Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4262.htm
Timestamp: 2018-12-15 05:17:18+00:00

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4.262 Kleines Lautertal
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Kleines Lautertal«. vom 25. Juli 1995 (GBl. v. 31.08.1995, S. 612).
Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 386) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Blaustein, Gemarkungen Bermaringen, Herrlingen, Wippingen, und auf dem Gebiet der Stadt Blaubeuren, Gemarkung Asch, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kleines Lautertal«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 280 ha. Es umfaßt nach näherer Maßgabe der Karte im wesentlichen folgende Flächen der nachstehend aufgeführten Gemarkungen:
· Gemeinde Blaustein
Gemarkung Bermaringen ganz oder teilweise die Gewanne Am Blaubeurener Steig, Blaubeurer Loch, Lauterhalde, Lauterner Halde, Holzhalde, Schinderwasen, Schloßhalde,
Gemarkung Herrlingen ganz oder teilweise die Gewanne Äckerlesberg, Bärenhalde, Badershalde, Burgsteig, Gehrnäcker, Heusteig, Kochenhalde, Kurzenhalde, Lautertal, Riedelhalde, Zäpferle,
Gemarkung Wippingen ganz oder teilweise die Gewanne Badwiese, Gemeindewiesen, Hauswiese, Herrenwiesen, Lauterhalde, Lauterner Berg, Mark, Steinberg,
· Stadt Blaustein
Gemarkung Asch ganz oder teilweise die Gewanne Halde, Sitzersloch.
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 28. Januar 1993 im Maßstab 1:5000, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung, Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der hochwertigen Wacholderheide mit Steppenheidenelementen und verschiedenen Sukzessionsstadien mit der äußerst vielfältigen und seltenen Flora und Fauna der Trocken‑ und Halbtrockenrasen, die Erhaltung der Felsstandorte und rutschenden Trockenhänge, der Erhalt und die Förderung naturnaher Waldgesellschaften im Trockental und den schattigen Talhängen mit schutzwürdigen Tier‑ und Pflanzenvorkommen, sowie eines offenen Wiesentales mit der mäandrierenden Kleinen Lauter.
1. Schutz einer auf Grund verschiedener Nutzungen oder natürlich entstandenen artenreichen Vegetation, die von einem kleinräumigen Mosaik verschiedenster Pflanzengesellschaften gebildet wird. Sie ist Lebensraum für zahlreiche auf sie angewiesene Tierarten. Viele der im Gebiet vorkommenden Pflanzen und Tiere sind besonders geschützt oder vom Aussterben bedroht;
2. Erhalt und Entwicklung der Wacholderheiden mit den auf beweideten Flächen vorhandenen Enzian-Halbtrockenrasen (Gentiano‑Koelerietum) und Trockenrasenbereichen, sowie der Mittelwald‑ und Hutewardreste und ihrer Sukzessionsstadien als kulturhistorisch bedeutsame Bereiche, an denen sich die Nutzungsgeschichte dieser Region ablesen läßt;
3. Schutz der natürlichen Pflanzengesellschaften, insbesondere der Trockenrasen (Xerobromium), der Felsgrus‑ und Felsbandgesellschaften (Sedo‑Scleranthetalia), der thermophilen Saumgesellschaften (Trifolio-Geranietea) sowie der jeweils darauf spezialisierten Tierwelt. Hier sind insbesondere Schmetterlinge und Wildbienen, die bestimmte Raupenfutterpflanzen bzw. Eiablagemöglichkeiten und Nahrungspflanzen benötigen und xerotherme Heuschrecken zu nennen;
4. Schutz naturnaher Waldgesellschaften wie Schlucht‑, Steinschutthaldenwälder (Tilio‑acerion) und Buchenmischwälder (Luzolo‑Fagetum bzw. Lathyro‑Fagetum) mit zum Teil gefährdeten Pflanzenarten in ihrer naturraumspezifischen Ausbildung;
5. Erhalt des offenen Talraumes mit der mäandrierenden Kleinen Lauter, Schutz und Regenerierung der Feuchtwiesen (Kohldistel‑ und Sumpfdotterblumenwiesen) sowie einer artenreichen bachbegleitenden Hochstaudenflur;
6. Erhalt der Funktion als Erholungsraum mit hohem Erlebniswert und Steuerung der Erholungsnutzung;
7. Erhalt der geologischen und geomorphologischen Formationen mit der charakteristischen Schichtenfolge;
8. Schutz der landschaftsprägenden Schönheit und Eigenart, die im Naturraum eine Besonderheit darstellt und ein Relikt der früheren Wirtschaftsweise ist.
(3) Schutzziel ist die Erhaltung von auf der Schwäbischen Alb einst weit verbreiteten Kalkmagerrasen, hier in Verflechtung mit verschiedenen Sukzessionsstadien und einem Vegetationsmosaik natürlicher Pflanzengesellschaften, sowie die Optimierung des biologischen und kulturhistorischen Wertes dieses Gebietes. Fichtenforste sollen langfristig in naturnahe Waldgesellschaften umgewandelt werden. Eingriffe, die das Kleine Lautertal beeinträchtigen, sollen verhindert werden. Der Talbereich soll als Rastplatz für Zugvogelarten erhalten bleiben.
2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern; ausgenommen sind Leitungen öffentlicher Versorgungsträger und öffentlicher Verkehrsanlagen, wenn bei ihrer Planung Einvernehmen mit der für Befreiungen zuständigen Naturschutzbehörde hergestellt wird;
8. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören; die Wasserkrautbekämpfung ist danach verboten, wenn sie vor dem 15. Juli, öfter als einmal pro Jahr, in einer größeren Breite als maximal 2,20 m und in anderer Weise als von Hand oder durch mittiges Befahren mit einem Mähboot vorgenommen wird;
9. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören; hierunter fällt auch das Einsetzen standortfremder, gentechnisch veränderter oder hybridisierter Fische wie Aal, Bachsaibling und Regenbogenforelle;
12. Kleingartenanlagen oder Gartenbaubetriebe zu errichten oder zu erweitern;
13. zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;
14. das Schutzgebiet außerhalb der befestigten und eingezeichneten Wege und Pfade zu betreten;
15. das Schutzgebiet außerhalb der befestigten Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;
19. Flüssigdünger jeglicher Art auszubringen;
20. die Pferchhaltung auf Heideflächen und Trockenrasen;
21. chemische oder biologische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen und Pflanzenkrankheiten so wie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen, anzuwenden;
22. Hunde frei laufen zu lassen;
23. außerhalb der befestigten Wege zu reiten;
24. zu klettern;
25. Ultraleichtflugzeuge, Modellfahrzeuge, Modellfluggeräte und sonstige Fluggeräte aller Art zu betreiben;
26. die Verankerung von Booten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;
27. das Befahren der Kleinen Lauter mit Wasserfahrzeugen aller Art mit und ohne Antriebskraft (einschließlich Modellfahrzeugen).
1.1 die Jagd auf Federwild bis zum 15. Dezember eines Jahres möglich ist;
1.2 im Schutzgebiet
1.2.1 neue Hochsitze nur als einfache Leitern aus naturbelassenen Hölzern landschaftsgemäß errichtet werden, ausgenommen sind tragbare Ansitzleitern;
1.2.2 Wildäsungsflächen, Wildfütterung und Kirrungen auf Flächen untersagt sind, die schützenswerte Vegetation aufweisen oder Lebensstätte gefährdeter Tierarten sind;
1.2.3 keine jagdbaren Tiere ausgesetzt werden;
2. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung unter Beachtung des Schutzzweckes in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität;
Einzelheiten der forstwirtschaftlichen Nutzung sollen in einer im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zu erlassenden Schonwaldverordnung und in einem mit der Forstverwaltung abzustimmenden Pflegeplan der Bezirksstelle geregelt werden;
3. für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität. Voraussetzung ist, daß
3.1 die Bodengestalt nicht verändert wird;
3.2 durch Entwässerungs‑ und andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
3.3 Dauergrünland und Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
3.4 Jauche, Gülle, Silagesickersaft, Abwasser, Klärschlamm, Fäkalien und ähnliche Stoffe nicht ausgebracht werden;
3.5 stickstoffhaltige mineralische und organische Düngemittel nur in dem in der jeweils gültigen Fassung der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) vom 8. August 1991 (GBl. S. 545) festgelegten Zeitraum und in der dort festgesetzten Menge ausgebracht werden;
3.6 auf Grünland und Ackerflächen Pflanzenschutzmittel nur nach Maßgabe der jeweils gültigen Fassung des Verzeichnisses der Anlage 2 (Positivliste) zur SchALVO vom 8. August 1991 (GBl. S. 545) angewendet werden;
3.7 auf Trockenrasen und Heideflächen keine Düngemittel und keine Pflanzenschutzmittel angewendet werden;
3.8 auf Trockenrasen und Heideflächen keine Pferche errichtet werden;
3.9 landwirtschaftliche Produkte außerhalb landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen nicht gelagert werden;
3.10 Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume, Röhrichtbestände nicht beeinträchtigt werden;
4. für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei, wenn das Fischereirecht privat ausgeübt oder mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Tübingen ‑ höhere Naturschutzbehörde ‑ verpachtet wurde. Das Regierungspräsidium darf die Zustimmung nur versagen, wenn als Folge der Verpachtung eine intensivere Befischung während der Vogelbrutzeit zu befürchten ist (l. März bis 31. Juli eines jeden Jahres);
6. für die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen, Gewässer und Wege, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen, ausgenommen § 4 Abs.2 Nr. 21;
7. für den Bau eines Vorpumpwerkes mit Erdabsetzbecken auf Flurstück Nr. 418, Gemarkung Herrlingen, Gemeinde Blaustein, nach Maßgabe der in der Befreiung des Landratsamtes Alb‑Donau‑Kreis für das Landschaftsschutzgebiet »Blaustein« vom 1. Oktober 1992 aufgeführten Auflagen und Bedingungen;
Die höhere Naturschutzbehörde strebt an, gegen Zahlung eines angemessenen Entgelts,
· die im Schutzgebiet gelegenen Ackerflächen in extensives Grünland umzuwandeln;
· die im Schutzgebiet gelegenen Grünlandflächen in extensives Grünland umzuwandeln;
· in einem 10 m breiten Uferstreifen entlang der Kleinen Lauter gemessen ab Böschungsoberkante die Düngung und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auszuschließen.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 3 verbotenen Handlungen vornimmt.
(2) Gleichzeitig treten die Verordnungen des Landratsamts Alb‑Donau‑Kreis über das Landschaftsschutzgebiet »Blaustein« vom 30. November 1990 und das Landschaftsschutzgebiet »Blaubeuren« vom 17.Dezember 1993, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung beziehen, außer Kraft.
TÜBINGEN, den 25. Juli 1995

References: § 64
 § 22
 § 33
 § 2
 § 4
 § 64
 § 4
 § 5