Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versicherungsrecht/widerrufsbelehrung-in-kursivdruck-384669
Timestamp: 2020-04-05 09:55:51+00:00

Document:
Wider­rufs­be­leh­rung in Kur­siv­druck | Rechtslupe
Im hier vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ent­schie­de­nen Rechts­streit ist der Ver­trag über eine Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung nach dem sog. "Poli­cen­mo­dell" zustan­de gekom­men. Anwend­bar ist mit­hin § 5 a Abs. 1, Abs. 2 S. 1 VVG a.F. Die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin hat kein Wider­spruchs­recht gem. § 5 a Abs. 1 VVG a.F. mehr für den Ver­si­che­rungs­ver­trag aus dem Jahr 2002, weil ihr unstrei­tig alle erfor­der­li­chen Unter­la­gen samt Wider­spruchs­be­leh­rung mit dem Ver­si­che­rungs­schein voll­stän­dig über­sandt wor­den sind, § 314 S. 1 ZPO. Der Frist­be­ginn ist weder unzu­tref­fend bezeich­net, weil der Frist­lauf ab Zugang des Schrei­bens aus­rei­chend ist, noch kann die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin Rech­te her­lei­ten, weil die Beleh­rung druck­tech­nisch nicht aus­rei­chend gewe­sen sei. Die Beleh­rung in dem Ver­si­che­rungs­über­sen­dungs­schrei­ben war aus­rei­chend. Die in Kur­siv­druck gehal­te­ne Wider­spruchs­be­leh­rung war in der opti­schen Gestal­tung aus­rei­chend.
Es ist eine Fra­ge der Umstän­de des Ein­zel­fal­les, ob eine Beleh­rung gem. § 5 a VVG a.F. optisch druck­tech­nisch aus­rei­chend gestal­tet war. Zwar kann auch eine inmit­ten eines 8‑seitigen Kon­vo­luts aus Ver­si­che­rungs­schein, All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen, Beson­de­ren Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen, Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen und sons­ti­gen diver­sen Hin­wei­sen "ver­steck­te" Beleh­rung ledig­lich mit der Gestal­tung in Form eines – in umfang­rei­chen Ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen auch an vie­len ande­ren Stel­len häu­fig ver­wen­de­ten – Kur­siv­drucks nicht aus­rei­chend druck­tech­nisch her­vor­ge­ho­ben sein 1. Die­ser Fall, in dem eine her­vor­ge­ho­be­ne Beleh­rung beim Durch­blät­tern bei einer Viel­zahl von glei­chen Her­vor­he­bun­gen optisch unter­geht, ist mit dem vor­lie­gen­den Sach­ver­halt nicht ver­gleich­bar. Zu Recht weist die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft dar­auf hin, dass im Ver­trag aus dem Jahr 2002 die Beleh­rung sofort im für einen Ver­si­che­rungs­neh­mer zen­tra­len Doku­ment, der Über­sen­dung des Ver­si­che­rungs­scheins mit Poli­cen­über­sen­dungs­schrei­ben, abge­druckt war. Das Ver­si­che­rungs­po­li­cen­über­sen­dungs­schrei­ben aus dem Jahr 2002 umfasst, neben der Ver­si­che­rungs­po­li­ce selbst, ledig­lich 1 Sei­te, und der ein­zi­ge im Fließ­text kom­plett durch­ge­hen­de Kur­siv­druck wird für die Wider­spruchs­be­leh­rung ver­wen­det. Die Wider­spruchs­be­leh­rung ist leicht sicht­bar und im unte­ren Drit­tel des ein­sei­ti­gen Ver­si­che­rungs­über­sen­dungs­schrei­bens, das mit der Ver­si­che­rungs­po­li­ce jeweils ver­sandt und ver­bun­den war, gut auf­zu­fin­den.
Nach § 5 a Abs. 1 VVG a.F. ("Poli­cen­mo­dell") wur­de folg­lich der schwe­bend unwirk­sa­me Ver­trag mit Ablauf der Wider­spruchs­frist end­gül­tig rück­wir­kend wirk­sam. Die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin hat die Wider­spruchs­be­leh­rung zu dem Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trag, die inhalt­lich aus­rei­chend war, erhal­ten und ver­sucht über eine behaup­te­te unzu­rei­chen­de text­li­che Her­vor­he­bung, die sich nach durch­ge­führ­ter Beweis­auf­nah­me zur Über­zeu­gung des Ober­lan­des­ge­richts nicht erge­ben hat, ein "ewi­ges Wider­spruchs­recht" zu erlan­gen. Das Ober­lan­des­ge­richt ist ins­be­son­de­re nach dem per­sön­li­chen Ein­druck der Zeu­gin der Über­zeu­gung, dass die druck­tech­ni­sche Her­vor­he­bung für den Ver­si­che­rungs­ver­trag der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin aus dem Jahr 2002 so gestal­tet war wie in dem vor­ge­leg­ten Mus­ter. Die Repro­duk­ti­on des klä­ge­ri­schen Poli­cen­über­sen­dungs­schrei­bens zu dem Ver­si­che­rungs­schein ist im nach­träg­li­chen (Repro­duk­ti­ons-) Aus­druck ledig­lich ohne druck­tech­ni­sche Her­vor­he­bung, was auf die EDV-tech­ni­sche und nicht ori­gi­nal­ge­treue Archi­vie­rung von Text­do­ku­men­ten bei der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft zurück­zu­füh­ren ist.
Wider­rufs­be­leh­rung in Kur­siv­druck Eine Her­vor­he­bung der Beleh­rung über das Wider­spruchs­recht nach Abschluss eines Ver­si­che­rungs­ver­trags durch Kur­siv­druck kann den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen des § 5a VVG a. F. genü­gen. Im…
StufenklageVersicherungsvertragWiderrufsrecht

References: § 5
 § 5
 § 314
 § 5
 § 5
 § 5