Source: https://www.scribd.com/document/82872178/Bemerkungen-zu-Emanuel-Swedenborg-von-Dr-Johann-Heinrich-Jung-genannt-Stilling-1808
Timestamp: 2017-02-26 22:21:28+00:00

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BrowseInterestsBiography & MemoirBusiness & LeadershipFiction & LiteraturePolitics & EconomyHealth & WellnessSociety & CultureHappiness & Self-HelpMystery, Thriller & CrimeHistoryYoung AdultBrowse byBooksAudiobooksNews & MagazinesSheet MusicBrowse allUploadSign inJoinBemerkungen zu Emanuel Swedenborg von Dr.Johann Heinrich Jung, genannt Stilling aus dem Buch Theorie der Geister-Kunde , Zweytes Hauptstück, Bemerkungen über die menschliche Natur [Seite 90 98]
Ausgabe von 1808 im Verlag der Raw´schen Buchhandlung, Nürnberg
[HIM 1.400820.14] Ja da hätten die namhaftesten Protestanten noch sehr vieles lernen können! Selbst Swedenborg hat in Rom manches erfahren, was ihm erst die Pforte zum inneren Leben ganz bedeutend zu öffnen geholfen hat; denn er war einer, der sich aus allem die Quintessenz zu verschaffen wußte und tatsächlich davon den Nutzen zog. [HIM 2.430516.71] Diese Rede aber haben von Mir auch bekommen: Geiring, Tauler, Tersteegen, Lavater, Stilling und einige andere euch weniger Bekannte; darunter euch nur der Witschel bekannt ist. ± Rom und andere Höfe haben sie wohl auch; aber sehr entstellt.
§ 113 Der merkwürdigste Mann dieser Art war wohl der berühmte Geisterseher Swedenborg, und hier ist der Ort, wo ich seiner etwas ausführlich gedenken muß. Er hatte die natürliche Anlage zum Umgang mit der Geisterwelt, und da so vieles für und gegen diesen außerordentlichen Mann geschrieben und gesprochen wird, so halte ich es für meine Pflicht, die reine Wahrheit von ihm bekannt zu machen, indem ich Gelegenheit gehabt habe, sie lauter und unverfälscht zu erfahren. Swedenborg war der Sohn eines Predigers in Schweden; er hatte einen aufrichtigen redlichen Caracter, und große Anlagen zur Gelehrsamkeit, die er auch benutzte, und sich der Philosophie, Naturgeschichte, vorzüglich aber Mineralogie, Metallurgie, Chymie, und dem Bergbau widmete. Um sich in letzteren Wissenschaften noch mehr zu vervollkommnen, machte er große Reisen durch Europa, kehrte dann wieder in sein Vaterland zurück, wo er ins Bergrathskollegium aufgenommen wurde. Er hat ein paar dicke Folianten philosophischen Inhalts geschrieben, sie enthalten ein tiefgedachtes philosophisches Lehrgebäude, das aber keinen Beyfall gefunden hat. Dann schrieb er auch ein paar starke Foliobände über Kupfer und Eisen, die noch immer ihren anerkannten Werth behaupten. Jedermann ganz unerwartet, geriethe dieser gescheide, gelehrte und fromme Mann in den Umgang mit Geistern; er hatte dieses so gar kein heel, daß er oft an der Tafel, in großen Gesellschaften, mitten unter den vernünftigsten wissenschaftlichen Gesprächen sagte: er habe über diesen oder jenen Punct noch vor kurzem mit dem Apostel Paulus, oder mit Luther, oder mit sonst einer längst verstorbenen Person gesprochen. Daß ihn dann die Anwesenden mit Nase und Mund anstarrten, und anstaunten, und zweifelten, ob er auch noch recht bey Sinnen sey, das läßt sich denken. Indessen gab er denn doch zuweilen Beweise, gegen die sich nichts einwenden läßt. Man hat zwar dieses Erzählungen bestritten, und so gar den guten Mann der Betrügerey beschuldigt, aber dieses Letztere widerspreche
ich laut. Schwedenborg war kein Betrüger, sondern ein frommer christlicher Mann, der aber doch zu Zeiten getäuscht und irre geleitet werden konnte. Drey Beweise, daß er wirklich mit Geistern Umgang hatte, sind allgemein von ihm bekannt. § 114 1.) Die Königin von Schweden setzte ihn dadurch auf die Probe, daß sie ihm auftrug, ihr zu sagen, was sie mit ihrem verstorbenen Bruder, dem Prinzen von Preußen, in Charlottenburg wo ich nicht irre an einem gewissen merkwürdigen Tage gesprochen habe? Nach einiger Zeit ließ sich Swedenborg bey ihr melden, und sagte es ihr; die Königin erschrak heftig darüber, wie sich leicht denken läßt. Man hat diese Geschichte in öffentlichen Blättern bestritten, mir aber hat ein vornehmer Schwede, der übrigens kein Verehrer Swedenborgs war, versichert, daß die Sache, ohne allen Widerspruch, gewisse Wahrheit sey. Er gab mit noch Beweise davon in die Hand, die ich aber bekannt zu machen Bedenken trage, wie das bey dergleichen Geschichten, die auf das Geisterreich Bezug haben, gewöhnlich der Fall ist, indem Leute dadurch compromittiert werden, die man schonen muß. [Anmerkung im Buch: Ein vornehmer würtembergischer Theologe schrieb an die Königin, und fragte sie wegen dieser Sache. Sie antwortete, und bezeugte daß es wahr sey] § 115 2.) Swedenborg kam mit einer Gesellschaft Reisender aus England zu Gothenburg an, hier sagte er, er habe von den Engeln erfahren, daß es gegenwärtig in Stockholm in der und der Gasse brenne es waren Stockholmer Bürger in der Gesellschaft, die darüber betroffen waren; bald hernach kam er zu ihnen, und sagte: sie sollten sich beruhigen, das Feuer sey gelöscht. Den folgenden Tag erfuhren sie, daß sich die Sache genau so verhalten habe. Diese Geschichte ist gewisse Wahrheit. § 116 3.) Einer vornehmen Witwe wurde eine beträchtliche Summe Geldes abgefordert, von der sie gewiß wußte, daß sie ihr verstorbener Mann bezahlt habe, sie konnte aber die Quittung nicht finden. In dieser Noth gieng sie zu Swedenborg und bat ihn ihren Mann zu fragen, wo die Quittung sey? nach einigen Tagen sagte ihr Swedenborg, er habe ihren Mann gesprochen, die Quittung sey in dem oder dem Schrank unten auf dem Boden in einem verborgenen Behälter, wo sie auch alsofort gefunden wurde. Auch diese Thatsache hat man so ausgelegt: Swedenborg habe gewußt wo die Quittung sey, und der Frauen bloß weiß gemacht, er habe es von ihrem Mann erfahren. Daß dies in des frommen Mannes Seele eine moralischen Unmöglichkeit war, das weiß ich gewiß, hätte er die Quittung gewußt, so hätte er es zuverlässig der geängstigten Frauen gleich beym ersten Besuch gesagt. Aber nun muß ich noch einen vierten Erfahrungsbeweis hinzufügen, der noch gar nicht bekannt, und vollkommen so wichtig als einer der vorhergehenden ist. Ich kann die Wahrheit desselben, mit der höchsten Gewißheit verbürgen. § 117
In den siebenziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts war in Elberfeld ein Kaufmann, mit dem ich sieben Jahre meines dortigen Aufenthalts in vertrauter Freundschaft lebte. Er war ein strenger Mystiker im reinsten Verstand. Er sprach wenig, aber was er sagte, war ein goldner Apfel in einer silbernen Schale, um aller Welt Güter willen hätte er es nicht gewagt eine wissentliche Unwahrheit zu sagen. Dieser nunmehr schon längst verklärte Freund, erzählte mir folgende Geschichte. Er verreiste in Handlungs-Geschäften nach Amsterdam, wo sich damals Swedenborg aufhielt. Da er nun vieles von diesem sonderbaren Mann gehört und gelesen hatte, so nahm er sich vor ihn zu besuchen, und ihn näher kennen zu lernen. Er gieng also hin, und fand einen sehr ehrwürdig aussehenden freundlichen Greis, der ihn höflich empfing, und zum Niederstizen nöthigte, nun begann folgenden Gespräch: Der Kaufmann: Bey dieser Gelegenheit, wo ich hier Handlungsgeschäfte zu verrichten habe, konnte ich mir die Ehre nicht versagen, Ihnen, Herr Bergrath, meine Aufwartung zu machen; sie sind mit durch Ihre Schriften ein sehr merkwürdiger Mann geworden. Swedenb.: Darf ich fragen wo sie her sind? Der Kaufm.: Ich bin von Elberfeld, aus dem Herzogthum Berg. Ihr Schriften enthalten so viel Schönes und so viel Erbauliches, daß sie tiefen Eindruck auf mich gemacht haben, aber die Quelle, woraus Sie schöpfen, ist so außerordentlich, so fremd, und ungewöhnlich, daß Sie es dem aufrichtigen Freund der Wahrheit wohl nicht verübeln werden, wenn er unwiderlegbare Beweise fordert, daß Sie wirklichen Umgang mit der Geisterwelt haben. Swedenb.: Es wäre sehr unbillig wenn ich das übel nehmen wollte; aber ich glaube Beweise genug gegeben zu haben, die nicht widerlegt werrden können. Der Kaufm.: Sind das die bekannten, mit der Königin, dem Brand in Stockholm, und der verlegten Quittung? Swedenb.: Ja die sinds, und die sind wahr! Der Kaufm.: Und doch wendet man vieles dagegen ein. Dürfte ich es wohl wagen, Ihnen einen solchen Beweis aufzutragen? Swedenb.: Warum nicht? Von Herzen gerne! Der Kaufm.: Ich hatte ehemals einen Freund, der in Duysburg die Theologie studierte; er bekam aber die Schwindsucht, an der er auch dort starb. Diesen Freund besuchte ich kurz vor seinem Ende, wir hatten ein wichtiges Gespräch miteinander, könnten Sie wohl von ihm erfahren, wovon wir gesprochen haben? Swedenb.: Wir wollen sehen. Wie hieß der Freund? Der Kaufmann sagte ihm den Namen.
Swedenb.: Wie lange bleiben sie noch hier? Der Kaufm.: Etwa acht oder zehn Tage.
Swedenb.: Kommen sie in einigen Tagen einmal wieder zu mir, ich will sehen, ob ich den Freund finden kann. Der Kaufmann gieng nun fort und verrichtete seine Geschäfte. Nach einigen Tagen gieng er mit gespannter Erwartung wieder zu Swedenborg, der ihm lächelnd entgegen kam, und sagte: ich hab Ihren Freund gesprochen, die Materie ihres Discurses ist die Wiederbringung aller Dinge gewesen, und nun sagte Swedenborg dem Kaufmann auf das genaueste, was er, und was der verstorbene Freund behauptet habe. Mein Freund erblaßte, denn dieser Beweis war mächtig und unüberwindlich; er fragte ferner: wie geht es denn meinem Freund, ist er seelig? Swedenborg antwortete ihm: Nein! Er ist noch nicht seelig, er ist noch im Hades, und quält sich noch immer mit der Idee von der Wiederbringung aller Dinge. Diese Antwort setzte meinen Freund in größte Verwunderung. Er erwiderte: Mein Gott auch noch jenseits? Swedenborg versetzte: Ja wohl! Die Lieblings Neigungen und Meynungen gehen mit hinüber, und es geht schwer her bis man ihrer loß wird, dabey soll man sich hier schon davon entledigen. Vollkommen überzeugt verließ mein Freund den merkwürdigen Mann, und reiste wieder nach Elberfeld. Was sagt denn nun der hochaufgeklärte Ungläubige hierzu? Er sagt: Swedenborg sey ein Pfiffikus gewesen, er habe etwa einen geheimen Spion gehabt, der meinen Freund ausgefragt habe; hierauf dient zur freundlichen Antwort: dazu war Swedenborg zu edeldenkend und zu gottsfürchtig, und mein Freund zu gescheid. Dergleichen Ausflüchte gehören unter die Rubrick der Verklärung des Erlösers vermittels Mondscheins. § 118 Daß Swedenborg einen vieljährigen und häufigen Umgang mit den Bewohnern der Geisterwelt gehabt hat, das ist keinem Zweifel mehr unterworfen, und eine ausgemachte Sache. Daß ihn aber auch hin und wieder seine Imagination getäuscht, und daß ihn auch zu Zeiten gewisse Geister unrecht berichtet haben, das ist eben so gewiß. Seine Schriften enthalten ungemein viel Schönes, lehrreiches und Glaubwürdiges, aber auch mit unter hie und da so unbegreiflich läppische und widersinnige Sachen, daß ein geübter Geist der Prüfung dazu erfordert wird, wenn man sie mit Nutzen lesen will. Swendborg´s Haupt-Irrthum war; daß er selbst glaubte, Gott habe im den inneren Sinn geöffnet, und ihn dazu auserkohren, daß er in diesen letzten Zeiten, diese bisher verborgene Geheimnisse bekannt machen, und den Grund zum Reich des Herrn legen sollte. Es läßt sich aber leicht begreifen, wie er zu diesem Irrthum kommen konnte; denn da ihm die Bekanntschaft mit dem Geisterreich so ungesucht, und auf einmal kam, und da er die menschliche Natur noch zu wenig kannte, als daß er hätte vermuthen können, es gebe eine
von den Gesetzen der Natur abweichende Disposition des Körpers, eine Art Krankheit, wodurch man mit dem Geisterreich in Verbindung komme, so konnte es nicht anders seyn, er mußte glauben, diese Offenbarungen kämen unmittelbar von Gott, uns so bald er dies glaubte, so hielt er auch Alles für wahr, was ihm offenbart wurde, und sich selbst also auch für einen von Gott gesandten Propheten. Durch diese Vorstellungen können abscheuliche Irrthümer und Vergehungen entstehen, ohne daß man zu sündigen glaubt, weil man iher Veranlassung für göttliche Befehle hält.
Ein ganz großer Irrtum von Swedenborg ist sein Hinweis, daß das Jüngste Gericht in der geistigen Welt und NICHT AUF ERDEN gehalten würde, der Untergang der derzeitigen Welt nicht mehr stattfinden würde, weil dies schon im geistigen Reich im Jahre 1757 geschehen sei, wo er es gesehen hatte. ..... obgleich der selbe Swedenborg am 27.8.1747 schrieb, daß die Welt durch Feuer untergehen wird, wenn sie sich nicht bekehrt; "dann werden die Meere brausen, Sonne und Mond ihren Schein verlieren usw." Nr. 179 Vom Ende der Welt in "Das geistige Tagebuch" siehe dazu auch Nr. 218!! Auch Johannes sah den Untergang am Ende der Welt in der geistigen Welt, der ja auf uns in aller Kürze nun zukommt, denn es muß ja das erfüllt werden in der Materie, was geschrieben steht von den Propheten und von Aposteln verkündet wurde und auch heute noch von denen, die von Gott auserwählt sind, offenbart und verkündet wird.
Eine weiterer schwerer Irrtum ist in Nr. 480 aus Himmel und Hölle zu finden, wo es heißt: "Daher bleibt der Mensch in Ewigkeit so, wie das Leben seiner Liebe in der Welt gewesen war..." Richtig dagegen ist, daß im Jenseits die Aufwärtsentwicklung unendlich weitergeht, ein jeder Mensch auch dort noch in die vollkommene Seligkeit kommen kann, so er dort seinen Willen ändert und sich dann führen läßt, allerdings kann er nicht mehr zu einem Kind Gottes werden kann, denn dies kann eine Seele nur auf Erden erreichen.
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