Source: https://studylibde.com/doc/21620861/eine-verfassungsreform--die-den-namen-verdient
Timestamp: 2019-04-26 12:36:42+00:00

Document:
NAMEN VERDIENT
René Rock (V.i.S.d.P.)
Druckerei Hessischer Landtag
Die Hessische Verfassung ist älter als die Bundesrepublik Deutschland. Da
sie nie neu gefasst oder umfassend reformiert wurde, ist es nicht
verwunderlich, dass sie auf diverse verfassungsrechtliche Fragestellungen
keine Antwort bereit hält bzw. eine veraltete Rechtslage abbildet. Um
unsere historische Verfassung ins 21. Jahrhundert zu führen, brauchen wir
eine Verfassungsreform, die den Namen verdient. Daher begrüßen wir
Freidemokraten den durch die Enquetekommission angestoßenen
Reformprozess. Wir wollen eine umfassende Reform, die die Hessische
Verfassung von ihren nicht mehr zeitgemäßen Vorschriften befreit,
Entwicklungen der letzten 70 Jahre im Verfassungstext abbildet und als
Richtschnur für das gesellschaftliche Zusammenleben und die Staatsorganisation die Zukunft weist.
Unsere Ziele für die Verfassungsreform:
Obwohl die Hessische Verfassung 70 Jahre alt ist, wurde sie weder von
ihren grundgesetzwidrigen Vorschriften befreit, noch wurde sie aktuellen
Entwicklungen angepasst. Die Hessische Verfassung kennt nach wie vor die
Todesstrafe, verbietet die Aussperrung und benutzt Begriffe, die nicht mehr
zeitgemäß sind. Allein 19 Verfassungsnormen verstoßen gegen höherrangiges Recht, acht Regelungen sind durch Zeitablauf gegenstandslos
geworden und fünf Artikel befassen sich mit Regelungsbereichen, für die
das Land Hessen keine Gesetzgebungskompetenz hat. Zusammengefasst
bedeutet dies, dass jede fünfte Verfassungsnorm keine Rechtswirkungen
entfaltet. Wir wollen aber keinen Verfassungstext, den nur Juristen mit
vertieften Rechts- und Geschichtskenntnissen verstehen und die
Rechtsprechung des Staatsgerichtshofs und die Verfassungspraxis der
letzten 70 Jahre kennen. Eine Verfassung sollte auch für den juristischen
Laien Antworten auf die drängenden Fragen der Staatsorganisation und
zum Verhältnis von Bürger und Staat geben.
Begriff „Rasse“ streichen (Art. 1, 134 HV)
„Menschen“- statt „Jedermann“-Rechte
Art. 6, 11, 13, 16, 25, 38, 49, 76, 131, 147 HV)
Todesstrafe abschaffen (Art. 21, 109 HV)
Streikrecht und Aussperrung (Art. 29 HV)
Sofortsozialisierung streichen (Art. 41 HV)
Übergangsbestimmungen streichen (Art. 148 ff. HV)
Begriff „Rasse“ streichen
Art. 1, 134 HV
Art. 1 HV
Alle Menschen sind vor dem
Gesetze gleich, ohne Unterschied
des Geschlechts, der Rasse, der
Herkunft, der religiösen und der
Vorschlag Neufassung
Gesetze gleich.
Idee: Der Begriff Rasse wird gestrichen.
Der Begriff „Rasse“ ist weder wissenschaftlich tragfähig noch politisch
gewollt. Denn er suggeriert, dass eine Einteilung von Menschen in
verschiedene Untergruppen nach scheinbar vererbbaren Eigenschaften
möglich sei. Dabei täuscht er eine Exaktheit vor, die der Wirklichkeit nicht
entspricht. Das gut gemeinte Diskriminierungsverbot führt im Ergebnis
dazu, dass sich Betroffene auf den „Rassebegriff“ berufen müssen, um
Ungleichbehandlungen aufgrund äußerlicher Merkmale zu rügen. Doch
auch der Versuch den „Rassebegriff“ durch ein Synonym zu ersetzen, birgt
die Gefahr einer Diskriminierung, da nicht bloß der Begriff, sondern auch
der dahinterstehende Gedanke nicht trägt. Eine Streichung des Begriffes
führt aber zu keiner Rechtslücke, da der Gedanke, Ungleichbehandlungen
aufgrund äußerlicher Merkmale zu untersagen, bereits vom allgemeinen
Gleichheitssatz umfasst ist.
Der Satz: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ steht für sich. Einer
gesonderten Aufzählung besonderer Diskriminierungsverbote bedarf es
nicht, da der allgemeine Gleichheitssatz sämtliche Diskriminierungstatbestände umfasst.
Art. 134 HV
Jeder ohne Unterschied der Herkunft, der Rasse, des religiösen
Bekenntnisses und des Geschlechts, hat Zugang zu den
öffentlichen Ämtern, wenn er die
nötige Eignung und Befähigung
Vorschlag Neufassung:
Jeder hat Zugang zu den
nötige Eignung, Befähigung und
fachliche Leistung besitzt.
Idee: Der Begriff Rasse wird gestrichen. Art. 134 HV wird auf seine
Kernaussage reduziert und um das Leistungsprinzip ergänzt.
Vergleichbar Art. 1 HV steht die Aussage: „Jeder hat Zugang zu den
öffentlichen Ämtern…“ für sich. Eine Auflistung besonderer Diskriminierungstatbestände ist nicht erforderlich und birgt die Gefahr der
Unvollständigkeit. Jede Änderung in Art. 1 HV hätte auch eine Änderung in
Art. 134 HV zur Folge. Die Streichung der besonderen Diskriminierungsverbote würde etwaige Folgeanpassungen unnötig und die Norm
zukunftsfest machen.
Art. 134 HV normiert bislang die Auslesekriterien Eignung und Befähigung.
Neben diesen beiden Kriterien ist zudem die fachliche Leistung als
Auslesekriterium bei der Besetzung öffentlicher Ämter anerkannt.
Zusammen bilden, Eignung, Befähigung und fachliche Leistung die
Gesamtheit der Eigenschaften, die das Amt von der ausübenden Person
„Menschen“-Rechte statt
„Jedermann“- Rechte
Idee: Menschenrechte sollten als solche bezeichnet werden.
Die in der Hessischen Verfassung normierten Menschenrechte sind als
sogenannte „Jedermann“-Rechte ausgestaltet. Statt „Jedermann“ sollte
jedoch die Formulierung „Jeder Mensch“ verwendet werden. Erstens ist die
Formulierung inklusiv, da sie sämtliche Menschen unabhängig ihres
Geschlechts umfasst und zweitens verdeutlicht sie, dass es sich bei den
subjektiven Rechten um Menschenrechte handelt, die unabhängig von ihrer
Nationalität sämtliche Menschen in Hessen umfasst.
Art. 21, 109 HV
Art. 21 HV
(1) Ist jemand einer strafbaren
Handlung für schuldig befunden
worden, so können ihm auf Grund
der Strafgesetze durch richterliches Urteil die Freiheit und die
bürgerlichen Ehrenrechte entzogen oder beschränkt werden.
(2) Die Strafe richtet sich nach der
Schwere der Tat.
Idee: Die Todesstrafe wird abgeschafft.
Art. 21 Abs. 1 Satz 2 HV, der bei besonders schweren Verbrechen die
Todesstrafe vorsieht, verstößt gegen Art. 31 GG und ist aufgrund von Art.
102 GG aufgehoben. Statt einer Streichung soll in Art. 21 Abs. 1 Satz 2 HV
die Todesstrafe explizit für abgeschafft erklärt werden. Dies würde
erkennen lassen, dass auch die Hessische Verfassung die Todesstrafe nicht
als rechtsstaatliches Instrument anerkennt.
Art. 109 HV
(1) Der Ministerpräsident übt
namens des Volkes das Recht der
Begnadigung aus. Er kann die
Befugnis auf andere Stellen über3
tragen. Die Bestätigung eines
Todesurteils bleibt der Landesregierung vorbehalten.
(2) Zu Gunsten eines wegen einer
Amtshandlung verurteilten Ministers kann das Begnadigungsrecht nur auf Antrag des Landtags
(3) Allgemeine Straferlasse und
die Niederschlagung einer bestimmten Art gerichtlich anhängiger
Strafsachen bedürfen der Zustim2
mung des Landtags. Die Niederschlagung einer einzelnen gerichtlich anhängigen Strafsache ist
Befugnis auf andere Stellen übertragen.
Damit die Todesstrafe vollumfänglich aus der Hessischen Verfassung
gelöscht wird, ist eine Streichung des Art. 109 Abs. 1 Satz 3 HV erforderlich.
Art. 109 Abs. 1 Satz 3 HV regelt die Befugnis der Landesregierung,
Todesurteile zu bestätigen. Diese Regelung sollte ersatzlos gestrichen
Streikrecht und Aussperrung
Art. 29 HV
(1) Für alle Angestellten, Arbeiter
und Beamten ist ein einheitliches
Arbeitsrecht zu schaffen.
(2) Im Rahmen dieses Arbeitsrechts
können Gesamtvereinbarungen nur
zwischen den Gewerkschaften und
den Unternehmungen oder ihren
Vertretungen abgeschlossen wer2
den. Sie schaffen verbindliches
Recht, das grundsätzlich nur zu
Gunsten der Arbeitnehmer abbedungen werden kann.
(4) Das Streikrecht wird anerkannt,
wenn die Gewerkschaften den Streik
Das Streikrecht und das Recht
der Aussperrung werden im
Rahmen der Gesetze anerkannt.
Idee: Art. 29 HV wird grundgesetzkonform ausgestaltet.
Die Absätze 1 bis 3 werden gestrichen, da sie gegen Art. 33 Abs. 5 GG
[Hergebrachte Grundsätze des Berufsbeamtentums] verstoßen. Die Absätze
4 und 5 werden zusammengefasst und grundrechtskonform ausgestaltet.
Das Streikrecht soll als soziales Grundrecht erhalten bleiben und das
Aussperrungsverbot im Rahmen der Gesetze anerkannt werden. Schließlich
verstößt das Aussperrungsverbot gegen Art. 6 der Europäischen Sozialcharta vom 18.10.1961, die Arbeitnehmern und Arbeitgebern das Recht auf
kollektive Maßnahmen zubilligt.
Sofortsozialisierung streichen
Art. 41 HV
(1) Mit In-Kraft-Treten dieser Verfassung werden
1. in Gemeineigentum überführt: der
Bergbau (Kohlen, Kali, Erze), die Betriebe der Eisen- und Stahlerzeugung,
die Betriebe der Energiewirtschaft und
das an Schienen oder Oberleitungen
gebundene Verkehrswesen,
2. vom Staate beaufsichtigt oder verwaltet: die Großbanken und Versicherungsunternehmen und diejenigen in
Ziffer 1 genannten Betriebe, deren Sitz
nicht in Hessen liegt.
(3) Wer Eigentümer eines danach in
Gemeineigentum überführten Betriebes oder mit seiner Leitung betraut ist,
hat ihn als Treuhänder des Landes bis
zum Erlass von Ausführungsgesetzen
Idee: Art. 41 HV wird ersatzlos gestrichen.
Die Norm ordnet eine Sofortsozialisierung zum 01.12.1946 an. Seit
Inkrafttreten des Grundgesetzes steht der Norm Art. 15 GG [Sozialisierung,
Überführung in Gemeineigentum] entgegen. Art. 41 HV ist seither durch
Art. 31 GG [Vorrang des Bundesrechts] gebrochen. Da der Zeitpunkt, auf
den die Norm abzielt in der Vergangenheit liegt, besteht weder ein rechtliches Bedürfnis, die Norm aufrechtzuerhalten noch sie zu aktualisieren.
Übergangsbestimmungen streichen
Art. 151 ff. HV
Idee: Zeitlich überholte Bestimmungen werden gestrichen
Die Übergangsbestimmungen der Art. 151 ff. HV sind der historischen
Situation geschuldet, dass zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Hessischen
Verfassung das Deutsche Reich zusammengebrochen war und die Bundesrepublik Deutschland noch nicht bestand. So regelt Art. 159 HV etwa den
Vorrang des Besatzungsrechts vor innerstaatlichem Recht und Art. 152 HV
kann als Antwort auf die fehlende Rechtsgrundlage für den Süddeutschen
Länderrat angesehen werden. In Abkehr vom Nationalsozialismus und vom
Wunsch beseelt, als Gliedstaat in einem vereinten Deutschland zu wirken,
sind die Übergangsbestimmungen zu erklären. Seit Inkrafttreten des
Grundgesetzes sind sie jedoch gegenstandslos geworden und sollten
mangels Rechtswirkung gestrichen werden.
Die Hessische Verfassung ist ein historisches Zeugnis, dass die materielle
Verfassungsrechtslage nur bedingt widerspiegelt. Während Parlamentsminderheitenrechte notwendiger Bestandteil einer Demokratie sind, kennt
die Hessische Verfassung solche nicht. Und obwohl die Verfassung direktdemokratische Elemente beinhaltet, setzt sie für ihr Gelingen solch hohe
Hürden, dass es in 70 Jahren noch nie eine erfolgreiche Volksabstimmung
gegeben hat. Wir wollen die Demokratie ernst nehmen und dem Volk und
der Opposition eine starke Stimme geben.
Wir brauchen einen Staat, der die Grundvoraussetzungen für eine zukunftsfähige Volkswirtschaft schafft, die den Menschen die Chance auf Teilhabe
am gesellschaftlichen Fortschritt ermöglicht. Wir wollen ein Bekenntnis zur
sozialen Marktwirtschaft und den Staat verpflichten, die Verkehrsnetze,
Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen zu erhalten und auszubauen.
Grundrechtsklage (Art. 26 HV)
Staatsziel Infrastruktur (Art. 26a HV)
Staatszielbegriff (Art. 26b HV)
Soziale Marktwirtschaft (Art. 38 HV)
Staatsziele: Kultur und Ehrenamt (Art. 62a HV)
Europa (Art. 64 HV)
Sozialer Rechtsstaat (Art. 65 HV)
Staatssymbole (Art. 66 HV)
Passives Wahlalter auf 18 senken (Art. 75 HV)
Wahlprüfungsausschuss (Art. 78 HV)
Untersuchungsausschussgesetz (Art. 92 HV)
Auskunftsrecht (Art. 94 HV)
Amtszeitbegrenzung (Art. 101 HV)
Volksgesetzgebung (Art. 124 HV)
Direktwahl Landräte abschaffen (Art. 138 HV)
Rechnungshof (Art. 144)
Art. 26 HV
Diese Grundrechte sind unabänderlich; sie binden den
Gesetzgeber, den Richter und
die Verwaltung unmittelbar.
(1) Diese Grundrechte sind unabänderlich; sie binden den Gesetzgeber,
den Richter und die Verwaltung
(2) Jeder Mensch, der geltend macht,
durch die öffentliche Gewalt in einem
durch die Verfassung des Landes
Hessen gewährten Grundrecht verletzt
worden zu sein, hat das Recht
Grundrechtsklage zum Staatsgerichtshof zu erheben.
(3) Die Grundrechtsklage ist unzulässig, wenn in derselben Sache
Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht erhoben ist oder
wird. Dies gilt nicht, wenn die
weiterreichende Grundrechte als das
Grundgesetz gewährleistet.
Idee: Art. 26 HV wird um eine Grundrechtsklage ergänzt.
Grundrechte sind subjektive Rechte des Bürgers gegen den Staat. Sie
binden den Gesetzgeber, die Rechtsprechung und die Verwaltung. Damit
ein effektiver Grundrechtsschutz gewährleistet werden kann, ist die
Einführung einer Grundrechtsklage erforderlich. Daher deutet Art. 131 HV
eine Grundrechtsklage an und führt eine solche in § 43 Gesetz über den
Staatsgerichtshof (StGHG) näher aus. Systematisch gehört eine Grundrechtsklage jedoch in die Verfassung, da sie Ausfluss des Rechtsstaatsprinzips ist und Art. 26 HV konsequent weiterdenkt. Systematisch gehört sie
in den Abschnitt „Sicherung der Menschenrechte“ (Art. 17-26).
Der bisherige Art. 26 HV wird zu Absatz 1. In Absatz 2 wird die
Grundrechtsklage in die Verfassung des Landes Hessen integriert. Absatz 3
erhält eine Abgrenzungsregelung zur Bundesverfassungsbeschwerde
entsprechend § 43 Abs. 1 Satz 2 StGHG, um eine Doppelung von Zuständigkeiten zu vermeiden.
Staatsziel Infrastruktur
Art. 26a HV
Die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen stehen
(1) Die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen stehen unter
dem Schutz des Staates und der
(2) Der Staat fördert die Verkehrsnetze, die Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen sowie die digitalen Infrastrukturen.
Idee: Art. 26a HV wird um ein Staatsziel Infrastruktur ergänzt.
Mit Infrastruktur sind all jene Einrichtungen gemeint, die für das
Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft unverzichtbar sind. Denn
Erhalt und Ausbau von Infrastruktureinrichtungen sind entscheidend für ein
hohes Wohlstands- und Sozialniveau unserer Gesellschaft. Eine
funktionierende Infrastruktur stärkt die Teilhabemöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger und sichert die Entwicklungsperspektiven der Wirtschaft.
Durch die Einführung des Staatsziels Infrastruktur wird die öffentliche
Gewalt verpflichtet, die Verkehrsnetze sowie die Versorgungs- und
Entsorgungseinrichtungen als volkswirtschaftliche Grundausstattung zu
erhalten und auszubauen. Denn durch eine fortlaufende Beachtung und
Erfüllung des Staatsziels kann das Land Hessen die Grundvoraussetzungen
für eine zukunftsfähige Volkswirtschaft schaffen, um den Menschen in
Hessen die Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen Fortschritt zu
Staatszielbegriff
Art. 26b HV
Staatsziele verpflichten die öffentliche Gewalt zu ihrer fortlaufenden
Beachtung und Erfüllung.
Idee. Mit dem neuen Art. 26b HV wird eine Definition des Staatszielbegriffs
in die Hessische Verfassung aufgenommen.
Die Hessische Verfassung verwendet den Staatszielbegriff, ohne ihn zu
definieren. Dies führt zu Rechtsunsicherheit, da der Staatszielbegriff in der
Fachliteratur nicht einheitlich verwendet wird. Der Begriff ist auslegungsbedürftig. Sein Inhalt ist abhängig von der Intention des Verfassungsgesetzgebers. Aus den Gesetzesmaterialien zur Einführung des Staatsziels
Umweltschutz ergibt sich, dass der hessische Verfassungsgesetzgeber mit
dem Umweltschutz kein einklagbares Recht gewähren wollte. Vielmehr
sollten sämtliche öffentliche Stellen zur fortlaufenden Beachtung und Erfüllung dieser Staatszielbestimmung verpflichtet werden. Der Verfassungsgesetzgeber versteht unter Staatszielen rechtlich verbindliche Vorhaben,
die den Staat binden. Legislative, Exekutive und Judikative haben bei Ihrer
Tätigkeit die in der Verfassung verankerten Ziele zu beachten. Denn anders
als bloße Programmsätze sind Staatsziele verbindlich, ohne zugleich
subjektiv-öffentliche Rechte zu gewähren.
Um Auslegungsstreitigkeiten zu verhindern, sollte der ausfüllungsbedürftige Staatszielbegriff definiert werden. Denn durch eine Definition
wird der Auftrag der öffentlichen Gewalt deutlich, die in der Verfassung
verankerten Staatsziele nicht bloß zu beachten, sondern den damit
verbundenen Verfassungsauftrag auch zu erfüllen.
Art. 38 HV
(1) Die Wirtschaft des Landes
hat die Aufgabe, dem Wohle des
ganzen Volkes und der Befriedigung seines Bedarfs zu dienen.
Zu diesem Zweck hat das Gesetz
die Maßnahmen anzuordnen, die
erforderlich sind, um die Erzeugung, Herstellung und Verteilung
sinnvoll zu lenken und jedermann einen gerechten Anteil an
aller Arbeit zu sichern und ihn
vor Ausbeutung zu schützen.
(2) Im Rahmen der hierdurch
gezogenen Grenzen ist die
wirtschaftliche Betätigung frei.
(3) Die Gewerkschaften und die
Vertreter der Unternehmen haben gleiches Mitbestimmungsrecht in den vom Staat mit der
Durchführung seiner Lenkungsmaßnahmen beauftragten Organen.
Die wirtschaftliche Betätigung
ist frei im Rahmen der verfas2
sungsmäßigen Ordnung. Sie ist
den Grundsätzen einer sozial
gerechten und am Schutz der
natürlichen Umwelt ausgerichteten marktwirtschaftlichen Ordnung verpflichtet.
Idee. Art. 38 HV wird neu gefasst. Die wirtschaftliche Betätigungsfreiheit
wird an den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft ausgerichtet.
Der bisherige Art. 38 Abs. 1 Verf,HE enthält planwirtschaftliche Lenkungsmaßnahmen, die mit der sozialen Marktwirtschaft nicht vereinbar sind.
Ebenso existieren keine Organe, die mit Lenkungsmaßnahmen betraut sind.
Staatsziele: Kultur und Ehrenamt
Art. 62a HV
Der Sport genießt den Schutz
und die Pflege des Staates, der
Kultur, Sport und ehrenamtlicher
Einsatz genießen den Schutz und die
Pflege des Staates, der Gemeinden
und Gemeindeverbände.
Idee: Art. 62a HV wird um eine Kulturstaatsklausel und ein Staatsziel
Ehrenamt ergänzt.
Das Staatsziel Sport wurde im Jahr 2002 in die Hessische Verfassung
aufgenommen, um die integrative Wirkung des Sports und die Arbeit der
Sportvereine im Bereich der Gesundheitsvorsorge anzuerkennen. Diese
Anerkennung wollen wir durch Aufnahme von Staatszielen auch der Kultur
und dem ehrenamtlichen Einsatz zukommen lassen. Dies hätte zur Folge,
dass sämtliche öffentliche Stellen zur fortlaufenden Beachtung und
Erfüllung der Staatszielbestimmungen verpflichtet würden. Während der
Gesetzgeber angehalten ist, die Staatsziele einfachgesetzlich auszugestalten, haben Verwaltung und Rechtsprechung die Staatsziele bei der
Auslegung und Anwendung der Gesetze zu berücksichtigen
Art. 64 HV
Hessen ist ein Glied
deutschen Republik.
Hessen ist ein Gliedstaat der
Teil der europäischen und internationalen Staatengemeinschaft.
Idee: Art. 64 HV wird um ein Bekenntnis zur europäischen und internationalen Staatengemeinschaft ergänzt.
Die Verfassungsmütter und Verfassungsväter bekannten sich bereits 1946
zum künftigen deutschen Gesamtstaat. Da noch nicht absehbar war, wie
dieser im Einzelnen ausgestaltet sein würde, wurde das Verhältnis zum
Gesamtstaat allgemein gehalten. Eine nähere Ausgestaltung des BundLänder-Verhältnisses nahm dann Art. 20 GG [Verfassungsgrundsätze] vor.
Ähnlich wie vor 70 Jahren ist heute ebenso wenig absehbar, wie sich die
europäische und internationale Zusammenarbeit in Zukunft entwickeln
wird. Hessen ist sich seiner Verantwortung in einem vereinten Europa und
der Weltgemeinschaft bewusst. Daher soll Art. 64 HV um ein Bekenntnis zu
europäischer- und internationaler Zusammenarbeit ergänzt werden, ohne
auf einzelne Formen intergouvernementaler und supranationaler Zusammenarbeit explizit Bezug zu nehmen.
Art. 65 HV
Hessen ist eine demokratische
und parlamentarische Republik
und ein sozialer Rechtsstaat.
Idee: Art. 65 HV wird um das Staatsstrukturprinzip Rechtsstaat und die
Staatszielbestimmung Sozialstaat ergänzt.
Die Norm bekennt sich zum demokratischen Prinzip und zur
parlamentarischen Republik. Sie setzt damit die Verpflichtung aus der
Homogenitätsklausel des Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG in Teilen um, nach der die
verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern den Grundsätzen des
republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne des
Grundgesetzes entsprechen muss. Während Demokratie die Herrschaft des
Staatsvolkes ist, Art. 70 HV, besagt das republikanische Prinzip, dass das
Staatsoberhaupt auf Zeit gewählt wird. Art. 65 HV verknüpft die
parlamentarische Staatsform mit dem republikanischen Prinzip. In diesem
Punkt unterscheidet sich die Hessische Verfassung vom Grundgesetz und
geht über die Vorgaben des Art. 28 Abs. 1 GG hinaus. Die Einführung einer
reinen direkten Demokratie wie auch die faktische Verdrängung der
direkten Demokratie wären mit Art. 65 und Art. 150 HV nicht vereinbar.
Mit der Aufnahme des Staatsstrukturprinzips Rechtsstaat und der Staatszielbestimmung Sozialstaat wird Art. 65 HV – dessen Wortlaut vor Erlass
des Grundgesetzes gefasst wurde – an die Verfassungsrechtslage unter
Geltung des Grundgesetzes angepasst. Art. 65 HV kommt damit der
Verpflichtung aus der Homogenitätsklausel des Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG
vollumfänglich nach.
Art. 66 HV
(1) Die Landesfarben sind rot-weiß.
(2) Das Landeswappen zeigt im
blauen Schilde einen neunmal silbern und rot geteilten steigenden
Löwen mit goldenen Krallen. Auf
dem Schilde ruht ein Gewinde aus
goldenem Laubwerk mit von blauen Perlen gebildeten Früchten.
(3) Das Land Hessen gibt sich eine
Hymne. Das Nähere wird durch
(4) Die Stadt Wiesbaden ist Lan2
deshauptstadt. Sie ist Sitz des
Landtages und der Landesregierung.
Idee: Art. 66 HV soll um Staatssymbole ergänzt werden.
Bislang definiert die Hessische Verfassung lediglich die Landesfarben. Die
Farbkombination rot-weiß geht auf die Farben des Volksstaats Hessen
zurück und lehnt sich an die Streifen des Löwen an, der seit dem 13.
Jahrhundert das Symbol der Landgrafen von Hessen war. Darüber hinaus
trifft die Hessische Verfassung keine Regelungen zu Staatssymbolen. Dabei
sind Staatssymbole Erkennungszeichen und helfen, das politische
Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
In Absatz 2 soll eine Regelung zum Landeswappen aufgenommen werden.
Der Vorschlag entspricht § 1 des Gesetzes über die Hoheitszeichen des Lan-
des Hessen (HzG,HE). Die Streifung des Löwen in silbern und rot stellt
keinen Widerspruch zu den Landesfarben dar. Denn die Metalle Gold und
Silber werden in der Heraldik mit Gelb und Weiß wiedergegeben. Für das
Landeswappen bedeutet dies, dass die silbernen Streifen in Weiß
Auf der Grundlage von Absatz 3 könnte sich das Land Hessen eine
Landeshymne geben. Dahinter steckt die Idee, eine Hymne in einem
Landeswettbewerb zu finden. Dieser Wettbewerb sollte vom Landtag
durchgeführt werden. Während das Land Hessen eine Hymne bekäme,
könnte die Bürgerbeteiligung sowie das Interesse am Verfassungskonvent
In Absatz 4 könnte Wiesbaden als Landeshauptstadt, Parlaments-, und
Regierungssitz festgeschrieben werden. Bislang existiert keine gesetzliche
Regelung hierzu. Wiesbaden wurde lediglich vom Direktor der Militärregierung in Hessen, Oberst James R. Newman, zur Landeshauptstadt
erklärt. Zudem wurde ihr die Bezeichnung „Landeshauptstadt“ auf
Grundlage von § 13 Abs. 2 HGO verliehen. Beides hat jedoch keine
materiell-rechtlichen Wirkungen. Mangels gesetzlicher Regelung könnten
Landeshauptstadt, Parlamentssitz und Regierungssitz durch einfaches
Gesetz an einen anderen Ort verlegt werden. Eine verfassungsrechtliche
Verankerung würde einer solchen Entwicklung entgegenstehen.
Passives Wahlalter auf 18 senken
Art. 75 HV
(1) Der Landtag besteht aus den
vom Volke gewählten Abgeordneten.
(2) Wählbar sind die Stimmberechtigten, die das einundzwanzigste Lebensjahr vollendet
(3) Das Nähere bestimmt das
Wahlgesetz. Verlangt es neben
anderen Erfordernissen, dass eine
Wählergruppe eine Mindestzahl
von Stimmen aufweist, um im
Landtag vertreten zu sein, so darf
die Mindestzahl nicht höher sein
als fünf vom Hundert der
(2) Wählbar sind die Stimmberechtigten, die das achtzehnte
Idee: Das passive Wahlalter wird auf achtzehn Jahre gesenkt.
Absatz 2 legt das passive Wahlalter auf 21 Jahre fest. Damit ist Hessen
deutschlandweit das einzige Land das noch ein passives Wahlalter von 21
Jahren bei Landtagswahlen kennt. Eine Angleichung an die Regelung im
Bund und in den übrigen Ländern scheint angebracht. Dann wären aktives-,
passives Wahlalter und das Alter, mit dem die Volljährigkeit erreicht wird,
Art. 78 HV
(1) Die Gültigkeit der Wahlen
prüft ein beim Landtage gebildetes
Wahlprüfungsgericht. Es entscheidet auch über die Frage, ob ein Abgeordneter seinen Sitz verloren
(2) Im Falle der Erheblichkeit für
den Ausgang der Wahl machen
eine Wahl ungültig: Unregelmäßigkeiten im Wahlverfahren und
strafbare oder gegen die guten
Sitten verstoßende Handlungen,
die das Wahlergebnis beeinflussen.
(3) Das Wahlprüfungsgericht besteht aus den beiden höchsten
Richtern des Landes und drei vom
Landtag für seine Wahlperiode
(4) Das Nähere wird durch Gesetz
prüft ein beim Landtag gebildeter
Wahlprüfungsausschuss. Er entscheidet auch über die Frage, ob
ein Abgeordneter seinen Sitz verloren hat.
(3) Der Wahlprüfungsausschuss besteht aus den beiden höchsten
Richtern des Landes und drei
vom Landtag für seine Wahlperiode
Idee: Das Wahlprüfungsgericht wird in Wahlprüfungsausschuss umbenannt.
Nach Art. 92 GG ist die rechtsprechende Gewalt den Richtern anvertraut
und ihre Ausübung den Gerichten des Bundes und der Länder vorbehalten.
Das Wahlprüfungsgericht des Art. 78 HV ist aufgrund seiner Zusammensetzung aber kein Gericht in diesem Sinne, da den drei vom Landtag
gewählten Abgeordneten die richterliche Unabhängigkeit fehlt. Daher soll
das Wahlprüfungsgericht in Wahlprüfungsausschuss umbenannt werden.
Art. 92 HV
(1) Der Landtag hat das Recht und
auf Antrag von einem Fünftel der
gesetzlichen Zahl seiner Mitglieder
Untersuchungsausschüsse einzusetzen.
Diese Ausschüsse erheben in
Beweise, die sie oder die Antragsteller für erforderlich erachten.
Sie können mit Zweidrittelmehrheit die Öffentlichkeit aus4
schließen. Die Geschäftsordnung
regelt ihr Verfahren und bestimmt
(2) Die Gerichte und Verwaltungsbehörden sind verpflichtet, dem
Ersuchen dieser Ausschüsse um
Auskünfte und Beweiserhebungen
nachzukommen; die Akten der
Behörden und der öffentlichen
Körperschaften sind ihnen auf
(3) Für die Beweiserhebungen der
Ausschüsse und der von ihnen ersuchten Behörden gelten die
Vorschriften der Strafprozessordnung sinngemäß, doch bleibt
das Postgeheimnis unberührt.
(1) Der Landtag hat das Recht
und auf Antrag von einem Fünftel
der gesetzlichen Zahl seiner
Mitglieder die Pflicht, Untersuchungsausschüsse einzusetzen.
öffentlicher Verhandlung die
schließen. Das Nähere wird durch
Ausschüsse und der von ihnen
ersuchten Behörden gelten die
Idee: Das Land Hessen erhält ein Untersuchungsausschussgesetz das
zeitgleich mit der Verfassungsreform verabschiedet wird.
Gemäß Art. 92 HV hat der Landtag das Recht und auf Antrag von einem
Fünftel der gesetzlichen Zahl seiner Mitglieder die Pflicht, Untersuchungsausschüsse einzusetzen. In Erwartung eines Hessischen Untersuchungsausschussgesetzes wurden im Jahr 1993 die bestehenden Bestimmungen
zur Errichtung, zur Zusammensetzung und zu den Aufgaben von
Untersuchungsausschüssen in der Geschäftsordnung des Landtags
gestrichen. Bis heute existiert in Hessen aber kein Untersuchungsausschussgesetz. Der Landtag wendet vielmehr die IPA-Regeln an, die auf
einen im Bundestag ausgehandelten Gesetzesentwurf aus dem Jahr 1968
zurückgehen, der allerdings nie abschließend beraten wurde. Dabei ist
bereits umstritten, ob die Anwendung der IPA-Regeln überhaupt gewohnheitsrechtlich zulässig ist oder ein unzulässiges Sonderrecht darstellt.
Ein Untersuchungsausschussgesetz ist dringend geboten, damit eine
effektive parlamentarische Kontrolle der Exekutive möglich ist. Schließlich
folgt der Anspruch der Minderheit des Parlaments auf Einsetzung eines
Untersuchungsausschusses unmittelbar aus dem demokratischen Prinzip.
Art. 94 HV
Der Landtag kann an ihn gerichtete Eingaben der Landesregierung überweisen und von ihr
Auskunft über eingegangene Anträge und Beschwerden verlangen.
(1) Der Landtag kann an ihn
gerichtete Eingaben der Landesregierung überweisen und von ihr
(2) Anfragen von Abgeordneten hat
die Landesregierung nach bestem
Wissen unverzüglich und vollständig zu beantworten. Die gleiche
Verpflichtung trifft die Beauftragten der Landesregierung in den
Ausschüssen des Landtages.
(3) Die Landesregierung hat Zugang
zu öffentlichen Einrichtungen zu
gewähren und hat in Ausschusssitzungen Akten unverzüglich und
vollständig vorzulegen, wenn mindestens ein Fünftel der Ausschussmitglieder dies verlangt.
Idee: Art. 94 HV wird um ein Auskunftsrecht der Abgeordneten gegenüber
der Regierung ergänzt und sichert eine effektive Kontrolle der Parlamentsminderheit gegenüber der Regierung.
Der bisherige Art. 94 HV wird zu Absatz 1. Als Parlamentsminderheitenrecht
ausgestaltet, verpflichtet Art. 94 Abs. 2 HV die Landesregierung zur unverzüglichen und vollständigen Beantwortung von Abgeordnetenanfragen.
Darüber hinaus räumt Absatz 3 den Abgeordneten ein Inspektionsrecht
öffentlicher Einrichtungen und ein Aktenvorlagerecht ein.
Art. 101 HV
(1) Der Landtag wählt ohne Aussprache den Ministerpräsidenten mit
mehr als der Hälfte der gesetzlichen
Zahl seiner Mitglieder. Das Nähere
bestimmt die Geschäftsordnung.
(2) Der Ministerpräsident ernennt
die Minister. Er zeigt ihre Ernennung unverzüglich dem Landtag an.
(3) Angehörige der Häuser, die bis
1918 in Deutschland oder einem
anderen Lande regiert haben oder in
einem anderen Land regieren, können nicht Mitglieder der Landesregierung werden.
(4) Die Landesregierung kann die
Geschäfte erst übernehmen, nach
dem der Landtag ihr durch besonderen Beschluss das Vertrauen
mit mehr als der Hälfte der gesetz2
lichen Zahl seiner Mitglieder. Wiederwahl ist nur einmal zulässig.
(3) Mitglieder des Bundestages, des
Europäischen Parlaments und der
dürfen der Landesregierung nicht
Idee: Um Interessenkollisionen auszuschließen, Gewaltenteilung sicherzustellen und die Konzentration auf das Regierungsamt zu gewährleisten, wird Art.
101 HV um eine Amtszeitbegrenzung ergänzt.
Durch die Formulierung „einmal zulässig“ wird sichergestellt, dass eine
(ununterbrochene) dritte Amtszeit ausgeschlossen wird. Zudem wird Absatz 3
neu gefasst, da die Norm gegen Art. 3 Abs. 3 GG (Herkunft) verstößt und sich
durch Zeitablauf erledigt haben dürfte.
Art. 124 HV
(1) Ein Volksentscheid ist herbeizuführen, wenn ein Fünftel
der Stimmberechtigten das Begehren nach Vorlegung eines
Gesetzentwurfs stellt.
Volksbegehren muss ein ausgearbeiteter Gesetzentwurf zu
Grunde liegen. Der Haushaltsplan, Abgabengesetze oder
Besoldungsordnungen können
nicht Gegenstand eines Volksbegehrens sein.
(2) Das dem Volksbegehren zu
Grunde liegende Gesetz ist von
der Regierung unter Darlegung
ihres Standpunktes dem Landtag
zu unterbreiten. Der Volksentscheid unterbleibt, wenn der
Landtag den begehrten Gesetzentwurf unverändert übernimmt.
(3) Die Volksabstimmung kann
nur bejahend oder verneinend
sein. Es entscheidet die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
(1) Ein Volksentscheid ist herbeizuführen, wenn ein Zwanzigstel
Grunde liegen. Der Haushaltsplan,
sein. Das Gesetz ist beschlossen,
wenn die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, mindestens
fünfundzwanzig vom Hundert
der Stimmberechtigten, zustimmt.
(4) Das Verfahren beim Volksbegehren und Volksentscheid
regelt das Gesetz.
Idee. Das Quorum für das Volksbegehren wird gesenkt und ein Quorum für
den Volksentscheid eingeführt.
Die Verfassungspraxis der vergangenen 70 Jahre hat gezeigt, dass die
erforderlichen Unterstützungsunterschriften von 20 Prozent der Stimmberechtigten für die Herbeiführung eines Volksentscheids kaum zu erreichen
sind. Sie ersticken jeden Versuch im Keim, ein Volksbegehren auf Landesebene erfolgreich zum Volksentscheid werden zu lassen. Insbesondere der
Vergleich zu den übrigen Landesverfassungen zeigt, dass Hessen über das
höchste Quorum für Unterstützungsunterschriften verfügt. Dieses Einbringungsquorum steht im Gegensatz zu den weitreichenden Beteiligungsmöglichkeiten des Volkes an der Gesetzgebung, wie sie die Hessische
Verfassung vorsieht. So kann das Hessische Volk Gesetzesinitiativen in den
Landtag einbringen (Art. 117 HV), Volksentscheide herbeiführen (Art. 124
HV) und über Verfassungsänderungen abstimmen (Art. 123 Abs. 2 HV).
Um die Verfassungspraxis an das Verfassungsrecht anzunähern, erscheint
es geboten, das Quorum für die Unterstützungsunterschriften zu senken.
Zugleich sollte jedoch ein Entscheidungsquorum eingeführt werden, um
sicherzustellen, dass der Volksentscheid auch von einer bestimmten Anzahl
der Stimmberechtigten getragen wird. Für das Unterschriftenquorum und
das Entscheidungsquorum sind verschiedene Größen denkbar. Eine
Absenkung des Unterschriftenquorums auf 5% der Stimmberechtigten und
die Einführung eines Zustimmungsquorums von 25% der Stimmberechtigten stellt einen Kompromiss dar, der Volksbegehren und
Volksentscheide auf Landesebene handhabbar macht und zugleich eine Flut
von Begehren und Abstimmungen unterbindet.
Direktwahl Landräte abschaffen
Art. 138 HV
Die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte als Leiter
der Gemeinden oder Gemeindeverbände werden von den
Bürgern in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.
Bürgermeister als Leiter
Gemeinden werden von
Bürgern in allgemeiner,
mittelbarer, freier, gleicher
Idee: Die Direktwahl der Landräte wird abgeschafft.
Die Einführung der Direktwahl der Landräte als Leiter der Gemeindeverbände hat sich nicht bewährt. Sie wurde mit dem Ziel eingeführt, die
Bürgerbeteiligung zu stärken. Tatsächlich ist die Wahlbeteiligung äußerst
gering und die demokratische Legitimation zweifelhaft. Dies gilt
insbesondere für die Stichwahlen. Die mit der Direktwahl gemachten
Erfahrungen sprechen dafür, zur mittelbaren Wahl der Landräte durch
Vertretungskörperschaften zurückzukehren. Dies wird durch eine Änderung
des Art. 138 HV erreicht.
Art. 144 HV
Die Rechnungen über den
Haushaltsplan werden vom
Rechnungshof geprüft und
festgestellt. Die allgemeine
Rechnung über den Haushalt
Übersicht der Staatsschulden
werden mit den Bemerkungen
des Rechnungshofs und der
Stellungnahme der Landesregierung zu deren Entlastung
dem Landtage vorgelegt.
(1) Der Finanzminister hat dem
Landtag im Laufe des nächsten
Rechnungsjahres zur Entlastung der
(2) Der Rechnungshof, dessen Mitglieder richterliche Unabhängigkeit
besitzen, prüft die Rechnung sowie
die Wirtschaftlichkeit und Ordnungsmäßigkeit der gesamten Haushalts- und Wirtschaftsführung. Er
prüft auch die Haushalts- und Wirtschaftsführung der landesunmittelbaren juristischen Personen des
öffentlichen Rechts, die der Aufsicht
des Landes unterstehen. Er hat
außer der Landesregierung unmittelbar dem Landtag jährlich zu
Idee. Art. 144 HV wird neu gefasst.
Die Norm enthält eine institutionelle Garantie des Rechnungshofes, der mit
der externen Rechnungsprüfung betraut ist. Der Prüfbericht des
Rechnungshofes dient dem Landtag als Grundlage für seine abschließende
(interne) Prüfung und hat die Entlastung der Landesregierung zum Ziel. Der
Wortlaut des Art. 144 HV suggeriert, dass der Rechnungshof lediglich zur
Prüfung der Rechnungen über den Haushaltsplan befugt sei, wenngleich
LHO und HRHG,HE weitere Aufgaben beinhalten.
Vergleichbar Art. 114 GG [Finanzkontrolle des Bundes] sollte Art. 144 HV
die Rechtswirklichkeit spiegeln und den verfassungsrechtlichen Auftrag des
Rechnungshofes verdeutlichen.
Seit 1946 hat sich die Gesellschaft tiefgreifend gewandelt. Die Digitalisierung hat großen Einfluss auf unser tägliches Leben. Doch in der
Verfassung spiegelt sich das digitale Zeitalter bislang nicht wieder. Dabei ist
es für die Menschen entscheidend, ob der Staat sowohl in der Stadt als
auch auf dem Land die Grundvoraussetzungen schafft, damit die Menschen
an der Digitalisierung partizipieren können. Ohne Zugang zur digitalen Welt
haben die Menschen keine Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen
Fortschritt. Daher fordern wir Liberale mit dem Digitalisierungsgrundrecht
ein modernes Recht für alle Hessinnen und Hessen, mit dem wir die
Chancengerechtigkeit im digitalen Zeitalter sichern.
Auch die Bildungspolitik hat einen Wandel erfahren. Neben die schulische
Bildung ist das Konzept des lebenslangen Lernens getreten. Mit einem
umfassenden Recht auf Bildung wollen wir den Bürgerinnen und Bürgern
ein Recht zuerkennen, das nicht allein auf die schulische Bildung beschränkt
ist, sondern auch frühkindliche Bildung, das Recht auf schulische und
berufliche Ausbildung sowie Bildung im Allgemeinen umfasst. Zudem
möchten wir die durch die Vereinten Nationen angestoßenen Entwicklungen nachvollziehen und Kinderrechte und Rechte für Menschen mit
Behinderung anerkennen.
Digitalisierungsgrundrecht (Art. 2a , 19 HV)
Kinderrechte (Art. 4 HV)
Recht auf Bildung (Art. 56 HV)
Forschung und Lehre (Art. 60 HV)
Barrierefreies Wahlrecht (Art. 74 HV)
Digitalisierungsgrundrecht
Art. 2a, 19 HV
Vorschlag Neufassung (Art. 2a HV):
(1) Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz seiner personenbezogenen
Daten. Er ist berechtigt, über die Preisgabe und Verwendung seiner
personenbezogenen Daten selbst zu bestimmen.
(2) Informationstechnische Systeme sind unverletzlich.
(3) Jeder Mensch hat das Recht auf Teilhabe an der digitalen Infrastruktur.
(4) Eingriffe sind nur in überwiegendem Interesse der Allgemeinheit oder
durch Gesetz zulässig. Dabei sind Inhalt, Zweck und Ausmaß der Erhebung,
Verarbeitung und Nutzung der personenbezogenen Daten zu bestimmen
und das Recht auf Auskunft, Löschung und Berichtigung näher zu regeln.
Eingriffe in Abs. 2 bedürfen der richterlichen Anordnung nach Art. 19.
Idee: Die Hessische Verfassung wird um ein umfassendes Digitalisierungsgrundrecht ergänzt.
Digitalisierung fördert individuelle Freiheit. Um aber im digitalen Zeitalter
Selbstbestimmung und Aufstiegschancen für alle zu ermöglichen, braucht
es einen umfassenden Individualanspruch auf Schutz und Teilhabe an der
Digitalisierung. Neben dem Schutz personenbezogener Daten und
informationstechnischer Systeme gehört hierzu das Recht auf Teilhabe an
digitaler Infrastruktur. Denn nur wenn allen Menschen der Zugang zur
digitalen Welt zur Verfügung steht, ist eine gleichberechtigte Teilhabe der
Menschen am gesellschaftlichen Fortschritt möglich.
Die Verfassung soll daher um einen Artikel 2a ergänzt werden. Artikel 2a HV
wird als Ort für die Neuschöpfung gewählt, da das Digitalisierungsgrundrecht in engem inhaltlichen Zusammenhang zur Allgemeinen
Handlungsfreiheit steht, Art. 2 HV. Es stellt in gewisser Weise eine „digitale
Handlungsfreiheit“ dar.
Art. 19 HV
(1) Bei dringendem Verdacht einer
strafbaren Handlung kann der Richter
die Untersuchungshaft, die Haussuchung und Eingriffe in das Postgeheimnis anordnen.
Die Haussuchung kann auch nachträglich genehmigt werden, wenn die
Verfolgung des Täters zu sofortigem
Handeln gezwungen hat.
(2) Jeder Festgenommene ist binnen
24 Stunden seinem Richter zuzuführen,
der ihn zu vernehmen, über die Entlassung oder Verhaftung zu befinden und
im Falle der Verhaftung bis zur endgültigen richterlichen Entscheidung von
Monat zu Monat neu zu prüfen hat, ob
weitere Haft gerechtfertigt ist. Der
Grund der Verhaftung ist dem Festgenommenen sofort und auf seinen
Wunsch seinen nächsten Angehörigen
innerhalb weiterer 24 Stunden nach
der richterlichen Entscheidung mitzuteilen.
Bei dringendem Verdacht einer
strafbaren Handlung kann der
Richter die Haussuchung und
Eingriffe in informationstechnische Systeme und in das Post2
geheimnis anordnen. Die Haussuchung kann auch nachträglich
genehmigt werden, wenn die Verfolgung des Täters zu sofortigem
Idee: Die Änderung in Art. 19 Abs. 1 HV ist eine Folgeänderung zu Art. 2a HV.
Sie sieht einen Richtervorbehalt für Eingriffe in die Vertraulichkeit und
Integrität informationstechnischer Systeme vor. Eine solche Anordnung setzt
voraus, dass der dringende Verdacht einer strafbaren Handlung besteht. Die
Regelungen zur Untersuchungshaft verstoßen gegen Art. 104 GG
[Rechtsgarantien bei Freiheitsentziehungen] und werden gestrichen.
Art. 4 HV
Ehe und Familie stehen als
Grundlage des Gemeinschaftslebens unter dem besonderen
Schutze des Gesetzes.
(1) Ehe und Familie stehen als
Grundlage des Gemeinschaftslebens
unter dem besonderen Schutze des
(2) Kinder und Jugendliche haben
ein Recht auf Entwicklung und
Persönlichkeiten. Sie haben das
Recht auf gewaltfreie Erziehung.
Idee: Die Hessische Verfassung erhält Kinderrechte.
Kinder und Jugendliche sind wie auch Erwachsene Träger von
Grundrechten. Darüber hinaus soll in Art. 4 Abs. 2 Satz 1 HV ein Grundrecht
verankert werden, dass der spezifischen Situation von Kindern und
Jugendlichen gerecht wird und ihnen ein gesondertes Recht auf
Entwicklung und Entfaltung zuerkennt. Neben dem Anspruch der Kinder
und Jugendlichen auf Schutz des Staates vor Einflüssen durch Dritte stellt
das Grundrecht eine objektive Wertentscheidung dar, die auf die
Privatrechtsordnung einwirkt.
Art. 4 Abs. 2 Satz 2 HV soll das Recht der Kinder und Jugendlichen auf
gewaltfreie Erziehung normieren. Zwar ist dieses einfachgesetzlich bereits
in § 1631 Abs. 2 Satz 1 BGB normiert und folgt aus dem Grundrecht auf
körperliche Unversehrtheit. Eine explizite Erwähnung würde aber die
besondere staatliche Schutzpflicht zu Gunsten von Kindern und
Jugendlichen verdeutlichen.
Art. 56 HV
(1) Es besteht allgemeine Schul2
pflicht. Das Schulwesen ist Sache
des Staates. Die Schulaufsicht
wird hauptamtlich durch Fachkräfte ausgeübt.
(2) An allen hessischen Schulen
werden die Kinder aller religiösen
Bekenntnisse und Weltanschauungen in der Regel gemeinsam
erzogen (Gemeinschaftsschule).
(3) Grundsatz eines jeden Unterrichts muss die Duldsamkeit sein.
Der Lehrer hat in jedem Fach auf
die religiösen und weltanschaulichen Empfindungen aller Schüler
Rücksicht zu nehmen und die
religiösen und weltanschaulichen
Auffassungen sachlich darzulegen.
(4) Ziel der Erziehung ist, den
jungen Menschen zur sittlichen
Persönlichkeit zu bilden, seine
berufliche Tüchtigkeit und die
politische Verantwortung vorzubereiten zum selbstständigen
und verantwortlichen Dienst am
Volk und der Menschheit durch
Ehrfurcht und Nächstenliebe,
Achtung und Duldsamkeit, Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit.
(1) Jeder Mensch hat das Recht
(2) Es besteht allgemeine Schul2
pflicht. Das gesamte Schulwesen
steht unter der Aufsicht des
(3) Bildung und Erziehung haben
die Aufgabe, die Entwicklung der
Denken und Handeln, berufliche
Tüchtigkeit, Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, Achtung
vor der Würde, dem Glauben und
den Überzeugungen anderer,
Anerkennung der Demokratie und
Freiheit, den Willen zu sozialer
Gerechtigkeit, die Friedfertigkeit
und Solidarität im Zusammenleben der Kulturen und Völker
und die Verantwortung für Natur
und Umwelt zu fördern.
muss auf getreue, unverfälschte
gerichtet sein. Nicht zu dulden
sind Auffassungen, welche die
Grundlagen des demokratischen
Staates gefährden.
(5) Der Geschichtsunterricht muss
auf getreue, unverfälschte Darstellung der Vergangenheit ge2
richtet sein. Dabei sind in den
Vordergrund zu stellen die großen
Wohltäter der Menschheit, die
Entwicklung von Staat, Wirtschaft,
Zivilisation und Kultur, nicht aber
Feldherren, Kriege und Schlachten.
Nicht zu dulden sind Auffassungen, welche die Grundlagen
des demokratischen Staates gefährden.
(6) Die Erziehungsberechtigten
haben das Recht, die Gestaltung
des Unterrichtswesens mitzubestimmen, soweit die Grundsätze
der Absätze 2 bis 5 nicht verletzt
Es muss Vorkehrungen dagegen
treffen, dass in der Schule die
Grundsätze verletzt werden, nach
denen die Erziehungsberechtigten
ihre Kinder erzogen haben wollen.
(5) Die Erziehungsberechtigten
des Unterrichtswesens mitzubestimmen, soweit die Grundsätze der Absätze 3 und 4 nicht
ihre Kinder erzogen haben
Idee. Die Norm wird um ein Recht auf Bildung angereichert. Die Grundsätze
von Bildung und Erziehung der Abs. 2-4 werden in einem Absatz (Absatz 3)
Lebenslanges Lernen ist unabdingbare Voraussetzung für die Teilnahme an
der Wissensgesellschaft und am Arbeitsleben. Daher wird in Absatz 1 ein
umfassendes Recht auf Bildung verankert, das nicht allein auf die schulische
Bildung beschränkt ist, sondern auch frühkindliche Bildung, das Recht auf
schulische und berufliche Ausbildung sowie Bildung im Allgemeinen
umfasst und Ausdruck der Kulturhoheit der Länder ist.
Der neu gefasste Absatz 2 Satz 1 ist wortlautgleich mit Absatz 1 Satz 1 und
normiert die allgemeine Schulpflicht. Die Sätze 2 und 3 des Absatzes 1
werden in einem neuen Absatz 2 Satz 2 zusammengeführt. Der
Formulierungsvorschlag des Absatz 2 Satz 2 lehnt sich an Art. 7 Abs. 1 GG
[Schulwesen] an und verankert die Schulaufsicht als institutionelle
Die maßgeblichen Grundsätze schulischer Bildung der Absätze 2-4 werden
zu einem neuen Absatz 3 zusammengefasst. Darüber hinausgehende
Detailregelungen können einfachgesetzlich im Hessischen Schulgesetz
Art. 60 HV
Die Universitäten und
staatlichen Hochschulen genießen den Schutz des Staates
und stehen unter seiner Aufsicht.
Sie haben das Recht der Selbstverwaltung, an der die Studenten
(1) Hochschulen sind in Forschung und Lehre frei und genießen den Schutz des Staates.
(1a) Nichtstaatliche Hochschulen
bedürfen der staatlichen Anerken2
nung. Das Nähere bestimmt das
(2) Die theologischen Fakultäten
an den Universitäten bleiben be2
stehen. Vor der Berufung ihrer
Dozenten sind die Kirchen zu
(3) Die kirchlichen theologischen
Bildungsanstalten werden anerkannt.
an den Universitäten bleiben
bestehen. Vor der Berufung ihrer
Idee: Art. 60 HV wird um die Forschungs- und Lehrfreiheit ergänzt.
Die Forschungs- und Lehrfreiheit wurde aufgrund schlechter Erfahrungen
im Dritten Reich bewusst nicht in die Hessische Verfassung aufgenommen.
Sie ist aber gedankliche Voraussetzung, um die Wissenschaften pflegen und
entwickeln und der Verwirklichung des Rechts auf Bildung in einem
freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat nachkommen zu
können, vgl. § 3 Abs. 1 HHG.
Der Zusatz, dass die Hochschulen unter staatlicher Aufsicht stehen, wird
gestrichen. Die nichtstaatlichen Hochschulen und deren Anerkennung soll
aus systematischen Gründen in Art. 60 HV und nicht länger in Art. 61 HV
geregelt werden. Ihre Gleichstellung mit staatlichen Hochschulen folgt aus
der Wissenschaftsfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG), die das Recht beinhaltet,
private Hochschulen zu gründen. Zudem erkennt Art. 61 HV seit nunmehr
70 Jahren private Hochschulen als Institutionen verfassungsrechtlich an.
Statt einer Genehmigung (§ 61 Satz 1 HV) bedürfen die privaten
Hochschulen der staatlichen Anerkennung, vgl. § 91 Abs. 1 HHG.
Art. 74 HV
1. wer entmündigt ist oder unter
vorläufiger Vormundschaft oder
wegen geistiger Gebrechen unter
Pflegschaft steht;
2. wer nicht im Vollbesitz der
staatsbürgerlichen Rechte ist.
Idee: Art. 74 HV wird aufgehoben.
Sowohl der automatische Wahlrechtsausschluss als automatische Folge
einer Betreuung als auch der Ausschluss aufgrund einstweiliger Anordnung
verstößt gegen das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die
Rechte von Menschen mit Behinderungen. Daher hat Hessen in § 12
LWG,HE folgende Formulierung gewählt: „Nicht wahlberechtigt ist
derjenige, für den zur Besorgung aller seiner Angelegenheiten ein Betreuer
Bürgerlichen Gesetzbuchs bezeichneten Angelegenheiten nicht erfasst […]“
Die Norm ist ersatzlos zu streichen! Denn eine rechtskonforme Ausgestaltung des Wahlrechtsausschlusses in der Verfassung – die ohne einen
Verweis auf das BGB auskommt – scheint nicht möglich. Eine Ausgestaltung
im einfachen Gesetzesrecht – wie im LWG,HE geschehen – ist sinnvoller, da
etwaige Änderungen im BGB schneller und unkomplizierter durch einfache
Gesetzesänderung nachvollzogen werden können.

References: Art. 6

Art. 1

Art. 1

Art. 134
 Art. 134
 Art. 1
 Art. 1

Art. 134

Art. 134

Art. 21

Art. 21

Art. 21
 Art. 31
 Art.
102
 Art. 21

Art. 109
 Art. 109

Art. 109

Art. 29
 Art. 29
 Art. 33
 Art. 6

Art. 41
 Art. 41
 Art. 15
 Art. 41

Art. 31

Art. 151
 Art. 151
 Art. 159
 Art. 152

Art. 26
 Art. 26
 Art. 131
 § 43
 Art. 26
 Art. 26
 § 43

Art. 26
 Art. 26

Art. 26
 Art. 26

Art. 38
 Art. 38
 Art. 38

Art. 62
 Art. 62

Art. 64
 Art. 64
 Art. 20
 Art. 64

Art. 65
 Art. 65
 Art. 28
 Art. 70
 Art. 65
 Art. 28
 Art. 65
 Art. 150
 Art. 65
 Art. 65
 Art. 28

Art. 66
 Art. 66
 § 1
 § 13

Art. 75

Art. 78
 Art. 92
 Art. 78

Art. 92
 Art. 92

Art. 94
 Art. 94
 Art. 94
 Art. 94

Art. 101
 Art.
101
 Art. 3

Art. 124

Art. 138
 Art. 138

Art. 144
 Art. 144
 Art. 144
 Art. 114
 Art. 144

Art. 2
 Art. 19
 Art. 2

Art. 19
 Art. 19
 Art. 2
 Art. 104

Art. 4
 Art. 4

Art. 4
 § 1631

Art. 56
 Art. 7

Art. 60
 Art. 60
 § 3
 Art. 60
 Art. 61
 Art. 61
 § 91

Art. 74
 Art. 74
 § 12