Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Arbeitslosengeld_Bemessungsentgelt_ArbG-Frankfurt_6Ca740506.html
Timestamp: 2016-12-04 08:10:02+00:00

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Ar­beits­ge­richtFrank­furt am Main
Ak­ten­zei­chen6 Ca 7405/06 Verkündet am 14. März 2007
hat das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main, Kam­mer 6,auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. März 2007durch die Rich­te­rin am Ar­beits­ge­richtals Vor­sit­zen­deund den eh­ren­amt­li­chen Rich­terund den eh­ren­amt­li­chen Rich­terals Bei­sit­zerfür Recht er­kannt:
2. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der Kläger zu 1) zu 33 %, der Kläger zu 2) zu 32 % und der Kläger zu 3) zu 35 %.
3. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 220.296,56 € fest­ge­setzt.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ih­re Ar­beits­verhält­nis­se auf Grund ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­zen­re­ge­lung mit Ab­lauf der Mo­na­te en­den bzw. ge­en­det ha­ben, in de­nen die Kläger ihr 60. Le­bens­jahr voll­enden wer­den bzw. voll­endet ha­ben so­wie über die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten die Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss der Ent­fris­tungs­kla­gen wei­ter­zu­beschäfti­gen.
Der Kläger zu 1) ist am ge­bo­ren und war auf Grund ei­nes un­ter dem 13. Ok­to­ber 1970 ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges seit dem 3. Ok­to­ber 1970 als Flug­zeugführer zu­letzt im Ran­ge ei­nes Ka­pitäns so­wie als Check- und Trai­nings­ka­pitän zu ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von zu­letzt € 16.908,26 zuzüglich ei­ner Check­zu­la­ge in Höhe von mo­nat­lich € 1.073,71 brut­to und wei­te­rer ta­rif­li­cher Zu­la­gen tätig.
Der Kläger zu 2) ist am ge­bo­ren. Sein Ar­beits­verhält­nis wur­de von der Be­klag­ten gemäß ei­nem So­zi­al­plan der vom 26. No­vem­ber 1990 über­nom­men. Für die Be­klag­te ist er auf Grund ei­nes un­ter dem 7. Au­gust 1991 ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges seit dem 1. Sep­tem­ber 1991 als Ka­pitän zu ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von € 16.908,26 und ei­ner Grund­vergütung II in Höhe von € 918,45 so­wie wei­te­rer ta­rif­li­cher Zu­la­gen tätig.
Der Kläger zu 3) ist am ge­bo­ren und auf der Grund­la­ge ei­nes un­ter dem 29. Mai 1968 ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges seit dem 26. Mai 1968 als Flug­zeugführer zu­letzt im Ran­ge ei­nes Ka­pitäns so­wie als Check- und Trai­nings­ka­pitän zu ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von zu­letzt € 16.908,26, ei­ner Grund­vergütung II in Höhe von € 1.283,55 zuzüglich ei­ner Check­zu­la­ge in Höhe von mo­nat­lich € 1.073,71 brut­to und wei­te­rer ta­rif­li­cher Zu­la­gen tätig. 3
Auf die Ar­beits­verhält­nis­se der Par­tei­en fin­det kraft ver­trag­li­cher In­be­zug­nah­me - im Fal­le der Kläger zu 1) und zu 3) auch kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung - u.a. der Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 5 a für das Cock­pit­per­so­nal bei in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 ( im Fol­gen­den: MTV Nr. 5a) An­wen­dung. Die­ser be­stimmt in § 19 Abs. 1, dass die Ar­beits­verhält­nis­se we­gen Er­rei­chens der Al­ter­gren­ze mit Ab­lauf des Mo­nats en­den, in dem der Mit­ar­bei­ter das 60. Le­bens­jahr voll­endet, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf.
Die Be­klag­te hat mit Schrei­ben vom 12. Ok­to­ber 2006 ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der Kläger über die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res hin­aus ab­ge­lehnt.
Mit der am 19. Ok­to­ber 2006 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge wen­den die Kläger sich ge­gen die Be­en­di­gung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se mit dem Er­rei­chen des 60. Le­bens­jah­res. Sie sind der Auf­fas­sung, die ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung stel­le ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar und sei da­her un­wirk­sam.Un­ge­ach­tet der Wirk­sam­keit der Be­stim­mung sei die Be­klag­te aber auch auf­grund von Äußerun­gen ih­res Chef­pi­lo­ten Herrn und ih­res Flot­ten­chefs der Bo­ing 747 Herrn ge­hin­dert, sich auf ei­ne et­wai­ge Wirk­sam­keit zu be­ru­fen. Die­se hätten im Rah­men von im Au­gust 2006 und Sep­tem­ber 2006 geführ­ten Gesprächen ein er­heb­li­ches In­ter­es­se an ih­rer Wei­ter­beschäfti­gung be­kun­det und auch ih­re Rechts­auf­fas­sung zur Un­wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Al­ters­be­fris­tungs­re­ge­lung ge­teilt. Die­se Äußerun­gen müsse die Be­klag­te sich un­ter dem Ge­sichts­punkt der Re­präsen­tan­ten­haf­tung als ne­ga­ti­ves Schuld­an­er­kennt­nis zu­rech­nen las­sen. Je­den­falls sei die Be­klag­te aber aus dem Ge­sichts­punkt von Treu und Glau­ben ge­hin­dert, sich zu die­sen außer­ge­richt­li­chen Äußerun­gen in Wi­der­spruch zu set­zen und sich ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung ent­ge­gen­zu­stel­len. 4
Der Kläger zu 1) be­an­tragt,
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen ihm und der Be­klag­ten be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf Grund der Be­fris­tung in § 19 Abs. 1 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 5 a für das Cock­pit­per­so­nal bei in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 zum 30. No­vem­ber 2006 ge­en­det hat, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 30. No­vem­ber 2006 hin­aus fort­be­steht und
2. für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu 1) die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Flug­ka­pitän B747-400 so­wie als Check-und Trai­nings­ka­pitän zur ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­zeit und ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von € 16.908,26 zuzüglich Check­zu­la­ge in Höhe von mo­nat­lich € 1.073,71 so­wie wei­te­rer ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen über den Ab­lauf des 30. No­vem­ber 2006 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen.
Der Kläger zu 2) be­an­tragt,
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen ihm und der Be­klag­ten be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf Grund der Be­fris­tung in § 19 Abs. 1 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 5 a für das Cock­pit­per­so­nal bei in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 zum 30. April 2007 en­det, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 30. April 2007 hin­aus fort­be­steht und 5
2. für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu 1) die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Flug­ka­pitän B747-400 zur ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­zeit und ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von € 16.908,26, ei­ner Grund­vergütung II in Höhe von € 918,45 so­wie wei­te­rer ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen über den Ab­lauf des 30. April 2007 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen.
Der Kläger zu 3) be­an­tragt,
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen ihm und der Be­klag­ten be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf Grund der Be­fris­tung in § 19 Abs. 1 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 5 a für das Cock­pit­per­so­nal bei in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 zum 30. Ju­ni 2007 en­det, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 30. Ju­ni 2007 hin­aus fort­be­steht und
2. für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu 1) die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Flug­ka­pitän B747-400 so­wie als Check-und Trai­nings­ka­pitän zur ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­zeit und ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von € 16.908,26, ei­ner Grund­vergütung II in Höhe von € 1.283,55 zuzüglich Check­zu­la­ge in Höhe von mo­nat­lich € 1.073,71 so­wie wei­te­rer ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen über den Ab­lauf des 30. Ju­ni 2007 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen.
Sie ist der An­sicht, die Al­ters­gren­ze sei nach wie vor ge­recht­fer­tigt, weil auf­grund me­di­zi­ni­scher Er­kennt­nis­se da­von aus­ge­gan­gen wer­den müsse, dass von Flug­ka­pitänen in der ge­werbsmäßigen Beförde­rung über die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res hin­aus zusätz­li­che Ge­fah­ren für den Flug­ver­kehr aus­ge­hen würden.
Die Kla­ge ist in vol­lem Um­fang un­be­gründet.
Die Ar­beits­verhält­nis­se der Par­tei­en ha­ben bzw. wer­den gemäß § 19 Abs. 1
die Kläger in den je­wei­li­gen Mo­na­ten das 60. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben bzw. voll­enden wer­den. Die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Flug­zeugführer ist wirk­sam.
1.Die Al­ters­gren­ze verstößt we­der ge­gen das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) noch ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (RL 2000/78/EG) und muss auch nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen ei­nen all­ge­mei­nen Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts, der die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ver­bie­tet, außer An­wen­dung blei­ben.
Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Kläger ist die ta­rif­li­che Re­ge­lung nicht an den Be­stim­mun­gen des AGG zu mes­sen. Zwar un­ter­fal­len auch ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen dem An­wen­dungs­be­reich des am 18. Au­gust 2006 in Kraft ge­tre­te­nen AGG. Die­ses be­inhal­tet auch kei­ne Über­g­angs­re­ge­lun­gen für so­ge­nann­te Alt­verträge, d. h. für Ar­beits­verträge und ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen, die vor dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes ge­schlos­sen wor­den sind. Das AGG ist da­mit grundsätz­lich auch auf die­se un­ein­ge­schränkt an­wend­bar. Die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tungs­re­ge­lung ist je­doch nach dem im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den Recht zu be­ur­tei­len. Der an­zu­wen­den­de Ta­rif­ver­trag, der die Al­ters­gren­ze vor­sieht, wur­de am 14. Ja­nu­ar 2005 und da­mit vor dem In­kraft­tre­ten des AGG ge­schlos­sen. Den Be­stim­mun­gen des AGG lässt sich auch kei­ne rück­wir­ken­de Gel­tung für Be­fris­tungs­kon­trol­len ent­neh­men, die es recht­fer­ti­gen würden, die ta­rif­li­che Al­ters­be­fris­tungs­re­ge­lung ei­ner sog. AGG-Kon­trol­le zu un­ter­zie­hen.
Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hat­ten bei Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges auch nicht die RL 2000/78/EG zu be­ach­ten. Richt­li­ni­en ver­pflich­ten grundsätz­lich nur die Ge­setz­ge­ber der Mit­glied­staa­ten in­ner­halb der ge­setz­ten Fris­ten den Richt­li­ni­en
ent­spre­chen­des na­tio­na­les Recht zu schaf­fen. Nach der Recht­spre­chung des EuGH be­gründen sie darüber hin­aus zwar auch die Ver­pflich­tung, während der Frist für die Um­set­zung ei­ner Richt­li­nie kei­ne Vor­schrif­ten zu er­las­sen, die ge­eig­net sind, die Er­rei­chung des in der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ziels ernst­lich in Fra­ge zu stel­len (vgl. u.a. EuGH 22.11.2005 -C-144/04- [Man­gold] m.w.N.). Auch die­ses Ver­bot gilt je­doch grundsätz­lich nur für die Mit­glied­staa­ten. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Kläger hat das, was für die Mit­glied­staa­ten und ih­re na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber zwin­gend gilt, grundsätz­lich nicht erst recht Be­deu­tung auch für die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, de­nen durch das Ta­rif­ver­trags­ge­setz ei­ne be­son­de­re Be­fug­nis zur Ein­wir­kung auch auf das in­di­vi­du­el­le Ar­beits­verhält­nis ein­geräumt wird. Die­se „be­son­de­re Be­fug­nis“ lei­tet sich aus der Mit­glied­schaft der Ver­bands­mit­glie­der ab. Das Aus­han­deln von Ta­rif­verträgen ist Er­geb­nis kol­lek­tiv aus­geübter Pri­vat­au­to­no­mie. Die frei­heits­be­schränken­den Wir­kun­gen der ta­rif­li­chen Nor­men be­ru­hen auf dem ei­gen­ver­ant­wort­li­chen Ver­bands­bei­tritt der Mit­glie­der. Die­se un­ter­wer­fen sich frei­wil­lig be­ste­hen­dem und künf­ti­gem Ta­rif­recht (vgl. u.a. BAG Urt. v. 21.07.2004 -7 AZR 589/03- m.zahlr.w.N.). Im Verhält­nis pri­va­ter Recht­sträger un­ter­ein­an­der ent­fal­ten je­doch die Richt­li­ni­en grundsätz­lich kei­ne Wir­kung. Die RL 2000/78/EG konn­te da­her der in Streit ste­hen­den ta­rif­li­chen Al­ters­be­fris­tungs­re­ge­lung we­der bei Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges noch später un­mit­tel­bar ent­ge­gen­ste­hen.
Un­ge­ach­tet der An­wend­bar­keit des AGG und un­ge­ach­tet der Fra­ge, ob die RL 2000/78/EG im Verhält­nis pri­va­ter Recht­sträger un­ter­ein­an­der über­haupt un­mit­tel­ba­re Wir­kung ent­fal­ten kann, stellt die ta­rif­li­che Al­ters­be­fris­tungs­re­ge­lung aber auch ge­mes­sen an die­sen Be­stim­mun­gen kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar. Sie verstößt auch nicht ge­gen das nach der Recht­spre­chung des EuGH (vgl. EuGH Urt.v. 22.11.2005– C-144/04- [Man­gold]) als all­ge­mei­ner Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts gel­ten­de Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, das nach der oben
ge­nann­ten Ent­schei­dung des EuGH be­reits während der Um­set­zungs­frist für die Richt­li­nie mit Bin­dung auch für Pri­vat­recht­sträger un­ter­ein­an­der Gel­tung hat­te. Dem­zu­fol­ge muss die Al­ter­be­fris­tungs­re­ge­lung auch nicht zur Gewähr­leis­tung der vol­len Wirk­sam­keit des ge­mein­schafts­recht­li­chen Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters un­an­ge­wen­det blei­ben.
Zwar führt die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung der be­trof­fe­nen Pi­lo­ten we­gen des Al­ters. Die Re­ge­lung knüpft un­mit­tel­bar und aus­sch­ließlich an das Kri­te­ri­um Al­ter an und be­nach­tei­ligt die Pi­lo­ten in­so­weit, als die­se, an­ders als an­de­re Ar­beit­neh­mer, ab Voll­endung ih­res 60. Le­bens­jah­res ih­ren Be­ruf nicht mehr ausüben können. Die­se un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung ist je­doch so­wohl nach dem AGG als auch nach den Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie, die die Gren­zen des all­ge­mei­nen ge­mein­schafts­recht­li­chen Grund­sat­zes des Ver­bots der Al­ter­dis­kri­mi­nie­rung fest­legt, zulässig.
Art. 6 Abs. 1 S.1 RL 2000/78/EG lässt Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen Al­ters zu, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind, im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. § 10 S. 1 u. 2 AGG be­stimmt un­ter Über­nah­me die­ses Wort­lauts, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig ist, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Un­ter den vor­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen stel­len Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters auch nach der Recht­spre­chung des EuGH (vgl. EuGH Urt.v. 22. No­vem­ber 2005 -C-144/04- [Man­gold] ) kei­nen Ver­s­toß ge­gen den von ihm an­ge­nom­me­nen all­ge­mei­nen Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts, der Al­ters­dis­kri­mi­nie­run­gen ver­bie­tet, dar.
Die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten stellt ei­ne solch zulässi­ge Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters dar.
Die ta­rif­li­che Al­ters­be­fris­tungs­re­ge­lung geht zurück auf in­ter­na­tio­na­le Be­stim­mun­gen, die seit 1944 den Ein­satz von Pi­lo­ten über die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res hin­aus ver­bo­ten ha­ben. So be­stimm­te noch § 41 Abs. 1 S. 2 der Be­triebs­ord­nung für Luft­fahrt­gerät vom 4. März 1970 (Luft­BO) in der bis zum 31. Au­gust 1998 gel­ten­den Fas­sung, dass Mit­glie­der der Flug­be­sat­zung mit ei­nem Al­ter über 60 nicht ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Auch die In­ter­na­tio­nal Avia­ti­on Or­ga­ni­sa­ti­on (ICAO) ver­bot bis April 2006 die Beschäfti­gung von Pi­lo­ten über die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res hin­aus.
Die Al­ters­gren­ze be­ruh­te in ih­ren Anfängen und in ih­ren Fort­schrei­bun­gen zu­min­dest ne­ben an­de­ren Mo­ti­ven auch auf Si­cher­heits­be­den­ken. Sie geht zurück auf me­di­zi­ni­sche Er­fah­rungs­wer­te, nach de­nen das Cock­pit­per­so­nal über­durch­schnitt­li­chen psy­chi­schen und phy­si­schen Be­las­tun­gen aus­ge­setzt ist, in de­ren Fol­ge das Ri­si­ko al­ters­be­ding­ter Aus­fall­er­schei­nun­gen und un­er­war­te­ter Fehl­re­ak­tio­nen zu­nimmt. Die Al­ters­gren­ze soll auf die­sem Hin­ter­grund die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Be­rufstätig­keit si­chern und dient darüber hin­aus dem Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, der Pas­sa­gie­re und der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten.
Dar­auf, dass auch die streit­ge­genständ­li­che ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze durch al­ters­be­ding­te Si­cher­heits­be­den­ken ge­recht­fer­tigt ist, be­ruft sich die Be­klag­te un­ter Hin­weis auf die Rechts­spre­chung des BAG. Dass fort­be­ste­hen­de Si­cher­heits­be­den­ken zu­min­dest noch ei­nes von mögli­cher­wei­se wei­te­ren Mo­ti­ven für die Al­ters­be­fris­tungs­re­ge­lung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en war, be­strei­ten die Kläger zu­min­dest nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert. Wenn auch die Al­ters­gren­ze zum Teil so­gar von me­di­zi­ni­schen Fach­leu­ten nicht mehr für er­for­der­lich ge­hal­ten wird, be­deu­tet dies nicht, dass Si­cher­heits­be­den­ken beim 11
Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges kei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben. Die­ser An­nah­me ste­hen die Hin­wei­se der Kläger auf Äußerun­gen des Präsi­den­ten der Ver­ei­ni­gung Cock­pit nicht ent­ge­gen. Selbst wenn die Ver­ei­ni­gung Cock­pit primär we­gen der be­ste­hen­den Über­g­angs­ver­sor­gung an der Al­ters­gren­ze fest­hal­ten will, lässt sich dem nicht ent­neh­men, dass Si­cher­heits­be­den­ken für den Ab­schluss ins­be­son­de­re für die am Ta­rif­ver­trags­schluss be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber­ver­tre­ter nicht von Be­deu­tung wa­ren. Dass die Er­rei­chung des von der Be­klag­ten ge­nann­ten Zie­les für die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht die ein­zi­ge Mo­ti­va­ti­on war, die ta­rif­li­che Al­ters­be­fris­tungs­re­ge­lung auf­recht zu er­hal­ten, son­dern da­ne­ben auch an­de­re Zie­le, wie z.B. der Er­halt von da­von abhängen­der Ver­sor­gungs­re­ge­lun­gen, ver­folgt wur­den, ist unschädlich.
Die Le­gi­ti­mität des im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­den Zie­les, die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Be­rufstätig­keit zu si­chern und Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, der Pas­sa­gie­re und der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten zu schützen, steht nach Auf­fas­sung der Kam­mer außer Zwei­fel. Es be­darf auch kei­ner wei­te­ren Dar­le­gung, dass ein der­ar­ti­ges Ziel grundsätz­lich als „ob­jek­ti­ve und an­ge­mes­se­ne“ Recht­fer­ti­gung ei­ner zulässi­gen Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters an­zu­se­hen ist. Dies wird nach Einschätzung der Kam­mer auch von den Klägern nicht in Zwei­fel ge­zo­gen.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger ist auch das gewähl­te Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.
Die Kläger wei­sen zu Recht dar­auf hin, dass gemäß der gewähl­ten For­mu­lie­rung ei­ne Verhält­nismäßig­keitsprüfung durch­zuführen ist. Da­bei ist zunächst zu prüfen, ob das ein­ge­setz­te Mit­tel über­haupt ge­eig­net ist, das an­ge­streb­te Ziel zu er­rei­chen. Wei­ter ist zu prüfen, ob von meh­re­ren gleich ge­eig­ne­ten Mit­teln das mil­des­te gewählt wur­de, d.h. das­je­ni­ge, das zu der ge­ringst mögli­chen Be­ein­träch­ti­gung der In­ter­es­sen der be­nach­tei­lig­ten Grup­pe 12
führt. Ab­sch­ließend ist die Verhält­nismäßig­keit im en­ge­ren Sin­ne zu prüfen. Das ge­fun­de­ne Er­geb­nis muss un­ter Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen ge­ra­de auch der an­de­ren Ver­gleichs­grup­pen ins­ge­samt noch bil­li­gens­wert und da­her an­ge­mes­sen sein. Je ge­wich­ti­ger das Rechts­gut, zu des­sen Schutz die Ein­schränkung er­folgt, um so stärke­re Be­ein­träch­ti­gun­gen sind er­laubt. Dass die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze an­ge­mes­sen und er­for­der­lich im vor­be­schrie­be­nen Sin­ne ist, hat die in­so­weit dar­le­gungs­pflich­ti­ge Be­klag­te durch Ver­weis auf die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung und die die­se An­sicht bestäti­gen­de Kom­men­tar- und Gut­ach­ter­mei­nun­gen, die sie sich er­kenn­bar zu ei­gen ge­macht hat, aus­rei­chend dar­ge­legt.
Da­nach ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Re­ge­lung über die Al­ter­gren­ze auf me­di­zi­ni­sche Er­fah­rungs­wer­te zurück­geht, nach de­nen das Cock­pit­per­so­nal über­durch­schnitt­li­chen psy­chi­schen und phy­si­schen Be­las­tun­gen aus­ge­setzt ist, in de­ren Fol­ge das Ri­si­ko al­ters­be­ding­ter Aus­fall­er­schei­nun­gen und un­er­war­te­ter Fehl­re­ak­tio­nen zu­nimmt. Die Al­ters­gren­ze si­chert nicht nur die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Be­rufstätig­keit, son­dern dient darüber hin­aus dem Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, der Pas­sa­gie­re und der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten. Zwar hängt das zur Min­de­rung der Leis­tungsfähig­keit führen­de Al­tern nicht al­lein vom Le­bens­al­ter ab, son­dern ist ein schlei­chen­der Pro­zess, der in­di­vi­du­ell ver­schie­den schnell vor sich geht. Mit höhe­rem Le­bens­al­ter wird je­doch ein Al­tern mit den da­mit ver­bun­de­nen Fol­gen wahr­schein­li­cher. Es ent­spricht der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung, dass die Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Leis­tungsfähig­keit ge­ne­rell auch heu­te noch mit zu­neh­men­dem Al­ter größer wird. Wei­ter ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res in in­ter­na­tio­na­len Fach­krei­sen im­mer noch als pro­ble­ma­tisch an­ge­se­hen wird. Zwar fin­det § 41 Luft­BO in der bis zum 31. Au­gust 1998 gel­ten­den Fas­sung, nach dem Mit­glie­der der Flug­be­sat­zung mit ei­nem Al­ter über 60 Jah­re nicht mehr ein­ge­setzt wer­den sol­len, kei­ne An­wen­dung mehr. Auch gibt es mitt­ler­wei­le ei­ne größere Zahl von Flug­li­ni­en, die
Pi­lo­ten über die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res bis zum 65. Le­bens­jahr ein­setzt. Zu­dem hat auch die In­ter­na­tio­nal Ci­vil Avia­ti­on Or­ga­niza­t­i­on (ICAO) nach un­be­strit­te­nen An­ga­ben der Kläger am 10. März 2006 die fes­te Höchst­al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren auf­ge­ge­ben und die Gren­ze auf die Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res an­ge­ho­ben. Wie die in­ter­na­tio­nal ver­bind­li­che Li­zen­sie­rungs­re­ge­lung JAR-FCL sieht je­doch auch die Neu­re­ge­lung der ICAO vor, dass der In­ha­ber ei­ner Pi­lo­ten­li­zenz nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res nicht mehr als Pi­lot in der ge­werbsmäßigen Beförde­rung ein­ge­setzt wer­den darf, es sei denn, dass er Mit­glied ei­ner Flug­be­sat­zung ist, die aus meh­re­ren Pi­lo­ten be­steht, und die an­de­ren Pi­lo­ten das 60. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben. Auf­grund die­ser Ein­schränkun­gen kann nach An­sicht der Kam­mer ent­ge­gen den Auf­fas­sun­gen der Kläger aus den Ände­run­gen der maßgeb­li­chen Be­stim­mun­gen nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass die in­ter­na­tio­na­len Fach­krei­se ih­re Si­cher­heits­be­den­ken ge­gen den Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res auf­ge­ge­ben hätten. Viel­mehr zei­gen die Ein­schränkun­gen, dass der Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res nach wie vor noch als pro­ble­ma­tisch an­ge­se­hen wird ( vgl. BAG Urt. v. 21.7.2004 -7 AZR 589/03-).
Die An­nah­me ei­nes erhöhten, al­ters­be­ding­ten Si­cher­heits­ri­si­kos wird auch durch die Ausführun­gen im Gut­ach­ten von Herrn Prof. gestützt, die die Be­klag­te sich zulässi­ger­wei­se zu ei­gen ge­macht hat.
Die­ser An­nah­me steht das Vor­brin­gen der Kläger und das ih­re Einschätzung tei­len­de Gut­ach­ten von Herrn Prof. nicht ent­ge­gen. Zwar mag es sein, dass kei­ne ge­si­cher­ten, me­di­zi­ni­schen Er­kennt­nis­se dafür vor­lie­gen, dass mit dem Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ein erhöhtes Si­cher­heits­ri­si­ko ver­bun­den ist. Dies liegt aber zu­min­dest auch ent­schei­dend mit dar­an, dass es an ent­spre­chen­dem Un­ter­su­chungs­ma­te­ri­al fehlt, wie Herr Prof. in sei­nem Gut­ach­ten bei sei­ner Dar­stel­lung des Un­ter­su­chungs- und Mei­nungs­stan­des nach­voll­zieh­bar erläutert. Dass be­zo­gen 14
auf die Ge­samt­bevölke­rung das Ri­si­ko al­ters­be­ding­ter Aus­fall­er­schei­nun­gen und un­er­war­te­ter Fehl­re­ak­tio­nen zu­nimmt und auch mit Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ei­ne mess­ba­re Stei­ge­rung erfährt, ist nach Einschätzung der Kam­mer nicht, je­den­falls nicht so be­strit­ten wor­den, dass die Be­rech­ti­gung der Si­cher­heits­be­den­ken als wi­der­legt an­zu­se­hen wäre.
Dass ei­ne fes­te Al­ters­gren­ze für Pi­lo­ten mit Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ge­eig­net ist, dass Ziel des Schut­zes von Ge­sund­heit und Le­ben der Be­sat­zung, der Pas­sa­gie­re und der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten vor die­sen erhöhten Ri­si­ken zu schützen, be­darf kei­ner wei­te­ren Erläute­rung.
Das gewähl­te Mit­tel der Al­ters­gren­ze ist auch er­for­der­lich im oben be­schrie­be­nen Rechts­sin­ne. Mil­de­re, gleich ge­eig­ne­te Mit­tel be­ste­hen nicht. Zwar wei­sen die Kläger zu­tref­fend dar­auf hin, dass nach sämt­li­chen nun­mehr gel­ten­den, die Nut­zung von Flug­li­zen­zen re­gle­men­tie­ren­den Be­stim­mun­gen ein Ein­satz von Pi­lo­ten in ei­ner aus meh­re­ren Pi­lo­ten be­ste­hen­den Flug­be­sat­zung er­laubt ist, wenn die an­de­ren Pi­lo­ten das 60. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben. Dies ist ei­ne oh­ne wei­te­re Erläute­rung nach­voll­zieh­ba­re Möglich­keit, höhe­ren, al­ters­be­ding­ten Si­cher­heits­ri­si­ken zu be­geg­nen und sol­che zu ver­rin­gern. Es han­delt sich auch um ei­ne aus Sicht der Re­gle­men­tie­rungs­stel­len und ei­ner An­zahl von Flug­ge­sell­schaf­ten aus­rei­chen­de Maßnah­me, be­ste­hen­den erhöhten Si­cher­heits­ri­si­ken zu be­geg­nen, wie das Feh­len wei­ter ein­schränken­der Re­ge­lun­gen und der Ein­satz bei an­de­ren Flug­li­ni­en be­legt. Auch Prof. ver­weist in sei­nem Gut­ach­ten dar­auf, dass durch ei­nen Ein­satz un­ter 60-jähri­ger Pi­lo­ten ne­ben ei­nem über 60-jähri­gen dem erhöhten Si­cher­heits­ri­si­ko be­geg­net wer­den kann. Die­se Be­schränkung mag aus­rei­chend ge­eig­net sein, be­ste­hen­den Si­cher­heits­bedürf­nis­sen Rech­nung zu tra­gen, gleich ge­eig­net wie der Aus­schluss des Ein­sat­zes von Pi­lo­ten nach Voll­endung ih­res 60sten Le­bens­jah­res ist sie aber schon auf den ers­ten Blick er­kenn­bar nicht. Es ist of­fen­kun­dig, dass ein Aus­fall ei­nes Pi­lo­ten bei ei­nem
Flug zusätz­li­che Ge­fah­ren­quel­len schafft. Auch wenn die Pi­lo­ten ge­schult wer­den, mit sol­chen Ge­fah­ren um­zu­ge­hen und auf sie zu re­agie­ren und auch in der Re­gel pro­blem­los sol­che Ge­fah­ren­si­tua­tio­nen meis­tern, erhöht sich mit ei­ner al­ters­be­ding­ten Stei­ge­rung des Si­cher­heits­ri­si­kos durch ei­nen über 60-jähri­gen Mit­pi­lo­ten auch die Möglich­keit, dass da­durch be­ding­te Son­der­si­tua­tio­nen auch zu Fehl­re­ak­tio­nen der an­de­ren Be­sat­zungs­mit­glie­der führen, die bei ei­nem ge­ne­rel­len Ver­bot des Führens ei­nes Flug­zeu­ges ab Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res gänz­lich aus­schei­den.
Aus Sicht der Kam­mer ist die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze auch verhält­nismäßig im en­ge­ren Sin­ne.Dem steht nicht ent­ge­gen, dass an­de­re Flug­li­ni­en ih­re Pi­lo­ten bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res ein­set­zen. Auch wenn die­sen kein leicht­fer­ti­ger Um­gang mit Si­cher­heits­ri­si­ken vor­zu­wer­fen son­dern da­von aus­zu­ge­hen ist, dass auch die­se Flug­li­ni­en der ih­nen ob­lie­gen­den Ver­pflich­tung, für den Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit ih­rer Be­sat­zungs­mit­glie­der, ih­rer Pas­sa­gie­re und der übri­gen mit dem Flug­be­trieb in Berührung kom­men­den Per­so­nen Sor­ge zu tra­gen, ver­ant­wor­tungs­voll ge­recht wer­den, kann der Be­klag­ten bzw. den in­so­weit zuständi­gen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en grundsätz­lich nicht ver­wehrt wer­den, wei­ter­ge­hen­de Ein­schränkun­gen vor­zu­se­hen, wenn sie dies für er­for­der­lich hal­ten dürfen und bei den Ein­schränkun­gen die In­ter­es­sen der in ih­rer Be­rufs­frei­heit ein­ge­schränk­ten Pi­lo­ten aus­rei­chend berück­sich­tigt wer­den. Dies ist vor­lie­gend der Fall.Wie dar­ge­legt, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass in in­ter­na­tio­na­len Fach­krei­sen der Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res aus Si­cher­heits­gründen trotz der Fort­schrit­te in der Me­di­zin und der um­fas­sen­den fach­li­chen und me­di­zi­ni­schen Un­ter­su­chun­gen und Über­prüfun­gen, de­nen sich die Pi­lo­ten zu un­ter­zie­hen ha­ben, im­mer noch als pro­ble­ma­tisch an­ge­se­hen wird. Auf die­sem Hin­ter­grund ist es zu­min­dest so­lan­ge in­ter­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen Be­schränkun­gen des Ein­sat­zes von Pi­lo­ten nach Voll­endung
des 60. Le­bens­jah­res vor­se­hen, grundsätz­lich zulässig, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren bei­be­hal­ten. Mit der Tätig­keit ei­nes Flug­zeugführers ist ein er­heb­li­ches Si­cher­heits­ri­si­ko ver­bun­den. Das Ver­sa­gen ei­nes Pi­lo­ten kann Le­ben und Ge­sund­heit der Flug­pas­sa­gie­re, des Flug­per­so­nals so­wie der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten in höchs­te Ge­fahr brin­gen. Es ent­spricht außer­dem der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung, dass mit zu­neh­men­dem Le­bens­al­ter die Re­ak­ti­onsfähig­keit ab­nimmt und die Ge­fahr von Aus­fall­er­schei­nun­gen steigt. Das gilt für al­le Men­schen, so­mit auch für Pi­lo­ten. Al­ler­dings können Fehl­re­ak­tio­nen beim Führen ei­nes Flug­zeugs zu be­son­ders ka­ta­stro­pha­len Fol­gen führen. Wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­her in Übe­rein­stim­mung mit in­ter­na­tio­na­len Emp­feh­lun­gen die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res als den Zeit­punkt an­se­hen, ab dem die Tätig­keit ei­nes Flug­zeugführers zu ei­ner Ge­fahr für die Flug­si­cher­heit wer­den kann, ist die­se Einschätzung nicht zu be­an­stan­den. Ins­be­son­de­re wer­den da­durch die In­ter­es­sen der über 60-Jähri­gen Pi­lo­ten nicht un­bil­lig ein­ge­schränkt. Es han­delt sich in An­be­tracht der mögli­chen Ge­samt­le­bens­ar­beits­zeit von Pi­lo­ten, wie die ein­drucks­vol­le Zahl der Be­rufs­jah­re der Kläger be­legt um ei­ne re­la­tiv ge­se­hen ge­rin­ge Zahl an Jah­ren. Auch be­deu­tet die Al­ter­gren­ze ent­ge­gen den Dar­stel­lun­gen der Kläger nicht not­wen­dig ei­ne Zwangs­ver­ren­tung. Die Kläger ha­ben nämlich, wo­von ih­re Kol­le­gen in der Ver­gan­gen­heit auch durch­aus Ge­brauch ge­macht ha­ben, die Möglich­keit, ih­rer Be­rufstätig­keit bei an­de­ren Flug­ge­sell­schaf­ten nach­zu­ge­hen, die we­ni­ger stren­ge Be­schränkun­gen für er­for­der­lich hal­ten. Auch er­hal­ten sie ne­ben an­de­ren aus ih­rer Zu­gehörig­keit zur Be­klag­ten re­sul­tie­ren­der Leis­tun­gen ei­ne Über­g­angs­ver­sor­gung i.H.v. ca. 60 % ih­rer letz­ten Bezüge, die ei­ne an­ge­mes­se­ne Si­che­rung der Le­bens­grund­la­ge bis zum Ein­tritt in die Al­ters­ren­te ermöglicht. Im Verhält­nis zum ho­hen Wert der Schutzgüter, de­ren Si­che­rung die ta­rif­li­che Al­ter­gren­ze die­nen soll, nämlich Le­ben und Ge­sund­heit, den höchs­ten Schutzgütern un­se­rer Ver­fas­sung, sind die Ein­schränkun­gen, de­nen die Kläger al­ter­be­dingt aus­ge­setzt sind noch bil­li­gens­wert und da­mit an­ge­mes­sen. 17
2.Die Be­fris­tungs­re­ge­lung ist auch durch ei­nen Sach­grund im Sin­ne des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) ge­recht­fer­tigt.
Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen über die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen auf Grund von Be­fris­tun­gen un­ter­fal­len der ar­beits­ge­richt­li­chen Be­fris­tungs­kon­trol­le. Da­zu gehören auch ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen (vgl. u.a. BAG Urt. v. 27. No­vem­ber 2002 - 7 AZR 655/01). Die Be­fris­tungs­kon­trol­le rich­tet sich im Streit­fall nach § 14 Abs. 1 des am 1. Ja­nu­ar 2001 in Kraft ge­tre­te­nen Tz­B­fG. Die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung ist, wie be­reits dar­ge­legt, nach dem im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den Recht zu be­ur­tei­len. Der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag, der die Al­ters­gren­ze vor­sieht, wur­de am 14. Ja­nu­ar 2005 und da­mit nach dem Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des Tz­B­fG am 1. Ja­nu­ar 2001 ver­ein­bart.
Die Be­fris­tungs­kon­trol­le erübrigt sich nicht des­halb, weil die Al­ters­gren­ze in ei­nem Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt ist. Auch ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen bedürfen ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds. Dem steht die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ta­rif­au­to­no­mie, die auf der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit be­ruht, nicht ent­ge­gen. Die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ist zwar durch Art. 9 Abs. 3 GG vor­be­halt­los gewähr­leis­tet. Das be­deu­tet al­ler­dings nicht, dass da­mit je­des staat­li­che Han­deln im Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts un­zulässig wäre. Art. 9 Abs. 3 GG gewährt den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zwar ein Norm­set­zungs­recht, aber kein Norm­set­zungs­mo­no­pol. Nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 12 GG bleibt der Ge­setz­ge­ber be­fugt, das Ar­beits­recht zu re­geln. Da­mit ver­bun­de­ne Be­ein­träch­ti­gun­gen der Ta­rif­au­to­no­mie sind hin­zu­neh­men, wenn der Ge­setz­ge­ber mit ih­nen den Schutz der Grund­rech­te Drit­ter oder an­de­rer mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­ter Be­lan­ge be­zweckt und wenn sie den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit
wah­ren. Im Be­reich des ar­beits­ver­trag­li­chen Be­stands­schut­zes ist im In­ter­es­se der Gewähr­leis­tung der durch Art. 12 Abs. 1 GG ga­ran­tier­ten Be­rufs­frei­heit der Ar­beit­neh­mer ein staat­li­cher Min­dest­schutz un­ver­zicht­bar. Das folgt aus der Schutz­pflicht­funk­ti­on der Grund­rech­te, die staat­li­che Grund­rechts­adres­sa­ten da­zu ver­pflich­ten, ein­zel­ne Grund­recht­sträger vor ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­schränkung ih­rer Grund­rech­te zu be­wah­ren. Für den Be­reich der Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen auf Grund ein­sei­ti­ger Ge­stal­tungs­erklärung des Ar­beit­ge­bers hat der Ge­setz­ge­ber die­ser Schutz­pflicht durch die zwin­gen­den Kündi­gungs­schutz­vor­schrif­ten Rech­nung ge­tra­gen. Bei der Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen schützen seit dem 1. Ja­nu­ar 2001 die Be­stim­mun­gen des Tz­B­fG vor ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­ein­träch­ti­gung des Grund­rechts aus Art. 12 Abs. 1 GG. De­ren Auf­ga­be ist es, den Ar­beit­neh­mer vor ei­nem grund­lo­sen, den staat­li­chen Kündi­gungs­schutz um­ge­hen­den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes zu schützen und ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich der kol­li­die­ren­den Grund­rechts­po­si­tio­nen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zu fin­den. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­pflicht, der die Ar­beits­ge­rich­te als Grund­rechts­adres­sa­ten zu genügen ha­ben, recht­fer­tigt und ge­bie­tet es, auch ta­rif­ver­trag­lich nor­mier­te Be­fris­tun­gen ei­ner ge­richt­li­chen Kon­trol­le zu un­ter­wer­fen. Die Be­stim­mun­gen des Tz­B­fG zur Be­fris­tungs­kon­trol­le sind nicht ta­rif­dis­po­si­tiv. Da­her bedürfen auch ta­rif­li­che Nor­men über Be­fris­tun­gen zu ih­rer Wirk­sam­keit ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds. Al­ler­dings steht den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei ih­rer Norm­set­zung ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve zu, so­weit es um die Be­ur­tei­lung der tatsächli­chen Ge­ge­ben­hei­ten, der be­trof­fe­nen In­ter­es­sen und der Re­ge­lungs­fol­gen geht so­wie ein Be­ur­tei­lungs- und Er­mes­sens­spiel­raum hin­sicht­lich der in­halt­li­chen Ge­stal­tung der Re­ge­lung. Das Er­for­der­nis ei­nes die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds entfällt da­durch nicht. Des­sen Be­ste­hen ha­ben die Ge­rich­te auf Grund der ih­nen ob­lie­gen­den Schutz­pflicht im Rah­men der Be­fris­tungs­kon­trol­le zu prüfen. Da­bei ha­ben sie je­doch die den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­ste­hen­de Einschätzungs­präro­ga­ti­ve zu re­spek­tie­ren. Die­se ist nur über­schrit­ten, wenn für die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung
plau­si­ble, ein­leuch­ten­de Gründe nicht er­kenn­bar sind (vgl. u.a. BAG Urt. v. 21.7.2004 -7 AZR 589/03- m.w.N.).
Die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten ist von der Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­deckt. Sie ist durch ei­nen Sach­grund im Sin­ne des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt. Da­nach liegt ein für ei­ne zulässi­ge Be­fris­tung er­for­der­li­cher Sach­grund ins­be­son­de­re dann vor, wenn die Ei­gen­art der Ar­beits­leis­tung die Be­fris­tung recht­fer­tigt. Dies ist vor­lie­gend der Fall.
Mit der Tätig­keit ei­nes Flug­zeugführers ist ein er­heb­li­ches Si­cher­heits­ri­si­ko ver­bun­den. Das Ver­sa­gen ei­nes Pi­lo­ten kann Le­ben und Ge­sund­heit der Flug­pas­sa­gie­re, des Flug­per­so­nals so­wie der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten in höchs­te Ge­fahr brin­gen. Die ta­rif­li­che Re­ge­lung über die Al­ters­gren­ze soll auf die­sem Hin­ter­grund die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Be­rufstätig­keit der Pi­lo­ten si­chern und Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, der Pas­sa­gie­re und der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten schützen. Sie geht, wie dar­ge­legt, zurück auf me­di­zi­ni­sche Er­fah­rungs­wer­te, nach de­nen das Cock­pit­per­so­nal über­durch­schnitt­li­chen psy­chi­schen und phy­si­schen Be­las­tun­gen aus­ge­setzt ist, in de­ren Fol­ge das Ri­si­ko al­ters­be­ding­ter Aus­fall­er­schei­nun­gen und un­er­war­te­ter Fehl­re­ak­tio­nen zu­nimmt. Wenn auch das zur Min­de­rung der Leis­tungsfähig­keit führen­de Al­tern nicht al­lein vom Le­bens­al­ter ab, son­dern ein schlei­chen­der Pro­zess ist, der in­di­vi­du­ell ver­schie­den schnell vor sich geht, so wird mit höhe­rem Le­bens­al­ter je­doch ein Al­tern mit den da­mit ver­bun­de­nen Fol­gen wahr­schein­li­cher. Es ent­spricht der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung, dass die Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Leis­tungsfähig­keit ge­ne­rell auch heu­te noch mit zu­neh­men­dem Al­ter größer wird. Dies gilt, wie aus­geführt, für al­le Men­schen so­mit auch für Pi­lo­ten. Auf­grund der maßgeb­li­chen Re­gle­men­tie­rungs­be­stim­mun­gen, die ei­nen Ein­satz ei­nes über 60-jähri­gen Pi­lo­ten nur zu­las­sen, wenn die übri­gen Mit­glie­der der mehrköpfi­gen Be­sat­zung das 60. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der 20
Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res auch in in­ter­na­tio­na­len Fach­krei­sen nach wie vor als pro­ble­ma­tisch an­ge­se­hen wird. Da Fehl­re­ak­tio­nen beim Führen ei­nes Flug­zeu­ges zu be­son­ders ka­ta­stro­pha­len Fol­gen führen, ist es in An­be­tracht der vor­be­schrie­be­nen Umstände un­er­heb­lich, ob ge­si­cher­ten me­di­zi­ni­sche Er­kennt­nis­se dafür be­ste­hen, dass mit dem Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ein erhöhtes Si­cher­heits­ri­si­ko ver­bun­den ist. Zu­min­dest so­lan­ge in­ter­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen Be­schränkun­gen des Ein­sat­zes von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res vor­se­hen, be­we­gen sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit der Fest­schrei­bung und Bei­be­hal­tung der Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren im Rah­men der ih­nen zu­ste­hen­den Re­ge­lungs­be­fug­nis (vgl. BAG Urt. v. 21. Ju­li 2004 -7 AZR 589/03- m.zahlr.w.N.).
3.Die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze ver­letzt den Kläger auch nicht in sei­nen Rech­ten aus Art. 12 Abs. 1 GG.
Da für die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze ein sach­li­cher Grund be­steht, ver­letzt die Re­ge­lung den Kläger nicht in sei­nen Rech­ten aus Art. 12 Abs. 1 GG. Ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen, die den An­for­de­run­gen der ar­beits­ge­richt­li­chen Be­fris­tungs­kon­trol­le genügen, sind mit Art. 12 Abs. 1 GG ver­ein­bar (vgl. BAG Urt. v. 21. Ju­li 2004 -7 AZR 589/03- m.z.w.N.).
Art. 12 Abs. 1 GG ga­ran­tiert die freie Wahl des Ar­beits­plat­zes und schützt auch das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an der Er­hal­tung sei­nes Ar­beits­plat­zes. Das gewährt dem Ar­beit­neh­mer zwar kei­nen un­mit­tel­ba­ren Schutz ge­gen den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes auf­grund pri­va­ter Dis­po­si­ti­on. In­so­fern ob­liegt dem Staat aber ei­ne aus dem Grund­recht fol­gen­de Schutz­pflicht. Bei pri­vat­recht­li­chen Re­ge­lun­gen, die der Ver­trags­frei­heit Gren­zen set­zen, geht es um den Aus­gleich wi­der­strei­ten­der In­ter­es­sen, die re­gelmäßig bei­de 21
grund­recht­lich ver­an­kert sind. Die kol­li­die­ren­den Grund­rechts­po­si­tio­nen sind in ih­rer Wech­sel­wir­kung zu er­fas­sen und so zu be­gren­zen, dass sie für al­le Be­tei­lig­ten möglichst weit­ge­hend wirk­sam wer­den. Nach die­sen Maßstäben lässt sich ei­ne Ver­let­zung des Art. 12 Abs. 1 GG nicht fest­stel­len (BVerfG Be­schl. v. 25.11.2004 -1 BvR 2459/04- m.w.N.).Durch ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen, die auf ein Ar­beits­verhält­nis nor­ma­tiv oder auf­grund ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me An­wen­dung fin­den, wird die Frei­heit der Be­rufs­ausübung der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer in­so­fern be­ein­träch­tigt, als das von ih­nen auf­grund pri­vat­au­to­no­men Wil­lens­ent­schlus­ses ver­ein­bar­te Ar­beits­verhält­nis bei Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Le­bens­al­ters en­det, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf. Da der Ar­beit­neh­mer sich ge­gen die­se Be­en­di­gung nicht durch ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge schützen kann, for­dert Art. 12 GG ei­nen an­der­wei­ti­gen Schutz des Ar­beit­neh­mers, durch den - wie sonst bei Aus­spruch ei­ner Kündi­gung (vgl. § 1 Abs. 2 KSchG ) - si­cher­ge­stellt wird, dass die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf ei­nem le­gi­ti­men Grund be­ruht, der ge­richt­li­cher Prüfung un­ter­liegt. Die­ser Schutz er­folgt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts da­durch, dass sol­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen als Be­fris­tungs­ver­ein­ba­run­gen an­zu­se­hen sind, die nur rechts­wirk­sam sind, wenn sie auf ei­nem sach­li­chen Grund be­ru­hen, des­sen Vor­lie­gen ge­richt­lich kon­trol­liert wer­den kann.Ei­ne Al­ters­gren­ze ist ei­ne sub­jek­ti­ve Zu­las­sungs­be­schränkung. Sub­jek­ti­ve Zu­las­sungs­be­schränkun­gen sind zulässig, wenn sie als Vor­aus­set­zung zur ord­nungs­gemäßen Erfüllung des Be­ru­fes oder zum Schutz ei­nes be­son­ders wich­ti­gen Ge­mein­schafts­gu­tes, das der Frei­heit des Ein­zel­nen vor­geht, er­for­der­lich sind. Zu dem an­ge­streb­ten Zweck dürfen sie nicht außer Verhält­nis ste­hen und kei­ne übermäßigen, un­zu­mut­ba­ren Be­las­tun­gen ent­hal­ten.Die­sen An­for­de­run­gen wird ei­ne (ta­rif­li­che) Al­ters­gren­ze für Pi­lo­ten, die mit Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zur Fol­ge hat, ge­recht (BVerfG Be­schl. v. 25.11.2004 -1 BvR 2459/04- m.w.N.). Die Al­ters­gren­ze dient ei­nem be­son­ders wich­ti­gen Ge­mein­schafts­gut, nämlich dem 22
Ge­sund­heits­schutz ei­ner Viel­zahl von Per­so­nen, die bei ei­nem Ver­sa­gen des Pi­lo­ten auf­grund von Aus­fall­er­schei­nun­gen gefähr­det sein könn­ten. Al­ters­gren­zen, die die Be­rufs­ausübung im höhe­ren Al­ter ein­schränken, die­nen auch da­zu, die Gefähr­dun­gen, die von älte­ren, nicht mehr voll leis­tungsfähi­gen Be­rufstäti­gen aus­ge­hen können, ein­zudämmen. Das Ver­sa­gen ei­nes Pi­lo­ten hätte Fol­gen für ei­ne Viel­zahl von Men­schen. Des­halb ist es not­wen­dig, den Ein­tritt et­wai­ger Ge­fah­ren­la­gen so weit wie möglich zu ver­hin­dern. Die Tätig­keit ei­nes Pi­lo­ten stellt ho­he An­for­de­run­gen an die körper­li­che und geis­ti­ge Leis­tungsfähig­keit. Es ent­spricht der Le­bens­er­fah­rung, dass die Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Leis­tungsfähig­keit mit zu­neh­men­dem Al­ter größer wird. Der Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit stellt ein be­son­ders wich­ti­ges Ge­mein­schafts­gut dar, das selbst er­heb­li­che Ein­schränkun­gen der Be­rufs­frei­heit recht­fer­ti­gen kann (BVerfG Be­schl. v. 25.11.2004 -1 BvR 2459/04- m.w.N.). Sol­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen genügen auch den An­for­de­run­gen, die aus dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit fol­gen. Sie sind zur Si­che­rung der körper­li­chen und geis­ti­gen Leis­tungsfähig­keit der Pi­lo­ten ge­eig­net und er­for­der­lich. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind - im Rah­men der ih­nen ver­fas­sungs­recht­lich durch Art. 9 Abs. 3 GG ein­geräum­ten Ge­stal­tungs­be­fug­nis nicht dar­auf be­schränkt, je­weils im Ein­zel­fall ab Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ei­ne in­di­vi­du­el­le Prüfung der Leis­tungsfähig­keit zur Si­cher­stel­lung die­ses Zie­les vor­zu­se­hen. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können - eben­so wie dies der Ge­setz­ge­ber dürf­te - auf der Grund­la­ge von Er­fah­rungs­wer­ten ei­ne ge­ne­ra­li­sie­ren­de Re­ge­lung er­las­sen (vgl. zu al­lem u.a. BVerfG Be­schl. v. 25. No­vem­ber 2004 -1 BvR 2459/04- m.w.N.).
4.Die Be­klag­te ist auch auf­grund ab­ge­ge­be­ner Erklärun­gen nicht aus Rechts­gründen ge­hin­dert, sich auf die Wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Al­ters­gren­ze zu be­ru­fen.
Auch wenn der Chef­pi­lot der Be­klag­ten Herr und der Flot­ten­chef Herr im Rah­men der Gespräche im Au­gust 2006 und Sep­tem­ber 2006 ihr In­ter­es­se an ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung der Kläger we­gen ei­nes ent­spre­chen­den Be­darfs an Pi­lo­ten geäußert ha­ben mögen und auch über die recht­li­chen Auf­fas­sun­gen zum An­spruch der Kläger auf Wei­ter­beschäfti­gung über das 60. Le­bens­jahr hin­aus, d.h. darüber Ein­ver­neh­men be­stan­den ha­ben mag, dass kei­ne ge­sund­heit­li­chen Be­den­ken ge­gen den Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res be­ste­hen, so sah sich die Be­klag­te schon nach den An­ga­ben der Kläger selbst an ei­ner aus­drück­li­chen Zu­stim­mung zur Wei­ter­beschäfti­gung ge­hin­dert und hat wei­te­re ver­ein­bar­te Gespräche ab­ge­sagt, nach­dem die Ver­ei­ni­gung Cock­pit e.V. ih­rer­seits Gespräche mit den Klägern zu die­ser Fra­ge ver­wei­gert hat. Un­ge­ach­tet der Fra­ge, in­wie­weit die bei­den Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten über­haupt zur Ab­ga­be die Be­klag­te bin­den­der Erklärun­gen be­fugt wa­ren, ha­ben die­se den Klägern da­nach we­der ei­ne Beschäfti­gung zu­ge­sagt noch sonst zum Aus­druck ge­bracht, dass sie von ei­ner Beschäfti­gungs­ver­pflich­tung der Be­klag­ten aus­ge­hen. Nach dem Vor­brin­gen der Kläger kann auch nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass ein an­de­rer Ver­trau­en­stat­be­stand ge­schaf­fen wor­den wäre, auf­grund des­sen die Kläger be­rech­tig­ter­wei­se auf ei­ne Fort­beschäfti­gung hätten ver­trau­en können. Den be­haup­te­ten Erklärun­gen kann al­len­falls ent­nom­men wer­den, dass auch die bei­den Gesprächs­part­ner, wie die Kläger, die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze nicht für er­for­der­lich und ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der Kläger für wünschens­wert hal­ten. Sie können je­doch kein Ver­trau­en dar­auf be­gründen, dass un­ge­ach­tet der Fort­gel­tung der maßgeb­li­chen Ta­rif­be­stim­mun­gen ei­ne Beschäfti­gung er­fol­gen soll oder dar­auf, dass die Be­klag­te sich im Rah­men ei­ner ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung nicht auf die Wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Be­stim­mung be­ru­fen wird.
Da Beschäfti­gungs­anträge nur für den Fall des Ob­sie­gens mit den Fest­stel­lungs­anträgen ge­stellt wur­den, war über sie vor­lie­gend nicht zu ent­schei­den.
6. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf den §§ 46 Abs. 2 ArbGG, 91 Abs. 1, 100 ZPO. Da­nach ha­ben die Kläger als un­ter­lie­gen­de Par­tei­en ei­nem ih­rem Ver­ur­sa­chungs­bei­trag ent­spre­chen­den An­teil an den Kos­ten des Ver­fah­rens zu tra­gen.
7. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des war gemäß den §§ 61 Abs. 1 ArbGG, 42 Abs. 4 GKG in Höhe der Sum­me des für die je­wei­li­gen Ar­beits­verhält­nis­se für die Dau­er ei­nes Vier­tel­jah­res zu leis­ten­den Ar­beits­ent­gelts fest­zu­set­zen.
8. Ge­gen das Ur­teil können die un­ter­le­ge­nen Kläger gemäß § 64 Abs. 2 c ArbGG Be­ru­fung ein­le­gen. Ei­ne ent­spre­chen­de Rechts­mit­tel­be­leh­rung folgt auf der nächs­ten Sei­te.	m.hensche.de
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References: § 19
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Art. 6
 § 10
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 § 41
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 § 14
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 Art. 9
 Art. 9
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 Art. 74
 Art. 12
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 § 14
 Art. 12
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Art. 12
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 § 64