Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsverfassungsgesetz_LAG-Duesseldorf_8TaBV76-08.html
Timestamp: 2018-06-21 23:29:12+00:00

Document:
Schlag­worte: Tendenzbetrieb, Betriebsrat, Religionsgemeinschaft
Akten­zeichen: 8 TaBV 76/08
Ent­scheid­ungs­datum: 17.03.2009
1. Dient ein vom gewähl­ten Be­triebs­rat in­iti­ier­tes ar­beits­ge­richt­li­ches Be­schluss­ver­fah­ren der Klärung der Fra­ge, ob für ei­ne ka­ri­ta­ti­ve Ein­rich­tung auch nach Bei­tritt des Ar­beit­ge­bers zum Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che wei­ter­hin das Be­trVG An­wen­dung fin­det, ist an die­sem Ver­fah­ren ei­ne nach kirch­li­chem Recht gewähl­te, par­al­lel agie­ren­de Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nicht im Sin­ne von § 83 Abs. 3 ArbGG be­tei­ligt.
2. Zu den An­for­de­run­gen, die nach § 118 Abs. 2 Be­trVG an die Ein­fluss­nah­memöglich­kei­ten ei­ner Kir­che auf die re­li­giöse Tätig­keit ei­ner ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tung zu stel­len sind, da­mit die­se den Cha­rak­ter ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung ge­winnt.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Essen, Beschluss vom 16.02.2006, 3 BV 3/06
3 BV 3/06
1. des Be­triebs­rat der Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Kran­ken­haus gem. GmbH, ver­tre­ten durch den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den N. B., B.-L.-Str. 21, F.,
Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt M.,
L. str. 46, F.,
2. der Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Kran­ken­haus gGmbH, ver­tre­ten durch die Geschäftsführer Dr. I. und K., B.-L.-Str. 21, F.,
Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte S. u. a.,
N. str. 4 - 10, C.,
hat die 8. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Anhörung vom 16.12.2008
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Schnei­der als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bran­den­busch und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Fran­ke
1. Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 16.02.2006 – Az. 3 BV 3/06 – ab­geändert.
Es wird fest­ge­stellt, dass auf das Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Kran­ken­haus in Es­sen das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz An­wen­dung fin­det.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob es sich bei dem von der Be­tei­lig­ten zu 2) be­trie­be­nen Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Kran­ken­haus in Es­sen um ei­ne ka­ri­ta­ti­ve Ein­rich­tung ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft im Sin­ne des § 118 Abs. 2 Be­trVG han­delt oder ob auf den Be­trieb das Be­trVG an­wend­bar ist.
Die Be­tei­lig­te zu 2) be­treibt seit 1980 das Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Kran­ken­haus. Die Be­tei­lig­te zu 2) ist ei­ne ge­meinnützi­ge GmbH, de­ren al­lei­ni­ge Ge­sell­schaf­te­rin die Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Stif­tung ist. Die­se Stif­tung ist et­wa im Jah­re 1967 ge­gründet wor­den und zwar zu dem Zweck, das Vermögen des Stif­ters Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach zu über­neh­men und für ge­meinnützi­ge Zwe­cke zu ver­wen­den. Die Stif­tung ist in kei­ner Wei­se or­ga­ni­sa­to­risch, recht­lich oder per­so­nell mit ei­ner der Kir­chen der Bun­des­re­pu­blik ver­bun­den. Im Ku­ra­to­ri­um be­fin­det sich kein Re­präsen­tant ei­ner Kir­che, im Vor­stand eben­falls nicht. Der Ar­beit­ge­ber wur­de im Sin­ne der Stif­tungs­zwe­cke als ge­meinnützi­ges Kran­ken­haus oh­ne je­de kirch­li­che Bin­dung geführt. Im Rah­men ei­nes Zer­ti­fi­ka­ti­ons­pro­zes­ses für Kran­kenhäuser im "welt­li­chen" Be­reich hat sich der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ziel­set­zung ge­ge­ben, die ein Leit­bild be­inhal­te­te, das ka­ri­ta­tiv und welt­lich war.
Der Be­tei­lig­te zu 1) ist der aus 15 Mit­glie­dern be­ste­hen­de Be­triebs­rat.
Bis zum 31.12.2005 gehörte die Be­tei­lig­te zu 2) dem pa­ritäti­schen Wohl­fahrts­ver­band an. Auf ih­ren An­trag vom 15.12.2005 wur­de sie am 20.12.2005 als Mit­glied im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land e. V. auf­ge­nom­men (Bl. 93 d. A.), und zwar mit Wir­kung zum 01.01.2006. Auf die Sat­zung der Dia­ko­nie (Bl. 97 ff d. A.) wird eben­so Be­zug ge­nom­men wie auf die „Be­stim­mun­gen über die Min­dest­an­for­de­run­gen an die Sat­zun­gen und die sons­ti­gen Ord­nun­gen der Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land“ (Bl. 311 ff d. A.).
Mit Ge­sell­schaf­ter­be­schluss vom 15.12.2005 wur­de der Ge­sell­schafts­ver­trag (Bl. 166 ff d. A.) wie folgt geändert, wo­bei die Ände­run­gen kur­siv ge­setzt sind:
§ 2 Ge­gen­stand und Zweck des Un­ter­neh­mens
(6) Die Ge­sell­schaft ist Mit­glied des als Spit­zen­ver­band der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge an­er­kann­ten Dia­ko­ni­schen Wer­kes der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land und da­durch zu­gleich dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land an­ge­schlos­sen.
(2) Dem Bei­rat gehören bis zu 5 Per­so­nen an. Sie wer­den von den Ge­sell­schaf­tern be­ru­fen und ab­be­ru­fen. Die Be­ru­fung er­folgt
für die Dau­er von drei Jah­ren. Ei­ne er­neu­te Be­ru­fung ist möglich. Un­ter den Mit­glie­dern müssen min­des­tens zwei Mit­glie­der sein, die dem Be­kennt­nis ei­ner Kir­che an­gehören, die Mit­glied in der Ar­beits­ge­mein­schaft christ­li­cher Kir­chen ist, da­von min­des­tens ein Mit­glied, das ein Amt in Kir­che und Dia­ko­nie im Rhein­land ausübt.
Sat­zungsände­run­gen, die die Zu­ord­nung zum Dia­ko­ni­schen Werk verändern so­wie der Be­schluss über die Auflösung der Ge­sell­schaft wer­den recht­zei­tig vor­her dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land an­ge­zeigt.
Mit Schrei­ben vom 03.01.2006 wand­te die Be­tei­lig­te zu 2) sich so­dann zum ei­nen an die Mit­ar­bei­ter (Bl. 14 d. A.) so­wie zum an­de­ren an die Mit­glie­der des Be­tei­lig­ten zu 1) (Bl. 15 d. A.) und teil­te mit, dass die Man­da­te des Be­triebs­ra­tes so­mit mit Ab­lauf des 31.12.2005 er­lo­schen sei­en und be­rief gleich­zei­tig ei­ne Mit­ar­bei­ter­ver­samm­lung zur Bil­dung ei­nes Wahl­vor­stan­des zur Wahl ei­ner Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung ein. Die­se fand am 01.03.2006 statt; seit­dem berück­sich­tigt die Be­tei­lig­te zu 2) die Mit­be­stim­mungs­rech­te so­wohl der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung als auch die­je­ni­gen des Be­tei­lig­ten zu 1).
In den seit dem Jah­re 2006 auf­ge­ge­be­nen ex­ter­nen Stel­len­aus­schrei­bun­gen weist die Be­tei­lig­te zu 2) auf ih­re Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land hin; sie sei „als evan­ge­li­sches Kran­ken­haus in den dia­ko­ni­schen Auf­trag der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land ein­ge­bun­den“. Mit neu ein­tre­ten­den Mit­ar­bei­tern schließt die Be­tei­lig­te zu 2) stan­dardmäßig Dienst­verträge ab, die in § 2 ei­ne Ver­wei­sungs­klau­sel auf die Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en (AVR EKD) für Ein­rich­tun­gen, die dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land an­ge­schlos­sen sind, enthält. Die Kon­fes­si­ons­zu­gehörig­keit des Ar­beit­neh­mers fin­det im Dienst­ver­trag Erwähnung. Des­sen vor § 1 be­find­li­che Präam­bel lau­tet wie folgt:
„Das Al­fried Krupp Kran­ken­haus ist dem Dia­ko­ni­schen Werk an­ge­schlos­sen. Die Dia­ko­nie ist Le­bens- und We­sensäußerun­gen der Evan­ge­li­schen Kir­che. Al­le in ih­ren An­stal­ten und Ein­rich­tun­gen täti­gen Mit­ar­bei­ter die­nen dem Ge­samt­werk christ­li­cher Nächs­ten­lie­be. Sie leis­ten auch ih­re be­ruf­li­che Ar­beit in die­ser Ziel­set­zung und bil­den oh­ne Rück­sicht auf ih­re ar­beits­recht­li­che Stel­lung ei­ne Dienst­ge­mein­schaft. Auf die­ser Grund­la­ge wird der nach­ste­hen­de Ver­trag ge­schlos­sen.“
Im In­tra­net der Be­tei­lig­ten zu 2) sind nach wie vor „Fra­gen und Ant­wor­ten hin­sicht­lich des Bei­tritts des Al­fried Krupp Kran­ken­hau­ses zum Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land“ ab­ruf­bar (Bl. 422 d.A.). Dar­in heißt es un­ter an­de­rem, die Ent­schei­dun­gen im AKK würden durch die Geschäftsführung und die glei­chen Gre­mi­en wie vor dem Bei­tritt zur Dia­ko­nie ge­trof­fen. Nie­mand müsse im AKK sei­ne Kon­fes­si­on ändern oder der Kir­che bei­tre­ten.
Am 14.03.2007 kon­sti­tu­ier­te sich der in § 11 des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges ge­nann­te Bei­rat. Ihm gehören mo­men­tan vier Mit­glie­der an, von de­nen drei Ämter bzw. Funk­tio­nen in­ner­halb der Evan­ge­li­schen Kir­che ausüben (zwei Pfar­rer, ein Pres­by­ter). Der Bei­rat tagt et­wa ein- bis zwei­mal im Jahr. Der Bei­rat setz­te nach Ab­stim­mung mit der Geschäftsführung der Be­tei­lig­ten zu 2) am 04.06.2007 die „Grundsätze zum Verständ­nis und zur Durchführung der Seel­sor­ge im Kran­ken­haus“ in Kraft, we­gen de­ren In­halts auf Blatt 406 d.A. ver­wie­sen wird. Be­reits zu­vor hat­te die Be­tei­lig­te zu 2) un­ter dem 03.05.2007 ei­ne „Erklärung zur An­wen­dung des Dia­ko­ni­schen Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce Ko­dex (DGK)“ ab­ge­ge­ben; dem stimm­te die Ge­sell­schaf­te­rin der Be­tei­lig­ten zu 2) am 15.05.2007 zu. Der DGK „be­schreibt we­sent­li­che Grund­la­gen zur Stärkung der dia­ko­ni­schen Ein­rich­tungs­kul­tur, ins­be­son­de­re durch Op­ti­mie­rung der Lei­tung und Über­wa­chung dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen“, we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Erklärung wird auf Bl. 408 ff. d.A. Be­zug ge­nom­men. Über­dies veränder­te die Be­tei­lig­te zu 2) das Leit­bild für das von ihr be­trie­be­ne Kran­ken­haus; es heißt nun­mehr un­ter an­de­rem wie folgt:
„Das Al­fried Krupp Kran­ken­haus ist als evan­ge­li­sches Kran­ken­haus in den dia­ko­ni­schen Auf­trag der evan­ge­li­schen Kir­che in Rhein­land ein­ge­bun­den. Al­le Mit­ar­bei­ter ach­ten die christ­lich ethi­schen Grund­wer­de – Nächs­ten­lie­be, Men­sch­lich­keit, Re­spekt, Ehr­lich­keit, To­le­ranz und ge­gen­sei­ti­ges Ver­trau­en – in der tägli­chen Ar­beit und im Um­gang mit al­len Men­schen. Die Zu­sam­men­ar­beit mit Men­schen an­de­rer Kon­fes­sio­nen, Re­li­gio­nen und ver­schie­de­ner Na­tio­na­litäten se­hen wir im Ein­klang mit der christ­li­chen Aus­rich­tung des Kran­ken­hau­ses.“
Im De­zem­ber 2006 er­warb die Be­tei­lig­te zu 2) die An­tei­le zwei­er evan­ge­li­scher Kir­chen­ge­mein­den so­wie des Evan­ge­li­schen Stadt­kir­chen­ver­bands Es­sen an der Evan­ge­li­sches Kran­ken­haus Lu­ther­haus gGmbH. Das Lu­ther­kran­ken­haus wird zwi­schen­zeit­lich un­ter dem Na­men Al­fried Krupp Kran­ken­haus Stee­le be­trie­ben.
Im Kran­ken­haus der Be­tei­lig­ten zu 2) in Rütten­scheid ar­bei­ten je ein evan­ge­li­scher und ka­tho­li­scher Seel­sor­ger. Von den Kos­ten für den evan­ge­li­schen Seel­sor­ger trägt die Be­tei­lig­te zu 2) seit dem Jah­re 2001 50%. Die Seel­sor­ger bie­ten für Pa­ti­en­ten und Mit­ar­bei­ter re­gelmäßig Gesprächs- und Ge­bets­krei­se an. Für neue Mit­ar­bei­ter wer­den Einführungs­got­tes­diens­te an­ge­bo­ten; die Teil­nah­me hier­an ist frei­wil­lig. Wei­te­re evan­ge­li­sche und ka­tho­li­sche Got­tes­diens­te fin­den in der auf dem Kran­ken­haus­gelände ge­le­ge­nen Hof­ka­pel­le statt.
Mit dem am 12.01.2006 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trag be­gehrt der Be­tei­lig­te zu 1) die Fest­stel­lung, dass die Vor­schrif­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes wei­ter­hin An­wen­dung fin­den.
Es bestünden er­heb­li­che Be­den­ken ge­gen die Ernst­haf­tig­keit der "Hin­wen­dung" der Be­tei­lig­ten zu 2) zur Kir­che. Eben­so dar­an, ob in der Kran­ken­haus­ein­rich­tung "das kirch­li­che Pro­pri­um" in ei­ner Wei­se ge­wahrt sei, dass sich ih­re Zu­ord­nung zur Kir­che recht­fer­ti­ge. Zwi­schen den Be­tei­lig­ten sei es in den letz­ten Jah­ren zu zahl­rei­chen ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren
ge­kom­men, in de­nen es um die Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­tei­lig­ten zu 1), die Ein­hal­tung von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen etc. ge­gan­gen sei. Aus all die­sen Umständen sei zu schließen, dass der al­lei­ni­ge Zweck der Maßnah­me des Ar­beit­ge­bers das Her­aus­fal­len des Be­trie­bes aus dem
Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, die ju­ris­ti­sche Ab­schaf­fung des Be­triebs­ra­tes und der Weg­fall der Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sei. Die im Ge­sell­schafts­ver­trag der Be­tei­lig­ten zu 2) vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen und Ergänzun­gen erfüll­ten nicht an­satz­wei­se die "Be­stim­mun­gen über die Min­dest­an­for­de­run­gen" der Dia­ko­nie.
fest­zu­stel­len, dass auf den Be­trieb des Ar­beit­ge­bers die Vor­schrif­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes An­wen­dung fin­den.
den Be­tei­lig­ten zu 1) mit dem An­trag ab­zu­wei­sen.
Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten:
So­weit der Be­tei­lig­te zu 1) mut­maße, dass das Her­aus­fal­len des Be­trie­bes aus dem An­wen­dungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes und da­mit sein ei­ge­ner Exis­tenz­ver­lust ihn - den Ar­beit­ge­ber - zum Ein­tritt in die Dia­ko­nie be­wegt ha­be, neh­me sich der Be­tei­lig­te zu 1) ein­deu­tig zu wich­tig und un­ter­lie­ge zu­gleich ei­nem er­heb­li­chem Irr­tum. Vor­lie­gend ha­be die Kir­che ihn - den Ar­beit­ge­ber - durch die Dia­ko­nie und die Mit­glied­schaft als ei­ne ihr zu­gehöri­ge (ka­ri­ta­ti­ve) Ein­rich­tung an­er­kannt. Be­reits da­mit sei § 118 Abs. 2 Be­trVG ein­schlägig, denn aus der Mit­glied­schaft in der Dia­ko­nie er­ge­be sich nicht nur ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ver­bin­dung, son­dern auch ei­ne in­halt­li­che An­er­ken­nung des kirch­li­chen Zwecks der Ein­rich­tung. Mit der Mit­glied­schaft in der Dia­ko­nie sei zu­gleich der teil­wei­se ge­for­der­te ord­nen­de Ein­fluss der Kir­che auf die Ein­rich­tung si­cher­ge­stellt. Be­reits die Ein­flussmöglich­keit mit ver­eins­recht­li­chen Mit­teln stel­le ei­ne aus­rei­chen­de in­sti­tu­tio­nel­le Ver­bin­dung
zwi­schen der Kir­che und der hier vor­lie­gen­den ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tung dar. Die Vor­ga­be der Min­dest­an­for­de­run­gen ha­be er um­ge­setzt. Auf sei­ne Mo­ti­ve käme es nicht an, denn hier ge­he es um das durch das Grund­ge­setz geschütz­te Selbst­be­stim­mungs- und Selbst­ver­wal­tungs­recht der Kir­che.
Mit Be­schluss vom 16.02.2006 hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag zurück­ge­wie­sen. Auf die zulässi­ge Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten zu 1) hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt mit Be­schluss vom 29.08.2006 die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung auf­ge­ho­ben und fest­ge­stellt, dass auf den Kran­ken­haus­be­trieb der Be­tei­lig­ten zu 2) das Be­trVG An­wen­dung fin­de. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen dar­auf ab­ge­stellt, dass es am er­for­der­li­chen Min­dest­maß an Ein­flussmöglich­kei­ten der Amts­kir­che auf die von der Be­tei­lig­ten zu 2) be­trie­be­ne Ein­rich­tung feh­le. Ins­be­son­de­re blei­be der Ge­sell­schafts­ver­trag der Be­tei­lig­ten zu 2) hin­ter den für die Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks gel­ten­den Min­dest­an­for­de­run­gen zur Sat­zungs­ge­stal­tung zurück. Über die bloßen ver­eins­recht­li­chen In­stru­men­te – bis hin zum Aus­schluss – könn­te die Dia­ko­nie kei­ne in­halt­li­chen Vor­ga­ben durch­set­zen. Auf die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­ne Rechts­be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit Be­schluss vom 05.12.2007 (Az. 7 ABR 72/06) die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz auf­ge­ho­ben und das Ver­fah­ren zur er­neu­ten Anhörung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat aus­geführt, tatsächlich be­gründe­ten we­der die Mit­glied­schaft der Be­tei­lig­ten zu 2) im Dia­ko­ni­schen Werk als sol­che und des­sen Sat­zung noch der Ge­sell­schafts­ver­trag der Be­tei­lig­ten zu 2) ei­ne hin­rei­chen­de, ei­ner Zu­ord­nung nach § 118 Abs. 2 Be­trVG genügen­de Bin­dung an den Auf­trag der Evan­ge­li­schen Kir­che. Un­abhängig da­von könne es je­doch sein, dass es an­de­re tatsächli­che Ein­flussmöglich­kei­ten der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land ge­be, auf­grund de­rer ei­ne dau­er­haf­te Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung des Kran­ken­hau­ses mit kirch­li­chen Vor­stel­lun­gen zu gewähr­leis­ten sei. Dies ha­be das Lan­des­ar­beits­ge­richt auf­zuklären und ei­ner ab­sch­ließen­den Würdi­gung zu un­ter­zie­hen.
Der Be­tei­lig­te zu 1) hat nach Zurück­ver­wei­sung ergänzend vor­ge­tra­gen: Die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­for­der­te Ein­fluss­nah­memöglich­keit in re­li­giösen Fra­gen be­tref­fe nicht nur die rein seel­sor­ge­ri­schen Tätig­kei­ten, son­dern auch den wirt­schaft­li­chen, or­ga­ni­sa­to­ri­schen und per­so­nel­len Be­reich, so­weit hier re­li­giöse As­pek­te Grund­satz- oder Ein­zel­ent­schei­dun­gen be­ein­flus­sen könn­ten. Im Hin­blick dar­auf sei den von der Be­tei­lig­ten zu 2) zwi­schen­zeit­lich vor­ge­brach­ten Umständen nichts zu ent­neh­men, was für die Kirch­lich­keit des Al­fried-Krupp-Kran­ken­hau­ses spre­che. Ins­be­son­de­re ha­be der sehr spät ge­gründe­te Bei­rat der Be­tei­lig­ten zu 2) kei­ne Ak­ti­vitäten ent­fal­tet, die als „Min­dest­maß an Ord­nungs- und Ver­wal­tungstätig­keit“ auf­ge­fasst wer­den könn­ten. Ei­ne re­gelmäßige Mit­glied­schaft von Geschäfts­lei­tern, lei­ten­den An­ge­stell­ten und Ärz­ten in ei­ner der christ­li­chen Kir­chen wer­de be­strit­ten. Über­haupt stel­le das Be­kennt­nis zu ei­ner der christ­li­chen Kir­chen er­sicht­lich kei­ne Vor­aus­set­zung für ein Ar­beits­verhält­nis mit der Be­tei­lig­ten zu 2) dar. Bei der Über­nah­me des Lu­ther­kran­ken­hau­ses durch die Be­tei­lig­te zu 2) sei es er­sicht­lich um rein be­triebs­wirt­schaft­li­che Erwägun­gen ge­gan­gen; die Be­tei­lig­te zu 2) ha­be sich nur ver­pflich­ten müssen, „das Kreuz auf dem Dach“ zu las­sen. Die Um­be­nen­nung des Hau­ses in Al­fried Krupp Kran­ken­haus Stee­le stel­le ei­nen Bruch mit ei­ner kirch­li­chen Tra­di­ti­on dar.
den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 16.02.2006 ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass auf den Be­trieb der Be­tei­lig­ten zu 2) die Vor­schrif­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes An­wen­dung fin­den.
Die Be­tei­lig­te zu 2) meint, die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung sei am Be­schluss­ver­fah­ren zu be­tei­li­gen. Er­ge­be sich hier­in nämlich die An­wend­bar­keit des Be­trVG, verlöre die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung au­to­ma­tisch ihr Man­dat. In der Sa­che sei dem Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 05.12.2007 zu ent­neh­men, dass kei­ne ho­hen Hürden für die An­er­ken­nung ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung im Sin­ne des § 118 Abs. 2 Be­trVG bestünden. Das Ent­fal­ten ei­nes Min­dest­maßes an Ord­nungs- und Ver­wal­tungstätig­keit er­for­de­re kei­nen maßgeb­li­chen oder be­herr­schen­den Ein­fluss. Die Dia­ko­nie müsse le­dig­lich die Möglich­keit ha­ben, sich in re­li­giösen Fra­gen durch­zu­set­zen, das heißt ei­ne Be­hand­lung und Pfle­ge im Geist der Dia­ko­nie zu gewähr­leis­ten. Ge­ra­de das wol­le aber auch die Be­tei­lig­te zu 2), wie et­wa den di­ver­sen Pu­bli­ka­tio­nen, Stel­len­an­zei­gen etc. zu ent­neh­men sei. Sie be­haup­tet, eben we­gen der glaub­haf­ten Ver­mitt­lung der Ernst­haf­tig­keit des Wil­lens, dem dia­ko­ni­schen Auf­trag der Kir­che die­nen zu wol­len, ha­be das Dia­ko­ni­sche Werk die Be­tei­lig­te zu 2) auf­ge­nom­men, ob­wohl der Ge­sell­schafts­ver­trag hin­ter den Min­dest­an­for­de­run­gen an Sat­zun­gen der Mit­glie­der zurück­ge­blie­ben sei. Als Ver­trau­ens­be­weis der Kir­che sei auch die Veräußerung der An­tei­le an Lu­ther­kran­ken­haus zu wer­ten. Im Übri­gen gehörten ih­re Geschäftsführer, sämt­li­che Mit­glie­der der Be­triebs­lei­tung des Kran­ken­hau­ses, der Ärzt­li­che Di­rek­tor und des­sen Stell­ver­tre­ter, der Ver­wal­tungs­di­rek­tor, die Pfle­ge­di­rek­to­rin und die neu ein­ge­stell­te Per­so­nal­lei­te­rin der Evan­ge­li­schen Kir­che an. Bei Neu­ein­stel­lun­gen spie­le die Zu­gehörig­keit zu ei­ner der christ­li­chen Kir­chen je­den­falls in­so­weit ei­ne Rol­le, als sie bei glei­cher Qua­li­fi­ka­ti­on den Aus­schlag zu­guns­ten ei­nes kir­chen­an­gehöri­gen Be­wer­bers ge­be. Nicht­kon­fes­sio­nel­len Be­wer­bern würde der Bei­tritt zu ei­ner der christ­li­chen Kir­chen an­ge­dient.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den be­tei­lig­ten ge­wech­sel­ten Schriftsätze, die zu den Ak­ten ge­reich­ten Un­ter­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen ers­ter und zwei­ter In­stanz Be­zug ge­nom­men.
Die bei der Be­tei­lig­ten zu 2) ge­bil­de­te Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung ist nicht am vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren be­tei­ligt.
Nach § 83 Abs. 3 ArbGG sind in ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren ne­ben, dem An­trag­stel­ler, dem Ar­beit­ge­ber und den Ar­beit­neh­mern die­je­ni­gen Stel­len an­zuhören, die nach dem Be­trVG oder den an­de­ren in die­ser Norm ge­nann­ten Ge­set­zen im Ein­zel­fall be­tei­ligt sind. Als Be­tei­lig­te in An­ge­le­gen­hei­ten des Be­trVG ist je­de Stel­le an­zu­se­hen, die durch die be­gehr­te Ent­schei­dung in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist. Die Be­tei­lig­ten­stel­lung ist ma­te­ri­ell-recht­lich de­ter­mi­niert und hängt da­her nicht vom Wil­len des Be­trof­fe­nen oder von Hand­lun­gen des Ge­richts ab. Das bloße In­ter­es­se an der Klärung ei­ner um­strit­te­nen Rechts­fra­ge be­gründet kei­ne Be­tei­lig­ten­stel­lung (BAG, Be­schluss vom 05.12.2007 – 7 ABR 72/06 un­ter Hin­weis auf – et­wa – Be­schluss vom 18.04.2007 – 7 ABR 30/06, EzA ArbGG 1979 § 82 Nr. 2, vom 20.04.1999 – 1 ABR 13/98, BA­GE 91, 235).
Nach die­sen Grundsätzen kommt der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung kei­ne Be­tei­lig­ten­stel­lung zu.
a. Die bei der Be­tei­lig­ten zu 2) gewähl­te Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung be­sitzt kei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che oder auf Ba­sis ei­ner der an­de­ren in § 83 Abs. 3 ArbGG ge­nann­ten Nor­men ver­mit­tel­te Rechts­stel­lung. Das Be­trVG re­gelt we­der Rech­te ei­ner Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nach kirch­li­chem Recht, noch schließt es sie aus. Ins­be­son­de­re lässt sich dem Be­trVG selbst kei­ne Aus­sa­ge des In­halts ent­neh­men, dass in ei­nem sei­nen Gel­tungs­be­reich un­ter­fal­len­den Be­trieb ne­ben dem Be­triebs­rat auf
fa­kul­ta­ti­ver Ba­sis kei­ne wei­te­ren Mit­be­stim­mungs­or­ga­ne eta­bliert wer­den können, so­lan­ge hier­durch die Exis­tenz und die Funk­ti­on des Be­triebs­rats, die durch die ge­setz­lich nie­der­ge­leg­ten Mit­be­stim­mungs­rech­te ge­prägt wird, kei­ne Be­ein­träch­ti­gung er­fah­ren. §§ 118, 130 Be­trVG be­stim­men nur, in wel­chen Be­trie­ben das Be­trVG nicht gilt. Die von der Be­tei­lig­ten zu 2) be­haup­te­te Ge­fahr des Man­dats­ver­lus­tes der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung folg­te da­her im Er­geb­nis nicht aus ei­ner Ent­schei­dung des Ge­richts über ei­nen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Sach­ver­halt, son­dern aus ei­ner au­to­no­men und grund­rechts­geschütz­ten Ent­schei­dung der Evan­ge­li­schen Kir­che, für kirch­li­che Be­trie­be die Bil­dung ei­ner Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung über­haupt vor­zu­se­hen, die­ser aber das Man­dat zu ver­sa­gen, wenn der Be­trieb von der staat­li­chen Recht­spre­chung als dem Be­trVG un­ter­fal­lend an­ge­se­hen wird. In die­sem Sin­ne ist die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung durch die Ent­schei­dung im vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren auch nicht un­mit­tel­bar, son­dern nur mit­tel­bar be­trof­fen.
b. Tatsächlich ver­mag die Kam­mer nicht zu er­ken­nen, auf­grund wel­cher Norm im Be­trVG oder im ein­schlägi­gen Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tungs­ge­setz für die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land (MVG) ein zwin­gen­des Ex­klu­si­vitäts­verhält­nis zwi­schen Be­triebs­rat und Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung an­zu­neh­men sein soll. Das MVG knüpft hin­sicht­lich sei­nes Gel­tungs­be­reichs in § 1 Abs. 2 an den An­schluss der be­tref­fen­den Ein­rich­tung an die glied­kirch­li­che Dia­ko­nie an, der durch Mit­glied­schaft her­bei­geführt wird (vgl. Fey-Reh­ren, MVG-EKD, § 1 Grund­satz Rdz. 7). An die­ser Mit­glied­schaft der Be­tei­lig­ten zu 2) im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land e.V. änder­te sich in­des durch ei­ne Ent­schei­dung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nichts (vgl. hier­zu den Zurück­ver­wei­sungs­be­schluss des BAG im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren, dort Rdz. 24). Dass das par­al­le­le Agie­ren von Be­triebs­rat und Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung im Übri­gen prak­ti­sche Pro­ble­me und ge­le­gent­li­chen
Ko­or­di­nie­rungs­be­darf mit sich bringt, trifft zwar zu, recht­fer­tigt aber grundsätz­lich nicht ei­nen der­art gra­vie­ren­den Ein­griff, wie ihn die Ab­er­ken­nung der Exis­tenz­be­rech­ti­gung ei­ner Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung dar­stell­te; ein­mal ganz ab­ge­se­hen von der Fra­ge, wo­her ei­nem staat­li­chen Ge­richt in An­se­hung des in Art. 140 GG iVm Art 137 Abs. 3 WRV ga­ran­tier­ten Selbst­ord­nungs- und Selbst­ver­wal­tungs­rechts der Kir­chen ei­ne ent­spre­chen­de Kom­pe­tenz zu­kom­men soll­te. Ob von die­sem Grund­satz ei­ne Aus­nah­me zu ma­chen wäre, wenn das Ne­ben­ein­an­der bei­der Gre­mi­en zu ei­ner ge­gen­sei­ti­gen Blo­cka­de und de fac­to dem Feh­len ei­ner je­den funk­ti­onsfähi­gen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung führ­te, be­darf je­den­falls vor­lie­gend kei­ner Erörte­rung. Wie die be­trieb­li­che Pra­xis bei der Be­tei­lig­ten zu 2) zeigt, war die­se seit März 2006 of­fen­sicht­lich in der La­ge, die Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­tei­lig­ten zu 1) aus dem Be­trVG wie auch die­je­ni­gen der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung nach dem MVG par­al­lel zu be­ach­ten.
c. Das ge­fun­de­ne Er­geb­nis deckt sich mit der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Die­ses hat die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung am Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren zum Az. 7 ABR 72/06 als nicht be­tei­ligt an­ge­se­hen, ob­wohl ihm die Exis­tenz der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung be­kannt war (vgl. Rdz. 11 des Be­schlus­ses vom 05.12.2007). Die Be­tei­lig­ten­stel­lung ist auch in der Rechts­be­schwer­de­instanz von Amts we­gen zu prüfen (Ger­mel­mann u.a.-Mat­thes, ArbGG, 6. Auf­la­ge, § 83 Rdz. 27).
Die Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten zu 1) ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 16.02.2006 ist zulässig und be­gründet.
We­gen der Zulässig­keit der Be­schwer­de so­wie der Zulässig­keit des Fest­stel­lungs­an­trags wird auf die Ausführun­gen des Ge­richts im Be­schluss vom 29.08.2006 – un­ter II., Bl. 8 f. – Be­zug ge­nom­men.
Auf das von der Be­tei­lig­ten zu 2) be­trie­be­ne Al­fried Krupp Kran­ken­haus in Es­sen-Rütten­scheid fin­det das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz An­wen­dung. Bei die­sem Kran­ken­haus han­delt es sich zwar um ei­ne ka­ri­ta­ti­ve, nicht aber um ei­ne kirch­li­che Ein­rich­tung im Sin­ne des § 118 Abs. 2 Be­trVG. Auch nach er­neu­ter Anhörung der Be­tei­lig­ten und wei­te­rer Aufklärung des Sach­ver­hal­tes im Hin­blick auf die tatsächli­chen Ver­knüpfun­gen der Be­tei­lig­ten zu 2) mit dem Dia­ko­ni­schen Werk bzw. der Evan­ge­li­schen Kir­che und ih­ren An­gehöri­gen so­wie die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se im ein­zel­nen steht zur Über­zeu­gung der Kam­mer fest, dass das für ei­ne Zu­ord­nung nach § 118 Abs. 2 Be­trVG not­wen­di­ge Maß an Ein­fluss­nah­me der Evan­ge­li­schen Kir­che auf die re­li­giöse Tätig­keit im Kran­ken­haus nicht ge­ge­ben ist.
Nach § 118 Abs. 2 Be­trVG fin­det das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz kei­ne An­wen­dung auf Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und de­ren ka­ri­ta­ti­ve und er­zie­he­ri­sche Ein­rich­tun­gen un­be­scha­det de­ren Rechts­form. Die Be­stim­mung ist Aus­fluss des den Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten durch Art. 140 GG iVm Art. 137 Abs. 3 WRV gewähr­leis­te­ten Rechts, ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken der für al­le gel­ten­den Ge­set­ze selbst zu ord­nen und zu ver­wal­ten. Un­ter § 118 Abs. 2 Be­trVG fal­len nicht nur die or­ga­ni­sier­te Kir­che und ih­re recht­lich selbständi­gen Tei­le, son­dern al­le der Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn die Ein­rich­tung nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­ren
Auf­ga­ben ent­spre­chend be­ru­fen ist, ein Stück Auf­trag der Kir­che in die­ser Welt wahr­zu­neh­men und zu erfüllen. Für die Zu­ord­nung ei­ner recht­lich selbständi­gen Ein­rich­tung zur Kir­che ist al­ler­dings nicht aus­rei­chend, dass die Ein­rich­tung ih­rem Zweck nach auf die Ver­wirk­li­chung ei­nes kirch­li­chen Auf­trags ge­rich­tet ist. Aus dem Verhält­nis von § 118 Abs. 2 Be­trVG zu Art. 140 GG iVm Art. 137 Abs. 3 WRV folgt da­ne­ben noch die Not­wen­dig­keit ei­ner aus­rei­chen­den in­sti­tu­tio­nel­len Ver­bin­dung zwi­schen der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft und der Ein­rich­tung. Die­se setzt ein Min­dest­maß an Ord­nungs- und Ver­wal­tungstätig­keit der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft über die Ein­rich­tung vor­aus. Die Kir­che muss über ein Min­dest­maß an Ein­flussmöglich­kei­ten verfügen, um auf Dau­er ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit ih­ren Vor­stel­lun­gen gewähr­leis­ten zu können. Der ord­nen­de Ein­fluss der Kir­che be­darf zwar kei­ner sat­zungsmäßigen Ab­si­che­rung, die Kir­che muss aber in der La­ge sein, ei­nen et­wai­gen Dis­sens in re­li­giösen An­ge­le­gen­hei­ten zwi­schen ihr und der Ein­rich­tung zu un­ter­bin­den. Be­ste­hen da­nach aus­rei­chen­de in­halt­li­che und per­so­nel­le Ein­flussmöglich­kei­ten auf die re­li­giöse Tätig­keit der Ein­rich­tung, ist das tatsächli­che Maß der Ein­fluss­nah­me oder Kon­trol­le durch die Amts­kir­che oh­ne Be­deu­tung für die Zu­ord­nung nach § 118 Abs. 2 Be­trVG. Das Vor­lie­gen ei­ner in­sti­tu­tio­nel­len Ver­bin­dung zwi­schen der Kir­che und der Ein­rich­tung be­ur­teilt sich nach dem Ein­fluss der ver­fass­ten Kir­che in den Or­ga­nen der Ein­rich­tung, der sich aus ei­ner kon­fes­sio­nel­len Aus­rich­tung ih­rer geschäftsführen­den Mit­glie­der er­ge­ben kann, aus der Auf­ga­ben­erfüllung durch An­gehöri­ge der Kir­che so­wie ih­rer Ein­fluss­nah­me auf die Tätig­keit der Ein­rich­tung und die Ände­rung des Sta­tuts. Wei­ter­hin Re­le­vanz be­sit­zen die Wirt­schaftsführung, die Ge­winn­ver­wen­dung so­wie ein et­wa vor­ge­se­he­ner An­fall des Ge­sell­schafts­vermögens bei Auflösung oder Erfüllung des in der Sat­zung vor­ge­se­he­nen Zwecks. Sch­ließlich ist für die Zu­ord­nung der Zeit­raum der in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Ein­bin­dung in die kirch­li­che Glau­bens­ge­mein­schaft von Be­deu­tung.
In An­wen­dung die­ser von ihm un­ter Be­zug­nah­me auf zahl­rei­che Ent­schei­dun­gen des BVerfG und sei­ner selbst ent­wi­ckel­ten Grundsätze kommt
das BAG in sei­nem Be­schluss vom 05.12.2007 zu dem Er­geb­nis, dass we­der der Ge­sell­schafts­ver­trag der Be­tei­lig­ten zu 2) noch die Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks, de­ren Gel­tung die Be­tei­lig­te zu 2) sich durch ih­ren Bei­tritt im De­zem­ber 2005 un­ter­wor­fen hat, das not­wen­di­ge Maß an Ein­fluss­nah­me der Kir­che auf die Ein­rich­tung der Be­tei­lig­ten zu 2) be­gründen könn­ten. Zwar könne die Evan­ge­li­sche Kir­che im Rhein­land nach Maßga­be ih­res Dia­ko­nie­ge­set­zes vom 14.01.2005 hin­rei­chen­den Ein­fluss auf ihr zu­ge­ord­ne­te Dia­ko­nie neh­men, doch set­ze sich die­ser im Verhält­nis zur Be­tei­lig­ten zu 2) nicht fort. Die Or­gan­ver­tre­ter der Be­tei­lig­ten zu 2) müss­ten kei­ne haupt­amt­li­chen Kir­chen­ver­tre­ter sein oder der Evan­ge­li­schen Kir­che an­gehören; die Kir­che ha­be in­so­weit auch kein Mit­be­stim­mungs­recht. Nach dem Ge­sell­schafts­ver­trag könne das Dia­ko­ni­sche Werk wei­ter­hin kei­ne für es ne­ga­ti­ve „Sat­zungsände­run­gen“ ver­hin­dern oder Ein­fluss auf die Vermögens­ver­wal­tung und Wirt­schaftsführung neh­men. Sch­ließlich rei­che die in der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks ent­hal­te­ne Möglich­keit des Aus­schlus­ses der Be­tei­lig­ten zu 2) nicht aus, um auf de­ren re­li­giöse Tätig­keit Ein­fluss zu neh­men. Da es sich bei der Be­tei­lig­ten zu 2) nicht um ei­ne his­to­risch mit der Evan­ge­li­schen Kir­che ver­bun­de­ne In­sti­tu­ti­on han­de­le, lau­fe die­se selbst bei Aus­schluss aus der Dia­ko­nie nicht Ge­fahr, um ih­re Glaubwürdig­keit und ih­ren Be­stand fürch­ten zu müssen, zu­mal man­gels An­fall­klau­sel kei­ne un­mit­tel­bar nach­tei­li­gen wirt­schaft­li­chen Fol­gen im Raum stünden.
Al­lein mit der feh­len­den sat­zungsmäßigen Ab­si­che­rung des ver­wal­ten­den und ord­nen­den Ein­flus­ses der Kir­che auf die Be­tei­lig­te zu 2)sei al­ler­dings ei­ne § 118 Abs. 2 Be­trVG ver­nei­nen­de Ent­schei­dung nicht zu be­gründen. Möglich sei, dass die Ein­fluss­nah­me der Kir­che auf an­de­re Wei­se si­cher­ge­stellt sei, die auch das Zurück­blei­ben des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges der Be­tei­lig­ten zu 2) hin­ter die Min­dest­an­for­de­run­gen an die Sat­zung von Mit­glie­dern des Dia­ko­ni­schen Werks plau­si­bel mach­ten. Eben­falls ir­re­le­vant sei ei­ne bis­lang un­ter­blie­be­ne Sank­tio­nie­rung die­ses Zurück­blei­bens durch das Dia­ko­ni­sche Werk, so­lan­ge zu­min­dest die Möglich­keit hier­zu be­ste­he.
Da­her ha­be die Be­tei­lig­te zu 2) – nach Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits zu ver­deut­li­chen, in wel­cher Form die Evan­ge­li­sche Kir­che tatsächli­chen Ein­fluss auf die re­li­giöse Tätig­keit in der Ein­rich­tung Ein­fluss neh­men und ob sie sich hier­bei ge­genüber der Geschäftsführung im Fal­le ei­nes Dis­sen­ses durch­set­zen könne. Darüber hin­aus sei der Be­tei­lig­ten zu 2) Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zur Be­deu­tung der Sank­ti­onsmöglich­kei­ten des Dia­ko­ni­schen Werks und zu den Gründen für die Auf­nah­me der Be­tei­lig­ten zu 2) trotz des Zurück­blei­bens des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges hin­ter den vom Dia­ko­ni­schen Werk auf­ge­stell­ten Min­dest­an­for­de­run­gen für die in­ne­re Ord­nung sei­ner Mit­glie­der zu ge­ben.
Die Kam­mer zieht – auch so­weit die Be­tei­lig­ten den In­halt des Be­schlus­ses vom 05.12.2007 un­ter­schied­lich in­ter­pre­tie­ren – aus den Vor­ga­ben des Bun­des­ar­beits­ge­richts die fol­gen­den Schlüsse:
(1) Auf­ga­be des Ge­richts ist es, die Umstände auf­zuklären, aus de­nen sich Rück­schlüsse auf die Möglich­keit ei­ner Ein­fluss­nah­me des Dia­ko­ni­schen Werks bzw. der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land auf die re­li­giöse Tätig­keit der Be­tei­lig­ten zu 2) zie­hen las­sen, und die­se ge­mein­sam mit den be­reits vor­her be­kann­ten As­pek­ten – al­so vor al­lem dem In­halt des Ge­sell­schafts­ver­trags der Be­tei­lig­ten zu 2) – ei­ner Ge­samtwürdi­gung im Hin­blick auf die Durch­set­zungsfähig­keit der Kir­che im Dis­sens­fall zu un­ter­zie­hen. Da­bei wer­den die ge­richt­li­che Kon­troll­dich­te und der aus­zuschöpfen­de Wer­tungs­spiel­raum nicht da­durch zu­guns­ten ei­ner Kirch­lich­keit der Be­tei­lig­ten zu 2) be­ein­flusst, dass die Be­tei­lig­te zu 2) und die Evan­ge­li­sche Kir­che das Al­fried Krupp Kran­ken­haus oh­ne wei­te­res als kirch­li­che Ein­rich­tung an­er­ken­nen und dar­aus grund­recht­li­che Fol­ge­run­gen für die Ent­schei­dungs­fin­dung im vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren zie­hen. Vor­lie­gend geht es nämlich nicht um die ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Rück­sicht­nah­me staat­li­cher Ge­rich­te ge­genüber in­ner­kirch­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten, de­ren au­to­no­me
Ord­nung und Durchführung den Kir­chen über Art. 140 GG iVm Art. 137 Abs. 3 WRV ga­ran­tiert ist, son­dern um die vor­aus­lie­gen­de Fra­ge, ob ei­ne Ein­rich­tung über­haupt ei­ne kirch­li­che ist oder bloß ei­ne welt­li­che Ein­rich­tung als kirch­li­che de­kla­riert wird. Gölte an­de­res, genügte im Fal­le ei­ner durch Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk be­gründe­ten in­sti­tu­tio­nel­len Ver­bin­dung zwi­schen Kir­che und Ein­rich­tung im Zwei­fel die bloße Rechts­be­haup­tung, es lie­ge ei­ne kirch­li­che Ein­rich­tung vor, um ei­ne an­er­ken­nen­de Ent­schei­dung im Rah­men des § 118 Abs. 2 Be­trVG zu er­rei­chen. Je­den­falls hätte das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Be­schluss vom 05.12.2007 dann die sat­zungsmäßige Möglich­keit des Aus­schlus­ses der Be­tei­lig­ten zu 2) aus dem Dia­ko­ni­schen Werk im Hin­blick auf das er­for­der­li­che „Min­dest­maß an Ord­nungs- und Ver­wal­tungstätig­keit“ genügen las­sen müssen. Tatsächlich er­kennt das BAG in sei­nem Be­schluss in­so­weit ge­ra­de kein Ge­bot der „grund­rechts­scho­nen­den Zurück­hal­tung der Ar­beits­ge­rich­te“ (vgl. Rdz. 34) an und ein sol­ches lässt sich auch nicht der Ent­schei­dung des BVerfG im Be­schluss vom 09.12.2008 (Az. 2 BvR 717/08) ent­neh­men, in dem es al­lein um die Ju­di­ka­tur in­ner­kirch­li­cher Rechts­ak­te ging.
(2) Ent­schei­dend kommt es auf das Vor­lie­gen hin­rei­chen­der Ein­flussmöglich­kei­ten der Kir­che auf die Be­tei­lig­te zu 2) an, so­weit es um die re­li­giöse Betäti­gung im Al­fried Krupp Kran­ken­haus geht. Das be­deu­tet nicht, dass die Evan­ge­li­sche Kir­che von be­ste­hen­den Ein­flussmöglich­kei­ten auch Ge­brauch ma­chen müss­te oder es gar zur Ver­deut­li­chung des Ein­flus­ses der Kir­che auf die Exis­tenz ent­spre­chen­der Bei­spielsfälle in der Ver­gan­gen­heit ankäme. Das be­deu­tet aber auch nicht, dass die Evan­ge­li­sche Kir­che sich im Sin­ne ei­nes Ver­zichts jeg­li­cher Ein­flussmöglich­kei­ten dau­er­haft entäußern könn­te, oh­ne ei­nen sol­chen Ver­zicht ein­sei­tig wie­der rückgängig ma­chen zu können. Und es genügt schließlich nicht, dass die Evan­ge­li­sche Kir­che zwar ei­nen Ein­fluss in re­li­giösen An­ge­le­gen­hei­ten „gel­tend ma­chen“ kann, der Er­folg ih­rer Bemühun­gen aber von ei­nem „good will“
auf Sei­ten der Be­tei­lig­ten zu 2) abhängig ist. Es müssen viel­mehr „recht­li­che und tatsächli­che Verhält­nis­se“ vor­lie­gen, die der Evan­ge­li­schen Kir­che ei­ne dau­er­haf­te Ein­flussmöglich­keit si­chern und da­her ge­ra­de nicht auf „oh­ne größeren Auf­wand re­vi­si­blen Ent­schei­dun­gen“ der Be­tei­lig­ten zu 2) be­ru­hen, wie die Be­tei­lig­te zu 2) auf Blatt 8 ih­res Schrift­sat­zes vom 25.11.2008 zu Recht ausführt.
(3) Die Ein­flussmöglich­keit der Evan­ge­li­schen Kir­che muss sich auf die re­li­giöse Tätig­keit der Be­tei­lig­ten zu 2) be­zie­hen. Das be­trifft nicht nur die seel­sor­ge­ri­sche Be­treu­ung der Kran­ken­haus­pa­ti­en­ten, son­dern auch de­ren Be­hand­lung und Pfle­ge an sich. Nach dem Selbst­verständ­nis der evan­ge­li­schen und ka­tho­li­schen Kir­che be­schränkt sich die Re­li­gi­ons­ausübung nämlich nicht nur auf den Be­reich des Glau­bens und des Got­tes­diens­tes, son­dern um­fasst ins­be­son­de­re auch das ka­ri­ta­ti­ve Wir­ken. Zu die­sem gehört die kirch­lich ge­tra­ge­ne Kran­ken­pfle­ge (BAG; Be­schluss vom 31.07.2002 – 7 ABR 12/01, NZA 2002, 1409 un­ter Hin­weis auf BVerfG, Be­schluss vom 25.03.1980 – 2 BvR 208/76, BVerfGE 53, 366). In die­sem Sin­ne muss die Evan­ge­li­sche Kir­che über Möglich­kei­ten zur Un­ter­bin­dung ei­nes Dis­sen­ses verfügen, wenn es et­wa um Fra­gen der Durchführung von Schwan­ger­schafts­abbrüchen oder der Ster­be­hil­fe geht, in de­nen das christ­li­che Welt­bild in ei­nem Span­nungs­verhält­nis zu an­der­wei­ti­gen so­zia­len oder recht­li­chen An­schau­un­gen ste­hen kann.
(4) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­tei­lig­ten zu 2) liegt die „Dar­le­gungs­last für die feh­len­de Zu­ord­nung des Al­fried- Krupp-Kran­ken­hau­ses zur Evan­ge­li­schen Kir­che“ nicht beim Be­tei­lig­ten zu 1) (vgl. Blatt 7 des Schrift­sat­zes vom 25.11.2008). Da für das ar­beits­ge­richt­li­che Be­schluss­ver­fah­ren gemäß § 83 Abs. 1 Satz 1 ArbGG der Un­ter­su­chungs­grund­satz gilt, trifft ei­ne Dar­le­gungs­last im ei­gent­li­chen Sin­ne kei­nen der Be­tei­lig­ten. Weil al­ler­dings die zu be­wer­ten­den in­halt­li­chen und per­so­nel­len Ein­flussmöglich­kei­ten der Sphäre der
Be­tei­lig­ten zu 2) und der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land bzw. dem Dia­ko­ni­schen Werk zu­zu­ord­nen sind, ob­liegt der Be­tei­lig­ten zu 2) schon auf­grund ih­rer Sachnähe ei­ne aus § 83 Abs. 1 Satz 2 ArbGG ab­leit­ba­re primäre Mit­wir­kungs­pflicht. In die­sem Sin­ne hat das BAG in sei­nem Zurück­ver­wei­sungs­be­schluss vom 05.12.2007 an meh­re­ren Stel­len (Rdz. 28, 54) aus­geführt, die Be­tei­lig­te zu 2) ha­be (durch wei­te­ren Sach­vor­trag) die Ein­flussmöglich­kei­ten der Kir­che auf die Be­tei­lig­te zu 2) zu „ver­deut­li­chen“. In­so­weit sei ihr Ge­le­gen­heit zu ergänzen­dem Sach­vor­trag zu ge­ben.
Die von der Be­tei­lig­ten zu 2) nach er­neu­ter Anhörung in das Be­schluss­ver­fah­ren ein­geführ­ten Umstände be­gründen kei­ne nen­nens­wer­ten Möglich­kei­ten der Ein­fluss­nah­me der Evan­ge­li­schen Kir­che auf die Be­tei­lig­te zu 2) in re­li­giösen Fra­gen und vermögen auch un­ter ergänzen­der Berück­sich­ti­gung der Ge­stal­tung des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges der Be­tei­lig­ten zu 2) und der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der Kam­mer nicht zu ver­mit­teln, dass es sich beim Al­fried Krupp Kran­ken­haus in Es­sen-Rütten­scheid um ei­ne kirch­li­che Ein­rich­tung im Sin­ne des § 118 Abs. 2 Be­trVG han­delt.
(1) Der am 14.03.2007 kon­sti­tu­ier­te Bei­rat be­sitzt gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges der Be­tei­lig­ten zu 2) aus­sch­ließlich be­ra­ten­de Funk­ti­on in phil­an­thro­pi­schen, Kon­fes­si­ons­fra­gen und sol­chen Fra­gen, die das Verhält­nis der Ge­sell­schaft zu den christ­li­chen Kir­chen berühren. Sei­ne Mit­glie­der müssen gemäß § 11 Abs. 2 teil­wei­se – nicht not­wen­dig mehr­heit­lich – ei­ner christ­li­chen Kir­che an­gehören bzw. ein Amt in Kir­che oder Dia­ko­nie ausüben, können aber von den
Ge­sell­schaf­tern der Be­tei­lig­ten zu 2) – sprich der Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Stif­tung – je­der­zeit und oh­ne Be­gründung ab­be­ru­fen wer­den. Schon das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die Exis­tenz ei­nes Bei­rats in die­ser Aus­ge­stal­tung als un­ge­eig­net ein­ge­stuft, was die Be­gründung der Kirch­lich­keit der Ein­rich­tung an­be­trifft. Dass dem Bei­rat fak­tisch ei­ne über sei­ne im Ge­sell­schafts­ver­trag de­fi­nier­te Rol­le hin­aus­ge­hen­de Ein­flussmöglich­keit zukäme, ist nicht er­sicht­lich. Ei­ne ver­bind­li­che Erklärung der Ge­sell­schaf­te­rin, sie neh­me ih­re Rech­te aus § 11 des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges nicht wahr, liegt nicht vor. Ins­be­son­de­re fehlt es an An­halts­punk­ten dafür, die Ge­sell­schaf­te­rin der Be­tei­lig­ten zu 2) un­ter­wer­fe sich in Fal­le ei­nes Dis­sen­ses in re­li­giösen Fra­gen trotz der an sich nur be­ra­ten­den Funk­ti­on des Bei­rats des­sen ver­bind­li­chem Vo­tum und se­he auch in Kon­fliktfällen von ei­ner mögli­chen Um­be­set­zung des Bei­rats ab. So ge­se­hen stellt sich die ak­tu­el­le per­so­nel­le Zu­sam­men­set­zung des Bei­rats als je­der­zeit re­vi­si­ble Mo­ment­auf­nah­me dar. Auch die Ver­ab­schie­dung der Seel­sor­ge­grundsätze vom 04.06.2007 be­legt kei­ne nen­nens­wer­ten Ein­flussmöglich­kei­ten des Bei­rats. Die Ver­ab­schie­dung er­folg­te in Ab­stim­mung mit der Geschäftsführung. Da­von, dass die Be­tei­lig­te zu 2) an den In­halt der Grundsätze – und sei es für ei­nen be­grenz­ten Zeit­raum – ge­bun­den wäre, ist kei­ne Re­de. Es han­delt sich um die ein­ver­nehm­li­che Be­schrei­bung ei­nes sta­tus quo, mehr nicht.
(2) Eben­falls kei­ne nen­nens­wer­ten Ein­flussmöglich­kei­ten von Kir­che und Dia­ko­nie ma­ni­fes­tie­ren sich in der Erklärung der Be­tei­lig­ten zu 2) vom 15.05.2007 zur Gel­tung des Dia­ko­ni­schen Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce Ko­dex (DGK). In de­ren Präam­bel ist zwar von ei­ner Ver­bind­lich­keit der Erklärung die Re­de, doch verhält sich der DGK selbst mit na­he­zu kei­nem Wort zum Verhält­nis der Be­tei­lig­ten zu 2) bzw. de­ren Or­ga­nen zur Evan­ge­li­schen Kir­che und zum Dia­ko­ni­schen Werk. Ins­be­son­de­re sta­tu­iert der DGK kei­ne Be­richts- oder Re­chen­schafts­pflich­ten der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung und der Geschäftsführung die­sen
ge­genüber, noch stellt er in­halt­li­che Vor­ga­ben an die Tätig­keit der Or­ga­ne im Sin­ne ei­ner Aus­rich­tung an christ­li­chen Grundsätzen auf. Viel­mehr wird bei­spiels­wei­se in Zif­fer 1.2 of­fen for­mu­liert, die Geschäftsführung er­ar­bei­te Vor­schläge für die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung des Kran­ken­hau­ses, um die­se mit dem Ge­sell­schaf­ter – und nur mit die­sem – ab­zu­stim­men. Al­lein in Zif­fer 1 des DGK fin­det die Kir­che Erwähnung, nämlich in­so­weit, als bei der Be­set­zung der Or­ga­ne des Kran­ken­hau­ses auf ei­ne Bin­dung der Mit­glie­der an die Kir­che so­wie auf ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che per­so­nel­le Ver­bin­dung zur Kir­che zu ach­ten ist. Die­ser Pas­sus ist nicht nur in­halt­lich un­be­stimmt, er reicht auch nicht über die be­reits in § 5 Satz 2 des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges ent­hal­te­ne Be­stim­mung hin­aus, wo­nach die Mit­glie­der der Or­ga­ne ei­ner christ­li­chen Kir­che an­gehören sol­len. Die­se wie­der­um ist vom BAG be­reits in sei­nem Be­schluss vom 05.12.2007 an­ge­spro­chen (dort Rdz. 46) und für nicht hin­rei­chend er­ach­tet wor­den.
(3) Er­sicht­lich kei­ne Be­deu­tung kommt dem von der Be­tei­lig­ten zu 2) veröffent­lich­ten Leit­bild und dem In­halt der in Vor­be­rei­tung des Anhörungs­ter­mins vom 16.12.2008 über­reich­ten Broschüren zur Selbst­dar­stel­lung und Pa­ti­en­ten­in­for­ma­ti­on des Al­fried Krupp Kran­ken­hau­ses zu. Ähn­lich wie in den Seel­sor­ge­grundsätzen wer­den dar­in nur Aus­sa­gen zur ge­genwärti­gen kirch­li­chen Aus­rich­tung des bzw. der Kran­kenhäuser der Be­tei­lig­ten zu 2) ge­trof­fen, nicht aber Ein­flussmöglich­kei­ten der Kir­che be­gründet, die tatsächlich nicht ge­ge­ben sind. Auch lässt sich nicht sa­gen, dass die Be­tei­lig­te zu 2) mit der Veröffent­li­chung sol­cher In­for­ma­tio­nen das Selbst­bild ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung in ei­nem Maße prägte, die ihr ei­ne späte­re Ab­kehr von der Kir­che we­gen ei­nes zu befürch­ten­den An­se­hens­ver­lus­tes in der Bevölke­rung er­schwer­te. Wie schon das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Be­schluss vom 05.12.2007 (Rdz. 49) aus­geführt hat, han­delt es sich bei der Be­tei­lig­ten zu 2) nicht um ei­nen his­to­risch mit der Kir­che ver­bun­de­nen Ver­band, der bei ei­ner Tren­nung
von der Kir­che um sei­ne Glaubwürdig­keit und da­mit um sei­nen Be­stand fürch­ten müss­te.
(4) Die seel­sor­ge­ri­schen An­ge­bo­te im Al­fried Krupp Kran­ken­haus be­le­gen kei­ne Ein­flussmöglich­kei­ten der Kir­che, weil sie zum ei­nen auch in nicht­kirch­li­chen Kran­kenhäusern üblich sind und zum zwei­ten nicht erst im Zu­sam­men­hang mit dem Bei­tritt der Be­tei­lig­ten zu 2) zum Dia­ko­ni­schen Werk eta­bliert wor­den sind, son­dern be­reits lan­ge Jah­re zu­vor exis­tier­ten. Nicht nach­voll­zieh­bar ist der Kam­mer im Übri­gen, was der Hin­weis auf die Tra­gung der hälf­ti­gen Per­so­nal­kos­ten des evan­ge­li­schen Kran­ken­haus­seel­sor­gers durch die Be­tei­lig­te zu 2) be­deu­ten soll. Wenn über­haupt, wird da­mit eher ei­ne Ein­flussmöglich­keit der Be­tei­lig­ten zu 2) auf die Kir­che ge­schaf­fen, als das Ge­gen­teil der Fall wäre.
(5) Über die Mit­glie­der des Bei­rats und die Per­son des Kran­ken­haus­seel­sor­gers hin­aus gibt es kei­ne per­so­nel­le Ver­bin­dung zwi­schen den Or­ga­nen der Be­tei­lig­ten zu 2) oder sons­ti­gen Be­triebs­an­gehöri­gen und der ver­fass­ten Amts­kir­che. Ins­be­son­de­re ist kein Mit­glied der Geschäfts­lei­tung haupt­amt­li­cher Kir­chen­ver­tre­ter. Darüber hin­aus kann zu­guns­ten der Be­tei­lig­ten zu 2) un­ter­stellt wer­den, dass ih­re Geschäftsführer und lei­ten­den An­ge­stell­ten im ärzt­li­chen und Ver­wal­tungs­be­reich Mit­glie­der ei­ner der christ­li­chen Kir­chen sind. Ab­ge­se­hen da­von, dass es sich hier­bei um ei­ne Mo­ment­auf­nah­me und kei­nen in der Zu­kunft un­abänder­li­chen Zu­stand han­delt, ver­mag al­lein die An­gehörig­keit die­ses Per­so­nen­krei­ses zur Evan­ge­li­schen Kir­che kei­ne hin­rei­chen­de Gewähr dafür zu bie­ten, dass sich die Kir­che im Fal­le des Dis­sen­ses in re­li­giösen Fra­gen ge­genüber der Be­tei­lig­ten zu 2) und der Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach Stif­tung als de­ren al­lei­ni­ger Ge­sell­schaf­te­rin durch­set­zen kann. Dafür sind nach Auf­fas­sung der Kam­mer die mögli­chen Gründe, de­ret­we­gen Men­schen die Mit­glied­schaft in ei­ner Kir­che an­neh­men bzw. ei­ne mögli­cher­wei­se von
Ge­burt an be­ste­hen­de Mit­glied­schaft nicht auf­ge­ben, schlicht zu viel­schich­tig. Das mag an­ders zu be­ur­tei­len sein, wenn zur Mit­glied­schaft in der Kir­che ei­ne dienst- oder ar­beits­ver­trag­li­che Ver­pflich­tung tritt, die Ar­beits­leis­tung in An­se­hung der kon­fes­sio­nel­len Grundsätze der Evan­ge­li­schen Kir­che zu er­brin­gen. Ei­ne Präam­bel, wie sie in den seit Be­ginn des Jah­res 2006 ver­wen­de­ten Dienst­verträgen der Be­tei­lig­ten zu 2) ent­hal­ten ist, ist durch­aus ge­eig­net, zu­min­dest mit­tel­bar den Ein­fluss von Dia­ko­nie und Kir­che auf die Be­tei­lig­te zu 2) zu erhöhen. Ei­ne aus­schlag­ge­ben­de Rol­le kann die­ser Um­stand aber zu­min­dest jetzt (noch) nicht spie­len, da nach Erklärung des Geschäftsführers K. im Anhörungs­ter­min am 16.12.2008 nicht mehr als 10 % al­ler Beschäftig­ten im Al­fried Krupp Kran­ken­haus in Rütten­scheid ih­re Dienst­leis­tung auf Ba­sis ei­nes sol­chen Ver­tra­ges er­brin­gen.
(6) Die Be­tei­lig­te zu 2) hat nicht über­zeu­gend erklären können, wie­so sie das Dia­ko­ni­sche Werk trotz Zurück­blei­bens ih­res Ge­sell­schafts­ver­tra­ges hin­ter den Min­dest­vor­ga­ben für die in­ne­re Ord­nung sei­ner Mit­glie­der auf­ge­nom­men hat. Im Schrift­satz vom 08.12.2008 ist in­so­weit von ei­ner „glaub­haft ver­mit­tel­ten Ernst­haf­tig­keit des Wil­lens, durch die ka­ri­ta­ti­ve Tätig­keit im Kran­ken­haus künf­tig sicht­bar dem dia­ko­ni­schen Auf­trag der Kir­che die­nen zu wol­len“ die Re­de. Das wird selbst­verständ­lich so sein, stellt je­doch nur ei­nen Grund für die Auf­nah­me an sich, nicht aber für die Er­tei­lung ei­nes Dis­pen­ses im Hin­blick auf die Min­dest­an­for­de­run­gen dar. Die­se die­nen doch ge­ra­de der Si­che­rung der Ein­fluss­nah­me der Dia­ko­nie auf „ih­re“ Ein­rich­tung auch in Zei­ten, in de­nen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten in re­li­giösen Fra­gen be­ste­hen und sich die Ein­rich­tung von christ­li­chen Grundsätzen zu ent­fer­nen droht. Des­halb kann von ei­ner In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung und Ver­ste­ti­gung des Ein­flus­ses der Kir­che nicht al­lein des­halb ab­ge­se­hen wer­den, weil die im Zeit­punkt des Bei­tritts der Ein­rich­tung für die­se han­deln­den Per­so­nen ein Be­kennt­nis zum Dia­ko­ni­schen Auf­trag ab­ge­ben, und sei die­ses noch so glaub­haft. Auch die­se Per­so­nen
können ih­re Po­si­ti­on ver­lie­ren oder ih­re Mei­nung ändern. Aus den glei­chen Erwägun­gen spielt kei­ne Rol­le, dass die Evan­ge­li­sche Kir­che der Be­tei­lig­ten zu 2) ak­tu­ell so viel Ver­trau­en ent­ge­gen ge­bracht hat, ihr An­tei­le an Lu­ther­kran­ken­haus zu veräußern.
Im Er­geb­nis bleibt fest­zu­hal­ten:
- Nach der Ge­stal­tung des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges der Be­tei­lig­ten zu 2) und in An­se­hung der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks eröff­ne­ten Hand­lungs­spek­trums wer­den kei­ne hin­rei­chen­den in­halt­li­chen oder per­so­nel­len Ein­flussmöglich­kei­ten in re­li­giösen Fra­gen auf die Be­tei­lig­te zu 2) eröff­net.
- Glei­ches gilt für die von den Be­tei­lig­ten nach Zurück­ver­wei­sung des Be­schluss­ver­fah­rens vor­ge­tra­ge­nen tatsächli­chen, oben in aa) dis­ku­tier­ten Umstände, und zwar auch in Ge­samt­schau mit dem In­halt des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges und der Sat­zung der Dia­ko­nie. An­satz­punk­te dafür, dass es wei­te­re ent­schei­dungs­re­le­van­te Sach­ver­hal­te ge­ben könn­te, die hätten er­mit­telt wer­den müssen, bo­ten sich dem Ge­richt nicht.
- Es gibt kei­ne genügen­den Gründe dafür, dass die Be­tei­lig­te zu 2) trotz des Zurück­blei­bens ih­res Ge­sell­schafts­ver­tra­ges hin­ter die Min­dest­an­for­de­run­gen für die in­ne­re Ord­nung der Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks von die­sem auf­ge­nom­men wur­de.
- Bei der Be­tei­lig­ten han­delt es sich nicht um ei­ne his­to­risch mit der Evan­ge­li­schen Kir­che ver­bun­de­ne Ein­rich­tung. Das Ge­richt hält dafür, dass es ge­ra­de in der Über­g­angs­zeit für die Zu­ord­nung zur Evan­ge­li­schen Kir­che ei­nes ord­nen­den Ein­flus­ses be­durft hätte.
Die Be­tei­lig­te zu 2) ist dem Dia­ko­ni­schen Werk bei­ge­tre­ten, oh­ne sich ih­rer Un­abhängig­keit in der Ent­schei­dung von Fra­gen zu entäußern, die den
re­li­giösen Be­reich be­tref­fen. Der Wil­le zur Be­ach­tung christ­li­cher Grundsätze ist zwar ak­tu­ell ge­ge­ben, aber frei­wil­li­ger Na­tur und oh­ne größeren Auf­wand je­der­zeit re­vi­si­bel.
Auf die Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten zu 1) war da­nach der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass auf den Be­trieb der Be­tei­lig­ten zu 2) das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz An­wen­dung fin­det.
We­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der Sa­che war gemäß § 92 Abs. 1 Satz 2 iVm § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG die Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­zu­las­sen.
Für den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ist ge­gen die Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
gez.: Bran­den­busch
gez.: Fran­ke
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References: § 83
 § 118
 § 118

§ 2
 § 2
 § 1
 § 11
 § 118
 § 118
 § 118
 § 83
 § 82
 § 83
 § 1
 § 1
 Art. 140
 § 83
 § 118
 § 118
 § 118
 Art. 140
 Art. 137
 § 118
 § 118
 Art. 140
 Art. 137
 § 118
 § 118
 Art. 140
 Art. 137
 § 118
 § 83
 § 83
 § 118
 § 11
 § 11
 § 11
 § 5
 § 92
 § 72