Source: http://wettrecht.blogspot.de/2012_07_08_archive.html
Timestamp: 2017-03-23 00:23:51+00:00

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WettR: Archiv für Glücksspiel- und Wettrecht: 08.07.12 - 15.07.12
von Rechtsanwalt Martin Arendts, M.B.L.-HSG In einem Strafverfahren gegen einen Sportwettenvermittler hat das Landgericht (LG) Berlin grundlegende Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des staatlichen Sportwettenmonopols geäußert und die Frage der Vereinbarkeit dieses bislang von den Ländern beanspruchten Monopols mit dem Grundgesetz (GG) dem Bundesverfassungsgericht gemäß Art. 100 Abs. 1 GG vorgelegt. Das LG Berlin bittet damit das Bundesverfassungsgericht um eine Entscheidung, ob Art. 10 Abs. 2 des Glücksspielstaatsvertrags in Verbindung mit dem dazu ergangenen Berliner Ausführungsgesetz mit Art 2 Abs. 1 GG „unvereinbar ist, als Sportwetten im Sinne von § 21 des Berliner Ausführungsgesetzes zum Glücksspielstaatsvertrag im Land Berlin nur von diesem veranstaltet werden dürfen“ (Beschluss vom 19. Januar 2012, Az. 526 Qs 8/11). Mit dieser Einschätzung folgt das LG Berlin mehreren Gerichten, die von einer Verfassungswidrigkeit des Monopols augegangen sind, aber wegen des Vorrangs des Europarechts die Vereinbarkeit mit Verfassungsrecht nicht mehr weiter prüfen bzw. die Entscheidung darauf stützen mussten. Im zu entscheidenden Fall war dies nach Ansicht des LG Berlin anders, da sich der Vermittler als türkischer Staatsanhöriger nicht auf Europrecht berufen könne.Nach Überzeugung des Landgerichts ist das Sportwettenmonopol verfassungswidrig. Eine Strafbarkeit nach § 284 StGB (unerlaubtes Glücksspiel) komme deswegen nicht in Betracht. Bei einer Verfassungswidrigkeit des Monopols entfalle der staatliche Strafanspruch aus § 284 StGB und zwar auch dann, wenn keine Erlaubnis beantragt worden bzw. diese rechtswidrig abgelehnt worden sei (Rn. 12, zitiert nach juris):
„Ein Verstoß gegen §
284 Abs. 1 StGB liegt dann vor, wenn ein öffentliches Glücksspiel ohne
behördliche Erlaubnis veranstaltet wird. Allerdings kann die Frage der
Strafbarkeit nach §
284 StGB nicht losgelöst von der verfassungsrechtlichen Beurteilung
der landesrechtlichen Gesamtregelung des Sportwettenrechts beantwortet werden;
dies folgt aus der verwaltungsakzessorischen Natur des §
284 StGB (…). Das bedeutet, dass derjenige Anbieter von Sportwetten,
der nicht zunächst den Verwaltungsrechtsweg beschritten hat, um eine
behördliche Erlaubnis i.S.v. §
284 StGB zu beantragen, dann nicht nach dieser Vorschrift strafbar
ist, wenn die fehlende Erlaubnis auf einem Rechtszustand beruht, der
seinerseits die Rechte des Betreibers von Glücksspielen in verfassungswidriger
Weise verletzt (vgl. BGH,
Urteil vom 16. August 2007, 4 StR 62/07, Rn. 22 – juris). Das ist dann der
Fall, wenn überhaupt nicht die Möglichkeit bestand, eine derartige Erlaubnis zu
erhalten und wenn dieser Ausschluss in Widerspruch zu höherrangigem Recht steht
(vgl. OVG
Lüneburg, Beschluss vom 08. Juli 2008, 11 MC 71/08 m.w.N. – juris)
bzw. wenn die zuständige Behörde es unter Verletzung geltenden Rechts abgelehnt
hatte, die Erlaubnis zu erteilen (vgl. EuGH, Urteil vom 06. März 2007, C-338/04
u.a. (Placania u.a.), NJW
2007, 1515, 1519). Dagegen ist der Tatbestand des §
284 Abs. 1 StGB nicht bloßer verwaltungsaktsakzessorischer Natur (so
aber BGH,
Urteil vom 14. März 2002, I ZR 279/99 – juris, NJW
2002, 2175, 2176; Dehne-Niemann wistra 2008, 361, 362). Würde auf das
schlichte Fehlen einer behördlichen Erlaubnis – gleich aus welchem Grund –
abgestellt werden, so würde bloßer Verwaltungsungehorsam bestraft werden. Darin
besteht jedoch nicht der Strafzweck des §
284 StGB. (…)
Das verwaltungsaktsakzessorische Verständnis des Tatbestandes würde im
Übrigen – konsequent zu Ende gedacht – dazu führen, dass es für die
284 Abs. 1 StGB gleichgültig wäre, ob und inwieweit die landesrechtlichen
Regelungen der Sportwette überhaupt eine Erlaubnispflicht enthalten und ob
Privatpersonen überhaupt eine Erlaubnis erteilt werden kann (…). Das ist jedoch
nicht der Fall, wie eine (einstimmige) Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts über Verfassungsbeschwerden gegen die Anordnung der
Durchsuchung von Geschäftsräumen wegen des Verdachts der unerlaubten
Veranstaltung von Glücksspielen zeigt (Beschluss vom 15. April 2009, 2
BvR 1496/05, Rn. 33 f. – juris, BVerfGK
15, 330).“
„Nach Auffassung der Kammer ist das in § 10 Abs. 2 GlüStV in Verbindung
mit § 5 Satz 1 AG GlüStV geregelte staatliche Sportwettenmonopol mit Art.
2 Abs. 1 GG nicht vereinbar.
Das staatliche Sportwettenmonopol ist ein nicht gerechtfertigter und
damit unverhältnismäßiger Eingriff in die durch Art.
2 Abs. 1 GG geschützte allgemeine Handlungsfreiheit des
Angeschuldigten. (…)
Die fehlende Erlaubnisfähigkeit für die Veranstaltung und Vermittlung
von Sportwetten durch Privatpersonen stellt einen Eingriff in die allgemeine
Handlungsfreiheit des Angeschuldigten als privatem Sportwettenvermittler dar.
Mit der Regelung in § 4 Abs. 1 Satz 1, § 10 Abs. 2 GlüStV i.V.m. § 5 AG
GlüStV wird ein staatliches Monopol für die Veranstaltung von Glücksspielen
geschaffen, da die nach § 4 Abs. 1 Satz 1 GlüStV erforderliche Erlaubnis für
die Veranstaltung von Glücksspielen nur den Ländern oder juristischen Personen
des öffentlichen Rechts oder privatrechtlichen Gesellschaften, an denen
juristische Personen des öffentlichen Rechts maßgeblich beteiligt sind, erteilt
werden kann (§ 10 Abs. 2 GlüStV). Im Land Berlin dürfen öffentliche
Glücksspiele nur vom Land Berlin selbst veranstaltet werden (§ 5 Satz 1 AG
GlüStV), das sich zur Durchführung der Deutschen Klassenlotterie Berlin (DKLB) bedient
(§ 5 Satz 2 AG GlüStV), einer Anstalt des öffentlichen Rechts (§ 1 Satz 1
DKLBG). (…)
Zwar besteht für die Vermittlung von staatlichen
Glücksspielen kein staatliches Monopol (…), da die nach § 4 Abs. 1 Satz 1
GlüStV erforderliche Erlaubnis für die Vermittlung von Glücksspielen auch an
andere nicht dem Land Berlin zuzuordnende Stellen erteilt werden kann
(Umkehrschluss aus § 10 Abs. 2 GlüStV i.V.m. § 5 Satz 1 und Satz 2 AG GlüStV,
sowie die Begriffsbestimmung in § 3 Abs. 6 GlüStV und die Regelungen in § 19
GlüStV i.V.m. §§ 13 f. AG GlüStV). Das Erlaubnisverfahren nach § 4 Abs. 1 Satz
1 GlüStV ist aber nur für die Vermittler staatlicher Wettangebote geschaffen
worden; die Erteilung einer solchen Erlaubnis an Vermittler privater
Sportwettangebote ist nach § 4 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. § 10 Abs. 5 und Abs. 2
GlüStV dagegen ausgeschlossen: Nach § 4 Abs. 2 Satz 2 GlüStV darf eine
Erlaubnis für das Vermitteln öffentlicher Glücksspiele nur für solche
Glücksspiele erteilt werden, deren Veranstaltung nach dem Glücksspielstaatsvertrag
erlaubt ist, d.h. wegen der Regelung in § 4 Abs. 1 AG GlüStV i.V.m. § 10 Abs. 5
und Abs. 2 GlüStV nur für vom Land Berlin veranstaltete Glücksspiele.
(Gewerblichen) Vermittlern von Glücksspielen, die nicht (auch) vom Land Berlin
bzw. von der DKLB veranstaltet werden (vgl. § 19 GlüStV, §§ 6, 13 f. AG
GlüStV), wird die gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 GlüStV erforderliche Erlaubnis nicht
erteilt. (…)
Dieses somit im Land Berlin bestehende sog. staatliche Wettmonopol
stellt wegen des mit ihm einhergehenden Ausschlusses gewerblicher
Wettveranstaltung durch private Wettunternehmen sowie des Ausschlusses der
Vermittlung von Wetten, die nicht vom Land Berlin bzw. von der DKLB
veranstaltet werden, einen rechtfertigungsbedürftigen Eingriff in die
Berufsfreiheit der privaten Sportwettenveranstalter und -vermittler
(Sportwettenanbieter) dar (ebenso BVerfG,
Beschluss vom 30. November 2010, 1 BvL 3/07, Rn. 42 – juris, ZfWG
2011, 33; Janz, NJW
2003, 1964, 1698) und damit erst recht einen rechtfertigungsbedürftigen
Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit des Angeschuldigten.“
„Daher scheiden fiskalische Interessen des Staates zur Rechtfertigung
eines staatlichen Sportwettenmonopols aus (ebenso BVerfG,
Beschluss vom 19. Juli 2000, 1 BvR 539/96, Rn. 73 – juris, BVerfGE
102, 197; BVerfG,
Urteil vom 28. März 2006, 1 BvR 1054/01, Rn. 107 – juris, BVerfGE
115, 276; siehe auch BVerfG,
Beschluss vom 26. März 2007, 1 BvR 2228/02, Rn. 37 - juris, BVerfGK
10, 525). Die Absicht der Erzielung staatlicher Einnahmen und Gewinne
stellt in keinem Fall einen Gemeinschaftswert dar, der Eingriffe der
vorliegenden Qualität in die Berufswahlfreiheit rechtfertigen könnte. Aus
diesem Grund wurde das zuvor noch in § 1 Nr. 5 Lotteriestaatsvertrag
festgelegte Ziel des damaligen Staatsvertrages, „sicherzustellen, dass ein
erheblicher Teil der Einnahmen aus Glücksspielen zur Förderung öffentlicher
oder steuerbegünstigter Zwecke im Sinne der Abgabenordnung verwendet wird“, vom
Bundesverfassungsgericht beanstandet (vgl. BVerfG,
Urteil vom 28. März 2006, 1 BvR 1054/01, Rn. 108 – juris, BVerfGE
115, 276). Nunmehr findet sich diese Zielsetzung zwar nicht in § 1 GlüStV
(„Ziele des Staatsvertrages“), sondern – systematisch unpassend – in § 10
GlüStV („Sicherstellung eines ausreichenden Glücksspielangebots“). Der dortige
Abs. 4 lautet: „Es ist sicherzustellen, dass ein erheblicher Teil der Einnahmen
aus Glücksspielen zur Förderung öffentlicher oder gemeinnütziger, kirchlicher
oder mildtätiger Zwecke verwendet wird“.
Vorliegend kann nach Überzeugung der Kammer nicht davon ausgegangen
werden, dass die durch die Abgaben erzielten Fördermittel zur Finanzierung sozialer
Aktivitäten vom Landesgesetzgeber nur als bloße Begleitfolge des staatlichen
Wettmonopols anzusehen sind. Ganz im Gegenteil: Fiskalischen Interessen stellen
– jedenfalls – einen maßgeblichen Grund für die Beibehaltung des staatlichen
Wettmonopols dar. (- Schilderung des Gesetzgebungsverfahrens-)
Vor diesem Hintergrund liegt es auf der Hand, dass der
Landesgesetzgeber mit der Beibehaltung des Staatsmonopols (auch) seine
finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten aufrecht erhalten wollte und deshalb
gerade kein ernsthaftes und nachhaltiges Interesse an einem merklichen Rückgang
der Spielsucht haben kann (ebenso VG
Berlin, Urteil vom 04. November 2010, 35 K 88.09, Rn. 55 – juris).“
Mitgliedstaat darf die Werbung für in einem anderen Mitgliedstaat gelegene
Spielbanken untersagen, wenn der Schutz der Spielteilnehmer dort nicht
gleichwertig ist In Österreich bedarf die Werbung für im
Ausland gelegene Spielbanken einer vorherigen Bewilligung. Um eine Bewilligung
zu erhalten, muss der Betreiber einer in einem anderen Mitgliedstaat gelegenen
Spielbank nachweisen, dass der gesetzliche Spielerschutz in diesem Staat dem
österreichischen gesetzlichen Schutz „zumindest entspricht“. Nach den
österreichischen Spielerschutzbestimmungen ist der Besuch der Spielbank
ausschließlich volljährigen Personen vorbehalten; darüber hinaus hat die
Spielbankleitung das Spielverhalten daraufhin zu beobachten, ob die Häufigkeit
und Intensität der Teilnahme am Spiel das Existenzminimum des Spielers gefährdet, und Spielbankbesucher können unmittelbar eine zivilrechtliche Klage gegen die Spielbankleitung wegen Verletzung ihrer Pflichten erheben.1 Die slowenischen Gesellschaften HIT und HIT LARIX betreiben Spielbanken in Slowenien. Sie beantragten beim österreichischen Bundesminister für Finanzen eine Bewilligung für die Bewerbung ihrer in Slowenien gelegenen Spielbanken in Österreich. Der Bundesminister für Finanzen wies ihre Anträge mit der Begründung ab, HIT und HIT LARIX hätten nicht dargetan, dass die slowenischen gesetzlichen Glücksspielbestimmungen ein Schutzniveau gewährleisteten, das mit dem in Österreich geltenden vergleichbar sei. Der österreichische Verwaltungsgerichtshof, vor dem HIT und HIT LARIX gegen die abweisenden Bescheide Beschwerde erhoben, möchte vom Gerichtshof wissen, ob eine Regelung wie die österreichische mit dem vom Unionsrecht gewährleisteten freien Dienstleistungsverkehr zu vereinbaren ist. In seinem Urteil vom heutigen Tag weist der Gerichtshof zunächst darauf hin, dass Glücksspielregelungen zu den Bereichen gehören, in denen beträchtliche sittliche, religiöse und kulturelle Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bestehen. In Ermangelung einer Harmonisierung dieses Gebiets steht es den Mitgliedstaaten daher frei, die Ziele ihrer Politik auf dem Gebiet der Glücksspiele festzulegen und das angestrebte Schutzniveau genau zu bestimmen. Allein der Umstand, dass ein Mitgliedstaat ein anderes Schutzsystem als ein anderer Mitgliedstaat gewählt hat, kann daher keinen Einfluss auf die Beurteilung der Verhältnismäßigkeit der einschlägigen Bestimmungen haben. Diese sind nur im Hinblick auf die von den zuständigen Stellen des betroffenen Mitgliedstaats verfolgten Ziele und auf das von ihnen angestrebte Schutzniveau zu beurteilen. In Anbetracht dieser Erwägungen antwortet der Gerichtshof, dass das Unionsrecht der österreichischen Regelung nicht entgegensteht, sofern sie sich darauf beschränkt, für die Erteilung der Werbebewilligung den Nachweis zu fordern, dass die anwendbare Regelung in dem anderen Mitgliedstaat einen im Wesentlichen gleichwertigen Schutz vor den Gefahren des Glücksspiels gewährleistet wie sie selbst. Eine solche Regelung beschränkt zwar den freien Dienstleistungsverkehr, sie ist jedoch durch das Ziel gerechtfertigt, die Bevölkerung vor den Gefahren des Glücksspiels zu schützen. In Anbetracht dieses Ziels dürfte sie für die Betreiber ausländischer Spielbanken keine übermäßige Belastung darstellen und kann daher dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechen. Anders wäre es allerdings – und eine solche Regelung müsste als unverhältnismäßig angesehen werden –, wenn sie fordern würde, dass in dem anderen Mitgliedstaat identische Vorschriften gelten, oder wenn sie Vorschriften verlangen würde, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Schutz vor den Gefahren des Glücksspiels stehen. Jedenfalls ist es Sache des nationalen Gerichts, sich zu vergewissern, dass sich die streitigen Rechtsvorschriften darauf beschränken, die Werbebewilligung für Glücksspielbetriebe mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat davon abhängig zu machen, dass die Regelung dieses anderen Mitgliedstaats im Hinblick auf das legitime Ziel, den Einzelnen vor den Gefahren des Glücksspiels zu schützen, im Wesentlichen gleichwertige Garantien bieten wie die nationale Regelung.
1 Nach Ansicht der österreichischen Regierung hat die Anwendung
dieser Präventivmaßnahmen zu einer wesentlichen Verringerung der
Spielteilnehmer geführt, denn 2011 sei für mehr als 80 000 Personen der Besuch
von Spielbanken in Österreich eingeschränkt oder ihnen gänzlich verwehrt
gewesen. Zudem sei die Zahl der Spielbanken in Österreich auf höchstens 15
beschränkt. Eingestellt von
Glückspieländerungsstaatsvertrag: "grundsätzliche Überarbeitung notwendig"Hamburg 11.07.2012 – Wenige Tage nach seinem Inkrafttreten kommt aus Bonn die erste amtliche Kritik am neuen Glücksspieländerungsstaatsvertrag. Die unabhängige Monopolkommission hat zu Beginn ihres aktuellen, an die Bundesregierung gerichteten Zweijahres-Gutachtens (19. Hauptgutachten 2010/2011) ausführlich zur Novelle Stellung genommen. Ihr Fazit: die gesellschaftlichen Ziele – Bekämpfung der Spielsucht und Verhinderung der Manipulation – können mit dieser Regulierung weder effektiv noch effizient erreicht werden; eine "grundsätzliche Überarbeitung" sei notwendig. Explizit ist die Kommission in ihrem Gutachten der Auffassung, dass die zunehmenden regulativen Einschränkungen der gewerblichen Spielvermittler aufgehoben werden müssen, da sie nicht den gesellschaftlichen Zielen dienen. Die Kommission macht konkrete Vorschläge, wie die Beschränkungen für die Lotterievermittlung beseitigt werden können. Bis zu einer solchen erforderlichen Neuregelung sei es fraglich, ob überhaupt hinreichende Voraussetzungen für das Geschäftsmodell unabhängiger Spielvermittler bestehen. Um Rechtsverstöße und Kartell- und Gerichtsverfahren zu vermeiden, raten die Regierungsberater daher den staatlichen Lotteriegesellschaften ausdrücklich, durch faire Vereinbarungen einer Diskriminierung gewerblicher Spielvermittler vorzubeugen. Norman Faber, Präsident des Deutschen Lottoverbandes, appelliert an die verantwortlichen Politiker, die Warnungen und Hinweise der Kommission ernst zu nehmen: "Wir fordern einen diskriminierungsfreien Wettbewerb um die Vermittlung von Lotterien und eine leistungsgerechte Provisionierung der Vermittler." Die Monopolkommission selbst empfiehlt den Lottogesellschaften in ihrem Gutachten, bei den Provisionsvereinbarungen mit privaten Vermittlern diejenigen Leistungen als Orientierungswert heranzuziehen, die sie ihren Lottoannahmestellen gewähren. Sonst drohe ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot gemäß § 20 Abs. 1 GWB. Die mangelnde Bereitschaft einzelner Lotteriegesellschaften zur angemessenen Provisionierung gewerblicher Spielvermittler habe bereits anhängige Verfahren des Bundeskartellamtes gegen den Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) ausgelöst und könne Zivilklagen nach sich ziehen. "Ein fairer Wettbewerb mit entsprechenden werblichen Aktivitäten wird letztlich zur Kanalisierung der Spieler hin zu kontrollierten und nachweislich suchtungefährlichen Glücksspielangeboten beitragen," so Faber. Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages und den damit verbundenen Werbe- und Vertriebsbeschränkungen insbesondere bei Lotto sind die Umsätze um 14 Mrd. Euro (- 26%) Milliarden eingebrochen, während illegale Glücksspielangebote aus dem Ausland boomen. "Das zeigt deutlich den Irrweg der aktuellen Gesetzgebung."Quelle: Deutscher Lottoverband
Lotto informiert: Deutscher Lotto- und Totoblock weist Kritik der Monopolkommission am Glücksspieländerungsstaatsvertrag zurück
München, 10. Juli 2012. Der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) weist die Kritik der Monopolkommission am Glücksspieländerungsstaatsvertrag zurück. Die Maxime der Monopolkommission ist es, alles dem Markt unterzuordnen. Sie verkennt dabei jedoch, dass es sich bei Glücksspielen um sensible Produkte handelt, die aufgrund ihres Gefährdungspotentials in Deutschland streng reguliert und Markt und Wettbewerb weitestgehend entzogen sind."Glücksspiel ist kein Gut wie jedes andere. Die Ministerpräsidenten haben den Staatsvertrag beschlossen und damit eine verantwortungsvolle Regelung für dieses sensible Feld getroffen, um gesellschaftliche Kollateralschäden einzudämmen", sagt Erwin Horak, Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern und Federführer des DLTB, des Zusammenschlusses der 16 staatlichen Lotteriegesellschaften.Nicht nachzuvollziehen ist, dass die Monopolkommission für Steuersenkungen bei Sportwetten eintritt. Folgt man hier der Logik der Monopolkommission, bewegt man sich auf einen Steuersatz von weniger als 0,1 Prozent zu, wie er in Malta und Gibraltar gilt. Ein solch niedriges Niveau käme zwar den Interessen der kommerziellen Glücksspielindustrie entgegen. Hierdurch würde jedoch jegliche ordnungspolitische Lenkungsfunktion verloren gehen.
Deutsche Monopolkommission zum Wettbewerb auf Glückspielmärkten
Auszug aus der Pressemitteilung der Monopolkommission vom 6. Juli 2012:
"3. Der Markt für Glücksspielwesen ist in Deutschland streng
reglementiert, stark staatlich dominiert und
bietet nur geringen Raum für Wettbewerb. Zugleich machen es aber
Online-Spielmöglichkeiten für viele Spielerinnen und Spieler möglich, auf
illegale und nicht durch die Glücksspielaufsicht kontrollierte Angebote aus dem
Ausland auszuweichen, sodass die versuchte staatliche Monopolisierung nicht
mehr der effektiven Bekämpfung der Spielsucht dient. Nach zahlreichen juristischen
Auseinandersetzungen soll nun der im Dezember 2011 unterzeichnete erste Glücksspieländerungsstaatsvertrag diesen Entwicklungen Rechnung tragen. Die Monopolkommission hat
eingehend untersucht, ob die gesellschaftlichen Ziele durch die veränderte
Reglementierung in effizienter Weise erreicht werden. Dies ist nicht der Fall,
die Monopolkommission hält vielmehr eine grundsätzliche
Überarbeitung für notwendig.
4. Durch den neuen
Staatsvertrag wird das staatliche Monopol im Sportwettenmarkt in engen Grenzen
liberalisiert. Die neue Experimentierklausel
zur Konzessionierung privater Sportwettenanbieter wird von der Monopolkommission zwar begrüßt, da so zumindest
teilweise eine Kanalisierung des Sportwettenangebots in legale und staatlich
beaufsichtigte Märkte erreicht werden kann. Allerdings wurde der Ansatz nicht konsequent verfolgt.
Die gewählte Spieleinsatzsteuer macht ein Angebot in Deutschland weiter
unattraktiv und bevorzugt Anbieter aus dem Ausland.
Stattdessen wäre eine Besteuerung
der konzessionierten Anbieter auf
Grundlage des Rohertrags nach dem Vorbild Schleswig-Holsteins deutlich vorzuziehen.
Zudem spricht sich die Monopolkommission gegen die vorgesehene Beschränkung der
Anzahl möglicher Konzessionen aus. Des Weiteren sollte die Experimentierklausel
auch auf andere Spielformen mit wachsenden Graumärkten wie Online-Poker und
Online-Casinospiele ausgeweitet und mit entsprechenden Maßnahmen zur Bekämpfung
der Spielsucht verbunden werden.
5. Im Bereich der
Lotterien haben gewerbliche Spielevermittler in der Vergangenheit immer wieder Wettbewerb
zwischen den Landeslottogesellschaften um die Einsätze dieser Vermittler
ausgelöst. Durch zunehmende Regulierung hat der Staat das Geschäftsfeld der
Spielevermittler erheblich begrenzt und den entstehenden Wettbewerb der
Landeslottogesellschaften um Vermittlungsprovisionen unterbunden. Der
Monopolkommission erscheint dieser Wettbewerb um die Vermittlung von
Spielscheinen in der Tat aus gesellschaftlicher Sicht nicht zielführend.
Demgegenüber sieht die Monopolkommission jedoch keinen hinreichenden Grund
dafür, dass der Vertrieb von Lotterieprodukten nicht gesellschaftlich effizient
auf privatwirtschaftlicher Ebene im Wettbewerb erfolgen kann. Staatliche Lotterieveranstalter sollten sich daher aus dem
Vertrieb zurückziehen, private Vertriebsstellen sollten von
den Aufsichtsbehörden allerdings durch die Erteilung von Konzessionen
Staatsvertrag lockert auch die bisher restriktiven Beschränkungen für den
Online-Vertrieb und bestimmte Werbemaßnahmen bei Lotterie- und
Sportwettenangeboten. Der Zusammenhang dieses Kurswechsels mit Suchtpräventionsmaßnahmen ist allerdings nicht deutlich
Der Erlaubnisvorbehalt bezüglich
Werbung und Online-Vertrieb für
verschiedene Spielformen sollte deshalb an gemeinsame Richtlinien geknüpft
werden, die kurzfristig an die
Ergebnisse belastbarer Studien zur Suchtprävention angepasst werden können. Der Erlaubniserteilung im Bereich der Lotterien
sollte dabei eine Suchtpräventionsstudie vorausgehen, welche insbesondere die
Wirkungen des Lottospiels auf das Spielen anderer Glücksspiele untersucht.
7. Grundsätzlich sollte
die Regulierung unterschiedlicher Glücksspielformen daraufhin überprüft werden,
welche spezifischen Beschränkungen
des Wettbewerbs unter Berücksichtigung belastbarer Studien
zur Suchtprävention tatsächlich erforderlich sind. Dabei ist auch die Verhältnismäßigkeit
der Beschränkungen unterschiedlicher Spielformen zu überprüfen. So
erscheint die unterschiedliche Behandlung, die etwa mit der beschränkten
Zulassung der gewerblichen Automatenspiele auf der einen Seite und einem
staatlichen Monopol der Spielcasinos auf der anderen Seite erfolgt, mit dem
Ziel der Eindämmung der Spielsucht nicht begründbar."
bescheinigt dem GlüÄndStV Untauglichkeit
BETFAIR PLC. Die Monopolkommission,
das offizielle Beratungsgremium der Bundesregierung für Fragen der
Wettbewerbspolitik, beurteilt den vor nur einer Woche in Kraft getretenen
Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) der Länder in ihrem am Freitag vorgestellten
19. Hauptgutachten als nicht geeignet, die gesellschaftlichen Ziele
effizient zu erreichen. Aus diesem Grund hält die Monopolkommission bereits
jetzt eine „grundsätzliche Überarbeitung“ der Regulierung für notwendig.
Die Monopolkommission kritisiert
beschränkte Anzahl möglicher Konzessionen für Sportwettanbieter, da sie die Graumärkte stärkt,
„Besonders bedeutsam“ ist nach
Auffassung der Monopolkommission das Besteuerungssystem, da es für die
Erreichung der gesellschaftlichen Regulierungsziele maßgeblich ist. Daher
empfiehlt das Expertengremium: „Im Ergebnis ist damit für das gesellschaftlich
relevante Ziel der Suchtbekämpfung durch Kontrolle, ein Besteuerungssystem, wie
es in Schleswig-Holstein gewählt wurde, klar vorzuziehen. Die Kanalisierung des
Glücksspiels in den legalen Markt erfolgt unter einem derartigen System
deutlich besser.“
Peter Reinhardt, Zentraleuropachef
von „Betfair“, sagte dazu:
„Das Urteil der Monopolkommission
ist eindeutig: Die Länder haben mit dem GlüÄndStV ein untaugliches Gesetzeswerk
konstruiert. Der neue Staatsvertrag ist nicht geeignet, den Schwarzmarkt zu
kanalisieren, effektiven Spielerschutz zu gewährleisten und Steuereinnahmen zu
generieren. Mit dem vorliegenden Regulierungsmodell wird der größte Teil des
Online-Glücksspiels weiterhin im unregulierten Bereich stattfinden. Es ist
wichtig, dass nun Konsequenzen gezogen werden und im Sinne der Empfehlungen der
Monopolkommission möglichst schnell nachgebessert wird.“
Betfair: (www.betfair.com)
Betfair wurde im Jahr 2000 gegründet
und ist heute einer der weltgrößten Wettanbieter im Internet. Die
Betfair-Unternehmensgruppe hat über 4 Mio. registrierte Kunden und wickelt
täglich mehr als 7 Mio. Transaktionen ab, mehr als doppelt so viele
Transaktionen wie alle Europäischen Börsenplätze zusammen. Über 2.300
Angestellte arbeiten international für Betfair.
Betfair verfügt in
Schleswig-Holstein, Gibraltar, Malta, Italien, Australien, den USA und Großbritannien
über Glücksspielerlaubnisse. Es ist Betfairs Bestrebung, in allen Ländern, in
denen das Unternehmen tätig ist, Lizenzen innezuhaben, zu investieren und
Steuern zu zahlen. Die Gruppe arbeitet aktiv mit Regierungen und anderen
Interessenvertretern zusammen, um dazu beizutragen, für die Verbraucher ein
kontrolliertes und sicheres Umfeld für Online-Glücksspiele zu schaffen. Betfair
möchte auch in Deutschland auf Grundlage einer Erlaubnis tätig sein und
arbeitet konstruktiv mit den Bundesländern zusammen, um dies zu erreichen.
Betfair ist eines der Top 25
Internet-Unternehmen weltweit. Das Unternehmen wurde unzählige Male
ausgezeichnet, darunter u.a. mit dem Britischen Queen’s Award for Enterprise im
Jahr 2003 in der Kategorie Innovation und im Jahr 2008 in der Kategorie
International Trade. Zweimal, in den Jahren 2004 und 2005, wurde Betfair zur
„Confederation of British Industry’s (CBI) Company of the Year“ ernannt – ein
Erfolg, den kein anderes Unternehmen zuvor erreicht hat.

References: Art. 100
 Art. 10
 § 21
 § 284
 § 284
 §
284
 §
284
 §
284
 §
284
 §
284
 §
284
 § 10
 § 5
 Art.
2
 Art.
2
 § 4
 § 10
 § 5
 § 4
 § 4
 § 10
 § 5
 § 3
 § 19
 § 4
 § 4
 § 10
 § 4
 § 4
 § 10
 § 19
 § 4
 § 1
 § 1
 § 10
 § 20