Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=13.03.1981&Aktenzeichen=I%20ZR%205/79
Timestamp: 2019-04-20 03:26:55+00:00

Document:
BGH, 13.03.1981 - I ZR 5/79 - dejure.org
Pfändung eines kontokorrentmäßig geführten Girokontos
HGB § 357, ZPO § 329, ZPO § 829, ZPO §§ 829ff
Zum Umfang der Pfändung nach HGB § 357 - Pfändung künftiger Forderungen - Bestimmtheitsanforderungen an Pfändungsbeschluß und Überweisungsbeschluß
Forderungspfändung - Kontokorrent - Pfändung - Bankkontokorrent - Gläubigerbefriedigung - Bestimmtheit
LG Osnabrück, 25.01.1978 - 7 O 310/77
OLG Oldenburg, 29.11.1978 - 5 U 19/78
BGH, 30.06.1981 - I ZR 5/79
BGHZ 80, 172
NJW 1981, 1611
ZIP 1981, 591
MDR 1981, 730
WM 1981, 542
DB 1981, 1324
Mit ihm gehen die kontokorrentfähigen beiderseitigen Ansprüche und Leistungen unter, übrig bleibt nur der Anspruch aus dem Saldoanerkenntnis (BGHZ 80, 172, 176).
aa) Der Gläubiger hat das im Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Pfändung vorhandene Kontokorrentguthaben, den sogenannten Zustellungssaldo (vgl. BGH, Urteil vom 13. März 1981 - I ZR 5/79, BGHZ 80, 172, 176 ff.), und die künftigen Abschlusssalden zum Ende der jeweiligen Kontokorrentperioden gepfändet (vgl. BGH, Urteil vom 13. März 1981 - I ZR 5/79, BGHZ 80, 172, 181).
Auf der Grundlage eines vom Vollstreckungsschuldner abgeschlossenen Kontokorrentvertrages kann nicht nur das bei Wirksamwerden der Pfändungsmaßnahme vorhandene Guthaben, sondern es können auch alle zukünftigen Aktivsalden gepfändet werden, sofern die Pfändungsanordnung mit der nötigen Bestimmtheit erkennen läßt, daß dies gewollt ist (BGHZ 80, 172, 181).
Nach Nr. 2 der Anlage zur Pfändungsverfügung sollten die sich bei Rechnungsabschlüssen im Zeitpunkt der Pfändung und in Zukunft ergebenden Saldoforderungen der Schuldnerin gepfändet werden (vgl. BGHZ 80, 172).
Die Pfändung der Forderung des Schuldners gegen die Beklagte aus dem Kontokorrent- und Girovertrag (vgl. dazu BGHZ 80, 172; 84, 325 [BGH 29.06.1982 - K ZR 19/81]; 371) [BGH 26.05.1981 - KZR 22/80]war mit der Zustellung des Beschlusses vom 14. Oktober 1982 an sie als Drittschuldnerin am 19. Oktober 1982 als bewirkt anzusehen (§ 829 Abs. 3 ZPO).
An diesem Tage, auf den abzustellen ist (vgl. BGHZ 80, 172, 176) [BGH 13.03.1981 - I ZR 5/79], überstieg der Habensaldo des Schuldners die Klageforderung.
Dem könnte im vorliegenden Fall schon entgegenstehen, daß das streitgegenständliche Treuhandkonto in laufender Rechnung geführt wurde, die eingestellten Einzelforderungen daher mit ihrer Verrechnung und dem nachfolgenden Saldoanerkenntnis erloschen sind und an deren Stelle jeweils neue, vom Schuldgrund losgelöste Forderungen auf den Überschuß traten (vgl. BGHZ 80, 172, 176; 150, 122, 128 f.).
Diese vom Senat bislang nicht entschiedene Frage (vgl. BGHZ 80, 172, 179, 180) hat das Berufungsgericht (Schleswig-Holsteinisches OLG, Jur. Büro 1981, 622) in Übereinstimmung mit der in Rechtsprechung und Schrifttum dazu vorherrschenden Auffassung zutreffend bejaht (vgl. OLG Karlsruhe, Die Justiz 1980, 143; OLG Celle, ZIP 1981, 496; OLG Stuttgart, WM 1981, 1149 = ZIP 1981, 1196; FG Rheinland-Pfalz, EFG 1980, 533; LG Hannover, NJW 1974, 1095 [LG Hannover 22.01.1974 - 11 S 167/73]; LG Detmold, Rpfleger 1978, 150; LG Göttingen, Nds. Rpflege 1980, 152, LG Göttingen, Rpfleger 1980, 237; Canaris in GroßKomm.
Zwar sind nach § 355 HGB bei einer Kontokorrentvereinbarung, wie sie auch im Streitfall getroffen worden ist, grundsätzlich alle aus der Geschäftsverbindung resultierenden beiderseitigen Ansprüche und Leistungen kontokorrentgebunden, d.h. unabtretbar (BGH WM 1971, 178; NJW 1982, 1150, 1151) und unpfändbar (Senat, Urteil vom 13. März 1981, I ZR 5/79, BGHZ 80, 172, 175, 176).
§ 357 HGB ist im Gegenteil eine Schutzvorschrift zugunsten des Gläubigers, die dem Schuldner - im Rahmen des Kontokorrents - die Möglichkeit nehmen soll, dem Gläubiger durch beliebige Schaffung neuer Schuldposten das Guthaben zu entziehen (BGHZ 80, 172, 177, 178).
Zukünftige Forderungen müssen bestimmt genug bezeichnet oder hinreichend bestimmbar sein, d.h., es muß jedenfalls schon eine Rechtsbeziehung zwischen Schuldner und Drittschuldner bestehen, aus der die zukünftige Forderung nach ihrem Inhalt und nach der Person des Drittschuldners bestimmt werden kann (BGH LM ZPO § 857 Nr. 4; BGHZ 80, 172, 181; st. Rspr.).
Dabei ist nicht nur auf die jeweiligen Salden an den Rechnungsabschlußstichtagen abzustellen, sondern es ist jeder zwischenzeitliche niedrigere Tagessaldo von Bedeutung (vgl. zur Pfändung eines Kontokorrentguthabens BGHZ 80, 172, 176 ff).
BayObLG, 10.05.1999 - 5St RR 89/99
Strafbarkeit nach § 156 StGB i.V.m. § 807 ZPO wegen falscher Angaben über …
BGH, 30.06.1982 - VIII ZR 129/81
Pfändbarkeit des Tagesguthabens auf Kontokorrentkonto (I)
BGH, 27.01.1982 - VIII ZR 28/81
Anforderungen an Bestimmtheit der Angabe der gepfändeten Forderung; Pfändung …
BayObLG, 10.05.1999 - 5St RR 98/99
Falsche Versicherung an Eides Statt; Rechtsfolgenausspruch; Revision; Verletzung …
OLG Rostock, 13.12.2001 - 1 U 69/00
Wirksamkeit und Durchsetzbarkeit einer Pfändungs- und Einziehungsverfügung des …

References: § 357
 § 329
 § 829
 § 357
 § 355

§ 357
 § 857
 § 156
 § 807