der Anklage des Heiratsschwindels zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, wurde ihm 1897 eine zusätzliche Strafe von neun Monaten auferlegt.
Meene, Paul. Amtsgerichtsrat in Berlin. Er wurde 1913 Amtsrichter in Grätz und kam 1919 nach Berlin, wo er 1920 den Titel Amtsgerichtsrat erhielt. Gegen Ende der Weimarer Republik befanden sich seine Vermögensverhältnisse im Zustand der Zerrüttung. Er nahm Darlehen an, für welche er Sicherheiten ausgab, die nicht werthaltig waren. Das Landgericht Berlin verurteilte ihn 1933 wegen Betruges zu 2 ½ Jahren Gefängnis.
Menthe, Gustav Theodor. Stadtgerichtssekretär in Berlin. Er wurde 1876 zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er eine Zwangsvollstreckung durch Nichtvorlage von Akten zu vereiteln versucht und hierfür finanzielle Vorteile angenommen hatte.
Mettgenberg, Wolfgang (1882-1950). Ministerialdirektor im Reichsjustizministerium a.D. Seit Ende 1939 im Ministerium mit der Strafrechtspflege betraut, wurde er 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er starb während der Strafverbüßung.
Dr.jur.h.c.Mönnig, Hugo (1864-1950). Rechtsanwalt und Notar in Köln. Führend im Zentrum auf Stadt- und Landesebene, wo er es bis zum stellvertretenden Vorsitzenden der Partei in Preußen brachte, geriet Justizrat Mönnig nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in das Visier der Staatsanwaltschaft. Vorgeworfen wurde ihm mit anderen Beteiligten eine Verwicklung in den Konkurs der Görreshaus-AG, welche Herausgeber der ,Kölnischen Volkszeitung' gewesen war. Mönnig wurde am 8.September 1933 vom Landgericht Köln gemäß § 315 HGB wegen wissentlich falscher Angaben zum Handelsregister zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Vorsitzende der Kammer betonte bei der Urteilsverkündung, „daß der Prozeß kein politischer war." Hingegen war nach 1945, wie im Artikel in der ADB (Bd.17, S.662 ff.) über Mönnig, die Rede von einem „Schauprozeß".
Dr.Moll, Josef. Rechtsanwalt in Berlin. Seit 1881 berufstätig und vorwiegend in Grundstücksgeschäften aktiv, wurde er 1893 unter zweifelhaften Umständen wegen fahrlässigen Meineides zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrenverlust verurteilt. Nachdem ein Wiederaufnahmeantrag vom Kammergericht in zweiter Instanz abgelehnt worden war, beging er im Gefängnis Selbstmord; in seinem Abschiedsbrief schrieb er: „Im Angesicht des Todes erkläre ich: ich bin unschuldig!“
Müller, Emil. Rechtsanwalt in Karlsruhe. Im Jahre 1918 Hauptmann d.L. und für einige Wochen Kommandant des deutschen Gefangenenlagers in Flavy-le-Martel bei Mousson/Oise, stand er 1921 im zweiten Prozeß, welcher auf alliiertes Drängen gegen mutmaßliche deutsche Kriegsverbrecher durchgeführt wurde, vor dem Reichsgericht. Der Vorsitzende, Senatspräsident Dr.Heinrich Schmidt (1856-1927), leitete in die Verhandlung gegenüber dem Angeklagten mit den Worten ein, „daß sich jetzt auf Grund der Anklage vor uns ein ganz furchtbares Bild aus dem Kriege entwickeln wird. Ich war tief ergriffen, als ich die Anklageschrift las. Noch mehr aber war ich erstaunt, als ich sah, wie Sie anscheinend ohne jedes menschliche Gefühl, ohne Verständnis des seelischen Leides der Gefangenen Not und Krankheit nicht achteten und selbst dem Tode gegenüber völlig gefühllos waren." Nachdem durch Zeugenaussagen ein Teil der Vorwürfe erhärtet, ein anderer Teil nicht erwiesen werden konnte, erfolgte die Verurteilung zu sechs Monaten Gefängnis wegen Mißhandlung Untergebener, Zulassung einer Mißhandlung sowie wegen vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung Untergebener.
Müller, Johann Carl Bernhard. Advokat in Apolda. Er wurde 1856 vom Gericht in Weimar „wegen einer Zusammenstellung Goethe’scher Verse, in der man eine Gotteslästerung sehen will“, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.
Dr.Müller, Max Louis. Rechtsanwalt und Notar in Leipzig. Er berechnete seinen Klienten zu Unrecht Stempelgebühren, um Verluste zu decken, die er mit Geldvermittlungsgeschäften erlitten hatte. Der 49jährige Dr.Müller wurde 1932 unter Anklage gestellt, und anstatt zum ersten Verhandlungstermin am LG Leipzig zu erscheinen, sandte er einen Brief, in welchem er seinen Selbstmord ankündigte. Am Tag darauf wurde seine Leiche im Fluß Elster gefunden.
N. Rechtsanwalt in Sachsen-Anhalt. Vom zuständigen Rechtspfleger des Amtsgerichts zum Zwangsverwalter einer Immobilie bestellt, sah er von Februar 2003 bis November 2007 davon ab, vom gleichen Rechtspfleger, der im Haus gemäß einer früheren Übereinkunft mit dem Schuldner unentgeltlich eine Dachgeschoßwohnung nutzte, Miete oder Nebenkosten zu fordern, wodurch der Gläubigerin Einnahmen von 8.408,84 Euro entgingen. Wegen Untreue in Tateinheit mit Vorteilsgewährung erfolgte unter Einbeziehung einer anderen Strafe von acht Monaten eine Verurteilung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten Haft auf Bewährung; der Rechtspfleger erhielt eine Geldstrafe (vgl. BGH NJW 2011, S.2819 ff.).
Nettelbladt, Christian Reichsfreiherr von (1696-1775). Assessor am Reichskammergericht. Wie sich im Rahmen der 1767 eingeleiteten Visitation des Gerichts herausstellte, hatte er insgesamt etwa 36.000 Gulden von Prozeßparteien bezogen, und wurde er wegen Bestechlichkeit entlassen.
N.N. Landgerichtspräsident in Hamburg. Gegen ihn wurde 1966 ein Strafverfahren wegen sexueller Belästigung durchgeführt (vgl. OLG Hamburg NJW 1967, S.213 ff.).
Dr.N.N. Rechtsanwalt in Berlin. Er leitete 1975 per Funk und gegen eine Entlohnung von 7.500 Mark Klausurlösungen an einen Rechtskandidaten in Göttingen sowie für 5.000 Mark an einen Kandidaten in Berlin weiter, verbrachte anschließend ungefähr ein Jahr in Haft und wurde aufgrund verschiedener Tatbestände zu insgesamt 1 ½ Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Ein Urteil gegen ihn wurde, soweit es um einen Verstoß gegen das Fernmeldeanlagengesetz ging, wegen einer zwischenzeitlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur mangelnden Bestimmtheit der gesetzlichen Strafbestimmung mittels einer Wiederaufnahme aufgehoben. Der Entzug des Doktortitels wegen Unwürdigkeit wurde 1991 rechtskräftig.
N.N. Richter am Amtsgericht in Berlin. Er war 1985 in einen Spielbankskandal in Wiesbaden verwickelt, wo zehn Croupiers und zwei Spieler sich auf betrügerische Weise Gewinne ermöglichten. Von der Gesamtbeute in Höhe von rund einer Million Mark soll lediglich etwa 30.000 Mark in den Taschen des Richters gelandet sein.
N.N. Richter am Amtsgericht in Berlin. Er wurde 1992 auf dem Dienst entfernt wegen Beihilfe zur Untreue (vgl. BGH NJW 1992, S.188 f.).
N.N. Drei Rechtsanwälte in Frankfurt/Main. Sie wurden 1992 mit acht weiteren Personen u.a. angeklagt, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, um in einem Zeitraum von rund zehn Jahren eingezogene Führerscheine vorzeitig wiederzubeschaffen.
N.N. Rechtsanwalt in Berlin. Er wurde 1994 wegen Veruntreuung von Fremdgeld in Höhe von 80.000 Mark zu drei Gefängnis verurteilt. Von der Anklage, zwei Jahre zuvor den 71jährigen Rentner Kurt Peschke getötet zu haben, dessen Leiche nie gefunden wurde, erfolgte Freispruch.
N.N. Richter am Amtsgericht in Rheinland-Pfalz. Ihm wurde u.a. zur Last gelegt, „sich pflichtwidrig bis an den Rand des Ruins verschuldet zu haben“, im Nebenberuf ohne Genehmigung als „Finanzberater“ tätig gewesen zu sein und hierfür seine Amtsbezeichnung genutzt zu haben. Die disziplinarische Entlassung aus dem Justizdienst wurde 2001 rechtskräftig (vgl. BGH NJW 2002, S.834 ff.).
N.N. Richter am Amtsgericht in Nordrhein-Westfalen. Er war seit 1983 Richter auf Lebenszeit und u.a. in Strafsachen tätig. Nachdem er 1998 in Beihilfeangelegenheiten wegen Betruges in drei Fällen und versuchten Betruges zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, wurde gegen ihn ein Disziplinarverfahren eröffnet, und billigte 2004 der Dienstgerichtshof am Bundesgerichtshof die Entlassung (vgl. BGH NJW 2004, S.2910).
N.N. Richter am Amtsgericht in Baden-Württemberg. Er wurde 1980 Staatsanwalt und 1989 Richter am Amtsgericht. Nachdem in seinem Besitz 2.442 kinderpornographische Bilddateien aufgefunden wurden, erhielt er 2005 einen Strafbefehl über eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung sowie eine Geldbuße von 10.000 Euro, ging ein halbes Jahr später in Ruhestand und verlor sein Ruhegehalt (vgl. Beschluß des Bundesgerichtshofs vom 21.Oktober 2010; Aktenzeichen RiSt <B> 1/09).
N.N. Rechtsanwalt in Mannheim. Er wurde wegen des am 18./19.März 2006 begangenen Diebstahls des Bildes „Friedenszeit“ von Carl Spitzweg (1808-1885) aus der Mannheimer Kunsthalle zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt.
Oeschey, Rudolf (1903-1980). Landgerichtsdirektor a.D. Seit 1943 Vorsitzender des Sondergerichts Nürnberg, wurde er 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Vereinigung aufgrund seiner Stellung als Leiter eines Gaustabsamtes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Die Strafe wurde 1951 auf 20 Jahre vermindert, und 1955 erfolgte die vorzeitige Freilassung.
Oleski, Reinhold. Gerichtsaktuar in Flensburg. Im Alter von 26 Jahren wurde er 1897 flüchtig, nachdem er Vormundschaftsgelder in Höhe von 27.000 Mark veruntreut hatte.
Pälegrimm. Rechtsanwalt und Notar in Neuruppin. Er wurde 1897 wegen Beleidigung eines Brunnenbaumeisters in einem Schriftsatz zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt.
von Pape, Johann Hermann Franz von (1717-1793). Assessor am Reichskammergericht. Er hatte insgesamt 23.400 Gulden Bestechungsgelder erhalten, wurde 1774 von seinem Amt entfernt und hatte Wetzlar zu verlassen.
Paschen, Julius. Amtsrichter in Stavenhagen. Er wurde 1905 in Güstrow wegen Fälschung öffentlicher Urkunden, Unterschlagung amtlicher Gelder und Betruges unter Berücksichtigung mildernder Umstände zu fünf Jahren Gefängnis sowie fünf Jahren Ehrenverlust verurteilt.
Paulsen. Rechtsanwalt und Justizrat in Kiel. Er ging 1886 mit Passiva von rund 750.000 Mark in Konkurs, für die hauptsächlich sein Bürovorsteher Fritz Schneck verantwortlich gewesen sein dürfte, der später in den USA verhaftet wurde.
Pietsch. Kreisrichter a.D. Bis 1852 Kreisrichter in Tilsit, half Pietsch anschließend gegen Entgelt Kandidaten bei der Anfertigung von Prüfungsarbeiten für das Assessorexamen und wurde deshalb 1855 zu 1 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
Dr.Plessing, Philipp. Rechtsanwalt und Notar in Lübeck. Aus einer Advokatenfamilie stammend, war sein Vater Philipp Wilhelm Plessing (1823-1879) der „Bürgermeister Doktor Langhals“ im Roman „Buddenbrooks“ von Thomas Mann. Er selbst wurde 1887 wegen Diebstahls und Urkundenvernichtung verhaftet. Wegen seiner familiären Herkunft und gesicherten Lebensstellung war der Fall, bei dem es um nicht mehr als ein Wertpapier von 600 Mark ging, „ein so eigenartiger, daß man vor einem psychologischen Rätsel zu stehen glaubt.“
Podlech, Christian Gottlieb Karl Hermann (1823-1891). Rechtsanwalt und Notar in Bartenstein/Ostpreußen. Er wurde 1849 Rechtsanwalt in Bartenstein und 1856 auch Notar. Den Titel Justizrat bekam er 1875. Nach mehr als vier Jahrzehnten Berufstätigkeit an diesem Ort starb er am 30.Juni 1891 in Königsberg/Ostpreußen. „De Mortuis nihil nise bene“ (vgl. „Deutsches Geschlechterbuch“, Bd.133, Limburg 1964, S.210); wie ergänzt werden könnte, war wegen Unterschlagungen in Höhe von mindestens 150.000 Mark der Nachlaßkonkurs unumgänglich.
R., Frank. Rechtsanwalt in Berlin. Weil er Einnahmen in Höhe von 15 Millionen Mark verschwiegen hatte, die mit Rentennachzahlungen für Überlebende des ,Dritten Reiches' in Israel zusammenhingen, wurde er 2000 wegen Steuerhinterziehung zu 5 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
R., Manfred. Rechtsanwalt a.D. Seit 1967 zugelassen, war er Vorsitzender der ,Deutschen Bürgerinitiative', die sich für eine Wiederherstellung des Deutschen Reiches einsetzte, und vertrat Rudolf Heß anwaltlich. Er wurde er u.a. 1982 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Es folgten weitere Gerichtsverfahren, in erster Linie wegen Volksverhetzung.
Radtke. Rechtsanwalt und Notar in Marienwerder. Er kam 1885 von Thorn nach Marienwerder, wo er 1887 auch Notar wurde. Mit Schulden überhäuft, entschied er sich 1891, nicht aus dem Sommerurlaub zurückzukehren, sondern nach Chicago zu flüchten. Zwei Jahre später wurde er, zwischenzeitlich festgenommen, in Graudenz zu drei Jahren Gefängnis wegen betrügerischen Bankrotts, Betrug und Urkundenfälschung mit einem Gesamtschaden von etwa 38.000 Mark verurteilt.
Reine, Andreas Gebhard. Gerichtsdiener a.D. in Berlin. Er wurde 1868 wegen Unzucht, begangen mit zwei kleinen Enkelinnen, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.
Reinwarth, Hans. Richter am Obersten Gericht der DDR. Er wurde 1994 in Berlin zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis wegen Rechtsbeugung und Totschlags verurteilt.
von Reuss genannt Haberkorn, Philipp Heinrich. Assessor am Reichskammergericht. Er hatte sich rund 4.000 Gulden von Prozeßbeteiligten zahlen lassen, und wurde 1773 durch Urteil aus seinem Amt entfernt.
Richter. Grundbuchführer in Dresden. Er wurde 1897 wegen Annahme von Geschenken bzw. Bestechlichkeit in 989 Fällen zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Sechs Kollegen wurden gleichfalls bestraft.
Dr.Robert, Alfred. Rechtsanwalt in Braunschweig. Er wurde 1890 wegen Fälschungen aus der Anwaltschaft ausgeschlossen.
Röder, Ferdinand. Rechtsanwalt und Notar, Justizrat in Züllichau. Er wurde 1906 zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt, weil er in einem Plädoyer vor dem Landgericht Guben den Gemeindevorsteher in Tschicherzig beleidigt hatte.
Rogler, Johann. Rechtsanwalt in Hof/Bayern. Er wurde 1890 wegen Unterschlagung zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt und die Zulassung im folgenden Jahr gelöscht.
Rothaug, Oswald (1897-1967). Reichsanwalt a.D. Bevor er 1943 Ankläger am Volksgerichtshof wurde, war er ab 1937 Vorsitzender des Sondergerichts Nürnberg und leistete an dieser Stelle einen engagierten Beitrag zur Umsetzung der nationalsozialistischen Rechtspolitik. Er wurde 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Das Urteil nannte Rothaug „die Verkörperung der Naziintrige und Grausamkeit und einen sadistischen und schlechten Menschen“. Nachdem die Strafe auf 20 Jahre gemildert worden war, wurde er 1956 vorzeitig entlassen.
Ruppert, Bernhard. Advokat a.D. in Schweinfurt. Vom Bezirksgericht Neustadt a.S. wegen Betruges und Urkundenfälschung zu zwei Jahren Festungshaft und Suspension von der Advokatur verurteilt, wogegen er Appellation eingelegt hatte, entzog er sich 1864 dem weiteren Verfahren durch Flucht.
S. Kreisgerichtsdirektor a.D. in Meiningen. Er wurde nach seiner Pensionierung, die vor 1880 stattfand, zu einer Zuchthausstrafe verurteilt.
Dr.S., Alfons. Rechtsanwalt in Osnabrück. Er war 1951 von einem durchreisenden Norweger, der auf der Bundesstraße 51 bei Osnabrück einen Verkehrsunfall erlitten hatte, beauftragt worden, einen Schadensersatzanspruch gegen die Straßenbaudirektion Hannover durchzusetzen. Vor dem Amtsgericht Iburg erstritt der Anwalt einen Betrag von 946,60 Mark für ärztliche Behandlungskosten, und konnte in anschließenden Verhandlungen eine Abfindung von 16.239 Mark durchsetzen. Seinem Mandanten in Norwegen teilte er lediglich den Erfolg der Klage über 946,60 Mark mit, und regte gleichzeitig an, von weiteren Forderungen Abstand zu nehmen, weil sie aussichtslos seien, obwohl er bereits die Vergleichszahlung als Fremdgeld vereinnahmt hatte. Gegen die Anklage wegen Urkundenfälschung und Betruges verteidigte sich der Anwalt mit der Behauptung, der Mandant habe sich damit einverstanden erklärt, zusätzliches Geld für karitative Zwecke zu spenden, und entsprechende Vollmachten seien aus seinem Auto gestohlen worden. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis, einer Geldstrafe von 16.000 Mark und fünf Jahren Berufsverbot verurteilt.
S., Sylvia. Rechtsanwältin in Ebersberg. Aufgrund ihrer Betätigung von rechtsextremer Gesinnung wurde sie vom Landgericht Mannheim zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis wegen Volksverhetzung, Beleidigung, Nötigung und Verunglimpfung des Staates sowie einem fünfjährigen Berufsverbot verurteilt, und die Entscheidung 2009 vom Bundesgerichtshof bestätigt.
Salinger, Paul. Rechtsanwalt in Dresden. In der Nacht zum 1.März 1933, bevor er sich an diesem Tag vor Gericht wegen Unterschlagung von Klienten- und Mündelgeldern verantworten sollte, tötete er sich durch Vergiftung.
Sch., Walter. Rechtsanwalt und Notar in Hannover. Wegen Ermordung seiner Ehefrau Gabriele Sch. wurde er 1981 unter Zubilligung mildernder Umstände zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Sch., Wolfgang. Richter am Amtsgericht Hamburg-Tostedt. Weil er Personen aus seinem Umfeld, die ihm ihr Vertrauen geschenkt hatten, finanziell geschädigt hatte, wurde er 1998 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
Sch., Wolfgang. Rechtsanwalt a.D. in Rostock. Weil er 1988 Informationen über die Bürgerrechtler Freya Klier und Stephan Krawczyk an die Staatssicherheit weitergegeben hatte, wurde er 1996 in Berlin wegen politischer Verdächtigung gemäß § 241a StGB zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Die Anwaltszulassung hatte er 1993 verloren.
Schanz, Richard. Rechtsanwalt und Notar in Dresden. Er wurde 1896 wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankrott zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt.
Schelenz, Paul. Rechtsanwalt in Liegnitz. Bis dahin Bürgermeister in Leobschütz, wurde er 1895 zur Anwaltschaft zugelassen. Bereits wenige Wochen später wurde er verhaftet, konnte fliehen, wurde erneut festgenommen und 1896 in Liegnitz zu drei Jahren Gefängnis wegen Betruges verurteilt.
Scherler, Johann Jacob Rudolph. Rechtsanwalt und Notar in Gardelegen. Zuvor Staatsanwalt, wurde er 1859 Anwalt und Notar mit dem Titel Justizrat. Er wurde 1866 infolge Gerichtsurteils seiner Ämter entsetzt.
Schiffmann, Albuin. Rechtsanwalt in Lobenstein/Fürstentum Reuß jüngere Linie. Er beging 1891 Selbstmord, indem er sich im Sitzungszimmer des Amtsgerichts in dem Augenblick erschoß, „als er nach dem Verhör wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung abgeführt werden sollte.“
Schimming, Johann Friedrich. Rendant am Stadtgericht Berlin. Er wurde 1863 wegen Veruntreuung von Schreibmaterialien zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
Schlegelberger, Franz (1876-1970). Ein brillanter Jurist, war er von 1931 bis 1942 Staatssekretär im Reichsjustizministerium und führte nach dem Tode des Ministers Franz Gürtner am 29.Januar 1941 die Geschäfte im Ministerium. Er wurde 1947 im Nürnberger Juristenprozeß wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Das Urteil gegen ihn bescheinigte einen mäßigen Charakter und schloß mit den Worten: „Schlegelberger ist eine tragische Gestalt. ...Er verabscheute das Böse, das er tat, aber er verkaufte dieses Intellekt und dieses Gelehrtentum an Hitler für ein politisches Linsengericht und für die eitle Hoffnung persönlicher Sicherheit.“ Wegen Haftunfähigkeit 1951 begnadigt, lebte er anschließend von seiner Pension im Ruhestand.
Schmidt, Bernhard Matthias. Rechtsanwalt a.D. Er wurde 1882 in Berlin wegen Betruges und Unterschlagung, begangen durch Kautionsschwindel, nachdem er im Vorjahr ein Geschäft für Klageformulare eröffnet und unrechtmäßig Geld einbehalten hatte, zu 2 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
Schmidt, Franz Albert Karl Schmidt. Lohnschreiber a.D. am Landgericht I Berlin. Er wurde 1883 u.a. wegen Aktenvernichtung mit einem Schaden von 5.100 Mark zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
Schülke, Luis Johann. Rechtsanwalt in Frankfurt/Oder. Er beging 1889 Selbstmord durch Erhängen, nachdem am Landgericht Potsdam Anklage gegen ihn erhoben worden war wegen Unterschlagungen während seiner dortigen Zeit. Im Anschluß an das Assessorexamen war Potsdam 1887 der Ort seiner ersten Niederlassung, wo er kaum mehr als ein Jahr tätig gewesen war, bevor er dann einige Monate vor seinem Lebensende nach Frankfurt/Oder wechselte.
Schütze, C.F.G.E. Rechtsanwalt in Güstrow. Er wurde 1887 zu 1 ½ Jahren Gefängnis und zwei Jahren Ehrenverlust verurteilt, nachdem er in Überschuldung geraten war und 4.000 Mark unterschlagen hatte.
Seibertz, Siegbert. Rechtsanwalt und Notar in Stargard/Pommern. Gegen ihn wurde 1881 ein Steckbrief wegen Unterschlagung im Amt, Untreue und Urkundenfälschung erlassen, und er flüchtete über Hamburg in die USA.
Simon, Heinrich (1805-1860). Stadtgerichtsrat in Breslau. Er tötete 1828, zu dieser Zeit Auskultator, einen Gegner im Duell, der ihn zuvor durch antisemitische Äußerungen beleidigt hatte. Nach zwei Jahren Festungshaft begnadigt, konnte er seine Justizkarriere fortsetzen, war von 1844 bis 1846 Stadtgerichtsrat in Breslau und wurde 1848 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung.
Sprenkmann, Georg. Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Er wurde 1904 zur Anwaltschaft zugelassen und trat in die seit 1879 in Berlin bestehende Kanzlei seines Vaters Heinrich Sprenkmann ein, die er nach dessen Tode 1912 fortführte. Georg Sprenkmann wurde 1919 auch Notar und war zeitweilig Präsident des Lawn-Tennis-Turnier-Klubs in Grunewald. Weil seine Einnahmen seine Ausgaben nicht mehr deckten, nahm er Geld aus von ihm betreuten Nachlässen für seine privaten Zwecke in Gebrauch, bis schließlich rund 40.000 Mark fehlten. Er gab 1933 im Alter von 57 Jahren die Zulassung und das Notariat zurück, und wurde vom Landgericht Berlin zu drei Jahren Gefängnis sowie zwei Jahren Ehrenverlust wegen Untreue und Unterschlagung verurteilt.
Dr.Stein, Albrecht. Rechtsanwalt in Berlin. Wie viele Bewohner Berlins aus Breslau stammend, wurde er 1884, knapp 33 Jahre alt, in der Hauptstadt zur Anwaltschaft zugelassen. Er kämpfte für die antisemitische Bewegung. Schon 1889 vom Anwaltsgerichtshof in Leipzig in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe von 500 Mark verurteilt, weil er sich in Vermögensangelegenheiten unrühmlich verhalten hatte, die nach der Entscheidung der ersten Instanz zum Verlust der Zulassung hätten führen sollen, wurden ihm seine Geldgeschäfte endgültig 1892 zum Verhängnis; nach der Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis und Ehrenverlust wegen schwerer Urkundenfälschung wurde die Anwaltszulassung gelöscht.
Dr.Stein, Wilhelm. Rechtsanwalt a.D. in Detmold/Fürstentum Lippe. Nach 12 Vorstrafen wurde 1887 gegen Dr.Stein, der zu dieser Zeit 55 Jahre alt und alkoholabhängig war, eine Gefängnishaft von neun Monaten wegen Diebstahls verhängt.
Dr.Steinberg, Paul. Amtsgerichtsrat in Wriezen/Oder. Gebürtig aus Frankfurt/Main und 1905 vom Assessor zum Amtsrichter in Heydekrug ernannt, kam er 1908 nach Wriezen, wo ihm 1917 der Titel Amtsgerichtsrat zuteil wurde. Er hatte 1919 in Potsdam mit Medizinalrat Dr.Fritz Jahn, „einem scharfen Wahlgegner, nach einer Wahlversammlung in einem Wirtshaus eine scharfe politische Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Amtsrichter seinen Revolver zog und auf den Medizinalrat drei Schüsse abgab, die ihn so schwer verletzten, daß er bald darauf starb.“
Steiner, Max. Rechtsanwalt in Waldenburg/Schlesien. Seit 1889 berufstätig, hatte er durch einen gehobenen Lebenswandel Aufsehen erregt. Er wurde 1894 in Schweidnitz wegen Unterschlagung von Konkursgeldern in 62 Fällen im Gesamtbetrag von 29.000 Mark zu 3 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
Stilcke, Karl Paul August. Kreisgerichtsrat in Grünberg/Schlesien. Seit 1867 dort Kreisrichter und 1876 mit dem Titel Kreisgerichtsrat versehen, wurde er 1878 in New York wegen Unterschlagung verhaftet und verlor im gleichen Jahr sein Amt durch rechtskräftiges Urteil.
Stöckel. Justizkommissar und Notar in Breslau. Er wurde wegen Unregelmäßigkeit in seiner Amtsführung zu drei Jahren Festungshaft verurteilt und während der Verbüßung der Haft in Glatz 1825 durch einen Mithäftling getötet.
Streit, Fedor (1820-1904). Advokat in Coburg und nationalliberaler Politiker. Er wurde 1868 wegen 48 Fällen von Unterschlagung und Fälschung angeklagt.
Taddel, Carl Gottlieb Heinrich. Advokat in Rostock. Zur gleichen Zeit, als Fritz Reuter 1839 den Rest seiner Festungsstrafe in Dömitz verbüßte, saß dort Taddel wegen der Fälschung von Papieren in Haft.
Tartara, Max. Rechtsanwalt in Schlochau/Westpreußen. Aus der richterlichen Laufbahn war er 1884 in den Anwaltsberuf übergegangen. Er flüchtete 1896, nachdem er Unterschlagungen begangen hatte. „Man nimmt an, daß er bei Spekulationen an der Börse Unglück gehabt habe.“ In Abwesenheit wurde über sein Vermögen der Konkurs eröffnet, und kamen schon nach wenigen Tagen Forderungen von rund 120.000 Mark zusammen.
Tassius, Ludwig. Advokat in Kassel. Er war auch Gründer des konservativen Treubundes und wurde 1856 wegen Erpressung in zwölf Fällen, Fälschung öffentlicher Urkunden in vier Fällen, zwei Unterschlagungen und eines Betruges zu drei Monaten Zuchthaus, Dienstentlassung und Verlust der Nationalkokarde verurteilt. Dem Verfahren hatte er sich durch Flucht entzogen.
Teßmer, Hugo. Rechtsanwalt in Dirschau. Kaum zwei Jahre berufstätig, wurde er 1894, bedingt durch Unregelmäßigkeiten in seiner Amtsführung als Konkursverwalter, in Berlin festgenommen, im gleichen Jahr in Preußisch Stargard wegen Unterschlagung in sechs Fällen zu 1 ½ Jahren Gefängnis verurteilt und verlor die Zulassung.
Thiel, E.J.R. Kanzleirat am Stadtgericht Berlin. Er wurde 1863 wegen Veruntreuung von Schreibmaterialien zu 2 ½ Jahren Gefängnis verurteilt.
Dr.Töpelmann, Franz Eugen. Amtsrichter in Dresden. Er wurde nach der Fälschung eines Testamentes in Dresden 1892 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
Trott, Karl. Rechtsanwalt und Notar in Freystadt/Schlesien. Er war seit Anfang 1876 fast zwei Jahrzehnte lang tätig, bevor er Ende 1894 sein Notaramt verlor. Wegen Unterschlagung wurde er 1895 in Glogau zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, und im folgenden Jahr kam noch eine Strafe von einem Monat und drei Tagen wegen Falschbeurkundung in drei Fällen hinzu.
Unger, Konstantin. Richter a.D. Wegen Mitwirkung an den ,Waldheim-Prozessen' 1950 wurde er 1994 im Alter von 82 Jahren in Leipzig zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
Velder, August. Notar in Krefeld. Er brachte es nach dem Studium auf rund 40 Dienstjahre im Staatsdienst. Zuvor fast ein Jahrzehnt Advokat-Anwalt in Aachen, wurde er 1871 Notar. Nacheinander in Hermeskeil und Wald tätig, kam er 1880 nach Krefeld. Er ertränkte sich 1892 in Köln im Rhein aufgrund von Unterschlagungen.
W., Herbert Heinrich. Ehrenamtlicher Richter einer Handelskammer am Landgericht Berlin und Makler. Weil er in seinem Richteramt 5.000 Mark angenommen hatte, wurde er 1997 wegen Bestechlichkeit in erster Instanz zu drei und in zweiter Instanz zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Soweit bekannt, war er der erste deutsche Richter der Nachkriegszeit, der wegen eines solchen Deliktes bestraft wurde.
Dr.Wadler, Arnold (1885-1951). Rechtsanwalt in München. Seit 1914 zur Rechtsanwaltschaft zugelassen, war er in der linkssozialistischen Regierung des am 21.Februar 1919 ermordeten Ministerpräsidenten Kurt Eisner Minister für Wohnungsbau. Im Sommer des gleichen Jahres wurde er nach dem Fall der Räteregierung neben Erich Mühsam (1878-1934), der 15 Jahre Festungshaft wegen Hochverrats bekam, zu acht Jahren Festungshaft wegen Beihilfe zum Hochverrat verurteilt.
Weber, G. Rechtsanwalt in Wolgast. Gegen ihn wurde 1897 Steckbrief wegen Unterschlagung und Veruntreuung erlassen. Über das Vermögen des Flüchtigen wurde Konkurs eröffnet.
Wetzenstein-Ollenschläger, Jürgen. Bezirksgerichtsdirektor und Rechtsanwalt a.D. in Berlin. Er war Direktor des Bezirksgerichts Berlin-Lichtenberg und verurteilte u.a. 1988 Vera Wollenberger, verteidigt von Rechtsanwalt Wolfgang Schnur, zu sechs Monaten Gefängnis, weil sie ein Plakat mit der Aufschrift „Artikel 27 der Verfassung: Recht auf freie Meinungsäußerung“ angefertigt hatte mit der Absicht, es für eine Demonstration zu verwenden. Nach 1990 diente er der neuen Rechtsordnung als Anwalt in Berlin, wo einer seiner Mandanten Erich Mielke (1907-2000) war. Wetzenstein-Ollenschläger flüchtete 1992 vor drohender Strafverfolgung, nachdem gegen ihn Haftbefehl wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue erlassen worden war. Hingegen wurden ein Richter und ein Staatsanwalt, die 1988 für die Verhaftung eines Mannes verantwortlich waren, der an einer Demonstration mit dem Plakat „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ teilnehmen wollte, in Berlin 1995 vom Vorwurf der Rechtsbeugung freigesprochen, weil ihnen aufgrund ihrer ideologischen Einbindung in das DDR-System kein vorsätzlicher Rechtsverstoß nachzuweisen sei.
Dr.Z., Siegmund. Rechtsanwalt in Berlin. Er wurde 1960 wegen Veruntreuung von Mandantengeldern zu zwei Jahren Gefängnis, 300 Mark Geldstrafe und drei Jahren Ehrenverlust verurteilt.
Zilesch, Julius. Rechtsanwalt in Stolp/Pommern. Er ging seit 1885 seinem Beruf nach. In einem Strafverfahren hatte der Erste Staatsanwalt am Landgericht Stolp/Pommern Settegast „die Erklärung verweigert, daß er mit einer gewissen Aeußerung nicht den Verteidiger, Rechtsanwalt Zielesch, gemeint habe.“ Daraufhin ließ Zilesch eine Duellforderung überbringen, welche der Staatsanwalt mit einer Strafanzeige erwiderte. Nach einer Verurteilung zu drei Monaten Festungshaft, die in Weichselmünde zu verbüßen war, wurde der Anwalt 1897 vorzeitig begnadigt. Den Titel Justizrat bekam er 1904, und 1922 gab er die Zulassung zurück.
Zündorf, Karl Jakob. Rechtsanwalt in Deutz bei Köln. Seit 1870 berufstätig, wurde er 1882 wegen des Verdachts wiederholter Unterschlagung verhaftet. Über den Verfahrensausgang ist nichts bekannt; die Anwaltszulassung wurde 1884 gelöscht.

References: BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 249
 BGH 
 BGH 
 § 315
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 BGH 
 § 241