Source: https://www.flugrechte.eu/4539/r%C3%BCckflug-vorverlegt-airlinwechsel-lastminute-restplatzreisen
Timestamp: 2019-06-17 13:53:01+00:00

Document:
Rückflug 14h vorverlegt + Airlinwechsel (L´tur / Lastminute Restplatzreisen GmbH) - FLUGGASTRECHTE
heute der Schock 3 Tage vor Reiseantritt.
Buchungsdatum: 14.10.2015 23.53Uhr
Reiseveranstalter: Last Minute Restplatzreisen GmbH
Reisevermittler: L´Tur Tourismus Ag
Diese Mail habe ich heute 21.10.2015 erhalten, habe mich sofort an das Telfon gesetzt und bei L´Tur angerufen. Rückruf erfolge 1h später mit Aussage dases keine Umbuchmöglichkeit gibt.
Kann ich herraus finden ob zum Buchungsdatum & Zeitpunkt dieser Flug überhaupt geplant war?
Es sind ja nicht nur 14 vorverlegt sondern auch ein Wechsel der Airline!
Wie soll ich mich jetzt weiter verhalten, ich bin echt sauer.
Sind 2 Erwachsene + 2 Kinder
Ihre Buchungsnummer: ****
bitte BESTÄTIGEN Sie im Anschluss an den folgenden Text,
dass Sie diese Mail gelesen haben und wir Ihr Einverständnis
zur Flugänderung der Fluggesellschaft übermitteln dürfen!
Von der Fluggesellschaft haben wir erfahren, dass sich Ihre
Flugdaten wie folgt geändert haben:
Alte Flugdaten / previous flight times:
HAJ 24.10.15 04:30 AYT 24.10.15 09:00 XG 1199
AYT 30.10.15 20:00 HAJ 30.10.15 21:50 TWI0301
Neue Flugdaten / new flight times:
AYT 30.10.15 06:00 HAJ 30.10.15 07:45 CAI1131
Airportcodes:
Ihre aktuellen Reiseunterlagen werden Ihnen nach Bestätigung
der Änderungsmitteilung automatisch per E-Mail zugesandt.
Bei weiteren Fragen erreichen Sie uns per Mail an
oder telefonisch unter der Rufnummer +49 (0) 761 55 7 55 892
(Montag - Freitag von 08:00 - 23:00 Uhr sowie
an Wochenenden und an Feiertagen von 09:00 - 23:00 Uhr.)
und wünschen Ihnen einen angenehmen Urlaub.
Ihr Ltur Kundenservice
wieder getaggt 22, Okt 2015 von admin
1. Gehören die Flugzeiten zu den festen Betsandteilen?
Zuerst muss geklärt werden, ob die Flugzeiten fester Bestandteil des abgeschlossenen Vertrages geworden sind. Das ist jedenfalls dann nicht der Fall, wenn sich der Reiseveranstalter eine Flugzeitenverschiebung durch eine Änderungsklausel in den Allgemeinen Geschäftsbedinungen vorbehalten hat. Sind die Flugzeiten ein fester Vertragsbestandteil geworden, hat sich der Reiseveranstalter an diese zu halten. Tut er dies nicht, liegt ein Vertragsbruch vor. In einem solchen Fall steht dem Reisenden entweder das Recht zur Minderung und Schadensersatz zu oder er kann von dem Vertrag zurücktreten. Wenn die Flugzeiten jedoch kein fester Bestandteil geworden sind, kommt es darauf an ob die Flugzeitenänderung den An-und Abreisetag betreffen und ob dadurch ein Verlust oder eine wesentliche Beeinträchtigung der Nachtruhe entsteht. Grundsätzlich sind der erste und letzte Urlaubstag nämlich dafür geplant, die Anreise bzw. die Abreise anzutreten. Sobald die Flugzeitenänderungen keinen Verlsut der Nachtruhe bedeuten, sind sie als bloße Unannehmlichkeiten zu werten. Vgl. dazu die Entscheidung des AG Hannover, Urteil vom 20.11.2008, Az. 519 C 7511/08 (bei Google einfach suchen mit: „519 C 7511/08 reise-recht-wiki“ -steht dann sofort als erstes Ergebnis in der Ergebnisleiste).
2. Stellt die Flugzeitenänderung einen Mangel dar?
Unter einigen Umständen sind Verschiebungen der Flugzeiten als Mängel zu betrachten jedoch sind, selbst wenn der Reiseveranstalter zu einer Änderung durch eine bestimmte Klausel grundsätzlich berechtigt ist, als ein Mangel zusehen. Dieser wiederum berechtigt dadurch unter anderem zu einer Minderung des Reisepreises nach § 651 d BGB. Ein Mangel liegt oftmals dann vor, wenn durch die Flugverlegung ein ganzer Urlaubstag verloren Über die Minderungsquote entscheidet jedoch im Streitfall das Gericht:
AG Hamburg, Urteil vom 22.08.1996, Az. 22b C 672/96 (bei Google einfach suchen mit“ 22b C 672/96 Reise-Recht-Wiki.de“ steht dann als erstes Ergebnis in der Ergebnisliste) – Minderungsanspruch bejaht Bei einer Kurzreise über 4 Tage wurde der Rückflug von 20.25 Uhr auf 9.30 Uhr vorverlegt. Die Reisezeit verkürzte sich dadurch um einen ganzen Tag. Der Reisepreis konnte um 25 % für den verlorenen Tag gemindert werden.
AG Ludwigsburg, Urteil vom 18.08.2008, Az. 10 C 1621/08 (bei Google einfach suchen mit “ 10 C 1621/08 Reise-Recht-Wiki.de“ steht dann sofort als erstes Ergebnis in der Ergebnisliste) - Minderung bejaht Die Vorverlegung des Rückflugs um 11 Stunden bei einer 7tägigen Flugreise stellt einen Reisemangel dar und berechtigt zur Reisepreisminderung für den Tag, der durch die Verlegung verloren ging.
AG Bonn, Urteil vom 27.06.1996, Az. 18 C 14/96 (bei Google einfach suchen mit “ 18 C 14/96 Reise-Recht-Wiki.de“ dann sofort als erstes Ergebnis in der Ergebnisliste) - Minderungsanspruch verneint Eine Vorverlegung des Abfluges um 5 Stunden ist nicht als Beförderungsmangel zu qualifizieren und berechtigt daher nicht zur Reisepreisminderung. Bei Charterflügen ist nach Ansicht des Gerichtes eine Flugzeitenverspätung von bis zu 8 Stunden zu tolerieren.
AG Duisburg, Urteil vom 21.01.2005, Az. 53 C 5163/04 (bei Google einfach suchen mit“ 53 C 5163/04 Reise-Recht-Wiki.de“ dann sofort als erstes Ergebnis in der Ergebnisliste)- Minderung verneint Bei einer Ankunft um 01.00 Uhr nachts ist die Nachtruhe noch nicht erheblich verkürzt.
3. Besteht eine Informationspflicht des Reiseveranstalters?
In seinem Urteil entschied das AG Bad Homburg am 08.11.2000, Az. 2 C 2165/00-21 (bei Google einfach suchen mit “ 2 C 2165/00-21 Reise-Recht-Wiki.de“ steht dann sofort als erstes Ergebnis in der Ergebnisliste) beispielsweise, dass eine Information 5 Tage vor Reisebeginn ausreicht. Herangezogen werden kann auch die VO (EG) Nr. 261/04 nach welcher der Passagier mindestens zwei Wochen vor Flugantritt informiert werden muss.
4. Wechsel der Airline gestattet?
LG Bonn, Urteil vom 7. 3. 2001 - 5 S 165/00- Der Wechsel der Fluggesellschaft beeinträchtigt den Durchschnittsreisenden nicht erheblich- Wechsel der Airline gestattet.
Beantwortet 24, Okt 2015 von AGeo (4,780 Punkte)
Bearbeitet 23, Okt 2015 von AGeo
in einem solchen Fall kommen grundsätzlich zunächst einmal Ansprüche nach zwei verschiedenen Anspruchsgrundlagen in Betracht:
Anspruch wegen Annullierung des Fluges nach der EG VO 261/2004
Anspruch wegen Reisemangels nach den §§ 651a-m BGB.
Erste Voraussetzung für einen solchen Anspruch ist immer, dass die Anspruchsgrundlage auf den betreffenden Flug auch anwendbar ist. Die Anwendbarkeit der VO bestimmt sich nach deren Art. 3 Abs. 1: Hiernach ist die VO auf alle Flüge anwendbar, die in der EU starten und auf alle Flüge, die in die EU zurückführen und von einer europäischen Fluggesellschaft durchgeführt werden. In Ihrem Fall ist der Flug von Antalya nach Hannover betroffen. D.h. der Flug startet nicht in der EU. Vielmehr führt er aus einem Drittstaat in diese zurück. Allerdings ist Tailwind keine europäische Fluggesellschaft. Daher ist die VO in ihrem Fall auf den betreffenden Flug nicht anwendbar und Sie können daher aus dieser VO keine Ansprüche gegen die Airline herleiten.
Anders sieht es jedoch bei der Anwendbarkeit des allgemeinen Reisevertragsrechts des BGBs aus. Dieses ist allein aufgrund der Tatsache, dass dieser Flug einen Teil einer Pauschalreise darstellt, die bei einem Reiseveranstalter gebucht wurde, anwendbar.
Weitere Voraussetzung z.B. für einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises gem. § 651d BGB ist jedoch, dass die Änderung der Airline bzw. die Abflugzeitenänderung einen Reisemangel darstellt. Ob dies in ihrem Fall gegeben ist, lässt sich nur im Vergleich mit anderen Urteilen in ähnlichen Fällen klären. Vergl. hierzu folgende Urteile:
AG Hannover AZ: 519 C 7511/08 (bei Google zu finden unter "Reise-Recht-Wiki 519 C 7511/08") - Flug von 17.35 auf 7.30 vorverlegt, Mangel gegeben
AG Ludwigsburg AZ: 10 C 1621/08 (bei Google nachzulesen unter "Reise-Recht-Wiki 10 C 1621/08") - Flug von 18.20 auf 7.30 vorverlegt, Mangel gegeben
AG Duisburg AZ: 3 C 4908/02 (in der Googlesuche "Reise-Recht-Wiki 3 C 4908/02") - Hinflug um 8,5 h und Rückflug um ca. 8 h verschoben, Mangel nicht gegeben
D.h. grundsätzlich kann ein Mangel in einer solchen Flugverschiebung von 14 Stunden gesehen werden. Entscheidend in ihrem Fall ist außerdem, dass ein Abflug um 6.00 Uhr wohl zu einer Störung der Nachtruhe führt, wenn Sie bereits 2 Stunden vorher am Flughafen sein müssen. Eine solche Störung der Nachtruhe begründet grundsätzlich einen Reisemangel.
Zum Wechsel der Airline ist zu sagen, dass sich die Rechtsprechung einig darüber ist, dass ein Mangel nur dann gegeben sein kann, wenn entweder die Beförderung mit einer bestimmten Airline vom Reiseveranstalter extra zugesagt wurde (dies ist selten der Fall) oder wenn die Airlines standartmäßig extrem voneinander abweichen.
Ist ein Reisemangel gegeben, berechtigt Sie dies z.B. gem. § 651d BGB zu einer Minderung des Reisepreises gegenüber dem Reiseveranstalter. Im Bezug auf die Höhe der Minderung können z.B. die Frankfurter Reisemängeltabelle Anhaltspunkte geben. Wichtig für einen solchen Anspruch ist es jedoch, den Mangel dem Reiseveranstalter unverzüglich anzuzeigen und Abhilfe, d.h. hier Beförderung auf dem ursprünglichen Flug oder einen zeitlich gesehen besseren Flug, zu verlangen. Hilft der Reiseveranstalter dem Mangel dann trotzdem nicht ab können Sie einen solchen Anspruch innerhalb von 1 Monat nach Beendigung der Reise geltend machen.
Alternativ können Sie auch von gesamten Reisevertrag gem. §651a Abs. 5 BGB kostenfrei zurücktreten.
Beantwortet 27, Okt 2015 von LindaH (6,840 Punkte)
bei einer Vorverlegung eines Fluges kommen verschiedene Anspruchsgrundlagen in Betracht.
Zum einen könnte man einen Anspruch wegen Annullierung des Fluges gem. EG VO 261/2004 geltend machen. Zum anderen besteht eventuell ein Anspruch aufgrund eines Reisemangels gem. §§ 651a-m BGB.
a) EG VO 261/2004
Damit man einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen gem. Art.7 der VO begründen kann, muss der Geltungsbereich der Verordnung auch eröffnet sein. Die Fluggastrechte-VO gilt nämlich nur für Flüge, die in der EU starten, für Flüge von Fluggesellschaften, deren Sitz in der EU liegt, und für solche Flüge, deren Flugunternehmen in der EU liegt und die in der EU enden.
Problematisch ist hier, dass Ihr Rückflug aus Antalya betroffen ist. Dies liegt nicht in der EU, zudem ist Tailwind auch keine europäische Fluggesellschaft. Somit scheiden Ansprüche aus der Fluggastrechteverordnung hier aus.
b) Reisevertragsrecht BGB
Allerdings kann man sich immer noch auf das Reisevertragsrecht des BGB beziehen. Dazu muss ein wesentlicher Reisemangel vorliegen und nicht lediglich eine bloße Unannehmlichkeit. Die Vorverlegung des Fluges über 14 Stunden könnte einen solchen begründen. Zudem geht Ihnen dadurch ein ganzer Urlaubstag verloren. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass durch die Verlegung auf dieses frühen Zeitpunkt, die Nachtruhe erheblich beeinträchtigt wird. Der Wechsel der ausführenden Airline stellt wahrscheinlich eher keinen Mangel der Reise dar, zumindest sehe ich da keine objektiven Gründe.
Infolge dessen kann man nun eine Reisepreisminderung nach § 651 d BGB verlangen. Die Minderung des Reisepreises würde dann anteilig berechnet werden. Dies kann bis zu 100 % für den Betroffenen Tag sein. Der Mangel muss allerdings unverzüglich bei dem jeweiligen Reiseveranstalter angezeigt werden. Wichtig ist, dass Sie den Mangel gem. §651 d II BGB unverzüglich beim Reiseveranstalter anzeigen.
Vgl. Urteile:
AG Hamburg-Altona, Urteil vom 12.07.2000, Az 318c C 128/00
(zu finden über Google-Suche „318c C 128/00 reise-recht-wiki“)
Beantwortet 11, Nov 2015 von NatalieS (15,230 Punkte)
Ihr Flug wurde von 20 Uhr abends auf 6 Uhr morgens, also um 14 Stunden nach vorne verlegt. In einem solchen Fall könnte ein Reisemangel vorliegen.
Die zeitliche Verschiebung des Fluges um 14 Stunden nach vorne könnten einen solchen Reisemangel darstellen. Zu beachten ist in einem solchen Fall jedoch, dass es vorkommt, dass sich der Reiseveranstalter mögliche Änderungen der Reise im Reisevertrag vorbehält, damit sie frei die Flugzeiten verschieben können. Solche Klauseln sind aber nicht zulässig:
Beantwortet 26, Nov 2017 von Stephan (16,210 Punkte)
Ein Unzumutbarkeit liegt zunächst meist dann vor, wenn die Nachtruhe gestört wird. Da Ihr Flug nun um 6 Uhr morgens stattfindet und Sie daher sehr früh morgens aufstehen müssen, denke ich, dass von einer Beeinträchtigung der Nachtruhe auszugehen ist. Von Bedeutung ist außerdem noch, wie lange die Reise eigentlich dauern sollte, und ob die Flugverschiebungen den ersten und/oder letzten Reisetag betreffen, da diese eigentlich für An-und Abreise angedacht sind.
Bearbeitet 26, Nov 2017 von Stephan

References: § 651
 Art. 3
 § 651
 § 651
 §651
 Art.7
 § 651
 §651