Source: https://www.einblasdaemmung.de/kosten-finanzierung/gesetze-und-foerderung.php?scrollTo=35c
Timestamp: 2020-07-10 10:09:26+00:00

Document:
KfW, Steuerabzug für energetische Einzelmaßnahmen n. § 35c, Haushaltsnahe Dienstleistungen § 35a.
Steuer-Ermässigungen und KfW-Förderungen
Achtung - Sie können immer nur einen Fördertopf nutzen, nicht mehrere gleichzeitig.
Ausnahme: die Mehrwertsteuersenkung, die mit jedem beliebigen anderen Fördertopf (aber immer nur einem davon nach Ihrer Wahl) "kumulierbar" ist. Also mit der neuen Föderung "20% auf alles" nach § 35c EStG oder mit KfW-Förderungen.
Befristete Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16% bis Ende 2020
20% auf alles nach § 35c EStG
20% auf Arbeitskostenanteil nach § 35a EStG (nur noch bei Brand- oder Schallschutzmaßnahmen sinnvoll)
Befristete Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16% - bis Ende 2020
Im Koalitionsausschuß vom 03.06.2020 und zuletzt im Bundesrat am 29.06.20 wurde die Mehrwertsteuersenkung ab dem 01.07.20 von 19% auf 16% beschlossen (und von 7% auf 5%, aber das betrifft uns nicht). Zum 31.12.20 soll die Regelung auslaufen, ab dem 01.01.2021 werden wieder 19% berechnet. Das Artikelgesetz dazu finden Sie hier auf den Seiten des Bundesanzeigers.
Wir geben diesen Steuervorteil weiter. Nicht nur aus Edelmut (das natürlich auch), sondern weil wir - wie alle im Handwerk und in der Bauwirtschaft - Nettopreise anbieten und erst am Schluß die MwSt aufgeschlagen wird. So kann jeder sehen, mit welchem Satz wir anbieten oder abrechnen.
Auch die Angebote, auf denen wir 19% geschrieben haben, werden mit 16% abgerechnet. Umgekehrt, wenn wir im Angebot 16% stehen haben und Sie warten bis nächstes Jahr, werden wieder 19% fällig.
Maßgeblich ist das Leistungs- oder das Fertigstellungsdatum, nicht das Angebots- oder das Rechnungsdatum. Sie sollten also mit Ihrem Auftrag möglichst nicht bis Jahresende warten, denn der Herbst ist sowieso schon die auftragsstarke Zeit bei uns und unsere Kapazitäten könnten dann ausgelastet sein.
Wir wollen hier übrigens nicht den Stab brechen über dem Einzelhandel. Bei uns geht es um weniger als 100 Rechnungen pro Monat, im Supermarkt gehen jede Woche Millionen von Artikeln über den Ladentisch. Für viele Einzelhändler bedeutet es einen erheblichen Aufwand, wegen einer vorübergehenden Steueränderung zweimal ihre brutto ausgewiesenen Preise zu ändern. Netto ausweisen dürfen sie nicht. Der Einzelhandel kann entweder den Steuervorteil einbehalten und die Kosten der Preisänderungen einsparen (Kosten haben sie dennoch für die Umstellungen der Kassensysteme), oder auf den Vorteil verzichten und obendrein die Kosten für die zwei Preisänderungen tragen. Der Einzelhandel ist eh ausgequetscht, und diese Zusatzbelastung sollte nur auf sich nehmen, wer sich das wirklich leisten kann.
Energetische Einzelmaßnahmen in selbstgenutzten Wohnhäusern nach § 35c EStG ("20% auf alles", seit 2020)
Mit dem Klimapäckchen Ende 2019 wurde der § 35c EStG neu eingeführt. Versprochen werden Steuerermäßigungen: die ersten 2 Jahre 7% der Aufwendungen, im dritten Jahr 6%, macht zusammen 20%. Lesen Sie den § 35c EStG im Wortlaut, vor allem wenn Sie noch andere Maßnahmen außer der Einblasdämmung vorhaben, denn es gibt ein paar Wortklaubereien hier und Fußangeln da. Teils ist das Thema auch unter ESanMV (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung) bekannt.
Der Unterschied zum seit 2009 geltenen § 35a EStG liegt in der Berechnungsgrundlage:
nach dem alten § 35a erhalten Sie 20% der Arbeitskosten,
nach dem neuen § 35c erhalten Sie 20% der Gesamtkosten.
Weil Gesetze ja kurz sein müssen (damit man das als "bürokratiearm" präsentieren kann), gibt es noch eine "Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c des Einkommensteuergesetzes (ESanMV)". Dort, in "§ 2 Anforderung an ein Fachunternehmen" heißt es, "(1) Fachunternehmen (...) ist jedes Unternehmen, das in den nachfolgend aufgeführten Gewerken tätig ist: (...) 5. Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten, ..." (Hervorhebungen durch den Autor dieser Seite).
Es gibt zwei Berufsbilder im WKS-Bereich (WKS = Wärme-, Kälte-, Schallisolierer):
den WKS in der Handwerkskammer, als solches ein Meisterberuf. Dort geht es primär um das Anfertigen und Montieren von Dämmschalen im Maschinenbau und in der Klimatechnik,
und den Einblasdämmer als (in der IHK organisiertes) "Handwerksähnliches Gewerbe", bei denen es den Meister nicht gibt. Hierzu zählen u.a. auch Einblasdämmer und Trockenbauer. Diese sind zu 98% in der Gebäudedämmung tätig, also genau das, worum es in der Verordnung geht.
Beide sind Wärme-, Kälte- und Schallisolierer, nur mit vollkommen anderen Techniken und in unterschiedlichen Anwendungsbereichen. An keiner Stelle ist die Verordnung auf eines dieser beiden Berufsbilder eingeschränkt, auch wenn in Anlage 1, 2 und 3 dieser Verordnung Maßnahmen aufgelistet sind (Wände, Dächer, Geschoßdecken), die klassischerweise zum Berufsbild und fachlichen Kompetenzbereich der Einblasdämmer gehören. Würde man umgekehrt die Einblasdämmer ausschließen und nur die Einblasdämmarbeiten fördern, die von den fachfremden WKS-Meisterbetrieben ausgeführt werden, dann wäre das ungefähr so, als dürften ärztliche Leistungen nur noch von Juristen ausgeführt werden, wegen des Haftungsrisikos.
Auch in der Begründung zu dieser Verordnung (Bundesrat Drucksache 663/19, ab Seite 21 der Drucksache / Seite 25 der pdf) wird nicht auf den Meisterberuf Bezug genommen. Auf Seite 25 dieser Drucksache (Seite 29 = letzte Seite der pdf, erster Absatz zweite Zeile) heißt es zwar, "Die angeführten Gewerke entsprechen den in der Anlage A der Handwerksordnung angeführten Gewerbe, deren Tätigkeitsgebiet die energetischen Maßnahmen umfasst". Um "ausländische Unternehmen, die nicht der Handwerksrolle unterfallen", nicht zu diskriminieren, "verweist die Rechtsverordnung nicht auf die Handwerksordnung, sondern benennt die einschlägigen Gewerbe". Damit ist klar, daß auch inländische Unternehmen, die nicht der Handwerksrolle unterfallen, als Fachunternehmen im Sinne dieser Verordnung gelten, sonst wären sie gegenüber ihren ausländischen Schwesterunternehmen benachteiligt.
Mehr lesen zu Fachunternehmen i.S.d. § 35c EStG und zu Mindestanforderungen
Als "Fachunternehmen für Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten" (so werden wir in § 2 Abs. 1 ESanMV bezeichnet) erteilen wir Ihnen gern die seit 31. März 2020 veröffentlichte "Bescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Muster".
Mit einem Vorbehalt: wir kennen Ihre persönliche steuerliche Situation nicht, können nicht immer die Frage "Wohn-" oder "Eigennutzung" einschätzen, die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich schnell, und das Regelwerk läßt Interpretationsspielräume offen. Daher übernehmen wir diesbezüglich keine Gewähr. Mit Restzweifeln behaftet sind aber viele Gesetze, sonst hätte ja der Bundesfinanzhof nichts zu tun. Kein Grund also für uns, die Bescheinigung nicht auszustellen.
Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienstleistungen nach § 35a EStG ("20% auf Arbeitskostenanteil", seit 2009)
Auch hier ist nur selbstgenutztes Wohneigentum förderfähig. Es wird weniger gefördert (nur die anteiligen Arbeitskosten, nicht die gesamten Kosten), aber es wird breiter gefödert (nicht nur "energetische Maßnahmen").
Durch die geringere Förderhöhe verliert der § 35a an Bedeutung. Er ist nur dann noch sinnvoll, wenn es sich entweder um keine energetische Sanierung handelt (also z.B. eine Schall- oder Brandschutzmaßnahme, die keinerlei energetische Vorteile bringt), oder wenn Sie das § 35c-Limit von 200.000 € für energetische Sanierungen ausgeschöpft haben ("der Höchstbetrag der Steuerermäßigung beträgt 40.000 Euro" heißt es im Gesetz, d.h. Maßnahmen bis 200.000 Gesamtkosten werden gefördert).
Bis 6.000 € Arbeitskosten pro Jahr x 20% = bis 1.200 € Abzugsbetrag von der Einkommensteuer (2008 war es die Hälfte). Dieser Abzugsbetrag mindert die Steuerlast und nicht etwa nur das zu versteuernde Einkommen. Die Arbeitskosten entstehen bei uns je nach Personalstärke in Höhe von ca. 400 bis 800 € je Arbeitstag und werden in unserer Rechnung bescheinigt.
Für Einzelmaßnahmen der energetischen Sanierung werden bis zu 20% von max. 50.000 € Gesamtkosten gefördert, also bis zu 10.000 € Zuschuß. Die Untergrenze liegt bei 300 € Fördergeld = 1.500 € Baukosten.
Seit es die 20%-Förderung nach §35c EStG gibt, und man sich für eines der beiden Programme entscheiden muß, werden sich die meisten für §35c EStG entscheiden, weil der Antragsweg einfacher ist.
Energieeffizient Sanieren (also umfangreiche Maßnahmenpakete) gibt es als Investitionszuschuß und als Darlehensvariante. Gefördert wird die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus unter Begleitung durch einen anerkannten Sachverständigen oder Energieberater. Je höher die KfW-Effizienzhaus-Klasse (100, 85, 70, 55), desto höher der Fördersatz (27,5%, 30%, 35%, 40%).
Vorab stellt sich die Frage, warum der Staat Dinge fördert, was er fördert und und wie er fördert. Kurz: bevor man sich in den Paragraphendschungel stürzt, sollte man sich überblickshaft fragen, ob sich der Antrags- und Rechercheaufwand überhaupt lohnt. Die Förderung nach § 35 a und c ist schnell beantragt, kompliziert ist das Regelwerk nur für die, die das genehmigen sollen. Hier ein paar Aspekte dazu, die hauptsächlich die KfW-Föderung betreffen.
Förderpolitik ist Schaufensterpolitik.
Der Fördermittelgeber will Aufmerksamkeit erzeugen und Signale setzen. Wenn Verbote und Strafen in der Umsetzung zu mühsam erscheinen, greift "der Staat" (EU, Land, Kommune ...) auch gern zu Geboten und Fördermitteln. Die Fördermittel werden ins Schaufenster gestellt und lauthals beworben ("Geld zu verschenken!!"), und der zuständige Politiker oder die amtierende Regierung hofft, dies würde sich zudem noch in Wählerstimmen auszahlen.
Problem: jeder Euro, der ausgezahlt wird, liegt nicht mehr im Schaufenster.
Das Geld soll also so lange wie möglich im Schaufenster liegen bleiben, dort hell blitzen und so langsam wie möglich abschmelzen.
Also wirbt man mit hohen Beträgen, nennt groß die zu fördernde Bausumme und in kleiner Schrift den auszuzahlenden Förderbetrag, gibt zinsverbilligte Kredite in Niedrigzinszeiten und verteilt das Geld auf mehrere Jahre, damit das aktuelle Haushaltsjahr nur einen Bruchteil der eingegangenen Verpflichtungen abbildet. Nicht gerade praktisch für den Bauherren, der ja seine Baukosten mit Abschluß der Maßnahme vollständig zahlen muß - und sei es, mit einer Bankenfinanzierung. Beliebt sind immer noch Steuervorteile, entweder als Minderung des zu versteuernden Einkommens oder als Steuerminderung. Rentner und Geringverdiener (insbes. in ländlichen Gegenden), die zwar Immobilieneigentümer sind, aber nicht reich, gehen leer aus, weil sie nicht oder nur in geringem Umfang steuerpflichtig sind. Ganz aktuell (Anfang 2020) schon wieder im § 35c EStG - sie lernen es einfach nicht.
Mißbrauchsangst und Bürokratie.
Jedes zu verschenkende Geld lockt Fachleute an, die versuchen, die Regeln maximal zu ihren Gunsten zu dehnen. Das wiederum sorgt unvermeidlich für komplizierte Regeln und lange Antragsformulare.
Gefördert werden vorrangig Dinge, die ohne Förderung nicht gemacht werden. Das kann durchaus sinnvoll sein, wenn es um Dinge mit niedrigen privaten Gewinnen und hohen gesellschaftlichen Kosten geht.
Mit eingem gegebenen Budget kann man wenige Altbauten mit viel Geld pro Haus in Passivhäuser verwandeln (so will es die KfW), oder man kann viele Altbauten mit wenig Geld pro Haus so dämmen, daß ihr Energiehunger erst einmal halbiert wird - das halten wir für sinnvoller, aber die Bundesregierung hat das noch nicht verstanden.
Alles, was sinnvoll ist und gefördert wird, bekommt einen Geruch von Sinnlosigkeit und erzeugt Mißtrauen: "Warum fördern die das, wenn es doch sowieso sinnvoll ist, wo ist hier der Haken?".
Gerade bei kleineren Einzelmaßnahmen vergeht oft ein Jahr zwischen Entschluß und Bewilligung, und dieses eine weitere Jahr mit überhöhten Heizkosten, plus Energieberater, plus eigenem bürokratischen Aufwand, ist schon größer als das Geldgeschenk vom Staat. Prüfen Sie nüchtern. Manchmal lohnt es sich, manchmal aber auch nicht, dann sollten Sie die Reißleine ziehen.

References: § 35
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