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Timestamp: 2017-09-22 22:18:52+00:00

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Bundesrat hat am 12. Juni zugestimmt | Die Neue HOAI 2009: Wichtige Neuerungen im Überblick
06.07.2009 | Bundesrat hat am 12. Juni zugestimmt
Die Neue HOAI 2009: Wichtige Neuerungen im Überblick
von Dipl.-Ing. Klaus D. Siemon, Architekt, ö.b.u.v. SV für
Honorare und Leistungen der Architekten, Osterode/Harz
Die Neue HOAI hat am 12. Juni mit dem Bundesrat die letzte parlamentarische Hürde genommen. Sie wird damit in Kürze in Kraft treten - und muss von Ihnen bei allen Neuverträgen berücksichtigt werden. Die Neue HOAI wird damit einen Schwerpunkt der künftigen Berichterstattung darstellen. Beginnen wollen wir mit einem kompakten Überblick über die wichtigsten Änderungen, die die Neue HOAI mit sich bringt.
Neuer Aufbau und Gliederung der HOAI
Die HOAI hat eine grundlegend neue Gliederung erhalten. Im ersten Teil sind die allgemeinen Regelungen zusammengefasst. Der zweite Teil enthält die Leistungsbilder der Flächenplanung. Es folgen im dritten Teil die Objektplanung. Der vierte Teil enthält die Fachplanungen (zum Beispiel Tragwerksplanung, Technische Ausrüstung). Den Wortlaut und die Begründung zur Neuen HOAI finden Sie im Internet www.iww.de unter der Abruf-Nr. 091560).
Wichtig: Die völlig veraltete DIN 276/81, die nur noch für Honorarberechnungen anzuwenden war, ist nun endgültig Geschichte. Damit entfällt der Umrechnungsaufwand. Die HOAI 2009 geht auf die neue DIN 276/08 zurück. Das haben die Verfasser der HOAI 2009 zwar nicht exakt so formuliert. Es ist aber gemeint, dass die DIN 276/08 anzuwenden ist.
Beachten Sie: Die Leistungen für Thermische Bauphysik, Schallschutz, Vermessung und Bodenmechanik sind jetzt nicht mehr verbindlich geregelt. Sie sind in den unverbindlichen Teil der HOAI „abgeschoben“ worden. Die entsprechenden Leistungsbilder und Honorartabellen (www.iww.de - Abruf-Nr. 091544) haben offiziell nur noch den Status von „Honorarempfehlungen“.
Höhere Tafelwerte
Die Tafelwerte der HOAI werden um pauschal zehn Prozent erhöht. Die Honorartafeln, die künftig anzuwenden sind, finden Sie im Internet (www.iww.de) unter der Abruf-Nr. 091560.
Neue Honorarermittlungsgrundlagen
Die Neue HOAI gibt neue Honorarermittlungsgrundlagen vor. Sie haben die Wahl zwischen zwei Modellen:
1. Kostenberechnung als Grundlage für das gesamte Honorar
Das gesamte Honorar soll künftig nach den Kosten der Kostenberechnung ermittelt werden (§ 6 Absatz 1 Neue HOAI). Das birgt Unsicherheiten. Denn Auftraggeber und Planungsbüro müssen sich auf die Beträge der Kostenberechnung einigen. Und da dürfte künftig das Problem liegen. Denn der Auftraggeber kann die Kostenberechnung durch Vorgabe äußerst knapper Kostenobergrenzen so beeinflussen, dass darunter das Honorar für alle Leistungsphasen leidet.
Wichtig: Auch ohne Kostenobergrenze sind Sie als Planer auf das Einverständnis des Auftraggebers angewiesen. Denn künftig sind die Ergebnisse jeder Leistungsphase mit dem Auftraggeber zu erörtern (§ 3 Absatz 8 Neue HOAI - lesen Sie dazu auch Seite 14). Das bedeutet, dass auch die Kostenberechnung in der Leistungsphase 3
mit dem Auftraggeber zu erörtern ist.
Sie gehen bei der Kostenberechnung von baufachlich angemessenen Kosten in Höhe von 1,3 Mio. Euro aus. Der Auftraggeber lässt sich aber nur auf Kosten in Höhe von 1,17 Mio. Euro ein, was er Ihnen im Zuge der Leistungsphase 3 mitteilt. In diesem Fall wird das Honorar für alle Leistungsphasen um rund zehn Prozent gesenkt, unberührt von der Höhe der späteren Vergaben und Abrechnungen.
Es gibt aber auch planungsübergreifend Diskussionen. Da alle Planungsbeteiligten die Bedeutung der jeweiligen Kostenansätze in der Kostenberechnung für das gesamte Honorar schätzen lernen, wird es künftig Auseinandersetzungen um die jeweiligen Kostenanteile der beteiligten Planungsbüros geben.
Gelingt es dem TGA-Büro, innerhalb des vereinbarten Gesamtkostenbudgets die TGA-Kosten der Kostengruppe 400 in der Kostenberechnung üppig zu platzieren, werden alle Leistungsphasen auf dieser Basis honoriert.
Fazit: Die Kostenberechnung wird künftig in jeder Hinsicht eine äußerst spannende Leistung werden.
2. Baukostenvereinbarung als Alternative zur Kostenberechnung
Wenn bei der Beauftragung noch keine Planungsgrundlagen vorliegen, können die Vertragsparteien künftig alternativ vereinbaren, dass das Honorar auf Grundlage einer Baukostenvereinbarung berechnet wird. Das ist das sogenannte Baukostenvereinbarungsmodell. Danach können die Parteien die Baukosten bei Auftragserteilung festschreiben (§ 6 Absatz 2 Neue HOAI).
Dieses Modell ist aber sehr risikoreich. Denn bei Auftragserteilung sind in der Regel noch viele Faktoren unklar, die die Kosten und den individuellen Planungs- und Überwachungsaufwand beeinflussen. Das Baukostenmodell dürfte daher gerade bei komplexen Projekten von vorneherein ausscheiden. Denn hier könnte man unter Auftragsdruck zu erheblichen Zugeständnissen geneigt sein, die man später bereut. Deshalb ist in der amtlichen Begründung zur HOAI auch klargestellt, dass nur fachkundige Bauherren auf diese Regelung zurückgreifen sollten.
Unsere Meinung: Das Baukostenvereinbarungsmodell dürfte in der Praxis schwierig anzuwenden sein, weil bereits bei mittleren Projekten vier oder mehr eigenständige Planungsbüros mit Kostenermittlungen betraut sind (zum Beispiel Architekt, Landschaftsarchitekt, Fachingenieur für ELT und Fachingenieur für GWA und HLS). Diese Büros bereits zur Auftragserteilung in Hinsicht auf Kosten und anrechenbare Kosten ohne Planungsergebnisse unter einen Hut zu bringen, dürfte nur schwer machbar sein. Das trifft insbesondere vor dem Hintergrund zu, dass jedes einzelne Büro eine Baukostenvereinbarung mit dem Bauherrn treffen muss.
Das Modell eignet sich allenfalls im privaten Wohnungsbau mit geringen Kostenbandbreiten. Bisher war ja das an den Baukosten orientierte Architektenhonorar für private Bauherren eine Risikogröße. Wenn der Auftraggeber jetzt aber zu Bau- bzw. Vertragsbeginn mit Sicherheit weiß, was auf ihn an Architektenhonorar zukommt, kann man damit als Planer in der Auftragsanbahnung offensiv agieren. Aber wie gesagt: Vorsicht.
Honorar bei Änderungsplanungen leichter durchsetzbar
Erfreuliches enthält die Neue HOAI im Hinblick auf die Durchsetzbarkeit von Änderungshonorar. Denn nach § 7 Absatz 5 HOAI 2009 hat das Planungsbüro Anspruch auf Anpassung der ursprünglichen Honorarvereinbarung, wenn
sich der beauftragte Leistungsumfang oder
die anrechenbaren Kosten ändern.
Damit ist in der HOAI erstmals eine konkrete Regelung zu Änderungshonoraransprüchen von Planungsbüros getroffen worden. Dieser Anspruch kann - wenn eine der beiden genannten Bedingungen erfüllt ist - bei angeordneten Änderungsplanungen sofort geltend gemacht werden.
Steigen oder fallen die anrechenbaren Kosten (gemäß Kostenberechnung) nach Vertragsabschluss aufgrund von entsprechenden Änderungsanordnungen des Auftraggebers, so sollen die Parteien die dem Honorar zugrunde liegende Vereinbarung anpassen. Die Honorar-Anpassungsvereinbarung hat schriftlich zu erfolgen.
Die auf Seite14 beschriebene - künftig erforderliche - Erörterung der Ergebnisse jeder Leistungsphase wirkt sich hier positiv für Planungsbüros aus. Denn in diesem Zusammenhang erhalten Sie eine nach Leistungsphasen gegliederte Dokumentation, was mit der Ursprungsplanung alles passiert ist. Diese Dokumentation eignet sich hervorragend dazu, das Änderungshonorar zu berechnen.
Honorarabzug bei Kostenüberschreitung künftig möglich
Einen besonderen Clou stellt die „Honorarbestrafungsregelung“ für den Fall dar, dass vereinbarte Baukosten überschritten werden
(§ 7 Absatz 7 Neue HOAI). Es gibt jetzt eine (offenbar mit heißer Nadel gestrickte) Möglichkeit, bereits im Planungsvertrag zu vereinbaren, dass bei einer Überschreitung der einvernehmlich festgelegten anrechenbaren Kosten ein Honorar-Malus in Höhe von bis zu fünf Prozent des Honorars greift. Mit anderen Worten: Der Auftraggeber kann Ihnen bis zu fünf Prozent des Honorars vorenthalten bzw. zurückfordern.
Völlig unklar ist dabei, wie sich diese Regelung in der Praxis auswirkt. Denn eine Reihe von Kostenerhöhungen sind vom Planungsbüro nicht zu vertreten.
Ausführende Unternehmen gehen in Konkurs, die Nachfolgeunternehmen können nur zu höheren Preisen verpflichtet werden.
Preiserhöhungen durch galoppierende Baukonjunktur.
Materialänderungen des Bauherrn im Zuge der Ausschreibungen (zum Beispiel Metallfenster statt der geplanten Holzfenster). .
Unsere Meinung: Diese Einflüsse dürfen keine Auswirkung auf die Honorarregelung haben. Damit Sie mit der neuen Honorarvorschrift keinen Schiffbruch erleiden, werden wir in den nächsten Ausgaben deshalb entsprechende Vertragsvorschläge veröffentlichen.
Neue Honorarregeln für Planungsleistungen im Bestand
Das Honorar für Planungsleistungen im Bestand war bisher unter Berücksichtigung des § 10 Absatz 3a HOAI (anrechenbare Kosten für mitverarbeitete Bausubstanz) und § 24 HOAI (Umbauzuschlag) abzurechnen. Gerade § 10 Absatz 3a HOAI hat zwar lange gebraucht um sich zu etablieren, aber in den letzten fünf Jahren hatte sich die Regelung flächendeckend durchgesetzt und für angemessene Honorare bei Altbauten gesorgt. § 10 Absatz 3a HOAI ist nun ersatzlos weggefallen und führt damit beim Bauen im Bestand zu einer Honorarreduzierung, wenn man ansonsten den Mindestsatz als Messlatte anlegt. Denn die anrechenbaren Kosten liegen nun um diesen Betrag niedriger.
Der Ausgleich, den der Verordnungsgeber durch den neu geregelten Umbauzuschlag (§ 35 HOAI) geschaffen haben will, besteht darin, dass der Umbauzuschlag nun zwischen 20 Prozent und 80 Prozent des Honorars betragen kann. Der Fallstrick besteht darin, dass die untere Grenze bei 20 Prozent geblieben ist. Damit wird eine Kompensation des Wegfalls der Regelung in § 10 Absatz 3a alte HOAI ins Belieben des Auftraggebers gestellt. Mehr Honorar gibt es nur, wenn das schriftlich vereinbart wird. Ein deutlicher Rückschritt!
Beachten Sie: Der Wegfall des § 10 Absatz 3a HOAI schmerzt alle Planungsbüros umso mehr, weil es für die Berücksichtigung dieser anrechenbaren Kosten keiner einvernehmlichen Regelung zwischen den Vertragspartnern bedurfte.
Besondere Leistungen: Deutliche Verbesserung erreicht
Die Schriftform als zwingende Voraussetzung für die Honorierbarkeit Besonderer Leistungen (§ 4 Alte HOAI) ist ersatzlos weggefallen
(§ 3 Absatz 3 Neue HOAI). Das ist eine der wirklich positiven Veränderungen. Denn nun reicht eine mündliche Beauftragung bezüglich der konkret zu erbringenden fachlichen Inhalte der Besonderen Leistungen. Besondere Leistungen sind künftig bei mündlicher Beauftragung nach §§ 631, 632 Bürgerliches Gesetzbuch honorierbar.
Wenn also mündlich die Erstellung einer Bestandsaufnahme vereinbart wird, dann benötigen Sie künftig nicht mehr zwingend die schriftliche Honorarvereinbarung als Abrechnungsvoraussetzung. Es reicht, dass die (mündliche) Auftragserteilung nachweisbar ist.
Wichtig: Mit der nun deutlich verbesserten Durchsetzung von Honoraren für Besondere Leistungen befassen wir uns demnächst gesondert, da es sich um eine zentrale Verbesserung handelt.
Unser Tipp: Den Nachweis, mündlich beauftragt worden zu sein, führen Sie ähnlich wie bei der mündlichen Beauftragung von Grundleistungen. Das heißt: Um Besondere Leistungen wie zum Beispiel Bestandsaufnahme, Erstellung einer Objektbroschüre oder besondere Wirtschaftlichkeitsberechnungen abrechnen zu dürfen, reichen im Zeitalter der Neuen HOAI somit wechselseitige Schreiben, gegebenenfalls Besprechungsprotokolle oder ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben. Hierzu werden wir entsprechende Musterbriefe vorstellen.
„Beratungsleistungen“ nicht mehr verbindlich geregelt
Die Planbereiche Bauphysik, Schallschutz, Vermessung, Bodenmechanik mit allen darin aufgeführten Leistungen sind zu Beratungsleistungen herabgestuft worden und damit nicht mehr verbindlich in der HOAI geregelt. Hier gibt es nur noch Empfehlungen als Anlage zur HOAI (www.iww.de - Abruf-Nr. 091544). Das bedeutet, dass eine freie Honorarvereinbarung erforderlich ist.
Auch inhaltlich sind die Empfehlungen nicht nachvollziehbar. So sind die in der Anlage zur HOAI lediglich als Empfehlung enthaltenen alten Regelungen im Bereich der thermischen Bauphysik nicht zeitgemäß und unauskömmlich. Denn die Aufwendungen für Nachweise nach EnEV sind weder in der Alten noch in der Neuen HOAI 2009 auch nur annähernd berücksichtigt. Hier liegt ein gravierender Fehler des Verordnungsgebers vor.
In der Anlage zur Neuen HOAI in Ziff. 1.2.2 zum Wärmeschutz (Abruf-Nr. 091544, Seite 8) ist geregelt, dass das gesamte Honorar für die Leistungen der Leistungsphasen 1 bis 4
also inklusive Aufstellung des Nachweises des Wärmeschutzes (der Gesetzgeber meint hier wohl die EnEV) und
Abstimmung des geplanten Wärmeschutzes mit der gesamten Ausführungsplanung
bei einem Bauwerk (Honorarzone III) mit anrechenbaren Kosten in Höhe von 2,5 Mio. Euro netto für 2.853 Euro Honorar netto zu erbringen sein sollen. Das ist unrealistisch und praxisfern.
Beachten Sie: Unverändert bleibt allerdings die Beratungspflicht, nach der alle Objektplaner (Architekten und Ingenieure) diese Leistungen immer dann zwingend zur Vergabe durch den Auftraggeber vorschlagen müssen, wenn sie baufachlich notwendig sind. Im Klartext bedeutet das, dass sich alle Planer insbesondere in den Leistungsphasen 1 und 2 künftig sehr auf ihre Beratungspflichten konzentrieren müssen. Das gilt insbesondere im eigenen Interesse, um das Haftungsrisiko zu reduzieren. Werden diese Leistungen nicht je Leistungsphase fachgerecht bearbeitet, steigt das Haftungsrisiko für die Objektplaner sehr deutlich an.
Fehler in HOAI 2009: Wegfall der örtlichen Bauüberwachung
Bei Ingenieurbauwerken und Verkehrsanlagen fällt die örtliche Bauüberwachung aus dem alten § 57 HOAI ersatzlos weg. In der amtlichen Begründung zur Neuen HOAI wird dazu ausgeführt, dass die örtliche Bauüberwachung ja nicht in den Honorartabellenwerten integriert sei. Folglich könne man sie auch in die unverbindliche Anlage zur HOAI eingliedern.
Das hat aber nichts mit der Leistung an sich zu tun, sondern lediglich mit der Honorarermittlungsmethode. Die örtliche Bauüberwachung ist und bleibt deshalb auch künftig eine unverzichtbare Grundleistung. Jetzt ist sie aber zur Besonderen Leistung mutiert und wird nur noch nachrichtlich in der Anlage zur HOAI aufgeführt. Das ist ein deutlicher Rückschritt in „Preiskampfzeiten“ und dürfte zu erheblichen Auseinandersetzungen führen.
Denn das Führen des Bautagebuchs,
das gemeinsame Aufmaß zur Feststellung des Abrechnungsumfangs oder
die Rechnungsprüfung und Abnahme (nach VOB)
sollen nun keine Grundleistungen mehr sein. In § 3 Absatz 2 HOAI heißt es, dass Leistungen, die zur ordnungsgemäßen Erfüllung eines Auftrags im Allgemeinen erforderlich sind, in Leistungsbildern erfasst sind. Diese Leistungsbilder sind in § 3 Absatz 4 erfasst und enthalten nicht die örtliche Bauüberwachung.
Unser Tipp: Als Ersatz für diese notwendige Grundleistung bleibt Ihnen nur, die örtliche Bauüberwachung vertraglich zu vereinbaren. Und das empfehlen wir Ihnen dringend. Denn die werkvertragliche Verpflichtung, eine ordnungsgemäße Bauüberwachung durchzuführen, wird wohl allein wegen des „Rückzugs“ aus dem verbindlichen Teil der HOAI 2009 nicht entfallen. Auch die Beratungspflicht, nach der Sie den Auftraggeber auf die Notwendigkeit der örtlichen Bauüberwachung hinweisen müssen, bleibt unverändert bestehen. In den nächsten Ausgaben werden wir Ihnen deshalb einen Vorschlag für eine Vertragsregelung unterbreiten.
Erörterung der Ergebnisse jeder Leistungsphase
In § 3 Absatz 8 HOAI 2009 ist neu geregelt, dass der Planer die Pflicht hat, mit dem Auftraggeber die Ergebnisse jeder Leistungsphase zu erörtern. Dies erscheint zwar nicht in allen Leistungsphasen sinnvoll (Beispiel Leistungsphase 4: ist der Bauantrag unterzeichnet, macht eine Erörterung wenig Sinn).
Die Neuregelung ist aber vorteilhaft, wenn es um die Durchsetzung von Änderungshonoraren geht. Denn durch diese Erörterungspflicht wird erstmals auch der Bauherr gezwungen, jede Leistungsphase einvernehmlich abzuschließen. Damit ist trotz der im Tagesgeschäft häufig anzutreffenden Parallelplanung von Leistungsphasen eine für Planer sehr wichtige abschließende Festlegung der Inhalte der entsprechenden Leistungsphasen erreicht. Das dürfte der entscheidende Vorteil sein. Denn ohne klare Ursprungsplanung kann eine Planungsänderung später nur schlecht nachgewiesen werden.
Will der Bauherr kurz vor der Einreichung des Bauantrags 25 Prozent des Grundrisses geändert haben, dann können Sie ihm künftig anhand der redaktionell abgeschlossenen und formal beendeten Leistungsphasen 1-3 die zusätzlichen Aufwendungen für jede nochmals anteilig zu bearbeitende Leistungsphase darlegen und vereinfacht abrechnen. Denn in Kombination mit der zwingenden Erörterung der Leistungsphasenergebnisse hat die HOAI jetzt auch einen Anspruch auf Vereinbarung des Änderungshonorars in § 7 Absatz 5 Neue HOAI aufgenommen. Diese Kombination eröffnet gute Chancen auf die Durchsetzung von Änderungshonoraren.
Bei mehreren Vorentwurfs- oder Entwurfsplanungen kommt es im Hinblick auf die Honorarermittlung für die wiederholte Leistung nicht mehr zu der bisherigen pauschalen Minderung von 50 Prozent. Mit der neuen Regelung in § 10 HOAI sind künftig entsprechend der mehrfach erbrachten Leistungen anteilige Prozentpunkte anzusetzen. Die Regelung betrifft alle Leistungsphasen, die geändert werden müssen. Sie stellt eine deutliche Vereinfachung und Verbesserung der Honorarermittlung dar.
Fertigen Sie eine Planung für ein Fünf-Familienhaus an und alternativ dazu eine Planung für ein Wohn- und Geschäftshaus mit neuem Grundriss, dann können die jeweiligen Einzelleistungen zum Beispiel nach der Siemon-Bewertungstabelle für die anteilige nochmalige Planung zugrunde gelegt werden.
In der August-Ausgabe setzen wir den Überblick über die wichtigsten Neuerungen der HOAI 2009 fort. Sie erfahren,
wie Sie vom Wegfall der alten Zeithonorarregelung in § 6 HOAI profitieren,
wie Sie im Zeitalter der Neuen HOAI Nebenkosten optimal abrechnen,
was sich in der Anlagengruppengliederung im Planbereich Technische Ausrüstung geändert hat,
von welchen Vereinfachungen Tragwerksplaner bei künftigen Honorarabrechnungen profitieren,
wie Sie die neuen Fallstricke bei der Forderung von Abschlagszahlungen umgehen,
warum Sie aufpassen müssen, damit Sie von Auftraggeber nicht sogar unter die Mindestsätze gedrückt werden,
ob es sich lohnt, die Neue HOAI in laufende Verträge einzubeziehen und was dazu veranlasst werden muss.
Quelle: Ausgabe 07 / 2009 | Seite 8 | ID 128282
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