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Timestamp: 2019-04-22 00:53:58+00:00

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﻿ ﻿ BAG – 5 AZR 93/12 | bag-urteil.com
Erstattung einer Übergangsversorgung bei Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nach Erreichen der tarifvertraglichen Altersgrenze – ungerechtfertigte Bereicherung – Annahmeverzug
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.12.2012, 5 AZR 93/12
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 8. Dezember 2011 – 5 Sa 756/11 – aufgehoben, soweit es der Klage stattgegeben und die Widerklage abgewiesen hat.
5 AZR 93/12 > Rn 1
5 AZR 93/12 > Rn 2
5 AZR 93/12 > Rn 3
„§ 11 Behördliche Erlaubnis, Berechtigung und Bestätigung
§ 24 Anspruch auf Vergütung
§ 34 Dreizehntes Monatsgehalt (Urlaubsgeld/Weihnachtsgeld)
§ 41 Sonderurlaub und zeitweilige Arbeitsbefreiung aus besonderem Anlaß
§ 51 Ausschlußfristen
5 AZR 93/12 > Rn 4
§ 3 Versicherer/Versicherungsnehmer
§ 4 Versicherungsbeginn und -dauer
5 AZR 93/12 > Rn 5
5 AZR 93/12 > Rn 6
5 AZR 93/12 > Rn 7
5 AZR 93/12 > Rn 8
5 AZR 93/12 > Rn 9
5 AZR 93/12 > Rn 10
5 AZR 93/12 > Rn 11
5 AZR 93/12 > Rn 12
5 AZR 93/12 > Rn 13
5 AZR 93/12 > Rn 14
5 AZR 93/12 > Rn 15
5 AZR 93/12 > Rn 16
5 AZR 93/12 > Rn 17
5 AZR 93/12 > Rn 18
5 AZR 93/12 > Rn 19
5 AZR 93/12 > Rn 20
5 AZR 93/12 > Rn 21
5 AZR 93/12 > Rn 22
5 AZR 93/12 > Rn 23
5 AZR 93/12 > Rn 24
5 AZR 93/12 > Rn 25
5 AZR 93/12 > Rn 26
5 AZR 93/12 > Rn 27
5 AZR 93/12 > Rn 28
5 AZR 93/12 > Rn 29
5 AZR 93/12 > Rn 30
5 AZR 93/12 > Rn 31
5 AZR 93/12 > Rn 32
5 AZR 93/12 > Rn 33
5 AZR 93/12 > Rn 34
5 AZR 93/12 > Rn 35
5 AZR 93/12 > Rn 36
5 AZR 93/12 > Rn 37
1. Zwar kann gemäß § 267 Abs. 1 BGB die Leistung auch durch einen Dritten bewirkt werden, wenn der Schuldner nicht in Person zu leisten hat. Der Dritte muss dann aber mit dem Willen leisten, die Verpflichtung des Schuldners zu tilgen, wobei es nicht auf seinen inneren Willen ankommt, sondern darauf, wie der Gläubiger sein Verhalten bei objektiver Betrachtung verstehen durfte (BGH 4. November 1997 – VI ZR 348/96 – zu II 3 a der Gründe, BGHZ 137, 89; 8. April 2003 – XI ZR 423/01 – zu II 2 b der Gründe, BGHReport 2003, 885).
5 AZR 93/12 > Rn 38
2. Wie die Vorinstanzen zu Recht erkannt haben, wollte die A Lebensversicherungs-AG durch Auszahlung der Versicherungsleistung eine eigene Schuld gegenüber der Klägerin aus dem Versicherungsvertrag und keine für sie fremde Vergütungsschuld der Beklagten tilgen. Gemäß § 6 des Gruppenversicherungsvertrags zwischen der Rechtsvorgängerin der Beklagten und der M Lebensversicherungs-AG als Rechtsvorgängerin der A Lebensversicherungs-AG war Versicherungsnehmer die versicherte Person, mithin die Klägerin. Gemäß § 1 Ziff. 1 des Gruppenversicherungsvertrags war die Versicherungsleistung mit Eintritt des 60. Lebensjahres fällig. Der Gruppenversicherungsvertrag enthält gerade keine Regelungen dazu, dass die Auszahlung eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der Klägerin und die Inanspruchnahme der vorgezogenen Altersrente voraussetzte. Die Klägerin konnte daher bei objektiver Betrachtung davon ausgehen, dass die A Lebensversicherungs-AG mit der Auszahlung der Versicherungsleistung eine eigene Schuld aus dem Versicherungsvertrag tilge. Wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, wird dies auch dadurch untermauert, dass die A Lebensversicherungs-AG die Versicherungsleistungen an die Klägerin ausgezahlt hat, obwohl die Beklagte versucht hatte, sie – mit der Begründung eines fehlenden Anspruchs der Klägerin – von der Auszahlung abzuhalten.
5 AZR 93/12 > Rn 39
5 AZR 93/12 > Rn 40
1. Eine Zahlung durch den Arbeitgeber ist dann ein Vorschuss, wenn sich beide Seiten bei der Auszahlung darüber einig sind, dass es sich um eine Vorwegleistung handelt, die bei Fälligkeit der Forderung verrechnet werde (BAG 11. Juli 1961 – 3 AZR 216/60 – BAGE 11, 188; 13. Dezember 2000 – 5 AZR 334/99 – zu II 2 b der Gründe, AP BGB § 394 Nr. 31 = EzA TVG § 4 Friseurhandwerk Nr. 1).
5 AZR 93/12 > Rn 41
5 AZR 93/12 > Rn 42
VIII. Die Bruttoentgeltansprüche der Klägerin für 2010 sind nicht durch die seitens der Beklagten erklärte Aufrechnung mit Nettozahlungsansprüchen erloschen. Eine Aufrechnung gegen Bruttolohnansprüche verstößt gegen § 394 BGB (BAG 13. November 1980 – 5 AZR 572/78 – zu II 2 b der Gründe).
5 AZR 93/12 > Rn 43
5 AZR 93/12 > Rn 44
5 AZR 93/12 > Rn 45
5 AZR 93/12 > Rn 46
5 AZR 93/12 > Rn 47
5 AZR 93/12 > Rn 48
5 AZR 93/12 > Rn 49
1. Die Klägerin hat mit dem Beitritt zu der von der Beklagten finanzierten Gruppenversicherung einen Versicherungsschutz in Form einer Versicherung für den Erlebensfall mit Beitragsrückgewähr im Todesfall gemäß § 2 Nr. 1 TV-ÜV erlangt. Hierin liegt ein „etwas“ iSv. § 812 BGB. Der erlangte Versicherungsschutz ist ein Vorteil, der das wirtschaftliche Vermögen der Klägerin vermehrte (vgl. BGH 7. Januar 1971 – VII ZR 9/70 – BGHZ 55, 128, 131; 7. Oktober 1994 – V ZR 4/94 – zu II 1 a der Gründe, NJW 1995, 53; RGRK/ Heimann-Trosien BGB 12. Aufl. 1989 § 812 Rn. 1). Die Verschaffung eines Versicherungsschutzes gehört zu den möglichen Bereicherungsgegenständen iSv. § 812 BGB (BGH 2. Dezember 1982 – III ZR 90/81 – zu IV 1 b der Gründe, NJW 83, 1420; Bamberger/Roth/Wendehorst BGB 3. Aufl. 2012 § 812 Rn. 41; Staudinger/Lorenz BGB 13. Aufl. 2007 § 812 Rn. 66; Schulze/Dörner/ Ebert/Hoeren/Kemper/Saenger/Schreiber/Schulte-Nölke/Staudinger Bürgerliches Gesetzbuch 7. Aufl. 2012 § 812 Rn. 3).
5 AZR 93/12 > Rn 50
2. Die Beklagte und ihre Rechtsvorgängerin haben der Klägerin diesen Versicherungsschutz verschafft und ihr damit unmittelbar eine Leistung erbracht (zum Leistungsbegriff, vgl. BGH 31. Oktober 1963 – VII ZR 285/61 – BGHZ 40, 272; 24. Februar 1972 – VII ZR 207/70 – BGHZ 58, 184; MünchKomm/ BGB/Schwab 5. Aufl. 2009 § 812 Rn. 41; Bamberger/Roth/Wendehorst BGB 3. Aufl. 2012 § 812 Rn. 37; zum Fall der Verschaffung eines Versicherungsschutzes, vgl. BGH 2. Dezember 1982 – III ZR 90/81 – zu IV 1 b der Gründe, NJW 1983, 1420).
5 AZR 93/12 > Rn 51
5 AZR 93/12 > Rn 52
Nach § 47 MTV endet das Arbeitsverhältnis – ohne dass es einer Kündigung bedarf – spätestens mit Ablauf des Monats, in dem der Arbeitnehmer das 60. Lebensjahr vollendet hat. Hieran anknüpfend bestimmt § 2 Nr. 1 TV-ÜV, dass die unter den Geltungsbereich des TV-ÜV fallenden Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, im Rahmen eines Gruppenversicherungsvertrags eine persönliche Übergangsversorgung für die Zeit von der tarifvertraglichen Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses mit vollendetem 60. Lebensjahr bis zum Beginn der Altersrente bzw. der vorgezogenen Altersrente aus der Angestelltenversicherung in Form einer Versicherung für den Erlebensfall mit Beitragsrückgewähr im Todesfall abzuschließen. Nach § 2 Nr. 3 TV-ÜV werden nach dem Beitritt zur Gruppenversicherung die Versicherungsprämien vom Arbeitgeber getragen und an den Versicherer abgeführt. Die tarifliche Übergangsversorgung dient dazu, Versorgungslücken zu überbrücken, die aus dem an sich tarifvertraglich vorgesehenen Ausscheiden entstehen. Die Arbeitnehmer sollen abgesichert werden, weil ihnen durch die Einführung einer tariflichen Altersgrenze die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses versagt wird (vgl. BAG 20. Februar 2002 – 7 AZR 748/00 – zu B II 3 b cc der Gründe, BAGE 100, 292; 20. August 2002 – 9 AZR 235/01 – zu I 1 c cc der Gründe, AP TVG § 1 Tarifverträge: Lufthansa Nr. 28 = EzA TVG § 4 Luftfahrt Nr. 6). Ungeachtet der Unwirksamkeit dieser tariflichen Befristungsregelung (vgl. BAG 23. Juni 2010 – 7 AZR 1021/08 – AP TzBfG § 14 Nr. 76 = EzA BGB 2002 § 620 Altersgrenze Nr. 8) hätte die Klägerin die wirksame Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses mit Ablauf des 31. Juli 2010 durch Verstreichenlassen der dreiwöchigen Klagefrist (§ 17 Satz 2 TzBfG iVm. § 7 KSchG) herbeiführen können. Mit Erhebung der Befristungskontrollklage und die nachfolgende vergleichsweise Einigung auf eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses über den 31. Juli 2010 hinaus entfiel die zu schließende Versorgungslücke der Klägerin und damit der Rechtsgrund der Leistung des Versicherungsschutzes.
5 AZR 93/12 > Rn 53
5 AZR 93/12 > Rn 54
a) Der Wert des durch die Leistung Erlangten ist für den Zeitpunkt der „grundlosen“ Erlangung zu bestimmen(BGH 27. Februar 1952 – II ZR 191/51 – zu I 2 der Gründe mwN, BGHZ 5, 197; MünchKomm/BGB/Schwab 5. Aufl. 2009 § 818 Rn. 102). Das ist im Streitfall der Zeitpunkt des nachträglichen Wegfalls des Rechtsgrundes für die Gewährung einer Übergangsversorgung. In diesem Zeitpunkt hatte sich der Versicherungsschutz bereits durch den Eintritt des Versicherungsfalls realisiert. Da sich die Höhe des Wertersatzes nach dem objektiven Wert des Erlangten bestimmt (vgl. BGH 14. Januar 1992 – VI ZR 186/91 – BGHZ 117, 29; MünchKomm/BGB/Schwab 5. Aufl. 2009 § 818 Rn. 75; RGRK/Heimann-Trosien BGB 12. Aufl. 1989 § 818 Rn. 18; Staudinger/Lorenz BGB 13. Aufl. 2007 § 818 Rn. 26), ist auf den Wert der Versicherung Anfang August 2010 abzustellen, wobei Nutzungen und Früchte – wie Zinserträge und Überschussbeteiligungen – einzubeziehen sind, § 818 Abs. 1, §§ 99, 100 BGB (anders für Pflichtteilergänzungsansprüche nach § 2325 Abs. 1 BGB, BGH 28. April 2010 – IV ZR 73/08 – BGHZ 185, 252). Deshalb entspricht der Wert der von der Beklagten geleisteten Übergangsversorgung der an die Klägerin ausgezahlten Versicherungssumme.
5 AZR 93/12 > Rn 55
5 AZR 93/12 > Rn 56
5 AZR 93/12 > Rn 57
bb) Diese tariflichen Maßstäbe lassen sich auf den bereicherungsrechtlichen Ausgleich übertragen. Die Funktion des Bereicherungsrechts besteht in der Rückabwicklung derjenigen Vermögensverschiebungen, die nach dem Gesamturteil der Rechtsordnung „ohne rechtlichen Grund“ erfolgen und daher missbilligt sind (Bamberger/Roth/Wendehorst BGB 3. Aufl. 2012 § 812 Rn. 3). Die §§ 812 ff. BGB dienen der Korrektur irregulärer Vermögensverschiebungen (MünchKomm/BGB/Schwab 5. Aufl. 2009 § 818 Rn. 114 mwN). Der TV-ÜV bestimmt selbst das Ausmaß der irregulären und zu korrigierenden Vermögensverschiebung. Der Zweck der tariflichen Übergangsversorgung kann bei einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nach Erreichen der Altersgrenze – wie im Streitfall – ebenso wenig erreicht werden wie bei Beendigung vor Erreichen der tariflichen Altersgrenze. Die Zweckverfehlung ist in beiden Fällen die gleiche, denn eine Versorgungssituation besteht (noch) nicht. Deshalb kann die Versicherungsleistung nach Eintritt des Versicherungsfalls denselben Aufteilungsmaßstäben unterworfen werden wie der Rückkaufswert vor Eintritt des Versicherungsfalls.
5 AZR 93/12 > Rn 58
5 AZR 93/12 > Rn 59
5 AZR 93/12 > Rn 60
5 AZR 93/12 > Rn 61
Hromadka Zoller
Erstattung einer Übergangsversorgung bei Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nach Erreichen der tarifvertraglichen Altersgrenze,
Das Urteil BAG – 5 AZR 93/12 wird zitiert in:
> BAG, 23.10.2013 – 5 AZR 556/12

References: § 24

§ 34

§ 41

§ 51

§ 3

§ 4
 § 267
 § 6
 § 1
 § 394
 § 4
 § 394
 § 2
 § 812
 BGH 
 § 812
 § 812
 § 812
 § 812
 § 812
 BGH 
 § 812
 § 812
 BGH 
 § 47
 § 2
 § 2
 § 1
 § 4
 § 14
 § 620
 § 7
 § 818
 BGH 
 § 818
 § 818
 § 818
 § 818
 § 2325
 BGH 
 § 812
 § 818