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Timestamp: 2019-06-20 19:40:11+00:00

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﻿ ﻿ BAG – 6 AZR 133/15 | bag-urteil.com
NZA-RR 2016, 363	ZTR 2016, 382
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.03.2016, 6 AZR 133/15
Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 30. Oktober 2014 – 8 Sa 637/14 – teilweise aufgehoben.
Auf die Berufung des Klägers wird das Urteil des Arbeitsgerichts Bochum vom 7. November 2013 – 4 Ca 2464/08 – teilweise abgeändert und wie folgt gefasst:
6 AZR 133/15 > Rn 1
6 AZR 133/15 > Rn 2
6 AZR 133/15 > Rn 3
6 AZR 133/15 > Rn 4
6 AZR 133/15 > Rn 5
6 AZR 133/15 > Rn 6
6 AZR 133/15 > Rn 7
6 AZR 133/15 > Rn 8
6 AZR 133/15 > Rn 9
6 AZR 133/15 > Rn 10
6 AZR 133/15 > Rn 11
6 AZR 133/15 > Rn 12
6 AZR 133/15 > Rn 13
6 AZR 133/15 > Rn 14
6 AZR 133/15 > Rn 15
6 AZR 133/15 > Rn 16
6 AZR 133/15 > Rn 17
1. Zum notwendigen Inhalt der Revisionsbegründung gehört grundsätzlich die Angabe derjenigen Umstände, aus denen sich die Rechtsverletzung ergeben soll (§ 72 Abs. 5 ArbGG, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO). Die Revisionsbegründung muss den angenommenen Rechtsfehler des Landesarbeitsgerichts dabei in einer Weise aufzeigen, dass Gegenstand und Richtung des Revisionsangriffs erkennbar sind. Sie hat sich mit den tragenden Gründen des angefochtenen Urteils auseinanderzusetzen (BAG 16. April 2015 – 6 AZR 352/14 – Rn. 14 mwN).
6 AZR 133/15 > Rn 18
6 AZR 133/15 > Rn 19
6 AZR 133/15 > Rn 20
6 AZR 133/15 > Rn 21
6 AZR 133/15 > Rn 22
b) Die Überleitung bereits beschäftigter Ärzte in das neue Tarifsystem wird durch § 4 TVÜ-Ärzte VBGK geregelt. § 4 Abs. 1 TVÜ-Ärzte VBGK enthält bis auf die Differenzierung in Satz 3 keine Tätigkeitsanforderungen, sondern knüpft die Zuordnung zu einer der neuen tariflichen Entgeltgruppen allein an die bisher nach dem BG-AT gewährte Vergütung an (vgl. BAG 25. Januar 2012 – 4 AZR 15/10 – Rn. 21; 21. September 2011 – 4 AZR 828/09 – Rn. 21).
6 AZR 133/15 > Rn 23
6 AZR 133/15 > Rn 24
aa) Dies kommt durch das Wort „dabei“ in § 4 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Ärzte VBGK zum Ausdruck. Hierdurch wird die Stufenzuordnung mit der Eingruppierung verknüpft (vgl. zu § 3 Abs. 1 TVÜ-Ärzte-KF BAG 27. Februar 2014 – 6 AZR 988/11 – Rn. 25). Diese Verbindung gilt nicht nur für die von § 4 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Ärzte VBGK erfassten Ärzte, sondern auch für die in § 4 Abs. 1 Satz 3 und Satz 4 TVÜ-Ärzte VBGK geregelten Überleitungen. Für diese ist keine gesonderte Regelung der Stufenzuordnung ergangen. Die Stufenzuordnung ist im Rahmen der Überleitung demnach bei allen Ärztegruppen mit der Eingruppierung verbunden. Daraus folgt iVm. § 4 Abs. 2 Satz 1 TVÜ-Ärzte VBGK die Anrechnung jedenfalls der im aktuellen Arbeitsverhältnis in der vormaligen Vergütungsgruppe des BG-AT verbrachten Zeit bei der Stufenzuordnung. Der Klammerzusatz „§ 12 TV-Ärzte“ in § 4 Abs. 1 Satz 1 TVÜ-Ärzte VBGK stellt nur den Bezug zur Entgeltordnung des TV-Ärzte VBGK her (vgl. zu § 3 Abs. 1 TVÜ-Ärzte-KF BAG 27. Februar 2014 – 6 AZR 988/11 – Rn. 25).
6 AZR 133/15 > Rn 25
6 AZR 133/15 > Rn 26
6 AZR 133/15 > Rn 27
6 AZR 133/15 > Rn 28
6 AZR 133/15 > Rn 29
6 AZR 133/15 > Rn 30
6 AZR 133/15 > Rn 31
6 AZR 133/15 > Rn 32
aa) Die Eingruppierung des Klägers in die Entgeltgruppe Ä 3 TV-Ärzte VBGK gemäß § 4 Abs. 1 Satz 3 TVÜ-Ärzte VBGK ab dem 1. Januar 2007 ist zwischen den Parteien unstreitig. Der Kläger wurde bis zum 31. Juli 2007 nach Entgeltgruppe Ä 3 Stufe 1 TV-Ärzte VBGK vergütet. Er hatte jedoch bereits seit Januar 2007 einen Anspruch auf Vergütung nach Entgeltgruppe Ä 3 Stufe 2 TV-Ärzte VBGK, weil er unstreitig seit dem 1. Juli 2003 in die Vergütungsgruppe Ia BG-AT eingruppiert war und seine fiktive Stufenlaufzeit gemäß § 4 Abs. 1 Satz 3 iVm. Satz 1 TVÜ-Ärzte VBGK ab diesem Zeitpunkt begann. Nach § 16 Abs. 1 iVm. der Tabelle der Anlage 1 zum TV-Ärzte VBGK erfolgt eine Zuordnung zur Stufe 2 der Entgeltgruppe Ä 3 „ab dem 4. Jahr“, das heißt hier ab dem 1. Juli 2006 als Beginn des 4. Jahres. Eine Vollendung des 4. Jahres wird tariflich nicht vorausgesetzt (vgl. BAG 21. September 2011 – 4 AZR 828/09 – Rn. 44). Zum maßgeblichen Überleitungszeitpunkt (1. Januar 2007) war der Kläger folglich bereits der Stufe 2 der Entgeltgruppe Ä 3 TV-Ärzte VBGK zugeordnet. Die Differenz zu der bezogenen Vergütung nach Entgeltgruppe Ä 3 Stufe 1 TV-Ärzte VBGK beträgt unstreitig 350,00 Euro brutto monatlich. Für die sieben Monate von Januar 2007 bis einschließlich Juli 2007 ergibt sich ein Anspruch des Klägers von insgesamt 2.450,00 Euro brutto.
6 AZR 133/15 > Rn 33
6 AZR 133/15 > Rn 34
6 AZR 133/15 > Rn 35
6 AZR 133/15 > Rn 36
b) Entgegen der Auffassung der Revision ist es unbeachtlich, dass sich die Beklagte nicht auf die Versäumung der tariflichen Ausschlussfrist berufen hat. Bei der Anwendbarkeit einer Ausschlussfrist handelt es sich zwar um eine rechtsvernichtende Einwendung, die vom Schuldner darzulegen ist. Wenn die Anwendbarkeit – wie im Streitfall – jedoch unstreitig ist, hat der Gläubiger die Voraussetzungen der Anspruchserhaltung als anspruchsbegründende Tatsache (wie zB schriftliche Geltendmachung) darzulegen. Unterbleibt dies, ist die Klage unschlüssig. Die Nichteinhaltung der Fristen ist – anders als die Verjährung einer Forderung – eine Einwendung, die „von Amts wegen“ zu beachten ist und auf die sich der Schuldner nicht berufen muss (BAG 27. Juni 2012 – 5 AZR 51/11 – Rn. 27 mwN; 25. Januar 2012 – 4 AZR 15/10 – Rn. 46).
6 AZR 133/15 > Rn 37
6 AZR 133/15 > Rn 38
6 AZR 133/15 > Rn 39
(1) § 32 Abs. 1 Satz 1 TV-Ärzte VBGK stellt hinsichtlich des Fristbeginns auf die Fälligkeit des Anspruchs ab. Dies ist der Zeitpunkt, von dem ab der Gläubiger die Leistung verlangen kann (§ 271 BGB; BAG 19. März 2014 – 5 AZR 252/12 (B) – Rn. 70, BAGE 147, 342). Eine tarifliche Leistung kann nicht verlangt werden, bevor der Tarifvertrag wirksam geworden ist. Da Tarifverträge gemäß § 1 Abs. 2 TVG zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform bedürfen, wird ein Tarifvertrag erst wirksam, wenn die letzte Unterschrift unter den Tarifvertrag vollzogen ist (vgl. ErfK/Franzen 16. Aufl. § 1 TVG Rn. 23). Vor der abschließenden Unterzeichnung des Tarifvertrags kann dieser kein Recht begründen. Folglich kann grundsätzlich vor der Unterzeichnung keine Fälligkeit eintreten, die den Lauf der Ausschlussfrist auslöst (vgl. BAG 20. März 1997 – 6 AZR 865/95 – zu II 2 der Gründe).
6 AZR 133/15 > Rn 40
6 AZR 133/15 > Rn 41
6 AZR 133/15 > Rn 42
(1) Für eine ordnungsgemäße Geltendmachung ist erforderlich, dass der Anspruchsgegner zur Erfüllung eines bestimmten Anspruchs aufgefordert wird. Der Anspruchsteller muss unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass er Inhaber einer nach Grund und Höhe spezifizierten Forderung ist und auf der Erfüllung dieser Forderung besteht. Der Anspruchsgegner muss ausgehend von seinem Empfängerhorizont erkennen können, um welche Forderung es sich handelt. Das setzt voraus, dass der Anspruch seinem Grunde nach hinreichend deutlich bezeichnet und die Höhe des Anspruchs sowie der Zeitraum, für den er verfolgt wird, mit der für den Anspruchsgegner notwendigen Deutlichkeit ersichtlich gemacht wird. Die Art des Anspruchs und die Tatsachen, auf die dieser gestützt wird, müssen erkennbar sein. Liegen diese Voraussetzungen vor, ist eine Bezifferung nicht zwingend erforderlich (vgl. BAG 18. Februar 2016 – 6 AZR 628/14 – Rn. 20; 19. August 2015 – 5 AZR 1000/13 – Rn. 24).
6 AZR 133/15 > Rn 43
6 AZR 133/15 > Rn 44
cc) Eine gesonderte Geltendmachung für die Folgemonate war nicht erforderlich. Bei der streitigen Stufenzuordnung handelt es sich um denselben Sachverhalt iSd. § 32 Abs. 1 Satz 2 TV-Ärzte VBGK. Derselbe Sachverhalt liegt vor, wenn bei unveränderter rechtlicher oder tatsächlicher Lage aus einem bestimmten Tatbestand Ansprüche herzuleiten sind (zu § 70 Satz 2 BAT vgl. BAG 19. Februar 2014 – 10 AZR 620/13 – Rn. 19 mwN; zu § 37 Abs. 1 TV-L vgl. BAG 22. Mai 2012 – 9 AZR 423/10 – Rn. 39). Bei Ansprüchen aus einer bestimmten Stufenzuordnung liegt ein ständig gleicher Grundtatbestand vor (BAG 27. Februar 2014 – 6 AZR 988/11 – Rn. 39 mwN).
6 AZR 133/15 > Rn 45
TV-Ärzte VBGK
TV-Ärzte VBGK (i.d.F.v. 14.06.2007) § 12
TV-Ärzte VBGK (i.d.F.v. 14.06.2007) § 16 Abs. 1
TV-Ärzte VBGK (i.d.F.v. 14.06.2007) § 32 Abs. 1
TVÜ-Ärzte VBGK (i.d.F.v. 14.06.2007) § 4 Abs. 1
TVÜ-Ärzte VBGK (i.d.F.v. 14.06.2007) § 4 Abs. 2 S. 1
NZA-RR 2016, 363
ZTR 2016, 382
Das Urteil BAG – 6 AZR 133/15 wird zitiert in:

References: § 551
 § 4
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 § 3
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 § 3
 § 4
 § 4
 § 16
 § 32
 § 1
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 § 70
 § 37
 § 12
 § 16
 § 32
 § 4
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