Source: https://frugalisten.de/krankenversichert-als-privatier/
Timestamp: 2020-05-31 03:35:39+00:00

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30. April 2020 82 Kommentare
Außerdem kursieren im Netz teils haarsträubende Falschaussagen zu diesem Thema. Beliebt ist etwa diese:
Wenn man nicht mehr arbeitet, muss man sich privat krankenversichern. Das kostet mindestens 800 € im Monat.
Zumindest hierfür kann ich schon mal Entwarnung geben: Diese Behauptung ist Mumpitz.
Legen wir also einmal alle Fakten auf den Tisch und schauen, welche Ausgaben für die Krankenversicherung uns als frugalistische Privatiers wirklich erwarten.
Ein Hinweis vorweg: Alle Zahlen und Rechenbeispiele in diesem Artikel stellen die Situation im Jahr 2020 dar. Für langfristige Pläne sollte man im Hinterkopf behalten, dass sich gerade im Gesundheitssystem die Gesetzeslage radikal ändern kann. Freibeträge und Beitragsgrenzen werden im Regelfall jährlich angepasst.
Grundsätzlich gibt es in Deutschland zwei Wege, sich gegen Krankheit zu versichern: Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV).
Umgangssprachlich werden GKV-Versicherte auch Kassenpatienten genannt, PKV-Versicherte werden als Privatpatienten bezeichnet.
Die GKV ist vor allem als Versicherung für die breite Masse der Bevölkerung gedacht. Dagegen wird die PKV vor allem von Gutverdienern und Beamten in Anspruch genommen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen der Versicherten wider: Laut statistischem Bundesamt waren im Jahr 2019 rund 89,3 % der Deutschen in der GKV und 10,7 % in der PKV versichert.
Ein Grund hierfür ist, dass ein Großteil der Bevölkerung gar nicht erst die Wahl zwischen diesen beiden Modellen hat. Wer als Angestellter arbeitet, muss mindestens 62.550 € brutto im Jahr verdienen, um überhaupt in der PKV versichert sein zu dürfen. Wer weniger verdient, muss sich in der GKV pflichtversichern.
Diese Versicherungspflichtgrenze gilt jedoch nur für Angestellte. Als Freiberufler, Unternehmer und auch als (erwerbsloser) Privatier kann ich mich frei entscheiden, entweder freiwillig versichert in der GKV zu bleiben oder in die PKV einzutreten – unabhängig von der Höhe meines Einkommens.
Damit ist die Aussage aus der Einleitung auch schon zur Hälfte widerlegt: Als Privatier muss ich mich nicht zwingend privat versichern, sondern kann auch als freiwillig Versicherter in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben.
Wie unterscheiden sich PKV und GKV?
Eine PKV ist im Grunde ein gewöhnliches Versicherungsprodukt, das von einem privaten Versicherungsunternehmen angeboten wird – wie auch eine KFZ- oder Gebäudeversicherung.
Die Versicherungsunternehmen berechnen die Beiträge dabei nach dem individuellen Risiko des Versicherten. Konkret: Nach Alter und Gesundheitszustand. Je älter ich bin und je schlimmere Vorerkrankungen ich habe, desto höher wird mein Versicherungsbeitrag angesetzt.
Mein Einkommen spielt für die PKV dagegen keine Rolle. Ob ich 1.000 € oder 10.000 € im Monat verdiene, ob ich vom Angestelltengehalt oder Dividenden lebe – der Beitrag bleibt derselbe.
Als Angestellter genieße ich noch den Vorteil, dass mein Arbeitgeber einen Teil des PKV-Beitrags übernimmt (häufig sogar die Hälfte). Da auch in der GKV die Hälfte des Beitrags vom Arbeitgeber gezahlt wird (dazu gleich mehr), sorgt diese Regelung für ausgleichende Gerechtigkeit.
Eine Sonderrolle nehmen schließlich noch die Beamten ein. Krankheitskosten von Beamten werden zum Großteil vom Staat übernommen (die sogenannte Beihilfe). Deshalb gibt es für Beamten eigene PKV-Tarife, die lediglich den verbleibenden Eigenanteil abdecken.
In der GKV müssen Beamte häufig (aber nicht immer) den gesamten Beitrag alleine zahlen und erhalten keinen Zuschuss. Daher ist die PKV für Beamte oft deutlich attraktiver als die GKV. Die Krankenversicherung für Beamte ist aber ein Thema für sich, dass ich hier nicht weiter ausführen werde. Einen guten Einstieg dazu bietet finanztip – und auch im Frugalisten-Forum tummeln sich einige Beamten, die einzelne Aspekte des Themas schon diskutiert haben.
PKV und GKV unterscheiden sich nicht nur in der Beitragsstruktur, sondern auch in der angebotenen Leistung.
Während bei der GKV gesetzlich weitgehend vorgegeben ist, welche Behandlungen und Medikamente von der Versicherung übernommen werden, gibt es in der PKV – typisch Privatwirtschaft – ungefähr so viele Tarife wie Marmeladensorten im Supermarktregal.
Im Regelfall bietet jede PKV einen Basistarif an, der vom Leistungsumfang – das ist gesetzlich vorgeschrieben – in etwa mit der GKV vergleichbar ist, manchmal aber auch darunter liegt. Nach oben ist dann alles offen. Premium-Tarife beinhalten meistens Einzelzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus, Termine beim Facharzt ohne vorige Überweisung sowie die Übernahme teurer Zahnbehandlungen. Diese Luxus-Tarife sind aber natürlich auch deutlich teurer.
Unabhängig vom Tarif bekommt man als Privatpatient oft schneller einen Arzttermin – insbesondere bei Fachärzten.
Auf der anderen Seite behaupten kritische Stimmen, PKV-Versicherte würden manchmal überflüssige Behandlungen angedreht bekommen, da Ärzte ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit der Behandlung von Privatpatienten verdienen.
PKV-Beiträge und Altersrückstellungen
Bei den PKV-Beiträgen gibt es noch eine weitere Besonderheit. Ein Blick in die Versicherungsstatistik verrät, dass Gesundheitskosten stark mit dem Lebensalter korrelieren. Während junge Leute im Schnitt kaum Kosten für die Versicherer verursachen, steigen die Ausgaben ab dem 50. Lebensjahr deutlich an.
Würden sich die PKV-Beiträge immer am jeweils aktuellen Lebensalter des Versicherten bemessen, wäre die PKV für junge Leute spottbillig, während die Beiträge im Alter explodierten.
Um das zu verhindern, muss eine PKV – auch das schreibt das Gesetz vor – sogenannte Altersrückstellungen bilden. Junge Leute zahlen höhere Beiträge, als sie im Schnitt an Kosten verursachen. Dieses zusätzliche Geld wir dann zurückgelegt, um die zu erwartenden höheren Kosten im Alter abzufedern, ohne dass dann deutlich höhere Beiträge verlangt werden müssen.
(Bild: Universa Versicherung, https://www.universa.de/kundenservice/aktuelles/beitragsanpassung/beitragsanpassung.htm)
Das funktioniert natürlich nur, wenn man schon als junger Mensch in die PKV eintritt. Nur so bleibt genug Zeit, überhaupt Altersrückstellungen zu bilden. Je später man eine PKV abschließt, umso höher wird die Versicherung darum den monatlichen Beitrag ansetzen, um die fehlenden Rückstellungen zu kompensieren.
Wer heute als gesunder Dreißigjähriger eine PKV abschließt (im Basistarif und mit Selbstbeteiligung), der kann hierfür mit einem Beitrag von ungefähr 300-400 € im Monat rechnen. Wer bereits 40 ist, für den sind es dann schon 400-500 € im Monat. Tritt man erst als Fünfzigjähriger in die PKV ein, beträgt der Beitrag schnell 600 € oder mehr1.
Aus diesem Grund sollte man – wenn man sich für die PKV entscheidet – das möglichst früh im Leben tun. Während des Erwerbslebens in der GKV versichert zu sein und dann als Privatier mit 40 oder 50 in die PKV zu wechseln, macht wohl nur in seltenen Fällen Sinn.
Die GKV arbeitet dagegen ganz anders. Sie wird nicht von einer Versicherungsgesellschaft, sondern von den gesetzlichen Krankenkassen – also vom Staat – angeboten. Sie ist auch kein Versicherungsprodukt im klassischen Sinne, sondern eine Solidargemeinschaft. Mit den Beiträgen verhält es sich darum genau umgekehrt wie in der PKV. Die Beiträge richten sich einzig und alleine nach meinem Einkommen – Alter und Gesundheitszustand sind hingegen völlig egal.
Aktuell beträgt der reguläre Beitrag zur GKV 14,6 % des Bruttoeinkommens. Dazu kommt noch der Beitrag für die Pflegeversicherung (3,3 % für Kinderlose oder 3,05 % mit Kindern) sowie ein Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Je nach individueller Situation ergibt das einen GKV-Beitrag von etwa 18 % bis 19 % meines Brutto-Einkommens.
Als Arbeitnehmer muss ich davon allerdings nur die gute Hälfte zahlen – die andere Hälfte übernimmt (bis auf den Kinderlosenzuschlag) der Arbeitgeber.
Hier nochmal die Zusammensetzung des GKV-Beitrags für Arbeitnehmer in der Übersicht:
Beitrag Prozent vom Bruttogehalt Arbeitgeberanteil
KV-Beitrag 14,6 % 7,3 %
Pflegeversicherung (PV) 3,05 % (mit Kindern) oder 3,3 % (ohne Kinder) 1,525 % (die Hälfte von 3,05 %)
Kassenindividueller Zusatzbeitrag ca. 0,4 – 1,5 % ca. 0,2 – 0,75 % (die Hälfte des Zusatzbeitrags)
Gesamt ca. 18 bis 19 % ca. 9 bis 9,5 %
Als Selbstständiger und auch als Privatier gibt es niemanden, der die Hälfte meines Beitrags übernimmt. Hier muss ich die 18-19 % also in voller Höhe selbst tragen. Ich habe lediglich die Möglichkeit, auf das Krankentagegeld zu verzichten und so den KV-Beitrag auf 14 % zu reduzieren.
Zusätzlich ist dieser prozentuale Beitragssatz nach oben und unten durch einen Mindestbeitrag (für freiwillig Versicherte) und einen Höchstbeitrag begrenzt.
Verdiene ich mehr als als 4.688 € im Monat (das ist die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze), setzt die Krankenkasse trotzdem nur 18-19 % von 4.688 € als Beitrag fest – also 840 bis 890 € im Monat. Das ist der Höchstbeitrag in der GKV.
Verdiene ich als Selbständiger oder Privatier weniger als 1.062 € im Monat (die sogenannte Mindestbeitragsgrenze), verlangt die Krankenkasse trotzdem 18-19 % von 1.062 € von mir – also rund 190 bis 200 € im Monat. Für Arbeitnehmer gilt dieser Mindestbeitrag nicht, hier gibt es für Einkommen unter 1.300 € brutto andere Regelungen (Midi-Job/Übergangsbereich).
Niedriger als 190 € kann der reguläre GKV-Beitrag als Privatier also nicht sein, auch wenn ich keinerlei Einkommen habe.
Als grobe Faustregel merke ich mir darum immer: Der GKV-Beitrag beträgt als Privatier 19 %, mindestens jedoch 200 € und höchstens 900 €.
Sollte man sich nun lieber in der GKV oder – wenn man die Möglichkeit dazu hat – in der PKV versichern? Eine pauschal richtige Antwort scheint es auf diese Frage nicht zu geben. Es hängt sehr von der individuellen Situation und Präferenz ab. Wie hoch ist mein Einkommen in der Anspar- und in der Entnahmephase? Wie wichtig sind mir die möglicherweise besseren Leistungen, die ich in der PKV erhalte? Setze ich mich lieber der Willkür einer privaten, gewinnorientierten Versicherung aus oder der staatlichen Gesundheitsgesetzgebung?
Viele günstige PKV-Tarife besitzen zudem Selbstbeteiligungen von teils mehreren tausend Euro. Das erschwert den einfachen Vergleich zwischen GKV und PKV, aber auch verschiedenen PKV-Tarifen untereinander noch weiter.
Vor deutlichen Beitragssteigerungen in der Zukunft warnen verschiedene Quellen immer wieder sowohl für die PKV als auch die GKV. Vor diesem Risiko ist man wohl in keinem der beiden Systeme sicher.
In der PKV sollten die Altersrückstellungen theoretisch für einen (inflationsbereinigt) gleichbleibenden Beitrag sorgen. In der Praxis steht aber auch das zur Debatte. Die Stiftung Warentest legt PKV-Versicherten sogar nahe, davon auszugehen, „dass die Beiträge sich vom Abschluss des Vertrags bis zum Renten­eintritt mindestens verdreifachen und auch danach noch weiter steigen“ (Quelle).
Es scheiden sich also die Geister. Das belegen auch die zahlreichen Diskussionen im Frugalisten-Forum zu dieser Frage. Während die einen vollkommen von der PKV überzeugt sind, schwören die anderen hundertprozentig auf die gesetzliche Krankenversicherung.
Wenn ich als Angestellter oder Selbstständiger gut verdiene, keine Vorerkrankungen habe und schon in jungen Jahren in die PKV wechseln kann, scheint sich die PKV finanziell häufig zu lohnen. Die Beiträge sind dann für viele Jahre teils deutlich günstiger als in der GKV.
Wer etwa 25 Jahre alt ist und als Selbstständiger 65.000 € brutto verdient, würde in der GKV den Höchstbeitrag von 900 € zahlen. In der PKV könnten es dagegen nur 300 € sein (im Basistarif mit Selbstbeteiligung)1. Als Angestellter mit einem Bruttogehalt von ebenfalls 65.000 € übernimmt der Arbeitgeber einen Teil des Beitrags. Dann fällt der Vergleich etwa 430 € (GKV) gegenüber 150 € (PKV) aus.
Kommen Kinder dazu, verschiebt sich der Vorteil wieder in Richtung der GKV.
In der PKV muss jedes Kind gesondert versichert werden, die Beiträge hierfür liegen typischerweise zwischen 100 € und 200 € pro Kind1.
In der GKV gibt es dagegen die sogenannte Familienversicherung. Über diese können Familienmitglieder, die kein oder nur ein geringes Einkommen haben (also Kinder oder erwerbslose Ehepartner), kostenfrei mitversichert werden. Kinder bis zum Alter von 25 Jahren kosten in der GKV also nichts, solange sie kein eigenes Einkommen haben.
Ob man dadurch in der GKV günstiger unterwegs ist, muss man individuell berechnen. Im oben genannten Beispiel des Selbständigen mit 65.000 € Einkommen würde sich der Wechsel in die GKV frühestens ab dem vierten Kind rentieren. In einem anderen Szenario ist die GKV vielleicht schon ab dem ersten Kind günstiger.
Spannend wird es dann wieder in der Entnahmephase. Was passiert, wenn ich mit 40 oder 50 in Rente gehe und hauptsächlich von den Erträgen meines Vermögens lebe? Mein Eindruck ist, dass sich in dieser Phase und mit steigendem Alter die PKV immer seltener gegenüber der GKV rechnet – aus mehreren Gründen.
So viel zahlt man als Privatier wirklich für die Krankenversicherung
Ein Grund, warum in der Entnahmephase die GKV oft günstiger ist: Viele Frugalisten dürften in dieser Phase mit ihren GKV-Beiträgen nahe am Mindestbeitrag von rund 200 € im Monat liegen. Damit kann keine PKV mithalten, erst recht nicht mit zunehmenden Alter.
Um zu verstehen, warum das so ist, müssen wir uns einmal ansehen, welche Tarife es in der GKV gibt und auf welche Einnahmen der GKV-Beitrag tatsächlich erhoben wird.
Die GKV als Angestellter
Ist man als Angestellter in der GKV versichert, wird der GKV-Beitrag alleine am Gehalt aus dem Angestelltenjob bemessen. Zusätzliche Einnahmequellen, z.B. aus einer nebenberuflichen Selbstständigkeit, Mieteinnahmen oder Kapitalerträge, wirken sich nicht auf den GKV-Beitrag aus – jedenfalls solange Einkommen und Zeitaufwand der Nebentätigkeit den Angestelltenjob nicht übersteigen.
Auch ich nutze aktuell diese Regelung. Als nebenberuflich Selbständiger zahle ich auf meine Einnahmen als Freelancer lediglich Steuern, aber keine GKV-Beiträge. Diese sind durch meine 60 %-Stelle als Angestellter bereits abgedeckt – solange ich als Selbstständiger nicht mehr verdiene und arbeite wie im Hauptjob.
Die GKV als Selbständiger und Privatier
Als Privatier in der Entnahmephase kann ich den GKV-Tarif für Angestellte natürlich nicht mehr nutzen. Stattdessen muss ich mich im Tarif für freiwillig versicherte Selbstständige oder für Sonstige Versicherte und Erwerbslose versichern. Seit 2019 unterscheiden sich diese beiden Tarife nur noch unwesentlich.
In diesem Tarif wird der GKV-Beitrag anhand sämtlicher Einkommensarten berechnet, also Arbeitseinkommen, Mieteinnahmen, aber auch Kapitalerträge.
In der Praxis läuft das so, dass ich meiner Krankenkasse jedes Jahr meinen Steuerbescheid zusende. Auf diesem ist mein gesamtes Jahreseinkommen aus allen Einkommensquellen angegeben. Diesen Wert teilt die Krankenkasse durch zwölf und nimmt das Ergebnis als Berechnungsgrundlage für meinen GKV-Beitrag.
Ein Beispiel: Im Jahr 2020 habe ich Kapitaleinkünfte von 12.000 € und 3.500 € Mieteinnahmen. Außerdem betreibe ich ein kleines Gewerbe, dass über das Jahr verteilt 1.500 € Gewinn abwirft. Auf meiner Steuerbescheinigung für 2020, die ich der Krankenkasse nach Erhalt zusende, sind somit Einkünfte von insgesamt 17.000 € ausgewiesen.
Die Krankenversicherung ermittelt nun den monatlichen Durchschnitt (17.000 € / 12 = 1.417 €) und berechnet darauf den Beitrag von 1.417 € × 18 % = 255 €. Diesen setzt die Krankenkasse zum einen als Vorauszahlung für das folgende Jahr an. Außerdem erhalte ich zu viel gezahlte Beiträge zurück, wenn ich 2020 mehr vorausgezahlt habe als 255 € im Monat. Habe ich weniger vorausgezahlt, muss ich die Differenz nachzahlen.
Im Steuerbescheid ausgewiesene Einkünfte von 17.000 € bedeuten jedoch nicht, dass das auch mein tatsächliches „Privatiersgehalt“ ist. Das kann in der Realität nämlich deutlich höher liegen.
Entnahmen sind nicht gleich Kapitalerträge
Aus dem letzten Teil der Serie wissen wir, dass wir (mit Ausnahme der Vorabpauschale auf ETFs) Kapitalertragsteuern nur auf Ausschüttungen und Kursgewinne entrichten müssen.
Verbrauchen wir Vermögensanteile, die wir selbst eingezahlt haben – also gewissermaßen unser „Grundkapital“ – gelten diese nicht als Einkünfte und müssen nicht versteuert werden.
Auch GKV-Beiträge zahle ich als Privatier nur auf diesen Gewinnanteil meiner Entnahmen, der auf dem Steuerbescheid ausgewiesen ist. Auf diese Weise kann man – bei der richtigen Gestaltung – vergleichsweise üppige Beträge entnehmen, ohne die Mindestbeitragsgrenze zu überschreiten.
1.500 € Entnahme, 0 % Steuern, 190 € GKV
Rechnen wir auch hierfür ein Beispiel durch. Nehmen wir an, ich befinde mich in der Entsparphase und entnehme monatlich 1.500 € aus meinem ETF-Portfolio. Davon bestehen 500 € aus meinem selbst eingezahlten Grundkapital, 1.000 € sind der Gewinnanteil (Dividenden, Kursgewinne und die Vorabpauschale). Weitere Einnahmen habe ich nicht, mein steuerlich relevantes Einkommen beträgt somit 1.000 € im Monat oder 12.000 € im Jahr.
Wie viel Steuern muss ich in dieser Konstellation zahlen? Die Antwort: Überhaupt keine!
Denn Beiträge zur Krankenversicherung können als Sonderausgaben vollständig von der Steuer abgesetzt werden. Selbst wenn ich nur den GKV-Mindestbeitrag von 190 € zahle, reduziert sich dadurch mein zu versteuerndes Einkommen auf 12.000 – (190 € × 12) = 9.720 €. Ziehen wir noch den Sparer-Pauschbetrag von 801 € ab, liegt mein zu versteuerndes Einkommen unterhalb des Einkommensteuer-Grundfreibetrags – mein Einkommen ist damit steuerfrei.
Meine GKV-Beiträge bemessen sich ebenfalls an meinem steuerpflichtigen Einkommen von 1.000 €. Da dieser Betrag unterhalb der Mindestbeitragsgrenze liegt, zahle ich den Mindestbeitrag von rund 190 € im Monat.
In diesem Szenario habe ich also – bei einer Entnahme von 1.500 € im Monat – nach Abzug von Steuern und GKV-Beitrag noch über 1.300 € netto zur freien Verfügung. Gar nicht schlecht, oder?
Empfehlenswert ist es also, zunächst möglichst aus dem Grundkapital zu entnehmen, um unterhalb oder möglichst dicht am Steuerfreibetrag und der GKV-Mindestbeitragsgrenze zu bleiben. Im Laufe der Entnahmephase kann der Gewinnanteil an der Entnahme dann zunehmen.
Dass dieses Vorgehen aus steuerlicher Sicht vorteilhaft ist, habe ich bereits im letzten Teil der Serie gezeigt. Es macht aber auch im Hinblick auf die GKV-Beiträge Sinn. Insbesondere, wenn man ab dem gesetzlichen Rentenalter in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) versichert ist.
Die KVdR ist keine eigene Krankenversicherung, sondern ein Tarif innerhalb der GKV. In diesen kann man mit Beginn der gesetzlichen Rente (zwischen 63 und 67) wechseln, wenn man die Voraussetzungen dafür erfüllt.
Das Besondere an diesem Tarif ist, dass die Beiträge hier nicht mehr am gesamten Einkommen bemessen werden, sondern lediglich am gesetzlichen Rentenanspruch (und das auch nur mit dem halben Beitragssatz), Arbeitseinkommen und sonstigen Versorgungsbezügen. Kapitalerträge und Mieteinnahmen werden also nicht mehr für die Berechnung des GKV-Beitrags herangezogen.
Voraussetzung für den Eintritt in die KVdR ist zunächst ein Anspruch auf eine gesetzliche Rente (also mindestens 5 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung). Außerdem muss man in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 % der Zeit gesetzlich versichert gewesen sein. Ob man dabei freiwillig versichert oder pflichtversichert war ist egal – Hauptsache in der GKV.
Auch bedeutet „Erwerbsleben“ nicht, dass man in dieser Zeit zwingend gearbeitet haben muss. Gemeint ist einfach die Zeitspanne zwischen dem ersten Job (Berufsausbildung und Selbständigkeit eingeschlossen) und dem gesetzlichen Renteneintritt.
Wenn ich mein ganzes Leben lang gesetzlich versichert war, komme ich also auch problemlos in die KVdR, selbst wenn ich ab 40 bereits nicht mehr erwerbstätig war.
Anders sieht die Sache aus, wenn ich zunächst privat versichert bin und erst später in die GKV zurück wechsle (was auch gut geplant sein will, dazu gleich mehr). Dann muss ich genau aufpassen und nachrechnen, um die Voraussetzungen zu erfüllen (mehr Details und Rechenbeispiele dazu gibt es wie immer gut aufbereitet auf finanztip).
In der KVdR spielen Kapitalerträge für die Beitragsberechnung also keine Rolle mehr. Deshalb sollte man nach Möglichkeit Gewinnanteile oberhalb des GKV-Mindestbeitrags erst nach dem Eintritt in diesen Tarif aus seinem Vermögen entnehmen.
Da man als typischer Frugalist nicht bis 67 arbeitet, erwirbt man auch weniger gesetzliche Rentenansprüche. Damit ist auch der KVdR-Beitrag vergleichsweise niedrig, der sich ja an diesem Rentenanspruch bemisst. Spätestens in der KVdR zahlt man also deutlich geringere Krankenversicherungsbeiträge als in der PKV oder als freiwilliges GKV-Mitglied. Und das bis ans Lebensende – zumindest, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen gleich bleiben.
In der Entnahmephase ist die GKV meistens überlegen
Meiner Meinung nach macht die PKV in der Entnahmephase nur für die wenigsten Frugalisten finanziell Sinn. Von Vorteil ist sie vor allem, wenn man in der Ansparphase sehr gut verdient und investiert hat und auch in der Entnahmephase mit hohen Einnahmen kalkuliert – und/oder die Voraussetzungen für die KVdR nicht erfüllt.
Für den „Ottonormalfrugalisten“ mit monatlichen Entnahmen von vielleicht 1.500 € oder 2.500 € (für eine Einzelperson) dürfte die GKV – insbesondere mit der KVdR – immer deutlich günstiger sein als eine vergleichbare PKV.
Da stellt sich doch die Frage: Warum nicht als junger Gutverdiener eine PKV abschließen und mit Beginn der Entnahmephase wieder zurück in die GKV wechseln?
Das ist durchaus ein gangbarer Weg, der für viele Frugalisten Sinn machen könnte. Allerdings sollte dieser Schritt sorgfältig geplant werden. Denn für den Weg von der PKV zurück in die GKV muss man wieder versicherungspflichtig in der GKV werden. Und dafür gibt es nur eine Handvoll möglicher Wege.
Möglichkeit 1: Man ist unterhalb der Versicherungspflichtgrenze angestellt. Selbständige müssen sich also wieder anstellen lassen – und man muss weniger als 62.550 € brutto verdienen, um wechseln zu können.
Möglichkeit 2: Man bezieht mindestens einen Monat lang Arbeitslosengeld I. Wer Anspruch auf ALG I hat, für den ist das vermutlich der einfachste Weg.
Möglichkeit 3: Man geht für mindestens ein Jahr in ein EU-Ausland, in der es eine Versicherungspflicht gibt (z.B. die Niederlande oder die Schweiz) und versichert sich dort gesetzlich.
Die ersten beiden Möglichkeiten kann man zudem nur nutzen, wenn man nicht älter ist als 55. Ab diesem Alter ist die Rückkehr in die GKV sonst nur noch über die Familienversicherung möglich, wenn man sich über den Ehepartner versichert.
Puh… das war jetzt alles ganz schön schwere Kost, oder? Man merkt, dass das System der Krankenversicherung in Deutschland ziemlich komplex ist. Und das hier ist nur ein grober Überblick. Daneben existieren tausende weiterer kleiner Regelungen, Ausnahmen und Sonderfälle, für die der Platz in diesem Artikel bei weitem nicht ausreicht. Zudem ändern sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gut wie jedes Jahr.
An dieser Stelle nur zwei Sonderfälle, die vielleicht für einige Frugalisten eine Rolle spielen könnten:
Ist der Ehepartner in der PKV und man selbst in der GKV freiwillig versichert, werden auch die Einkünfte des Partners zur Berechnung des eigenen GKV-Beitrags herangezogen, wenn die eigenen Einkünfte weniger als die Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze (2.344 € brutto) betragen. Frugalistische Privatiers, deren Partner weiterhin arbeitet und PKV-versichert ist, müssen hier also aufpassen (Mehr dazu).
Seit 2018 können zu viel gezahlte GKV-Beiträge mit dem Jahressteuerbescheid zurück gefordert werden, wenn mein Einkommen geringer ausfällt als von der Krankenkasse veranschlagt. Das gilt jedoch nur, wenn ich mindestens 1 € Einkommen aus Arbeit oder Vermietung und Verpachtung beziehe. Habe ich ausschließlich Kapitaleinkünfte, kann ich zu viel gezahlte Beiträge nicht zurück fordern. Ein Kleingewerbe mit ein paar Euro Gewinn im Jahr reicht aus, um dieser Falle zu entgehen (Mehr dazu).
Um den ganzen Dschungel etwas verständlicher zu machen, schauen wir uns die wichtigsten Regelungen nochmal an einem kleinen Beispiel an.
Dafür verfolgen wir einmal den Lebensweg eines fiktiven jungen Mannes – nennen wir ihn Peter. Der Einfachheit halber rechnen wir auch hier mit den Zahlen und Regelungen des Jahres 2020. Wir tun quasi so, als spiele sich Peters gesamtes Leben nur im Jahr 2020 ab.
Im Alter von 24 schließt Peter sein Maschinenbau-Studium ab und beginnt einen Vollzeitjob als angestellter Ingenieur. Sein Einstiegsgehalt beträgt 55.000 € brutto. Damit liegt er unterhalb der Versicherungspflichtgrenze und muss sich in der GKV pflichtversichern. Sein GKV-Beitrag liegt mit 860 € knapp unter dem Höchstbeitrag von ca. 900 €. Abzüglich Arbeitgeberanteil zahlt er davon rund 420 € selbst.
Nach vier Jahren (Peter ist nun 28) erhält er eine Beförderung und sein Gehalt steigt auf 70.000 €. Damit ist er berechtigt, in die PKV zu wechseln. Er schließt einen PKV-Tarif für 400 € im Monat ab. Da sein Arbeitgeber die Hälfte beisteuert, zahlt Peter noch rund 200 € monatlich für seine Krankenversicherung.
Über die Jahre spart Peter mehr als 50 % seines Einkommens und investiert es in ein ETF-Portfolio. Mit 42 stellt er fest, dass er finanziell ausgesorgt hat. Er beschließt, seinen Job zu kündigen und sich künftig seinen Hobbies und seiner Familie zu widmen. Um den Übergang in das Leben als Privatier etwas sanfter zu gestalten, arbeitet er noch ein Jahr in Teilzeit weiter. Dadurch sinkt sein Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze und er wechselt zurück in die GKV.
Mit 43 kündigt Peter seinen Job und beginnt, von seinem Vermögen zu leben. Pro Jahr entnimmt er 22.000 € aus seinem ETF-Portfolio. Die Entnahme gestaltet er so, dass davon 13.500 € aus Kursgewinnen und Dividenden bestehen, 8.500 € entnimmt er aus seinem eingezahlten Grundkapital.
Auf Peters Steuerbescheid sind somit Kapitalerträge von 13.500 € ausgewiesen. An diesem Einkommen, das knapp über der Mindestbeitragsgrenze liegt, wird sein GKV-Beitrag von 18,3 % bemessen. So zahlt Peter rund 206 € GKV-Beitrag im Monat (2.470 € im Jahr).
Der GKV-Beitrag mindert außerdem sein zu versteuerndes Einkommen. Dieses beträgt nun 13.500 € – 2.470 € = 11.030 €. Darauf zahlt Peter rund 250 € Einkommensteuer (pro Jahr!).
Von seiner Entnahme bleiben Peter netto somit 22.000 € – 2.470 € – 250 € = 19.280 €.
Nebenbei verdient Peter noch 95 € im Monat durch sein Hobby als Tischtennistrainer. So kommt er auf Netto-Einnahmen von rund 20.400 € im Jahr oder 1.700 € im Monat. Außerdem vermeidet er durch das zusätzliche Arbeitseinkommen, dass er zuviel entrichtete GKV-Beiträge nicht nachträglich zurück fordern kann.
Der gesetzliche Ruhestand
Mit 67 tritt Peter schließlich in den gesetzlichen Ruhestand ein. Er erhält eine staatliche Rente von rund 1.100 € brutto. Seinen ersten Job hat er mit 25 begonnen, somit beträgt die Länge seines Erwerbslebens 42 Jahre. Da er mit 42 (also nach 17 Jahren) zurück in die GKV gewechselt ist, war Peter während der gesamten zweiten Hälfte seines Erwerbslebens in der GKV versichert. Er darf also in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) eintreten. Dort zahlt er GKV-Beiträge nur auf seine Rentenbezüge (Tischtennis trainiert Peter mittlerweile nicht mehr) – das sind rund 95 € im Monat.
Aus seinem ETF-Portfolio hat Peter mittlerweile den größten Teil des eingezahlten Grundkapitals entnommen. Da er ja die staatliche Rente erhält, entnimmt Peter jetzt nur noch 12.000 € im Jahr aus seinem Depot. Davon sind 1.000 € eingezahltes Grundkapital. Dividenden, Kursgewinne und Vorabpauschalen machen 11.000 € aus. Zusammen mit seiner staatlichen Rente kommt er so auf ein zu versteuerndes Einkommen von rund 23.000 €. Peter zahlt 3.100 € Einkommensteuer und freut sich über ein Nettoeinkommen von knapp 1.750 € im Monat.
Als Privatier 200 € im Monat für die Krankenversicherung zu bezahlen, ist ja schon nicht schlecht. Aber bestimmt fragen sich einige von euch, ob das nicht irgendwie noch günstiger geht.
Ja, das tut es. Allerdings muss man dafür Maßnahmen ergreifen, die zur persönlichen Lebenssituation und zu den eigenen Zielen passen müssen. Hier ein paar Ideen:
Einen Midi-Job ausüben. Wer eigentlich nichts dagegen hat, ein paar Stunden im Monat angestellt zu arbeiten, kann so die GKV-Beiträge senken und noch etwas nebenbei verdienen. Da Midi-Jobber in der GKV pflichtversichert sind, zahlen sie keine GKV-Beiträge auf Kapitaleinkommen oder Mieteinnahmen. Lässt sich der Chef für 451 € im Monat auf eine Art „Beratervertrag“ ohne feste Arbeitszeiten ein, könnte das Angestelltendasein sogar ganz erträglich sein.
Die Familienversicherung nutzen. Wer verheiratet ist und weniger als 455 € im Monat verdient, darf sich bei seinem Ehepartner kostenfrei mitversichern. So macht es z.B. Privatier Volker, den Patrick Hund in seinem Buch Ich gönn mir Freiheit interviewt. Da seine Frau gerne weiter angestellt arbeiten möchte, hat er den größten Teil seines Vermögens auf sie überschrieben. Die Kapitalerträge gehören nun also ihr (da sie angestellt ist, zahlt sie darauf keine GKV-Beiträge) und er ist über sie beitragsfrei mitversichert.
Auswandern. Warum sich dem deutschen Gesundheitssystem unterwerfen, wenn es im Ausland auch ganz ohne Beiträge geht? So hat etwa Großbritannien eine Bürgerversicherung, die aus Steuergeldern finanziert wird. Zugegeben, den besten Ruf hat der staatliche Gesundheitsdienst NHS nicht – aber dafür gibt es in England eben keinen Krankenversicherungsbeitrag. Übrigens ist Großbritannien auch landschaftlich sehr schön, es gibt üppige Freibeträge auf Kapitaleinkünfte und sogar ganz leckeres Bier.
Fassen wir noch einmal kurz die wichtigsten Erkenntnisse des Artikels zusammen:
Für die meisten Frugalisten erscheint es am sinnvollsten, entweder das ganze Leben in der GKV versichert zu sein – oder sich während der Erwerbsphase in der PKV zu versichern und später in die GKV zu wechseln.
Während des Erwerbslebens in der GKV und in der Entnahmephase in der PKV versichert zu sein, macht im Regelfall keinen Sinn.
Sich zeitlebens in der PKV zu versichern dürfte nur für Gutverdiener empfehlenswert sein, die auch in der Entnahmephase mit hohem (Kapital-) Einkommen rechnen. Zu diesem Fazit kommt auch das unabhängige Verbraucherportal finanztip.
Der GKV-Beitrag beträgt als Privatier rund 19 %, mindestens jedoch 200 € und höchstens 900 € des Brutto-Einkommens.
Besonders günstig wird die GKV für Privatiers mit der Krankenversicherung der Rentner, die man frühestens mit 63 in Anspruch nehmen kann. Hier zahlt man keine GKV-Beiträge auf Kapital- oder Mieteinkünfte, so dass es sich häufig lohnt, die Voraussetzungen für diesen Tarif zu erfüllen.
Mit der Familienversicherung oder einem Midi-Job lassen sich die Beiträge ggf. noch weiter senken, wenn das zur individuellen Lebenssituation passt.
Alle Beiträge zum Thema Krankenversicherung auf finanztip und test.de.
Die Artikelserie von Privatier Peter Ranning inkl. Kommentare
Der Bereich Krankenversicherung, Steuern und Versicherungen im Frugalisten-Forum
1 Die Angaben basieren auf dem PKV-Vergleich von check24.de. Verglichen wurde immer der Basistarif mit max. 1000 € Selbstbeteiligung, aufsteigend nach Preis sortiert.
Kategorien Allgemein Schlagwörter Entnahmestrategien, Kapitalerträge, Krankenversicherung, Steuern 82 Kommentare Beitrags-Navigation
82 Gedanken zu „Die Krankenversicherung als Privatier – Entnahmestrategien (Teil 8)“
30. April 2020 um 13:55
Wie passt deine Aussage „Der GKV-Beitrag beträgt als Privatier rund 19 %, mindestens jedoch 200 € und höchstens 900 € des Brutto-Einkommens.“ mit den verbindlichen Regelungen des GKV Spitzenverbandes (https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/grundprinzipien_1/finanzierung/beitragsbemessung/2020-03-18_Beitragsverfahrensgrundsaetze_Selbstzahler_in_der_Fassung_der_Neunten_Aenderung.pdf) zusammen? Dort heißt es in § 3 (1) Satz 1:
„Als beitragspflichtige Einnahmen sind das Arbeitsentgelt, das Arbeitseinkommen, der Zahlbetrag der Rente der gesetzlichen Rentenversicherung, der Zahlbetrag der Versorgungsbezüge sowie alle Einnahmen und Geldmittel, die für den Lebensunterhalt verbraucht werden oder verbraucht werden können, ohne Rücksicht auf ihre steuerliche Behandlung zugrunde zu legen.“
Meine Krankenkasse hat mir auch bestätigt dass JEDE Entnahme von Vermögen unabhängig vom Anteil der Steuerpflicht beitragspflichtig ist.
30. April 2020 um 15:09
Verbrauch von eigenem Vermögen ist keine Einnahme (auch wenn es anders systematischer wäre).
Das wäre schön, aber woher nimmst du die Info? In dem verlinken Dokument steht das Gegenteil und auch meine KK hat mir mitgeteilt dass Verbrauch von eigenem Vermögen beitragspflichtig ist – nicht nur der Ertragsanteil.
meine zitierte Aussage steht erstmal nicht im Widerspruch zu dem von dir verlinkten Dokument – die Frage ist nur: Was betrachtet die Krankenkasse als beitragspflichte Einnahmen?
Richtig ist, dass die Krankenkassen laut Gesetz (§240 SGB V, https://dejure.org/gesetze/SGB_V/240.html) die Möglichkeit haben, auch die wirtschaftliche Situation des Versicherten über das reine steuerpflichtige Einkommen hinaus zur Berechnung des Beitrags heranzuziehen.
Exakt das gleiche Thema wurde übrigens auch im Blog von Privatier Peter Ranning diskutiert:
https://der-privatier.com/kap-8-3-4-kv-fuer-erwerbslose-kapitalisten-und-rentner/#comment-3581
Dort schreibt Nutzer „Herbie“ über genau diese Grundsätze des GKV-Spitzenverbandes (in einer älteren Fassung:
Die erste Fassung aus 2008 findet man auch mit sehr hiilfreichen Kommentaren. Jedoch ist zu beachten, dass diese Grundsätze keine Gesetzteskraft haben (und also nicht einklagbar sind), sondern sozusagen eine Leitlinie der GKV darstellen beruhend auf §240 Abs. 1 des SGB V. Im Kommentar zur nicht mehr aktuellen Version vom 2008 findet man u.a. so erhellende Klarstellungen wie die zu §2 Abs. 1 der Grundsätze:
„Mit der Berücksichtigung der gesamten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist die grundsätzliche Ausrichtung der Beitragsbelastung an der Gesamtheit der Einnahmen gemeint.“
Es geht also um Einnahmen! Alle Einnahmen werden berücksichtigt bei freiwillig Versicherten.
In diesem Sinne wird erläutert:
„Entnahmen aus privatem Vermögen gehören nicht zu den beitragspflichtigen
Einnahmen. Bei vermögensmindernden Privatentnahmen handelt es sich um
Kapitalverzehr, für dessen Berücksichtigung im Rahmen der Beitragsbemessung nach § 240 SGB V kein Raum ist. Dieser Grundsatz wird allerdings bei Rentenzahlungen durchbrochen.“
Das o.g. Vermögen spielt – so verstehe ich die entsprechenden Textpassagen – nur hinsichtlich der Härtefallregelung bei hauptberuflich selbstständigen Erwerbstätigen ein Rolle, deren Beitrag unter bestimmten Bedingungen vom Höchstsatz, der ihnen als Selbstständige unabhängig vom tatsächlichen Einkommen erst mal pro forma aufgebrummt wird, reduziert werden kann, wenn die Einkünfte eine bestimmte Schwelle nicht überschreiten und weitere Bedingungen erfüllt werden.
Ob diese Regelung jetzt noch aktuell ist, kann ich nicht sagen, ich wüsste aber nichts, was dagegen spräche.
Zu beachten ist, dass der im Diskussionsthread zitierte §240 (4) SGB V mittlerweile geändert wurde, der Hinweis auf die Bemessung am Vermögen eines Mitglieds findet sich in der aktuellen Fassung des Gesetzes nicht mehr.
In der Praxis ist mir auch kein Fall bekannt, in dem tatsächlich z.B. der Gesamtwert verkaufter Aktien- oder Fondsanteile als Bemessungsgrundlage herangezogen wurde. Das wäre auch einfach irrsinnig – wie soll ich denn gegenüber der KV (oder die KV mir) präzise nachweisen, welcher Anteil eines Verkaufs eine tatsächliche „Entnahme“ im Sinne eines Einkommens ist und welche Verkäufe nur dem Rebalancing oder irgendeiner anderen Form von Umschichtung dienen? Verkaufe ich beispielsweise ETF-Anteile im Wert von 100.000 €, die keine Kursgewinne aufweisen, und lege das Geld auf ein Tagesgeldkonto, ist das dann eine beitragspflichtige „Entnahme“ oder nicht?
Auch Privatier Peter und einige Kommentatoren bestätigt unter dem genannten Blogbeitrag nochmal, dass auch sie nur auf ihre steuerpflichtigen Einnahmen Beiträge zahlen, nicht grundsätzlich auf Kapitalentahmen.
Grundsätzlich liegt bei der Festsetzung der Beitragshöhe viel im Ermessen der Krankenkasse. Hier kommt es also immer auch sehr darauf, in welcher Kasse man Mitglied ist und an welchen Mitarbeiter man gerade so gerät. Viele Mitarbeiter kennen oft selbst die Regelungen nicht genau. Im Regelfall orientieren sich die Krankenkasse nur am steuerpflichtigen Einkommen und fragen nicht weiter nach.
Dass jede Vermögensentnahme prinzipiell beitragspflichtig ist, wie es deine Krankenkasse dir bestätigt hat, halte ich für falsch. Wie oben angedeutet wäre die Höhe dieser Entnahmen überhaupt nur schwer nachweisbar, es gibt meines Wissens nach keine explizite gesetzliche oder regulatorische Grundlage dafür – und es wird eben in der Praxis auch nicht so gehandhabt. Hier würde ich darauf tippen, dass der Mitarbeiter, der deine Anfrage bearbeitet hat, selbst nicht genau Bescheid wusste oder die Anfrage falsch verstanden hat.
2. Mai 2020 um 10:47
Für mich klingt das auch logischer – meine KK hat das jedoch tatsächlich anders umgesetzt. Ich war für 3 Monate erwerbslos in der freiwilligen Krankenversicherung und meine KK hat mich gefragt wie ich in dieser Zeit meinen Lebensunterhalt bestreite. Darauf habe ich angegeben aus meinen Rücklagen zu leben. Anschließend wollte man eine Vermögensaufstellung und hat den Beitrag auf Basis meines Vermögens festgesetzt welches ich verbrauchen könnte. Ohne nennenswerte Einnahmen musste ich also für diese 3 Monate den Beitrag auf die komplette Beitragsbemessungsgrenze zahlen da mein liquides Vermögen größer als 3 * Beitragsbemessungsgrenze war und ich dieses für den Lebensunterhalt hätte verbrauchen können.
2. Mai 2020 um 19:29
echt krass, da bist du offenbar an einen nicht sehr wohlwollenden Sachbearbeiter geraten.
Ich habe auch noch einmal auf der Seite der TK nachgeschlagen, auch hier steht explizit folgendes:
Wenn Sie keine eigenen Einkünfte haben
Leben Sie ausschließlich von Ersparnissen und haben keine eigenen Einkünfte, zahlen Sie den gesetzlichen Mindestbeitrag von 156,06 Euro (2020). Unser Zusatzbeitrag ist darin bereits enthalten.
Du schreibst, dass Kapitalerträge anhand der Einkommensteuererklärung herangezogen werden um diese auch zur GKV zu verbeitragen.
Aber Kapitalerträge tauchen in der Einkommensteuererklärung doch gar nicht auf.
Die Abgeltungssteuer auf Zinsen und Dividenden wird direkt von der Bank abgeführt und ich muss diese dann in der Einkommensteuererklärung gar nicht mehr angeben.
30. Mai 2020 um 14:57
sehr gute Frage! Du bist verpflichtet, der Krankenkasse alle Einkünfte nachzuweisen, auch die Kapitalerträge, die aufgrund der Abgeltungssteuer nicht im Steuerbescheid auftauchen. Das geht vermutlich durch die die entsprechende Jahressteuerbescheinigung der Bank – oder indem du einfach freiwillig auch die mit Abgeltungssteuer versteuerten Kapitalerträge in der Anlage KAP der Steuererklärung angibst.
30. April 2020 um 13:56
Wieder wunderbar dargestellt und aufgedröselt. Ich bin mein gesamtes Berufsleben in der GKV (freiwillig versichert). Die Kinder sind bei mir Familienversichert. Meine Frau als Beamtin ist Privat versichert. Solange ich mehr verdiene als sie (jährlicher Nachweis) dürfen die Kinder bei mir mitversichert werden. Anderenfalls müssten sie in die Private meiner Frau wechseln. Da ich keine gesetzliche Rente bekomme (ggf noch 200 Euro) bin ich auf die Kapitalentnahmen angewiesen (Exkurs: aktuell ist mein Depot wieder auf eine schwarze Null gedreht, mal schauen wann es wieder in den Keller geht).
Und da hoffe ich stark, dass sich bei der Berechnung der Krankenkassenbeiträge in der Krankenkassse der Rentner nichts ändert, denn dort zahle ich dann ja hoffentlich sehr lange nur Mini-Beiträge. Allerdings habe ich als Selbständiger auch über Jahrzehnte den Höchstbetrag gezahlt.
> Solange ich mehr verdiene als sie (jährlicher Nachweis) dürfen die Kinder bei mir mitversichert werden. Anderenfalls müssten sie in die Private meiner Frau wechseln.
Stimmt nicht – sie können auch gesetzlich versichert bleiben, nur nicht in der kostenlosen Familienversicherung, sondern gegen eigenen Beitrag.
Ja, jedenfalls würden die Kinder dann mit einem eigenen Beitrag dabei sein.
Stark! Email von Oliver, alles liegen lassen und erstmal einen schönen Blogbeitrag lesen 😉
In einem Beispiel sprichst du von Mieteinnahmen (3.500€). Fiktiv oder gibt es bei euch jetzt auch Immobilien im Portfolio? 😉
die Beispiele und Zahlen sind fiktiv und haben nichts mit meiner Lebenssituation zu tun (wenn ich es nicht explizit dazu geschrieben habe, dass das für mich persönlich gilt). Ich habe ja auch keine 12.000 € Kapitalerträge. 😉
Btw: um 12.000 € Kapitalerträge aus ausschüttenden ETFs oder dividendenstarken Aktien zu bekommen, bräuchte man ein Vermögen von 350.000 bis 400.000 €.
Realistisch sind bei einer Anlagestrategie, die primär auf maximale Ausschüttung setzt und nur sekundär auf Kursgewinne, 3-3,5% Nachsteuerrendite.
Es geht auch mit weniger Vermögen, man muß dann allerdings kleinere Gesellschaften suchen und nicht die Lieblinge der Massen im Depot haben.
2020 dürfte ein Großteil der Dividenden ausfallen.
Ja, 2020 wird ein hartes Jahr für Leute, die auf das Privatiersdasein sparen. Man muss starke Nerven haben. Der Wert meines Vermögens ist im Februar/März mal eben um 176.000 Euro nach unten gerauscht, hat sich aber zwischenzeitlich schon wieder um ca. 90.000 Euro erholt. Im Vergleich zum Jahresanfang bleibt ein Minus von ca. 45.000 Euro. Der Crash im Februar/März wirft mich voraussichtlich um ein Jahr in meinem Plan zurück. Allerdings, und das wird sich zusätzlich auswirken, werde ich 2020 weniger verdienen als in den Vorjahren, weil wir jetzt Kurzarbeit haben, und auch das variable Gehalt (Erfolgsbeteiligung) wird deutlich niedriger ausfallen als in den Vorjahren, da meine Firma weniger Umsatz macht. Daher kann ich sicherlich in diesem Jahr weniger sparen als in den Vorjahren, wo ich jeweils ca. 35.000 Euro sparen konnte. Ich hoffe zudem, dass die Firma nicht auf die Idee kommt, Stellen abzubauen. Dass ich meinen Job behalte, ist mir zurzeit das wichtigste. Dass in diesem Jahr kaum Dividenden fließen werden, kann ich sicher verschmerzen. Meinen Job zu verlieren, wäre deutlich härter zu verkraften.
27. Mai 2020 um 22:31
ich sehe das positiv. Eine Krise dieser Art ist ein prima Testlauf für die eigenen Modelle, die Psyche und die Abläufe die man verwendet.
Ich habe seit längerer Zeit ein Musterdepot am Laufen, das die Entnahmephase simuliert. Ich schaue da nur 2x im Jahr rein und „verkaufe“ Anteile, wie es nach meiner Entnahmestrategie vorgesehen ist.
Plötzlich sind dann die Schwankungen im Musterportfolio ziemlich real. Zum einen weil die Summen viel größer sind, zum anderen weil man da begreift, das man mal eben den Kapitalbedarf von 3 Jahren verloren hat…
Besser man macht sowas jetzt in der Aufbauphase durch als 3 Jahre nach dem Ausstieg.
Auch ich habe momentan Kurzarbeit, das schon vorhandene Vermögen und meine Black-Swan-Strategien haben sich aber sehr beruhigend auf die Nerven ausgewirkt.
Was man immer berücksichtigen muß: Das sind ja keine völlig unvorhersehbaren Situationen. Börsencrashs und dergleichen gibt es immer wieder, das muß das Portfolio (und der eigene Kopf) aushalten, ohne Schäden zu hinterlassen.
Und weil wir über viele Jahrzehnte investieren wollen, muß das Portfolio auch mit völlig unvorhergesehenen Situationen klarkommen.
Ist es eine gute Idee, auf dem Foto die Versichertennummer lesbar zu lassen? Unter Umständen könnte ich jetzt auf der Website der Krankenkasse ein Foto von Donald Trump für deine nächste Gesundheitskarte hochladen.
30. April 2020 um 16:55
dann nimm doch bitte lieber Chuck Norris. 😉
Spaß beiseite, die letzten Stellen der Nummer habe ich mit Photoshop entfernt, du wirst also leider nicht auf deine Kosten kommen.
30. April 2020 um 15:36
Sehr interessanter Kommentar, der das komplizierte Thema verständlich aufbereitet.
Zwei Aspekte gibt es allerdings, die der Artikel nicht beleuchtet: das Thema „Basis- und Standardtarif“ in der PKV. Wer als Privatversicherter über 55 Jahre ein Einkommen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze hat, egal ob als Selbständiger oder Angestellter (oder ich denke auch als Privatier), der kann, sofern er oder sie bereits vor dem Jahr 2009 privat versichert war (das ist bei mir der Fall), in den günstigen Standard-Tarif wechseln. Dieser ist nur halb so teuer wie der Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung.
Wer sich erst nach 2009 erstmalig privat krankenversichert hat, dem steht der Standardtarif nicht offen, für den bleibt aber noch der Basistarif der privaten Krankenversicherung. Das ist eine Art Sozialtarif, der alle Bedürftigen „mitschleppt“, also die, die ihre Beiträge nicht mehr oder nicht mehr vollständig zahlen können. Dieser Tarif darf per Gesetz nicht mehr kosten als der Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Basistarif ist also ungefähr doppelt so teuer wie der Standardtarif und damit eher unattraktiv. Wer den Beitrag hier nicht vollständig zahlen kann, bekommt übrigens nur eine medizinische Akutversorgung, was im Alter i.d.R. nicht akzeptabel ist.
Der zweite Aspekt ist der Fall, wenn man zwar in der GKV ist, aber nicht in den Tarif „KVdR“ rein darf, weil man nicht auf die nötigen Versicherungszeiten kommt. Bei mir ist das definitiv der Fall, weil ich in meinem Berufsleben lediglich von Anfang 1997 bis Anfang 2003 (also 6 Jahre lang) gesetzlich versichert war, den Rest der Zeit (also bisher 17 Jahre) war ich privat versichert. Für mich wäre es also sowieso unmöglich, in die günstige KVdR zu kommen, so dass ich auf sämtliche Einkünfte (d.h. gesetzliche Rente, Kapitalerträge und Mieteinnahmen) Krankenkassenbeiträge zahlen müsste. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das billiger kommt als der Basistarif der PKV, denn dafür bräuchte es lediglich ca. 2400 Euro monatliches Einkommen, auf dem der GKV-Beitrag berechnet wird, um mehr als die Hälfte des Höchstbeitrags zu bezahlen.
Es gäbe für mich also 3 Wege zurück in die GKV, sofern ich das unbedingt wollte:
– mindestens einen Monat arbeitslos sein. Problem wäre aber, dass ich nicht in die KVdR kommen würde
– vor meinem Mann „privatisieren“ und die kostenlose Familienversicherung ausnutzen. Ich müsste dann aber mein Vermögen meinem Mann überschreiben, damit die Einkünfte aus dem Vermögen bei ihm und nicht bei mir verbucht werden. Auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass wir bis zum Lebensende zusammenbleiben, müsste dann ein wasserdichter Ehevertrag her.
– Oder ich würde meine Arbeitszeit vor dem 55. Lebensjahr so verringern, dass mein Einkommen unter die Pflichtversicherungsgrenze fällt. Auch hier würde ich nicht mehr in die KVdR kommen.
Fazit: Ein Wechsel in die GKV ist finanziell für mich eher unattraktiv, wenn man nicht in die KVdR kommt. Ansonsten ist es günstiger, in den Standard-Tarif zu wechseln, der einem aber nur offen steht, wenn man bereits vor 2009 privat krankenversichert war.
Zudem habe ich einige chronische Erkrankungen, die eine regelmäßige Facharztbehandlung erforderlich machen. Daher finde ich es ganz angenehm, privat versichert zu sein, weil ich fast überall zeitnah einen Termin bekomme. Das ist im Übrigen der einzige Vorteil, den man als Privatversicherter hat. Die medizinische Behandlung ist nicht besser oder schlechter, und wer als gesetzlich Versicherter ein wirklich ernsthaftes Leiden hat, der bekommt in Deutschland sofort die nötige Behandlung. Mein Mann hat letztes Jahr eine Krebserkrankung durchgemacht, er hat sehr zeitnahTermine für alle nötigen Untersuchungen (MRT…) bei Fachärzten und im Krankenhaus sowie für Chemo und OP bekommen.
In manchen Fällen ist die Situation als Privatpatient sogar schlechter als Kassenpatient, denn je nach Tarif sind bestimmte Leistungen nicht inkludiert. Das steht im Kleingedruckten und wird leicht übersehen. In meinem Tarif sind z.B. ambulante Psychotherapie sowie stationäre Kur- und Rehaaufenthalte, sofern sie nicht von der Rentenversicherung bezahlt werden, nicht inkludiert.
Man muss zudem aufpassen, dass die Ärzte keine medizinisch unnötigen Untersuchungen und Therapien bei einem anwenden, um möglichst viel an einem zu verdienen (auch bekannt als „Privatpatienten melken“).
Eine Sache wollte ich noch erwähnen: auch ich bin in jungen Jahren in die PKV gewechselt, um Geld zu sparen. Ich fände es aber irgendwie moralisch nicht in Ordnung, mir hier die Rosinen rauszupicken. Also erst mehr als 20 Jahre von den günstigen Beiträgen der PKV profitieren und dann die kostenlose Familienmitversicherung auszunutzen, die ganz sicher nicht für solche Fälle gedacht ist.
Falls ich mit meinen Ausführungen hier falsch liege, wäre ich dankbar, wenn das jemand ergänzt oder korrigiert.
1. Mai 2020 um 18:46
Ich habe genau die selben Erfahrungen wie Sibylle in der PKV gemacht.
Aus meiner Sicht ist für einen Frugalisten nur die GKV sinnvoll. Ich habe mich am Anfang meines Berufsweg für die PKV entschieden und kann nun nicht mehr wechseln, da die genannten Wechselmöglichkeiten nicht in meine Lebensplanung passen. Andersherum geht es immer (bei gutem Verdienst).
Die Vor- und Nachteile der beiden Varianten heben sich auf. Am Ende wird in DE jeder ordentlich behandelt. Daher ist die GKV auf meiner Sicht für die meisten die beste Wahl, weil sie auf das gesamte Leben gerechnet günstiger ist. Natürlich gibt es ein paar Spezialfälle, wo die PKV sich unterm Strich lohnt. Aber das sollten nicht viele sein.
„Ist der Ehepartner in der PKV und man selbst in der GKV versichert, werden auch die Einkünfte des Partners zur Berechnung des eigenen GKV-Beitrags herangezogen, wenn die eigenen Einkünfte weniger als die Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze (2.344 € brutto) betragen.“
Das gilt aber hoffentlich nur für freiwillig Versicherte in der GKV, nicht für Pflichtversicherte, richtig?
30. April 2020 um 16:58
korrekt, das gilt nur für freiwillig Versicherte. Habe es im Artikel nochmal präzisiert, vielen Dank!
Übrigens, wenn man schon in Jahrzehnten denkt und den gesamten Möglichkeitenraum in Betracht ziehen will, dann sollte man auch folgende Möglichkeit nicht ignorieren:
1. EU-Beamter auf Lebenszeit werden (Einstieg hier: https://epso.europa.eu/job-opportunities_de)
2. mindestens 10 Jahre für die EU arbeiten
3. kündigen und Privatier werden
4. für den Rest des Lebens kostenlose KV für die ganze Familie mit Privatpatientenstatus genießen.
Das Statut für EU-Bedienstete bietet eine Krankenversicherung für die ganze Familie. Während man arbeitet, zahlt man dafür auch Beiträge. Aber diese KV bleibt auch erhalten, wenn man mindestens 10 Jahre lang der EU treu gedient hat und nicht „in gainful employment“ ist, was für einen Privatier ja m. E. der Fall wäre. Und in dem Fall verstehe ich das EU-Beamtenstatut so, dass diese Krankenversicherung sogar beitragsfrei ist.
Schritt 1 und 2 ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, aber der kann sich lohnen.
Geplante Familienversicherung in der GKV:
Da ich mich früher als meine Frau aus dem Erwerbsleben verabschieden möchte habe ich mir lange Gedanken über eine mögliche Familienversicherung gemacht.
Die Kapitalerträge aus unserem gemeinsamen(!) Depot habe ich bisher bei mir angegeben (Anlage KAP). Für die Steuererklärung 2019 habe ich sie bei meiner Frau angegeben. Im Steuerbescheid von 2019 sind bei mir 0€ als Kapitalerträge aufgeführt.
Sollte der Steuerbescheid Grundlage einer Entscheidung über die Aufnahme in die Familienversicherung sein, wäre das eine elegante Lösung für mich.
30. April 2020 um 19:28
Vorsicht, da bist du in strafbarem Terrain.
ElsterFormular gibt mir die Möglichkeit die gemeinsamen Kapitalerträge bei mir oder bei meiner Frau anzugeben.
Wenn die Kapitalerträge voll auf mich angerechnet werden habe ich die 455€ schnell überschritten, da die Kapitalerträge meiner Frau mitgerechnet werden.
Werden die Daten aus der Steuerbescheinigung nicht elektronisch ans Finanzamt übermittelt?
Meine Steuererklärung ist jedenfalls korrekt! An der Berechnung der Steuer ändert sich nichts.
Möglicherweise ist die Steuererklärung nicht geeignet meine Einkünfte zu belegen.
Strafbar möchte ich mich nicht machen.
Noch haben wir die 455€ auch gemeinsam noch nicht überschritten.
Fraeulein_meyer_mit_y
Die Kapitalerträge sind hälftig bei Ehemann und Ehefrau einzutragen, wenn euch das Depot gemeinsam gehört.
2. Mai 2020 um 11:20
Ja, so ist es wohl richtig.
Das Finanzamt hat jedoch nicht beanstandet, dass die Kapitalerträge 2018 bei mir und 2019 bei meiner Frau aufgeführt sind. Bei einer Zusammenveranlagung ist das für die Steuer auch unerheblich.
Man man man, des Thema treibt mich seit langer Zeit um und die Informationen sind schwer zu finden und oft nicht eindeutig aufbereitet (inkl. Finanztip). Und hier so dermaßen nachvollziehbar und verständlich dargestellt und das für umme!
Extremen Dank dafür!! Wieviele Stunden Arbeit da wohl drin stecken?
Wenn Du später als Privatier ein neues Hobby suchst, könntest Du als freier Journalist sicher ziemlich erfolgreich sein!
Bis dahin bekommst Du hoffentlich noch reihenweise Preise für Deinen Blog.
30. April 2020 um 22:23
Hi Chuck Norris,
wow, vielen Dank für das tolle Lob! 🙂
Wie viele Stunden Arbeit in dem Artikel stecken, habe ich nicht genau mitgezählt, vielleicht so 40?
30. April 2020 um 19:02
vielen Dank für die Recherche! Den Trick, dass man nach nur einem Monat Arbeitslosigkeit wieder zurück in die GKV kann kannte ich noch nicht. Kannst du dafür eine offizielle Quelle nennen?
Wer sich für die PKV entscheidet, für den habe ich noch den Tipp den Anbieter sorgfältig auszuwählen. Meiner Meinung nach ist die Debeka die beste PKV. Wieso?
– allle Versicherten sind in einem Pool, dadurch keine Vergreisung
– grösster Pool in Deutschland
– 10% Selbstbehalt, max 400 Euro pro Jahr und Rückerstattung von 3 Monatsbeiträgen für Jahre ohne Einreichung führt dazu, dass alle Mitglieder verantwortungsvoll mit der Versicherung umgehen, was langfristig positiv auf die Beitragsstabilität wirkt
– Debeka PKV kann nicht von fremden Maklern vertrieben werden, sondern nur von Debeka selbst, dadurch optimale Kostenstruktur
Wir zahlen derzeit für 2 Erwachsene + 1 Kind 1.200 Euro pro Monat, die Hälfte davon zahlt der AG. Mit Beitragsrückerstattung zahlen wir nur 3 volle Monatsbeiträge selbst (3.600 p.a.). In der GKV würden wir 2x den maximalen Beitrag zahlen, also 10.800 Selbstkosten p.a. Das ist schon ein riesen Unterschied.
In spätestens ca. 5 Jahren, wenn ich 45 bin, muss ich den KvdR Move machen. Ob ich das wirklich mache steht noch in den Sternen. Aber falls doch, hätte ich noch eine Frage: wird für die Berechnung des Zeitraums auf exakte Tage abgestellt, oder wird gerundet? Beispiel: ich habe 5 Tage vor meinem 26. Geburtstag angefangen zu arbeiten. Ist mein Erwerbsleben nun 67-26 Jahre oder 67-25 Jahre lang?
30. April 2020 um 22:19
tatsächlich ist es sogar so, dass man im Standardfall als PKV-Versicherter bei Arbeitslosigkeit in die GKV zurück wechseln MUSS. Der Verbleib in der PKV ist nur unter ein paar Voraussetzungen und auf Antrag möglich.
https://krankenkassen.net/private-krankenversicherung/leistungen-der-pkv/arbeitslosigkeit.html
Noch „offiziellere“ Quellen, z.B. die TK:
https://www.tk.de/vertriebspartner/faq/neuaufnahme/wechsel-von-pkv-zu-gkv-2064274
Laut dieser Seite wird der KVdR-relevante Zeitraum taggenau berechnet (Herausgeber der Seite ist der Träger der DRV, also schon recht offiziell):
https://www.ihre-vorsorge.de/magazin/lesen/krankenversicherung-der-rentner-optimaler-versicherungsschutz.html
„Der Betroffene kommt nur dann in die KVdR, wenn er in 90 Prozent dieses Zeitraums gesetzlich krankenversichert war. Zeiten der (kostenfreien) Familienversicherung und der freiwilligen Versicherung zählen dabei mit. 90 Prozent von 24 Jahren, das sind 21,6 Jahre. Hierbei wird taggenau gerechnet.“
Ich würde dafür aber vorher nochmal bei meiner Ziel-Krankenkasse eine Bestätigung einholen, zur Sicherheit bei zwei verschiedenen Mitarbeitern und noch einer anderen GKV. 😉
Ich war im Jahr 2017 6 Wochen lang arbeitslos gemeldet. Normalerweise wird man dadurch automatisch Mitglied einer GKV, aber auf Antrag kann man davon befreit werden, und die Arbeitsagentur zahlt einem die private Krankenversicherung weiter. Die Voraussetzung dafür ist, dass man in den letzten 5 Jahren privat krankenversichert ist. Maximal zahlt die Arbeitsagentur die Beiträge in Höhe der gesetzlichen Krankenversicherung.
Siehe auch hier: https://www.finanztip.de/pkv/pkv-arbeitslosigkeit/
Der Antrag war nicht schwierig und wurde bei mir auch problemlos genehmigt. Da ich nur mit einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit rechnete, wollte ich nicht in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, da ich stark davon ausging, wieder deutlich über de Beitragsbemessungsgrenze zu verdienen, sobald ich einen neuen Job habe. Da die PKV für mich trotz einiger Beitragssteigerungen in den letzten Jahren immer noch um einiges billiger ist als die GKV (ich würde Maximalbeitrag zahlen), wollte ich meine PKV unbedingt behalten. Ein Wiedereinstieg in die PKV wäre nämlich in meinem Alter (ich war damals 47) und mit meinen Vorerkrankungen (allergisches Asthma) unmöglich oder zumindest sehr teuer. Und meine Altersrückstellungen hätte ich auch verloren. Alternativ hätte ich die PKV auch für eine Zeitlang ruhen lassen können, das hätte aber monatlich etwas Geld gekostet.
Für mich machte es mehr Sinn, in der PKV zu bleiben.
30. April 2020 um 21:20
Vielen Dank für diese schöne Übersicht und überhaupt die sehr aufschlussreiche Artikelserie!
Die Versicherungsfrage ist in der Tat kniffelig, da die Versicherungssysteme ja iW auf Angestelltenverhältnisse ausgerichtet sind. Der Sonderfall „Privatier“ ist dabei entsprechend komplex. Interessant ist die deutsche Regel, bei welcher auf das gesamte Einkommen (insb. auch Kapitalvermögen) Bezug genommen wird.
Für mich als Österreicher stellt sich die Frage natürlich genauso. In Österreich gibt es eine einheitliche gesetzliche Krankenversicherung. Die Problematik rund um GKV und PKV stellt sich daher nicht. Die Österreichische Gesundheitskasse bietet die Möglichkeit der Selbstversicherung in der Krankenversicherung für im Inland wohnhafte Personen ohne Pflichtversicherung (=ohne Anstellung). Die Kosten betragen derzeit €440,- pro Monat, was durchaus signifikant ist. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit bei Vorliegen einer geringfügigen Beschäftigung für €65,- eine Selbstversicherung zu erlangen. Das dürfte damit unschlagbar günstig sein! Siehe auch: https://www.gesundheitskasse.at/cdscontent/?contentid=10007.837841
30. April 2020 um 22:49
Das mit der Altersbeschränkung 55 ist für Fall 3, 1Jahr arbeiten im Du Ausland nicht richtig.
Man kann auch mit 60 noch nach einem Jahr im EU Ausland zurück in die GKV.
2. Mai 2020 um 19:56
danke für den hilfreichen Hinweis – damit hast du ganz offenbar Recht. Ich habe die Stelle im Artikel entsprechend korrigiert.
30. April 2020 um 23:46
Zu „einen Monat arbeitslos melden und dadurch von der PKV in die GKV zurückkehren“: Arbeitslos melden reicht nicht. Man muss auch Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Wenn man vorher als Selbstständiger nicht arbeitslosenversichert war, guckt man sowohl beim ALG wie bei der GKV in die Röhre.
1. Mai 2020 um 8:12
das bedeutet dann bei Eigenkündigung eines Angestelltenverhältnisses 4 Monate? 3 Monate Wartezeit ohne Anspruch auf ALG da selbst gekündigt + 1 Monat für den Wechsel?
bis Juli 2017 war es offenbar tatsächlich so. Seit einer Neuregelung, die im August 2017 eingeführt wurde, gilt die Krankenversicherungspflicht nun aber auch in der Sperrzeit.
Damit ist auch ein Wechsel von der PKV in die GKV auch innerhalb der Sperrfrist möglich:
https://community.finanztip.de/thema/4584-wechsel-pkv-gkv-durch-2-monatige-arbeitslosigkeit-inkl-sperrfrist
2. Mai 2020 um 19:57
danke für die Richtigstellung, ich habe die Stelle im Artikel korrigiert!
1. Mai 2020 um 9:49
wieder mal ein sehr interessanter Artikel. Anbei noch etwas zum Thema Landesbeamte und GKV
in Ergänzung zu der Aussage:
„In der GKV müssen Beamte den gesamten Beitrag alleine zahlen und erhalten keinen Zuschuss.
Das ist nicht mehr so ganz richtig, da in einigen Bundesländern (u.a. Berlin, Brandenburg und Hamburg) die Länder sich bei den Beiträgen der GKV beteiligen.
https://www.morgenpost.de/berlin/article227888799/Berlin-oeffnet-Beamten-Weg-in-die-gesetzliche-Krankenkasse.html
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/krankenversicherung-wahlfreiheit-fuer-beamte-in-vier-weiteren-bundeslaendern/25348274.html
Weiter so mit dem Blog..!!!!
Ich habe eine Freundin, die verbeamtete Lehrerin in Hessen ist. Sie ist gesetzlich krankenversichert, u.a. weil sie das System der PKV ablehnt. Auch wenn es am Anfang kompliziert war, weil dieser Fall irgendwie nicht vorgesehen war, erhält sie wie andere Beamte auch Beihilfe.
Hallo gusimann, hallo Sibylle,
danke für eure guten Ergänzungen! Ich habe die entsprechende Stelle im Artikel entsprechend abgeändert/erweitert.
Wow. Was ein super Artikel. Danke für die Mühe. So eine verständliche und übersichtliche Zusammenstellung zu genau diesem Thema, findet man sonst wirklicht nirgendwo. Gerade der Fall Privatier und finanzielle Freiheit in der KV ist ja doch ein nischen Bereich.
Kann man eig. auch in die KVdR, wenn man das Rentenalter erreicht hat, aber gar keine Rentenansprüche angespart hat? Ich habe nämlich noch nie in die gesetzliche Rente eingezahlt, bin jedoch freiwillig gesetzliche Krankenversichert. Wahrscheinlich muss man dann im Rentenalter einfach in der freiwillig gesetzlichen bleiben oder?
2. Mai 2020 um 20:21
eine sehr gute Frage! Nein, das geht tatsächlich nicht – um in der KVdR versichert sein zu können, musst du eine gesetzliche Rente beziehen. Finanztip erklärt dazu:
Freiberufler oder Selbstständige können nur dann in die KVdR, wenn sie einen Anspruch auf gesetzliche Rente haben.
Eine gesetzliche Rente bekommen Sie, sofern Sie mindestens fünf Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung erworben haben.
Ich habe das im Artikel auch noch einmal ergänzt.
das ist so nicht ganz korrekt. Ich werde keine gesetzliche Rente beziehen sondern Versorgungsbezüge meiner berufsständischen Versorgungsanstalt. Ich war immer freiwillig gesetzlich krankenversichert (ausreichen würden auch 90% der zweiten Hälfte des Erwerbslebens) und werde mit Renteneintritt freiwilliges Mitglied der KVdR. Diese Möglichkeit besteht (s.a. Finanztip). Nachteile: als freiwilliges Mitglied zahle ich 14,6% (sonst mit gesetzl. Rente 7,3%) und den vollen Zusatzbeitrag (sonst die Hälfte) von meinen Versorgungsbezügen für die KV. Außerdem sind auf Zins-/Pachterträge, private Lebens- und Rentenversicherungen (mit monatlicher Auszahlung) u.ä. 14% fällig, bei nicht freiwilligen Mitgliedern sind diese Erträge frei.
Bei Kapital-LV mit Einmalauszahlung wird der Kapitalertrag (also nicht die gesamte Auszahlungssumme) gezwölftelt und die nächsten 12 Monate bei der Beitragsermittlung berücksichtigt. Auch weitere Einkünfte (auch einmalige wie z.B. aus Immobilienverkauf) werden bei freiwillig Versicherten der KVdR berücksichtigt ( hierzu näheres auf der Homepage des Spitzenverbandes der GKV https://www.gkv-spitzenverband.de).
12. Mai 2020 um 20:27
was du beschreibst, ist doch die freiwillige GKV, nicht die KVdR. Den Status „frewillig versichert in der KVdR“ gibt es meines Wissens nach nicht.
13. Mai 2020 um 16:51
Du hast recht, es gibt den Status „freiwillig versichert in der KVdR “ nicht. Man ist dann im Rentenalter freiwillig versichert in der GKV mit den beschriebenen finanziellen Nachteilen.
2. Mai 2020 um 2:25
Muss mich ab August auch freiwillig versichern und werde ein paar Monate nur von Kapitaleinkünften und ein paar Einnahmen als Kleinunternehmer leben. Da weiß ich jetzt zumindest ein wenig, was auf mich zu kommt.
Sehr gut aufbereitete Infos und schön verständlich dargestellt. Danke dafür.
„Warum nicht als junger Gutverdiener eine PKV abschließen und mit Beginn der Entnahmephase wieder zurück in die GKV wechseln?“
Das ist halt gegen das Prinzip der Solidargemeinschaft. Frugal heisst fuer mich nicht mehr zu verbrauchen als noetig, bzw. schlaue Wege zu finden um meinen Konsum zu reduzieren. Das hier ist keins von beiden sondern einfach nur andere fuer mich mitbezahlen lassen. Genauso wie „Warum nicht alte Kleidung anziehen und bei der Bahnhofsmission kostenlosen Kaffee bekommen?“ halt billig ist und nicht frugal.
Bei den -gut aufgearbeiteten – Betrachtungen wird leider wie üblich lediglich die Kostenseite der Medaille betrachtet. Dass ein gesetzlich Versicherter auch Selbstbeteiligungen in Form von Zuzahlungen (z. B. Rezept-, Praxis- oder Krankenhausgebühr) hat, seine Brille und den Großteil seines Zahnersatzes selbst zahlt, kommt nicht zur Sprache.
Bezieht man die Leistungen in die Betrachtung mit ein, relativiert sich die Prämie der GKV ganz gehörig.
Man kann aber nicht pauschal sagen, dass der Privatpatient stets bessere Leistungen als der Kassenpatient hat. Das hängt sehr stark vom Tarif ab, hier gibt es eine große Vielfalt an Tarifen. Natürlich gibt es die (allerdings sehr teuren) Rundum-Sorglos-Tarife, aber es gibt auch Tarife, bei denen die Leistungen geringer sind als bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch die Höhe des Krankengeldes, falls man länger als 6 Wochen arbeitsunfähig ist, kann man individuell vereinbaren.
Ich bin privatversichert und zahle zurzeit inkl. Arbeitsgeberbeitrag, privater Pflegeversicherung sowie Altersrückstellungen (deutlich höher als die gesetzlichen Mindestaltersrückstellungen) 617 Euro pro Monat.
Ich bin in einem Tarif, der definitiv kein Luxus-Tarif ist:
– 360 Euro Selbstbeteiligung pro Jahr
– Zahnersatz 100%, aber nur, weil ich mir das langjährige nachgewiesene Prophylaxe erarbeitet habe (sonst gäbe es 60% Erstattung)
– Mehrbettzimmer im Krankenhaus, Behandlung durch den „normalen“ Arzt
– bis zum 3,5-fachen Satz der GoÄ
– Erstattung auch für Behandlungen im Ausland, nicht nur im EU-Ausland
– Krankengeld (das ich noch nie in Anspruch nehmen musste): 80 Euro pro Tag (das ist wenig im Vergleich zu meinem Einkommen, weil ich die Höhe nie an mein gestiegenes Einkommen angepasst habe. Wäre ich tatsächlich mal längerfristig krank, würde mein Einkommen auf 2400 Euro sinken. Krankengeld muss zwar nicht versteuert werden, unterliegt aber dem Progessionsvorbehalt).
In meinem Tarif ist NICHT enthalten:
– Einzel- oder Doppelzimmer im Krankenhaus
– ambulante Psychotherapie
– stationäre Kur- und Rehamaßnahmen, sofern nicht von der Rentenversicherung bezahlt
Also bitte aufpassen, denn sonst vergleicht man schnell Äpfel mit Birnen.
3. Mai 2020 um 9:46
Hallo zusammen, ich kann aus Erfahrung bestätigen, dass die Krankenkasse nur auf die Erträge ihre Höhe berechnet. Dazu wird, wie im Artikel beschrieben, auf den letzten Einkommensteuerbescheid zurückgegriffen.
Was ist allerdings anmerken möchte. Nicht alles was rechtens ist, ist auch moralisch. Zuerst die PKV zu nutzen, um Beiträge zu sparen, und dann, wenn es teurer wird in die GKV zu wechseln ist gerade für die hiesige Zielgruppe der Besserverdienenden m.E. verwerflich. Ich beschädige hiermit das Solidarprinzip. M.E. sowohl der anderen Versicherten in der GKV als auch der PKV.
Oliver, vielen Dank für den super Artikel!
3. Mai 2020 um 20:07
Ich bin Privater, Privatier wäre ich als Franzose, und verfüge über ein kleines und feines Vermögen.
Klein, wenn ich mich mit den wirklich Reichen vergleiche…
Also ab 100 Mio €.
Meine Gattin bekleidet einen Posten als angestellte Ärztin. (Dr. Dr.)
Nun das Wunderbarste:
Ich bezahle 0 € Krankenversicherung, da in dem Staat, in dem wir leben, Ehegatten gratis bei einem arbeitendem Ehepartner mit versichert sind.
Dann arbeitet deine Frau sicher nicht Vollzeit, da sie sonst wohl nicht in der GKV sondern in der PKV wäre und du in der PKV nicht mitversichert wärst – oder deine Frau bleibt freiwillig in der GKV und zahlt den Höchstbeitrag. Eins davon ist es, stimmts?
Hallo Gova,
bin Bajuware, aber wir leben in Österreich.
Meine Frau arbeitet Vollzeit, was in Ihrem Beruf 36 Wochenstunden bedeutet.
Was glaube ich noch nicht geschrieben wurde (oder ich habe es überlesen).
Mann kann auch zwischen den verschiedenen GKVs wechseln. Die verlangen nämlich unterschiedliche Zusatzbeiträge zum gesetzlich vorgeschriebenen Satz, und unterscheiden sich dann auch leicht in den Zusatzleistungen.
Hier kann man auch noch ein paar Euro sparen pro Monat, oft ohne an Leistung zu verlieren.
7. Mai 2020 um 11:22
Du schreibst: „Habe ich ausschließlich Kapitaleinkünfte, kann ich zu viel gezahlte Beiträge nicht zurück fordern.“
Wie sieht das umgekehrt aus? Wenn ich zu wenig gezahlt habe?
2019 weisst der Einkommensbescheid 20.000 Euro Kapitaleinkünfte aus. Die 20.000 Euro werden als Grundlage für die Krankenkassenbeiträge für 2020 herangezogen. 2020 werden tatsächlich jedoch nur 15.000 Euro Kapitaleinkünfte erzielt. Ergo hätte man zu viel Krankenkassenbeiträge entrichtet. Diese kann man jedoch nicht zurückfordern.
Die 15.000 Euro Kapitaleinkünfte von 2020 werden nun aber für die Berechnung der Krankenkassenbeiträge für 2021 herangezogen. 2021 erzielt man jedoch Kapitaleinkünfte von 22.000 Euro. Somit hätte man zu wenig Krankenkassenbeiträge für 2021 entrichtet. Kann jetzt die Krankenkasse ein Nachzahung fordern?
17. Mai 2020 um 17:45
Hallo ZaVodu,
die Neuregelung besagt, dass GKV-Beiträge für freiwillig Versichtezunächst vorläufig festgesetzt werden.
Die IKK Südwest beschreibt das auf ihrer Website etwa so:
Ab dem 01.01.2018 werden in Folge der gesetzlichen Änderung Einkommensteuerbescheide der Beitragsberechnung für das jeweilige Kalenderjahr ggf. auch rückwirkend zugrunde gelegt.
Einkommensschwankungen werden hierdurch vollständig dem maßgeblichen Kalenderjahr zugeordnet und die Beiträge der tatsächlichen Einkommenssituation angepasst. Zu viel gezahlte Beiträge werden in diesem Zuge erstattet. Waren die Zahlungen bisher zu niedrig, wird die Beitragsdifferenz nachgefordert.
Ihre laufenden monatlichen Beiträge sind also ab 01.01.2018 als eine Art Abschlagszahlung, wie wir es z. B. aus unserer Stromrechnung kennen, zu verstehen.
Der monatliche Beitrag wird jährlich auf Grundlage des aktuell gültigen Einkommensteuerbescheides berechnet und gilt ab dem Folgemonat der Ausstellung des Steuerbescheides.
(Quelle: https://www.ikk-suedwest.de/beitraege/vorlaeufige-beitragsfestsetzung-ab-01-01-2018/)
Daraus folgt, dass – ähnlich wie bei einer Stromabschlagszahlung – eine Nachzahlung oder Rückerstattung in beide Richtungen möglich ist, die KK also eine Nachzahlung fordern kann.
Aber auch das betrifft nur freiwillig Versicherte, die Einkünfte aus Vermietung/Verpachtung oder Selbständigkeit haben. Bestehen lediglich Einkünfte aus Kapitalerträgen, dürfte die KK keine Nachzahlung fordern können (ob sie das in der Praxis – z.B. aus Unwissenheit oder Kalkül – nicht doch macht, kann ich an dieser Stelle nicht versprechen).
7. Mai 2020 um 13:11
sehr interessanter und ausführlich recherchierter Artikel, vielen Dank.
Ich habe nur eine Frage zum „Vorteil“ der PKV.
Müssten in deinem Rechenbeispiel die Zahlen nicht etwas anders aussehen? Bei einem Beitrag von 860€ in der GKV, davon 420€ selbst getragen, –> 440€ vom Arbeitgeber, würde der Wechsel in die GKV doch einen größeren Vorteil bringen als du es hier berechnet hast. Bei dem Bsp, danach 400€ zu zahlen (200 selbst, 200 AG) würde der AG also 440€ an Kosten einsparen, und das nur in Abhängigkeit von meiner eigenen Entscheidung wie ich mich versichern lasse. Das sieht für mich nach einer recht schlechten Gehaltsverhandlung aus. Man sollte es doch bestimmt i.d.R. schaffen, die Arbeitgeberkosten konstant zu halten und mein Gehalt somit zu steigern. Oder hat da jemand konkrete Erfahrungen mit diesem Wechsel und der Verhandlungsbereitschaft des AG? Er hätte zumindest ganz schlechte Argumente es nicht zu tun.
Ob es sich dann lohnt in die PKV zu gehen ist natürlich immernoch eine Einzelfallentscheidung.
* der AG würde 240€ einsparen
7. Mai 2020 um 19:15
danke für den feinen Beitrag. Ich hab mich selbst vor ein paar Monaten durch dieses Thema geprügelt, weil die Frage im Frühling für mich aktuell war. Daher möchte ich mal kurz einen Aspekt betonen, den du nur am Rande erwähnst, der bei mir aber ein sehr großes „Aha“-Erlebnis verursacht hat:
Die voraussichtlichen Kostensteigerungen in GKV und PKV sind ja, wie du schreibst, kontrovers diskutiert und insbesondere hat keiner eine Glaskugel für die Zukunft. Der entscheidende Punkt ist, dass hier der Zinseszinseffekt eine so riesige Wirkung über die verbleibende Lebenszeit (bei mir und den meisten Frugalisten aka Privatiers in spe hoffentlich 60+x Jahre) entfaltet, dass das unglaublich große Summen (bzw. Differenzen GKV vs PKV) werden – dieser Zinseszinseffekt überdeckt einfach alle weiteren Kostenoptimierungspunkte BY FAR.
Für mich hat eine Excel-Tabelle gezeigt, dass minimale Verschiebungen in den Kostensteigerungen so große Kostenexplosionen im hohen Rentenalter verursachen, dass das für mich am Ende ein unkalkulierbares Risiko war. Ich hatte tatsächlich Sorge, dass ich einfach nur arbeiten muss um die PKV zahlen zu können… also GKV und gut ist.
Kann ja gerne jeder mal selbst durch-exceln 🙂
Ich danke dir für die Zusammenfassung, in den für mich voraussichtlich relevanten Bereichen um den Mindestbeitrag der GKV oder relativ knapp darüber (je nach Verhältnis zwischen Entnahme und Ertrag) verstehe ich die aktuelle Rechtslage genauso wie du (Rest habe ich nicht im Detail nachrecherchiert :D)
Eine Detailfrage habe ich allerdings: Weißt du (oder einer der Mitleser), ob Kapitalerträge vor oder nach Teilfreistellung zur Berechnung der GKV-Beiträge angesetzt werden?
die GKV-Beiträge werden anhand der Einkünfte bemessen, wie sie z.B. im Steuerbescheid aufgeführt sind.
Die Teilfreistellung reduziert dieses Einkommen nicht, sondern nur die Steuern, die auf dieses Einkommen gezahlt werden müssen.
Auf die Bemessungsgrundlage für die GKV-Beiträge hat die Teilfreistellung dementsprechend keinen Einfluss.
10. Mai 2020 um 16:46
sehr interessanter Artikel, der das Thema für Frugalisten besser zusammenfasst, als alles andere, was ich dazu bisher gelesen habe! Eine Frage, die ich mir gerade stelle: Du schreibst:
„Nehmen wir an, ich befinde mich in der Entsparphase und entnehme monatlich 1.500 € aus meinem ETF-Portfolio. Davon bestehen 500 € aus meinem selbst eingezahlten Grundkapital, 1.000 € sind der Gewinnanteil (Dividenden, Kursgewinne und die Vorabpauschale). “
Inwiefern rechnest du hier mit der Vorabpauschale bzw. wird durch die Vorabpauschale die ganze Rechnung nicht wesentlich ungünstiger? M. E. zählt die Vorabpauschale ja als Einkommen und treibt damit a) meine Kosten für die Krankenkasse nach oben und b) auch meine Einkommenssteuerlast?
Siehe §16 InvStg:
“ 1) Erträge aus Investmentfonds (Investmenterträge) sind
1. Ausschüttungen des Investmentfonds nach § 2 Absatz 11,
2. Vorabpauschalen nach § 18 und
3. Gewinne aus der Veräußerung von Investmentanteilen nach § 19.“
Aktuell ist das sicher relativ unkritisch, da der Basiszinssatz historisch niedrig ist, aber wenn wir von einem Basiszinssatz von 2 % ausgehen (durchaus ein realistischer Wert noch vor einigen Jahren bzw. noch bei weitem nicht der höchste Wert) und einer Depotgröße von 500 000 Euro komme ich auf eine Vorabpauschale von 7000 Euro. Das würde u. a. monatlich ca. 100 Euro mehr Kosten für die freiwillige gkV bedeuten (vorausgesetzt ich habe, wie in deinem Beispiel mit der monatlichen 1500€-Entnahme, wovon 1000€ Dividenden+Kursgewinne sind, die Mindestbeitragsgrenze von 1062 € bereits fast ausgeschöpft) + ca. 180 € mehr Einkommenssteuer pro Monat. Ich hoffe, ich habe irgendwo einen Denkfehler?!
Moin @Timo,
ist die Rechnung nicht so herum?:
500€ Sparanteil (eigenes Geld) + 1.000€ thesaurierte Dividenden + Kursgewinne + Vorabpauschalen (= bereits vorab bezahlt/berechnet, also wird ABGEZOGEN! von den Kursgewinnen, ist ein NEGATIVER Term in der Gleichung?)
Bsp: angenommen, du lagst immer ueber dem SFB und du hast 10 Jahre einen tETF bespart und bist in der Entnahmephase und verkaufst fuer 1.500€ Anteile:
1.000€ sind thes.Div/Kursgewinne/Vorabpauschalen. Angenommen, der Durchschnitt der versteuerten Vorabpauschale war in den 10a ca. wie in 2019:
Basiszins war fuer 2019 0,52%, also gezahlte Steuer auf Vorabpauschalen in 10 Jahren auf tETF im Depot: 0,52% (durchschnittl. Basiszins) x 0,7 (Teilfreistellung) x 0,7 (nur ~7 von 10 Jahre sind and der Boerse positiv!) x 0,26375 = 0,07% p.a. im Durchschnitt
Stecken also bei den 1.000€ Kursgewinnen schon 0,07% p.a. x 10 Jahre = 0,7% (7€) bezahlte Steuern drin. Die werden beim Verkauf erstattet (nicht erneut berechnet).
Dadurch sind es also statt 1.000€ Kursgewinne, die zu versteuern sind, nur 1.000€ -7€ = 993€. 7€ bekommst du als Steuergutschrift oben drauf (kein Einkommen!)
Sind also nur 993€ Kapitaleinkuenfte (7€ an den 1.000€ Kursgewinn hattest du schon in den 10 Jahren Haltezeit auf die Vorabpauschalen bezahlt).
Wir sehen also zwei wichtige Effekte:
1) die Vorabpauschalen haengen am kuenstlich duch die Zentralbanken gedrueckten Basis-Zins. Sie sind sehr gering. Vielleicht sogar zukuenftig mal negativ? tETF-Anleger profitieren vom Zentralbank-Handeln. Zins-Sparer leiden.
2) falls doch Vorabpauschalen berechnet und Steuern bezahlt(oder vom SFB abgezogen) wurden, werden die beim Verkauf gegengerechnet (Steuer-Erstattung).
Aber eine Steuererstattung kann nicht als Einkommen sozialversicherungspflichtig sein (ich habe ja zuvor „zuviel“ bezahlt und bekomme nur zurueck, was mir vorher zu Unrecht abgeknoepft wurde)?
Oder was meint die Leserschaft? Fehler? Ungenauigkeiten?
15. Mai 2020 um 15:53
bei deiner Rechnung bin ich so weit bei dir, bei den 1500 Euro Entnahme steckt auch ein kleiner Teil „Ersparnis“ durch die Vorabpauschale, die man in den Jahren zuvor bereits gezahlt hat, drin. Schöne Rechnung übrigens, hätte nicht gedacht, dass es so wenig ist (7 Euro), aber du rechnest natürlich auch mit dem historisch niedrigen Basiszins von 2019. Das ist tatsächlich der positive Effekt, den die Vorabpauschale mit sich bringt.
Viel schwerer wiegt aber der negative Effekt der Vorabpauschale, fürchte ich: Während der Entnahmephase zählt m. E. die Vorabpauschale, die auf dein GESAMTES DEPOT jedes Jahr erhoben wird (unabhängig davon, wie viele Anteile du nun für deinen Lebenunterhalt tatsächlich verkaufst) als Einkommen (obwohl du davon in dem Moment nix in der Tasche hast), treibt also Einkommenssteuer und Krankenkassenbeitrag deutlich nach oben (siehe meine Überschlagsrechnung oben für eine angenommene Depotgröße von 500 000 Euro und einem Basiszinssatz von 2 %). Dass der Basiszinssatz in der Vergangenheit auch deutlich höher lag, kann man z. B. hier sehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinfachtes_Ertragswertverfahren
15. Mai 2020 um 17:44
der Basiszinssatz im Wiki-Link hat nix mit dem Basiszins fuer Kapitalanlagen des BFM zu tun. Der haengt an der Rendite von mehrjaehrigen (ca. 15a Laufzeit) dtsch Staatsanleihen.
https://www.bundesfinanzministerium.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Expertensuche_Formular.html Basiszins eingeben
Dann siehst du, dass es zwei Basiszins gibt, einen fuer die Schenkung/Erbschaft/Unternehmensuebertragung (=irrelevant) und einen fuer die Vorabpauschale (=relevant).
Spekulation: Solange die EU existiert bzw bis zur Waehrungsreform wird der Basiszins voraussichtlich nahe Null bleiben, weil die EZB die Staatsschulden monetarisieren wird(muss).
Wie lange das so geht? Keine Ahnung, in Japan geht’s schon 30 Jahre.
Die Vorabpauschale wird nur in positiven Jahren erhoben und zwar nicht betrachtet auf das ganze Depot sondern nur auf einzelne ETFs, die im Plus sind.
zB mussten wir fuer 2018 nur auf einen InternetFonds Vorabpauschale zahlen (der war knapp im Plus), alles andere war im Minus. Fuer 2019 hatten ja jetzt im Januar schon mehr Leute Erfahrungen mit der kleinen Vorabpauschale gemacht (tat gar nicht weh ;-))
Wenn zB deine EM-ETFs knapp im Minus sind im Kalenderjahr, deine World-ETFs im Plus, musst du nur auf letzter Vorabpauschale bezahlen/bekommst du mit SFB verrechnet.
Der Sparerfreibetrag reicht fuer ein riesiges Depot von tETFs aus (deshalb eben nicht mit aETFs den SFB ausschoepfen?).
Beim Verkauf wird schon bezahlte Vorabpauschale (= Steuervorauszahlung) auf Kursgewinne gegengerechnet. Man zahlt also nicht „mehr“.
vielen Dank für die Richtigstellung bzgl. Basiszinssatz! Das war natürlich ein dicker Fehler, aber auch 15-jährige dt. Staatsanleihen lagen ja in den 90er Jahren schon bei deutlich über 5 %… Eine Prognose für die Zukunft traue ich mir als Laie in dem Thema nicht zu …
Du hast natürlich recht, dass die Vorabpauschale nicht jedes Jahr anfällt, aber ich muss sie ja zumindest im Bedarfsfall (ich kenne auch den Wert von ca. 67 % positiven Börsenjahren) stemmen können. Das Problem nivelliert sich evtl. auch dadurch, dass es in positiven Börsenjahren weniger schmerzlich ist, die Entnahmerate um die notwendigen 0,x % zu steigern, als in Verlustjahren, wenn man nicht allzu knapp kalkuliert hat…
16. Mai 2020 um 17:43
Ich habe noch mal ein wenig zum Basiszinssatz recherchiert. Hier hat schon mal jemand den durchschnittlichen Wert für die letzten 20 Jahre ausgerechnet: 3,17 %
https://etf-rechner.de/besteuerung-von-aktien-etfs-seit-2018/
Die Werte aus der Quelle, die er verwendet hat (Deutsche Bundesbank), sind mit den Werten im Wikipedia-Link identisch. Entweder hat der Autor den gleichen Fehler wie ich gemacht, oder die Werte sind tatsächlich identisch?!
16. Mai 2020 um 18:29
schoener Link. Mag sein, dass es derselbe Basiszins ist? Und nein, du hast keinen Fehler gemacht?!
Aber ehrlich, was interessiert der Basiszins der Vergangenheit? Frueher waren ALLE Zinsen hoeher. Aber heisst das nun, dass sie zurueckkommen?
Mich interessiert die Gegenwart und die mittlere Zukunft.
16. Mai 2020 um 19:50
Naja, die ganze Idee von ERE ist ja schon gewesen, ausgehend von Daten der Vergangenheit den möglichen „Worst Case“ für die Zukunft zu prognostizieren, so wurde z. B. die SWR von 3-4 % formuliert (Bengen, Trinity-Studie ect.). Insofern finde ich es schon relevant, sich anzuschauen, wie der Worst Case bzgl. Basiszinssatz in der Vergangenheit aussah, um auch hier abschätzen zu können, mit welchen Parametern der ganze Ansatz von ERE auch zukünftig funktionieren könnte.
Mit dem „?!“ in meinem letzten Kommentar wollte ich übrigens niemanden angreifen, ich bin aufrichtig froh, wenn ich neue Dinge lerne und für mich war es definitiv eine neue Erkenntnis, dass beide Basiszinssätze wohl identisch sind 🙂
16. Mai 2020 um 0:41
noch eine Detailfrage, nur zum Verständnis für mich: Du schreibst oben:
„Dadurch sind es also statt 1.000€ Kursgewinne, die zu versteuern sind, nur 1.000€ -7€ = 993€. 7€ bekommst du als Steuergutschrift oben drauf (kein Einkommen!).“
Sind es in deiner Rechnung nicht 1000€ – 7€/0,26375 = ca. 973 € Kursgewinne, die noch zu versteuern sind (was dann zu einer Steuerersparnis von 7 € führt). Ist aber ohnehin nur „Kleckerkram“ bei den Beträgen 🙂
16. Mai 2020 um 8:18
Jau, das kann gut sein, ich bringe manchmal Steuerbemessungsgrundlage (27€) mit der tatsaechlichen Steuer (x 0,26375 =7€) durcheinander!
11. Mai 2020 um 11:50
meiner Einschätzung nach: Ein wenig ungünstiger vielleicht, aber nicht entscheidend. Denn erst wenn die Vorabpauschale höher ist als die Ausschüttungen kommt sie überhaupt zum tragen. Und dann senkt die Vorabpauschale der Vorjahre die zu versteuernden Kursgewinne beim Verkauf: Wenn ich 10% Kursgewinn realisiere, die ich innerhalb von drei Jahren gemacht habe, ist es nicht kriegsentscheidend, ob ich 3×2% (Vorabpauschale) und bei Verkauf 1x 4% (Restkursgewinn) oder nur bei Verkauf 10% Kursgewinn versteuere.
Zudem reduziert der Krankenversicherungsbeitrag wie von Oliver geschrieben das steuerpflichtige Einkommen weiter und dank Günstigerprüfung werden auch keine 26,x% Abgeltungssteuer fällig, sondern nur der persönliche Grenzsteuersatz.
Nehmen wir mal an, du hast tatsächlich 12.000€ Einkommen im Jahr 2030 (bei Freibeträgen und Beitrags- und Steuersätzen wie 2020). Darauf zahlst du den Mindestbeitrag GKV, also 2200€. Die ziehst du von den 12.000€ ab und bist unter dem Grundfreibetrag, zahlst also keinen Cent Steuern.
Wenn du zusätzlich noch (fiktiv, weil in den 12.000€ in dieser Rechnung nichts drin ist, was auf die Vorabpauschale angerechnet wird) 7.000€ Vorabpauschale versteuern musst (und ich gehe hier mal davon aus, dass die Teilfreistellung auch für die Krankenversicherungsbeiträge gilt, das weiß ich aber nicht) dann wirst du auf 19.000€ im Jahr Krankenversicherungsbeitrag zahlen müssen, das sind ca. 3600€ (bei 19%) im Jahr. 19.000€ abzüglich 3600€ KV-Beitrag abzüglich Sparerfreibetrag bleiben 14500€ zu versteuerndes Einkommen, darauf werden 965€ Steuern fällig. Im Jahr, insgesamt.
Durch diese maximal ungünstig gerechnete Vorabpauschale wären es also im Jahr zwar 1400€ mehr KV-Beitrag, aber nur 1000€ mehr Steuern (bzw. überhaupt erst Steuern).
Realistisch würde ich annehmen, dass von den 12.000€ Einkommen bei 500.000€ Depotvermögen schon mindestens 5.000€ Dividenden (nach Teilfreistellung) sind, wir also nur noch über 2.000€ Vorabpauschale reden. Damit werden es 460€ mehr KV-Beitrag im Jahr und die Steuer ist irgendwo knapp über Null (14.000€ minus 2600€ KV-Beitrag minus 800€ Sparerfreibetrag bleiben 164€ Steuern. Im Jahr).
Oder bei rein thesaurierenden Fonds ohne Dividende: Wenn du so viele Anteile verkaufst, dass du 12.000€ Kursgewinne hast, hast du davon wahrscheinlich schon einige tausend Euro in den letzten 10 Jahren vorabpauschal versteuert, musst also im aktuellen Jahr weniger Gewinne plus 7.000€ Vorabpauschale versteuern (mit einem ähnlichen Ergebnis wie vorher). Das ist das Szenario, das auch Joerg beschreibt, nur dass er erst 12.000€ plus 7.000€ versteuert und dann die bereits in den Vorjahren bezahlte Vorabpauschale als Steuergutschrift wieder abzieht.
Mir ist wie in meinem letzten Beitrag beschrieben allerdings nicht klar, welche dieser tatsächlichen Einnahmen (Kursgewinne, Dividenden) und fiktiven Einnahmen (Vorabpauschale) zur Berechnung der KV-Beiträge herangezogen werden (und ob vor oder nach Teilfreistellung).
15. Mai 2020 um 18:53
vielen Dank für deinen Kommentar! Ich glaube, ich hatte vergessen, die Beiträge zur Krankenversicherung vor Berechnung der Einkomenssteuer abzuziehen, ich denke also, du hast Recht mit deinen niedrigeren Werten, was die Einkommenssteuer betrifft. Nichtsdestotrotz: 2400 Euro mehr Ausgaben im Jahr (= 200 pro Monat) dürfte für die ein oder andere Frugalistenplanung schon einen Unterschied machen. Denn mir bleiben im Endeffekt 2 Optionen:
a) Ich bestreite diese 200 Euro Mehrkosten pro Monat aus meiner 1500€-Entnahme, dann landet man bei ca. 1120 Euro netto pro Monat (3600€ jährlicher KV-Beitrag, 965 € Einkommenssteuer). Je nach Wohnort können diese 200 Euro schon einen deutlichen Unterschied in der Finanzlage machen bzw. in teuren Wohngegenden landet man da schon unter Hartz4-Niveau… Bliebe also Variante 2:
b) Ich erhöhe meine Entnahme auf 1700 Euro monatlich. Zum einen habe ich eine längere Ansparphase (statt 500.000 Euro benötige ich – bei gleicher Entnahme von 3,6% – jetzt ca. 567.000 Euro). Allerdings steigen bei höherer Entnahme wiederum KV-Beitrag und Einkommenssteuer. Ich habe mal ein bisschen mit verschiedenen Werten probiert und lande bei ca. 600.000 Euro benötigtem Depotvolumen, um – nach Abzug von Einkommenssteuer und KV-Beitrag- ca. 1310 Euro netto zur Verfügung zu haben (ich gehe von Olis Artikel aus, wo er 1500 – 190 KV-Beitrag = 1310 netto monatlich zur Verfügung hätte). Um genau zu sein hätte ich dann 1286 netto zur Verfügung, also immer noch etwas weniger. Um statt 500.000 Euro ein Depot von 600.000 zu erreichen (respektive eine Entnahme von 1800€ monatlich) , braucht man – je nach Sparrate ect. – schon schnell mal 2-3 Jahre länger in der Ansparphase.
Es kommen andere Unwägbarkeiten hinzu, z. B. steigt der Anteil von Kursgewinnen/Divdidenden im Verlauf der Entnahmephase mit hoher Wahrscheinlichkeit auf mehr als 2/3 (wie im Artikel angenommen: 1000 Euro von 1500 Euro sind dort Gewinne), damit auch KV und Einkommenssteuer. Und mit 2 % Basiszinssatz rechnen wir nach wie vor mit einem moderaten Wert. Spitzenwert in der jüngeren Vergangenheit (seit 2007) war 4,58 % (2008). Die werden natürlich nicht jedes Jahr anfallen, aber man sollte zumindest im Ausnahmefall in der Lage sein, solche Schwankungen zu stemmen.
Du schreibst am Ende: „Mir ist wie in meinem letzten Beitrag beschrieben allerdings nicht klar, welche dieser tatsächlichen Einnahmen (Kursgewinne, Dividenden) und fiktiven Einnahmen (Vorabpauschale) zur Berechnung der KV-Beiträge herangezogen werden (und ob vor oder nach Teilfreistellung).“ Das ist genau der springende Punkt. Vielleicht weiß hier noch jemand mehr?
Ich will hier auf keinen Fall alles schlecht reden (finde das ganze Thema ERE nach wie vor interessant bzw. verfolge selbst einen ähnlichen Plan wie Oli), aber ich finde schon, dass die Investmentsteuerreform eine konkrete Planung erschwert hat. Es ist sicher noch immer alles realisierbar. Vielleicht sehe ich das ganze auch zu kritisch und sollte mich an den alten Johann Strauß halten: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“ 🙂
noch kurz zu deinem vorletzten Absatz:
„Oder bei rein thesaurierenden Fonds ohne Dividende: Wenn du so viele Anteile verkaufst, dass du 12.000€ Kursgewinne hast, hast du davon wahrscheinlich schon einige tausend Euro in den letzten 10 Jahren vorabpauschal versteuert, “
Ich fürchte, dass dieser Effekt nicht sehr stark ausfällt. Jörg hat es ja oben sehr schön dargestellt, dass bei z. B. 10-jähriger Haltedauer die Steuerersparnis gerade einmal ca. 7 Euro im Monat beträgt.
14. Mai 2020 um 7:28
Ich habe zum Thema KvdR, 9/10-Regel der Übersicht halber einen ergänzenden Diskussionsbeitrag ins Forum, Rubrik Krankenkassen, gestellt.
Wäre schön, wenn der ein oder andere (vielleicht auch Oliver selbst) dort antworten könnte.
Riesen Kompliment Oliver! Mega starker Inhalt, gut zusammengefasst. Ganz toller Artikel und tolle Leistung.
Es unterstützt mich auch noch mal so ein wenig in meinen Überlgungen. Glaube das war 2017 wo ich ganz kurz davor war in die PKV zu wechseln. Es tut schon ein wenig weh (vor allem als jemand der „frugalistisch“ lebt und sonst überall auch auf seine Ausgaben achtet) zu sehen, dass über 900 EUR jeden Monat für Kranken/ Pflege belastet werden. Ich bin so ein angestellter „gutverdiener“. Über 200 EUR würde ich persönlich sparen, wenn ich heute in die PKV ginge. Es ist auch weniger die Angst vor Beitragssteigerungen im Alter. Die gesparten 200 EUR könnte ich ja gedanklich separat wieder in ein breit gestreutes ETF-Portfolio legen und mir somit beim Polster für die Krankenversicherung bilden. Außerdem: Die GKV steigt ja auch jedes Jahr unaufhaltsam (durch die Anhebung der Beitragsbemessung). Nein, bei mir hat sich mitlerweile eine andere Perspektive eingestellt. Kurz gesagt: Ich sehe das einfach so, dass sich die GKV besser und „fairer“ auf meine eigene Situation in der Zukunft anpasst, die ich heute nicht einschätzen kann. In Summe zahle ich zwar einen riesen Beitrag für die Krankenkasse, das aber eben weil ich auch viel verdiene. In Prozent ausgedrückt bin ich ja sogar wesentlich weniger hoch belastet als ein Angestellter mit z.B. 2.000 EUR Brutto im Monat. Da mein Einkommen aufgrund der Bemessungsgrundlage ja gekappt ist und ich auf den darüber hinaus gehenden Bertrag ja keinen Beitrag mehr zahle. Gut, dafür zahle ich auf dieses hohe Einkommen dann den höchst möglichen Steuersatz (ist ja auch ok). Die GKV hat für mich den Vorteil, dass sie sich sofort auf ein evtl. wesentlich geringeres Einkommen in der Zukunft anpasst (sei es Entnahmen als Privatier oder was ich mir heute gut vorstellen kann, dass ich ab 50 bewusst deutlich zurücktrete, weniger verdienen möchte, evtl. auch nur noch auf 450 Basis).
Ein etwas anderer Aspekt spielt auch noch rein: Das Krankenversicherungssystem birgt aus meiner Sicht ziemlichen Sprengstoff und wird sich sicherlich die nächsten Jahrzehnte über verändern. Vielleicht stehe ich lieber auf der Seite der 90% in der gesetzlichen Kasse als auf der Seite der 10% in den privaten.
Damit fühle ich mich mitlerweile wohl, auch wenn jeden Monat ein horender Beitrag für die Krankenkasse zu leisten ist. Aber solidarisch ist er eben irgendwie schon.
großartiger Artikel, da kann ich allen Vorschreibern nur zustimmen! Vielen Dank für die detaillierte Recherche und tolle Aufbereitung, das gibt wirklich viel Orientierung.
Ich hätte noch eine Verständnisfrage, bei der ich mit eigener Recherche leider nicht wirklich weiter gekommen bin. Es geht um die Frage, inwiefern sich GKV-Beiträge auf Kapitalerträge in der Entnahmephase durch eine „kleine“ Anstellung wie einen Midi-Job oder Teilzeitjob vermeiden lassen, wenn die Einnahmen aus dem Job geringer sind als die Kapitalerträge.
Angenommen zum Beispiel, ich hätte 2.500€ Kapitalerträge und einen sozialversicherungspflichtigen Midi-Job/Teilzeitjob mit einem Lohn von weniger als 1.000€ im Monat. Zahle ich dann GKV-Beitrag nur auf das Einkommen aus dem Job oder auch auf Kapitalerträge?

References: § 3
 §240
 §2
 § 240
 §240
 §16
 § 2
 § 18
 § 19