Source: https://dr-effertz.de/rechtsbeziehungen-zum-gkv-patienten-bei-der-arzneimittelabgabe-in-der-apotheke/
Timestamp: 2020-08-04 02:53:54+00:00

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Rechtsbeziehungen zum GKV-Patienten bei der Arzneimittelabgabe in der Apotheke - Dr. Effertz
Rechts­be­zie­hun­gen zum GKV-Pati­en­ten bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke
Categories Apotheken, GKV-Institut, Pharmazeutische Gesetzeskunde, Sozialrecht, Vertragsrecht
Date Februar 2, 2019
Die Rechts­be­zie­hun­gen bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke wer­den erst dann kom­pli­ziert, sobald die GKV ins Spiel kommt. Hier gilt der Grund­satz, dass der Pati­ent zwar Ansprü­che gegen­über der Apo­the­ke hat, die­se aber nicht gegen ihn. Ler­ne nun alles zu den Rechts­be­zie­hun­gen zum GKV-Pati­en­ten bei der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke.
Wer zahlt die Arz­nei­mit­tel?
Bei der Abga­be von Arz­nei­mit­teln an GKV-Ver­si­cher­te ent­steht ein öffent­lich-recht­li­cher Erstat­tungs­an­spruch gegen­über der Kran­ken­kas­se.
Indi­rek­te Ver­trags­be­zie­hung zum Kas­sen­pa­ti­en­ten
Der Pati­ent ist ledig­lich ein begüns­tig­ter Drit­te dem gegen­über kei­ne Ansprü­che gel­tend gemacht wer­den kön­nen.
Für Feh­ler haf­tet der Apo­the­ker gegen­über dem GKV-Pati­en­ten trotz­dem.
Ver­trags­si­tua­ti­on mit der GKV
Wäh­rend ein (ärzt­li­cher) Behand­lungs­ver­trag nach §§ 630a ff BGB direkt zwi­schen Arzt und Pati­ent ent­steht und ggf. die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) als Drit­ter ledig­lich zur Zah­lung ver­pflich­tet wird, geht die Recht­spre­chung für Arz­nei­mit­tel­ab­ga­ben durch Apo­the­ken inzwi­schen von einem gesetz­li­chen Zah­lungs­an­spruch aus § 129 SGB V i. V. m. dem Rah­men­ver­trag nach § 129 SGB V aus.
Es han­delt sich dabei um eine öffent­lich-recht­li­che Leis­tungs­be­rech­ti­gung und ‑ver­pflich­tung für die Apo­the­ken zur Abga­be von ver­trags­ärzt­lich ver­ord­ne­ten Arz­nei­mit­teln an die Ver­si­cher­ten. Damit “hilft” der Apo­the­ker der GKV dabei die gegen­über dem Ver­si­cher­ten bestehen­de Pflicht der zah­lungs­pflich­ti­gen Kran­ken­kas­sen zur Kran­ken­be­hand­lung nach § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 und § 31 SGB V (§ 33 SGB V im Fal­le der Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln) zu erfül­len. Davon umfasst sind z. B.
Arz­nei­mit­tel sofern nicht aus­ge­schlos­sen nach § 34 SGB V (z. B. Life­style)
Medi­zin­pro­duk­te der Anla­ge V der Arz­nei­mit­tel­richt­li­nie (AMRL) des GBA
Ver­band­mit­tel,
Blut- und Harn­test­strei­fen,
ente­ra­le Ernäh­rung nach Anla­ge XIII der AMRL
Lie­fer­ver­trä­ge als Anspruchs­grund­la­ge
Die Grund­la­ge für die Belie­fe­rung von ver­trags­ärzt­li­chen Ver­ord­nun­gen bil­det der Rah­men­ver­trag zur Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung nach § 129 SGB V. Die­ser Ver­trag wird zwi­schen den Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Kran­ken­kas­sen (GKV-Spit­zen­ver­band; GKV-SV) und der Apo­the­ker (Deut­scher Apo­the­ker­ver­band; DAV) geschlos­sen und gilt für alle Mit­glie­der der Lan­de­s­apo­the­ker­ver­bän­de sowie bei­getre­te­ne Apo­the­ken. Ergän­zen­de Rege­lun­gen wer­den in den regio­na­len und kas­sen­ar­ten-spe­zi­fi­schen Arz­nei­mit­te­lie­fe­rungs­ver­trä­gen nach § 129 Ab. 5 SGB V getrof­fen. Im Fal­le der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung sind Ver­trä­ge nach § 127 SGB V ein­schlä­gig (Hilfs­mit­tel­lie­fer­ver­trä­ge).
Die Lie­fer­ver­trä­ge gewäh­ren einen Ver­gü­tungs­an­spruch für die Erfül­lung der öffent­lich-recht­li­chen Leis­tungs­pflicht auf Grund­la­ge einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­ord­nung. Jedoch ent­steht die­ser Ver­gü­tungs­an­spruch nur bei Ein­hal­tung aller ver­trag­li­che (Prüf-) Pflich­ten; ande­ren­falls kann es zu einer berech­tig­te Reta­xa­ti­on kom­men (vgl. Lern­text “Reta­xa­ti­on?!”).
Kei­ne Ver­trags­be­zie­hung zum Pati­en­ten, oder doch?
Nach der­zeit gül­ti­ger Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG, Urteil vom 03.08.06, AZ. B 3 KR 6/06 R; Urteil vom 17.03.05, AZ. B 3 KR 2/05) ist der Ver­trags­arzt eine zen­tra­le Figur in der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung. Das Kas­sen­arzt­recht ver­leiht ihm die Kom­pe­tenz zur Ver­tre­tung der Kran­ken­kas­se bei der Aus­stel­lung einer Ver­ord­nung für den Ver­si­cher­ten. Der Pati­ent über­mit­telt das Rezept (Ver­trags­an­ge­bot) als Bote und begüns­tig­ter Drit­ter an die Apo­the­ke. Bei der letzt­end­li­chen Abga­be des Arz­nei­mit­tels an den Ver­si­cher­ten wird das Ver­trags­an­ge­bot der Kran­ken­kas­se ange­nom­men.
Jedoch geht die rechts­wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur von einem par­al­le­len Ver­sor­gungs­ver­trag zwi­schen Apo­the­ke und Pati­ent aus. Dem­nach ist der Apo­the­ker dem Pati­en­ten zur Abga­be ver­ord­ne­ten Arz­nei­mit­tels sowie zur ord­nungs­ge­mä­ßen Bera­tung ver­pflich­tet. Dies ergibt sich mit­un­ter aus dem Rah­men­ver­trag zur Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung nach § 129 SGB V als gegen­über dem Pati­en­ten bestehen­de Ver­trags­pflicht sowie den gesetz­li­chen und berufs­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen (vgl. Lern­tex­te “Berufs­ord­nung der Apo­the­ker” und ins­be­son­de­re “Sorg­falts­maß­stab in der Apo­the­ke”).
Im Ergeb­nis kön­nen daher Haf­tungs­an­sprü­che des Apo­the­ken­kun­den (u.U. eines Pati­en­ten) gegen­über dem Betreiber/Inhaber der Apo­the­ke ent­ste­hen. Zah­lungs­an­sprü­che des Betreibers/Inhabers der Apo­the­ke gegen sei­ne Kun­den bestehen hin­ge­gen nicht mit Aus­nah­me des pri­vat ver­si­cher­ten Kun­den. Die­se besitzt der Betreiber/Inhaber der Apo­the­ke aus­schließ­lich gegen die Kran­ken­kas­se, man spricht hier von dem Ver­gü­tungs­an­spruch als einem sog. öffent­lich-recht­li­chen Erstat­tungs­an­spruch, der im Sozi­al­ge­setz­buch (V) gere­gelt ist.
Die Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be ist somit in zwei unter­schied­li­chen Rechts­be­zie­hun­gen, ein­mal der des Apo­the­kers zu den gesetz­li­chen Kas­se bezüg­lich der ihm zuste­hen­den Ver­gü­tung, dar­über hin­aus das Feld der vertraglich/deliktischen Haf­tung (vgl. Haf­tungs­grund­sät­ze in der Apo­the­ke) bei Abga­be eines ggf. feh­ler­be­haf­te­ten Medi­ka­men­tes an den Apo­the­ken­kun­den (einen Pati­ent) gere­gelt. Die­se bei­den Rechts­be­zie­hun­gen sind streng von­ein­an­der zu dif­fe­ren­zie­ren.
Tag:Arzneiliefervertrag, Erstattungsanspruch, GKV, Rahmenvertrag
Die Schuldfrage - subjektive und objektive Schuld
Sorgfaltsmaßstab in der Apotheke

References: § 129
 § 129
 § 27
 § 31
 § 34
 § 129
 § 129
 § 127
 § 129