Source: http://system-sat.de/miasmen_fuerworter_anhaengsel.htm
Timestamp: 2019-06-27 10:03:22+00:00

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Miasmen für Anhängsel wwq
Fürworter Miasmen Anhängsel
Miasmitik
Die "Deutsche Gesellschaft für miasmatische Homöopathie e.V." (DGMH) verbreitet die Lehre und organisiert dreijährige Homöopathie-Kurse. Die DGMH ist Mitglied im "Homöopathie-Bundesverband" BKHD. Auf ihrem Webauftritt im Internet verweist die DBMH zu engagierten Impfgegnern wie Gerhard Buchwald, und verlinkt impfgegnerische Webseiten von Hans Tolzin und von Steffen Rabe.
Mittel aus der Komplexmittelhomöopathie, hergestellt aus "potenziertem" Krebsgewebe
Anwender orientieren sich an den homöopathischen Prinzipien des Ähnlichkeitsprinzips und des Potenzierprinzips. Die Miasmatische Homöopathie wird explizit auf die Miasmenlehre (gr. "Befleckung") "Ur-Übel" von Hahnemann bezogen, nicht auf die damit zu verwechselnde Pettenkofer'sche Miasmen- o. Kontagienlehre, als "Ausdünstungen" (aus dem Boden: aus dem Sumpf Malaria officinalis). Samuel Hahnemann entwickelte seine Miasmenlehre ab 1816 als Reaktion zur Beobachtung chronischer Erkrankungen, Erb-/Infektionskrankheiten. Laut seiner Miasmenlehre wird angenommen, dass ein "Miasma" Krankheiten auslösen könne. Derartige durch Miasmen ausgelöste Krankheiten würden zu Beginn leicht homöopathisch behandelbar sein, im weiteren Verlauf aber weniger günstig bis hoffnungslos verlaufen (Hahnemann: „..Der Anfang solcher Kuren war erfreulich, die Fortsetzung minder günstig, der Ausgang hoffnungslos..“).
Aus heutiger Sicht ist nicht immer klar, was unter den diversen Miasmen wie "Psora", "Tuberkulinie", "Sykose", "Syphilinie", "Karzinogenie", "Parasitose", Skrophulose", "erworbene o. vererbte Sykose", "erworbene o. vererbte Syphilis", "Pseudopsora" zu verstehen sein soll. Selbst in homöopathischer Literatur sind dazu widersprüchliche Angaben zu finden. Teilweise wurden entsprechende Miasmenbegriffe auch in das Vokabular der Spagyrik übernommen.
Bei Ansicht von aktuellem Werbematerial zur "Miasmatischen Homöopathie" fallen alle möglichen Zuordnungen von Zuständen und Ereignissen als vermeintliche "Miasmen" auf. So wird Impfungen und Antibiotikagaben, chirurgischen Eingriffen, dem Klimakterium, Infekten, "familiensystemische Belastungen", "übernommene Handlungsmuster", "negative Glaubenssätze" und "destruktive Verhaltensweisen" ein Miasma zugeordnet. Aber auch Krebserkrankungen o. Infektionskrankheiten der Vorgeneration sollen sich der Lehre folgend miasmatisch vererben können. Medikamentengaben der Eltern könnten sich ebenfalls miasmatisch an die nächste Generation weitervererben. In einem erweiterten Sinne wird in diesem Umfeld auch einzelnen Epochen ein bestimmtes "miasmatisches Bewusstsein" zugeordnet, das sich sowohl in künstlerischen, intellektuellen, spirituellen und technischen Errungenschaften zeige als auch in einer "Zeitkrankheit" o. Seuche. Dementsprechend müsse in diesen Fällen aus "miasmatisch-homöopathischer Sicht" eine Art "geistige Wurzel" einer Erkrankung erkannt und behandelt werden. So wird aus dieser Sicht auch die Zunahme von Krebserkrankungen erklärt: ein "karzinogener Zeitgeist" sei hierbei die miasmatische Ursache, und nicht die steigende Lebenserwartung (Krebs ist eine typische Alterskrankheit) und auch nicht die verbesserte Diagnostik und Vorsorgeuntersuchungen. Der Anwender der miasmatischen Homöopathie muss sich hier also über die publizierten wissenschaftlichen Veröffentlichungen ignorierend hinwegsetzen, um an das Prinzip zu glauben.
Zum Ursprung der hier gemeinten "Miasmatischen Homöopathie" ist nichts Sicheres in Erfahrung zu bringen. Anhänger berufen sich unisono auf den Erfinder der klassischen Homöopathie Samuel Hahnemann als Begründer der "Miasmatischen Homöopathie" und verweisen dabei auf die Hahnemann'sche Miasmenlehre und auf das Hahnemann'sche Werk "Die chronischen Krankheiten" sowie "Organon der Heilkunst".
Dies ist jedoch zu bezweifeln, da Hahnemann Gegner der Komplexmittelhomöopathie war und Homöopathie und Komplexmittelhomöopathie sich definitionsgemäss aussschließen.
Fest steht, dass in Veröffentlichungen von Hahnemann der Begriff einer "Miasmatischen Homöopathie" nicht zu finden ist.
Das Wesen des Krebses und Krebsarten
Sykotische Äußerungen des Organismus sind Überreparationen eines psorischen Mangels, sozusagen Vertuschungsversuche des Organismus, der sich einer Schwäche bewusst wurde.
Seien es hypertrophe Schleimhäute, überschießende Schleimbildungen, hypertrophe Narben, seien es Tumoren, Warzen, Überheblichkeit o. Anmaßung, immer findet sich der gleiche Mechanismus.
Peter Gienow: Die Sykose, S. 73
Obgleich es für die homöopathische Anamnese im Grunde unerheblich ist, welcher klinische Befund vorliegt, so ist es doch hilfreich, die unterschiedlichen Krebsarten zu kennen,
weil sie in verschiedenen Zellverbänden bzw. Organzellen entstehen und es niemals Zufall ist, in welchem Organsystem sich ein Tumor o. Krebs manifestiert.
Ich habe diesbezüglich therapeutisch viel Erfahrung mit den archaischen bzw. stammhirngesteuerten Konflikten nach Dr. Geerd Ryke Hamer sammeln dürfen. Das Wesen des Krebses lässt sich nicht so eindeutig festlegen wie andere schwere chronische Krankheiten; es wandelt sein Gesicht und kann jede miasmatische Dynamik annehmen. Im Vordergrund steht allerdings die unter mentalem, psychischem und physischem Druck entstandene Verschmelzung des sykotischen und syphilitischen Miasmas, das sich dann mehr und mehr als eigenes karzinogenes Miasma zeigt. Die Krebserkrankung kann aber auch tuberkuline o. psorische Züge annehmen. Dadurch, dass in der Ätiologie oft der häufige Gebrauch von Antibiotika und chemischen Kosmetika auftaucht, kommt auch noch der Aspekt der Parasitose (nach Dr. Peter Gienow) hinzu. Schließlich ist Krebs eine so destruktive bzw. negativkreative Krankheit, dass im Heilungsversuch des Organismus, die Krankheit von den lebenswichtigen Organen in Richtung Peripherie (Haut) zu bewegen, der Krebs gewissermaßen »huckepack« mit an die psorische Peripherie gelangt. Auf diese Weise gibt es keine echte psorische Heilungsreaktion. Die Wandlungs- und Täuschungsfähigkeit des Krebses zeigt sich darin, dass er zunächst im Verborgenen langsam und dann plötzlich schnell wachsen kann - was sein sykotisches Wesen offenbart. Er kann sich in das Nachbargewebe hineinfressen und dadurch sein destruktives, syphilitisches Wesen zeigen. Für die Therapie bedeutet das, sowohl Mittel zu wählen, die in der Lage sind, diese Verschmelzung
zu trennen, als auch solche, die dem einzelnen miasmatischen Charakter entsprechen. Wie ich aus der eigenen Praxis bestätigen kann, stehen sykotische, syphilitische und sykotisch-syphilitische Mittel zu Beginn der Krebstherapie im Vordergrund, um den Krebs in seine Anteile zu spalten und dadurch dem Organismus eine Heilungsrichtung zu eröffnen. Die Nosoden setze ich nur zusätzlich zum miasmatischen
Mittel ein, wenn sich Symptome einer realen o. hereditären Syphilis, Gonorrhoe, Tuberkulose o. Skrophulose zeigen. Aus all diesen Gründen stehen in der Spalte der Mittel auch Angaben zu den Miasmen.
Nun zu den klinischen Unterscheidungen der Krebse: Generell ist jede Schwellung ein Tumor, wie das Wort schon sagt. Dies ist das Kardinalzeichen des sykotischen Miasmas. Auch wenn die Erkenntnis
immer noch gemieden o. sogar abgelehnt wird: Ein Tumor als sykotisches Symptom ist in den meisten Fällen nichts anderes als ein natürlicher Heilungsversuch des Körpers. Nach Hamer befindet sich
der Mensch bereits in der Lösungsphase, denn Tumorwachstum heißt Bewegung. Natürlich müssen wir das behandeln, aber sicher nicht durch Wegschneiden, Wegätzen o. Wegbestrahlen.
So genannte »gutartige« o. benigne Tumore sind Gewächse, die sich durch nach außen wölbende Wucherungen auszeichnen und gegenüber dem umliegenden Gewebe oft abgekapselt sind: Adenome
(Drüsengewebe), Polyp (Schleimhaut), Fibrome (Bindegewebe), Lipome (Fettgewebe), Myome (Muskelgewebe), Osteome (Knochengewebe), Chondrome (Knorpelgewebe) und Angiome (Blutgefäße).
Sind hauptsächlich sykotischer Natur, mit Tendenzen zum tuberkulinen und karzinogenen Miasma.
So genannte »bösartige« o. maligne Tumoren sind streuende, nekrotisierende, nach innen gerichtete Gewächse, die zum Nachbargewebe keine klare Grenze mehr haben, sondern sich von diesem ernähren:
beispielsweise Karzinome, vom Epithelgewebe (oberste Zellschicht der Haut) ausgehend, die sich dann durch andere Schichten nach innen entwickeln. Zum andern gehören in diese Kategorie Sarkome,
die vom mesenchymalen Gewebe (zellreiches, faserloses, embryonales Bindegewebe) ausgehen und sich von dort weiter entwickeln.
Sie sind syphilitischer Natur mit Tendenz zum karzinogenen und sykotischen Miasma.
1.5 Karzinom allgemein
Bei klinischen Diagnosen entpuppt sich nicht jedes Gewächs als Krebs. Hier sind auch benigne Tumore o. die Tumorneigung selbst angesprochen. Konstitutionelle o. miasmatische Mittel sind oft gut wirksam im Verbund mit einem der folgenden organotropen. Hydr. kann bei fast allen Karzinomen Heilungsimpulse setzen.
Hören wir hierzu zwei Altmeister der Homöopathie: Wie bei akuten Krankheiten oftmals 2 Mittel im Wechsel gegeben werden müssen, wenn beide angezeigt sind, so kann man auch bei einem
chronischen Leiden, bei welchem durch ein Mittel nicht alle Symptome gedeckt werden, sondern 2 Arzneien auf der Waage liegen, deren jede ziemlich gleiche Berechtigung zuerst gegeben zu werden hat: so kann man, sage ich, diese beiden Arzneien zusammen geben wie oben bei chronischen Krankheiten gelehrt ist, 3 Tage einnehmen lassen, worauf die mehrmonatige
Pause folgen muss… Z.B. Sulph. gegen Psora, Chin. gegen Schwäche...Bei einer Flechte, die nach verschmierter Krätze und vertriebener Syphilis entstanden, gebe ich: Sulph. und Merc. zusammen…
Arthur Lutze: Lehrbuch der Homöopathie, aus §7
„Lieber Freund und Kollege! Glauben Sie ja nicht, dass ich etwas Gutes verschmähe aus Vorurtheil, o. weil es Aenderungen in meiner Lehre zuwege bringen könnte. Mir ist es bloss um Wahrheit zu thun, und ich glaube, auch Ihnen. Ich freue mich daher, dass Sie auf einen so glücklichen Gedanken gekommen sind, ihn aber in der nothwendigen Einschränkung gehalten haben: »Dass nur in dem Falle zwei Arzneisubstanzen zugleich eingegeben werden sollten, wenn beide homöopathisch dem Fall angemessen scheinen, nur jede von einer andern Seite. « Dann ist das Verfahren so vollkommen unserer Kunst gemäß, dass nichts dagegen einzuwenden ist...
Ihrem Samuel Hahnemann
Samuel Hahnemann in Arthur Lutze, ebda, S. XX
Mittel - Indikationen - Ähnliche Mittel
Hydr. Sycotisch - Syphillitisch (B): Karzinome, Krebsschmerz, Lupus, chronische Otitis, Geschwürneigung in Schleimdrüsen, Gallen-/Magenprobleme - Kali-s. Kali-bi. Puls. Lyc. Lap-a. Syp (B)
Fluorcalcium-Silikat: Stadium vor der Ulzeration, starke, stinkende Blutungen, heftige brennende Schmerz, starker Pruritus vulvae, chronisch eitrige Otitiden und Sinusitiden, Struma, skrophulöse Erkrankung, skrophulöse Tuberkulose, Kropf, Zysten, Lipom, Fibrom, Sarkom: Ars. Ars-i. Bad. Bar-c. Calc. Spong. Con. Graph. Lap-gr-m/Gran-m. Syc-Syp (M)
Granit: Harte Tumore, Gedächtnisschwäche erwachend, für Orte, introvertiert, hochmütig/-zornig, unbarmherzig - Merc. Phos. Sep. Plat
Lapis marmoreus Connemara = Marb-w. Syc (M) Boshaft, tückisch, Furcht vor Altwerden, Sinne für Vögel geschärft (Vogelhalter!), will beachtet werden, will Ordnung, Reichtum, Waschen abgeneigt - Cupr. Bufo. Lap-gr-m. Sulph
Nat-cac. Tuberkulin (M) = Natriumdimethylarsin: Verdoppelt die Zahl der Erythrozyten, Fallhand, anhaltendes Erbrechen
Thuj. Universelles Krebsmittel, da jeder Krebs sykotische Anteile hat. In hohen Potenzen selten wiederholen!: Neuralgien, Otitis, Rheuma, Gicht, Vitiligo, Warzen, Condylome, Haarwuchs an
ungewöhnlichen Stellen, undurchsichtig - Med. Ars. Vacc. Syph.
Vac. = Kuhpocken-Nosode: Folge von Impfung, Naevi, Hämangion, morgens Stirnkopfschmerzen, „Als ob die Stirn bersten wolle“, Neuralgie - Thuj. Nat-m. Kali-m.
1.6 Krebsneigung
Hier ist die Neigung zum Aufkommen immer wieder neuer Krebsherde (= Metastisierung) gemeint, weil der Patient noch nicht stabil ist und seinen grundsätzlichen Konflikt noch nicht gelöst hat. Dadurch wird er für neue traumatische »Einschläge« in sein Energiesystem empfänglich.
Frei nach: Dr Subrata Kumar Banerjea
Why Should We Know Miasm?
A thorough dissection and incorporation of miasm in each case will help a homoeopathic prescriber in the following ways :
1. A deep acting anti-miasmatic medicine by virtue of its centrifugal action will open up such cases (brings to the surface the suppressed symptoms) where the totality of symptoms cannot be framed due to a scarcity of symptoms (i.e. one-sided cases), and those cases with conjoint or contaminated pictures due to various physical, emotional or iatrogenic suppressions.
2. Also of importance is the value of selecting an anti-miasmatic medicine, which covers the psychic essence, nature and character of the individual in absence of any recognisable totality. For example, a patient presents with insomnia with no distinguishing modalities or other characters to complete the symptom. By ascertaining that person’s psychic essence or character (for instance, suspicious, jealous and exploiting in nature, representing sycosis) we can prescribe an anti-miasmatic medicine to cover the insomnia and open up the case. Thus, the anti-miasmatic medicine covering the essence of the person is capable of surfacing the suppressed symptoms and the totality can then easily be framed.
3. To be more confident in prescribing by including the surface miasm of the case in the consideration of the totality; as miasm, the dyscrasia of the person, constitutes a major part of that totality. Miasm and the symptoms are nothing but the two sides of the coin, and one cannot be considered whilst ignoring the other. In fact, the totality of symptoms cannot be said to be total until and unless the selected remedy covers the miasm.
4. To evaluate the necessity of a change in the plan of treatment or a change of remedy; when few symptoms have disappeared after the first remedy has been administered, yet the miasmatic totality shows the preponderance of the same miasm on the surface as that which was originally covered by the initial remedy. It indicates that the prescriber can stay with that initial remedy, as can be seen from the following example: a patient came with the presenting symptom of facial wart, for which Causticum was prescribed. As this medicine covers the miasm (here in this case, sycosis) as well as the symptom, the wart has fallen off; and the next suppressed layer, perhaps a profuse yellowish leucorrhoea (which was previously suppressed by cauterisation) comes to the surface. This symptom too is a sycotic manifestation, and is also covered by Causticum, then that remedy will totally eradicate the problem. So knowledge of miasm guides us to stay with the remedy and to allow its full and complete action.
5. To evaluate the homoeopathic prognosis of the case, as removal of layers of suppression are manifested as clarity of symptoms and also reflected by a quantum jump in the sense of well being. Deep acting anti-miasmatic medicines by virtue of their centrifugal action will remove the layers of suppression which can be evidenced as follows:
a) A quantum jump in the sense of well being;
b) Improved energy;
c) Increased appetite;
d) Better quality of sleep;
e) Harmony and tranquillity of temperament;
f) Stability (in obese people) or weight gain in under weight subjects;
g) Clarity of the existing or presenting symptoms or even lighter symptoms;
h) Suppressed symptoms (even of years ago) reappear on the surface and permanently eradicated. This reappearance can be in a very transient form, which may not even be visible to the naked eye.
6. To fulfil Hahnemann’s three injunctions of cure: rapid, gentle and permanent.
7. Anti-miasmatic medicines help to clear up the suppressions (in relation to the past); clear up the presenting symptoms from their root or origin (in relation to the present); and clear up the susceptibility to get infection and thereby strengthening the constitution (in relation to the prophylactic aspect or future).
[Dr Subrata Kumar Banerjea]
The consideration of miasms is of importance in effective homoeopathic prescribing particularly in this world of multi-suppressions where perceiving a clear picture of disease is becoming increasingly difficult.
Disease pictures can be complicated for several reasons, and the chart below shows the three pictures which may arise. These pictures are expanded upon within this chapter as an important starting point in understanding the value of miasms and miasmatic prescribing in modern homoeopathic practice.
a) Contaminated Picture:
the disease is contaminated or masked
(through a lack of expression of symptoms or manifestations
due to emotional, physical or iatrogenic suppressions).
b) Conjoint Picture:
the original malady exists upon which symptoms of various drugs are superimposed.
c) Scarcity of Symptoms:
conditions in which it is difficult to ascertain a totality of symptoms,
i.e. one-sided diseases such as insomnia, migraine, fatigue syndromes etc.
The disease picture is contaminated by various forms of suppression, which can be recognised in either of two ways:
i. A lack of expression of symptoms which have been driven inside by heroic suppressive measures.
ii. A contaminated picture formed by the original disease together with a lack of expression caused by physical or emotional suppressions. E.g. an extrovert receives disappointing news and their natural inclination is to sob loudly to recover. Circumstances however forbid this and they are forced to bottle up their feelings — their emotions therefore become suppressed.
In these cases, the symptoms of the original disease are superimposed with symptoms of the artificial drug disease. Conjoint pictures may arise as follows:-
i. The original disease is joined by an artificial chronic disease (due to allopathic medical malpractice §78).
ii. The original disease is joined by an artificial chronic disease (due to homoeopathic medical malpractice, e.g. as in cases of polypharmacy, too frequent repetition of doses or the usage of combinations where the action of such applications has not been proved on healthy human beings.
iii. The original disease is joined by an artificial chronic disease produced by vaccinations and serums.
A scarcity of symptoms will be apparent in cases of 'one-sided disease', of which Hahnemann makes us aware in §173 of The Organon. These are diseases with too few symptoms, such as insomnia, anorexia and cases of hyperactive, restless children. They also include the so called modern illnesses such as Chronic Fatigue Syndrome, where there are only one or two symptoms showing on the surface of the case. In a case of insomnia, for example, where loss of sleep is due to anxiety and nothing more, we are unable to make a totality. We cannot prescribe successfully on the basis of one or two symptoms and it is due to suppression that only one or two symptoms are visible. It follows therefore, that the manifestations and expressions of the patient must have been suppressed.
We know that in the modern world, the causes of suppression are many. They do however fall into the three main categories as follows. Examples are given under each category although it should be noted that these examples are by no means exhaustive.
e.g. suppression of perspiration by antiperspirants.
e.g. broken relationships; disappointments in love; pecuniary embarrassments.
Iatrogenic Suppressions
i. Suppressions by non-homoeopathic remedies e.g. antibiotics, steroids etc.
ii. Suppressions by homoeopathic medicines e.g. daily repetition of doses over a prolonged period, polypharmacy, quick alternation of remedies, the use of combinations.
iii. Widespread vaccination.
iv. Suppressions caused by the use of serums (anti-sera preparations)
such as the contraceptive pill and H.R.T.
So we can clearly see that manifestations of one-sided diseases are either contaminated, conjoined with artificial disease symptoms, or hindered and suppressed. Clinical experience of the classical prescribers and my own ancestral wisdom has shown that the best way to open up these cases is from the miasmatic viewpoint. That is to say, we perceive the surface miasm and treat it accordingly. The surface miasm itself being diagnosed by considering the symptoms showing on the surface of the case as presenting complaints.
Uncovering the Layers:
It is apparent therefore, that it is necessary to understand the soil, the very dyscrasia of the person, and the miasm, which represents the stigma, groove or pollution in the system. This stigma/groove/pollution, call it what you will, can only be corrected through constitutional, anti-miasmatic treatment, and through such treatment, the complete annihilation of symptoms and perfect restoration of health will ensue.
In order to make a miasmatic assessment, we need to uncover the layers of predisposing weaknesses, which can be attributed to the different layers of suppressions. These reflect the miasmatic weakness of the individual.
I like to compare these different layers of miasmatic dyscrasia with the lotus flower. The outermost layer or petal reflects the surface miasm, that is, the presenting manifestation of the person. On the basis of the totality of symptoms, together with the miasmatic totality, the constitutional anti-miasmatic remedy is then selected for that presenting totality. This not only removes the surface symptoms but also the corresponding miasmatic dyscrasia, which was being manifested on the surface at that time.
Once the outer layer of the flower is removed the second layer is revealed. This second layer in turn becomes the surface miasm, reflecting a different group of symptoms. Dr. Kent guides us here, stating that there now has to be a change in the plan of treatment. This means that if the previous outermost layer was sycosis (and accordingly an anti-sycotic remedy was given which annihilated all the symptoms of that layer), the next miasmatic layer, which rises to the surface, has also to be addressed by its own presenting symptoms. The totality of the case needs to be reassessed and the next prescription selected on the basis of the totality of symptoms including the miasmatic symptomatology.
The skill of a homoeopathic physician is to recognise the differing layers present as they reveal themselves through the surfacing of symptoms. The remedy they select should not only cover the symptomatic totality as manifested through the surfacing of symptoms in the outermost layer but also the miasmatic totality. In such a way ‘layer upon layer of predisposing weakness’ can be peeled off, taking with them the layers of suppressions and corresponding miasma, and the miasmatic dyscrasia can be nipped in the bud.
Classical Miasmatic Prescribing:
MTEK is a useful memory aid to arriving at a correct prescription.
Miasmatic Totality
Essence (should include gestures, postures, behaviours etc)
Keynotes (which should encompass PQRS symptoms, refer §153 and §209 of Hahnemann’s Organon)
When the above criteria are considered and the steps below followed, a correct prescription can be made.
Make the miasmatic diagnosis of the case i.e. ascertain the surface miasm.
Assess the Totality of Symptoms + Essence + Keynotes and PQRS of the case and formulate the indicated remedy.
Ensure that the indicated remedy covers the surface miasm, as diagnosed in Step I (refer Miasmatic Weightage of Medicines, the last section of this book).
Administer the remedy, which encompasses miasm as well as the Totality of Symptoms.
By such a prescription, which covers the miasmatic dyscrasia of the person, the chances of recurrence are eradicated and the axiom of ‘rapid, gentle and permanent recovery’ (Hahnemann’s Organon §3) is encompassed. In cases of one-sided disease with a scarcity of symptoms, the action of the anti-miasmatic remedy is centrifugal, and by bringing the suppressed symptoms to the surface allows a proper totality to be framed.
The miasmatic consideration is therefore of great importance as demonstrated in the following example:-
A person is suffering from features of gastric ulcer, which has been confirmed by radiography. As ulceration is syphilitic, the surface miasm is therefore syphilitic also. Let us say that the totality of symptoms (physical, emotional and essence) of the person reflects towards Kali Bichromicum, an anti-syphilitic remedy. The choice of remedy is therefore simple, as Kali Bich covers both the totality of symptoms and the surface miasm of this gastric ulcer case. Kali Bich will peel away the outer layer and reveal a second layer underneath. This second layer may manifest perhaps through the appearance of warts or moles on the face, an indication of suppressed sycosis and the next assessment of the case should include this new surface totality. Following Kentian ideology we now know that there needs to be a change in the plan of treatment, that is, the previous syphilitic plan needs to change to a current sycotic plan, and a new anti-sycotic medicine needs to be selected based on the presenting totality.
A thorough dissection and incorporation of miasm in each case will help a homoeopathic prescriber in the following ways:
i. A deep acting anti-miasmatic medicine by virtue of its centrifugal action will open up such cases (brings to the surface the suppressed symptoms) where the totality of symptoms cannot be framed due to a scarcity of symptoms (i.e. one-sided cases), and those cases with conjoint or contaminated pictures due to various physical, emotional or iatrogenic suppressions.
ii. Also of importance is the value of selecting an anti-miasmatic medicine, which covers the psychic essence, nature and character of the individual in absence of any recognisable totality. For example, a patient presents with insomnia with no distinguishing modalities or other characters to complete the symptom. By ascertaining that person’s psychic essence or character (for instance, suspicious, jealous and exploiting in nature, representing sycosis) we can prescribe an anti-miasmatic medicine to cover the insomnia and open up the case. Thus, the anti-miasmatic medicine covers the essence of the person is capable of surfacing the suppressed symptoms and then we can easily frame the totality.
iii. To be more confident in prescribing by including the surface miasm of the case in the consideration of the totality, as miasm, the dyscrasia of the person, constitutes a major part of that totality. Miasm and the symptoms are nothing but the two sides of the coin, and one cannot be considered whilst ignoring the other. In fact, the totality of symptoms cannot be said to be total until and unless the selected remedy covers the miasm.
iv. To evaluate the necessity of a change in the plan of treatment or a change of remedy; when few symptoms have disappeared after the first remedy has been administered, yet the miasmatic totality shows the preponderance of the same miasm on the surface as that which was originally covered by the initial remedy. It indicates that the prescriber can stay with that initial remedy, as can be seen from the following example: a patient came with the presenting symptom of facial wart, for which Causticum was prescribed. As this medicine covers the miasm (here in this case, sycosis) as well as the symptom, the wart has fallen off; and the next suppressed layer, perhaps a profuse yellowish leucorrhoea (which was previously suppressed by cauterisation) comes to the surface. This symptom too is a sycotic manifestation, and if also covered by Causticum, then that remedy will totally eradicate the problem. So knowledge of miasm guides us to stay with the remedy and to allow its full and complete action.
v. To evaluate the homoeopathic prognosis of the case, as removal of layers of suppression are manifested as clarity of symptoms and also reflected by a quantum jump in the sense of well being. Deep acting anti-miasmatic medicines by virtue of their centrifugal action will remove the layers of suppression which can be evidenced as follows:
a. Stability (in obese people) or weight gain in under weight subjects.
b. Clarity of the existing or presenting symptoms or even lighter symptoms.
c. Suppressed symptoms (even of years ago) reappear on the surface and are permanently eradicated. This reappearance can be in a very transient form, which may not even be visible to the naked eye.
i. To fulfil Hahnemann’s three injunctions of cure: rapid, gentle and permanent.
ii. Anti-miasmatic medicines help to clear up the suppressions (in relation to the past); clear up the presenting symptoms from their root or origin (in relation to the present); and clear up the susceptibility to get infection and thereby strengthening the constitution (in relation to the prophylactic aspect or future).
And so we return to the key points of this introduction — the utility and incorporation of miasm in prescribing. Miasm represents the past, the present and the future — the past in terms of the layers of suppression and their removal, the present by the removal of these layers, which leads to a clear assessment of the totality of symptoms, and the future where the patient becomes stronger as a whole and is more able to resist morbific influences. Even in this modern world of heroic suppressions, a proper constitutional, anti-miasmatic treatment is capable of achieving the following results:-
In one-sided cases, the centrifugal action of the anti-miasmatic remedy brings suppressed symptoms to the surface and in so doing allows the proper totality to be framed. A correct anti-miasmatic prescription is also effective in cases where the picture of the disease is either conjoint or contaminated. In such cases, it organises the symptoms and frames a clear picture by removing the blocks.
Removal of the different layers of suppression one after another through changes in the plan of miasmatic treatment according to the presenting surface miasm and corresponding symptomatic totality. Thereby the miasmatic dyscrasias are corrected, which in turn lessen the susceptibility to become sick. Thus we achieve the Hahnemannian ideology of permanent restoration of health.
Clearance of the miasmatic stigmas and dyscrasias serves to improve the immunity and strengthen the constitution.
The proper miasmatic diagnosis of each case can uproot the underlying cause and nip the bud of increased susceptibility to diseases! Miasmatic prescribing is therefore both curative and preventive.
KEY WORDS AND CRITERIAS:
BASIC CRITERIA OF THE FOUR GREAT MIASMS:
LACK, SCANTY & ABSENCE
Either physical or mental
e.g. atrophy, anaemia, ataxia, anorexia etc.
Physical irritation is characterised by itching
leads to mental turmoil characterised by
Therefore any diseased condition characterised by deficiency, scantiness or absence, and all ‘hypo’ conditions reflect psora
e.g. itching all over the body
e.g. anxiety
apprehension (especially of impending misfortune), which manifests as fear. Psora has the most fears of all the miasms.
So deficient immunity resulting in increased susceptibility to catch infections i.e. ‘hyper sensitivity’ is a psoric criterion.
All hypers and excesses are sycotic.
Incoordination in development
Incoordination in the sensorium or comprehension
e.g. hypertrophy, hyperplasia, hypersexuality, excess working (workaholics).
Proliferation or excess
e.g. absentmindedness
e.g. tumours, fibroids, warts and any growths.
Whilst concentrating on studies the mind is abstracted and wanders off elsewhere.
DESCTRUCTION & DEGENERATION
‘DYSES’ AND IRREGULAR MANIFESTATIONS
Characterised by structural destruction and degeneration
Characterised by destruction and perversion
e.g. dystrophy, dysplasia, dysphagia
i. Ulceration
(where there is cellular destruction and degeneration)
ii. Pus formation
(characterised by degenerated cellular debris)
(characterised by structural degeneration)
i. Love for one’s own life is destroyed (suicidal tendencies).
ii. Perverted sex and sexual cravings.
Irregular manifestations such as irregular peristaltic movement resulting in dysenteric spasm and stool, or high systolic and low diastolic blood pressure in one individual.
Such manifestations reflect irregularity in the circulatory mechanism.
ALTERNATING, PERIODIC, ONE-SIDED AND VAGUE MANIFESTATIONS
i. Person craves sugar but this makes them sick and they become dissatisfied.
ii. Perverted sexual cravings or profuse masturbation make the person exhausted (this is from the syphilitic component of the miasm), or the person enjoys sex but exhaustion does not permit so they remain unsatisfied.
i. Changeable mentality (e.g. wants new clothes, changes occupation, studies, jobs partners etc. very frequently and is never satisfied).
ii. Vagabond mentality (e.g. likes to travel often, cannot stay in one place).
i. Alternation — e.g. constipation alternates with diarrhoea.
ii. Periodicity — e.g. headache comes on every seventh day.
iii. One sided diseases — e.g. insomnia, anorexia, migraine, fatigue etc.
iv. Other conditions which present with ill-defined symptoms or too few symptoms.
v. All allergic manifestations such as food and dust allergies.
vi. All haemorrhages.
vii. All recurrent problems.
Gekürzte Auszüge aus den beiden Büchern von Dr.-Ing. Joachim-F. Grätz, Klassische Homöopathie, Oberhausen i. Obb.
Das wesentliche Merkmal von akuten Krankheiten liegt in ihrer Tendenz, von selber zu heilen. Sie haben ein Ziel und somit einen definitiven Anfang sowie ein definitives Ende mit und ohne Medikament o. homöopathisches Arzneimittel. Bei den chronischen Krankheiten dagegen ist eine Selbstheilung nicht möglich. Die Lebenskraft lässt ihnen ungehindert Zutritt zum Organismus; sie kann sich von ihnen nicht selbständig befreien. Die chronischen Krankheiten verlaufen in Phasen und Schüben mit dazwischen liegenden Latenzzeiten und kommen immer wieder „in einer mehr o. weniger abgeänderten Gestalt und mit neuen Symptomen ausgestattet“ zum Vorschein; das heißt, es gibt „alle Jahre“ einen Zuwachs an Beschwerden. Die chronische Krankheit endet quasi erst mit dem Ableben des einzelnen.
Die Schulmedizin sieht zwischen den beiden Begriffen Akutkrankheit und chronische Krankheit nur einen zeitlichen Unterschied. Laut klinischem Wörterbuch Pschyrembel bedeutet Akutkrankheit eine „plötzlich, schnell, heftig verlaufende Krankheit“, während unter chronischer Krankheit eine „langsam sich entwickelnde und langsam verlaufende Erkrankung“ verstanden wird. Die Homöopathie sieht allerdings nicht nur diese zeitliche Dimension, sondern auch den Charakter und das Wesen der Erkrankung. Der Unterschied zwischen akut und chronisch liegt also in der Art und Weise der Reaktion der Lebenskraft. Und genau hier kommt der Begriff der Miasmen ins Spiel.
Der Begriff Miasma
Miasma bedeutet soviel wie Besudelung, Verunreinigung o. Ansteckungszunder (ansteckend, kontagiös, verderbend) und umschreibt dasjenige, was hinter dem vordergründigen Leiden steckt. Um diesen so wichtigen Begriff der chronischen Homöopathie besser verstehen zu können, soll er anhand eines kleinen einprägsamen Beispiels - ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte - näher erläutert werden.
Hahnemanns Briefsiegel
Nehmen wir ein Kind, welches bis zu 8x jährlich an Mittelohrentzündungen leidet, so schlimm, dass das Trommelfell bereits perforiert ist und sich jedes Mal ein gelbgrünes Sekret aus den Ohren ergießt, so dass sich auf dem Kopfkissen des Kindes häufig eitrige Flecken finden lassen. Solcherlei Fälle sind heutzutage leider keine Seltenheit! Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, diesem Kind zu helfen.
Die herkömmliche und am meisten praktizierte Methode besteht in der Verabreichung eines passenden Antibiotikums, damit die Entzündung sofort stoppt, das Fieber heruntergeht und der Schmerz nachlässt.
Andere, mehr naturheilkundliche Möglichkeiten Linderung zu verschaffen:
Zwiebelsäckchen, Cantharidenpflaster, Wadenwickel, Tees o. sonstigen Anwendungen bzw. „Hausmittelchen aus Omas Überlieferungen“.
Und schließlich die homöopathische Vorgehensweise, bei der das den Krankheitssymptomen ähnlichste Arzneimittel gesucht und verabreicht wird.
Allen Methoden ist eines gemeinsam: Sie behandeln die Krankheit akut, das heißt, eine Medizin o. Arznei wird verabreicht, um die akuten Symptome möglichst schnell zum Verschwinden zu bringen. Die schulmedizinische Vorgehensweise konzentriert sich dabei in erster Linie auf das Grobstoffliche und bekämpft Fieber, Mikroben (Streptokokken) und Schmerz.
Die Mittel aus der Naturheilkunde machen im Prinzip dasselbe - es ist auch ein lokales, organbezogenes Vorgehen, nur dass diese verabreichten Mittel biologisch besser abbaubar sind und nicht so viele bzw. kaum Nebenwirkungen aufweisen. Nur das homöopathische Prinzip sieht den Organismus des Kindes als Ganzes und berücksichtigt über die vordergründige Diagnose einer eitrigen Mittelohrentzündung hinaus auch Dinge wie Durstverhalten und Appetit, Höhe und Typ des Fiebers, trockene Hitze o. Schwitzen Fieber, Gesichtsfarbe, Krankheit während der Zahnungsphase, psychische Symptome wie extreme Anhänglichkeit und Weinerlichkeit o. Gehässigkeit und ständiges Fordern o. extreme Zurückgezogenheit, Schwäche und Ruhebedürftigkeit, Unruhezustände und vieles mehr o. gar eine echte Causa (Ursache) wie beispielsweise Zugluft o. Erkältung durch einen Schwimmbadbesuch, um nur einige zu nennen. Aus diesen Angaben zusammen wird nach den Prinzipien der Ähnlichkeitsregel das Similus bestimmt und in potenzierter Form verabreicht.
Es wird sich bei allen Akutbehandlungen mehr o. weniger ein recht schneller Erfolg einstellen und das Kind frei von krankhaften Symptomen sein. Es gibt jedoch auch Unterschiede hinsichtlich dieser verschiedenen Akutbehandlungen. Während die lokalen Vorgehensweisen eher eine symptomatische, unterdrückende Behandlung bedeuten, also bestenfalls die Krankheitszeichen coupieren und demnach kein echtes Ausheilen der Erkrankung beinhalten, kann man bei dem homöopathischen Ansatz von wirklicher Heilung im Akutsinne sprechen. Hier wird zum einen sehr individuell vorgegangen, so dass ein jeder Patient das für ihn passende Mittel erhält, welches darüber hinaus feinstofflicher Natur ist und den Körper nicht grobstofflich-chemisch belastet, so dass es keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen gibt.
Doch die Mittelohrentzündungen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wiederkommen. Es wurde ja jeweils nur die Akutkrankheit behandelt. Die Neigung, so häufig an eitrigen Otitiden zu leiden, wurde in keinem Fall genommen; auch nicht bei der homöopathischen Vorgehensweise. Hier kommt der Begriff Miasma ins Spiel. Denn die Mittelohrentzündungen können nur immer dann wieder auftreten, wenn ein entsprechender Nährboden vorhanden ist, wenn es ein Terrain für derartige Erkrankungen gibt. Und dieses Terrain umschreibt der Begriff Miasma. Miasma heißt soviel wie Krankheit hinter den Krankheiten o. chronische Grundkrankheit. In unserem Falle muss eine ausgeprägte Tuberkulinie (ein bestimmtes Miasma, welches nicht zu verwechseln ist mit akuter Tuberkulose und weiter unten ausführlicher behandelt wird) vorliegen, welche bereinigt werden muss. Und genau hier setzt die chronische Vorgehensweise der Homöopathie an: Das Eliminieren der Miasmen unter Berücksichtigung der jeweils individuellen Symptome des Patienten. Erst dann, wenn - wie hier in unserem Falle - die Tuberkulinie weitgehend abgetragen worden ist, stellt sich dauerhafte Gesundheit ein. So wird die Neigung zu eitrigen Otitiden mit der Zeit abnehmen und schließlich ganz der Vergangenheit angehören und damit Akutbehandlungen im obigen Sinne nicht mehr notwendig werden lassen. Und das ist der chronische Aspekt in der Klassischen Homöopathie, um den es in diesem Buch gehen soll.
Grundgedanken von Hahnemanns Miasmenlehre
Mit der Miasmenlehre Hahnemanns fängt die eigentliche Homöopathie erst richtig an! Diese Krankheitslehre um die chronischen Krankheiten versetzt den Homöotherpeuten wirklich in die Lage, Krankheiten zu heilen, die nach offizieller Lehrmeinung als unheilbar gelten. So steht die moderne Hochschul- und Apparatemedizin zusammen mit dem ganzen Aufgebot der heutigen Pharmaindustrie derartigen Krankheiten weitgehend hilflos gegenüber und versucht diese mit starken und äußerst giftigen Substanzen notdürftig zu lindern. Häufig erkauft sich dabei der Patient eine solche Linderung teuer durch eine ihm neu aufgezwungene Krankheit - aufgrund der vielen schädlichen Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente und Behandlungen.
Samuel HahnemannHahnemann veröffentlichte diese neue Krankheitslehre nach intensiver 12-jähriger Forschungsarbeit und Verifikation am Patienten und nach mehr als 30-jähriger Simileerfahrung bei den Akutkrankheiten in seinen fünf Bänden „Die chronischen Krankheiten“ ab dem Jahre 1828. Dieses Werk wurde von einem Großteil der damaligen Homöopathen bis hin zu den meisten heutigen Kollegen leider nicht wirklich verstanden und demzufolge weitgehend abgelehnt und missachtet. Aber eigentlich dürfte sich kein Therapeut wirklich Homöopath (bzw. „ächter Heilkünstler“, wie Hahnemann selbst es formuliert hat) nennen, der diese Gesetze und Regeln hinsichtlich der chronischen Erkrankungen negiert. Sie gehen über die bloße Similebeziehung weit hinaus und sind grundlegend für die Klassische Homöopathie bei der Behandlung chronischer Leiden. Ohne sie beschneidet sich jeder Therapeut wunderbarer Möglichkeiten und ohne sie wird er niemals die Homöopathie in ihrer gesamten Bandbreite erleben. Homöopathie ohne die Miasmenlehre kann nur rudimentäre Akuthomöopathie bedeuten, vielfach auch nur palliative Behandlung, also lindernd und nicht dauerhaft heilend.
Hahnemann selbst hat in seinen „Die chronischen Krankheiten“ Stellung bezogen und kommt zu dem überwältigenden Schluss, dass jemand, der frei von jeglichem Miasma ist, absolut gesund ist und ein Leben ohne Krankheit und ohne Destruktion führen kann, ja dass er sich nicht einmal ernsthaft erkälten kann!
Charakteristik der chronischen Grundkrankheiten
Die Miasmen, die Krankheiten hinter den Krankheiten, lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
* Sie sind chronisch und quasi - im Sinne herkömmlicher Therapieansätze - unheilbar, führen in die Destruktion und enden erst mit dem Tod.
* Sie fressen sich unter immer wieder aufflackernden Schüben in immer zentralere Regionen des Organismus vor.
* Wenn äußere Manifestationen der Erkrankungen durch lokale Maßnahmen bekämpft und unterdrückt werden, erfolgt das Gegenteil von Heilung: Verschlimmerung.
Im Gegensatz zu den akuten Krankheiten läßt die Lebenskraft den chronischen Krankheiten ungehindert Zutritt zum Organismus. Sie kann sich von ihnen nicht selbständig befreien; eine Selbstheilung ist also nicht möglich. Die chronische Krankheit verläuft immer in Phasen (Stadien) o. akuten Schüben mit dazwischen liegenden Zeiten vermeintlicher Ruhe, sogenannte Latenzzeiten, welche den Eindruck einer Ausheilung erwecken und vermeintliche Gesundheit vortäuschen. Jedoch kommt sie - eventuell erst nach Monaten o. Jahren - in einer mehr o. weniger abgeänderten Gestalt o. sogar mit einem völlig neuen Gesicht wieder zurück, und zwar zumeist mit Krankheitserscheinungen, die man aus herkömmlicher Sicht nicht im entferntesten mit den vorangegangenen in Zusammenhang bringen würde, da sie klinisch wirklich nichts miteinander zu tun haben. So treibt das Miasma den Organismus zielgerichtet in die Destruktion, ohne dass dies von jedermann deutlich wahrzunehmen ist.
Die Miasmen werden immer in dem Stadium weitergegeben, in dem sich der Überträger gerade befindet. Eine Ansteckung im dritten Stadium der Sykosis beispielsweise bedeutet demnach nicht akute Gonorrhoe, sondern beschert dem Patienten hauptsächlich die Symptome des Tertiärstadiums dieses destruktiven Miasmas, wie z. B. chronische Sinusitis (Neben- o. Stirnhöhlenentzündungen), Rheuma, Gicht, Polyarthritis, Heuschnupfen, Asthma, Reaktionsschwäche, panische irrationale Ängste, Depressionen, psychotische Zustände und einiges mehr.
Antimiasmatische Behandlung
Die erste therapeutische Konsequenz aus dieser Betrachtungsweise hinsichtlich der chronischen Krankheiten ist, dass die einzelnen Krankheitsstadien im Leben eines Menschen unter keinen Umständen als eigenständige, neue, voneinander unabhängige Krankheiten anzusehen sind. Sie gelten im Prinzip als akute Exacerbation eines o. mehrerer wirkender Miasmen, also als ein akutes Aufflackern eines o. mehrerer chronischer Grundleiden. Das wiederum bedeutet, dass man nicht jede Krankheitserscheinung separat behandeln darf, sondern es gilt, die chronischen Grundkrankheiten schrittweise als Ganzes abzutragen. Eine homöopathische chronische Behandlung ist also gleichzusetzen mit einer antimiasmatischen Behandlung und richtet sich nicht gegen vordergründige Symptome akuter Erscheinungsformen. Die antimiasmatische Behandlung übersieht die „schäumende Oberfläche“ und blickt tiefer in den Fall hinein, indem sie nach der prima causa morbi forscht, nach der ursprünglichsten Ursache der Krankheit, dem zugrunde liegenden Miasma.
Verbot der lokalen Manipulation
Die zweite therapeutische Konsequenz betrifft die sogenannten äußeren Manifestationen. Jegliche Manipulation an den äußeren Erscheinungen der Krankheit mit „äußerlichen Mitteln“ hat zu unterbleiben - Hahnemann verbietet dies aufs strengste: Wegschneiden, „Zuschmieren“, Verätzen, ... ist „eine Todsünde des Behandlers!“ -, da die Krankheit sonst sehr leicht von der Peripherie ins Innere getrieben wird und sich vom energetischen Standpunkt her (unter Umständen sogar dramatisch) verschlimmert.
Dies kann beispielsweise bedeuten, dass „aus einer Neurodermitis eine Neigung zu spastischer Bronchitis wird“ o. „aus einem grippalen Infekt eine Neigung zu Herzmuskelentzündungen o. epileptischen Krampfanfällen“ o. „aus einer Sinusitis chronischer Rheuma, z. B. in Form von Polyarthritis“.
Alles, was von innen nach außen - auf die Peripherie des Organismus - getrieben wird, muss also absolut unangetastet bleiben, denn es handelt sich nicht um die eigentliche Erkrankung, sondern nur um Beschwichtigungsmaßnahmen des Organismus, ein inneres, tiefer sitzendes Leiden auszubalancieren. Hahnemann spricht hier von Lokal-Übeln, die ein aktiver Versuch der Lebenskraft sind, einen besseren Interimszustand herbeizuführen, damit die Miasmen weder mit Sekundär- noch später mit Tertiärsymptomen hervorbrechen können. Das Wegnehmen eines Lokal-Übels von der Oberfläche, in vielen Fällen dem einzigen sichtbaren Zeichen der chronischen Erkrankung, kann Quelle vieler chronischer Leiden sein und ist laut Hahnemann „eine der verbrecherischsten Handlungen, deren sich die ärztliche Zunft schuldig machen konnte“. Jegliches Herumdoktorn an den äußeren Krankheitserscheinungen ist für einen echten Heiler verboten!
Ausführliche Lebensanamnese
Die Aufnahme von chronischen Krankheiten zum Zwecke der Arzneimittelfindung ist sehr umfassend und zeitaufwendig. Hier geht es im wesentlichen nicht nur um die aktuellen, gegenwärtigen Zeichen und Symptome inklusive deren eventueller Ursache (Causa), sondern hier werden auch die großen Zusammenhänge und Weichenstellungen im Leben eines Menschen anamnestisch erforscht. Es geht immer wieder um die Frage: „Ab wann ist etwas anders gelaufen, weshalb und wodurch?“ Dies können schwere Krankheiten gewesen sein +/o. deren Behandlung o. Impfungen, Operationen, starke Gemütsbewegungen, Schwangerschaft, Unfälle, Erlebnisschocks, die eigene Lebensweise und vieles mehr.
Um derartige Phänomene und Weichenstellungen im Leben eines Menschen entdecken zu können, ist eine ausführliche,e detaillierte Lebensanamnese. Doch damit nicht genug. Da die Miasmen auch hereditär sind, also das Potential, in einer gewissen Weise zu reagieren, erblich weitergegeben wird, kommt auch der Schwangerschafts- und Kleinkindanamnese sowie einer ausführlichen Familienanamnese der Blutsverwandtschaft eine große Bedeutung zu, denn „nichts passiert auf der grünen Wiese“. Der rote Faden, der sich durch alles hindurch zieht, muss erkannt werden. Erstes Ziel neben dem Sammeln von individuellen Zeichen und Symptomen ist demnach die Suche nach den hereditären und/o. erworbenen Miasmen - der sogenannten Primär- und Sekundärmiasmatik - sowie nach anderen - nach Möglichkeit kausalen - Zusammenhängen während des gesamten Lebens des Patienten. Erst dann ist es möglich, verschiedene Weichenstellungen genauer in Augenschein zu nehmen, um die aktuellen Symptome besser verstehen zu können. Eichelberger spricht hier von dem Erkennen der Idee eines Falles. Jeder einzelne Fall hat seine ihm eigene innere Logik, die es zu erkennen gilt und die therapeutisch umgesetzt werden muss; eine vordergründige „Symptomenabdeckerei“ führt nie und nimmer zum Ziel einer dauerhaften Heilung.
John Henry Allen, der Professor für Haut- und Geschlechtskrankheiten in den USA war und sich als Homöopath nicht nur sehr intensiv mit den venerischen Miasmen und deren Heredität beschäftigt hat, sondern auch das Zusammenspiel der Miasmen untereinander und die Auswirkungen ihrer Unterdrückungen klar erkannt und formuliert hat, fasst dies in seinem Buch „Die chronischen Krankheiten - die Miasmen“ sehr treffend zusammen: „Tatsache ist, dass wir das allerähnlichste Mittel nicht auswählen können, wenn wir die Phänomene der wirkenden und zugrundeliegenden Miasmen nicht kennen; denn das wahre Similum basiert immer auf den vorhandenen, zugrundeliegenden Miasmen, ob wir uns dieser Tatsache nun bewusst sind o. nicht. Das heilende Mittel ist nichts anderes als dasjenige, welches die Krankheit erzeugen kann, die durch ein bestehendes Miasma entstanden ist“. - Das heißt, bei der chronischen antimiasmatischen Behandlung sind die wahlanzeigenden Symptome im Sinne des §153 von Hahnemanns Organon der Heilkunst die miasmatischen Symptome.
Der geübte Homöotherapeut erkennt den vorliegenden miasmatischen „Touch“ immer an den aktuellen und früher dagewesenen Symptomen des Patienten sowie an den Krankheiten und Zusammenhängen aus der Blutsverwandtschaft. Aus diesem Grunde werden bei chronischen antimiasmatischen Behandlungen häufig vorab umfangreiche Fragebogen zu bearbeiten sein, die mehrerlei Effekte und Zielrichtungen haben. Zum einen wird der Patient gezwungen, sich mit sich selbst zu befassen und auch über Dinge und Zusammenhänge nachzudenken, an die er sich schon lange gewöhnt hat und die er mittlerweile als vollkommen unwichtig erachtet. Aber genau diese Dinge könnten für den Behandler ausschlaggebend sein, das richtige Mittel (bzw. die Abfolge richtiger Arzneimittel) zu finden. Darüber hinaus wird sein Unterbewußtsein in einer Weise aktiviert, so dass im Gespräch häufig Dinge zum Vorschein kommen, an die sich der Patient schon lange nicht mehr erinnert hat. Ein Fragebogen dient demnach in erster Linie der Vorbereitung des Patienten sowie des Therapeuten. Letzterer wird diesen ein paar Tage vor dem Gespräch durcharbeiten, um die Anamnese effizienter gestalten zu können und um Dinge dann gezielt anzusprechen, die anderweitig vielleicht sonst nicht so zur Sprache gekommen wären. - Um es abschließend noch einmal klar zu sagen: Ein Fragebogen kann ein Anamnesegespräch nicht ersetzen.
Verschlimmerungszeiten der Miasmen
Da sich die Miasmen in Schüben mit dazwischenliegenden Latenzphasen vermeintlicher Ruhe weiter in den Organismus „vorfressen“, sollte man sich die berechtigte Frage stellen, wann denn solche Verschlimmerungen besonders festzustellen +/o. wodurch sie auszulösen sind. Für einen Therpeuten ist es unerlässlich, diese Verschlimmerungszeiten und -ursachen zu kennen und in der Anamnese o. auch im Verlaufe der chronischen Kur immer wieder neu zu hinterfragen. Dabei lassen sich grundsätzlich zwei Kategorien unterscheiden: Zum einen die sogenannten natürlichen Verschlimmerungszeiten und die sonstigen Verschlimmerungszeiten:
Natürliche Verschlimmerungszeiten:
* Die Zeit der ersten und zweiten Zahnung, die Pubertät, die Menarche (erste Menses), jede Menses, Schwangerschaft und Geburt, übermäßig lange Stillzeiten, das Klimakterium.
* Die Jahreszeiten/Witterungseinflüsse/geographische Einflüsse/Mondphasen.
* Akute Krankheiten (schwerere).
Sonstige Verschlimmerungszeiten:
* Mangel an Ruhe, Schlaf, Sonne, Luft, Bewegung.
* Allgemeine Belastung, körperliche +/o. geistige Anstrengung, Mangelzeiten (Hungersnöte)/Überernährung etc.
* Verletzungen, Unfälle, Körpersäfteverlust (Blutverlust).
* Operationen, Narkosen, sonstige manipulative Eingriffe, Impfungen, Arzneimittelkonsum/-missbrauch, Kräutermissbrauch, Drogen, Hormoneinnahmen („Pille“/andere).
* Schreck- und Schockerlebnisse, anhaltender Kummer und Gram, viel Ärger, unterdrückte Gefühle.
Miasmenkomplexität und -dominanz
Bei der homöopathischen chronischen Fallaufnahme ist es von zentraler Bedeutung, sich Klarheit hinsichtlich der aktuellen Miasmenkomplexität/-dominanz zu verschaffen. Hierunter werden hauptsächlich verschiedene Konstellationen verstanden, ohne deren Kenntnisse dauerhafte Erfolge kaum zu erreichen sind. Dies betrifft vor allem die Unterscheidungen hinsichtlich ein- und mehr-miasmatischer Fälle und der übergeordneten Klassifizierung zwischen erworbenen und hereditär übertragenen Miasmen (erblich bedingt) sowie der Herausarbeitung, welche der vorhandenen Miasmen aktiv sind und welche noch einen regelrechten Dornröschenschlaf halten.
Heredität der Miasmen
Das bisher Gesagte gilt, streng genommen, für die erworbenen Miasmen. Bei den hereditär-chronischen Miasmen, ob ein- o. mehr-miasmatisch, spielt die Familienanamnese zusätzlich noch eine wichtige Rolle, welche für die Arzneimittelwahl oft von ausschlaggebender Bedeutung ist. Darüber hinaus ist bei Säuglingen und Kleinkindern besonderes Augenmerk auf die Schwangerschaft und Geburt zu legen (ausführliche Schwangerschafts- und Geburtsanamnese), welche durchaus direkten Eingang in die Arzneimittelfindung des Patienten haben kann.
Bei hereditär-miasmatischen Fällen sind also nicht nur die einzelnen Symptome des Patienten ausreichend für die Similumbestimmung, sondern die primär-miasmatischen Symptome der Blutsverwandtschaft (Mutter, die ihr Kind in der Regel monatelang austrägt) sind von ausschlaggebender Bedeutung, eine Conditio sine qua non sozusagen, denn erst sie dokumentieren den kausalen Zusammenhang der inneren zentralen Störung und definieren die innere Logik des Falles. Spätestens an dieser Stelle sollte jedem klar werden, dass die sogenannte Verschreibung nach Typen in der chronischen Behandlung nicht funktionieren kann! Es geht um die miasmatische Pathologie und nicht um den Typ o. den Charakter bzw. die Konstitution eines Menschen. Auch die Ansicht vieler Therapeuten, nur das zu behandeln, was sie sehen, nämlich die Symptome, führt nicht dauerhaft zum Ziel. Wir müssen energetisch denken und die Idee des Falles aufspüren. Eine bloße oberflächliche Symptomenabdeckerei hat nichts mit echter Homöopathie zu tun, und das gilt besonders für den chronischen Bereich. Homöopathie erfordert „Querdenken“ und das Herstellen von kausalen Bezügen. Dies wird spätestens nochmals beim Thema der Unterdrückung deutlich. Die meisten heutigen Therapeuten und Schulen begrenzen sich durch ihre Sichtweise - Homöopathie beinhalte nur die Similumbeziehung -, denn die Homöopathie ist zu viel mehr fähig, wenn man die chronischen Gesetzmäßigkeiten beherzigt.
Genau mit diesen hereditär-chronischen Miasmen haben wir es heutzutage in der Praxis in den allermeisten Fällen zu tun. Das liegt nicht zuletzt an unserer orthodoxen agnostischen Hochschulmedizin, die durch ihre heroischen Medikamente, die vielen Impfungen und die vielen Operationen und sonstigen Manipulationen die Menschen immer mehr miasmatisiert und in die Destruktion treibt. So kommt es, dass sich die Miasmen heutzutage von Generation zu Generation immens verschärfen und schon im Säuglingsalter sehr dominant präsent sind. Dies hat Allen bereits vor etwa 100 Jahren in Form des sykotischen Säuglings beschrieben, den wir heutzutage weltweit fast überall antreffen und der von vielen Kinderärzten in Unkenntnis der Tatsachen und Zusammenhänge (leider) schon als das Normale angesehen wird. Doch nur, weil mittlerweile fast alle Säuglinge diese Erscheinungen an den Tag legen, ist es noch lange nicht die Norm im streng biologischen Sinne! Im Gegenteil: Hieraus wird ersichtlich, dass die Menschheit von Beginn ihres Lebens an immer mehr mit miasmatischen Belastungen und Prädispositionen zu kämpfen hat, die sich im Laufe des Lebens und ganz besonders durch unsachgemäße Behandlungen bis ins Unermessliche steigern können.
Übersicht über die Miasmen
Zum besseren Verständnis der Vorgehensweise und des Beurteilens von chronischen Krankheitsfällen und „Schicksalen“ durch die Brille einer sanften und auf Naturgesetzmäßigkeiten basierenden Medizin seien im folgenden alle fünf Miasmen von ihrem Wesen und ihrer Bedeutung her kurz skizziert. Dabei soll es ausschließlich um allgemeine Zusammenhänge gehen und nicht um Vollständigkeit im Detail, wenn so etwas überhaupt möglich ist. Das Thema der Miasmen an sich ist schon sehr komplex und kann an dieser Stelle nicht in allen Einzelheiten beschrieben werden. Der interessierte Leser sei an dieser Stelle auf die vorhandene Fachliteratur verwiesen.
In der heutigen Homöopathie werden grundsätzlich fünf verschiedene Miasmen unterschieden?:
* Psora
* Sykosis bzw. sykotische Konstitution
* Syphilis bzw. syphilitische Konstitution (Syphilinie)
* Tuberkulinie (Pseudo-Psora)
* Arzneimittelmiasma (durch Arzneimittelmißbrauch)
Wie bereits weiter oben erwähnt, hat sich Hahnemann schon einige Zeit vor der Entdeckung der Ähnlichkeitsregel eingehend mit den beiden venerischen Krankheiten Gonorrhoe (Tripper) und Syphilis beschäftigt und erkannt, dass diese beiden viel tief greifender sind, als bislang angenommen, und den gesamten Organismus betreffen. Erst viel später hat er dann den beiden venerischen Miasmen Sykosis und Syphilis ein nicht-venerisches, die Psora, vorangestellt. Darüber hinaus gewann er die Einsicht, dass die herkömmliche Medizin mit ihren grobstofflichen Medikamenten gesehen viele bleibende (chronische) Schäden anrichten kann, so dass schließlich sein 4es Miasma das sogenannte Arzneimittelmiasma wurde.
Lange nach Hahnemanns Tod hat dann der Amerikaner John Henry Allen die sogenannte Pseudo-Psora o. Tuberkulinie den anderen hinzugefügt und beschreibt sie als eigenständiges Miasma, welches ausschließlich hereditär auftritt. Sie hat ihr eigenes typisches Erscheinungsbild und ist aus dem heutigen Praxisalltag nicht mehr wegzudenken.
Neuerdings versuchen einige Autoren der heutigen Zeit, wie beispielsweise Laborde, Coulter, Gienow, Scheiwiller, darüber hinaus weitere Miasmen hinzuzukreieren, als da sind: die „Kanzerinie“ (Cancerinie, Karzinogenie, Krebsmiasma), die „Parasitose“ (durch Parasiten verursacht) o. das „Pockenmiasma“ (durch die Pockenimpfung verursacht). Unverständlicherweise setzen weitere Therapeuten häufig Nosode (homöopathisches Arzneimittel, welches aus dem Produkt eines erkrankten Organs hergestellt ist wie z. B. Tuberculinum aus einer Reinkultur von Tuberkelbazillen, Lyssinum aus dem Speichel eines tollwütigen Hundes o. Scarlatinum aus dem Abstrich eines Scharlachpatienten) gleich Miasma und propagieren beispielsweise auch ein sogenanntes Scharlachmiasma, welches man durch die Nosode Scarlatinum heilen könne etc. Dies alles ist leider nicht korrekt und schlüssig, ja es schadet im Prinzip der eigentlichen miasmatischen chronischen Homöopathie und stiftet viel Verwirrung, gerade unter jungen Therapeuten. Allein mit den fünf oben stehenden „klassischen“ Miasmen lässt sich alles wunderbar erklären und auch hervorragend therapieren.
Abschließend - zur Orientierung - noch eine Liste chronischer homöopathischer Arzneimittel (Antimiasmatika) und ihre Zuordnung zu den einzelnen Miasmen.
Typische Miasmenbelastungen im Säuglings- und Kleinkindalter
Zum Abschluss der miasmatischen Betrachtungen noch ein paar Anmerkungen zu unseren ganz Kleinen, denn schon im frühesten Säuglings- und Kleinkindalter lassen sie die Bereitschaft und Neigung zu Erkrankungen - die Miasmen - sehr deutlich erkennen. Wird diese Sprache des Organismus richtig verstanden, so hat man damit eine große Chance, durch eine gezielte homöopathische antimiasmatische Behandlung sehr frühzeitig die Weichen zu absoluter Gesundheit - wie sich Hahnemann ausgedrückt hat - zu stellen. Dies betrifft hauptsächlich die hereditäre Sykosis, Syphilis und Tuberkulinie.
Frei nach: Heli Retzek
In meiner Grundausbildung zum Homöopathen (ÖGHM) wurde das Thema „Miasmatik“ in wenigen Stunden abgehakt. Die durchaus interessanten Vorträge konnten leider kaum mehr leisten, als beispielsweise die Begriffe „psorisch“, „tuberkulinisch“ im Gedächtnis zu verankern, ein tieferes, über einige Schlagworte hinausgehendes Verständnis (z.B. „Sykotiker haben von allem zuviel“) wurde nicht vermittelt. Fasziniert von dieser „Geheimlehre innerhalb der Homöopathie“, versuchte ich weiterhin die „Miasmatik“ zu verstehen. Kaum jemand schien diese Thematik wirklich durchdrungen zu haben, selbst jeder bekannte Lehrer der aktuellen Homöopathie (z.B. Mazi, Ortega, Sankaran) hatte sich sein eigenes Verständnis zur miasmatischen Betrachtungsweise von Fällen zurechtgelegt. Klunker, der große Intellektuelle und Philosoph der Homöopathie, hingegen sprach den Miasmen jede zeitgemäße Existenzberechtigung ab und erklärte sie zu einem medizinhistorischen Irrtum. Die bekannten Simillimumsucher sahen ebenfalls keine Notwendigkeit für die miasmatische Betrachtung. Von anderen, vor allem amerikanischen Lehrern wurden, dem Hörensagen nach, wiederum neue Miasmen eingeführt, wie das Östrogen-Miasma, Benzin-Miasma. Arzneimittel waren mal typisch psorisch mal wieder typisch sykotisch - je nach Literatur, insgesamt für mich eine verwirrende Ausgangslage.
Kurzum: Miasmen waren etwas Geheimnisvolles, wie die Lebenskraft selbst - undefinierbar und nicht klar einzuordnen. Miasmatiker schienen mit diesem „Tool“ auch ganz kleine Arzneien präzise verschreiben zu können. Das imponierte mich außerordentlich, denn ich konnte diese Verschreibungen oft mit meinem Wissen nicht nachvollziehen, das musste also einfach gut sein! Zudem war ich nach den ersten beiden Jahren der praktischen Tätigkeit und der erfolgreichen Anwendung des Similegesetzes als Grundlage homöopathischer Verschreibungen auf der Such nach neuen Impulsen. Nach 2 - 3 Jahren kamen einerseits Patienten, die man wesentlich gebessert glaubte mit Rückfällen o. neuen Krankheiten, andererseits blieben die nur mäßig gebesserten chronisch Erkrankten. Das Resultat war, dass sich tief chronische Fälle häuften und ich ein immer tieferes Verlangen verspürte, besser zu verstehen, was es eben mit diesen „chronischen Krankheiten“ und deren Therapie auf sich hat. Ging ich doch zu diesem Zeitpunkt meiner persönlichen Entwicklung (gestützt durch Ausbildung und viele Seminare bei „Gurus“) implizit immer davon aus, dass ich nur das wirklich eine richtige Mittel finden musste damit der Patient dauerhaft geheilt bleibt. Ergo: war er nicht dauerhaft geheilt, war das Mittel falsch - so meine Einschätzung.
Es war für mich eine Qual Hahnemanns Chronische Krankheiten (Band 1) zu lesen: Hahnemanns Tiraden gegen die Allopathen zeigten den Querulanten. Die knapp 100 Fälle in den Fußnoten belegten zwar die schrecklichen Leiden der damals Erkrankten, aber - was sollte ich damit? Seine Begeisterung über die „allumfassenden“ Psora, die aufgrund ihrer „tausendköpfigen Hydra“-Qualität ubiquitär sein sollte, konnte ich als Pragmatiker nicht nachvollziehen, denn, wenn etwas überall und immer vorhanden ist, was hilft mir das als differenzierendes Merkmal zur Therapie. Da konnte ich es doch gleich ignorieren?
Die Symptomensammlung der latenten und ausbrechenden Psora versetzte mich jedes Mal in Schlaf und die allerletzte Seite der Chronischen Krankheiten konnte als Rechtfertigung der Isopathie ausgelegt werden. Es gelang mir nur mäßig, den tiefen Sinn der miasmatischen Betrachtungsweise aus den Chronischen Krankheiten zu dekodieren. Klar war nur, dass sie irgendetwas mit einem Bruch des Simile-Gesetzes zu tun hatte und demnach z.B. die Psora wichtiger war als der Status quo, das aktuelle Bild des Patienten. Ich beschloss alle Informationen zur Psora zu sammeln und in meine Sprache und meinen Verständnishorizont zu übersetzen, was ich schließlich aus Zeitmangel nach einigen Seiten aufgab. Eine aktuelle didaktisch ausgezeichnete Arbeit, die dies nachvollzogen hat, möchte ich hier sehr gern empfehlen, die Arbeit von Carl Classen.
Da ich vor allem Praktiker mit geringer Begabung zum Philosophischen bin, legte ich Hahnemanns Chronische Krankheiten nach dreimaligem Lesen, vielen Unterstreichungen und Anmerkungen zur Seite und wunderte mich langsam nicht mehr, wieso sich jeder so seine eigene Interpretation zur Miasmatik zurechtgeschnitzt hatte. Aber: inzwischen durch die Sekundärliteratur besser gerüstet, erschauere ich rückblickend vor dem Genie Hahnemanns und der Tiefe seiner Entdeckung. Ich meine aber definitiv, dass die Chronische Krankheiten (Band 1) kein gutes Buch zum Einsteigen darstellen.
Allen: die ich danach in der sehr gut verständlichen Übersetzung von Renée von Schlick durchgearbeitet habe, war spannend wie ein Krimi, vor allem durch die vielen Kasuistiken, unterstützt von einem kraftvollen, fast manischen Schreibstil. Andererseits gab es wieder endlos lange Abschnitte der folgenden Art: "Risse sind gewöhnlich syphilitisch, können aber natürlich auch tuberkulös sein. Geschwollene, brennende Lippen o. Brennen und Jucken findet man bei der Psora. Wir sehen Ödeme/Schwellungen/Aufgedunsen Gesicht/Lippen/Augen und Lider bei tuberkulösen Leuten, vor allem morgens o. nach dem Schlafen. Beim Gesichtserysipel ist das psorische und sykotische Element gemeinsam beteiligt. Wir müssten die Behandlung vielleicht mit einem antisykotischen Mittel wie z.B. Rhus-t. beginnen, würden aber dann ein rein antipsorisches Mittel wie Sulfur gebrauchen, um die Heilung zu Ende zu bringen o. umgekehrt …“. Leider steige ich bei dieser unmäßigen Mixtur von Fakten nach dem dritten Satz aus.
Voraussetzung für die Entwicklung eines Verständnisses für die Miasmen sind aufgrund der doch erheblichen Fakten: genügend Zeit (1 - Jahre) und die Bereitschaft ein nicht unbeträchtliches Engagement einzubringen.
Zudem quälte mich in diesem Buch erneut eine Merkwürdigkeit, die sich durch viele der wichtigsten Homöopathie-Werke zieht: die lähmende Anhäufung religions-philosophischer Vorstellungen, eine Vermischung wichtiger Fakten und Beobachtungen mit persönlichen Lebensphilosophien, Verhaltensmaßregeln und Glaubensgrundsätzen, die dem Autor scheinbar lebenswichtig scheinen, aber überhaupt nichts mit der homöopathischen Theorie o. Therapie zu tun haben. Dies scheint mir fast Homöopathie immanent zu sein und hat mir schon viele homöopathische Standardwerke vergällt (Hahnemann, Kents Theorie, Allen, Ortega, Masi, Gienow), vermutlich weil ich an einer schlimmen „Philosophie-Narkolepsie“ leide. Jedenfalls: den Band II von Allens Miasmen-Werk, die Materia Medica, könnte ich ohne weiteres entbehren.
John Henry Allen gab viele Symptomen-Listen zu den einzelnen Miasmen an. Er ergänzte Hahnemann um ein klares Bild der Sykose und führte mit vielen Beispielen und Kasuistiken die Tuberkulinie (= pseudo-psorisch) ein. Obwohl ich langsam zu erahnen begann, dass Miasmatik tatsächlich eine ganz basale, wichtige Analysestrategie für einen Homöopathen darstellt, blieb mir die exakte innere Natur eines Miasma verborgen. Auch die praktische Anwendung schien mir noch viel zu komplex, ich vermutete damals mit Allen und Hahnemann eine simple Infektion als physischen Träger dieses Makels.
In dieser Zeit fand ich noch genügend Bestätigung für meine Vermutung: das Wissen der Homöopathie ist wie eine Bibliothek anzusehen, in die jeder am Ende seines Lebens „sein“ Buch hineinstellt. In der Bibliothek wird das Wissen gesammelt und vermehrt deren Umfang, allerdings gibt es kaum übergreifende Berührungspunkte. Kaum jemand schien sich mit der kritischen Aufarbeitung dieses Wissens auseinanderzusetzen. Ich fand keine Synopsis, geschweige den ein Lehrbuch „miasmatischen Denkens“, welches die einzelnen Fäden wunderbarer und erfahrener Homöopathen zu einem wasserdichten und praktisch nützlichen Geflecht zusammenspannt.
Es scheint mir, dass selbst 200 Jahre nach Auffindung der Homöopathie jeder Lernende den komplexen Weg vom Beginn bis jetzt mühselig durchschreiten musste, sich aus 20.000 Seiten „Standardwerke“ der homöopathischen Theorie die insgesamt 50 wirklich wichtigen Seiten herausarbeiten und schließlich in ein praxisrelevantes und handhabbares Konzept umarbeiten muss. Ich träume von einer Art kritisch-wissenschaftlicher Überschau, einer sozusagen vereinheitlichten homöopathischen Theorie inklusive Miasmatik, die didaktisch hervorragend aufbereitet ist, viele Kasuistiken, die die Theorie erst mit Blut füllen zur Thematik enthält und nicht zuletzt einem Buch in lesbarem Font und anregendem Layout.
Spinedis Seminare zur Psora und Sykose trugen viel zum Verständnis bei. Vermutlich werden die Miasmen-Seminare dieses akribischen und fleißigen Aufarbeitenden der homöopathischen Literatur als einer seiner wichtigsten Beiträge zur Homöopathie verbleiben. Spinedi lehnt sich eng an die fantastischen Artikel von Künzli in der AHZ zur Psora und Sykose an. Leider sind diese Seminare bisher nicht publiziert, Mitschriften können jedoch auf meiner Homepage herunter geladen werden.
Mohinder Singh Jus: Von seinen Schülern (Jans, Ebnöther, Bauer) wurde nach seinen Vorlesungen das Übersichts-Skriptum Chronische Miasmen der Homöopathie zusammengestellt, das auf 31 Seiten die wichtigsten Erscheinungen der vier miasmatischen Hauptebenen nach dem Kopf- zu Fuß-Schema auflistet. Vor allem zum raschen Lernen der Symptomatik einzelner Miasmen aber auch zum Lehren der miasmatischen Ausprägungen finde ich dieses Skript sehr nützlich.
M. Wischner: versteht es den historischen Kontext der Entstehungsgeschichte von Hahnemanns Krankheitsmodell umfassend herzuleiten, die Stärken und möglichen Schwächen aufzuzeigen. Leider bleibt es eine Literaturanalyse, wenn auch eine sehr fundierte, eine wahre Fundgrube an wichtigen Informationen. Wischner dringt selbst nicht tief in das homöopathische Gedankengut ein, wie er selbst im Vorwort schreibt, fehlt ihm hier die Praxis.
Miasmen - eine Möglichkeit zur Differenzierung der Arzneimittel?
Mittlerweile war mir klar, dass die Miasmatik nichts anderes war als ein Tool zur Differenzierung möglicher Arzneien für einen Fall. Im Anschluss an die Fallaufnahme - während dieser reift ein Verständnis für die miasmatische Ebene, auf der sich die aktuellen Symptome des Patienten präsentieren - muss differenziert bewertet werden (am schwierigsten war für mich immer das Erkennen der Psora aufgrund ihres breiten Wirkungskreise). Der Haupt-Wirkungskreis der verschriebenen Arznei soll demnach dem Hauptwirkungskreis der aktuellen Symptomatik entsprechen. Bei einem tief sykotischen Fall wird vermutlich Sulphur, auch wenn es die Totalität der Symptome vorschlägt, nicht die allerbeste Arznei darstellen. Ich benötigte wohl hunderte Teil- o. Fehlverschreibungen, um diesen Zusammenhang tatsächlich zu akzeptieren!
Symptomen-Lexikas und Repertorien
In etwa auf diesem Entwicklungs-Stadium benötigt der Adept der Miasmatik Hilfestellung bei der Einordnung von Krankheits-Symptomen in miasmatische Ebenen. Dazu dienen sog. miasmatische Symptomen-Sammlungen.
Barthels Miasmatische Symptomen-Lexikon
In dieser Zeit hatte ich am Tisch das Miasmatische Symptomen-Lexikon von Barthel liegen, ein kleines, aber wirklich wunderbares Büchlein. Das Symptomen-Lexikon ist im Prinzip wie das Repertorium aufgebaut, enthält allerdings nicht jede Detailrubrik, sondern nur die großen Rubriken. Durch die farbliche Hinterlegung wird eine Rubrik z.B. als eher psorisch, sykotisch gekennzeichnet. Barthel hat akribisch Hahnemann, Allen und Ortega als Quellen eingearbeitet. Für den Lernenden der Miasmatik ist dieses Büchlein sicherlich unentbehrlich.
Labordes Repertorium miasmatischer Symptome
Später hab ich Barthels Büchlein durch Labordes Repertorium miasmatischer Symptome ersetzt. Dieses ist im Inhalt vergleichbar, aber dank Löschpapier und grosszügigem Layout zu einem ordentlich (teurem) Buch gereift. Labordes Werk ist etwas ausführlicher und vor allem sind die Quellen angegeben.
Laborde - Übersicht über die Miasmen
Der zweite Teil dieses Buches stammt von Yves Laborde und dient der Übersicht über die einzelnen Miasmen. Die Kapitel zur Syphilis und Sykosis (inkl. Vaccinosis) glänzen als gute Zusammenfassung maßgeblicher homöopathischer und medizin-historischer Literatur. Mein persönlicher Höhepunkt ist die Biographie des bekannten indischen Homöopathen R.P. Patel, dessen rezidivierendes Fibrosarkom mit Lungenmetastasen nur durch Wahrnehmung und Therapie einer hereditären Miasmatik ausgeheilt werden konnte, wohingegen die jahrelang vorher angewandte „normale Homöotherapie“ erfolglos blieb. Der Psora-Teil bleibt wie fast alles bisher zur Psora publizierte etwas diffus. Dies mag vielleicht daran liegen, dass seit Hahnemann kein maßgeblicher Autor die Psora erforscht und Hahnemann vermutlich Symptome verschiedener Miasmen in die Liste seiner Psora-Symptome übernommen hat und folglich die Trennschärfe zwischen Psora und den anderen Miasmen reduziert wird.
Laborde - die verschmolzenen hereditär-chronischen Miasmen
In der sich im Buch anschließenden Bearbeitung der sog. verschmolzenen hereditär-chronischen Miasmen kann nur das Kapitel zur Tuberkulinie überzeugen. Durch Exzerpieren des Grundlagenwerkes von J. Hollos zur latenten und larvierten Tuberkulose ist hier ein sehr dichter, äußerst plastischer und fantastischer Beitrag entstanden. Weniger glaubwürdig hingegen sind die Ausführungen zur sykotischen und syphilitischen Tuberkulinie. Laborde extrahiert diese Sonderformen aus Allens Angaben zur Pseudo-Psora, wohl um die Komplexität der verschmolzenen Miasmatik durch weitere Unterteilung zu unterstreichen.
Gantenbeins Symptome der primären und sekundären Miasmatik
Ich schätze außerordentlich schätze weil er viele klinische Begriffe und Diagnosen eingearbeitet hat. Für die Miasmen-Freaks interessant ist, dass Gantenbein die von Laborde eingeführte Unterteilung der „Pseudo-Psora“ in die sog. sykotische und syphilitische Tuberkulinie übernimmt.
Patels Chronic miasms in homeopathy in Kents Repertory
Patels Chronic miasms in homeopathy in Kents Repertory umfasst alle Symptome des Kent Repertoriums im dortigen Gliederungssystem mit 32 ausgewiesenen Quellen zu den Miasmen. Die diesbezüglich sicherlich ausführlichste Arbeit enthält außerdem eine ca. 100-seitige Einführung gespickt mit Zitaten aller bedeutender Autoren sowie Repertorisationsanalysen nach miasmatischem Schema als illustrierende Beispiele (Stand 1996).
Banerji’s Miasmentabelle
Der Vorteil dieses Heftes liegt darin, dass aufgrund der mehrspaltigen Tabellenform ein direkter Vergleich mit Kommentar der Hauptwirkungsrichtungen der miasmatischen Schwerpunkte im Kopf- zu Fuß-Schema gegeben ist. Die Sprache ist etwas mo.ner, es wurden in ganze Sätze formuliert, nicht nur Symptome aufgelistet.
Mittlerweile hat sich mein Gefühl für die miasmatische Zuordnung gefestigt und ich schlage kaum mehr nach.
Miasmen - die Theorie hereditärer miasmatischer Krankheiten
Einen Quantensprung im Verständnis der Miasmatik ermöglichten mir die Chronisch hereditären Krankheiten. Dieses von Risch und Laborde verfasste Buch, das ich sofort begeistert mehrfach an Freunde verschenkt habe, erscheint mir ungemein bedeutend, und ich könnte mir meine homöopathische Gegenwart nicht ohne dieses Buch vorstellen.
Risch - die Therapie chronischer Krankheiten
Bringt eine ausgezeichnete Übersicht über die Entwicklung des Verständnisses zur homöopathischen Therapie chronischer Krankheiten. Erstmals fand ich hier eine ausgiebige Beschreibung von Hahnemanns Frühwerk: Der Wundarzt, dessen Neuauflage längst überfällig ist. Nicht zuletzt aus dem auch von Risch dargestellten Grund, dass Hahnemann bereits 1785, noch bevor er das Similigesetz aufgefunden hatte, die Syphilis homöopathisch heilte. Als Anhänger Bönninghausens alter Schule erliegt Risch leider der Anfechtung einer verzerrenden, einseitigen und abwertenden Darstellung isolierter Aussagen von Kent. Ignoriert man diese Überflüssigkeiten, erhält man in diesen 130 Seiten einen hervorragenden geschichtlichen und theoretischen Hintergrund der Chronischen Krankheiten und dies in überzeugend kraftvollem Stil. Dabei kann sich der Leser der Darlegung der „ererbten miasmatischen Störung“ gerade durch das Wechselspiel von Kasuistik und Orginalzitaten und jeweils nachfolgender Zusammenfassung mit tabellarischer Übersicht des Präsentierten nicht entziehen. Neben Hahnemann werden Kent, Allen, Roberts, P. Schmidt, Burnett und andere Autoren bearbeitet und deren Beiträge präsentiert. Bönninghausen bleibt interessanterweise unterrepräsentiert.
Gerhard Risch hat bereits im ersten Abschnitt des Buches immer wieder drauf hingewiesen, dass Hahnemanns Hauptbeitrag eben darin bestand, zu erkennen, dass man nicht mit allen Arzneien miasmatisch verankerte chronische Krankheiten heilen kann, sondern nur mit bestimmten, TIEF wirksamen „Antipsorika“.
Wenn dann Laborde einige Seiten weiter z.B. Denys, Rosenbach, Sacch-of., Spengler. als „Hauptmittel bei hereditärer syphilitischer Tuberkulose“ im 3en Grad ohne Referenz angibt, ist dies schlicht eigentümlich. Außerdem werden in diesen Abschnitten viele Aussagen mit sehr weitreichender erkenntnistheoretischer und therapeutischer Konsequenz im apodiktischen Stil ohne Quellenangaben präsentiert, was diesem letzten Drittel des Buches einiges an Qualität nimmt.
Die Kasuistiken zeigen dann schließlich das „Miasmatiker-Phänomen“ sehr deutlich: ausgiebige seitenlange familienmiasmatische Anamnesen führen zu nicht nachvollziehbaren Therapien z.B. mit Benzinum, Sol. o. Ferr-pic. Allerdings - um meine eigene Kritik gleich abzuschwächen - dienen die Kasuistiken nicht der Anschauung der miasmatischen Praxis, sondern nur der Darstellung hereditärer miasmatischer Belastungen. Das Fehlen jedes praxisrelevanten Teils in den modernen theoretischen Werken, das Zitieren von merkwürdigen Verschreibungen ohne jede harte Begründung hinterlässt bei mir immer große Verwirrung und die Frage: Geht es denn hier um eine bessere Therapie o. nur um eine Theorie? Wenn ich an die Klinik von Spinedi denke, in der gemäß den Forderungen Hahnemanns, die Risch so deutlich herausstreicht, die meisten Krebsfälle mit „ganz banalen Arzneien“ wie Phos, Sep, Sulph, Lach geheilt o. deutlich stabilisiert werden können, bleiben mir Verschreibungen wie z.B. Methylenblau, Ferr-Picr., Benzin ohne weitere Erklärung der Verschreibungs-Strategie verschlossen.
Trotz der beschriebenen Schwachpunkte bleibt dieses Buch für mich eine absolute Empfehlung. Wege der praktischen Umsetzung
Inzwischen erkannte ich begeistert bereits eintretend in das Behandlungszimmer das hereditäre Hauptmiasma. Hauptanzeigen waren oft Ausprägungen von Muttermalen, Warzen, Zähnen und Nägel. Bald hatten sich auch die Patienten meinem neuerworbenem Wissen angepasst und kamen mit auf großen Papieren aufgezeichneten Krankheits-Stammbäumen zur Erstanamnese! Besonders hilfreich für die Patientenführung erwiesen sich damals auch meine von Enthusiasmus getragenen Erklärungen, dass der chronische Schnupfen des Kindes aufgrund der sykotisch-tuberkulinischen Belastung des Großvaters väterlicherseits mit der sykotischen Grundbelastung der Mutter zusammenhängt und hier natürlich ein erhöhtes und unbedingt behandlungspflichtiges Krebsrisiko vorläge. Bald kamen Patienten zur „Behandlung von Miasmen“ in die Sprechstunde. Mittlerweile galt ich als ernstzunehmender Miasmatiker unter meinen Kollegen, ja ich musste sogar Kollegen miasmatisch behandeln.
Allerdings erhöhte meine vordringliche miasmatische Orientierung meine Verschreibungssicherheit ebenso wenig wie die Rate an Erst- o. Folgeheilungen. Dazu trug sicherlich bei, dass ich zum einen nach wie vor kein klares, durchstrukturiertes Behandlungskonzept aus dem mittlerweile gut geankerten Wissen um miasmatische Prozesse ableiten konnte. Außerdem war mir das vorher Sicherheit gebende Simile-Konzept durch miasmatische Verziehungen abgeschwächt. Ich behandelte schließlich vordringlich das Miasma!
Um das ganze weiter zu komplizieren sah ich auch wieder schwerste Fälle chronischer Krankheiten, die ich selber aufgrund klarer Analyse und eindeutiger miasmatischer Zuordnung mit diversen Antisykotika in höchsten Potenzen bombardiert hatte, und die supervidorisch dann aufgrund „irgendwelcher §153 Symptome“ mit Sulph. gesundeten.
Gienows dynamischer Miasmenbegriff
In dieser Zeit erschien nun Gienows „Arbeitsbuch Psora“ und gab meinem Miasmenverständnis eine andere Bedeutung. Künstler, Philosophen, Mystiker haben a priori meine Bewunderung, weil ihre Sprache oft so kodiert ist, dass es mir oft unmöglich ist, die wirkliche inhaltliche Relevanz zu extrahieren o. zu imaginieren. Und bei Gienow heißt das, sich durchzuarbeiten durch die etymologische aus der Bibel abgeleitete Bedeutung des Wortstamms der Psora, durch Wortspiele auf alte Werke der Kulturgeschichte und die hebräische und griechische Sprache, daneben die Übersetzung in die Terminologie der Miasmatik. Ferner durch inkarnationstheoretische Analogien projiziert auf kosmische Gesetzen bestätigt durch Zahlenmythologie, und im selben Atemzug durch Gerüst-Silikate und J.H. Allens Kernaussagen. Diese Strategie fand ich bisher nur im Februarmann des genialen Hypno-Psychotherapeuten Milton Erikson verwendet.
Schließlich begriff ich, dass diese mit Homöopathie und Miasmentheorie rein gar nichts gemeinen Interponate einer sublimen Hypno-Therapie dienen, welche meinen Geist öffnen sollte, um mich auf eine völlig neue und revolutionäre Sichtweise der Miasmatik einzulassen: Deren Implikationen konnte ich tatsächlich in manchen Fällen in der Praxis bestätigen.
Meine Übersetzung von Gienows Aussagen:
• Miasmen sind Reaktionsdynamiken der Lebenskraft, d.h. innerhalb einer miasmatischen Ebene spielen sich Erkrankungen mit einer ganz bestimmten Dynamik ab. Diese Ebene entspricht einem metastabilen Zustand des Organismus.
Kann der Organismus diese Ebene nicht halten (Erkrankung nimmt zu), gibt es klar definierte Übergänge zur nächsten metastabilen Ebene, auf der sich nun das Krankheitsdrama in einer neuen, veränderten Dynamik abspielt. Dabei haben sich die Spielregeln geändert: „Wo vorher Entzündung vorherrschte kommt es zur Tumorbildung“ (Tub à Syk). Wird der Organismus gesunder kann er von einer krankeren Reaktions-Ebene in einer gesundere Übertreten. Dabei verändern sich erneut die Krankheitserscheinungen, es hat wieder ein Miasmen-Wechsel stattgefundenMiasmen - als spezifisches Reaktionsmuster der Lebenskraft
Gienow befreit den Miasmenbegriff von seiner „dinglichen“ Begrifflichkeit und damit von der magischen Vorstellung, man „müsse das Miasma behandeln“. Somit geht auch die Vorstellung verloren, man müsste eine Behandlung durchführen gegen eine „Besetzung“ des Körpers durch einen Keim, eine böse Kraft o. beispielsweise einen schlimmen Geist. O. anders ausgedrückt, man müsse diese gleichsam böse o. auch zerstörerische Entität abwehren. Das klingt banal, entspricht aber vom erkenntnistheoretischen Hintergrund Hahnemanns Kunstgriff, das Symptom der Krankheit implizit als Ausdruck einer Störung der Lebenskraft zuzuordnen. Vor Hahnemann hingegen wurde eine Krankheit ähnlich „dinglich“ wahrgenommen“, als das eigentlich Schlechte und „Wegzumachende“ und von der Lebenskraft völlig unabhängig. Aus diesem banalen Umdenken heraus ergeben sich zwingend andere Behandlungs-Strategien.
Nach der Lektüre von Gienow denke ich daher: Befindet sich der Körper in einer sykotischen Reaktionslage, wird er (außer in §172 Fällen) vorzugsweise sykotische Störungsmuster produzieren. Wird die Behandlung gut geführt, muss irgendwann die Reaktionslage des Organismus aus der sykotischen auf die tuberkulinische, schließlich in die psorische Ebene geführt werden. Dies bedingt dann natürlich fast zwingend Krankheitserscheinungen einer benigneren Ebene, die Gienow als Heil-Reaktionen bezeichnet.
Gerade diesen „Ebenenshift“ kann man bei tiefer körperlicher Pathologie in der Praxis manchmal beobachten und Gienows Konzept hat sich schon mehrfach hilfreich im Verständnis des ablaufenden Prozesses bestätigt und damit auch die Arzneiwahl beeinflusst.
Gienow fordert mit seinem kunstvollen Argumentationsstil viel von seinen Lesern. Mehrere Freunde, denen ich begeistert diese Buch geschenkt hatte, scheiterten an Bibel, Griechisch und Inkarnationstheorie und gelangten nie zum genialen Kern des Buches, der in der Bearbeitung und Kommentierung jener 100 Fälle Hahnemanns aus den Chronischen Krankheiten (Band 1) liegt, an denen Gienow die ablaufende Reaktionsdynamik exemplarisch präsentiert.
Ich möchte dazu drei beliebige Fälle aus dem Buch von Gienow im Orginal zitieren (Hahnemanns Originaltext kursiv)[3]:
• „Einem neunjährigen Knaben hatte die Mutter den Grindkopf (Psora) eingeschmiert er verging, aber es folgte ein heftiges Fieber“
Beurteilung: hyperaktivierte Psora, die bei längerem Bestehen bleiben in die Tuberkulinie übergehen kann.
• „Mädchen 12 Jahre alt. Krätze (Psora) wurde durch eine Salbe von der Haut vertrieben. Daraufhin Stickhusten mit Engbrüstigkeit (Tuberkulinie). Seitenstechen und Geschwulst (Sykose). Schwefel als innere Arznei brachte die Krätze wieder zum Vorschein. Und außer der Geschwulst verschwanden die Beschwerden.“
Beurteilung: bedeutsam an dieser Fallgeschichte ist die Tatsache, dass sich die tuberkulinischen Erscheinungen nach einer Sulphurgabe zurückentwickeln, nicht aber die sykotischen. Diese Tatsache spricht für die Idee der miasmatischen Fixierung. Denn wenn eine Erkrankung eine neue Ebene betreten hat, wie in diesem Fall die sykotische in Form der Geschwulst ..., ist die Therapie in einer miasmatisch geringgradigeren Ebene unzureichend und kann den Krankheitsprozess in der höherliegenden Ebene nicht mehr beeinflussen, obwohl die anderen Erscheinungen sich ausheilen. So findet in diesem Beispiel eine Heilung der tuberkulinischen Beschwerden statt, nicht aber der sykotischen ... die gehört nicht mehr zum Wirkungskreis von Sulphur.
• „Ein fünfzigjähriger Mann, bei welchem nach Vertreibung der Krätze (Psora) durch Salben, allgemeine Wassersucht (Sykose) entstand, verfiel, als die Krätze wieder erschienen und so die Geschwulst verschwunden war, auf ein nochmaliges Krätze-Vertreiben durch Einschmieren plötzlich eine völlig tobende Raserei (Hyperaktivität Tuberkulinie mit Übergang in die Sykose), wobei Kopf und Hals bis zum Ersticken aufgetrieben ward (Sykose beginnende Syphilinie) zuletzt kam noch völlige Blindheit (Sykose Syphilinie) und gänzliche Harnverhaltung (Sykose) hinzu. Auf künstliche Hautreize (Miasmenbahnung = Aktivierung eines benigneren Vor-Miasmas) und ein starkes Brechmittel erschien der Krätz-Ausschlag wieder und die Zufälle verschwanden alle, nach dem sich der Ausschlag über den ganzen Körper verbreitet hatte.
Beurteilung: was an diesem Fall bemerkenswert ist, ist, dass eine Heilung, o. genauer gesagt eine Verlagerung auf die psorische Ebene zwei Mal gelungen ist. Normalerweise findet mit jeder Unterdrückung eine stärkere Verschiebung Richtung Syphilinie statt, was wir auch in dieser Fallgeschichte sehen können. Selten gelingt es diesen Prozess wieder rückgängig zu machen, was aber hier durch drastische Maßnahmen und die Miasmenbahnung über hautreizende Stoffe gelungen ist.
Interessant ist die Ableitung des Reaktionsmodelles aus Hahnemanns Fallschilderungen und der Aufbau einer geordneten Reaktionsabfolge. Ob diese insgesamt schlüssig und ausreichend differenziert ist, bleibt den zukünftigen Beobachtungen in der Praxis vorbehalten. Denn es lassen sich nämlich nicht alle Fälle mit diesem Modell analysieren.
Nach der Präsentation der Dynamik der Miasmen gibt Gienow eine inhaltlich ausgezeichnete Zusammenfassung der wahlanzeigenden Symptome der Psora. Wie alle Werke zur Miasmentheorie verbleibt der therapeutisch orientierte Teil gegen Ende des Buches dünn und hinterlässt einen hungrigen, leeren Bauch mit dem Wunsch nach Praxis, Verdichtung an Fällen, Relevanz, Anwendbarkeit angesprochener Miasmenbahnung, Heilmiasmen.
Gienows Sykose
Bei Gienows neuestem Werk über die Sykose stieg ich trotz großer Sympathie und Respekt aus. Denn ich hätte gerne 70 Seiten Inkarnations-Mythologie als Einleitung gegen 70 Seiten „Praxis und angewandte Miasmatik“ eingetauscht (ein einziger kommentierter eigener Fall am Buchende ist allerdings spannend).
Der theoretische eher „durchwachsene“ Teil enthält ausgezeichnet zusammengefasste Merkmale der Sykose (Allen, Laborde), denen allerdings mythologische Einschübe und genau jene Texte aus Labordes Sykose-Abschnitt dazwischen gestreut sind, die ich dort wegen ihres apodiktischen Ausdrucks mit Fragezeichen versehen hatte. Eine dreiseitige Arbeit über Meningokokken-Meningitis mit bewährten Indikationen steht völlig bezugslos im Text. Eine kleine Kasuistik einer fortgeschrittenen Pathologie, die sich eigentlich als Parasitose (nach Gienow) darstellt, wird dann mit australischen Blütenessenzen behandelt, bis die Patientin die Behandlung abbricht. Hier fällt es schwer sich ein Urteil zu bilden.
Ich mag aber aufgrund der wirklich ausgezeichnet zusammengefassten Sammlung der Sykose-Merkmale das Buch für den Suchenden empfehlen, den Rest verstehe ich weder in Absicht noch Inhalt.
Sankarans Miasmatik
Sankaran versucht ebenfalls durch Einführung von Metastrukturen der mühseligen Symptomenklauberei zu entgehen und gleichzeitig kleine Arzneien für die Arzneimittelwahl zugänglich zu machen. Ich fand viele seiner Überlegungen außerordentlich praxisrelevant, auch wenn mir seine aus der Miasmatik abgeleitete Terminologie hinderlich erscheint. Denn „seine“ Miasmen stellen nicht, wie die Begrifflichkeit suggeriert, notwendigerweise die „klassischen Miasmen“ dar, sondern präsentieren eine „Reaktions-Dynamik“ im mentalen Bereich.
Seine neuesten Überlegungen zu den Pflanzenfamilien sind brauchbar ausgereift, bedürfen aber sicherlich eine ebenso kritische Bewertung wie Scholtens Elements, wobei Kasuistikensammlungen in der Qualität von Mangialavori von großem Nutzen wären.
Nur nebenbei bemerkt: Sankaran hat sein früher so deutlich propagiertes Banalisieren lokalpathologischer Störungsphänomene im neuesten Werk anamnesetechnisch völlig ins Gegenteil verkehrt.
Mohinder Singh Jus Reise einer Krankheit
Nach jahrelanger Arbeit an den alten Klassikern stolperte ich über dieses „Lesebuch“ der Miasmatik, in dem die Thematik, ohne sie zu marginalisieren, gut verdaulich aufbereitet wird. Jus präsentiert alle akzeptierten klassischen Fakten der Miasmatik, inklusive der hereditären und ermöglicht ein tiefes und grundlegendes Verstehen, ohne den Kopf zum Rauchen zu bringen.
Eigentlich, ein hervorragendes Buch zum Einsteigen in die Miasmen-Theorie, viel besser geeignet, um ein durchsichtiges Bild der Bedeutung der Miasmen zu bekommen als Hahnemanns Chronische Krankheiten o. Allens Miasmen. Wirklich schade, dass es dieses wertvolle Werk nicht schon zu meiner Zeit gab. Das Übersichts-Skriptum seiner Schüler habe ich oben schon erwähnt.
Es fehlt mir nach wie vor ein um religions-philosophische Aspekte bereinigtes Übersichtswerk, welches das bisher erarbeitete Wissen zur Miasmen-Thematik konzentriert, übersichtlich und in Lesefreude steigerndem Layout. Ein Werk, welches eine entsprechend Synthese ableitet und vor allem die immer noch offenen Fragen thematisiert. Dieses müsste sich für mich auch ganz eng an der Praxis und Umsetzbarkeit dieser Theorien orientieren. Es sollte viele Kasuistiken zum Erlernen, zum Üben und Vertiefen der Standpunkte enthalten. Wichtig: das Layout soll zeitgemäß und anregend sein. Kurzum: Es sollte ein Buch sein, in dem die Therapie im Vordergrund steht, sich die Theorie also der Praxis unterordnet, nicht umgekehrt.
Empfehlungen zum Bestehen des Miasmen-Parcours.
Müsste ich mir erneut die Thematik der Miasmen erarbeiten, würde ich von den mir bekannten Werken zunächst Jus Reise einer Krankheit lesen, dann die Chronisch hereditären Krankheiten von Risch und Laborde durcharbeiten. Spinedis Seminarmitschriften sind jetzt eine Fundgrube. Gienows Psora ist mit ihrem dynamischen Reaktionsmodell eine wichtige Erweiterung, Gienows Sykose (unter Ausblendung mythologischer Schmückungen) verdichtet den Wissensstand zu dieser Reaktionsebene. Allens Miasmatik wird nun zum erbaulichen Lesebuch, weil man den Stoff bereits beherrscht und sich der Feinheit der Gedanken und Kasuistiken widmen kann.
Das ganze entspricht einem etwa zweijährigem Programm, einem Zeitraum, der vor allem auch zur Verdauung des Angelesenen benötig wird. Wischners Buch müsste den historischen Teppich aufbreiten um schließlich jetzt, ganz am Ende, Hahnemanns Chronische Krankheiten wahrhaftig genießen zu können: als das unglaublichste Vermächtnis eines der unglaublichsten Denker der Kulturgeschichte!
Frei nach: Ernst Trebin
Die so genannten Funktionsmittel nach Dr. Schüssler haben in den letzten Jahren sehr viel Aufmerksamkeit erworben - vor allem in Laienkreisen. Es handelt sich dabei, mit Ausnahme
von Silicea, um komplette Salze, = Säure und Base bzw. Kation und Anion. In der klassischen Homöopathie fristeten sie allerdings seit ihrer Einführung eher ein Schattendasein,
da sie Dr. Schüssler Ende des 19. Jahrhunderts nicht über die klassische Methode der Arzneimittel-Prüfung charakterisiert hat, vielmehr ihr Indikationen eher aus theoretischen Erwägungen
erstellt hat. JT Kent wüsste sie sehr zu schätzen und in seiner Arzneimittel-Lehre ausführlich beschrieben, und zwar nicht nur die von Schüssler eingeführten,
sondern auch weitere Salze. Und in seinem Nachlass fanden sich zusätzliche Salze dieser Art, die er geprüft und beschrieben hat.
In den letzten Jahren haben Jan Scholten und Sankaran spezifischen Wege aufgezeigt, mit derlei Mineralien umzugehen.
Mineralische Arzneien sind das das eigentliche Rückgrat in der Konstitutionsbehandlung, wie von Samuel Hahnemann vorgeführt. Selbst habe ich oft beobachtet, dass die kompletten Salze im Sinne der Schüssler`schen Intuition wesentlich nachhaltiger und fundamentaler wirken als die gängigen Polychreste (Ars./Phos./Sulph.).
Es ist aber beim klassischen Repertorisation (Computer) schwierig eine Entscheidung für diese Salze zu fällen, da sie nach Zahl und Wertigkeit eher unterrepräsentiert sind. Der Spitze nehmen in aller Regel die großen Monosubstanzen ein, während die häufig nützlicheren Salze zahlenmäßig weit abgeschlagen liegen.
Bei meiner Form der handschriftlichen Auswertung entdecke ich sie aber meist doch zwischen den Polychreste und mein anfänglich wichtigster Weg der Aufdeckung solcher Salze war
die Hinwendung zu zusammen gesetzten Arzneien, auch Doppelmittel genannt (gehäuft sind Nat-m./Sulph.).
Nat-s. war indiziert und hilfreich kam möglicherweise nur in 1 - 2 Rubriken und dabei in relativ niedriger Wertigkeit zutage träte. Ähnliches gilt für alle weiteren Salze (Calc-p. dessen Indikation abgeleitet würde aus der Häufung von Calc., Phos. und Tub.).
Nächster entscheidender Schritt wurde auf dem Weg zur Identifizierung dieser kleineren, mineralischen Arzneien, ihre miasmatische Zugehörigkeit zu erschließen.
Wie wir alle wissen, ist die Miasmenlehre seit der Einführung von Hahnemanns Psoratheorie bis in die heutigen Tage immer umstritten gewesen. Es wird darüber viel Theorie gewälzt,
aber konkrete Handlungsanweisungen außer der gelegentlichen Anwendung der zugehörigen Nosode wurden uns bislang vorenthalten. Für mich hat sich aber ein großes
Behandlungspotential entfaltet aus der Erkenntnis heraus, dass ich diese Doppelmittel gut über miasmatische Charakteristika zu erarbeiten lernte.
Beispiel: Beobachtete bei einem hoch gewachsenen, schlacksigen Jungen, nachdem ich dessen chronische Otitiden leidlich mit Calc-p. unter Kontrolle gebracht hatte,
das Auftreten einer Handwarze. Hier manifestierte sich eine bis dahin nicht geahnte sykotische Belastung und führte mich zur Entscheidung für ein Natrium-Salz, Nat-p.
meines Erachtens die Fortsetzung des Phosphor-Bildes in der sykotischen Ebene darstellt. 8 Tage nach Gabe der Arznei verschwand die Warze.
Yves Laborde beschreibt 5 hereditäre Miasmen, deren Pathologie sich gemäß Peter Gienow in folgender Reihe vertieft:
Psora über die Tuberkulinie, die Sykose, die Karzinogenie bis zur Syphilinie. Mir ist es zur alltäglichen Routine geworden, diesen 5 Miasmen bestimmte Mineralien zuzuordnen.
Die Psora: Oberflächlich (Hauterkrankungen) und der funktionellen Störungen, Hauptarznei: Sulph.
Die Tuberkulinie: Verausgabung und Erschöpfung mit Schwerpunkt auf den Atemwegserkrankungen: Hauptarzneien: Phos. Ph-ac. Calc. Calc-p. Puls. Sil.
Der Sykose: Übertreibung, Hauptangriffspunkt ist sicher der Urogenital-Bereich, aber auch Stoffwechselstörungen wie Gicht und Gallensteinbildung, Ausbildung gutartiger Tumore, gewisse Gelenkserkrankungen, Schleimbildung und Überreaktionen im Sinne der Pollinose. Hauptarzneien: Thuj. Lyc. Sep. Natrium-Salze.
Der Karzinogenie: vererbt o. unterdrückende Lebensumstände. Hauptarzneien: Kalium-Salzen.
Kali-s. deutliche Pulsatilla- oder Sulfur- Merkmalen mit karzinogenem Miasma.
Der Syphilinie: Zerstörung, sind alle Metalle zuzuordnen. Hauptarzneien: Merc. Ars. Aur. Auch hier sind mir allerdings die salzartigen Verbindungen wesentlich nützlicher als die einzelnen Elemente.
Quecksilber-Verbindungen möchte ich vor allem neben der Störung von Nervenfunktionen das Terrain der Schleimhäute, vor allem der Körperöffnungen zuschreiben.
Die Goldsalze sehe ich vor allem nützlich bei schweren Erkrankungen der Psyche, des zentralen Nervensystems, des Herzens, der Gelenke und der Knochen, aber auch der Gonaden. Die zwischen diesen beiden Ebenen liegenden
Arsen-Salze Organsysteme wie Lunge und Magen-Darm-Trakt.
Nebenbei betrachte ich auch die Halogene als antisyphilitische Arzneien.
In meine Entscheidung für ein Mineral geht der beschriebenen Art das individuelle Symptom und die Pathologie, die sich in Ort und Art der Erkrankung manifestiert und das vorherrschende Miasma repräsentiert zusammen. Es entsteht eine Art Koordinaten-System, das die Tiefe der Erkrankung mit den Persönlichkeitsmerkmalen verknüpft.
Berücksichtigung finden bei diesem Entscheidungsprozess sowohl die primäre Miasmatik = familiäre Belastung, und sekundäre Miasmatik = Krankheitsausprägung am Patienten selbst.
Miasmen mit tiefsten Destruktionen, sind sicher die Karzinogenie und die Syphilinie. Es ist nicht immer leicht, zwischen beiden zu unterscheiden, da oft nur Nuancen
den Ausschlag für die Richtungswahl geben.
Man kann die von mir beschriebene Vorgehensweise unhomöopathisch o. hypothetisch nennen, sie erlaubt es aber, zu Arzneien vorzustoßen wie Nat-ars. Kali-sil. Merc-s. Aur-p. wirkungsvoll erwiesen haben. Somit muss also Ähnlichkeit gegeben und das Simile-Prinzip erfüllt sein. Meine Theorie ist, dass für das Auftreten einer bedeutsamen Erkrankung mehrere
Miasmen Voraussetzung sind und dass diese Doppelmittel deshalb gut wirken, weil sie
meist zweierlei Miasmen repräsentieren. Nat-p. ein Brückenmittel zwischen Sykose und Tuberkulinie und Aur-m-n. deckt Syphilinie und Sykose ab wie Nat-ars.
Die besagten Arzneien eignen sich nach meiner Erfahrung sehr gut für die konstitutionelle Stabilisierung eines Patienten, also für die Bereinigung seiner hereditär-miasmatischen Basis.
Nicht übersehen werden aber darf, dass im Verlauf einer therapeutischen Kur Ergänzungen vorgenommen werden müssen. Hierfür dienen natürlich die zugehörigen Nosoden, aber auch
kleinere Arzneien aus pflanzlichem, tierischem, mineralischem oder metallischem Fundus, die bestimmte Einseitigkeiten der Krankheitsausprägung abdecken. Beispielhaft zu nennen wären
Con. bei Tumorerkrankungen o. Staph. und verwandte Arzneien bei psychopathologischen Ausprägungen o. bestimmten für die Krankheitsentwicklung wichtige Lebenserfahrungen.
Frei nach: Birgit Schell-Lüngen
Die ererbten Miasmen
Die Homöopathie ist eine lebendige Methode um Menschen (und Tiere) zu heilen. Daher liegt es nahe, dass sie im Laufe der Zeit um neue Erkenntnisse erweitert wurde. Das
strenge Regelwerk ihres Gründers, das Samuel Hahnemann in seinem „Organon der Heilkunst“ niedergelegt hatte, blieb dabei selbstverständlich bis heute die unangetastete Grundlage dieser
Heilweise. Die Erforschung der Ursachen von Krankheit jedoch beschäftigte die Homöopathen jeder Zeitepoche weiterhin. Dabei spielt immer das Prinzip der Kausalität eine Rolle;
es ist ein stimmiges Modell, das auf verschiedenen Ebenen gleich gut funktioniert. Immer kommt es hierbei auf den Standpunkt und den Blickwinkel des Betrachters an.
Ein Patient bekommt zum Beispiel eine Erkältung, nachdem er sich am Tag zuvor im Schnee unterkühlt hatte.
Der 1e Betrachter sagt, dass das Kalt-Werden am Vortage der Grund der Erkrankung ist. Er hat Recht.
Der 2e Behandler meint, dass ein Virus die Ursache der Erkrankung ist. Er hat Recht.
Der 3e Therapeut behauptet, dass der Patient eine Disposition von seinem Vater, der auch zu solchen Infekten neigte, geerbt hat und deswegen den Erreger nicht erfolgreich bekämpfen kann. Er hat Recht.
Das Kausalitätsprinzip hat („Wie die Zwiebel“) viele Schichten, und die jeweilige Argumentation ist in der entsprechenden Ebene in sich schließend.
Es kommt also, wenn man neue Dinge entdecken will, oft darauf an, ob es gelingt die Betrachtungsebene zu wechseln.
J. T. Kent (1849-1916). Er beobachtete, dass Kinder, deren Vater o. Mutter früher einmal an einer Gonorrhoe erkrankt waren, eine hohe Empfänglichkeit für bestimmte Krankheiten hatten.
In der homoöpathise Sprache „Diese Kinder sind sykotisch“. Es fiel ihm auf, dass die Kinder dieser Eltern mit dieser Veranlagung geboren sein mussten und z.B. schon als Säuglinge unter starken Koliken litten. Auch wenn sich die Symptome der Gonorrhoe bei den Eltern zum Zeitpunkt der Zeugung des Kindes schon längst nicht mehr zeigten. Ebenfalls erkannte Kent, dass Kinder von vormals mit Syphilis infizierten Eltern eine sehr große Empfänglichkeit haben, selbst später an Syphilis zu erkranken.
J. H. Allen (1854-1925/Kent`s Zeitgenosse) verfeinerte diese Beobachtungen nochmals. Er war Lehrer am „Hahnemann Medical College“ in Chicago und schrieb das Standardwerk der Miasmenlehre „Die chronischen Miasmen“. Er war auch der Erste, der glaubte, dass es noch ein 4es Miasma gibt, die so genannte Pseudo-Psora o. Tuberkulinie. Allen sah die Tuberkulinie als ein Aneinander-Kleben, als eine Verschmelzung der beiden klassischen Miasmen Psora und Syphilinie. „Die sichtbaren Symptome einer Krankheit sind der Schaum der an der Oberfläche schwimmt, aber er schwimmt auf dem tiefen Wasser der (ererbten) miasmatischen Belastung“.
Die Erkenntnis, dass sich diese vier Miasmen vererben können (geteilt von Burnett/Voegeli) wurde geteilt und bestätigt. Alle forschten in dieser Richtung weiter um Symptome zu sammeln und zu klassifizieren, die dem behandelnden Homöopathen Hinweise geben könnten auf die ererbten Miasmen des Patienten. Dies war nötig, da bei der Anamnese die Patienten sehr oft die - damals als noch viel beschämender empfundenen Geschlechtskrankheiten ihrer Ahnen nicht kannten o. nicht darüber erzählen mochten.
Daher ist es bei jeder homöopathischen Behandlung sehr wichtig eine möglichst umfassende Aufstellung der Erkrankungen der Eltern und Großeltern zu erheben.
Hilfsweise: Erkrankungen der Geschwister und die Krankengeschichte des Patienten von der Kindheit über die Jugendzeit bis zum Behandlungsbeginn herangezogen werden.
Aus all diesen kleinen Puzzlestückchen kann der behandelnde Homöopath dann ein Bild zusammensetzen, das ihm Aufschluss gibt über die ererbte Veranlagung des Patienten.
Heute sind viele Homöopathen davon überzeugt, dass die meisten schweren Erkrankungen nur auf dem Boden einer Vorschädigung durch miasmatische Belastungen entstehen können.
Zusätzlich machen vorausgegangene unterdrückende Behandlungen die homöopathische Therapie in den letzten Jahrzehnten immer schwieriger, komplizierter und vor allem auch langwieriger.
Es gibt Homöopathen, die meinen beobachtet zu haben, dass durch die gerade erwähnten Unterdrückungen ein neues Miasma entstanden ist, die so genannte Carzinogenie o. Kanzerinie.
Unter diesem Begriff teilen Autoren Dispositionen zu Erkrankungen wie Krebs und zum Teil auch anderen Immunschwäche-Erkrankungen ein.
Fast alle „Miasmatiker“ sind sich heutzutage einig, dass alle fünf Miasmen vererbt werden können. Das bedeutet nicht, dass eine bestimmte Krankheit vererbt wird, an der man unweigerlich
erkranken muss. Es heißt nur, dass ein Mensch mit bestimmten „Schwachstellen“ belastet ist. Das eine Kind hat zum Beispiel eine Empfänglichkeit für einen bestimmten Erreger,
die das Nachbarkind o. andere Spielkameraden nicht haben.
Das ist der Grund dafür, dass im Kindergarten viele, aber nicht alle Kinder an Scharlach erkranken, wenn dieser Erreger die Runde macht, o. in der Schule 50% der Kinder Läuse bekommt
und die andere Hälfte frei bleibt.
PSORA: „Die Mutter aller Krankheiten“
Psora ist ein griechisches Wort; es bedeutet übersetzt "Jucken“. Es fand schon in der Bibel Verwendung, und wurde für zahlreiche mit Hautausschlag verbundene Zustände benutzt.
Hahnemann bemühte sich, die Ursprünge seines der Psora, bis zu ihren vermutlichen Wurzeln zu verfolgen. Er schrieb: „Die allerältesten Denkmäler der Geschichte, welche wir besitzen, haben die Psora schon in großer Ausbildung. Moses vor 3400 Jahren zeichnete schon mehrere Abarten derselben aus. Doch scheint die Psora damals und auch nachher noch ..... „mehr die äußern Theile des Körpers zum Hauptsitze behalten zu haben, so wie in den Zeiten des noch rohen Griechenlandes, und .... zuletzt in dem noch uncultivierten Europa des Mittelalters“.
Dann beschreibt Hahnemann, wie sich die Psora im Laufe der Zeit durch Unterdrückung der peinlichen und lästigen Hautausschläge immer mehr in den Untergrund zurückzieht und von dort aus als unsichtbare Dynamik hinter der sichtbaren Symptomatik weiter ihr Unwesen treibt.
J.T. Kent als der einflussreichste Weiterentwickler der Homöopathie kommt zu folgendem Schluss: „Psora ist der Beginn aller physischen Krankheit. Hätte die Psora sich niemals als Miasma auf die menschliche Rasse gelegt, wären die anderen bei den chronischen Erkrankungen unmöglich, und eine Empfänglichkeit für akute Erkrankungen wäre unmöglich. „
Und so ist auch heute das Jucken ein hartnäckiges und fast konstantes Symptom für Psora. Der Juckreiz ist bei Hahnemann allerdings nur ein an der Körperoberfläche bestehendes Zeichen einer im Inneren existierenden Krankheitsursache. Er ist eine Beschwichtigung der inneren Dynamik, der in vielen Fällen auch fehlen kann.
Die Erleichterung der inneren Krankheit kommt zu Stande dann, wenn der Organismus in der Lage ist, Teile seines krankmachenden Agens an die Körperoberfläche zu
transportieren und mit Hilfe des Hautausschlages im Inneren der meist dazugehörenden Bläschen nach außen zu schleusen. Wird der Ausschlag durch äußere Einwirkung wie
Salben von der Haut vertrieben, steigt der Druck im Inneren und es kommt zu einer Verschiebung.
Für diese Prozesse führt Hahnemann in seiner Schrift „Die Chronischen Krankheiten“ unendlich viele Beispiele aus den medizinischen Werken seiner Zeitgenossen an. Immer
wird in diesen Fällen der Hautausschlag von der Körperoberfläche vertrieben und verschwindet (in der Tiefe des Organismus). Daraufhin bekommen die Patienten z.B.
„Fieber, Rückenschmerz, Schneiden beim Harnen, Engbrüstigkeit, Epilepsie, Lähmungen“ und Vieles mehr. Immer taucht jedoch mit Vergehen dieser Beschwerden der entlastende Hautausschlag wieder auf!
Diese Zusammenhänge waren möglicherweise zu Hahnemanns Zeiten noch deutlicher zu beobachten als wir es heute können, möglicherweise weil die Methoden der Unterdrückung damals gröber und einfacher waren und heute so vielfältig und subtil geworden sind, dass bestimmte Zusammenhänge sich immer weniger offensichtlich zeigen.
Solange kein anderes Miasma mit im Spiel ist, sind alle diese im Zusammenhang mit der Psora auftauchenden Beschwerden jedoch ausschließlich funktioneller Natur, d.h. sie rufen
an den betroffenen Organen keine bleibenden Veränderungen hervor. Aber die unglaubliche Vielfalt der möglicherweise auftauchenden Symptome machen die Psora zu einem recht nebulösen Etwas’.
Allen, der nach Hahnemann das wichtigste Werk über die Miasmen geschrieben hat, sieht hinter der „Mutter aller Krankheiten“ die Sünde bzw. das Abfallen des Menschen von
seinem Schöpfer als Ursache allen Übels.
C. Burnett, einem weiteren in der Miasmatik sehr bewanderten Homöopathen, der noch einmal meisterlich die Atmosphäre der Psora charakterisiert: „ Die Psora .... wurzelt im Vagen, ihr Stamm und
ihre Zweige wachsen im Irgendwo. Die Psora .... scheint irgendwie wahr zu sein, aber sie hat keinen richtigen Anfang, keinen definitiven Verlauf, und endet im Chaos. Natürlich
studieren wir die Psora, ..... und nachdem wir das Beste getan haben um sie zu meistem, erheben wir uns von unseren Studien ohne eine klare Idee, und schlussendlich entscheiden
wir uns die Psora als unfassbaren Mythos zu verlassen, und machen weiter mit unserer klinischen Arbeit, aber nicht lange und wir stoßen gegen ein sehr fühlbares Etwas, und
wenn wir uns den Stolperstein genauer anschauen, sehen wir in großen Lettern darauf geschrieben Psora!“
SYKOSE das Tripper-Miasma
Allen: “Empfindlich gegen Unterdrückung, hartnäckig, vielseitig, zu Beginn verborgen und scheinbar unbedeutend“. Er war der Homöopath, der sich in der letzten Hälfte des
vorletzten Jahrhunderts am intensivsten mit der weiteren Erforschung der Sykose, dem schon von Hahnemann beobachteten und erkannten Miasma, beschäftigte. Die Erkenntnis, dass eine miasmatische Belastung der Eltern bei deren Kindern zu einer Disposition für bestimmte Krankheiten führen kann, verdanken wir seiner guten Beobachtungsgabe und seinem Scharfsinn.
Die Ärzteschaft konnte an Hand seiner Erkenntnisse über die Behandlung und Krankheitsverläufe der Gonorrhoe lernen, welch fatale Folgen eine Unterdrückung des Trippers mit grobstofflichen Medikamenten hat. Als Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sah Allen immer wieder folgendes Phänomen: bis zu ihrer Heirat kerngesunde Frauen begannen kurz nach ihrer Eheschließung zu kränkeln. Sie litten unter scharfem, wund machendem Scheidenausfluss, waren ständig erkältet, entwickelten Krämpfe und Entzündungen der Eileiter und der Gebärmutter, wurden unfruchtbar, o.
erkrankten sogar an Gicht o. Rheuma. Bei genauerer Erforschung der Krankengeschichte stellte sich dann meist heraus, dass der Ehemann sich vor seiner Eheschließung einmal mit Tripper infiziert hatte.
Der damit einhergehende Ausfluss aus der Harnröhre war, wie damals üblich, mit Spülungen von z.B. Kaliumbromid o. Silbernitrat vertrieben worden. Danach war der erkrankte Mann dann symptomfrei, o. es blieb nur noch eine leichte, schleimige Absonderung zurück. Der behandelnde Arzt beschied dem Mann in dieser Situation dann meistens, dass er nun bedenkenlos heiraten könne, da er wieder gesund sei.
Die oben beschriebenen Folgen bei seiner jungen Ehefrau waren jedoch nicht die einzigen Konsequenzen seiner damaligen Eskapade. Auch die Kinder aus solchen Ehen waren oft schon von
vorneherein nicht ganz gesund. Sie litten unter Erbrechen und sauer-scharfem Durchfall, bekamen sogar von der Muttermilch die stärksten Koliken, die sich erst nach ca. 3 Monaten beruhigten,
wurden schon mit einer Augenentzündung geboren o. hatten von Beginn an einen üblen, hartnäckigen Schnupfen. Auch der Mann selbst blieb auf die Dauer nicht ungeschoren. Er entwickelte möglicherweise eine Prostataentzündung, fühlte sich nie mehr wirklich gesund und leistungsfähig, bekam eine Blinddarmentzündung, ein dickes, entzündetes Knie, o. litt unter Nieren- o. Gallensteinen.
Allen schrieb:“ Er sollte niemals heiraten, bis der Ausfluss wieder hervorgebracht und dann mit homöopathischen Mitteln wirklich von innen heraus geheilt wurde. Nur dann
bleibt seine Frau gesund und kann ihm gesunde Kinder zur Welt bringen“.
Diese Schilderungen kommen uns heutzutage vielleicht sehr moralinsauer vor, aber davon sollten wir uns nicht in die Irre führen lassen. Seine Schilderung beruht nur auf dem
Zeitgeist seiner Generation. Die Beobachtungen, die er machte sind trotzdem wahr, und wir müssen sehr dankbar sein, dass er sie machen konnte, zu einer Zeit, da die Verhältnisse
noch überschaubarer waren. Dass seine Moral keine des erhobenen Zeigefingers war, sehen wir daran, dass er schreibt: eine Geschlechtskrankheit, egal welche, wird nicht zum
Problem für die Gesundheit, wenn sie homöopathisch geheilt wird.
Hier wird es deutlich: es geht darum, dass der Organismus aus eigener Kraft die Krankheit mit Hilfe der Homöopathie verdaut und wieder ausscheidet, statt die Zeichen des Krankseins zu
unterdrücken. Hier haben wir das wichtigste Stichwort, das uns weiterführt: Unterdrückung. Eine Tripperinfektion ist noch keine Sykose. Sie wird erst zur Sykose, also zu einer im
Inneren schlummernden Krankheitsdisposition, durch die Unterdrückung des eitrigen Ausflusses. Wenn nichts mehr fließt, frisst sich der krankmachende Prozess ins Innere und
sucht sich mit zeitlicher Verzögerung andere Organe und Strukturen, die er befällt. Der Stau lässt aus dem Tripper die Sykose werden.
Allen drückt es natürlich viel prosaischer aus: „Mit der Unterdrückung haben wir im Organismus einen Todesprozess vergraben. Der tödliche Biss der Schlange braut nun den
Giftbecher in den innersten Gemächern des Heiligtums des Lebens“.
Wie wir oben schon gesehen haben, kann sich die Sykose, nachdem der Ausfluss unterdrückt wurde, zunächst einmal verstecken. Mit anderen Worten: sie hat mehrere
Stadien, die nicht unbedingt direkt hintereinander offenbar werden, sondern sich zeitlich versetzt zeigen können.
Vielleicht bleibt zunächst ein so genannter Bonjour-Tropfen zurück, der des Morgens an die Erkrankung erinnert, oft ist sie auch gänzlich verschwunden. Im Inneren jedoch geht
der Krankheitsprozess nach der Unterdrückung in die Tiefe. Oft wird das Blut in seiner Zusammensetzung geschädigt, es entwickelt sich eine Anämie. Die Patienten haben dann
einen blassen o. aschgrauen Teint, ein Zeichen für die tief greifende Vergiftung des Organismus mit der Sykose, die die Grundlage für spätere bösartige Prozesse wie Krebs,
Diabetes, Schwindsucht o. Nierenerkrankungen bildet.
Es gibt keine klare Abgrenzung der Stadien, sondern fließende Übergänge. In allen Stadien kann die Sykose ansteckend sein, und der/die Angesteckte entwickelt Symptome in dem
Stadium in dem sich derjenige befand von dem die Ansteckung ausging. Wie wir oben schon hörten, gibt es keine echte Heilung, wenn es nicht gelingt im Laufe der Behandlung
den ursprünglichen Ausfluss wieder hervorzubringen. Dies gilt jedoch nur eingeschränkt für Patienten, die sich im 2en o. 3en Stadium angesteckt, o. den Krankheitsprozess bereits
von einem ihrer Eltern geerbt haben. In diesen Fällen verläuft der heilende Prozess oft unendlich zäh. Die Sykose verteidigt dann ihr einmal eingenommenes Terrain äußerst hartnäckig
und der gestaute Vorgang kommt nur unter großen Schwierigkeiten wieder in Fluss.
Im 2en Stadium werden die feuchten Häute des Körpers von Entzündungsprozessen befallen. Oft finden sich dabei rote Flecken auf der normalerweise rosafarbigen Schleimhaut.
Hauptsächlich befallen werden die Strukturen im unteren Becken: Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter, Blase, Prostata, Hoden, Blinddarm, die auskleidenden Häute
(auch die des Herzens, des Gehirns, der Gelenke). Die Entzündungen können akuten Charakter haben o. schleichend verlaufen. Je chronischer sie sind, umso mehr neigen sie zum Eindicken
des entzündlichen Exsudats und später zur Verklebung der befallenen Teile, was dann zu Adhäsionen im Bauchraum führt. Dieser Prozess wird leider mit jeder durchgeführten operativen
Lösung der Verwachsungen mehr angefacht und führt so bekanntlich in eine üble Zwickmühle. Hieran können wir gut erkennen, dass die Sykose auch operative Eingriffe als Unterdrückung
wertet und somit sehr übel nimmt.
Je mehr der Prozess in Richtung Sykose, 3en Stadium fortschreitet, umso mehr kommt es zu Verklebungen (Sterilität der Frau), beim Rheuma zu zunehmenden Versteifungen, o.
auch zu Strikturen. Ebenfalls finden wir das Auskristallisieren von Salzen in Form von Steinbildung.
Die Sykose verursacht die Bildung von Zysten, von Warzen [meist filiform, im Genitalbereich (nach unterdrückenden Operationen)], von red moles und spider naevi, von indurierter,
nicht eitriger Akne. Sie führt zu Geisteskrankheiten, Charakterstörungen, zu Neuralgien, zu Verdauungsbeschwerden, zu Rückenschmerz im LWS-Bereich, zu Diabetes, zu Nierenerkrankung.
Dies Alles ist nur eine kleine Auswahl, die die Vielfältigkeit der Auswirkungen einer unbehandelten sykotischen Disposition verdeutlichen soll.
Sykose = Überschuss. Gewebeüberschuss, wuchernder Krebs, Warzen, zu viel (Gewicht, Druck, Flüssigkeit).
Reagiert der Organismus in der Psora mit einem Mangel, so tut er in der Sykose genau das Gegenteil.
Enden wir doch, ehe wir kein Ende finden, mit einem zusammengefassten Zitat Allens, das
uns Gedanken in den Focus rückt, die wir schon längst nicht mehr denken; vielleicht sind
sie ja dennoch interessant. „Die Sykose ist eine Lustseuche im weitesten Sinne des Wortes,
daher das Erscheinen geistiger Phänomene. Der Herrscher des Geistes, der Wille, wurde
gestürzt. Das Miasma wird eine mit der Lebenskraft gleichzeitig vorhandene Kraft;
deshalb werden die Lebenskräfte von diesem Augenblick an in die Richtung seines
Einflusses und seiner Macht vorwärts getrieben. Was zuerst ein geistiger Vorgang war,
pflanzt den Samen des Todes in den physischen Organismus“.
Schlagworte: Unterdrückung (macht aus dem Tripper die Sykose).
Verstecken/Täuschung (durch verschiedene Symptome in den unterschiedlichen Stadien).
Hartnäckigkeit (der Symptome, die oft lange nicht weichen wollen, auch bei sachgemäßer homöopathischer Behandlung)
Überschuss (zu viel, im Gegensatz zur Psora = zu wenig)

References: §7
 §78
 §173
 §153
 §209
 §3
 §153
 §153
 §172