Source: https://www.hensche.de/Feiertagszuschuss_Tarifvertrag_kein_Feiertagszuschuss_aus_Tarifvertrag_an_nicht_gesetzlichen_Feiertagen_BAG_10AZR347-10-u.html
Timestamp: 2019-12-08 05:34:58+00:00

Document:
BAG, Urteil vom 17.08.2011, 10 AZR 347/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 17.08.2011, 10 AZR 347/10
Schlagworte: Feiertagszuschlag
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 26.03.2009, 10 Ca 338/08
1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 18. Fe­bru­ar 2010 - 3 Sa 186/09 - wird zurück­ge­wie­sen.
Beim Zu­sam­men­tref­fen von Zeit­zu­schlägen nach Satz 2 Buchst. c bis f wird nur der höchs­te Zeit­zu­schlag ge­zahlt.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Fei­er­ta­ge iSv. § 10 7
I. Die Kla­ge ist zulässig. Das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nach
§ 256 Abs. 1 ZPO liegt vor. Der Kläger ar­bei­tet im Schicht­dienst und hat be­reits an bei­den Ta­gen Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht. Er hat ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, die Höhe des Zu­schlags vor ei­ner er­neu­ten Ein­tei­lung zur Ar­beit an bei­den Ta­gen durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung fest­stel­len zu las­sen. Die Fest­stel­lungs­kla­ge kann sich auch auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist dann ge­ge­ben, wenn durch die Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag der Streit ins­ge­samt be­sei­tigt wird und das Rechts­verhält­nis der Par­tei­en ab­schließend geklärt wer­den kann (BAG 21. April 2010 - 4 AZR 755/08 - Rn. 19 ff., AP ZPO 1977 § 256 Nr. 101 = EzA ZPO 2002 § 256 Nr. 9). Dies ist vor­lie­gend der Fall.
II. Der Kläger hat kei­nen An­spruch aus § 10 Abs. 1 Buchst. d TV-V. Sein
Beschäfti­gungs­ort liegt in Sach­sen-An­halt. Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag sind in die­sem Bun­des­land kei­ne ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge (vgl. die Aufzählung in
§ 2 des Ge­set­zes über die Sonn- und Fei­er­ta­ge idF vom 25. Au­gust 2004 - GVBl. LSA S. 538). Der Fei­er­tags­zu­schlag nach § 10 Abs. 1 Buchst. d TV-V wird nur für die Ar­beit an ge­setz­lich be­stimm­ten Fei­er­ta­gen am Beschäfti­gungs­ort ge­schul­det.
1. Der Wort­laut der Norm, von dem bei der Ta­rif­aus­le­gung vor­ran­gig
aus­zu­ge­hen ist (BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 10 AZR 299/10 - Rn. 14, ZTR 2011, 491; 24. Fe­bru­ar 2010 - 10 AZR 1035/08 - Rn. 15, AP TVG § 1 Aus­le­gung Nr. 220), ist nicht ganz ein­deu­tig. Der Zu­schlag wird für „Fei­er­tags­ar­beit“ ge­zahlt, oh­ne dass aus­drück­lich klar­ge­stellt wird, dass nur staat­lich an­er­kann­te oder ge­setz­lich ge­re­gel­te Fei­er­ta­ge den Zu­schlag auslösen. Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen über die Zah­lung ei­nes Zu­schlags für Fei­er­tags­ar­beit knüpfen aber re­gelmäßig an die ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge am Beschäfti­gungs­ort an, ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen müssen deut­lich er­kenn­bar sein (BAG 13. April 2005 - 5 AZR 475/04 - Rn. 17, AP TVG § 1 Aus­le­gung Nr. 192).
3. Ein sol­ches Ta­rif­verständ­nis führt zu ei­ner sach­ge­rech­ten, zweck-
ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Re­ge­lung. Der bun­des­weit gel­ten­de TV-V re­gelt kei­ne länder­spe­zi­fi­schen und kon­fes­sio­nel­len Be­son­der­hei­ten im
Fei­er­tags­recht. Bei ei­nem an­de­ren, nicht an das ge­setz­li­che Fei­er­tags­recht an­knüpfen­den Ta­rif­verständ­nis müss­te im Ein­zel­fall ge­prüft wer­den, wel­cher sons­ti­ge, ge­setz­lich nicht be­stimm­te re­li­giöse oder sons­ti­ge Fei­er­tag in wel­cher Re­gi­on für wel­che Beschäftig­ten­grup­pe den ta­rif­lich be­stimm­ten Zu­schlag auslöst. Ein sol­ches Ta­rif­verständ­nis ist nicht prak­ti­ka­bel. Ta­rif­verträge knüpfen des­halb re­gelmäßig an die ge­setz­lich be­stimm­ten Fei­er­ta­ge am Beschäfti­gungs­ort an (BAG 13. April 2005 - 5 AZR 475/04 - Rn. 17, AP TVG § 1 Aus­le­gung Nr. 192).
Si­mon Alex
zur Übersicht 10 AZR 347/10

References: § 10

§ 256
 § 256
 § 256
 § 10

§ 2
 § 10
 § 1
 § 1
 § 1