Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=18.10.2006&Aktenzeichen=XI%20R%2022%2F06
Timestamp: 2019-04-21 01:20:16+00:00

Document:
BFH, 18.10.2006 - XI R 22/06 - dejure.org
FGO a. F. § 77a Abs. 1 Satz 2; FGO n. F. § 52a Abs. 1; SigG § 2 Nr. 1, Nr. 7, § 5 Abs. 1, § 7 Abs. 1
Die monetäre Beschränkung einer qualifizierten elektronischen Signatur steht der Wirksamkeit eines elektronisch übermittelten bestimmenden Schriftsatzes (Klageschrift) nicht entgegen.
FGO a.F. § 77a Abs. 1 Satz 2; FGO n.F. § 52a Abs. 1; SigG § 2 Nr. 1, Nr. 7, § 5 Abs. 1, § 7 Abs. 1
Zulässigkeit einer Klage bei Verwendung eines "monetär" beschränkten Signaturzertifikats
Wirksamkeit eines elektronisch übermittelten bestimmenden Schriftsatzes im Falle einer monetären Beschränkung der qualifizierten elektronischen Signatur; Verschicken einer Klageschrift per E-mail; Notwendigkeit einer eigenhändigen (handschriftlichen) Unterschrift unter das entsprechende Schriftstück bei Klageerhebung; Angaben bei einem qualifizierten Zertifikat; Begriff der elektronischen Signaturen
Klageerhebung per E-Mail auch bei Verwendung "monetär" beschränkter elektronischer Signatur wirksam
Klageerhebung mit verwendungsbeschränkter Signatur
Kurznachricht zu "Viefhues gibt Praxishinweis zum Thema "Zulässigkeit der Containersignatur" - zugleich Anmerkung zum Urteil des BFH vom 18.10.2006, AZ: XI R 22/06" von RiAG Dr. Wolfram Viefhues, original erschienen in: AnwBl Beilage 2007, 88 - 91.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 18.10.2006, Az.: XI R 22/06 (Klageerhebung mit verwendungsbeschränkter Signatur)" von RiAG Dr. Jan Skrobotz, original erschienen in: MMR 2007, 236.
Zusammenfassung von "Erste höchstrichterliche Entscheidung zur elektronischen Signatur (BFH, DStRE 2007, 515)" von WissMit. RAin Fischer-Dieskau und WissMit. Dr. Gerrit Hornung, LL.M., original erschienen in: NJW 2007, 2897 - 2899.
BFHE 215, 47
MMR 2007, 234
BB 2007, 144
DB 2007, 205
AnwBl 2007, 88
BStBl II 2007, 276
Die Revision ist nach § 164 Abs. 1 Satz 1 iVm § 65a SGG mittels eines elektronischen Dokuments mit qualifizierter elektronischer Signatur formgerecht erhoben worden (vgl § 65a Abs. 1 Satz 3 SGG iVm § 2 Abs. 3 der Verordnung über den elektronischen Rechtsverkehr beim Bundessozialgericht, BGBl I 2006, 3219; vgl grundlegend BFHE 215, 47 zur "Funktionsäquivalenz" der Signatur zur eigenhändigen Unterschrift) .
bb) Die im EGVP-Verfahren - wie auch im Streitfall - eingesetzte qualifizierte Container-Signatur genügt den Anforderungen des § 130a ZPO (vgl. BFH, Urteil vom 18. Oktober 2006 - XI R 22/06, BFHE 215, 47, 52 f. zu dem § 130a ZPO entsprechenden § 77a Abs. 1 Satz 2 FGO a.F.;… BVerwGE 138, 102 Rn. 15 zu § 55a VwGO;… Braun in jurisPK-Internetrecht, 3. Aufl. 2011, Kapitel 6 Rn. 81 f.;… Schneider in Schneider, Handbuch des EDV-Rechts, 4. Aufl., B Rn. 859; Hadidi/Mödl, NJW 2010, 2097, 2098 f.; Roggenkamp, jurisPR-ITR 5/2006 Anm. 2; Viefhues, NJW 2005, 1009, 1010; derselbe, jurisPR-ITR 2/2007 Anm. 5;… Musielak/Stadler, ZPO, 9. Aufl. § 130a Rn. 3; Fischer-Dieskau/Hornung, NJW 2007, 2897, 2899;… Zöller/Greger, ZPO, 29. Aufl., § 130a Rn. 4;… Prütting in Prütting/Gehrlein, ZPO, § 130a Rn. 5; Gennen, DuD 2009, 661, 664; kritisch: Bacher, NJW 2009, 1548, 1549;… verneinend: von Selle in BeckOK ZPO (Stand 30. Oktober 2012) § 130a Rn. 8).
Die Signatur ist als Funktionsäquivalent zur Unterschrift anzusehen (so BFH Urteil vom 18.10.2006 - XI R 22/06 - BFHE 215, 47, juris RdNr 25;… vgl auch BSG Urteil vom 7.7. 2011 - B 14 AS 153/10 R - BSGE 108, 289 = SozR 4-4200 § 38 Nr. 2, RdNr 11).
Die Verwendung einer solchen Signatur stellte demgemäß kein zwingendes Erfordernis elektronischer Erklärungen dar; bei § 77a Abs. 1 Satz 2 FGO handelte es sich um eine bloße Ordnungsvorschrift (BFH-Urteil in BFHE 215, 53, BStBl II 2007, 271, m.w.N.; offen BFH-Urteil vom 18. Oktober 2006 XI R 22/06, BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276, unter II.2.e).
Mit Hilfe des Unterschriftserfordernisses soll der Aussteller unzweifelhaft identifiziert werden; ferner soll sichergestellt sein, dass es sich bei dem Schriftstück nicht nur um einen Entwurf handelt, sondern eine verbindliche Prozesserklärung dem Gericht zugeleitet wird (BFH-Urteil vom 18. Oktober 2006 XI R 22/06, BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276, unter II.1. der Gründe, m.w.N.).
Ihrer Rechtsnatur nach ist die Signatur ein Funktionsäquivalent zur eigenhändigen Unterschrift (BFH-Urteil in BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276, unter II.1. der Gründe, m.w.N.).
Die monetäre Beschränkung hat in diesem Zusammenhang keine Bedeutung; die Signatur erfüllt ihren Zweck, indem die Authentizität der Herkunft des Dokuments gewährleistet wird (BFH-Urteil in BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276, unter II.2.c der Gründe).
Die gleichzeitige Signierung mehrerer Dokumente werde in der Rechtsprechung (BFH Urteil v. 18. Oktober 2006 - XI R 22/06) und in der Literatur (u. a. Viehues, NJW 2005, 1009, 1010) für zulässig erachtet.
Nur ein solches Verständnis des Begriffs der qualifiziert elektronischen Signatur trägt dem Anspruch der Prozessbeteiligten auf Gewährung wirkungsvollen Rechtsschutzes ausreichend Rechnung, weil es an die Beachtung formeller Voraussetzungen für die Geltendmachung eines Rechtsschutzbegehrens gerade keine überspannten Anforderungen stellt (vgl. BGHZ 197, 209-212 m.w.N., BFHE 215, 47, BVerwGE 138, 102, jeweils zu den parallelen Bestimmungen in § 130a Zivilprozessordnung, § 771 Finanzgerichtsordnung und § 55a Verwaltungsgerichtsordnung).
Die Signatur ist als Funktionsäquivalent zur Unterschrift anzusehen (so BFH, Urteil vom 18. Oktober 2006 - XI R 22/06 = BFHE 215, 47;… vgl. auch BSG Urteil vom 7. Juli 2011 - B 14 AS 153/10 R = BSGE 108, 289 = SozR 4-4200 § 38 Nr. 2 Rn 11).

References: § 77
 § 52
 § 2
 § 5
 § 7
 § 77
 § 52
 § 2
 § 5
 § 7
 § 164
 § 65
 § 65
 § 2
 § 130
 § 130
 § 77
 § 55
 § 130
 § 130
 § 130
 § 130
 § 38
 § 77
 § 130
 § 771
 § 55
 § 38