Source: http://doczz.com.br/doc/1263237/magazin-1-10---bundesamt-f%C3%BCr-bev%C3%B6lkerungsschutz-und
Timestamp: 2019-01-22 06:14:17+00:00

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Magazin 1/10 - Bundesamt für Bevölkerungsschutz und
ein umfassendes freiwilliges Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist ein wichtiges Wesenselement,
dauerhaft sozialen Kriterien, wie Humanität, Gemeinwohl- und Gemeinschaftsorientierung entsprechen soll. Die freiwillige Bereitschaft von
ca. 1,8 Mio. Menschen
in Deutschland, Menschen in Not zu helfen
und dafür sogar Gesundheit und Leben zu riskieren, zeugt in ganz
besonderem Maße von einem solchen Gemeinschaftssinn. Tagtäglich setzen sich im Rettungsdienst, im Brand- und Katastrophenschutz freiwillige Feuerwehrleute, Helferinnen und Helfer der
privaten Hilfsorganisationen und des THW diesem
Risiko aus. Sie leisten damit einen unbezahlbaren
Beitrag, unsere Gesellschaft sicherer und Humanität ganz konkret erlebbar zu machen. Freiwilliges
bzw. ehrenamtliches Engagement ist ein wesentliches Stück unserer traditionellen bürgerschaftlichen Kultur. Deutschland ist hier Weltmeister und
darf getrost stolz darauf sein, global das wohl leistungsfähigste auf Freiwilligkeit basierende Hilfeleistungssystem zu besitzen. Flankiert wird dieses
System von professionellen, hauptberuflichen Feuerwehr- und Rettungsdienstkräften in der alltäglichen Gefahrenabwehr. Doch da bekanntlich nichts
so beständig wie der Wandel ist (Heraklit v. Ephesos), wird auch dieses erfolgreiche System von Veränderungen betroffen sein. Da ist einerseits der
demografische Wandel mit seinen gravierenden
Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Da ist andererseits die rasante Veränderung
in privaten und beruflichen Lebenswelten der
Menschen. Und folglich gibt es einen Einstellungs-
BEVÖLKERUNGSSCHUTZ 1 2010
wandel jüngerer Menschen zum freiwilligen Engagement in Organisationen mit festen Regeln und
langjährigen Verpflichtungserwartungen. All dies
wird im neuen Jahrzehnt zusammen mit einem
veränderten Risikobewußtsein zu einer stetigen Anpassung unseres Hilfeleistungssystems führen,
ohne es jedoch in seinen Grundfesten zu bedrohen.
Veränderungen sollten immer auch als Chance begriffen werden, um Bestehendes einer notwendigen Überprüfung zu unterziehen und das Gute weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu machen.
Unsere Gesellschaft besitzt für das freiwillige Engagement im Bevölkerungsschutz noch eine Menge
an bislang zu wenig genutzten Potenzialen, wie z.B.
die deutlich zu verstärkende Gewinnung von Frauen und Zuwanderern. Aber auch älteren Menschen
und Menschen mit Handicaps sollten gezielt geeignete Mitwirkungsmöglichkeiten eröffnet werden.
Eine noch bessere Verzahnung von Berufs- und freiwilligen Kräften sowie eine verbesserte Anerkennungskultur freiwilligen Engagements durch die
Arbeitgeber bieten weitere Chancen. Der Staat hat
die entsprechenden Handlungsnotwendigkeiten
erkannt. Die Herausforderungen, die der ständige
Wandel an uns alle stellt, sind jedoch nur gemeinsam zu stemmen — Packen wir es an!
Helferpotenziale
„Unser Auftrag ist die Information
Technisch gut ausgestattet — aber Personalprobleme. Der ehrenamtlich
getragene Bevölkerungsschutz in Deutschland hat zunehmend Probleme, personelle Sollstärke zu erreichen; Ursachen, Lösungsmöglichkeiten
und Alternativen S. 4 - 19.
Katastrophenschutz made by EU
Neue Handlungsgrundlage
Ein Traum(a)-Hubschrauber?
Verband der Arbeitsgemeinschaften der Helfer
in den Regieeinheiten/-einrichtungen des
Katastrophenschutzes in der
Kann der am 1.12.2009 in Kraft getretene Vertrag von Lissabon zur Lösung
zentraler Streitfragen des europäischen Katastrophenschutzes beitragen?
Eine Analyse S. 22.
(Foto: schmuttel/pixelio)
Das Luftrettungszentrum Christoph 2 in Frankfurt/M. ist nicht nur eines
der ältesten in Deutschland, sondern gehört auch zu den Wegbereitern
der überregionalen Traumaversorgung. Ein Porträt S. 35
(Foto: Team Chr. 2)
1 2010 BEVÖLKERUNGSSCHUTZ
zu den Kernaufgaben des Staates gehört es, Vorsorge zu treffen und die Schäden durch Naturereignisse
oder andere Katastrophen möglichst gering zu halten. Unser System des Bevölkerungsschutzes hat bewiesen, dass es zuverlässig selbst mit außergewöhnlichen Anforderungen und Schadenslagen fertig
Das verdanken wir vor allem den etwa 1,8 Millionen zivilen, fast ausschließlich ehrenamtlichen
Helferinnen und Helfern in den Feuerwehren, den
Hilfsorganisationen und dem Technischen Hilfswerk. Sie sind unersetzliche Leistungsträger des
deutschen Bevölkerungsschutzes. Ohne sie würde
unser System, das auch im Ausland große Anerkennung findet, nicht funktionieren.
Deshalb war es mir eine besondere Freude, am
5. Dezember, dem internationalen Tag des Ehrenamtes, die Auszeichnung „Ehrenamt im Bevölkerungsschutz“ im letzten Jahr erstmals zu verleihen. Diese Auszeichnung würdigt mit zwei Förderpreisen das Engagement der Ehrenamtlichen und
mit einem Ehrenpreis auch das Engagement von Arbeitgebern, die die ehrenamtlichen Aktivitäten ihrer
Beschäftigten unterstützen. Mit den Auszeichnungen zeigt die Bundesregierung, welch hohe Bedeutung sie der Leistung von Ehrenamtlichen beimisst.
In Deutschland liegen die Zuständigkeit und
die Verantwortung für den Katastrophenschutz in
Friedenszeiten bei den Bundesländern, für den Bevölkerungsschutz im Falle eines Krieges hingegen
beim Bund. Die Terroranschläge vom 11. September
2001 und die Hochwasser der Jahre 1997 und 2002
haben uns jedoch eindringlich vor Augen geführt,
dass großflächige Gefahrenlagen nur bewältigt
werden können, wenn alle beteiligten Akteure zusammenwirken, auch über Landesgrenzen hinweg.
Deshalb haben Bund und Länder gemeinsam
eine neue Konzeption für den Bevölkerungsschutz
in Deutschland erarbeitet und umgesetzt. Ein Bestandteil dieses Konzepts ist die Ergänzung der Ausstattung der Länder mit Blick auf besondere Gefahrenlagen. So stellt der Bund den Ländern Fahrzeuge
zur Bewältigung von CBRN-Gefahren (chemisch,
biologisch, radiologisch, nuklear) und von Situationen mit einem Massenanfall von Verletzten zur
Verfügung. Dazu gehören auch die neuen Brandschutzfahrzeuge des Bundes. 70 dieser Löschgruppenfahrzeuge für den Katastrophenschutz im Wert
von 180.000 Euro je Fahrzeug — ohne Ausrüstung —
werden bis zum Jahr 2012 über das Bundesamt für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe an die
Bundesländer ausgeliefert. Weitere 120 dieser Fahrzeuge sind in Planung. 32 Mannschaftstransportwagen werden bereits in der ersten Jahreshälfte 2010
für die im Aufbau befindlichen Medizinischen Task
Forces übergeben.
Konzepte, Normen und Vereinbarungen können noch so gut sein, sie werden für Gefahrensituationen erst dann brauchbar, wenn ihre Inhalte
praktisch getestet und trainiert werden. Deshalb
führen wir alle zwei Jahre unsere sogenannten LÜKEX-Übungen durch, die inzwischen fester Bestandteil des Krisenmanagements geworden sind. Neben Bundes- und Landesvertretern nehmen auch
Betreiber Kritischer Infrastrukturen (z. B. Elektrizitätswerke) teil. Das Zusammenwirken der verschiedensten Bereiche, u. a. Katastrophenschutz, Polizei,
Gesundheit und Verkehr, wird erprobt. Manche
Planungen und Konzepte bewähren sich, bei anderen zeigt sich, dass sie noch verbessert oder geändert werden können.
Bewährtes nutzen und offen sein für Neues —
das gilt auch für das deutsche Engagement im europäischen Katastrophenschutz. Mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon haben die europäischen Strukturen einen neuen Rahmen erhalten.
In den früheren Vertragswerken waren die
Handlungsmöglichkeiten der europäischen Ebene
und ihre Abgrenzung zu den Mitgliedstaaten nicht
ausdrücklich geregelt. Demgegenüber sieht der
neue Vertrag ein gemeinsames und solidarisches
Handeln der EU und der Mitgliedstaaten bei großen
Katastrophen vor. Das geschieht selbstverständlich
unter Wahrnehmung des Subsidiaritätsgrundsatzes, bedeutet also nicht, dass europäische Institutionen, z. B. das Beobachtungs- und Informationszentrum, besser bekannt als MIC, zu einer operativen
Einsatzzentrale ausgebaut würden. Ebenso wenig
ist Raum für die Aufstellung EU-eigener Katastrophenschutzeinsatzkräfte und Ressourcen.
Die Union wird vielmehr die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten unterstützen,
fördern und ergänzen. Zunächst brauchen wir einen
Überblick über die Potenziale und Ressourcen der Mitgliedstaaten. Diese müssen dann,
ähnlich wie die Ressourcen von Bund und
Ländern in Deutschland, miteinander verknüpft werden. Der
Schlüssel für einen effektiveren Katastrophen- und Bevölkerungsschutz liegt in
der Vorbeugung. Das
gilt für alle staatlichen
Ebenen. Wenn es gelingt, durch vorbeugende Maßnahmen den
Eintritt von Schadensereignissen zu verhindern, ihre Häufigkeit zu
verringern und ihre
Auswirkungen einzudämmen, ist der Sicherheitsgewinn weitaus
größer, als er durch Reaktionskapazitäten je
Im Jahr 2010 haben wir erneut eine Fülle von Aufgaben vor
uns, die wir mit der gewohnten Sorgfalt zusammen wahrnehmen
werden. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes und erfolgreiches Jahr.
Preis des Bundesministeriums des Innern erstmalig verliehen
Nikolaus Stein, BBK
5. Dezember 2010, ein Adventswochenende in Berlin. Zahlreiche Weihnachtsmärkte und allgemeine
Geschäftigkeit prägen das Stadtbild und das Wetter
spielt auch mit. Der Markt vor dem Roten Rathaus
im Bezirk Mitte ist um die Mittagszeit gut besucht,
die von der Pressestelle des BMI angekündigte Leistungsschau der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen geht dabei ein wenig unter.
Die rote Klinkerfassade des Rathauses beeindruckt, das Gebäude — Neo-Renaissance, wissen wir
aus dem Internet — ist größer als der Besucher aus
dem Rheinland erwartet hat; der markante Turm ist
immerhin 74 m hoch. Seit der Wiedervereinigung
ist es Sitz des Berliner Senats und des Regierenden
Heute findet hier eine Premiere statt. Bundesminister des Innern Dr. Thomas de Maizière verleiht
am heutigen internationalen Tag des Ehrenamtes
den erstmalig vergebenen „Preis des Bundesministeriums des Innern für herausragende Leistungen zur
Förderung der Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz“.
Die Stadt Berlin hat dankenswerterweise die
repräsentativen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Die Überprüfung der Zugangsberechtigungen verläuft höflich, aber bestimmt: dritte Etage,
Louise-Schroeder-Saal.
Die meisten geladenen Gäste sind schon da,
viele Uniformen, mehrheitlich von Feuerwehren. Einige Begrüßungsszenen, man kennt sich von Sitzungen, Tagungen oder anderen Festakten, die Stimmung ist gelöst. Nur ein paar Gruppen und Grüppchen stehen etwas abseits, eine gewisse Anspannung ist nicht zu übersehen — die Preisträger, in
ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten eher zupackende Praktiker und unerfahren mit derartigen Veranstaltungen, haben „Verstärkung“ mitgebracht.
„Du bist die Feuerwehr“ Nachwuchswerbe-Video der Freiwilligen Feuerwehr Kettig
„Kindergeburtstag bei der Feuerwehr“ der Freiwilligen
Dieses Video entstand „aus einer Übungslaune heraus“
(www.feuerwehr-kettig.de) und sollte ursprünglich die
Motivation der eigenen Wehr steigern. Herausgekommen sind dabei 2‘16“, in denen Einsatzbereitschaft und
Teamgeist einer Freiwilligen Feuerwehr beispielhaft vorgestellt werden — insbesondere für jüngere Leute und Jugendliche eine Anregung, sich intensiver mit zivilem Engagement zu beschäftigen.
„Einmal ein richtiger Feuerwehrmann sein, mit dem Strahlrohr spritzen, in einem Feuerwehrauto sitzen, Helm und
Einsatzausrüstung anziehen,... Welches Kind möchte sich
und seinen Gästen nicht einmal diesen Traum verwirklichen?“ (www.feuerwehr-goslar.de)
Mit individuell abgestimmten Programmpaketen bietet
das Betreuerteam spielerische Einblicke in die Aufgaben
der Feuerwehr. Kinder ebenso wie ihre Eltern nehmen dabei das ehrenamtliche Engagement als interessante und
sinnvolle Betätigung wahr.
„S-Move“ der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg
Der sportliche Wettbewerb mit Elementen wie Musik,
Party und aktivierendem Rahmenprogramm spricht die
Angehörigen der Nachwuchsorganisation der Brandschützer in Baden-Württemberg offensichtlich an: 2009
fand das Turnier zum dritten Mal statt — mit ca. 900 Teilnehmern in drei Altersgruppen. Spiel und Spaß entfalten
hier Ihre integrierende Wirkung und fördern den für die
Feuerwehren unabdingbaren Teamgeist. (www.s-move.de)
„Abenteuer Siedeln“ des Bayerischen Roten Kreuzes,
Unter dem Motto „(M)eine Welt, (M)eine Zukunft“ haben
ehrenamtliche Mitarbeiter der Wasserwacht und des Jugendrotkreuz das Großzeltlager „Abenteuer Siedeln“ geplant und organisiert. Jugendlichen aus ganz Schwaben
wurden in fünf Zeltstädten, die für die fünf Kontinente
standen, die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge in der Welt spielerisch nähergebracht. Ziel des Rollenspiels ist das Einüben sozialer
und interkultureller Kompetenz.
(www.abenteuer-siedeln.de)
Aber zur Nervosität besteht kein Grund. Dem
Minister ist anzumerken, dass er diesen Preis gerne
verleiht und er wird wenig später in seiner Rede nur
Gutes über die Ehrenamtlichen sagen: „Es ist wich-
ne Aufhebens zu machen um das, was Sie tun. Sie helfen, wenn ihre Hilfe gebraucht wird. Sie stellen Zeit,
Arbeitskraft, Engagement und persönlichen Beistand zur Verfügung und beweisen täglich in den
unterschiedlichsten Einsätzen ihr Können. Am heutigen Tag stehen Sie — die stillen Helden — im Mittelpunkt. Dies ist mir persönlich ein sehr wichtiges
Die Preisverleihung verläuft dann auch zügig
und in entspannter Atmosphäre. Die kleine Nachfeier bietet Gelegenheiten, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.
1. Preis an die Freiwillige Feuerwehr Kettig.
tig, dass wir solche herausgehobenen Gelegenheiten schaffen: Mit den Ehrenamtlichen rücken wir
heute eine große Gruppe von Menschen in den Mittelpunkt, die für unser Zusammenleben einen ungeheuer wichtigen Beitrag leistet. Die heutige Auszeichnung gilt speziell den vielen ehrenamtlichen
Helferinnen und Helfern im Bevölkerungsschutz.
Täglich setzen Sie sich für andere Menschen ein, oh-
1. Preis für die „Mobile Arztgruppe“.
Neue innovative Konzepte zur Steigerung der Attraktivität des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz
Die „Mobile Arztgruppe“ der Johanniter-Unfall-Hilfe, RV Unterfranken
Bei großen Bevölkerungsschutzübungen und in Notfällen gibt es oft zu wenig qualifizierte Ärzte. Dabei sind viele Mediziner bereit, sich ehrenamtlich
zu engagieren, finden aber keine geeigneten organisatorischen Strukturen vor. Dem wirkt die „Mobile Arztgruppe“ entgegen. Sie steht im Ernstfall als Notarztreserve, Sanitätsbetreuung oder zur Auslandsrückholung und Ausbildung allen Hilfsorganisationen zur Verfügung. Voraussetzung für die Teilnahme ist neben ausreichend Berufspraxis auch Erfahrung
in der Notaufnahme, der Intensivmedizin oder im Rettungsdienst. Allerdings werden den Ärzten der Gruppe
Zusatzausbildungen und Weiterqualifizierungen angeboten.
Das „Freimersheimer Modell“ der
Viele freiwillige Feuerwehren haben
Personalprobleme, nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels.
Die naheliegende Anwerbung von
Quereinsteigern, die das 30. Lebensjahr schon erreicht haben, scheitert
zumeist am beträchtlichen Zeitaufwand für die Grundausbildung, der für
diese beruflich und familiär in der Regel stark engagierte Bevölkerungsgruppe nur schwer aufzubringen ist.
Im „Freimersheimer Modell“ wird die
Ausbildung zeitlich gestreckt und findet vor Ort statt. Die bisherigen Erfahrungen der beteiligten Feuerwehren sind überwiegend positiv.
(www.feuerwehr-gommersheim.de).
Gemeinsame Dienstabende der
„SEG-Rettung“ Osnabrück
THW, ... erfreulich viele Helfer stehen
im Ernstfall bereit. Für alle Beteiligten
gut zu wissen, wie der potenzielle
Partner ausgebildet und ausgerüstet
ist. Das ist der Grundgedanke der
„SEG Rettung“ in Osnabrück. Die gemeinsamen Dienstabende verbessern
die Kenntnisse übereinander und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl der ehrenamtlichen Helfer oranisationsübergreifend.
Der Preis geht auf eine Initiative aus dem mit
Ehrenamt und Helferfragen befassten Referat im
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zurück, wo auch die Geschäftsstelle für das Vergabeverfahren angesiedelt ist. Die Preisverleihung hat zum Ziel,
• das ehrenamtliche Engagement einzelner Gruppen oder Einrichtungen im Bevölkerungsschutz
einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, seine Bedeutung zu würdigen und den Akteuren größere Wertschätzung auszudrücken,
• den im Bevölkerungsschutz ehrenamtlich Tätigen und den durch bürgerschaftliches Engagement getragenen Einrichtungen und Organisationen für herausragende Leistungen besonders
zu danken und sie zur Fortführung ihrer Arbeit
anzuspornen. Das Preisgeld soll dem jeweiligen
Preisträger für die weitere Arbeit zur Förderung
des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz zufließen und
• stellvertretend für alle Ehrenamtsprojekte im
Bevölkerungsschutz zum Ausdruck zu bringen,
dass ein Engagement im Bevölkerungsschutz sowohl ein Ausdruck der besonderen Verantwor-
tung für unsere Gesellschaft darstellt, als auch
den hohen gesellschaftlichen, sozialen, aber
auch den persönlichen Nutzen aller Beteiligten
Ehrenpreis für den Zweckverband Ostholstein.
Die anfangs noch als „Preis des Bundesministeriums des Innern zur Förderung des Ehrenamtes im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz“
bezeichnete Auszeichnung hatte der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble am 5. Dezember
2008 — dem Internationalen Tag des Ehrenamtes —
Im Rahmen des Festaktes „50 Jahre Zivilund Bevölkerungsschutz in Deutschland“ im Alten
Plenarsaal in Bonn hatte er in seiner Festansprache
den rund 1,8 Millionen ehrenamtlichen Helfern für
ihr besonderes Engagement im Bevölkerungsschutzsystem der Bundesrepublik Deutschland gedankt. Dabei hatte er auch die Zukunftsfähigkeit
des Ehrenamtes angemahnt und in diesem Zusammenhang den Förderpreis ausgelobt. Er sei Teil der
gemeinsamen Initiative „Zivil-Engagement“ des
und Jugend (BMFSFJ) und des Bundesministeriums
Die Resonanz war für einen neuen Preis erfreulich hoch; etwa 70 Konzepte wurden eingereicht, die Jury, der neben den Behördenvertretern
jeweils ein Vertreter von DRK, Malteser Hilfsdienst,
Arbeiter-Samariter-Bund, DLRG und Johanniter-Unfall-Hilfe sowie der Vorsitzende des ARKAT und ein
Vertreter des Deutschen Feuerwehrverbandes angehörten, hatte die Qual der Wahl.
Die Preisverleihung wird auch in den kommenden Jahren jeweils am 5. Dezember, seit 1986
internationaler Tag des Ehrenamtes, stattfinden.
Bundesminister des Innern Thomas de Maizière (M.) im Kreis der Preisträger.
(Fotos: Siesing/BBK))
Bewerbungen (Vordrucke unter www.bbk.bund.de)
nimmt das BBK unter dem Stichwort „BMI-Förderpreis“ entgegen.
Vorbildliches Arbeitgeberverhalten zur Unterstützung der Ausübung des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz
„Ehrenamtsmessen & Feuerwehrkameraden“ des Zweckverbandes Ostholstein
Der Zweckverband Ostholstein setzt
sich aktiv für die Förderung des Ehrenamtes ein und unterstützt die ehrenamtlichen Tätigkeiten seiner Mitarbeiter — auch im Bevölkerungsschutz. Freistellungen für Noteinsätze sind schnell und unbürokratisch
möglich. Kein Wunder, dass fast die
Hälfte der Mitarbeiter ehrenamtlich
tätig ist. Auch finanziell engagiert
sich der Verband, beispielsweise bei
„Feuerwehrkameraden“ der Firma
„Unternehmenseigene Löschgruppe“
der Scheerer Zaunsysteme + Carports
Die Firma Wurst, ein mittelständisches
Familienunternehmen, muss als außerordentlich feuerwehrfreundlich
gelten. Nicht nur Eigentümer und Geschäftsführer sind in freiwilligen Feuerwehren aktiv, sondern auch überdurchschnittlich viele der etwa 150
Mitarbeiter. So kann es sein, dass bei
Alarm ein großer Teil der Belegschaft
gemeinsam ausrückt — die Firma
Wurst hat bei Einsätzen der freiwilligen Feuerwehr bislang noch nie den
ihr zustehenden Verdienstausfall bei
der Gemeinde geltend gemacht.
Die Firma Scheerer hat schon seit einigen Jahren eine eigene Löschgruppe, die zur Freiwilligen Feuerwehr
Sprakensehl gehört. Ihre Mitglieder
werden für Einsätze wie für Aus- und
Fortbildungsmaßnahmen problemlos freigestellt — ohne Einforderung
der Verdienstausfälle. Darüber hinaus
stellt die Firma den Ortswehren ein
Übungsgrundstück zur Verfügung
und hat der Gemeinde ein Feuerwehrfahrzeug gestiftet, einschließlich Unterstellung und Übernahme der laufenden Kosten.
2. Workshop des BBK zum Ehrenamt
Josef Hornig, Karl-Heinz Hartmann, BBK
Deutschlands Bevölkerung schrumpft, sie verändert
sich, wird immer älter, hat einen zunehmenden Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und
wird im Zuge einer flexibleren Arbeitswelt mobiler. Damit wird auch die Frage, wie sich der Bevölkerungsschutz unter diesen Bedingungen entwickeln
wird, einer ständigen Diskussion unterworfen.
Ohne jugendlichen Nachwuchs und ohne den
Zustrom lebensälterer Helferinnen und Helfer — das
wurde bereits im 1. Workshop 2008 deutlich — besteht die Gefahr, dass die zivilen Sicherheitssysteme
nicht mehr wie bisher aufrecht erhalten werden
können. Es müssen deshalb Strategien gefunden und
realisiert werden, diesem Prozess entgegenzuwirken. Diese Zielsetzung ist Thema der Workshopreihe des BBK.
Auch der 2. Themenworkshop basierte auf
der Grundannahme, dass ein ausreichendes ehrenamtliches Helferpotenzial im Bevölkerungsschutz
in Deutschland nicht selbstverständlich ist, sondern
mittel- und langfristig gewährleistet werden muss.
Hier gilt es auch, neue Potenziale für eine
Mitarbeit im Bevölkerungsschutz zu erkennen und
zu gewinnen. Weil der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund nach allgemeiner Erwartung
weiter zunehmen wird, gewinnt das Thema „Migration und Integration“ zentrale Bedeutung. Neben
dem Grundproblem des demografischen Wandels
wurde deshalb diesmal der Aspekt „Migration und
Integration“ diskutiert.
Es stellen sich in diesem Zusammenhang viele Fragen wie: Wer kann aus diesen Gesellschaftsund Kulturbereichen für eine Mitarbeit im Bevölkerungsschutz gewonnen werden? Welche Vorstellungen von Bevölkerungsschutz haben Migranten?
Gibt es ein spezielles, kulturell bedingtes, Verständnis von Bevölkerungsschutz, das man mit dem deutschen System in Einklang bringen und auf das man
gemeinsam aufbauen könnte? Wie kann man die
kulturellen Gruppen in Deutschland angemessen
ansprechen und speziell für die Aufgabe des Bevölkerungsschutzes interessieren und gewinnen? Wir
müssen dabei allerdings auch unsere eigenen Vorstellungen hinterfragen wie die Bereitschaft zu Veränderungen in den Funktionsträger- und Hierarchieebenen der Organisationen, der dortigen Einbeziehung von Migrantenvertretern oder der grundsätzlichen interkulturellen Öffnung von Organisationen. Letztlich stehen auch Handlungsoptionen
zur Diskussion wie organisationsspezielle Integrationskurse und adressatengerechte Aufklärung
über Möglichkeiten des Engagements im Bevölkerungsschutz. Nachhaltige Maßnahmen wie die Einwirkung auf die Bewusstseinsbildung bei Kindern
und frühzeitige aktive Wertevermittlung, ggf. bereits in den Schulen, ergänzen den Katalog möglicher Maßnahmen.
Das BBK lud zur Erörterung dieser Fragen zum
25.11.2009 nach Bonn ein und Vertreter des Bundesministeriums des Innern (BMI), der Länder Hamburg
und Niedersachsen, des Deutschen Landkreistages
(DLT), des Deutschen Städte- und Gemeindebundes
(DGStB), des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sowie der öffentlich-rechtlichen (THW,
Feuerwehren) und privaten Organisationen (ASB,
DRK, DLRG, JUH, MHD) nutzten die Gelegenheit zu
Diskussion und Gedankenaustausch. Viele Teilnehmer der ersten Veranstaltung, die sich im November
2008 mit den generellen Auswirkungen des demografischen Wandels befasst hatte, trafen sich erneut
bei dieser Folgeveranstaltung.
Zu Beginn des Workshops begrüßte Moderator Dr. Wolfram Geier, der mit Ehrenamtsfragen
befasste Abteilungsleiter im BBK, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und erläuterte die spezielle
Thematik des Workshops, seine Zielsetzungen und
die Motivation des BBK, sich mit diesem Thema zu
Es folgten kurze Statements aus dem Teilnehmerkreis zum aktuellen Stand der Diskussion in
den Behörden, Verbänden und Organisationen bevor den Referenten Gelegenheit für ihre Impulsvorträge gegeben wurde.
Florencio Chicote, Bundesgeschäftsführer der
Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), referierte zu neuen Kommunikationsmodellen. Begegnung, Information und Diskussion auf gleicher Augenhöhe seien erforderlich, um die nötige Akzeptanz auf allen Ebenen, in allen Bereichen bei allen
Bevölkerungsgruppen zu schaffen.
Orhan Bekyigit, Chef einer Werkfeuerwehr
in Süddeutschland, selbst türkischer Abstammung
und seit fast 20 Jahren Mitglied einer Freiwilligen
Feuerwehr und Integrationsbeauftragter des Deutschen Feuerwehrverbands, gab in seinem Vortrag
wichtige praktische Hinweise zur Integration von
Migranten. Besonders wichtig sei es, das deutsche
Hilfeleistungssystem und seine Besonderheiten bekannt zu machen und Vertrauen in dieses System
zu schaffen. Nur so könne es gelingen, die grundsätzlich vorhandene Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement auch für den Bevölkerungsschutz
nutzbar zu machen. (s. auch S. 10).
Es gäbe gerade im Bereich des Bevölkerungsund Katastrophenschutzes starke kulturelle Wahrnehmungsunterschiede und Wissensdefizite. Der
hohe gesellschaftliche Stellenwert des Ehrenamtes
(z. B. in der Freiwilligen Feuerwehr) in Deutschland
sei weithin unbekannt. Viele türkische Einwanderer
der ersten Generation wüssten nicht, dass das hiesige Hilfeleistungssystem auf Ehrenamtlichkeit basiere. Dieses Missverständnis setze sich dann in den
Folgegenerationen fort.
Er erläuterte anschaulich am Beispiel eines
Großbrandes in Ludwigshafen (Februar 2008), welche Probleme hinsichtlich Information und Kommunikation bestehen und wie man diese lösen kann.
Grundsätzlich bestehe, so das gemeinsame
Ergebnis dieser beiden Vorträge, eine große Bereitschaft zum Ehrenamt bei dieser Bevölkerungsgruppe, was sich auch deutlich beim Engagement in vielen eigenen Organisationen oder auch beim Engagement im religiösen und kulturellen Bereich zeige.
Ralf Thomas, Leiter von „Volkswagen Pro Ehrenamt“, stellte die Einstellung des Weltkonzerns
zum „Bürgerschaftlichen Engagement“ vor. Er wies
darauf hin, dass ehrenamtliches Engagement von
Mitarbeitern durchaus auch Vorteile für den Arbeitgeber mit sich bringe und brachte dies mit dem
Slogan „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ auf
den Punkt. Dabei gestand Thomas zu, dass die Möglichkeiten eines Großkonzerns sicher umfangreicher
seien als z. B. die eines mittelständischen Handwerksunternehmens. Thomas nannte aber auch Beispiele, wie mit geringem Aufwand ehrenamtliche
Arbeit im Betrieb — über kulturelle Grenzen hinweg
— unterstützt werden kann und dass Arbeitgeber
etwas tun können, um das Ehrenamt zu fördern wie
z. B. durch Einrichtung einer betrieblichen „Ehrenamtsbörse“, um Mitarbeitern/-innen die Möglichkeit zum ehrenamtlichen Engagement im kommunalen Umfeld zu vermitteln. (s. auch S. 17).
Die Teilnehmer des 2. Workshops.
Als Ergebnis des Workshops kann festgehalten
werden, dass die Sensibilisierung für eine interkulturelle Öffnung im Bevölkerungsschutz gelungen
ist. Es bedarf jedoch der entsprechenden Umsetzung in den Strukturen, um Menschen aus anderen
Kulturkreisen für den Bevölkerungsschutz zu interessieren und zu gewinnen. Die Chancen für einen
konstruktiven und erfolgreichen Dialog sind derzeit gut, diese Grundstimmung sollte intensiv genutzt werden. In diesem Zusammenhang kann das
Integrationsprojekt, das der Deutsche Feuerwehrverband 2009 initiiert hat, beispielhaft sein für interkulturelle Kooperation und gelungene Integrationspolitik.
(Die Dokumentations-CD-ROM zum 2. Workshop können Interessierte über die E-Mail-Adresse
[email protected] kostenlos bestellen.)
Die Feuerwehr ist männlich und weiß
Orhan Bekyigit, DFV
Integration ist kein Selbstläufer und mehr als ein
freundliches Nebeneinander. Damit sie dauerhaft
gelingt, müssen wir sie aktiv fördern und unterstützen. Integration braucht die Bereitschaft, den
anderen in seiner Verschiedenheit anzunehmen
und Unterschiede als Bereicherung und nicht als
Mangel zu begreifen. Integration erfordert auch
die Anstrengung, Teilhabemöglichkeiten für alle
zu schaffen. Und sie benötigt Ausdauer, um gemeinsam Regeln des Miteinanders zu entwickeln
und auch auf ihre Einhaltung zu achten.
Über 1,3 Millionen Mitglieder zählen heute
die Feuerwehren in Deutschland und bilden somit
bundesweit die größte Gefahrenabwehrorganisation. In mehr als 3,5 Millionen Einsätzen pro Jahr setzen sich die Frauen und Männer in den Freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehren, Werk- und
Betriebsfeuerwehren für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger ein.
Das Feuerwehrwesen in Deutschland ist ein
integriertes System aus drei Säulen: Den Freiwilligen Feuerwehren, den 100 Berufsfeuerwehren in
großen Städten und den betrieblichen Werkfeuerwehren in großen oder mit besonderen Risiken behafteten Unternehmen. Die Feuerwehren sind der
größte öffentlich-rechtliche Träger bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. In den Freiwilligen Feuerwehren übernehmen Bürgerinnen und
Bürger Verantwortung für die Sicherheit anderer
Menschen. Diese Verantwortung ist aus dem genossenschaftlichen Gedanken erwachsen und folgt dem
Prinzip des ermöglichenden Staates. In der Jugendorganisation, der Deutschen Jugendfeuerwehr, engagieren sich mehr als 230.000 Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren. Sie ist damit eine Jugendorganisation von nationaler Bedeutung.
Die Feuerwehren in Deutschland genießen
bei den Bürgern großes Vertrauen: 93 Prozent der
Deutschen haben ein hohes Vertrauen in die Feuer-
wehr. So wurden die Feuerwehren im Jahr 2009 erneut zum siebten Mal in Folge Sieger bei der repräsentativen Umfrage des Magazins Readers’ Digest.
Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) tritt
dafür ein, dass das bürgerschaftliche Engagement
in Form von Mitarbeit in Freiwilligen Feuerwehren
auch in Zukunft stabil und in der nichtpolizeilichen
Gefahrenabwehr leistungsfähig erhalten bleibt. Hierbei gilt besonderes Augenmerk auch der demografischen Entwicklung und sich verändernden Lebensbedingungen, die sich wesentlich an der geforderten
beruflichen Mobilität und Flexibilität orientieren.
Problemlage Monokultur
Grundsätzlich sollten die Feuerwehren einen
Querschnitt der Bevölkerung darstellen, die sie beschützen. Bisher zeigen sie sich jedoch eher monokulturell: der klassische Feuerwehrangehörige ist
männlich und weiß. Von den 1.039.081 Mitgliedern
der Freiwilligen Feuerwehren waren im Jahr 2008
gerade einmal 80.586 weiblich. Die Anzahl hat in den
letzten Jahren kontinuierlich zugenommen, zeugt
mit knapp acht Prozent aber immer noch von einer
männlichen Dominanz. Besonders stark ausgeprägt
zeigt sich die Monokultur im Bereich der (mangelnden) Vielfalt der ethnischen Hintergründe.
Der Mikrozensus 2005 zählt zu der Bevölkerungsgruppe der Menschen mit Migrationshintergrund neben Ausländern auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, wie eingebürgerte Ausländer oder eingebürgerte Kinder von Ausländern
sowie Spätaussiedler und deren Kinder. Nach dieser
Zählung lebten 2005 etwa 15,3 Millionen Ausländer
und Deutsche mit Migrationshintergrund in
Deutschland, fast ein Fünftel (19 %) der Bevölkerung.
Bislang liegen keinerlei statistisch belastbare
Zahlen zum Anteil von Migrantinnen und Migran-
ten in den Feuerwehren auf bundesweiter Ebene vor.
Die Studie „Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 – 2004“ beziffert den Anteil der in Feuerwehr und Rettungsdiensten engagierten Migrantinnen und Migranten auf ein Prozent, wobei nicht
zwischen Feuerwehren und Rettungsdiensten differenziert wird. Auch bei der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) wird der Anteil von Migrantinnen und Migranten auf ein Prozent geschätzt.
Migrantinnen und Migranten sind demnach
in den Feuerwehren noch sehr stark unterrepräsentiert. Für mehr als 99 Prozent ist die Feuerwehr also
eine unbekannte Organisation, mit der sie zudem
nur in Schadensfällen und persönlichen Notsituation in Kontakt kommen.
Die mangelnde Partizipation ist ein Indiz dafür, wie groß die Distanz noch immer ist. Einerseits
fehlt es an Vertrauen in die Feuerwehr und an Kenntnissen über ihre Aufgaben und Arbeitsweisen. Hinzu kommt, dass in einigen Herkunftsländern Feuerwehrleute ein ganz anderes, zum Teil sogar negatives Image aufweisen. Andererseits haben viele Feuerwehren den Mehrwert kultureller Vielfalt noch
nicht erkannt und verschließen sich gegenüber Veränderungen ihrer traditionellen Strukturen.
Die Effekte dieser Distanz zeigen sich in Extremsituationen wie Angriffen auf Feuerwehrleute
während ihrer Einsatztätigkeit, falschem Verhalten
im Brandfall mit tödlichem Ausgang oder schlechter
bis nicht vorhandener Kommunikation zwischen
Betroffenen und Feuerwehrleuten in Gefahrensituationen. Ein Beispiel dafür war das Feuer im Februar
2008 in Ludwigshafen, bei dem neun Menschen mit
Migrationshintergrund starben und zahlreiche verletzt wurden. Der Deutsche Feuerwehrverband leistete hier mit umgehender Berichterstattung über
die Hintergründe des Feuerwehrwesens, türkischsprachigen Pressemitteilungen sowie dem Angebot
des Gesprächs mit dem neu eingesetzten Migrationsbeauftragten schnelle Hilfe. Die stark emotionalisierenden Berichte der zumeist fremdsprachlichen
Presse hatten zuvor gezeigt, dass das Feuerwehrsystem nicht als „Netz der Helfenden Hände“ verstanden wird, da es im eigenen kulturellen Kontext keine vergleichbaren Institutionen gibt. „Engagement
kennt keine Grenzen“ — mit diesem Motto sorgten
türkische Verbände und der DFV für Entspannung.
Gewonnen wurde aus diesen Ereignissen vor
allem eine Erkenntnis: Verschiedene Hemmnisse
stehen dem Vertrauen und damit auch dem Engagement von Migrantinnen und Migranten in den Feuerwehren entgegen. Es ist an den Feuerwehren, darauf einzugehen, Vertrauen zu gewinnen und eine
Willkommenskultur zu entwickeln.
Projekte des Deutschen Feuerwehrverbandes
Von Oktober 2005 bis September 2007 führte
der DFV ein EU-finanziertes LEONARDO DA VINCIProjekt mit dem Namen ADDRESS durch.
ADDRESS steht für “Achieving and Delivering
Diversity Results within the Emergency Services
Sector“ (deutsch: Nutzung der Vielfalt für Feuerwehr
und Rettungsdienste). Elf Partner aus fünf Ländern
(Großbritannien, Niederlande, Spanien, Schweden
und Deutschland) nahmen daran teil.
Ziel des Projektes war, bislang unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen (zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen, Akademiker) stärker in die Feuerwehren und Rettungsdienste zu integrieren — nach dem Motto: mehr
Vielfalt ist besser! Diese Maßnahme lief parallel zum
Projekt „Mädchen und Frauen in den Freiwilligen
Feuerwehren“, mit dem der DFV mit Unterstützung
des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zahlreiche Veranstaltungen und
Schulungen für Frauen in der Feuerwehr sowie eine
bundesweite Werbekampagne initiieren konnte.
Während der ADDRESS-Projektlaufzeit wurde
ein Schulungsprogramm entworfen, geplant und
erprobt. Das Schulungsprogramm zielt darauf ab,
den Mitgliedern einer Feuerwehr oder eines Rettungsdienstes die Vorteile von Vielfalt zu verdeutlichen. Das Projekt kann als erste erfolgreiche und
praxisnahe Auseinandersetzung des Deutschen Feuerwehrverbandes mit dem Thema Integration gesehen werden. Während der Projektlaufzeit wurden
ein Schulungsprogramm und Trainer-Begleitmaterialien entwickelt und getestet, eine fünfsprachige
Website erstellt, Seminare in fünf Ländern und zwei
transnationale Konferenzen durchgeführt. Die Projektergebnisse wurden pan-europäisch verbreitet.
Das Schulungsprogramm konnte weit gestreut werden, eine flächendeckende Aktion wäre allerdings
wünschenswert gewesen. Die Resonanz aus ganz verschiedenen Bereichen (Landesfeuerwehrverbände,
einzelne Feuerwehren, andere Integrationsprojekte, Polizei) zeigte deutlich, dass der DFV hier auf
dem richtigen Weg ist und ein großes Interesse an
dem Thema und ein Bedarf nach verstärkter Auseinandersetzung existieren.
den inhaltlichen Schwerpunkten der Kampagne
zählen die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die Gewinnung von noch mehr
Mädchen und der Umgang mit schwierigen Jugendlichen sowie eine deutliche Positionierung gegen
Die Kampagne begann mit einer Einführungskonferenz und setzte sich mit Seminaren zu verschiedenen Themen in diesem und dem vergangenen Jahr fort. Geplant und teilweise schon implementiert sind Arbeitshilfen für Jugendfeuerwehren
sowie bundesweit Integrationsaktionen vor Ort,
begleitet von einer Plakat- und Postkartenaktion.
Projekte der Deutschen Jugendfeuerwehr
Seit Ende Oktober 2007 läuft die dreijährige
Integrationskampagne der Deutschen Jugendfeuerwehr, der Jugendorganisation des Deutschen Feuerwehrverbandes. Passend zu dem Motto der Kampagne „Unsere Welt ist bunt“ soll die „bunte Mischung“ und die akzeptierte Vielfalt der Mitglieder
in den Jugendfeuerwehren aufgezeigt werden,
aber auch die damit verbundenen Schwierigkeiten
und Ansprüche werden thematisiert. Partner der
Integrationskampagne ist das Bündnis für Demokratie und Toleranz. Ziel der Kampagne ist es, die Individualität der Jugendlichen zu fördern.
Es soll verdeutlicht werden, dass die Jugendfeuerwehr eine offene, moderne Organisation mit
einem attraktiven Freizeitangebot ist, in der sich
alle Mädchen und Jungen engagieren können. Zu
Der Deutsche Feuerwehrverband will ein Integrationsprojekt durchführen. Die Zielstellung
richtet sich sowohl nach außen an die Migrantinnen
und Migranten („Vertrauenskampagne“) als auch
nach innen auf die Feuerwehren selbst („Interkulturelle Öffnung“). Hierbei sollen Gemeinsamkeiten
und Potenziale anstelle von Unterschieden und De-
fiziten betont werden. Im weitesten Sinne soll vermittelt werden, dass in der Feuerwehr eine Chancengleichheit für alle Bevölkerungsgruppen mit oder
ohne Migrationshintergrund gegeben ist. Nachhaltige Strukturen sollen in diesem Projekt mit engagiertem Handeln verknüpft werden.
standen werden darf, sondern als längst überfällige
Bereicherung. Dafür allerdings muss bekannt sein,
wie Freiwillige Feuerwehren funktionieren und
dass die Möglichkeit besteht, sich in einer Freiwilligen Feuerwehr ehrenamtlich zu engagieren.
Vertrauenskampagne
Ziel ist es, das Vertrauen von Migrantinnen
und Migranten in die Feuerwehren zu gewinnen
und zu verstärken. Vertrauen entsteht durch Vertrautheit. Nur wenn Migrantinnen und Migranten
die Arbeitsweise von Feuerwehren verstehen, damit vertraut sind, wird auch Vertrauen erwachsen.
Mit dem Vertrauen werden auch gewünschte Nebeneffekte wie Respekt und Anerkennung wachsen.
Ziel ist auch, den Bereich Brandschutzaufklärung zu stärken. Brandschutzaufklärung wird nur
dann funktionieren, wenn Migrantinnen und Migranten die Feuerwehr als einen Berater und Partner
ansehen, dem sie vertrauen. Diese Brandschutzaufklärung soll grundsätzlich in deutscher Sprache erfolgen; Ausnahmen sind bei geeignetem Fachpersonal und Zielgruppen aus der ersten Einwanderergeneration zur Erfolgsoptimierung möglich. Bei den
Schulungen sollen beispielsweise traditionelle
Handlungsweisen wie das Abstellen von Schuhen
im Treppenhaus aus der Sicht der Feuerwehr beleuchtet werden — für diese bedeutet das eine Erhöhung der Brandlast im Treppenraum. Dies muss zum
einen nachvollziehbar erklärt werden, zum anderen müssen Vorbeugemaßnahmen und passende
Alternativen vorgeschlagen werden. Hier sind erste Schritte durch den Gemeinsamen Ausschuss
Brandschutzerziehung und -aufklärung von DFV
und vfdb bereits erfolgt.
Insgesamt muss das Selbstverständnis ehrenamtlichen Engagements gestärkt und die Arbeit
der Feuerwehr erklärt und in den Mittelpunkt gerückt werden. Zugangswege hierfür können Moscheen, Sportvereine und Kulturvereine aller Nationalitäten sein.
Der DFV sieht Engagementförderung als ein
Integrationsinstrument. Langfristig ist auch die
Mitgliedergewinnung aus den Reihen der Migrantinnen und Migranten ein Ziel, wenngleich dies
nicht als Ausgleich eines demografischen Tiefs ver-
Der Prozess der Interkulturellen Öffnung und
das Bekenntnis dazu soll die Organisation Feuerwehr gegenüber bislang unterrepräsentierten Gruppen und darunter insbesondere den Migrantinnen
und Migranten öffnen. Die Etablierung und Förderung einer Willkommenskultur steht im Fokus der
Maßnahmen, die ein Bewusstsein schaffen sollen
gegen subtile und offene Ausgrenzungsmaßnahmen,
die in den Feuerwehren immer noch anzutreffen
sind. Bei den Feuerwehrangehörigen muss ein Verständnis für die Problemlage Gleichstellung und
Migration erwachsen. Bei allen Maßnahmen sollten
die Auswirkungen auf Migranten und Feuerwehrangehörige berücksichtigt werden.
Das Projekt zielt auf Migrantinnen und Migranten ab. Gleichzeitig weist das Projekt eine Dimension nach innen auf, bei der Feuerwehren und deren
Angehörige vornehmlich aus dem Bereich der Freiwilligen Feuerwehren im Fokus stehen.
Orhan Bekyigit ist Migrationsbeauftragter des DFV. Seinen persönlichen
Weg in und mit der Feuerwehr beschreibt er wie folgt:
„Als 12-jähriger Junge, der nur Fußball kannte, wagte ich als einziger aus
meinem türkischen Freundeskreis diesen Schritt und fing bei der Jugendfeuerwehr Wiesloch an. So hat meine Integration im Stadtleben Wiesloch
begonnen. Die Aufgaben der Jugendfeuerwehr haben mich so begeistert,
dass ich mich später entschloss, die Führung der JF zu übernehmen. Danach
konnte ich meine Erfahrungen als Ausbildungsleiter des Rhein-NeckarKreises an zukünftige Jugendgruppenleiter weitergeben. Für die Teilnehmer war es kein alltägliches Bild, dass ein Ausbildungsleiter mit Migrationshintergrund vor ihnen stand!
Für mich war klar, dass ich irgendwann mein Hobby zum Beruf mache. Heute bin ich hauptberuflich Leiter einer Werkfeuerwehr in einem Industriebetrieb und ehrenamtlich Führungskraft in der Freiwilligen Feuerwehr Wiesloch. Mittlerweile fragen mich meine Freunde, ob ihre Kinder in die Jugendfeuerwehr kommen können, weil das für die Integration wichtig ist.
Sie haben erkannt, dass etwa die Chancen auf einen Ausbildungsplatz größer sind, wenn die Jugendlichen in den örtlichen Netzwerken wie der Feuerwehr aktiv sind.
Integration müssen beide Seiten wollen — nur dann werden wir Erfolg haben. Es ist schwierig, diese Brücken zu schlagen — aber es ist es mehr als
Migration, interkulturelle Öffnung und Bevölkerungsschutz
im strategischen Focus des DRK
Eckhard Otte und Anna Vey, DRK
Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen
und Verschiebungen sind die Themenstellungen
des demografischen Wandels und der Migration
für alle Organisationen und Institutionen des Bevölkerungsschutzes von erheblicher Bedeutung.
Die Frage, ob für die Aufgaben des ehrenamtlich
getragenen Bevölkerungsschutzes in Zukunft noch
genügend Helferpotenziale vorhanden sein werden und ob diese dann gut auf ihre Aufgaben vorbereitet sind, beschäftigt Hilfsorganisationen
ebenso sehr wir die politisch Verantwortlichen.
Fast 20 % der Einwohner Deutschlands haben
einen so genannten Migrationshintergrund, das
sind rund 16 Millionen Menschen, Tendenz steigend.
Diese Bevölkerungsgruppe umfasst (zum Teil eingebürgerte) Arbeitsmigranten, Aussiedler, Einwanderer und Flüchtlinge mit ihren Familienangehörigen wie auch binationale Ehen und Familien. Migranten sind damit eine — auch nach Herkunft, Aufenthaltsdauer und legalem Status — sehr differenziert zu betrachtende Zielgruppe für Hilfeleistungen.
Ihre Bedürfnisse und Verhaltensweisen können
sich teilweise von denen der übrigen Bevölkerung
Damit auch Zuwanderer den gleichen guten
Standard an Hilfsangeboten erhalten, ist es erforderlich, mehr über Zuwanderer und Zuwanderergruppen — in ihren Gemeinsamkeiten wie auch
Verschiedenartigkeiten — zu wissen. Dieses Wissen
soll sich dann in der Gestaltung von Hilfsangeboten
entsprechend ihren Bedürfnissen niederschlagen.
Auch wenn sehr viele Migrant/innen über gute
Deutschkenntnisse verfügen, gibt es doch auch Personengruppen, die entweder über geringe deutsche Sprachkenntnisse verfügen oder die wenig Informationen über gesellschaftliche Abläufe und
Verfahrenswege in Deutschland haben.
Dieses Wissen ist verfügbar, und es ist wichtig,
dies auch in die Konzepte für den Bevölkerungsschutz mit aufzunehmen und Umgangsformen dafür zu installieren. Dies ist unumgänglich, damit
die Helfenden sich auf den Umgang mit vielfältig
geprägten Personen einstellen können und damit
die mögliche Hilfe auch angenommen werden kann.
Bereits in den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich das Deutsche Rote Kreuz mit der
Frage beschäftigt, wie es gelingen kann, „Ausländer“ (wie man damals sagte) für die ehrenamtliche
Arbeit zu gewinnen. Vorausgegangen war in den
50iger bis 70iger Jahren vornehmlich die Bereitstellung von individuellen Hilfen für Betroffene in und
nach Kriegen sowie in Flucht- und Vertreibungssituationen (Medizinische Versorgung, Suchdienst, Unterbringung und Verpflegung). Jedoch spätestens
mit dem stetigen Anwachsen der „Gastarbeiter“Zahlen sah man sich veranlasst, Fragen der Integration und des Zusammenlebens in einer demokratischen Gesellschaft als wichtige humanitäre und gesellschaftspolitische Themen zu begreifen.
Eine hochkarätig besetzte Arbeitsgruppe des
DRK-Präsidiums entwickelte (und entwickelt weiter) seit dieser Zeit Konzepte und Projekte zur Integration von Migranten in die verschiedenen Arbeits- und Aufgabenfelder des DRK. Die Thematik
begleitet seit Jahren die strategischen Überlegungen zur Weiterentwicklung der Rotkreuzarbeit: so
genannte Meilensteine wurden 2004 im Rahmen
der Eisenacher Konferenz „Das DRK — nicht nur für
Deutsche: Interkulturelle Öffnung im DRK“, mit
der Unterzeichnung der „Charta der Vielfalt“ 2008
und auf internationaler Ebene auf Konferenzen
der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung gesetzt.
Das DRK spricht mittlerweile offen aus, dass Deutschland zu einem „Zuwanderungsland“ geworden ist,
was noch Anfang der 80iger Jahre im Zusammenhang mit den „Boat People“ und bis zu den Diskussionen um das Zuwanderungsgesetz Anfang 2001
von der Politik in Abrede gestellt worden war.
Als größte humanitäre Bürgerbewegung in
Deutschland sieht sich das DRK verpflichtet, die Lösung von Fragen der Migration und der Integration
als dauerhafte Querschnittsaufgabe zu betrachten
und sich daran aktiv zu beteiligen. Längst hat man
sich davon verabschiedet, Menschen mit Migrationshintergrund lediglich als Objekte humanitärer
Leistungen zu betrachten, sondern man hat erkannt, wie vorteilhaft es ist, diese Menschen auch
zum Mitmachen im DRK zu gewinnen.
Die Menschen mit Migrationshintergrund,
die zu ehrenamtliche Aktivitäten in deutschen Vereinen bereit sind, verfügen in der Regel über gute
deutsche Sprachkenntnisse und eine gute Ausbildung. Oft haben sie Qualitäten, um als Mittler zu
fungieren zwischen den Einheimischen und ihren
Landsleuten. Sie sind in der Regel gut in die deutsche Gesellschaft integriert und sind auch in ihrer
Herkunftskultur gut verankert, haben also eine
Identität in zwei Richtungen. Sie wissen oft sehr gut,
wie ihre Landsleute motivierbar sind, wie sie erreicht werden können und wie Angebote für sie gestaltet werden sollen, damit sie auf Interesse und
Vielen ist es wichtig, mit dieser zweiseitigen
Identität anerkannt zu werden, hier und dort dazu
zu gehören, und gleichzeitig auch manche Werte
und Verhaltensweisen ihrer Herkunftskultur wie
auch der deutschen Kultur zu leben.
Abgesehen davon, dass dies eine zivilgesellschaftliche Daueraufgabe ist, der sich alle relevanten
Institutionen und Verbände zu stellen haben, sieht
sich das DRK durch seine überparteiliche, überkonfessionelle und neutrale Haltung und Rolle im besonderen Maße geeignet, Zugang zu Migranten und
deren Organisationen zu bekommen. Als wichtiger
Akteur und Impulsgeber wirkt das DRK auf verschiedenen Feldern mit, um insbesondere die Situation
in den Bereichen Erziehung, Bildung und Frühförderung, in den Bereichen Ausbildung und Arbeit,
Gesundheit und Alter, Spracherwerb, Familienzusammenführung und Weiteres mehr zu verbessern. Weiterhin hat man erkannt, dass die zunehmende Aufsplitterung (Diversifizierung) der Gesellschaft auch neue und andere Strategien, Maßnahmen, Kompetenzen und Fertigkeiten notwendig machen (Diversity-Management).
Die Arbeitsgruppe des DRK-Präsidiums versteht sich daher mittlerweile als Initiator für interkulturelle Öffnung im DRK, welche — auf der Grund-
Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung — eine lange
lage einer umfassenden Wertschätzung von Vielfalt als Unternehmenskultur — Ideen und Konzepte
für alle Ebenen und Bereiche des DRK entwickelt
und dabei auf Erfahrungen, Projekte und Beispiele
Somit sind auch die Aufgaben des DRK im
Bevölkerungsschutz im Focus der Verbandsstrategie
der interkulturellen Öffnung. Erste Maßnahmen,
zum Beispiel die Überarbeitung der Ausbildungsund Lehrunterlagen, sind eingeleitet. Doch bei aller Neuausrichtung der Verbandspolitik und Strategie klaffen in der Praxis noch große Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Obwohl genaue
Zahlen nicht vorliegen, schätzt man recht realis-
tisch, dass im Bereich der Einsatzeinheiten der Bereitschaften, der Berg- und Wasserwacht des DRK
(aber auch in anderen) die Quote der Menschen
mit Migrationshintergrund weitaus geringer ist als
in der Bevölkerung insgesamt.
So ist es folgerichtig, dass das DRK zunächst
einmal in Kürze eine Datenerhebung vornimmt,
um die quantitative und qualitative ehrenamtliche
und hauptamtliche Mitwirkung von Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund zu erfassen. Beabsichtigt ist, in ca. 50 bis 70 DRK-Kreisverbänden Indikatoren und Faktoren zu ermitteln, wie es erfolgreich gelingen kann, den Anteil von Migranten zu
Die Integration von Freiwilligen mit Migrationshintergrund in deutsche Vereine erfordert von
Seiten der deutschen Vereine auch die Bereitschaft,
sich für Menschen mit Migrationshintergrund, so
wie sie sind, zu interessieren. Aus diesem Interesse
kann dann Offenheit für das zunächst Andersartige
entstehen — eine wesentliche Voraussetzung, um
Menschen für ein freiwilliges Engagement zu gewinnen. Und es darf an dieser Stelle auch einmal angemerkt werden, dass wir Einheimischen hier durchaus Nachholbedarf haben, und dass es uns gut anstünde, unsere Fähigkeiten im Umgang mit vielfältig geprägten Bevölkerungsgruppen auszubauen.
In gemischt zusammen gesetzten Teams geht dies
am leichtesten, quasi im Learning by doing — Offenheit und Flexibilität vorausgesetzt.
Eine solche Zielsetzung verfolgen wir auch
in der Durchführung eines Modellprojektes „Interkulturell im Ehrenamt aktiv“. In diesem Projekt arbeiten ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende aus
DRK-Kreisverbänden, Landesverbänden und dem
Bundesverband gemeinsam mit Vertretern von Migrantenorganisationen. Ziel ist es, erfolgreiche
Projekte, Maßnahmen und Konzepte gemeinsam zu
entwickeln, durchzuführen, zu verbreiten und zu
evaluieren. Ein Schlüssel zum Erfolg wird auch darin gesehen, zunächst einmal zu erfahren, welche
Interessen und Bedürfnisse jeweils vorhanden sind,
auch welche kulturell bedingten Besonderheiten
zu kennen und zu beachten sind — und zwar auf beiden Seiten. Ein „Integrations-Knigge“ des CaritasVerbandes ist da ebenso hilfreich wie die Auswertung
fundierter Analysen und Studien und die Diskussion mit Vertretern von Migrantenorganisationen.
Es geht hier nicht darum, Menschen mit Migrationshintergrund zu bevorzugen oder an sie geringere Anforderungen zu stellen als an Einheimische. (Forschungen belegen umgekehrt, dass bei
gleichen Leistungen Migrant/innen größere Schwierigkeiten haben, eine Arbeitsstelle oder einen Ausbildungsplatz zu bekommen.)
Letztendlich müssen für die jeweiligen Tätigkeiten für alle die gleichen Standards gelten, aber
der Weg, wie man dahin kommt, kann durchaus unterschiedlich sein. Hier braucht es die Bereitschaft
der Organisationen und Strukturen, sich und ihre
Abläufe hinterfragen zu lassen, um mit den gesellschaftlichen Erfordernissen Schritt zu halten.
Anna Vey ist Referentin für Migration und Integration im
DRK-Generalsekretariat in Berlin,
Eckhard Otte Teamleiter Ehrenamt im DRK-Generalsekretariat in Berlin.
,,Volkswagen pro Ehrenamt’’
Ralf Thomas, Wolfsburg
Für uns ist das gesellschaftliche Engagement ein
wichtiger Bestandteil des unternehmerischen Handelns als „guter Unternehmensbürger“. An den
weltweiten Standorten des Volkswagen Konzerns
gilt dabei die gleiche Maxime: Wir unterstützen
soziale Entwicklung, Kultur und Bildung. Der Konzern beteiligt sich an seinen Standorten an der regionalen Strukturentwicklung und Forschung, er
initiiert Projekte der Gesundheitsförderung, im
Sport und im Naturschutz.
Unsere Verantwortung endet nicht an den
Werkstoren. Wir engagieren uns über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus dafür, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern. Der Volkswagen Konzern hat sich seit jeher
intensiv um die Regionen seiner Standorte gekümmert. Dies gehört zur Unternehmensphilosophie
und trägt wesentlich dazu bei, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu gewinnen.
Für den Automobilhersteller ist es sowohl Gebot der wirtschaftlichen Vernunft als auch moralische Verpflichtung, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern — unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft — ein respektvolles Umfeld im Unternehmen
zu garantieren. Insgesamt arbeiten Menschen aus
mehr als 90 Nationen in den Volkswagen Werken
Wolfsburg, Hannover, Kassel, Braunschweig, Salzgitter und Emden. Die Beschäftigten begegnen einander mit Toleranz und Respekt. Das ist auch eine
wichtige Basis, Menschen für ehrenamtliches Engagement zum Gemeinwohl zu interessieren, so für
Projekte des Bevölkerungsschutzes.
Konzernwerte — was ist das?
Die Konzernwerte beschreiben, was alle Mitarbeiter trotz unterschiedlicher Kulturen und Gepflogenheiten bei der Arbeit in diesem Unternehmen
vereint. Die Konzernwerte geben das geltende ge-
meinsame Verständnis der Unternehmenskultur
wieder. Volkswagen pro Ehrenamt ist ein konkreter Beitrag zu den Konzernwerten Respekt, Verantwortung und Nachhaltigkeit.
Mit dem Projekt ,,pro Ehrenamt’’ unterstreicht Volkswagen, dass Leistungen im Unternehmen und Leistungen in der Gesellschaft zwei sich
positiv ergänzende Seiten einer Medaille sind.
Mit „pro Ehrenamt” hat Volkswagen ein Projekt ins Leben gerufen, das für alle Mitarbeiter —
vom Azubi bis zum Rentner — und aus allen Kulturkreisen die sinnstiftende Wirkung ehrenamtlicher
Tätigkeit aufzeigt. Die Schwerpunkte des Projektes
beziehen sich auf die Bereiche Soziales, Schule, Kirche, Kultur, Sport und auf Natur-, Umwelt- und
Volkswagen trägt auch Verantwortung für
die Vorruheständler und Rentner des Unternehmens. Ein Ehrenamt kann für Menschen, die in den
Vorruhestand oder die Rente gehen, eine motivierende Perspektive darstellen. Daher berät die für „pro
Ehrenamt“ eingerichtete Geschäftsstelle auch diese
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassend über
die Möglichkeit von Ehrenämtern. Dahinter steht
nicht zuletzt das Motiv, Wissen, Erfahrung und Vorbildfunktion dieser Menschen in die Gesellschaft
und das Unternehmen zu tragen.
Darüber hinaus wurde ein konzerninterner
Senior Experten Einsatz aufgebaut und eine Kooperation mit dem Senior Experten Service (SES, Bonn)
geschlossen. Auf diese Weise bietet das Unternehmen ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
auch nach ihrem Berufsleben neue Herausforderungen.
Im Frühjahr 2008 hat die Firma Mercer
Deutschland GmbH das Ergebnis einer internationalen Studie veröffentlicht. Die Mercer-Studie wurde
in mittleren und größeren börsennotierten Unter-
In Deutschland sind bereits mehr als 23 Millionen Menschen ehrenamtlich engagiert. Gleichwohl ist der personelle Bedarf gemeinnütziger Einrichtungen nach wie vor hoch.
Nahezu 25.000 Beschäftigte an den Volkswagen-Standorten in Deutschland übernehmen bereits gesellschaftliche Verantwortung und sind seit
Jahren ehrenamtlich tätig — mit vielen positiven
Effekten für die Gesellschaft, aber auch für ihr Engagement bei Volkswagen.
Das Verantwortungsbewusstsein, das die Mitarbeiter im Ehrenamt zeigen, lässt sich auch auf
ihre Tätigkeit übertragen. Die Bereitschaft zum Engagement und zur Übernahme von Verantwortung
sind wichtige Voraussetzungen für eine Spitzenmannschaft, wie wir sie brauchen. Menschen, die
sich in ihrer Freizeit für die Gemeinschaft einsetzen,
kommen mit vielen anderen in Kontakt, sammeln
Erfahrungen und werden sozial kompetenter. Das
nutzt der Gesellschaft und wirkt sich auch am Arbeitsplatz positiv aus. „Volkswagen pro Ehrenamt“
ist ein wirksames Instrument für das Management,
Wertschätzung ehrenamtlicher Tätigkeit der Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu rücken. Denn die öffentliche Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeiten wird mehr denn je ein wichtiger Aspekt der Personalarbeit im Unternehmen. Um sich als attraktiver Arbeitgeber zukünftig von Wettbewerbern zu
unterscheiden, ist „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ ein bedeutender Baustein.
Wie können wir Respekt und Anerkennung
nehmen in 22 Ländern durchgeführt. Die Kernfrage in der Studie war: ,,Was ist der wichtigste Faktor
für Sie während Ihrer Arbeit?’’ Das Ergebnis der
Umfrage verdeutlicht, dass nicht das Einkommen,
sondern Respekt und Verantwortung im Ranking
von zwölf Antworten an erster Stelle stehen.
Weitere Studien zu dem Thema bestätigen,
dass weniger das Einkommen oder hohe Bonuszahlungen und Aufstiegschancen die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter zu guten Leistungen motivieren,
sondern vielmehr Respekt und Anerkennung.
Mit Hilfe von speziellen Accessoires, die von
den betrieblichen Vorgesetzten nach anerkennenden Worten übergeben werden, sind die ehrenamtlichen Helfer „plötzlich“ sichtbar. Damit ergibt
sich eine ganz neue Art der Kommunikation zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter. Darüber hinaus bieten sich mehr als vorher innerbetriebliche Möglichkeiten zur Netzwerkbildung der Ehrenamtlichen untereinander. Damit erreicht das Unternehmen auch Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und deren Angehörige .
Das ist ein Schatz an Kompetenz, Erfahrung
und Leistungsbereitschaft, den wir heben wollen.
So haben wir mit dem Projekt drei Gewinner:
• Die Gesellschaft, Vereine und Organisationen
Das Projekt ist daher auch zur Motivation
durch Anerkennung und Respekt im arbeitstäglichen Umgang miteinander gedacht. Dass damit
ein weiterer Schwerpunkt im Rahmen der Führungskräfteweiterbildung gegeben ist, versteht sich bei
heitliche Würdigung des Einzelnen wichtig und damit die Motivation durch Anerkennung.
Mit diesem Herangehen konnten wir darüber
hinaus bereits mehr als 500 Ehrenämter vermitteln — vom Lesepaten über den Trainer im Sportverein bis zum Babysitter und Krankenhaus-Besuchsdienst.
Gestartet sind wir mit regionalen Pilotprojekten in Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter. Um
Hindernisse und bürokratische Hürden zu vermeiden, wurden zunächst Informationstreffen zum Projekt mit den Bürgermeistern und Verwaltungen an
allen Standorten initiiert.
Danach haben wir bei mehr als 450 gemeinnützigen Organisationen an den Volkswagen-Standorten Gespräche geführt und Anforderungsprofile
für ehrenamtliche Tätigkeiten abgefragt. Volkswagen unterstützt diese Einrichtungen bei der gezielten Suche nach Helferinnen und Helfern. Inzwischen liegen 1700 konkrete Anfragen aus den Regionen vor.
Parallel haben wir eine Online-Seite als Informationsplattform zum Ehrenamt im Mitarbeiterportal aufgebaut. Alle 1700 Anfragen sind als Stellenangebote in eine Portaldatenbank eingestellt worden. Darauf Zugriff haben aktive und ehemalige
Mitarbeiter. „pro Ehrenamt“ versteht sich dabei als
Drehscheibe zwischen Organisation und ehrenamtlich Interessierten. Menschen, die nicht bei Volkswagen beschäftigt sind, bekommen die Informationen auf Nachfrage. Wir wollen die bereits ehrenamtlich Tätigen in ihrem Tun stärken und sie motivieren, weiterhin aktiv zu bleiben.
In 120 Workshops haben wir das Projekt bei
den Führungskräften im Unternehmen eingeführt.
„Volkswagen pro Ehrenamt“ haben wir außerdem
mit einer speziellen internen und externen Medienkampagne begleitet, in der die Projektidee beschrieben wurde.
In Gesprächen zwischen Vorgesetzten und
ihren Mitarbeitern, begleitet durch die Übergabe
von bislang mehr als 1500 Accessoires ist die ganz-
Wie sind wir im Einzelnen vorgegangen?
Die Vermittlung von Senior Experten im
Konzern ist im Juli 2009 angelaufen. Hier haben
wir schon 50 Experteneinsätze vermittelt.
Wir werden das Projekt auf weitere Standorte
ausweiten und damit auch einen Beitrag zur jeweils
regionalen Weiterentwicklung leisten. Der Zugriff
auf die Portalseiten des Unternehmens von außerhalb wird vorbereitet. An den jeweiligen Standorten
wird es weiter verschiedene Projekte zur Unterstützung des Bevölkerungsschutzes und der Katastrophenhilfe geben.
„Unser Auftrag ist die
Information der Bevölkerung“
Gespräch mit Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes
für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
Wir hatten ja in diesem Jahr, bzw. haben noch,
einen strengen Winter. Einige sprechen von katastrophalen Verhältnissen. War das eine Katastrophe, eine Krise oder einfach nur schlechtes
Es herrschte sicherlich in weiten Teilen
Deutschlands nur schlechtes Wetter, aber in weiten
Teilen des Nordens ist es zu erheblichen Beeinträchtigungen, z. B. auch Stromausfällen, gekommen
und hat es ja auch die Ausrufung von Katastrophenalarm gegeben.
Der Bürgermeister von Fehmarn hat gestern
noch erklärt, schlimmer habe es kaum kommen
können. Meine Behörde, das BBK, ist nicht zuständig
für die Unwetterwarnungen, das ist Aufgabe des
Deutschen Wetterdienstes. Zu unseren Aufgaben gehört dagegen die Information und Vorbereitung
der Bevölkerung, deren Sensibilisierung und die
Stärkung ihrer Selbsthilfefähigkeit. Deshalb geben
wir hier seit vielen Jahren schon unsere Tipps „Für
den Notfall vorgesorgt“ heraus mit denen wir versuchen, die Bevölkerung besser auf solche Lagen einzustellen.
Diese Hinweise haben wir im Vorfeld von
„Daisy“ konkretisiert und darauf hingewiesen, dass
es „regional“ zu Problemen kommen kann. In den
betroffenen Bereichen ist uns das sicherlich gelungen und hat eben auch dazu beigetragen, dass wir
in Deutschland im Vergleich zu einigen Nachbarstaaten glimpflich davon gekommen sind
Gibt es von Ihrer Behörde auch Vorschläge an
Industrieunternehmen oder Behörden, wie diese sich in solchen Situationen verhalten sollen?
Die gibt es natürlich auch. Wir kümmern uns
um die Bevölkerung als solche, aber auch beispielsweise um den Schutz so genannter Kritischer Infrastrukturen, gerade auch den Schutz in extremen
Witterungssituationen. Für den Fall beispielsweise
eines Stromausfalls ist ein landwirtschaftlicher Betrieb oder der kleine Handwerksbetrieb genauso betroffen und insofern haben wir auch ein besonderes Augenmerk auf diesen Bereich. Die Energieversorgung insgesamt hat für uns eine ganz besondere Bedeutung.
Gerade aktuell, bedingt durch den harten
Winter, müssen wir, neben dem Ausfall auf Fehmarn,
doch in ganz Europa feststellen, dass die Stromversorgung ausfällt, heute sind in Frankreich 2.400, in
Polen sogar 65.000 Haushalte, betroffen. Seit der
Übung LÜKEX 2004 mit dem durch Schnee und
Sturm (!) ausgelösten, lang anhaltenden und großflächigen Stromausfall und nicht erst nach den Erfahrungen mit den Problemen im Münsterland arbeiten wir an dieser Thematik, im Übrigen gut und
intensiv mit den Stromversorgern zusammen. Aus
dieser Kooperation sind zahlreiche Produkte entstanden, die zur Verbesserung der Situation beitragen sollen.
Wie erklären Sie sich, dass eine moderne Gesellschaft, wie wir sie heute in Deutschland haben,
offenkundig anfälliger für Schneefall oder auch
extremen Schneefall ist?
Es gibt da sehr unterschiedliche Entwicklungen. Wir glauben schon, dass in der Tendenz die
Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung abgenommen
hat. Früher war man etwa in der Lage, weil man
beispielsweise entsprechende Vorräte hatte, auch
eine Zeit ohne alltägliche Einkaufsmöglichkeit zu
überbrücken, wenn der Heimatort durch Schneeverwehungen, wie jetzt auf Rügen oder Fehmarn, abgeschnitten war. Da gab es auch Speisekammern, da
gab es im Keller die Kohlen und die Kartoffeln. In
den wenigsten Haushalten ist das noch so. Heute
glauben wir, der Strom kommt aus der Steckdose
und wenn er dann einmal nicht kommt, was sehr selten geschieht, aber eben auch passieren kann, dann
gibt es Probleme, zumal die Abhängigkeiten gerade
im Bereich Strom wachsen.
Nehmen Sie den medizinischen Bereich, nehmen Sie den Pflegebereich, oder Kommunikation. All
das läuft nur noch mit Strom und erst wenn er nicht
fließt, merken wir eigentlich, wie groß die Abhängigkeit ist. Natürlich gibt es auch zu berücksichtigende
technische Entwicklungen. Technik wird komplizierter, komplexer. Wenn es da an einer Stelle zu Störungen kommt, dann wirkt sich das doch im Gesamtsystem stark aus, wie der Bahnverkehr zeigt. Also auf
der einen Seite sind wir in einer besseren und sicheren Welt, auf der anderen Seite sind natürlich
auch (neue) Anfälligkeiten da.
Die Natur ist nicht an allen Orten gleich in Erscheinung getreten, sondern das ist sehr regional.
Wäre es sinnvoll, statt einem bundesweiten
Warnhinweis oder einem Tipp einen eher regionalisierten zu geben?
Noch mal ganz ausdrücklich. Wir haben nicht
gewarnt, sondern wir haben allgemein gültige
Empfehlungen wiederholt, die es eh ja schon gibt.
Unser Auftrag ist die Information der Bevölkerung,
sind Verhaltensempfehlungen. Wir haben auf die
Warnungen der Meteorologen über die Wetterentwicklung hingewiesen, diese wiederholt („brisante Wetterlage“) und allgemein noch mal darauf
hingewiesen, dass es in den betroffenen Regionen
möglicherweise Probleme gibt.
Aussagen darüber, welche Region dann tatsächlich betroffen war oder für welche eine Gefährdung bestand, mussten vom DWD gemacht werden.
Dies ist dann auch erfolgt. Den Auswirkungen einer
Unwettersituation kann man dadurch begegnen,
dass man sich vorbereitet. Nicht mehr und nicht weniger. Also von daher gibt es natürlich auch noch
ein weitergehendes Instrumentarium der in den
Ländern zuständigen Behörden, wenn es konkret
um Katastrophenlagen geht. Aber das war gar
nicht unsere Intention. Wir haben allgemeine Tipps
und Empfehlungen gegeben.
Wie häufig kann man solche Hinweise geben,
ohne dass das Interesse der Bevölkerung abnimmt, darauf zu hören?
Wir geben unsere Broschüren „Für den Notfall vorgesorgt“ in jedem Jahr in einer Auflage von
ca. 250.000 Stück heraus. Die Hinweise sind von unserer eigenen und von vielen Homepages von Kommunen und Landkreisen herunterzuladen. Zusätzlich haben wir Informationsbroschüren zum Verhalten bei Unwettern herausgegeben. Damit ist ein gewisser
Informationsgrad vorhanden.
Wir haben eben nur die Erfahrung gemacht, dass immer
dann, wenn es zu Krisen oder
Katastrophenlagen kommt,
der Bedarf steigt und möglicherweise sogar im Nachhinein erst abgefragt wird.
konkret im Münsterland bei dem Schneechaos, das
zum Stromausfall geführt hat, gesehen. Wir
haben es beim Sturm Kyrill erlebt. Das Problem
liegt darin, dass es, wenn der Schneesturm erst einmal da ist, zu spät ist. Dann kann man keine Vorsorgemaßnahmen mehr treffen. Der Stromausfall
kommt plötzlich und unerwartet, wie wir bei dem
Kreuzfahrtschiff gesehen haben, das auf der Ems
überführt wurde. Die dafür notwendige Abschaltung einer Stromleitung führte zu einem Stromausfall in weiten Teilen Europas. Um hierauf vorbereitet zu sein, bedarf es einer gewissen Sensibilität. Diese versuchen wir eben in der Bevölkerung auch zu
Das Interview mit Christoph Unger führte der Behörden
Spiegel, veröffentlicht dort am 18.1.2010.
MIC und EU-Katastrophenschutzeinheiten auf dem Prüfstand
Andreas Walus, Berlin
Kennzeichnend für das Wesen von Katastrophen ist
neben der zerstörerischen Kraft ihr potenziell grenzüberschreitender Charakter: Katastrophen machen
nicht an vom Menschen gebildeten Grenzen Halt.
Dies betrifft sowohl innerstaatliche Grenzziehungen,
wie dies bei Kreisen, Bezirken und Bundesländern
der Fall ist, als auch die Außengrenzen zu den Nachbarstaaten. Die Tschernobyl-Katastrophe 1986, das
Oder-Hochwasser 1997 sowie das Elbe-Hochwasser
2002 sollten hier als Beispiele genügen. Angesichts
dieses in die Tiefe und in die Breite gehenden Gefährdungspotenzials verwundert es nicht, dass Staaten
sich durch bilaterale Abkommen Hilfe zusichern, um
gemeinsam außerordentlichen Gefahrenlagen begegnen zu können. Daneben nimmt sich im europäischen Raum auch die Europäische Union der Sachmaterie Katastrophenschutz beherzt an. Ein Staatenverbund — wie es die EU darstellt — eignet sich
grundsätzlich als Handlungsebene, um grenzüberschreitende Anliegen wie Katastrophen zu behandeln. Allerdings ist es in der internationalen Sicherheitspolitik umstritten, ob bzw. wie weit die Verantwortung für grenzüberschreitende Gefahren
zwingend auf eine einzelstaatenübergeordnete
Ebene übertragen werden sollte.
Vor diesem Hintergrund kann der am 1. Dezember 2009 in Kraft getretene Vertrag von Lissabon
zur Lösung zentraler Streitfragen des europäischen Katastrophenschutzes beitragen. Hierbei geht
es im Kern um zwei Fragestellungen: Lässt sich die
Fortentwicklung des Monitoring and Information
Center (MIC) zu einer weisungsbefugten Einsatzzentrale mit der Koordinierungszuständigkeit der
EU legitimieren? Berechtigt die Unterstützungsund Ergänzungszuständigkeit der EU zur Aufstel-
lung von EU-eigenen Katastrophenschutzeinheiten,
wie dies auf den ersten Blick in Erwägung gezogen
Die bisher weitgehend sicherheitspolitisch
geführte Debatte lässt sich juristisch mit Hilfe des
Vertrags von Lissabon lösen. Im Folgenden sollen
daher die zahlreichen rechtlichen Bedenken betrachtet werden, die gegen die Rechtmäßigkeit derartiger Katastrophenschutzmaßnahmen und der
damit einhergehenden Zuständigkeitsexpansion
der EU bestehen.
Bis zum Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon war die Rechtslage hinsichtlich der Zuständigkeitsverteilung zwischen der EU und den Mitgliedstaaten auf dem Gebiet des Katastrophenschutzes
höchst problematisch: Art. 3 EG-Vertrag benannte
zwar auch den Katastrophenschutz als eine europäische Aufgabe. Jedoch stellte die bloße Aufgabenbestimmung keine hinreichende Rechtsgrundlage
für konkrete Maßnahmen der Gemeinschaftsorgane dar. Daher war es eine unbefriedigende Notlösung, dass die europäischen Katastrophenschutzmaßnahmen — insbesondere das sog. Gemeinschaftsverfahren als Regelungsinstrument der Zusammenarbeit im europäischen Katastrophenschutz — auf die Generalklausel des Art. 308 EG-Vertrag gestützt wurden. Diese ermächtigte zwar den
Rat zum einstimmigen Erlass von Vorschriften,
wenn dies „erforderlich“ war, um europäische Ziele
zu verwirklichen. Eine derartige generalklauselartige Grundlage ließ jedoch den Maßstab für europäi-
sche Katastrophenschutzmaßnahmen nicht hinreichend erkennen. Der konturen- und grenzenlose
Charakter der Generalklausel barg eine Gefahr ausufernder Katastrophenschutzmaßnahmen der Europäischen Gemeinschaft in sich. Insgesamt war es
daher unverkennbar, dass es aufgrund zunehmender europäischer Katastrophenschutzaktivitäten
einer speziellen Befugnisnorm für operative Katastrophenschutzmaßnahmen bedurfte.
Katastrophenschutz im Vertrag von Lissabon
Durch den Vertrag von Lissabon wird dieser
unbefriedigenden Rechtslage abgeholfen und der
europäische Katastrophenschutz gewinnt erstmalig
Konturen. Der bisherige EG-Vertrag wurde durch
den (Änderungs-)Vertrag von Lissabon umbenannt
in den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV), in dem Katastrophenschutz
nicht nur abstrakt als eine europäische Aufgabe
bestimmt wird. Vielmehr finden sich im AEUV weitgehend konkrete Regelungen zur Zuständigkeitsverteilung zwischen den Mitgliedstaaten und der
Im Allgemeinen fällt Katastrophenschutz
künftig unter die Unterstützungs-, Koordinierungsund Ergänzungszuständigkeit der Europäischen
Union (Art. 6 i.V.m. Art. 2 Abs. 5 AEUV). Hierbei handelt es sich um eine neu geschaffene Zuständigkeitsart, die neben den Bereichen wie Gesundheit
und Industrie auch den Katastrophenschutz umfasst. In der zentralen Katastrophenschutznorm des
Europarechts, dem Art. 196 AEUV, wird die Katastrophenschutzzuständigkeit der EU konkretisiert:
„Die Union fördert die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, um die Systeme zur
Verhütung von […] Katastrophen und zum Schutz
vor solchen Katastrophen wirksamer zu gestalten.“
Darüber hinaus werden in Art. 196 AEUV die
Ziele der Tätigkeit der Union auf dem Gebiet des
Katastrophenschutzes geregelt. Dies sind:
• Unterstützung und Ergänzung der Tätigkeit der
Mitgliedstaaten […] im Hinblick auf […] Einsätze
im Falle von […] Katastrophen in der Union;
• Förderung einer schnellen und effizienten Zusammenarbeit in der Union zwischen den einzelstaatlichen Katastrophenschutzstellen;
• Verbesserung der Kohärenz der Katastrophenschutzmaßnahmen auf internationaler Ebene.
MIC als weisungsbefugte Einsatzzentrale?
Das zentrale Organ des europäischen Katastrophenschutzes stellt das Beobachtungs- und Informationszentrum (Monitoring and Information
Center, MIC) dar. Dessen Errichtung beruht auf der
ersten Entscheidung des Rates über ein Gemeinschaftsverfahren für den Katastrophenschutz. Als
eine Einrichtung der Europäischen Kommission
dient das MIC der Durchführung operativer Katastrophenschutzmaßnahmen im Rahmen des Gemeinschaftsverfahrens. Bislang beschränkt sich die
Funktion auf eine vermittelnde Koordinierung der
Künftig fällt Katastrophenschutz unter die Unterstützungs-, Koordinierungs- und Ergänzungszuständigkeit der Europäischen Union.
(Foto: Alexander Hauk/pixelio)
Umstritten ist jedoch, welche Befugnisse
dem MIC übertragen werden können. Fraglich ist
hierbei vor allem, ob das MIC zu einer weisungsbefugten Einsatzzentrale fortentwickelt werden darf.
Die Europäische Kommission schlug in ihrer Mitteilung vom 5. März 2008 vor, ihre Kapazitäten durch
eine Kompetenzerweiterung des MIC zu stärken. In
diesem Sinne solle das MIC zu einer europäischen
Einsatzzentrale ausgebaut werden, die „die Koordinierung der Einsätze“ voraussetze. Da eine einfa-
che, d.h. rein vermittelnde Koordinierung der bereits gängigen Verwaltungspraxis und der aktuellen Rechtslage entspricht, ist zu vermuten, dass „Koordinierung“ in diesem Zusammenhang als ggf.
anforderungsunabhängige Übernahme der oberen
Einsatzleitung verstanden werden muss. Die Forderung nach Weisungsbefugnissen des MIC gegenüber Mitgliedstaaten ist aber auch abseits dieser
Kommissionsmitteilung Gegenstand aktueller Debatten zum europäischen Katastrophenschutz.
Ein derartiger funktioneller Ausbau des MIC
wäre jedoch rechtswidrig. Denn EU-Maßnahmen
sion bzw. das MIC gegenüber den Mitgliedstaaten
wäre folglich ohne eine Änderung des AEUV nicht
zulässig, da andernfalls die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten für die Katastrophenabwehr verletzt
EU-eigene Katastrophenschutzeinheiten?
Besondere politische und rechtliche Brisanz
kommt der Aufstellung eines Katastrophenschutzdienstes in der Trägerschaft der Europäischen Union zu. Sowohl das Europäische Parlament als
Kommission fordern
die Schaffung einer EUeigenen Katastrophenschutztruppe.
Katastrophenschutzmaßnahme kollidiert
jedoch mit der Zuständigkeitsordnung und
dem Subsidiaritätsprinzip des AEUV. Anhand
eines dreistufigen ArguAbb. 1: Ausgleich von Mängeln der nationalen Gefahrenvorsorge durch die EU?
mentationsverlaufs soll
im Folgenden diese Bewertung erörtert werden.
im Bereich der Unterstützungs-, Koordinierungsund Ergänzungszuständigkeit der EU dürfen nicht
an die Stelle der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten
1. Ausgleich von Mängeln der nationalen Gefahrentreten (vgl. Art. 2 Abs. 5 AEUV). Dieses Substitutions- vorsorge durch die EU?
verbot drückt aus, dass Katastrophenschutz maßAuf den ersten Blick könnte in Betracht gezogen werden, die Ergänzungszuständigkeit der
geblich eine Aufgabe der Mitgliedstaaten ist. Dies
EU als Ergänzung der nationalen Gefahrenvorsorge
muss folglich auch die Entscheidung eines jeden
Mitgliedstaates umfassen, ob bzw. inwieweit ein Ka- zu interpretieren. Jedoch steht der AEUV Katastrotastrophenhilfeersuchen gestellt wird. Demgegenphenschutzmaßnahmen der EU im Wege, die auf
über sind die Mitgliedstaaten gemäß der in Art. 222 den Ausgleich von Mängeln der Mitgliedstaaten
hinsichtlich ihrer nationalen Gefahrenabwehr ausAEUV verankerten Solidaritätsklausel zum gegengerichtet sind. Mit anderen Worten: Der AEUV leseitigen Beistand durch Bereitstellung benötigter
Katastrophenschutzeinheiten verpflichtet.
gitimiert keine Mangelbeseitigung durch einen EUHinsichtlich der Koordinierungsfunktion des eigenen Katastrophenschutzdienst.
MIC muss jedoch festgestellt werden, dass die AnEine derartige Auslegung der Ergänzungszuforderungsfreiheit der Mitgliedstaaten und damit
ständigkeit stünde im Widerspruch zur Regelung
des Art. 196 Abs. 1 UA 2 lit. a) AEUV: Ergänzung und
die Zulässigkeit von Koordinierungsmaßnahmen
durch das MIC nur auf Ersuchen der Mitgliedstaaten, Unterstützung der Mitgliedstaaten im Katastronicht aufgelöst werden kann. Die Verleihung von
phenschutz ist zwar eine Aufgabe der EU, jedoch hat
Weisungsbefugnissen an die Europäische Kommis- diese Tätigkeit der Union nach dem ausdrückli-
chen Wortlaut des AEUV auf die KatastrophenMitgliedstaaten auf diesem Gebiet zusammen. Euschutzeinsätze der Mitgliedstaaten in der Union
ropäischer Katastrophenschutz bedeutet primär
abzuzielen. Unterstützung und Ergänzung müssen die gegenseitige Katastrophenhilfe der Mitgliedfolglich auf die Mitgliedstaaten hinsichtlich ihrer
staaten. Die Bildung eines KatastrophenschutzBeteiligung an grenzüberschreitenden Katastrodienstes in EU-Trägerschaft würde hier in unzuläsphenschutzeinsätzen in der EU ausgerichtet sein.
siger Weise die vorrangige Zuständigkeit der MitDarüber hinaus kollidiert die Begründung
gliedstaaten für die gegenseitige Katastrophenhilfe
derartiger Mangelbeseitigungsmaßnahmen bei
relativieren und zu einer partiellen DurchbreDefiziten der nationalen Gefahrenabwehrvorsorge chung ihrer Zuständigkeit für den europäischen Kamit dem Subsidiaritätsprinzip, an das jedoch die
tastrophenschutz führen. Es wäre allerdings mit
EU bei Ausübung ihrer Unterstützungs-, Koordinie- dem Substitutionsverbot unvereinbar, wenn die
rungs- und Ergänzungszuständigkeit zwingend
unterstützenden und ergänzenden Maßnahmen
der EU an die Stelle der Zuständigkeit der Mitgliedgebunden ist. Das Subsidiaritätsprinzip gestattet
staaten treten würden. Die Zuständigkeit der Mitein Tätigwerden der Europäischen Union nur, sogliedstaaten ist daher unantastbar, solange einem
fern und soweit der Katastrophenschutz von den
hilfsbedürftigen Mitgliedstaat ausreichend durch
Mitgliedstaaten weder auf nationaler noch auf regionaler Ebene ausreichend verwirklicht werden
die Katastrophenhilfe der Mitgliedstaaten geholfen
kann und wegen seines
Umfangs auf Unionsebene besser verwirklicht werden könnte.
Nationalstaatliche Defizite im Katastrophenschutz lassen sich jedoch
nationales Bemühen
überwinden. Die Auslegung der Ergänzungszuständigkeit im Lichte
des Subsidiaritätsprinzips gestattet somit keine Beseitigung von DeAbb. 2: Vorrang der mitgliedstaatlichen Zusammenarbeit.
fiziten der mitgliedstaatlichen Gefahrenvorsorge. Es bleibt dabei: Die Zuständigkeit und da- werden kann. Der AEUV verbietet einen parallelen
mit die Verantwortung für den Katastrophenschutz
Katastrophenschutz der EU im Allgemeinen und
liegt vorrangig bei den Mitgliedstaaten (Abb. 1).
damit die Aufstellung von EU-Katastrophenschutzeinheiten im Besonderen (Abb. 2).
2. Vorrang der mitgliedstaatlichen Katastrophenhilfe
Angesichts der Zerstörungskraft von Kata3. Förderung des Gemeinschaftsverfahrens
Wie aber sieht die Rechtslage aus, wenn die
strophen ist die Überforderung von Mitgliedstaaten
auch dann denkbar, wenn sie ihrer Pflicht zur angegenseitige Katastrophenhilfe der Mitgliedstaagemessenen Gefahrenvorsorge nachgekommen
ten für eine effektive Katastrophenabwehr nicht
sind. Ist jedoch ein Mitgliedstaat von einer KataWie bereits festgestellt wurde, steht die Zustrophe betroffen und hilfsbedürftig, so begründet
sammenarbeit der Mitgliedstaaten der Aufstellung
dies nicht die Aufstellung und den Einsatz von EUeines europäischen Katastrophenschutzdienstes
eigenen Katastrophenschutzeinheiten. Denn nach
Art. 196 Abs. 1 UA 1 AEUV setzt sich der europäische grundsätzlich entgegen. Ein anderes Ergebnis käme
Katastrophenschutz aus der Zusammenarbeit der
nur dann in Betracht, wenn einem mit der Kata-
strophenabwehr überforderten Mitgliedstaat nicht
durch die Vermittlung ausländischer Katastrophenschutzkapazitäten ausreichend geholfen werden
könnte. Wenn demnach die Potenziale der Katastrophenschutz-Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten ausgeschöpft sein könnten, würde darin die
Zulässigkeit der EU-Ergänzungsmaßnahmen begründet sein.
Eine Katastrophe, die grundsätzlich nicht
von den europaweit vorhandenen Katastrophenschutzkapazitäten bewältigt werden könnte, ist jedoch nur schwerlich vorstellbar. Denn in Anbetracht von 27 Mitgliedstaaten bzw. 31 Teilnehmer-
stellung durch die Mitgliedstaaten (finanziell) unterstützen (Abb. 3).
Bei Betrachtung der Rechtslage nach Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon fällt eine Reduktion der Zuständigkeiten auf dem Gebiet des
Katastrophenschutzes auf. Die Unterstützungs-, Koordinierungs- und Ergänzungszuständigkeit der
Europäischen Union im Katastrophenschutz stellt
im Lichte des Subsidiaritätsprinzips lediglich eine
beschränkte Mitzuständigkeit dar. Daraus
folgt, dass sich europäische Katastrophenschutzmaßnahmen an
der vorrangigen Zuständigkeit der Mitgliedstaaten orientieren
müssen; diese sind maßgeblich für den Katastrophenschutz zuständig.
zerstörerischen und
Charakters von KataFörderung des Gemeinschaftsverfahrens.
strophen erscheint ein
Engagement der EU auf
staaten am Gemeinschaftsverfahren ist europaweit dem Gebiet des Katastrophenschutzes unter Sieine beachtliche Abwehrfähigkeit im Katastrophen- cherheitsgesichtspunkten sinnvoll. Der AEUV zeigt
der EU jedoch zugleich Grenzen hinsichtlich der
schutz zu verzeichnen. Wenn aber das GemeinZulässigkeit von Katastrophenschutzmaßnahmen
schaftsverfahren Defizite aufweist, so berechtigt
dies nicht per se zur Aufstellung eines EU-Katastroauf. Es gilt: Europäischer Katastrophenschutz setzt
phenschutzdienstes. Art. 196 Abs. 1 AEUV weist dasich in erster Linie aus der Katastrophenschutz-Zurauf hin, dass die Katastrophenschutzmaßnahmen sammenarbeit der Mitgliedstaaten zusammen. Dader Union auf die Förderung der Katastrophenbei handelt es sich nicht um eine rein politische
schutz-Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten ausge- Willensbekundung, sondern um eine rechtlich verrichtet sein müssen. Daher trifft die Union auch im
bindliche Maxime für das Engagement der EU, das
Lichte des Subsidiaritätsprinzips zunächst die Aufsich primär auf eine vermittelnde und fördernde
gabe, auf die Beseitigung bestehender Mängel des
Funktion beschränken muss.
Gemeinschaftsverfahrens hinzuwirken. Dies umfasst die Förderung der Bereitstellung von nationalen Katastrophenschutzeinheiten in das GemeinAndreas Walus ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschaftsverfahren. Ergibt eine europaweite Risikoschungszentrum Katastrophenrecht der Humboldt-Unianalyse den Bedarf an zusätzlichen Engpassresversität zu Berlin.
sourcen, so muss die EU in erster Linie deren Auf-
Die Dienstvorschrift 500 „Einheiten im CBRN-Einsatz“
Die Ständigen Konferenz für Katastrophenvorsorge und Bevölkerungsschutz (SKK)
Die SKK ist ein ressort-, institutions- und organisationsübergreifendes Forum, in dem die bundesweit im Bevölkerungsschutz Tätigen gemeinsame Ziele und Verfahren im
offenen Dialog und ständigen Meinungsaustausch untersuchen, entwickeln, vertreten und auch einfordern. Sie
versteht sich als „Denkfabrik“ mit dem Ziel der Analyse von
Defiziten und der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für
den Bevölkerungsschutz. Ziel der SKK ist, die Katastrophenvorsorge und den Bevölkerungsschutz in Deutschland kontinuierlich zu verbessern und weiterzuentwickeln. Ein Mittel hierzu ist die Förderung von Standardisierung und Harmonisierung. So entwickeln die integrativ
und fachübergreifend aufgebauten Projektarbeitsgrup-
pen der SKK Publikationen und Basispapiere wie z. B. das
Wörterbuch für den Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zur Harmonisierung von Begrifflichkeiten. Auch
entwerfen die Projektarbeitsgruppen Dienstvorschriften
für die Begünstigung einheitlicher Handlungsketten der
operativ-taktischen Gefahrenabwehr oder Curricula zur
Standardisierung von Qualifizierungen für Führungs- und
Einsatzkräfte zu besonderen Einsatzszenarien. Diese Arbeitsergebnisse werden dann den Entscheidungs- und
Leistungsträgern im Bevölkerungsschutz als „Empfehlungen zur Einführung“ zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich und doch zu erwähnen ist die ständige Aktualisierung und Fortschreibung der Entwicklungen.
Das Risiko für CBRN- Großlagen und der damit möglichen Kontamination vieler verletzter Menschen
ist auch in Deutschland in den letzten Jahren erheblich angewachsen. Als denkbare Szenarien sehen
Experten nicht nur Gefahrgutunfälle und Pandemien.
Betriebsstörungen in Kernkraftwerken, Terroranschläge mit schmutzigen Bomben oder Chemikalienfreisetzungen sind ebenfalls Szenarienbeispiele. Die
Aufgabenstellung eines solchen Einsatzes hat erhebliches Eskalationspotenzial, wenn aufgrund einer
CBRN- Lage ein Massenanfall kontaminierter Verletzter eintritt und neben allen organisatorischen und
technischen Einsatzaufgaben auch die gesamte medizinische Versorgungskette von der Einsatzstelle
bis hin zur klinischen Versorgung sichergestellt werden muss. Woran erkennen Einsatzkräfte eine CBRNGefährdung? Wie muss die Einsatzstelle organisiert werden? Unter welchen Rahmenbedingungen
können Einsatzkräfte in der aufwachsenden Gefahrenabwehr vorgehen? Welche Aufgaben können
und müssen wo, von wem, wie, wann durchgeführt
werden? Kennen wir die Antworten wirklich? Sind
wir solchen Einsätzen gewachsen?
Für den Feuerwehreinsatz sind diese und weitere Fragen seit Jahren in der FwDV 500 „Einheiten
im ABC-Einsatz“ geregelt. Diese Dienstvorschrift ist
flächendeckend eingeführt und dient bundesweit
als Ausbildungsgrundlage für Feuerwehren. Nach
welchem Regelwerk aber sollen Rettungs-, Sanitätsund Betreuungsaufgaben durchgeführt werden?
Welche Ausbildungsgrundlage dient der Qualifizierung des Rettungsdienstes, im Katastrophenschutz,
der Polizei und anderen Behörden und öffentlichen
oder privaten Organisationen in der Gefahrenabwehr und im medizinischen Bevölkerungsschutz?
Die Herausforderung für die beteiligten Mitglieder der PG9 „Besondere Gefahren/CBRN“ der
Ständigen Konferenz für Katastrophenvorsorge und
Bevölkerungsschutz (SKK) zur Entwicklung dieser
neuen, im Januar 2009 veröffentlichten, und zur Einführung empfohlenen fachübergreifenden Dienstvorschrift war anspruchsvoll aber auch faszinierend
zugleich. Aufgrund der breit gefächerten Expertise
in der Arbeitsgruppe — es arbeiteten Vertreter der
großen Hilfsorganisationen, aus Feuerwehren, des
Robert-Koch-Institutes, des BBK und des Institutes
für Arbeits- und Sozialmedizin an der Universität Göttingen mit — konnten Fragestellungen und Handlungsfolgen aus verschiedenen Blickrichtungen ausgiebig diskutiert und geklärt werden.
Zielsetzung der SKK DV 500 und Abgrenzung
zur FwDV 500
Ziel dieser neu vorgelegten und zur Einführung empfohlenen Dienstvorschrift ist, auf Basis der
jeweils gültigen Feuerwehr Dienstvorschrift die
Durchführung von Fachaufgaben der weiteren Beteiligten und deren Zusammenwirken unter den
besonderen Bedingungen eines CBRN-Einsatzes zu
regeln. Darüber hinaus soll sie folgenden Verwendungen dienen:
• Bundesweit einheitliche Arbeitsgrundlage aller
• Basis für die Entwicklung gemeinsamer Einsatzkonzeptionen
• Rahmen für effiziente und aufeinander abgestimmte Ausstattung von Einheiten
• Ausbildungsgrundlage aller in die Prozesskette
„CBRN-Gefahrenabwehr“ eingebundenen Einsatz- und Fachkräfte
• Zusammenwirken und Vernetzen der Gefahrenabwehrkräfte und tangierender Leistungserbringer
Die SKK DV 500 ist in 3 Kapitel mit unterschiedlichen Ausrichtungen strukturiert. Das erste Kapitel stellt die FwDV 500 in der jeweils geltenden Fassung dar. Das ist deshalb wichtig, weil sie als Einsatz-Regelwerk bundesweit eingeführt ist und die
Feuerwehren ihren Einsatzablauf danach aufbauen.
Weiterhin sind in Ihr alle wesentlichen und grundNotversorgung
Abb. 1: Beteiligte in einem CBRN-Einsatz
SEGen/Einsatzeinheiten
Neben der technischen Gefahrenabwehr
müssen in CBRN- Einsätzen auch die Aufgaben der
medizinischen Versorgung kontaminierter Verletzter sichergestellt werden. Dies fällt in die Verantwortlichkeiten der Träger der Gefahrenabwehr, d.h.
in der Regel in die der Kommunen und bei größeren
Schadensereignissen in die der Länder oder des
Richtlinie für Rettungs- Sanitäts- und
Betreuungsaufgaben im CBRN-Einsatz
Einsatzleitung (B-Lage)
Ablaufsteuerung (B-Lage)
sätzlichen Aussagen für die Beherrschung des Gefahrenpotenzials, zum Schutz der Einsatzkräfte, zur
Strukturierung von Einsatzmaßnahmen der Feuerwehren, sowie zur Organisation von Leitungs- und
Führungsaufgaben getroffen. Kapitel 2 der SKK
DV 500 besteht aus den jeweiligen Richtlinien für
die Durchführung von Fachaufgaben im CBRNEinsatz. Bereits fertig gestellt ist die Richtlinie für
Rettungs- Sanitäts- und Betreuungsaufgaben für
dieses Einsatzfeld. Regelungen für weitere Fachaufgaben sind bereits in der Entwicklung. So zum Beispiel für die Dekontamination Verletzter, für die Vorbereitung von Krankenhäusern auf die Versorgung
kontaminierter Patienten oder ärztliche Aufgaben
im CBRN-Einsatz. In Kapitel 3 letztlich werden fachübergreifende Themen behandelt und spezielle Einsatzregeln eingestellt. So ist hier Platz für Regelungen zum Humanbiomonitoring und für Merkblätter
zu speziellen Einsatzlagen.
NA/LNA
Einsatzleitung (B-Einsatz?)
Umweltschutz/ABC-Dienst
Bundes. Auch die Zuordnung von Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsaufgaben zu Einheiten oder
Organisationen der Gefahrenabwehr obliegt den
zuständigen Behörden. Jedoch ist das Zusammenwirken aller Beteiligten unabdingbare Voraussetzung, denn die Versorgung von CBRN-kontaminierten verletzten und betroffenen Personen bringt
die Gefahr von Kontaminationsverschleppung und
damit erhebliche Risiken für Einsatzkräfte vor Ort
und Personen und Prozesse in weiterbehandelnden
medizinischen Einrichtungen mit sich.
Auf der Grundlage dieser Gegebenheiten und
basierend auf dem Rahmenkonzept zur Dekontamination Verletzter, erstellt von der gleichnamigen
Bund-Länder-Arbeitsgruppe in der Endfassung vom
September 2006 wurden Aufgabenbeschreibungen
erarbeitet und zeitlich wie räumlich den Strukturen
der Einsatzstelle zugeordnet. Zur Vereinheitlichung
mussten zunächst Begriffe für die Verwendung in
der Richtlinie definiert werden. Auch hier soll zunächst auf diese Begrifflichkeiten eingegangen
werden, um das Verständnis für organisatorische
Abläufe an der Einsatzstelle zu verstärken.
Die Begriffe Gefahrenbereich und Absperrbereich sind schon in der FwDV500 definiert, werden
hier aber nochmals aufgeführt:
Der Gefahrenbereich ist der Bereich, in dem ABC-Gefahren für Leben, Gesundheit, Umwelt und Sachen
erkennbar sind oder aufgrund fachlicher Erfahrung vermutet werden.
Der Absperrbereich ist der unmittelbar an den Gefahrenbereich angrenzende Teil der Einsatzstelle. Er
ist Aufstellungs-, Bewegungs- und Bereitstellungsfläche für Einsatzkräfte. Im Absperrbereich sind keine
Gefahren durch ABC-Gefahrstoffe erkennbar oder
Die folgenden Begriffe wurden für die Verwendung in dieser Richtlinie neu definiert. Hierbei
orientierte sich die Arbeitsgruppe an bereits normierten Begrifflichkeiten, um dem Anwender der Richtlinie die Ableitung aus der täglichen Arbeit und bestehenden Ausbildungskonzepten zu erleichtern.
Die Übergangszone beinhaltet den Sammelpunkt
und die Patientenablage vor der Dekontamination,
sowie den Dekontaminationsplatz. Sie ist der Raumbereich, dem alle Einsatzstellenfunktionen zugeordnet werden, die den Übergang von Personen und
Objekten in den Gefahrenbereich hinein und aus
dem Gefahrenbereich heraus vorbereiten und si-
cherstellen. Sie befindet sich außerhalb der Wirkung
der direkt vom Schadensobjekt ausgehenden CBRNGefahren und bildet die Grenze zum Absperrbereich. Auf Grund der Gefahr der Kontaminationsverschleppung sind Schutzmaßnahmen erforder-
Abb. 2: Integrale Wirkung der SKK DV 500.
lich. Der Übergang in den Absperrbereich erfolgt
ausschließlich über den Dekontaminationsplatz.
Die Übergangszone darf zum Schutz vor Kontamination durch Betroffene von den Einsatzkräften nur
mit persönlicher Sonderausrüstung/Schutzausstattung (PSA) betreten werden.
Die Patientenablage (gem. DIN 13050) in der Übergangszone ist eine Stelle vor der Dekontamination,
an der kontaminierte verletzte Personen gesammelt,
soweit möglich erstversorgt und betreut werden.
Der Behandlungsplatz (DIN 13050) befindet sich in
einem Bereich, in dem keine Kontamination vorhanden ist. Hier werden Verletze nach der Dekontamination medizinisch behandelt.
Der Betreuungsplatz befindet sich in einem Bereich,
in dem keine Kontamination vorhanden ist. Auf
dem Betreuungsplatz erfolgt im Rahmen der Soforthilfe eine entsprechende Betreuung der nicht verletzten Personen nach der Dekontamination und
unter Umständen auch von Angehörigen.
Durch die Dekon-Sichtung wird die Dringlichkeit
der Behandlung vor dem Dekontaminationsprozess
festgelegt (Bund-Länder Rahmenkonzept Dekontamination Verletzter). Dieses beinhaltet auch die
Festlegung der Reihenfolge der Zuführung von Personen zur Dekontamination. Die Dekon-Sichtung
wird in der Übergangszone durchgeführt, idealerweise auf der Patientenablage. Die Dekon-Sichtung ersetzt nicht die Sichtung gemäß DIN 13050.
Die Dekon-V beinhaltet, unabhängig von der jeweiligen Gehfähigkeit, die Dekontamination von kontaminierten Verletzten. Hierzu zählen auch Einsatzkräfte, die ohne angemessene PSA den kontami-
nierten Bereich betreten und eine Verletzung erlitten haben.
Medizinische Notfallmaßnahmen, die in der Übergangszone erfolgen, umfassen die medizinischen
Versorgungen, die bereits vor der Dekontamination unabweisbar sind (z.B. lebensrettende Sofortmaßnahmen gemäß basic-life-support (BLS), Antidotgabe). Die weitere präklinische, medizinische Versorgung erfolgt nach der Dekontamination. In Ausnahmefällen (z.B. Anwendung eines Autoinjektors
mit Antidot) können medizinische Notfallmaßnah-
Übergangszone Betreuung
mind. 50 m
sperrt ab und sichert
men auch innerhalb der Wirkung der direkt vom
Schadensobjekt ausgehenden CBRN-Gefahren durchgeführt werden.
Neben der begrifflichen Beschreibung ist auch
die bildliche Darstellung der notwendigen räumlichen Aufteilung der CBRN-Einsatzstelle ein wesentlicher Bestandteil dieser Richtlinie. Basierend auf
der FwDV mit der farblichen Unterscheidung des roten Gefahren- und des grünen Absperrbereiches bot
sich wie in der Abb. 3 gezeigt eine „gelbe“ Farbgebung für die Übergangszone an. Vorteilhaft bei dieser Kennzeichnung ist nicht nur die Ableitung des
Ampelprinzips als einfaches Lern- und Handlungsmodell, sondern auch die häufig verbundene Warnwirkung der Farbe gelb um so auf das bestehende
Gefährdungspotenzial durch Kontamination und
Kontaminationsverschleppung hinzuweisen. Wesentlich in der Darstellung der Grafik Abb. 3 ist auch
die räumliche Zuordnung der Übergangszone zum
Absperrbereich. So befindet sie sich außerhalb des
Gefahrenbereiches, signalisiert aber deutlich, dass
die Übergangszone ausnahmslos nur über den Dekontaminationsplatz verlassen werden darf. Die Versorgung der Übergangszone ist sicherzustellen.
Aufgabenbeschreibung für Einsatzkräfte
Die Möglichkeit, Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsaufgaben umzusetzen, ist abhängig von
der Größe des Gefahrenbereiches, der Dimensionen
der Gefahren, die an der jeweiligen Einsatzstelle
wirken, von der erforderlichen Komplexität der Gefahrenabwehr und der Qualifikation der Einsatzkräfte. Zur besseren Übersicht und auch zur Darstellung der Versorgungsrichtung für Verletzte wurden Einsatzmaßnahmen numerisch katalogisiert,
beginnend im Gefahrenbereich und endend
in der Behandlung im
Absperrbereich der Einsatzstelle. SelbstverUmfeld
ständlich ist, dass die Behandlung Verletzter in
einer CBRN-Lage hier
nicht endet, sondern an
Krankenhäusern fortgeführt wird. Hier besteht die HerausfordeAbb. 3: Raumzonen.
rung, die Schnittstelle
Einsatzstelle/ Krankenhaus zu definieren und durch entsprechende Planungen, auch im Krisenmanagement der Krankenhäuser, zur Aufnahme von Patienten aus CBRN-Lagen im Sinne eines medizinischen Bevölkerungsschutzes voranzutreiben. In der bewusst sehr allgemein gehaltenen Auflistung von Einsatzmaßnahmen ist dem Umstand Rechnung getragen, dass der
Eigenschutz von Einsatzkräften vordergründig ist.
Einsatzkräfte, die sich nicht adäquat geschützt im
Gefahrenbereich der CBRN-Einsatzstelle aufhalten,
die eine Beschädigung der Schutzausstattung erfahren haben oder die aufgrund eines Eigenunfalls
eine Kontamination erlitten, werden selbst zu Ihrem
Schutz und zum Schutz vor Kontaminationsverschleppung als Verletzte in die Versorgungskette
aufgenommen. Auch muss im Vorfeld der folgenden Darstellung von Einsatzmaßnahmen gesagt
werden, dass diese zwar grundsätzlichen Raumzonen zugeordnet werden, aber möglicherweise auch
in Laufe der Versorgungskette fortgeführt werden
müssen. Als Beispiel seien hier lebensrettende Sofortmaßnahmen genannt. In der SKK DV 500 aufgeführte Versorgungszeitgrenzen, in denen Einsatzaufgaben in den jeweiligen Raumzonen abgeschlos-
sen sein sollten, können natürlich nur Zeitfenster
beschreiben, in denen die Versorgung Verletzter abgeschlossen sein sollte, um ihnen wirksam helfen
zu können. Natürlich müssen ggf. die Maßnahmen
auch darüber hinaus durchgeführt werden. In der
Übergangszone besteht eine Kernaufgabe darin, so
früh wie möglich die Oberbekleidung von Betroffenen und Verletzten abzulegen und zu sichern. Die
Oberbekleidung hat in der Regel die Kontamination erhalten, so dass durch das Ablegen und Sichern
die Gefahr der Kontaminationsverschleppung erheblich reduziert wird und eine weitere schädigende Wirkung auf die Körperoberfläche der Personen
Noch bevor die eigentliche Dekontamination
am Dekontaminationsplatz erfolgt, kann auch
eine Spot-Dekontamination z.B. von Wunden oder
des Gesichtes zur Atemwegsicherung notwendig
werden. Bei einer Vielzahl Betroffener und Verletzter ist eine „Dekon-Sichtung“ angezeigt, um die
Reihenfolge der Verletzten im Dekontaminationsdurchlauf festzulegen und deren Versorgung bis
zum Zeitpunkt der Dekontamination sicherzustellen.
Aufgrund der zu einem frühen Zeitpunkt des Einsatzes nicht absehbaren Lageentwicklung sollte regelmäßig eine Patientenablage in der Übergangszone vor dem Dekontaminationsplatz eingerichtet
werden. Zusätzlich sind alle logistischen Abläufe
für die Funktionalität der Einsatzstrukturen in der
Übergangszone sicherzustellen. Am Dekontaminationsplatz findet die eigentliche Dekontamination
der Verletzten und Betroffenen statt. Hier gilt es,
gehfähige wie liegende Verletzte zu dekontaminieren, sie dabei angemessen zu versorgen oder bereits eingeleitete Behandlungen fortzuführen und
in den Absperrbereich zu übergeben. Durch Übergabegespräche und Weitergabe von Dokumentationen muss die präklinische medizinische und auch
die psychosoziale Notfallversorgung auf der „sauberen Seite“ begünstigt werden.
Nach der Dekontamination schließt sich die
im jeweiligen Einsatzbereich übliche Versorgung an.
Wegen der Besonderheit der CBRN Lage sind die
nachfolgenden Hinweise zu berücksichtigen:
• Weiterführende Maßnahmen speziell für Einsatzkräfte sind die psychische Nachsorge,
• eine angemessene Post-Expositions-Prophylaxe
(PEP) und
• ein Humanbiomonitoring, das zukünftig auch in
einem eigenen Merkblatt für Durchgangsärzte
im Kapitel 3 der SKK DV 500 beschrieben wird.
Eine Handreichung mit dem Arbeitstitel „Humanbiomonitoring für Einsatzkräfte“ wird derzeit
im Rahmen eines Forschungsvorhabens des BBK
Im Wesentlichen ist mit der SKK DV 500 ein
Regelwerk geschaffen worden, das für alle Mitwirkenden in der Gefahrenabwehr eine Basis für ihre
weitere Vorbereitung auf CBRN-Lagen darstellt. Es
sollte damit gelingen, unter Einbeziehung aller
Leistungserbringer für den CBRN-Einsatz vor Ort
Abb. 4: Einsatzmaßnahmen in der Raumzuordnung.
bestehende Einsatzkonzepte zu reflektieren oder,
wenn noch nicht vorhanden, neue zu entwickeln.
Mit der Erstellung weiterer Richtlinien anderer
Fachdienste im Kapitel 2 und auch der zu entwickelnden entsprechenden Spezialisierungen im
Kapitel 3 der SKK DV 500 wird ein einheitliches Regelwerk mit der gesamten Bandbreite der CBRNGefahrenabwehr angestrebt. Es ist wünschenswert,
wenn diese Dienstvorschrift auch eine allgemeingültige Ausbildungsgrundlage wird. Denn nur wenn
aufgrund einer einheitlichen Grundqualifikation
die Umsetzung örtlicher Einsatzkonzeptionen trainiert wird, können wir erfolgreich sein.
Jürgen Schreiber ist Leiter der Projektgruppe „Besondere
Gefahrenlagen/CBRN“ (PG9) bei der Ständigen Konferenz
für Katastrophenvorsorge und Bevölkerungsschutz (SKK)
Verena Blank-Gorki, BBK
Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) nach
schweren Not- und Unglücksfällen gehört mittlerweile national wie international zum Versorgungsstandard. Eine Vielzahl von Unglücksfällen und Katastrophen wie das ICE-Unglück in Eschede 1998, die
Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA,
der Tsunami 2004 in Südostasien oder die Amokläufe an Schulen in Winnenden und Wendlingen
2009 haben eindrucksvoll gezeigt, dass neben medizinischer und technischer Hilfeleistung auch die psychosoziale Betreuung von Überlebenden, Angehörigen, Hinterbliebenen und Vermissenden eine wichtige Rolle spielt. Gleichzeitig haben diese Ereignisse
auch den Blick für die berufsbedingten psychischen
Belastungen von Einsatzkräften geschärft.
Vor diesem Hintergrund bieten inzwischen
viele verschiedene Organisationen und Institutionen Maßnahmen und Angebote zur Unterstützung
bei der Verarbeitung psychisch belastender Erlebnisse an. Dazu gehören die Krisenintervention im
Rettungsdienst, die Notfall-, Polizei- und Feuerwehrseelsorge, die Notfallpsychologie u. v. m. Mittlerweile existiert in Deutschland zwar ein nahezu
flächendeckendes System der PSNV, gleichzeitig jedoch ist die Qualität der Angebote in den Bereichen
Ausbildung und Praxis recht unterschiedlich. Auch
ringen die PSNV-Anbieter teilweise noch darum,
welche Vorgehensweisen und Angebotsstrukturen
am sinnvollsten sind.
Daher hat das BBK auf Vorschlag der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern einen
Qualitätssicherungsprozess initiiert. Daran beteiligt sind alle Organisationen und Institutionen, die
die PSNV in Deutschland verantworten, anbieten
und durchführen sowie diverse Bundesländer und
Hochschulen. Seit 2007 werden in diesem Konsensus-Prozess Standards und Leitlinien entwickelt, die
sämtlichen Akteuren, die in diesem noch sehr jungen Fachgebiet tätig sind, eine fachlich fundierte
Grundlage für eine qualifizierte psychosoziale Versorgungsarbeit bieten sollen.
Der Konsensus-Prozess 2007-2010: Qualität zählt
Dem gesamten Konsensus-Prozess liegt die
Überzeugung aller Beteiligten zugrunde, dass den
Betroffenen von schweren Unglücksfällen und Katastrophen nur durch qualitativ hochwertige und
Am Konsensus-Prozess beteiligte Partner
• Arbeiter-Samariter-Bunde Deutschland e.V.
• Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren
• Bayerisches Staatsministerium des Innern
• Bundesarbeitsgemeinschaft Psychosoziale Unterstützung Einsatzkräfte
• Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V.
• Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.
• Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
• Bundesvereinigung Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen e.V.
• Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin e.V.
• Deutsche Gesellschaft für Post-Traumatische-Stress-Bewältigung e.V.
• Deutscher Feuerwehrverband
• Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V.
• Konferenz der Diözesanbeauftragten für die katholische Notfallseelsorge
• Konferenz Evangelische Notfallseelsorge in Deutschland
• Ludwig-Maximillians-Universität München
• Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz
• Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport
• Schutzkommission beim Bundesminister des Innern
• Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin
wissenschaftlich abgesicherte Angebote und MaßDer nun einheitliche Oberbegriff „PSNV“ umnahmen der PSNV adäquat geholfen werden kann. fasst mehrere Bausteine. Entscheidend in der Definition ist die Tatsache, dass zwei Zielgruppen unterAuf dieser Grundlage wurden bereits in den ersten
beiden Jahren des Prozesses Leitlinien und Standards schieden werden. Hier sind die PSNV-Maßnahmen
zur Qualitätssicherung verabschiedet, auf die sich
alle Beteiligten durch ihre Zustimmung im Rahmen Zeugen und/oder Vermissende zu nennen, die von
den „Hilfen für Helfer“, d.h. den PSNV-Maßnahmen
der jährlichen Konsensus-Konferenzen (bisher
2008 und 2009) freiwillig verpflichtet haben.
Zahlreiche grundlegende Aussagen zu
Zielgruppen, Begrifflichkeiten und Maßnahmen der PSNV wurden
auf diese Weise bereits
verabschiedet. Hinzu
kommen Leitlinien zur
strukturellen Implementierung in die Gefahrenabwehr und zur
Erreichung von Qualitätsmindeststandards
für die Aus- und Fortbildung. Die folgenden
Ausführungen geben
hierzu einen ausgewählten Überblick. Ausführliche Ergebnisse finden
Abb. 1: PSNV-Maßnahmen für Überlebende, Angehörige, Hinterbliebene, Zeugen und/oder Vermissende
sich in der Publikation
des BBK „Psychosoziale
für Einsatzkräfte, abgegrenzt werden (siehe Abb. 1
Notfallversorgung: Qualitätsstandards und Leitliund 2).
nien (Teil I)“, zu beziehen über www.bbk.bund.de.
Die PSNV für Überlebende, Angehörige, Hinterbliebene, Zeugen und/oder Vermissende beginnt
in den ersten Stunden nach Eintreten des Unglücks
bzw. Notfalls mit der sog. psychischen ersten Hilfe
und endet mit langfristigen VersorgungsmaßnahAuf der Konsensus-Konferenz 2008 konnte
eine einheitliche Sprachregelung verabschiedet wer- men, die auch noch nach Wochen und Monaten
angebracht sein können.
den. „Psychosoziale Notfallversorgung“ soll nun als
Für Einsatzkräfte beginnt PSNV bereits vor
einheitlicher Oberbegriff dienen und eine gemeinsame sprachliche und inhaltliche Basis schaffen. Zu- dem Einsatz mit Maßnahmen der primären Prävenvor war das Feld der PSNV durch eine Vielzahl an
tion. Hierunter versteht man die Einsatzvorbereiunterschiedlich gebrauchten Bezeichnungen betung, beispielsweise durch eine angemessene Ausstimmt. So wurden auch die Begriffe „Psychosoziale und Fortbildung, umfassende betriebliche GesundUnterstützung“, „Psychosoziale Nothilfe“, „Psycho- heitsförderungsangebote etc. Dadurch kann die körmedizinische Versorgung“, etc. verwendet, die zwar perliche und psychische Gesundheit professioneller
Helfer bereits im Vorfeld extrem belastender Einsätin der Tendenz das Gleiche meinten, aber wegen
verschiedener inhaltlicher Schwerpunktsetzungen ze gefördert werden. Fortgesetzt wird die PSNV für
in der Praxis teilweise für Verwirrung gesorgt haben. Einsatzkräfte mit der Einsatzbegleitung und ver-
schiedenen Stufen der Einsatznachsorge. Ähnlich
wie bei der Zielgruppe der Überlebenden, Angehörigen, etc. hängt auch der psychosoziale Betreuungs-
und Vertretern von Behörden und Organisationen
der Gefahrenabwehr auf kommunaler Ebene gestaltet werden könnte. Auch gibt es Vorschläge zur
Einbindung der PSNV
in regional bestehende
Alarmierungsstrukturen. Diese und alle weiteren Leitlinien wurden
mit dem Anliegen formuliert, das in weiten
Teilen Deutschlands bereits bestehende flächendeckende Netz
psychosozialer Akuthilfe im Alltag zu untermauern, wo notwendig
zu fördern und eine
bundesweite einheitliche strukturelle Grundlage zu schaffen. Denn
klar geregelte und
funktionierende SysteAbb. 2: PSNV-Maßnahmen für Einsatzkräfte vor, während und nach belastenden Einsätzen.
me des Alltags sind eine
entscheidende Basis für
die rasche Einbindung und reibungslose Arbeit in
verlauf bei den Einsatzkräften jeweils vom individuellen Belastungsgrad ab. Daraus resultiert beispiels- Großschadenslagen.
weise, dass langfristige Versorgungsmaßnahmen
wie beispielsweise psychotherapeutische Angebote
eine Möglichkeit, aber kein „Muss“ sind.
Ausblick: Die abschließende
Konsensus-Konferenz 2010
Einbindung der PSNV in die
Neben der Verständigung auf grundlegende
Begriffe und Inhalte stehen vor allem solche Themen auf der Agenda des Konsensus-Prozesses, die
sich mit der Einbindung der PSNV in die Gefahrenabwehr beschäftigen. Hier wird einerseits an strukturellen Lösungen für komplexe Gefahren- und
Schadenslagen, aber auch an Empfehlungen für
den Einsatzalltag gearbeitet. Die abschließenden
Ergebnisse für die Implementierung bei Großschadenslagen stehen derzeit noch aus (s. Abschnitt
„Ausblick“), für den Einsatzalltag liegen sie mittlerweile vor. Auf der Konsensus-Konferenz 2009 wurden insgesamt acht Leitlinien verabschiedet, die unter anderem Aussagen darüber enthalten, wie die
Zusammenarbeit zwischen Anbietern der PSNV
Die skizzierten Ergebnisse stellen nur einen
Ausschnitt aus dem breiten Themenspektrum des
gesamten Konsensus-Prozesses dar. Auch für die
meisten anderen inhaltlichen Fragestellungen liegen mittlerweile Zwischenergebnisse vor, die auf
der abschließenden Konsensus-Konferenz 2010 verabschiedet werden sollen. Auf diese Weise zeichnet sich bereits heute ein wesentlicher Beitrag zur
Qualitätssicherung der PSNV in Deutschland ab.
Darüber hinaus werden die Ergebnisse des Konsensus-Prozesses zweifellos auch eine fundierte
Grundlage für zukünftige Entwicklungen in diesem Feld sein.
ZSH Christoph 2 – Frankfurt/Main
Dr. med. U. Schweigkofler, Ärztlicher Leiter Christoph 2
Der Zivilschutz-Hubschrauber (ZSH) Christoph 2 in
Frankfurt gehört gewissermaßen zum Urgestein der
Luftrettung in Deutschland. Neben Christoph 3 in
Köln zählt dieses Luftrettungszentrum (LRZ) zu den
ältesten Stationen, an denen Zivilschutz-Hubschrauber des Bundes stationiert sind. Nach ersten Probeeinsätzen während der Oster- und Pfingstfeiertage
1968 mit einer Vertol H 21 der Bundeswehr wurde
am 15. August 1972 der Rettungshubschrauber (RTH)
Christoph 2 in Dienst gestellt und in das Integrierte
Hilfeleistungssystem der Stadt Frankfurt/Main, bestehend aus Brandschutz, Katastrophenschutz und
Rettungsdienst, aufgenommen.
Von Anfang an wurde der RTH von Ärzten der
Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt
besetzt, die in Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr in Frankfurt ein Notarztsystem etablierten.
Seit 1966 rückte die so genannte „Rote Diva“ aus, um
vor allem bei Verkehrsunfällen oder schweren Unfällen auf Baustellen mit der ärztlichen Versorgung
schon an Ort und Stelle zu beginnen.
Auch heute noch werden die Notärzte ausschließlich von der unfallchirurgischen Abteilung
gestellt — eher eine Ausnahme unter den deutschen
Luftrettungszentren. Alle 15 Notärzte verfügen
selbstverständlich über die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin und sind größtenteils Fachärzte. Ihre
Erfahrung im Notarztdienst sammeln sie zunächst
im bodengebundenen Rettungsdienst. Das an der
BG Klinik stationierte Notarzteinsatzfahrzeug (NEF 1)
wird pro Jahr zu ca. 3500 oft internistischen Notarzteinsätzen alarmiert. Zusätzlich ist zur Qualifikation der Kurs des BBK: „Notarzt im Luftrettungsdienst“ sowie ein Praktikum in der Kinderanästhesie Voraussetzung.
Doch nicht nur die unfallchirurgische Besetzung von Christoph 2 führt dazu, dass es sich eher
um einen „Trauma“-RTH handelt. Lange bevor die
Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) den
Begriff des Traumanetzwerkes prägte und eben solche mit großer Rasanz in Deutschland etabliert werden (DGU-Weißbuch 2006), um die Versorgung von
Schwerstverletzten jederzeit und überall auf
höchstem Niveau garantieren zu können, sorgte die
Luftrettung im Rhein/Main-Gebiet für eine überre-
MANV-Zusatzbox.
gionale Traumaversorgung. Schon seit den siebziger
Jahren war der Transport von Unfallopfern aus dem
ländlichen Umfeld des Ballungsgebietes in die großen Kliniken Frankfurts (heute so genannte überregionale Traumazentren) üblich.
Exemplarisch seien aus der Vergangenheit
der Tanklastunfall in Herborn 1987 oder das Zugunglück in Rüsselsheim 1990 genannt. Diese überregionale Versorgung von Schwerverletzten erfordert
den raschen und schonenden Transport per Luftrettung in die Versorgungszentren. Aber auch bei
internistisch/neurologischen Krankheitsbildern hat
sich die spezialisierte Therapie in Zentren (z.B. Herz-
katheterlabor, Stroke-unit) mit guten Resultaten
In dieser „überregionalen“ Transportfunktion
unterscheidet sich der Christoph 2 in keiner Weise
von den anderen Rettungshubschraubern. In knapp
30% der Einsätze war beim Eintreffen des RTH bereits ein bodengebundenes Notarztsystem mit der
Versorgung des Notfallpatienten betraut; in nur
10% aller Einsätze ist er ersteintreffendes Rettungsmittel. Eine Transportfrequenz von über 50% und
ein Anteil von 53% „chirurgischer Notfälle“ an allen
Alarmierungen und Einsätzen des Hubschraubers
dokumentiert jedoch gut die überdurchschnittliche Einbindung in die Traumanetzwerkstrukturen.
Im Großschadensfall kann in wenigen Minuten eine zweite Trage zum Transport von zwei schwerstverletzten Patienten eingebaut werden.
(Fotos: Team Chr.2)
Neben diesem „Tagesgeschäft“ des Luftrettungsdienstes existieren in Frankfurt Konzepte für
den Einsatz in so genannten Großschadenslagen,
bzw. beim Massenanfall von Verletzten (MANV).
Das im Folgenden skizzierte Konzept zeigt
einen möglichen Einsatz des ZSH als sinnvolle Ergänzung bei einer MANV-Lage. Hierdurch können in
kurzer Zeit Patienten in überregionale Traumazentren oder Spezialkliniken (z.B. Verbrennungszentren) transportiert werden. Innerhalb weniger Minuten ist es möglich, den ZSH umzurüsten, so dass er
in einer Großschadenslage auch als Transporthubschrauber genutzt werden kann.
Ähnlich wie beim bodengebundenen Rettungsdienst hält der Katastrophenschutz in Hessen
auch in den Luftrettungszentren einen so genannten MANV-Container mit erweiterter Materialausstattung vor. In diesem Container (Zarges-Box) steht
Material für bis zu 50 Patienten (Infusionen, Medikamente sowie dazugehöriges med. Equipment) zur
Diese MANV-Box kann bei entsprechender
Nachforderung sicher und schnell im ZSH montiert
werden. Die im Hangar aufbewahrte Zarges-Box
wird im Bedarfsfall einfach gegen die sonst im ZSH
montierte baugleiche Box ausgetauscht, in der zusätzliches Material wie ein Beckengurt, Laken, Decken u. ä. transportiert wird. Bei schnell erreichbaren Einsatzstellen ist es denkbar, dass der Pilot nach
Absetzen der Medical-Crew an das LRZ zurückfliegt
und den „MANV-Nachschub“ holt. Die Einsatzfähigkeit des ZSH ist durch den Austausch der Zargesboxen nicht gefährdet, da hier lediglich Zusatzmaterial verlastet ist. Die ständige Mitnahme der MANVBox ist vor allem aus Gründen der Gewichtsreduktion, aber auch zum Schutz der Medikamente vor
Temperatureinflüssen nicht sinnvoll.
Eine weitere Möglichkeit im Großschadensfall ist die Aufrüstung für eine erhöhte Transportkapazität von zwei schwerstverletzten Patienten. In
wenigen Minuten kann eine zweite Trage eingebaut
werden. Einsatzzweck dieser Variante ist die Erhöhung der überregionalen Transportkapazität von
Verletzten. Notarzt und Rettungsassistent agieren
vor Ort als Rettungsteam, Hauptaufgabe ist jedoch
die Übernahme von zwei unter Umständen schwer
verletzten Patienten, um sie in weiter entfernte
Versorgungseinrichtungen zu transportieren.
Durch das mitgeführte zweite mobile Beatmungsgerät ist sogar der Transport von zwei beatmungspflichtigen Patienten denkbar. Die Aufrüstung der Maschine mit 4 Sitzen und zwei Tragen ist
zwar theoretisch auch möglich, wegen der gewichtsbedingten Leistungsbeschränkung und Reduktion des Einsatzradius aber nicht sinnvoll.
Im Regelfall wird der Zivilschutz-Hubschrauber Christoph 2, wie jeder andere Rettungshubschrauber, entsprechend den Anforderungen für
einen Notarzteinsatz ausgerüstet — eine Erweiterung um die Modalität „Trauma im MANV“ wird
hoffentlich nie zum Einsatz kommen müssen.
„HiK“ — Zusammenarbeit der
Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz
tragter des ASB Rheinland-Pfalz, die Entscheidung
zur Gründung der HiK.
Die Arbeitsgemeinschaft befasst sich heute
im Wesentlichen mit der engeren Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen in Rheinland-Pfalz im
Rahmen der Planung und Neustrukturierung des
Katastrophenschutzes. Gerade für kleinere Organisationen wie den Arbeiter-Samariter-Bund sind dadurch die Möglichkeiten der Mitgestaltung des
überörtlichen Katastrophenschutzes entscheidend
verbessert worden, z. B. hat die HiK unlängst eine
neue Katastrophenschutzkonzeption erstellt und
war wesentlich an der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz im Hinblick auf die zunehmende
Gefahr terroristischer Anschläge beteiligt. Auch in
den verschiedenen Arbeitskreisen der Landesregierung im Bereich der Inneren Sicherheit bringen
die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft ihr Fachwissen ein. So vertritt z. B. der ASB die HiK in verschiedenen Arbeitsgruppen zum Thema Digital-
Ende 2006 haben sich die rheinland-pfälzischen Sanitätsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst und
Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft zur
der Hilfsorganisationen
Rheinland-Pfalz (kurz:
HiK-RLP) zusammengeschlossen. Eine bundesweit bisher einmalige
Die Grundsteinlegung für die HiK erfolgte nach den positiven Erfahrungen der
im Rahmen der sanitätsdienstlichen Betreu- Im Schadensfall entlastet die Leitungsgruppe die Kräfte vor Ort insbesondere durch rückwärtige,
einsatzunterstützende und koordinierende Maßnahmen...
ung der Fußball-WM
(Foto: G. Reiter)
„Wir alle haben während des WM-Einsatzes soviel positive Synergieeffunk oder in der Arbeitsgruppe Gesundheit im Profekte in unserer Arbeit feststellen können, dass es nur jekt Operativ Taktische Unterstützung (Optau) des
logisch war, diese organisationsübergreifende ZuLandes Rheinland-Pfalz.
Die nun anerkannte Leitungsgruppe der HiK
sammenarbeit dauerhaft weiterzuführen.“, komstellt gewissermaßen ihr operatives Organ im Großmentiert Georg Kegel, überregionaler KatS-Beauf-
schadensfall dar. Ihre erste Bewährungsprobe hatte
die Leitungsgruppe bei der Impfaktion der sog.
Schlüsselgruppen im Bereich der nichtpolizeilichen
Behörden mit Sicherheitsaufgaben (BOS) gegen
das H1N1-Virus („Schweinegrippe“). Im Auftrag des
rheinlandpfälzischen Ministeriums des Innern und
für Sport (ISM), in Kooperation mit dem Ministerium
für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen
(MASGFF) wurde die Leitungsgruppe der Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz mit der Organisation der Impfung der Helferinnen und Helfer des
Katastrophenschutzes der Feuerwehren und des
THW beauftragt. Dabei konnte auch Ärztinnen und
Ärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern
sammenarbeit im Vorfeld sowie der reibungslose
Ablauf am Impftag selbst.
Hauptaufgabe der HiK-Leitungsgruppe sind
jedoch nicht weit im Vorfeld planbare Einsätze wie
die vorbeschriebene Impfaktion, sondern eher der
plötzlich eintretende Großschadensfall mit überregionalem Ausmaß. In der organisatorischen Begleitung von Katastropheneinsätzen und im Konfliktfall sowie bei behördlich angeordneten Übungen zu diesen Szenarien kann die Leitungsgruppe
ihre Synergieeffekte optimal nutzen. So liegen die
Aufgaben der Leitungsgruppe im Einsatzfall darin,
den jeweilig verantwortlichen Einsatzleiter zu beraten und Entscheidungen vorzubereiten. Sie versteht sich dabei primär
als Dienstleister für die
Verbände vor Ort. In
ihrer selbst gegebenen
Einsatzstruktur nimmt
rückwärtig insbesondere unterstützende und
koordinierende Aufgaben wahr.
Durch die Einrichtung der HiK-Leitungsgruppe wurde eine zentrale und übergreifende
Beratungs-, Informations- und Organisationsplattform der Hilfsorganisationen in Rheinland-Pfalz geschaffen.
Den Aufgabenträgern
Der ASB-Kreisverband Worms/Alzey koordiniert und organisiert die Impfung gegen
wird damit im Bereich
H1N1 der Schlüsselgruppe „BOS“ im Bereich der Stadt Worms.
(Foto: M. Steil)
des KatS eine gemeinsame, professionelle Aninkl. Praxispersonal landesweit ein entsprechendes
laufstelle in Bezug auf das verbandseigene ResImpfangebot gemacht werden. Die Leitungsgrupsourcenmanagement und die Kommunikation bei
pe organisierte dabei die Einrichtung von regionaSchadensfällen mit überregionalem Ausmaß
len Impfstellen in ganz Rheinland-Pfalz und versowie Großübungen zur Verfügung gestellt.
sorgte diese auch fortlaufend mit den aktuellen InHierdurch sollen künftig Reibungsverluste
formationen aus dem ISM und MASGFF.
minimiert, Informationen besser und schneller ausDer ASB zeichnete hierbei zusammen mit dem getauscht sowie die Zusammenarbeit im Einsatzzuständigen Gesundheitsamt verantwortlich für die und/oder Übungsfall weiter optimiert werden.
Die klassischen Einsatzgebiete umfassen beilokale Koordination und Ausführung der Impfunspielsweise den Sonderalarm Rettungsdienst, den
gen im Bereich der Stadt Worms. Weitere Termine
Einsatz von Zentralen Einheiten der Hilfsorganisakönnen der Bedarfslage entsprechend folgen. Von
tionen, so z. B. der ASB Task-Force-Einheit Rheinallen Seiten gelobt wurde auch hier die gute Zu-
land-Pfalz (Süd), überregionale Großveranstaltungen, extreme Hochwasserlagen, überregionale
Im Einsatzfall wird die Leitungsgruppe über
ihre Führung alarmiert, je nach Alarmierungsstufe
teilweise oder vollständig. Im Regelfall wird die Tätigkeit in den Räumen der Leitungsgruppe in Mainz
aufgenommen. Unabhängig von der ausgelösten
Alarmstufe erfolgt über die Aufnahme der Tätigkeit
der Leitungsgruppe
eine umgehende Information an die nachund übergeordneten
Gliederungen der Mitgliedsorganisationen
der HiK. Der ASB Rheinland-Pfalz hat seine landesweiten, überregionalen Alarmpläne für
den Großschadensfall
bereits an diese Strukturen angepasst. In der
Servicezentrale beim
ASB-Kreisverband Zweibrücken, die 365 Tage
im Jahr rund um die
Uhr mit entsprechenden Fachkräften besetzt ist, besteht die Möglichkeit, mittels modernster Kommunikationstechnologie die jeweiligen
ASB-Führungskräfte zu alarmieren. Aktuell stellt der
ASB Rheinland-Pfalz vier entsprechend ausgebildete KatS-Einsatzkräfte der Leitungsgruppe für den
Bereich S3 (Einsatz) zur Verfügung.
Der Aufbau der Leitungsgruppe ist analog den
Führungsgrundlagen und -grundsätzen der DV 100
gegliedert. Dadurch ist ein gemeinsames, koordiniertes Handeln von Behörden und Dienststellen in
unmittelbarer Verantwortung in der Gefahrenabwehr sichergestellt. Der Einsatz der Leitungsgruppe
erfolgt in Abhängigkeit von der Größe des Schadensereignisses in bis zu vier Stufen. Die einzelnen
Stufen bauen dabei aufeinander auf, sodass immer
eine der Lage angepasste Besetzung gewährleistet
ist. Dabei ist der Übergang zwischen den einzelnen
Stufen fließend; eine genaue Abgrenzung ist zugunsten größtmöglicher Flexibilität nicht vorgesehen.
Die Leitungsgruppe nimmt ihre Aufgaben zielorientiert wahr.
• Leitungsgruppe in der Stufe A
- Leitung und Führung nur durch die Landesbereitschaftsleitung (LBL) und den zuständigen
• Leitungsgruppe in der Stufe B
- Leitung und Führung durch die LBL und den
AL mit dem Führungskern
• Leitungsgruppe in der Stufe C
AL mit der gesamten Leitungsgruppe
• Leitungsgruppe in der Stufe D
- Leitung und Führung durch die LBL und den AL
mit der gesamten Leitungsgruppe und den
dem Bundesland Rheinland-Pfalz durch die überregionale Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen
in der HiK ein gemeinsamer Ansprechpartner zur
Verfügung steht, der mit seiner Leitungsgruppe ein
weiteres effizientes Tool zur optimalen Bewältigung von Großschadenslagen im überregionalen
Katastrophenschutz bereithält.
Referent Rettungsdienst und
Erster THW-Gerätekraftwagen
Der Prototyp der neusten Generation des Gerätekraftwagens I (GKW I) des Technischen Hilfswerkes
(THW) hat seine Testfahrten erfolgreich bestanden.
Gerätekoffer des Prototyps verlastet war. Nur einige
Verriegelungen haben den Test nicht unbeschadet
überstanden und müssen nachgebessert werden.
Das Fahrgestell mit Automatikgetriebe, ein Mercedes-Benz Axor 1829, hat seine Bewährungsprobe
ebenfalls bestanden. Unter extremen Bedingungen
kam der GKW auf dem matschigen Erdboden mühelos voran.
Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der in
jedem THW-Ortsverband mindestens einmal vorhandenen 1. Bergungsgruppe stellen auch das Fahrzeug der Gruppe vor große Belastungen. Deshalb
wird jede neue Generation an Gerätekraftwagen vor
dem Start der Serienfertigung umfangreichen
Größte Stückzahl in
Der Gerätekraftwagen vom Modell
Axor bedeutet nicht nur
die THW-Premiere für
den Feuerwehr-Fahrzeugbauer Rosenbauer,
sondern mit der Option
auf die Anschaffung
von insgesamt 170 Einheiten auch die größte
Stückzahl in der Firmengeschichte. Anders als
beim GKW von MAN
tritt diesmal nicht der
Fahrgestellhersteller,
also Mercedes-Benz, sondern der Aufbauhersteller Rosenbauer gegenGeländefahrt: Den aufgeweichten Untergrund, zerpflügt durch Panzer der Bundeswehr,
dem THW als Gebewältigt der neue GKW I problemlos.
neralunternehmer auf.
Zwei Tage lang haben Fachleute des THW und Ver- der neuen Fahrzeuggeneration stammt aus der Setreter der Hersteller Rosenbauer und Mercedesrienfertigung von Mercedes. Das Fahrerhaus wird
Benz Anfang Dezember auf den Versuchsstrecken
anschließend mit einem Aluminiumbauteil zu einer
der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr Gruppenkabine mit neun Sitzplätzen verlängert.
in Trier dem Mercedes-Benz Axor vieles abverlangt.
Außerdem wird ein verkleideter und lackierter RohAuch nach zahlreichen Fahrten über Pflasbaukoffer mit Rollläden aufgesetzt. Der Innenaustersteine, Bodenwellen und Schotterpisten zeigte
bau des Gerätekoffers und die Endmontage der Kasich, dass die umfangreiche Ausstattung sicher im
bine erfolgen dann durch Rosenbauer.
Kabine optisch nicht aus einem Guss
Zeitplan begonnen. Das Fahrzeug wurde mit Gerät
Der Anschluss an das handelsübliche Axorbestückt und stellte Anfang Dezember auf der TestFührerhaus erfolgt aber nicht bündig. Anders als
strecke der Bundeswehr unter Beweis, was es leisbeim GKW von MAN ist
die Verlängerung optisch zu sehen. Das sei
bei Rosenbauer so handelsüblich, heißt es zur
Begründung. Deutlich
wird dabei, dass das
Mercedes-Führerhaus
besonders im oberen
Bereich schmaler ist als
die bisherige Kabine.
Der Grundrahmen des Gerätekoffers
ist verschweißt, die Inneneinrichtung besteht
aus System-Profilen für
variable Fächer. Gegenüber dem bisherigen
Aufbau ändert sich kaum
etwas: die Maße bleiben, das Innenleben ist
ähnlich aufgebaut und
die Aufteilung der Fächer bleibt nahezu unverändert. Mit zwei
Schotterpiste: Nicht geschont wird der 286 PS starke Axor, der mehrmals die vier Kilometer lange
Ausnahmen: Der ausSchotterstrecke umrundet.
klappbare Werkzeugschrank ist nur noch
halb so hoch und der Verkehrssicherungssatz wan- ten kann. Anschließend folgte eine vierwöchige Erprobung in einem THW-Ortsverband. Alle gewondert von der Fahrer- auf die Beifahrerseite.
Während sich hinter den Rollläden nicht viel nenen Erkenntnisse fließen schließlich in die Serienproduktion ein.
verändert, erfährt der Gerätekoffer an seinem obeFür das Jahr 2010 ist die Produktion von 43
ren Heckende zwei markante Neuerungen. So entfällt das angesetzte Einzelblaulicht. Dieses wird erGerätekraftwagen zum Gesamtpreis von rund neun
setzt durch zwei blaue Blitzer, die in den Ecken der
Millionen Euro in Auftrag gegeben worden. In den
Dachgalerie integriert sind. Über dem Heckgeräte- folgenden beiden Jahren sehen die Planungen die
Beschaffung von insgesamt 66 Fahrzeugen vor.
raum sind fünf gelbe Warnblitzleuchten angeStefan Schumacher
bracht. Dabei handelt es sich aber nicht um eine
steuerbare Verkehrsleitanlage. Die zusätzlichen
Leuchten sind mit der normalen Warnblinkanlage
des Fahrzeugs gekoppelt.
Nachdem der Axor Mitte November dem
THW übergeben worden ist, hat ein strammer
Küste neu organisiert
Die DLRG hat den Zentralen Wasserrettungsdienst
an den Küsten (ZWRD-K) neu organisiert. Seit Januar 2010 übernimmt der DLRG-Bundesverband die
Das neue Konzept wird die Sicherheit der Urlauber an den Stränden von
Nord- und Ostsee weiter verbessern.
Gesamtorganisation des ZWRD-K und unterstützt
so die Küstenlandesverbände.
Im DLRG-Bundeszentrum in Bad Nenndorf hat
eine neu geschaffene Koordinierungsstelle die Arbeit aufgenommen, die die Bewerbungen und den
Einsatz von Rettungsschwimmerinnen und –schwimmern, deren Qualifizierung sowie perspektivisch
die Bereitstellung der Ausstattung und den Betrieb
von Wasserrettungsstationen organisieren wird.
Die DLRG sucht noch Rettungsschwimmerinnen und –schwimmer vor allem für die Vorsaison
von Mai bis Juni 2010. Voraussetzungen für die
Teilnahme sind ein Mindestalter von 16 Jahren, der
Besitz des Rettungsschwimmabzeichens Silber und
die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Lehrgang, der
nicht länger als drei Jahre zurückliegt.
Interessenten, die sich für die Vor-, Hauptoder Nachsaison 2010 zum ZWRD-K anmelden möchten, richten ihre Bewerbung an die DLRG-Bundesgeschäftsstelle, Stichwort Bewerbung ZWRD-K, Im
Niedernfeld 2, 31542 Bad Nenndorf.
Wer seine vorläufige Bewerbung online abgeben möchte, sendet diese an die E-Mail-Adresse
[email protected] oder wählt das in Kürze online gehende Bewerbungsportal unter
http://zwrd.dlrg.de/.
Fragen zum Einsatz im Zentralen Wasserrettungsdienst Küste beantworten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zentralen Koordinierungsstelle unter der Rufnummer 05723-955450.
Gefahrenanalysen sind Bestandteil der
neuen Konzeption
„Aufbauend auf den seit Jahrzehnten bewährten Strukturen der DLRG-Küstenlandesverbände
wollen wir mit ihnen auf der Basis eines gemeinsam
entwickelten neuen Konzeptes die Sicherheit der
Urlauber an den Stränden von Nord- und Ostsee weiter verbessern“, so DLRG-Präsident Dr. Klaus Wilkens.
Um die Zusammenarbeit mit den Gemeinden
und Kurverwaltungen zu optimieren und das erweiterte Angebot umzusetzen, werden zukünftig
Abschnittsleiter die Rettungsschwimmer regional
unterstützen. Die Einsatzleiter der Landesverbände
nehmen weiterhin die operative Gesamtverantwortung für ihr jeweiliges Bundesland wahr.
„Ein zentraler Bestandteil ist zukünftig die
Durchführung von Gefahrenanalysen (Risk Assessments) an den Badestellen. Diese internationalen
Gutachten mit dem Zertifikat Lifeguarded Beach/Bewachter Strand tragen zu mehr Sicherheit und Information der Badegäste bei“, benennt der DLRGPräsident einen neuen Eckpunkt der Konzeption.
Der DFV ist seit Januar 2008 als erster Spitzenverband in Brüssel präsent: Die Vertretung der
deutschen Feuerwehren bei der Europäischen Union
beschäftigt sich mit der Bildung von Netzwerken,
Informationsgewinnung, Beratung sowie der Vermittlung der Besonderheiten des flächendeckenden
Brandschutzes in Deutschland. Bereits seit einiger
Zeit gibt es eine enge Zusammenarbeit des DFV mit
dem Österreichischen Bundesfeuerwehrverband.
Auch mit dem Französischen Feuerwehrverband besteht ein reger Erfahrungsaustausch.
Zusammenarbeit, Kontaktarbeit und InteFeuerwehr-Plattform auf
ressensabstimmung
— diese Themen bilden einen
EU-Ebene initiieren
weiteren Schwerpunkt bei einer Feuerwehr-Fachtagung Mitteleuropa. Diese für alle Feuerwehr-FühFeuerwehr-Führungskräfte aus allen europäischen rungskräfte und Multiplikatoren offene VeranstalLändern sind die Zielgruppe eines Spitzentreffens,
tung ergänzt das Spitzentreffen der Feuerwehren.
das im Rahmen des 28. Deutschen Feuerwehrtages
„Wir sind froh, mit Leipzig einen Veranstal2010 in Leipzig stattfinden wird. „Wir wollen eine
tungsort zu haben, der sich durch seine Lage mitten in Europa sowie die
Tradition als europäischer Messestandort für
derartige länderübergreifende Treffen geradezu anbietet“, erklärt
Kröger, der sich auf eine
hohe Beteiligung aus
ganz Europa freut. Auch
der Weltfeuerwehrverband CTIF nutzt den
Rahmen des 28. Deutschen Feuerwehrtages
für seine Delegiertenversammlung. Vertreter
der 46 Mitgliedsländer
tagen dann in Leipzig.
DFV-Präsident Kröger
Bei der Eröffnung des „Europabüros“ in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel im Januar 2008 (v. li.):
der Weltleitmesse InDFV-Vizepräsident Ralf Ackermann, Landrat Peter Walter (Kreis Offenbach), Staatssekretärin
terschutz, die vom 7. bis
Oda Scheibelhuber, DFV-Präsident Hans-Peter Kröger, Minister Volker Hoff.
(Foto: Silvia Darmstädter/DFV)
12. Juni 2010 auf der
Leipziger Messe ebenständige Vertretung der Feuerwehrorganisationen falls ein internationales Publikum anlockt — allein
die Aussteller kommen aus mehr als 40 Ländern.
in der EU initiieren, um die gemeinsame InteresSilvia Darmstädter
senvertretung zu stärken“, erklären Hans-Peter
Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) und sein ständiger Vertreter, Vizepräsident Ralf Ackermann.
der Bundeswehr im Inland
Als eine der wesentlichen Grundlagen für die Unterstützung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr
durch das Deutsche Rote Kreuz gilt nach wie vor
das Erste Genfer Abkommen vom 12. August 1949
zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und
Kranken der bewaffneten Kräfte im Felde.
Hiernach sind Angriffe auf sanitätsdienstliche
Einrichtungen wie Lazarette und Krankenhäuser,
die unter dem Schutz eines der Schutzzeichen der
Konvention stehen, streng verboten (Artikel 19 bis
23), ebenso Angriffe auf Hospitalschiffe, die von Land
aus erfolgen. Gleiches gilt für Angriffe auf Personen, die ausschließlich mit der Suche, der Rettung,
dem Transport und der Behandlung von Verletzten
beauftragt sind (Artikel 24) sowie für Angehörige
der anerkannten nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften und anderer durch ihre
Regierung anerkannten Hilfsorganisationen, die
analog dazu tätig sind (Artikel 26). Die in Artikel 24
und 26 benannten Personen sind bei Gefangennahme nur solange in Gewahrsam zu halten, wie es
die Versorgung von Kriegsgefangenen notwendig
macht, und andernfalls unverzüglich zu entlassen
(Artikel 28).
Im Zusammenhang mit der Neufassung des
„DRK-Gesetzes“ vom 5.12.2008 wurde in verschiedenen Gesprächen, unter anderem zwischen dem Generalinspekteur der Bundeswehr und dem Präsidenten des DRK, bzw. zwischen dem Inspekteur des Sanitätsdienstes und dem DRK–Bundesarzt, eine wieder engere Kooperation von DRK und Sanitätsdienst
der Bundeswehr vereinbart. Die Idee, sozusagen
als Pilotprojekt, eine Modulare Sanitätseinrichtung
der Bundeswehr gemeinsam aufzubauen, geht
hierbei auf eine Weisung vom August 2008 zurück.
DRK und Bundeswehr teilen dabei bereits
heute die Maxime, dass Verwundeten, Verunfallten
oder Erkrankten auch außerhalb ortsfester Einrichtungen eine medizinische Versorgung zuteil werden
muss, die im Ergebnis den deutschen fachlichen
Hierbei ist im Sanitätsdienst der Bundeswehr
das Lazarettregiment 41, durch seine auch im Alltag in Deutschland bereits erprobte Fähigkeit zur
Unterstützung ziviler Einrichtungen, wie dem Klinikum Konstanz, eine ideale Gegenstelle für das DRK
zur Durchführung des oben genannten Pilotprojekts.
Auftrag, Fähigkeiten und ausgesuchte Bereiche der Weiterentwicklung des Sanitätsdienstes
der Bundeswehr waren Gegenstand des Einführungsvortrages, mit dem den angereisten Kräften des
DRK zunächst ein realistisches Bild vom Leistungsspektrum des Bundeswehrsanitätsdienstes vermittelt wurde. Im Mittelpunkt stand dabei das ineinander greifende, sich ergänzende System von verlegefähigen Sanitätseinrichtungen der Ebenen 1 bis 3
(Rettungsstation, Rettungszentrum und Einsatzlazarett). Dabei wurde vor allem auf den Aspekt eines
gemeinsamen Einsatzes unter Inland-Bedingungen
abgehoben. Die anschauliche Schilderung eines
konkreten Einsatzes eines Luftlanderettungszentrums, leicht, in Nord-Afghanistan unter den dort
herrschenden Einsatzbedingungen rundete die Präsentation des Bundeswehrsanitätsdienstes ab.
Als pragmatischer Einstieg in die Systematik
der Behandlungsebenen des Sanitätsdienstes der
Bundeswehr war im Vorfeld durch den Kommandeur
des Lazarettregiments 41 in Abstimmung mit Vertretern des DRK–Landesverbandes Baden–Württemberg die Behandlungsebene 1 ausgewählt und in
Form einer Modularen Sanitätseinrichtung (MSE) –
Rettungsstation in das gemeinsame Pilotprojekt
In ihr erfolgt die Sichtung der Patienten, die
allgemein- und notfallmedizinische Erstversorgung
sowie die Herstellung der Transportfähigkeit und
ggf. die Einleitung weiterer Maßnahmen. Die Rettungsstation wird von Truppenärzten, die grundsätzlich über die Qualifikation Rettungsmedizin verfügen, Rettungsassistenten und weiterem nichtärztlichen Sanitätspersonal in Gruppenstärke betrieben. Abhängig vom Einsatzszenario wird die Rettungsstation als Modulare Sanitätseinrichtung oder
als Luftverlegbare Sanitätseinrichtung betrieben.
Ausgehend von einem Massenanfall von Verletzten im Rahmen eines Anschlagszenarios mit
mehreren Hundert Verletzten und des Zusammenbruchs der Infrastruktur (Verkehrswege, Stromversorgung sowie Kommunikationssystem) wird die
Aufnahmekapazität des regionalen Gesundheitswesens absehbar über mehrere Tage überlastet
sein, lautete die Grundannahme für das gemeinsame Üben.
Der Sanitätsdienst der Bundeswehr erhält in
diesem Zusammenhang den Auftrag, mit regional
dislozierten Sanitätseinrichtungen in zugewiesenen
Einsatzgebieten die Primär- und Anschlussversorgung von verletzten, verunfallten oder erkrankten
Zivilisten mit dem Ziel, nicht vorhandene bzw.
überlastete Behandlungskapazitäten des regionalen
Gesundheitswesens zu ersetzen bzw. zu verstärken.
Das als Leitverband bestimmte Lazarettregiment 41 hatte dazu vorgesehen, umgehend an den
Einsatzort zu verlegen und zunächst zwei Rettungsstationen zur Sichtung und notfallmedizinischen
Erstversorgung, sowie ein Rettungszentrum zur fachärztlich–chirurgischen Anschlussversorgung einzurichten und zu betreiben.
Zusätzlich stellte sich das Regiment darauf
ein, weitere MSE–Module sowie Patiententransportraum an den Einsatzort zu verlegen. In der Durch-
führungsziffer der Befehlsgebung war an dieser
Stelle die personelle Unterstützung durch DRK-Bereitschaften zur Steigerung der Durchhaltefähigkeit / Schichtfähigkeit vorgesehen.
Der praktische Aufbauanteil setzte dann
auch dort an, wo nach den Einsatzgrundsätzen des
Bundeswehrsanitätsdienstes die erste Versorgung
in einer Sanitätseinrichtung vorgesehen ist, an der
Rettungsstation. Etwa 30 DRK–Angehörige aus dem
Landesverband Baden–Württemberg (Vertreter von
Haupt- und Ehrenamt) sowie Vertreter des Bundesverbandes erhielten eine praktische Einweisung in
die verschiedenen Komponenten der Rettungsstation. Technische Details der Versorgungspalette
wurden dabei ebenso eingehend erörtert wie der
Aufbau des zugehörigen luftgestützten Zeltes.
Die Kriterien für den Aufbauplatz, die Nutzbarkeit vorhandener Infrastruktur, die gute Zugänglichkeit insbesondere für Sanitätskraftfahrzeuge oder der eigene Hubschrauberlandeplatz
waren durch die Nutzung einer militärischen Liegenschaft gegeben. Daher ergaben sich realistische Bedingungen für den Aufbau.
Die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten,
sowie auch die DRK–Vertreter zeigten sich engagiert
und legten motiviert Hand an.
Schnell entstand eine enge Zusammenarbeit
im Sinne des gemeinsamen Auftrages, möglichst
rasch eine Rettungsstation einzurichten und zu betreiben.
Die für die DRK–Vertreter zunächst unbekannte materielle Ausstattung stellte schon nach kurzer
(Eingewöhnungs-) Zeit kein Hindernis mehr dar.
Mit großem Elan wurden die Ausführungen und Anweisungen der Ausbilder der Bundeswehr befolgt
Der Abend in Horb am Neckar, gemeinsam
in dem freundlichen Ambiente der Hohenberg–Kaserne, bot dann auch reichlich fachlichen Gesprächsstoff. Aber auch der gemeinsame Austausch
über persönliche Lebenserfahrungen bzw. über organisationsspezifische Merkmale führte bei allen
Teilnehmern zu einem besseren Verständnis für den
jeweils Anderen und machte überzeugend deutlich, dass die Ernsthaftigkeit einer Aufgabe und die
gute Stimmung der Beteiligten eine hervorragende Kombination ergeben.
Am Folgetag wurde dann getreu des militärischen Mottos „Vormachen – Erklären – Nachmachen – Üben“ das bereits Erlernte selbständig
Der Kommandeur des Lazarettregimentes 41,
Dr. Wolfgang Kaiser und der Teamleiter Bevölkerungsschutz und Rettungswesen des DRK-Generalsekretariats, Frank Jörres, konnten am Ende der
beiden Tage ein sehr positives Resümee der gemeinsamen Übung ziehen und viele neue Impulse mitnehmen.
ist. Was der 19-jährige Helge Semrau wollte, hat er
2009 erreicht. Ein junger Mann, der genau weiß, wo
es hingehen soll.
Im Grunde verdankt Helge Semrau seine
steile Karriere in der Johanniter-Jugend seinem gequetschten, blutenden Finger. Schuld war ein Sportunfall in der fünften Klasse. Letztlich auch nur dadurch kam der junge Kieler darauf, was er einmal
beruflich machen will. „Die beiden Schulsanitäter
der Johanniter-Jugend, die mich damals verbunden
Erfolgserlebnis auf der Intensivstation.
Junger Mann mit Plan
Helge Semrau von der Johanniter-Jugend
Männlich, ledig, jung sucht ... Verantwortung in der
Johanniter-Jugend und einen sozialen Beruf, der
mit dem Lieblingshobby „Johanniter“ gut vereinbar
haben, müssen schon einen starken Eindruck auf
mich gemacht haben“, erinnert sich der 19-Jährige.
„Im Jahr 2000 kam ich zur Johanniter-Jugend
— seitdem weiß ich, dass ich beruflich etwas mit
Medizin und Kindern zu tun haben will“, sagt er bestimmt. Schnell war er damals Leiter des Schulsanitätsdienstes seiner Schule, wurde Jugendgruppenleiter, Orts-Jugendleiter der Johanniter-Jugend und
schließlich in die Landesjugendleitung gewählt —
und das sollte es noch nicht gewesen sein. Zielstrebig ging Helge Semrau auch beruflich vor. Im April
2009 begann der ehemalige Gymnasiast seine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger im Städtischen
Krankenhaus Kiel. „Die Frühchen auf der Intensivstation zu hegen und zu pflegen und sie dann stark
und gesund wieder zu verabschieden — das ist be-
sonders toll“, sagt er. Sein Freiwilliges Soziales Jahr
hatte er zuvor in der Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert. Schwere Fälle fordern ihn heraus.
Dass er in seiner Ausbildungsklasse der einzige Mann unter Frauen ist, stört ihn wenig. Rollenklischees interessieren ihn nicht. Von Fußball habe
er zwar keine Ahnung, den Akkuschrauber könne er
dagegen sehr wohl bedienen. Aber eindeutig zu
schade ist ihm die Zeit für: „Party und Saufen — was
soll ich damit?“
Durch sein frühes Engagement war Helge
Semrau schon mit 16 Jahren sehr verantwortungsbewusst und konnte wichtige Aufgaben, etwa bei
Kinderfreizeiten, übernehmen. „Das alles hat mich
vielleicht schneller reifen lassen“, vermutet der
Norddeutsche. Was ihn an der Johanniter-Jugend am
meisten fasziniert, ist das „einmalige Wir-Gefühl“.
Und vom gemeinsamen Diskutieren, Entscheiden
und Gestalten hat er noch lange nicht genug. „Gerade arbeiten wir intensiv am Strategieprozess. Da
bewegt sich was.“
neue ehrenamtliche Helfer bei den Johannitern soll
von Anfang an wissen, welche Ausbildungsmöglichkeiten er hat. Deshalb bekommt er künftig eine
Broschüre in die Hand, die ihm seine Bildungsmöglichkeiten in den unterschiedlichen Einsatzbereichen erklärt. Die Erfahrungen zeigen: Wer bei den
Johannitern ausgebildet wird, kann davon auch in
seiner hauptberuflichen Karriere profitieren.
Viele Johanniter bescheinigen, dass ihnen das
Ehrenamt vor allem Spaß macht, dass ihnen das
Eingebundensein in eine Gemeinschaft wichtig ist
und dass sie dadurch Rückhalt im Leben bekom-
„Hier ist jeder für den anderen da“
Ehrenamtliches, freiwilliges Engagement — darauf
bauen die Johanniter seit ihren Anfängen vor mehr
als 900 Jahren. Damals pflegten Johanniter-Ritter in
einer Herberge arme und kranke Pilger. Aus der
kleinen Herberge entstand bald ein großes Hospital.
Bis zu 2000 Menschen wurden hier medizinisch versorgt, mehr als 5000 Mahlzeiten täglich zubereitet.
Das Geld dafür stammte aus Spenden.
Heute unterstützen rund 280.000 ehrenamtliche Johanniter in der Johanniter-Unfall-Hilfe nicht
nur Pflegekräfte, sondern übernehmen ebenso
Verantwortung im Katastrophenschutz, im Sanitätsund Rettungsdienst, in der Hospizarbeit, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder in der Auslandshilfe. Die Helfer sind durchschnittlich 35
Jahre alt und engagieren sich oft in mehreren Bereichen.
Um Verantwortung wahrnehmen zu können,
brauchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter eine fundierte Ausbildung und eine gute Begleitung. Ausbildung und Begleitung — das sind Formen der Anerkennung ehrenamtlichen Engagements. Jeder
Katastrophenschutzübung am Starnberger See; um Verantwortung
wahrnehmen zu können, brauchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter
(Foto: Gerhard Bieber/JUH)
men. Ralf Bröenhorst, ehrenamtlicher Regionalvorstand der Johanniter in Minden, sagt: „Ich erlebe
bei meiner Arbeit, wie Hilfe direkt ankommt. Das
ist wunderbar.“ Der Harburger René Töpper, der
sich unter anderem im Katastrophenschutz und im
Sanitätsdienst engagiert, erklärt: „Mein Einsatz
macht mir Riesenspaß.“ Und Ramona Gast, die in der
Johanniter-Jugend im bayerischen Marktoberdorf
aktiv ist, meint: „Die Johanniter-Jugend ist meine
zweite Familie. Hier ist jeder für den anderen da.“
In den letzten Jahren ist der Bedarf an Strukturierung ehrenamtlicher Arbeit stark gewachsen.
Die Johanniter haben sich darauf eingestellt. So
wird es künftig in jedem Verband — auch auf Kreisebene — Ehrenamtskoordinatoren geben, die helfen und beraten.
Hilfe zur Selbsthilfe in der Karibik
Johanniter sorgen vor und bilden aus
Palmen, Sonne, Strand — das verbinden viele mit der
Karibik. Doch die Region gehört zu den größten Risikogebieten der Welt, was Wirbelstürme und andere Naturkatastrophen angeht. Nach den heftigen
Stürmen 2008 konnten Helfer die Verletzten erst
nach Tagen erreichen. Die Johanniter haben daher
gemeinsam mit ihrer Schwesterorganisation St. John
Ein Erste-Hilfe-Training ist Teil der Ausbildung in Katastrophenvorsorge.
Ambulance ein Projekt gestartet, das Menschen in
der Region auf Naturkatastrophen vorbereitet und
in Erster Hilfe schult.
„Eine schnelle Reaktionsfähigkeit kann im
Fall einer Naturkatastrophe Leben retten“, betonte
Ronald Jackson vom Amt für Katastrophenhilfe
und -vorsorge im Sommer 2009 in Jamaika bei einem
Arbeitstreffen von sieben lokalen St. John-Organi-
sationen. „Es liegt in unserer Verantwortung, es den
Menschen vor Ort zu ermöglichen, sich auf eine
Katastrophe vorzubereiten — und dafür zu sorgen,
dass sie sich im Ernstfall gegenseitig helfen können“,
so Jackson weiter. Die Johanniter, die britische St.
John Ambulance und sieben nationale St. John-Organisationen der Karibik haben sich dieser Verantwortung gestellt.
Über einen Zeitraum von 19 Monaten werden
12 000 Menschen von Mitarbeitern der Ambulanzen
und internationalen Experten kostenlos darin geschult, wie man sich frühzeitig auf Katastrophen
vorbereitet. Zusätzlich finden Erste-Hilfe-Ausbildungen statt. Seit Beginn im Oktober 2009 wurden
mehr als 1270 Menschen ausgebildet.
Die lokalen St. John-Organisationen hatten
angeregt, ein für alle Inseln gültiges Handbuch zu
erstellen, das die Themen „Erste Hilfe“ und „Katastrophenvorsorge“ unter Beachtung lokaler Besonderheiten verständlich darstellt. Auch bei der Umsetzung dieser Idee unterstützten die Johanniter ihre
Schwesterorganisationen.
Meist sind es die Betroffenen selbst, die zuerst zur Stelle sind, um Nachbarn und Angehörigen
zu helfen. Deshalb nimmt ihre Ausbildung vor Ort
großen Stellenwert in der Katastrophenprävention
ein. Erfahrungen zeigen, dass bei einer ausreichenden Schulung der Bevölkerung in Katastrophenvorsorge und Erster Hilfe im Ernstfall wesentlich weniger Menschen zu Schaden kommen. Werden Wunden rasch versorgt, schützt das auch vor bleibenden Schäden.
Die an dem Johanniter-Projekt beteiligten
Staaten Antigua und Barbuda, Barbados, Dominica,
Grenada, Guayana, Jamaika und Saint Lucia werden
nicht nur von Wirbelstürmen, sondern regelmäßig
auch von Erdbeben, vulkanischen Aktivitäten und
Überschwemmungen bedroht. Damit gehören sie
weltweit zu den Hochrisikogebieten. Die Hilfe zur
Selbsthilfe, die die Johanniter bieten, wird dringend
gebraucht. Das Projekt wird maßgeblich vom Auswärtigen Amt finanziert.
letzten versorgten und Sanitätszelte aufbauten, in
denen die Verletzten behandelt wurden.
Üben unter extremen
Größte Katastrophenschutzübung der
bayerischen Malteser fand in
Anwesenheit des Großmeisters statt
Ein großer Tag für die bayerischen Malteser:
Am 14. September 2009 führten die Malteser ihre
größte Katastrophenschutzübung in Bayern auf
Schloss Maxlrain durch. Mehr als 150 Helferinnen
und Helfer aus allen bayerischen Diözesen, rund
50 Verletztendarsteller und über 50 Einsatzfahrzeuge waren im Einsatz, um ein Katastrophenszenario darzustellen. Und ein ganz besonderer Gast
war zugegen: Der Großmeister des Souveränen Malteser Ritterordens, Fra’ Matthew Festing, machte
bei seinem Deutschlandbesuch Station in Maxlrain.
Und das Szenario, das die bayerischen Malteser dem Großmeister boten, war beeindruckend:
Zwei Schulklassen machen einen Ausflug zum
Schloss Maxlrain. Eine Unwetterwarnung zwingt
die Gruppen, in einem Festzelt Unterschlupf zu suchen. Der anfängliche Regen entwickelt sich zu einem
handfesten Tornado, ein Teil des Zeltes stürzt ein,
mehr als 50 Personen werden teils schwer verletzt,
laufen in Panik umher oder suchen vermisste Angehörige. Das Szenario sah aus wie echt, waren die
„Schüler“, die von der Malteser Jugend und dem
Malteser Schulsanitätsdienst gespielt wurden, doch
mit realistisch aussehenden Verletzungen geschminkt. Dass es noch dazu stark regnete, machte
die Szene noch realistischer.
Aber die Helferinnen und Helfer wussten, was
zu tun war. Kurz nachdem der erste Sanitäter den
Schauplatz der Katastrophe begutachtet hatte, wurde ein Großschadensfall ausgerufen. Es dauerte
wenige Minuten, bis über 150 Helferinnen und Helfer mit rund 50 Fahrzeugen vor Ort waren, die Ver-
Dauerregen macht die Übung noch realistischer
„Katastrophen kann man nie vorhersagen,
aber man kann ihnen gut vorbereitet begegnen“,
erklärte der Einsatzleiter der Malteser in der Region
Bayern und Thüringen, Frank Drescher, nach der
Übung. Und die schweren äußeren Bedingungen
machten die Übung sehr realitätsnah. „Die Verletzten waren dem Regen ausgesetzt, und die Helfer hatten alle Hände voll zu tun, um die Situation
unter Kontrolle zu bekommen und die Unfallopfer
zu versorgen“, so der Einsatzleiter.
Die Situation war schwer zu erfassen. In und
um das eingestürzte Zelt lagen verletzte Personen.
Darüber hinaus liefen einige verletzte und verwirrte
Personen ziellos in einem angrenzenden Wald umher. Aber auch hier folgte die Rettung sehr schnell.
„Als die Helfern gewahr wurden, dass Personen
Die Katastrophenschutzübung der bayerischen Malteser in Maxlrain fand
im strömenden Regen statt.
(Foto: Wolf Lux)
fehlten, wurde die Rettungshundestaffel alarmiert“,
erläuterte Drescher. Die feinen Spürnasen auf vier
Beinen brauchten nicht lange, um die vermissten
Personen zu finden. Nach nur einer Stunde war
die Situation unter Kontrolle. Alle Verletzten waren
versorgt und in geheizten und trockenen Zelten in
Facheinheit „Information und
Kommunikation (IuK)“ im KatS
Katastrophenschutzbehörden sind bei der Abwehr
von Gefahren auf personell und materiell gut ausgestattete Einrichtungen der Führung angewiesen.
Naturkatastrophen und andere Schadensereignisse
haben in der Vergangenheit der fachübergreifenden
Kommunikation eine Schlüsselrolle in der Bewälti-
Mitglieder der Regieeinheit in der Einsatzleitung
beim Duhner Wattrennen.
gung von Schadenslagen zukommen lassen. Bereits
1970 hatte deshalb die Stadt Cuxhaven ihren Fernmeldedienst in eigener Regie aufgestellt. Mit der
Rücknahme der Bundesfinanzierung für Einheiten
und Einrichtungen der Führung und des Fernmeldedienstes wurden diese im Zuge der Neuausrichtung
der Aufgaben von vielen Kreisen und kreisfreien
Städten in eigener Trägerschaft (Regie) fortgeführt.
So hat die Stadt Cuxhaven in den neunziger Jahren
das Personal ihrer eigenständigen Technischen
Einsatzleitung, des Fernmeldezuges mit der Fernmeldezentrale HVB und eigenem Feldkabel-Bautrupp sowie der Beobachtungs- und ABC-Messstelle
(BAMSt) als behördliche Einheit in den Katastrophenschutz integriert. Umbenannt als „Katastrophenschutz Fernmeldedienst der Stadt Cuxhaven“ bewährte sich diese Einheit bei den schweren Sturmfluten von 1976 und der Schneekatastrophe Ende
der 70er Jahre, in dem sie organisationsübergreifend die fernmeldetechnischen Verbindungen der
eingesetzten Einheiten zur Katastrophen-Einsatzleitung herstellte und unterhielt. Nicht zuletzt diese
erfolgreichen Einsätze mögen die Stadt Cuxhaven
bewogen haben, diese Einheit nicht wie andernorts
in das DRK oder in Freiwillige Feuerwehren einzugliedern sondern als eigenständige kommunale Einheit beizubehalten. Die Stadt Cuxhaven hat ihre
Regieeinheit seither kontinuierlich ausgebaut und
2002 als Facheinheit „Information und Kommunikation“ neu konzipiert. Die Einheit versteht sich heute als „mediale“ Unterstützungseinheit im Führungs- und Kommunikationsbereich. Die Aufgaben
gehen dabei weit über die originären Fernmeldeaufgaben hinaus und umfassen eine technisch hochleistungsfähige Unterstützung von Führungsaufgaben über die verschiedensten Kommunikationswege. Sie ist mit ihren kombiniert in Modulen betriebenen Einsatztrupps organisationsübergreifender
Dienstleister für die Einsatzleitungen vor Ort. Die
IuK-Einheit baut technisch Fernmeldeverbindungen
analog und digital auf, unterstützt mit Sprechfunkverbindungen im 2m- und 4m-Band, mobilen Telefon-, Fax- und Internetdiensten und stellt Fachberater in Einsatzleitungen und Katastrophenschutzstäben. Weiterhin stellt sie das Personal für die modern ausgestattete Fernmeldezentrale der Stadt
Cuxhaven und unterhält u. a. die Verbindung zum
bei der Stadt angesiedelten Sturmflutlagedienst.
Für ihre Aufgaben stehen der IuK-Einheit folgende
Einsatzfahrzeuge zur Verfügung:
• ELW 1 als Einsatzfahrzeug für diverse Aufgaben
(z. B. Lotsentrupp, Lautsprecherfahrzeug)
• ELW 2 als mobile Technische Einsatzleitung
• Funkkraftwagen als Ergänzungsmodul zum ELW
2 mit technischem Equipment
• Fernsprechbaukraftwagen mit technischem
Equipment für mobilen Feldkabelbau
• Gerätebetriebskraftwagen als mobile Relaisstelle
und Materialwagen für den Feldkabelbautrupp
• Mehrere Anhänger, u. a. mit Notstromaggregaten
und Beleuchtungsgerät, um z.B. Einsatzleitungen
und ist damit auch in der Bevölkerung gut bekannt.
Ebenfalls in die örtliche Gefahrenabwehr eingebunden sind Helfer und Gerät in das MANV-Konzept
der Stadt Cuxhaven. Darüber hinaus stellt die IuKEinheit im Einsatzverbund für eine Rettungshundestaffel deren Kommunikation sicher. 2010 wird
im Bereich der Polizeidirektion Oldenburg (zuständige Aufsichtsbehörde für den Katastrophenschutz)
der Digitalfunk eingeführt. Die IuK-Einheit der
Die IuK-Einheit im Katastrophenschutz der Stadt Cuxhaven vor ihren Fahrzeugen bei einer gemeinsamen Übung mit der Bundeswehr.
(Fotos: ARKAD)
autark betreiben und den Betrieb der ortsfesten
Relaisfunkstellen für die örtlichen Hilfsorganisationen gewährleisten zu können.
Die Einheit bildet für alle Hilfsorganisationen
der Stadt Cuxhaven die BOS-Sprechfunker aus. Um
den Ausbildungsstand zu überprüfen, führt die Einheit regelmäßig örtliche Fernmeldebetriebsübungen für alle Fachdienste durch. Auch werden im
Zwei-Jahres-Rhythmus überregionale FernmeldeGroßübungen mit Teilnehmern aus mehreren
Bundesländern durchgeführt.
Der überwiegende Teil der Helfer ist mit Funkmeldeempfängern ausgestattet, die über die Leitstelle der Berufsfeuerwehr oder die Fernmeldezentrale ausgelöst werden können. Bei Einsatzlagen
unter der Katastrophenschwelle wird die Einheit z.
B. für Erkundungsaufgaben oder Lautsprecherdurchsagen eingesetzt. Bei Sturmfluten wird der
Sturmflutlagedienst durch Helfer der IuK-Einheit
besetzt. Die Einheit wirkte als mobile Einsatzleitung
bei Großveranstaltungen (z. B. Duhner Wattrennen oder 2004 beim „Tag der Niedersachsen“) mit
Stadt Cuxhaven erhält deshalb bereits Anfang 2010
die ersten TETRA-Geräte und beginnt mit dem
Testbetrieb und der Ausbildung der Sprechfunker
in der neuen Technik. TETRA (terrestrial trunked
radio) ist ein Standard für digitalen Bündelfunk. Mit
TETRA lassen sich Universalnetze aufbauen, über
die der gesamte Mobilfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben abgewickelt
Weiteren Einblick in ihre Facharbeit geben
die freiwilligen und ehrenamtlich tätigen Helfer
der Regieeinheit auf ihrer Web-Seite unter
http://www.fmiuk-cuxhaven.de
Benjamin Busch und Gerd Klemusch
Neue Ideen und Technologien für
einen modernen Bevölkerungsschutz
„5. Europäischer Bevölkerungs- und
Katastrophenschutzkongress“ in Bonn
Am 5. und 6.11.2009 ging es in Bonn auf diesem auch
vom BBK ausgerichteten Kongress um Zukunftspotenziale. IT-gestützte Simulationen, Digitalfunk,
Schutz Kritischer Infrastrukturen und Ehrenamt als
Basis eines funktionierenden Bevölkerungsschutzes bildeten einige der Kernthemen, die in diesen
Tagen mehr als 1.000 Teilnehmer aus dem In- und
Ausland interessierten.
Das BBK präsentierte zudem erstmalig das
neueste Produkt des Ausstattungskonzeptes für den
„Menschen gemeinsam schützen“ im Landtagsgebäude in Hannover eröffnet.
Im Frühjahr des Jahres hatte die Wanderausstellung Premiere im Deutschen Bundestag. Der
Niedersächsische Landtag ist nun das erste Landesparlament, das diese Ausstellung präsentiert.
Sie zeigt die Entwicklung des Bevölkerungsschutzes in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren und gibt Ausblicke in die Zukunft. Selbstschutz,
Trinkwasserversorgung und die Ergänzung des Katastrophenschutzes mit Fahrzeugen des Bundes
sind nur einige der aufgegriffenen Themen.
Exponate wie das Modell eines Zivilschutzhubschraubers und eine Trinkwasser-Gruppenzapfanlage machen den Bevölkerungsschutz für Bürgerinnen und Bürger erleb- und anfassbar.
Die Wanderausstellung wird im ersten Halbjahr 2010 in Bonn und im Weser-Emsland zu sehen
sein. Weitere Informationen unter www.bbk.bund.de.
in CBRN-Lagen
Erstmals der Öffentlichkeit in voller Ausstattung präsentiert : das neue
Löschgruppenfahrzeug für den Katastrophenschutz (LF KatS).
(Foto: Stein/BBK)
Katastrophenschutz der Länder: das Löschgruppenfahrzeug für den Katastrophenschutz (LF KatS). 70
dieser Fahrzeuge werden bis 2012 über das BBK an
die Länder ausgeliefert, weitere 120 sind in Planung.
Um dem ganzheitlichen Aspekt der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr gerecht zu werden, ist
der Titel des Kongresses ab diesem Jahr um den Begriff des Bevölkerungsschutzes ergänzt worden.
Der 6. Europäische Bevölkerungs- und Katastrophenschutzkongress findet bereits im September 2010 statt.
Das BBK und der Deutscher Feuerwehrverband
(DFV) mit seiner Stiftung „Hilfe für Helfer“ legen
psychosoziale Handlungsempfehlungen für
Einsatz- und Führungskräfte im CBRN-Schutz vor.
Internationale Forschungsarbeiten und Praxiserfahrungen zeigen, dass psychosoziales Wissen und
Handeln die Wirkungsmöglichkeit von Einsatzkräften erweitert. Aus diesem Grund finden psychoso-
Wanderausstellung „Menschen
gemeinsam schützen“
Hermann Dinkla, Präsident des niedersächsischen
Landtages, hat am 8. Dezember 2009 gemeinsam
mit BBK-Präsident Christoph Unger die Ausstellung
ziale Aspekte nach und nach Eingang in Konzepte,
Ausbildung und Training von Einsatz- und Führungskräften, die sich mit dem Schutz bei chemischen, bio-
logischen und radiologische Lagen (CBRN-Lagen)
beschäftigen. Die Helfer fühlen sich kompetenter
und sicherer, ihr Stresspegel sinkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst psychische Probleme entwickeln, ist geringer. Durch gezielte psychische erste
Hilfe können Einsatzkräfte bei Betroffenen Angstreaktionen mindern und kooperatives Verhalten
stärken. Einsätze laufen dann koordinierter ab.
Das BBK entwickelte gemeinsam mit der
und weiteren Fachleuten aus Wissenschaft und
Praxis psychosoziale Handlungsempfehlungen für
CBRN-Einsätze, die jetzt als Flyer und online verfügbar sind (www.bbk.bund.de).
„Verknallt an Silvester“
Am 12.12.2009 fanden in Berlin die Preisverleihung
des Videowettbewerbs und die Kinopremiere statt.
Der Gewinner des Filmwettbewerbs der Berliner Feuerwehr „Verknallt an Silvester“ heißt Kay
Büssing mit dem Film „Der große Spaß“; den zweiten
Platz belegte CarLo Monte mit „Ohne Böller knallt’s
richtig“ und über den dritten Platz freut sich Tim
Guhlke mit seinem Film „Die Erinnerung“.
Der erste Platz wurde mit 1.000,- € und einer
Praktikumsstelle bei TV-Berlin prämiert. Für den
zweiten Platz bekam der Gewinner 600,- € und für
den dritten Platz gab es 300,- €.
Ziel des Wettbewerb war, die Menschen an
den vorsichtigen Umgang und die Gefahr, die von
Feuerwerkskörpern ausgeht, zu erinnern.
Kay Büssing mit seinem Team, re. Landesbranddirektor Wilfried Gräfling.
Hochwasserschutzübung des
Notfallverbundes für Weimar
Der Einsturz des Stadtarchivs Köln ist in seinen Konsequenzen für die historische Überlieferung einer
der ältesten deutschen Kommunen noch gar nicht
abzusehen. Die „Kölner Kulturkatastrophe“ hat in
Weimar große Anteilnahme und schmerzliche Erinnerungen an den Brand der Herzogin Anna
Amalia Bibliothek 2004 geweckt.
Schon seit September 2003 hatten sich die
Weimarer Kultureinrichtungen über die Zusammenarbeit beim Schutz von Kulturgütern verständigt,
Ziel war die Gründung eines Notfallverbundes. Als
künftige Aufgaben wurden Maßnahmen zur Notfallvorsorge und gegenseitigen Hilfeleistung verabredet. 2003/2004 stand die Erarbeitung von Notfallrahmenplänen für jede Einrichtung im Vordergrund
sowie deren Abstimmung als Grundlage für die gemeinsame Arbeit im Verbund. Während die vorgeschriebenen Feuerwehrpläne in erster Linie auf die
Rettung von Menschen und Gebäuden abzielen, widmen sich die Gefahrenabwehrpläne ausdrücklich
dem Schutz von Kulturgut. Die Benennung von Bergungsteams, die Festlegung von Auslagerungsorten für geborgenes Kulturgut und dessen Einstufung
in drei Wertkategorien waren nur erste Schritte der
umfangreichen Koordinierungsarbeit. Am 6. Februar 2007 unterzeichneten alle beteiligten Partner
(Stadt Weimar, Klassik Stiftung Weimar, Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau Dora, Thüringer
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie,
Bauhaus-Universität Weimar, Hochschule für Musik
Weimar) im Rathaus eine vertragliche Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung in Notfällen,
den „Notfallverbund für Weimar“.
Nach einer großen Übung im Thüringischen
Hauptstaatsarchiv 2005 schien es an Zeit, sich erneut
praktisch zu schulen. Die Wahl fiel auf eine Hochwasserübung, die Dank der großzügigen finanziellen
Unterstützung des BBK, das auch mit einer Beobachterin vor Ort war, und des Thüringer Innenministeriums im Deutschen Bienenmuseum, das im Überschwemmungsgebiet der Ilm liegt, stattfinden konnte. Ziele der Übung waren Überprüfung der Alarmierungs- und Meldekette, Bergung von beweglichem
Kulturgut und Schutz von unbeweglichem Kulturgut durch einen Hochwasserschutz am Museum.
Nach Eingang der fiktiven Hochwassermeldung löste der Übungsleiter den unangekündigten
Alarm aus, in relativ kurzer Zeit standen über 80
Personen bereit, die in einer guten Stunde einen 18
m langen Wall errichteten sowie Türen und Durchlässe mit Sandsäcken abdichteten. Bei der Sicherung
der Einsatzorte, dem Bergen des beweglichen Kulturguts und vor allem beim Sandsackverbau gaben
erfahrene Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr praktische Anleitung und Hilfe. Die Übung verlief insgesamt sehr erfolgreich; lobende Erwähnung fand die
hohe Motivation und Disziplin aller Einsatzkräfte.
14-Jährige Wettbewerbsgewinnerin
zeigt das Ehrenamt intergalaktisch
Helena Drüeke ist die Gewinnerinnen des Wettbewerbs „Herzlichen Glückwunsch, Deutschland!“.
In der Kategorie „Heldentaten“ lobte das BBK
Der Film der vierzehnjährigen Preisträgerin aus
Güstrow dreht sich um die Arbeit des Deutschen
Roten Kreuzes (DRK) im intergalaktischen Zeitalter
und kam bei der Jury gut an. Ralph Tiesler, Vizepräsident des BBK, gratulierte Helena Drüeke bei der
offiziellen Preisverleihung am 28. Januar in Berlin zu
ihrem Sieg. Neben 1.000 Euro gewinnt die 14-jährige
Preisträgerin in der Kategorie „Heldentaten“ einen
prall gefüllten Survival-Rucksack des BBKs, span-
nende Mitmach-Tage beim Technischen Hilfswerk
und der Jugendfeuerwehr sowie eine Wanderaustellung zum Bevölkerungsschutz für ihre Schule.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Gewinnerin Helena Drüeke,
Moderatorin Palina Rojinski, BBK-Vizepräsident Ralph Tiesler
(Foto: Hans Joachim Rickel/BMI)
Die Idee zu dem Trickfilm basiert auf den Erfahrungen der Schülerin als aktive Rettungsschwimmerin
in der DRK-Wasserwacht.
Unter dem Motto „Herzlichen Glückwunsch,
Deutschland!“ hatte die Zeitbild-Stiftung Schülerinnen und Schüler dazu aufgerufen, sich anlässlich des
60.ten Geburtstages der Bundesrepublik Deutschland mit den Themen „60 Jahre“, „Heldentaten“,
„Unterwegs“, „Lebenswelten“ und „Musik“ auseinanderzusetzen. Für die Wettbewerbskategorie „Heldentaten“ des BBK wurden 28 Beiträge rund ums
Thema ehrenamtliches Engagement im Bevölkerungsschutz eingereicht.
Anschrift der Redaktion: Postf 1867, 53008 Bonn
Herausgegeben im Auftrag des Bundesministeriums des Innern
vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK),
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Wer nicht fragt, bekommt keine Antworten
Die Landkreise im Katastrophenschutz
Ehrenamt sichern
Gemeinden für gute
Zukunft ihrer Feuerwehren
1/S. 18
1/S. 24
1/S. 27
Impressionen eines Festtages
1/S. 29
1/S. 31
1/S. 33
2/S. 39
3/S. 30
4/S. 37
Die Bedeutung des internationalen
Bevölkerungsschutzes für Deutschland
„Deutschland kann auch von China
internationalen Einsätzen
Krisenmanagementausbildung für
Angehörige des Auswärtigen Amtes
Die ganze Welt schaut rein...
2/S. 2
2/S. 10
2/S. 18
2/S. 22
2/S. 25
Statikseile und Stehhaltegurte
Strategie für einen
modernen Bevölkerungsschutz
Was bedeutet die Strategie
für BBK und THW?
Vertrauen ist der Schlüssel zu
Zukunftsstrategien auch im
1/S. 34
Chefsache Krisenmanagement
Der Krisenstab bei der Stadt Dortmund
Übungsszenario: Influenza-Pandemie
2/S. 26
2/S. 32
2/S. 34
3/S.32
Ganzheitlich denkende
Vernetzung auf dem Gebiet des
Damit die Krise nicht zur Katastrophe wird
1. BBK-Sommerakademie
3/S. 2
3/S. 4
3/S. 6
3/S. 10
3/S. 14
3/S. 18
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ASB-Task-Force Rheinland-Pfalz (Süd)
„Interessant und vielseitig“
Keine Woche wie jede andere
KITz: Wegweiser für Kinder nach
1/S. 38
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3/S. 36
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Nicht nur als Einsatzorganisation gefragt
Dauereinsatz nach Einsturz des
FloodEx: Das Trauma der Holländer
1/S. 40
2/S. 43
3/S. 37
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LEBENS-RETTUNGSGESELLSCHAFT
Trügerisches Eisvergnügen
DLRG Bilanz 2008
Der DLRG Strömungsretter — ein Spezialist
in schnell fließenden Gewässern
EU FloodEx 2009
1/S. 45
2/S. 51
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3/S. 50
4/S. 49
1/S. 42
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3/S. 41
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DFV verurteilt Übergriffe auf Retter
Bundeskabinett schafft Voraussetzungen
für Feuerwehrführerschein
Brandschutz für Menschen mit
Feuerwehrführerschein muss
sich jetzt bewähren
Breites Expertenwissen bei Forum
Sich um die Helfer Kümmern
Wie beteiligen sich die Johanniter
am Eu-Katastrophenschutz, Herr Dost?
EU Assesment Mission Course
Auslandshospitanzen für Soforthelfer
Pakistan: Millionen Menschen
Ethik und Reanimation
Rettung — aber sicher
„Frau bleiben!“
Auch in Zukunft Ehrenamt
Gastfreundschaft und Dankbarkeit
Auf zwei Rädern für
1/S. 43
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24 Stunden täglich für den Bürger da
Luftschutz, Zivilverteidigung und
Zivilschutz der DDR
Regieeinheiten schließen Lücken im
Der 1. ABC-Zug München-Land
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KULTURGUTSCHUTZ IN
Wasser marsch im Kampf gegen Cholera
... geht mit der Zeit!
Rotkreuz-Wettbewerb in Oldenburg
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Hildesheimer Dom, Niedersachsen
Alt-St. Martin Muffendorf, NRW
Klause Kastel, Rheinland-Pfalz
Römischer Mosaikfußboden in
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Heute: Schloss Nossen,
Über dem Tal der Freiberger Mulde befindet sich
auf einem Felsvorsprung die imposante Schlossanlage Nossen.
Die Anlage geht auf eine Burg der Ritter von Nuzzin
zurück, die wahrscheinlich zwischen 1150 und 1224
errichtet wurde. 1315 ging die Burg in den Besitz
von Withego II von Colditz über und diente fortan
den Bischöfen von Meissen als Dienstsitz. Bischof
Thimo von Colditz verpfändete sie 1403 an seinen
Vetter Otto von Colditz, bevor die Anlage mitsamt
der Stadt Nossen 1436 in den Besitz der Zisterzienser
von Kloster Altzella überging. Das Kloster wurde
im Jahre 1540 im Zuge der Reformation aufgelöst
und Kurfürst August wurde neuer Besitzer. Unter
Nutzung von Grundmauern und Gewölben der Burg
sowie von Abbruchmaterial des Klosters Altzella
ließ er von 1554 bis 1557 den mit seinen drei Wehrtürmen markanten Westflügel des heutigen Schlosses
als Reise- und Jagdunterkunft errichten, die im 16.
und 17. Jahrhundert von den sächsischen Kurfürsten rege genutzt wurde. Zudem beherbergte das
Schloss seit 1555 das kursächische Amt Nossen, für
das zwischen 1628 und 1667 im südlichen, nördlichen und nordwestlichen Teil neue Gebäude entstanden. Mit der Vollendung des Torturmes in 1682
und dem Bau der steinernen Schlossbrücke 1714
erhielt das Schloss seine endgültige Gestalt.
Während des Siebenjährigen Krieges wurde die Anlage durch preußische Truppen schwer beschädigt.
1775 wurde das Jagd- und Reiselager aufgegeben,
jedoch blieb die Renaissanceanlage weiter Amtssitz
Die Kriegsereignisse des Jahres 1813 führten Kaiser
Napoleon auf Schloss Nossen und es diente ihm in
der Nacht vom 7. zum 8. Mai als Hauptquartier.
Im Schloss befanden sich verschiedene Ämter wie
das Rentamt und das Jusitzamt (das 1877 aufgelöst
wurde) mit Gerichtsamt und Gefängnissen.
1910 wurden im Schlosskomplex die ersten Wohnungen eingerichtet und nach Auszug des Finanz-
Westflügel mit seinen drei Halbtürmen
(Foto: Bildpixel/pixelio)
amtes 1934 entstanden weitere Wohnräume. Teile
des Schlosses wurden seit 1954 zudem als Museum
Umfassende Sanierungsarbeiten fanden 1981 statt,
wobei im Bereich des ehemaligen Heimatmuseums wertvolle Wandmalereien freigelegt und teilweise restauriert wurden.
1994 übernahm der Freistaat Sachsen die komplette Anlage und gemeinsam mit dem Kloster Altzella
bildet das Schloss heute einen staatlichen Schlossbetrieb. Öffnungszeiten unter
Entgelt bezahlt, G 2766
Auch in diesem Jahr gibt das BBK wieder ein Plakat heraus, um
für das freiwillige Engagement im Bevölkerungsschutz zu werben. Gleichzeitig ist das neue Plakat ein öffentlicher Dank an die
rund 1,8 Millionen Helferinnen und Helfer, ohne die unser Land
anders aussähe. Das Sturmmotiv in Verbindung mit dem Text
macht eindrucksvoll klar, welche Bedeutung das Ehrenamt im
Bevölkerungsschutz für unsere Gesellschaft besitzt.
Auch das neue Plakat, erhältlich sind die Größen DIN A1 und DIN
A3, kann wieder kostenlos über die E-Mail Adresse [email protected], Stichwort Plakat 2010, bestellt werden.
Natürlich sind auch noch die Plakate der vergangenen Jahre
Labor „Geoinformationssysteme im Bevölkerungsschutz I“
Kongress: Social Media: „Spontanhelfer“
Tipps Choreographieren (Weiterbildung 31.10.15)
Notruf von Max und Flocke - Max und Flocke Helferland
Organigramm Abteilung Feuerwehr Greifswald
Magazin 3/2005 - Bundesamt für Bevölkerungsschutz und

References: Art. 3
 Art. 308
 Art. 2
 Art. 196
 Art. 196
 Art. 2
 Art. 222
 Art. 196

Art. 196
 Art. 196