Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Gleichbehandlung_Lebenspartner_Hinterbliebenenversorgung_BVerfG_1BvR1164-07.html
Timestamp: 2017-03-28 21:36:36+00:00

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Seit Ein­füh­rung der gleich­ge­schlecht­li­chen Le­bens­part­ner­schaft stellt sich, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des im All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) nor­mier­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot auf­grund der se­xu­el­len Iden­ti­tät, die Fra­ge, ob auch hin­ter­blie­be­ne Le­bens­part­ner An­spruch auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ha­ben. Um die Fra­ge, ob auch gleich­ge­schlecht­li­che Le­bens­part­ner ein Recht auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ha­ben, geht es in der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG): BVerfG, Ur­teil vom 07.07.2009, 1 BvR 1164/07. Stellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften
Durch ver­schie­de­ne ge­setz­li­che Ände­run­gen, die in den letz­ten Jah­ren in Kraft ge­tre­ten sind, ist dafür ge­sorgt, dass gleich­ge­schlecht­li­che Le­bens­part­ner auf tra­di­tio­nell Ehe­paa­ren vor­be­hal­te­ne recht­li­che Vor­tei­le und Ab­si­che­run­gen zurück­grei­fen können. Das grund­le­gen­de und wich­tigs­te die­ser Ge­set­ze ist das Le­bens­part­ner­schafts­ge­setz (LPartG) vom 16.02.2001. Sein Ziel war zum ei­nen die An­pas­sung der Rechts­la­ge an die veränder­te ge­sell­schaft­li­che Rea­lität und zum an­de­ren die Ver­mei­dung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Iden­tität. Hand­lungs­be­darf sah man nicht nur we­gen des im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Gleich­be­hand­lungs­ge­bots, d.h. we­gen Art. 3 Abs. 1 Grund­ge­setz (GG), son­dern auch we­gen des Ge­bots der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung, das in Art. 21 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der eu­ropäischen Uni­on fest­ge­legt ist.
Nun­mehr hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) mit Ur­teil vom 07.07.2009 (1 BvR 1164/07) darüber zu ent­schei­den, ob ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te gemäß den Ver­sor­gungs­re­ge­lun­gen der VBL ha­ben. Der Fall des Bundesverfassungsgerichts: Dienstherr teilt Angestelltem mit, sein Lebenspartner habe keinen Anspruch auf Hinterbliebenenrente
Aus An­lass ei­ner Be­rech­nung der in der Zu­satz­ver­sor­gung er­wor­be­nen An­wart­schaf­ten des Be­schwer­deführers teil­te ihm der Dienst­herr mit, dass sein Le­bens­part­ner kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te er­hal­ten wer­de, da dies in § 38 der Sat­zung der VBL nicht vor­ge­se­hen ist. Die In­stanz­ge­rich­te sa­hen hier­in kei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung und wie­sen die Kla­ge mit der Be­gründung zurück, dass die im Sat­zungs­text ver­wand­ten Be­grif­fe „Hei­rat“, „Ehe“ und „Ehe­gat­te“ ei­ne förm­lich ge­schlos­se­ne Ehe vor­aus­set­zen. Da das Le­bens­part­ner­schafts­ge­setz be­reits in Kraft war, als die Sat­zung be­schlos­sen wur­de, war auch die Möglich­keit nicht ge­ge­ben, den Sat­zungs­text un­ter Berück­sich­ti­gung der veränder­ten Ge­setz­la­ge aus­zu­le­gen und so zu dem gewünsch­ten Er­geb­nis zu kom­men, so der BGH. Der BGH nahm an, dass die Ehe zwar ge­genüber der ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft nicht be­vor­zugt wer­den müsse. Es sei aber zulässig, der Ehe „an­de­re“ Rech­te zu ge­ben als ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft, da Ehe und Fa­mi­lie durch Art. 6 GG be­son­ders geschützt würden. Die obers­ten Zi­vil­rich­ter ver-tra­ten wei­ter­hin die Auf­fas­sung, dass es nach wie vor ty­pi­scher­wei­se die ver­hei­ra­te­ten Ar­beit­neh­mer sei­en, die mit ih­rem Ein­kom­men die Vor­sor­ge­kos­ten für Ehe­gat­ten und Kin­der maßgeb­lich be­strei­ten. Dar­in be­ste­he ein recht­lich maßgeb­li­cher Un­ter­schied ge­genüber Un­ver­hei­ra­ten und gleich­ge­schlecht­li­chen Le­bens­part­nern.
Bundesverfassungsgericht: Ausschluss verfassungswidrig
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat der Ver­fas­sungs­be­schwer­de des Klägers statt­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass die an­ge­grif­fe­nen Ur­tei­le ihn in sei­nem Grund­recht aus Art. 3 Abs. 1 GG ver­let­zen. Das BVerfG folg­te da­mit der Sicht­wei­se des BGH nicht und stell­te fest, dass es zur Be­gründung ei­ner Un­gleich­be­hand­lung von Ehe und Le­bens­part­ner­schaft nicht aus­reicht, auf den grund­ge­setz­li­chen Schutz der Ehe zu ver­wei­sen. Für das Ver­fas­sungs­ge­richt kann die Pri­vi­le­gie­rung der Ehe, un­abhängig da­von, ob die­se kin­der­los ist oder nicht, nur mit der Be­gründung ge­recht­fer­tigt wer­den, dass ei­ne auf Dau­er ver­bind­li­che Ver­ant­wor­tung und ge­gen­sei­ti­ge Ein­stands­pflich­ten zwi­schen den Part­nern über­nom­men wer­den. In die­sem Fürein­an­der­ein­ste­hen liegt aber seit der weit­ge­hen­den recht­li­chen Gleich­stel­lung von Le­bens­part­nern und Ehe­leu­ten kein we­sent­li­cher Un­ter­schied mehr, da gemäß dem LPartG durch die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft ver­gleich­ba­re Un­ter­halts­pflich­ten dem Part­ner ge­genüber be­gründet wer­den wie zwi­schen Ehe­leu­ten. Da­her stand für das BVerfG hin­ter der Ent­schei­dung des Sat­zungs­ge­bers, Le­bens­part­ner von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­neh­men, kei­ne sach­lich bzw. recht­lich nach­voll­zieh­ba­re Über­le­gung, die ei­ne sol­che Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen würde. Sch­ließlich sei das In­ter­es­se des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers am Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter der Hin­ter­blie­be­nen­ren­te bei Ehen wie bei Le­bens­part­ner­schaf­ten gleich aus­ge­prägt.

References: Art. 3
 Art. 21
 § 38
 BGH 
 Art. 6
 Art. 3
 BGH