Source: https://diekolumnisten.de/2019/04/18/feier-frei/
Timestamp: 2020-02-20 21:33:07+00:00

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Feier frei – Die Kolumnisten. Persönlich. Parteiisch. Provokant.
Heinrich Schmitz	18. April 2019 Gesellschaft, Kultur, Recht, Recht klar
Bereits 2015 schrieb ich in einer Kolumne für The European folgendes:
Es ist nicht die Aufgabe des Staates dem Einzelnen vorzuschreiben, wann er Party machen kann und wann nicht. Das Tanzverbot am Karfreitag gehört abgeschafft.
Ist doch schön so ein paar freie Tage. Freitag frei, Montag frei. Jedenfalls für die Mehrzahl der Bevölkerung. Natürlich nicht für Not, Rettungs, Polizei, Krankenhaus und andere Dienste und nicht in der Gastronomie (), aber halt für die Mehrzahl der Bevölkerung. Über Sonn- und Feiertage beschwert sich außer Arbeitgebern kaum jemand. Hauptsache frei. Aus welchem Grund frei ist, interessiert immer weniger. Manche wissen es nicht einmal mehr, welchen Hintergrund so ein Feiertag hat. Müssen sie auch nicht.
Da könnte man ja auf die Idee kommen, dass sei den anderen Religionen gegenüber ungerecht. Das sei vielleicht früher mal in Ordnung gewesen, als die Bevölkerung noch durch die Bank aus Christen bestanden hätte. Das verstoße gegen das Grundgesetz. Klingt ja auf der ersten Blick ganz einleuchtend. Wenn der Islam zu Deutschland gehört, warum sind dann alle Feiertage christlich?
Allein aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG lässt sich keine staatliche Verpflichtung herleiten, die religiös-christlichen Feiertage und den Sonntag unter den Schutz einer näher auszugestaltenden generellen Arbeitsruhe zu stellen und das Verständnis bestimmter Religionsgemeinschaften von nach deren Lehre besonderen Tagen zugrunde zu legen. Das Grundrecht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG erfährt aber eine Konkretisierung durch die Sonn- und Feiertagsgarantie nach Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 139 WRV; die Sonn- und Feiertagsgarantie wirkt ihrerseits als in der Verfassung getroffene Wertung auf die Auslegung und Bestimmung des Schutzgehalts von Art. 4 Abs. 1 und 2 GG ein und ist deshalb auch bei der Konkretisierung der grundrechtlichen Schutzpflicht des Gesetzgebers zu beachten. Art. 139 WRV enthält einen Schutzauftrag an den Gesetzgeber, der im Sinne der Gewährleistung eines Mindestschutzniveaus dem Grundrechtsschutz aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG insoweit Gehalt gibt.“
Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“
Wäre doch cool, wenn Juden, Christen und Muslime einen
gemeinsamen Feiertag feiern könnten
Das schützt nicht nur die Kirchen, sondern jeden Bürger vor übermäßiger Begehrlichkeit der Arbeitgeber, insbesondere der ganz großen Arbeitgeber, die am liebsten rund um die Uhr ihre Geschäfte offen hielten. Aber die richtig Großen, also die die keine Steuern zahlen, aber rund um die Uhr fette Gewinne einstreichen kümmert das eh nicht. Die sind ja nicht von dieser Welt, sondern aus dem Cyberspace.
Keine Party im Dom
Alle Jahre wieder gibt es völlig zu Recht Diskussionen um das sogenannte „Tanzverbot“ an Karfreitag. Dabei werden je nach Bundesland nicht nur reine öffentliche Tanzveranstaltungen untersagt, sondern auch „alle nichtöffentlichen unterhaltenden Veranstaltungen außerhalb von Wohnungen“. So wurde einem Kölner Wirt verboten, an Karfreitag seine Räume für eine muslimische Beschneidungsfeier zu vermieten. Unter dem Gesichtspunkt der Religionsfreiheit eine recht seltsame Entscheidung. Und ob die Beschnittenen den Tag als
besonders unterhaltsam gefunden hätten, weiß ich auch nicht.
Finden es die meisten nicht richtig doof, dass strenggläubige Salafisten meinen, Musik und Tanz seien Teufelszeug? Warum muss der Staat dann an Karfreitag selbst einen auf finster machen.
Nochmal. Jeder Christ muss unbehelligt Karfreitag feiern können. Wobei dieses Feiern ja eher einer Trauerfeier gleicht. Aber auch das ist ja eine Feier. Auch wenn die christlichen Feiertage als solche von der Verfassung geschützt werden, ist es schlichtweg unverständlich, wenn der Staat meint, er müsse diese Feiertage noch über den eigentlichen Zweck der ungestörten Religionsausübung hinaus pushen. Das fühlt sich an, als ob eine Staatstrauer verhängt würde. Ich fand es als Kind schon immer ätzend, wenn im Radio den ganzen Tag nur „ernste“ Musik gespielt wurde. Und ich fand es ungerecht, weil mein Vater da richtig drauf abfuhr. Der wäre viel trauriger gewesen, wenn die meine Musik gespielt hätten. Gut, das hat sich ja schon seit ein paar Jahrzehnten geändert.
Mich kümmert sonst schon nicht, ob andere tanzen.
Grundgedanke des Grundgesetzes ist die persönliche Freiheit des Einzelnen. Jedes Einzelnen, ganz gleich ob er religiös oder nichtreligiös ist. In diese Freiheit darf nur aus bestimmten Gründen eingegriffen werden. Welche Gründe das hier nun konkret sein sollen, ist mir schleierhaft. Kann ein strenggläubiger Christ nicht
angemessen traurig sein, weil er weiß, dass sein Nachbar tanzen geht? Davon bekommt er ja gar nichts mit. Ist also schon das Bewusstsein, dass andere möglicherweise Spaß haben könnten, während man selber in Sack und Asche gehen möchte ein schützenswertes Rechtsgut? Mich kümmert sonst schon nicht, ob andere tanzen, warum sollte mich das an einem Tag im Jahr kümmern? Und warum kümmert es offenbar nicht nur die Kirchen und Matthias Matussek, sondern auch den Staat?
Es ist eben nicht Aufgabe des Staates dem Einzelnen vorzuschreiben, wann er traurig zu sein hat bzw. so zu tun hat als wäre er traurig. Der Staat hat den Bürger in Ruhe zu lassen. Die wirklich Gläubigen werden auch ohne ein Tanzverbot nicht zu Jubelfeiern aufbrechen und denjenigen, die das Tanzverbot vehement verteidigen, geht es wohl in Wirklichkeit darum zu zeigen, wer in diesem unseren Lande immer noch das Sagen hat.
Das ist auch heute, 2019, immer noch meine Meinung.
4 Antworten zu "Feier frei"
Und es gibt ein öffentliches Aufführungsverbot für „nicht feiertagsfreie“ Filme, das sich die FSK anmaßt, die zwar für den Jugendschutz zuständig ist, gleichzeitig jedoch als Zensur- und Vollstreckungsbehörde – legislativ und exekutiv – für den Kirchenstaat Bundesrepublik Deutschland und die beiden christlichen Kirchen-Vereine tätig ist.
Ja, immer noch richtig gesagt. Und immer richtiger. Die Freiheit ist das wichtige am Feiertag, auch die religiöse.
19. April 2019 um 0:46 Uhr
Ich finde das Tanzverbot zum Karfreitag gut. Es hat etwas mit ‚innehalten‘ zu tun, daran zu denken, was in der Welt – tagtäglich – an Unrecht geschieht. Das sollten Sie wissen.
Schaffen Sie und Ihre Genossen,
die das ungeborene Leben bis zum 9.n Schwangerschaftsmonat ermorden lassen wollen; O-Ton Kühnert: ‚Richtig ist, dass wir Fristenregelungen als willkürlich betrachten. Falsch ist, dass daraus Abtreibungen bis zum 9. Monat folgen müssen … ‚,
doch den 1. Mai, den ‚Kampftag der internationalen Sozialisten‘, der von den National-Sozialisten in den ’30ern zum Feiertag überhöht wurde, ab.
Ach, Mighty Quinn, besser noch einmal lesen. Sie dürfen gern am Karfreitag innehalten und sich besinnen. Aber wieso wollen Sie es mir aufzwingen?
Und meine Genossen und ich verlangen auch nicht von Ihnen, bei unserem ‚Kampftag der internationalen Sozialisten‘ mitzumachen. Sie dürfen, wenn Sie wollen, auch an diesem Tag innehalten und an all das Schlechte denken, das die Sozialisten über die Welt gebracht haben.
Kleiner Tip: Eventuell auch mal beim Kommentieren innehalten.

References: Art. 4
 Art. 4
 Art. 140
 Art. 139
 Art. 4
 Art. 139
 Art. 4