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Timestamp: 2018-12-11 09:58:57+00:00

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Der Dilettant | unaufgefordert malen | Seite 2
November 23, 2018 § 13 Kommentare
Vor einiger Zeit meldete ich mich bei instagram an. Ab und an zeige ich dort ein neues Bild oder Foto. Aus einer Laune heraus ließ ich mich neulich durch die Weiten des Netzwerkes treiben und klickte mich von Nutzer zu Nutzerin. Dabei defilierten hunderte, tausende, theoretisch Millionen fremder Gesichter an mir vorbei. Und entgegen der landauf landab zu vernehmenden Klage über die „Bilderflut“, über Beliebigkeit und Geltungssucht des heutigen Menschen und das Durchdeklinieren dieses und anderer Phänomene in Richtung „kulturellem Niedergang“, Verblödung und bevorstehendem Weltenende mangels Bildung dachte ich spontan: die ganze Menschheit aus der Vogelperspektive! Und es kam mir in den Sinn, welch ein Privileg es doch in früheren Zeiten war, sich mittels eins Portraits zu „verewigen“. Sich der näheren und weiteren Umgebung eitel zu präsentieren oder auch nur über die eigene (gefühlte) Bedeutung zu informieren. Vor Erfindung der Fotografie wahrlich etwas für sehr wenige, sehr wohlhabende Menschen, danach zunehmend in den Möglichkeitsbereich eines jeden rückend. Aber erst mit der digitalen Revolution zum Massenphänomen avanciert. Das ist Demokratie. Warum aber stoßen sich so viele daran? Klar, die hinter den Plattformen stehenden Unternehmen agieren aggressiv, monopolistisch, unlauter und oft genug kriminell. Sie gerieren sich als Menschheitsbeglücker, saugen diese jedoch durch Datenklau und Steuervermeidung aus. Und: viele Fotos sind „schlecht“. Unbenommen. Aber es gibt ja noch gute, auf die kann man sich ja konzentrieren, wenn man möchte. Usw. Und sofern ich nicht als Sektierer leben will, nehme ich ja doch an allem teil, mehr oder weniger, einer so die andere so. Warum also nicht die Möglichkeiten nutzen? Und in der Tat finde ich es anrührend zu sehen, wie Menschen sich in Szene setzen. Grandios, komisch, unfreiwillig komisch, hässlich, unbedarft usw. Das ganze Spektrum. Der Mensch halt. Aus allen Teilen der Welt. Bei jedem kann ich mir die Frage stellen, was erfahre ich über die Person, was soll ich erfahren, denken, fühlen? Als leidenschaftlich Zeichner greife ich zum Stift und beginne Konturen nachzubilden, Gesichter zu formen und Köpfe abzubilden. Material in Hülle und Fülle, ohne Ende Gelegenheit, sich über die menschliche Physiognomie Gedanken zu machen.
Aus der Serie Instagram-Gesichter:
November 18, 2018 § 7 Kommentare
(Der gute alte Filterkaffe erlebt gerade eine Renaissance. Drum heißt der „normale“ Automatenkaffee jetzt Americano, obgleich das in Amerika übliche Heißgetränk unfassbar dünner Automatenfilterkaffee ist. Oder war. Die (Kuchen-)Schnitte ist ein „bar“. Das hab‘ ich mir von einem ob meiner hinterwäldlerischen Nachfrage kurz irritiert aber sonst super freundlich agierenden Angestellten erklären lassen. Na ja, ich verirre mich nicht mehr allzu oft nach Mitte. Zu viel Geld dort.)
Verwacklungspotential
November 16, 2018 § 6 Kommentare
(Während einer Fahrt durch den dämmrigen Tiergarten mit dem Daumen am Auslöser…)
Aus der Werkstatt des Komponisten
November 12, 2018 § 7 Kommentare
Schubert erreicht im Finalsatz seiner A-Dur-Sonate Takt 378
Schubert, zwei Versuche
November 11, 2018 § 2 Kommentare
Wer sich bildnerisch der Physis Franz Schuberts annähern will, muss auf bereits vorhandene Abbildungen oder Artefakte zurückgreifen. Unter Einbeziehung von zeitgenössischen Beschreibungen, wenn man will. Ein Arbeiten vor dem lebenden Modell ist nicht möglich. Man kann sich dabei von dem, was wir an Schubert lieben – seine Musik – leiten lassen, was dann vermutlich eine Art idealisiertes Portrait hervorbringt. Zwar hinterlässt ein gelebtes Leben Spuren in der Physiognomie, die wiederum ins Portrait einfließen können. Dass aber ein Geistiges, hier die Musik, das Antlitz formt, darf getrost ins Reich der Legende verwiesen werden. Schuberts unmittelbare Nachwelt aber hatte nichts Eiligeres zu tun, als den Mensch von allem „Makel“, allem „Unmoralischen“ zu befreien. Das ist die Gedankenwelt des Idealismus, nach der äußere und innere Schönheit einhergehen. Morgens „Himmlische“ Musik komponieren, und abends „liederlichen“ Ausschweifungen nachgehen – das durfte nicht sein. So stand es denn auch in einem der ersten Nachrufe, erschienen wenige Tage nach Schuberts Tod, in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, aus der ich hier nur die Übersetzung ins Englische aus dem Lexikon Grove Musik Online zitieren kann: „…his private life was absolutely honourable and worthy, as is always the case with every true artist.“ Ein schöner, guter Gedanke, leider unwahr.
P. S. Mein erster Schubert ginge vielleicht auch als Daniel Barenboim durch, merke ich grad…
Das unmögliche Ende
November 10, 2018 § 3 Kommentare
Das Gegenüber redet und redet, und kommt nicht zum Punkt. Unangenehm. Wer kennt das nicht. Aber es gibt auch das Gegenteil. Sie redet und redet, und es möge nie aufhören. Oder es klingt und tönt und tönt und klingt, und möge nie aufhören. Wann ein Musikstück zu Ende ist, regelte zu allen Zeiten die Konvention. Ein Popsong dauert dreieinhalb Minuten, eine LP zwei mal zwanzig, eine Sonate zwanzig, eine Symphonie dreißig+x, eine Messe eine Stunde oder länger. Undsoweiter. Mit Ausnahmen, natürlich – und Komponisten, die an den Konventionen rüttelten, zu allen Zeiten. Die vorgegebene Form muss aber so gefüllt werden, dass die Konvention nicht als Konvention sichtbar wird, sondern als innere Notwendigkeit. Dafür gibt es wiederum geregelte Abläufe – Intro, Strophe, Refrain, Strophe, Bridge, Refrain, Outro. Oder Sonatenhauptsatzform: Exposition, Durchführung, Reprise. Rondoform etc. Ein erfahrener Hörer weiß also schon mittendrin, wie lang es etwa noch dauern wird. Und dass das Ende unweigerlich kommt. Das Ende? In der Klassik: der Schlussakkord (Ausblenden gab’s noch nicht). Aber wann ist’s der Schlussakkord? Um das Ende auch wirklich zu besiegeln, griffen Komponisten schon mal zu drastischen Mitteln. Beethoven in seiner Fünften z. B. : nicht enden wollende C-Dur-Schlussakkorde. Oder umgingen das Schlussproblem. John Cages Spielanweisung für seine Komposition „Organ2/ASLSP“ lautet „so langsam wie möglich“, was die Wahrscheinlichkeit, den Schlussakkord überhaupt zu erreichen, irgendwie minimiert. (In Halberstadt haben sie übrigens schonmal angefangen mit einer auf 639 Jahre Dauer angelegten Aufführung des Stücks)
Und nun Schubert. Seine „Längen“, seit Robert Schumanns Schubert-Artikel „himmlisch“ genannt, sind sprichwörtlich. Die Angst vor dem Ende, denke ich. Und man hört ja gerne zu, oder spielt, was aber schon anstrengender ist als Hören, weswegen z. B. viele Pianisten die von Schubert geforderte Wiederholung bestimmter Abschnitte einfach weglassen (und das dann raffiniert begründen, s. Brendel über Schuberts späte B-Dur-Sonate).
In seiner späten, im letzten Lebensjahr komponierten Klaviersonate A-Dur D.959 gelingt Schubert ein Schluss, der gegen das „Schlusssein“ an sich rebelliert und meines Wissens einzigartig ist in der Musikgeschichte. Denn nur weil alles Klingende irgendwann verklingt, alles physische endlich ist, muss ja die Idee dahinter nicht gleich mit enden. Die Schlusstakte der A-Dur-Sonate greifen zwar die Anfangsakkorde des ersten Satzes auf, schließen einen Kreis, wenn man so will, schießen die Musik aber zugleich zentrifugal in den Orbit, auf eine Reise ohne Ende. Dies war zum Zeitpunkt der Komposition höchstwahrscheinlich auch Schuberts Situation. Die Syphilis war soweit fortgeschritten, dass er jederzeit mit dem Ende rechnen musste. Aber das Ende ist nur Übergang. Jenseits christlicher Heilserwartung. Was also macht Schubert? Der letzte Akkord bestätigt der Konvention nach die Grundtonart (Tonika). Vorausgeht zwangsläufig die fünfte Stufe (Dominante), deren Terz als sogenannter Leitton zwingend zum Grundton führt. Nur dieser Leitton kann die Tonart eindeutig bestimmen. Und genau diesen verweigert der Komponist am Ende, vertieft ihn um einen Halbton (g statt gis) und verbiegt die Tonika damit zur Wechseldominante, nämlich zur Dominante einer neuen Tonart. Mit dieser neuen Tonart lebt die Sonate weiter, ohne weiter zu klingen. So wie Schubert mit seinem Werk weiterlebt, ohne noch physisch anwesend zu sein.
50 Words For Snow Abgusssammlung antiker Skulpturen Abklatsch Abstrakt abstrakte Figur Abstrakte Malerei Abstraktion Acryl Acryllieren Acrylmalerei Adam und Eva Akt Aktzeichnung Alberto Giacometti Aleatorik Alfred Hrdlicka Alice Schwarzer Alma Mahler-Werfel Alpen Alpentourismus Alte Nationalgalerie Alter Altern Altpapier Alvermann Amazon analoge Fotografie Anatomie Andrea Pirlo Anja Caspary Anja Roestel Anke Becker Anonyme Zeichner Anthony Kiedis Apple Aquarell Arnold Schönberg Arnulf Rainer Arulf Rainer Aufklärung Ausradieren Ausstellung Automatismus Barbara Klemm Baselitz Baum Beethoven Begehren Bergwandern Berlin Berliner Flughafen Berliner Schloss Berliner Zoo Bernhard Fuchs Beuys Bewegung Bewegungsunschärfe Bielefeld Bild-Zeitung Bildbearbeitung Bildkomposition Bildnis Bleistiftzeichnung Blumen BMW Bode-Museum Bode-Museum Berlin Botanischer Garten Dahlem Brandung Brombeere Bundespräsident Bundespräsidentin Büste C. F. 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