Source: http://www.juricom.de/tacheles-rechtsprechungsticker-kw-092015/
Timestamp: 2017-08-19 14:45:41+00:00

Document:
Tacheles Rechtsprechungsticker KW 09/2015 | Rechtsanwalt König in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht Rechtsanwalt in Göttingen für Strafrecht Arbeitsrecht Sozialrecht Ausländerrecht
Home Tacheles Rechtsprechungsticker KW 09/2015
1. 1 Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Beschluss vom 28.01.2015 – L 11 AS 261/14 B
2. Die Bejahung des Anordnungsgrundes setzt bei einem Streit um laufende KdU nicht zwingend voraus, dass bereits die Voraussetzungen für eine außerordentliche Kündigung wegen Mietrückständen vorliegen oder dass der Vermieter bereits gekündigt bzw. Räumungsklage erhoben hat (entgegen etwa: LSG Nordrhein Westfalen, Beschluss vom 10. September 2014 – L 7 AS 1385/14 B ER -; LSG Berlin Brandenburg, Beschluss vom 22. Juli 2014 – L 10 AS 1393/14 B ER -).
Anmerkung: ähnlich im Ergebnis LSG NRW, Beschluss vom 29.01.2015 – L 6 AS 2085/14 B ER – und – L 6 AS 2086/14 B – wonach ein Abwarten der Räumungsklage als nicht zumutbar angesehen wird, a. A. LSG NSB, Beschluss vom 22. Mai 2014 – L 7 AS 389/14 B ER ( n. v. ), wonach allein offene Unterkunftskosten noch keinen Anordnungsgrund begründen sondern erforderlich ist, dass unmittelbar negative Konsequenzen für die Beibehaltung der Unterkunft, z.B. eine Wohnungslosigkeit, drohen.
1. 2 Landessozialgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 29.01.2015 – L 7 AS 4641/12
Anrechnung einer Rentennachzahlung – tatsächlicher Zufluss der Einnahme – ab dem 1. April 2011 ist das Zuflussprinzip in § 11 Abs. 2 Satz 1 SGB II gesetzlich geregelt worden und danach stellt § 48 Abs. 1 Satz 3 SGB X kein höherrangiges Recht (mehr) dar.
Anmerkung: Bay LSG, Urteil vom 14.05.2014, L 11 AS 610/11 – Keine rückwirkende Aufhebung der Bewilligung von Alg II, wenn eine Rente rückwirkend bewilligt wird, aber eine Auszahlung wegen einer Leistungserstattung des Rententrägers gegenüber dem Grundsicherungsträger erfolgt.
1. 3 Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 05.02.2015 – L 6 AS 883/14 B ER
1. 4 Schleswig-Holsteinisches Landessozialgericht, Urteil vom 22.09.2014 – L 6 AS 115/12 – Die Revision wird zugelassen.
1.5 Bayerisches Landessozialgericht, Beschluss vom 28.01.2015 – L 7 AS 16/15 B ER
Grundsicherung für Arbeitsuchende – Einkommensberücksichtigung – Nachzahlung von Witwenrente – Verteilzeitraum
Anmerkung: ebenso SG Osnabrück, Urteil vom 09.07.2014 – S 33 AS 133/13 – Nachzahlungen auf Sozialleistungen (hier: Kindergeld) sind nach § 11 Abs. 3 SGB II, ggf. in Verbindung mit § 11 Abs. 2 S. 3 SGB II, auf sechs Monate zu verteilen, a. A. LSG NRW, Beschluss vom 28.05.2014 – L 19 AS 1860/13 B – nachgezahltes Kindergeld ist eine einmalige Einnahme und ist nicht auf sechs Monate zu verteilen.
1.6 Sächsisches Landessozialgericht, Beschluss vom 27.01.2015 – L 7 AS 1195/14 B ER – rechtskräftig
1.7 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 29.01.2015 – L 29 AS 3339/14 B ER – rechtskräftig
Arbeitssuche – Unionsbürger (italienische Staatsbürger) – Leistungsausschluss – EuGH – C – 333/13 (Urteil vom 11.11.2014)
1. 8 Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 17.02.2015 – L 31 AS 3100/14 B ER – rechtskräftig
Polnische Antragsteller sind von ALG II Leistungen ausgeschlossen – Arbeitnehmereigenschaft
2. Ein monatlicher Verdienst von etwa 140,– Euro vermittelt noch keinen Arbeitnehmerstatus.
Anmerkung: Vgl. auch für polnische Staatsangehörige: SG Dortmund, Beschluss vom 18.11.2014 – S 35 AS 3929/14 ER – ( Trotz aktueller EuGH-Entscheidung weiterhin einstweiliger Rechtsschutz für arbeitsuchende EU-Zuwanderer ) und LSG NSB, Beschl. v. 11.11.2014 – L 8 SO 306/14 B ER – ( (Kein) Leistungsausschluss nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II für Arbeitnehmer i.S. des Art. 45 AEUV oder bei einer Verbindung zum deutschen Arbeitsmarkt ).
2. 1 SG Mainz, Vorlagebeschluss vom 12.12.2014 – S 3 AS 130/14
Ist § 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II [..] mit Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz (GG) i.V.m. Art. 20 Abs. 1 GG – Sozialstaatlichkeit – und dem sich daraus ergebenden Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums vereinbar, soweit nach dessen 2. Halbsatz die für die Höhe des Anspruchs auf Grundsicherungsleistungen nach §§ 19 Abs. 1, 19 Abs. 3 S. 1 SGB II maßgeblichen Bedarfe für Unterkunft und Heizung lediglich anerkannt werden, soweit die tatsächlichen Aufwendungen hierfür angemessen sind, ohne dass der Gesetzgeber nähere Bestimmungen darüber getroffen hat, unter welchen Umständen von unangemessenen Aufwendungen auszugehen ist?
Quelle: RA Fritz und Kollegen, s. dazu: 26.2.2015: Begründung des Vorlagebeschlusses des SG Mainz zu den „Mietobergrenzen“ im Rahmen der wirtschaftlichen Grundsicherung liegt vor (SG Mainz, 12.12.2014, S 3 AS 130/14): http://www.sozialrecht-in-freiburg.de/
2. 2 SG Braunschweig, Gerichtsbescheid vom 26.01.2015 – S 44 AS 3530/14
Hilfeempfänger hat keinen Anspruch auf eine Wohnungserstausstattung für seinen Wohnwagen, wenn – wie hier – auf seinem Abstellplatz eine Versorgung mit Wasser und Strom nicht gewährleistet ist.
2. 3 SG Dresden, Urteil vom 16.02.2015 – S 48 AS 6069/12
Arbeitslosengeld II – Unterkunft und Heizung – einmalige Kosten für Heizmaterial
Anmerkung: im Ergebnis ebenso LSG Baden-Württemberg Urteil vom 24.4.2009 – L 12 AS 4195/08
Anmerkung 2 von Harald Thomé: Das Gesetz sagt, KdU und Heizung in tatsächlicher Höhe, da bedeutet im Monat der rechtlichen Fälligkeit oder des tatsächlichen Anfallens von KdU und Heizung sind diese als Bedarf zu berücksichtigen. Hier versucht das SG Dresden zu Lasten der Betroffenen und entgegen der Rechtsprechung des BSG eine für die Leistungsträger und Kommunen günstige – nicht vom Recht gedeckte – Variante zu entwickeln.
2. 4 SG Kiel, Urteil vom 15.12.2014 – S 39 AS 1609/13
3. 1 SG Bremen, Beschluss vom 23.02.2015 – S 15 SO 31/15 ER – nicht rechtskräftig
3. 2 Sozialgericht Hildesheim, Beschluss vom 18.02.2015 – S 34 SO 17/15 ER
3. 3 Sozialgericht Aachen, Urteil vom 24.02.2015 – S 20 SO 157/14 – Die Berufung wird zugelassen.
Ermittlung der angemessenen Kosten der Unterkunft für einen Einpersonenhaushalt in Aachen – Kostensenkungsaufforderung – keine erneute Schonfrist bei Wechsel von ALG II ins SGB X II.
Das von der Firma „Analyse und Konzepte Beratungsgesellschaft für Wohnen, Immobilien, Stadtentwicklung mbH“ im Auftrag der StädteRegion Aachen erstellte „Konzept zur Ermittlung der Bedarfe für Unterkunft in der StädtRegion Aachen“ (vgl. Endbericht vom 26.02.2014, einsehbar auf der Internetseite der StädteRegion Aachen „www.staedteregion-aachen.de“ unter Service/Die Ämter/Amt für soziale Angelegenheiten/Service/Regelungen&Hinweise/“Schl üssiges Konzept“) erfüllt die vom BSG aufgestellten hohen Anforderungen an ein schlüssiges Konzept.
LSG Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 13.11.2014 – L 15 AS 457/12 – http://dejure.org/2014,37844
Quelle: http://tinyurl.com/kck7tge – beck-aktuell – Nachrichten – Urteilsanalysen
5. Thema des Monats – Gilt das Prinzip der Fälligkeit auch bei der Freibetragsberechnung des Einkommens? Ein Beitrag von RAin Corinna Unger, Gera, abgedruckt im Infobrief SGB II Kurzmitteilungen für Praktiker 02/2015.
„Gemäß § 11b Abs. 1 Nr. 3 SGB II sind vom Einkommen abzusetzen:
Der Beitrag zur Kfz-Haftpflicht ist nach dem Wortlaut des Gesetzes und unter Beachtung der Rechtsprechung des BSG zum Zufluss-/Abflussprinzip und der Rechtsprechung zur Ermittlung der Kosten der Unterkunft nach Fälligkeit (vgl. BSG, Urt. v. 29.11.2012 – B 14 AS 36/12 R) nach Auffassung der Autorin im Fälligkeitsmonat in voller Höhe vom Einkommen abzusetzen, wodurch sich ein geringeres anrechenbares Einkommen ergibt.
Seien Sie mutig und versuchen Sie, hier Klarheit durch Rechtsprechung zu erreichen. RAin Corinna Unger, Gera. “
Anmerkung: a. A. LSG NRW, Urteil v. 11.06.2014 – L 2 AS 275/14 B, L 2 AS 446/14 NZB – rechtskräftig – Grundsicherung für Arbeitsuchende: Berücksichtigung von quartalsweise zu zahlenden Versicherungsbeiträgen bei der Einkommensermittlung; Anforderungen an die Annahme der grundsätzlichen Bedeutung einer Rechtsfrage als Berufungsgrund | § 11b SGB 2, § 6 AlgIIV, § 144 Abs 2 SGG
„Sind die in § 11b SGB II genannten Absetzbeträge nur in dem Monat zu berücksichtigen, in dem sie anfallen, oder kann ein Durchschnittswert über einen längeren Zeitraum, z.B. ein Jahr, gebildet werden?“(Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung )

References: § 11
 § 48
 § 11
 § 11
 EuGH 
 § 7
 Art. 45
 § 22
 Art. 1
 Art. 20
 § 11
 § 11
 § 6
 § 144
 § 11