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Gesundheitspolitik | Health Care meets Social Media...
Kategorien-Archiv: Gesundheitspolitik Mein Rückblick auf den Bürgergipfel 2011 – Hightech Medizin	06
Posted by Anja Stagge in eHealth, Gesundheitspolitik, Telemedizin, Veranstaltungen	≈ Hinterlasse einen Kommentar
SchlagwörterBürgerdialog, Bürgergipfel, intensivmedizin, Palliativ Care, palliativmedizin, Telemedizin, Telemonitoring	Vergangenes Wochenende hat er stattgefunden – der Bürgergipfel, auf dem als Abschluss des Bürgerdialogs Zukunftstechnologien der Bürgerreport ausgearbeitet wurde. Insgesamt 100 Bürger haben dort zusammengesessen und an konkreten Handlungsempfehlungen für die künftige Gesundheitsversorgung gearbeitet, die am Sonntag der Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Paul-Löbe-Haus übergeben wurden.
Der Bürgerdialog ist Teil eines umfassenden Beteiligungsprozesses, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung für einen Zeitraum von vier Jahren zu verschiedenen Zukunftstechnologien initiiert hat. Dieser Bürgerdialog Zukunftstechnologien ist einer der größten Politikberatungsprojekte in der Geschichte der Bundesrepublik. Der erste Bürgerdialog widmete sich Energietechnologien für die Zukunft.
Ich habe dieses Wochenende als sehr konstruktiv und produktiv wahrgenommen. Los ging es am Samstagmorgen um 9.30 Uhr. Zufällig ausgewählte Bürger, die auch schon an einer der Bürgerkonferenzen teilgenommen haben, wurden ins Paul-Löbe Haus eingeladen und haben dort mit Experten an runden Tischen die aufbereiteten Ergebnisse erneut unter die Lupe genommen und diskutiert. Dabei ging es, wie schon desöfteren auf diesem Blog beschrieben um drei Themen:
Telemedizin/ Telemonitoring
Mit dem Thema Neuronale Implantate habe ich mich erst im Rahmen des Bürgerdialogs auseinandergesetzt. Ein sehr spannendes aber gleichzeitig kontrovers diskutiertes Thema.
Schon die heute gängigen neuronalen Implantate, wie das Cochlea-Implantat für Gehörlose, stellen verlorengegangene Körperfunktionen und Sinne wieder her. Manche Forscher sind optimistisch: In Zukunft wird nahezu jeder Sinn und jedes Körperglied funktionsfähig ersetzt werden können, wenn man nur intensiv genug forscht. (These des BMFB)
Einen sehr schönen Artikel zum Thema Neuronale Implantate hat eine Teilnehmerin des Online-Dialogs geschrieben.
Gebt mir einen USB Stick, ich muss mein Gehirn zwischen speichern…
geschrieben von CrankCook in Neuronale Implantate am 23. März 2011 – 8:33
Beim dem Begriff „Neuronale Implantate“ in Kombination mit „Zukunftstechnologie“ hat man das Gefühl, man bewegt sich in einen Science-Fiction Film. In dem Menschen über Verknüpfungspunkte am Kopf massenweise Daten speichern oder sich mit einer Schnittstelle ins Internet einloggen. Was ich glaube für einige affine Technikfreaks eine „schöne neue Welt“ ist. Aber bleiben wir bei den was es bewirken soll. Implantate und elektronische Verknüpfung von Mensch zur Maschine ist nur dann sinnvoll, wenn dadurch das Leben der Menschen wirkungsvoll in der Lebensqualität verbessert wird. Was heute schon der Herzschrittmacher macht, kann vielleicht in der Zukunft Neurodermitis im Keim ersticken. Nicht das jeder durch technisch Apps zu besseren Menschen gemacht wird oder in seinem Chemiehaushalt so stark eingegriffen wird, dass sich seine ganze Person, sein Charakter verändert, sondern an den Punkten, wo ein bestimmter gesundheitlicher Erfolg im Vordergrund steht. Denkbar sind auch Messinstrumente die eine Langzeituntersuchung ermöglichen, diese aber nicht das alltägliche Leben beeinträchtigen (eine 24-Stunden-EKG-Maschine ist nicht gerade ein lustiger Begleiter). Um die anderen Möglichkeiten aus der Welt der Science Fiction kümmert sich bei Gelegenheit die Unterhaltungsindustrie.
Das man sich hier aber auf ein nicht ungefährliches Spiel einlässt, sollte also jedem klar sein. Im Vordergrund steht die Leistungserhaltung bzw. –wiederherstellung, nicht die Leistungssteigerung – das wurde immer wieder kontrovers diskutiert.
Die Verlockung mag groß sein, sich als eine Art „Übermensch“, der sich neuronal dopt – auszurichten. Aber ist der menschliche Körper überhaupt dazu in der Lage, mit diesen Impulsen und diesen Reizen umzugehen? Und wer legt fest, was noch im Rahmen ist und was nicht. Schnell fallen mir Science Fiction Filme ein, in denen eine Art Mind Control stattfindet. Aber wollen wir uns das wirklich antun? Und wer wäre es, der darüber entscheidet.
Auch dazu wurden am Samstag und Sonntag Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung herausgearbeitet und in den Bürger-Report aufgenommen. Auch auf dieses Thema bezogen besteht noch erheblicher Diskussionsbedarf. So muss sich die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung zu Neuronalen Implantaten noch stärker an transparenten und gesellschaftlich getragenen Kriterien orientieren. Diese Kriterien wiederum müssen partizipativ entwickelt werden.
Schwerpunktsetzung, aufgrund begrenzter Forschungsmittel für ausgewählte Anwendungsmittel und Zielgruppen ist hier unumgänglich. Es gilt also gemeinsam herauszuarbeiten „Wo beginnt der Bedarf und wo beginnt der Anspruch auf neuronale Implantate? Wer benötigt Neuronale Implantate zuerst und besonders?“
Der Stellenwert des Bürgers an sich wurde immer wieder herausgehoben. Wunsch ist es, ihn und nicht die Krankheit stärker in den Mittelpunkt der Erforschung der Funktionsweise von Neuronalen Implantaten zu stellen. Feedback der Betroffenen soll berücksichtigt werden und intensiv und systematisch in eine international vernetzte Forschung einfließen. Meiner Meinung nach, ein extrem wichtiger Punkt.
Betrachtet man das ganze Thema nämlich international, so wird einem schnell klar, an wie viel verschiedenen Baustellen parallel gearbeitet wird und wie oft das Rad bereits zwei- oder mehrere Male erfunden wurde bzw. wird, und mit welchen entstehenden Kosten wir es dabei zu tun haben. Die Stärkung des Wirtschaftsstandort Deutschland vs. unnötiger Kosten, da schon vorhandene Technologien, gehört also sorgfältig ausgelotet und begründet.
Auf das Thema Telemedizin/ Tele Monitoring bin ich schon des Öfteren auf meinem Blog eingegangen. Ein Punkt, den ich bisher noch nicht so stark in den Vordergrund gestellt habe, betrifft das Thema „Neue Berufsbilder“ rund um Telematik. Wir werden es zukünftig mit einer Vielzahl neuer Berufsbilder zu tun haben. Dabei wird es zum einen viele Spezialisierungen geben, denkbar ist aber auch eine Art aufbauende Ausbildung, in der ähnlich wie das Nursing- und Medizinstudium in den USA Lehreinheiten parallel oder gemeinsam absolviert werden, auf einander aufgebaut wird und später eine Splittung erfolgt.
Eigenverantwortlichkeit des Patienten stärken und das nicht nur bei der Gesundheitsprävention – der Patient muss nicht nur informiert, geschult und begleitet werden, nein er muss auch die Möglichkeit haben, sich selbständig damit auseinanderzusetzen. Um dies zu gewährleisten, wurden insgesamt drei Handlungsempfehlungen ausgearbeitet.
Auch hier kam das Thema Datenschutz, welches ich mitbearbeitet habe, zum Tragen. Datenschutz, IT-Security und Privatsphäre spielen gerade in der Telemedizin/ Telematik eine große Rolle. Niemand möchte zum gläsernen Patienten werden und seine Daten überall einsehbar hinterlegt haben. Auch gegen Hackerangriffe muss sich ausreichend geschützt werden. Mithilfe von Spionage-Software ist es möglich einen großen Lausch- und Spähangriff zu ermöglich und die Kontrolle über infiltrierte Computer zu übernehmen. Wer hat schon Interesse, dass der Nachbar, die Freunde oder gar der Arbeitgeber Einblick in die krankengeschichte und gesundheitsbezogene Daten bekommt. Durch Spionagesoftware wäre es rein theoretisch auch möglich, Einblick in die telemdizinische Sprechstunde zu bekommen. Etwas was sich furchtbar anhört und unbedingt vermieden werden sollte.
Auch ist in Planung, dass gesundheitsbezogene Daten an Forschungseinrichtungen weitergegeben werden. Dies lässt sich technisch gesehen vielleicht sogar relativ einfach bewerkstelligen, aber rechtlich gestaltet sich die Geschichte wesentlich komplizierter.
Das vom Bundesverfassungsgericht aus den Grundrechten auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 I GG) und auf Schutz der Menschenwürde (Art. 1 I GG) abgeleitete Recht auf informationelle Selbstbestimmung wird verstanden als die „Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst zu entscheiden, wann und innerhalb welcher Grenzen persönliche Lebenssachverhalte offenbart werden“[2]. Dieses Recht schützt generell vor staatlicher Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten.[3]
Allerdings können Gesundheitsinformationen als eine der „besonderen Arten personenbezogener Daten“ im Sinne des § 3 IX BDSG nicht schon allein auf Grund eines Vertragsverhältnisses z. B. des Behandlungsvertrages erhoben und verarbeitet werden, wie dies sonst für nicht-öffentliche Stellen zur Erfüllung der eigenen Geschäftszwecke gilt, § 28 I Nr. BDSG. Vielmehr ist dies von Notfällen abgesehen – prinzipiell nur dann zulässig, wenn der Patient unter ausdrücklichem Bezug auf die Gesundheitsdaten eingewilligt hat und zwar in schriftlicher Form, § 28 VI in Verbindung mit § 4 a I, III BDSG.
Das geschieht durch die Heranziehung der Geheimhaltungspflichten in der zitierten Bestimmung des § 28 VII BDSG. Ärzte unterliegen der strafrechtlich durch § 203 I Nr. 1 StGB sanktionierten Geheimhaltungspflicht, wenn ihnen in ihrer Eigenschaft als Arzt „ein fremdes Geheimnis anvertraut worden oder sonst bekannt geworden ist“. So wenig anheimelnd der strafrechtliche Hintergrund der ärztlichen Verschwiegenheitspflichtlicht auch ist, so genau wird doch hier an das alles entscheidende Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient angeknüpft. Damit ist auch nicht so einfach, gesundheitsbezogene Daten einfach mal an ein Forschungsunternehmen oder aber Pharmaunternehmen weiterzugeben, die daran interessiert sind – evidencebasierend zu forschen.
Abhilfe können ein verschärfter Datenschutz und Richtlinien für die IT-Sicherheit geben, die selbstverständlich auch umgesetzt werden müssen. Sicherheits- und Datenmanagement werden also einen noch höheren Stellenwert bekommen. Der VDE hat zum Schutz von Patientendaten ein Sicherheits- und Qualitätsmanagement-System für die Telemedizin erarbeitet. Das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut zeichnet damit Telemedizin-Zentren nach den harmonisierten Normen DIN EN ISO 9001 aus. Der VDE-Standard stellt sicher, dass Patientendaten nicht unautorisiert an Dritte weitergegeben werden. Bei einer konsequenten Anwendung ist somit ein Missbrauch von Patientendaten nahezu ausgeschlossen.[4]
Interessant war, dass im Falle der Intensiv- und Palliativmedizin aus Sicht der Bürger die Arbeitsbedingungen im Vordergrund standen. Wunsch ist es, dass sich die Arbeitsbedingungen verbessern, Bewährtes erhalten bleibt und Neues gestaltet werden soll. Die Wertschätzung soll gesteigert werden.
Sicherlich ein Punkt, der bei allen Beteiligten der medizinischen und pflegerischen Versorgung beteiligt sind, auf offene Ohren stößt. Für mich sehr positiv, wenn man bedenkt, dass die Teilnehmer des Bürgergipfels einen Querschnitt der Bevölkerung darstellen und nicht nur Angehörige der Gesundheitsberufe vertreten waren. Chancen der neuen Technologien werden in der zeitlichen Entlastung des Personals, um mehr auf die sozialen Bedürfnisse der Patienten eingehen zu können. Die Technisierung der Medizin wirft aber auch Fragen zur Berücksichtigung der Menschenwürde auf. Auf keinen Fall soll der menschliche Kontakt in den Hintergrund rücken.
Grundsatz der Palliativpflege ist die „Wahrung der Würde und die Autonomie des Gepflegten über dessen Tod hinaus, die Akzeptanz des Sterbens und der Tod als Teil des Lebens […] sowie die Anwendung des Grundsatzes „so viel wie nötig, sowenig wie möglich (High Touch-low Tech) – der insbesondere die Überversorgung und die Einschränkung der Lebensqualität durch pflegerische und medizinische Maßnahmen verhindern soll.
Prinzipiell wird im Palliativ-Care-Ansatz weder versucht das Leben künstlich zu verlängern noch zu verkürzen. Von daher gehört auch hier der Einsatz der neuen Technologien besonders hinterfragt und medizinisch und ethisch durchleuchtet. Ziel ist es nicht, menschliche Krankheit und Leiden zu verlängern, sondern zu lindern. Auch der dritte Bürgerdialog des BMBF wird sich mit einem zentralen Zukunftsthema beschäftigen. Wie Schavan erläuterte, wird im Mittelpunkt die Frage stehen: Wie können wir den Konsum in einer Wohlstandsgesellschaft nachhaltig gestalten, damit Menschen in anderen Erdteilen und künftige Generationen gut leben können? Der Dialog leiste damit einen wichtigen Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2012, das unter dem Motto „Zukunftsprojekt Erde“ steht.
[1] BVerfGE 65, 1 (41 f.)
[2] BVerfGE 65, 1 (41 f.)
[3] Vgl. BVerfGE 78, 77 (84); dazu Murswiek, in: Sachs (Hrsg.), Grundgesetz- Kommentar, 3. Aufl . 2003, Art. 2 Rn. 73. Typisches aktuelles Gefährdungspotential für die informationelle Selbstbestimmung bergen z.B. Methoden vorbeugender Rasterfahndungen; dazu Horn, DÖV 2003, 746 ff
[4] http://www.elektronikpraxis.vogel.de/themen/elektronikmanagement/rechtprodukthaftung/articles/145897/
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Posted by Anja Stagge in Gesundheitspolitik, Veranstaltungen	≈ 2 Kommentare
SchlagwörterBürgerdialog, Bürgergipfel, Bürgerkonferenz, Hightech Medizin, neuronal Implantate, Palliativ Care, Telemedizin, Telemonitoring	Die Welt hat sich durch die Informationstechnologie drastisch verändert, ist komplizierter, komplexer und problematischer geworden. Die repräsentative Demokratie wird BürgerInnen stärker in Entscheidungsprozessen einbeziehen müssen. (Quelle: DerFreitag)
Dann mal los – Im Rahmen des Bürgerdialogs, der Anfang diesen Jahres durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerichtet wurde, wurde genau dieser Ansatz gefahren.
Die Herausforderungen und Fragen zu Sinn, Zweck und Nutzen von telemedizinischen Anwendungen im Gesundheitswesen stellen Aufgaben dar, denen sich nicht nur Medizinerinnen und Mediziner, sondern auch Politikerinnen und Politiker, Wirtschaftsvertreterinnen und Wirtschaftsvertreter, Ethikerinnen und Ethiker, Philosophinnen und Philosophen sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter zu stellen haben, um unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten für die Gegenwart und Zukunft einer modernen Medizin zur Diskussion zu stellen.
Bürger lassen sich also von Experten beraten, diskutieren und tragen die Resultate zusammen.
Zwei Themen standen bzw. stehen im Mittelpunkt:
Hightech Medizin
Im Rahmen des Bürgerdialogs Hightechmedizin ging/ geht es um folgende Schwerpunkthemen:
Grenzgebiete der Medizin
Intensiv- und Palliativversorgung Intensiv- und Palliativmedizin sind medizinische Disziplinen, die sich mit Grenzsituationen des menschlichen Lebens befassen. Die Intensivmedizin versucht mit hohem technischem Aufwand, Leben zu retten und Gesundheit wiederherzustellen. Die Palliativmedizin setzt dort ein, wo die medizinische Wissenschaft an ihre Grenzen stößt und Patienten nicht mehr geheilt werden können. Sie lindert körperliche und seelische Schmerzen bis hin zur Sterbebegleitung im Hospiz.
Fernversorgung von Patienten über die Telemedizin
Die Telemedizin ist ein sich rasch entwickelndes Gebiet in der Medizin, das nach Ansicht einiger Experten die Gesundheitsversorgung revolutionieren könnte. Der Arzt versorgt hierbei den Patienten nicht mehr ausschließlich vor Ort, sondern über modernste Kommunikationsmittel auch aus der Ferne. Ärzte könnten so deutlich mehr Patienten versorgen und in langwierigen Behandlungen Krankheitsverläufe langfristig besser überwachen. Kritiker fürchten jedoch den Verlust der persönlichen Beziehung zwischen Arzt und Patienten. Auch die Sicherheit von Patientendaten ist in diesem Zusammenhang eine wichtige Frage.
Zwischen Science-Fiction und neuen Therapiemöglichkeiten Neuronale Implantate sind künstliche Bauteile im Körper, die mit dem Nervensystem in Verbindung stehen. Sie kommunizieren mit dem Körper, geben den Nerven Impulse oder reagieren eigenständig auf Signale des Körpers. In jüngster Zeit sind neuronale Implantate verstärkt in das Blickfeld des öffentlichen Interesses gerückt. Die Hoffnungen sind groß: Blinde sollen wieder sehen, Amputierte sich mit künstlichen Gliedmaßen wieder normal bewegen können. Manches davon ist bereits Wirklichkeit, anderes klingt wie ein Science-Fiction-Szenario. Die heutigen und künftigen Möglichkeiten, aber auch die Risiken dieses Forschungsfelds werden ein wichtiger Teil des Bürgerdialogs sein.
Begonnen wurden mit Online-Konsultationen. Es wurde ein Forum zur Verfügung gestellt, in dem Themen zur Diskussion gestellt wurden und erste Meinungen eingeholt wurden. Rund 5.000 Personen haben sich daran beteiligt, es wurden folgten diesem Aufruf.
Daraus wurden 25 der häufigsten Fragen zu Themenblöcken gebündelt. Die am häufigsten gestellten Fragen wurden zu Themenblöcken gebündelt und in den folgenden Bürgerkonferenzen diskutiert. Bundesweit fanden sechs Bürgerkonferenzen mit jeweils rund 100 Teilnehmenden statt, wobei jedes der Themen an jeweils zwei Orten diskutiert wurde.
Kommendes Wochenende findet in Berlin die Abschlussveranstaltung der Bürgergipfel statt. Die diskutierten Ergebnisse werden schriftlich dokumentiert und als Bürgerreport zur Verfügung gestellt. Daraus sollen dann konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden und im Optimum die politische Entscheidungsfindung beeinflussen.
Relatet Posts:
Mein Rückblick auf die Bürgerkonferenz – Bürgerdialog Hightechmedizin – 08. Oktober 2011
Bürgerdialog Zukunftstechnologien – Unsere Zukunft geht uns alle an.
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SchlagwörterBürgerdialog, Bürgerkonferenz, Telemedizin, Telemonitoring, Zukunftsmedizin	Gesundheit ist ein Grundrecht des Menschen, unverzichtbar für die Ausübung anderer Menschenrechte. Für jeden Menschen ist der Erhalt des höchsten erreichbaren Standards der Gesundheit förderlich, die ihm für ein Leben in Würde zusteht. Die Verwirklichung des Rechts auf Gesundheit kann durch zahlreiche, sich ergänzende Ansätze, wie die Formulierung der Gesundheitspolitik, oder die Durchführung von Gesundheitsprogrammen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), verfolgt werden…“(article 12 of the International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights)
Mithilfe neuer Technologien wird esalso möglich sein, Krankheiten früher zu erkennen, ihren Ausbruch zu verhindern und zu heilen. Allerdings sind mit modernen Technologien neben vielen Chancen auch Risiken verbunden. Und aufgrund ihrer Komplexität sind sie für viele Menschen, die von Auswirkungen – im Positiven wie im Negativen – betroffen sind, nur schwer verständlich.
Erforderlich ist deshalb auch eine offene, sachliche und verständliche Debatte über Nutzen und mögliche Risiken von Zukunftstechnologien.
Deshalb führt das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den kommenden vier Jahren eine Reihe von Bürgerdialogen über Zukunftstechnologien durch.
Hightech-Medizin: Welche Gesundheit wollen wir? Welche Technologien benötigen wir, um unsere Lebensqualität zu steigern, Krankenheiten und die damit verbundenen Kosten in den Griff zu bekommen. Unter dieser Fragestellung werden beim Bürgerdialog insbesondere folgende Schwerpunkte diskutiert:
Neuronale Implantation
Bundesweit fanden sechs Bürgerkonferenzen mit jeweils rund 100 Teilnehmenden statt, wobei jedes der Themen an jeweils zwei Orten diskutiert wurde. Rund 100 ausgewählte Bürgerinnen und Bürger an der vierten Bürgerkonferenz zum Thema „Hightech-Medizin“ in Ingelheim teil. Sie formulierten einen Tag lang ihre Fragen, Erwartungen und Bedenken zu technologischen und gesellschaftlichen Aspekten der zukünftigen Medizinversorgung und diskutierten diese mit Experten.
Schwerpunkt der Bürgerkonferenz am 8. Oktober 2011 in Schwerte war das Thema Telemedizin/Telemonitoring.
Telemedizin bezeichnet die Fernversorgung von Patienten mit Hilfe modernster Kommunikationsmittel. Experten hoffen auf eine Revolution der individuellen Gesundheitsversorgung insbesondere von chronisch Kranken und sehen darin auch eine Möglichkeit, dem Ärztemangel in ländlichen Gebieten zu begegnen.
Es wurden unterschiedliche Fragestellungen diskutiert und ich durfte diese Bürgerkonferenz mit begleiten. Im Folgenden stelle ich einige Ergebnisse vor.
Veränderung der persönlichen Betreuung – die Arzt-Patientenbeziehung
Der Einsatz neuer Technolgien erfordert, was die Beziehungsgestaltung angeht, ein radikales Umdenken. Häufig ist der Arzt und seine Sprechstundenhilfe der einzige Bezugspunkt im Leben. Schnell entsteht eine persönliche Beziehung und der Arzt wird zum Seelentröster – gerade bei schweren Erkrankungen. Die Familie lebt häufig woanders und der Arzt wird schnell zum Seelentröster, der ambulante Pflegedienst und der behandelnde Arzt häufig Bezugspunkt Nummer 1 – kein erfreuliches Szenario – aber heute schon Realität. Erfolgt die Betreuung rein telemedizinisch, könnte der persönliche, der menschliche Kontakt verloren gehen. Gespräche finden über Monitore statt, man könnte aber rein theoretisch die Distanz spüren. Gerade bei älteren Patienten entstehen Ängste. Ist der Arztbesuch Balsam für die Seele? Es mutet anmaßend, arrogant und überheblich an – werden diese Worte in einem Zusammenhang, in dem es um Leben und Tod geht verwendet. Trotzdem ist etwas Wahres dran. Neben der fachlichen Qualifikation ist es also ebenfalls wichtig, die zwischenmenschliche Beziehung über diese Technologie oder besser mithilfe dieser Technologie auszugestaltet und nicht zuviele Barrieren entstehen zu lassen. Hinter jeder Technik stehen Menschen, völlige Entmenschlichung kann also nicht stattfinden. Der Kontakt besteht – wird aber anders transportiert. Die telemdizinische Betreuung soll also die persönliche Kommunikation nicht abschaffen, sondern sie verbssern bzw. unterstützen. Ebenfalls sollte es in diesem Zusammenhang eine telepsychologische Betreuung geben – sonst bleibt der Mensch mit seinen Gefühlen, seinen Emotionen und Ängsten auf der Strecke.
Investitionskosten vs. Kostenersparnisse Ein weiterer Punkt, der diskutiert wurde, war das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wenn man bedenkt, dass F&E-Aufwendungen von 8,2 % bezogen auf den Umsatz doppelt so hoch wie im Industriedurchschnitt (F&E-Aufwendungen von 3,5% und einen F&E-Personaleinsatz von 4,2%) sind, so muss sorgfältig abgewogen werden, welchen Nutzen diese neue Möglichkeiten tatsächlich bringen. U.U. ist es sinnvoller auf Lizenzen aus dem Ausland zuzugreifen, gerade wenn es darum geht, Techologien relativ schnell zum Endnutzer zu bringen. In dem Zusammenhang spielen ebenfalls Finanzierungsmodelle von Seiten der Leistungsträger eine große Rolle. Denn schnell stellt sich die Frage, wer finanziert Ihnen Ihre Telemedizin. Wer übernimmt die Kosten, wenn Sie in Ihrem Haus unterschiedliche Geräte über Multimedia-Netzwerke, basierend auf Internet-Technologien, die zugleich mobil nutzbar sind, installieren.
Eine interessante Vorstellung, dass man morgens, wenn man die Toilette benutzt, sofort mitgeteilt bekommt, wie hoch der Harnsäuregehalt des Urins ist. Oder wenn das Haus mit Sensoren ausgestattet ist, die den Atemluft hinsichtlich des Kohlendioxidgehalts analysieren oder aber direkt eine Meldung abgeben, wenn sie noch nicht aufgestanden sind. Irgendwann haben Sie es dann mit sprechenden Wänden zu tun. Aber alles hat seinen Preis.
Und dies sollte im Vorfeld geklärt werden. Und nicht nur aus der Sicht der Privatpersonen, sondern auch aus Sicht des behandelnden Arztes, der ebenfalls investieren muss. Inwiefern steckt hinter der Forschung also eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung, um eine flächendeckende ärztliche Versorgung zu sichern, oder inwiefern geht es darum, sich als Industriestandort zu profilieren? Nur wenn sich (teure) Behandlungen rechnen, dann wird Telemedizin bei völliger Verfügbarkeit der Daten wirtschaftlich. Transparenz ist everything – und Wirtschaftlichkeits- und Kosten/ Nutzenanalysen werden also auch die Krankenkassen interessieren.
Verbesserung der medizinischen Versorgung (verkürzte Wege und schnellere Diagnosen) Mithilfe von digital abgespeicherten Patientendaten lässt sich die med. Versorgung erheblich verbessern, da hier nicht nur der Zeitfaktor eine Rolle spielt, sondern es auch möglich ist, von unterwegs, bei Notfällen und aus dem Ausland auf die Krankengeschichte sofort abrufbar ist und dabei auf alle Daten, Untersuchungsbefunde und auf den Behandlungsverlauf zugegriffen werden.
Befürchtungen gibt es ebenfalls, dass sich die Fehlerquote bei Diagnosen und Überwachung durch den Einsatz von Telemedizin nicht verringern wird, da immer noch ein Mensch dahinter steht, der Fehler machen kann. Allerdings führt eine Art Benchmark dazu, dass eine Vergleichbarkeit von Untersuchungsbefunden möglich ist und eine bessere Behandlungsmethodik möglich ist.
Auch kann die technische Überwachung dem Menschen Sicherheit geben und Ängste nehmen und die Compliance deutlich erhöht werden. Auch kann Telemedizin kann in viele komplexe Bereiche des Lebens eingebunden werden und Prozesse im Alltag unterstützen. Beispielsweise können so auch Arbeitgeber ihre Mitarbeiter motivieren/informieren/unterstützen.
Selbstbestimmung/-verantwortung vs. gläserner Patient Einige Diskutanten haben ihrer Befürchtung Ausdruck gegeben, dass sie irgendwann so abhängig von ihrem Smartphone ihrem „Gehirn“ sind, das sie sich ohne dieses gar nicht mehr vor die Tür trauen. Die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung, die jeder Patient innehat, wird als häufig als gegeben vorausgesetzt. Jedoch gilt es auch Rücksicht auf Menschen zu nehmen, die dies nicht können und evtl. sich auch nicht leisten möchten. Der Verlust der Eigenverantwortung häufig ausschlaggebend und beängstigend.
Denn bei Krankheiten entstehen Ängste und der Patient ist viel eher gewillt sich „auszuliefern“ und Daten freizugeben. Die Freiwilligkeit muss jedoch immer erhalten bleiben. Nicht jeder ist mit der zentralen Datenspeicherung einverstanden. Große Angst besteht auch, dass man als Patient zu gläsern wird. – und gerade wenn die Datensicherheit nicht ausreichend gewährleistet ist, könnten unberechtigte Zugriffe auf Patientendaten erfolgen.
Das bedeutet, dass völlig fremde Personen Zugriff auf Ihre Daten hätten. Im umkehrten Sinne könnte es genauso passieren, dass einfach Daten eingeschleust werden, und so völlig falsche Untersuchungsbefunde platziert werden, eine unnötige Behandlung eingeleitet werden und der Krankheitsverlauf also in eine völlig falsche Richtung beeinflusst werden. Hier gilt es also das Thema IT-Sicherheit zu platzieren und größtmögliche Sicherheitsvorkehrungen zu ergreifen. Auch muss den Patienten bez. Der Zugriffsrechte ausreichend Handlungsspielraum eingeräumt werden. Das Thema ärztliche Schweigepflicht spielt auch in diesem Zusammenhang eine große Rolle.
Rechtliche und politische Rahmenbedingungen sowie ethische Fragen Der Einsatz von Telemedizin erfordert neue rechtliche und politische Rahmenbedingungen. Die Pläne für das Rechtemanagement klingen vernünftig, sind aber bisher noch zu schwammig und müssen konkretisiert und auch realisiert werden. Die Frage der Datensicherheit und der Datensammlung ist sehr wichtig, es handelt sich hierbei um persönliche Daten und genau diese Daten gilt es zu schützen. Die Aussage des Experten war nur teilweise beruhigend, da sowohl technisch bedingte Ausfälle, wie auch Hackerangriffe nie komplett ausgeschlossen werden können. Und NIEMAND sollte ein Interesse daran haben, dass der Nachbar, der Vorgesetzte oder auch Kollegen Einblick in die persönliche Krankengeschichte bekommt. Es würde seltsam anmuten, wenn die Kassiererin, deren Sohn sich einfach mal in die Systeme Ihres Hausarzt reingehackt hat und sich einen Überblick über Ihre letzten Laborbefunde verschafft hat, sie dann kritisch anschaut und sie fragt, ob die Butter, die sie aufs Fließband gelegt haben Ihren Cholesterinspiegel nicht unnötig erhöht, oder aber ob das Schweinefleisch verantwortlich ist, dass sich der Harnsäurespiegel eklatant nach oben verschoben hat. Zugriffsrechte sollten also gewährleistet werden
Kommunikation, Information und Schulungen
Kommunikationstechnologien allein gewährleisten aber nicht den besseren Behandlungs- und Betreuungserfolg. Man muss sich mit den Technologien anfreunden, sie benutzen und steuern können. Veränderte Anforderungen also, die alle beteiligten Berufsgruppen inner- und außerhalb der Gesundheitswesen betreffen werden – die sich in Qualifizierungsprogrammen wiederfinden müssen. Auch die Endbenutzer müssen dabei berücksichtigt werden. Zu berücksichtigen ist dabei
Papierloses, einrichtungs- und sektorenübergreifende Datenmanagement
Auch die Endbenutzer müssen den sichereren Umgang mit der Technik lernen bzw. an diese Technologie herangeführt werden. Schnell kann es dazu kommen, dass die techn. Herausforderungen im Zusammenhang mit der Telematik, Telemedizin und Telemonitoring im Bereich der häuslichen Versorgung nicht mehr zu bewältigen sind. Gerade bei der älteren Generation, die nicht ausreichend mit dem Computer und Internet vertraut sind, führt dies zu diffusen Ängsten, die sich schnell im Rückzug und damit in einer gewissen Handlungsunfähigkeit niedergeschlagen können – hoffentlich kein provozierter Kontrollverlust. Auch in diesem Zusammenhang bedarf es einer Aufklärung und genügend Schulungsprogrammen.
Das was ich in Schwerte in einem größeren Rahmen erlebt habe, erlebe ich ansonsten tagtäglich in meinem Umfeld.
Als ich zum einenkürzlich in Hamburg war, bin ich mit einer älteren Dame knapp über 80, körperlich gesund und sehr aufgeschlossenen ins Gespräch. Sie hatte ihr Leben lang als Arzthelferin gearbeitet, kannte noch die alten Abläufe und Verfahren in einer Arztpraxis, alles papiergesteuert. Kommunikationsmittel war sie selbst, der Patient, der Arzt und das Telefon. Laborbefunde kamen per Post oder wenn es schnell gehen musste – per Fax.
Wir haben uns lange unterhalten und ich habe ihr von neuen Technologien, die im medizinischen und alltäglischen miteinander zukünftig greifen können. Mit Begriffen wie Telemedizin, Telemonitoring oder Telematik konnte sie wenig anfangen und mir wurde bewusst, wie stark ich diese Technologien schon in mein Alltagsverständnis integriert habe – und diese instinktiv verwende.
Sie besitzt keinen Computer, hatte das was wir als moderne Kommunikationsmöglichkeiten bezeichnen, für sich selbst noch gar nicht als relevant eingestuft. Es ging ihr aber trotzdem gut. Sie hatte ihre Familie und ihre Freunde – aber alles komplett ohne Internet.
Sie liest die Tageszeitung, verabredet sich ganz normal mit ihren Freunden, geht ins Theater, kauft sich eine Fernsehzeitung und wenn es ihr gesundheitlich schlecht geht, geht sie zu ihren Hausarzt und lässt sich durchchecken. Das was ich ihr über Telemedizin, eHealth und Ambient Assisted Living zu verstehen gegeben hat, fand sie sehr spannend, hatte aber überhaupt keinen Bezug dazu.
Mit einer Freundin, die wie ich als Krankenschwester gearbeitet hat bzw. immer noch arbeitet, habe ich mich etwas später unterhalten und sind auf ganz andere Fragestellungen gekommen. Nicht die Funktionalität stand im Vordergrund, sondern eher ethische oder philosophische Fragestellungen.
Für uns die iPhone-Fraktion ist es normal,von überall aus Zugriff auf das Internet zu haben, mit dessen Hilfe wir unseren Terminkalender koordinieren und Aufgaben hin und her schieben können, Fotos verschicken und im Notfall sogar eine Operation am Unfallort durchführen zu können. Wikipedia lässt grüßen. Das mag im ersten Moment anmaßend, arrogant und überheblich klingen, aber es gibt inzwischen genügend Applikationen, die es auch med. Laien ermöglichen, helfend in Aktion zu treten.
Trotzdem haben wir uns die Fragen gestellt, inwiefern es wirklich notwendig ist, dass Leben künstlich zu verlängern. Muss es immer höher, schneller, weiter sein oder kann man auch irgendwann einmal stehen bleiben. Wenn es um Telemedizin geht, dann betrifft es ja nicht nur die ältere Bevölkerung.
Aber wie wird mit ethischen Problematiken, gerade wenn es um lebensverlängernde Maßnahmen geht. Inwiefern führt die moderne Medizin dazu, dass bestimmte Krankheiten zwar behandelbar sind, aber gleichzeitig forciert werden? Fragen, die sicher noch nicht ausreichend beantwortet sind. Klärungsbedarf ist also auch in diesem Fall notwendig.
The right to the highest attainable standard of health – United Nations
Gesundheit und ein langes Leben Zur Situation der weltweiten Gesundheitsversorgung
Der Bürgerdialog Zukunftsmedizin – BMBF
Bürgerdialog Zukunftsmedizin – Unsere Zukunft geht uns alle an
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Posted by Anja Stagge in Gesundheitspolitik, Gesundheitswesen, gesundheitswirtschaft, Health Care Social Media, Kommunikation, Krankenhaus, Krankenversicherung, Marketing	≈ Hinterlasse einen Kommentar
SchlagwörterEmployer Branding, gesundheitswesen, healthcare	Wie sollte das Unternehmen, in dem Ihr gerne arbeiten möchtet, aufgebaut sein? In welchem Umfeld möchtet Ihr überhaupt arbeiten? Was wünscht Ihr Euch? Was ist Euch wichtig?
Fragen über Fragen – Aber Fragen, die für Unternehmen im Kampf um die Talente wichtig geworden sind und somit gestellt und beantwortet werden sollten.
Laut einer Studie von PwC und dem WifOR-Institut sollen 2020 in Deutschland fast 56.000 Ärzte sowie 140.000 Pflege- und andere nicht-ärztliche Fachkräfte fehlen. Bis 2030 droht die Personallücke in der Gesundheitsversorgung sogar auf über 950.000 Fachkräfte anzuwachsen. Auch wenn die Studien in die Zukunft weisen, so sollte nicht vergessen werden, dass schon jetzt viele Einrichtungen massive Probleme haben passendes Personal zu finden.
Der Fachkräftemangel ist bereits jetzt in aller Munde – auch in der Gesundheitswirtschaft.
Zeit also die Personalrekrutierung und die eigene Positionierung kritisch zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen. Nur so wird es möglich sein, den demografischen Herausforderungen bestmöglich gewappnet zu begegnen und so Vorteile um knapper werdende Ressourcen zu generieren.
Employer Branding kann als eine Möglichkeit für eine erfolgreiche Positionierung des eigenen Unternehmens gesehen werden. Häufig wird Employer Branding mit Personalmarketing gleichgesetzt. Beachtet werden sollte aber, dass Employer Branding, als die Entwicklung der Arbeitgebermarke weit vor dem eigentlichen Personalmarketing beginnt. Auch sind die Effekte sehr viel umfangreicher und beschränken sich nicht nur auf das Recruiting.
Branding an sich ist nichts Neues. So wurden schon im alten Ägypten von den Handwerkern Ziegel markiert, weil sie glaubten besser als der Wettbewerb zu sein. Im Mittelalter waren Kaufleute angehalten ihre Produkte zu markieren, um so eine gleichbleibende Qualität zu betonen. Die industrielle Revolution veränderte Einiges und hat wahrscheinlich das Branding, wie wir es heute kennen, hervorgebracht. Durch das sich verändernde Konsumverhalten der Menschen veränderte auch ihr Markenbewusstsein. War im 20 Jh. der Besitz einer bestimmten Marke noch mit einem besonderen Status verbunden, so haben im 21. Jh. Marken die Menschen jeder Generation, Gesellschaftsschicht und Kultur erreicht – womit Markenbildung kein Luxus, sondern Notwendigkeit geworden ist. Es geht also darum, sich aus der Masse austauschbarer Produkte hervorzuheben.
Doch Vorsicht – Ein Produkt ist nicht automatisch eine Marke, sondern ein Gegenstand, eine Leistung. Eine Marke ist ein Versprechen – an den Verbraucher und an den Mitarbeiter.
Schaut man sich in der Literatur um, so finden sich unterschiedliche Ansätze, die diesen Begriff versuchen zu konkretisieren. So wird Marke in einem Fall als ein besonderes, die Herkunft kennzeichnenden Merkmal hervorgehoben, durch die die Anerkennung von Verbrauchern, Händlern und Herstellern erworben wurde.
Im Produktmarketing dagegen ist eine Marke
„ein Name, Begriff, Zeichen, Symbol, eine Gestaltungsform oder eine Kombination aus diesen Bestandteilen zum Zwecke der Kennzeichnung der Produkte oder Dienstleistungen eines Anbieters oder einer Anbietergruppe und der Differenzierung gegenüber Konkurrenzangeboten.“ (P. Kotler, F. Bliemel)
Beim konsumorientierten Ansatz wird die Wirkung, die ein Markenprodukt auf den Konsumenten hat berücksichtigt. Hier sind Marken
„Vorstellungsbilder in den Köpfen der Konsumenten, die eine Identifikations- und Differenzierungsfunktion übernehmen und das Wahlverhalten prägen.“ (F.-R. Esch)
Mit einer Marke sind also immer Gefühle und Erfahrungen verbunden, die sich zu einer Vorstellung verbinden und dem Produkt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Arbeitgeber (Employer)
Der Begriff Arbeitgeber ist rechtlich klar definiert. Neben diesem Begriff sind aber noch weitere Kriterien ausschlaggebend, um bei Arbeitnehmern als attraktiv wahrgenommen zu werden, so z.B.:
gute und angemessene Bezahlung
Arbeitgeber – Arbeitnehmer
Zwei Funktionen bzw. Sichtweisen, die es beim Employer Branding zu synchronisieren gilt. Dazu sollte man sich aber bewusst sein, welche Funktionen die Arbeitgebermarke aus Arbeitgeber- und aus Arbeitnehmersicht hat.
Die Marke aus Arbeitgebersicht
Das Unternehmen als Arbeitgeber soll ähnlich wie ein Produkt vermarktet werden. Ziel ist es zum einen durch Präferenzbildung und Differenzierung genau die Mitarbeiter zu erreichen, die zum eigenen Unternehmen passen und zum anderen die aktuellen Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.
Vielfach fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Employer of Choice“. Erreicht ein Unternehmen genau die Mitarbeiter die es sich wünscht, die zum Unternehmen passen, kann dies dazu führen, dass der Recruitingprozess wesentlich effizienter von statten geht. So können Personalbeschaffungskosten und die Fluktuationsrate reduziert werden. Aufgrund des steigenden Kostendrucks auch in der Gesundheitswirtschaft ein wichtiges Thema.
Angebot und Nachfrage – es muss nun nicht nur um die Patienten, sondern auch um die passenden Mitarbeiter gekämpft werden.
Um sich wirksam gegen seine Mitbewerber abzugrenzen ist der Aufbau einer starken Arbeitgebermarke unabdingbar.
Allerdings muss in diesem Zusammenhang hinterfragt werden, welche Mitarbeiter das Unternehmen genau sucht. Werte und Einstellungen spielen hierbei eine große Rolle – auf beiden Seiten. Sicher ist es wünschenswert, dass Mitarbeiter ähnliche Werte und Einstellungen haben wie in der Unternehmensphilosophie formuliert. Aber einerseits ist niemand perfekt (und wer will schon perfekt sein?) und andererseits können unterschiedliche Sichtweisen nicht nur in der täglichen Arbeit von sehr großem Vorteil sein. So kann eine völlig andere Herangehensweise an komplexe Problemstellungen z.B. neue Lösungswege aufzeigen.
Die Marke aus Arbeitnehmersicht
Um zu verstehen, wie die Ziele des Unternehmens beim Employer Branding zu realisieren sind, darf die Sicht der Arbeitnehmer nicht aus den Augen verloren werden.
Fachkräftemangel und ein damit einhergehendes Überangebot an Arbeitsplätzen wurden der Vergangenheit häufig in Zusammenhang mit High Potentials beschrieben. Inzwischen greift diese Entwicklung aber viel weiter. Arbeitnehmer können sich aussuchen wo sie arbeiten – das Angebot ist groß und häufig auch unübersichtlich.
Informationsasymmetrie und Intransparenz auf dem Arbeitsmarkt – Wie finden die Bewerber heraus, ob das Unternehmen zu ihnen passt bzw. ob sie zum Unternehmen passen? Die Wahl eines Arbeitgebers ist in der Regel eine sehr wichtige Entscheidung, die dem ein oder anderen schon einmal Angst machen kann. Dieses subjektiv wahrgenommene Gefühl kann durch eine starke Arbeitgebermarke reduziert werden – wenn sie es schafft zu emotionalisieren und Vertrauen sowie Sicherheit zu transportieren. Sicherheit
Bewerber informieren sich im Internet, besuchen Jobmessen, schreiben Bewerbungen und werden zu Bewerbungsgesprächen eingeladen. Dieser Prozess ist immer mit Kosten verbunden. Eine starke aussagekräftige Arbeitgebermarke (als Information Chunk) kann in diesem Zusammenhang Orientierung geben und den Such- und Auswahlprozess erheblich vereinfachen => Erkennen und Wiedererkennen.
Es wird das Vorhandensien bestimmter Anforderungskriterien signalisiert, was auf der Seite der Bewerber wiederum zu bestimmten Assoziationen, die wiederum zu einer schnelleren Entscheidungen und geringeren Transaktionskosten führen. Und davon profitieren beide Seiten.
Allerdings muss im Vorfeld ersteinmal Vertrauen aufgebaut werden, z.B. durch eine authentische Profilierung des Arbeitgebers. Dies ist das Hauptziel des Employer Branding. Die Mitarbeiter (aktuell und zukünftig) sollen die versprochenen Markenattribute wahrnehmen und sich in den vermittelten Wertvorstellungen wiederfinden => und sich mit dem Arbeitgeber identifizieren. Ein nicht uninteressanter Punkt, ist doch die Unternehmenszugehörigkeit für viele Menschen Ausgangspunkt ihrer Selbstdefinition.
Unternehmen sollten also die offenkundigen und die latenten Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Zielgruppen kennen. Dazu ist es notwendig, sich bewusst zu machen, wie man als Unternehmen derzeit als Arbeitgeber wahrgenommen wird. Es sollten sich also ein paar Fragen gestellt werden, so z.B.:
Wie kann die Bindung unserer Mitarbeiter gestärkt werden?
Welche Motivation gibt es am Arbeitsplatz?
Welche Informationen liegen bereits jetzt über uns als Arbeitgeber vor?
Welches Unternehmensimage haben wir?
Um sich erfolgreich zu positionieren, ist die Beantwortung dieser Fragen unabdingbar womit sich einige Handlungsfelder auftun.
Der Erfolg starker Marken baut auf die möglichst genaue Kenntnis der Bedürfnisse und Erwartungen der Mitarbeiter und der Kunden, Aktionäre, Lieferanten, Medien sowie der Öffentlichkeit auf.
Markenpositionierung bildet den Kern der Strategiepositionierung. Es muss die Soll-Identität bestimmt werden und diese dann zu einem Werte- und Markenversprechen verdichtet werden. Fragen in diesem Zusammenhang sind z.B.:
Wie und was ist unser Kerngeschäft?
Was ist der Mehrwert unserer Marke?
Womit unterscheiden wir uns von unserem Wettbewerb?
Was ist unser überzeugendstes Argument?
Dies gilt es in emotionale und rationale Nutzendimensionen zu übersetzen und den „reason to believe“ herauszukristallisieren und greifbar zu machen. Zu beachten ist aber, das sich interne und externe Positionierung nicht widersprechen, sondern ein einheitliches Bild abgeben!
Herausfordernd ist, dass größere Unternehmen aufgrund unterschiedlicher Unternehmensbereiche unterschiedliche Markenstrategien in z.T. unterschiedlichen Branchen koordinieren müssen, also nicht nur unterschiedliche Identitäten, sondern häufig auch unterschiedliche Marken in Form von Company Brands unterhalb von Corporate Brands. Für den Kunden ist dies häufig schwer greifbar. Arbeitgebermarken können in diesem Zusammenhang entweder als
Monolithische Employer Brand
Übergeordnete Employer Brand
Untergeordnete Employer Brand aufgebaut und geführt werden.
Kommunikation sollte immer in zwei Richtungen erfolgen, sowohl nach extern, wie auch nach intern. Mitarbeiter agieren immer als Markenbotschafter und sämtliche Kommunikationsmassnahmen sollten aufeinander abgestimmt werden und inhaltlich, sprachlich und optisch eine Einheit bilden. Und damit sollten dann sowohl das Denken, das Fühlen und das Handeln gleichrangig angesprochen werden.
Kommunikationsinstrumente für Employer Branding, Quelle: Wiese (2008) Erlebnis
Kommunikation findet also immer nach innen und nach außen statt. Damit verbunden wird die Marke an sich also auch innen und außen erlebt. Berührungspunkte gibt es Einige, wie die folgende Grafik verdeutlicht.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Barrow, S./ Mosley, R. (2005), Mrozek, S. (2009)
Beim Aufbau einer erfolgreichen Employer Brand müssen Aufgaben, Schnittstellen, Abläufe, Berichtswege und Abstimmungsprozesse definiert und organisatorisch verankert werden.
Diese Komplexität macht deutlich, dass es sich nicht nur um eine Aufgabe, sondern um einen permanenten Prozess handelt. Dieser kann nicht allein vom Personalmanagement geleistet werden. Vielmehr bedarf es eines interdisziplinären Teams, denn gerade die unterschiedlichen Sichtweisen spielen für eine glaubwürdige Botschaft der Arbeitgebermarke eine entscheidene Rolle.
Employer Branding ist kein Modebegriff, sondern eine schiere Notwendigkeit in Zeiten des akuten Fachkräftemangels und harter Konkurrenz durch kommunikativ exzellent aufgestellte Großunternehmen. Die Ansprüche der Bewerber steigen – wer jetzt nicht nachrüstet, der wird im War for Talents abgehängt. Selbst die bekanntesten Unternehmen können nicht mehr davon ausgehen, ohne HR-spezifische Anstrengungen qualifizierte Bewerber gewinnen und engagierte Mitarbeiter in ausreichender Zahl an das Unternehmen binden zu können.
Aber auch hier sollte vernetzt und crossmedial gedacht und die Corporate Identity als Ausgangspunkt gesehen werden. Schnittstellenmanagement und die 4 Cs – Content, Context, Connectivity und Continuity nicht zu vergessen.
Bevor also in die sozialen Netzwerke eingetaucht wird, sollten eben ein paar grundlegende Fragen gestellt und beantwortet werden. Einfach mal eine Facebook-Fanpage einrichten ist meiner Meinung nach zu kurzfristig gedacht.
Dem Gesundheitswesen droht ein Kollaps
Employer Branding – Warum Personalmanager umdenken müssen
Employer Branding – Social Media Ausgaben steigen, werden aber schlecht genutzt „Employer Branding, Recruiting, Personalmarketing – oder wie das alles heißt!“ Deutschlands beliebteste Arbeitgeber Quellen:
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Das Wirschaftslexikon Deutsche Employer Branding Akademie Spezielle Herausforderungen und Aufgaben im Arbeitgebermarketing, Stagge, A. (2010)
The Employer Brand, ChichesterBarrow, S. / Mosley, R. (2005)
Fesselnde Unternehmen – gefesselte Beschäftigte, Bökermann, R. (2004): , in: Bökermann, R./ Pepels, W. (Hrsg.): Personalbindung
Employer Branding, Mrozek, S. (2008)
Employer Branding – ein markenpolitischer Ansatz zur Schaffung von Präferenzen bei der Arbeitgeberwahl, Petkovic, M. (2008)
Strategie und Technik der Markenführung, Esch, F.-R. (2004)
Marketing-Management: Analyse, Planung und Verwirklichung, Kotler, P., Bliemel, F. (2006)
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Posted by Anja Stagge in eHealth, Gesundheitspolitik, Kommunikation	≈ 2 Kommentare
SchlagwörterBürgerdialog Zukunftstechnologien, Crowdsourcing, eHealth, Nanotechnologie, Social Governance, Social Media, Telemedizin	Verbunden mit dem technologischen Fortschritt und einer immer älter werdenden Bevölkerung kommt es auch zu einer Zunahme von Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht und Adipositas.
Die Ursachen und Auswirkungen dieses Wandels betreffen eine Vielzahl von Bereichen der modernen Gesellschaft, so z.B. Wirtschaft, Technologie, Politik und letztlich jeden Einzelnen. Damit sind bereichsübergreifende Lösungen gefragt.
Nanotechnologie, Pflanzenforschung und Hightech-Medizin – drei Begriffe, die sich sehr abstrakt anhören, aber trotzdem konkrete Auswirkungen auf unseren Alltag haben können.
Nanotechnologie im Alltag? Ja! Fast jeder kennt Sonnencremes, Autopolituren oder Farben mit Nanopartikeln. Auch in der Medizin hat die Nanotechnologie Einzug gehalten. So wird es z.B. bald möglich sein, Tumore mithilfe der Nanotechnologie zu zerstören. Vor einiger Zeit wurde eine Maschine entwickelt, die nur unter einem Elektronen-Mikroskop sichtbar ist. Bei diesem sogenannten Nanokopter ist ein Enzym der organische Motor und es gibt einen anorganischen Nickelpropeller. Und wer weiß, wofür diese Technologien demnächst eingesetzt werden.
Pflanzenforschung spielt im Zusammenhang mit Über- und Mangelernährung sowie ernährungsbedingten Krankheiten eine große Rolle. Einerseits haben wir es in vielen Schwellenländern immer noch mit Hunger und Mangelernährung zu tun. Dem gegenüber steht die Überernährung und ihre Folgen in den Industrieländern. Widersprüchliche Anforderungen, denen begegnet werden kann, wenn das Wissen aus der Ernährungs- und der Gesundheitsforschung mit einbezogen wird. Die bereits ausgetretenen Wege müssen also verlassen werden. Es müssen neue interdisziplinäre Forschungsansätze erarbeitet und aufeinander abgestimmt werden.
Mithilfe neuer Technologien wird es möglich sein, Krankheiten früher zu erkennen, ihren Ausbruch zu verhindern und zu heilen. Es gibt unzählige Projekte, wie z.B. das Projekt „Partnership for the Heart“, bei der Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz telemedizinisch betreut werden. Sollte die Zeit irgendwann mal nicht mehr alle Wunden heilen, kann bei Verbrennungen z.B. Haut aus der Sprayflasche Anwendung finden. Auch in der Medizin wird also fast nichts mehr beim alten bleiben.
Allerdings sind mit modernen Technologien neben vielen Chancen auch Risiken verbunden. Und aufgrund ihrer Komplexität sind sie für viele Menschen, die von Auswirkungen – im Positiven wie im Negativen – betroffen sind, nur schwer verständlich.
Erforderlich ist deshalb auch eine offene, sachliche und verständliche Debatte über Nutzen und mögliche Risiken von Zukunftstechnologien. Deshalb führt das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den kommenden vier Jahren eine Reihe von Bürgerdialogen über Zukunftstechnologien durch.
Die Bürgerdialoge sind ein Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger
sich über zukunftsgestaltende Forschung informieren,
sich im offenen Austausch mit Expertinnen und Experten eine fundierte Meinung bilden,
auf Augenhöhe mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Politik diskutieren,
Empfehlungen für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft formulieren.
Die Bürgerdialoge sind ein Forum für den offenen Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Expertinnen und Experten sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik. Wir, die Bürgerinnen und Bürger bekommen die Möglichkeit, uns in den Beratungsprozess mit einzubringen – und das sowohl virtuell wie auch in der realen Welt.
Dafür stehen Live-Veranstaltungen, wie Bürgerkonferenzen und Bürgergipfeln, Online-Konsultationen oder digitalen Themensammlungen zur Verfügung. Ebenso bringen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Forschung und Praxis sowie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Interessengruppen ihre Expertise, ihre Meinungen und Erwartungen in die Dialoge ein.
Am Ende eines jeden Bürgerdialogs steht ein Bürger-Report. Er zeigt, wo in den Augen der Bürgerinnen und Bürger Chancen und Herausforderungen sowie relevante Handlungsfelder und Fragestellungen zu Zukunftstechnologien liegen. Die Ergebnisse des Bürger-Reports finden Eingang in politische Entscheidungsprozesse.
Online-Konsultationen werden demnächst auf der Plattform http://www.buergerdialog-bmbf.de/ stattfinden.
„Technologien werden sich am Markt nur dann etablieren, wenn sie zum einen ausgereift und marktfähig sind, zum anderen aber gesellschaftlich etabliert sind. Deshalb soll im ersten Schritt ein möglichst breites Meinungsbild der Öffentlichkeit eingefangen werden. Experten werden z.B. Beiträge zur Telemedizin, zu neuronalen Implantaten oder den Technologien in der Intensivmedizin einstellen und mit den Bürgern online diskutieren. Jeder ist angehalten, sich aktiv in die Diskussion mit einzubringen. Erreeicht sollen nicht nur die Heavy Internet User. Über eine klassische PR-Kampagne sollen auch die Menschen erreicht werden, die das Internet eher zurückhaltend nutzen. Dies wurde auch bei der Usability der Plattform berücksichtigt, die so einfach wie möglich gehalten wird. Später werden auch soziale Netzwerke wie, Facebook, Twitter, StudiVZ und Youtube zum Dialog genutzt werden.“ so Maik Bohne, der Teamleiter-Online der Kommunikation- und Strategieberatung IFOK.
Aus den Ergebnissen der Online-Abfrage werden Themenbriefe erstellt, die in die Bürgerkonferenzen eingehen werden. Auf insgesamt 16 Bürgerkonferenzen können die Bürger mit den Experten, die den fachlichen Input liefern werden, am runden Tisch diskutieren und ihre Meinung und Sichtweisen einbringen. Die Auftraktveranstaltung, bei der auch Fr. Prof. Dr. Annette Schavan, MdP, anwesend sein wird, findet am 07. Mai 2011 statt. Die Ergebnisse der Bürgerkonferenzen wiederum werden durch die Experten fachlich validiert und werden im Herbst auf dem Bürgergipfel diskutiert werden. Nach einer erneuten fachlichen Validierung wird dann der Bürgerreport erstellt und der Politik zur Verfügung gestellt werden.
Der erste Dialog zum Thema „Hightech-Medizin“ – in thematischer Anlehnung an das Wissenschaftsjahr 2011 „Forschung für unsere Gesundheit“ startet am 01. März 2011 . Ich freue mich, dass ich diesen Dialog begleiten darf!
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Bürgerdialog BMBF
Nanotechnik – Die Zukunft hat begonnen
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Posted by Anja Stagge in Community, Gesundheitspolitik, gesundheitswirtschaft, Health Care Social Media, Kommunikation, Prävention, Serious Games	≈ Hinterlasse einen Kommentar
SchlagwörterBMBF, Forschung, Gesundheit, Gesundheitspolitik, serious games, Wissenschaft, Wissenschaftsjahr	Im Dezember wurde von der Bundesregierung das neue Rahmenprogramm Gesundheitsforschung verabschiedet. Darin wird die strategische Ausrichtung der medizinischen Forschung für die kommenden Jahre beschrieben. Ziel ist es, das die Forschungsergebnisse aus der Grundlagen- und der klinischen Forschung schneller in die medizinische Versorgung und damit schneller zu den Patienten gelangen.
Der medizinisch-technische Fortschritt ermöglicht es immer mehr Menschen länger und selbstbestimmt zu leben. Das ist mit unterschiedlichen Herausforderungen verbunden. Mit steigendem Lebensalter nehmen z.B. die chronischen Erkrankungen, wie z.B. Diabetes mellitus, Osteoporose, Herz- Kreislauferkrankungen, Schlaganfall und nicht zuletzt Demenz zu. Durch Prävention kann aber der Ausbruch vieler Krankheiten verhindert werden. Dazu muss aber klar sein, wie sie entstehen, welche Wirkmechanisamen es gibt und wie bestimmte Regelkreise durchbrochen werden können. Dies zu erforschen ist Aufgabe der Wissenschaft.
Forschung – fast jeden Tag hören oder lesen wir diesen Begriff und benutzen ihn in unterschiedlichen Zusammenhängen. Doch was verbirgt sich konkret dahinter? Welche Alltagsrelevanz besteht? Warum wird geforscht? Was antwortet ein Kind, wenn man es fragt: Was ist Forschung? Was ist Gesundheitsforschung?
Forschung für unsere Gesundheit richtet die Aufmerksamkeit auf den Menschen und eröffnet einen gesellschaftlichen und interdisziplinären Dialog über die Ziele, Herausforderungen und Aktionsfelder moderner Gesundheitsforschung. Über einen Zeitraum von 12 Monaten wird die deutsche Gesundheitsforschung der Öffentlichkeit vorgestellt.
Dabei wird sich insbesondere an Kinder und Jugendlichen gerichtet, die sich spielerisch an Themen wie Biologie, Medizin und Gesundheit nähern sollen. Wissenschaftler stellen sich und ihre Arbeit vor, zeigen, wie sie Diagnoseverfahren und Therapien verbessern. Es geht darum zu sensibilisieren, warum Forschung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft notwendig ist und es geht darum, sie zu verstehen und dafür zu begeistern.
Auf einem Onlineportal hat jeder die Möglichkeit, seine Fragen an/ zur Gesundheitsforschung zu stellen. Experten geben fachlichen und inhaltlichen Input, informieren über ihre neuesten Forschungsergebnisse und möchten mit ihren Diskussionsbeiträgen zum Nachdenken anregen.
Die Forschungsbörse ist ein Projekt, bei dem ebenfalls ein Austausch zwischen Wissenschaftlern und Kindern und Jugendlichen gefördert werden soll. Wissenschaftler gehen wieder zur Schule, oder eher in die Schule. Indem sie vor Ort über ihre Forschungen und ihre Motivation berichten, soll den Kids ein Bezug zur Wissenschaft gegeben werden. Angesprochen sind Mediziner, Biologen, Ernährungswissenschaftler, aber auch Ingenieure, Soziologen und Betriebswirte. Traut Euch!
Via Twitter, Facebook und Youtube können die Aktivitäten rund ums Wissenschaftsjahr nicht nur verfolgt, sondern es kann sich auch aktiv eingebracht werden.
Desweiteren gibt es die Kids-Community „Die Gesundheitsforscher„. Dort können sich Kinder im Alter von 6 – 12 Jahren spielerisch mit wissenschaftlichen Themen vertraut machen und selbst zum Forscher werden.
Dafür stehen die vier Bereiche
Triff die anderen!
Während des Spiels können die Kinder ihre Spiel-Charaktere an ihre Wünsche anpassen. Die Charaktere zeigen ihnen stets den Weg zur richtigen Antwort und erklären den wissenschaftlichen Hintergrund der Frage. Sind alle Themen erforscht, erhalten sie eine Gesundheitsforscher-Urkunde mit ihrem Namen zum Ausdrucken.
Hier können Kinder und Jugendliche bei mehr 100 Veranstaltungen in ganz Deutschland dabei sein und Wissenschaft und Forschung vor Ort erleben.
Das Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung bietet weitere Kooperationen und Aktionen, um Gesundheitsforschung durch Lernspiele nachhaltig zu erleben. Auch Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte finden unterstützendes Material zur Unterrichtsgestaltung. Es gibt viel zu entdecken …
Wissen Sie, warum unser Magen knurrt, wenn wir Hunger haben? Hier können Kinder zusammen mit ihren Eltern oder Lehrern verschiedenen Fragestellungen erkunden.
Zu den Highlights des Wissenschaftsjahres gehören:
der Wissenschaftssommer
die Ausstellung „Entdeckungen 2011: Gesundheitsforschung“
das Planspiel „Gesunde Stadt“
der Wettbewerb „Was macht gesund“ Es wird ein spannendes Jahr!
Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit
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