Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20U%20106/05
Timestamp: 2018-01-17 01:01:38+00:00

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OLG Stuttgart, 14.02.2006 - 1 U 106/05 - dejure.org
Unerlaubte Handlung: Fahrradunfall während einer organisierten Radtouristikfahrt; Beschränkung der gegenseitigen Haftung der Teilnehmer; Verstoß gegen von der StVO vorgeschriebene Sicherheitsabstände bei Fahren im Pulk
BGB § 242 § 823
Zur gegenseitigen zivilrechtlichen Haftung der Teilnehmer einer organisierten Radtouristikfahrt - Zur Haftung des Unfallverursachers bei organisierten Radtouristikfahrten
Beurteilung von Schadensereignissen im Rahmen sportlicher Veranstaltungen; Inanspruchnahme anderer Teilnehmer für nicht versicherte Schäden bei sportlichen Wettbewerben; Haftung bei Teilnahme an einer organisierten Radtouristikfahrt; Unterwerfung der Teilnehmer unter die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln bei sportlichen Betätigungen; Konkludente Anerkennung der sportlichen Regeln bei Anschluss an eine Radfahrergruppe; Anwendung der Grundsätze des Anscheinsbeweises bei Verhaken der Lenker innerhalb eines Pulks von Radsportlern; Bestehen einer Haftung bei Vorliegen eines Verstoßes gegen die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO)
Sturz bei der Radrundfahrt - Unfallverursacher haftet nicht, wenn er keine sportlichen Regeln verletzte
Bei Radtouren in der Gruppe Haftung beschränkt
LG Ravensburg, 28.09.2005 - 5 O 213/05
NJW-RR 2007, 1251
In der Rechtsprechung werden die vom Senat entwickelten Grundsätze im Ansatz zutreffend auch bei anderen Veranstaltungen angewendet (vgl. OLG Brandenburg, Urteil vom 28. Juni 2007 - 12 U 209/06 - zitiert nach Juris - Motorradpulk; OLG Stuttgart, NJW-RR 2007, 1251 - organisierte Radtouristikfahrt).
Diese Rechtsprechung ist auf Wettkämpfe in Parallelsportarten ohne Körperkontakt ausgedehnt worden (BGH, Urteil vom 01.04.2003, Az.: VI ZR 321/02;… zustimmend Wagner, in: Münchener Kommentar, a.a.O., § 823 Rdn. 570) und zum Teil auch auf sonstige Sportausübungen außerhalb eines Wettkampfes mit erheblichem Gefährdungspotential (OLG Stuttgart, Urteil vom 14.02.2006, Az.: 1 U 106/05 - Fahrrad-Rallye; OLG Hamm, Urteil vom 31.01.1990, Az.: 13 U 28/89; OLG Hamm, Urteil vom 22.05.1984, Az.: 9 U 275/83 - Squash; ähnlich auch für gefährliche Bergklettertouren OLG Karlsruhe, Urteil vom 01.12.1977, Az.: 4 U 146/76;… Spindler, in: Bamberger / Roth, Beck'scher Online-Kommentar zum BGB, Stand: 01.05.2013, § 823 Rdn. 393).
Wie oben dargelegt, werden auch bei Sportarten mit erheblichem Gefährdungs- und Verletzungspotential von dem Geschädigten nur solche Verletzungen in Kauf genommen, die auch bei regelgerechtem Verhalten nicht zu vermeiden sind (vgl. insoweit auch BGH, Urteil vom 27.10.2009, Az.: VI ZR 296/08; BGH, Urteil vom 01.04.2003, Az.: VI ZR 321/02; OLG Stuttgart, Urteil vom 14.02.2006, Az.: 1 U 106/05;… Knerr in: Geigel, Der Haftpflichtprozess, 26. Auflage 2011, 1. Kapitel Rdn. 58ff;… Grüneberg, in: Palandt, BGB, 72. Auflage 2013, § 254 Rdn. 32ff).
Diese ursprünglich für sportliche Wettkämpfe entwickelten Grundsätze finden nach obergerichtlicher Rechtsprechung auch außerhalb des Bereichs sportlicher Kampfspiele Anwendung, etwa beim Motorrad-Motorsport (OLG Celle, VersR 1980, 874) oder organisierten Radtouristikfahrten (OLG Stuttgart, Urteil v. 14.02.2006, Az. 1 U 106/05, zitiert nach juris; weitere Nachweise in BGH NJW 2003, 2018).
SG Düsseldorf, 12.10.2007 - S 1 U 92/05
Gegen diese Entscheidung hat der Kläger am 06.12.2005 Klage erhoben (S 1 U 106/05).
Mit Beschlüssen vom 16.01.2006 und 12.10.2007 hat das Gericht die Verfahren S 1 U 92/05, S 1 U 106/05 und S 1 U 41/06 zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung unter Führung des Aktenzeichens S 1 U 92/05 miteinander verbunden.
Dabei kommt es darauf an, dass sich bei einer gemeinsamen Sportausübung, für die zumindest ein stillschweigender Konsens über die zu beachtenden Regeln gilt, die der Sportart immanente Gefahr realisiert, ohne dass dabei gegen eine der Regeln grob verstoßen wurde bzw. ansonsten dem Teilnehmer grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz vorzuwerfen wäre (vgl. dazu: OLG Stuttgart, Urteil vom 14.02.2006, Az.: 1 U 106/05 (Radtouristikfahrt); OLG Nürnberg, Urteil vom 16.05.2002, Az.: 2 U 4387/01, (unabhängiges Befahren einer Motorcrossbahn mit Motorrädern); OLG Celle, Urteil vom 02.04.1980, Az.: 3 U 186/79 (Motorsport mit Geländemotorrädern); BGH, Urteil vom 01.04.2003, Az.: VI ZR 321/02 ("Gleichmäßigkeitsprüfung" auf dem Hockenheimring); BGH, Urteil vom 29.01.2008, Az.: VI ZR 98/07 (35."Akademisches" auf dem Hockenheimring, Einhalten einer bestimmten vorgegebenen Geschwindigkeit), alle zitiert nach juris).
Diese ursprünglich für sportliche Wettkämpfe entwickelten Grundsätze werden von der obergerichtlichen Rechtsprechung für den Fall, dass kein oder kein gewichtiger Regelverstoß begangen wurde bzw. kein grob fahrlässiges Verhalten des Schädigers feststellbar ist, auch außerhalb des Bereichs sportlicher Kampfspiele angewandt, etwa beim Motorradsport oder bei organisierten Radtouristikfahrten (…vgl. Senat, Urt. v. 28.06.2007 - 12 U 209/06, NJW-RR 2008, 340; OLG Stuttgart NJW-RR 2007, 1251).

References: § 242
 § 823
 § 823
 § 823
 § 254
 BGH