Source: https://www.kostenlose-urteile.de/BGH_VIII-ZR-20206_BGH-Zur-Umlagefaehigkeit-von-Fernwaerme-bei-Abschaltung-urspruenglicher-Oel-Heizungsanlage-Auslegung-einer-Regelung-zur-Gemeinschaftsantennewenn-spaeter.news4957.htm
Timestamp: 2019-08-24 05:41:24+00:00

Document:
Urteil > VIII ZR 202/06 | BGH - BGH: Zur Umlagefähigkeit von Fernwärme bei Abschaltung ursprünglicher Öl-Heizungsanlage - Auslegung einer Regelung zur Gemeinschaftsantenne, wenn später Breitbandkabel angeschlossen wird < kostenlose-urteile.de
heute, vor 21 Minuten kommentierte FragendeMuslimische Schülerin darf bei Schul­schwimm­unterricht in Badebekleidung duschen
Bundesgerichtshof, Urteil vom 27.06.2007
Kabelanschluss ist Modernisierungs­maßnahme
Wenn der Hauseigentümer die Gemeinschafts­antenne durch den Anschluss an das Breitbandkabelnetz ersetzt, handelt es sich dabei um eine duldungspflichtige Modernisierungs­maßnahme. Die Kabelgebühren können nach Wohneinheiten umgelegt werden. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden.
Im zugrunde liegenden Fall legte ein Vermieter Ende 2001 eine zentrale Ölheizung, die nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben entsprach, still und schloss das Mietshaus an die örtliche Fernwärmeversorgung an. Außerdem ließ er die Gemeinschaftsantenne abbauen und stattete alle Wohnungen mit Breitbandkabelanschluss aus. Die Grund- und Basisversorgung rechnete er über die Mietnebenkosten in Höhe von 8,90 DM monatlich ab. Die Kabelgebühren legte der Vermieter nicht nach dem Anteil der Wohnfläche, sondern nach der Anzahl der Wohneinheiten um.
§ 4 des Formularmietvertrags sieht als Abrechnungsmaßstab "m² Wohnfläche" vor und bestimmt unter anderem:
"1.b) Folgende Betriebskosten (erläutert durch Anlage 3 zu § 27 II. BVO) sind in der Nettomiete nicht enthalten und deshalb gesondert zu zahlen: ... 13. Gemeinschaftsantenne ... 18. Heizung ...
Der Bundesgerichtshof sprach dem Vermieter die Nachzahlungen zu. Der Vermieter habe die Kosten zu Recht auf die Mieter umgelegt.
Mietvertrag bezieht sich auf Anlage 3 zu § 27 II. BVO
In § 4 Nr. 1b des Mietvertrags hätten die Parteien durch Bezugnahme auf die "Anlage 3 zu § 27 II. BVO" die Umlegung der Kosten der Lieferung von Fernwärme vereinbart. Für die Berechtigung zur Umlegung von Betriebskosten genüge eine Verweisung im Mietvertrag auf die Anlage 3 zu § 27 Abs. 1 der II. Berechnungsverordnung (II. BV), sofern es sich nicht um "sonstige Betriebskosten" im Sinne von Nr. 17 der Anlage 3 zu § 27 Abs. 1 II. BV handelt, führte der Bundesgerichtshof aus.
Der Vermieter durfte die Heizungsanlage auch auf Fernwärme umstellen. Die Umstellung stelle keine unzulässige einseitige Änderung des Mietvertrages dar. Es gäbe für den Vermieter keine Pflicht in dem Mietvertrag, die Wohnung nur durch eine ölbetriebene Zentralheizung zu beheizen. Dies ergibt sich bereits aus der Verweisung in § 4 Abs. 1b des Mietvertrags auf die "Anlage 3 zu § 27 II. BVO", die in Nr. 4 Buchst. c und Nr. 5 Buchst. b, wie ausgeführt, die Kosten der Wärmelieferung durch Fernwärme als umlagefähige Betriebskosten aufführt.
Kabelanschluss ist Modernisierungsmaßnahme
Auch die Kabelgebühren dürfe der Vermieter fordern. Die Umlegungsfähigkeit der Kabelgebühren ergebe sich aus einer ergänzenden Auslegung (§§ 133, 157 BGB) des Mietvertrags. Nach dem Mietvertrag der Parteien waren lediglich die Betriebskosten einer Gemeinschaftsantenne umlegbar (§ 4 Abs. 1b Nr. 13). Die Vereinbarung einer Umlegung von Antennenkosten führe jedenfalls dann im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung zur Umlegbarkeit der Breitbandkabelkosten, wenn es sich um eine duldungspflichtige Modernisierung handele. So sei es hier gewesen, denn zu den duldungspflichtigen Verbesserungsmaßnahmen im Sinne von § 554 Abs. 2 Satz 1 BGB gehöre in der Regel auch der Anschluss einer Wohnanlage an das Breitbandkabelnetz (BGH, Urteil vom 20.07.2005 - VIII ZR 253/04 - = NJW 2005, 2995).
Kabelgebühren nach Wohneinheiten abzurechnen ist sachgerecht
Die Kabelgebühren durften auch nach Wohneinheiten (und nicht nach Wohnfläche) umgelegt werden. Im Wege der Vertragsauslegung nach Treu und Glauben sei gerade die Umlage nach Wohneinheiten sachgerecht, weil der Nutzen für jede Wohnung unabhängig von der Fläche gleich sei.
Heizkosten VO § 7 Abs. 4; II. BVO Anlage 3 zu § 27 Abs. 1;
BGB §§ 133, 157, 554 Abs. 2, 556a Abs. 1 Satz 1
a) Eine Vereinbarung in einem Wohnraummietvertrag, wonach der Mieter die Betriebskosten der Heizung "erläutert durch Anlage 3 zu § 27 II. BVO" zu tragen hat, erlaubt dem Vermieter, der während des laufenden Mietverhältnisses den Betrieb einer im Haus vorhandenen Heizungsanlage einstellt und statt dessen Fernwärme bezieht, die Umlegung der Wärmelieferungskosten auf den Mieter, wenn die zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses geltende Fassung der Zweiten BerechnungsVO bereits eine Umlegung der Kosten der Fernwärmelieferung vorsah (Anschluss an Senatsurteil vom 22. Februar 2006 - VIII ZR 362/04, NJW 2006, 2185).
b) Zur ergänzenden Auslegung einer mietvertraglichen Regelung über die Umlegung der Kosten einer Gemeinschaftsantenne, wenn diese beseitigt wird und die Mietwohnungen stattdessen an das Breitbandkabelnetz angeschlossen werden.
[Aktenzeichen: VIII ZR 78/06])
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 27.06.2007 [Aktenzeichen: VIII ZR 202/06]
Urteile zu den Schlagwörtern: Betriebskostenabrechnung | Nebenkostenabrechnung | Heizkosten | Heizung | Heizungsanlage | Heizkörper | Kabelanschluss | Kabelfernsehen | Kabelnetz
Jahrgang: 2008, Seite: 122 BauR 2008, 122 | Zeitschrift: Deutsche Wohnungswirtschaft (DWW)
Jahrgang: 2007, Seite: 368 DWW 2007, 368 | Das Grundeigentum - Zeitschrift für die gesamte Grundstücks-, Haus- und Wohnungswirtschaft (GE)
Jahrgang: 2007, Seite: 1310 GE 2007, 1310 | Zeitschrift: Monatsschrift für Deutsches Recht (MDR)
Jahrgang: 2007, Seite: 1416 MDR 2007, 1416 | Zeitschrift: Neue Juristische Wochenschrift (NJW)
Jahrgang: 2007, Seite: 3060 NJW 2007, 3060 | Zeitschrift: NJW-Spezial
Jahrgang: 2007, Seite: 531, Entscheidungsbesprechung von Michael Drasdo NJW-Spezial 2007, 531 (Michael Drasdo) | Neue Zeitschrift für Miet- und Wohnungsrecht (NZM)
Jahrgang: 2007, Seite: 769 NZM 2007, 769 | Zeitschrift: Wohnungswirtschaft und Mietrecht (WuM)
Jahrgang: 2007, Seite: 571 WuM 2007, 571 | Zeitschrift für Miet- und Raumrecht (ZMR)
Jahrgang: 2007, Seite: 851 ZMR 2007, 851
Dokument-Nr. 4957
Wenn Sie einen Link auf diese Entscheidung setzen möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Adresse zu verwenden: https://www.kostenlose-urteile.de/Urteil4957
vor 21 Minuten von :Muslimische Schülerin darf bei Schul­schwimm­unterricht in Badebekleidung duschen
vor 14 Stunden von :Entziehung des Doktorgrades wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens gerechtfertigt
vor 14 Stunden von :Bundesagentur für Arbeit muss heiminterne Ausbildung zum Bäckerei­fach­verkäufer vorläufig finanzieren

References: BGH 

§ 4
 § 27
 § 27
 § 4
 § 27
 § 27
 § 27
 § 4
 § 27
 § 554
 § 7
 § 27
 § 27