Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767?p=1078
Timestamp: 2019-02-22 00:22:24+00:00

Document:
II buch, LXXX haubtstück,
Achtzigstes haubtstück
von den erbschaften one lezten willen.
von der erb-
folge der Teut-
schen one lez-
ten willen.
Bei der erbfolge der Teutschen, nach den älte-
sten zeiten, legen wir die stelle des Tacitus
cap. XX § 6 zum grunde. Der Teutsche hatte
zum grundsaze: die erhaltung des geschlechtes;
hirzu dinet die erbfolge der kinder in irer aeltern
verlassenschaft. Daher liß der Teutsche seinen kin-
dern sein vermögen, und den tüchtigen sönen die
unbeweglichen güter; dafern er dergleichen hatte,
(§ 2911, § 2958); womit das salische, ripuari-
sche, und vile andere alte teutsche gesäze überein-
stimmen, auch der sachsen- und schwabenspigel
in den mittlern zeiten einverstanden sind, imglei-
chen der Freiherr von Senkenberg in der (§ 2996
des 2ten th.) belobeten ausfürung behaubtet hat.
Man sehe auch des Carl Frid. Winklers abh. de
collatione iuris prouinc. Hadelens. cum iure ciuili
circa materiam successionis, Kiel, 1765. Ordent-
licher weise folgen allso bei den stammgütern die
töchter nur im mangel des mannsstammes; welches
leztere aber bloß eine ausname von der regel abgibet,
die Struvische iurisprud. heroica th. VII cap. II
sect. 1 § 6 fg. s. 36 fgg. und sect. V cap. 4 § 25-27
s. 447 fgg. Verschidene wollen zwar wänen, als
wenn die erbfolge der kinder in dem nachlasse irer
aeltern aus dem natur-rechte herzuleiten stehe: al-
lein das vernunftrecht weiß eigentlich nichts da-
von, Gundling im iure nat. cap. XX § 66, Stru-
ve am a. o. cap. 3 § 5, 6, s. 246 fg. des 7ten th.;
sondern die erbfolge der kinder ist durch die mensch-
lichen rechte, und gesäze eingefüret; damit der kin-
der glückseligkeit befördert, und das geschlecht er-
II buch, LXXX haubtſtuͤck,
Achtzigſtes haubtſtuͤck
von den erbſchaften one lezten willen.
ſchen one lez-
Bei der erbfolge der Teutſchen, nach den aͤlte-
ſten zeiten, legen wir die ſtelle des Tacitus
cap. XX § 6 zum grunde. Der Teutſche hatte
zum grundſaze: die erhaltung des geſchlechtes;
verlaſſenſchaft. Daher liß der Teutſche ſeinen kin-
dern ſein vermoͤgen, und den tuͤchtigen ſoͤnen die
unbeweglichen guͤter; dafern er dergleichen hatte,
(§ 2911, § 2958); womit das ſaliſche, ripuari-
ſche, und vile andere alte teutſche geſaͤze uͤberein-
ſtimmen, auch der ſachſen- und ſchwabenſpigel
in den mittlern zeiten einverſtanden ſind, imglei-
des 2ten th.) belobeten ausfuͤrung behaubtet hat.
Man ſehe auch des Carl Frid. Winklers abh. de
collatione iuris prouinc. Hadelenſ. cum iure ciuili
circa materiam ſucceſſionis, Kiel, 1765. Ordent-
licher weiſe folgen allſo bei den ſtammguͤtern die
toͤchter nur im mangel des mannsſtammes; welches
die Struviſche iurisprud. heroica th. VII cap. II
ſect. 1 § 6 fg. ſ. 36 fgg. und ſect. V cap. 4 § 25-27
ſ. 447 fgg. Verſchidene wollen zwar waͤnen, als
wenn die erbfolge der kinder in dem nachlaſſe irer
aeltern aus dem natur-rechte herzuleiten ſtehe: al-
ve am a. o. cap. 3 § 5, 6, ſ. 246 fg. des 7ten th.;
ſondern die erbfolge der kinder iſt durch die menſch-
lichen rechte, und geſaͤze eingefuͤret; damit der kin-
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[1054/1078] II buch, LXXX haubtſtuͤck, Achtzigſtes haubtſtuͤck von den erbſchaften one lezten willen. § 2994 Bei der erbfolge der Teutſchen, nach den aͤlte- ſten zeiten, legen wir die ſtelle des Tacitus cap. XX § 6 zum grunde. Der Teutſche hatte zum grundſaze: die erhaltung des geſchlechtes; hirzu dinet die erbfolge der kinder in irer aeltern verlaſſenſchaft. Daher liß der Teutſche ſeinen kin- dern ſein vermoͤgen, und den tuͤchtigen ſoͤnen die unbeweglichen guͤter; dafern er dergleichen hatte, (§ 2911, § 2958); womit das ſaliſche, ripuari- ſche, und vile andere alte teutſche geſaͤze uͤberein- ſtimmen, auch der ſachſen- und ſchwabenſpigel in den mittlern zeiten einverſtanden ſind, imglei- chen der Freiherr von Senkenberg in der (§ 2996 des 2ten th.) belobeten ausfuͤrung behaubtet hat. Man ſehe auch des Carl Frid. Winklers abh. de collatione iuris prouinc. Hadelenſ. cum iure ciuili circa materiam ſucceſſionis, Kiel, 1765. Ordent- licher weiſe folgen allſo bei den ſtammguͤtern die toͤchter nur im mangel des mannsſtammes; welches leztere aber bloß eine ausname von der regel abgibet, die Struviſche iurisprud. heroica th. VII cap. II ſect. 1 § 6 fg. ſ. 36 fgg. und ſect. V cap. 4 § 25-27 ſ. 447 fgg. Verſchidene wollen zwar waͤnen, als wenn die erbfolge der kinder in dem nachlaſſe irer aeltern aus dem natur-rechte herzuleiten ſtehe: al- lein das vernunftrecht weiß eigentlich nichts da- von, Gundling im iure nat. cap. XX § 66, Stru- ve am a. o. cap. 3 § 5, 6, ſ. 246 fg. des 7ten th.; ſondern die erbfolge der kinder iſt durch die menſch- lichen rechte, und geſaͤze eingefuͤret; damit der kin- der gluͤckſeligkeit befoͤrdert, und das geſchlecht er- halten
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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 1054. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1078>, abgerufen am 22.02.2019.

References: § 6
 § 2958
 § 6
 § 25
 § 66
 § 5
 § 6
 § 2958
 § 6
 § 25
 § 5
 § 6
 § 2958
 § 6
 § 25
 § 66
 § 5
 § 2994
 § 6
 § 2958
 § 6
 § 25
 § 66
 § 5