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Timestamp: 2016-10-26 19:27:11+00:00

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124 V 296. Urteil vom 3. M�rz 1998 i.S. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt gegen M. und Versicherungsgericht des Kantons Basel-Stadt
Art. 24 al. 1 LAA; art. 36 al. 1 OLAA: Indemnit� pour atteinte � l'int�grit� en cas de troubles psychiques cons�cutifs � un accident. - En principe, il existe un droit � une indemnit� pour atteinte � l'int�grit� �galement en cas d'atteinte � la sant� psychique. - L'art. 36 al. 1 OLAA - d'apr�s lequel une atteinte � l'int�grit� est r�put�e durable lorsqu'il est pr�visible qu'elle subsistera avec au moins la m�me gravit� pendant toute la vie - est conforme � la loi. - Des troubles psychiques cons�cutifs � un accident ouvrent droit � une indemnit� pour atteinte � l'int�grit� lorsqu'il est possible de poser de mani�re indiscutable un pronostic individuel � long terme qui exclut pratiquement pour toute la vie une gu�rison ou une am�lioration. Pour se prononcer sur le caract�re durable de l'atteinte � l'int�grit� et sur la n�cessit� de mettre en oeuvre une instruction d'ordre psychiatrique, on se fondera sur la pratique applicable � la question de la causalit� ad�quate en cas de troubles psychiques cons�cutifs � un accident. Faits � partir de page 30
A.- M., geboren 1964, war als Betriebsarbeiter bei der Firma B. erwerbst�tig und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen Berufs- und Nichtberufsunfall versichert gewesen. Am 7. Dezember 1988 erlitt er einen Verkehrsunfall, bei dem er sich ein Trauma der Halswirbels�ule zuzog. Die Diagnose der Neurologischen Universit�tspoliklinik des Kantonsspitals X lautete auf traumatisches Zervikalsyndrom ohne Hinweise auf radikul�re sensomotorische Ausf�lle (Berichte vom 1. Februar und 22. M�rz 1989). In der Folge klagte der Versicherte �ber persistierende Kopf-, Schulter- und Armschmerzen; zudem stellte sich eine depressive Entwicklung ein. Die SUVA ordnete neurologische und psychiatrische Abkl�rungen an und erbrachte die gesetzlichen Leistungen in Form von Heilbehandlung und Taggeld. Nach Einholung eines neurologischen Gutachtens von Dr. med. S., welches am 23. Dezember 1993 erstattet wurde, schloss sie den Fall auf den 31. Mai 1994 ab. Mit Verf�gung vom 23. Juni 1994 sprach sie dem Versicherten ab 1. Juni 1994 eine als Komplement�rrente ausgerichtete Invalidenrente aufgrund eines Invalidit�tsgrades von 40 % sowie eine Integrit�tsentsch�digung aufgrund einer Integrit�tseinbusse von 25% zu.
Auf Einsprache des Versicherten stellte die SUVA gest�tzt auf das neurologische Gutachten vom 23. Dezember 1993 fest, dass der Versicherte an einer psychischen Dekompensation leide, welche in nat�rlichem und ad�quatem Kausalzusammenhang mit dem Unfall stehe, und hieraus eine volle Erwerbsunf�higkeit resultiere. Sie hiess die Einsprache mit Entscheid vom 28. M�rz 1995 in dem Sinne teilweise gut, dass sie dem Versicherten ab 1. Juni 1994 eine Invalidenrente von 100% gew�hrte. Bez�glich der BGE 124 V 29 S. 31Integrit�tsentsch�digung wies sie die Einsprache ab, indem sie die Integrit�tsentsch�digung von 25% f�r die somatischen Unfallfolgen best�tigte und eine Entsch�digung f�r die psychogenen St�rungen mangels Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens ablehnte.
B.- In teilweiser Gutheissung der hiegegen erhobenen Beschwerde, mit welcher M. die Zusprechung einer Integrit�tsentsch�digung von 50% beantragte, sprach das Versicherungsgericht des Kantons Basel-Stadt dem Versicherten eine Entsch�digung von 37,5% zu. Das Gericht ging davon aus, dass laut Gutachten des Dr. med. S., welcher den Gesundheitsschaden zu je 50% auf organische und psychische Komponenten zur�ckf�hrte, die psychische Sch�digung nicht nur erheblich, sondern auch dauernd sei. In Anlehnung an die Beurteilung des Experten und unter Hinweis auf einen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 17. Juni 1992 in Sachen S.P. erachtete das Gericht eine zus�tzliche Entsch�digung von 25% f�r die psychische Sch�digung als angemessen. Wegen erheblicher psychischer Vorbelastung k�rzte es die Entsch�digung um die H�lfte auf 12,5%, womit sich eine Gesamtentsch�digung von 37,5% ergab (Entscheid vom 23. Februar 1996).
C.- Die SUVA f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Rechtsbegehren, der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 23. Februar 1996 sei aufzuheben und es sei der Einspracheentscheid vom 28. M�rz 1995 zu best�tigen, mit welchem eine Erh�hung der (f�r die somatischen Unfallfolgen zugesprochenen) Integrit�tsentsch�digung von 25% abgelehnt worden war. Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde legt die SUVA eine psychiatrische Beurteilung des Falles durch Dr. med. B. von der Abteilung Unfallmedizin der SUVA vom 27. M�rz 1996 sowie eine grunds�tzliche Stellungnahme dieses Arztes zum Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung bei psychogenen St�rungen vom 11. Mai 1995 ins Recht.
M. l�sst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen und um unentgeltliche Rechtspflege nachsuchen. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung (BSV) nimmt zu einzelnen Punkten Stellung, enth�lt sich jedoch eines Antrages.
1. a) Gem�ss Art. 24 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf eine angemessene Integrit�tsentsch�digung, wenn er durch den Unfall eine BGE 124 V 29 S. 32dauernde erhebliche Sch�digung der k�rperlichen oder geistigen Integrit�t erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 UVV gilt ein Integrit�tsschaden als dauernd, wenn er voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die k�rperliche oder geistige Integrit�t, unabh�ngig von der Erwerbsf�higkeit, augenf�llig oder stark beeintr�chtigt ist (Satz 2).
b) Die Integrit�tsentsch�digung wird laut Art. 25 Abs. 1 UVG in Form einer Kapitalleistung gew�hrt (Satz 1); sie darf den am Unfalltag geltenden H�chstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht �bersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integrit�tsschadens abgestuft (Satz 2).
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entsch�digung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gem�ss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten f�r die Bemessung der Integrit�tsentsch�digung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzm�ssig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 219 Erw. 2a; RKUV 1988 Nr. U 48 S. 236 Erw. 2a mit Hinweisen) h�ufig vorkommende und typische Sch�den prozentual gewichtet. In der Skala der leistungsbegr�ndenden Integrit�tssch�den enthalten sind u.a. die "Beeintr�chtigung von psychischen Teilfunktionen wie Ged�chtnis und Konzentrationsf�higkeit" sowie das "psychoorganische Syndrom".
c) F�r die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrit�tssch�den entspricht die Entsch�digung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des H�chstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entsch�digung f�r spezielle oder nicht aufgef�hrte Integrit�tssch�den wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). In diesem Zusammenhang hat die SUVA in Weiterentwicklung der bundesr�tlichen Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der SUVA, Nr. 57 bis 59, herausgegebenen Tabellen (teilweise ge�ndert und erg�nzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gew�hrleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 116 V 157 Erw. 3a mit Hinweis).
Tabelle 8 der Richtwerte listet "Integrit�tssch�den bei psychischen Folgen von Hirnverletzungen" auf. Die St�rungen werden aufgrund neuropsychologischer Untersuchungen als minimal, leicht, mittel und schwer BGE 124 V 29 S. 33eingestuft und entsprechend bemessen. Posttraumatische Hirnfunktionsst�rungen (=psychoorganisches Syndrom, POS), welche sich in St�rungen der neuropsychologischen Hirnleistungen (wie Ged�chtnis, Merkf�higkeit und Konzentration) sowie St�rungen der Pers�nlichkeit (Wesensver�nderungen wie Antriebs- und Affektst�rung usw.) �ussern, werden entsprechend dem Schweregrad der Beeintr�chtigungen von 0 bis 80% gewichtet.
2. a) Die SUVA vertritt die Auffassung, bei psychogenen St�rungen, wie sie im vorliegenden Fall diagnostiziert worden seien, sei ein Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung generell ausgeschlossen. Sie begr�ndet dies zusammengefasst damit, dass
- das Institut der Integrit�tsentsch�digung f�r k�rperliche Substanzverluste konzipiert sei und f�r den Bereich der nicht mit absoluten objektiven Werten quantifizierbaren psychogenen St�rungen nicht geeignet sei,
- psychogene St�rungen nach herrschender psychiatrischer Lehre nicht lebenslang dauerten, sondern degressiv verliefen und damit die Voraussetzungen von Art. 24 Abs. 1 UVG und Art. 36 UVV nicht erf�llten,
- bei andauernden psychogenen St�rungen die Pers�nlichkeit und andere unfallfremde Faktoren (einschliesslich des Willens zur �berwindung bzw. Nicht�berwindung der St�rung) eine dominante Rolle spielten,
- die Degressivit�t der unfallkausalen psychogenen St�rung mit einer Abnahme des ad�quat-kausalen Zusammenhangs einhergehe und die soziale Unfallversicherung f�r psychische Erkrankungen, die nach Ablauf der Ad�quanz noch persistierten, nicht hafte.
b) Die SUVA st�tzt sich auf eine (grunds�tzliche Ausf�hrungen enthaltende) psychiatrische Beurteilung des Falles durch Dr. med. B. von der Abteilung Unfallmedizin der SUVA (Bericht vom 27. M�rz 1996) sowie eine Stellungnahme des gleichen Arztes vom 11. Mai 1995 zum Thema "Rechtliche und psychiatrische Voraussetzungen des IE-Anspruches f�r eine psychogene St�rung". Darin wird die Auffassung vertreten, dass sich ein Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung bei psychogenen St�rungen mit dem Grundsatz der abstrakt-egalit�ren Bemessung des Integrit�tsschadens, wie er der gesetzlichen Regelung zugrunde liegt, nicht vereinbaren lasse, weil es bei den individuell erlebnisreaktiven psychogenen St�rungen - im Gegensatz zu den psychoorganisch bedingten St�rungen - an einem messbar gesch�digten k�rperlichen Substrat fehle. Dazu komme, dass psychogene St�rungen im Sinne individueller Erlebnisreaktionen nach der allgemeinen Lebens- und der psychiatrischen Erfahrung in der Regel degressiv verliefen, zumindest BGE 124 V 29 S. 34grunds�tzlich reversibel seien, weshalb sie die Voraussetzung der Dauerhaftigkeit im Sinne eines voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang bestehenden Integrit�tsschadens nicht erf�llten.
c) Die Ausf�hrungen im Bericht des Dr. med. B. vom 27. M�rz 1996 haben ihre Grundlage in dem von MURER/KIND/BINDER unter dem Titel "Integrit�tsentsch�digung f�r psychogene St�rungen nach Unf�llen?" in: SZS 38/1994 S. 178 ff. ver�ffentlichten Aufsatz, welcher an die von den gleichen Autoren verfasste Arbeit "Kriterien zur Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhanges bei erlebnisreaktiven (psychogenen) St�rungen nach Unf�llen" (SZS 37/1993 S. 121 ff. u. 213 ff.) ankn�pft. Darin wird zusammenfassend die Meinung vertreten, dass bei psychogenen St�rungen nach Unf�llen grunds�tzlich kein Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung bestehe, weil in aller Regel kein voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens bzw. auf unabsehbare Zeit mindestens in gleichem Umfang bestehender Integrit�tsschaden vorliege bzw. ein solcher mit dem Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht prognostiziert werden k�nne. In Ausnahmef�llen sei bei den chronifizierenden posttraumatischen Belastungsst�rungen nach schwersten Katastrophen-Ereignissen ein Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung gegeben. In diesen seltenen F�llen sei eine Entsch�digung von ungef�hr 20, 35 oder 50% geschuldet (SZS 38/1994 S. 196).
3. Zu pr�fen ist zun�chst, wie es sich hinsichtlich der f�r einen generellen Ausschluss psychogener St�rungen vom Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung geltend gemachten �berlegungen verh�lt.
a) Nach Art. 24 Abs. 1 UVG besteht Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung bei dauernden erheblichen Sch�digungen der k�rperlichen oder geistigen Integrit�t. Der Begriff der geistigen Integrit�t (int�grit� mentale, integrit� mentale) ist in einem weiten Sinne aufzufassen und umfasst - wie der anspruchsbegr�ndende Gesundheitsschaden bei der Invalidit�t gem�ss Art. 18 UVG (vgl. hiezu MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 350) - geistige, intellektuelle und psychische Aspekte (MAURER, a.a.O., S. 414; vgl. auch GILG/ZOLLINGER, Die Integrit�tsentsch�digung, S. 37, wonach als Integrit�tsschaden grunds�tzlich jede Beeintr�chtigung der "physischen und psychischen Lebenselemente des Normalmenschen" gilt). Die Begriffe "geistig" und "psychisch" werden vom Gesetzgeber in der Sozialversicherung als gleichbedeutend betrachtet (vgl. etwa Art. 23 Abs. 1 und Art. 25 aMVG, wo von "psychischer Integrit�t" die Rede war, w�hrend Art. 48 Abs. 1 des MVG vom 19. Juni 1992 in Anlehnung an die obligatorische BGE 124 V 29 S. 35Unfallversicherung von geistiger Integrit�t spricht, ohne dass damit eine materielle �nderung verbunden war). Wo das Gesetz den Begriff der geistigen Gesundheit verwendet, schliesst dieser die psychische Gesundheit folglich mit ein (vgl. zu Art. 2 Abs. 1 und 2 KVG: MAURER, Krankenversicherungsrecht, S. 29). Aus dem Wortlaut von Art. 24 Abs. 1 UVG l�sst sich daher nicht ableiten, dass der UVG-Versicherer lediglich organisch bedingte Beeintr�chtigungen der psychischen Integrit�t zu entsch�digen hat. Vielmehr ist davon auszugehen, dass ein Anspruch grunds�tzlich bei allen psychischen St�rungen gegeben sein kann, seien diese organisch, endogen oder reaktiv bedingt (vgl. i.d.S. auch MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 414).
b) Aus den Materialien zum geltenden Unfallversicherungsrecht ergeben sich keine Anhaltspunkte daf�r, dass nur organisch bedingte Beeintr�chtigungen der psychischen Integrit�t zu entsch�digen sind. Dem Protokoll der Subkommission zur Vorbereitung der UVV (Sitzung vom 27. Mai 1981) l�sst sich zwar entnehmen, dass die SUVA bei der Aufz�hlung der versicherten Tatbest�nde in der Liste gem�ss Anhang 3 zur UVV "�usserste Zur�ckhaltung" ge�bt hat und insbesondere die Psychoneurose und dauerndes Kopfweh nicht in die Liste aufnehmen wollte. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle andern, die Integrit�t beeintr�chtigenden geistigen oder psychischen Defizite ohne organische Grundlage vom Anspruch ausgeschlossen werden sollten. Die Liste der Integrit�tssch�den erw�hnt denn auch die mit 20% bewertete "Beeintr�chtigung von psychischen Teilfunktionen wie Ged�chtnis und Konzentrationsf�higkeit", ohne zu pr�zisieren, dass die Beeintr�chtigung eine organische Grundlage aufzuweisen hat. Aus dem Umstand, dass solche Beeintr�chtigungen neben dem ebenfalls genannten psychoorganischen Syndrom selbst�ndig aufgef�hrt sind, ist vielmehr zu schliessen, dass eine Entsch�digung auch bei ausschliesslich psychogener Ursache geschuldet ist.
c) Ebensowenig spricht das Prinzip der abstrakten und egalit�ren Bemessung der Integrit�tssch�den, wie es in der obligatorischen Unfallversicherung Geltung hat (BGE 113 V 221 Erw. 4b), f�r einen grunds�tzlichen Ausschluss der rein psychogen bedingten Beeintr�chtigungen der Integrit�t vom Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung. Wird von reinen Organ- oder Substanzverlusten (wie Verlust eines Armes oder des Geh�rs) abgesehen, sind l�ngst nicht alle k�rperlichen Integrit�tseinbussen objektiv quantifizierbar. Bei dem nach BGE 124 V 29 S. 36Anhang 3 zur UVV entsch�digungspflichtigen psychoorganischen Syndrom kann Art und Umfang der Funktionsausf�lle zwar neuropsychologisch festgestellt werden; der Schweregrad der mit der Hirnfunktionsst�rung allenfalls verbundenen Wesensver�nderung kann dagegen nur gesch�tzt werden (Tabelle 8 "Integrit�tssch�den bei psychischen Folgen von Hirnverletzungen" der von der SUVA herausgegebenen Richtlinien). Gerade dieses Beispiel zeigt, dass auch psychogene Beeintr�chtigungen der Integrit�t einer abstrakt-egalit�ren Bemessung des Integrit�tsschadens zug�nglich sind. Wie MURER/KIND/BINDER aufzeigen, sind schematische Bewertungen psychogener St�rungen in Anlehnung an die Abstufungen bei den Hirnfunktionsst�rungen durchaus m�glich (SZS 38/1994 S. 195).
4. Der Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung h�ngt nach Art. 24 Abs. 1 UVG u.a. von einer dauernden Sch�digung (atteinte durable, menomazione durevole) der Integrit�t ab. Was unter diesem Erfordernis zu verstehen ist, umschreibt Art. 36 Abs. 1 Satz 1 UVV in dem Sinne, dass ein Integrit�tsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht.
a) MURER/KIND/BINDER werfen in der Arbeit "Integrit�tsentsch�digung f�r psychogene St�rungen nach Unf�llen?" (SZS 38/1994 S. 178 ff., insbesondere S. 194) die Frage nach der Gesetzm�ssigkeit dieser Bestimmung auf, soweit damit der Begriff "dauernd" in Art. 24 Abs. 1 UVG mit "voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens" gleichgesetzt wird; Ihrer Auffassung nach ist "dauernd" im Sinne von "auf unabsehbare Zeit" zu verstehen. In der Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde wirft das BSV die gleiche Frage auf mit der Feststellung, wenn "dauernd" nicht notwendigerweise mit "lebensl�nglich" gleichzustellen sei, bedeute dies, dass eine Prognose �ber den voraussichtlich "auf unabsehbare Zeit" andauernden Verlauf psychogener St�rungen gen�ge, um das Erfordernis der Dauerhaftigkeit im Sinne von Art. 24 Abs. 1 UVG zu erf�llen (so auch MURER/KIND/BINDER, in: SZS 38/1994 S. 194).
b) Das Gesetz ist in erster Linie nach seinem Wortlaut auszulegen. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen m�glich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Ber�cksichtigung aller Auslegungselemente, namentlich des Zwecks, des Sinnes und der dem Text zugrunde liegenden Wertung. Wichtig ist ebenfalls der Sinn, der einer Norm im Kontext zukommt (BGE 122 V 384 Erw. 4a mit Hinweisen).BGE 124 V 29 S. 37
aa) Der Begriff "dauernd" in Art. 24 Abs. 1 UVG ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der verschiedene Auslegungen zul�sst. "Dauernd" steht im Gegensatz zu "vor�bergehend", doch sagt dies nichts dar�ber aus, wie lange ein Zustand bestehen muss, um als "dauernd" qualifiziert werden zu k�nnen. Vom sprachlichen Wortsinn her kann mit "dauernd" etwas St�ndiges oder auch nur etwas auf l�ngere Zeit in gleichbleibender Weise Vorhandenes bezeichnet werden (vgl. BROCKHAUS/WAHRIG, Deutsches W�rterbuch, und Duden, Das grosse W�rterbuch der deutschen Sprache, unter dem Stichwort "dauernd").
Wo der Gesetzgeber den Begriff "dauernd" verwendet, ist er unter Ber�cksichtigung des Normzwecks sowie von Sinn und Zweck des jeweiligen Gesetzes auszulegen. Diese bereichsspezifische Auslegung zeigt sich etwa am Beispiel von Art. 12 Abs. 1 IVG, der f�r den Anspruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen u.a. eine dauernde Verbesserung der Erwerbsf�higkeit verlangt. Dauernd in diesem Sinne ist der zu erwartende Eingliederungserfolg, wenn die konkrete Aktivit�tserwartung gegen�ber dem statistischen Durchschnitt nicht wesentlich herabgesetzt ist. Bei j�ngeren Versicherten ist er voraussichtlich dauernd, wenn er wahrscheinlich w�hrend eines bedeutenden Teils der Aktivit�tserwartung erhalten bleiben wird (BGE 104 V 83 Erw. 3b, BGE 101 V 51 Erw. 3b). Art. 29 Abs. 1 lit. a IVG dagegen verwendet f�r einen spezifischen Dauertatbestand den Begriff "bleibend", was nach Art. 29 IVV bedeutet, dass aller Wahrscheinlichkeit nach feststeht, der Gesundheitszustand des Versicherten werde sich k�nftig weder verbessern noch verschlechtern (BGE 111 V 22 ff. Erw. 3).
Wenn Art. 36 Abs. 1 UVV den Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung u.a. davon abh�ngig macht, dass der Integrit�tsschaden voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens (mindestens in gleichem Umfang) besteht, so verst�sst dies weder gegen den Wortlaut noch gegen Sinn und Zweck des Gesetzes.
bb) Was die Materialien anbelangt, ist festzuhalten, dass das Anspruchserfordernis der Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens in der Botschaft zum UVG vom 18. August 1976 (BBl 1976 III 141 ff., insbesondere 193) nicht n�her umschrieben wird. In der parlamentarischen Beratung ist Art. 24 des Gesetzesentwurfs praktisch diskussionslos angenommen worden. Immerhin betonte Bundesrat H�rlimann das Erfordernis einer dauernden erheblichen Sch�digung mit der Feststellung, dass Wunden, die wieder ausheilten, nicht darunter fielen; wegleitend werde die zur�ckhaltende BGE 124 V 29 S. 38Praxis der Zivilgerichte beim Anspruch auf Genugtuung sein (Komm. NR, Protokoll der Sitzung vom 2./3. November 1977, S. 38).
Art. 33 des Vorentwurfs vom 20. M�rz 1980 zur UVV enthielt keine Bestimmung zur vorausgesetzten Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens und �bertrug die Umschreibung der anspruchsbegr�ndenden Beeintr�chtigungen dem Eidg. Departement des Innern. An der Sitzung der UVV-Kommission vom 13./14. August 1980 machte die SUVA den Vorschlag, erhebliche Substanz- und Organverluste sowie erhebliche Funktionseinschr�nkungen und dauernde erhebliche Sch�digungen der geistigen Integrit�t zu entsch�digen, wobei das Departement eine nicht abschliessende Liste der wichtigsten Integrit�tssch�den erstellen sollte (Protokoll S. 14). Anl�sslich der Sitzung vom 29./30. April/5. Mai 1981 schlug die SUVA einen neuen Abs. 1 zur Verordnungsbestimmung vor, welcher inhaltlich weitgehend dem in der Folge beschlossenen Art. 36 Abs. 1 UVV entsprach. Die Bestimmung wurde damit begr�ndet, dass es sich bei der Integrit�tsentsch�digung um ein auch f�r die Gerichte neues Institut handle, weshalb die vorausgesetzte Dauer und Erheblichkeit des Integrit�tsschadens in der Verordnung n�her zu umschreiben seien. Die Kommission erg�nzte den Ausdruck "in gleichem Umfang" mit "mindestens" und stimmte im �brigen dem Vorschlag der SUVA zu (Protokoll S. 54-56).
Aus den Materialien ergeben sich demnach keine eindeutigen Schl�sse in bezug auf die Auslegung der in Art. 24 Abs. 1 UVG vorausgesetzten Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens. Es bestehen indessen Anhaltspunkte daf�r, dass der Gesetzgeber die Dauerhaftigkeit in einem strengen Sinne verstanden haben wollte.
cc) Im Hinblick darauf, dass die Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens nach Wortlaut sowie Sinn und Zweck von Art. 24 Abs. 1 UVG ein f�r den Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung zentrales Erfordernis darstellt und die Materialien Anhaltspunkte daf�r enthalten, dass der Gesetzgeber die Voraussetzung der Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens in einem restriktiven Sinne verstanden haben wollte, verst�sst es nicht gegen das Gesetz, wenn der Verordnungsgeber die vorausgesetzte Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens im Sinne von Lebensl�nglichkeit verstanden hat. Zwar stellt das Kriterium eines "voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang" bestehenden Schadens f�r Beeintr�chtigungen der psychischen Integrit�t eine wesentliche Schranke dar, weil in diesem Bereich die Dauerhaftigkeit bis ans Lebensende meist nicht mit dem BGE 124 V 29 S. 39verlangten Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit prognostizierbar ist. Dies gen�gt jedoch nicht, um die Verordnungsbestimmung, welche den von Art. 24 Abs. 1 UVG gesetzten Rahmen nicht �berschreitet, als gesetzwidrig zu erachten. In der Literatur ist, soweit ersichtlich, denn auch nie in Frage gestellt worden, dass der Ausdruck "dauernd" in Art. 24 Abs. 1 UVG im Sinne von Art. 36 Abs. 1 UVV ("voraussichtlich w�hrend des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang") zu verstehen ist (vgl. MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 414 f.; derselbe, Bundessozialversicherungsrecht, S. 380; GH�LEW/RAMELET/RITTER, Commentaire de la loi sur l'assurance-accidents [LAA], S. 121; GILG/ZOLLINGER, a.a.O., S. 39 f.).
c) Bei diesem Ergebnis er�brigen sich Ausf�hrungen zu der von MURER/KIND/BINDER (SZS 38/1994 S. 194) vertretenen Auffassung, wonach der Begriff "dauernd" in Art. 24 Abs. 1 UVG im Sinne von "auf unabsehbare Zeit" zu verstehen ist. Immerhin sei festgestellt, dass auch dieser Ausdruck auslegungsbed�rftig ist und der Vorschlag darauf hinausl�uft, einen unbestimmten Rechtsbegriff durch einen andern zu ersetzen. Ausgehend vom allgemeinen Wortsinn (vgl. hiezu BROCKHAUS/WAHRIG, a.a.O., und DUDEN, a.a.O., unter dem Stichwort "unabsehbar") kann der Begriff im vorliegenden Zusammenhang entweder bedeuten, dass nicht damit zu rechnen ist, dass der Schaden dereinst wegfallen wird, oder aber, dass eine verl�ssliche Prognose hinsichtlich des in n�herer oder fernerer Zukunft allenfalls bestehenden Schadens nicht m�glich ist. Je nach dem Wortsinn, welcher dem Ausdruck "auf unabsehbare Zeit" beigemessen wird, kann er dem Begriff "dauernd" im Sinne von Art. 24 Abs. 1 UVG gleichgestellt werden oder nicht.
5. Fraglich und zu pr�fen ist des weitern, ob der von der SUVA �bernommenen Auffassung von MURER/KIND/BINDER gefolgt werden kann, wonach eine Integrit�tsentsch�digung bei psychogenen St�rungen nur zugesprochen werden kann, wenn das Unfallereignis als aussergew�hnlich schwer zu qualifizieren ist und eine chronifizierende posttraumatische Belastungsst�rung (PTBS) diagnostiziert wurde.
a) Der Auffassung von MURER/KIND/BINDER liegt das Postulat der Degressivit�t psychogener Unfallfolgen zugrunde, wie es u.a. von Kind in "Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung", St. Gallen 1997, S. 49 ff., insbesondere S. 62 ff., anhand der Internationalen Klassifikation psychischer St�rungen (ICD-10 [International Classification of Diseases, 10. Aufl.], Kapitel V) erl�utert wird.BGE 124 V 29 S. 40
Danach sind akute psychische St�rungen nach einem Trauma als akute Belastungsreaktion zu erfassen, sofern ein unmittelbarer und klarer zeitlicher Zusammenhang zwischen der traumatischen Situation und dem Beginn der Symptome besteht. Die meist wechselnde Symptomatik (Angst, Depression, �rger, Verzweiflung u.a.) klingt in der Regel rasch ab. Ist dies ausnahmsweise nicht der Fall, liegt eine Anpassungsst�rung vor, bei der die individuelle Disposition eine wesentliche Rolle spielt. Klingen die Symptome l�ngerfristig (ein bis zwei Jahre) nicht ab oder treten gar neue psychogene Symptome auf, kommt es zu einer psychogenen Fixierung bzw. seelischen Entwicklung, bei der zunehmend Pers�nlichkeitsfaktoren ausschlaggebend sind und nicht mehr das traumatische Ereignis.
Nach KIND bildet der degressive Verlauf psychogener St�rungen nach Unf�llen, wie sie das zivile Leben mit sich bringt, die Regel, sofern nicht unfallfremde Motive Anlass zu einer Chronifizierung geben. Schwerste psychische Traumatisierungen (durch Kriegsereignisse, Naturkatastrophen, schwerste Verkehrsunf�lle, Terroranschl�ge, Vergewaltigungen u.a.) k�nnten jedoch dauerhafte psychische Ver�nderungen bewirken. Diese von der ICD-10 als Posttraumatische Belastungsst�rung (PTBS) bezeichneten St�rungen setzten ein Unfallereignis von aussergew�hnlicher Schwere voraus, welches meist �ber das hinausgehe, was das Eidg. Versicherungsgericht �blicherweise als schweren Unfall bezeichne.
b) Ob eine Beeintr�chtigung der psychischen Integrit�t dauernden Charakter hat, ist in erster Linie eine Tatfrage, wor�ber die Verwaltung bzw. im Streitfall der Richter im Rahmen der ihm obliegenden Beweisw�rdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Wie f�r die Feststellung nat�rlicher Kausalzusammenh�nge im Bereich der Medizin sind Verwaltung bzw. Richter auch f�r die Beurteilung der voraussichtlichen Dauerhaftigkeit von Integrit�tssch�den bisweilen auf die Angaben �rztlicher Experten angewiesen (vgl. BGE 118 V 290 Erw. 1b). Fraglich ist, inwieweit bei der Prognose im Einzelfall generelle, nach herrschender Lehre allgemeing�ltige Erkenntnisse der Psychiatrie, wie sie in den psychiatrisch-diagnostischen Klassifikationssystemen ihren Niederschlag gefunden haben, als massgebend zu betrachten sind.
aa) Im Jahre 1995 hat die Schweizerische Gesellschaft f�r Psychiatrie Kapitel V (F) der von der Weltgesundheitsorganisation unter dem Titel "ICD-10" (International Classification of Diseases, 10. Aufl.) BGE 124 V 29 S. 41herausgegebenen internationalen Klassifikation der Krankheiten f�r die Diagnose psychischer St�rungen zur Anwendung empfohlen (vgl. KIND, a.a.O., S. 62). Nach der zweiten Auflage der unter dem Titel "Internationale Klassifikation psychischer St�rungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Richtlinien" erschienenen deutschen Fassung dieses Werks werden psychogene St�rungen nach Unf�llen im Rahmen der diagnostischen Kategorie F4 "Neurotische, Belastungs- und somatoforme St�rungen" der Unterkategorie F43 "Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsst�rungen" zugeordnet (wobei der Begriff "psychogen" als Bezeichnung diagnostischer Kategorien nicht mehr verwendet wird; vgl. ICD-10, Einleitung S. 23). Zur Unterkategorie F43 geh�ren die akute Belastungsreaktion (F43.0), die posttraumatische Belastungsst�rung (F43.1), die Anpassungsst�rungen (F43.2) sowie sonstige oder nicht n�her bezeichnete Reaktionen auf schwere Belastungen (F43.8 u. 9).
Laut ICD-10 ist die akute Belastungsreaktion (F43.0) eine "vor�bergehende St�rung von betr�chtlichem Schweregrad, die sich bei einem psychisch nicht manifest gest�rten Menschen als Reaktion auf eine aussergew�hnliche k�rperliche oder seelische Belastung entwickelt und im allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt". Sie kann in eine posttraumatische Belastungsst�rung (F43.1) �bergehen, die umschrieben wird als "verz�gerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergew�hnlicher Bedrohung oder katastrophen�hnlichen Ausmasses (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen w�rde". Zu den Ereignissen geh�ren u.a. schwere Unf�lle. Die St�rung folgt dem Trauma mit einer Latenz, die Wochen bis Monate dauern kann (doch selten mehr als sechs Monate nach dem Trauma). Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der F�lle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. Bei wenigen Patienten nimmt die St�rung �ber viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine dauernde Pers�nlichkeitsst�rung �ber (F62.0 "andauernde Pers�nlichkeits�nderung nach Extrembelastung"). Anpassungsst�rungen (F43.2) sind "Zust�nde von subjektivem Leiden und emotionaler Beeintr�chtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und w�hrend des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensver�nderung, nach einem belastenden Lebensereignis oder auch nach schwerer k�rperlicher Krankheit auftreten". Die individuelle Disposition oder Vulnerabilit�t spielt beim m�glichen Auftreten und bei der BGE 124 V 29 S. 42Form der Anpassungsst�rung eine gr�ssere Rolle als bei den andern Krankheitsbildern von F43. Es ist aber dennoch davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden w�re. Die St�rung beginnt im allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensver�nderung. Die Symptome halten meist nicht l�nger als sechs Monate an, ausser bei einer l�ngeren depressiven Reaktion (F.43.21).
bb) Das Eidg. Versicherungsgericht hatte sich bereits wiederholt mit der Bedeutung der ICD-10 f�r die Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Fragen zu befassen. In dem in RKUV 1997 Nr. K 984 S. 119 teilweise publizierten Urteil X vom 24. Januar 1997 hat das Gericht seine Praxis hinsichtlich der Vorbehaltsf�higkeit von Depressionen in der Krankenversicherung aufgrund neuerer psychiatrischer Erkenntnisse, wie sie in der ICD-10 Ausdruck finden, ge�ndert. In einem nicht ver�ffentlichten Urteil B. vom 2. Mai 1997, wo es u.a. um die Ad�quanz psychischer Unfallfolgen ging, hat das Gericht zu dem von der SUVA erhobenen Einwand, wonach sich der vom kantonalen Richter bestellte Experte nicht an die Richtlinien der ICD-10 gehalten habe, festgestellt, dass dies an der Schl�ssigkeit der gutachtlichen Beurteilung nichts zu �ndern verm�ge. Selbst wenn diese Leitlinien, wie deren Anerkennung durch die Schweizerische Gesellschaft f�r Psychiatrie und die Schweizerische Gesellschaft der psychiatrischen Chef�rzte nahelege, in der Schweiz allgemein gebr�uchlich seien, best�nden doch international auch andere psychiatrisch-diagnostische Klassifikationssysteme wie etwa das DSM-III-R (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer St�rungen), welches beispielsweise MURER/KIND/BINDER (SZS 37/1993 S. 219) verwendet h�tten. Zwar f�rderten einheitliche Kriterien die gegenseitige Verst�ndigung, doch bestehe - entgegen der SUVA - keine Gefahr, sich ausserhalb der Schulpsychiatrie zu begeben, solange andere anerkannte Richtlinien angewendet w�rden. In einem psychiatrischen Gerichtsgutachten gehe es darum, juristischen Fachpersonen ein psychisches Leiden oder eine psychische St�rung und ihre Auswirkungen schl�ssig darzulegen, wozu eine bestimmte Diagnose zwar ein notwendiges, aber nicht ein hinreichendes Mittel sei. Vielmehr seien regelm�ssig weitere erkl�rende Ausf�hrungen notwendig. Werde somit eine Diagnose nicht nach der ICD-10, sondern nach einem anderen anerkannten Klassifikationssystem verfasst, sei dagegen aus juristischer Sicht nichts einzuwenden, solange die einzelnen Diagnosen aus den gesamten Erl�uterungen inhaltlich verst�ndlich w�rden und die Darlegung BGE 124 V 29 S. 43der medizinischen Zusammenh�nge f�r die zu beurteilende Frage schl�ssig sei.
cc) Nach diesen Erw�gungen hat das Eidg. Versicherungsgericht nicht dar�ber zu befinden, ob psychogene St�rungen nach Unf�llen ausschliesslich nach den klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 zu beurteilen sind; ebensowenig ist dar�ber zu entscheiden, ob nur die in der Unterkategorie F43.1 erw�hnten posttraumatischen Belastungsst�rungen (PTBS) dauernden Charakter aufweisen und damit entsch�digungsbegr�ndend sind, wie MURER/KIND/BINDER annehmen. Zu einem entsprechenden Entscheid besteht um so weniger Anlass, als die psychiatrische Literatur bez�glich der Entstehungsbedingungen, des Verlaufs und des Einflusses vorbestehender Pers�nlichkeitsfaktoren bei posttraumatischen Belastungsst�rungen kontrovers ist (vgl. KIND, a.a.O., S. 64). Auch ist die psychiatrische Fachmeinung, wonach psychogene St�rungen dem Grundsatz nach immer reversibel sind, nicht unbestritten geblieben. In einem in SZS 41/1997 S. 283 ff. erschienenen Aufsatz "Zum Ph�nomen der Latenz in der Psychotraumatologie, unter spezieller Ber�cksichtigung des Unfalltraumas" folgern HAEFLIGER/SCHNYDER, dass bei Vorliegen einer Latenz psychischer Symptome nach einem Unfallereignis verallgemeinernde Aussagen zu Schwere und dem Charakter des Traumas sowie der nat�rlichen Kausalit�t psychischer Symptome nicht gemacht werden k�nnten. F�r die psychiatrische Begutachtung von Unfallpatienten mit persistierenden psychischen Symptomen nach einem Unfallereignis sei vielmehr zu verlangen, dass alle beobachteten Ph�nomene individuell zu untersuchen und entsprechend zu beurteilen seien (S. 293 f.; vgl. auch die Replik von Kind in SZS 41/1997 S. 296 ff. und die Duplik von HAEFLIGER/SCHNYDER in SZS 41/1997 S. 301 ff.).
In der grunds�tzlichen Stellungnahme "Rechtliche und psychiatrische Voraussetzungen des IE-Anspruches f�r eine psychogene St�rung" vom 11. Mai 1995 r�umt auch Binder ein, dass sich die Abgrenzungsprobleme beim Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung bei diesen St�rungen aus medizinisch-psychiatrischer Sicht nicht l�sen lassen. Es besteht daher auch kein Anlass zur Einholung eines Grundsatzgutachtens, von dem kaum neue allgemeing�ltige Erkenntnisse �ber den Verlauf psychogener St�rungen nach Unf�llen, insbesondere unter dem hier interessierenden Blickwinkel der Dauerhaftigkeit der Beeintr�chtigung, zu erwarten w�ren. Die Beurteilung der Dauerhaftigkeit als Rechtsbegriff bleibt, auch unter Ber�cksichtigung des in Erw. 5b hievor Gesagten, letztlich eine Rechtsfrage, deren BGE 124 V 29 S. 44Beantwortung im Einzelfall zu erfolgen hat. Dabei ist in medizinischer Hinsicht davon auszugehen, dass gem�ss herrschender psychiatrischer Lehre psychogene St�rungen in der Regel nicht lebenslang dauern, sondern degressiv verlaufen und daher die f�r den Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung vorausgesetzte Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens nicht erf�llen. Ein Anspruch kann dann gegeben sein, wenn medizinisch-psychiatrisch eine eindeutige individuelle Langzeitprognose gestellt werden kann, welche f�r das ganze Leben eine �nderung durch Heilung oder Besserung des Schadens praktisch ausschliesst.
c) aa) Aus medizinisch-psychiatrischer Sicht besteht nach Murer/Kind/Binder kein zwingender Zusammenhang zwischen der Schwere des Unfallereignisses und den psychogenen St�rungen, weil die psychogenen Unfallfolgen auf dem psychischen Stress beruhen, der durch das Unfallerlebnis bewirkt wird und die individuellen Reaktionen sehr unterschiedlich sind. Im allgemeinen werde aber ein schwerer Unfall mit gravierenden Folgen eher zu einem erheblichen psychischen Stress und damit zu psychogenen Unfallfolgen f�hren als ein leichter oder ein Bagatellunfall. Die Erfahrung zeige, dass schwere Unfallereignisse vom Ausmass eigentlicher Katastrophen bei vielen Menschen k�rzere oder l�ngere psychische Reaktionen ausl�sten, auch wenn der Betroffene keine schweren k�rperlichen Verletzungen erlitten habe (MURER/KIND/BINDER, Kriterien zur Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhanges, in: SZS 37/1993 S. 131 f.).
Im Einklang mit dieser letzten psychiatrischen Feststellung kn�pft die Rechtsprechung bei der Beurteilung der Ad�quanz psychischer Unfallfolgen nicht an das Unfallerlebnis, sondern an das Unfallereignis selbst an. Denn die Frage, ob sich das Unfallereignis und eine psychisch bedingte Erwerbsunf�higkeit im Sinne eines ad�quaten Verh�ltnisses von Ursache und Wirkung entsprechen, ist u.a. im Hinblick auf die Gebote der Rechtssicherheit und der rechtsgleichen Behandlung der Versicherten aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu pr�fen (BGE 115 V 138 f. Erw. 6 mit Hinweisen).
bb) Im Lichte dieser Rechtsprechung und unter Ber�cksichtigung des Umstandes, dass nach herrschender psychiatrischer Lehrmeinung nur Unfallereignisse von aussergew�hnlicher Schwere zu dauerhaften Beeintr�chtigungen der Integrit�t f�hren, erweist es sich als sachgerecht, bei der Beurteilung der Dauerhaftigkeit psychogener Unfallfolgen ebenfalls an das Unfallereignis anzukn�pfen und von der Praxis auszugehen, wie sie BGE 124 V 29 S. 45f�r die Beurteilung der Ad�quanz psychischer Unfallfolgen Geltung hat (BGE 115 V 133). Danach wird die Ad�quanz bei banalen bzw. leichten Unf�llen in der Regel ohne weiteres verneint und bei schweren Unf�llen in der Regel bejaht; im mittleren Bereich bedarf es besonderer, objektiv erfassbarer Umst�nde, damit die Ad�quanz bejaht werden kann (BGE 115 V 138 ff. Erw. 6). In Anlehnung an diese Praxis und die psychiatrischen Lehrmeinungen ist der Anspruch auf Integrit�tsentsch�digung bei banalen bzw. leichten Unf�llen regelm�ssig zu verneinen, selbst wenn die Ad�quanz der Unfallfolgen ausnahmsweise bejaht wird. Auch bei Unf�llen im mittleren Bereich l�sst sich die Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens in der Regel verneinen, ohne dass in jedem Einzelfall eine n�here Abkl�rung von Art und Dauerhaftigkeit des psychischen Schadens vorzunehmen w�re. Etwas anderes gilt nur ausnahmsweise, namentlich im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen, wenn aufgrund der Akten erhebliche Anhaltspunkte f�r eine besonders schwerwiegende Beeintr�chtigung der psychischen Integrit�t bestehen, die einer Besserung nicht mehr zug�nglich zu sein scheint. Solche Indizien k�nnen in den weiteren unfallbezogenen Kriterien erblickt werden, wie sie bei der Ad�quanzbeurteilung zu ber�cksichtigen sind (BGE 115 V 140 f. Erw. 6c), sofern sie besonders ausgepr�gt und geh�uft gegeben sind und die Annahme nahelegen, sie k�nnten als Stressoren eine lebenslang chronifizierende Auswirkung beg�nstigt haben. Bei schweren Unf�llen schliesslich ist die Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens stets zu pr�fen und n�tigenfalls durch ein psychiatrisches Gutachten abzukl�ren, sofern sie nicht bereits aufgrund der Akten als eindeutig erscheint.
a) Der Beschwerdegegner wurde am 7. Dezember 1988 Opfer einer Motorfahrzeug-Kollision, bei der er sich ein Distorsions- und Abknicktrauma der Halswirbels�ule zuzog. Es resultierten die klassischen Symptome nach einem Schleudertrauma der Halswirbels�ule, wobei ein traumatisches Zervikalsyndrom ohne Hinweise auf radikul�re sensomotorische Ausf�lle im Bereich der oberen Extremit�ten und ohne Frakturen diagnostiziert wurde (Berichte der Neurologischen Universit�tsklinik X vom 1. Februar 1989 und 1. Februar 1990). Der Beschwerdegegner nahm die Arbeit 40 Tage nach dem Unfall zu 50% und sp�ter zu 100% wieder auf und war bis zur K�ndigung anfangs 1991 rund zwei Jahre voll arbeitsf�hig. Untersuchungen in der BGE 124 V 29 S. 46Psychiatrischen Poliklinik Y vom 11. und 28. Februar 1991 zeigten eine depressive Entwicklung (Bericht vom 6. M�rz 1991). In einem Gutachten vom 23. Dezember 1993 diagnostizierte der Neurologe Dr. med. S. nebst den klassischen Schleudertrauma-Beschwerden eine schwere depressive Entwicklung, welche zweifelsfrei durch den Unfall ausgel�st worden sei. Fr�here unfallfremde Psychotraumata seien in wesentlichem Masse f�r die Schwere der sekund�ren psychischen Dekompensation verantwortlich. Der Versicherte sei zweifellos behandlungsbed�rftig, sowohl hinsichtlich des Schmerzsyndroms als auch im Hinblick auf die depressive Entwicklung. Die Prognose sei ung�nstig, doch sei nicht ausgeschlossen, dass bei g�nstigem Verlauf der eingeleiteten Psychotherapie und der vorgeschlagenen antimigr�n�sen Basisbehandlung mittelfristig doch noch eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess m�glich sei.
b) Die SUVA hat das Ereignis vom 7. Dezember 1988 zu Recht den mittelschweren Unf�llen zugeordnet und unter Ber�cksichtigung der nach der Rechtsprechung massgebenden Zusatzkriterien die Ad�quanz f�r die psychogene St�rung bejaht und eine Invalidenrente aufgrund einer Erwerbsunf�higkeit von 100% zugesprochen, nebst einer Integrit�tsentsch�digung von 25% f�r somatische Sch�den. Weil der Beschwerdegegner keinen schweren Unfall im Rechtssinn erlitten hat, ist nach dem Gesagten vom Regelfall auszugehen, wonach die Dauerhaftigkeit des psychischen Integrit�tsschadens ohne Weiterungen zu verneinen ist. Ein Ausnahmefall liegt nicht vor, indem weder ein Ereignis im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen gegeben ist noch erhebliche Anhaltspunkte f�r eine besonders schwerwiegende, einer Besserung nicht zug�ngliche Beeintr�chtigung der psychischen Integrit�t bestehen. Wenn die Vorinstanz aufgrund der Ausf�hrungen von Dr. med. S., wonach die Prognose ung�nstig ist, zum Schluss gelangt, dass eine dauernde Beeintr�chtigung der psychischen Integrit�t vorliegt, so vermag dies nicht zu �berzeugen. Wie das BSV zu Recht bemerkt, l�sst die Feststellung, wonach bei g�nstigem Verlauf der Therapie mittelfristig doch noch eine Wiedereingliederung m�glich sei, vielmehr darauf schliessen, dass eine Besserung oder Heilung der psychischen St�rung durchaus m�glich ist. Der �rztlichen Feststellung zur Prognose kann f�r die Beurteilung der Dauerhaftigkeit des Integrit�tsschadens um so weniger Bedeutung beigemessen werden, als sie offensichtlich unter Ber�cksichtigung des gesamten Gesundheitsschadens, d.h. auch der organischen Beeintr�chtigungen erfolgte.
c) Unter den gegebenen Umst�nden besteht kein Anlass zur Anordnung einer erg�nzenden psychiatrischen Abkl�rung zur Frage nach der Dauerhaftigkeit der psychogenen St�rung. Entgegen dem Antrag des Beschwerdegegners er�brigen sich erg�nzende Abkl�rungen auch hinsichtlich einer allf�lligen organischen Ursache der bestehenden psychischen St�rung, nachdem eine solche Ursache von keinem der mit dem Fall befassten �rzte in Betracht gezogen wurde. In Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der SUVA daher vollumf�nglich gutzuheissen.
7. (Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung)

References: Art. 24
 art. 36
 BGE 
 Art. 24
 BGE 
 Art. 36
 Art. 25
 Art. 25
 Art. 36
 BGE 
 Art. 24
 Art. 36
 BGE 
 Art. 24
 Art. 18
 Art. 23
 Art. 25
 Art. 48
 BGE 
 Art. 2
 Art. 24
 BGE 
 Art. 24
 Art. 36
 Art. 24
 Art. 24
 Art. 24
 Art. 12
 BGE 
 Art. 29
 Art. 29
 Art. 36
 Art. 24
 BGE 

Art. 33
 Art. 36
 Art. 24
 Art. 24
 BGE 
 Art. 24
 Art. 24
 Art. 36
 Art. 24
 Art. 24
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