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Timestamp: 2019-04-21 19:31:17+00:00

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BGH, 10.05.2006 - XII ZB 42/05 - dejure.org
ZPO §§ 238 Abs. 2, 522 Abs. 1 Satz 4, 139 Abs. 1
Anforderungen an die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde gegen einen die Wiedereinsetzung gegen die Versäumung der Berufungsbegründungsfrist versagenden Beschluss; Verstoß des Gerichts gegen die richterliche Hinweispflicht durch Annahme bestimmter Umstände ohne die vorherige Einholung einer Stellungnahme seitens des Beschwerdeführers; Möglichkeit zum Vortrag von für die Gewährung der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bedeutenden Umständen nach Ablauf der zweiwöchigen Antragsfrist i.S.d. Zivilprozessordnung; Vorliegen eines der Prozesspartei zurechenbaren Organisationsverschuldens seitens des Prozessbevollmächtigten durch eine versehentlich falsch eingetragene Frist in den Terminkalender der Kanzlei
ZPO § 238 Abs. 2 § 522 Abs. 1 S. 4 § 139 Abs. 1
Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde gegen die Versagung der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
Verfahrensrecht - Rechtsbeschwerde gegen Wiedereinsetzung versagenden Beschluss
Wiedereinsetzung - Umfang der Anfechtung, richterliche Hinweispflicht
AG Viersen, 12.08.2004 - 33 C 75/03
LG Mönchengladbach, 04.01.2005 - 2 S 167/04
NJW 2006, 2269
MDR 2006, 1363 (Ls.)
FamRZ 2006, 1106 (Ls.)
BB 2006, 1768
Dieser Zulassungsgrund liegt u.a. dann vor, wenn die Entscheidung des Gerichts auf der Verletzung von Verfahrensgrundrechten, namentlich des Anspruchs auf rechtliches Gehör beruht (BGHZ 151, 221, 226 f.; Senatsbeschluss vom 10. Mai 2006 - XII ZB 42/05 - BGH-Report 2006, 1119).
Jedoch dürfen nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Senatsbeschluss vom 10. Mai 2006 ­ XII ZB 42/05 ­ BGH-Report 2006, 1119 m.w.N.) erkennbar unklare oder ergänzungsbedürftige Angaben, deren Aufklärung nach § 139 ZPO geboten gewesen wäre, noch nach Fristablauf erläutert und vervollständigt werden.
Die mangels eines richterlichen Hinweises zunächst unterbliebene Ergänzung eines das Wiedereinsetzungsgesuch begründenden Vortrags oder seiner Glaubhaftmachung kann dabei auch noch nach Ablauf der Fristen der § 234, § 236 Abs. 2 ZPO - und zwar auch im Rechtsbeschwerdeverfahren - erfolgen (vgl. BGH, Beschlüsse vom 23. September 1981 - IVb ZB 758/81, VersR 1981, 1160, 1161; vom 6. Mai 1999 - VII ZB 6/99, NJW 1999, 2284; vom 10. Mai 2006 - XII ZB 42/05, NJW 2006, 2269 Rn. 10;… vom 31. März 2010 - XII ZB 166/09, FamRZ 2010, 879 Rn. 12;… vom 10. März 2011 - VII ZB 28/10, NJW-RR 2011, 790 Rn. 10 f.;… vom 17. Januar 2012 - VIII ZB 42/11, WuM 2012, 157 Rn. 10;… vom 3. Dezember 2015 - V ZB 72/15, NJW 2016, 874 Rn. 9).
Damit entfällt die auf das Fehlen von Versagungsanträgen gestützte Entscheidung über die Restschuldbefreiung, ohne dass es der förmlichen Aufhebung des Beschlusses bedarf (vgl. BGH, Beschluss vom 10. Mai 2006 - XII ZB 42/05, NJW 2006, 2269 Rn. 5 mwN;… MünchKomm-ZPO/Gehrlein, aaO, § 238 Rn. 12;… Zöller/Greger, aaO, § 238 Rn. 3; AG Hamburg, NZI 200, 446 für den Fall des § 307 Abs. 1 InsO).
Dazu gehört, dass bei der Auslegung der Vorschriften über die Wiedereinsetzung die Anforderungen daran, was die Partei veranlasst haben muss, um Wiedereinsetzung zu erlangen, insbesondere beim "ersten Zugang" zu Gericht nicht überspannt werden (BGHZ 151, 221, 227) und eine Partei auf ersichtlich unvollständige Angaben hingewiesen wird (BGH, Beschl. v. 10.5.2006 - XII ZB 42/05, NJW 2006, 2269 Tz. 5 und 10).
Allerdings dürfen erkennbar unklare oder ergänzungsbedürftige Angaben, deren Aufklärung nach § 139 ZPO geboten gewesen wäre, nach Fristablauf und auch noch mit der Rechtsbeschwerde erläutert oder vervollständigt werden (…BGH, Beschlüsse vom 18. Juli 2007 aaO Tz. 14;… vom 13. Juni 2007 aaO; vom 10. Mai 2006 aaO m.w.N.; vom 6. Mai 1999 - VII ZB 6/99 - NJW 1999, 2284 unter 3 c m.w.N.;… vom 12. Mai 1998 aaO m.w.N.;… vom 8. April 1997 aaO m.w.N.; vom 10. Februar 1994 - VII ZB 25/03 - VersR 1994, 1368 unter 2 a m.w.N.).
c) Die gleichzeitig ausgesprochene Verwerfung der Berufung steht der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht entgegen, weil diese Entscheidung durch die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ihre Grundlage verliert und damit gegenstandslos wird (Senatsbeschlüsse vom 15. August 2007 - XII ZB 101/07 - FamRZ 2007, 1725, 1726; vom 10. Mai 2006 - XII ZB 42/05 - NJW 2006, 2269 und vom 9. Februar 2005 - XII ZB 225/04 - FamRZ 2005, 791, 792).
Lediglich erkennbar unklare oder ergänzungsbedürftige Angaben, deren Aufklärung nach § 139 BGB geboten gewesen wäre, dürfen noch nach Fristablauf erläutert oder vervollständigt werden (…Senatsbeschlüsse vom 24. Juni 2010 - III ZB 63/09, juris Rn. 14 …und vom 20. Dezember 2012 - III ZB 47/12, juris Rn. 9; vgl. auch BGH, Beschlüsse vom 6. Mai 1999 - VII ZB 6/99, NJW 1999, 2284; vom 4. März 2004 - IX ZB 71/03, BeckRS 2004, 06830 und vom 10. Mai 2006 - XII ZB 42/05, NJW 2006, 2269 Rn. 10).
Zwar würde einem die Berufung verwerfenden Beschluss im Falle der Wiedereinsetzung in die versäumte Frist die Grundlage entzogen und er damit gegenstandslos (Senatsbeschlüsse vom 9. Februar 2005 - XII ZB 225/04 - FamRZ 2005, 791, 792 und vom 10. Mai 2006 - XII ZB 42/05 - NJW 2006, 2269).
BGH, 13.03.2008 - IX ZB 152/05

References: § 238
 § 522
 § 139
 § 139
 § 234
 § 236
 § 238
 § 238
 § 307
 § 139
 § 139