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Timestamp: 2017-06-25 20:44:42+00:00

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Was sollte ich über das Thema Abmahnung wissen?
Eine Abmahnung ist noch kein endgültiger Rausschmiss, gilt allerdings als gehöriger Schuss vor den Bug und geht einer Kündigung voraus. Sie wird (meist schriftlich) immer dann ausgesprochen, wenn man grob gegen seinen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag verstoßen hat. Dazu gehört etwa, wenn man ohne Grund nicht zur Berufsschule geht oder im Betrieb fehlt, ohne dafür eine angemessene Entschuldigung zu haben. Auch wer wiederholt gegen die Regeln und Abläufe im Ausbildungsbetrieb verstößt und nicht bereit ist, diese zu akzeptieren, kann abgemahnt werden. Das Ziel der Abmahnung besteht darin, der- oder demjenigen, der seine Ausbildungspflichten etwas frei ausgelegt hat, eine Chance zu geben, sich zu bessern. Keine Chance auf Besserung gibt's bei Diebstahl oder ähnlich schweren Vergehen. Hier lautet auch während der Ausbildung die mögliche Konsequenz: fristlose Kündigung. Ansonsten kann aus den Abmahnungen immer dann eine Kündigung werden, wenn man bereits zwei rechtmäßige Abmahnungen mit ähnlicher Begründung erhalten hat und weiterhin sein Verhalten nicht angemessen verändert hat. Abmahnungen mit unterschiedlicher Ursache führen daher selbst beim dritten Mal nicht unweigerlich zur Kündigung. Zudem können Abmahnungen verjähren. So kann man etwa davon ausgehen, dass nach etwa einem Jahr eine während der Ausbildung rechtmäßig ausgesprochene bzw. zugegangene Abmahnung gegenstandslos wird.
Des Weiteren gelten klare formale Vorgaben für Abmahnungen. Diese muss der Betrieb inhaltlich und zeitlich sehr genau einhalten, damit eine Abmahnung wirksam wird. In jedem Fall sollte man sich nach dem Erhalt einer Abmahnung durch einen unabhängigen Experten persönlich beraten lassen.
Welche Arbeitskleidung ist Pflicht und wer muss was bezahlen?
Arbeitskleidung ist nicht gleich Arbeitskleidung. Der Dresscode einer Stewardess ist das eine, der Sicherheitsanzug am Hochofen etwas völlig anderes. Daher unterscheidet man grundsätzlich folgende Kategorien: Arbeitskleidung: Hierzu zählt beispielsweise der Arbeitsanzug in einer Kfz-Werkstatt. Die private Kleidung wird geschont und die Kleidung ist meist sehr viel strapazierfähiger und einfacher zu reinigen. Die Kosten für Anschaffung und Reinigung tragen die Auszubildenden hierfür selbst.
Berufsbekleidung: Fleischer, Zimmerleute oder Dachdecker tragen diese oft berufstypische Bekleidung. Auch hier sorgt der Auszubildende für Anschaffung und Reinigung, wenn tariflich oder arbeitsvertraglich nichts anderes geregelt wurde. Dienstkleidung: Hierzu zählt bspw. die Uniform der Stewardess oder auch der betrieblich vorgeschriebene Overall mit Schriftzug und Firmenemblem. Ziel ist das einheitliche Erscheinungsbild auch durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu transportieren. Hier ist grundsätzlich der Betrieb derjenige, der diese Bekleidung stellt und einen Reinigungsservice bietet. Eine Kostenbeteiligung ist allerdings auch bereits während der Ausbildung möglich.
Schutzkleidung: Hierzu zählen etwa vorgeschriebene Sicherheitsschuhe, -helme oder -brillen sowie Kleidung, die aus hygienischen Gründen getragen werden muss. Der Betrieb ist in diesen Fällen sogar verpflichtet, diese in ausreihendem Maße für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorzuhalten. Kostenbeteiligungen, auch seitens der Auszubildenden, sind allerdings auch bei Schutzkleidung möglich.
Verordnung über Sicherheit und Gesundheit bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen
Mit Beginn der Berufsausbildung startet das Arbeitsleben in all seinen Farben und Formen sowie Pflichten und Rechten. Damit hierbei alles korrekt zugeht und nichts durcheinander kommt, ist leider viel Papier und jede Menge Verwaltung notwendig. Hierzu zählt die arbeits- und steuerrechtliche Vollständigkeit der Arbeitspapiere. Und dazu gehören: die Lohnsteuerkarte, der Sozialversicherungsausweis, der Ausbildungsvertrag, die Arbeitsbescheinigung zur Vorlage beim Arbeitsamt, im Lebensmittelgewerbe das Gesundheitszeugnis, für jugendliche Beschäftigte eine entsprechende Gesundheitsbescheinigung. Unterlagen, die Auszubildende bereits bei Beginn der Ausbildung parat haben sollten: die Lohnsteuerkarte, den Sozialversicherungsausweis sowie ggfs. die Gesundheitsbescheinigung und im Lebensmittelgewerbe das Gesundheitszeugnis. Wer die Ausbildung abbricht oder den Betrieb wechselt, hat ein Recht auf Aushändigung seiner Unterlagen, die man sich allerdings selbst abholen muss. Sofern man aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage dafür ist, hat der Betrieb diese zuzustellen. Beim Start der Ausbildung bekommen Auszubildende vom Betrieb eine Kopie des Ausbildungsvertrages. Diese sollte man gut aufbewahren und einen Ordner anlegen, in den sämtliche entsprechende Unterlagen abgeheftet werden. Sollten Unregelmäßigkeiten bei der Herausgabe der Papiere auftreten, z.B. die Kopie des Ausbildungsvertrages lässt auf sich warten, so steht die Ausbildungsberatung der zuständigen Handwerkskammer bei Fragen zur Verfügung.
Wie lang ist meine tägliche Arbeitszeit und wie viele Pausen stehen mir zu?
Die Arbeitszeiten sind ziemlich konkret im Jugendarbeitsschutzgesetz und für Erwachsene im Arbeitszeitgesetz geregelt. Mehr Arbeitszeit ist Jugendlichen nur in engen Grenzen erlaubt. Auch die Pausenregelung ist bei Jugendlichen und Erwachsenen genau festgelegt. Diese Pausen sind nicht der Arbeitszeit hinzuzurechnen.
Zur Arbeitszeit gehört: Die Zeit von Anfang bis Ende der täglichen Beschäftigung. Beginn ist der Zeitpunkt - sofern tariflich nichts anders lautendes vereinbart ist -, in dem es dem Ausbildungsbetrieb möglich ist, den Auszubildenden einzusetzen. Das Fertigmachen des Arbeitsplatzes sowie andere Vor- und Abschlussarbeiten gehören auch zur Arbeitszeit. Die Zeit, die man in der Überbetrieblichen Ausbildung oder der Berufsschule verbringt, ist ebenfalls hinzuzurechnen. Das gilt auch für die Wege vom Betrieb zum Kunden oder der Baustelle. Fängt man allerdings morgens zum Beispiel direkt auf der Baustelle mit der Arbeit an und trifft sich dort mit seinen Kollegen, so zählt die Anfahrt von zu Hause bis dahin nur in dem Maße, wie sie längere Zeit in Anspruch nimmt als der direkte Weg zum Betrieb.
Eindeutig nicht der Arbeitszeit zuzurechnen sind damit die Wege zwischen seinem Wohnort und dem Ausbildungsbetrieb, den Hin- und Rückfahrten von der Wohnung zur Berufsschule oder zur überbetrieblichen Unterweisung, Ruhepausen die mindestens 15 Minuten lang sind sowie das Waschen und Umkleiden oder auch das An- oder Ablegen von Sicherheitskleidung.
Arbeitszeiten, die über das vertraglich oder auch tariflich vereinbarte Arbeitszeitmaß hinaus gehen, zählen zu den Überstunden. Für Jugendliche gelten diesbezüglich strenge Regelungen. Mehr zum Jugendarbeitsschutzgesetz, dem Thema Arbeitszeit und Überstunden gibt's hier.
In Notfällen müssen alle Arbeitnehmer/innen (Jugendliche nur, sofern Erwachsene Arbeitnehmer/innen nicht ausreichend zur Verfügung stehen) Überstunden leisten. Dies hat vor allem mit der arbeitsvertraglichen Treuepflicht zu tun. Überstunden sind gemäß BBiG zudem besonders zu vergüten und ein zusätzlicher Freizeitausgleich kommt auch noch hinzu.
Arztbesuch oder Behördengänge
Was gilt es bei Arztbesuchen oder Behördengängen zu beachten?
Grundsätzlich sollten diese, so es sich denn terminlich vereinbaren lässt, außerhalb der Ausbildungszeiten liegen. Sollte eine entsprechende gesundheitliche Dringlichkeit geboten sein, findet der Arztbesuch selbstverständlich während der Ausbildungszeit statt. Gleiches gilt, wenn der Versuch, einen Termin außerhalb der Arbeitszeit zu bekommen, erfolglos bleibt. Die Ausbildungsvergütung wird selbstverständlich auch in diesem Fall fortgezahlt, falls keine anderen tariflichen oder betrieblichen Regelungen bestehen. Für Behördengänge oder andere Anlässe gelten diese Regelungen entsprechend, z.B. bei der eigenen Hochzeit, der Geburt eines Kindes, der Beerdigung von Eltern, Ehegatten oder Geschwistern, der Führerscheinprüfung oder der Pflege eines plötzlich und unerwartet schwer erkrankten nahen Angehörigen. Sonderregeln (§ 16 MuSchG) gelten in diesem Zusammenhang für Schwangere.
Wann wird ein Aufhebungsvertrag notwendig und was ist das?
Wenn ein Ausbildungsverhältnis in beiderseitigem Einvernehmen beendet werden soll, so kann dies durch einen Aufhebungsvertrag geregelt werden. Vorher sollte man allerdings genau prüfen, ggfs. durch Hinzuziehung eines Ausbildungsberaters einer Handwerkskammer, ob sich nicht im Gespräch die Situation so beheben lässt, dass die Ausbildung erfolgreich beendet werden kann.
Der Zeitpunkt, zu dem der Ausbildungsvertrag geschlossen wird und wann dieser wirksam wird, ist grundsätzlich von den beiden Parteien frei und im Einvernehmen zu klären. Die schriftliche Form des Ausbildunsvertrags ist hier vorgeschrieben. Bei minderjährigen Auszubildenden ist selbstverständlich die unterzeichnete Genehmigung seitens der Eltern (bzw. gesetzlichen Vertreter) notwendig. Über die Konsequenzen des Aufhebungsvertrags hat der Betrieb den Auszubildenden klar und verständlich aufzuklären. Auch diese Aufklärung kann sich der Betrieb schriftlich bestätigen lassen. Auszubildenden, die einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen, sollte ebenfalls klar sein, dass sie mögliche Ansprüche gegenüber der Arbeitsagentur für eine Übergangszeit verlieren. Besteht ein Betriebsrat im Unternehmen, so muss dieser bei Abschluss eines Aufhebungsvertrages nicht angehört werden.
Was habe ich von ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH)?
Sollte aufgrund schulischer oder sprachlicher Defizite, oder auch weil es Probleme im sozialen Umfeld gibt, der Ausbildungserfolg gefährdet sein, so können ausbildungsbegleitende Hilfen bei der zuständigen Arbeitsagentur beantragt werden. Durch Stützunterricht und eine sozialpädagogische Begleitung werden Defizite abgebaut und der Ausbildungsabschluss möglichst gesichert. Die Kosten hierfür und Entscheidung darüber trägt auch Arbeitsagentur.
Wer besitzt eine Ausbildungsberechtigung?
Ausbilden darf nur, wer persönlich und fachlich geeignet ist oder aber eine geeignete Ausbilderin oder einen Ausbilder beschäftigt. Zudem muss die Ausbildungsstätte von Art und Einrichtung her für die Ausbildung geeignet sein.
Ob jemand fachlich geeignet ist, junge Menschen in einem Beruf auszubilden, hängt entscheidend von der Einordnung des jeweiligen Ausbildungsberufes ab. Ob ein Handwerksbetrieb, bei dem man sich bewerben möchte, die Ausbildungsberechtigung in dem jeweiligen Beruf besitzt, weiß die Ausbildungsberatungen der entsprechenden Handwerkskammer.
Welche Ausbildungsberufe gibt`s im Handwerk?
Was sind und was regeln Ausbildungsordnungen?
Ausbildungsordnungen sind rechtliche Verordnungen, die bundeseinheitlich gelten und Standards für die betriebliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf festlegen. Folgendes wird mindestens in der Ausbildungsordnungen geregelt: Bezeichnung des Ausbildungsberufes, Ausbildungsdauer, berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung (der sog. "Ausbildungsrahmenplan") und die Prüfungsanforderungen.
Wie Ausbildungsordnungen entstehen, ist hier nachzulesen. Eine umfangreiche Download-Liste zahlreicher Ausbildungsordnungen zu den unterschiedlichsten Berufen ist hier zu finden. Ausbildungsvergütung
Wie viel verdient man in welchem Beruf (die "Ausbildungsvergütung")?
Das Berufsbildungsgesetz legt fest, dass die Vergütung für den jeweils laufenden Kalendermonat spätestens am letzten Arbeitstag dieses Monats zu zahlen ist. Viele Fragen zum Thema Ausbildungsvergütung beantwortet die Online-Plattform des Bundesinstituts für Berufsbildung.
Wie kann ich eine Ausbildungszeitverkürzung durch eine vorzeitige Zulassung zur Prüfung erreichen?
Die Handwerksordnung sieht im § 37 vor, dass Auszubildende bereits sechs Monate vor ihrem regulären Prüfungstermin zur Prüfung zugelassen werden können, wenn ihre Leistungen dies rechtfertigen. Das ist regelmäßig dann der Fall, wenn sie im Betrieb und in den Berufsschulfächern des berufsbezogenen Bereichs jeweils im Durchschnitt mindestens gute Leistungen (> 2,49) nachweisen können. Die vorzeitige Zulassung muss bei der die Prüfung durchführenden Stelle (z.B. Handwerkskammer) unter Vorlage einer Beurteilung des Betriebes sowie des letzten Berufsschulzeugnisses und der üblichen Anmeldeunterlagen beantragt werden. Das Ausbildungsverhältnis endet in diesem Fall mit dem Bestehen der vorzeitigen Prüfung.
Kann ich während der Ausbildung auch ins Ausland?
Bis zu einem Viertel der Ausbildungszeit kann - in Absprache mit dem ausbildenden Betrieb - im Ausland absolviert werden. Noch mehr Infos über Ausbildung im Ausland und den zusätzlichen Abschluss Europa-Assistent unter www.letsgo-azubi.de, www.europass-berufsbildung.de, www.ausbildung-plus.de Belästigung
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist eine schwere Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Jedes sexuell bestimmte Verhalten, das von den Betroffenen nicht erwünscht und von ihnen als beleidigend und abwertend empfunden wird, ist als sexuell Belästigung einzustufen. Dazu gehören verbale und nonverbale sowie offene und versteckte Übergriffe gleichermaßen. Beispiel hierzu: unnötiger Körperkontakt, Bemerkungen mit sexuellem Inhalt, anzügliche Witze oder eMails, das Zeigen pornografischer Darstellungen, Aufforderung oder Nötigung zu sexuellen Handlungen, Anspielungen und/oder Witze über vermeintliche oder tatsächliche Homosexualität, Versprechen beruflicher Vorteile bei sexuellem Entgegenkommen, Androhen beruflicher Nachteile bei sexueller Verweigerung.
In jedem Fall sollten sich Betroffene an eine Person ihres Vertrauens wenden und mit der personalverantwortlichen Person darüber in Kontakt treten, so dies denn möglich ist. Auf jeden Fall sollte man mit dem Problem nicht alleine bleiben. Auch helfen entsprechende Anlaufstellen weiter. Diese sind unter anderem zu finden, unter www.frauennotrufe-nrw.de oder über das bundesweite Netzwerk unter www.frauen-gegen-gewalt.de. Berichtsheft
Bin ich verpflichtet ein Berichtsheft zu führen?
Ja. Für die Ausbildung im Betrieb, die überbetriebliche Ausbildung im Bildungszentrum und den Unterricht in der Berufsschule müssen Auszubildende während der gesamten Ausbildungszeit regelmäßig (mindestens wöchentlich) ein Berichtsheft stichwortartig führen. Dabei wird dem Auszubildenden das Berichtsheft seitens des Betriebs kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auch muss der Ausbildungsbetrieb dem Auszubildenden während der Ausbildungszeit Gelegenheit zur Berichtsheftsführung geben und er ist sogar dazu verpflichtet den Auszubildenden zur Führung des Berichtsheftes anzuhalten und dieses mindestens monatlich durchzusehen.
Sollten Ausbildungsnachweise fehlen, weil das Berichtsheft bspw. Lücken aufweist, kann dies sogar die Nichtzulassung zur Gesellenprüfung zur Folge haben. In dem Berichtsheft beschreiben Auszubildende mit kurzen berufsspezifischen Formulierungen ihre täglich ausgeführten Arbeiten und Lehrinhalte. Gleichfalls werden die Tätigkeiten stichwortartig aufgeführt, die genutzten Werkstoffe genannt sowie der Einsatz von Maschinen und Hilfsmitteln oder Prüfzeugen erwähnt.
Darf der Ausbildungsbetrieb Auszubildende von dem Berufsschulbesuch oder dem Besuch der überbetrieblichen Ausbildungsstätte freistellen?
Beim Berufsschulunterricht und der überbetrieblichen Ausbildung handelt es sich um verbindliche Bestandteile der Berufsausbildung im Handwerk. Der Ausbildungsbetrieb muss den Auszubildenden daher zum Besuch des Unterrichts und der vorgeschriebenen Kurse sowie für die Prüfungen freistellen. Das heißt, der Ausbildungsbetrieb muss dem Auszubildenden die Teilnahme ermöglichen und darf ihn während dieser Zeit nicht beschäftigen.
Für die Zeit der Freistellung läuft die Ausbildungsvergütung weiter.
Was heißt Duale Berufsausbildung?
Werden mir als Auszubildenden anfallende Fahrtkosten erstattet?
Seitens des Betriebs werden Fahrtkosten zur Arbeitsstätte und zur Berufsschule nicht erstattet. Diese können lediglich in der eigenen Steuererklärung des Auszubildenden geltend gemacht werden. Fahrtkosten zur überbetrieblichen Ausbildung (inklusive der anfallenden Verpflegungs- und Übernachtungskosten bei mehrtägigen Kursen) sind dagegen vom Betrieb zu tragen. Beim Besuch überregionaler Berufsschulen (z.B. Bezirks-, Landes- oder Bundesfachklassen) kann der Auszubildende über die Berufsschule entsprechende Landeszuschüsse zu Fahrtkosten, Unterkunft und Verpflegung beantragen. Eine Anfrage bei der jeweiligen Berufsschule lohnt sich.
Fahrtkosten, die im Zusammenhang mit Fahrten zur Baustelle anfallen, regeln die einschlägigen Tarifverträge. Teilnahme an Prüfungen: Fahrtkosten zur Zwischenprüfung trägt der Betrieb (Grund: Die Zwischenprüfung ist fester Bestandteil der Ausbildung und damit verpflichtend.) Fahrtkosten im Zusammenhang mit der Gesellen-/Abschlussprüfung muss der Ausbildungsbetrieb nicht zahlen. Diese Prüfung ist ausdrücklich keine Ausbildungsveranstaltung. Höhe der Fahrtkostenerstattung: es werden die tatsächlich angefallenen Kosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (2. Klasse) erstattet. Wenn der Auszubildende sein Privatfahrzeug nutzt, sind lediglich die angefallenen Treibstoffkosten zu erstatten. Ein Recht darauf, die steuerlich anerkannte Kilometerpauschale erstattet zu bekommen, besteht nicht.
Was machen Gewerkschaften und was hab ich davon?
Gewerkschaften machen sich stark für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gerade für junge Berufstätige und Auszubildende setzen sich auch die jeweiligen Jugendorganisationen ein: DGB-Jugend, VER.DI Jugendhttp://jugend.verdi.de/, IG Metall Jugend.
Welche Zugänge zur Hochschule gibt's?
Wer nach Abschluss seiner beruflichen Ausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung ein Studium anschließen möchte, hat nicht nur beste Chancen, sondern startet mit wertvollem Praxisvorsprung. Details über die Zugangsmöglichkeiten, Studienorte und -gänge, gibt's hier.
Wann kann wem, wie und warum die Kündigung während der Ausbildung ausgesprochen werden?
Während der im Ausbildungsvertrag vereinbarten Probezeit kann jede Vertragspartei das Ausbildungsverhältnis jederzeit und ohne Angaben von Gründen fristlos kündigen. Einzige Ausnahme: Schwangerschaft. In diesem Fall ist selbst während der Probezeit eine Kündigung grundsätzlich nicht möglich. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen und dem Vertragspartner auch vor Ablauf der Probezeit zugegangen sein.
Nach Ablauf der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis seitens des Betriebes nur in den Fällen fristlos gekündigt werden, in denen ein wichtiger Grund* hierfür vorliegt. Auszubildende können nach der Probezeit mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen, wenn sie die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen wollen, kündigen.
(*Liegt dann vor, wenn dem Kündigenden die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung des Interesses beider Vertragsparteien nicht länger zuzumuten ist. Bsp. hierfür: Stillegung der Ausbildungsstätte, fortgesetztes und unentschuldigtes Fehlen des Auszubildenden, mangelhafte Ausbildungsleistungen des Betriebs, rassistische Äußerungen, etc.)
Grundsätzlich gilt: Je länger ein Ausbildungsverhältnis besteht, um so strenger sind die Anforderungen, die an das Vorliegen eines wichtigen Grundes geknüpft werden. Je näher man also an seine Abschluss-/ oder Gesellenprüfung heranrückt, desto unkündbarer wird man.
Siehe auch: "Was sollte ich über das Thema Abmahnung wissen?"
Welche Chancen haben Mädchen im Handwerk?
Viele Mädchen stürzen sich im Handwerk nach wie vor auf nur wenige Berufsfelder. Der gewerblich-technische Bereich wird leider zu selten ausgesucht. Dabei zeigen gerade die wenigen weiblichen Auszubildenden in diesen Berufen, dass sie hervorragend abschneiden und oftmals bessere Leistungen erbringen als ihre männlichen Kollegen. Beweise hierfür: die besseren Noten auf den Abschlusszeugnissen und das regelmäßig gute Abschneiden der Mädchen im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks, ein Wettbewerb, bei dem nach der Ausbildung nur die Besten ihres Handwerks aufeinander treffen.
Schülerinnen, die sich mal für ein Praktikum in den Werkstätten, Ateliers oder auf den Baustellen des Handwerks umsehen möchten, bieten die Ausbildungsberatungen der Handwerkskammern Hilfestellung. Eine gute Gelegenheit, sich über die Betriebe und Karrierewege im Handwerk zu informieren, ist gleichfalls der jährlich stattfindende "Girls´Day" - Mädchen-Zukunftstag. Mehr dazu, wie auch die kostenfreie Broschüre 'Style your future': www.girls-day.de
Wo finde ich mehrsprachige Informationen über das Handwerk oder Unterstützung für Migrantinnen und Migranten in der Berufswahl?
Eine ausführliche Broschüre sowie eine Kurzpräsentation über das Handwerk bietet der Westdeutsche Handwerkskammertag in 25 Sprachen an. Einen dokumentarischen Kurzfilm zur Berufsorientierung für junge Migrantinnen und Migranten bietet BQM Hamburg. Weitere Medien und Beratungsservices: <media 3408 - - "TEXT, profil broschuere-2010 download, profil_broschuere-2010_download.pdf, 7.5 MB">PROFIL -- Zukunft durch Ausbildung</media> Zweisprachiges (türkisch -- deutsch) Magazin zur Berufswahlorientierung mit guten Beispielen und umfangreichen Hintergrundinformationen für einen erfolgreichen Berufsstart. IBQM - Initiativstelle Berufliche Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten, BQN - Berufliche Qualifizierungsnetzwerke für Migrantinnen und Migranten in NRW, BQN IHK + HWK Region Köln - Beratungsstelle zur Qualifizierung von Nachwuchskräften mit Migrationshintergrund in der Region Köln,
RAA - Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien, Bund Türkisch-Europäischer Unternehmer/-innen e.V. - Unterstützt die Suche nach dem geeigneten Ausbildungsplatz, Integration in Deutschland - Zentrale Informationsplattform zum Thema Integration in Deutschland mit umfangreichen Infos, Kontaktdaten und Beratungsstellen sowie einem direkten Bürgerservice (auch unter www.politische-bildung.nrw.de, www.mgffi.nrw.de, www.good-practice.de/32.php, www.bmi.bund.de, www.cimonline.de, www.auswaertiges-amt.de, www.intqua.de, www.bundesregierung.de, www.laga-nrw.de, www.bamf.dehttp://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragtefuerIntegration/beauftragte-fuer-integration.html), Schulen ans Netz e.V. bietet ein interkulturelles Portal für Jugendliche, Eltern und alle, die sich dafür einsetzen, dass kulturbedingte Hürden beim Berufseinstieg erst gar nicht entstehen. Die Bundesagentur für Arbeit stellt auf ihrer Plattform www.planet-beruf.de eine Broschüre zur Verfügung, die vor allem türkischstämmige Eltern dabei unterstützt, den Weg ihrer Kinder ins Berufsleben aktiv zu begleiten.
Online-Services und Medien
Welche Online-Services und Medien sind zum Thema Ausbildung empfehlenswert?
www.ausbildungplus.de Wer mit seiner Ausbildung nicht ausgelastet ist und bereits währenddessen Zusatzqualifikationen anstrebt, findet hier alles, was er wissen muss. Ob Voraussetzungen, Inhalte, die Perspektiven oder die Chancen, ein Blick lohnt sich in jedem Falle. www.beroobi.de Berufe online erleben. Kurze Filme, viele Bilder, grelle Farben. Ein Projekt von Schulen ans Netz e.V.
www.berufenet.de Der Klassiker der Arbeitsagentur mit allem, was man über die unterschiedlichen Ausbildungsberufe wissen kann oder soll.
www.bibb.de Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz: BiBB. Vieles, was in der Berufswahlvorbereitung wichtig ist und über das die meisten immer wieder stolpern. Neben einem A bis Z zum Thema Berufsausbildung sind zahlreiche Ausbildungsordnungen und ein breites Spektrum an neuen Berufen sowie treffende Antworten auf alle häufig gestellten Fragen intuitiv zu finden.
www.bmbf.de Gut zu gebrauchen - die Infos des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Aktuelles Highlight: 243 Seiten, 9,76 MB mit allem, was an rechten und Pflichten während der Ausbildung anfällt. Verpackt im PDF-Format gut als Nachschlagewerk auch während der Ausbildung zu empfehlen. Titel: 'Ausbildung & Beruf. Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung'
www.bmwi.de Das Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie bietet zahlreiche Ausbildungsordnungen, die in Gesetzesform alles das beschreiben, was an Inhalten während der Ausbildung auf einen zu kommt. Außerdem gibt's eine Menge Bewerbungstipps und Entscheidungshilfen. Klasse sortiert und schön konkret, Querklicken lohnt sich.
www.handwerkskammer.de Kontakt zu allen Handwerkskammern und deren Angebote, die viel über Ausbildung und Karriere beinhalten und Kontaktmöglichkeiten bieten. www.kursnet.arbeitsagentur.de Übersichtliche Datenbank mit guten Suchfunktionen für Aus- und Weiterbildung von der Bundesagentur für Arbeit.
www.letsgo-azubi.de Ausland gefällig? Während der Ausbildung? Kein Problem. Die letsgo-azubi.de Plattform zeigt wie's geht und hilft weiter. Im Mittelpunkt stehen alle diejenigen die bereits über Erfahrungen im Ausland verfügen. Sie geben Tipps, berichten und verraten was sie erlebt haben, in der Welt, mit ihrem Beruf.
www.planet-beruf.de Breit aufgestellter Onlineservice von der Arbeitsagentur, der zu nahezu allen Themen was bietet und zahlreiche Sonderpublikationen zum Download vorhält. Aktuelle Beispiel: Ein Elternheft zur Berufswahlorientierung - auch in türkischer Sprache erhältlich.
Pflichten als Auszubildender
Welche Pflichten hab ich als Auszubildender?
Gemäß § 13 BBiG haben Auszubildende sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist. Sie sind insbesondere verpflichtet 1. die ihnen im Rahmen ihrer Berufsausbildung aufgetragenen Aufgaben sorgfältig auszuführen (sog. Lernpflicht),
2. an Ausbildungsmaßnahmen teilzunehmen, für die sie nach § 15 freigestellt werden (Berufsschulunterricht und Prüfungen),
3. den Weisungen zu folgen, die ihnen im Rahmen der Berufsausbildung von Ausbildenden, von Ausbildern oder Ausbilderinnen oder von anderen weisungsberechtigten Personen erteilt werden (sog. Weisungsgebundenheit),
4. die für die Ausbildungsstätte geltende Ordnung zu beachten (sog. betriebliche Ordnungspflicht),
5. Werkzeug, Maschinen und sonstige Einrichtungen pfleglich zu behandeln (sog. Sorgfaltspflicht),
6. über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen zu wahren (sog. Geheimnispflicht),
7. bei Fernbleiben von der betrieblichen Ausbildung, der Berufsschule oder von sonstigen Ausbildungsveranstaltungen den Ausbildungsbetrieb unter Angabe von Gründen unverzüglich zu benachrichtigen und bei Krankheit oder Unfall spätestens am dritten Tag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zuzuleiten(sog. Benachrichtigungspflicht),
8. ein vorgeschriebenes Berichtsheft zu führen und dem Ausbildungsbetrieb regelmäßig vorzulegen (sog. Berichtsheftpflicht),
9. soweit der Auszubildende minderjährig ist, sich gemäß Jugendarbeitsschutzgesetz ärztlich a) vor Beginn der Ausbildung untersuchen sowie b) vor Ablauf des ersten Ausbildungsjahres nachuntersuchen zu lassen und die Bescheinigung hierüber dem Ausbildungsbetrieb unverzüglich vorzulegen (sog. ärztliche Untersuchungspflicht).
Pflichten des Betriebs
Welche Pflichten hat der Betrieb gegenüber dem Auszubildenden zu erfüllen?
§ 14 Abs. 1 BBiG regelt die Verpflichtungen des Ausbildenden, d.h. des Ausbildungsbetriebs. Demnach haben sie, 1. dafür zu sorgen, dass dem Auszubildenden sämtliche durch die Ausbildungsordnung (interner Link) vorgeschriebenen Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden. Dabei ist die durch den Ausbildungsrahmenplan vorgegebene zeitliche Abfolge einzuhalten. 2. selbst auszubilden oder einen persönlich und fachlich geeigneten Ausbilder ausdrücklich damit zu beauftragen und diesen dem Auszubildenden jeweils bekannt zu geben,
3. dem Auszubildenden vor Beginn der Ausbildung die Ausbildungsordnung kostenlos auszuhändigen,
4. dem Auszubildenden kostenlos die Ausbildungsmittel, insbesondere Werkzeuge und Werkstoffe zur Verfügung zu stellen, die für die Ausbildung in den betrieblichen und überbetrieblichen Ausbildungsstätten und zum Ablegen von Zwischen- und Abschlussprüfungen, auch soweit solche nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses stattfinden, erforderlich sind,
5. den Auszubildenden zum Besuch der Berufsschule anzuhalten und dafür freizustellen. Das gleiche gilt, wenn Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte vorgeschrieben sind (z.B. Besuch der überbetrieblichen Ausbildung),
6. dem Auszubildenden vor Ausbildungsbeginn und später die Berichtshefte für die Berufsausbildung kostenlos auszuhändigen und die ordnungsgemäße Führung durch regelmäßige Abzeichnung zu überwachen,
7. dem Auszubildenden nur Verrichtungen zu übertragen, die dem Ausbildungszweck und seinen körperlichen Kräften angemessen sind,
8. dafür zu sorgen, dass der Auszubildende charakterlich gefördert sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet wird,
9. sich bei minderjährigen Auszubildenden eine Bescheinigung gemäß §§ 32 oder 33 Jugendarbeitsschutzgesetz darüber vorlegen zu lassen, dass dieser a) vor der Aufnahme der Ausbildung untersucht und b) vor Ablauf des 1. Ausbildungsjahres nachuntersucht worden ist,
10. Unverzüglich nach Abschluss des Berufsausbildungsvertrages dessen Eintragung in die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer unter Beifügung der Vertragsniederschrift zu beantragen; entsprechendes gilt bei späteren Änderungen des wesentlichen Vertragsinhalts. Bei minderjährigen Auszubildenden ist außerdem die ärztliche Bescheinigung (Original oder Kopie) über die Erstuntersuchung gemäß § 32 Jugendarbeitsschutzgesetz beizufügen,
11. den Auszubildenden für die Teilnahme an den angesetzten Zwischen- und Abschlussprüfungen freizustellen.
Wie gelange ich an einen Praktikumsplatz?
Adressen (interner Link auf das Suchfeld der Datenbank) ausbildungsberechtigter Betriebe in Nordrhein-Westfalen, von denen viele auch Praktika anbieten. Selbstverständlich stellen auch weitere Handwerkskammern und zahlreiche Verbände der jeweiligen Berufe online Lehrstellen- und Praktikabörsen zur Verfügung. Sämtliche Adressen und Kontakt: www.handwerkskammer.de oder www.zdh.de.
Was hat es mit der Probezeit auf sich?
Die Berufsausbildung startet mit der Probezeit. Diese dauert mindestens einen Monat und max. vier Monate. Eine Verlängerung ist nur dann möglich, wenn sie um mehr als ein Drittel unterbrochen wurde. Das Ziel besteht vornehmlich darin, dass sich beide Vertragspartner darüber Gewissheit verschaffen, dass sie gemeinsam das Ausbildungsziel auch erreichen. Während der Probezeit kann jede Vertragspartei den Ausbildungsvertrag jederzeit und ohne Angaben von Gründen fristlos kündigen. Ausnahmen gelten lediglich für schwangere Auszubildende. Hier ist auch während der Probezeit keine Kündigung möglich.
Tarifverträge werden zwischen Arbeitgeberverbänden oder auch einzelnen Unternehmen und den jeweils für den Berufsstand zuständigen Gewerkschaften gemäß Tarifvertragsgesetz geschlossen. Für eine Vielzahl von Arbeitsverhältnissen des jeweiligen Geltungsbereichs werden hier für einen festgelegten Zeitraum verbindliche Mindeststandards für alle wichtigen Arbeits- und Einkommensbedingungen geregelt. Dazu gehören bspw.: Löhne und Gehälter, Ausbildungsvergütungen, Arbeitszeiten, Urlaubszeiten und Urlaubsgelder, das Weihnachtsgeld, die Kündigungsfristen und vieles andere mehr. Üblicherweise sind die tariflich vereinbarten Regelungen zwischen Arbeitgeber und -nehmer für den Arbeitnehmer günstiger als die gesetzlichen Bestimmungen. Ein Tarifvertrag findet allerdings grundsätzlich nur dann auf ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis Anwendung, wenn der Ausbildungsbetrieb Mitglied der Innung ist und die oder der Auszubildende Mitglied der jeweiligen Gewerkschaft (tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer). Sollte ein Ausbildungsbetrieb nicht tarifgebunden sein, so kann dies auch durch eine entsprechende Regelung im Ausbildungsvertrag vereinbart werden.
Eine andere Möglichkeit, Tarifgebundenheit herzustellen, liegt immer dann vor, wenn durch den oder die jeweilige/n Bundes- oder Landesarbeitsminister/in der Vertrag für allgemein verbindlich erklärt wurde. Informationen dazu, welche Tarifverträge für verbindlich erklärt wurden, gibt's hier. Mehr über Tarifverträge, deren Geltung und Verhandlung: Hans-Böckler Stiftung oder DGB-Jugend sowie VER.DI Jugend.
Toiletten- und/oder Sanitärräume
Wann müssen getrennte Toiletten- und/oder Sanitärräume im Betrieb zur Verfügung stehen?
Dies regelt § 6 der Arbeitsstättenverordnung klar und eindeutig: Umkleide-, Wasch- und Toilettenräume sind für Männer und Frauen getrennt einzurichten oder es ist eine getrennte Nutzung zu ermöglichen. Sollte sich dies aus wirtschaftlichen oder baulichen Gründen nicht realisieren lassen, reicht ein gemeinsamer Raum aus. Mittels organisatorischer Maßnahmen können die notwendigen Voraussetzungen zur Geschlechtertrennung ebenfalls gewährleistet werden. "Wir haben keine eigene Toilette für Frauen und können daher keine weiblichen Auszubildenden im gewerblich-technischen Bereich ausbilden", ist daher eine längst überholte Ausrede.
Die meisten Ausbildungsbetriebe im Handwerk haben sich auf bestimmte Leistungsbereiche innerhalb ihres Berufsfeldes bzw. der Branche spezialisiert. Aus Kosten- und Rentabilitätsgründen decken sie daher nur selten die gesamten Ausbildungsinhalte ab, wie sie im Rahmen der Ausbildungsordnung für den jeweiligen Beruf verankert sind. Um hier für einen Ausgleich zu sorgen und gewährleisten zu können, dass jeder Auszubildende am Ende seiner Lehrzeit optimal für die Abschluss- oder Gesellenprüfung sowie die anschließende Berufsausübung vorbereitet ist, werden bestimmte betriebspraktische Ausbildungsinhalte durch besondere Lehrwerkstätten vermittelt. Diese werden von den Auszubildenden berufsspezifisch besucht und sind fester Bestandteil der Ausbildung. Die so genannten ÜLUs (Überbetriebliche Lehrwerkstätten) werden zumeist von den Handwerkskammern oder Kreishandwerkerschaften betrieben. Der Unterricht findet an festen Wochentagen oder aber auch Blockweise in verschiedenen Ausbildungsabschnitten statt.
Die Hauptziele der ÜLU sind: Vertiefung und Systematisierung der beruflichen Grundbildung, Ergänzung und Sicherung eines einheitlich hohen Niveaus durch Ausgleich von innerbetrieblicher Spezialisierung und die Anpassung der Berufsqualifikation an die aktuelle technologische Entwicklung. In Rahmenlehrplänen sind die Inhalte der jeweiligen ÜLU-Kurse verankert. Online sind diese beim Heinz-Piest-Institut zu finden.
Ausbildende Betriebe sind per Gesetz verpflichtet, Auszubildende für die ÜLU-Teilnahme freizustellen. Urlaub
Wann und wie steht mir während der Ausbildung welcher Umfang an Urlaub zu?
Das Jugendarbeitsschutzgesetzhttp://bundesrecht.juris.de/jarbschg/index.html9 und das Bundesurlaubsgesetz legen jeweils fest, wie viel Urlaub der Gesetzgeber vorsieht. Abweichende Regelungen können tariflich vereinbart sein. Per Gesetz stehen unter 16-Jährigen mindestens 30 Werktage pro Jahr zu, unter 17-Jährige haben mindestens 27 Werktage pro Jahr Urlaub und 17-Jährige mindestens 25 Werktage. Erwachsene haben einen Anspruch auf mindestens 24 Werktage Urlaub, das heißt 20 Arbeitstage. Als Werktage gelten alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind. Arbeitstage (Montag bis Freitag, d.h. 5 Tage pro Woche) sind eine Formulierung, die in Tarifverträgen vorkommt. Eine Urlaubswoche besteht demnach aus 6 Werktagen oder 5 Arbeitstagen.
Falls ein Ausbildungsverhältnis zum Jahresende weniger als 12 Monate andauert, besteht ein Teilurlaubsanspruch. Danach ergibt sich pro absolviertem Ausbildungsmonat ein Anspruch von einem Zwölftel des Jahresurlaubsanspruchs. Sollten sich mathematisch hierbei mindestens halbe Urlaubstage ergeben, so sind diese zu Gunsten des Auszubildenden aufzurunden.
Der volle Anspruch auf Urlaub besteht gemäß § 4 BUrlG "nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses". Innerhalb der ersten sechs Monate ab Vertragsbeginn - auch Wartezeit genannt - kann der Ausbildungsbetrieb Urlaub gewähren, muss es allerdings nicht. Bezüglich des Urlaubszeitpunktes gilt, dass der Ausbildungsbetrieb diesen festlegen kann, zum Beispiel Betriebsferien, grundsätzlich allerdings die Wünsche des Auszubildenden zu berücksichtigen sind. Bei jugendlichen Auszubildenden gilt, dass ihnen grundsätzlich Urlaub während der Berufsschulferien zusteht. Ist dies nicht möglich, so heißt es im Jugendarbeitsschutzgesetz: "Soweit er nicht in den Berufsschulferien gegeben wird, ist für jeden Berufsschultag, an dem die Berufsschule während des Urlaubs besucht wird, ein weiterer Urlaubstag zu gewähren."
Während des Urlaubs dürfen Auszubildende keinerlei Erwerbstätigkeit ausüben.
Welche Möglichkeiten bestehen, eine Verkürzung der Ausbildungszeit zu erreichen?
Die Länge der Ausbildung ist in der jeweiligen Ausbildungsordnung verankert und vorgeschrieben. Eine Veränderung, die beispielsweise privatrechtlich durch eine entsprechende Änderung im Ausbildungsvertrag zwischen den beiden Parteien vorgenommen wird, ist nicht möglich. In besonderen Fällen und mit Genehmigung der zuständigen Handwerkskammer ist allerdings auf Antrag eine Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildungszeit realisierbar. Verschiedene Varianten sind hierfür denkbar:
Verkürzung vor Beginn der Ausbildung, 1. um bis zu 6 Monate bei Nachweis der Fachoberschulreife. 2. um bis zu 12 Monate, wenn bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anderen Berufsfeld vorliegt oder bei Nachweis der Fachhochschulreife / allgemeine Hochschulreife oder wenn die oder der Auszubildende 21 Jahre oder älter ist.
3. Wurde eine Berufsausbildung in demselben Ausbildungsberuf bereits einmal abgebrochen, so kann die zurückgelegte Ausbildungszeit ganz oder teilweise angerechnet werden.
4. Wenn ein Auszubildender nachweist, dass sie oder er bereits über einschlägige Berufserfahrungen in dem Berufsfeld verfügt, so kann dies bei der Ausbildungszeit angemessen berücksichtigt werden. Sämtliche Verkürzungen finden jeweils aus Blickrichtung des Endes der Ausbildung statt. Für die Ausbildungsvergütung folgt daraus, dass aus einer bewilligten Verkürzung kein Anspruch auf frühzeitig höhere Entlohnung erwächst.
Absolvierung eines Berufsgrundschuljahres oder einer Berufsfachschule: Diese Zeit kann auf gemeinsamen Antrag von Betrieb und Auszubildendem angerechnet werden. So kann die Ausbildung wahlweise um sechs oder zwölf Monate verkürzt werden, bei vorausgegangener Absolvierung von einem Berufsgrundschuljahr oder einer einjährigen Berufsfachschule. Gleiches gilt bei Besuch einer zweijährigen Berufsfachschule mit mittlerem Schulabschluss oder auch einer mehrjährigen Berufsfachschule mit Abschluss der Fachhochschulreife. Eine Verkürzung von bis zu 18 Monaten ist möglich, wenn eine mindestens dreijährige Berufsfachschule besucht und mit Bestehen der Hochschulreife beendet wurde. Bei all diesen 'schulischen' Fällen wird Ausbildungszeit durch schulische Vorausbildungszeiten ersetzt. Nur in diesen Fällen entsteht ein entsprechend früherer Anspruch auf die Ausbildungsvergütung des nächsten Ausbildungsjahres.
Nach Beginn der Ausbildungszeit sind ebenfalls Verkürzungen möglich. Voraussetzung dafür sind gute Leistungen (Durchschnittsnote von 2,49 oder besser) in der betrieblichen Ausbildung und den berufsbezogenen Fächern der Berufsschule. Ein schriftlicher Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit bei der zuständigen Handwerkskammer ist hierfür erforderlich. Dem Antrag an die Handwerkskammer zur Bewilligung der Verkürzung sind eine betriebliche Beurteilung sowie eine Kopie des letzten Berufsschulzeugnisses beizufügen. Erst nach Genehmigung durch die Handwerkskammer ist die Verkürzung wirksam.
Die vorzeitige Zulassung (sechs Monate) zur Gesellen- oder Abschlussprüfung ist eine weitere Möglichkeit, seine Ausbildungszeit zu verkürzen. Voraussetzung dafür sind ebenfalls gute Leistungen (Durchschnittsnote von 2,49 oder besser) in der betrieblichen Ausbildung und den berufsbezogenen Fächern der Berufsschule. Die vorzeitige Zulassung muss bei der die Prüfung durchführenden Stelle (Innung oder Handwerkskammer) rechtzeitig und durch entsprechende Unterlagen beantragt und genehmigt werden. Sollten mehrere Gründe für eine Verkürzung zusammentreffen, so sind gleichfalls Kombinationen denkbar. Grundsätzlich gelten allerdings folgende Verhältnisse zwischen Regel- und Mindestausbildungszeit: Regelzeit 42 Monate - max. Verkürzung auf 24 Monate möglich; Regelzeit 36 Monate - max. Verkürzung auf 18 Monate möglich; Regelzeit 24 Monate - max. Verkürzung auf 12 Monate möglich.
Wann verlängert sich die Ausbildungszeit?
Besteht ein Auszubildender die Gesellen-/Abschlussprüfung nicht (der Grund ist hierbei unerheblich), so verlängert sich das Ausbildungsverhältnis bis zum nächstmöglichen Prüfungstermin. Für den Verlängerungszeitraum hat die bzw. der Auszubildende Anspruch auf Ausbildungsvergütung in der zuletzt gewährten Höhe. Wird die erste Wiederholungsprüfung bestanden, endet das Ausbildungsverhältnis entsprechend.
Besteht ein Auszubildender die erste Wiederholungsprüfung abermals nicht und stellt wiederum ein Verlängerungsverlangen, verlängert sich das Berufsausbildungsverhältnis bis zur zweiten Wiederholungsprüfung nochmals. Voraussetzung dafür: Diese zweite Wiederholungsprüfung wird innerhalb der Höchstfrist von einem Jahr abgelegt. Das Ausbildungsverhältnis gilt gegenüber dem Betrieb nach Absolvierung der zweiten Wiederholungsprüfung - unabhängig ob bestanden oder nicht - als beendet.
Welchen Versicherungsschutz brauche ich während der Ausbildung?
Bereits zu Beginn der Ausbildung sollte man sich darum gekümmert und gegebenenfalls eine Beratungsstelle aufgesucht haben. Online und persönlich helfen bspw. Die Verbraucherzentralen mit ihren Services weiter. Einen gut verständlichen und hilfreichen Einstieg bietet das Jugendportal der Verbraucherzentrale NRW. Hier lohnt sich auch ein Klick auf alles rund ums Thema Altersvorsorge. Mehr dazu auch unter www.infonetz-altersvorsorge.de.
Zahlenmaterial und Statistik
Wie viele Auszubildende gibt es in den jeweiligen Handwerksberufen? Gibt es weiteres Zahlenmaterial und Statistik?
Daten & Fakten zum Handwerk sind in umfangreichem Maße und mit guter Aktualität hier zu finden: Zentralverband des Deutschen Handwerks, Westdeutscher Handwerkskammertag, Bundesagentur für Arbeit.
Daten und Fakten zum Thema Ausbildung:
Insgesamt existieren etwa 350 anerkannte Ausbildungsberufe* in Deutschland, davon allein über 130 im Handwerk. Der Rest ist den folgenden Berufszweigen zuzuordnen: Industrie und Handel, Gesundheit, Landwirtschaft sowie Büro und Verwaltung. Damit jeder sein Berufsfeld optimal erlernt und in der späteren Praxis mit allen Frage- und Aufgabenstellungen klarkommt, existieren in vielen Ausbildungsgängen nach dem 2. Lehrjahr zusätzliche Differenzierungsmöglichkeiten. Als Kfz-Mechatroniker/in hat man beispielsweise im 3. Lehrjahr die Wahl zwischen den Schwerpunkten Personenkraftwagen, Nutzfahrzeugtechnik, Motorradtechnik oder auch Fahrzeugkommunikationstechnik. Voraussetzung: Der Betrieb besitzt in der jeweils gewünschten Fachrichtung die Ausbildungsberechtigung. Darauf sollte man bereits bei seiner Bewerbung achten!
Mit einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung im Dualen System ist man bestens auf das vorbereitet, was einen beim Einstieg in den Beruf erwartet: Praxis, fachliches Know-how und ein anerkanntes Zertifikat.
(*Alle Berufe im Dualen System: www.berufenet.de, Duale Ausbildung, ein guter Überblick: www.bmbf.de/pub/duale_ausbildung_sichtbar_gemacht.zip )
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