Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20BvR%20754/07
Timestamp: 2019-04-22 01:12:55+00:00

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BVerfG, 30.01.2008 - 2 BvR 754/07 - dejure.org
Umsetzung eines Beamten an anderen Dienstort und Fürsorgepflicht des Dienstherrn - fachgerichtliche Überprüfung der Umsetzungsentscheidung grundsätzlich auf Ermessensmissbrauch beschränkt
Erfordernis einer gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage für eine Umsetzungsentscheidung eines Dienstherren; Anspruch eines Beamten auf unveränderte und ungeschmälerte Ausübung des ihm übertragenen konkret-funktionellen Amts (Dienstpostens); Möglichkeit von Einschränkungen des grundsätzlich weiten Ermessens des Dienstherrn unter dem Gesichtspunkt der Fürsorgepflicht; Maßstäbe der gerichtlichen Nachprüfung im Falle einer Umsetzung eines Beamten; Gehorsamspflicht des Beamten als ausreichende gesetzliche Grundlage; Eingreifen des Parlamentsvorbehalts bei einer Umsetzungsentscheidung
GG Art. 33 Abs. 5, Art. 19 Abs. 4
Art. 6, 12 Abs. 1, 33 Abs. 5 GG, §§ 55, 172 BBG, § 126 BRRG
Rechtliche Anforderungen an eine beamtenrechtliche Umsetzung
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 30.1.2008, Az.: 2 BvR 754/07 (Gerichtliche Überprüfung einer beamtenrechtlichen Umsetzung)" von Prof. Dr. Stefan Muckel, original erschienen in: JA 2008, 829 - 831.
VG Chemnitz, 18.01.2005 - 6 K 1511/04
OVG Sachsen, 23.02.2007 - 2 B 205/05
NVwZ 2008, 547
Die durch Art. 33 Abs. 5 GG garantierte allgemeine Fürsorgepflicht hat insbesondere zum Inhalt, dass der Dienstherr bei seinen Entscheidungen die wohlverstandenen Interessen des Beamten in gebührender Weise zu berücksichtigen hat (BVerfG, Kammerbeschluss vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 - NVwZ 2008, 547 m.w.N.).
VG Lüneburg, 04.02.2019 - 8 B 153/18
Vorläufiger Rechtsschutz gegen eine Umsetzung
Dass die Personalmaßnahme mit einem Ortswechsel verbunden ist, steht ihrer Einordnung als Umsetzung ebenfalls nicht entgegen (vgl. etwa BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008 - 2 BvR 754/07 -, juris Rn. 14;… Nds. OVG, Beschl. v. 8.8.2003 - 2 ME 281/03 -, juris Rn. 4 f.).
Der Beamte hat keinen Anspruch auf unveränderte und ungeschmälerte Ausübung des ihm übertragenen konkret-funktionellen Amtes, mithin seines Dienstpostens (BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008 - 2 BvR 754/07 -, juris Rn. 10;… Nds. OVG, Beschl. v. 12.3.2009, a.a.O., Rn. 10).
Der Dienstherr kann aus jedem sachlichen Grund den Aufgabenbereich eines Beamten verändern, solange diesem ein amtsangemessener Aufgabenbereich verbleibt (BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008, a.a.O., Rn. 10;… BVerwG, Beschl. v. 4.7.2014, a.a.O., Rn. 10, …und Beschl. v 8.2.2007, a.a.O., Rn. 4;… OVG Bremen, Beschl. v. 27.6.2018 - 2 B 132/18 -, juris Rn. 27;… Nds. OVG, Beschl. v. 12.3.2009, a.a.O., Rn. 10).
Ihm sind dabei sehr weite Grenzen gesetzt (…Nds. OVG, Beschl. v. 12.3.2009, a.a.O., Rn. 11; vgl. auch BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008, a.a.O., Rn. 14, 17;… Sächs. OVG, Beschl. v. 14.11.2018 - 2 B 302/18 -, juris Rn. 24).
Besonderheiten des bisherigen Aufgabenbereichs des dem Beamten übertragenen Amtes, wie beispielsweise eine Vorgesetztenfunktion, Beförderungsmöglichkeiten oder etwaiges gesellschaftliches Ansehen, kommt keine das Ermessen des Dienstherrn bei der Änderung des Aufgabenbereichs einschränkende Wirkung zu (BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008, a.a.O., Rn. 10;… BVerwG, Beschl. v. 16.7.2012 - 2 B 16.12 -, juris Rn. 20 (Versetzung);… Sächs. OVG, Beschl. v. 14.11.2018 - 2 B 302/18 -, juris Rn. 24;… OVG Bremen, Beschl. v. 27.6.2018 - 2 B 132/18 -, juris Rn. 27;… vgl. auch OVG Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 21.1.2019, a.a.O., Rn. 27).
Die Ermessenserwägungen des Dienstherrn können gerichtlich grundsätzlich nur daraufhin überprüft werden, ob sie durch Ermessensmissbrauch maßgebend geprägt sind (vgl. BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008, a.a.O., Rn. 11;… BVerwG, Beschl. v. 8.2.2007 - 2 VR 1.07 -, juris Rn. 4;… Sächs. OVG, Beschl. v. 14.11.2018 - 2 B 302/18 -, juris Rn. 24;… Nds. OVG, Beschl. v. 12.3.2009, a.a.O., Rn. 11), mithin die Gründe willkürlich sind (BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008, a.a.O., Rn. 11;… BVerwG, Urt. v. 19.11.2015 - 2 A 6.13 -, juris Rn. 18, …und Beschl. v. 8.2.2007 - 2 VR 1.07 -, juris Rn. 4;… OVG Bremen, Beschl. v. 27.6.2018, a.a.O., Rn. 27).
Hierzu können auch besondere Schutzbedürfnisse des Beamten aus dem von Art. 6 GG geschützten Bereich von Ehe und Familie oder auch die mit einem Wechsel des Dienstorts verbundenen Belastungen zählen (BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008, a.a.O., Rn. 12, 14).
Dies folgt für die Kammer bereits daraus, dass mit dieser Einschränkung keine größeren Belastungen verbunden sind, als sie sich für jeden anderen vollzeitbeschäftigten Beamten ergeben (vgl. hierzu auch BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 30.1.2008 - 2 BvR 754/07 -, juris Rn. 25).
Die für das Beamtenrecht zuständige Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts hat die dargestellten Rechtsgrundsätze mit Kammerbeschluss vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 - (NVwZ 2008, 547) ausdrücklich als verfassungskonform bestätigt.
Eine derartige grundrechtliche Konfliktlage besteht bei Umsetzungen gerade nicht (vgl. BVerfG, Kammerbeschluss vom 30. Januar 2008 a.a.O.).
Maßnahmen des Präsidiums, die die Geschäftsverteilung betreffen, unterliegen ebenso wie Umsetzungen von Beamten den Anforderungen an die Ausübung des pflichtgemäßen Ermessens und dürfen sich nicht als willkürlich darstellen (…BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 28. November 2007 - 2 BvR 1431/07 -, juris, Rn. 11; BVerwGE 50, 11 ; vgl. für den Fall der Umsetzung eines Beamten BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 -, juris, Rn. 11, m.w.N.; vgl. für den Fall einer Abordnung BVerfGK 5, 250 ).
Die Prüfung bleibt grundsätzlich darauf beschränkt, ob die Gründe willkürlich sind (… siehe: BVerwG, Beschlüsse vom 8. Februar 2007 und 26. November 2004, jeweils a. a. O. ), d. h., ob die Gründe des Dienstherrn seiner tatsächlichen Einschätzung entsprachen und nicht nur vorgeschoben sind, um eine in Wahrheit allein oder maßgebend mit auf anderen Beweggründen beruhende Entscheidung zu rechtfertigen, oder ob sie aus anderen Gründen willkürlich sind ( BVerwG, Urteil vom 28. November 1991 - 2 C 41.89 -, BVerwGE 89, 199 [m. w. N.]; BVerfG, Beschluss vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 -, NVwZ 2008, 547 ).
Hierzu können auch besondere Schutzbedürfnisse des Beamten aus dem von Art. 6 GG geschützten Bereich von Ehe und Familie oder auch die mit einem Wechsel des Dienstortes verbundenen Belastungen zählen ( BVerfG, Beschluss vom 30. Januar 2008, a. a. O. [m. w. N.] ).
Besonderheiten des bisherigen Aufgabenbereichs des dem Beamten übertragenen Amts, wie beispielsweise der Vorgesetztenfunktion, Beförderungsmöglichkeiten oder einem etwaigen gesellschaftlichen Ansehen, kommt keine das Ermessen des Dienstherrn bei der Änderung des Aufgabenbereichs einschränkende Wirkung zu (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 -, juris, Rn. 10; BVerwGE 60, 144 ; 89, 199 ).
Der Schutzbereich der Berufsfreiheit ist auch für Beamte eröffnet, denn Art. 12 Abs. 1 GG schützt auch die berufliche Tätigkeit im öffentlichen Dienst ( siehe: BVerfG, Beschluss vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 -, NVwZ 2008, 547; BVerwG, Beschluss vom 10. November 1998 - 2 B 91.98 -, Buchholz 237.9 § 33 SaarLBG Nr. 1 ).
OVG Bremen, 23.07.2014 - 1 S 107/13
Disziplinarverfahren; Ermessensfehlgebrauch; Konflikt; Konfliktumsetzung; …
Rechtsgrundlage der Umsetzung des Klägers ist die Gehorsamspflicht gemäß § 35 Satz 2 BeamtStG (vgl. BVerfG, Beschluss vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 -, NVwZ 2008, 547 ).
Auf dessen Beibehaltung hat der Beamte keinen Anspruch (BVerfGE 56, 146, 162; BVerfG, Beschluss vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 - NVwZ 2008, 547 ; BVerwGE 89, 199, 201 m.w.N.), auch nicht mit der Begründung, dass er über spezielle langjährige Erfahrung auf seinem derzeitigen Fachgebiet verfügt (BayVGH, Beschluss vom 27. Mai 2013 - 3 CE 13.947 -, [...]).
In der Umsetzung selbst liegt kein Tadel, denn das Ausmaß des Verschuldens an der Entstehung des Spannungsverhältnisses ist insoweit unerheblich (vgl. BayVGH, Beschluss vom 22. Januar 2014 - 6 ZB 13.2 -, [...]; BayVGH, Beschluss vom 25. März 2014 - 3 CE 13.2567 -, [...]; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 30. Januar 2008 - 2 BvR 754/07 - NVwZ 2008, 547 ).
VG Münster, 30.08.2016 - 4 K 785/15
Berechtigung eines Beamten zur Rückübertragung eines das Führen diensteigener …
VG Schleswig, 13.11.2018 - 12 B 51/18
Recht der Bundesbeamten - Umsetzung - Antrag auf Erlass einer einstweiligen …
OVG Nordrhein-Westfalen, 21.02.2011 - 1 A 938/09
Zuschnitt der Geschäftsbereiche von Beigeordneten
OVG Rheinland-Pfalz, 19.10.2018 - 2 B 11229/18
OVG Nordrhein-Westfalen, 12.02.2014 - 1 B 1507/13
Wegversetzung eines Beamten bei einem beabsichtigten Wegfall eines gesamten …
OVG Berlin-Brandenburg, 22.09.2016 - 61 PV 8.15
Mitbestimmung; Oberforstrat; Dienstpostenwechsel; dauerhafte Umsetzung; …

References: Art. 33
 Art. 19

Art. 6
 § 126
 Art. 33
 Art. 6
 Art. 6
 Art. 12
 § 33
 § 35