Source: https://milchindustrie.de/geschaeftsberichte/2018-2019/
Timestamp: 2019-10-13 20:36:52+00:00

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MIV-Geschäftsbericht 2018-2019
Geschäftsbericht 2018/19 1
Einblicke Analysen & Perspektiven
Inhalt Weg und Ziel Agrarpolitik und Markt Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Events Wissenschaft und Forschung Recht und Qualität Tarifpolitik, Arbeit und Soziales Logistik und Beschaffung Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Mitglieder Fördermitglieder 4 6 20 30 42 50 56 62 70 82 86 3
Liebe Mitglieder und Förderer, liebe Freunde des Milchindustrie-Verbandes, ein „Europajahr“ liegt nun bald hinter uns: Europa hat ein neues Parlament gewählt, und dieses Europa- parlament hat nach langem Tauziehen für alle überraschend Ursula von der Leyen zur Präsidentin der Europäischen Kommission bestimmt. Die poli- tischen Mehrheiten sind nach „grün“ verschoben worden, was Auswirkungen auf die EU-Agrarreform haben wird, wann immer diese auch in Kraft tritt. Nicht überraschend war die Wahl von Boris John- son zum Premierminister des Vereinigten König- reichs – der Brexit, mit sein „Werk“, steht leider weiterhin vor der Tür und wird mit ihm nicht angenehmer. Auch die Parteienlandschaft ändert sich gerade: Die Vielfalt nimmt zu im Parlament, nicht immer zur Freude aller. Politik will sich verjüngen, neue Ideen werden auf den Tisch gelegt. Viele junge Menschen verlangen nach mehr Klimaschutz, das ist auch eine Herausforderung für die Molkereien, vor allem aber für die Milchproduktion auf den Höfen. Auch unsere Kunden werden grüner und denken nachhaltiger, was unser Angebot ändern wird. Eine Herausforderung für die Milchwirtschaft ist dabei sicher die „Vegan“-Diskussion: Milchprodukte können vegetarisch sein, nie aber vegan. Wir nehmen diese Fragen auf, so haben wir uns z. B. eine Verbandsstrategie gegeben. Diese wird nun in verschiedenen Arbeitsgruppen mit den Partnern der Wertschöpfungskette diskutiert. 4 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Weg und Ziel Mitglieder des MIV-Vorstandes und Gäste bei der Sommer-Sitzung 2019 Mitglieder des MIV-Vorstandes und Gäste bei der Sommer-Sitzung 2019 Über den Milchpreis dagegen wurde im vergange- nen Jahr weniger als sonst diskutiert, auch wenn die Preise grundsätzlich volatil blieben und die Spreizung im Auszahlungspreis hoch war. Milchfett und Milcheiweiß nähern sich in den Grafi ken den langjährigen Durchschnittspreisen an – Milchfett von „oben“, Milcheiweiß von „unten“. Insgesamt waren die Märkte jedoch ausgeglichener als in den Vorjahren. Unterm Strich bleibt festzuhalten: Wir müssen uns mehr denn je bemühen, den deutschen Verbraucher zu gewinnen, Tag für Tag. Der mediale Gegenwind ist groß, der Kunde wird verunsichert, wir müssen das Gute in der Milch noch intensiver kommunizie- ren und Antworten auf kritische Fragen zu unseren Produkten bereithalten. Es gibt viele Themen, die unser Verband bearbeitet, von denen hier nur die wichtigsten genannt seien. Mein Dank gilt dem Hauptamt in den Geschäfts- stellen Berlin, Brüssel und Peking für den großen Einsatz im Sinne unserer Mitglieder sowie meinen ehrenamtlich tätigen Vorstandskollegen. Über die Arbeit des MIV informiert nun dieser Jah- resbericht – ich wünsche viel Vergnügen und neue Erkenntnisse bei der Lektüre. Peter Stahl Vorsitzender 5
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Agrarpolitik und Markt Lieferbeziehungen Handelskrieg Volatilität Brexit Protektionismus Freihandelsabkommen 7
Ausgeglichener Milchmarkt 2018 Die Milchmarktsituation 2018 hat keinen Fachmann überrascht. Die Preise blieben zwar volatil, die Megaausschläge der vergangenen Jahre konnten jedoch vermieden werden. Milchfett war allerdings sehr knapp, während bei Milcheiweiß die EU-Kommission mit Verkäufen aus EU-Beständen zu sehr günsti- gen Preisen den Markt beeinfl usste. Mittlerweile sind aber alle Altbestände verkauft und der Preis für Milcheiweiß konnte sich stabilisieren. Der Butterpreis fällt allerdings, berichtet die ZMB GmbH, Berlin. Milchmarkt 2018: Mehr Milch trotz Dürre Der Milchmarkt hat sich 2018 fester entwickelt als nach dem schwachen Jahresstart erwartet. Die Milcherzeugerpreise haben die Marke von 34 Cent/kg übertroffen und sich damit leicht über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt bewegt. Die Milch- anlieferung ist nach Stagnation in den beiden Vorjahren wieder gestiegen und hat einen neuen Rekordwert von 32,5 Mio. t erreicht. Die Auswir- kungen der Dürre 2018 waren überschätzt worden, keine Kuh musste hungern. Unterschiedliche gesamtwirtschaftliche Vorzeichen Die wirtschaftliche Lage in Deutschland hat sich 2018 weiter positiv entwickelt, wobei sich das Wirtschaftswachstum im Laufe des Jahres und im Vergleich zum Vorjahr abgeschwächt hat. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2018 um 1,4 %; 2017 war die Wirtschaft um 2,2 % gewachsen. Mehr Menschen in Deutschland waren erwerbstätig. Die Arbeitslosenquote sank 2018 auf 5,2 %. Die Infl a- tion hat sich 2018 im Vergleich zu den Vorjahren verstärkt und lag im Jahresdurchschnitt bei 1,9 %. International betrachtet haben sich die Rahmen- bedingungen teilweise eingetrübt. Schwankende und weiterhin vergleichsweise niedrige Ölpreise hatten die Kaufkraft verschiedener Importländer geschwächt. Gleichzeitig setzte der starke US-Dol- lar die Währungen verschiedener Schwellenländer unter Druck. Der Handelsstreit zwischen den USA und China sorgte zusätzlich für Verunsicherung. Die Auswirkungen des für Ende 2019 anstehenden Brexit gerieten zunehmend in den Fokus. Deutschland: Wirtschaftliche Entwicklung BIP* (Mrd. EUR) +/– % gegenüber VJ 3.000 +4,8 +4,0 +3,8 +3,7 +3,3 +3,6 2.500 2.000 1.500 1.000 500 0 +2,5 +2,0 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 © ZMB GmbH 8 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 *in jeweiligen Preisen Quelle: Statistisches Bundesamt
Agrarpolitik und Markt Milchanlieferung in Deutschland und Anteil von Biomilch Erzeugerstandort, in Mio. t Anlieferung der Kuhmilch (in Mio. t) Anteil Biomilch (in %) 26,9 27,3 27,4 27,3 28,2 29,3 30,3 31,5 31,3 3,65 3,00 2,24 2,25 1,93 2,32 EU-28: Milchanlieferung in Mio. t/Tagesdurchschnitt 2017 2018 2019 15,0 14,0 13,0 1,36 1,38 1,55 1,09 10,7 12,0 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19* 11,0 10,0 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sept Okt Nov Dez © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH, BMEL, BLE *Januar bis April © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH, Eurostat, Nationale Statistiken Mehr Milch angeliefert Die Milchanlieferung an die deutschen Molkerei- en stieg schätzungsweise um 1,7 % und erreichte damit einen neuen Rekord von 32,5 Mio. t, ein- schließlich der Milch von Erzeugern aus anderen EU-Ländern. Die deutschen Milcherzeuger lieferten 31,7 Mio. t Kuhmilch an deutsche Molkereien. Nach zwei Jahren weitgehender Stagnation hat damit das Milchaufkommen in Deutschland erstmals wie- der stärker zugenommen; die Steigerungen fanden vor allem in der ersten Jahreshälfte statt. Nachdem die Wachstumsraten zunächst deutlich gedämpft waren, stellte sich ab September eine negative Ent- wicklung in Folge der Trockenheit in Deutschland ein. Die Steigerungen waren fast flächendeckend ausgeprägt. Lediglich die Milcherzeuger in Meck- lenburg-Vorpommern und Brandenburg haben weniger Milch angeliefert als im Vorjahr. Über- durchschnittlich ausgeprägt war das Wachstum in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen/Rhein- land-Pfalz und in Niedersachen. Bei höherer Milchmenge ist der Gehalt an Inhalts- stoffen gesunken. Der durchschnittliche Fettge- halt lag 2018 im Schnitt bei 4,06 %, nach 4,09 % im Vorjahr. Der Eiweißgehalt blieb hingegen mit 3,44 % stabil. Zu den niedrigeren Fettgehalten hat auch der äußerst heiße Sommer beigetragen. Die Witterung war 2018 für die Gewinnung von Futter und für die Milcherzeugung ungünstig. An einen späten Wintereinbruch schloss sich ein über- aus heißer und trockener Sommer an. Vor allem im Norden und Osten des Bundesgebiets fehlten Nie- derschläge. Die übliche Anzahl an Grünlandschnit- ten konnte vielerorts nicht eingebracht werden. Außerdem fiel die Qualität der Silagen schlechter aus als im Vorjahr. Im Juli und im August dämpfte der Hitzestress das Milchaufkommen vorüberge- hend spürbar. Die Auswirkungen der verschlech- terten Futtergrundlage auf das Milchaufkommen waren im Herbst 2018 noch begrenzt. Nach Er- fahrungen aus früheren Dürrejahren dürfte die schlechte Futterqualität aber im ersten Halbjahr 2019 zu leicht verringerten Milchleistungen führen. Erstmals mehr als 1 Mio. t Biomilch Der Anteil von Biomilch an der Gesamtmenge ist wei- ter gestiegen – die Anlieferung nahm im Schnitt um 19 % zu. Der Anteil von Biomilch am Gesamtmilchauf- kommen wuchs damit auf 3,5 %. Ab der Jahresmitte haben sich die Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr jedoch reduziert. Mit einer Anlieferung von 1,1 Mio. t wurde ein Allzeitrekord erreicht. Seit 2009 hat sich die Biomilchmenge in etwa verdoppelt. Strukturwandel hält an Der seit Jahren zu beobachtende Strukturwandel in der Milchviehhaltung setzte sich auch 2019 im üblichen Rahmen fort. Die Zahl der Milchkühe ist weiter gesunken: Im Mai 2019 wurden nach Anga- ben des Statistischen Bundesamts 4,1 Mio. Milch- kühe gezählt. Das waren 2,3 % weniger als ein 9
Anzahl der Milchkühe und ihr Milchertrag pro Jahr (kg) Milchkuhbestand in Mio. Milchertrag Kuh/Jahr (kg) 6,0 5,0 4,0 3,0 2,0 1,0 1951 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 MAI 8.000 7.000 6.000 5.000 4.000 3.000 2000 1000 0 Laut den neuen Viehzählungsergebnissen des Statistischen Bundesamtes, Stand Mai 2019 ist die Zahl der milchviehhaltenden Betriebe erneut gesunken und erreicht 61.087. Das sind 2,7 % weniger als das Ergebnis vom November 2018 und 4,5 % ggü. Mai 2018. Die Anzahl der Milchkühe liegt bei 4,1 Mio. (–2,4 % ggü. Mai 2018). Quelle: Quelle: Keckl, ZMB GmbH 1984, alle lw. Betriebe ab 1 ha, Westdeutschland, ZMB GmbH, Statistisches Bundesamt (bis 2018 Zählung November/2019 Maizählung) Strukturwandel in der Milchviehhaltung Milchkuhhaltungen (in Tausend) Kühe je Haltung ø 93,5 44,7 81 52,2 59,5 67,3 66,6 61,1 2010 2013 2016 2019 © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH, destatis Verbraucherpreise für Butter, Sahne und Konsummilch EUR je Einheit Butter, Handelsmarke 250 g H-Milch, Karton, 1 l, 3,5 % Fett Schlagsahne, 200 g, 30 % Fett 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2,00 1,50 1,00 0,50 0,00 © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH, Nielsen Handelspanel/Market Track 10 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 Jahr zuvor. Auch die Zahl der Milchviehbetriebe hat sich weiter reduziert. Sie belief sich auf noch 61.000 Haltungen. Das entspricht 4,5 % weniger als vor Jahresfrist. Weniger Konsummilch hergestellt Die Herstellung von Produkten des weißen Sorti- ments hat sich erneut unterschiedlich entwickelt. Die Produktion von Konsummilch ist, dem Trend der vergangenen Jahre folgend, weiter ge- schrumpft. Nach den Erhebungen der BLE im Rah- men der Melde-VO Milch wurden mit 4,65 Mio. t 2 % weniger Konsummilch hergestellt als im Vor- jahreszeitraum. Auch die Exporte von Konsum- milch sind erneut gesunken. Bei den Ausfuhren nach China, dem wichtigsten Zielland, belief sich der Rückgang sogar auf 10,7 %. Die Herstellung von Sahne-Erzeugnissen ging vergleichsweise deutlich um 4,5 % zurück. Hier könnten die höhe- ren Verbraucherpreise eine Rolle gespielt haben. Milchmischerzeugnisse und -getränke schrumpf- ten um 3,4 %, während Sauermilcherzeugnisse ohne Zusätze erneut zulegen konnten. So wurden 5,4 % mehr Joghurt und 2,2 % mehr Kefir- und Sauermilcherzeugnisse ohne Zusätze hergestellt als im Vorjahreszeitraum. Die Herstellung von Buttermilcherzeugnissen stieg leicht um 0,8 %. Die Zunahme dürfte auf einen erhöhten Bedarf in den Hitzemonaten Juli und August zurückzufüh- ren sein. Die Preise für Konsummilch im Lebensmittelein- zelhandel gaben im Mai 2018 nach, blieben aber höher als im Vorjahreszeitraum. Sahne blieb hin- gegen weitgehend preisstabil. Bio-Trinkmilch stieg erneut in der Beliebtheit und hat einen Marktanteil im Lebensmitteleinzel- handel von knapp 9 % erreicht. Weiter zugenom- men hat die Konkurrenz für Konsummilch durch pflanzliche Imitate. In diesem Segment war laut Nielsen 2018 ein kräftiges Wachstum von 18,5 % zu beobachten. Das Marktvolumen der Milch-Imi- tate beläuft sich nach Erhebungen von Nielsen mengenmäßig auf rund 3 % des Konsummilch- marktes, nach Umsatz aber auf rund 6 %.
Umsatz und Absatz von Trinkmilch und Milchimitaten im LEH Januar bis Dezember 2018, Prozentveränderung gegenüber Vorjahreszeitraum Konsummilch gesamt Biomilch Weidemilch Imitate* Agrarpolitik und Markt +16,3 +8,2 +8,7 +9,5 +11,1 +18,8 +18,8 +18,5 +2,4 –1,9 Umsatz Absatz Umsatz Absatz Umsatz Absatz Umsatz Absatz © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH, Nielsen Handelspanel/Market Track. Buttermarkt leicht geschrumpft Der Buttermarkt in Deutschland ist 2018 leicht ge- schrumpft: Es wurde weniger Butter hergestellt, im Einzelhandel abgesetzt und exportiert als im Vor- jahr. Die Importe blieben hingegen weitgehend un- verändert. Die Butterproduktion in Deutschland ist 2018 trotz des höheren Milchaufkommens um 2,5 % zurückgegangen und damit mit knapp 484.000 t auf ihren tiefsten Stand seit 2014 gesunken. Auch die Produktion von Mischfetten ist nach den Erhebun- gen der BLE im Rahmen der Melde-VO Milch leicht verringert worden. Der Absatz von Butter im Le- bensmitteleinzelhandel sank im Kalenderjahr 2018 laut Nielsen um erschreckende 6,1 %. Der Rückgang wurde teilweise, aber nicht vollständig durch einen * aus Soja, Hafer, Lupine, Reis, Hirse, Mandel usw. weiteren Absatzanstieg bei den Mischstreichfet- ten kompensiert. Gegen Jahresende hat sich der Butterabsatz zunehmend stabilisiert und im Oktober das Vorjahresniveau wieder übertroffen. Stabiler entwickelten sich dem Vernehmen nach die Absätze an Großverbraucher und die weiterverarbeitende Industrie. Gesunken sind auch Deutschlands Butter- exporte, wobei die Ausfuhren von Butter abgenom- men haben und die von Butterreinfett gewachsen sind. An Butteräquivalenten wurden insgesamt mit 145.794 t 4,6 % weniger exportiert als 2017. Die Butterpreise waren im Jahresverlauf er- neut volatil. Sie sanken nach dem Jahreswechsel zunächst und erreichten im Mai ihren höchsten Butterpreise EUR/kg 7 6 5 4 3 2 1 Butter, Blockware Jahresdurchschnitt Butter 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 © ZMB GmbH Quelle: Notierung Hannover, ab Okt. 2011 nationale Notierung Kempten 11
Stand im Jahresverlauf. Gegen Jahresende gaben die Preise dann wieder spürbar nach. Im Jahres- durchschnitt wurde abgepackte Butter in Kemp- ten mit 5,22 EUR/kg notiert. Das waren 1,3 % weniger als im Vorjahr, aber erneut deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt. Damit haben die Butterpreise die Verwertung der angelieferten Milch erneut massiv gestützt. Käsemarkt gewachsen Der Käsemarkt ist 2018 wieder gewachsen, nach- dem er in den Vorjahren weitgehend stagniert hatte. Die Käseproduktion ohne Schmelzkäse legte 2018 um 1,5 % zu und hat damit im Kalenderjahr 2018 einen neuen Höchststand erreicht. Ausge- weitet wurde vor allem die Produktion von Pasta Filata und Weichkäse. Die Herstellung von Schnitt- käse erhöhte sich leicht um 0,3 %. Gewachsen ist außerdem die Herstellung von Schmelzkäse mit einem überdurchschnittlichen Plus von 5,6 %. Die deutschen Käseexporte stiegen leicht um 0,8 %. Die Ausfuhren nach Drittländern wuchsen über- durchschnittlich um 5,7 %. Nach Italien, dem nach wie vor größten Exportmarkt, gingen 0,2 % mehr als im Vorjahr. Die Käseimporte schrumpften hin- gegen um 2,5 %. Am internationalen Markt war über weite Teile des Jahres eine starke Konkurrenz festzustellen. Die Absätze von Käse im deutschen Lebensmittel- einzelhandel in Selbstbedienung blieben im Schnitt weitgehend unverändert. Sie sanken nach den Erhebungen von Nielsen marginal um 0,4 %. Erneut zurückgegangen sind die Absätze in der Bedienungstheke um durchschnittliche 6,7 %. Die Preise für Schnittkäse waren Anfang 2018 schwach gestartet und haben sich bis zum Herbst kontinu- ierlich gefestigt. In den letzten Monaten des Jahres gaben die Notierungen wieder etwas nach, zeigten sich aber fester als im Vorjahr um die gleiche Zeit. Im Jahresdurchschnitt wurde Schnittkäse in Form von Blockware mit 2,94 EUR/kg notiert und damit um 9,5 % niedriger bewertet als im Vorjahr. Als stabiler haben sich die durchschnittlichen Erlöse bei langfristigen Kontrakten erwiesen. Bestände an Magermilchpulver abgebaut In Deutschland wurden 2018 insgesamt 2,4 % mehr Trockenmilcherzeugnisse hergestellt als im Vorjahr. Während an Magermilchpulver 3,8 % weniger er- zeugt wurden, stiegen die Produktionsmengen von Vollmilchpulver verschiedener Fettstufen, Butter- milchpulver und sonstigen Milcherzeugnissen in Pulverform an. Der Markt für Magermilchpulver wurde 2018 durch die EU-Kommission nicht wei- ter gestützt. Es wurde keine private Lagerhaltung angeboten, der Ankauf zur Intervention im Fest- preisverfahren war ausgesetzt und auf ein Aus- schreibungsverfahren umgestellt. Es fanden keine Ankäufe statt. Gleichzeitig wurde Magermilch- pulver aus den Interventionsbeständen im Aus- schreibungsverfahren verkauft. Diese politischen Schnittkäsepreise EUR/kg 4,3 4,0 3,7 3,4 3,1 2,8 2,5 2,2 1,9 Schnittkäse Jahresdurchschnitt Schnittkäse, Brote 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 © ZMB GmbH Quelle: Preisnotierungen Kempten, ab 2009 Hannover 12 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Maßnahmen hatten bereits Ende 2017 zu einem deutlichen Rückgang der Preise für Magermilchpul- ver geführt, der sich 2018 in den ersten Monaten weiter fortgesetzt hat. Die Preise sanken kurzfristig auf einen historischen Tiefststand und haben das Interventionsäquivalent massiv unterschritten. In der zweiten Jahreshälfte nahm auch das Interesse an Ware aus den Interventionsbeständen deut- lich zu. EU-weit wurden im Lauf des Jahres 2018 277.000 t verkauft. Damit haben sich die Bestände, die sich zu Jahresbeginn auf 378.051 t beliefen, auf rund 102.000 t reduziert. Die Bestände in Deutsch- land von 64.696 t wurden vollständig verkauft. Mitte 2019 waren die Bestände der EU restlos verkauft. Deutschlands Exporte von Magermilchpulver stiegen 2018 um 2,5 %. Bei den Ausfuhren in Drittländer war allerdings ein Rückgang um 4 % festzustellen. In Kempten wurden die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität im Jahresdurchschnitt mit 1.517 EUR/kg festgestellt. Das waren 14,7 % weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand der vergangenen Jahrzehnte. Am Jahresende haben sich die Preise gefestigt und das Interventionsäquivalent wieder übertroffen. Die Preise für Vollmilchpulver gaben ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr nach, behaupteten sich aber besser als die von Magermilchpulver. Die niedrigen Niveaus der Jahre 2015 und 2016 wurden deutlich übertroffen. Der Export von Voll- milchpulver ist bei niedrigen Preisen am Welt- markt etwas zurückgegangen. Innerhalb der EU war eine gute, kontinuierliche Nachfrage festzu- stellen. Das Angebot an Molkenpulver nahm 2018 ab: Die Erzeugung sank um 8,5 % auf 315.745 t. Die Preise bewegten sich auf einem mittleren Niveau. Futter- mittelware erreichte eine mittlere Preisfeststellung von 688 EUR/t. Die Exporte von Molkenpulver hiel- ten sich ungefähr auf dem Vorjahresniveau stabil. Schwache Erlöse am Weltmarkt Die Milchpreise in Deutschland und der EU haben sich 2018 von den Erlösen am Weltmarkt entkop- pelt und im internationalen Vergleich ein über- durchschnittliches Niveau erreicht. Die Preise für Butter und Vollmilchpulver am Binnenmarkt konn- ten sich auf höherem Niveau behaupten als am Agrarpolitik und Markt Magermilchpulver, Lebensmittelqualität Jahr MMP Magermilchpulverpreise EUR/kg 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 © ZMB GmbH Quelle: Preisfeststellungen ZMP, ab Mai 2009 Kempten Molkenpulver, Futtermittelware Jahresschnitt Molkenpulverpreise EUR/kg 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 © ZMB GmbH Quelle: Preisfeststellungen ZMP, ab Mai 2009 Kempten Vollmilchpulverpreise EUR/kg 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 Vollmilchpulver Jahr VMP 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 © ZMB GmbH Quelle: Preisfeststellungen ZMP, ab Mai 2009 Kempten 13
Deutschland: Exporte von Milchprodukten Januar bis Dezember, in 1.000 t Laktose Molkenpulver 233 230 327 325 Butter 118 128 2018 2017 1.220 1.210 412 444 409 399 64 68 268 293 Frischprodukte Käse Magermilchpulver Vollmilchpulver Kondensmilch Milch (lose) Milch (abgepackt) © ZMB GmbH 1.451 1.539 728 820 Quelle: Statistisches Bundesamt Hauptabnehmer von deutschem Käse in 1.000 t 253,7 253,3 146,6 165,4 2018 2017 Italien Niederlande Frankreich Spanien Österreich Vereinigtes Königreich Belgien Tschechien Griechenland 84,7 73,5 75,2 73,9 74,9 73,4 73,4 73,3 50,0 50,6 39,9 42,4 39,9 36,8 Weltmarktpreise USD je t Butter MMP VMP 6.500 5.500 4.500 3.500 2.500 1.500 500 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH 14 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 internationalen Markt. Allerdings hat man Marktan- teile am internationalen Markt verloren. Die Exporte Deutschlands von Milchprodukten sind etwa auf dem Stand von 2017 stabil geblieben. Während die Ausfuhren von Käse und Magermilch- pulver etwas ausgeweitet werden konnten, kam es bei den übrigen Produkten zu Stagnation oder Rückgängen. Weniger exportiert wurde vor allem an abgepackter und loser Milch sowie an Butter. Die Käseexporte nach Drittländern stiegen insgesamt überdurchschnittlich um 5,7 %. Zum größten Markt außerhalb der EU ist Japan mit einem Wachstum um 25,3 % aufgerückt. Erzeugerpreise leicht nachgegeben Die Milcherzeugerpreise in Deutschland folgten 2018 den im Vergleich zum Vorjahr schwächeren Erlösen für Magermilchpulver, Käse und Molken- pulver und gaben nach. Die annähernd gleichen Durchschnittserlöse für Butter haben wie im Vor- jahr das Milchpreisniveau aber erneut erheblich gestützt und einen stärkeren Rückgang verhindern können. Im Jahresdurchschnitt von 2018 wurden für konventionelle Milch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß ab Hof ohne Mehrwertsteuer einschließlich Nachzahlungen 34,37 Cent/kg ausgezahlt. Damit wurde der Vorjahresstand zwar unterschritten, aber im längerfristigen Vergleich sogar ein leicht überdurchschnittliches Niveau erreicht. Als Aus- wirkung der Dürre 2018 sind allerdings die Futter- kosten für die Milcherzeuger deutlich angestiegen. 2019 erwarten die Fachleute eine Seitwärtsbewe- gung beim Milchpreis. Deutsche Milch und Milchprodukte im internationalen Handel Die Konkurrenz am Weltmarkt schläft nicht und macht den deutschen Molkereien das Leben nicht leichter. Und als ob das nicht reichen würde, kommen auch hausgemachte Themen hinzu – wie der Brexit. Nun ist UK nicht der wichtigste Markt für deutsche Milch und Milchprodukte, lag aber beispielsweise mit rund 30. Tsd. t im Jahr 2018 auf Platz sechs der wichtigsten Destinationen für deutschen Käse. Auch die Ausfuhrmenge an Joghurt, mit und ohne Zusätzen, von rund 36 Tsd. t in 2018 ist ein mehr als solider Wert. Das
Deutschland: Milcherzeugerpreise Preise für konventionelle Kuhmilch, EUR/100 kg, Bundesdurchschnitt, 4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß, Durchschnitt aller Güteklassen, ab Hof, ohne Mehrwertsteuer Exportanteil 2018 in % am Gesamtexportvolumen Produkte: MMP, VMP, Butter(öl), Käse, Kasein(ate), Molke, Laktose Agrarpolitik und Markt 2018 2017 2015 2016 40 35 30 25 20 9% 28,5% 4,6% 19,5% 26,2% EU Neuseeland USA Weißrussland Australien Argentinien Uruguay Kanada Türkei Ukraine ROW Jan Feb März Apr Mai Jun Jul Aug Sept Okt Nov Dez © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH, BLE Quelle: Eucolait 2019; Trade Data Monitor steht nun auf der Kippe und die Entwicklungen in UK lassen nicht unbedingt große Entspannung erwarten. Die Weltmilcherzeugung ist 2018 weiter gewachsen, wenn auch etwas schwächer als noch 2017. Die EU hat 2018 Neuseeland um einen Hauch den Rang als größter Exporteur von Milch und Milchprodukten in Milchäquivalenten (ME) abgelaufen. Zusammen mit den USA standen so 2018 ca. 50 Mio. t ME nur aus diesen drei Regionen am Weltmarkt zur Verfügung. Importeursseitig fragt ein so großes Land wie Chi- na jedoch nur rund zehn Mio. t ME nach. Wohin also mit den Exportmengen? Für die deutschen Molkereien ist und bleibt die EU der wichtigste Markt. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres wurden beispielsweise 51 % der Milch (und des Rahms) in Kleinpackungen (bis zwei Liter) innerhalb der EU nachgefragt. Bei der Kondensmilch (Milchkonzentraten) waren es stolze 75 % und bei Käse sogar 89 %. Zum einen wächst nun aber insbesondere in Deutschland der Markt für Konkurrenzprodukte (Imitate). Zum anderen haben die Bürger aller Mitgliedstaaten der EU eine begrenzte Kapazität hinsichtlich der Steigerung des Pro-Kopf-Verbrauches von Milch und Milchpro- dukten. Daher müssen Märkte anderer Länder als Absatzmöglichkeit gesucht werden. Hier sind die Chinas Milchimporte 401 253 670 431 235 618 494 184 414 433 200 347 545 280 521 527 247 470 342 130 320 265 89 325 288 70 175 376 168 403 Molkenpulver Magermilchpulver Vollmilchpulver Käse Butter Januar bis Juli 306,8 158,5 334,6 335,3 165,1 350,6 246,2 213,3 447,6 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2017 2018 2019 © ZMB GmbH Quelle: ZMB GmbH, Comtrade, TDM 15
Deutsche Käseexporte nach Japan und Südkorea in Tonnen, 2008–2018 Japan Südkorea 14,9 12,8 15,4 13,7 19,3 10,4 9,5 8,2 10,9 9,8 0,8 0,7 2,0 2,8 12,4 7,6 8,7 6,4 7,2 1,5 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 © MIV/Export-Union Quelle: Stat. Bundesamt 2019 deutschen Molkereien durchaus erfolgreich, auch wenn es sporadisch Rückschläge gegeben hat. Monaten des Jahres nur 200 t, in diesem Jahr bis einschließlich Mai noch nicht eine Tonne Butter. Jedoch ist es eine Sache der Gewohnheit, ob man zum Beispiel Käse mag oder nicht. Die euro- päischen Staaten sind nicht nur aufgrund ihrer Zahlungsfähigkeit die größten Abnehmer, da kämen durchaus auch andere Staaten in Betracht. Käse als wichtiges Nahrungsmittel spielt in Europa eine weitaus größere Rolle als – wie hinreichend bekannt – in Asien. Umso erfreulicher ist die Nachfrage nach deutschem Käse in Südkorea und Japan. Obwohl in den ersten fünf Monaten des aktuellen Jahres beide Exportmengen mit rund 4.800 t nach Südkorea (–10 % ggü. 2018) und sogar 8.200 t nach Japan (–8 % ggü. 2018) leicht nachließen, sind dies die beiden wichtigs- ten Länder in Asien für den deutschen Käse und wachsen tendenziell seit Jahren. Im ganzen Jahr 2018 gingen nach Südkorea etwas über 10.000 t, was leider rund 3.000 t weniger waren als 2017, und Japan hat fast die 20.000 t-Marke geknackt, 4.000 t mehr als 2017. Bisher noch stockend laufen die Kaufabschlüsse mit den Ländern der arabischen Halbinsel und deren Nachbarn. Lediglich Kondensmilch ist in einigen Ländern weiterhin sehr gefragt. Während der Iran beispielsweise einige Jahre wichtigster Abnehmer deutscher Butter (und Milchstreich- fette) war, wurden 2017 noch rund 2.500 t dorthin exportiert. Im Vorjahr waren es in den ersten fünf Insbesondere Saudi-Arabien und zum Teil auch Katar haben in diesem Jahr für Unsicherheiten gesorgt, da eine Vielzahl von neuen Vorschriften zur Einfuhr von Milch und Milchprodukten erlassen wurde, leider innerhalb eines sehr kurzen Zeitrau- mes. Einige konnten zwar über die Verbände sowie die WTO gestoppt werden, unterliegen aktuell al- lerdings einer Überarbeitung, sodass sie nicht ganz vom Tisch sind. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate ordern in diesem Jahr nicht wie gewohnt. So wurden bis einschließlich Mai dieses Jahres 1.700 t Milch und Rahm in Kleinpackungen (UHT-Milch) versendet, während es im Vorjahreszeitraum allerdings fast 6.000 t waren. 2019 weniger Milch und unsichere Rahmenbedingungen Der Milchmarkt startet 2019 unter wesentlich festeren Vorzeichen als im Vorjahr. Dazu trägt die moderate Entwicklung des Milchaufkommens mit bei, das sich in Deutschland und der EU insgesamt unter dem Vorjahresniveau bewegt. Für das erste Halbjahr 2019 ist aufgrund der Futtersituation mit niedrigeren Milchanlieferungen zu rechnen als im Vorjahr. Auch die Dürre im Jahr 2003 hatte sich aufgrund der schlechteren Futterqualitäten mit 16 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Agrarpolitik und Markt höherem Rohfaseranteil dämpfend auf das Milch- aufkommen im ersten Halbjahr 2004 ausgewirkt. Damit wird die Milchmenge in Deutschland im Kalenderjahr 2019 voraussichtlich nicht weiter- wachsen oder in Abhängigkeit von der Witterungs- und Preisentwicklung sogar sinken. Gleichzeitig dürfte ein höherer Anteil der Milch zu Käse ver- arbeitet werden, da die Kapazitäten ausgeweitet worden sind. Dies lässt ein sinkendes Angebot an Butter und Magermilchpulver erwarten. Allerdings scheint sich die weltweite Hausse der Butterpreise abzuschwächen, sodass extreme Höhenflüge wie in den Vorjahren eher unwahrscheinlich sind. Die Buttererlöse scheinen sich aber nachhaltig deut- lich über den historischen Durchschnittswerten der vergangenen Jahrzehnte zu etablieren. Mager- milchpulver war zu Beginn 2019 wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen und konnte sich damit, was die Preise betrifft, stabilisieren. Bei Käse scheinen die Preisausschläge im Vergleich zu den Vorjahren moderater auszufallen. Gleichwohl sind zu Beginn 2019 aufgrund der seit Oktober 2018 gesunkenen Butter- und Käseerlöse gewisse Korrekturen der Milcherzeugerpreise festzustellen. Das letzte Jahr des Jahrzehnts beginnt allerdings mit politischen Unsicherheiten, die die Lage am Milchmarkt im weiteren Jahresverlauf beeinflussen könnten. Bis zum Sommer 2019 wurde keine Klar- heit geschaffen, ob die Marktbeteiligten mit einem harten oder weichen Brexit rechnen müssen. Ein harter Brexit, der zu Zöllen auf die verschiedenen Milchpreis versus MMP-Weltmarkt und Ölpreis MMP (EUR/t) Öl (EUR/100 l) Milchpreis (EUR/100 kg) EUR/t 4000 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 0 Jan 00 Jan 01 Jan 02 Jan 03 Jan 04 Jan 05 Jan 06 Jan 07 Jan 08 Jan 09 Jan 10 Jan 11 Jan 12 Jan 13 Jan 14 Jan 15 Jan 16 Jan 17 Jan 18 Jan 19 © ZMB GmbH Quellen: ZMB GmbH, BLE, eia 17 EUR/100 l bzw. 100 kg 60 55 50 45 40 35 30 25 20 15 10
Milchprodukte und aufwendigen Zollabfertigungen führen würde, dürfte sich vor allem auf den Käse- markt in der EU negativ auswirken. Schließlich ist das Vereinigte Königreich ein großer Nettoimpor- teur von Käse. Die Briten haben allerdings mittler- weile erklärt, dass auch bei einem harten Brexit fast alle Milcherzeugnisse zollfrei gestellt würden, was zu begrüßen ist. Unsicher sind außerdem die weitere Entwicklung der Ölpreise, die für die Kauf- kraft wichtiger Importländer von hoher Bedeu- tung sind, sowie die internationale Handelspolitik und Wechselkursentwicklungen durch die Aufwer- tung des US-Dollars. Andererseits verbessern sich durch den schwächeren Euro die Exportaussichten für EU-Ware. Außerdem waren am Weltmarkt zu- letzt wieder festere Preissignale zu beobachten. durch das alte Parlament nun von den neuen Par- lamentsvertretern nicht mehr aufgegriffen wer- den. Es droht der Neubeginn einer unendlichen Diskussion zum Thema. Milchkaufrecht in der Diskussion Durch das „Milchpaket“ – ein Reformwerk in der EU-Milchmarktordnung 2013 – sind unterschied- lichste Optionen für die Mitgliedstaaten entstan- den, ordnungsrechtlich auf Milchkaufverträge einzugehen. Noch Anfang 2019 hat die Bundesre- gierung schriftlich darauf hingewiesen, dass sie von der Milchindustrie und der Landwirtschaft entspre- chende Initiativen zur Steuerung der Milchmengen erwarte. Die Bundesregierung erhofft sich davon eine erhöhte Krisenfestigkeit des Sektors. Agrarreform 2020 oder später? Die geplante Reform der EU-Agrarpolitik wird kaum Auswirkungen auf das Marktgeschehen ha- ben. Allerdings schauen unsere Milcherzeuger be- unruhigt auf die politische Entwicklung. Durch die Europawahlen im Mai 2019 gab es einen Rutsch in der Zusammensetzung des Parlamentes, sodass erwartet werden kann, dass die bereits erzielten Kompromisse bei der Gestaltung der Agrarreform Prof. Dr. Holger D. Thiele vom ife Institut Kiel hatte hierzu eine Auftragsstudie vorgelegt und entspre- chende Hinweise gegeben. Auch das bundeseigene Thünen-Institut hat eine Studie über die Möglich- keiten der Marktbeeinflussung beigesteuert. Inzwi- schen sitzen die Akteure am Milchmarkt in einem „Strategieprozess“ zusammen und beraten über die Möglichkeiten oder auch Unmöglichkeiten der Handlungsalternativen. Die größten Milcherzeuger der Welt (2018) in Mio. t 167 30 99 USA Europa China 18 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Agrarpolitik und Markt Freihandel kommt Brüssel bleibt seiner Linie treu und öffnet sich mehr und mehr dem Weltmarkt. Das Instrument dazu sind Freihandelsabkommen. Mit vielen Ländern wurden diese auch für die Milchwirtschaft abgeschlossen (Japan und Kanada zum Beispiel), andere sind schon sehr weit in den Beratungen (z. B. Mexiko), sind ge- scheitert (USA TTIP) oder noch in der Planung (Oze- anien). Für das Mercosur-Abkommen liegt bereits ein politischer Plan vor. Der Milchindustrie-Verband ist auch ein Verfechter freier Märkte. Bei jedem Ab- kommen muss allerdings die Sinnhaftigkeit geprüft werden. Ein Freihandelsabkommen mit dem stärks- ten Wettbewerber am Milchmarkt, Neuseeland, ist dabei wenig attraktiv. Brexit ist wie der Berliner Flughafen Der Ausstieg der Briten aus der EU scheint ge- machte Sache zu sein, hat sich aber verzögert wie die Fertigstellung des Berliner Flughafens. Wahr- scheinlich ist der Brexit aber noch teurer, für die Briten und die Rest-EU ohnehin. Ja, sogar an den verhassten EU-Wahlen mussten die Inselbewohner noch teilnehmen, sonst hätte es im Frühjahr 2019 bereits einen harten Brexit gegeben. Durch die Zusage der Briten auf Verzicht von Zöllen bei fast allen Produkten hat sich aber der Schrecken vor einem möglichen harten Brexit etwas abgebaut. Neue Milch-Güteverordnung doch erst 2020 Nachdem die inhaltliche Überarbeitung der alten Milch-Güteverordnung bereits weit vorangeschritten war, wurde die Form der neuen Milch-Güteverord- nung auf ministerieller Ebene angepasst. Nicht nur wird es mit der „Verordnung zur Fortentwicklung des Rohmilchgüterechts“ namentlich eine Ände- rung geben, sondern auch innerhalb der Struktur und damit der Länge der Verordnung. Inhaltlich orientiert man sich an den bekannten Entwürfen der Verordnung. Die Mindestanzahl der Proben für die Güteuntersuchung ist gleich, die vielfach vermisste Untersuchungsmethode von Laktose wird in der Anlage beschrieben. Neu gegenüber der gültigen Verordnung sind die Anhebung des Umrechnungs- faktors, eine angepasste Regelung zur Beprobung und Verrechnung von Teilmengen sowie ein Verweis auf die Empfehlung zur Sachkunde für den Milch- sammelwagenfahrer zu Schulungszwecken. Im Be- reich Hemmstoffmanagement von Rohmilch werden außerdem eine Eingangsuntersuchung der Rohmilch auf Ebene Milchsammelwagen vorgeschrieben sowie ein erweitertes Antibiotikascreening eingeführt. Letzteres soll für die Zukunft durch die Erarbeitung einer eigenen DIN-Norm untermauert werden. Die Abstimmung zwischen den Bundesländern ist abgeschlossen. In den kommenden Monaten gilt es mit der Ressortabstimmung, der öffentlichen Ver- bändeanhörung und der avisierten Notifizierung in Brüssel die nächsten Schritte zu gehen. Wenn die Meilensteine ohne Verzögerung erreicht werden, könnte die neue Verordnung zum Rohmilchgüte- recht 2020 in Kraft treten. Wie in der Vergangenheit werden wir als Milchindustrie-Verband die Entwick- lung inhaltlich konstruktiv weiter begleiten und das BMEL unterstützen. 19
20 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Events Veranstaltungen des MIV 2018/19 Referentenfrühstücke i n e r M i B e r l l c h f o r u m Brüsseler Milchgipfel t i M i i s c h e r l c h p o l F r ü h s c h o p p e n Veterinärfachgespräche M I V -J a h r e s t a g u n g l c h - M o n t a g M i Brüsseler Käsehappen 21
MIV-Jahrestagung 2018 in Berlin Erneut hat es sich der MIV zur Aufgabe gemacht, auf Veranstaltungen über die aktuelle Situation des Milchmarktes zu informieren und seinen Mitgliedern eine Plattform zu offerieren, um ihren Botschaften Gehör zu verschaffen. Im Mittelpunkt steht weiterhin, die Milchwirtschaft Stakeholdern nahbar werden zu lassen und sowohl die sozioökonomische wie auch ökologische Bedeutung dieses Wirtschaftszwei- ges zu verdeutlichen. Vor allem das Thema Bioprodukte rückt immer weiter in den Vordergrund. Wechsel im Vorstand des MIV In der Mitgliederversammlung des Milchindustrie- Verbandes wurden anlässlich der Jahrestagung am 26. Oktober 2018 in Berlin Wahlen für einen Teil des Vorstandes vorgenommen. Der MIV-Vorsitzende Peter Stahl begrüßte Markus Mühleisen (Arla Foods Deutschland GmbH) und Rolf Bausch (Edelweiss GmbH) als neue Vorstandsmitglieder im höchsten Gremium des MIV. Der Vorsitzende Peter Stahl dankte den ausschei- denden Kollegen für die geleistete Arbeit und freut sich auf eine gute und vertrauensvolle Zusammen- arbeit mit den neuen Vorstandsmitgliedern. Mehr Molkereien sollten mitmachen In seiner Eröffnung der Vortragsveranstaltung an- lässlich der Jahrestagung sprach Stahl eine ganze Reihe aktueller Fragestellungen an. Der Markt habe inzwischen bestätigt, dass 2018 keine Milchpreiskri- se eintreten würde, was der Verband schon Anfang des Jahres durchaus richtig vorhergesagt hatte. Der Brexit kommt mit großen Schritten auch auf die Milchwirtschaft zu, sagte Stahl. Brüssel und London arbeiten hektisch an dem, was bisher versäumt wurde, dennoch wird der Austritt Groß- britanniens aus der EU eine Fülle an Problemen bringen, angefangen von der reinen Zollabwick- lung, für die das Personal fehlt, bis hin zu einem verringerten EU-Budget. Der Brexit wird die Bran- che wohl noch weit über 2020 hinaus bewegen, so Stahls Fazit. Bezugnehmend auf eine mögliche staatliche Rege- lung der Lieferbeziehungen zwischen Molkereien und Bauern sprach sich Stahl erneut für eine libe- rale Praxis mit freier Gestaltung der Bedingungen aus. Individuelle Verträge seien angesichts der ver- schiedenen Gegebenheiten in der Milchwirtschaft immer noch die beste Lösung. Impressionen von der MIV-Jahrestagung 2018 in Berlin 22 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Derzeit beteiligen sich über 30 Molkereien in Deutschland an dem Politprojekt für das Nachhal- tigkeitsmodul für QM-Milch. Der MIV-Vorsitzende Stahl erwartet zeitnah eine übergreifende Aus- wertung, wie das Modul mit seinen insgesamt 84 Einzelkriterien bei den 34 Projektteilnehmern in der Praxis ankommt. Stahl warb für die Teilnahme wei- terer Molkereien, um eine möglichst breite Daten- basis zu schaffen, die wiederum einzelne Unterneh- men von der Notwendigkeit befreien kann, eigene Standards zu definieren, und gleichzeitig auch für höhere Akzeptanz in Politik und Handel sorgen soll. Biomarkt im Wandel Paul Söbbeke, einer der deutschen Pioniere im Bereich der Biomilchverarbeitung, informierte in der Jahrestagung über die aktuelle Entwicklung des Bio-Marktes. 2016 habe der Rekordabstand zwischen den Preisen für konventionelle Milch (26,2 Cent) und Bio-Milch (48,2 Cent) für eine große Zahl an Betriebsumstellungen gesorgt. Allerdings wird bei weitem nicht alle erzeugte Biomilch auch als solche verarbeitet. Wie hoch die Dunkelziffer in diesem Be- reich ist, konnte auch Söbbeke nicht sagen, ebenso wenig wie er Auskunft darüber geben konnte, in wel- chem Maße ein Teil der Umsteller vielleicht wieder zur konventionellen Produktion zurückkehren wird. Jedenfalls ist der Biomarkt bei weitem noch nicht ausgereizt, stellte Söbbeke fest. In den letzten Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Events 20 Jahren ist der Markt immer stärker gewachsen als die Produktion; der Importbedarf wird weiter bestehen bleiben. Es sind längst nicht alle Wert- schöpfungspotenziale ausgereizt. In diesem Zu- sammenhang wies Söbbeke auf den Boom bei den Craft-Brauereien hin, der ähnlich auch schon von Initiativen im Biobereich aufgegriffen wird. Aktuell haben Bioprodukte bereits nennenswerte Marktanteile erreicht: 23,6 % bei Frischmilch, 8,1 % bei Joghurt, 4,7 % bei Käse und 4,3 % bei H-Milch. Auch im Ausland wächst der Bioanteil mit z. T. deutlich zweistelligen Raten (Frankreich, Irland, Norwegen, Dänemark, Italien, Finnland, Schweden, Österreich), wobei hier die treibenden Faktoren ganz unterschiedlich sind (nationale oder regionale Präferenzen, Altersstruktur der Bevölkerung usw.). Der Biomarkt entwickelt sich aber in zweierlei Rich- tungen: Spätestens seit die Discounter Interesse an diesem Angebot haben, geht ein Teil des Marktes den Weg zur Massenware. Im Jahr 2018 generierten die Discounter einen Bio-Mopro-Umsatz in Höhe von 976 Mio. Euro (+ 9,3 %) und lagen damit deutlich über dem Naturkosthandel, der 763 Mio. Euro erreichte (+ 6,1 %). Die russische Milchwirtschaft verändert sich Traditionell vermittelt die Jahrestagung des Milch- industrie-Verbandes immer auch einen Einblick in andere Märkte. Diesmal stand der russische Milch- 23
markt im Fokus. Stefan Dürr, Inhaber des größten Milcherzeugers des Landes, EkoNiva, berichtete von aktuell guten Milchpreisen in Russland, die auch mit dem anhaltenden Importbedarf des Landes zu- sammenhängen. Die Produktionskosten liegen für EkoNiva bei ca. 26 Cent, was die Milchproduktion in Russland zu einem attraktiven Geschäft macht. Hier- mit hängt der Expansionspfad zusammen, den Dürrs Unternehmen verfolgt: 2017 wurden 300.000 t Milch auf EkoNiva-Farmen erzeugt, in diesem Jahr werden es schon 500.000 t sein. Vom Embargo für westliche Nahrungsmittel haben die russischen Milcherzeuger nicht profitiert, denn was früher als Fertigware ins Land kam, wird nun in Form von Rohstoffen importiert. Dagegen brachte das Embargo Vorteile für die heimischen Milchver- arbeiter, die ihre Marktpositionen auch im Hinblick auf Qualität ausbauen konnten. Würde das Embar- go aufgehoben, wäre es für ausländische Anbieter inzwischen schwer, im russischen Markt in größe- rem Stil Fuß zu fassen. Auf lange Sicht dürften sich die milchwirtschaftlichen Verhältnisse in Russland ändern. Laut Dürr wird die meiste Milch demnächst von ca. acht Agrarholdings erzeugt, die wohl wie EkoNiva auch selbst in die Ver- arbeitung einsteigen werden. Die privaten Kleinst- Kuhhaltungen verschwinden immer mehr, Familien- betriebe stellen eher zaghaft mehr Milchkühe auf. Alles wird anders Jens Lönneker, Mitinhaber der auf Marktforschung spezialisierten rheingold-Gruppe, erklärte auf der Jahrestagung des MIV, dass sich die klassischen Zielgruppen bei den Verbrauchern auflösen und einer Einkaufsverfassung Platz machen, die vom Produkthersteller bedient werden muss. Die Mol- kereien sollten die Produktauswahl einschränken, da die Verbraucher eine Orientierung brauchen, während es gleichzeitig auf das Zusammenwach- sen des öffentlichen und des persönlichen Raums zu achten gilt. Hier erlaubt sich der Konsument In- konsequenzen bei seinen Forderungen. Die Lösung des Dilemmas obliegt dabei stets dem Hersteller. Der Produkt- und Markenauftritt muss darüber hinaus auch auf eine gewisse Regression bei den Verbrauchern Rücksicht nehmen, die ihre Identität immer weniger aus ihrem Berufsleben beziehen und gewissermaßen im Tagtraum leben. Agrarpolitisches Fachgespräch des MIV Im November 2018 fand das 19. informelle Veteri- närfachgespräch in der Bayerischen Vertretung in Brüssel statt, zu dem Norbert Lins, MdEP, und Dr. Pe- ter Jahr, MdEP, zusammen mit dem MIV und der Bayerischen Vertretung deutschsprachige Veterinäre aus der EU-Kommission, dem Europäischen Parla- ment und den Ländervertretungen und Verbänden eingeladen hatten. Es wurden wie immer mit großem Das 19. informelle Veterinärfachgespräch in der Bayerischen Vertretung in Brüssel. 24 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Events Traditioneller Milch-Montag 2019 im Berliner Bärensaal Interesse aktuelle tierärztliche Themen aus dem Europäischen Parlament und der EU-Kommission diskutiert. Insbesondere Sabine Jülicher, Direktorin in der EU-Kommission Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, hob die Aktivitäten der Kommission zur Lebensmittelverschwendung hervor. Brüsseler Käsehappen 2019 Der Brüsseler Käsehappen des MIV ist ein informel- les Zusammenkommen zwischen Vertretern der EU-Kommission, Europäischem Parlament, Mitglied- staaten und Verbänden und bietet in ungezwunge- ner Atmosphäre die Gelegenheit zu einem inter- disziplinären Austausch. Er findet immer Anfang Januar statt und genießt große Beliebtheit. Milch-Montag 2019 Am 21. Januar fand der Milch-Montag des Milch- industrie-Verbandes in Berlin statt. Der jährliche Spitzentreff der Milchbranche findet traditionell im Rahmen der Internationalen Grünen Woche statt. Das wunderschöne historische Ambiente des Bären- saals bot den Gästen aus Wirtschaft und Politik er- neut ideale Möglichkeiten zu intensiven Gesprächen und wertvoller Kontaktpflege. Peter Stahl, der Par- lamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel sowie der Milchpräsident des Deutschen Bauernver- bandes Karsten Schmal eröffneten die Veranstal- tung mit ihren Festreden. PSt. Fuchtel garantierte den Fortbestand der Stabs- stelle zur Exportkoordination im Ministerium. Ange- sichts eines möglicherweise harten Brexits empfahl Fuchtel den anwesenden Milchwirtschaftlern, sich bezüglich zollrechtlicher Fragen auf den neuesten Stand zu bringen. Außerdem riet der Politiker dazu, sich vorsorglich um neue Absatzmärkte zu küm- mern. Zudem betonte Fuchtel bezüglich Art. 148 der Gemeinsamen Marktordnung eine Bevorzugung freiwilliger Schritte der Branche. DBV-Milchpräsident Karsten Schmal ging in sei- nem Grußwort auf die Sektorstrategie 2030 ein. In den Papieren der beteiligten Verbände (DBV, DRV, MIV) stecke viel Gemeinsamkeit, lediglich bei der Frage der Interpretation der Priorisierung und Intensität der gemeinsamen Herausforderungen scheiden sich noch die Geister. Nun sei ein mode- rierter Prozess zur Strategieentwicklung nötig, sagte Schmal, der Markt lasse dazu im Augenblick den nötigen Freiraum. Milchpolitischer Frühschoppen 2019 Der vom Milchindustrie-Verband traditionell am Rande der Grünen Woche veranstaltete Milchpoli- tische Frühschoppen fand am 22. Januar in der Vertretung des Freistaates Bayern statt. Zum Thema „Tierwohl“ debattierten mit reger Publikumsbeteiligung Dr. Katharina Kluge (Referat 25
Rege Debatte rund um das Thema „Tierwohl“ mit Dr. Katharina Kluge, Thomas Schröder und Meinungsbildnern aus der Milchwirtschaft beim Milchpolitischen Frühschoppen 321 „Tierschutz“ des Bundesministeriums für Er- nährung und Landwirtschaft), Thomas Schröder (Präsident Deutscher Tierschutzbund e. V.), Jan Heusmann (Milchviehhalter Hof Junkernhose/Bex- hövede und Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsens) sowie Chris- toph Bossmann (Geschäftsführer der Osterhusu- mer Meierei Witzwort eG). Moderiert wurde die Veranstaltung von Anselm Richard vom Landwirt- schaftlichen Wochenblatt Westfalen-Lippe. Schröder forderte das sofortige Aus für die Anbin- dehaltung, bot aber ein zweistufiges Tierschutz- label an, das aktuell von 139 Erzeugerbetrieben im Einstiegs- und 85 im Premiumbereich genutzt wird. 25 Lieferanten der Osterhusumer Meierei produzieren unter den Vorgaben des Tierschutzla- bels. Die Höhe der Lizenzgebühren für das Label kritisierte Osterhusumer-Geschäftsführer Boss- mann jedoch offen und forderte ein deutliches Absenken. MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser gab zu bedenken, dass über Gebühren möglicherweise auch andere Aktivitätsbereiche von Verbänden subventioniert werden, die mit der Milchwirtschaft nichts zu tun haben. Staatlicherseits konzentrieren sich die Arbeiten rund um das Tierwohllabel nicht auf die Rinderhal- tung, diese wird wohl erst in einigen Jahren adres- siert, gab Dr. Kluge, BMEL, zu verstehen. In Bezug auf die Rinderhaltung sieht Kluge in der Zucht hornloser Tiere die eleganteste Art, ein besonders akutes Problem der Milchwirtschaft anzugehen. Das aktuell von 34 Molkereien im Pilotprojekt ste- hende Nachhaltigkeitsmodul in QM-Milch dürfte das derzeit bestgeeignete Konzept sein, mit dem sich das Tierwohl auf breiter Linie verbessern lässt. Das von der Branche in Eigenregie entwi- ckelte Modell wird laut MIV-Vorsitzendem Peter Stahl auch im Handel gut angenommen. Ab 2020 wird eine von DAkkS akkreditierte Version von QM-Milch zur Verfügung stehen. Diese zielt auf Milchhygiene und das betriebliche Umfeld und ex- plizit auch auf das Tierwohl ab. Fazit der Veranstaltung: Nur ein breiter Ansatz, der beständig weiterentwickelt wird, kann das Tierwohl voranbringen. Alle Initiativen mit einem x-ten Label können lediglich Partikularinteressen und vielleicht der Differenzierung im Wettbewerb (in absoluten Nischenmärkten) dienen, das Tier- wohl an sich aber nicht wirklich fördern. 26 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Brüsseler Milchgipfel 2019 Einmal im Jahr veranstaltet der MIV einen Brüsse- ler Milchgipfel, an dem hochrangige Podiumsgäste zu einem bestimmten Milchthema diskutieren. Dieses Jahr fand der Milchgipfel am 21. Februar 2019 in der Brüsseler NRW-Vertretung statt. The- ma waren die neuen EU-Regelungen zu unfairen Handelspraktiken und ihr Nutzen für die Milch- wirtschaft. Rund 150 Gäste verfolgten gespannt den Meinungsaustausch zwischen Dr. Rudolf Mögele aus der GD AGRI, Dr. Felix Engelsing vom Bundeskartellamt, Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann vom Landwirtschaftsministerium NRW, Dr. Simon Schlüter vom DBV, Jan Werner von der Metro AG sowie dem Vorsitzenden des MIV Peter Stahl. Kritisiert wurde die Umsatzgren- ze von 350 Mio. Euro, ab der ein Unternehmen nicht mehr unter den Schutz der Regelung fällt. Wie genau die Umsätze zu ermitteln seien, konnte nicht beantwortet werden. Fraglich ist auch, wie intensiv die EU-Richtlinie in den Mitgliedstaaten in Zukunft vollzogen werden wird und ob sie zu zusätzlicher Bürokratie führt. Begrüßt wurde, dass die neue Regelung einheitliche Standards schaffe und etwas Druck von den Erzeugern nehme. Die interessierten Gäste des Gipfels beteiligten sich Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Events rege an der Diskussion unter der Moderation des Journalisten Dr. Detlef Fechtner. 10. Berliner Milchforum Mit der Rekordzahl von über 500 Teilnehmern fand das 10. Berliner Milchforum am 21. und 22. März 2019 statt. Beim größten Branchentreff des deutschen Milchsektors wurden die Chancen und Risiken der Milchwirtschaft im internationalen Handelsumfeld diskutiert. Das Berliner Milchforum bot wieder Milcherzeu- gern, Molkereien, Politikern, Verbänden und Wis- senschaft eine ideale Plattform zum gemeinsamen Austausch sowie zur Entwicklung von Lösungs- ansätzen. „Um auch in Zukunft nachhaltig und wettbewerbsfähig zu sein, muss sich die gesamte Branche weiterentwickeln. Nur gemeinsam sind wir auf dem richtigen Weg!“, betonte Stahl zur Eröff- nung des Milchforums. EU-Agrarkommissar Phil Hogan sprach in einer Video-Grußbotschaft u. a. über die europäische Handelspolitik, Chancen und Herausforderungen neuer Absatzmärkte sowie bevorstehende Risiken Hochrangige Podiumsgäste beim Milchgipfel in Brüssel. 27
Rekordverdächtige Teilnehmerzahl beim 10. Milchforum in Berlin. zum Beispiel durch den Brexit. In der Podiumsdis- kussion tauschten sich Politiker und Praktiker unter dem Motto „Export oder Heimatmarkt – Wo liegt die Zukunft“ aus. Die Tagung wird vom MIV und dem Deutschen Bauernverband (DBV) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) aus- gerichtet. Das 11. Berliner Milchforum wird am 19./20. März 2020 stattfinden. Kommunikation: Milch als Lebensmittel und Mittel zum Leben Die Erzeugerpreise für Milch entwickelten sich zu- letzt auf Nicht-Krisenniveau eher seitwärts, was auf Medienseite zu wenig Nachfragen im Bereich Milch- preise führt. Erstaunlicherweise vermochten auch die sinkenden Butterpreise für den Verbraucher, von Rekordhöhen kommend, in den letzten Mona- ten kaum die Schlagzeilen zu bestimmen. Dagegen haben die Entwicklung verschiedener Foodtrends und das Thema Essen als Identitätsbil- dung eine zunehmende Bedeutung erlangt. Beson- ders junge Menschen wollen Antworten im Bereich Ethik, Genuss, Nachhaltigkeit und Gesundheit – und sie wollen Esserlebnisse und -lösungen für die An- forderungen des Alltags, am besten noch mit der Maßgabe einer Orientierung, sowohl mit als auch ohne Milchprodukt als wertvollen Teil der täglichen Nahrungsaufnahme. Lebensmittel müssen heute gut und gesund sein – früher hat gesund gereicht. Soziale Medien bieten dabei Möglichkeiten der verbraucher- und alltagsnahen Kommunikation, bringen aber auch Herausforderungen hinsicht- lich irreführender Ernährungsinformationen mit sich. Experten-Know-how ist wichtig, verliert in der Wahrnehmung durch die sozialen Medien gegenüber Alltagswissen allerdings an Bedeutung. Irritierend ist auch das geringe fundierte Vorwissen der Bürger in der Diskussion zu einfachen Sachverhalten der Landwirtschaft und Tierhaltung, wobei Tierwohl bei vielen Menschen oben auf der Agenda steht. Die Nutzung vieler Kanäle in der Kommunikation ist daher umso wichtiger, um verschiedene persön- liche Plattformen der Ansprache zu schaffen und als Milchindustrie-Verband Ansprechpartner für recherchierende Journalisten sowie Privatpersonen zu sein. Es geht darum, das Wissen zu den Vorteilen von Milchprodukten in der Ernährung einfließen zu 28 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
lassen, aber auch die Komplexität des Milchmarktes und der Tierhaltung zu erklären. Die persönliche Kontaktpfl ege zu wichtigen Journalisten und Redak- tionen sowie die tägliche Beantwortung von Me- dienanfragen und Pressegespräche im Rahmen der Grünen Woche, des Berliner Milchforums oder der MIV-Jahrestagung sind dabei wichtige Instrumente in der Kommunikation rund um das Thema Milch. Zahlen-Daten-Fakten rund um den Milchmarkt Wichtig für eine fundierte Argumentation ist und bleibt eine gesicherte Faktenlage. Die Zahlen, Daten und Hintergründe, welche kontinuierlich durch die ZMB GmbH aufbereitet und den Mit- gliedsunternehmen zur Verfügung gestellt werden, bilden dafür eine hervorragende Grundlage. Die durch die ZMB herausgearbeiteten Informationen und Zusammenhänge fi nden auch Verwendung auf der öffentlichen Website des MIV unter www.milch- industrie.de. Wiederkehrende Fragestellungen zum Milchmarkt werden hier auch als FAQ aufbereitet und stetig ergänzt. Auf www.meine-milch.de fi nden sich weiterhin interessante und verbrauchernah aufbereitete Informationen rund um die Milch, wie z. B. das umfangreiche und weiter wachsende Nachschlagewerk MILKIPEDIA. Krisenmanagement: Umgang mit NGOs In einem Tagesworkshop mit 18 Vertretern aus Ge- schäftsführung, Qualitätsmanagement und PR-Spe- zialisten der Mitgliedsunternehmen wurde im Juni 2019 in Köln intensiv der Austausch und Umgang mit NGOs behandelt – sowohl in der Theorie disku- tiert als auch in Praxis geprobt. Als Gast und Diskus- sionspartner fand ein konstruktiver und respektvol- ler Austausch mit einem Vertreter einer bekannten NGO statt – mit Lerneffekten auf beiden Seiten. Ergänzt wurde das Seminar durch einen praktischen Teil vor der Kamera, in dem typische Interviewsitua- tionen eines Krisenfalls simuliert wurden. Begleitet wurde das Seminar durch einen erfahrenen Kommu- nikationsexperten und Medientrainer. Neue politische Dialogformate des MIV Neben dem regelmäßig erstellten Milchpolitikreport zu aktuellen Themen der Milch hat der MIV fünf Ideen für politische Dialogformate erarbeitet und Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Events umgesetzt. Nach der Bundestagswahl 2018 konn- ten mit dem neu ins Leben gerufenen Referenten- frühstück bereits neue Kontakte in die politischen Kreise geknüpft werden. Als äußerst wertvoll schätzen dabei die Teilnehmer aus der Politik den Austausch und die Möglichkeit, Fragen zum Milch- bereich schnell und kompetent beantwortet zu bekommen. Die dritte Veranstaltung dieser Art ist bereits für den Herbst 2019 in Planung. Als zweites Projekt im Jahr 2019 wurde erstmals ein Milchprodukte-Atlas erstellt, in dem Minister und Politiker des Deutschen Bundestags ihr Lieb- lingsmilchprodukt aus der Region vorstellen. Eine überwältigende Beteiligung und viele schöne Ge- schichten bringen die persönliche Verbundenheit mit der Region und dem Lebensmittel Milch zum Ausdruck. Nebenbei zeigt dieser Atlas eine tolles Genussbild: So vielfältig ist Deutschland. Der Milch- produkte-Atlas ist zu beziehen über den MIV. Twitter – kurz und schnell in sozialen Medien Im Kommunikations-Mix ist der Twitter-Kanal des MIV eine gute Ergänzung in Richtung Politik, Jour- nalisten sowie interessierte Stakeholder. Ziel ist es, eigene Botschaften zu platzieren, Reichweite unse- rer Botschaften zu erhöhen sowie schnell reagie- ren zu können, um so das Meinungsbild in sozialen Netzwerken verfolgen und mitgestalten zu können. Folgen Sie uns auf Twitter, bleiben Sie informiert und lassen Sie uns die Reichweite unserer Stimme in den sozialen Netzwerken stärken. Follow @milchindustrie 29
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Wissenschaft und Forschung Reformulierung Wissenschaft Forschung Gesunde Ernährung Nachhaltigkeit Qualitätssicherung 31
Innovationen für eine nachhaltige Milchwirtschaft Die Anforderungen der Konsumenten an das Produkt Milch und die dazugehörigen Rahmenbedingungen rund um die Produktion steigen stetig. Innovationen aus Forschungsvorhaben können auf die Verbrau- cherbedürfnisse eingehen und neue Lösungen hervorbringen. Nachhaltigkeit und Tierschutz im Milchsektor weiter im Fokus Nachhaltigkeit und Tierwohl bzw. Tierschutz stehen in der Öffentlichkeit, in der Presse, beim Handel und bei den anderen Kunden der Molkerei- en nach wie vor klar im Mittelpunkt. NGOs treten an Molkereien heran, ebenso der Lebensmittel- einzelhandel (LEH) und konzentrieren sich auf die Milcherzeugung. Entscheidend ist, dass Landwirte unter Hilfestellung der Molkereien aktiv werden. Daher wurde vom QM-Milch e. V., gemeinsam mit dem Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, ein Nachhaltigkeitsmodul mit der Zielsetzung einer flächendeckenden Umsetzung erarbeitet. Das Mo- dul kann freiwillig von den Molkereien als Basis- tool angewendet werden, wenn diese ein Nachhal- tigkeitskonzept umsetzen wollen. Mit dem Nachhaltigkeitsmodul wurden die drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) um den Bereich Tierwohl ergänzt und noch stärker in der Milcherzeugung verankert, um dadurch auch Weiterentwicklungsprozesse auf einzelbetrieblicher Ebene anstoßen zu können. Bei der Entwicklung waren Milchviehhalter sowie Molkereivertreter aus verschiedenen Bundeslän- dern einbezogen, um praxistaugliche Lösungen zu erhalten. Die derzeitige öffentliche Förderung der Pilotpha- se zum Nachhaltigkeitsmodul erfolgt aus Mitteln des Landwirtschaftsministeriums (BMEL). Projekt- träger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms Innovationsförderung. Das Pilotprojekt, an dem private und genossenschaftliche Molkereien teil- nehmen, läuft bis April 2020. wirte sowie ein Konzept zum Umgang mit den Ergebnissen auf Molkereiebene im Hinblick auf die Formulierung von Nachhaltigkeitszielen und wie diese erreicht werden können. Letztendlich wird die Überarbeitung der Dokumente und der Ergeb- nisdarstellungen für die Molkereien und Landwirte aufgrund der gemachten Erfahrungen geprüft. Die ausgewerteten Datensätze der Landwirte wur- den an die Molkereien versandt. Die erste Gesamt- auswertung zeigt, dass Milcherzeuger mit einer guten Ausbildung punkten, sie produzieren „grüne Energie“, tragen zur Biodiversität bei, legen Wert auf Tierwohl sowie das Ehrenamt. Kritisch gesehen werden z. B. die hohe Arbeitsbelastung, das Risiko- management und das Nährstoffmanagement. Das Nachhaltigkeitsmodul unterstützt die Kom- munikation und trägt zur Vertrauensbildung bei. Nach Auslaufen der finanziellen BLE-Förderung 2020 hat sich der QM-Milch-Vorstand für die Fortsetzung des Moduls mit dem Thünen-Institut ausgesprochen. Qualitätsmanagement Milch (QM-Milch) weiter auf gutem Weg Der QM-Milch-Standard umfasst die Qualitätssi- cherung auf der Stufe der Milcherzeugung, wobei die Rohmilch betroffen ist. Auf Grundlage dieses Standards erstellen die Molkereien ihre eigenen HACCP-Konzepte. Er erhöht die Transparenz der in Jahrzehnten aufgebauten und ständig verbesser- ten Qualitätssicherung in der deutschen Milchwirt- schaft. Das dient der bundesweiten Absicherung des hohen Qualitätsniveaus und der imagefördern- den Kommunikation mit Verbrauchern und dem Lebensmitteleinzelhandel. Das Konzept umfasst die Auswertung der Daten von den teilnehmenden Molkereien, die Erstellung von Benchmark-Rückmeldebögen an die Land- Ziel ist die flächendeckende Umsetzung des Stan- dards. Der LEH erwartet von den Molkereien, dass die Milcherzeugerbetriebe wie bei QM-Milch in 32 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Deutschland nach einem definierten Standard von externen Zertifizierungsgesellschaften regelmäßig auditiert werden. Der Standard wurde zur Version 2020 überarbeitet: Dabei erfolgt die Entscheidung über das bestandene Audit aus der Punktzahl der erfüllten Kriterien. Die Audithäufigkeit ergibt sich aus der Bewertung der Risikogruppen Tierschutz, Hygiene Milch und Betriebliches Umfeld. Der QM- Milch-Vorstand hat der Aktualisierung zugestimmt. „Ohne-Gentechnik“-Milch fordert weiter Reformen Der Qualitätsstandard deutscher Milch und Milchprodukte ist einer der höchsten weltweit. Zahlreiche Unternehmen arbeiten nach dem „Ohne-Gentechnik“-Standard. Dieser wird vom Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG) vergeben. Der Umsatz von „VLOG-Ware“ lag 2018 bei 7,7 Mrd. Euro. Davon stammten 66 % aus Milch und Milchprodukten. Dieses zeigt die überragende Relevanz des Milchsektors. Der Milchindustrie-Verband erwartet, dass die zahlreichen Anregungen und Kritikpunkte aus dem Milchsektor von VLOG aufgenommen und berück- sichtigt werden. Themen sind u. a. Umfang des Standards, Rücklagen bei VLOG und Rückerstat- tung an Molkereien, Häufigkeit Standarderarbei- tung/Neuerungen oder die Frage der Notwendig- keit eines Büros in Brüssel. Insgesamt erwartet die Milchbranche deutliche Reformen. Wissenschaft und Forschung Medien: Bewertung auf wissenschaftlicher Basis Kurze Schlagzeilen reduzieren häufig komplexe Forschungsergebnisse auf knappe Aussagen. So werden z. T. Auszüge aus einzelnen Studien zitiert oder unbestätigte Hypothesen kommuniziert. Welt- weit empfehlen Fachgesellschaften den Verzehr von Milch und Milchprodukten im Rahmen einer ausge- wogenen Ernährung. Dieses sollte sich auch in den Medien widerspiegeln. Aus MIV-Sicht ist es unbe- rechtigt, einfach einzelne negative Aussagen als neue und einzige Wahrheit zu verkaufen und Milch so in Misskredit zu bringen. Glaubwürdige Publika- tionen basieren auf einer ausführlichen Auswertung der gesamten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Marienfelder Gespräch 2019: Wissenschaft und Molkereiindustrie im Austausch Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin fand am 21. Januar 2019 zwischen der Lei- tung von BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) und BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), MRI (Max Rubner-Institut) sowie dem Vorstand des Milchindustrie-Verbandes das Marienfelder Gespräch statt. Produktreformulierung: Milchsektor auf dem Weg Das Bundeskabinett hat die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten im Dezember 2018 verabschie- det. Sie soll dazu beitragen, eine gesunde Lebens- Marienfelder Gespräch 2019 mit Beteiligung der Leitung von BfR, BVL, MRI sowie dem Vorstand des MIV 33
weise zu fördern sowie die Übergewichtsrate, insbesondere bei Heranwachsenden, und ernäh- rungsmitbedingte Erkrankungen zu vermindern. Beteiligt sind die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure wie Politik, Verbraucher, Wissenschaft, Gesundheit und die Lebensmittelwirtschaft. Basis für die betroffene Lebensmittelwirtschaft ist die sog. Grundsatzvereinbarung, die mit dem BMEL abgeschlossen wurde und die Ziele sowie Möglichkei- ten aber auch Grenzen aufzeigt. Maßnahmen sollen ergriffen werden, die die Energiezufuhr der Bevölke- rung durch die Reduktion des Zuckergehaltes und/ oder des Fettgehaltes und/oder der Portionsgrößen von Lebensmitteln senken, dabei jedoch die Nähr- stoffversorgung der Menschen im Blick behalten. Einzelne Lebensmittelbranchen haben bereits über- prüfbare Prozessvereinbarungen abgegeben; die Basis ist das Monitoring des Max Rubner-Instituts (MRI) aus 2016. Der Milchindustrie-Verband hat die verschiedenen Kriterien in seinem Branchen- beitrag aufgenommen, der sich neben Forschungs- und Kommunikationsmaßnahmen auf den zuge- setzten Zucker in Kinderjoghurt fokussiert. Der Prozess der Reduktions- und Innovationsstrategie März 2018 § Sommer 2018 September 2018 Dezember 2018 2019 2025 Strategie –5% –15% –10% Koalitionsvertrag: Auftrag Dialoge mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft Unterzeichnung der Grundsatz- vereinbarung Verabschiedung der Strategie Konkretisierung von Prozess- und Ziel- vereinbarungen Ziele erreicht Beratung und Unterstützung durch Begleitgremium Kontinuierliches, engmaschiges Monitoring Quelle: BMEL welches System bevorzugt und national eingeführt wird. Vorgeschlagen wurden der Nutri-Score, das MRI-Modell, der Ansatz der Lebensmittelindustrie und das Key-Hole-Modell aus Skandinavien. Schwachpunkt der bewertenden Ansätze ist der Versuch, die verschiedenen und vielfältigen Le- bensmittel als Teil unserer hochkomplexen Er- nährung anhand weniger Kriterien zu beurteilen. Insgesamt ist eine farblich hinterlegte Verpa- ckungskennzeichnung ein (zu) einfaches Modell, um die Vielfalt und Komplexität unserer Lebensmittel gebührend zu bewerten. Einheitliche „Laktosefrei“-Definition Die Arbeitsgruppen „Fragen der Ernährung“ und „Milch und Milchprodukte“ der Lebensmit- Farbliche Nährwertkennzeichnung? Der Koalitionsvertrag sieht u. a. vor, dass bis zum Sommer 2019 ein Modell zur verständlichen und vergleichbaren Lebensmittelkennzeichnung für verarbeitete und verpackte Lebensmittel er- arbeitet und unter Beachtung der EU-rechtlichen Situation in Deutschland eingeführt wird. Das Max Rubner-Institut hat 2018/19 verschiedene Modelle geprüft und selbst einen eigenen Ansatz auf Basis der Health Claims-Verordnung mit einer Bewer- tung anhand von Sternen entwickelt. Auch die Lebensmittelwirtschaft verständigte sich auf ein einheitliches Nährwertkennzeichnungs- modell, das die wesentlichen Nährstoffe sowie die Kalorienzahl anschaulich und leicht verständlich bezogen auf 100 g visualisiert, ohne dabei zu be- werten. Das BMEL wird dazu Verbraucher befragen, 34 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Wissenschaft und Forschung Bundesministerin Klöckner stellte in der Pressekonferenz zur erweiterten Nährwertkennzeichnung am 27.06.2019 vier Modelle vor, die in die Verbraucherbefragung gingen. Quelle: BMEL/Photothek telchemischen Gesellschaft (Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, GDCh) haben das Positionspapier zu den Angaben „laktose- frei“ und „laktosearm“ aus 2005 überarbeitet. Dabei werden jetzt die Angaben „laktosefrei“ und „galaktosefrei“ sowie eindeutig die Laktose-Intole- ranz von der Galaktosämie getrennt. Des Weiteren berücksichtigt die überarbeitete Kennzeichnungs- empfehlung zu „laktosefrei“ (≤ 0,1 g Laktose/100 g) den aktuellen wissenschaftlichen Stand sowie die rechtlichenVorgaben und Marktgegebenheiten. Der Begriff „laktosearm“ ist im Lebensmittelrecht nicht definiert. Kein Höchstwert für natürliche TFA Die EU-Kommission hat die Verordnung (EU) 2019/649 betreffend andere Trans-Fettsäuren (TFA) als solche, die auf natürliche Weise im Fett tierischen Ursprungs vorkommen, verabschiedet. Damit wird der Gehalt von industriellen Trans-Fett- säuren (iTFA) in Lebensmitteln auf maximal 2 g/100 g Fett begrenzt. Dadurch wurden natür- licherweise vorkommende TFA eindeutig von den iTFA differenziert. Für natürliche TFA gibt es keinen Höchstwert. Chlorat-Rückstände: Abschließender EU-Vorschlag? Auf EU-Ebene wird seit Jahren über einen Chlo- rat-Rückstandshöchstgehalt (RHG) in Lebensmit- teln diskutiert. Der Eintrag über das Trinkwasser ist unbestritten, aber eine konsistente Regelung zwi- schen Lebensmitteln und Wasser ist nicht in Sicht. Für die Kategorie „Milch“ soll der RHG nun bei 0,1 mg/kg Milch liegen. Hier sind Rohmilch, wärme- behandelte Milch und Milch zur Herstellung von Milchprodukten (wie Joghurt, Molke, Käse entspre- chend der gemeinsamen Marktordnung, Verord- nung (EU) Nr. 1308/2013) eingeschlossen. Weiterhin gilt der RHG für verzehrfertige Milch, die als solche vermarktet wird oder entsprechend den Hersteller- angaben rekonstituiert wurde. Über diesen Ent- wurf soll aus Sicht der EU-Kommission im Herbst 2019 abgestimmt werden, sonst würde der Stan- dard-Wert von 0,01 mg/kg Produkt greifen. Milch ist wichtige Nährstoffquelle Die Milchwissenschaftler Prof. Christian A. Barth und Dr. Katharina Scholz-Ahrens haben die Nähr- stoffzusammensetzung und die ernährungsphysio- logischen Effekte von Milch mit pflanzlichen Drinks 35
verglichen. Im Ergebnis enthält Milch von Natur aus viele essenzielle Nährstoffe und insbesondere hochwertiges Protein. Zehn g Protein aus Milch kosten 0,30 Euro, während für zehn g Protein aus einem Macadamia-Nuss-Getränk 13,30 Euro be- zahlt werden müssen. Milchähnliche Pflanzendrinks können anti-nutritive Komponenten aufweisen. Diese blockieren die Nährstoffaufnahme. Insgesamt sehen die Wissenschaftler den Austausch von Milch durch nichtangereicherte Imitate kritisch. Milch besitzt antioxidative Eigenschaften Die Aufnahme und körpereigene Bildung so ge- nannter freier Radikale führt zu oxidativem Stress, der für die Entstehung verschiedener Krankheiten und Alterungsprozesse verantwortlich ist. Antioxi- dantien machen freie Radikale unschädlich. Auch Milch und Milchprodukte enthalten natürlicherwei- se Antioxidantien, wie schwefelhaltige Aminosäu- ren, bestimmte Vitamine und Mineralstoffe sowie Enzyme. Während der Fermentation können zudem Antioxidantien gebildet werden. Käse schützt Kinder vor Allergien In einer europäischen Studie wurde festgestellt, dass der Verzehr von Käse bei Kindern im Alter von 12 bis 18 Monaten das Risiko senkt, später – im Alter von sechs Jahren – an Allergien zu erkranken. Je höher die Vielfalt an Käse, desto geringer war das Vorkommen von Allergien. Jetzt soll die Darmflora der Kinder untersucht werden. Aktuelle ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Milch Experten forschen weltweit zum gesundheitlichen Wert von Milch und Milcherzeugnissen. Der MIV berichtet kontinuierlich: • Eine kanadische Untersuchung zeigt, dass der Joghurt-Verzehr vor einer Insulin-Resistenz bei Jugendlichen mit einem Übergewichtsrisiko schützen könnte, unabhängig von der Körper- zusammensetzung und den erfassten Lebensstil- faktoren. • Ein regelmäßiger Verzehr von Milch (≥ sieben Portionen pro Woche) reduziert das Vorkommen 36 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 von Parodontitis um 26 % bei koreanischen Er- wachsenen. • Die Gabe von Molkenprotein ist ein hilfrei- cher Weg, um der Abmagerung in Folge einer Krebserkrankung entgegenzuwirken. Der hohe Leucin-Gehalt und die Modulation von Wachs- tumsfaktoren sind wichtige Faktoren gegen den Muskelabbau. • Prof. Dr. Sven Schneider (Universität Heidelberg) untersuchte das Angebot an „Kindergerichten“ auf deutschen Restaurant-Speisekarten und be- wertete die Auswahl als eintönig und ungesund. Pommes frites waren mit über 54 % der Haupt- bestandteil der Speisen. Am häufigsten wurden Chicken Nuggets mit Pommes frites oder Nudeln mit Soße angeboten. Nur 12,5 % der Gerichte enthielten Milch oder Milchprodukte. Neue BMEL-Ernährungsinitiative für Senioren Die Förderung der Aktivitäten zur besseren Er- nährung älterer Bürger ist das Ziel der Ernäh- rungsinitiative für Seniorinnen und Senioren. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirt- schaft unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) über das Projekt „IN FORM in der Gemeinschaftsverpflegung“ mit drei Mio. Euro über drei Jahre. Eine ausgewogene und vielfältige Ernährung, die die speziellen Bedürfnisse der Senioren berücksichtigt, hat eine zentrale Bedeutung für die Erhaltung der Gesundheit. Ebenso wird ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung der Eigenständigkeit von Senioren und auch zur Prävention von Mangelernährung geleistet. Mikro-RNA in Milch: Gesundheitsrisiko sehr unwahrscheinlich Ein Ribonukleinsäure(RNA)-Typus ist die Mikro-RNA (miRNA). Ihre Aufgabe ist die Kontrolle zahlreicher Prozesse in einer Zelle. Einige dieser miRNA wur- den jedoch mit der Entstehung von Tumoren und anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die möglichen Gesundheitsrisiken durch die in Kuhmilch und Milchprodukten enthaltene miRNA bewertet.
Auf Basis der aktuell vorliegenden Daten zu miRNA schätzt das BfR 2019 Auswirkungen von mit der Milch aufgenommener miRNA auf die menschliche Gesundheit als sehr unwahrscheinlich ein. Die bishe- rigen wissenschaftlichen Erkenntnisse liefern keinen Grund, der Allgemeinbevölkerung vom Konsum von Milch und Milchprodukten in den empfohlenen und in Deutschland üblichen Verzehrmengen abzuraten. Forschungshypothesen widersprechen Empfehlungen Es wird teilweise angenommen, dass über eine virusähnliche neuartige DNA (sogenannte BMMF, bovine milk and meat factors) in Milch und Fleisch Brust- und Dickdarmkrebs ausgelöst wird. Die wis- senschaftliche Bewertung dieser Forschungsansät- ze durch das BfR und MRI führte zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung möglicher Risiken durch die sogenannten BMMF als mögliche Krebsrisikofak- toren aufgrund unzureichender Datenlage bisher nicht möglich ist. Die bisherigen epidemiologischen Betrachtungen stellen keinen kausalen Zusammen- hang zum Auftreten von Krebs dar. Es wird darauf hingewiesen, dass ein hoher Verzehr von Milch und Milchprodukten mit einem verminderten Darm- Wissenschaft und Forschung krebsrisiko einhergeht und dass laut Weltkrebs- report (2018) der Konsum von Kuhmilch nicht zu einem vermehrten Auftreten von Brustkrebs führt. BfR und MRI schlussfolgern: „Nach dem gegen- wärtigen Stand des Wissens wird der Konsum von Kuhmilch weiterhin uneingeschränkt empfohlen.“ Ideenbörse Forschung 2018: „Milch hat Zukunft – Unausgeschöpfte Potentiale“ Alle zwei Jahre, im Wechsel mit dem Wissen- schaftlichen Beirat, veranstaltet der MIV die Ideenbörse Forschung in Fulda. Die 10. Ideenbörse Forschung fand am 14./15. November 2018 unter dem Titel „Milch hat Zukunft – Unausgeschöpfte Potentiale“ statt. Die Veranstaltung war auch in diesem Jahr ausgesprochen praxisnah ausge- richtet. Es wurde diesmal die Frage der Nutzung von Milch als Wertstoff betrachtet. Schwerpunkte waren die höhere Wertschöpfung durch Inno- vationen, wie z. B. Gesamtkostenminimierung/ Umsatzerlösmaximierung, Blick auf Protein- und Fetttechnologie, Entwicklungen bei Entkeimungs- verfahren, Weg zu emissionsarmen Betrieben, Zuckervarianten sowie Konzepte für Sensoren im Produktionsprozess. Die Referenten und Moderatoren der 10. Ideenbörse Forschung Quelle: MIV 37
Der Vorsitzende der AG Forschung Dr. Hans Besner (links) übergab den Milch-Wissenschaftlichen Innovationspreis 2018 an Prof. Dr. Thomas Henle Quelle: MIV Ehrung für Prof. Henle mit dem Milch-Wissenschaftlichen Innovationspreis Seit 2010 vergibt der Milchindustrie-Verband einen Forschungspreis. Dieser kann jährlich verliehen werden. Damit soll die Relevanz von Forschung und Wissenschaft im MIV deutlich sichtbar ge- macht werden. Der Preis wird für innovative milchspezifische und praxisnahe Leistungen aus den verschiedenen Wissenschaftsbereichen, von den Naturwissenschaften bis zur Rechts- und Wirt- schaftswissenschaft, die für die Molkereipraxis und Milchwissenschaft von besonderer Bedeutung sind, vergeben. Der Milch-Wissenschaftliche Innovationspreis ging 2018 an Herrn Prof. Dr. Thomas Henle von der Technischen Universität Dresden. Wissenschaftlicher Beirat 2019 in Hamburg Seit 1950 gibt es den Wissenschaftlichen Beirat des Milchindustrie-Verbandes. Das nächste und 44. Treffen wird vom 14. bis 16. November 2019 statt- finden. Namhafte Vertreter aus sämtlichen Berei- chen der Wissenschaft, von den Naturwissenschaf- ten bis zur Rechts- und Wirtschaftswissenschaft sind Mitglied. Sie kommen regelmäßig in einem zweijäh- rigen Turnus zusammen, um mit dem Vorstand des MIV, Unternehmensvertretern und Gästen aktuelle Themen aus der Milchwirtschaft zu diskutieren. Auch in diesem Jahr wird das Vortragspro- gramm wieder vielseitig sein. So werden u. a. die Themen Reduktions- und Innovationsstrategie, Genom-Editing, Kosten und CO2-Äquivalente in Zu- sammenhang mit der Milchtrocknung, Fake News, Tierschutz bei Kühen, nachhaltige Verpackung diskutiert. MIV, der starke Forschungspartner in der Milchbranche In den letzten 22 Jahren wurde mit 46 Instituten/ Professoren an 23 Standorten erfolgreich zusam- mengearbeitet. Darüber hinaus gehören weitere Professoren an zusätzlichen Standorten über den Wissenschaftlichen Beirat des Milchindustrie-Ver- bandes zum Forschungsnetzwerk. Um den Kontakt zu den Forschungsstandorten weiter zu intensivieren, finden die Sitzungen der Arbeitsgruppe Forschung regelmäßig an verschie- denen Instituten statt und es werden Institutslei- ter als Gäste zu den Sitzungen geladen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, neue Forschungsansätze vorzustellen. Im Berichtszeitraum wurden das 38 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Wissenschaft und Forschung Standorte der deutschen Milchforschung • Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V. (DIL) • Eidgenössische Technische Hochschule Zürich • Fachhochschule Hannover • Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg • Friedrich-Löffler-Institut • Friedrich-Schiller-Universität Jena • Gottfried Wilhelm Leibnitz Universität Hannover • Hochschule Anhalt • ife Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswissenschaft e. V. • Justus-Liebig-Universität Gießen • Karlsruher Institut für Technologie (KIT) • Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) • Max Rubner-Institut (MRI) Kiel/Karlsruhe • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn • Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover • Technische Universität Berlin • Technische Universität Dresden • Technische Universität Kaiserslautern • Technische Universität München • Technische Universität München (WZW) • Technische Universität München (ZIEL) • Thünen-Institut für Betriebswirtschaft • Universität Bayreuth • Universität Hamburg • Universität Hohenheim • Veterinärmedizinische Universität Wien Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Ver- packung IVV und der Lehrstuhl für Lebensmittel- chemie und molekulare Sensorik der TU München in Freising besucht. (BMWi), um Forschungsvorhaben zu initiieren, die in enger Zusammenarbeit zwischen der Arbeits- gruppe Forschung und den wissenschaftlichen Instituten entwickelt werden. Forschung mit Perspektive, stets anwendernah und innovativ Der MIV nutzt dabei das Programm zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Der Milchindustrie-Verband ist einer der for- schungsintensivsten Ernährungsbereiche im FEI (Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V.). Die Unternehmen beteiligen sich über den MIV mit einem zehnprozentigen Industrieanteil bezogen auf die Förderung durch das BMWi. Branchenfokus der FEI-Projekte Fleischerzeugnisse 6 % (–1 %) Produkte sonstiger Wirtschaftszweige 15 % Obst- und Gemüseerzeugnisse 9 % Getränke 20 % (+2 %) Getreideerzeugnisse 17 % (+3 %) Süßwaren 8 % (0 %) Milch/Molkereiprodukte 25 % (+1 %) Quelle: Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V. 39
MIV-Forschungsprojekte 2005–2018 angenommen abgelehnt 17 9 10 5 8 5 7 7 4 3 4 9 5 3 7 8 1 7 10 5 4 9 5 4 2 11 2 5 2005 2006 2007 2008 2009 20102 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Gemeinschaftsforschung fördert Nachwuchs Den Nutzen aus den Vorhaben und Kontakten ha- ben nicht nur die Wirtschaft und die Wissenschaft. Gleichzeitig werden durch die Projektbearbeitung Nachwuchswissenschaftler ausgebildet, die später in der Wirtschaft hoch qualifiziert eine Anstellung finden können. Qualifizierte milchwissenschaftliche Experten werden in den verschiedensten Bereichen benötigt. Selektion sichert Praxisnähe, Nutzen und umfängliche Bewilligung Von 2008 bis 2018 wurden in der Arbeitsgruppe Forschung insgesamt 122 Projekte geprüft. Davon sind ca. 40 % der Ideen u. a. wegen der zu dem Zeitpunkt fehlenden Praxisrelevanz vom MIV nicht weiterverfolgt worden. Dieses sichert die hohe Qualität der Anträge und damit den Nutzen für die Milchindustrie. Forschung im MIV: Seit über 22 Jahren erfolgreich etabliert Im MIV werden seit 1997, d. h. seit über 22 Jahren, durch die Arbeitsgruppe Forschung vorwettbewerb- liche Gemeinschaftsforschungsvorhaben initiiert und begleitet; zahlreiche Projektvorschläge kom- men direkt aus der Wissenschaft. Seit Gründung der AG Forschung im Jahr 1997 hat das BMWi bis 2018 über 41 Mio. Euro öffentliche Mittel für MIV-Projekte zur Verfügung gestellt. Dabei laufen die Forschungsvorhaben nach den jetzigen AiF-Strukturen über 2 bis 2½ Jahre bei einem För- dervolumen je Institut von maximal 250.000 Euro. Die hohe Bewilligungsquote resultiert aus der gu- ten Vorbereitung durch Wissenschaft und Industrie. Gemeinschaftsforschungsprojekte BMWi/AiF Fördervolumen (EUR) Anzahl der Projekte 4.000.000 3.500.000 3.000.000 2.500.000 6 6 6 6 11 7 5 5 5 5 5 6 2.000.000 4 4 4 4 4 4 1.500.000 1.000.000 500.000 0 1 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 3 2 40 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Die Qualität der Vorselektion und Begleitung sichert und erhöht die Aussicht auf die Bewilligung. 2019 erfolgte bereits die Bewilligung von Forschungs- vorhaben mit einem Gesamtvolumen von über 1,3 Mio. Euro. Neben den Projekten der Industriellen Gemein- schaftsforschung ist der Milchsektor auch an meh- reren BLE-Forschungsvorhaben beteiligt. Neue MIV-Studie zur Milchforschung zeigt Handlungsbedarf Auf Initiative der Milchindustrie wurde im MIV bereits 2007 in Zusammenarbeit mit der Wissen- schaft eine Studie zum Milchforschungsstandort Deutschland erstellt. Die Aktualisierung der Studie „Eine leistungsfähige Forschung für die Milchwirt- schaft in Deutschland“ erfolgte 2019 erneut in Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Dr. Hans-Jürgen Block, Agrarökonom und ehem. Vorstand der Inno- vationsstiftung Schleswig-Holstein. Die neue MIV-Studie kommt u. a. zu folgenden Ergebnissen: • Die Kapazitäten der öffentlichen Milchforschung Wissenschaft und Forschung • Die Möglichkeiten der Ressortforschungsinsti- tute für kooperative Projekte mit der Industrie sollten auch im Interesse einer wirksamen Poli- tikberatung erhalten und gepflegt werden. • Neben den bewährten Förderprogrammen für kurzfristige Projekte sollten vermehrt auch mit- tel- und langfristig ausgelegte Förderprogramme aufgelegt werden. • Die Bedingungen der Industriellen Gemein- schaftsforschung (IGF) des Bundeswirtschafts- ministeriums bedürfen angesichts der Preis- entwicklung und des Strukturwandels in der mittelständisch geprägten Milchindustrie einer Aktualisierung. • Über Bachelor-, Master- und Promotionsarbeiten können die Unternehmen ihre Personalrekrutie- rung und die Weiterbildung ihres Nachwuchses stärken. • Kooperationen zwischen Milchindustrie und Fachhochschulen sind nicht nur beim Dualen Studium, sondern auch bei Forschungsprojek- ten ausbaufähig, vor allem auf dem Fachgebiet Lebensmitteltechnologie. sind heute nur noch bedingt ausreichend. Von Unternehmen wird zudem eine Tendenz zur Grundlagenorientierung der Universitätsinstitute beklagt und eine höhere Wertschätzung für an- wendungsorientierte Forschung und Kooperation mit Unternehmen gefordert. Die Schlussfolgerungen sind eine wertvolle Basis für die anstehende Diskussion mit Wissenschaft und Politik für den Erhalt einer leistungsfähigen Milchforschung in Deutschland. In der MIV AG Forschung wird die MIV-Strategie für vorwettbe- werbliche Forschung mit Maßnahmen hinterlegt. • Bund und Länder sollten sich um eine wirksame überregionale Koordination der Entwicklungen in den Agrar- und Lebensmittelwissenschaften be- mühen und verhindern, dass unkoordiniert durch regionale Entscheidungen Forschungskapazitä- ten umgewidmet werden und für die Kooperation mit der Wirtschaft verloren gehen. • Disziplinen wie die Lebensmitteltechnologie haben einen relativ hohen Investitionsbedarf, um nachhaltig als leistungsfähiger Partner mit den Unternehmen kooperieren zu können. Dieses ist bei der Budgetierung der Institute zu beachten, da Investitionen im Regelfall nicht über For- schungsprojekte finanziert werden können. 41
42 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Recht und Qualität Viele Gesetze betreffen die Milchwirtschaft 43
Entscheidende Entwicklungen im Milchrecht Im Verlauf des letzten Geschäftsjahres haben Entscheidungen der Jurisdiktion Einfl uss genommen auf Entwicklungen innerhalb der Bereiche Bezeichnungsschutz, Herkunftsbezeichnungen sowie Vermarktungsstandards. Die Auswirkungen der entsprechenden Entscheidungen betreffen auch die Milchindustrie. Beispiel für einen fehlenden Bezeichnungsschutz Milchrechtlicher Bezeichnungsschutz – eine Bestandsaufnahme Trotz des „Tofubutter-Urteils“ des Europäischen Gerichtshofs hat der Bundesgerichtshof mit Be- schluss vom 31. Januar 2019 (Az.: I ZR 112/18) in dem Verfahren „Butasan“ in der Aussage „Die rein pfl anzliche Alternative zu Butterschmalz“ keinen Verstoß gegen den milchrechtlichen EU-Bezeich- nungsschutz gesehen. Eine Vorlage an den Euro- päischen Gerichtshof hat der Bundesgerichtshof abgelehnt, weil er keinen Anlass zur Weiterentwick- lung der Rechtsprechung erkennen konnte. Damit sind die Entscheidungen der beiden Vorinstanzen rechtskräftig. Sie hatten keine Irreführung der Verbraucher gesehen, weil es sich nach ihrer Auf- fassung bei dem Zusatz nicht um eine Verkehrsbe- zeichnung handele und deshalb ein Verstoß gegen den Bezeichnungsschutz ausscheide. In einem weiteren anhängigen Verfahren vor dem Oberlandesgericht Stuttgart hat die erstinstanzlich unterlegene Firma gegen das Urteil des Land- gerichts Heilbronn vom 20. Dezember 2018 (Az.: 21 O 34/18 KfH) Berufung eingelegt. Das Landge- richt hatte in der Verwendung des bezeichnungs- rechtlich geschützten Wortes „Butter“ für ein 44 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 „Nicht-Milchprodukt“ einen Verstoß gegen gelten- des EU-Recht gesehen. Die Berufungsbegründung aus Juni 2019 stützt sich im Wesentlichen auf die Entscheidung „Bu- tasan“. Ein Termin für die Berufungsverhandlung stand zur Drucklegung noch nicht fest. Nach einem Urteil des Landgerichts Stade vom 23. März 2019 (Az.: 8 O 64/18) stellt die zusam- mengesetzte Bezeichnung „Käse-Alternative“ keinen Verstoß gegen geltendes Recht dar, da sie deutlich mache, dass es sich bei dem Produkt eben nicht um Käse, sondern um eine Alternative dazu handele. Schon anhand des üblichen Sprach- gebrauchs in Bezug auf das Wort „Alternative“ lasse sich ganz offensichtlich darauf schließen, dass es sich bei einer Käse-Alternative qua De- fi nition nicht um Käse handelt. Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung beim Oberlandesge- richt Celle wurde aufgrund eines Hinweisbeschlus- ses (Az.: 13 U 35/19) zurückgezogen, weil das OLG im Lichte des BGH-Beschlusses im Butasan-Ver- fahren die Berufung als offensichtlich unbegrün- det bewertete.
Diese unterschiedlichen Entscheidungen machen deutlich, dass der Europäische Gerichtshof ent- scheiden muss, wie weit der Bezeichnungsschutz für Milchprodukte reicht. Insbesondere muss entschieden werden, ob und in wieweit nur die in der EU-Bezeichnungsschutzverordnung explizit aufgeführten Produktbezeichnungen wie Butter, Käse oder Joghurt oder auch nationale Produkt- bezeichnungen geschützt sind. Änderungen des Milch- und Margarinegesetzes Am 25. Januar 2019 sind Änderungen des Milch- und Margarinegesetzes (MMG) in Kraft getreten. Der MIV konnte durchsetzen, dass durch die nun erfolgte Gesetzesänderung der Bezeichnungs- schutz weiterhin vollständig im MMG geregelt wird. Erreicht werden konnte auch, dass weiterhin der Verstoß gegen § 4a Abs. 2 MMG mit einer Frei- heitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft wird. Im MMG sind nun der positive Bezeichnungs- schutz, d. h. die richtige Verwendung der Be- zeichnungen Milch und Milcherzeugnisse, sowie der negative Bezeichnungsschutz, d. h. das Verbot der Verwendung von Milchbezeichnungen für Nicht-Milchprodukte, niedergelegt. Die Buß- geldvorschriften wurden um neu gefasste Hand- lungspflichten ergänzt. Der sogenannte positive Bezeichnungsschutz wird bußgeldbewehrt; wegen zahlreicher gravierender Fälle von Verstößen, vor allem im Bereich der Nutzung von Milcherzeugnis- sen vorbehaltenen Bezeichnungen für pflanzliche Erzeugnisse, wird die Bußgeldhöhe verdoppelt. Der Milchindustrie-Verband hofft, dass dieses deut- liche Signal des Gesetzgebers und die ständige Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zum europaweit geltenden Bezeichnungsschutz für Milch und Milcherzeugnisse dazu führen werden, dass die zu beklagenden Verstöße gegen den Be- zeichnungsschutz für Milch und Milcherzeugnisse nun deutlich zurückgehen werden. Recht und Qualität „Emmentaler“ als Wort-(Kollektiv-)Marke nach der Verordnung (EU) 2017/1001 (UMV) einzutra- gen, hat das Europäische Markenamt (EUIPO) noch nicht endgültig entschieden. Im Dezember 2018 hat EUIPO entschieden, den Antrag von Amts wegen aufgrund des Vorliegens absoluter Eintragungshindernisse vorläufig zurückzuwei- sen. Es prüft immer noch, ob der Antrag wegen des Vorliegens absoluter Eintragungshindernis- se (u. a. ist „Emmentaler“ in der Europäischen Union eine Gattungsbezeichnung) endgültig zurückzuweisen ist. Eine Entscheidung wird in den nächsten Monaten erwartet. • „Havarti“ Dänemark hat am 23. Januar 2014 beantragt, „Havarti“ als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) einzutragen. Nach über fünf Jahren zeichnet sich nun eine Entscheidung der EU- Kommission ab. Sie hat dem Ausschuss für die Qualitätspolitik für Agrarerzeugnisse am 27. Mai 2019 einen Verordnungsentwurf vorgelegt, mit dem „Havarti“ als g.g.A. eingetragen werden sollte. Gegen den Entwurf haben Finnland und Polen gestimmt. Deutschland und Estland haben sich enthalten; Großbritannien und Bulgarien waren nicht anwesend. Somit hat der Ausschuss keine Stellungnahme zum Entwurf der Durchführungsverordnung über die Eintra- gung der Bezeichnung „Havarti“ als g.g.A. ab- gegeben. Die EU-Kommission hat daraufhin nun einen überarbeiteten Entwurf vorgelegt. Nach Art. 2 dieses Verordnungsentwurfs soll während eines Übergangszeitraums von fünf Jahren ab dem Inkrafttreten dieser Verordnung der Name „Havarti“ weiterhin von in Deutschland nieder- gelassenen Marktbeteiligten verwendet werden können, die vor dem 5. Oktober 2010 mit dem Inverkehrbringen eines Käses unter dem Na- men „Havarti“ begonnen haben. Die deutschen Hersteller von „Havarti“ lehnen die Eintragung von „Havarti“ als g.g.A. weiterhin ab, da es sich dabei nach ihrer Auffassung nicht um eine ein- tragungsfähige Gattungsbezeichnung handelt. Aktuelles zu Gattungsbezeichnungen • „Emmentaler“ Über den Antrag der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland vom 4. Oktober 2017, Nationale Herkunftskennzeichnung von Milch Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Milch und Milch als Zutat in Milcherzeugnissen wird auf nationaler Ebene in inzwischen acht 45
Mitgliedstaaten getestet (Frankreich, Italien, Finnland, Litauen, Portugal, Rumänien, Griechen- land und Spanien). Zwischenzeitlich liegen der EU-Kommission die Erfahrungsberichte aus Frank- reich, Finnland und Litauen vor. Sie wird einen eigenen Bericht erstellen und über weitere Schrit- te nachdenken. In einem gemeinsamen Seminar in Brüssel haben einige Mitgliedstaaten ihre Ergeb- nisse auch den Verbänden vorgestellt. Der MIV hat erneut nach dem genauen Nachweis zwischen Ursprung und Qualität des Lebensmittels gebeten, der nach der LMIV vorgeschrieben ist, aber keine Antwort erhalten. Beim Europäischen Gerichtshof erwartet man in Kürze zwei Urteile, die sich kon- kret mit der Frage des Nachweises der Verbindung zwischen Qualität und Ursprung beschäftigen. Es ist nicht auszuschließen, dass die neue EU-Kom- mission und das neue EU-Parlament die verpflich- tende Herkunftskennzeichnung im Jahr 2020 wieder auf die politische Agenda setzen. EU-Fragen-und-Antwort-Papier zur freiwilligen Herkunftskennzeichnung Nach dem Inkrafttreten am 1. Juni 2018 der EU-Ver- ordnung zur Auslobung der Herkunft der Primär- zutat, falls diese anderer Herkunft ist als die ausge- lobte Herkunft des Endlebensmittels, erarbeitet die EU-Kommission ein Fragen-und-Antworten-Papier zur einheitlichen Auslegung einiger Aspekte. Das Dokument soll im Herbst 2019 fertiggestellt werden, damit die Wirtschaft genug Zeit hat, sich an die neu- en Regelungen anzupassen, die am 1. April 2020 zur Anwendung kommen. Während einige Fragen der Wirtschaft zufriedenstellend beantwortet werden, bleiben andere Fragen offen. Daher veranstaltet der MIV im September 2019 ein Seminar zu dem Thema, das hoffentlich zu mehr Klarheit führen wird. Front-of-Pack (FOP)-Kennzeichnung auf EU-Ebene Die EU-Kommission sollte bis Ende 2017 einen Be- richt über die verschiedenen, auf nationaler Ebene eingeführten Kennzeichnungssysteme vorlegen. Aus politischen Gründen wird sie aber kein EU-wei- tes System vorschlagen, sondern sich auf Aus- legungshinweise zum geltenden Recht beschrän- ken. Das französische Nutri-Score-System wurde inzwischen in Belgien eingeführt und aller Voraus- sicht nach auch bald in Spanien. In Deutschland wird Nutri-Score gerichtlich überprüft, nachdem es einige Hersteller einseitig eingeführt hatten. Verbot Unfairer Handelspraktiken (UTPs) Für alle überraschend kam der im Dezember 2018 geschmiedete Kompromiss zwischen den EU-Institu- tionen zu einer Richtlinie, die einen Verbotskatalog von unlauteren Handelspraktiken in der Lebens- mittelversorgungskette festlegt. Geschützt werden – nach fünf Umsatzklassengrößen gegliedert – Lie- feranten von Agrar- und Lebensmitteln, die einem größeren Käufer gegenüberstehen. Verboten sind z. B. Zahlungsziele über 30 Tage hinaus für verderb- liche Ware, kurzfristige Stornierungen, einseitige und rückwirkende Änderung der Lieferbedingungen, Vergeltungsmaßnahmen usw. Kein Schutz besteht ab einem Jahresumsatz von über 350 Mio. Euro. Als Durchsetzungsmechanismus gibt es die Möglichkeit eines (auch anonymen) Beschwerdeverfahrens. Die Richtlinie wurde in einer Rekordzeit von acht Mona- ten ausgehandelt und muss bis 1. Mai 2021 von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt wer- den. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kündigte bereits an, dass sie die Regeln in Deutsch- land nicht noch zusätzlich verschärfen wolle. Sind Lebensmittel doppelter Qualität gerechtfertigt? Vor zwei Jahren hatten sich einige osteuropäi- sche Mitgliedstaaten bei der EU-Kommission be- schwert, dass auf ihrem Gebiet Markenlebensmit- tel in geringerer Qualität im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten angeboten würden. Der damalige Kommissionspräsident Juncker unternahm darauf- hin mehrere Initiativen: u. a. eine Gesetzesände- rung, die präzisiert, wann Doppelstandards bei der Qualität von Lebensmitteln als irreführende Praxis zu betrachten sind. Anfang April 2019 wurde diese Richtlinie zu unlauteren Geschäftspraktiken (UGP) verabschiedet. Bei Vorliegen legitimer und objek- tiver Faktoren wie z. B. nationale Gesetzgebung, Verfügbarkeit/Saisonalität von Rohstoffen, Refor- mulierungsaktivitäten und unterschiedliche Ver- packungsgrößen können Doppelstandards gerecht- fertigt sein. Die Richtlinie muss noch veröffentlicht 46 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
und innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland stünde somit eine Änderung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb UWG an. Parallel dazu hat das europäische Joint Research Centre (JRC) Ende Juni 2019 seinen Bericht zu ei- ner EU-weiten Testkampagne in 19 Mitgliedstaaten vorgelegt: Anhand einer einheitlichen Testmetho- dik wird aufgezeigt, dass es sich bei verschiedenen Qualitäten nicht um ein Ost-West-Problem handelt. Die EU-Kommission möchte jetzt Verbraucher- organisationen stärken, um potenziell irreführende Praktiken zu prüfen. Überprüfung der EU-Vermarktungsstandards Nachdem die EU-Kommission eine Überprüfung der landwirtschaftlichen Vermarktungsstandards vor einigen Jahren gestoppt hatte, hat sie die Arbeit Anfang 2019 wieder aufgenommen. Es wurde eine Agentur beauftragt, um u. a. den milchrechtlichen Bezeichnungsschutz und die derzeitigen Standards auf ihre Nützlichkeit, Effizienz und ihren Mehrwert zu überprüfen. Zu diesem Zweck wurden Interviews mit betroffenen Verbänden durchgeführt, an denen sich auch der MIV beteiligte. Der MIV plädiert für die Bei- behaltung des milchrechtlichen Bezeichnungsschut- zes und seiner Vermarktungsstandards und setzt sich für eine EU-weite Käsedefinition ein. Beim Vollzug sollten die Mitgliedstaaten einheitlicher und härter durchgreifen. Der MIV hat daher einen Workshop auf EU-Ebene angeregt, bei dem sich die EU-Kommission mit den Mitgliedstaaten über eine einheitliche Ausle- gung des Bezeichnungsschutzes und seines Vollzugs auf nationaler Ebene austauschen soll. Im Rahmen der laufenden GAP-Reform setzt sich der MIV für eine Stärkung des milchrechtlichen Bezeichnungsschutzes ein. Der AGRI-Ausschuss im EU-Parlament hat entsprechende Änderungen vorgeschlagen. Das neue EU-Parlament muss noch entscheiden, ob es diese übernimmt oder die erste Lesung von Neuem aufrollt. Recht und Qualität Neues zur EU-Öko-Verordnung Zu der neuen EU-Öko-Verordnung 2018/848 wer- den derzeit die erforderlichen ergänzenden Durch- führungsrechtsakte vorbereitet, damit sie zum 1. Januar 2021 gelten kann. Folgende Regelungen befinden sich derzeit im Abstimmungsprozess: • Der Entwurf der neuen Öko-Verordnung mit detaillierten Produktionsvorschriften zur Nutz- tierhaltung. • Bei den Zusatzstoffen und Verarbeitungshilfs- stoffen erfolgten die Abfragen zu erlaubten Stoffen 2018. In vielen Mitgliedsstaaten gibt es Ausnahmeregelungen, die einer Harmonisie- rung bedürfen, ebenso wie die Frage der Zu- lassung von nichtökologischen landwirtschaft- lichen Zutaten. Dazu plant die EU-Kommission, zukünftig mehrere Zusatzstoffe nur noch in Bio-Qualität zuzulassen. • Bei Reinigungs- und Desinfektionsmitteln soll eine Positivliste erstellt werden, was vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Produktions- bereiche mit unterschiedlichen Hygieneanforde- rungen konträr diskutiert wird. • Bei den Verarbeitungstechnologien gibt es einen Ansatz, grundsätzlich alle verfügbaren Techno- logien zuzulassen und Verbote in Einzelfällen zu prüfen oder mit Ausnahmen zuzulassen. • Bei den Aromen wird die Frage diskutiert, wie weit diese aus ökologischen Zutaten hergestellt sein müssen. • Zum Import, Handel und Kontrollen wurden die Mitgliedstaaten befragt, welche Rechtsakte vor- rangig bearbeitet werden sollen. Zu bearbeiten sind: Kriterien für Unternehmergruppen, inter- ne Kontrollsysteme, Vorgaben zur Dokumenta- tion, Informationsaustausch der Kontrollstellen, Inhalte des „Bio-Zertifikats“, spezielle Zulas- sungen für Erzeugnisse/Stoffe in Drittländern, Kriterien zur An- und Aberkennung von Dritt- landskontrollstellen, Vorgaben zum Umgang mit Verdachtsfällen und Verstößen im Drittland, Verbesserung der Überwachung der Drittlands- kontrollen. 47
Festzuhalten bleibt: Es wird komplizierter im Bio-Sektor. Früher gab es eine Rats- und eine Kom- missionsverordnung, zukünftig könnten es knapp 20 werden! Codex Alimentarius Auch im zurückliegenden Berichtsjahr hat der MIV beratend die Bundesregierung im Rahmen des Codex Alimentarius unterstützt. „Leitsätze für vegane und vegetarische Lebens- mittel“ veröffentlicht Am 21. August 2018 hat die Deutsche Lebensmit- telbuch-Kommission die „Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel mit Ähnlichkeit zu Le- bensmitteln tierischen Ursprungs“ verabschiedet. Diese wurden am 20. Dezember 2018 im Bundes- anzeiger bekannt gemacht. In den Leitsätzen wird beschrieben, wie vegane und vegetarische Lebens- mittel beschaffen und zu kennzeichnen sind. Die Einwände des MIV, den Bezeichnungsschutz für Milch und Milcherzeugnisse ebenso wie die milch- rechtlichen Produktverordnungen zu beachten, haben Eingang in die Leitsätze gefunden. So wird klargestellt, dass unionsrechtliche Bestimmungen wie die Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 und na- tionale Bestimmungen wie die milchrechtlichen Produktverordnungen diesen Leitsätzen vorgehen. Die Leitsätze betreffen im Wesentlichen Fleisch- und Fischprodukte, für die es weder einen europa- rechtlichen Bezeichnungsschutz noch nationale Produktverordnungen gibt. Inzwischen befasst sich auch das Deutsche Institut für Normung (DIN) mit dem Thema. Das Codexkomitee für Zusatzstoffe (CCFA) hat sich mit der Frage befasst, ob bei Mozzarella (high moisture) anti-caking agents und preservatives zugelassen werden sollen. Die Verwendung von anticaking agents zur Oberflächenbehandlung von high moisture-Mozzarella soll nur dann techno- logisch gerechtfertigt sein, wenn der Mozzarella gewürfelt oder zerkleinert ist. Konservierungs- mittel zur Oberflächenbehandlung werden bei high moisture-Mozzarella nur zugelassen, wenn der Mozzarella nicht in einer Flüssigkeit verpackt ist. Das CCFA hat beschlossen, den Codexstandard 262 (Mozzarella) entsprechend zu ändern. Schwerpunkte der Diskussion im Codex-Kennzeich- nungskomitee (CCFL) waren die Themen „Cross Promotion“ und die Nährwertkennzeichnung auf der Verpackungsvorderseite (FOPNL). Der Codexstandard für (Baby-)Folgenahrung (Codexstandard 156-1987) wird derzeit vom Co- dex-Diätkomitee (CCNFSDU) überarbeitet. U. a. hat es neue Kennzeichnungsvorschriften für diesen Standard vorgeschlagen. Kontrovers wurde über folgende vorgeschlagene Kennzeichnungsrege- lung diskutiert: „Die Produkte müssen so gekenn- zeichnet sein, dass jede Verwechselungsgefahr zwischen Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Kleinkindermilch sowie Lebensmitteln für be- sondere medizinische Zwecke für Säuglinge und Kleinkinder ausgeschlossen ist, insbesondere in Bezug auf verwendete Texte, Bilder und Farben, um dem Verbraucher eine klare Unterscheidung zu ermöglichen.“ „Cross Promotion“ zwischen den Produktkategorien auf dem Etikett/in der Kenn- zeichnung der Produkte ist nicht zulässig. Es konn- te erreicht werden, dass diese Kennzeichnungs- regelungen zu „Cross Promotion“ nicht vom CCFL verabschiedet, sondern zur erneuten Diskussion an das CCNFSDU zurückverwiesen wurden. 48 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Kontrovers wurde auch über den Entwurf einer Leitlinie zur Nährwertkennzeichnung auf der Verpackungsvorderseite (FOPNL) diskutiert. Im Rahmen der Codex-Guidelines zur Nährwertkenn- zeichnung (GL 2-1985) soll das FOPNL als ergän- zende Nährwertinformation dienen und die Kauf- entscheidung bei Lebensmitteln unterstützen, die zur Verbesserung der Ernährung beitragen. Es sollte in Einklang mit nationalen Ernährungs- richtlinien oder der nationalen Gesundheits- und Nährwertpolitik stehen. Soweit konnte man sich im CCFL auf die Zielsetzung der Leitlinie verstän- digen. Zu den Aspekten Anwendungsbereich, Defi- nition, allgemeine Prinzipien und andere Aspekte, die bei der Entwicklung einer Nährwertkennzeich- nung auf der Verpackungsvorderseite in Erwägung gezogen werden sollten, wurden die sehr unter- schiedlichen Auffassungen im Plenum des CCFL erneut deutlich. Der Entwurf der Leitlinie wurde daher weiterhin auf Stufe 3 des Codex-Annahme- verfahrens belassen. Es wurde beschlossen, erneut eine elektronische Arbeitsgruppe einzusetzen, die im Lichte der Kommentare einen überarbeiteten Vorschlag vorlegen soll, der dann in der nächsten Sitzung des CCFL mehr Zustimmung finden wird. Recht und Qualität 49
50 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Tarifpolitik, Arbeit und Soziales ANZAHL DER BESCHÄFTIGTEN (2018) 38.411 ANZAHL DER MOLKEREIEN MIT MINDESTENS 50 BESCHÄFTIGTEN (2018) 158 51
Tarifpolitik im Wandel Mitarbeiterqualifikation in der Milchwirtschaft liegt dem MIV sehr am Herzen. Ein besonderes Augen- merk wird hierbei auf die Ausbildung der jungen Generation an Molkereifachkräften gelegt. 2019 feiern die ersten dualen Studenten des Studiengangs Lebensmitteltechnologie ihren Abschluss. MIV als Tarifpartner Für die Tarifrunde 2019 hat der Hauptvorstand der Gewerkschaft NGG am 28. November 2018 empfohlen, die Entgelte und Ausbildungsvergü- tungen von 5,5 bis 6,5 % bei einer Laufzeit der Tarifverträge von zwölf Monaten zu erhöhen. Um eine stärkere Erhöhung der unteren und mittle- ren Einkommen zu erreichen, sollten Festbeträge anstatt prozentualer Lohnerhöhungen gefordert oder bestimmte Lohngruppen vorab angehoben werden. Ferner sollte weiterhin die unbefristete Übernahme von Ausgebildeten tarifvertraglich ab- gesichert werden. Die Arbeitsgruppe Sozialpolitik hat sich in ihrer Sitzung am 5. Februar 2019 dafür ausgesprochen, dass die Tarifabschlüsse 2019 unter Berücksichti- gung der wirtschaftlichen Gegebenheiten moderat ausfallen müssen. Die Tarifabschlüsse in den Regionen: • Tarifgebiet MIV Nord/West Die Gewerkschaft NGG hat den Lohn- und Ge- haltstarifvertrag für das Tarifgebiet MIV Nord/ West fristgerecht zum 28. Februar 2019 ge- kündigt und forderte für den Abschluss von Anschlusstarifverträgen mit einer Laufzeit von zwölf Monaten eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 6,25 % ab dem 1. März 2019. Die Tarifverhandlung, die wie in den Vorjahren gemeinsam mit den Tarifgebieten Molkereien Niedersachsen/Bremen ohne Weser-Ems und Meiereien/Käsereien Hamburg/Schleswig-Hol- stein geführt wurde, wurde am 13. Februar aufgenommen und am 13. März fortgesetzt. In der zweiten Verhandlungsrunde haben sich die Tarifvertragsparteien nach schwierigen Ver- handlungen auf folgenden Tarifkompromiss verständigt: 52 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 • Die jeweiligen Anschlusstarifverträge haben eine Laufzeit von 24 Monaten (01.03.2019 bis 28.02.2021). • • Die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergü- tungen steigen ab 01.03.2019 um 3,0 %. Ab 01.03.2020 werden die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 2,6 % er- höht. • Tarifgebiet Milchwirtschaft Ostdeutschland In dem Tarifgebiet Milchwirtschaft Ostdeutsch- land wurde im Jahr 2019 keine Tarifverhandlung geführt, nachdem sich der MIV und die Gewerk- schaft NGG am 10. Juli 2017 auf den Abschluss eines Lohn- und Gehaltstarifvertrags mit einer Laufzeit bis zum 30. September 2020 ver- ständigt haben. Dieser sieht ab April 2019 eine Erhöhung der Einkommen um 0,58 Euro und ab Dezember 2019 um 0,26 Euro für gewerb- liche Arbeitnehmer in der 100 %-Tarifgruppe und in den anderen Gruppen nach den Prozent- relationen vor. Bei den Angestellten erhöhen sich die Einkommen ab April 2019 um 101,11 Euro und ab Dezember 2019 um 44,85 Euro in der 100 %-Gruppe und in den anderen Gruppen nach den Prozentrelationen. Die Ausbildungsvergü- tungen erhöhen sich ab April 2019 um 2,50 %. • Tarifgebiete Milchwirtschaft Bayern Die Gewerkschaft NGG hatte die Entgelttarifver- träge der Milchwirtschaft Bayern – MIV-Milchin- dustrie Bayern, MIV-Schmelzkäseindustrie Bay- ern, Molkerei- und Käsereigewerbe Bayern und Molkerei- und Käsereigewerbe im Bayerischen Schwaben – zum 30. September 2018 frist- gerecht gekündigt. In allen vier Tarifgebieten forderte sie für den Abschluss von Anschluss- tarifverträgen eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 6,4 % bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Am 10. September 2018 wurde in der ersten Verhandlungsrunde ein Tarifabschluss für die bayerische Milchwirtschaft erzielt: Die Arbeitsgruppe Sozialpolitik wird sich in einer Sondersitzung mit der Thematik befassen, um mögliche Ansätze und Strategien zur Lösung des Problems zu diskutieren. Tarifpolitik, Arbeit und Soziales • Es wurden Anschlusstarifverträge mit einer Laufzeit von 24 Monaten geschlossen (01.10.2018 bis 30.09.2020). • In den vier Tarifgebieten wurden die Entgelte und Ausbildungsvergütungen ab 01.10.2018 um 3,0 % erhöht. • Ab 01.10.2019 erhöhen sich die Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,6 %. Streit über Nachtarbeitszuschläge spitzt sich zu Die Gewerkschaft NGG vertritt die Auffassung, dass eine unterschiedliche tarifliche Nachtarbeits- vergütung gegen den allgemeinen Gleichheits- grundsatz verstoße. Sie beruft sich dabei auf eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 21.03.2018 (10 AZR 34/17). Diese Entschei- dung besagt, dass eine tarifrechtliche Regelung in der Textilindustrie, die Nachtarbeit mit einem Zuschlag von 50 % zum Stundenlohn vorsieht, während Nachtarbeit im Schichtbetrieb nur mit einem Zuschlag von 15 % vergütet wird, gegen den Gleichheitsgrundsatz verstößt. Der MIV ist der Auffassung, dass das o. g. BAG-Urteil nicht auf die manteltarifvertraglichen Regelungen in der Milchindustrie übertragbar sei. Zudem könne aus dem Urteil kein grundsätzliches Verbot von unterschiedlichen Nachtarbeitszu- schlägen gefolgert werden. Ausschlaggebend sei der Wortlaut der jeweiligen tarifvertraglichen Re- gelung und der dadurch zum Ausdruck kommende Regelungswille der Tarifvertragsparteien. Daher seien die jeweiligen manteltarifvertraglichen Regelungen mit den dort festgelegten Zuschlägen weiterhin unverändert anzuwenden. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft NGG hat Ende Juni 2019 beschlossen, sowohl auf Branchen- als auch auf Länderebene keine Tarifgespräche über manteltarifvertragliche Regelungen betref- fend Nachtarbeitszuschläge zu führen, solange die jeweiligen Manteltarifverträge ungekündigt sind. Ausbildungsbetrieb des Jahres 2018 Zum siebten Mal verlieh der MIV gemeinsam mit dem Zentralverband Deutscher Milchwirtschaftler (ZDM) diesen begehrten Preis. Am 29. September 2018 wurde anlässlich des großen ZDM-Verbands- tages in Kiel unter großer Publikumsresonanz das Deutsche Milchkontor (DMK) mit der Betriebsstät- te Zeven zum Ausbildungsbetrieb des Jahres 2018 gekürt. Der MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser und ZDM-Geschäftsführer Torsten Sach gratulierten den DMK-Mitarbeitern und überreich- ten die Urkunde. Der ausgelobte Preis beinhaltet ein Wochenende in Berlin für die Ausbildungsverantwortlichen. Mit dieser Auszeichnung ist auch die Berechtigung verbunden, das Logo im Geschäftsverkehr zu ver- wenden. MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser und ZDM-Geschäftsführer Torsten Sach gratulierten den DMK-Mitarbeitern bei der Preisverleihung in Kiel 53
ZDM-Geschäftsführer Torsten Sach (Bildmitte.) mit Absolvent Franz Döhmann und den Absolventinnen Lucie Krohn (Jahrgangsbeste), Sara Schumacher und Anna Liebrecht (v. li.) Erster Jahrgang dual Studierender fertig An der Hochschule Neubrandenburg wurde mit der Unterstützung des ZDM im Jahr 2014 der ers- te und bisher einzige duale Studiengang für einen milchwirtschaftlichen Beruf in Kombination mit einem Studium der Lebensmitteltechnologie ein- gerichtet. Am 29. März 2019 war es soweit: Zum ersten Mal seit Bestehen des dualen Studiengangs Lebensmitteltechnologie haben drei Absolventin- nen und ein Absolvent sowohl mit dem berufl ichen Abschluss Milchtechnologin/Milchtechnologe als auch mit dem Bachelor-Abschluss Lebensmittel- technologie ihr Studium erfolgreich beendet. Der- zeit befi nden sich sieben weitere dual Studierende in der Ausbildung. Personal- und Qualifi kationsbedarf der deutschen Milchindustrie Im Rahmen des EU-Projekts „mapping skills needs and supply in the dairy sector“ (Erfas- sung des Qualifi kationsangebots und der Quali- fi kationsnachfrage in der Milchwirtschaft), das in Deutschland vom MIV und ZDM als Projektpartner getragen wird, ist zunächst die jetzige Qualifi ka- tion der Mitarbeiter auf eventuell bestehende Lücken untersucht worden. In einem weiteren Schritt wurden dann die zukünftigen Bedürfnisse und Qualifi kationen der europäischen Molkereien abgefragt, um darauf basierend Empfehlungen für die Zukunft geben zu können. MIV und ZDM sind die deutschen Projektpartner bei dem EU-Projekt „Mapping skills needs and supply in the diary sector“ Co-funded by the Erasmus+ Programme of the European Union The European Commission support for the production of this publication does not constitute endorsement of the contents which reﬂ ects the views only of the authors, the commission can not be held responsible for any use which may be made of the information contained therein. 54 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Durchführung der Befragungen Drei Interviewer haben 13 Molkereien in Deutsch- land befragt. Dabei ist hervorzuheben, dass trotz unterschiedlicher Unternehmensgrößen (sechs große, vier mittelgroße und drei kleine Molkerei- en), Strukturen und Produktpaletten teilweise identische Antworten hinsichtlich der bestehen- den „Lücken” und zukünftigen Herausforderungen gegeben wurden. Bei den Ausbildungseinrich- tungen wurden sechs Molkereischulen und drei Hochschulen mit insgesamt 22 Fort- und Weiter- bildungsgängen befragt. Jede dieser Ausbildungs- einrichtungen verfügt über eine Lehrmolkerei oder ein Technikum. Zusätzlich haben 14 ehe- malige Schüler und Studenten Rede und Antwort gestanden. Molkerei-Industrie (aktuelle Situation und Anforderungen) Die großen, leistungsfähigen Betriebe liegen geo- grafisch oft in bevölkerungsarmen, aber land- wirtschaftlich geprägten Regionen Deutschlands. Molkereien in großen attraktiven Städten oder in deren Nähe sind selten. Vor diesem Hintergrund sehen 100 % der befragten Molkereien den größ- ten Bedarf bei der Personalgewinnung. Dieses Handlungsfeld, welches im Fragebogen nicht mit weiteren spezifischeren Fragen unterlegt wurde, lässt sich wiederum in folgende Bereiche unter- teilen: 1. Qualifizierte Mitarbeiter finden und binden 2. Quereinsteiger qualifizieren 3. Fachwissen (auch älterer Mitarbeiter) nachhal- tig im Unternehmen halten An nächster Stelle steht mit 90 % ein Bedarf an „Understand Business“: Die Mitarbeiter in den Molkereien müssen den Milchmarkt – der mittler- weile ein Weltmarkt ist – sowie die komplexen Ab- läufe von der Milcherzeugung, Rohstoffsicherung, Milchverarbeitung und Vermarktung verstehen, um sich so mit ihren Arbeitgebern identifizieren zu können. Zu 70 % wurden die milchverarbei- tungsspezifischen Fertigkeiten und zu 60 % die Fertigkeiten in puncto Digitalisierung bei der Frage nach dem aktuellen Bedarf genannt. Am Ende der Skala steht der Bedarf hinsichtlich Fer- tigkeiten sowie Sicherstellung von Lebensmittel- Tarifpolitik, Arbeit und Soziales sicherheit (30 %) und hinsichtlich Fertigkeiten zur Durchführung von Audits (20 %). Ausbildung und Bedarf der Molkereien Das theoretische milchspezifische und lebensmit- telsicherheitsspezifische Wissen wird von deut- schen Schulen und Hochschulen gut vermittelt (alle Werte über 50 %). Allerdings entspricht die derzeitige Ausstattung der Lehrmolkereien/Tech- nika hinsichtlich der Automation und Prozesssteu- erung nicht mehr der sich schnell verändernden betrieblichen Molkereipraxis. Auch die personelle Ausstattung ist derzeit nicht ausreichend und wird aufgrund der demographischen Entwicklung in den nächsten fünf Jahren zu einem großen Problem werden. Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule hat noch Lücken. Insbeson- dere beim Thema Audit (Lebensmittelsicherheit, Umwelt) ist diese nicht ausreichend ausgeprägt; Lehrer und Ausbilder haben vielfach keine prakti- sche Auditerfahrung. „Lücken“ Nach Einschätzung der Molkereien haben Team- fähigkeit/Teamführungsfähigkeit sowie kleinere Managementfähigkeiten („Management Skills – LEAN“) eine überragende Bedeutung inne. Bisher ist auf Seiten der Bildung bei der Teamführungsfä- higkeit eine 100%ige Lücke festzustellen. Recht- liche Vorgaben hinsichtlich Mitarbeiterführung werden von den Schulen im Rahmen von Meister- und Technikervorbereitungskursen zwar erfüllt, reichen aber nicht aus. Betriebliche Ausbilder ha- ben in der Regel zu wenig Zeit zum Ausbilden von Teamführungsfähigkeiten. Bei dem betrieblichen Teambuilding kommt den Ausbildern deshalb eine Schlüsselrolle zu. „Weiteres Vorgehen” Aus den nationalen Ergebnissen wird ein euro- päischer Bericht erstellt. Parallel dazu werden nationale Empfehlungen zu europäischen Empfeh- lungen zusammengestellt. Nach einer Vorbespre- chung mit interessierten Interviewpartnern im September wird dann der Abschlussbericht samt Empfehlungen im November 2019 an der Universi- tät in Leuuwarden der Öffentlichkeit präsentiert. 55
56 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Logistik und Beschaffung VerpackG Fahrermangel Zeitfenster-Management Laderaum- knappheit Recyclingfähigkeit Ökobilanz 57
Noch viele offene Fragen zum Verpackungsgesetz Das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) ist seit dem 1. Januar 2019 in Kraft. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) hatte bereits 2018 ihre Arbeit aufgenommen. Über eine verpflichtende Registrierung bei der ZSVR (LUCID) werden nun die Erstinverkehrbringer von befüllten Verpackungen im haushaltsnahen Bereich (private Haushalte oder gleichgestellte Anfallstellen) erfasst. Auch nach einigen Monaten mit geltendem Gesetz sind sowohl für die Inverkehrbringer (Molkereien) von lizenz- pflichtigen Verpackungen, aber auch für die dualen Systeme und Entsorger noch einige Fragen offen. packung auf Antrag bei der ZSVR. Diese erfolgt immer individuell und ist nicht übertragbar. So kann bei gleichen Bedingungen eine Molkerei ver- pflichtet werden, eine andere aber befreit sein. Die ökologische Gestaltung einer Verpackung nach VerpackG Nach § 21 des VerpackG müssen die dualen Syste- me zur ökologischen Gestaltung (Öko-Design) ent- sprechende Anreize über die Beteiligungsentgelte geben. Das recyclinggerechte Design, der Einsatz von Recyclaten sowie der Einsatz von nachwach- senden Rohstoffen sollen gefördert werden. Der Stichtag für die Abgabe eines Konzeptes war der 1. Juni 2019. In den folgenden Jahren sollen diese, ebenfalls immer zum 1. Juni, überarbeitet werden und den in der Praxis geltenden Bedingungen an- gepasst werden. Ist eine Verpackung in einem Jahr negativ bewertet, kann sie im Folgejahr positiv bewertet werden, sofern die entsprechende tech- nische Entwicklung bei der Sortierung und Verwer- tung stattgefunden hat. Diese Konzepte werden durch die ZSVR geprüft, aktuell nach Einführung des VerpackG zum ersten Mal. Die Auswertung der Berichte wird zudem als Grundlage für die Weiterentwicklung des Mindest- standards zur Ermittlung der Recyclingfähigkeit einer Verpackung genutzt. Die erste Veröffent- lichung dieses Standards ist für den September 2019 geplant. Registrierungspflichten für Unternehmen über LUCID Alle Erstinverkehrbringer von befüllten Verpa- ckungen sind zur Registrierung bei der Zentralen Stelle über das Portal LUCID verpflichtet, jedoch besteht deswegen noch keine Lizenzpflicht. Einige Abmahnvereine haben kurz nach der Öffnung des Portals bereits Abmahnung aufgrund von Nicht-Registrierungen versendet, allerdings nicht an Molkereien, denn diese kamen ihrer Pflicht ausnahmslos nach. Im Mai mussten die Erstinver- kehrbringer (Molkereien) ihre Vollständigkeits- erklärungen bei der ZSVR abgeben, die diese auf Abweichungen zu den Meldungen der dualen Systeme geprüft hat und im Anschluss ca. 2.000 Ordnungswidrigkeiten gegen Unternehmen und Prüfer an die Bundesländer gemeldet hat. Welche Verpackung wird typischerweise wo genutzt Die Zentrale Stelle hat unter anderem einen Leit- faden für die Arbeit mit dem Katalog zur Einord- nung einer Verpackung hinsichtlich der Lizenz- pflicht erstellt. Der Katalog verursachte einige Aufregung, da die Systematik nach der Größe der Verpackung und deren Verwendungszweck geht. Zudem werden die Einordnungen nach der Anfall- häufigkeit, also „typischerweise“, bewertet. Die Auslegung des Begriffes ist jedoch problematisch. So wurden beispielsweise zunächst die 25 kg Milchpulversäcke als typischerweise bei privaten Haushalten oder gleichgestellten Anfallstellen gesehen. Nach Einspruch des MIV wurde diese Zielgröße herabgesetzt. Derzeit läuft ein erneutes Konsultationsverfahren, bei dem die Bündelungs- folien bzw. -manschetten bei Mehrstückverpackun- gen neu bewertet werden. Problematisch bleibt die Vorgehensweise bei der Bewertung einer Ver- 58 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Logistik und Beschaffung Verbraucheraufklärung unumgänglich Wie der Molkerist ist auch der Verbraucher kein Fachmann für Verpackungen. Er wünscht sich eine Verpackung, die er versteht und die er mit minima- lem Aufwand zu Hause entsprechend entsorgen kann. Hier gibt es nach VerpackG eine Verpflichtung des Systems und der Kommunen, die Aufklärung der Verbraucher zur Mülltrennung wieder flächen- deckend zu beleben. Zwar gab es dazu bereits einen Großversuch im Raum Euskirchen, die Ergebnisse waren bis Redaktionsschluss aber noch nicht be- kannt. Nicht nur nationale Regelungen Zu Verwirrung hat die fast zeitgleich mit dem VerpackG auf den Weg gebrachte EU-Richtlinie zu Einweg-Gebrauchsgegenständen (SUP – single use plastic) geführt. Diese ist ein Element der EU-Kunst- stoffstrategie mit dem Ziel, ab 2030 nur noch recyclingfähige Kunststoffverpackungen am Markt zu haben. Mitte Juni hat die EU-Kommission auch eine Ände- rung der Verordnung zu Bedarfsgegenständen ver- einbart: Die Liste der zugelassenen Stoffe, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, soll erweitert werden. So könnte der Prozess der Zulassung von Materialien über die EFSA beschleunigt werden, da zusätzliche Materialien über diese Positivliste zu- gelassen sind. Einige Punkte bleiben kritisch Das Gesetz bezieht sich nur auf die Recyclingfä- higkeit einer Verpackung. Andere Parameter der ökologischen Bewertung wie die CO2-Emissionen werden nicht berücksichtigt. Zur Bewertung einer Verpackung ist jedoch ihre gesamte Ökobilanz, auch im Zusammenhang mit ihrem Inhalt, zu betrachten. Zudem ist die Bewertung abhängig von der Ent- wicklung bei den Sortieranlagen und im Bereich der Entsorgung, also in der Wiederverwertung. Auch ist im Lebensmittelbereich, anders als in anderen Branchen, der Einsatz von Rezyklaten nicht ohne Weiteres möglich. Dieser muss erst durch die europäische Lebensmittelüberwachungsbehörde (EFSA) geprüft und genehmigt werden. Die Behörde muss derzeit jedoch eine Flut von Anträgen bear- beiten, weshalb eine Zulassung sehr viel länger dau- ert als üblich. Für Lebensmittel gibt es mittlerweile schon einige Projekte, um die notwendigen Barrie- reschichten zu verbessern. Bis dies aber vollum- fänglich marktfähig wird, werden Lebensmittel nur sehr begrenzt in Monomaterialien verpackt werden können (z. B. Käse- und Fleischverpackungen). Andere Branchen wie beispielsweise die Kosmetik- industrie hatten in der Vergangenheit die Verpa- ckung eines Produktes um ein Vielfaches größer gestaltet als tatsächlich notwendig. Durch das Re- duzieren dieser Größe auf ein „normales“ Niveau wird sehr viel Verpackungsmaterial eingespart, was im Sinne des Gesetzes ist. Allerdings ist aus Sicht des MIV ein Vergleich nicht zulässig, da das Aus- gangsniveau künstlich erhöht war. Lebensmittelhersteller sehen sich mit dem The- ma Lebensmittelverschwendung konfrontiert. Die logische Konsequenz sind hier kleinere Füllmengen, was jedoch auch mehr Verpackungen bedeutet. Für die Molkereien heißt dies: Meide ich das Eine, förde- re ich das Andere. 59
als Planungsgrundlage sowie in der Flexibilität der Prozesse und Antizipation von Umgebungsparame- tern (z. B. Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer). Die Molkereien haben intensiv diskutiert, welche Voraussetzungen (auch organisatorische) auf Seiten der Beteiligten – Verlader, Logistikdienstleister, Handel – bestehen müssen, damit ein agiles Zeit- fenstermanagement Verbreitung findet. Weiterhin sind solche Systeme auch in der Lage, in „egoisti- scher“ Steuerung die eigenen Logistikprozesse zu optimieren. Einführung neuer (Kunststoff-)Ladungsträger – Ablösung Düsseldorfer Palette? Die Situation um die Düsseldorfer Halbpalette ist für Handel und Industrie unbefriedigend. Kritische Punkte wie Palettenqualität und -tausch sowie hohe Schadensquoten bei Düsseldorfer Paletten be- stimmen den Alltag. Von Seiten des Handels gibt es unterschiedliche Initiativen zur Lösung der „Halb- paletten-Thematik“, z. B. auf Basis eines Ladungs- trägers aus Kunststoff. Jedoch gibt es bislang keine durchgängige Akzeptanz für einen einheitlichen alternativen Kunststoff-Halbpaletten-Typ in Indust- rie und Handel sowie keine Kompatibilität zwischen den unterschiedlichen Typen. In ersten konstruk- tiven Gesprächen mit Handelshäusern wie Dienst- leistern wurden verschiedene Aspekte hinsichtlich Akzeptanz, Kompatibilität und Möglichkeiten der weiteren Entwicklung erörtert. Laderaumknappheit und Fahrermangel Die Thematik Laderaumknappheit und Fahrer- mangel hat die Molkereien im vergangenen Jahr in unterschiedlicher Ausprägung erreicht. Dabei sind Lkw-Fahrer ein wichtiger Teil der Kette entlang der Wertschöpfungskette Milch. Ursachen und Hintergründe für den Fahrerman- gel wurden intensiv in der Arbeitsgruppe Logistik beleuchtet. Ein wesentlicher Hebel zur Behebung des Problems liegt in der Steigerung der Attraktivi- tät und im Image des Berufsbildes Kraftfahrer. Die Molkereien können hier ihren Teil dazu beitragen, indem jedes einzelne Molkereiunternehmen die Umgebung und Prozesse vor Ort analysiert und ggf. anpasst, um so eine entsprechende Wertschätzung den Fahrern gegenüber auszudrücken. Bereits im Jahr 2012 wurde der „MIV-Kodex für den Umgang mit Kraftfahrern“ auf der Website des MIV veröf- fentlicht und ist immer noch aktuell. Flexibilisierung von Zeitfensterbuchungs- systemen Die Unternehmen sind in der Anlieferung an ihre Kunden vielfach an Zeitfenstermanagement (ZF)-systeme gebunden. ZF-Systeme sind – neben den unbestreitbaren Vorteilen der besseren Planbarkeit – in der Anlieferung jedoch problem- behaftet hinsichtlich des dispositiven Aufwands, des bislang hohen Maßes an Inflexibilität und der Notwendigkeit zur Improvisation bei Nichteinhal- tung der Zeitfenster. Letzteres hat insbesondere Relevanz, da i. d. R. ein rein statischer anstatt eines dynamischen, aktuellen Informationsflusses stattfindet. Insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Straßenverkehrs führen Stau und Verspätungen häufig zur Nichteinhaltung der Zeit- fenster und zu logistischen Folgeproblemen. Lösungsansätze bieten auch aus wissenschaftli- cher Sicht echtzeitgesteuerte, dynamische Syste- me. Eine Dynamisierung der Zeitfenstersteuerung (Slots) durch Abgreifen/Übermittlung von Ist-/ Telematik-Daten wäre heute durchaus möglich, um durch die Nutzung dieser Daten eine situative Steu- erung des Wareneingangsprozesses zu erreichen. Die Herausforderung besteht hierbei in der Bereit- schaft des Handels zur Allokation der Personal- kapazitäten, der Datenverfügbarkeit der Fahrzeuge 60 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Temperaturereignisse als Anlieferungshindernis Zur warmen Jahreszeit steigt der Verbrauch von kühlen, erfrischenden Milchprodukten. Besonders in dieser Jahreszeit kann es mitunter eine Heraus- forderung für Hersteller, Logistikdienstleister und Handel bedeuten, die Produkte ohne Qualitätsein- schränkung von der Herstellung bis in den Laden zu bringen. Denn eines ist sicher, der Verbraucher soll keine Einschränkung bei der Haltbarkeit des Milchproduktes haben. Innerhalb der Arbeitsgrup- pe Frischelogistik wurde daher dieser Sachverhalt intensiv diskutiert und die Vorgehensweise und ver- tragliche Vorsorge für Temperaturereignisse bei der Anlieferung strukturiert. Milchsammelwagen – Milch auf dem Weg vom Landwirt zur Molkerei Milchsammelwagen sind mit ihrer besonderen An- nahmetechnik absolute Spezialfahrzeuge. Bei der Abholung wird auf den Fahrzeugen die Milchmenge von jedem Milcherzeuger gemessen und es werden Proben gezogen für die anschließende Untersu- chung der Rohmilch auf eine Vielzahl von Para- metern. Nur wenn die Milch einwandfrei ist, darf sie später in der Molkerei zu Milchprodukten ver- arbeitet werden. Die Milchannahmetechnik und die Konzeption der Transportfahrzeuge entwickeln sich stetig weiter und sind daher auch etwas für Spezia- listen unter den Lkw-Fahrern und Verantwortlichen. In Seminaren des MIV wird den Unternehmen eine Plattform geboten, mit Fachreferenten und Berufs- kollegen in Kontakt zu treten. Logistik und Beschaffung 61
62 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie Carbon Footprint Klimaschutz Wasser und Abwasser Energieeffizienz 63
Bedeutung der Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln nimmt zu Das Thema Nachhaltigkeit wird bei Konsumenten sowie Produzenten Jahr für Jahr wichtiger. Eine um- weltorientierte Arbeitsweise, ein ressourcenschonender Einsatz von Material sowie CO2-Einsparungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg sind hierbei essenzielle Anliegen. Reduzierung von Lebensmittelverschwendung Mit der „Agenda 2030 für nachhaltige Ent- wicklung“ der Vereinten Nationen hat sich die Staatengemeinschaft das Ziel gesetzt, wirksam gegen Hunger und Fehlernährung vorzugehen. Die EU-Kommission hat sich des Problems angenom- men und die Minderung der Lebensmittelabfälle als wesentlichen Bestandteil des EU-Pakets zur Kreislaufwirtschaft aufgenommen. Die EU möchte bis 2030 die Lebensmittelverschwendung auf Ebe- ne des Einzelhandels und Verbrauchers halbieren und Lebensmittelverluste entlang der Produkti- ons- und Lieferkette verringern. Um die Lebensmittelverschwendung und ihr Reduktionspotenzial beziffern zu können, hat die EU-Kommission zunächst einen delegierten Rechtsakt auf den Weg gebracht, der einen ge- meinsamen Indikator zur Datenerhebung und Be- wertung enthält. Auf der Grundlage der Methodik wird erwartet, dass die Mitgliedstaaten bis 2020 als erstes Berichtsjahr einen Überwachungsrah- men schaffen, um der Kommission bis Mitte 2022 die ersten Daten vorzulegen. Die Bundesregierung hat neben ihrer Initiative „Zu gut für die Tonne!“ eine nationale Strategie erarbeitet, die den Rah- men für die nationalen Maßnahmen zur Vermei- dung von Lebensmittelabfällen festlegt und ein gesellschaftliches Umdenken erreichen soll. Die Milchwirtschaft ist sich ihrer gesellschaft- lichen Verantwortung bewusst. Viele Molkereien haben die Vermeidung von Lebensmittelabfällen bereits seit einigen Jahren in ihre unternehmens- spezifische Nachhaltigkeitsstrategie aufgenom- men, um die Menge so gering wie möglich zu halten. Auch aus ökonomischer Sicht sind Lebens- mittelabfälle für die Unternehmen so weit wie möglich zu vermeiden. Dabei sollen u. a. Maßnah- men wie Informationen im Internet über Lage- rung, Zubereitung und Aufklärung helfen. 64 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 Ein weiteres wichtiges Instrument zur Vermei- dung von Lebensmittelabfällen ist die Datums- kennzeichnung auf Produkten. Hier wird insbe- sondere auf das Verständnis der Verbraucher zu den Kennzeichnungen „zu verbrauchen bis“ und „mindestens haltbar bis“ abgestellt. Die EU-Kom- mission hat eine öffentliche Konsultation zum Mindesthaltbarkeitsdatum durchgeführt, um als nächsten Schritt einen technischen Leitfaden zur Datumskennzeichnung zu erarbeiten. An der Kon- sultation hat der MIV über seinen Dachverband EDA teilgenommen. EDA hat dabei insbesondere hervorgehoben, dass es innerhalb der EU unter- schiedliche Auffassungen bzw. Verwendungen der Haltbarkeitsdaten bei Milchprodukten gibt und dass diese Vielfalt bewahrt werden sollte. Aber auch der Einsatz bedarfsgerechter Verpackungen als Schutz der Lebensmittel vor Verderb ist bei der Reduzierung mit zu berücksichtigen. Des Weiteren hat die EU-Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und Interessenträgern sowohl Leitlinien für „Lebensmittelspenden“ als auch Leitlinien für „die Verwertung ehemaliger Lebensmittel und Nebenprodukte aus der Lebens- mittelkette zur Herstellung von Futtermitteln, ohne Abstriche bei der Lebens- und Futter- mittelsicherheit zu machen“ erarbeitet, um die EU-Rechtsvorschriften über Abfälle sowie Lebens- und Futtermittel zu präzisieren und Lebensmittel- spenden zu erleichtern. Auch hier hat sich der MIV aktiv eingebracht. Es wurde eine EU-Platt- form für Lebensmittelverluste eingerichtet. Sie dient dem Austausch und dem Dialog hinsichtlich der Findung von Lösungen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Erreichung der festgelegten Nachhaltigkeitsziele. Über EDA als Mitglied der Plattform bringt der MIV hier sein Wissen und seine Intention ein, um die Lebensmit- telverschwendung einzudämmen.
Energiesammelgesetz umfasst EEG und KWKG Am 1. Januar 2019 ist das Energiesammelgesetz in Kraft getreten. Die wichtigsten Neuerungen betreffen das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) und das KWKG (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz). Die EU-Kommission hatte im August 2018 die beihilferechtliche Genehmigung für die geplante Neuregelung zur Eigenstromnutzung bei hoch- effizienten KWK-Anlagen erteilt. Die Genehmigung gilt rückwirkend ab 1. Januar 2018 bis Juli 2022. Betroffen von dieser Regelung sind alle mit fossi- len Brennstoffen befeuerten KWK-Anlagen, die ab dem 1. August 2014 in Betrieb genommen wurden. Für hocheffiziente KWK-Anlagen, die eine elektri- sche Leistung von über ein MW bis zehn MW ha- ben, hat der Deutsche Bundestag im Rahmen des EDL-G (Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen) einen Ände- rungsantrag beschlossen, sodass diese Anlagen wie auch alle anderen KWK-Anlagen für die Eigen- stromversorgung einheitlich nur 40 % EEG-Umla- ge zahlen müssen. Auch dank der Lobbyarbeit des MIV und anderen wichtigen Beteiligten ist dieses erfreuliche Ergebnis für die Milchbranche zustan- de gekommen. Allerdings muss die EU-Kommis- sion den Änderungsantrag noch durchwinken. Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie Eine weitere Neuerung ist die Erfassung abgaben- und umlagepflichtiger Strommengen. Es wird eine Schätzmöglichkeit für an Dritte weitergeleitete Strommengen geschaffen. Hierzu hat der MIV einen Workshop durchgeführt, der für mehr Klar- heit bei den Unternehmen sorgte. Des Weiteren hat der MIV sowohl eine Stellungnahme an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie abgegeben als auch an einer entsprechenden Konsultation teilgenommen und konkrete Abgren- zungsbeispiele genannt. Hinsichtlich des EEG 2012 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) wegweisend entschieden, dass die Ausnahmeregelung für energieintensive Unternehmen bei der EEG-Umlage im EEG 2012 keine staatliche Beihilfe war und somit auch kein Verstoß gegen EU-Recht darstellte. Somit hob der EuGH die Entscheidung des Europäischen Gerichts mit der Begründung auf, dass der Vorwurf der EU-Kommission nicht zu halten sei. Das ist eine wichtige Weichenstellung auch für die Weiterent- wicklung der energiepolitischen Ziele in Deutsch- land. Der deutsche Gesetzgeber hat dadurch wieder deutlich mehr Handlungsspielräume. 65
EU-Emissionshandelssystem – Beginn der 4. Handelsperiode Die EU-Kommission hat im Juli 2015 einen Legisla- tivvorschlag zur Überarbeitung der EU-Emissions- handelssystem-Richtlinie für die 4. Handelsperiode (2021–2030) vorgelegt, der im April 2018 in Kraft getreten ist. Die überarbeitete Richtlinie berück- sichtigt die in der EU angestrebte Verringerung der Treibhausgasemissionen von 43 % (gegenüber dem Niveau von 2005), wie im politischen Rahmen bis 2030 geplant. Sowohl eine Beschleunigung der Emissionssenkun- gen ab 2021 um 2,2 % pro Jahr (statt wie bisher um 1,74 %) als auch die seit 2019 eingeführte Marktstabilitätsreserve sollen dabei unterstützend wirken. Außerdem wurden flexiblere Vorschriften eingeführt, um die Menge kostenlos zugeteilter Zertifikate besser an die tatsächlichen Produktions- mengen anzupassen (z. B. werden die Benchmark- werte, nach denen sich die Menge der Zertifikate richtet, die den einzelnen Anlagen kostenlos zuge- teilt werden, in der 4. Phase zweimal aktualisiert). Des Weiteren wurden zwei neue Fonds (Innova- tionsfonds und Modernisierungsfonds) geschaffen, um die Finanzierung CO2-armer Technologien zu fördern. Zertifikate aus vorhergehenden Handelsperioden mussten bisher gegen in der neuen Handelsperio- de gültige Zertifikate umgetauscht werden (sog. banking). Neu ist, dass alle ab dem 1. Januar 2013 vergebenen Zertifikate unbegrenzt gültig bleiben. Das System der kostenlosen Zuteilung (Carbon- Leakage (CL)-Status) wird um zehn Jahre ver- längert. Der CL-Status soll eine Verlagerung von CO2-Emissionen ins außereuropäische Ausland auf- grund steigender Produktionskosten verhindern. Im Dezember 2018 wurde der Kommissionsentwurf der endgültigen CL-Liste für die 4. Handelsperiode ver- öffentlicht. Die Milchindustrie ist mit ihren Produk- ten Milch und Rahm in fester Form, Casein, Laktose und Laktosesirup und Molke in fester Form wieder auf der Liste. Der MIV hat sich hier sowohl intensiv dafür eingesetzt, dass die Molkereibranche in der 4. Handelsperiode wieder den CL-Status für einige Produkte bekommt, als auch in einem Workshop ihre Mitglieder beim neuen, sehr umfangreichen Zuteilungsverfahren unterstützt. EU-Emissionshandelssystem Carbon Leakage-Risiko? Aufnahme von Prüfverfahren: Handelsintensität * Emissionsintensität, ggf. weitere qualitative Kriterien Ja • Magermilchpulver • Vollmilchpulver • Casein • Lactose und Lactosesirup • Molke (auch modifiziert) auf die Carbon Leakage-Liste Nein Stromversorger? Ja Keine kostenlose Zuteilung Aktualisierung der Benchmarks Ausgangswert 2008 Vergleichswert 2016 = Effizienzentwicklung Nein Teilweise kostenlose Zuteilung nach aktualisierten Benchmarks 66 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 Gesamtmenge kostenlose Zuteilung 100% kostenlose Zuteilung nach aktualisierten Benchmarks Quelle: BMU.de
Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie EU-Kunststoffrichtlinie Teil der Plastikstrategie Die EU-Kunststoffrichtlinie (RL (EU) 2019/904) über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte ist im Juli 2019 in Kraft getreten. Die Mitgliedstaaten haben zwei Jahre Zeit, die Richt- linie in nationales Recht umzusetzen. Sie ist Teil der sogenannten europäischen Plastikstrategie und sieht vor, dass alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt ab 2030 recyclingfähig sein sollen. Ziel ist die Reduzierung plastikverursachter Umweltschä- den. Sie soll den Übergang Europas zu einer Kreis- laufwirtschaft (circular economy) beschleunigen. Zur Unterstützung der Ziele wird die Privatwirtschaft in der Strategie aufgefordert, Selbstverpflichtungen einzugehen. Es wird in diesem Rahmen auch über die Einführung einer Plastiksteuer diskutiert. In der Richtlinie werden konkret bestimmte Einweg- Kunststoffprodukte verboten, Kennzeichnungs- pflichten und Anforderungen an das Produktdesign vorgeschrieben, eine erweiterte Herstellerverant- wortung vorgesehen und Verbrauchsminderungs- ziele festgelegt. Die Mitgliedstaaten müssen eine Mindestsammelquote für Plastikflaschen von 90 % bis 2029 (77 % bis 2025) sowie einen Reyclingan- teil von 25 % in PET-Flaschen ab 2025 und von 30 % ab 2030 erfüllen. Die Kunststoffrichtlinie konzentriert sich auf zehn Einwegkunststoffprodukte, die im Anhang zur Richtlinie in Gruppen aufgeführt und eingeteilt sind. Diese Produkte wurden laut einer Studie an den europäischen Stränden am häufigsten gefunden. Die EU-Kommission will bis 2020 ergänzend und konkre- tisierend Leitlinien zur Richtlinie herausbringen. Hier versucht der MIV, über EDA Input insbesondere zu der Definition Lebensmittelbehälter und Hersteller- verantwortung zu geben. Die Milchindustrie ist u. a. durch das Verbot von Einwegkunststoff-Trinkhalmen, Milchplastikflaschen, einigen Joghurtbechern und Käsesnackverpackungen betroffen. Auf nationaler Ebene hat das Bundesumweltminis- terium einen Fünf-Punkte-Plan veröffentlicht, der sowohl gesetzliche als auch freiwillige Maßnahmen zur Vermeidung von überflüssigem Plastik vorsieht. Freiwillige Verwendung des PEF-Projektes Das „Product Environmental Footprint (PEF)“-Pro- jekt zur lebenszyklusbasierten ökologischen Be- wertung von verschiedenen Produkten und Dienst- leistungen wurde von der EU-Kommission im April 2013 veröffentlicht. Sowohl die Industrie als auch der Handel, die Wissenschaft und die politischen 67
Organe wurden bei den Plänen der EU-Kommission mit eingebunden. Die PEF-Methodik zielt darauf ab, einen harmonisierten Ansatz zu etablieren, der auf freiwilliger Basis angewendet wird. Das PEF-Projekt in seiner jetzigen Form ist eine gute Methodik für die interne Anwendung zur Berechnung, Analyse und Verbesserung der eigenen Ökobilanz. Es wird bei künftigen Legislativvorschlägen auf EU-Ebene berücksichtigt werden. Dies ist bereits in anderen Bereichen, beispielsweise der Elektronikindustrie, jetzt schon der Fall. Aber als nächsten Schritt wird die Kommission die Fortschritte evaluieren, bevor sie über das weitere Vorgehen entscheidet. Der MIV hat über seinen Dachverband EDA die Möglichkeit genutzt, die Methodik für Milcherzeug- nisse mitzugestalten und diese an die Realität der heutigen Milchverarbeitung anzupassen. Dabei hat er immer wieder deutlich gemacht, dass er eine ver- pflichtende Kennzeichnung auf dem Produkt ablehnt. Klima- und Ressourcenschutz Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die natio- nalen Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % und bis 2050 um 80 bis 95 % im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren. Klima- und Ressourcen- schutz spielen für die Milchwirtschaft eine wichtige Rolle. Der MIV und weitere Verbände der Milch- wirtschaft in Deutschland haben sich gemeinsam zur sogenannten Rotterdamer Erklärung des Milchsektors für eine nachhaltige Entwicklung der Milchwirtschaft bekannt. Die Erklärung ist eine Selbstverpflichtung, mit der die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen (UN) zur Umsetzung im internationalen Milchsektor vorangebracht werden soll. Der MIV ist ein assoziiertes Mitglied der internationa- len Initiative „Dairy Sustainability Framework (DSF)“ und unterstützt das Nachhaltigkeitsengagement des Sektors. Mit der Umsetzung der Rotterdamer Erklärung im Bereich Klima- und Ressourcenschutz beschäftigt sich aktiv die MIV-Arbeitsgruppe Umwelt. umweltministerium für Deutschland) vertreten sind, einstimmig dem Finalentwurf des BREF-Merkblattes für die Nahrungsmittel-, Getränke- und Milchindus- trie (FDM-BREF) zugestimmt. Die im BREF festge- legten Emissionsgrenzwerte (insb. Staub, Abwasser) sind zukünftig verbindlich umzusetzen und haben direkte Auswirkungen auf die Genehmigungspraxis in der gesamten EU. Der angenommene Text wird u. a. durch Änderungen in der nationalen Abwasserver- ordnung (AbwV) durchgeführt. Die BREF-Schlussfolgerungen sollen voraussichtlich nach dem Sommer 2019 im EU-Amtsblatt ver- öffentlicht werden und müssen dann spätestens vier Jahre nach Veröffentlichung (Sommer 2023) EU-weit an den Anlagen umgesetzt sein. Der MIV und seine Experten beteiligten sich aktiv an der BREF-Revision. Nach unserem Verständnis lautet das gemeinsame Ziel der Behörden und Unter- nehmen, durch die BREF-Überarbeitung gleiche umweltrechtliche Rahmenbedingungen innerhalb der Europäischen Union zu schaffen. Wiederverwendung von Wasser Trinkwasser ist eine der wichtigsten Ressourcen der Zukunft. Die Wiederverwendung von Wasser in der Milchindustrie wird daher in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen. Während in einigen EU-Ländern (u. a. Vereinigtes Königreich, Niederlande, Belgien, Spanien, Italien) die techno- logischen Verfahren rechtlich abgesichert sind und nachweislich erfolgreich angewendet werden, sind sie in Deutschland, insbesondere aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen, nicht bzw. nur unter einem erheblichen bürokratischen Aufwand schwer realisierbar. Die MIV-Arbeitsgruppe Umwelt hat im Rahmen mehrerer Sitzungen über die Vor- und Nachteile sowie technologischen Verfahren zur Wiederverwendung von Wasser diskutiert. Die Ver- wendung von aufbereitetem Wasser in den Molke- reien soll zukünftig transparent und recht-lich sicher definiert werden. Aktuell wurden in der Branche einige Pilotprojekte zu diesem Thema initiiert. Emissionsgrenzwerte für Staub und Abwasser (BREF) Am 17. Juni 2019 hat der sogenannte Art. 75-Aus- schuss, in welchem die EU-Mitgliedstaaten (Bundes- MIV-Leitfaden zur Afrikanischen Schweinepest und Auswirkungen Der MIV hat Ende 2018 einen Leitfaden zu den Auswirkungen eines möglichen Ausbruchs der 68 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie Spannendes Seminar in Fulda rund um Umweltschutz und Technik. Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland auf die Milchindustrie erarbeitet. Die spezifischen Fragen beziehen sich insbesondere auf die Milch- sammlung in Mischbetrieben und Entsorgung der tierischen Nebenprodukte. Das Dokument soll unter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Deutsch- land aktualisiert werden. Erfolgreiches MIV-Seminar „Umweltschutz und Stand der Technik“ Am 19. September 2018 fand in Fulda das MIV-Se- minar „Umweltschutz und Stand der Technik in der Milchindustrie“ statt. Anhand von hochinter- essanten Vorträgen haben ca. 40 Teilnehmer aus Molkereien und Zulieferindustrie über die recht- lichen Rahmenbedingungen und den technischen Umweltschutz in den Bereichen Immissionsschutz, Energie- und Wassereffizienz sowie Abwasser diskutiert. Des Weiteren wurden am Beispiel von zwei MIV-Mitgliedsunternehmen Nachhaltigkeits- strategien der Molkereien vorgestellt. Das nächste Seminar wird voraussichtlich im Herbst 2020 stattfinden. IT-Sicherheit und Datenschutz Die Betreiber sogenannter kritischer Anlagen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen wurden mit Inkrafttreten der Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz (BSI-KritisV) dazu verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren die Einhaltung eines Mindeststandards an IT-Sicherheit nachzuweisen. Als sogenannte „Kriti- sche Infrastrukturen“ gelten u. a. Anlagen zur Be- arbeitung und Verarbeitung von Lebensmitteln ab der bearbeiteten, verarbeiteten oder produzierten Lebensmittelmenge von 434.500 t/Jahr. Im MIV-Arbeitskreis IT werden regelmäßig The- men wie IT-Sicherheit (u. a. Referentenentwurf zum geplanten IT-Sicherheitsgesetz 2.0) und die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) inten- siv diskutiert. Die ersten Molkereien haben bereits Informationssicherheitsmanagementsysteme (ISMS) nach ISO 27001 eingeführt. 69
70 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Rund 80 Mitglieder 10 Arbeitsgruppen 1 wissenschaftlicher Beirat 4 Produktgruppen 71
Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Das MIV-Büro in Brüssel Der MIV ist seit dem Jahrhundertwechsel mit einem eigenen Büro in Brüssel vertreten, um die Interessen der deutschen Molkereien besser und direkter vor den EU-Institutionen wahrzunehmen. Es fungiert als wichtiges Bindeglied zwischen dem Berliner MIV-Büro, den deutschen Molkereien und den EU-Institutionen sowie dem Dachverband EDA. Der direkte Kontakt vor Ort ist ein großer Vorteil für den MIV. So kann rechtzeitig Einfl uss auf EU- Gesetzesvorhaben genommen werden, damit die Anliegen der deutschen Milchindustrie ausreichend Gehör fi nden. Büro in Peking Das bereits im September 2014 installierte Projekt China-Büro Peking, das der MIV und die Export- Union für Milchprodukte zusammen mit dem Ex- portverband German Meat unter Ko-Finanzierung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) betreibt, erweist sich als voller Erfolg. Ein Personalwechsel hat den Start für 2018 etwas ver- schoben. Unsere Mitarbeiterin vor Ort ist Yanqin Yan, die die deutsche Milchwirtschaft in bewähr- ter Manier unterstützt. Die Relevanz chinesischer Rechtstexte kann geprüft oder auch konkrete Hilfestellungen bei z. B. blockierten Containern bei der Einfuhr gegeben werden. Grundsätzlich ist das Büro hilfreich beim Ausbau des chinesischen Marktes für deutsche Unternehmen bzw. bei der Festigung bestehender Handelskontakte. MIV-Kooperationspartner DBV EUCOLAIT DRV Lebensmittel- verband ZAW al n tio a N EXU FDE BPM VDM* GML SMM VBPM ZDM IPMB BUMO ZMB EDA GDP IDF DSF Internatio n a l * Deutsches Nationalkomitee im IDF 72 MIV-Geschäftsbericht 2018/19 Regional Milchwirtschaftliche Landesvereinigungen im Budesgebiet VBPM IPMB Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft e. V. Interessengemeinschaft privater Milchverarbeiter Bayerns e. V. E U National Verband der Deutschen Milchwirtschaft e. V. Gemeinschaft der Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen e. V. Zentrale Milchmarkt Bericht- erstattung GmbH Export-Union für Milchprodukte e. V. Bundesverband Molkereiprodukte e. V. Zentralverband Deutscher Milchwirtschaftler e. V. Bundesverband der Privaten Milchwirtschaft e. V. Deutscher Raiffeisenverband e. V. Deutscher Bauernverband e. V. VDM GML ZMB EXU BUMO ZDM BPM DRV DBV Lebensmittelverband Deutschland e. V. (ehem. BLL) Schutzgemeinschaft für Milch- und SMM Milcherzeugnisse e. V. Zentralverband der deutschen ZAW Werbewirtschaft e. V. International EUCOLAIT Europäischer Milch-Handelsverband Europäischer Milchindustrieverband EDA Dairy Sustainability Framework DSF Internationaler IDF Milchwirtschaftsverband Europäischer Verband der FDE Lebensmittelindustrie Weltmilchplattform GDP
MIV-Kooperationspartner EDA www.euromilk.org Präsident: Michel Nalet (FR) Generalsekretär: Alexander Anton (DE) Der Europäische Milchindustrie-Verband (EDA) ist die Stimme der europäischen Milchindustrie bei der EU in Brüssel. EDA behandelt Themen aus den Be- reichen Agrarpolitik und Handel (GAP 2020, Brexit, Freihandelsabkommen, Intervention usw.), Lebens- mittelrecht (Herkunftskennzeichnung, Nährwert- kennzeichnung, Kontaminanten, Zusatzstoffe usw.), Ernährungswissenschaft und Umwelt (EU-Plastik- strategie, Energierecht, Lebensmittelverschwendung usw.). Die Plattform ermöglicht die Positionierung der gesamten europäischen Milchindustrie zu wichti- gen EU-Themen und verleiht so der europäischen In- teressenvertretung mehr Gewicht. Auch der Kontakt zu Milchindustrie-Verbänden aus anderen Mitglied- staaten ist ein wichtiger und bereichernder Aspekt. EUCOLAIT www.eucolait-dairytrade.org Präsident: Frank van Stipdonk (NL) Generalsekretär: Jukka Likitalo (FI) Der europäische Verband des Handels für Milch- erzeugnisse (EUCOLAIT) mit Sitz in Brüssel hat als Tätigkeitsschwerpunkte (Außen-)Handels- und Marktfragen für den europäischen und internatio- nalen Milchsektor, die auch in den verschiedenen Produktgruppen Käse, Butter und Milchpulver/Ka- sein des Verbandes durch die Mitglieder diskutiert werden. Der Verband dient den Mitgliedern aber auch als Sprachrohr gegenüber der EU-Kommission. Über EUCOLAIT ist der MIV damit in den Sitzungen der MMO (Milk Market Observatory)-Gruppe der EU-Kommission vertreten. Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Der MIV ist über die Export-Union für Milchprodukte (Vorsitz: Gerhard Meier) und den Bundesverband Molkereiprodukte in die Arbeit von EUCOLAIT mit einbezogen. Durch die Einbindung von Karin Monke (Geschäftsführerin der Export-Union und Vize- präsidentin von EUCOLAIT) in den Vorstand von EUCOLAIT ist eine Integration in die Entscheidungs- gremien gewährleistet. FoodDrinkEurope www.fooddrinkeurope.eu Präsident: Hubert Weber (DE) Generalsekretärin: Mella Frewen (IRL) FoodDrinkEurope integriert neben den jeweiligen nationalen Spitzenverbänden (für Deutschland den Lebensmittelverband Deutschland und die BVE (Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsin- dustrie)) auch die europäischen Branchenverbände wie den europäischen Verband der Milchindustrie EDA. FoodDrinkEurope vertritt auf europäischer Ebene die Interessen der gesamten Lebensmittel- branche und wird hier auch vom MIV unterstützt. Ein Schwerpunkt ist das europäische Lebensmittel- recht. IDF www.fi l-idf.org Präsident: Dr. Judith Bryans (UK) Generaldirektor: Caroline Emond (CA) Dem Internationalen Milchwirtschaftsverband ge- hören derzeit 47 Länder aus aller Welt an. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Schwerpunkte Milchwirtschaft, milchrechtliche Fragen (z. B. Co- dex), Ökonomie und Umwelt. Der MIV ist über den VDM Mitglied im IDF. 73
informiert dabei die Mitglieder, sowohl Händler als auch Hersteller, zu Belangen des Außenhandels innerhalb der EU und in Drittländer. Kompetenz- bereiche der EXU sind daher z. B. Zoll, Handels- abkommen, EU- und Drittlandsvorschriften, Veredelungsverkehr, Hygienevorschriften und Veterinärzertifikate usw. Exportförderung durch die GEFA Die GEFA German Export Association for Food and Agriproducts ist eine vollständig durch die Wirt- schaftsverbände und eigene Projekte finanzierte Institution zur Exportförderung von Produkten der verschiedenen Mitglieder. Die GEFA führt im Auf- trag ihrer Mitglieder unterschiedliche Maßnahmen zur Förderung des Absatzes deutscher Produkte im Ausland durch. So werden beispielsweise Listungs- gespräche mit ausländischen Handelsketten oder Gemeinschaftsstände auf wichtigen internationa- len Messen organisiert. Die GEFA bringt ebenfalls Maßnahmen in das BMEL-Förderprogramm ein. Eigene Veranstaltungen sind zum Beispiel der Diplomaten-Salon und das Diplomaten-Frühstück, die jährlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgerichtet werden. Beim Empfang der Länder- referenten im Rahmen des Außenwirtschaftstages steht die Kontaktpflege mit den deutschen Bot- schaften im Mittelpunkt. Der Milchindustrie-Verband zählt zu den GEFA- Gründungsmitgliedern und ist im Vorstand der GEFA über die Export-Union für Milchprodukte e. V. vertreten. GDP www.globaldairyplatform.com Präsident: Rick Smith (USA) Geschäftsführer: Donald Moore (USA) GDP, mit Sitz in den USA, ist ein internationaler Verband von Unternehmen und Verbänden, der sich insbesondere um die Themenfelder Ernährung und Nachhaltigkeit inklusive Kommunikation im Milchsektor kümmert. MIV im deutschen Netzwerk Der MIV ist Mitglied in vielen Dach- und Förder- verbänden, wie z. B. dem Lebensmittelverband Deutschland unter dem Vorsitz von Philipp Hengs- tenberg. Über den VDM Verband der Deutschen Milchwirtschaft ist der MIV u. a. in den „Runden Tisch der Milchwirtschaft“ eingebunden. Der MIV betreibt eine Bürogemeinschaft zusammen mit der Export-Union für Milchprodukte e. V. und dem Zentralverband deutscher Milchwirtschaftler e. V. (ZDM-Geschäftsführer: Rechtsanwalt Torsten Sach). Dieser vertritt die Interessen der Molkereifachleute und berät in Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbil- dung in den milchwirtschaftlichen Berufen sowie zur Gesetzgebung, u. a. dem Arbeitsrecht. Des Weiteren arbeitet der MIV zusammen mit dem Bun- desverband Molkereiprodukte e. V. unter seinem Präsidenten Manfred Heimes. Export-Union für Milchprodukte e. V. Die Kooperation des MIV mit der Export-Union für Milchprodukte e. V. (EXU) hat sich über Jahrzehnte gefestigt. Die Bürogemeinschaft der beiden Ver- bände war daher eine logische Konsequenz. Der Arbeitsschwerpunkt ist namensgebend, nämlich der Export von Milch und Milchprodukten. Die EXU 74 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
ZMB Zentrale Milchmarkt Berichterstattung GmbH Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW e. V. Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Der ZAW ist der Spitzenverband der Werbewirtschaft in Deutschland. Er bildet ein großes, leistungsfähi- ges Netzwerk von 43 Mitgliedsorganisationen und repräsentiert so umfassend sämtliche Branchen und Disziplinen der Werbung. Der ZAW will politisch ausgewogene und wirtschaftlich optimale Rahmen- bedingungen für die Werbewirtschaft erreichen. Des Weiteren organisiert und fördert der ZAW seit über 40 Jahren die Selbstregulierung der Werbe- wirtschaft in Deutschland und in Europa durch den Deutschen Werberat (für Inhalte und Aussagen in der Werbung) und den Deutschen Datenschutzrat Online-Werbung (im Bereich des werbewirtschaft- lichen Datenschutzes). Die ZMB Zentrale Milchmarkt Berichterstattung GmbH wird von Monika Wohlfarth als Geschäfts- führerin geleitet und nimmt Aufgaben der Markt- berichterstattung wahr. Sie übernahm damit die Aufgaben der alten ZMP, die im Rahmen der Ab- wicklung des Absatzfonds ihre Tätigkeit einstellte. Die ZMB ist die Tochtergesellschaft des MIV und betreibt ein eigenes Büro in Berlin. Sie informiert die Mitglieder der verschiedenen Milchverbän- de und berät Politik und Öffentlichkeit in Bezug auf Milchmarktdaten sowie -entwicklung. In den Gremien der EU-Kommission ebenso wie bei den europäischen Verbänden werden die Daten vorge- stellt und interpretiert. Die Zusammenstellung von wöchentlichen, monatlichen sowie Jahresberichten ist eine der wichtigen Aufgaben. Deutscher Bauernverband e. V. Der MIV ist förderndes Mitglied im Deutschen Bauernverband und dort im erweiterten Präsidium vertreten. Die Geschäftsstelle des QM-Milch e. V. sowie das Sekretariat des Verbandes der Deut- schen Milchwirtschaft sind beim DBV angesiedelt. 75
Der Vorstand (Stand September 2019, *tbc) Vorsitzender: Peter Stahl, Hochland SE, Heimenkirch Philipp Guht, Mondelez Deutschland GmbH, Bremen Stellv. Vorsitzender: Hans Holtorf, Frischli Milchwerke GmbH, Rehburg-Loccum Stellv. Vorsitzender und Schatzmeister: Jakob Ramm, Milchwerke Schwaben eG, Ulm Ralf Hinrichs, Molkerei Ammerland eG, Wiefelstede-Dringenburg Robert Hofmeister, Käserei Champignon Hofmeister GmbH & Co. KG, Lauben; Präsident des Verbandes der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft Florian Bauer, J. Bauer GmbH & Co. KG, Wasserburg Jan Kruise, FrieslandCampina Germany GmbH, Heilbronn Rolf Bausch, Edelweiss GmbH & Co. KG, Kempten Detlef Latka, Hochwald Foods GmbH, Thalfang 76 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Markus Mühleisen, Arla Foods Deutschland GmbH, Düsseldorf Frank-Andreas Uzsko*, Zott SE & Co. KG, Mertingen Ingo Müller, DMK Deutsches Milchkontor GmbH, Bremen Claus Naarmann, Privatmolkerei Naarmann GmbH, Neuenkirchen Dr. Thomas Obersojer*, Bayerische Milchindustrie eG, Landshut Matthias Oettel*, Molkerei MEGGLE Wasserburg GmbH & Co. KG Ehrenvorsitzender: Toni Meggle, Molkerei MEGGLE Wasserburg GmbH & Co. KG 77
Geschäftsstelle Hauptgeschäftsführer: Eckhard Heuser, Dipl.-Ing. agr. Geschäftsführer: Syndikusrechtsanwalt Dr. Jörg W. Rieke Geschäftsführende Wissenschaftliche Leiterin: Dr. Gisela Runge, Lebensmittelchemikerin, Dipl.-Oecotrophologin 78 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Referenten Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Dr. Björn Börgermann RAin Astrid Stein Dr. Katrin Lehmann Büro Brüssel: Leitung: Amelie de Grahl Karin Monke Marcin Preidl Syndikusrechtsanwalt Torsten Sach 79
Produktgruppen Arbeitsgruppen Dauermilch Vors.: n.n. Geschäftsstelle: Eckhard Heuser Milchfrischprodukte/Konsummilch Vors.: Lars Schäkel Stellv. Vors.: Florian Bauer Geschäftsstelle: Torsten Sach Milchfetterzeugnisse (MIV/DRV/BPM) Vors.: Peter Langner Stellv. Vors.: Dr. Franz Mayer Geschäftsstelle: Torsten Sach/Heinrich Schmidt (DRV) Käse und Schmelzkäse Vors.: Ingo Müller Stellv. Vors.: Josef Weixlgartner Geschäftsstelle: Dr. Jörg Rieke Umwelt (MIV/VDM) Vors.: Lars Dammann/Rainer Bertsch Geschäftsstelle: Astrid Stein/Marcin Preidl Beschaffung Vors.: Alfons Thumbach Geschäftsstelle: Karin Monke Recht Vors.: Rüdiger Beduhn Geschäftsstelle: Dr. Jörg Rieke Außenhandel Export-Union für Milchprodukte e. V. Vors.: Gerhard Meier Geschäftsführung: Karin Monke/ Dr. Björn Börgermann Sozialpolitik Vors.: Werner Giselbrecht Geschäftsstelle: Dr. Jörg W. Rieke Qualität und Produktsicherheit Vors.: Hans Holtorf Geschäftsstelle: Dr. Gisela Runge Forschung Vors.: Dr. Hans Besner Geschäftsstelle: Dr. Gisela Runge Logistik Vors.: Rainer Jüngling Geschäftsstelle: Dr. Björn Börgermann Erzeugerfragen Geschäftsstelle: Dr. Björn Börgermann PR-Ausschuss Geschäftsstelle: Dr. Björn Börgermann Wissenschaftlicher Beirat Vors.: Hans Holtorf Geschäftsstelle: Dr. Gisela Runge 80 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Team Der MIV im Netzwerk und seine Gremien Vorne v. l. n. r.: Jana Halbreiter, Ines Terbeck, Patricia Linn, Dr. Katrin Lehmann, Dr. Gisela Runge Mitte v. l. n. r.: Astrid Stein, Claudia Stiehler, Monika Hubar, Laura Wenk, Torsten Sach Hinten v. l. n. r.: Dr. Björn Börgermann, Marcin Preidl, Dr. Jörg Rieke, Amelie de Grahl, Karin Monke, Eckhard Heuser 81
Mitglieder 82 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
84 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Fördermitglieder 86 MIV-Geschäftsbericht 2018/19
Impressum Herausgeber: Milchindustrie-Verband e. V. Redaktion: Eckhard Heuser, V. i. S. d. P. Fotos: shutterstock, Adobe Stock (©imaginando; Giacomo Introzzi), Milchindustrie-Verband e. V. Satz: Engel & Zimmermann AG, Gauting Druck/Bindung: RCOM print GmbH, München Drucklegung: 10.09.2019 87
Produktion von Milcherzeugnissen (1.000 t) Erzeugnisse 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Konsummilch (abgepackt) Konsummilch (abgepackt bis 2 Liter) davon pasteurisierte Milch davon H-Milch + sterilisierte Milch Buttermilch Milchfrischprodukte davon Joghurt davon Milchmischgetränke (einschl. Kakao) Sahne und Sahneerzeugnisse Butter Käse davon Hart-, Schnitt- und Weichkäse davon Pasta Filata davon Speisequark und Frischkäse davon Schmelzkäse Dauermilcherzeugnisse davon Kondensmilch davon Vollmilchpulver und sonstige davon Magermilchpulver davon Molkenpulver 5.238 5.238 1.513 3.726 139 3.050 1.705 510 547 474 2.376 1.088 270 812 177 5.154 5.154 1.575 3.593 143 2.959 1.659 459 542 489 2.419 1.095 292 822 165 5.059 5.059 1.545 3.386 148 2.968 1.662 469 549 482 2.440 1.094 304 845 171 5.147 5.030 1.637 3.290 136 2.984 1.652 497 567 490 2.469 1.093 327 848 174 5.069 4.982 1.492 3.368 128 3.067 1.701 529 566 517 5.057 4.981 1.526 3.317 125 3.124 1.715 551 588 515 . 4.743 4.646 115 3.119 1.660 566 578 497 116 3.109 1.649 . 552 484 2.494 2.498 2.481 2.525 1.112 339 844 173 1.122 359 815 172 1.113 371 792 176 1.123 390 797 186 1.293 1.292 1.263 1.374 1.464 1.395 1.404 1.356 412 180 300 372 439 172 309 372 400 197 317 349 427 202 357 388 412 237 415 401 351 246 436 360 373 256 430 345 333 288 420 316 18:17 in % . - 2,0 - 100,0 - 100,0 + 0,8 - 0,3 - 0,7 . - 4,5 - 2,6 + 1,8 + 0,9 + 5,2 + 0,7 + 5,6 - 3,4 - 10,7 + 12,3 - 2,4 - 8,5 Deutsche Milchindustrie in Zahlen 2010–2018 Erzeugnisse Umsatz in Mrd. Euro (o. Speiseeis) 2010 20,515 2011 23,128 2012 22,918 2013 25,531 2014 26,164 2015 22,619 2016 21,890 2017 26,011 2018* 26,285 Anzahl der 1) Unternehmen/Betriebsstätten Beschäftigten Erzeugerbereich Milchkuhhaltungen Milchkuhbestand in Deutschland (in Mio. Stk.) durchschnittlicher Milchertrag (kg je Kuh p.a.) Kuhmilcherzeugung insgesamt (1.000 t) Milchanlieferung an Molkereien (Erzeugerstandort, 1.000 t) Milchanlieferung an Molkereien (Molkereistandort, 1.000 t) Fettgehalt der Milch (%) durchschn. Erzeugerpreis ab Hof (pro 100kg), 3,7 % Fett, 3,4 % Eiweiß in Euro durchschn. Erzeugerpreis ab Hof, 4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß (EUR/100 kg)2 Pro-Kopf-Verbrauch (kg)* Konsummilch (abgepackt) Sauermilch- u. Milchmischgetränke davon Joghurt Sahne und Sahneerzeugnisse Butter Käse davon Hart-, Schnitt-, Weichkäse davon Pasta Filata3 davon Speisequark und Frischkäse3 davon Schmelzkäse Angelieferte Milchmenge (von deutschen Erzeugern) insgesamt (Mio. t) 145 29.268 144 29.878 145 30.506 142 31.102 149 33.887 148 35.163 152 36.335 153 37.099 158 38.411 91.550 87.162 82.865 79.537 76.469 73.255 69.174 65.782 62.813 4,18 4,19 4,19 4,27 4,30 4,28 4,22 4,20 4,10 7.080 7.240 7.323 7.343 7.541 7.628 7.746 7.763 8.059 29.629 30.336 30.698 31.338 32.395 32.685 32.672 32.598 33.048 28.655 29.339 29.718 30.315 31.389 31.483 31.318 31.257 31.717 . 4,16 30,09 . 4,13 . . 4,13 . . . 31.879 31.973 31.939 32.491 4,12 4,08 4,09 4,12 4,09 4,06 . . . . . 30,83 34,83 31,78 37,51 37,58 29,29 26,73 36,19 34,37 53,5 29,8 17,8 5,7 5,7 23,3 10,8 3,4 6,8 1,6 53,5 30,9 18,5 5,8 6,0 23,7 11,1 3,7 6,9 1,6 52,0 29,9 17,5 5,6 6,1 23,7 10,8 4,2 6,9 1,4 52,7 29,7 17,1 5,5 5,8 23,7 10,9 4,2 6,7 1,5 54,7 29,9 17,0 5,8 5,7 24,1 11,1 4,5 6,4 1,5 52,8 30,1 16,9 5,8 6,1 24,6 11,3 3,1 8,1 1,5 52,6 30,0 16,8 6,0 6,1 25,0 12,0 3,2 7,8 1,4 52,2 30,2 16,4 5,9 6,0 23,9 11,6 3,3 7,0 1,4 50,6 29,9 16,1 5,7 5,8 24,2 11,9 3,4 6,9 1,4 28,7 29,3 29,7 30,3 31,4 31,5 31,3 *ab 2011 berechnet auf Grundlage der Bevölkerungsdaten laut Zensus 2011. 1) Bis einschließlich 2008 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten, seit 2009 Betriebe mit mind. 50 Beschäftigten. 2) ab 2012 konventionelle Kuhmilch. 3) Erhebung der Außenhandelsdaten für Frischkäse und Mozzarella ab 2015 geändert; daher mit Vorjahren nicht vergleichbar. Quelle: Stat. Bundesamt, BMEL, BLE, ZMB, MIV Die Milchwirtschaft auf einen Blick
Wohin die Milch in Deutschland fließt Anlieferung von Kuhmilch in Mio. t (2018) 62.813 Milchviehhalter erzeugten 2018 Verarbeitung in Molkereien Vermarktung der Produkte* Verbrauch* in Deutschland 33,1 Mio. t 34,0 Mio. t 49 % (16,6 Mio. t) Export 36 % (12,4 Mio. t) Lebensmittel- einzelhandel 15 % 12,2 Mio. t Import 17,4 Mio. t Milch Inlands- produktion (5,0 Mio. t) *Milchäquivalent davon 1,3 Mio. t Eigenverbrauch davon 2,3 Mio. t Import Weiterverarbeitende Industrie, Ernährungsgewerbe, Großverbraucher 1,4 2,7 1,3 3,0 7,1 3,1 1,9* 0,9 7,9 2,3 Was wird aus der angelieferten Milch? 82,9 Mio. Verbraucher konsumieren je Kopf (2018) 4 % Sonstiges 5 % Tankmilchexport 24 % Butter, Dauermilch 9 % Joghurt, Sahne 44 % Käse 13 % Trinkmilch Quelle: ZMB, eigene Berechnungen auf Basis von Dateien der BLE nach Milch-Melde-VO 5,8 kg Butter 24,2 kg Käse 50,6 kg Konsummilch Deutschlands Milchexporte nach China 1. Halbjahr 2019 Flüssige Milch/Rahm Joghurt mit Zusätzen Molkenpulver 128.841 19.153 10.179 3.664 13.635 8.864 Magermilchpulver Joghurt natur Zubereitungen für Kindernahrung MIV-Geschäftsbericht 2018/19
26,3 Mrd. EUR Umsatz 19% des Umsatzes der Nahrungs- und Futtermittelindustrie 11,1 Mrd. EUR Milchgeld 22 % des landwirtschaftl. Produktionswertes Export der deutschen Milchwirtschaft nach Zielregionen (in Euro) 7.085.623.000 EUR Europa 64.163.000 EUR Nordamerika 9.439.000 EUR EAWU 141.460.000 EUR Arab. Halbinsel 615.322.000 EUR Asien 79.761.000 EUR Lateinamerika & Karibik 104.798.000 EUR Nordafrika 58.550.000 EUR Afrika 33.040.000 EUR Ozeanien TOP 15 Molkereien der Welt Unternehmen Nestlé Group Lactalis Danone Groupe Lactalis Fonterra FrieslandCampina Dairy Farmers of America 1 2 3 4 5 6 7 Arla Foods 8 Yili Group 9 Saputo 10 Mengniu 11 Dean Foods 12 Unilever 13 DMK 14 Kraft Heinz 15 Sodiaal Sitz Hauptverwaltung Milchumsatz 2018* in Mrd. EUR CH FR FR NZ NL US DK/SE CHN CAN,USA CHN USA NL/UK DE/NL USA FR 20,6 17,6 15,2 12,1 11,6 11,5 10,5 9,5 9,3 8,7 6,3 5,7** 5,6 5,1 5,1 * Umsatzdaten nach Milchabsatz basierend auf Finanzen und M&A-Transaktionen in 2018, die zwischen dem 1. Januar und 30. Juni 2019 abgeschlossen wurden.Ausstehende Fusionen/ Übernahmen sind nicht enthalten. **geschätzt
Milchindustrie-Verband e. V. Jägerstraße 51 | 10117 Berlin Tel. +49 30 403 04 45-0 Fax +49 30 403 04 45-55 info@milchindustrie.de Büro Brüssel Milchindustrie-Verband e. V. 4 rue de l’industrie | B – 1000 Brüssel Tel. +32 2 512 61 35 Fax +32 2 512 61 37 bxl@milchindustrie.de www.milchindustrie.de

References: Art. 148
 § 4
 Art. 2
 § 21
 EuGH 
 Art. 75