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Timestamp: 2019-05-21 07:55:14+00:00

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Syrisch wird von rechts nach links geschrieben. Die älteste Form des syr. Alphabets heisst Esṭrangela. Nach der Spaltung der syr. Kirche entstand im Westsyr. die Serṭo genannte Form der Schrift, im Ostsyr. die Nestorianische Schrift.
Alle drei Schriften sind Kursive, d.h. die Buchstaben werden (von definierten Ausnahmen abgesehen) mit ihren Nachbarbuchstaben verbunden. Je nachdem ob ein Buchstabe allein steht, am Ende eines Wortes (also nur von rechts verbunden), am Anfang (nur nach links verbunden) oder in der Mitte, gibt es für die meisten Buchstaben unterschiedliche Formen. Die Ähnlichkeiten zur arab. Schrift sind dabei unübersehbar.
In heutigen Drucken wird am häufigsten Serṭo verwendet, in wesentlich geringerem Ausmaß Esṭrangela, am seltensten die Nestorianische Schrift. Daher wird im folgenden Serṭo am ausführlichsten dargestellt.
Unicode definiert nur die Codepoints (U+0700-074F), unterscheidet aber nicht zwischen den drei Schriftstilen. Die unterschiedlichen Formen der Buchstaben (je nachdem ob sie links, rechts, links und rechts oder gar nicht verbunden sind) haben mit der Zeichenkodierung nichts zu tun. Dies korrekt darstellen zu können, ist ein Feature der Schriftart.
Nestori-
westsyr. vokalis.
westsyr.
ostsyr.
ܐ ܐܳܠܰܦ ʾōlaf ʾālaf Kehlkopfverschlusslaut, später im Anlaut nicht mehr gesprochen; zwischen Vokalen manchmal wie j;
Vokalbuchstabe für ā (westsyr. ō) und ē (westsyr. ī), manchmal (vor allem in griech. Fremdwörtern) auch für ă א ء 1
ܒ ܒܶܝܬ bēṯ b, ḇ (v) ב ب 2
ܓ ܓܳܡܰܠ gōmal gāmal g, ḡ ד د 4
ܕ ܕܳܠܰܕ, ܕܳܠܰܬ dōlaṯ, dōlaḏ dālaṯ, dālaḏ d, ḏ ד د 4
ܗ ܗܶܐ hē h ה ﻫ 5
ܘ ܘܰܐܘ, ܘܰܘ wāu engl. w wie in water;
Vokalbuchstabe für o und u ו و 6
ܙ ܙܰܝܢ, ܙܰܝ zain, zai stimmhaftes s ([z]) ז ز 7
ܚ ܚܶܝܬ ḥēṯ westsyr. ḥ (emphatisches h), ostsyr. ḫ (ähnlich wie dt. ch in ach) ח ح 8
ܛ ܛܶܝܬ ṭēṯ ṭ (emphatisches t) ט ط 9
ܝ ܝܽܘܕ jūḏ jōḏ j;
Vokalbuchstabe für ī und ē (westsyr. ī), vereinzelt auch für ĭ י ي 10
ܟ ܟܳܦ kōf kāf k, ḵ כ ك 20
ܠ ܠܳܡܰܕ lōmaḏ lāmaḏ l ל ل 30
ܡ ܡܺܝܡ mīm m מ م 40
ܢ ܢܽܘܢ nūn n נ ن 50
ܣ ܣܶܡܟܰܬ semkaṯ stimmloses s ס س 60
ܥ ܥܶܐ ʿē Kehlquetschlaut ע ع 70
ܦ ܦܶܐ pē p, f פ ف 80
ܨ ܨܳܕܶܐ ṣōdē ṣādē ṣ (emphatisches s) צ ص 90
ܩ ܩܽܘܦ qūf qōf q (auch als ḳ transkribiert) (emphatisches, uvulares k) ק ق 100
ܪ ܪܺܝܫ, ܪܺܫ rīš rēš r ר ر 200
ܫ ܫܺܝܢ šīn š (sch wie in dt. schön) ש ش 300
ܬ ܬܰܐܘ, ܬܰܘ tāu t, ṯ ת ت 400
Die Buchstaben werden in Serṭo über einen auf der Grundlinie (deren Position in der Tabelle durch eine dünne blaue Linie gekennzeichnet ist) durchgehenden Strich miteinander verbunden. Diese Linie wird unterbrochen von den Buchstaben, die nicht nach links verbunden werden: ܐ (ʾ), ܕ (d), ܗ (h), ܘ (w), ܙ (z), ܨ (ṣ), ܪ (r), ܬ (t). Der Verbindungsstrich steigt in Serṭo nach oben vor den Buchstaben ܛ (ṭ) und ܬ (t).
Die nach links verbundenen Formen des Serṭo können im Prinzip aus den rechts verbundenen Formen abgeleitet werden; nur bei den Buchstaben, wo die Formen deutlich verschieden sind, sind sie in obiger Liste zusätzlich beigegeben.
1. Auf einige Verwechslungsgefahren sei hier hingewiesen:
ܕ (d) und ܪ (r) werden in allen Schriftformen nur durch einen diakritischen Punkt unterschieden.
Die nach links verbundenen Formen von ܒ (b) und ܟ (k) unterscheiden sich in Serṭo in manchen Drucken und Hss. nur wenig. Das gleiche gilt für ܠ (l) und ܥ (ʿ) sowie ܝ (j) und ܢ (n).
ܙ (z) sieht in Serṭo ähnlich aus wie ܐ (ʾ), ist aber kürzer.
Die Serṭoformen von ܘ (w) und ܩ (q) sehen sich sehr ähnlich, jedoch kann man sie im Wortinnern dadurch unterscheiden, dass ܘ (w) nicht nach links verbunden wird.
In Esṭrangela sehen sich ܗ (h) und ܣ (s) sehr ähnlich.
In Handschriften ist ܚ (ḥ) oft schwer von ܢܝ (nj), ܝܢ (jn), ܝܝ (jj) und ܢܢ (nn) zu unterscheiden, desgleichen ܝܫ (jš) von einfachem ܫ (š) und ܝܥ (jʿ) von einfachem ܥ (ʿ).
= ܠܐ = lāmaḏ + ʾālaf in Serṭo
= ܠ-ܐ = lāmaḏ + ʾālaf über Wortgrenzen verbunden in Serṭo
= ܐܠ = ʾālaf + lāmaḏ am Wortanfang in Serṭo
= ܬܐ = tau + ʾālaf am Wortende in Nestorian. Schrift
Nur die erste Ligatur wird in Drucken wirklich immer verwendet, die übrigen scheinen optional zu sein.
Je nach Art der Artikulation eines Lautes unterscheidet man Plosive (Verschlusslaute) (durch plötzliches Lösen eines Verschlusses gebildet) und Frikative (Spiranten, Reibelaute) (durch das Vorbeiströmenlassen von Luft an einer Engstelle gebildet). Auch Nasale bezeichnen eine Artikulationsart, nämlich die Resonanz im Nasen-Rachenraum.
Die älteren Grammatiken semitischer Sprachen bezeichnen alle Laute, die im Gaumen oder Rachen gebildet werden, als Gutturale. Die moderne Phonologie unterscheidet je nach Artikulationsort:
am hinteren (weichen) Gaumen: Plosive: g, k; Frikative: ḡ [ɣ], ḵ [x]
am Gaumenzäpfchen: Plosiv: q; Frikativ: ḫ [χ]
im Rachen: ʕ (ʿē), laut Wikipedia ein Frikativ, meiner Hörerfahrung nach (zumindest im Hebr.) ein Plosiv; Frikativ: ḥ [ħ]
an der Stimmritze des Kehlkopfes: Plosiv: ʔ (ʾālaf); Frikativ: h
Das dt. ch hat (in meinem Sprachraum) drei Artikulationsstellen: palatal in ich ([ç]), velar in Buch (ḵ [x]), uvular in ach (ḫ [χ]). Verlagert man die frikative Artikulation noch weiter nach hinten, erhält man das pharyngale ḥ (im Dt. nicht vorhanden) und das glottale h.
2. ܐ (ʾ) am Wortbeginn wird als Kehlkopfverschlusslaut gesprochen, wie er im Dt. z.B. in Wörtern wie verʾeisen (im Ggs. zu verreisen), beʾachten vorkommt. (Die Araber nennen diesen Laut Hamza und bezeichnen ihn mit dem Zeichen ء.) [Weitere Erklärungen samt Hörbeispiel im Wikipedia-Artikel Stimmloser glottaler Plosiv.] Im Wortinneren und am -ende ist dieser Guttural oft geschwunden, außer er steht zwischen zwei Vokalen; dann wird ܐ häufig wie ܝ (j) ausgesprochen: ܩܳܐܶܡ qājem. Über die Verwendung von ܐ als Vokalbuchstabe s. § 8.
ܥ (ʿ) ist ein gutturaler Quetschlaut, hervorgebracht durch Zusammenpressen und Lösen des Rachens. Laut Wikipedia-Artikel Stimmloser pharyngealer Frikativ ist es jedoch ein Reibelaut (wie f oder dt. ch).
Emphatische Laute werden mit verstärkter Anspannung der Sprechmuskulatur, aber ohne Aspiration gesprochen. Also ṭ niemals wie dt. t (das ja meist wie th gesprochen wird), sondern ganz "trocken".
ܩ (q) ist das uvulare Gegenstück zum Velar k (d.h. es wird weiter hinten im Rachen artikuliert als k), aber es ist emphatisch, d.h. ohne jede Aspiration.
ܚ (ḥ) ist ein "nachdrückliches", im Rachen artikuliertes h. Es klingt ähnlich wie der dt. ach-Laut ([χ]), wird aber weiter hinten artikuliert.
3. Die sechs Konsonanten ܬ ܦ ܟ ܕ ܓ ܒ (Merkwort BeGaDKeFaT) werden am Silbenbeginn und wenn sie verdoppelt sind als Plosive (bgdkpt), unverdoppelt nach Vokal als Spiranten (ḇḡḏḵfṯ, in vielen Grammatiken mit den griech. Buchstaben βγδχφθ bezeichnet) gesprochen (s. § 14ff):
ḇ: [β], ungefähr franz. v wie in vite (ähnlich wie dt. w)
ḡ: [ɣ], ähnlich wie j, aber an derselben Stelle artikuliert wie g
ḏ: [ð], stimmhaftes engl. th wie in this, there
ḵ: [x], dt. ch wie in ach (also velar, nicht uvular, wie die oft anzutreffende Schreibung χ vermuten lassen könnte)
f: oder [ɸ], d.h. ähnlich wie f, aber ohne die Zähne auf die Unterlippe zu setzen?
ṯ: [θ], stimmloses engl. th wie in thing
4. Die Gutturale - d.s. ܚ ܗ ܥ ܐ (ʾʿhḥ) - und ܪ (r) haben, wenn sie eine Silbe schließen, häufig ein a davor: ܕܳܒܰܚ dāḇaḥ "schlachtend", obwohl das Partizip regelgerecht ܕܳܒܶܚ dāḇeḥ lauten müsste.
Verdoppelung und Assimilation
5. Im Syr. gibt es verdoppelte Konsonanten, entweder weil diese Verdoppelung eine grammatikalische Funktion erfüllt oder als Folge von Assimilation (Angleichung von Konsonanten mit ähnlichem Artikulationsort). Das Westsyr. hat diese Verdoppelung in der Aussprache aufgegeben. Ein Zeichen für die Verdoppelung (entsprechend dem arab. tašdîd ﹼ) hat die syr. Schrift nicht.
Auch das Hebr. hat kein Zeichen für Konsonantenverdoppelung. Denn dageš bezeichnet wie quššājā (s. § 14ff) die plosive Aussprache. Ob der Konsonant verdoppelt ist, muss wie im Syr. aus Grammatik und Etymologie erschlossen werden.
6. Die Westsyrer verwendeten seit dem 8. Jh. die griech. Vokalbuchstaben Α Ε Η Ο Υ (in Unzialschrift) als diakritische Vokalzeichen, die gedreht entweder unter oder über den Konsonanten gestellt wurden. Die Ostsyrer verwendeten ein System aus Punkten: ein oder zwei Punkte, unter und/oder über dem Konsonanten. (Dieses System hat sich wohl aus dem in § 9 beschriebenen Vokalpunkt entwickelt.)
Im folgenden wird das Unicodezeichen U+0640 Arabic Tatweel (ـ) als Trägerbuchstabe für die (ansonsten im Browser nicht korrekt darstellbaren) diakritischen Vokalzeichen verwendet. Ob das typographisch korrekt ist, weiß ich nicht.
ܦܬܳܚܳܐ pᵉṯōḥō ـܱ ـܰ a pᵉṯāḫā ـܲ ă
ܣܩܳܦܳܐ zᵉqōfō ـܴ ـܳ o̧ (meist ō < ā) zᵉqāfā ـܵ ā
ܪܕܳܣܳܐ rᵉḇōṣō ـܷ ـܶ e rᵉḇāṣā ʾarrīḵā, zᵉlāmā pᵉšīqā ـܸ ĕ, ĭ
rᵉḇāṣā karjā, zᵉlāmā qašjā ـܹ ē
ܗܕܳܣܳܐ ḥᵉḇōṣō ـܻܝ ـܺܝ i ḫᵉḇāṣā ܝܼ i
ܥܣܳܣܳܐ ʿᵉṣōṣō ـܾܘ ـܽܘ u ʿᵉṣāṣā rᵉwīḫā ܘܿ o
ʿᵉṣāṣā ʾalīṣā ܘܼ u
Das ʿᵉṣōṣō (u) setzen Gismondi, Brockelmann, Nöldeke über den Radikal, auf den der Vokal folgt (ـܽܘ), Robinsons Grammatik über das Wau (ܘܽ), das Wörterbuch von Payne Smith dazwischen. Gismondi hat grundsätzlich alle westsyr. Vokalzeichen über den Konsonanten. Ich setze sie, vor allem bei Konflikten mit Quššājā, gelegentlich darunter.
ـܲ wird vor ܘ (w) im Ostsyr. ـܵ geschrieben, z.B. ܝܰܘܡܳܐ = ܝܵܘܡܳܐ; vor ܝ wird ـܵ bisweilen ـܲ geschrieben (ـܵܝ = ـܲܝ).
In späterer Zeit war es im Westsyr. gebräuchlich, die Vokale unterschiedslos durch Punkte oder griech. Buchstaben zu bezeichen.
7. Das Syr. hat kein Zeichen für den Reduktionsvokal ᵉ, ᵃ oder ᵘ (hebr. šᵉwā mobile). Er steht:
beim ersten Konsonanten einer Silbe, die keinen Vollvokal hat: ܩܛܰܠ qᵉṭal "er hat getötet"
bei einem Konsonanten ohne Vollvokal, der auf einen ebensolchen folgt: ܡܰܡܠܟܺܝܢ mamlᵉḵin "Herrscher"
ebenso bei einem verdoppelten Konsontanten ohne Vollvokal: ܪܶܓܬܳܐ reggᵉṯā "Sehnsucht"
bei einem Konsonanten, von dem ein ـܰ a abgefallen ist: ܓܰܪܒܳܐ garᵉḇā < ܓܰܪܰܒܳܐ garaḇā "Aussatz"
Damit ist Situation im Syr. im Grunde die gleiche wie im Hebr. Im Hebr. bezeichnet (von den Ḥatef-Vokalen abgesehen) dasselbe Zeichen sowohl Vokallosigkeit als auch Reduktionsvokal, im Syr. bleibt beides unbezeichnet.
Vokalbuchstaben und -punkte
8. In älterer Zeit wurden zur Bezeichnung bestimmter Vokale die Buchstaben ܝ ,ܘ ,ܐ verwendet.
Auslautendes ā (ـܵ, das im Westsyr. zu einem offenen ō geworden war) und auslautendes ē werden immer mit ܐ bezeichnet: ܡܠܟܐ malkā "König" und ܡ̈ܠܟܐ malkē "Könige".
Im Wortinneren kann ܐ ā oder ă bezeichnen: ܦܰܐܬܳܐ patā "Haare (der Oberlippe)", ܡܳܐܐ "hundert", ܡܳܐܟܳܐ māḵā "demütig" (Wz. ܡܟ). In letzterem Fall ist das ܐ ursprl. wohl ein echter Konsonant: māʾᵉḵā.
Ebenso bezeichnet ܐ im Wortinnern manchmal ein e: ܟܶܐܡܰܬ kemaṯ "wie, als ob", ܓܶܐܪܳܐ gerā "Pfeil". Im Westsyr. ist ein so geschriebenes e häufig zu i geworden und wird mit einem zusätzlichen ܝ geschrieben: ܟܐܦܐ kēfā "Fels" (der Beiname des Apostels Petrus), westsyr. ܟܐܝܦܐ kīfō.
Langes ī wird durch ܝ bezeichnet. Die Lautgruppe jī wird jedoch nur mit einem ܝ geschrieben. Manchmal bezeichnet ܝ auch ē: ܒܝܬ bēt "Haus", ܗܠܝܢ hālēn "jene".
Die Vokale o und u werden immer mit ܘ bezeichnet. In späterer Zeit hat man allerdings die zwei Wörter ܟܽܘܠ OS kol WS kul "ganz, all" und ܡܶܛܽܘܠ OS meṭṭol WS meṭṭul "wegen" ohne ܘ geschrieben: ܡܶܛܽܠ ,ܟܽܠ.
Die Diphthonge werden bezeichnet:
ai, āi (westsyr. oi) mit ܝ
au mit ܘ
eu, iu mit ܝܘ
9. Zur Ergänzung dieser unvollkommenen Methode der Kennzeichnung von Vokalen wurde im Laufe der Zeit (ab dem 4. Jh.) ein Punkt verwendet, der über die Silbe gesetzt die Vokale a, ā, o und die Diphthonge ai, āi, au bezeichnet, darunter aber e, i, o. So schrieb man ܡܿܢ für ܡܳܢ mān "was? warum?" und ܡܰܢ man "wer?", ܡܼܢ für ܡܶܢ men "von"; ebenso ܡܿܠܟܐ malkā "König" und ܡܼܠܟܐ melkā "Rat", ܝܠܘܿܕ jaloḏ "Vater" und ܝܠܘܼܕ jalluḏ "Sohn", ܗܿܘ hau "jener" und ܗܼܘ hu "er", ܗܿܝ hāi "jene" und ܗܼܝ hī "sie".
Dieser Vokalpunkt wird häufig zwischen die Konsonanten gesetzt. In Unicode habe ich kein entsprechendes Zeichen gefunden, daher verwende ich ʿᵉṣāṣā rᵉwīḫā (Unicodebezeichnung: Rwaha) für den Punkt oben, ʿᵉṣāṣā ʾalīṣā (Unicode: Hbasa-Esasa Dotted) für den Punkt unten.
Der Punkt unten kann bei manchen Wörtern fehlen. Da der Punkt oben immer geschrieben wird, ist die Form ohne Punkt zu sprechen, als wäre der Punkt unten gesetzt. So ist klar, dass ܒܗ beh "in ihm" zu lesen ist, weil bāh "in ihr" immer mit Punkt ܒܗܿ geschrieben wird.
Bald wurde der Punkt, der bei der Grundform eines Wortes steht, auch bei abgeleiteten Formen verwendet, auch wenn da der Punkt den Vokal nicht richtig bezeichnet: ܥܒܶܕ ʿᵉveḏ "Diener, Sklave" wird ܥܒܼܕ geschrieben, der Status emphaticus ܥܰܒܕܳܐ ʿavdā bewahrt den Punkt unten ܥܒܼܕܐ, der für den Vokal a nicht passt.
Wenn sich zwei Wörter durch einen Vokal unterscheiden, der mit demselben Punkt bezeichnet wird, wie ـܰ und ـܳ, dann wird der stärkere Vokal mit dem ihm zukommenden Punkt bezeichnet, der andere mit dem anderen Punkt: ܥܰܘܳܠܳܐ ʿawālā "ruchlos, böse" wird ܥܘܿܠܐ geschrieben, ܥܰܘܠܳܐ ʿaulā "Unrecht" ܥܘܼܠܐ.
Im Westsyr. werden diese Punkte auch zur Unterscheidung von Verbalformen verwendet. Hierzu später.
Die übrigen Zeichen
10. Über den Plural werden zur Unterscheidung vom Singular zwei Punkte gesetzt: daher ist ܡܠܟ̈ܐ malkē "Könige" zu lesen, zum Unterschied von ܡܠܟܐ malkā "König". Diese Punkte werden von den Syrern sᵉjāmē genannt (in älteren Grammatiken findet man auch die aus dem Hebr. stammende Bezeichnung ribbui). Wenn ein Wort ein ܪ enthält, dann werden die Punkte gerne über es gesetzt (an Stelle des diakritischen Punkts): . Kollektiva, die keinen Plural bilden, können sie auch im Singular haben: ܥܳܢܳ̈ܐ ʿānā "Herde, Vieh".
Nach der Dokumentation des Unicode-Standards (Kapitel 8: Middle Eastern Scripts ist das Umlautzeichen (U+0308) "the plural marker" (also sᵉjāmē). Die Ergebnisse sind, was das Fontrendering betrifft, leider enttäuschend.
11. Wenn in einem Wort zwei Konsonanten ohne Vokal aufeinanderfolgen, z.B. ܚܶܟܡܬܳܐ, wird (insbes. in der Dichtung) der erste manchmal mit e vokalisiert: ܚܶܟܶܡܬܳܐ ḥeḵemtā. Wird der Vokal nicht geschrieben, kann stattdessen ein Querstrich unter den Buchstaben (genannt mᵉhaggiānā) gesetzt werden: ܚܟ݈ܡܬܐ.
12. Im Gegensatz dazu kann, um anzuzeigen, dass kein Vokal gesprochen werden darf, ein Querstrich über den Buchstaben (genannt marhᵉṭānā) gesetzt werden.
13. Bisweilen werden Konsonanten geschrieben, die aber nicht ausgesprochen werden sollen: ܒܰܪܬ bat "Tochter", ܝܰܗܒ jaḇ "er gab". Um dies anzuzeigen, wird ein line(ol)a occultans genannter Querstrich über den Buchstaben gesetzt: ܐ݇ܢܳܫ nāš "Mensch", ܒܰܪ݇ܬ bat, ܝܰܗ݇ܒ jaḇ. Die Westsyrer setzen ihn gewöhnlich unter den Buchstaben: ܝܰܗ݈ܒ ,ܒܰܪ݈ܬ ,ܐ݈ܢܳܫ. Die lineola occultans muss von mᵉhaggiānā bzw. marhᵉṭānā unterschieden werden.
In einigen Fällen (z.B. Endung der 3.Pl. ܘ oder Suffix der 1.Sg. ܝ) wird keine linea occultans geschrieben, obwohl auch diese nicht mehr ausgesprochen werden.
rukkāḵā und quššājā
14. Die spirantische Aussprache der BeGaDKeFaT kann durch einen Punkt unter dem Konsonanten, der ܪܽܘܟܳܟܳܐ rukkāḵā "Erweichung" genannt wird, angezeigt werden, die härtere (plosive) Aussprache durch einen Punkt darüber, der ܩܽܘܫܳܝܳܐ quššājā "Verhärtung" heißt. Welche Aussprache anzuwenden ist, wenn sie nicht durch einen Punkt angezeigt wird, soll durch die folgenden Regeln erhellt werden.
Beim ܦ findet man noch eine Variante mit etwas nach links versetztem Punkt über dem Buchstaben, die wohl emphatisches p bezeichnen soll und zur Wiedergabe des griech. π dient.
15. Die BeGaDKeFaT sind hart, wenn sie (auch in Folge von Assimilation) verdoppelt sind: ܣܶܬܳ݁ܪܳܐ settārā "Schutz", ܫܰܢܬܳ݁ܐ šattā (sic!, das n ist an das t assimiliert) "Jahr". Ebenso sind sie hart, wenn ein Diphthong folgt: ܬܰܘܒܳ݁ܐ taubā "Feigenbaum", aber ܐܰܝܟ ʾaḵ "wie", weil hier der Diphthong nicht mehr gesprochen wird.
16. Wenn weder Verdoppelung noch Assimilaton vorliegen, werden sie nach Vokal und nach šᵉwa (s. § 7) spirantisiert (d.h. zu Reibelauten "erweicht"): ܟܳܬ݂ܶܒ݂ kāṯeḇ "schreibend"; ܡܰܡܠܟ݂ܺܝܢ mamlᵉḵin, weil das šᵉwa des ܠ das ܟ spirantisiert; ebenso wird in ܕܰܗܒ݂ܳܐ dahᵉḇā "Gold" das ܒ spirantisiert durch das šᵉwa des ܗ, welches aus einem ursprünglichen a entstanden ist: ܕܰܗܰܒܳܐ dahaḇā. Ebenso ܚܶܟ݂ܡܬܳܐ ḥeḵmᵉṯā und ܚܶܟ݈ܡܬܳܐ ḥeḵemᵉṯā, weil der Hilfsvokal mᵉhaggiānā die folgende Silbe nicht verändert.
17. Am Anfang eines Wortes werden BeGaDKeFaT spirantisiert, wenn das vorhergehende Wort auf einen Vokal ausgeht und keine Pausa (Sprechpause) dazwischen liegt. Andernfalls werden sie hart ausgesprochen.
18. Ebenso werden sie am Anfang eines Wortes spirantisiert, wenn dem Wort eine oder mehrere der Partikeln ܠ ܘ ܕ ܒ vorangestellt ist, welche, wenn das Wort mit einem Konsonanten ohne Vokal beginnt, den Vokal a annehmen, andernfalls ein šᵉwa; wenn das Wort aber mit einem ܐ beginnt, ziehen sie dessen Vokal zu sich und das ܐ verliert seinen Lautwert: ܐܰܠܳܗܳܐ ʾallāhā "Gott", ܒܰܐܠܳܗܳܐ ballāhā "in Gott", ܠܒ݂ܰܝܬܳܐ lᵉḇaitā "dem Haus" (t wegen des Diphthongs ai), ܒܰܟ݂ܬܳܒ݂ܳܐ baḵṯāḇā "im Buch" (ṯ, weil das Wort ohne ṯ ܟܬܳܒܳܐ kᵉṯāḇā lautet), ܘܰܠܕܰܒ݂ܦ݂ܰܓ݂ܪܳܐ walḏaḇfaḡrā "und dem, der im Körper", von ܦܰܓܪܳܐ paḡrā "Körper".
Es gibt über diese Regeln hinaus noch weitere Sonderfälle. Es wäre aber zu aufwendig, sie hier anzuführen, man kann sie dem Wörterbuch entnehmen. Was diesen Regeln aus der Flexion der Verben hinzuzufügen ist, wird dort behandelt (§ 50, § 51a, § 59, § 80).
BeGaDKeFaT werden nach Vokal spirantisch, ansonsten plosiv ausgesprochen. Diphthonge gelten hierfür als Konsonaten (ai=aj, au=aw usw.).
Quššājā nach offener (d.h. auf einen Vokal auslautender) Silbe ist Hinweis auf Konsonantenverdoppelung. Rukkāḵā nach scheinbar geschlossener (d.h. auf einen Konsonanten endender) Silbe ist Hinweis auf šᵉwa.
[Im folgenden gibt es noch ein paar Hinweise, die nicht von Gismondi stammen.]
Als Satzende dient der Punkt, als Absatzende ܀. Doch wird ersterer auch zur Unterteilung im Satz verwendet. Dazu treten die Zeichen ܆, ܇, :, um kleinere oder größere Einschnitte zu bezeichnen.
Akzent und Vokalschwund
Das folgende ist eine Zusammenfassung von Brockelmann (1912) §§ 29-40.
31. Im Nordwestsemit. fielen schon früh auslautende kurze Vokale unmittelbar nach der Haupttonsilbe aus: *qaṭálă > *qaṭál.
32. Kurze Vokale in offener Silbe vor der Haupttonsilbe werden im Syr. zu Murmelvokalen reduziert: *qăṭál > qᵉṭál. (Im Hebr. dagegen wird der Vokal gedehnt: qāṭál). Steht der Vokal bei einem ܐ (ʾ) wird er zu ܐܷ ʾe oder ܐܱ ʾa. Geht dem Murmelvokal j oder w voraus, so verschmelzen sie zu i bzw. u: *jᵉḏaʿ > iḏaʿ. Da dieses Lautgesetz in historischer Zeit nicht mehr in Kraft war, gibt es viele Neubildungen mit kurzen Vokalen in offener Silbe.
33. Gehen der Haupttonsilbe zwei kurze Vokale voraus, so schwindet der zweite: *qăṭălát > qeṭ_láṯ.
34. Auslautende lange Vokale und Diphthong nach der Haupttonsilbe werden schon früh reduziert und fallen schließlich ganz aus: *qᵉṭáltā > ܩܛܰܠܬ݁ qᵉṭált. Auslautendes ī und ū werden meist noch geschrieben, aber (wie der Versbau zeigt) nicht mehr gesprochen: ܩܛܰܠܘ *qᵉṭálū "sie töteten", ܡܱܠܟ݁ܝ *málkī "mein König"
35. Das Ergebnis dieser Lautprozesse war das Vorherrschen der Ultimabetonung (Betonung der letzten Silbe).

References: § 8
 § 14
 § 14
 § 9
 § 7
 § 51
 § 59
 § 80