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Timestamp: 2018-10-23 03:35:39+00:00

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Einigungsweg
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Die Scheidung ist weitaus mehr als nur ein juristisches Verfahren. Genau betrachtet laufen bei einer Scheidung mehrere Prozese auf, die in- oder gegeneinander spielen. Der Mediator sollte helfen, die Prozesse zusammenzuführen und zu überwinden.
Finanzfragen bei Trennung
Im Vordergrund steht zweifellos der sichtbare, juristische Prozess. Im Hintergrund laufen psychologische, soziale und wirtschaftliche Prozesse. Der juristische Prozess ist das formale Verfahren, dem sich beide Parteien (gewollt oder nicht) zu stellen haben. Die anderen Prozesse müssen individuell abgewickelt werden. Sie verlaufen informell im Hintergrund. Nur selten sind die Prozesse aufeinander abgestimmt, was wieder Auswirkungen auf das juristische Verfahren hat.
Wie die Grafik zeigt, haben die Prozesse einen unterschiedlichen Einsatzzeitpunkt und verzehren einen unterschiedlichen Zeitaufwand. Psychologen sagen, die Scheidung sei ein emotionaler Einschnitt, der mit dem Verlust einer nahestehenden Person durch Tod vergleichbar sei. Seine Überwindung kann 5 Jahre dauern. Der juristische Prozess dauert ca. ein halbes Jahr, wenn er nicht stellvertretend für den psychologischen auf unbestimmte Zeit ausgedehnt wird.
Die Scheidung setzt sich aus mehreren Trennungs- und Scheidungsprozessen zusammen, die nicht immer parallel laufen. Manchmal stören sie einander und erschweren den Gesamtprozess1
Ein Mediator, der alle Dimensionen des Streitkontinuums beachtet, trägt dazu bei, dass diese Prozesse aufeinander abgestimmt werden und nicht im Rosenkrieg enden.
Jede Trennung hat zwei Seiten. Sie markiert ein Ende und einen Neubeginn so wie sie für die Zerschlagung und den Neuaufbau steht. Für den Ehegatten, der die Trennung nicht will, liegt der Fokus auf der Zerschlagung. Kommt die Trennung für ihn überraschend, wertet er die Zerschlagung als einen Vertrauensbruch, der eine tiefe Verletzung verursacht. Die Verletzbarkeit ist Ausdruck von Nähe. Es braucht seine Zeit, bis der Ehegatte den Fokus auf den Neubeginn richten kann. Im Vordergrund steht der Beziehungskonflikt.
Was alle zuvor genannten Prozesse gemeinsam haben, ist die Wiederherstellung der Autonomie. Sie ergibt den ebenso notwendigen wie neutralen Aspekt der Trennung. Man könnte den Prozess der Autonomisierung auch mit einem Empowerment vergleichen. Es ermächtigt zu unabhängigen Entscheidungen, auch zu der, die Beziehung wieder aufzunehmen.
Der Begriff Autonomisierung kommt aus der Regelungstechnik. Er beschreibt aber genau, worum es auch bei der Trennung geht. In der Regelungstechnik bezeichnet die Autonomisierung ein Verfahren, durch das eine gegenseitige Beeinflussung (der Regelkreise) beseitigt werden soll2 . Gleiches geschieht bei der Trennung. Die Trennung ist demnach vollzogen, wenn sich die Parteien sowohl juristisch, wie auch wirtschaftlich, sozial und emotional aus der wechselseitigen Abhängigkeit gelöst haben und ihre unbeeinflussbare Individualität und Selbstbestimmung wiederhergestellt haben.
Bei der Scheidung geht es um die Auflösung von Abhängigkeiten und die Wiedererlangung der persönlichen Autonomie und Individualität1
Die Autonomisierung wird umso schwieriger, je intensiver die Arbeitsteilung in der Beziehung ausgestaltet wurde und je mehr Abhängigkeiten entstanden sind. Während die wirtschaftliche Verwobenheit in Zahlen, die juristische in Rechtsbeziehungen und die soziale in Außenbeziehungen erkennbar wird, vollzieht sich die psychologische Verwobenheit im Verborgenen. Mit einer von Kempf3 vorgestellten, systemischen Sicht lässt sich der psychologische Prozess der Abnabelung aus der Beziehung mit einfachen Bildern visualisieren.
Den Ausgangspunkt bilden die Individuen. Sie werden durch Eigenschaften repräsentiert, die man sich wie ein Legobaukasten vorstellen kann. Jeder Legobaukasten steht für ein Individuum. Jeder Legobaustein steht für eine Eigenschaft.
Bei der Vereinigung bildet sich eine Paarebene heraus. Eigenschaften der Individuen werden auf die Paarebene verlagert und in einer Arbeitsteilung optimiert. Es bildet sich eine Paaridentität heraus, die mit den Individuen geteilt wird. Eigenschaften werden auf die Beziehungsebene verlagert.
Reindividualisierung
Mit der Trennung muss die Paarebene aufgelöst werden. Die auf die Paarebene abgegebene Individualität muss zurückgewonnen werden. Das Individuum muss sich wieder vervollständigen, damit es sich als eigenständig wahrnehmen kann.
Die Ablösung wird erschwert, wenn die in der Beziehung begründeten Abhängigkeiten zu einer gefühlten Inbalance führen. Eine Partei fühlt sich benachteiligt. Für sie ist es schwer zu ertragen, wenn die Trennung nur einseitige Vorteile einbringt.
Beziehungsbedingte Inbalance: Die Ehegatten hatten während der Ehe vereinbart, dass die Mutter für die Kinderzuständig sein soll, der Vater für die Einkünfte. Die Mutter verzichtet auf die Vollendung des Studiums und einer Karriere, um sich den Kindern und der Familie widmen zu können. Der Ehemann kann sich um seine Karriere kümmern. Bei einem gemeinsamen Lebenskonzept geht diese Rechnung auf, weil beide von dem Lebensplan profitieren. Kommt es zur Trennung, ist der Profit dieser Lebensplanung ungleich verteilt. Der Ehemann wird einen höheren Wohlstand haben und bessere Chancen für ein selbständiges Leben.
Die Inbalance wird als ungerecht empfunden. Die benachteiligte Partei fühlt sich verletzt, wenn die Ursache dieser Inbalance von dem anderen Ehegatten geleugnet wird. Obwohl es das Scheidungsrecht nicht vorsieht, kommt die Frage auf, wer an dem Scheitern der Ehe die Schuld trägt. In der Mediation spielen Schuldfragen grundsätzlich keine Rolle, weil sie die Vergangenheit betreffen. Relevant ist aber die aus der Schuld resultierende Frage der Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft.
Mit der Trennung ändert die Beziehung der Eheleute ihre Qualität. Die Beziehung muss neu definiert werden. Wirklich enden kann sie nicht. Damit die inneren und äußeren Verarbeitungsprozesse harmonisiert werden können, bedarf es einer abgestimmten Zielausrichtung.
Bei der Festlegung der Ziele ist zwischen Trennung und Scheidung zu unterscheiden. Auch das Gesetz macht hier einen Unterschied. Juristisch bedeutet die Trenung die Aufhebung der Versorgungsgemeinschaft. Das Gesetz sieht hierfür eine Frist von mindestens einem Jahr vor, wenn beide Parteien die Scheidung einvernehmlich herbeiführen möchten. Die Trennung ist eine Art Probezeit, in der die Wiederherstellung der Versorgungsgemeinschaft noch als möglich gesehen wird. Die Scheidung bestätigt die Trennung als endgültig. Im Falle einer streitigen Scheidung kann die Trennungszeit auf drei Jahre und im Härtefall maximal auf fünf Jahre ausgedehnt werden.
Auch wenn die Frage einer Restauration der Ehe nicht mehr diskutabel ist, sollte hinterfragt werden, was die Vision der Trennung ist. Die Vision beschreibt das hinter der Trennung liegende Konzept. Es macht einen Unterschied, ob man sich aus Rache oder Wut oder in Demut und Dankbarkeit trennt. Es macht einen Unterschied, ob die Trennung ein radikales Ende, ein sanfter Übergang oder ein neues Lebenskonzept darstellt. Es macht einen Unterschied, ob man noch miteinander zu tun haben und sich aufrecht begegnen will oder nicht. Alle Fälle wirken sich auf die eine oder andere Weise auf die finanziellen Fragen aus. Der Mediator ist gut beraten, die Frage der Beziehung zu thematisieren und ein Bild übereinstimmendes zu erarbeiten, wie die neue Beziehung gesehen werden will.
Es hilft, wenn die Ehebeziehung im Einvernehmen abgeschlossen werden kann und wenn die Sicht auf die Beziehung abgestimmt ist. Dann fällt es leichter, in der Trennung einen Schritt in die Wiedererlangung der persönlichen Autonomie zu erkennen. Bei einer einvernehmlichen Trennung können sich die Eheleute bei der Autonomisierung auch gegenseitig unterstützen und die gegenseitige Achtung zurückgewinnen. Voraussetzung ist, dass beide Eheleute mit der Trennung einverstanden sind.
Wenn eine Partei die Trennung innerlich nicht akzeptieren kann, sorgen der Hass oder die gefühlte Ungerechtigkeit dafür, dass die Abhängigkeiten solange aufrechterhalten bleiben, bis ein Ausgleich möglich wird. Diese Gefühle verdrängen die Trauer, mit der die Verarbeitung des Verlustes emotional unterstützt wird und stehen der Trennung im Wege.
In der Mediation sollten die Gefühle angesprochen und thematisiert werden, damit eine Regelung getroffen werden kann, die es erlaubt, den Lebensabschnitt zu beenden1
Das Bürgerliche Gesetzbuch reguliert die Ehe und deren Zustandekommen in den §§1297 -1588. Die Scheidung der Ehe ist in den §§1564 - 1587 geregelt. Die gesetzlichen Regulierungen betreffen im Grunde alle Fragen, die im Zusammenhang mit der Scheidung aufkommen. Sie können auch als Vorlage für die Mediation verwendet werden4 . Die üblichen Themen sind:
Versorgungs- bzw. Rentenausgleich
Die Themenbereiche unterscheiden geldbezogene und beziehungsbezogene Themen und Themen betreffend die Beziehung der Eheleute und die der Kinder.
In einer Familienmediation werden von den Parteien nicht alle Themen eingebracht. Der Mediator sollte sich dann dafür interessieren, warum Themen ausbleiben. Wenn die Parteien in der Lage sind sich über einzelne Themen zu einigen und andere nicht, könnte das einen Ausdruck des Konfliktverhaltens sein, ebenso wie Wahl des Themas ein Ausdruck für den zu lösenden Konflikt ist.
Die Parteien kommen oft erst dann zum Berater, wenn die Frage der Trennung für sie entschieden ist - zumindest scheinbar. Auch die Wahl des Beraters hat Einfluss auf den weiteren Konfliktverlauf. Oft ist das Scheitern der Beziehung gar nicht eindeutig. Das Streitpotenzial zwischen den Eheleuten ist ein Indiz dafür. Hier verwirklicht sich die Erkenntnis von Watzlawick, dass die Sachinformationen gestört ist, wenn die Beziehungsebene nicht abgestimmt ist. Mit anderen Worten: wenn die Sicht auf die Beziehung nicht übereinstimmt, gibt es einen Streit der sich auf die Sachebene auswirkt.
Natürlich braucht es zwei zur Fortsetzung einer Ehe, sodass die Ehe für gescheitert erklärt wird, wenn nur einer der Ehegatten die Trennung begehrt. Oft wird das Thema Trennung bei der Scheidung nicht mehr thematisiert, obwohl Fragen zurückgeblieben und Vorwürfe ungeklärt sind. Die Parteien vermeiden es oft sogar, diese Fragen wieder offen anzusprechen. Sie haben damit schlechte Erfahrungen gemacht. Sie wurden mit Emotionen konfrontiert, die ihnen nicht gut bekommen sind. In der Tat ist es ein schwieriges Thema, das emotional belastet ist und existenzielle Fragen aufwirft, die ganz unterschiedlich bewertet werden. Weil das Beziehungsthema nicht erledigt ist, verlagert sich die Auseinandersetzung auf vermeintliche Sachthemen wie Unterhalt und Zugewinn. Für die Konfliktbearbeitung ist es wichtig, die Themen (und damit verbunden die Kommunikationsebenen) sauber zu trennen und sich nicht auf das Hase und Igel Spiel einzulassen.
In den meisten Fällen steht der Beziehungskonflikt im Vordergrund. Der Konflikt speist sich nicht nur aus dem Erleben der Vergangenheit. Reibungen ergeben sich auch aus einer trennungstypischen Phasenverschiebung. Die Trennung läuft in drei Phasen ab, die zwischen den Eheleuten nicht immer homogen verlaufen. Schon die Phasenverschiebung gibt Einsparungspotenzial, das sich auf die Interaktion der Parteien auswirkt.
Interessanterweise stellt sich bei der Klärung dieser Frage oft heraus, dass der Streit zwischen den Eheleuten durch eine veränderte Sicht aufeinander entstanden war und durchaus reparabel ist. In einem Drittel der Fälle einer Trennungsmediation, die sich auf diese Fragen einlässt, kommt es deshalb (oft auch äußerst unerwartet) zu einer Restauration der Ehebeziehung5 .
Wiederherstellung der Beziehung
Grund für die Trennung sind oft Kommunikationsprobleme zwischen den Eheleuten. Man hat sich aus den Augen verloren. Signale für unbefriedigte Bedürfnisse und Erwarzungen werden übersehen oder falsch eingeschätzt. Oft spielen Gender-Probleme bei der Herbeiführung wie bei den Trennungsverhandlungen eine Rolle für Missverständnisse. Sie wirken sich auch auf die Mediation aus.
Mann und Frau Probleme
Juristisch werden die finanziellen Fragen im Stadium der Trennung oft anders behandelt als im Stadium nach der Scheidung. Der Grund dafür liegt in dem Umstand begründet, dass der Gesetzgeber in der Trennungsphase die Wiederherstellung der Ehe im Sinn hat. Bei den geldbezogenen Themen zwischen Eheleuten gibt es drei Regelungsbereiche. Sie betreffen das gegenwartsbezogene laufende Einkommen, die vergangenheitsbezogene Vermögensbilanz und die zukunftsbezogene Rente. Es gibt also drei (Finanz-)Töpfe, die mit den finanziellen Regelungen ausgeglichen werden sollen:
Die Regelung des Güterrechts erfasst das in der Ehe erworbene Vermögen eines jeden Ehegatten. Bewertet wird sozusagen die Eheleistung. Bei der Trennung oder Scheidung ist zu fragen, ob und wie das jeweils erworbene Vermögen auszugleichen ist.
Der gesetzliche Güterstand der Ehe ist die Zugewinngemeinschaft. Genau genommen ist es eine Form der Gütertrennung. Jeder Ehegatte erwirbt Vermögen zu seinem Eigentum. Der Vermögensausgleich wird über eine Vermögensbilanz herbeigeführt. Dabei wird der ehebezogene Vermögenszuwachs für jede Partei getrennt ermittelt. Der Überschuss wird hälftig geteilt. Soweit das Grundkonzept. Im Erleben der Parteien steht die Vermögensbilanz neben der emotionalen Bilanz. Die Parteien neigen unbewusst dazu, diese Bilanzen auszugleichen, weshalb der Streit um die Finanzen oft ein Stellvertreterstreit für den Ausgleich der emotionalen Bilanz darstellt. Eine negative emotionale Bilanz zeigt sich an Äußerungen wie: "Du hast mir mein Leben kaputt gemacht!", "Es war eine verlorene Zeit!", "Was hat mir die Ehe schon gebracht?". Auch wenn sich diese Fragen auf die Vergangenheit beziehen, spielen sie in der Mediation insofern eine Rolle, als sie die Bedeutung und den Zustand der Beziehung abstimmt. Diese Fragen bereiten eine Herausforderung für die Mediation. Nicht nur weil diese Fragen sehr emotional sind, sondern auch weil sie die Trennungsmediation in die Länge ziehen. Der Zugewinnausgleich ist in §§ 1372 BGB geregelt.
Der Unterhalt, also das, was monatlich als Einkommen zur Verfügung steht, betrifft den jeweiligen Wohlstand. Unterhaltsfragen stehen also für den gefühlten Lebensstandard. Die Parteien vergleichen ihre Altagsbelastungen anhand der Frage, was sich der eine Gatte leisten kann und der andere nicht. Mit den Unterhaltsforderungen möchten die Parteien (besser gesagt eine Partei) eine Kompensation herstellen. Juristisch ist der Ehegattenunterhalt für die Zeit vor der Scheidung (Trennungsunterhalt) und nach der Scheidung (nachehelicher Unterhalt) zu differenzieren. Die Unterhaltsansprüche sind in § 1361 BGB für den Trennungsunterhalt und in den §§ 1569 ff. BGB für den nachehelichen Unterhalt geregelt. Das nacheheliche Unterhaltsrecht basiert auf dem Grundsatz der Eigenverantwortung und der Bedürftigkeit. Unterhaltsansprüche ergeben sich aus § 1570 Unterhalt wegen Betreuung eines Kindes, § 1571 Unterhalt wegen Alters, § 1572 Unterhalt wegen Krankheit oder Gebrechen, § 1573 Unterhalt wegen Erwerbslosigkeit und Aufstockungsunterhalt. Im übrigen wird die Düsseldorfer Tabelle herangezogen. Der Kindesunterhalt wird juristisch vom Ehegattenunterhalt getrennt. Wirtschaftlich verändert er jedoch die Einkommenssituation für beide Ehegatten.
Die Altersversorgung betrifft die Frage der Renten und Pensionen im Alter. Es hängt sehr vom Alter der Parteien ab, welchen Stellenwert diese Frage für ihre Trennungsregelung hat. Der Versorgungsausgleich ist im Versorgungsausgleichsgesetz geregelt.
Das vorwiegende Interesse sollte die Automonisierung sein. Um die ehebedingten Nachteile auszugleichen, kommen die Parteien nicht daran vorbei, die Bedeutung der finanziellen Fragen auf Beziehung, Emotionen und Chancen bezogen anzusprechen.
Das theoretische Grundmodell ist der im deutschen Recht festgelegte Halbteilungsgrundsatz6 . Er verwirklicht sich bei der Vermögensteilung, den Unterhaltsfragen und dem Versorgungsausgleich. Wer nach der Trennung nur noch die Hälte besitzt, spürt den Verlust. Deshalb kollidiert der Halbteilungsgrundsatz mit dem Bedürfnis, nach der Trennung die bestmögliche Ausgangssituation für das eigene Leben herzustellen, so als wäre die Hälfte das Ganze.
1/2 ≠ 1
Das Interesse ist legitim. Die Konsequenzen führen jedoch zu Ungerechtigkeiten.
Unterhaltsstreitigkeiten Vermögensauseinandersetzungen
Von dem Halbteilungsgrundsatz kann abgewichen werden. Auch sind Naturalleistungen und Kapitalisierungen denkbar, die angerechnet und verrechnet werden können. Dadurch ergibt sich eine größere Flexibilität bei den Ausgleichsberechnungen.
Die Einteilung in drei Finanztöpfe erlaubt den Blick auf die Gesamtverteilung. Obwohl die Fragen juristisch strikt voneinander getrennt werden, stellt die Finanzmathematik eine Formel zur Verfügung, mit der sich die Töpfe zusammenrechnen und verrechnen lassen. Die sogenannte Barwertformel erlaubt es, Renten in Kapital und Kapital in Renten umzurechnen. So ist es möglich, eine interessengerechte Verteilung der Finanzen vorzunehmen. Hilfestellungen für die jeweiligen Berechnungen finden Sie in dem Beitrag Berechnungen.
Eheleute achten besonders darauf, dass es dem anderen Gatten nach der Trennung nicht besser geht als einem selbst. Wenn es beiden schlecht geht, ist das (für den gefühlt benachteiligten Gatten) besser zu ertragen, als wenn es einem Ehepartner nach der Trennung gut und dem anderen schlecht geht. Was gut und schlecht ist wird dabei sehr unterschiedlich bewertet. Die Frage der Chancengleichheit wird oft an ungleichen Bedingungen in der Ehezeit festgemacht (Ein Ehepartner hat auf Karriere zugunsten der Kinder verzichtet, weshalb der andere Ehegatten ein besseres Einkommen erzielt). In die Bewertung fließen die Bewertung der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft ein. Die Thematik wird am Begriff der Gerechtigkeit festgemacht.
Juristisch spielt das Verschulden am Scheitern der Ehe keine Rolle. Das Fehlverhalten eines Ehegatten wird lediglich in Einzelfällen beachtet (z.B. § 1579 BGB Beschränkung oder Versagung des Unterhalts wegen grober Unbilligkeit). Für die Parteien kann das Verschulden am Scheitern der Ehe oder an trennungsbedingten Verletzungen durchaus eine Rolle spielen und zwar als Vorwurf gegen den anderen Ehegatten und als Vorwurf gegen sich selbst.
Schuld setzt ein Eingeständnis voraus und erwartet einen Schuldausgleich. Sie erwartet eine Entschuldigung und wird entweder mit Vergebung oder Vergeltung quittiert. Eine Verletzung muss heilen. Die Klärung der Schuldfrage sollte offen angesprochen werden, wenn sich dafür ein Anlass ergibt. Eine Familienanamnese kann dazu beitragen, die Gründe für das Scheitern zu rekonstruieren.
Kosten sind ein weiterer Geldfaktor, der bei den Berechnungen eine Rolle spielt. Eine Rechtsberatung bei Unterhaltsfragen orientiert sich z.B. am Jahreswert des Unterhaltes, der als Streitwert zugrundezulegen ist. Testen Sie die möglichen Anwalts- und Gerichtskosten einfach anhand des Gebührenrechners, den Sie im Beitrag Berechnungen oder Verfahrenskostenberechnung finden. Dort stoßen Sie auf den Link zum Anwaltsgebührenrechner des DAV. Bei einer Trennungs- und Scheidungsabwicklung ist mit kumulierten Kosten zu rechnen. Einzuplanen sind (je nach Streitverhalten):
Anwaltskosten der einen Partei
Anwaltskosten der anderen Partei
Kosten für 1 Scheidungsanwalt
ggfalls Notarkosten
bei Scheidung Gerichtskosten
Der Kostenunterschied ergibt sich nicht aus der Kostenauflistung. Auch bei einer Mediation können zwei Anwälte eingeschaltet werden. Er ergibt sich aus unterschiedlichen Streitwerten und Gebührentabellen bzw. Honorarvereinbarungen.
Der Mediator sollte in der Lage sein, die Parteien zu beraten, wie Kosten eingespart werden können. Er muss ansagen können, wann ein Notar zum Beispiel erforderlich oder sinnvoll ist7 oder wann Anwaltszwang besteht oder die Beiziehung eines Anwaltes erforderlich oder sinnvoll erscheint8 . Mit dem Rechtsanwalt können beispielsweise Gebührenvereinbarungen getroffen werden. Auch kann es sein, dass eine sog. Erstberatung ausreicht. Hier sind die gebühren für Verbraucher ausf 190€ limitiert (Siehe §34 RVG). Sie müssen dem Anwalt allerdings sagen, dass nur eine Erstberatung gewünscht wird.
Bitte beachten Sie den Unterschied zwischen einer Trennungs- und ein er Scheidungsvereinbarung. Das Gesetz sieht eine Trennungszeit von einem Jahr vor (bei einvernehmlicher Scheidung). Es ist als eine Probezeit gedacht, was die Parteien in einer Trennungsvereinbarung beispielsweise ohne Weiteres in einer Präambel würdigen könnten9 .
Die Regulierung der Finanzfragen ist oft ein Repräsentant für emotionale Belange und ungeklärte Beziehungsfragen. Deshalb macht die Unterscheidung der Konfliktdimensionen auch hier einen Sinn. Sie legt die ungeklärten Beziehungsfragen offen und erlaubt eine tiefergehende Konfliktlösung. Der Mediator mag darauf achten, dass der Beziehungskonflikt als separates Thema ausgewiesen wird, während die Sachkonflikte daneben als Sachthemen aufgelistet werden.
Der Beziehungskonflikt erwartet eine Klärung der Beziehung und am besten eine abgestimmte Vision für die Zukunft. In der Abschlussvereinbarung sollten deshalb der Zustand der Beziehung geklärt und die Ausrichtung der Beziehung festgeschrfieben werden.
Eine besondere Herausforderung ist die Nähe und der Einfluss des Rechts. Besonders Anwaltsmediatoren laufen Gerfahr, den Parteien den Unterhalt oder Zugewinnausgleich vorzurechnen. Besser wäre es, sie würden zunächst die Kriterien mit den Parteien erarbeiten, wie der Unterhalt zu regeln ist, BEVOR sie das Recht beanspruchen. Sobald die Parteien die rechtliche Regelung verstanden haben, passen sie ihren Vortrag den Regeln des Rechts an und benutzen dies, um Vorteile zu erwirken. Die rechtliche Berechnung sollte dem WATNA-BATNA vorbehalten bleiben und migt den eigenen Konzepten verglichen werden.
Der Mediator sollte einige Beschränkungen kennen, die sich auf die Abschlussvereinbarung auswirken:
Gem. §1614 BGB kann auf Kindesunterhalt für die Zukunft nicht verzichtet werden.
Weil §§ 1361 Abs. 4 Satz 4, 1360 a Abs. 3 BGB auf diese Vorschrift verweisen, kann auch auf den Trennungsunterhalt für die Zukunft nicht verzichtet werden.
Eine Vereinbarung über den Versorgungsausgleich ist nach §§ 6 - 8 VersAusglG möglich. Er unterliegt aber der Inhaltskontrolle durch das Gericht und bedarf der notariellen Beurkundung.
Nach § 1585c BGB bedürfen Vereinbarungen über die Unterhaltspflicht für die Zeit nach der Scheidung der notariellen Beurkundung.
Muster für eine Scheidungsfolgenregelung als Abschlussvereinbarung:
Musterscheidungsfolgenvereinbarung
Weiter (Kindschaftssachen)
Bearbeitungsstand: 2018-10-15 22:11 / Version 95
Alias: Trennungskonflikt, Autonomisierung
2 Siehe http://www.duden.de/rechtschreibung/Autonomisierung
3 Das Beispiel stammt von Dipl. Psych und Mediator Eberhard Kempf
4 Siehe §111 FamVG (siehe auch § 621 ZPO alte Fassung)
5 Siehe die Märchenmediation
6 Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Halbteilungsgrundsatz
7 Siehe "Formerfordernisse" im Beitrag Verbindlichkeit
8 Siehe Anwaltszwang
9 Siehe Muster-Scheidungsfolgenvereinbarung
© Wiki to Yes: Trossen "Scheidung" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Scheidung
Seite zuletzt geändert: am Montag Oktober 15, 2018 22:11:26 CEST von Administrator.

References: § 1361
 § 1570
 § 1571
 § 1572
 § 1573
 § 1579
 §34
 §1614
 § 1585
 §111
 § 621