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Timestamp: 2017-06-25 10:31:17+00:00

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Wenn man von Humanität
redet, so liegt die Vorstellung zu Grunde, es möge das
sein, was den Menschen von der Natur abscheidet
und auszeichnet. Aber eine solche Abscheidung geibt es in
Wirklichkeit nicht: die "natürlichen"
Eigenschaften und die eigentlich "menschlich"
genannten sind untrennbar verwachsen. Der Mensch, in
seinen höchsten und edelsten Kräften, ist ganz natur
und trägt ihren unheimlichen Doppelcharakter an sich.
Seine furchtbaren und als unmenschlich geltenden
Befähigungen sind vielleicht sogar der fruchtbare Boden,
aus dem allein alle Humanität, in Regungen Thaten und
Werken hervorwachsen kann.
When one speaks of humanity,
the idea is fundamental that this is something which
separates and distinguishes man from nature. In reality,
however, there is no such separation: "natural"
qualities and those called truly "human" are
inseparably grown together. Man, in his highest and
noblest capacities, is wholly nature and embodies its
uncanny dual character. Those of his abilities which are
terrifying and considered inhuman may even be the fertile
soil out of which alone all humanity can grow in impulse,
deed, and work.
Geburt der Tragödieaus dem Geiste der Musik
of TragedyOut of the Spirit of Music
Wir redenüber Poesie so
abstract, weil wir alle schlechte Dichter zu sein
pflegen.  §8.
We talk so abstractly about
poetry, because we are all bad poets.  §8.
Wahrheit und Lüge imaussermoralischen Sinne
and Lie inan Extra-Moral Sense
Was ist also Wahrheit? Ein
bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien,
Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen
Relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert,
übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem
Gebrauch einem Volke fest, canonisch und verbindlich
dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man
vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die
abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, Münzen,
die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht
mehr als Münzen, in Betracht kommen.
What then is truth? A mobile
army of metaphors, metonyms, and anthropomorphisms: in
short, a sum of human relations which have been
poetically and rhetorically intensified, transferred, and
embellished, and which, after long usage, seem to a
people to be fixed, canonical, and binding. Truths are
illusions which we have forgotten are illusionsthey
are metaphors that have become worn out and have been
drained of sensuous force, coins which have lost their
embossing and are now considered as metal and no longer
Zu allem Handeln gehört Vergessen: wie zum Leben alles Organischen nicht nur Licht, sondern auch Dunkel gehört. Ein Mensch, der durch und durch nur historisch empfinden wollte, wäre demähnlich, der sich des Schlafens zu enthalten gezwungen würde, oder dem Thiere, das nur vom Wiederkäuen und immer wiederholten Wiederkäuen leben sollte. Also: es ist möglich, fast ohne Erinnerung zu leben, ja glücklich zu leben, wie das Thier zeigt; es ist aber ganz und gar unmöglich, ohne Vergessenüberhaupt zu leben. Oder, um mich noch einfacherüber mein Thema zu erklären: es giebt einen Grad von Schlaflosigkeit, von Wiederkäuen, von historischem Sinne, bei dem das Lebendige zu Schaden kommt, und zuletzt zu Grunde geht, sei es nun ein Mensch oder ein Volk oder eine Cultur.  Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben, §1.
Forgetting belongs to all action, just as both light and darkness belong in the life of all organic things. A person who wanted to feel utterly and only historically would be like someone who was forced to abstain from sleep, or like the beast that is to continue its life only from rumination to constantly repeated rumination. For this reason, it is possible to live almost without remembering, indeed, to live happily, as the beast demonstrates; however, it is generally completely impossible to live without forgetting. Or, to explain myself more clearly concerning my thesis: There is a degree of insomnia, of rumination, of the historical sense, through which living comes to harm and finally is destroyed, whether it is a person or a people or a culture.  On the Use and Abuse of History for Life, §1.
Jede der drei Arten von Historie, die es giebt, ist nur gerade auf Einem Boden und unter Einem Klima in ihrem Rechte: auf jedem anderen wächst sie zum verwüstenden Unkraut heran. Wenn der Mensch, der Grosses schaffen will, überhaupt die Vergangenheit braucht, so bemächtigt er sich ihrer vermittelst der monumentalischen Historie; wer dagegen im Gewohnten und Altverehrten beharren mag, pflegt das Vergangene als antiquarischer Historiker; und nur der, dem eine gegenwärtige Noth die Brust beklemmt und der um jeden Preis die Last von sich abwerfen will, hat ein Bedürfniss zur kritischen, das heisst richtenden und verurtheilenden Historie. Von dem gedankenlosen Verpflanzen der Gewächse rührt manches Unheil her: der Kritiker ohne Noth, der Antiquar ohne Pietät, der Kenner des Grossen ohne das Können des Grossen sind solche zum Unkraut aufgeschossene, ihrem natürlichen Mutterboden entfremdete und deshalb entartete Gewächse.  Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben, §2.
Each of the three types of existing history is only exactly right for a distinct soil and climate: on every other one it grows up into a ruinous weed. If a man who wants to create greatness uses the past, he seizes upon it for himself by means of monumental history; in contrast, one who is habituated by tradition and custom insists on cultivating the past as an antiquarian historian; and only one whose breast is oppressed by a present need and who wants to cast off his load at any price has a need for critical history, i.e., history which tries and passes judgment. Many a harm stems from the thoughtless transplanting of plants: the critical man without need, the antiquarian without piety, and the connoisseur of greatness without the ability for greatness are the sort who are susceptible to weeds, alienated from natural mother earth and thus degenerate growths.  On the Use and Abuse of History for Life, §2.
Der Mensch, welcher nicht zur Masse gehören will, braucht nur aufzuhören, gegen sich bequem zu sein; er folge seinem Gewissen, welches ihm zuruft: "sei du selbst! Das bist du alles nicht, was du jetzt thust, meinst, begehrst." [...] deine Erzieher vermögen nichts zu sein als deine Befreier.  Schopenhauer als Erzieher, §1.
Human beings who do not want to belong to the mass need only to stop, and not be comfortable; follow their conscience, which cries out: "Be yourself! All you are now doing, thinking, desiring, is not you yourself." [...] your educators can only be your liberators.  Schopenhauer as Educator, §1.
[...] das Leben ist nun einmal nicht von der Moral ausgedacht: es will Täuschung, es lebt von der Täuschung ...  Vorrede, §1.
[...] life has not been devised by morality: it wants deception, it lives on deception ...  Preface, §1.
Ueberzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit, als Lügen.  §483.
Convictions are more dangerous enemies of truth than lies.  §483.
Wenn man viel hineinzustecken hat, so hat ein Tag hundert Taschen.  §529.
When one has much to put into them, a day has a hundred pockets.  §529.
Aus den Leidenschaften wachsen die Meinungen; die Trägheit des Geistes lässt diese zu Ueberzeugungen erstarren.  §637.
Out of passions grow opinions; mental sloth lets these rigidify into convictions.  §637.
Opinions and Maxims
Mancher wird nur deshalb kein Denker, weil sein Gedächtnis zu gut ist.  §122.
Many a man fails as an original thinker simply because his memory is too good.  §122.
Die schlechtesten Leser sind die, welche wie plündernde Soldaten verfahren: sie nehmen sich einiges, was sie brauchen können, heraus, beschmutzen und verwirren das übrige und lästern auf das Ganze.  §137.
The worst readers are those who behave like plundering troops: they take away a few things they can use, dirty and confound the remainder, and revile the whole.  §137.
[...] wolle ein Selbst, so wirst du ein Selbst.  §366.
[...] will a self and thou shalt become a self.  §366.
Jedes Wort ist ein Vorurteil.  §55.
Every word is a prejudice.  §55.
Nicht jedes Ende ist das Ziel. Das Ende der Melodie ist nicht deren Ziel; aber trotzdem: hat die Melodie ihr Ende nicht erreicht, so hat sie auch ihr Ziel nicht erreicht. Ein Gleichnis.  §204.
Not every end is the goal. The end of a melody is not its goal; and yet: if a melody has not reached its end, it has not reached its goal. A parable.  §204.
Man vergisst über der Reise gemeinhin deren Ziel. Fast jeder Beruf wird als Mittel zu einem Zwecke gewählt und begonnen, aber als letzter Zweck fortgeführt. Das Vergessen der Absichten ist die häufigste Dummheit, die gemacht wird.  §206.
During the journey we commonly forget its goal. Almost every profession is chosen as a means to an end but continued as an end in itself. Forgetting our objectives is the most frequent act of stupidity.  §206.
Die Presse, die Maschine, die Eisenbahn, der Telegraph sind Prämissen, deren tausendjährige Konklusion noch niemand zu ziehen gewagt hat.  §278.
The press, the machine, the railway, the telegraph are premises whose thousand-year conclusion no one has yet dared to draw.  §278.
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, dass wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.  §333.
We should not let ourselves be burnt by our opinions: we are not that sure of them. But perhaps for this: that we may have and change our opinions.  §333.
Zweifel als Sünde. Das Christenthum hat das Äusserste gethan, um den Cirkel zu schliessen und schon den Zweifel für Sünde erklärt. Man soll ohne Vernunft, durch ein Wunder, in den Glauben hineingeworfen werden und nun in ihm wie im hellsten und unzweideutigsten Elemente schwimmen: schon der Blick nach einem Festlande, Schon der Gedanke, man sei vielleicht nicht zum Schwimmen allein da, schon die leise Regung unserer amphibischen Naturist Sünde! Man merke doch, dass damit die Begründung des Glaubens und alles Nachdenken über seine Herkunft ebenfalls schon als sündhaft ausgeschlossen sind. Man will Blindheit und Taumel und einen ewigen Gesang über den Wellen, in denen die Vernunft ertrunken ist!  §89.
Doubt as sin. Christianity has done its utmost to close the circle and declared even doubt to be a sin. One is supposed to be cast into belief without reason, by a miracle, and from then on to swim in it as in the brightest and least ambiguous of elements: even a glance towards land, even the thought that one perhaps exists for something else as well as swimming, even the slightest impulse of our amphibious natureis sin! And notice that all this means that the foundation of belief and all reflection on its origin is likewise excluded as sinful. What is wanted are blindness and intoxication and an eternal song over the waves in which reason has drowned!  §89.
Einen Glauben annehmen, blos weil er Sitte ist,das heisst doch: unredlich sein, feige sein, faul sein! Und so wären Unredlichkeit, Feigheit und Faulheit die Voraussetzungen der Sittlichkeit?  §101.
To accept a faith just because it is customary,but that means: to be dishonest, to be cowardly, to be lazy! And do dishonesty, cowardice, and laziness then appear as the presupposition of morality?  §101.
Ein seltsames Ding, unsere Strafe! Sie reinigt nicht den Verbrecher, sie ist kein Abbüssen: im Gegentheil, sie beschmutzt mehr, als das Verbrechen selber.  §236.
A strange thing, our punishment! It does not cleanse the criminal, it is no atonement: on the contrary, it pollutes worse than the crime does.  §236.
Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten, als den Andersdenkenden.  §297.
The surest way to corrupt a youth is to instruct him to hold in higher esteem those who think alike than those who think differently.  §297.
Vielleicht ist die Wahrheit ein Weib, das Gründe hat, ihre Gründe nicht sehn zu lassen?  Vorrede
zur zweiten Ausgabe, §4.
Perhaps truth is a woman who has reasons for not letting us see her reasons?  Preface to the second edition, §4.
[...] den Allermeisten fehlt das intellectuale Gewissen  §2.
[...] the great majority of people lack an intellectual conscience  §2.
Nur als Schaffende können wir vernichten!  §58.
We can destroy only as creators!  §58.
Neue Kämpfe. Nachdem Buddha todt war, zeigte man noch Jahrhunderte lang seinen Schatten in einer Höhle,einen ungeheuren schauerlichen Schatten. Gott ist todt: aber so wie die Art der Menschen ist, wird es vielleicht noch Jahrtausende lang Höhlen geben, in denen man seinen Schatten zeigt. Und wirwir müssen auch noch seinen Schatten besiegen!  §108.
New struggles. After Buddha was dead, his shadow was still shown for centuries in a cavea tremendous, gruesome shadow. God is dead; but given the way of men, there may still be caves for thousands of years in which his shadow will be shown. And wewe still have to vanquish his shadow, too!  §108.
Moralität ist Heerden-Instinct im Einzelnen.  §116.
Morality is herd instinct in the individual.  §116.
Aber die längste Zeit der Menschheit hindurch gab es nichts Fürchterlicheres, als sich einzeln zu fühlen. Allein sein, einzeln empfinden, weder gehorchen noch herrschen, ein Individuum bedeutendas war damals keine Lust, sondern eine Strafe; man wurde verurtheilt "zum Individuum."  §117.
But during the longest period of the human past nothing was more terrible than to feel that one stood by oneself. To be alone, to experience things by oneself, neither to obey nor to rule, to be an individualthat was not a pleasure but a punishment; one was sentenced to"individuality."  §117.
Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet!  §125.
God is dead! God remains dead! And we have killed him!  §125.
Wer sich tief weiss, bemüht sich um Klarheit; wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um Dunkelheit. Denn die Menge hält Alles für tief, dessen Grund sie nicht sehen kann: sie ist so furchtsam und geht so ungern in's Wasser.  §173.
Those who know that they are profound strive for clarity. Those who would like to seem profound to the crowd strive for obscurity. For the crowd believes that if it cannot see to the bottom of something it must be profound. It is so timid and dislikes going into the water.  §173.
Ich will immer mehr lernen, das Nothwendige an den Dingen als das Schöne sehen:so werde ich Einer von Denen sein, welche die Dinge schön machen. Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Hässliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, Alles in Allem und Grossen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-sagender sein!  §276.
I want to learn more and more to see as beautiful what is necessary in things; then I shall be one of those who make things beautiful. Amor fati: let that be my love henceforth! I do not want to wage war against what is ugly. I do not want to accuse; I do not even want to accuse those who accuse. Looking away shall be my only negation. And all in all and on the whole: some day I wish to be only a Yes-sayer! §276.
Denn, glaubt es mir!das Geheimniss, um die grösste Fruchtbarkeit und den grössten Genuss vom Dasein einzuernten, heisst: gefährlich leben! Baut eure Städte an den Vesuv!  §283.
For believe me: the secret for harvesting from existence the greatest fruitfulness and the greatest enjoyment isto live dangerously! Build your cities on the slopes of Vesuvius!  §283.
[...] wir aber wollen die Dichter unseres Lebens sein, und im Kleinsten und Alltäglichsten zuerst.  §299.
[...] but we want to be the poets of our lifefirst of all in the smallest, most everyday matters.  §299.
Doch man wird es begriffen haben, worauf ich hinaus will, nämlich dass es immer noch ein metaphysischer Glaube ist, auf dem unser Glaube an die Wissenschaft ruht,dass auch wir Erkennenden von heute, wir Gottlosen und Antimetaphysiker, auch unser Feuer noch von dem Brande nehmen, den ein Jahrtausende alter Glaube entzündet hat, jener Christen-Glaube, der auch der Glaube Plato's war, dass Gott die Wahrheit ist, dass die Wahrheit göttlich ist ... Aber wie, wenn dies gerade immer mehr unglaubwürdig wird, wenn Nichts sich mehr als göttlich erweist, es sei denn der Irrthum, die Blindheit, die Lüge,wenn Gott selbst sich als unsre längste Lüge erweist?  §344.
But you will have gathered what I am driving at, namely, that it is still a metaphysical faith upon which our faith in science reststhat even we seekers after knowledge today, we godless anti-metaphysicians still take our fire, too, from the flame lit by a faith that is thousands of years old, that Christian faith which was also the faith of Plato, that God is the truth, that truth is divine ... But what if this should become more and more incredible, if nothing should prove to be divine any more unless it were error, blindness, the lieif God himself should prove to be our most enduring lie?  §344.
So viel Misstrauen, so viel Philosophie.  §346.
The more mistrust, the more philosophy.  §346.
[...] wäre eine Lust und Kraft der Selbstbestimmung, eine Freiheit des Willens denkbar, bei der ein Geist jedem Glauben, jedem Wunsch nach Gewissheit den Abschied giebt, geübt, wie er ist, auf leichten Seilen und Möglichkeiten sich halten zu können und selbst an Abgründen noch zu tanzen. Ein solcher Geist wäre der freie Geist par excellence.  §347.
[...] one could conceive of such a pleasure and power of self-determination, such a freedom of the will that the spirit would take leave of all faith and every wish for certainty, being practiced in maintaining himself on insubstantial ropes and possibilities and dancing even near abysses. Such a spirit would be the free spirit par excellence.  §347.
Eine "wissenschaftliche" Welt-Interpretation, wie ihr sie versteht, könnte folglich immer noch eine der dümmsten, das heisst sinnärmsten aller möglichen Welt-Interpretationen sein: [...] eine essentiell mechanische Welt wäre eine essentiell sinnlose Welt! Gesetzt, man schätzte den Werth einer Musik darnach ab, wie viel von ihr gezählt, berechnet, in Formeln gebracht werden könnewie absurd wäre eine solche "wissenschaftliche" Abschätzung der Musik! Was hätte man von ihr begriffen, verstanden, erkannt! Nichts, geradezu Nichts von dem, was eigentlich an ihr "Musik" ist! ...  §373.
A "scientific" interpretation of the world, as you understand it, might therefore still be one of the most stupid of all possible interpretations of the world, meaning that it would be one of the poorest in meaning: [...] an essentially mechanistic world would be an essentially meaningless world! Assuming that one estimated the value of a piece of music according to how much of it could be counted, calculated, and expressed in formulashow absurd would such a "scientific" estimation of music be! What would one have comprehended, understood, grasped of it? Nothing, really nothing of what is "music" in it! ...  §373.
sprach Zarathustra, I
Spoke Zarathustra, I
Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden? [...] Der Übermensch ist der Sinn der Erde. [...] Wo ist doch der Blitz, der euch mit seiner Zunge lecke? Wo ist der Wahnsinn, mit dem ihr geimpft werden müsstet? Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist dieser Blitz, der ist dieser Wahnsinn!  Vorrede, §3.
I teach you the overman. Man is something that shall be overcome. What have you done to overcome him? [...] The overman is the meaning of the earth. [...] Where is the lightning to lick you with its tongue? Where is the frenzy with which you should be inoculated? Behold, I teach you the overman: he is this lightning, he is this frenzy!  Prologue, §3.
Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch,ein Seil über einem Abgrunde. Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben. Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: [...] Seht, ich bin ein Verkündiger des Blitzes und ein schwerer Tropfen aus der Wolke: dieser Blitz aber heisst Übermensch."  Vorrede, §4.
Man is a rope, tied between beast and overmana rope over an abyss. A dangerous across, a dangerous on-the-way, a dangerous looking-back, a dangerous shuddering and stopping. What is great in man is that he is a bridge and not an end: [...] Behold, I am a herald of the lightning and a heavy drop from the cloud; but this lightning is called overman.  Prologue, §4.
Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.  Vorrede, §5.
I say unto you: one must still have chaos in oneself to give birth to a dancing star.  Prologue, §5.
Von allem Geschriebenen liebe ich nur Das, was Einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist. [...] Es ist wahr: wir lieben das Leben, nicht, weil wir an's Leben, sondern weil wir an's Lieben gewöhnt sind. Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn. [...] Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.  "Vom Lesen und Schreiben."
Of all that is written I love only what a man has written with his blood. Write with blood, and you will experience that blood is spirit. [...] True, we love life, not because we are used to living but because we are used to loving. There is always some madness in love. But there is also always some reason in madness [...] I would believe only in a god who could dance.  "On Reading and Writing."
Ihr dürft nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müsst stolz auf euern Feind sein: dann sind die Erfolge eures Feindes auch eure Erfolge.  "Vom Krieg und Kriegsvolke."
You may have only enemies whom you can hate, not enemies you despise. You must be proud of your enemy: then the successes of your enemy are your successes too.  "On War and Warriors."
Staat heisst das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: "Ich, der Staat, bin das Volk." Lüge ist's!
 "Vom neuen Götzen."
State is the name of the coldest of all cold monsters. Coldly it tells lies too; and this lie crawls out of its mouth: "I, the state, am the people." That is a lie!  "On the New Idol."
Eine Tafel der Güter hängt über jedem Volke. Siehe, es ist seiner Überwindungen Tafel; siehe, es ist die Stimme seines Willens zur Macht. [...] Wahrlich, die Menschen gaben sich alles ihr Gutes und Böses. Wahrlich, sie nahmen es nicht, sie fanden es nicht, nicht fiel es ihnen als Stimme vom Himmel. Werthe legte erst der Mensch in die Dinge, sich zu erhalten,er schuf erst den Dingen Sinn, einen Menschen-Sinn! Darum nennt er sich "Mensch," das ist: der Schätzende. Schätzen ist Schaffen: hört es, ihr Schaffenden! Schätzen selber ist aller geschätzten Dinge Schatz und Kleinod. Durch das Schätzen erst giebt es Werth: und ohne das Schätzen wäre die Nuss des Daseins hohl. Hört es, ihr Schaffenden! Wandel der Werthe,das ist Wandel der Schaffenden. Immer vernichtet, wer ein Schöpfer sein muss.  "Von tausend und einem Ziele."
A tablet of the good hangs over every people. Behold, it is the tablet of their overcomings; behold, it is the voice of their will to power. [...] Verily, men gave themselves all their good and evil. Verily, they did not take it, they did not find it, nor did it come to them as a voice from heaven. Only man placed values in things to preserve himselfhe alone created a meaning for things, a human meaning! Therefore he calls himself "man," which means: the esteemer. To esteem is to create: hear this, you creators! Esteeming itself is of all esteemed things the most estimable treasure. Through esteeming alone is there value: and without esteeming, the nut of existence would be hollow. Hear this, you creators! Change of valuesthere is a change of creators. Whoever must be a creator always annihilates.  "On the Thousand and One Goals."
Kannst du dir selber Richter sein und Rächer deines Gesetzes? Furchtbar ist das Alleinsein mit dem Richter und Rächer des eignen Gesetzes. Also wird ein Stern hinausgeworfen in den öden Raum und in den eisigen Athem des Alleinseins.
 "Vom Wege des Schaffenden."
Can you be your own judge and avenger of your law? Terrible it is to be alone with the judge and avenger of one's own law. Thus is a star thrown out into the void and into the icy breath of solitude.  "On the Way of the Creator."
"Gieb mir, Weib, deine kleine Wahrheit!" sagte ich. Und also sprach das alte Weiblein: "Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!"  "Von alten und jungen Weiblein."
I said: "Woman, give me your little truth!" And thus spoke the little old woman: "You are going to women? Do not forget the whip!"
 "On Little Old and Young Women."
Viele sterben zu spät, und Einige sterben zu früh. Noch klingt fremd die Lehre: "stirb zur rechten Zeit!" [...] Also will ich selber sterben, dass ihr Freunde um meinetwillen die Erde mehr liebt; und zur Erde will ich wieder werden, dass ich in Der Ruhe habe, die mich gebar. Wahrlich, ein Ziel hatte Zarathustra, er warf seinen Ball: nun seid ihr Freunde meines Zieles Erbe, euch werfe ich den goldenen Ball zu. Lieber als Alles sehe ich euch, meine Freunde, den goldenen Ball werfen! Und so verziehe ich noch ein Wenig auf Erden: verzeiht es mir!  "Vom freien Tode."
Many die too late and a few die too early. The doctrine still sounds strange: "Die at the right time!" [...] Thus I want to die myself that you, my friends, may love the earth more for my sake; and to earth I want to return that I may find rest in her who gave birth to me. Verily, Zarathustra had a goal; he threw his ball: now you, my friends, are the heirs of my goal; to you I throw my golden ball. More than anything, I like to see you, my friends, throwing the golden ball! And so I still linger a little on the earth: forgive me for that!  "On Free Death."
Bleibt mir der Erde treu, meine Brüder, mit der Macht eurer Tugend! Eure schenkende Liebe und eure Erkenntniss diene dem Sinn der Erde! Also bitte und beschwöre ich euch. Lasst sie nicht davon fliegen vom Irdischen und mit den Flügeln gegen ewige Wände schlagen! Ach, es gab immer so viel verflogene Tugend! Führt, gleich mir, die verflogene Tugend zur Erde zurückja, zurück zu Leib und Leben: dass sie der Erde ihren Sinn gebe, einen Menschen-Sinn!  "Von der schenkenden Tugend," §2.
Remain faithful to the earth, my brothers, with the power of your virtue! Let your gift-giving love and your knowledge serve the meaning of the earth! Thus I beg and beseech you. Do not let them fly away from earthly things and beat with their wings against eternal walls! Alas, there has always been so much virtue that has flown away! Lead back to the earth the virtue that flew away, as I doback to the body, back to life, that it may give the earth a meaning, a human meaning!  "On the Gift-Giving Virtue," §2.
Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen? [...] Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra? Aber was liegt an Zarathustra! Ihr seid meine Gläubigen: aber was liegt an allen Gläubigen! Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich. So thun alle Gläubigen; darum ist es so wenig mit allem Glauben. Nun heisse ich euch, mich verlieren und euch finden; und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren.  "Von der schenkenden Tugend," §3.
One repays a teacher badly if one always remains nothing but a pupil. And why do you not want to pluck at my wreath? [...] You say you believe in Zarathustra? But what matters Zarathustra! You are my believersbut what matter all believers! You had not yet sought yourselves: and you found me. Thus do all believers; therefore all faith amounts to so little. Now I bid you lose me and find yourselves; and only when you have all denied me will I return to you.  "On the Gift-Giving Virtue," §3.
sprach Zarathustra, II
Spoke Zarathustra, II
Ein Nordwind bin ich reifen Feigen.  "Auf den glückseligen Inseln."
I am a north wind to ripe figs.  "Upon the Blessed Isles."
Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich ihnen zu geben und, ärgert sich ihnen nicht zu geben.  "Von den Mitleidigen."
Beggars should be abolished entirely! Verily it is annoying to give to them, and it is annoying not to give to them.  "On the Pitying."
Denn dass der Mensch erlöst werde von der Rache: das ist mir die Brücke zur höchsten Hoffnung und ein Regenbogen nach langen Unwettern.  "Von den Taranteln."
For that man be delivered from revenge: that is for me the bridge to the highest hope and a rainbow after long storms.  "On the Tarantulas."
[...] Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann. [...] Das ist die Hingebung des Grössten, dass es Wagniss ist und Gefahr und um den Tod ein Würfelspielen. [...] Und diess Geheimniss redete das Leben selber zu mir. "Siehe," sprach es, "ich bin das, was sich immer selber überwinden muss. [...] Der traf freilich die Wahrheit nicht, der das Wort nach ihr schoss vom 'Willen zum Dasein': diesen Willengiebt es nicht! Denn: was nicht ist, das kann nicht wollen; was aber im Dasein ist, wie könnte das noch zum Dasein wollen! Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondernso lehre ich's dichWille zur Macht!" [...] Und wer ein Schöpfer sein muss im Guten und Bösen: wahrlich, der muss ein Vernichter erst sein und Werthe zerbrechen. Also gehört das höchste Böse zur höchsten Güte: diese aber ist die schöpferische. "Von der Selbst-Überwindung."
[...] He who cannot obey himself is commanded. [...] The devotion of the greatest is to encounter risk and danger, and play dice for death. [...] And life itself confided this secret to me: "Behold," it said, "I am that which must always overcome itself. [...] Indeed, the truth was not hit by him who shot at it with the word of the 'will to existence': that will does not exist! For, what does not exist cannot will; but what is in existence, how could that still want existence! Only where there is life is there also will: not will to life butthus I teach youwill to power!" [...] And whoever must be a creator in good and evil, verily, he must first be an annihilator and break values. Thus the highest evil belongs to the highest goodness: but this is creative.  "On Self-Overcoming."
Wahrlich, ich lachte oft der Schwächlinge, welche sich gut glauben, weil sie lahme Tatzen haben!  "Von den Erhabenen."
Verily, I have often laughed at the weaklings who thought themselves good because they had no claws!  "On those Who Are Sublime."
Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen, lenken die Welt.  "Die stillste Stunde."
It is the stillest words that bring on the storm. Thoughts that come on doves' feet guide the world.  "The Stillest Hour."
sprach Zarathustra, III
Spoke Zarathustra, III
Oh Himmel über mir, du Reiner! Hoher! Das ist mir nun deine Reinheit, dass es keine ewige Vernunft-Spinne und -Spinnennetze giebt:  dass du mir ein Tanzboden bist für göttliche Zufälle, dass du mir ein Göttertisch bist für göttliche Würfel und Würfelspieler!  "Vor Sonnen-Aufgang."
Oh heaven over me, pure and high! That is what your purity is to me now, that there is no eternal spider or spider web of reason; that you are to me a dance floor for divine accidents, that you are to me a divine table for divine dice and dice players!  "Before Sunrise."
"Dasist nun mein Weg,wo ist der eure?" so antwortete ich Denen, welche mich "nach dem Wege" fragten. Den Weg nämlichden giebt es nicht!  "Vom Geist der Schwere," 2.
"This is my way; where is yours?"thus I answered those who asked me "the way." For the waythat does not exist!  "On the Spirit of Gravity," 2.
[...] was gut und böse ist, das weiss noch Niemand:es sei denn der Schaffende!  Das aber ist Der, welcher des Menschen Ziel schafft und der Erde ihren Sinn giebt und ihre Zukunft: Dieser erst schafft es, dass Etwas gut und böse ist.  "Von alten und neuen Tafeln," 2.
[...] what is good and evil no one knows yet, unless it be he who creates! He, however, creates man's goal and gives the earth its meaning and its future. That anything at all is good and evilthat is his creation.  "On Old and New Tablets," 2.
Die Schaffenden nämlich sind hart. [...] Diese neue Tafel, oh meine Brüder, stelle ich über euch: werdet hart!  "Von alten und neuen Tafeln," 29.
For creators are hard. [...] This new tablet, oh my brothers, I place over you: become hard!  "On Old and New Tablets," 29.
sprach Zarathustra, IV
Spoke Zarathustra, IV
Es ist mir nicht genug, dass der Blitz nicht mehr schadet. Nicht ableiten will ich ihn: er soll lernen für micharbeiten.  Meine Weisheit sammlet sich lange schon gleich einer Wolke, sie wird stiller und dunkler. So thut jede Weisheit, welche einst Blitze gebären soll.  Diesen Menschen von Heute will ich nicht Licht sein, nicht Licht heissen. Diewill ich blenden: Blitz meiner Weisheit! Stich ihnen die Augen aus!  "Vom höheren Menschen," 7.
It is not enough for me that lightning no longer does any harm. I do not wish to conduct it away: it shall learn to work for me. My wisdom has long gathered like a cloud; it is becoming stiller and darker. Thus does every wisdom that is yet to give birth to lightning bolts. For these men of today I do not wish to be light, or to be called light. These I wish to blind. Lightning of my wisdom! put out their eyes!  "On the Higher Man," 7.
Scheu, beschämt, ungeschickt, einem Tiger gleich, dem der Sprung missrieth: also, ihr höheren Menschen, sah ich oft euch bei Seite schleichen. Ein Wurf missrieth euch. Aber, ihr Würfelspieler, was liegt daran! Ihr lerntet nicht spielen und spotten, wie man spielen und spotten muss! Sitzen wir nicht immer an einem grossen Spott- und Spieltische? Und wenn euch Grosses missrieth, seid ihr selber darummissrathen? Und missriethet ihr selber, missrieth darumder Mensch? Missrieth aber der Mensch: wohlan! wohlauf!  "Vom höheren Menschen," 14.
Shy, ashamed, awkward, like a tiger whose leap has failed: thus I have often seen you slink aside, you higher men. A throw had failed you. But, you dice-throwers, what does it matter! You have not learned to gamble and jest as one must gamble and jest! Do we not always sit at a big jesting-and-gaming table? And if something great has failed you, does it follow that you yourselves are failures? And if you yourselves are failures, does it follow that man is a failure? But if man is a failurewell then!  "On the Higher Man," 14.
Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone: euch, meinen Brüdern, werfe ich diese Krone zu! Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mirlachen!  "Vom höheren Menschen," 20.
This crown of him who laughs, this rose-wreath crown: to you, my brothers, I throw this crown! Laughter I have pronounced holy; you higher men, learn to laugh!  "On the Higher Man," 20.
"Ich schlief, ich schlief ,
"Aus tiefem Traum bin ich erwacht: 
"Tief ist ihr Weh ,
"Lusttiefer noch als Herzeleid:
"will tiefe, tiefe Ewigkeit! "
 "Das Nachtwandler-Lied," 12.
Oh man, take care! What does the deep midnight declare? "I was asleep From the deep dream I woke and swear: The world is deep, Deeper than day had been aware. Deep is its woe; Joydeeper yet than agony: Woe implores: Go! But all joy wants eternity Wants deep, wants deep eternity!"  "The Drunken Song," 12.
Vorausgesetzt, dass die Wahrheit ein Weib ist—, wie? ist der Verdacht nicht gegründet, dass alle Philosophen, sofern sie Dogmatiker waren, sich schlecht auf Weiber verstanden? dass der schauerliche Ernst, die linkische Zudringlichkeit, mit der sie bisher auf die Wahrheit zuzugehen pflegten, ungeschickte und unschickliche Mittel waren, um gerade ein Frauenzimmer für sich einzunehmen? Gewiss ist, dass sie sich nicht hat einnehmen lassen:und jede Art Dogmatik steht heute mit betrübter und muthloser Haltung da. Wenn sie überhaupt noch steht! Denn es giebt Spötter, welche behaupten, sie sei gefallen, alle Dogmatik liege zu Boden, mehr noch, alle Dogmatik liege in den letzten Zügen.  "Vorrede."
Supposing truth is a womanwhat then? Are there not grounds for the suspicion that all philosophers, insofar as they were dogmatists, have been very inexpert about women? That the gruesome seriousness, the clumsy obtrusiveness with which they have usually approached truth so far have been awkward and very improper methods for winning a woman's heart? What is certain is that she has not allowed herself to be wonand today every kind of dogmatism is left standing dispirited and discouraged. If it is left standing at all! For there are scoffers who claim that it has fallen, that all dogmatism lies on the groundeven more, that all dogmatism is dying.  "Preface."
Die Unwahrheit als Lebensbedingung zugestehn: das heisst freilich auf eine gefährliche Weise den gewohnten Werthgefühlen Widerstand leisten; und eine Philosophie, die das wagt, stellt sich damit allein schon jenseits von Gut und Böse.  §4.
To recognize untruth as a condition of life—that certainly means resisting accustomed value feelings in a dangerous way; and a philosophy that risks this would by that token alone place itself beyond good and evil.  §4.
Die Physiologen sollten sich besinnen, den Selbsterhaltungstrieb als kardinalen Trieb eines organischen Wesens anzusetzen. Vor Allem will etwas Lebendiges seine Kraft auslassen—Leben selbst ist Wille zur Macht—: die Selbsterhaltung ist nur eine der indirekten und häufigsten Folgen davon.  §13.
Physiologists should think before putting down the instinct of self-preservation as the cardinal instinct of an organic being. A living thing seeks above all to discharge its strengthlife itself is will to power; self-preservation is only one of the indirect and most frequent results.  §13.
[...] Niemand lügt soviel als der Entrüstete.  §26.
[...] no one lies as much as the indignant do.  §26.
Jeder tiefe Geist braucht eine Maske: mehr noch, um jeden tiefen Geist wächst fortwährend eine Maske, Dank der beständig falschen, nämlich flachen Auslegung jedes Wortes, jedes Schrittes, jedes Lebens-Zeichens, das er giebt.  §40.
Every profound spirit needs a mask: even more, around every profound spirit a mask is growing continually, owing to the constantly false, namely shallow, interpretation of every word, every step, every sign of life he gives.  §40.
Wer von Grund aus Lehrer ist, nimmt alle Dinge nur in Bezug auf seine Schüler ernst,—sogar sich selbst.  §63.
Whoever is a teacher through and through takes all things seriously only in relation to his students—even himself.  §63.
Wer sich selbst verachtet, achtet sich doch immer noch dabei als Verächter.  §78.
Whoever despises himself still respects himself as one who despises.  §78.
Es giebt gar keine moralischen Phänomene, sondern nur eine moralische Ausdeutung von Phänomenen .....  §108.
There are no moral phenomena at all, but only a moral interpretation of phenomena .....  §108.
Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.  §146.
 §146.
Was aus Liebe gethan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.  §153.
Whatever is done from love always occurs beyond good and evil.  §153.
Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes,—aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.  §156.
Madness is rare in individuals—but in groups, parties, nations, and ages it is the rule.  §156.
Weisheit: das scheint dem Pöbel eine Art Flucht zu sein, ein Mittel und Kunststück, sich gut aus einem schlimmen Spiele herauszuziehn; aber der rechte Philosoph—so scheint es uns, meine Freunde?—lebt "unphilosophisch" und "unweise," vor Allem unklug, und fühlt die Last und Pflicht zu hundert Versuchen und Versuchungen des Lebens:—er risquirt sich beständig, er spielt das schlimme Spiel .....  §205.
Wisdomseems to the rabble a kind of escape, a means and a trick for getting well out of a wicked game. But the genuine philosopheras it seems to us, my friends?lives "unphilosophically" and "unwisely," above all imprudently, and feels the burden and the duty of a hundred attempts and temptations of lifehe risks himself constantly, he plays the wicked game .....  §205.
Ist das Leben nicht hundert Mal zu kurz, sich in ihm—zu langweilen?  §227.
Is life not a hundred times too short to be—bored in it?  §227.
Jede Erhöhung des Typus "Mensch" war bisher das Werk einer aristokratischen Gesellschaft [...]  §257.
Every enhancement of the type "man" has so far been the work of an aristocratic society [...]  §257.
Es giebt Herren-Moral und Sklaven-Moral [...] sogar im selben Menschen, innerhalb Einer Seele. Die moralischen Werthunterscheidungen sind entweder unter einer herrschenden Art entstanden, welche sich ihres Unterschieds gegen die beherrschte mit Wohlgefühl bewusst wurde,—oder unter den Beherrschten, den Sklaven und Abhängigen jeden Grades.  §260.
There are master morality and slave morality [...] even in the same human being, within a single soul. The moral discrimination of values has originated either among a ruling group whose consciousness of its difference from the ruled group was accompanied by delightor among the ruled, the slaves and dependents of every degree.  §260.
Die vornehme Seele hat Ehrfurcht vor sich.  §287.
The noble soul has reverence for itself  §287.
[...] der eigentliche Entstehungsherd des Begriffs "gut" an falscher Stelle gesucht und angesetzt wird: das Urtheil "gut" rührt nicht von Denen her, welchen "Güte" erwiesen wird! Vielmehr sind es "die Guten" selber gewesen, das heisst die Vornehmen, Mächtigen, Höhergestellten und Hochgesinnten, welche sich selbst und ihr Thun als gut [...] Aus diesem Pathos der Distanz heraus haben sie sich das Recht, Werthe zu schaffen, Namen der Werthe auszuprägen, erst genommen [...] das dauernde und dominirende Gesammt- und Grundgefühl einer höheren herrschenden Art im Verhältniss zu einer niederen Art, zu einem "Unten"—das ist der Ursprung des Gegensatzes "gut" und "schlecht."  "Gut und Böse," "Gut und Schlecht," §2.
[...] the actual genesis of the concept "good" has been sought and established in the wrong place: the judgment "good" did not originate with those to whom "goodness" was shown! Rather it was "the good" themselves, that is to say, the noble, powerful, high-stationed and high-minded, who felt and established themselves and their actions as good [...] It was out of this pathos of distance that they first seized the right to create values and to coin names for values [...] the protracted and domineering fundamental total feeling on the part of a higher ruling order in relation to a lower order, to a "below"that is the origin of the antithesis "good" and "bad."  "Good and Evil," "Good and Bad," §2.
Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werthe gebiert: das Ressentiment solcher Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der That, versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten. Während alle vornehme Moral aus einem triumphirenden Ja-sagen zu sich selber herauswächst, sagt die Sklaven-Moral von vornherein Nein zu einem "Ausserhalb," zu einem "Anders," zu einem "Nicht-selbst": und dies Nein ist ihre schöpferische That.  "Gut und Böse," "Gut und Schlecht," §10.
The slave revolt in morality begins when ressentiment itself becomes creative and gives birth to values: the ressentiment of natures that are denied the true reaction, that of deeds, and compensate themselves with an imaginary revenge. While every noble morality develops from a triumphant affirmation of itself, slave morality from the outset says No to what is "outside," what is "different," what is "not itself"; and this No is its creative deed.  "Good and Evil," "Good and Bad," §10.
Von der Stärke verlangen, dass sie sich nicht als Stärke äussere, dass sie nicht ein Überwältigen-Wollen, ein Niederwerfen-Wollen, ein Herrwerden-Wollen, ein Durst nach Feinden und Widerständen und Triumphen sei, ist gerade so widersinnig als von der Schwäche verlangen, dass sie sich als Stärke äussere. Ein Quantum Kraft ist ein eben solches Quantum Trieb, Wille, Wirken—vielmehr, es ist gar nichts anderes als eben dieses Treiben, Wollen, Wirken selbst, und nur unter der Verführung der Sprache (und der in ihr versteinerten Grundirrthümer der Vernunft), welche alles Wirken als bedingt durch ein Wirkendes, durch ein "Subjekt" versteht und missversteht, kann es anders erscheinen. Ebenso nämlich, wie das Volk den Blitz von seinem Leuchten trennt und letzteres als Thun, als Wirkung eines Subjekts nimmt, das Blitz heisst, so trennt die Volks-Moral auch die Stärke von den Äusserungen der Stärke ab, wie als ob es hinter dem Starken ein indifferentes Substrat gäbe, dem es freistünde, Stärke zu äussern oder auch nicht. Aber es giebt kein solches Substrat; es giebt kein "Sein" hinter dem Thun, Wirken, Werden; "der Thäter" ist zum Thun bloss hinzugedichtet,—das Thun ist Alles.  "Gut und Böse," "Gut und Schlecht," §13.
To demand of strength that it should not express itself as strength, that it should not be a desire to overcome, a desire to throw down, a desire to become master, a thirst for enemies and resistances and triumphs, is just as absurd as to demand of weakness that it should express itself as strength. A quantum of force is equivalent to a quantum of drive, will, effectmore, it is nothing other than precisely this very driving, willing, effecting, and only owing to the seduction of language (and of the fundamental errors of reason that petrified in it) which conceives and misconceives all effects as conditioned by something that causes effects, by a "subject," can it appear otherwise. For just as the popular mind separates the lightning from its flash and takes the latter for an action, for the operation of a subject called lightning, so popular morality also separates strength from expressions of strength, as if there were a neutral substratum behind the strong man, which was free to express strength or not to do so. But there is no such substratum; there is no "being" behind doing, effecting, becoming; "the doer" is merely a fiction added to the deedthe deed is everything.  "Good and Evil," "Good and Bad," §13.
Sieht man vom asketischen Ideale ab: so hatte der Mensch, das Thier Mensch bisher keinen Sinn. Sein Dasein auf Erden enthielt kein Ziel; "wozu Mensch überhaupt?"war eine Frage ohne Antwort [...] das asketische Ideal bot ihr einen Sinn! [...] dieser Hass gegen das Menschliche, mehr noch gegen das Thierische, mehr noch gegen das Stoffliche, dieser Abscheu vor den Sinnen, vor der Vernunft selbst, diese Furcht vor dem Glück und der Schönheit, dieses Verlangen hinweg aus allem Schein, Wechsel, Werden, Tod, Wunsch, Verlangen selbstdas Alles bedeutet, wagen wir es, dies zu begreifen, einen Willen zum Nichts, einen Widerwillen gegen das Leben, eine Auflehnung gegen die grundsätzlichsten Voraussetzungen des Lebens, aber es ist und bleibt ein Wille! [...] lieber will noch der Mensch das Nichts wollen, als nicht wollen ...  "Was bedeuten asketische Ideale?" §28.
Apart from the ascetic ideal, manthe animal manhad no meaning hitherto. His existence on earth had no goal. "Why have man at all?" was a question without an answer [...] the ascetic ideal offered mankind meaning! [...] that hatred against everything human, even more, against everything animal, everything material, this disgust with the senses, with reason itself, this fear of happiness and beauty, this desire to get away from all semblance, change, becoming, death, wish, desire itselfthe meaning of all this, should we dare to comprehend it, is a will to nothingness, a will running counter to life, a revolt against the most fundamental presuppositions of life; yet it is and remains a will! [...] rather than want nothing, man even wants nothingness ...  "What is the Meaning of Ascetic Ideals?" §28.
Man macht heute nur Geld mit kranker Musik [...]  §5.
Only sick music makes money today [...]  §5.
Um allein zu leben, muss man ein Thier oder ein Gott sein—sagt Aristoteles. Fehlt der dritte Fall: man muss Beides sein—Philosoph ...  "Sprüche und Pfeile," 3.
To live alone one must be a beast or a god, says Aristotle. Leaving out the third case: one must be both—a philosopher ...  "Maxims and Arrows," 3.
Wie? ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? Oder Gott nur ein Fehlgriff des Menschen?  "Sprüche und Pfeile," 7.
Which is it, is man one of God's blunders or is God one of man's?  "Maxims and Arrows," 7.
Aus der Kriegsschule des Lebens.— Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.  "Sprüche und Pfeile," 8.
Out of life's school of war: What does not destroy me, makes me stronger.  "Maxims and Arrows," 8.
Hat man sein warum? des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem wie? [...]  "Sprüche und Pfeile," 12.
He who has a why? to live for can bear almost any how? [...]  "Maxims and Arrows," 12.
Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger?— Suche Nullen!  "Sprüche und Pfeile," 14.
What? You search? You would multiply yourself by ten, by a hundred? You seek followers? Seek zeros!  "Maxims and Arrows," 14.
Ich misstraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit.  "Sprüche und Pfeile," 26.
I mistrust all systematizers and I avoid them. The will to a system is a lack of integrity.  "Maxims and Arrows," 26.
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum.  "Sprüche und Pfeile," 33.
Without music life would be a mistake.  "Maxims and Arrows," 33.
Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Werth.  "Sprüche und Pfeile," 34.
The sedentary life is the very sin against the Holy Spirit. Only thoughts reached by walking have value.  "Maxims and Arrows," 34.
Der Enttäuschte spricht.— Ich suchte nach grossen Menschen, ich fand immer nur die Affen ihres Ideals.  "Sprüche und Pfeile," 39.
The disappointed one speaks.— I searched for great men but found only the apes of their ideals.  "Maxims and Arrows," 39.
Formel meines Glücks: ein Ja, ein Nein, eine gerade Linie, ein Ziel ...  "Sprüche und Pfeile," 44.
My formula for happiness: a Yes, a No, a straight line, a goal ...  "Maxims and Arrows," 44.
Der Begriff "Gott" war bisher der grösste Einwand gegen das Dasein ... Wir leugnen Gott, wir leugnen die Verantwortlichkeit in Gott: damit erst erlösen wir die Welt.  "Die vier grossen Irrthümer," 8.
The concept "God" was until now the greatest objection to existence ... We deny God, we deny the responsibility in God: only thereby do we redeem the world.
 "The Four Great Errors," 8.
Moral ist nur eine Ausdeutung gewisser Phänomene, bestimmter geredet, eine Missdeutung.  "Die 'Verbesserer' der Menschheit," 1.
Morality is merely an interpretation of certain phenomena—more precisely, a misinterpretation.  "The 'Improvers' of Mankind," 1.
Was der deutsche Geist sein könnte, wer hätte nicht schon darüber seine schwermüthigen Gedanken gehabt! Aber dies Volk hat sich willkürlich verdummt, seit einem Jahrtausend beinahe: nirgendswo sind die zwei grossen europäischen Narcotica, Alkohol und Christenthum, lasterhafter gemissbraucht worden.  "Was den Deutschen abgeht," 2.
What the German spirit might bewho has not had his melancholy ideas about that! But this people has deliberately made itself stupid, for nearly a millennium: nowhere have the two greatest European narcotics, alcohol and Christianity, been abused more dissolutely.  "What the Germans Lack," 2.
Auf eine stolze Art sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben. Der Tod, aus freien Stücken gewählt, der Tod zur rechten Zeit, mit Helle und Freudigkeit, inmitten von Kindern und Zeugen vollzogen: so dass ein wirkliches Abschiednehmen noch möglich ist, wo Der noch da ist [...]  "Streifzüge eines Unzeitgemässen," 36.
To die proudly when it is no longer possible to live proudly. Death freely chosen, death at the right time, brightly and cheerfully accomplished amid children and witnesses: then a real farewell is still possible, as the one who is taking leave is still there [...]  "Skirmishes of An Untimely Man," 36.
Ein solcher freigewordner Geist steht mit einem freudigen und vertrauenden Fatalismus mitten im All, im Glauben, dass nur das Einzelne verwerflich ist, dass im Ganzen sich Alles erlöst und bejaht—er verneint nicht mehr ... Aber ein solcher Glaube ist der höchste aller möglichen Glauben: ich habe ihn auf den Namen des Dionysos getauft.  "Streifzüge eines Unzeitgemässen," 49.
Such a spirit who has become free stands amid the cosmos with a joyous and trusting fatalism, in the faith that only the particular is loathsome, and that all is redeemed and affirmed in the wholehe does not negate anymore. Such a faith, however, is the highest of all possible faiths: I have baptized it with the name of Dionysus.  "Skirmishes of An Untimely Man," 49.
[...] mein Ehrgeiz ist, in zehn Sätzen zu sagen, was jeder Andre in einem Buche sagt,—was jeder Andre in einem Buche nicht sagt ...  "Streifzüge eines Unzeitgemässen," 51.
[...] it is my ambition to say in ten sentences what others say in a bookwhat everyone else does not say in a book ...  "Skirmishes of An Untimely Man," 51.
Plato ist langweilig.  "Was ich den Alten verdanke," 2.
Plato is boring.  "What I Owe to the Ancients," 2.
Einige werden posthu[m] geboren.  Vorwort.
Some are born posthumously.  Preface.
Nothwendigkeit versteht[,—]ich kenne sie nur zu genau. Man muß
rechtschaffen sein in geistigen Dingen bis zur
Härte, um auch nur meinen Ernst, meine
Leidenschaft auszuhalten. Man muß geübt sein,
auf Bergen zu leben,—das erbärmliche
Zeitgeschwätz von Politik und
Völker-Selbstsucht unter sich zu sehn.
Man muß gleichgültig geworden sein, man muß
nie fragen, ob die Wahrheit nützt, ob sie Einem
Verhängnis wird ... Eine Vorliebe der Stärke
für Fragen, zu denen Niemand heute den Muth hat;
der Muth zum Verbotenen [...] Ein neues
Gewissen für bisher stumm gebliebene Wahrheiten. [...] Die Ehrfurcht vor sich; die Liebe zu
sich; die unbedingte Freiheit gegen sich ...  Vorwort.
The conditions under which I am understood, and then of necessityI know them only too well. One must be honest in matters of the spirit to the point of hardness before one can even endure my seriousness and my passion. One must be skilled in living on mountainsseeing the wretched ephemeral babble of politics and national self-seeking beneath oneself. One must have become indifferent; one must never ask if the truth is useful or if it may prove our undoing. The predilection of strength for questions for which no one today has the courage; the courage for the forbidden [...] a new conscience for truths that have so far remained mute [...] Reverence for oneself; love of oneself; unconditional freedom before oneself ...  Preface.
Formel unsres Glücks: ein Ja, ein Nein, eine gerade Linie, ein Ziel ...  §1.
Formula for our happiness: a Yes, a No, a straight line, a goal ...  §1.
Das Wort schon "Christentum" ist ein Missverständnis—, im Grunde gab es nur Einen Christen, und der starb am Kreuz.  §39.
The very word "Christianity" is a misunderstanding—, in truth, there was only one Christian, and he died on the cross.  §39.
Die Menschheit wird am besten genasführt mit der Moral!  §44.
Morality is the best of all devices for leading mankind by the nose.  §44.
Was heisst denn rechtschaffen sein in
geistigen Dingen? Dass man streng gegen sein Herz
ist, dass man die "schönen Gefühle"
verachtet, dass man sich aus jedem Ja und Nein
ein Gewissen macht! — — — Der
Glaube macht selig: folglich lügt er ...  §50.
What, does it mean, after all to have integrity in matters of the spirit? That one is severe against one's heart, that one despises "beautiful sentiments," that one makes of every Yes and No a matter of conscience!   Faith makes blessed: consequently it lies ...  §50.
Dass der Glaube unter
Umständen selig macht, dass Seligkeit aus einer
fixen Idee noch nicht eine wahre Idee
macht, dass der Glaube keine Berge versetzt, wohl
aber Berge hinsetzt, wo es keine gibt: ein
flüchtiger Gang durch ein Irrenhaus
klärt zur Genüge darüber auf. §51.
That faith makes
blessed under certain circumstances, that
blessedness does not make of a fixed idea a true
idea, that faith moves no mountains but puts
mountains where there are none: a quick walk
through a lunatic asylum enlightens one
sufficiently about this.  §51.
"Glaube" heisst Nicht-wissen-wollen,
was wahr ist.  §52.
"Faith" means not wanting to know what is true.  §52.
Meine Humanität ist eine beständige Selbstüberwindung.  "Warum ich so weise bin," 8.
My humanity is a constant self-overcoming.  "Why I Am So Wise," 8.
Atheismus durchaus nicht als Ergebniss,
noch weniger als Ereigniss: er versteht
sich bei mir aus Instinkt. Ich bin zu
neugierig, zu fragwürdig, zu
übermüthig, um mir eine faustgrobe
Antwort gefallen zu lassen. Gott ist eine
faustgrobe Antwort, eine Undelicatesse
gegen uns Denker—, im Grunde sogar
bloss ein faustgrobes Verbot an
uns: ihr sollt nicht denken! ...  "Warum ich so klug bin," 1.
I do not by any means know atheism as a result; even less as an event: it is a matter of course with me, from instinct. I am too inquisitive, too questionable, too exuberant to stand for any gross answer. God is a gross answer, an indelicacy against us thinkersat bottom merely a gross prohibition for us: you shall not think! ...  "Why I Am So Clever," 1.
Frühmorgens beim Anbruch des Tags, in aller Frische, in der Morgenröthe seiner Kraft, ein Buch lesen—das nenne ich lasterhaft!  "Warum ich so klug bin," 8.
Early in the morning, when day breaks, when all is fresh, in the dawn of one's strengthto read a book at such a time is simply depraved!  "Why I Am So Clever," 8.
Meine Formel für die Grösse am Menschen
ist amor fati:
dass man Nichts anders haben will,
vorwärts nicht, rückwärts nicht, in
alle Ewigkeit nicht. Das Nothwendige
nicht bloss ertragen, noch weniger
verhehlen—aller Idealismus ist
Verlogenheit vor dem Nothwendigen—,
sondern es lieben ...  "Warum ich so klug bin," 10.
My formula for greatness in a human being is amor fati: that one wants nothing to be different, not forward, not backward, not in all eternity. Not merely bear what is necessary, still less conceal itall idealism is mendaciousness in the face of what is necessarybut love it ...  "Why I Am So Clever," 10.
Ich selber bin noch nicht an der Zeit, Einige werden posthum geboren.  "Warum ich so gute Bücher schreibe," 1.
The time for me hasn't come yet: some are born posthumously.  "Why I Write Such Good Books," 1.
Ich kenne mein Loos. Es
wird sich einmal an meinen Namen die
Erinnerung an etwas Ungeheures
anknüpfen,—an eine Krisis, wie es
keine auf Erden gab, an die tiefste
GewissensCollision, an eine Entscheidung
heraufbeschworen gegen Alles, was
bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt
worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin
Dynamit.  "Warum ich ein Schicksal bin," 1.
I know my fate. One day my name will be associated with the memory of something tremendousa crisis without equal on earth, the most profound collision of conscience, a decision that was conjured up against everything that had been believed, demanded, hallowed so far. I am no man, I am dynamite.  "Why I Am a Destiny," 1.
verstanden?— Dionysos gegen den
Gekreuzigten ...  "Warum ich ein Schicksal bin," 9.
Have I been understood? Dionysus versus the Crucified ...  "Why I Am a Destiny," 9.
Wozu die Menschen da sind, wozu "der Mensch" da ist, soll uns gar nicht kümmern: aber wozu Du da bist, das frage dich: und wenn Du es nicht erfahren kannst, nun so stecke Dir selber Ziele, hohe und edle Ziele und gehe an ihnen zu Grunde! Ich weiss keinen besseren Lebenszweck als am Grossen und Unmöglichen zu Grunde zu gehen: animae magnae prodigus. [Vgl. Horace, Carmina I, xii, 37-38. "Regulum et Scauros animaeque magnae / prodigum Paulum superante Poeno". Vgl. Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben, §9.]  Sommer-Herbst 1873 29[54].
Why there are human beings, why there is "the human," should not even concern us: but why you are there, ask yourself that: and if you cannot find out why, then set for yourself goals, high and noble goals, and perish in pursuit of them! I know of no better life purpose than to perish in pursuing the great and the impossible: animae magnae prodigus. [Prodigal of a great soul. Horace, Carmina I, xii, 37-38. "Regulum et Scauros animaeque magnae / prodigum Paulum superante Poeno". Cf. On the Use and Abuse of History for Life, §9.]  Summer-Fall 1873 29[54].
Erzieher erziehn! Aber die ersten müssen sich
selbst erziehn! Und für diese schreibe ich.  Frühjahr-Sommer 1875 5[25].
To educate educators! But the first ones must educate themselves! And for these I write.  Spring-Summer 1875 5[25].
Das Individuum unbehaglich zu machen: meine
Aufgabe!  Frühjahr-Sommer 1875 5[178].
To make the individual uncomfortable: my task!  Spring-Summer 1875 5[178].
Darf ich doch mitreden! Alle die Wahrheiten sind für mich blutige Wahrheiten—man sehe meine früheren Schriften an.  Sommer 1880 4[271].
May I really say it! All truths are for me bloody truths—take a look at my previous writings.  Summer 1880 4[271].
Meine stärkste Eigenschaft ist die Selbstüberwindung. Aber ich habe sie auch am meisten nöthig—ich bin immer am Abgrunde.  November 1882-Februar 1883 4[13].
My strongest characteristic is self-overcoming. But I also need it most—I am always on the precipice.  November 1882-February 1883 4[13].
Der Versucher. Es giebt vielerlei Augen. Auch die Sphinx hat Augen: und folglich giebt es vielerlei "Wahrheiten," und folglich giebt es keine Wahrheit.  April-Juni 1885 34[230].
The tempter. There are many kinds of eyes. Even the sphinx has eyesand consequently there are many kinds of "truths," and consequently there is no truth.  April-June 1885 34[230].
Diese Welt ist der Wille zur Machtund nichts außerdem! Und auch ihr selber seid dieser Wille zur Machtund nichts außerdem!  Juni-Juli 1885 38[12].
This world is the will to powerand nothing besides! And you yourselves are also this will to powerand nothing besides!  June-July 1885 38[12].
Gegen den Positivismus, welcher bei dem Phänomen stehen bleibt "es giebt nur Thatsachen," würde ich sagen: nein, gerade Thatsachen giebt es nicht, nur Interpretationen.  Sommer 1886-Herbst 1887 7[60].
Against positivism, which halts at phenomena [and says] "there are only facts," I would say: no, facts is precisely what there is not, only interpretations.  Summer 1886-Fall 1887 7[60].
Nihilism: es fehlt das Ziel; es fehlt die Antwort auf das Warum? was bedeutet Nihilism?daß die obersten Werthe sich entwerthen.  Herbst 1887 9[35].
Nihilism: the goal is lacking; the answer to the question "Why?" is lacking. What does nihilism mean?that the highest values devalue themselves.  Fall 1887 9[35].
Der Wille zum System: bei einem Philosophen moralisch ausgedrückt eine feinere Verdorbenheit, eine Charakter-Krankheit, unmoralisch ausgedrückt, sein Wille, sich dümmer zu stellen als man istDümmer, das heißt: stärker, einfacher, gebietender, ungebildeter, commandirender, tyrannischer ...  Herbst 1887 9[188].
The will to a system: in a philosopher, morally speaking, a subtle corruption, a disease of the character; amorally speaking, his will to appear more stupid than he ismore stupid, that is to say: stronger, simpler, more imperious, more uneducated, more commanding, more tyrannical ...  Fall 1887 9[188].
Ich bin nicht bornirt genug zu einem Systemund nicht einmal zu meinem System ...  Herbst 1887 10[146].
I am not bigoted enough for a systemand not even for my system ...  Fall 1887 10[146].
Hat man bemerkt, daß im Himmel alle interessanten Menschen fehlen? ...  November 1887-März 1888 11[153].
Has it been noticed that in heaven all the interesting people are missing? ...  November 1887-March 1888 11[153].
Welcher Unterschied bleibt zwischen einem Überzeugten und einem Belogenen? Keiner, wenn er gut belogen ist.  Frühjahr 1888 14[159].
What is the difference between someone who is convinced and one who is deceived? None, if he is well deceived.  Spring 1888 14[159].
Und was Märtyrer macht, ist das der Instinkt der Wahrheit, oder nicht umgekehrt eine Lücke der inneren Organisation, der Mangel eines solchen Instinkts? Wir betrachten Märtyrer als eine niedrigere Species: eine Überzeugung zu beweisen, hat gar keinen Sinn; sondern es gilt zu beweisen, daß man ein Recht hat, so überzeugt zu sein ... Die Überzeugung ist ein Einwand, ein Fragezeichen, ein défi, man hat zu beweisen, daß man nicht nur überzeugt istdaß man nicht nur Narr ist ...  Frühjahr 1888 14[159].
And what makes a martyr, is it the instinct for truth,
or even the reverse a gap in inner organization, the lack
of such an instinct? We consider martyrs as the lowest
species: to prove a conviction is quite senseless;
rather, it is important to prove that one has a right to
be so convinced ... Conviction is an objection, a
question mark, a défi [challenge],
one has to prove not only that one is convincedbut
that one is not a fool ...  Spring 1888 14[159]
der Tod am Kreuze beweist keine Wahrheit, nur eine Überzeugung, nur eine Idiosynkrasie (sehr populärer Irrthum: den Muth zu seiner Überzeugung haben? aber den Muth zum Angriff auf seine Überzeugung haben!!!  Frühjahr 1888 14[159]
the death on the Cross proves no truth, only a
conviction, only an idiosyncrasy (very popular
error: having the courage of one's convictions?
Rather it is a matter of having the courage for an attack
on one's convictions!!!  Spring 1888 14[159].
An einem Philosophen ist es eine Nichtswürdigkeit zu sagen: das Gute und das Schöne sind Eins: fügt er gar noch hinzu "auch das Wahre," so soll man ihn prügeln. Die Wahrheit ist häßlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehn.  Frühjahr-Sommer 1888 16[40].
It is unworthy of a philosopher to say: the good and the beautiful are one; if he goes on to add, "also the true," one ought to thrash him. Truth is ugly: we possess art lest we perish of the truth.  Spring-Summer 1888 16[40].

References: §8
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 §1
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 §2
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 §1
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 §483
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 §529
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 §637
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 §122
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 §137
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 §366
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 §55
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 §204
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 §206
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 §278
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 §333
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 §89
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 §101
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 §236
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 §297
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 §4
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 §2
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 §58
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 §108
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 §116
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 §117
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 §125
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 §173
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 §276
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 §283
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 §299
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 §344
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 §346
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 §347
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 §373
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 §3
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 §5
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 §2
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 §13
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 §26
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 §40
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 §63
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 §78
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 §108
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 §146
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 §153
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 §156
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 §205
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 §227
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 §257
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 §260
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 §287
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 §2
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 §10
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 §13
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 §28
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 §5
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 §39
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 §44
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 §50
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 §51
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 §52
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 §9
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