Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=17.05.1991&Aktenzeichen=3%20StR%208/91
Timestamp: 2019-07-23 10:24:34+00:00

Document:
BGH, 17.05.1991 - 3 StR 8/91 - dejure.org
https://dejure.org/1991,1058
BGH, 17.05.1991 - 3 StR 8/91 (https://dejure.org/1991,1058)
BGH, Entscheidung vom 17.05.1991 - 3 StR 8/91 (https://dejure.org/1991,1058)
BGH, Entscheidung vom 17. Mai 1991 - 3 StR 8/91 (https://dejure.org/1991,1058)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1991,1058) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Betäubungsmittel - Unerlaubtes Verschreiben - Verschreiben - Verstoß - Bundesärztekammer
Zur Therapiefreiheit des Arztes
BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 6 lit. a; StGB § 17
BGHSt 37, 383
NJW 1991, 2359
MDR 1991, 779
NStZ 1991, 439
StV 1991, 352
JR 1992, 168
Verfassungsrechtliche Bedenken gegen § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 Buchst. a i.V.m. § 13 Abs. 1 BtMG im Hinblick auf die Anforderungen des Bestimmtheitsgrundsatzes des Art. 103 Abs. 2 GG bestehen nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Mai 1991 - 3 StR 8/91, BGHSt 37, 383, 384 f.; Urteil vom 2. Februar 2012 - 3 StR 321/11, NStZ 2012, 337, 338; siehe auch Nestler MedR 2009, 211, 215 sowie BGH, Urteil vom 8. Mai 1979 - 1 StR 118/79, BGHSt 29, 6, 8 hinsichtlich der Vorgängerregelung § 11 Abs. 1 Nr. 9 Buchst. a BtMG aF).
Der Bundesgerichtshof hat in der Sache damit weitgehend übereinstimmend auch bereits die frühere Regelung in § 11 Abs. 1 Nr. 9 Buchst. a BtMG 1972 dahingehend ausgelegt, dass eine begründete Verschreibung von Betäubungsmitteln durch einen Arzt vorliegt, wenn das Mittel nach den allgemeinen oder weitaus überwiegend anerkannten Regeln der ärztlichen Wissenschaft als Heilmittel für das Leiden des Patienten geeignet ist (BGH, Urteil vom 8. Mai 1979 - 1 StR 118/79, BGHSt 29, 6, 9 mwN; siehe auch BGH, Beschluss vom 17. Mai 1991 - 3 StR 8/91, BGHSt 37, 383, 384).
Ob an der vorgenannten Auslegung auch für das geltende Recht in jeder Hinsicht festgehalten werden kann, bedarf vorliegend keiner Entscheidung (siehe bereits BGH aaO, BGHSt 37, 383, 384).
Allerdings ist bei der Anwendung von § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 Buchst. a BtMG ungeachtet der Konkretisierungen der Bedingungen von Suchttherapien vor allem durch § 5 BtMVV dem Arzt eine gewisse Therapiefreiheit zu belassen (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Mai 1991 - 3 StR 8/91, BGHSt 37, 383, 385; siehe auch bereits BGH, Urteil vom 8. Mai 1979 - 1 StR 118/79, BGHSt 29, 6, 11 f.;… Patzak in Körner/Patzak/Volkmer, aaO, § 29 Teil 15 Rn. 9).
Der Hinweis der Revision auf die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs zum weiten Risikobereich des Arztes bei der Behandlung mit Ersatzdrogen (BGHSt 37, 383; 29, 6) geht fehl.
c) Diese Maßgaben einer zulässigen Substitutionsbehandlung sind aus den §§ 29, 13 BtMG, § 5 BtMVV ohne weiteres ersichtlich, so dass für den Arzt als Adressaten der Strafnorm - den verfassungsrechtlichen Vorgaben entsprechend (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Mai 1991 - 3 StR 8/91, BGHSt 37, 383, 384 f.; Nestler, MedR 2009, 211, 215) - klar erkennbar ist, unter welchen Voraussetzungen er sich durch das Verschreiben eines zur ärztlichen Medikation zugelassenen Substitutionsmittels strafbar macht.
Der Kläger hat zwar fünf Entscheidungen des BSG zur Zulassungsentziehung (…einschließlich des Beschlusses vom 19. Juni 1996, MedR 1997, 86, und des Urteils vom 20. Oktober 2004, BSGE 93, 269 = SozR 4-2500 § 95 Nr. 9 = MedR 2005, 311; die genannte Entscheidung des Bundesgerichtshofs in NJW 1991, 2359 befasst sich hingegen mit der Strafbarkeit nach dem Betäubungsmittelgesetz und nicht mit einer Zulassungsentziehung) aufgeführt und erklärt, sie beträfen alle ein Fehlverhalten bei der unmittelbaren ärztlichen Tätigkeit am Patienten oder deren Abrechnung, aber keine - hier in Rede stehende - Pflichtverletzung außerhalb dieses Bereichs.
LG Regensburg, 09.12.1997 - 2 Qs 43/97
BtMG § 13 Abs. 1, § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 14; BtMVV § 2a Abs. 2
Hierbei hat der Arzt sich an den überwiegend anerkannten Regeln der ärztlichen Wissenschaft zu orientieren (Körner § 13 Rdn 14), jedoch ist er hierbei weder an die Schulmedizin noch an Vorgaben der Bundesärztekammer gebunden (BGH BGHSt 37, 383 = JZ 1992, 103 ff).
Damit unterliegt es allein der Therapiefreiheit des einzelnen Arztes, ob und inwieweit er die Anwendung von Betäubungsmitteln für begründet hält (Körner § 13 Rdn 18; BGH in JZ 1992, 103 [106]).
LSG Schleswig-Holstein, 01.09.1992 - L 6 Ka 10/92
Krankenversicherung; Kostenübernahme; Substitution; Drogensucht; Methadon
Freilich ist die Ansicht des Bundesgerichtshof in dem Urteil vom 17. Mai 1991 (NJW 1991, 2359 ) auf das Vertragsarztrecht grundsätzlich nicht übertragbar.
Die Teilnahme an einer Substitutionsbehandlung belegt nicht, daß Drogenfreiheit nicht zu erreichen sei (vgl. BGH NStZ 1991, 439 (aaO);… Körner BtMG 4. Auflage § 35 Rdn. 85).
Die gesundheitliche Stabilisierung und berufliche Integration sind mit der Methadonvergabe verfolgte Ziele (…vgl. zur Methadondiskussion und Entwicklung der Methadonbehandlung die Darstellung bei Körner, Betäubungsmittelgesetz , 4. Aufl., § 13 Rdnrn. 14 ff.; BGH NJW 1991, 2359 ; BSG vom 20.03.1996, 6 R Ka 6294 - zitiert nach Juris, Newman, in Medikamentengestützte Rehabilitation bei Drogenabhängigen, S. 127 ff., MAGS NRW, 1987).
Die gesundheitliche Stabilisierung und berufliche Integration sind mit der Methadonvergabe verfolgte Ziele (…vgl. zur Methadondiskussion und Entwicklung der Methadonbehandlung die Darstellung bei Körner, Betäubungsmittelgesetz, 4. Aufl., § 13 Rdnrn. 14 ff.; BGH NJW 1991, 2359 [BGH 17.05.1991 - 3 StR 8/91]; BSG vom 20.03.1996, 6 R Ka 6294 - zitiert nach Juris, Newman, in Medikamentengestützte Rehabilitation bei Drogenabhängigen, S. 127 ff., MAGS NRW, 1987).
OVG Niedersachsen, 15.03.1996 - 12 L 7149/95
Fahreignung: Methadon-Substitution;; Beweiserhebung (Notwendigkeit); Fahreignung; …
BayObLG, 10.10.1991 - RReg. 4 St 136/91
LG Kaiserslautern, 10.06.2003 - 6014 Js 7308/00
Unerlaubte Abgabe von Drogen als Substituionsmittel durch einen Arzt

References: § 29
 § 17
 § 29
 § 13
 Art. 103
 § 11
 § 11
 BGH 
 § 29
 § 5
 § 29
 § 5
 § 95
 § 13
 § 29
 § 2
 § 13
 § 13
 BGH 
 BGH 
 § 35
 § 13
 BGH 
 § 13
 BGH