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Timestamp: 2020-02-16 18:33:34+00:00

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Der Urlaub­an­spruch im Kalen­der­jahr des Aus­schei­dens – und die tarif­li­chen Kür­zungs­be­stim­mun­gen | Rechtslupe
Der Urlaubanspruch im Kalenderjahr des Ausscheidens - und die tariflichen Kürzungsbestimmungen
Bei einem Aus­schei­den in der zwei­ten Jah­res­hälf­te ist der gesetz­li­che Min­dest­ur­laub iHv.20 Tagen (§§ 1, 3 BUr­lG) und der Zusatz­ur­laub für Schwer­be­hin­der­te (§ 125 SGB IX) zuguns­ten des Arbeit­neh­mers bereits zu Beginn des Jah­res 2011 ent­stan­den.
Aus § 5 Abs. 1 Buchst. c BUr­lG hat die Recht­spre­chung den Umkehr­schluss her­ge­lei­tet, dass eine tarif­ver­trag­li­che Zwölf­te­lung des gesetz­li­chen Min­dest­ur­laubs nach §§ 1, 3 BUr­lG bei Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in der zwei­ten Jah­res­hälf­te nach erfüll­ter War­te­zeit unzu­läs­sig sei 1. Dem­entspre­chend wäre es den Tarif­ver­trags­par­tei­en gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1 BUr­lG ver­wehrt, den gesetz­li­chen Urlaubs­an­spruch nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz nach erfüll­ter War­te­zeit zu kür­zen.
Die­se Recht­spre­chung führ nicht dazu, dass bei der Berech­nung des Urlaubs nach der tarif­ver­trag­li­chen Kür­zungs­be­stim­mung der gesetz­li­che Min­dest­ur­laub nicht gekürzt wird und die tarif­li­che Kür­zungs­re­ge­lung nur den tarif­li­chen Mehr­ur­laub betrifft.
Die­se Auf­fas­sung ver­kennt, dass der gesetz­li­che Min­dest­ur­laub und der tarif­li­che Mehr­ur­laub zusam­men zu betrach­ten sind. Der tarif­li­che Urlaubs­an­spruch, wonach der Erho­lungs­ur­laub in jedem Kalen­der­jahr für alle Arbeit­neh­mer 30 Arbeits­ta­ge beträgt, ist gegen­über dem gesetz­li­chen Anspruch auf Erho­lungs­ur­laub kein eigen­stän­di­ger Anspruch, soweit sich bei­de Ansprü­che decken 2. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat inso­fern in stän­di­ger Recht­spre­chung die Aus­le­gungs­re­gel auf­ge­stellt, für einen Rege­lungs­wil­len der Tarif­ver­trags­par­tei­en, der zwi­schen gesetz­li­chen und über­ge­setz­li­chen tarif­li­chen Ansprü­chen unter­schei­de, müss­ten deut­li­che Anhalts­punk­te bestehen 3. Sol­che Anhalts­punk­te sind im MDK‑T 4 nicht ersicht­lich. Sämt­li­che Urlaubs­re­ge­lun­gen dif­fe­ren­zie­ren nicht zwi­schen gesetz­li­chem Urlaub und tarif­li­chem Mehr­ur­laub. Ins­be­son­de­re die §§ 28, 29 MDK‑T ent­hal­ten kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung, son­dern gewäh­ren einen ein­heit­li­chen Jah­res­ur­laubs­an­spruch von 30 Tagen. Des­halb ist die Kür­zung zunächst auf den Gesamt­ur­laub anzu­wen­den.
Soweit dadurch der tarif­li­che Mehr­ur­laub von der Kür­zung betrof­fen ist, steht dem Erlö­schen des Mehr­ur­laubs bei einem unter­jäh­ri­gen Aus­schei­den durch § 29 Abs. 2 Satz 1 MDK‑T weder § 13 Abs. 1 BUr­lG noch Uni­ons­recht ent­ge­gen. Die­sen Mehr­ur­laub kön­nen die Tarif­ver­trags­par­tei­en grund­sätz­lich frei regeln. Eine Vor­la­ge­pflicht nach Art. 267 Abs. 3 AEUV besteht nicht 5.
Soweit § 29 Abs. 2 Satz 1 MDK‑T wegen Ver­sto­ßes gegen § 13 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BUr­lG iVm. § 134 BGB und wegen Ein­griffs in den gesetz­lich und uni­ons­recht­lich ver­bürg­ten Min­dest­ur­laub unwirk­sam sein kann, wäre die Rege­lung gemäß § 139 BGB inso­weit auf­recht­zu­er­hal­ten 6, als sie bei einem Aus­schei­den in der zwei­ten Jah­res­hälf­te den gesetz­li­chen Min­dest­ur­laub nicht kür­zen wür­de. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en woll­ten erkenn­bar bei einem unter­jäh­ri­gen Aus­schei­den eine Kür­zung des gesam­ten 30-tägi­gen Urlaubs­an­spruchs her­bei­füh­ren. Dies bedeu­tet, dass sich für die Erb­las­se­rin der Urlaubs­an­spruch für das Jahr 2011 nicht auf 18 Tage, son­dern auf 20 Tage Urlaub redu­ziert hat.
Der der Erb­las­se­rin für das Jahr 2011 zuste­hen­de gesetz­li­che Zusatz­ur­laub für Schwer­be­hin­der­te nach § 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX bleibt von der Kür­zungs­re­ge­lung des § 29 Abs. 2 MDK‑T unbe­rührt. Die Tarif­ver­trags­par­tei­en haben kei­ne Rege­lung zum Zusatz­ur­laub für Schwer­be­hin­der­te getrof­fen.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Febru­ar 2014 – 9 AZR 765/​12
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Ver­fall von Urlaub – nach dem MTV Che­mi­sche Indus­trie Der aus dem Jahr 2010 stam­men­de Urlaub hät­te – soweit es den gesetz­li­chen Min­dest­ur­laub betrifft – unbe­scha­det des Umstands, dass der Über­tra­gungs­zeit­raum grund­sätz­lich am 31.03.2011…
Tarif­li­cher Mehr­ur­laub – und das eigen­stän­di­ge tarif­li­che… Tarif­ver­trags­par­tei­en kön­nen Urlaubs- und Urlaubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che, die den von Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/​88/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 04.11.2003 über bestimm­te…
BAG 20.01.2009 – 9 AZR 650/​07, Rn. 21[↩]
BAG 7.08.2012 – 9 AZR 760/​10, Rn. 14, BAGE 143, 1[↩]
vgl. BAG 12.04.2011 – 9 AZR 80/​10, Rn. 25 mwN, BAGE 137, 328[↩]
Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Beschäf­tig­ten (Arbeitnehmer/​innen und Aus­zu­bil­den­de) der Medi­zi­ni­schen Diens­te der Kran­ken­ver­si­che­rung (MDK) und des Medi­zi­ni­schen Diens­tes des Spit­zen­ver­ban­des Bund der Kran­ken­kas­sen (MDS) vom 15.10.1991 idF des 14. Ände­rungs­ta­rif­ver­trags vom 16.03.2010 (MDK‑T).[↩]
vgl. BAG 12.03.2013 – 9 AZR 292/​11, Rn. 15; 23.03.2010 – 9 AZR 128/​09, Rn.19 mwN, BAGE 134, 1[↩]
vgl. BAG 12.04.2011 – 9 AZR 80/​10, Rn. 27, BAGE 137, 328[↩]
JahresurlaubMindesturlaubÖffentlicher DienstUrlaubsabgeltungUrlaubsanspruchZusatzurlaub

References: § 5
 § 13
 § 29
 § 13
 Art. 267
 § 29
 § 13
 § 134
 § 139
 § 125
 § 29
 Art. 7