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Timestamp: 2019-10-23 20:25:58+00:00

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Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten bei Baudenkmälern optimal nutzen
von Prof. Dr. Dennis Klein, Steuerberater, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, Hannover/Toppenstedt
Die steuerliche Denkmalförderung genießt den Ruf einer der „letzten Steuer-Sparoasen" auf deutschem Boden (Kaligin, DStR 08,1763). Sie eröffnet sowohl bei Erwerbs- als auch bei Privatnutzung von Baudenkmälern privilegierte Abzugsmöglichkeiten von Herstellungs- und Erhaltungsaufwendungen. Freilich sind gewisse Fallstricke zu beachten, wenn man sich die beachtlichen Gestaltungsspielräume bei Sanierungsfällen sichern will.
1. Sinn und Zweck der steuerlichen Denkmalförderung
Die steuerliche Denkmalförderung dient der Kompensation der Zusatzbelastungen, denen Denkmaleigentümer durch die Denkmalschutzbestimmungen ausgesetzt sind. Der Denkmalschutz bezweckt den Erhalt historischer Bausubstanz als sichtbarem Zeichen des kulturellen und historischen Erbes in Deutschland (BVerwG 5.5.15, 9 C 6.14, BFH/NV 15, 1327). Als Ausprägung der Sozialbindung des individuellen Eigentums nach Art. 14 Abs. 2 GG beschränkt der Denkmalschutz die Eigentumsfreiheit, z. B. hinsichtlich Umbau- oder Renovierungsmaßnahmen. Die Rentabilität betroffener Objekte kann gegenüber Neubauten dann schnell ins Hintertreffen geraten.
(Erhalt historischer Bausubstanz wird angestrebt)
Hier setzen die steuerlichen Begünstigungen an. Sie sollen einen Ausgleich für diese Mehrbelastungen schaffen, um Investitionen in historische Bausubstanz auch für Private attraktiv werden zu fassen (Ges.-Begr. v. 13.9.77, BT-Drs. 8/896, S. 5). Nicht die Investitionen an sich, nur die denkmalspezifischen Zusatzbelastungen sind Fördergegenstand (FG Sachsen-Anhalt 27.2.13, 3 K1620/09, EFG 13,1573). Folgerichtig sind gem. §§ 7i, 10f EStG grundsätzlich auch nur Herstellungskosten und gem. § 11b EStG Erhaltungsaufwendungen begünstigt. Nicht erfasst sind die Anschaffungskosten der historischen Bausubstanz. Diesbezüglich bleibt es bei der herkömmlichen Gebäude-AfA nach § 7 Abs. 4 EStG. Denn die Denkmalschutzbelastungen zeigen sich nicht beim Erwerb, sondern erst bei Nutzung oder Umbau des Denkmals.
(Gefördert werden nur denkmalspezifische Zusatzleistungen)
Ein Steuerpflichtiger erwirbt für 200.000 EUR ein denkmalgeschütztes historisches Gebäude von 1850, das aber stark sanierungsbedürftig und vom Verfall bedroht ist. Auf den Grund und Boden entfallen 150.000 EUR des Kaufpreises, auf die historische Bausubstanz 50.000 EUR. Insoweit gelten keine Besonderheiten, die 50.000 EUR Anschaffungskosten für das Gebäude sind bei Erwerbsnutzung gem. § 7 Abs. 4 S. 1 Nr. 2 b) EStG mit 2,5 % abzuschreiben. Nach dem Erwerb saniert der Steuerpflichtige das Gebäude in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde und wendet für diese Baumaßnahmen 300.000 EUR auf.
(Bei Erwerbsnutzung AfA von 2,5%)
An sich lägen anschaffungsnahe Herstellungskosten nach § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG vor, die ebenfalls mit 2,5 % abzuschreiben wären. Soweit die Herstellungskosten jedoch zur Erhaltung als Baudenkmal erforderlich waren, kann der Steuerpflichtige diese 300.000 EUR stattdessen nach § 7i EStG im Jahr der Herstellung und den sieben Folgejahren mit 9 % und anschließend vier Jahre mit 7 % abschreiben. Die Sanierung kann also in nur 12 Jahren abgeschrieben werden (anstelle von 40 Jahren).
(Sanierung in nur zwölf Jahren abgeschrieben)
Weil der Denkmalschutz auch die private Denkmalnutzung belastet, fördert § 10f EStG ausnahmsweise auch eigene Wohnzwecke (BFH 14.1.04, X R19/02, BFH/NV 04,1021) - eine der wenigen Ausnahmen vom generellen Abzugsverbot privater Lebenshaltungskosten in § 12 Nr. 1 EStG. Unter den übrigen Voraussetzungen von § 7i EStG dürfen Steuerpflichtige Baumaßnahmen an zu eigenen Wohnzwecken genutzten Baudenkmälern im Jahr des Abschlusses der Baumaßnahmen und den neun Folgejahren bis zu 9 % als Sonderausgaben abziehen.
2. Erwerbsnutzung von Baudenkmälern
Bei der Erwerbsnutzung von Baudenkmälern stehen Fragen zu Abschreibungsmöglichkeiten und zum Abzug laufender Erhaltungsaufwendungen im Vordergrund. Nicht zu vernachlässigen sind jedoch die formalen Erfordernisse.
(Formale "Hürden" nicht zu vernachlässigen)
2.1 Bescheinigung der Denkmalschutzbehörde
Die formalen Erfordernisse beginnen bereits mit den Verfahrens- und Nachweisvorschriften. Zwingend erforderlich ist gem. § 7i EStG eine Bescheinigung der Denkmalschutzbehörde insbesondere darüber, dass
es sich überhaupt um ein Baudenkmal handelt (typischerweise nachgewiesen durch Eintrag in die Denkmalschutzliste),
die konkreten Baumaßnahmen und deren Kosten zur Erhaltung des Gebäudes oder zu dessen sinnvoller Nutzung erforderlich waren und
die Baumaßnahmen vorab mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt waren (Antrag gem. § 40 DSchG NRW).
Es handelt sich bei dieser Bescheinigung um einen Grundlagenbescheid nach § 171 Abs. 10 AO, an den das Finanzamt gebunden ist (BFH 11.6.03, IX R 79/97, BStBl II 03, 578). Die Bindungswirkung ist allerdings beschränkt auf die denkmalschutzrechtlichen Voraussetzungen.
(Finanzamt ist an den Grundlagenbescheid gebunden)
Die Finanzämter entscheiden in eigener Sachkompetenz, ob und inwieweit aus steuerlicher Sicht (nachträgliche) Herstellungskosten vorliegen oder selbstständige Wirtschaftsgüter geschaffen werden (BFH 24.6.09, X R 8/08, DStR 09,1745; OFD Frankfurt/M. 22.12.15, S 2198b A-4-St 214).
Im Zuge der Sanierung eines Denkmals errichtet ein Steuerpflichtiger in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt zusätzlich eine Tiefgarage. Auch wenn diese mit der Sanierung zusammenhängt, handelt es sich um ein eigenständiges Wirtschaftsgut, für welches das Finanzamt die Denkmal-AfA nicht gewähren wird.
Im Übrigen sind die Finanzämter aber an die Bescheinigung der Denkmalschutzbehörden gebunden, insb. was die bautechnischen Feststellungen mitsamt ihrer Kosten anbelangt (BFH 14.1.04, X R 19/02, BStBl II 04, 711; Fischer, FR 04, 836), Insofern genießen Steuerpflichtige Vertrauensschutz.
Zu einem Problem kann die Bearbeitungsdauer der Denkmalschutzämter werden. Sollte deren Bescheinigung bei der Veranlagung noch nicht vorliegen, sperren sich Finanzämter mitunter gegen die erhöhte Abschreibung (OFD NRW 17.2.15, Kurzinfo ESt 5/2015; Kaligin, DStR 08,1766). Die nachträgliche Erteilung oder Vorlage einer Bescheinigung gilt nicht als rückwirkendes Ereignis, sodass keine Korrektur nach § 175 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 AO erfolgen kann (BFH 14.5.14, X R 7/12, BStBl I115,12).
(Nachträglich erteilte Bescheinigung kein rückwirkendes Ereignis)
Unterlassene Absetzungen sind in späteren Veranlagungszeiträumen nicht nachholbar (Marx in: Kanzler/Kraft/Bäuml, EStG, § 7i Rn. 62). Bei Erlass des Folgebescheides vor dem Grundlagenbescheid laufen Steuerpflichtige somit Gefahr, die Steuerbegünstigung zu verlieren.
Es liegt im pflichtgemäßen Ermessen der Finanzämter, die Steuerminderung ggf. im Wege der Schätzung nach § 162 Abs. 5 AO anzuerkennen. Maßgeblich ist, inwiefern das Finanzamt die Tatbestandsvoraussetzungen von § 7i EStG aus den vorliegenden Urkunden und Umständen absehen kann (BFH 14.5.14, X R 7/12, BStBl II 15, S. 12). Auch ohne Bescheinigung kann bereits ein Anspruch auf die Berücksichtigung bestehen, Steuerpflichtige sollten dies gegenüber ihrem Finanzamt unbedingt einfordern. Alternativ sind sicherheitshalber die Steuerbescheide offenzuhalten, um über die spätere Bescheinigung im Nachhinein eine Korrektur zu erlangen.
(Steuerminderung trotz ausstehender Bescheinigung unbedingt einfordern)
Das Wichtigste ist, auf die lückenlose Abstimmung mit den Denkmalschutzämtern vor Beginn der jeweiligen Baumaßnahme zu achten. Nachträglich vorlegen lassen sich Bescheinigungen unter den vorgenannten Bedingungen durchaus - nachträglich erstellen aber nicht unbedingt.
2.2 Bauherrenmodelle
Unter Umständen sind sogar Anschaffungskosten nach § 7i Abs. 1 S. 5 EStG begünstigt. Gedacht ist hierbei insbesondere an Bauherren- bzw. Bauträgermodelle, bei denen Steuerpflichtige von einem Bauträger ein noch zu sanierendes Baudenkmal oder Teile hiervon erwerben (SenVerw. für Finanzen Berlin 17.3.15, S 2198b-1/2014-1).
(Erwerb eines Baudenkmals von einem Bauträger)
Ein Bauträger plant die denkmalgerechte Sanierung eines denkmalgeschützten aber sanierungsbedürftigen Mehrfamilienhauses und wirbt für die einzelnen Wohnungen um Investoren. Unter Regie des Bauträgers erfolgt die denkmalgerechte Sanierung, die Erwerber ziehen anschließend selbst ein oder vermieten die Wohnungen. Nach § 7i Abs. 1 S. 5, Abs. 3 EStG bzw. § lOf Abs. 1 und Abs. 5 EStG dürfen die Erwerber die steuerliche Förderung beanspruchen; der Bauträger kann das Projekt mit diesen steuerlichen Vorteilen auch gezielt bewerben.
(Steuerliche Förderung steht den Käufern zu)
GESTALTUNGSHINWEIS 1
Für die Erwerber ist es wichtig, dass die Baumaßnahmen erst nach dem Abschluss des obligatorischen Erwerbsvertrags durchgeführt werden. Nur insofern entfallen die Baumaßnahmen auf „ihr" Baudenkmal, sodass auch nur insoweit die denkmalspezifische Förderung gerechtfertigt ist. Erwerben die Investoren hingegen ein bereits fertig saniertes Baudenkmal, geht die steuerliche Denkmal-AfA verloren. Es gilt also der Grundsatz: „Erst kaufen, dann renovieren!" (Kaligin, DStR 08,1763; Paus, EStB 09, 239).
(Grundsatz: Erst kaufen, dann renovieren!)
GESTALTUNGSHINWEIS 2
Des Weiteren ist im Kaufvertrag aufzuschlüsseln, inwieweit der Kaufpreis auf Grund und Boden, Altsubstanz und auf die allein förderbaren noch vorzunehmenden Baumaßnahmen entfällt. Solange die Anteile für Grund und Boden sich hierbei an den Bodenrichtwerten und die der Altbausubstanz an den Einstandspreisen des Bauträgers orientieren, ist die Finanzverwaltung an dahin gehende Aufteilungsvereinbarungen gebunden. Die gleichgerichteten Interessen von Bauträger und Erwerbern an möglichst hoher Steuerbegünstigung rechtfertigen nicht per se, den Aufteilungsmaßstab zu verwerfen (BFH 26.8.08, IX B 63/08; FG Thüringen 20.2.08, III 760/05, EFG 08,1140).
Förderbar sind im Übrigen auch die Funktionsträgergebühren des Bauträgers, da dessen Koordinierungsleistung eine eigenständige Leistung im Interesse des Denkmalerhalts ist (vgl. BMF 20.10.03, IV C 3 - S 2253a - 68/03, BStBl I 03, 566; Kleeberg, FR 97, 176 (175). Die hierauf entfallenden Kosten sollten daher in die Bescheinigung der Denkmalbehörde aufgenommen sein.
(Gebühren für Koordination durch Bauträger ebenfalls förderbar)
2.3 Umbauten und Neubauten
Nur die Sanierung und der Erhalt historischer Bausubstanz sind förderwürdig. Für den Abriss und originalgetreuen Nachbau kann keine Förderung beansprucht werden (BFH 26.6.09, X R 8/08, BStBl II 09, 960). Werden nur Teile eines Denkmals erhalten, sind auch nur die auf diese Teile entfallenden Kosten zu berücksichtigen (Kulosa, in: Schmidt, EStG, 35. Aufl. 2016, § 7i EStG Rn. 3).
Von einem Baudenkmal wird lediglich die ursprüngliche Fassade originalgetreu erhalten, der dahinter liegende Baukörper hingegen komplett neu nach aktuellem Stand der Technik und Nutzungsbedarf errichtet. Nur die auf den Erhalt der Fassade entfallenden Kosten kommen für die Förderung in Betracht, im Übrigen handelt es sich um einen Neubau.
Schwieriger ist die Abgrenzung, wenn der historischen Bausubstanz Teile hinzugefügt werden:
Zum Gebäudeerhalt erforderliche Baumaßnahmen gehören zum förderbaren Bereich, etwa wenn Komponenten wie Fenster oder Dacheindeckungen ausgetauscht werden müssen. Aber nicht nur die zum technischen Erhalt, sondern auch die zu einer sinnvollen Nutzung erforderlichen Baumaßnahmen rechnen hierzu (SenVerw. für Finanzen Berlin 17.3.15, S 2198 b-1/2016-1).
(Nicht nur Aufwand für technischen Erhalt begünstigt)
Zur Erhaltung eines Baudenkmals erforderliche Herstellungskosten können auch dann noch vorliegen, wenn nach steuerrechtlichen Grundsätzen bereits von einem Neubau auszugehen wäre. Dies kann auch umfangreiche Umfunktionierungen bedingen (OFD NRW 1.10.15, S 2198b - 2015/0002 - St 231, EStG-Kartei NW § 7i Nr. 807). Wenn etwa eine alte Mühle nicht mehr als Betrieb nutzbar ist, sondern in eine Pension umgebaut werden soll, ist der Neueinbau von Bädern, Fenstern, Trennwänden etc. zu einer sinnvollen zeitgemäßen Nutzung erforderlich. Auch ein zeitgemäßer bautechnischer Standard und das Erfüllen aktueller Komfortbedürfnisse dürften hier regelmäßig erforderlich sein (Kulosa in: Schmidt, EStG, § 7i EStG, Rn. 3).
(Auch umfangreiche Umfunktionierungen können gefördert werden)
Ein denkmalgeschütztes Gebäude weist noch Einfachverglasung und Etagentoiletten auf. Der Einbau neuer Fenster und Bäder in den jeweiligen Wohnungen ist für eine sinnvolle Nutzung erforderlich, die Kosten hierfür sind nach § 7i EStG begünstigt. Erst recht gilt dies für die Erfüllung aktueller sicherheitsrelevanter Baumaßnahmen. Soll ein alter Gutshof z. B. zu einem Hotel umgebaut werden, sind die Sanierungsmaßnahmen zum Brandschutz, Anlegen von Rettungswegen und ggf. zusätzlicher Treppen für eine sinnvolle Nutzung regelmäßig erforderlich. All diese Aufwendungen sind somit steuerbegünstigt.
(Maßnahmen zur Erfüllung von Sicherheitsstandards unproblematisch)
2.4 Luxussanierungen
Erforderlichkeit liegt indes nur so lange vor, wie eine wirtschaftliche Nutzung andernfalls ausgeschlossen ist; die bloße Nutzungsverbesserung im Sinne einer Rentabilitätssteigerung reicht nicht aus (Beck, DStR 09, 1413). Deutlich wird dies insbesondere bei sog. Luxussanierungen.
Wenn etwa in einem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus weitere Wohneinheiten durch den Ausbau des Dachgeschosses geschaffen werden sollen, verbessert dies zwar die Rendite des Objekts. Schon vorher war indes in den fünf Stockwerken darunter eine Nutzung möglich, sodass der Dachgeschossausbau nicht erforderlich ist.
(Maßnahme muss auch erforderlich sein)
Aufwendungen für neue Gebäudeteile oder zur Erweiterung der Nutzfläche sind dementsprechend regelmäßig nicht begünstigt. Einzige Ausnahme, wenn ohne diese Maßnahmen eine denkmalgerechte Nutzung objektiv ausgeschlossen wäre - was ebenfalls bescheinigt werden müsste.
2.5 Sonderbehandlung von Erhaltungsaufwand
Erhaltungsaufwand fällt an, um die Bausubstanz in der bisherigen Form aufrechtzuerhalten. Er umfasst Aufwendungen, durch die das Baudenkmal weder erweitert noch über seinen ursprünglichen Zustand hinaus wesentlich verbessert wird (BFH 9.5.95, IX R 116/92, BStBl II 96, 632). Hierzu rechnen z. B. das Anstreichen der Fenster oder der Einbau von Messgeräten zur verbrauchsabhängigen Abrechnung von Heiz- und Wasserkosten. Typischerweise gilt für diese laufenden Aufwendungen das Zu- und Abflussprinzip des § 11 Abs. 2 EStG. Sie werden also dann in voller Höhe abgezogen, wenn sie anfallen. Da Erhaltungsaufwand aber häufig aperiodisch anfällt, gewährt § 11b EStG ein Wahlrecht, diesen auf zwei bis fünf Jahre gleichmäßig zu verteilen.
Die Ausübung des Wahlrechts kann sinnvoll sein, wenn sich in einzelnen Jahren angefallene Aufwendungen ab einer bestimmten Höhe steuerlich nicht mehr auswirken würden.
3. Eigene Wohnzwecke
Die eigene Wohnnutzung von Baudenkmälern unterliegt den gleichen Beschränkungen durch den Denkmalschutz, kann mangels Mieterträgen o. Ä. aber noch belastender sein. Nach § 10f EStG dürfen Steuerpflichtige darum ausnahmsweise entgegen § 12 Nr. 1 EStG Kosten eines selbstbewohnten Baudenkmals wie Sonderausgaben abziehen. Da im Gegensatz zur Erwerbsnutzung keine AfA anfällt, wird nicht zwischen Herstellungskosten und Erhaltungsaufwendungen unterschieden. Stattdessen sind beide Aufwandsarten im Jahr der Entstehung und den neun Folgejahren bis zu 9 % wie Sonderausgaben abziehbar. Bedingung ist, dass die übrigen Tatbestandsvoraussetzungen nach § 7i EStG eingehalten sind, also die Denkmalbescheinigung, vorherige Abstimmung der Baumaßnahmen etc.
(Abzug der Kosten wie Sonderausgaben)
3.1 Erhaltungsaufwandverteilung nach § 11b EStG
Fraglich ist allerdings, ob auch das Wahlrecht nach § 11b EStG bei selbstbewohnten Baudenkmälern greift. Die überwiegende Auffassung lehnt dies ab, da für die private Wohnnutzung ausschließlich § 10f EStG als Sonderregelung gelten solle (Siebenhüter in: H/H/R, EStG, § 11b EStG Rn. 3). Der Gesetzeswortlaut und die Systematik sprechen gleichwohl für ein Wahlrecht. Dem Wortlaut nach ist nämlich sowohl in § 10f EStG als auch § 11b EStG von „Erhaltungsaufwand" die Rede. In ein und demselben Gesetz verwendete Begriffe sind einheitlich auszulegen (BFH 25.11.02, GrS 2/01, BStBl II 03, 54-8). § 11b EStG ist eine Sonderregelung im Rahmen des Zu- und Abflussprinzips, das auch für Sonderausgaben gilt. Da privater Erhaltungsaufwand nach § 10f Abs. 2 EStG ohne weitere Einschränkungen „wie Sonderausgaben" zu behandeln ist, gilt für ihn nicht nur § 11 EStG, sondern auch § 11b EStG.
(Wahlrecht wird überwiegend abgelehnt,...)
Im Hinblick auf die abweichende Praxis der Finanzverwaltung bedarf es freilich zunächst eines Steuerpflichtigen, der diesen Streit durchficht.
(...solte aber einmal "durchgefochten" werden)
3.2 Private Heizkosten als Erhaltungsaufwand
Eine weitere interessante Frage stellt sich bei der Abgrenzung von begünstigtem Erhaltungsaufwand und nicht begünstigten Betriebskosten. Bei Erwerbsnutzung ist dies nur von untergeordneter Bedeutung, da die laufenden Betriebskosten jedenfalls als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar sind. Bei der Privatnutzung kommen allenfalls die denkmalspezifisch erhöhten Erhaltungsaufwendungen in Betracht (vgl. FG Münster 19.11.09, 8 K 1089/06 E, EFG 10, 703). Betriebskosten wie etwa Heizkosten sind hingegen typische nicht abziehbare private Lebensführungskosten. Was aber gilt, wenn diese Betriebskosten zwangsweise wegen des Baudenkmals erhöht sind?
Ein Steuerpflichtiger bewohnt ein altes Wasserschloss aus dem 18. Jahrhundert. Im Winter muss er die Räume beheizen, weil sonst die Feuchtigkeit auf Dauer die Wände beschädigen würde. Aus Denkmalschutzgründen sind isolierende Dämmmaßnahmen nicht möglich. Heizkosten sind zwar an sich nicht begünstigte Betriebskosten, erscheinen in diesem Fall aber wie „prophylaktischer" Erhaltungsaufwand.
(Heizkosten als "prophylaktischer" Erhaltungsaufwand...)
Jedenfalls soweit aus Denkmalschutzgründen energetische Baumaßnahmen ausgeschlossen sind, kann sich erhöhter Heizaufwand als Erhaltungsaufwand darstellen. Wenn ohne die Beheizung Gebäudeschäden drohen, ist dieser Aufwand zugleich zur Erhaltung des Denkmals erforderlich. Vor dem Förderzweck Denkmalerhalt erscheint es widersinnig, die Kosten zur Vermeidung des Gebäudeverfalls nicht zu fördern (erhöhte Heizkosten), sondern nur die dann erst erforderlich werdenden Kosten zur Beseitigung der Substanzschäden (Erhaltungsaufwand). Nach § 10f Abs. 2 EStG besteht die Abzugsmöglichkeit freilich nur, soweit die Heizkosten denkmalspezifisch erhöht sind und diese Kausalität nachgewiesen ist.
(...zur Verhinderung des Gebäudeverfalls)
3.3 Häusliche Arbeitszimmer und doppelte Haushaltsführung
Bei häuslichen Arbeitszimmern und doppelter Haushaltsführung liegt zwangsläufig keine Privatnutzung vor. Stattdessen sind hiermit zusammenhängende Kosten als Werbungskosten abziehbar. Problematisch ist, wie sich die Abzugsbeschränkungen auf 1.250 EUR für das häusliche Arbeitszimmer (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b EStG) und 1.000 EUR für die Unterkunftskosten (§ 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 5 EStG) auswirken. Die Aufwandspauschalen verdrängen aus zulässigen Vereinfachungsgründen den tatsächlichen Werbungskostennachweis, sodass insoweit für § 7i EStG kein Raum bleibt (BFH 13.11.15, IX B 82/15, BFH/NV16,197). Sofern ein Steuerpflichtiger Werbungskosten ansetzt, ist die Berücksichtigung von Sonderausgaben verdrängt (BFH 27.7.00, X R 91/97, BStBl II 00, 692). Für § 10f EStG bleibt also auch kein Anwendungsbereich. (Wirkung der Aufwandspuschalen sollte man im Blick haben)
Freilich haben es Steuerpflichtige in der Hand, Werbungskosten geltend zu machen oder nicht. Es existiert keine Verpflichtung, Werbungskosten anzusetzen (BFH 14.1.04, X R 19/02, FR 04, 832). Dementsprechend sollte ein Steuerpflichtiger bei Denkmalnutzung vor Ansatz von häuslichem Arbeitszimmer oder doppelter Haushaltsführung berücksichtigen, ob nicht stattdessen der Abzug wie Sonderausgaben nach § 10f EStG günstiger ist, da es dort keine Abzugspauschalierung gibt.
(Hier sollte genau gerechnet werden)
Wichtig ist zuvörderst, bei Sanierungsmaßnahmen die vorherige Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden zu beachten und sich diese bescheinigen zu lassen. Dann aber eröffnen sich sowohl für die Erwerbs- als auch die Privatnutzung erhebliche Steuersparmöglichkeiten.
Ein Muster für einen Antrag auf Ausstellung einer Steuerbescheinigung gemäß § 40 DSchG am Beispiel Nordrhein-Westfalens haben wir nachfolgend für Sie abgedruckt (Original-Antragsformulare im Internet abrufbar!):
Download Musterformulierung – PDF (178 KB)

References: Art. 14
 § 11
 § 7
 § 7
 § 6
 § 7
 § 10
 § 12
 § 7
 § 7
 § 40
 § 171
 § 175
 § 7
 § 162
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 7
 § 11
 § 11
 § 10
 § 12
 § 7
 § 11
 § 11
 § 10
 § 11
 § 10
 § 11
 § 11
 § 10
 § 11
 § 11
 § 10
 § 7
 § 10
 § 10
 § 40