Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/bambushecke-am-nachbargrundstueck-380743
Timestamp: 2020-08-11 01:52:19+00:00

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Bambushecke am Nachbargrundstück | Rechtslupe
Bambushecke am Nachbargrundstück
Bam­bus­he­cke am Nach­bar­grund­stück
Eine Anpflan­zung von Bam­bus (Gat­tung Phyl­lostachys) kann im Sin­ne des baden-würt­tem­ber­gi­schen Nach­bar­rechts als Hecke anzu­se­hen sein, auch wenn Bam­bus im bota­ni­schen Sin­ne den Grä­sern zuzu­rech­nen ist.
Der Nach­bar hat daher einen Anspruch auf Rück­schnitt der Bam­bus­he­cke auf eine Höhe von 1, 80 m gemäß § 12 Abs. 3 NRG, da es sich bei der streit­ge­gen­ständ­li­chen Bam­bus­an­pflan­zung um eine Hecke i. S. v. § 12 NRG han­delt.
Unter einer Hecke ver­steht man eine Grup­pe gleich­ar­tig wach­sen­der Gehöl­ze, die in lan­ger und schma­ler Erstre­ckung in einer Linie anein­an­der gereiht sind. Wesent­lich ist dabei die Geschlos­sen­heit der Pflan­zen­kör­per unter sich, der Ver­bund zu einer wand­ar­ti­gen For­ma­ti­on. Dabei genügt es, wenn der Dicht­schluss erst im Lau­fe der Zeit auf­grund der art­ge­mä­ßen Aus­deh­nung der Pflan­zen erreicht wird [1]. Vor­lie­gend weist die Bam­bus­an­pflan­zung auf einer erheb­li­chen Län­ge ent­lang der Grund­stücks­gren­ze über eine Höhen­aus­deh­nung von meh­re­ren Metern begin­nend knapp über dem Erd­bo­den einen Dicht­schluss auf.
Der Annah­me einer Hecke i. S. v. § 12 Abs. 3 NRG steht auch nicht ent­ge­gen, dass Bam­bus nach den Begriff­lich­kei­ten der Bota­nik den Grä­sern zuzu­ord­nen ist. Der Begriff des „Gehöl­zes“ im Sin­ne der genann­ten Defi­ni­ti­on einer Hecke ist nicht auf sol­che Pflan­zen beschränkt, die auch bio­lo­gisch exakt als „Gehölz“ ein­zu­ord­nen sind. Maß­geb­lich für den Begriff der Hecke ist viel­mehr das äuße­re Erschei­nungs­bild – ins­be­son­de­re die Geschlos­sen­heit – der Anpflan­zung und die vor die­sem Hin­ter­grund bestehen­de Ein­wir­kung auf das Nach­bar­grund­stück, ins­be­son­de­re etwa durch Licht­ent­zug [2].
Über­dies wei­sen die streit­ge­gen­ständ­li­chen Bam­bus-Pflan­zen durch­aus eine Nei­gung zum Ver­hol­zen auf, wenn­gleich die­se nicht zu einer Fes­tig­keit und Starr­heit der ein­zel­nen Trie­be führt, viel­mehr die für Grä­ser typi­sche Bieg­sam­keit erhal­ten bleibt. Inwie­fern die feh­len­de Starr­heit der Bam­bus-Pflan­zen eine hin­sicht­lich der Ein­wir­kun­gen auf das Nach­bar­grund­stück abwei­chen­de Beur­tei­lung recht­fer­ti­gen soll­te, ist weder dar­ge­tan noch sonst ersicht­lich. Der Wort­laut des § 12 NRG ent­hält mit dem Begriff der „Hecke“ kei­ne Begren­zung auf eine bestimm­te Art oder Gat­tung der in Betracht kom­men­den Pflan­zen. Mit dem Wort­laut­ver­ständ­nis des § 12 NRG ist die Annah­me einer Hecke im Fal­le einer den erfor­der­li­chen Dicht­schluss auf­wei­sen­den Bam­bus-Anpflan­zung ohne Wei­te­res in Ein­klang zu brin­gen.
Soweit es sich bei Bam­bus nicht um ein „Gehölz“ im bota­ni­schen Sin­ne han­delt, steht dies der recht­li­chen Wür­di­gung nicht ent­ge­gen. Die­se Ein­ord­nung bezieht sich nur auf den Begriff des Gehöl­zes im bota­ni­schen Sin­ne. Auf Anpflan­zun­gen in die­sem Sin­ne ist der Begriff der Hecke aber – wie aus­ge­führt – nicht beschränkt.
Soweit der beklag­te Nach­bar dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass von den Bam­bus­pflan­zen eine rele­van­te Ver­schat­tung nicht aus­ge­he, erschließt sich dies dem Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in Anbe­tracht des Dicht­schlus­ses der Bam­bus­an­pflan­zung nicht. Über­dies setzt das Bestehen eines Anspruchs aus § 12 Abs. 3 NRG eine kon­kre­te Beein­träch­ti­gung der Nut­zung des Nach­bar­grund­stücks durch Beschat­tung nicht vor­aus. Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch uner­heb­lich, ob das Grund­stück des Nach­brn in dem an die Bam­bus­he­cke angren­zen­den Bereich kies­be­fes­tigt ist oder in sons­ti­ger Wei­se genutzt wird.
Der Anspruch des Klä­gers auf Rück­schnitt ist aller­dings gemäß § 12 Abs. 3 NRG dahin­ge­hend begrenzt, dass eine Ver­pflich­tung des Beklag­ten zum Rück­schnitt in der Zeit vom 01.03.bis 30.09.nicht besteht.
Soweit der Grenz­ab­stand der Bam­bus-Hecke weni­ger als 0, 50 m beträgt, besteht ein Anspruch auf Ent­fer­nung des betref­fen­den Teils der Anpflan­zung.
Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 25. Juli 2014 – 12 U 162/​13
OLG Karls­ru­he, Urteil v.20.12.2012 – 12 U 26/​12; Pel­ka, Das Nach­bar­recht in Baden-Würt­tem­berg, 21. Aufl.2010, Anm. zu § 12 NRG, S. 103; Bruns, NRG Baden-Würt­tem­berg, 2. Aufl.2012, § 12 NRG, Rn. 13[↩]
vgl. zur Ein­ord­nung einer Bam­bus-Anpflan­zung als Hecke: LG Kon­stanz, Urteil v. 07.09.2000 – 1 S 34/​00B, NJOZ 2001, 240; AG Schwet­zin­gen, Urteil v.19.04.2000 – 51 C 39/​00, NJW-RR 2000, 1468; AG Stutt­gart, Urteil v. 12.12.1995 – 11 C 322/​95, RdL 1998, 131; Bruns, a.a.O., § 12 NRG, Rn. 21; Birk, Nach­bar­recht für Baden-Würt­tem­berg, 5. Aufl.2004, § 16 NRG, Fn. 3[↩]
NachbarrechtZaun

References: § 12
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 § 16