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Timestamp: 2017-08-23 23:19:31+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 2 AZR 858/11
Schlag­worte: Kündigungsbefugnis, Kündigungsfrist
Akten­zeichen: 2 AZR 858/11
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 05.07.2010, 22 Ca 25/10
7 Sa 66/10
1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 7. April 2011 - 7 Sa 66/10 - auf­ge­ho­ben.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund ei­ner Kündi­gung der Be­klag­ten ge­en­det hat. In die­sem Zu­sam­men­hang strei­ten sie in ers­ter Li­nie darüber, ob die vor­lie­gen­de Kla­ge frist­ge­recht er­ho­ben wur­de.
Die Be­klag­te be­treibt ei­ne Spe­di­ti­on mit et­wa 100 Mit­ar­bei­tern. Der Kläger war bei ihr seit 2007 als La­ger­ar­bei­ter beschäftigt. Am 15. De­zem­ber 2009 er­hielt er ein auf Fir­men­pa­pier der Be­klag­ten ver­fass­tes Kündi­gungs­schrei­ben von die­sem Ta­ge. Das Schrei­ben enthält ein­gangs die An­ga­be „Un­se­re Ref.: P. D/sk“ und en­det un­ter der vollständig auf­geführ­ten Fir­ma der Be­klag­ten mit zwei hand­schrift­li­chen Zeich­nun­gen. Die lin­ke be­ginnt mit „ppa.“ und stellt den Schrift­zug des Pro­ku­ris­ten V dar. Die rech­te be­ginnt mit „i.V.“ und ist die Zeich­nung der Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen und Hand­lungs­be­vollmäch­tig­ten P D.
Am 2. Fe­bru­ar 2010 er­hob der Kläger ge­gen die Kündi­gung Kla­ge. Mit Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 28. Mai 2010 wies er die Kündi­gung zurück und for­der­te die Be­klag­te zur Ge­neh­mi­gung auf. Mit ei­nem von zwei Pro­ku­ris­ten un­ter­zeich­ne­ten Schrei­ben vom 1. Ju­ni 2010, wel­ches dem Kläger am Fol­ge­tag zu­ging, ge­neh­mig­te die Be­klag­te die Kündi­gung vor­sorg­lich.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er ha­be die Kla­ge recht­zei­tig er­ho­ben, weil kei­ne schrift­li­che Kündi­gung vor­lie­ge. Die hand­schrift­li­chen Zeich­nun­gen auf dem Schrei­ben vom 15. De­zem­ber 2009 sei­en kei­ne Un­ter­schrif­ten, son­dern le­dig­lich Pa­ra­phen. Es ha­be zu­dem an der Ver­tre­tungs­be-
fug­nis der un­ter­zeich­nen­den Per­so­nen ge­fehlt. Aus­weis­lich des Han­dels­re­gis­ters ha­be die Be­klag­te Herrn V le­dig­lich Ge­samt­pro­ku­ra er­teilt. Frau D sei kei­ne Pro­ku­ris­tin. Sie dürfe ih­rer­seits zwar zu­sam­men mit dem sog. Busi­ness-Unit-Ma­na­ger kündi­gen. Herr V ha­be die­se Funk­ti­on aber nicht be­klei­det. Falls er in Ver­tre­tung des Busi­ness-Unit-Ma­na­gers ha­be han­deln wol­len, hätte er dies zum Aus­druck brin­gen müssen. Die Drei­wo­chen­frist des § 4 Satz 1 KSchG ha­be des­halb frühes­tens mit der Ge­neh­mi­gung der Kündi­gungs­erklärung be­gon­nen.
fest­zu­stel­len, dass sein Ar­beits­verhält­nis durch die
Kündi­gung der Be­klag­ten vom 15. De­zem­ber 2009 nicht ge­en­det hat.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kündi­gung gel­te we­gen Nicht­ein­hal­tung der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist gemäß § 7 KSchG als von An­fang an wirk­sam. Sie genüge der Schrift­form des § 623 BGB. Frau D sei als Per­so­nal­lei­te­rin be­vollmäch­tigt ge­we­sen, die Kündi­gung zu­sam­men mit ei­nem Busi­ness-Unit-Ma­na­ger zu un­ter­zeich­nen. Herr V sei Ab­we­sen­heits­ver­tre­ter des Busi­ness-Unit-Ma­na­gers ge­we­sen. Die nach ord­nungs­gemäßer Be­triebs­rats­anhörung aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung sei so­zi­al ge­recht­fer­tigt.
Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist be­gründet. Auf der Grund­la­ge sei­ner bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen durf­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kündi­gung nicht als wirk­sam an­se­hen. Der Se­nat kann in der Sa­che nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, weil der re­le­van­te Sach­ver­halt noch nicht hin­rei­chend fest­ge­stellt ist (§ 563 Abs. 3 ZPO). Das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil war des­halb auf­zu­he­ben (§ 562 Abs. 1
ZPO) und die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Be­ru­fungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
I. Auf­grund des vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts lässt sich nicht be­ur­tei­len, ob der Kläger die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist des § 4 Satz 1 KSchG ge­wahrt hat.
1. Will der Ar­beit­neh­mer gel­tend ma­chen, ei­ne Kündi­gung sei so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus „an­de­ren Gründen“ rechts­un­wirk­sam, muss er gemäß § 4 Satz 1 KSchG in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der schrift­li­chen Kündi­gung beim Ar­beits­ge­richt Kla­ge auf Fest­stel­lung er­he­ben, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung nicht auf­gelöst wor­den ist. Wird die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nicht recht­zei­tig gel­tend ge­macht, gilt die Kündi­gung gemäß § 7 KSchG als von An­fang an rechts­wirk­sam. Ei­ne ver­spätet er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist des­halb als un­be­gründet ab­zu­wei­sen (BAG 26. Ju­ni 1986 - 2 AZR 358/85 - zu B II 3 b der Gründe, BA­GE 52, 263).
2. Da § 4 Satz 1 KSchG auf den Zu­gang der schrift­li­chen Kündi­gung ab­stellt, kann der Man­gel der Schrift­form auch noch nach Ab­lauf der Drei­wo­chen­frist gel­tend ge­macht wer­den (BAG 28. Ju­ni 2007 - 6 AZR 873/06 - Rn. 10, BA­GE 123, 209).
3. Nach Sinn und Zweck der ge­setz­li­chen Re­ge­lung setzt der Be­ginn der Kla­ge­frist fer­ner den Zu­gang ei­ner vom Ar­beit­ge­ber stam­men­den, ihm je­den­falls zu­re­chen­ba­ren Kündi­gung vor­aus.
a) Die Er­wei­te­rung des § 4 Abs. 1 KSchG auf „sons­ti­ge Un­wirk­sam­keits­gründe“ durch das Ge­setz zu Re­for­men am Ar­beits­markt vom 24. De­zem­ber 2003 er­folg­te im In­ter­es­se ei­ner ra­schen Klärung der Fra­ge, ob ei­ne Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis be­en­det hat oder nicht (BR-Drucks. 421/03 S. 11 und 19). Die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist dient vor al­lem dem Schutz des Ar­beit­ge­bers. Er soll nach Ab­lauf von drei Wo­chen nach Zu­gang und ei­ner Zeit­span­ne für die Kla­ge­zu­stel­lung dar­auf ver­trau­en dürfen, dass sei­ne Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis auf­gelöst hat (APS/Hes­se 4. Aufl. § 4 KSchG Rn. 10c). Die­ses Schut­zes be­darf der Ar­beit­ge­ber nicht, wenn we­der er selbst noch ein Ver­tre­ter mit Wir­kung für und ge­gen ihn gekündigt hat (BAG 26. März 2009 - 2 AZR 403/07 - Rn. 22, AP
KSchG 1969 § 4 Nr. 70; APS/Hes­se aaO; ErfK/Kiel 12. Aufl. § 4 KSchG Rn. 6; Münch­KommBGB/Her­genröder 6. Aufl. § 4 KSchG Rn. 1; Ge­nen­ger RdA 2010, 274, 277 ff.). Schon die­ser Um­stand spricht ge­gen die An­sicht, die Kla­ge­frist wer­de auch durch ei­ne dem Ar­beit­ge­ber nicht zu­zu­rech­nen­de Kündi­gung in Gang ge­setzt. Hin­zu kommt, dass es an­dern­falls uU ein Drit­ter in der Hand hätte, das Ar­beits­verhält­nis auf­zulösen, oh­ne dass zu­min­dest ei­ne Par­tei des Ar­beits­ver­trags dies tatsächlich woll­te. Versäum­te der Ar­beit­neh­mer die Ein­hal­tung der Kla­ge­frist, träte die Wirk­sam­keits­fik­ti­on des § 7 KSchG ein, oh­ne dass der Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit ge­habt hätte, dies zu ver­hin­dern. Er wäre viel­mehr dar­auf an­ge­wie­sen, dass die (oh­ne Be­fug­nis) aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung auch vom Ar­beit­neh­mer nicht ak­zep­tiert und kla­ge­wei­se an­ge­grif­fen wird (BAG 26. März 2009 - 2 AZR 403/07 - Rn. 23, aaO).
b) Ei­ne Kündi­gung durch ei­nen Ver­tre­ter oh­ne Ver­tre­tungs­macht ist dem Ar­beit­ge­ber nicht zu­zu­rech­nen, weil sie nicht von sei­nem Wil­len ge­tra­gen ist. Die er­for­der­li­che Zu­re­chen­bar­keit wird erst durch ei­ne (nachträglich) er­teil­te Ge­neh­mi­gung her­ge­stellt (BAG 26. März 2009 - 2 AZR 403/07 - Rn. 21, AP KSchG 1969 § 4 Nr. 70). Ei­ne sol­che ist gemäß § 180 Satz 2, § 177 Abs. 1 BGB möglich, wenn der Erklärungs­empfänger die Ver­tre­tungs­macht nicht „bei der Vor­nah­me“ be­an­stan­det hat (BAG 16. De­zem­ber 2010 - 2 AZR 485/08 - Rn. 13, AP BGB § 626 Nr. 232 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 33). Ma­te­ri­ell­recht­lich kann die Ge­neh­mi­gung so­wohl ge­genüber dem Ver­tre­ter als auch dem Erklärungs­empfänger erklärt wer­den (§ 182 Abs. 1 BGB). Da aber § 4 Satz 1 KSchG den Be­ginn der Frist an den Zu­gang der Kündi­gungs­erklärung knüpft und da­mit von der Kennt­nismöglich­keit des Ar­beit­neh­mers abhängig macht, ist auch für die Ge­neh­mi­gung - eben­so wie im Fall des § 4 Satz 4 KSchG - auf ih­ren Zu­gang beim Ar­beit­neh­mer ab­zu­stel­len (ErfK/Kiel 12. Aufl. § 4 KSchG Rn. 6; APS/Hes­se 4. Aufl. KSchG § 4 Rn. 10c; v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne/Linck KSchG 14. Aufl. § 4 Rn. 20). Die ma­te­ri­ell­recht­li­che Rück­wir­kung der Ge­neh­mi­gung (§ 184 Abs. 1 BGB) ist für den Lauf der Kla­ge­frist oh­ne Be­deu­tung (vgl. all­ge­mein Pa­landt/El­len­ber­ger 72. Aufl. § 184 Rn. 2; zur Verjährung: Stau­din­ger/Gurs­ky 2009 BGB § 184 Rn. 38 mwN). Das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der ra­schen Klärung der Fra­ge, ob die Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis
be­en­det hat, be­ginnt im Fall der Kündi­gung durch ei­nen Ver­tre­ter oh­ne Ver­tre­tungs­macht erst mit der Ge­neh­mi­gung.
4. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Streit­fall zu Recht an­ge­nom­men, die Kündi­gung genüge der Schrift­form (§§ 623, 126 Abs. 1 BGB).
a) Die in § 623 BGB an­ge­ord­ne­te Schrift­form der Kündi­gung soll Rechts­si­cher­heit für die Ver­trags­par­tei­en und ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung im Rechts­streit be­wir­ken. Durch die da­zu von § 126 Abs. 1 BGB ver­lang­te ei­genhändi­ge Un­ter­schrift wird der Aus­stel­ler der Ur­kun­de er­kenn­bar. Die Un­ter­schrift stellt ei­ne un­zwei­deu­ti­ge Ver­bin­dung zwi­schen Erklärung und Erklären­dem her. Der Empfänger der Erklärung erhält die Möglich­keit zu über­prüfen, wer sie ab­ge­ge­ben hat und ob sie echt ist (BAG 24. Ja­nu­ar 2008 - 6 AZR 519/07 - Rn. 11, BA­GE 125, 325; 21. April 2005 - 2 AZR 162/04 - zu II 1 der Gründe, AP BGB § 623 Nr. 4 = EzA BGB 2002 § 623 Nr. 4).
aa) Ob ei­ne ei­genhändi­ge Un­ter­schrift vor­liegt, hängt nicht da­von ab, ob auf­grund der Un­ter­schrift schon bei Zu­gang der schrift­li­chen Erklärung die Per­son des Aus­stel­lers für den Empfänger zwei­fels­frei fest­steht. Der Aus­stel­ler soll nur iden­ti­fi­ziert wer­den können (BAG 24. Ja­nu­ar 2008 - 6 AZR 519/07 - Rn. 11, BA­GE 125, 325; BT-Drucks. 14/4987 S. 16). Hier­zu be­darf es nicht der Les­bar­keit des Na­mens­zugs. Es genügt ein die Iden­tität des Un­ter­schrei­ben­den aus­rei­chend kenn­zeich­nen­der Schrift­zug, der in­di­vi­du­el­le und ent­spre­chend cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le auf­weist, die ei­ne Nach­ah­mung er­schwe­ren. Der Schrift­zug muss sich als Wie­der­ga­be ei­nes Na­mens dar­stel­len und die Ab­sicht ei­ner vol­len Un­ter­schrifts­leis­tung er­ken­nen las­sen, selbst wenn er flüch­tig nie­der­ge­legt und von ei­nem star­ken Ab­schlei­fungs­pro­zess ge­kenn­zeich­net ist (BAG 24. Ja­nu­ar 2008 - 6 AZR 519/07 - Rn. 11, aaO; 20. Sep­tem­ber 2006 - 6 AZR 82/06 - Rn. 72 mwN, BA­GE 119, 311; BGH 27. Sep­tem­ber 2005 - VIII ZB 105/04 - Rn. 8, NJW 2005, 3775).
bb) Die Un­ter­schrift ist von ei­ner be­wuss­ten und ge­woll­ten Na­mens­abkürzung (Hand­zei­chen, Pa­ra­phe) zu un­ter­schei­den (BGH 21. Fe­bru­ar 2008 - V ZB 96/07 - Rn. 8, Grund­ei­gen­tum 2008, 539; 10. Ju­li 1997 - IX ZR 24/97 - zu II 1
der Gründe mwN, NJW 1997, 3380). Auch das Ge­setz dif­fe­ren­ziert in § 126 Abs. 1 BGB zwi­schen ei­ner Na­mens­un­ter­schrift und ei­nem Hand­zei­chen; letz­te­res wahrt die Schrift­form nur im Fal­le no­ta­ri­el­ler Be­glau­bi­gung. Für die Ab­gren­zung zwi­schen Un­ter­schrift und Hand­zei­chen (Pa­ra­phe) ist das äußere Er­schei­nungs­bild maßge­bend. Der Wil­le des Un­ter­zeich­nen­den ist nur von Be­deu­tung, so­weit er in dem Schrift­zug sei­nen Aus­druck ge­fun­den hat (BAG 24. Ja­nu­ar 2008 - 6 AZR 519/07 - Rn. 11, BA­GE 125, 325; BGH 22. Ok­to­ber 1993 - V ZR 112/92 - NJW 1994, 55).
b) Da­nach genügt die Kündi­gungs­erklärung dem Schrift­for­mer­for­der­nis nach §§ 623, 126 Abs. 1 BGB.
aa) Be­zo­gen auf die Zeich­nung des Pro­ku­ris­ten hat der Kläger die ent­spre­chen­de An­nah­me der Vor­in­stan­zen mit der Re­vi­si­on nicht mehr an­ge­grif­fen.
bb) Auch bei dem Schrift­zug von Frau D han­delt es sich um ei­ne Un­ter­schrift und nicht le­dig­lich um ei­ne Pa­ra­phe. Sie stellt sich nicht als be­wuss­te und ge­woll­te Na­mens­abkürzung dar. Durch die Länge des aus drei Ab­schnit­ten be­ste­hen­den Schrift­zugs wird der Wil­le der Aus­stel­le­rin deut­lich, zwar mit ab­gekürz­tem Vor-, aber mit vol­lem Zu­na­men und des­halb nicht nur mit ei­ner Abkürzung zu zeich­nen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fer­ner zu Recht dar­auf ab­ge­stellt, dass in dem Zu­satz „i.V.“ die Ab­sicht zum Aus­druck kommt, ei­ne nach außen ge­rich­te­te, für den Rechts­ver­kehr ver­bind­li­che und nicht nur ei­ne in­ter­ne Erklärung ab­zu­ge­ben.
cc) Der Schrift­zug genügt den an ei­ne Un­ter­schrift zu stel­len­den An­for­de­run­gen.
(1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist we­der die Les­bar­keit des ge­sam­ten Na­mens noch die ein­zel­ner Buch­sta­ben er­for­der­lich. Es genügt ein die Iden­tität des Un­ter­schrei­ben­den aus­rei­chend kenn­zeich­nen­der Schrift­zug. Des­sen cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le müssen sich al­ler­dings aus ihm selbst er­ge­ben. Es genügt nicht, dass sich die Iden­tität des Un­ter­zeich­ners auf­grund von Umständen - hier dem im Brief­kopf ent­hal­te­nen Dik­tat­zei­chen - fest­stel­len lässt, die außer­halb des Schrift­zugs lie­gen.
(2) Der Schrift­zug von Frau D weist hin­rei­chen­de in­di­vi­du­el­le Merk­ma­le auf. Dem lang­ge­zo­ge­nen krum­men Strich nach dem Zu­satz „i.V.“ lässt sich an­deu­tungs­wei­se ent­neh­men, dass es sich um die Abkürzung des Vor­na­mens „P“ han­delt. So­dann fol­gen ei­ne ge­schlos­se­ne so­wie ei­ne of­fe­ne Schlau­fe, an wel­che sich ein klei­ner Ha­ken an­sch­ließt. Dar­in las­sen sich bei der ge­bo­te­nen großzügi­gen Be­trach­tungs­wei­se an­deu­tungs­wei­se die nach ei­nem star­ken Ab­schlei­fungs­pro­zess übrig ge­blie­be­nen Oberlängen der im Na­men „D“ ent­hal­te­nen Buch­sta­ben „D“ und „k“ er­ken­nen. Durch die cha­rak­te­ris­ti­schen Li­ni­en und den un­ter­schied­li­chen Druck, mit wel­chem der Schrift­zug auf­ge­tra­gen ist, ist sei­ne Nach­ah­mung hin­rei­chend er­schwert.
5. Die Kla­ge­frist ist mit Zu­gang des Kündi­gungs­schrei­bens am 15. De­zem­ber 2009 nur dann in Gang ge­setzt wor­den, wenn zu die­sem Zeit-punkt ei­ne ent­spre­chen­de Voll­macht der erklären­den Per­so­nen be­stand. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts führt al­lein der Rechts-schein ei­ner sol­chen Be­vollmäch­ti­gung nicht da­zu, dass die Kündi­gungs­erklärung der Be­klag­ten zu­re­chen­bar wäre. § 4 KSchG dient dem Schutz des Ar­beit­ge­bers. Die ge­wohn­heits­recht­lich an­er­kann­te Fi­gur der An­scheins­voll-macht (vgl. Pa­landt/El­len­ber­ger 72. Aufl. BGB § 172 Rn. 6) dient hin­ge­gen dem Schutz des Ar­beit­neh­mers als des Erklärungs­empfängers. In des­sen In­ter­es­se aber liegt ei­ne Zu­re­chen­bar­keit der Kündi­gung zum Ar­beit­ge­ber ge­ra­de nicht. Der Ar­beit­ge­ber wie­der­um ist bei Vor­lie­gen ei­nes bloßen Rechts­scheins we­gen des Feh­lens ei­ner tatsächlich von sei­nem Wil­len ge­tra­ge­nen Erklärung nicht im Sin­ne von § 4 KSchG schutz­bedürf­tig. Die Sicht­wei­se des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist we­der mit dem Schutz­zweck des § 4 Satz 1 KSchG noch mit dem der An­scheins­voll­macht ver­ein­bar.
II. Die Sa­che ist nicht ent­schei­dungs­reif. Der Se­nat kann nicht selbst be­ur­tei­len, ob die die Kündi­gung aus­spre­chen­den Per­so­nen bei de­ren Zu­gang am 15. De­zem­ber 2009 Ver­tre­tungs­macht be­saßen. Hier­zu hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt bis­lang kei­ne Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen. Im Rah­men der neu­en Ver­hand­lung wird es dem ent­spre­chen­den strei­ti­gen Vor­trag der Par­tei­en nach­zu­ge­hen ha­ben.
1. Soll­te die be­haup­te­te Voll­macht be­reits bei Zu­gang der Kündi­gung am 15. De­zem­ber 2009 be­stan­den ha­ben, hätte der Kläger mit der Kla­ge­er­he­bung am 2. Fe­bru­ar 2010 die Frist des § 4 Satz 1 KSchG nicht ge­wahrt, so dass die Wirk­sam­keits­fik­ti­on des § 7 KSchG ein­ge­tre­ten und die Kla­ge des­halb un­be­gründet wäre.
2. Soll­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu dem Er­geb­nis ge­lan­gen, dass die er­for­der­li­che Ver­tre­tungs­macht am 15. De­zem­ber 2009 nicht vor­ge­le­gen hat, wäre die Frist des § 4 Satz 1 KSchG mit dem Zu­gang der Ge­neh­mi­gung bei dem Kläger, al­so so­gar erst nach Kla­ge­er­he­bung an­ge­lau­fen. Die Wirk­sam­keits­fik­ti­on des § 7 KSchG wäre in die­sem Fall nicht ein­ge­tre­ten. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt müss­te des­halb prüfen, ob die Be­triebs­rats­anhörung ord­nungs­gemäß er­folgt und ggf. die Kündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist.
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References: § 4
 § 7
 § 623
 § 4
 § 4
 § 7
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 7
 § 4
 § 180
 § 177
 § 626
 § 626
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 4
 § 184
 § 184
 § 623
 § 126
 § 623
 § 623
 BGH 
 § 126
 BGH 
 § 4
 § 172
 § 4
 § 4
 § 4
 § 7
 § 4
 § 7