Source: https://de.scribd.com/document/239002234/Arbeitsanweisung-KBD-Niedersachsen
Timestamp: 2020-06-04 18:49:15+00:00

Document:
Arbeitsanweisung KBD Niedersachsen
MartindeMaddin
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ArbeitsanweisungKBD.doc
3. VERGABE VON ARBEITEN AN FACHFIRMEN
3.1 Voraussetzungen für das Tätigwerden von Fachfirmen
3.2 Anforderungen an in Niedersachsen tätige Fachunternehmen
Ausrüstung / Richtlinien
3.3 Tätigwerden von Fachfirmen im Auftrag des KBD / Teilnahmewettbewerb
3.4 Auswahlkriterien
5. DOMUMENTATION / ABNAHMEN UND FREIGABEBESCHEINIGUNGEN
Abnahmen und Freigabebescheinigungen
6. Ausführungsbestimmungen
6.2 Zu verwendende Gerätschaften
Durchführung von Räumarbeiten
6.5.1 Kennzeichnung
6.5.2 Räumstelleneinrichtung
6.5.3 Arbeitsschutz
6.5.4 Umweltschutz
6.5.5 Nachweisführung
6.5.6 Besondere Vorkommnisse
6.6 Fachtechnische Anweisungen
6.6.1 Nichthandhabungs- und transportfähige Munition
6.6.2 Aufbewahrung von Fundmunition
6.6.3 Vorbereitung des Transports
6.6.4 Munitionsübergabe
6.7 Tiefensondierungen
6.7.1 Grundsatz
6.7.2 Kontrolle von Bombenverdachtspunkten
6.7.3 Bohrungen auf Spundwandachsen
6.7.4 Bohrungen bei Pfahlgründungen
6.7.5 Bohrungen und Rammkernsondierungen
6.8 EDV-Aufzeichnungen
6.9 Unterwassersondierungen
6.10 Siebungen
6.10.1 Separieranlagen
6.10.2 Einsatzbeschränkungen
6.10.3 Schutzmaßnahmen
6.10.4 Sicherheitsanforderungen
Arbeitsanweisung in der Kampfmittelbeseitigung in Niedersachsen
1. Einleitung Die nachstehend aufgeführten besonderen fachlichen Bestimmungen für Arbeiten der Kampfmittelbeseitigung sind Grundlage für das Tätigwerden von Privatfirmen im Rahmen der Kampfmittelbeseitigung im Land Niedersachsen. Zusätzlich sind unter Punkt 3.4 auch die Kriterien aufgeführt, die Firmen, die im Auftrag des Landes Niedersachsen tätig werden, erbringen müssen.
2. Zuständigkeiten Die Aufgabe der Kampfmittelbeseitigung ist gem. § 84 GG eine Aufgabe, die von den Ländern zu regeln ist. Innerhalb Niedersachsens ist diese Regelung mit den entsprechenden Zuständigkeiten durch den Runderlaß des Nds. Umweltministerium vom 05.12.1995 (505-62827/40) erfolgt. Demnach sind die grundsätzlich für die Kampfmittelbeseitigung zuständigen Behörden die Gefahrenabwehrbehörden (Gemeinden). Das vom Land bei der Bezirksregierung Hannover als Vor-Ort-Aufgabe vorgehaltene Dezernat 505 - Kampfmittelbeseitigung- (KBD) unterstützt mit personellen und technischen Mitteln die zuständigen Gemeinden im Rahmen der Amtshilfe bei den Aufgaben der Kampfmittelbeseitigung. Das KBD ist erreichbar unter:
Bezirksregierung Hannover -Dezernat 505 Kampfmittelbeseitigung- Marienstraße 34 30 171 Hannover
0511/106 3002/3003
0511/106 3095
Das KBD ist grundsätzlich nur für die Aufgaben zuständig, für die es der speziellen Kenntnisse der Kampfmittelbeseitigung, den technischen Geräten und der notwendigen Erfahrung bedarf (Kernaufgaben) und führt dementsprechend zusammen mit den zuständigen Stellen die fachliche Aufsicht hinsichtlich aller Maßnahmen im Zusammenhang mit der Kampfmittelbeseitigung und den nötigen Gefahrenerforschungsmaßnahmen aus. Zusätzlich dazu beschränkt sich das Aufgabenfeld des KBD auf die Aufgaben, die es mit seinen eigenen Mitteln durchführen kann. Sofern Arbeiten nicht mit den eigenen Mitteln erledigt werden können, ist somit automatisch die Gefahrenabwehrbehörde (als Organisationseinheit) zuständig. Im Rahmen dieser Aufgabenverteilung wird das KBD gegenüber den nach § 7 NGefAG zuständigen (Zustandsstörer) aus Billigkeitsgründen kostenfrei tätig. Die Entscheidung ob weitere Kosten durch die Gemeinden oder den Grundstückseigentümer getragen werden, erfolgt im eigenen Wirkungskreis der Gemeinden.
Grundsätzlich hat dies zur Folge, daß das KBD lediglich für die im Rahmen seiner Zuständigkeit liegenden Aufgaben tätig wird. Weitere Aufgaben sind von den zuständigen Gefahrenabwehrbehörde zu veranlassen, die vom KBD dann lediglich im Rahmen der Amtshilfe beratend unterstützt werden. Es stellt sich somit das folgende Zuständigkeitsbild dar:
Land / Bezirksregierung Hannover (KBD):
• im Rahmen seiner durch den Erlaß des Nds. MU definierten Aufgaben mit den eigenen Mitteln (materiell) und beratend
• Feststellung einer munitionstechnischen Gefahr
• alle anderen Aufgaben (insbesondere Grundwasserabsenkung, Verbauarbeiten, sämtliche Vor- und Nebenarbeiten) insbesondere Gefahrener-forschungsmaßnahmen
• Feststellung einer Gefahr gem. Nds. Gefahrenabwehrgesetz und Räu- mungserfordernis (unter Berücksichtigung der munitionstechnischen Bewertung des KBD)
Das KBD, die Gewerbeaufsichtsämter und Berufsgenossenschaften führen die fachliche Aufsicht hinsichtlich aller Maßnahmen im Zusammenhang mit den Kampfmittelbeseitigungsmaßnahmen und den nötigen Gefahrenerforschungs- maßnahmen durch.
In dieser Zuständigkeit legt das KBD einheitliche Regeln für die Durchführung von Kampfmittelbeseitigungs- und Gefahrenerforschungsmaßnahmen fest, die Grundlage für die Durchführung von Arbeiten im Land Niedersachsen sind.
3. Vergabe von Arbeiten an Fachfirmen Da der Umfang der in Niedersachsen erforderlichen Kampfmittelbe- seitigungsarbeiten die personellen und finanziellen Mittel des KBD übersteigt, werden im Rahmen der Kampfmittelbeseitigung Aufträge durch das KBD selbst oder Dritte an private Räumunternehmen vergeben.
Die besonderen fachlichen Bestimmungen für Arbeiten der Kampfmittelbe- seitigung in Niedersachsen umfassen insbesondere die nachstehend aufge- listeten Arbeiten, die im Bundesland Niedersachsen ausgeführt werden:
• Orten von Kampfmitteln
• Bergung, vorübergehende Aufbewahrung und Sicherung von Kampfmitteln bis zum Abtransport durch das KBD
• Beförderung transportfähiger Kampfmittel von der Fundstelle bis zur Über- gabestelle bzw. bis zum zugelassenen Zwischenlager für Fundmunition innerhalb der Räumstelle
• Einrichten und Schließen der Räumstelle sowie Erstellen von Berichten, Zwischenberichten, Protokollen etc.
• Führen der vom KBD geforderten Arbeitsnachweise und Abrechnungs- grundlagen
• Eintragen des Zuwachses der bearbeiteten Flächen mit den Signaturen des KBD in die Grundkarten.
• Stellen der Abnahme- / Teilabnahmeanträge mit den entsprechenden Munitionsmeldungen
Entschärfungen, Munitionstransporte im öffentlichen Verkehrsraum und die Vernichtung von Munition gehören nicht zu den hiermit geregelten Arbeiten.
3.1 Voraussetzungen für das Tätigwerden von Firmen
Die in Niedersachsen tätigen Firmen der Kampfmittelbeseitigung haben die Erlaubnis gemäß § 7 SprengG zu besitzen und müssen vom KBD für Arbeiten im Landesgebiet Niedersachsens bestätigt sein. Die Erlaubnis ist nicht erforderlich für Tätigkeiten, bei denen lediglich Gefahrenerforschung betrieben wird und kein Umgang mit Kampfmitteln oder eine Bergung erfolgt. Auch in diesen Fällen sind aber Voraussetzungen und Empfehlungen des KBD zu erfragen.
Abhängig von den zu erledigenden Aufgaben müssen die Fachfirmen außer der Zulassung gem. §7 SprengG auch über eine geeignete Ausstattung und eingearbeitetes, fach- und sachkundiges Personal in ausreichendem Maß für die jeweils erforderliche Aufgabe verfügen. Dies ist dem KBD bei der Beantragung der Zulassung oder auf Anforderung nachzuweisen. Weiterhin werden diese Voraussetzen im Rahmen von Ausschreibungen oder regelmäßigen öffentlichen Teilnahmewettbewerben abgefragt.
3.2.1 Ausrüstung / Richtlinien
Die im Rahmen der Kampfmittelbeseitigung verwendeten Gerätschaften haben den geltenden Vorschriften und dem geltenden Stand der technischen Entwicklung zu entsprechen. Hinsichtlich der personellen und örtlichen Ausstattung von Arbeitsstellen gilt die Baustellenverordnung / Arbeitsstätten- verordnung.
Allen Personen, die verantwortlich Räumstellen leiten, sind vom Arbeitgeber die staatlichen Gesetze/Verordnungen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften/Regeln für die ausgeübten Tätigkeiten auf der Räumstelle auszuhändigen. Diese sind auf der RS vorzuhalten.
3.2.2 Unternehmensverantwortung / Sicherheit
Das Fachunternehmen führt Räumarbeiten in eigener Verantwortung aus. Die einschlägigen Gesetze, Verordnungen, Sicherheitsvorschriften und Richtlinien sind zu beachten. Weiterhin stellt das Fachunternehmen bei schuldhaftem Verhalten seiner Betriebsangehörigen oder sonstiger Personen und Unternehmen, die es zur Erfüllung seiner Leistungen hinuzgezogen hat, den Auftraggeber von Schadenersatzansprüchen Dritter frei. Bei besonderen Vorkommnissen ist vor Weiterführung der Arbeiten das KBD sofort zu verständigen und dessen Weisung einzuholen. Dies gilt insbesondere bei durch Kampfmittel verursachten Unfällen mit Personen- oder Sachschäden sowie bei Kampfstoffunden.
Das im Rahmen von Kampfmittelbeseitigungsarbeiten eingesetzte Personal muss die für die jeweils übertragenen Aufgaben erforderliche Ausbildung und Qualifikation innehaben. Es muss persönlich zuverlässig sein und die deutsche Sprache in Schrift und Wort beherrschen.
Die verantwortlichen Personen müssen die Befähigung nachweisen, dass sie innerhalb und außerhalb von Betriebsstätten die Sicherheit beim Umgang mit Sprengmitteln herstellen können, indem sie die erforderlichen Kenntnisse und Erfahrung besitzen, um den Umgang mit den örtlichen vorkommenden Kampfmitteln zu beaufsichtigen. Dies setzt die erfolgreiche Teilnahme an einem staatlichen oder staatlich anerkannten Lehrgang für die Tätigkeit als fachtechnisches Aufsichtspersonal in der Kampfmittelbeseitigung, sowie Berufserfahrung voraus. Die gesetzlich vorgeschrieben Bestätigung ist der behördlich ausgestellte Befähigungsschein nach § 20 SprengG mit zeitlicher Befristung. Verantwortliche Personen müssen schriftlich bestellt werden.
Das KBD ist als zuständige Fachdienststelle des Landes Niedersachsen berechtigt, die Qualifikation verantwortlicher Personen zu prüfen. Wird für konkrete Tätigkeiten festgestellt, dass die Befähigung nicht zutrifft, ist das KBD verpflichtet, die Arbeiten einstellen zu lassen. Den zuständigen Behörden für die Ausstellung der Erlaubnis des Unternehmens und des Befähigungsscheins werden diese Feststellungen mitgeteilt.
Sofern auf einer Räumstelle mehrere verantwortliche Personen beschäftigt sind, ist zur Koordinierung und sicherheitstechnischen Überwachung der verschiedenen Arbeiten eine verantwortliche Person als Räumstellenleiter schriftlich zu bestellen. Der Räumstellenleiter muss an einem Sachkunde - Lehrgang für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Arbeiten in kontaminierten Bereichen mit Erfolg teilgenommen und die Sachkunde entsprechend BGR 128 Nr. 5.2 und 6.1 (früher ZH 1/183) der Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in kontaminierten Bereichen erworben haben.
Arbeiten dürfen nur von sachkundigem und unterwiesenem Personal durchgeführt werden. Grundsätzlich darf aus Sicherheitsgründen der Anteil neu eingestellter Mitarbeiter mit Erfahrungen in der Kampfmittelbeseitigung, die unter 60 Arbeitstagen liegen, nicht mehr als 15% betragen, wenn ein Aufsichtsführender mehrere Bergungstrupps beaufsichtigt.
Bergungs- und Sondierpärchen gelten nur dann als ausreichend i.S. des SprengG und der Unfallverhütungsvorschriften beaufsichtigt, wenn der Aufsichtsführende nur für so viele Arbeitsstellen verantwortlich ist, wie er aufgrund der örtlichen Verhältnisse (z.B. Übersicht, Kampfmittelaufkommen, Erfahrung des Personals) ständig sicher beaufsichtigen kann. Ein Verantwortlicher darf nicht mehr als 5 Arbeitsstellen beaufsichtigen. Bei Maschineneinsätzen ist eine Aufsichtsperson für jede Arbeitsstelle vorzusehen, wenn dort nicht mehr als drei Maschinen gleichzeitig arbeiten.
3.2.4 Beschäftigungsbeschränkungen
Das im Rahmen der Kampfmittelbeseitigung eingesetzte Personal muss die erforderliche Zuverlässigkeit besitzen und der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sein.
Mit Arbeiten der Kampfmittelbeseitigung dürfen die nachstehend aufgelisteten Personengruppen nicht betraut werden.
• Personen unter 18 Jahren
• Trunk- und Rauschgiftsüchtige
• Personen, die die körperliche Eignung nicht besitzen
• Personen, bei denen anzunehmen ist, dass Ihre persönliche Zuverlässigkeit nicht gegeben ist.
Arbeiten der Kampfmittelbeseitigung dürfen nicht durch eine einzelne Person ausgeführt werden.
Die Feststellung des Einsatzes von auszuschließendem Personal berechtigt den Auftraggeber und das KBD, die Arbeiten einstellen zu lassen, bis geeignetes Personal vor Ort ist.
3.2.5 Versicherungen
Die ausführende Fachfirma führt Kampfmittelbeseitigungsarbeiten grund- sätzlich in eigener Verantwortung durch. Erteilt das KBD im Einzelfall konkrete Weisungen in Bezug auf die Durchführung der Arbeiten, muß der Auftragnehmer unverzüglich widersprechen, wenn er die Verantwortung für die Art und Weise der Durchführung der Arbeiten ablehnen will.
Die Fachfirma ist verpflichtet, auf Ihre Kosten
• für die bei den Vertragsarbeiten eingesetzten Bediensteten eine zusätzliche Unfallversicherung für den Todesfall mit je 20.000 € und für den Fall dauernder Erwerbsunfähigkeit mit je 40.000 € abzuschließen;
• sich vor Beginn der zu erbringenden Leistungen gegen Haftpflichtschäden zu versichern. Die Deckungssummen müssen je Schadensereignis 600.000€ für Personen und 300.000 € für Sach- und Vermögensschäden betragen.
Firmen, die seitens des KBD einen Auftrag zur Kampfmittelbergung übertragen bekommen, haben die nachstehenden Auswahlkriterien zu erfüllen. Die Kriterien werden alle 2 Jahre im Rahmen eines öffentlichen Teilnahmewettbewerbes abgefragt.
3.4 Auswahlkriterien für das Tätigwerden von Firmen im Auftrag des KBD
Die Eignung und Qualifizierung der Fachfirmen werden im Rahmen dieses Teilnahmewettbewerbes anhand folgender Maßgaben ermittelt.
• Referenzliste und qualifizierende Angaben
• Nachweis der Fachkunde (Berufserfahrung)
• Nachweis der besonderen Fachkunde und Erfahrung
• ggfls. Truppführer mit Befähigungsschein (§20 SprengG) als Räumstellen- leiter mit mind. 5jähriger Berufserfahrung in der KMR
• Truppführer mit Befähigungsschein (§20 SprengG) und mind. 2 jähriger Berufserfahrung in der KMR
• deutschsprachiges Personal
• Erlaubnisschein §7 SprengG
• Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft
vom Sozialversicherungsträger und vom
• Unbedenklichkeitsbescheinigung
• Tariftreueerklärung gem. RdErl. d. MW vom 04.06.1998
• Konzeptdarstellung anhand einer Räumstellenausschreibung
Ergänzend zu vorstehender Auflistung können die Erfordernisse an den speziellen Gegebenheiten angepasst werden. Bei ausländischen Bietern, die nicht ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben, sind die Bescheinigungen entsprechender Stellen nachzuweisen.
4.1 Kampfmittel
sind gewahrsamslos gewordene, zur Kriegsführung bestimmte Gegenstände und Stoffe militärischer Herkunft und Teile solche Gegenstände, die
1. Explosivstoffe oder Rückstände dieser Stoffe enthalten oder aus Explosivstoffen oder deren Rückständen bestehen,
2. Chemische Kampf-, Nebel-, Brand- oder Reizstoffe oder Rückstände dieser Stoffe enthalten oder
3. Kriegswaffen oder wesentliche Teile von Kriegswaffen sind.
4.2 Munition und Munitionsteile
sind Gegenstände oder deren Teile für die bestimmungsgemäße militärische Anwendung mit Explosivstoff, wie Patronen, Kartuschen, Gefechtsköpfe, Handgranaten, Minen, Bomben, Torpedos sowie Raketen einschließlich der Treibsätze und Pyrotechnik. Munition kann auch Brand-, Nebel- und Reizstoffe oder chemische Kampfstoffe enthalten.
4.3 Munitionsschrott
4.4 Räumgebiet
Bei einem Räumgebiet handelt es sich um die grundsätzliche örtliche Be- schreibung einer munitionsbelasteten Fläche ohne detaillierte Begrenzungen.
4.5 Räumstelle
Bezeichnet das gesamte mit Kampfmitteln kontaminierte Gebiet, für das ein Auftrag zur Entmunitionierung vergeben wurde. Die flächenmäßige Abgrenzung der RS hat mit genauen Eckpunktkoordinaten zu erfolgen.
4.6 Los
Eine Räumstelle kann in Lose aufgeteilt werden. Die Aufteilung in Lose kann in der Größe der Räumstelle, in den unterschiedlichen Arbeitsansätzen oder Vorgehensweisen begründet sein.
4.7 Räumabschnitt
Eine Räumstelle oder ein Los kann in Räumabschnitte eingeteilt werden, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen und eine Teilabnahme durchführen lassen zu können. Dabei sind nach Möglichkeit auch natürliche Abgrenzungen wie z.B. Wege, Gräben, Wälle u.ä. heranzuziehen.
4.8 Teilfläche
Räumstellen, Lose oder Räumabschnitte müssen in Teilflächen aufgeteilt werden, die von den einzelnen Räumtrupps entmunitioniert werden. Die Aufteilung in Teilflächen hat zu erfolgen, damit die Schutzabstände zwischen den Arbeitsstellen sichergestellt werden und der Räumfortschritt täglich dokumentiert werden kann. Das Einmessen im Gelände obliegt dem Ausführenden und kann mit herkömmlichen Mitteln oder koordinatengestützt erfolgen.
4.9 Munitionstransporte
Munitionstransporte werden in Niedersachsen ausschließlich vom Kampfmit- telbeseitigungsdezernat durchgeführt.
4.10 Handhabungs – und transportfähige Munition
Die Untersuchung, ob ein Munitionsstück handhabungs- oder transportfähig ist oder nicht, wird gemäß BGR 114 Anhang 5 Nr. 6.1 durch den jeweils Verantwortlichen vor Ort bei der Begutachtung des Munitionsstücks durchgeführt. Als Grundsatz gilt, dass alle Kampfmittel mir vorgespannten und/oder allseitig wirkenden Zündeinrichtungen sowie alle bezünderten Bomben als nicht handhabungs- und transportfähig einzustufen sind.
4.11 Entmunitionierung
Eine Entmunitionierung ist das Suchen und Bergen aller auf einer belasteten Fläche vorhandenen Kampfmittel. Ziel der Entmunitionierung ist es, auf einer genau definierten Fläche ( Einmessung mittels geogr. Koordinaten ) die Kampfmittelfreiheit nach dem Stand der Technik zu erreichen.
Die Suche der Kampfmittel erfolgt je nach Notwendigkeit durch
- Oberflächensondierung mit Metalldetektoren
- Tiefensondierung mit Fe – Sonde
ArbeitsanweisungKBD.doc 10
- Bauaushubüberwachung mit Sohlensondierung
4.12 Luftbildauswertung
Die Luftbildauswertung ist ein Mittel der Gefahrenerforschung. Mit ihrer Hilfe kann festgestellt werden, ob eine Fläche durch Bombardierungen oder Kampfhandlungen, z. B. Schützengräben und Flakstellungen, oder auch durch Altbebauung ( Bunker o.ä. ), belastet ist.
5. Dokumentation / Abnahmen und Freigabebescheinigungen
5.1 Dokumentation
Die durchgeführten Arbeiten der Kampfmittelbeseitigung sind zu dokumentieren. Hierbei sind die in der Anlage dargestellten Signaturen zu verwenden. Insbesondere sind folgende Aufzeichnungen zu fertigen.
• Aufzeichnungspflicht gem. §16 SprengG
• Verzeichnis über Arten und Mengen der geborgenen, überlassenen und vernichteten Kampfmittel ( Fundlisten )
• Aufzeichnungen gemäß BGR 114 Anhang 5 Nr. 18 (früher ZH 1/47). Tägliches Erfassen der beräumten Flächen als Bestandteil der Räumakte (Bauakte)
• Bestandsplan (Räumfortschritt) Maßstäblicher Übersichtsplan in dem die bearbeiteten Flächen dargestellt und mit den erforderlichen Hinweisen (Signaturen) versehen sind.
• Nach Abschluss der Arbeiten ist ein Abschlußbericht (3-fach) mit den erforderlichen Kartenunterlagen zu erstellen und zu übergeben. Dieser Abschlussbericht kann auch als Antrag für die Abnahme gelten.
• Je nach Größe der Räumstelle soll das Kartenwerk das Format DGK 1:1000 oder 1:5000 aufweisen. Zusätzlich ist es erforderlich dass (spätestens bei der Endabnahme) aus dem Kartenwerk ein Koordinatenabgriff möglich ist. Alternativ können auch eingemessene Koordinaten angegeben werden.
5.2 Abnahmen und Freigabebescheinigungen
Das Kampfmittelbeseitigungsdezernat erteilt auf Antrag nach Überprüfung der Arbeiten (Abnahme) eine munitionstechnische Freigabebescheinigung. Diese Freigabebescheinigung bestätigt die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten auf Grundlage der derzeit zur Verfügung stehenden Kenntnisse und des letzten Standes der technischen Entwicklung.
Die Abnahme erfolgt auf Antrag vor Ort durch einen Mitarbeiter des KBD, der eine Niederschrift fertigt (Abnahmeprotokoll). Das Abnahmeprotokoll hat die Versicherung der Fachfirma zu enthalten, dass die Arbeiten unter Berücksichtigung des letzen Standes der technischen Entwicklung als frei von Kampfmittel bezeichnet werden können. Nach erfolgter Abnahme wird dem Antragsteller ein Abnahmeprotokoll übergeben, dass die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten bestätigt.
ArbeitsanweisungKBD.doc 11
Die Beantragung auf Erteilung einer munitionstechnischen Freigabebescheinigung hat schriftlich zu erfolgen. Dem Antrag sind nachstehende Unterlagen beizufügen:
• eine Übersichtskarte
• Detailkarte im Maßstab 1:1.000 (aus der ein Koordinatenabgriff erfolgen kann in vierfacher Ausfertigung
• Abnahmeprotokoll
• Fundbericht
Die erteilte munitionstechnische Freigabebescheinigung wird dem Antragsteller (Fachfirma) übersandt. Die Weiterleitung der Unterlagen an den Auftraggeber/Grundstückseigentümer obliegt der Fachfirma. Eine Kopie der Freigabe wird für Archivzwecke zurückbehalten. Die Weiterleitung der Freigabe an die zuständigen Gefahrenabwehrbehörden erfolgt durch das KBD.
5.3 Verweigerung der Abnahme
Werden bei einer Überprüfung der ausgeführten Arbeiten Mängel festgestellt (Kampfmittel/Munitionsteile > 12,7mm bzw. äquivalente Metallteile), kann keine Abnahme erfolgen. Das jeweils tätige Fachunternehmen hat diese
Bei jeglichen Arbeiten der Kampfmittelbeseitigung oder Kampfmittelsondierung ist die Anwesenheit eines Fachkundigen (§20 SprengG) auf der Räumstelle zwingend erforderlich.
Zu verwendende Gerätschaften
Die zu verwendenden Gerätschaften haben einem modernen Standart zu entsprechen und müssen für die zu erledigenden Aufgaben geeignet sein.
Jeder Bereich, in welchem beauftragte Sondierungsarbeiten durchgeführt werden oder Munition geborgen wird, wird als Räumstelle bezeichnet. Jede Räumstelle ist 14 Tage vor Aufnahme der Arbeiten dem KBD unter Angabe der Art, Umfang, Zeitraum der aufführenden Arbeiten, Name und Telefonnummer der verantwortlichen Person anzuzeigen. (Vordruck Räum- stellen-Anmeldung ). Auf Räumstellen über 1000 m 2 ist die Räumstellensicherheit (z.B. Baggerpunkte und Trichter) und die Überprüfung durch Abnahmen oder Teilabnahmen vor Beginn der Maßnahmen mit der zuständigen Fachaufsicht zu koordinieren.
Die Überprüfung erfolgt unabhängig von der Art der Entmunitionierung. Baggerpunkte, Baugruben usw. dürfen erst wieder verfüllt werden, wenn sie vom zuständigen Fachkundigen das Dezernat 505 überprüft wurden.
ArbeitsanweisungKBD.doc 12
Im Erdboden verbleibende Störkörper ( z.B. Leitungen, Rohre etc. ) sind dem
KBD vorzuzeigen und in der Dokumentation nachzuweisen. Die Freigabe wird nur ausgestellt, wenn die Überprüfung der Fläche möglich war.
6.4. Bauaushubüberwachung
Einer Bauaushubüberwachung kann nur in Ausnahmefällen zugestimmt werden, wenn eine Entmunitionierung technisch nicht möglich ist.
Eine Bauaushubüberwachung kann nicht die Entmunitionierung ersetzen:
Die Ziele der Bauaushubüberwachung sind
1. Gefahrenquellen möglichst frühzeitig erkennen.
2. Das Austragen der Gefahren auf unbelastete Flächen verhindern.
Darum erfolgt
1. die Überwachung an der Aushubstelle und bei Notwendigkeit
2. an der Verbringungsstelle des Aushubmaterials
Wenn eine Sohlensondierung in den Baugruben möglich ist, sind diese zu entmunitionieren.
Diese Tätigkeiten sind gemäß BGR 114 Anhang 5 Besondere Sicherheits- anforderungen 3.3 grundsätzlich mit zwei Personen durchzuführen.
Bei baubegleitenden Maßnahmen (Bauaushubüberwachung mit Sohlensondierungen oder Entmunitionierung vor Bodeneingriffen u.s.w.) bis 1000 m 2 behält sich das Dezernat 505 eine stichprobenartige Überprüfung vor. Ort, Zeitraum und Ende der Maßnahme sind in der Räumstellenanmeldung genau anzugeben.
6.5. Durchführung von Räumarbeiten
Die Grenzen der sich in Arbeit befindlichen Flächen sind wie nachfolgend beschrieben, mittels farbigen Pflöcken in Sichtweite zu markieren.
Räumstellengrenze:
Teilflächengrenze:
tiefe Punkte / Trichtermittelpunkte:
Räumstellen- und Losgrenzen sind mittels geografischer Koordinaten genau zu vermessen und nachzuweisen.
Räumstelleneinrichtung
Mindestausstattung auf Tagesbaustellen
ArbeitsanweisungKBD.doc 13
- Wasserbehälter 5Ltr
- Reinigungsmittel / Handtücher
Feuerlöscher (am KFZ)
Fe – Sonde
Spaten u. s. w.
Hammer / Drahtbürste funkenfrei nach DIN
- Packmittel für die geborgene Munition
Die Eröffnung einer Räumstelle und die Aufnahme der Arbeiten ist mindestens zwei Wochen vor Aufnahme dieser Arbeiten, die Einstellung und Schließung unverzüglich der Behörde , die die Erlaubnis ausgestellt hat und der Behörde die sprengstoffrechtlich zuständig ist, anzuzeigen (§ 14 SprengG). In der Anzeige der Eröffnung einer Räumstelle ist die mit der Leitung der Räumstelle beauftragte Person sowie sonstige Verantwortliche Personen anzugeben. Eventuelle personelle Veränderungen sind unverzüglich mitzuteilen.
hat der Unternehmer für die
Arbeits-plätze in seinem Bereich Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen
und die erforderlichen Maßnahmen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz zu veranlassen. Die folgende persönliche Schutzausrüstung ist grundsätzlich vorzuhalten
- Arbeitsschutzbekleidung
- ABS - Helm
- ABC Schutzmaske
- Sicherheitsschuhe ( A-magnetisch / Schutzstiefel )
Auf Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes
Alle Arbeiten sind unter größtmöglichem Schutz der zu räumenden Flächen, insbesondere der Vegetation und der baulichen Einrichtungen, durchzuführen. Zu erwartende Schäden und zwingend erforderlicher Vor- und Nebenarbeiten (z.B. Holzeinschläge) sind den Betroffenen im Vorfeld der Arbeiten darzulegen. Aktiver Umweltschutz ist den Möglichkeiten entsprechend in die Arbeiten einzubeziehen.
ArbeitsanweisungKBD.doc 14
Die vom Räumstellenleiter zu führende namentliche Anwesenheitsliste dokumentiert täglich das auf der Räumstelle eingesetzte Personal. Der vom Räumstellenleiter zu führende Tagesbericht dokumentiert die Tätigkeiten der einzelnen auf der Räumstelle eingesetzten Personen. Auf der Räumstelle ist
ein Munitionsbuch ( Fundbericht ) zu führen. In diesem Munitionsbuch sind tageweise alle Funde getrennt nach Teilflächen, Herkunft, Art und Gewicht zu dokumentieren. Des weiteren ist die an das KBD übergebene Munition aufzulisten ( Übergabeprotokoll ). Das Personal auf der Räumstelle ist regelmäßig nach der BGR 114 zu belehren und diese durch Unterschrift der Belehrten nachzuweisen. Auf den Räumstellen sind Belehrungsordner vorzuhalten, in denen mindestens die Munitionsdatenblätter der Kampfmittel vorhanden sind, die in der Recherche zur Räumstelle genannt und aktuell auf der Räumstelle geborgenen wurden. Bei der Bergung unbekannter Kampfmittel ist ein Protokoll mit Datum und genauer Angabe des Fundortes anzufertigen. In diesem Protokoll ist eine Handskizze mit den genauen Abmaßen und Fotos anzufügen.
Ein Exemplar des Protokolls ist dem KBD zu übergeben.
Bei besonderen Vorkommnissen sind die Arbeiten sofort zu unterbrechen, das KBD zu verständigen und Weisung einzuholen. Dies gilt insbesondere bei durch Kampfmittel verursachte Unfälle mit Personen- oder Sachschäden sowie bei Kampfstofffunden.
6.6.1 Nicht handhabungs – und nicht transportfähige Munition
Nicht handhabungs– und nicht transportfähige Munition und Bomben sind dem KBD mit Angabe der Herkunft, des Kalibers / Gewicht und der verwendeten Zünder unverzüglich zu melden.
Die Aufbewahrung von Fundmunition ist gemäß der 2. Verordnung zum Sprengstoffgesetz durchzuführen. Die Fachfirmen sind zur vollständigen Aufbewahrung und den Nachweis der Fundmunition verpflichtet. Jede Feststellung die auf eine Angriffversuch durch Unbefugte hindeuten könnte ist anzuzeigen. Für die vorübergehende Aufbewahrung sind die vom KBD bestimmten Sicherheitsbehältnisse zu benutzen. In ortsbeweglichen Lagern dürfen nicht mehr als 250 Kg Fundmunition gleichzeitig aufbewahrt werden.
Als Schutzabstände sind mindestens einzuhalten:
m zu Wohnbereichen (geschlossene Wohnbebauung)
m zu einzeln stehenden Häusern
m zu öffentlichen Verkehrswegen
m zu Hauptverkehrsstraßen
Kann in Wohnbereichen der Abstand von 500 m nicht eingehalten werden ist die Munition täglich vom KBD abzuholen:
ArbeitsanweisungKBD.doc 15
von Arbeitsstellen, Tagesunterkünften u. s. w. und dazwischen liegenden Verbindungswegen ist grundsätzlich ein Sicherheitsabstand von 50 m einzuhalten.
Lagerbehälter sind grundsätzlich erdeingesenkt und erdumwallt aufzustellen. Sie sind mit dem Untergrund zu verankern. Aufstellungsorte sind so zu wählen, das keine Einbruchsversuche begünstigt werden und möglichst gegen Einsicht zu schützen. Im Umkreis von 10 m ist bei Aufbewahrungsbehältern ein Brandschutzstreifen freizuhalten. Zugangs – und Fluchtwege sind freizuhalten. Feuerlöschgerät ist im Bereich des Aufbewahrungsbehälters vorzuhalten. In den Aufbewahrungsbehältern dürfen sich nur Kampfmittel und Explosiv- stoffe befinden. Leicht brennbares Material darf nicht in die Behälter eingebracht werden. Aufbewahrungsbehälter sind ständig verschlossen zu halten. Die Schlüssel hat der Räumstellenleiter so zu verwahren, dass die Benutzung durch unbefugte Dritte ausgeschlossen ist. Für alle Aufbewahrungsbehälter sind Schlüsselbücher zu führen, in denen jede Übergabe oder Benutzung mit Begründung einzutragen ist. Vom Öffnen bis zum Schließen des Behälters muss eine verantwortliche Person anwesend sein. Er ist für die ordnungsgemäße Aufbewahrung und den lückenlosen Nachweis der aufbewahrten Fundmunition verantwortlich. Die nachgewiesenen Kampfmittel sind eindeutig zu bezeichnen und im Bestandsbuch zu führen. Übergaben an den KBD sind durch die Unterschrift des Übernehmenden zu bestätigen. An arbeitsfreien Tagen dürfen in den Aufbewahrungsbehältern grundsätzlich keine Kampfmittel aufbewahrt werden.
6.6.3 Vorbereitung des Transportes
Die Fundmunition ist transportfertig zu verpacken, zu kennzeichnen und Transportbelege zu erstellen. Die Art der Verpackung ergibt sich aus den Vorschriften des SprengG und der GGVS (siehe Anlage Ausnahmegenehmigung zur GGVS). Dabei gilt es zu beachten, dass:
• Die Munition in geeignete Behälter (z.B. Kisten aus Naturholz) verpackt wird,
• Die Behälter lediglich zu 2/3 gefüllt werden,
• Die Kampfmittel innerhalb der Verpackung durch geeignete Füllmittel festgelegt werden,
• Die Behälter mit Packzetteln versehen werden ( s. Anlage ).
6.6.4 Munitionübergabe an das KBD
Nach ordnungsgemäßer Aufbewahrung wird die Fundmunition seitens des KBD nach Absprache abgeholt. Der von der übergebenden Fachfirma erstellte Übergabebeleg wird von einem Vertreter des KBD nach Kontrolle der Behältnisse und Überprüfung der Munitionsmeldung gegengezeichnet. Der Übergabebeleg hat Angaben zur Anzahl, Art, Herkunft, sowie Einzel- und Gesamtgewicht zu enthalten.
ArbeitsanweisungKBD.doc 16
Tiefensondierungen
Gefahrenabwehr- und Bauordnungsbehörden geeignete Maßnahmen zur Feststellung der Eignung des Baugrundes bzw. zur Erteilung einer Freigabebescheinigung des KBD durchzuführen. Sofern aufgrund der Bodenstruktur, einer möglicherweise vorliegenden Belastung oder sonstiger örtlicher Gegebenheiten keine Oberflächensondierungen durchgeführt werden können, ist die Maßgabe der Tiefensondierung gegeben. Auf Flächen, die durch eine gesicherte Recherche als bombardiert gelten, ist vor Bauarbeiten die Kampfmittelfreiheit zu prüfen.
Es obliegt dem Auftraggeber zu entscheiden, ob er die Überprüfung der Kampmittelfreiheit
1. für die sichere Durchführung der erforderlichen Baumaßnahmen fordert oder,
2. ob diese auch für den sicheren Bestand und Betrieb des zu
errichtenden Gebäudes zwingend erforderlich ist. Die Überprüfung erfolgt im ersten Fall nur dort, wo konkret in das Erdreich eingegriffen wird und im zweiten Fall lückenlos über die ganze, zu bebauende Fläche.
Die Fachaufsicht der Bezirksregierung Hannover - Dezernat 505 – Kampf- mittelbeseitigung - kann die Freigaben nur entsprechend der tatsächlich durchgeführten Erkundungen, Auswertungen und Räumungen erteilen.
Die empfohlene Bohrtiefe beträgt bei normalen Bodenverhältnissen ( Klasse 1 – 4 ) 5 m zusätzlich ggf. bestehender Aufschüttungen. Im Küstenbereich wird eine Bohrtiefe von 10m zusätzlich ggf. bestehender Aufschüttungen als notwendig erachtet. Sollten bei aktuellen Erkenntnissen über die Bodenverhältnisse andere Bohrtiefen notwendig erscheinen, ist eine vorherige Rücksprache mit dem KBD erforderlich. Wenn bereits ferromagnetische Körper in den Boden eingebracht wurden, können im Nahbereich im Allgemeinen keine auswertbaren Ergebnisse erzielt werden, so dass eine vorherige Abstimmung über die Notwendigkeit der Ausführung erfolgen muss. In diesem Fall ist vor Beginn der Arbeiten eine Absprache mit dem KBD durchzuführen, um die möglichen Maßnahmen zu bestimmen.
Zur Abnahme ist dem KBD ein Bohrplan mit Angaben über Lage, Tiefen und Anzahl der Bohrungen vorzulegen.
Vor Beginn der Bohrungen sind Leitungs - und Kabelpläne einzuholen (Schachterlaubnis) und die Flächen mit einem geeigneten Suchgerät zu sondieren. Falls erforderlich, müssen Suchschachtungen durchgeführt werden.
ArbeitsanweisungKBD.doc 17
Die erste Tiefenbohrung ( s. Bohrlochraster ) ist in 2 m-Abschnitten einzubringen und nach jedem Abschnitt zu sondieren.
Das zweite Bohrloch kann ohne Unterbrechung in die angestrebte Tiefe niedergebracht werden und ist dann zu sondieren.
Vor dem Niederbringen des jeweils weiteren Bohrlochs der ersten Reihe ist in jedem Bohrloch eine vollständige Tiefensondierung durchzuführen.
Die zweite Bohrlochreihe kann ohne Zwischenkontrolle in voller Länge nieder- gebracht werden, wenn sie im angestrebten Suchraster parallel zur ersten verläuft.
Wenn die zweite Reihe vollständig sondiert wurde kann ohne Unterbrechung die dritte Bohrlochreihe niedergebracht werden.
Wenn zur Kontrolle der Bohrlöcher für die eigentliche Bohrlochdetektion ein computergestütztes Aufnahmegerät genutzt wird, muss die ständige Kontrolle des Zeigerausschlages am Messgerät durch eine Fachkraft garantiert werden. Ist eine visuelle Überwachung nicht möglich, muss vor dem Niederbringen von weiteren Bohrlöchern die Auswertung am PC abgewartet werden.
Die Anzahl der Messpunkte bei der Datenaufnahme innerhalb einer Bohrlochdetektion ist dem Zweck entsprechend anzupassen. Sie ist so zu wählen, dass eine lückenlose Darstellung der zu untersuchenden Bohrlochumgebung gewährleistet ist und alle Anomalien erfasst werden können.
Zur Freigabe durch das KBD ist diesem ein Bohrplan mit Angabe der Anzahl, Tiefe und Lage der freizugebenden Bohrungen incl. der Diagramme vorzulegen.
Zur Kontrolle von Bomben- verdachtspunkten sind bis zu 19 Bohrungen in versetzten Reihen, vom Zentrum des Meßpunktes ausgehend, mit einem Abstand von 1,5 m um 0,75 m versetzt durchzuführen. Bei einer Messung können zur besseren Beurteilung drei Zusatzbohrungen durchgeführt werden. Das Niederbringen von weiteren Bohrungen soll erst nach weiterer Absprache mit dem KBD und AG erfolgen.
o,75m
ArbeitsanweisungKBD.doc 18
umfassen hat. Die Bohrungen
Spundwand mit einem Abstand
(0,75m)
durchzuführen (Abb. 2).
In der beistehenden Abbildung
Bohrpunkte
Bei Pfahlgründungen sind drei Bohrpunkte im Winkel von 120° bei Einbehaltung eines Abstandes von 0,75 m ausgehend von der Mittelachse der Gründung durchzuführen. (Abb. 3)
Achse Spundwand
0,75m Radius
6.7.5 Bohrungen im Rahmen von Rammkernsondierungen
Bei der Durchführung von Rammkernsondierungen hat eine Bohrung auf der Mittelachse zu erfolgen.
6.8 EDV Aufzeichnungen
Die punktuelle Auswertung und Abnahme einer mit EDV – gestützten Systemen aufgezeichneten Fläche kann nur erfolgen, wenn die Aufzeichnung vorher mit dem zuständigen Fachkundigen des Dezernat 505 vereinbart wurde.
Eine punktuelle Auswertung und Räumung ist nur dann effektiv und empfehlenswert, wenn die Belastung der Räumfläche nicht höher als 100 Störkörper/ha ist. Eine Objektliste ist vorzulegen.
ArbeitsanweisungKBD.doc 19
Die Zustimmung ist abhängig:
Belastung (Flächen, auf denen ausschließlich Großkampfmittel vermutet werden)
innerhalb von Ortschaften oder freie Fläche).
Die EDV - Aufzeichnung einer belasteten Fläche ist keine Entmunitionierung. Die nachstehend aufgelisteten Gerätetypen sind für EDV Aufzeichnungen empfohlen:
• Ferrex Cast
Die Software anderer Systeme hat mit den o.g. kompatibel zu sein.
Mehrkanalaufzeichnungen haben folgende Spurabstände aufzuweisen:
Entmunitionierungen
• Bei Sondierungen von Bombenblindgängern ist ein Spurabstand von maximal 0,5m zu verwenden.
Die Ergebnisse EDV-gestützter Oberflächensondierungen sind zu dokumentieren und dem KBD zur Beurteilung vorzulegen.
Unterwassersondierung
Für Unterwasserberäumungen gilt grundsätzlich, dass Bereiche im Abstand von 50m vor Brücken vollständig bereinigt werden. Ansonsten ist das nachstehende Vorgehen durchzuführen.
1. Aufzeichnung der zu bereinigenden Flächen
2. Auswertung der Aufzeichnungen
3. Beräumung der betroffenen Flächen
4. erneute Sondierung
5. Entscheidung in Abstimmung mit dem KBD, ob weitergehende Räumung erforderlich ist.
Bei Tauchereinsatz muß der bergende Taucher den Befähigungsschein nach §20 SprengG vorweisen können.
ArbeitsanweisungKBD.doc 20
Separieranlagen bestehen in der Regel aus Siebanlagen in Verbindung mit Metallabscheidern, z. B. Magnetabscheidern (Permanentmagnet) oder Wirbelstromabscheider sowie Schutzeinrichtungen
6.10.2 Einsatzbeschränkung
Separieranlagen dürfen nur eingesetzt werden, wenn die Explosivstoffmenge 100 g pro Munitionsstück nicht übersteigt. In die Separieranlagen dürfen nur Munition und Munitionsteile bis zu 5 cm Kaliberdurchmesser gelangen. Die anrechenbare Explosivstoffmasse ist bei Munition bis 5 cm in der Regel weniger als 100 g. Dies kann durch eine Größenbegrenzung im Aufgabebereich oder eine vorherige Sondierung und Bergung der Großkalibrigen Fundmunition erreicht werden.
hinreichend zu schützen.
Das Personal wird gefährdet durch:
- Luftdruck (Explosionsdruck)
- Splitterflug (Sprengstücke)
- Hitze bzw. Brandwirkung
Schutzeinrichtungen sind:
- Wände aus Sicherheitsglas (Panzerglas)
- Splitterschutzwände aus Holz
- Splitterschutzwände aus Metall
Die Wirksamkeit der Schutzeinrichtungen ist vor Inbetriebnahme der Anlage nachzuweisen.
auszugehen, wenn er einer
Bedienungspersonal ist vor den Gefährdungen durch Kampfmittel
10 g Splittermasse und 1000 m/s Geschwindigkeit
- Sicherheitsglas nach DIN EN 13541 (Widerstandsklasse ER 4)
- Stahlwände (St 37) mindestens 12 mm Wandstärke
Wenn sich Personen im Gefahrenbereich einer Separieranlage außerhalb der gesicherten Arbeitsstände / Plätze befinden, muss die Anlage ausgeschaltet sein. Die Separieranlage ist mindestens mit einer Notausschaltung zu versehen.
Die Fallhöhe der Kampfmittel sind durch Rutschen oder andere bauliche Maßnahmen auf maximal 50 cm zu begrenzen.
Beschickungsgeräte (Bagger / Radlader) Erdbaumaschinen, die zur Beschickung von Separieranlagen verwendet werden, sind allseitig mit Sicherheitsverglasung und verstärkten Stahlplatten auszurüsten. Wenn die Arbeitsgeräte nicht geschwenkt werden und die Explosionsgefahr nur von vorne besteht, ist Sicherheitsverglasung der Frontscheibe und eine Verstärkung der Stahlplatten im Fußbodenbereich ausreichend.
ArbeitsanweisungKBD.doc 21
Außerhalb der Separieranlage Separieranlagen sind so mit Schutzwällen zu versehen oder auf andere Weise zu kapseln, dass die Mitarbeiter der Räumstelle und unbeteiligte Dritte nicht gefährdet werden. Der Platz für die Aufbewahrung der Fundmunition ist im ausreichenden Sicherheitsabstand zur Separieranlage einzurichten.
Grundsätzlich dürfen Arbeiten beim Einsatz von Separieranlagen in der Munitionsbergung nicht allein ausgeführt werden. Für den Betrieb einer Separieranlage ist eine gesonderte Betriebsanweisung zu erstellen in der
- die Überwachung,
- die Meldesysteme
- und die Organisation der Ersten Hilfe festgelegt sind.
Das mit der Beseitigung und den Umgang von Fundmunition beschäftigte Personal muss eine Ausbildung als Ersthelfer nachweisen. Meldeeinrichtungen müssen vorhanden, funktionsbereit und die Beschäftigten in die Organisation der Ersten Hilfe eingewiesen sein. In Lärmbereichen sind folgende Bestimmungen zu beachten,
- Maßnahmen zur Lärmdämmung nach dem Stand der Technik
- Die Verpflichtung Gehörschutz zu tragen
- Arbeitsmedizinische Betreuung (BGV B3) „Lärm“
ArbeitsanweisungKBD.doc 22
Signaturen für die Kampfmittelbeseitigung Im Land Niedersachsen
Stand: 01.11.2001
rot umrahmte Fläche
Mit Kampfmittel verseuchtes Gelände - Grenze des Räumgebiets
rot umrahmte Fläche mit hellblauer Grundierung
Mit Kampfmittel verseuchtes Gewässer
rot umrahmte Fläche mit senkrechter roter Schraffur
Gelände lässt sich nicht räumen Begründung eingeben
grün umrahmte Fläche grüne Schraffur von rechts nach links 45°
Gelände mit Fe-Gerät abgesucht
grün umrahmte Fläche grüne Karierung 45°
Gelände mit Fe- und MS-Gerät abgesucht
Gelände manuell oder maschinell umgesetzt und mit Ortungsgeräten überprüft (Angabe der Umsatztiefe)
grün umrahmte Fläche grün grundiert schwarze Meterangabe
grün umrahmte Fläche grüne Schraffur von rechts nach links 45° grüner Kreis 1 mm Ø
Gelände durch Tiefensondierung (Raster) bereinigt
grün umrahmte Fläche grüne Schraffur von rechts nach links 45° Abstand 0,5 zu 0,25 mm
Gelände durch EDV-gestütztes Fe-Sondenmessverfahren aufgenommen
grün umrahmte Fläche grüne Schraffur von
Gelände durch EDV-gestütztes Fe-Sondenmessverfahren aufgenommen. Fe- Verunreinigungen aufgegraben/abgeborgen
rechts nach links 45° Abstand 1zeilig unterbrochen 0,25
grün / blau umrahmte Fläche, grüne Schraffur von rechts nach links 45° Abstand 4fach 0,5 zu 0,25 mm
Wasserfläche durch EDV- gestütztes Fe-Sondenmessverfahren aufgenommen. Fe- Verunreinigungen abgeborgen
grün umrahmte Fläche aufsteigende schwarze Spitze
Entmunitionierte Fläche Abnahme durch KBD
ArbeitsanweisungKBD.doc 23
violett umrahmte Fläche grüne Schraffur von rechts nach links 45°
grün umrahmte Fläche
Keine Bombardierung nach Luftbildauswertung erkennbar
schwarze Zahl im Kreis
Bezeichnung des Abnahmeabschnitts
roter Kreis 1 mm Ø
vermutlicher Bombenblindgänger
roter Kreis 1 mm Ø grün ausgemalt
Erl.- kein Bombenblindgänger
grüner Kreis 1 mm Ø grün ausgemalt
geborgener Bombenblindgänger
grüner Kreis 1 mm Ø grün ausgemalt und schwarzes „Z“
geborgener Bombenblindgänger Zerscheller
schwarze Kreis mit schwarze „T“
roter Halbkreis
Mine aller Art
auf Grundlinie
roter Kreis schwarze Buchstaben „CH“
rot / blau Parallellinie
Ver- und Entsorgungsleitungen jeglicher Art
rot eckiges offenes Teilrund
rot Zickzacklinie
Sperrgräben
rot Quadrat Seitenlänge 1 mm
blauer Kreis 1 mm Ø
Sonderpunkt Kleinmunition / Flak
ArbeitsanweisungKBD.doc 24
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