Source: http://www.hensche.de/Direktversicherung_Insolvenzfall_Kein_Anspruch_auf_Uebertragung_Direktversicherung_Insolvenzfall_BAG_3AZR176-10.html
Timestamp: 2017-12-17 23:28:42+00:00

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BAG, Urteil vom 18.09.2012, 3 AZR 176/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 18.09.2012, 3 AZR 176/10
Schlagworte: Insolvenz, Betriebliche Altersversorgung, Direktversicherung
Aktenzeichen: 3 AZR 176/10
Vorinstanzen: Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 29.09.2009 - 2 Sa 127/09
Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 6.09.2006 - 10 Ca 183/05
2 Sa 127/09
18. Sep­tem­ber 2012
hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. Sep­tem­ber 2012 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Schlewing,
„Die Leis­tung aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag er­brin­gen wir an Sie als un­se­ren Ver­si­che­rungs­neh­mer oder an Ih­re Er­ben, falls Sie uns kei­ne an­de­re Per­son be­nannt ha­ben, die bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les die Ansprüche aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag er­wer­ben soll (Be­zugs­be­rech­tig­ter). Bis zum Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les können Sie das Be­zugs­recht je­der­zeit wi­der­ru­fen.“
Die zusätz­li­che Ver­ein­ba­rung (Nr. 531) zur Di­rekt­ver­si­che­rung - Un­wi­der­ruf­lich­keits­klau­sel - be­stimmt:
Mit sei­ner Kla­ge hat der Kläger ua. die Über­tra­gung der Di­rekt­ver­si­che­rung be­gehrt. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Wi­der­ruf des Be­zugs­rechts ge­genüber der N Le­bens­ver­si­che­rung AG sei un­wirk­sam; je­den­falls ste­he ihm aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ein An­spruch auf Aus­son­de­rung der Di­rekt­ver­si­che­rung zu. Der Be­klag­te ha­be zahl­rei­chen an­de­ren Mit­ar­bei­tern die Di­rekt­ver­si­che­rung über­tra­gen, ihm und zwei wei­te­ren Mit­ar­bei­tern je­doch nicht. Für den Fall, dass ein An­spruch auf Über­tra­gung der Di­rekt­ver­si­che­rung nicht be­ste­he, sei der Be­klag­te ver­pflich­tet, ihm im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes die seit Ab­schluss der Ver­si­che­rung ein­ge­zahl­ten Beiträge iHv. ins­ge­samt 11.029,07 Eu­ro zu er­stat­ten, zu­min­dest aber den Rück­kaufs­wert der Ver­si­che­rung iHv. 7.593,43 Eu­ro zu zah­len.
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, die bei der N Le­bens­ver­si­che­rung AG be­ste­hen­de Di­rekt­ver­si­che­rung mit der Ver­si­che­rungs­num­mer auf ihn zu über­tra­gen,
Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers ge­gen die die Kla­ge ab­wei­sen­de Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist im Haupt- wie im Hilfs­an­trag un­be­gründet. Dem Kläger steht kein Aus­son­de­rungs­recht nach § 47 In­sO an der Di­rekt­ver­si­che­rung zu. Der Be­klag­te konn­te das Be­zugs­recht des Klägers aus der Di­rekt­ver­si­che­rung auf­grund der ver­si­che­rungs­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen wirk­sam wi­der­ru­fen. Der Kläger kann sei­nen An­spruch auch nicht
auf den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz stützen. Der Be­klag­te ist nicht ver­pflich­tet, dem Kläger im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes die seit Ab­schluss der Di­rekt­ver­si­che­rung zu die­ser ent­rich­te­ten Beiträge oder den Rück­kaufs­wert der Ver­si­che­rung zu zah­len.
1. Die Fra­ge, ob die Rech­te aus ei­ner vom Ar­beit­ge­ber zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ab­ge­schlos­se­nen Di­rekt­ver­si­che­rung in der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers der Mas­se zu­ste­hen oder ob der Ar­beit­neh­mer ein Aus­son­de­rungs­recht nach § 47 In­sO hat, ist al­lein nach der ver­si­che­rungs­recht­li­chen La­ge zu be­ant­wor­ten. Für das Verhält­nis zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und der Ver­si­che­rung kommt es grundsätz­lich nicht dar­auf an, wel­che Be­fug­nis­se dem Ar­beit­ge­ber - und im Fal­le sei­ner In­sol­venz dem Ver­wal­ter - im Ver­sor­gungs­verhält­nis zum Ar­beit­neh­mer zu­ste­hen. Dies kann da­zu führen, dass der Ar­beit­ge­ber - und in der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers der Ver­wal­ter - aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag ab­ge­lei­te­te Rech­te ver­si­che­rungs­recht­lich ausüben kann, ob­wohl er dies ar­beits­recht­lich im Verhält­nis zum Ar­beit­neh­mer nicht darf. Ver­si­che­rungs­recht­lich ist in die­sem Fall die Ausübung wirk­sam. Im Ver­sor­gungs­verhält­nis können je­doch Ansprüche des Ar­beit­neh­mers, ins­be­son­de­re Scha­dens­er­satz­ansprüche ent­ste­hen (st. Rspr., vgl. et­wa BAG 19. April 2011 - 3 AZR 267/09 - Rn. 17, AP Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 32; 15. Ju­ni 2010 - 3 AZR 334/06 - Rn. 17, BA­GE 134, 372; BGH 19. Ju­ni 1996 - IV ZR 243/95 - AP Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 25). So­mit rich­tet es sich
al­lein nach der ver­si­che­rungs­recht­li­chen La­ge, ob die Rech­te an der Ver­si­che­rung zum Vermögen des Ar­beit­ge­bers gehören, in des­sen Rechts­po­si­ti­on der In­sol­venz­ver­wal­ter nach § 80 Abs. 1 In­sO bei In­sol­ven­zeröff­nung ein­tritt (st. Rspr., zu­letzt BAG 15. Ju­ni 2010 - 3 AZR 334/06 - Rn. 19, BA­GE 134, 372; 31. Ju­li 2007 - 3 AZR 446/05 - Rn. 14, NZA-RR 2008, 32; 8. Ju­ni 1999 - 3 AZR 136/98 - zu B I der Gründe, BA­GE 92, 1; eben­so: BGH 18. Ju­li 2002 - IX ZR 264/01 - zu II der Gründe, DB 2002, 2104; BVerwG 28. Ju­ni 1994 - 1 C 20.92 - zu 2 c cc ccc der Gründe, BVerw­GE 96, 160).
b) Räumt der Ar­beit­ge­ber als Ver­si­che­rungs­neh­mer dem Ar­beit­neh­mer als Ver­si­cher­tem da­ge­gen ab­wei­chend vom ge­setz­li­chen Nor­mal­fall ein un­wi­der­ruf­li­ches Be­zugs­recht ein, ste­hen die Rech­te aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag von vorn­her­ein dem Ar­beit­neh­mer zu (BGH 17. Fe­bru­ar 1966 - II ZR 286/63 - zu II der Gründe, BGHZ 45, 162). Mit der Un­wi­der­ruf­lich­keit erhält das Be­zugs­recht ding­li­che Wir­kung (BGH 19. Ju­ni 1996 - IV ZR 243/95 - zu 1 der Gründe, AP Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 25). In­sol­venz­recht­lich hat dies zur Fol­ge, dass die Rech­te aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag von die­sem Zeit­punkt an nicht mehr zum Vermögen des Ar­beit­ge­bers und da­mit auch nicht mehr zur In­sol­venz­mas­se gehören. Sie ste­hen viel­mehr dem Ar­beit­neh­mer zu, der des­halb ein Aus­son­de­rungs­recht hat (BAG 26. Ju­ni 1990 - 3 AZR 651/88 - zu 2 b der
Gründe, BA­GE 65, 208; 26. Ju­ni 1990 - 3 AZR 2/89 - zu 2 b der Gründe, AP Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 12 = EzA KO § 43 Nr. 1).
Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 7; BGH 18. Ju­li 2002 - IX ZR 264/01 - zu II 2 der Gründe, DB 2002, 2104).
bb) All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se
be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei die Verständ­nismöglich­kei­ten des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind (vgl. BAG 7. De­zem­ber 2005 - 5 AZR 535/04 - Rn. 22, BA­GE 116, 267).
Dafür spricht be­reits der Wort­laut von § 14 Abs. 1 der All­ge­mei­nen Be­din­gun­gen (Nr. 201158) für die Le­bens­ver­si­che­rung mit spe­zi­el­ler Ka­pi­tal­an­la­ge (N Kon­zept-Ta­rif N2068) und der zusätz­li­chen Ver­ein­ba­rung (Nr. 531) zur Di­rekt­ver­si­che­rung - Un­wi­der­ruf­lich­keits­klau­sel. Nach § 14 Abs. 1 der All­ge­mei­nen Be­din­gun­gen (Nr. 201158) für die Le­bens­ver­si­che­rung mit spe­zi­el­ler Ka­pi­tal­an­la­ge (N Kon­zept-Ta­rif N2068) war das Be­zugs­recht bis zum Ver­si­che­rungs­fall je­der­zeit wi­der­ruf­lich. Nach der zusätz­li­chen Ver­ein­ba­rung (Nr. 531)
zur Di­rekt­ver­si­che­rung - Un­wi­der­ruf­lich­keits­klau­sel - soll­te das Be­zugs­recht al­ler­dings nach Ab­lauf der Fris­ten nach § 1 Abs. 2 Be­trAVG aF un­wi­der­ruf­lich wer­den. Die Klau­sel soll un­ter Berück­sich­ti­gung be­triebs­ren­ten­recht­li­cher Wer­tun­gen dem Ver­si­che­rungs­neh­mer (vor­lie­gend der Schuld­ne­rin) die Möglich­keit be­las­sen, das Be­zugs­recht aus der Di­rekt­ver­si­che­rung zu wi­der­ru­fen, so­lan­ge der Ar­beit­neh­mer nach den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes noch kei­ne un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft er­wor­ben hat. Zu­gleich will die Klau­sel si­cher­stel­len, dass mit Ein­tritt der Un­ver­fall­bar­keit im ar­beits­recht­li­chen Grund­verhält­nis zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Ar­beit­neh­mer auch im ver­si­che­rungs­recht­li­chen Verhält­nis zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft die ver­si­cher­te Per­son ei­ne ge­si­cher­te Rechts­po­si­ti­on, nämlich ein un­wi­der­ruf­li­ches Be­zugs­recht, erhält. Der Ver­si­che­rungs­ver­trag sieht da­mit bis zum Ab­lauf der Un­ver­fall­bar­keits­frist ein wi­der­ruf­li­ches Be­zugs­recht des Ar­beit­ge­bers vor, das erst mit Ab­lauf der Un­ver­fall­bar­keits­frist im ar­beits­recht­li­chen Grund­verhält­nis zum un­wi­der­ruf­li­chen Be­zugs­recht wird. Da­vor bleibt das Be­zugs­recht wi­der­ruf­lich. Die ge­setz­li­che Un­ver­fall­bar­keits­frist für Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten war im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Di­rekt­ver­si­che­rung in § 1 Abs. 2 Be­trAVG aF ge­re­gelt. Des­halb nimmt die zusätz­li­che Ver­ein­ba­rung (Nr. 531) zur Di­rekt­ver­si­che­rung - Un­wi­der­ruf­lich­keits­klau­sel - auf die­se Be­stim­mung Be­zug. Zum 1. Ja­nu­ar 2001 wur­de § 1 Abs. 2 Be­trAVG aF durch § 1b Be­trAVG er­setzt. Nach Sinn und Zweck der Re­ge­lung in der zusätz­li­chen Ver­ein­ba­rung (Nr. 531) zur Di­rekt­ver­si­che­rung - Un­wi­der­ruf­lich­keits­klau­sel - kommt es auf die für das ar­beits­recht­li­che Grund­verhält­nis gel­ten­de ge­setz­li­che Un­ver­fall­bar­keits­frist an.
oder bei min­des­tens zwölfjähri­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit min­des­tens drei Jah­re oder ab dem 1. Ja­nu­ar 2001 min­des­tens fünf Jah­re be­stan­den hat. Die­se Vor­aus­set­zun­gen wa­ren im Zeit­punkt des Wi­der­rufs des Be­zugs­rechts nicht erfüllt. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob der Di­rekt­ver­si­che­rung im ar­beits-recht­li­chen Grund­verhält­nis - wie vom Kläger be­haup­tet - ei­ne Ent­gelt­um­wand­lung zu­grun­de lag. Nach § 30f Abs. 1 Satz 2 Be­trAVG gilt § 1b Abs. 5 Be­trAVG, der bei Ent­gelt­um­wand­lun­gen die so­for­ti­ge Un­ver­fall­bar­keit vor­sieht, nicht, wenn die Ver­sor­gungs­zu­sa­ge - wie vor­lie­gend - vor dem 1. Ja­nu­ar 2001 er­teilt wur­de.
b) Der Kläger hat die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne sach­wid­ri­ge Un­gleich­be­hand­lung nicht dar­ge­legt. Er hat le­dig­lich gel­tend ge­macht, der Be­klag­te ha­be das Be­zugs­recht des Klägers und zwei­er wei­te­rer vor­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter der Schuld­ne­rin wi­der­ru­fen, während er dies bei 19 an­de­ren Ar­beit­neh­mern nicht ge­tan ha­be. Der Kläger hat je­doch nicht be­haup­tet, dass das Be­zugs­recht bei den 19 begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mern eben­falls noch wi­der­ruf­lich war. Dies war nach dem vom Kläger nicht in Ab­re­de ge­stell­ten Vor­brin­gen des Be­klag­ten nicht der Fall. Die 19 an­de­ren Ar­beit­neh­mer, de­ren Be­zugs­rech­te durch Ab­lauf der
Un­ver­fall­bar­keits­fris­ten be­reits un­wi­der­ruf­lich wa­ren, be­fan­den sich da­mit in kei­ner mit dem Kläger ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on.
rungs­ver­trag. Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch ist da­her auf die­se ent­gan­ge­nen Leis­tun­gen ge­rich­tet. Ein der­ar­ti­ger An­spruch ist je­doch nicht Streit­ge­gen­stand die­ses Ver­fah­rens.
zur Übersicht 3 AZR 176/10

References: § 47
 § 47
 § 1
 BGH 
 § 1
 § 80
 BGH 
 § 1
 § 1
 § 43
 BGH 
 § 14
 § 14
 § 1
 § 1
 § 1
 § 1
 § 30
 § 1