Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/verjaehrungshemmung-durch-selbstaendiges-beweisverfahren-339171
Timestamp: 2020-08-05 08:45:19+00:00

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Verjährungshemmung durch selbständiges Beweisverfahren | Rechtslupe
Ver­jäh­rungs­hem­mung durch selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren
Die Ver­jäh­rung des Ver­gü­tungs­an­spruchs des Auf­trag­neh­mers wird gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB gehemmt, wenn der Auf­trag­neh­mer zur Auf­klä­rung von Werk­män­geln ein selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren ein­lei­tet, um die Abnah­merei­fe sei­ner Werk­leis­tun­gen und die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Fäl­lig­keit sei­nes Ver­gü­tungs­an­spruchs nach­wei­sen zu kön­nen.
Aller­dings ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten, ob ein vom Auf­trag­neh­mer zur Klä­rung der Män­gel­frei­heit ein­ge­lei­te­tes selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB zur Hem­mung der Ver­jäh­rung sei­nes Ver­gü­tungs­an­spruchs führt [1]. Hin­ter­grund für die­sen Mei­nungs­streit ist der sich aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs erge­ben­de Grund­satz, dass die Hem­mungs­wir­kung des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens nur sol­che Ansprü­che betrifft, für deren Nach­weis die vom Gläu­bi­ger zum Gegen­stand des Beweis­ver­fah­rens gemach­ten Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen von Bedeu­tung sind [2]. Dar­an könn­te es feh­len, wenn der Auf­trag­neh­mer die Man­gel­frei­heit auf­klä­ren las­sen will, um Män­gel­rech­te des Auf­trag­ge­bers abzu­weh­ren. Das wie­der­um ist regel­mä­ßig der Fall, wenn sei­ne Werk­leis­tun­gen abge­nom­men sind und sein Ver­gü­tungs­an­spruch fäl­lig gewor­den ist. Gera­de dar­auf stel­len das OLG Saar­bü­cken [3] und ersicht­lich auch die ihm fol­gen­de Lite­ra­tur­mei­nung ab.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall lie­gen die Din­ge anders. Die Klä­ge­rin hat das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet, nach­dem der Beklag­te die bis Ende Mai 2004 ver­lang­te Abnah­me unter Hin­weis auf angeb­li­che Män­gel ver­wei­gert hat­te. Die Fäl­lig­keit sei­nes Ver­gü­tungs­an­spruchs hing gemäß § 640 Abs. 1 Satz 3 BGB also davon ab, nach­wei­sen zu kön­nen, dass die behaup­te­ten Män­gel nicht vor­la­gen und der Beklag­te hät­te abneh­men müs­sen. Für der­ar­ti­ge Fall­kon­stel­la­tio­nen, in denen der Auf­trag­neh­mer die Man­gel­frei­heit sei­ner Werk­leis­tun­gen in einem selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren klä­ren las­sen will, um sei­nen Ver­gü­tungs­an­spruch gericht­lich durch­set­zen zu kön­nen, führt die Ein­lei­tung eines sol­chen Ver­fah­rens nach ein­hel­li­ger Auf­fas­sung dazu, dass die Ver­jäh­rung des Ver­gü­tungs­an­spruchs gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB gehemmt wird [4]. Das Beru­fungs­ge­richt hat die­se Rechts­fra­ge zutref­fend in eben die­sem Sin­ne beant­wor­tet. Sie bedarf kei­ner wei­te­ren Klä­rung.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Febru­ar 2012 – VII ZR 135/​11
dage­gen: OLG Saar­brü­cken, NJW-RR 2006, 163, 164; Kniffka/​Koeble, Kom­pen­di­um des Bau­rechts, 3. Aufl., Teil 2 Rn. 139; Len­k­eit, BauR 2002, 196; Hein­rich in Bamberger/​Roth, BGB, 3. Aufl., § 204 Rn. 30; Gro­the in Münch­Komm-BGB, 6. Aufl., § 204 Rn. 44; Vogel in juris­PR­Priv­BauR 6/​2008, Anm. 4 E; dafür ins­be­son­de­re: Jous­sen in Ingenstau/​Korbion, VOB, 17. Aufl., Teil B, Anh. 3 Rn. 41 m.w.N.; Schmid­t­Räntsch in Erman, BGB, 13. Aufl., § 204 Rn.20[↩]
BGH, Urteil vom 29.01.2008 – XI ZR 160/​07, BGHZ 175, 161 Rn. 30; vgl. auch zum alten Recht: BGH, Urteil vom 03.12.1992 VII ZR 86/​92, BGHZ 120, 329, 331; Urteil vom 04.03.1993 VII ZR 148/​92, BauR 1993, 473 = ZfBR 1993, 182; Urteil vom 21.12.2000 – VII ZR 407/​99, BauR 2001, 674 = NZBau 2001, 201 = ZfBR 2001, 183[↩]
vgl. Kniffka/​Schmitz, ibron­line­Kom­men­tar Bau­ver­trags­recht, Stand 30.09.2011, § 634a Rn. 126; Jous­sen in Ingenstau/​Korbion, VOB, 17. Aufl., Teil B, Anh. 3 Rn. 41; Lak­kis, juris­PK-BGB, 5. Aufl., § 204 Rn.09.1; Wey­er, BauR 2001, 1807, 1811; Hein­richs, BB 2001, 1417, 1421[↩]
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References: § 204
 § 204
 § 640
 § 204
 § 204
 § 204
 § 204
 § 634
 § 204