Source: http://www.hensche.de/Flexi-Rentengesetz_Was_bringt_das_Flexi-Rentengesetz_Bessere_Hinzuverdienst-Moeglichkeiten_ab_Januar_2017_23.10.2016.html
Timestamp: 2017-08-19 03:26:00+00:00

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ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/331
Vor­ge­zo­ge­ne Ren­ten und vor­zei­ti­ge In­an­spruch­nah­me - was ist der­zeit beim Hin­zu­ver­dienst zu be­ach­ten?
Vor­ge­zo­ge­ne Ren­ten und vor­zei­ti­ge In­an­spruch­nah­me - was ändert sich beim Hin­zu­ver­dienst?
Ver­si­che­rungs­pflicht beim Hin­zu­ver­dienst ne­ben ei­ner Al­ters­voll­ren­te
Ent­las­tung der Ar­beit­ge­ber von Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rungs-Beiträgen für Hin­zu­ver­die­ner nach Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze
Präven­ti­on und Re­ha­bi­li­ta­ti­on
Fa­zit: Gu­te Ab­sich­ten, we­ni­ge Ver­bes­se­run­gen
Wer ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Ren­ten­art be­zieht (Schwer­be­hin­der­ten­ren­te, "Ren­te mit 63") oder sich für ei­ne vor­zei­ti­ge In­an­spruch­nah­me sei­ner Ren­te ent­schei­det (das geht bei der Al­ters­ren­te für langjährig Ver­si­cher­te und bei der Schwer­be­hin­der­ten­ren­te), be­kommt be­reits vor der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­ne Ren­te, so dass ein Hin­zu­ver­dienst ne­ben der Ren­te viel­leicht ei­ne at­trak­ti­ve Möglich­keit ist. Hier gel­ten al­ler­dings der­zeit kom­pli­zier­te Hin­zu­ver­dienst­gren­zen (§ 34 Abs.2 und 3 SGB VI), die durch das Fle­xi­ren­ten­ge­setz ver­ein­facht wer­den sol­len.
Die­se Ände­run­gen be­tref­fen Rent­ner, die die Re­gel­al­ters­gren­ze über­schrit­ten ha­ben, nicht, denn sie können sich oh­ne An­rech­nung ne­ben ih­rer Al­ters­ren­te noch et­was da­zu ver­die­nen. Hier gibt es kei­nen De­ckel­be­trag und der Zu­ver­dienst wird nicht mit der Al­ters­ren­te ver­rech­net.
Der­zeit beträgt die Hin­zu­ver­dienst­gren­ze bei ei­ner Voll­ren­te, die man vor der Re­gel­al­ters­gren­ze in An­spruch nimmt, mo­nat­lich 450,00 EUR (§ 34 Abs.3 Nr.1 SGB VI). Bei Teil­ren­ten gel­ten ver­schie­den ho­he Hin­zu­ver­dienst­gren­zen je nach­dem, ob man ei­ne Drit­tel­ren­te, ei­ne hälf­ti­ge Ren­te oder ei­ne Zwei­drit­tel­ren­te be­zieht (§ 34 Abs.3 Nr.2 SGB VI).
Die Hin­zu­ver­dienst­gren­ze bei Be­zug ei­ner Voll­ren­te wird durch § 34 Abs.2 SGB VI (neue Fas­sung) künf­tig nicht mehr mo­nat­lich, son­dern jähr­lich fest­ge­legt und ent­spricht der Höhe nach 14 Mo­nats­bezügen à 450,00 EUR. Durch die ka­len­derjähr­li­che Hin­zu­ver­dienst­gren­ze soll ver­hin­dert wer­den, dass die Ren­te schon bei ei­ner ge­rin­gen Über­schrei­tung un­verhält­nismäßig stark gekürzt wird.
Nach § 34 Abs.3 SGB VI (neue Fas­sung) wird die Teil­ren­te in Zu­kunft un­abhängig von den bis­he­ri­gen drei star­ren Stu­fen be­rech­net, d.h. in­di­vi­du­ell. Der Re­chen­weg ist kom­pli­ziert und führt im Er­geb­nis da­zu, dass die Sum­me von Hin­zu­ver­dienst plus vor­ge­zo­ge­ner und/oder vor­zei­tig in An­spruch ge­nom­me­ner Ren­te das bis­he­ri­ge Ar­beits­ein­kom­men nicht über­steigt. Die­se Neu­re­ge­lung gilt nicht für Al­ters­ren­ten, son­dern auch für Ren­ten we­gen ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit.
Künf­tig un­ter­liegt auch ein Hin­zu­ver­dienst ne­ben ei­ner Al­ters­voll­ren­te der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht, al­ler­dings nur zeit­lich be­grenzt bis zur Re­gel­al­ters­gren­ze. Ein ver­si­che­rungs­frei­er Ne­ben­ver­dienst setzt da­her künf­tig im All­ge­mei­nen vor­aus,
dass man ei­ne Voll­ren­te we­gen Al­ters be­zieht und
§ 5 Abs.4 Satz 1 Nr.1 SGB VI (neue Fas­sung) lau­tet da­her, dass Per­so­nen ver­si­che­rungs­frei sind, die
"1. nach Ab­lauf des Mo­nats, in dem die Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht wur­de, ei­ne Voll­ren­te we­gen Al­ters be­zie­hen,".
Wer die Re­gel­al­ters­gren­ze in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung er­reicht, d.h. ak­tu­ell (2016) älter als 65 Jah­re und fünf Mo­na­te ist, ist gemäß § 28 Abs.1 Nr.1 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei, d.h. er un­ter­liegt nicht der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rungs­pflicht, wenn er sich et­was zu sei­ner Ren­te hin­zu­ver­dient.
Trotz­dem müssen Ar­beit­ge­ber, die sol­che Rent­ner beschäfti­gen, den (hälf­ti­gen) Ar­beit­ge­ber­an­teil zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung be­zah­len. Das folgt aus § 346 Abs.3 Satz 1 SGB III. Die be­trof­fe­nen Rent­ner ha­ben von die­ser Ab­ga­ben­zah­lung nichts, da sie al­ters­be­dingt nicht mehr in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­chert sind.
Die­se Leis­tun­gen sol­len wei­ter aus­ge­baut wer­den. Der­zeit ha­ben die Ver­si­che­rungs­träger hier noch ein Er­mes­sen, d.h. es han­delt sich um Kann-Leis­tun­gen, denn § 9 Abs.2 SGB VI lau­tet der­zeit:
"Die Leis­tun­gen nach Ab­satz 1 können er­bracht wer­den, wenn die persönli­chen und ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen dafür erfüllt sind."

References: § 34
 § 34

§ 5
 § 28
 § 346
 § 9