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Hund gebissen, wer muss zahlen?
Dieses Thema "ᐅ Hund gebissen, wer muss zahlen? - Tierrecht" im Forum "Tierrecht" wurde erstellt von vinzenz, 28. April 2011.
vinzenz Forum-Interessierte(r) 28.04.2011, 15:07
Hundebesitzer A läuft (in der Brut und Setzzeit) mit Hund a an der Leine geführt um einen See.
Plötzlich kommt Hund b ohne Leine und ohne sichtbaren Besitzer B und geht auf Hund a zu.
Hund a bellt und knurrt und Besitzer A versucht Hund b zu verscheuchen.
Hund b geht trotz Drohgebärden zu Hund a und wird von Hund a ins Ohr gebissen.
Besitzer B kommt daraufhin auch zum Ort des Geschehens und geht anschließend zum Tierarzt und fordert von Hundehalter A Schadensersatz ( Tierarztkosten).
Muss Hundehalter A die Kosten des Tierarztes übernehmen, trotz dass er Hund a ordnungsgemäß an der Leine führte? Und Hundebesitzer B seinen Hund nicht frei rumlaufen lassen durfte und seinen Hund auch nicht abrufen konnte, da er zu weit von seinem Hund entfernt war?
mknf Senior Mitglied 28.04.2011, 15:23
AW: Hund gebissen, wer muss zahlen?
Der Schaden wurde von Hund A verursacht, also ist der Halter schadensersatzpflichtig.
Es stellt sich nur die Frage, in wieweit der Halter B seine gesetzlichen Pflichten vernachlässigt hat und somit eine Mitschuld zu tragen hat, wenn er durch gesetzeskonformes Handeln den Schaden seinerseits hätte sicher vermeiden können.
Und hier würde ich sagen, dass A gegenüber B nicht zahlen muss, da er seinen Hund ja völlig korrekt geführt hat. Hätte B ebenso gehandelt, wären die Hunde nicht auf einen derart geringen Abstand gekommen und der Schaden hätte sicher vermieden werden können.
Eine Ausnahme wäre, wenn B Jäger in dem Revier ist und der Hund B als Jagdhund ausgebildet ist. Dann ist er zumindest in Niedersachsen von der Leinenpflicht befreit (§33 NWaldLG).
Zitat von Niedersächsisches Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG):
b) in der Zeit vom 1.April bis zum 15.Juli (allgemeine Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit), an der Leine geführt werden, es sei denn, dass sie zur rechtmäßigen Jagdausübung, als Rettungs- oder Hütehunde oder von der Polizei, dem Bundesgrenzschutz oder dem Zoll eingesetzt werden oder ausgebildete Blindenführhunde sind,
vinzenz Forum-Interessierte(r) 28.04.2011, 15:36
Vielen Dank so ähnlich habe ich auch vermutet.
vinzenz Forum-Interessierte(r) 28.04.2011, 16:00
Zitat von vinzenz: ↑
Besitzer B versucht aber jetzt mit einer Anzeige zu drohen, wenn Besitzer A nicht zahlt. Wie würden Sie sich verhalten?
FCM1400 Senior Mitglied 28.04.2011, 16:50
Einfach abwarten. Wenn das Ohr zu verheilen beginnt, legen sich meist auch die Aufgeregtheiten. Falls nicht, Anwalt hinzuziehen.
Unikorn Neues Mitglied 28.04.2011, 17:02
In diesem Fall sieht es aber so aus das A den entstandenen Schaden alleine tragen muss.
Der Gesetzgeber begründet die Haltung von Tieren als sogenannte "Gefährdungshaftung". Dadurch muss der Halter für alle Schäden einstehen die durch typisches Tierverhalten verursacht werden.
Aus "Gefährdungshaftung" haftet der Halter eines Hundes, wenn durch typisches Verhalten des Hundes ein Mensch getötet oder verletzt wird oder aber eine Sache beschädigt wird.
In unserem Beispiel handelt es sich bei dem Hund des B um eine Sache. (Ich weiss...Gott sei Dank gilt dies in anderen Rechtbereichen nicht mehr so...z.B. wenn ein Mensch einen Hund quält wird er nicht mehr wegen Sachbeschädigung zur Rechenschaft gezogen sondern wegen Tierquälerei!) Da aber der Hund des B keine Anzeige wegen z.B. Körperverletzung machen kann und auch der B nicht den Hund des A anzeigen kann und auch im strafrechtlichen Bereich nicht den Halter des A steht es ausser Frage das es sich hier um einen Sachschaden handelt.
Der Hund des B schnuppert an dem Hund des A...dies ist ein typisches tierisches Verhalten. Ein Schaden ist dadurch jedoch nicht entstanden.
Der Hund des A beisst den Hund des B daraufhin ist ein Schaden (Tierarztkosten)zu stande gekommen.
Wenn ein Tier beißt dann fällt das laut Gesetzgeber unter den Begriff "typisch tierisches Verhalten". Denn ein Tier (nicht nur Hunde) hat oftmals garkeine andere Möglichkeit zu beißen, sei es aus Angst, Agression oder was auch immer (auch eine Maus die man fängt kann durchaus dazu neigen zuzubeißen).
Womit wir wie oben beschrieben bei der Gefährdungshaftung wären und das der Halter eines Tieres für ALLE Schäden aufkommen muss die aus "typisch tierischem Verhalten" entstanden sind.
Also ist die Lösung das A die 100,-€ alleine bezahlen muss!
Der Schadensanspruch ergibt sich aus § 833 BGB
Hier der § 833 BGB (Haftung des Tierhalters):
Natürlich vorausgesetzt das es sich hier um sogenannte "Luxushunde" handelt. Das heisst es sind z.B. keine Polizeihunde, Rettungshunde mit behördlichen Aufgaben etc.
klausschlesinge V.I.P. 28.04.2011, 17:09
Der Antwort von Unikorn stimme ich zu.
Möchte lediglich eine kleine Ergänzung machen: Im Sachverhalt wurde ausgesagt, der Vorfall habe während der Leinenpflicht zur Brut- und Setzzeit stattgefunden. Diese schützt lediglich die Würfe und Brut von wild- bzw. freilebenden Tieren. Sie dient nicht der Schadenvermeidung. - Insofern ändert sich nichts an der Verursachung und der dadurch resultierenden Schadenspflicht gem. der Gefährdungshaftung aus § 833 BGB.
mknf Senior Mitglied 28.04.2011, 17:11
Zitat von Unikorn: ↑
[...]Der Schadensanspruch ergibt sich aus § 833 BGB
Die von mir fett markierte Stelle ist meines Erachtens die Begründung, dass A nicht Schadensersatzpflichtig ist. Er hat ja durch Anleinen die im Verkehr erforderliche Vorsicht angewandt und trotzdem ist der Schaden entstanden.
Welche Möglichkeit hätte A noch gehabt, den Schaden zu verhindern? Der Maulkorbpflicht unterliegt nach den vorliegenden Informationen Hund A nicht.
klausschlesinge V.I.P. 28.04.2011, 17:59
'Dem Halter eines Tieres trifft eine strenge Haftung, die sogenannte Tierhaltergefährdungshaftung (§ 833 BGG). D. h. der Tierhalter haftet fast immer, und zwar unahbängig davon, ob er schuldhaft handelte oder nicht. Nur dann, wenn das Tier (Haustier) dem Beruf oder Erwerbstätigkeit des Tierhalters dient, kann sich der Tierhalter entlasten, wenn er nachweist, daß er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beachtet hat. Dieser sogenannte Entlastungsbeweis ist aber nicht nur auf Tiere beschränkt, die landwirtschaftlichen, hauswirtschaftlichen oder ernährungswirtschaftlichen Zwecken dienen, sondern gilt für all die Haustiere, mit denen der Beruf oder die Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.' Oberlandesgericht Karlsruhe, Az.: 7 U 21/95
Also: Haftung Hundehalter A!
Alphafrau Forum-Interessierte(r) 28.04.2011, 18:15
lesen, lachen, lieben
Die Haftung des Tierhalters A ist nicht von der Hand zu weisen, aber wohl ebensowenig die des Tierhalters B:
Tritt ein unberechenbares Verhalten eines Tieres ein, greift die Tierhaltergefährdungshaftung ein. Diese spezielle Haftung ist nach §833 auch dann anwendbar, wenn ein Reitpferd ausrutscht, auf dem sich eine Person befindet.
Im gegebenen Fall handelte es sich um einen normalen Geländeritt auf einer alten aber verlässlichen Stute. Auch aus dem Gesichtspunkt des Handelns auf eigene Gefahr ist die Tierhalterhaftung nicht ausgeschlossen. Der bei dem Sturz verletzte Reiter muss jedoch mit einer Mithaftung von 50 Prozent rechnen, wenn er als Tierführer nicht den Beweis antreten kann, dass eine Mitverursachung seinerseits absolut auszuschließen ist.
Landgericht Gießen, Az.:2O384/98
Die Mitverursachung dürfte unstrittig sein.
klausschlesinge V.I.P. 28.04.2011, 18:22
Zitat von Alphafrau: ↑
Auch aus dem Gesichtspunkt des Handelns auf eigene Gefahr ist die Tierhalterhaftung nicht ausgeschlossen. Der bei dem Sturz verletzte Reiter muss jedoch mit einer Mithaftung von 50 Prozent rechnen, wenn er als Tierführer nicht den Beweis antreten kann, dass eine Mitverursachung seinerseits absolut auszuschließen ist.[/I]
Das Urteil trifft hier nicht zu:
Der Reiter wurde vor Benutzung des Pferdes im Gerichtsurteil darauf hingewiesen, daß er auf eigene Gefahr handele. Ein solcher Hinweis ist in unserem Sachverhalt nicht erfolgt. Ferner bekam nicht der Geschädigte sondern der Tierhalter trotzdem eine 50-%-ige Haftungsquote aufgebrummt.
Also weiterhin alleinige Haftung des Hundehalters A!
Alphafrau Forum-Interessierte(r) 28.04.2011, 18:54
Dann sollte doch aber zumindest § 254(2) BGB greifen, da Tierhalter B es unterlassen hat, den Schaden abzuwenden oder zu mindern.
Es will mir einfach nicht in den Kopf, daß man als Hundehalter nicht belangt wird, wenn man seinen Hund frei herumlaufen läßt und ihn dabei nicht mal beaufsichtigt.
Will ich statt meines alten Kläffers Geld für einen neuen haben, muß ich ihn also einfach nur von der Leine lassen, wenn ein paar kräftige Hunde in der Nähe sind, und darauf hoffen, daß sie ihn sich "zur Brust" nehmen?
klausschlesinge V.I.P. 28.04.2011, 19:09
Ich bin in meinen vorhergehenden Antwort mit A und B durcheinander gekommen. Ich wiederhole nochmal kurz:
A angeleint,
B nicht angeleint.
A, obwohl angeleint, beißt.
B verletzt.
Meine vorhergehenden Antworten habe ich so abgeändert, daß A, der beißende Hund, obwohl angeleint, haftet, und zwar einzig und alleine aus der Gefährdungshaftung des § 833 BGB. Das Halten von Tieren ist gefährlich. - Der Betrieb von Kraftfahrzeugen ist gefährlich. Selbst wenn ich meinen Pkw an einem Berg abstelle und einen Gang einlege und die Handbremse anziehe, habe ich alles unternommen, um einen Schaden abzuwenden. Wenn sich das Bremsseil löst und der Gang rausrutscht, muß ich trotzdem als Kfz-Halter haften (sh. § 7 StVG). Selbst, wenn das Auto gegen ein anderes fährt, welches im Haltverbot steht. Und genauso ist es in diesem Sachverhalt: Der Verursachende, selbst wenn angeleint, muß haften.
Der § 254 BGB kommt nicht zum Tragen, da er von 'Mitverschulden' spricht. 'Mitverschulden' seitens des unangeleint und nicht beißenden Hudnes liegt nicht vor, da Tiere nicht im Sinne des Gesetzes und erst recht nicht schuldhaft handeln können.
Das Unangeleintesein des geschädigten Hundes B spielt keine Rolle, denn er hat ja nicht gegen eine Vorschrift verstossen, die eine Schadenvermeidung verhindern soll. Er hat lediglich gegen die Anleinpflicht in der Brut- und Setzzeit verstossen. Die hat aber keine Schadenvermeidung zum Ziel sondern soll Brut und Würfe von freilebenden Tieren schützen.
Fazit: Der Halter des angeleinten beißenden Hund ist aus § 833 BGB haftbar zu machen (reine Gefährdungshaftung).
klausschlesinge V.I.P. 28.04.2011, 19:16
Es wurde ja auch schon das NWaldG, in welchem auch die Anleinpflicht in der Brut- und Setzzeit geregelt ist, bemerkt. Dieses gilt im übrigen auch nur für Feld, Wald und Flur, nicht jedoch innerhalb von Städten und Gemeinden.
charles0308 V.I.P. 28.04.2011, 22:13
Bei dem SV gehe ich von einer "normalen" Tierhaltung aus; somit greift nur - siehe auch @ klausschlesinge - 833 Satz 1 BGB; auch die zitierte Norm aus NWaldG kann bei diesem SV vernachlässigt werden.
Entgegen meinen Vorschreibern vermag ich allerings nicht auf die alleinige Haftung des Tierhalters A erkennen.
Bei Hund A hat sich die typische/spezifische Tiergefahr durch den Biss zum Schaden Hund B verwirklicht, bei Hund B durch die Annäherung an Hund A.
Über die Quote wird man trefflich streiten können
vom fremden Hund gebissen Tierrecht 9. November 2011
Briefträger von Hund gebissen Tierrecht 23. Februar 2010
Briefträger vom Hund gebissen. Aktuelle juristische Diskussionen und Themen 22. Februar 2010
Von einem Hund gebissen Bürgerliches Recht allgemein 26. Januar 2009
Hund hat gebissen Tierrecht 1. März 2006

References: § 833
 § 833
 § 833
 § 833
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 § 254
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 § 7
 § 254
 § 833