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Timestamp: 2018-07-23 04:20:27+00:00

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LAG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 13.08.2010, 9 Sa 193/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 13.08.2010, 9 Sa 193/10
Schlagworte: Befristung, Einstellung
Aktenzeichen: 9 Sa 193/10
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Kaiserslautern, Urteil vom 23.03.2010, 8 Ca 1615/09
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 23.03.2010, Az.: 8 Ca 1615/09 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.09.2009 ge­en­det hat. Hilfs­wei­se ver­folgt die Kläge­rin Ansprüche auf Scha­dens­er­satz und Entschädi­gung nach § 15 AGG und ei­nen An­spruch auf An­ge­bot ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.
Ein An­spruch auf Entschädi­gung oder Scha­dens­er­satz nach § 15 AGG schei­de aus. Das Aus­lau­fen der Be­fris­tung sei ge­schlechts­neu­tral. Die Kläge­rin ge­he wei­ter selbst da­von aus, dass die nicht mehr ge­ge­be­ne Verlänge­rungsmöglich­keit der Grund für das Aus­lau­fen der Be­fris­tung ge­we­sen sei. Ei­ne dem AGG wi­der­spre­chen­de Be­nach­tei­li­gung könne al­so le­dig­lich im Hin­blick auf die Neu­ein­stel­lun­gen vor­lie­gen oder so­weit
Ar­beit­neh­mer trotz Aus­lau­fens der Be­fris­tung ei­nen un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag an­ge­bo­ten be­kom­men hätten. Die Be­klag­te ha­be von den be­fris­tet Beschäftig­ten 14 über­nom­men, da­von 8 Männer und 6 Frau­en. Ei­ne In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des § 22 AGG be­ste­he bei die­ser Auf­tei­lung der Ge­schlech­ter nicht. Die Neu­ein­stel­lun­gen im Jahr 2009 sei­en eben­falls nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­fris­tet er­folgt, ei­ne sol­che neu­er­li­che Be­fris­tung aber bei der Kläge­rin nicht möglich ge­we­sen. Ein An­spruch auf Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags be­ste­he eben­falls nicht.
auf ih­re Be­ru­fung das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 23.03.2010, Az.: 8 Ca 1615/09 ab­zuändern.
Fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der am 31.03.2009 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 30.09.2009 ge­en­det hat. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin über den 30.09.2009 hin­aus für die Dau­er des Rechts­streits als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin zu im Übri­gen un­veränder­ten
Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin € 5.175,00 brut­to abzüglich € 923,70 net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 01.10.2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, min­des­tens aber € 8.100,00 beträgt.
Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ein An­ge­bot zum Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen mit Wir­kung ab 01.10.2009 zu un­ter­brei­ten.
I. Die nach § 64 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist gemäß §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. §§ 517, 519 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Die Be­ru­fung ist so­mit zulässig.
3. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten auf den Ab­lauf der ka­len­dermäßigen Be­fris­tung ist auch nicht rechts­miss­bräuch­lich. Zu­tref­fend ist, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (25.04.2001 -7 AZR 376/00-, EzA § 1 BeschFG 1985 Nr. 25) die Aus­nut­zung ge­setz­lich eröff­ne­ter Be­fris­tungsmöglich­kei­ten im Ein­zel­fall rechts­miss­bräuch­lich sein kann, wenn ein Ver­trags­part­ner ei­ne an sich recht­lich mögli­che Ge­stal­tung in ei­ner mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­ba­ren Wei­se nur da­zu ver­wen­det, sich zum Nach­teil des an­de­ren Ver­trags­part­ners Vor­tei­le zu ver­schaf­fen, die nach dem Zweck der Norm und des Rechts­in­sti­tuts nicht vor­ge­se­hen sind. Der von der Be­klag­ten in An­spruch ge­nom­me­ne Vor­teil –hier die Nichtüber­nah­me der Kläge­rin in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis und statt des­sen die Neu­be­gründung sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se- stellt aber ei­nen sol­chen dar, der nach dem Zweck der Norm und dem Rechts­in­sti­tut ge­ra­de vor­ge­se­hen ist. Nach der Ge­set­zes­be­gründung soll­te durch die er­leich­ter­te Be­fris­tungsmöglich­keit nach § 14 Tz­B­fG in der Tat ein An­reiz zur Ein­stel­lung von mehr Ar­beit­neh­mern ge­ge­ben wer­den, wo­bei der Ge­setz­ge­ber da­von aus­ging, dass in vie­len Fällen be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se in un­be­fris­te­te münden würden (vgl. BT-Drucks. 14/4374 S. 1). Die­ses Ziel soll­te aber ge­ra­de nicht durch ge­setz­li­chen Zwang zur Be­gründung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern durch die Ent­bin­dung von die­ser Pflicht er­reicht wer­den. Der Ge­setz­ge­ber ver­trau­te dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber ein In­ter­es­se am Ver­bleib zunächst sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beit­neh­mer, die sich bewährt ha­ben, hat. In der Ge­set­zes­be­gründung heißt es aus­drück­lich, dass es dem Ar­beit­ge­ber ermöglicht wer­den soll, „sich bei Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Ver­trags­lauf­zeit oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des von ei­nem Ar­beit­neh­mer zu tren­nen. Gleich­zei­tig wird der Ar­beit­ge­ber am En­de der zweijähri­gen Höchst­be­fris­tungs­dau­er ver­an­lasst, den
Ar­beit­neh­mer ent­we­der un­be­fris­tet wei­ter­zu­beschäfti­gen oder bei ent­spre­chen­dem Beschäfti­gungs­be­darf ei­nen an­de­ren Ar­beit­neh­mer be­fris­tet ein­zu­stel­len“ (vgl. BT-Drucks. 14/4374 S. 14). Dies ver­deut­licht, dass der Ge­setz­ge­ber selbst da­von aus­ge­gan­gen ist, dass dem Ar­beit­ge­ber nach Ab­lauf der Be­fris­tung bei­de Möglich­kei­ten of­fen ste­hen, al­so auch die der Nichtüber­nah­me des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers bei gleich­zei­ti­ger Neu­be­gründung ei­nes an­de­ren, sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Die Be­klag­te hat da­mit le­dig­lich von ei­ner nach dem Ge­setz mögli­chen und vom Ge­setz­ge­ber er­kann­ten und aus­weis­lich der Ge­set­zes­be­gründung hin­ge­nom­me­nen Ge­stal­tungsmöglich­keit Ge­brauch ge­macht. Ein Rechts­miss­brauch schei­det da­her aus. Wei­te­re Ge­sichts­punk­te, die auf ei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Be­ru­fung auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch Frist­ab­lauf hin­deu­ten, macht die Kläge­rin nicht gel­tend.
V. Die Be­ru­fung der Kläge­rin war da­her mit der Kos­ten­fol­ge aus § 97 ZPO zurück­zu­wei­sen. Ein Re­vi­si­ons­zu­las­sungs­grund nach § 72 Abs. 2 ArbGG be­steht nicht.
zur Übersicht 9 Sa 193/10

References: § 15
 § 15
 § 22
 § 14
 § 64
 § 1
 § 14
 § 97
 § 72