Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20165,%20330
Timestamp: 2019-07-18 01:52:40+00:00

Document:
BFH, 27.08.1991 - VIII R 84/89 - dejure.org
https://dejure.org/1991,172
BFH, 27.08.1991 - VIII R 84/89 (https://dejure.org/1991,172)
BFH, Entscheidung vom 27.08.1991 - VIII R 84/89 (https://dejure.org/1991,172)
BFH, Entscheidung vom 27. August 1991 - VIII R 84/89 (https://dejure.org/1991,172)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1991,172) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
GG Art. 103 Abs. 1; MRK Art. 6 Abs. 2; AO 1977 §§ 91, 235, 370; EGAO 1977 Art. 97 § 15; FGO § 96 Abs. 2, § 118 Abs. 2; StSäumG § 4 a
Hinterziehungszinsen - Tod - Anhörung - Steuerpflicht
§§ 235, 370 AO
Abgabenordnung; Hinterziehungszinsen auch nach dem Tod des Steuerpflichtigen
Gegenstand und Voraussetzungen der Verzinsung
BFHE 165, 330
NJW 1992, 1472 (Ls.)
BB 1991, 2436
BB 1992, 52
DB 1991, 2639
BStBl II 1992, 9
der Gründe; BFH-Urteile vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, 237, BStBl II 1989, 216, 219; vom 14. August 1991 X R 86/88, BFHE 165, 458, BStBl II 1992, 128; vom 27. August 1991 VIII R 84/89, BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9; BFH-Beschluss vom 4. März 1999 II B 52/98, BFH/NV 1999, 1185).
Im übrigen sei das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte erst nach dem vom Finanzamt angeführten BFH-Urteil vom 27.8.1991 VIII R 84/89 (BStBl II 1992, 9 ), nach welchem Art. 6 § 2 MRK auf Hinterziehungszinsen nicht anzuwenden sei, ergangen.
Der BFH habe bereits mit Urteil vom 27.8.1991 (in BStBl II 1992, 9 ) entschieden, daß Hinterziehungszinsen keine Strafe, sondern eine Abschöpfung des Zinsvorteils darstellten und daher auch vom Erben als Gesamtrechtsnachfolger verlangt werden könnten.
Die Erhebung von Hinterziehungszinsen setzt voraus, daß objektiv und subjektiv die Tatbestandsmerkmale einer Steuerhinterziehung i. S. d. § 370 AO vorliegen (vgl. BFH-Urteil vom 27.8. 1991 in BStBl II 1992, 9 ) und die Steuerhinterziehung vollendet ist.
(BFH-Urteil in BStBl II 1992, 9, 11).
Das erforderliche rechtliche Gehör können die jeweils am Verfahren Beteiligten wahrnehmen (BFH-Urteil in BStBl II 1992, 9, 11).
Der Erhebung von Hinterziehungszinsen nach dem Tod der Steuerpflichtigen, welche die Hinterziehung begangen haben, steht entgegen der Auffassung des Betreuers auch Art. 6 § 2 MRK nicht entgegen (BFH-Urteil in BStBl II 1992, 9 ; Tipke / Kruse, AO , § 235 Tz. 5).
Diese Unschuldsvermutung des Art. 6 § 2 MRK gilt für Sanktionen im konkreten Strafverfahren, nicht für steuerrechtliche oder zivilrechtliche Ansprüche aufgrund einer strafbaren Handlung (BFH-Urteil in BStBl II 1992, 9, 12 m. w. N.).
Der daraus gezogene Schluß, daß die Beteiligung an der A-AG dem Betrieb der M-KG diente, ist für den Senat bindend (§ 118 Abs. 2 FGO); er ist möglich und verstößt weder gegen die Denkgesetze noch gegen allgemeine Erfahrungssätze (zu diesen Voraussetzungen vgl. etwa BFH-Urteil vom 27. August 1991 VIII R 84/89, BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9 unter 3. b der Gründe;… Gräber/Ruban, a.a.0., § 118 Rdnr. 23, m.w.N.).
Hängt die Rechtmäßigkeit eines Zinsbescheids davon ab, daß Steuern hinterzogen worden sind, so müssen zur Bejahung der Rechtmäßigkeit des Bescheids die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale einer Steuerhinterziehung vorliegen (vgl. BFH-Urteil vom 27. August 1991 VIII R 84/89 BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9).
Eine strafrechtliche Verurteilung des Täters ist nicht erforderlich (BFH in BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9).
Die Gesamtwürdigung durch das FG bindet das Revisionsgericht selbst dann, wenn sie nicht zwingend ist; sie muß nur möglich sein (BFH in BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9).
Ebenfalls zutreffend ist die Auffassung des FG, dass es der Festsetzung von Hinterziehungszinsen gegen den Schuldner der hinterzogenen Steuer nicht entgegensteht, wenn er an der Steuerhinterziehung nicht mitgewirkt hat (BFH-Urteil vom 27. August 1991 VIII R 84/89, BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9).
Zu den der Bindung unterliegenden Feststellungen gehören auch die Schlussfolgerungen tatsächlicher Art auf das Vorliegen bestimmter subjektiver Tatbestandsmerkmale - wie hier gemäß § 25d Abs. 1 Satz 1 UStG: Absicht und Vorsatz (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 27. August 1991 VIII R 84/89, BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9, unter 3. b).
Die Gesamtwürdigung durch das FG bindet das Revisionsgericht auch dann, wenn sie zwar nicht zwingend, aber möglich ist (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil in BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9, unter 3. b).
Dass auch eine andere Schlussfolgerung möglich gewesen wäre, reicht zur Aufhebung der Bindung nicht aus (ständige Rechtsprechung; z.B. BFH-Urteile vom 27. August 1991 VIII R 84/89, BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9;… vom 20. September 1994 VII R 40/93, BFH/NV 1995, 485; vom 9. Mai 2000 VIII R 77/97, BFHE 192, 445, BStBl II 2000, 660).
Die Unschuldsvermutung gilt zudem nicht für steuerrechtliche Ansprüche (vgl. BFH-Urteil vom 27. August 1991 VIII R 84/89, BFHE 165, 330, 335, BStBl II 1992, 9, 12).
Vermögensteuer-Hinterziehung - Festsetzung von Hinterziehungszinsen gegen die …
Wie der BFH unter Bezugnahme auf eine seit langem bestehende Rechtsprechung nochmals mit Urteil vom 27. April 1991 VIII R 84/89 (BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9) entschieden hat, kann zu dem Zweck, Steuern oder steuerliche Nebenleistungen festzusetzen, auch noch nach dem Tod der Steuerpflichtigen festgestellt werden, dass sie den Tatbestand der Steuerhinterziehung verwirklicht haben.
Das Recht auf Gehör gemäß Art. 103 Abs. 3 des Grundgesetzes (GG) i.V.m. § 96 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) steht in derartigen Fällen den am Verfahren Beteiligten --im Streitfall der Klägerin-- zu (vgl. dazu BFH-Urteil in BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9, 11).
Ihr kommt auch bei weiter Auslegung kein Strafcharakter im Sinne der EMRK zu (vgl. dazu auch BFH-Urteil in BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9, 12).
Diese Einschätzung ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden, denn der persönliche Eindruck vom Steuerpflichtigen kann für die Überzeugungsbildung des Gerichts ohne Bedeutung sein, wenn sich aus Äußerungen des Steuerpflichtigen, Urkunden oder sonstigen Indizien eindeutig ein Hinterziehungsvorsatz ergibt (BFH-Urteil vom 27. August 1991 VIII R 84/89, BFHE 165, 330, BStBl II 1992, 9).
BFH, 02.04.1998 - V R 60/97
BFH, 21.07.1993 - IX R 9/89
Entgelt für den Verkauf eines bodenschatzführenden Grundstücks als Einkünfte aus …
BFH, 23.10.2003 - VII B 155/03
FG Hessen, 18.01.2007 - 13 K 68/06
Keine Steuerhinterziehung, wenn sich durch Berücksichtigung von …
BFH, 08.04.1993 - X B 22/92
Grundsätzliche Bedeutung der Frage der Pflicht zum Tragen der Feststellungslast …
BFH, 04.11.1996 - I B 24/95
FG Hamburg, 20.06.2000 - V 71/00
BFH, 21.11.1995 - VII R 30/95
FG München, 16.06.1995 - 1 K 1101/93
Erhebung von Zinsen für hinterzogene Steuern; Hinterziehung von Steuern wegen …

References: Art. 103
 Art. 6
 Art. 97
 § 15
 § 96
 § 118
 § 4
 Art. 6
 § 2
 § 370
 Art. 6
 § 2
 § 235
 Art. 6
 § 2
 § 118
 § 25
 Art. 103
 § 96