Source: http://gabnet.com/buch/homes1.htm
Timestamp: 2018-11-14 05:18:29+00:00

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Alexander Markus Homes: GESTOHLENE KINDHEIT
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Das Jugendamt Trier mußte für meine Unterbringung in das St. Vincenzstift nachträglich eine vormundschaftsgerichtliche Genehmigung einholen. Der Grund: Das St. Vincenzstift galt - damals - als geschlossene Anstalt. Dem Antrag vom 18. April 1966 war ein ausgefüllter "Ärztlicher Fragebogen für idiotische oder epileptische Kinder" vom 19. August 1965 beigefügt. Das Jugendamt Trier deklarierte diesen bereits acht Monate alten "Ärztlichen Fragebogen", der durchaus im Dritten Reich den (NS-)Ärzten als Standard-Fragebogen gedient haben könnte, an das Gericht als "amtsärztlichen Untersuchungs­bericht". Obwohl die Fragen bezüglich der "Idiotie und des Schwachsinns" in keiner Weise beantwortet, geschweige aus medizinischer und psychiatrischer Sicht fundiert bestätigt wurden, also eine entsprechende Indikation nicht bejaht worden ist, gab der Amtsgerichtsrat Dr. K. vom Amtsgericht Rüdesheim am Rhein dem Antrag statt.
Unter "II. Fragen über Idioten, Schwachsinnige" wurde bei Punkt 1. abgefragt: "Ist der Schwachsinn angeboren? Oder in welchem Alter zuerst beobachtet worden?". Die Medizinalrätin Dr. R. von der Gesundheits­behörde der Stadt Trier beantwortete die Frage wie folgt: "Nach dem Bericht des Jugendamtes Trier wurde der Junge von klein auf vernachlässigt und mißhandelt." Unter Punkt 2. wurde abgefragt: "Was hält man für die Ursache des Schwachsinns: Erblichkeit, Krankheiten, Verletzungen, geistige Anstrengung, heftige Gemüts­bewegungen wie Furcht, Schrecken?". Hier verwies die Medizinalrätin auf Ziffer I. Dort wurde unter den Punkten 11. und 12. abgefragt: "Sind oder waren die Eltern blutsverwandt? Sind oder waren die Eltern dem Trunke ergeben? oder syphilitisch infiziert vor der Geburt des Kindes? Sind bei des Kindes Großeltern, Großonkeln oder Großtanten, bei den Eltern, Onkeln, Tanten, bei Vettern oder Basen oder bei den Geschwistern des Kindes irgendwelche nervöse Erkrankungen, insbesondere Geistesstörung, Fallsucht, Hysterie, Migräne oder Selbstmord oder Verbrechen vorgekommen? Bei wem?" Beide Fragen wurden von ihr mit: "Nicht bekannt" beantwortet.
Das St. Vincenzstift war für mich damals die "Hölle auf Erden": Im "Namen Gottes", im "Namen Jesu Christi", im Namen der "Schwarzen Pädagogik" wurden Kinder und Jugendliche (sicherlich nicht alle!) zum Teil schlimmsten körperlichen und seelischen Mißhandlungen wehr- und hilflos ausgesetzt bzw. unterworfen. Wenn ich die Formulierung: im "Namen Gottes" bzw. im "Namen Jesu Christi" hier verwende, so hat das seine Berechtigung: Uns wurde immer wieder zu verstehen gegeben, daß wir von den Stellvertretern Gottes und Jesu Christi - konkret: im Namen und Auftrag von Gott und seinem Sohn Jesus Christus - erzogen wurden. Der liebe Gott sei allgegenwärtig, er würde uns auf Schritt und Tritt verfolgen, beobachten, kontrollieren. Jede körperliche Bewegung, jeder Atemzug, jeder Gedanke und jede Gefühlsregung würde Gott seinen Stellvertretern mitteilen. Kurzum: Gott habe die göttliche überirdische Fähigkeit, uns mit seinen Augen und Ohren zu kontrollieren: jede Sekunde, Minute, Stunde, Tag, Monat und Jahr.
Zwei Tage nach dem Gespräch in Düsseldorf erreichte mich erneut eine Fassung der Seiten mit Änderungs­wünschen, die sich kaum von den vorherigen unterschied: Der Verleger wollte von der Vereinbarung in Düsseldorf plötzlich nichts mehr wissen. Nachdem ich in wesentlichen Punkten meine Zustimmung verweigerte, lehnte dieser, als habe er auf diesen Moment gewartet, einen Nachdruck ab mit dem Hinweis, eine Vereinbarung für den Nachdruck habe es nicht gegeben.
In der Bundesrepublik Deutschland werden AutorInnen zwar nicht weggesperrt und/oder ermordet, doch auch hier sind sie manchmal nicht sicher vor Verfolgung! Auch hier findet Zensur und eine Art inquisitorische Bücherverbrennung in moderner Form statt.
Einer derartigen Verfolgung und Bücherverbrennung ist der Autor Homes durch die klerikale Amtskirche ausgesetzt. Das Buch des Autors "Gestohlene Kindheit", das 1996 im katholischen Patmos Verlag erschien und 1998 als Taschenbuch im Ullstein Buchverlag, wird seit März 1999 vom Ullstein Buchverlag nicht mehr ausgeliefert.
"Gestohlene Kindheit" beschäftigt sich mit zum Teil schwersten Misshandlungen in bundesdeutschen Heimeinrichtungen - und mit der verantwortlichen Rolle der jeweils betroffenen Heimleitung und Heimträger, die teilweise von schweren Menschenrechtsverletzungen Kenntnis hatten und zunächst schwiegen und zu spät reagierten. Auf den wenigen Seiten, die sich mit dem St. Vincenzstift beschäftigen, geht der Autor auch kurz auf seine eigene Kindheit ein. Eine Kindheit, die streckenweise von Angst und Gewalt geprägt war. Im St. Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen musste der Autor zwischen 1966 und 1975 ein Teil seiner Kindheit und Jugendzeit verbringen. Diese Zeit im St. Vincenzstift hat nach Überzeugung des Autors viele der dort damals untergebrachten Menschen zu Opfern einer menschenverachtenden klerikalen Heimerziehung gemacht.
Adrian Raine von der Universität Südkalifornien untersuchte 4269 Jungen, denen in früher Kindheit körperliche und seelische Gewalt angetan wurde und die mißbraucht worden sind. Raine fand heraus, daß sie alle bis zum 18. Lebensjahr dreimal soviele Gewaltvergehen begangen hatten wie andere Jugendliche (Frankfurter Rundschau, 14.10.1995).
Der Direktor des Kemperhofs, Pater K.-H. B., scheint an der Aufklärung dieser Vorfälle nicht sonderlich interessiert gewesen zu sein. Fragenden Reportern knallte er mit den Worten: "Keine Fragen mehr!" die Tür vor der Nase zu. Er zeigte sich überrascht, daß der Fall an die Öffentlichkeit gelangt sei. Die Super Sonntag, eine in Koblenz erscheinende Sonntagszeitung, schrieb: "Offenbar gilt hinter den dicken Mauern des historischen Gebäudes der Grundsatz: Schweigen ist besser als Reden.
"Heimleiter P. hält einen Jugendlichen mit einer Hand an den Haaren fest und schlägt ihm mit der anderen mehrfach ins Gesicht. Später nötigt er den Mißhandelten unter Drohungen zu dem Versprechen, ihn nicht wegen Körper­verletzung anzuzeigen."
Zahlreiche schriftliche Eingaben und schriftliche Aussagen von Erziehern an das Bistum Mainz, in denen umfangreich über schwere Mißhandlungen berichtet wurden, blieben unbeantwortet. Das Bistum reagierte erst aufgrund weiterer Eingaben mit dem Hinweis, der Priester und Heimleiter P. würde die Vorwürfe bestreiten. Erst nachdem die Staatsanwaltschaft Darmstadt gegen den Priester wegen schwerer Körper­verletzung Ermittlungen aufnahm und die Presse über den Fall berichtete, ging das Bistum in die Offensive.
Kirchenmann Lehmann, dem das Leid der betroffenen Heimkinder sicherlich immer noch sehr nahe geht, hat die skandalöse und menschenverachtende Erklärung seines Leitenden Rechtsdirektors und Justitiars, H. B., zu verantworten, der im Hinblick darauf, daß das Bistum Mainz seit spätestens Anfang 1992 über ausreichende Kenntnisse bezüglich der Mißhandlungs­vorwürfe verfügte - und weder die Öffentlichkeit, noch das Landesjugendamt Hessen - Heimaufsicht - im Rahmen der vorgeschriebenen Meldepflicht, noch die Strafermittlungsbehörden einschaltete -, in den Mainzer Bistumsnachrichten vom 27. November 1996 erklärte:
In seiner Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende Richter, einige der Kinder sind gerade wegen sexueller bergriffe, denen sie in ihren Familien ausgesetzt waren, im St. Josephshaus untergebracht worden. Die Öffentlichkeit dürfe daher erwarten, daß diese Kinder im Heim nicht neuerlichen sexuellen Mißhandlungen ausgesetzt würden. Züchtigungen an Kindern seien nicht hinzunehmen: "Die körperliche Unversehrtheit von Kindern ist ein hohes Rechtsgut."
Ob die Verantwortlichen der St. Josef-Stiftung - im Rahmen der heiminternen Ermittlungen - von sich aus tatsächlich an einer größtmöglichen Aufklärung der schweren psychischen und physischen Mißhandlungen interessiert waren, könnte man durchaus bezweifeln: In einem Schreiben an die "lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" drohte die Stiftung jedem mit massiver Gegenwehr, der es wagen würde, mit entsprechenden Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen. So steht in den "Mitarbeiter-Nachrichten der St. Josef-Stiftung Eisingen" vom 29. Januar 1996 geschrieben:
Während die Stiftung bei Bekanntwerden der Vorfälle im Januar 1995 zunächst (aus juristischen Gründen?) unentschlossen war, den beschuldigten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen fristlos zu kündigen (der Heimleiter F. brachte U. K. und E. G. auf anderen Gruppen unter, U. K. wurde sogar wieder Gruppenleiterin; die Suspendierungen - nicht fristlose Kündigungen - erfolgten erst, als betroffene Eltern davon erfuhren und die Presse über die Mißhandlungen berichtete), herrschte nun plötzlich eine wie auch immer geartete Rechtssicherheit, wie man unliebsame Kritiker, die möglicherweise den Mut aufbringen würden, Vorfälle von Mißhandlungen an die Öffentlichkeit zu bringen, sofort »mundtot« machen konnte: durch die Androhung einer fristlosen Kündigung und eines Strafverfahrens.
Die Gutachter kritisieren in ihrem Gutachten auch das ursprüngliche Festhalten an die beschuldigten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, denn diesen hätten "angesichts der schwerwiegenden Hinweise auf erhebliches Fehlverhalten fristlos gekündigt werden müssen. Ihre Versetzung in andere Gruppen war ein gravierender Fehler mit erheblichen atmosphärischen Konsequenzen bei Beschäftigten, Eltern und Öffentlichkeit. Nur eine fristlose Kündigung wäre - unbeschadet einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung - ein klares Signal der Einrichtung zugunsten der Bewohnerfürsorge gewesen. Ebenso bleibt das lange Festhalten am Bereichsleiter unverständlich, hier hätte ebenfalls frühzeitig eine fristlose Kündigung ausgesprochen werden sollen".
Die STERN-Mitarbeiter wurden von der Leiterin der Anstalt, der Kinderneuropsychiaterin Frau Dr. R., in die Abgründe eines Systems geführt, das "nicht förderungsfähige" Kinder im Vorschulalter "aussortiert und zur Verwahrung in Heime und psychiatrische Krankenhäuser abschiebt". Frau Dr. R. rechtfertigte gegenüber dem STERN die Käfig- und Zwingerhaltung mit einer faschistisch durchsetzten Terminologie: "Sie werden sehen, 50 von 70 Kindern hier sind Vollidioten. Denen ist es völlig egal, wo sie liegen. Die haben keine Hospitalismusschäden. Denn dazu gehört ein gewisser Intellekt." "Schlafsaal für Schlafsaal wird aufgeschlossen", so die STERN-Mitarbeiter, "Käfig an Käfig, Bett an Bett. Darin liegen gefesselte Kinder, unter Netzen zusammen­gekauerte Leiber ... Chefärztin Dr. R. führt uns in Räume, in denen Jugendliche in großen Käfigen hausen. ãWir haben hier keinen Platz für Isolierzellen. Ich bin froh, daß die Männer unserer Schwestern für die Kinder diese Hundezwinger aus Gußeisen gebaut haben. Sie haben sie schön bunt angemalt, damit sie ein bißchen freundlicher aussehen. Das ist unsere Endlösung."
In einer Anordnung über Spezialheime der Jugendhilfe, die im Einvernehmen mit den Leitern der zuständigen zentralen Organe des DDR-Staatsapparates und in bereinstimmung mit dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund - Sozialversicherung - entstanden ist, wird zum Beispiel festgehalten:
Die ÖTV schaltete daraufhin das Ministerium für Familie, Frauen, Weiterbildung und Kunst in die Aus­einander­setzung ein und führte in einem u. a. aus:
Diese dem "Beschuldigten zur Last gelegten Taten" sind, so die Staatsanwaltschaft Mosbach in ihrer - zeitgleich mit dem ergangenen Strafbefehl - vollzogenen Einstellungsverfügung vom 5. Oktober 1995, gemäß § 154 Abs. 1 StPO (Strafprozeßordnung) eingestellt worden. Eine völlige, der Strafprozeßordnung widersprechende (Fehl-)Entscheidung: § 154 Abs. 1 StPO setzt nämlich laut dem Kommentar zur Strafprozeßordnung von Kleinknecht/Meyer-Goßner* (*Fußnote: Kleinknecht/K. Meyer/L. Meyer-Goßner, Strafprozeßordnung. Gerichtsverfassungsgesetz, Nebengesetze und ergänzende Bestimmungen. Beck´sche Kurzkommentare 6, 42. neu bearb. Aufl. München 1995) voraus, daß diese zur Einstellung kommenden Tatvorwürfe "nicht beträchlich ins Gewicht" fallen und die "materiell-rechtlichen Strafzwecke in ihrem Kern nicht tangiert und nicht wesentlich beeinträchtigt werden".
"Ich möchte Ihnen sagen, daß mich Ihre Handlungsweise angewidert hat und daß Sie für mich Ihre Reputation verloren haben ... Sie wissen genau, daß Herr K. nicht der mit Vorliebe prügelnde Heimleiter ist, als der er in der Öffentlichkeit hingestellt wurde."
Der Priester und Heimleiter selbst, dem die ÖTV auch vorwarf, schon seit Ende der sechziger Jahre Kinder und Jugendliche immer wieder "massiv getreten und geschlagen" sowie Mitarbeiter "entwürdigend" behandelt zu haben (das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg bestritt die von der ÖTV in diesem Zusammenhang aufgestellte Behauptung, sie habe Kenntnis von solchen Vorfällen und sei untätig geblieben), rechtfertigte die körperliche Mißhandlung von Kindern, soweit er sie gegenüber der Staatsanwaltschaft einräumte, "als pädagogische letzte Maßnahme". Der Geistliche kennt offenbar keine wie auch immer geartete Reue: Nicht als Täter, sondern als Opfer sieht er sich: "als Opfer einer Machenschaft, als Opfer einer Kampagne, die bis in die Privatsphäre geht". Noch schlimmer: "Jetzt werde ich als massiver Schlägertyp dargestellt."
Wie sieht die strafrechtliche Bewertung aus, wenn Heimträger, Heimleitung und Geschäftsführung über ausreichende Kenntnisse hinsichtlich schwerer Mißhandlungen - einschließlich sexueller Mißbrauch - an Kinder und Jugendlichen verfügen und die Strafverfolgungsbehörden nicht durch entsprechende Anzeigen einschalten? Anders gefragt: Liegt ein strafbewehrtes Verhalten der Verantwortlichen vor, wenn sie, wie insbesondere die Fälle St. Josephshaus und St. Josef-Stift zeigen, keine Anzeige erstatten und somit eine mögliche weitere Gefährdung der ihnen anvertrauten Schutzbefohlenen billigend in Kauf nehmen? Und: Gerät nicht zwangsläufig die gesamte Heimerziehung in Verruf, wenn weder die Strafverfolgungsbehörden, noch die Öffentlichkeit, noch das zuständige Landesjugendamt - Heimaufsicht - im Rahmen der vorgeschriebenen Meldepflicht durch die Verantwortlichen, aber auch durch »untergeordnete« MitarbeiterInnen Aufklärung erfahren?
Das von Ihnen angesprochene Urteil des Bundesgerichtshofes vom 30. April 1997 zur Frage einer möglichen Strafbarkeit von Strafvollzugsbediensteten nach § 258 Abs 1, § 13 StGB (Strafvereitelung durch Unterlassen) wegen der Nichtanzeige von im Strafvollzug begangenen Straftaten ist hier bereits einer ersten Prüfung unter dem Gesichtspunkt unterzogen worden, ob gesetzgeberische Maßnahmen veranlaßt sind. Derzeit wird die Problematik mit den Landes­justiz­verwaltungen erörtert. Eine in diesem Zusammenhang diskutierte Gesetzes­änderung wäre die Statuierung einer speziellen Anzeigepflicht im Strafvollzugsgesetz.
Von der Anwendbarkeit der §§ 258m 13 StGB auf Strafvollzugsbedienstete zu trennen ist die allgemeinere Problematik der Normierung von präventiv ausgerichteten Meldepflichten im Hinblick auf Fälle sexuellen Kindesmißbrauchs. Auch diese Frage ist derzeit Gegenstand intensiver Beratungen zwischen Bund und Ländern. Gründlicher Erörterung bedürfen dabei insbesondere die Fragen, ob strafbewehrte Anzeigepflichten unabdingbar geboten sind. Bejahendenfalls wäre die schwierige Frage zu entscheiden, ob - wie von Ihnen vorgeschlagen - eine generelle strafbewehrte Anzeigepflicht in Gestalt einer Erweiterung der Ausnahme­bestimmung in § 138 Abs. 1 StGB in Betracht zu ziehen wäre, oder ob nicht spezielle Anzeige­pflichten für bestimmte betroffene Berufsgruppen genügten. Insoweit werden im Moment beispielsweise im Hinblick auf den Bereich der Jugendhilfe Änderungen im Sozialgesetzbuch VIII geprüft. Sollte sich die Statuierung von Anzeigepflichten dagegen am Ende nicht als sinnvoll erweisen, wäre für bestimmte Berufsgruppen, die gemäß § 203 StGB strafbewehrten Schweigepflichten unterliegen, an die spezialgesetzliche Regelung (auch hier käme etwa das Sozialgesetzbuch VIII in Betracht) von Anzeigebefugnissen zu denken. Ich möchte Sie um Verständnis dafür bitten, daß die abschließende Klärung der angesprochenen Fragen noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird und darf Ihnen gleichzeitig versichern, daß Ihr Schreiben bei den noch anzustellenden berlegungen Berücksichtigung finden wird."
Die öffentliche Erziehung als Beitrag zur berwindung der Erziehungsnot, in: AFET-Mitgliederrundbrief 1964, S. 34 f., hier: S. 35
Dieses Buch ist auch eine "Anklage" gegen die Heimträger und die Verantwortlichen in Heimen, die zum einen MitarbeiterInnen, die nicht schweigen und gegen die Mißachtung der Menschenwürde von jungen Menschen protestieren und Menschen­rechts­verletzungen an die Öffentlichkeit bringen (wollen), unter Hinweis auf ihre sogenannte Schweigepflicht massiv mit arbeitsrechtlichen und strafrechtlichen Konsequenzen bedrohen; und die zum anderen Eltern, die sich gegen die Mißhandlung ihrer Kinder zur Wehr setzen (wollen), mit der massiven Bedrohung entgegensetzen, ihre Söhne und Töchter zu entlassen - und die Eltern somit in der Regel erfolgreich zum Schweigen bringen.
Dieses Buch soll allen Mut machen, sich gegen das schreiende Unrecht und gegen die Rechtlosigkeit junger Menschen zur Wehr zu setzen. - Und die Menschen­rechts­verletzungen nicht durch Schweigen und Wegschauen hinzunehmen.
siehe auch: Bericht vom 17.7.2000
Autor: © Alexander Markus Homes
Erstellungsdatum 00.00.1999 G*A*B - Datum: 01.01.2000 Mail: alexandermarkushomes@web.de
© G*A*B; Überarbeitet am: ; Adresse der Webseite: http://www.gabnet.com/buch/homes1.htm

References: § 154
 § 154
 § 258
 § 13
 § 138
 § 203