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Tacheles Rechtsprechungsticker KW 10/2016 | Rechtsanwalt König in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht
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1. 1 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss v. 17.02.2016 – L 32 AS 516/15 B PKH – rechtskräftig
Arbeitslosengeld II – Unterkunft und Heizung – Mietkautionsdarlehen nach dem 1.4.2011 – Tilgung durch monatliche Aufrechnung iHv 10 % des Regelbedarfs bei Einzelperson – fehlende Ermessenserwägungen – Unterdeckung ca. 21 Monate – Verfassungsmäßigkeit
1. 2 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss v. 22.01.2016 – L 29 AS 20/16 B ER, L 29 AS 21/16 B ER PKH
Rumänische Antragsteller haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen (entgegen BSG, Urteil vom 3. Dezember 2015 – B 4 AS 44/15 R)
Rechtstipp: ebenso: SG Berlin, Beschluss v. 06.01.2016 – S 59 AS 26012/15 ER; SG Halle (Saale), Beschluss v. 22.01.2016 – S 5 AS 4299/15 ER; SG Berlin, Beschluss v. 22.02.2016 – S 95 SO 3345/15 ER; SG Dortmund, Beschluss v. 11.02.2016, S 35 AS 5396/15 ER; SG Berlin, Urteil v. 11.12.2015 – S 149 AS 7191/13; LSG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 11.02.2016 – L 3 AS 668/15 B ER
Schon der Wortlaut des § 21 S 1 SGB XII stellt nicht ausschließlich auf das Vorliegen von Erwerbsfähigkeit ab, sondern berücksichtigt einen Leistungsanspruch nach dem SGB II dem Grunde nach. Ist mithin ein Erwerbsfähiger wegen des Vorliegens der Voraussetzungen eines Leistungsausschlusses nicht leistungsberechtigt nach dem SGB II, folgt hieraus nicht zwangsläufig ein Leistungsausschluss nach dem SGB XII (BSG vom 25.9.2014 – B 8 SO 6/13 R ); auch so LSG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 15.01.2016 – L 28 AS 3053/15 B ER und LSG, BB, Beschluss v. 21. Dezember 2015 – L 25 AS 3035/15 B ER
Der Auffassung des LSG Berlin, Beschluss v. 22.01.2016 – L 29 AS 20/16 B ER nicht folgend:
Zitat:" Genau darauf laufen aber mehrere gerichtliche Entscheidungen hinaus, die Antragstellern im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes die Prozesskostenhilfe (PKH) versagen, weil angeblich – etwa nach Auffassung des 29. Senats des Landessozialgerichts (LSG) Berlin-Brandenburg (Az.: L 29 AS 20/16 B ER und L 29 AS 21/16 B ER) – Klagen von arbeitslosen EU-Bürgern ohne Daueraufenthaltsrecht auf Grundsicherungsleistungen nach dem SGB XII keine Erfolgsaussichten hätten.
Tatsächlich sind aber solche Klagen derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich, eben weil das BSG als letztinstanzliches Gericht in diesem Sinne entscheidet. Daran – und nicht an der eigenen Auffassung von der Richtigkeit der höchstrichterlichen Rechtsprechung – ist die Prüfung im Rahmen der PKH auszurichten.
Bei im Sinne des BSG »verfestigtem« und von der Ausländerbehörde nicht beendeten Aufenthalt sind Grundsicherungsleistungen nach dem SGB XII zumindest vorläufig zu erbringen; im Streitfall haben die Betroffenen Anspruch auf PKH zur Durchsetzung ihrer Ansprüche – und zwar zunächst im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes.
Wenn der Bundestag die Konsequenzen der Entscheidung des BSG nicht für richtig hält, ist er gut beraten, das Grundgesetz in den Blick zu nehmen. Dieses ist – solange es nicht geändert ist – so anzuwenden, wie es vom BVerfG ausgelegt wird. Dessen Aussagen zum verfassungsrechtlichen Schutz des Existenzminimums und zur Unzulässigkeit einer »migrationspolitisch motivierten Relativierung der Menschenwürde« (s. SozSich 7/2012, S. 278) sind auch für das Parlament bindend. Darauf hat das BSG in der Schlusspassage seines Urteils vom Dezember ausdrücklich hingewiesen“.
1. 3 Bayerisches Landessozialgericht, Beschluss v. 17.02.2016 – L 7 AS 776/15 NZB
Meldetermin nach § 32 Abs. 1 SGB II vergessen – Sanktion – Verfassungsmäßigkeit
2. "Schuldhaftigkeit" ist grundsätzlich auch bei einfacher Fahrlässigkeit zu bejahen (vgl. § 276 Abs. 1 S. 1, Abs. 2 BGB), etwa wenn der Betroffene – wie hier – den Meldetermin schlicht vergessen hat.
Rechtstipp: a. A. SG Chemnitz, Urteil vom 6. Oktober 2011 – S 21 AS 2853/11 – Vergessener Termin beim Jobcenter muss nicht Sanktion zur Folge haben, denn es lag ein Versagen vor, wie es jedem trotz entsprechender Vorkehrungen einmal passieren kann.
1. 4 Sächsisches Landessozialgericht, Beschluss v. 22.02.2016 – L 3 AS 990/15 B ER
Anmerkung: a. A. LSG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 17. August 2015 – L 3 AS 370/15 B ER
Rechtstipp: aktuell ebenso: RA Kay Füßlein, Berlin – Keine zukünftige Aufhebung der Leistungen bei Aufforderung zur Altersrente ( SG Berlin, Beschluss vom 22.02.2016- S 183 AS 1663/16 ER ); SG Neuruppin, Beschluss v. 21.02.2016 – S 26 AS 2963/15 ER – Allein aus dem Umstand, dass der Antragsteller – vermeintlich – einen Anspruch auf Gewährung von Krankengeld oder auf Gewährung von Arbeitslosengeld geltend machen könnte, führt jedenfalls nicht dazu, dass diese (bloße) Möglichkeit den Anspruch auf Grundsicherungsleistungen für Arbeitsuchende ausschließt.
1. 5 Sächsisches Landessozialgericht, Urteil v. 13.08.2015 – L 3 AS 708/15
1. 6 Sächsisches Landessozialgericht, Beschluss v. 22.02.2016 – L 3 AS 613/15 B ER
Grundsicherung nach dem SGB II- Aufforderung zur vorzeitigen Rentenantragstellung durch das Jobcenter – Rentenantragstellung durch das JC selbst – Antragsteller suchte vorläufigen gerichtlichen Rechtsschutz erst im Zusammenhang mit einem Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X nach – fehlende Ermessensausübung
2. Im Fall des Antragstellers kann nur vorläufiger gerichtlicher Rechtsschutz dadurch gewährt werden, dass der Beigeladene ( Rentenversicherungsträger) durch eine Regelungsanordnung nach § 86b Abs. 2 Satz 2 SGG verpflichtet wird, im Rentenverfahren keinen Rentenbescheid zu erlassen. Denn wenn ein Rentenbescheid erginge und dieser bestandskräftig würde, würde für den Antragsteller das Rechtsschutzbedürfnis im grundsicherungsrechtlichen Verfahren gegen den Antragsgegner entfallen (vgl. BSG, Urteil vom 19. August 2015 – B 14 AS 1/15 R ).
1. 7 Thüringer Landessozialgericht, Urteil vom 27.01.2016 – L 4 AS 1631/14 – rechtskräftig
2. 1 Sächsisches Landessozialgericht, Urteil v. 14.01.2016 – L 3 BK 8/13
Kinderzuschlag nach § 6a BKGG – temporäre Bedarfsgemeinschaft – Berechnung des Kinderzuschlages – Kindergeldanspruch ist nach den gesetzlichen Bestimmungen einer einzelnen Person zugeordnet
3. 1 Sozialgericht Dresden, Beschluss v. 16.02.2016 – S 20 AS 18/16 ER
Grundsicherung nach dem SGB II – Versagung von ALG II zu 100% nach § 31 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i. V. m. § 31a Abs. 1 Satz 3, § 31b SGB II – Minderung gemäß § 31a Abs. 1 Satz 6 SGB II auf 60% – Eigenbemühungen in der Eingliederungsvereinbarung wurden vom Antragsteller nicht nachgewiesen – Aussetzung der Sanktion
Rechtstipp: ebenso: SG Dresden, Urteil vom 10.08.2015 – S 20 AS 1507/14
3. 2 SG Stralsund, Urteil vom 17.02.2016 – S 7 AS 441/13
3. 3 Sozialgericht Magdeburg, Beschluss vom 02.03.2016 – S 7 AS 1574/14
3. 4 SG Hildesheim, Urteil vom 22.12.2015 – S 37 AS 1175/15
3. 5 Sozialgericht Halle (Saale), Beschluss v. 22.01.2016 – S 5 AS 4299/15 ER
Keine Sozialleistungen für Unionsbürger ( hier rumänische ) auf Arbeitsuche – entgegen BSG, Urteile vom 3. Dezember 2015 (- B 4 AS 44/15 R – ) und 20. Januar 2016 (- B 14 AS 35/15 R ).
Erwerbsfähige EU-Bürger, die sich nur zur Arbeitsuche in Deutschland aufhalten, haben weder einen Leistungsanspruch nach dem SGB II noch nach dem SGB XII ( SG Berlin, Urteil vom 11. Dezember 2015 – S 149 AS 7191/13 ).
die Ausreise – freiwillig oder angeordnet – tatsächlich erfolgt ist."
3. 6 Sozialgericht Wiesbaden, Urteil v. 17.12.2015 – S 33 AS 300/13
3. 7 SG Speyer, Urteil v. 23.02.2016 – S 15 AS 857/15
Kinder haben Anspruch auf Bezahlung der Ferienfreizeit des Schülerhortes – Vorschriften für Schulausflüge sind entsprechend anzuwenden – Mehrtägiger Ausflug einer Kindestageseinrichtung
Rechtstipp: ebenso bereits SG Chemnitz, Urteil vom 08.12.2011 – S 37 AS 4144/14, n. v.
3. 8 SG Koblenz , Urteil vom 29.01.2016 – S 14 AS 361/14
3. 9 Sozialgericht Neuruppin, Beschluss v. 21.02.2016 – S 26 AS 2963/15 ER
Rechtstipp: ebenso Sächsisches Landessozialgericht, Beschluss v. 22.02.2016 – L 3 AS 990/15 B ER – Eine Rechtsgrundlage, die ein Jobcenter dazu berechtigen würde, allein wegen eines Anspruches auf vorzeitige Altersrente einen Antrag auf Gewährung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem SGB II abzulehnen, gibt es nicht.
SG Berlin, Urteil vom 22.02.2016 – S 126 AS 8477/14 – Berufung zugelassen
SG Aachen, Beschluss vom 11.12.2015 – S 20 AY 14/15 ER, BeckRS 2015, 73569
5. 1 Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss v. 18.02.2016 – L 20 SO 16/16 B ER – rechtskräftig
Sozialhilfe – Kosten der Unterkunft unter Verwandten – Anordnungsgrund
1. Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats (vgl. hierzu etwa zuletzt Beschlüsse vom 19.08.2015 – L 20 SO 289/15 B ER und vom 20.05.2015 – L 20 SO 156/15 B ER) ist ein Anordnungsgrund im Hinblick auf die Kosten der Unterkunft und Heizung zwar nicht erst dann als glaubhaft gemacht anzusehen, wenn bereits eine Räumungsklage anhängig ist.
2. Der Senat hat vielmehr wiederholt entschieden, dass es insoweit zwar der Glaubhaftmachung der konkreten Gefahr einer Wohnungslosigkeit bedarf; ob eine solche konkrete Gefahr glaubhaft gemacht ist, kann jedoch nicht allgemein, insbesondere nicht regelhaft danach beantwortet werden, ob eine Räumungsklage bereits anhängig ist oder nicht. Die Glaubhaftmachung ist vielmehr eine Frage des Einzelfalles. In aller Regel fordert der Senat in Übereinstimmung mit der angefochtenen Entscheidung des Sozialgerichts – bei Mietwohnungen – die Kündigung des Mietverhältnisses und (oder ggf.) weitere Umstände, die die Gefährdung des weiteren Verbleibs des Betroffenen in seiner Unterkunft plausibel machen (vgl. zum Ganzen Beschlüsse des erkennenden Senats a.a.O. m.w.N.).
3. Unter Berücksichtigung der bislang bekannten – wenn auch nicht abschließend geklärten – Umstände, insbesondere der Übertragung des Hausgrundstückes, erscheint es nicht naheliegend, dass der Sohn zeitnah ernsthafte Schritte zur Räumung der von der Antragstellerin bewohnten Wohnung unternehmen wird.
5. 2 LSG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 18.02.2016 – L 5 SO 78/15
weiter:http://www.proasyl.de/de/presse/detail/news/eugh_setzt_hohe_huerden_fuer_wohnsitzauflagen_fuer_subsidiaer_geschuetzte/ Autor des Rechtsprechungstickers: Willi 2 von Tacheles – alias Detlef Brock

References: § 21
 § 32
 § 276
 § 44
 § 86
 § 6
 § 31
 § 31
 § 31
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