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Timestamp: 2020-07-13 18:45:07+00:00

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Der untätige Bundestagsausschuss | Rechtslupe
Gemäß § 64 Abs. 1 BVerfGG ist ein Antrag im Organ­streit­ver­fah­ren nur zuläs­sig, wenn der Antrag­stel­ler gel­tend macht, dass er oder das Organ, dem er ange­hört, durch eine Maß­nah­me oder Unter­las­sung des Antrags­geg­ners in sei­nen ihm durch das Grund­ge­setz über­tra­ge­nen Rech­ten und Pflich­ten ver­letzt oder unmit­tel­bar gefähr­det ist.
Der Organ­streit dient maß­geb­lich der gegen­sei­ti­gen Abgren­zung der Kom­pe­ten­zen von Ver­fas­sungs­or­ga­nen oder ihren Tei­len in einem Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis, hin­ge­gen nicht der davon los­ge­lös­ten Kon­trol­le der objek­ti­ven Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit eines bestimm­ten Organ­han­delns [1].
Erfor­der­lich ist, dass Antrag­stel­ler und Antrags­geg­ner in einem ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen, aus dem sich Rech­te und Pflich­ten erge­ben, die zwi­schen ihnen strei­tig sind [2]. Der Antrag­stel­ler muss durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me in sei­nem durch die Ver­fas­sung geschütz­ten Rechts­kreis kon­kret betrof­fen sein [3].
Hand­lun­gen, die nur vor­be­rei­ten­den oder voll­zie­hen­den Cha­rak­ter haben, schei­den als Angriffs­ge­gen­stand im Organ­streit aus [4].
Vor­lie­gend ist ins­be­son­de­re frag­lich, ob die erfor­der­li­che Antrags­be­fug­nis gege­ben ist. Zwar hat der Initi­ant eines Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens Anspruch auf Bera­tung und Beschluss­fas­sung sei­ner Vor­la­ge [5]. Die­ser Anspruch ergibt sich aus dem Wesen des Geset­zes­in­itia­tiv­rechts und gilt für alle gemäß Art. 76 Abs. 1 GG Initia­tiv­be­rech­tig­ten glei­cher­ma­ßen [6]. Der Befas­sungs­an­spruch des Geset­zes­in­iti­an­ten rich­tet sich aber gegen das Ple­num des Bun­des­ta­ges, das als Organ der Gesetz­ge­bung die Geset­ze gemäß Art. 77 Abs. 1 Satz 1 GG beschließt [7]. Dem­ge­gen­über ist die Bera­tung eines Gesetz­ent­wurfs durch die Aus­schüs­se des Bun­des­ta­ges als bloß vor­be­rei­ten­de Hand­lung des par­la­men­ta­ri­schen Innen­be­reichs zu qua­li­fi­zie­ren.
Einer Ver­let­zung der aus Art. 76 Abs. 1 GG fol­gen­den – pro­zess­stand­schaft­lich gel­tend gemach­ten – Befas­sungs­rech­te des Bun­des­ta­ges könn­te ent­ge­gen­ste­hen, dass die Aus­schüs­se die Wahr­neh­mung der dem Ple­num oblie­gen­den Rech­te und Pflich­ten zur Bera­tung und Beschluss­fas­sung von Gesetz­ent­wür­fen nicht blo­ckie­ren kön­nen. Das wird nicht nur durch die Rechts­pflicht zur bal­di­gen Erle­di­gung über­wie­se­ner Vor­la­gen (§ 62 Abs. 1 Satz 1 GO-BT) ver­hin­dert, der die Aus­schüs­se sich nicht ent­zie­hen dür­fen [8]. Hin­zu kommt, dass gemäß § 62 Abs. 2 GO-BT zehn Sit­zungs­wo­chen nach Über­wei­sung auf Antrag einer Frak­ti­on oder von fünf vom Hun­dert der Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges ein Bericht über den Stand der Bera­tun­gen im Aus­schuss gegen­über dem Bun­des­tag zu erfol­gen hat, der auf deren Ver­lan­gen auf die Tages­ord­nung des Bun­des­ta­ges zu set­zen ist. Dabei ist der Bun­des­tag nicht gehin­dert, dem Aus­schuss Fris­ten für die wei­te­re Bera­tung einer Geset­zes­vor­la­ge vor­zu­ge­ben. Vor allem aber eröff­net § 80 Abs. 2 GO-BT dem Bun­des­tag die Mög­lich­keit, auf Antrag einer Frak­ti­on oder von fünf vom Hun­dert sei­ner Mit­glie­der mit einer Zwei­drit­tel­mehr­heit der anwe­sen­den Mit­glie­der den Ein­tritt in die zwei­te Lesung einer Geset­zes­vor­la­ge ohne Aus­schus­s­über­wei­sung zu beschlie­ßen [9]. Damit kann das Ple­num des Bun­des­ta­ges sei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Befas­sungs­pflich­ten Rech­nung tra­gen, ohne das Ergeb­nis der Aus­schuss­be­ra­tun­gen abwar­ten zu müs­sen. Dies spricht dafür, dass es sich bei den Rege­lun­gen der Geschäfts­ord­nung des Bun­des­ta­ges zur Betei­li­gung der Aus­schüs­se am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren um blo­ßes par­la­men­ta­ri­sches Bin­nen­recht han­delt.
Dem Erlass der bean­trag­ten einst­wei­li­gen Anord­nung steht im hier ent­schie­de­nen Fall jeden­falls ent­ge­gen, dass ein auf Bera­tung und Beschluss­fas­sung über die vor­ge­leg­ten Gesetz­ent­wür­fe gerich­te­ter Ver­pflich­tungs­an­trag im Haupt­sa­che­ver­fah­ren offen­sicht­lich unbe­grün­det wäre. Unab­hän­gig davon, wel­che Fol­ge­run­gen für die ver­fas­sungs­recht­li­che Pflich­ten­stel­lung des Aus­schus­ses für Recht und Ver­brau­cher­schutz des Deut­schen Bun­des­ta­ges aus Art. 76 Abs. 1 GG abzu­lei­ten sind, ist dem Vor­brin­gen der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­frak­ti­on eine zu ihren Las­ten miss­bräuch­li­che Hand­ha­bung des Geset­zes­in­itia­tiv­rechts und damit eine Ver­let­zung des Befas­sungs­an­spruchs des Geset­zes­in­iti­an­ten nicht zu ent­neh­men.
Aus dem Geset­zes­in­itia­tiv­recht und dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang des Art. 76 Abs. 1 zu Art. 77 Abs. 1 und Art. 78 GG folgt das Recht des Initi­an­ten, "dass das Gesetz­ge­bungs­or­gan sich mit sei­nem Vor­schlag beschäf­tigt. Es muss dar­über bera­ten und Beschluss fas­sen" [10]. Dabei kommt der öffent­li­chen Bera­tung eines Gesetz­ent­wurfs als Teil der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung ein Eigen­wert auch dann zu, wenn der Initi­ant mit sei­nem Geset­zes­vor­schlag schei­tert. Von einer Ver­let­zung des Befas­sungs­an­spruchs ist aus­zu­ge­hen, wenn die Bera­tung und Beschluss­fas­sung eines Gesetz­ent­wurfs ohne sach­li­chen Grund gänz­lich oder auf unbe­stimm­te Zeit ver­wei­gert wird [11].
In zeit­li­cher Hin­sicht beinhal­tet das Befas­sungs­recht des Geset­zes­in­iti­an­ten die Pflicht der Gesetz­ge­bungs­or­ga­ne, über Vor­la­gen "in ange­mes­se­ner Frist" zu bera­ten und Beschluss zu fas­sen. Soweit Art. 76 Abs. 3 Satz 6 GG die­se Pflicht aus­drück­lich nur auf Geset­zes­vor­la­gen des Bun­des­ra­tes bezieht, han­delt es sich um die dekla­ra­to­ri­sche Fest­stel­lung einer gegen­über allen Initia­tiv­be­rech­tig­ten glei­cher­ma­ßen bestehen­den Pflicht [12]. Durch die mit der Ver­fas­sungs­re­form von 1994 in das Grund­ge­setz auf­ge­nom­me­ne Rege­lung des Art. 76 Abs. 3 Satz 6 GG soll­te ledig­lich der "Gefahr einer ver­zö­ger­li­chen Behand­lung von Vor­la­gen" des Bun­des­ra­tes durch den Bun­des­tag ent­ge­gen­ge­wirkt und "aus Grün­den der Rechts­klar­heit die ohne­hin bestehen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht, dass der Bun­des­tag in ange­mes­se­ner Zeit zu bera­ten und zu beschlie­ßen hat", im Grund­ge­setz her­vor­ge­ho­ben wer­den [13].
Aller­dings ent­hält das Grund­ge­setz kei­ne kon­kre­ten Vor­ga­ben zur Bestim­mung der Ange­mes­sen­heit der Dau­er einer Geset­zes­be­ra­tung. Eben­so wenig las­sen sich der Geschäfts­ord­nung des Bun­des­ta­ges Anhalts­punk­te zur Kon­kre­ti­sie­rung der Frist ent­neh­men, die hin­sicht­lich der Bera­tung einer kon­kre­ten Geset­zes­vor­la­ge als ange­mes­sen ange­se­hen wer­den kann. Dies ist Kon­se­quenz des Umstan­des, dass letzt­lich eine abs­trak­te Bestim­mung der Ange­mes­sen­heit der Dau­er einer kon­kre­ten Geset­zes­be­ra­tung nicht mög­lich ist [14], Dezem­ber 2008)). Statt­des­sen bedarf es einer Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les sowohl hin­sicht­lich des kon­kre­ten Gesetz­ent­wurfs (Umfang, Kom­ple­xi­tät, Dring­lich­keit, Ent­schei­dungs­rei­fe) als auch hin­sicht­lich wei­te­rer die Arbeits­ab­läu­fe des Par­la­ments beein­flus­sen­der Fak­to­ren (Bear­bei­tung sons­ti­ger Geset­zes­vor­la­gen oder ande­rer Par­la­ments­an­ge­le­gen­hei­ten). Dabei ist es grund­sätz­lich dem Par­la­ment vor­be­hal­ten, die Prio­ri­tä­ten bei der Bear­bei­tung der ihm vor­lie­gen­den Ange­le­gen­hei­ten selbst zu bestim­men [15]. Ins­be­son­de­re folgt aus dem Befas­sungs­an­spruch des Geset­zes­in­iti­an­ten kei­ne Pflicht des Aus­schus­ses oder des Bun­des­ta­ges, über sämt­li­che vor­lie­gen­den Geset­zes­vor­ha­ben inner­halb einer Legis­la­tur­pe­ri­ode abschlie­ßend zu ent­schei­den. Viel­mehr ist hin­zu­neh­men, dass vor­lie­gen­de Gesetz­ent­wür­fe mit dem Ende der Legis­la­tur­pe­ri­ode der Dis­kon­ti­nui­tät anheim­fal­len kön­nen (vgl. § 125 Satz 1 GO-BT).
Daher wird eine Ver­let­zung des Anspruchs des Initi­an­ten auf Bera­tung und Beschluss­fas­sung über sei­nen Gesetz­ent­wurf allen­falls in Aus­nah­me­fäl­len in Betracht kom­men. Denk­bar ist dies, wenn die Behand­lung eines Gesetz­ent­wurfs erkenn­bar ohne jeden sach­li­chen Grund ver­schleppt und auf die­se Wei­se ver­sucht wird, das Geset­zes­in­itia­tiv­recht zu ent­lee­ren. Dies kann der Fall sein, wenn eine Geset­zes­vor­la­ge in einen Aus­schuss "begra­ben" und auf die­ser Grund­la­ge deren Behand­lung im Ple­num ver­hin­dert wird [16]. Wann über ein Geset­zes­vor­ha­ben abzu­stim­men ist, bestimmt sich aller­dings – wie der vor­lie­gen­de Fall zeigt – gera­de in poli­tisch und gesell­schaft­lich umstrit­te­nen Zusam­men­hän­gen auch nach Gesichts­punk­ten, die in stär­ke­rem Maße das Ergeb­nis einer poli­ti­schen Mehr­heits­bil­dung als das­je­ni­ge einer recht­lich struk­tu­rier­ten und gericht­lich über­prüf­ba­ren Ent­schei­dung sind. An eine Gren­ze stößt die­ser poli­ti­sche Gestal­tungs­spiel­raum erst dort, wo ein Miss­brauch zu Las­ten par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten vor­liegt.
Davon aus­ge­hend kann vor­lie­gend eine Ver­let­zung des Geset­zes­in­itia­tiv­rechts nicht fest­ge­stellt wer­den. Zwar fehlt es bis­her an einer Beschluss­fas­sung über die streit­ge­gen­ständ­li­chen Geset­zes­vor­la­gen zur Ein­füh­rung des Rechts auf Ehe­schlie­ßung für gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re. Auch wur­de die Behand­lung die­ser Gesetz­ent­wür­fe durch den Antrags­geg­ner seit der öffent­li­chen Anhö­rung am 28.09.2015 in einer Viel­zahl von Fäl­len strei­tig ver­tagt. Daher muss nun­mehr damit gerech­net wer­den, dass die Geset­zes­vor­la­gen der Dis­kon­ti­nui­tät (vgl. § 125 Satz 1 GO-BT) unter­fal­len wer­den. Gleich­wohl kann nach dem der­zei­ti­gen Ver­fah­rens­stand weder eine will­kür­li­che Ver­schlep­pung der Beschluss­fas­sung über die streit­ge­gen­ständ­li­chen Geset­zes­vor­la­gen noch eine Ent­lee­rung des Geset­zes­in­itia­tiv­rechts der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­frak­ti­on fest­ge­stellt wer­den.
Gegen die Annah­me einer Ver­schlep­pung der Beschluss­fas­sung über die streit­ge­gen­ständ­li­chen Gesetz­ent­wür­fe ohne jeden sach­li­chen Grund spricht im vor­lie­gen­den Fall nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch, dass – auch nach der Dar­stel­lung der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­frak­ti­on – die regel­mä­ßi­ge Ver­ta­gung der Bera­tung und Beschluss­fas­sung der vor­ge­leg­ten Gesetz­ent­wür­fe durch den Antrags­geg­ner Teil eines nicht abge­schlos­se­nen poli­ti­schen Mei­nungs­bil­dungs- und Abstim­mungs­pro­zes­ses gewe­sen sein könn­te. So trägt die antrag­stel­len­den Bun­des­tags­frak­ti­on selbst vor, sie habe bis März 2017 nicht von einer Blo­cka­de ihrer Geset­zes­vor­la­ge aus­ge­hen kön­nen, zumal auch in der mehr­heit­lich ableh­nen­den Uni­ons­frak­ti­on unter­schied­li­che Posi­tio­nen erkenn­bar gewe­sen sei­en. Dem ent­spricht, dass in den Ple­nar­de­bat­ten des Bun­des­ta­ges Ver­tre­ter der Regie­rungs­ko­ali­ti­on mehr­fach zusätz­li­chen Zeit- und Bera­tungs­be­darf rekla­mier­ten. Bei­spiels­wei­se erklär­te der Abge­ord­ne­te Kauf­mann (CDU/​CSU) in der 155. Sit­zung des Bun­des­ta­ges am 18.02.2016 bei der Bera­tung eines der Berich­te des Antrags­geg­ners gemäß § 62 Abs. 2 GO-BT: "Wir brau­chen Zeit […]. Geben Sie uns Zeit, die noch Zögern­den mit­zu­neh­men und zu über­zeu­gen, und set­zen Sie uns nicht monat­lich mit Schau­fens­ter­an­trä­gen unter Druck […]" [17]. In der Aktu­el­len Stun­de zum The­ma "Ehe für alle" vom 08.03.2017 führ­te der Abge­ord­ne­te Brun­ner (SPD) aus: "Des­halb ver­han­deln wir mit unse­rem Koali­ti­ons­part­ner […]. Wir ver­han­deln, um das, was wir im Koali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bart haben, […] auch umzu­set­zen, also hier in die­sem Hau­se gemein­sam zu beschlie­ßen, dass die Ehe für alle Wirk­lich­keit wird" [18]. Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint es denk­bar, dass der Ver­zicht auf die Beschluss­fas­sung über die streit­ge­gen­ständ­li­chen Gesetz­ent­wür­fe mit dem Ziel der Her­stel­lung oder Ver­brei­te­rung einer mehr­heit­li­chen Unter­stüt­zung für das Pro­jekt der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe und damit nicht ohne sach­li­chen Grund erfolg­te. Dass ange­sichts des Feh­lens einer Ver­stän­di­gung auf den von der SPD ange­kün­dig­ten Gesetz­ent­wurf zu die­sem The­ma in der Sit­zung des Koali­ti­ons­aus­schus­ses der die Regie­rung tra­gen­den Frak­tio­nen vom 29./30.03.2017 wohl nicht mehr davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass die­se Bemü­hun­gen inner­halb der lau­fen­den Legis­la­tur­pe­ri­ode zu einem Erfolg füh­ren, ändert hier­an nichts. Die erneu­ten Ver­ta­gun­gen der streit­ge­gen­ständ­li­chen Gesetz­ent­wür­fe in den Sit­zun­gen des Antrags­geg­ners vom 26.04.2017; und vom 17.05.2017 sind ersicht­lich Kon­se­quenz des (bis­he­ri­gen) Schei­terns der Eini­gungs­be­mü­hun­gen inner­halb der Regie­rungs­ko­ali­ti­on und ver­mö­gen für sich genom­men den Vor­wurf will­kür­li­cher Ver­schlep­pung der Beschluss­fas­sung nicht zu begrün­den.
Einer Ver­let­zung des Geset­zes­in­itia­tiv­rechts aus Art. 76 Abs. 1 GG steht fer­ner ent­ge­gen, dass die streit­ge­gen­ständ­li­chen Gesetz­ent­wür­fe Gegen­stand mehr­fa­cher und aus­führ­li­cher Bera­tun­gen im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges waren. Die Gesetz­ent­wür­fe der bei­getre­te­nen [19] und der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­frak­ti­on [20] wur­den zunächst bei deren Ein­brin­gung am 19.12 2013 [21] und am 18.06.2015 [22] dis­ku­tiert. Der Gesetz­ent­wurf des Bun­des­ra­tes [23] wur­de am 10.11.2016 im Ple­num des Bun­des­ta­ges gemein­sam mit dem Bericht des Antrags­geg­ners gemäß § 62 Abs. 2 GO-BT zu den Gesetz­ent­wür­fen der antrag­stel­len­den und der bei­getre­te­nen Bun­des­tags­frak­ti­on bera­ten [24]. Dar­über hin­aus wur­den die Gesetz­ent­wür­fe im Rah­men wei­te­rer Bera­tun­gen über die Berich­te des Antrags­geg­ners gemäß § 62 Abs. 2 GO-BT am 18.02.2016 [25] und am 17.05.2017 [26] behan­delt. Außer­dem führ­te der Antrags­geg­ner am 28.09.2015 eine öffent­li­che Anhö­rung zu den Gesetz­ent­wür­fen der bei­den Bun­des­tags­frak­tio­nen durch. Schließ­lich fand am 8.03.2017 zum Rege­lungs­ge­gen­stand der Gesetz­ent­wür­fe eine Aktu­el­le Stun­de "Ehe für alle" im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges statt [27]. Selbst nach Ein­schät­zung der antrag­stel­len­den Bun­des­tags­frak­ti­on ist der Inhalt der Gesetz­ent­wür­fe damit "bis zum Über­druss aller Betei­lig­ten" erör­tert wor­den.
Ange­sichts die­ser Abläu­fe ist aber für die Annah­me eines "Leer­lau­fens" des Geset­zes­in­itia­tiv­rechts im vor­lie­gen­den Fall kein Raum. Der Bun­des­tag hat sich mit den Gesetz­ent­wür­fen mehr­fach inten­siv befasst; die Geset­zes­in­iti­an­ten hat­ten die Mög­lich­keit, öffent­lich die Inhal­te der von ihnen vor­ge­leg­ten Gesetz­ent­wür­fe vor­zu­tra­gen und zu begrün­den und dadurch auf die poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung Ein­fluss zu neh­men. Zugleich waren die übri­gen im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en gezwun­gen, sich zu den vor­ge­leg­ten Gesetz­ent­wür­fen zu posi­tio­nie­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­mag allein der Umstand, dass es bis­her nicht zu einer abschlie­ßen­den Beschluss­fas­sung über die Gesetz­ent­wür­fe gekom­men ist, die Annah­me einer Ent­lee­rung des Geset­zes­in­itia­tiv­rechts nicht zu recht­fer­ti­gen.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Juni 2017 – 2 BvQ 29/​17
vgl. BVerfGE 73, 1, 29 f.; 80, 188, 212; 104, 151, 193 f.; 118, 244, 257; 126, 55, 67 f.; 138, 256, 258 f. Rn. 4; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 20, 18, 23 f.; 27, 152, 157[↩]
vgl. BVerfGE 1, 208, 228 f.; 13, 123, 125; 124, 161, 185; 138, 45, 60 Rn. 27[↩]
vgl. BVerfGE 68, 1, 74 f.; 97, 408, 414; 120, 82, 96; 138, 45, 60 Rn. 27; 140, 115, 142 Rn. 66[↩]
vgl. BVerfGE 1, 144, 153; 2, 143, 173; 84, 304, 329; 112, 363, 366[↩]
vgl. BVerfGE 1, 144, 153 f., 161; Bro­si­us-Gers­dorf, in: Drei­er, GG, 3. Aufl.2015, Art. 76 Rn. 49; Brü­ning, in: Bon­ner Kom­men­tar, Art. 76 Rn. 114, 156, August 2016; Mann, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 76 Rn. 31; Masing, in: v. Mangoldt/​Klein, GG, 6. Aufl.2010, Art. 76 Rn. 76; a.A.: Hart­mann, ZG 2008, S. 42, 48[↩]
vgl. BVerfGE 1, 144, 153 f.; Brü­ning, in: Bon­ner Kom­men­tar, Art. 76 Rn. 166 f., August 2016; Diet­lein, in: Epping/​Hillgruber, GG, 2. Aufl.2013, Art. 76 Rn. 40; Mann, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 76 Rn. 33; Sann­wald, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/Hen­ne­ke, GG, 13. Aufl.2014, Art. 76 Rn. 24[↩]
vgl. BVerfGE 1, 144, 154[↩]
vgl. Ritzel/​Bücker/​Schreiner/​Winkelmann, Hand­buch für die Par­la­men­ta­ri­sche Pra­xis, § 62 GO-BT, Anm. II. 2., Dezem­ber 2008[↩]
BVerfGE 1, 144, 153; vgl. Bry­de, in: v. Münch/​Kunig, GG, 6. Aufl.2012, Art. 76 Rn. 4; Kers­ten, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 76 Rn. 62, Sep­tem­ber 2016[↩]
vgl. BVerfGE 1, 144, 153 f.[↩]
vgl. Brü­ning, in: Bon­ner Kom­men­tar, Art. 76 Rn. 162, August 2016; Mann, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 76 Rn. 31; Masing, in: v. Mangoldt/​Klein, GG, 6. Aufl.2010, Art. 76 Rn. 77; Sann­wald, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/Hen­ne­ke, GG, 13. Aufl.2014, Art. 76 Rn. 24, 86[↩]
vgl. Bericht der Gemein­sa­men Ver­fas­sungs­kom­mis­si­on vom 05.11.1993, BT-Drs. 12/​6000, S. 37[↩]
vgl. Aus­le­gungs­ent­schei­dung des Geschäfts­ord­nungs­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom 11.12 2003, abge­druckt bei Ritzel/​Bücker/​Schreiner/​Winkelmann, Hand­buch für die Par­la­men­ta­ri­sche Pra­xis, § 62 GO-BT, dort unter Anm. I. 1.a[↩]
vgl. zum Gan­zen Bro­si­us-Gers­dorf, in: Drei­er, GG, 3. Aufl.2015, Art. 76 Rn. 98; Brü­ning, in: Bon­ner Kom­men­tar, Art. 76 Rn. 162, August 2016; Kers­ten, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 76 Rn. 65, Sep­tem­ber 2016; Mann, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 76 Rn. 35; Masing, in: v. Mangoldt/​Klein, GG, 6. Aufl.2010, Art. 76 Rn. 83; Sann­wald, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/Hen­ne­ke, GG, 13. Aufl.2014, Art. 76 Rn. 87[↩]
vgl. BVerfGE 1, 144, 154 f.[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​155 vom 18.02.2016, S. 15274 f.[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​220 vom 08.03.2017, S. 22040 f.[↩]
BT-Drs. 18/​8[↩]
BT-Drs. 18/​5098[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​6, S. 299 ff.[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​112, S. 10730 ff.[↩]
BT-Drs. 18/​6665[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​199, S.19893 ff.[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​155, S. 15273 ff.[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​233, S. 23549 ff.[↩]
vgl. Ple­nar­pro­to­koll 18/​220, S. 22031 ff.[↩]
BundestagBundestagsausschussGesetzentwurfGesetzgebungsverfahrenOrganstreitverfahren

References: § 64
 Art. 76
 Art. 77
 Art. 76
 § 62
 § 80
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 77
 Art. 78
 Art. 76
 Art. 76
 § 125
 § 125
 § 62
 Art. 76
 § 62
 § 62
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
 § 62
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
 Art. 76
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 Art. 76
 § 62
 Art. 76
 Art. 76
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