Source: https://www.vermieter-forum.com/threads/erhaltungsaufwendungen-verteilt-auf-5-jahre-15-grenze.22895/
Timestamp: 2019-03-22 17:21:52+00:00

Document:
Diskutiere Erhaltungsaufwendungen; Verteilt auf 5 Jahre - 15%-Grenze? im Steuer - Vermietung und Verpachtung Forum im Bereich Finanzen; Guten Tag in das Forum, es ist mal wieder soweit - ich arbeite an der Steuererklärung für 2017 für ein in 2016 erwobenes Objekt...in diesem...
#1 sandra83, 12.06.2018
es ist mal wieder soweit - ich arbeite an der Steuererklärung für 2017 für ein in 2016 erwobenes Objekt...in diesem Zusammenhang hätte ich folgende Fragen, wovon ich die meisten eigentlich schon selbst beantworten kann (danke an die guten Beiträge im Forum dafür ):
1) Die 15%-Grenze von Erhaltungsaufwendungen bezieht sich auf die Gebäudekosten mit Anschaffungsnebenkosten, richtig? Die vom FA akzeptierte AfA sollte meiner Meinung nach dafür als Referenz genommen werden.
2) Es zählen nur Erhaltungsaufwendungen/Instandhaltungen zu der 15%-Grenze, keine weiteren Werbungskosten, oder? Damit meine ich z. B. Fahrtkosten; Anschaffung einer Einbauküche (Abschreibung 10 Jahre) die mit vermietet wird etc.
3) Größere Erhaltungsaufwendungen kann man ja auf bis zu 5 Jahre strecken. Zählt trotzdem der ursprüngliche Rechnungsbetrag zu den Erhaltungsaufwendungen im aktuellen Steuerjahr oder dann dementsprechend nur der Bruchteil? Dies hätte dann ja den Charme, die Aufwendungen fur Erhaltung etwas nach hinten zu schieben...
4) Unterteilt man eigentlich die Erhaltungsaufwendungen in Reparatur und Modernisierung oder ähnliches? Oder wird grundsätzlich alles zu den 15% angerechnet?
#2 taxpert, 13.06.2018
2) Es zählen nur Erhaltungsaufwendungen/Instandhaltungen zu der 15%-Grenze, keine weiteren Werbungskosten, oder?
Zitat von §6 Abs.1a Satz 1 EStG:
Zu den Herstellungskosten eines Gebäudes gehören auch Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, ...
Bei den Fahrtkosten z.B. kommt es daher darauf an, ob es sich z.B. um Fahrten handelt, um Material für Instandhaltungsarbeiten zu besorgen, oder z.B. um Fahrten zum StB. Die Küche ist ein eigenes Wirtschaftsgut und hat mit dem Gebäude nichts zu tun!
3. Größere Erhaltungsaufwendungen kann man ja auf bis zu 5 Jahre strecken. Zählt trotzdem der ursprüngliche Rechnungsbetrag zu den Erhaltungsaufwendungen im aktuellen Steuerjahr oder dann dementsprechend nur der Bruchteil? Dies hätte dann ja den Charme, die Aufwendungen fur Erhaltung etwas nach hinten zu schieben...
Wenn der Erhaltungsaufwand die 15%-Marke knackt, ist er rechtlich kein Erhaltungsaufwand im Sinne §82b EStDV mehr, sondern Anschaffungskosten! Er kann daher auch nicht mehr auf mehrere Jahre verteilt werden!
Es sit vollkommen egal, ob es sich um Modernisierung/Sanierung oder "nur" um (Schönheits-)Reparaturen handelt! Es fällt alles darunter!!
1. Jährlich anfallender Aufwand
Wobei das bitte je WE zu betrachten ist! Nur weil in einem 30-Parteien-Haus sicherlich jedes Jahr irgendwo Malerarbeiten anfallen, sind nicht alle Malerarbeiten "jährlich anfallender Aufwand"!
2. Aufwand der qua Definition bereits AHK darstellt
Also z.B. Schaffung von mehr Wohnfläche (z.B. Ausbau DG).
3. nachträglich eingetretene Schäden
Z.B. Vandalismus durch gekündigten Mieter
Da sich die BFH-Rechtsprechung in 2017 zum Teil verschärft hat, gibt es für Erwerbe vor dem 01.01.2017 gewisse Übergangsregelungen, die die bisherige für den Stpfl. günstigere Regelung erhalten.
In solchen Fällen ist definitiv der Gang zum StB angesagt!
#3 sandra83, 22.07.2018
Sobald man dann einige Ausgaben als Anschaffungskosten Herstellungskosten deklariert zählen Sie dann logischerweise nicht mehr zu den Werbungskosten für Instandhaltung, das ist so richtig, oder?
#4 jorgk, 22.07.2018
... weil dann der "Erhaltungsaufwand" stattdessen auf 50 Jahre (nun als 'Anschaffungskosten') verteilt wird ...
Das deutsche Steuerrecht ist so schön - und auch immer die guten Hinweise von taxpert. Ich liebe es ... !
#5 sandra83, 22.07.2018
meinte oben übrigens *anschaffungsnahe Herstellungskosten.
Was macht eigentlich mehr Sinn um unter den 15% zu bleiben:
a) Rechnungen nicht bei der Steuererklärung angeben oder
b) Versuchen proaktiv einiges in die AfA zu schieben?
Achja, alles ganz schön kompliziert
#6 taxpert, 23.07.2018
Im Falle von a) machst Du unvollständige Angaben bzw. lässt die Finanzbehörden in Unkenntnis über steuerlich erhebliche Tatsachen.
Im Falle von b) machst Du unrichtige Angaben zu steuerlich erheblichen Tatsachen.
Das Ganze machst Du, um durch Umgehung des §6 Abs.1 Nr.1a EStG eine niedrigere Steuer zu erreichen.
Bist Du dir eigentlich bewusst, dass Du nach einer Anleitung zur Steuerhinterziehung, §370 AO fragst?
#7 ehrenwertes Haus, 23.07.2018
Ich glaube du solltest nicht nur über die magischen 15% nachdenken.
Klar ist es schön wenn man möglichst wenig an den Staat abtreten muss, aber...
oftmal ist es besser nicht zu versuchen den letzten Cent rauszukitzeln zu wollen (zumindest nicht im Do-it-yourself).
Zum Einen steigt damit die Gefahr eine wirklich falsche Steuererklärung mit zu niedriger Steuer abzugeben, auch wenn Elster nicht direkt meckert,
zum Anderen erhöht sich die Chance einer Steuerprüfung und deren Intensität mit gleichzeitig sinkender Toleranzgrenze des Prüfers bei Kleinigkeiten.
Oder ist der Unterschied bei dir wirklich so relevant, dass sich der Mehraufwand für dich lohnt?
#8 Rudi Ratlos, 23.07.2018
>> a) Rechnungen nicht bei der Steuererklärung angeben oder
>> Bist Du dir eigentlich bewusst, dass Du nach einer
>> Anleitung zur Steuerhinterziehung, §370 AO fragst?
Nachdem wir in D zwar einen progressiven ESt.Satz haben, dieser m.W. aber immer > 0 war, aktuell ist und keine mir bekannte Partei diesbzgl. eine Änderung anstrebt, ist das keine Frage zur Anleitung zur Steuerhinterziehung sondern schlicht und einfach wenig intelligent.
Ohne groß darüber nachzudenken, würde ich auch bei b) sagen, dass eine proaktive Verschiebung negative Auswirkung haben muss. Die 15% bleiben ja als Aufwand stehen und wandern nicht komplett in die HK sobald 15,1% erreicht sind. Das machen die Taxperten in D schon so richtig.
#9 GJH27, 23.07.2018
ist das keine Frage zur Anleitung zur Steuerhinterziehung
Ich denke, dass ein Steuerexperte durchaus in der Lage ist, eine Steuerhinterziehung zu erkennen...
#10 immobiliensammler, 23.07.2018
Das schaffe sogar ich, ohne Steuerexperte zu sein. Auch Steuerstundung ist m.E. Steuerhinterziehung.
Ich habe dieses Jahr zusätzliche Einnahmen von 500.000 Euro, aber aktuell nicht die liquiden Mittel, um die darauf fälige Einkommensteuer zu zahlen. Ich gebe diese Einnahme in 2015 nicht an, um das dann wieder richtigzustellen gebe ich die Einnahme einfach in 2016 an, jetzt habe ich das Geld für die Einkommensteuer. Die übrigen Einnahmen waren in beiden Jahren exakt gleich, die Steuerzahlung auf die 500.000 Euro sind also in 2015 und 2016 exakt gleich (wäre blöd wenn jetzt Taxpert argumentiert es gäbe eine Änderung beim Steuertarif <g>).
Ist das Vorgehen wohl nach Meinung von @Rudi Ratlos Steuerhinterziehung oder nicht?
#11 taxpert, 23.07.2018
Die Frage der Steuerhinterziehung ist für jedes Jahr einzeln zu betrachten. Wird also der Aufwand falsch oder unvollständig erklärt, um unterhalb der grenze des §6 Abs.1 Nr.1a EStG zu bleiben, so wird in diesem Jahr/diesen Jahren der Aufwand hier vollständig im Jahr des Abflusses geltend gemacht anstatt nur über die 2%/3% Abschreibung! In diesen Jahr/diesen Jahren wird also die Steuer verkürzt. Das in den Folgejahren wegen der "fehlenden" Abschreibung die Steuer höher ausfällt und sich vielleicht sogar irgendwann ausgleicht, kann zwar Auswirkungen auf das Strafmaß haben, ändert aber nichts an der Strafbarkeit der Handlung in dem/den Erstjahr(en)!
Grundsätzlich führt sogar bereits eine Verschiebung der Festsetzung der Steuer zur Hinterziehung.
Bsp.: Um unterjährig mehr Liquidität zu haben, z.B. um den Urlaub zu finanzieren, wird die Herabsetzung der ESt-Vorauszahlungen beantragt (alternativ die USt-VA zu niedrig abgegeben). Bei Abgabe der ESt-Erklärung (alternativ USt-Jahreserklärung) kommt es daher zu einer entsprechenden Nachzahlung.
Die abgegebenen Erklärungen stellen in diesem Fall (hoffentlich!) strafbefreiende Selbstanzeigen dar. Da kann man dann nur noch hoffen, dass sich keine unbeabsichtigten Fehler in die Erklärungen eingeschlichen haben, denn sonst steht man genauso blöd da wie Uli H.!
Zitat von §370 Abs.4 Satz 1 AO":
Den meisten Leuten ist gar nicht klar, wie schnell man bei der Steuer in den strafrechtlichen Bereich hinein kommt!
#12 Rudi Ratlos, 23.07.2018
Nachdem das Vorgehen aber keine Steuerverkürzung oder Periodenverschiebung ist, sondern zu mehr Steuern führt, ist die Argumentation daneben.
#13 taxpert, 23.07.2018
Bitte mal §6 Abs.1 Nr.1a EStG lesen und verstehen!
Wenn man bei einer BMG von 100.000 Euro statt 2% von 15.100 Euro (=302 Euro) wegen unvollständiger Angaben 14.900 Euro als sofort abzugsfähigen Aufwand geltend macht, führt das nicht zu mehr Steuern, sondern zu einer deutlciechen Steuerverkürzung!
#14 Rudi Ratlos, 23.07.2018
Ok. Habe nachgelesen. Du hast wohl recht.
#15 taxpert, 23.07.2018
Das ist nett, dass Du mir Recht gibst! Dann sind drei Jahre Studium und über zwanzig Jahre Berufserfahrung nicht ganz umsonst gewesen!
Jobo45, ehrenwertes Haus, immodream und 3 anderen gefällt das.
#16 sandra83, 23.07.2018
ohja, da habe ich ja eine Diskussion losgetreten .
Ja, bei mir wird es wohl etwas knapp mit den 15% innerhalb der ersten drei Jahre. Habe anfangs leider nicht richtig aufgepasst. Der Puffer ist jetzt in den ersten beiden Jahren schon fast aufgebraucht und ich möchte es nicht riskieren, 99% dieser 15% auszuschöpfen.
Deswegen hatte ich nur überlegt, schon proaktiv einige Arbeiten (die auch wirklich anschaffungsnahen Herstellungskosten entsprechen) in die Abschreibung einzuteilen, alternativ die Rechnung nicht einreichen - aber das scheint ja nicht ganz legitim zu sein .
Thema: Erhaltungsaufwendungen; Verteilt auf 5 Jahre - 15%-Grenze?
Erhaltungsaufwendungen Auf 5 Jahre Verteilen
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References: §6
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