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Timestamp: 2020-05-27 02:42:48+00:00

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Internationale Rechnungslegung. Bilanzierung des Umlaufvermögens ...
von Diplom Betriebswirt Stefan Herdt (Autor)
Diplomarbeit 2001 88 Seiten
V Grundlagen
1 Allgemeines zum Handelsgesetzbuch (HGB)
1.1 Kennzeichnung und Entstehung
1.2 Funktionen der Rechnungslegung
1.3 Rahmengrundsätze und Bewertungsgrundsätze
2 Allgemeines zu US-GAAP
2.1 Definition US-GAAP
2.3 Rechnungslegungsziele
2.4 Rahmengrundsätze
3 Allgemeines zu IAS
3.2 Aufbau und Ziele des IASC
3.3 Rahmengrundsätze
VI Bilanzierung des Umlaufvermögens nach HGB, US-GAAP und IAS im Vergleich
1.1 Ansatz und Bewertung nach HGB
1.2 Ansatz und Bewertung nach US-GAAP
1.3 Ansatz und Bewertung nach IAS
1.4 Beispiel und Interpretation
2 Langfristige Auftragsfertigung
2.1 Ansatz und Bewertung nach HGB
2.2 Ansatz und Bewertung nach US-GAAP
2.3 Ansatz und Bewertung nach IAS
2.4 Beispiel und Interpretation
3 Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
3.1 Ansatz und Bewertung nach HGB
3.2 Ansatz und Bewertung nach US-GAAP
3.3 Ansatz und Bewertung nach IAS
3.4 Beispiel und Interpretation
4 Wertpapiere des Umlaufvermögens
4.1 Ansatz und Bewertung nach HGB
4.2 Ansatz und Bewertung nach US-GAAP
4.3 Ansatz und Bewertung nach IAS
4.4 Beispiel und Interpretation
5 Liquide Mittel
5.1 Ansatz und Bewertung nach HGB
5.2 Ansatz und Bewertung nach US-GAAP
5.3 Ansatz und Bewertung nach IAS
VIII Verwendete Literatur, Quellen
X Eidesstattliche Versicherung
Abbildung 1: Grundsätze zur Erreichung eines Jahresabschlusses nach den GoB und dem HGB
Abbildung 2: “House of GAAP”
Abbildung 3: Prinzipien nach US-GAAP zur Erreichung einer „fair presentation“
Abbildung 4: Aufbau der IASC
Abbildung 5: Hierarchischer Aufbau der IAS
Abbildung 6: Prinzipien nach IAS zur Erreichung einer „Fair Presentation“
Abbildung 7: Abschreibungen nach US-GAAP „Lower of Cost or market“
Abbildung 8: Berechnung der anteiligen Gewinnrealisierung zum Bilanz- stichtag bei langfristiger Fertigung nach US-GAAP unter Anwendung der „accumulated cost method“
Abbildung 9: Bilanzielle Behandlung von Fremdwährungsforderungen bei voraussichtlich dauerhaften Veränderung der Umrechnungskurse
Tabelle 1: Bestandteile des Jahresabschlusses nach HGB
Tabelle 2: Zeittabelle über die historische Entwicklung der rechnungslegenden Einrichtungen
Tabelle 3: Elemente des Jahresabschlusses nach US-GAAP
Tabelle 4: Bestandteile des Jahresabschlusses nach IAS
Tabelle 5: Anschaffungskosten nach HGB
Tabelle 6: Ermittlung der Anschaffungskosten nach US-GAAP
Tabelle 7: Ermittlung der Anschaffungskosten nach IAS
Tabelle 8: Aktivierungspflichtigen Kostenbestandteile nach HGB, US-GAAP und IAS
Tabelle 9: Kostenbestandteile nach HGB, US-GAAP und IAS, für die ein Wahlrecht besteht
Tabelle 10: Kostenbestandteile nach HGB, US-GAAP und IAS, für die ein Aktivierungsverbot besteht
Tabelle 11: Beispiel für Bewertung der Vorräte (Teil 1)
Tabelle 12: Beispiel für Bewertung der Vorräte (Teil 2)
Tabelle 13: Bilanzansatz nach HGB, US-GAAP und IAS
Tabelle 14: Basisdaten für die Bilanzierung und Gewinnrealisierung im Rahmen langfristiger Auftragsfertigung
Tabelle 15: Bilanzierung und Gewinnrealisierung nach HGB
Tabelle 16: Bilanzierung und Gewinnrealisierung nach US-GAAP (completed.contract-method)
Tabelle 17: Bilanzierung und Gewinnrealisierung nach US-GAAP (percantage- of-completion method)
Tabelle 18: Bewertung von Forderungen in fremder Währung am Tag der Entstehung/Bilanzstichtag
Tabelle 19: Wertansatz nach HGB, US-GAAP und IAS am Bilanzstichtag
Tabelle 20: Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach SFAS No.115 (mit Ausnahme von Wertpapieren der Kategorie „held-to- maturity“)
Tabelle 21: Anschaffungskosten und Börsenkurse
Tabelle 22: Bilanzansätze 1./2. Jahr nach HGB
Tabelle 23: Bilanzansätze 1./2. Jahr nach US-GAAP
Tabelle 24: Übersicht der Bewertung von Wertpapieren nach HGB, US-GAAP, IAS im ersten Jahr
Tabelle 25: Übersicht der Bewertung von Wertpapieren nach HGB, US-GAAP, IAS im zweiten Jahr
Tabelle 26: Aktuelle IAS (Stand August 2001)
Tabelle 27: Bilanz nach US-GAAP
Tabelle 28: Bilanz nach IAS
Die Globalisierung bietet für immer mehr Unternehmen neue Möglichkeiten. Ihre Bedeutung nimmt stetig zu und mit ihr auch die Möglichkeiten der Unternehmen internationale und nationale Finanzplätze zu nutzen.
Um Zugang zu den Finanzmärkten zu erhalten, müssen die Unternehmen die jeweiligen Vorschriften und Gesetze der Länder bzw. der nationalen Finanzmärkte kennen und beachten. Viele Länder haben im Bereich der Rechnungslegung eigene Vorschriften entwickelt. In diesen spiegeln sich die unterschiedlichen Rechtsauffassungen, soziokulturelle Unterschiede etc. wider.
Gegenstand dieser Diplomarbeit soll die Betrachtung und damit verbunden der Vergleich der deutschen Rechnungslegung mit den zwei wichtigsten internationalen Rechnungslegungsvorschriften, der US-GAAP und der IAS, sein.
Zum einen den United States - Generally Accepted Accounted Principles (US-GAAP). Diese stellen einen nationalen Standard dar, der jedoch durch die bedeutendste Börse, die New York Stock Exchange, von großer internationaler Bedeutung ist. Ein Zugang zur amerikanischen New York Stock Exchange ist nur unter Beachtung der US-GAAP möglich.
Die International Accounting Standards (IAS) stellen einzig einen internationalen Standard dar. Die besondere Bedeutung der International Accounting Standards ist auf die Struktur der verantwortlichen Gremien zurückzuführen. So sind an der Entwicklung dieses Standards zahlreiche Länder beteiligt. Dadurch wird eine breite internationale Akzeptanz geschaffen. Die Basis für die Vergleichbarkeit der Unternehmensdaten bei Anlegern ist dadurch gegeben und allgemein anerkannt.
Deutsche Unternehmen müssen grundsätzlich nach dem deutschen Handels-gesetzbuch bilanzieren. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, eine Bilanz nach US-GAAP oder IAS aufzustellen. Unternehmen, die am neuen Markt (Handelssegment der Deutschen Börse AG) notiert sind, müssen nach US-GAAP oder IAS bilanzieren.
Inzwischen stellen 29 von 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (DAX) ihre Bilanz nach US-GAAP oder IAS auf. Vorreiter dieser Entwicklung war Daimler-Benz 1993.
Um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, wird in dieser Diplomarbeit ein Vergleich des Umlaufvermögens nach HGB, US-GAAP und IAS vorgenommen.
Zunächst werden die allgemeinen theoretischen Grundlagen der drei Rechnungslegungssysteme näher erläutert. Im Anschluss wird jeweils der Ansatz und die Bewertung der Posten des Umlaufvermögens beschrieben. An Hand von ausgewählten Beispielen und deren Interpretation folgt eine Verdeutlichung der theoretischen Thematik. Ziel dieser Diplomarbeit soll es sein, auf eventuell bestehende Unterschiede und deren Bedeutung im Bereich des Umlaufvermögens hinzuweisen.
Das Handelsgesetzbuch vom 10. Mai 1897 trat am 01. Januar 1900 offiziell in Kraft. Durch Verabschiedung dieses Gesetzes hat der Gesetzgeber versucht, den Erfordernissen des Handelsverkehrs gerecht zu werden. Grund dieser Umsetzung war, dass die Sondernormen des Handelsrechts wegen ihren Eigenarten auch äußerlich von den Normen des allgemeinen Zivilrechts getrennt werden.
Somit stellt das Handelsgesetzbuch die Grundlage für die Rechnungslegung in der Bundesrepublik Deutschland dar.
Jeder Kaufmann wird durch das Handelsgesetzbuch verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) ersichtlich darzustellen (gem. § 238 HGB).
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung wurden vom Gesetzgeber nicht definiert. Deren Ursprung sind vor allem Wissenschaft, Praxis, Rechtssprechung sowie die Empfehlungen der Wirtschaftsverbände. Zahlreiche Grundsätze finden ihren Niederschlag auch in handels- und steuerrechtlichen Vorschriften.[1]
Das Handelsrecht enthält Bestimmungen zur Bilanzierung; dessen Ziele werden im Handelsrecht jedoch nicht explizit genannt. Folgende Generalnormen hat der Gesetzgeber definiert (Einzelkaufleute und Personengesellschaften):
§ 238 Abs. 1 S. 1 u. 2 HGB besagt, dass jeder Kaufmann verpflichtet ist, Bücher zu führen, die die Lage seines Handelsgeschäfts und seiner Vermögenslage nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich machen. Bei der Aufstellung seiner Bücher hat der Kaufmann darauf zu achten, dass die Bücher einem sachverständigen Dritten innerhalb einer angemessenen Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und die Gesamtlage des Unternehmens vermitteln.
In § 243 Abs. 1 HGB weist der Gesetzgeber explizit auf die GoB als Aufstellungsgrundsatz hin.
Nach § 264 Abs. 2 S.1 HGB werden Kapitalgesellschaften verpflichtet, den Jahresabschluss nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung zu erstellen und ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln. Zusätzlich werden die Kapitalgesellschaften nach § 264 Abs. 1 S. 1 HGB verpflichtet, den Jahresabschluss um einen Lagebericht zu erweitern.
Darüber hinaus existieren verschiedene Vorschriften, die die Ausnahmen von obigen Anforderungen behandeln. Entscheidungskriterium ist beispielsweise die Größe des Unternehmens.
Aus den oben genannten Generalnormen werden folgende Funktionen abgeleitet:
Gewinnermittlungs-, Ausschüttungsbemessungs- und Kompetenzabgrenzungsfunktion
Unter Beachtung der Prinzipien der Vorsicht (vgl. „Grundsatz der Vorsicht“ S. 15) und der Kapitalerhaltung soll im Jahresabschluss der ausschüttungsfähige Gewinn ermittelt und ausgewiesen werden.
Der Jahresabschluss stellt somit ein Instrumentarium dar, mit welchem die Höhe des Gewinnes nach allgemein verbindlichen Normen ermittelt wird. Des weiteren grenzen die gesetzlichen Vorschriften (in bezug auf die Gewinnermittlung und Gewinnverwendung) die Kompetenzen der an dem Unternehmen beteiligten Gesellschafter, Aktionäre, Geschäftsführer und Vorstände voneinander ab.
Zusätzlich ist aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips die Gewinnermittlungsfunktion des Jahresabschlusses als Grundlage für die Besteuerung von Bedeutung.[2]
Der Grundsatz der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz (gem. § 5 (1) EStG) besagt, dass die in der Handelsbilanz ausgewiesenen Werte zugleich verbindlich für die zu erstellende und beim Finanzamt einzureichende Steuerbilanz sind, sofern die steuerlichen Vorschriften keine andere Bewertung zwingend vorschreiben.[3]
Der Jahresabschluss dient zum einem der (Selbst-) Information des Kaufmannes. Hierdurch soll verhindert werden, dass der Kaufmann durch unzureichende Informationen über Schuldendeckungsmöglichkeiten in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Eine ebenso große Wichtigkeit stellt die Rechenschaft gegenüber Außenstehenden, welche in unterschiedlichem Umfang Informationen benötigen, dar. Die externen Adressaten können beispielsweise sein: Gläubiger, Aktionäre, Mitarbeiter, Gesellschafter, Lieferanten, Kunden etc..[4]
Die Dokumentationsfunktion des Jahresabschlusses liegt in der „Bündelung von Buchführungszahlen zur Sicherung von Urkundenbeständen gegen nachträgliche Inhaltsänderungen im Interesse der Rechtspflege und damit im Interesse aller, die am Handelsverkehr teilnehmen“.[5]
Unter Einhaltung der gesetzlichen Regelungen und der GoB ergibt sich ein Jahresabschluss, der ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage darstellt. Sofern ein entsprechendes Bild nicht vermittelt wird, sind hierzu im Anhang gesonderte Angaben zu machen.
Ein Abschlussprüfer muss die Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage bestätigen (§ 322 I HGB).
Bei Erstellung des Jahresabschlusses sind verschiedene Grundsätze zu beachten, diese werden in der folgenden Abbildung exemplarisch dargestellt.
Abbildung 1 : Grundsätze zur Erreichung eines Jahresabschlusses nach den GoB und dem HGB
Der Grundsatz der Bilanzidentität verlangt, dass die Positionen der Schlussbilanz eines Geschäftsjahres wertmäßig mit den Positionen der Eröffnungsbilanz des folgenden Geschäftsjahres völlig übereinstimmen. Die Schlussbilanz ist gleichzeitig Eröffnungsbilanz des Folgejahres.
- Grundsatz der Unternehmensfortführung (Going-Concern-Prinzip)
Bei der Bewertung ist grundsätzlich von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen. Jeder einzelne Vermögensgegenstand darf nicht mit seinem Liquidationswert in der Jahresbilanz eingesetzt werden, sondern nur mit dem Wert, der sich aus der angenommenen Unternehmensfortführung ergibt.
- Grundsatz der Einzelbewertung
Grundsätzlich sind alle Vermögensgegenstände und Schulden einzeln zu bewerten. Allerdings werden hier Bewertungsvereinfachungsverfahren aus Gründen der Wirtschaftlichkeit vom Gesetzgeber zugelassen (z.B. § 240 (4) HGB, § 256 HGB ).
- Grundsatz der Stichtagsbezogenheit
Am Abschlussstichtag richtet sich die Bewertung nach den Verhältnissen der einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden. Dabei sind alle Sachverhalte, die am Bilanzstichtag (31.12.x1) objektiv bestehen, zu berücksichtigen, auch wenn sie erst nach diesem Zeitpunkt, jedoch noch vor dem Tag der Bilanzaufstellung (28.01.x2) bekannt werden (sog. wertaufhellende Tatsachen).
Der Kaufmann muss so vorsichtig bewerten, dass er alle vorhersehbaren Risiken und Verluste, die bis zum Abschlussstichtag vorliegen oder entstehen können, berücksichtigt. Folglich setzt er die Vermögensgegenstände eher zu niedrig als zu hoch (Niederstwertprinzip) und die Schulden eher zu hoch als zu niedrig (Höchstwertprinzip) an.
Nach dem Realisationsprinzip darf ein Gewinn nur dann ausgewiesen werden, wenn er durch Umsatz tatsächlich entstanden, also realisiert ist.
Durch das Vorsichtsprinzip sollen überhöhte Gewinnausschüttungen verhindert werden. Es trägt deshalb zur Erhaltung des Eigenkapitals und damit der Haftungssubstanz gegenüber den Gläubigern (Gläubigerschutz) bei.
- Grundsatz der Periodenabgrenzung
Aufwendungen und Erträge sind nach dem Grundsatz der Periodenabgrenzung dem Geschäftsjahr zuzuweisen, in dem sie wirtschaftlich verursacht wurden, ohne Beachtung des Zeitpunktes der Ausgabe und Einnahme.
- Grundsatz der Bewertungsstetigkeit
Einmal gewählte Bewertungs- und Abschreibungsmethoden sind nach dem Grundsatz der Bewertungsstetigkeit grundsätzlich beizubehalten.
Ziel der sogenannten materiellen Bilanzkontinuität ist die Sicherstellung der fortwährenden Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse durch Verhinderung von willkürlichen Wechseln in den Bewertungs- und Abschreibungsmethoden für dasselbe oder gleichwertige Wirtschafsgut.
Formelle Grundansätze
- Bilanzklarheit
Der Grundsatz der Bilanzklarheit beinhaltet eine klare Bezeichnung der Bilanzpositionen und eine klare Gliederung der Bilanz. Des weiteren dürfen Aktivposten nicht mit Passivposten verrechnet werden (Saldierungsverbot, § 246 II HGB).
- Der Grundsatz der Übersichtlichkeit erfordert eine nach bestimmten Prinzipien vorgegebene Bilanzgliederung, z.B. nach Liquiditätskriterien. Das Übersichtlichkeitsprinzip steht im engen Zusammenhang mit dem Bilanzklarheitsprinzip. Beide Prinzipien sind in § 243 II HGB und §§ 247, 265 ff. HGB festgelegt.
Materielle Bilanzierungsgrundsätze:
- Bilanzwahrheit
Der Grundsatz der Bilanzwahrheit fordert, dass in der Bilanz ausgewiesene Positionen und Wertansätze der Wahrheit entsprechen müssen. Dabei existiert eine objektive Wahrheit der Wertansätze nicht. Richtig oder falsch ist ein Bilanzansatz nur im Hinblick auf ein bestimmtes Aussageziel, so z.B. auf die Bewertungsvorschriften des HGB.
Der Grundsatz der Vollständigkeit besagt: Alle dem Unternehmen zuzurechnenden Vermögensgegenstände und Schulden müssen in der Bilanz beinhaltet sein (§ 246 I HGB).
- Bilanzkontinuität (formell)
Die Bilanzkontinuität entspricht den Grundsatz der Bilanzidentität. Dabei ist die Schlussbilanz des vorhergehenden Geschäftsjahres formell und materiell identisch mit der Eröffnungsbilanz des darauffolgenden Geschäftsjahres (§ 252 I Nr.1 HGB).
Die formale Bilanzkontinuität beinhaltet die Beibehaltung der gewählten Bilanzgliederung. Dabei soll eine fortwährende Vergleichbarkeit sichergestellt werden. Abwandlungen sind in Ausnahmefällen gestattet. Um die Vergleichbarkeit sicherzustellen, muss die Bilanz des Vorjahres an die neue Gliederung angepasst werden.
- Bilanzkontinuität (materiell)
Zur materiellen Bilanzkontinuität gehören die Bewertungskontinuität und das Prinzip des Wertzusammenhangs. Die Bewertungskontinuität beinhaltet die Beibehaltung der angewandten Bewertungsansätze. Hiervon darf nur in begründeten Ausnahmen abgewichen werden (§ 252 I Nr. 6 HGB). Das Prinzip des Wertzusammenhangs drückt die Maßgeblichkeit der in der Bilanz angesetzten Werte für die folgenden Bilanzen aus. Darüber hinaus sind Werterhöhungen über den letzten Bilanzansatz nicht zulässig. Es besteht die Möglichkeit der Durchbrechung dieses Prinzips sowohl in der Handelsbilanz als auch in der Steuerbilanz. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten die Obergrenze bilden (§ 253 I HGB).
Die Bewertungsgrundsätze nach §§ 252 bis 256 HGB lassen sich als Regelungen, die den Wertansatz von Vermögensgegenständen und Schulden in der Bilanz festsetzen, zusammenfassen. Kapitalgesellschaften haben darüber hinaus die Bewertungsvorschriften nach §§ 279 bis 283 zu beachten.[6]
Im folgenden wird der Begriff United States - Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) definiert. Im Anschluss folgt die Erläuterung der allgemeinen Rahmen- und Bewertungsgrundsätze nach den US-GAAP.
Eine gesetzlich geregelte Definition des Begriffes US-GAAP existiert nicht. Es existieren lediglich zahlreiche Beschreibungen.
In den Statements on Auditing Standards des American Institute of Certified Public Accountants (AICPA), wird US-GAAP wie folgt beschrieben:[7]
AICPA, APB Statement No. 4, Par. 138:
«Generally accepted accounting principles therefore is a technical term in financial accounting. Generally accepted accounting principles encompass the conventions, rules, and procedures necessary to define accepted accounting practice at a particular time. The standard of ‘generally accepted accounting principles’ includes not only broad guidelines of general application, but also detailed practices and procedures.»[8]
Der Ausdruck “generally accepted accounting principles” ist ein buchführungstechnischer Begriff, welcher zur Bestimmung anerkannter Rechnungslegungspraktiken; Konventionen, Regeln und Methoden der heutigen Zeit umfasst. Der Begriff enthält nicht nur umfassende allgemeine Richtlinien, sondern auch detaillierte Praktiken und Methoden. Die unter dem Begriff geführten Konventionen, Regeln und Methoden liefern einen Maßstab zur Bestimmung der finanziellen Lage.[9]
Die Vielzahl der Definitionen haben in der Regel gemeinsam, dass sie die GAAP als ein Rechnungslegungssystem verstehen, das sich auf praktizierte Rechnungslegungsverfahren bezieht. Als ein wesentlicher Begriffbestandteil tritt Generally Accepted hinzu, was die allgemeine Akzeptanz und die weitverbreitete Anwendung als Grundvoraussetzung der GAAP beschreibt.
Den Erstellern von Jahres- bzw. Quartalsabschlüssen sowie den Wirtschaftsprüfern werden Handlungsanweisungen vorgegeben, die auf einem allerseits akzeptierten Konsens beruhen. Den Abschlussadressaten wird ein Mindestlevel an Standardisierung und Vergleichbarkeit bei der Beurteilung publizierter Rechnungslegungsdaten garantiert. Rechnungslegungsverfahren müssen zudem den Substantial Authoritative Support besitzen, um als GAAP gelten zu können. Auch hierbei ist jedoch bisher nicht abschließend geklärt, wann genau ein praktiziertes Rechnungslegungsverfahren mit dem Substantial Authoritative Support der Securities and Exchange Commission[10] (SEC) ausgestattet ist.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Rechnungslegung mit den GAAP eine Standardisierung vorgegeben werden soll, die sich, von praktischen Erfahrungen ausgehend, als brauchbar erwiesen hat. Die SEC akzeptiert diese Standardisierungen, die ebenso in der Praxis allgemeine Anerkennung und somit Verbreitung genießt.[11]
Tabelle 2: Zeittabelle über die historische Entwicklung der rechnungslegenden Einrichtungen[12]
Die US-GAAP werden durch das FASB in Form von Statements of Financial Accounting Standards (SFAS) und vergleichbaren Verlautbarungen geschaffen. Diese stellen das Ergebnis eines formalisierten Prozesses dar, auf den die interessierte Öffentlichkeit durch Anhörungen einen wesentlichen Einfluss ausübt. Die Wirtschaftsprüfer üben auch einen Einfluss auf die Entwicklung der US-GAAP aus, indem sie durch ihr Testat im Jahresabschluss angewandte Vorgehensweisen hinsichtlich der Zielsetzung der Rechnungslegung bestätigen. Durch das Testat der Wirtschaftsprüfer erhalten diese Praktiken erst ihre Bedeutung. Bei häufiger Wiederholung werden aus diesen Einzelnen, von Unternehmen gewählten Rechnungslegungsmethoden allgemein anerkannte Rechnungslegungsgrundsätze und damit die US-GAAP.[13]
Der Bindungsgrad der US-GAAP Regelungen wird im sogenannten „House-of-GAAP“ dargestellt.
Abbildung 2: “House of GAAP”[14]
2.3 Rechnungslegungsziele der US-GAAP
Im Rahmenwerk (Conceptual Framework) des Financial Accounting Standards Board[15] (FASB) ist unter anderem die Zielsetzung der Rechnungslegung nach US-GAAP verankert. Im Statement of Financial Accounting Concept[16] (SFAC) No. 1 “Objectives of Financial Reporting by Business Enterprises” wird die Zielsetzung erwerbswirtschaftlicher Unternehmen festgelegt. Demnach ist das gesamte Financial Reporting der Informationsvermittlung auf Unternehmensbeteiligte, die wirtschaftliche Entscheidungen hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit mit dem Unternehmen zu treffen haben, ausgerichtet. Damit steht die Bereitstellung unternehmensspezifischer Informationen, also die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens, für die Unternehmensbeteiligten im Vordergrund.
Die Vermittlung von Unternehmensinformationen soll einen Beitrag zur Effizienz der Märkte beitragen und damit einen positiven Effekt auf die Allokation knapper Ressourcen bewirken.[17]
[1] Vgl. Born, K., (Rechnungslegung 1999) S.16.
[2] Vgl. Gräfer,H./Demmig, C., (Internationale 1994) S. 313-314.
[3] Vgl. Schmolke, Dr. S./Deitermann, M., (Industrielles 1998) S. 199.
[4] Vgl. Gräfer,H./Demmig, C., (Internationale 1994) S. 314.
[5] Vgl. Stützel, W., (Bemerkungen 1967) S. 323 (zit.n.: Gräfer,H./Demmig, C., (Internationale 1994) S. 314-315).
[6] Vgl. Schmolke, Dr. S./Deitermann, M., (Industrielles 1998) S. 201-202.
[7] Die AICPA ist eine Organisation, die sich aus externen Prüfern und anderen Fachleuten des Rechnungswesens zusammensetzt.
[8] Zit.n. Pellens, B., (Internationale 1998) S.110.
[9] Vgl. Born, K., (Rechnungslegung 1999) S. 267.
[10] Amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde
[11] Vgl. Pellens, B., (Internationale 1998) S.110-111.
[12] KPMG, (Rechnungslegung 1999) S.XXIII.
[13] Vgl. Ballwieser, W., (Rechnungslegung 2000) S.21.
[14] in Anlehnung an Pellens, B., (Internationale 1998) S. 117, http://www.sec.gov, http://www.fasb.org.
[15] Das FASB ist die wichtigste Institution für die Enwtwicklung von US-GAAP
[16] Die SFAC sind Verlautbarungen des FASB und bilden zusammen das Rahmenwerk der US-GAAP
[17] Vgl.: Siebert, H., (Grundlagen 1996) S. 131-135.
9783638150736
9783668148154
v7982
Hochschule Fulda – Wirtschaftswissenschaften
Internationale Rechnungslegung Bilanzierung Umlaufvermögens US-GAAP Vergleich
Diplom Betriebswirt Stefan Herdt (Autor)
Die Bilanzierung von Minderheitsanteilen im Ein- und Mehrstufigen Konzern nach HGB, IAS und US-GAAP
Bilanzierung des Sachanlagevermögens nach HGB im Vergleich zu US-GAAP und IAS

References: § 238

§ 238
 § 243
 § 264
 § 264
 § 5
 § 240
 § 256
 § 246
 § 243