Source: http://www.bverwg.de/entscheidungen/entscheidung.php?ent=271114U7C18.12.0
Timestamp: 2017-10-20 11:09:56+00:00

Document:
Bundesverwaltungsgericht | Entscheidung | BVerwG 7 C 18.12
BVerwG 7 C 18.12 [ ECLI:DE:BVerwG:2014:271114U7C18.12.0 ]
Zitiervorschlag: BVerwG, Urteil vom 27.11.2014 - 7 C 18.12 [ECLI:DE:BVerwG:2014:271114U7C18.12.0]
Informationszugang; BaFin; Staatsanwaltschaft; Aktenvorlage; strafrechtliches Ermittlungsverfahren; nachteilige Auswirkungen; Untersuchungszweck; Strafrechtspflege; Darlegungslast; Vermutungswirkung; Beurteilungsspielraum; Aufsichtstätigkeit; Bereichsausnahme; Verschwiegenheitspflicht; verfassungsunmittelbarer Informationszugangsanspruch; notwendige Beiladung.
1. das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main vom 18. Juli 2012 zu ändern und die Beklagte unter Aufhebung ihres Bescheids vom 14. September 2010 in Gestalt des Widerspruchsbescheids vom 11. Januar 2011 zu verpflichten, dem Kläger Kopien folgender Unterlagen zur Verfügung zu stellen:
WA 22-WP 5215-90001533-2008/0001-H. Holding,
BA 31-K5100-120388-8/2010,
BA 31-K5100-120388-2/2008,
BA 22-K5100-118864-5/2008 und
BA 22-K5100-118864-3/2010
- Unterlagen zur D.-Übernahme, z.B. Due Diligence oder sonstige interne Memos zur Risikobewertung der D.,
- Merger Agreement H.-D. vom 23.07.2009,
- Zwischenbericht von G. vom 16.06.2009 zu H. und D.,
- BMF-Bericht vom 07.11.2008,
- Bericht der Deutschen Bundesbank vom 23.09.2008 über das Risikoprofil der H.,
- Zwischenbericht zur Sonderprüfung bei der H. und D. vom 17.03.2008,
- Unterlagen zur Doppelbilanzierung im Hause D.,
- Unterlagen zur Meldung an die irische Aufsicht, dass die D. kurzfristigen Kapitalbedarf i.H.v. 4 Mrd. € von der H. hat,
- alle Meldungen von 2007 bis Ende 2008 an die BaFin wegen Selbstbefreiung von Ad-hoc-Pflicht,
- Unterlagen und Schriftwechsel sowie E-Mail-Verkehr im Zusammenhang mit der angeblichen Überkreuzfinanzierung zwischen H. und H.bank (Codename: ...); hierzu gehören insbesondere Unterlagen, die über den Zweck der Gründung der Zweckgesellschaften namens Dr., R. und Ha. aufklären,
- weiterer Schriftverkehr zwischen BaFin und H. aus dem Jahr 2008,
- Unterlagen zur ... Versicherung der H. - welche besteht, in welcher Höhe bei der H.,
Kopien folgender Unterlagen zur Verfügung zu stellen:
Vorgang WA 22-WP 5215-90001533, S. 69 bis 71, 72 bis 76, 86 bis 87, 88, 125 bis 163, 164 bis 166, 175, 189 bis 190, 191 bis 193, 198 bis 208, 707 bis 727, 728 bis 730, 738 bis 739, 740, 836 bis 838, 867 bis 871, 872 bis 882, 883 bis 886, 887 bis 888, 889 bis 890.
die Beklagte zu verpflichten, zu den in Ziffer 1 aufgeführten Unterlagen und Akteninhalten Akteneinsicht zu gewähren, hilfsweise hierüber mündliche Auskunft zu erteilen.
10 Die Beigeladene beantragt,
38 Ein verfassungsunmittelbarer Informationszugangsanspruch auf der Grundlage des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG steht dem Kläger nicht zu (BVerfG, Urteil vom 24. Januar 2001 - 1 BvR 2623/95, 622/99 - BVerfGE 103, 44 <59 f.>; Beschluss vom 19. Dezember 2007 - 1 BvR 620/07 - BVerfGE 119, 309 <319>; siehe auch BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011- 7 B 14.11 - Buchholz 400 IFG Nr. 5 Rn. 9). Auch bei Beachtung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zu Art. 10 Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten - EMRK vom 4. November 1950 (BGBl. 1952 II S. 686) ergibt sich nichts anderes. Art. 10 Abs. 1 Satz 2 EMRK untersagt einem Konventionsstaat, eine Person am Empfang von Informationen Dritter zu hindern. Diese Vorschrift kann nach der Rechtsprechung des EGMR jedoch grundsätzlich nicht so verstanden werden, dass sie dem Staat die Pflicht auferlegt, Informationen zu geben. Nur ausnahmsweise kann etwas anderes gelten, wenn der Staat in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse über ein Informationsmonopol verfügt oder eine Informationsquelle aus anderen rechtlichen Gründen zur öffentlichen Zugänglichkeit bestimmt ist. Selbst dann verbietet Art. 10 EMRK allerdings lediglich eine willkürliche, zensurähnliche Verhinderung des Informationszugangs, die insbesondere eine angemessene Presseberichterstattung unmöglich macht (siehe zur Rechtsprechung des EGMR etwa VGH München, Beschluss vom 14. Februar 2014 - 5 ZB 13.1559 - NJW 2014, 1687 Rn. 8, 11 f.). Auf diese Ausnahmen kann sich der Kläger nicht berufen. Abgesehen davon, dass der Kläger den Informationszugang nicht im Interesse der Öffentlichkeit etwa zur Aufdeckung von Missständen, sondern im eigenen wirtschaftlichen Interesse begehrt, kann von einer Zensur nicht die Rede sein.

References: Art. 5
 Art. 10
 Art. 10
 EGMR 
 Art. 10
 EGMR