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Timestamp: 2019-11-19 07:21:10+00:00

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Schnappsideen im Namen des Tierschutz | JagdWissen
Jetzt hat der Tierschutzverein PETA den Vogel abgeschossen. Was, die töten doch keine Tiere, falsch gedacht. Hier jedoch im übertragenen Sinne: PETA hat den Hersteller des Kultgetränks mit dem Hirschgeweih aufgefordert, ebenselbes in „Waldmeister“ umzubenennen.
Es ist ja gar nicht so, dass alles falsch ist, was sie da so verbreiten:
Mensch täte ganz sicher gut daran, den Einsatz von Fleisch auf dem Speisezettel zu verringern. Massentierhaltung und der Einsatz von Antibiotika in derselben ist eine unerfreulichere Begebenheit der modernen Lebensmittelerzeugung.
Schwieriger sind die von PETA propagierten Ernährungsphiosophien zu beurteilen:
Zum Thema Jagd beruft sich PETA auf seiner Website auf ein Urteil des Jahres 1992: „Das Hamburger Oberverwaltungsgericht habe in seinem Urteil v. 14.9.1992, Az. OVG Bf III 42/90, sinngemäß formulierte: „Fleisch ist kein notwendiger Bestandteil der menschlichen Ernährung. Vielmehr kann der Bedarf an Eiweiß auch durch pflanzliche Nahrung … gedeckt werden.“ (OVG HH in NVwZ 1994, 592)
Was PETA freilich verschweigt: Es ging bei dieser Gerichtsentscheidung überhaupt nicht auch nur im weitesten Sinne um Jagd und die Nutzung von Tieren zum Verzehr durch den Menschen oder um Ernährungsphilosophien, auch wenn sich hierauf auch andere Tierschützer berufen.
1. Wenn überhaupt etwas im hierzu missbrauchten Kontext stände, was es nicht tut, sagen die Richter, dass Fleisch nicht notwendig wäre, nicht mehr und nicht weniger, zumal es damit ja auch wenig berufenen Munde käme.
2. Vor allem zeigt es aber die Logik und Methodik, nach der hier gearbeitet wird: Eine amtliche Aussage wird als These aus dem Gesamtzusammenhang gerissen, um sie als fachliche Bestätigung der eigene Philosophie zu verwenden.
„Sogar Richter befürworten eine vegetarische Ernährung und halten Jagd nicht mehr für zeitgemäß.“ Nicht anders lässt sich dieser Absatz bei PETA lesen:
Wir haben keine Probleme mit Jägern und Fischern, die tatsächlich keine andere Wahl haben, um zu überleben, und dies für ihr eigenes Auskommen tun. In unserer heutigen Zeit jedoch sind Fleisch, Pelz und Leder für die überwiegende Mehrheit von uns nicht mehr unbedingt überlebenswichtig, oder wie das Hamburger Oberverwaltungsgericht …“
Tatsächlich ging es bei der zitierten Gerichtsentscheidung um etwas vollkommen anderes: Das Schächten!
Genauer gesagt um die Genehmigung eines muslimischen Metzgers zum Schächten. Nach dem deutschen Tierschutzgesetz § 4 a Abs. 1 ist das im Prinzip verboten. Ausnahmsweise kann die zuständige Behörde das Schächten aber unter dem Erlaubnisvorbehalt des § 4 a Abs. 2 2. genehmigen.
Das BVerwG führte in dieser Sache aus (Rn. 20):
„Verbietet die Religion lediglich den Genuß von Fleisch nicht geschächteter Tiere, so hindert das Verbot betäubungslosen Schlachtens die Anhänger dieser Religion nicht an einer ihrer Religion entsprechenden Lebensgestaltung. Sie sind weder rechtlich noch tatsächlich gezwungen, entgegen ihrer religiösen Überzeugung Fleisch nicht geschächteter Tiere zu verzehren. Mit dem Schächtungsverbot wird nicht der Verzehr des Fleisches geschächteter Tiere verboten. Sie können sowohl auf Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs und auf Fisch ausweichen als auch auf Fleischimporte zurückgreifen, die aus Ländern ohne Schächtungsverbot stammen. Zwar mag Fleisch heute ein in unserer Gesellschaft allgemein übliches Nahrungsmittel sein. Der Verzicht auf dieses Nahrungsmittel stellt jedoch keine unzumutbare Beschränkung der persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten dar. Diese an Art. 2 Abs. 1 GG zu messende Erschwernis in der Gestaltung des Speiseplans ist aus Gründen des Tierschutzes zumutbar.“
Klage, Berufung und Revision der Klägerin gegen die Versagung der Ausnahmegenehmigung zur Schächtung blieben ohne Erfolg, da das BVerwG die zwingende Vorschrift der Religionsgemeinschaft, die die Ausnahmegenehmigung verlangt, für Muslime verneint.
Das BVerfG sieht das anders. Es gibt der gleichgerichteten Verfassungsbeschwerde eines muslimischen Metzgers statt, sieht in der Verweigerung der Ausnahmegenehmigung eine Verletzung der Religionsfreiheit und führt aus:
„Diese Auslegung wird der Bedeutung und Reichweite des Grundrechts aus Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 und 2 GG nicht gerecht. Sie führt im Ergebnis dazu, dass § 4 a Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 TierSchG für Muslime ohne Rücksicht auf ihre Glaubensüberzeugung leer läuft. Die berufliche Tätigkeit eines Metzgers, der im Hinblick auf die Speisevorschriften seines Glaubens und des Glaubens seiner Kunden schächten will, um deren Versorgung mit dem Fleisch betäubungslos geschlachteter Tiere sicherzustellen, wird damit verhindert. Das belastet die Betroffenen in unangemessener Weise und trägt einseitig nur den Belangen des Tierschutzes Rechnung. In dieser Auslegung wäre § 4 a Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 TierSchG verfassungswidrig.“ (Rn 53, wobei unter „dieser Auslegung“ in diesem Zusammenhang die des BVerwG zu verstehen ist, dass anders als beim jüdischen Glauben, die der ganzen Glaubengemeinschaft bestimmende zwingende Vorschrift beim Islam nicht gegeben sei.
Mitnichten hat sich jemals ein deutscher Richter in dem von PETA hergestellten und öffentlich behaupteten Zusammenhang geäußert, im Gegenteil: Jenes Zitat – von PETA aus dem Zusammenhang gerissen – ist alleine in dem Kontext der streitgegenständlichen Versagung der Sondergenehmigung des Schächtens für einen muslimischen Metzger zu betrachten.
Die von PETA zitierte Aussage – vollständig betrachtet – relativiert nur das Ansinnen des Metzgers entgegen dem grundsätzlichen Verbot als Muslim eine Sondergenehmigung zu erlangen, weil das OVG Hamburg die Auffassung vertritt, dass der Tierschutz vorgehe. Das BVerfG hat das im Verhältnis zu den Grundrechten, hier der Religionsfreiheit, anders eingeschätzt.
Dieses Beispiel zeigt: Der Vorgehensweise, derer sich hier PETA befleißigt, ist nur mit vielen Worten und einigen Umständen zu widerlegen. Wie einfach ist es dahingegen, einen Satz aus einem Gerichtsurteil herauszuzerren und als Bestätigung seiner Ideologien zweckzuentfremden.
Auch bei PETA kann es mal leichter gehen
PETA lehnt die Verwendung tierischer Produkte ab und tritt damit für eine vegane Ernährung ein.
Das oben bereits benannte Zitat aus der Entscheidung des OVG Hamburg taugt allenfalls für eine vegetarische Lebensform, sprich den Verzicht auf den Verzehr von Fleisch. Zu Jagd, der Nutzung von Tieren sagen die Richter schon grundsätzlich nichts.
Eine vegetarische Lebensform kann aus ernährungsphysiologisch Sicht durchaus vertreten werden. In Fleisch enthaltenen Nährstoffe sind ganz überwiegend auch in Milchprodukten und anderen pflanzlichen Lebensmitteln zu finden.
Für eine veganen Ernährung, also dem Totalverzicht auf alle tierischen Lebensmittel, gilt das nicht.
Sogar PETA selber räumt ein:
„Vitamin B12 dagegen kommt in pflanzlichen Lebensmitteln nicht vor.“
Soll der Körper nicht mangelernährt werden, braucht er aber Vitamin B 12.
Die Natur scheint dann offenbar beim Menschen eben gerade keine vegane Ernährung vorgesehen zu haben.
Der Mensch wird wohl auch deshalb seit seiner Entstehung immer Fleisch und Fisch gegessen haben.
Er wird wohl auch deshalb ziemlich bald dazu übergegangen sein, Nutztieren zu domestizieren.
Der Mensch ist ein Allesfresser wie mehrere andere Lebewesen auch.
Wenn PETA auf seinen Websites einer besorgten Mutter eines Kindes, das sich vegan ernähren möchte, erklärt, ist das schon reichlich bizarr:
Um eine Mangelernährung der von ihr propagierten Ernährungsform bei einem Kind zu verhindern, möge man sich doch in der Apotheke ein geeignetes Mittel besorgen, um die Fehlernährung zu verhindern.
„Daher ist es zu empfehlen, auf mit VitaminB12angereicherte Produkte zurückzugreifen und vorsorglich Vitamin-B12-Ergänzungspräparate einzunehmen. Ich persönlich nehme VEG1, das von der Vegan Society speziell an die Bedürfnisse von Veganern angepasst wurde. In der Apotheke Ihres Vertrauens können Sie sich allerdings auch beraten und gezielt Präparate empfehlen lassen, die ausschließlich Vitamin B12 enthalten.“
Angemessen dürfte es wohl sein, dem Kind eine Ernährung zu empfehlen, die ausgewogen alle notwendige Nährstoffe umfasst. Man kann es nur als verantwortungslos bezeichnen, mit pseudowissenschaftlichen, scheinbar vertretbaren Thesen auch Kinder und Jugendliche zu einer „artfremden“ Ernährung zu verleiten, die nur durch Pilleneinmwurf nicht zu Nährstoffmangel führt.
PETA räumt selber ein, dass die Konsequenz ihrer Haltung ohne Kompensation durch Nahrungsergänzungsmittel zur Fehlernährung führt.
Dann stimmt doch an ihrer Philosophie etwas nicht?!?
Und so geht es gerade weiter. Eigentlich schade! Denn es gäbe ausreichend Grund den jetzt von PETA beanspruchten Platz in den Medien für weniger fragwürdige und umso gesündere Ernährungsratschläge oder offenkundig nicht mehr vorhandenes Wissen etwa bei Wildtieren zu nutzen.
Dann wäre dieser Auerhahn vielleicht noch am Leben.
Das bringt dann aber wahrscheinlich nicht ausreichend Quote.
Was PETA und andere militante Jagdgegner gegen die Jagd haben und was es mit ihren Argumenten auf sich hat, ein anderes Mal.
Erstveröffentlichung „Jura, Jagen, jederzeit„, 18.03.2012
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 Art. 2
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