Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_13/vo/1/81350000078.htm
Timestamp: 2018-11-12 23:14:06+00:00

Document:
1.35.078 Telle
Rechtsverordnung des Landratsamtes Heidenheim als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Telle" vom 13.01.1999.
Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Gerstetten, Gemarkung Heldenfingen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Telle".
(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 23,28 ha.
(2) Das Schutzgebiet umfaßt folgende Grundstücke: Flst. Nr. 1179 bis 1181, 1207 bis 1216, 1220 bis 1227, 1230 bis 1238, 1239 teilweise und 1240.
(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 5 000, gefertigt vom Landratsamt Heidenheim am 19.10.1990/ 14.10.1998, mit einer durchgezogenen grünen Linie eingetragen. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Landratsamt Heidenheim ‑ Referat Baurecht u. Umweltschutz ‑ auf die Dauer von 3 Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündigung dieser Verordnung, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt. Die Verordnung mit Karten wird nach Ablauf der Auslegungsfrist beim Staatsarchiv Ludwigsburg, Schloß, 71640 Ludwigsburg, verwahrt und beim Landratsamt Heidenheim ‑ Referat Baurecht u. Umweltschutz ‑niedergelegt und kann dort von jedermann während der Sprechzeiten eingesehen werden.
Das Landschaftsschutzgebiet bildet mit seinen langen Heckenzügen an schmalen, steilen Hangterrassen mit die größte und reizvollste Heckenlandschaft im westlichen Kreisgebiet.
Die aus fast sämtlichen einheimischen Laubstraucharten bestehenden Heckenzeilen und die schmalen Wiesenbänder dazwischen sind wiederum Basis einer vielfältigen Lebensgemeinschaft mit verschiedenen Arten gefährdeter Pflanzen‑ und Tierarten.
Erdgeschichtlich stellt das Telle ‑ ein Seitental des Hungerbrunnentals ‑ mit seiner gerundeten Talausweitung ein selten schönes und daher schutzwürdiges Beispiel einer halbausgeräumten Zeta-Mulde dar.
3. das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;
(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde,
5. Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung (in der jeweils geltenden Fassung) oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;
7. Verlegen oder Ändern von ober‑ oder unterirdischen Leitungen aller Art;
11. Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel;
12. Anlage oder Veränderung von Flugplätzen für den Modellflug,
13. Betrieb von Motorsport sowie motorgetriebenen Schlitten mit Ausnahme motorgetriebene Schlitten für die Unterhaltung und Reparatur von Ver‑ oder Entsorgungseinrichtungen oder -leitungen und zu Anlage von Skilanglauf‑Loipen;
14. Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen,
15. Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern sowie die Trockenlegung von Grünland oder Ackerflächen;
16. Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild‑ oder Schrifttafeln;
17. Neuaufforstung, Umwandlung von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise,
18. Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder wertvolle Biotope für Flora und Fauna darstellen, wie Hecken, landschaftsprägende Einzelbäume und Baumgruppen, Gehölzgruppen, Laubwaldtraufe;
19. Grasskifahren;
20. Grünlandumbruch,
21. Drainagen;
22. Starten und Landen von Ultraleichtflugzeugen; Drachen‑ und Gleitschirmfliegern.
4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.
23. ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, daß
c) wesentliche Landschaftsteile, wie landschaftsprägende Bäume, Hecken, Gebüsche, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden, die sachgerechte Gehölzpflege bleibt davon unberührt.
24. ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;
25. ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;
26. Pflegemaßnahmen, die von der Naturschutzbehörde angeordnet werden (vgl. § 7);
27. ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege und Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Ziffer 1 und 3.
(2) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßig bestehender Einrichtungen.
Schutz‑ und Pflegemaßnahmen können durch die untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt werden, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.
Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 LNatSchG durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.
Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 LNatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
28. im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,
29. im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.
Heidenheim, den 13.01.1999
Dr. Würz,

References: § 2
 § 7
 § 5
 § 63
 § 64
 § 4
 § 5