Source: http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=21.03.2012_1B_595/2011
Timestamp: 2013-05-19 08:34:59+00:00

Document:
1B_595/2011 (21.03.2012)
X.________, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanw�lte Dr. Thomas M�ller und Stefan G�umann,
Die Staatsanwaltschaft f�r Wirtschaftsstraff�lle und Organisierte Kriminalit�t des Kantons Thurgau f�hrt eine Strafuntersuchung gegen X.________ wegen des Verdachts der Veruntreuung und Geldw�scherei. Am 1. September 2010 liess das Kantonale Untersuchungsrichteramt das Wohnhaus der Beschuldigten durchsuchen. Dabei wurden diverse Akten sowie ein Laptop sichergestellt und auf Antrag der Beschuldigten versiegelt. Am 21./22. September 2010 schieden das Untersuchungsrichteramt und die Beschuldigte gemeinsam jene Akten aus, die versiegelt bleiben sollten, jene, die zur Durchsuchung freigegeben werden konnten und jene, die f�r die Strafuntersuchung nicht relevant erschienen. Am 8. Oktober 2010 stellte das Untersuchungsrichteramt Antrag auf Entsiegelung jener Aufzeichnungen und Gegenst�nde, welche nach dieser ersten Ausscheidung (gemeinsame Grobtriage) noch versiegelt geblieben waren.
Am 4. Januar 2011 �berwies der Pr�sident der Anklagekammer des Kantons Thurgau das h�ngige Entsiegelungsverfahren zust�ndigkeitshalber (Inkrafttreten der neuen StPO am 1. Januar 2011) an das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Thurgau. Dieses verf�gte am 3. M�rz 2011, dass die versiegelten Aufzeichnungen und Gegenst�nde sichergestellt blieben. Das Gesuch der Beschuldigten um unbelastete Herausgabe wies das Zwangsmassnahmengericht ab. Weiter ordnete es die Durchf�hrung des richterlichen Entsiegelungsverfahrens an. Die zahlreichen versiegelten Akten w�rden dabei durch das Zwangsmassnahmengericht (im Beisein der Parteien) daraufhin gepr�ft, ob sch�tzenswerte Geheimhaltungsinteressen einer Weitergabe an die Strafuntersuchungsbeh�rden entgegenstehen. �ber die Entsiegelung des beschlagnahmten Laptops werde in einem separaten Verfahren entschieden.
Auf eine von der Beschuldigten gegen den prozessleitenden Entscheid vom 3. M�rz 2011 des Zwangsmassnahmengerichts erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil vom 14. Juni 2011 nicht ein (Verfahren 1B_155/2011).
Am 24. August 2011 erfolgte eine (partei�ffentliche) Triage der umfangreichen Akten durch das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Thurgau. Mit Entscheid vom 16. September 2011 bewilligte es die Entsiegelung eines Teils der sichergestellten Akten bzw. deren Freigabe an die Staatsanwaltschaft zur Durchsuchung bzw. weiteren Verwendung zu Untersuchungszwecken.
Gegen die Entscheide des Zwangsmassnahmengerichtes gelangte X.________ mit Beschwerde vom 19. Oktober 2011 an das Bundesgericht. Sie beantragt die Aufhebung des Entsiegelungsentscheides vom 16. September 2011 sowie der prozessleitenden Zwischenverf�gung vom 3. M�rz 2011 des Zwangsmassnahmengerichtes unter Kosten- und Entsch�digungsfolgen. Die in den Ziffern 1.2-1.7 des angefochtenen Entscheiddispositives vom 16. September 2011 aufgelisteten Unterlagen seien von der Entsiegelung ebenfalls auszunehmen. Die vom Zwangsmassnahmengericht verf�gte Entsiegelungsgeb�hr in der H�he von Fr. 10'000.-- sei (eventualiter) mindestens um Fr. 5'000.-- zu reduzieren.
Die Staatsanwaltschaft und das Zwangsmassnahmengericht beantragen je die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdef�hrerin replizierte am 12. Dezember 2011.
Das Bundesgericht pr�ft die Sachurteilsvoraussetzungen von Art. 78 ff. BGG von Amtes wegen und mit freier Kognition (vgl. Art. 29 Abs. 1 BGG; BGE 136 II 101 E. 1 S. 103, 470 E. 1 S. 472).
Bei Entsiegelungsentscheiden handelt es sich zwar um Zwischenverf�gungen, die das Strafverfahren nicht abschliessen, nicht jedoch um blosse "vorsorgliche Massnahmen" im Sinne von Art. 98 BGG (Urteile des Bundesgerichtes 1B_232/2009 vom 25. Februar 2009 E. 1.3; 1B_233/2009 vom 25. Februar 2009 E. 1.3; zur Nichtanwendbarkeit von Art. 98 BGG auf Zwangsmassnahmen s. auch BGE 137 IV 122 E. 2 S. 125, 340 E. 2.4 S. 346 mit Hinweisen). Die Eintretensvoraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG sind auf Entsiegelungsverfahren anwendbar. Bei Entsiegelungen wird definitiv dar�ber entschieden, ob die Geheimnisinteressen, welche von der Inhaberin oder dem Inhaber der versiegelten Aufzeichnungen und Gegenst�nde angerufen werden, einer Durchsuchung durch die Staatsanwaltschaft entgegen stehen (Art. 248 Abs. 1 StPO; BGE 137 IV 189 E. 4 S. 194 f.; 132 IV 63 E. 4.1-4.6 S. 65 ff.). Insofern ist ein drohender nicht wieder gutzumachender Rechtsnachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG regelm�ssig gegeben. Dies gilt insbesondere, wenn die Inhaberin oder der Inhaber das Anwaltsgeheimnis als verletzt anruft (vgl. BGE 132 IV 63, nicht amtl. publ. E. 2; Urteile 1B_215/2011 vom 6. September 2011 E. 1.2; 1B_155/2011 vom 14. Juni 2011 E. 1.3; 1B_108/2011 vom 6. Juni 2011 E. 1-2; 1P.32/2005 vom 11. Juli 2005 E. 1.2). Im vorliegenden Fall legt die Beschwerdef�hrerin als Inhaberin dar, dass die Entsiegelung von Hunderten von konkreten Dokumenten in mehrfacher Weise gegen das Anwaltsgeheimnis verstosse, dessen Schutz sie als Klientin und Beschuldigte anruft. Die Sachurteilsvoraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG sind erf�llt.
2.1 Vorliegend hat die Vorinstanz (in Anwendung von Art. 248 Abs. 3 StPO) als einzige kantonale Instanz entschieden. Stellt die Staatsanwaltschaft im Vorverfahren ein Entsiegelungsgesuch, so entscheidet dar�ber das Zwangsmassnahmengericht innerhalb eines Monats endg�ltig (Art. 248 Abs. 3 lit. a StPO). Art. 380 StPO stellt klar, dass in den F�llen, in denen die StPO einen Entscheid als endg�ltig oder nicht anfechtbar bezeichnet, kein Rechtsmittel nach diesem Gesetz zul�ssig ist. Damit �bereinstimmend bestimmt Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO, dass die Beschwerde zul�ssig ist gegen Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts in den in diesem Gesetz vorgesehenen F�llen.
2.2 Wie das Bundesgericht bereits in mehreren Urteilen erwogen hat, dr�ngt sich allerdings die Frage auf, ob der sich aus dem Gesetzeswortlaut ergebende Ausschluss der StPO-Beschwerde in Entsiegelungsangelegenheiten den gesetzgeberischen Willen korrekt zum Ausdruck bringt (vgl. Urteile 1B_492/2011 vom 2. Februar 2012 E. 1; 1B_562/2011 vom 2. Februar 2012 E. 1; 1B_516/ 2011 vom 17. November 2011 E. 1.1). Da die Beschwerden in den genannten F�llen ohnehin abzuweisen waren und es sich dort nicht um sehr komplexe Entsiegelungsverfahren handelte, liess das Bundesgericht die Frage der Zul�ssigkeit der Beschwerden unter dem Gesichtspunkt von Art. 80 BGG noch ausdr�cklich offen.
2.3 Eine direkte Anfechtungsm�glichkeit beim Bundesgericht widerspricht wichtigen Reformzielen, n�mlich der Schaffung des zweistufigen kantonalen Rechtsmittelzugs ("double instance") sowie der Entlastung des H�chstgerichts, ohne dass erkennbar w�re, weshalb der Gesetzgeber von der bisherigen bew�hrten Ordnung, welche die Beschwerde in Strafsachen nur gegen entsprechende Rechtsmittelentscheide oberer kantonaler Gerichte und (bei Bundesgerichtsbarkeit) der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichtes zuliess (Art. 78 und Art. 79 i.V.m. aArt. 80 BGG), bewusst h�tte abweichen wollen. Entsiegelungen betreffen mitunter sehr komplexe Wirtschaftsstraff�lle mit grossen Mengen zu sichtender Dokumente und elektronischer Dateien (vgl. BGE 137 IV 189). Art. 248 Abs. 3 StPO sieht eine kurze Entscheidungsfrist vor. Der Gesetzgeber legte besonderes Gewicht darauf, eine Blockierung des Verfahrens durch langwierige Entsiegelungsprozeduren zu vermeiden (vgl. Botschaft des Bundesrates zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 1085 ff., S. 1239 Ziff. 2.5.4.3). Um die richterliche Triage vornehmen zu k�nnen, ist bei den zust�ndigen Gerichtsbeh�rden in der Regel der Aufbau einer aufw�ndigen und spezialisierten Infrastruktur notwendig (vgl. Heinz Aemisegger/Marc Forster, Basler Kommentar BGG, 2. Aufl., 2011, Art. 79 N. 31). In schwierigen Entsiegelungsf�llen ist oft sehr umfangreiches Material zu sichten und zu bewerten, was gegen einen direkten Weiterzug ans Bundesgericht spricht. Dieses ist nicht dotiert zur umfassenden, tatsachenbezogenen und entsprechend zeitraubenden �berpr�fung komplexer Untersuchungshandlungen, die regelm�ssig im Beisein und unter Mitwirkung der betroffenen Parteien und n�tigenfalls von Experten (vgl. Art. 248 Abs. 4 StPO) vorgenommen werden m�ssen. Seine prim�ren Aufgaben als H�chstgericht liegen in der letztinstanzlichen Beantwortung von Rechtsfragen und in der Gew�hrleistung einer einheitlichen Anwendung des Bundesrechts. Die direkte Anfechtbarkeit von Entsiegelungsentscheiden beim Bundesgericht erscheint deshalb - zumindest in sehr komplexen und schwierigen F�llen - nicht stufen- und sachgerecht (Urteile des Bundesgerichtes 1B_492/2011 vom 2. Februar 2012 E. 1.2; 1B_562/2011 vom 2. Februar 2012 E. 1.3; 1B_516/2011 vom 17. November 2011 E. 1.1).
2.4 Auch im Vergleich mit dem Beschwerdeweg bei rechtshilfeweisen Entsiegelungen erweist sich ein vollst�ndiger Ausschluss der StPO-Beschwerde als inkoh�rent bzw. systemwidrig: Bei allen rechtshilferechtlichen Entsiegelungsentscheiden der Zwangsmassnahmengerichte besteht grunds�tzlich eine Beschwerdem�glichkeit nach IRSG, und zwar sowohl bei rechtshilferechtlicher Zust�ndigkeit der Bundesanwaltschaft als ausf�hrende Beh�rde, als auch bei Zust�ndigkeit kantonaler Staatsanwaltschaften (Art. 80e Abs. 2 IRSG i.V.m. Art. 54 StPO; Urteil des Bundesgerichtes 1B_563/2011 vom 16. Januar 2012 E. 2; vgl. auch zur amtl. Publikation bestimmtes Urteil 1C_365+371/2011 vom 6. Januar 2012 E. 2.2-2.3). Es w�re nur schwer einzusehen, weshalb bei Entsiegelungsentscheiden der Zwangsmassnahmengerichte im Rahmen von inl�ndischen (schweizerischen) Strafverfahren der Rechtsschutz insofern eingeschr�nkter sein sollte als in Rechtshilfeverfahren. Dies umso weniger, als bei strafprozessualen Entsiegelungen bereits direkt die Freigabe an die Staatsanwaltschaft zur Durchsuchung und weiteren Verwendung zu Strafverfolgungszwecken verf�gt wird, w�hrend rechtshilfeweise sichergestellte und entsiegelte Gegenst�nde erst gest�tzt auf eine weitere rechtskr�ftige Schlussverf�gung (Art. 80d IRSG) der untersuchenden ausl�ndischen Beh�rde allenfalls zur Verf�gung gestellt werden k�nnen. Insoweit greift der strafprozessuale Entsiegelungsentscheid bereits deutlich st�rker in die Rechte der Betroffenen ein als der rechtshilferechtliche (Urteile des Bundesgerichtes 1B_492/2011 vom 2. Februar 2012 E. 1.3; 1B_562/2011 vom 2. Februar 2012 E. 1.4; vgl. Aemisegger/Forster, a.a.O., Art. 79 Fussnote 85). Ein mehrere Erlasse betreffendes komplexes Regelwerk wie die vereinheitlichte StPO kann schwerlich auf Anhieb s�mtlichen Koordinationsproblemen im beabsichtigten Masse Rechnung tragen und muss daher im Anwendungsfall zweckgerichtet und dem wahren Sinn entsprechend ausgelegt werden (vgl. E. 5.2 hiernach).
3.1 Die Aktentriage vom 24. August 2011 habe ergeben, dass die Beschuldigte bei einem Liegenschaftsgesch�ft, welches Gegenstand der Untersuchung bilde, von verschiedenen Anw�lten vertreten bzw. beraten worden sei. Die nicht dieses untersuchte Gesch�ft betreffenden Akten seien von der Entsiegelung auszunehmen. Zu entsiegeln seien demgegen�ber Akten, die "nicht der Anwaltst�tigkeit zuzurechnen sind und bei denen" die Beschuldigte "kein anderweitig sch�tzenswertes Interesse geltend gemacht" habe (angefochtener Entscheid, S. 3 f., E. 2). Das untersuchte Gesch�ft betreffende Korrespondenz sei der Beschuldigten teilweise doppelt (von zwei Anw�lten) zugestellt worden. Diesbez�glich sei "eine enge Zusammenarbeit" zwischen einem Schweizer Anwalt und seinen deutschen Kollegen festgestellt worden. Akten von Berufsgeheimnistr�gern d�rften (gem�ss Art. 264 Abs. 1 lit. c StPO) entsiegelt werden, falls diese im gleichen Zusammenhang Mitbeschuldigte seien. Dies treffe f�r den fraglichen Schweizer Anwalt und einen mitbeteiligten Rechtsanwalt und Notar zu. Alle von diesen zwei Berufsgeheimnistr�gern in Zusammenhang mit dem untersuchten Gesch�ft produzierten und erhaltenen Unterlagen seien zu entsiegeln. Analoges gelte f�r konnexe Akten, welche von ihren Mitarbeitern oder B�ropartnern stammen. Soweit ein anwaltlicher B�ropartner substituiert worden sei, gelte f�r diesen "kein origin�res", sondern ein vom mandatierten Anwalt abgeleitetes Anwaltsgeheimnis, weshalb er ebenfalls unter Art. 264 Abs. 1 lit. c StPO falle. Als nicht mandatierter Anwalt habe der substituierte Kollege im Hinblick auf die Beschuldigte auch kein Zeugnisverweigerungsrecht. Letzteres gelte auch f�r den mitbeteiligten Rechtsanwalt und Notar (vgl. angefochtener Entscheid, S. 4 E. 3).
Von der Entsiegelung auszunehmen seien die Unterlagen der deutschen Anw�lte, die nicht Mitbeschuldigte seien. Die von ihnen bloss weitergeleiteten Aktendoppel der oben genannten mitbeschuldigten Berufsgeheimnistr�ger seien ihnen zwar "grunds�tzlich zur�ckzugeben". "Im Zweifelsfall" seien die vom mitbeschuldigten mandatierten Schweizer Anwalt stammenden Dokumente jedoch zu entsiegeln, "auch wenn sie �ber einen deutschen Anwalt der Beschuldigten zugeleitet worden sind". Einige der deutschen Anw�lte der Beschuldigten seien auch im Auftrag eines Dritten t�tig gewesen. Die betreffenden Akten seien (gest�tzt auf Art. 264 Abs. 1 lit. c StPO) entsiegelungsf�hig, da nur Akten, die aus dem Verkehr zwischen der beschuldigten Person und Geheimnistr�gern stammen, unter das Beschlagnahmeverbot fielen. Zu entsiegeln seien auch Anwaltsakten, welche die Gesch�ftst�tigkeit von Anw�lten als Verm�gensverwalter oder Treuh�nder betreffen. Der �berwiegende Teil der betreffenden Unterlagen stammten vom mitbeschuldigten mandatierten Schweizer Anwalt. Nicht zu entsiegeln seien die Beschuldigte betreffende Verteidigerakten dieses Rechtsvertreters sowie Anwaltsakten, die nichts mit dem untersuchten Liegenschaftsgesch�ft zu tun haben (vgl. angefochtener Entscheid, S. 4 f., E. 4-7). Was die "grunds�tzlichen" Entsiegelungs- und Beschlagnahmevoraussetzungen betrifft, verweist die Vorinstanz im �brigen auf die Begr�ndung ihrer prozessleitenden Verf�gung vom 3. M�rz 2011 (vgl. angefochtener Entscheid, S. 3 E. 1).
3.2 Das sehr komplexe Dispositiv des angefochtenen Entsiegelungsentscheides erstreckt sich �ber 25 Seiten:
3.2.3 Angesichts des grossen Aufwandes f�r das Entsiegelungsverfahren legte die Vorinstanz der Beschuldigten die (nach dem anwendbaren Geb�hrentarif) maximal zul�ssige Entscheidgeb�hr von Fr. 10'000.-- auf (Dispositiv Ziffer 3, vgl. dazu angefochtener Entscheid, S. 5 E. 9).
Die Beschwerdef�hrerin bringt (im Wesentlichen zusammengefasst) Folgendes vor:
4.1 In der angefochtenen prozessleitenden Verf�gung vom 3. M�rz 2011 werde der Tatverdacht von Veruntreuung und Geldw�scherei einzig auf einen Haftentscheid der kantonalen Anklagekammer vom 6. September 2010 gest�tzt. Wann und auf wessen Initiative dieser Haftentscheid zu den Entsiegelungsakten genommen wurde, sei unklar. Der Aktenbeizug sei jedenfalls ohne Mitteilung an sie, die Beschwerdef�hrerin, erfolgt, und es sei ihr keine Gelegenheit einger�umt worden, dazu Stellung zu nehmen. Seit September 2010 seien zudem zahlreiche entlastende Dokumente aufgetaucht und entlastende Zeugenaussagen erfolgt, denen der Entsiegelungsrichter keine Rechnung getragen habe. Die Begr�ndung des Tatverdachtes st�tze sich auf reine Spekulation bzw. willk�rliche Tatsachenfeststellungen und verletze die Unschuldsvermutung.
4.2 Am 17. August 2011 habe sie, die Beschwerdef�hrerin, dem Vorschlag des Entsiegelungsrichters zugestimmt, dass dieser das Siegel bereits vor dem mit den Parteien vereinbarten Triagetermin (vom 24. August 2011) �ffnete und die zahlreichen sichergestellten Unterlagen im Hinblick auf eine effiziente Verfahrensf�hrung bereits vorab sichtete. Am 24. August 2011 habe die (partei�ffentliche) richterliche Triage der sichergestellten Dokumente stattgefunden. Die Beschwerdef�hrerin und die Staatsanwaltschaft h�tten sich dabei zu den Dokumenten �ussern k�nnen. Der Staatsanwaltschaft sei noch kein Einblick in die Akten gew�hrt worden. Im angefochtenen Entscheid scheine der Entsiegelungsrichter die Ansicht zu vertreten, dass (in Ermangelung von Geheimnisschutzgr�nden) eine Entsiegelung auch m�glich sei, wenn keine Konnexit�t zwischen den Dokumenten und dem untersuchten Sachverhalt vorliegt. Jedenfalls unterlasse es die Vorinstanz, konkret auszuf�hren, inwiefern die zahlreichen zur Entsiegelung freigegebenen Unterlagen einen Deliktskonnex aufweisen. Eine entsprechende ausreichende Begr�ndung dr�nge sich aber besonders bei betroffenen Anwaltsakten auf. Die Beschwerdef�hrerin listet Hunderte von Unterlagen aus 16 Bundesordnern auf, die ihrer Ansicht nach mangels erkennbarer Deliktskonnexit�t nicht entsiegelt werden d�rften.
4.3 Weiter macht die Beschwerdef�hrerin geltend, Anwaltsakten d�rften nur entsiegelt werden, falls gegen die fraglichen Anw�lte selbst ein dringender konkreter Tatverdacht eines deliktischen Verhaltens besteht. Einen solchen Verdacht habe die Vorinstanz jedoch (gegen�ber drei betroffenen Anw�lten) weder gepr�ft noch dargelegt. Soweit der Entsiegelungsrichter davon ausgehe, einer der betroffenen Anw�lte sei von ihr, der Beschwerdef�hrerin, gar nicht mandatiert worden, sei diese Ansicht unzutreffend bzw. nicht begr�ndet. Selbst wenn der fragliche Anwalt von einem Kollegen substituiert worden w�re, gelte auch f�r Ersteren analog das Anwaltsgeheimnis bzw. ein Beschlagnahmeverbot. Bundesrechtswidrig sei sodann die Ansicht des Entsiegelungsrichters, soweit ihre Schweizer Anw�lte deutsche Korrespondenzanw�lte mandatiert h�tten, falle der betreffende Schriftverkehr nicht unter das Anwaltsgeheimnis. Bei gewissen Dokumenten habe die Vorinstanz offensichtlich zu Unrecht eine Geheimnistr�gerschaft verneint.
4.4 Und schliesslich sei ihr, der Beschwerdef�hrerin, zu Unrecht die maximal zul�ssige Entsiegelungsgeb�hr von Fr. 10'000.-- vollst�ndig auferlegt worden.
4.5 Nach Ansicht der Beschwerdef�hrerin verletzten die angefochtenen Entscheide in diesem Zusammenhang Art. 5, Art. 9, Art. 29 Abs. 2, Art. 32 Abs. 1 und Art. 36 BV, Art. 6 EMRK sowie Art. 263 f. i.V.m. Art. 248 Abs. 1 StPO.
5.1 Wie den Akten und den vorstehenden Erw�gungen zu entnehmen ist, betrifft die vorliegende Beschwerde einen ausserordentlich komplexen Entsiegelungsfall mit sehr umfangreichem Material. Nach der dargelegten gesetzlichen Regelung w�re gegen die Entsiegelungsverf�gung des Zwangsmassnahmenrichters direkt die Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht m�glich (vgl. E. 2.1 hiervor). Dagegen sprechen allerdings die eingangs erw�hnten Gr�nde (oben, E. 2.2-2.4).
5.2 F�r die Auslegung und Anwendung eines Gesetzes ist in erster Linie sein Wortlaut massgebend. Ist der Wortlaut klar, er�brigt es sich in der Regel, zum Verst�ndnis der Bedeutung und Tragweite auf weitere Auslegungselemente zur�ckzugreifen. Einzig wenn anzunehmen ist, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt bzw. dass darin die Absichten des Gesetzgebers nicht gen�gend zum Ausdruck kommen, darf vom eindeutigen und unmissverst�ndlichen Text abgewichen und die Norm entsprechend ihrem wahren Sinn und Zweck angewendet werden. Die Ermittlung des gesetzgeberischen Willens kann diesfalls aufgrund anderer Auslegungselemente erfolgen und sich namentlich aus der Entstehungsgeschichte der Norm, aus ihrem Grund und Ziel oder aus dem Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben (BGE 135 II 195 E. 6.2 S. 198 f.; 134 III 273 E. 4 S. 277; 133 III 257 E. 2.4 S. 265 f., 497 E. 4.1 S. 499; 132 III 18 E. 4.1 S. 20 f.; 131 I 394 E. 3.2 S. 396; 130 III 76 E. 4 S. 82; je mit Hinweisen).
5.3 Wie aufgezeigt wurde (E. 2.3 hiervor), ging es dem Gesetzgeber mit der Regelung des Entsiegelungsprozederes in Art. 248 Abs. 2-4 StPO vor allem um ein rasches Verfahren (vgl. auch Art. 5 Abs. 1 StPO und Art. 29 Abs. 1 BV). Mit diesem Ziel vor Augen hat er bestimmte kurze Fristen eingef�hrt f�r das Gesuch um Entsiegelung und den Entscheid dar�ber. Allerdings hat er nicht bedacht, dass der direkte Weiterzug des Entsiegelungsentscheids ans Bundesgericht das Verfahren in komplexen F�llen wie dem vorliegenden mit einer sehr grossen Zahl von Dokumenten im Ergebnis wiederum verl�ngert, weil das Bundesgericht nicht daf�r ausger�stet ist, solche Datenmengen rasch sichten und bearbeiten zu k�nnen. Wohl mag die direkte Anfechtung von Entsiegelungsentscheiden beim Bundesgericht im Normalfall eine Beschleunigung herbeizuf�hren. Bei sehr umfangreichem Material und vielen umstrittenen Sachverhaltsfragen, namentlich in grossen Wirtschaftsstraff�llen, tritt jedoch ein "Kippeffekt" ein: Zufolge der mangelnden Dotierung und Ausr�stung f�r solche Spezialf�lle und der Konzentration von Beschwerdeangelegenheiten beim H�chstgericht dauert ihre Beurteilung nicht weniger lang, sondern im Gegenteil l�nger als bei Einhaltung des zweistufigen Rechtsmittelweges und insbesondere l�nger als beabsichtigt und tragbar. Das Ausschalten des vormals bestehenden und auf dem Gebiet der Rechtshilfe grunds�tzlich immer noch vorgesehenen Beschwerdewegs (vgl. E. 2.4 hiervor) f�hrt somit dazu, dass die Ziele des Gesetzgebers gerade in den komplexen Entsiegelungsf�llen nicht erreicht werden k�nnen. Um dem Sinn und Zweck der Regelung zum Durchbruch zu verhelfen, ist es deshalb unumg�nglich, in solchen Extremf�llen - und nur in diesen - den normalen StPO-Beschwerdeweg (gem�ss Art. 20 und 393 ff. StPO) vorzusehen und den Weiterzug an das Bundesgericht (nach Art. 80 BGG) erst im Anschluss daran zuzulassen. Dieses Vorgehen l�sst erwarten, dass auch in den komplexen Verfahren eine endg�ltige Beurteilung innert n�tzlicher Frist erfolgen kann, da die sehr umfangreichen Beschwerdef�lle zun�chst dezentral, auf die Kantone verteilt bzw. beim eigens daf�r ausger�steten Bundesstrafgericht, anfallen und sachverhaltsm�ssig erg�nzt werden, und erfahrungsgem�ss nicht alle F�lle und nicht alle umstrittenen Fragen an das Bundesgericht weitergezogen werden ("Filterwirkung"). Zur Vereinfachung dieser Verfahrensregelung und damit der erstinstanzliche Entsiegelungsrichter keine schwierigen Zust�ndigkeitsfragen beantworten muss, wird das Bundesgericht wie bis anhin alle Beschwerden im Anschluss an Entsiegelungen nach Art. 248 Abs. 3 StPO entgegennehmen. Es beh�lt sich jedoch vor, in ausserordentlich umfangreichen bzw. komplexen F�llen die Beschwerde nicht gleich selbst zu behandeln, sondern an die Beschwerdeinstanz gem�ss Art. 20 und 393 ff. StPO zu �berweisen und darauf (vorerst) nicht einzutreten, um den gesetzgeberischen Willen auch in diesen wichtigen F�llen zum Tragen zu bringen.
5.4 Vorliegend handelt es sich (wie in den Erw�gungen 3-4 dargelegt) um einen solchen ausserordentlich umfangreichen Entsiegelungsfall mit zahlreichen zu pr�fenden Sachverhalts- und Rechtsfragen. Im Lichte der vorstehenden Erw�gungen kann es nicht Aufgabe des Bundesgerichtes sein, als erste und einzige Rechtsmittelinstanz eine derart umfangreiche Entsiegelung und die damit verbundenen komplexen Tat- und Rechtsfragen zu �berpr�fen. Auf die Beschwerde ist daher mangels Ersch�pfung des Instanzenzuges (Art. 80 BGG) nicht einzutreten. Die Streitsache wird von Amtes wegen an das zust�ndige Obergericht des Kantons Thurgau weitergeleitet zur Instruktion des Beschwerdeverfahrens nach Art. 393 ff. StPO.
Auf die Beschwerde in Strafsachen ist nicht einzutreten. Die Streitsache wird von Amtes wegen an das zust�ndige Obergericht des Kantons Thurgau weitergeleitet zur Instruktion des Beschwerdeverfahrens nach Art. 393 ff. StPO.
Gerichtskosten sind ausnahmsweise nicht zu erheben (vgl. Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG). Eine Parteientsch�digung ist nicht zuzusprechen (Art. 68 BGG).
Dieses Urteil wird der Beschwerdef�hrerin sowie der Staatsanwaltschaft f�r Wirtschaftsf�lle und Organisierte Kriminalit�t, dem Zwangsmassnahmengericht und dem Obergericht des Kantons Thurgau schriftlich mitgeteilt.

References: Art. 78
 Art. 29
 BGE 
 Art. 98
 Art. 98
 BGE 
 Art. 93
 BGE 
 Art. 93
 BGE 
 Art. 93
 Art. 248
 Art. 380
 Art. 393
 Art. 80
 Art. 79
 BGE 
 Art. 248
 Art. 79
 Art. 248
 Art. 54
 Art. 79
 Art. 264
 Art. 264
 Art. 264
 Art. 5
 Art. 9
 Art. 29
 Art. 32
 Art. 36
 Art. 6
 Art. 263
 Art. 248
 Art. 248
 Art. 5
 Art. 29
 Art. 20
 Art. 80
 Art. 248
 Art. 20
 Art. 393
 Art. 393
 Art. 66