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Timestamp: 2017-02-20 08:32:42+00:00

Document:
HENSCHE Arbeitsrecht: 2 AZR 257/08
Kündigung: Verhaltensbedingt, Kündigung: Personenbedingt, Außerdienstliches Verhalten, Rauschgift
2 AZR 257/08
Für nicht ho­heit­lich täti­ge Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes gel­ten nach § 41 Satz 1 TVöD-BT-V kei­ne wei­ter­ge­hen­den ver­trag­li­chen Ne­ben­pflich­ten als für die Beschäftig­ten der Pri­vat­wirt­schaft. Die früher in § 8 Abs. 1 Satz 1 BAT und § 8 Abs. 8 MTArb vor­ge­se­he­nen be­son­de­ren An­for­de­run­gen an das außer­dienst­li­che Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer sind von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf­ge­ho­ben wor­den.
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.04,2007, 17 Sa 32/07
2 AZR 257/08 17 Sa 32/07
10. Sep­tem­ber 2009
Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,
hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 10. Sep­tem­ber 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ber­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Bartz und Cla­es für Recht er­kannt:
- 2 - Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 19. April 2007 - 17 Sa 32/07 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Der im Jahr 1978 ge­bo­re­ne, le­di­ge Kläger ist seit dem 1. Ja­nu­ar 2002 bei der be­klag­ten Stadt als Ar­bei­ter im sog. G Team des Bau­hofs ne­ben wei­te­ren 22 Mit­ar­bei­tern beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fand der Bun­des­man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­bei­ter ge­meind­li­cher Ver­wal­tun­gen und Be­trie­be (BMT-G) und fin­det seit dem 1. Ok­to­ber 2005 der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) An­wen­dung.
Vom 20. No­vem­ber bis zum 22. De­zem­ber 2005 be­fand sich der Kläger we­gen des Vor­wurfs mehr­fa­cher Verstöße ge­gen das Betäubungs­mit­tel­ge­setz in Un­ter­su­chungs­haft. Am 13. März 2006 be­an­trag­te die Be­klag­te beim Per­so­nal­rat die Zu­stim­mung zu sei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung. Am 20. März 2006 stimm­te der Per­so­nal­rat zu. Mit Schrei­ben vom 24. März 2006 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zum 30. Ju­ni 2006.
Am 8. Mai 2006 ver­ur­teil­te das Land­ge­richt Det­mold den Kläger we­gen un­er­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäubungs­mit­teln in zwan­zig Fällen - sechs da­von be­tra­fen ei­ne nicht ge­rin­ge Men­ge - zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von drei Jah­ren und drei Mo­na­ten.
Mit Schrei­ben vom 31. Au­gust 2006 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis nach er­neu­ter Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats frist­los.
Der Kläger hat ge­gen bei­de Kündi­gun­gen Kla­ge er­ho­ben. Sie sei­en durch sei­ne außer­dienst­lich be­gan­ge­nen Straf­ta­ten nicht ge­recht­fer­tigt. Er
- 3 - könne das Ar­beits­verhält­nis als Freigänger - der er un­strei­tig ist - trotz der Haft­stra­fe fort­set­zen.
Der Kläger hat erst­in­stanz­lich ua. be­an­tragt
fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die Kündi­gun­gen vom 24. März 2006 und 31. Au­gust 2006 nicht auf­gelöst wor­den ist.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, be­reits die or­dent­li­che Kündi­gung sei ge­recht­fer­tigt. Durch sein Ver­hal­ten ha­be der Kläger in er­heb­li­cher Wei­se ge­gen sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten als Mit­ar­bei­ter des öffent­li­chen Diens­tes ver­s­toßen. Als Mit­glied des „G Teams“ ha­be er zu­dem Kon­takt zu ei­ner Viel­zahl von Per­so­nen, ins­be­son­de­re zu den im Bau­hof täti­gen Zi­vil­dienst­leis­ten­den, Schüler­prak­ti­kan­ten und Aus­zu­bil­den­den. Über­dies ar­bei­te er häufig auf Schul- und Kin­der­gar­ten­flächen. An­ge­sichts ei­ner nicht aus­zu­sch­ließen­den Rück­fall­ge­fahr sei ihr sei­ne wei­te­re Beschäfti­gung nicht zu­zu­mu­ten. Zu­min­dest die frist­lo­se Kündi­gung ha­be das Ar­beits­verhält­nis auf­gelöst. Wie ihr nachträglich be­kannt ge­wor­den sei, ha­be der Kläger auch ei­nem ih­rer Aus­zu­bil­den­den Betäubungs­mit­tel an­ge­bo­ten.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Teil­ur­teil le­dig­lich über die Kla­ge ge­gen die frist­gemäße Kündi­gung vom 24. März 2006 ent­schie­den; es hat die­se Kla­ge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ihr statt­ge­ge­ben. Mit der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­an­tragt die Be­klag­te, das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts wie­der her­zu­stel­len.
Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers ist durch die Kündi­gung vom 24. März 2006 nicht be­en­det wor­den. Die­se ist so­zi­al nicht ge­recht­fer­tigt. Es liegt we­der ein Grund im Ver­hal­ten noch ein Grund in der Per­son des Klägers vor, der die Kündi­gung iSv. § 1 Abs. 2 KSchG be­dingt.
- 4 - I. Die Kündi­gung ist nicht durch Gründe im Ver­hal­ten des Klägers be­dingt. Der Kläger hat kei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt.
1. Ei­ne Kündi­gung ist aus Gründen im Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers gemäß § 1 Abs. 2 KSchG so­zi­al ge­recht­fer­tigt, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ver­trags­pflicht er­heb­lich - in der Re­gel schuld­haft - ver­letzt hat, das Ar­beits­verhält­nis da­durch auch künf­tig kon­kret be­ein­träch­tigt wird, ei­ne zu­mut­ba­re Möglich­keit ei­ner an­de­ren, wei­te­re Störun­gen zu­verlässig aus­sch­ließen­den Beschäfti­gung nicht be­steht und die Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses in Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le bil­li­gens­wert und an­ge­mes­sen er­scheint (Se­nat 31. Mai 2007 - 2 AZR 200/06 - Rn. 14, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 57 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 71). Der Ar­beit­neh­mer muss da­zu nicht ei­ne Haupt­pflicht aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­letzt ha­ben. Auch die er­heb­li­che Ver­let­zung ei­ner ver­trag­li­chen Ne­ben­pflicht kann ei­ne Kündi­gung so­zi­al recht­fer­ti­gen (Se­nat 2. März 2006 - 2 AZR 53/05 - Rn. 21, AP BGB § 626 Krank­heit Nr. 14 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 16; 24. Ju­ni 2004 - 2 AZR 63/03 - zu B III 1 der Gründe, AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 49 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 65).
2. Der Kläger hat sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten nicht miss­ach­tet.
a) Der Kläger hat kei­ne ver­trag­li­che Haupt­pflicht ver­letzt.
b) Eben­so we­nig hat er ei­ne ar­beits- oder ta­rif­ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht ver­letzt.
aa) Al­ler­dings hat­ten sich An­ge­stell­te und Ar­bei­ter nach den außer Kraft ge­tre­te­nen Re­ge­lun­gen des § 8 Abs. 1 Satz 1 BAT und des § 8 Abs. 8 Satz 1 MTArb so zu ver­hal­ten, wie es von An­gehöri­gen des öffent­li­chen Diens­tes er­war­tet wer­den konn­te. Da­nach hat­ten sie auch ihr außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten so ein­zu­rich­ten, dass das An­se­hen des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers nicht be­ein­träch­tigt würde. Ei­ne außer­dienst­lich be­gan­ge­ne Straf­tat von ei­ni­gem Ge­wicht ver­moch­te auf die­ser ta­rif­li­chen Grund­la­ge die ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung - 5 - ei­nes An­gehöri­gen des öffent­li­chen Diens­tes zu recht­fer­ti­gen (vgl. Se­nat 21. Ju­ni 2001 - 2 AZR 325/00 - zu B I 2 a der Gründe mwN, AP BAT § 54 Nr. 5 = EzA BGB § 626 nF Nr. 189; 8. Ju­ni 2000 - 2 AZR 638/99 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 95, 78).
bb) Die­se Re­ge­lun­gen wur­den in die seit dem 1. Ok­to­ber 2005 gel­ten­den Ta­rif­wer­ke des öffent­li­chen Diens­tes nicht über­nom­men. Die Vor­schrift des § 41 TVöD-BT-V hat den frühe­ren Ver­hal­tens­maßstab zu­min­dest für die nicht ho­heit­lich täti­gen Beschäftig­ten des Bun­des und der Kom­mu­nen auf­ge­ge­ben. Nach § 41 Satz 1 TVöD-BT-V ist nun­mehr „die im Rah­men des Ar­beits­ver­trags ge­schul­de­te Leis­tung ge­wis­sen­haft und ord­nungs­gemäß aus­zuführen“. Nach Satz 2 der Be­stim­mung müssen sich Beschäftig­te, die ho­heit­li­che Auf­ga­ben wahr­neh­men, über­dies „durch ihr ge­sam­tes Ver­hal­ten zur frei­heit­lich de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung im Sin­ne des Grund­ge­set­zes be­ken­nen“. Darüber hin­aus­ge­hen­de An­for­de­run­gen an die pri­va­te Le­bensführung stellt der TVöD nicht mehr, auch nicht an an­de­rer Stel­le (Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se TVöD Stand De­zem­ber 2007 § 41 BT-V Rn. 2; Bröhl ZTR 2006, 174, 175, 177). Die Vor­ga­ben in § 3 TVöD-AT be­tref­fen nur dienst­li­che Pflich­ten. Mit der Neu­re­ge­lung ha­ben sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in­so­weit von ih­rer bis­he­ri­gen Ori­en­tie­rung am Be­am­ten­recht ent­fernt und das Ar­beits­verhält­nis im öffent­li­chen Dienst als ei­ne „nor­ma­le Leis­tungs­aus­tausch­be­zie­hung“ (Bre­den­diek/Fritz/Te­wes ZTR 2005, 230, 237) aus­ge­stal­tet (so auch Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se aaO; Bröhl aaO; aA of­fen­bar wei­ter­hin KR/Grie­be­ling 9. Aufl. § 1 KSchG Rn. 451; v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne/Linck KSchG 14. Aufl. § 1 Rn. 591). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en - und da­mit auch die Ar­beit­ge­ber - ha­ben für die nicht ho­heit­lich täti­gen Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes er­sicht­lich kei­ne wei­ter­ge­hen­den Ver­hal­tens­pflich­ten mehr be­gründen wol­len als die­se auch für die Beschäftig­ten in der Pri­vat­wirt­schaft gel­ten. Sie sind in die­ser Hin­sicht die be­ru­fe­nen Sach­wal­ter des öffent­li­chen In­ter­es­ses. Dar­auf hat die Recht­spre­chung Be­dacht zu neh­men.
cc) Dem­nach hat der Kläger kei­ne be­son­de­re ta­rif­li­che Ne­ben­pflicht ver­letzt. Er war nicht mit ho­heit­li­chen Auf­ga­ben be­traut. - 6 - c) Der Kläger hat auch nicht ge­gen die all­ge­mei­ne Pflicht zur Rück­sicht­nah­me aus § 241 Abs. 2 BGB ver­s­toßen.
aa) Nach die­ser Be­stim­mung ist je­de Par­tei des Ar­beits­ver­trags zur Rück­sicht­nah­me auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen ih­res Ver­trags­part­ners ver­pflich­tet. Dies dient dem Schutz und der Förde­rung des Ver­trags­zwecks (Se­nat 23. Ok­to­ber 2008 - 2 AZR 483/07 - Rn. 44, AP BGB § 626 Nr. 218; 2. März 2006 - 2 AZR 53/05 - Rn. 21, AP BGB § 626 Krank­heit Nr. 14 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 16). Der Ar­beit­neh­mer hat sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus dem Ar­beits­verhält­nis so zu erfüllen und die im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers so zu wah­ren, wie dies von ihm un­ter Berück­sich­ti­gung sei­ner Stel­lung und Tätig­keit im Be­trieb, sei­ner ei­ge­nen In­ter­es­sen und der In­ter­es­sen der an­de­ren Ar­beit­neh­mer des Be­triebs nach Treu und Glau­ben bil­li­ger­wei­se ver­langt wer­den kann (Se­nat 26. März 2009 - 2 AZR 953/07 - Rn. 24, AP BGB § 626 Nr. 220; 2. März 2006 - 2 AZR 53/05 - Rn. 21, aaO). Er ist auch außer­halb der Ar­beits­zeit ver­pflich­tet, auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rück­sicht zu neh­men (Se­nat 23. Ok­to­ber 2008 - 2 AZR 483/07 - Rn. 44, aaO). Die Pflicht zur Rück­sicht­nah­me kann des­halb auch durch außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten ver­letzt wer­den (ErfK/Müller-Glöge 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 83). Vor­aus­set­zung ist al­ler­dings, dass durch das - rechts­wid­ri­ge - außer­dienst­li­che Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers be­ein­träch­tigt wer­den. Das ist der Fall, wenn es ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den Be­trieb oder ei­nen Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis hat (Se­nat 27. No­vem­ber 2008 - 2 AZR 98/07 - Rn. 21, AP KSchG 1969 § 1 Nr. 90 = EzA KSchG § 1 Ver­dachtskündi­gung Nr. 4; 23. Ok­to­ber 2008 - 2 AZR 483/07 - Rn. 58, aaO).
bb) Die­se Grundsätze gel­ten auch für ei­ne außer­dienst­lich be­gan­ge­ne Straf­tat. Der Ar­beit­neh­mer verstößt mit ei­ner sol­chen Tat ge­gen die schuld­recht­li­che Pflicht zur Rück­sicht­nah­me aus § 241 Abs. 2 BGB, wenn sie ei­nen Be­zug zu sei­nen ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen oder zu sei­ner Tätig­keit hat und da­durch be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers oder an­de­rer Ar­beit­neh­mer ver­letzt wer­den. Das ist re­gelmäßig an­zu­neh­men, wenn der Ar­beit- - 7 - neh­mer die Straf­tat zwar außer­dienst­lich, aber un­ter Nut­zung von Be­triebs­mit­teln oder be­trieb­li­chen Ein­rich­tun­gen be­gan­gen hat. Fehlt da­ge­gen ein sol­cher Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis, liegt ei­ne Ver­let­zung der ver­trag­li­chen Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers re­gelmäßig nicht vor (vgl. Stahl­ha­cke/Preis 9. Aufl. Rn. 700).
cc) Da­nach hat der Kläger die Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf die In­ter­es­sen der Be­klag­ten nicht ver­letzt. Sein Ver­hal­ten, das die Be­klag­te der or­dent­li­chen Kündi­gung zu­grun­de ge­legt und zum Ge­gen­stand der ihr vor­aus­ge­gan­ge­nen Per­so­nal­rats­anhörung ge­macht hat, weist kei­nen Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis auf. Das Vor­brin­gen der Be­klag­ten be­schränkt sich in die­sem Zu­sam­men­hang auf die Tat­sa­che, dass der Kläger we­gen des Ver­dachts des mehr­fa­chen Ver­s­toßes ge­gen das Betäubungs­mit­tel­ge­setz in Un­ter­su­chungs­haft ge­ses­sen und er die­se Verstöße ein­geräumt hat. Den Vor­wurf, der Kläger ha­be auch ei­nem ih­rer Aus­zu­bil­den­den Dro­gen an­ge­bo­ten, hat die Be­klag­te nicht ins Ver­fah­ren ein­geführt, um dar­auf nachträglich noch die or­dent­li­che Kündi­gung zu stützen. Sie hat ihn ge­genüber dem Per­so­nal­rat aus­sch­ließlich zur Be­gründung der be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung an­geführt und hat pro­zes­su­al al­lein die­se auf ihn gestützt.
II. Die or­dent­li­che Kündi­gung ist auch nicht durch Gründe in der Per­son des Klägers be­dingt.
1. Al­ler­dings kann die (außer­dienst­li­che) Be­ge­hung von Straf­ta­ten Zwei­fel an der Zu­verlässig­keit und Ver­trau­enswürdig­keit ei­nes Ar­beit­neh­mers be­gründen. Straf­ba­res (außer­dienst­li­ches) Ver­hal­ten ei­nes Beschäftig­ten kann da­zu führen, dass es die­sem an der Eig­nung für die künf­ti­ge Er­le­di­gung sei­ner Auf­ga­ben man­gelt. Dar­aus kann, abhängig von der Funk­ti­on des Beschäftig­ten, ein per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gungs­grund fol­gen. Ob ein sol­cher Grund vor­liegt, hängt von der Art des De­likts und den kon­kre­ten Ar­beits­pflich­ten des Ar­beit­neh­mers und sei­ner Stel­lung im Be­trieb ab (vgl. ErfK/Müller-Glöge 9. Aufl. § 626 BGB Nr. 85 mwN; Stahl­ha­cke/Preis 9. Aufl. Rn. 700). So wer­den Straf­ta­ten ei­nes im öffent­li­chen Dienst mit ho­heit­li­chen Auf­ga­ben be­trau­ten Ar­beit­neh­mers grundsätz­lich auch dann zu ei­nem Eig­nungs­man­gel führen können, - 8 - wenn sie außer­dienst­lich be­gan­gen wur­den und es an ei­nem un­mit­tel­ba­ren Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis fehlt. Ge­ne­rel­le Wer­tun­gen las­sen sich gleich­wohl nicht tref­fen. Maßgeb­lich sind die Umstände des Ein­zel­falls.
2. Da­nach ist der Kläger zur wei­te­ren Erfüllung sei­ner Ar­beits­auf­ga­ben nicht un­ge­eig­net. Er ist als ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer im „G Team“ des Bau­hofs der Be­klag­ten tätig. Bei Er­le­di­gung sei­ner Auf­ga­ben ver­bin­den sich mit sei­ner Per­son - an­ders als idR bei ei­nem ho­heit­lich täti­gen Mit­ar­bei­ter - kei­ne be­son­de­ren Er­war­tun­gen der Öffent­lich­keit an ein recht­lich kor­rek­tes außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten. Das gilt auch an­ge­sichts des Um­stands, dass die Be­klag­te Aus­zu­bil­den­de, Zi­vil­dienst­leis­ten­de und Schüler­prak­ti­kan­ten beschäftigt und der Kläger zeit­wei­se auf Grünflächen in Schul- und Kin­der­gar­tennähe ein­ge­setzt ist. Die bloß abs­trak­te Ge­fahr des Miss­brauchs da­mit ver­bun­de­ner An­bahnungsmöglich­kei­ten be­gründet für sich al­lein kei­nen Man­gel der Eig­nung zum Bau­hof­mit­ar­bei­ter. Im Übri­gen hat die Be­klag­te nicht dar­ge­legt, wie in­ten­siv der dienst­li­che Kon­takt des Klägers zu den ju­gend­li­chen Ar­beits­kol­le­gen ist und dass er sich eben­so wie ein Ein­satz im Be­reich von Schu­len und Kin­dergärten nicht nöti­gen­falls durch Um­or­ga­ni­sa­ti­on ver­mei­den ließe.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 ZPO.
Kreft Ber­ger Ey­lert
A. Cla­es Bartz	m.hensche.de
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