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Timestamp: 2020-08-06 07:27:04+00:00

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Löschung einer Kleinst-GmbH | yourXpert
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07.06.2017 | Preis: 77 € | Bilanz
Ich möchte meine Kleinst-GmbH auflösen. Letzte Bilanz 2016 ist anbei. In 2017 wird es keinen nennenswerten Umsatz geben, vielleicht 1000 Euro. Erträge gibt es darüberhinaus wegen des zu buchenden Eigenverbrauchs in Sachen Firmen-PKW (s. Anlagevermögen). Verbindlichkeiten an Dritte gibt es nicht mit Ausnahme ggü dem Finanzamt wegen Umsatzsteuer und Gewerbesteuer für 2017. Körperschaftssteuer fällt nicht an, wegen eines noch vorhandenen Verlustvortrages in Höhe von Euro 8169. Fragen:
Kann ich den Löschungsbeschluss und Vorgang jederzeit im Laufe eines Jahres vornehmen / einleiten?
Bei den Verbindlichkeiten ggü Gesellschafter handelt es sich um meine über die Jahre gewährten und teilweise zurückgezahlten Darlehen. Wie bekomme ich diese Position idealerweise steuerneutral aus der Bilanz?
Kann ich den verbleibenden Schuldsaldo aus nicht rückzahlbaren Darlehen steuerlich privat verwerten?
Bevor ich im Nachstehenden Ihre Fragen beantworten möchte, gehe ich nach dem Studium der Schlussbilanz zum 31.12.2016 davon aus, dass bis auf eine kleine Differenz Ihr EK aufgebraucht - und Ihr Darlehn eigentlich uneinbringbar/wertlos ist.
Einen Löschungsbeschluss können Sie jederzeit vornehmen (Gesellschafterbeschluss). Zu diesem Zeitpunkt endet die "lebende" GmbH, eine Schlussbilanz ist zu erstellen. Eine gleichlautende Eröffnungsbilanz für die GmbH i. L. (in Liquidation) ist zu erstellen und bei Beendigung Letzterer wieder eine Schlussbilanz.
Die Frage ist nun, wie wird das verlorene Stammkapital bei der Einkommensteuer (wirtschaftlicher Verlust) berücksichtigt.
Ihre Beteiligung, ich gehe davon aus, Sie sind Alleingesellschafter, ist eine sog. wesentliche Beteiligung i.S.d. § 17 EStG. Steuerlich führt eine Beteiligung i.S.d. § 17 EStG dazu, dass z. B. Veräußerungsverluste nach dem sog. Teileinkünfteverfahren des § 3 Nr. 40 EStG besteuert werden. Das bedeutet, dass Ihr Verlust nur mit 60 % zu berücksichtigen ist.
Die Besteuerung erfolgt unter Anwendung des individuellen Steuertarifs (Steuerprogression). Die Geltendmachung eines Verlustes macht insoweit dann nur in einem Jahr Sinn, in dem andere positive (verrechenbare) Einkünfte vorhanden sind.
Die Auflösung einer GmbH ist ein veräußerungsgleicher Tatbestand, der Verlust aus der Beteiligung kann steuerlich geltend gemacht werden. Es stellt sich oft die Frage in welchem Jahr der Verlust steuerlich geltend gemacht werden sollte/kann.
Ein Veräußerungs- bzw. Auflösungsverlust ist i. d. R. in dem Veranlagungszeitraum zu berücksichtigen, in dem der Gesellschafter nicht mehr mit eine Rückzahlung aus der Gesellschaft rechnen kann und feststeht, ob bzw. in welche Höhe nachträgliche Anschaffungskosten entstehen. Dies ist in der Regel der Zeitpunkt in dem die Liquidation der Gesellschaft abgeschlossen ist. Die Liquidation ist dann abgeschlossen, wenn die Gesellschaft aufgelöst ist.
Offensichtlich hat das Stammkapital Ihrer GmbH nicht ausgereicht, sodass von Ihnen ein Gesellschafterdarlehen zur Verfügung gestellt wurde. Fraglich ist nun, ob und in welcher Höhe Sie den wirtschaftlichen Verlust in Höhe der Darlehnsvaluta steuerlich geltend machen können. Es ist also zu beurteilen, inwiefern das Darlehen als nachträgliche Anschaffungskosten auf die GmbH-Beteiligung zu klassifizieren ist.
Hier sind vier verschiedene Fallkonstellationen zu unterscheiden:
1. Hingabe des Darlehens in der Krise
Ist das Darlehen durch Sie in einer Krise gewährt worden, so stellt der Nennbetrag des Darlehens nachträgliche Anschaffungskosten der GmbH-Beteiligung dar. Die Frage, ob eine Krise vorliegt, beantwortet der BFH nach dem Maßstab eines ordentlichen Kaufmanns.
2. Stehen gelassenes Darlehen
Das wird angenommen, wenn ein Darlehn aufgrund der Gesellschafterstellung nicht abgezogen wurde. Maßstab ist auch hier der ordentliche Kaufmann. Hätte der ordentliche Kaufmann das Darlehen abgezogen und tat dies der Gesellschafter nicht, so ist dies im Gesellschaftsverhältnis veranlasst.
Auch ein stehen gelassenes Darlehen führt prinzipell zu nachträglichen Anschaffungskosten auf die Beteiligung. Beim stehen gelassenen Darlehen aber lediglich zum Teilwert. Der Teilwert ist der werthaltige Teil des Darlehens. Im Zweifel 0 €, wenn es nicht zurückgezahlt werden kann.
3. Finanzplandarlehen
Ein Finanzplandarlehen ist ein Gesellschafterdarlehen, welches z. B. bei Gründung der GmbH schon gewährt wird. Es dient dazu, die GmbH mit dem erforderlichen Kapital zur Aufnahme und krisenunabhängigen Fortführung der Geschäftstätigkeit auszustatten. Ein krisenunabhängiges Finanzplandarlehen wird immer mit Rücksicht auf das Gesellschaftsverhältnis gewährt. (BFH) Folge: Nachträgliche Anschaffungskosten.
4. Krisenbestimmtes Darlehen
Als krisenbestimmt wird ein Darlehen verstanden, welches Sie Ihrer GmbH vor Beginn der Krise gewähren. Das krisenbestimmte Darlehen wirkt sich im Falle des Darlehensausfalls ebenfalls in voller Höhe als nachträgliche Anschaffungskosten aus.
Hinweis: Welche Art von Darlehen vorliegt unterliegt immer der Einzelfallbewertung und wird gerne von den Finanzämtern thematisiert.
Zu Fragen 3+4:
Das Darlehn muss aus der Liquidations- Bilanz nicht raus. Wenn es eigenkapitalersetzenden Charakter hat, s. o., kann es gemeinsam mit dem verlorenen Stammkapital als Verlust gem. § 17 EStG in Ihrer Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.
Ich hänge einmal den § 17 EStG an:
§ 17 EStG Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften
Sehr schnelle kompetente und ausführliche Abhandlung meiner Anfrage.
08.06.2017 11:45 Uhr
Meine Befürchtung war, dass ich das Darlehen ausbuchen müsste, wodurch ein außerordentlicher zu versteuernder Ertrag entstünde. Ich entnehme Ihren Ausführungen , dass dies nicht der Fall ist, sondern dass das Darlehen in der (zweiten) Schlussbilanz stehen bleibt und die GmbH so wie sich am Ende des Sperrjahres darstellt gelöscht wird.
Die nächsten Schritte wären also ein Gesellschafterbeschluss, eine Eintragung im Handelsregister (notariell), eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger und die Erstellung einer Schluss- und Eröffnungsbilanz mit Information an das Finanzamt.
Die Aktiva – hier in erster Linie das Anlagevermögen (PKW) – würden versilbert werden und daraus das Darlehen zum Teil zurückgezahlt bzw. alle sonstigen Verbindlichkeiten ( Pflichtkosten wie Handelskammer, Rundfunkgebühren etc. und Steuern getilgt werden.
Bitte um kurze Info, ob meine Annahmen so richtig sind.
Ich plane, den GS-Beschluss am bzw. per 30.06.2017 durchzuführen, so dass die Frage der Verlustverwertung des Darlehens wie von Ihnen beschrieben dann im nächsten Jahr nach der Löschung geklärt werden kann.
08.06.2017 12:26 Uhr
da hat gerade etwas nicht hingehauen. Ich versuche es noch einmal:
Sie haben alles richtig verstanden, das Darlehn bleibt stehen, soweit es nicht zurückgezahlt werden kann. Wichtig für § 17 EStG ist, wie Ihr Gesellschafterdarlehn zu bewerten ist.
Alle Formalitäten haben Sie richtig beschrieben. Zu beachten ist noch, dass das Wirtschaftsjahr der i.L. auch mehr als 12 Monate betragen kann. Steuererklärungen will das FA jährlich.
1497114973

References: § 17
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 § 3
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