Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=13.03.2003&Aktenzeichen=1%20WD%202.03
Timestamp: 2019-06-16 13:41:58+00:00

Document:
BVerwG, 13.03.2003 - 1 WD 2.03 - dejure.org
https://dejure.org/2003,10752
BVerwG, 13.03.2003 - 1 WD 2.03 (https://dejure.org/2003,10752)
BVerwG, Entscheidung vom 13.03.2003 - 1 WD 2.03 (https://dejure.org/2003,10752)
BVerwG, Entscheidung vom 13. März 2003 - 1 WD 2.03 (https://dejure.org/2003,10752)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2003,10752) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
WDO § 38 Abs. 1, § 58 Abs. 7, § 84 Abs. 1; StGB § 21
Körperverletzung, außerdienstliche; Degradierung; verminderte Schuldfähigkeit; Bindungswirkung.
Disziplinare Ahndung durch Dienstgradherabsetzung in den Mannschaftsdienstgrad als "reinigende" Maßnahme aus generalpräventiven Gründen bei Strafbarkeit eines Soldaten im außerdienstlichen Bereich wegen Körperverletzung; Vorgesetztenfunktion als besondere Bedeutung für das Gewicht des Dienstvergehens; Bindungswirkung rechtskräftiger Strafurteile hinsichtlich Feststellungen zur verminderten Schuldfähigkeit
Auf Feststellungen, die für diese Frage Bedeutung haben, erstreckt sich die Bindung des Disziplinargerichts nicht (vgl. für den vergleichbar gelagerten Fall im Wehrdisziplinarrecht Urteil vom 13. März 2003 BVerwG 1 WD 2.03 ZBR 2004, 144 ).
Dies gilt vor allem dann, wenn das Fehlverhalten zudem strafrechtlich mit einer erheblichen Strafe geahndet werden musste (vgl. Urteile vom 5. Mai 1998 - BVerwG 2 WD 25.97 - BVerwGE 113, 217 = Buchholz 236.1 § 17 SG Nr. 19, vom 19. Oktober 1999 - BVerwG 2 WD 26.99 - Buchholz 236.1 § 17 SG Nr. 28 m.w.N. und vom 13. März 2003 - BVerwG 1 WD 2.03 - NZWehrr 2003, 170 = Buchholz 235.01 § 84 WDO 2002 Nr. 2).
Auch das Bekanntwerden der Verfehlung des Soldaten bei der Polizei und den sonstigen mit der Strafverfolgung und Durchführung des Strafverfahrens befassten Organen ist zu Lasten des Soldaten zu berücksichtigen (vgl. dazu u.a. Urteil vom 13. März 2003 - BVerwG 1 WD 2.03 - m.w.N.), da die Vorfälle nicht nur den Soldaten, sondern auch die Dienststelle, in der solches möglich war, und damit auch deren Angehörigen in ein schlechtes Licht rückten.
Hinsichtlich des im Wesentlichen auf das rechtskräftige Urteil des Landgerichts P. vom 19. November 2007 - 26 Ns 73/07 - gestützten Tatvorwurfs, den "gesamten Aktenbestand im Archiv" beiseite geschafft zu haben, geht der Senat gemäß §§ 66 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. 58 Abs. 1 LDG von den in dem Urteil wiedergegebenen tatsächlichen Feststellungen zu den objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmalen des § 133 Abs. 1, 3 StGB sowie zur Schuldfähigkeit aus (s. zum Umfang der Bindungswirkung: BVerwG, Urteil vom 13. März 2003 - 1 WD 2.03 -, juris Rn. 12;… Urteil vom 29. Mai 2008 - 2 C 59.07 -, juris Rn. 29;… Beschluss vom 1. März 2012 2 B 120.11, juris Rn. 13;… Beschluss vom 6. September 2012 - 2 B 31.12 -, juris Rn. 6).
Das Disziplinargericht muss insoweit selbst die erforderlichen Tatsachen feststellten - was auch im Wege der Übernahme entsprechender Feststellungen der "Vorinstanz" geschehen kann -, und die Rechtsentscheidung treffen, ob die Minderung der Schuldfähigkeit erheblich ist (BVerwG, Urteil vom 13. März 2003 - 1 WD 2.03 -, juris Rn. 12;… Urteil vom 29. Mai 2008 - 2 C 59.07 -, juris Rn. 29;… Beschluss vom 1. März 2012 a.a.O., juris Rn. 13;… Beschluss vom 6. September 2012 - 2 B 31.12 -, juris Rn. 6).
Es reicht aus, dass er aufgrund seines Dienstgrades Vorgesetztenfunktionen ausüben kann (vgl. dazu u.a. Urteile vom 13. März 2003 - BVerwG 2 WD 2.03 - Buchholz 235.01 § 84 WDO 2002 Nr. 2 = NZWehrr 2003, 170 und vom 24. November 2005 - BVerwG 2 WD 32.04 - NZWehrr 2006, 127;… Scherer/Alff, SG, 7. Aufl. 2003, § 10 Rn. 3 m.w.N.).
Es reicht aus, dass er aufgrund seines Dienstgrades Vorgesetztenfunktionen ausüben kann (vgl. dazu u.a. Urteil vom 13. März 2003 - BVerwG 2 WD 2.03 - ZBR 2004, 144>;… Scherer/Alff, SG, 7. Aufl. 2003, § 10 RNr. 3 m.w.N.).
Auch das Bekanntwerden der Verfehlung des früheren Soldaten bei der Polizei und den sonstigen mit der Strafverfolgung und Durchführung des Strafverfahrens befassten Organen ist zu Lasten des früheren Soldaten zu berücksichtigen (vgl. dazu u. a. Urteil vom 13. März 2003 BVerwG 1 WD 2.03), da die Vorfälle nicht nur den früheren Soldaten, sondern auch die Dienststelle, in der solches möglich war, und damit auch deren Angehörige in ein schlechtes Licht rücken.
Strafgerichtliche Feststellungen zu § 21 StGB sind im Rahmen des disziplinaren Zumessungskriteriums "Maß der Schuld" nicht bindend (Urteil vom 13. März 2003 BVerwG 1 WD 2.03 m. w. N.).
Das muss er sich erschwerend zurechnen lassen, (vgl. Urteile vom 13. März 2003 - BVerwG 1 WD 2.03 - Buchholz 235.01 § 84 WDO 2002 Nr. 2 = NZWehrr 2003, 170 m.w.N. und vom 6. Mai 2003 - BVerwG 2 WD 29.02 - BVerwGE 118, 161 = Buchholz 235.01 § 107 WDO 2002 Nr. 1), da die Vorfälle bei Außenstehenden ein schlechtes Licht auf den Ruf der Bundeswehr und ihrer Reservisten warfen, in deren Reihen sich der frühere Soldat mit seinem Dienstgrad als Oberstleutnant der Reserve bis heute befindet.
BVerwG, 01.03.2012 - 2 B 120.11
Nichtzulassungsbeschwerde: Darlegungsanforderungen; Bindungswirkung im …
VGH Bayern, 15.02.2012 - 16a D 10.1974
Leit. Regierungsdirektor; Steuerhinterziehung; Beihilfe zu Steuerhinterziehung; …
OVG Nordrhein-Westfalen, 22.09.2005 - 20 A 3723/04

References: § 38
 § 58
 § 84
 § 21
 § 17
 § 17
 § 84
 § 133
 § 84
 § 10
 § 10
 § 21
 § 84
 § 107