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Timestamp: 2018-04-25 07:09:30+00:00

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STAATSINSTITUT FÜR SCHULQUALITÄT UND BILDUNGSFORSCHUNG MÜNCHEN. Schulpsychologie in Bayern ALLE SCHULARTEN. Haltungen und Konzepte INFORMATION - PDF
STAATSINSTITUT FÜR SCHULQUALITÄT UND BILDUNGSFORSCHUNG MÜNCHEN. Schulpsychologie in Bayern ALLE SCHULARTEN. Haltungen und Konzepte INFORMATION
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1 STAATSINSTITUT FÜR SCHULQUALITÄT UND BILDUNGSFORSCHUNG MÜNCHEN ALLE SCHULARTEN INFORMATION Schulpsychologie in Bayern Haltungen und Konzepte
2 STAATSINSTITUT FÜR SCHULQUALITÄT UND BILDUNGSFORSCHUNG MÜNCHEN Schulpsychologie in Bayern Haltungen und Konzepte München 2007
3 Erarbeitet im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus Leitung des Arbeitskreises und Redaktion Doris Graf, ISB Mitglieder des Arbeitskreises Arthur Englbrecht, Schulpsychologischer Dienst an der Grundschule St. Peter, Straubing Ingo Hertzstell, BeratungsCentrumSchule/Schulpsychologie, Nürnberg Dr. Helga Ulbricht, Staatliche Schulberatungsstelle für München Stadt und Landkreis Herausgeber: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung Anschrift: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung Grundsatzabteilung Schellingstr München Tel.: Fax: Internet: , 1. Auflage
4 Vorwort Mit der Einführung des Studienfaches Schulpsychologie im Rahmen der Lehramtsausbildung 1978 hat Bayern einen neuen Weg beschritten. Damit wurde der Grundstein für eine beispielhafte Entwicklung der Schulpsychologie in Bayern gelegt: Von wenigen Schulpsychologen in der 50er Jahren hat sich die Zahl auf über 500 erhöht, die gleichzeitig zur psychologischen Arbeit an den Schulen auch als Lehrkräfte tätig sind. Inzwischen sind Schulpsychologen als Berater und Unterstützer für alle am Schulsystem Beteiligten fester und unverzichtbarer Bestandteil der bayerischen Schullandschaft und haben sich in vielen Bereichen etabliert. Zur Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule bieten Schulpsychologen in vielen Bereichen Hilfe und Begleitung an. Sie leisten wichtige Beiträge zur Entwicklung von Lernstrategien, zur Stärkung der Persönlichkeit, zur Motivationsförderung und zur sozialen Integration, stehen aber auch als Ansprechpartner bei der Prävention von Gewalt, Vandalismus oder Schülermobbing zur Verfügung. Das schulpsychologische Beratungsangebot ist selbstverständlich kostenlos, die Gesprächsinhalte unterliegen der Schweigepflicht. Darüber hinaus beraten Schulpsychologen Lehrkräfte und Eltern, sie sind Partner und Experten bei Schulentwicklungsprozessen und in Krisensituationen an Schulen. Hierzu bedarf es eines professionellen und effektiven Beratungsnetzes, auf das die Schulen zugreifen. Schulpsychologen verstehen sich neben den Beratungslehrkräften zu Recht als ein zentraler Bestandteil dieses Netzes. Es ist Zeit geworden, auch einem breiteren Publikum Einblick in die Vielseitigkeit der schulpsychologischen Arbeit und in ihre Spezifika zu gewähren. In diesem Sinne wendet sich diese Broschüre an alle Interessierten, die sich über schulpsychologische Arbeit in Bayern informieren wollen. München, den 2. August 2007 Dr. Ulrich Seiser Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus Schulpsychologie in Bayern 3
5 Inhaltsverzeichnis Vorwort 1 Schulpsychologie im bayerischen Bildungssystem 5 2 Geschichte der Schulpsychologie 6 3 Berufsethische Grundsätze und Selbstverständnis 8 4 Strukturen 9 5 Ausbildung 10 6 Arbeitsbedingungen 12 7 Rechtliche Grundlagen der schulpsychologischen Arbeit 13 8 Kooperationspartner Tätigkeitsfelder Einzelfallberatung Arbeit mit Schülergruppen Krisenberatung und -intervention Elternarbeit Lehrerfortbildung Schulentwicklung Qualitätssicherung 10 Perspektiven für die schulpsychologische Arbeit Literatur und Links Wegen der leichteren Lesbarkeit umfassen Bezeichnungen von Personengruppen in der Regel weibliche und männliche Personen. Schulpsychologie in Bayern 4
6 1 Schulpsychologie im bayerischen Bildungssystem Die heutige Gesellschaft ist gekennzeichnet von rasanten Veränderungen. Schlagworte wie Mediengesellschaft, Wertepluralismus, Globalisierung, veränderte Kindheit, multikulturelle Gesellschaft u.a. charakterisieren aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Viele dieser Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf die Schule aus und fordern angemessene Reaktionen und Maßnahmen. Es entsteht ein wachsender Bedarf nach Unterstützung, Beratung und Begleitung für Personen im Kontext der Schule und für die Schule als System. Dazu gibt es ein professionelles und effektives Beratungsnetz, das den Schulen als Unterstützungssystem zur Verfügung steht. Bayerische Schulpsychologen sind in ihrer Doppelqualifikation als Lehrer und Psychologen gemeinsam mit den Beratungslehrkräften ein zentraler Bestandteil dieses Netzes. Rechtliche Grundlage für die Schulberatung in Bayern ist Art. 78 Abs. 3 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) und die KMBek vom : Schulberatung ist ein Teil der schulischen Erziehungsaufgabe Ansprechpartner der Schüler und Eltern bei schulbezogenen Fragestellungen oder Problemen sind zunächst die Lehrkräfte - vor allem die Klassenleitung - und in einem nächsten Schritt die Beratungslehrkraft oder der Schulpsychologe. Bei Bedarf verweisen diese oder auch die Schulleitung auf den zugeordneten Schulpsychologen oder die Schulberatungsstellen der Bezirke, in denen schulartbezogen Schulpsychologen mitarbeiten. An jeder Schule informiert ein Aushang über das Beratungsangebot. Eltern und Schüler sowie Lehrkräfte erhalten daneben Informationen über die schulpsychologische Beratung durch Veranstaltungen, Flyer, thematische Infoblätter und einschlägige Adressen im Internet (s. Pkt. 11, Literatur und Links ). Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Entwicklungs-, Motivations-, Lern-, Sozial-, Arbeits- und Gesundheitspsychologie, der Betriebs- und Organisationspsychologie, der Pädagogischen sowie der Klinischen Psychologie und Hirnforschung werden durch die Schulpsychologie für das Bildungssystem in Bayern fruchtbar gemacht. Um Menschen hilfreich zu begleiten, zu fördern und zu stabilisieren sowie ungünstige Entwicklungen von Individuen und von Gemeinschaften zu erkennen und abzuwenden, bietet die Psychologie erprobte und bewährte Theorien, Methoden, Interventionen und Instrumentarien an. Schulpsychologisches Wissen wird damit zu einem Fundament von Unterricht und Erziehung. Die Schulpsychologie nutzt das Wissen all dieser Teildisziplinen und wendet sie zielgenau bei den vielfältigen Bedingungen der Institution Schule und der an ihr Beteiligten an, um den Bildungs- und Erziehungsauftrag zu unterstützen. Schulpsychologie versteht sich somit als Mitgestalterin des öffentlichen Bildungs- und Ausbildungssystems. Schulpsychologie in Bayern 5
7 2 Geschichte der Schulpsychologie Geschichte der Schulpsychologie in Deutschland 1911 Erster Deutscher Kongress für Jugendbildung und Jugendkunst : William Stern fordert die Anstellung von Schulpsychologen 1922 Auftrag an Hans Lämmermann (ausgebildet von William Stern) in Mannheim: Auswahl von Kindern für Förderklassen von Hochbegabten mit Hilfe psychomotorischer Tests 1948 Gründung des ersten schulpsychologischen Dienstes der BRD in Hamburg: Dienststelle Schülerkontrolle (später Schülerhilfe ) 60er und Institutionalisierung schulpsychologischer Arbeit 70er Jahre 1973 Beschluss der Bund-Länder-Kommission: Beratung in Schule und Hochschule : bis 1985 soll ein Vollzeitschulpsychologe für 5000 Schüler zur Verfügung stehen Gründung der International School Psychology Association (ISPA) Geschichte der Schulpsychologie in Bayern 50er Jahre Erste Angebote für Schulen (von Lehrern mit abgeschlossenem Psychologiestudium): Testdiagnostik und Schullaufbahnempfehlungen 1952 Einrichtung einer Beratungsstelle für Erzieher und Jugendliche in München, 1971 Neuorganisation als Schulpsychologischer Dienst des Schulreferats der Landeshauptstadt München 1955 Einrichtung einer städtischen Schul- und Erziehungsberatung in Nürnberg; in der Nachfolge entsteht 1962 der Schulpsychologische Dienst der Stadt Nürnberg als Ansprechpartner für Eltern, Schüler und Lehrer Aufbau staatlicher Schulberatungsstellen in den Bezirken Bayerns zur Bildungsberatung Anfang 70er Jahre 1973 Umsetzung des BLK-Beschlusses: Einsatz von Beratungslehrkräften und Schulpsychologen (s.o.) 1978 LPO: ein Staatsexamen in Psychologie wird im Rahmen eines Lehramtsstudiums möglich ab Ernennung eines Schulpsychologen für Volks- und Sonderschulen in jedem Bezirk. Angebot der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen: einmal jährlich ein Wochenkurs für Schulpsychologen zur Vernetzung, zum kollegialen Austausch und zur weiteren Professionalisierung Verbindliche Festlegung der Schweigepflicht für Schulpsychologen Einführung von Supervision für Schulpsychologen und von Schulpsychologen für Lehrer und Beratungslehrkräfte an der Staatlichen Schulberatungsstelle. Aufbau der Ausbildung von Beratungslehrkräften (nach LPO I) in Dillingen: Schulpsychologen werden an der Ausbildung beteiligt 1987 Gründung des Landesverbandes Bayerischer Schulpsychologen (LBSP) 1988 Einrichtung eines Arbeitskreises am ISB: Forum Schulpsychologie zum 1 Ein Schulpsychologe betreut deutschlandweit im Durchschnitt rund Schüler. Schulpsychologie in Bayern 6
8 Erfahrungsaustausch und zur Kooperation (einmal jährlich) Die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen bietet für Schulpsychologen die erste zweijährige Weiterbildung zum Supervisor an ab 2000 Augsburger Kongress zur inneren Schulentwicklung und nachfolgende Regionalkongresse: zahlreiche Initiativen durch Schulpsychologen KMBek zur Schulberatung: zusätzliche Aufgaben für Schulpsychologen, z.b. Lernberatung, Hochbegabung, Supervision, Schulentwicklung, Lehrergesundheit, Krisenintervention, therapeutische Zusatzausbildungen Krisenintervention: Nach dem Einsatz ausgebildeter bayerischer Schulpsychologen in Erfurt wird das Kriseninterventions- und bewältigungsteams bayerischer Schulpsychologen (KIBBS) durch das Kultusministerium implementiert Regionale interdisziplinäre Kriseninterventionsteams werden aufgebaut. Arbeitskreis Schulpsychologie am ISB: Umbenennung und Neuorientierung Mehrjähriger Modellversuch zur Lehrergesundheit in Mittelfranken, Niederbayern und Oberpfalz: Organisation durch Schulpsychologen Erster bayerischer Schulpsychologenkongress in Dillingen mit ca. 250 Teilnehmern Zweiter Schulpsychologie-Kongress in Dillingen Einrichtung des Arbeitsbereiches Schulberatung am ISB Zurzeit (Schuljahr 2006/07) sind in Bayern ca. 520 Schulpsychologen tätig, von denen die meisten jedoch überwiegend als Lehrkräfte eingesetzt sind. Bezogen auf die einzelnen Regierungsbezirke und Schularten ist die Versorgung sehr unterschiedlich, der Bedarf wächst kontinuierlich. Schulpsychologie in Bayern 7
9 3 Berufsethische Grundsätze und Selbstverständnis Als Vermittler und Anwender von Psychologie sind Schulpsychologen an Fragestellungen orientiert, wie sie der Schulalltag aufwirft. Bei der Arbeit mit Lernenden und Lehrenden geht es um die Unterstützung der Eigenverantwortung von Ratsuchenden durch Erweiterung der persönlichen Fähigkeiten und die Entwicklung von wirkungsvollen Handlungsmöglichkeiten. Schulpsychologische Arbeit berücksichtigt die Einmaligkeit des Individuums bezüglich seiner persönlichen, sozialen und kulturellen Herkunft und Situation. Sie versteht sich dabei in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe. Ratsuchende sollen gestärkt werden, selbständig und eigenverantwortlich persönliche Ziele zu erreichen. Diagnostische Ergebnisse gibt der Schulpsychologe mit Respekt vor den Anliegen der Ratsuchenden nur mit deren Einverständnis weiter. Basis seiner Arbeit ist die Verschwiegenheitspflicht und der vertrauliche Umgang mit personenbezogenen Daten. Im Mittelpunkt schulpsychologischer Arbeit steht der Anspruch des Kindes auf angemessene Erziehung und Bildung. Umfeldbedingungen - psychologische, soziale, kognitive, institutionelle und gesellschaftliche Gegebenheiten - werden entsprechend einbezogen. Bayerische Schulpsychologen arbeiten auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem Bereich der Psychologie und halten sich mit regelmäßigen Fortbildungen auf einem aktuellen Stand. Sie fühlen sich aufgrund ihrer Feldkompetenz (Lehrerqualifikation) und Beratungskompetenz (psychologische Qualifikation) auch kompetent, aus ihrer Sicht auch vorausschauend Entwicklungsmöglichkeiten in schulischen Institutionen und im Bildungswesen anzusprechen und Maßnahmen zur Verbesserung vorzuschlagen. Somit sehen sich Schulpsychologen zwei wesentlichen Zielen verpflichtet: der individuellen Stärkung des Einzelnen im Rahmen von Beratung und Begleitung (Individualberatung) sowie der Unterstützung des Systems Schule bei der Verfolgung des Bildungsauftrags durch Einbringen (organisations-)psychologischer Kompetenzen. Schulpsychologie in Bayern 8
10 4 Strukturen Schulpsychologen arbeiten an verschiedenen Dienstorten: direkt an den Schulen, an Beratungszentren, an staatlichen und städtischen Schulberatungsstellen oder an staatlichen Schulämtern. Die dienstliche Einbindung ist abhängig von der Schulart, wie aus folgender Grafik ersichtlich ist. Für die Schulpsychologen an städtischen und privaten Schulen gibt es abweichende Strukturen. So ist in München der Zentrale Schulpsychologische Dienst Teil der Schul- und Bildungsberatung des Schulreferats der Landeshauptstadt München : In Nürnberg ist das BeratungsCentrumSchule mit den beiden Abteilungen Schulpsychologie für Nürnberg und Schulsozialpädagogischer Dienst der Stadt Nürnberg zusammen mit dem Pädagogischen Institut direkt dem Schulreferenten unterstellt. Schulpsychologie in Bayern 9
11 5 Ausbildung der Schulpsychologen Ausbildungsgänge für Staatliche Schulpsychologen in Bayern Staatliche Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sind in Bayern grundsätzlich Lehrkräfte mit abgeschlossenem Studium der Psychologie (KMBek vom 29. Oktober 2001 Nr. VI/9-S4305-6/40 922: Schulberatung in Bayern). Damit ergeben sich die folgenden Wege für das Studium: 1. Ein abgeschlossenes Lehramtsstudium und ein zusätzliches Psychologie-Studium (Diplom). 2. Ein grundständiges vertiefte(s) Studium der Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt gemäß LPO I 108. Im Bereich Grund- und Hauptschule alle Fächerkombinationen Im Bereich Realschule in der Fächerkombination mit Mathematik oder Englisch Im Bereich Gymnasium in der Fächerkombination mit Mathematik, Englisch oder Latein. Im Bereich der Beruflichen Schulen in der Verbindung mit folgenden Fachrichtungen: Agrarwirtschaft, Bautechnik, Ernährungs- u. Hauswirtschaftswissenschaften, Elektro- u. Informationstechnik, Gesundheits- u. Pflegewissenschaften, Metalltechnik oder Mechatronik. 3. Ein abgeschlossenes Lehramtsstudium und eine grundständige oder nachträgliche Erweiterung durch Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt gemäß LPO I 108. Beim Erweiterungsstudium gibt es keine Beschränkungen hinsichtlich der Fächerkombinationen. Besonderheit im Bereich der Förderschulen: Hier ist das grundständige Studium der Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt nicht möglich. Staatliche Schulpsychologen durchlaufen hier die Wege 1 oder 3. Studieninhalte sind Allgemeine Psychologie, Differentielle und Persönlichkeits- Psychologie, Sozialpsychologie, Forschungsmethoden der Psychologie, Statistik, experimentalpsychologisches Praktikum, Entwicklungspsychologie, Psychologische Diagnostik (Leistungs- und Persönlichkeitsdiagnostik, Testtheorie und Testkonstruktion), Gutachtenerstellung, Pädagogische Psychologie, Klinische Psychologie. Weiter sind schulpsychologische und allgemeinpsychologische Praktika (insgesamt drei) von jeweils sechs Wochen abzuleisten. Studienorte sind Bamberg, Eichstätt-Ingolstadt, München (LMU). Nach dem Studium (Phase I der Lehrerbildung) wird im zweijährigen Vorbereitungsdienst (Phase II der Lehrerbildung) die Ausbildung in Psychologie fortgesetzt. Eine intensivere Auseinandersetzung mit vielen Inhalten bzw. ein Tätigwerden in vielen Bereichen der schulpsychologischen Arbeit erfolgt in der Regel jedoch erst im weiteren Verlauf der beruflichen Entwicklung. In dieser dritten Phase der Lehrerbildung hat sich für Schulpsychologen die Kooperation untereinander und mit Fachkollegen außerhalb der Schule und insbesondere die Supervision der eigenen Arbeit als hilfreich und unverzichtbar erwiesen. Im Vorbereitungsdienst (Phase II) steht die praktische Umsetzung des psychologischen Fachwissens auf den Bereich der Schulberatung im Vordergrund. Über alle Schularten hinweg werden die folgenden Themen- und Arbeitsbereiche vermittelt. Mit den - kursiv gedruckten - besonderen Aufgabenfeldern werden die Schulpsychologen in Phase II zunächst vertraut gemacht; eine intensivere Auseinandersetzung damit bzw. ein Tätigwerden in diesen Bereichen wird i.d.r. jedoch erst im weiteren Verlauf der beruflichen Entwicklung erfolgen. Schulpsychologie in Bayern 10
12 Schlüsselqualifikationen: Gesprächsführung, Diagnostik, Intervention, Fähigkeit zur Reflexion (bzgl. Selbstbild, Berufsrollen, Tätigkeit, persönliche und fachliche Grenzen), Bereitschaft zur Selbsterfahrung, Kooperation (Teamfähigkeit, Vernetzung), Arbeitsorganisation und Ressourcenmanagement Einzelfallberatung in den Bereichen: Lernen und Leistung, Hochbegabung, Schullaufbahn (Einschulung, Übertritt, Berufsfindung...), Erziehung, Legasthenie und Dyskalkulie, AD(H)S, Verhaltensauffälligkeiten, Ängste, Mobbing sowie psychiatrische Störungsbilder, integrative Begleitung und sonderpädagogischer Förderbedarf, Sucht, Krisen (Suizid, Missbrauch, traumatische Belastungen...), interkulturelle Problematiken Gruppenmaßnahmen: wie Kurse und Trainings (zum Aufbau von Lernkompetenz, Eigenverantwortlichkeit, Konzentration, Prüfungsangst, Sozialkompetenz, Stressmanagement) Klassengespräche und Klassenrat sowie Elternabende Besondere Arbeitsfelder: Informationsveranstaltungen, Eltern-Gesprächskreise, Fortbildung / Moderation, kollegiale Fallbesprechung, Modellprojekte, Schulentwicklung, pädagogische Konferenzen und pädagogische Tage, Streitschlichtung, Konfliktmanagement, Prävention und Intervention bei Mobbing, Supervision und Coaching, Krisenmanagement Am Gymnasium Psychologie-Unterricht: Grundkurs/Wahlunterricht, Leistungserhebung/Korrektur, Methodik/Didaktik Im Rahmen des zweijährigen Vorbereitungsdienstes wird für alle Referendare und Lehramtsanwärter einmal pro Ausbildungsjahr schulartübergreifend ein Wochenkurs zur Einführung und Vertiefung der Methoden der schulpsychologischen Intervention und der Gesprächsführung durchgeführt. Zukunftsperspektiven für die Ausbildung bayerischer Schulpsychologen Derzeit wird überlegt, ausbildungsbegleitend - und getrennt vom Ausbilder - Supervision als Methode der Reflexion professionellen Handelns zu institutionalisieren. Für die beginnende schulpsychologische Tätigkeit nach Übernahme in den Staatsdienst bzw. nach Abschluss des schulpsychologischen Studiums als Erweiterungsfach für bereits im Schuldienst stehende Lehrkräfte wird ein Mentorat angestrebt. Mit der Umstellung der Studiengänge im Rahmen des Bologna-Prozesses (Bachelorund Masterstudiengänge) und die dabei vorgenommene Modularisierung wird auch das Schulpsychologiestudium Veränderungen erfahren. Schulpsychologie in Bayern 11
13 6 Arbeitsbedingungen Die Schule stellt den Beratungsfachkräften zur Beratung ein Sprechzimmer und die notwendige Ausstattung zur Verfügung (KMBek III 3.2). Jeder Schulpsychologe sollte also über einen eigenen Raum verfügen, der neben einem Schreibtisch und einer angemessenen Sitzgelegenheit zur Beratung auch einen abschließbaren Schrank für Klientenunterlagen und Tests beherbergt. Das Büro des Schulpsychologen sollte möglichst ganztägig direkt telefonisch erreichbar sein (Anrufbeantworter mit großer Aufnahmekapazität und Fernabfrage; aufgrund der Schweigepflicht dürfen die Zielnummern nicht erfasst werden). Optimal wären eine Unterstützung durch das Schulsekretariat, ein zusätzlicher Gruppenraum, Spiel- und Arbeitsmöglichkeiten für zu beratende Kinder und eine technische Ausstattung je nach den örtlichen Gegebenheiten und Anforderungen (z.b. Flip-Chart, Pinwand, Beamer, Digitalkamera ). Die finanzielle Ausstattung schulpsychologischer Beratung hängt ebenfalls von den örtlichen Voraussetzungen und dem individuellen Tätigkeitsprofil ab, d.h. der Etat-Umfang insgesamt richtet sich nach der Anzahl der Anrechnungsstunden für die schulpsychologische Tätigkeit der zu betreuenden Schülerzahl und den besonderen Tätigkeitsbereichen (s. Kap. 9: Tätigkeitsfelder). Die Doppelrolle als Schulpsychologe und Lehrkraft führt im Schulalltag gelegentlich zu Engpässen und zu einer Mehrbelastung. Zur Unterstützung schulpsychologischer Arbeit sind daher entlastende Maßnahmen in folgenden Bereichen hilfreich: Berücksichtigung schulpsychologischer Zeitstrukturen im Stundenplan räumliche Nähe von Fach- und schulpsychologischem Einsatzort Entlastung bei Pausenaufsichten, Klassleitungen, Vertretungen und arbeitsintensiven Fächern (z.b. Korrekturarbeiten im Fach Deutsch) Etat für die Grundausstattung des Arbeitsplatzes und für Neuanschaffungen (z.b. Tests, Fachliteratur und Fördermaterialien) Schulpsychologie in Bayern 12
14 7 Rechtliche Grundlagen der schulpsychologischen Arbeit Im Folgenden wird stichwortartig auf rechtliche Bestimmungen verwiesen, die den Rahmen für die schulpsychologische Tätigkeit allgemein und an den einzelnen Schularten festlegen. Soweit möglich, sind die Referenzen angegeben, ansonsten wird empfohlen, sich bei den angegebenen Links zu informieren. Allgemeine Vorschriften Bestellung von Beratungslehrkräften, Schulpsychologen und Schulberatungsstellen: BayEUG Art. 78 Richtlinien zur Schulberatung in Bayern: KMBek vom (KWMBl I S. 454) Rechtlicher Rahmen des Beratungsverhältnisses mit Schülern: 107 BGB (Beratung ist ohne Einwilligung des gesetzlichen Vertreters möglich, da für den Schüler rechtlich lediglich vorteilhaft) Beamtenrecht, bzw. Recht für den öffentlichen Dienst: Art. 33 GG, Bundes- und Landesbeamtengesetze Folgen von Pflichtverletzungen: Art. 34 GG, 839 BGB, 46 Abs. 1 Beamtenrechtsrahmengesetz oder die entsprechende Bestimmung des Landesbeamtengesetzes Schweigepflicht Grundlagen der Schweigepflicht: 203 Abs. 1 StGB und KMBek (s.o.), Punkt III Befugnis zur Offenbarung und Offenbarungspflicht: 138 StGB; 139 Abs. 4 StGB, KMBek Pkt. III und Untersuchung mit amtlichem Zweck: vgl. Art. 87 Abs. 2 und Art. 88 Abs. 1 BayEUG, KMBek Pkt. III Einblick für Dienstvorgesetzte: KMBek Pkt. III Beratung Minderjähriger (Geheimhaltungsinteresse des Minderjährigen vs. Interesse der Erziehungsberechtigten): 203 StGB, 1626 BGB Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht: 53 StPO, nur für approbierte Psychologische Psychotherapeuten (aber: Genehmigung des Dienstvorgesetzten vor Aussage notwendig) Datenschutz Aktenführung und -einsicht: Erforderlichkeitsgrundsatz, KMBek Punkte I-II.4.4. Einsatz von Informationstechnik (IT): Anonymisierung der Informationen und Verschlüsselungssoftware unerlässlich Aktenvernichtung: Zerreißgerät verwenden, digitale Daten müssen mit einem speziellen Programm gelöscht werden Empfehlung: Informationsblatt für Klienten über Art und Gründe von Aufzeichnungen anbieten Mitwirkung bei Verwaltungsakten Schulpsychologen können oder müssen bei verschiedenen Entscheidungen der Schulleitung oder der Lehrerkonferenz gutachtlich hinzugezogen werden. Schulpsychologie in Bayern 13
15 Vorschriften für alle Schularten Grundschulen Grund- /Förderschulen Realschulen Gymnasien Vollzeitschulpflicht: Art. 37 BayEUG Entlassung: Art. 87 (2) BayEUG Ausschluss: Art. 88 (1) BayEUG Ordnungsmaßnahmen: Art. 86 (9) 1 BayEUG, KMBek Pkt. II Legasthenie/Lese-Rechtschreib-Schwäche: KMBek vom (KWMBl I, S. 379) (Vorrücken: Art. 53 (6) BayEUG) Vorzeitige Einschulung Art.37 (1) BayEUG Überspringen: 27/ 9 VSO Sonderpädagogischer Förderbedarf: Art. 41 (3) BayEUG, 4 (1) VSO; KMBek (1999) Pkt. III Lehrerkonferenz: 80 (2) RSO Schulforum: 105 (3) RSO (Unverschuldete Leistungsminderungen: 57 (3) GSO Ausnahmegenehmigung bei unbilliger Härte: 130 (3) GSO) Da der Schulleiter immer die endgültige Entscheidung trifft und nach außen hin vertritt, werden Widersprüche gegen die Schule gerichtet, so dass keine direkten Folgen für den Schulpsychologen entstehen. Beschwerden hingegen (zur Sache, z.b. Gutachten, oder zur Person, z.b. Dienstaufsichtsbeschwerde) können formlos auch gegen Vorgänge erhoben werden, die kein Verwaltungsakt sind. (vgl. Bestimmungen über den Rechtsschutz in den letzten Kapiteln der jeweiligen Schulordnung). Literaturhinweise / Links KMBek zur Schulberatung: (Menüpunkt Arbeitsweise ) Legasthenie/Lese-Rechtschreibschwäche: (Menüpunkt Lernen & Schulleistungen) BayEUG, Schulordnungen: Graf, Das Berufsbild des Schulpsychologen, in: Handbuch der Schulberatung Schulpsychologie in Bayern 14
16 8 Kooperationspartner In der praktischen schulpsychologischen Arbeit ist es sinnvoll, eine Liste der innerschulischen wie außerschulischen Ansprechpartner zur Verfügung zu haben. Welche Personen oder Institutionen dies sein können, hängt von der Schulart, den lokalen Gegebenheiten und dem jeweiligen Sachverhalt ab. Eventuell gibt es bereits Zusammenstellungen (Kommune, Erziehungsberatungsstelle, Schulberatungsstelle ), eine laufende Aktualisierung ist unerlässlich. Grundsätzlich erscheint es hilfreich, auch außerschulische Ansprechpartner persönlich kennen zu lernen. Innerschulische Kooperation Wichtige innerschulische Kooperationspartner: Beratungslehrkräfte Lehrkräfte (Klassleitung, Fachlehrkräfte) Verbindungslehrer Schulleitung / Schulamt / Ministerialbeauftragte Fachschaften (Fachbetreuer) Schülermitverantwortung Elternbeirat Mobiler Sonderpädagogischer Dienst Für die Einzelfallberatung sind beispielsweise die einzelnen Lehrkräfte und die Beratungslehrer wichtige Kontaktpersonen. Sie können dem Schulpsychologen Informationen bezüglich des Lern- und Arbeitsverhaltens, des Sozialverhaltens usw. geben. Gelegentlich führen Beratungslehrer Tests durch, die Grundlage für die weitere Diagnose und Intervention sind. Auch mit schulischen Institutionen, wie Elternbeirat, SMV und Fachschaften kooperiert der Schulpsychologe. So kann er beispielsweise die Deutsch- und Englischfachschaften unterstützen, wenn es Fragen zur Legasthenie gibt. Die Zusammenarbeit mit SMV und Elternbeirat bietet sich u.a. im Rahmen der Schulentwicklung an. Ergänzend dazu ist die Kooperation mit dem Verbindungslehrer zu nennen. Ebenso ist die Schulleitung ein sehr wichtiger Kooperationspartner für den Schulpsychologen, sei es in der Einzelfallberatung, bei der Durchführung von Gruppenmaßnahmen oder bei der Entwicklung von jahrgangsstufenübergreifenden psychologischpädagogischen Konzepten. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Mobile Sonderpädagogische Dienst, wenn es um die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und um die Entwicklung von Förderplänen geht. Außerschulische Kooperation Neben der Zusammenarbeit mit innerschulischen Ansprechpartnern ist in vielen Fällen im Rahmen der Einzelfallberatung, aber auch bei Projekten oder Arbeitskreisen - eine Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen angezeigt. Der nachfolgende alphabetische Überblick erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit und zeigt die Vielfalt der Ansprechpartner. Allgemeiner Sozialdienst (ASD; früher Familienhilfe), andere soziale Dienste Schulpsychologie in Bayern 15
17 Agentur für Arbeit (z. B. Berufsberatung, Berufsinformationszentrum) Ärzte (Schulärzte, Allgemeinärzte, Praktische Ärzte, Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Kinderklinik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, HNO-Ärzte, Augenärzte) Ausländerbeirat Ausländerberatung (Beratungsstellen für interkulturelle Fragen/Probleme, Migrantenfamilien) Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Familien, Aids-Beratung, Drogenberatung, Suchtberatung und -prävention Bündnis für Familien Bündnis gegen Depression Elternvertreter / Elternverbände, Elternvereine (auf örtlicher Ebene) Gesundheitsamt Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe-Institute Jugendamt (Kinder- und Jugendarbeit [z.b. Streetwork, soziale Gruppenarbeit], Kindertagesstätten, Sozialpädagogen in Schulen, wirtschaftliche Jugendhilfe,...) Jugendring Kinderhorte Kinderschutzbund Konsulate Krankenkassen Lehrerverbände Pädagogisches Institut Psychologische Psychotherapeuten (v.a. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten), Therapeuten für Legasthenie-/Dyskalkulie-Therapie, Logotherapie, Ergotherapie Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Therapeutische Wohngruppen Universitäten (Pädagogische und psychologische Institute) Gelegentlich ergeben sich auch Kooperationsprojekte mit verschiedenen Institutionen zu einem bestimmten Thema. Schulpsychologie in Bayern 16
18 9 Tätigkeitsfelder Die Übersicht zeigt die vielfältigen Tätigkeitsfelder im Rahmen der schulpsychologischen Arbeit, wie sie in der KMBek zur Schulberatung (2001) festgelegt sind: Schulpsychologie in Bayern 17
19 Es werden vier Tätigkeitsschwerpunkte genannt: Schullaufbahnberatung Pädagogisch-psychologische Beratung Beratung von Schule und Lehrkräften Zusammenarbeit mit anderen Beratungsdiensten In der Regel steht die Einzelfallberatung Schullaufbahnberatung und pädagogischpsychologische Beratung im Mittelpunkt schulpsychologischer Arbeit. Sie ist Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten im Bereich Beratung von Schule und Lehrkräften und Zusammenarbeit mit anderen Beratungsdiensten (s. Pkt. 8). Die Anforderungen an die schulpsychologische Beratung werden u.a. aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen (s. Punkt 1) und der sich daraus ergebenden zusätzlichen Anforderungen für die Schule immer höher und anspruchsvoller. Dem hat die KMBek zur Schulberatung Rechnung getragen und zusätzliche Aufgaben für Schulpsychologen im Rahmen der Beratung für Schule und Lehrkräfte definiert. In diesem Bereich sind hauptsächlich erfahrene Kollegen aktiv, denn die Tätigkeitsfelder schulpsychologischer Arbeit verändern und erweitern sich mit zunehmender Berufserfahrung. Aus den Aufgabenstellungen heraus eigenen sie sich allmählich weitergehende Kompetenzen an, z. B. in therapeutischen Verfahren, Schulentwicklung, Krisenintervention, Moderation, Supervision, so dass sie eine qualifizierte Beratung für Schule und Lehrkräfte anbieten können. Für die Wirksamkeit schulpsychologischer Arbeit ist mitentscheidend, dass es Schulpsychologen möglich ist und ermöglicht wird, ein individuelles Tätigkeitsprofil und Berufsbild zu entwickeln, das einerseits den vorgegebenen Aufgaben entspricht und damit den Adressaten gerecht wird, andererseits für den Schulpsychologen individuelle Entwicklungsmöglichkeiten offen lässt. KÄSER (1993) hat dies in einer wegweisenden Veröffentlichung deutlich gemacht. Grundlage seines Modells ist die Einzelfallhilfe, Diagnostik und Intervention. Mit zunehmender Berufserfahrung können dann weitere Tätigkeitsfelder hinzukommen: Krisenintervention, Betreuung von Schülergruppen, Beratung von Lehrern, Arbeit mit Lehrergruppen, Fortbildung von Lehrkräften und Schulleitern, Konzeptentwicklung, Organisationsentwicklung, Forschung und Lehre. Im Folgenden werden exemplarisch verschiedene Arbeitsfelder aufgezeigt. Schulpsychologie in Bayern 18
20 9.1 Die Einzelfallhilfe als Basis schulpsychologischer Beratung Lern- und Entwicklungsprozesse von Schülern verlaufen nicht immer problemlos. Kurzfristige Verständnisschwierigkeiten, persönliche Krisen, familiäre Umbruchsituationen, Interaktionsprobleme in der Schulklasse oder mit einem bestimmten Lehrer, nicht erkannte Teilleistungsschwächen, Über- bzw. Unterforderung an einer bestimmten Schulart führen Kinder und Jugendliche in Situationen, die sie ohne Hilfe nur schwer oder gar nicht bewältigen können. Ihnen bzw. ihren Eltern stehen Schulpsychologen als kompetente Ansprechpartner wohnortnah zur Verfügung. Die Ratsuchenden können in der Regel zwischen dem Schulpsychologen vor Ort, also direkt an ihrer Schule, und dem Schulpsychologen an einem Beratungszentrum, staatlichen Schulamt oder an der staatlichen Schulberatungsstelle wählen. Die gesetzliche Schweigepflicht aller Schulpsychologen garantiert ihnen den vertraulichen Umgang mit ihrem Problem. Allerdings lassen sich viele Schulprobleme nur unter Einbeziehung aller Beteiligter lösen, so dass der Schulpsychologe die Eltern im Einzelfall um eine Schweigepflichtentbindung bitten wird. Häufig geben schlechte Noten den ersten Anstoß, dass Eltern oder Schüler den Schulpsychologen aufsuchen. Nach einem ausführlichen Gespräch plant dieser das weitere Vorgehen. Auf der Suche nach den Ursachen für die aktuellen Schwierigkeiten werden diagnostische Testverfahren eingesetzt, Arbeitsproben analysiert, mit Einwilligung des Klienten Kontakte zu anderen Bezugspersonen, z. B. Lehrer oder Therapeut, aufgenommen und weitere Gesprächstermine vereinbart. Erst wenn die Ursachen eines Problems erkannt wurden, können Schritte zur Intervention ausgearbeitet werden. Die Vorschläge reichen von der selbstgesteuerten Lern- und Hausaufgabenplanung über die Unterstützung durch Förderangebote bis hin zum Wechsel des Schulzweiges oder der Schulart. Unterforderungssituationen können z.b. auch zu der Empfehlung führen, eine Jahrgangsstufe zu überspringen. Seit der kultusministeriellen Bekanntmachung vom November 1999 zur "Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben" werden diese Teilleistungsprobleme auch in der Schule berücksichtigt. Schulpsychologen haben seitdem die Aufgabe, im Bedarfsfall die Lese-Rechtschreibschwäche zu diagnostizieren, Eltern, Kinder und Lehrer zu beraten, an den Schulen entsprechende Fortbildungen durchzuführen, Fördermaßnahmen an der Schule vorzuschlagen und zu betreuen und eine offizielle Bescheinigung für die Schule auszustellen. Dazu kann der Schulpsychologe nach eigener Diagnose oder bei Vorlage eines kinder- bzw. jugendpsychiatrischen Gutachtens in Zusammenarbeit mit der Schule einen sog. Nachteilsausgleich empfehlen, der dem Schüler zahlreiche Hilfen im Schulalltag zugesteht. Von zunehmender Bedeutung in der Einzelfallhilfe sind allerdings auch Verhaltensauffälligkeiten der Kinder und Jugendlichen. Eltern und Lehrer fühlen sich im Umgang mit den betroffenen Schülern häufig überfordert oder haben bereits kapituliert. Im schlimmsten Fall haben aber auch die Betroffenen selbst sich schon aufgegeben und sich in Rückzug, Aggression, Krankheit oder Sucht geflüchtet. Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben des Schulpsychologen, hier das Vertrauen des Klienten zu gewinnen und ihn und seine Familie gegebenenfalls für therapeutische Hilfen zu sensibilisieren. Nicht selten bietet die Einzelfallhilfe Anlass, auch das System Familie und/oder das System Schule in die Intervention mit einzubeziehen. Die Palette reicht vom Interaktionstraining in der Schulklasse bis zum runden Tisch, an dem alle Beteiligten sich als Helfer zusammensetzen. Obwohl die Grenzen zur therapeutischen Hilfe in der Interventionsphase fließend sind, muss der Schulpsychologe doch aufgrund seiner begrenzten Ressourcen möglichst schnell nach weiteren Unterstützungsmöglichkeiten bei anderen Institutionen suchen und eventuell weitervermitteln. Schulpsychologie in Bayern 19
Neue SB-KMBek - erschienen am 23. November 2001 im Staatsanzeiger Nr. 47: Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 29. Oktober 2001 Nr. VI/9-S4305-6/40 922 ( KWMBl.

References: Art. 78
 Art. 78
 Art. 33
 Art. 34
 Art. 87
 Art. 88
 Art. 37
 Art. 87
 Art. 88
 Art. 86
 Art. 53
 Art.37
 Art. 41