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Timestamp: 2020-02-25 23:36:49+00:00

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Kurs­ver­lus­te bei Hybrid­an­lei­hen | Rechtslupe
Kurs­ver­lus­te bei Hybrid­an­lei­hen
Kurs­ver­lus­te aus der Ver­äu­ße­rung von Hybrid­an­lei­hen mit gestuf­ten Zins­ver­spre­chen ohne Lauf­zeit­be­gren­zung, die kei­ne Emis­si­ons­ren­di­te auf­wei­sen, sind nicht gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG steu­er­wirk­sam, da die Vor­schrift auf Wert­pa­pie­re, bei denen kei­ne Ver­men­gung zwi­schen Ertrags- und Ver­mö­gens­ebe­ne besteht und bei denen eine Unter­schei­dung zwi­schen Nut­zungs­ent­gelt und Kurs­ge­winn ohne grö­ße­ren Auf­wand mög­lich ist, kei­ne Anwen­dung fin­det 1.
Nach § 20 Abs. 1 Nr. 7, Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 EStG gehö­ren zu den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen auch die Ein­nah­men aus der Ver­äu­ße­rung oder Abtre­tung von sons­ti­gen Kapi­tal­for­de­run­gen, bei denen die Höhe der Erträ­ge von einem unge­wis­sen Ereig­nis abhängt (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 Buchst. c Alter­na­ti­ve 2 EStG) oder bei denen die Kapi­tal­erträ­ge in unter­schied­li­cher Höhe gezahlt wer­den (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 Buchst. d Alter­na­ti­ve 1 EStG), soweit sie der rech­ne­risch auf die Besitz­zeit ent­fal­len­den Emis­si­ons­ren­di­te ent­spre­chen. Haben die Kapi­tal­for­de­run­gen kei­ne Emis­si­ons­ren­di­te oder weist der Steu­er­pflich­ti­ge sie nicht nach, gilt gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG der Unter­schieds­be­trag zwi­schen dem Ent­gelt für den Erwerb und den Ein­nah­men aus der Ver­äu­ße­rung, Abtre­tung oder Ein­lö­sung als Kapi­tal­ertrag. Dies gilt gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 4 EStG ent­spre­chend bei End­fäl­lig­keit von Kapi­tal­for­de­run­gen.
Ob Wert­pa­pie­re und Kapi­tal­for­de­run­gen dem in § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 Buchst. c und d EStG beschrie­be­nen Typus von Finanz­in­no­va­tio­nen zuzu­ord­nen sind, ist anhand der Ver­hält­nis­se im Zeit­punkt der Emis­si­on der Anla­ge zu prü­fen. Dies ergibt sich aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang der tat­be­stand­li­chen Rege­lung der steu­er­ba­ren Finanz­in­no­va­tio­nen in § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 Buchst. c EStG mit der Rege­lung zur Höhe die­ser Ein­künf­te gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 Halb­satz 2 sowie Satz 2 EStG. Bei­de Merk­ma­le, die Typen­be­schrei­bung wie auch die Vor­ga­ben für die Berech­nung der steu­er­ba­ren Ein­künf­te, bil­den zusam­men den maß­geb­li­chen Steu­er­tat­be­stand. Die gesetz­li­che Aus­rich­tung der Besteue­rung an der Emis­si­ons­ren­di­te bezieht die­sen Steu­er­tat­be­stand auf den Zeit­punkt der Emis­si­on. Folg­lich ist auch die Typen­be­stim­mung auf die Aus­ge­stal­tung der frag­li­chen Wert­pa­pie­re oder Kapi­tal­for­de­run­gen im Zeit­punkt der Emis­si­on zu bezie­hen 2.
Als Emis­si­ons­ren­di­te ist die vom Emit­ten­ten bei der Bege­bung einer Anla­ge, d.h. von vorn­her­ein zuge­sag­te Ren­di­te zu ver­ste­hen, die bis zur Ein­lö­sung des Papiers oder bis zur End­fäl­lig­keit einer Kapi­tal­for­de­rung erzielt wer­den kann 3. Maß­geb­lich ist dabei, dass von vorn­her­ein eine bezif­fer­ba­re Ren­di­te ver­spro­chen wird, die mit Sicher­heit erzielt wer­den kann.
Nach den vor­ste­hend genann­ten Grund­sät­zen haben die hier zu beur­tei­len­den Anlei­hen kei­ne Emis­si­ons­ren­di­te. Sie wei­sen im Zeit­punkt der Emis­si­on bis zum 29.01.2013 zwar eine fes­te Ver­zin­sung von 8,625 % jähr­lich auf. Indes war die Anlei­he zum 30.01.2013 künd­bar und im Fal­le der unter­blie­be­nen Kün­di­gung eine varia­ble Ver­zin­sung vor­ge­se­hen, die nach dem ‑jeder­zeit nach den Ver­hält­nis­sen des Kapi­tal­markts änder­ba­ren- 3‑Mo­nats-EURI­BOR zzgl. eines Risi­ko­auf­schlags von 7,3 % bemes­sen war. Grund­sätz­lich wäre nach dem Wort­laut des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG daher eine Besteue­rung nach der Markt­ren­di­te gebo­ten 4.
Jedoch steht der Geset­zes­zweck dem Ansatz der Markt­ren­di­te ent­ge­gen. Dem­ge­mäß sind die Ver­lus­te des Klä­gers aus der Ver­äu­ße­rung der hier zu beur­tei­len­den Anlei­hen nicht gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ein­kom­mens­min­dernd zu berück­sich­ti­gen.
Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits mit Urteil in BFHE 216, 79, BSt­Bl II 2007, 555 ent­schie­den hat, woll­te der Gesetz­ge­ber mit der Neu­fas­sung des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG durch das Miss­brauchs­be­kämp­fungs- und Steu­er­be­rei­ni­gungs­ge­setz vom 21.12 1993 5 nicht jeg­li­che Wert­ver­än­de­rung im Ver­mö­gens­stamm erfas­sen, son­dern ledig­lich sol­che Kapi­tal­an­la­gen, bei denen an sich steu­er­pflich­ti­ge Zins­er­trä­ge als steu­er­frei­er Wert­zu­wachs kon­stru­iert wer­den 6. Die­se Kapi­tal­an­la­gen mach­ten sich den Umstand zunut­ze, dass nach bis dahin gül­ti­gem Recht im Pri­vat­ver­mö­gen zwi­schen steu­er­pflich­ti­gen Kapi­tal­erträ­gen (z.B. Zin­sen) und steu­er­frei­en Ver­mö­gens­meh­run­gen zu unter­schei­den war 7. Der Gesetz­ge­ber woll­te sicher­stel­len, "dass Vor­tei­le, die unab­hän­gig von ihrer Bezeich­nung und ihrer zivil­recht­li­chen Gestal­tung bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung für die Über­las­sung von Kapi­tal­ver­mö­gen zur Nut­zung erzielt wer­den, zu den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen gehö­ren" 6.
Bei der hier zu beur­tei­len­den Z AG … Anlei­he sind die­se Beson­der­hei­ten nicht gege­ben. Ähn­lich wie bei "ein­fa­chen Floatern" 4 gibt es weder ver­deck­te Zins­er­trä­ge noch eine Ver­men­gung von Ertrags- und Ver­mö­gens­ebe­ne. Der Zins­er­trag liegt viel­mehr offen und ist ohne jede Schwie­rig­keit zu ermit­teln. Der Unter­schied zu "ein­fa­chen Floatern" besteht ledig­lich dar­in, dass bei der Z AG … Anlei­he zunächst ein Zeit­raum mit einer fes­ten Ver­zin­sung vor­ge­se­hen ist, an den sich dann eine varia­ble Ver­zin­sung anschließt, die sich aus dem ‑jeder­zeit ver­än­der­ba­ren- 3‑Mo­nats-EURI­BOR zzgl. eines fes­ten Risi­ko­auf­schlags von 7,3 % zusam­men­setzt. Die Höhe der Ver­zin­sung ist damit ent­schei­dend vom 3‑Mo­nats-EURI­BOR als Refe­renzz­ins­satz abhän­gig; steigt die­ser, erhöht sich die Ver­zin­sung, fällt er, ermä­ßigt sich die Ver­zin­sung. Dass je nach Kapi­tal­markt­ent­wick­lung mit Ände­run­gen des Refe­renzz­ins­sat­zes Kurs­schwan­kun­gen ver­bun­den sind, ver­steht sich von selbst, auch wenn die­se durch den fes­ten Risi­ko­auf­schlag von 7,3 % abge­mil­dert wer­den. Indes wer­den Kurs­ver­än­de­run­gen bei einer Zwi­schen­ver­äu­ße­rung nicht nach § 20 EStG erfasst, son­dern fin­den allen­falls im Rah­men des § 23 EStG Berück­sich­ti­gung. Wenn in der­ar­ti­gen Fäl­len die lau­fen­den Zin­sen stets nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG steu­er­pflich­tig sind, erschließt sich nicht, wes­halb bei Zwi­schen­ver­äu­ße­run­gen Kurs­ge­win­ne/-ver­lus­te nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 EStG ‑anders als bei fest­ver­zins­li­chen Papie­ren- Berück­sich­ti­gung fin­den soll­ten. Denn auf der Grund­la­ge, dass § 20 EStG sys­te­ma­tisch von der objek­ti­ven Unmaß­geb­lich­keit jeg­li­cher Wert­ver­än­de­run­gen der Kapi­tal­an­la­ge, des Ver­mö­gens­stamms, aus­geht, wäre im Streit­fall die steu­er­li­che Abschöp­fung von Kurs­dif­fe­ren­zen im Rah­men von § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 Buchst. c und d, Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG als Abwei­chung vom Bin­nen­sys­tem des § 20 EStG sach­lich nicht gerecht­fer­tigt 8.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2013 – VIII R 42/​12
Fort­füh­rung der Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 20.11.2006 – VIII R 97/​02, BFHE 216, 79, BSt­Bl II 2007, 555[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. dazu im Ein­zel­nen mit diver­sen Nach­wei­sen BFH, Urtei­le vom 13.12 2006 – VIII R 62/​04, BFHE 216, 199, BSt­Bl II 2007, 568; vom 20.11.2006 – VIII R 97/​02, BFHE 216, 79, BSt­Bl II 2007, 555; vom 11.07.2006 – VIII R 67/​04, BFHE 215, 86, BSt­Bl II 2007, 553; vom 13.12 2006 – VIII R 6/​05, BFHE 216, 206, BSt­Bl II 2007, 571[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 216, 199, BSt­Bl II 2007, 568, m.w.N.[↩]
vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 216, 79, BSt­Bl II 2007, 555[↩][↩]
im Ein­zel­nen dazu BFH, Urteil in BFHE 216, 79, BSt­Bl II 2007, 555[↩]
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References: § 20
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