Source: https://kratzwald.wordpress.com/2012/11/16/omnibus-und-niemandsland/
Timestamp: 2017-05-28 10:24:34+00:00

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Omnibus und Niemandsland | Nordwind
Posted on 16. November 2012 by Brigitte Kratzwald	Am 10. November habe ich den Eröffnungsvortrag bei der Regionalkonferenz von Attac NRW gehalten. Es ging um eine Analyse der aktuellen Krisensituation und die Ansatzpunkte für Alternativen. Ich habe natürlich bei einer Attac-Regionalkonferenz nicht die Finanzkrise analysiert, das hätte geheißen, Eulen nach Athen zu tragen, sondern habe die grundsätzliche Systemkrise, die Krise der Reproduktion, wie es die Feministinnen manchmal nennen und die Krise des westlichen, rationalen Denkens in der Tradition der Aufklärung dargestellt. Und anschließend wesentliche Aspekte, an denen sich Alternativen orientieren sollten. Die Commons waren nur eine davon, dazu gab es nachher noch einen eigenen Workshop. Die Folien zum Vortrag gibt’s hier.
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Kolja Mendler, on 17. November 2012 at 12:27 said:	Hallo Brigitte,
ich glaube, die Veranstaltung am Freitag mit Götz Werner und Johannes Stüttgen in Krefeld hätte dich auch interessiert. Götz Werner eher weniger, der sich dadurch auszeichnete, dass er auf kritische Fragen mit Anekdötchen antwortete, die zwar humorig waren, aber mit der Frage nichts zu tun hatten. Johannes Stüttgens Beitrag zum BGE, direkter Demokratie und sozialer Plastik allerdings hätte wunderbar zu deinem Text gepasst, denn er hat ausdrücklich betont, dass es beim BGE nicht darum gehe, die Menschen nur „als KonsumentInnen funktionsfähig“ zu halten. Es gehe vielmehr darum, den Menschen ein tätiges Leben zu ermöglichen, so dass Geben und Nehmen einen Kreislauf bilden. Johannes Stüttgen hat auch genau wie du hervorgehoben, dass man Geld nicht essen könne und dass es sich letztlich nur um bedrucktes Papier handele – das BGE sei aber nicht nur dieser (Geld)-„Schein“, sondern die Teilhabe an der in der Gesellschaft produzierten Gütern. Ein BGE allerdings, das in Form von Lebensmitteln und Sachgütern verteilt würde, stieße wohl bei den meisten Menschen auf wenig Begeisterung. Die Geldform hat eben doch den großen Vorteil, dass sie mich unabhängig macht von den zufällig an diesem Ort und zu dieser Zeit real vorhandenen Produkten. Wenn mich jemand an seiner Wirsingernte teilhaben lässt, so mag das ja nett gemeint sein, aber leider mag ich keinen Wirsing, deshalb ist mir in diesem Fall eine Geldmünze lieber. Ich habe an dem Abend auch viel darüber nachgedacht, dass das BGE ja eigentlich gar keine neue Erfindung ist. Das gibt es schon seit Jahrtausenden, nur war es früher auf kleinere Menschengruppen beschränkt: In der Antike mussten Sklaven für das BGE der Aristokraten arbeiten, damit diese sich der Philosophie und Knabenliebe widmen konnten (um hier mal die typischen Klischees zu bedienen ….). Im Mittelalter arbeiteten leibeigene Bauern für das BGE der Adeligen. Nach der Französischen Revolution wurde dann einfach das BGE für Adelige abgeschafft, anstatt das BGE für alle einzuführen – eine Entwicklung, die jetzt in unseren Hartz-IV-Gesetzen gipfelt mit dem Arbeitszwang für alle, selbst wenn keine Arbeit da ist. Genau hier müssen wir mit einem neuen Denken ansetzen, um zu einem neuen gesellschaftlichen Verhältnis zu Arbeit und Einkommen zu gelangen.
Antwort	Brigitte Kratzwald, on 17. November 2012 at 20:18 said:	Ich hab inzwischen einiges von Johannes Stüttgen gelesen und würde das genau so sehen wie du – umso wichtiger wäre es, dass sich die Omnibusleute auch um die Art der Finanzierung kümmern würden, sonst kann das einfach nicht garantiert werden.

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